Rcdahtion: SM. 68, Ltndenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IT. Nr. 1983. Donnerstag, den 17. März 1910* Expedition t SM. 68, Lindetistraaee 69» Fernsprecher: Amt TT, Nr. IS8I. Nbonneinentz-KeSingungen: WonnemenIS- PreiZ pränumeranda i Licrtcljährl. z�o Mk.. monatl. 1,10 Mk. Iröchmtlich 28 Pfg. frei inS Hau?. Einzelne Nummer K Pfg. Sonntags- nununer mit illustrierter Sonntags- Beilage„Die Neue Well" 10 Pfg. Post. ?wonnement: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post-ZciiungS- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Mail, für das übrige Ausland 8 Marl pro Alonat. Postabonnements nehmen an: Belgien. Dänemark. Holland. Italien. Luxeniburg. Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. Crtdseint IZgl!» auStr rn«ntias. Verlinev Volksblclkk. Die TnitffionS'Gebüfif Beträgt für die sechsgcspaltene Kolottel. geile oder deren Raum K0 Psg., für politische und gewerlschallllche Vereins. und Versammlungs-Anzeigen 80 Psg. „Kitlne Hnrelsm", das erste tseit- gedruckte) Bort 20 Psg., jedes weitere Wort 10 Psg. Stellengesuche und Schlaf. siellen-Auzelgen das erste Wort 10 Psg., jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte übet 15 Buchstaben zählen für zwei Worte, Inserate für die nächste Nununer müssen bis F Uhr nachmittag? in der lärpeditioii abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet, rclegranim- Adresse: „SMlaHcmoKrat Buliirt Zentralorgan der fozialdemokrati feben Partei Deutfchlands. Dr. 64. 27. Jahrs. Das Gdetz gegen die Nahleelorm! Das Gesetz gegen die Wahlreform wurde am Mittwoch auch in dritter Lesung angenommen. Zu dieser dritten Lesung benötigte das Dreiklafscnparlament gar nur einer einzigen Sitzung! Die Opposition wurde wiederum nieder- gettampelt, den sozialdemokrattschen Rednern konsequent das Wort abgeschnitten! Selbst bei solchen Punkten, wo von den konservattven und nattonalliberalen Rednern die beantragte Wahlrechtsverschandelung als Schutzmittel gegen die Sozialdemokratie empfohlen worden war! Geradezu naiv nahmen sich solch zielbewußter Un- verfrorenheit gegenüber die Anklagen eines in letzter Stunde zum Wort gekommenen Freisinnigen— der Sozi wurde selbst- verständlich wieder stranguliert l— aus. der dem Anti- Wahlrechtsblock den Vorwurf machte, daß er nicht einmal in der Frage der Neueinteilung der Wahlkreise wenigstens für eine Annäherung an das gleiche Wahlrecht sorge. Als ob der blau- schwarze Block sich überhaupt das Ziel ge- setzt habe, das Wahlrecht zu verbessern! Als ob sich der ulttamontan- konservative Block nicht in dem Drange zusammengefunden habe, mit dem Aufgebot aller Kräfte und unter Anwendung aller demagogischen, jesuittschen Kniffe ein Gesetz gegen die Wahlreform zustande zu bringen! Daß das Zentrum, das ja zum guten Teil von der Vorspüvlung lebt, eine de niok ratische Partei zusein. das nicht eingestehen konnte, versteht sich von selbst. Auch sein blauer Komplize bei der dem Volke zugefügten Wahl- rechtsprellerci, die konservative Partei, durfte das natürlich nicht zugeben. Im Gegenteil, auf Drängen des Zenttums mußten ja die Konservattven die unsäglich lächerliche und blamable Komödie des unentwegten Gegners des geheimen Wahlrechts agieren, damit die JudaSrolle des Zentrums verschleiert würde. Daß dank der Sttmm- enthaltung der Linken bei der Absttmmung über das geheime Wahlrecht den Konservattven diese ultramontan-konservative Komödie so schmählich durchkreuzt wurde, erregte begreiflicher- weise bei den entlarvten Komödianten des Schnapsblocks eine Erbitterung, deren Nachgrollcn selbst noch am Mittwoch zu bemerken war. Aber, ebenso deutlich wie die Wut der bloßgestellten Schnapsblock-Schmierenkomödianten verriet die zynische Un- verfrorenhett der Freikonservativen, daß die ganze Wahl- reform nicht für. sondern gegen daS Volk gemacht werden solle. Der biedere Freiherr v. Z e d l t tz, der ja schon den„ehrlichen Makler" zwischen Zenttum und Konservativen mit dem erstaunlichen Erfolge gespielt hatte, daß das Zentrum seine Ratschläge bis zum Tipfelchen über dem i befolgt hat. versuchte nunmehr auch zwischen dem blau» schwarzen Antiwahlrechtsblock und den Na- tionallibcralen den Mittler zu spielen! Und dieser Vermittlerrolle glaubte er dadurch dienen zu zu können, daß er darauf hinivies, daß selbst durch den ultra- montan-konservativen Schacher die Rechte des Volkes noch immer nicht restlos preisgegeben seien. Sei es doch dank der Älassendrittclung nach Urwahlbezirken noch immer der Sozialdemokratie möglich,»venigstens etliche Mandate zu erobern, respektive das Zentrum zu zwingen, in ge- wissen Jndustriebczirken wenigstens Arbeitcrsekretäre an Stelle von Zentrums Pfaffen oder Zentrums- agraricrn aufzustellen! Diese frcikonservattvcn Versuche, die gesamte Ausbeuter- sippe im Zeichen der Arbeiterfeindlichkeit für ein Gesetz gegen die Wahlreform zu gewinnen, veranlaßten nicht nur die Konservativen, den Nationalliberalen erneute Angebote auf Kosten der nichtbesttzendcn Klasse zu niachen, sondern lockten endlich auch die Partei Windfahne aus ihrer so lange krampfhaft bewährten Zurückhaltung heraus l Der nattonalliberale Abgeordnete Schiffer, der selbst den Wahlrechtsverrat des blauschwarzen Blockes so bitter als Komplott gegen jede ernstlichercWahlrcform gegeißelt hatte, riß sich nunmehr alle demokratische Draperie eigenhändig vom Leibe, um sich den Konservattven als zu- verlässiger Kumpan für eine totale Entrechtung der arbettenden Klassen anzubieten! Man möge doch ja die Drittelung nach Urivahlbezirken bcseittgen, da sonst die Industrie statt durch die berüch- tigtcn Scharfmacher nur durch sozialdemokra- tische oder bestenfalls ultramontane Vertreter der Industrie- arbeiterschaft vertreten sein werde l So entpuppte sich in letzter Stunde auch die national- liberale Partei als willige Helferin eines Gesetzes gegen die Wahlrefonn, als eine Partei, die gegen eine entsprechende Beteiligung an der blauschwarzen Gegenscitigkeitsversichcrung bereit ist, in jeden Volksbctrug, jede infamste Wahlrcchtsprellerei der Massen zu willigen! So haben sich bei dem infamen Schacher um Hinter- treibung der Wahlreform alle großen Parteien des Dreiklassenparlaments bis auf die Knochen blannert! Sogar die Polen haben sich als Gegner des gleichen Wahlrechts bekannt bei der Abstimmung über die Resolution, die eine Neueinteilung der Wahlkreis e verlangte. Sie haben gegen eine solche Neu- einteilung gestimmt, weil der jetzige aberwitzige Zustand ihnen beispielsweise in einem der kleinsten der Wahlkreise, in Schrimm-Schroda-Wreschen ein Mandat sichert! Aeußerlich ist der Schnapsblock, ist die Wahlrechts- freundliche Reaktion einschließlich der noch immer hoffenden und harrenden Nattonalliberalen der Triumphator. Aber dieser Sieg der offenen und versteckten WaHlrechtsmeuchler ist im letzten Ende nur der glorreichste Triumph der Sozialdemokratie! * Gehen doch die Feinde des gleichen Wahlrechts ge- schunden und gebrandmarkt aus der Campagne hervor! Ist doch insbesondere den ultramontanen Wahlrechtsverrätern das Kainsmal des VolkS-Ver- rats untilgbar aufgedrückt! Der Kampf des Volkes aber geht weiter! Seine Räder werden die Helfershelfer der Gefetzmacherei gegen die Wahl- reform zermalmen! Trödelbnde! Als eine wahre Trödelbude wie den Mühlend'amm, als eine wahre Schacherbude bezeichnete unser Genosse Liebknecht am Mittwoch des Preußische Abgeordnetenhaus. Die konservativ-klerikale Mehrheit war außer sich vor Wut. der allzeit dienstbeflissene Vizepräsident Dr. P o r s ch rief den Redner in erregtem Ton zur Ordnung, aber diese Wutaus- bräche vermögencbensowenig wie der Ordnungsruf die Tatsache aus der Welt zu schaffen, daß Liebknecht den Nagel auf den Kopf getroffen, daß er den Gefühlen von Millionen Ans- druck verliehen hat. Denn geschachert worden ist in der Prinz-Albrccht-Straße seit Monaten in der allerwiderlichsten Weise. Geschachert worden ist um den Preis, für den Junker und Pfaffen den winzigen Ziest des Rechtes verkaufen sollen, den die preußische Arbeiterklasse heute noch genießt. Ja, ge- schachert wurde sogar noch bis zum letzten Augenblick, noch während der Rede Liebknechts eilten die Agenten, wie später der Konservative Freiherr v. Nicht Hofen offen eingestand. hin und her, um auch die Nationalliberalen und die Frei- konservativen für das Kompromißwerk zu gewinnen, da ihnen allein die Verantwortung eine zu große ist. Daß keine Einigung über den Preis erzielt werden konnte, ist nicht der Charakterfestigkeit der Nationalliberalen zu danken. Gar zu gern hätten die um Friedberg und Zedlitz mitgemacht, aber es war zu wenig, was man ihnen bot. Ja, hätten die Konservativen und das Zentrum für de« wieder eingebrachten freikonservativen Antrag auf Beseitigung der Drittelung in den Urwahlbezirken gestimmt, dessen Annahme die Entfernung der Sozialdeinokraten aus dem Landrage zur Folge gehabt hätte � mit Freuden hätten sich die National- liberalen und die Freikonservativen aus die Seite der kon- servativ-klerikalen Mehrheit gestellt und gemeinsam mit ihr daö Dreiklassenwahlsystem noch weiter� verschlechtert. Daß sie in diese Versuchung nicht gerieten, ist natürlich nicht etwa ein besonderes Verdienst der Mehrheitsparteien. Hätte sich ihnen die Möglichkeit geboten, das Gesetz zu verschlechtern, ohne daß sie selbst davon Schaden gehabt hätten, dann hätten sie das gewiß getan. Aber die an sich unsinnige Drittelung in den Urwahlbezirken kommt dem Zentrum zugute, das da- durch in den Stand gesetzt wird, im Rheinland die national- liberalen Wahlmänner in den Städken ans der gwetFcn Wählerabtcilung zu derdrängcn und so die Mandate zu er» oberm Schon im Jahre 1892 hat das Zentrum die Dritte- lung in den Urivahlbezirken mit allem Nachdruck gefordert und den Konservativen, um diese Bestimmung zu erreichen, Konzessionen auf anderen Gebieten geniacht. Das elende Schachergeschäft von 1892 hat zwar auch den Sozialdemo- kraten die Erringung von Mandaten ermöglicht, aber das muß man nun schon einmal in Kauf nehmen, solche Begleit» erscheinungcn lassen sich nicht inrmer vermeiden. Eins muß man zum Ruhme der konservativ-klerikalcn Gesellschaft sagen: Junker und Pfajfen hängen wie die .Kletten zusammen, die Waffenbrüderschaft, die sie sich im Kampfe gegen das Volk gelobt haben, haben sie bis zum letzten Augenblick gehalten, und selbst die Ratschläge des Ministers des Innern schlugen sie lachend in den Wind. Sie pfeifen auf die Regierung, und sie haben die Macht dazu. Diese Regierung, die in völliger Abhängigkeit von den beiden reaktionären Parteien ist. besteht nicht aus Männern, sondern auS Nullen, und fast scheint es, als ob ihre Vertreter nur das Wort ergreifen, um sich zu blamieren und vor aller Welt den Beweis ihrer Unfähigkeit an den Tag zu legen. Bekämpfte doch der Minister v. Molkte plötzlich die Drittelung in den Urwahlbezirken, ohne zn wissen, daß die Begründung der Regierungsvorlage gerade diese Bestimmung besonders der- herrlicht, weil sie angeblich den Einfluß des Mittelstandes sichert! Offenbar hat Herr v. Molkke die Vorlage, die feinen Namen trägt, überhaupt nicht gelesen. Und. um die Blamage voll zu machen, sprang plötzlich der„geistige" Vater des Schandwerks, Herr Geheimrat v. Falken Hayn, in die Bresche und bat das Haus flehentlich, den Argumenten der Regierungsvorlage keine Bedeutung beizulegen Erst das schallende Gelächter auf allen Seiten des Hauses, selbst bei seinen Freunden, klärte den Geheimrat darüber auf, welche Dummheit er gesagt hatte. Aber wie soll man von einem simplen Geheimrat Ver- ständnis verlangen, wenn selbst sein oberster Vorgesetzter, Herr v. Bethmann Hollweg, die Sittiation nicht überschauen kann? Das Abgeordnetenhaus hat die Vorlage der Regie- rung so ziemlich in ihr Gegenteil verkehrt. Es hat die öffent- liche Stimmabgabe, auf deren Beibehaltung die Regierung Wert legte, wenigstens soweit die UrWahlen in Betracht kommen, beseitigt, es hat das System der indirekten Wahlen« das die Regierung als überlebt beseitigen wollte, beibehalten, und e3 hat schließlich die Bestimmungen über die Kultur- träger, auf die die Regierung besonders stolz war, zum guten Teil gestrichen. Und was tut die Regierung? Sie macht nicht einmal den Versuch, ihre Vorschläge wiederherzustellen, sie zieht auch nicht etwa ihre Vorlage zurück. Nichts von alledem, sondern erklärt sich mit den Beschlüssen der konservativ- klerikalen Mehrheit einverstanden. Will Herr v. Bethmann Hollweg das parlamentarische Regiment in Preußen ein- führen, oder will er zeigen, daß sein Schlagwort von der gott- gewollten Abhängigkeit in erster Linie auf ihn selbst zutrifft? Wir unsererseits neigen der letzteren Auffassung zu. So ist denn die„Wahlrechisvorlage" glücklich unter Dach und Fach gebracht, aber der Wahlrechtskampf ist damit nicht zu Ende. Jetzt fängt, wie Liebknecht und nach ihm Leinert, mit allem Nachdruck betonten, der Kampf eigeut- lich erst an. Im Parlament selbst werden die Dinge sich jetzt in schneller Reihenfolge abspielen. Ain 12. April wird das Abgeordnetenhaus die durch die Verfassung vorgeschriebene wiederholte Abstimmung, die sogenannte vierte Lesung, vornehmen. Dann geht der Entwurf an das Herrenhaus, das ihn unter Jnnchaltung der Fristen in vier bis fünf Wochen verabschiedet haben dürfte. Weim das Pfingstfest hereinbricht, wird das preußische Volk sein„Wahlrecht" haben. Sticht das Wahlrecht, das ihm kraft einer Intelligenz, kraft seiner Bedeu- tung zusteht, nicht sein heiliges Nawrrecht, nein, das Wahl- recht von Junkers und Pfaffen Gnaden. Aber für dies Wahl- recht wird sich das preußische Volk, wird sich vor allem die Arbeiterklasse bedanken. Das Volk erblickt darin, wie unsere Vertreter wiederholt betont haben, nicht einmal eine Ab- schlagszahlung! Zielbewußter und energischer als je zuvor wird es sein Recht fordern! Nicht betteln wird cs um das, was ihm zusteht, es wird kämpfen! Nicht früher wird die Wahlrechtsbewegung in Preußen zur Ruhe kommen, als bis sich die Forderung des klassenbewußten Proletariats siegreich durchgesetzt hat. Die Junker und Paffen, die heute frohlocken, sollen ihres Sieges nicht froh werde». Nicht mehr lange wird cs dauern, dann triumphiert das Volk. Die Volköverräter und Volks- feinde aber werden zerschmettert am Boden liegen! Der Ashirechttllsmpf. Immer wieder polizeiliche Bluttatett. Am 15. März hat der Polizeisäbel in drei p r c u ß i schen Städten gewütet. Die Geschichte des Wahlrechts- kampfcs wird mit Arbeiterblnt geschrieben. Steckt die Polizei der einen Stadt die blutige Waffe in die Scheide, so zieht sie die eines anderen OrieS— cS ist. als wollte die preußische Polizei dafür sorgen. daß kein DemonstrationZtag vorübergeht, ohne daß wenigstens in einigen Orten Prolc- tarierblut vergossen wird. Die Städte, die Schauplätze der Metzeleien wechseln, aber die Metzeleien bleiben. Aber auch die Arbeiterschaft bleibt auf dem Plan— die blutigen Polizei- attacken vertreiben sie nickst. Der Wahlrechtskampf wird mit Säbelhieben nicht beendet! Im Gegenteil, er wird durch sie verschärft! Von den Schauplätzen der neuesten Polizeitaten gehen uns die folgenden Berichts zu: ZUel, 16. März. fPrivatdepefchs des„Vorwärts".) Tie bürgerliche Presse verbreitet Darftellungen, wonach die Demonstranten die Schuld an dem gestrigen Zusammenstoß tragen. Das ist absolut unwahr. Die Polizei hat durch ihr ganz un- begründetes brutales Porgehen die Vorfälle verschuldet. Während der ganzen Dauer deS DenionstrarionszugeS, der in musterhafter Ordnung verlief und nicht die geringste Verkehrs- siörung veranlaßte. nahmen die an allen Straßenecken postierten Schutzleute nicht den geringsten Anstoß an den Hochrufen auf das Wahlrecht. Als jedoch auf dem W i l h e l m S p l a tz die ersten Wahlrechishochrufe erschallten, die De- monstranten noch gar nicht alle den Platz erreicht hatten, ging die Polizei sofort zum Angriff vor. Die Trmon- stranten wurde» ohne Unterschied des Geschlechts und des Alters mit Fäusten und Säbel» bearbeitet. Frauen und 5linder wurden nicdergestosicn, wehrlos am Boden liegende Personen von den Polizisten mit Säbeln und Gnmmiknüttcln bearbeitet und mit de» Stiefelabsätzen getreten. Ein Teil der in dieser Weise un- gerechtfertigt Angegriffenen mag sich zur Wehr gesetzt haben. Mehr- fach sind Polizisten beobachtet worden, die geschossen haben. Frauen und Lfinder wurden mit Gewalt aus den Haustüren herausgezerrt und mißhandelt. Das Infanterie- und Seebataillon standen zum Angriff bereit. Pon den Sistiertcn wurden zwei Personen in Haft behalten. Heute vormittag zogen 806 Arbeiter der Howaldischen Werft in geschlossenem Zuge von Dietrichsdorf um den Hafen herum durch die Stadt. Dabei kam cS vor dem Gewerkschaftshause abermals zu einem Zusammenstoß mit der Polizei. Im Gewerkschaftshause fand vormittags 11 Uhr eine V e r- sammlung der Ausgesperrten statt. Die Polizei zog eine Kette um das Gewerkschaftshaus, so das; niemand hinaus und hinein konnte. Als einige unter der Durchfahrt des Gewerk- schaftshauses stehende Arbeiter ein Hoch ausbrachten, stürmten sechs Schutzleute und ein Wachtmeister mit gezogenen Säbeln die Durchfahrt. Die Polizei wurde aber vom Geschäftsführer, der von seinem HauSrechte Gebrauch machte, zurückgewiesen. Auf Vor- stellung des Vorsitzenden des Gewerkschaftskartclls wurde schließ- lich auch die vollständig ungesetzliche Umzingelung des Gewerkschafts- Hauses ausgehoben. Von der dreitägige» Aussperrung sind im ganzen 3800 Metall- vrbeiter betroffen. Die Lauunternehmer haben eine Aussperrung abgelehnt. Die Direktion der Kruppschen Werft hat auf Vorstellung des Arbeiter- ausschujseS erklärt, daß alle Ausgesperrten ohne weiteres Sonnabendmorgen wieder an die Arbeit gehen können. t* Brandenburg, 16. März. Vom gestrigen Straße ngemetzel(über das wir gestern «eine kurze telegraphische Meldung brachten. Ned.) berichtet in der ».Brandenburger Zeitung" ein Mitglied der Redaktion: «... Als die Massen in Scharen nach Hause drängten, stellte sich die Polizei ihnen dräuend in geschlossener Kette in der Stcinstraße, Ecke Brüderstraße, entgegen, daS Wort:.Die Straße dient dem Verkehr" rücksichtslos zunichte machend. Das von uns als selbstverständlich geforderte Recht aus die Straße wurde selbst in seiner bescheidensten Form, nach Hause gehen zu dürfe», mit Füßen getreten. Die Erfahrung nach der ohne jede Störung verlaufenen imposanten Demonstration aus dem Trauerberg hätte der Polizei ebenso wie anderwärts die lleberzeugung beibringen müssen, daß es ohne Polizei stet» und überall am besten geht. So aber Ivurde die Masse durch die völlig ungere�tfcrtigte Absperrung aufS schwerste gereizt und drängte ohne Ausweg vorwärts. Da flog von einem Balkon des Eckhauses Paulinerstraßc eine Flasche in die Menge hinein, und nun benutzte bei der allgemeinen Erregung die Polizei den Mo- ment, blank zu ziehen und— während der gleichfalls anwesende Polizciinspektor Sternke ruhig blieb—- aus Kommando des Kommissars Priebe mit geschwungenen Säbeln gegen die cnt- setzt aufkreischende Menge berscrkerhaft vorzugehen. Ich selbst, der ich den Inspektor sofort auf die äußerst gefahrdrohende Situation «och im letzten Moment aufmerksam machen wollte, wurde von den ivildgewordenen Polizisten beiseite gestoßen und in den Strom der Fliehenden zurückgetrieben. Rings uni mich fielen bei dieser schreck- lichen Menschen jagd hunderte schreiend zu Boden, über sie hiniveg wälzte sich der Strom und die Säbelhiebe fausten hageldicht her- nieder. Selbst aus den Hausfluren, wo viele Frauen und Kinder Zuflucht gesucht hatten, wurden die Aermstcn unter Mißhandlungen h mausgeschleppt. Die wutverzerrten Mienen der auf die Menge losgelassenen Polizisten schienen nach immer neuen Taten zu lechzen. Endlich gelang cS mir, den Weg zum Inspektor zu bahnen und ihn inzwischen waren auch andere bekannte Genossen hinzu» gekommen— durch eindringliche Mahnungen zu bewegen, die Mordwaffen einstecken zu lassen. Da erst begann sich die Menge, auf die anscheinend aus den„besseren" Häusern der Stcinstraße in unglaublich verblendeter und unverantwortlicher Weise Tassen, Teller, Steine und Töpfe niedergeworfen wurden, zu beruhigen und auf energisches Zureden führender Genossen all- mählich zu verlaufen. Viele Arbeiter in meiner nächsten Nähe wurde» von den Wurfgeschossen getroffen und verletzt. Die ganze Steinstraße sah wie ein Schlachtfeld aus, übersät mit Scher- Pen, verlorenen Hüten, Kleiderfetzen usw." An anderer Stelle sagt unser Brandenburger Parteiorgan: .. Wenn irgendetwas die Gemüter zur Siedehitze ent- flammen muh, so sind es die unglaublichen Brutalitäten, zu denen sich die zur Aufrechterhaltung der Ordnung von den Steucrzahlem bezahlten Beamten hinreißen ließen. Das Herz trampst sich vor so viel Entmenschtheit zusammen, die man mit angesehen haben muß, um sie für glaublich zu halten. Auf Fliehende, namentlich auf Frauen und Kinder, sowie aus die zu Boden Gerissenen un- barmherzig einzuschlagen und drauflos zu stechen, ist eine Methode, die nur>m Polizeistaat möglich ist, wo man dem Volk Säbelhiebe statt Rechte erteilt. Wie die„Heldentaten" der Polizei beschaffen sind davon legt die Art der Verwundung Zeugnis ab. die die Lerletzi-n meistenteils aufweisen. Noch unabsehbar ist vie Zahl derer, die sich gestern und zumal heute auf der Redaktion fortwährend bei uns melden und uns ihre grausamen Verletzungen, fast durchweg am Hinterkopf und am Rücken, zeigen. Auch viele blutige Hände gab es, und es mutz als ein Glück betrachtet werden, daß die Säbel nicht eigens für die— auf der Straße gestern gar nicht geplante— Demonstration geschlissen waren. Sonst hätte gewiß auch die in Breslau abgehackte Hand des Ar- beitcrS B i c w a I d auch in Brandenburg mehrfach ihr blutiges Seitenstück gefunden...." Halle, 16. März. Eine wächtige Demonstration beranstaltcie hier die Arbeiter- schaft am gestrigen Abend. Die Parteileitung hatte zu KM- Uhr, also unmittelbar nach Arbeitsschluß, zwei Versammlungen nach dem Voltsgarten einberufen, nach der die Arbeiter von den Fa- brikci?, Betrieben und Bauten in gewaltigen Scharen zogen. 10 000 Teilnehmer fanden sich, mäßig geschätzt, ein. Säle, Galerien, Gasträume, Veranden und Garten des VolkSgartenS waren von den begeisterten Massen dicht besetzt. Die Genossen Rühle und Hennig redeten unter brausendem Beifall. Die Polizei hatte wieder die„ernstesten Maßregeln" getroffen. wie sie sich selbst ausdrückt. Schon vor den Versammlungen zog die Polizcimannschast, die anscheinend schärfste Weisungen erhalten hatte, blank. Dabei blieb es aber zunächst. Nach Schluß der Ver- sammlungcn mußten die Ordner der Partei unerkannt mitziehen, da Gefahr bestand, daß man gerade sie als Anführer des„Zuges" verhaften würde. Verschiedentlich wurde abgesperrt, und wahllos wurden Verhaftungen aus der Menge vorgenommen. Am Alten Markt haute die Polizei ein und verletzte einige Per- s o n c n, jedoch nicht schwer. Fm übrigen mußten lediglich unbeteiligte Personen unter der Polizeiwillkür leiden, da die Demonstranten längst vorüber waren. Es sind an- nähernd 50 Personen verhaftet worden. Wäre die Arbeiterschaft nicht so außerordentlich besonnen gelvcsen, so hätte großes Unheil nicht verhütet werden können. Auch bürgerliche Stadtverordnete mußten unter dem Vorgehen der Polizei leiden. Die Entrüstung unter der Bürgerschaft über diese Behörde wächst. Umsomchr Eindruck hat die Demonstration der Arbeiterschaft gemacht; sie hat bewiesen, daß das Wort: Keine Ruhe in Preußen, zur Tat werden wird. Im Regierungsbezirk Merseburg fanden am Dienstag ins- gesamt 16 Versammlungen statt, die allesamt sehr stark besucht waren und von großer Kampfbegeistcrung zeugten. In Eilen- bürg hatten die Parteigenossen zum halbtägige» De- monstrationSstreik aufgerufen. 1300 Arbeitnehmer folgten (wie wir gestern schon telegraphisch meldeten. Red.) in dieser etwa 16000 Einwohner zählenden Stadt der Parole, ein bcdeu- tendcr Erfolg. Slllcrorten zeigt sich, daß nun die Arbeiterschaft gewillt ist, den Kampf erst recht weiter zu führcni * In Remscheid haben die Arbeiter gegen die Polizei- taten vom Sonntag in starkbesuchter Versammlung protestiert. Darüber wird uns berichtet: Remscheid, 13. März. Eine Riefcnvcrsammlung der Arbeiterschaft tagte heute. Lange vor Beginn war der über 2600 Personen fassende„Germania"- Saal zum brechen überfüllt. Eine große Menge hielt den Platz vor dem Lokal besetzt und brachte Hochrufe aufs freie Wahlrecht aus. Unter dem demonstrativen Beifall der Masse geißelten die Referenten G r ü tz und D i t t m a n n die Polizei- brutalitäten. Eine scharf gehaltene Resolution fand einstimmige Annahme. Trotzdem die Menge sich in einer ungeheuren Austegung befand, wurde die Parole der Parteileitung, von Straßendemonstrationen für heute Abstand zu nehmen, musterhast befolgt. Als sich die Masse der Ver- sammelten mit den auf der Straße stehenden vereinigten, war die Polizei klug genug, ihre Mannschaften bis auf einen Posten am Markt einzuziehen. Verschiedene Spitzel wurden gestellt, die sich schleunigst unter polizeilichen Schutz drängten. Der Polizei-Bürger» meister Nollau hatte sich für den Tag einen Trupp auswärtiger Polizisten geborgt, die im Rathaus eingeschlossen, den Anfang der „Revolution" abwarten mußten. Sie brauchten ihre kostbare Haut keiner Gefahr aussetzen. Weiter war in weiser Fürsorge die Sanitäts- kokonne mobilisiert. Die Demonstration hat einen großen Eindruck hinterlassen. Von iveitercn Demonstrationen am 13. März gehen uns noch die folgenden Berichte zu: Königsberg, 15. März. Heute kam es hier zu einer gewaltigen Massenkund» gebung, der zwei Volksversanimlnngen vorausgegangen waren, die im Parteietablissement LudwigShof vor dem KönigStor unter freie», Himmel stattfanden. Nach Schluß der Versammlungen, an denen sich zirka 7000 Per- soncn beteiligten, ging es in losen Trupps zur Stadt zurück, Parteifunktionäre sorgten dafür, daß die Protestier nicht im geschlossenen Zuge die Stadt erreichen sollten. Doch die Polizei wollte eS anders. Durch ihre„berühmte" AusteilungSart der Massen am Königs- tor, kam es natürlich wieder zu Ansammlungen und in deren Folge zu Kundgebungen. Ucberall ertönten die brausenden Hochrufe auf das freie Wahlrecht, die Oberstadt erlebte eine imposante Demonstration. Zu ernsten Zusammenstößen mit der Schutzmannschaft kam eS nicht, obwohl hier und dort blank gezogen wurde. Am letzten Sonntag befand fich Königsberg im Bo- lagern» gSzusta nde. Bereits um S Uhr in der Frühe wurden durch SchutzmamlSposten einzelne Teile der Stadt förmlich umschlossen. Die Wohnungen des Oberbürgermeisters, des kommandierenden Generals und das Regierungsgebäude waren außerordentlich stark bewacht. Die Polizei muß Grausiges gefürchtet haben, trotzdem keinerlei WahlrechtSverfammlungsn angekündigt waren. • Altona, 16. März. (Pridatdepesche d eS„Vorwärts".) Fm 6., 8. und 10. schleswig-holsteinischen Wahlkreis« fanden am Dienstagabend 13 Versammlungen statt, die sämtlich stark besucht waren. In Altona und Ottensen haben 7500 Personen an den Versammlungen teilgenommen und nachher eine Straßen- demonstratio» veranstaltet, die ohne polizeiliche Störung verlief. In Wandsbeck waren 3000 Personen in der Versammlung mid in den übrigen Orten find die Versamm- langen ebenfalls sämtlich stark besucht gewesen. Es zeigt sich deutlich, daß das Interesse nicht abflaut, sondern zunimmt. # Luckenwalde, 16. März. Hier fand ain Donnerstag eine Versammlung unter r e i e in H i m in e l statt, an der etlva 6000 Personen teilnahmen. Nach der Bersammkung zogen die Massen vor das Rat- h a u s. in dem die Stadtverordneten gerade über Wahl- rechtspetitionen vorhandelten. Der sozialdemo- kratische Antrag wurde abgelehnt und ein frei- inniger, der denselben Zweck verfolgte, zurückgezogen. Die Polizei war bald von den Massen völlig eingeschlossen und wurde offenbar nerböS, es Ivurde blank gezogen, worauf einige Flaschen von unbekamücr Seite— wahrscheinlich von nicht zu den Demonstranten gebörigen jungen Leuten— nach den Polizisten ge- worfcn wurden. Genosse Abg. Eichhorn mahnte zur Zurückhaltung, die Massen gingen dann auch langsam weiter, was um so eher an- ging, als die Polizei die Passage freigab. « Rathenow, 16. März. Gleich nach Schluß der Fabriken sammelten sich am Dienstag die Arbeiter auf den verschieden st en Plätzen der Stadt und zogen, nachdem sie sich vereinigt, mehrere Tausend stark und unter Mitführnng einer rotenFahne sowie mehrerer Transparente mit entsprechenden Inschriften nach dem größten Lokale der Stadt. Aber obgleich Tische und Stühle ent- fernt worden waren und die Menschen auch auf der geräumigen Galeric und der Theaterbnhne Kopf an Kopf standen, konnten bei weitem nicht alle Zngteilnehmer Platz finden. ReichStagSabgeordnetcr Genosse Lehmann referierte unter lautem Beifall. Die Polizei hielt sich zurück. Slorbhauscn, 15. März. Hier versammelten sich gegen (41 Uhr mittags zirka 2000 Personen vor dem Rathause und riefen stürmisch nach dem freien Wahlrecht. Dann sor- lnicrte die M c n sche n ma s se einen Zug und durchzog unter Absingen der Arbeitermarscillaise und unter den Rufen „Nieder mite Bcthmann Hollweg!" mehrere Straßen. In- mitten der Stadt wurde Halt gemacht. Noch einmal ertönte ein tausendstimmiges Hoch in die Lüfte und die Demonstranten gingen wieder nach ihren Arbeitsplätzen. Polizei war nicht zu sehen. Sic wartete auf eine öffentliche Versammlung im Schützen- h a u S s a a l c, die angesetzt war, aber nicht sta t t fa n d. In Mühlhausen i. Th. zählte eine nach Schluß der Arbeit ein- berufene Versammlung 2000 Personen, die später im gcschlosf e- nen Zuge durch die Stadt marschierten. '.' Die rächende Justiz nach dem 6. März in Berlin. Ter Spaziergang im Tiergarten und die Vorgänge in Treptow am Sonntag, den 6. März, haben 71 S t r a f f ä l I e g e z e-i t i g t, die sämtlich in kurzer Zeit vor den Berliner Gerichten abgeurteilt werden sollen. Davon sind 25 Vergehen und 25 Uebertretungen. die in Berlin, und 14 Vergehen und 7 Uebertrc- t u n g e n, die in T r e p t o w begangen sein sollcm Tie angeblichen Straftaten sind Widerstand gegen die Staats- gewalt, Beleidigung, Nichtbefolgung polizeilicher Maßnahmen und grober Unfug. Polizeirüstuugeu in Berlin. Auf unsere gestrige Mitteilung unter dieser Ucberschnft hat das Berliner Polizeipräsidium den Berliner Blättern erklärt, die am 14. März abgelieferten 4000 Stück Revolver seien bereits früher bestellt worden, und zwar zur Komplettierung der Ausrüstung der Berliner Schutzmannschaft. Bisher hat die Schutzmannschaft, die etwa 5000 Köpfe stark ist, nur über 1000 Revolver verfügt. Die Ausrüstung eines jeden Schutzmannes mit einem Revolver ist eine schon lange vorher beschlossene Sache. Auch die Ver- ändcrung bei dem Lederzeug der Berittenen datiert nicht aus der jüngsten Zeit. Die bereits unter früheren Polizcipräsi- deuten eingesetzte Kommission hat vorgeschlagen, nach dem Muster der Garde Republicainc in Paris die Zügel der Pferde Wider st andsfähiger zu gestalten. Während in Paris die Zügel aus Ketten bestehen, ist hier vorgesehen worden, die Lcdcrzügel mit einer Stahleinlage zu versahen, damit ein Durchschneiden der Zügel sich als unmöglich er»' weist. Auch diese Maßnahme datiert nicht aus der letzten Zeit, sondern die alten Bestände sind gegenwärtig aufgebraucht, und die Neuanschaffungen werden nach dem be- schriebenen Muster angefertigt. Das Vaterland und der bekannte Herr P. Kreßmann in Firma Trarbach Nachfolger können also ruhig sein— die ganze Berliner S ch u tz m a n n s ch a f t ist jetzt mit Revolvern ausgerüstet. Und die Zügel der Berliner Schub- mannspferde können nicht mehr durchschnitten werden. Mit den Wahlrechtsdemonstrationen haben diese Rüstungen aber nichts zu tun— versichert das Polizeipräsidium. Massenanklage in Neumünster. Wegen der blutigen Vorfälle in Ncunlünster an; 13. Februar ist gegen zehn Personen, darunter zwei Frauen, Anklage erhoben worden. Den An- geschuldigtcn wurde jetzt die Anklageschrift zu- gestellt. Während es aber stiiher bieß, daß Anklagen wegen Aufruhr und Landfriedens bruchs erhoben werden sollten, lautete die Anklage nur auf Bei- Hilfe und gegen einige der Angeklagten auf Heber» tretnng deS Vereinsgofetzes und Widerstand. Tie metzelnden Polizisten und die» d i e s i e zu ihrer Blutarbctt befohlen haben, werden natürlich nicht angeklagt. Das ist in Preußen so der Brauch! Schutzmanns-Aussage«. Frankfurt, 14. März. Bei den in jüngster Zeit in Frankfurt a. M. verhandelten Wahlrechtsprozessen fielen die immer übereinstimmende» Aussagen der Schutzleute auf. Mit einer Genauigkeit, die gar keinen Zweifel zuließ, bezeugten die Schutzleute, daß dieser oder jener Angeklagte es gewesen war. der eine bestimmte Aeußernng gemacht, oder genau so und soviele Schritte von da oder dort entfernt war. Am Montag fand nun vor dem Schöffengericht in Frank- furt am Main eine Verhandlung gegen einen Wahlrechts- dcinonstranten, den Genoffen Schubert, statt, die ein Helles Licht darauf warf, wie die genauen Aussagen der Schutz- leute zustande kommen. Bei der WahlrechtSdemonstration am 14. November v. I. ging der angeklagte Genosse mit dem Zug über die Zeil zum Polizeipräsidium. Dabei soll er, als ein Wage» voller Schutzleute vorbeifuhr, seinen Hut geschwenkt und gerufen haöen: „Hoch das allgemeine Wahlrecht",„Nieder mit den Junkern' und in bezng auf die Polizisten,„Pfui preußische Bluthunde". Der An- geklagte bestritt die beiden letzten Rufe. Vier Schutzleute aber, die auf der Trambahn standen, beschworen aber, gerade diese Aus« drücke von dem Angeklagten gehört zu haben. Auch der Koinmiffar der Patrouille hat die angeblichen Rufe genau gehört und würde den Angeklagten»unter tausend als den Rufer wieder erkennen". Bei der Vernehmung des Kommissars stellte der Verteidiger Dr. S i n z h e i m e r an diesen die Frage, ob er mit den als Zeugen vernommenen Schutzleuten vorher über die Sache gesprochen habe. Und was war die Autwort?! Unter allgemeinem Erstaunen mußte der Kommissar erklären, gestern, am Tage vor der Verhandlung mit den Schutzleuten über die Angelegenhe it gesprochen zu haben! Er meinte ja zuerst, er have die Schutzleute nur ermahnt, nichts auZzu- sagen, was sie nicht genau wußten, die anderen Angaben aber desto bestimmter zu machen, mußte aber auf weiteres Befragen auch zu- geben, die fachliche Seite erörtert zu haben. Man braucht sich aber nach diesem Beispiel nicht mehr über die so genau gleichlautenden gerichilichen Aussagen von Schutzleuten zu wundern I Ju der Berhandlung beschwor eine Reihe Privatzeugen, die unter Anklage stehenden, die Polizei beleidigenden Aeußerungen des Angeklagten nicht gehört zu haben. Der Amtsanwalt be» antragte aber trotzdem eine Gefängnisstrafe von zwei Monaten wegen Beleidigung der Schutzmannschafi in zwei Fällen. DaZ Gericht schenkte den Aussagen der Schutzleute G l a u b cn und erkannte auf drei Wochen Gefängnis. Gegen dieses Urteil wird der Angeklagte natürlich Be- rufung einlegen._ politifcbe GcberHcbt Berlin, den 16. März 1916 Der auswärtige Bethmaun. Aus dem Reichstage. 