Kr. 65. i�onnementz-keäingungen: iajoi:ncmcnlS> Preis pränumerando: Licrieljährl. 330 Ittt, monotl. 1,10 Ml,, wöchentlich 26 Pfg. frei WS Hau?. Einzelne diunmicr s PIg, Sonntag?« nuinmcr mit illustrierter Sonntags- Vcilagc.Die Neue Welt" 10 Psa, Polt- «donnenient: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Poil.Zcitungs« Preisiii!?. Unter Kreuzband für Dcullchland und Oesterreich. Ungarn 2 Marl, für da? übrige Ausland 8 Marl pro Mona». PostabonnementS nehmen an: Belgien. Tänemart, Holland, Italien. Luxemburg, Portugal, Rumänien. Schweden und die Schweiz. 27. Jahrg. vlcheliit lZglich Mir lNsiilZz,. Vevlinev Volksblstk. vie snIertlonZ-Sebiih!' belragt für die sech?gcspaltene Kolonel« geile oder deren Raum 60 Pfg., für polilifche und gcwerlfchastliche Verein?« und VcrsammlungS-Anzeigcn 00 Psg. „Ultinc ZZnreiz-n". da? erste ffeit« gedruckte) Wort 20 Pfg,, jedes weitere Wort 10 Pfg, Stellengesuche und Schlaf- stcllen-Anzcigcn das erste Wort 10 Pfg,, jedes weitere Wort 6 Pfg. Worte über 16 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müsse» Ins k Uhr nachmittags indcr Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abend? geöffnet, Telegramm-Adresse: ,,5«ZlSlSilil»>l»t fferii»". Zcntralorgan der fozialdemokrati fchen Partei Deutfchlands. Redaktions 8 Tl. 68, Lindcnatrasse 69. Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1983. Freitag, den 18. März IttlO. Expedition: 8M. 68, Lindcnstraaae 69» Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1981. LinezeitgemWe Märzerivnei'ung. In diesen Togen preußischer Schmach, wo Junkerfrechhcit und psäsfischer Trug mit Unterstützung„liberaler" Geldsack- Vertreter das preußische Volk um seine Rechte zu prellen unternommen haben, mag die Erinnerung daran doppelt auf« peitschend wirken, daß das preußische Volk bereits einmal das allgemeine, gleiche Wahlrecht besessen hat. War doch die am 22. Mai 1818 in Berlin zusammengetretene preußische Nationalversammlung aus gleichen und geheimen Wahlen hervorgegangen! Und was angesichts des schmachvollen Komplotts der konservativ-ultramontun-nationalliberalen Wahl- rechtshasser. das nach dem während der Verhandlungen ge- fallenen Worte das Dreiklassenparlanlent zur„Schacher- und Trödlcrbude" entwürdigte, besonders interessant ist, ist das Faktum, daß das allgemeine, gleiche und geheime Wahlrecht im Zlpril 1818 von dem Vereinigten Landtage geschaffen worden war, einer fendal-ständischen Versammlung! Der Vereinigte Landtag bestand aus zwei Kurien, der Herrenkurie, die sich aus 72 Mitgliedern des hohen Adels zu sammensetzte, und der Dreiständekurie, in der die Ritterschaft 231, die Städte 182 und die Bauern 120 Vertreter zählten. Und diese Versammlung, die doch Ivahrhaftig eine ebenso feudale Zusammensetzung aufwies wie unser gegenwärtiges Dreiklassenparlament, votierte fast einstimmig für ein Wahl shstem zur preußischen Volksvertretung, das das allgemeine, gleiche und geheime Wahlrecht enthielt! Freilich war die Reaktion damals durch den revolutio närcn Sturmwind, der nicht nur Deutschland, sondem ganz Europa durchfegte, arg eingeschüchtert worden. Krone und Junker fühlten sich durch die Märzrevolution von dem Gipfel ihres eitlen Hochmuts jählings und gar unsanft herab geschleudert I Man weiß ja, wie in den Zeiten des Zusammenbruchs des verfaulten preußischen Militärstaatcs am Anfang des Jahrhunderts nicht nur die Stein und Hardenberg sich mit dem Gedanken einer wahrhaften Konstitution trugen, sondern daß auch noch die Kabinettsorder vom 22. Mai 1815 ver heißen hatte:„Es soll eine Repräsentation des Volkes gel bildet werden." Als jedoch die preußische Krone sich von ihrem Dränger Napoleon befreit sah, dachten die preußischen Könige nicht mehr an die Einlösung ihrer feierlichen Verl sprechungen. Als im Jahre 1817 der Vereinigte Landtag zusammentrat, leistete sich Friedrich Wilhelm IV. noch jenen theatralischen Schwur, daß eS keiner Macht der Erde je ge lingen solle, ihm eine Konstitution abzuringen. Und selbst noch in den Märztagen 1818, als es dem Minister Bodel schwingh unter dem Eindruck der knisternden Throne schon halb gelungen war, den König zum Einlenken in konstitutionelle Bahnen zu gewinnen, bramarbasierte Friedrich Wilhelm IV noch in einem Briefe an Radowitz, daß er seine Truppen mobilisiere,„wohl wissend, daß cS leicht dahin kommen könnte, daß wir allein mit der ultima ratio(der Kanonen I) zu Teutschland reden müßten". Alle Verfassungsfragen seien uicht so wichtig als:„Truppen samnieln l Um bald mit der teutschen Revolution aus dem Baß zu sprechen". Die Verwirklichung dieser liebenswürdigen landesväter lichen Absicht trat rascher ein, als der König vermutete. Die brutalen Straßenschlächtereien, die die Soldateska in den Straßen Berlins an friedlichen Demonstranten verübte. warfen den Funken ins Pulverfaß. In der Nacht vom 18. zum 19. März versuchte der Baß der königlichen Kanonenschlünde dem Volke„Raison" beizubringen, aber freilich nur mit dem Erfolge, daß die Revolution die Bataille gewann und Friedrich Wilhelm IV. vor dem Volke kapitulierte! Die Einberufung des Vereinigten Landtages war die nn mittelbare Folge des VolkssiegeS. Und diese feudal-ständische Körperschaft machte sich mit dem durch die Umstände bedingten Eifer daran, ein Wahlgesetz für die schleunigst einzuberufende konstituierende Versammlung auszuarbeiten. An» 1. April trat der Landtag zusammen und bereits am 5. April trat das Plenum in die Beratung der Wahlgesetzfrage ein. Ter Regierungsentivurf des Ministeriums Camphausen schlug im§ 1 das gleiche Wahlrecht vor, jedoch sollte vom Wahlrecht ausgeschlossen sein, wer„ohne eigenen Hausstand in einem dienenden Verhältnisse Lohn und Kost bc- zieht". Die Komniission hatte dagegen mit allen gegen eine Stimme beschlossen, da? Wahlrecht auch den in einem dienenden Vcrhälti.is stehenden Bürgern zu gewähren und einzig die- jcnigcn auszuschließen, die auS öffentlichen Mitteln Armen- Unterstützung bezögen. Und diese Kommissionsfassung wurde auch fast einstimmig angenommen! Wie das allgemeine gleiche so fand auch daS geheime Stimmrecht nahezu einstimmige An- nähme. Ein Antrag, die Worte„durch Stimmzettel" zu streichen, fand nicht einmal die nöttge Unterstützung! Auch fanden die Darlegungen des Abg. Vincke keinen Widerspruch, der sich dahin äußerte, daß das geheime Wahlrecht unumgänglich sei, weil es„eine große Menge Individuen geben wird, die sich nicht werden lossagen können von dem Einfluß, der über ihre äußeren Verhältnisse gebietet. Ich erinnere an die Fabrik- ärbeiter, Gewerksgehilfen usw. Wenn es diesen Leuten mög- lich werden soll, aus unabhängiger Ueberzeugung zu stimmen, so kann dies nicht laut geschehen, sondem nur in geheimer Abstimmung." So beschloß vor 62 Jahren, Anno 1818, eine feudal- ständische Körperschaft in Preußen mit an Einstimmigkeit grenzender Majorität das allgemeine, gleiche und geheime Wahlrecht für die preußische Volksvertretung! Und die Regierung akzeptterte ohne weiteres diese Bc° schlüsse! Das ähnlich wie der damalige Vereinigte Landtag zu- sammengesetzte gegenwärttge Dreiklassenparlament dagegen hat Anno 1910 das gleiche Wahlrecht verworfen und an dem infamen Dreiklassenwahlrecht festgehalten, das den erst- klassigen Wählern zwanzigmal, in Verbindung mit der agrarischen Wahlkreiseinteilung sogar zweihundertmal soviel Wahlrecht einräumt als den Wählem dritter Klasse! Es hat auch nicht einmal die geheime Wahl bedingungslos und unverhunzt gewährt. Dagegen hat es an der einzigen bedenklichen Bestimmung des Wahlrechts von 1818 festgehalten: an der indirekten Wahl! Dabei war im Jahre 1818 die indirekte Wahl keines wegs das Mittel zur Vereitelung volkstümlicher Wahlen wie heutzutage. Vielmehr glaubten sowohl die Junker wie die Demokraten mit der indirekten Wahl gut zu fahren. Die Reaktton erhoffte von der indirekten Wahl eine minder radikale Zusammensetzung des Parlaments; die Linke unr gekehrt eine Korrektur reaktionärer Urwahlcn durch das Votum fortschrittlich gesinnter Wahlmänner I Deshalb kam eö in der Kommission überhaupt zu keiner Debatte über die von der Regierung vorgeschlagene indirekte Wahl, und auch im Plenum des Landtages selbst protestterte nicht ein einziger Ab- geordneter gegen das indirette System. Genau so war es auch in der Frankfurter Vorversammlung. Dort traten selbst Männer wie Vogt und Rauschenplatt für das indirekte Wahl recht ein. weil sie die Bauern noch für zu abhängig von den Gutsbesitzern hielten; ja man kämpfle zugleich für indirektes Wahlverfahrcn und die Republik! So halfen die Junker im April 1818 ein preußisches Wahlrecht schaffen, das turmhoch über dem Wahlrecht steht. daS jetzt ihre Enkel den an polittscher und allgemeiner Bildung unendlich höher stehenden Volksmaffen als eine Wahl„reform" vorzusetzen wagen! Aber ist die politische Lehre, die das Volk auS dieser historischen Tatsache ziehen kann, lediglich die, daß unser heutiges Junkertum, unsere heutige Bourgeoisie an politischem Anstand und polittscher Einsicht so unendlich hinter der Gene- ration deS Jahres 1813 zurücksteht? Glücklicherweise nicht I Denn in Wirklichkeit war es ja keineswegs bessere Ein- ficht und anständigere polittsche Gesinnung, was die Groß- eltern unserer hcuttgen Ostelbier zur Annahme eines so liberalen Wahlgesetzes veranlaßt?. Zu solcher Verkeunung der treibenden Ursache kann nur ein„liberaler" Gelehrter gelangen, wie der Breslauer Professor Kaufmann, der aus dieser Ab- sttnimung der Junker die Unrichttgkeit der materialistischen Geschichtsauffassung ableiten möchte, indem er schreibt:„Wir sehen hier aus der Reihe der Privilegierten die Vorkämpfer für die Reform der Staatsordnung eintreten, auf der ihre privilegierte Stellung ruhte, und nicht bloß einzelne Kämpscr, nein die Majorität dieser Kreise erscheint als Träger der Reformbewcgung. So stark das Sonderinteresse der Klassen ist, so breit es sich geltend macht im alltäglichen Kampfe, in einem gesunden Volke wird es nicht das stärkste Element sein." Leider war es nicht ehrlicher Idealismus, der die Junker und Junkergenoffen für die weitgehendsten Konzessionen an daS Volk eintteten ließ, sondern, wie die braven Konservativen ja selbst zugegeben haben,.Furcht vor dem Volke, Furcht vor der Revolution! DaS ist, wie Hans MäHl in seiner Schrift„Die Ueber- leitung Preußens in das konstitutionelle System durch den zweiten Vereinigten Landtag" hervorhebt, zwar nichts weniger als ein Kompliment für diese junkerlichen Schöpfer eines demokratischen Wahlrechts, die der Armee meist als Offiziere angehörten oder doch angehört hatten, aber doch die historische Wahrheit. Gibt doch selbst der Erz- und Obcrjunkcr Bismarck in einem Brief aus jenen Tagen zu, daß der Vereinigte Landtag sich aus Furcht, wenn auch nicht vor den Berlinern, so doch vor der ganzen Lage Europas in all seinen Schritten leiten ließ. Daß unsere heurigen Junker und ihre ultramontanen und nattonalliberalen Bundesgenossen dem Volke eine so unerhörte Provokation zu bieten wagten, wie sie das skandalöse Wahl- gesetz darstellt, liegt daran, daß diese Nachfahren der 18er Junker- und Geldsackvertreter sich noch in der eitlen Hochmuts- stimmung befinden, in der Krone und Scharfmacher sich auch im Vormärz 1818 blähten— unmittelbar vor dem Fall! Aber so sicher diese Volksverräter und Volksbcttüger sich auch wähnen mögen, die Nemesis der Geschichte wird auch sie ereilen! Die Erbitterung im Volke über die ihm angetane unerhörte Schniach wird— wie wäre das bei einem ge- funden Volke anders möglich l— eine derartige Empörung erregen und diese Empörung wird in den breitesten Mafien derart um sich greifen, daß die Tage des Junker-, Pfaffen- und Geldsackübcrmutes gezählt sind I Die Geschichte kopiert sich nicht, sie liebt nicht mechanische Wiederholungen. Aber das Schauspiel wird dem Volke nicht vorenthalten und den Ilebermüiigen nicht erspart bleiben, daß auch unsere Junker und ihr bürgerlicher Troß noch einmal vor dem Volke de- und wehmütig kapitulieren werden! Wie geschmeidig die störrischste und hoffährtigste Junkersippc zu werden vermag, beweist ja das Jahr 1818! Der Aahlrechttlüimpf. Der Protest der Kieler Arbeiter. Kiel, 17. März.(Privatdcpesche des„Vorwärts".) Drei g e» w a l t i g e Versammlungen in den drei größten Versaunn» lungslokalen Kiels, die gleich nach Arbeitsschluß statlkanden und von insgesamt 8009 Personen besucht waren, protestierten gegen die Polizeiwillkür und Polizeibrutalitäten vom Dienstag. Die Neferenten Adler, Brecour und P 0 l l e r geißelten unter stürmischem Beifall und größter Enipörung der Ver» sammelten die Maßnahmen der Polizei in der schärfsten Weise. Die Versammlungen nahmen cinstiinmig eine Resolution an, in der die Entrüstung darüber zum Ausdruck gebracht wird, daß wir in stiel russischen Zuständen entgegengehen und an das Abgeorducteii» Haus und den Minister deS Innern daS Ersuchen gerichtet wird, daß er der kgl. Polizei in Kiel jede Veranstaltung auS Anlaß von Wahl- rechtsdcmonstratwnen verbiete. Zum Schluß heißt eS, daß sich die Versammelten durch solche Polizeibrutalitäten nicht vom Wahlrechts» kämpfe abhalten lasicn werden. Nach Schluß der Versammlungen gingen die Teilnehmer ruhig auseinander. Die Städte und die Wahlreform. In der Elberfelder Stadtverordnetenversammlung hatten außer unseren Genossen auch die Nattonalliberalen einen Wahl- rechtsantrag eingebracht. Die letzteren verlangten Ablehnung der Wahlrechtsvorlage, weil diese weder Neueinteilung der Wahlkreise, noch die geheime Stimmabgabe, noch eine Aenderung der bisherigen Drittelung bringe. Unsere Genossen verlangten eine Petition. durch die um die Einführung deS allgemeinen, gleichen, geheimen und direkten Wahlrechts unter gleichzeitiger Neueinteilung der Wahlkreise ersucht wird. Die Stadtverordnetenversammlung er- klärte sich mit Rücksicht auf die besonderen Verhältnisse in Elber- selb zuständig, lehnte den Antrag unserer Ge- nassen gegen 7 Stimmen, darunter zwei Zentrumsstimmen, a b und nahm darauf den nationalliberalen Antrag gegen die drei sozialdemokratischen Stim« mcn an. » Die Stadtvcrordnetenvcrsammluns in Barme n lehnte es zunächst ab, in die Beratung deS sozialdemokratischen Wahlrechts- antrages einzutreten, setzte aber eine Kommission ein. die die Zuständigkeitsfrage prüfen soll und wenn sie die Zu- ständigkeit bejaht, beauftragt ist, im Namen der Stadtverordneten- Versammlung eine Petition an beide Häuser dcS Landtag- zu richten, durch die um Ablehnung der WahlrcchtSvorlage ersucht wird. Im Frankfurter Stadtverordneteukollegium teilte am Dienstag der Vorsitzende mit, daß die von den Stadtverordneten angenommene Wahlrechtsresolution vom Ministerium des Innern auS formellen Gründen zurückgewiesen worden fei. Der Vorsitzende bemerkte bei der Verlesung dieses ministeriellen Bescheides unter lebhafter Zustimmung des Hause-: Der Hauptzweck ist doch von uns erreicht worden, sowohl da» Ministerium wie die Regierung und die beiden Häuser deS Land- tages haben aus dieser Resolution mit aller Deutlichkeit die Mei- nung der Frankfurter Stadtverordneten zur preußischen Wahl- rechtsvorlage kennen gelernt. Der Bürgermeister Schlüter in Sommerfeld (Brandenburg) sandte dem Bureau der Wahlrechtsprotcstvcrsamm- lung, die den Magistrat ersucht hatte, sich den Städten anzu- schließen, die auf dem Wege der Petition für freies Wahlrecht in Preußen eintreten, namenS des Magistrats den Bescheid: Dem Gesuch kann nicht entsprochen werden, da wir politische Angelegenheiten als nicht in unseren Geschäftsbereich gehörig ansehen. Schlüter. Der Bürgermeister Schlüter hat als f r e i k 0 n s c r v a t i v e r Abgeordneter für die Belastung des Volkes bei der letzten..Finanz» rcform" gestimmt. Von ihm darf niemand erwarten, daß er für die Rc�te dcS Volkes eintrete� ßcrjie, HoffentliA folgt dem vor kutzcm erTeilßn Abschied öT§ Offizier auch recht bald der Abschied als— NcichStagZabgeordneier. * In der N e m s ch c i d e r Stadtvcrordnetcnsitzung vom 13. März lehnte die freisinnig liberale Mehrheit eine Debatte über den sozialdemokratischen Wahlrcchtsantrag durch 1l ebergang znr Tagesordnung ab. Nur ein bürgerlicher Vertreter stimmte mit den Sozialdemokraten.— Auch die„rückensteifcn" Mannen des bergischen Freisinns unterscheiden sich in nichts von dem Jan'.mer-Jreisinn anderer Orte. Jagow macht Schule� Zum Protest gegen die Polizeimetzclei vom Dienstag waren in Brandenburg drei große Versammlungen an� gesetzt worden. Dem Einberufcr ging folgendes Schreiben zu: Brandenburg a. H., 16. März 1910. Sie haben am heutigen Tage drei öffentliche politische Ber- sammliingen für den 17. d. M.. abends 8 Uhr, in den Lokalen .Bolksgarten",„VolkshauS" und„Helgoland" angemeldet. Nachdem gestern zu den Versammlungen ohne polizeiliche Genehmigung Umzüge von den Fabriken nach den Lokalen ver- onstaltet morden sind, besteht»ach den Ausschreitungen und Vor- kommniflen des gestrigen Abends die durch Tatsachen bcgrüudcte Besorgnis, daß die öffentliche Ruhe und Ordnung wiederum gestört Werden könnte. Wir eröffnen Ihnen deshalb hiermit, daß weder auf den Wegen zu den Versammlungen noch nach Beendigung derselben Spaziergänge oder Demonstrationen stattfinden dürfen. Sollte trotzdem der Versuch hierzu gemacht werden, so würde solcher unsererseits selbst im Wege der Gewalt verhindert werden müssen. Die Teilnehmer dieser Veranstaltungen werden sich auch Strafen wegen Aufruhrs sZ 115 R.-St.-G.-B.) zuziehen. Die Polizeiverwaltung. Dia„Brandenburger Zeitung" bemerkt dazu: „Hoffentlich betrachtet die Polizeiberwaltung das Gehen ans der Straße nicht für strafbar, wenn sie schon für Spazierengehen den Aufruhrparagraphen heranzieht. Tie Arbeiterschaft wird selbstverständlich sich durch dieses Unikum burcaukratischer Gedankengänge nicht abhalten lasten, in die Protestversammlungen zu gehen. Trotz des provozieren- den Sclzreiberls wird ein gewaltiger und würdiger Protest gegen die blutige Arbeit der„Ordnungshüter" erhoben »verden." inärzUiirme im Belchstag. Am letzten Tage der Etatsberatung,»venn wie diesmal die dritte Lesung in einer Sitzung durch das Haus gepeitscht wird, pflegt es zu erregten Austritten selten zu kommen. Kurzes Geplänkel, bei dein die Leidenschaften nicht auf- gewühlt werden, gibt solchen Sitzungen das Gepräge. Aber es liegt Konfliktsstoff in der Luft. Im Frühlingssturm braust die Wahlrechtsbctvegung durch das Land. Bis in den Reichstag hinein schlugen auch heute ihre Wellen, und Zusammen- stoße, die ganz unabhängig von ihr entstanden, wurden dort durch die elektrische Spannung, die in der Lust liegt, zu größerer Leideuschaft entfacht. Die Generaldebatte setzte ein mit einer langen Rede des Vorsitzenden der Budgetkommission, Herrn v. Gamp, über allerhand etatsrechtliche Neuerungen, die der Budgetkommission ratsam erscheinen. Die Redner verschiedener Fraktionen unter- stützten diese Anregungen. Für die Sozialdemokratie erklärte Genosse Ledebour die Zustimmung in den wesentlichsten Punkten, erklärte aber, von der Erörterung der»veitcrgehenden Forderungen der Sozialdemokratie zurzeit Abstand nehmen zu »vollen, da zu gründlicher Aussprache doch keine Möglichkeit sei. Dann ergriff aber Ledebour die Gelegenheit, die die Annahme der sozialdemokratischen Verfassungsresolution am Dienstag bot, um auf die Nachwirkung der Märzgedankcn deiner Revolution in unserer Zeit hinzuweisen. Das stetige Anschtvellen der Volksbewegung in unserer Zeit gibt der Sozialdemokratie Anlaß, mit größerem Recht als der König von Sachsen im Jahre 1907 die Huttenworte zu rufen:„Die Geister wachen aus, es ist eine Lust zu leben!" Nach diesen kurzen Gedenkworten an» Vorabend des 13. März vertiefte sich daS Haus in Einzelheiten der Etats- beratung. Zu stürmischen Szenen kam es indes wieder beim M i l i t ä r e t a t. Der Genosse Döhle geriet hart mit dem Kriegsminister v. H e e r i n g e n aneinander wegen der Maßregelung von Arbeitern in den Militärwerkstätten. Zwischendurch nahm plötzlich Herr v. Oldenburg das Wort, um den bayerischen Militärbevollmächtigten darüber zu interpellieren, was der bayerische Kriegsminister über ihn, den Oldenburg, in derbayerischenKammer gesagt habe. Dieser sonder- baren Zumutung beeilte sich der General v. G e b s a t t e l nach- zukommen, indem er versicherte, die Bemerkung des bayerischen Kricgsministers, daß Oldenburgs Anspielung auf die Reichs- annce eine„Geschmacksverirru»»g und Ent> gleisung" gewesen sei, solle keine Beleidigung des Herr�b. Oldenburg bedeuten. Damit erklärte sich unter großer Heiterkeit des Hauses der Januschauer für befriedigt. Einige der folgenden Redner gingen mit ironischen Worten auf den Fall eüi, so Genosse N o S k e und die Freisinnigen H a u ß- wann und Dr. M ü l l e r° Mciningeir. Letzterer hatte ge- sagt, diese Auslegung höre sich so an, als»venn man bitte, eine gegebene Ohrfeige nicht als Ohrfeige zu betrachten. Daraufhin erklärte in einer persönlichen Bemerkung der Januschauer, die drei genannten Abgeordneten hätten in persönlichen Sachen einen Ehren st andpunkt überhaupt nicht. Nun wiederholte sich die Szene, als der Januschauer die Reichstagsschließung angekündigt hatte. Minutenlang tobte die Linke unter dem Ruf zur Ordnung! zur Ordnung! Wiederum nahm der amtierende Vizepräsident, diesmal Herr Spahn, davon keine Notiz, sondern erteilte einem anderen Redner, dem Genossen Böhls, das Wort. Nach Becndi- gung seiner Rede erhob sich der Ruf, daß Oldenburg zur Ordnung gerufen werden müsse, von neuem. Der Freisinnige Dr. M u g d a n fragte beim Vizepräsidenten an, ob er dem Oldenburg einen Ordungsruf erteilt habe oder nicht. Herr Späh n erklärte, er hatte es für genügend gehalten, ihn darauf aufmerksam zu machen, daß jene Bemerkung nicht zulässig sei. Wieder stürmische Zurufe! Nunmehr erklärte Genosse Ledebour, das sei ungenügend. Oldcn- bürg dürfe nicht ohne Ordnungsruf davonkommen. Der Nationalliberale P a a s ch e unterstützte die Forderung. Dann gab Herr Spahn nach. Er er» keiltedenOrdnungsruf unter großer Heiterkeit der Linken. Die tiefe Erregung des Hauses wirkte noch lange nach. Es kam noch beim Marineetat zu einem Zusammenstoß zwischen dem Genossen Severins und dem Marine- m i n i st e r wegen der Schlamperei auf den Werften. Severins konnte Proben von nimm StriSen aus versenkten Kisten nachweisen und trat energisch für die Werstaicheiter ein. Beim Po st etat gingen die Genossen Zubeil und S ch e i d e m a n n gegen das System Kraetke vor. Beide konnten Briefe von Unterbeamten vorweisen, aus denen deut- lich hervorging, daß diese unglücklichen Leute zu Protesten gegen die Erklärungen sozialdemokratischer Abgeordneten geradezu gepreßt waren. Als unsere Genossen in gebührend scharfen Worten diese Praktiken geißelten, schützte Herr Kraetke vor, der„schlechte Ton" erübrige ihm daS Eingehen auf die Beschwerden. Als schließlich die Einzeletats erledigt waren und in der Schlußabstimmung in dritter Lesung der G e s a in t e t a t gegen die Stimme n der Sozialdemokratie A n n a h m e gefunden hatte, brachte Herr W i c m e r na- mens der Fortschrittlichen Volksvartei noch eine Beschwerde wegen der Januschaucrei vor. Er tvies darauf hin, daß bei dem Aussall Oldenburgs gegen drei Abgeordnete ver- schiedene Konservative Bravo! gerufen hatten und verlangte eine Erklärung der konservativen Partei, ob sie sich mit Herrn v. Oldenburg identifiziere oder nicht. Herr v. Nor mann desavouierte darauf den kom° promittierlichen Ja nu schauer,»venn auch in gewundenen Ausdrücken. Genosse Bebel gab die Erklärung ab, daß die Sozialdeinokratic Herrn v. Oldenburg nicht derart einschätze, um auf eine Revokation seinerseits irgendeinen Wert zu legen. Nach einigen persönlichen Bemerkungen der Herren Müller und Haußmann hatte der Januschauer nun- mehr die unglaubliche Frechheit, den beiden Herren zuzurufen: Außerhalb des Reichstags stehe er ihnen zur Verfügung. Das ist nach dem Stildenten- und Offizierscommcnt ganz unzweideutig die Herausforderung zum Duell. Wiederuin entstand ungeheurer Lärm. Herr H a u ß- mann nagelte die Duellforderung fest. Der nunmehr am- tierende Präsident Graf Schwer in-Löwitz erklärte seinerseits, ganz toie ini Februar Prinz Hohenlohe, daß er die Worte Oldenburgs ganz harmlos aufgefaßt habe. Herr Haußmann betonte, daß der Sprachgebrauch die Worte Olden- burgS gar nicht anders verstehen lasse und gab in scharfen Worten seiner Ansicht über diesen„Don Ouijote" Ausdruck. Leider unterließ er es aber, die Sache weiter zu verfolgen, trotzdem Oldenburg schwieg! Ter Präsident hätte veranlaßt werden müssen, den Olden- bürg zu einer Erklärung aufzufordern, ob er eine Duellforde- rung habe andeuten wollen oder nicht. Hätte er es zugegeben, dann hätte in irgendeiner Weise es zum Ausdruck gebracht werden müssen, daß der Reichstag unter allen Umständen die Herausforderung zum Duell in ord unter seinen Mitgliedern, auch wenn sie nur andeutungs- weise erfolgt, und damit das Verhalten Olden- burgs verurteilt. Jedenfalls wird es notwendig sein, diese Frage nach den Osterferien zmn Austrag zu bringen. kiquIilZtioiüpDlitik. Pari?, 16. März.(Gig. Ber.) Das Vertrauensvotum, das die Deputiertenkammer dem Ministerium gestern mit riesiger Mehrheit zugebilligt hat, ist nicht nur— im Hinblick auf die nahenden Wahlen und die Abhängigkeit der Kandidaten von der Regierungs- gunst— politisch begreiflich, sondern es steckt auch soziale Logik darin. Wie die bürgerliche Revolution, so ist auch die bürgerliche Korruption„ein Block", und der Versuch, sie in Einzelskandale aufzulösen, für die Politiker der Bourgeoisie ein selbstmörderisches Beginnen. Deshalb hat sich B r i a n d vor allem bemüht, den fatalen Eindruck zu verwischen, den das Wort seines Kollegen Barthou von dem„Geschwür in der Richterschaft" tags zuvor gemacht hatte. Regierung und Justiz sind ja so sehr aufeinander angewiesen, und beide auch auf die kapitalistischen Raubgrafen. Verlangt wird nur. daß keiner die Spielregeln verletze, die die bürgerliche Ehre für die Plusmacherei aufgestellt hat. Aber, so aufrichtig auch der Unwille gegen die Uebcrtreter dieser Gesetze sein mag. die sanften Nuancen, worin die Ehrbarkeit in die Lumperei übergeht, verlangen doch von den Rächern besondere Vor- ficht. So hat Briands Programm die Zustimmung der Mehrheit errungen: rücksichtslose Bestrafnng der Schuldigen, aber ohne die Uebereilung, die dazu führen könnte, daß man— zu v i e l Schul- dige erlvischt. Sicher wird es den bestellten Anwälten des bürgerlichen Prestiges nicht leicht werden, den Skandal der Liquidationen auf die Affäre D u e z zu beschränken. Nicht nur, weil der Defraudant selbst sich vicllcicht die Genugtuung nicht versagen»vird.