Dr. 68. Bbonnemcnts-Bedingungen: MonnemcntS> Breis pränumerando: Tierteljährl. 3ß0 Saa, monatl. 1,10 Md. wöchentlich 28 Pfg, frei inZ Hau-Z. Einzelne Nummer S Pfg, Sonntag?» itummcr mit illustrierter Sonntag?» Beilage„Die Neue Welt" 10 Psg. Post- tidonnemcnt: 1,10 Mar! pro Monat. Eingetragen in die Post-ZeitungS- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Mar!, für das übrige Ausland I Marl pro Monat. Postadoiinemcntz nehmen an: Belgien. Dänemarl, Holland. Italien, Luxemburg, Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. 37. Jahrg. CrfctülRt tZglich außer Msuttg;. z** Vevlinev Volksblatt. Sie s»sert!onz-r keirägt für die jechsgespaltene Kolon??« geile oder deren Raum 50 Pfg„ für polltische und gewerlsälastlichc BerelnS- lind Vcrfamnilniigs-Aiizeigcil M Psg. �Alelne ZZnreigei,", das erste lfelt» gedruckte) Wort 20 Psg,. jedes weiter« Wort 10 Psg. Stellengesuche und Schlas» slellcn-Anzcigen das erste Wort 10 Psg., jedes weitere Wort 5 Psg. Worte über 15 Buchstaben zählen für Zwei Worte. Luscrate für die nächste Nummer müssen bis S Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends gevssnet. Telegramm-Wresset ,.S»aIaI«!el»oMt Berlla". Zentralorgan der foztaldemohratl feben Partei Deutfchlands. Rcdahtion; 8 Cd. 68, Lindenstrasdc 69. Fernsprecher: Amt IT, Nr. 1983. Mittwoch, den 16. März 191«. Bxpedition: 8M. 68, Lindcnstrasoc 69. Fernsprecher: Amt IT, Nr. 1981. Sie Schädigung veutichianSs durch das koruiientum. In der inneren Politik wie in der äußeren, im Vcr- fassungsleben des Reiches wie der Einzelstaaten, überall tritt die schivcre Schädigung in Erscheinung, die der borussische Geist dem Wohle und dem Ansehen des deutschen Volkes verursacht. Mehr und mehr kommt das auch den weiteren Kreisen des Volkes zum Bewußtsein. Der Kampf gegen das Borussentum, gegen die junkerliche Ausbeutcrkastc und ihre bureaukratischen Handlanger kommt zum Durchbruch auf allen Gebieten des öffentlichen Lebens. Im Vordergrund steht der Kampf für die Einführung deL NcichStagswahlrechtS in Preußen. Aber ein Volk kann nicht mit voller Leidenschaft und Wucht sich auf die Unterdrücker an der einen Stelle stürzen, wo sie in ihrer Hochburg verschanzt sind, ohne gleichzeitig ihnen überall auf den Leib zu rücken, wo sie sich festgesetzt haben. Es haben denn jetzt auch seit geraumer Zeit die Kämpfe gegen das Borussentum im Reichstag an Häufigkeit und Heftigkeit zugenommen. So kam es in der DienZtagssitzung des Reichstags zu Auseinandersetzungen über die Rotwendigkeit, den Reichs kanzler dem Reichstag wirklich verantwortlich zu machen, ferner über die Verschleppungstatik der Regierung bei der An beraumung von Neuwahlen und schließlich zu einer Debatte über die Auswärtige Politik des Reiches. Eröffnet wurde die Sitzung mit der Abstimmung über die O st m a r k e n z u l a g e. die nunmehr mit einigen Stimmen Mehrheit durch die Parteien des verkrachten Hottentottenblocks angenommen wurde. Von den Freisinnigen stimmte nur der Abg. Tracger gegen diesen Korruptionsfonds. Zum Etat des Reichskanzlers lagen noch eine Anzahl Resolutionen vor, die in einer gcschästSordnungSmäßig höchst anfechtbaren Weise von dem Präsidenten n a ch Annahme des Titels„Reichskanzler", zu dem sie eingebracht waren, zur Verhandlung gestellt lvurden. Darunter befand sich auch die sozialdemokratische Resolution betreffs Erlaß eines Reichs- gesetzes, das den Reichskanzler dem Reichstag verantwortlich macht für alle Handlungen und Unterlassungen des Kaisers und zur ernstlichen Durchführung dieser Verantwortlichkeit die Einsetzung eines Staatsgerichtshofs vorsieht. In Vertretung dieser Resolution betonte Genosse Ledebour, sie sei not- wendig geworden, da leider die Verfasfungsanträge aus dem Dezember 1908 völlig ins Wasser gefallen seien; es komme nunmehr darauf an, eine Willenskundgebung des Reichstages zu erzielen für die Verantwortlichmachung des Reichskanzlers, um dem Gedanken des demokratischen Parlamentarismus Bahn zu brechen. Ledebour räumte dann gründlich auf mit der Be- hauptung des Herrn v. Bethmann Hollweg, daß wir in Deutschland kein Parteiregiment hätten, indem er zeigte, wie das bureaukratische Regierungssystein im Interesse der junkerlichen Minderheit in weit unterdrückungssüchtigerer Weise wirtschafte, als das in parlamentarisch regierten Ländern den wechselnden, vom Volke abhängigen Regierungen überhaupt möglich sei. Die Schuld an diesem ungesunden Zustande falle aber den bürgerlichen Parteien zur Last, die dieses Regierungssysteni stützen, anstatt zu dessen Bekämpfung und Beseitigung an die Seite der Sozialdemokratie zu treten. Eine zweite sozialdemokratische Resolution, die die Bc- grenzung der Frist für die Ansetznng einer Nachwahl auf 69 Tage fordert, wurde vom Genossen K u n e r t vertreten. Er fußte besonders auf der Erfahrung bei der jüngsten Nachwahl in Halle, wo die fürsorgliche Regierung eine Frist von 5� Monaten zwischen dem Tode des früheren Vertreters und der Ansehung des Wahlternnns für nötig befunden hatte. Kunert konnte an zahlreichen Beispielen nachweisen, daß sich die Walil weit schneller ansetzen läßt, während wir aus den Worten des früheren Ministers v. Putt- kamer wissen, mit welcher Ungeniertheit preußische Polizei- minister den Sinn gesetzlicher Bestimmungen zugunsten der herrschenden Kaste zu dehne» wissen. Der Staatssekretär Delbrück konnte sich der Richtigkeit der Kunertschm Argu- mente nicht verschließen, meinte aber, man könne es getrost dem Reichskanzler überlassen, die gesetzlichen Bestimmungen finngemäß auszuführen. Genosse Bebel wies energisch diesen ministeriellen j Versuch, eine Entscheidung des Reichstags abzuwenden, mit bem Hinweis zurück, daß die Erfahrung die Notwendigkeit einer zahlengemäßen Begrenzung der Frist hinreichend er wiesen habe. Bei der gegenwärtigen Praxis der Behörden könne ein Reichstagswahlkreis ganz unnötigerweise geraume Zeit um sein Recht auf Vertretung geprellt werden. Bebel er klärte übrigens, daß wir uns keineswegs auf die Zahl 69 für die Frist zwischen Erledigung des Mandats und Neuwahl versteifen. Ein freisinniges Amendement. 79 Fristtage zu zu nehmen, wurde dann auch von den Sozialdemokraten akzeptiert, und die so gestaltete Resolution mit großer Mehr- heit gegen die Konservativen und die Reichspartci a n g e- n 0 m m c ix. Angenommen würde auch die sozialdemokratische Resolution wegen der Verantwortlichkeit des Reichskanzler: abgelehnt dagegen die Resolution wegen Selbständig- machung Elsaß-Lothringeus: dafür kam dann mit unserer Hilfe der abgeschwächte Antrag der klerikalen Elsässer zur Annahme. Mit großer Mehrheit wurde dann noch ein von liberaler Seite eingebrachter Antrag aus Unterstützung internationaler Schiedsgerichte angenommen. Tann trat das HauS in die Berawng des Etats des Auswärtigen Amtes ein. Es wurde dabei eine große Mannesmann- Debatte erwartet. Die gebrannten Kinder der nationalen Parteien scheuten aber offenbar das Feuer, sie gingen behutsam um die Geschichte herum. Als schließlich der nationale Herr Strefemann einige doch jetzt recht sanfte Pastorale Töne der nationalen Mannesmann- Posaunen entlockte, fühlte sich der Minister des Auswärtigen v. Schoen immer noch nicht veranlaßt, aus der Reserve herauszutreten. Um so kräftiger ging dafür dann Genosse Scheide- mann gegen den Mannesiiianil-Rummel in s Zeug. Er zeigte an diesem Schulbeispiel, welch bedenkliche Wirkungen in dem burcaukratisch regierten Deutschland die skrupellose Hetze einer mit den Mitteln nationaler Reklame arbeitende Kapi- tolistenclique ausüben könne. Alle bürgerlichen Parteien hätten sich'mehr oder minder dafür einfangen lassen, bis schließlich die ernstliche Prüfung der Tatsachen den nichtigen Hintergrund der Mannesmann-Fordenmgcn erwiesen hätte. Jetzt sei auch in den sogenannten nationalen Kreisen die Not- wendigkeit der Einsetzung eines Schiedsgerichts anerkannt worden. Dann kam Scheidcmann auf das Verhältnis Deutsch- l a n d s zu England zu sprechen. Hierbei zeige es sich andererseits, wie verhängnisvoll der Einfluß des bnreau- kratisch-junkerlichen, des echt borussischen Regierungssystems auf unsere auswärtige Politik sei. Trete doch dabei recht deutlich zutage, wie gerade die politische Rücksichtslosigkeit Deutschlands lähmend aus die Beziehungen zu fremden Mächten einwirke. Reize doch unsere agrarische Schutzzollpolitik auch in England zu wirtschaftlichen Gegenmaßrcgeln auf. Scheidemann schloß seine eindringlichen, mit humoristischen Schlagern durchsetzten Ausführungen mit dem Appell an den Reichstag, er möge dazu beitragen, daß das Ansehen Deutsch- land im Auslande gehoben würde durch Schaffung besserer. eines freien und kulturell hochentwickelten Volkes würdigere Zustände sowohl inPreußen wie im Reich. Morgen werden die Regierung und die bürgerlichen Par- teien Gelegenheit haben, auf diese Kritik zu antworten. liachmittagzltteik in Kiel- Dusiperrung und MzeiaUaclie. Die Kieler Arbeiterschaft hat am Dienstag als erste Gruppe des preußischen Proletariats die Wucht der Wahl rechtsdemonstrationon durch einen Halbtags st reik v e r st ä r k t. Vorher schon hatten die Arbeiter zu Franko f u r t a. M. einen Versuch mit einer Nachmittagsdemonstra tion am Werktag gemacht, doch kann in ihren Falle nicht eigentlich von einem Versuch des Demonstrationsstreiks gE sprochen werden, da im allgemeinen nur dort gefeiert wurde, wo die Unternehmer keinen Einspruch dagegen erhoben. In Kiel dagegen hat die große Mehrheit der Demonstranten offenbar wider den Willen der Unternehmer die Arbeitsstätte verlassen. Das Unternehmertum glaubt diesen „Ungehorsam" strafen zu müssen die Arbeitgeberverbände der Werften und der Metallindustrie haben bereits eine drei tägige Aussperrung über die Wahlrcchtskämpfer verhängt! So erklären die Großindustriellen Kiels— die Firma Krupp unter ihnen voran!— den mutigen Streitern für das gleiche Wahlrecht den Krieg, so treten sie unzweideutig auf die Seite des Schnapsblocks, so etablieren sie sich neben Polizei und Justiz als die Schützer und Schirmer der preußischen Wahl rcckffsschande. Das tun sie zu gunsten eines Wahlsystems, das die Industrie zu gunsten der Junker und des Zentrums an die Wand drückt! Ihre Ergebenheit für die preußisck�e Reaktion kennt trotz alledem keine Grenzen— ihr Haß»vidcr das erwachende, fordernde Proletariat ist weit größer als ihr Wille zur politischen Macht. Die deutschen Groß- industriellen tragen lieber das Joch der Krautjunker und der Pfaffen, als daß sie eine freie gleichberechtigte Arbeiterschaft sehen! Um so mehr ist die mutige Tat der Kieler Demonstran- ten anzuerkennen. Sic haben sich entschlossen eingesetzt für ihr Recht, wie es Menschen ziemt, die frei sein wollen. Sic dürfen auf die tatkräftige Sympathie ihrer Brüder in ganz Preußen und Deutschland rechnen und, wenn es not tut, auf ihre freudige Unterstützung. Neben den Großindustriellen hat die Polizei versucht, die Demonstration zu verhindern. Auf ihre Art— mit brutaler Gewalt. Sie hat geschossen auf frieh- liche Demonstranten und hat damit eine Gegenwehr provo- ziert, die sehr kräftig gewesen sein muß, wie unsere Tele- gramme zeigen. Tie Leute an der Wasserkante haben schließ- lich kein Fischblut in den Adern. Die Polizei allein trägt die Schuld an den blutigen Zusammenstößen, nur ihr unverant Kiel. 15. März. Privatdepeschc des„Vorwärts". Eine grandiose Wahlrcchtsdemonstration, wie sie Kiel bisher nicht gesehen hat, veranstaltete heute nachmittag die Kieler Arbeiterschaft. Von Mittag an ruhte in den meisten Betrieben der Privatindustrie und deS Hand» lv e r k s die Arbeit. Auf der Kruppschen Werft feierten 80 Proz., auf der H 0 w a l d s ch e n Werft 75 Proz. der Arbeiter. Auf der Kruppschen Werft feierte sogar die Mehrzahl der Hirsch- Dunckcrsche 11 Arbeiter. Um 3 Uhr nach- mittags bewegten sich zw e i g e Iv a l t i g e Züge vom Gcwerk» schaftshaus und Englischen Garten nach dem außerhalb der Stadt gelegenen Lokal Waldwicse. Eine Versammlung unter freiem Himmel war von der Polizei nicht gcnch» migt worden. Tan sende fanden deshalb in dem Riesen- saal keinen Einlaß. Nach einem Referate des Genossen Brecaur-Kiel zogen die Massen in musterhafter Ordnung unter tHochrufen auf das freie Wahlrecht durch die Stadt aus den W i l hel in p la tz. Der Zug zählte etwa 19 009 Per- foncn. Am Bahnhofe stießen zu dem Zuge die Arbeiter der Kaiserlichen Werft, die um üt/g Uhr abends Feierabend haben. Dadurch war der Zug auf 15 999 Personen angewachsen. Ehe sich die Massen auf dem Wilhelmplatz angesammelt hatten, bc- gann die Polizei, die sich bis dahin sehr zurückhaltend ver» halten und nur für Absperrung der inneren Stadt gesorgt hatte. sie in allbekannter brutaler Weise auseinanderzutreiben. Dadurch ist es dann leider wieder zu Zusammenslösten gekommen. Von Schutzleuten wurden drei Schüsse abgegeben. Darauf wurde aus der Menge mit Steinen geworfen, wobei in einem Laden, in den sich einige Schutzleute geflüchtet hatten, mehrere Laden. scheiden zertrümmert wurden. Später fielen noch einige Schüsse auS der Menge, die anscheinend von Spitzeln her- rühren. Eine Frau soll von Schutzleuten über den Kopf geschlagen, ein Knabe verletzt worden sein. Näheres ist bis jetzt noch nicht bekannt. An der Pforte der Kruppschen Werften prangte heute nachmittag schon ein Erlaß, daß wegen willkürlichen Feierns der Arbeiter der Betrieb bis Sonnabend gesperrt wird. Wer am Montag wieder arbeiten will, soll sich am Sonnabend melden. In N e u m ü n st e r fanden heute in den Mittags» stunden zwei große Wahlrcchtsversammlungen statt, die von 2599 Personen besucht waren. Der Zu- und Abzug in der Mittagsstunde und an einem Wochentage erregte riesiges Aufsehen und war eine wirksame Dcmon st ratio n. Kiel, 15. März. Privatdepesche des„Vorwärts". Die Aussperrung wegen des Feierns bei der heutigen Wahlrechtsdemonstration erstreckt sich nicht nur auf die Kruppschen Werften, sondern auf alle Betriebe in der Metallindustrie und ist die Folge eines B e- schlusseS der Arbeitgeberverbände der Werften und Metallindustrie, der schon heute nachmittag gefaßt wurde. Tie Aussperrung soll bis inklusive Freitag dauern. Wer Sonnabend morgen wieder anfangen will, soll bis Donnerstag nachmittag 4 Uhr sich melden. Kiel, 15. März.(W. T. B.) Nach Ablauf der Demonstrationsversammlungcn kam es heute abend zwischen den unter Hochrufen auf das allgemeine, gleiche Wahlrecht durch die Straßen ziehenden Trupps und der Polizei mehrfach zu Zusammenstößen. Einige Schutzleute wur- den hart bedrängt und mußten in einen Laden flüchten, dessen Fenster sodann von der Menge zertrümmert wurden. Eine Anzahl Personen erlitten Per- letzungen, auch sind einige Schutzleute durch Steinwürfe verwundet worden. ver Aahlrechtzilamps. Neue Demonstrationen. Brandenburg, 15. März, 9.29 Uhr abends. (P r i v a t d e p e s ch 0 d e s„V 0 rw är t S".) Hier fand heute abend eine gcivaltigo Straßen» d c m 0 n st r a t i 0 n statt. 8999 Personen nahmen daran teil. Die Polizei hieb ohne Grund mit blanker Klinge ein. Es sind viele leichte und schwere Ver» l e tz u n g e n zu verzeichnen. Magdeburg, 15. März. Privatdepeschc des„Vorwärts". Heute abend nach Schluß der Fabriken fand eine großg Wahlrechtsdemon st ratio n in den Haupt st r aßen der Stadt statt. Es waren an 12999 Personen zusammen- gekommen, die auf dem Breiten Weg die Wah lr ech t s° M a r. seillaise sangen. Zum Schluß fand sich ein großer Teil auf dem Alten Markt vor dem Rathausc vor der Wohnung des Oberbürgermeisters und Herrenhaus mit« gliedes Dr. Hcnze zusammen, wo sie Hochrufe auf das freie Wahlrecht ausbrachten und Freiheitslieder sangen. Ein größerer Teil zog auf den Stromplatz vor das Gebäude de» Oberpräsidiums. Dort bestieg ein Genosse die freie Treppe und hielt eine Ansprache an die versammelte Menge, die in ein Hoch auf das freie Wahlrecht ausklang. Dann zog die Masse wieder nach der Stadt, wo sie sich zerstreute. Die Polizei war überrascht worden und infolgedessen nirgends zu sehen. wörtliches Vorgehen hat sie herbeigeführt. Hätte sie sich zu- Eilenbnrs, 15 März rückgehaltcn, so wäre die Kundgebung in Kiel ebenso fricd- sPrivatdepesche des..Vorwärts") llch verlausen wie die des 6. Marz m fast ganz Preußen! Heute nachmittag 4 Uhr fand hier eine große Dcmon stra» lieber die Kundgebung wird uns telegraphiert; �( ltionsversammlung statt, die eine alle Erwartungen über» steigende Veieilignng uii� Begeisterung aufwies. Der Tibolisaal war zu Nein, um die Massen zu fassen. Die Versammlung wurde daher in den Garten verlegt. 1300 Personen machten nachher eine grosse Strassendemonstration,' beider fortwährend H o ch- rufe auf das freie Wahlrecht ausgebracht wurden. Auf dem Markt- platze gingen die Massen auseinander. Polizeiriisttiugcn in Berlin! Aus glaubwürdigster Quelle wird unS vom 14. Marz aus Spandau gemeldet: Heute find von dem hiesigen Depot 4000 Revolver 83 mit Munition durch die Berliner Feuerwehr unter Führung eines Berliner Polizeihauptnianns und eines Polizei� leutnants abgeholt worden. Die Arbeiter, die wegen der Attßlieferung der Waffen in der Mittagsstunde arbeiten mußten, erhielten von dem Polizei- hauptiuaun je eine Mark. Bon anderer, ebenfalls durchaus glaubwürdiger Seite lvird uns berichtet, das; die berittene Schutzmann- schaft Berlins Stahlcinlagen i«S Led erzeug bekommen hat! Was bezwecken diese furchtbaren Rüstungen? Glaubt Herr v. Jagotv. daß er die Berliner Arbeiterschaft, die ihn am 6. März nasführte, doch noch einmal vor die Revolver bekommen wird? Hatte er sich vom Dienstag abend e i n Blutbad versprochen? Die Berliner Arbeiterschaft weiß jetzt jedenfalls, wessen sie sich von der Berliner Polizei zu VerfehM hat. Ten Wahlrcchtskampf Ivird sie deswegen um kein Jota anders führen, als sie es für notwendig hält! Noch ein Stücklein von der Zentrumsheuchelei. Ja der jüngsten Sitzung der Stadtverordneten in Mülheim am Rhein machte der Bärgermeister Mitteilung von einem Antrage des Sozialdemokratischen Vereins, dass die Sladtverordnetenversammlung eine WahlrechtSpetition an die StaatZrcgierung und das Abgeordnetenhaus richten möge. Der Bürgermeister erklärte, er sei nicht in d e r L a g e, über den Antrag beraten zu lassen, da eS sich nicht um eine Angelegenheit der Gemeinden, sondern des Staates handle, und er glaube im Einverständnis mit den Stadtverordneten zu handeln, wenn er über den Antrag zur Tagesordnung übergehe. Weder aus der liberalen noch ans der Zentrums- f r a k t i o n erhob sich ein Wort des Widerspruchs. Als aber vor etlichen Tagen der VreSlauer Regierungspräsident die Beratung eines ähnlichen Antrages durch die Stadtverordneten für unzulässig erklärte, da schrieb daSOrgan d e r M ü l h e i m e r Z e u t r u m S- Partei, die„Mülh. BolkSztg.": „WaS doch in Prenssrn nicht alles möglich ist. Als ob nicht auch die Gemeinden ei» dringendes Interesse au einem besseren Wahlrecht i» Prcutzcn hätten!" Auch in diesem kleinen Beispiel offenbart sich wieder die bodenlose Heuchelei der Klerikale» gegenüber den Wahlrechtsfragen. Kein grober Unfug— aber Vereinsgesetz,"«bertretnug! Den Genossen Taubmann, Fuhrmann und 5kohl zu Weissen- s e e bei Berlin ist der GcrichtsbcschUlss zugegangen, wonach sie am 13. Februar gelegentlich der Wahlrechtsversammlungen gegen die§§ 7, 10 Ziffer 1 dcö Vereinsgesetzes sich vergangen haben sollen. Die Eröffnung des Hauptverfahrens wegen„groben Unfugs" wurde dagegen abgelehnt, weil die Angeschuldigten nicht hinreichend verdächtig erscheinen, durch ihr Bc- nehmen tvährcnd des Aufzuges die öffentliche Ordnung gefährdet zu haben. Wie die Richter � die Angeklagten als Ver- aiistaltcr eines Aufzuges fassen wollen, ist noch nicht recht klar. Großbetrieb der Braunschtveiger Staatsanwaltschaft. Den Rekord in der Erhebung von Anklaget! anS Anlaß deZ Wahlrechtskampfes hat zweifellos die Braun- f ch w e i g e r Oberstaatsanwaltschaft erreicht. Genosse W e s c- ni e i e r soll die Polizei in nicht weniger als 20 Artikeln, die in sechs Nummern des„B o l ks fr e un d" enthalten sind, beleidigt haben. Der Landtag fühlt sich durch zwei Artikel beleidigt, und der leitende S t a a t s in i n i st c r in einem Artikel. Selbst in der Zusammenstellung von „Stimmen der Parteipresse" über die Braunschlveiger Wahl- rechtSdemonstrationen wird eine Beleidigung der Braunschweiger -Polizei erblickt. In einer Somitagsplaudcrei über die in Braituschiveig herrschende Empfindlichkeit der Behörden sieht matt sogar eine Gotteslästerung. ieichswilichcrungsordming. Der Text des umfangreichen, heute den Reichstags, niigliedern zugehenden Entwurfs einer ReichsversichcrungSordnung ist uns gestern abend zugänglich gemacht. Er enthält 17S4 Paragraphen, die in sechs Bücher geteilt find. Bei dem grossen Umfange des Entwurfs ist in der kurzen uns zu Gebote stehenden Zeit unS nur möglich, einen kurzen Abriß des Inhalts lviederzugcben. Der Entwurf ist fast wortgetreu eine Wiederholung des am 3. April dem Bundesrat zu- gegangenen und gleichzeitig veröffentlichten VorentwurtS. Auch nicht ein wesentlicher der dielen gegen die Vorschriften des Entwurfs seitens der Arbeiterklasse ge- äusserten Bedenken, Wünsche undFordernngenist berücksichtigt. TaS dickleibige Werk ist eine V e r ni e h r u n g der Abwälzung der Armenlafte» auf die Schultern der Arbeiterklasse, eine Reform nach rückwärts, insbesondere soweit der Rechtsweg sowie das Selbst- verwaltungsrecht der Kassen und ihrer Mitglieder und soweit das Recht der Arbeiter in Frage kommt, sich gegen Fälle von Krankheit usw. selbst zu versichern. Der Entlvurs nimmt wie seine Vorgänger von der Verwirlli- chung einer Verschmelzung der gesamten ArVeiterversicherungSgesetzgebung Abstand. Einheitlich soll nur eine grössere Bureau kratisierung und Ber- schlechter»«« de« Jnstanzenzuges werden. Als unterste Instanz soll das VersicherungSaint mit einem LZersicherungs- n m t m a n n an der Spitze geschaffen werden. Dieser lokale Unter- bau soll zugleich als Aussichtsinstanz für die Krankenversichening dienen. Als obere Instanz und an Stelle der Schiedsgerichte soll ein Oberversicherungsamt treten. Das Reichs- ver i icher ungöamt �beziehentlich das LandeSversicherungSamt) soll»ach wie vor als oberste Instanz sungieren. Die Kompetenz des RcichSversicherungSainteS ist erheblich zumigunsten der Arbeiter eingeengt. Auf dem gesamten Gebiete der Reichsversicherung soll als Rechtsmittel an das Reichs- loder Landes-) versicherungSamt nur noch die Revision zulässig fein. Der Rekurs, wie er seither für die Unfall- Versicherung bestand, fällt weg. Die Revision kann nur auf Gesetzesverletzungen, Verstösse wider den klaren Inhalt der Akten und wesentliche Mängel des Verfahrens gegründet werden In einer Reihe von Fällen ist auch die Revision auSgeschloffen. Am wichtigsten ist ihr Nusschluss in den Sachen der Unfallversicherung, in denen eZ sich um die Feststellt», g der Emschädigung nach «enderuirg der Verhältnis so handelt. Da« Ober- versicherungSamt soll endgültig darüber entscheiden. Damit blüht der Renlcnaueischerer ein noch lveiieres Gebiet als bereits heute. Die neuen Acinter sollen staatlichen oder Gemeindebehörden an- gegliedert, die Vorsitzenden dieser Acmter vom Staat oder von der Gemeinde ernannt und zu beiden Instanzen Arbeitgeber und Ver- sicherte hinzugezogen werde,?. So sollen rund 1000 neue Aemtcr mit einem Auswand von vielen Millionen neu geschaffen werden. Die Einzelheiten über die Organisation enthält doS 176 Para- graphen umfnffcnde erst« Buch, das zweite{§ 177—559) regelt die Krankenversicherung. Ter Unfall Versicherung ist daS dritte, von KZ 560 bis 1211 reichende Buch gewidmet. Das vierte Buch(KZ 1212 bis 1482) behandelt die Invaliden Versicherung, die Alters Versicherung und die neu einzuführende Hinter- bliebonenversicherung. TaS fünfte Buch regelt die Beziehungen der Versicherungsträger zu einander und zu anderen Verpflichteten, das sechste(ZK 1528 bis 1754) daS Verfahren. Die Krankcnversicheruuz bringt eine Ausdehnung auf bis in land- und forstwirt- schaftlichen Betrieben beschäftigten Personen, auf die Hausgewerbetreibenden, die Dien st boten und die u n st 8 n d i g e n A r b e i t e r. Jedoch ist die Versicherung dieser Personen so wie im ersten Entwurf nach, den verschiedcusten Richtungen hin schlechter gestellt wie die anderer Arbeiter. Die in? Vorentwurf vorgeschlagene Ausdehnung der Krankenversicherung auf Bühnen- und Orchestermitglieder, deren rcgel- massiger JahreSarbeitSverdienst 2000 M. nicht übersteigt, ist auch im neuen Entwurf vorgeschlage??. Die W ö ch n e r i n n e n u n t e r st ü tz u n g ist auf die Dauer von im ga??zen acht Wochen, von denen mindestens sechs Wochen auf die Zeit nach der Niederkunft fallen, in Konsequenz der Vor- schrisien der letzten Gewerbeordnungsnovelle ausgedehnt. Neu ist der Vorschlag, dass die Kassensatzungen fakultativ Wöchnerinnen, so- lange sie ihre Neugeborenen stillen, ein Stillgeld in Höhe des halben Krankengeldes bis zum Ablauf der zwölften Woche nach der Niederkunft zubilligen lönnri?. Der Zersplitterung der Krankenkassenorgani- s a t i o n o n durch den Aufbau einer Einheitskrankenkasse tritt der Entwurf keineswegs entgegen. Es läßt sich die endliche Auf- Hebung der G e m e i n d e k r a n k e n v e r s i ch e r u n g, die schon im Jahre 1882 als eine bald zu beseitigende subsidiäre(Ersatz-) Einrichtung bezeichne wurde, ebensowenig, wie die Einreihung der Baukrankenkassen in dro Betriebskranke nkasscn auch nur alS ein Ansatz zu einer Beseitigung der verschiedenen Arten der Krankenversicherung bezeichnen. Denn der Entwurf schafft eine Reihe neuer Krankenkaffengrbilde. Er kennt allgemeine und besondere Ort krankenkaffen, allgemeine und bes andere Landkrankcnkassen. Insbesondere diese Landkrankenkassen, denen die ländlichen Arbeiter, die Dienstboten, die unstet beschäftigten und die Hausgewerbetreibenden unterstellt werden sollen, ver- mehren die Mannigfaltigkeit der Krankenkassenarten. Die Be- triebs-Kranken lassen, JnnungS-Kranken lassen und Knapp schaftSkassen sollen trotz der erheblichen Gründe, die gegen das Weiterbestehen dieser Organisationen sprechen,— die Knappschaftskassen als landeSrcchtliche Kasse»— bestehen bleiben. Betriebskrankenkasien sollen bei einer Zahl von 500, in Ausnahmefällen von 250, bei Bil?nenschiffahrtkassen sogar schon bei 60 Arbeitern zugelassen werden. Die jetzigen eingeschriebenen HilfSkasfen sollen Ersatzkassen genannt werden. Die völlige Erdrosselung des Rechts der Arbeiter, in Hilfskassen für die Fälle von Krankheiten ohne ausdrückliche bc- härdliche Genehmigung sorgen zu dürfen, soll durch eine Reihe von Vorschriften in der ReichSversicherungSordnung und durch Aufhebung des HilsSkaffengesetzeS erziel? werden. Die Entrechtung der inncren Verwaltung der Ortskranke nkas sei?, wie sie der erste Entwurf vorschlug, ist auch in dem jetzigci? Entwurf beibehalten. Während die Be- triebskrankenkassen, die Jnnungs-, die Knappschaftskrankenkassen bestehen bleiben und ihre Mängel vermehrt werden sollen— so scll ein Zusammenschluß mehrerer BetriebSkrankenkaffen durch Vereinbarung der Arbeitgeber stattfinden dürfen— wird eine ganz erhebliche Beschränkung der Selb st ver- waltung der Ortskrankenkassen geplant. Der Bei- trag der Arbeitgeber und der Versicherten soll künftig der gleiche scn?, aber auch im Vorstand sollen Arbeitgeber und Arbeit- nehmer in gleicher Zahl zusammenwirken. Der Vor- sitzende der Ortskrankenkasse soll durch überrinstim- ?ncnde Wahl beider Teile crnailnt werden. Wenn und solange, als sich die Gruppen der Arbeitgeber und der Arbeiter über die Person des Vorsitzenden nicht einigen, soll der Vorsitzende durch das Vorsicherungsamt bestellt werde» können. Die Verhältniswahl soll für alle Angelegercheiten der Krankenkasse obligatorisch werden. Für die Beziehungen zwischen Aerzten, Apothekern und Kassen si??d dt« früheren Vorschriften nicht wiederholt. In den KZ 377 bis 407 ist in umständlichster Weise unter schwerer Beeinträchtigung des Selbstverwaltungsrechtes der Kasten und des Rechts der Kasse?rmitglieder ein Verfahren zu- gunste« der Aerzte, Zahnärzte und Apotheker vorgeschlagen, das von dem Zwang der Aerzte zur Behandlung weit entfernt ist. Aus den die Unfallversicherung umfassenden Bestimmungen sei auf die?lusdehnuug der Versicherungöpflicht hingewiesen. Sie entspricht den im Vorcntwurf gemachten Vorschlägen. Die Versicherungspflicht von Handelsbetrieben ist durch folgende Ziffer 10 des§ 560 neu geregelt: Betriebe, die der Behandlung und Handhabung der Waren oder der Beförderung von Personen oder Güter dienen, unterliegen der VersicherungL- Pflicht, falls sie v?it einem kaufmännischen Unternehmen ver- Kunden sind, das über den Umfang des Kleinbetriebes hinausgeht, sowie unter gleicher Voraussetzung Holzfällungsbetriebe. Hier- durch sind nicht nur die eigentlichen Lagcrungsarbeitcn wie bis- her. sondern auch ähnliche Arbeiten in kaufmännischen Unternehmen der Versicherung unterstellt und auch eine Ausdehnung der Unfallverstcherung auf Erwerbs- und WirtschaftSgenossenschaften gegeben. Eine beachtenswerte Ausdehnung de« Versicherungspflicht enthält der Entwurf auch nach der Richtung, daß das Halten von Reittlere?r und von solchen Fahrzeugen, die durch elementare oder tierische Kraft bewegt werden, der Unfallversicherung unter- stellt ist. Dadurch fällt da« Fahr- und Stallpersonal künftig unter die Bestimmungen dcS UnfallgesetzeS. Ten Berufsgenossenschaften ist in ihrem unberechtigten Kampf gegen den heutigen g 24 des GewerbeunfallversicherungsgesetzP jentgegen- gekommen. Die schmalen Renten sind weder bei der Un- fall, noch bei der Invalidenrente erhöht. Die Vorschriften über Alter«- und Invalidenrente» sind in allen dem Arbeiter nachteiligen Bestimmungen voll aus- recht erhalten. Der dem Sprachgebrauch und Rechtsgefühl WS Gesicht schlagende Begriff einer Erwerbsunfähigkeit im Sinne des Invalide nverficherungsgefetzes ist unverändert geMeben. Altersrente soll nqK wie vor nur d'er erhalten können, der däS 70. Lebensjahr vollendet hat; dn Herabgehen auf das 60. oder 65. Lebensjahr ist abgelehnt. Tie freiwillige Jusatzversicherung, wie sie der Borent- Wurf enthielt, ist beibehalten. Danach kann jeder Versicherungs- berechtigte und jeder Versicherungspflichtige die ihm nach dem Ge- setze zustehenden Leistungen dadurch etwas erhöhen, daß er in bc- liebiger Zähl Zusatzmarkcn in seine QuittungSkarte klebt. Hat cr sür eine Mark Zusatzmarken geklebt, so erhalt er einen Anspruch auf Zusatzrente in Höhe von 2 Pfennigen, Tis Witwen- und Waisrnversicherung» wie sie der Entwurf vorschlägt, bedeutet einen Hohn auf die Worte„Versicherung" und„Rente". Die Hinterbliebencnversiche- rung ist im wesentlichen auf Beiträge der Versicherten und der Arbeitgeber aufgebaut. Bekanntlich sollte nach den? Zolltarif- gcsetz bereits vom 11. Januar 1910 ab eine Witwen- und Waisen- berstchcrung eintreten. Tie sozialdemokratische Voraussagung, daß die Einbehaltungen aus den Getreide- und Viehzöllen, cnt- gegen den Prophezeiungen dcS Zentrumsrdrners Trimborn, auch für die schmälste Rente nicht ausreichen können, ist voll cingc- troffen. Sie mußte eintreffen, weil die Agrarier?lrm in Arm mit dem Zentrum aus Schleichwegen, die der Zolltarif enthält und die seinerzeit von der Sozialdemokratie beleuchtet wurden, auch den letzten Pfennig der Witwe und den Waisen entrissen haben. Es ist bekannt, dass der Reichstag jüngst allein gegen die Stimmen der Sozialdemokraten das Jnkrasttrcte» der söge- nannten Witwen- und Waisenveriorgung noch weiter hinausgeschoben hat. Tie Mittel sollen nunmehr im wesentlichen durch die Arbeiter ausgebracht werden. Der Betrag der Bei- tragSmarken soll um ein Viertel erhöht werden. Sind bislang in Lshnklaffe l bis V: 14, 20, 24, 30 und 36 Pf. zu Heben, so soll der Betrag künftig aus 26, 24, 36, 38 und 46 Pf. erhöht werden. Diese Abwälzung der Armenlasten auf die Schultern der Arbeiter nennt das Zentrum Fürsorge für die Witwen und Waisen. Die Rente der Jnvalidcnwitwe soll V,», die Waisenrente bei Vorhandensein einer Waise"/-» der In- validenrcnte deS verstorbenen Mannes betrage??. Hierzu tritt der Reichszuschuß in Höhe von 50 M. zu jeder Witwen- uno für 25 M. zu jeder Waiscnunteritützung. Wenn ein Ar- bciter aus Lohnklasse IV volle 30 Jahre lang bei einem Ein- kommen von 1000 iR. wöchentlich 38 Pf., zahlt, so würde seine invalide Witwe ganze— 12 2,40 M., sein Kind 61,20 M., beide zusanAnen 183,60 M. j ä h r I i ch an Rente oder 5 0 P f. tag» lich erhalten. Tie Witwenrente ist stets noch niedriger als die Invalidenrente. Hatte der verstorbene Ehemann zehn Jahre lang die Beitragsmarken voll geklebt, so beträgt die Witwenrente in Lohnklasse I(Jahresarbeitsverdienst bis 330 M.) 72,60 M.. in Lohn klaffe II(JahreSarbcitsverdicnst 350— 550 M.) 80,40 M., in Lohnklasse III(Jahrcsarbeitsvcrdienst 550—850 M.) 86,40 M., in Lohnklasse IV(Jahresarbcitöverdicnst 850— 1150 M.) 92,10 M., in Lohnklasse V(JahrcSarbcitsverdienst über 1150 M.) 98,40 M; jährlich. Es ist geradezu schamlos, solche Beträge von monat- lich 8,20 M. und darunter eine„Rente"„Witwenrente" zu nennen. Auf die Einzelheiten deS umfangreichen Entwurfs wird noch näher einzugchen sein. Bezeichnend sür den rückständigen und rückläufige» Kurs unserer Reichspolitik ist es, daß dieses Machwerk als ein Stück Fortschritt auf sozialpolitischem