16. März. Heute hat sich im RcichBtag der auswärtige B e t h m a n n vorgestellt. Man muß gestehen, er macht einen crguicklichercn Eindruck als der innere. Er verteidigte die Haltung der Regierung in der Mannesmann-Affärc gegenüber den Alldeutschen, in- dein er betonte, daß die deutsche Regierung, wenn sie den Wünschen der Alldeutschen auf Vertretung der Mannesmann- Ansprüche nachgekommen wäre, sich eines Bruchs der Alge- ciras-Akte schuldig gemacht hätte. Zu einer zweiten Fünf- minutenrede provozierte ihn der Trommelschläger der alldeutschen Radaupolitiker, der Antisemit Liebermann v. Sonnenberg, der dem deutschen Auswärtigen Amt Schädigung der deutschen Interessen nachsagte. Diese Attacke wies Bethmann Holl weg mit Entrüstung zurück, wo- rauf Liebcrmann von Sonuenberg gar nichts gesagt haben wollte. Auch der zweite Redner der Sozialdemokratie, der Ec- nosie David, kam so in die Lage, an der Seite des Reichs- kanzlers gegen die Alldeutschen fechten zu müssen. Er wies Herrn von Liebermann nach, daß er schon in der Budget- rommission nach seinem anfänglichen bramarbasierenden Auf- treten zurückgchupft habe. Dann züchtigte David auch den öligen Stresemann, der genieint hatte, bei der diploma- tischen Vertretung dürfe man es mit der Rechtsfrage nicht so genau nehmen. David betonte, daß auch in der auswärtigen Politik Ehrlichkeit immer die beste Richtschnur sei. Dann aber rügte er scharf, daß der Reichskanzler über die wichtigste Frage der auswärtigen Politik, das Verhältnis zu England, sich vollständig ausgeschwiegen habe, und wies an der Hand der Tatsachen nach, daß gerade Bülows Flotten- Politik es gewesen sei, die Deutschenfurcht und Deutschenhaß in England gezüchtet und dadurch den deutsch-feindlidhen �konservativen bei den Wahlen zum Aufschwung verholfen habe, während die deutschen ebenso wie die englischen Sozia- listen in internationaler Brüderlichkeit gegen den Krieg und für die Freundschaft unter den Nationen wirken. Herr v. Schoen erging sich in einer längeren Erörtc- rung über allerhand Einzelfragen des Auswärtigen Amtes, zu der ihn Bemerkungen verschiedener Redner Anlaß ge- geben hatten. Von größerem Interesse war es jedenfalls, als S ch e i d e m a n n die im„Vorwärts" bereits dargestellten Leiden deutscher Arbeiter in Brasilien zum Vortrag brachte. Unser Genosse betonte, daß das Auswärtige Amt selbst die Arbeiter hinreichend gewarnt habe, daß aber der deutsche Konsul in der brasilianischen Stadt M a n a o s offenbar mitschuldig an der Verlockung der Arbeiter in die ungesunden Gebiete am Amazonenstrom sei. Auf seine Frage, ob der Mann zur Verantwortung gezogen sei, erklärte der Geheimrat v. F r a n tz iu s. es sei von ihm cht Bericht eingefordert worden, worauf Schcidcmann er- widerte, daß aus einem Bericht des Beschuldigten sich schwer- lich Material für den Beweis seiner Mitschuld ergeben würde. Nach Beendigung des Etats des Auswärtigen Amtes kam das R e i ch s s ch a tz a m t an die Reihe, wobei in der Haupt- fache ZoUsragen zur Erörterung gebracht wurden. Für uns handelt es sich hauptsächlich um die Entschädigung der Tabakarbeiter, die durch die neuen Tabaksteuern Schaden erlitten haben. Die Budgetkommission hatte eine Bestimmung getroffen, daß die Entschädigungspflicht des Reiches solchen Arbeitern gegenüber anerkannt werden sollte, die unterstützungsbedürftig seien, während die Sozialdemokraten, wie Genosse Molkenbuhr zum Aus- druck brachte, verlangten, daß Arbeitslosigkeit an sich schon den Anspruch aus Entschädigung rechtfertigen müsse. Da aus den anderen Parteien sich verschiedene Redner aus den nämlichen Standpunkt stellten, wurde mit knapper Mehrheit schließlich diese Regelung gutgeheißen. Das Zentrum stiimnte geteilt. Seine Arbeitersekretäre glänzten bei der Abstimmung durch Abwesenheit. Sonst erörterte noch Genosse Stalle die Bcnachtei- ligung der Arbeiter durch die Schutzzölle. Genosse H u b c r- Landau brachte in seiner Jungfernrede einen interessanten Fall zur Sprache, aus dem hervorgeht, wie außerordentlich unzuverlässig die Weinprüsung durch die amtlichen Prüfungs- anstoltcn ist. Erst um 9 Uhr abends ging die Sitzung, und damit die zweite Lesung zu Ende. Morgen um 10 Uhr beginnt die d r i t t e L e s n n g des Etats._ Tie neue Schutzzollära. Die belgische Regierung hat, wie telegraphisch aus Brüssel gemeldet wird, im Hinblick auf den drohenden neuen französischen Zolltarif bei der Kammer eine Erhöhung der Zölle beantragt. Ter Zoll für Schaumweine wird auf 260 Frank, für andere Weine auf 80. für Liköre auf 500 Frank pro Hektoliter, für Parfümerien auf 25 Proz. und für Seide auf 20 Proz. des Fakturenwertes erhöht. Tie„Maßgebenden". Tie„K ö l n i s ch e Z e i t u n g" gibt der Regierung gute Ratschläge, wie sie bei der preußischen W a h l r e f o r m hätte verfahren müssen. Nach der Meinung des national- liberalen Blattes hätte die Regierung die Debatte eröffnen müssen mit der Frage: Was bezweckt eine Wahlund was bezweckt insbesondere eine Wahlresorm in Preußen? Schon bei dieser Frage würden sich not- wcndigerweise die Geister geklärt haben. Denn die Sozial- denwkratie, der Freisinn und das Zentrum(!) als Anhänger des allgemeinen, gleichen Wahlrechts hätten dann erklären müssen, daß nach ihrer Meinung die Wahl sein soll ein mög- ilichst getreues Spiegelbild des Volkswillens. Dann heißt es: „Der Uebertragung dieser Definition auf Preußen stimmen . jedoch die Konservatives, die Freikonservativen und die A a t i o n a l l i b e r a I e n nicht zu, weil sie der.Meinung sind, daß hier das Wahlrecht nach I n d i v i d u a l- leistungen obzu stufen, daß es vor allem nicht angängig sei, den besitzlosen Massen durch das gleiche Wahlrecht die Entscheidung über den Besitz in der Verfügung über die direkten Steuern in die Hand zu geben. Hätte die Regierung jene Frage gestellt. so hätte sich also ergeben, daß eine Wahlreform auf Grund der organischen Fortentwickelung nur mit diesen Parteien gegen Zentrum, Freisinn und Sozialdemokratie zu machen sei und daß sie darauf ausgeben müsse, durch die Wahl ein möglichst getreues Spiegelbild des Willens der maßgebenden Bevölkerung zu erzielen." Also die Regierung hätte die Wahlreform mit den Konservativen und den Ratio nalliberalon machen müssen, weil diese darin einig sind, daß nicht den besitzlosen M a s se n die Entscheidung über den Besitz durch das gleiche Wahlrecht in die Hand zu geben sei! Was wohl bei einer Wahlresorm herausgekommen wäre, an der statt des Zentrums die Nationalliberalcn an der Seite der Konservativen mitgewirkt hätten? Sicher nichts Gescheiteres als jetzt, wo der blauschwarzo Block das Werk verrichtet hat. Die„Kölnische Zeitung" unterläßt anzugeben, wer die „maßgebende Bevölkerung" ist. deren Willen als Spiegelbild in der Wahl zum Ausdruck kommt. Das Blatt meint, das zu ermitteln, sei„freilich eine schwierige Aufgabe". Es mag de» Nationalliberalen schwer fallen, die nach außen hin unverdächtige Form für die Auslese der„Maßgebenden" zu finden; daß es schließlich auf weiter nichts als die Er- Haltung der Vorrechte des Geldsacks hinaus- läuft, darüber dürften wohl für denjenigen keine Zweifel bestehen, der die Herren von„Bildung und Besitz" ein wenig naher auf Herz und Nieren geprüft hat. Aus dem badischen Landtage. In der Kommission, in der diu Reform der Gemeinde- und Städtcordiiung berate» wird, wurde Dienstag ein sozialdemokratischer Antrag angenommen, die direkte Wahl der Gemcinderäte auf der Grundlage der Verhältniswahl in Gemeinden bis zu 4000 Ein- wohnen» einzusühren. Abgelehnt wurde dagegen ein Antrag, die Wahl auf den Sonntag zu verlegen. Die«religiösen Sonntage" nehmen in der R h e i n p r o v i n z ihren Fortgang. Wo es irgend angeht, wird da? Erscheinen eines K i r ch e n f ü r st e n, sei cS des Kölner Erzbischoss oder eines Weihbischofs angekündigt, was natürlich eine besondere Zugkraft ausübt. Am vorigen Sonntag fand in Mülheim am Rhein eine derartige Veranstaltung unter dem Namen„Protest Versammlung gegen Unglaube it und Freidenkertum" statt. Ein Professor trat als Haupt- redner auf. Er erkennt auZ den Zeichen der Zeit, daß ein all- gemeiner Sturm gegen die katholische Kirche bevor- steht. Die Hochschulen sind zum großen Teil Herde des Unglaubens geworden, fast alle Philosophen, von Kant bis Pausten, sind christcntiunsseindlich, die liberalen Theologen haben sich vom wahren Glauben abgewandt, der größte Teil der Vertreter moderner Kunst und Literatur ist von antichristlichcm Geiste durchdrungen. Die liberale Pädagogik ruft in die Lande hinaus: Weg mit der Religion aus der Schule!, und die liberalen Lehrer wollen die Jugend erziehen in glaubcnS- und religionslosen Ideen. Die Freimaurer sind am Werls, die Kirche zu verdrängen. Die Liberalen sehnen sich nach einem neuen Kulturkampf, und gar die S o z i a l d e m o- k r a t e n. auf die der Redner die Hälfte seines Vortrages verwendete, sie bekämpfen nicht nur die Kirchs und die Religion, sendcrn alle?, was dem Menschen heilig ist.„In herrlichen be- geisterten Worten", so heißt es in der Zentrumspresse,„protestiert der Redner im Namen der Familie, im Namen des Staates, im Namen der übeniatürlichen Weltanschauung gegen das Treiben des alles zerfetzenden Unglaubens." Und natürlich lohnte rauschender. sich immer wiederholender Beifall den Redner für seine Aus- sührungeit. Da« ist die Art, wie das Zentrum„Volksaufklärung' treibt! Die Masse soll in religiösen Fanatismus hineingejagt und in den Glauben versetzt werden, als„ob die Welt voll Teufel war" und die Rettung des ewigen Heils nur beim Zentrum zu suchen sei. In Wirklichkeit handelt es sich darum, die Aufnrerksainkeit der Masse ab- zulenken von den Sünden und Verbrechen, die daS Zentrum in letzter Zeit so überreichlich am Volle begangen hat. Zentrumsterrorismus. Zu den beliebtesten Kampfmitteln gegen die VolkSaufklärung ge- hört bekanntlich die feige Sa alab treib er ei. In der Ltegel leugnen die Gegner, von dieser„geistigen Waffe" Gebrauch gemacht zu haben. Anders die ultramontane„Trierischs Landes- zc itung". Sie bringt einen Bericht über eine von unserer Partei in Trarbach an der Mosel abgehaltene Versammlung. Dort hatte Genosse H o f ri ch t e r- Köln bei der Schilderung der Kampfesweise des Zentrums angeführt, daß in dem Mosclort Alf ein schon ge- mkteter Saal wieder abgesagt wurde, und der ketholische Pastor de? Ortcö habe gesagt, daß er, so lange er Pastor i» Alf sei, eine Bersammlimg der Sozialdemokraten zn verhindern wisse. Zu der Zurückziehung des Saales und zu der Aeußerung des PsarrerS schreibt nun daS genannte Zentrumsblatt in seiner Nr. CO vom 15. März: „Wahrlich also zwei h e r r l i ch e Z e u g n i s s e für die treu vaterländische Gesinnung des katholischen Volkes und seiner Führe r." Früher haben die„Trierische LcmdeSzeitung'. die„Koblenzer VolkSzeituug" und anders Zentrumöblätter auch das Mißhandeln wehrloser Flugblattverbreiter als„herrliche Zeugnisse' guter Ge- sinnuug gestiert._ frankrnch. DaS Eulic der Interpellation Tuez. Paris, 10. März. Die Kammer hat gestern dem Ministerium Briand-das erwartete Vertrauensvotum erteilt; so kurze Zeit vor den Wahlen wäre die Fortspimrung des Skandals auch zu un- angenehm gewesen, und Herr D u e z scheint dafür gesorgt zu haben. daß allzu genaue Enthüllungen Klerikalen und Antiklerikalen in gleicher Weise unangenehm sind. Es siel also Briand nicht zu schwer, bei-der Kammer den Sieg davonzutragen, trotz der wuchtigen Anklagereden unserer Genossen Willi», Allcmane und I a u r e s. Briand berief sich in seiner Rede vor allem darauf, daß et gleich bei seinem Eintritt in das Justizministerium diejenige Kontrolle organisiert habe, die jetzt die Verhaftung des Duez er- möglicht habe. Es ist leicht, erklärte der Ministerpräsident, zu sagen,„nicht all« Diebe sind im Gefängnis", aber wenn man Minister ist, muß man, ehe man die Leute in die Gefängnisse schickt, seiner Sache sicher sein. Wenn die republikanische Partei meine Demission für die Wahlen braucht, möge sie ihren Willen haben, ober ich habe wohl das Recht, zu sagen, unter welchen Bedingungen es geschieht. Wenn ich vorschnell hätte handeln wollen, würde ich heute groß dastehen; ich habe aber eine ernsthafte 5lon- trolle gewünscht, und wenn Duez sich in Gefangenschaft befindet, so ist es dem Umstände zuzuschreiben, daß er durch diese Kontrolle jn die Enge getrieben worden ist. Briand spielte darauf auf eine Wendung an, welche Barthou gestern in der Kammer gebraucht hatte. Briand behauptete, Barthou habe erklärt, es sei etwas V er- giftetes in der Organisation der gerichtlichen Liquidatoren, aber Barthou habe nicht erklärt, wie gewisse Gegner ihm vor- geworfen hätten, daß der gesamte Richtcrstand vergiftet sei. Barthou bestätigte dies Dementi trotz des Protestes mehrerer Deputierter. (Lärm.) Briand schloß: Wenn die Majorität das Bedürfnis hat, die Regierung selbst auf Kosten einer kleinen Ungerechtigkeit zu stürzen, bevor man zu den Wahlen schreitet, so möge sie nicht zögern. Die Regierung hat das Bedürfnis nach einem vollkomme- ncn absoluten Vertrauen dcS Landes. Sie belvahrt ihre Kaltblütig- keit und wünscht, daß sich die Majorität durch ihre Kaltblütigkeit de- Vertrauens des Landes würdig zeigen möge. Im weiteren Verlauf der Sitzung machte B i net(sozialistischradikal) dem Minister der öffentlichen Arbeiten Millerand den Vorwurf, daß er Minister geworden sei, nachdem er in der Angelegenheit der Kongregationen fette Honorare bezogen habe. Man müsse mit den Parlamentariern, die sich mit etwas anderem als mit den Angelegenheiten des Landes beschäftigten, ein Ende machen. D e l a H a V e übte an dem Verhalten B r i a n d s und Millerands Kritik.„Böenn Sie", so führte er aus.„sich mit einem Vertrauensvotum begnügen, so wird dies heißen,-daß Sie für die Diebe Partei ergreifen."(Telahaye wird zur Ordnung gerufen.) Als Ja u res nunmehr sein Erstaunen äußerte, daß Briand bei den Angrissen auf die Ehre seines?NitarbeitcrS nicht protestiert habe, eilte der Ministerpräsident auf die Tribüne und erklärte: Millerand ist mein Mitarbeiter und mein Freund. Ich'lasse meine Freunde niemals im Stich. Ich habe Bin et nicht auf der Stelle geantwortet, weil ich kaltes Blut besitze. Es ist eine Beschimpfung, meine Handlungen in so beleidigender Weise zu interpretieren. Die Regierung wird nur eine TageS- ordnung annehmen, in der ihr das volle und solidarische Vertrauen der Kammer ausgesprochen wird.(Beifall links.) Jn Beantwortung eines Vorwurfs Binets, Millerand habe eine Vorrede für eine von Duez verfaßte Broschüre über die Liqui- dationen geschrieben und 83 000 Francs für Plaidoyers erhalten, erklärte Millcrand, daS fragliche Buch sei nicht von Duez ge- schrieben. ES sei ein einfaches juristisches Werk. Es wurden darauf sieben Tagesordnungen eingebracht. Briand erklärte, eine Tagesordnung anzunehmen, in welcher die skandalöse Hetze gebrandmarkt wi'ed und die Zuversicht ausgesprochen wird, daß die Regierung die Verantwortlichen ermitteln und die Bestrafung der Schuldigen sicherstellen wird. Briand nahm auch einen von ZevaeS eingebrachten Zusatzantrag an, die Kammer wolle beschließen, unverzüglich ein Gesetz vorzulejjeii, durch das das Sbstcm der Liquidation der Kongregationen geändert wird. Präsident Brisson brachte den ersten Satz der von� Briand an- genommenen Tagesordnung zur Abstimmung, nämlich: die Kammer brandmarkt die standalöse Hetze, zu welcher gewisse ge- richtliche Liquidationen Anlaß gegeben haben. Dieser Satz wird einstimmig mit 557 Stimmen angenommen. Es gelangt der zweite Satz zur Abstimmung, nämlich: Die Kammer spricht die Zu- verficht aus, daß die Regierung die Verantwortlichen ermitteln und die Bestrafung aller Schuldigen sicherstellen wird. Tie Kammer nahm diesen zweiten Teil der Tagesordnung mit 343 gegen 70 Stimmen und darauf durch Händcauftzeben einstimmig den Zusatzantrag Zcvaes an. Nach Zurückweisung aller weiteren Zusatz. antrage mit 394 gegen 37 Stimmen wurde sodann die Gesamttagcs- ordnung durch Händeaufheben ohne Widerspruch angenommen und die Sitzung alsdann geschlossen. Nach der Abstimmung. Paris, 10. März. Die Minderheit, die gestern gegen die Vertrauenstagesordnung stimmte, besteht aus 41 gceinigten Sozialisten, ll Radikalen, 3 Nationalisten, 20 Konservativen und 1 gemäßigten Republikaner. 116 Deputierte, zumeist gemäßigte Republikaner und Konservative, enthielten sich der Abstimmung. Die radikalen Blätter drücken die Uebcrzeugung aus, daß die gestrige Abstimmung Briand das erforderliche Vertrauen vor- leihe, um das Säubcrungswerk durchzuführen, dessen Notwendig. keit durch den neuesten Skandal grell zutage getreten sei. Die oppositionellen Blätter sagen, die Mehrheit und die Re- gierung hätten sich schließlich aus dem Boden der gemein- samen Wahlintcresscn zusammengefunden. Der Minister, Präsident habe den Radikalen erklärt: Wenn ihr wiedergewählt werden wollt, dann müßt Ihr mir Euer- volles, ungeschmälertes Vertrauen bewilligen. Dieses Argument habe gewirkt. Der natio- nalistische„Eclair" meint, Briand habe einen rein persönlichen Er- folg errungen und Zwar auf Kosten der Minister Millcrand und Barthou._ Eine neue Verhaftung. Paris, 10. März. Auf Veranlassung des UnterfuchungS- richiers ist der frühere Sekretär Poitel des Liquidators Duez unter der Anklage, 30 000 Franks veruntreut zu haben, verhaftet worden. Cngwnck. Tie OberhauSfragk. London, 16. März.„Daily Chronicle" schreibt, die Re- aicrung werde, falls ihr Versuch, das Vetorecht der Lords einzuschränken, mißlingen sollte, bei einer allge- meinen Neuwahl einen Plan für eine gänzlich neue Zweite Kammer entwerfen und dem Lande bekannt- geben. Die Grundzüge dieses Plans würden die folgenden sein: Zur Zweiten Kammer, die sich aus 200 bis 240 Mit- gliedern zusammensetzen soll, werden Peers und Mitglieder des Unterhauses, die über 40 Jahre alt sind, wählbar sein. Das Wahlrecht wird von allen Parlaments- Wählern ausgeübt werden, nur daß die Wahlkreise weit größer sein werden, als die für die Unterhauswahlon. Tie Session wird 7 bis 0 Jahre dauern. Ter neuen Zweiten Kaimner soll der Einspruch in Finanzangelegcnheiten nicht zustehen, doch wird sie der sonstigen Gesetzgebung gegenüber das Recht der Revision und das des suspensiven Veto haben. Streitigkeiten zwischen Oberhaus und Unter- Haus sollen in gemeinsamen, Sitzungen beider Kammern zum AuStrag gebracht werden. Erklärungen des Marineministers. Loiibott, 16. März. Aus der gestrigen Marinedchalis de? Unterhauses sind noch«inigs Aeußerungen des MarincministcrS M c K e n n a hervorzuheben. Ein festes Bauprogramm lehnte der Minister ab, beim wenn irgend eine fremde Nation mehr Schiffe bauen sollte, so würde England ebenfalls mehr Schisse bauen müssen. Jn Beantwortung der Forderung der Arbeiterpartei nach einem rationellen Flottenbudget er- klärte McKenna, der einzige Standard, den er als rationell an- erkennen könne, sei derzenige, loclcher die Sicherheit des Landes gegen jede wahrscheinliche Kombination der Kräfte sichern würde. DaS sei der Standard, den die Regierung allein bei der Vorlage des Budgets im Auge habe. ES gebe keinen anderen Weg, die Suprematie zur See aufrecht- zucrhalicn als herauszufinden, was für eine Stärke, Größe und Klasse die Schisse anderer Nationen besäßen und dann Schisse von der gleichen Leistungssähigkeit zu bauen. Die Lldmiralität sei in dieser Beziehung gründlich informiert. Der Antrag der Radikalen, den Mannschaft»« b c st a n d der Flotte um 3060 Mann zu reduzieren, wurde mit 225 gegen 34 Stimmen abgelehnt. Die Minorität setzte sich aus den Arbeiterabgeordncten und wenigen Oladikalen zusammen. Der Arbeiterabgeordnete Snowdcn erklärte, wenn die Regierung an die deutschen Versicherungen des guten Willens glaube, fo sei nicht die geringste Rechtfertigung für das gegenwärtige Buogct vorhanden. Wenn aber die Sicgierung den Versicherungen nicht glaube, so würde es ehrlicher sei», der Spiegelfechterei freundschaftlicher Bcziehun- gen gleich ein Ende zu machen. Er mißbillige die Ausgabe für die Rüstungen. Freundlichere Empfindungen sproßten zwischen den Demo- kratien aller Länder auf. und hierin liege die Hofs, nung auf den Frieden begründet. GcwcrhlcbaftUche� Der Dandelstag für jVlalZregelungsnackweife. Der deutsche Handelstag hielt am 15. und 16. März unter Vorsitz des Freisinnsmannes Abg. Kaempf eine Ausschuß- sitzung ab, in der man sich unter anderem auch mit der Frage der Arbeitsnachweise beschäftigte. Ueber den. dem Reichstag vorgelegten Entwurf eines Stellenvermittelungsgesetzes erstattete Herr Engelhard(Mannheim) Bericht. Er sprach sich dahin aus. daß der Gesetzentwurf, soweit er offenbaren Mißständen entgegentreten solle, anzuerkennen sei, er I)egte aber gegen wichtige Bestimmungen des Entwurfs schwere Bedenken, vor allem dagegen, daß die Zulassung von Stellenvermittlcrn von dem Nachweis eines Bedürfnisses abhängig gemacht sei und dieses Bedürfnis verneint werden solle, soweit für den Ort oder den wirtschaftlichen Bezirk ein öffentlicher gemeinnütziger Arbeitsnachweis in ausreichendem Umfang bestehe. Hier- durch werde die Gefahr geschaffen, daß ein Mangel solcher öffentlicher Nachweise entstehe, und die Möglichkeit, daß dieses Gewerbe in einer den individuellen Bedürfnissen entsprechenden Weise ausgeübt werde� unterbunden. Das weitere aus- drückliche Bedenken richte sich dagegen, daß die EntWickelung gewerbsmäßiger Nachweise, also öffentlicher, auch solcher, die von Arbeitgebern eingerichtet seien, durch die Landesregie- rungen nicht nur unter gewisse Bestimmungen des Gesetzes gestellt, sondern auch noch in völlig unbestiinmtem Maße ge- regelt werden könnte. Gegen eine derartige Maßnahme gegen diese Nachweise müsse man sich entschiede» aussprechen. Der Ausschuß stimmte den Ausführungen des Berichterstatters zu. Tie einseitigen Nachweise der Unternehmer, die aner- kannterweise Maßregelungszwecken dienen und dienen sollen, betrachtet der Handelstag offenbar nicht als Mißstand. Das zu betonen ist nowendig. weil die erwähnte Organisation zum Teil auS Leuten besteht, die gern mit einer gewissen Gewerk- schaftsfreundlichkeit paradieren und besonders den Hirsch- Dunckerschen nahe stehe»,_ Berlin und Umgegend. Gendarmen und Streikbrecher gegen friedliche Arbeiter. Seit 14 Tagen befinden sich die Arbeiter der Firma Robert Guthmann, Kalksandsteinfabrik in Niedcrlehme b. KönigS-Wuster- Hausen im Streik. 1ö0 Leute wurden mit dem Einsetzen der Bewegung aus der der Firma gehörenden Kaserne hinausgeworfen, 66 Kolonisten die Wohnung gekündigt. Solche Dinge vermochten nicht, die Streiken- den wankelmütig zu machen. Der viclerfahrene Direktor Mohnika versucht nunmehr sein Heil mit Streikbrechern. Durch Agenten wurde ein größerer Trupp in Oberschlesien(Ratibor) angeworben, welche dann in der Nacht vom Freitag zum Sonnabend in Berlin, Schlesischer Bahnhof, an- langten. Im Handumdrehen war die Gesamtpolizeibahnhofswache in den Dienst des bedrängten Direktors gestellt, weil einige Mitglieder des Verbandes und der Vertreter der Nationalpolen den Arbeits- willigen erklärten, daß man in Niederlehme streike. Nach umfang- reicher Arretierungsarbeit wurden die Streikbrecher per Wagen nach der Spree und von dort per Kahn resp. Dampfer nach Nieder- lehme transportiert. Nachdem die Leute erfahren, um was es sich eigentlich handele. verließen sie geschlossen den Betrieb. Beachtenswert ist, was man den Leuten beim Anwerben vor- gaukelte: „Die Arbeiter von Niederlehme dürfen nicht arbeiten wegen der Wahlrechtsdemonstration, die Berliner Sozialdemokraten dulden es nicht!" Nachdem die Rausreißcr ausgerissen, wurden an» Hamburg neue zirka 200 Mann herangeholt, die am gestrigen Tage in Berlin «intrafen und mit wenigen Ausnahmen bald wieder zu den Streikenden übergingen. Die noch im Betrieb befindlichen Staatsstützen glaubten nun wohl, gestützt auf den bei solchen Anlässen ausgiebig von feiten der Behörde gegebenen Schutz, sich nun auch einmal in Streik- brechermanier betätigen zu können. Wie auf Kommando öffnete der Portier einmal die Tore; herausstürzten die Streikbrecher, auf die bei solchen Anlässen sich ansammelnden Neugierigen mit Revolver schießend und Steine werfend. Während bis zum Dienstag das Verhalten der dort zurzeit stationierten Gendarmerie zu Klagen keinen Anlaß bot, ja selbst eine gewisse Zurückhaltung beobachtet werden konnte, änderte sich die Situation mit einem Schlage; denn anstatt nun den tobenden Streikbrechern entgegenzutreten, drangen die Gendarmen mit blanker Waffe auf die friedliche Einwohnerschaft ein, waS natürlich zu einer maßlosen Erbitterung führte. Im Betriebe hat man sich nicht gescheut, denen, die ihre Papiere verlangten, eine Behandlung mit Gummischläuchen zuteil werden zu lassen. Die Direktion machte weiter böseS Blut, indem sie auch ein vermittelndes Eingreifen der Gemeindevertretung ablehnte. Der Kampf geht also weiter. Zuzug nach Niederlehme ist streng fernzuhalten, und ersuchen wir alle arbeiterfreundlichen Blätter, namentlich auch die polni- scheu, um Abdruck des vorstehenden Berichtes. Fabrikardeiterverband. Die in der Drahtwarenindustrie beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen hielten am Sonntag bei Wollschläger in der Adalbertstraße eine zahlreich besuchte Versammlung ab, um dazu Stellung zu nehmen, daß einige Firmen sich weigern, einen Tarifvertrag abzuschließen. Der Vertreter des Metallarbeiter- Verbandes, Handle, schilderte zunächst den Wert und die Eni- Wickelung der Tarifverträge im allgemeinen und ging dann besonders auf die Verhältnisse in der Drahtwarenindustrie ein. Für diese Industrie wurde im Jahre 1904 ein Tarifvertrag ab- geschlossen, der drei Jahre Geltung hatte. Inzwischen schlössen sich die Arbeitgeber zu einer Organisation zusammen, und als im Jahre 1007 die Arbeitgeber den Tarifvertrag gekündigt hatten, lehnte ihr Vorstand jegliche Verhandlung mit dem Metallarbeiter- verband ab. Es kam zu einem Kämpf, der damit endete, daß der Tarifvertrag, zwar n:cht mit dem Arbeitgeberverband, doch mit den meisten Firmen auf weitere drei Jahre abgeschlossen wurde. Es waren nur die Firmen Lerm u. Gebr. Ludewig sowie H e i n z e und einige kleine Geschäfte, die sich dauernd weigerten, den Tarif zu unterzeichnen. Von den tariftreuen Firmen haben nun in diesem Jahre zwei den Tarifvertrag gekündigt, obwohl, wie verlautet, der Arbcitgeberverband beschlossen hat, daß die Kündigung auf der ganzen Linie erfolgen sollte, und von den beiden Firmen hat eine bereits wieder Verhandlungen angeknüpft. ES scheint also, daß in den Kreisen der Arbeitgeber doch die Er- kenntnis immer mehr zum Durchbruch kommt, daß die tarifliche Regelung der Lohn- und Arbeitsverhältnisse ihnen selbst keines- wcgS zum Schaden ist, sondern vielmehr als ein Damm gegen die unbegrenzte Schmutzkonkurrcnz zum Nutzen gereicht. Tie geradezu krankhafte Abneigung gegen den Tarifvertrag, die sich bisher bei den Leitern des Arbeitgeberverbandes bemerkbar machte. derantw. Redakt..: Richard Vorth, Berlin. Inseratenteil verantw.� wird wohl auch mit der Zeit einer besseren Erkenntnis weichen müssen. Seit 1907 war es den Arbeitern allerdings nicht gut möglich, bei den tariflosen Firmen mit dem nötigen Nachdruck vorzugehen. Dazu lag der Geschäftsgang zu sehr danieder. Das hat sich jetzt gebessert; es ist wieder Arbeit genug in der Draht- warenindnstrie vorhanden. Die Arbeiter sind, bis auf eine ver- schwindend geringe Zahl, fest organisiert. Die Firma Lerm u. Gebr. L u d e w i g hat sich zwar seit zwei Jahren eifrig be- müht, ihre Arbeiter um das Koalitionsrecht zu bringen; es ist ihr aber doch nicht gelungen, die Organisation aus ihrem Betriebe fernzuhalten. Bei dieser Firma sowie auch bei Hein ze werden noch recht elende Löhne gezahlt, was nicht nur den Arbeitern sondern auch der Drahtwarenindustrie im allgemeinen Schaden bringt. Andere Firmen, die den Tarifvertrag nicht unterzeichnen. haben ihn gleichwohl in der Praxis anerkannt und die Lohn- und Arbeitsverhältnisse dementsprechend geregelt. Es ist selbst- verständlich, daß die Arbeiterschaft der Drahtwarenindustrie nun mit erneuter Kraft danach strebt, dem Tarifvertrag bei allen Firmen Geltung zu verschaffen. Wenn aber einzelne Firmen auf ihrer Abneigung gegen den Tarif beharren, so wird es sicher- lich hier und da zum Kampf kommen. Dabei muß eS natürlich Aubfgabe aller Arbeiter und Arbeiterinnen der Branche sein, fest zusammenzuhalten und dafür zu sorgen, daß nirgendwo Streikarbeit angefertigt wird.— Den Ausführungen des Ne- ferenten, die allgemeinen Beifall fanden, folgte eine rege Tis- kussion. Es zeigte sich eine starke Entrüstung über die Zustände bei den beiden oben genannten Firmen. Bei Lerm u. Gebr. L u d e w i g in Tempelhof waren am Sonnabend Flugblätter ver- breitet worden; aber kaum hatte die Firma Kenntnis von diesem Unternehmen erhalten, als sie auch schon die Polizei in Bewegung setzte. Fünf starke Männer waren sogleich zur Stelle, und der Zettelverbreiter wurde zur Wache gebracht. Er konnte jedoch nach Feststellung seiner Personalien wieder seiner Wege gehen. Uebrigens scheinen bei jener Firma in mancher Hinsicht Zustände zu herrschen, die weit mehr als das bißchen Flugblattverbreiten ein Eingreifen der Behörde rechtfertigen könnte. So wurde aus- geführt, daß der Meister Arbeiterinnen bei der Einstellung allerlei allzu weitgehende Fragen vorlegt, wie die, ob sie einen Bräutigam haben, ob sie nicht bielleicht schwanger seien und dergleichen mehr. Ferner wurde berichtet, daß Arbeiterinnen an großen Maschinen beschäftigt werden mit einer Arbeit, die eigentlich nur für Männer geeignet ist, und daß, wenn die Gewerbeinspcktion komme, diese Maschinen mit einem Male stillgelegt werden, und alle spulen müssen, solange der Beamte im Betriebe ist. Dir Firma hat es auch für zweckmäßig erachtet, eine Betriebskrankenkasse zu gründen, und pflegt, wenn ein Arbeiter oder eine Arbeiterin einmal er- krankt oft die Entlassung zu verfügen. Ein solcher Entlassungs- brief wurde in der Versammlung verlesen. Er ist an eine Ar- beiterin gerichtet, die sich für einen halben Tag wegen Unwohlsein? entschuldigt hatte, dann aber, weil sie der Arzt für arbeitsunfähig erklärt hatte, auch am Nachmittag nicht zur Arbeit kam. Noch am selben Tage hatte ihr die Firma die Entlassung zugeschickt. Im übrigen soll die Firma ihre Lehrlinge über die gesetzlich zu- lässige Zeit beschäftigen. Die Erörterung dieser und anderer Mißstände, wie sie teils bei jener Firma, teils bei Heinze herrschen, konnten natürlich nur dazu dienen, die Anwesenden in ihrem einmütigen Willen, geregelte Verhältnisse zu schaffen, zu bestärken._ Lohnbewegung der Fräsckutscher. Die Fräsckutscher und Hilfsarbeiter haben mit ihrem Beschluß vom 23. Februar, in eine partielle Lohnbewegung einzutreten, einen nennenswerten Erfolg erzielt. Nachdem der Fräfereibesitzerverein es abgelehnt hatte, einen Lohnvertrag zu den gestellten Bedingungen einzugehen, unterbreiteten die Kutscher am 24. Februar ibre Forde- rungen einzeln und verlangten bis zum 28. Februar Bescheid. Eine Anzahl Unternehmer bewilligte den geforderten Lohn, während in zwei größeren Betrieben es am 28. Februar zur Arbeitsein- stellung kam. Nach halbtägigem Streik bewilligten die Unternehmer dieser Betriebe die Forderungen ebenfalls. Bei einer weiteren Anzahl Betriebe wurde durch Verhandlung eine Verständigung herbeigeführt. Das Resultat der partiellen Bewegung ist, daß bis- her 32 Betriebe den geforderten Lohn von 30 M. bewilligt haben. In drei weiteren Betrieben sind den Kutschern Lohnzulagen von 1 M. pro Woche gewährt worden. Für das Füttern der Pferde an den Sonntagnachmittagen bewilligten 7 Firmen die gestellte Forderung von 1 M.. während bei den übrigen der alte Satz von 50 Pf. für diese Arbeit beibehalten werden soll. In Verhandlungen, die mit 11 kleineren Firmen, die bisher noch keine Zugeständnisse gemacht haben, gepflogen wurden, erklärten einige Fwmeninhaber, daß sie der Einführung eines Korporativvertragcs nun doch wieder den Vorzug geben würden. Vielleicht revidiert der Verein der Fräsereibesitzer nunmehr seinen früheren Beschluß? Achtung, Klavierarbeiter! In der Pianofabrik von Förster in Löbau und GcorgSwalde find Lohndifferenzen ausgebrochen. Wie uns telegraphisch mitgeteilt wird, hat die bekannte Hamburger Streikbrecheragentur„Müller" den Auftrag erkalten, in Berlin Arbeitswillige anzuwerben. Wir ersuchen um Bekanntgabe des obigen unter der Kvllegenschast. damit die Bemühungen der Firma erfolglos sind. Ferner teilen wir mit, daß der Ausstand in der Klaviatur- fabrik von Merseburg fortdauert. Dann haben am Montag in der Pianofabrik von Weber, hier, die Bodenmacher wegen Lohnreduk- tionen die Arbeit niedergelegt. Zuzug ist fernzuhalten. _ Die Branchenleitung. Die Tarifbewegung in der Holzindustrie. Am Montag nahm eine Versammlung der Drechsler-, Treppen- geländer- und Luxusmöbelbranche den Bericht über die Vertrags- Verhandlungen entgegen. Es kam zu einer regen Aussprache. Mehrere Redner gaben ihrer Unzufriedenheit darüber Ausdruck, daß der neue Vertrag wesentlich hinter den Wünschen der Arbeiter zurückbleibe. Besonders wurde bedauert, daß die Verpflichtung zur Benutzung des paritätischen Arbeitsnachweises noch gewisse Ein- schränkungen erfahren habe, während ein unbedingtes Obligatorium gefordert wurde. Ferner wurde darauf verwiesen, daß nach dem endgültigen Abschluß des allgemeinen Vertrages ein Spezialtarif für die Branche zu vereinbaren ist, welcher die Aklordfätze festlegt. — Es wurde eine Resolution angenommen, welche sagt: Die Ver- sammlung bedauert, daß durch die Tarifverhandlunge» nicht olle Wünsche der Arbeiter erfüllt worden sind. Die Kommisston wird beauftragt, dahin zu wirken, daß bei der Beratung des Spezial» tarifS alle Wünsche der Branche berücksichtigt werden. Achtung, Zurichter! Am 4. Januar 1909 wurde mit den der- einigten Rauchwaren-Zurichterei- und Färbereibesitzern Deutsch- lands ein Reichstarif für das Zurichtereigewerbe bis.zum St. De- zember 1911 abgeschlossen. Infolgedessen wurde der für Berlin und Umgegend bestehende Tarif gelündigt, um den neuen Rcichstarif unter Berücksichtigung der Arbeitsweise und den hier bestehenden örtlichen Verhältnissen anzupassen. Insbesondere waren es 18 Positionen, über welche man unter Hinzuziehung des Hauptvorsitzenden mit den Vertretern der Arbeit- gebcr in einer am 24. April v. I. stattgefundcnen Sitzung ver- handelte, in welcher diese 18 Positionen auf ein Jahr neben dem Reichstarif von den Arbeitgebern den Arbeitnehmern zugestanden wurden. Jedoch sollten diese 13 Positionen noch der großen Tarif- lommission in Leipzig zur Beratung überwiesen werden, um unter Hinzuziehung eine? Berliner Vertreters für die Berliner Verhält- nisse einen festen Tarif zu schaffen. Da dies bis jetzt nicht ge- schehen, hängt cS von der Willkür und Laune des Arbeitgebers ab, ob er den Reichstarif oder die ausgeworfenen 13 Positionen zur Berechnung des Lohnsatzes heranzieht. DicS Verhältnis, welches stets zu Streitigkeiten zwischen Ar- beitgebcr und Arbeitnehmer führte, wollen die Arbeitnehmer be- seitigen. Die Sektionsversammlung beschloß Kündigung des Tarifs und arbeitete einen neuen Tarif aus, welcher mit der Kündigung den Arbeitgebern überfandt wurde._ Ttz, Glocke, Berlin. Druck u.Verlag:PorwörtS Buchdr.u. Verlagsanstal» Zuzug ist fernzuhalten. We arbciterfreundlichen Blätter wer» den um Abdruck gebeten, Deutscher Kürschnerverband. Filiale Berlin. Ocutlcbcs Reich. Die Tagung der Scharfmacher. Der Zentralverband Deutscher Industrieller hält seine Per- trcterversammlung am 12. April in B e r l i n ab. Aach Erledigung der geschäftlichen Angelegenheiten werden sich die Scharfmacher mit dem HauSarbeitsgesetz, der Abänderung der Gewerbeordnung, dem Srcllenvcrmittlergcsetz und dem Arbeitskammergesctz, sowie der RelchSoersicherungsordnung beschäftigen. Die Kommissionsverhaud- Iuligcn_ im Reichstage sind bis dahin natürlich noch nicht ab- geschlossen, so daß die Direktiven, die von den Scharfmachern ge» geben werden, für die Regierung noch zu rechter Zeit kommen. Zu dem Vorgehe» des Herrn Rexhäuser nimmt auch der„Grundstein", das Organ des Maurerverbandes, wie folgt Stellimg: „Eine verheißungsvolle Perspektive hat der Redakteur des Buchdruckcrorgans, Ludwig Rexhäuscr, der deutschen Arbeiter- bewegung eröffnet, indem er das Erscheinen einer Sudclschrift gegen die Sozialdemokratie in Aussicht stellte. Wir dürfen voraus- setzen, daß unseren Kollegen die eigenartige Stellung Rexhäusers zur politischen Arbeiterbewegung bekannt ist, sie hat ja schon oft ein recht unerfreuliches Aufsehen erregt. In den früheren Katz- balgereien ist auch Rexhäufer manchmal Unrecht geschehen, und man hat ihm darum manches nachgesehen, was sonst schärfsten Tadel verdient hätte. Bei seinem Konflikt jedoch mit dem geschäftlichen Leiter des.,Vorwärts"vetriebcs, dem Genossen Richard Fischer, der zu einem gerichtlichen Austrag führte, hatte sich Rexhäuser solche Blößen gegeben, daß jet>er rechtlich denkende Gewerkschaftler von ihm abrücken mußte. Die damalige moralische Niederlage mag ihn sehr gewurmt haben, weshalb er gierig»ach einer Gelegenheit spähte. uni sich zu revanchieren. Genosse Fischer bot sie ihm in einer Polemik, die er im Reichstage gegen einen nationalliberalen Reichs- verbändler führte. In seiner Verteidigung der GeschäftSusaneen des„Vorwärts"betriebes ließ Fischer auch einige Worte gegen Rex- Häuser fallen. Postwendend antwortete dieser mit einer wütenden Schimpfkanonade, die in der Drohung gipfelte, er werde außerhalb des von ihm redigierten Blattes eine gründliche Abrechnung nicht nur mit Fischer und dem von diesem geleiteten Betrieb, sondern auch mit der sozialdemokre�ischen Partei halten. Das bedeutet also, daß Rexhäuser zu einem ähnlichen Werk rüstet, wie es die alte Sudelschrift des Korbmachers Fischer oder„Der rote Sumpf" des Roche ist. Diese Drohung zeigt, daß Rexhäuscr i» einen Zu» stand geraten ist, der es ihm unmöglich macht, sich Rechenschaft von der Moral seines Tuns zu geben. Sein Haß hat ihn völlig blind gemacht. Wäre eS anders, so hätte er für die Abwehr von Fischers Angriffen wenigstens nicht eine so herausfordernde Form gewählt. Ausgerechnet an dem Tage, wo die ganze übrige Arbeiterpresse Artikel mit der lleberschrift„August Bebel" brachte, kam der „Korrespondent" mit dem Schimpfartikel„Rickard Fischer" heraus. Wenn Rexhäuscr noch eines guten Rates zugänglich ist, so mag er sich gesagt sein lassen, daß es jetzt endlich mehr als genug ist. Die ihm lange unverdient zuteil gewordene Nachsicht mag ihn hoffen lassen, auck mit seinem neuesten Stück dnrchzulommen; aber der einmütige Protest in der Arbeiterpresse, dem wir uns hiermit an» schließen, wird ihm zeigen, daß alles ein Ende hat, auch die Nach- ficht der Arbeiter einem Entgleisten gegenüber." Tie Schuhmacher in Frankfurt a. M. haben Montagabend in einer außerordentlich gut besuchten Versammlung beschlossen. Dienstag sofort in den Streik einzutreten. Die Meistervereinigung hatte verlangt, den eingereichten Tarif zurückzuziehen, und wollte damit die Bewegung verschleppen. Daraufhin ist der Streikbeschluß zustande gekommen. Es kommen die bei den Handwerksmeistern beschäftigten Schuhmachcrgcsellcn, und zwar sowohl die freie Ge» wcrkschaft, wie solche christlicher Gewerkschaft, insgesamt etwa 400, in Frage. Die Schuhmacherinnung hatte jegliche Verhandlung mit den Gewerkschaften, auch eine solche vor dem Gewerbogericht, ab- gelehnt. Die großen Schuhfabriken sind von diesem Streik nicht betroffen.,, Die Tarifbeweguug im Kölner Holzgcwerbe ist beendet. So- Wohl die Unternehmer- als auch die„christliche" Organisation und der Deutsche Holzarbeiterverband haben den Vereinbarungen der Kommission zugestimmt, der letztere allerdings nur mit neun Stimmen. Mehrheit. Der Tarif läuft drei Jahre, während deren die Löhne sich um 4 Pf. pro Stunde erhöhen sollen. Die Arbeits- zeit wird am 1. Oktober 1012 um eine Stunde verkürzt. Das wichtigste ist die Festlegung eines Durchschnittslohnes, der auf 56 Pf. festgesetzt wurde und auf 60 Pf. steigt.