„der Residenz zu erzählen, wie man Präsident wird". Was der Mann zu enthüllen hat, ist jedenfalls mehr als der Katalog seiner jour- nalistischen Stipendiaten. Die Schwciggelder, die er republikani- schen und klerikalen Zeitungsleuten verschiedenen Ranges gezahlt haben mag. sind zu dem Prostitutionsverdienst zu rechnen, auf den seine Hilfskräfte anzuweisen der ZcitungskapiwlismuS ebenso die Tendenz hat wie der Theaterkapitalismus. Aber schon die von Jaures in seinen zwei machtvollen Anklageroden dargestellte An- gelegenheit des Karthäuserliqucurs betrifft einen weit intcr- essanteren Personenkreis. In dieser verworrenen Affäre ist schon das eine klargestellt, daß der Verkaufspreis der vor 80 Jahren auf acht Millionen geschätzten Marke durch allerhand Manöver von IM) Millionen auf eine halbe Million heruntergeschraubt wurde, und daß der glückliche Käufer eine Gesellschaft ist. an der der ehemalige Präsident des Verlvaltungsrats dcS„Matin" den Hauptanteil hat, während der für feine Verdienste bei diesen Mani- pulationen glänzend honorierte Liquidator Lecouturier der Schwager des berüchtigten Direktors de? „Matin", Bunau-Varilla, ist. Es wäre in der Tat sonderbar,»venn der„Matin", diese Zentralstelle kapitalistischer Korruption, bei der Plünderung der säkularisierten Klostergüter nicht einen Hauptanteil gehabt hätte. Ob die Regierung und die radikale Partei davon profitieren werden, daß die Opposition die von ihnen gestern in den Brunnen geworfene Wahrheit gliedweise heraufholen wird, ist sehr zu be- zweifeln. In keinem Fall aber kann man bestreiten, daß der neueste Skandal dem arg erschütterten Ansehen der Demokratie einen neuen furchtbaren Schlag versetzt hat. Das Volk verliert sich nicht in den Details der kapitalistischen Profitindustrie. Es kümmert sich auch nicht darum, ob die ärgsten Mängel der Justizvcrtvaltung nicht von den alten Regierungsformen überkommen sind. Es hat von der Republik Gerechtigkeit, Schutz der Kleinen gegen die Machtigen, Verwendung der von der Kirche angehäuften Reichtümer für die allgemeine Wohlfahrt edvartet. Und nun sieht es, daß die Ver- Walter fremder Vermögensrechte unter Duldung der Gerichte schamlos Reichtümer erraffen. daS Erbteil hilfloser Unmündiger und daS Gut der Nation ihren Freundinnen in den käuflichen Schoß werfen, daß Advokaten aus der Clique der Politiker und ihrer Freunde ihren Anteil am Raub in Scheffeln heimtragen, und daß das Parlament nichts eiliger hat, als die unangenehme Ge- schichte mit einem Vertrauensvotum einzuscharren. Was Wunder, daß die kvtiparlamentarischs Agitation aufmerksamere Ohreu findet, daß die Antirepublikmier Zubersicht schöpfen und auch hie von freiheitlichen Ideen beherrschten Mafien stärkere Neigung zeigen, der Staatsform Demokratie zur Last zu legen, was ihr kapitalistischer Inhalt verschuldet! politische debei* liebt. Berlin, den 17. Marz 1910. Polizeiliche Borbereitungen zum 18. März. Tie Berliner Pölizeigewaltigen befinden sich wieder in großer Aufregung, denn sie befürchten, daß morgen, am 18. März, in Berlin der Massenstreik proklamiert»vird. Die„Berk. Neuest. Nachr." wissen darüber zu berichten: „Wie verlautet, rechnet am 18. März die Berliner Polizei mit einer allgemeinen Demonstration. Es wird angenommen, daß an diesem Tage nicht nur die übliche große Wallfahrt nach dem Fried- hos der Märzgefallenen im Friedrichshain stattfindet, sondern daß diese Gelegenheit dazu benutzt wird, um abermals gegen die preußische Wahlreform zu demonstrieren. Der Polizei ist angeblich hinterbracht worden, daß die Sozialdemo- kraten in Aussicht genommen haben, am 18. März die Arbeit voll ständig ruhen zu lassen und sich zu einer einzigen großen Kundgebung mit„allen zu Gebote stehenden Mitteln" zusammcnzutun. Man glaubt ferner, daß von sozial- demokratischer Seite aus wiederum wie am vorletzten Sonntage eine gehet mcOrdcr ausgegeben»vird, um die Massen unauf- fällig und nach und nach an einem bestimmten Platze zum März- und WahlrcchtSspazicrgang zu sammeln. Wie noch ferner be- hauptct»vird, soll am 18. März das gesamte Berliner Militär in den Kasernen konsignicrt bleibe n." Danach zu urteilen, haben die von der Polizei unter- haltencn Spitzel wieder sehr schöne Berichte erstattet, und die Polizciweisheit hat, was in Anbetracht ihrer Qualität nicht verwunderlich ist, diese Berichte für bare Münze genommen. Wir haben nichts dagegen, wenn Herr v. Jagotv morgen die Berliner Polizeimannsckiaften zu Ehren des 18. März de- monstriercn läßt; aber er sollte»virklich seine Nerven schonen, sonst könnte doch seine eminente Geisteskraft schließlich leiden. und es iväre wirklich ein großer Verlust nicht nur für Berlin. sondern für den ganzen preußischen Kulturstaat,»venn dieser gedankenvolle Kopf nicht mehr über das Wohl Berlins nach- denken könnte.__ Aus der Fraktion. In der Sitzung der sozialdemokratischen Reichstags- fraktion am Mittwochabend wurden die Redner zu einer Reihe Vorlagen bestimmt, die nach den Osterferien im Reichs- tag beraten»verden. Und zwar: Für Acnderung der Fern- sprechgebührenordnung S ü d e k u m. Für die Ausgabe kleiner Aktien in den Konsulargebicten und in Kiautschon Eichhorn. Für Ergänzung der Besoldungsgesetze Bühle. Für Aufstands- Ausgaben für Südwestafrika Stolle. Deutsch-schwedischer Handelsvertrag Molken buh r. Eni- lastung des Reichsgerichts Heine und Stadthagen. Berner Ucberemkunft D i e tz. Veteranen S ch ö p f l i n. Gerste(Eosin) Metzger. Reichs- Besteuerungs- Gesetz Emmel und Legten, evtl. als 3. Redner, Stolle. Reichsversicherungsordnung: Hoch, Molkenbuhr, Schmidt. Den Fraktionsbericht erstattet N o s k e. Das sozialpolitische Verständnis der Industrie- Magnaten. Der Zentralverband deutscher Industrieller macht seine Mckckuen gegen die dem Reichstag zugegangenen neuen sozialpolitischen Gesetz- entwürfe mobil. DaS Direktorium hat zum 12. April d. I. eine Delcgiertenversammlnng nach Berlin einberufen. In der Einladung heißt es: „ES gilt, in einer möglichst imposanten und kräftigen Kund- aebung Stellung zu den Gesetzentwürfen bezw. einzelnen Be- stimmungen derselben zu nehmen, durch welcve die deutsche In- dustrie belästigt, geschädigt und zum Teil vollkommen unnötiger- weise mit schweren Lasten belegt werden soll. Der Zentralvcrband ist stets weit davon entfernt geloesen, seine Mitglieder zum Widerstand gegen sozialpolitische Maßnahmen aufzuforden bezw. anzulegen, die im Interesse der Arbeiterbevölkeruug sowie im all- gemeinen Interesse für notwendig und zweckmäßig zu erachten waren..... Der Zentralverband hat sich aber niemals gescheut. gegen Gesetzentwürfe, Verordnungen und Maßnahmen aufzutreten, die über da« erforderliche Matz hinausgehe» und der Industrie, auch zum Nachteil der Gesamtheit, Schaden bereiten. Ein solches vorgehen ist in dem vorliegenden Falle durchaus erforderlich, und wir bitten daher nochmals um einen recht zahlreichen Besuch der Delegicrtenversammlung."_ Das Jnterpellationsrecht der Reichstagsabgeordneteu. In der GcschäftSordnungSkommission des Reichstages wurde am Mittwoch trotz der konservativen Obstruktion die erste Lesung der Anträge zum JnterpellationLverfahren beendet. ES kam dabei zu einem positiven Ergebnis auf Grund des nationalliberalen An- tragcS zum ß 83. DaS ist nur dem Umstände zuzuschreiben. daß die Mehrheit der Zentrumsvertretung bei Abwesen- heit RoerenS und anderer Landtagsabgeordneter mit der Linken ging, die nach Zurückziehung des Antrages der Fortschrittlichen BolkS» Partei und der sozialdemokratischen Amendierungen einen veränderten Antrag Dr. Junck zum§ 33 akzeptierte. Gegen die Rechte, mit der der ZentrumSabgeocdnete Dr. Bitter und einer seiner FraktionS- kollegen ging, wurde zunächst die Forderung des Grasen v. W e st a r p abgelehnt, welche den Fraktionen Benutzung des Unterschriften- BlonkettS zur Unterstützimg der Anträge, Interpellationen usw. untersagen wollte. Der auch von sämtlichen ZentrmnSabgeordneten unterstützte, gegen die Konservativen und Antisemiten beschlossene Z 32 lautet nun: I n t e r p e ljl a t i o n e n an den Reichskanzler müssen, bestimmt formuliert und von 50 Mitgliedern unterzeichnet, dem Präsidenten des Reichstages überreicht werden. Der Piäsidcnt teilt die Jnter« pcllation abschriftlich sofort dem Reichskanzler mit und fordert ihn im Reichstage spätestens am dritten auf die Einbringung der Interpellation folgenden Sitzungstage zur Erklärung darüber auf, ob und wann er die Interpellation beantworten werde. Erklärt der Reichskanzler sich zur Beantwortung bereit, so er« hält an dem von ihm bestimmte» Tage der Interpellant das Wort zur Begründung der Interpellation. Beim ß 33 setzten Graf W e st a r p und Dr. B i t t e r mit der sophistischen Auslegung der bisherigen Fassung ein, welche bestimmt. daß auf Antrag von 30 Mitgliedern sich an die Beantwortung der Interpellation eine Besprechung anschließen„darf". Eine solche Vergewaltigung deS Reichstages sei— sagt Dr. Bitter— verfassungswidrig, sie müsse dadurch beseitigt werde», daß man einen Beschluß des HauseS für die BesprechungS- zuläffigkeit fordert!— Abg. Junck bezeichnet diese Ausführung Dr. BitterS als Beihilfe des Zentrums zur Beschränkung oder Abschaffung des JnterpellationSrechteS- Ebenso äußert sich Abg. Ledebour. Darauf erklärte der Zentrum»- abgeordnete Kohl, daß seine Fraltion in dieser Sache picht einig sei. Dr. F e r b e r S sZ.) stellt sich auf den Bade» des An« trageS der Linken zu 8 L3, Llfcs. 1, welcher die Frage genau Präzisiert. ES lautet danach 8 33: ..An die Beantwortung der Interpellationen oder an deren Ablehnung schließt sich eine sofortige Bcsp reck) ung ihrcS Gegenstandes an, wenn mindester lS SO Mitglieder darauf antragen. Falls der Reichskanzler auf die Anfsorderung des Präsidenten ein bestimmte Erklärung, ob und wann er die Interpellation be- antworten wolle, überhaupt nicht abgibt oder die Frist bi-Z zur Beantwortung auf mehr als vier Woäien, vom Tag ihrer Ein- bringuna an gerechnet, bemisit, so beschließt der Reichstag in einer der nächtten drei Sitzungen, ob und wann er eine Besprechung des Gegenstandes der Interpellation vornehmen will. Die Beschluß- fassung erfolgt ohne vorherige Diskussion. Mit dem Versuche einer neuen GcschästSordmmgsobstrultion kam Graf v. Westarp(der diesmal ohne seinen Freund Krech operieren mußte) schlecht weg. Die Kommission lehnte den Antrag v. Westarp ab, der die Besprechung der Interpellationen nur gestatten wollte, »wenn der Reichstag es beschließt"! Die zweite Lesung findet nach Ostern statt. Geistliche als Wahlagitatoren. In der Sitzung vom Mittwoch dcS etsaß-lothringischen LandeS- ouSi'chusies wurde beim Kapitel Kultusetat die Beteiligung der Geist- lichcn an der Wahlagitation ausgiebig erörtert. Die Regierung nahm folgenden Standpunkt ein: Die Geistlichen betreiben in der Tat Masien- ogitation. Dagegen lasse sich gesetzlich nichts ausrichten, so lange sie ihr Amt nicht direkt mißbrauchen. Im Interesse ihrer Würde und der Religion liege es allerdings, daß sie mehr Zurückhaltung beobachteten. CS sei zu wünschen, daß die Bischöfe in diesem Sinne wirken. Der ZeutruniSabgeordnete H a u ß bemerkte, die Regierung habe zu solche» Ausführungen kein.. Recht, nachdem sie bei der letzten ReichStagSwahl in Straßburg den Bischof ersucht habe, gegen den sozialdemokratischen Kandidaten ich zu erklären. Die weiteren klerikalen Abgeordneten WetterlS, W i n t e r c r und R i ck l i n bemerkten, die Richter betrieben gleickfallS Wahlagitation, und die Regierung sehe das nicht ungern. Dagegen erklärte der liberale Abg. Georg Wolf, daß die Regierung die Richter und Beamten von der politischen Agitation zurückhalte. Der liberale Bürgermeister von Straßburg, Dr. S ch w a n d e r, führte aus, die Geistlichen könnten politische Agitation betreiben, soviel sie wollen; dagegen könne nickns getan werden, es fei aber ungehörig, daß die Geistlichen, die von den Geldern aller Steuerzahler bezahlt werden, einseitig für eine Partei arbeiteten. Da könne nur die Trennung von Kirche und Staat helfen. Daraufhin kündigte der liberale Abg. D i e m e r- Heilmann einen Antrag auf Trennung von Kirchs und Staat an. Für diesen Antrag erklärte sich der liberale Abg. Wolf, sowie die Zentrumsabgeordneten Hauß und Wctterlö unter gewissen Voraussetzungen, wenn die Kirche eine angemessene Entschädigung erhalte und ihr volle Freiheit gewährt werde. Die Berechtigung dieser Entschädigung wurde von liberaler Seite lebhaft bestritten. Zur Kirchhofsfrage in Lothringen gab der Abg. F i ck im Namen der Lothringer Gruppe eine Erklärung ab, die ein neues Gesetz im Jnteresie des Friedens und der Gerechtigkeit verlangte. Die Regierung vertrat die Auffassung, daß daS Konkordat noch ausreichend sei. Bestimmte Vorschläge wurden in dieser Richtung nicht gemacht; eS wurde nur die Anregung gegeben, daß die Regierung sich mit den geistlichen Behörden verständige. Klerikale„Arbcitervertretcr". Bekanntlich reichen die vorgesehenen 4 Millionen Mark für die Unterstützung der Tabakarbciter nicht ans. Der Reichstag hat daher der Not gehorchend am vergangenen Mittwoch die Summe um einen verhältnismäßig niedrigen Betrag erhöht. Konservatwe wollten die zur Verfügung gestellten 7SV OOO M. durch eine diSpositive Bemerkung zu dem Etalstitel nur in Fällen besonderer HilfS- bedürftigkeit gewährt wissen. Hiergegen wandte sich unser Redner Genosse Molkenbuhr, der verlangte, daß der Nachweis be- sonderer Hilfsbedürftigkeit nicht erbracht zu werden brauche, fondern daß Arbeitslosigkeit infolge der Aenderung deS TabaksteuergcsctzcS allein den Anspruch begründe. Genoffe Bebel stellte einen entsprechenden An- trag, der auch mit knapper Mehrheit angenommen wurde. Vom Zentrum stimmten aber nur zwei Abgeordnete für den Antrag. Die christlichen Arbeitervertreter GieSbertS und Konsorten glänzten särntlich durch Abwesenheit, obgleich einige von ihnen kurz zuvor im Saale anwesend waren und Herr Becker(Arnsberg) sogar zu der Frage der Tavakarbeiterunter- stützung gesprochen und lohalereHandhabung der Bestimmungen empfohlen hatte. Wozu der bayerische Staat Geld hat. Die bayeriiche Regierung hat eine Vorlage eingebracht, nach der die Portofreiheit deS„Für st liehen Hanl eS von Thurn und Taxis" abgelöst werden soll. 400 000 M. beträgt der Kaufpreis für dieses alte„Recht". 1808 ging die Verwaltung der Posten aus den Händen des Hauses Thurn und Taxis an den batzerischen Staat über. Der Fürst deS Hauses erhielt dabei für sich und seine Nachkommen ein- mal die kostbare Würde eineS„Königlichen E r b- R e i ch s- O b e r p o st m e i st e r s". jetzt eines ,.E r b l i ch e n K r o n- O b e r- Postmeisters", sowie für sich und sein fürstliches Haus das Brief- und Postwagenfreitum, dann für seine Räte, Stellen- und Hofkavaliere das Briesfreitum und für noch weitere sechs„Individuen aus der Dienerschaft des fürstlichen HanseS das Freitum auf den Postwagen der Monarchie". Das Privileg wurde 1831 noch ausgedehnt auf die sürstlichen Stellen, Behörden und Aemter".. Vor einigen Jahren hat der Chef des Hauses Thurn u. Taxrs noch erklärt,„daß er in d e m s e i n e m H a u s e ring e räumten Privileg ein Ehrenrecht erblicke, dessen Ablösung durch Geld nicht tunlich sei, aus da» er aber gegen Ge- Währung aiiderer Ehrenrechte freiwillig zu verzichten bereit wäre". ES ist bekannt, daß der Fürst ohne Entschädigung verzichten wollte, wenn man ihm bei Hof einen höheren Rang eingeräumt hätte. Er wäre dadurch auf der höfischen HinkelSleiter um eine Eproffe höher gekommen. Der Platz ließ sich aber nicht frei machen und deshalb soll das Volk für diese Geschickte 400 000 M. zahlen. ES ,st geradezu rührend, wie die Regierung in ihrer schrift- licheu Begründung sich abmüht, dem Landtage nnd selbst dem fürstlichen Hause zu beweisen, daß diese Portofreiheit kein Ehrenrecht. sondern„ein auf Vertrag beruhendes, dem für st- licken Hause gegen den bayerischen Staat zustehendes Privatrecht vermögensrechtlicher Natur" sei. Und das muß erst bewiesen werden, trotzdem dieses „Ehrenrecht" heute einen Geldwert von jährlich ca. 13000 M. darstellt. der dadurch zustande gekommen ist, daß„ein Drittel aller Pakete, die die fürstliche Verwaltung versendet, mit Rücksicht auf ihren Inhalt, ihre Form oder ihr hohes Gewicht" mit der Post anstatt mit der Eisenbahn verschickt worden ist. Die StaatSregierung fürchtet nun, daß das fürstliche Haus nach Erwerbung einer Zucker- sabrik in Ausübung des EhrenrcchteS noch mehr Pakete mit der Post verschickt als bisher und will deshalb ablösen. DaS fürstliche Haus von Thurn und TaxiS hat sich endlich über- zeugen lassen, daß es sich nicht un, ein Ehrcnrecht handelt und läßt sich die Portofreiheit für 400000 M- abkaufen. Aller Voraussicht nach wird die Mehrheit der Kammer zu diesem Handel Ja und Amen sagen. Die Wahlagitation der Kriegervereitte. Die Wahlagitation der Kriegervereins hatte in den letzten Jahren eiiieii solchen Umfang angenommen, daß auch daS Zentrum und die Freisinnigen einigermaßen stutzig geworden sind. Der Komman- diercnde der Kriegervcrcme. General v. Spitz, hat bei den Wahlen direkt Verfügungen herausgegeben, wie die Äriegervercilie sich zu Verhalten haben. Die Lcreine selber haben den unglaublichsten TerroriSmuZ getrieben, indem sie alle ihre Mitglieder, die nicht so wählten, als wie dies die Vereinsleitung verlangt hatte, ein- fach aus dem Verein ausgeschloffen haben. Die WahlprüfungS- kouimission hat deshalb vor einiger Zeit beschlossen, eine Wahl für ungültig zu erklären, bei der die Kriegcrvereine eine besonders leb- hafte Tätigkeit entfaltet hatten. Die Leitung der Kriegervereine sieht die ihr drohende Gefahr ein und deshalb hat bereits vor einigen Tagen ein KriegervereinSverband in Hannover an den Reichs- tag eine Petition eingereicht, in der bestritten wird, daß die Krieger- vereine politische Vereine seien. Mittlerweile hat der General v. Spitz die Sache selbst in die Hand genommen, und eS findet Mittwoch eine vertrauliche Besprechung der LaudeSvorsitzenden der Kriegervereine in Berlin in, KriegervereinShauS statt. In dieser Sitzung sollen Mittel und Wege beraten werden, wie man dem Reichstage begreiflich machen könne, daß die ausgedehnte Wahl- ogitation der Kriegervereine keine politische Tätigkeit sei. Man darf gespannt darauf sein, wie die Herren gegenüber den vorliegenden Beweisen dieses Kunststück fertig bringen werden. Eine Polizei-Heldentat. Die bürgerliche Presse verbreitete am Montag die Nachricht, daß in Köln am Sonntag eine sozialdemokratische Straßen- demonstration stattgefunden habe, der eine rote Fahne vor- angetragen worden sei. Die Polizei habe den Zug auseinander- getrieben. Der Vorgang hat sich in Wirklichkeit folgendermaßen zugetragen: 00 bis 70 junge Leute beiderlei Geschlechts unternahmen Sonntag nachmittags nach einem Vortrage im Volkshause einen Spazier- gang am Rhein entlang. Außerhalb der Stadt sangen iie Arbeiterlieder. Das hörte ein Schutzmann, der nichts Eiligeres zu tun halte, als zum Präsidium zu telephonicren, daß eine sozialdemokratische WablrechtSdemon- stration veranstaltet werde. ES dauerte nicht lauge, da erschien ein Massenaufgebot von Schutzleuten zu Fuß und zu Pferde, von Polizeihunde«r begleitet. Die Jugendlichen gingen natürlich sofort auseinander, so daß die Polizei keinen Anlaß fand, ckllf friedfertige Leute einzubauen. ES waren zirka 100 Schuhleute, die auf 00 bis 70 junge Leute im Alter von 14 bis 18 Jahren losgelassen werden sollten. Um die Blamage der Polizei zu verdecken, wurde ein Bericht an die bürgerliche Presse gegeben, in dem von einer sozial- demokratischen WahlrechtSdemonstration die Rede war. Stcuererhöhung in Frankfurt a. M. Die Stadtverordnetenversammlung in Frankfurt a. M. beschäftigte sich am Mittwoch mit der Neguliernng der Stcnerverhält- niffe, da der Voranschlag für 1010 ein gewaltiges Defizit aufweist, das bei Weitererhebung der früheren Steuersätze für 1910 5,1 Mill. Mark betragen würde. Bei der Etatberatung wurden von den Stadt- verordneten Abstricke in der Höhe von 070 200 M. gemacht. In der zur Prüfung der städtischen Finanzlage eingesetzten gemischten Kommission erklärte der Magistrat den Streichungen nicht in vollem Umfange beitreten zu können. Im Kompromißwege einigte man sich schließlich aus eine Streichung von 420 000 M. Weiter wurde die zur Sanierung des Baufonds angesetzte Summe um 400 000 M. gekürzt. Dadurch wurde der Fehlbetrag auf 4'/« Mill. Mark reduziert. Die Mehrheit der Kommission schlug nun vor, die Sanierung der Finanzen auf folgender Grundlage vorzunehmen: Erhöhung der durchschuittlicheu Einkommensteuer um 36 Proz. (auf ISO Proz.), wodurch eine Mchreinnahme von 3 880 000 M. erzielt würde; 10 Proz. Erhöhung der Gewerbesteuer(die schon für 1900 beschlossen war), 150 000 M.; Erhöhung der Billettsieuer— schon beschlossen—(200 000 M.) nnd Erhöhung deö Schulgeldes in den Vorschulklassen und für Auswärtige(50 000 M. mehr). Gegen die Stimmen unserer Genossen und vier bürgerlicher Stadtverordneten wurde nach dem Vorschlage der Kommiision die Erhöhung der städtischen Einkommensteuer um 3g Proz. beschloffen. Zum bremischen Schulstreit. Die Lehrermaßregolungen in Bremen beschäftigten Mittwoch abend die Bremer Bürgerschaft. Die Sozialdemokraten hatten einen Antrag eingebracht. daS gegen Lehrer wegen des Bebel- Telegramms' eingeleitete Disziplinarverfahren sowie die Ent- lassung eines Lehrers rückgängig zu machen, weil die Maßregelung mit der in der Verfassung gcivährleisteten Glaubens- und Gewiffens- freiheit und freien Meinungsäußerung im Widerspruch steht. Unter den bürgerliche» Vertretern fand sich nickt ein einziger, der für diesen Autrag stimmte. Die Mehrheit erklärte im Gegenteil durch die Annahme eines Antrages, daß sie eine bewußte Demonstration gegen die durch das Einschreiten einer vorgesetzten Behörde herbei- geführte Entscheidung deö Disziplinargerichts, sowie eine SolidaritätS- crklärung mir den den Klassenkampf und die Art seiner Führung be- treffenden Grundsätzen der sozialdemokratischen Partei mit den Pflichten eineS Beamten, insbesondere eines Lehrers, für unvcrein- bar halten. Im übrigen beziehe sich der 8 12 der Verfassung, der den Staatsangehörigen die volle Glaubens- und GewiffcnSjreiheit gewährleistet, nur auf religiöse Dinge. Ferner stand ein sozialdemokratischer Antrag auf Beseitigung der Morgenandachten in den Schulen zur Beratung. Bei dem Schlußwort wurde dem Genossen Pieck, dem Einbriuger des An» träges, unberechtigterweise das Wort entzogen und der Präsident verbat sich obendrein noch jede Kritik seiner Geschäftsführung. Darauf erhob sich auf den Tribünen laulcr Protest. Der Präsident verlangte daraus die Räumung der Tribünen, und als das nicht sofort geschah, hat er nach der Polizei geschickt, so daß die Tribünen- besucher durch Schutzleule aus die Straße gesetzt wurden. Der An- trag selbst wurde abgelehnt. Ein weiterer Antrag der Sozialdemokraten verlangte Beseitigung der Schulfeiern am Sedantage und Kaisers Geburtstag. Die Bürgerichaft lehnte diesen Autrag gegen die Stimmen der Sozial- demutcaten ab und brachte durch eine» Gegenantrag zum Ausdruck, „daß sie die Förderung nationaler Gesinnung der Jugend durch die Feier vaterländischer Festtage für eine unerläßliche Aufgabe der Schule halte".— Dieser Antrag war von einem Volksschullehrer eingebracht worden._ Ocrtcmicb. Ein Wahlgcrichtshof. Im Auftrag eines Komitees des WahlprüfungSauSschusseS deS österreichischen Abgeordnetenhauses hat Abg. Genosse Dr. L i e- Hermann einen Gesetzentwurf betr. die Errichtung eines Wahl- gerichtshofcS ausgearbeitet. Man erwartet von dieser Einrich- tung die Beseitigung des Skandals, daß das Parlament prote» stierte Wahlen jahrelang ungeprüft läßt, ein Umstand, der letzt- hin den Inhaber eines solchen Mandats, den dalmatinischen Priester B u l i t s ch. zur Niedcrlegung seines Mandats veran- laßt hat. Der Vorschlag unseres Genossen will einen für die Legislaturperiode zu bestellenden öLgliebrigen Gerichtshof, dessen Mitglieder vom Abgeordnetenhause durch Proporz gewählt wer- den, wobei jedoch aktive StaaiS.beamte und sonstige öffentliche Beamte. Abgeordnete und HcrrcnhauSmitglieder ausgeschlossen sein sollen. Präsident und Stellvertreter sollen in gemeinsamer Sitzung von Reichs- und VeUvaltungsgerichtShof aus der Mitte der Richter gewählt werden. Zu bemerken ist, daß das öfter» reichische Reichsgericht ein Spezialgericht zur Entscheidung von Leschlverden Mgen fficrlcfcmigni der ttTfaffungsmaßigen SkcraiZ» bürgerrcchte ist, während die Funktionen deS deutschen Reich-- gerichts in Oesterreich vom Obersten Gerichts- und Kassationshof ausgeübt werden.— Die„W a h l r i ch t e r" sollen nach ihrer Zu- gehörigkeit in nationale Listen eingeteilt werden, aus denen die 12 Geschworenen jedes Verfahrens ausgelost werden. Sie fällen ihr Urteil mit Stimmenmehrheit. Bei Streitfällen zwischen Nationen sind die Richter aus den betreffenden nationalen Teil» listen, sonst aus der entsprechenden Liste auszulosen. Weitere Bestimmungen regeln das kontradiktorische Verfahren. Sehr be- zeichnend für die galizischcn Erfahrungen des Antragstellers ist die Bestimmung, daß. wenn als Anfechtungsgrund Wahlmiß- brauche eines öffentlichen Beamten angeführt werden, die Zeugen- einvernähme nur vor dem Wahlgerichtshof, nicht durch die Straf» gerichte erfolgen darf. Zwischen Wahlprotcst und Hanptdcrhand- lung sollen nicht mehr als sechs Monate liegen dürfen, Spanien. Ein neuer Marokkoseldzug? Wie auS Ccuta, der spanischen Station an der marokkani- schen Küste, gemeldet wird, ist dort ein weiterer Feldzug in Vor» dcreitung. Es werden Reserven an Lebensmitteln und Kriegs- inaterial für 40 000 Mann angesammelt. Gegen dieses neue Verbrechen nehmen unsere spanischen Genossen bereits energisch Stellung.„El Socialista". das Zentralorgan, erklärt, das Land müsse sich in Masse gegen die Urheber eines solchen Ver- brcchenS erheben. Er empfiehlt den Arbeitern, sich vorzubereiten zur Austreibung derer, die die Schrecken des vorjährigen Krieges erneuern wollen. Und Genoffe I g l e s i a s schreibt in der„Aida Socialista", das Land habe nicht mehr die Hilfsmittel zur Ausrüstung der erforderlichen 40 000 Mann. Es sei auch ganz und gar gegen den Krieg.„Die Arbeiterklasse wird energisch pro- testieren, wie sie es getan hat. Sie wird weder Prozesse noch Verfolgungen dabei fürchten. Wenn die Proteste in der Preffe und von der Rednertribüne nicht genügen werden, den Verzicht auf ein so verbrecherisches Unternehmen zu erzielen, wird sie zum Hilfsmittel des Generalstreiks greifen. Und wenn der friedliche Streik nicht genügt, denen, die Leben und Interessen der Spanier so mißachten, Vernunft beizubringen, wird sie zur Gewalt greifen. Denn sie ist gesund, kerngesund, wenn eS gilt, zu verhindern, daß die Würde eineö Volkes beschmutzt wird, daß seine Söhne nach Afrika in den Tod geschickt werden zum Vorteil einiger Millionäre." Nun wird es sich ja zeigen, was es auf sich hat mit der viel- gerühmten demokratischen Gesinnung des Ministerpräsidenten Canalejas.— England. Eine Kriegserklärung der Iren. London, 17. März. Der Führer der irischen Nationalisten Rodmond hielt gestern in Newcastle eine Rede, in der er der Regierung eine Politik des Schwan kons und der Zaghaftigkeit vorwarf, weil sie das Budget vor der Regelung der Frage des Vetorechts der LordS erledige. Er sei überzeugt, daß in wenigen Wochen allgemeine Wahlen stattfinden würden. Die OberhauSreform. London, 10. März. Oberhaus. Bei der heute fortgesetzten Beratung deS Vorscklages Lord N o s e b e r y S erklärte Lord Curzon. der Augenblick sei für die Erwägung der Reformfrage außerordentlich günstig: daS Ziel müsse fein, zu einer all- gemeinen Verständigung über die Grundlagen der be- absichtigten Reform zu kommen. Wenn er auch gegen eine nur aus Wahlen hervorgangene Zweite Kammer sei und wünsche, daß dem Grund satze der Erblichkeit bei der zukünftigen Besetzung des Oberhauses Rechnung getragen ivcrde, sei er doch ver Ansicht, daß ine Einführung von Wahlen für einen Teil deS Hauses der Erwägung wert sei. Das wesent- liche der ganzen Reform sei, daß daS Hau» mehr auf dem Vertrauen, der Achtung und Unterstützung der Demokratie auf» gebaut werden solle. Nunmehr ergriff Lord C r o m e r daS Wort und erklärte, obgleich er dringend wünsche, daß nichts getan iverde, um die Macht deS Oberhauses zu schwächen, sei er ebenfalls der Ansicht, daß eine Reform nötig sei, um daS HauS in nähere Be- rührung mit dem Volke zu bringen. Sodann erklärte der frühere Lordkanzler Lord H a l S b n r y, er glaube nicht, daß es möglich sei, eine Einrichtung zu schaffen, die den englischen Gewohnheiten besser angepaßt und nützlicher sei, als das jetzige Oberhaus. Holland. Obstruktion. Haag, 17. März. Nachdem die Neckte gestern in der Kammer den Vorichlag abgelehnt hatte, die Diskussion der Regierungsvorlage betreffend die soziale» Versicherungen ivieder z« eröffnen, begann der Sozialist S ch a p e r heute die Obstruktion, indem et die Abstimmung selbst über die unbedeutendsten Artikel der Vor- läge verlangte. L o h m a n n(christlich-historische Partei) miß- billigte diese Obstruktion. S ch a p e r erwiderte, da die Stechte versucht habe, die O v P osi ti ou zu knebeln, so würde diese zeigen, daß sie die Mittel besitze, sich(zegen diese Taktik zu ver- leidigen. Er werde zwanzigmal eine Abstimmung verlangen. Die Zeit, welche durch diese Abstimmungen verloren gehe, werde nicht die Zeit Übersteigen, welche für die Erwiderungen notwendig gewesen wäre, die die Rechte der Opposition abgeschnitten habe. Stach der zivouzigsten Abstimmung bot die Kammer wieder das gewöhnliche Bild. Bulgarien. Demonstratio»?» gegen die Regiernug. Sofia, 10. März. In einer zum Protest gegen die Ruft» schuker Ereignisse von Siudenten einberufenen Versamm- lung, die von mehreren tausend Personen besucht war, kam es heute nachmittag zu großen a ir t i»r i l i t a r i st i s ch e n Kund- gebungen. Nach der Versammlung zogen die Teil- nehmer ourch die Stadt vor daS königliche Schloß, wo sie durch Pfeifen demonstrierten. Polizei und Militär trieb die Menge schließlich auseinander, ohne daß ernstliche Verletzungen vorkamen. Abends wurden die Demonstrationen fortgesetzt. ES kam wieder zu mehreren Zusammen st ätzen, wobei viele Personen Ver- letzungen davontrugen. Die Hauptstraßen sind militärisch abgesperrt. Die Demonstranten verlangen den Rücktritt des Kabinetts. Auch in Varna soll cl zu einem Zusammenstoße zwischen Militär und Volk gekommen sein. Japan. Ein Vertrag mit den Vereiuigteu Staaten? New Uork, 17. März. Wie der Korrespondent der„Nelv Aork World" in Washington auS angeblich bester Quelle erfahren haben will, soll Japan der Botschaft Vorschläge zur Weitergabe an daS Staatsdepartement übermittelt haben, welche darauf hinzielen, eine Verständigung zwischen Japan und den Ver» einigten Staaten zu erreichen, so daß beide Länder zu» sammen im fernen Osten eine vorherrschende Rolle spielen würden unter Aufrcchterhaltung deS Prinzips der offenen Tür und unter Garantie dcx gleichen Behand- lung des Handels gllex Rationen, GerperklckaftUckes. I�ekrUngsausbeuwng und Lehrlingsausbildung. Die Unternehmer des Baugewerbes haben in ihr zur sie, die ja tatsächlich den Fabrikanten als Arbeitnehmer gegenüber- stehen, mit den Gehilfen und Arbeiterinnen ein gemeinsames Interesse an der Verbesserung der Lohn- und Arbeitsbedingungen haben und daß sie zu diesem Zweck eine Art Bundesgcnossenschaft mit dem Kürschnerverband eingehen müßten. Eine zahlreich bo Ä/ic wuictuci/mcL ut-i? eouuycivututs» ui nji gut.;;,".