Gebiet an- geschrien wird, und dass cS nach keiner Richtung hin den von der Arbettcrklaffe erhobenen vollberechtigten Forderungen entgegen- kommt, f poUtifcbe OeberHcbt. Berlin, den 15. März 1910, Zur Berfaffuugsfrage in Elsatz-Lothringen ivird uns aus Straßburg mitgeteilt: Zu der Mitteilung des„Lokal-Anzeigers", daß der dom Reichskanzler angekündigte Entwurf ein liberales Wahl- recht enthält, erfahren wir, daß an Stelle des gegenwärtigen Wahlsystems ei« Plnralwahirccht treten soll, das im übrigen a l l g e in e i n. direkt und geheim ist. Slilßerdcm ist die Ausbildung der bisher nur beratenden Instanz des Staatsrats zu einer Oberkammer vorgesehen, bestehend zu je ein Drittel aus ernannten Mitgliedern, aus Delegierten der Bezirkstage und aus Ständevertretern. In den Wandelgängen dcS Landcsausschusses wurde am Dienstag die Rcichstagdsitzung vom Montag lebhaft bc- sprachen. Die Stimmung ist gegenüber den Ankündigungen des Entwurfs durchaus skeptisch. Man glaubt nur, daß es durch die Kommissionsberatung im Reichstag gelingen wird. neben dem Reichstag auch den Bundesrat aus der Landes- gesctzgebung auszuschalten. Außerdem wird noch über den Entwurf, den der Reichskanzler angekündigt hat, mitgeteilt. daß der Statthalter in Elsaß-Lothrtngcn auf Lebenszeit ernannt werden und cr das Recht der Ernennung der Bundes- ratsvertteter für Elsaß-Lothringen erhalte» soll. Die clsaß� lothringische Presse nimmt zu der Erklärung des Reichskanzlers im allgemeinen eine abwartende Stellung ein. Werden die Nationalliberalen fest bleiben? Am Dienstag fanden Kompromissverhandlungen zwischen den Na tiona[liberale» und dem Zentrum statt. Wahr- scheinlich werden diese Verhandlungen auch am Mittwoch fortgesetzt. Ob sich die Rationalliberalen schliesslich doch noch bereit finden lassen werden, zu den,„missgestaltetei? Kind" des blau- schwarzen Blocks „Paten" zu stehen, wie sich die„Kölnische Ztg." ausdrückt? Die .Kölnische Zeitung'" bezeichnet allerdings die geheime und die direkte Wohl als die Mindestforderung, ohne die die Nationalliberalcn einer Wahlreform nicht zustimmen könnten. Die am Sonntag abgehaltene Tagung beS Zentral- Vorstandes der nationalliberalen Partei, die sich in der Hauptsache mit der Wahlreform beschäftigte, hielt eS sogar für geboten, der preußischen Fraktion die Weisung zu geben, an den Magdeburger Beschlüssen, also an der geheimen und direkten Wahl und der Neueinteilung der Wahl- kreise festzuhalten. Sollten sich unsere preussischen National« liberalm dadurch gebunden fühlen, so erscheint allerdings eine Ver- ständig?, ng mit dem Schnapsblock ausgeschlossen. Die Frage ist nur, ob sich unsere nationalliberale LandtagSfraktion nicht auch mit geringfügigeren Konzessionen abfinden läßt und die direkte Wahl sowie eine Neueinteilnng der Wahlkreise preisgibt! Auf dem Festessen, das der Sitzung de» Zentralvorstandes am Sonntag folgte, gaben sich die süddeutschen Vertreter der Partei sichtlich die grösste Mühe, ihren preußischen Parteigenossen den Rücken zn steifen. So sprach Herr B a s s e r n, a n n davon, dass ein auf» strebendes, reifes Volk nicht ertragen könne wenn ihm s e i n e R e ch t e versagt?v e r d e??. ES würde verderblich sei,?, wenn die Partei die ausgeprägte Volks- stirnmung nicht richtig zu erfassen vermöchte. Der Abgeordnete Hieb er versuchte gleichfalls, den PartikukariSinu» dadurch zu Kekampfe», daß die preußische Fraktion für eiue� m ö g I i ch st liberale G e st a l t u n g des Wahlrechts eintrete. Nun können die Herren Fricdbcrg und Schiffer zeigen, was sie unter Liberalismus verstehen I_ Ter Rachezug der Ostelbier. Seit langcin schon trägt sich die konservative Parteileitung mit dem Plan, mit Unterstützung des Bundes der Landwirte in das rheinisch-westfälische Jndustrisrevicr einzubrechen und dort den Nationalliberalen ihren volitischcn Besitz abzunehmen. Bisher ist die Ausführung dieser Absicht immer weiter hinanögeschoben worden: nachdem jetzt aber die naiionallibcrale Landtag-Zfraltion sich Hai einfallen lassen, im preußischen Abgcordnetenhause die schwarz- blaue Wahlmogelei bloßzustellen, gehen die Konservativen racheschnaubend an die Verwirklichung ihrcS Plane?. Der An- sang wurde vor einigen Tagen in Wanne gemacht, wo der Bund der Landwirte für die Kreise Gelsenkirchcn und Bochum eine von dem Borsteber Stens in Höntrop einberufene KrciZvccsanimlimg abhielt. Der Parteibcamte Dr. Kaufhold sprach nach einleitenden Worten de? Vorsitzenden über die politische Lage nach Erledigung der ReichSfinanzrcforni. Andere Redner verbreilcren sich über den Hansa- und den Bauernbund und über die Ausbreitung der loii- scrvativen Organisation in Westdeutschland. Schließlich wurde die Gründung eines konservativen Vereins beschlossen. Ter Zweck heiligt die Mittel! Mit der angekündigten Entlastung von 600 Arbeitern auf der Werst in Kiel wegen angeblich mangelnder Beschäftigung, verfolgt man allem Anschein nach die Absicht, einen Druck auf den Reichstag auszuüben und ihn zur Bcwlllig-iiig»euer Mittel für den FlottenanLdau zu bewegen. Es ist deshalb interessant zu hören, wie ein Mariiiesachverständigcr dem„Berliner Tageblatt" über diesen diplomatischen Schachzug schreibt: „Der Sekretär des ReichSmartneamtS steht gerade in diesen Wochen vor der Verteilung der neuen Bauaufträge an die gc- saniten deutschen Werften, von der so überaus viel für die soziale Lage der Werftarbeiter in» nächsten Rechnungsjahre abhängt. Da vom Reichstage auch bei der zweiten Lesung des Marincetatö kein Abstrich an den geforderten?!cu- oder Ersatzbauten gemacht worden ist. haben die Werften zum Frühjahr drei tieiie TrcadnoughtS, einen Panzerkreuzer, zlvei geichütz'.e Kreuzer, zwöl große Torpedoboote und eine Reihe von llntersecbotcn in» Bau zu beginnen. Diese Bauaufträge erhöhen sich gegen die vorjährigen um fünf i l I i o n e»» Mark, da in' diesen» Jahr für die Unterseeboote 1ö Millionen Mark, im vergangenen nlir 40 Millionen Mark zur Verfügung stehen werden. Von den Neubauten der Wersten scheiden zu Beginn dcS neuen SonmierhalbjahreS nur zwei kleine Kreuzer(„Kolberg" und„Köln") als fcrliggcstellt aus den Werftbetrievei». Einschließlich der neu auf Stapel zu liegenden Schiffe wird sich dann die Gesamttätigkeit der Werften im Sommerhalbjahr auf 9 große Panzerschiffe, 4 Panzerkreuzer, 5 kleine Kreuzer, gegen 24 große Torpedoboote und eine größere Anzahl von Unterseebooten zu erstrecken haben, so daß sich allein 10 große Schiffe in» Bau befinden werden, eine Zahl, die überhaupt seit Bestehen des FlottengcsetzeZ noch nie vorher erreicht worden ist, und die auch nur erreicht werden konnte, da vom Jahre 1908 ab je drei Linienschiffe allein ersatzpflichtig wurden. An einer ganz besonders großen Be- tätigung der Werfte»» an» Flottenausbau in» neuen Rechnungsjahre wird es daher nicht Mangel n."_ Eine scharfe Zurückweisung. Frankfurt a. M.» 15, Marz. (Privatdepcsche deS„Vorwärts".) Bei der Beraiuug des Landtages über die Eingemeindung der Frankstirter Vororte griff belauntlich der konservative Abgeordnete v. Kardorff das Frankfurter Stadtverordnetenwahlrecht heftig an. In der heutigen Sitzung der Frankfurter Stadtverord- neten Versammlung brachte vor Eintritt in die TageS- ordnung der Vorsitzende Justizrat Dr. Friedlebe n die Rede v. KardorffS nach dein stenographischen Bericht zur Kenntnis der Versammlung und wandte sich dann in scharfen Worten unter lebhaftesten Bcifallszustiinmungen der Stadtverordnetenversammlung gegen die Ausführungen v. KardorffS. In» Rainen der Aersammlung protestiere er auf das entschiedenste gegen die Angriffe. Die Erfabrringen, die»»»an mit den» Wahlrecht in Frankfurt gemacht habe, hätten gezeigt, daß das Wahlrecht ein Segen für die Stadt ist.„Was soll aus der Ge-> „»einde werden, wenn Herr Oberbürgermeister AdickeS nicht»nehr ist?" habe v. Kardorff gefragt. Diese Sorge soll Herr v. Kardorfs uns überlassen.(Bravorufe.) Die Verdienste dcS Herrn Oberbürgermeisters sind von der Stadtvcrordnetenversaiiirnlllng immer rückhaltlos aiierkamit worden. Die Stadlverordneten- versammlmig und die Bürgerschaft haben aber hervorragend an der Entwickrlung Frankfurts Anteil geno»»»ne». Die Stadt- verordlietenversamrnlung könne ein Tummelplatz demokratischer antipreußischer Tendenzen und deö Partikulari-ZmuS werden, sagt Herr v. Kardorss. Frankfurt kennt keinen Partikula- rismus. Ich kenne überhaupt keinen, der Partikularismus ist nur im Norden vorhanden. Wir haben in der Stadt- verordnetenversammlung auch keine preußischen Tendenzen zu verfolgen, sondern nur städtische. Wenn man aber unter preußischen Tendenzen reaktionäre Bestrebungen versteht, dann hat Herr v. Kardorff recht, dam, sind wir allerdings gegen diese Tendenz. Für reaktionäre Bestrebungen ist die Frankfurter Stadtverordneten- veriammluug niemals zu haben.(Lebhaste Zustiumiung.) Die An- griffe des Herrn v. Kardorff auf die städtische Selbstverwaltung muß ich ebenfalls mit aller Energie zurückweisen.(Allseitiger großer Beifall.) Die energische Zurückweisung der junkerlichen Anwürfe ist zu begreifen. Indes darf dabei nicht vergessen werden, daß das kom- munale Wahlrecht in Frankfurt a. M. an einen hohen ZensuS ge- knüpft ist und also die berechtigten Forderungen des Proletariats durchaus noch nicht erfüllt._ Ein Idyll. Die Reichspartei feierte am N. März bis LSjährige Zugehörigkeit deSFrhrn. V. Gamp- Mas saunen zu der Fraktion. Süßer zahlreichen gegenwärtigen und früheren Mitgliedern der Reichspartei, der freikonserdativen Fraktion des Abgeordnetenhauses mid der sächsischen Abgeordnetenkammer nahmen an dein Festmahl«. a. teil Handelsmini st er Sydow, Unter st aatSsekretär Wahnschaffe, Ftnanzminister Freiherr von Rhcinbaben. Fürst von Hatzfeldt, Herzog zu Drachenberg, hob die unermüdliche Tätigkeit und die Verdienste dcS Gefeierten um das Znstandekommen der Reichs- finanzreform hervor. Handels mini st er Sydow trank auf die freikonservative Partei, die sich vor allem durch die Zurückstellung der Parteiinteressen hinter die deS Gemeinwohls auszeichne und ihren Wahlspruch, das Vaterland über die Partei, zur Wahrheit mache.• Der berüchtigte Scharfmacher Freiherr v. Gamp gehörte bekanntlich mit in erster Linie zu denen, die den Grafen P o s a- dowSkh stürzten, weil er sich, nach seinem eigenen Wort, nicht zum„Miuisier gegen die Sozialpolitik" mißbrauche» lassen wollte! Und heute feiert der preußische HandelSminister Sydow die Verdienste dieses scharfmacherischen NinisterstürzerS j Tie frauzösische Negierung gegen die Vorschläge See Senatskomiulssion. Die Beschlüsse der Zollioinmiifion des französischen Senats be- treffend die Revision dcS französischen Zolltarifs. haben in einer ganzen Reihe von Positionen nicht die Zustimmung der fran- zösischen Regierung gefunden. Sie hat vielmehr Einsprüche erhoben, die sie bei den Beratungen im Plenum deS Senats geltend»nachei» wird, und die demzufolge vorauSsichlich in einer Reihe von Tarifnmnmern»»och zur Abänderung der Beschlüsse der Senatskommission führen lverden. ES handelt sich dabei hauptsächlich un» folgende Artikel: Aepsel znn, Tafelgenuß, Kalk in Stücken und Pulverform, Radachsen, Kupfer gewalzt und gehämmert, ent- glyzerinierte Oele, F o r in a l d e h y t, holzessigsaurer Kalk, Kupfer- azeton, Tapiola, Gläser zu B c l eu ch t n n g ö z w e ck e n, baumwollene Handschuhe, wollene geknüpfte Teppiche. Tapeten, Bijouterien, Turbinen, Lokomotiven, Werkzeug- m a sch i n«« ü b c r 15 000 Kilogramm Gewicht, Röhren- keffel, Gaiometer usw., Kratzenblätter und-Bänder, Schraudsivcke, Spiralbohrer, gewisse Nadel» für Wirkstühle usw., Schienen- stühle, Negenschirmgestelle, gewisie Möbel, hölzerne Uhr- geh Suse, hölzerne Druckzylinder, Radfelgen fiir Fahrräder und Spielzeug._ Stvichendemonstrationc» in Brenie». Am Montagabend protestierte die Bremer Arbeiter- schaft in fünf großen Versammlungen gegen die Maßregelung sozialdeinokratischgesinnterLehr er. Die Versammlungslokals waren sämtlich überfüllt: ein großer Teil der Protestier fand keinen Einlaß. Nach Schluß der Versammlungen zogen rtwa 15 000 Personen unter Absingen von Arbeiter- l i e d e r» und st ü r m i s ch e n Hochrufen auf den gemäß- regelten Lehrer Holzmcier nach dem Marktplatz und dem an- schließenden Domhof. Von hier ans ging es in geschloffenem Zuge vor die Wohnungen der Bürgermeister Dr. Pauli und Barck hausen solvie des Schulinspektors Dr. B oh>»» und des liberalen R e i ch s t a g 3 a b g e o r d n e t e n H o r m a n n. Den Demonstranten stellten sich riesige Schntzmmmsaufgebote in den Weg; die Beamten waren aber sehr zurückhaltend, und so wurden Zusammenstöße vern, jeden. Einige Personen ltmrdei» indes verhaftet. In den Kasernen hatte man Militär zumeventuellenEinsch reiten bereit gehalten. Die Wirkung der Biersteuer in Baden. Die den der badischen Volksvertretung gegen die sozialdemokratischen Stimmen angenommene B i e r st e u e r e r h ö h u n g be- ginnt bereits ihre Wirkung in» geschäftlichen Verkehr auszuüben. Auf einer mittelbadischen Brauer- und Gastwirtetagung mußten die Wirte nach heftigem Widerspruch sich der Diktatur der Brauereien fügen und einen Preisaufschlag von 2,50 Mark für das Hektoliter zugestehen. Die Brauer erklärten sich dafür bereit, auch in den von den Branerciei» betriebenen Wirtschaften an einem bestimmten Detailpreis festzuhalten. Demgemäß soll künftig der Mindestpreis für da? Glas betragen: 12 Pf. beim dunkeln und 14 Pf. beim hellen Bier. Kommen die bisher üblichen 3IW Gläser fortan zur Anwendung, so mutz dafür mindestens ein 12 Pf.-Preis gefordert werden. Somit beträgt die Verteuerung deS badischen Bieres 2 Pf. für das Glas oder 5 Pf. pro Liter. Die Militärvcrtvaltung will auch sparen. In den Ministerien deS Krieges und des Innern besteht, wie die„B. Z. am Mittag" aus zuverlässiger Quelle erfahre» haben will, die Absicht, wenn irgend niöglich, die G e n er a ln» u st er un g bei der RekrutenauS Hebung fallen zu lassen. Es sind bereits Umfragen an alle Brigaden gerichtet worden, sich darüber zu äußern. Von deren Antwort, die bis Mitte Juni eingegangen sein»miß, werde cS abhängen, ob«»an dem Gedanken der Aushebung überhaupt nähertreten kann. Der Wegfall der General- Musterung, die ein Obergutachten über die Tauglichkeit der AuS- gehobenen abzugeben und ihre Verteilung zu verfügen hat, würde im Erfatzgeschäst keine große Störung verursachen, dagegen»vürdcn jährlich einige Millioileii gespart werden. Die Polizei als Gast. In einer Wahlrechtsversrnnmlung zu Schönlanke(Posen) waren neben zwei überwachenden Beamten noch einige andere Polizisten erschienen. Der Versammlungsleiter verlangte dst Entfernung dieser überflüssigen Gäste. Der Wachtmeister lehnte das ab und erklärte, daß nur er und ein Schutzmann in amtlicher Eigenschaft anwesend seien, die anderen Beamten seien lediglich als Gäste da, denen das Verweilen nach einen» Kommentar d e s D o r t m u n d e r Polizeiko in»nissarS Gehrke zun» Verein Sgesetz rechtlich zustehe. Trotzdem der Versammlungsleiter auf sein Hans- recht hinwies, entfernten sich die Beamten nicht. Gegen daS unstatt- haste Vcrweilen der überzähligen Polizeibeamten ist Beschwerde' ein- gelegt. E» wird sich zeigen, ob die Aufsassimg des Wachtmeisters in Preußen Usus werden soll._ Unglaubliche Militärjustiz. Im 170. Jnfantericregiinent in Offenburg(Baden), da? in den letzten vier Monaten vier Soldatenselbstmorde zu verzeichnen hat, befindet sich bei der 7. Kompagnie der Unterossizicr Bär. Von ihm berichtete vor einiger Zeit der„Vorwärts", daß er mit zwei Kollegen auf den» Heimweg vom Schießstand einen städtischen Etraßenbauarbeiter, der eine Nachtlaterne beim Kanalbau anzündete, mit seinen» Gewehr niederschlug, so datz der Arbeiter besinnungsloL in den Graben stürzte. Bald darauf wollte Bär am städtischen Friedhofe in der Verfolgung weiblicher Personen auch den zu Hilfe eilenden städtischen Friedhofaufseher niederschlage» und verletzte ihn an der Achsel. Dieser Tage erhielt der schlagfertige Attentäter, dem man seine Betrunkenheit im Dienst als mildernden Umstand anrechnete, vom Kriegsgericht 14 Tage Stubenarrest. Die beiden Kollegen, die ihn beim Trinken ermunterten und seine Attentäiereien zuließen, wurden mit sieben und zehn Tagen Miitelarrest belohnt. Der verletzte Arbeiter»viirde von der Verhandlung nicht in Kenntnis gesetzt, koiulte also nicht als Nebenkläger auftreten. Ein militärisches Schreckensurteil! Da? Dresden erKriegsgericht verurteilte den Matrosen Röter von S. M.„Preußen" in Stiel wegen tätlichen Vergreifen« an einem Vorgesetzten und AchtungSverletzung zu— I Jahren 6 Monaten Gefängnis! t Der Angellagte war zun, Weihnachtsfcste nach seiner Heimat Riesa i.<3. beurlaubt, wo er in der Trunlenheit einen, Sergeanten ans die Füße trat und gegen den Arn, stieß. Auch soll er dem Vorgesetzten gedroht haben, ihm eine Ohrfeige zu geben. Obgleich der Angeklagte erklärte, datz er keinen Sergeanten in dem Lokal gesehen und sich an einem solchen nicht vergriffen habe, da er betrunken gewesen sei, wurde er für überführt erachtet. Ocftcmicb-angarn. Lnegers Nachfolger. Wien, 14. März. Die Vertraucnsmännerversammlung der christlich-sozialen Partei beschloß auf Antrag Dr. Geß mannS. in der morgen stattfindenden Parteiver- sammlung den Minzen Liechtenstein zum Parteichcf zu proklamieren. In der Bürg er meisterfrage endete die Konferenz mit dem Beschlüsse, daß der gegenJvärtige Vize- bürgermeistee Po rz e r Bürgermeister. werde und Handels- minsiter Weiskirchner nach Ablauf von mindestens zwei Jahren ihm folgen solle. Wciskirchner erklärte, er habe Per- bindkichkeitcn der Krone, dem Kabinett sowie dem Reichsratsklub gegenüber zu erfüllen; er habe»»e erklärt', daß er die Bürge?« Meisterwürde ablehne. Wenn die Partei und der Bürgerklub ihn des Bürgermeisteramtes für würdig hielten, bitte er, ihn fü< die Zukunft in Aussicht zu nehmen, für die Zwischenzeit abet einen Mann zu wählen, der die Geschäfte im Sinne Luegers ungeschmälert fortführen könne. Vizebürgermeister Porzer er» klärte, er sei bereit, einem eventuellen Rufe des Bürgcrklubs zu folgen._ Auslösung des Reichstags. Budapest. 15. März. Ministerpräfidcnt Graf K h u e n H e d e r- Vary unterbreitete heute dem König den Vorschlag betreffend Auflösung des Parlaments. Der König genehmigte den Vorschlag. Die Auflösung erfolgt an» 22. März. frankreieb. Die Affäre Tuez. Paris, 15. März. Teputiertcnkammcr. Die Besprechung der Interpellationen über die Liquidatoren tvurde fortgesetzt. Wilm(Soz.) kritisierte die Haltung der Sachverständigen und dos Staatsanwalts des Seinc-Departeinents. Allemane(Soz.) meinte, die öffentliche Meinung sei erstaunt darüber, daß die drei Liquidatoren nicht verhaftet wurden. I a u r ö S verlas einen Pro- test, welchen die Pacht-Gefellschast der Grande Chartreuse gegen seine an» Freitag aufgestellten Behauptungen an ihn gerichtet habe. Jaures sagte:„Auf alle Fälle bleibt die Verantwortlichkeit des Liquidators Lecouturier eine große. Wenigstens mußte man ihn wegen seiner Unfähigkeit abberufen." Jaures tnachte der Re- gicrung den Vorwurf, daß sie nicht den Mut gehabt habe, ihrer Verantwortlichkeit entsprechend entscheidende Schritte gu tun. Es sei sicher, daß die Regierung die Verantwortung trage. Die Mehrheit müsse prüfen, wen die Verantwortung treffe, and dürfe die Regierung nicht ausschließen.(Beifall auf der äußerste»» Linken, recht» und auf verschiedenen Bänken.) Nunwehr ergriff Ministerpräsident A r i a n d das Wort und er» klärte, er übernehme die volle Verantwortung und bitte hie Kammer um vorbehaltlose Zuftimniung. Eine Hailssuchltug. Paris, 15. März. Die Polizei nahm heute nachmittag eine Haussuchung be» dem Genealogen Coutot vor, welcher von Duez beauftragt war, Personen ausfindig zu machen, die viel- leicht auf zu liquidierende Güter Erbansprüche erheben könnten. Duez war cS darum zu tun, auf diese Weise möglichst viele ihm einträgliche Prozesse anzubahnen. England. Die Oberhausrcfort». London, 14. März. Oberhaus. Lord Roseberh sagte in einer zweistündigen Rede zur Begründung seines Antrages einer Reform des Oberhauses, die Lords hätten eingesehen, datz sie zu sehr die Interessen einer Partei rcpräscn- tierten und daß das Prinzip der Erblichkeit seitens eines großen Teils der Nation einer wachsenden Kritik und Opposition begegne. Aber die Pläne der Regierung für die künftige Gestaltung des Oberhauses seien tv i d e r s i n n i g und unlogisch, da die Regierung daS Haus erst zur B c d c u- tungslosigkeit verurteilen»volle und eS dann zu refor- miere» vorschlage. Er glaube, datz die Regierung die Lords ztvar ihrer Macht berauben werde, ihre Anhänger aber dann sich weigern würde», an die Reformen zu gehen. ES gäbe zivei Grund-. Prinzipien, ohne welche die Arbeit einer Reorganisation nutzlos sein würde, nämlich die Abschaffung des' erblichen Rechts, im Oberhaus zu sitze», und die Einführung der Wählbarkeit. Er habe keine Wahl durch das Volk im Auge, denn dieses würde nur cii» schwächliches Abbild vom Unter- Hanse schassen, aber er glaube, das Haus würde an Stärke und Würde durch eine Bereinigung»nit" den GrafschaftSräten und Stadtkorporationen gewinnen. Roseberh schloß seine Rede mit dem Appell an das Oberhaus, das Land vor einer Einkam m er- regierung zu retten, welche nur mit Unheil enden könne. Minister Morley erklärte daraus, RoseberyS Vorschlag löse nicht die augenblickliche Schwierigkeit. Er glaube, der Vorschlag richte sich gegen das Unterhaus, und er bedaurc, daß Roseberh nicht auseinandergesetzt habe,»vie die Schwierigkeit zwischen den beiden Häusern in Zukunft überwunden werden könnte. Die Debatte wird vier Tage dauern. Obgleich im Oberhause keiner der unionistischen PeerS eine direkte Opposition gegen die Vorschläge Lord Roseberys zuin Aus» druck brachte, wurden diese keines»vcgs mit Begeisterung aufgenominen. Zahlreiche Peers zeigten sich nicht gewillt, so weit zu gehen, der Abschaffung des ErblichkeitSprinzips zuzustimmen, Ter Schlus» der Mariuedebatte. London, 14. März. Nach McKenna verlangte der Konscr- vative Lee die Aufstellung eines festen Flottenplancs nach deutschem Muster. Dann kam der Führer der Arbeiterpartei, Barnes, zu Wort. Er bedauerte, daß die Regierung die ganze Politik der Sparsamkeit den Forderungen der Opposition gegenüber preisgegeben habe. Das Land»verde zu Aus- ?aben gedrängt, welche weit über die vernünftigen An» orderungcn der Lage hinausgingen. Das meiste von den alarmierenden Erklärungen bezüglich der Flotte habe sich als unwahr erwiesen. Von dem,>vas über die deutsche Flotte im letzten Jahr gesagt worden sei, sei absolut nichts richtig gc- Wesen. Lord Beresford bedauerte, daß das Bauprogramm der Regierung ungeeignet sei, um die Suprematie zur See aufrecht zu erhalten. Er befürwortete eine Anleihe von 68 Millionen Pfund Sterling zurraschenDurchführung einer großen Flottcuvermehrung. Rußtand. Tie Friedensgesellschafk— kein Lcrhrccherklub. Petersburg. 14. März. Der Justizministcr hat die Duma« abgeordneten, welche in einem Gesuch um strafrechtliche Vcr« folgung der � russischen Gruppe der Jnterparlamenta- rischen Union gebeten hatten, schriftllch bc»iachrichtigt. daß in der Bildung einer besonderen Dumagrupve der genannten Union keine kriminell strafbare Handlung zu erblicken sei. Deshalb könne ihrem Gesuch auch keine Folge gegeben werden. Bulgarien. DaS Blutbad in Rustschuk. Sofia, 14. März. Die E n t f ü h r u n g S g e s ch i ch te der Türkin in Rustschuk datiert mehrere Tage zurück. Ein bulga- rischer Bankbeamter hatte eine Türkin mit ihrem Einverständniö entführt und angeblich geheiratet. Auf de» Protest des Vaters der Türkin und des türkischen Muftis entschied das Gericht, daß das Mädchen wegen Minderjährigkeit an das Elternhaus zurück- zugeben sei. Die darauf erfolgte Rückgabe der Türkin verursachte eine Gärung unter den Bulgaren, die die Türkin wieder rauben und dem Manne zurückgeben wollte». Vater und Tochter flohen ins Polizeigebäude. Gestern nachmittag der- suchte eine vleltausendköpsige bulgarische Menge die Türkin aus dem Polizeigebäude zu entführen. Die Polizei, verstärkt durch Militär, bemühte sich vergebens, die Demonstranten zurückzu- drängen. Als diese die Truppen mit Steinen bewarfen und Re- volverschüffe abgaben, wurden zuerst blinde, dann scharfe Schüsse abgefeuert. Zahlreiche Personen, darunter auch Kinder, wurden verletzt. Wie die Abendblätter melden, wurde heute vormittag in Rustschuk eine Trauerversammlung abgehalten. Weitere Kundgebungen werden befürchtet. Die Ruft- schuker Garnison wurde verstärkt. Der Minister des Innern, der sich gestern nacht nach Rustschuk begab, soll Demonstrationc!» der Menge ausgesetzt gewesen sein. Nach Ansicht der Oeifentlichkeit trifft die Schuld an den Kundgebungen die Behörde, welche gegen die wachsende Gärung der Bevölkerung-keine Maßnahmen getroffen habe. GewerhfcbaftUcbee* Viermal Ruiidcrttaufend! Die Nr. 12 der„Metallarbeiter-Zeitung" erscheint in einer Luflage von 4iX>cX!c> Exemplaren. Diese Auflage des Verbands- organs des Deutschen Mctallarbeiterverbandcs entspricht zwar nicht der Mitgliederzahl, sie ist aber ein ungefährer Gradmesser dafür. Der Verband hatte im Jahre 191)8 einen geringen Mit- gliederverlust, im Jahre 1999 hat er nicht allein diesen geringen Mitgliederverlust ausgeglichen, sondern die Mitgliederzahl hat sich um 11099 erhöht. Allein in diesem Jahre ist die Mitgliederzahl um zirka 12 0of". Admiralstraße, zeigten dasselbe Bild. Der große Saal von„Sanssouci" mit seinen geräumigen Galerien ertoies sich als viel zu klein. Er wurde aus polizeiliche Anordnung abgesperrt, als noch lange nicht bis Halste der Wahl» rechtsforderer dieser �Stadtgegend Einlaß gefunden hatte. Da wurde im kleineren Saal eine zweite Versammlung veranstaltet, aber um'?r8 Uhr war auch hier überfüllt, und wiederum wollte die Polizei keinen mehr hineinlasse«. Da standen noch immer große Menschenmassen an der Kottbuser Straße und warteten, ob nicht doch noch Einlaß zu finden wäre. Sie hatten Erfolg damit, soweit der große Garten Raum bot, denn dort wurde nun eine Versammlung unter freiem Himmel abgehalten, nicht minder imposant wie die im Saale. Vor dem Schle fischen Tor, wo Sonntag vor acht Tagen die Polizei ihre kriegerischen Angriffe und Reitkünste gegen friedlich demonstrierende Volksmasscn ausübte, war diesmal von Polizei wenig zu sehen. Nun verlies denn auch alles in schönster Ruhe, obwohl der Saal der„Drachenburg" lange nicht allen Raum bot, die zur Versammlung gekommen waren. Neugierige hatten sich diesmal auch nicht angesammelt; sie kommen ja meist nur, wenn die Helme blitzen und Attacken geritten werden. Aber das mündige Volk,' das sein Wahlrecht fordert und gegen Junkerübermut. Zentrumsverrat und Polizeibrutalität protestiert, war in Massen auf dem Plan. Bei Litfin in der Memeler Straße, in den Mark- grafensälen, am Marigrafendamm, dicht bei Stralau, gelegen, in den Prachtsälcn des Ostens überall fand man die Massen, dicht gedrängt den Worten der Redner lauschend und ab und zu in Zwischenrufen ihre Entrüstung über die unerträgliche Rechtlosig- kcit des preußischen Volkes kundgebend. So war es auch im „Elysiuui in der Landsberger Allee, wo auch viel mehr Menschen gekoinmen loaren, als der Saal fassen konnte. Wer sich hinunter nach Freyers Festsälen wandte mit dem Gedanken, dort noch ein Plätzchen zu finden, mußte sich getäuscht scheu. Zwar waren dort statt einer drei Versammlungen ver- anstaltet, aber die drei Säle des Hauses hatten so wenig aus- gereicht, daß die Straße noch voll von Menschen war, soweit sie nicht nach Boramann in der Andrcasstraße oder nach Boeker in der Weberstraße gezogen waren. Allerdings nützte das nur wenigen, denn auch diese Säle waren gefüllt voll. Im Norden war der Aufmarsch ein derart gewaltiger, daß das Straßenbild in der Nähe der Versammlungslokale einen völlig anderen Charak- tcr annahm. Ten Saal des Pratcrs mußten die Genossen mit Rücksicht auf die Ueberfüllung selbst absperren. Zunächst stauten sich die Massen vor dem Lokale. Dann wurde der Versuch gemacht, in dem Riefensaale der Brauerei Königstadt am Schönhauser Tor noch Unterkommen zu finden. Aber inzwischen war auch dort Ueberfüllung eingetreten und nun entwickelte sich unbeabsichtigt ein Massenspaziergang die Schönhauser Allee entlang von einem der Lokale zum anderen. Noch riesiger vielleicht war der Andrang zu den beiden dicht nebeneinander liegenden Lokalen in der Bad- straßc. WilkcL Saal in der Brunnenstraße, die Borussiasälc in der Ackerstraßc, Schmidts Fcstsäle in der Gartcnstraße, alle Lokale waren überfüllt. In den Pharussälen wurde bedauert, daß man nicht auch den unteren Saal für eine Versammlung mit in An- spruch nehmen konnte. Große Scharen füllten dort Garten und Straße. Besonders imposant, wie immer, gestaltete sich in Moabit außer in dem gefüllten Artushof die Versammlung in den Pracht- sälcn der Wiclefstraße. Dort waren der obere und untere Saal Kopf an Kopf gedrängt voller Menschen. Und dennoch vermochten die Riesenräumc die Zahl der Erschienenen nicht zu fassen. Die Menge quoll durch den Garten bis auf die Straße hinaus. Auch die Berliner Vororte konnten imposante Versamnilungen registrieren. Namentlich aber die großen Vorstädte im Osten und Südosten. Speziell in Rix- darf waren sämtliche Lokale schon vor 8 Uhr gefüllt bzw. Polizei» lich abgesperrt. In den frühen Abendstunden waren am Bahnhof Hermannstraße etwa 29 Gendarmen, teils beritten, teils zu Fuß und mit dem Karabiner ausgerüstet, eingetroffen, was unter den zahlreichen Passanten berechtigtes Aussehen erregte. Auch vor dem Lokal von Fclsch in der Knesebeckstraße hatte« sich eine Anzahl Schutzleute verteilt, wenn auch nicht in dem Maße, wie beim Wolffschcn Etablissement, denn bort hatte wohl die hohe Obrigkeit mehr staatserschütternde Ereignisse erwartet. Sie wurde aber enttäuscht. Die Menge der Ausgesperrten hatte viel„unge» heure Heiterkeit zu ihres Lebens Regel" erkoren, und die wartenden Schutzleute vertrieben sich die Langeweile damit, daß sie ab und zu ein paar kecke Jungens in die Flucht scheuchten. Beängstigend festgekeilt waren die VcrsammlungSbesucher bei Hoppe in der Hermannstraße. Und draußen wartete eine zahl» reiche Menge, die keinen Einlaß mehr gefunden hatte, das Ende der Versammlung ab; dann verteilten sich die Scharen unter brausenden Hochrufen auf das Wahlrecht in die umliegenden Straßen. Wie weiland die Cherubinc vor dem Paradiese, so hielten vor dem „Karlsgarten" zwei Schutzleute Wache und wiesen jeden, der noch hineinwollte, unerbittlich ab, obgleich im Lokale selbst noch Raum für mehrere Dutzend Personen vorhanden war. Ueberall gingen die Teilnehmer nach Schluß der Versammlung schlankweg nach Hause. In den Versammlungen fiel die große Anzahl der Frauen auf. Die Schutzmannschaft verhielt sich ruhig und reserviert. In allen vier Versammlungen wurde die Resolution einstimmig angenommen. Letzte IVacbncbten und Dcpcfcben. Imposante Temonstrationsversamnilnnge» fanden, wie uns telcgraphisch gemeldet wird, gestern Wend noch in Spandau, Cottbus und Landsberg a. Warthe statt. In Spandau referierte vor etwa 200(1 Personen Gen. Schulz. Nach der Versammlung brachten die Teilnehmer in den Straßen lebhafte Hochrufe auf das freie Wahlrecht aus. In Cottbus referierte vor 2000 Personen Genosse Herm. Sachse. Tie Versammlung in Landsberg, wo Gen. Koblenzer sprach, war von über 4000 Personen besucht. Die Polizei verhielt sich allenthalben reserviert. Durchstechereien in Mannheim. Mannheim, 15. März.(B. H.) Durchstechereien, wie sie schon vor einer Reihe von Jahren die hiesigen Gerichte beschäftigten, veranlaßten neuerdings die Verhaftung dcS städtischen Wage- meisterö Boszecker und von sechs Landwirten auS Nachbarorten. Die Durchstechereien bestanden darin, daß der Wagemeister den Landwirten Wiegefcheine zur Berfiigung stellte, welche für abgc- wogenes Heu ein höheres Gewicht anzeigten, als tatsächlich gewogen worden war. Die Cholera auf Java. Amsterdam, 13. März.(W. T. B.) Wie daS..HandelSblad" aus Batavia meldet, breitet sich die Cholera auf Java immer weiter ans. Täglich kommen durchschnittlich vierzig Er- kranIongeu vor. Aufhebung des Strasieubahnerstreiks in Philadelphia in Sicht. New Jork, 15. März..(B. H.) In Philadelphia wird die Er- ledigung der Schwierigkeiten binnen zwei Tage» erwartet. Die __ Straßenbahngescllschaft willigt ein, an Konferenzen teilzunehmen. UH.Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorworts Buchdr.u.verlaglanstaltPmllSnigcrL: Co., Berlin 8),V. Hierzu 4 Beilagen u.UntcrhaltvngsbL Hr. 63. 37. Jahrgang. 1. KkilW des Joriirts" PittlMdf, 16. Quittung. Im Monat Februar gingen bei dem Unterzeichneten folgende Parteibeiträge ein: Aalen, 13. württemb. Wcihllr. 4. Quart. 09 19,65. Aachen- Stadt, sozialdemokr. Verein, 4. Quart. 09 88,—. Aachen-Land «Upen, sozialoemokr. Verein, i. Quart. 09 70,20. Arnstadt, Wablkr. Schwarzb.-Sondersbause», 4. Quart. 09 124,12. Berlin-Groß, a konto seiner acht SSahllreise 10 000,—(darunter Bezirk 151 2,20, Gl. 10,—, Warnst 25,—, Ileberschllh vom Bebel-Telegramm 11,50, .--ranz-Ucberschutz von Bezirk 661 0,20, Wahlrechtsfonds der Rechtlosen durch Garn 3,—, Ueber» See gefahren bei Garn 3,30, Baükarl 3,—, Amerikan. Auktion Bezirk 584 durch Denzer 9,50, A. B. Mister 1,—, Dr. K. R. 25,—, anS einer Prozebl'ache K. R. 4,90, Referat Koblenzer 6,—, vom Sparverein Notgroschen Rirdorf 3,—.) Berlin, diverse Beiträge: Sparverein„Vorwärts Süden"' durch Knechte! 