> Lohnbewegung der Tapezierer vou Hamburg, Altona und Wandsbeck. Nachdem die Verhandlung mit dem Vorstande der Zwangs» innung refultatlos verlaufen war. haben die im genannten Städte» komplex beschäftigten Tapezierer ihre Kündigung eingereicht. Die Arbeitseinstellung erfolgte am 16. März. Unter Beibehaltung der Arbeitswoche von 53 Stunden wird der Mindestlohn festgesetzt für Ausgelernte während der ersten zwei Jahre von 46 auf 50 und für ältere Gehilfen von 56 auf 60 Pf. Auf alle bestehenden Lohns bis zu 70 Pf. erfolgt ein Aufschlag von mindestens 4 Pf. pro Stunde; die höheren Löhne unterliegen der freien Vereinbarung. Von der von 600 Personen besuchten Versammlung stimmten nur 40 gegen die ultima ratio. Die jungen Kollegen sollen das Streik» gebiet verlassen. Der Jnnungsarbeitsnachweis ist gesperrt; die Arbeitsvcrmittelung geschieht ab 14. März durch das Verbands» bureau. Bislang haben 20 Firmen die Forderungen anerkannt., Letzte Nachrichten und Depelchen. Die Lehrerm aszregelungen in der Bremer Bürgerschaft. Bremen, 16. März.(Privatdepesche de?„Vorwärts".) In der heutigen Sitzung der Bremer Bürgerschaft fanden anläßlich der Be- ratung des sozialdemokratischen Antrages wegen der Lehrermaß- rcgelungen Tumultszencn statt. Die bürgerliche Mehrheit ließ jedesmal das Fallbeil der Schlußbeantragung fallen. Der.Präfi- dcnt ließ die Tribünen räumen. Sozialdemokratischer Wahlsieg. Flensburg, 16. März.(Privatdepcsche des„Vorwärts".) Bei der heutigen Stadtvcrordnctciiwahl wurden zum ersten Male zwei Sozialdemokraten gewählt. Sie siegten mit einer Majorität von 200 Stimmen. Konfisziert. Frankfurt a. M. In der Buchhandlung„Bolksstiicktne" sind eine Anzahl Exemplare der Wiener„März-Zeitung" konfisziert worden, weil darin ein Farbendruck aus dem Jahre 1848 re» produziert wurde, der die große Barrikade nächst der Johannis- kirche unter dem Befehl des Generals Bcm wiedergab. Diese polizeiliche Beschlagnahme ist vom Amtsgericht auf Grund der §Z 110 und 130 des Strafgesetzbuches bestätigt worden. Die Frankfurter Polizei sucht also immer noch nach Lorbeeren! Dynamitexplofio». Petersburg» 16. März.(B. H.) Wie aus EraSnojarsk gemeldet wird, ist im dortigen Olgabcrgwerk eine große Quantität Dynamit, angeblich zwei Zentner, explodiert. Das Bergwerk ist vollständig demoliert. Ob und wie viele Menschen dabei ums Leben gekommen sind, ist bis jetzt noch nicht festgestellt. Paul Singer Sc Co., Berlin SW. Hieizu 4Brilogen u.ll ntcrhaltungSbl. 9t. 64. 27. laljrgflBjj. 1. KeilM kö Jntmirts" Kcrlim ItiiisM. Aonnersiag. 17. Miik; 1910. Reichstag. tv. Sitzung vom Mittwoch, den is. März, mittags 12 Uhr. Am BundeSrotStisch: v. Belhmann Hollweg, Delbrück, d. Echoen. Dernburg. LiSco. Die Seratung«les Etats fllr 6as /ZusxvZrtige Bmt Wird fortgesetzt. Abg. Dirtsen(Rp.): Herr Scheidemann zitierte einen Ausspruch eines ZeiitrumsrednerS:„Man mutz sich schSmen, ein Preutze zu sein."' Auf meine Erkundigung entsänne» sich die Herren vom Zentrum eines solchen Ausspruchs überhaupt nicht.(Rufe bei den Soz.: GieSberts war es!) Dann bedauere ich diesen Ausspruch bei Herrn GieSbcrtS. Aber ganz ungrialifizierbar ist eS. datz Herr Scheidemann, der selbst nicht Preutze ist(Abg. S ch ei d em a n n(Soz.): DaS stimmt nicht!), seiner Stiminung gegen Preutzen in solcher Weise Ausdruck gibt. Herr Scheidcmann schlotz mit den Worten:„Alle Welt lacht über die preutzische Politik, man amüsiert sich über den Herrn Reichs- kanzler".(Lebhaftes Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Herr v. Belhmann Hollweg ist ein Mann, getrogen von hohem sittlichen Ernst, der nicht den leisesten Anlatz zum Lachen gibt.(Schallende Heiterkeit bei den Sozialdemokraten.) Einige Vorredner klagten über die Zurücksetzung der Bürger- sichen beim diplomatischen Dienst. Gewitz soll nur die Tüchtigkeit entscheiden, aber unter sonst gleichen Umständen wird man doch dem den Vorzug geben, der bessere Beziehungen hat.(Hört! hört!) Iii England und den englisch sprechenden Ländern hat die Presse eine weit grötzere Bedeutüng als bei uns; dort mutz unsere Diplomatie in der Presie selbst Angriffen aus Deutschland entgegentreten, und dazu gehören Geldmittel; deshalb bedauere ich, datz in der Budgetkommission durch ein Mitzverständiiis bei der Abstimmung der Geheime Fonds herabgesetzt ist, und ich hoffe, datz noch Remedur eintreten wird.(Bravo! rechts.) Reichskanzler v. Bethmann Hollweg: In der rückhaltlosen Vertretung der Politik, welche wir in der Mannesmannfrage befolgt haben, kann ich einen um so objektiveren Standpunkt ein- nehmen, als die Gnindlinien dieser Politik festgelegt waren, lange bevor ich die Leitung der Geschäfte übernommen habe.(Sehr richtig!) Für mich liegt doS entscheidende Moment in dem dem Reichstage aus dem Weitzbuch bekannten Beschlutz des diplomatischen KorpS in Tanger vom 20. August 1908. Durch diesen Beschlutz haben sich die Mächte geeinigt, datz sie als Berggesetz im Sinne des Artikel 112 der Algecirasakte nur ein Gesetz ansehen würden, das vom Mochsen ihnen vor der Veröffentlichung bekannt ge geben worden sei. Diesem Erfordernis wird das Berg gesetz vom 7. Oktober 1908 unzweifelhaft nicht gerecht. Soll also Deutschland dieses Berggesetz, aus das sich die ManneSmanw fchen Konzessionen stützen, als gültig anerkennen, so mutz es sich in direktem Widerspruch mit dem Beschlutz deS diplomatischen Korps vom 20. August 1903 setzen. Kein tatsächlicher, kein rechtlicher, kein politischer Grund aber gibt uns daS Recht, von diesem Beschlutz vom 20. August 1908 einseitig zurückzuweten. Wollten wir uns davon lossagen, so würde das nichts anderes bedeuten, als diesen Vertrag brechen. Zu einer Politik eineS solchen Vertrags brucheS aber werde ich mich nicht hergeben.(Beifall reckits.) Mögen die wirtschaftlichen Werte der ManneSmannkonzession noch so hoch sein, eine Lebensfrage Deutschlands find sie nicht. Darum wird mich nichts bestimmen können, das Wort zu verletzen, daS unsere Politik am 20. August 1908 in Tanger eingesetzt hat.(Bravo rechts.) Soweit es innerhalb der Grenzen, die uns durch internationale Ver träge und Abmachungen gezogen werden, möglich ist, die Wirtschaft lichen Interessen der Herren ManneSmann zu fördern, haben wir cö getan und werden es auch in Zukunft tun. Erleichtert ist uns diele unsere Aufgabe durch das Auftreten der Herren ManneSmann bisher nicht.(Sehr richtig l) Ich habe den dringenden Wunsch, datz die Herren Mannesmann für die Zukunft in dieser Beziehung Wandel eintreten lasten.(Erneute Zustimmung.) Der Herr Abgeordnete Stresemann hat gestern die Herausgabe des WeitzbuckeS in der ManneSmannschen Angelegenheit bemängelt; er hat gesagt, daS Auswärtige Amt habe mit dieser Ver- öffentlichung eine Flucht in die Oeffentlichkeit angetreten. Dieser Aussaffung mutz ich mit aller Entschiedenheit widersprechen. kleines feiiillercm. Die Erde wird größer. Nach der Vorstellung, die seit langem bei den Geographen und Geologen herrschend ist, wird die Erde all- mählich kleiner. Diese Ansicht geht zunächst von der physikalischen Betrachtung aus, datz ein in der Abkühlung begriffener Körper sich zusammenzieht. Ferner hat man die Bildung der Faltengebirge und anderer Unebenheiten der Erd» oberfläche auf Kräfte zurückgeführt, die wegen der Zusammen- ziehung der Erde nach dem Erdkern hin wirken, und die Erdoberfläche ist in dieser Hinsicht mit der runzligen und zusammen- geschrumpften Schale eines Apfels, der eine Zeit lang gelagert hat, verglichen worden. Jedenfalls deuten alle diese Ueberlegungen darauf hin, datz die Erde im Lauf der Zeiten der Erdgeschichte an Umfang verloren haben müffe. Wenn jetzt von wissenschaftlicher Seite nachgewiesen worden ist. datz die Erde grötzer sei, als man bisher omiohm. so erstreckt sich diese Behauptimg nicht etwa auf ein Wachstum der Erdkugel, sondern nur auf genauere Mesiungen. die zu einem solchen Ergebnis geführt haben. Die geodätische Landesuntersuchung der Vereinigten Staaten hat derarsige Messungen und Berechnungen in letzter Zeit angestellt und hat dabei ermittelt, datz die Ausmatze ein wenig grötzer sind als die bisher überall verzeichneten Ziffern. Ter Halbmesier. der vom Erdmittel- punkt nach einem Punkt des AcquatorS gelegt wird, hat danach eine Länge von 6 373 383 Meter, und das VcrhälmiS der Abplattung der Erdkugel an den Polen ist zu 1: 297 bestimmt worden. Als der beste Wert für den Aequatorialbalbmesier galt bisher der von Clarke im Jahre 1880 gefundene von 0 378 249,17 Metern und für die Ab- Planung der desselben Gelehrten von 1: 293.5. Die neuen Ziffern sollen aber erheblich genauer sein, und es wird der Anspruch' erhoben, datz der Fehler bei der Berechnung deS AequatonalhalbmesserS nicht mehr größer sein könne als rund zwei Meier. Die Grundlagen dieser neuen Berechnung sind die Ver- mesiungen, die seit vielen Jahren in 41 Staaten der Union vor- genommen worden sind. Außerdem sind zur Ergänzung dieser Er- Mittelungen über die Erdgestalt nach astronomischen Beobachtungen zu Hilse genommen worden. Theater. Neues Theater:„Die goldene Rittcrzeit', Burleske von Charles Marlowe. Nach einem trübselig im- gelenken Anfang gelangte das Stückchen allmählich ins Fahrwasser einer jenseits aller Grenzpfähle der Kritik vergnüglich plätschernden Ulklaune. Ein kleiner, gutmütig kecker Schwadroneur von Lord, der im Besitze schöner Renten das zwanzigste Jahrhundert ganz vortrefflich eingerichtet findet und dem romantischen Gerede von den großen Taten seiner ritterlichen Ahnen nur äutzerst mangelhaften Respekt beweist, sieht sich plötzlich, im Waffensaale seiner Burg entschlafen, um sieben Jahrhunderte zurückversetzt. Alle Gäste und Bewohner des Nachdem die enragiertesten Vertreter der ManneSmannschen Jnter- essen in einer energisch betriebenen Prctzkampagne immer von neuem die Zurückhaltung deS Auswärtigen Amtes als Furcht vor der Oeffentlichkeit hingestellt haben, blieb unS gar nichts anderes übrig, als öffentlich zu zeigen, datz das Auswärtige Amt nichts zu ver- bergen hat. Der Herr Abg. Stresemann hat gestern auf die Beunruhigung hingewiesen, die weite Kreise der öffentlichen Meinung darüber erfüllt, ob seit dem Abgang des Fürsten Bülow die Jnlcresseii Deutsch- lands in der auswärtigen Polnik noch genügend gewahrt seien. Der Herr Abg. Stresemann hat damit, tvie tch gerne anerkenne, in sebr vorsichtiger Weise angedeutet, was in einem großen Teile der Presse in den letzten Monaten wiederholt und mit großer Schärie unmittelbar als Schwäche und Nachgiebigkeit unserer gegenwärtigen auswärtigen Politik gebrandmarkt worden ist. Ich möchte es für ein gefährliches Beginnen halten, die Leitung der auswärtigen Politik durch den Vorwurf der Schwäche, ich kenne keinen schärferen Vorwurf, vor dem Inland und Ausland zu diskreditieren,(Lebhafte Zustimmung rechts) wenn man diesen Vor- wurf nicht durch ganz bestimmte Tatsachen beweisen kann.(Er- neute lebhafte Zustimmung rechts) Ich möchte nun fragen: Kann mir irgend ein Moment genannt werden, wo Deutschland in neuerer Zeit in seiner Stellung zu den Mächten Schwäche oder Nachgiebigkeit gezeigt hätte? Wir sind in der Lage gewesen, auch seitdem ich zur Führung der Geschäfte berufen worden bin. unsere Beziehungen zu den Mächten srenndschaftlich zu pflegen, ohne dabei etwas anderes einzusetzen als den Willen. Deutschlands Stellung in der Welt nachhaltig, aber loyal zu ver« treten. Ich habe dabei den Eindruck gehabt, daß wir dabei nicht schlecht gefahren sind.(Zustimmung rechts.) In einem will ich dem Abg. Stresemann durchaus beipflichten: Auch ich bin der Ansicht, daß eS von Jahr zu Jahr eine größere und bedeutungsvollere Aufgabe unserer auswärtigen Politik kaum gibt als: die wirtschastlichen Interessen Deutschlands im Auslande zu fördern, und ich bitte den Reichstag, überzeugt zu sein, datz ich in vollem Bewußtsein der Größe gerade dieses Teils meiner Aufgabe ihr auch alle meine Kräfte widmen werde.(Lebhafter Beifall.) Im Zusammenhange mit dieser Frage möchte ich auf die Frage deS Herr» Abg. Stresemann bezüglich des StaatSangchörigkeits- gesetzes folgendes bemerken: Es ist leider unmöglich gelvorden, wie ich ursprünglich gehofft hatte, im Laufe der gegenwärtigen Session dem Reichstage den Gesetzentwurf vorzulegen, aber ich werde persönlich bestrebt sein, die Frage so zu fördern, datz nicht mehr zu lange Zeit vergeht, bis dieier einmütig vom Deutschen Reichstage geteilte Wunsch zur Er- füllung gebracht wird.(Bravo!) Zum Schluß lassen Sie mich noch einige wenige Worte über daS Verhältnis der Parteikonstellationen zur auswärtigen Politik sogen. Acutzcrungen in öffentlichen Versammlungen sollen nach Preß- Nachrichten, die unwiderrufen geblieben sind, dahin gelautet haben, ich werde genötigt sein, eine schwächliche und nachgiebige auswärtige Politik zu leiten, weil ich keine feste Majorität des Reichstages hinter mir habe, und insofern hätten sich die Zustände im Vergleich zu der Zeit des Blocks wesentlich geändert. Ich möchte meinen, die Parteien sollten eS von rechts bis zum äugersten linken Flügel von sich ablehnen, als ob sie das Matz der Unterstützung, die sie der Regierung in Fragen der auswärtigen Politik gewähren wollten, abhängig machten von der grötzcren oder geringeren Zu- friedenheit mit der Leitung der inneren Politik.(Beifall.) Mir ist eS wenigstens noch nie in den Sinn gekommen, mich durch die Angriffe, die mir wegen der inneren Politik zuteil werden, auch nur um ein geringes in der auswärtigen Politik von der Linie ab- bringen zu lassen, die ich als die für Deutschland gewiesene ansehe (Beifall rechts.) Und ich werde es auch nicht in Zukunft tun und ich hoffe dabei von dem Vertrauen getragen werden zu köimen, in dem in allen Fragen, welche die Stellung Deutschlands in der Welt angehen, der Deutsche Reichstag einig sein wird.(Lebhafter Beifall.) Abg. Liebrrmanu v. Sonncnierg(Wirtsch. Vg.): In der Budget kommilsion haben die Brüder Mannesmann keineswegs eine Nieder- läge erlitten, wie der Abg. Scheidemann behauptet hat. Am Schluß seiner Rede hat Herr Scheidemami sich eine plumpe Anödung des Reichskanzlers und des Polizeipräsidenten v. Jagow geleistet Ich meinerseits habe mich gefreut über die energische preutzische Sprache des Polizeipräsidenten.(Große Heiterkeit links.) Den Dsmon- stranten täte ein kalter Wasserstrahl not!(Zuruf: Auch bei Ihnen würde eine kalte Douche nichlS schaden I Heiterkeit und Zustimmmig.) brauche Abg. Dave(Fortschr. Vp.): Auf die Ausführungen des Vorredners iche ich mich wohl nicht weiter einzulassen.(Lebh. Zustimmung.) ScklosseS machen die Verwandlung mit. Der rundlich sanfte Kaplan erscheint als fanatischer Mönch und will den Börsenmakler Jlaaksohn, mit dem er eben erst friedlich bei einer Partie Whist zusammensatz, durchaus dem Scheiterhaufen überliefern. Aus der fchwännerifchen Braut des jungen Herrn ist eine verfolgte Unschuld im weißen Nonnengewand geworden, die ihm ihre Huld verspricht, wenn erden Nebenbuhler, einen irischen Baron im Kampfe bezwingt Alle Ver- suche des kleinen Lord, den Leuten vernünftig zuzureden, sind ver- geblich. Er akklimatisiert sich aber rasch und bringt eS in dieser Welt zu hohem Ansehen. Als er für die Zigarette ein Zündholz anreißt, sinkt alles ehrfurchtsvoll vor diesem Wunder in die Knie. Und wenn er auch in seiner Ritterrüstung halb ertrinkt, boxt er den Widersacher und Verfolger doch siegreich in den Sand. Die Situationen geben nur die Möglichkeit der Komik. Datz wirklich Komik, und stellenweise eine solche von unbezwinglich ansteckender Kraft herauskam, war dem Spiel des Herrn B a s e l t, der früher 'chon im Friedrich-Wilhelmstädtischen Theater Proben eines eigen- artig humoristischen Talents gegeben bat, zu danken. Er lanzrerte die größten Sottisen in einem unverschämten Ton der Selbst- Verständlichkeit, der seine Wirkung nie verfehlte. Die übermütig aggressive Haltung, die er unter den hochaufgeschossenen Recken cm- nahm, stand im drolligsten Kontrast zur Kürze der Gestalt Ein Terrier, der Neufundländer herausfordert Er wußte die Effekte bis zum Schluß zu steigern, wo er, erwachend, mit dem Schwert in der Hand die Attitüden seines nächtlichen Rittertums vor den erschreckten Freunden noch eine Zeitlang weiter mimt und seine Braut zu schmelzender Bewunderung fortreißt. DaS Publikum schim sich sehr gut zu unterhalten. dt Schiller• Theater Charlotte n bürg:„Hans Lange*. Von Paul H e y s e. Dies Schauspiel ist entstanden, nachdem der Dichter die Hälfte seines gegenwärtigen Lebens über- schritten halte und zählt mit„Kolberg* zu den wirkungsvollsten wie ersolgreichsten aller seiner Dramen. Daß es sich seit 45 Jahren auf dem Repertoire vieler Bühnen erhalten hat, verdankt eS neben dem glücklichen Stoff— glücklich um der, wenn man will populären Titelgestalt willen— einer kräftigen Charaktcrzeichnnng und derber lebendiger Führung. Es ist Heyse gelungen, eine zum besten Teil wirklich dramatische Handlung zu entwickeln. In der zweiten Hälfte de» Schlußaktes zerflattcrt aller- dings die bis dorthin beobachtete Konzentration, um sich nunmehr in äußerliche Theatralik mit moralischen Nutzanwendungen auf- zulösen. Als Ganzes betrachtet, ist HanZ Lange doch eher eine Reihenfolge von effektvoll aufgebauten Szenen und erbringt den Beweis für HeyfcS vorwiegend novellistische Be- gabung. Der Dialog hat Schlagkraft, gewiß, und die Sprache besitzt farbige Bildlichkeit und sinnlichen Reiz; allein sie entbehrt doch auch nicht papierener Einschläge; ihr fehlt, kurz gesagt, daS eigentlich volkstümliche Element. Daß unter den in d,e Handlung eingreifenden Personen grad die Frauen— mit Ausnahm» DörtenS— am schwächsten ausgefallen, Mit dem Reichskanzler können wir miS über auswärtige Politik sicher eher verständigen als über innere Politik, aber schließlich bildet die gesamte Politik ein untrennbares Ganzes, und Vorgänge der inneren Politik wirken ungünstig auf unsere äußeren Beziehungen zurück; die gewaltsame Polenpolitik schädigt unS in Oesterreich, und die reaktionäre Preußenpolitik stößt Italien ab. Die Polizeifzsnen vom 6. März tragen auch nicht gerade zur Hebung unseres Ansehens im Auslände bei.(Lebhafte Zustimmung.) Was die Gebrüder ManneSmann betrifft, so steht die Mehrheit meiner Freunde auf dem Standpunkt, daß daS Vorgehen der Herren keines- wegS geschickt ivar. Reichskanzler v. Belhmann Hollweg: Der Dbg. Liebermann v. Sonnenberg hat Angriffe auf daS Auswärtige Amt und seinen verdienstvollen Leiter gerichtet, die in ihrer Gesamtheit das Unerhörteste darstellen, was ich hier je gehört habe.(Lebhafte Zustimmung im Zentrum und links.) Ich iveise (mit großer Erregung) solche Verunglimpfungen mit Entrüstung zurück.(Lebhafter, anhaltender Beifall auf der gesamten Linken. im Zentrum und bei einem Teil der Rechten.) Es ist unerhört. daß ein Abgeordneter sich hier zu der Wendung versteigt, ein Deutscher, der sich auf daS Auswärtige Amt vcrlajse, sei berlasscir genug. Der Abgeordnete hat— und daS sollte wobl noch eine Liebenswürdigkeit für mich fein— zwischen mir und dem Staats- fekretär geglaubt einen Unterschied konstruieren zu tollen. Ich weise solche Untrrsweidung zurück! Ich(in erneuter sehr heftiger Erregung) trage die volle Verontwortmig für die Führung der auswärtigen Politik und bitte, sich an mich zn halten, wenn man Ausstellungen zu erheben hat I Ich weise noch einmal die unerhörten Angriffe mit aller Entschiedenheit zurück.(Lebhafter anhaltender Beifall im gesamten Hause mit Ausnahme einiger Konservativen und der Antisemiten.) Staatssekretär v. Schorn: Die Konsulate erfüllen in jeder Be» ziehung ihre Pflicht, aber als unentgeltliche RechtSausknnstsbureauS können sie schließlich nicht immer fungieren, und Einfluß auf die Rechtsprechuna fremder Länder können sie doch nicht üben!(Sehr richtig! links.) Bezüglich der Zulaffung von deutschen Juden in Rußland sind in Rußland von uns Vorstellungen erhoben. Rußland hat uns ge- antwortet, es fei eine Aendernng des gesamten PaßwesenS in» Auge gefaßt; vorher köime nichts geschehen. Herr Hansen bat über die Ausweisung von Dänen geklagt ES ist daS eine Angelegenheit der inneren Politik. UebrigenS weisen deutsche Behörden niemand aus, ohne schwerwiegende Gründe zu haben, und mit Nachdruck lege ich gegen die Behauptung Ver- Währung ein, daß wir Dänemark gegenüber die Vertragstreue ver- letzen. Der Abg. Liebermann v. Somienberg hat mich persönlich an» gegriffen und zu diskreditieren versucht; er hat sich auf die Seite derjenigen gestellt, die mir unter Zuhilfenahme von allerlei Klatsch den Makel undeutscher Gesiimung anheften wollen. Ich weise jene Verunglimpfungen von mir. besonders jene Unterstellung, als ob mein Sinnen, Trachten und Tun von anderen Rücksichten eingegeben sein könnte als von Rücksichten auf das deutsche Baterland.(Leb- hafleS Bravo I rechts.) Abg. Dr. Arning(natl.): Die Ausführungen des Herrn Scheide- mann dürfen nicht unwidersprochen in die französische Preffe gehen, Er sagte, das deutsche Volk sei belogen worden durch die Presse. Die Herren ManneSmann sind aber erst in ganz letzter Zeit an die Oeffentlichkeit gegangen. Den Beweis, daß die Grundlage der Ansprüche der Gebrüder MalUKZmmm oberfaul seien, hat Herr Schcidemann nicht erbracht Dbg. Dr. David(Soz.): Ich will auf die Erörterung der Rechtsansprüche nicht nochmals eingehen. Was gestern mein Freund Scheidemann in dieser Frage gesagt hat, war durchschlagend. Und nachdem heute der Herr Reichs- kanzler die Hohlheit dieser Ansprüche mit klaren Worten dargetan hat, sollten die Herren eS wirklich aufgeben, sie noch zu verteidigen. WaS die Gebrüder Mannetniann beanspruchen können, sind Billigkeitsgründe, die hat man ihnen von vornherein zugestanden. Herr Liebermann v. Sonnenberg hatte in der Kommissron eine Resolution eingebracht, die seinen Stand- pnnkt>n der Mamtesmannfrage fesflegte, hatte aber dmm garnicht den Mut, sie überhaupt zur Adftimrmmg zu bringen!(Hört! hört!) Auch eine weit zahmere Resolution der Herren Arning und Genoffcn wurde abgelehnt Die Erklärung der Kommission okzep- tierte durchaus den Standpunkt deS Auswärtigen Amtes. Wenn Herr Liebermann behauptete, wir ließen unS in der Sache nicht von den Jntercffen des deutschen Volkes leiten, so brauche ich einen solchen Vorwurf nicht zurückzulveise». Wenn die Geschichte wo nicht gar Schablonen sind, spricht für HeyseS lyrische Weichheit Geschloffen ist dagegen die Charalterisiermig des Bauern Hans Lange, deS jungen Herzogs BuaSlaff, deS intriganten Hofmarschalls, sowie deS Juden, einiger ponmierscher Edekleute und deS GroßknechtS Henning. Max P a t e g g verkörpert den Titelhelden mit Wucht, wobei feines Baffes Grundgewalt nur manchmal allzustarke Register zieht Richard W i r t h(Hofmarschall von Massow), Conrad Wien«(BugSlaff), Gertrud Gräbner(Dürte) waren gleichfalls vortrefflich. Weniger gilt das von Hedwig P a u lst(Herzogin Sophia), mehr hinwiederum von den Vertretern einiger Nebenfiguren, wie: Willy Eberhardt, Alfred H a a f e und Waldemar A l f r e d o. Das Hau? guittierte mit einmütigem stackein Applaus.». K. Notizen.• — Die Chemie der Flora-Büste. In der»Chemiker Zeitung* veröffentlicht Dr. Georg PinkuS die genaue chemische Untersuchung de» zur Herstellung der Florc� Büste verwandten Wachses und Iveift nach, daß das Wachs aus Firnis, Walrat und Bienenwachs besieht.(Die untersuchte Probe entstammt dem inner» Keni der Büste I) Da nun Walrat erst nach 17V0 Vekaimt gelvorden ist. kann auch die Büste nicht älter sein. Weiter stellt Dr. PinkuS fest, daß auch der englische Bildhauer LucaS zu seinen Arbeiten das gleiche. Firnis und Walrat enthaltende Gemisch verwendet hat, so daß dieser mit höchster Wahrscheinlichkeit als Verfertig« der Büste anzusehen ist. — Kapital und Presse. Der Chefredakteur de? norwegischen liberalen BlatteS„Verdens Gang", der das Blatt hochgebracht hat, kündigte feine Stellung und sämtliche Mitarbeiter schloffen sich der Kündigung an. Ein Mitglied des VcrwaltnngLrateS, der über die Mehrheit der Aktien verfügt hatte in die RedaktionSführung ein- gegriffen. Die austretenden Redakteure wollen ein neue» Blatt begründen. — Welches Recht verleiht die Konfirmation? Wie die Wahlrechtsbewcgung alle Schichten durchdringt, beweist ein Vorfall, der gleichzeitig auf den Nutzen deö KoiifirmationöuiiternchtZ ein besonderes Licht wirft. Die„Magdcb. Ztg.* berichtet darüber: „Alö während der Prüfung der Konfirmanden in einer hiesigen Kirche der Geistliche die Frage stellte:„Welches Recht wird Euch mit der Konfirmation zuteil?" erfolgte von einem Volksschüler die Antwort: „Das Wahlrecht." — Die gesundheitliche Bedeutung des Zuckers. Daß der Zucker ein ausgezeichnetes Mittel zur Muskelkräftigimz darstellt, ist seit einer Reihe von Jahren bekannt. Er verdient de»» halb einen hervorragenden Platz bei der Ernährung der arbeitenden Klasse, der SportSIeute, Touristen und Soldaten. Dr. GradincScn hat vor kurzem bei Personen, die 20 Stunden gefastet halten. de.n Grad der Ermüdung der Muskeln festgestellt und gefunden, daß durch die Verabreichung von nur 25 Gramm Zucker die Zusammen- ziehmrgen der Muskeln viel kräftiger werden und die Ermüdung viel später eintritt. «ntscheide», wer für die Interessen d-S Volkes mehr getan hat, die Sozialdelnvkratie oder die Freunde des Herrn Liebermann, so Aweifle ich nicht, zu wessen Gunsten die Entscheidung aus- fallen wird. Die Maunesmann-Affäre wurde vom Alldeutschen Verband in einer Weise betrieben, daß die Herren am liebsten an dem Feuerchen der Mannesmannfragc einen 23 e l t b r o n d an- geblaien hätten. In der bekannten Resolution der Alldeutschen wurde dem Auswärtigen Amt vorgeworfen, dafj es dem Ausland Waffen gegen deutsche Unternehmungen liefere. Die„Marotko-Korrespon- denz" meinte dazu, diese Resolution sei ein Schlag gegen die Re- gierung. der sie härter treffe als alle Schläge der Opposition, denn diese Kundgebung komme au« 5kreisen. auf die sich die Regierung stützen müsse, wenn sie eine antidemokratische Politik treiben wolle! sHortl hört! bei den Sozialdemokraten.) DaS ist der Hintergrund der Sache, da dürfen Sie sich nicht wundern, wenn die Sozialdemokratie eS al-Z ihre Pflicht empfindet, in Wahrung der höchsten Interessen des deutschen Volkes einem so unverantwortlichen Treiben entgegenzutreten. Die Unterstellung des Herrn v. Liebcrmann, als wenn wir die Interessen des Auswärtigen Amtes vertreten, ist lächerlich. Nein, die schönen Augen des Herrn v. Echoen sind es nicht, die uns be- stimn.cn. Wir haben dem Auswärtigen Amt auch Sünden anzuschreiben. Es müßte gegen den Paßzwang gegenüber ausländischen Arbeitern einschreiten, und es hätte gegen den Vertragsbruch vorgehen müssen, den die preußische Regierung gegenüber Holland und Oesterreich beging, als sie die Einfügung der Schiffahrtsabgaben in das Kanalgesetz zuließ. Das Ansehen deS Reiches kann nicht gefördert loerden, wenn die preußische Regierung internationale Verträge ohne weiteres ignoriert.(Sehr wahr I links.) Auch die Handhabung des Aus- Weisungsrechts sollte das Auswärtige Amt besser übermachen. Der Herr Reichskanzler hat heute auf den diplomatischen Be- schluß vom August 1908 hingewiesen, der von Deutschland beantragt und einstimmig von den Algecirasmächten akzeptiert wurde: daß lein Berggesetz anerkannt werden könne, bevor eS nicht dem diplo- tnatischen Korps mitgeteilt und von ihm geprüft sei. Eine ganz selbstverständliche Sache, lind da mutet man der deutschen Regie- rung zu, sie solle in Verhöhnung ihres eigenen Antrages erklären: Wir stehen jetzt nicht mehr auf dem Standpunkt, denn inzwischen ist es einem Deutschen gelungen, einen fetten Happen wegzuschnappen! Ein solche» moralisches Harakiri(Selbstmord) den Vertretern des Deutschen Reiches zuzumuten, heißt: die höchsten Interessen der deutschen Nation auf das schwerst: gefährden(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten), das moralische Prestige unserer Vertreter vernichten.(Sehr richtig!) Wir halten Ehrlichkeit und Rechtsgefühl im Verkehr der Völker für eine Taktik, die auf die Dauer die Jntereffen eines Landes bester schützt als eine gegenwärtige Be- gaunerung.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Die Kardinalfragc unserer auswärtigen Politik ist das Verhältnis zwischen England und Deutschland. Von einer Lösung dieser Frage wird eS abhängen, ob ein Welt- brand vermieden wird. Die Gefahren aus dieser Spannung werden immer drohender. Die englischen Marinemilliardenforderungen sind das Resultat unserer deutschen Flottentreiberei. Man sollte das Wort des früheren Direktors im Auswärtigen Amt. des Herrn v. Holstein. beherzigen. daß eS darauf ankomme, die Lügen- hastigkeit des perfiden Satzes klarzumachen, jedes Schiff mehr sei eine Vermehrung der Macht deS Deutschen Reiches j denn jede» Schiff mehr sei der Anlaß, daß England z w e« Schiffe baue! Diese Aeußerung hat sich durch die EntWickelung glänzend bewahrheitet. Die englische Regierung hatte seit 1906 die Frage der Rüstungsbegrenzung ernsthaft proklamiert. Ein dahingehender Antrag eines englischen ArbeitersührerS wurde von der Regierung akzeptiert und vom Ober- und Unterhause an- genommen. Ja, die liberale Regierung wagte eS damals, das Marinebudget von 190S nachträglich zu reduzieren. Auf An- rearu Campbell Bannermcnis hat die internationale Kon- ferenz in London 1906 einst'""". g beschlossen, die Frage der Rüstungsbegrenzung auf dem H.>t ongreß vorzubringen. Dteselben Friedensfreunde, die diesen Be....uß mitfaßten, haben aber nachher die Politik deS Fürsten Bülow mitgemacht, die darauf hinauslief, die Besprechung dieser Rüstungsbegrenzung zu vereiteln und die englische Regierung zu desavouieren. Nachher hat noch einmal Lloyd George die Frage der Rüstungsbeschränkung inoffiziell anzuregen versucht. Alto die liberale Negierung hatte sich all die Jahre hindurch in der Frage engagiert und wurde von Deutschland desavouiert. Der AuStall der Wahlen bedeutete dann einen Sieg der Chauvinisten, und die liberale Negierung sah sich gezwungen, wenn sie nicht unter dem Einfluß des deutschen Schreckens weggefegt sein wollte, die ungeheuere Flottenvermehrung, die die Konservativen forderten, in ihr eigenes Programm oufzunehmen. DaS hat die deutsche Politik erreicht. Die Erklärung deS jetzigen Herrn Reichs- kanzlerS klang ja etwas entgegenkommender. Hoffentlich folgt ihr die Tat. Wenn unser Antrag auf Begrenzung der Rüstungen im vorigen Jahre angenommen wäre, so wäre eine solche Kundgebung deS Deutschen ReichSlages vor den englischen Wahlen eine Waffe für die Liberalen gewesen.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Dazu kommt, daß dieselben Leute, die in England die ungeheuer- liche Flottenvermehrung betreiben, auch die englischen Schutzzöllner find. Was ein zollgeschütztes Imperium für Deutschland bedeutet, ist selbst den Herren auf der Rechten nicht unbekannt. Auch Graf Könitz gab zu, daß daS eine schwere Schädigung für Deutsch- land bedeute. Würde der englische Markt uns verschlossen, so würde das eine Erschütterung des deutschen Wirtschaftslebens be- deuten, wie wir sie nock nicht erlebt haben. Daher muß unser KurS geändert werden.(Sehr tvahr! bei den Sozialdemokraten.) Ebenso schädigt der neue französische Zolltarif die deutsche Industrie aufö schwerste. Herr Bassermann hat eine Resolution eingebracht, wonach umere Regierung sofort Repressalien üben soll. Dan» hätten wir sofort den Zollkrieg, und deshalb lehnen wir eS ab. diesen Weg zu be- schreiten. Unser Freund Jaurös hat statt dessen in der französischen Kammer beantragt, eine internationale Verständigung aller Regie- rungen zur Herabsetzung der Zollgebühre» herbeizuführen, und die französische Kammer* hat diesen Antrag angenommen und dadurch ihr prinzipielles Einverständnis erklärt, auf dem Wege der Verhandlungen aus dem immer unhaltbarer werdenden Zustand herauszukommen. Wir laden Sie(nach rechts) ein. aus diesem Wege mitzugehen. Gehen Sie auf Ihrem Wege weiter und kommt dann auch England zum Schutzzoll. so beschwören Sie eine Katastrophe über Deutschland herauf, die Sie nicht verantworten können. Freilich, ein Gutes würde sie haben. sie würde die Junkerherrschaft hinwegfegen, und daS tväre zu be- grüßen.(Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Herr v. Dirksen»neinte, die preußischen Zustände seien vor- bildlich. daS kann nur Heiterkeit erregen. Weiter sagte er. wir ivollen gegen das preußische Wölk mobil machen. Nein, wir wenden uns nicht gegen daS Volk, sondern gegen dos Kastentum und das agrarische Junkertum, das Preußen beherrscht I Wir stehen auf den, Standpunkt einer kulturellen Jnteresiei, Politik der Völker. Von diesem Standpunkt aus wollen wir alles tun, um eine friedliche Verständigung der wirtschaftlichen und politischen Gegensätze der Völker herbeizuführen. Neun Zehntel der Bevölle- rung stehen auf demselben Standpunkt. DaS alte christliche Ideal der Solidarität der Völker ist heute eine politische und Wirtschaft- liche Notwendigkeit geworden, und deshalb wird dieser Gedanke den Sieg erringen. Deshalb ermahnen wir auch die Liberale», ihren früheren Idealen treu zu bleiben. Schließen Sie sich uns an und liefern Sie damit den Beweis, daß die große Mehrheit des Volkes auf diesem Standpunkt steht. Die Sozialdemokratie hat schon Mllionen in allen Ländem zu dieser Einsicht gebracht und dadurch dem Vaterlande und der ganzen Kultnrwelt einen ungeheueren Dienst gelefftet.(Lebhaftes Sehr richtig I bei den Sozialdemokraten.) Ich weise eS zurück, daß unsere internationale Gesinnung von Herrn Lirbermann v. Sonncn- berg mit antinationaler Gesinnung gleichgestellt wird. Wir erlennen jedem Volke fem« nationale Selbständigkeit zu, das ist ew Prinzip unserer Jnteruationalität. Wir find darin auch einverstanden mit unseren Freunden jenseits der Grenzen, und da England im Vordergrunde des Interesses steht, will ich schließen mit den Worten des Führers der englischen Arbeiterpartei, hinter der bereits l'/a Millionen englischer Arbeiter stehen: Wir sind auch der internationalen Arbeiter- und sozialistischen Bewegung angeschlossen, deren Mackt von der Diplomatie nicht mehr ignoriert werden kann. Und je stärker wir werden, desto unmög- licker wird es für die Diplomatie, Aristokratie, Kriegshetzer und Völkerverhetzer werden, die Arbeiterklassen aller Länder in einen Krieg gegeneinander hineinzutreiben.(Lebhaftes Bravo! bei den Sozialdemokraten.) Staatssekretär v. Echoen: Der Abg. David nannte den Beschluß der preußischen Regierung über die Schiffahrtsabgaben einen Vertragsbruch gegen Oesterreich-Ungarn I(Sehr richtig I bei den Sozial- demokraten.) Diese Behauptung muß ich auf das eittichiedeiiste zurückweisen. Selbstverständlich wird diese schwierige Frage nicht anders als auf dem Wege der freundlichen Verständigullg gelöst werden. Hierauf wird ein Antrag auf Schluß der Debatte an» g e n o m m e it. Abg. Liebermaim v. Sonitenburg(Wirtsch. Vg.. persönlich) erklärt. er habe den Reichskanzler nicht in einen Gegensatz zum Staatssekretär gebracht; es sei auch nicht wahr, daß er Klatsch und Tratsch gegen den Staatssekretär v. Schoen vorgebracht habe. Der Titel.Staatssekretär' wird bewilligt. Beim Kopuel„Gesandtschaften und Konsulate" wendet sich Abg� Gothel»(Forlschr. 