>■'.„ 9;.* u.. w �/ Beratung stehendes Tarifmuster u. a. auch den Begriff..tüch- suchte Versammlung der Haus.nduftr.ellen, d,e am 2 Februar t;*** atSJtr«" �rfnJ«,♦». stattfand, sprach diesen Gedanken m einer Newlution aus, die dem ! � r Ä! � � � s �; solcheil den Fj�alvorftand des Äürschnerverbandes samt der Einladung zu tariflichen Hochltlohn zahlen,-�-aß es sich dabei nur um eliie xj�er gemeinsamen Sitzung zugesandt wurde. Die Anregung dazu Finte, einen Borwand handelt, die es ihnen ermöglicht, lich mar von dem Organisationsvertreter der Wiener Kürschner, überhaupt um diesen Hvchstlohn herumzudrücken, ist selbst Verständlich. Gleichzeitig stellen sich aber die Herren selbst ein veckit trauriges Armutszeugnis mit dieser Forderung aus. Denn wenn sie klagen, daß die„Tüchtigkeit" nachgelassen habe, so ist das ihre Schuld, und beweist, daß sie nicht mehr fähig sind, tüchtige Kräfte auf ihren Bauplätzen auszubilden. Wie steht es nun mit der großstädtischen Lehrlingsausbildung im Baugewerbe überhaupt? Zuzugeben ist, daß an jene sorg- fältige Ausbildung, die der Maurerlehrling in früheren Jahren genoß, heute nicht mehr zu denken ist. Der allmäch- tige Kapitalismus hat das Handwerk korrumpiert. Der Lehrling auf dem Berliner Bau hat Tag für Tag weiter nichts zu tun, als Steine zu verpacken. Sorgfältige Arbest wird heute im Baugewerbe nur noch verschwindend wenig ver- langt, und da das großstädtische Baugewerbe in fast unheim- licher Weise spezialisiert ist, so bleibt für den Lehrling nichts übrig, als von morgens bis abends an der Seite des Gesellen in monotonen! Einerlei einen Stein an den andern anzureihen. Staatlich wird die theoretische und fachliche Ausbil- dung des Lehrlings allerdings anerkannt, weshalb an den meisten Bauschulen Polier- und Werkmeisterkurse eingerichtet sind, an denen speziell in mittleren Städten auch junge Leute unentgeltlich teilnehmen können. Jedoch wird diesen das dadurch unmöglich gemacht, daß sie in die städtische Fortbil- dungsschule gehen müssen und auch sonst nur wenig pro- fitieren können. Um aber dein Lehrling jene Vorbildung und Wissen ins praktisckze Leben mitzugeben, dessen er im kapitalistischen Großbetrieb nie habhaft wird, wäre es sehr wünschenswert, daß staatliche Kurse in Materiallehre und Fachzeichnen eingerichtet wiirden. Ganz besonders aber wäre zu wünschen, daß die Lehrlinge unter Anleitung von erfahre- nen Praktikern jene praktischen Arbeiten ausführen lernten, die in der Großstadt heute nur selten verrichtet werden, wie das Anfertigen der verschiedenen Gewölbearten usw. Natur- lich müßte dieses während der Tageszeit und aus behördliche Kosten geschehen. Die Stadt Zürich hat bereits im Jahre 1907 derartige Kurse eingerichtet und in denselben theoreti- fchen und praktischen Unterricht erteilen lassen. Dem Kursus- leiter unterstanden dort ein Maurerpolier und einige er- fahrene Maurer, deren jeder eine Anzahl Lehrlinge während des zweimal wöchentlich stattfindenden Unterrichts zu unter- weisen hatte. Auch im Geriistbau wurden die Schüler unter- wiesen, sowie in vielen anderen Spezialfächern, an deren praktische Ausführung heute der großstädtische Lehrling nicht mehr kommt. Die erzielten Resultate wurden von allen Ken- nern einmütig gelobt und als Muster hingestellt. Gerade in Großstädten wie Berlin, wo auch beim Baulehrling der Unternehmer nur auf sehnige Arme sieht und den jungen Menschen als willkommenes Ausbeutungsobjekt betrachtet, wäre es wünschenswert, daß die öfsentliche Fürsorge für die gewerbliche Berufsausbildung mehr täte. Die privatkapi- talistische Lehrlingszüchterei ist keine Ausbildung, fondern nur gewissenlose Ausbeutung der jugendlichen Kraft. Staat und Gemeinde werden hier an die Stelle des privaten Lehr- nieisters treten müssen, um so ini allgemeinen Interesse jenen Verbrechen entgegenzuwirken, die der Kapitalismus an seinen Opfern verübt. Das gelungene Züricher Beispiel kann hierbei nur als Vorbild dienen. Lerlin und Umgegend. Die Arbeiter und Handwerker der Englischen Gaßanstalten Berlins und Umgegend besprachen in einer starkbesuchten Ver sammlung, die am Mittwochabend in den Arminhallen stattfand, den Stand ihrer Lohnbewegung. Vor zwei Wochen hatten die Arbeiter in fünf Versammlungen beschlossen, Verhandlungen mit der Direktion über die Lohnfrage durch ihre Vertreter anzu- bahnen. Am 2. März richteten die Obleute ein Schreiben an den Generaldirektor und ersuchten, in Verhandlungen einzutreten. Es erfolgte nicht einmal eine Antwort, ebensowenig fand ein zweites Schreiben irgendwelche Beachtung von feiten der Generaldirektion. Der ArbeiterauSschuß erfuhr in einer kurzen Unterredung nur Jeviel, daß die Direition es rundweg ablehnt, auf die Wünsche er Arbeiter einzugehen. Man könne nichts tun, so hieß es, solange die Stadl Berlin die Löhne für ihre Gasarbeiter nicht erhöht habe. P o l e n s k e vom Gemeinde- und StaatZarbeiterverband wies nach, daß die Berufung auf die Stadt Berlin eine sehr schlechte Entschuldigung ist. Berlin ist als sehr rückständig be- kannt, soweit die Stadt Arbeitgeberin ist. Die Arbeiter sind aber durch eine bestimmte Regelung der Lohnverhältnisse immer noch besser gestellt als gerade bei den Englischen Gasanstalten. Hier fand seit 1305 keine generelle Regelung mehr statt, bei einzelnen Kategorien seit 1309 nicht mehr, trotzdem seit dieser Zeit und gerade in den letzten Jahren einerseits die Teuerung immer fühl- barer geworden ist und andererseits die Ansprüche an die Lei- stungen der Arbeiter immer höher geschraubt wurden. Die Ver- trauenslcute empfahlen der Versammlung die Annahme der fol- genden R s o l u t i o n: „Die am 16. März in den„Arminhallen" versammelten Arbeiter und Handwerker aller Betriebe der I. E. G.-A. haben zu der erneuten Ablehnung ihrer Lohnanträge Stellung ge- nommen. Sie bedauern auf das lebhafteste, daß ihrem Antrage vom 6. März dieses Jahres, auf Verhandlungen der Obleute der Ar- beiterausschüsse mit der Generaldirektion in der Lohnsrage, keinerlei Beachtung geschenkt wurde. Die Versammelten erblicken darin, wie in der wiederholten ohne Angabe von Gründen erfolgten Ablehnung ihrer Anträge eine Nichtachtung der Arbeiterausschüsse und ersuchen die Mit- glieder der Arbeiterausschüsse zum Zeichen des Protestes ihre Mandate niederzulegen. In der Erwägung, daß gegenüber der ablehnenden Haltung der Direktion nur mit dem Machtmittel einer geschlossc- nen Organisation etwas erreicht werden kann, verpflich- ten sich die Versammelten, mit aller Energie für deren Stärkung Sorge zu tragen, um im gegebenen Moment mit allen Mitteln ihre berechtigten Forderungen erkämpfen zu können." Diese Resolution wurde nach kurzer Diskussion, in der die Entrüstung der Arbeiter über die anmaßende Haltung der Direk- tion zum Ausdruck kam, ein st im m ig angenommen. Der Vorsitzende ermahnte die Anwesenden zum Schluß noch bringend, für den Anschluß an den Gemeinde- und Staatöarbeitcr- verband kraftig zu agitieren._ Die Hausindustricklen und die Arbeiterschaft im Kürschnergewerbe. .Unter den Hausindustriellen des Kürschuergcwerbes Berlins E. R u z i k a, ausgegangen, der hier in Berlin war und den Hausindustriellcn einen Vortrag über die Frage gehalten hatte. wie er andererseits auch im Kürschnerverband die Anschauung geltend zu machen suchte, daß eine derartige Verständigung mit den Hausindustriellen nützlich und zweckmäßig sei. In Wien ist eine solche Bundesgenoffenschaft zwischen den Hmisindustriellen und der Arbeiterschaft des Gewerbes schon durchgeführt und sie bildet dort auch jetzt wiederum die Grundlage einer Lohu bcwegung.— Die gemeinsame Sitzung der Vorstände hat am 3. März statt- gefunden. Von den Vertretern der Hausindustriellen wurden dabei gewisse Thesen aufgestellt und Vorschläge gemacht, die zur Grundlage der Verständigung dienen sollen. Sie besagen in den Hauptpunkten: daß die gegenseitige Bekämpfung aufhören, und statt dessen ein Einvernehmen zwischen den Mitgliedern der beider seitigen Organisationen geschaffen werden soll, daß der Arbeits- Nachweis auf paritätische Grundlage gestellt werden soll, daß die beiden Vereine der Selbständigen der Pelz- und der Mützenbranche sich verpflichten, möglichst nur organisierte Leute zu beschäftigen und die noch unorganisierten dem Verbände zuzuführen, und daß zur weiteren Verständigung über Arbeitseinstellung und Streitig ketten zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern eine gemeinsame Kommission von neun Mitgliedern eingesetzt wird, die auch die Grundlage für die allgemeine Verständigung ausarbeiten soll. Zum Arbeitsnachweis, dessen Verwaltung in Händen des Kürschner- Verbandes bleibt, wollen die Selbständigen einen Jahresbeitrag leisten. Zur Ueberwachung des Arbeitsnachweises soll eine ge meinsame Kommission eingesetzt werden mit einem aus den Reihen der Selbständigen gewählten Vorsitzenden. Arbeitskräfte sollen nur an solche Selbständige vermittelt werden, die organisiert sind. Auf die Fabrikanten mit eigenen Betriebswerlstätten sowie auf die Jnnungsme ister, die Ladengeschäfte haben, bezieht sich diese Bestimmung nicht.— Die Vertreter des Kürschnerverbandes er- klärten sich Wohl bereit, mit den Hausindustriellen zusammenzw mbeiten, wünschten aber zu wissen, welche Gegenleistungen sie dem Kürschnerverband bieten, wenn dieser ihnen zur Verbesserung ihrer Lage Hilfe leiste. Die Frage des Arbeitsnachweises biete keinerlei Schwierigkeiten. Der Kurschnerverband habe auch gar nichts da- gegen, wenn die Selbständigen ein Mitglied delegierten, um in die Verhältnisse des Nachweises Einblick zu nehmen. Was die Be schäftigung organisierter Leute anbetreffe, so müsse in dieser Bestimmung statt„möglichst" das Wort„nur" gesetzt werden. wogegen die Mitglieder des Kürschnerverbandes verpflichtet sein sollten, n u r bei organisierten Selbständigen zu arbeiten. Seine prinzipielle Stellung der Hausindustrie und der Heimarbeit gegen- über könne der Kürschnerverband selbstverständlich nicht aufgeben. tocnngleich durchaus kein Grund vorliege, die Hausindustriellen selbst oder ihre Organisation zu bekämpfen.— Die Sitzung endete damit, daß die Vertreter der Organisationen sich verpflichteten, den Mitgliedern die Angelegenheit zu weiterer Erörterung vorzu- legen. Die Vorstände sollen dann die verschiedenen Borschläge schriftlich formulieren. Am Mittwoch beschäftigte sich eine zahlreich besuchte Mil gliedcrversammlung des Kürschnerverbandes mit der Angelegen� hcit. Der Vorsitzende Fritze berichtete über die Verhandlungen. Es folgte eine rege Debatte. Einige Redner sprachen sich ent- schieden gegen die Sache aus und meinten, daß der Kürschnerver band die Selbständigen lediglich als Arbeitgeber zu betrachten habe, und daß es mit seiner prinzipiellen Stellung gegen die Haus lndustrie nicht zu vereinbaren sei, sie als Bundesgenossen zu be- trachten. Die Mehrzahl der Redner stand jedoch der Sache mehr sympathisch gegenüber. Es wurde schließlich gegen wenige Stimmen eine Resolution angenommen, die im wesentlichen der Haltung entspricht, welche die Verbandsvertreter in der Sitzung mit den Hausindustriellen eingenommen haben. Die Verbands- filiale erklärt sich bereit, mit den Selbständigen zwecks Erkämpfung besserer Lohn- und Arbeitsbedingungen zusammenzugehen unter bestimmen Bedingungen, wie die, daß es dem Verband unbenommen sein soll, das System der Hausindustrie sachlich zu bekämpfen, daß oie Selbständigen sich verpflichten, nur organisierte Leute zu be- schäftigen, während diese verpflichtet sind, nur bei organisierten Selbständigen zu arbeiten, was beiderseits bis zum 1. Oktober durchgeführt sein mutz usw. Unter„Verschiedenes" machte der Vorsitzende auf die Tarif- kündigung der Zurichter in Berlin sowie auf die Lohnbewegung der Bisam- und der Schweifbranche in Leipzig aufmerksam. Tarifabschlüffe im Böttchergewerbe. Die in der Fatzfabrik, Abteilung Berlin, vormals Lieben, und in der Faßfabrik F. Wörbel in Spandau beschäftigten Böttcher haben durch Verhandlungen der Vertreter des Zentral- Vorstandes der Böttcher mit der Firma einige Arbeitsverbesserungen erreicht. Die von den Arbeitern gestellte Forderung, alle Arbeiten in Lohn anfertigen zu lasse», mutzte zwar fallen gelassen werden, doch wurde eine Stundenlohncrhöhung von 60 auf 65 Pf. und dem entsprechende Erhöhung der Akkordlöhne erreicht; dazu kommen einige kleinere Zugeständnisse. Der Tarif, der diese Abmachungen festlegt, gilt bis 1913. Achtung, Metallarbeiter! Die Firma Förster u. Runge, Stallschreiber 30, ist für sämtliche Metallarbeiter gesperrt. Deutscher Metallarbeitcrverband, Ortsvcrwaltung Berlin. Zeit gebeten worden, in Frankfurt a. M. einen Vortrag zu halten. Mit allen gegen zwei Stimmen wurde beschlossen, von der Einladung abzusehen und für den Vortrag zu danken, da sonst leicht die Gefahr gegeben sei, daß dem Redakteur ein stürmischer Empfang bereitet werden könnte._ Dcutfcbco Reick). Keiner wills gewesen sein. Der Vorstand des Bergarbeiterverbandes hatte fünf Zentrums christen an die Beine genommen, um ihnen Gelegenheit zu geben, vor Gericht ihre Behauptungen in Sachen der Späniolaffäre zu be- weisen. Doch als es ans beweisen ging, da suchten die Helden zu kneifen. Der Redakteur R ü v i g vom„Bergknappen" schützte Ver jährung vor, wurde aber zu 50 Di. Geldstrafe verurteilt. Sinn kam der zweite, Herr C h r i st i a n K l o f t. Er wollte an dem Tage nicht auf der Redaktion gewesen sein, waS ihm aber nicht half, daß er ebenfalls zu fünfzig Mark verurteilt wurde. Gegen den dritten Angeklagten Bucher, Redakteur der polnischen Ausl gäbe deS Bergknappen, mußte Vertagung einweten. In der folgen den Sache beschworen die„christlichen Kameraden", gegenüber den Aussagen der Verbandsmitglieder, daß der AngeÄagte Jmbusch die Aeußcrung nicht getan habe. Es erfolgte deshalb Freisprechung. In der letzten Sche kniffen sie mit Erfolg. Es handelte sich um ein Schinähflugblatt, betitelt:„Der Fall Äehrend", das eine wüste Schimpferei gegen den VerbandSvorsiand enthielt. Unterschrieben war es:»Die BczirkSleiter deS Gewerkvereins christlicher Berg- arbeiter". Verantwortlich wollte niemand sein. Der Drucker deS Pamphlets mußte freigesprochen werden, da er sich mit ArbeitSüber- häufung herausredete._ Eine Kundgebung gegen Rexhäuser. Die Buchdrucker zu Frankfurt a. M. nahmen am Mo»tag in einer Versammlung in schärfster Form Stellung gegen den Redakteur des„Korrespondent", weil er mit keinem Worte des verdienstvollen Führers Bebel gedacht, dagegen aber an dem gleichen Tage, an dem Der StreU der Buchbiuder und Kartoimagenarieiter iu Plauen i. B. wurde am Mittwoch durch Abschluß eines für zwei Jabre gülligen Tarifvertrages beendet. Neben Lohnaufbesserungen wurde auch die Anerkemiuilg der Organisation(Buckbinderverband) erreicht. Da noch einige der Ausständigen ohne Beschäftigung sind, wird ge- beten, auch fernerhin den Zuzug fernzuhalten. Sämtliche Arbeiter der Automobilfabrik Gebr. Beißbarth in München sind in den Ausstand getreten. Die Firma weigert sich. den bisher abgeschloffenen Tarifvertrag mit den Organisanonen zu erneuern. Sie will mit den übrigen LuxuSwagenfabriken, deren Tarif am 1. Mai abläuft, gemeinsame Sache machen. Die Arbeiter weigern sich dagegen, da das ihre Lage verschlechtern würde. Herr Beißbarlh befindet sich nun auf Reisen, um Streikbrecher zu werben. Wir bitten, eventuellen Versprechungen keinen Glauben zu schenken, und den Zuzug von Mechanikern, Schmieden, Wagnern, Sattlern und Lackierern unter allen Umständen fern zu halten. _ Die Tarifkommission. Ein gelbes Fiasko. Der Umschwung in der Stimmung der in die gelben Vereine gepreßlen Arbeiter macht sich in Augsburg immer deutlicher geltend. Am Sonntag sollte im Saalbau H e r r l e über die Mir- glieder des WerkoereiuS der Maschinenfabrik Augsburg Heerschau ge- halten werden, und zwar in Form einer Generalversammlung ge- nannten Vereins, Nachdem die am 23. Februar im gleichen Saale einberufene, vom Metallarbeiterverbande arrangierte Versammlung einen so imposanten Verlauf genommen hatte, setzten die gelben Häuptlinge alles daran, um zu zeigen, daß die gelbe Sache noch immer auf der alten Höhe steht, Aver trotz eifrigster Agitation fanden sich zur Geueralversamm- lung kaum 300 Personen ein, Vorstandsmitglieder, Gönner. Beamte und Frauen mit eingerechnet. Die übrigen Müglieder — die Gesamtwahl beträgt über 2400— blieben der Veranstaltung ostentativ fern. In beweglichen Worten klagte der Vorsitzende iu den schlecht besetzten Saal hinein von der Undankbarkeit der Mit- glieder gegenüber dem allverehrten Generaldirektor und Wohlläicr v. B u z, der für den Verein so viel getan hätte und nun solch schnöden Dank ernte.— Die Arbeiter der Maschinenfabrik Augsburg sehen eben jetzl ein, daß durch Bettelgroscheu ihre Lage nicht ge- bessert werden kann und Wohltaten keineswegs die horrenden Lohn« reduknonen weit machen, die sie sich ohne Widerrede gefallen lasse» müssen, da man sie ihrer wichtigsten Waffe, der Organisation, beraubt._ Ausland. Der Strahenbahnerstreik in Rom. Rom, 17. Mörz. sP r i v a t d e p e s ch e des„Vorwärts".) Die Situation ist am fünften Streiktage noch unverändert. Die völlige Trambahnruhe ist der Bevölkerung höchst beschwerlich. Die Tram« bahngesellschaft bewilligte Gehaltserhöhungen für das höhere Per- sonal. Die Stimmung der Streikenden ist vorzüglich. Die Arbeits- kammer eröffnet Sammlungen für dieselben. Verhandlungen sind im Gange._ Die Streikbewegung im nordenglischen Bergbau. Die Schwierigkeiten, die die Durchführung des Achtstunden- gefetzes in den Kohlenbergwerken der nordenglischen Reviere D u r h a m und North umberland mit sich gebracht hat. sind noch immer nicht überwunden. In Northumberland stehen noch immer 12 000 Bergarbeiter seit 1t Wochen im Streik, wodurch die Arbeit in 14 Wergwerken völlig ruht. Die Lage hat sich nun noch! insofern verschlimmert, als ein Antrag der Bergarbeiterföderatio» des Reviers, eine neue Art des Schichtwechsels einzuführen, von dem Bergwerkbesitzerverband abgelehnt wurde, was Sie Gs'ahr eines Generalstreiks heraufbeschwört. Auch in Durham ist die Lage kritisch. Eine Konferenz der Bergarbeiterföderation des Reviers lehnte zwar einen Antrag ab. der sich gegen das Drei» schichtensystem überhaupt aussprach, beschloß aber gleichzeitig, de» Bergwerkbesttzern eine Reihe von Abänderungsanträgen zu dem Abkommen vorzuschlagen, wodurch die Art der Durchführung deS AchtstundengesetzeS zurzeit geregelt wird. Die Konferenz beschloß auch, die Frage, ob den jetzt gegen die Einführung deS Drei- schichtcnsystemS im Streik stehenden Arbeitern Streikunterstützung bezahlt werden soll, durch die Gerichte entscheiden zu lassen, waS darauf hindeutet, daß hier die Stimmung gegen den Achtstunden« tag nicht so allgemein ist, wie im benachbarten Northumberland. . ,„4.1„ andere Blätter Festartikcl brachten, einen Schmähartikel auf die ffqetnt lich ln letzter Zeit du Ueberzeugung geltend zu machen, daß Sozialdemokratie gebracht habe. Rexhäuser war auch vor einiger_ Verantw. Rcdakt.: Richard BaW, Berlin. Inseratenteil ve rantv.: Th. Glocke» Berlin. Druck U.Verlag: Vorwärts Buchdr. u. VerlagSanstal» Paul Singer& Eo., Berlin SW, Hierzu Z Beilageo u. Unterhaltung?� Letzte JVacbricbten und Dcpefcben. Statt Wahlrecht die Hungerpeitsche. Magdeburg, 17. März.(W. T. B.) Der Verband der Metall industriellen, der Kenntnis erhalten haben will, daß morgen während der Arbeitszeit eine Wahlrechtskundgebung geplant ist, beschloß, alle Arbeiter, die daran teilnehmen. drei Tage ansznsperren. Bergarbeiterlos. Kattowitz, 17. März.(B. H.) Einen furchtbaren Tod erlitt auf der"Przemsagrube der Bergmann S o r e k. Er geriet unter den niedersauscnden Förderkorb und wurde buchstäblich zermalm». Drei Schiffer ertrunken. Memel, 17. März.(W. T. B.) Auf der Höhe von Mellneraggen ist ein BommelSritter Boot mit 3 Dorschfischern gekentert. Die Leichen der 3 Fischer, wie auch das Boot, wurden heute an Land getrieben. Streik in einem ungarischen Goldbergwerk. Budapest, 17. März.(B. H.) In dem aerarischeu Gold- bergwerk von Koermeoczbanha sind 200 Arbeiter wegen Lohn- differenzen in den Streik getreten. Säbelhiebe und Pferdetritte. Sofia, 17. März.(W. T. B.) Das für heute anberaumte oppositionelle Protestmeeting in Angelegenheit der Nustschucker Vorfälle wurde infolge polizeilichen Verbots auf Sonntag ver» 'choben. Die Polizei hält, durch Militär verstärlt, die„Orb» nung" in der Stadt aufrecht und verhindert Ansammlungen von Demonstranten. Bei den gestrigen Zusammenstößen zwischen Kavallerie und Demonstranten wurden 60 Personen durch Säbel- hiebe und Pfcrdctritte verletzt, darunter einige schwer. Mehrere Soldaten wurden durch Steinwürfe verwundet. In einigen Provinzstädtcn wurden Protestmeetings abgehalten, die ohne Zwischenfall verliefen. lt.65. n.mm. 1. DtÜllß! Reichstag SV Sitzung vom Donnerstag, den 17. März, vormittags 10 Uhr. Am BundeZratStisc� v. Belhmann Hollweg, v. Schoen, Kraetke, Mermuth, Lisco, Delbrück, v. Tirpitz. Der Gesetzentwurf einer Ergänzung des Besoldungs- g e s e tz e S(Einschiebung der Veterinäroffiziere) wird in dritter Be- ratung debattelos angenommen, ebenso der Entwurf des Reichs- kontrollgesetzes, welches für die Konl'vlle des ReichShauS- Halts durch den Rechnungshof einige erleichternde Bestimmungen trifft. Es folgt die dritte Beratung des Etats. Die GeneraldiSlusfion wird mit der des Etats für die Schutzgebiete verbunden. Abg. Frhr. v. Gamp(Np.): Die Budgetkommission hat sich mit den Verbündeten Regierungen dahin geeinigt, dost in den nächsten fünf Jahren kein Etat vorgelegt wird, in welchem die Matrikular- beitrage höher als 80 Pf. pro Kopf festgesetzt werden. Die EtatS- Überschreitungen mfiffen aufhören. Wir sollten gewisse Positionen, wie Manöverentschädigungen, für fünf Jahre festsetzen, so dah Ueber- schreitungen in dem einen Jahr durch Ersparnisse im nächsten oder vorhergehenden Jahre gedeckt werden können. An den Diäten und Reisekosten können in den verschiedensten RessortS sehr erhebliche Eunmien gespart werden. Einstimmig wünscht die Budgetloinniisfion eine Verminderung der Beamten. Auch die statistischen Drucksachen könnten erheblich eingeschränkt werden; ich gehe ja nicht so weit, die Statistik für eine feile Dirne zu erklären, aber die Statistik wird doch erheblich überschätzt. Abg. Frhr. v. Hcrtling(g.): Meine politischen Freunde werden in den nächsten Jahren bei der Behandlung des Etats nach folgenden Grundsätzen verfahren: 1. Die Einnahmen müssen sehr sorgfältig eingeschätzt werden. 2. Die Matrikularbeiträge sollen 80 Pf. pro Kopf betragen. nicht mehr und nicht weniger. 3. Ersparungen sollen zur Erleichterung der Schuldenlast ver» wendet werden. 4. Keine Ausgabe soll in? Auge gefasit und miS vorgeschlagen Verden, ohne dah für die Deckung gesorgt ist. Frhr. v. Richthosc»(1) schließt sich dieser Erklärung an. Abg. Ledebour sSoz.j: Auch ich kann konstatieren, daß meine Freunde in der Budget- kommission im wesentlichen den Anschauungen sich angeschlossen haben, die die Herren Frhr- t>. Gamp und v. Hertling hier ver» treten haben. Auf einzelne Abweichungen in der Auffassung gehe ich jetzt nicht ein, da wir nicht die Absicht haben, jetzt eine eigentliche Beratung zu führen. Hinzufügen will ich, dast ich die Berechtigung des Freiherrn v. Gamp, als Vorsitzenden der Budgeikommission, zu so ausführlicher Begründung aus- drücklich anerkenne; er hat das im ausdrücklichen Auftrag der Budget- kommission getan und er hat es mit erfreulicher Frische getan, wenn sein Temperament ihn auch etwas geführt hat und er auch eigene Ansichten vorgetragen hat, mit denen meine Freunde nicht ein- verstanden ssm können. Nur eine Feststellung möchte ich dazu machen: Frhr. v. Gamp hat unter der Zustimmung des Präsidenten die Tätigkeit einer hohen Reichsbehörde für Kinderei erklärt. (Grobe Heiterkeit.) Bei der engen Begrenzung unserer parlamen- tarischen Redefreiheit ist dies eine erfreuliche Neuerung, daß ri'' auch recht kräftig über die Tätigkeit der Herren in den Reick. an hier spreche» und sie als Kinderei bezeichnen darf. (Heitertest.) Ich möchte nun noch meiner Genugtuung darüber Ausdruck geben, daß vorgestern der Reichstag der sozialdemokratischen Reso- lution wegen der Ausgestaltung des Verfassungswesens und Verant- wortlichmackung des Reichskanzlers für die Taten und Unter- laffungen des Kaisers seine Zustimmung gegeben hat. DaS ist ein erfreulicker Bcsckluh. Damit ist unserem Wunsche nach- gekommen, dah der Uebergang zum parlamentarischen DemokratiS- inuS angebahnt wird. Wir Sozialdemokraten können über diesen Beschlub unsere Freude aussprechen. Ich erwarte ja nicht, dab der Reickskanzler v. Belhmann Hollweg beute schon belreffs dieses Beschlusses des Reichstages sich„vinkuliert".