10, Dr. L. A. 100,- Machetcs 5,—. Streitsache Backhans —,50. Gutcnberg 39,40. Uebcrfchnk zur B.-Gr. v. der Fa. W. u. P., Taxametcrfabr., Manerstrabe 5,15. Die Kontobuch- arüeiter vom Wedding 5,—. Vom Z.-V. der Brauereiarb., Zahl- stelle Berlin, für 1909 60,—. Sparverein Gr. S. Rbg. 4,85. Ucbersch. Telegramm an B. 2,30. Werkstatt Mendt u. Redlich 90,—. P. S. 50,—. A. B. 50,—. M. SS., Dezember— Februar 6,—. Bielefeld- Wiedenbrück, Restbeitrag für 2. Quart. 09 4>1,70. Desgleichen, Beitrag für 2. Halbjahr 09 1054,60. Bonn, Wahlkreis- beirrag für 4. Quart. 09 15,—, Bautzen, sozialdemokr. Verein des 3. sächs. Wahlkr., 2. Halbjahr 09 824.20. Brandenburg- Wcsthavell., soz. Zentralwahlvcrein, 4. Quart. 09 313,60. Braunschweig, 1. Wahl- kreis sBraimschlv- Blankenb.), 4. Quart. 09 643,12. Desgleichen, 2. Wahlkreis(Helmstedt-Wolfenb>, 4. Quart. 09 70,87. Desgleichen, 3. Wahlkreis sHolzminden- Gandershausen), 4. Quartal 09 54,72. Baden-Baden, 8. bad. Kreis, 4. Quarr. 09 54,86. Brüssel, deutscher Arbeiterverein. 2. Halbjahr 09 33,87. Backnang, 11. württemb. Wahlkr. 4. Quart. 09 35,25. Bromderger Agitationsbezirk, Wahlkreise Hohensalza 2.-4. Quart. 09 2,78; Posen 4. Quart. 09 15,25 1 Wirsitz-Sckubin dcSgl. 3,92; Mcieritz desgl. 1,20; Rawitsch- Kröben deSgl. 7.50; Samter-Obornig! desgl. 7,39; Lstrowo 3. u. 4. Quart. 09 2,81; Brombcrg 3. u. 4. Quart. 09 27,53; Kolmar- Filchne 4. Quart. 09 16,62; Sa. 85,05. Beuthen, Agitationsbezirk Ober- schlesien, 4. Quart. 09. Wahlkreise: Kattowitz- Zabrze 64.05; Beuthen- Tarrrowitz 56,30; Ralibor 15,55; Gleiwitz 10,80; Pleh-Rybnick 8,—; Sa. 154,70. Beelitz. Heilstätte, Pav. B. III, Urbersch. anläszlich d. B.-Gratulation 19,65. Bern 50,—. Bochum- Gelienkirchen, Wahlkrcisbeitrog für 4. Quart. 09 977,20. Cassel- Melsungen, Wahlkreisbeitrag für 4. Quart. 09 447,78. Coburg, Berliner und andere Monteure—,20. Calw, 7. Württemberg. Wablkr., 4. Quart. 09 79.67. Cottbus. Wahlkreisbeitrag für 4. Quart. 09 400,—. Dresden, 4. sächs. Wahlkr., 2. Halbjahr 09 4000,—. Duisburg, Wahlkreisbeitrag für 4. Quart. 09 583,92; Detmold, Wahlkreis Lippe, 1. Halbjahr 09 100,52; desgl. 2. Halbjahr 09 127,16; Sa. 227,68. DreSden-Land, 6. sächs. Wahlkr. a konto seiner Beiträge für 1909/10 2090,—. Danzig, Provinz Westpreußen, 4. Quart. 09. Wahlkreise: Elbing-Marien- bürg 45,43: Danzig-Land 10,50; Danzig-Sradt 175,70; Neustadt- CarrhauS 3,66; Stuhm-Marienwcrder 12,22; Rosenberg 1,24; Graudenz-Strasburg 22.20; Thoni-Culm 4,82; Könitz 7,46; Schlochan- Flatow 3.52; Deutsch-Krone 13,16; Sa. 305,11. Crfurl-Schleusingen-Ziegenrück. 4. Quart. 09 209,—. Eilenburg, sozial dem. Verein des Wahlkr. Delitzsch-Bitterfeld, 3. u. 4. Quart. 09 302,60. Erstein-Molsheim. Wahlkreisbeitrag für 4. Quart. 09 22,16. Forst, Wahlkr. Sorau-Forst, 4. Quart. 09 322,06. Finsterwalde, Wahlkr. Kalau-Luckau, 4. Quart. 09 156,39. Falkenberg(Oberschl.) 3,—. Flensburg, 1. u. 2. ichlcSw.-holst. Wahlkr., 3. Quart. 09 354,42. Feuerbach, 4. Württemberg. Wahlkr., 4. Quart. 09 104,76. Freiburg i. B., 5. bad. Wahlkr., v. 15. 10. 09 bis 15. 2. 10 77,16. Göpvl ugen, 10. württemb. Wahlkr., 4. Quart. 09 190,86. Grabow i M, 3. mecklenb. Wahlkr., 2. Halbjahr 09 70,—. Görlitzer Agitationsbezirk. Wahlkreise: Görlitz-Lanban, 4. Quartal 09 874,42; Sagan-Sprottau, 4. Quartal 09 82,23; Grünberg- Freysladt, 4. Quart. 09 69,92; Löwenberg, 2. Halbjahr 09 33,70; Sa. 560,32. GoSlar, 13. hannov. Wahlkr., 2. Halbjahr 09 165,94. Halberstadt-OscherSleben, Wahlkreisbeitrag für 4. Quart. 09 320,—. Hamm-Soest, sozialdemokr. Verein, 4. Quart. 09 289,02. Johann- georgenstadt, 21. sächs. ReichStagSwahlkr. 600,—. Köln a. Rh., Kleines f euilletom Die Floravüste ist von Lucas! Herr Bode und die Seinen haben eS einzurichien gewußt, daß in der„amtlichen" llntersuchung nur Fachleute zu Worte kamen, die bewiesen, daß die Flora nicht von LucaS sei. ES haben sich aber trotz deS von der Bodepartei ausgeübten Terrors unabhängige Fachleute gefunden, die den Mut haben, Resultate zu veröffentlichen, die für LucaS zeugen. In den nächsten Tagen erscheint bei Otto Wigand in Leipzig eine Broschüre von deni Bildhauer Martin S ch a n ß, in der nachgewiesen wird, daß die gegossene Büste auS technischen und sonstigen Gründen ein Werk des Lucas ist. Herr Schmiß war bei der Oeffnung der sensationellen Florabüste als Sachverständiger zugegen und hat als� Praktiker alle die Autorität, über die keiner der gelehrten Bode-Exzellenzen verfügt. Die Analyse deS Fllora-WachseS, die der Chemiker des Kaiset Friedrich-Muscums veröffentlichte, war nach seinen Angaben ergebniS� los. Nun war bereits aus der Aussage von Lucas Sohn bekannt, daß Lucas Kerzcnivnchs verwendete und der Oxforder Bell hatte darauf hingewiesen, daß zu LucaS' Zeiten dem Wachs unter anderem Walrat beigemischt wurde. Der Chemiker des Herrn Bode konnte das freilich nicht feststellen. Dafür hat aber ein anderer Chemiker den Nachweis geführt, daß die Florabüste Walrat enthält. Wenn Herr Bode nun nicht nachweist, daß Leonardo, der ja vielseitig und genial genug war, bereits auf die Walfischjagd ging und das sonst erst seit 1750 gebräuchliche Walrat(eine ölige Substanz auS dem Schädel usw. des Potwals) bereits kannte, so ist's mit all scmen und seiner Autoritäten Hypothesen für immer auS. Ter Ursprung der Stenographie. In einem inkeressanicn Werke, das unter dem Titel„Geschichte der Stenographie im Altertum und im Mittelalter" soeben in Paris erschienen ist, geben Louis Prosper und Eugene Guänin das Resultat jähre- langer Forschungen, die fesselnde neue Aufschlüsse über die Eni- stehung der Kurzschrift bringen. Schon Cicero benutzte die Kurz- schrift und nicht nur zur Wiedergabe seiner Reden, sondern auch für seine Korrespondenz. In seinem Freunde T i r o, der den tironischcn Noten ihren Namen gegeben hat, stand ihm ein Steno- graph zur Seite, der ihn fast nie verließ und dessen System der Kurzschrift bis weit in das Mittelalter hinein Nachahmung ge- fundcn hat. In seinen Noten hat Tiro ein System der Steno- graphie entwickelt, das sich nicht nur auf die abgekürzte Wiedergabe von Silben oder Worten beschränkte, sondern mit der Zeit auch ein System entwickelte, nach dem ganze Sätze durch kurze Schrift- bilder dargestellt wurden. Schon vor ihm hatte Ennius gegen 1100 Zeichen für die Wiedergabe von Silben und Worten ersonnen und nach Tiro hat Scncca den Zcichenrcichtum der alten Stenographie auf nahezu 5000 Zeichen und Siegel gebracht. Aus dieser Kurz- schrift hat sich die Stenographie cniwickclt, die im Mittelalter ge- braucht wurde, und aus uu entstand auch die abkürzende Schreib-- weise, deren sich Papsi lNMster II. als Geheimschrift bediente. Seine Kunst hat ihm sogar Ä». Vorwurf der Zauberei cinAetragcn. Die Römer hatten aus Gruno der tironischcn Noten bereits eine Kurzschrift entwickelt, die doza benutzt wurde, die Reden aufzu- Ncg.� W. 20,—. Kattowitz. Beitrag der P. P. S. für 4. Quart. 09 145,57(dav. v. Wahlkr. Kattowitz-Zabrze 51,65; Beuchen-Tarnowitz 29,86).. Luckenwalde-Zauch-Belzig, Wahlkreisbeitrag für 4. Quart. 09 862,70. Lübeck, sozialdemokr. Verein, 4. Quart. 09 740,—. Mannheim, 11. bad. Wahlkr., 4. Quart. 09 750,—. Mühlhansen i. Thür., sozialdemokr. Kreisvcrein für 3. u. 4. Quart. 09 97,10. München, Gau Südbnyern. 4. Quart. 09, Wahlkreise: München I und II 775,78; Aichach 53,34; Ittgolsindt 13,05; Wasserburg 2,61; Weilheim 23,04; Rvsenheim 79,23; Traunstein 27,06; Lündshut 9,75; Straubing 8,61; Passan 10,83; Parrtirchen 10,65; Deggendorf 3,90; Augsburg 103,09; Donauwörth 5,49; Dillingen 1,32; Jlleriisscn 21,03; Kaufbeuren 12,18; Fmmenstadt 47,16; Summa 1237,02. Magdeburg, sozialdemokratischer Verein a konto der Beiträge für 1909/10 800.—. Minden- Lübbecke, sozialdemokr. Verein, 2. Halbjahr 09 163,22. Meerane, 17. sächs. Kreis, 4. Quartal 09 125,—. Neustadt i. H., 9. schleSw.-holst. Wahlkreis, 3. Quartal 09 08,20. Deögl. 4. Quartal 09 68.44. Oldenburg. 1. oldenb. Wahlkreis 138,08. Olvenstedt. Wahlkreis Wolmirstedt-Nenhaldcnslebe», 4. Quartal 09 22t,—. Otlensen-ElmS- Horn-Pinneberg, 6. schlesw.-holst. Kr. a konto seiner Beiträge 890,—. Qffenblirg, 7. badischer Wablkr.. 1. u. 2. Quart. 09 97,70.' Plauen- Oelsnitz i. V., 23. sächs. Wahlkr. 4. Quartal 09 336,20. Pritzwalk, Zentralwahlverein des Wahlkr. Ostprignitz, 4. Quartal 09 18,—. RappoltSweiler-Markirch, 3. u. 4. Quart. 09 15,20. Reutlingen. 6. würtlemb. Wablk., 3. u. 4. Quart. 09 109,84. Ronsdorf, Wahlkr. Lennep- Remscheid- Mettmann, 4. Quart. 09 400,—. Schwerin, 2. Mecklenburg. Wahlkr., 2. Halbjahr 244,60. SchwiebuS-Züllichan- Krossen, Wablkreisbeitrag für 4. Quart. 09 46,84. Salzwedcl-Gardc- legen. Wahlkreisbeirr, f. 4. Quart. 09 70.—. Stuttgart, G. U. 10,—. Weimar, 1. weimarsch. Wahlkr., 4. Quart. 09 95,—. Berlin, den 14. März 1010. Für den Parteivorstand: A. Gerisch. Lindenstr. 69. Keickstag. 58, Sitzung. Dienstag, den 15. März, nach« mittags 1 Uhr. Am Bundesratstisch: b. Bethmann Hollweg, Dr. Del- brück, v. Schoen, Kraetke. Zunächst wird über die Ostmarkenzulag, im Postctat ab- gestimmt. Da die Abstimmung zweifelhaft ist, erfolgt Hammel- s p r u n g. Hierbei ergibt sich die Annahme mit 154 gegen 149 Stimmen. Mit Nein stimmten die Sozialdemokraten, das Zentrum, die Polen und von der Fortschrittlichen Volkspartei der Abg. Träger. Es folgt die forttetzung der Beratung des etata für den Retchahanzter und die Retcbakanzlei. Abg. Prinz zu Schonaich-Carolath(natl.) empfiehlt«ine Resck lution. nach welcher zur Unterstützung der Bestrebungen für di« internationale Schicdsgerichtsbewegung eine Beihilfe in den nächst- jährigen Etat eingestellt werden soll. Abg. Eickhoff(Fortschr. Vp.) schließt sich dem an. Staatssekretär v. Schoen: Der Reichskanzler teilt die Schn- pachten feines Vorgängers für die internationale Schiedsgerichts� bewegung und wird.die Anregung, sie durch eine Beihilfe zu unier stützen, in gebührende Erwägung ziehen. Allerdings wird der Schatzsekretär ein gewichtiges Wort dabei mitzusprechen haben (Heiterkeit.) Reicbakanzler-VerantivortUcbkeit. Abg. Ledebour(Soz.): Der Resolution Schönaich-Carolath stimmen wir entsprechend unserer bisherigen Haltung zu. Wir wünschen, daß Zwistigkcitrn zwischen Nationen möglichst alle durch Schiedsgerichte erledigt werden. Die Erklärung des Ministers des Auswärtigen zeigte leider nicht ein so großes Interesse für die Sache, wie es di« An- tragstcller haben. Er sagte, die Regierung würde der Sache näher treten, aber dabei würde der Herr Reichsschatzsekretär noch cm zeichnen, die auf dem Forum gehalten wurden. Jstdorus von Se- Villa, der in seinem großen Sammelwerke das Erbe der klassischen Vorzeit gerettet hat, erzählt:„Die Lcridee lidrarii(die noch öfter nokani genannt wurden, weil sie sich der tironischen Noten bedien- ten) schrieben in größerer Zahl gemeinsam, indem sie sich die einzelnen Partien her Reden einteilten auf die Art, daß ein jeder ein besonderes Stück der Rede genau nachschrieb." Man sieht hieraus, daß das alte Rom seine Parlamcntsstenographen hatte wie auch die Gegenwart. Später haben die Konzilien, deren Reden genau aufgezeichnet werden mußten, für die Erhaltung der stcno- graphischen Kunst gesorgt. Die Akten der großen Disputation von Karthago zwischen Augüstin und den Donatistcnbischöfen enthalten eine interessante Bemerkung, die für die Wichtigkeit zeugt, die man den Stenographen beimaß. Die Donaiisten sahen ihre Niederlage kommen und begannen Obstruktion zu treiben. Die Stenographen ermüden schließlich und endlich meldet der„Exccptor" Hilarez: „Wir haben unsere Tafeln vollgeschrieben, nun müssen uns andere Exccptorcn ablösen. Euer Gnaden möge Ersatz anbefehlen und uns eine Wache zum Schutze geben." Noch unter Karl dem Großen wurde die Kurzschrift emsig gepflegt; später jedoch, mit dem Vor- dringen der französischen Sprache, für die die lateinischen Schrift- zeichen ungeeignet waren, ging die Kunst mit der Zeit verloren. Aber was bisher noch im Dunkel lag, das war die Frage: Sind es die Römer gewesen, die die erste Kurzschrift geschaffen haben? Guenin hat in seinem W?rke seine Studien bis in das vorrömische Zeitalter vorgetrieben und ist dabei zu einer außerordentlich bc- dcutsamcn Entdeckung gekommen.. Nach ihr ist die Kurzschrift nicht römischen Ursprungs; die römische Stenographie zeigt eine verblüffende Verwandtschaft mit der dcmo tischen Schrift, mit der polulären 5'mrsivschrift, die in dem Aegypten der 26. Dh- nastie die alten Hieroglyphen ersetzte. Beide Schriften haben das- selbe Prinzip: ein bcsthränktes Alphabet verbunden mit einer Silbenschrift, die mit Ideogrammen(Wortzeichen) ergänzt wird. Selbst die Form zeigt eine merkwürdige Uebercinstimmung. Wenn man die demotischen Wortzeichen nach griechisch-römischer Weise von links nach rechts schreibt, anstatt nach ägiipttscher von rcchtö nach links, so wird man einer überraschenden Ncbereinstimmnng mit der römischen Kurzschrift innc. Allem Anschein nach ist die Stenographie von der alexandrinischen Schule ausgegangen und war urGrünglich nichts anderes als eine Uebertragung der dcmo- tischen Schrift ins Griechische, die von den griechischen Studenten geübt wurde, die in Rlexandria studierten. Auf dem Umweg über Griechenland ist dann diese ägyptische Schrift nach Rom gekommen und zur Stenographie geworden. Humor and Tatire. Parlament. Herr Hirsch imnitten der SitzimgSfehde Trank einen Schluck Wasser bei der Rede. Da rief die Rechte voll„Heiterkeit": „Seht, wie der Hirsch nach Wasser schreit." So viel Geist aus deS HaUseS Mitte Ist eine wahrhaft glückliche Siite. Man kann den sprühend frohen Seelen Folgende Falle künftig empfehlen." gewichtiges Wort mitzusprechen haben. Wenn man bedenkt, daß es sich dabei um ein Objekt von— 4000 M. handelt, so ist doch ein solches Argument im Munde des Ministers eines Staates, der ein Budget von 2 Milliarden hat. höchst merkwürdig.(Sehr ivahr! bei den Sozialdeinvkraken.) Ich hoffe, baß der Herr Reichsschatzsekretär diese große Sache nicht nach kleinlichen Gesichtspunkten behandeln wird. Die SchicdSgcrichtSdokumente sollten auch nicht im Reichs- Gesetzblatt, das doch unter Ausschluß der Ocffcntlichkeii erscheint, sondern als Weißbuch den Wgcordnctcn. zugänglich gemacht werden. Im übrigen möchte ich betonen, daß viel wichtiger als diese Schiedsgerichte eine Abschwächnnz der Rüstnnge» im eigenen Lande wäre. Wenn alle Friedensfreunde darauf hinwirken wurde in so würde das weit mehr zur Sicherung des Friedens beitragen.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Ich komme nun zu unserer Resolution, wonach der Reichs- kanzler für seine Amtsführung dem Reichstag verantwortlich sein und diese Verantwortlichkeit sich auf alle politischen Handlungen und Unterlassungen des Kaisers erstrecken soll, unter Einsetzung eines Staaisgerichtshofes, der die Verantwortlichkeit regelt. Die aus Grund der Kaiscrdcbatten im November 1908 eingebrachten Vcrsassungsanträge sind ja leider in der Kommission vollständig unter den Tisch gefallen. Wir halten eS daher für notwendig, den Reichstag auch bei dieser Gelegenheit wicocr vorwärts zu drängen und die Oeffentlichkeit auf die große Wichtigkeit einer der- artigen staatsrechtlichen Weiterentwicklung aufmerksam zu machen. Ich will nicht auf alle Einzelheiten eines solchen Gesetzentwurfs hier eingehen, sondern nur betonen, daß diese Verantwortlich- teil des Reichskanzlers dadurch erst ihre volle Wirkungskraft erhalten würde, wenn die von uns beantragte Bestimmm z angenommen wird, daß der Rcichstanzlcr en t l a s s en �wird, wenn der Reichstag es verlangt. Das ist der Kernpunkt der Sache; diese Waffe muß dem Reichstag in die Hand gegeben werden, wenn endlich an Stelle des burcaukratischen Regierungsshstems einem demokratischen Parlamentarismus in Deutschland die Wege geebnet werden sollen. Natürlich müßten auch im übrigen unsere öffentlichen Einrichtungen im weitesten Umfange demokratisiert werden. Gerade die bciannicn Novemberdcbatten haben gezeigt, in welch hohem Maße eine solche Regelung im Interesse des deutschen Volkes liegt. Das Volk hat ein Interesse daran, daß nicht eine einzige Persönlichkeit, der Monarch, die auswärtigen Beziehungen nach feinem Ermessen leitet und die Entscheidung über Krieg und Frieden trifft. Damals hat mit der größten Einmütigkeit das Volk kundgetan, daß diese selbstherrlichen Entscheidungen dem Monarchen aus der Hand genommen werden müßten. Jene Ver. Handlungen haben aufgeräumt mit der Fiktion, als ob die Regie- runa eines großen Kulturvolkes wirklich selbstherrlich sein könne. (Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Wir haben ein burcaukraiisches Negierungsslistem mit parlamentarischem Aufputz. Dadurch unterschelden sich die deutschen Zustände sehr wesent- lich von denen anderer fortgeschrittener Kulturstaaten, in denen der demokratifche Parlamentarismus bereits das öffentliche Leben beherrscht. Zu ihm drängen auch bei uns alle Erscheinungen im öffentlichen Leben hin. Nicht nur im Reiche, sondern auch in den Einzelstaaten muß die Entscheidung über alle wichtigen Fragen im Parlament fallen. Der Reichskanzler hat behauptet, eine Parteircgicrung in Teutschland gebe es nicht! In der Tot haben wir ebensogut eine Parteiregierung wie in parlamentarisch regierten Staaten. Ter Unterschied ist nur der, daß unsere Parteircgierung auf der selbstherrlichen Organisation der Bureau kratic beruht, die die wirtschaftlichen Interessen einer Aeinen Minderheit von Großgrundbesitzern und allenfalls noch Großkapitalisicn der Industrie vertritt. Gerade weil die buremikrattsche Regierung, die Parteiregierung, eine Minder- h ei t ist, deshalb ist si» viel parteiischer als eine parlamentarische Pcrrtciregierung je gewesen ist oder überhaupt sein kann. Bei uns werden nicht nur die Sogialdemokraten unterdrückt. gegenwärtig richtet sich die Unterdrückungspolitik auch gegen die Polen und stellenweise sogar andere Parteien. Ms die Freisin. niaen noch zum Rcgierungsblock gehörten, wurde der zu ihnen gehörige Wenn Heim um den Beifall der Freunde wirbt. So ruft man kräftig: Das Heimchen zirpt." Hört man Herrn Traeger, den friedlichen Weisen, Schreit man:„Der Träger ist nicht von Eisen." Bald ruft einer, dem Herr Speck mißfällt: „Speck redet— was die Schwarte hält." ES redet Herr Kirsch. Der Schwärm der Ritter Schreit in den Saal:„Der Kirsch— ist bitter! Und wenn Herr Keller Kampfivoite hagelt, Ruft man:„Der Keller ist vernagelt." Und wenn Herr Dietrich lange spricht, Fragen sie:„Warum... schließt er nicht?'... So rettet man sich zu jeder Zeit Die wahrhaft sonnige Heiterkeit. Mensch, ist man bei der Siyimg froh, So hustet man auf das Niveau. _(GolÜieh im„Tag'.) Notizen. — Kunstchronik. Im Oktober und November dieses Jahrei wird in der Sezession eine Aiisstellmig schwedischer Ge- m ä l d e stattfinden, in der Born, N. Kröger, Liljcfors und Fosephson vertreten sein werden. — Ein„Institut für internationalen Austausch fortschrittlicher Erfahrungen" wurde in Paris begründet. Der Zweck des Vereins, der in den wichtigsten Städten Europas LokalkomitceS besitzt, geht dahin, die sozialen und kulturellen Er- fahrungen aller Kulturvölker zu sammeln, die so gewonnenen An- rcgungen zu vertiefen tmd zu planmäßiger Reformarbeit zu vir« werten. Als Organ dienen in Deutschland„Die Dokumente deS Fort« schrittS". Die wesentliche Tätigkeitslinie des Instituts liegt in der Veranstaltmig regelmäßiger Vorstellungen in allen Großstädten Europas, und zwar iollen ausländische Vortragende bc» rufen werden, die über Erfahrungen ihrer Heimat bc» richten. Die'Vorlesungen sollen zu einer„Internationalen Universität" und das Institut selbst zu einer„Inter» nationalen Akademie" ausgestaltet werden. Nur Personen, die sich um die Förderung sozialer titid kiilitirellcr Nefornten verdient gemacht haben, können ordentliche Mitglieder werden, wahrend eS jedermann frei steht, tmrch Bezahlung eines Mitgliedsbeitrages von 15 M. die Eigenschaft cineS untersttitzenden Mitgliedes und da« mit daS Recht zum Beznge der Zeitschrift nsw. zu erwerben. DaS Generalfekretariat des JnstittitS, 59, Rite Clande-Bertiard, Paris, er« teilt auf Anfrage jede gewünschte weitere Auskunft. — Ein neues Wer! Nansens. Fritjof Nansen, der Herborragende Polarforscher, hat ein historisch-geographischeS Buch vollendet, in dem er alle ForschmigSreiseu in der nördlichen Zone von der frühestett Zeit an behandelt. Das Buch tvtrd durch zahlreiche authentische Abbildungen illustriert sein.' Man darf um so gespannter darauf sein, als Nansen einer der wetiigcu wirklich wisfeilschaftsich durchgebildeten Nordpolfahrer und Forscher ist. Bürgermeister von Husun» gemaßregelt, Seil er das bureaukratische RegierANgSshstem scharf, aber treffend charakterisierte. In jedem parlamentari- s ch e n Lande wäre das unmöglich gewesen. Ebenso sind die Kattowiver Masiregclungc» ein Beweis unserer schroffen Parteiregierung. Der schwerste Fehler der Freisinnigen und des Zentrums ist es, diese Partei- regierung nicht Seite an Seite mit uns zu bekämvfcn. Ter schlagendste Betveis dafür, daß wir eine Parteiregierung in Preutzen-Deutschlaud haben, ist die Tatsache, daß Fürst Bülow sein Amt niederlegte, weil er in Differenzen mit den Konser- vativen geraten war. Er erklärte, eine Auflösung des Reichs- tages könne er nicht herbeiführen, weil sie gegen die Konservatiben gerichtet wäre, und gegen die konservative Partei könne man in Deutschland nicht regieren! Darin liegt das offene Eingestand- nis, daß die Wünsche und die politische Haltung der konscrva- tiven Partei die Richtschnur für die Regierung abgeben, trotzdem die konservative Partei' in diesem Hause imnier nur eine Minder- ' heit gebildet hat und bildet. Ilm eine Mehrheit zu bekommen, muß die konservative Partei bald mit der einen, bald mit der anderen bürgerlichen Partei anzubändeln versuchen. Ein dauern- des Jntereffe an der Aufrechterhaltung unseres bureaukratischen Regierungssystems haben also nur die Konservativen,(«ehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Die Buremikratie als solche hat keine politische Uebcrzeugung. Als besondere Klasse wird sie nur durch den Korpsgeist zusammengehalten, der allerdings mit allen Mitteln gepflegt und gefördert wird. Durch dieses Regie- rungssystcm ist unser Volk, wenigstens die bürgerliche Klasse, in einem Zustand politischer Unreife gehalten, einem Zustand, der das Bürgertum Deutschlands weit unter das Frankreichs, Eng- lands und Amerikas stellt. Im Ausland, z. B. in Amerika, spielen die Deutschen wirtschaftlich eine große Rolle, politisch gar nicht! Professor Sombart hat sogar die Beschäftigung mit der Politik für unwürdig eines zivilisierten Menschen erklärt. Das ist nur in einem Lande möglich, wo infolge der Ohnmacht des Parlaments Interesse an der Politik nicht vorhanden ist. Nur die revolutionären Elemente des Bürgertums haben je- mals im Ausland eine politische Rolle gespielt, wie der 48er Re- volutionär Karl Schurz in Amerika. Auf die Bureaukratie selbst wirkt das bureaukratische System niit seiner Unterdrückung des Rechts auf eigene Ueberzcugung eine geradezu den Charakter vernichtende Wirkung aus. Franz Zieg- ler. der die Bureaukratie kannte— er gehörte ihr ja selbst an—, sagte:„Es gibt nichts Raffinierteres, als die Art und Weise, wie in einer geradezu bewunderungswürdigen Dressur der preußische Staat seinen Beamten alle geistigen und moralischen Rrppen bricht." DaS ist auch heute noch so. In die höheren Stellen kann bei uns nur aufsteigen, wer sich fügsam den Anschauungen der Vorgesetzten anzupassen versteht und so allmählich auf die Ministersessel hinaufrutscht. Das sind aber nicht charaktervolle Männer, die fähig wären, das Volk zu führen.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Wir haben ja auch Männer von selb- ständigem Charakter in den höchsten Stellen gehabt. Das waren aber Leute, die nicht die Karriere strebsamer Bureaukraten durch- gemacht hatten, Leute wie Bismarck und Stein, die selbst eine ausgeprägte Mißachtung für diese Bureaukratie hatten. In parlamentarisch regierten Ländern lverdcn die Geschäfte des Landes von den berufensten Vertretern des Meinungskcunpfcs geführt. Bei uns suchen die Geschäftsführer im Reich und Staat den Reichstag und die Landtage nach diplomatischer Methode zu be- handeln. Handelt es sich um Erledigung von Anträgen aus der Mitte des Hauses, so tritt die Regierung dem Reichstag als fremde Macht gegenüber, gibt oft keine Auskunft oder läßt sehr lange auf die Auskunft warten. Daß diese Methode fortgesetzt werden kann, ist zweifellos auch die Schuld der bürgerlichen Mehrheit des Reichs- tages. Wie die Regierung sich den Konseröativcn fügt, dafür hatten wir ein interessantes Beispiel bei der letzten Steuerreform. Da verkroch die Regierung sich in sich selbst und wollt« abwarfen, was aus dem Hause herauskommt. Ganz ähnlich hat es Herr von Bcth- mann Hollwcg in Preußen gemacht. Auch da wurde ein Gesetz- cntwurf eingebracht, mit den? die Regierung sich zunächst identisch erklärte. Tann wurde der Gesetzentwurf umgearbeitet, und der Reichskanzler erklärte als preußischer Minffterprösident,„wie die Regierung sich dazu verhalten wird, sagt sie nicht, sie vinkuliert sich nicht."(Lachen b. d. Soz.) Der Reichskanzler steht ja der konscr- vativen Partei gegenüber in dem Verhältnis der„gottgewollten Abhängigkeit". Fürst Bülow war im vorigen Jahre so unvor- sichtig, weben dieser gottgewollten Abhängigkeit noch eine andere freiwillig auf sich zu nehmen. Er vinkulierte sich auch noch gegen- über den Liberalen und Nationalliberalen, und einer seiner Kol» legen, der seine ganze Politik mitgemacht hatte, setzte sich, als Fürst Bülow zwischen beiden Stühlen zu Boden fiel, trotzdem ruhig auf den Stuhl des Reichskanzlers! Diese Erfahrung, die Fürst Bülow mit der freiwilligen Vinkulierung an eine andere Partei als die Konservativen machte, und mit seinem Kollegen, hat dem gegenwärtigen Reichskanzler zur Lehre gedient. Er vin- kulicrt sich nicht, das Vinkulieren ist ja überhaupt eine gefährliche Sache!(Heiterkeit.) Die Herren wagen gar nicht mehr, auch nur noch den Schein einer Ueberzeugung zu vertreten. In jeder Beziehung sind sie Handlanger einer konservativen Parteiregierung im Interesse der Junker, und da ist es geradezu unverständlich, wie einer dieser Handlanger noch behaupten kann, wir haben keine Partcircgicrung.(Lebhafte Zustimmung b. d. Soz.)-Gegenüber dieser Bureaukratie wäre es eine Pflicht der Selbsterhaltuna für das Bürgertum, mit den So- zialdemokratcn gemeinsam dieses System zu beseitigen und ein wirklich parlamentarisches an feine Stelle zu setzen. Leider haben wir von den bürgerlichen Parteien noch nichts vernommen, was uns zu der Annahme berechtigt, auch nur eine Partei werde uns in? Kampf um demokratischen Parlamentarismus unterstützen. (Widerspruch b. d. Fortschr. Vp.) Auch Sie haben noch jetzt wieder Blicke der Sehnsucht nach der Blockära zurückgeworfen!(S?hr wahr! b. d. Soz.) Dabei war der einzige Unterschied jener Zeit gegen heute, daß damals Sie den Konservativen die Steine aus dem Wege räumten, heute das Zentrum.(Sehr richtig! b. d. Soz. Zurufe b. d. Fortschr. Vp.) Fürst Bülow iminschte die Grab- schrist„Hier r?lht ein agrarischer Kauzler". Wenn Sie versuchen, ihn jetzt als liberakisiercnden Kanzler auszuspielen und auf daö Blockroß zu setzen, so werden Ste der Rechten und dem Zentrum keinen Schrecken einjagen. Das können Sie nur, wenn Sie für das demokratische RcgierungSshstein eintreten und Seite an Seite mit uns dafür kämpfen.(Sehr richtig! b. d. Soz.) Die einzige Möglichkeit, ein dcinokrati,ck?eS Rcgierungssystem zu erzwingen, ist, mit ui?S eine Mehrheit zu bilden und?lntcr Ausnutzung des Budgetrechtcs die bureaukratische Regierung auf die Knie zu zwingen. Diese Zeit ist eine Schicksalsstunde für das deutsche Volk! Wir Sozialdemokraten werden alles aufbieten im Kampf gegen das bureaukratische Regierungssystem und gegen die Junker. Na- türlich würden wir eher siegen, wen?? wir mit den bürgerlichen Parteien eine Mehrheit auf unserer Seite hätten. So gering unser Appell an Sie bisher auch gewirkt hat. so werden wir ihn doch tviederholen. Die Parteien, die gegenüber diesem Appell an daö gesamte Volk versagen(Zurufe im Zentrum)— lange werden Sie(zum Zentrum) nicht mehr eine Mehrheit mit der Rechten bilden; wenn jetzt Neuwahlen käincn, würden Sie sehen, daß die Zentrumswähler erkannt haben, toas Sic taten, als Sie sich dazu hergaben, den Junkern den Steigbügel zu halten und Ihre eigenen Grundsätze zu verleugnen, wie jetzt im preußischen Landtag, wo Sic daö allgemeiire, gleiche, geheime und direkte Wahlrecht preis- gegeben habe?? für eine Mißgeburt i?» Interesse der Junker, nicht in dem der Arbeiter und Kleinbürger, die heute noch aus alter Gcwohnbeit Ihnen folgen.(Lebhafte Zustimmung b. d. Soz.) Indem Sie d?ese verderbliche, antidemokratische Wahlrcchtspolitik .dinschkagm, sägen Sie den Ast ab. auf den? Sie sitzen, und ich hoffe, daß die Arbeiter endlich zu der Einsicht kommen werden, daß ihre demokratischen Bestrebungen bei Ihrer Partei keine Förderung finden. Hätten wir jetzt Wahlen, so würde sich das deutlich zeigen. (Lebhafte'Zustimmung b. d. Soz., Widerspruch im Zentrum.) Das- selbe wird auch für die Nationalliberalen zutreffen, wenn sie bei ihrer Haltung bleiben, ihrem Hin- und Herschaukcl??, bei dem man von heute auf n?orgcn nicht weiß, welche Stellung sie in der wichtigsten Lebensfrage der Nation einnehmen.(Sehr richtig! b. d. Sozialdemokraten.) In absehbarer Zeit werden hoffentlich die Parteien, die hier die Mehrheit haben, mit uns für die Erringung des dcmokrati- schen Parlame?'.tarismus eintreten. Wie wir in bezug auf die Durchführung des allgelneinen, gleichen, direkten Wahlrechts in allen Einzelstaaten kein Sehwanken und kein Zögern kennen, so müssen wir auch die Umgestaltung der einzelstaatlichen Verival- tungen in dem Sinne überall anstreben, daß an Stelle des bureaukratischen Verwaltungssystems das Selbstverwaltnngssystem in Staat, Provinzen»nd Gemeinden gesetzt wird. Unser stetiges Vorwärtsdrängen in dieser Richtung muß dahin führen, daß an Stelle des gegenwärtigen Kanzlers ein Mann treten muß, der aus dem Reichstage selber hervor- geht, daß die Regierung gewissermaßen der Ver>valtur?gsausschuß des Reichstages wird. Wir handeln nach den Worten Goethes: „Allen Gewalten Zum Trotz sich erhalten, Nimmer sich beugen, Furchtlos sich zeigen, Rufet die Arme der Götter herbei." (Bravo! bei den Sozialdemokraten.) Abg. Lieberniann v. Sonncnberg(Wirtsch. Vg.): Tie Resolutionen über Elsatz-Lothringen lehnen wir angesichts der gestrigen Erklärung des Reichskanzlers ab. Tie Schiedsgerichtsresolution akzeptieren meine Freunde; mir persönlich scheint sie sehr un- wichtig zu sein. Die Resolution über die Nachwahlenfrist ist dis- kutabel; die Resolution betr. die Verantwortlichkeit des Reichs- kanzlers lehnen wir ab. Abg. Prinz Schönaich-Carolath(natl.): Kollege Ledebour hat den Staatssekretär des Auswärtigen falsch verstanden. Der Hin- weis auf den RcichSschatzsckretär geschah offenbar lediglich aus kollegialen und konstitutionellen Gründen. Damit schließt die Diskussion. In der Mstimmung wird die Resolution Albrccht(Soz.) betr. die Verantwortlichkeit des Reichskanzlers a n g e n o?n m e n. In der clsaß-lothri??gischen Frage wird die Resolution der Elsäßcr: Elsaß-Lothril?gen zum Bundesstaat zu machen, ange- non? m e??. Die Resolution Abbrecht wird abgelehnt. Die Resolution Schönaich-Carolath(natl.) über die Schiedsgerichte wird angenommen. Es folgt die Debatte über die Resolution Albrecht, wonach das Wahlgesetz dahin abgeändert werden soll, daß Neuwahlen innerhalb der Session stets innerhalb 60 Tagen erfolgen müssen. Abg. Kunert(Soz.): Außerordentlich unregelmäßig find die Zeiträume, innerhalb deren die Nachwahlen vorgenommen werde??. Diele Ungleich» Mäßigkeit ist besonders von den Wählern des Wahlkreises Halle als großer Mißstand und als Beeinträchtigung ihrer politischen Rechte empfunden worden. Früher haben wir schon verschiedent- lich solche HinauSschicbunge?? des Wahltermines erlebt, z. B. bei der Nachwahl in Torgau-Liebenwerda. Was den Wahlkreis Halle betrifft, so wurden während der Erledigung des Mandats von Halle nicht weniger als vier Reichstagsnachivaylen vorgenommen, und die vier Mandate, um die es sich dabei handelte, waren später erledigt, als das Mandat von Halle.(Hört! hört! bei den Sozial- demokraten.) Natürlich waren es parteipolitische Rücksichten, die diese Hiirauszögerung verursachten. Man wollte Zeit gewinnen, u?n wenigstens in Halle den auscinandergekrachtcn Bülotvblock wieder zusammenzubringen; der Schacher zwischen Liberalen und Konservativen, die Kandidatensuche, die Einexerzierung der Stu- denten für die Wahlagitation: alles das kostet Zeit. Wurde doch der Wahltag zu einem vorlesungsfreicn Tage erklärt, damit die Studenten, der ausdrücklichen Aufforderung des Rektors gemäß, für die„staatSerhaltenden" Parteien Schlepperdienste leisten konnten!(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Mm? sage nun nicht, daß es sich hier um Maßregeln untergeordneter Behör- den handelte. Tie Lokalbehörden hätten diese HinauLschicbul?g des Wahltermins nicht riskiert, wenn sie nicht der wohltvollenden Billigung ihrer vorgesetzten Behörden sicher gewesen wären.