93p.) dagegen, daß preußische Minister durch zollkriegerische Ausführungen störend in unsere auswärtigen Beziehungen, z. B. zu Amerika, eingreifen. Abg. Dr. Goercke(uatl.) spricht über den Schutz der Deutschen im Auslände und bringt dabei den Fall Haß aus Venezuela zur Sprache. Staatssekretär v. Schoen: Die Beschwerden des Herrn Haß waren teils völkerrechtlich nicht vertretbar, teils unbegründet. Abg. Scheidemanu(Soz.): Die Madeira-Mamors-Gesellschaft baut am oberen Amazonas in Brasilien eine Eisenbahn, wozu sie deutsche Arbeiter suchte. Unser Auswärtiges Amt und die Zentrale für Auswandererwesen, an welche das Auswärtige Amt sich um Auskunst wandte, warnte die Arbeiter ausdrücklich»ach Brasilien zu gehen. Es fanden sich mehrere Hundert bereit, weil ihnen ein Arbettsverdienst von 15 M. und eine acht- stündige Arbeitszeit— für jenes Klima außerordentlich viel— zu- gesichert und in Deutschland während der Krise keine Arbeit zu finden war. Als sie in Hamburg ankamen, warnte das Auswärtige Amt und auf seine Veranlassung der Hambnrgische Senat die Ar- beiter noch einmal. Aber diese Warnung war deshalb vergeblich, weil ein Telegramm vom deutschen Konsul in Manaos eiiittaf. der daS Klima für erträglich erklärte. Als die Arbeiter in ManaoS an Ort und Stelle eintrafen, wurde ihnen erklärt, der in Deutschland geschlossene Vertrag sei ungültig, sie bekämen nur 8 Mark und müßten 10 Stunden arbeiten. Bei den Berawngen darüber wurden sie von Angestellten der Madeira-Mamorsgesell- schaft mit geladenen Flinten bewacht, und so ist es erklärlich, daß etwa 200 auf die Bedingungen eingingen. Die übrigen, die das nicht wollten, wurden in den Unvald getrieben!(Hört l hört I bei den Sozialdemokraten.) Sie bauten sich Flöße, um zurück- zufahren; eines dieser Flöße barst und ein Teil ertrank, ein anderer Teil wurde von Indianern ermordet, ein Teil schließlich nach ManaeS zurückgebracht, fast alle in krankem Zustande, und auch da hat sich der Konsul in ManaeS wieder ganz unglaublich benommen. indem er die Leute auf der Straße liegen und dann auf Karren ins Spital schaffen tiefe! Innerhalb 6 Tagen sind dort auch noch neun gestorben I Endlich nahm sich der Konsul in Rio de Janeiro der Leuie an und ließ 44 nach Hamburg zurückbringen, wovon freilich nur 38 Noch lebend eintrafen. In Hamburg trafen die Leute um 1 Uhr nachts ein, und sofort wurde ihnen ein Revers zur Unterschrist vorgelegt, sie sollten sich verpflichten, die Reisetosten an daS Auswärtige Amt zurückzuzahlen I(Hört I hört! bei den Sozialdemokraten.) Abgesehen von dieser bureaukratischen Maßregel hat das Auswärtige Amt, so lange die Leute in Deutschland waren, alles getan, um sie zurückzuhalten, aber der Konsul in Manaes, der die Zustände genau kannte, hat die Leute hingclockt. Ich möchte an alle Parteien die Bitte richten, in ihrer Presse Warnungen an die Arbeiter vor der Madaira-Mamerä- Gesellschaft ergehen zu lassen, und weiter frage ich den Staats- sekretär, in welcher Weise er sich mit dem Konsul in ManaoS aus- einandergesetzt hat. Direktor im Auswärtigen Amt FrantziuS(auf der Tribüne fast unverständlich) gibt die Darstellung deS Abg. Scheidemann als richtig zu. Abg. Dr. Heckscher(Fortschr. Vp.): Wir haben in der Er- klärung der Regierung vermißt, was mit dem Konsul in Manaos geschehen ist, durch dessen Verhalten ein wahrhaft frevelhaftes Spiel mit dem Leben deutscher Arbeiter getrieben ist. Abg. Scheidemann(Soz.): Ich möchte da? Auswärtige Amt bitten, eine strenge Mahnung an unsere Vertreter im Ausland er- gehen zu lassen, in derartigen Fällen der Wahrheit gemäß Auskunft zu geben, ittckit aber in Rücksicht auf irgend welche kapitalistischen Gesellschaften und Interessen zweifelhaste und deutbare Auskünfte. wie sie der Konsul in Manaos gab, indem er nach Hamburg tele- graphierte: das Klima ist erträglich!(Bravo I bei den Sozial- demokraten.) Direktor im Auswärtigen Amt FrantziuS: Wir haben von dem Konsul in Manaes einen Bericht eingefordert; der ist jedoch nock nicht-eingetroffen. ES handelt sich un, einen Wahlkonsul, der dort lebt und das Klima wahrscheinlich nicht für so sehr schlecht hält. Das Kapitel wird bewilligt. Beim Kapitel.Allgemeine Fonds' werden von der Forderung von 1 800 000 M.„zu'geheimen Ausgabru" gemäß dem Antrage der Budgetlommission 300 000 M. gestrichen. Der Rest des Etats wird dcbatlelos bewilligt. ES folgt der Etat deS Reichsschatzamtes. Die hierzu vorliegenden Resolutionen zur Eosinfrage und der Veteranenfrage werden zur Beratung nach Osten, zurück- gestellt. Ein Antrag Albrecht(Soz.) wünscht Aenderung des Tabak- steuergesetzes vom 15. Juli 1909 dahin, daß den Einzelstaaten weitere Mittel zur Verfügung gestellt werden, um die Hausgewerbe- treibenden und Arbeiter des TabakgewerbeS, die infolge des Gesetzes arbeitslos geworden sind, ausreichend zu unterstützen, sowie Em« stellung der erforderlichen Summe in einem RachtragSetat. Abg. Stolle(Sozi): Der Reichstag hat am 4. März vorigen Jahres eine Petition um Wiedereinführung deS Identitätsnachweises und Aushebung der AuSnahmetarife für Brot und Mehl der Regierung zur Berück- sichtigung überwiesen. Hierauf ist gar nichts geschehen, während aararischen Wünschen sofort Rechnung getragen wird.(Leb- bastes Sehr wahr! bei den Sdzialdemokraten.) 5?n der Frage der Einfuhrscheine hat Herr v. vethmann Hollweg im April vorigen Jahres erklärt, die vergrößerte Roggenausfuhr sei nicht eine dauernde Erscheinung, sondern nur auf die gute Ernte zurück- zuführen. Aber auch in diesem Jahre hat sich die Roggenausfuhr bedeutend vergrößert. Was gedenkt die Regierung demgegenüber zu tun? Durch das System der Einfuhrscheine wird die Reichskaffe jährlich um viele Millionen geschädigt.(HörtI hörti bei de» Sozialdemokraten.) Die Regierung handelt, wie immer, auf Kommando der Aararier. Redner beweist aus der Statistik, daß die Brotpreise trotz der guten Ernte gestiegen find.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Auf dem Gastmahl des Landwirtschaftsrats hat der Graf Schwerin- Läwitz gesagt, die Verteuerung der Lebensmittel rühre von den er- höhten Ansprüchen der Arbeiter und den gesteigerten Löhnen her. Ich frage den Präsidenten, was für Löhne die Arbeiter bekommen? Präsident Graf Schwerin: Der Präsident des Reichstages ist nicht in der Loge, Auskunft zu aeben über da», wa» der Graf Schwerin-Lvwitz im Landwirt- fchastsrat gesagt hat.(Große Heiterkeit,) Abg. Stolle(fortfahrend): Nun, die hohen Löhne der Arbeiter, die der Graf Schwerin» Läwitz rühmt, sind ganze 13 Pf. in der Stunde I(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Es ist Zeit, daß mit der gesamten Zoll» Wirtschaftspolitik gebrochen und endlich freie Bahn für den Handels» verkehr geschaffen wird.(Bravo! bei den Sozialdemokraten.) Reichsschatzsekretär Wermuth: Die versprochene Denkschrift über die Einfuhrscheine wird dem Reichstage in den nächsten Tagen zu» gehen. Die fortdauernden Ausgaben werden bewilligt. Bei den einmalige» Ausgaben beantragt die Kommission, einen Titel in Höhe von 750 000 M. einzustellen zur Gewährung von Beihilfen an Hausgewerbetreibende und Arbeiter des Tabakgewerbes in Fällen besonderer Hilfsbedürstigkeit, für die Zeit, nachdem der Viermillionenfonds aufgebraucht ist. Hierzu gehört der oben mitgeteilte sozialdemokratische Antrag sowie ein weiterer Antrag Albrccht, in dem Wortlaut der Kommission die Worte„in Fällen besonderer Hilfsbedürftigkeit' zu streichen. Staatssekretär Wermuth: Der Fonds von 4 Millionen wird im Hochsommer zu Ende gehen. Für die weiteren Unterstützungen wird der von der Kommission eingesetzte Betrag von 750 000 M. wenigstens reichen, bis der Reichstag wieder zusammentritt. Sollte das aber nicht der Fall sein, so werde ich mich für berechtigt halten. Not- ständen und Schwierigkeiten auch dann mit weitherziger Auslegung des Gesetzes abzuhelfen. Abg. Molkenbuhr(Soz.): Die Schwierigkeiten in dieser Frage sind nur entstanden dadurch, daß das Zentrum den Fonds auf vier Millionen beschränkt hat. Die Regierung wäre auch so sehr sparsam mit den Mitteln umgegangen, denn eS handelt sich ja um Arbeiter und nicht um Großgrundbesitzer!(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Unser Antrag auf Aenderung deS Gesetzes würde alle Schwierigkeiten be- fettigen. Daß die vier Millionen nicht reichen würden, haben wir ganz richtig vorausgesagt. Mit Rücksicht auf die geringe Summe wird eine Reihe von Bedürftigen von der Unterstützung auSge- schloffen. Zunächst viele kleine sogenannte„Fabrikanten', die eigentlich Arbeiter sind, ihr Gewerbe aufgeben mußten, aber keine Entschädigung erhalten, weil sie„selbständige Gewerbetreibende' waren. Ebenso sind die Zigarcttenarbeiter ausgeschlossen, die auch gerade infolge dieses Gesetzes brotlos geworden sind. Ferner sind Leute ausgeichloffen, die Zigarrenarbeiter waren und vom Militär kamen. Nun behauptet man, die Lage in der Tabakindustrie bessere sich. Die„Süddeutsche Tabakzeitung" bestreitet da» entschieden.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Wer Wahrjcheinlichkett nach wird der Rückgang wie nach 1379 auch dies- mal länger andauern, insbesondere in den Bezirken mit höheren Löhnen. Die Worte„in Fällen besonderer Hilfsbedürftigkeit" bedeuten eine Neuerung, die im Gesetz nicht steht. Es soll also nicht mehr die Arbeitslosigkeit infolge des Gesetzes genügen. Aber diese Worte werden dazu führen, daß Unterstützung nur dann gewährt wird. wenn der Mann so weit heruntergekommen ist, daß er auch Armenunterstützung bezieht. Wie sollten die Zollbehörden über- Haupt die Hilfsbedürstigkeit feststellen? Wir beantragen daher die Streichung dieser Wort. Wenn Sie die Worte aufrecht erhalten wollen und damit zum Ausdruck bringen, daß nach Erschöpfung de» Fonds die Voraussetzungen zum Bezug dieser Unterstützung andere als bisher werden sollen, so bitte ich Sie, lieber unseren Antrag anzunehmen, der das Gesetz so ändern will, daß neue Mittel zur Verfügung gestellt werden, während die Voraussetzungen zum Be- zug der Unterstützungen dieselben bleiben sollen. Mg. Evcrling(natl.): Für meine Person kann ich erklären, daß ich für die Streichung der Worte„in Fällen besonderer HilfS» bcdürftigkeit" stimmen werde. Ministerialdirektor Kühn bittet, die Worte aufrechtzuhalten. Die Gewährung von Beihilfen ist auch im Tabaksteuergesetz an bestimmte Voraussetzungen geknüpft, und auch hier bei Einstellung eines besonderen Titels kann von der Bestimmung irgendwelcher Voraussetzungen für die Gewährung der Beihilfen nicht abgesehen werden. Abg. Doormann(Fortschr. Vp.) spricht sich für die Streichung der Worte:„in Fällen besonderer Hilfsbedürftigkeit" aus. Abg. Behrens(Wirtsch. Vg.): Am praktischsten wäre es, in' dem neuen Titel statt der zu streichenden Worte zu sagen:„Unter den Voraussetzungen des Artikels IIa des Tabaksteuergesetzes." Abg. Bebel(Soz.) und Gen. beantragen, statt der zu streichen» den Worte zu setzen:„die wegen der Aenderung des Tabaksteuergesetzes vom 15. Juli 1909 arbeitslos geworden sind". Abg. Frhr. v. Gamp(Rp.) beantragt, zu sagen:-im Falls der Hilfsbedürftigkeit". Der Antrag Bebel wird angenommen und mit der so beschlossenen Aenderung der Antrag der Kommission. Die Einmaligen Ausgaben werden bewilligt, der Rest des Etats debattelos erledigt. Es folgt die Beratung des Etats der Einnahmen an Zöllen, Steuern und Gebühren. Abg. Dr. Rösickc(k.) erörtert die Frage der Mühlenumsatz» steuer. Abg. Gothein(Fortschr. Vp.) polemisiert gegen den Vorredner. Mg. Hubrr(Soz.) führt Beschwerde über die Behandlung eines Weinhändlers durch die bayerische Zollverwaltung, wobei Verstöße gegen die Bestim- mungen des Zolltarifgesetzes vorgekommen seien. Bayerischer Ministerialrat Ritter v. Kohl bestreitet, daß die bayerische Zollverwaltung sich Verstöße gegen daS Tarifgesetz habe zuschulden kommen lassen. Abg. Dr. Barcnhorst(Rp.) wendet sich, wider Dr. Rösicke pole» misierend, gegen die Mühlenumsatzsteuer, die eine ungerechte Er» drosjelungssteuer sein würde. Wg. Lehmann-WieSbaden(Soz.) weist auf Unstimmigkeiten in den Ausführungsbestimmungen de»' Bundesrats zum Branntweinsteuergesetz hin, die zu Unzuträg- lichkeiten in der Praxis geführt haben. Ein Regierungskommissar sagt nochmalige Prü» fung zu. Abg. Dr. Rösicke(k.) weist den Abg. Varenhorst auf den bedenk. lichen Beifall der Linken hin, den er gefunden(Gr. Heiterkeit links); auf der rechten Seite des Hauses werde er keinen Bei, fall finden, auch nicht bei seinen engeren Parteigenossen. Damit schließt die Diskussion. Der Etat wird bewilligt. Debattelos wird dann der Etat der Reichsschtkld be» willigt sowie Etatsreste und das E t a t s g e s e tz. Hierauf wird in erster und zweiter Beratung debatteloS ein Gesetzentwurf zur Ergänzung des BesoldungS- ge fetz es, welches wegen der Umwandelung der Veterinär« beamtenstellen in Veterinäroffizierstellen die Veterinäroffiziere in daS Besoldungsgesetz einschaltet, angenommen. Es folgt die zweite Beratung des Entwurfs eines Reichs» kontrollgesetzes, welches die Kontrolle über den Reichs- Haushalt durch den Rechnungshof vereinfachen soll. Der Entwurf wird in der Fassung der Kommission debatteloS enbloc ange, n o m m e n. Debattelos wird auch eine hierzu von den Abgg. Baffer, mann(natlib.) u. Gen. gestellte Resolution angenommen, die einen Gesetzentwurf zur dauernden Regelung des RechnungS- Wesens durch den Rechnungshof wünscht, und eine Resolution Bassermann(natlib.) u. Gen., die eine Kommission von Ab- geordneten und anderen Sachverständigen und Grundsätze für eine kaufmännische Leitung, Verwaltung und. Ucbcrwachung der ReichSbetriebe wünscht. Damit ist die Tagesordnung erschöpft.' Nächste Sitzung; Donnerstag 10 Uhr.(3. Beratung des Er- gänzungseutwurfs zur. BesoldunaSvrdnyng, deS Rciqskontroll- gesetzes. des Etats.) SSluß 341® Ufr parlamentarisches. Stellenvermittlergesetz. Die Reichstagskommission zur Beratung des Stcllenvermittler- gesetzes beschäftigte sich in der Sitzung am Mittlvoch mit der Frage der Gebührenerhebung. Unsere Genossen Hildenbrand. Schmidt und Schwartz hatten beantragt, für den Stellen- suchenden allgemein die Gebührenfreiheit vorzuschreiben. Hier- gegen stimmten die Konservativen, das Zentrum, die Ltationallibe- ralen und die Fortschrittliche Volkspartei, womit unser Antrag zu Fall gebracht wurde. In einem Eventualantrag wollten unsere Partei» genossen bestimmen, daß die Gebühr für den Stcllensuchendcn nicht höher sein darf als die von den Arbeitgebern zu zahlende. Ver» ciübarungen zugunsten der Stellensuchenden sollten zulässig sein. Einen ähnlichen Antrag hatte das Zentrum eingebracht, und schließlich erklärten sich auch die übrigen Parteien mit der Tendenz der Anträge einverstanden. Nahezu einstimmig wurde dann fol- gender Antrag des Zentrums angenommen: „Eine Gebühr darf nur erhoben werden, wenn der Vertrag infolge der Tätigkeit des Vermittlers zustande kommt. Haben beide Teile diese Tätigkeit in Anspruch genommen, so ist die Gebühr von dem Arbeitgeber und dem Arbeitnehmer je zur Hälfte zu zohlen? eine entgegenstehende Vereinbarung zu Un- gunsten des Arbeitnehmers ist nichtig." In Absatz 3 und 4 der Vorlage wird dem Arbeitgeber daS Recht gegeben, die gezahlte Vermittelungsgedühr zurückzufordern, wenn der Arbeitnehmer den Dienst»ich! antritt. Die Genossen Schmidt und Hildenbrand kritisierten die Einseitigkeit der Bestimmung; es wäre eine ähnliche Anforderung auch für den Arbeit n e h m e r sicherzustellen. Unsere Genossen beantragen des- halb: »Der Anspruch des Stellcnvermittlers auf die vom Stellung- suchenden zu zahlende Gebühr erlischt, wenn der Arbeitgeber nach Absckluß des Vertrages den Eintritt in den Dienst dem Stel- lungsuchenden verweigert, oder der Stellungsuchende aus einem wichtigen Grunde den Dienst nicht antritt, oder der Dienstver- trag innerhalb vier Wochen nach Beginn der Dienstzeit gelost wird, weil sich herausstellt, daß dem zur Dienstleistung Verpflich- toten vom Stellenvermittler über die geforderten Dienstleistungen oder über die Entlohnung unwahre Angaben gemacht wurden!" Die Vertreter der bürgerlichen Parteien mußten anerkennen, daß die Einseitigkeit der Regierungsvorlage eine Ungerechtigkeit gegenüber den Arbeitern enthält. Man bemängelte nur, daß unser Antrag zu weit gehe. Schließlich wurde die Beschlutzfassung hierüber vertagt. Es soll ein Antrag formuliert lverden, der beiden Teilen unter gleichen Voraussetzungen die Rückforderung der Ge- bühren gestattet. Ein Antrag Burckhardt(Wirtsch, Vg.) will folgende Be- schränkung in der Gebührenerhebung: „Die Erstatwng barer Auslagen darf nur gefordert werden. wenn diese auf Verlangen des Auftraggebers erfolgen und glaub- Haft nachgewiesen werten. Besteht der Gewerbebetrieb nur in der Herausgabe einer Stellen- oder Vakanzenliste, so darf die Bezugsgebühr für diese Liste erst dann erhoben werden, wenn der Bezieher aus Grund der Liste eine Stellung erhalten hat. Die Stcllenvermittler dürfen nur Stellen veröffentlichen oder anpreisen, die ihnen unmittelbar vom Arbeitgeber zur Besetzung aufgegeben worden sind." Unsere Parteigenossen erklären sich gegen den ersten Absatz des Antrages, weil auf diese Art die festgesetzten Gebühren leicht umgangen werden können. Für das Gastwirtsgewerbe würde sicher nahezu in jedem Falle eine solch« Extragebühr erhoben werden. Der Antragsteller zog hierauf den Absatz l seines Antrages zurück. Für den zweiten Absatz stimmten außer dem Antragsteller nur unsere Parteigenossen, desgleichen wurde der dritte Absatz deS An- träges abgelehnt. Nächste Sitzung nach den Osterferien. Bus der Partei. 25 Jahre sozialdemokratischer Organisation in Norwegen. Dieser Tage waren 2S Jahre verflossen, seit in K r i st i a n i a der Sozialdemokratische Verein inS Leben trat, aus dem die Norwegische Arbeiterpartei hervorgegangen ist. ES war ein kleines, bescheidenes Bereinchen. dem nur die wenigen Leute Lebens- und EiuwickelungSsähigkeit zutrauten, die die welterobernde Macht des Sozialismus erkannt halten. Im Frühjahr und Sommer 1884 waren die gewerkichastlichen Bestrebungen in Kristiania lebendig geworden, was au» in einem größeren Streik zutage trat. Gleichzeitig hatte der VerfosürngSlanipf. der in jenem Jahre zur Bildung der ersten parlamenrari'chen Regierung führte, das politische Interesse des norivegischen Volkes stark entwickelt Mit Naturnot- loeiidigkeit mußte sich damals unter der kleinen Schar gewerkschaft- ljch organisierter Arbeiter der Gedanke geltend machen, daß die «irbeiterichajt zur Wahrung ihrer politischen und wirtschaftlichen Interessen einer selbständigen Arbeiterpartei bedurfte. Mit diesem Gedanken vor Augen gründete der Buchdrucker Chr. H, Knudstn im selben Jahre da« llcine Blatt„Bort Arbcide"(„Uirfere Arbeit"), da» dreimal wöchentlich erschien und zum Vorläufer deS Tageblattes „Socialdemolrate»" wurde. Am 8. Februar l38ö brachte„Port Arbeide' eine Einladung zur Bildung eines sozialdemokratischen VereiuS. „Da die politische Freiheit eine unentbehrliche VorauSseyiing für die ökonomische vefrciiing der arbeitenden Klassen ist", hieß es in diesem Aufruf,»nd da die soziale Frage von der politischen nicht zu trennen ist, werde» als erste poUliiche Forderungen aufgestellt: Das allgemeine, direkte und gleiche Wahlrecht für alle Staats- bürger vom 22 Lebensjahre ab.') Es folgten dann acht andere Progranimxuukto. die sämtlich liberale Forderungen cnthiellen, so daß dieser Programmenlwurf wohl demokratisch, aber inchr eigentlich sozialdemokratisch war. Der Verein wurde am 20. März gegründet und als man neun Tage später über daS Programm beschloß, wurde cS im Gegensatz zu dem Entwurf ein prinzipiell sozialdemokratisches. Aus dem keinen Berein entwickelte sich 1887 die Norwegische Arbeiterpartei, die zu Anfang natürlich auch nur eine sehr kleine Zahl von Mitgliedern hatte. ES ist nicht festgestellt, ivie viele es damals waren, aber 1890 waren eS noch nicht mehr als lüllS. Auf ibrcm letzten Parteitage zu Hamer 1009 zählte die Partei 27 833 Mitglieder. Zum 25. Geburtstag deS Sozialdemokratischen Vereins hatten die Parteigenossen in Kristiania eine erhebende Feier veranstaltet, bei der dem Genossen Knudien eine Dankadresse für seine unermüdliche Tätigleit im Dienste der Partei überreicht wurde. Neue sozialdrmoktratische Richter iu der Schweiz. In Baiel sind unsere Genossen Buchdrucker KrebS mit 3347 gegen 3724 Stimmen als AppellationSrichter und Dr. Phil. Strub mit 2413 gegen 1946 Stimmen(im zweiten Wahlgaug) als Zivilrichter gewählt worden. In R o r s ch a ch siegte bei der Wahl des Friedensrichter« im zweiten Wahlgang unser Genosse Schön mann mit 661 gegen 629 Stimmen. Drei neue sozialdemokratische Richter— es geht vorwärts. •) Das allgemeine gleiche Wahlrecht ist in Norwegen für die Männer vorn 25. Lebensjahre ab seit 1898 cingesührt; dag Frauen- Wahlrecht, daS an Steuerleistung gebunden ist, besteht seit 1997, wird aber jedenfalls auch bald allgemein gemacht werden. Die norwegische Sozialdemokratie fordert im übrigen die Herabsetzung des Wahlrechtsalters auf das 21. Lebensjahr. Abgesägt. Der Ehrenmann Oberhaus, der schon vor längerer Zeit durch den Vorstand deS Dortmunder Wahlkreisverein S aus der Mitgliederliste gelöscht wurde, ist jetzt auch durch ein- stimmigen Spruch des P a r t e i s ch i e d s g e r i ch t s aus der Partei gestrichen worden. Oberhaus machte jüngst von sich reden, weil er gegen die Dortmunder„Arbeiterzeitung", die ihn öffent- lich gebrandmarkt hatte, mehrere Prozesse angestrengt und zwei verdiente Genossen des Meineids denunzierte. Oberhaus suchte sich den AnarchoS zu nähern, aber auch die rückten von ihm ab._ poliscUiches, Ocnchtlichcs ukw. Die unparteiische Gemeindebehörde. Vor dem Schöffengericht in Bonn stand Genosse Merz unter der Anklage, den Bürgermeister von Beuel beleidigt zu haben. Als seinerzeit die Genossin Seelinger in Beuel einen Bortrag hielt, befand sich unter den Zuhörern auch ein ortsansässiger Händler. Bald darauf sprach dessen Frau aus dem Rathauie vor, um die Erlaubnis zur Errichtung eines Verkaufsstandes auf dem Jahrmarkt im benachbarten Rützchen zu erhalten. Da erklärte ihr der Bürge rmei st ereisekretär I.:„Wenn Sie von der Polizei Gefälligkeiten und von mir Fürsprache erwarten, so hätten Sie nicht in die sozialdemokratische Vers amm lun g gehen sollen; Sie tragen selbst die Schuld, wenn Sie die Erlaubnis nicht bekommen." Talsächlich wurde den Leuten die Erlaubnis bald nachher versagt. Man verneinte das Bedürfnis. Als hierauf der Vorsitzende der Filiale des Deutschen Tcxtilarbeiterverbandcs ebenfalls um eine solche Er- laubnis einkam, verweigerte man auch ihm diese, und zwar mit derselben Begründung. Als aber hinterher der Vorsitzende deS christlichen Verbandes die Erlaubnis haben wollte, wurde sie ihm anstandslos erteilt. Diese Vorgänge brachte Genosse Merz in einer Textilarbeiterversommlung zur Sprache, und infolge der Aufzeichnungen des überwachenden Beamten hatte er sich wegen Beleidigung des Bürgermeisters zu verantworten. DaS Gericht ver- urteilte M. zu 39 Mark Geldstrafe. Der Staatsanwalt hatte 59 M. beantragt mit der Begründung, die Aeußerung des Bürger- meistereisekretärs sei nur eine„philosophische Be- merkung", aus der nicht auf ein parteiisches Verhalten der Behörde geschlossen werden könne. DaS Urteil wird selbstverständlich die Strafkammer als Berufungsinstanz beschäftigen. Soziales. Zünftler gegen die Sozialgesetzgebung. Den Unternehmern, gleichviel ob Industrielle oder Zünftler, ist jede Art Sozialgesetzgebung ein Greuel, und mit allen Mitteln wird dagegen Sturm gelaufen. Besonders ist es der schüchterne Versuch der bayerischen Regierung auf dem Gebiete der Arbeits- loseuverflcherung, der die Wut eines Teils der Arbeitgeber hervor» gerufen hat. So beschäftigte sich eine am 14. März in Augsburg abgehaltene Versammlung der JnnungsauSschüsse deS Kreises Schwaben mir der Frage. Ein Rechtspraktikant Roth referierte im Stile des Reichsverbandes über die Arbeitslosenversicherung. Der Mann er- blickt seine Hauptaufgabe darin, über die freiorganisierte Arbeiter- schaft loszuziehen. Eine Versicherung gegen Arbeitslosigkeit durch Staat oder Gemeinde würde den Sparsinn der Arbeiter töten. Der Arbeiter müsse sich selbst helfen. Die Ausführungen deö Redners fanden naturgemäß bei den Zünftlern ungeteilten Beifall. Ein- stimmig gelangte eine Resolution zur Annahme, in der verlangt wird, icde Art von Arbeitslosenversicherung, sei sie vom Reich, Staat oder Kommune, abzulehnen. Die Stadtverwaltung Augö- bürg wird gebeten, weder den Ratschlügen der Staatsrcgierung zu folgen, noch dem Drängen der Gewerkschaften nach Einführung einer Arbeitslosenversicherung durch die Gemeinde nachzugeben. Der Internationale Kongreß für Sozialversicherung» der im Laufe des Jahres im Haag zu seiner neunten Tagung zu- sammentreten soll, wird sich hauptsächlich mit zwei Fragen be- ichästigen. Der erste Verhandlungstag umfaßt die verschiedenen Arten der StaatShilfe zu den Arbeiterpensioneu, die Beziehung zwischen Armensürsorge und Versicherung und die Prüfung dec rage, ob infolge der EntWickelung des Versicherungswesens die osten der Armenfürsorge sich verringert haben. Der zweite Ver- handlungsgegenstand wird die Einrichtung deS ärztlichen Dienstes bei der KrankheitS-, Jnvaliditäts- und Unfallversicherung betreffen. In Verbindung hiermit werden die Streitigkeiten zwischen Aerzten und Versicherungsanstalten und die Beziehungen zwischen Versicherung und sozialer Hygiene �ur Erörterung gelangen. Uebcr die Ausdehnung der sozialen Versicherung auf neue Gruppe» von Interessenten, die Witwen- und Waisenversicherung und die Arbeitslosenversicherung werden nur schriftliche Referate erstatte: werden. Die Folgen ungenügender Prüfung der gerichtlichen Zuständigkeit. Auch wenn von feiten keiner Partei gegen die Zuständigle« deS angerufenen Gerichts Einwände erhoben werden, hat sowoh: das Kaufmanns- wie auch das Gewerbegericht die Zuständigkeit von AmtS wegen zu prüfen. Die Kläger bevorzugen das Sonder- gericht wegen der Billigkeit und Schnelligkeit des Versahrcns. Die Kaufmannsgerichte lassen darum, wenn vom Verklagten dagegen nicht? eingewandt wird, manchen auf der Grenze der Zuständigketr liegenden Fall durrhgchcn. Daß dies aber nicht immer im Jnter- esse der Angestellten ist, lehrte folgender Rechtsfall, mit dem sich dieser Tage die 5. Kammer des Berliner tiaufmannsgerichtS be- schäftigte. Obgleich es zweifelhaft war, ob der betreffende Kläger als angestellter Reisender oder als selbständiger Agent anzusehen sei, nahm das Gericht ersteres an und kam zu einer Verurteilung des Prinzipals. Die von letztcrem eingelegte Berufung zog sich ein ganzes Jahr hin und endete schließlich damit, daß das Land- gericht daS Kausmannsgcricht für unzuständig erklärte. Der Agent mußte von neuem klagen, und als er endlich einen vollstreck- baren Schuldtitel in Händen hatte, war der Schuldner in titnilkurs geraten. Hätte das KaufmannLgericht seinerzeit die Zuständigkeits- frage genauer geprüft, so wäre der Kläger sicherlich noch rechtzeitig zu seinem Gelde gekommen.— Aus Anlaß dieses Falles wird, wte der Vorsitzende des Kaufmannsgerichts erwähnte, in Zukunft eine schärfere Prüfung der gerichtlichen Zuständigkeit vorgenommen werden,_ Gerichts-Zettung. (Siehe auch 2. Beilage.) Polizei und Gericht gegen die Jngend. Der Kampf der Polizei gegen die proletarische Jugend- bewegung beschäftigte gestern das I u g e n d g c r i ch t bei dem A m t s g c r i ch t L i ch t c n b c r g. Es sollte gegen die §Z 17, 18 Ziff. 6 des Reichsvereinsgesetzes gefrevelt sein. An- geklagt waren drei unter 18 Jahre alte Lehrlinge. Der Sachverhalt, so wie er nach den Aussagen deS Polizcibcamten sich abspielte, ist folgender: Der Jugendausschuß für Box Hägen- Rum» melsburg hatte zum 21. Oktober eine öffentliche Ver- sammlung einberufen, in tvclchcr Genosse Reichstagsabge- ordneter Eichhorn einen Vortrag über„Jugend und Arbeiterbewegung" halten sollte. Aus diesem Thema leitete die Polizei die Annahme her. daß eine politische Versammlung beabsichtigt sei, und sandte den Polizeileutilant Fleschner sowie den Pollzeiwachtmeister Loltmann zur Ueber- wachung. Der Versammlungsleiter forderte die Beamten vergeblich zum Verlasien des Versammlungsraums auf. Biel- mehr verlangte der Polizeileutnaut, daß sich die jugendlichen unter 18 Jahre alten Versammlungsbesucher entfernen soll- tcn. Genosse Eichhorn erklärte daraufhin, daß er statt über das angekündigte Theina über das Thenia„D i e F o r t- bildung der Jugend nach der Entlassung aus der Schule� sprechen würde. Dies geschah denn auch. Genosse Eickshorn kritisierte in seinem Vortrag die bestehen- den Schulverhältnisse. Insbesondere kennzeichnete cr die mangelhafte Bezahlung der Lehrer, die viel zu hohe Schüler- zahl, welche auf den einzelnen Lehrer entfalle, die Entbehr» lichkcit des Religionsunterrichts u. a. m. Der Polizeiwacht- meistcr hatte stenographische Notizen gemacht. Einzelne Stellen aus seinem Stenogramm wurden verlesen. Nir» gcnds war danach die» Rede von Vorschlägen, in welcher Weise die kritisierten Mißstände beseitigt werden könnten und daß oder auf welche staatlichen Organe oder gesetzgebende Körperschaften eingewirkt werden sollte. Das wurde in der Verhandlung aus dem Stenogramm des Polizeiwachtmeisters und durch Befragen desselben ausdrücklich festgestellt. Den- noch beantragte der A m t s a n w a l t, jeden der Angeklagten mit einer Geldstrafe von 2 Mk. oder 1 Tag Hast zu belegen. Er brachte zum Ausdruck, daß nicht er der Veranlasser des Strafverfahrens sei, sondern die Polizei und daß ihn: leider die Befugnisfehl e, dieStrafverfolgung wegen derartiger Lapalien zu unterlassen. Der Verteidiger, Genosse Dr. Kurt Rosenfeld er- läuterte in eingehenden Ausführungen den Begriff der „öffentlichen Versammlung". Eine solche liege erst dann vor, wenn die Versammlung eine E i n w i rk u n g auf gesetz- gebende Körperschaften und staatliche Organe bezwecke. Hier sei das Gegenteil festgestellt. Auch fehle den jugendlichen Angeklagten zweifellos die vom Gesetz erforderte Erkenntnis der Strafbarkeit, zumal über den Begriff der „öffentlickien Versammlung" sich die hervorragendsten Iu- risten nicht einig seien. Das Gericht verurteilte trotzdem jeden der An- geklagten zu einem Verweis. Die Begründung dieses Urteils war recht eigenartig. Sie ging dahin, die Jugend ist aufgefordert, sich zu organisieren, eine Organisa- tion bezwecke aber„n a t ü r l i ch", auf staatliche Organe un» mittelbar einzuwirken. Diese Begründung ist rechtlich ver- fehlt und wird in tatsächlicher Beziehung durch die Verband- lung und durch das Ergebnis der Beweisaufnahme in keiner Weise gestützt. Es ist eine angebliche Aufforderung zum Bei- tritt zu einer Organisation in der Verhandlung nicht einmal zur Sprache gebracht. Ebensowenig daher auch, daß diese Organisation eine Einwirkung auf staatliche Organs be- zwecke. Auch dem Jugendgericht in Lichtenberg sollte bekannt sein, daß es Organisationen gibt, die nicht politisch sind. Gegen das Urteil wird hoffentlich Berufung eingelegt. Im Anschluß hieran müsien wir uns leider noch mit dem unseres Erachtcns gesetzwidrigen Verhalten des Vorsitzenden und des Gerichts gegenüber unserm Berichterstatter be- schäftigen. Bekanntlich sind die Verhandlungen, auch der Jugendgerichte, nach§ 170 d es Gerichtsverfassungsgesetzes öffentlich. Die Oeffentlichkcit kann nur in ganz bestimm- ten, hier nicht in Betracht kommenden Fällen ausgeschlossen werden. Unserm Berichterstatter erschienen einige Vorfälle bei der Verhandlung so interessant, daß cr darüber Notizen zu machen versuchte. Der Vorsitzende fragte ihn, zu welchem Zweck das geschehe. Der Zweck wurde ihm mitgeteilt. Der Vorsitzende verbot uuitniehr unserm Bericht» erstatter das Weiterschreiben, indem er sich auf eine Verfügung des Justizministers berief, in welcher gesagt sei, daß die Jugendgerichte darauf hinwirken sollen, daß ihre Verhandlungen nicht in die Oeffentlichkeit kommen. Der Verteidiger protestierte gegen diese Beschränkung der Oeffentlichkeit und verlangte Gerichtsbeschluß. Nach längerer Beratung wurde die Anordnung des Vorsitzenden vom Gericht bestätigt. Dieser Standpunkt deS Gerichts ist ein gesetzwidriger und verkürzt die Rechte der Angeklagten und verkennt das Recht und die Pflicht der Presse. Die Oeffentlichkeit des Ver- fahrens dient dem Schutz des Angeklagten. Sie dient durch Vermittlung der Presse zur Kontrolle über die Rechtsprechung und zur Ermöglichung einer Kritik, vollste uneingeschränkte Kritik ist im allgemeinen Interesse dringend erforderlich. Das sollte ein Jugendgericht um so weniger verkennen, als die Einrichtung der sogenannten Jugendgerichte auf die in der Presse über das Verfahren gegen Jugendliche geübte abfällige Kritik in erster Reihe zu- rllckzuführen ist. Der Justizministcr hat kein Recht, die Oeffentlichkeit irgendwie zu verbieten. Sein Erlaß kann nur in dem Sinne gemeint sein, daß, soweit das Gesetz den Ausschluß der Oeffentlichkeit wegen Gefährdung der Sittlich- keit zuläßt, im Interesse der Angeklagten die Richter inner» halb des Gesetzes auf Ausschluß der Oeffentlichkeit be- dacht sein sollen. Ist aber die Oesfentlichkcit zugelassen, und mußte, wie in diesem Falle, die Oeffentlichkeit zugelassen werden, so hat weder der Vorsitzende noch das Gericht ein Recht, einem Berichterstatter zu verbieten, sich Notizen zu machen. Die Notizen und deren Veröffentlichung können den Jugendlichen lediglich nützen. Gerade dieser Fall zeigt, wie notwendig ein möglichst ausführlicher Bericht über diese Bagatelle im Interesse der Jugendlichen ist, die mit einer unberechtigten Anzeige, hinfälligen Anklage und einem fehl- amen Urteil bedacht sind. Der objektive Bericht über den Vorfall empört gesundes Nechtsbewußtsein und solche Em» pörung ist die Basis des Fortschritts im Interesse des All- gemeiwvohls._ Der politische Kampf und der 8 193. Das Landgericht GSttingen hat am 8. Septemver v. I. den Senator a. D. Friedrich Tegtmeyer von der Anklage der Beleidi- gung freigesprochen. Der Angeklagte hat in einer Wahlversamm- lung dem Nebenkläger Obcrbergrat E. vorgeworfen, er und seine Partei, die nationalliberale, liebäugele mit der Sozialdemokratie; solche Leute seien schlimmer as die schlimmsten Verbrecher. DaS Gericht hat anerkannt, daß der Schutz des§ 193 jedem Wahl- redner zusteht. Er sei berechtigt gewesen, für seinen Wahlmann einzutreten und auch Kritik am Verhalten der Gegenpartei zu üben. Aus der gewählten Form gehe nicht die Absicht der Belci» digung hervor, denn der Angeklagle habe offenbar nicht von krimi- nellcn Verbrechern sprechen wollen, sondern nur von verblendeten Personen. Gegen oaS Urteil hatten Staatsanwalt und Neben. klägcr Revision eingelegt. Sie rügten Verkennung deS S 193. Die gewählte Form fei so scharf und verletzend, daß sie die Absicht der Beleidigung erkennen lasse.— Das Reichsgericht erkaimte jedoch am DienStag auf Vcrtverfung der Revision. Ein Rcvolverattentat auf einen Arimiualschutzmaim beschäftigte gestern unter Vorsitz des LandgcrichtsdircktorS Liebe- »vw da» Schwurgericht des Landgerichts III. Aus der Unter- slichungshaft wurde der 24jährige Arbeiter Alexander Kühne vor- geführt, um sich Wegen versuchten Totschlags, Widerstands gegen die SiaatSgrwalt, Körperverletzung«nd Mefangenenbefreiung zu oeianNvorlcn.— Der schon mehrfach wegen Diebstahls und Körper- Verletzung vorbestrafte Angeklagte ist der Urheber einer Szene, bei welcher der Kriminalschutzmann Drötzler beinahe um das Leben Sekommen wäre,— Mitte Dezember v. I. erhielt der Kriminal- hutzmann Droßler den Auftrag, auf den aus der Fürsorge- erziehungsanstalt entwichenen„Arbeiter" Max Ascher zu fahnden, hinter dem ein Steckbrief wegen Einbruchdiebstahls erlassen worden war. Am Nachmittag des 10. Dezember bemerkte der Beamte den Gesuchten an der Ecke der Reinickendorfer- und Plantagcnstraße, wo er in einer Verkaufsbude als Ausrufer tätig war. Drötzler legitimierte sich durch seine Erkennungsmarke als Kriminal- bcamter und nahm die Verhaftung des Ascher vor. Auf dem Trans- port rief der Verhaftete dem in der Nähe stehenden Angeklagten Kühne zu:„Ich bin alle geworden"(verhaftet). Kühne drängte sich sofort zwischen den Beamten und dc� Arrestanten und äußerte: „Hier wird nicht arretiert, hier gibts bloß was aufs Auge." In- zwischen hatte sich eine Menschenmenge angesammelt, die in drohender Weise gegen den Beamten Partei nahm und forderte, daß er den Verhafteten freigebe. Als sich Drötzler weigerte, er- hielt er von einem unbekannt gebliebenen Menschen einen wuch- tigcn Schlag in das Gesicht, so daß er zurücktaumelte. In dem- selben Augenblick riß der Angeklagte den Verhafteten loS. Drößler lief hinterher und holte den Flüchtigen ein. den er nunmehr mit der Kette am Handgelenk fesselte. Die Situation wurde für D. immer bedrohlicher. Als plötzlich mehrere Personen wie auf ein Kommando auf den Beamten losschlugen, zog er seine Browning- Pistole und gab zwei Schüsse ab. Auch dieses Mittel half nichts. Der Beamte wurde plötzlich von hinten gepackt und festgehalten, so daß er von seinen Armen keine» Gebrauch machen konnte. Der Angeklagte entriß ihm die Schußwaffe und soll, wie die Anklage behauptet, aus etwa drei Schritt Entfernung auf Drößler einen Schuß abgegeben haben, der diesen an der Schläfe traf. Wenn der Beanite nicht noch im letzten Augenblick, als er die Waffe auf sich gerichtet sah, den Kopf zur Seite gebogen hätte, so hätte ihn die Kugel direkt in das rechte Auge getroffen.— Vor Gericht bestritt der Angeklagte mit aller Entschiedenhrlt, den Schutz auf den Be- amten abgegeben zu haben. Auf Antrag des Rechtsanwalts Dr. Kantorowicz waren mehrere Zeugen geladen, die bekundeten, daß sie nicht gesehen hätten, daß der Angeklagte Kühne geschossen hatte.