(Heiterkeit bei den Sozialdemokraten.) Aber ich erwarte, wenn— wie das notwendigerweise bei solchen Ideen, die sich auf dem Marsche befinden, innerbalb kurzer Zeit geschieht— eine größere Mehrheit hier im Hause sich für diesen Beschluß herausgestellt hat, daß dann der Reichskanzler v. Belhmann Hollweg oder wer sonst an seiner Stelle stehen wird, sich beeilen wird, diesen mit großer Mehrheit gefaßten Beschluß deS Reichstags durchzuführen. Die Beschlüsse, die hier gefaßt sind, stehen in einem erfreulichen lllerliiKr Straßendemonttrationeo im fahre 1848. ES ist bezeichnend für den politischen Geist der Berliner Be» dölkerung dcS Jahres 1848, welchen Wert die radikalen und demo- lratischen Elemente, besonders auS der Berliner Arbeiterschaft, auf Massendemonstrationen legten. Schon die Bestattung der Märzgefallenen— über 20 000 Menschen folgten den Särgen— entwickelte sich ganz von selbst zu einer solchen Demonstration, und je kühner im Lause der Zeit die Reaktion ihr Haupt erhob, desto schärfer und desw öfter griff man zu dem damals außer- ordentlich hochgeschätzten politischen Agitationsmittel der Straßen- demonstrationen. Konstatierte doch ein damals gar nicht be- fonders radikal auftretendes Blatt nach der Juniwallfahrt zum Friedrichshain: „Wenn die Demonstration keinen anderen Zweck hatte, als eine öffentliche Erklärung darüber abzugeben, daß das Volk auf der Erfüllung der ihm gegebenen Versprechungen bestehen werde, so halten wir diese Demonstration für durchaus gerechtfertigt. Wir glauben zwar, daß weder die Krone noch die Nationalversammlung dem Volke irgendwie Abbruch zu tun beabsichtigt, wir sind jedoch der Meinung, daß eine solche feierliche Erinnerung für einen ge- wissen Teil der Nation angebracht und nützlich war." Und Adolf Streckfuß, der gewiß nicht zu den Radikalsten der Märzbewegung gehört, anerkennt in seiner Geschichte der Staats- Umwälzungen ausdrücklich den„gesunden, kräftigen S i n n", die„durchaus ehrenwerte Gesinnung", die sich in dem Berliner Arbeiterstande während der verschiedenen Demonstrationen bekundete. Bei einzelnen dieser Demonstrationen kam es gelegentlich zu scharfen Zusammenstößen, so als die Schneidergesellen mit den Magazinen fertiger Kleidungsstücke, die Tischlergesellen mit den Möbelmagazinen wegen Lohnforderungen in Streit gerieten, und die Arbeiter, besonders in den Kattun- fabriken, sich nicht länger in altgewohnter Weise ausbeuten lassen trollten. Niemals aber, so konstatiert Strcckfuß in dem vorhin zitierten Werke, wurde von den Arbeitern das Eigentum verletzt. Sie zeigten vielmehr eine durchaus ehrenwerte Gesinnung. Das trat am deutlichsten bei den sogenannten Bäckerunruhen hervor, die dadurch veranlaßt wurdet?, daß in einer Volksversammlung des.Amüls" Kcrlm und das Parlament deS gleichen Wahlrechts ehrenden Gegen- satz zu den Beschlüssen, die im Parlament dcS TreiklassenwahlrcchtS gefaßt sind.(Lebhafte Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Da ist die neue Wahlreformvorlage beschlossen, für welche der Reichs- knnzler und preußische Ministerpräsident v. Bethmann Hollweg sich bereit erklärt hat, die Patenschaft zu übernehmen, sobald eine größere Anzahl von Vätern sich zur Vaterschaft dieses Wechselbalges bekannt hat.(Sehr gut! und Heiterkeit bei den Sozialdemokraten.) Und so haben wir denn zu er Iva Ren, daß dieses neue preußische Wahl- gesetz als Lex Theobald im Raritätenkabiuett für staatsrechtliche Mißgeburten recht bald beigesetzt wird.(Sehr gut l und Heiterkeit bei den Sozial- demokraten.) Es ist von hoher symptomatischer Bedeutung, daß der erwähnte Beschluß de? Reichstages an den Jden des März, am Vorabend deS ErinnerungStageS der 48cr Märzrevolntion, gefaßt ist, und eS ist zweifellos der allmählichen Durchdringung auch der bürgerlichen Schichten des Volkes mit dein Gedanken der Märzrevolntion zu danken, daß wir nun allmählich wirklich in verfassungsmäßige Zustände und in ein ernstes par- lamentari'ches Regime hineinkommen werden. Das ist für unS Sozialdemokraten eine große Genugtuung, weil wir als Erben der Revolution von 1848 diesen Gedanken Bahn zu brechen haben.(Leb- hafte Zustimmung Lei den Sozialdemokraten.) Und angesichts dieser Tatsache werden wir mit beharrlicher Konsequenz auf die Verwirk- lichung der Märzgedanken hinarbeiten und im Hinblick auf die gc- waltig anschwellende Volksbewegung, die uns unterstützt, können wir mit größerem Recht als der König von Sachsen im Januar 1007 ausrufen: Geister wachen auf, es ist eine Lust zu leben.(Lebhaftes Bravo! bei den Sozialdemokraten.) Abg. Paasche(natl.): Auch meine politischen Freunde stiinmen mit den von den Herren v. Gamp, v. NichtHofen und Herold ver- kündeten Grundsätzen überein, obwohl uns die Bindung der Matri- kula rbeiträge nach oben nicht zusagt. Abg. Wiemcr(Forischr. Bp.): Viele der Anregungen deS Herrn v. Gamp waren durchaus überzeugungswert. Ein sparsameres Vor- gehen mit Resolutionen würden auch wir begrüßen. Abg. Freiherr v. Hertling(Z.): Ein dauernde gesetzliche Bindung der Matrikularbeiträge wünschen wir nicht, nur für die nächsten Jahre. Damit schließt die Generaldebatte. DieEiats deSReichSlageS und desRetchskanzkerS werden debattelos bewilligt. Beim Etat de? Auswärtigen Amtes beantragen die Abgg. Fürst Hatzfeldt(Rp.) und Genossen: Den Titel:„Zu geheimen Ausgaben", von dem gestern 800 000 M. gestrichen waren, 200 000 M. hinzuzufügen, ihn also aus 12000 000 M. zu erhöhen. Staatsekretär v. Echoen erklärt, wenn der Antrag angenommen werde, stehe er dafür, daß die Summe nur zu Zwecken der a u L- wältigen Politik Verwendung finden Werve. Abg. Gröber(Z.) bcanlragl namentliche Abstimmung. Die Abstimmung ergibt die Ablehnung des Antrages mit 149 gegen 03 Stimmen bei 3 Enthaltungen. ES folgt der Etat des Reichsamts de? Innern. Abg. Becker° Arnsberg(Z.) bleibt gegenüber einer früheren ve- hauplung des Staatssekretärs deS Innern dabei, daß der Stahl- werksverband ausländische Werke vor inländischen bei den Preisen bevorzugt. Abg. Bogel(natl.) befürwortet zollpolitische Maßnahmen zum Schutze der reinen Walzwerke im Siegerland. Abg. Dr. Mayer-Kaufbeuren(Z.) bittet den Staatssekretär, dafür zu sorgen, daß dem Treiben des Pctroleumtrusts entgegengetreten werde. Die Debatte schließt. Der Titel„Staatssekretär" wird bewilligt. Bei einem weiteren Titel begründet Abg. GrSf-Wciniar(Wirtsch. Vg.) eine von Angehörigen aller bürgerlichen Parteien unterstützte Resolution auf Unterstützung deS Deutschen SchillerbundeS. Auf Antrag v. Gamp(Rp.) wird die Resolution an die Budgetkommission verwiesen. Beim Kapitel Reieksgefimdlmtsamt ergreift daS Wort Abg. Dr. Südekum(Soz.): Die auf Grund des Z 120a der ReichSgcwerbeordnung erlassenen BundesratSverordunngen zum Schutze der in Roßhaarspinnereien, Bürsten- und Pinselfabrikcii beschästiglen Arbeiter und Arbeiterinnen vom 1. Februar 1399 und 22. Oktober 1902 haben sich als unwirfam insofern erwiesen, als immer noch eine Menge Erkrankungen an Milzbrand sowie zahlreiche Todesfälle vorkommen. Daher verlangen die in den genannten Berufen tätigen Arbeiter und Arbeiterinnen, daß der DcöinfektionSzwang auf daS gesamte in- nnd ausländische Material ausgedehnt wird, und zwar über den nicht zu rechtfertigenden hohen Preis deS Brotes trotz der billigen Eetreidepreise lebhaft Klage geführt wurde:„Infolge- -dessen zog am folgenden Tage eine Arbeiterdeputation, von einer ungeheuren Volksmenge begleitet, durch die Straßen Berlins, von einem Bäckerladen zum anderen. Bei jedem Bäcker wurde das Brot getrogen, und wenn dasselbe für den Preis von b Silber- groschen nicht wenigstens 6 Pfund wog, wurde es unter allge- meinem Jubelgeschrei an die Tür genagelt und das Gewicht dazu geschrieben; denjenigen Bäckern aber, deren Brot sich durch ein besonderes Gewicht auszeichnete, wurde vom Volke ein donnerndes Hoch ausgebracht. Gegen 8 Uhr zerstreute sich die Menge, nachdem bei diesem ganzen Geschäft nicht die geringste Unordnung vorge- kommen war." Demonstrationen im größeren Stil waren besonders gegen die neue WahlrcchtSvorlage geplant. Die Demokraten wollten nichts von einer indirekten Wahl wissen. In allen Volksversammlungen nahm man gegen das von der Regierung vorgeschlagene Wahlsystem in den schärfsten Worten Stellung. Von einer Volksversammlung in den Zelten wurde ein Volkswahl- komitee gewählt, das über die Mittel beraten sollte, welche man zur Durchführung der direkten Wahl ergreifen müßte. Dieses Komitee machte den Vorschlag, am Gründonnerstag, den 20. April, durch einen großartigen Zug, dem sich alle diejenigen anschließen sollten, welche für die direkte Wahl waren, dem Miniftcrpräsiden- ten zu zeigen, welche ungeheure Verbreitung der Wunsch nach diesem Wahlrecht habe. Auf dem Alexanderplatz sollte man sich mit den Getucrken, Fahnen und Emblemen, auf denen die Worte „Direkte Wahl",„Keine Wahlmänner".„Ordnung, aber Freiheit" stehen sollten, versammeln; dann sollte sich der Zug ordnen,, der friedlich mit Fahnen und Musik vorweg zum Ministerpräsidenten ziehen müßte, um ihm aufs neue den Wunsch der Bevölkerung Berlins, so großartig unterstützt, vorzustellen. Wie heute, so gehörten auch damals schon die Liberalen zu den Zaghaften; sie machten allerlei Einwendungen gegen eine solche Massendemonstration, und schließlich trat der liberal angehauchte Teil der Deputation aus dem Volkswahlkomitee auS. Schöffel, der Führer der Berliner Arbeiterschaft, widmete in seinem Ar- beiierblatt„Der Volksfreund" den Ausgeschiedenen einen spöt- tischen Nachruf: „So gehe hin, du besonnene Minorität; Auf dir ruht nicht der Fluch, den einst künftige Geschlechter auf uns!V ei igen tperdep, so, daß als Desinfektionsmittel einzig und allein strömender Wasserdamps mit dem nötigen atmosphärische» Ueberbruck zugelassen wird. Die Erfahrung hat gelehrt, daß andere Mittel keine sichere Gewähr für Abtötung der Milzbranobazillen und-Sporen bieten, am wenigsten das zumeist in Anwendung gebrachte Kochen des Rohmaterials. Es mag Material geben, das diesen Desinsektionsprozetz nicht aushält, dann muß man dafür ein anderes Desinfektionsmittel finden. Weiterhin müssen die besonderen Vor- schriften für die größeren Betriebe auch auf die kleineren auS- gedehnt werden— eine Fordernng, die um so dringender ist, als in der Regel die allgemeinen Arbeitsbedsiigungen in den kleinen Betrieben schlechter sind. Wenn zur Emscheidung gesiellr wird, ob man Menschenleben oder eine veraltere BctriebSsorm schützen soll, dann kann die Antwort nicht zweifelhaft sein. Die Menschenleben gehen unter allen Umständen vor.(Zustimmung bei den Sozial- dcmokraten.) Zum Schluß erhebt sich die Forderung, daß die Bor- schriften in sinngemäßer Weise auch auf die immer noch weit verbreitete Hans- und Heimindustrie ausgedehnt werden.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Ich hoffe, daß das ReichSamt dcS Innern in der Lage ist, uns befriedigende Erklärungen zu geben und uns eine Erweiterung der bestehenden Verordnungen in dem angegebenen Sinne zuzusichern.(Bravo! bei den Sozialdemokraten.) Staatssekretär Delbrück: Vielleicht wird das HansarbeitSgesetz noch in dieser Session verabschiedet werden.(Weitere Aussührungen des Redners bleiben bei der im Hause herrschenden Unruhe un- verständlich.) Beim Kapitel„Patentamt" fragt Abg. v. Damm(Wirljch. Vg.) an, ob Aussicht auf baldige Vor« läge der Novelle zum Pateiitgeictz sei. Der Rest des EtatS deS Neichsamtö deS Innern wird debatte« los erledigt. ES folgt der Mlitäretat. Abg. Döhle(Soz.): Bei meiner Darstellung der Verhälimsse in den Straß« barg er Militärwerkstätten sind mir zwei Personalirrtiimer begegnet. Meine sachlichen Darlegungen aber halte ick vollinhaltlich ans- recht, namentlich auch das, was ich über die Entlastung de-Z Arbeiters Stein ausgeführt habe. Auf Grund meiner Angaben hier im Reichslage haben die Straßburger Militärbehörden eine Unter- suckung veranstaltet. Außerdem aber wird den Arbeitern ein Zirkular vorgelegt, worin sie gegen meine Ausführungen protestieren sollen! (Hört I hört! bei den Sozialdemokraten.) Mitgliedern dcS Arbeiter- auSschusseS, ja, dem Vorsitzenden deS AuSschusieS ist mit der Entlassung gedroht worden!(Hört! hört! bei den Sozial- dcmokraten.) Ucberhaupt wird bei allen solchen Untersuchungen in erster Linie zu ermitteln gesucht, von welchen Ar- beitern der betreffende Abgeordnete seine Informationen erhalten hat! DaS herauszubekommen scheint den Militärbehörde« weit wickitigrr zu sein als die Feststellung de? Sachverhalts. Da ist es nickt verwunderlich, wenn eS dann hier immer heißt:„Ja, die Unter- suchungen haben die Unrichtigkeit der Angaben ergeben!" Will man die Wahrheit ermitteln, muß man geeignetere Methoden anwenden I (Lebhafte Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Abg. Eothein(Fortschr. Vp.): Der Herr Kriegsminister hat bei der 2. Leimig gesagt, es sei eine demokratische Einrichtung, daß die Wahl zum Rcserveossizier im freien Ermessen des OsfizierkorpS stehe. Diese Behauptung ist noch merkwürdiger als» seine historiiche Auffassung bezüglich der lurhessischen Verhältnisse. Demokratisch wäre es, wenn die Offiziere von den Mannschaften gewählt würden. (Lacken rechts.) Den Zustand, daß das Offizierkorps sich durch Zmvahl untereinander ergänzen, kann man zur Not höchstens als o l i g a r ck i s ch bezeichnen. ES ist daS mittelalterliche Prinzip der Kaste. Redner protestiert dcS weiteren gegen die Beliachteili- gung jüdischer Einjähriger beim Avancement und die Bildung exklusiv adliger Regimenter. Kriegsminister v. Heeriiigen: Herr Bohle hat von einer Straf- abteilung in Straßburg gesprochen. ES ist keine Strafabteilung, sondern mir eine Gruppe, die auf Bitte» der Arbeiter diejenigen, die über vierzehn Tage krank sind, aufnimmt, weil dort jeder Arbeiter für sich arbeiten kann und soviel verdienen kann wie zedcr andere. ES trifft auch nicht zu, daß Arbeiter dort gematzregelt find. Die Arveiter der Gruppe 15 haben freiwillig eine Erklärung ab- gegeben, daß sie sich durch die Ausführungen des Abg. Bühle gekränkt fühlen.(Hört! hört! rechts.) Es heißt in der mir vorliegenden Er« kiärung, die Arbeiter protestieren gegen die Ausführungen des Abg. Böhls, da sie auf Unwahrheit beruhen.„Wir sind mit unserem Lohn stets zufrieden gewesen."(Hört! hört! rechts. Gelächter bei den Sozialdemokraten.) Herrn Gvthein gegenüber stelle ich fest, daß nach den Bor- schriften ein Jude, weil er Jude ist, nicht von der Wahl zum Re« seiveoffizier ausgeschlossen werden darf. Wenn Sie mir Emzelfälle bringen, die icgendivie so aufgefaßt werden können, daß im Heere die wir schuld waren an diesem ungesetzlichen Zuge, an diesem Scheidewege des friedlichen Liberalismus und der Demokratie." Am Tage nach der Versammlung erließ das Komitee auch einen Aufruf cni die Provinzen, um in diesen gleiche Demon» strationen zu veranlassen. Es heißt in diesem Schriftstück: „Das preußische wie das süddeutsche Volk sieht in den in» direkten Wahlen eine Verkürzung seiner Souveränität und wird sich geduldig nicht einem Gesetz unterwerfen, das vom bereinigten Landtage noch als Erbstück hinterlassen wurde. Auf gesetzlichem Wege, aber durch energische Mittel, haben wir beschlossen, die Ma- jorität unserer Ueberzeugung zu beweisen. Eine große friedliche Manifestation wird das Berliner Volk unter unserer Führung am Gründonnerstag hier zu einem feierlichen Zuge mit Emblemen nach dem Schlosse zu vereinigen. Wir fordern Sie, deren Ge- finnungstrene und Charakterfestigkeit uns bekannt ist, hiermit auf, in Ihrem Kreise möglichst rasch eine ähnliche Demonstration zu bewerkstelligen, unverzüglich energische Protestatiönen in den Volksversammlungen abzufassen und an den Minister einzusenden, damit zur Ehre der deutschen Nation das Bewußtsein ihrer Würdigkeit klar zutage trete." Und in einem Aufruf der Maschinenbau- und Metallarbeiter an die Bürger Berlins heißt eS: „Vier Wochen sind seit dem Tage verflossen, welcher die Frei- heit uns brachte. Sage vier Wochen. Und was hat in dieser Zeit die neue Regierung Neues gebracht? Eigentlich nichts. Denn ein Wahlgesetz wie das vom verstorbenen Landtage beratene und von unseren sogenannten verantwortlichen Minister» sanktionierte ist nur ein beklagenswertes Zeichen des sicheren Rückschritts. DaS Vertrauen, waS wir noch vor kurzem in die Minister setzen konnten, ist seit voriger Woche gewichen. Wir können jetzt kein Vertrauen mehr, wir müssen Mißtrauen hegen, da der Ministerpräsident einer Deputation des hiesigen Wahlkomitees, welches Protest gegen das erlassene Wahlgesetz einlegte, rundweg erklärte, daß das jetzige Ministerium stehen und fallen werde mit den indirekten Wahlen. DeS Menschen Wille ist sein Himmelreich. Wir sind dem Herrn Ministrrpräsidenten zu Dank verpflichtet, daß er unS eine so offene Erklärung gtgcben, die uns die Binde von den Augen nahm. Was das Voll von diesem Minffterium zu halten hat, wissen lxir demnach. Wir sind drauf und drgn, ebcg wieder(p an iemand wegen seiner Eigenschaft als Jude zurückgesetzt Ivorden ist. so können Sie sich darauf verlassen, daß Nemedur eintritt.— Daß die exklusiven Regimenter abgeschafft werden sollen, ist nicht durch die Reden im Reichstage herbeigeführt lLachen links), sondern eine lange beschlossene Sache, die jetzt mindestens zwei Jahre alt ist. Wg. v. Oldenburg: Ich habe in den letzten Tagen auZ den Zeitungen ersehen, daß der bayerische Herr Kriegsminisler, wie es scheinen könnte, im ge- wisien Gegensatz zu den bayerischen Herren Militärbevollmächtigten, sich mit meinen Ausführungen bei der Beratung des Militäretats im Reichstag in der bayerischen Kammer beschäftigt hat und dabei mich verletzende Aeußcrungen getan haben soll. Ich frage den Herrn bayerischen Militärbevollmächtigten, ob er in der Lage ist, mir darüber Auskunft zu geben. Bayerischer Militärbevollmächtigter v. Gedsattel: Ich habe natürlich nicht daran gedacht, daß ich auS eigener Initiative im Falle Oldenburg heute das Wort ergreifen würde. Nachdem der Herr Abgeordnete die Frage gestellt bat, bin ich aber eigentlich ganz froh, daß ich bei der Gelegenheit zwei Legenden aus der Welt schaffen kann. Die erste ist die, daß der bayerische Kriegs- minister Aeußerungen gebraucht hätte, die Herrn v. Oldenburg per- sönlich verletzen könnten.< Zuruf links: Das ist gar nicht möglich I Heiterkeit.) Als ich das las, konnte ich es mir gar nicht vorstellen, daß mein Herr Kriegsminister daS in der Kammer gesagt haben sollte. Es ist mir gelungen, eine Abschrift des amtlichen Stenogramms der Rede des bayerischen Kriegsministers vom 11. März zu bekommen. Danach hat er ausgeführt: Was die An- gelegenheit mit dem Reichstag betrifft, so möchte ich mir erlauben, folgendes zu bemerken: .ES gibt im Leben und in der Geschichte der Völker und Heere glückliche und unglückliche Zeiten, ruhmvolle und ruhmlose Tage. Wenn nun ein Parlamentarier im Reichstage, in dem Vertreter sämtlicher deutscher Stämme anwesend sind, auf einen unglücklichen Zeitraum in der Geschichte eines oder des anderen Stammes an- spielt, so ist das zweifellos eine Geschmacksverirrung und eine Ent- gleisting,(Sehr richtig I links) aber nicht wert, daß man sich stark darüber aufregt und daraus vielleicht einen Mißklang zwischen Nord und Süd heraushört." In diesem ganzen Absatz können doch Worte, von denen man sagen kann, sie könnten beleidigend sein, nicht gefunden werden. (Stürmische Heiterkeit links.) Die Ausdrücke.Geschmacks- verirrungen" und„Entgleisung" sind doch vollkommen parla- mcntarisch(Heiterkeit.) Es würde deswegen niemand zur Ordnung gerufen werden, also eine persönliche Beleidigung des Herrn Abg. von Oldenburg liegt darin nicht.(Erneute Heiterkeit links.) Ich bin ermächtigt, im Namen des KricgSministers zu erklären, daß in diesen Worten eine persönliche Beleidigung deS Abg. von Olden- bürg nicht erblickt werden kann, um so weniger, als ganz notur» gemäß jede Absicht, die Person deS Herrn von Oldenburg zu be- leidigen, dem Kriegsminister gefehlt hat. Er kennt ihn ja gar nicht I Ich hoffe, Herr von Oldenburg wird mit dieser Erklärung zufrieden sein.(Heiterkeit links.) Die zlveite Legende ist die. als ob meine Erklärungen hier zu dieser Erklärung des Kriegsministers in Widerspruch stünden. DaS ist nicht der Fall. Ich bin ermächtigt, folgende Erklärung deS bayrischen Kriegsministeriums in bezug auf meine Erklärung abzu- geben: „In der Auffaflung, daß die Bemerkung des Abg. v. Oldenburg, die sich auf weit zurückliegende kriegerische Ereignisse und Verhält- nisse bezog, keine Beleidigung der heutigen bayrischen Armee, die bekanntlich vollkommen ebenbürtig mit den übrigen deutschen Kon- tingenten dasteht, darstellen konnte, befinden Sie sich mit der bayrischen Heeresverwaltung im Einklang. Desgleichen, daß dem Herrn Abg. v. Oldenburg auch die Absicht der Beleidigung deS bayerischen Heeres gefehlt hat. Luch der bayerische KnegS- minister hat die Ausführungen des Abg. v. Oldenburg nicht als Be- leidigung, sondern als Geschmacksverirrung und Entgleisung be- zeichnet."(Erneute große Heiterkeit links.) Abg. v. Oldenburg((.): Ich danke dem Herrn Bevollmächtigten für seine Auskunft Durch die verlesene Erklärung sehe ich den Fall als erledigt an.(Gelächter links.) Abg. Müller-Meiningen(Fortfchr. 83p.): Die Erklärung der bayerischen Militärverwaltung ist höchst originell. Mit dem Vorwurf der Entgleisung und GeschmockSverwirrung gibt der KriegSminister dem Herrn v. Oldenburg eine Ohrkeige und sagt im nächsten Moment: Ich habe ihm um Gottes willen keine Ohrfeige gegeben. (Sehr wabrl links.) Die gesetzlichen Vorschriften über die Ve- sörderung zum Reserveoffizier sind gewiß klar, aber damals hat der Herr Kriegsminister gesagt, man müsse auf daS Vorurteil der niederen Schichten deS Volkes Rücksicht nehmen. DaS war eS. wa» in weiten Kreisen deS deutschen Volkes Mißstimmung hervor- gerufen hat. v. Gebsattek: Herr Müller-Meiningen hat gesagt, der bayerische KriegSminister habe mit der einen Hand Herrn v. Oldenburg eine Ohrfeige gegeben und mit der anderen Hand gesagt...(Slürmische minutenlange Heiterkeit im ganzen Haufe.) Herr Müller-Meiningen der Nase herumgezogen zu werden, wie vor dem IS. März. Daß Wir geäfft werden, liegt klar zutage. Dieser geplanten Demonstration glaubte daS Ministerium, die Polizei und die Stadtverordnetenversammlung Einhalt gebieten zu muffen. In dem Protest der Stadtverordnetenversammlung sheißt es: „Mitbürger, wir haben keinen Grund, wegen deS jetzigen Wahlgesetzes unruhig oder besorgt zu sein. Wir haben noch »veniger Grund, irgendwie Gefahr für die Frei» heit zu fürchten. Welche Torheit, zu glauben, irgendein Gesetz, irgendeine Macht der Erde könne uns die Freiheit rauben. Wer das glauben kann, der ist der Freiheit nicht würdig." Auch der Magistrat erließ eine Mahnung an die Bürgerschaft. der Demonstration fern zu bleiben. Varnhagen v. Ense, dessen Tagebücher man sorgfältig stu° dieren muß, um einen genauen Einblick in die ganze März- bewegung zu bekommen, schreibt unter dem 19. April 1848:«Ich bin dafür, daß die Minister den PetitionSaufzug gestatten, die Petitio»»nhören und darauf nach Ueberzeugung antworten, bei Nein un? dei Ja würde es ruhig ablaufen. Aber die„Staats- zeitung" kommt und bringt das Verbot deS Aufzuges, weil eine solche Menge, wenn auch, wie angekündigt, ohne Waffe, wie eine Einschüchterung der Behörde aussehe. Die Tröpfe I Sie sollen nur nicht schüchtern sich zeigen, so fällt der Schein von selbst. Meines Erachtens hat das Ministerium Camphausen sein Todes» urteil unterschrieben. Sie mußten den Aufzug gestatten, die Peti- tion annehmen, würdig darauf antworten und die Unannehmlich- leiten solcher Verhandlung nicht scheuen. Das gehört zu den Lasten konstitutioneller Minister." Und Jung, einer der Führer der Märzbewegung, schreibt in einer Erklärung:„Ein Zug, wie der beabsichtigte, etwas sehr Gewöhnliches in freien Ländern, sollte der vorge- brachten Forderung der direkten Wahlen größere Oeffentlichkeit und dadurch neue Anhänger verschaffen. Wer sich dadurch ein- schüchtern läßt, ist wert, daß er fällt, denn er zeigt, daß er die friedliche Meinungsäußerung freier Männer nicht vertragen kann." Die geplante Massendemonstration kam wirklich nicht zu- stände, hauptsächlich durch die Agitation des sogenannten„fried- lich gesinnten" Teiles der Berliner Bürgerschaft sowie durch die Unschlüssigkeit und das Hin- und Herpendeln der Führer des PolkSkomitees. Dagegen gestaltete sich der berühmte Zug nach dem Feiedrichshatn am J. Juni zu einer gewaltigen Massen- liebt ja gewiß große und starle Worte, aber ich kann e? nur be- dauern, daß, wenn von einem hohen Staatsbeamten Reden eines Abgeordneten sachlich bekämpft werden und dann darauf eine loyale Erklärung erfolgt, daß man daS mit diesen Worten bezeichnet.(Sehr gutl recht».) Abg. Hmißmann(Fortfchr. Vp.): ES ist ein merkwürdiges Novum, daß hier eine Aeußerimg eines buiidesstnatlichen Ministers in der Kammer eines Bundesstaates zum Gegenstand einer Jnter- pellation gemacht worden ist von einem Mitgliede der Partei, die sich sonst immer gegen die Einmischung in einzelstaatliche Verhält- nisse sträubt I Der Zwischenfall hat den Eindruck hinterlassen, daß es jetzt um so stärker empfunden wird, daß Herr v. Oldenburg die Gabe hay in Ausdrücken sich zu bewegen, die nachher eine solche Zurückweisung nötig machen, die nicht eine Beleidigung, aber eine Kritik enthalten, die nicht nur aus den speziellen Fall, sondern aus die meisten Reden des Herrn v. Oldenburg zutrifft I(Er- neute lebhafte Zustimmung links. Oho l rechts.) Abg Noske(Soz.): Zu dem vergnüglichen neuesten Fall Oldenburg will ich mich nicht weiter äußern. Wenn Herr v. Oldenburg überzeupt ist, daß er mit dieser Erklärung zufrieden sein kann, so ist das seine Sache. Eine ganze Anzahl anderer Abgeordneten werden jedenfalls auch recht zufrieden sein mit der Abfuhr, die ihm durch diese Erklärung geworden ist.(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten) Dann eine kurze Erklärung zu den Aeußerungen deS Herrn Kriegsministers gegenüber meinem Fraktionsgenossen Böhle, der augenblicklich nicht im Saale ist. Der Herr KriegSminister verlas eine Erklärung, die angeblich von jenen Arbeitern freiwillig abgegeben sein soll. Solche Erklärungen haben bekanntlich einen verteufelt geringen Wert.(Sehr richtig I bei den Sozialdemokraten.) Wir wisien sehr genau, wie sie zustande gebracht werden. Wenn einem Arbeiter in einem Staatsbetriebe eine solche Erklärung vorgelegt wird, so kann er eS in den seltensten Fällen riskieren, sie nicht zu unterschreiben. Ich kann mir nicht denken, daß der Herr KriegSminister ein solche? Maß von Leichtgläubigkeit auch sonst an den Tag legt wie dieser Erklärung der Arbeiter gegenüber. Wir wisse» genau aus Grund der Beschwerden, die uns zugegangen find, daß gar nicht daran zu denken ist, daß die Arbeiier eines ganzen Betriebes in den StaatSwerkstätten erklären, daß sie mit der Behandlung und Bezahlung durchaus zufrieden sind.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Damit schließt die Debatte. Es folgen persönliche Bemerkungen: Abg. v. Oldenburg(!.): Durch die Erklärung des bayerischen Bevollmächtigten ist die Sache zwischen dem bayerischen Kriegs- minister und mir in einer loyalen und zwischen anständigen Menschen üblichen Weise erledigt. Wenn die Herren Müller- Meiningen. Haußrnonn und NoSke diese Sache einer Kritik unterziehen, so kann mich das nur heiter stimmen(Lachen links), da diese drei Herren in persönlichen Sachen«wen Ehrenstaad. Punkt überhaupt nicht haben.(Stürmische Pfuirufe links. Rufe: Unverschämt! Zur Ordnung l Zur Ordnung! Da der Vize- Präsident Dr. Spahn keinen Ordnungsruf erteilt, entsteht ein ungeheuerer Lärm aus der ganzen Linken, die ständig: Zur Ordnung! Zur Orb- nnng! ruft.) Abg. Haußmanu(Fortfchr. vp.): Nachdem der Abg. v. Oldenburg soeben diese Wendung persönlichster Art gegen drei Abgeordnete dieses Hauses— darunter gegen mich— gerichtet hat, zeigt er nur die Natur seiner Jnvekliven, die er bisher gegen den ganzen Reichstag ge- richtet hat, und die er jetzt, nachdem er eine gehörige Abfuhr er- halten hat, für gut findet, gegen einzelne Abgeordnete zu richten. Der Kampf, den er in dieser persönlich gehässigen Form hier eben geführt hat, wird erst aufhören, wenn er einmal persön- lich erledigt ist als Abgeordneter dieses Hauses und aufhört, seine eigene Partei so zu kompromittieren, wie er es sortgesetzt tut.