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Man kennt ja alle diese Wahl- Praktiken schon von Puttkamers Zeiten her. Da Wahlgesetz und Wahlrcglement nicht ausreichen, so bean- tragen wir in unserer Resolution die Vorlegung eines Gesetzentwurfs, wodurch das Wahlgesetz dahin/ ergänzt wird, daß spätestens 66 Tage nach Erledigung des Mandats die Neuwahl stattzufinden hat. Daß diesem unseren Verlangen keine techni- schen Schwierigkeiten gegenüberstehen, dürfte wohl kaum bestritten werden. Wenn es sich u?n reaktionäre Partciinteressen, etwa um rasche Besetzung erledigter sicherer Mandate handelt, ist man überraschend schnell mit der Anberaumung von Neuwahlen bei der Hand.(Sehr wahr! links.) Der Reichskanzler hat hier vor ein paar Wochen erklärt, daß er am ReichStagAvahlrccht nicht tasten lassen will. ES gehört auch zum Reichstagdwahlrecht, daß Wahlkreise nicht monatelang ohne Vertretung bleiben. Wir hoffen also, daß der Reichskanzler für Annahme unserer Resolution, wenn sie die Billigung der Reichs» tagsmehrheit findet, beim Bundesrat eintreten wird.(Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) Staatssekretär Dewrück erklärt, es sei wohl im ersten Jahre nach den allgemeine?? Wahlen, solange die alten Wählerlisten noch gelten, stets möglich, innerhalb eines Zeitraums von 60 Tagen die Neuwahl anzuordnen; ob das aber in späteren Jahren in allen Fällen möglich sei, müsse bezweifelt werde??. Es müsse jedoch anerkannt werden, daß Neuwahlen so schnell als möglich vorgenommen werden sollen; eine Maximalfrist von etwa 90 Tagen dürfte das angemessenste sein. Der Reichskanzler sei bereit, in diesem Sinne im VertvaltüngSwege vorzugehen und entsprechende Weisungen an die nachgeordneten Behörden zu erlasse??.(Bravo!) Mg. Bebel(Soz.): Ich bin der A??sicht, daß es unter allen Umständen möglich sein ???uß, eine Nachwahl innerhalb 60 Tagen vorzu??«hine?i, gcna?i ivie es nach der Auflösung des Reichstages?nöglich ist. Tie Bcnachrich- tigui?g der Behörden ka??n doch allerhöchstens 3 Tage in Anspr?lch nehmen. Wir sind auch bereit, wc??n jemand ein dahingehendes Amendement stellt, eine Frist von 9 0 Tagen zu gewähre?:. Der Abgeordnete vo?? Halle war am 7. Juli vorigen Jahres gestorben. Am 29. November wurde erst die Nachwahl borgciwmmen(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten), einem Tage vor dem Zusam?nen» treten des Reichstages. Wenn der Reichstag— wie gewöhnlich— früher zusammengetreten wäre, so wäre d?> Wahlkreis eine Reihe von Tagen u:lve:treten gcblicbc??. Einen solch l?ncrhörten Zustand kann sich der Reichstag nicht gefallen lassen.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Wir sind ja auch keinen Augenblick sicher, daß der Reichstag nicht zu einer außerordentlichen Session zusammcnberufen wird, wie 1883 infolge des spanischen Handelsvertrages. Solche Fälle können sich jedes Jahr ereignen. Der Reichstag muß dafür sorgen, daß die Herren vo?? der Regicr?lng die Sache nicht auf die leichte Achsel nehmen. Bravo! bei den Sozialdci??okratcn.) Staatssekretär T?'. Delbrück: Ich habe grundsätzlich anerkannt, daß Ersechwäftlen so schnell bcwirtr werden müssen, als es nach Lage der Verhältnisse möglich ist. Herr Bebel irrt, wenn er an- nimmt, daß inlierhalb 60 Tagen das Ziel unter gllen Umständen zu erreichen ist. Auch wenn alles klappt, sind manchmal 66 bis 70 Tage?nindcstcns erforderlich, um die Vorbereitungen zur Wahl zu beenden. 90 Tage wären eine angemessene Befristung, die unter allen Umständen innegehalten irKwdcn können, und wem? ich erklärt habe, daß der Herr Reichskanzler bereit ist, die Bundesregierungen darauf hizuwciscn, daß die Bestimmungen des Reglements in�Zu- kunst vorschriftsmäßig gehandhabt werden sollen, so wird Herr Bebel nicht behaupten können, daß die Regienrng die Beschwerden aus die leichte Achsel gcnom?ncn hat. Abg. Dr. Arendt(Rp.): Die Erklärungen des Staatssekretärs sind durchaus befriedigend. Ein Mittel, u?n eine ganz erhebliche Beschleunigung der Ersatzwahlen herbeizuführen, wäre, daß wir die Listen, die den Wahlen zugrunde liegen, nicht nur auf ein Jahr an- fertigen lassen, sonder?? nach dem Beispiel der praktischen Englander ständige Wahllisten einführen, die stets korriglert werden und natürlich im?ner unter der öffentlichen Kontrolle stehen.(Sehr richtig!) Abg. Kunert(Soz.): De?« Herrn Staatssekretär möchte ich er- widern, daß wir keine Abänderung des Reglements, sondern des Wahlgefeves wünsche??. Bei Auflösungen ist es hauflg möglich gewesen, in 42 bis 49 Tagen Neuwahlen stattflnden zu lassen! Abg. Dr. Paaschs(natl.): Wie sch??ell unter Umstanden Neuwahlen anberaumt werden können, zeigt die Ersatzwahl für u??scr«?? verehrten Präsidenten Grafen Stolberg, die bereits am 14. Apr?! stattfindet.(Hört! hört! links.)„rr? Vizepräsident Dr. Spahn teilt mit, daß ein Antrag Abla,; u. Gen.(sFortschr. Vp.) eingelaufen sei. im Antrag Alorecht zu sagen„76" statt 60 Tage; er stellt die Unterstützungsfrage. Die gesamte Linke und das Zentrum erheben sich. Staatssekretär Dr. Delbrück weist darauf bin. daß,\e kurzer die Frist, desto größer die Gefahr sei, daß die Wählerlisten schlecht angefertigt werden. Ter Antrag Ablaß wird durch die Sti?nmen der gesa???ten Linken und des Zentru???s angenommen, die so abgeänderte Resolution A l b r e ch t mit derselben Majorität. Der Rest des Reichskanzleretats wird debattelos er- ledigt. Es folgt der Etat cles Auswärtigen Hrnts. Abg. Graf Könitz(k.) will dem Reichskanzler einige gute Wünsche auf die Romreise mitgeben.(Große Heiterkeit.) Redner feiert die friedenssichernde Wirkung des Dreibundes. Wiederholt haben unsere le?tci?de?? Staats?nänner erklärt, daß uns bei unser??? Flottenbau alle aggressiven Absichten fernliegen. Die Aeuherungen des Ersten Lords der Admiralität im Unterhause bewe?sen aber, daß unsere Versicherungen ke?nen rechten Glauben finden. Es l?at also keine?? rechten Zweck, sie fortgesetzt zu tviederholen.— Voraus- sichtlich werden die nächsten englischen Wahlen die Un?on?sten ans Ruder bringen. Tann wird England zum Schutzzoll übergehe??. Für unsere A??sfuhr ist das nicht sehr erfreulich(Lebhaftes Hört! hört! links). Ja. mei?ic Herren, darüber waren w?r uns lue??» Zweifel, ebensowenig darüber, daß England nicht auf die Dauer seine frcihändlcrische Sonderstellung werde aufrecht erhalte?? können. So lange wir ängstlich vor dem Wort„Zollkrieg" zurück- schrecken, so lange wir keine Herkunftszengnisse einführen, so layge werden wir in unserer Handelspolitik keine durchgreifenden Er- folge erzielen. z?imal uns durch Misere langfristigen Verträge die Hände gebunden sind.(Bravo! rechts.). Abg. Strcskinan»(natl.): Unser Eintritt in d?e Weltpol?t?k hat, wie Fürst Bülow richtig dargelegt hat, die Reibungsflächen mit anderen Mächten vergrößert. Svmpathien, die man uns entgegenbrachte, als wir noch ausschließlich das Volk der Denker?rnd Dichter waren, haben wir mit unserem Eintritt in die Wcltpolit?! und init unsere??? Erscheinen auf dem Weltmarkt verloren. Es ist nicht richtig, das Verhältnis Englands und Deutschlands nur von dem Gesichtspunkte der Konkurrenz zu betrachten. Wir nehmen 10 Proz. der englisck'«?? Ausfuhr auf und stehen in einem Mil- liardcnaustausch mit'England. Aber die Verminderung der Kauf- kraft Deutschlands würde auch den stanckarck ok>ile(Lebenshaltung) der englischen Arbeiter herabdrücken.(Sehr richtig!) Eine wirtschaftspolitische Verstä??dig??ng ist viel wichtiger als eine Verständigung über ci??e Flottenabrüstung.(Bravo! bxi den Nationalliberalen.) In der Diplomatie herrscht leider noch?m?ncr d?e Bevor- zugung des Adels vor. Wir verlangen die Berücksichtigung geeig- neter bürgerlicher Kreise. Nach dem Worte Goethes:„Das Kind ist der Vater des Mannes" muß etwas von kaufmännischer Kinderstube in unseren auswärtigen Vertretern leben, die berufen sind, die wichtigsten wirtschaftlichen Vertrüge abzuschließen.(Sehr gut! links.) Auf Marokko übergehend, preist der Redner die Brüder Mannes???ann als Pioniere deutscher Kultur-(Bravo! bei den Nationalliberalcn.) Mg. Kacmpf(Fortschr. Vp.): Gegenüber den Ausführungen des Grafen Kanitz muh ich betonen, daß unser Handel, unsere In- dustrie und auch unsere Landwirtschaft das intensivste Interesse an langfristigen Handelsverträgen haben.(Sehr richtig! bei der Fortschr. Vp.) Wir wünschen freien Wettbewerb, der doch nicht darin besteht, daß von zwei Konkurrenten einer den anderen gc- waltsam zu beseitigen sucht.(Sehr richtig! links.) Redner bc- schwert sich über die aller Humanität widerstreitende Behandlung, die deutsche Staatsbürger jüdischen Glaubens in N?lßland erfahren. Selbstredend liegt uns jede Einmischung in inncrrussische Verhält- nisse fern; wir müssen aber verlangen, daß die international fest- gelegten Normen in Handelsrücksichtc?? auch auf deutsche Reichs- bürger jüdischen Glaubens angewandt werden.(Bravo! bei der Fortschr. Volkspartci.) Abg. Scheidtmann(Soz.): 1903 erlebten wir cil?en Zusammenbruch deS Systems, das wir von jeher kritisiert. Die Mängel des Auswärtigen Amts liegen nicht in einer Person, sondern im S Y st e m. Es ist nicht besser geworden; wir haben jetzt etwas weniger Absolutismus. aber etwas mehr Bureaukratie. Früher war llnscrc aus- tvärtige Politik operettcnhaft, jetzt ist sie ziemlich I e- d c r n.(Heiterkeit.) Die Minderheit hat das unzweifelhafte Recht zum Kritisieren, die Mehrheit mutz cö außcrdein besser machen. (Zustimmung bei den Sozialdemokratc??.) Wenn aber durch die Kritik der Anschein erweckt wird, daß unsere Politik zu friedlich ist, so richtet?nan Schaden an.(Sehr richtig! bei den Sozial- demokraten.) Man kann auswärtige Politik treiben im Interesse der Kapitalisten oder im Interesse der Erwerbstätigen und der Arbeiter; Unsinn ist eS, zu behaupten, man könne es allen recht machen. Augenblicklich wünscht man, auswärtige Politik zu treiben im Interesse gewisser kapitalistischer Klüngel. Gegen die Klüngel ist nicht anzukämpfen. Das beweist das Beispiel des Herrn v. Schoen.(Sehr gut! und Heiterkeit.) Gegen ihn ist in der „nationalen" Presse in der schärfsten Weise vorgegangen worden, er ist als Agent des Auslands, als der gefährlichste Feind des Deutschen Reiches bezeichnet worden.(Hört! hört! links.) Das war alles noch vor der Mannesmann-Affäre. Dalnals lagen nur die gewöhnlichen Klagen gegen das Auswärtige Amt vor, von denen Herr Stresemann gesprochen hat. Es waren dazu» gekommen der portugiesische Handelsvertrag und die Komödie der amerikanischen Ausstellung. Seitdem aber die Mannesman??- Affäre spielt, kann eigentlich kein Hund eines wahrhaft Deutschen von dem Staatssekretär v. Schoen mehr mn Stück Brot nehmen. (Heiterkeit.) Herr v. Schoen sollte zunächst einmal die Leute von der„Norddeutschen Allgemeinen Zeitung" an die Kandare legen, damit nicht solckier Unsinn in dieses Re- gierung-reptil hineinkommt wie am letzten Sonntag, wo dort zu lose?? stand, daß beim Marinectat zwei Sozialdemokraten ihre Volks verräterische?? Gesinnungen zu??? Ai?sdruck gc- bracht hatten.(Hört! hört! bei den«zi�ctzokraten.) In der Mannesinann-Aftti re ist ein vallstandigcr Zusammcnbrnch(-£> ganzen Drum und Dran zu verzeichnen. In der Budgetkonsmisttch, hat sich geradezu alles« waS für d!e Herren ManneSmainr gesagt worden ist, als nationale Schwatzerei herausgestellt.(Oho! bei den Rationalliberalcn.) Ich begreife ja, daß nachdem jetzt durch den Zusammenbruch der Schleier heruntergerissen ist von dieser ganzen Affäre, die Herren, die hier darüber geredet haben, es vorzogen, möglichst zurückhaltend zu sein. Im Dezember nahmen die Herren den Mund ausser- ordentlich voll. Das deutsche Volk ist in der Mannesmann»Affäre in einer Weise belogen worden, dass sich die Balken bogen.(Wider- spruch bei den Antisemiten, lebhafte Zustimmung bei den Sozial- dcmokraten.) In dem Mannesmann-Konzert gab den Ton an Herr Lieber mann v. Sonne nberg.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Die deutsche Regierung müsse die Interessen deutscher Rcichsangehörigcr schützen, wurde gesagt.(Sehr richtig! bei den Antisemiten.) Jawohl, sehr richtig! Die deutsche Regie- rung hat die Interessen deutscher Reichsangchöriger zu schützen; ich möchte aber dringend bitten, diesen Schutz nicht auf Kapitaliste» zu beschränken, sondern auch die Interessen deutscher Arbeiter im Auslände zu schützen.(Lebhafte Zustimmung bei den Sozialdemo- kraten.) Aber nicht auf diesen wirklich selbstverständlichen Schutz kommt es in diesem Falle an. Im Dezember bei der EtatZdebatte erstreckte sich der Mannes- mann-Block(Heiterkeit) von Licbermann bis Wiemer. Jetzt ist es freilich anders geworden und bald wird Herr Liebermann v. Sonnen- bcrg als letzte aufrechte Manncsmaniisäule vereinsamt dastehen. (Heiterkeit und Sehr gut! bei den Sozialdeniokraten.) Im Dezember aber da war es anders. Ich erinnere nur an die Ausführungen des Abg. v. L i e b e r t. Licbert wollte damals von einem Schiedsgericht nichts wissen, er wollte lieber den Säbel ziehen und freute sich, dass die Sozialdemokratie in deni Konzert fehlte. Ich gönne ihm jetzt auch die gründliche Blamage. Er bezog sich aus den„Hannoverschen Courier", worin gesagt war: Recht hört nicht auf. Recht zu bleiben, wenn vier Millionen Bajonette dahinterstehen. Solche Aeusscrungcn erwecken die Vermutung, der Schreiber gehöre in eine Kalt- Wasserheilanstalt.«Heiterkeit.— Sehr gut 1 bei den Sozialdemokraten.) Herr Erzberger erklärte, auch ich mich dazu das Wort ergreifen. Daraus ersehen Sie die Wichtigkeit. (Grosse Heiterkeit.) Wenn ein Abgeordneter von der Schweigsam« keit des Abgeordneten Erzberger(Heiterkeit) versichert, auch er müsse das Wort ergreifen, so muss die Sache doch sehr wichtig sein. (Heiterkeit.) Herr Erzberger richtete an die Regierung die merk- würdige Frage, auf welcher Seite die größten deutschen Interessen, das heißt das größte deutsche Kapital sei. Die Abgeordneten hielten sich noch in gewissen Grenzen, aber die„nationale" Presse schlug wahre Purzelbäume. Je nationalliberaler, d. h. je wankelmütiger die Presse sonst war. um so entschiedener trat sie hier auf, und je frommer, um so blutiger und grausamer. Auf der einen Seite sagten die nationalliberalen Herren, die Rechte der Brüder Mannesmann seien absolut klar, auf der anderen Seite sagten sie, die erlangten Ansprüche müsse man eventuell auch gegen jedes Recht behaupten.(Sehr richtig I bei den Sozialdemokraten.) Redner geht auf die EntWickelung der Verhältnisse in Marokko näher ein. Die Algecirasakto wurde als großer Erfolg des Fürsien Bülow gepriesen. Jetzt wird sie in einem seiner trcuesten Blätter, den„Leipziger Neuesten Nachrichten", als fürchterliche Blamage' hingestellt. Da begreift man, wie Bismarck dazu kam, zu sagen: Anständige Leute schreiben nicht für mich!(Pchr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Das große Ziel der ganzen deutschen Marrolkopolitik war nach offizieller Beteuerung, die immer und immer wiederholt wurde: Offene Tür, Gleichberechtigung aller Nationen. Und nun macht der Sultan, der kein Geld hat. mit den Gebrüdern Mannesmann, die Geld hoben, ein Monopolgesetz unter vier Augen. Und dies Gesetz unter vier Augen soll eine nnunfechtbare Grundlage abgeben? Man denke sich einmal, daß ein Spanier, ein Franzose, den Sultan ge- schmiert habe(Große Heiterkeit), welcher ÄraÄ dann in Deutschland geschlagen worden wäre?(Lebhafte Zustimmung bei den Sozial- demokraten.) Wir protestieren gegen die Gleichstellung nianncs- männischer nicht deutscher Interessen.(Lebh. Beifall bei den Soziald.) Wir haben an diesen Monopolfirmen gar ketn besonderes Interesse. Ich erinnere an die Firma Krupp, die»ach dem Grundsatz handelt, das Vaterland zahlt bei niir die höchsten Preise. Wir haben heute schon von Schiedsgerichten gesprochen. In nnkerem Programm, daS ich Ihnen allen lebhaft zur Lektüre empfehle (Heiterkeit), werden sie auch gefordert.- Gerade der Fall Mannesmann eignet sich vorzüglich zur Ent- scheidung durch ein internationales Schiedsverfahren; er ist sogar ein ausgeiprochen typischer Fall. Mich soll eS wundern, ob, wenn der Fall Mannesmann noch vor ein Schiedsgericht kommen sollte. die Gebrüder ManneSmann dort Recht bekommen werden. Beinahe möchte ich eS ihnen gönnen, denn für das frisch- fröhliche, kräftige Draufgängertum der Gebrüder� ManneSmann habe ich eine ausgesprochene persönliche Sympathie; jedenfalls gefällt mir diese Art bedeutend besser, als ihr Gegenteil, die nationalliberale Politik.(Langanhaltende Heiterkeit.) Wir deutschen Vertreter des Proletariats und unsere Freunde und Gesinnungsgenosse» in Frankreich haben von allein Anfang der Marokkowirren an den Standpunkt friedlicher Verständigung vertreten. Stets haben wir den Gedanken der internationalen Solidarität be- tont. Nun ist es interessant, zu beobachten, wie in seiner Art auch der Kapitalismus internationale Solidarität über die nationalen Scheidewände hinweg schafft. Das sehen wir ja gerade jetzt wieder beim Streit der feindlichen Gesellschaften in Marokko. In beiden Gesellschaften ist deutsches und französi- schcs Kapital vertreten.(Hört! hört l bei den Sozialdemokraten.) Bei den Brüdern ManneSmann ist auch ausländisches Kapital be- teiligt, bei den Miiies Marocaines deutsches Kapital, die Firma Krupp, Deutscher Kaiser(Zurufe rechts) ich meine die Zeche Deutscher Kaiser. Dieser Intern ationalität des Ausbeuter- tumS setzt das Proletariat die Jnternationalität der Arbeiter entgegen und die Vernunft wird schließlich siegen über die chauvinistichenPhan- t a st e r e i e n. Mit derselben Zähigkeit, mit der lvir auf ein freundliches Verhältnis zu Frankreich hinarbeiten, arbeilen wir auch auf ein freundliches BerhültuiS zu England hin. Dies hakten wir noch für wichtiger, denn solange England und Deutschlands so gespannt stehen, wird leine Ruhe in Europa sein.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Wir haben gewarnt vor dem Wettrüsten. Man glaubte uns nicht; fetzt sehen wir als Folge daS gewachsene Mißtrauen. Der englische Marineetat wird eigentlich hier gemacht; wenn wir 100 Millionen bewilligen, sagt England, wir müssen 200 Millionen bewilligen. Gewiß denkt bei uns kein Mensch an einen Krieg mit England, er wäre auch geradezu Wahnwitz, das grösttc Verbrechen. (Lebhaste JRllstimmimg bei den Soz.) Deshalb müssen Deutsch- land und England zu inniger Berbindung und Freundschaft kommen, die mit allen Hetzereien aufräumt. Mit mir fsihlen Millionen, und sie freuen sich, daß das hier ausgesprochen wird.(Lebhafte Zu- stimnumg bei den Sozialdemokraten.) Aber leider glaubt mau das in England nicht. Man sagt sich dort: daS deutsche Boll hat keine Kontrolle über den Krieg, eS erfährt nichts von dem Spiel, das von seinen Beherrschern getrieben wird. Daher wird auch tot preußische WahlrechtSkampf im Ausland mit solchem Interesse verfolgt. Man erkennt dort, daß es sich dabei um den Kampf der Arbeiter gegen die preußische Politik handelt, daß das deutsche Volk kämpft gegen die Dreiklaffenpolitik um seine nationale Ehre.(Bravo! bei den Sozialdemokraten.) Statt sich zu v i n kuli er en mit der p r eu ß i s ch e n Reaktion, sollte der Kanzler des Reichs helfen, daß wir aus den traurigen Zuslände», in denen wir in Preußen stecken, in politischer Beziehung herauskommen.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Statt dessen versetzt er dem deutschen Volke mit feiner Wahlrechts- Verlage eine« Aausffchlag und die uns darin zugedachte Auszeichnung ats Mitglieder de» Deutschen SieichStageS gleiches Recht zu erhalten mit givilanwärtern, die sich ihre Bildung in der Kaserne geholt haben, weisen wir mit Entrüstung zurück. Vizepräsident Tr. Spahn: Die Wahlrechtsvorlage hat mit dem Auswärtigen Amte nichts zu tun. Abg. Scheideinan»(Soz.): Als gerechter Kritiker des Auswärtigen Amtes muß ich auch nach Milderungsgründen suchen und ich stelle als M i l d e r u n g s g r u n d für den Staats- sekrotär v. Echoen fest, dass er keine bessere auswärtige Politik machen kann, weil er mit einer� so miserable» inneren Politik zu reck, neu hat.(Sehr gut! b. d. Soz.) Vizepräsident Dr. Spahn: Ihre Ausführungen bestätigen, dass ich recht hatte. Einzelheiten der WahlrcchtSvorlage sind für diese Deduktion nicht erforderlich. Abg. Tcheideniann(fortfahrend): Ich sage auch lein Wort mehr darüber(Heiterkeit) und erinnere nur an das Wort eines ZcntrumSabgeordneten: man mutz sich schäme», ein Preutzc zu sein. Der jetzige Reichskanzler hat durch seine innere Politik in den letzten acht Monaten unser Ansehen im Ausland mehr ruiniert als seine drei letzten Vorgänger zusammen. Alle Welt lacht über unsere Politik, man amüsiert sich � über den Herrn Reichskanzler, über diesen Ritter und seinen Sancho Pausa, Herrn V. I a g o w. Wer die Volksseele besser rennt als der Reichskanzler, weiss, dass es sich um ein grosses Ringen und Kämpfen handelt, wodurch der deutsche Boden erzittert. Tic deutsche Arbeiterklasse wirb nicht ruhen, bis sie Zu- stände in Prcnsscn geschaffen hat, so dass Preusscn als gleichwertig unter allen europäischen Völkern dasteht.(Bravo! b. d. Soz.) Wann wir diesen Kampf unermüdlich und unbeirrt durch alle Angriffe weiterführen, so tun wir das in dem Bewußtsein, damit dem Wohle und der(ssrössc des deutschen Volkes zu dienen, das erst dann imstande sein wird, seine Freiheit nach aussen zu wahren, wenn es den inneren Vefrciungstampf siegreich zu Ende geführt hat.(Lebhafter Beifall b. d. Sozialdemokraten.) Abg. v DziembowSki-Pomian(Pole) beklagt sich über Aus- Weisungen von Ausländern, die nicht von Fall zu Fall erfolgen, sondern nach ganz generellen Verfügungen. Dadurch werde daS heiligste Recht, das Gastrccht, verletzt. Man müsse eine g c- schliche Regelung der Rechtsverhältnisse der Ausländer fordern. Abg. Hansen(Däne) klagt über die Ausübung der Fremden- Polizei in Schlcswig-Holstcin, wodurch die freundnachbarlichen Beziehungen zu Dänemark gestört werden. Vizepräsident Dr. Spahn: Aus dem Stenogramm ersehe ich, dass der Abg. Scheide mann gesagt hat, Ter Reichskanzler vcr- setzt durch die Wahlrechtsvorlage dem ganzen deutschen Boll einen Faustschlag ins Gesicht.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Ferner hat er gesagt, das ganze Ausland lacht über diesen Ritter von der traurigen Gestalt und seinen treue» Sancho Pansa. Herrn v. Jagow.(Lebhaftes Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Wegen beider Aeutzerungen rufe ich den Abg. Schcidemann zur Ordnung. Hieraus vertagt das Haus die Wciterberatung auf Mittwoch, 12 Uhr._ parlamentarircbcs* Tabakarbeitcrunterstützung.— Erledigung des Etats.— Eine Drohung.— Das Kontrvllgcsctz. Der beim Etat des Reichsschatzamts eingestellte Betrag von 1 500 000 M. zur Unterstützung der arbeitslos gewordenen Tabak- arbeiter war seinerzeit zurückgestellt worden, weil man erkannt und vom Staatssekretär des Reichsschatzamtes bestätigt erhalten hatte, daß die Arbeitslosigkeit grösseren Umfang angenommen hat, als man zuerst und noch bei der Aufstellung des Etats annahm. Der Berichterstatter Erzberger beantragt, den Betrag um 750 000 M. zu erhöhen. Molkenbuhr bemerkt: Wenn man bis jetzt mit den be- willigten Geldern ausgekommen sei, so müsse das darauf zurück- geführt werden, daß man viele untcrstützungsbercchtigtc Arbeiter abgewiesen habe. Wenn nun die Mittel, welche jetzt in den C�at eingestellt.werden, nicht ausreichen, was solle dann geschehen, bis der Reichstag wieder zusamnientritt? Er befürchte, dass man, tocnn zu wenig Mittel eingestellt werden, mit der Bewilligung von Unterstützungen noch knickeriger sein werde als jetzt. Der Notstand unter den Tabakarbcitern werde übrigens auch noch durch den Umstand verschärft, daß viele Fabrikanten infolge der erhöhten Steuer ihre Fabriken nach billigeren Gegenden vcr- legen und die Arbeiter nicht mitnehmen. Staatssekretär Mermuth wandte sich gegen die Auf- faffung, als ob die vom Militär entlassenen früheren Tabak- arbeiter unterstützungsbercchtigt seien. Er glaube übrigens, dass niemand mehr bestreiten könne, dass die wirtschaftlichen Verhält- nisse un Tabakgcwerbe sich gebessert hätten! Auf die Frage Molkenbuhrs, was geschehen solle, wenn die bewilligten Gelder nicht ausreichten, erklärte er. dass die Regierung dann Massnahmen ergreifen werde, um einen Not- stand nicht aufkommen zu lassen! Der Vorsitzende«v. G a m p bestimmt im Einverständnis mit der Kommission, dass die Erklärung des Staatssekretärs zu Pro- tokoll genommen wird. Der Antrag Erzberger wird darauf angenommen. Beim Hauptetat bemerkt Berichterstatter Erzberger. dass die Kommission insgesamt gegen 5 Millionen Mark abgestrichen hat. Da die Kommission sich früher einig geworden sei, dass die Matrikularbeiträge von 80 Pf. auf den Kopf nicht ermässigt wer- den sollen, so empfehle er, die Reichsschuld entsprechend zu er- massigen. Bon anderer Seite wurde darauf aufmerksam gemacht, dass an Ersparnissen höchstens 3 Millionen verbleiben würden. Die entsprechenden Zahlen sollen erst bei der dritten Lesung in den Hauptetat eingestellt werden. Der bayerische Bundesratsbevollmächtigte, Geheimer Ober- regierungsrat Wolf, bedauert, dass der Antrag verschiedener Fraktionen, wonach die Einnahmen des Reiches«'auch die aus den Matrikularbeiträgen), soweit sie nicht zur Deckung der AuL- gaben nötig sind, zur Schulde ndcckuug vcrkveudct werden, nicht früher bekannt geworden sei, damit die Verbündeten Re- gierungen dazu hätten Stellung nehmen können. Jetzt nämlich seien sie in der unangenehmen Lage, entweder jene Bestimmung zu schlucken«der den ganzen Etat ablehnen zu müssen! Auf den Einkoand, dass der Bundesrat schwerlich mit den Sozialdcmo- kraten gemeinsame Sache machen werde, schioächte Herr Wolf seinen Ausspruch wesentlich ab, erklärte aber ausdrücklich, daß feine Regierung sich ihre Stellungnahme vorbehalte. Der Antrag wurde trotzdem angenommen.... Die Kommission erledigte schliesslich noch das ReichSkontroll- gesctz, das auf fünf Jahre(bis zu welchem Zeitpunkt eine Neu- regelung der Rechnungskontrolle in Aussicht genommen ist) Gültigkeit erhalten soll._ HauSarbeitsgesctz. Die Rcichstagskommission zur Beratung des HauSarbeits- gefetzes nahm in der Sitzung am Dienstag folgenden Antrag Kolbe(k.) über die Ausgabe von Lohnbüchern und Arbeits- zetteln an: ..Wer Hausarbeit ausgibt oder einen Auftrag auf solche erteilt, ist verpflichtet, hierbei denjenigen, welche Arbeit oder Auftrag entgegennehmen. Lohnbücher oder Arbeitszettel aus- zuhändigen, welche Art und Umfang der ausbedungenen HauS- arbeit sowie die dafür festgesetzten Löhne enthalten. H 114a der Gewerbeordnung bleibt unberührt. Für einzelne Gewcrbczwcige, Betriebsarten oder besondere Gruppen von Betrieben oder Hausarbcitern können vom Bundesrat Ausnahmen gemacht werden." Unsere Parteigenossen wenden sich gegen die Ausnahmen, die der letzte Absatz gestatten will, und stimmen gegen diesen Absatz, für den alle übrigen Parteien eintreten. Der 8 S, der hieraus zur Beratung steht, bestimmt, daß der Bundesrat, bi® Handeszentralbehörde und die Polizeibehörde Hausarbeit verbieten kann, die mit erheblichen Gefahren für Leben. Gesundheit und Sittlichkeit verbunden sind. Dieser Paragraph wird, nachdem die Nationalliberalen und Freisinnigen Bedenken erhoben hatten, ob man auch der Polizei so weitgehende Befugnisse erteilen könne, angenommen. Ter Z 12 bestimmt, dass der Gewerbetreibende, der Haus- arbeit ausgibt, ein Verzeichnis der bei ihm beschäftigten Heim- arbeiter führt, das auf Erfordern der Polizeibehörde und den Gewerbeaussichtsbeamten vorzulegen ist. Die Annahme erfolgt einstimmig. Die Frage der Einsetzung von Lohnkommissionen wird von der Kommission zunächst ausgesetzt. Es liegen hierzu Anträge unserer Genossen vor aus allgemeine Einführung paritätischer Lohnkommissionen. Vom Zentrum wird beantragt, dass nur für Industrien, die besonders niedere Löhne zahlen, solche Kom- Missionen vom Reichskanzler oder den Bundeszentralbehörden eingesetzt werden können. Die Kommission erledigt dann in erster Lesung die übrigen Paragraphen des Gesetzes; es bleibt somit für die nächste Sitzung, die nach den Ferien stattfindet, nur noch der Antrag auf Em- führung von Lohnkommissionen zur Erledigung übrig. Kali. In der am Dienstag in der Kaligcsetzkommission fortgesetzten Gencraldiskussion lag ausser dem Regicrungsentwurf ein Gesetz- entwurf des Abg. Müller-Fulda(Zentrum) vor, der eine Zwangs- vcrtricbsgemcinschaft nur für den Kaliabsatz nach dem Auslände Vorsicht und in seinem 8 31 eine Bestimmung enthält, wonach die vor dem 17. Dezember 1900 abgeschlossenen vertraglichen Liefe- rungen gestattet werden müssen. Werden � über diese Verträge hinaus Lieferungen übernommen, so soll eine in die Rcichskajse fliehende Vergütung von 12,50 M. für den Doppelzentner reines Kali entrichtet werden. Sodann stand der sozialdemokratische Antrag mit zur Dis- kussion, welcher lautet: „Die Kommission wolle beschließen: den Herrn Reichskanzler zu ersuchen, den vorliegenden Gesetz« entwurf— Nr. 219 der Drucksachen— zurückzuziehen und an dessen Stelle dem Reichstage einen Gesetzentwurs vorzulegen, durch den Bestimmungen dahin getroffen werden, dass das Reich die innerhalb der Reichsgrcnzen gelegenen Kalibergwerke und die mit denselben zusammenhängenden Fabriken in eigene Regie übernimmt sowie ferner die Förderung und den Vertrieb von Llalisalzen als Monopol, unter möglichst weitgehender Kontrolle des Reichstages, ausübt. Im Falle der Ablehnung des vorstehenden Antrags wolle die Kommission beschliehen: den Herrn Reichskanzler zu ersuchen, den vorliegenden Gesctz- entwurf— Nr. 219 der Drucksachen— zurückzuziehen und an dessen Stelle dem Reichstage einen Gesetzentwurf vorzulegen zur Durchführung des Ein- und Verkaufsmonopols des Deutschen Reiches für alle im§ 3 des vorgelegten Entwurfs genannten Kalisalze." Genosse Hue führt aus: Bis jetzt habe in der Kommission der Regierungsentwurf wohl so wenig eine Mehrheit als der Zen- trumsantrag. Der Zentrumsantrag stelle eine Lex Schmidt- mann dar, die eigentümlicherweise schon längst von den Kali» kapitalisten Sauer und Genossen vorgeschlagen worden sei. Die Annahme der im Zentrumsantrage vorgeschlagenen Auslands- abgäbe würde notwendigerweise zu Repressalien seitens Amerikas führen. Wenn einer Verschleuderung der Bodenschätze entgegen- gewirkt werden solle, so müsse doch festgestellt werden, dass das Kohlensyndikat und der Stahlwerksverband eine noch grössere Vcr- schleuderung ruhig und ungehindert betreiben würden. Wenn eine Verschleuderung der Naturschätze verhindert werden soll, dann darf beim Kali nicht Halt gemacht werden. Bei der von der Rc- gierung vorgeschlagenen Regelung würden die Schäden nicht aus- gemerzt, sondern in kurzer Zeit erneut gezüchtet. Oberbergrat Paxmunn, der Vertreter der Regierung im Kalisyndikat, habe vor drei Jahren schon ein R e i ch s h a n d e l s in o n o p o l für Kali vorgeschlagen. Ein Zusammenbruch in der Kaliinduftrie sei un» vermeidlich, wenn nicht unsere Anträge angenommen würden. Handelsminister Shdow bekämpft die Verstaatlichung wegen des großen Risikos, das dem Reiche dabei zufalle. Die geforderten Entschädigungen würden ungeheuer sein. Für ein Rcichsmonopol sei ocr richtige Zeitpunkt verpaßt worden; heute sei es zu svät! Auch ein Handelsmonopol sei schwer durchzuführen. Der Zen- trumsantrag bringe keine Regelung für das Inland. Das würde zu einer wilden Konkurrenz im Jnlande, zum Ruin und zur Still- legung zahlreicher kleiner Werke führen, in denen auch kleine Leute ihr Geld angelegt haben. Die grossen Werke würden den Jnlandkonsum völlig an sich reißen. Unterstaatssekretär Richter weist darauf hin, dass wir Baumwolle, Wolle, Erze, Felle, Seide usw. als Rohstoffe zur Ver- edelung aus dem Auslande beziehen, dass es dein Auslande daher sehr leicht sei, uns mit gleicher Münze heimzuzahlen, wenn wir Maßnahmen träfen, die' in ihrer Wirkung einem Ausfuhrzoll gleich kämen! Persönlich sehe er sehr gerne ein Monopol, aber es sei leider zu spät zu seiner Einführung.... Gehcimrat Lehman n als Vertreter des Auswärtigen AmteS kommt zu dem Schluß, daß die Annahme des ZentrumsantragcS die Gefahr in sich berge, daß der amerikanische Maximaltaris Deutschland gegenüber Anwendung finde.— Der weimarische Minister Huniixs betont, daß alle beteiligten Bundesstaaten sick, auf den Entwurf geeinigt hätten. Monopol oder Handelsmonopol sei 1894 möglich gewesen, heute sei mehr als eine Milliarde Kapital in die Kaliindustric gesteckt, dazu komme das Risiko. Da ginge es nicht mehr. Dr. R o e s i ck e(Bund der Landwirte) macht ebenfalls ein Kompliment vor dem Verftaatlichungsantrage um ihn dann zu bekämpfen. Dr. Heim(Zentrum) rechnet gründlich mit den fünf grossen landwirtschaftlichen Organisationen— darunter dem Bund der Landwirte— ab, denen er vorwirft, dass sie Schmiergelder be- ziehen und infolgedessen die landwirtschaftlichen Interessen vcr- raten!