— Die Geschworenen bejahten auch nur die Schuldfragen nach Körperverletzung, tätlichen Angriff» auf einen Beamten und Gefangrnenbefreiung unter Bersagung mildernder Umstände, die Frage nach versuchtem Totschlag wurde jedoch verneint. Staats- anwalt Herzog beantragte eine Gefängnisstrafe von 3 Jahren. Das Urteil lautete auf die hohe Strafe von 2% Jahre GrfängniS unter Anrechnung von L Monaten der erlittenen UntersuchungS- Haft._ Scherz oder Gotteslästerung? In vergnügter Kirchweihstimmung gab der Strinhaucr Starker in einer Wirtschaft zu Rottenbauer:n Untcrfrankcn seinen Zechgenossen die Scherzfrage zum Lösen auf:„Wer war der größte Spitzbube?" Niemand konnte darauf die richtige Antwort finden, bis zuletzt der Rätselaufgcber sie selbst gab:„Unser Herrgott, denn er hat dem Adam eine Rippe gestohlen und daraus die Eva ge- macht." Dieser Scherz wurde, da fromme Leute daran Anstoß nahmen, dem St. als Gotteslästerung angekreidet und das Gericht verurteilte ihn dafür zu drei Tagen Gefängnis. Hoffentlich findet der Scherzbold in der Berufungsinstanz verständigere Richter, die den Unterschied zwischen Gotteslästerung und Scherz besser erkennen. Äiis der Frauenbewegung. Verlorene Zeit. In einer Besprechung über die(sogenannte) Konferenz zur Förderung der Arbeiterinneninteressen sagt Frau Seutsch in Nr. 1 des„Frauen-Fortschritt": Gegenüber den Vertreterinnen aller Richtungen der Frauenbewegung, sowckhl bürgerlicher als kon- fessioneller, berührte es peinlich, daß die„höchste Vertretung der Arbeiterschaft, die Sozialdemokratie," fehlte. Jedoch,— obgleich durch Abwesenheit der Sozialdemokratie die Harmonie der bürger- lichen Vertreterinnen nicht gestört war, berichtet die Schreiberin, daß in der ausgedehnten Diskussion die Gegensätze in der Zu- sammcnsetzung der Konferenz sich deutlich offenbarten. Und zum Schluß nimmt Frau Deutsch noch von der Konferenz den ent- mutigenden Eindruck mit. daß man es doch als„verlorene Zeit" empfindet, Menschen diskutieren zu hören, die aneinander vorbei- reden, ohne es zu wollen, weil sie auf dem Boden getrennter Oeutsclier Metallarbeiter-Verband! Venvaltnngsstelle Berlin. Todes- Anzeige. Den HoUcgen und Kolleginnen � zur Nachricht, daß unser Witgll-d,' die Arbeiterin' Berta Hoch gestorben ist. Ehre ihrem Andenken k Die Beerdigung findet ams Freitag, den 18. März, nach. mittags i'l, Uhr, von der Seichen- balle des Luisen- Kirchhofes in! Rixdors, Hrrmannstraße, auS statt.[ Siege Beteiligung erwartet U3/6 Die Ortsverwaltong. Or. Simmel Spezial-Arzt* für Haut- und Harnleiden. PHnzenstr. 41,«<1«, 10—2, 5—7. Sonntags 10—12, 2— L Für 'cilnak Danksagung. die vielen Beweile herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben Manne?, des Steinmetz Albert Hcinpel sage ich alle» Beteiligten, iuZ- besondere seinen Kollegen meinen herzlichste» Dank. Im Namen der HInterblicbeuen Wwe. Elisabeth Hcmpel. ßanksagang. Für die vicbn Beweise herzlicher leiln' Teilnahme bei der Beerdigung meiner lieben Frau Ottilie sage ich allen Freunden und Bekannten, besonders den ilollegiiinen der Verstorbenen von der Erpcdition des»Vorwärts- meinen besten Dank. Weißensee. den lö. Marz ISIO. Hermann Hllins. Danksagung. Allen Freunden und Bekannten, welche miS aus Anlaß deS TodeS meines lieben Mannes, unseres guten Vaters, Groß- und Schwiegervaters teilnahmsvoll zur Seile gestmiden haben, insbesondere dem Sozial- cemokratiichcn Wahlvercin und dem Gesangverein Ober- Schönewcider Liedertafel sür die rege Beteiligung sagen wir hiermit unseren lies- gefühlte!! Dank. Fran Agnes Wiener _ "'sviir die Beteiligung bei der Sfe erdigung meines lieben Sohnes Otto Deckelmaim sagen wir hiermit allen Beteiligten unseren herzlichsten Dank. Vi« teaiieenö« Mutter u. Geschwister. ■f. Hygienische w- BediniornKei..N«ue»l.K.ital0j l Einplehl.Tiel Aerü« o Prof. erat, ulll H. Onrer, Gnuimiwareiilakrte Cerlln HW.. Priedrichstraaso UU9 Levys Schnellsirickmaschiiien bieten lohnende» Verdienst. Rundstrick- Maschinen von 7S M. an. Gerliner Näh- a. Strlckmascli.-Fabrik H. Levy. Sieue Königttr. IS. 4573i» Wer heiraten will Wer Zimmer vermieten «All Wer seine Wohnung verändern will Wer Möbel- u. Polster- waren benötigt Wer Spiegel und Uhren, Wer Bettstelle» und Matratzen Wer Betten, Gardinen, Teppiche Wer Herren- u. Damen- Garderobe braucht Wer streng reell bedient sein will 4S17L« der kaufe auf Kredits Iterlln O. Koppenstr. 4{ (Ecke Madaislratze) am Schlesischen Bahnhos. Nächstes Krediihnus der östlichen Nsrotte. Lieferung frei Xsus.! Sämereien Gartenartikel fllr Laubenkolonien. MOemmler Dresdener Str. 17 am Kottbuser Tor. bleibt das beste Utetattpatzmittel. A.Golöfard Pr-Ws-SiNgM gegründet 1839.•»•••* 71 i i um iHeQ—— 1 Totac russe h priser.goöt de ttowno. zazywania«Kownoepf[ � itllgtii.-.—■•'■■ussJtt ü-ä-a-D- OO-CMJ-OD-OG [•a-cwä-a-S-ö Eigene Fabrikation Im Hanse! IT An diesem Schild sind die Läden erkennbar, in denen SINGER Nähmaschinen verkauft werden. HastergfiltiB In Konstralrtion nnd Aasffihrnng, gleich Tonsiigllch für Haasgcbraack n. Industrie. Singer Co. Nähmaschinen Act. Ges. IL BEREniT, liClpzIgcr Straße OS. Läden In den verschiedenen Stadtteilen. Möbelfabrik Julius Apelt, Tischler-Meister 6. Adalbertstraße No. 6 Hochbahnhol Kottbuser Tor Komplette Wohtmnns-ilndeMuitpu Moderne Musterzimmer stehen zur Ansicht Delianschammgen stehen? Dieser Erkenntnis gemäß dürste sich die Dame über das Fernbleiben der Sozialdemokratie von der- artigen Veranstaltungen nicht verwundern. Unsere Zeit ist denn doch zu kostbar, als sie für nutzlose Dinge unnütz zu verschwenden. Die Damen mögen zum Teil recht fleißige Referate gehalten haben. Die dargebrachten Tatsachen, wie z. B. das aus der Be» rufszählung von ISO? sich ergebende starke Anwachsen der wcib- lichen Arbeitskraft und die daraus resultierenden Forderungen für die Frau als Persönlichkeit, als Hausfrau und Mutter, sind von uns längst auch in ihren Konsequenzen gewürdigt worden. Und diese sind: Organisation und damit Eroberung politischer Rechte, sowie wirtschaftlicher Vorteile, Arbeitsbedingungen, die«ine men- schenwürdige Existenz garantieren I Die Frau bedarf vor allem solcher Beschützer, die sie nicht durch Entrechtung�des notwendigsten Schutzes berauben. Welch entwürdigende Auffassung von Arbeite- rinnenrechten und-interessen offenbarte nachträglich im deutschen Frauenbund die Vertreterin der christlichen Heimarbeiterinnen- Gewerkschaften! Sic bettelte für die armen Heimarbeiterinnen, die keinen Normalarbeitstag hätten und mit Mühe und Not noch nicht 10 Pf. pro Stunde verdienten, um Mitleid und Unterstützung bei den wohlhabenden Damen. Nur auf dem Wege solcher Bettelei weiß sie einen Ausweg für die Aermsten der Armen! Daß Fräu- lein Behm jeden Zusammenschluß der Bedrückten, jeden Kampf um bessere Arbeitsverhältnisse als Entwürdigung der weiblichen Demut bezeichnet, jedoch weder in der Lohndrückerei, noch in der Bettelei eine Entwürdigung empfindet, ist bezeichnend für die christliche Auffassung. Und da mutet man der Sozialdemokratie zu, mit solchen Elementen als Vertreter zur Förderung(!) der Arbeite» rinneninteressen zu beraten. Das wäre für uns und für die be- rechtigten Arbeiterinneninteressen—„verlorene Zeit". Und hoffentlich öffnen die Vorgänge denen die Augen, die sich bisher von den Damen ins Schlepptau nehmen ließen. Zimrltwer Marklbrrtch, der ftSdttichen MarNdallen-Direttion übet den Lwotzbandel in den.stenteal-Marktballen Äiarktlage: F l e i' ch: Auiubr schwach, Geichäi! still, Preile unverändert. W' i o: Zufuhr sehr ichwach, Geichäil lebhaft, Preise fest. Geflügel: Zujuhr knapp, Ge» Ichasl nicht levhast, Preise gut. Fische: Zufuhr reichlicher, Keichäst ziemlich rege, Preise für Fluhsische eiwas anziehend. B u> t c r und K ä i e: Geschäft ruhig, Prelle unverändert. Gemüse, Obst und süd» | r ü ch t e: Zufuhr mätzig, Geschäs» sehr still. Preise wenig veränderst zu soliden Preisen in meinen groBen Fabrik- und Verkanfsräamen.— AM Wunsch Zablangserleicbteran;. Eingetroßen sind; Muster-Coupons u. Reste tür Anzüge, Pafletols, Kostüme usw. direkt ans der Fabrik. Enorm billig! Beter L—, 3___ 4.—, 5.— Bark. BV Nur Saison-Neuheiten!"SBfll Spezlalhaus moderner Herren- and Damensloffe. Koch A Seeland Gesellschaft m. b. H.• BEREm C., RoßStraßC 2, Sonntag* geOlTnet. Krodst G Jftobe) 7enzahlpng bei allerkleinater An- n. Abzahlung. Größte ROcksieht ""ÄtÄÄ'i" E. Cohn, tr. FrumrleiM und. Bester Dänischer Kautabak B. Hansen jnn., Haderslekn. Generalvertrieb: Max Ziegenhals, Berlin NO., Neue Künigstr. 70. Amt VII, 3047. ohne Streichholz zu entzünden! Eszet" Ist snentbeluUch bei stär- miachem Wetter „Eszst" tat anentbehrUob fBr J«£(J, 8porl und ß«erels»n Eszst" ist nnentbelirUeh farjeden Esaoher, dor tlca viel Im Fielea »nfbält Eszst" entzCndct sieb sn einer an der Schachtel befindlichen Eelb- flache wie ein StreicbhoU nEtzst" Ist frei vonjedem(remden Geschmack and Oeracb .Csret" Ist hergestellt sas den feinsten türkischen Tabaken „Eszet" wird deshalb von Quall- tit«rzBohein bevoraagt Eszst" Ist an haben in Blech- cacknngea i 20 Stuck von ll'/s bis 20 Pf. pro Stück „Eszst" Ist In Spezial-Ztgarrea- geschüfttD eq haben Cigarettenfabrik VIOLA-COMPAGNiE HAMBURG 6. Generairertretung(Br Berlin: Schoier 4 Ltzwenberg, Heil- bronnor Str. 19. Tel. VI. 16730. Rerren- dqi] Knobln- Garderobe fertig u. cachUass auf Teilzahlung Woche ron � Mark an I.Kurzberg aoacnttaalcr Str. diu. Dr. Schfinetnann Spezlalarzt fOr Haut- und Haraleldan, Frauenkrankheiten,* Friehrichstr. 203, Ecke Schützenstr. Wochentags 10—2, 3—7. Vorlelile Voehsl Nui eiuiusl jülhlivk-m» Inventuriireis! reichzestickt« solide Xü««!»- P ortleren 35 M. Fenster 6 35 MRrk Filztaebporüeren mit. aUerliebst. Stickerei a�a�et. Lambrequins 1« gÄtPlüschllschdeck. 7»- Teppieh-Spezialhaus Emil Lefevre Bes;,n Oranienslr. 158. Nach auswärts per Nachnnhme. Inventur- Extraliste\ gratis U. Katalog'm�trat0 i franko |lt.64. 37. Iahrgallg. 2. Kkilaze Ks Jonsörts" öftüiitt DMIR Domlerotag. 17. Mar; 1910. Hbflfcordmtcnbaue. 41. Sitzung, Mittwoch, den 16. März 1S1H, vormittags 11 Uhr. Sm Ministertische: v. Bethmann Hollweg, v. Moltke. Vor Einlritl in die Tagesordnung erklärt: Abg. Lohmann inatl.s: Die„Donauwarte" ist kein Parteiblatt des Zentrums, aber auch kein sozialdemokratisches Blatt. ES steht dem Zentrum jedenfalls nicht feindlich gegenüber.(Hörtl hört! links.) Abg. Graf Praschmar haben den Herren Nationalliberalen niemals einen Zweifel darüber gelassen, daß wir mit ihnen nicht zusammenarbeiten können. ES hat sich lediglich um ein paralleles Vorgehen gehandelt, das sich aus der Notwendigkeit für die Parteien ergab, in der gleichen Situation das gleiche zu tun. Wenn wir aber auch nicht an dem Haudel beteiligt sind, der jetzt hier so eifrig betrieben wird, daß man ivirklich meinen kann, an der Börse inid nicht im Abgeordnetenhause zu sein(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten), so sinv wir doch wohl berechtigt, im Namen der Millionen, die draußen im Lande hinter uns stehen. Sic noch einmal zu warnen vor dem letzten gewagtesten Schritt, um den es sich jetzt handelt. Ich will mit wenigen Worten auf den gegenwärtigen Charakter der Vorlage eingehen. Die Thronrede von 1908 verhieß eine organische Forteiitwickeluiig des Wahlrechts, entsprechend der wirtschaftlichen Eni- Wickelung, der Ausbreitung der Bildung, des politischen Verständnisse» und der Verstärkung des staatlichen VeranrwortlichkcitSgesüblö. Räch unserer Meinung mußten die Herren, die jetzt die Mehrheit hier bilden, wenn man die Worte der Thronrede in einem verständigen Siiwe auffaßt, ihres Wahlrechtes verlustig geben. Das, was nach der Thronrede als Voraussetzung für die Ausübung des Wahlrechts gellen soll, trifft viel mehr für die breiten Massen deö Volkes zu; inSbe'ondere das politische Verannvortlichkeitsgesühl streiten wir den Herren der Rechten mit allem Nachdruck ab.(Sehr wahr i bei den Sozialdemokraten.) Sie handeln nicht wie Männer, die sich ihrer politischen Verantwortung bewußt find!(Sehr richtig! bei den Sozialde>nokraten.) Sie, die Sie im Begriff stehen, das Volk durch Ihre Halsstarrigkeit, durch die Rücksichtslosigkeit, mit der Sie an Ihren Privilegien festhalten, in die schwerste innere Krise zu treiben! Die Triarier Sr. Majestät, die nach dem „Simplicisfiimis" ihre Liebe in die klassische Formel gebracht haben: «Wir bitten Dich, Du großer Hort, Um ein gebrochenes Färstenwort I" dienen gewiß nicht dem Heil des preußischen Volke?. DaS Fazit der zweiten Lesung ist nicht wesentlich verschieden von dem Ergebnis der Kommission?» beratung. DaS Dreiklassenwahlrecht bleibt, der Geldsack regiert nach wie vor. Die WahltreiSeinteilung ist die alte geblieben, die rück« ständigen GuiSbezirke regieren nach wie vor die Siädte. Und wenn das indirekte Wahlrecht auch aufrecht erhalten geblieben ist, so be- deutet daS die Herrschaft deS TerroriSmuS auf den weitesten Gebieten preußischen Landes. Sie sehen in alledem einen—.Fortschritt, entsprechend der Fortentwickelung des politischen Verantworllichkeitö- gcsübls." Die vom Zentrum gemz ans freien Stücken in die Vorlage hinein» gebrachte Privilegierung der Akademiker trifft gerade nichlKreise.dieman als politisch besonders tüchtig und reif bezeichnen könnte. Eine ExantenS- note garantiert nicht polmiche Bildung und Erfahrung, und gerade die Akademiker sind häufig geneigt, in ihrer politischen Haltung hin und her zu irrlichtericren, weil sie etwas abseits von den großen politischen Kämpfen stehen. ES soll so eine Art Leibgarde der Hohen- zoller»— Sie wissen ja, daß die Profesioren so bezeichnet worden sind— privilegiert werden.(Sehr richtig! bei den Sozialdemo- kraten.) Die Stellung der Wissenschaft in Preußen wird am besten in dem Bilde Arthur Kampfs in der neuen königlichen Bibliothek in Berlin gezeichnet: Tie angesehensten Gelehrten der Zeit Friedrichs des Großen stehen katzbuckelnd vor dem König: vielleicht hat der Künstler dabei auf höheren Wink gehandelt.(Heiterkeit bei den Sozialdemokraten.) Die Dreiklasienschmach ist hier-- den Beginn damit hat der Ministerpräsident gemacht— gewissermaßen unter göttliche» Schutz gestellt worden. Alle die Mhängigkeiten, die das Dreiklasienwahlrecht enthält, werden als gottgewollte Abhängigkeiten unter die Autorität des göttlichcu Willens gestellt. Ist es nicht eine schnöde Blasphemie, gerade bei dieser Entrechtung den Christengott anrufen zu wollen? (Bravo! bei den Sozialdemokraten. Lärm rechts und im Zentrum.) DaS muß besonders dem Zentrum gesagt werden.(Lachen im Zentrum.) Dagegen ist der Anspruch unserer Fürsten, von GotteZ Gnaden zu sein, anßcrordenllich bescheiden; denn sie behaupten nicht, daß der Wille Gölte« sie eingesetzt hab«,� sondern nur die Gnade! Hier aber wird behauptet, daß der Wille GotteS all die schnöden Ungerechtigkeiten ausgeübt hat! Ist denn in den ganzen Verhandlungen auch nur einmal ein großer Zug gewesen?(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Millionen von Menschen stehen— bildlich gesprochen— vor der Pforte dieses Hauses und warten und harren deS Rechts, daS ihnen hier gewährt toerden soll. Und hier wird gehandelt und gefeilscht und geschachert um ein FraktionSintercsse,(Lärm rechts und im Zentrum) um eine» Ouark! ES ist eine wahre Crödelbude geworden, wie der Mühlendamiu; eS ist eine wahre Schacherbude geworden, dieses Abgeordnetenhaus l(Minutenlanger Länn rechts und im Zentrum. Auf der Rechten wird im Takte gerufen: Raus! reue!) Vizepräsident Dr. Porsch.sehr aufgeregt): Für diese unerhörte Beleidigung deS Abgeordnetenhauses rufe ich Sie zur Ordnung!(Stürmisches Bravo 1 rechts und im Zentrum. Die Rechte ruft weiter:„RauS! raus! Unverschämtheit!" ErlvidcrungZrufe bei den Sozialdemokraten:„Zur Ordnung!") Mg. Dr. Liebknecht: Ich habe wiederholt gehört, daß mir daS Wort, U n v e r- s ch S m t h e i t" zugerufen wurde.(Die Rechte ruft weiter im Takt: RauS! raus!) Li-epräsideilt Dr. Porsch: Hätte ich daS gehört, würde ich eS sicherlich gerügt haben. (Erneute Zurufs rechts: RauS mit dem Kerl!) Ich bitte bringend um Ruhe, ich kann es ja vollständig verstehen, daß die Herren hier sehr erregt. sind, aber ich muß doch bitten, dem Redner Gehör zu verschaffen.(Zurufe rechts: Wir wollen ihn gar nicht höre»!) Abg. Dr. Liebknecht(fortfahrend): Wenn die Sozialdemokratie jetzt einen so gelvaktigeu Anhang erregter und bewußter Volksmasien hinter sich hat, so ist das nicht das Verdienst ihrer Agitation, sondern daS Verdienst der geistigen Hebung dieser Mafien, ein Beweis ihrer politischen Reise. Auö eigenem Impuls sind die Mafien in Bewegung, wie Sie zu Ihrem Schrecken allenthalben beobochleu.(Lachen rechts.) Ihr Lachen be- weist nicktS. wohl aber Ihr Handel». Steht diele Aolksverlrctung jetzt uicht unter Polizeischutz? Ist nickt in alle» diesen Tagen indem Mnieuni dem Hause gegenüber ein ungeheures SchutzmannSaufgebot iaiisiguiert? Sine Volksvertretung, die eS für nötig hält, sich unter Polizeischutz zu begeben gegen die Liebe deS Volkes, ist eine etwaS sonderbare Erscheinimg.(Sehr gut I bei den Sozialdemokraten.) Dann das andere Bild: Volksvertreter, denen direkt der Rat gegeben wird, sich durch eine Hintcrpforte heimlich in dieses Haus hinemzustehleit. damit das Volk sie nicht sieht I(Lebhafte Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Die Massen sind jetzt Tag um Tag in ganz Preußen auf den Beinen und immer sind die Demonstrationen friedlich, wenn die Polizei nicht eingreift. Die angeblichen„Radaubrüder", die vor acht Tagen dem Berliner Polizeipräsidenten eine so unsägliche Blamage bereiteten und ihn versetzt haben(Heiterkeit), verstummten, als ihnen ein Leichenzug begegnete, und als ein Zug in die Nähe des Kranken- Hauses Bethanien kam, wurde auch nicht ein einziger Ruf mehr laut. Das hat die Bewunderung aller Unparteiischen gefunden. Mit Ge- walt läßt sich auf die Dauer ein solches Volk nicht gegen seinen Wille» regieren. Oder glauben Sie, daß eS die Machtstellung Deutschlands sichert, wenn das Ausland liest, daß in Preußen eine Regierung und Parteien am Ruder sind, die von der Ungeheuren Masse des Volkes in äußerstem Maße gehaßt werden?!(Seb'r wahr! bei den Sozialdemokraten.) Lenken Sie nicht rechtzeitig ein. dann gefährden Sie nicht nur den inneren, sondern auch den äußeren Frieden Deutschlands. Die Petition aus Solingen ist durchaus berechtigt, die für die Wähler dritter Klasse Befreiung vom Militärdienst verlangt. Wem man die wichtigsten politischen Rechts vorentbält, dem sollte man auch die wichtigste politische Pflicht— die Militärpflicht— von den Schultern nehmen. Die denkwürdige Sitzung vom vergangenen Freitag hat blitzartig die Stellung der konservativen Partei zur Wablrechtöreform enthüllt. Wenn selbst ein so kühler und nüchterner Taktiker wie Herr v. Hehdebrand die Fasiung verliert, wenn die Konservativen durch Abkommandierung an ihrem eigenen Antrag Selbstmord verüben, dann zeigt dies. daß sich die Herren absolut nicht sicher und nicht wohl fühlen in ihrer Haut. Auch daS Zentrum fühlt sich außerordentlich unsicher. Mit ctlvaS Kulturkampipmikerei verflicht eS, die Mafien seiner Wähler über die politische Situation zu täuschen.(Sehr richtig! b. d. Soz.) Die Zentrumswähler aber werden einsehcn. daß jede WahlrechlSrefotm, die mit den Kon- iervativen gemocht wird, daS Gegenteil einer Wahlrechtsreform sein muß.(Lachen im Zentrum.) Glauben Sie wirklich, daß sich Ihre Wähler durch dieses Windei oder besser durch daS faule Ei. das Sic ihnen in- Nest legen wollen, täuschen lassen werden?(Heiterkeit.) Die Sehnsucht der Konservativen und die Sehnsucht der Herren vom Zentrum nach der Mitarbeit ihrer Feinde, der Nationalliberalen. (Heiterkeit) ist nichts anderes als die Sehnsucht nach weiteren Komplizen und Mitschuldigen an dieser Schandtat.(Lärm rechl-Z und im Zentrum. Ruf: Zur Ordnung I) Vizepräsident Dr. Krause: Wegen dieser Beleidigung großer Parteien rufe ich Sie zur Ordnung.(Abg. v. Pappenheim jkons.j und ZentruinSabgeordnete rufen: DaS zweite Mal!). Ich mache Sre aucq auf die geschäftS- ordnungsmäßigen Folgen eines dritten Ordnungsrufes aufmerksam. Mg. Dr. Liebknecht(fortfahrend): Die Intensität, mit der auch heute wieder daS LiebeSwerben um die Nationalliberalen fortgesetzt wird, erinnert lebhaft an daS jetzt überall so viel gesungene Lied: .Man steigt nach, man steigt nach, Und das hilft, und das hilft dann und wann'.(Heiterkeit.) Bisher hat e-Z noch nickt geholfen, viefleickt wird eS ober noch helfen. Wir legen unsere Hand für die Herren National- liberalen nicht inS Feuer. Aber immerhin scheint den National- liberalen ja der Rücken etwas gesteift worden zu sein, so daß man ernstlich damit rechnen kann, daß die Nationalliberalen ihre erfreu- lickerwcise innegehastcue Stellungnahme auch weiter durchhallen werden. Was nun die Herren von der Regierung anlangt, so wundert man sich eigentlich, daß man hier überhaupt noch von einer Regierung redet. Auch heute ist die Erklärung des Herrn v. Bethmann Hollweg sang- und klanglos vorbeigegangen, gerade so als ob irgend ein un- bedeutender und unwichtiger Vertreter der Bureaukratie hier eine ganz nebensächliche Erklärung über einen ganz unwesentlichen Punkt abgegeben hätte. Man merkt gar nicht mehr, daß wir so etwas wie einen Ministerpräsidenten haben.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Wenn der Ministerpräsident eine Erklärung schon abgibt, so lautet sie zimächst dahin, die Regierung vinkuliere sich nicht. Nein, wirklich, sie ist schon vinkuliert, sie ist schon gefesselt. Sie ist nicht nur gesesielt. sondern gefangen, nicht nur ge- fangen, sondern eingesperrt, eingesperrt von den Junkern und dem Zentrum. �Lebhafte Zurufe bei den Sozialdemokraten.) Der Herr Ministerpräsident hat also etwa« ganz lleberfliissigeS gegesagt. Die Wahlreform wird ja im Augenblick, so weit sie als parlamentarisches Kunststück zustande' gebracht wird, von Ihnen hier gemacht, und die Herren da drüben(zum Regierungstisch) sind bereits vollständig ausgeschaltet. Mich wundert nur, daß sie noch da find. (Sehr gut I bei den Sozialdemokraten.) Sie können ja gehen, man braucht sie auf keiner Seite. Ueberall herrscht also Unsicherheit: bei den Konservativen, beim Zentrum und auch bei denFreikonservaliven. Denn neulich waren Sie (zu den Freikonservativen)'mal für daS Koinpromitz, heute find Sie'mal wieder gegen daS Kompromiß, gerade wie es trifft, ein reines Würfelspiel. Bei dieser allseitigen Unsicherheit müßte das Zentrum, wenn ihm ernstlich an der Durchsetzung seiner pro- grammatischen Wahlrechtsreform läge, die Gelegenheit ausnützen. Nur ein Zehntel der Energie, die Sie in kirchenpolitischer Be- ziehung aufwenden, und Sie würden, da in Preußen jetzt alles ins Wanken geraten ist. Ihre Forderungen mit der Linken zu- saminen zweifellos durchsetzen können. Statt dessen peitschen Sie die Vorlage durch. Diese Durchpeitschung ist iit WaHrHeitt nichts anderes als eine Flucht vor dem Volke! (Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten. Lachen im Zentrum.) Sie meinen, wenn Sie diese Beute eingesackt haben, so würde es inner- halb diese» hohen Hauses ruhig werden?(Lärm im Zentrum.) Nun das ist eine kleine Täuschung, wie c3 auch eine Täuschung ist, wenn Sic meinen, bei der NeichSfinanzreform gut abgeschnitten zu haben. Die Wunden, die Sie dabei erlitten habe», werden nicht wieder zuheilen.(Lärm und Lachen im Zentrum.) In der Zentrums« arbeitcrschaft gärt und brodelt es. Von den Zentrumsarbeiter- obgcordncten wird mau sicherlich Rechenschaft fordern und man wird eS nicht verstehen, daß die ZcntrumSarbeitcr hier nicht mit der Faust auf den Tisch geschlagen und daS Tischtuch zwischen sich und dem Zentrum zerichniltc» haben. Die Arbeit, die Sie hier verrichten, wird Ihnen keinen Lorbeerkranz eintragen. Die Ernte, von der Sie meinen, daß Sie sie bereits unter Dach und Fach gebracht hätten, kann Ihnen noch ganz gründlich verhageln. Die Wellgeschichte ist daS Weltgericht, und die Posaune deS Aolksgerichts ivird Ihnen bös in die Ohren tönen. (Länn rechts.) Der Tag der Rache und Vergeltung wird kommen. ein Gottesgericht wird Sie treffen an Haupt und Gliedern. Es ist von jehr: das Unglück der herrschenden Klassen gewesen, daß sie die Wahrheit nicht hören können und nicht zur rechten Zeit auf ihre Privilegien verzichten wollen. Einen parlamentarischen Sieg können Sie hier erfechten, aber c« gibt Siege, die verhängnisvoller sind als Niederlagen, und dieser Sieg wird Ihnen teuer zu stehen kommen. Mit uns rufen die Millionen des Volkes draußen: Trotz alledem! der Kampf geht iveiter I(Bravo! bei de» Sozialdemokralen. Lärm und Lachen rechts.) Abg. Dr. Bell-Effen(Z.): ES ist unter meiner Würde, auf diese Rede zu antworten. (Bravo I im Zentrum und recht?.) Aber die Rede regt doch die Frage au, ob wir bürgerlichen Parteien uns cineu selchen Ton auf die Dauer gesallen lassen sollen.(Lebhafter Beifall rechts und im Zentrum.) Ein solcher Ton mag in der sozialdemo- kratischen Preffe üblich sein, aber Gott sei Dank nicht in diesem Hause.(Erneuerter Beifall im Zentrum.) Ms ich tue Rede deS Abg. Liebknecht hörte, glaubte ich, der sozialdemokratische Antrag, der allen zwanzigjährigen Weiblein das passive Wahlrecht geben will, wäre schon zur Dnrchsührung gekommen.(Johlende Heiterkeit im Zentrum und rechts.) An der Treue und Auillärung unserer Wähler(Stürmisches Lachen links) werden alle Versuche anderer Parteien, sie überS Ohr zu hauen, scheitern.(Erneutes Lachen links, Zurus: Das besorgen Sie schon selbst. Heiterkeit.) Uns leiten nur ethische Momente.(Lachen links.) Wir bestehen bei jedem Wahlrecht. Daö ganze Geheimnis der ZemniinSiaktik bestell darin, daß wir keine Vogel-Strauß-Politik treibe». Wir rechnen mit den gegebenen Verhältnissen. In der Kommission hat selbst die Sozialdemokratie die geheime Wahl für wichtiger erklärt als die direkte Wahl. Wir sind stolz darauf, an der Erfüllung eines KönigSworteS mitgewirkt zu haben.(Beifall im Zentrum.) Damit schließt die Generaldebatte. Persönlich bemerkt Abg. Ströbcl(Soz.): Der Mg. Bell hat davon gesprochen, daß die Sozialdemokratie sich in der Kommission selber auf den Standpunkt gestellt habe, das direkte Wahlrecht sei von geringerer Bedeutung. DaS KomniiisioiiSmitglied, daS derartiges gesagt haben soll, war ich. In Wirklichkeit bezog sich meine Aeußerung aber nur auf die Gewährung der direkten Wahl unter Beide Haltung der öffentlichen A b st i mm u n g. Daß die Wiederherstellung der in» direkten Wahl nach Einführung der geheimen Wahl für breiteste WShlerkreise eine E S k a m o t i e r u n g der geheimen Wahl bedeutete, habe gerade ich wiederholt hervorgehoben! Auch habe ich mich schon in der Kommiision selbst gegen die illoyale Deutung meiner Worte energisch ver- wahrt. Dieser Talbestand ist so oft dargelegt worden, daß Herr Bell ihn verstanden haben könnte.(Heilerkeit bei den Sozialdemo- kraten.) Daß Herr Bell diese Sache trotz zweimaliger Widerlegung beute noch einmal vorbringt, beweist, mit welchem Recht er die Ethik für sich in Anspruch nehmen kann.(Sehr gut I bei den Sozialdemokraten.) Es folgt die SpesialberatutiF. Zu fast allen Paragraphen liegen redaktionelle Abänderung?» antrage des Dr. Bell vor, die sämtlich angenommen werden. Bei § 4(geheime indirekte Wahl) erklärt Abg. Frhr. v. Richthofcn, daß seine Partei davon absehe, ihren Antrag auf Einsührung der öffentlichen Wahl zu wiederholen. (Lachen links.) Abg. Freiherr v. Zedlitz(fk.): Wir stimmen nur bedingungö- weise für den§ 4. Unsere endgültige Stellungnahme hängt von der Gestaltung des§ ö ab. Em Schlußantrag wird angenommen! Mg. Ströbel ruft: Unerhört! 8 4 wird angenommen. Bei 8 6. Anrechnung der Steuer bei der MteiluugShildung beantragen die Freikonservativen die Einteilung der Wähler in die Abteilungen einheitlich für die ganze Gemeinde. Abg. Frhr. v. Zedlitz(srk.) begründet den Antrag: Die Drittelung in den Urivahlbezirken erdrückt entweder, lvenn ganz reiche Leute in der ersten Klasse sind, die zweite und dritte Klasse, oder sie verschafft den ärmeren Bezirle», den Besitzlosen, auch die Herrschaft in der ersten Klasse.(Zuruf bei den Sozialdemokraten: Wir würden dann alle Sitze verlieren.) Die Lust. Sie bei unö zu behalten, haben Sie uns allerdings sehr verleidet. Wird die Drittelung in den Urwahl- bezirken beibehalten, so würden wir gegen das Gesetz stimmen. Ein weiterer freikonservativcr Antrag erhöht in den Städten die Mo�imierungSgrenze von 5000 auf 10 000 M. und Willem seinem zweiten Teil die MaximierunzSsinnme alle 10 Jahre um den Pro- zentsatz erhöhen, um de» der Gesamtbetrag der StaatScinkommen- steuer der preußischen Monarchie gestiegen ist. Minister deö Innern v. Moltke: Gegen die Drittelung iiz die Abteilungen einheitlich für die ganze Gemeinde bestehen keine Be- denken. Auch die Frage der Höchslbegrenzuug der Maximierung ist für die Regierung nicht von grundsätzlicher Bedeutung und sie stmunt deshalb dem freikonservativen Antrag zu.(Hört! hört!) Abg. Frhr. v. Richthofc«(k.): ES wäre wünschenswert ge- Wesen, wcnil eS bei den Sefprechungen jetzt während der Verhandlungen zu einer Einigung unter den bürgerlichen Parteien gekommen wäre. Dieses Ziel zu erreichen Hätten sich ruhig mehr Abgeordnete bemühen können. Jedenfalls war das wichtiger als den Worten de» Abg. Liebknecht zu lauschen.(Sehr richtig! rechts.) Wir stehen ans demBoden derDrittelung in den Urwahl» bezirken und folgen in jeder Beziehung den Worten, die in den Motiven der Regiernngsvorlagr enthalten lind.(Hört! hört! rechts. Zurufe bei den Sozialdemokralen.) Die Herren Sozialdemokraten machen mich in freundlicher Weise ans ihre Anwesenheit aufmerksam. ES ist wohl richiig, daß die fünf Sozialdemokraten in diesem Hause lediglich der Drittelung in den Urivahl- bezirken ihre Anwesenheit verdanken. Wenn der� freikonscrvaiive Antrag angenommen würde, so würden die jüns Sozialdemokraten auö dem Hanse verschwinden, und das wäre sehr verlockend.(Heiter- keit rechts.) Aver ich bitte, diese Frage nicht unter diesem Gesichtspunkte ?» betrachten. Ich bin der Meinung, daß eS noch nicht das bedenklichste ür unsere Entwickelung in Preußen ist. lvenn die Herren solcke Reden hier halten. lSehr richtig: rechtö.) Wenn die Rede des Abg. Liebknecht in weiten Kreisen unseres Vaterlandes bekanut wird, dann gibt eS doch noch sehr viel ernste Naiurcn. die sich sagen: Wohin ioll das führen, wenn da? von der Tribüne deS preußischen Parlaments gesagt werden kann, wenn derartig geradezu verletzende Ausführungen gemacht werden lömien!(Lebhaste Zustimmung reckt» und im Zentrum. Zuruf bei den Sozialdemokraten.) Dann geben Sie die Rede doch als Flugblatt heraus! Einige» davon werden wir sicher gebrauchen.(Zuruf bei den Sozialdemokraten:.Aha! Au? dem Zusaininenhailg gerissen!") Was den Antrag anlangt, die MaximicrungSgrenze in den Städten auf 10 000 M. zu erhöhen, so geben wir zu, daß in den Städten der DurchschnittSeinkoinmenSsatz höher ist als auf dem Lande und daß deshalb auch die MaximierungLgrenze höher sein muß. Wir lvcrdc» deshalb für diesen Antrag stimmen, lehnen aber die schematische Erhöhung um 1000 M. ohne Rücksicht auf die wirt- schaftlichen Verhällnisse ab. Daran, daß wir die Maximierung selbst akzeptiere», sehe» die Herren Sozialdemokraten, daß wir keineswegs die Vertreter des Gcldsacks sind.(Beifall rechts.) Abg. Herold(Z.): Wir wollen eS bei der Drittesimg in den Urwahlveztrken belassen nnd geben auch in den Städten der MoirirnieruiigSsmiime von 5000 M. den Vorzug. Bei der Drittelung ivill jetzt die Regierung dem freikonservativen Antrage zustimmen. ES ist kaum vorgekommen, daß die Regierung in solchem Umfange ihre eigene Borlage preisgibt.(Sehr richtig> im Zentrum; Lachen links.) Geh. Rat». Falkciihayn: Das Ergebnis der bisherigen ve» ratungen weicht in so viel Punkten von der Regierungsvorlage ab, daß ich nur davor warnen kann, auS den Motiven der Regierungö» Vorlage weitere Gesickispunkto herzuleiten.(Stürmische Heiterkeit und lebhafte Zustimmung links.) Abg. Schiffer(natl.): Nim bat die Regierung auch die Be- gründung preisgegeben.(Sehr richtig! links.! Wanim ist das nicht gleich von Anfang an geschehen d Da» härte die Sache doch sehr vereinsacht!(Heiterkeit und Zustimmung links.) Wer nicht will, daß daö rheinisch-westfälische Jnduftrierevier und Oberichlesien lediglich durch mit.Hilfe der Sozialdemokratc» gewählte Arbeitersetretäre des Zentrums vertreten werden, der muß den sreikonservativen Antrag amiehmen. Dem Zentrum kann man es ja nicht verdenken, daß e? sich seine Vertretung im Westen sichern will. Wer bah die Kon- servativen Schrittmacher dieser Maßregel sind, das verstehe ich nicht. Ein Schlußantrag wird angenommen. Persönlich bemerkt Wg. Leinert sSoz.): ES ist mir zum zlveitenmal als dem Vertreter der größten Partei das Wort abgeschnitten worden. sSchallendeS Gelächter rechts.) Das ist um so ungeheuerlicher, als eS sich bei dieser Frage darum handelt, die Sozialdemokratie aus diesem Hause hinaus» zubringen. In einem anständigen Parlament könnte so etwa? nicht vorkommen, und Sie sollten sich schämen, so etwaZ zu tun. tLebhaste Zustinimung links. Lachen rechts und im Zentrum.) Vizepräsident Dr. Krause: Wegen dieser Aeutzerung rufe ich Sie zur Ordnung.(Beifall rechts und im Zentrum.) Bei der Abstimmung wird der Antrag auf Einführung der Drittelung in den Gemeinden gegen die Stimmen der Freikonservativen und Nationalliberalen abgelehnt. Der sreikonservatibe Antrag auf Erhöhung der MaximierungS- grenze in den Städten über 50 000 Eimvohner auf 10 000 M. wird angenommen, dagegen wird der zweite Teil des Antrages, diese Summe jeweilig zu erhöhen, abgelehnt. 8 8 verleiht den Inhabern deS Reifezeugnisses das Wahlrecht der zweiten Klasie. Abg. Freiherr v. Zedlitz ifl.U Da unsere Anträge doch keine Aussicht aus Annahme hätten, verzichten wir darauf, sie hier ein- zubringen, und werden den Paragraphen trotz seiner Unvollkommen- heiten annehmen.(Beifall.) Abg. Leinert(Soz.): (Die Rechte lärmt ostentativ, so daß die Worte deS Redner? Verhallen. Erst durch ein energisches Eingreifen de? Vizepräsidenten Dr. Porsch tritt Ruhe ein. Die Rechte und das Zentrum ver- lasten den Saal.) ES ist auf die verschiedenste Art und Weise versucht worden, den plulokraliichen Charakter der Dreiklassenwahl zu mildern durch eine Privilegierung der Bildung. Die Regierung hat das so an- gefangen, daß sie demjenigen ein erhöhtes Wahlrecht geben wollte, der 10 oder 12 Jahre lang Rekruten gedrillt hat. Weshalb ist sie da nicht einen Schritt weiter gegangen und hat jeden Soidatenschiiider in die erste Klasse versetzt Z(Sehr gut I bei den Sozialdemokraten.) ES fehlt nur noch, daß man die Unbotmäßigkeiten gegen die Junker bestraft, und daß das Volk gewarnt wird, die konservative Macht im Osten und die ZenlrumSmacht im Westen zu brechen. Die gegenwärtige WahlrechtSvorlage ist weiter nichts als eine SeNncieorcinung für das preußilche Volk. Die Gebildeten find die Großlncchte, die etlvaS vor dem übrigen Gesinde bevorzugt werden.(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Und dam, der Besitz! Wodurch gelangt man denn zu Vermögen? Man kann Besitz ererben, ergaunern, und man kann andere für sich arbeiten lasten!(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Die Privilegien für die Bildung hätten noch einen Schimmer von Recht, wenn die Bildungsstätten in gleicher Weise allen Volkskreisen zur Verfügung ständen. Wir aber haben keine Bildungsstätten für das gesamte Volk, sondern nur für die Söhne der Reichen. (Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Wer also in der Auswahl seiner Eltern sehr vorsichtig war und deshalb in den Besitz de« ReifezeugnisteS gelangt ist, der soll ein Vorrecht erhalten I Man drückt die höheren Lehranstalten mit dieser Bestimmung geradezu herab zu einer Brutstätte für Wähler zweiter Klasse. Die Inhaber von Reifezeugnissen sind Musterbürger, auch wenn sie keine Steuern zahlen. In der dritten Klasse läßt man das gewöhnliche Volk wählen, den Pöbel, die Bagage, den Schutt der Menschheit. Alles andere ist der Regierung und diesem Hause soviel wert, daß eS in die zweite Klaste kommt. Solche Vorlagen müssen das RechtsgeMhl des Volkes auf das einpfindlichste verletzen.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Angeblich soll diese? Privilegium die Wistenschast prämiieren. Das nimmt sich sonderbar gerade im Munde der Leute aus, die bisher immer eine wistenschastsseindliche Gesinnung bekundet, die den Geheimrat Adolf Wagner niedergeschrien haben. Es handelt sich bei diesem Privilegium nicht um Achtung vor der Wissenschaft, sondern man bringt diese Leute in die zweite Klaste, weil sie dort staatSerhaltend wirken und verhindern sollen, daß die zweite Klaste nicht mit der dritten Klasse zusammengeht.(Sehr richttgl bei den Sozialdemokraten.) Vor allen der Abg. v. Richthofen, der selbst einmal von der Unbildung deö Volks gesprochen hat, tut sich uns gegenüber immer sehr viel auf seine Bildung zugute. Er hat dazu nicht de» geringsten Anlaß. Welche Bildung in seinen Kreisen herrscht, das beweist alljährlich der Bund der Landwirte(Abg. v. R i cht Hofen ruft: Diest-Daber!). Nein, ich n, einte jetzt nicht den Ausspruch, daß die Minister uns sonst waS können. Ich meinte vielmehr das vieltauiend- stimmige Pfui, das im Zirkus Busch ertönte, als ein Redner den Satz sprach: Man kann mir nicht zumuten, daß ich Brolwucher treibe (Hört I hört I bei den Sozialdemokraten). Dies Pfni galt nicht der Regierung, sondern es ging höher hinauf!