(Leb- haste Zustimmung links. Da der Präsident einem neuen Redner daS Wort erteilt, bricht die Linke erneut in stürmische EntrüstungS- rufe: Zur Ordnung! Zur Ordnung! aus.) Abg. Böhl»(Soz.) sin dem andauernden Lärm fast unverständ- lich) betont dem KriegSminister gegenüber, daß die Erklärung der Arbeiter nur eine erzwungene sein könne. Abg. Dr. Mugdan(Fortfchr. Vp. zur Geschäftsordnung): Herr Präsident! Der Abg. v. Oldenburg hat drei Mitglieder deS hohen Hauses aufs schwerste beleidigt. Ich erlaube mir die Anstage, ob er zur Ordnung gerufen worden ist, wie hier behauptet wird. oder nicht. Vizepräsident Dr. Spahn: Ich habe dem Herrn Abgeordneten gesagt, daß die von ihm gebrauchte Wendung gegen Abgeordnete demonstration der Berliner Bürger und Arbeiterschaft,„zu den erhabensten und großartigsten Schauspielen, welche unsere Hauptstadt jemals gesehen, ja vielleicht war er un» mittelbar daS großartigste von allen", so berichtete Arnold Rüge in der. von ihm herausgegebenen Zeitung„D i e Reform": «Vom GenSdarmenmarkt auS, am Schloß vorüber, wo diesmal kein Balkon gefüllt, kein Fenster geöffnet war, in endloser Reihe durch Hunderttausende von Zuschauern, die cm vielen Stellen in begeisterten Zurufen ausbrachen, wälzte sich der Zug. Die Spitze hatte bereits den Friedhof erreicht, während die letzten Glieder sich m der Mitte der Stadt eben erst in Bewegung setzten. Der Anblick des mst Menschen übersäten Friedrichshains, die ge- schmückten Gräber, die flatternden Fahnen und über dem allen in hellstem Sonnenglanz die unbewölkte Bläue des Himmels, wahrlich es war ein erhabenes, ein unvergleichliches Schauspiel, ein wahres Totenfest, wie es denjenigen geziemt, welche für die Freiheit ge- fallen. Mehr ein Fest bei Lebens, als des TodeS. Am aller» wenigsten aber wich der heutige Zug von dem früheren am 22. März an Ordnung und ruhiger, edler Haltung ab. DaS Volk war durch. auS sich selbst überlassen. Dennoch, unter sovielen Dausenden von Menschen während der ganzen sechsstündigen Dauer deS Festes, ist auch nicht die geringste Störung, nicht die allerkleinste Unter- brechung vorgekommen. Mit diesem Zuge hat Berlin geantwortet auf die vielen Anklagen und Beschuldigungen der Reaktion. ES hat geantwortet auf die Verdächtigungen, mit denen man gewagt hat. den Grund und den Eckstein unserer neuesten Enttvickelung, die Revolution der Märztage herabzuwürdigen. ES hat geant» wartet auf jenes verhängnisvolle Hohngelächter, jenes nur allzu beredte Schweigen, mit welchem die Mehrheit unserer National. Versammlung hinweg ging über den Antrag, den Märzhcldcn ihre und des Vaterlandes Ehrfurcht zu beweisen. Mit einem Worte, die Bevölkerung Berlins hat durch diesen Zug bewiesen, daß sie, die vielfach gespaltene, einig ist, jedenfalls in einem, dem Dienste der Freiheit, und daß sie sich die Freiheit nicht bloß einmal in einem glücklichen Kampfe errungen, sondern daß sie der errungenen auch würdig ist und sie festhält in lebendig dankbarem Be» wußtsein.".---— Heute, nach über 69 Jahren, wissen wir, wie wenig sich die Berliner Bürgerschaft würdig gezeigt hat der großen Toten im Friedrichshain. Der Arbeiterschaft blieb eL vorbehalten, daS An» denken an die Kämpfe des JahrcS 1348 wieder wachzurufen. Sie gedenkt in diesem Jahre mehr als jemals der Freiheitskämpfer im Friedrichshain. I. M. dieses Hauses, daß sie keinen Ehrenstandpunkt einnehmen— ich habe seine Worte wiederholt—, daß diese Aeußerung in diesem Hause unzulässig sei.(Große Unruhe links. Rufe: Das genügt nicht! Zur Ordnung! Zur Ordnung!) Abg. Ledeliour(Soz.): Die Bemerkung deS Herrn Präsidenten gegenüber dem Herrn Abg. v. Oldenburg, daß seine Worte unzu» lässig seien, genügen jedenfalls nicht zur Verteidigung von Abgeord- netcn, denen von einem Mitgliede deS Hauses die Ehre abgesprochen worden ist.(Lebhafte Zustimmung links.) Wir protestieren dagegen, daß angesichts einer solchen Aeußerung der Abg. v. Oldenburg durch den Herrn Präsidenten ohne Ordnungsruf entlassen worden ist. (Erneute lebhafte Zustimmung und andauernde große Unruhe links.) KriegSminister V. Hecringen: Herrn Böhle gegenüber muß ich dagegen protestieren, daß unsere Beamlen Arbeiter zu Er- klärungen zwingen, mit denen die Arbeiter selbst nicht einver- standen sind. Abg. Dr. Paasche(natl.): Ich möchte auch im Namen meiner politischen Freunde erklären, daß wir eS nicht für genügend er- achten, wenn eine so schwere Beleidigung ausgesprochen wird und dann nur einzelne Ausdrücke für unzulässig erklärt werden. Die Geschäftsordnung ließ die Möglichkeit zu. den Betteffenden zur Ordnung zurufen.(Lebhafte Zustimmung' links.) Ich halte eS für richtig, wenn der Herr Präsident den Ordnungsruf nachholt- (Stürmischer Beifall links.) Vizepräsident Dr. Spahn: Ich habe an sich gar nichts dagegen. einen Ordnungsruf zu erteilen.(Stürmisches Gelächter links.) Ich habe auch kein Bedenken, ihn.n o ch t r ä g l i ch zu erteilen, habe aller- dingS geglaubt, daß die Aeußerung, die ich gemacht hatte, aus- reichen würde.(Rufe links: Nein! Nein!) smit erhobener Stimme): Ich habe also gar keine Bedenken, den Herrn Abg. v. Oldenburg noch nachträglich zur Ordnung zu rufen. Abg. Vöhl»(Soz.): Gegenüber dem KriegSminister erkläre ich noch einmal, daß im Bekleidungsamt der Anschlag angebracht war, wonach jeder Arbeiter, der länger als 14 Tage krank ist, auf den Taafckmeidertisch versetzt wird, daS ist die Abteilung, die von den Arbeitern als Strafabteilung angesehen wird. Mit dieser Angelegenheit bat sich der Arbeiterausschuß am 24. April vorigen Jahres beschäftigt und hat verlangt, daß diese Bekannt- machung zurückgezogen würde. Der Oberst erklärte, er ziehe sie nicht zurück, vielmehr müsse daran festgehalten werden, und dem Vorsitzenden des ArbeiterausschusieS hat er gedroht, wenn solche An- gelegenheiten wiederum im Arbeiterausschuß behandelt werden, würde er entlassen werden!(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten:) Die Entrüstung dcS Kriegsministers hier war also unangebracht; er ioll diese Entrüstung lieber gegen seine Beamten richten, die ihn falsch unterrichten und die die Arbeiter zu falschen Unterschristen zivingen.(Lebhaftes Sehr richtig I bei den Sozialdemokraten.) Es ist ein Skandal und geradezu unerhört, daß derartiges vorkommen kann.(Lebhaftes Bravo! bei den Sozialdemokraten.) Damit schließt die Diskussion. Der Rest des Militäretats wird debatteloS erledigt. ES folgt der 1>Isrineetat. Abg. Severins(Soz.): Der Reichstag hätte allen Grund,, sich gegen die Arbeiter- entlassungen auf den Werften zu wenden. Wir müssen eS direkt als Brüskierung des Reichstags bezeichnen, wenn jetzt gleich auf einen Schub 500— 600 Arbeiter entlassen werden. Der Staatssekretär hat in der Budgelkommission versucht, die Entlassungen mit den Ab- strichen, die der Reichstag vorgenommen hat, zu rechtfertigen. Sehr zu Unrecht! Auch nach den Abstrichen ist eine höhere Summe bewilligt worden als im Vorjahre. Selbstredend stehen wir nicht auf dem Standpunkt, daß die Werftverwaltung unter keinen Umständen Arbeiterentlossungen vornehmen darf; wir meinen aber, daß solange und soweit als möglich statt Verminderung der Arbeiterzahl vielmehr Herabsetzung der ArdeitSzett eintreten soll. (Sehr richiig! bei den Sozialdemokraten.) Noch eine Bemerkung zu Herrn Geheimrat Harm». Er sagte bei der zweiten Lesung des Marineetats: Die um S Jahre zurück- liegende Geschichte mit dem Nachsahren von Kohlen aus die hohe See für einen Dampfer hätte ich wohl nur deswegen vorgebracht, weil ich au» neuerer Zeit nichts wußte. Ich war zufällig nicht im Saale anwesend, sonst hätte ich dem Herrn Geheimrat sofort erwidert. Ich hatte ihm schriftlich über einige Beichwerdesälle und Unregelmäßigkeiten aus der letzten Zeit MitceilunF gemacht, die ich weder in der Kommission noch im Plenum zur Sprache brachte. Angesichts dieser Tatsache kann ich das Urteil über die Kampfes- weise des Herrn GeheimratS dem Haufe überlassen.(Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Aus dem reichen Material, da» mir auch aus der letzten Zeit noch zur Verfügung steht— ich könnte bi» 8 Uhr mindestens sprechen(Rufe: Oh! oh!)— will ich nur ein Beispiel anführen: Heute morgen habe ich dieses Strickchen erhalten(Redner zeigt ein Strickchen vor); solche Stricke werden von den Mannschaften gebraucht, um ihre Messer an Bord zu befestigen. Am 9. März. also vor einer Woche, wurde der Kreuzer„Bussard" außer Dienst gestellt; wahrscheinlich hatte er auch überzähliges Material an Bord. sedenfallö wurden acht Kistchen mit solchen Schnüren versenkt.(Hört l hört! bei den Sozialdemokraten.) In jedem Kistchen sind 100 solcher Schnüre, deren jedes einen Wert von 16 Pf. hat, dir Kiste repräsentiert also einen Wert von 15 M. ES find demnach in einer Birrtelftunde 120 M. über Bord geworfen! Aus weiteres verzichte ich angesichts der Geschäftslage deS Hauses. Herrn Geheimrat HarnrS aber rufe ich im Hinblick auf das nächste Jahr zu: Bei Philipps sehen wir uns wieder!(Bravo! bei den Sozialdemokraten.) Abg. Erzberger(Z.): Ich bin überrascht, daß von der Marine- Verwaltung keine Antwort erteilt wird. Ts wird in der Presie der Budgelkommission vorgeworfen, daß die Marineverwaltung durch die auf Antrag der Budgetkommission vorgenommenen Streichungen genötigt worden sei. 500—600 Arbeiter zu entlassen. Herr Scvering hat mit Recht auf daS Falsche dieser Darstellung hinge- wiesen. Auch ich lege al« Mitglied der Budgetkommission gegen diesen ungeheuerlichen Angriff Protest ein.(Bravo I) Die Abstriche, die wir an den persönlichen Bezügen vorgenommen habe», können mit den Arbeiterentlassungen nichts zu tun haben.(Lebhafte Zu- stnnnmng links und im Zentrum.) StaatSselretär v. Tirpitz: Auf die Behauptung des Abg. Severing. wir wollten durch die Arbeiierentlasiungen den Reichstag brüskieren. haben wir nicht geantwortet, weil wir glaubten, aus eine solche Behauptung sei eine Antwort nicht erforderlich.(Unruhe link» und im Zentrum.) Nach- dem Herr Erzberger diese Behauptung aufgenommen hat, habe ich zu erklären, daß die Marincverwaltnng mit den Presieaußerungeil nicht daS allergeringste zu tun hat. Die Arbeitcrentlasiungen habe» wir vorgenommen, weil wir im allgemeinen bemüht sind, die Staats» betriebe einzuschränken»md den Privatbetrieben bei ihrer Notlage so viel Aufträge ols möglich zuzuwenden. Ich kann Herrn Erzberger bestätigen, daß die Abstriche, die daS hohe HauS an dem Marine- etat vorgenommen hat, mit den Arbeiterentlassungen gar nichts zu tun haben. Abg. Severing(Soz.): Mit seiner jetzigen Erklärung hat der Staatssekretär sich in Widerspruch gesetzt zu seiner Erklärung in der Budgctkommrssion; als dort die Abstriche beantragt wurden, erklärte er, dann werde er die Flott« nicht in Stand halten könne» und nicht alle notwendigen Arbeiten vornehmen lassen können!(Hört! hört! bei den Sozialdem.) Wenn der Staatssekretär mir nicht antworten wollte, weil ich in scharfer Tonart do» der Brüskierung des NeichSka�eS gesprochen habe, so ist das seine Sacke; aber wenn die Herren schweigen, hat der Reichstag mn so mehr Grund zu sprechen, und meine Freunde werden diese Pflicht erfüllen.(Lebhafte Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Die Herren schweigen, weil sie unrichtig informiert sind und weil sie wissen, dah wir die Wahrheit unserer Behauptungen beweisen und ihre Darstellungen kontrollieren können.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Staatssekretär v. Tirpitz: Bei meiner Erklärung in der Budget- kommission handelte es sich um einen Abstrich von einer halben Million, der dann eben auf 350 000 M. reduziert wurde. Die Be- hauptung des Abgeordneten Severing fällt also in sich zusammen. Abg. Severing(Soz.): Der Staatssekretär schätzt dos AusfasiungSvennögen deZ Reicks- tags recht niedrig ein. wenn er ihn glauben mache» will, die Diffc- renz von 150 000 M. hätte ihn genötigt, die gcwsinschtcii Reparaturen nicht auszuführen. Warum hat der Staatssekretär uns nicht bei der zweiten Beratung von der Absicht, 500— 600 Arbeiter zu entlassen, in Kenntnis gesetzt?(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Daß er eS Unterlasten hat, ist ein neuer Beweis für die Behaup- tting Eugen Richters, daß wir es in ihn, mit einem Herrn zu tun haben, der mit seinen Absichten in hinter- bältiger Weise zurückhält.(Zustimmuitg bei den Sozialdemokraten. Unruhe rechts. Ruhe: Zur Ordnung!) Abg. Dr. Paasche(natl.): Die Vorgänge in der Budget- kommission sind vom Staatssekretär richtig dargestellt. Von seiner Erklärung, daß die Arbeitcrentlassungen nicht vom Marmeamt der- anlaßt sind, nehmen wir mit Befriedigung Kenntnis. Abg. Erzberg«(g.): Auch ich kann die Darstellung des Staats- sekretärs bestätigen. Damit schließt die Debatte. Der Marineetat wird bewilligt, desgleichen debotteloS die Etats der Reichsjustizverwaltung und deS Reichs» schatzamtS. Es folgt der Etat des Rdchsholomalamts und der Schutzgebiete. Abg. Dr. Armvg(natl.) verbreitet sich über den Fall, in welchem eine in Berlin erlassene Zollordnung für die Schutzgebiete vom obersten Gerichtshof in den Kolonien für rechtsungültig er- klärt ist. Abg. Erzberg er(Z.) freut sich, daß die Erregung in Südwest- afrika über die Diamantenfrage im Abflauen begriffen sei. Durch enlrüsteteS Sturmlaufcn angeblich geschädigter Aktionäre wird sich der Reichstag leinen Schritt von femem Wege abdrängen lassen. (Beifall.) Staatssekretär Dernburg: Man ist sich in Südlvestasrika darüber einig, daß nach Erlöschen des Aufstandes die AuSnahniebestimmuiigelt über das Zollwescn aufzuhören haben und die Zölle in der regulären Höhe zu erheben find. lieber die Diamantenfrage habe ich mich in der vertraulichen Konunissionssitzuiig genügend ausgelasten, und ich möchte in Hinblick oui die Vertraulichkeit meiner damaligen Mitteilungen sie hier nicht wiederholen.(Beifall.) Abg. Dr. Paasche(natl.): Die Verordnung bell. Nachverzollung scheint mir denn doch keineswegs einwandsfrei zu iein. Erst hat der Kolonialfiskus sich auf einen Prozeß eingelösten: als dann gegen ihn entschieden wurde, kam die Verordnung, die in diametralem Gegensatz zu der Gerichtsentscheidung steht.(Hört? hörtl) Da« RecktSgefühl in den Kolonien wird durch solches vorgehen nicht gefördert. Staatssekretär Dernburg bestreitet, daß irgendwelche emstliche Bedenken gegen die Verordnung vorliegen. Abg. Dave(Fortschr. vp.): ES macht immerhin keinen guten Eindruck, daß der Staatssekretär sich erst aus ein Schiedsverfahren emläßt, dann aber, als dieses gegen ihn ausfällt, mit einer Ver- ordnung kommt Wirklich helfe» kann hier nur die Einickränkung deS kaiserlichen Vcrordnungsrechts uird die gesetzliche Festlegung der kolonialen Recktsverbältniste.(Zustimmung links.) Abg. Prinz SchSnaick-Earolath(natl.) rügt im Anschluß an einen Artikel in Harbens.Zukunft*, daß Stationsvorsteher in Kamerun bei GerickiSverhandlungen von eingeborenen Händlem verlange». daß sie englisch sprechen. Dadurch wird bei den Eingeborenen der Eindruck erweckt, al« ob Deutschland ein Vasallenstaat Englands sei. Stnaislekretär Dernburg: Der betreffende Oberleutnant und Stationsvorsteher hat wahrscheinlich den eingeborenen Händler und dessen Deutsch nicht verstehen können. ES gibt ja auch in Deutsch- land Leute, deren Deutsch man nicht versteht.(Große Heiterkeit.) Der Etat wird hieraus bewilligt; ebenso deballeloS eine Reihe weiterer Etats. Es folgt der etat der polt- und Celegraphenvcrwaltung. Abg. Znbcil(Sog.): J[ch habe neulich über Beschwerden von Postunterbeamten in Kassel geredet, die über die Art und Werse mit Recht Klage führen, wie sie von reichSverbändlertschen Vorgesetzten terrorisiert werden. Ich habe daraufhin von der GesangSabteilung des Post- und Tele- graphen-UnterbeamtenvereinS einen Brief eichalten, in dem unter Bezugnahme auf meine Ausführungen u. a. gesagt wird: „Weder hat unser Bezirkschef, ver Herr Geheime Oberpostrat Hoffmann, sich jemals oder in irgendeiner Weise darum geküm- mert, bei welchen Anlässen die GesangSabteilung in die Oeffent- lichte it tritt, noch hat der Herr Geheime Obcrpoftrat Hoffmann irgendwie seine Stellung uns gegenüber durch irgendeinen Druck gemißbraucht, noch hat irgendeines unserer Mitglieder sich mit einem Angehörigen der sogtaldemokratischen Partei in Verbindung gesetzt, damit solche Sachen im Reichstag zur Sprache gebracht werden möchten... Wir werden uns auch für dre Folge durch solche verleumderischen Darstellungen, wie sie von Ihnen in der erwähnten ReichStagSsitzuirg vorgebracht sind, unser freies Beftim- mungSrecht über das, was wir für gut und paffend halten, nicht beeinträchtigen laffen. Zur Berichtigung Ihrer unwahren Be- hauptung übergeben wir dieses Schreiben gleichzeitig mit der Ab- sendung den Zeitungen zur Veröffentlichung." Darauf habe ich folgendes zu erwidern: Ich habe von dem, waS ich geragt habe, nicht ein Wort zurückzunehmen. Wenn es noch«ineö Beweises für die unwürdige Abhängigkeit bedurft hätte, unter der die Angestellten der Post leiden, dann ist er geraSt durch dieses Schreiben erbracht.(Sehr wahrl bei den Sozialdemokraten.) Der Brief ist, wie ein Blick auf ihn beweist, weder aufgesetzt noch geschrieben uon den Unterbeamten, die ihn unterzeiainet haben. Gerade dieser Brief beweist, wie unerträglich der Druck ist. unter dem speziell die Angestellten der Post in Kassel leiden(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten); er beweist, wie viel noch zu tun übrig bleibt, um auch den Beamten die politischen Rechte zu er- kämpfen, die es ihnen ermöglichen, ihrer Ueberzugung gemäß zu Handelm(Bravok bei den Sozialdemokraten.) Abg. Scherdemann(Soz.): Ich habe jüngst bei derselben Gelegenheit 7ster eine Beschwerde verlesen, die an den Staatssekretär Kraetke gerichtet war. Die Beschwerde stützte sich auf Angaben von Angestellten des Kasseler Postamtes. Daraufhin ist mir von dem Post, und Telegraphen- unterbeamtenverband heute ein Brief zugegangen, der weder von einem Unterbeamten verfaßt noch geschrieben ist. J» dem Brief heißt c8; Der Inhalt meiner Beschwerde an Herrn Kraetke habe bei den Unterbeamten Entrüstung hervorgerufen. Wörtlich heißt eä in dem interessanten Schreiben: „Auch die von Ihnen angeführte Behauptung, daß sich Unter- Sdamle bei Ihnen beschwert hätten, weisen wir mit aller Eni- fchredenheit zurück, und zwar so lange, big Sie uns dal- Gegen- teil beaveisen bezw. die Namen der Iknterbeamten nennen.* Auch dies Schreiben ist ein neuer Beweis für die abscheuliche Svhcmgigkeit» unter der die Unterbeamten seufzen.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Da in meruem Brief auch von Beamten die Rede war, so darf ich ja wohl für die nächsten Tage auch einem von diesen ausgehenden ähnlichen Entrüftungs- schreiben entgegensehen.(Heiterkeit bei den Sozialdemokraten.) Ich soll Namen nennen. Ich wäre nicht wert, einen Tag länger Mitglied dieses Hauses zu sein, wenn ich es täte.(Lebhafte Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Ich wäre ein ebenso ver- ächtliches Subjekt, wenn ich Namen nennen würde, wie eS die sind, die ihre Macht mißbrauchen, um ihnen unterstellten Leuten Gesinnungen zu diktieren. Vizepräsident Erbprinz Hohesrlohe: Sie dürfen Staatsbehörden nicht vorwerfen, daß sie ihre Macht mißbrauchen.(Unruhe bei den Sozialdemokraten.) Abg. Schcidcmnnn(Soz.) fortfahrend: DaL habe ich auch gar nicht getan. Selbstverständlich bin ich gern bereit, auch in Zukunft Beschwerden von Unterbeamten und Beamten entgegenzunehmen. Nur empfehle ich speziell den Beamten in Kassel entsprechende Vorsicht angesichts der geradezu erstaunlich ausgebildeten reichs- verbändlerischen Spitzelei in Kassel.(Bravo! bei den Sozialdemo- kraten.) Ich möchte den Staatssekretär fragen, wann er endlich diesem elenden System der Mamelnckenzüchtung ein Ende bereiten will?(Bravo! bei den Sozialdemokraten.) Mg. Hengsbach(Soz.): Das Postamt in Meiderrch ist mit großer Verschwendung und großen Kosten erbaut, und jetzt schon, nach drei Jahren, zeigen sich Risse in den Wänden. Der Staatssekretär sollte nachforschen, wen die Schuld an solcher Verschwendung össent- licher Gelder trifft.(Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Staatssekretär Kraetke: Ich werde den Fall untersuchen lassen und sehen, ob Anlaß zum Einschreiten vorliegt. Was die beiden anderen Vorredner betrifft, so fallen ihre Anschuldigungen derart aus dem Rahmen des parlamentarisch Zulässigen heraus, daß ich es unter meiner Würde halte, zu antworten.(Beifall rechts. Lebhafte Unruhe und Zurufe bei den Sozialdemokraten.) Abg. Scheidcmann(Soz.): Es ist ein bekannter alter Trick, daß, wen» man ein erbärmliches System nicht verteidigen kann, man sich auf den mangelnden guten Ton des anderen beruft.(Sehr wahr l bei den Sozialdemokraten.) Vizepräsident Hohenlohe: Wegen deS Ausdrucks.erbärmliches System* in bezug auf die Neichspostverwallung rufe ich Sie zur Ordnung.(Bravo I rechts.) Abg. Scheidcmann(Soz.): Ich bleibe dabei bestehen, daß alles, waS mein Freund Zubeil und ich hier gesagt haben, der Wahrheit entspricht. Ich frage Sie auf Ehre und Gewissen: Wenn Beamte zu mir kommen mit Beschwerden und sie werden nachher gezwungen, an mich zu schreiben, daß sie gegen das, was ich geiagt habe. Brolest erheben, daß das. waS ich in ihrem Namen vorgebracht habe(woher sollte ich es denn haben?), unwahr sei, können Sie sich dann eine Vorstellung davon machen, wie erbärmlich das System ist, unter dem diese Leute leiden?(Sehr wahrl bei den Sozialdemokraten. Unruhe rechts.) Vizepräsident Hohenlohe; Ich rufe Sie nochmals zur Ordnung l Abg. Scheidemann: Ich pfeife darauf! Abg. Zubeil(Soz.): Wir sind da? ja gewöhnt, das alles, Iva? von uns hier vorgebracht wird, einfach olö unwahr hingestellt wird. So war eS gegen- über den Klagen der Postillione, die ich jahrelang hier vorgebracht habe und die jetzt durch ibre Abstellung als berechtigt anerlannt sind. Ich kann mich den letzten Worten meines Freundes Scheide mann nur anschließen. Staatssekretär Kraetke: Die Herren betonen, daß alle?, wag sie vorbringen, der Wahrheit entspricht. Herr Zubeil hat aber vor kurzem einen Fall aus Zeitungsnachrichten vorgebracht, den wir nach Prüsimg als unwahr bezeichnen mußten. Dann sollte er in solchen Fällen auch den Widerruf der Zeitung lesen. Der Postetat wird bewilligt. Einige weitere Etats sowie das EtatSgefetz werden fast debotteloS erledigt. Der Etat im ganzen wird gegen die Stimmen der Sozial- demokraten angenommen. Die Petitionen zum Etat werden für erledigt erklärt. Damit ist die Tagesordnung erschöpft. Abg. Dr. Wicmrr(Fortschr. Vp.. zur Geschäftsordnung): Ich bin genötigt, auf einen Vorgang zurückzukommen, der sich zu Beginn der Sitzung in persönlichen Bemerkungen zwischen dem Abgeordneten v. Oldenburg und drei Mitgliedern, von denen zwei der Fortschritt- lichen Bolkspartei angehören, abgespielt hat. Nach dem stenographischen Bericht hat die schwer verletzende Aeußrrung des Abg. o. Oldenburg Beifall auf der rechten Seile gefunden. Im Interesse der parlamen- tarischen Arbeit halte ich«S für geboten, an die konservative Partei die Frage zu richten, ob sie die Lellßerung ihres Mitgliedes, deS Abg. v. Oldenburg billigt. Abg.». Normann(k.. zur Geschäftsordnung): Ich stelle fest daß wir in den Ausführungen der Abgg. Dr. Müller-Meiningen und Haußmann schwere Beleidigungen gegen den Abg. v. Oldenburg gefunden haben, daß wir infolgedessen verstehen, daß Herr v. Oldenburg schwer gereizt war. Ich erkläre aber außerdem, daß wir den Ordnungsruf des Herrn Präsidenten an den Abgeord» neten v. Oldenburg für voll berechtigt halten, und ich erkläre weiter. daß wir den Ausdruck des Abgeordneten v. Oldenburg, auf den Herrn Dr. Wiemer hingedeutet hat, mißbilligen, aber ebenso miß- billigen wir auch die Ausdrücke, welche die Herren Dr. Müller- Meiningen und Haußmann vorher gegen den Abgeordneten v. Olden- bürg gebraucht haben.(Lebhaftes Bravo I rechts.) Abg. Dr. Wiemer(Fortschr. Vp.): Ick stelle fest, daß die von Herrn v. Normann erwähnten Leußerungen meiner Kollegen Müller- Meiningen und Haußmann von dem Herrn Präsidenten nicht gerügt worden sind, gegen die parlamentarische Ordnung jedenfalls also nicht verstoßen haben. Wir nehmen mit Genugtuung davon Kenntnis, daß die konservative Fraktion die alle Grenzen deS parlamentarischen Verkehr? übersteigende Leußerung des Abg. v. Oldenburg mißbilligt. Der Herr Abg. v. Oldenburg hat diese Derißerung nicht zurückgenommen. Ich erachte eS als selSstverftiind- lich, baß ihm gegenüber die BerkehrSfaruien«ich» gewahrt«erde» können, die sonst unter Kollegen in diesem Hause üblich sind.(Leb- hafte Zustimmung linkS.) Abg. v. Oldenburg(k.): Auf einen groben Klotz gehört ein grober Keil. Wenn Sie Ihre Aeußerungen zurückgenommen hätten. hätte ich das meinerseits auch getan.(Gelächter links. Schweigen rechts.) Abg. Dr. Müller-Meiningen(Fortsch. Vp.): Herr v. Normann hat von schweren Beleidigungen, die ich gegenüber Herrn v. Olden- bürg ausgesprochen hätte, hier gesprochen und davon, daß Herr v. Oldenburg sehr gereizt gewesen sei. Ich habe gesagt: Der bayerische KriegSminrster spricht von einer Entgleisung de» Herrn v. Oldenburg und einer Geschmacksverirrung, auf die man überhaupt gar nicht näher eingehen sollte. Er gibt also Herrn v. Oldenburg eine Ohrfeige und beteuert im selben Moment, daß er eS nicht getan habe. AuS der Schlnßbemerkung, die Herr v. Oldenburg vorhin machte, geht hervor, daß er den Reichs- tag als de» Ort angesehen hat, in dem er gewissermaßen einen persönlichen Ehrenhandel zwischen ihm und dem bayerischen Kriegs» minister abzumachen habe. Ich glaube, daß ich als Mitglied dieses hohen Hauses berechtigt war, nachdem Herr v. Oldenburg hier diese Sache publik gemacht und in die parlamentarischen Formen gekleidet haß auch meinerseits eine Krftil daran zu üben.(Rufe rechts: Aber nicht in bekeidigender Form I) Ich glaube, daß ich in keiner Weife eine Form gewählt habe, die Herrn v. Oldenburg berechtigte, mehreren Mitgliedern dieses Hauses in solcher Form die Ehre ab- zusprechen.(Lebhafte Zustimmung links.) Abg. v. Oldenburg(k.): Was zwischen dem bayerischen Herrn Kriegsminister und mir hier zur Erledigung gekommen ist, geht nur dem bayerischen Kriegsminister und mich au.(Stürmisches Oho! links.) Außerdem bemerke ich, daß Herr Dr. Müller-Meiningen ge- wüßt hat, daß diese Sache die Beilegung eines Ehrenhandels war. lHört! hört! rechts.) Die Linke hat diese Erklärung mit Lachen auf» genommen. Daraus haben die Herren, die mich angegriffen haben, ihre Antwort bekommen. Im übrige» erkläre ich, dag ich selbst- verständlich den Herren Dr. Müller-Meiningen und Haußmann jederzeit smit überlaut schreiender Stimme) zur Berfügmrg stehe. (Stürmisches anhaltendes Gelächter auf der Linken.) Abg. Kreth: Da gibts nichts zu lachen l(Erneutes stürmisches Gelächter links.) Abg. Bebel(Soz.): Unter den Mgeordneten, die der Abg. Oldenburg-Januschau heute nachmittag verletzte, befand sich auch mein Parteifreuird Abg. Noske. Wir haben darauf verzichtet, auf diese Aeußeruug irgendwie in einer Form zurückzukommen, denn wir sind bereits so an die bekamiten Formen des Herrn v. Olden» bürg gewöhnt, daß er in gar kerner Richtung uns zu verletzen im» stände ist.(Stürmische Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Abg. HauSmann(Fortschr. Vp.): Herr v. Oldenburg hat jetzt seinem Verhalten die Krone aufgesetzt, indem er im öffentlichen Parlament Herausforderungen zum Duell ergehen ließ.(Stürmische Zustimmung links.) Das war bisher noch nie in diesem Hause üblich, und das zeigt hier aufs neue, wie unsachlich und persönlich der Abg. v. Olden» bürg den Ton im Hause degradiert und eine Verrohung des HauieS herbeiführt.(Erneute andauernde lebhaste Zustimmung links. Un» ruhe und großer Lärm rechts, wiederholte Rufe: Zur Ordnung! Stürmische Unruhe im ganzen Hause.) Präsident Graf Schweriu-Löwitz: Ich bemerke zunächst, daß ich eine Herausforderung in den Worten des Herm v. Oldenburg nicht erblickt habe.(Rufe: Nanu l und stürmischer Widerspruch links.) Sonst würde ich seine Ausführungen entschieden gerügt haben. Sie dürfen aber dem Abg. v. Oldenburg auch nicht vorwerfen, daß er zur Verrohung des ToneS beitrage.(Lebhafte Zustimmung rechts, erregte Zurufe linkS: Aber wie l) Abg. Haußmann(Fortichr. Vp.): ES ist noch niemal» vor» gekommen, daß ein Abgeordneter einem anderen Abgeordneten er» klärt bat. er habe in Ehrensachen keinen Standpunkt, und dem» gegenüber darf das gesagt werden, was ich gesagt habe. (Sehr wahr! links.) Ebenso ist eS sicher, daß im Munde des Herrn v. Oldenburg die Worte:»Ich stehe zur Verfügung* keinen anderen Sinn haben konnten als den einer junkerlichen Heraus» forderung.(Allgemeine lebhaste Zustimmung links.) Deswegen beschränke ich mich darauf, zu erklären, daß angesichts dieses würde» losen Verhaltens...