„Das ist ein Schweinestall!" schließt er echt bajuvarisch. «Ööcrberghauptmann v. Velsen gibt zu, dass manche Schweinereien passiert seien! Er hofft aber auf einen langsamen Gcsundungsprozcß. Auf Anfrage H u e s wird zum Schluß bekanntgegeben, dass da? ganze Material freigegeben ist und nicht mehr vertraulich behandelt zu werden braucht I Nächste Sitzung unbestimmt. Die Bubgctkommission dcS Preußischen Abgeordnetenhauses führte am Montagabend die Beratung des 5kultusetatS beim Titel Universitäten fort. Es wurde über eine Bevorzugung der Universität Berlin geklagt. Ter Minister erklärte dem- entgegen: eS werde für Berlin weniger aufgewendet als für andere Universitäten. Von nationalliberaler Seite wurde nun hervorgehoben, dass nicht die finanzielle Leistung nach Massgabe der einzelnen Studierenden massgebend sei, sondern die Bevor- zugung durch Spezialitäten. Wenn etwas Neues aufkommt, dann schaffe man sofort in Berlin Lehrstühle dafür; z. B. die Vorlesungen über Kolonialrecht. Auch das bestreitet der Minister unter Hinweis auf andere Universitäten. Ein freisinniger Redner teilre mit. dass sich die Zahl der Studenten im Verhältnis zur Bevölkerung wesentlich vermehrt habe. DaS sei nicht nur aus reinem Wissensdurst geschehen, sondern aus Hunger auf die Staatskrippe. Schon aus diesem Grunde sei er' gegen die Errichtung einer neuen Universität in Frankfurt.(Damit stellte er sich in Gegensatz zu seinem Fraktionskollegen. der sich in der letzten Sitzung für diese neue Universität ausgesprochen hatte.) Ein Zentrumsantrag verlangte die Urnlvandluug des Extra- ordinariums für Kolonialrecht in ein Ordinarium. Gegen diesen Antrag erklärten sich die Konservativen, während der srci- sinnige Redner unter Hinweis aus die„erfreuliche Entlvickeluug der Kolonien unter der neuen Leitung" für den Antrag eintrat. Mit 8 gegen 11 Stimmen wurde der Antrag abgelehnt. Ka- für stimmten Zentruwi Nationalliberale Md Freisinnige. Zweigvereiii Berlin und Umgegend. Donnerstag, d. l7.März, abds. 8Zlhr, in den Mnsikersälen, Kaiser-Milhelin-Str. M: AuftroräenMe KenerslverZWmlung. TageS-Ordnung: 1. Vonrag des Genossen Link über:..Tie gegenwärtige Lage im Baugewerbe". 2. Diskussion. 3. Fortsetzung der Diskussion über den Bericht der Delegierten vom Vcrbandstage. 29/10- -.......- Mitgliedsbuch legitimiert, ohne dasselbe kein Enilafi...... Zahlreichen Besuch erwartet Der Zweigtiereinsvorstand. Zentral-verbsnck«er Zimmerer Zahlftelle Berlin und(Imgcgend. Am Mittwoch, den 16., und Donnerstag, den 17. März abends SV�Ufir, finden im Berliner Lohngebiet 1910, 32 fflltqlieder-Derfammlunflen statt. Tagesordnung: i.„Der bevorstehende Krieg im Baugewerbe". Referenten die«erbandöfunktionäre: Bludau, R. Engelhardt, Golze, Hausse, Hinrichsen, Klaute, Klein, Knüpfer, Kube, Licht, W. Schmidt, R. Schröder. H. Schultz, Wellsow, Witt, Ziege. 2. Geschäftliches. 254, s Näheres, die Versammlungslokale betreffend, ist durch Handzettel bekannt gemacht. Sllle in Berlin und den Vororten beschäftigten Zentralverbandsmitglieder werden hiermit nochmals aufgefordert, in diese» Versammlungen bestimmt zu er- scheinen. Der Vorstand. Verdanck der Klaler, Lackierer* JUtstreicher etc. Mclchiocstrabe 28, Part. F i l i a l 0 B e r l i». Femspr.: Amt 4. 4787. Donnerstag, den 17. März ISIS, abends 8'/, Uhr: Mitglied er sVersamtnlung in Draetels Feftsiilen. Nene Friedrichstr. SS. Tagcs-Ordnung: 1. Fortsetzung der Diskussion über den Bericht der Delegierten von der außerordentlichen General» Versammlung. 2. Jnsormationen über Bestimmungen und Durchsübrung des Tarifvertrages. MJtglicdsbneh legitimiert!———— Regen Besuch crtvartet_ 129/1*_ Die Ortsvcrwaltnng. Zur Eröffwg der Friihiahrs-Ssison aoOoooO«oöOOOoOo06060öOööOo6oOo6oClooooooocseoeocaeooe 6 O o o 0 o o o 0 o o o 0 o o o 0 o o o o 0 o o o heben wir folgende günstige Angebote besonders hervor: Anzug„Trefflich1 .« Eleganter Zwimbuckskin Musteraurwahl...... in reicher ---- M. 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Wir erwarten in Anbetracht der äusiersl wichtigen Tages ordnung das Erscheinen aller im Gietzcreigewsrbe licichäsiigien Arbeiter, da in dieser Versammlung die gesundheitsschädlichen Einflüsse des Gewerbes besprochen werden sollet:. Niemand darf sehlcn. Donnerstag, den 17. März, abends 8 Uhr: Allgtiiiciue Klempner-Nttsuiiimliing in den Andreas-Festsälen, Andreasstraße 21. TageS-Ordrinng: 1. Vortrag:»Hat der Arbeiter im heutigen Staate Gleich- bcrechtigung?° Rescrent Arbeitersekretär Genosse c. vritoliner. 2. D!s. kusfion. 3. Branchcnangelegenheiten. 113/3 Da unter Branchcnangelcgcnhciten wichtige Mitteilungen zu machen sind und des wichtigen Vortrages halber erwarten wir einen zahlreichen Besuch. Donnerstag, den 17. März, abends 8'/s Uhr: veriammlung äerlslaschlnevformer in den Borussia-Sälen, Ackcrstrahe 6/7. TageS»Ordnung: I. Bortrag des Kollegen Wueedlek:»Die Unternehmer auf dem Kriegspfade.* 2. Berussangelegenheiten. 3. Diskussion. Wir erwarten ein vollzähliges Erscheinen aller Kollegen. __ DI© Ortuvcpvraltnng, Oeffentlicher Vortrag Reinhard über Mumm 11975 u Steinsetzer und Berufsgenossen Filiale Groß-Berlin. Donnerstag, den 17. März, abends?'/, Uhr: l sämtlicher Unterbezirke in den(«onnania-Pracbtsaicn(Weißer Saal, Part.) Berlin. Chaussccstrasie 119. Tagesordnung: 1. Bericht über den Angrisf der Arbeitgeber ans unseren Taris, die Verhandlungen der paritätischen Tarislommission und deS EinigungSamtcS des Berliner Gewerbegerichts. 2. Diskussion. 3. Wahl der Ersatzmänner der Kommission. 4. VcAchicdencs. Das Erscheinen der Mitglieder ist unbedingt erforderlich. 174/4*_ Ol© Tarlfkonimiasion. _ Sofort zu vermieten: 4I83L* Tegel, Bahnhof-Str. 17-18 2 Zimmer u. Küche. Preis 330 M. am Mittwoch, den IL. d. MtS., abends 8'/, Uhr, im Konzerthaus von Uallaehmleder, N. Badstr. 16. Kreier Gintritt für jedermann. Gafiaraissllreiariat der Freien kirchlich-sozialen Konferenz. Möbellabiik Zukunft E. G. m. 6. H. Bilanz vom ZI. Dezember IVOS Aktiva. 1. Kassenbestand... 2. Warenbestand... 3. Ulensilien-Konto.. 4. Maschinen-Konto.. 5. Werkzeug-Konto.. 6. Debitoren-Konto.. 7. Bank-Konto.., 8. Kautions-Konto.. 9. Verlust..... Summa... Passiva. 1. Krcdiioren-Konto., 2. Tratten in Zirkulation 3. Antcii-Konto.... 4. Dariehn-Konto... 5. Rcservesonds-Konto.. 278,91 17 349,00 1 535,00 1 580,00 1 845,00 5181,00 9 266,00 800,00 40,06 37 874,97 8 071,00 1 209,00 4 000,00 28 990,00 104,97 Summa... 87 374,97 Im Ansauge des GeschästSjahres betrug die Zahl der Mitglieder 16. Die Gesamtsumme der Geschästs- antcile betrug 4000 M.,.der Hast- summe ebenfalls 4000 M. Aus- getreten sind 2 Mitglieder, eingetreten keine. Mithin verblieben noch am Schlüsse des GeschästSjahres 14 Mit- giieder. Die GeschästSanleile, ebenso die Kajlsiimme haben sich um 500 M. verringert. Mithin betrug die Gesamt- Hastsumme am Schlüsse des Geschäfts- sahres, sowie die Gcschästsantciie 3ö(K) M. 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Rcserent: Zigarettcnarbeiler ZInx Httller. 2. Diskussion. Bei der Wichtigkeit der TageS-Ordnmig erwarten wir, daß kein Kollege der Zigarcitenindnstiie in der Versammlung sehit.-ME Der Vertrauensmann der Tobakarbeitcr Berlin» W llh. Hoerner. -Kindsp. Nahrung tranken- itost. tiuviikkZgenit bewährte kishrung. Olsnindergelleisien verwglich itsbei U. leiden nicht sn Veklsguungssröning. Bor Nachahmungen jeder Art sei jedoch dringend gewarnt. In den meisten vrogerien und bei, Otto Reichel, Berlin 43, Eisenbahnstr. 4 1 �' Bäckerei •-Eröffnung Empsehle den Parteigenossen meine j neu erösinctc Bäckerei. ES wird mein Bestreben seiti, nur reelle Ware k'jscl»el',(lubenei- Ltt. 31. lullen« r— Ziehung II. u.12. Mai� Berliner Arbeits' stälten- Gesamtbotrag d. Gew. Markw. 50000 spez. 2327 v. 5-3000 Gew. Markw. 30000 u. ein Hauptgew. Markw. 20000 Originallose a 2.— Hark, Porto u. Liste 80 Pf. extra, empfiehlt und vorsendet das General-Debit G. 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Die sozial- demokratischen Stimmen haben sich mehr als verdoppelt. während die Stimmen der Gegner bedeutend zurückgegangen sind. Roch ein glänzender Gcmeindewahlsicg. Der entscheidende zweite Wahlgang bei der Geineinderatsersatz Wahl in Sulz sElsaß) hat der Sozialdemokratie am Sonnrag den Gewinn von fünf Mandaten gebracht. Von sechs Sitzen, die zu besetzen waren, errang die Partei fünf mit 229 bis 351 Stimmen, während von den bürgerlichen Kandidaten nur ein Zentrumsmann, und zwar mit 248 Stimmen gewählt wurde. Der einzige unterlegene Sozialdemokrat erhielt 207 Stimmen. Von 24 Sitzen, die der Gemeinderat der Stadt Sulz zählt, hat die Partei jetzt 5 inne, während sie bei den Hauptwahlen von 1908 infolge des Zusammengehens der bürgerlichen Parteien vom Gemcinderat aus- geschlossen worden war._ Aus den Organisationen. Eine ausierordentliche Konferenz für den Reichstags- Wahlkreis Offen bach-Dieburg beschäftigte sich mit den durch die Beschlüsse des Parteitages und der hessischen Landeskonferenz notwendig gewordenen Aenderungen des Statuts. An den seit- hcrigen Grundbetrag von 15 Pf. pro Mitglied und vierzehn Tage wurde festgehalten; 10 Pf. sind davon in die Kreiskasse abzuführen. Beim Punkt Kommunalwahlen wurde angeregt, keine Kompromisse mit Gegnern einzugehen. Bindende Beschlüsse wurden aber nicht gefaßt; die einzelnen Orte sollen selb- ständig entscheiden._ polizcUiches, CJcrichtllcbes ulw. Strafkonto der Presse. Vor kurzem wurde Genosse Schembor von der. P i r n a e r V o l k S z e i t u n g", vom Pirnaer Schöffengericht wegen Beleidigung eines Oberleutnants zu vier Wochen Gefängnis verurteilt. Das Landgericht als Berufungsinstanz hob daS Urteil auf und erkannte auf 200 Mark Geldstrafe. /ius Industrie und DandeL Ein Werk der Ritter und Heiligen. Die Wirkungen unserer agrarischen Wirtschaftspolitik lasten in furchtbarer Schwere auf dem Volke. Der Lebensmittelwucher miß- handelt in besonders fühlbarer Weife die arbeitende Bevölkerung. Die Wunderwerke der Technik, die gegen früher auf das vielfache gesteigerte Produktivität der Arbeit haben nicht verhindert, daß hundert- lausende Proletarier mit verschlechterter Ernährung sich bescheiden müssen. Den Houptteil von allem Fortschritt heimsen die Junker, die Liebesgabenschlucker ein. Die eigentlichen Macher der Volks- Mißhandlung und der Liebesgabenpolitik sind die Konservativen, Scharf- macher und Zentrümler, die Repräsentanten des Schnapsblocks l Wie diese Gesellschaft durch Zoll- und Steuerpolitik, Grenzsperren usw. die beiden wichtigsten Nahrungsmittel hat verteuern helfen, dafür ein paar Beispiele. Nach den bekannten Ermittelungen des Statistischen Amts der Stadt Berlin kostete im Monat Januar 1 Kilogramm in Pfennigen: Steigerung in 1910 1905 1907 1909 1910 gegen 1905 in Prozent Roggenbrot.. 23.46 27,63 29,44 29,42 25.4 Weizenbrot.. 41,75 45,83 51,67 55,02 Zl,7 Die Fleischpreise klettern ebenfalls immer noch höher hinauf. Gegenüber dem Vorjahre ist wieder ein großer Ruck nach oben zu konstatieren. Die Berechnungen der Preise für Fleisch im Kleinhandel, die von der amtlichen Stasistischen Korrespondenz veranstaltet werden, und zwar auf der Grundlage der häufigsten Preise in 50 preußischen Städten, ergeben folgende Durchschnitte: ES kostete im Jahr I Kilo- gramm Pfennig: 1909 1910 Rindfleisch.... 153 153 Kalbfleisch.... 171 174 Hammelfleisch.,. 164 166 Schweinefleisch... 154 163 Roßfleisch..... 71 74 Speck, inländischer.. 178 190 Bei Schweinefleisch macht die Steigerung in dem einen Jahre über 7 Proz. aus. Die Preise für Milch, Butter und Eier sowie für eine Reihe anderer Lebensmittel find ebenfalls enorm gestiegen. Die ungeheuerlichen Preissteigerungen sind natürlich der Junker Lust und Freude. Solche Wonnen wollen sie sich natürlich nicht schmälern lassen, denn nach ihrer Meinung ist daS Volk doch nur dazu be- stimmt, ihnen als Packesel und AuSbeutungSobjckt zu dienen. Das Instrument der Bedrückung und Plünderung dcS Volkes ist seine politische Entrechtung. Diese wird den Junkern vornehmlich durch das Prcußenwahlrecht gesichert. Daher auch daS heiße Bemühen der Rilter und Heiligen, unter Mißbrauch der Religion und der be- waffneten Macht, diese? Wahlrecht möglichst unverändert zu erhalten. Der Lebensmittelwucher, die Plünderprivilegien der Junker, die LiebeSgabenpolitik. deren Grundlage trotz Reichstag die politische Herrschaft der Ritter in Preußen ist, die nach Meinung Berhmann HollwegS„gottgegebenen Abhängigkeiten' sollen erhalten bleiben. Darum der brutale Kampf der SchnapSblockbrüdcr für den Wahlrechts- wechselbalg._ Zwei Unterlege«. Der BeleidigungSprozeß, den der Schrift- steller Bruno B u ch w a l d gegen den Herausgeber der Bauk- und Handelszeitung Dr. Walter Stande angestrengt hatte, stand heute in der Berufungsinstanz vor der 9. Strafkammer dcS Landgerichts l an. ES handelt sich um drei Artikel, die Dr. Mancke im Anschluß an das gegen Buchwald im Jahre 1903 schwebende Ehrengerichts- verfabrcn der Berliner Börse veröffentlicht hatte. Dr. Mancke hatte auf Grund einer Notiz in den Buchwaldschcn Börsenberichten Wider- klage angestrengt, weil ihm darin der Vorwurf der Bestechlichkeit und der Annahme von Schweigegeldern gemacht worden war. Das Schöffengericht hatte nach sehr umfangreicher Beweisaufnahme den Angeklagten Dr. Mancke zu 200 M., den Privatkläger und Widerbeklagten B u ch w a l d zu 50 M. Geldstrafe verurteilt. Beide Teile hatten Berufung eingelegt. Die heurige Verhandlung endete mit einem Vergleich. Der Angekl. Dr. Mancke erklärte, daß er sich jedes weiteren Angriffs gegen Herrn Buchwald in Zukunft enthalten wolle. Klage und Widerklage wurden hierauf zurück- genommen. Nach dem großen Tamtam, der von beiden Parteien mit dem Prozeß gemacht worden ist, nach den Versicherungen, daß sie gegen- feisig sich als„Ehrenmänner" entlarven würden, berührt der AuS- gang des Schießens sehr wunderbar. w Lohnrückgang im Bergbau. Die rückläufige Tendenz der Löhne im preußischen Bergbau während der letzten Jahre zeigt folgende Zusammenstellung. Im preußischen Bergbau verdiente ein Arbeiter durchschnittlich Marl pro Schicht: 1907 1903 1909 4,31 4.27 4,07 Der Lohnsatz, ausgedrückt im S ch i ch t v c r d i e n st, ist dem- nach von Jahr zu Jahr gesunken. Dazu kommt noch, daß die An- zahl der Schichten, die ein Arbeiter verfuhr, im Jahre 1903 niedriger war als im Jahre 1907, und im Jahre 1909 wiederum niedriger als 1908. Dadurch ging der Verdienst noch weiter zurück, so daß ein Bergarbeiter im Jahre 1909 nur 1204 Mark ver- diente gegen 1293 Mark im Jahre 1908 und 1323 Mark im Jahre 1907. Somit ist daS Jahreseinkommen eines Berg- arbeitcrS im Laufe der letzten zwei Jahre um 124 Mark gesunken. Am empfindlichsten wurde von den» Lohnrückgang im Jahre 1909 der Steinkohlenbergbau betroffen, in welchem die Arbeiter durchschnittlich pro Schicht nur 4,17 M. verdienten gegen 4,41 M. im Jahre 1903. Im Jahre 1907 hatte der Schichtverdienst der Steinkohlenarbciter noch 4,44 M. betragen. Von den verschiedenen Bezirken des Steinkohlenbergbaues ist es wieder Rheinland- W e st f a l e n, wo die Arbeiter sehr ungünstig abschnitten: der Schichtverdienst im Oberbergamtsbezirk Dortmund erreichte im Jahre 1909 nur einen Betrag von 4,49 M. gegen 4,82 M. im Jahre 1998 und 4.87 M. 1907. Sehr viel stärker als bei den über Tage beschäftigten Arbeitern ist der Schichtlohn bei den unter- irdisch Beschäftigten gesunken; bei erstercn ging er von 3,91 auf 3,83, bei letzteren von 5,86 auf 6,33 M. zurück. Keine Besserung. lieber den Beschäftigungsgrad in der rheinisch- westfälischen Großindustrie schreibt man der„Köln. Bolksztg.":„Die Zahl der Feierschichten war in der letzten Zeit wieder im Zunehmen begriffen, da die Absatzvcrhältnisse bei Fett- und Magerkohlen sich weiter ver- schlechtert haben und weitere Anfüllnng der Lager aus den Zechen- Halden nicht gut möglich ist. Auch die Kohlen- und Kokslagcr des Syndikates sind zum großen Teil überfüllt; das letztere zieht bereits die Frage einer Erhöhung der Einschränkung der Förderung in Erwägung. Ob diese eintreten wird, dürfte zum großen Teil von dem endgültigen Verlaus der Grubcnarbeitcrbewegung in Eng- land abhängen. Besserung der Absatzverhältnisse auf dem engeren Markt ist jetzt sobald nicht zu erwarten, da namentlich der Abruf von Gcwerbekohlen und-Koks andauernd ungenügend ist. Der Stillstand auf dem Eisen- und Stahlmarkt hat sich eben auch auf den Kohlenmarkt übertragen. « Rentabilität im Bankgcwcrde. Im Verlaufe des Monats Februar veröffentlichten im Zentral- Handelsregister insgesamt 42 Aktiengesellschaften des Bankgewerbes mit einem Nominalkapital von zusammen 192 924 Millionen Mark ihre Bilanzen. Die zur Verteilung gelaugte Dividendcnsumme be- trug insgesamt 13 866 Millionen Mark für das letzte Geschäftsjahr, während sie sich im Jahre zuvor nur auf 13 013 Millionen Mark belaufen hatte. Jnfolge dieser Vermehrung der zur Ausschüttung bestimmten Dividendensumme stellte sich für die 42 Akliengesellschaften die durchschnittliche zur Verteilung kommende Dividende auf 7,2 Proz., während im Vorjahre die Durchschnittsdividende nur 6,7 Proz. betragen hatte. Zuzüglich der zwei Aktiengesellschaften, die bereits im Januar ihre Bilanz im Zentralhandelsregister veröffentlicht hatten, verteilten in den beiden ersten Monaten 44 Aktiengesellschaften mit einem Nomiualkapital von zusammen 207 424 Millionen Mark eine Dividendensumme von 15 086 Millionen Mark gegenüber 14 228 Millionen Mark im Vor- jähre oder eine durchschnittliche Dividende von 7,3 gegenüber 6,9 Proz. im Jahre zuvor._ Sozialem Fiasko der Fursorgeerzichung. Was wir seit vielen Jahren immer vertreten haben, hat jetzt auch der am Sonntag eröffnete Rheinische Provinziah landtag, der doch sicher„sozialistenrein" ist, bestätigt. Die vielgerühmtc Fürsorgeerziehung, das Gesetz gegen arme Kinder, hat schmählich Fiasko gemacht. Jetzt jammern auch die früheren Verfechter dieses Ausnahmegesetzes gegen die Armut nach Abhilfe. Bei Beratung des Haushaltsplanes für 1919 erklärte der Landeshauptmann, daß die Ausgaben fortgesetzt steigen und die Umlagen, die jetzt 12� Proz. betragen, wieder erhöht wcrdeir müssen.„Eine gewaltige Last ist der Provinz auf- gebürdet durch die Armen-, Irren- und jugendliche Fürsorge. Die Zahl der Fürsorgezöglinge wächst in erschreckendem M a st c." Im Voranschlage für das Jahr 1999 waren 6798 Für sorgezöglinge aufgeführt, heute beträgt die Zahl mehr als 8999. Im kommenden Jahre sei mit einem weiteren Zuwachs zu rechnen. Die Aufwendungen für diese Zwecke haben im Jahre 1999 196 999 M., 1995 497 999 M. betragen»nd werden 1919 819 999 M. betragen. Darüber natürlich ein Sturm der—- Entrüstung. Der bekannte Oberbürgermeister Marx aus Düsseldorf bestieg die Tribüne, nm mit„Donnerwortcn" gegen diesen Zustand zu sprechen. Es müsse jetzt unbedingt die Frage aufgeworfeu werden,„ob die Aufwendungen von 2M> Millionen Mark allein für die Rheinprovinz dem Wert und der Bedeutung der Fürsorgeerziehung entspreche". Lebhaftes Bravo seitens der Zuhörer war das Echo dieser Kraftworte. Sehr inter- essant ist es auch, daß iin frommen R.heinlande überhaupt solche hohen Ausgaben für solche Zwecke nötig sind. Wo bleibt da die„gute Erziehung" durch die Pfaffen und ihren Anhang? Der Düsseldorfer Oberbürgermeister wetterte dann noch gegen„das erschreckende Anwachsen der Kri- m i n a l i t ä t". welches nicht besonders günstig für diese Erziehungsmcthod-e ist. Gegen die Dauer der Fürsorgeerziehung, die bis zum 21. Lebensjahre angeordnet werden kann, machte Redner geltend, daß es durchaus unzweckmäßig ist, die Fürsorge bei Personen von über 16 Jahren einzüsetzen. Mehr als 29 Proz. der Gesamtzahl der Zöglinge sei aber über 16 Jahre alt. „Welch schädlichen Einfluß aber diese fast unheilbar infi- zierten Personen auf die jüngeren Zöglinge ausüben, sei kaum auszudenken. Die Bestrafung entlassener Fürsorgezöglinge durch die Gerichte mehrt sich in erschreckender Weise." Deshalb sei eine Revision des Gesetzes dringend nötig und bittet der Redner um Samm- lung von Material. Zum Schlüsse bemerkte der Redner:„Die u s a m m e n p f e r ch u n g v o n K i n d e r n von zehn ahren mit Verbrechern, die schon mehrmals be- straft sind, muß die unheilvollsten Folgen haben. Wie schlimm diese sind, bezeugt die Tatsache, daß kürzlich drei Fürsorgezöglinge aus einer Anstalt bei Düsseldorf von der Straf- kammer wegen Vergehens gegen den 8 173 des Strafgesetz- buches abgeurteilt wurden, und daß von diesen einer über 16 Jahre alt war, ein anderer kaum die Zehn überschritte» hatte. Ter Aeltere hatte selbstverständlich das Unheil in die Anstalt getragen, und wer weiß, wie groß der Kreis der nun- inehr Infizierten über die drei hinaus ist? Das Fürsorge- crziebungsgesetz wurde vor mehr als zehn Jahren erlassen in der Hoffnung, daß durch die von diesem Gesetz geschaffenen Einrichtungen, insbesondere durch die zwangsweise Erziehung in den gefängiüsähnlichen Anstalten die Kriminalität der Jugendlichen abnehmen werde. Nach zehnjähriger Wirksam- keit der Fürsorgeerziehung aber hat die Kriminalität der Jugendlichen nicht nur nicht abgenommen, sondern die Zahl der Bestraften und auch der wegen schwerer Vergehen und Verbrechen bestraften Jugendlichen hat absolut und relativ zugenommen. Im Jahre 1897 betrug der Prozentsatz der Verurteilten im Alter von 12 bis 18 Jahren 9,8; im Jähre 1996 19,4. Im Jahre 1897 betrug die Zahl der verurteilten Jugendlichen 45 329; im Jahre 1996: 55 277. Wegen Unzucht und Notzucht wurden in jenem Jahre 826 Jugendliche ver- urteilt; im Jahre 1996 1941; wegen Mords und Todschlags verfielen dem Gesetz in jenem Jahre 17(6,2 Proz.), im Jähre 1996 81(11,9 Proz.). Seinen Hauptzweck also hat das Ge- setz offenbar verfehlt, und eine Revision des Gesetzes ist dem- nach dringendes Bedürfnis." Ganz gut, daß das Anwachsen der Kosten, die das Ge- setz den Kreisen und Landarmenverbänden verursacht, auch diese Herren zur Kritik gegen das durchaus unsoziale und un- gerechte Gesetz aufpeitscht. Die Kriminalitätsziffern, die der Redner anführte, be- dürfen übrigens einer Korrektur. Die Zahl der Verurteilungen Jugendlicher im Alter von 12 bis 18 Jahren wegen Ver- brechen und Vergehen ist im allgemeinen freilich ständig ge- stiegen, aber ini Jahre 1997 um 2,1 Proz. erfreulicherweise gefallen. Das Jahr 1998 hatte die höchste Kriminalitäts- ziffer aufzuweisen. Während die Zahl der Verurteilten im Jahre 1996 55 279 aufwies, siel sie im Jahre 1997 auf 54 119. Richtiger ist es, zu betrachten, wie groß die Zahl der ver- urteilten Jugendlichen im Verhältnis zu der je- weiligen Stärke der strafmündigen jugendlichen Bevölkerung war. Von 199999 Jugendlichen wurden verurteilt im Jahre 1992 749. 1993 726, 1994 715, 1995 733. 1996 764, 1997 734 Jugendliche. Im Jahrfünft 1897 bis 1991 entfielen 733, im Jahrfünft 1992 bis 1906 736 verurteilte Jugendliche auf je 199 999 strafmündige jugendliche Zivilpersonen. Die Zahl der Vorbestraften hat nicht ab-, sondern zugenommen. Statistisch läßt sich leider nicht erfassen, ein wie großer Prozentsatz der Zunahme der Rücksälligen auf die Wirkung des Fürsorgegesetzes zurück- zuführen ist. Sie dürfte noch bei weitem größer sein, als der Oberbürgermeister Marx angenonimen hat, da die Art der Erziehung in einer ganzen Reihe von Fürsorgeanstaltcn geradezu eine Erziehung zum Verbrechertum ist. Die Schwankungen der Kriminalität in den verschiedenen Jahren sind in erster Reihe aus die wirtschaftliche Lage zurückzu- führen. Aber wenn auch das allgemeine Urteil über eine an- gebliche Zunahme der Kriminalität nicht zutrifft, so trifft doch unbedingt zu, daß der Prozentsatz der Fürsorge- zöglinge und ehemaliger Fürsorgezöglinge im Verhältnis zu den Bestraften überhaupt ein ungeheuer großer ist. Wann wird endlich Preußen an eine Reform des Fürsorgegesetzes an Haupt und Gliedern herantreten? Klage auf Kaution und Entschädigung. Der Hausdiener B. ist vom Restaurateur Eduard Schulz, Alt- Moabit 123, zum 10. Januar siir eine zu eröffuende Filiale engagiert, aber mit der Einstellung hingehalten worden. Er klagte deshalb auf Zahlung einer Entschädigung von 63 M. und Rückzahlung der Kaution von 50 M. Der Beklagte wendete demgegenüber ein, er habe von der Einstellung des Klägers absehen müssen, weil ihn dieser durch beleidigende Bemerkungen zu anderen Personen gröblich beleidigt habe. Die ihm angebotenen Papiere und Kaution habe Kläger nicht angenommen; schließlich habe er ihm die Papiere durch die Post zugesandt. Mit aller Entichiedenheit bestritt der Kläger die Einwendnngen des Beklagten. Da der Beklagte weder Beweis- mittel für seine Angaben anführte, noch den verlangten Kosten- Vorschuß für die Ladung der von ihm angeführten Zeuge» einsendete. blieb er beweisfällig. Das Gericht unter Vorsitz des WkagistratSassessorö D r. S e ck t verurteilte gestern den Beklagten den: Klageantrag entsprechend. Die Wirkung des französischen Stelleuvcrmittlergrscizcs. Für die gegenwärtig in Deutschland aktuelle Frage über daS Stellenvermittlergesetz ist die Wirkung eines solchen Gesetzes in Paris recht interessant. Durch das Gesetz vom 14. März 1904 wurden die Städte ermächtigt, die gewerbsmäßigen Stellenvermittler in einzelnen oder allen Berufen ihres Bezirkes durch Geldentschädigung abzn» lösen und jede weitere gewerbsmäßige Stellenvermittelung für die betreffenden Berufe zu untersagen. Von dem Gesetze sollten Ver- eine, die kostenlosen Nachweis unterhalten, nicht betroffen werden. Jnfolge der schlechten gewerkschaftlichen Organisation der Arbeiter der dabei in Betracht kommen Berufe war vorauszusehen, daß sich dieser Reflex schwer rächen werde. Das ergibt sich denn auch recht deutlich aus einem offiziellen Berichte über„die Stellen- vermittelung in Paris seit dem Inkrafttreten des Gesetzes vom 14. März 1904". In den Berufsgruppen der Bäcker und Konditoren. Schlächter. Friseure, Schuhmacher, Hotel- und Restanrantangestellten und Färber wurden in Paris 61 gewerbsmäßige Stellenvermsttelungs- bureaus abgelöst, denen eine Entschädigungssumme von insgesamt 1 608 000 Frank angeboten wurde, doch wurden davon 295 100 Frank abgeschlagen. Die höchste zur Auszahlung gelangte Ent- schädigungssumme betrug 145000 Frank, die Durchschnittssumme 26 360 Frank. Für die.Handelsangestellten, Müller. Dienstboten. Lehr- personal usw. sind noch gewerbsmäßige Nachweise gestattet, doch müssen alle Gebühren ausschließlich vom Arbeitgeber bezahlt werden, was sofort eine Herabsetzung der Vermittelungsgebühr in 42 Proz. aller solcher Bureaus zur Folge hatte, deren insgesamt 236 bestehen. Die städtischen Arbeitsnachweise sind nach wie vor ohne große Bedeutung geblieben; zu den 16 vor Inkrafttreten des Gesetzes bestehenden Bureaus sind noch 4 neue hinzugekommen. die im Jahre 1904 insgesamt 33 841 Stellungen vermittelten, oder 2115 Stellungen pro Vermittelungsbureau, im Jahre 1907 dagegen 39106 oder im Durckischnitt nur 1955 Stellungen. Dieses bctrü. bcnde Ereignis ist die Folge der zahlreichen Vereinsgrüudungcn. die meist verkappte gewerbsmäßige Arbeitsnachweise sind. Vor dem Inkrafttreten des Gesetzes gab es 35 Vereinigungen, die Stellenvermittelung betrieben;«zwischen sind 64 neue hinzu» gekommen(wie oben angeführt, wurden 61 Privatbureaus abgelöst). / Don"49 dieser Vereinigungen sagl der offizielle Bericht, das; sie nllgmein als verkappte Privatftellenvermittler betrachtet werden. Fünf Bereinigungen werden direkt von abgelösten Privatvermitt- lern, die insgesamt 128 009 Frank bei dem Geschäft erhielten. geleitet, sowie 17 durch Schreiber oder Verwandte früherer gc- werbsmätziger Stellcnvermittler. 80 Vereine haben ihre LureauS in Restaurants untergebracht. Auch die Statuten weisen auf den Charakter dieser Bereine hin. Meist ist den Leitern derselben eine fast unumschränkte Gewalt in der Geschäftsführung ein- geräumt; sie sind vielfach auf je 2 oder 10. Jahre fest angestellt, in 2 Fällen sogar lebenslänglich. Manche Vereinigungen haben nur eine ganz beschränkte Anzahl„aktiver" Mitglieder und nehmen nur noch„passive" Mitglieder auf, die gegen Zahlung der recht beträchtlichen Aufnahmegebühren das Recht auf Benutzung des Arbeitsnachweises erwerben, auf die Bereinslcitung dagegen ohne jedweden Einfluß sind.________ Hua der frauenbewecfung» Stimme» für eine Frauenkonferenz. Mit der Frage, ob in diesem Jahre die Abhaltung einer Frauenkonferenz notwendig sei. beschäftigten sich die Genossen in der-- schiedencn Wahlkreisen. In Leipzig-Stadt erklärten sich sämtliche Teilnehmerinnen der Besprechung für eine Frauenkonserenz. In demselben Sinne sprechen sich die Genossinnen in Regensburg auö. desgleichen in Chemnitz. In der„Gleichheit"— Nr. 12— weist Genossin Wurm darauf hin, datz die Konferenz schon darum nicht bis zum nächsten Jahr« verschoben werden könne, weil dann die nächsten Neichstagswahlen stattfinden, die Konferenz aber gerade für diese noch Vorarbeit leisten, Rüstzeug schmieden soll. lieber die formale Behandlung der Angelegenheit bemerkt sie: „Was die Berliner Geiiossinnen anbelangt, so steht alles, was sie darüber offiziell erfahren haben, im„MitreilungSblatt des Ver- bandcS der sozialdemokratischen Wahlvereine Berlins und Umgegend" vom 9. Februar d. I., das alle Funklionäre und Funktionäriuncn der Partei erhalten, zu lesen. ES lautet:„lieber die stattgehabte Konferenz der Parteisekretäre wird Bericht erstattet. Aus Gründen der Ziveckniätzigkcit soll in diesem Jahre keine Fronenlonferenz ab- gehalten werden." Welches diese„Gründe der Zweckmäßigkeit sind," darüber kein Wort. Ist dieS die ganze Erklärung, die man den Berliner Genossinnen gibt? Damit muß man annehmen, daß eine 51onferenz der Parteisekretäre sich gegen eine diesjährige Frauen- konferenz ausgesprochen hat. Eine solche Konferenz ist zwar nicht entscheidend, sondern wird vom Parteivorstand gutachtlich gehört. ES wäre jedoch zweifellos wichtig, die Gründe zu hören, welche die BtsinungSäußerung der Parteisekretäre bestimmt haben. WaS höre» ivir darüber im„Mitteilungsblatt"? Die dort ver- öffeutlichte Erklärung besagt gar nichts, sondern bedarf erst selber wieder einer Erklärung.... Bon den ganzen„Gründen der Zweckmäßigkeit", die für die Nichtabhaltung der in diesem Jahre fälligen Frauenkonferenz an- gesührl werden könnten, erweist sich also bei näherer Betrachtung auch nicht ein einziger als stichhaltig. Daß das Frauenbureau seine Meinung öffentlich kundgibt, bevor der Parteivorstand seinen Entschluß osfiziell bekanntmacht, ist doch eigentlich selbst- verständlich." Genossin Wulf, die sich in derselben Nummer der„Gleichheit' ebenfalls mit der Frage beschäftigt und ganz energisch die Not wcndigkeit und Nützlichkeit einer Frauenkonferenz betont, schreibt unter anderem:„In verschiedenen Gegenden Deutschlands beklagen sich die Genossinnen, daß nach dem Anschluß an die Wahlvereine die Fühlung unter den Frauen nicht mehr im alte» Maße vorhanden ist. In Berlin, wo sonst ziemlich regelmäßige Zusammenkünfte der Genossinnen stattfanden, ist diese Gepflogenheit, hauptsächlich auf Wunsch der Genossen, fallen gelassen worden. Ich bin der Meinung. daß so häufige Zusammenkünste wie früher jetzt nicht mehr not tun, aber ein gänzllches Unterlassen unserer Besprechungen führt auf die Tauer zu Mißständen. Man wird mir entgegnen: DaS ist eine Sache, die in Orten und Kreisen zu regeln ist. Ich behaupte aber, daS trifft nicht zu. Fast allgemein besteht das Bedürfnis der Genossinnen»ach solchen Besprechungen, die die gemeinsame Arbeit fördern. Eine Aussprache darüber auf der Konferenz würde von den Genossinnen aller Orte begrüßt werden und überall iveit mehr wirken als lokale Erörterungen. Die für die Genossinnen ein- geführten Leseabende sind mit den genannten Zusammenkünsten nicht zu venvcchseln. Sie haben ihren Nutzen für die gesamte prole- tarische Bewegung erwiesen. Bon ihnen abgesehen, sollten die Trägerinnen und Leiterinnen der Bewegung ab und zu zusammen' kommen."__ Die Fordernuge» der Franeurechtlerinnen im englische» Unterhanse. Die tollen Streiche der englischen Suffragette? haben unver- kennbnr eine Reaktion gegen die politische Frauenbewegung in Eng land hervorgerufen. Die Damen selber beginnen deshalb auch schon mehr die soziale Seite ihrer Bestrebungen in den Vordergrund zu schieben, ohne deshalb ihre politischen Forderungen aufzugeben. Sie sind nachgerade zur Ueberzeugung gekommen, daß mit der Forderung des Damenstimmrechts allein die breiten Massen der Arbeiterinnen nicht zu gewinnen sind und sie sehen sich deshalb genötigt, den Fragen der Arbeiterinnenschutzgesetzgebung und des ErziehungSweienö größere Auimerksamkeit als bisher zu>che»ken. Der liberale Abgeordnete MacLaren hat soeben im Austrage der Frauenrechtlerinnen eine Reihe von Vorlagen im Untcrhause eingereicht, die zusammen die Forderungen der„Frauencharte" ver- lörpern. Die Vorlagen fordern: 1. die politische Gleichberechtigung der Frauen, worunter natürlich das beschränkte Damenwahlrecht verstanden wird; 2. eine Reibe von Maßregeln zum Schutze der Arbeiiersrauen, wie die Einführung von Gemcindewäicheanstalten, munizipalen Volksküchen, Kinderbewahranstalten. entsprechende Milchversorgung durch die Gemeinde usw.; 3. die Abänderung der Fabrikakte namentlich zum Schutze von Arbeiterinnen vor und nach der Schwangerschaft, ferner die Abänderung der EheicheidungS- geietze. des EhevcrmögenS- und des Erbrechts zugunsten der Frau. und die Festsetzung der gesetzlichen Verantwortung auch deS Baters für Kindeömord.____ Beschwerden von Arbeiterinnen über Ungesetzlichkeiten und Mißstände im Arbeitsverhältnis werden in folgenden Bureaus entgegengenommen: Arbeiterinnensekretariat der Geileralkommission der Gewerk- schasten. Berlin SO., Engelufer 15, IV. Sprechstunden von 0 bis 5, Donnerstags bis 8 Nhr. Bureau der sozialdemokratischen Frauen, Berlin SW., Lmden- straße 8, Hof IV. Sprechstunde» täglich von 9 bis 4 Uhr. Bureau des TexlilarbeiterverbandeS, Berlin 0., AndrcaSstr. 