(HörtI hört! bei den Sozialdemokraten.) Das ist die.Bildung' der Junker, die uns Bildung lehren ivollen und sich, darüber entrüsten, daß wir den Bolkszorn bei dieser Vorlage zum Ausdruck bringen. Die Frage, ob da« preußische Boll reis für daZ gleiche Wahlrecht ist, können Sie auf der Rechten nicht entscheiden. Sie haben kein Verständnis für die Lage des Volkes.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten. Lachen rechts.) Wag von Ihrer Bildung zu halten ist, beweisen auch die Bonner Borussen, die sich wie das liebe Vieh benommen haben und die nach diesem Paragraphen auch in die zweite Wählerklasse aufrücken würden! Diese Leute werden dann später Siaatsauwülte und Richter, vielleicht auch einmal Mitglieder dieses Hauses oder erbliche Mitglieder des anderen Hauses und können stch dann über die.Verrohung' und.Unbildung' deö BolkeL beklagen! Der Abg. v. Woyna hat einmal gesagt, er kenne unter den Acb�-em viele»nützliche Elemente". Wir wissen, was darunter zu verstehen ist. Warum krönen Sie Ihr großes Werk, mit dem Sie es angeblich so ernst meinen, für das Sie sich geradezu aufopfern. nicht damit, daß Sie auch die S t r e i k b r e ch e r in der ersten Klaste wählen laste»? Das wäre dann erst die echte preußische Eigenart: Junker, Reichtum, Bildung, Soldatenschinder und Streik- brecher wählen in der ersten Klasse und ncbmen die Deklassierten in der dritten Klaste in Fürsorgeerziehung I.(Sehr gut I bei den Sozial- demokralen. Lärm rewtS.) In diesem Privileg kommt die Ver- acbtung gegenüber den Arbeitern zum Ausdruck. Dieses Moment leitet Sic. Es ist Ihnen unangenehm, daß einige Gebildete in der dritten Klaste mit den Arbeitern loählcn müsten.(Sehr richtig I bei den Sozialdemokraten.) Früher dachte das Zentrum anders. Die»Kölniicke Voikszeitung' war eS. die einst für das gleiche Wahlrecht eintrat und auf Bebel hinwies als ein Bei- spiel dafür, daß die ExamenSbildung den Menschen nicht ausmacht. Sie wies auf die vielen Männer in der christlichen Arbeiterbewegung hin. die alle über ihr Studierzimmer die Worte schreibe» könnten: Aus eigener Kraft.(Hört! hört l bei den Sozialdemokraten.) Heute stellt das Zentrum selbst einen Antrag: daß nur diejenigen in die höhere Klasse kommen sollen, die eine höhere Schulbildung genoste» haben l Der berühmte Historiler Tbeodor Mommscn hat einmal geschrieben: „Es ist leider wahr, zurzeit ist die Sozialdemokratie� die einzige Partei, die Anspruch auf politische Achtung hat. Sie ist um ihre Jeder Mensch in Deutschland weiß, daß man So spricht ein Mann, der von den Dingen eiwaS versteht. Wäre daS Zentrum bei der Wahlrechtsfrage entschieden auf- getreten, es hätte der Regierung seinen Willen aufzivingen können. (Sehr richtig I bei den Sozialdemokraten.) Ich bin gespannt, welchen Lob» das�Zenlrum für die Nachgiebigkeit bei der Wahlrechisfrage erhalten wird. DaS Zentrum tut nichts uneigennützig, und es wird auch für diesen Verrat der Arbeiterklaste und der Volksrechte, der leider in diesem Parlament bestätigt werden wird, seineti Lohn ver- langen.(Lärm im Zentrum.) Vizepräsident Dr. Borsch: Wegen dieses Ausdrucks rufe ich Sie zur Ordnung.(Beifall im Zentrum.) Abg. Leinert: Die Arbeiter werden ihr Recht fordern und erhalten, sie werden sich ihr Recht erkämpfen trotz Junker und Pfaffen. (Bravo! bei den Sozialdemokrateu.) Abg. Dr. v. Campe(natl.): Wa' vom§ 8 übrig geblieben ist. ist lediglich eine Prämiierung der Examensweisheit,' ein geradezu ungeheuerliches Singularrecht.(Sehr richtig! links.) ES gebt auS von einem Examen, das noch dazu in verhältnismäßig jungen Jahren abgelegt wird. Es verläßt vollkommen den Standpunkt, daß die Be- Währung im öffentlichen Leben für daS Wahlrecht von Bedeutung sein sollte. Unter diesen Umständen ist keiner nteiner politischen Freunde mehr in der Lage, für den§ 8 zu stimmen.(Beifall links.) Damit schließt die Debatte. Persönlich bemerkt Abg. Frhr. v. Richthofen(k.): Der Abg. Leinert hat behauptet, ich hätte gesagt, die Arbeiter seien ungebildet. So etwas habe ich nie gesagt. Ich habe nur davon gesprochen, daß manche sozial demokratischen Führer einen gewisien Grad von Bildung vermisten lasten.(Sehr gut! rechts.) Ich kenne viele Arbeiter, die ich he züglich ihrer Bildung und Herzensbildung sehr hoch einschätze. (Beifall rechlS.) Diese Herzensbildung aber vermiste ich völlig bei Menschen, die de» Vertreter der Staats! egieruna in der Weise be- grüßen, wie wir tS erlebt haben, bei Menschen, die die patriotischen und religiösen Gefühle der großen Mehrheit dieses HauscS verletzen. (Beifall rechlS und im Zentrum.) § 8 wird gegen die Stimmen der Linken angenommen. Der Rest des GefedrS wird nach den Beschlüsse» der zweiten Lesung rntgenommen. Die Sozialdanokraten beantragest namentliche Abstimmung über den Gesetzentwurf im ganzen. Die übrigen Parteien stimmen diesem Antrage teils sofort, teils zögernd zu. Das Resultat der namentlichen Gesamiabstimmung ist folgende«: Von 40S abgegebenen Stimmen lauten 236 auf ja, 168 auf nein. Für die Vorlage stimmten: das Zentrum geschlossen und die Konservativen mit Ausnahme der Abgg. v. Brandenstein, v. Davier, Krüger-Marienburg, v. Jagow und v. Wentzel. Dagegen stimmten: die Freilonservaliven mit Ausnahme der Abgg. v. d. Kuesebcck-Colboru und Dr. Schröck, geschlossen die Nationalliberalen. die Fortschrittliche Volkspartei, die Polen und die Sozialdemokraten. Im Anschluß hieran werden Rrsoluttone» behandelt. Zunächst eine Resolutton der Nationalliberalen, die ein« Ver- mehrung der Abgeordneten nach Maßgabe der veränderten Wirtschaft- lichen mtd BevölkerungSverhältnisse wünscht, und eine Resolution der Volkspartei, die eine Aendcrung der Wahlkreise auf Grund der Volks zählung von 1905 verlangt. Außerdem liegt eine Nesolution der Sozialdemokraten vor, die eine Herabsetzung des zur Wahlberechtigung nötigen Alters aus 20 Jahre und da« allgemeine, gleiche und direlte Wahlrecht für beide Geschlechter fordert. Abg. Dr. Schiffer(natl.) befürwortet die nationalliberale Re- solutton und Abg. Hoff-Kiel(Fortschr. Vp.) die der Volkspartei. Die Debatte wird mit einem Schlußantrag geschlossen I Sämtliche Resolutionen werden abgelehnt» Damit ist die Tagesordnung erschöpft. DaS Haus geht in die Osterferieu. Nächste Sitzung: Donnerstag. 7. April, 11 M)r.(Etat der Bau- Verwaltung.)_______ Gerichts-Zeitung. Der Gemeindevorsteher Schmidt von Roscnthal-WilhelmSruh. Der BeleidigungSprozeß Schmidt— Korb, der am Dienstag vor dem Amtsgericht Pankow begonnen hat, wurde am Mittwoch fort- gesetzt. Zunächst beendeten die Parteien ihre auf die Klage bzw. Wiederklage abzugebenden Erklärungen, mit denen sie am erstxn Verhandlungstagc in ziemlich fünfstündiger Sitzung nicht fertig gc- worden waren. Herr Korb kam schließlich noch mit etlichen Er- gänzungen zu seiner Widerklage gegen Schmidt. Beleidigt fühlte er sich unter anderem auch dadurch, daß Herr Schmidt einem von Korb eingereichten Schriftsatz über eine Grundwertsteuersache, der amtlich an ihn gelangt war, die Randbemerkungen„Cluaisch!" und „Verrückt I" angefügt habe. Da das BeiveiSmaterial hierfür erst be- schafft werden sollte, so drohte der Vorsitzende mit Vertagung. Herr Korb verzichtete dann einstweilen, stellte aber in Aussicht, daß er noch mit einer selbständigen Klage vorgehen werde. Aus der Beweiserhebung war am ersten Tage ein Teil vorweg» genommen worden, die Bekundungen- eines Bausachverständigen darüber, ob Schmidt sich eine pflichtwidrig. nachlässige Anwendung baupolizeilicher Vorschriften habe zuschulden kommen lassen, wie Korb behauptet hatte. Am zweiten Tage ging die Beweiserhebung zunächst auf die Widerklage ein, die Korb erhoben hatte, weil Schmidt in Privatgcsprächen und in öffentlicher Gemeindesitzung sowie in Artikeln der inzwischen eingegangenen Zeitung„Norden" und in anonymen Briefen an den Magistrat von Berlin ihn be- leidigt habe. Eine Veröffentlichung deS Bororiblattes«Norden", die Schmidt mit seinem Namen unterzeichnet hatte, richtete sich offen gegen Korb. Sie war gedacht als Abwehr gegen ein dem Gemeinde- Vorsteher sehr peinliches Geschichtchen, das Ende 1907 durch einen ,.Borwär«S"°Artikel und dann auch durch einen bezugnehmenden Artikel der„Wilhclmsruher Zeitung" pcrbreitct worden war. Ihm war damals vorgeworfen worden, daß er in einer Wilhclmsruher Kneipe mit einem zu Gaste gebetenen Mädchen ein Abenteuer ge° habt habe, das zu der Würde eines Gemeindevorstehers nicht passe. Da Schmidt irrtümlich annahm, daß hinter diesen Angriffen sein Gegner Korb stehe, antwortete er diesem im„Norden". Dabei lieh er durchmerken, daß auch er zu plaudern wisse, und spielte auf „schamlos« Sachen" an, die vor LS Jahren sich in Angcrmündc er- eignet hätten. Korb hatte lange in Angermünde beim Militär ge- standen und dort auch seine daselbst geborene Frau kennen gelernt, darum sah er in diesem„Norden'-Artikel einen Angriff auf seine Frau, durch den auch er getroffen werden sollte, vor Gericht er- klärte Schmidt, er habe nicht Korb und besten Frau gemeint, doch weigerte er sich, zu sagen, wer denn sonst gemeint sei. Der Jour- nalist Bolber, der damals Redakteur des„Norden" gewesen war, bekundete als Zeuge, er wisse nicht, auf wen die Anspielung gehe, und er habe Schmidt auch nicht weiter danach gefragt. Buchhalter Talente zu beneiden. mit einem Kopf wie Bebel ein Dutzend ostelbischer Junker aus»...„............ � � statten könnte und daß sie dann immer noch über ihresgleichen her- Gericke, der au» Angermunde gebürtig tst und Frau Korb von Kind- vorragen.'(Hört! Hort! bei den Sozialdemokraten.)• heit an kennt, war m den Verdacht gekommen, bei Schmidt den Ein- 1 l blaset gemacht zu haben. Als Zeuge bestritt er das und versicherte, 1 ihm selber sei über Frau Korb niemals etwas Ehrenrühriges zu Ohren gekommen. Gemeindeschöfte Livner bekundete, in Wilhelms» ruh habe man Schmidts Hinweis auf Angermünde als Angriff gegen Frau Korb empfunden und Gericke als mitbeteiligt an- gesehen. Herr Schlcndow sagte aus(und er hielt das aufrecht trotz des hefttgcn Widerspruchs Schmidts), Schmidt selber habe ihm An» deutungen über eine Angermünder Affäre gemacht, auch habe cc dabei direkt den Rainen der Frau Korb genannt. In einem zweiten„Rorden'-Arttkel. als dessen Verfasser Volker sich bekannte, war Korb bezeichnet worden als der„Mann mit dem Ltzpenheimer Attest". Ter Siervenarzt Dr. Oppenheim«! sollte Korb für geisteskrank erklärt haben, so daß man ihn rächt verantwortlich machen könne. Korb hatte einmal in einer Verhandlung vor dem Kreisausschuß auf seine Nervosität hingewiesen, die ihn in seinem Vortrag beeinträchtige, und hatte hinzugefügt, er sei in ärzt- licher Behandlung. Schmidt habe, meint Korb, daS dahin um- gedreht, daß Korb, wenn man ihn für etwas verantwortlich mache, sein Attest aus der Tasche ziehe. Zeuge Velber wußte nicht, woher er seine Informationen hierüber erhalten hatte, aber in ganz Wilhelmsruh sei davon gesprochen worden. Mitgeteilt hatte cs Schmidt dem Pastor Merkel, dieser dem Kirchenältesten Pfleger, und der wieder dem Gcmeindeschöffea Livner. Die Bekundungen dieser drei Zeugen, namentlich des letztgenannten, gingen dahin, daß Herr Schmidt in der Tat Herrn Korb in jenes ihn kränkende Gerede gebracht habe. Aus der weiteren Beweiserhebung soll hier, unter Uebergehung etlicher Kleinigkeiten und Kleinlichketten, der KanalisationSstrcit zwischen Berlin und Rosenthal-WilhelmSrnh hervorgehoben werden. Korb, der bei der Stadt Berlin Magistratsbureauassistent ist, war bei dem Berliner Magistrat durch zwei mit„Arnold Kindler" unter« zeichnete Briefe denunziert worden, daß er seine Kenntnis der Bcr- liner Akten zugunsten seiner Wohngemeinde Rosenthal-WilhelmZ- ruh ausgenutzt habe. Diesen Kindler kennt niemand; Korb meintt Schmidt-verberge sich hinter ihm. Die Vernehmung mehrerer Zeugen ergab keinen Anhalt hierfür. Auch eine Zeugin, Frl. Ger- trnd Thielicke, die nach Schmidts Diktat die Briefe geschrieben haben sollte, erklärte, von nichts zu wissen. Herr Schlcndow versicherte übrigen», daß die RechtSnngültigkeit des zwischen Berlin und Rosenthal-Wilhelmsruh geschlossenen Vertrages von verschiedenen Personen längst erkannt gewesen sei, als dem neuen Gemcindevor- stehet Schmidt die Durchführung des Streites übertragen wurde. Die Beschuldigung Korbs, daß Schmidt pflichtwidrige Begiinsti, gung in baupolizeilicher Hinsicht vorzuwerfen sei, wurde auch durch Vernehmung eines angeblich Begünstigten, des Hausbesitzers Kühl, nicht bestätigt. Ebensowenig ergab die Beweiserhebung dafür, daß Herr Schmidt Herrn Korb durch polizeiliche Schikanen drangsaliert habe. Ein Versuch, durch Zeugenaussagen festzustellen, daß eigeut- lich keiner der beiden Kmnpfhähne dem anderen feindlich gesinnt sei, gelang prompt— und weckte bei dem Gerichtshof, der Zeugenschar und der Zuhörerschaft fröhliche Heiterkeit. Heute wird die Verhandlung fortgesetzt. Es soll bann auch Oberbürgermeister Kirschner über die„Kindler'-Briefe vernommen werden. , Eine anonyme Denunziation. Der Sekrctariatö-Assistent BeyerhanS, angestellt im Kaiser- lichen Statistischen Amt, bekam im vorigen Jahre außer seinem Sommerurlaub wegen Krankheit noch drei Wochen Nachurlaub. An dem Tage, wo er seinen Dienst wieder antrat, lief beim Präsi, denten deö Statistischen Amtes ein mit„E. Vogt" unterzeichneter Brief ein, worin gesagt wird, BcyerhauS bedürfe keines Nach» Urlaubs, denn er sei gar nicht krank, er verstelle sich nur und treibe sich nachts herum. Der Inhalt.des Briefes wurde Herrn Leherhaus vorgehalten. Er suchte nun nach dem Verfasser und folgte zunächst der durch die Unterschrift gegebenen Spur. Ein Schriftsetzer Joseph Vogt, der in der Nachbarschaft von BeYcrhauS wohnt, wurde von diesem vor den Schiedsmann gefordert. Hier stellte sich aber durch einen Handschriftenvcrgleich als sicher her- aus, daß Vogt nicht der Schreiber des Brieses war. Um den» wirklichen Denuuzianten auf die Spur zu kommen, wandte sich Bcyerhaus an eine Kartenlegerin. Das Orakel der Peisen Frau lautete: Suche den Briesschreiber nicht unter Fremden. Er ist einer deiner besten Freunde. Ein schwarzer Herr, von den« dir Uebles droht. In der Tat gehörte zu den Freunden des Sekreta- riats-Assistenien Beycrhaus ein schwarzer Herr narneuS Mrowiy, der im ReichS-Marine-Amt Geheimer Kanzleisekcetär ist. Doch will Beyerhaus auf den Orakelspruch kein Gelvicht gelegt, auch keinen Verdacht aus seinen Freund Mrowitz gehabt haben. Er sprach oft mit ihm über die Angelegenheit. Mrowitz erging sich bei diesen Gelegenheiten stets in den schwersten Verwünschungen gegen' den unbekannten Denunzianten und versicherte, der' Briesschreiber werde wohl nie herauszukriegen sein. Denn solche Schriftstückc würden von Behörden nicht im Original ausgeliefert. BcyerhauS hatte aber bereits den Originalbrief. Auf Grund eines Vergleichs desselben mit der Handschrift des Geheimen Kanzleisekretärs Mrawitz kam Beyerhaus zu der Ucbcrzeugung, daß kein anderer als sein Freund Mrowitz den Brief geschrieben haben könne. Er verklagte ihn wegen verleumderischer Beleidigung. Mrowitz be- stritt, Verfasser deS Briefes zu sein. Er wurde in erster Instanz freigesprochen, weil das Gericht das Gutachten der Schreibsachver, ständigen nicht für belvciskräftig genug hielt und andere Beweis» mittel nicht vorlagen. In der vom Kläger angerufenen Berufungsinstaiiz(Land- gericht lll) wurden gestern 16 Zeugen und 3 Schreibsachverständige vernommen. Die Beweisführung des Klägers sollte in der.Haupt» fache dartun, daß Mrowitz ein Mensch sei, welchem die ihm zur Last gelegte Handlung zuzutrauen sei. Mehrere Kollegen des An- geklagten, die mit ihm zusammen nn Reichs-Marineantt beschäf- tigt sind, führten bestimmte Fälle gn, wo sie von Mrowitz bei ihren Vorgesetzten ohne Grund verklatscht und verdächtigt worden sind. Acußerungcn, die im Kreise der Beamten beim Frühstück über Vorgesetzte sowie über Kollegen gemacht wurden, sind de» Vorgesetzten bald darauf bekannt gewesen. Die Zeugen sind über« zeugt, daß nur Mrowitz die Denunziationen den Vorgesetzten zu- getragen haben kann. Wenn er wegen solcher Dinge zur Rede gestellt wurde, sagte er:„Ich bin es nicht gewesen, so wahr Christus am Kreuze hängt." Auch Familienklatschereicu. deren Urheber der Angeklagte gewesen sein soll, wurden zur Sprache gebracht. Nach diesen Zeugenaussagen ist der Angeklagte ein Mann, der die größte Freundlichkeit zur Schau trägt, hinter dein Rücken aber die Personen, mit denen er freundschaftlich verkehrt, schlecht macht. Der Angeklagte bestritt alle nach dieser Richtuiig angeführten Einzelfälle und berief sich auf das Zeugnis von cini» gen seiner Vorgeietztcn aus dem. Marineamt, die bekundeten, Mrowitz habe bei ihnen ieine Denunziationen seiner Kollegen an« gebracht. Die Sachverständigen, Schulrat Grabow und Dr. Altrichkcr, bi�eidhneten es als ganz zweifellos, daß der Angeklagte den dcnun« ziatorischen Brief geschrieben habe. Der dritte Sachverständige, Tr. Meier, hielt den Angeklagten mit einer an Sicherheit grenzen- den Wahrscheinlichkeit für den Briesschreiber. Das Gericht kam zu der Nebcrzcugung, basi der Angeklagte den dcnunziatorischen Brief geschrieben habe. Dafür spreche nickst nur die Handschrift, sondern auch der Umstand, daß in dem Briese Verhältnisse behandelt seien, die nur einem engen Personen- kreis aus der Umgebung des Klägers bekannt sein konnten. Nach den Zeugenaussagen sei dem Angeklagten die Handlung wohl zu» utrauen, so baß also alles die» für seine Verfasserschaft spreche. kn Anbetracht der. niedrigen Gesinnung, die der Angeklagte durch seine Handlung bekundet habe, dürfe die Strafe keine geringe sein. Wissentliche Verleumdung habe das Gericht sticht für vorliegend erachtet. Das Urteil lautete auf eine Geldstrafe von 200 M. ßnefttaftcii der Redaktien. Sie IsMIsche spttth stund» findet Linden st raste 3, zweite» Hol dritter Eingang, vier Treppe«, Mx- Fahrstuhl wochentiigllch abendZ van 7Vi bis S'-z Übt statt. Geöffnet< Uhr. Sonnabends beginn« die Sprechstunde um K Uhr. Jeder Anfrage ist ein Luchstabe und eine Zahl als Mcr», eichen brizufligen. Lriestiche Antwort wird nicht erteilt. BIS zur Beantwortung im Brieftasteu könneu 1t Tat» bergehen. Eilige Fragen trage «a» in»er Sprechstunde vor. Vl. V. Leipzia. Der Roman ist noch nicht in Buchform erschienen. Fragen Sie nach einigen Monaten nochmals an.— W. S. 103. Nein. — Ter jungt Herr von 546. Die Nabattfparvercine flnd die älteren.— Sangweilig 50. 1. Ja. 2. und 3. Auf Antrag vermittelt daS Naxlasi- ht die Auscinandcrfctzung. i. Angemessene Entschädigung unter Be- >»------------ i'»n■»i geri-I riickfichtigung best Objektes und beS UinsangeS der Tätigfeit. S. Dast er- geben die Papiere.— W. 10. 1. und 3. Diese AuSlünste können wir wegen Raunimangel nicht geben. Lesen sie die Plenar- und KommissionS- berichte aus dem Frühjahr v. I. nach. L. Freisinnige, Nationalliberale mit einigen Ausnahmen, die Mehrheit der Freikonleroativen und der Antisemiten sowie einige Konservative.— I. P. B4. Die staatliche Hcizcrprüsuiig findet im Juli d. I. statt. Sie müssen fich tosort mit dem Dampskesscl- reoisionsvercin in Berlin, Lcssingstr. 34, in Verbindung setzen, damit sie eventuell noch an dem vorhergehenden Kursus teilnehmen können. Die Kosten für den Kursus betragen 6 M., diejenigen tue die Prüsiingsbescheini- gung bei denjenigen, die an dem Kursus nicht teilgenommen haben, 5 M. — H. L. 100. DaS Infanterieregiment Nr. 76 hat seinen Standort in Hamburg, während in Altona das Jnsaiitcrieregimenl Nr. 3t und die II. Abteilung des Feldartillerieregiments Nr. 45 stationiert sind.— M. P. 83. Wenn der gerschtliche Gachvcrstöndsge d!s Undrauchbarkekt und die Rcparaturunmöglichkeit der Maschine bestätigt und dies nicht die Folg« unsachgemäßer Benutzung ist. so können Sie NüSiahlung Zug um Zug gegen Ruckgabe der Maschine verlangen, müssen fich aber einen angemessenen Betrag sllr die Benutzung anrechnen lassen.— B. 14. 5,50 M. jährlich.— K. T. 71. Bei 4 Kindern tritt eine Ermäßigung mn zwei Stujcn, bei 5 Kindern eine solche um drei Stufen ein.— S. 40. 1. Dazu ist die Gemeinde berechtigt, so lange die Unterstützung verlangt wird; wird ans dieselbe verzichtet, dann 2. nicht.— K. 2. 500. Leider ist die Dienst- Herrschaft zu dem Abzüge berechtigt.— Anker 31. Wir können nicht zu der Versicherung raten.—(9, L. 28. 1. 1. Januar 1909 bis dahin 1910. 2. Das haben wir nicht feststellen können. Anscheinend Schumann. 3. Etwa 25 Proz._ ie irren wenn Sie glauben, daß nur frische Fleischbrühe angenehm schmecke. Den gleichen Wohlgeschmack hat eine Bouillon aus 0X0 Bouillon- Würfel der Cornpü Liebig.— Preis 5 Pf. lllf Theater und Vergnügungen| DOD MjjjM Donnerstag, den 17. März. Ansang Tlj Uhr. KSnigl. Opernhaus. MIgnon. Aönigl. Schauspielhaus. Strand- tintzer. 9frut» tönigl. Opern-Theater. Veschlossen. Deutsches. Judith. K o n, m e r s p i e l e. Der gute König Dagobert.(Ans. 8. Uhr.) A»tang 8 Uhr. «Serlwer. Taifun. Sessing. DaS Konzert. SleueS. Die goldene RMerzelt. Stent« SchanipitldanS. Frau im fenkler. Mirandolina. en. Di« geschiedene Frau. Ztomilcht Oper. DaS Tal der Liebe. Stencs Lverrtte». Der Gras von Luxemburg. Trianon. Theodore n. Eie. KlrineS. Der große Name. vlcstdenz. Das Nachtlicht.— Der selige Octave. Thalia. Die Dollarprinzessin. Schiller». tWallner- l�eater.) Goldstsche. Schi»., xharlottenburg. Egmont. Friedrich- WUHelmstädtisches. Streber. Gastspiel. Miß Dudelsack.(Anfang 8'/. Uhr.) Hebbel. Kavaliere.(Ans. 81/. Uhr.) Voltsoper. Alt-Heidelberg.(Ansang «'/. Uhr.) Luisen. Der Vellchenfresser. Ntoie. Wankender Boden. Snstsptelhan«. Der dunkle PunN. Mct.ov-t. Halloh II— Die große Revue. Folie»«kaprice. Herr Wasserkrops. Der Lustturncr.(Ans. 8'/, Uhr.) Eastno. Berlin bei Nacht. Gebr. Herrnfeld. Es lebe daö Nachtleben.— Die Original- KlabrtaSpartie. Vtadttheater Moabit. Dors und ©ladt. Noack. Der KönigSleulnant. Voigt. Die Geyer-Wallt. Ap.-ao. Der Zechpreller. Cpezla- litäten. Wintergarten. Spezialitäten. ReichStiallen. Stetttner Sänger. Palast. Spezialitäten. Pastugr. Speztalitäten. Karl Havelland. Spezialitäten. Walballa. Ssezialttäten Buggenlingcn. Spezialitäten.(An- »8,40. Kreml, zur Vit Uhr). ante. Taubenstrah« Vom Uro Abends 8 Uhr Newa. gm Hörsaal 8 Uhr: Dr. SB, Berndt: Fortschritte und Höhen lultureller Entwickelung. Stc,»»-»rrr, Invaliden str. 57—82 �essiax-Ideater. « Uhr: DaS Konzert. Freilag. 8 Uhr: Banmeister Solneh. Sonnabend, 8 Uhr: Da» Konzert. öerliner Tkester. ,Ä8Ä, Taifun. Morgen: Daifnu. Heues Theater. LbendS 8 Uhr: Die goldene Ritterzeit. Freitag und Montag: Die goldkllt Kitterjkit. Theater des Westens. Abends 8 Uhr: Die geschiedene Fron. Sonnt. 3'/, Uhr: Der sidele Bauer. tmUS-tspivMaus. Abends 8 Uhr: Der dunkle Punkt. klisllfIMliynisMfcDtNZ Schauspielhaus. Donnerstag, 17. März, abends 8 Uhr: StrvvSr. trcitaq: Streber. onnabend: Die Großstadtluft. Sonntag nachm. 3 Uhr: Die Jung« frou von Orleans. Trianon-Theater. Heute und folgende Tag«, 8 Uhr: Tldsodo»'«& Cle. Sonntag nachm.: Pariser Witwen. Urania, Wissenschaftliches Theater. Abends 8 Uhr: Eugen Zabel: Vom Kreml zur Newa. Hörsaal 8 übr: Dr. W. Berndt: Fortschritte und Höhen kultureUer Entwickelung. Nciicb Oporctten-Thentcr Heute und folgende Tage 8 Uhr: Der Graf vo» Luxemburg. Sonntag nachmittag 3 Uhr zu er» mäßigten Preisen: 0er Zigeunerbaron. Residenz-Theater Direktion: Richard Alexander. AdendS 8 Uhr: Das Nachtlicht. Schwank in 3 Akten v. M. ZamacoiS. Hieraus: Der selige Oktave. Burleske in 1 Akt von Joes Miraude und Henri Göroüle. Volksoper. SW., Bclle-Alliance-Straße Nr. 7/8. Abends>lß Uhr: Gastspiel des Neuen Schauspielhauses: Alt-Heidelberg. _(Außer Abonnement.)_ Luisen-Theater. Abends 8 Uhr: Der Veilchenfresser Lnstsplcl in 4 Akten von G. v. Moser. Freitag Benefiz s. Rudolf Schönau: Was Gott znsammensügt. Sonnabend nachm. 4 Uhr letzte Kindervorstellung: Sch»ecweißchcn n. Rosenrot. 8 Uhr: Wa» Gott zu- sammensügt._ |OSE=THEATE 1 Große Franksurter Str. 132. Ans. 8 Uhr. Ende'/.U Uhr.| Wlttthtllder Koben. Drama in 4 Akt. v. Aspoliu. Duderstädt. Freitag: Die Ehre. «onnabend nachm.: 1001 Rächt. AdendS: Die Ehre._ -Theater. z 8'/. Uhr: Sil»»»ndelsavlr. Morgen und folgende Tage: Sil»» Dudelsacb. Metropol-Theater Abends 8 Uhr: Hallo!!! Die große Revue! In 8 Bildern von JuL Freund- Musik v. Faul Liocke. In Szene gesetzt vom Dir. Bich. Schultz. Anfang 8 Uhr. Rauchen gestattet. Das Dreigeslirn «reiblicher Schönheit, Grazie u. Kunst Rosario Guerrero Marie Lafargue Odette Valary und die anderen — Star-Ättraktionen.— Polles Caprice Der Cuftturner. Nencr bunter Toll. Herr Wasserkropf. Anfang 8'/. Uhr. Berverk. 11—2 Uhr. Schlller-Tlieater. Schiller-Theater 0.(Wallner-Theat.) Donnerstag, abends 8 Uhr: Htolrittaclie. Lustspiel in 4 Akten von Franz von Schönthan und Gustav Kadetburg. Ende 10'/, Uhr. Freitag, abends 8 Uhr: H4'uII«i,»teln, I-agcp. Hieraus: Die Piccolomiul Sonnabend, abend» 8Uhr: S!«iak»Qbe. Schiller-Theater(Lharlottendurg). Donnerstag, abends 8 Uhr: Oxmsnt. Em Trauerspiel in 5 Aufzügen von Johann Wolsgang v. Goethe. Ende U1/, Uhr. Freitag, abends 8 Uhr: ?kviie/z Uhr, statt. Trotz der für die Arbeiterschaft ungünstigen Festsetzung der Wahlzeit wird ersucht, dast jeder seine Schuldigkeit tut. Maricnfcldr. Am Mittwoch, den 23. März, finden die Reu- resp. ErgänzungSwahlen zur Gemeindevmrclung statt. Die für nnS nur in Betracht kommende dritte Klasse wählt von 3—6 Uhr nachmittags. Unsere Kandidaten sind Fritz Greulich und Adolf V e r g e r. An diesem Sonntag, den 20. März, nachnnttagS um 8 Uhr, findet eine öffentliche Wählerverfammlung im Lokal von Berger, Berliner Slraste t14 statt. Hierzu ist am Freitag, den 18. März eine Flugblattverbreitung. Die Genossen werden ersucht, sich vollzählig daran zu beteiligen. Der Vorstand. Wahlergebnisse. Friedenau. Bei der am Mittwoch erfolgten Gemeindever- trcterwahl eroberten unsere Genossen zum ersten Male 2 Siyr. Es erhielten Stimmen: Genosse Huhn(Hausbesitzer) 592 und Genosse Richter 595. Die Gegner erhielten 556 und 564 Stimmen. Unsere Stimmenzahl ist seit der Wahl im vergangenen Jahre um 100 Stimmen g e st i e g e n. die der vereinigten Gegner ist um über 300 Stimmen zurückgegangen. Hcrzfeldc(Kreis Niederbarnim). Bei der Gemeindevertreterwahl am 15. März siegten unsere Genossen, die bisherigen Gemeinde- Vertreter Hermann Stoff und Otto S ch r ö d e r mit 75 Stimmen Majorität. Unsere Genossen erhielten 120, die bürgerlichen Kandidaten nur 85 Stiininen. KaulSdorf a. Ostbnhn. Bei der Wahl am Montag erhielt in der drillen Klosse unser Kandidat Genosse Heinrich Schmidt 53. der Gegenkandidat 70 Stimmen. Waö hierbei von uniern Gegnern und einzelnen Personen aus der Arbeiterklasse geleistet worden ist, ist auch von Interesse für weitere Kreise. Ursprünglich konnte ein Nickt angesessener gewählt werden; nachdem nun die Genossen beschlossen, sich an der Wahl zu beteiligen, wurde eS bekannt, dag ein Schöffe das Niegbrauchsrecht von seinem Hauie dem Sohn übertragen balle deshalb muffte nun in der dritten Klaffe ein Angesessener gewählt werden.(In der ganzen Gemeindevertretung fitzt nur 1 Nichb angesessener.) Da die« nun erst nach Ausschreibung der Wahl bekannt wurde und wir keinen Hausbesitzer als Kandidaten hatten. beschlossen die Genossen, an der Kandidatur des Genossen Schmidt fest. zuhalten. Jetzt traten nicht nur die Gegner, sondern auch ein Spar- verein Kaulsdorf mit dem Äruudbesitzerverein Zentrum zusammen denen zum gröfften Teil Arbeiter, die in Berlin beschäftigt sind, an» gehören, aus den Plan und stellten einen besonderen Kandi! aus. Sie richteten an die Wähler die Aufforderung, nicht dem Ge- Nossen Schmidt, sondern dem Gegenkandidaten ihre Stimme zu geben, da Genosse Schmidt ja doch nicht gewählt werden könnte. Diese ManlwurfSarbeit verrichtete namentlich ein Buchbinder Her- mann Böttcher, welcher vor Jahren einmal Mitglied des Wahl- Vereins war und wegeu BoykottbruchS gestrichen wurde. Es ist auch hieraus wieder zu eriehen, wie iveit eS diese Vereinsmeierei, welch« in den ländlichen Vororten herrscht, bringen kann. Nöntgrntal-Zcpernick-SchSubrück. Bei der am 15. März statt- gefundenen Gemeindevertreterwahl wurden in der dritten Klasse folgende Genossen gewählt: Otto Lange. Maurer, als Nicht- angesessener. Franz Lange, als Angesessener. Ersterer mit 64 gegen 53 bürgerliche, zweiler mit 62 gegen 56 bürgerlich- Stimmen. In der zweiten Klasse entfielen auf unserem Genossen Hinze, Eigen- tllmer 15 und auf zwei bürgerliche Kandidaten 16 resp. 1 Stimme. ES hat deshalb Stichwahl stattzufinden, die bereits zum 21. März. abends 7 Uhr. nach dem Padkertschen Lokal in Zepernick an- gesetzt ist. Die Genossen werden ersucht, dafür Sorge zu tragen, daff mcht nur die dritte Klasse der Sozialdemokratie gehört, sondern daff die- selbe auch am Tage der Stichwahl in die zweite Klasse Bresche legt. W-iß-nsce. Das Resultat der Wahlen der 2. Abteilnng steht noch nicht fest. Bon zehn Kandidaten ist einer gewählt und vier kommen in Stichwahl, j: zwei vom Grundbesitzer- und Mieterverein. Ans unsere Genossen entfielen 54 Stimmen. Auch bei dieser Wahl spielten die Papierstimmen die Hauptrolle, deren Abgabe volle zwei Stunden in Anspruch nahm. Stimmen, welche erst dem Mieter- verein erteilt waren, wurden später vom Grundbesitzerverein rekla- miert und eS kam in solchen Fällen stets zu langen Auseinander- setznngen zwischen den Parteien. Der Grundbefitzervercin wäre als Sieger hervorgegangen, wenn nicht der Beauftragte einiger Forensen ans einige Zeit da« Wahllokal verlassen hätte und bei Aufruf nicht zugegen war. Infolgedessen waren mit einem Schlage 15 Stimmen ungültig. Auch diese Wahl wird vom Mieterverrin angefochten. Hohen-Schiinhausen. Die stattgefimdcne Gemeindcwahl endete mit einer Niederlage der konservativen Bauernpartei. In der dritten Llbteilung wurde, wie bereits gemeldet, unser Genosse Thiele mit grosser Mehrheit in der Ergänzungswahl wiedergewählt. Für die Neuwahl hatten wir einen Hausbesitzer als Kandidaten nicht auf zustellen vermocht: hier wurde der Fortschrittliche gewählt. Auch die Wahlen der ersten und ztveitcn Abteilung brachten den Bauern wenig Erfolg, so daff ihr Einfluß im Dorfl'grlament jetzt erheblich geschwächt ist. Bureau«s Tempelhos. Am Mittwoch siegten bei der Gemeindeöertttker- Wahl zum ersten Male die sozialdemokratischen Kandidaten mit großer Majorität. Gewählt wurden die Genossen Max Schmidt, Martin Müller und Louis Frantz.— Der Wahlkampf war heiß, die Wahlbeteiligung hat sich seit zwei Jahren verdoppelt und die für unZ abgegebene Stimmenzahl nahezu verdreifacht. Pankow. Die gestern stattgefundene Gemeindevertreterwahl brachte uns zwei Siege. Im l. Bezirk erhielten die Bürgerlichen 742 Stimmen, unser Kandidat. Genosse Johann Hirschmeier, 760 Stimmen. Im II. Bezirk wurden abgegeben für den bürger- lichen Kandidaten 612, für den Kandidaten der Sozialdemokratie, Genossen Wilhelm Kubig, 860 Stimmen. Die Gegner hatten ein kolossales Aufgebot an Wahlkrästen aufgetrieben, doch gelang es ihnen dank der tatkräftigen Hilfe unserer Genossen nicht, uns den Sieg zu entreiffen. Heute findet die Wahl der beiden anderen Vertreter stait. Wir bitten wiederum die Genossen, die sich bereits zur Hilfe angeboten haben, sowohl wie auch diejenigen, deren Zeit es ermöglicht, sich nachmittags 4 Uhr im Zentralwahlbureau bei Meissner, Schloß- straffe 2 einfinden zu wollen. Treten die Genossen in ebenso starker Zahl wie gestern zur Hilfe an, dann ist uns auch heute wieder der Sieg sicher._ Imposante Wahlrechtsdemonstrationsversammlungen haben, wie uns nachträglich noch berichtet wird, am Dienstagabend in einigen Vororten stattgefunden. In Treptow-Baumschulenweg sprach vor überaus stark besuchter Versammlung im Lokal zur Rad- rennbahn Genosse Barthel. In Frirdrichötiageu referierte bei Conrads Genosse Ritter vor zirka 800 Personen. In Weißcnse» war die Ver- sammlung. in der Genosse Schulz referierte, von über 1200 Personen besucht. 300 Personen hatten sich in Oranienburg versammelt, wo Genosse Cohn referierte. In Ober-Schöncweide sprach Genosse Ewald vor 12—1400 VersammlungSbesuchern. Hohen-Schönhausen hatte eine Versammlung, die stärker besucht war wie alle vorher» gegangenen Referent war Genosse Schütte. In Wilhelmsruh rc ferierte Genosse Brückner in einer gut besuchten Versammlung. Auch in Schönlanke fand eine wider Erwarten zahlreich besuchte Ver- sammlung statt._ Rixdors. Die Stadtverordnetenversammlung brachte in ihrer Sitzung am Dienstag nachmittag die Beratung des Etats zum Abschluß. Zuvor wurde jedoch der neue Entwurf für die Wertzuwachs- steuerordnuna, wie er aus den langen Verhandlungen der dazu eingesetzten Kommission hervorgegangen ist, behandelt. Die Stadtv. Abraham, Sern o und Belss versuchten bei verschie- denen Punkten noch einmal, Vcrwässerungen in-die Steuerordnung hineinzubringen oder— wie sie es nannten—„Härten" zu be- seitigen. Ersterer klagte, daß man nicht auch hier, wie in Char. lottenburg, einschliesslich der Gegner dieser Steuer zu einer ein- mutigen Beschlussfassung kommen könne,-weil auf die kleinen Cirundstückshandler und Bauunternehmer nicht genug Rücksicht ge- nommen sei. Mit Recht bestritt Stadtrat G l ü ck S m a n n diese Behauptung; er wies nach, wie im Gegenteil die weitgehendsten Milderunyen noch in der Kommission in die Steuerordnung ge- kommen find, welche die„Kleinen" weitgehend schonen. Der Ma- E" atsvertrcter erklärte, dah von irgend einer Schädigung von del und Wandel in Rixdorf durch die neu? Steuerordnung gar e Rede sein kann und ersuchte im Interesse der Stadt um bc- schlcunigte und unveränderte Annahme. Stadtv. Dr. Silber- stein(Soz.) gab beim Z 0 die Erklärung ab, daß die sozialdcmo- kratische Fraktion der darin bestimmten Steuerfreiheit für die Mitglieder des Königshauses und für den Fiskus nur zustimmt, um die Einführung der Wertzuwachssteuer mcht zu gefährden. Die Abändernngsonträge wurden allesamt mit knappen Majoritäten von 6— 8 Stimmen abgelehnt und biß ganze Steuerordnung schließ- lich mit 42 Stimmen angenommen. Die Sozialdemokraten stimm- ten geschlossen für die Kommisstonsvorschläge. Die Gebühre nordnumg.für die Benutzung der Schwemmkanalisation fand, unter Einfügung der von der Mehrheit bereits beschlossenen Herabsetzung von 2Vj auf 2 Proz. dcbatt-lose Annahme. In gleicher Weise fand die B e s o l d u n g s- N a ch w e i s u n g für die Beamten und Bediensteten der Stadt in geheimer Sitzung Erledigung. Bei der Festsetzung deö Stcuerplanes produzierte ssch der Stadtv. Belss insofern als Spaßmacher— er lachte selbst über seinen Einfall—, als er die Herabsetzung der Grundwert- steu-er auf 150 Proz., das ist eine Ermähigung um 72 lh Proz., beantragte. Die Versammlung zeigte kein Verständnis für den faulen Witz. Gegen die vom Stadtv. Hoppe(Soz.) beantragte und begründete Streichung der Lustbarkeitsstencr, die nach Mci- nung deö Antragstellers-ausreichend Ersatz durch die Wertzuwachs- stcuer finden wird, wandte sich Stadtrat M i e r. weichet behaup. tele, dah in diesem Falle die Regierung ihre Genehmigung zum Stenerplan versagen würde. Die Abstimmung ergab 30 Stimmen für Beibehaltung und 26 Stimmen für Streichung der Lustbar. teilSsteuer; nur eine ganz knappe Mehrheit reitet- diese also. Im übrigen blieb der Steuerplan unverändert. Es blieb nun noch ein Defizit von 150 000 M. auszugleichen. Oberbürgermeister Kaiser schlug vor, hierzu aus den Bauzinsen des Schiffahrts- kanals 20000 M. und des Elektrizitätswerkes 40 000 M. heran ziiziehen, die zur Stärkung des Pflastcrfonds eingesetzten 40000 Mark zu streichen und den Reservefonds der Gasanstalt um 50 000 Mark geringer zu bedenken. Diese Vorschläge wurden triumphie rend von der Mehrheit angekört. Mit Recht; denn der Magistrat scklug sich damit selbst ins Gesicht, nachdem er die Versuche der Altbürgerlichen nach derselben Richtung bekämpft und als unmög- lich bezeichnet hatte. Mit den bezeichnenden Worten des Ober- bürgermeisters:„Meine Herren, wir haben von Ihnen gelernt!' schwenkte der Mogistrat wieder ein; auch die von den Hausagra- riern und ihren Helfershelfern beschlossenen Verschlechterungen des Etats der Kanalisationsvcrwaltung wurden geschluckt, wie man sich zu erklären beeilte. Mit dieser Apotheose des UmfallS der Mag,- stratsherren. die mit grimmigen Gebärden so viele Strohfeuer ivährend der Bcratwigen entzündet hatten, schlössen die EtatSver- Handlungen. Gegen den vorgelegten Plan für die notwendig werdende Erweiterung des Rathauses opponierte Stadtv. Otto, dem 400 000 M. für den Neubau zu viel sind; er will das Projekt an die Hochbaudeputation zurückiocisen. Stadtbanrat 5t i c l ersuchte. davon Abstand zu nehmen, da es höchste Zeit sei, mit dem Bau zu beginnen, um die fehlenden Bureauräume zu schaffen. Stadtv. Rahmig sprach ebenfalls für sofortige Veschlussfassung, indem er mit tönender Wichtigkeit versicherte, in der Hochbaudeputation schon über Sparsamkeit beim Bauen wachen zu wollen. Heiterkeit in der Versammlung sowohl als beim Baurat war der„Erfolg" dieser Erklärung. Als nächster Punkt stand die Anfrage der sozialdemokratischen Fraktion an den Magistrat über die Polizeiattacken am 6. März im Treptower Park auf der Tagesordnung. Für die Interpellanten sprach� in treffen den Ausführungen Stadtv. Thurow. cm die sich eine längere Debatte schloff Wir kommen morgen auf diese zurück und de- schränken uns hier-auf die Bemerkung, daß das Vcrhatten der bürgerlichen Stadtverordneten und de? Magistrats in diesem Punkte, sich„würdig" dem Wahlrcchtsraube anreiht. Lust zur Arbeit schien man überhaupt nicht mehr zu haben; denn als beim Anttmgc des Magistrats auf Subvcntionie- r n n g d c r Aa r v i c r i n n u n g L- F a ch f ch u l e mit 200 Dl. der Stadtv. Conrad(Soz.) die Ablehnung beantragte und mit dem Stadtv. Rofenow dadurch in einen Diskurs kam. verschwand einer der Herren nach dem andern im Erfris Sungsrauur. Wer nicht i glitwtflig mitging, auf den wurde eingeredet, bis er weich war, so daß Stadib. Beiß endlich die Beschlußfähigkeit mit Erfolg 5?» zweifeln konnte. Die Sitzung wurde hierauf nach heftigen Ausein- andersetzungen zwischen dem Vorsteher und den im Saale geblie- bcncn Sozialdemokraten über die Geschäftsordnung abgebrochen, wobei bezeichnenderweise auch die Hinausgegangenen vom Büfett Wieder zurückkehrten und erregt m'itstritten, bis nach langem Hin und Her die hostig gestikulierenden Streiter abzogen. In der Wahlrechtövcrsammlung bei Hoppe am Dienstag ist ein Portemonnaie mit Inhalt gefunden worden. Der Verlierer kann dasselbe in der Partcispedition, Sdeckarstraffe 2, entgegennehmen. Lichtenberg. „Ein Schauspiel für Götter" bot der Aufzug und noch mehr die A b f a h r t der königlichen Polizei am Dienstagabend nach der WahlrechtSversammlung. Während die Versammlung im„Schwarzen Adler" tagte, der» sammelte sich in der Weinstube des Restaurants Weigle, Möllendorf« straße, ein grosses Aufgebot von„Schutzleuten und auf den Strassen vor dem Versammlungsraum zeigten sich eine grössere Anzahl „Bassermannichcr Gestalten". Als sich die VeriammlungSbesucher nach Schluß der Versammlung gegen'/ztl llhr zerstreut hatten und die Strassen fast menschen« leer geworden waren, kam plötzlich ein mächtiger, von allen Seiten verdeckter Kremser aus dem dunklen Hofe gefahren, der vollge- pfropft die„Schutz'lente heimlich nach der Polizeidirektion schaffte. Unter lautem Hallo und herzhaftem Gelächter der Umstehenden fuhr der Wagen von bannen. Die„Bassermannschen Gestalten" trotteten dann betrübt hinterdrein und der»Staat" war wieder einmal— blamiert. Steglitz. „Dem Zwang gehorchend, nicht dem eignen Triebe!" Dieses Zitat des Gemeindeverordneten v. Hagen ist in der Tat die einzige Erklärung dafür, daß die Gemeindevertretung am Frei. tagabcnd die Vorlage betreffend Erhebung einer Wertzuwachs. fteuer annahm. Die einfache Tatsache, daß der neue Etat mit einem Fehlbetrag von% Million Mark abschließt, wodurch die Erhöhung deö Zuschlags von bisher 100 Proz. auf 125 bis 130 Proz. in sicherer Aussicht stand, hat es vermocht, die bis- herige Mehrheit gegen eine Wertzuwachssteuer in«ine solche für diese Steuer zu verwandeln. Daß die Grundstücksbesitzer und Spekulanten nicht zu sehr belastet werden, versteht sich von selbst in einer Gemeindevertretung, in der sie die unbestrittene Mehrheit haben. Mit einem Sollbetrag von 200 000 M. wird sie in den Etat eingestellt. Die Grundbesitzer nahmen diese„Belastung" deshalb auf sich, um den Zuzug stcuerkräftiger Mieter nach unscrm Torf nicht zu unterbinden, der sicher durch eine Zuschlagscrhöhung von 20 bis 25 Proz. beeinflußt worden wäre. Um auch andere Bevölkc- rungskrcise an der Beseitigung des Defizits im Gcmeindcsäckel teil» nehmen zu lassen, wurde hierauf eine Schankkonzessions- stcuer beschlossen, die jährlich 10 000 M. einbringen soll. Im An- schluss hieran wurde ein Ortsstatut genehmigt, das den Amtsvor- sicher ermächtigt, in Zukunft die Erteilung dcr Schank» ton zession von der Bedürfnisfrage abhäng ig zu machen. Mit diesem Ortsstatut will man der angeblich unge» sunden Vermehrung der kleinen Kneipen, die eine sittliche Gefahr für die ärmere Bevölkerung sein sollen, Einhalt gebieten. Da hat unser Amtsvorstchcr Buhrow also neben den vielen anderen Gelegenheiten noch eine neue, seine Unparteilichkeit bewundern zu lassen.