(Lebhafte Zustimmung links, Lärm rechts.) Präsident Graf Schwerin: Sie dürfen auch diesen Ausdruck nicht gebrauchen. Ich bitte, nicht unnötigerweise zu einer Verschärfung der Diskussion beizutragen. daS läßt sich alles in ruhigen parlamen» tarischen Formen erledigen! Abg. Haußmann:... Dann sage ich, daß angesichts dieser Kwderei...(Stürmische Zustimmung links. Lärm rechts.) Präsident Graf Schwerin: Auch dieser LuSdmck verletzt die Ordnung de« Hause». Abg. Haußmann(fortfahrend):... der Eindruck, der sich bei uuS bilden muß, nur der ist, den mein Vorstand, der Abg. Dr. Wiemer, dahin gekennzeichnet hat. daß wir mit dem Abg. v. Oldenburg den persönlichen Verkehr nicht anstecht zu halten vernrögen, daß wir diesen Don Ouichote nicht mehr ernst nehmen!(Stürmische Zu» stimmung links, andauernder Lärm rechts, große Erregung im ganzen Hause.) Der Präsident beraumt die nächste Sitzimg an auf DienS» tag. den 12. April, nachmittags 2 Uhr und schlägt für die TageS» ordnung kleinere Vorlage» vor. Abg. Bebel(Soz.): Es liegen eine Reihe von Wahlprüfungen vor, bei denen die Kommission Ungültigkeitserklärung beschlossen hat. Wir haben mit Rücksicht aus die Beendigung der Etatsberatung bisher davon abgesehen, die Beratung über Wahlprüfungen zu bean- tragen, möchten aber jetzt dringend bitten, daß sie auf die erste Tagesordnung nach Ostern gesetzt werden.(Zuruf: Zweite!) Jedenfalls auf eine der nächsten Sitzungen nach Ostern.(Lebhafte Zustimninng bei den Sozialdemokraten.) Präsident Graf Schwerin sagt die« zu und entläßt die Ab« geordneten mit herzlichen Osterwunschen.(Bravo!) Schluß 5'/« Uhr._ Klus der parteu Gemeindewahlsiege. In Fechenheim bei Frankfurt a. M. erzielten DienS» tag die Sozialdemokraten bei der Gemeindewahl einen glänzenden Sreg. Sie erhielten in der 3. Klaffe 514 Stimmen, die Kandidaten der Farbwerkspartei nur 414 Stimmen. Die bereinigten Frei» sinnigen brachten es gar nur auf 18 Stimmen.> In einer Reihe von anderen Gemeinden im Hanauer, Höchster und Wiesbadener Kreis hat die Sozialdemokratie in den letzten Tagen in der 3. und zum Teil sogar in der 2. Klasse gesiegt, zum Teil sogar in den Gemeinden, in denen wir früher noch nie einen Sitz hatten. Auch in den Vorortgemcinden von Wiesbaden, Loppenheint und D i e r st a d t, hat die Arbeiterschaft Dienstag in der 3. Klaffe gesiegt. In Salza im Wahlkreis Nordhausen eroberte unsere Partei die Majorität im Gemeindeparlament. Ihr gehören 12 Sitze, während die Bürgerlichen nur über 8 verfügen. In Lahr(Baden) hat bei der B ü rge ra u s k ch u ß w ah l in der dritten Klasse die sozialdemokratische Liste mit sehr großer Mehrheit über die nationalliberale Partei und die Fortschrittliche Volkspartei gesiegt. Die beiden Parteien haben zusammen kaum halb so viel Stimmen ausge» bracht wie die Sozialdemokratie allein. Sie hat damit die günstige Position, die sie bei der LandtagSwahl errungen hatte, belMuptet. Bis vor wenigen Jahren besetzte die nationalliberale Partei noch den ganzen Bürgerausschuß. Personalien. Genosse DonalieS, der bisherige Expedient der„Königsberger Voltszeiwng*. wurde von den Vertrauens» leuten zum Parteisekretär für Königsberg ge» wählt. An Stelle des Genossen Donalies wurde Genosse Mer» tinS-Memel zum Expedienten der„Volkszeitung" gewählt, poUreillcde», Hcrlcbtiichea ukw» Wie man uns behandelt. Ein hübscher Beitrag zu diesem großen Kapitel ist die folgende an den R e g r c r u n g s p r ä s i d e n t c rr zu Wiesbaden ge- richtete Beschwerde dcS Genossen Kurl Kirchner. Journalisten zu Frankfurt a. M., gegen den dortigen Bolize, Präsidenten� Do» Schriftstück lautet» S«, 15. Februar veaniraabe ich bei dem Zerrn Pslizeipräsidenien zu Frankfurt a. M.. mir eine Presse-Ausweiskarte zum Betreten polizeilich abgesperrter Oertlichkeiten auszustellen. Ter Herr Polizeipräsident lehnte meinen Antrag durch Schreiben vom 4. März ab. Ablehnungsgründe waren in diesem Schreiben mcht angeführt. Ich nahm deswegen mit dem Herrn Polizeipräsidenten persön- Och Rücksprache. Dabei betonte ich. dast fast sämtliche Per-. treter bürgerlicher Zeitungen Frankfurts im Besitze einer derartigen polizeilichen Legiti- mationskarte sind. Es könne doch nicht gut ein Unterschied zwischen sozialdemokratischen und bürgerlichen Berichterstattern gemacht werden. Der Herr Polizeipräsident gab dann als Gründe für die Ab- lchnung meines G«iuches folgende an: 1. Die Vertreter der sozialdemokratischen Presse würden die Karte wohl benützen, um bei Absperrungen die Situation Jiber- schauen zu können, würden aber dann nicht objektiv über die Vorgänge berichten. 2. Die sozialdemokratischen Journalisten könnten mit der Karte insofern Mißbrauch treiben, daß sie bei Absperrungen auf Grund der Ausweiskarte die Schutzmanns- kette passieren und hinter der Kette einen neuen Auf- lauf veranlassen. Die M'lehnungsgründe des Herrn Polizeipräsidenten sind M. E. nicht stichhaltig. Zu 1 möchte ich bemerken— ich führte dies auch schon dem Herrn Polizeipräsidenten gegenüber an—: Wenn die Polizei die Vertreter der Presse bei Ausübung ihres Berufes dadurch unter» stützt, daß sie ihnen eine Karte zum Betreten polizeilich abgesperrter Oertlichkeiten ausstellt, dann kann sie daran nicht die Bedingung knüpfen, in einem der Polizei genehmen Sinne zu berichten. Der Herr Polizeipräsident hat bei seiner Bemerkung, die sozialdemokratische Presse würde bei Absperrungsmatzregeln der Polizei nicht objektiv berichten, wahrscheinlich die Vorgangs vom 13. und 17. Februar in Frankfurt a. M. im Auge gehabt. Die Schilderung und das Urteil über diese Vorgänge waren aber fast in der ganzen Presse von Frankfurt a. M.— ohne Unterschied der politischen Richtung— einmütig. Die Befürchtung bei 2 ist unbegründet, weil ein Einzel- ner auf einem abgesperrten und nur von wenigen Personen bc« setzten Platz keinen Auflauf veranlassen kann. Ich beantrage daher: Der Herr Regierungspräsident möge dem Herrn Polizcipräsi- Kenten zu Frankfurt a. M. aufgeben, die Vertreter der Presse ohne Rücksicht auf ihre politische Stellung gleichmätzig zu behandeln, und mir, als Herausgeber einer Korrespondenz für sozialdemo- kratische Zeitungen, eine Ausweiskarte zum Betreten polizeilich ab- gesperrter Oertlichkeiten auszustellen. Das Schreiben bedarf keiner Erläuterung. Der Descheid de» Herrn Regierungspräsidenten ist dem Genossen Kirchner noch nicht zugegangen._ Swn Japan. Von S, Katayama lTokio).— Verurteilung aus unbestimmte Zeit. Von Maynard Shipley(Oakland, Kalisornlen). Autorifierte Uebenetzung aus dem Englischen von Einst Untermann.— Die SeemannSordnung, Von Konrad Miß— Literarische Rundschau: Genosseiischastsliteratur. Von H, Fleißner, — Notizen: Der Kamps um den Arbeitsnachweis. Von I. Kliche.— Zeit- schriftenschau. Feuilleton der»Reuen Zeit' Nr, 27: DaS westfAIsche Bulletin, Von F. Mehring. Die gewerblichen Künste im Umkreis der Architektur, Ein Stück moderner Kunstbewegung. Bon Joseph Aug, Lux, — Die Frelllgrath-Legcnde. Bon Wilhelm Bios.— Bücherschau: Er« tag. sche nnerimgrn eineZ Waisenknabe». Ich suche meine Mutter. LebenSmIit«! Lose Blätter: gerdinaud Floceu. Hamburger Theatersragen. Ghinefts Zustände._.__, Die»Nene Zeil' erscheint wöchentlich einmal und ist durch alle Buch» Handlungen. Poftanstalien und Kolporleure zum Preise von S.Lä M. pr» Ouanal zu beziehen; jedoch kann dieselbe bei der Post nur pro Quartal abonniert werden. DaS einzelne Heft kosiel 25 Ps. Vrobenrmimern stellen jederzeit zur Bersügung. Fnckiblatt für Holzarbeiter. Hcst 3. HeranSgegeb-n vom Deutschen Holzarbeiter-VerbanS in Berlin. Ersazcint am 15. jeden MonatS. 1 Mark pro Vierteljahr. Verlag Berlin 0. 2, Neue F-Iedrichstr. 2. Der Charakter. Von S.-miles.— Die drei Evangelien. Von Dr. H. Schmidt. Einzelb, 1 M. 2t. Kröner, Leipzig, DaS Lohndrschllignahmegesetz u«d seine Wirkungen aus die Privatangestellten. Bon H. Wronker. SlZ Pj. Rechtsverlag, Leipzig. Wasserstauvs-Rachrtckiteu der Lanbesanstalt für Kewäsierkunde, mitgeteilt oow Berliner Weiterbureau. Laiserstand Memel, TMI V r e g e l. Jnsterburg Weichsel. Tboru Oder. Ratibor » Krollen , Fmritiitrl Sa r I d e. ätbrimm » LanSSberg Netze. Boroamm Elbe. LeMneritz , Dresden » Bardo . Magdeburg 1-1- Last erstand Saale. Grochlttz Havel, Svandauf) , Ziatbenow') Spree, Sorcnrberg') , BeeStow Leser. Münoen , Minden Rhein. MlunmitianSau , Kaub , Köln Neckar. Htilbronn Main, Lerthena Mosel. Trier B llnierveael. Freitag, den 18. März. Ansang l'lj Uhr. König!. Opclmhauö. RIgvIetto. Köiiigi. SttmiispirlhauS. Der Schlagbaum. Wenre köntgl. Opern.Tdeater (Aelchiossem DeulichrS. Der Widerspenstige» Zähmung. Kummerspiele. Der gute König Dagobert.(Ans. 3. Uhr.) kleines. Luxuszug. Antang 8 Uhr. Berliner. Talsun. Lrssing. Baumeister Solnetz. Neues. Die goldene Ritlerzcit. Neues Setiauiptelvaus. Der Herr Verteidiger. Westen. Die geschiedene Frau. Komische Qver. Der polnische Jude. Rcure Overettr». Der Gras von Luxemburg. Trianon. Theodore u. Sie. Residenz. DaS Nachtllqt.»» Der selige Oewve. Thalia. Die Dorfkomtesse. Echilier«» sviimin rbentn.) Wallensteln» Lagen. Die Piccolo- mint. Sch.»> Eharlotteuburg. Nene Lugend. Nri> reich> WilhelmstüdlischeS. Streber. Gastspiel. Mttz Dudelsack.(Anfang S'l, Uhr.) Hebbel. Kavaliere.(Ans. 8'/, Uhr.) Bolksoper. Die lustigen Weiber von Aindsor. Luisen. Was Gott zusammenfügt. Maie. Die Ehre. Slistspiekhauo. Der dunkle Punkt. Met'»,.»',. Halloh II— Die große Revue. nun QDOI □□□I Thealer und Vergnügungen FolieS Eaprice. Herr Wasserkrops. Der Lustturner.(Ans, 8>/. Uhr.) Castno. Berlin bei Nacht. Gebr. Hcrrnfcld. Es lebe daS Nachtleben.— Die Original- KlabriaSpariie. Maduyeaier Moabit. Geschloffen. Noack. Der Widerspenstigen Zäh- mung. Voigt. Die Geier-Wally. Ap-»». Der Zechpreller. SPezta- litüten. Winiergarten. Spezialitäten. Rcichstiiibc». Steltiner Sänger. Palast. Spezialitäten. Pni-ngc. Spcziatiläten. Karl Havcrland. Svczialltätea. Walhalla. Spcziaiiläien Buggcnhagcn. Spezialitäten.(An» 7°,. Uhr). Urania. L»»b«iistrafte tN/4». Abends 8 Uhr: Im Auto quer durch Afrika. Gtern»»rir, Jnvalideiiftr. 57— 62. l,c«siiiK-Theater. S Uhr: Baumelfter Soluest. Sonnabend, 8 Uhr: Das Konzert. Sonntag, 3 Ubr: Die versunkene Glocke. 8 Uhr: DaS Konzert. 'Berliner Theater. Heute S Uhr: TalfUll« Morgen: Talfun. Ueiiks Theater. DbendS 8 Uhr: Die pldene Ritterzeit. Morgen und folgende Tage: Die golittlle Kiiterjkit. Idesler lies Uesleas. Abends 8 Uhr: Die geschiedene Frau. Sonnt. 3'/. Uhr: Dcr sidcle Bauer. kR8itiSR?IttDStSs Direktion: Richard Alexander. AbendS 8 Uhr: Das Nachtlicht. Schwank in 3 Akicn v. M. ZamacotS. Hierauf: Der selige Oktave. BmleSke in i Akt von DvcS Mirauie lind Heml GSroule. Urania, Wissenschaftliches Theater. Abends 8 Uhr: Im Auto quer durch Afrika. Lustspielhaus« Abends 8 Uhr: Der dunkle Punkt. Morgen nachm. 3 Uhr Sonder. Vorstellung: Der Liebrstempel. Friedrleh-WiltielmsMiscties Schaospielhaos. Freitag, den 18. März, abends 8 Uhr: StrebSr. Sonnabend: Die Großstadtluft. Sonntag nachm. 3 Uhr: Die Jung- frau von Orleans. Abends 8 Uhr: Im bunten Rock. Montag: Streber._ Nene« OpernCtm-Theater. Heute imd folgende Tage 3 Uhr: Der Gras von Lnxembnrg. Sonntag nachmittag 8 Uhr zu er- mäßigten Preisen: Her Zlgeonarbaron. Gastspiel-Theatep. 8'/, Uhr: Iiis« DudelMOcb. Morgen und folgende Tage: Wllnn Dndclsack. Msoper. SW, Velle-Alliance-Straße Nr. 7/8. AbendS>/,3 Uhr: vie lustixen>Veiher von VVindsor. i.Di8RD-IItöa!ss. Benefiz sQr Rudolf Schöna«: VW M ziisniil. Schauspiel in fünf Akten von Ernst Ritterscldt nach freier Benutzung einer Erzäbkung von CourihS-Mahler. Sonnabend nachm. 4 Uhr lehie Kindervorstellung: Schoeeweißchei: u. Rosenrot. 8 Uhr: WaS Gott zu- sammenfügt._ OSE=THEATE i Große Frankfurter Str. l32, Uhr. Ende 11 Uhr. I Ans. 8 Uhr, Die Ehre. Schauspiel m 4 Allen v. Sudermann, Sonnabend nachm.: IVVI Nacht. Abends: Die Ehre. Sonntag nachm.: Deboratz. Abends: Die Ehre._ Hetropol-Theater Abends 8 Uhr: Hallo!!! Die große Revue! In 8 Bildern von Jul Freund. Musik v. Pnul Lincko. In Szene gesetzt vom Dir. Eich. Schultz. Anfang 8 Uhr. Rauchen gestattet Der größte Lacherfolg; «'/, tlhr t 8'!, Uhr: Der Zechpreller. Posse mit Gesang in 2 Akten mit Konrad Dreher«. G. Vorher ab 8 Uhr: vi« großen Wpcxialt taten. stellt Uer-Tlicater. Schiller-Tbaater 0.(Dallner-Theat.) Freitag, abends 8 Uhr: W»Il«?nHte>nN I.aeer. Hieraus: Die Plcoolonilnl von Friedrich Schiller. Ende 10'/, Uhr. Sonnabend, abends 8 ll h r: KolckLsovo. Sonntag, nachm. 3 Uhr: Viel Lännea am nicht«. ig, Die ZwllllngBschweater. Schiller-Theater(Charlottenburg). Freitag, abends 8 Uhr: lVeae Jugend,(iohan Ulfeljerna.) Schauspiel m 5 Akten v. Tor Hedberg, Deutsch von Hermann Blocher. Ende 10'/, Uhr. S onnabend, nachm. 3 u h r: Die Besät von ülesslna. Sonnabend, abends LUHr: Bgmont. Sonntag, nachm 3Uhr: Der Meineid baaer. IS onntag, abends Ü Uhr» H»n« Bange._ Brauerei Friedrichshain am Königstor. Gröfttcr Konzertsaal Berlins. März(1. Oftcrfeiertag) bis zum 3. April: lilncke-Woclie. Com 37. Paul Große Konzerte i-. unter persönlicher Leitung des populäi-en Komponisten Dan! I-inekv mit seiner Kapelle(4V Künstler). Ansang an Sonn« und Festtagen 6'/, Uhr, Wochentag? 8'/, Uhr. Entrce 50 Ps., reservierter Platz 75 Pf. Dillett« im Vorverkauf zu ermäßigten Preisen(40 resp. Ps.) bei Zucht, Jmmanuclktrchstr. 12, Hahnisch, Auguststr. 50, und Petersburger Platz 4.___ Mann, Das Dreigeslirn weiblicher Schönheit, Grazie o. Konsl Rosario Guerrero Marie Lafargue Odette Valery und die anderen — Star-AttraktioneD.— ä Passage-Theatei. Abends 8 Uhr: Das � gesellschaftliche {Ereignis von Berlin « Auftreten der schünen Letantwortlicher Redakteur Richoro Karth, Berlin. Für den i Ästers Diäte? In stiren historischen Ttznj Georg Kaiser Schneider- Dnucber lond das große Programm! Passage-Panoptikum Senegal in Berlin! {|ll wilde Weiber Männer, Kinder. Drei Negerdörfer Ohne Bxtra-Bntreet Trianon-Theater. Heute und folgende Tage. 3 Uhr: Vhcodoce& Cie. Sonntag nachm.: Pariser Witwen. Koni' irkan-sq-W« arrasani alter Botanischer Garten. Freitag, den 18. KBra, abends 8 Uhr: Zs MV mit einem rein zixzonaischen Programm. Ab VI, Uhr: Forteetzung1 der Ringkampf- Konkurrenz unter dem Protektorat des Herrn Prot Reinhold Begas. Es ringen; Streng« gegen Cazeani de Baitleia. Michailen gegen Schwarz. lastartesse gegen Koch. Freitag, de» 18. März. abends 7Vi Uhr: Außerordeutl. gr. Vorstellong ksrdarentZnze der kl Ichnve», II Personen Dil». Alhcct Schnmnnn, neue und m dorne Dressuren. Die Amerikaner Aerisl Shaws. MiC Silva Eioyal dressierten Tauben. Ringkampf«Parodie der ElohM dt« dan» und Ootrell. Um 9'/, Uhr Ende 11 Uhr Die drei Rivaleo. Sonntag zwei Vorstellungen. Nachm. und abends ungekürzt: Die drei Rivale». Nachm. ein Kind frei, wettere Kinder halbe Preise. fmsm Kommandamenstr. 57. Heute: 1. Serif des S.tt 4, 6083. großen Hmiistld-Mus. Die Original« Klabriaspartie und Es lebe das Nachtleben mit Anten und Oonat Herrnteld in den Hauptrollen. Ans. 8 Uhr. Vcrverkaus 11— 2 Uhr. Sonntag nachm. 4 Ubr: »ES lebe das Nachtleben.« 2, Serie: »Die beiden Bindelbands.« _»Klabriaspartie.» Diese Woche: | Faust,|_ a Tragödie u. W, v, Goetg« und äf .......... Palast-Theater. Burgstraße 24, am Bahnhof Börse. Internationale« Ringkampf-Championat am die IVeKmelaterschatt. Protektor: Herr Pros. H. Hundrleser. Preise; 10 000 M. in bar. Freitag, den 18. März: Entfcheidnngskampf: John Pohl-AbS II gegen Äimable de la Ealmette. Dieser Kamps, der am Mittwoch wegen Polizeistunde abgebrochen wurde, wird aus Verlangen d. Herrn Pohl zuerst auSgesochle», danach ringen, wenn eö die Zeit erlaubt ZippS gegen Charles d'AuverS. Winzer gegen Bervet. Vorher: Die glönrsntzcn SpeelalltZIen. Ans. 8 Uhr. Preis« 50 Ps. biS S M. Ait-Koablt 47/4«. Sonntag, den SO. März: Dorf ttitd StuM. Schauspiel st: 5 Aufzüge» v. Charlotte Birch-Pseifier. alka IIa Welnbergsweg 10-20, Rosenth.Tor. Ansang 8 Uhr: DaS große Progr, I Watt, das lsdende Llehlrirttäls- I«er!: o. die Obrlgen SperialilSten j | Tunnel: Die allsrgrdOte Kenne, Theaterbesuchern freier Eintritt I Vasinv-Tksaisn Lothringer Straße 07. Ansang S Uhr. Her Ii n bei Nacht. Posse ln llAlt v. G. Schätzler.Pörassini. Sonnt. 4 U.:£ lo deutsch. Freuer, her«. Sanssouci,£ZVer jaUidt-K nnino. HöizmarNstraße 72. Täglich: SpcztalltÄten esten Uanges mit Franz(Sobausbl. 0 Uhr: HohcitS Stebesroma«. A v l S I Grün-DomierStag und Oster-Sonnabend: Traum der Rose und Klippe»«ud Wellen. An deu L Olterseiertagen: lost- Vorstellung. Ansang tj Uhr.__ Mrrötüilcil rcrmitv:! Th, G.wck,', z!rrljn. Druck y. LerfsgTPvcwsrlxLcchkniSer:?». P-rtaLsanstglt � das � übrige hervorragende j Schlager-Pr ogramm. ~ SninSüPf., ohne Nachzahlung.' au Dauervorstellg. t». S— 11 Uhr. Sonntags von 3— ll Uhr. Direltien Wilhelm stslmer. Sonntag. Montag und Donnerstag: Hoteiis lordti. SSnp und Tanzkränzche». Stets«rneS, Hochakt. Soiree-Programm k Die drastischsten SV Schlager l"SM Bez. Sannt 5. wachen!, SU. Zirkus Busch. I Heuts Freitag, den 18. März, abends 7'/, Uhr präa.: Gp. Gala-Voretellune. Therese Filils. James Leon Fillis< Jan., Heinrich Rllis, in ihren s Produktionen d. hoben Schale l>le Hassans!! Hr. E. Sohrunann, Neudressor Reiterfamilie Proeerpi. Zwergclown Francois, Konstr Gigerlclown Alfred Daniels 9 Uhr ca. Ende lO'�Dhnj Die russ. Sensations-Pantomime[ Marja I Sonntag: Zwei Verstellungen. W.Koaeks Theater Onumeiifti. 16, am RosentHaler Tor. 1. Gastspiel von Karl Fried«» vom Bogl-Theater: Ser PerzMip Wmi Lustspiel In 5 Akte». Sonnabend: Der kleine fiord. Karl Haverland Ansang Theater, präz, 8 U 77)79 Kommandantenstratze 77/79. Neue erstklassige Spezialität. Heute nach d. Vorstellung: Ball. V oig t-Tlieater Gesundbrunnen Badstraße 68. Freitag. Die G eler- Schauspiel in& Akte» und etnem Vorspiel von Wilhekmwe». Hlllern. Montag, den Ll. Mär,: Benefiz kür Line und Karl Moeller: AuS dem Belke. Reielisliaiien-Tlieater. Stettiner Säneer ZumächlufesVort. Woche) Oer Nachtwächter von Zerpenechleuse vonMeysel. Ansang: Wockent. S Uhr. EonnlagS 7 Uhr. volles Lsprice 0er Luftturner. Kener hanter Toll. Herr Wasserkropf. Anfang S'/. Uhr. Vorvcrk. 1t— 2 Uhr. ♦ Uriushof| �Perleberser Strafie Ä6.J J Jeden Sonntn»:* ♦ Janl§ Springers| Kabarett, and Possen-Oesellschaft. Ant. Konz. 5 Uhr,, Verst. 7 Uhr. Tanz. Besitzer: Otto Ernerb SW., KrcazbergstraBe48. Jeden Freiing u. Montag: Großep Frei-Tanz. Sonntag: GfOOef BSÜ. Säte. 80—500 Pers. saff., Naturgarten f.iSOOPerf. und kul. Beding, z. vergib. Für den Inhalt der Inserate «bcrnimmt die{Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Berantwortung._ Singer& Ck. Snüo SM Nr. 65. 27. Iahrgavg. 2. KkilU te„ilatrairtü" ßtrlinct WIüidlM ftrifaj, 18. März 1910. StadtoerordneUti'Verfammlung. 10. Sitzung vom Donnerstag, den 17. M ä rz, nachmittags 5 Uhr. Der Vorsteher Michelet eröffnet die Sitzung nach 5� Uhr. Das Grundstück Köiiigstr. 7, welches 1bö9 von der Stadt zum Zweck der Strahenverbreiterung angekauft war. soll für 770 000 M. an den Kaufmann Berthold Israel verkauft werden. Stadtv. Manasse fSoz.) beantragt Ausschutzberatung, da doch Vielleicht ein höherer Preis zu erzielen sein möchte. Der Antrag wird von den Stadtvv. Dr. Gelpcke(Fr. Fr.), Jacobi und Haberland(A. L.) sowie vom Stadtrat Rast bekämpft und von der Mehrheit abgelehnt. Die Vorlage gelangt zur An- nähme. Hierauf wird die Spezialberatung des Stadthaushaltsetats für 1910 fortgesetzt. Stadtv. Giese(A. L.) berichtet über den Rest des Kap. IV. Unterricht lAbteilungen: Gemeindeschulen, Taub- stummenschule, Blindenanstalt, Wahlfortbildungsschulunterricht, Pflichtfortbildungsschulen, Gewerblicher Unterricht, Technische Mittelschule). An den in den Etat eingestellten Bauraten für neue Ge° meindeschulen hat der Etatsausschutz bei drei Positionen Abstriche von 100 000, 100 000 und 200 000 M. gemacht. Autzerdem wird folgende Resolution vorgeschlagen:„Den Magistrat zu ersuchen, in Erwägung zu ziehen, ob für auswärts wohnende Schüler, welche die Berliner Fachschulen besuchen, vom 1. April 1911 ab nicht höhere Schulgeldsätze erhoben� werden können." Stadtv. Ewald lSoz.): Wir müssen uns vorbehalten, auf die Streichung der 400 000 M. beim Hochbauetat näher einzugehen. Schon im Magistrat sind 2 Millionen am Hochbauetat abgestrichen worden. Man hat autzerdem nicht einmal Summen in den Etat für die Schulen eingestellt, deren Projekte schon fertig sind. Stadtv. Leid(Soz.): Mein Kollege Ewald hat schon betont, daß der diesmalige Schuletat in keiner Weise den An» forderungen entspricht, die wir an einen wirklich guten Schuletat stellen müssen. Er berücksichtigt in keiner Weise auch nur das dringendste Schulbedllrfnis. Schon vor Jahresfrist hatten wir eine Kommission eingesetzt zur Prüfung der Frage, wie weit Neubauten für Schulen in den verschiedenen Stadtgegenden nötig sind. Diese Kommission hat einen Plan ausgearbeitet, dem- entsprechend die Schulverwaltung den Bau einer grösseren Anzahl von Schulen Verlan gte. Tatsächlich liegen für drei neue Schulbauten genehmigte Projekte vor, so daß sie in An- griff genommen werden könnten. Wenn also unsere Schul- Verwaltung selbst das dringende Bedürfnis betont, so müßte dem doch nachgegeben werden; aber der Kämmerer ist mit dem Rot- st ist dazwischengefahren. Auch das Drängen der staat- lichen Schulbehörde auf Ersatz von feuergefährlichen Mietschulen findet keine Berücksichtigung. Es ist doch an sich schon traurig genug, daß die Stadt sich überhaupt auf diesem Gebiete von der Aufsichtsbehörde drängen lassen mutz. Durch eine solche Finanzpolitik wird weder dem Schulbedürfnis Rechnung getragen, noch die Finanzlage der Stadt gebessert, denn in den nächsten Jahren wird das Doppelte und Dreifache in den Etat eingesetzt werden müssen. Daß früher bewilligte Bauraten noch nicht ver- baut sind, sollte ganz ohne Einfluß sein. Für unser Bolksschul- Wesen ist eine solche Politik geradezu verhängnisvoll. Wenn die Regierung auch in Zukunft die Stadt auf diesen» Gebiete an ihre Pflicht mahnen»nutz, verwirken wir das Recht, in Entrüstung über Bevormundung der städtischen Schulverwaltung zu machen; eine Mehrheit, die so verfährt, arbeitet direkt der Selbstverwaltung entgegen.(Beifall bei den Sozialdemokraten.) Stadtv. Licbenow(A. L.): Von einer ungenügenden Be- rücksichtigung des Schull'edürfnisses kann absolut keine Rede sein. Wir sind stolz aus die Entwickeluirg unseres VolksschulwesenS und wollen es»nit aller Kraft fördern. In den letzten Jahren siird bis zu 40 Proz. der eingestellten Bauraten nicht verbaut worden.' Der Abstrich ist völlig gerechtfertigt. Stadtv. Jarobt: Die zur Verfügung bleibenden Mittel Verden tatsächlick» auch in diesem Jahre nicht verbraucht werden. Die Herren Sozialdemokraten treten hier für die SelbsWerwaltung ein und lebnen nachher den ganzen Etat ab. mit einem Wort— sie treiben Spott mit dem ganzen Etat.(Grosse Unruhe bei den Sozialdemokraten.) Ich beantrage Enbloc-Annahme der Abteilung„G e m e i n d e s ch u l e n". Stadtv. Preuß(soz.-fortschr.): Die Anrufung der AufsichtS- Kleines Feuilleton. IWirzenlied. Oncl als die Sonne am hetlltcn stand, rief es Ober das Mittagsland t Freiheit und Licht I Viel taufend fangen es Mann bei Mann und stimmten die mechende Meise an; Freiheit und Licht! Braun dringende Knospen in Busch und Baum jubelten selig; O Raum, nur Raum für freibeit und Licht I Und saß ein VSglcin im Zweig und fdiwang ins Blaue rieh auf und Weg und fang; freibeit und Licht! Da tönt ein plump und dumpf Bewirr,— Bufegehlapper und Säbelgeblirr; Mas freibeit und Licht! Mo habt ihr das Recht und wo die Lizenz} Oer Minter regiert, noch ift es nicht Lenz» nicht freibeit, nicht Licht- Huffprangen die Knospen in Bufch und Baum, Millionen sangen es hell in den Raum; Qns hemmen sie nicht, der SSbetbicb, das Pferdebein. Hus Märzensturm bricht Maienfchein und jpreiheit und Licht! ?osef Luitpold. Hetwcghs Flucht. Zu Ehren des 18. März erzählt die »Post" wieder einmal,„wie der damalige Genosse Georg Herwegh, der„Dichter" dcS bei den Genossen heute noch besonders beliebten frivolen Hetzliedes.Bet' und arbeit', ruft die Welt", seine Tapferkeit damals dadurch bewies, dass er im kritischen Augenblick sich unter daS Wagenpolster verkroch und von seiner Frau, die„Ad» jutantendienste' versah, sorglich zugedeckt wurde. Hernach ver» duftete der Held bekanntlich." Diese Geschichte ist nicht ein Beweis für die Feigheit der ver- antwortlichen Leiter von Volksausständen, fondern für die ver- ieumderische Feigheit der blutigen Henker der Revolution, die sich nicht damit begnügen, mit ihrer rohen Uebermacht die Vorkäurpfer der Freiheit zu würgen, sondern ihr Gedächtnis hinterher noch be- schmutzen. Auch die niederträchtige Spritzledergeschichte ist offenbar zurückzuführen auf jenes verlogene Siegesbulletü, des General-' leutnants v. Riller, der über die Niederlage der Herweghschen' behörde durch den Kollegen Leid kann ich nur sehr bedauern; es gibt dafür andere und bepere Gelegenheiten. Stadtv. Cassel: Der Vorwurf des Kollegen Leid ist völlig deplaziert. Wir würden keine Streichung vornehinen, wenn ein Schulbau dadurch auch nur um acht Tage verzögert würde. Wir haben bisher die Praxis gehabt, zuviel in den Etat einzusetzen; davon müssen wir abgehen. Der Gemeindeschuletat wird hierauf nach den Ausschutz- Vorschlägen en bloc angenonruten, ebenso die übrigen Spezial- etats des Kap. IV. Die mitgeteilte Resolution findet An- nähme. Stadtv. Loeser(A. L.) hat das Referat über die Abteilungen „Krankenhäuser" und„Irrenanstalten und Anstalt für Epileptische" aus dem Kap. Vl: Kranken- und Gesundheitspflege. Stadtv. Dr. Wey!(Soz.): Abgesehen von den Beschwerden über die Lage des Arbeitspersonals und abgesehen von den Be- schwerden, denen wir bezüglich des Virchow-KrankenhauseS ent- gegenzutreten bemüht sind, dürfen wir mit einer gewissen Genug- tuung konstatieren, daß die Verwaltung der Krankenhäuser im all- gemeinen auf einer gewissen Höhe steht, und daß wir hoffen können, daß sie sich allmählich zu Musteranstalten enttvickcln werden. Auch für sie mutz das Wort gelten, datz früher für die Frauen geprägt wurde: diejenigen sind die besten, von denen man am wenigsten hört. Die Aufmerksamkeit der Versammlung möchte ich auf den Plan der Errichtung eines Tuberkulose-KrankenhauseS lenken, welches unsere andern Krankenhäuser bedeutend entlasten würde. In den letzten 14 Tagen haben wir. in der Presse ver- nommen, datz der Magistrat sich einen neuen Gutachter, den Pro- fessor Robert Koch, Hai verschreiben lassen, dessen Anregungen so gediegen gewesen sein sollen, daß der Magistrat unter Ignorierung aller Gutachten der zuständigen Stellen und Korporationen den Auftrag habe erteilen lassen, ein einfaches Krankenhaus für er- wachsene Tuberkulose zu erbauen. Eine ganze Reihe von Korpora- tionen hat sich seit Jahren»nit dem Projekt beschäftigk; es schwebt git langem in der städtischen Verwaltung wie der Geist über den assern. Eine Kommission hatte schlietzlich bestimmte Richtlinien festgelegt, wonach für lungenkranke Männer, Frauen und Kinder eine Anstalt zunächst mit 500 Betten errichtet»verde» sollte, davon etwa hundert für Kinder, nun aber erklärt Geheimrat Koch» tuberkulöse Kinder gebe es überhaupt nicht! Wir wollen das Krankenhaus nach Buch haben, der Magistrat will jetzt angeblich damit nach Treptow gehen, wo das Kliina feuchter, der Grund- Wasserstand hoch ist. Gewiß soll das Haus kein LuxuSbau werden; es kann ja einfach, aber doch vornehm sein, uird da haben wir ge- nügend Vertrauen zu unserem Gcheimrat Hoffmann, der die Sache schon machen wird. Bisher hat man auch iinmer gehört, datz es notwendig sei, zur wirklichen Bekämpfung der Tuberkulose den Hebel schon bei den Kindern einzusetzen; das besagt auch der Be- richt der Schulärzte. Die erprobten Leiter der bedeutendsten Krankenhäuser verlangen die Errichtung besonderer Kinderkranken- Häuser für Tuberkulöse; ich habe darüber direkte Auskünfte erbeten und erhalten. Ich bitte dringend, das Projekt so ausgestalten zu lassen, daß auch eine hinlängliche Zahl von Betten für Kinder ge- schaffen wird. Stadtrat Weigert: Am Freitag hat der Magistrat bereits be» schlössen, ein Krankenhaus für Lungenkranke von etwa 1000 Betten für Erwachsene beiderlei Geschlechts und Kinder einzurichten (Beifall). Wenn wir Geheimrat Koch auch als Sachverständigen zugezogen haben, so verdient dieser Entschluß nicht die von dem Kollegen Wehl geübte Kritik; soviel Autorität auf dem Gebiet der Tuberkulose hat Professor 5soch auch, datz er gehört zu werden ver- dient(Zustimmung). Stadtv. Geheimrat Herzbcrg(A. L.): Nach den Mitteilungen des Stadtrats beschränke ich mich auf die Anführul»g, datz ich tat. sächlich in meiner früheren Praxis und auch jetzt zahlreiche tuber- kulöse Kinder gehabt habe. Stadtv. Wehl: Meine Mitteilung fußt auf den Berichten unseres offiziellen NachrichtenbureauS(Hört! hört!); in diesen ist von Kindern, die in das neue Krankenhaus aufgenommen werden sollen, nicht die Rede. Der Magistrat soll also sein Nach- richtenaint besser an der Kandare halten. Stadtrat Strastmann: Exzellenz Koch hat nicht darauf hin- gewiesen, daß Kindertuberkulose nicht vorkomme, sondern datz sie selten sei, datz das Bedürfnis der Unterbringung von Erwachsenen größer sei als für Kinder. Der Etat der Krankenhäuser wird darauf bewilligt. Stadtv. Dr. Kuhlmann(fr. Fr.) verbreitet sich über die Frage. wie eine Entlastung der Irrenanstalten herbeizuführen sei, deren Legion bei Niederdossenbach berichtete:„Herwegh selbst und seine Frau, die ihn in Männertracht begleitete, ist nach eingegangenen Nachrichten, sobald er die Annäherung der Truppen erfahren. noch vor Beginn des Kampfes entflohen." Daraus ist dann die Geschichte geworden, datz Herwegh sich unter denr Spiitz leder eines von seiner Frau kutschierten Wagens versteckt hätte. Die heutige Forschung beschäftigt sich längst nicht mehr mit der gemeinen Erfindung, deren Verlogenheit von niemandem bezweifelt wird, sondern höchste»»« mit der Frage, wie die Legende wohl entstanden sei. Auch der neue Herausgeber der Werke Herweghs Hermann Tardel(in der Hempel-Bongschen Sammlung), der sonst gut nationalliberal seinen revolutionären Helden zu schulmeistern liebt, wehrt den Vorwurf der Feigheit empört von dem Dichter ab. Die Legion hatte sich tapfer verteidigt, bis sie der Uebermacht weichen mutzte.