81. Sprechstunden täglich von 9 bis b Uhr, Montags bis 8 Uhr, und AndreaSstr. 17, Sprechstunden von 9 bis 7 Uhr. Verbandsbureau der Buch- und SteindrnckereihilfSarbeiter und -Arbeiterinnen, Berlin HO., Elbinger Str. 19 III. Sprechstunden täglich von 0—6 Uhr. Bureau der Ortsverwaltung Berlin desselben Verbandes. Berlin 8 IV., Alte Jakobstr. 5, Hof II. Sprechstunden Dienstags von 6— 7 Uhr. Die Namen derBefchwerdeführerinnen werden streng geheim gehalten. Leseabende. Groß-Lichtcrfelde. Freitag, den 18. März, bei Wahrendorf: trag über:„Märzgedauken und Märzgedichte", Lor- Gerfebts- Zeitung. Raubmorbversuch an der Juweliersfrau Richter. In der gestrigen Sitzung führte StaaiöanwaltschastSrat Dr. Pabst in einem längeren Plaidoyer zur Begründung der An- klage u. o. folgendes auZ: Die Tai, welche hier zur Anklage stehe, habe seinerzeit weniger durch die Art der Ausführung, als durch die Persönlichkeiten der Täter allgemeines Aufsehen erregt. Es sei eine überaus seltene Erscheinung, daß an dieser Stelle unter der Anklage eines der schwersten Verbrechen sich nur Angehörige des gebildeten Standes zu verantworten haben. Wenn hier ein ehe- maligcr Offizier, ein Schauspieler, ein Magistratsbeainter und früherer Geheimsekretär eines Prinzen und ferner ein früherer Wcrftdirettor auf der Anklagebank Platz nehmen müssen, so sei dies eine glücklicherweise nicht alltägliche Erscheinung, für die man in erster Linie eine Erklärung auf psychologischem Gebiet suchen müsse.— Der Staatsanwalt gibt eine ausführliche Darstellung der früheren Straftaten der Angeklagten, wegen welchce sie schon bc. straft sind, und der Entstehung des Planes eines Ucberfallcs auf die Juweliersfrau Richter. Nach Würdigung der Ergebnisse der Beweisaufnahme über die Beteiligung der einzelnen Angeklagten läßt der Vertreter der Anklage das erschwerende Moment des Mit- führens einer Waffe bei der Tat fallen, da der Angeklagte Kühne nach seiner eigenen, glaubhaften Angabe den Revolver nur zufällig bei sich getragen hatte. Bei der Besprechung deS Planes selbst sei auch schon davon die Rede gewesen, daß die sehr schwächliche Frau Richter wahrscheinlich ohnmächtig werden würde, so daß mit einer Anwendung deS Revolvers von vornherein gar nicht gerechnet ivorden war. Bon einem freiwilligen Rücktritt von dem Versuche könne keine Rede sein, da die Angeklagten lediglich durch die Hilfe- rufe der Ueberfalleucn gezwungen worden tvaren, von einer weiteren Ausfuhrung der Tat Abstand zu nehmen. Ter Staatsanwalt hält nach dem vorliegenden Material den Angeklagten Shz als das geistige Oberhaupt der sämtlichen verbrecherischen Pläne. Gegen ihn sei deshalb die Schuldfrage nach Anstiftung zum versuchten Raube unter Ausschluß mildernder Nmstände zu bejahen. Bezug- lich der Angeklagten Kühne, Kuchnel und Stäche beantrage er die Schuldfrage im Sinne der Anklage zu bejahen und diesen An- geklagten auch die mildernden Umstände nicht zu versagen. Bei Hohe, der die ausführende Rolle bei der Tat selbst übernommen hatte, und nicht, wie die drei anderen Täter, von der Not getrieben war. empfehle sich keinesfalls die Zubilligung mildernder Um- stände. Es folgen längere Plaidoyer» der acht Verteidiger der An- geklagten. Die Beratung der Geschworenen zog sich bis?4g Uhr hin. Dem Wahrspruch gemäß beantragte StaatSanwaltschaftSrat Dr. Pabst gegen Hohe wegen versuchten Raubes eine Zusatzstrafe von 1 Jahr Zuchthaus, gegen Kühne und Kuehnel wegen ver- suchten Raubes je 9 Monate Gefängnis, gegen Stäche lvegen Beihilfe zum Diebstahl 2 Monate Gefängnis und gegen Syz wegen Anstiftung zum versuchten Raube eine Zusatzstrafe von 2 Jahren Zuchthaus. Mit Ausnahme von Shz wurden den Angeklagten mildernde Umstände zugebilligt.— Das Urteil lautete gegen Hohe auf 1 Jahr Zuchthaus zusätzlich, gegen Kühne auf 9 Monate Ge- fängniS, gegen Kuehnel auf 9 Bionate Gefängnis, gegen Stach« auf 3 Monate Gefängnis und gegen Syz auf 2 Jahre Zuchthaus, 5 Jahre Ehrverluft und Polizeiaufsicht. Ten Angeklagten wurden mehrere Monate der Untersuchungshaft als verbüßt angerechnet. Zu dem nahe beckdrftehenden Umzugstermi» ist eine Entscheidung der 1. Zivilkammer deS Landgerichts III be- achtenswert, die in den„Bl. f. Rcchtspfl." veröffentlicht wird und dahin zusammenzufassen ist:„Bei einem Umzug in Groß-Bcrlin ist auch, wenn nichts hierüber vereinbart ist. der Umzug von dem Frachtführer auf einmal zu bewirken. Erfolgt der Umzug ohne eine besondere Vertragsabrede allmählich— etwa durch mehr- maligeö Fahren desselben Wagens— so ist der Besteller zur Min- deruna der vereinbarten Vergütung berechtigt." In dem Streit- falle handelte es sich darum, daß ein Beauftragter des Fracht führers zu einem Manne, der einen Umzug vorhatte, gekommen loar, um sich über das in Frage kommende Mobiliar zu unter- richten. Er hatte erklärt, daß zu dem Umzüge ein größerer Wagen und ein kleinerer erforderlich sei. Nachher waren aber nicht zwei Wagen gestellt worden, sondern nur einer, wodurch der Umzug wesentlich verzögert wurde. In der Entscheidung heißt es u. a.: „Es kann dahingestellt bleiben, ob der Frachtführer sich zur Stellung von zlvei Wagen ausdrücklich verpflichtet hat. Denn diese Ver- pflichtung ergibt sich bereits aus der Natur der Sache. Es ist in Groß-Berlin verkehrsüblich, daß der Frachtführer einen Umzug im Zweifel in der Weise bewirkt, daß da» Mobiliar des Bestellers auf einmal von der bisherigen Wohnung nach der neuen Wohnung transportiert lvird. Wenn der Frachtführer eine derartige Ver- pflichtung nicht übernehmen will, so ist es seine Sache, den Be- stellec von vornherein darauf hinzuweisen; anderseits darf dieser daragf rechnen, daß der Umzug in verkchrsüblicher Weise bewirkt wird. Die streitige Verpflichtung der Klägerin ergibt sich hier- nack, ohne weiteres aus dem§ 242 B. G-B. in Verbindung mit den §§ 133 und 157._ Eine Bohkottantlage. Wie Anklagen zustande kommen, wenn eS sich um Arbeiter handelt, die für ihr Recht eintreten, nur in den Lokalen zu ver- handeln, die ihnen auch für Versammlungen frei stehen, zeigte eine Verhandlung beim Amtsgericht Bcrlin-Tempelhof. Der An- klage lag der Lokalkampf zugrunde, den die Maricndorfcr Ar- beitcr im Sommer letzten Jahres um das Grastl'sche Lokal be- gönnen und noch führen. Der Genosse Rrichardt hatte ein Straf- mandat in Höhe von 19 M. erhalten,„weil er ohne Erlaubnis Zettel verbreitet" haben soll. Hiergegen war gerichtliche Entschci- dung beantragt, über die dieser Tage verhandelt wurde. Die An- zeige war nicht von einem Beamten erstattet, sondern durch den Gastwirt Graßl veranlaßt, der auch in der Verhandlung neben dem Redakteur der„Mariendorfer Zeitung" Wcgcnee und dessen Ehe- frau als Belastungszeuge auftrat. Unter ihrem Eid mußten die Belastungszeugen zugeben, nicht gesehen zu haben, daß der An- geklagte Zettel verteilt habe. Der Zeuge Graßl war über die an- geblichc Schandtat durch den Redakteur Wögencr informiert. Ge- sehen hatten aber beide nichts, ebensowenig die Ehefrau Wcgcncr. So fiel die Anklage zusammen. Da die Verhandlung die volle Schuldlosigkeit des Angeklagten ergab, beantragte die Amts- anwaltschaft selbst die Freisprechung. Der Angeklagte schloß sich dem Antrag an und ersuchte ferner, die Kosten des Verfahrens dem Redakteur Wegencr aufzuerlegen, da dieser durch seine fahrlässigen Mitteilungen die Anklage und Anklageerhcbuna veranlaßt habe. Da» Gericht sprach den Ange- klagten frei und legte die Kosten des Verfahrens der Staatskasse auf. Dem weitergehenden Antrage des Angeklagten vermochte das Gericht nicht zu entsprechen, weil Wegcner nicht der direkt Anzeigende war._ Der Gemeindevorsteher Schmidt von Rosenthal-Wtlhclmsruh. Die widerwärtigen Zustände, die in Rosenthal-Wilhelmsruh eingerissen waren, seit dort der Gemeindevorsteher Schmidt seines Amtes waltete, werden jetzt wieder einmal— hoffentlich zum letzten Male— vor einem Gericht erörtert. Ein BsleidigungS- Prozeß, für den wegen der großen Zahl der geladenen Zeugen eine Dauer von mindestens drei Tagen in Aussicht genommen ist, be- gann am Dienstag vor dem Amtsgericht Pankow auf Grund einer Privatklage des Gemeindevorstehers Schmidt gegen den Gemeinde- Vertreter Korb und einer Widerklage Korbs gegen Schmidt. Zwischen Herrn Schmidt und jenem Korb bestehen Differenzen seit Beginn der Schmidtschen Amisführung. Gegen Schmidt hatte Korb unter anderem die Beschuldigung erhoben, daß er alS Gemeindevorsteher pflichtwidrig einzelne Gemeindemitglieder durch mildere Anwendung baupolizeilicher Bestimmungen begünstigt habe. Durch diesen Vorwurf fühlte Schmidt sich beleidigt. Er selber hatte bei Gelegenheit einer Klage gegen den Redaktenr einer Wilhclmsruher Zeitung in e>i,rnl Schriftsatz sich über Korb geäußert, daß dieser, weil nicht er Gemeindevorsteher geworden sei, ihn(Schmidt) in jeder Weise verfolge, die Bevölkerung gegen ihn ausreize und ihrr aus seiner Stellung zu bringen suche. Hierin erblickte Korb eine Beleidigung. Getränkt fühlte er sich Noch durch att- dere unfreundliche Aeußerungen Schmidts über ihn und auch durch mehrere in dortigen Lokalblättern veröffentlichte Artikel, die von dem Herrn Gemeindevorsteher selber verfaßt sein sollten. Die Er- klärungen, die von den streitenden Parteien auf die Klage bczw. Widerklage abgegeben wurden, waren so ausführlich, daß sie den ganzen ersten Aerhandlungstäg in Anspruch nahmen. Zeugen waren für Dienstag noch gar nicht geladen worden; nur ein Sach- verständiger Regicrungsbaumeister Kleemann hatte sich einge- fundcn und wurde dann auch gleich vernommen. Tie Bckun- düngen Klcemanns fielen nicht zuungunsten Schmidts auS. Auf eine Wiedergabe der beiderseitigen Erklärungen, die eine Fülle von Verunglimpfungen und von zum Teil recht kleinlichem Klatsch zutage förderten, kann einstweilen verzichtet werden. Wir wollen abwarten, wieviel davon am zweiten Verhandlungstage durch die Beweisaufnahme bestätigt werden wird. Vernommen werden soll auch Oberbürgermeister Kirschner. Er soll bekunden, od Schmidt seinen Gegner Korb, der Bureau- assistent bei dem Magistrat der Stadt Berlin ist, dort angeschwärzt hat. Hier spielt mit hinein jener Streit zwischen der Stadt Berlin und der Gemeinde Rosenthal-Wilhelmsruh» der vor Jahren um da» Recht Berlins, Kanalisationsröhren durch Rosenthal-Wilhelms- ruh zu legen, entbrannte und mit einer Niederlage Berlins endete. Korb war in den Verdacht gebracht worden, auf Grund amtlicher Kenntnis der Akten des Magistrats nicht das Interesse seiner vorgesetzten Behörde, sondern seincr Wohngemcinde wahr- genommen zu haben, und er meint, daß Schmidt ihm das einge- brockt habe. Demgegenüber versicherte Schmidt, er habe hierzu um so weniger Anlaß gehabt, als er(Schmidt) es ja gewesen sei, der die Rechtsuugültigkeit des von Rosenthal-Wilhelmsruh mit Berlin geschlossenen Vertrages erkannt und zur Anfechtung des Vertrages geraten bade. Den Juristen deö Berliner Magistrats wird nicht ganz wohl dabei zu Mute fein, daß auch diese für sie so verdrießliche Geschichte noch einmal aufgerührt werden soll« Zum Tcsinfcktionszwang. Ter§ 13 deS Reichsgesetzcs vom 30. Juni 1900 bestimmt:„Für Gegenstände und Räume, von denen anzunehmen ist, daß sie mit dem Krankheitsstoffe(einer anstcckendeii Krankheit) behaftet sind, kann eine Desinfektion angeordnet werden." Das gemäß des Reichsgesetzcs für Preußen erlassene Gesetz vom 28. August 1905, betreffend die Bekämpfung übertragbarer Krankheiten, führt in seinem§ 8 eine Reihe ansteckender Krankheiten auf und besiinimt, daß bei Liesen für die Dauer der Kraniheitsgefahr die Abspe» rungs- und Aufsichtsmaßregeln der§§ 12 bis 10 und 21 de» zitierten Rcichsgcsctzes nach Maßgabe weiterer Bestimmungen des Gesetzes polizeilich angeordnet werden können. Unter diesen Krankheiten befindet sich auch Scharlach. Und der tz 29 des preußischen Gesetze» sagt:„Die Gemeinden sind verpflichtet, diejenigen Einrichtungen, welche zur Bekämpfung übertragbarer Krankheiten notwendig sind. zu treffen und für deren ordnungsmäßige Unterhaltung zu sorge». Die Kreise sind berechtigt, diese Einrichtungen an Stelle der Gc. meindeu zu treffen." Den Erlaß von AuoführungSbestimmungen überträgt das Gesetz dem Minister. Nachdem die AusführungS» bestimmungen für Preußen erlassen worden waren, erließ der Berliner Polizeipräsident unter dem 13. Dezember 1907 eine Polizei» lichr Anordnung, durch die er bezüglich der Hauptdesinfektivi» («-chlußdesinfektion) bestimmte, sie sei lediglich durch die städtische Desiiisektionsaiisialt und deren Beamten vorzunehmen; eine andere sei nicht ausreichend. Diese Polizeivcrordnung hatte Hepr Hei. mann dadurch übertreten, daß er die Beamten der städtischen Des. illfekttonSanstalt nicht zur Schlußdesinfektion nach Scharlach zuließ. Er bestritt die Gültigkeit der Verordnung und berief sich darauf. daß eine Privaidesinfeitionsanstalt genügend bei ihm desinfiziert habe. H. wurde jedoch verurteilt. Das Kammergericht verwarf seine Revision mit folgender Begründung: Die fragliche Vorschrift des Polizeipräsidenten müsse als gültig erachtet werden. Da» preußische Gesetz von 1905 habe die AuSführungsvorschriften dem Minister übertragen. Dieser habe nun bestimmt, daß nach der Genesung oder dem Tode eine sogenannte Schlußdesinfektion anzuordnen sei, und daß die angeordneten Desinfcitionsmatznahmen, soweit/unlich, durch staatlich geprüfte und amtlich bestellte Desinfektoren auszu- führen seien. Es sei nun durchaus richtig, wenn sich der Polizei- Präsident sagte, staatlich geprüft und zugleich amtlich bestellt seien nur die Beamten der städtischen Anstalt, und wenn er demgemäß in seincr ihm durch das Gesetz übertragenen Anordnung die Schlnsidevinfcktion nur durch die städtische Anstalt zuließ. Auch sei nicht§ 1 der Gewerbeordnung verletzt, da das private Tesinfek» tionsgcwerbe durchaus nickt jjanz ausgeschaltet, sondern höchstens in seiner Nentäbilität beschrankt sei. Nur die Schlußdesinfektion durch Private sei ausgeschlossen. � Run sei geltend gemacht worden. die städtischen Beamten gingen zu rigoros vor. Darin liege für sie aber die stärkste Anerkennung. Allerdings würden die städtischen Beamten nicht sagen:„Dieser Spitzenschleier ist zu kostbar, der kann nicht in den heißen Ofen kommen, und wenn er auch auf einem Cholerakranken gelegen habe." Solche Rücksichtnahme, aus der die privaten Anstalten ihren größten Gewinn zögen, verstoße direkt gegen den Willen des Gesetzes. Eingegangene vriicfeMmficen. Reclams Universum Hest 21. Jllustr. Wochenschrist. 30 Pf. Ph. Rcclani, Leipzig. terr Staatsanwalt? Moderne Ausbeuter und ihre Lpse-. Von Idcnhoven. 3 M. Schubmacher u. Co., Düsseldorf-Srasenbera. Zum Friede» unter de» Äoufe siolieu. Vau R. Schmölder. SO Pf. CS. Georgs, Bonn. Jahresbericht 1909 des Arbeiter-Sekretariatj» und Gewerk- schaftskartells Erfurt. 48 Selten. Selbstverlag. Beruard Shaw. Von J. Lad. 6 M., geb. 7 M. Bau ZantenT glii etliche Zeit. Roma» von L. Braun. 1 M.. ged. 1,25 M. S. Fischer. Berlin. Bülowftr. SO. DaS dritte Geschlecht. Von M. Braunschwcig. 1,20. E. Marhold, Halle a. S. Die Ueberlaftung des Reichsgerichts und die Abhilfevorschlägc. Bon Justizr.it Putzler. 1 M. F. A. BroclhauS. Leipzig. Statistische Erheb, ingeu über die Lage der Berufe der Fein- mcchanik, Optik und verwandter Gewerbe..Herausgegeben vom Deulschen Melallarbelter- Verband. 48 Seiten. A. Schlicke u. Co., Stuttgart. Galgenlteder. Von Christian Morgenstern. 71 Seiten. S. Casstrer. Berlin\V. 85. Die wirtschaftlichen und sozialen Berhöltniffe in der schweizer Heimarbeit. 1. Heft. Bon J. Lorenz. 79 Seiten. Grüllibuchhandluiig, Zürich. Die Jndcnpogrome in Rußland. Teil 1: Mgemeiner Teil. Test 2k Cinzeldarstcllungcir. Herausgegeben von der zur Erforschung der Pogrome cmgclctzten Kommission. Bcrde Bände 8 M. Jüdischer Bering, Köln und Leipzig. Jahrbuch deö Deutschen Zlrbelter-Stenographenvundes und der VolkSstenographen Oesterreichs und der Schweiz. 1019. 1 M.®. Richter, Lahr-vurgheini in Bade». Schafft Sonntag» wahre Freude dem Balte l Bau K. Wahlen. 1 M. P. Neubner, Köln a. Rh. KleiiiwohnuiigS-Häuser. Herausgegeben von M. Beetz. 1,89 M., geb. 2.19 M. Westdeutsche Verlagsgesellschost, Wiesbaden 85. Geschäftsbericht des Deutschen MctallarbcitervcrbaiideS, Vcrlvaltung Brauiifchweig, IS9S. tl9 Seiten. O. Hammers chmldt, Braunfchwelg. Krankhrttö- und SterblichkeitSvcrhältnisie in der Ortskranke»- kafse für Leipzig nnd Umgegend. Bearbettet im kaiserlich Staiistlschet» Amt. 4 Bände. E. HehmanuS Verlag, Berlin IV. 9. ».Jahresbericht des ArbeitersrkrrtariatS Fürth 1909. SO Seite». Selbstverlag des Arbeiterfekrctariat«. Die Gemeindebetriebc der Stadt Halle a. S. Von Dr.(9. Gold» stein. Rcfer. H WaSmulh und Refer. P. Ochse. 2,20 M.— Dir Gemeindebetriede der Stadt Königsberg t. Pr. Bon Dr.<5. NeuhauS. 8.49 M. — Die Gcmriudcbetriebc in den Städte», Kreisen nnd Land- gemeinden des obcrschlestfchcn JnduftrirbezirkS. Von Dr. H. Lücker. SM.— Gemeindefinanzcu. 2. Band. I.Teil. Linzelfragen der Finanz- polittk der Gemeinden. 5,4» M. Duncker u. Humblol. Leipzig. Jahresbericht, für daS Geschäftsjahr 1009 des Deutsche» Metall- rbetter verband« s. Bcrwaüunz Berlin. 112 Seite». A. Cohen, Berlin KV.«. Vemrifchtcs» Beim Spiel erschossen. Im Dorfe Weißenberg bei Schmoisin, Kreis Stolp, sah der acht Jahre alte Sohn eines Bauernhofbesitzers ein geladenes Teiching stehen. Er spielte mit der Schußwaffe und legte sie auf sein zwei Jahre altes Brüderchen an. Plötzlich ging ein Schuß los und traf das Kind so unglücklich, daß cS sofort tot war. Ein Kind von einem Adler geraubt? AuS Innsbruck wird ge- meldet: Der Wirt und Jäger Müller aus Weißhaus bei Vils fand in einem Walde unweit von VilS das Gerippe eines Adlers und neben diesem ei» menschliches Skelett, das das eines Kindes zu sein scheint. In dieser Gegend ist vor einiger Zeit ein Kind spurlos ver- schwundcn. man nimmt daher mit Bestimmtheit an, daß dieses von dem Adler geraubt und in den Wald getragen wurde. Dreiunddreißiz Personen ertrunken. Eine portugiesische Schaluppe, die den Hafen von Jlha do Pico (Azoren) bei hohem Seegang verlassen hatte, ist, ivie aus Lissabon gemeldet wird, gesunken. Dreiunddreißig Personen sind ertrunken.> Wetterprognose für Mittwoch, den 16. März 1910. Veränderlich, vielfach molkig mit leichten Rcgensällen. mätzigen südlichen Winden, clwaS wärmerer Nacht und wenig veränderter Tagcstcmperatur. Berliner Wetterdureau. Witterungsubersich» vom 15. März 1010, morgens S Uhr. !0K »n i» M* Etationsn ?5 5« Savaranda Tälelilk Petersburg 757 SW Sctgy ,7640 elberdeen 763 WSW Barts>763 MO ! i Wetter Schnee—6 2b«de>tt— 0 4 bedeckt j 8 2 heiter 1 2 bedeckt 1 1 SozialiieinDkratiscIierWalilverelii des 6. Eerl. Reichstags-WaMkFeises. Todes- Anzeige. Dm 12. März verstarb unser Mtglied, der Arbeiter Hemsim Krause Schwedenstr. Ha. Ehre feinem Andenken k Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 16. März, nach- mittags S Uhr, van der Leichen. Halle des neuen PaulS-KirchhafcS in Plätzenfee aus statt. 22S/3 Um rege Beteiligung ersucht Der Vorsiand. Oeiitscfter Mefallarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin. Todes• Anzeigen. Den Kollegen zur Nachricht, datz unser Mitglied, der Metallarbeiter Serwavv Krause am 12. März an Bluwcrgistung gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet an» Mttwoch. den 16. Mörz, nach- mittags S Uhr, von der Leichen- Halle des neuen PauIS-KirchhofcS in Plötzcnsce auS statt. Rege Beteiligung erwartet 113/S Die Ortsverwaltung. Montag, 14. März, früh 7'/, Uhr, entlchlics nach langem, schwerem Leiden mEine_ liebe Frau, unsere gute Mutter, Schwester, Schwicgcr- mutier, Tante und Großmutter Eterta Hagedorn im Slktcr von 62 Jahren. Dies zeigen bettübt an 0>e tesuernllen iilnteeblledenen. Robert Hagedorn nebst Kindern. AdlcrShof. den 14. März 1910. Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 17. März, nach- mittags 3'/» Uhr, vom Trauerhause. GenoisenschastSstt. 27, auS nach dem Ddlcrshoscr Kttchhof, Hacken- bergstratze. statt._ Deutscher Transportarbeiter-Verband. Bezirksverwaltung Groll-Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Droschken- sührcr .lulius Zimmermann am 13. März im Aller von 36 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 16. d. Mts., nach- mittags 3 Uhr, von der Leichen- Halle des Städtischen Friedhoss in FricdrichSselde auS statt. 67/g die Bezirksverwaltung. Sßziairtrat. Waölverein Adlershof. Todes• Anzeige. Den Mitgliedern zur Nachricht, datz am Montag, den 14. März, die Genossin Trau Berta Hagedorn Genosienschastsstt. 27 nach langen Leiden verstorben ist. Ehre ihrem Andenken! Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 17. März, nach- mittags 3'/, Uhr, vom Trauer- Hause, GenölsenschastSstr. 27. aus statt. 202/12 Rege Beteiligung erwartet _ Der Borstand. Zentralveitad iier Bötteber, MM M ilsarbeiter Deutseblasils (Filiale Berlin). Den Mitgliedern zur Nachricht. datz unser Kollege Franz Koppe (Patzenhoser-Brauerei Abt. I) am 14. d. MIS. nach schwerem Leiden gestorben ist. 3S/1 Ehre seinem Andeuken! Die Beerdigung findet am Donnerstag, nachmittags 4'szUhr, vom Trauerhause Tilsitcr Sir. 64 auS aus oem AuserstchungS- Kirchhos i» Wcitzensce, Lichten- berger Sttatze, statt. Um rege Beteiligung ersucht Die OrtSvrrwaltung. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben Mannes sage allen Beteiligten meinen berzlichsten Dank. 46362 Witwe Augufte Kiirtiug. Arbeiter-Turnverein zu Adiersbof. Dm Mitgliedern zur Nachricht. daß am Montag früh unsere Turnschwester Frau Berts Hagedorn verstorben ist. 233/19 Ehre ihrem Andenken! Die Beerdigung findet am Donnerstag, nachmittags 3'/- Uhr, vom Trauerhause in der Genossen- schastssttatze aus statt. Um rege Beteiligung bittet Der Vorstand. Am 13. d. MtS. starb»ach langem schweren Leiden mein lieber Mann, unser gulcr Vater, Sohn, Schwiegersoon, Bruder Schwager und Önlel, der Schrist- scher ll99b Faul I.ukisck im Alter von 32 Jahren. Im Namen der ttauernden Hinterbliebenen die tiesbettübte Witwe Hedwig Lnbisch geb. Herzberg, Rixdors, Panuierstt. 59. Die Beerdigung findet Donner?- tag, den 17. d. Mts.. nachmittags S'/, Uhr. von der Leichenhalle des neuen Luise»-KirchhoseS, Her- mannstratze. auS statt. Am 13. d. MtS. verstarb nach langem Leiden unser Mitarbeiter, der Schriftsetzer Faul A.ubisvk im Alter von 32 Jahre». Ehre feinem Andenken! Das Personal der Buchdruckerei H. S. Hermann. Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 17. d. Mts., nachinittagS 5';. Uhr, von der Leichenhalle des neuen Luisen- KirchhoseS in au« statt. der Hemrannstratz 1206! Deutscher Buehbinder-Verband. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unsere Kollegin Barta Berndt am 13. März gestorben ist. Ehre ihrem Andeukeu! Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 16. März, nach- mittags°/«4 Uhr, von der Leichen- halle in Sr.-Lichterselde, Lange- sttatze, auS statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht 23/14 Die Ortsverwaltuog. IWestmanDsfrauerniägaziiil Extra- Abteilung . Gesch.; Berlin W.j Mohren- 1 Stralle S7a(2. Haus von der| Jerusalomer Stralle). |ll. Gesch.; Berlin HO.. Grolle 1 Frankfurt. Str. US(2. Haus I von der Andreasstralle). I 1 Sehrgr. Ausw.fert. Kleider, J Hüte, Handschuhe, Schleier| etc. v. einfachsten bis zum I | hechelegant. Genre z. äußerst| niedrigen Proisen. Sonder-Abteilung: Mafiant'crtlgang in 10 bis 12 Stunden. Verleih-Instltnt: Friedriehst. 1 16/1. a.0ra6g. —Tor. Eleg. Frack, Gehrock 1 ,">6, Hose 1,60. Weste S0Ps. Ostep- An gebot I Sofortiger Entscblu�s dringend notwendig, weil in der Oster- woche der Andrang nicht tu bewältigen Istl Westmann I. 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Wir wiederholen immer wieder von neuem: Noch ist es für niemand zu spät, sich diese Vergünstigung ebenfalls zu nutze machen zu Können Huf allerbeqnemste Teilzahlung Damen-Konfektion Blusen, Paletots, Kostüme, Röcke etc. (nur streng moderne Genres). Herren-Konfektion Anzüge, Paletots, Ulster etc. in allen Grössen(auch nach Mass) M an uf akturwaren Weißwaren u. Wäsche Möliel-MinlPolüerBaren Einzelne Stücke in allen Holzarten. Lieferung wolistSndiger Wohuungs-Einriclilungan vondereiniaebsien bis zur gediegensten bürgerlichen Ausstattung Teppiche X Betten* Steppdecken Gardinen x Stores X Portleren etc. Völliges Glelcligewlclit trotz Kfedilgewahrung zwischen Pte's unil Qualität der Wai6n Reichhaltige Auswahl in allen Abteilungen ■ i Bequemste, kaum merkbar winzige Abzahlungsbeträge.- n tjanz den Wünschen des Käuters enfcprechend Jedermann, ob ledig oder vefhairatet, ob Dann oder Herr, erhält Kredit! 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Achtung! Diejenigen Parteigenossen, die sich anr letzten Zahlabend zur freiwilligen Wahlhilfe bei der Gemeinde- wähl in Pankoiv zum 16. und 17. März gemeldet und ihre Adresse schriftlich abgegeben haben, werden dringend ersucht, sich heute Mittwoch sowohl als am Donnerstag, nachmittags von 4 Uhr ab im Zeutrahl-Wahlbureau bei Meihner, Schloß- straße 2, zur Verfügung zu stellen. Der Vorstand. FricdrichSfcldr. Zu der morgen Mittwoch, abends 7 Uhr, stattfindenden ivichtigen Flugblattverbreitung Ivolleu sämtliche Genossen in den Bezirkslokalen erscheinen. Tegel. Ain Donnerstag, den 17. März, von abends 7 Uhr ab, findet von den bekannten Bezirkslokaleu aus eine Flugblatt- Verbreitung statt. An, Freitag, den 18. März, findet in W. TrappS Festsälen, Bahnhofslr. 1, eine öffentliche Versammlung statt. Agitiert für Massenbesuch. _ Reinickendorf-West. Heute abend 8 Uhr findet in Wohlfahrtü Gesellschaftsbaus, Eichbornstr. 18, eine öffentliche Versammlung- statt. Referent: Stadtv. O. Grauer- Lichtenberg. Die Genossen werden ersucht, sich morgen, am Tage der Wahl, schon um"/j4 Uhr im Wahllokal einzufinden. Die Genossen, die bei der Wahl Helsen, treffen sich um S'/s Uhr im Lokal von Bausch, Antonienstraße. Potsdam. Freitag, den 18. März, abends 8>/° Uhr, findet im„Viktoriagartcn", Alte Luiienstratze 37. eine pffsentliche V e r s a m m l u n g statt mit dem Thema: Märzgedankcn 1848/19lv. Heute sMittwoch), abends 8 Uhr. in allen Bezirken: Zahl- abend. Lerlmer I�admcKten. Tie Beratung über die Etats der städtischen Werke hat der Etatsausschuß beendet. Eine eingehende Dislusfion crfor- derte der Etat der Gaswerke. Von sozialdemokratischer Seite wurde die Behandlung der Arbeitcrausschüsse einer Kritik unter- zogen. So sei im Borjahre der Arbeiterausschutz aufgefordert wor- den, Anträge, die sich auf die neue Arbeitsordnung beziehen sollten, einzureichen. Am 10. Juli hätten die Arbeiter dem entsprochen, man habe es aber nicht für nötig gehalten, den Arbeitern auch nur eine Antwort zu geben, was aus ihren Anträgen geworden sei. Es sei vielmehr am 18. Dezember die neue Arbeitsordnung ange- schlagen worden mit dem Bemerken, datz sie am 1. Januar 1910 in Kraft trete, ohne datz auch nur die minimalsten Wünsche der Arbeiter berücksichtigt worden seien. Verfahre man so, so sei der Arbeiterausschutz nur Popanz. Tann aber werde auch das Äoa- lüionsrecht der Arbeiter insofern eingeengt, als verboten sei. wäh- rcnd der Pausen Handzettel zu Versammlungen zu verteilen, in denen die Arbeiter ihre Wünsche an die Direktion formulieren wollten. Getadelt müsse auch werden, datz den Ausschutzmitgliedcrn keine Abschriften der Protokolle der Ausschutzsitzungcn zugestellt würden, sondern datz die Protokolle nur„zur Einsichtnahme" im' Bureau auslägen. Ter Magistratsvcrtrctcr legt dar, daß nach der Gewerbeordnung die Arbeiter vor Erlatz einer neuen Arbcitsord- nung gehört werden mützten. Das sei geschehen, eine andere Verpflichtung bestände nicht. Deswegen sei der Geschäftsgang voll- kommen richtig. Das mutzten die Arbeiter doch auch löiffeii, die sonst doch sehr genau mit den gesetzlichen Vorschriften' vertraut seien. Eine Agitation auch während der Pausen könne im Betriebe nicht zugelassen werden. Es gäbe übrigens kaum noch Pausen, da die Arbeiter am liebsten hintereinander arbeiten, um früher Feier- abend zu haben. Was die Arbeiter in dcr Zeit tun, da sie nicht mehr im Betriebe seien, gehe die Direktion nichts an; in dcr freien Zeit könnten die Arbeiter tun, lvaS ihnen beliebe. Protokoll- abschriften könnten nicht erteilt werden, da sie schlietzlich eine Ver- Wendung finden könnten, die nicht beliebt werde. Die Einsicht- nähme dcr Protokolle könnte im Jntercffe der Aufrechkerhaltung des Betriebes auch nur nach Schluh der Arbeit zugelassen werden. Die Ardeiter hätten sich in dieser Frage schon an alle Jnftänzen gc- wendet, seien aber auch vom Magistrat abgewiesen worden. Auch die Lohnfrage der in den Gaswerken beschäftigten Arbeiter wurde erörtert, und da war es zunächst der Ltämmerer, der Sturm lief gegen eine Verbesserung der Lage dcr Arbeiter in den Gaswerken und in den städtischen Betrieben überhaupt. Auf diesem Gebiete müsse endlich einmal Ruhe eintreten, man solle den Bogen nicht überspannen, wolle man die Existenz der städtischen Betriebe nicht in Frage stellen. Und nun kam er mit seiner berühmten Prozent- rcchnung, die er in Erwartung dcr Lohndebattcn für die einzelnen Betriebe sich hat anfertigen lassen. Gerade bei den Gaswerken feien die Löhne in den letzten zehn Jahren erheblich gestiegen, ergab dabei die die freisinnigen Herren erschreckende Ziffer von ISO Prozent für einzelne Kategorien an. Bei näherer Betrachtung dieser Ziffer ergab sich, datz er recht sonderbcwe Anschauungen seinen Berechnungen zugrunde legte. Um zu seiner Ziffer zu kommen, zog er autzer den Lohnerhöhungen innerhalb der ange- gcbcncn Zeit auch die cingetreteuc Verkürzung der Arbeitszeit in seine Aufstellung ein, die je nach den verschiedenen Arbciterkate- gorien eine bis zwei Stunden betrage. Unsere Genossen weisen an der Hand des Produktionsergebniffes darauf hin, datz doch die Produktion gestiegen sei. Und wenn man auch zugeben müsse, daß die technischen Neuerungen einen Anteil daran hätten, so ergebe sich doch auch eine Steigerung der Arbeitsleistung. Der Herr Kämmerer war auf diesem Gebiete unbelehrbar, er bestritt rund- weo die Möglichkeit einer Steigerung der Arbeitsleistung bei herab- geletzter Arbeitszeit:„Tann könne auch ein Mann in einer Scunde dasselbe leisten wie sonst in acht Stunden", war seine nationalökonomische Weisheit. Da kann man allerdings nicht mehr diskutieren. Dcr Dezernent dcr Gaswerke wies zum Vergleich dcr in den Gaöbclrieben gezahlten hohen Löhne auf die von der prcutzi- scheu Eisenbahnvcrivaltung an ungelernte Arbeiter gezahlten viel niedrigeren Lohnsätze hin, selbst die A. E. G. entlohne die ungc- lernten Arbeiter erheblich niedriger als die Gaswerke. Die sozial- demokratischen Mitglieder des Etatsausschusses rückten die Schief- hcit dieses Vergleichs ins rechte Licht. Ein großes öffentliches Interesse beanspruchen auch die AuS- einandersctzungcn über die Rentabilität der Gaswerke. Dcr Käin- merer hatte in seiner EtatSrcde erzählt, datz die Verzinsung des in den Gaswerken investierten Kapitals durch den Ileberschutz bc- kragen habe im Jahre 1898 7 Proz., im Jahre 1905 6 Proz., im Jahre 1908 4 Proz. und im Jahre 1910 soll sie 3,8 Proz. vetragen und hatte damit Stimmung gegen die Gaswerke gemacht. Im Ans- schütz wurde nachgewiesen, und zwar von dem Dezernenten der Gasvcrwaltnng, datz die Gaswerke sehr vorteilhaft arbeiteten. Ter Ileberschutz sei ständig gestiegen, nur im Vorjahre etwas zurückgc- gangen. Tie Bercehuungen des Kämmerers sind falsche. Er hat nämlich vergessen, die erheblichen Amortisationen, die gemacht worden sind, bei seinen Berechnungen zu verücksichtigen, eine Amor- tisicrung, die sich kein privater Betrieb leiste, ganz abgesehen von der großen Leistung der Gaswerke für öffentliche Beleuchtung. Würden die Gaswerke eine Berechnungsart aufstellen, wie beispielsweise eine Gesellschaft sie anwende, so würde das finanzielle Er- gcbnis noch in weit günstigerem Lichte erscheinen. Wenn dcr Kam- merer bei Berechnung der Löhne der Arbeiter auch so.,richtig"gerechnct hat, dann kann man sich schon vorstellen, datz er Zahlen tzrhält, die er gerade braucht, jedenfalls sind die Nechenkunststückc des städtischen Finanzministers mit großer Vorsicht zu genießen. Bei dieser Gc- legenheit wurde auch einem Projekt Erwähnung getan, nach dem eine Gesellschaft, hinter der bestimmte Banken ständen, geneigt wäre, die Gaswerke zn pachten, unter der Bedingung, dcr Stedr eine jährliche Abgabe von 16. nach einer anderen Meldung 18 Millionen zu zahlen und den.Gaspreis herabzusetzen. Ernsthaft wurde aus die Sache nicht eingegangen, da gar tein Anlaß vorliegt, unsere Gaswerke aus der Hand zn geben. Man sieht aber doch, wohin in gewissen Kreisen der Weg führt und datz beizeiten aufgemerkt werden mutz. Schlietzlich wurde bei diesem Etat ganz unbermittclt von einem Mitgliede der neuen Linken ein Antrag eingereicht, eine gemischte Deputation einzusetzen, die über die Regelung der Löhne der stadti- scheu Arbeiter beraten soll. Ter Einbringe! des Antrages entschuldigte sich gewipermatzen, datz er nur der Ilcberbringer sei, ein Fraktion-kollege habe ihn gebeten, den Antrag vorzulegen, er hatte aber kein Wort für die Sache. Der Antrag wurde abgelehnt. Tie sozialdemokratischen