— In der Schularztfrage wurde beschlossen, zwei Aerzte für die Gemeindeschulen und einen Arzt für die höheren Knabenschulen gegen eine jährliche Vergütung von 1200 M. pro Person anzustellen. Von der Anstellung einer Aerztin für hie höheren Mädchenschulen will man solange absehen, bis sich in Steglitz eine Aerztin niedergelassen hat.— Die Verhandlungen mit unserer Nachbargemeinde Friedenau betr. deren Auf. lösung haben das Ergebnis gezeitigt, dah sich Friedenau diesem Vorschlage gegenüber bisher völlig ablehnend verhalten hat. Die Verhandlungen mit dem Landrat in der Stadtwerdungssache werden trotzdem fortgesetzt. ftfriedrichstzdgen. Aug der Gemeindevertretimg. In der letzten abgehaltenen Sitzung stellte Genosse Sonnenburg den Dringlichkcitsantrag: „Die Vertcwng möge an das Abgeordnetenhaus eine Petition rich- ten, in welcher die Wirkungen der Wahlrccktsvorlage dargelegt und das Abgeordnetenhaus ersucht wird, an Stelle der Ztegierungsvor- läge das allgemeine, gleiche, geheime und direkte Wahlrecht beider Geschlechter vom 20. Lebensjahre zu setzen." Der Antrag wurde jedoch gegen die Stimmen unserer Genossen abgelehnt. Der Antrag des Gemeindevorstandes, vom 1. April ab wieder das Steuerbringsystem einzuführen, wurde vom Bürgermeister da- mit begründet, das; dag Abholfysteni sich nicht bewährt habe. Das- selbe erfordere mindestens drei Beamte, die bei Einführung des Bringsystems weit besser verwendet werden könnten. Der Antrag wurde angenommcin— Ein Gesuch dcS Pflegeheims für erblich bc- lastete Kinder um Erlaß der Umsatzsteuer wird von dem Bürger» meister befürivortet. Der Gcmeindevorstand schlage vor, dun In- stitut die Hälfte der Umsatzsteuer zu erlassen, da er humanitäre Zwecke verfolge. Der Vorschlag des Gemeindevorstandes wurde an- genommen.— Der vom Gemeindevorstnnd beantragte Steuererlaß für die den Staatsbeamten gewährten Gchaltsnachzahlungcn wurde nach längerer Debatte abgelehnt mit der Begründung, daß gegen- über den Arbeitern, die bis auf den letzten Pfennig zur Steuer herangezogen würden, es eine Ungerechtigkeit wäre, den Staats- beamtcn Ermässigungen zu gewähren, zumal dieselben nur zur Hälfte zu den Gemeindesteuern herangezogen werden dürfen.— Der Anregung des Berliner Magistrats, anlässlich der am 1. De- »ember 1010 stattfindenden Volkszählung auch Erhebungen über Wohnungen und Grundstücke vorzunehmen und zu diesem Zweck sich dem statistischen Verband Gross-Berlin anzuschließen, stimmte die Vertretung zu.— Der Antrag der Wegebaurommission, die Ecke der Friedrich, und Köpenickerstrasse aus Gründen einer grötze- rcn Verkehrssicherheit zu verbreitern, wird zur Prüfung des Kosten» anschlagcS der EtatLkommifsion überwiesen.— Der Erweiterung der Regcnwasserlcitung im östlichcn Ortsteil stimmte die Vertretung ziu— Die Umänderung der Biersteuerordnung wurde gegen die Stimmen unserer Geitossen angenommen.— An Stelle des verstorbenen Schularztes Dr. König wurde der jetzt amtierende Schul- arzt Dr. Richter zum ärztlichen- Beirat in die Gesundheilskom- Mission gewählt. Im März 1909 wurden auf Antrag unserer Genossen 2000 Mk. zur Unterstützung arbeitsloser Gemcindeglieder in den Etat eingestellt. Da aber von dem Gcmcindevorsiand mehrere UntrrsttitzungSgesuche aus dieser Summe abgelehnt wur- den, bcanttaate Genosse Sonnenburg in der Sitzung vom 28. Juni 1000. eine Kommission zu wählen zur Ausarbeitung von Bestimmungen über die Unterstützung der Arbeitslosen. In die Kommission wurden gewählt: der Schösse Lindenberg und dia Vertreter K u n z k e und Sonnenburg. Am 10. Juli 1909 reichte die Kommission dem Gemeindevorstand einen Entwurf ein. Durch den Tod des Bürgermeisters Klüt und da? Ausscheiden zweier Mitglieder de? ClemsindcvorftandeS wurde jedoch die Beratung des KommissionScntwurfs verzögert. Am 7. Januar 1910 stand der- selbe in der Gemeindesitzung zur Debatte. Zur nochmaligen Prü- fang der Frage bezw. der Vorlegung eines neuen Entwurfs wurde die Konnnission verstärkt. Derselben gehörten an: Bürgermeister Dr. Stiller, die Schöffen Dr. Wallburg und Lange. die Vertreter Geselbrackt, Kunzke und Sonncnburg. Die Kommission lehnte in ihrer Mehrheit die kommunale Arbeits- losenversichernng sowie die Unterstützung noch dem Genier System ob. sondern empfiehlt die Arbcitsloscnfürsorge nach folgende!« Grundsätzen: 1. Die Errichtung eines kommunalen Arbeitsnoch» weises. 2. Tie Oraanisicruna von Notstand Sorbetten durch die Ge- meinfce. 3. Eine Gclduntcrstützung den Arbeitslosen zu gewähren, falls weder Pribatarbeit noch Gcmeindearbeit angeboten tverwn tan». Für Organisierung ier Notstandsarbeiten sowie 5er Ver. mittlung von Privatarbelten soll ein« ständig« Kommission von S Mitgliedern gewählt werden und zwar einem Schössen als Vor- sitzenden und zwei von der Vertretung zu Ivählcnden Arbeitgeber und zwei Arbeitnehmer. Für sämtliche Notstandsarbeiten gilt als Lohnsatz bei normalen �Leistungen und normaler Arbeitszeit der ortsübliche Tagelohn. Spezialarbciten werden nach den geltenden Tarisen bezahlt. Falls weder Privatarbeit noch Gemeindearbeit angeboten werden kann, sollen die Arbeitslosen nach llllaggabe ihrer persönlichen Verhältnisse und der vorhandenen Mittel durch Geld- bcträae unterstützt werden, wenn sie mindestens ein Jahr im Orte wohiwa und sechs Wochen arbeitslos sind. In besonderen Notfällen soll jedoch von dieser Frist abgesehen werden. Die Söhe der Geldunterstützung ist von Fall zu Fall festzusetzen. Die gewährten Geldbseträg« sind als Darlehn der Gemeinde zu betrachten und müssen zurückgezahlt werden, wenn es die Verhältnisse der Arbeits- losen gestatten. Die gewährten Beträge gelten jedoch nicht als öffentliche Armenunterstützung. Die Vertretung stimmte diesen Grundsätzen einstimmig zu. In einer späteren Sitzung soll die Wahl von zwei Arbeitgebern und zwei Arbeitnehmern erfolgen. Den Antrag dcS Gemcindevorstandcs:„Die Errichtung eines kommunalen Friedhofes" begründete der Bür- germeister Dr. Stiller. Der Begräbnisplatz der Kirchenge- meinde ist so stark belegt, dah die Schließung desselben in etwa acht Jahren zu erwarten ist. Es tritt darum an die Gemeinde- Vertretung die Frage heran, ob sie nicht die Zeit für gekommen er- achtet, einen Kommunalfriedhof anzulegen. Das allgemeine Jnter» esse bedinge, daß die Beerdigung Pflicht der Gemeinde sei. In der Debatte sprach Vertreter Gärling als Mitglied der Kirchenge- meindevertretung gegen den Antrag, während die Vertreter Barth. Sonnenburg. Harke, Axnik und Dr. K 0 h l i für denselben eintraten. Gegen die Stimmen des Vertreters Gör- ling wurde beschlossen:„Die Vertretung stimmt der Errichtung eines Gemeindefriedhofes zu und ersucht den Gemeindevorstand die dazu nötigen Schritte zu tun und der Vertretung dann eine diesbezügliche Vorlage zu machen." Nach der Todesstatistik starben im Jahre 1909 im Gemeinde- bezirk Friedrichshagen teinschließlich der Kolonie Hirschgarten) 193 Personen. Von diesen starben im 1. Lebensjahre 42, im 2. bis 16. Lebensjahre 13, über 16 Jahre 138. Von den letzteren starben an Altersschwäche 34. Brustfellentzündung 2. Gehirn, und Hirn» Hautentzündung 4, Herzerkrankung 8, Krämpfe 1, Krebs b, Lungen. entzündung 17, Lungenschwindsucht 19, Lebererkrankung 7, Magen- und Darmerkrankung 5, Nierenerkrankung 12, Schlaganfall 21. Influenza 1. Unterleibs« rkrantung 8 Unterleibstyphus 1, Zuckerkrankheit 2 und an unnatürlichen Tooesarten 5. Ober- and Nieder-Schöneweide. Am Sonntag, den 20. März, findet in Ober- und Rieder- Schöneweide von 12'/, bis 6 Uhr die gemeinsame GewerbegerichtS- Wahl statt. Da nach den Verhältniswahllisten gewählt wird und drei Gegnerlisten vorhanden sind, kommt es auf jede Stimme an, wenn die Kandidaten der Liste 2 der freien Gewerkschaften gewählt werden sollen. 28ir bitten daher alle Genossen, welche mit Arbeitern zusammen kommen, die in Nieder- oder Ober-Schöneiveioe wohnen oder beschäftigt find, auf die Wahl aufmerksam zu machen. Wahl- berechtigt ist jeder über 26 Jahr alte Arbeiter, der in Ober- oder Nieder-Schöneweide wohnt oder beschäftigt ist. Als Legitimation gilt der Wohnungsausweis oder Steuerzettel für an einem der beiden Orte Wohnende; für alle anderen eine Bescheinigung des Arbeitgebers. Kalkberge- Rüdersdorf. Eine außerordentliche imposante Versammlung tagte hier am Sonntag, den 13. März. Vor ungefähr 799 Personen hielt Genosse Ucko einen oft' von Beifall unterbrochenen Vortrag über Junkerschaft gegen Volksrechte und die preußi- sche Wahlrechtsreform. Die Stimmung der Versamm- lung liest erkennen, daß auch die Rüdersdorfer Arbeiterschaft den ernsten Willen hat, alle Mittel anzuwenden, um Preußen von der WahlrechtSschmach zu befreien. Der Vorfitzende des Wahlvereins hatte beim AmtSvorsteher die Erlaubnis zu einem Demonstrationszuge eingeholt. Dieselbe wurde jedoch verweigert mit der jetzt üblichen Begründung, die „OrdnunaSleute" könnten sich über oen Umzug ärgern und vor Wut zu Gewalttätigkeiten greifen. Doch die RüderÄorfer Arbei- ter wußten sich zu helfen. Mehrere hundert Mann holten den Referenten vom Bahnhof ab, wogegen der Amtsvorsteher beim besten Willen nichts ein. wenden konnte, und verübten damit eine wirkungsvolle Dcmon- stration. Nach Schluß der Versammlung bewegte fich eine starke Menge unter Absingen der Marseillaise und Hochrufen auf daS allgemeine, gleiche, direkte und geheime Wahlrecht durch die Straßen deS Ortes zum großen Schrecken des Herrn Gemeinde- Vorstehers. Doch da Polizei und Gendarmerie nicht zu sehen war. ver- lief die imposante Demonstration ohne jeden Zwischenfall und löste sich nach Verlauf einer Stunde— nachdem noch ein Genosse eine Ansprache gehalten— auf. Strausberg. Uebcr Mißhandlungen durch Bahnangestellte führten vor längerer Zeit zwei Fahrgäste Klage, die des Nachts im letzten Zuge «ingeschlafen und über Fredersdorf, ihrem Wohnort, hinaus- gefahren waren. Auf der hiesigen Endstation wollten di« beiden Fahrgäste von Bahnangestellten mit Gummifchläuchen mißhandelt worden sein. Wir gaben die Zuschrift wieder und knüpften am Schlüsse daS Ersuchen an die Eisenbahndirektion, eine Unter- suchuna des geschilderten Vorganges anzustellen. Dem ist letztere nachgekommen. Die Eisenbahnbetriebsinspektion ersucht uns um Aufnahme folgenden Schreibens: „Wie durch eingehende Untersuchung festgestellt ist, wurden in der Nacht vom 13. zum 14. Januar er. auf dem Bahnhofe Straus- bcrg von dem Fahrdienstleiter und dem Stationsschaffner der Mon- trur August Heinze und der Schlossergeselle Bruno Ladina aus Fredersdorf zwischen den Gleisen bemerkt und angehalten, als sie auf den Zuruf der Beamten flüchten loollten. Beide gaben an, im Vorortzug eingeschlafen und über ihr Reiseziel Fredersdorf hinaus- gefahren zu sein, verweigerten aber den Fahrpreis von 16 Pf. für die ohne gültige Fahrkarte durchfahrene Strecke nachzuzahlen und wurden dabei so ausfallend gegen die Beamten, daß der Fahr- dienstlciter sich veranlaßt sah, die stark angetrunkenen Reisenden vom Stationsschaffner durch den Ausgang aus dem Empfangs- gebäude nach dem Bahnhofsvorplatz führen zu lassen, um weitere Ausschreitungen zu verhindern. Als die Reisenden das Empfangs- gebäude verlassen hatten, verschloß der Stationsschaffner die Tür, wie es um diese Zeit regelmäßig geschieht. Von den Reisenden wurde dann nichts mehr bemerkt. Die beiven Reifenden gaben an, beim Austritt aus dem EmpfongSgebäude mißhandelt zu sein und dann über eine Stunde im Straßengraben gelegen zu haben. Dies ist vollständig erfunden. Die Reisenden sind von keinem Beamten tätlich berührt, und einen Straßengraben gibt es nicht innerhalb 699 Meter Entfernung vom Empfangsgebäude. Am 14. Januar abends erschienen die beiden Reisenden im Bureau des Bahnhofs Strausberg, um das vorher verweigerte Fahrgeld nachzuzahlen und baten um den Namen des Beamten. von dem sie glaubten, geschlagen worden zu sein. Es wurden ihnen darauf alle Bedienstete, die bei dem Vorgange in der Nacht vom 13. zum 14. Januar zugegen waren, gegenübergestellt, sie haben aber keinen als den bezeichnen können, der sie geschlagen haben soll. Damit fällt die Behauptung, sie seien von Bediensteten mißhandelt, in fich zusammen. Bemerkt wird noch, daß von der Bestrafung der Reisenden ab- gesehen ist, weil sie sehr stark angetrunken waren.", Diese Darstellung weicht ganz wesentlich ab von derjenigen, die uns die in Bekracht kommenden Fahrgäste gegeben haben. Nach ihren Angaben haben sie die 16 Pf. sofort dezahlt, auch bleibeo sie dabei, am Ausgang schwer mißhandelt worden zu sein, so daß der eine der Mißhandelten mehrere Tage arbeitsunfähig gewesen ist. Im Gegensatz zu der von der Bctriebsinspektion gegebenen Darstellung behaupten sie auch, daß der Stationsvorsteher am anderen Tage die Nennung des Namens eines hauptsächlich in Betracht kommenden Beamten verweigert hat. Uns ist nicht recht klar, daß die beiden Personen, wenn sie, wie die Betriebsinfpektion behauptet, von keinem Beamten tätlich berührt worden seien, am anderen Tage den Stationsvorsteher um Nennung des Namens desjenigen Beamten ersuchten, der tags zuvor mit ihnen im Bureau war und gegen den sie wogen Mißhandlung Strafantrag zu stellen die Absicht hatten. Daß sie sich in stark angetrunkenem Zustande befunden haben, wie die Betriebsinfpektion angibt, bestreiten die Fahrgäste gleich- falls ganz entschieden, denn sonst könnten sie sich der Vorgänge nicht so bestimmt erinnern. Wie wir in der fraglichen Notiz vom 26. Januar aber bereits bemerkten, sind in anderen Blättern schon mehrere ähnliche Vor- gänge erörtert worden, so daß wir um so mehr Veranlassung hatten, dieser uns übermittelten Darstellung der fraglichen Fahr- gäste im„Vorwärts" Raum zu geben. Köpenick. Die Beratung des Etats pro 1919 in der Stadtverordneten- Versammlung. Vor Eintritt in die Tagesordnung nimmt Herr Bürgermeister Dr. Langerhans das Wort, um den in der letzten Zeit verbreiteten falschen Mitteilungen über die Anleihen für Kanalisation, Elektrizitätswerk und Wasserwerk, die zahlengcmätz mit dem Gesamtetat nicht übereinstimmen sollen, entgegenzu- treten. Er weist daS eingehender nach. Der Antrag der Lehrer und Rektoren sowie ein Antrag der Gemeindebeamten auf Ge- haltSerhöhung wurde in letzter Sitzung dem Etatsausschuh über- wiesen. Letzterer beantragte nun, die Anträge unter Hinweis auf die schlechten Finanzverhältnisse abzulehnen. Im nächsten Jahr soll daraus zurückgekommen werden. Der Antrag des Ausschusses wird angenommen. Es folgte die Beratung des Etats. Der vorgeschlagene Kommunalsteuerzuschlag von 197 Proz. konnte infolge des erhöhten StaatszuschusseS für die Realschule auf 196 Proz. heruntergesetzt werden. Stadtv. Rohrbeck(Lib.) bringt einen früher gemachten Vorschlag, die Grundwertsteuer zu erhöhen, zur Erörterung. Die Mehrbelastung würde nicht so in die Erscheinung treten, als die jetzige Steigerung der Kommunalsteuer um 26 Proz. Stadtv. Herbst lSaz.) tritt den Ausführungen bei. AuS dem Antrage, falls er die Mehrheit erlangen würde, könnten 49 319 M herausgeholt werden. Der Kommunalsteuersatz könnte also er» mäßigt werden. Die Stadtv. Jakobi, Noack, Gilow und A. Martin, sämtlich Hausbesitzer, erklären sich gegen den Antrag. Die not- leidende Lage der Hausagraricr wurde in allen Farben geschildert. Die Zunahme der Zwangsvollstreckungen, die kürzlich eingeführte Wertzuwachssteuer, die„vermeintliche Tatsache, daß in Wenden- schloß keine Parzelle mehr verkauft worden ist, weil eine dreijährige Frist zur Bebauung des erworbenen TerrainS gesetzt ist, wurden der Reihe nach als Ablehnungsgründe vorgeführt. Stadtv. Mattes (Lib.) wendet sich gegen die unsichere Lage der Hausbesitzer. Die Herren klagen über hohe Kanalisationsgebühren; einen Teil der- selben habe man doch schon auf die Mieter abgewälzt. Hohe Kom» munalsteuern brächten den Hausbesitzern mehr Nachteile als Er- höhung der Grundwertsteuer. Die Sätze von Adlershof, für Köpenick eingeführt, würden es ermöglichen, den Steuersatz auf 145 Proz. herabzudrücken. Ob der Antrag Aussicht ans Erfolg haben würde, bezweifle er, da die Hausbesitzer in der glücklichen Lage sind, hier in der Versammlung von 36 Mandaten 22 Sitze inne zu haben. Stadtv. Nieke(Soz.). ebenfalls Hausbesitzer, erklärt sich für den Antrag. Es sei angebrachter, die Hausgrundstücke zu belasten, als daß die Wohnungen leer stehen. Wenn nichts verkauft wird, so liege diese? an den hohen Preissteigerungen der Grundbesitzer. Die Hausbesitzer sind trotz der schlechten Zeiten in der Lage, am leich- testen das Mehr ertragen zu können. Ein Schlußantrag macht der Debatte ein Ende. Mit 18 gegen 13 Stimmen wird der An- trag des Herrn Rohrbeck abgelehnt. Im Laufe der weiteren Ver- Handlungen bringt Genosse Nicke folgende Wünsche vor: Die Ueber- nähme der Kosten für die Desinfektion der Wohnungen auf die Stadt, Einschränkung des Holzschlages in der Stadtforst im Jnter- esse des Waldschutzes. Uebernahme der Straßenreinigung in städtische Regie unter Heranziehung der Hausbesitzer mit Bei- trägen. Die Stratzenreinigung kann mit dem Feuerwehrdicnst vereinigt werden. In erster Linie sei aber die Abschafftmg des veralteten Bürgergeldcs zu fordern. Bürgermeister Dr. Langer- hanS hat die Empfindung, daß nach den Darlegungen des Vor- redners die Tätigkeit des Etatsausschusses in Frage gestellt ist; die Wünsche seien schon alle im Ausschusse besprochen worden. Die Desinfcktionskosten jju übernehmen, sei nicht gangbar, um nicht zwei Klassen von Bürgern zu erhalten. Der Holzschlag sei schon in den letzten drei Jahren von 39999 auf 19 999 M. eingeschränkt worden. Die städtische Straßenrcinigung würde 39 999 M. Aus- gaben verursachen. Auch die geforderte Verbindung verschiedener Institutionen sei nicht angebracht. Das Bürgergeld solle sofort abgeschabt werden, wenn eine andere Einnahmequelle für diese Summe nachgewiesen wird.(Diese Summe ist im laufenden Etat in der Höhe von 4399 M. eingestellt.) Den Schluß der Etats« beratungen bildete noch eine Aussprache über die Aufführung des Wohnhauses am Bahnhof, welches sechs Geschosse hat und nach Ansicht mehrerer Redner scheuncnartige Fassaden besitzt. Eine Zierde der Stadt— zumal am Bahnhof— sei ein derartiges Gebäude nicht. Vom Magistratstisch wird erwidert, daß der Bau noch nicht abgenommen ist. In der Schlußabstimmung über den Etat, welcher in Einnahme und Ausgabe mit 1 689 489,69 M. ab- schließt, wird derselbe gegen die Stimmen unserer Genossen an- genommen. Die Gemeindesteuer beträgt nun nach diesem 196 Proz., die Gemeindegrundstcucr 3 vom Tausend des Wertes bei bebauten und 4 bzw. 6 vom Taufend bei unbebauten Grundstücken. Die Ge- werbesteuer beträgt in den Klassen I und ll 289 Proz., III und IV 299 Proz.; der Zuschlag zur Betricbssteuer ist 179 Proz. Spandau. Ein Gewaltakt der Spaudauer Polizei. Gestern nachmittag ent- fernte die Polizei die Schleife vom Kranze für dir Märzgefallenen. Der Kranz war von Arbeitern der königlichenJnstitute gestiftet und die Schleife mit entsprechender Inschrift versehen. Dir Polizei glaubt offenbar mit dieser Maßnahme den Besteller dieses Kranzes und damit gleichzeitig die Sammler für denselben zu ermitteln. Man will damit beweisen, daß auch die Polizei in Spandau zur Rettung deS wackeligen StaatSgcbäudeS beiträgt. Oder sollte der Zweck mir in dcnunziatorischcr Weise liegen? Will man damit die königlichen Arbeiter etwa treffen und alle freiheit- lichen Regungen derselben durch Polizeimaßnabmen gewaltsam unterdrücken. Die Polizei wird damit kein Glück haben und nicht imstande sein, den Freiheitsgedanken der StaatSarbeiter Spandaus zu ersticken. Die nächsten Reichstagswahlen»verden Sie Quittung bringen. Der Konsumverein„Merknr" hat sich in letzterer Zeit in bezug auf Umsatz wie an Mitgliedcrzahl bedeutend gehoben. Der Umsatz vom Oktober bis Dezember 1993 betrug 11342,82 M.; im Jahre 1999 betrug der Umsatz im gleichen Vierteljahr 18 486.33 M., also ein Mehr von 7143,51 M. Die Unkosten stellten sich 1998 auf 11,6 Proz., sie gingen 1999 auf 8 Proz. herunter. In den Auf- sichtSrat wurde der Genosse Krause gowählt. Ein von der Verwal- tung eingebrachter Antrag, eine zweite Verkaufsstelle zu errichten, wurde mit 49 gegen 6 Stimmen angenommen. Die Verkaufsstelle wird zum April in der Nähe deS Metzer Platzes eröffnet werden. Die Angestellten des Verein» sollen in dcx genossenschaftlichen �lntnstützgngskasse tzm'ichcxt werden. 1 r■' u Vemrifebtes. Wahrsager im vornehmen London. „Die Tragödien nehmen kein Ende, die durch den unheilvollen Einfluß von Wahrsagern hervorgerufen werden", so äußerte sich ein bekannter Londoner Detektiv zu dem Vertreter einer englischen Wochenschrift, als er ihm Mitteilungen über den immer mehr um sich greisenden Schwindel machte, der mit Prophezeiungen getrieben wird. Besonders die Damen der vornehmen englischen Gesellschaft sind die eifrigsten Klientinnen der zahlreichen Prophezeiungs- instilute, die sich im Londoner Westend befinden. Da wird aus der Hand und aus der Schrift gewahrsagt, die Zu- knnft verkündet mit Hilfe der Astrologie und der Hypnose; alles kann der Hilfesuchende von dem Prosesior der Wahrsagekunst er« langen; der Junggeselle erhält eine reiche Frau, die alte Jungfer den ersehnten Galten, dem Kranken wird Gesundheit versprochen, jedem Nolleidenden daS nahende Glück. Dem Treiben einer solche» Gesellschaft, die drei verschiedene, vielbesuchte Etablissements der schwarzen Kunst hatte, ist man erst jüngst auf die Spur gekommen. Als Hindu« verkleidet»nd in phantastischer Umgebung walteten die Propheten gegen ein Honorar von 299—1999 M. für die Konsul- tation ihres dunklen Amtes; zahlreich waren ihre Komplizen, ihre Beziehungen weit verbreitet. Die Entdeckung erfolgte, als ein Baronet bemerkte, daß seine Tochter Beziehungen zu einem Manne iintechielt, der ihr als Gatte vorausgesagt worden war und der als ein Komplize der Wahrsager entlarvt wurde. Durch diese modernen Kollegen der allen Pythia werden besonders reiche Erbinnen Mitgiltjägenr in die Hände getrieben, die sich mit ihnen in Ver- bindung setzen. Viele Damen der Londoner Gesellschaft, die sich in Börsenspekulationen eingelassen haben, suchen ihre Informationen bei den Hellsehern und lassen sich von ihnen ihre Finanzoperationen vorschreiben. Eine vornehme Dame, die vor kurzer Zeit auf solchen Rat hin spekulierte und riesige Verluste hatte, machte einen Selbstmordversuch, der großes Aussehen erregte. Manche Frauen gehen in ihrem Aberglauben so weit, daß sie vor dem Ein« kauf eines HuteS oder einer Toilette erst ihren Wahrsager konsul- tieren und sich von ihm v-rraten lasten, welchen Einfluß das auf ihr Schicksal haben werde. Hauptklientinnen find auch Schau- spiekerinnen._ Zum Untergang der portugiesischen Schaluppe, über den wir bereits in unserer gestrigen Nummer berichteten, wird aus Lissabon noch folgendes gemeldet: Wie der Zivil- gouverneur von Horta berichtet, war die bei dem Hafen von Jlha do Pico gesunkene portugiesische Schaluppe dichtbesetzt mit Auswanderern nach Nordamerika. Sie war schlecht ausgerüstet und schlecht gesteuert. Die Zahl der Toten beträgt vierzig. A ch t u n d» zwanzig Leichen sind in der Kirche aufgebahrt. Dreiundzwanzig Ueberlebende flüchteten, sobald sie festen Boden unter den Füßen hatten, voller Schrecken in ihre im Innen» der Insel gelegenen Häuser._____ Ueberschwemmungen in Süd-Frankreich. Aus verschiedenen Teilen deS südlichen Frankreichs werden Ueberschwemmungen gemeldet. In der Nähe von Toulon ist ein HauS eingestürzt. Zwei Personen sind tot. Ein schlimmes Vorzeichen. AuS Amsterdam wird gemeldet: Die Direktion der Westindischen Postdampferlinie hat durch Ver- Mittelung deS Ministeriums des Auswärtige» von dem nieder- ländischen Konsul in Lorient die Mitteilung erhalten, daß bei Belle JSle an der Westküste Frankreichs eine Rettungsboje und ein BootS» rüder mit dem Namen„PrinS Willem II Amsterdam' gefunden worden sind, ferner bei der benachbarten Insel Hoedic eine Plakat« tafel, die ebenfalls von einem Dampfer der Linie herrührt. Ob- wohl daS Auffinden dieser Gegenstäude noch keinen unmittelbaren Schluß auf den Untergang des Dampfers zuläßt, gibt es doch Au» laß zu den ernstesten Befürchtungen. Jugendveranstaltungcn. Freie Ingeudorganisatioi, Eftarlottenburg. Am Freilag, den lR MSrz. abends 8'/, Uhr, findet tm Volkshause, Nosinenstr. 8, eine Mitgliederversammlung mit reichhaltiger Tagesordnung statt. Boxhagcn-Rumnielsl'urg. Der Lugendansschuß veranstaltet am Freitag, den Lb. März(Karsreitag), abends 6 Uhr, im.Gase Bellevue' (Tempel), Haiipti'lr. 2, einen UnterchaltungSabend verbunden mit Jugend» seter der Schulentlassenen. D as Piogiamm besteht cmS einer Ansprache an die Schulentlassenen. Konzert kaue geführt von Solisten dcS Neuen Ton- lünsUer-Orchesters), Thcatcraufiührung. Billett» für Erwachsene L0 Ps.. für Jugendliche 10 Pf. sind Im Jugend- heim, Alt.Boxhagcn 66 I, sowie bei solgenden Lagerhaltern der.Konsum» geuossenschast Berlin und Umgegend: Süchte, Llcbigstr. 7; Bode. Wismar- Platz 3; Albrccht, Kronprinzensir. 1; Frenze!, Bürgerhefinstr. 102; Kegel, Eaprivi-Allee 44: Günther, Türschniidstr. 6; Jungblut, Büd'kerstr. 7, und bei Tempel,„Gasü Bellenue', hanptstr, 2, zu haben. Die Mitglieder des Niederbamimcr WahlverciiiS und deren Angehörige werden um regen Besuch gebeten. Lese- und DiSkntierNub„Wilhelm Liebknecht». Heute Donners- tag, abend« 0 Uhr, Sitzung bei K. Eichhorn, Danziger Straße SS. Gäste willkommen. Lese- und Diskutierklub„Johann Jacoby». Heute abend 8'/. Uhr bei Bugge, Kastanienallce Sö/gS: Sitzung. Gäste willkommen. Achtung, Fleischergesellea! Heute Donnerstag, abends v Uhr, ü s s-. n t l i ch e Versammlung In den„Miisikerfälen" Katser-WUhelm- Straßc I8m. Tagesordnung:„Sind die Flcischermelstcr für die gcstoblenen Sachen der Gesellen ersatzpflichtig? Und wie können dieselben die Meister zur Erlatzpflicht zwingen!" Rejerent: Rechtsanwalt Genosse Dr. Kur» Rosenberg._ Witterunqsuvrrfichi vom 10. MSrz IU10, morgen» 8 Uhr. Statte nen J.§ c 3 Sivinnude 763 W Hamburg «erlin Arankt.aüt. München Wien 7G69J® 764 Still 764 N 763 SS 762 NNO Setter ws A» I- ä« 1 Dunst 3 wollig - wölken! 4 wolkig 3 bedeckt 1 Nebel Stationen Haparanda 7-1 0 3 Petersburg 758 SSS Seilitz Merdeeo VnriS 76« OSO 753 SSW 76L.NNO ! c-- 4 11 tztrf 2 bald 6b.— U Ihalb 6b.— 1 1 wolkig j 7 3halb bd.l« Lwolkeul.— 9 Wctterprognokr kür Donnerstag, den 17. März 1919. Etwa» wärmer, veränderlich, vlelsach wolkig bei ziemlich lebhasten süd« wesllichen Winden; keine erheblichen Niederschläge. Berliner W ett erb ur e au. WasserstandS-Nachrtchte« der LmdeSanstalt für Gewässerkunde, mitgeteilt vom verflnii Weltcrbureau. vasserlland Kemel. Tilsit P r e g e l, gm'lerbnrg Weichsel. Thorn Oder. Ratibor , Krassen » Franksurt Warthe, Schrimm , LwidSberg Netze, Vordamm Elbe, Leituieritz Dresden Boritz lveburg » I Mag V" 0+ ted am vaflerstand 15. 3 cm Saale, Grochlitz 154 Havel, Spandaus 112 , Rathenow') 159 Spree, Spremherw) 74 » BeeSkow 140 S t{ e t, Münden ll . Minden 113 Rhein, MaximüianSiut 426 » Kaub 241 , Rollt 230 Neckar, Heslbronn 101 Main, Wert heim ► 191 Rofel, Trier 134 seit 14. a. cm') 0 0 —2 -2 —2 0 — S> 0 —8 —6 beduttet Sttchl, j* WL-m 9 vnlervegel. Seffentliehe potitisebe Yersamubngea. 216/12*- Oeff entliehe Versammlung s Freitag, den IS. März 1910, abends 8 Uhr i» den praclitsSlea„�lt-LerUa", swn»en»traoe 10. TageS-Ordnung: Die Reaktion in Prenhen. Referent- Stadtv. Oer Einberufer. Emst Bader, Groß- Frankfurter Str. 34. Anarchisten! Achtuns' Sozialisten! Am Freitag, de» 18. März, abends 8'/° Uhr, in ObigloS Festsälcn, Schwedtcr Straße 23/24: Große össeiltilllit NoIKsiicrsliiiiilliiiiiz. TageS- Ordnung: 1. Der 18. März und feine Bedeutung. Referent: Genosse Paul Wehrle. 2. Diskussion. Um zahlreiche Beteiligung ersucht 1213b Der Borstand der föderierten Anarchisten BerliuS und Umgegend. J. A.: Der Einberuser Kurt Naumann, Kopenhagener Str. 3. En gros detail und Knaben« Anzlmgz-(Jarderolie fertig n. nach 3IaB am billigsten and reellsten in der Fabrik Koppenstr. 85, part., 1 2 Minuten v. Sohles. Bahnhof. Karl Hustädt. Holzbildhauer! Montag, den 21. März, gleich nach Feierabend, im Saal von Litfin, Memeler Str. 07: -- Versammlung. Tagesordnung-„Wie können wir die augenblicklich günstige Konjunktur für uns ausnutzen?" 19/4* --------- Es ist Pflicht eines jeden Kollegen, zu erscheinen.------ Jeder Kollege agitiere für diese Versammlung. vlo Branchenbommtsslon. Verhand der Ktaler, Eaekierer, Unstreleher efe. Nelchlocstraße 28, pari. Filiale Berlin. Fernspr.: Amt 4, 4787. Donnerstag, den 17. März 1910. abendö 8'/, Uhr: MitsliedersVersammluns iu Drüscls Festsälcn, Neue Friedrichstr. SS. TageS-Ordnung: 1. Fortsetzung der Diskussion üver den Bericht der Delegierten von der außerordentlichen Genera!« Versammlung. 2. Jnsonnationen über Bestimmungen und Durchsührung deS TarisvertrageS. - Hltgllodshoch legitimiert!———— Regen Besuch erwartet_ 129/1»_ PIc Ortsverwaltnwg. 1 Krankkn-Werkntzllltgs- vnd Ktgräbtlisiilisse der Ftderfllrtchter Kerlins (E. H. Nr. SV). Mittwoch, den 23. Marz, abends S'/, Uhr, im GewerkschastShause, Engekuser 15(Saal 10): -- AnBerordcntliche= General-VersammluDg. Tages-Ordnung: Aendcrung der Zz 7 und S des Statuts nach Bersügung der AussichtS« behörde vom 14. März d. I. Um zahlreiches Erscheinen wird ge- beten. Oer Vorstand. 1207b I. A.: Gustav Busse. Ortsrcrwaltang Berlin. EcschäslSstelle Berlin C. 54, Mulackstr. 10, I.— Fernsprecher Amt Hl, 4518 Donucrvtag, de» 17. März Ivlv, abend» 8 Uhr, iv Keller» Festsälen(Jnh. C. Frryer), Koppenstr. LS, gr. Saal- Mitglieder- Versammlung. TageS-Ordnung: 1. Anträge zum VerbandSiage. 2. Ausstellung der Kandidaten zur Dekegiertenwahl. 3. Beschlußsassung über die loeitcre Anstellung eineS AgitationSbeamten für die OrtSverwaltung Berlin. 4. OrganisationSsragen. Kollegen I trsetielnt aste rechtzeitig und zahlreich in dieser Versammlung. 42/8* Die OrtSverwaltung. tdiiungi Vliesenleger! üüüüü: Freitag, den 18. März 1910, abends 8 Uhr: Dezirksschnngen. Für Westen-Schönebevg bei Folger, Kyffhäuserstr.26. Für Nlonött bei Bachstein» Salzwedcler Straße 16. Für Norden bei Berger, Böttgerstraße 4. Für Osten bei Kempin. Tilsitcr Straße 83. Mr Nst'feoi'f Schiller-Promenade, Ecke Okerstraße. Dem Ernst der gegenwärtigen Situation entsprechend darf wohl an- genommen werden, daß jeder Kolleg« zur Stelle ist. TageS-Ordnung wird daselbst bekannt gegeben. ----------------- Mitgliedsbücher mitbringen! 137/3* Der Sektlonsvorstand. S. A.: Emil Kamjunke, Eckeitstraße 12 IL Verband der Sattler und Portefeuiller. ===== Ortsvenvaltung Berlin.= wie»,! Trelbriemen-Satllep.: Freitag, den 18. März, abend» 8'/, Uhr. im GcwerkschaftShause. Engrlnfer IS, Saal 7: Außerord. Uerfammlung. TageS-Ordnung: 1. Die Llniivort der Fabnkanten zu den eingeeeichlen Fordenmgen und Misere weitere Stellungnahme dazu. 2. Verschiedenes. Kollegen! Die Wichtigkeit der vorliegenden Tagesordnung bedingt, j kein Treibriemen-Sattler in dieser Versammlung scbit. ß/IO Die Branchcnlcltang. ftagenlirueh' Kautabak Wohnungs- Einrichtungen Aoistellanj einfiohcr and el.ganter Schlaf-, Korrta- und Speisezimmer Medcrne, farbige Klichenelnrichtungen auf�bzabltuiB gegen Aar. EhizeiDe Möbelstücke und Polsterwaren uttMAnzdirliing ev.otmefißzflbtung. Ferner cmpfehleTegplsbe, Portleren, Gardinen, Stepp- dasken, Bilder, Uhren, Cae- u Petnleun-Kronen. Fertigt Betten, Leib- u. Bsttaische. Sport- ond Kindervagen. Garderobe I für Herren, Damen and Kinder. { GrZeste Auswahl. Bill Preite. Neuester Schnitt g y Wochen- f y 1 m. rate 1 m. S. Dom Sonntag, den 20. März, abends 7 Uhr, in den„Arminhallen", Kommandantenstraste 38—59: ZuzeniI'VersämmIunz Bortrag des SchnststcllerS �Kvorg Ledebour über: Marzdichter. Alle Lehrlinge, jugendlichen Arbeiter und'Arbeiterinnen find zu dieser Versammlung sreundlichst eingeladen. 283/20* _ Eintritt frei._ Garderobe 10 Pf. nr TerwaltnngssteUe Berlin.- Freitag, den 18. März, abends 8 Uhr: General- Versammlung im Gkwerkschllststflnise, Eiigklnftr 14/15. Tages-Ordnung: Kassenbericht. Bericht der OrtSverwaltung. Ersatzwahl der OrlZ- verwalwng und der Angestellten. VcrbandLangelegcnheitcn. Mitgliedsbuch und Delegiertenkarte legitimiert. � Montag, den 5tl. März: Mitglieder- Versammlungen in den Bezirken und Branchen._ 80/17 ist der Beste« nur CCht mit Firmenzettel |„Hngo Carl Hagcnbrucb, Kautabakfabrik, MühlhausBifi. Th. I Veztretsr; Ang. Kleinert, Berlin SW. 47, � Amt 6, 1Ö560. GroßheerenstraBe 39.