„Herwegh"— so faßt Tardel die Ergebnisse geschichtlicher Forschung zusainnren— hatte mit seiner Frau den anstrengenden Nachtmarsch von Zell anfangs zu Fuß zurückgelegt, dann war für beide in einem Dorfe ein armseliger Bauernwagen requiriert worden. Während des Gefechts bei Nieder- dossenbach waren beide mit dem Anfertigen von Patronen beschäftigt. Als die Legion schon fast ganz auseinandergesprengt war, drangen die Gefährten auf eilige Flucht. Beide verließen den Wagen, der gleich daraus in die Hände des Gegners fiel, und liefen mehrere Stui»den bergauf und bergab bis zu dem Dorf Karsau. Bei einem Bauern zogen sie dann Bauerkleider an, arbeiteten, während die feindliche Reiterei sie umschwärmte, auf dem Felde, und entkamen nach Sonnenuntergang auf Schweizer Gebiet. Herwegh ist aber nicht vor der Schlacht geflohen— wie der Generalleutnant log— und ist nicht unter dem Spritzleder eines Wagens entführt worden. Es scheint, als ob die„Post" sich heute noch die 4000 Gulden verdienen will, die 1849 auf den Kopf eines der größten deutschen Dichter ausgesetzt war." Nach Alfted Meißner soll ein Turnlehrer beim Weine zum Spaß die Spritzledergeschichte erzählt haben, um zu beweise»»,»vie leichtfertig man mit der historischen Wahrheit uingeht. DaS Experiment wäre dann freilich grotzarlig gelungen. Auf den Flügeln des konterrevolutionären Hecker-Liedes flog daS Märchen dann durch die Lande. Die„eiserne Lerche" zieht heute noch klingend ihren stolzen Flug in den Höhen der deutschen Kultur. Wenn die Buben»»ach ihr Un- flatkugeln werfen, so schadet daS nicht mehr ihrer Unsterblichkeit. Man will im Lande auch nicht den Dichter der Revolution treffen, sondern die Bekenner des ganzen revolutionären Geistes, der heute wieder mächtig sich regt. Tsseater. Refidenz-Theater.„Das Nachtlicht". Schwank von Miguel Zamaeois. Der neue Schwank gehört zu jener Pariser Dutzendware, deren Verfertiger das Manko komischer Er- sindungökraft durch eine möglichst reich bemessene Zukost schlüpfriger Bersänglichkeiten wett zu machen suchen. DaS feit dm beiden Kosten sich seit 10 Jahren uin ISO Proz. gesteigert hätten. ES sollte ein Fürsorgeamt für die aus den Anstalten als geheilt Entlassenen eingerichtet werden. Stadtv. Dr. Zadel(Soz.): Der Käminercr hat, wie schon früher, auch jetzt wieder die rasche Steigerung der Ausgaben für die Jrrenpflege betont. Diese Wahrnehmung beschränkt sich nicht auf die Stadt Berlin, sondern ist seit 30 Jahren überall in Deutsch- land zu»»»achen gewesen. Seit 1877 hat in Preußen eine Stci- gcrung der Zahl der Geisteskranken auf das Dreieinhalfache statt- gcful»den. Nicht daß sie absolut gestiegen wäre; vielmehr»st Tatsache, datz die Geisteskranken, die früher eine große Scheu vor den Irrenhäusern hatten, jetzt zun» großen Teil freiwillig in die Anstalten gehen. Noch iinmer sind ihrer 2000 bis 3000 auf Privat- pflege angewiesen. Ferner übersieht der Kämmerer, datz die Stadt Berlin für eine lange Zeit ihre Pflicht gcgeirüber den Kranken auf das gröbste verletzt hat. Die erste»viriliche An» stalt für Geisteskranke zu Dalldorf ist erst 1881 eingerichtet worden, bis dahin wurden seit 1803 die irren Männer im Arbeitshaus, die Frauen in einem Hospital in der Wallstratze untergebracht, Ul»d auch damals schon war eine Uebcrfüllui»g vorhanden und die Unterbringung in Privatanstalten erforderlich. Diese Misere sind wir seit emem Menschenalter nicht los geworden; Berlin hat seine Auf- gäbe auf diesem Gebiete nie vollkommen erfüllt. Trotz aller Klagen der Psychiater haben wir es nicht dahin gebracht, alle Geisteskranken in städtischen Anstalten unterzubringen. Die Pro» vinz Brandenburg ist uns da weit voran; seit 1900 befindet sich dort kein Irrer mehr in einer Privatanstalt. In der Deputation für die Jrrenpflege vergeht kaum eine Sitzung, in der nicht auf den Platzmangel hingewiesen wird. Damit die Stadt dieser Verpflich» tung genügen kann, mutz der Bau neuer Anstalten alsbald durchgeführt werden. So grausam es ist, bezahlende Kranke aus den Anstalten zu entlassen und Privatanstalten zuzuführen, wir können bei dem gegenwärtigen Platzmangel nichts daran ändern. Durch die Einrichtung der Nebenilassen an den Schulen ist die Zahl der Idioten in Dalldorf zurückgegangen; das gibt»»ns vielleicht einen Fingerzeig; sehr bedeutsan» erscheint auch die ilf Breslau statistisch festgestellte Tatsache, datz seit der Proklamierung des Schnapsboykotts die Zahl der eingelieferten Alkoholisten ganz bedeutend zurückgegangen ist. Der Vorschlag der Fürsorge- stelle für entlassene Geisteskranke würde gewiß ebenfalls grotzen Segen stiften. Augenblicklich ist die Forderung der Zeit, daß die Stadt Berlin alle ihre Geisteskranken in eigenen städtischen An» stalten unterbringt. Kämmerer Dr. Steiniger: Auch bei dem Verhältnis vier auf Tausend sieht es mit der Hoffnung auf den BcharrirngSzustand nach den bisherigen Erfahrungen sehr windig aus. Wir haben in Berlin eine Masse von Ilmständen in Betracht zu ziehen, die drautzen gar nicht wiederkehren, so den Konflux aller möglichen unsicheren Elemente, die Schiftbruch erlitten haben und hier den letzten Zufluchtsort finden. Wir sind gentztigt, für die Gemein- gefährlichen, die uns eigentlich gar nichts angehen, drückende Aus» gaben zu machen. Der Magistrat und die Stadt Berlin könnten sich große Wirkungen von einem von ihnen proklamierten Schnaps- boykott nicht versprechen; da könnte uns die Soziasdemokratie helfen, da sie ganz anderen Einfluß auf die Arbeiterschaft hat. Stadtv. Cassel: Datz Bohkottbeschlüffe eine merkliche Verminde» rung der Erkrankungen an Alkoholismus bewirken würdxj», ist mir doch etwas zweifelhaft. Tatsächlich legt uns die Unter- bringung der geisteskranken Verbrecher eine sehr harte Ver» pflichtung und eine schwere Last auf. Stadtrat Strohmann: Eine Großstadt wie Verlin läßt sich mit der Provinz Brandenburg in dieser Hinsicht nicht in Parallele stelle»». Wir unterstützen die Bestrebungen des Guttemplcrordens betreffs der Alkoholisten und geben uns auch sonst alle Mühe, vor- oeugend zu wirken. Stadtv. Dr. Zadel: Ob wir mit den 4 auf 1000 den Behar- rungszustand erreicht hätten, habe ich n i ch t behauptet. Vom Schnapsboykott kann man nicht von heut ans morgen Resultate im Sinne dieser Debatte erwarten; darüber kön>»en Jahrzehnte ver- gehen. Auch gegen das schlimmste, Geisteskrankheiten hervorrufende Gift, die Syphilis, hat die Stadt bisher viel zu wenig getan. Die Wirkung des Schnapsboykotts in Breslau ist durch ganz ein- »van d freie Angaben dargetan. Die Fürsorgestellen, die Familienpflege können sehr wohl grotze Erfolge haben, aber dazu gehören grotze Mittel, und vielleicht vergehen Generationen, bis diese Erfolge da sind. Das alles kann uns nicht abhalten, die Unterbringung aller Irren Berlin» in städtischen Anstalten zu ver, langen, und da brauchen wir drei neue Anstalten, denn in zehn Jahren werden 4— BOOO unterzubringen sein. Klingsberg des seligen Kotzebue zum lleberdrusse abgedroschene, nur bei schneidend satirischer Behandlung erträgliche Motiv, datz Vater und Sohn als Schürzenjäger einander ins Gehege komme»», wird in veränderter Gamicrung wenig appetitlich hier von neuem aufgetischt. Ein Papa beruft die gesamte Verwandtschaft zur Beschlutzsassung darüber, wie sein ungeratener Sprötzling von der Leidenschaft für eine elegante Halbweltdirne zu kurieren sei. Der Familienrat entsendet den Alten, dem seine tugendhafte Tcmperamentlosigkeit den Spitznamen Nachtlicht eingetragen, in Begleitung eine» Provinz- onkelS zu parlamemarischen Verhandlungen in das feindliche Lager, wo er, ausS gastlichste aufgenommen, sich alsbald als der Nachfolger des jungen Herrn etabliert. Gleichzeitig wird nach der alten Tante Delphine scharfsinniger Theorie, datz eme Verliebiheit gründlich immer nur durch eme neue auSgeftieben werden könne, unter all- gemeiner Zustimmung die hübscheste und jüngste der Tanten bcauf- tragt, durch ein Kreuzfeuer von Koketterie JacqueS gefährdetes Herz auf eine andere Spur zu lenken. Ihr Eifer geht so weit, datz sie— wie der Vater bei Nim an Jacques Stelle trat— nun draus und dran ist, bei ihrem Partner NiniS Rolle im ganzen Umfange zu übernehmen. Als die Gelegenheit zur Ausmalung von Pikanterien im Stelldichein der beiden nach Kräften ausgeschöpft ist, erscheint im lritischen Moment der Gatte, der voll Entrüstung gleich die Sippe der Verwandten zur Zeugenschaft heranschlcppt, doch dabei nur den Spott für die Blamage erntet. Die Darstellung war flott. Alexander ließ in der Aolle des abenteuerlustigen genierte» Alten seinen drastischen Humor spielen. dt. Notizen. D i e a m e r i k a n i s ch e K u n st a u S st e l l u n g, die in der Akademie der Künste mehr aus Gründen diplomatischer Politik denn auS künstlerischer Notwendigkeit arrangiert ist, wurde am Donnerstag„offiziell" eröffnet. Die Zeremonien waren so lächcr» lich, wie sie für das absolutistisch-bureaukratische europäische China selbstverständlich sind. Die Ausländer zumal bekamen einen hübschen A»ischauungs»l»,terricht über preußische Klasseuscheidung und gottgewollte Abhängigkeit. Nachher durfte man Whistler und Sargcnt bewundern lind die Bemerkung machen, warum man die ftanzösische Klinst nicht lieber aus erster Hand, sondern in amerikanischer Ver- dünuunz genießen»nüsse. Indes von solchen Dingen zu sprechest, ist in der iönigl. Akademie ganz illoyal, und Tschudi ist ja glücklicher» weise fern.... — Goethe für 6 M. Nachdem die ersten 20000 Exemplare der sechsbändigen Goethe-AuSgabe, die Erich Schmidt mit einer Snb« vention der Goethe-Gesellschaft im Jnselverlag zu Leipzig herausgab, in acht Wochen völlig vergriffen waren, ist von diesem Werk soeben daS 21. bis SO. Tausend zu demselben Preis von 0 M. erschienen. Reben den Pappbänden wurden auch Exemplare in Leinen(8 M.) und in Halbleder(12 M.) hergepellt. Buwermeistex Wr. Nelckü ßMua�rt sich Heacu dl« Bc.zaupiung, bah Berlin nicht genug zur Bekämpfung der Syphilis tue. Stadtu. Lasset hat nicht die Zahlen he» Dr. Zadek, sondern hie Behauptung bczivcifclt, doh dkü müikgang lediglich Hein Hchnapp- bohrott zuzuschreiben ist. Der Jrrenhäuser-Etat wird genehmigt. Stadtn Ewald,-1, muabhaen Beiuchern des nachtlichen Obdachs)i>>o KeMSe��! ÄT- s°. stände, wie sie draußen sich enümckelt lmb-n und � childcrt worden sind, haben noch in allerletzter ge't S e Prem tt�t natürlich ei» Journalist die Sachen mit journalishschen Augen !,./ die von ihm behaupteten Tatsachen stnd«"�lt widerlegt. Fch weist nicht, ob heute der„schwule Peter' auch vorgeführt wird, quruk) Herr Rettig. Sie sollten an der e i N<" Bor- fe. W Ä Taa an der Tagesordnung; die waren unmogUch, die_* nSnnc'n sind viel zu schlau dazu; die Prügel bekommen dm Un- s�nldiaen die das erste Mal da sind.(Laute Unterbrechungen teste sclnc n>it Retiraden versehen werden; das wäre ein Mittel. u>n die Massendiebstähle zu verhindern.(Zuruf.) Der �bermspektor hat selbst erklärt, er könne es keinem Aufsehe- zumuten, sich dauernd in einem der Säle aufzuhalten, und das wollen Sic einem Kriminalbeamten zumuten? Richtige Markte werden dort abge- halten. Ich habe aber wenig Hoffnung auf Besserung der Zu- stände, so lange das Obdach unter de- Leitung e, n- S Stadt- rot» steht, der schon in politischen Gegner« Strolche und Wege- logerer siebt(Greste Unruhe), so lange ein Stadtrat an der Spitze steht, der in der Weise, wie Sie es jetzt tun. Ihre Zustimmung sindet. wird da drauhen kaum etwas geändert werden. Die Hauptaufgabe der Verwaltung liegt anscheincd darin, die Elen- destcn und Aermsten fortzugraulen und dqmit den Neubau als un- nötig hinzustellen. Führen Sie ein Zellensystem für die Obdach- losen ein; verlassen Sie sich darauf,«n großer Teil der Elemente. mit denen Sie sich herausreden, wurde dann das Obdach nicht mehr besuchen. Gewist gibt eß da auch Gesunkene und Trunkenbolde. Mir ist ein Trunkenbold gewiß zuwider, ganz egal, aber ein an- nähernd menschenwürdiges Unterkommen mutz ge- währt werden. Wen» nicht soziales Empfinde», so sollten Ei« Logik und Klugheit dazu veranlassen, zu reformieren. Sie sollten nicht wissentlich die Leute in Gefahr bringen, verführt zu werden zu Diebstählen und unsittlichen Dingen.(B o r st c h e r: Sie grei- <*** S«/»(T? 7 4», 4t»-t«»»-t»» a- r � S.4o Yl*.""'• zu Wieviiayien uno unnkiiieyen fingen.(« o r ft c y e r:>i?>e grei- fen die Verwaltung an in einer Weise, die hier keine Billigung findet, mäßigen Sie sich!) Ich bin nicht verpflichtet, in solcher Weise zu sprechen.(Vorsteher; Sie greifen die Verwaltung in einer Weise an. die ich nicht zulassen kann.) Wer ich beweise doch, was ich sage.(Ruf: Neink) Was ich gesagt habe, stimmt mit den aktenmäßigen Tatsachen übercin. Im Interesse unserer Stadt warne ich die Versammlung und den Magistrat, die Dinge der..Palme" nicht erst so zuspitzen zu lassen, daß schließlich die staatliche Aufsichtsbehörde eingreifen muß.(Lärm.) Wir haben alle Ursache, die Aermsten der Armen vor den Gefahren Zu. schützen in strafrechtlicher, sittlicher und hygienischer Beziehung. Die Opfer draußen sind die Opfer der Ausbeutung und Sie haben ZuÄ S£Ä7""'8<®""m»»«"'■ Stadtrat Fischbeck: Die Gummiknüppel sind bor 1�» Jahren eingeführt worden, und sind den Aufsehern längst wieder ab- genommen; trotzdem gehen nock inuner die schlimmsten Nachrichten über die Praxis des Gummiknüppels durä! dis Blätter. Der Verfasser deö'Artikels in einem Montagsblatt hat die Bc- hauptung. er habe päderaftische Ausschreitungen gesehen, nicht aufrecht erhalten können. Eine Kommission soll beraten, wie ge- bessert werden kann. Gewiß kommen auch Diebstähle vor; die Diebe Verlasses in aller Frühe das Obdach unter bm Vorgeben, sie hätte» Arbeit. Unser Obdach, wie unsere Krankenhäuser find nicht zu klein, sondern zu groß; vpn der Provinz worden de» eigentlich allein Berechtigten die Plätze weggenommen. Ebenso geht es mit unseren Irren- und Waisenanstalten; Schwangers werden extra nach Berlin von außerhalb zur Entbindung hinein- geschoben. Ein neues Asyl ist leicht gebaut, aber damit schaffen wir nux einen neuen Anziehungspunkt für derartige Elemente. Natürlich muß die Luft in den Säle» nachis schlecht sein. Die Leute wollen auch gar keine frische Lust haben, sondern warm liegen. Wir bessern, ws cS irgend geht, aber weiter sollte nicht gegangen werden.(Bßifall bei der Mehrheit.) Stadtp. Hiisfinan»: Also der Journalist Schwcyncrt soll nicht haben beweisen können, was ex behauptete! Er hat gesagt, er habe nicht die Decken hoch gehoben.(Zahlreiche Mitglieder verlassen den Saal.) Ich will ein bißchen warten, bis dex Auszug aus Aegypten vorbei ist(Heiterkeit). Wir brauchen gar nicht auf das von Schweynert Behauptete zurückzugreifen; eo sind d-rariige Sachen lanae vorher in de» Akten des Kuratoriums konstatiert. Den M-ssendiebstählen ist abzuhelfen, wem, jeder Saal für sich bliebe; es ist unmöglich, alle Säle zu visitieren, die mit einem Abort m Verbindung stehen. Tie Tatsachen, die wir vier angenagelt haben, bestehen und werden es bleiben, so lange Herr Fischbeck an der Spitze des Obdachs steht.(Beifall bei dcn Sozialdemokraten.) Die Hinausgegangenen kehren wieder. Der Etat für WS Obdach Wird genehmigt...... Gegen Mi 11 Uhr wird die Etatberatung abgebrochen, und die Sitzung geschlossen, Dem Vernehmen nach wird Montag eine Extrasitzung stattfinden.__ Soziales» Gemütstiefe eines K-pitaliflen Söldlings. Vor dem Breslaucr Schiedsgericht für Arheiterversicherung klagte ein Arbeiter auf Rente wegen pcS Verlustes eine» Auges. Der Vertreler der Eisen- und Stahl-BerufSgciiossenschaft legte sich für seine Auftraggeber fplgenderinaßcn ins Zeug: Der Verlust eines Auges sei nicht so schlimm. Es Hab- schon groge Künstler gegeben, die nur«in Auge gehabt hätten, wie es denn auch erwiesen sei. daß der Mensch nur eines Auges benötige! Ja. wenn man offen sein wolle, müsse man zugeben, daß der liebe Gott den Menschen nur deshalb zwei Augen gegeben haha, damit sie noch eins behalten, wenn sie eins verlieren sollten.--«« Diesen Ausführungen schloß sich das Schiedsgericht den» doch nicht an. Es bewilligte dem Verunglückten Lb Proz. Rente, aller- dings noch eine recht geringfügige Summe. Wird ein Berufs. genossenschaftsvertretcr nicht auch noch nachweisen, daß der Mensch — soll heißen der Arbeit»,-—„eigentlich" auch nur ein Bein, nur 16 Zähne anstatt L2, nur einen Lungenflügel, nur eine Herz- kaminer. nur 5 Finger und nur einen halben Magen nötig habe? Daß ein Berufsgenossenschaftsoertreter weder Herz noch Verstand, vielmehr nur eines robuste» Mundwerks bedarf, braucht er nicht zu heweisen._ Bezahlung der Ucberstundcn. Der Wächter W. klagte vor dem hiesigen Geioerbegericht gegen daS Wach- und Schliehinstitut Groh-Berlin auf Bezahlung von 18 Ueberstunden mit 3,96 M. Kläger wurde als Separatwächter in den Vororten verinendet, mußte abex auch täglich um 4',d Uhr vom Bureau seine Dienstgcräie abhole». Dadurch Ivurde seine Arbeitszeit ganz erheblich verlängert. Die Beklagte wendet ein, daß die Wege niemals bezahlt werden, auch Kläger habe auf Be- zahlung derselben keinen Anspruch. Das Gewerbegericht erblickte in dem vorherigen Melden auf dem Bureau einen früheren Dienst- deginn. zu dem der Kläger ohne Extravergütung nicht verpflichtet war. Da die Anzahl per zu entschädigenden Stund««» noch strittig war, einigten sich die Parteien auf 3 M. Hus Induftrie und Handel. Niedrige Fleischpreis« in— Frankreich. Während in Deutschland das laiifende Jahr gleich mit erheblich höheren Fleisch-,»ameinlich Schiveinefleiichprcisen als 1900 eingesetzt hat, stehen i» Frankreich die Fleischpreise in diesem Jahre merklich niedriger als vergangenes Jahr. So betrug in Paris der Durch« schnitiSpreiS fiir Rindfleisch im Februar d. I. pro Kilogramm nur 1,43 Fr., während et sich im Februar v. I. auf 1,61 gestellt hatte. Kalbfleisch wies eine» Preis von nur 1,87 Fr. aus gegen 3,13 un Februar 1909. Die Preisermäßigung beläuft sich wie bei Riudfleisch auf mehr alS 10 Pr»z. Bei Hammelfleisch ist der Preis nicht ganz in dem Grade zurückgegangen; immerhin sank er auch von 2.30 im Februar 1909 auf 2 Fr. im gleichen Monat 1910, Schweinefleisch endlich hat die relativ kräftigste Preisermäßigung aufzuweisen;-S stellte sich in diesem Jahre nur aus 1,19 Fr. pro Kilogramm, während es im Februar 1909 1,40 gekostet hatte. Ganz interessant ist es demgegenüber, die Preiöbclvegnug für Schweinefleisch bei uns zu be- trachten: in Berlin ist der Preis pro Kilograinm Von 1,46 Anfang 1909 auf 1,56 M. Ansang d. I. gestiegen, im Gesamtdurchschnitt von 50 Städten betrug er 1,68 gegen 1.55 M. Rindfleisch kostet im Durch- schnitt dieser Städte im lausenden Jahre 1,55 M. pro Kilogramm gegen 1,53 M. vergangenes Jahr. Der Preis für Kalbfleisch stellt sich aus 1,74 M. gegen l,7l, der für Hammelfleisch auf 1,66 gegen 1,64. Während sich also in Frankreich durchweg Ermäßigmigen ergeben, sind in Deutschland die Preise ebenso durchweg gestiegen. Wirkungen des amerikanischen Fleischboykotts. Entgegen den Meldungen der interesflerten Fleischwucherer scheint der ainenkanische Fleischboykott doch recht wirksam zu sein. Jetzt kommt die Meldung, daß auch die Zahl der Schlachtungen, die sonst immer auswärts gegangen ist. eine Abnahm« zu zeigen beginnt. Auf den sechs Hauptinärkten der Union sind in der Zeit vom 1. Januar hiö 12. Februar nur 893000 Stück Lieh- s ch la ch t u n g e n vorgruoinmen worden gegen 91 l 000 in derselben Zeit des Vorjahres. - Gerichte-Zeitung Der Gemeindevorsteher Schmidt von Roscnthal-Wilhelmlrnh. Der Velcidigunosvrozes! Schmidt-Korb wurde vor dem Amt?» gerlcht Pankow am Donnerstag nach dreitägiger Verhandlung zu Ende gefuhrt. Die Fortsetzung der BeweiSanfnahme brachte unter anderem auch tue Bernehinung de» OberbstracrmeistrrS Kirschner. Er be- kündete, nicht Schmidt habe darauf hingewirkt, daß gegen Korb in seiner Eigenschaft als Magistrcttsassistent der Stadt Berlin ein Disziplinarverfahren eingeleitet wurde. Zu einein Vorgehen gegen Korb sei der Magistrat veranlaßt worden durch die schriftliche Anzeige eines angebliche»«Arnold Kindler", über dessen Person» lichkeit nichts zu ermitteln gewesen sei. Dieser«Kindler" Hab- darauf aufmerksam gemacht, daß die Gemeinde Rosenthal- Wilhelmsruh in ihrem Kaiialisationsstreit gegen Berlin die Knintnis der Akten des Berliner Mogistrats ausnutze. Das Vcv> fahren gegen Korb habe eingestellt werden müssen, weil sich nicht» Belastendes ergeben habe. Daß aber Korb im übrigen als Ge- meindevertreter für Wilhelmsruh eine gegen Berlin sich richtende Haltung eingenommen habe, das gehe hervor aus einem Wahl- flugblatt, das sein« Wiederwahl zum Gcmeindcverteeter empfohlen habe mit der Begründung, Korb habe«gegenüber dem Berliner Magistrat ein starkes Rückgrat bewiesen". Zeug« Kuschner fügte hier hinzu:„Daraus habe ich geschlossen, daß er eine uns nicht stimpathische Haltung eingenommen haben muß." Ueber daS Verhältnis Schmidts zu Korb bekundet Kirschner, Schmidt habe durch Eingabe an den Berliner Magistrat zu erreichen gesucht, tzch Korb angewiesen werde» in seinem Austreten gegen Schmidt sv etwa» zu mäßigen. Nach Schluß der Beiveisausnahme ergriff Korbs Verteidiger, Rechtsanwalt PinkuS-Reinickendorf» das Wort. Er schilderte in Varlezüngfn bis ZWÜnL«. d'.s in Rosenthal- WUHtlmsruh kuh schon jeis Jahren herrschen, und hob hervor, da« schlietzlich Korb wie Schmidt sich krant geürsert haben, s�ür Korbs gegen Schmidt erhobene Beschuldigungen der slngerechtlgkeit, der Millkür, der Pflichtwigdrüeit usw. forderte der Verteidiger die Zu- hilligung de» Selzuhes von 1W lWahrnchmung berechtigter Interessen). Aus iMmidts Angriffen gegen Korb unterstrich er besonders jenen Zeitungsartikel, in dem Herr Korb eine Bern«, glimpfung seiner Frau erblickte. Dieser Angriff zeuge von einer r-.cht niedrigen Gesinnung und verdiene K�'chdrsichlich? Bestrafung. Korb fugte diesen Ausführungen nur wenige Worte hinzu, die aus« ilangeu in einem leidenschaftlichen Zorncsausbruch über die seiner Ggttin widerfahrene Beleidigung. Schmidt wies die Verantwor- tung für die Wilhelmsruher Zustände seinen Gegnern zu; von ihnen und vor allem von Korb sei cr mit immer wiederholten Be° schlvcrden verfolgt worden, um ihn aus feiner Stellung zu bringen. Auch er fordert Zubilligung des 8 13?. Er blieb dabei, daß jener Zeitungsartikel, der von„schamloscu Hachen'' sprach, sich nicht gegen Frau Korb gerichtet habe. Das Gericht kam nach langer Beratung zu folgendem Urteil: In den feindlichen Beziehungen zwischen Hchmidi und Korb müsse jeder Partei zugebilligt werden, daß sie in gutem Glauben handelte, wenn sie sich von der anderen Partei verfolgt fühlte und sich wehrte. Dem Widexkläger Korb sei zugute zu halten, dyst Vor- cingenommenheit ihn befangen machte, sobald sein Gegner Schmidt in Frage kam. Sein Borgehen gegen Schmidt müsse straflos bleiben, weil er in Wahrnehmung berechtigter Interessen gehandelt hahe. Schmidt sei nur wegen deS Angriffes gegen Frau Korb, durch bcn er auch den Gatten beleidigt habe, zu verurteilen, und zwar zu 5» M. Geldstrafe._ Ein geringes Versehen eines Standesbeamten lag einer Anklage zugrunde, mir der sich gestern die?. Straf- kämmet des Landgerichts III beschäftigen muhte. Angeklagt wegen Vergehens gegen da� Gesetz betreffend die Beurkundung des Personenstandes war der Standesbeamte Schölten,?--» Der Ange- klagte ist stellvertretender Standesbeamter in einem nördlichen Vorort. Am Lb. September 1003 hatte er eine Eheschließung zwischen einem noch recht jugendlichen Paare, einem erst LOjährigcn Nieselgutsarbeiter Max und seiner Auserkorenen, einem noch jüngeren Dienstmädchen vorzunehmen. Infolge von ArbettHüber- lastung vergaß der Angeklagte, das jugendliche Brautpaar zu fragen, ob auch der behördliche Dißpens zur Eheschließung erteilt sei. und begnügte sich mit der ihm vorgelegten Einwilligung her beiderseitigen Väter des PaareS. Diese Unterlassungssunde kam erst jetzt zur Entdeckung und hatte die vorlixgende Anklage zur Felge. Vor Gericht behaupteten a n n. dem Bürgermeister N e i ck e. Was sie sagten, war ausweichendes Eeredp. Tie offene Armenpflege gehört zu denjenigen Verwaltungsgebieten, auf die Berlin besonders wenig stolz sein darf. Genosse H i n tz e zeigte, wieviel da noch zu tun ist, und wie sehr das, was getan wird, hinter dem Bedürfnis zu- rückbleibt. Stadtrat Mün st erborg vertröstete aus die besseren Zeiten, die bald wieder kommen würden. Auch ein „Trost" für die Hungernden! Ein Antrag der sozialdemo- kratischen Fraktion, den Zuschuß für die Armenküchcn zu er- höhen, wurde abgelehnt: für ihn stimmten nur unsere Ge- nossen. Beim Etat der Waisen Pf lege und Fürsorge- crziehung wurden von unserm Genossen B e r n st e i n die auf diesem Gebiet noch immer bestehenden Mängel aufS neue zur Sprache gebracht. Im besonderen beleuchtete er die Erzrehungsgrundsätze des..Waisenvaters" für Kirchhain, eines Pastors, der die dort untergebrachteir Berliner Zöglinge zu beaufsichtigen hat. Der Mann des „neuen Zuges", den Bernstein der Waisenverivaltung wünscht. soll der S t a d t r a t D ü r i n g sein. Er ergriff gestern das Wort zu seiner„Fungfernrede". mit der er sich nicht gerade glücklich einführte. Zu sehr stürmischen Auftritten kam cS bei der Beratung des Etas für das Obdach. Hier fuhr Genosse Hoff- mann dem Stadtrat Fischbeck, der Über das Vbhach kommandiert. wieder mal so kräftig in die Parade, daß der Box« steher ihm zu wehren suchte und die freisinnige Mehrheit wie toll dazwischen lärmte. Herr F i s ch b c ck antwortete, nicht rocht in seiner Manier: er hat sich mit der Zeit eine gewisse Nüchternheit angewöhnt, sodaß er langweilig wirkt. Hoff- mann fertigte ihn ab in einer scharfen Erwiderung, mit der dieser Abend schloß.