Mitglieder stimmten dafür. Bei der im Aus- schussc herrschenden Stimmung, aus 1 00 Proz. zu kommen, haben nur Anträge Aussicht auf Annahme, die Streichungen von Etats- Positionen in sich schließen._ Klagen über schlechte Luft in Schulraumen kehren noch immer wieder. Sie werden wohl auch nicht so bald gänzlich aufhören, trotz allen Fortschritten der Schulgesundhcitspflege, die uns in neuerer Zeit beschert worden sind. Wo in geschlossenen Räumen eine größere Zahl Menschen mehrere Stunden hindurch neben- einander weilen, wird selbst bei guten Lüftungsvorrichtungen die Beschaffenheit der Luft nicht völlig einwandfrei sein. Um so mehr sollte aber dafür gesorgt werden, daß von Schulräumen wenigstens jede andere Ursache der Luftverschlechterung nach Möglichkeit fern- gehalten wird. In Berlin haben die Schulärzte manches ge- tan, um den Klagen über schlechte Schulluft abzuhelfen. Wir möchten jedoch nicht sagen, datz sie auf diesem Gebiet nicht noch mehr tun könnten. In dem vorletzten Jahresbericht über die Tätig- leit der Schulärzte stand zu lesen, daß nur in älteren Schul- gebäuden und in den von Schulen benutzten Mietshäusern die Luft als schlecht empfunden werde, während aus neuen Schul- Häusern solche Klagen überhaupt nicht kämen. So allgemein kann man diesem Lob dcr neuen Schulhäuser leider nicht zu- stimmen., Aus der 2 4 0. Kn ab e n- G e m e i n de sch u le(Waldenser- stratze), die in einem der neueren Schulhäuser untergebracht ist, sind sehr lebhafte Lilagen über schlechte Lust an uns gelangt. Dieser Uebelstand werde in verschiedenen Räumen des Schulhauses empfunden, besonders aber sei in der Klasse II dl die Luft zn- weilen so schlecht, datz dadurch geradezu Erkrankungen von Schulkindern und auch von Lehrern hervor- g e ru f c n worden seien. Die Ursache der Luftverschlechterung ist hier nicht in einein Mangel dcr Lüftungsvorrichtungen zu suchen, sondern in der Gasheizung, durch die das Klassenzimmer erwärmt wird. Ob der Gasofen schlecht ist, oder ob gar die Zu- leitungsröhren undicht geworden sind, darüber scheinen die Sach- verständigen sich noch zu streiten. Die Annahme, datz die Röhren undicht seien, hat manches für sich. Es wird uns gesagt, datz in Klasse II dl eine Verwerfung der Zimmerdecke eingetreten sei, die sehr wohl zu Brüchen dcr Röhren geführt haben könne. Auch in andren Räumen soll es zu solchen Verwerfungen und Senkungen gekommen sein: so habe beispielsweise die Decke der Aula schon an mehreren Stellen abgebunden werden müssen. Wiederholt sollen an den Gasrohren erhebliche Defekte festgestellt worden� fein, über die man sich ja bei solchen Zuständen nicht wundern könnte. Nebenbei bemerkt: der Bau dieses Schulhanses ist in etwa Jahren ausgeführt worden, in der Zeit von Mitte August 1900 bis Ende März 1902. Doch die ausschlaggebende Ursache der Luft- Verschlechterung ist wohl die, datz überhaupt Gasöfen zur Er- wärmung der Schulräume genommen worden sind. Gasöfen in Sclmlräumen haben von vornherein ihr Bedenkliches; in der 240. Schule aber scheinen sie obenein mangelhaft zu funktio- n i c re n. In Klasse II dl sind bei einer gewissen Windrichtung und Windstärke zuweilen einige der Heizflammen erloschen, was natür- lich nicht immer sogleich bemerkt wurde, so datz Gas unverbraiint ausströmte. Durch Reparaturen an den Windfängen, die sich auf dem Tack befinden, soll keine Besserung erzielt worden sein. In den Gasöfen sondern sich auch Schwefelkristalle ab, zahlreich be- finden sie sich in dem Ofen der Klasse II dl. Bei Erwärmung des Ofens trägt dieser Schivefel durch Vergasung zu weiterer Ver- schlcchterung der Luft bei. Die Klagen über schlechte Luft reichen hier schon um Monate, ja um Jahre zurück. Inzwischen sind Re- Visionen des Ofens und der Zuleitung vorgenommen worden, aber geändert hat sich wenig oder nichts. Mehrfach mutzten Knaben aus dem Unterricht nach Hause geschickt werden, weil unter dem Ein- flutz dcr schleckten Luft sich Unwohlsein bei ihnen bemerkbar gc- macht hatte. Unwohlsein dieser Art befiel einmal an einem Vor- mittag vier Knaben, so datz sie aus dem Unterricht entlassen werden mutzten. Einer der Knaben mutzte dann ein paar Tage der Schule fernbleiben und zeitweise sogar das Bett hüten. Auch ein Lehrer hat wegen eines durch die Gasheizung hervorgerufenen Unwohl- seins sich schon genötigt gesehen, vorzeitig den Unterricht abzu- brechen und sich nach Hause zu begeben. Mehrfach sollen ganze Klassen ans ihren Zimmern ausgewandert sein und in einem anderen Raum Zuflucht gestickt haben. Auch wird uns versichert, datz Lehrer wegen dieser Zustände sich von der 240. Schule haben wegversetzen lassen, schließlich wandte der Vater eines erkrankten Knaben sich an die S ch u l d c p u t a t i o n und bat, endlich Ab- Hilfe zu schaffen. Seitdem sind mehr als IIb Monate hin- gegangen, aber noch haben die Klagen nicht ausgebört. Aus dem Rathause kam an die Sckule dcr Auftrag, festzustellen, wie oft in der letzten Zeit— der Gasofen geflackert habe. Ter Auftrag ist ausgeführt worden, und man wartet nun dcr Dinge, die da kommen werden. Schon vor mehr als Jahresfrist hat die Schuldepntation, weil immer ivieder in Schulen über schlechte Luft geklagt wurde, eine Kommission eingesetzt, die die Lüftungsvorsckristen prüfen soll. Vielleicht mackt diese.Kommission sich die Mühe, auch mal ein bißchen nach den Gasösen zu schauen und sie daraufhin zu prüfen, wie weit sie zur Verschlechterung der Luft beitragen. Wir tvollen Ivünschen, daß es nicht erst zu schweren G e s u n d h e i t s» s ch ä d i g u n g c n kommt, bis gründliche Abhilfe geschaffen wird. Im Polizeigrwahrsam«hängt bat sich ein 46 Jahre alter Arbeiter Heinrich Staffeldt, dcr sich ohne Wohnung in Berlin auf- hielt und wegen Diebstahls verhastet worden war. Auf dem Wege zur Arbeit vom Tode überrascht wurde gestern vormittag die 68 Jahre alte Anfwärterin Klara Buch aus der Deunewitzfir. 36. Sie hatte kaum ihre Wohnung verlassen, als sie vor dem Hause Nr. 24 plötzlich zusammenbrach und nach kurzer Zeit verschied. Die Leiche wurde beschlagnahmt und nach dem Schau- hause gebracht. Um i« das Gefängnis zu kounneu und der Fürsorgeerziehung zu entgehen, hatte der Fiirforgezögling Znbowski sich kürzlich der Ermordung eines Ehepaares in Stubbenkammer bezichtigt. Es hat sich aber schon jetzt als unzweifelhaft herausgestellt, datz die Selbst- bezichtignng univahr ist. Andererseits wird Z. aber anderer Ver- gehen beschuldigt, die strafrechtlich geahndet werden. Arbeiter- Bildungsschule Berlin. Der Unterricht am Donnerstag, den 17. d. M-, in Redeübungen muff ausfallen; er wird nachgeholt am Donnerstag, den 24. d. M. Die Arbeiter-Bildungsschul« veranstaltete am Sonntag im Gc- IverksckaftShause einen F r e i l i g r a t h- A b e n d, dem restloses Ge- lingen besckieden war. Eine guldnrchdachte, wirkungsvoll vorgetragene Rede des Genossen Heinrich Schulz gab den Hörern— deren freilick einige mehr hätten sein können— ein volles, plastisches Bild von dem Poeten und dem Revolutionär Freiligrath. Herr Emil Kühne führte den Dickter in seinen Werken vor— er rezitierte eine Auswahl von Gedichten, die allen Seiten der poetische» Wirksamkeit Freiligraths gerecht wurden. Der Vortragende be« herrsckte seine Ausgabe mit voller Sicherheit und schönen Mitteln— die Tragir des düsteren„AuS dem schlesischen Gebirge" meisterte er ebenso wie das eherne Pathos und glühende Feuer der RevolutionSgedichte, deren gewaltige Strophen die Hörer völlig in ihren Bann nahmen. Wie jung dieser Poet der 48er Stürme, dieser Trompeter der Revolution noch jetzt ist, das spüren wir heute, da wieder Märzluft Iveht. Der donnernde Beifall, der dem Rezitator gezollt wurde, war durch seine Leistung ehrlich verdient— er galt aber nicht bloß ihm und nicht nur der Dichtung— es war das politische Empfinden der Zeit, datz Verse wie O, steht gerüstet I Seid bereit I O schaffet, datz die Erde, Darin wir liegen strack und starr, ganz eine freie werde! und andere wie Donner einschlugen... Vervollständigt wurde das Programm in glücklicher Weife durch die Lieder des Herrn Wacker, der über beseelten Vortrag und klangvolle, metallische Stimme gebietet. In Herrn Tobias hatte er einen trefflichen feinsinnigen Begleiter am Flügel. DaS Polizeipräsidium teilt mit: Nach einer Mitteilung der Eisen- bahnverwaltnng in Angermünde ist dort am 12. d. M. gegen 2 Uhr vormittags aus dem Bahnhose zwischen den Gleisen der Strecke Berlin— Stettin ein ungefähr 27 Jahre alter Mann schwer verletzt ausgefunden Ivorden. Der Verletzte trägt ganz kurzgeschnittenen Schnurrbart und ist bekleidet mit dunklem Anzug und Ileberzieher, blaugrau gestreistcr dunkler Krawatte, Umlegekragen und niedrigen schwarzen Schnürschuhen. Er besaß eine Fahrkarte 3. Kl. Berlin— Stettin vom 11. d. M., ein Portemonnaie mit 7 M. 96 Pf. und ein weißes Taschentuch mit rotem Rand und H. B. gezeichnet. Personen, welche über den Verletzten nähere Angaben machen können, wollen dieses zu 1927 IV. 1. 10. dem Polizeipräsidenten mitteilen. Denkstein für Frau Stägemann. Am Freitag, den 13. März, den: Geburtstage der im vorigen Jahre verstorbenen Genossin Pauline Stägemann, wird auf ibrer Grabstätte in Friedrichsfelde bei Berlin ein Denkstein enthüllt, den treue Freundsckaft der alten Mitarbeiterin und Genossin- hat setzen lassen. Die Teilnehmer an der schlichten Feier treffen sich nachmittags um 3 Uhr an der Grabstätte. Gesperrt. Die Einmündung der Rotherstratze in den Warschauer Platz und ein Teil des östlicken Fahrdamms des letzteren werden zur Verlegung einer Gasrohrleitung vom 14. d. M. ab bis auf weiteres für Fubrwerke und Reiter gesperrt. Gestohlen wurde am Freitag, den 11. März, von dem Grundstück Vogtstr. 23 ein vierrädriger Handwagen ohne Leiter. Der Wagen war nicht gestrichen, das linke Vorderrad war gebrocken. Da der Wagen geliehen war und ersetzt werden muh, werden Personen, die über den Verbleib Auskunft geben können, gebeten, solche an G. RuohS, Weidenweg 22, Seitenflügel III gelange» zu lassen. Bei der Märzfeicr dcr Ortsgruppe Berlin des Deutschen Arbeit«- Abstiiienten-Bundrs ist ein Kneifer mit Schnur und Etui gefunden worden. Derselbe kann beim ersten Vorsitzenden, Genossen Böhm, Berlin W. 80, Hohcnstaufenstr. 61, in Empfang genommen werden. Zeugengesuch. Herren, die gelegentlich der Demonstration am Sonntag, den 13. März, Ecke Bernauer- und Wolliner Stratze die Sistierung eines Herrn»n sckwarzgrauem Paletot und grüngranem Hut beobachtet haben, werden höflichst gebeten, ihre Adresse an M. Schulz bei SowalSki, Neuenburgerstr. 9, gelangen zn lassen. Arbeiter-Samariter-Kolonue. Heute abend 9 Uhr 6. Abteilung in Rix darf bei Kaufhold, Erkstr. 8. Morgen Donnerstag 3. Abteilung in S ch ö n e b e r g bei Wieloch. Grunewaldstr. 82, und 4. Abteilung in Lichtenberg bei Beckmann, Samariterstr. 11. Vortrag in alle» Abteilungen über Transport Verunglückter und Kranker. Vorort- l�ackmcbten. Die Gemeindetvahlbetvegung. Pankow. Heute und morgen, von 11 Uhr feor» mittags bis 8 Uhr abends, finden die Wahlen statt. ES kommt an beiden Tagen auf jede Stimme an. wenn wir siegen wollen. Bleibe daher niemand der Wahl fern. Ein jeder wirke heute in Pankow auf seinen Nachbar, seine Bekannten, seine Angehörigen ein, soweit sie Pankower Wähler sind. Auch die Berliner Parteigenossen ersuchen wir, heute überall, wo sie in der Fabrik, in der Werkstatt, im Bureau oder sonstwo mit Pankower Wählern in Berührung kommen, diese auf ihre Pflicht hinzuweisen. sie zu veranlassen, rechtzeitig zur Wahl zu gehen. Unser Zeictral-Wahlbureau befindet sich bei Meißner, S ch l o tz st r. 2. Wer von den Pankower Genossen eS irgend ermöglichen kann, finde sich an den beiden Wahltagen zur Wahlhilfe schon während des TageS im Zentralwahlbiireau ein, be- stimmt aber mutz von ihnen erwartet werden, datz sie abends von 4>/z Uhr an zur Verfügung des Wahlkomitees stehen. Wenn all dieS geschieht, dann werden die beiden Wahltage für die Pan low er Arbeiterschaft glän« zende SiegeStage sein! DaS Wahlkomitce. Friedcnan. Heute in der Zeit von 10 Uhr vormittags bis abends 3 Uhr findet im„Hohenzollern", Handjerhstr. 64, die Gemeinde» vertretcrwahl statt. Die Berliner Genossen ersuchen wir mit ihnen zusammenarbeitende Friedenaucr an ihre Wahlpflicht zu erinnern. DaS Wahlbureau befindet sich bei Mcchelkc, Handjerhstr. 60/61, Alle Genossen haben sich nach der Wahlhandlnng im Wahlbureau zu melden und eifrig an den Arbeiten zu beteiligen. Zehlendorf sWannscebahnj. Die am Montag stattgcfundene Ersatzwahl für den Südbczirk mit Schönow hatte folgendes Er» gebms: Eickrodt lBcamtcnvereinignng) 247 Stimmen, Gohre(Soz.) t42 Stimmen, Schmidt 126 Stimmen und Bismark 42 Stimmen. ES hat also Stichwahl stattzufinden zwischen unserem Genossen Göhre und dem Bcamtenvereinlcr Eickrodt. Wenn das Bürgertum und die Gewerbetreibenden, die die Herren Schmidt»nid BiSmark gewählt haben, sich der Situation bcwntzt werden, in die sie durch die perfide Agitation der Beamtenvereinigung gedrängt sind, raffen sie sich hoffentlich auf und geben in dcr Stichivahl unserem Genossen Göhre ihre Stimme. Die Auge» sollte ihnen die Versammlung der lommunchlen Wähler am 12. März im Lindenpark geöffnet haben. Da sollten sie erkannt haben, wohin cS fuhrt, wenn die Gemeindevertretung völlig der Beamtenschaft ausgeliefert wird. Zudem schein! eS, als wenn man auf jener Seite auch nicht vor Vertraucnsbrüchen zurückschreckt. Ein von uns unseren Genossen im Äuvert als Drucksache an die Beamten versandtes Flugblatt ist am Sonnabendabend schon in Händen des Herr» Häusler von der Beamtenvereinigung gewesen. Da die Briefe erst gegen 8 Uhr dem Kasten übergeben worden sind, besteht die Auffassung, dasi ein Postbeamter einen dieser Briefe, die doch erst Sonnlag früh zur Verteilung gelangen konnten, am Sonnabendabend noch an seine Adresse gebracht hat. Dadurch war eS denn den Beamten noch möglich, am Sonnlag, trotz der Sonntagsruhe, bei Herrn Fischer ein Gegenflugblalt drucken zu lassen, das wegen seiner verleumderischen Abfassung Ent-- setzen in vielen Kreisen des Bürgertums hervorgerufen hat. Außer- dem soll auf niedere Beamte und Gemeindearbeiter der schärfste Druck von oben ausgeübt worden sein. Aber schon bei der R e u w a h l am h e u t i g c n M i t t w o ch hat die Arbeiterschaft und auch der verständige Teil des Bürgertums Gelegenheit, durch Wahl der Sozialdemokraten gegen diese Beamten- Wirtschaft zu demonstrieren. Unsere Kandidaten sind für heute, Mittwoch, für den Südbezirk mit Schönow: Zimmermänn Otto Jäkel; für den Nordbezirk mit Schlackitcnsee: Kunstmaler Alfred Kutte, Schlosser Wilhelm U l m.— Jeder Wähler der dritten Klasse muß heute noch von unseren Genossen aufgerüttelt werden, zur Wahl zu gehen und für unseren Kandidaten zu stimmen. Tcmpclhof. Hcate Mittwoch, den 16. März, früh von 8 bis abends 3 Uhr, finden im Gemeindesitznngszimmer, Dorstr. 42, die ErgänzungS- und V e r st ä r k n» g S>v a h l e n zur hiesigen Gemeindevertretung statt. Genossen I Kommt zeitig zur Wahl; macht Freunde und Bekannte darauf aufmerksam und versehe sich jeder mit Legitimation I Wer abkommen kann, stelle sich dem Wahl- komitee im„Wilhelinsgarlen" zur Verfügung. Grünau. Die Gemeindcwahl für unseren Ort findet am Mittwoch, den 23. März, im Restaurant Buch holz, Friedrichsir. 27, statt. Die dritte Abteilung wählt nachmittags von 4—8 Uhr. Von einer Wahlbewegung ist noch nichts zu spüren. Der vereinigte bürgerliche Mischmaich hat den Hausbesitzer Herrn Schuch- holz aufgestellt, trotzdem ein Nichtangesessener zur Wahl steht. Würde dieser Herr gewählt, so bestände unsere Gemeindevertretung nur aus Hansbesitzern, was den Herren allerdings das liebste wäre. Hoffentlich machen ihnen aber die Wahler am 23. März einen Strich durch die Rechnung und wählen den Kandidaten unserer Partei, den Lagerhalter Genossen Ernst Mitzner. Am konimcnden Sonntag, abends 6 Uhr. findet noch eine öffentliche Versammlung im„Jägerhaus" statt, um nochmals an die Wähler zu appellieren. Zu der letzten Versammlung war der liberale Bürger- verein eingeladen, aber natürlich nicht erschienen. Wird es jetzt viel- leicht einer unserer Herren Vertreter über sich gewinnen und erscheinen, um uns Rede und Antwort zu stehen? Nach dem bisherigen Verhalten wohl schwerlich. Von unseren Genossen können wir wohl erwarten, daß ein jeder für guten Besuch der Versammlung agitiert und an» Tage der Wahl pünktlich zur Stelle ist. Tut ein jeder seine Pflicht, dann ist uns der Sieg sicher. Reinickendorf-Ost. Morgen Donnerstag, nachmittag von 4 bis 8 Nhr finden die ErgänzungS ivahlen der 3. Klasse im Restaurant Sadau. Residenz st raße 124, statt. Unsere Kandidaten sind die Genossen Karl Höpfner und Karl K ö h n. Heute abend findet von den Zahlabend-Lokalen aus für die Bezirke l, Ja, II, IIa eine Flugblattverbreitung in Kuverts statt. Wir erwarten, daß sich an diesen Arbeiten sowohl als auch an den Wahl- arbeiten am Tage der Wahl jeder Parteigenosse beteiligt. Nur durch eifrigste Ägtiation und Beteiligung aller an den Wahlarbeitcn dürfen wir auf den Sieg hoffen. Die Bezirksleitung. Staaken. Die Wählen zur Gemeindevertretung finden am Freitag, den 13. März, statt. Und zwar wählt die für uns nur in Betracht kommende dritte Abteilung von 1—4 Uhr nachmittags._ Trotz der für die Arbeiierschaft ungünstigen Wahlzeit ist eS eines jeden Pflicht, sein Wahlrecht auszuüben und seine Stimme dem Hausbesitzer Genossen Hermann Fielitz zu geben. Heute Mittwochabend findet eine Flngblattverbreitung statt, zu welcher sich die Parteigenossen vollzählig zur Verfügung stellen wollen._ Wahlergebnisse. Marieudorf-Südcnde. Die Gemeindevertrcterwählen in Marien- dorf-Südcnde haben den glänzenden Sieg unserer beiden Genossen Weber und Habetuschte ergeben. Es wurden abgegeben für Weber 664, Habeluichke 664 Stimmen. Die„Demokratische Vereinigung", die in Gesellschaft des„Gemeinnützigen Vereins", des„Haus- und Gruiidbesitzer-VeieiuL" und deS„Bürger-Vereins" gegen die Sozialdemokraten kandidierten, bekamen 64 bezw. 61 Stimmen. Alio das Bestreben der Herren Demokraten, unter allen Umständen ein Mandat zu bekommen, wurde elendig zerstört, obgleich die Herren Vereine zu ihrer Unterstützung nahmen, die gewiß nicht fortschrittlich za nennen sind. Jedenfalls ist damit der Beweis erbracht, wie die Demokraten in der Praxis arbeiten. Für zwei andere Kandidaten wurden noch 0 bezw. 8 Stimmen abgegeben. Die Wahlbeteiligung betrug diesmal 34 Proz. Lichtenrade. Bei der gestrigen Gemeindevertreterwahl wurden insgesamt 207 Stimmen abgegeben. Der sozialdemokratische Kandidat Genosse Wöpke erhielt 95, der Kandidat des Grund- besitzervereinS Gastwirt Teter 66 und der Kandidat der vereinigten Landwirte 46 Stimmen. ES hat also Stichwahl stattzufiudeu zwischen den, Kandidaten der Sozialdemokratie und dem des Grund- besitzervereinS. Wciücnscc. Bei der am Montag stattgefundenen Gemeinde- Vertreterwahl siegten im ersten Bezirk Genosse Frentz mit 806 gegen 4V gegnerische Slinimen, im dritten Bezirk Genosse Baethge mit 820 gegen 1 Stimme. Die Wahlbeleiligung wo'- in den letzten Stunden so stark, daß sich der Wahlakt bis in die elfte Stunde aus- dehnte.— Leider ist uns der Bezirk Alt-Wcißensec von den Gegnern entrissen toorden. Genofie Block erhielt 118 Stimmen, der Gegner 120 Stimmen. Mit Hochdruck wurde von den bäuerlichen Grund- besttzern gearbeitet. Die Säumigen wurden mit Kremsern und sonstigem Fuhrwerk herangeholt. Natürlich spielten die Papier- stimmen eine große Rolle, sogar der Magistrat von Berlin gab seine Stimme ab. Auch die Straßeubahubcamten. mit vereinzelten Aus- nahmen, wählten geschlossen gegen uns. Aber den Vorwurf wollen wir uns nicht ersparen, daß die Lauheit der Arbeiterschast schuld ist, daß der Gegner mit zwei Stimmen siegen konnte. Da das Wahl- bureou nicht ordnungsgemäß besetzt wurde, wird von unseren Genossen Protest eingelegt werden. HermSdorf. Bei der gestrigen Genteindelvahl errangen unsere Genossen einen erfreulichen Sieg. Die beiden sozialdemokratische» Kandidaten Wihelin Behrends und Rudolf Griesmeier erhielten 188 Stimmen, während auf die Gegner nur 103 resp. 99 Stimmen entfielen. Nieder-Schöllhauscu. Bei der Gemeiiidevertreterwahl am Montag erhielten von 1339 �Majorität 669) abgegebenen Stimmen uilsere Genossen Breitmann 670, Woschke 666 Stimmen. Auf die bürger- liehen Mischmaschkandidaten Krause und Thiebach entfielen 652 bezw. 620 und auf den Kandidaten der Geincindebeamten Rühl 25 Stimmen. Gewählt ist demnach Genosse Breitmann. Außer- dem hat Stichwahl stattzufinden zwischen Woschke(Soz.) und Krause(bürgerl. Mischmasch). Bei de» für die bürgerlichen Kandidaten abgegebenen Stimmen befinden sich 233„Fvrenscu". Wie verlautet, haben die Bürgerlichen für die am Mittwoch, den 30. März, stattfindende Stichwahl bereits toieder 100 Forenscw mehr in der Tasche, um sie gegen unsere Kandidaten aufmarschieren' zu lassen. Trotzdem die bürgerlichen Parteien die Führung und die Arbeiten des WahlkampfeS ganz dem Reichsverband überlassen halten, ist eS nun auch hier gelungen, wenigstens einen Genossen in unser Parlament zu entsenden. Und wenn unsere Genossen noch bis zum -s'.ichwahltermin ihre volle Pflicht und Schuldigkeit tun, dann wird auch am 30. März unser Kandidat, der Genosse Woschke, aus dem Wahlkampfe als Sieger hervorgehen. Caputh bei Potsdam. Bei der gestern vormittag 10 Uhr statt- gefundenen Gemeindevertreterwahl erhielten in der dritten Abteilung Genosse D a l ch o w 42 und der bürgerliche Kandidat 22 Stimmen. Elfterer ist somit gewählt. I» der zweiten Abteilung unterlag unser Genosse Schwicriche mit 13 Stimmen dem Bürgerlichen, auf welchen 22 Stimnien entfielen. Charlotteuburg. Eine ausicrordcntliche Sitzung der Stadttierordneten, die sich in erster Linie mit der Vorlage betreffend die Einführung einer Wertzuwachs st euer zu befassen hatte, war für Montag einberufen worden. Den wesentlichen Inhalt der Vor- läge haben wir bereits mitgeteilt. Der Referent, Stadtverordneter Dr. F r e n tz e l, Mitglied der liberalen Fraktion, die in früheren Jahren die sozialdemokratischen Anträge auf Einführung einer Wertzuwachssteuer stets zu Falle gebracht hatte, wies auf die durch die drohende Reichswertzuwachssteuer veränderte Situation hin und betonte vor allem die Notwendigkeit, schnelle Arbeit zu machen, damit die Steuerordnung schon in den nächsten Tagen vom Bc- zirksausschuß genehmigt werden könne. Im allgemeinen erklärte sich der Referent mit der Magistratsvorlage einverstanden, feine Bedenken waren mehr redaktioneller Natur. In der Diskussion machte zunächst Stadtverordneter I o l e n- b e r g(lib.) auf einige Härten der Steucrordnung aufmerksam, er erklärte aber, daß er unter dem Druck der Verhältnisse seinen Widerstand aufgeben würde, vorausgesetzt, daß die Grundsteuer für unbebaute Grundstücke abgezogen werden dürfe. Auch Stadt- verordneter Dr. Stadthagen betonte, daß seine Freunde trotz mancher Bedenken im einzelnen der Vorlage sympathisch gegenüberstanden. Den Standpunkt der sozialdemokratischen Fraktion vertrat Genosse Z i e t s ch, der zunächst seiner Freude über die Vorlage an und für sich Ausdruck gab und nachwies, daß die Sozialdcmo- kraten bereits vor fünf Jahren die Frage angeregt haben, aber damals von den bürgerlichen Parteien im Stich gelassen sind. Ein schnelleres Tempo habe Eharlottenburg erst eingeschlagen, seit- dem Schöneberg vorausgeeilt sei, aber das schnellere Vorgehen von Schöneberg habe seinen Grund in den bevorstehenden Ab- schlössen von großen Terrainverkäufen gehabt, während dieser Grund für CI)arlottenburg ausscheide. Man habe deshalb keines- Wegs nötig, die Vorlage sofort ohne Ausschußberatung zu erledigen, wie es von, Referenten beantragt sei. Selbst wenn große Terrain- Verkäufe bevorständen, wäre es doch besser, auf diese Einnahmen zu verzichten, als eine Steuerordnung zu schaffen, von der man überzeugt sei, daß sie bald abgeändert werden müsse. Eine gründ- liche Beratung der Vorlage sei notwendig. Redner wies dann weiter nach, daß die Steuerordnung große Lücken aufweise und teilweise schwere prinzipielle Fehler enthalte. Warum sei man' dazu gekommen, statt einer direkten Wcrtzuwachssteuer eine in- direkte zu schaffen? Zum mindesten sollte man wenigstens für die Aktiengesellschaften die direkte Wertzuwachssteuer einführen, das Kommunalabgabengesetz stehe dem nicht im Wege, und man könne das sehr wohl tun, ohne an den Grundsätzen der Vorlage zu rütteln. Seine Freunde beantragen deshalb einen neuen Para- araphen 3a:„Aktiengesellschaften werden zur Wertzuwachssteuer herangezogen jedesmal, wenn die Veranlagung ihrer Grundstücke zur Grundsteuer nach dem gemeinen Wert einen Wertzuwachs ergibt, und zwar gesondert für jedes zur Grundsteuer veranlagte Objekt, wobei Wertrückgang bei einzelnen Objekten gegen Wert- zuwachs bei anderen nicht in Anrechnung kommt." Im Falle der Annahme dieses Antrags müßten natürlich auch eine Reihe an- derer Paragraphen sinnentsprechend geändert werden. Ein wei- tereS Bedenken habe er dagegen, daß diejenigen, denen Grundstücke im Wege des Enteignungsverfahrens genommen werden, keine Wcrtzuwachssteuer entrichten sollen. Man könne daran nichts ändern, da es sich hier um eine ministerielle Vorschrift handele, aber man dürfe doch nicht vergessen, daß gerade bei zwangsweiser Enteignung der meiste Wertzuwachs erlangt wird; die Leute machen dabei meist gute Geschäfte. Das Hauptbedenken der So- zialdemokraten richte sich gegen den§ 9, der den Steuertarif fest- setzt und der eine große Ungerechtigkeit bedeutet, denn die größeren Besitzer würden dadurch auf Kosten der kleineren bevorzugt. Das komme daher, daß man den relativen Wertzuwachs besteuere, nicht aber den absoluten. Seine Freunde seien der Meinung, daß die Berliner Staffelung der vom Charlottenburger Magistrat bean- tragten vorzuziehen sei. Es sei überhaupt zu erwägen, ob man nicht einfach die Berliner Ordnung auf Charlottenburg über- tragen soll; einmal sei die Berliner Ordnung schon genehmigt, und dann sei es doch auch nicht zu verkennen, daß gerade eine Ver- einheitlichung auf diesem Gebiet für Groß-Berlin ein Fortschritt sein würde. Der Kämmerer, Stadtrat S ch o l tz, betonte die Notwendig- kcit, mit Rücksicht auf die Reichswertzuwachssteuer die Vorlage schleunigst zu verabschieden. Er suchte die von den verschiedenen Rednern vorgebrachten Bedenken im einzelnen zu zerstreuen, de- kämpfte die sozialdemokratischen Anträge sowie die von dem Stadt- verordneten Jolenberg angeregte Berücksichtigung der Grundsteuer für unbebaute Grundstücke und empfahl die Annahme der Vorlage mit einem Abänderungsantrag des Genossen Z i e t s ch, wonach die Erträge der Wertzuwachssteucr nicht dauernd, sondern vor- läufig nur für das Jahr 1910 dem Ausgleichssonds zugeführt werden sollen. Im Laufe der weiteren Debatte ergriff noch Genosse Dr. Bor- chardt das Wort, um gegen die Auffassung des Kämmerers zu protestieren, als ob eine direkte Wcrtzuwachssteuer für Akticngesell- schaftcn in dieser Steuer unmöglich sei und die Genehmigung in Frage stelle. ES handelt sich dabei nicht etwa nur um eine der- änderte Grundsteuer, sondern tatsächlich um eine Wertzuwachs- stcuer auf den Wertzuwachs des gemeinen Wertes. Des weiteren betonte Redner, daß auch unter den Liberalen heute noch grund- ätzliche Gegner der Wertzuwachssteucr vorhanden seien, daß sie ich aber nur dem Zwang der Verhältnisse fügen.(Stadtverord- neter Dr. C r ü g e r: Sehr richtig!) Nach weiterer unerheblicher Debatte wurde, da ein vorher eingebrachter Antrag auf Ausschußberatung inzwischen zurück- gezogen war, die Vorlage sofort in ihren einzelnen Teilen erledigt, sie gelangte unter Ablehnung der sozialdemo- k r a t i s ch e n Sl>>. t r ä g e einstimmig zur'Annahme. Der oben mitgeteilte Antrag, die Steuern nur für 1910 dem Aus- gleichsfonds zuzuführen, wurde gleichfalls angenommen. AuS den weiteren Verhandlungsgegenständcn heben wir her- vor, daß ein Antrag Dr. Stadthagen zur Annahme gelangte, der den Magistrat ersucht, bei der Regierung dahin vorstellig zu werden, daß die geltenden Vorschriften bezüglich der Nichtzulassung von Frauen zum Amte von Waisenräten im Sinne einer Gleichstellung der in der Waiscnverwaltung tätigen Männer und Frauen abgeändert werde. Auch die Vorlage betreffend die Verlegung der Wald- schulen für Gemcindeschulkinder von dem Gelände der Boden- aktiengesellschaft„Neu-Westend" nach dem Grunewald bei Eichkamp wurde nach Befürwortung durch den Genossen Will angenommen. Auf eine Anfrage des Stadtverordneten Holz(lib.), ob eS wahr fei, daß die Charlottenburger Feuerwehr bei Lebensgefahr(ein Fahrstuhlführer war im Fahrstuhl eingeklemmt) die Hilfe ver- weigert habe, weil der tinfall auf Wilmersdorfer Gebiet sich zu- getragen, erwiderte der Dezernent Stadtrat Meier, daß die Dar- stcllungen in der Presse übertrieben seien. Durch mißverständliche Auffassung eines Beamten fei allerdings eine kleine Verzögerung von etwa 7 Minuten eingetreten, er habe dafür Sorge getragen. den PassuS der Feuerlöschordnung, wonach die Feuerwehr bei Le- bensgefahr unbedingt und sofort Hilfe zu leisten habe, so einwand-. frei zu gefiakiel?, daß ein. solches Mißverständnis sich wohl kaum wiederholen könne. Eine Petition, betreffs Schaffung eines neuen Zugangs zum Bahnhof Westend bei der Eisenbahndircktion vorstellig zu werden, wurde entsprechend dem Antrag des Petitionsausschusses dem Ma- gistrat als Material überwiesen. Seitens unserer Genossen be- antragte Stadtverordneter Lehmann, die Petition zur Berück- sichtigung zu überweisen, er geißelte zugleich das Verhalten der preußischen Eisenbahndircktion, die für die Anlegung eines solchen Zuganges nicht nur die Kosten mit 85 000 M. von den Jntcr- cssenteu ersetzt haben will, sondern die auch einen jährlichen Bei- trag von 12 000 M. zu den Betriebskosten verlangt. Mit dem- selben Recht könnte die Eisenbahndircktion verlangen, daß die Bahnhöfe und ihre Unterhaltung nicht von der Eiscnbahnverwal- tung, sondern von den Interessenten gezahlt werden; als ob die Interessenten nicht gerade die Personen sind, die die Eisenbahnen benutzen, dafür ihr Fahrgeld entrichten und dadurch nicht nur die Kosten der Verwaltung, sondern auch alle Ueberschüsse zahlen. Eine Petition, den Bau der Badeanstalt in der Nürnberger Straße möglichst bald zu beginnen und zwar als Volksbadeanstalt, wurde dem Magistrat zur Berücksichtigung überwiesen. Bei der Gelegen- heit hob Genosse W i l k hervor, daß vor allem auch in dem �tadt- teil jenseits der Spree, der sich mächtig entwickelt, eine Volks- badeanstalt nötig ist. Diese Anregung wurde auch von anderen Parteien begrüßt und der Magistrat versprach, ihr näher zu treten. Sodann wurde i» die E t a t b e r a t u n g eingetreten und zunächst das Kapitel höhere Knabenschulen erledigt. Der Etats- ausschutz beantragte hierzu in einer Resolution den Magistrat zu ersuchen,„zu erwägen, ob und inwieweit die durchgeführten Maß- nahmen betreffs Hebung der Volksschulen nunmehr die Aufhebung auch der zurzeit bestehenden Vorschulen an den höheren Lehr- anstalten gestatten". Der nationalliberale Stadtverordnete Dr. L i c p m a n n hielt es für nötig, bei dieser Gelegenheit gegen den früheren Beschlutz der Versammlung, die Vorschulen nach He- buug der Volksschulen aufzuheben, Sturm zu laufen, erfreulicher- weise ohne große Gegenliebe zu finden. Die Stadtverordneten Dr. Borchardt(Soz.i und Otto(lib.) wiesen den Lobgesang auf die Vorschulen zurück und erklärten für ihre Fraktionen, daß sie den früheren Beschlutz hochhalten. Wir wollen nur hoffen, daß die liberale Mehrheit den Worten auch die Tat folgen läßt und von der Resolution, die fast einstimmig angenommen wurde, end- lich zur Abschaffung der Lorschulen übergeht.