„_______ LcrantwortliHer Redakteur Richard Barth. Berlin. Für den Inseratenteil vergntw,: Glrckr, Tnlm. Truck u>«nIpg:�vnvär'tn�Vuchdruderej».Berlygranstalt Paul Singer L-'Co� Berlin SW» 1 Treppe I£cU.o l�.lntesnmtrau.ae. 1 Ssrmi Bester Schuh-Putz Ueberau tn haben In DeieB 10 n. 20 Ptß. Fabrik: Lnbssynskl A Co., Berlin NO. 44 eigene Pischdampfer Seeflsehe billig! 25 pi. Vier Pfund Fleisch für 1 ülark 1 l Donnerstag, Freitag, Sonnabend I verkaufen wir infolge großer Fänge unserer Dampf erflotto• Im An- HB schnitt{J|, n°a SelachSs DV Außerdem empfehlen wir: pr. Pfd. pr. Pfd. ff. Schellfisch i. Anschnitt 30 PI. ff. Rotrungen la Nordsee 75 Pf. „ Helgolander Schellfisch„ kleinere Rotzungen 50„ ca. 1—2 S3„„ Große Schollen 55„ „ Bratschellfisch 80„„ Bratflundern 35„ �pplznrnfpn„ Austernfischkarbonade SO,, "(eoldbamch) SO..» Steinbutt u. Seezungen HP* Probioren Sie unsere: Ger. Lachsheringe p. St. 15 VL| Riesen-Fettherings p. St. 10 Fl raerai Grüßte flochacefischerei Deutschland« Hauptgeschäft: Beplin C., ßabnliof Börse. C.; Bahnhof B5rse, Bog. 9-10. N.: Invalidenstraßo 131. KO.: Landsberger Str. 52-53. O.: Gr. Frankfurter Str. 85. O.: Madaistraße, Bogen 8-9 (Frnchtstraße gegenüber). S.: Prinzenstraße 94. KW.; Turmstr. 73. Verkauf sstellen: Chart Ottenburg: Wihners- dorfer Straße III. Äugsburgor Str. 18. Schbneberg: Akazien- straße 31. Steglitz: Schloßstr. 131. Zehlendort: bei Hrn. Karl Schön, Telephon 1179. Arlieifer-Wanderbund n„Die Naturfreunde". Wanderfahrten am Sonntag, den 20. März: 1. Tegel- Neubrück- Havelniederung. Tresspunkt: 8'/, Uhr Tegel, Endstation der Straßenbahn. 2. Birkenwerder— Briese— DamZ» mühle— Buch. Abfahrt: Stetliner Vorortbahnhof 6.45 Uhr vormittags. 3. Buch— Hermsdorf. Abfahrt: Stettiner Vorortbabnhos 1.30 Uhr. Gäste willlommen. DienStag, den SS. März. abendS 8'/, Udr: Abteiluttgsschungeu. Tagesordnung: 1. Stellungnahme zu den Wahlen und den Statuten. 2. Wahlen der AbteilungSsunltionäre. ö. Ver» schiedenes. 1/3 UtfeWlltÜIM! Lieki. Ktiscterk-vtLon. flenisn- I schmerzen. Hüftweh.GeschwuUt etc. i sind oft unerträglich, daher ge* brauche man sofort Neieltel's..tlestrioutn" (ßohtnz Kieternadel-Walowolioeli ein rewes iinlebüdliche» Ratur- produtl von fräft!» durcha- eisen der. nadidaltigee. fchmerzliillen- der tvirtung. Rasche M. I— und M 2.-. Die Wirlung wird noch erhöht durch den inneren endet haben. Ich kann diese Verwunderung verstehen, wenn man die näheren Umstände, die zu dem Vergleich Anlaß gaben und in der gestrigen Verhandlung zur Sprache kamen, nicht kennt. Ich hatte Herrn Dr. Mancki in der Hauptsache vorgeworfen, daß er für Reden und Schweigen Geld genommen und journalistisch un- saubere Handlungen begangen habe. In der Form, in der ich diese Behauptung aufsteNte. erblickte nun die erste Instanz (meines ErachtenS zu Unreä'st) ein Vergehen gegen Z 185 St.-G.-B. (formelle Beleidigung) und ließ den Wahrheitsbeweis nur inso- weit zu. als er dem Gericht zur Normierung des Strafmaßes not- wendig erschien. Die wichtigsten Bmveise wurden mir somtt schon damals abgeschnitten. Der Vorsitzende der Berufungsinstanz ging jedoch, unterstützt von einem Beisitzer, noch weiter. Er verwies auf eine vor wenigen Tagen ergangene Entscheidung de? Kammer» gerichtS, wonach beim Vorhandensein einer formellen Beleidigung der Wahrheitsbeweis überhaupt nicht zuzulasien ist. Nur unter diesen Umständen habe ich auf Anraten meiner Verteidiger dem Vergleich zugestimmt. Ich habe jedoch an Gerichtsstelle mehrfach und ausdrücklich betont, daß ich sämtliche gegen Herrn Dr. Mancke erhobenen sachlichen Vorwürfe»oll und ganz aufrecht erhalte. Wenn ich mich entschlossen habe, die Klage gegen Herrn Dr. Mancke trotz seiner gegen mich erhobenen Angriffe zurückzunehmen, so geschah eS deshalb, weil eS mir setlbstverständlich bei Einleitung der Klage nicht darum zu tun wc�r, daß der Gegner zu einer Geldstrafe verurteilt wird, sondern»seil ich den Beweis für die Unrichtigkeiten seiner Vorwürfe erbrängen wollte. Dieser Beweis ist inzwischen an anderer Stelle, wämlich vor der BerufungS« kammer des Ehrengerichts im September 1908 in sehr gründlicher Weise geführt worden. Nachdem selbst der gegnerische Verteidiger, Herr Justizrat Dr. Sello, vor dem Schöffengericht in seinem Plaidoyer erklärt hat. daß der Beweis der Wahrheit für die von Herrn Dr. Mancke gegen mich erhobenen Beschuldigungen nicht er- bracht ist. und nachdem das Urteil de» Schöffengerichts sich auf denselben Standpunkt gestellt hat. glaukte ich gewiß keine Per- anlassung zu haben, mich zum dritten M«lle von diesem Vorwurf reinigen zu müsien. Ich danke Ihnen Im voraus für die Nufnahme dieser Zeilen und zeichne � hochachtungsvoll ergebe njt _ Bruno Buchwald. Viehbestand in Preußen. Bei der landwirtschaftlichen BetriebSzählung vom 12. Juni 1907 ist auch der Viehbestand der einzelnen Betriebe erfragt und dann nach GrößenNafien der Betriebe auSgezäbll worden._ ES wurden insgesamt gezählt— immer einschließlich der jungen Tier«: Pferde 2 474 050, Rindvieh 11 735 786(darunter 5 967 716 Kühe), Schafe 6 357 929, Schweine 12 913 366, Ziegen 2 233 139, Hühner 41797 346, Gänse 6 063 605, Enten 3 642 270. Die Gesamt- summen verteilen sich auf die einzelnen Größenklassen wie folgt: Bierde.. Rindvieh davon Kühe Schale.. Schweine. Ziegen.. vühner.. Känse.. Emen.. Parzellen-i Klein- 'SÄ (2 bis unter 5 ha Anbaufläche) (unter 2 ha An. baufläche) 43 015 778 009 617 621 283 580 3 119 665 1 691 911 12 177 912 I 765 369 699 696 Mittel-) Groll- bäueilichf bäuerliche Betriebe (5 bis unter 20 ha Anbau- fläche) Bciriebe (20 bis unter 100 ha Anbau- fläche) 154 773i 866 778 1582 299! 3 985 812 998 360 201 620 I 966 786 242 411 6 779 654 943 245 347 142 2 076 592 803 781 4 089 351 233 158 12 922 070 2 203 854 975 022 857 319 3 483 888 1 475 548 1 617 493 2 607 341 69 213 7 839 889 983 865 1 009 681 betriebe (100 und mehr Hettar Anbau- fläche) 552135 1 955 778 799 595 3 451 455 1 100 223 6416 2 077 821 167 282 620 730 darunter Beirlebe mit 200 ha und mehr Anbau» fläche 422 686 1 460 760 584 617 3 033 143 828 364 3 779 1 347 260 115 860 454 314 Aus die kleinen Betriebe entfällt ein verhältnismäßig nur geringer Bruchteil deS Viehbestandes. Im ollgemeinen ist der mittel- und großbäuerliche Betrieb Besitzerin von bis 9/| des Gesamt» bestandes. Die Ziegen finde» wir naturgemäß in den kleinen Be- trieben vorherrschend._ Industrielle Ersparnisse. Die Firma Hugo StinneS kaufte im zweiten Hafenfl-cken von Harburg für 1 200 000 M. eine Grund- fläche an für Lagerzwecke und vermutlich auch für industrielle Anlagen. Hua der frauenbewegung. Eine wichtige Frage für die Arbeiterinnen. Das GerichlSverfassungSgesetz. da? jetzt eine Aendernng erfahren soll, ist für die Arbeiterinnen namentlich durch den H 81, welcher lautet: »DoS Amt eines Schöffen ist ein Ehrenamt. Dasselbe kann nur von einem Deutschen versehen werden" von großer Bedeutung geworden. Neben der Tatsache, daß diese Bestimmung Frauen das Amt eines Schöffen vorenthält, nimmt er auch den Arbeiterinnen das Recht, sich an den Beisitzerwahlen zu den Gewerbegerichten zu be- teiligen und selbst als Beisitzer gewählt zu werden. Das Gewerbe- gerichlsgesetz erklärt nämlich im§ 11:»Peisonen, welche zum Amt eines Schöffen unfähig sind(GerichlSverfassungSgesetz§§ 81, 82) können nicht berufen werden." Nun Hai der§ 32 des G. V.®. folgenden Wortlaut: »Unfähig zum filmte eines Schöffen find: 1. Personen. welche die Befähigung infolge strafgerichtlicher Berurteilmig verloren haben; 2. Personen, gegen welche das Hauptverfahren wegen eines Verbrechens oder Vergehens eröffnet ist. das die Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte oder der Fähigkeit zur Bekleidung öffent- lichcr Aemter zur Folge haben kann; 3. Personen, welche infolge gerichtlicher Anordnung in der Verfügung über ihr vermögen beschränkt sind. Frauen werden also durch den§ 3t ausgeschloffen, weil»ein Deutscher" nur ein Mann sein kann. Frauen teilen die Recktlosig- keit, nicht Schöffe und deshalb auch nicht Gewerbegerichtswähler oder Beisitzer sein zu dürfen, mit den im§ 32 angeführten Per- sonen. Die versagung de« Wahlrechts für die Arbeiterinnen zu den Gewerbegerichten wird heute, wo die Zahl der erwerbstätigen Frauen und Mädchen ständig und rapide steigt, als ein Mißstand empfunden, der dringend der Abänderung bedarf. Die Zunahme der Zahl weib» sicher Erwerbstätiger hat selbstverständttch auch eine erhöhte I»- anspruchnahme der Gewerbegerichte durch die Arbeiterinnen �ur Folge. Wenn nun, wie beabsichtigt war, die Gewerbegerichte»eme des besonderen Vertrauens versicherte Rechtspflege" schaffen sollen, und zu diesem Zwecke namentlich die Hinzuziehung von Arbeitgebern und Arbeitnehmern bei der Rechisprechung zur Pflicht gemacht wurde, dann ist eS durchaus berechtigt, zu verlangen, daß auch Arbeiterinnen das Wahlrecht besiyen und wählbar sein müffen. Die Ergebnisse der letzten BeruiSzählung haben gezeigt, ein wie wichtiger Faktor die Frau im Wirtschaftsleben geworden ist. Daß man auch nicht von der geistigen Minderwertigkeit deS weiblichen Geschlecht» sprechen und die Nichtgewährung deS Wahlrechts damit begründen kann, beweist die Statistik ebenfalls, indem sie zeigt, daß Frauen sowohl in selbständiger als auch in leitender Stellung in großem Umsaiige tätig sind. Die veränderte Sieflung der Frau im Wirtschaftsleben hat denn auch schon dazu geführt, daß ihr größere Rechte eingeräumt wurden. DaS B. G. B. gab Frauen das Recht, Äonnundschaft für eigene und fremde Kinder übernehmen �u dürsen. Das Reichsvereinsgesetz ge« staltet der erwachsenen weiblichen Bevölkerung die Mitgliedschaft in politische» Vereinen. In der Begründung zum ReichSvereinSgesetz kam auch deutlich zum Äusdruck, daß die veränderten wirtschaftlichen Verhäliinsse eme Veränderung der rechtliche» Stellung der Frau un- bedingt zur Folge haben müßten und daß eS»weder zeitgemäß sein noch den Anforderungen der Billigkeit entsprechen würde, gcsevliche Bestiminnnge» aufrechtmerhalien. die den Frauen die Möglichkeit verschsieße», sich am gesamten öffentlichen Leben zu beteiligen". Dieser Ansicht Rechnung tragend, hat man dann in dem Ent» Wurf zum ArbeitSkammergescy ohne weiteres auch den Arbeiterinnen das aktive und passive Wahlrecht zuerkannt. Gerade diesem Gesetz» entwurf legten die Verbündeten Regierungen große Bedeutung bei. Wenn den Arbeiterinnen daS Wahlrecht zu de» Arbeiiskammern ge« geben werden soll, dann darf man wohl annehmen, daß die Forde» rung aus Abänderung eines Paragraphen, besten Bestimmungen den Arbeiterinnen das Wahlrecht zu den Gewerbegerichten versagt, keisterlei Widerstand begegne» wird, zumal die Arbeitskammern als Einigungsämter gleiche Funktionen ausüben sollen, wie sie heute schon die Gewerbegerichte erfüllen. Die Aenderung des§ 31 deS G. B. G. wird sicher auch den zahlreichen weiblichen Handelsangestellten die Möglichkeit geben, die Wahlberechtigung und Wählbarkeit zu den Kaufmannsßerichlen zu erlangen, die allerdings nicht unter ausdrücklicher Bezugnahme auf den Z 31 des G. V. G., ober doch sicher auf die Bestinimungen deS GewerbegerichtSgeietzeS den weiblichen Angestellten bisher verlagt ist. Der Erlangung des Wahlrechts zu den Gewerbegerichten steht aber K 31 deS ffl. V. G. im Wege. Seine Aenderung würde somit ein Ausnahmezustand für die Arbeiterinnen beseitigen und ferner Ge« legenheit geben, daß die für da« gesamte Wirtschaftsleben so not» wendigen Laiengerichte sich zu Jnstitutioilen entwickeln, die, wie be» absichtigt war. daS Vertrauen der Beteiligten, also auch der Ar» beiteriunen voll und ganz genießen. HkiKIMIW UETZ LEIPZIGER STRASSE ALEXANDERPLATZ FRANKFURTER ALLEE Donnerstag Freitag Sonnabend Versand-Abteiluna:: Leipziger Strasse Versand nach ausserhalb erfolgt prompt Soweit Vorrat Sonntag sind unsere Häuser von 1 Uhr ab geöffnet 5 Uaggon Pias, Porzellan, Uirtschafts-flriBl Krist.- Steinschliff Teller.............. t-° 1« Kompottieren-- 278 350 4®5 Schiffchen..... 2a5 300 3S0 Konfektschalen 3®° 588 760 Echtes Porzellan weiss Speiseteller«•»....... 16 Pf tSpeiseteller fl«ch...... 13?» L�essertteller...... 8, 5 p». Bk*atenplatt86,60,40,28 p». Kompottschalen rund.. 5?» Ko. Tip otts ch. 43. 28 p» Koi npottschalen Ä"* 15 p». BeiKageschalen...... 20?». Sauoieren........... 45 p». Milchkrüge«ro»*...... 38?» Kaff e�- od. Teekannen 45?». T assea»»»»»»».»..»»» 9?»- Prima Alpacca- Bestecks Esslöffel 3 5, 50, 60?» Dessert-Q°oS#.d.30l 45, 50?» Kaffeelöffel...18, 26, 30?». Essmesser ■alt AA. Henk alkl. 95 p». Dessertmesser H?nkt.w. 80?». Mokkalöffel....... 15, 22?». ESSbeSteCke mit wnlclwIUm H«»t... Pmt 40«. Otr, Pmr..... 450 Holzwaren 80 lOOem Balkon-Blumenkasten..................... 70, 90?«. V® T*®" Balkon-Blumenkübel.......................... 75?» I25 226 Putzkommoden..................................... I88 288 425 Gardinenspanner-w de.»................................... 1080 Plättbretter............................................ 1™ 2« 378 Servierbretter moh«»»«'--...................... Kaffeebretter.................... Wäschetrockner«>»»«i Haivo»»»«,»,, 95 Pk. Kanta Seriengeschirr Speiseteller»>»« od. kW» 35 p». Dessertteller....... 28?». Terrinen.......... 460 3T6 Ragoutschüsseln..... 265 Bratenplatten ovai 288 I80 l16 Saucieren........... 12a Komp-Schüss el28 95p». Beilageschüsseln-.. 65p». Salzgefässe........ 85?». Kaffeekannen... I58 I25 l10 Milchgiesser 60, 45, 25?». Teekannen... I85 l26 90?«. Tassen............. 28 Pt Echtes Porzellan dekoriert Dessertteller....... 18 pi Milchtöpfe 25 it. Tassen 23 p«. SatzMilchtöpfe#*.!88 95?«. Butterdosen........ 33?«. Blumen-Kübel Majolika«•«• n•.• 95 Pt 63?«. 45?». 38 w. 28 w. 18 p«. 10 Pf. Jedes Wort 10 Pfennig. Das erste Wort(fettgedruckt) 20 Plg. Stellengesuche und Schlafstellen- Anzeigen 5 Plg.; das erste Wort (fettgedruckt) 10 Ptg. Worte mit mehr als 15 Buchstaben zählen doppelt. ] Kleine Anzeigen ANZEiGEM fOr die nächste Nummerwerden ,n den Annahmestellen für Berlin bis 1 Uhr. fi/.r die Vororte bis 12 Uhr, in der Haupt-E.pedition, Lindenstrasse 69, bis 5 Uhr angenoir.men. Verkäufe. "Surtfi Rnuch beschädigte(BnrMnen* refte, Fenster 1.26, 1.45, 1.85, 2.46, S.25. 4.50. stiiflfu'ttbedcn 8.25, 4,50, 5.50 je, 1.75, 1.95, 2.45, Wnskronen, Pettoleumkronen ofiue Anzahlung. Woche 1,00. Fabrikpreise. Graste Frantiurterstraste 92, Filiale Ravenästraste 6. Z15K' Steppbecteh. volle Gröste. 2L5. 2�0. 2,95. KausHauS Levb, Brunneiv straste 59. 48711* ErbötüNftpreS 3.45, 4 65, 5.85, 6.50; 7.50 tc E.Weistenbergs Gardinen baue. Graste Frankliiriei straste 125, im Hauie der Möbeisabrif, 2. HauS an der Koppensiraste Ttirch Rauch decken 0.95, 1.25, 8.85, 4.50 tc. beschädigte Tuch. 1.85, 2.50, 3.25, ti frt) borten 4 25. 185, 5.25, 5 95 M Oliair-Plüschdecken 6.25, 7.85, 8.60, 9.85, 11.50 tc. Tiichportieroii. komplette Gar. Nilur, 3.25, 3.85, 4.50, 5.25, 5.75, 6.50>c. Pliischportioren, komplette Kar. Nilur, 6.25. 6.85, 7.86, 8.75, 9.50, 11.60, 13.50. Porticrenhaiis Graste Frantsurterstraste 125, im Hause der Möbeilabrit. Steppdecke«. SimUtseide, 8,75, 4.50, 5.25, 6.25 IC. 3.25, Wiener Steppdecken, Muster, 7.35, 8.50. 9.75, 11.25, 13.75, 15.50 bis 80 Mark. (ehdiseloilguedodeit, e�tra grotz, 4.50, 6.75, 6.75, 7.50, 8.75, 9.50 je, Graste Ftanlsultet straste 125. Abfallteppiche 3.25, 3.85, 4.75, 5/25.____________ iSerltuer Plüschteppiche 6.85, 7.50, 8.75, 9 65, 1 1.25, 12.50 2C._ ff-chte Plüschteppiche 12.50, 16.50, 18.50, 21.50 bis 60 Teppichhau». Graste 14.50, Mark. Franksurler- straste 125, im Hause der Möbelsabrik. Ltnoleumreste Läuser und Fabrikpreisen. »u Sofareste. Wolle und Plüsch, zu Spottpreisen. Gardinen- und Teppich. haus. Graste Franlsurterstrastc 125, im Hause der Möbelsabrik. 427Ä* 4,S0 prachtvolle Betten, 8, OO.daunige Baliernbetfen, Aussteuer, Damast- bezüge3,30. Nur Piandleihe, Andreas. straste achlunddrcistig._ 34911* 10,50 ganzer Stand, ratrosa ge- streift Inlett, einzig nur in der billigen Psandicihe Andreasstraste achwnd- droistig._ Gardtnen. engl. Tüll, Meter van 20 Ps. an, Slares van 90 Ps. an, Tüllbettdecken van 1.75 an,. Gardinen, abgepastt, ganze» Fenster van 1,50 an. fltonjhausJ/evtkJB� Ziillwaschfäffer. Zaber, Sitz> wannen, Badewannen. Spezialsabrit Wienerstraste 12. Lesern 5 Praz.* LeihhauÄ Schmidt, Ramintener- ftragc 48, an der Warschauerstraste. Uhren, Ketten, Gold-, Silberwaren, Verlaus versallener Psander billigst. Sonntags geässnet. 28211* Leihhaub Schmidt, Ramintener- straste 48. Betten, Leib-, Tisch- und Bettwäsche billigst. 28211* Leihhaus Schmidt, Roininlener- stroste 48 Herrengarderoben billigst. Gebrauchte Rälimaschinen billigt Bellmann, Gollnowslraste 26. 327K* Knabenanzüge 2,50, Doppel- leibcheiihvse 0,60, Konfirmanden- anzüge, HcrrenarbeU, Herrenanzüge, Masterlatz 22.—, 26,— usw. Eleganteste Musteranzüge, halber Preis. Fabrik Neue Fncdrchsllaste 4, vorn I(Näde Jannowitzbrücke)._ 354K Abeisinierpilmpe« 8,00-100,00 Gebrauchte billigst; Flügelpumpen, silter, Leiherdbohrer. Pumpenwols, ilckerslraste 81.* LtiranerS Nähmaschinen obne An. zabluii». gebrauchte spottbillig. Ska- litzerslraste 99, Warschaueruraste 67.* Gasbrattzekronen! Gaszuglampen I 9,00. Schausensterlicht I GaShängelicht I GeschästSoerkaus I spollbilligl Gasrohrlyren I!>/,. Zwei- lochgaSkocher I Wohlauer, Wallner. tbeaterstrage 32. 40311* Bettfedern, Betten, staunend billigen Brunncnstraste 59. ©erkauf zu Preisen. Levy, 490K* Gin en guterhaltenen Kinderwagen verkauft Templin, Boxhagener Chaussee 16, vorn I._ fl27 Landbett. zwei Deckbetten, zwei Kissen, zweischläfrig, 16�50, graste Laken 90 Psennige. ÄndreaSslrage 38. Vauerndeckbett. Unterbett, zwei Kissen 25,00 Psandleibe. AndreaS> sUaste achiunddreistig. Ainwiicenvor zeigern vergüte F�lhrgeld._ Teppiche k(seblerhasle) in allen Grösten sür die Halste des Wertes Teppichlager Brünn. Hackeicher Markt 4, Bahnboi Börse.(Leser deS »Vorwärts' erhalten 5 Prozent Rabatt.) Sonntags geässnet I Tage Probeliese> ohne Anzablun Gavkronen. 5 rung I Tatsächlich wöchentlich 1,00(bis Hundert Haus summe). Riesenlager LouiS Böttwer (selbst), Betriebsleilimg Boxhagener straste zweiunddreistig(Hochbahn, Stadlbahn! Warschauerstraste) Fili- alen: Potsdanierstraste 81, Rixdors, Kaiscr-Friedrichslraste 247. 135A* ZtorwnrtSleser erhalten 5 Prozent Grlrnraball selbst bei nachstehend aust gcsübrien GelegenbetlStäujen. Teppiche TbomaS. Lranienstraste 160, Lranien- Play. 'Teppiche, b«ig. Gardinen, lardinen, Restpartien stert. 'Läuferreste spottbillig. sarbsehlerhaste, spott StoreS, Künstler. für halben Sofaslpffreste spotlbillig. Bortvnrtsleser» ftebende 5 Anzeigen. beachtet vor- 36711* PfandleihhanSKrebber, Küftriner- platz 7, sponbilliger Bellenvertaus, Gardinenvertaus, Wästheverkalis, Ubrenvertaus. Deckenberkans, Schmuck- fachen. Goldsachen, Silberiachen, ver- sgllene Pfänder�_ 249211 HerinannplaN 6 GrostberlinS aller- billigste Sinkaussquelle. Exti abillige Warenverkäuse. Riesenauswahl. Psän- dervertäuje. Sommerpaletots. Fackelt- anzöge, Gebrockanzüge. Herrenboten. Enoi m billiger Bettenverkaus. Wäsche- berkaus. Brautgeschenke. Aussteuer- fachen. Gardinenauswahl. Teppich- auswahl I Plüichtiichdecken. Stepp. decken. Wanduhren. Taschenuhren. KeitenauSwahl. RwgeauSwahl. Da- mensachen. Warenvertaus Hermann- Platz 6. Auch Sonntags. t112* Klasfiker-AuSgaben, Goethe, Heine. Reuter, Schiller, Shakespeare, je vier Lände 6,— Mark. Eich endorst, Hauff, Je zwei Bände 3,50 Mark. Burger, lletst, Lenau, Uhland, Wieland und pudere, je ein Band 1,75 Mark. Ex- aedition, Lwdenstraste 69, Laden. Tcppiche(seblerbafte) Gelegen- heitSkaus. Fabriklager Mauerdoff, Groste Franksurtei straste 9, Flurein- gang. Vorwärtslesern 6 Prozent Extrarabalt. Sonntags geöffnet. ♦ Steppdecken billigst Fabrik Groste Frantiurierilraste 9, Flureingang. GardineiihnuS, surierslraste 9. Groge Flurcingang Frank. 2491K* deutlchcii Hause». Rrzählu Bücher des Eine Sammlung guter Erzählungen, Geschichten, Novellen usw Kul au», gestatict, zirka 300 Seilen umtaffend, zum Teil illustriert und gebunden. 90 Psennige pro Band. Expedition, Lindenstraste 69, Laden. Teilzahlung, monatlich 10 Mark. lieserl elegante Herrengarderobe nach Matz TomporowSki, Schneidermeister, Lindenstraste 110._ 3181t* Springers weltberühmte« Psand- leihhauS existiert allein Chaussee- strage sechzig! AlleS spollbilligl Jeder Kons lohnt l Stets geöffnet l 269K Rcichgeftickte Portieren, Filztuch 3,65, Wolllöpcr 3,85. Plüsch 6.35. ganze Deloration. Inventur Räumungspreis. Teppichhaus Emil Lesövre. Oranienstraste l58. I69K* BfaiidleihhauS Brunnenstrast« 58, Ecke Straliunderstraste. Extrabilliger Gardineooerkaus I Exlradilliger Teppichverkaui I Riesengroster Beilen- verlaus! Exlr abillige AuSsteuerwäiche I Exirascine Jackcltanzügel Gebrock- anzügcl PaletoiS! Extrabilliaer Ubren- verkauf! Exlradilliger Psänoarvcrkauf täglich, auch Sonntags. 41411* itorjährige elegante Herrenanzüge und PaletoiS aus jeinften Magstofien 20— 10 Mark. Versandhaus Germania. Unter den Linden 21. 1179b* Billige Hoscnwoche. Hochelegante Herrenhosen aus semsten Maststoffen 7—16 Mark Versandhaus Germania, Unter den Linden 21. Sonnta« bis Abend geöffnet. 1180b* GeBckäktsvorliAute. Grüntramgeschäft. Lausgegend, mit Feuerung, anschllehende Woh, nung vertausl billig. Erfragen Fron- seckiftrastc 5, Kerfin._ f Brotbäckerri, 70 000 Umsatz, billig verkäuflich..Bäckeret' Postami Stein- metzstraste._ 184/6 Parteilokal. 7 Vereine, billig zu verkausen. S> fragen bei Mann, Petersburger Platz 4. f-2 Möbcinngebvi. Im Anhaltet Babn< und Möbelipeicher Möckern- straste 25, Anhalter Jnnenbabnbos, direkt Hochdabnstation Möckcrnbrücke, stebeti wieder verschiedene prachvolle Zimmer, und ganze Wobnunqs-Ein- richtungen zum fchleunigen Verlaus ausgestellt. Ganz besonders billig für Soleis, Pensionale, Brautleute passend sind Schlaszimmer 200,00, Speisezimmer. Herrenzimmer, Salon» schön, 400,00, hübsche Küchen 50,90 an. einzelne Büsette. Bücherschränte, Kleiderschränke, Vertilos, Anklerde schränke mit Spiegel, Saiongarni- wren, Ruhebetten mit prächtiger Decke 22,50, PaneeilosaS. Plüschlosas, Schreibtische schon 23,00, Bettstellen, Salontiiche, Stühle, prächtige Säulen trumeaus 30.00. Lederstühle, Klubsessel 85,00, FIurgarderob,l7,50, hochelegante Salonlepviche mit kleinen, kaum ficht- baren Fehlern schon 30,00, Zimmer tcppiche 8.00 an, rcichgeslickie Piüfch. Portieren 7,50, Oclgemälde. Steppdecken, Erbstüllstores. Plüschiisch- decken 5.00, Gasnonen, Salonbilder mil elegantem Rahmen, Tüllgardincn, Tüllbeltdccken 2,00 an. Slandubren ipvllbillig. Bcrichiedene Gelegendeiis« täuse sehlerhasier, zurückgesetzter Möbelstücke, Teppiche, Freilchwiuger 12,00. Ganze Warenlager. Koniurs- Massen, Wirtschaslen. Nachlässe über- nehme zum schnellen Berkaus und Versteigerung. Otto Lideke, AuklionS- und Möbclspeicher, Möckernstrage 25. Koslenloier Transport. Lagerung.' Möbel-Teilzahlung Spezialität: Feinere Wodnunus-Einrichwngen io- wie ewzelne Möbelstücke vertäust unier nur denkbar kulantesten Be< dingungen E. Cohn, Groste Frank- surt-rftraste 58. 348K* Kolonialwaren- Einrichtung, Rolle, Ware Brunowslrahe 30«, Bufch, cschäst, t 1200. one cgel, Klein. s Milchgeichäst beiondcrer Umstände wegen sosorl zu verlausen. Milchgeschäst p Preis mit Warenbestand 750 Mark. Teppiche. Die Restbestände einer Teppichsabrik kommen zum schleunigen Verlaus. Preise bedeutend herab gesetzt. Plüschteppiche. ganz schwere Qualität: Stubengröste. früher 18,50 jetzt 12,90; Wohnzimmergröste. früher 32,75 jetzt 24,50; Salonaröste, früher 43,50 jetzt 35,00. TcpPichhauS Georg liuiige, Ehauffi estraste 73/74. Portieren. Plüsch und Filz, Rest- oede bestände 1— 4 unter Preis. Fenster bedeutend ErbStüll-StorcS, ein großer Posten mit Volant, volle Breite und Länge 4,75. Steppdecke», eigene Anfertigung, rtchtige Gröste, 3,75, 4,50, 5,50, 7,50. Teppichhaus Georg Lange, Ehauffee- straste 73/74.__ 381,(1' Drehrolle«- Tellzahlung)»Berlinea atze 29. Wastmaunstratze 385K* MilchgeschäftSeiurichtunge»! 'oertaussgesäste, Will Mtll�mast«, Maschinen, Wiegeschalen, Spezialsabrit Hermann Michaeltirchstraste 21. MÜchtannen, Milchstebe, Butter- eschalen, billigst. Jordan, 389K* Prachtvolle Betten 4,50, daunige Bauernbetten 8,00, Aussteuer, 3,90 Damastbezüge. Pjandieihe Prtnzcn- ftraste 86._ 33/11* Landbett, zwei Deckbetten, zwei Kissen, zweischläfrig. 16,50, groste Laken 90 Pfennige. Pfandleihe Prinzen- straste 86._ 33/12* 25,00 Bauerndeckbett, Unterbett. zwei Kissen. Pfandleihe Prinzenstr. 86. 10,50 ganzer Stand, Inlett rot- rosa gestreist. einzig zu haben Pfand Prinzenstraste 8i vergütet._ Fahrgeld wird 33/14* Zentral-Psandleihe, Prinzenstraste 86(zwischen Ritterstraste und Moritz- Ratz), spottbillig, groste GeldersparniS. Verdienst nur Zinsenberechnung. Jackettanzüge von Mark 10,25 an, 12,50, 14,60 bis 20.00, Sommer- Paletots von Mark 8,85 an, Gehrock- anzüge, Hosen von Mark 2,50 alt. MonatSgarderobe Spezialität. Fahr- eld wird vergütet. Nur k der sentral- Pfandleihe, Prinzenstraste 86. Nähere» Rixdors, Hermannstraste 110. Walter_ Grünkram-, Matertalgeschäst, existenzfähig. Miete 40, Tageskasse 30 Mark, besonderer Umstände sür 800 Mark vcrkäuslich. Näheres Rix- dors, Hermannitraste UO, Walter. Restauration, voller' Schank, er- sordciiich 1300, verkäuslich Koppen- straste 37._ 121 96 Parteilokal. wegen Todessall, Miete mit Wohnung 1500, Bayrrtsch "1,.•/. Weißbier, PereinSzimmer mit Billard, Pianino, 3200, Inhaber 9 Jahre drin, mutz sofort verkaust weiden. Nähere» Prinzenstraste 105, Restaurant._ Ecklotal mit 2 Zahlstellen und 5 feststehenden Vereinen und diversen Versammlungen ist zu verlausen. Zu ersragen bei Günther, Brunnen- straste 96._+64 Milcht Kolonialwaren- Geschäft sosorl vertäuslich Boxhagen, Wühiisch. straste 37.+127' Mäbelthieles Spcichereien, In- validenstraste 118(Stetliner Bahn- Hof) sowie Ackcrstraste 120(Garten- Platz). Brautleute l Günstige Ge- legcnheilSkäuse gebrauchter und zurück- gesetzter Möbel. Wohnungseinrichtung 200.— biS 600.—. elegantere 700.— bis 1000 Mark, Prachtvolle Küchen- möbel. Aufbewahrung, Lieferung frei. 81 IK* Wunderhübsche SosaS spottbillig. Scholz, Bremerstraste 67.+54* Teilzahlung Möbcleinrtchtung, Slube und Küche, 15 Mark. Ver- Itehen gewesene Möbel spottbillig. Berolina, Kastanienallee 49. 397k' .Nödel. Teilzahlung. Möbelewrtchwng, Stube und Küche 15 Marl. Verliehen gewesene Möbel spotlbllllg. Möbel rredithaus Weddlng, Reinlckendorscr- straste 113. 396K* Möbel-Richter, naucrftraste 9 chöneweide, Köpenick, Grit- 378); Ober- sstt ilhelminenhosstraste 20 on 368). Wichtig für Braut- eute I Komplette Wobnungs- Ein- richinngen sowie Einzelmöbel in jeder Preislage. Eigene Werlstälten. Jede Garanne. Liefet ung durch eigene Ge- spanne. Firma besteht seit i896.* Mbtel. Gelegenheitskäufe in aller- gröstter Auswahl; einfache sowie bessere Wohnungseinrichtungen be- deutend billiger wie regulär. Er- gäiizungSmöbcl. Büfette 120, Schreib- tiich« 45, SosaS 45, Garnituren 65, TrumeauS 30, Schränke, VerlitoS 26, Kronen, Teppiche, Bilder. Küchen- möbel. Klubsessel, LederjosaS, Um- baue. Ledcrstühle usw. spottbillig. Lenneris Möbelipeicher, Lothringer- straste 55, Rosenthaler- Tor. Die Möbel find m vier Etagen aus- gestellt._ 49lft* Kleidersplnd 22,00, Muschelsplcgel 7,00, Plüschpatentsosa 35,00, ganze elegante Wirffchast t4S Mark ver- käuslich Kottbuserstraste 18, Nehrtorn,* Möbelgelegenhettk Wenig ge- brauchte, gulerballene Möbel, auch neue, sowie ganze Brautausfiattungen, emiachste, eleganteste, beliehen ge- wesen. oersallen, spottbilllg, Riesen- lager, Laaerspelcher, Neue Köntg- straste 5/6, Fabrikgebäude. Sonntag» geöffnet.(Auch Teilzahlung.) 276/20* Gelegenheitskauf. Bürgerliche WohnungScinrtchlungen, TeUzahlung. Möbelhau» Diana, Danzigerftraste 14. Mocbcl- Boebel, Morttzplatz 58. In meinem feit 31 Jahren bestehenden Möbelkaufhause stehen in sünj Etagen komplette Wobnimgseinrtchiungen zu niedrigsten Fabrikpreisen zum Verlaus. AiS Spezialität liefe, e: Schlaszimmer, engliicheS 197,—, modern mit Intarsien 268,—, Wohnzimmer, modern 312.—, Speisezimmer 355,—, Herrenzimmer 280,—, 1 Zimmer und Küche 205.—, 354,—, modern 479,—, 2 Zimmer und Küche 568,—, 667,—, englische Bett- stelle mit Matratze 43,—, Kleider- ipind 30,—, Trumeau, geschlissen 34,—, Schlassoia 36.—, Plülchsoja 55,—, Umbau 50,—, Teppiche, Gar diuen Ricsenlagcr. Besichtigung er- beten. Transport und Lagerung tosten- frei. Eveniuell Zahlungscrieichte- rungen GcöNnet 8—8, Sonntag« 3—2 Kein Laden. Verlaus nur im Fabrikgebäude. Musterbuch gratis und franko. 246K. Plöbelrticblrrrt.Harnack.Tiichier- meiiter, gegründet 1901, Stallichrilber- ttraste 57(Moritzplatz), lieieri komplette Wohnungseinrichtungen zu niedrigsten Fabritpreiien. Unüber- troffene Lelstungssäbigleil. Enorme Auswahl Zahluiigserleichlerung. VorwärlSleser 3 Prozent. Kein Laden. Vcrkaus Fabrilgemude. Mnschclschrank 26,90, Plüschsosa, Muscheibctten. Paiisadenstraste 46. Wcgziigshalber Trumeau, eng- tische Beilen, Plüschsosa, neu, billig. GabeiSbergerstraste 5, vorn vier geradezu._+2� Sofa, Cbaiielongue 18,—, guter- halten. Herbst, Lothringerstraste 47. Schlafzimmer, Büsette. Umbau, Schreibtische, Kleidetfchränke, Vertiko, Bettstellen, Mali atzen, Plüschsofa. bunic Küchen, ganze Einrichtungen spottbillig. Besichtigung, Lieteruiyo frei. Jakobson, Brückenslraße 6. 8(1 komplette Küchen I modorti, saubere Arbeit, schon von 52,—-an, vertäust um Platz zu schaffen Küchen- möbrllager Skalitzerftraste 25, an der Hochbahn._<75951 MödelkaufhauS Dresdener, iraste 107/108, Stube und Küche kot-nplett 150,—. Allergünstigsic Geiegenbeil sür Brautieule, Schlaf-, Herren-, Speise- zimmer, Sosaumbautcn, Bücher- schränke 55,—, Herrenschretbtiich mit Austatz 40,—, eleganlcr Säulenttu- meau 28.—, Chaiselongne mit Decke 22,—, Bettstelle mit Matr»tzk 18,—, Waschtoilctte 20—,, Bertito, Kleider. schrank 24,—. Ausziehtisch 16,—, moderne bunte Küchen 55,—. 239/6* Umzugshalber BIrtallbetten, Kinder« bellen, Grammopbon, Kfeidei schrank, Chaiselongue, Tascheniosa, Säulen- trumeau sosort spotlbEItg. Ritter- straste 90. HI. 34/6* Rrbesitsraum, bell. 1 Treppe. 4 Fen/ster, l. 4. billig vermietbar Alexav.drwenstraste 27, an der Ritter- strage- 184/2* Pahirfider. Berrentndrrnd Dameniahrrad einmal benutzt 85.00. Hol»,«iunien- ittag. tSd._ 1683K» GeichäftSdretrad, äusterfi IlabU. 50,00 an Holz, viumenttrage 36d.' Herrenfahrrad. Damenfabrrad. hochelegantes. spottbMig. Witwe Kopp. Koppcnstraste 94._+47» Halbrenner. Freilaufrad. Herrenfahrrad. Brandl. Fruchtstraste 57/58. Kein Brautpaar versäume, seinen Bedarf in der aitrenommterlen Möbel- sabrit Dwinatzli, Andreasslrastc 30, geradcüber Markthalle, zudecken Aus- wähl in vier Grundstücken. Spezialität Wohnzimmer, Küche 185.—, Lsluben, Küche 475,—. Einzelne Möbelstücke bis 50 Prozent billiger_ 39851* Möbel! Für Brautleute günstigste Gelegenheit, sich Möbel anzuschaffen. Mit tleinsler Anzablimg gebe schon Slube und Küche. An jedem Slück deutlicher Preis. Uobcrvorteilting daher ausgeschlossen. Bei Kraiikbeits- fällen und ArbeilSlosigteit anerkannl größte Rücksichi. Möbelgeschäst M. Goldstaub, Zossenerstraste 38, Ecke Gnciicnaustraste. Kein Abzahlungs- geschästl_ 29015t* Möbel-Richter. Kastanie n-Allee 26. Wichtig sür Brautieule I komplette WohnungS« Einrichtungen sowie Einzelmöbel in jeder Preislage. Eigene Werlsiätten. Jede Garanlie. Lieferung durch eigene Gespanne. Telephon: III, 769. Firma besteht seit 1896. 34151* WohnungS-Etnrichtungen, moderne Küchen, Schlafzimmer, Speisezimmer, BüsellS in allergrösttcr Auswahl. Ergänzungsmöbel, Muschrlschräiite 26,—, Umbaue 38,—, Schreibiische, Ausziehtische 15,—, Ruhebetten. Kommoden, Bücherschränke, Plüschgarnt« wren. Bettstellen, Matratzen 22,—, Ankleideschränke, enoimcs Lager vie- lcr Gelegeicheilsläuse in süns Etagen. Möbelspeicher Polsterwarensabrik Hir- schowitz. Chausseesliaste 50.+9vK* Gneifrnauftr. 10. Ecke Nostizftr S. Grau, bekannt als beste Bezug». quelle. Kaffa und Teilzahlung.* Riissbaum-Säuienbüseil, geschnitzt. Vierzuglisch, Silberspind, eleganter Sosaumbau 50,—, apartes Taschen- sosa 50,—, Spezial-Lederstühle 8,—, Vertiko 26,—, Kleidrrschrank M DreSdenetstraste 40, vorn L 28,-. 239/7 Herrenfahrräder, tadellos er hallen, 30,—, Rücktrittbremsen 40.—. Heinze, Brückenstraste 6. 481K Fahrräder, alidenilraste! Teilzahlungen. In- validenitraste 20, Wilhelmshavener- straste 73(EckhauS Turmstraste)• Wobnungen. k-lartenhaus, Ballonwohnunqen, 2-Stuben, Küche, Kleine Markus- stx.aste3._ 1203b* Awei-, Ei, ztmmerwohnungen, sosort, Soldinerstratze 16. 954b* " Wohnungen. 3, 2. 1 Zimmer, Bad. sosort, später, Sotmenburger- straste 27._ 9530* Rixdorf billige renovierte Pracht! wobnungcn sofort, später vermietbar Siegsriedslraste 22(dirclt am Bahnhos Hermannstraste), zivei, drei Zimmer mil Bad 51nelcdeckstraste 72, ein und zwei Zimmer JuliuSftraste 22/23, JuliuSilraste 38/39(Bahnhos Her- mani-urave) ein und zwei Zimmer. Freundliche Ganenwobnung(20.00) Wü bli> ch st r a ste 36, Hochba hna n schlust. Gu bcnersträsje 11 kleine«oh! nungen. 12lbb* Zimmer, Kleines möbliertes Zimmer per 1. Aprtl>910 zu vermiete». Arendt, Nogalstraste 30, I llnIS._+100* MödlirrteS Zimmer vermietet Jacobey, Wiesen straste 10, vorn IL ===s Schlafstellen. Möblierte Schlafstelle vermietet Kottbuser Damm tb, III rechts. Stellenangebote, Bilderrahmenmacher znr Aus. Hilfe bis Ostern verlangt. Brüll, Rix» dorf� Thomasstraste 2._+100 KreiSsägenschnrider auf ETder- rahmen verlangt. Rur Lewe- der auS der Branche berückfichltgl. Siosenow, Schmidstraste 6._ 239/8 Schlofferlehrling verlangt Görlitz eruser 22/23. Fliesenleger Gottichedstraxe 28, Aue. +17 eubau. Berlin, 493K Fahrräder, gebrauchte, loloffale Auswahl, 5,00, 10.00, 15,00, neue 32.00. Machnow. Weinmeisterstraste 14 Größte Auswahl Berlins. Jahres umiatz zirka lö 000 Fahrräder. Kaialo- gratis, franko.»gizi Frrilaufrad, .. fahr straste Brennabor, gefahren, �ori. 55,00, ttolberger ItnkS. wenig Per- 34/4 iVlusik. vlolinnnrerricht(neue, doppelt fördernde Methode bis zur Vollendung) gibt ertadrenet Küntüet wöchentlich. auf Wunich mich nur eine Lettion a 1.25 M., bei zwei Schülern je 75 Pf. Offenen unter v. 2 Expedition de« .Vorwärt»'.___(i « lnbierturfus. Erwachsenen Schnellmethode. Monatspreis 3.00, Klavierübcn frei. 20 Klaviere. Musik- akademie Oranienstraste 147, Moritz- Pia». 34/3 Versckieclenes. Knnftitovfrret von grau KokoSkh Scklnchtcnfee, Kurttraste 8. III Painitnuwatt Weilet. Gltiihmer- M axe 94» Gnglischrn Unterricht sür Aniänger und Borgetchriltene, Einzelstunden und� im Zirkel erteilt G. Swienty. cböneberg, Sedanttroste 67, III.• Technikum Berlin, Neandct straste 3 (Schiiikcl.Akademic). Maschinenban. Elektrotechnik. Hochbau. Tiesbau. Jngcnieurkurse. Tcchiiikerwrse. Werk- meiiler-, Monleurkurse. Jnnungs- meister-, Poiierkurse. Architektur Tageskurse. Abendkurse 17951 Ghantsetir-Ausbildung. theoretisch und praktisch. Aulo-, Fingiechniker. Tages-, Abendkinse. Prospctt l Auto- lechn'hinf, Chariottenbiirg, Fril'chc. straste 27 n.' 444K en Preise. Schlie- roduklengcschäsl* Zahle die mannslraste 40, Möbeltransporte und andere Fuhren. Mägige Preise..Paul Dorn, Rostockcrsttäste 34. Amt II, 2478.* Englischer Garten, Alexander- straste 27c, Amt 7, 10628, Sonn- abend 9., 16. Ulpril, Sonntag 10., 24. Aprtl mit Thcaierbühncn srci l Blusensteppertn, Zusammen- setzerin, m. austcr, Clement, Frtcdel. strast« 4L_ 34/5 Fantastefedern. Lehrmädchen gegenBergültgung. oerlangl A.Tbcile, Köpenickcrstraste 113._ 12205 Singerftepprrin aus halbfertige Roben gegen boheu Lohn sucht Julius Kaustnann, Schmidstraste 24. 1214b» Biusen-'Arbeiiertnnen aus Tüll und Seide, Mittelgenre, verlangt gegen Vorlegung von Probearbett S. Ja» raczewer, Oberwallstr. 16». l212b* Wollblusen-Arbcileriimcn, weiche imstande find groste Posten zu iiesern, oeriangt gegen Boriegung von Pnide» arbeit S. Jaraczeiver, Obnrwall- straste� i 6 a._ 121 1 b* Battftblusen-Arbcitertmten, welche imstande find, groste Posten zu liescrn, verlangt gegen Vorlegung von Probe» arbeit S, Jaraczewer, Ob-iwall» strustejga._ 12106* Musterblusen- Arbeiterin aus Wolle, im Hause. Verlangl S. Jara« czewcr, Obcrwallilraste 16a. 1,209b* Frau zum FniHstückauslrapgn gesucht. Grätzstraste 28, Bäcketri, 49751 Zctiitngsfraueu(Tour'Junker! str-ste) sofort verlangt Schützen» straste 24/25._ 34/1» Zeituiigcfraur« verlangt Schiff! baucrdamm 1, Ecke g.rcdrichjstraste. für Bl-riiti und ■L Zeitungsfrauen, Ji___ Pankow verlangt Bornholir/erstr. Im RrbeltSuiarkt durch befonberen Druck herb orgehobene Nnzetgen kosten 3v PF. die Zeile. Achtung! Holzarbeiter Wegen Streik und Dlffereuze» siitb gcffperrt: Kammfabrik S/iedel, Warfchauer Sliaste 37/38 Bautischlerei Konrad w HenntgS» dors. Für Stellmacher. Karossoriesaprit von Lenschuer. Ebarlottenbiurg, Salzuser 3. Gleichzciltg, ertlichen wir die Kollegen aller Branchen der Holz- induslrte des Vermillelungsbureau des gcllaen �andwcrkerschutz» verbände?' streng zu meiden. Tie Ortsvcrwaltnug. Verantwortlicher Redakteur Richard Barth, Berlin. Für dm Inseratenteil verantw.; Th. Glocke, Berlin, T>rucku. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. VcrlagSanstalt Paul Eiivzer LI Co., Berlin LW,