— Beim Etat für Feuerlösch- und Straßenreinigungswesen brachte Genosse W i l k die Nebenarbeit vieler Feuerwehrleute zur Sprache, die in ihrer freien Zeit mit Teppichklopfen sowie bei Umzügen sich einen Neben- verdienst schaffen, durch den sie einerseits anderen Arbeitern eine unerwünschte Konkurrenz bereiten, andererseits auch die für die Erholung bestimmte Zeit in einer Weise ausfüllen, die doch be, denklich für ihre spätere Dienstbereitschaft sein mutz. Der Dezer- nent Stadtrat Meyer versprach einer derartigen Ncbenbeschäs- tigung nach Kräften entgegenzutreten. Unter dem Etat für son- siige Gemeindeeinrichtungen hatte bei der Volksbadeanstalt der Ma- gistrat beantragt, den Titel für Schwimmbäder von 70 000 M. aus 72 600 M. zu erhöhen, und den Preis der einzelnen Schwimmbäder für Erwachsene von 20 auf 25 Pf., für Kinder von 10 auf 15 Pf. zu steigern. Der Etatsausschuß hatte diesem Antrag mit knapper Mehrheit zugestimmt. Die Stadtverordneten Braune(lib.). Z i c t s ch(Soz.) und Dr. Stadthagen(unpol.) wünschten die Absetzung der 2600 M. und die Beibehaltung der alten Preise. Dies wurde auch mit übergroßer Mehrheit beschlossen. Debattelos wurde noch der Etat für Liegenschaften erledigt, worauf die Sitzung gegen 1? Uhr nachts geendet hat. Noch an demselben Abend trat der Magistrat den unwesent. lichen Abänderungsbeschlüssen bei und gestern Mittag, 12 Uhr, war die neue Wertzuwachssteuer bereits vom Bezirksausschuß und dem Oberpräsidenten genehmigt, so daß sie schon heute in Krast tritt. Tchönederg. Die letzte Stadtverordnetenversammlung beschäftigte sich rshezu drei Stunden mit dem Steueretat. Der HauS- und Grund- besitzerverein hatte um Herabsetzung der Kanaliiationsgebühren von 2 auf l'/g Proz. vom Nutzungswert petitioniert. Der Ausschuß empfahl. über diese Petition zur Tagesordnung überzugehen. Die Stadtverord- ncten Linie uö und Schneider(Uuabh. Vereinig.) traten als Anwälte des HauS- und Grundbesitzervereins auf den Plan und legte» sich für die Entlastung der bedrückten Hausbesitzer ins Zeug. Sie suchten den Nachweis zu führen, daß die Hausbesitzer in Schöne- berg besonders hoch belastet sind, was auf die Dauer nicht so weiter gehen könne. Stadlv. K ü t e r(Soz.) wies darauf hin, daß die Klagelieder der Hausbesitzer jeder Begründung entbehren. Als seinerzeit die Neuregelung der Kanalisationsabgaben vorgenommen wurde, hat man die Sozialdeinoiratie von den Ausschußberatungen ganz aus- geschaltet. Der betreffende Ausschuß, der die jetzige Gebühren» ordiiung geschaffen habe, bestand nur aus Hausbesitzern. Den Mietern wurde damals nicht die Befähigung zuerkannt, bei der Fest- setzung der Gebührenordnung mitzuwirken. Die Hausbesitzer haben alw nicht die geringste Ursache, von Ungerechtigkeit zu reden. UebrigenS zahlen die Hausbesitzer die Kaualisationsabgabe» nicht aus der eigenen Tasche, sondern sie ziehen dieselben von den Mietern ein. Am besten wäre eS, die Hausbesitzer würden auch für die sozialdemokratische Forderung nach Einführung einer progressiven Eiiitommensteuer eintreten. Kämmerer Machowicz wandte sich ebenfalls gegen die AuS- sührungen der Stadtverordneten LinicuS und Schneider. Sie sind es, die mit ihren Ausführungen die städtischen Interessen in einer unglaublichen Weise schädige». Die gemachten Ausführungen sind ganz unzutreffend. Aus dem Herrn Schneider spricht das schlimmste Agrariertum, Die Schöneberger Hausbesitzer zahlen die niedrigsten Abgaben in Groß- Berlin. Anstatt dies' wohlwollende Entgegen- kommen anzuerkennen, werden die städtischen Verhältnisse von den Hausbesitzern in einer ganz ungehörigen Weise heruntergerissen. Auch die Stadtvv. Luley und Jetzow(lib. Agg.) glaubten den Hausbesitzern beispringen zu müssen. Letzterer leistete sich den Arbeitern gegenüber noch etwas ganz besonderes. Nach seiner Meinung hätten die Schöncberger Arbeiter im Jahre 1909, als der Zuschlag zur Einkommensteuer nur 90 Proz. betrug, von ihre» tarislichen Löhnen auch 10 Proz. ablassen müssen. Schließlich wurde über die Petition zur Tagesordnung über- gegangen und der Steneretat genehmigt. Nachdem dann auch der zurückgestellte Untergrundbahn- Etat seine Erledigung gesunden halte, wurde der gesamte Etat in dritter Lesung angenommen. Er schließt in Einnahme und Ausgabe mit 30 468 000 M. ab. Dem von der Stadtverordnetenversammlung angenommenen Antrage, bei Neu- und Erweiterungsbauten von Schulen besondere Krankenzimmer einzurichten, hat der Magistrat zugestimmt, wovon die Versammlung Kenntnis nahm. Sodann beantragte der Magistrat die Einrichtung eines weiteren Woche nmarktcs am Sonnabeiidnachmittag in der EberSstraße. Hierzu lagen eine Reihe von Petitionen von Geschästsleuten vor. die sich gegen diese Einrichtung aussprechen. Der Magistratsvertreter erllärte, daß ein Bedürfnis für diesen Markt vorliege. ES ergäbe sich dies schon daraus, daß fortgesetzt neue Privatmärkte tu der dortigen Gegend abgehalten werden, welchen durch diese Einrichtung auch entgegen getreten werden soft. Die beantragte Ausschußberatung wurde abgelehnt und die Vorlage angenommen. Größere Auseinandersetzungen gab eS noch bei einem Antrage, in welchem vom Magistrat ein Bericht über den Stand der Neu- Vermessung der Stadt verlangt wurde. Stadtv. Presch (Lib. Frakt.) wies darauf hin. daß für die Ncuverinest'ung insgesamt nur 200 000 M. ausgegeben werden sollten; jetzt, wo nur erst ein lleiner Teil ueuvcnnesscn sei. hat die dafür aufgewandte Summe schon 300000 M. überschritten. Stadtv. Bäumler(Soz.) schloß sich dieser Beschwerde an. Seiner Meinung nach sei die Mißwirtschast dem Leiter des Vermesjung«- burraus zuzuschreiben. Unter den Meßgehilsen ist ei» fortwährender Wechsel, der der Stadt zum Schaden gereiche. Auch die Stadtbv. Obst und H offmann(Soz.) übten eine scharfe Kritik an der Leitung des VermesiungsburcauS. Der Magistrat habe die Pflicht, über den Stand der Angelegenheit baldigst Aufklärung zu geben. Für die bauliche E r s ch I i e ß u it g d e S S ü d g e l ä n d e s soll ein Wettbewerb erlassen werden. Hierzu wurden die nötigen Mittel in der Höhe bon 20 000 M. bewilligt. In der Sitzung wurde dann noch die Ersatzwahl von fünf unbesoldeten Stadträten vorgenommen. Wiedergewählt wurden die Herren Dr. Berwienmit40. Eckelberg mit 54, Härder mit 54, Kaufmann mit 52 und Schüler mit 44 von 56 abgegebenen Stimmen. Stadtv. W o l l e r m a n n(Soz.) hatre gegen das eigenmächtige Borgehen des Stadtvcrordnetenvorstehers in dieser Angelegenheit protestiert. Es waren sechs unbesoldete Stadträte zu wählen, während in der Tagesordnung nur die Wahl von fünf Stadträten bekannt gegeben wurde. Für die Stelle des sechsten Stadtrates sollte ein Sozialdemokrat in Vorschlag gebracht werden. Diese Wahl mußte somit bis zur nächsten Sitzung ver- tagt werden. Eine schwere Körperverletzung fügte Montag in der Prinz-Georg- Straße 1 in Schöneberg der Gastwirt Hot'cle aus Eifersucht dem 22 Jahre alten Kutscher Rudolf Scholz durcki einen Revolverschuß in den Unterleib zu. Scholz mußte in beoenklichem Zustande nach dem Auguste�Viktoria-Krankenhause gebracht werden, während der Täter verhaftet wurde. Nixdorf, Wegen Arbeitslosigkeit Selbstmord verübt hat gestern der vierzig- jährige Arbeiter Wilhelm Sonnenbcrg aus der Juliusstr. 31. S., ein nüchterner und fleißiger Mann, hätte vor längerer Zeit infolge Kranlbeit seine Stellung verloren und alle seine Bemühungen, Be- schäftigung zu finden, ivaren vergeblich. Als gestern nachmittag seine Frau die Wohnung verlassen hatte, erhängte er sich an dem Fenster- kreuz. Stellungslosigkeit soll auch, wie man uns mitteilt, den im Hause Donauufer 113 wohnhasten 30 Jahre alten Ernst Haas dazu ge- trieben haben, sich durch Leuchtgas zu vergiften. Der Rixdorfer Feuerwehr gelaug es, den Lebensmüden ins Bewußtsein zurückzu- rufen worauf er dem Krankeuhause zugeführt wurde. Reinickendorf. Der Revolver spielte am Montag in Reinickendorf in der Graf- Rödern-Allee eine Rolle. Dort wurde der Schankwirt Techen von dem Besitzer deS Hauses Nr. 50, einem Eiswerksbesitzer Thielke, exmittiert. Nach einem Wortwechsel schoß Thielte auf Frau T. und verletzte sie sehr erheblich. Auch dein Kutscher Krüger wurde ins Gesicht geschossen. Bernau. Unter dem Verdacht, mit seiner 23jährigen Tochter geschlechtlichen Umgang geübt zu haben, wurde ain Monlagvormittag der Handschuh- fabrikant Otto Rieger von hier, Chausscestraße wohnhaft, verhaftet. Spandau. Die am Freitag, den 18. März, geplante Versammlung bei Koepnick findet umständehalber nicht statt. Der Bildungsausschuß. Potsdam. Gasexplosion. Ms Vizewachtmeister Watermeier und Sergeant Groß von der 5. Eskadron sowie Sergeant Neuling von der 3. Eskadron heute nacht die in der dritten Etage der Kaserne des Regiments der Gardes du Corps in der Behlertftraße belegene Bedürfnisanstalt aufsuchen wollten, ereignete sich beim Lichtmachen eine Gasexplosion. Vizewachtineister Watermeier und Sergeant Groß wurden schwer verletzt nach dem Garnisonlazarett gebracht. Sergeant Neuling erlitt nur leichtere Verletzungen. Die Ursache der Explosion war Undichtig- leit der Gasleitung. Jngendveranstaltungen. Tempelhof-Mariendorf. Heute abend'IS Uhr wird der vierte Vortrag bei Apelt, Tempclhos, Berliner Straße 41/42, abgehalten. Herr Dr. E. Sab spricht über:„Die Abstammung des Menschen". Sozialdemokratischer Lese- und Diskntierkluv„Heinrich Heine«. Heute abend L'/z Uhr: Sitzung bei Bolze, Rodcnbergstrage 8. Sozialdemokratischer Lese- und DiSknticrklub„Karl Marx«. Heute abend bei Hummel, Sophienstr. 5: Sitzung. Gäste willkommen. Deutscher Arbeiter-Zlbstiiientcu-Bund. Ortsgruppe Berlin. Donnerstag, den 17. März, Mitgliederversammlung. Tagesordnung: Ortsgruppcnangelcgenhcitcn. Theater und Vergnügungen Mittwoch, den 16. März. Ansang 7'/, Uhr. Köntgl. OpernhanS. Der Prophet. Königl. Schauspielhaus. Der WidcApensliam Zähmung. Neues königl. Opern-Dheater. Geschlossen. Deutsches. Romeo und Julia. Kammerspiele. Der gute König Dagobert.(Ans. ö. Uhr.) Au lang 8 Uhr. Berliner. Taifun. Lesstna. Das Konzert. Neues. Die goldene Ritlerzeit. Neues Schauspielhaus. All- Heidelberg. Nachmittags 3 Uhr: Die Räuber. BSesten. Die geschiedene Frau. Romische Oper. Zigeunerliebe. Neues Overetten. Der Gras von Luxemburg. Drianon. Theodore u. Cle. Kleines. Der große Name. Residenz. Das-Nachtlicht.— Der selige Octave. Thalia. Die Dollarprinzessin. Schiller O.(IWaflitei* Atieatet.) Goldfische. Sch ue, Charlottenburg. Hans Lange. Friedrich- WildelmsiSdeifches. Flachsmann als Erzieher.(Ans. VI. Uhr.) Gastspiel. MIß Dudelsack. �Anfang 8'U Uhr.) Hebbel. Kavaliere.(Ans. S'l, Uhr.) Volksopcr. Othello.(Ans. 3',, Uhr.) Luisen. Die Reise um die Erde in 80 Tagen. Roie. Die Ehre. Lustspielhans. Der dunkle Pun». Metrovoi. Halloh II— Die große Revue. FolieS Caprice. Herr Wafierkrops. Der Lusllnrner.(Ans. 81/« Uhr.) Casino. Berlin bei Nacht. Gebr. Herrnfeld. ES lebe das 'Nachtleben.— Die Original- Klabriaspartie. Stadttheaier Moabit. Geschlossen. Noack. Satan Gold. Rene Welt. Die Geyer-Walli. Ap'so- Der Zechpreller. Spezla- litäten. Wintergarten. Spezialitäten. MeichstiaNen. Sleltiner Sänger. Palast. Spezialitäten. Bai age. Svezialstäten Karl Haverland. Spezialitäten. Walbnlla. Loezialiiäien Buggenhagen. Speziatltätea.(An- 7'/. Uhr). ttraiiia.?ni,de»strasie Abends 8 Uhr: Im Ftrnenglanz des Ober.Eiigadin. Im Hörsaal 8 Uhr: Dr. Rathgen: Das Glas. Ster»ivar«e. Juvaltdenfw. 57—62. Urania. Wissenschaftliches Theater. Abends 8 Uhr: Im Firnenglanz des Ober- Engadin. Hörsaal 8 Uhr: Prof. Dr. R a t h g e n: Das Glas Theater des Westens. Abends 8 Uhr: Die geschiedene Frau. Sonnt. 3'/« Uhr: Der fidele Bauer. Lustspielhaus. Abends 8 Uhr: Der dunkle Punkt. Residenz-Theater Direktion: Richard Alexander. Abends 8 Uhr zum l. Male: Das Nachtlicht. Schwank in 3 Mten v. M. Zamacols. Hieraus: Ter selige Oktave. Burleske in 1 Att von Joes Miraude _ und Henri Göroulc._ Yolksoper. SW„ Belle-Allianee-Slraße Nr. 7/8. Abends'Ifi Uhr: Gastspiel d. Friedrich-Wilhelmstädtisch. Schauspielhauses: Othello. _(Außer Abonnement.)_ Luisen-Theater. Abend» 8 Uhr: Die Reise um die Erde in 80 Tagen. Großes Ausstattungsstück in 14 Blld. von d'Ennery«. Jules Berne. Donner- tag: Der Beilchensresser. Freitag Benefiz s. Rudols Schönau: Was Gott zusammenfügt. Sonnabend nachm. 4 Uhr letzte Kindervorstellung: Schueeweißchen u. Rosemot. 8 Uhr: WaZ Gott zusammenfügt. Sonntag nachm. 3 Uhr: Don Carlos. 3 Uhr: WaZ Gott zusammenfügt-_ {Schiller- Schiller-Theater 0.(Wallner-Theat). Mittwoch, abend» 8 Uhr: volrilinclie. Lustspiel in 4 Akten von Franz von Schönthan und Gustav Kadelburg. Ende 10'/. Uhr. Donnerstag, abend» 8 Uhr: Goldflsche. Freitag, abends 8 Uhr: Wallenstelvs Lager Die Piccolomini. Theater. Schiller-Theater(Charlettenburg). Mittwoch, abend» 8 Uhr: I-anee. Schauspiel in 4 Akten v. Pauk Hehse. Ende 10-/, Uhr. Donnerstag, abendS8Uhr: Ggmont, Freitag, abends 8 Uhr: Ncnc.liiKcniUJJohan Ulfstjerna.) Brauerei Friedrichshain am Königstor. Größter Konzertsaal Berlins. Heute Mittwoch, den 16. März 1616: Großes Extra-Konzert unter persönlicher Leitung des Koniponisten und Dirigenten !Franz von Blon mit großem Orchester(40 Künstler) sowie unter Mitwirkung der Fran Knüpfer-Fgü Königl. Hofopernsüiigerin(Sopran). Ansang 8-/, Uhr._ Enlrce 50 Pf, reservierter Platz 75 Pf. Der größte Lacherfolg! 8-/- Uhr; 8-/- Uhr: Der Zechpreller. Posse mit Gesang in 3 Akten mit Xoursdl Dreher a. G. Vorher ab 8 Uhr: Die erofien Spezialitäten. Das Dreigeslirn weiblicher Schönheit, Grazie u. Kunst Rosario Guerrero Marie Lafargue Odette Valeiy und dio anderen — Star-Ätti'aktionen.— Irkus iarrasam alter Botanischer Garten. AHttwoch, den 10. nUrz: 0 brillante Vorstellungen 0 � nachm. 4 n. abends 8 Uhr. � In beldenTorBtellnneon ein rein zirzensisches Progr. Ab S-/, Uhr; Fortsetzung der Ringkampf- Konkurrenz unter dem Protektorat des Herrn Prof. Reinhold Begas. Es ringen: Michailoff gegen Nitschke. Lassartesse gegen Van den Berg. rTlnftcheldunsitkampFn | Jakob Koch geg. Paradanoff.| Mittwoch, de» IG. März, abeudS 7-/. Uhr: Brillante Borstellung. Neu! Die Amerikaner Neu! �eria! Ringkampf-Parodie der Clown Jim Jum und Cotrell. Barbarentänze der 11 Personen Rl Tcliaves. Dir. Alb. Schumann neue und m-derne Dressuren. tzliß Silva Eioyal dressierten Tauben. Um S'/, Uhr Ende 11 Uhr Die große Feerie Die drei Rivalen. Im 2. Akte: Aus dem Schlosse des Ritters de la Champagne. Neue Welt Mittwoch, den 16. März: Die Geier-Wasty. Schauspiel in 6 Akten und einem Vor« spiel von Wilhelmine v. Hillern. Kassenöffnung 7 Uhr. Anfang 3 Uhr. tUssinx-Tbealer. 8 Uhr: Das Konzert. Donnerstag, 8 Uyr: Das Konzert. Freitag, 8 Uhr: Banmrittcr Solncsi. berliner Theater. Heute: Taifllll. 8 Uhr. Morgen: Taifun. Heues Theater. «bend» 8 Uhr; Die goldene Ritterzeit, Donnerstag: Die goldene Ritter- zeit Freitag: Der Philosoph von Sanssouci._ Aciivb Operctton-Theatcr- Hcute und folgende Tage 8 Uhr: Der Graf von Luxemburg. Sonntag nachmittag 3 Uhr zu er- mäßigten Preisen: Der Zigeunerbaron. Friedrich-Wilhelmstädtisches Schauspielhaus. Mittwoch, IG. März, abends 8'/. Uhr: Flachsman» als Erfither. Donnerstag, Freitag: Streber. Sonnabend: Die Großstadtwst. Sonntag nachm. 3 Uhr: Die Ltlltg- {tau von Orleans. OSE=THEATE itr. 132. ih i-eTl i Große Frantsurtcr Str. Ans.« Uhr. Ende Ehfi Die Schnuspiel in 4 Alten v. Sudermann. Donnerstag: Wankender Boden. Freitag: Die Ehre. Sonnabend nachm.: KHU Nacht« Abends: Die(yfirc._ Helropoi-Theater Abends 8 Uhr: Hallo!!! Die groiSe Revue! In 8 Bildern von JuL Freund. Musik v. Paul Lincke. In Szene gesetzt vom Dir. Rieh. Schultz. Anfang 8 Uhr. Rauchen gestattet. Vi alhalla- tläflfefe Th»ri;ter Weinbergsweg 19-20, Rosenth.Tor.| Anfang 8 Uhr: Da» große Progr. l Natt, das lohende Elektrizitäts- 1 werk u. die übrigen Spezialitäten[ j Tunnel: Di» allergröBte Kanne. Theaterbesuchern freier Eintritt I Die Original- Klabriaspartie und Es lebe das Nachtleben mit Anton und Oonat Herrnfeld in den Hauptrollen. Ans. 8 Uhr. Vorverkauf 11— 2 Uhr. Sonntag nachm. 4 Uhr: „Es lebe das Nachtleben.« 2. Serie: „Die beiden Bindelbands.« _ Zum letzten Male: Satan Gold. Volksstück in S Akten. Donnerstag Bettefit Reich: 2 Königsleutiiant. Freilag«steS Gastspiel von Karl Frieden vom Vogt-Thcater. ! Passage-Theater. Abends 8 Uhr; Das ' gesellschaftliche «Ereignis von Benin Auftreten der etcliönen iSisters Ridley Z in ihren historischen Tän | Georg Kaiser Schneider- Danoker «und das groQe Programm! '--"»"»"»'MvVNPWMM'HW'MW'WpMWM Tänzen. Passage-Panoplikum Senegal in Berlin! gn wilde Weiber Männer, Kinder. Drei Negerdörfer Ohne Extra-En free! Sanssouci, S'V. Direktion Wilhelm Reimer. Heute Mittwoch: Theaterabend. Beginn 8>/, Uhr. Bcncstz für loset l.er«ande»skp: Zum erstenmal: Die Schauspieler des Kaisers. Schauspiel in S Alten. Morgen Donnerstag: Hoffmanne Nordd. Singer und Tauzkränzchcn. Beg. Sonnt. S,wvchmt. SU. �ItHuadlf 47/48. Donnerstag, den 17. März: Dorf lind Slodl. Schauspiel in 5 Auszügen v. Charlotte Birch-Pseisser. Zirkus Busch. Heute Mittwoch, den 16. Marz, abends 7'/z Uhr präz.: Großer Gala-Abend. Therese Fillis, James Leon Flllis hin., Heinrich Fillis, in ihj-en Produktionen d. hohen Sohulo. Die llassans! Drahtseil-Akt. Hr. E. Schumann, Neudressur. Zwergclown Francois, Kunst,-. lieitorfamilie Prosorpi. 9 Uhr ca. Ende lOT.Uhn Die russ. Sensations-Pantomime w Maria l-HW Sonntag: Zwei Vorstellungen. -Tliealer. 8'/. Uhr: Sllss DndclMack. Morgen und solgende Tage: Blli). Dudelsnck. Gastspiel! /. Uhr: niM* I Polles Caprice Der Lustturner. Xcncr banter Teil. Herr Wasserkropf. Anfang 8'/« Uhr. Borvcrk. 11—2 Uhr. keiebsballell-IdeAler. Stettiner Kftnger ZumSchluisiVorl. Woche) Oer Nachtwächter von Zerpenschleuse vonMcyscl. Ansang: Wochent. 8 Uhr. Sonntag» 7 Uhr. vaslno-l'kSaKsi' Lothringer Straße 37. Anfang 8 Uhr. Berlin bei Nacht. Posse in 3 Akt. v. Schätzler-Perassiiii. Sonnt. 4 lt.: Ein deutsch. Frauenherz. Palast-Theater. Burgstraße 24, am Bahuhoj Börse. Internationale« Ringkampf-Championat mn die WcItmciHtcrschaft. Protektor: Herr Pros. H. Hundrieser. Preise: 10 000 M. in bar. Mittwoch, den 1V. März: Entscheidnngskampf: John Pohi-Nbs» gegen Aimable de la Calmettr. Ferner ringen: Charles d'Auvers gegen Hal- mann. StcnrS gegen Bervet. Vorher: Die glänzenden Spezialitäten. Auf. 8 Ubv. Preise 50 Ps. bis 3 M. Trianon-Theater. Heute»ud folgende Tage, 3 Uhr: Dbeodere& Cic. Sonntag nachm.: Pariser Witwen. I£öiiie*tadt-Ii Holzmarttstraße 72. Täglich: Spezialitäten ezten Uanscz mit Franz 8ubunski. 9 Uhr: Hoheits Licbcsroman. Ll v i»! tArün-Doiinirstag und Ostcr-Solmabend: Drau»» der Rose und Klippen und Wellen. An den3Ostcrscicrtagcn: Fest- Vorstellung. Ansang 6 Uhr. | f�aul$ Springers ♦ Kabarett- und Possen-Gesellschatt. ainfrtttß 8'/. Uhr. Frei-Danz. Karl Haverland Ansang Theater, präz. 8 U. 77/79 Kommandantcnstraße 77/79. Neue erstklassige Spezialität. Heute nach d. Vorstellung: Ball. Tonbild-Theater Ga!a-¥or- stetlung □ Casars Liebestraum, Drama. JS Entsagung, Dvmutt, Oer Richter� " v. Cedar Lolch, Drama u. das p hervorrag.'Wochenprogramm. Entr.30Kmd.l0Ps. KeineNachz. Dauervorstell. v. 4—11 Uhr. Für den Inhalt der Inserate »beruimiilt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Brrantwortung Erscheint 2 mal wöchentlich. Bezugsquellen-Verzeichnis. Die hier verzeichneten Firmen empfehlen bei Einkäufen ihre Geschäfte. Gredit-Haus Moabit Turmstraße 55, Ecke Waldstraße gewährt Jedem bei spielend leichter An- und Abzahlung mehrjühpigen Kredit auf Waren und Möbel. vnirui. u uo lubascher,S.i Oredithaus m Gebr. Weber, Neue Königstr. 58. Spandau,Pots- damerstr. 231. Koulantesles a. PI. RßJEßl]EifiriM..!&b�0gÄ- Weber, Herrn., Danzigerstr. 781. Walter, CarUÄf1 Zulrann&Co. w 57 Cu,m3tr- 10 best. s. 1887. Ecke Göbenstr. 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Winter, H., Schönhauser Allee 91. Zastrow, E.» Ri., Berlinerstr. 71 73. Stoll, Marke Leander, Brunnenstr. 137. c Teppiche u. Cardinen D Frankenstein 4 Co., Ri., Bergstr. 140. Glatt«HM SeerÄr Mauerhori�M�GriFrankLStr�� { Uhren u. Goldwaren Arlt, Herrn., MauteuffelstTTTuT Bürger, Jul., Müllerstr. 6. David, Max, Brunnenstr. 43. Ebert, Otto, HTrnlLafl9 Ellinghausen, Gebr., Grünerweg 46. Fabian, Max, S03G, Wienerstr. 25. Fiiegensclimidt, M., Bergmannstr. 8. ' str. 4. Friese, Konrad, Müllersti George, Adolph, Badstr. 65. ürfcl � . lolpb, Goerfche, C., Pücklerstr. 36. Gromadies, P., Andreasstr. 29. Eniebusch, W., Frankft. Chaussee W Lehmann, Alb., Frankf. Allee 40. Lewin, Adolf, Kf$f4ätr- Linde, Max, Tegel, Berlinerstr. 81. Lux, Carl, N, Chausseestr. 41. Mildt, A., Charl., Krummenstr. 14. Nahr, Gust., Gr. Frankfurter Str. 91. Osterloh, M., Gr. Frankfurt. Str. 136. Quitzow, Job., Müllerstr. 1a. Rapp ,Cbr., W eißensee, Gttst.Adolfstr.t 57 Rudolph, H., BeEr?äfr0ri32. Schräder, Otto,.l>ankL.8au'3e9 Schroth, Emil, Kottbuserdamm 101. Sdiulz, Osw., Frankfurter Allee 24. Schumacher, O., Tegel, Berlincrst.5a. Sturm, Erich, Tegel, Ilermsdorf.-Str.l l,eckerBianB,G.,sÄÄI|>98 Rampmaler, F., Skalitzerstr. 23. Schönemaim, G, Ri., Berlinerstr. 73, Truxa, W., Frankft. Allee 185. Werner, Herrn., Pa$?e3i"e* Willer, Hans, Rosenthalerstr. 63/34. Winkler, W., Reinickendorf str. 22. Wm, Ad., Beri»44. Wolter, M,Ri.,a.Bahuh., Hermannstr. WOsteney, Q., Brunnenstr. 106. Waraithäuscp 1 Frankf. Allee 194. Brünn, Nachf., Loewenberg& Co., am Baltenplatz. Pinkus, Paul, Simou-Dachstr. 34. Weiss, H.&Co.g�"' '• Tlclorlspl. I.» A.WeiSS& Co. Nachf. Schöneberg, Hauptstr. II. C Weine u. Fruchtsäfte D Hugo Beliug Weine« Liköre. Flaschenverk. zu Engrospreisen. 50 Filialen in Berlin u.Vororten. Hetlinger, Eug., Wald-Ecko, Wicklef. Dennhardt4Scl!ultze,Brunncn6tr.53. Eile m.Weyle, Likörfatir., Gerichtstr. 1 1. Großd.„ZurSonne", Paul Freudenberg. Krüger, Brunnenstr. 188, Kast.Allee84. 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LUbecke, Franz, Greifswalderstr. 31. «w---------„■——---------------.___________.______ �•»--------•_—-v'"■ w W V.M, wt,..-»*. Lauucvnc, A laiLg., VJ 4 t tia ts aiuviian ©CMtuttorU. Redakteur: Carl Mermuth, Berlin-Rtxdorf. Für dengnseratenteil verantw,: Th. Glocke. Berlin. Druck u. Äerlä�ö�Mvüchdruckerei u. ÄMögs�tÄIHäül'Singer LCö�Berlw S.VL' Kr. KZ. N.Iahrgass. 4. ßtilnge des Dmiirls" fiftlinct Jollisliliitt. Mittwoch. 16. Mar; 1910. Versammlungen. Ein Protest der Automobilisten. Zu einer großen Protestversammlung hatte der Deutsche Transportarbeiterverband die Automobilbesitzer und Chauffeure von Droschken-, Geschäfts- und Privat-Kraftwagen ein- geladen. Der Rechtsanwalt Gutfelv hielt einen Vortrag über die neue Bundesratsverordnung, den Verkehr mit Kraftfahrzeugen betreffend. Die Verordnung, die in 40 Paragraphen zerfällt, ver- schärft die schon bestehenden Bestimmungen und bringt den im Automobilverkehr tätigen Leuten zahlreiche Erschwerungen in ihrem Beruf, sowie eine ernstliche Gefährdung ihrer berechtigten Jnter- essen. Die Verordnung soll am 1. April d. Z. in Kraft treten. Die Interessenten sind aber der Ansicht, daß wenigstens für Berlin viele Bestimmungen gemildert werden oder ganz in Wegfall kommen müßten, da sie mit den Erfordernissen einer Großstadt nicht in Einklang zu bringen sind. Der Vortragende beleuchtete die einzelnen Bestimmungen und erklärte unter dem Beifall der Versammelten, daß er für die Interessenten nur Verschlechterungen in der neuen Verordnung entdecken könne.— Nach ihm sprach der Vorsitzende des Kraftdroschkenbesitzervereins H. P ritsch über den automobilfeindlichen Antrag Strosser und Genossen im preußischen Abgeordnetenhause und die vorjährigen 10 000 Anzeigen gegen Kraftwagenführer seitens der Berliner Polizer. Der Redner wendet sich scharf gegen diesen Antrag, der eine noch schärfere An- Wendung der polizeilichen Mahregeln gegen Autofiihrer bezweckt. Die letzteren hätten heute schon schwer unter polizeilicher Be- schränkung zu leiden und würden nicht selten unrechtmäßig an- geklagt. Zu dieser Angelegenheit nimmt auch Becker vom Deut- schen Transportarbeiterverband das Wort und illustriert die Ver- folgung der Autoführer von feiten der Polizei durch mancherlei Beispiele. Er fordert alle diejenigen, die im Laufe eines Jahres Strafmandate erhielten oder die vor Gericht standen, auf, ihre Fälle, besonders aber das Endresultat, bei ihren resp. Organi- sationen anzumelden. Auch die Freisprechungen müssen gemeldet werden, damit das Material gut gesichtet und gegen die Polizei zur Anwendung gebracht werden kann. In der Diskussion wurde dieses Thema noch weiter auSgesponnen. Viele Redner wandten sich auch mit Schärfe gegen die neue BundeSratSver- Ordnung. Die Wünsche der Versammelten kamen in der folgenden R e» solution zum Ausdruck: „Die am 14. März 1910 in den„Musikersälen" tagende öffentliche Versammlung von Kraftwageninteressenten— von Besitzern und Führern— Groß-BerlinS protestiert auf das ent- schiedenste gegen die durch daS neue Automobilgesetz und die BundeSraiSverordnung über den Verkehr mit Kraftfahrzeugen herbeigeführten weiteren erheblichen Erschwerungen. Sie legt insbesondere Verwahrung ein gegen die geradezu schikanösen Behelligungen und Geldopfer, welche durch daS Erfordernis einer erneuten kostspieligen Prüfung durch das Ver- langen der Beschaffung einer Photographie zu Legitimations- zwecken den Interessenten auferlegt wird. Sie protestiert ferner dagegen, daß die Entziehung der Fahrscheine, d. h. die Unterbindung der Existenz durch einseitige polizeiliche Maßnahmen angeordnet werden könne, sodann gegen die den heutigen Verkehrsverhältnissen geradezu hohnsprechende Festsetzung der Höchstgeschwindigkeit auf IS Kilometer pro Stunde, insbesondere aber auch gegen die entwürdigende Um- Wandlung der bisher angedrohten Haftstrafen in Gefängnis- strafen. Die Versammlung fordert die Einrichtung staatlicher Fahr- schulen für alle Wagenlenker auf paritätischer Grundlage, um dem zum Teil unlauteren Treiben privater Chauffeurschulen einen Riegel vorzuschieben. Die Besitzer von Kraftwagen, insbesondere diejenigen von Kraftdroschken, protestieren gegen den§ 7 des Haftpflichtgesetzes, welcher geeignet ist, gewissen Elementen Tür und Tor zu öffnen, die durch mit Vorbedacht herbeigeführte Unfälle an die Besitzer große Schadenersatzansprüche stellen und dadurch die Existenz besonders der kleinen Krafidroschkenbesitzer gefährden. Die Versammlung legt Protest ein gegen den Antrag Strosser und Genossen im Preußischen Abgeordnetenhause. Angesichts der im Laufe des vorigen Jahres gegen Auto- mobilführer erstatteten nicht weniger und mehr als 10 000 An- zeigen, erscheint eine weitere Knebelung des Standes der Auto- mobilinteressentcn wahrlich nicht mehr erforderlich. Die Automobilinteressenten sind sich bewußt, die notwendige Selbstdisziplin zu besitzen, um den schweren Anforderungen des Verkehrs in weitem Umfange gerecht zu werden. Sie sind nicht gewillt, sich von zum Teil unkundigen Poli- zeibeamten weiterhin materiell und moralisch schädigen zu lassen. � Die Versammelten beauftragen daher alle Vorstände ihrer Ver- einigungen. geeignete Mittel in die Wege zu leiten, um den be- hördlichen Maßnahmen gegenüber ihr Recht zu wahren. Verschiedene Redner vertraten die Meinung, daß man zu schär- feren Mitteln greifen müsse, um Erfolge zu erzielen. Eine passive Resistenz wurde empfohlen, und es ist nicht ausgeschlossen, daß solche Beschlüsse gefaßt werden, wenn man den Wünschen der Automobilführer wie auch der Besitzer keinerlei Rechnung trägt. Die Geschäfts- und Privatführer sind bereit, Solidarität zu üben und ihre Kollegen zu unterstützen, wenn eS zu einem offenen Kampfe mit den Behörden kommt. Es wurde ausgeführt, daß man leicht genug den Widersinn mancher Bestimmungen erweisen könnte, wenn man sich ganz streng daran hält, was vorgeschrieben ist. Jedenfalls will man sich nicht ohne energischen Widerstand von den Behörden schikanieren lassen. fürchten.— B. St. 300. Gcschwillerkinder find Vettern(Basen), Cousin(Cousine).— Genosse 100. Ihre Eltern fragen am zweck» mägigsten beim Auswärtigen Amt an: eventuell tun Sie dies selber.— P« R. 37. Die betreffenden Bestimmungen sind zu umfangreich, um sie im Bricskasten veröffentlichen zu können. Kommen Sie in die Sprechstunde oder wiederholen Sie die Anfrage unter näherer Barstellung, woraus es Ihnen ankommt.— B. 40. Das ist zulässig. Anders wäre es, wenn eS sich um den Gemeindevorsteher und einen Schöffen bandeln würde.— EP. 30. 1. und 2. Drohen Sie dem Schuldner den Verlaus der Pfand» scheine bezw. des Pfandes an und beauftragen Sie sür den Fall der Nicht- einlösung einen Gerichtsvollzieher mit der öffentlichen Versteigerung. Der Berkaus darf nicht vor Ablauf eines Monats nach der Androhung erfolgen. Die Zinsen müssen Sie zahlen.— Rente O. 3t. Es haben nur unter 15 Jahren alte Kinder einen solchen Erstattungsanspruch.— R. L. 3. Es könnte Verurteilung voraussichtlich zu einer Geldstrase erfolgen. Erheben Sie Widerklage, sobald Ihnen die Klage zugestellt wird. Die Hinzuziehung eines Anwalts ist nicht notwendig, ab-r hier zweckmässig.— F. B. 30. 1. Sie sind zur Zahlung verpslichtet. 2. Den Antrag richten Sie an das Landrat-amt.— W. B. 3. Erklären Sie den Antrag bei dem sür Ihre Wohimna zuständigen Polizeirevier.— R. B. 38. 1. Die Erben müssen die Wohnung zum 1. Juli d. I. auskündigen. Die Vermieierin mutz spätestens am 3. April im Besitz des Kündigungsschreibens sein. Die Erben hasten alsdann für die Miete bis zum 1. Juli, die Vermieterin hat auch, so lange Zahlung nicht erfolgt ist, ein Zurückbehaltungsrecht an den Sachen.— F. S. Ja.— Neumann, Glogauerftr. Das Bildnis stellt den am 3t. Juli 1802 zu Münster geborenen Benedikt Waldeck dar, der allerdings Obcrtrtbunalsrat in Berlin war. t848 wurde er Mitglied der preuffischcn Natioualversammlung und lvar Vorsitzender dcS Bersasiungs» ausschusfes. Im Mai t819 wurde W. als angeblicher„Verschwörer" verhastet und im Dezember t84g steigelasscu, t8S1 wieder in t-ai Abgeordnetenhaus gewählt. Auch dem konstituierenden Reichstage gehörte er als Vertreter des zweiten Berliner Wahlkreises au. Waldeck war einer der Führer der Fortschrittspartei.— 9t. 83. Ja. Brnfhaften der Redahtton. Die lartstlsche Sprechstande findet LtndenftraSe g, zweiter Hns. drlttcr Elngailz, vier Treppen, DM- Fahrstuhl w-chentöglich ahtn&s von 7% bts 9M Uhr statt. Gclifsnct 7 Uhr. Sonnabends beginnt die Sprechstunde um v Uhr. Jeder Ansrage ist ein Buchstabe n»d eine Johl olZ Merkzeichen hciznshgen. Brtesltche Antwort wird nicht ertellt. vis zur Benntwortung im Brieftnften lönne» 1t Tag- Pergehe«. EUtge Fragen trage ««» in der Sprechstunde vor. E. P. S8. l. In Höhe von etwa 16 M. wöchentlich kann Pfändung er- folgen. Ein Antrag ist unter Beisügung des Urteils an daS Amtsgericht, In dessen Bezirk Schuldner seinen Wohnsitz hat, zu richten. 2. In Berlin ja. — W. B. 30. 1. Der Pfändung nicht unterworfen ist dasjenige Hansund Küchengerät, das zur Erhaltung eines angemessenen Hausstandes im- entbehrlich ist. Welche Gegenstände unter diesen Begriff sauen, darüber be- findet der Gerichtsvollzieher und auf Beschwerde hin das Vollstreckungs- gcricht. 2. Wenn eine andere Schlasgclegenbeit nicht vorhanden ist: Nein. 3. Wegen Schulden des Mannes nicht.— W. B. IIS. 1., 2. und 3. Sie find nicht verpflichtet, Ihre Kinder zum Konftrmandenunterricht zu schicken noch einsegnen zu lassen. Schwierigkeiten find nicht zu be- Amtlicher Marktbericht der stödiilchen Markthallen-Direktion über den Großhandel in den Zentral-Marktballen. Marktlage: Fl et Ich: Zufubr genügend, Geichäst ruhig, Preise fest. Wild: Zufuhr gering. Geschäft still, Preise fest. K e s l ü g e l: Zufuhr knapp, Geschäft lebhast, Preise gut. Fische: Zufuhr mäßig, Geschäft ziemlich rege, Preise teil- weise anziehend. Butter und K ä i e: Geschäft ruhig, Preise unver» ändert. Gemüse, Obst und Südfrüchte: Zusubr reichlich, Gr» schäst lebhast, Preise unwesentlich verändert. SSasserstandS-Rachrlchte» der Landesanstalt sür Gewüfferkunde, mitgeteilt vom Berliner Wetterbureau. Wafferstand M- m e l. Tilfit P r e g e l, Jnsterburg Weichsel. Thorn Oder, Ratibor , Krossen , Frankfurt Wa r t h e, Schrimm , LandSberg Netze, Bordamm Elbe, Leiwieritz , Dresden r Bardo , Magdeburg Wafferstand Saale, Mrochlttz Havel, SvandauK , Rathenow') Spree, Svrcmberg') , Beestow Weser, Münden . Minden Rhein, MaximllianSau , Kaub Köln Neckar, Hellbron» Main, Wertheim Mosel, Trier »)+ bedeutet Wuchs,— Fall.—•> Unterpegel. 3 Tage. 9* Um auch solche Kunden, die den EU butter-JErsata iUüilka extra" ■ IIIER xc hauen:» Jede Verkaufsstelle ist durch obiges Plakat gekennzeichnet Tafel-Margarine, Pfund 85 Pf. noch nicht probiert haben, zu einem Versuch zu veranlassen, verablolgen wir anltUUlch de« Oater-Feste««m Mittwoch den 16., Donnerstag; äen 17. n. Freitag; Äen 18. März er. ♦ ♦ O : : ♦ ± S Pfund Milka extra, InkloHlve solange der Vorrat reicht Bei Entnahme 2 von Pfund gibt es solange der Vorrat reicht entweder: 3 große Spclaeteller oder: 1 Wiwscrila.che oder: 1 Käseglocke oder: 1 Dutzend Teelöffel Tafel- Margarine nach Wahl zusammen für 85 Pf. Milka extra Tafel- Margarine entweder: 1 versilberten FrllhstUckskorb oder: 1 I.lkör-Servlce-~3MI oder: 1 Kaffeekanne mit Fatentdecbel oder: 1 Gemüse-Tonne(Delft) oder! 1 Dntaeud Esslöffel_ nach Wahl zusammen für den Preis von 1 Mark 70 Ptennlg 1 i: ♦ !♦ : t ♦ ± machten das scHmutzigste Metall spiegelblanK. _ In FlnHchen tob 1i>— 60 PfK. aw.ll in haben. Fabr. I-ubszynsky& Co., Berlin NO. 99 WällkS extra11 ist ans feinen Rohmaterialien hergestellt und mit frischer Milch und siiPer Sahne verarbeitet, ein idealer Buttersatz. Um regen Zuspruch bitten die Verkaufsatellen der Talel-Margarine Nabe Frledrlcbnliain Allred Boblest, Friedonstr. 93 Alkred Boblest Braunsberger- straße 23 AUred Boblest, Hufolandstr. 20 Abraham Ciaassen, Winsstr. 30 A. Dietrich, Bötzowstr. 21 Fritz Engel, LandsbereerAUeeSS Hugo Griees, Kniprodestr. IIS Richard Gustav us, Immanuel- kirchstr. 28 Wilh Hapke, Marienburgerstr. 35 E. Henke, Ootheniusstr. 2 Gebr. Pastorino. Bötzowstr. 18 Rud. Puhlmann, Woldenberger- straße 32 Richard Sims, Elbingerstr. 16 Herrn. Sohnabel, Petersburger- Straße 41 Albert Vogt, Elbingerstr. 32 Hugo Wagner. Wilnelm-Stolze- oiraße 36 Johann Polzien, Winsstr. 70 Jul. Penner, Greikswalderstr. 211 Kahe Alexanderplatz Herrn. Albrecbt, Alte Leipzigerstraße 15 Paul Craht, Palisadenstr. 88 Emil Scbönfeld Naohl, Inh. V. Dobrowolsli, Neue Königstr. 9 Oskar Friedriohsohu, Lands- bergeratr. 75 Oskar Frieoriohsohn, Neue K&nigstr. 31 Gebr. Grossien, Neue Schön- hauserstr. 14 Adolf Hedwig, Augusts tr. 51 J. Keuchel, Alte Schönhauser- Straße 43— 44 Willy Knobe, Palisadenstr. 97 Franz Langer, Palisadenstr. 80 Wilhelm North e, M arsiliusstr. 16 Wilhelm North e, Waßmannstr. 35 Wilhelm North e, Waßmannstr. 21 Wilhelm Northe, Lietzmannstr.24 Wilh. Northe, Landsbergerstr.105 F. Sohramowski, Gollnowstr. 46 Albert Schröder, Linienstr. 6a Alb. 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