__ Bnefhaften der Redaktion. Sie tarisMche CSnADnnke flnktt einkenfttaSe p,«Weifet v»s. delfter Ein«»»», vier Trrvsen, Fahrstuhl RiDdicntjiolßP ablndS von TVi bis 0% Ubr statt. Gcstiiict 7 Mir. EannaorndS bratnne di- tZprrihttnude um 6 Mr. Irdrr«nfragc ist ein puivstobc und(lue ü«Yl«l? Mrrfzrtidri, brijusLarn. vrirflickir Antwort wird nicht erteilt. SiS äut veantwortuna im BeleflaNen iSnueu 1t Tagi kergeye». Eilige Frage» trage «an tu ket Sprrchituudr vor. — R. S. Wir Kaden WichiigereS zu Inn, als Kecarlige Weiten zu eist« Icheiden.— H. O.<14. 1. a) Nein. Nur dann, wenn eine Abtreiunas» Urkunde der fipiioen Mitglieder vorliegen würde; sonli müssen h\ alle Mitglieder Nagen. Dabei tan» einer Person Prozeswollmacht erteilt weisen. 2. So.— OntQcit 35. t, Sie können die 15 M. zurackoerlangei». S- 8« diesem Fall keine.— Georg Vleier. Die lSiimdlage des Romans sind Erfahrungen des DersassciS. In ieuchsorm dmste der Roma» in einigen Monuien ttfch einen,— Hermann Ai. 883. 1. Nein. S. Ja. Allen Freundkn, Bekannten und l Verwandten die traurige Nachricht, I daß meine liebe grau SUara Fechnei*! geb. Sticht am 16. Mär» infolge einet Operation verstorben ist. Um stille Teilnahme bittet Der trauernde Gatt«. Pie Beerdigung findet am Sonnabend, den 13. Mär», nach. mittags 5 Uhr, von der Leichen- halle des BartholomSuS-LkirchhosS in Weibense«, gollenberger Thaussee. au» statt. 1ZM Den Mitglieder» zur Nachricht. j datz die©cuofilit Klara Fechner geb. sticht I am 16. M»r, infolge einer Lpe- ; ratio» gestora-n ist. Schre ihrein Andenken! Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 10. Mär», nach- ! mlllagS 5 Uhr, von der Leichen. balle des BarlbolomäuS- Kirch. bofeS in Weisiensce, Falkenberger ! Ch-iusse«, au» statt. Um rege Beteiligung ersucht 1 223/7_ Der Äorlta»d herzlicher oeulzelies ktofbeitei'-VertMl! Ben Mitgliedern zur Nachricht, datz unser Kollege, der Tischler Rar! Rrüxer am 16. Mär» gestordm ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet an, Sonnabend, den lv. März, nach. mittag» 6 iibr, von der Halle de» Marli,«.Kirchhose» i» Wilhelms- berg au» statt. Um rege BeleMgung ersucht S0/1S vis OrUvorwaltung. Danksagung. Für die herzliche Teilnahm» und Kranzspenden bei der Beerdigung meine» lieben Bruder», de» Echrist- setzer»„ � Hox Hofrtnann tagt seine» geehrte» Freunden m>d Kollegen und den Kollegen der Druckerei Lutze u. Bogt meinen '>k. 41872 innigsten Dan NgneS Hossmann. Danksagn»»g Für die vielen Beiveise l>> Teilnahme sowie die zahlreichen und lien'lichcn Kranzspenden bei derBeerdi- gung meines leider zu srüh dahin- geschiedenen lieben Manne», unsere» guten Vater», de» Ardester» Hennarm Krause sagen wir allen Denen, welche dem Dahingeschiedenen die letzte Ehre er- wiesen haben, aus diesem Wege unsere» herzlichsten Dank IZllSb Die neslrauernde Witwe, PSNhelmtne fira«fc ntMt ftinScnt 1 119/20' Im 1. Stock Alexandarstr. 35 (kein Laden). 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Seutseher Holzarbeiter-Verband. ■ Verwaltungsstelle Berlin.= Heute Freitag, den 18. März, abends 8 Uhr, im Gewerkschaftshause, Engel-Ufer 14/15: General Uersammlnng.! Tages-Ordnung: Kassenbericht. Bericht der Ortsverwaltung. Ersatzwahl der Ortsverwaltung und der Angestellten. Verbandsangelegcnheiten. -------------- Mitgliedsbuch und Delegiertenkarte legitimierte Montag, den 21. März: Mitglieder a yersammlunsen in den Bezirken und Branchen. Solemsiw's Bolero- Cigaretteii bleiben unübertroffen! mit HandstQek ohne Mundstück Goldmandstüek 10 Stack 20 Pfg. Verkauf nar Im jPabriksebüade! BHB�I Achtung! Vliesenteger! Achtung! Freitag, den 18. März 1910, abends 8 Uhr: Dezirksschnngen. Für Westelt-Schöneberg bei Folger, Kysshäuserstr. 26. Für 9)!oaöit bei Bachstein, Salzwedeler Straße 16. Für 9?0rdeN bei Berger, Böttgerstraße 4. Für Osten bei Kempin. Tilsiter Straße 85. Für Oiigboi'f Schiller-Promenade, Ecke Okerstraße. Dem Ertift der gegenwärtigen Situation enlsprechend dars wohl an- genommen werden, daß jeder Kollege zur Stelle ist. Dages-Ordnung wird daselbst bekannt gegebe«. ===== Mitgliedsbücher mitbringen! 137/3* Der SekttonsvorMtand. I. A.: Emil Knmjunke. EckeUstraße 12 17. Zciilralekrbend d» Weschiaisteli«o Kciser sowie Keliifsgrnoffkii Dklilsdilaiids gtr" Verwaltungsstelle Groß-Berlln. 145/3 Sonntag, 20. März, vorm. 10 Uhr, im Gewerkschaftshaus, EngeluferlS: WG- Versammlung"WH sämtlicher Kollegen, welche m den Holzbrarbeitinigsfaiirikcn, Möbel» fabriken u»d Tischlereien Berlins und den Bororre» beschästigt sind. Tagesordnung:„Stellungnahme und Beschlußsassung über die Taris- vorläge".— Die Kollegen, auch Nichiorganifierte, werden dringend ersucht, zu erscheinen._ Die Verwaltung. I. A.: N. Schwitiau. Veldsull lies HgsöliZlböllöl lilill«ölmmllöli öslckgeliliesgn Ueeleclslsmle. Dltglledsobaft Berlin. Sonntag, de» 80. März, vorm. 10'/- Udr, Holzrnarsttraße 72: im Köuigstadt- Kasino. Mtglieüsr-Vsrssmmwng. Tagesordnung: 1. Ausnahme neuer Mitglieder. 2. BervandS- angeiegenheiten. 3. Verschiedenes. lg/1 Um pünktliches und zahlreiches Erscheinen ersucht Der Vorstand. Kautabake Q A Hanewacker, _ Nordhausen,«sil* Bfur echt In 10 Pfennig-Rollen 5 ,, Stangen Id. Twist, nnr echt mit KoptblU Achten sie auf die a Hanewacker, Ze tfcel in jeder Rolle H ZÄ Ä mit der Firma: Hj.# jCTL# Nordhausen. Uanptnlederlage und Engros vertrieb Carl Röcker, berlin o.«?. Grüner Weg 112. Amt vn no. ssei. Jerhiier IrfieRer- IMm-wein- Mitglied deS Arbeite» Radsahrer.BundeA „Solidarität*. Touren zum Sonntag, den 26. März: 1. Abt. 1 Uhr: Rosenthal(Wartburg). 2. Abt.? Uhr: Senzig. 1 Uhr: Schmöckwitz(Waid-Idyll). Start: Fontane-Promenade 18. 3. Abt. 8 Uhr; Reue Mühle (Schleuse). 1 Uhr: Eichwalde(Witte). 4. Abt. VI, Uhr: Hermsdorj (Forstbaus). 5. Abt.> Uhr: Petershagen(Zum Alten Dessauer). Start: Elhsuun. 10. Abt. Start: Weberstr. 6. 0. Abt. 2 Uhr: Wilhelmsruh. Start: Oderberger Str. 28. 7. Abt. 2 Uhr: Franz.. Buchholz (Kähne). 8. Abt. 1 Uhr: Schönerlwde (SpcrriieSki). g. Abt. l'/, Uhr: Zehlendorl(Mlek). Start: Schillmgstr. 15. 10/8 Neuerschienen find: Kibiischl Gcschichtk« Beiträge zum geschichtliche« Berstäudnis der Religio». Von sVIax stfaureubreeber. Jedes Heft l M. Bereinsausgabe 40 Pf. Jedes Hest ist für sich abgeschlossen. In sie 14. zsfolle Itanlehen» und rote- waren« Austeilung! 18 Rassen. 650 Tiere. BeuthsStraße 19, am Spittelmarkt Wohin! Hest 1: Schöpfungsgeschichten. Die verschiedenen Schöpsungsgeschlchten der Bibel.— Die Geschichte von Mann und Weib.— Die Geschichte vom verlorenen Paradies.— Die Geschichte von der SchöpsungSwoche. Hest 2: Sintflutgeschichten. Ate» raturgeschichtlicheS.— Die äintflul» aeschichten.— Israel und Baby» lonien. Hest 3: Erzvätergeschichten. Abra» ham.— Isaak.— Jacob.— Joseph. Hest 4: Moiegeschichten. Der AuS» zug aus Aegypten.— Mose.-» Der ursprüngliche Jahwe. Hest 5: Das sogenannte Gesetz des Maie.„Mosaische- Gesetze. — Die zehn Gebote.— Das grotze Resormgcsetz.— DaS Gesetzbuch deS Esra. Hest S: Die Propheten.(Skizzen der Eutwickelung der iSraeli- tischen Religion.) Vorgeschichte. — AltiSrael.— Opposition.— Di« grotzen Propheten. Hest 7: Die Entstehung deS Jude«, tums. Die Sammlung in Baby» lonien.— Die Rückkehr nach Jeru» salem.— Der entscheidende Sieg der Priester.— Uebergang zum Neuen Testament. 245,15' Hest 8: Anferstehungsgeschtchtc». Berichte.— Tatsachen.— Legenden. Eipitii te HM" Berlin SW. 68 liindenstraBe 60(liadeu) Dr. Simmel Spezial-Arzt• für Haut- und Harnleiden. Prinzenslr. 41, 10— 2, 5—7. Sonntags 10— 12. 2— 4. I MD Sie sparen Geld!"LT| IWIlSIlÄäakl � Engrospreisen? g■WH�fSlidlnder Möbelfabrik lH.Walt8r. Willi Maas, H kaufen. Verkauf nnr im Fabrikgebftnde— nur H B eigenes Fabrikat.— Auf Wunsch Teilzahlung. 35 M» Permanente Musterzimmer-Ausstellung. 35 Die teure Zeit zwingt so manchen Herrn Sußerst sparsam zu sein. 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Alle Veranstaltungen der Vereine sind stetS daraufhin zu kontrollieren, ob dieselben in einem der Arbeiterschaft auch zu Versammlungen zur Verfügung stehenden Lokale stattfinden; gerade dieS bitten wir ganz besonders zu beachten. ES gibt keine Ortschaft, die bei einer nennenswerten Arbeiterbevölkerung nicht auch eine ganze Anzahl der verschiedensten Vereine aufzuweisen hat, die sich wiederum in ihrer Mehrheit naturgemäß aus Arbeitern zusammensetzen. Hier gilt eS fonwährend agitatorisch aus diese Vereine dahingehend ein- zuwirken, daß dieselben zu ihren Veranstaltungen nur freie Lokale benutzen, oder aber die Benutzung eines Lokales davon abhängig machen, daß der betreffende Wirt seine Räume auch zu politischen und gewerkschastlichen Versammlungen hergibt. Alle Billetts zu Veranstaltungen in gesperrten Lokalen sind stetS ent- schieden zurückzuweisen. An die Arbeitervereine der größeren Städte richten wir wiederum die Aufforderung, sich bei ihren jetzt wieder einsetzenden Aus- flügen und Partien streng nach der Lokalliste zu richten, um dadurch unsere Genoffen in den Provinzorten in ihrem äußerst schwierigen und opferreichen Lokalkampfe wirksam zu unterstützen. Jeder muß dessen eingedenk sein, daß der Kampf um die Er- ringung von Versammlungsräumen ein Kampf um das Versammlungsrecht ist; wo uns Säle zu Ver- fammlungen zur Verfügung stehen, dort können wir unser Versammlungsrecht erst wirklich aus- nützen. Deshalb: Beachtet die Lokallifte! DeS weiteren ersuchen wir die Vorstände und Komitee?, bei allen ihren Veranstaltungen dafür zu sorgen, daß das nottvendige Bedienungspersonal stets vom kostenlosen Arbeitsnachweis deS Ver bandeS deutscher GastwirtSgehilfen bezogen wird.(Ortsverwaltung Berlin. Große Hamburger Straße 18/10. Tel. Amt III, 1813.) Außerdem ist eS im eigenen Interesse der Vereine selbst dringend notwendig, daß allen Verträgen mit Lokalinhabern eine Klausel angefügt wird, wonach für den Fall, daß das betreffende Lokal später für Arbeiterversammlungen verweigert werden sollte. der Vertrag seine Gültigkeit verliert. Alle sonstigen Anfragen, Mitteilungen usw. sind stetS durch die in der Lokalliste angegebenen KommiffionSmitgliedsr an den Ob- mann der Lokalkommisfion zu richten, soweit Lokale Berlins und der Kreise Nieder-Barnim, Teltow-BeeSkow und Potödam-Ost- havelland in Frage kommen. Für die übrigen Provinzorte sind alle Anfragen direkt an den Obmann zu richten, in keinem Falle jedoch direkt an die Redaktion des.Vorwärts'; dies bitten wir zu beachten. Zum Schluß ersuchen wir die Parteigenossen, die jeweilige Lokalliste stets bis zum Erscheinen der nächsten aufzubewahren, sowie von allen in der Zwischenzeit eintretenden etwaigen Aendc rungen Notiz zu nehmen. Für verloren gegangene Listen kann jederzeit Ersatz von allen KommisswnLmitgliedern bezogen werden. _ Die Lokalkommissioo. Bexhagen-RummelSbnrg. Am Sonntag, den 20. März, nach mittags 0 Uhr. fmdet eine Uraniavorstcllung statt. Zur Auf führung gelangt:.Im Firnenglanz des Ober-Engadin". Billetts find noch beim Genossen John. Karlshorster Straße 1, und in der „Vorwärts" spedition, Alt-Boxhagen&S, zum Preise von 65 Pf. «nkl. Garderobe zu haben. Mahlsdorf(Ostbahn). Heute abend 3 Uhr findet im Lokal deS Herrn Linke, Grunowstraße, eine Versammlung statt. Außer ciitern� Vortrage bc3 Genossen Bühler-Lichtenberg über die Frei- heitskämpfe im Jahre 1848 und die jetzige Wahlrechtsbewegung steht die bevorstehende Stichwahl zur Gemeindevertretung auf der Tagesordnung. Da in dieser Versammlung die von uns bei der Stichwahl zu ergreifenden Maßnahmen besprochen werden sollen, so darf kein Genosse und keine Genossin fehlen. Die Bezirksleitung. Alt-Glienicke. Am Sonnabend, den 10. März, abends 8 Uhr, findet im Lokal von Troppens, Rudower Straße, die Mitglieder- Versammlung des Wahlvcreins statt. Tagesordnung: 1. Bericht von der Kreis- und Verbandsgeneralversammluna. 2. Aufnahme neuer Mitglieder. S. AereinSangelegenheit und Verschiedenes. Der Vorstand. Zeuthen. Am Sonntag, den 20. d. M.. findet um 5 Uhr bei Ltndemann(Dorfaue) eine öffentliche Wählerversanimlung statt. Heuie, Freitag. T/j Uhr abend-, ist eine sehr wichtige Flug- blattverbreitung. Nicder-Schönhaufen. Am Sonntag, den 20. März, früh 8 Uhr, findet eine Handzettelverbreitung von den bekannten Stellen aus statt. In Anbetracht der Stichwahl sind die Genossen verpflichtet, zahlreich gu erscheinen. Die Bezirksleitung. Tegel. Heute, Freitag, den 18. März, abends 3 Uhr, findet in W. Trappö Festsälcn, Bahnhofstr. 1, eine Volksversammlung statt. In dieser Versammlung sollen die ungesetzlichen Maßnahmen an- läßlich der letzten Gcmeindevertreterwahlen öffentlich einer Kritik unterzogen werden. Der Bürgermeister ist zu dieser Versamm- lung brieflich eiizgcladsn. Genossen und Genossinnen! Erscheint in Massen in dieser Versammlung. Tie Bezirksleitung. Wittenau. Am Sonntag, den 20. März, nachmittags 3 Uhr, findet im Lokal von Albert Schulze, Hauptstr. 56, eine öffentliche Versammlung statt. Tagesordnung: 1. Vortrag des Genossen Fendel über Gemeindepalitik. 2. Diskussion. 3. Aufstellung eines Gemeindevertreter-siandidaten.— Parteigenossen, agitiert für starken Besuch._ Berliner jVaebriebten» Die Photographie im Dienst der Polizei spielt schon lange eine große Rolle. Seit vielen Jahren wird sie von den Beamten des Erkennungsdienstes angewendet und ein großes Verbrecheralbum auf dem Polizeipräsidium legt von der Verwendung der Photographie Zeugnis ab. Auch bei Kapital- verbrechen bedient sich die Kriminalpolizei vielfach der Hilfe der Photographie. Es ist auch nicht unbekannt, daß„politischer Um- triebe" Verdächtige— wie es im polizeitechnischen Sinne heißt— gleichfalls schon auf dem Präsidium photographicrt worden sind, besonders gegen Anarchisten wird dieses Verfahren gern beliebt. Weniger bekannt dürste sein, daß auch im Obscrvationsdicnst der politischen Zplizei schon läugcx Mit dem Moiographen auf der. Straße gearbeitet wird. ES gibt bestimmte Beamte, die einen kleinen Apparat mit einer Geheimkamera unter der Weste tragen. Daö Objektiv(die Linse) ist so angebracht, daß es durch ein Knopfloch geht, so daß bestimmte Personen ganz unauffällig phow- graphiert werden können. Bekanntgeworden ist auch kürzlich, eine angeblich vom Minister deS Innern ausgegangene Verfügung, daß bei politischen Anlässen von der Polizei auf der Straße Aufnahmen gemacht werden sollen. Die Berliner Polizei wird damit den Anfang machen und zwar schon heute anläßlich des 18. März bei Ansammlungen und der- gleichen. Zur Anwendung werden kleine Handapparate kommen. Wichtiger wäre, die Polizeiattacken photographisch aufzunehmen, wenn Schutzleute zu Fuß oder zu Pferde auf wehrlose, fliehende Menschen einhauen, wie das mn 6. März in Treptow geschehen ist. Die Verstadtlichung des Arbeitsnachweises in Berlin wurde in der letzten Sitzung des Etatsausschusses besprochen. Dies- mal war es ein bürgerliches Mitglied, das auf diesem Ge biete Kenntnis besitzt und der Ueberzeugung Ausdruck gab, daß auf die Dauer der gegenwärtige Zustand unhaltbar sei und eine Aenderung erheische. Nachdem viele deutsche Städte den Arbeitsnachweis in eigene Verwaltung genommen haben, könne Berlin nicht mehr zurückbleiben und es wurde be- schloffen: Die Versanimlung ersucht den Magistrat zu er- wägen, ob nicht der Arbeitsnachweis zu vcrstadtlichen sei. Unsere Genossen haben feit Jahren die Verstadtlichung deS Arbeitsnachweises gefordert und auch diesbezügliche An- träge in der Stadtverordnetenversammlung gestellt, die aber Ablehnung erfuhren. Hoffentlich kommt aus den Erwägmtgcn deS Magistrats etwas Positives heraus. Zum I. Deutschen Kongreß für Krüppelfürsorge, der am 31. März unter dem Vorsitz von Herrn Geh. Obermedizinalrat Prof. Dr. Dietrich in Berlin im Plenarsitzungssaal deS preußischen Herrenhauses stattfindet, haben zahlreiche Bundesstaaten, Pro- vinzei? Landesdirektionen, Städte und Kreise ihre Vertretung zu« gesagt. Die Tagesordnung bringt Vorträge aus allen Gebieten der Krüppelfürsorge, der Orthopädie, Pädagogik. Armenpflege, religiösen und Laienlicbestätigkeit, sozialen Gesetzgebung, auslän- dischen Krüppelfürsorge u. a. m. Auskunft erteilt die Geschäfts- stelle, Berlin S. 59, Fontaue-Promenade 10. Die VolkSschiiler im Aouarium. Von den Sehenswürdigkeiten Berlins ist auch das Berliner Aquarium den Volksschülern unent- geltlich zugänglich. Es ist doch aber klar, daß mit dem Besuch des Aquariums nicht nur der eine Zweck erfüllt werden soll, daß der gestattete Besuch programmäßig abgestattet wird, ähnlich wie man ein Abonnement im Theater absitzt, wenn man einmal abonniert ist, sondern die Kinder sollen auch etwas von dem Besuch haben. Die sollen vor allen Dingen etwas sehen können. Das ist aber oftmals gar nicht möglich. Namentlich gegen den Schluß des Semesters ist der Zudrang zum Aquarium außer- ordentlich stark Es sind da an manchen Tagen so viele Klassen in dem Hause, daß oft die Kinder in vielen Reihen hintereinander stehen und sich drängen und stoßen und die wenigsten recht was sehen. ES läßt sich auch schlecht eine Ordnung bei so starkem Andränge aufrecht erhalten, zumal auf beiden Seiten etwas zu sehen ist. Die Schuldeputation hat schon angeordnet, daß die Knaben in der ersten Hälfte der Woche und die Mädchen in der zweiten Hälfte hingeführt werden sollen. So ist der Besuch doch wenigstens schon etwas verteilt. Empfehlenswert wäre es. wenn die Besuchstage für die einzelnen Klassen noch weiter festgelegt würden, und zwar regelmäßig über das ganze Semester verteilt. damit sich der Besuch nicht so gegen das Ende des Semesters staut, sonst könnte der Besuch überhaupt unterbleiben. „Nur keine lleberstürzung!" Sehr oft und immer wieder ist darüber geklagt worden, daß in der Armenpflege unserer Stadt Berlin der Geschäftsgang ein zu langsamer sei. In der Tat ist da nicht selten der Grundsatz„Eile mit Weile" so gewissenhaft befolgt worden, daß ein Hilfloser verhungert sein konnte, ehe eine Entscheidung über sein Bittgesuch zustande kam. Es wäre aber ein Irrtum, wenn einer annehmen wollte, daß nur bei Erledigung von UnterstützungSsachen so langsam gearbeitet werde. Auch die sonsti- gen Geschäfte unserer Armenverwaltung, die mit Schreiberei ver- Kunden sind, vertragen anscheinend keine lleberstürzung. Ein Beispiel hierfür, das wir in der neuesten Nummer des„Gcmeinde- blattS" finden, verdient, weiteren Kreisen bekannt zu werden. Die Armendirektion veröffentlicht darin einen Bericht über eine Ver- sammlung der Ar menkom missionS vor st eher. Wie man weiß, haben die Vorsteher den Wunsch, daß ihnen die Ver- gütung, die sie für ihr eigenes Portemonnaie mit 300 M. pro Jahr ans dem Stadtsäckel empfangen, auf 480 M. erhöht werde. MS über diese Angelegenheit in der Vorsteherversammlung vom 22. Ja- nnar 1009(nicht 1010) verhandelt wurde, gab es sehr erregte Streitereien. In d,er Stadtverordnetensitzung vom 4. März 1900, wo der noch immer nicht beseitigte Widerstand vieler Armenkom- Missionen gegen die Hinzuziehung von Frauen gerügt wurde, er- wähnte der Stadtverordnete Hammerstein auch jene Auftriite aus der Jannarversammlung der Vorsteher. Er sagte offen heraus, daß er sie als beschämend empfunden habe. Die Vorsteher fühlten durch diese öffentliche Abrüffelung sich gekränkt— sie sind überhaupt sehr empfindlich gegen unfreundliche Worte, die ein anderer ihnen sagt — und sie nahmen sich vor, Herrn Hammerstein den Kopf zu waschen. Das taten sie denn auch in ihrer Versammlung vom 10. November 1009, wo sie gegen ihn eine Resolution von ver- letzender Schärfe beschlossen. SVb Monate waren hingegangen, bis diese Kopstväsckie vorgenommen wurde. Doch Armenvorsteher lieben es nun mal nicht, sich zu überstürzen. Auch die Armen- direktion liebt das nickt. Nicht mir in wickitigen Dingen, sondern auch in unwichtigen hält sie es für ihre Pflicht,„mit Weile zu eilen". So wird denn der Bericht über die Vorsteherversmnmlung vom 10. November 1900 als Mitteilung aus der Armeudirektion veröffentlicht durch'das„Gemeindeblatt" vom letzten Sonntag, den 13. März 1010, nachdem inzwischen fast schon wieder 4 Monate hingegangen sind. Notleidenden, die Hilfe suchen, wird das ein Trost sein und zur Beruhigung dienen. Aus diesen Langsamkcits-i proben werden sie ersehen, daß die Mühlen der Armenverwaltung nicht nur dann langsam mahlen, wenn Hungernde nach Brot schreien._ Die LustbarkcitSsteuer droht wieder. In seiner Etatrede hat der Vertreter der städtischen Finanzen in der Stadtverordnetenversammlung einen Fühler ausgestreckt, ob nicht doch eine Lustbarkeitsstcuer für Berlin angebracht erscheine und die Mehrheit der Versammlung stimmte dem zu, obwohl eine solche Steuer vor einigen Jahren von der Stadtverordneten- versamlung abgelehnt worden ist. In der letzten Etatsausschuß- itzung wurde wieder so nebenbei vom Kämmerer gefragt, ob er es jetzt wagen dürfe, eine solche Steuer vorzuschlagen. Vertreter der großen Fraktionen erklärten, daß sie für die Zustimmung ihrer Freunde sorgen würden. Dem Gewerbe, vor allem dem Gastwirtsgewcrbe, auch vielen Vereinen droht demnach eine neue Belastung und das, obgleich erst im Vorjahre das Abgeordnetenhaus nicht unerhebliche Besteuerungen von Lustbarkeiten beschlossen hat. Eine Volkszählung soll Ende dieses Jahres wieder stattfinden. Für Berlin sind die vollständigen Ergebnisse du ISvö vorgenom- menen Zählung noch nicht heraus. Sie sollen aber, wie lürzlich von einem Magistratsvertreter bei Beratung des Etats des Statistischen Amtes versichert wurde, nunmehr erscheinen. Ueberfahren und schwer verletzt wurde gestern morgen um 8 Uhr vor dem Hause Reinickendorferstraße Nr. 2 ein unbekannter Mann, dem Aeußeren nach ein Arbeiter von etwa 35 bis 40 Jahren. Ein Schutzmann brachte den Verunglückten nach dem Birchow. krankenhause. Der Unbekannte ist 1.60 Meter groß und trug ein schwarzes Jackett und Weste, graugrüne Beinkleider und einen grünen, weichen Filzhut. Beim Spielen ertrunken ist gestern nachmittag der 7 Jahre alte Sohn Arnold des Schleifers Sommerfeld aus der Kösliner- straße Nr. 14. Einem Verbot der Eltern zuwider ging der Knabe gestern nachmittag um 3 Uhr mit seinem 9 Jahre alten Bruder Hermann nach dem Nordhafen, um dort zu spielen. Beide stiegen über die Brüstung, gingen die Ladetreppe hinunter und liefen aus der schmalen Bordschwelle entlang. Plötzlich verlor Arnold das Gleichgewicht, fiel in den Hafen und ging unter. Ohne ein Wort zu sagen, lief Hermann vor Schreck davon und g-og nach Hause. Aus Furcht vor Strafe verschwieg er das Ui'�äck und erzählte, er habe seinen Bruder unterwegs verlor«"- Unterdessen hatte«in Bahnwärter, der von seiner Bude-uS den Vorgang sah, zwei Schiffer zu Hilfe gerufen. Diese machten sofort Rettungsversuche, fanden aber erst nach einer halben Stunde die Leiche de» Knaben, die dann von der Revierpolizei nach dem Schauhause gebracht wurde. Sommerfeld suchte vergeblich seinen vermißten Sohn, bis ihm abends um 9 Uhr ein Schutzmann mitteilte, daß die Leiche eines im Nordhafen ertrunkenen Knaben nach dem Schauhause gebracht worden sei. Er begab sich dorthin und erkannte in dem Ertrunkenen seinen Sohn. Durch einen Schuß in die Brust versuchte sich gestern der 20 Jahre alte Handlungsreisende Kornelius Vermeulcn in seinem möblierten Zimmer im Hause Georgenplatz Nr. 21 das Leben zu nehmen. Der junge Mann, der aus Holland stammt, kam vor einigen Tagen von Köln hierher, glaubte hier eine gute Stellung zu be- kommen, fand sie aber schon besetzt. Nachdem er gestern von seinen Eltern aus der Heimat einen Brief bekommen hatte, griff er zum Revolver. Er wurde schwer verletzt nach dem Krankenhause am Friedrichshain gebracht. Zu dem von uns in der Dienstagnummer des„vorwärts' ge- meldeten B o o t S u n f a l l am Müggelsee ersucht unS der in der Notiz genannte Ruderklub.Hellas" mitzuteilen, daß das betreffende Boot dem Nuderverein.Helvetia" gehörte. Seinen— dem Ruderklub „Hellas" angehörenden Mngliedern sei es bei Strafe des Ausschluffes verboten, bei gezogenem Warnungsball die Müggel zu befahren. Zeugen gesucht. Personen, die gesehen haben, wie am 0. März 1007 ein Mann in der Oranienslraße unmittelbar vor der Reichsdruckerei von einem Omnibus überfahren wurde, wobei ihm beide Beine gebrochen und er an der linken Hand verletzt wurde, werden gebeten, ihre Adresse abzugeben an Carl Rabe, per Adr. Zalys, Kopcichagenerstraße 5. In der Volksversammlung am Dienstag im Gewerkschaftshau» ist ein Portemonnaie mit Inhalt verloren gegangen. Der Finder wird gebeten, dasselbe bei Pähl, Naunynstraße 80, abzugeben. Vom eigenen Wagen überfahren und schwer verletzt wurde vorgestern der Kutscher Hermann Richter aus der Grunewaldstr. 70 Er fuhr am Blücherplatz neben einem Straßenbahnzug der Linie 64 her und bog, einem anderen Gefährt ausweichend, noch dichter nach dem Bahnwagen hinüber. Hierbei stieß die aus Bau- holz bestehende Ladung gegen den Motorwagen, die Hölzer ver« schoben sich, und dabei wurde der auf den Brettern sitzende Kutscher vom Wagen hcrabgestoßen. Er fiel so unglücklich, daß er unter den letzteren geriet und von dem schweren Gefährt überfahren wurde. In besinnungslosem Zustande wurde Richter nach der Unfallstation am Tempelhofer Ufer gebracht, wo komplizierte Brüche beider Unterschenkel und anscheinend auch innere Verletzungen festgestellt wurden. Nach Anlegung von Notverbänden wurde der Ver« unglückte nach dem Krankenhause am Urban gebracht. Vorort- I>iadmcdten. Dke Gemelndetvahlbewegung. Steglitz. Eine sozialdemokratische Forderung in einer Gemeindeverwaltung durchzudrücken, ohne daß ein ein» ziger Parteigenosse der Gemeindevertretung angehört, ist immer. hin eine Leistung, die sich sehen lassen kann. Dieses Kunststück haben die hiesigen Parteigenossen fertiggebracht, indem sie dem Punkte unseres Programms, der die„Aornahme der Wahlen und Abstimmungen an einem gesetzlichen Ruhetage" fordert, praktische Geltung verschafften. Das war uns nur dadurch möglich, daß wir bei allen drei Wahlen sozial» demokratische Beisitzer in den Wahlvorstand entsandten, die nun» mehr als Stichwahltag den Sonntag bestimmten, Der Stichwahlkampf in den beiden Ergänzungswahlcn sowohl wie in der Ersatzwahl wird zwischen unseren Kandidaten und denen. des Mietcrvereins ausgcfochtcn. Ter Mietervercin, der schon in der Hauptwahl von dem„Kommunalverein" und dem neuen HauZ» besitzervercin kräftig unterstützt wurde, wird in der Stichwahl wie in früheren Jahren, so auch diesmal aus den Kreisen deS alten HauLbesitzervereinS Zuzug erhalten, denn im Kampfe gegen die Sozialdemokrate haben sich die Bürgerlichen noch stets zusammen» gefunden. Außerdem entfalten die Mictcrvereinler eine äußerst rührige HauSagitation. Das muß für unsere Genossen ein An- sporn sein, auch ihr Bestes einzusetzen, um den gemeinsamen Ansturm der Gegner abzuwehren. Am Sonntag, den 20. März, muß c» gelingen, im 1. Bezirk(Wahllokal Turnhalle de» Gcmcindeschule in der Jahnstraße) unseren Kandidaten Ham» bürg, im 2. Bezirk(Wahllokal Turnhalle des Gymnasiums in der Heesestrahe) Genossen Leimbach zu Gemeindevertretern zu machen. Gelingt daS, dann ist uns auch die Ersatzwahl am Montag, den 21. März, im 1. Bezirk sicher, dann wird Ge- nossc Aßmann der dritte im Bunde sein, um endlich einmal auch Arbetterintcrcssen im Rathausc zu vertreten, �Lankwitz. Die Ersatzwahl zur Gemeindevertretung hat am hiesigen Orte noch zu keinem endgültigen Resultat geführt. Des- halb findet Montag, den 21. März, von 3 bis 0 Uhr nachmittags, Stichwahl zwischen dem Konservativen Hilde- brandt und unserm Genossen O. Franke statt. Nur wenn die Parteigenossen ihre volle Pflicht erfüllen, ist es möglich, den Sieg zu erringen. Es gilt daher, mit erneuter Kraft den Sieg borzu. bereiten. Sonntag vormittag 10 Uhr findet zur Vorbesprechung eine außerordentliche Mitgliederversammlung bei Ebel, Mühlen- straße, statt. Heute, Freitag, 18. März, abends S'.Ü Uhr, findet eine öffentliche Versammlung bei Prochatzka, Viktoriastraße statt in der Ge- nosse G r u h l- Nowawes über„Kommunale Aufgaben" sprechen wird. Genossen! Zeigt durch rege Beteiligung Euer Interesse cm der bevorstehenden Stichwahl. SUederschZnweibe. Dm Montag, den 21. d. M. nach- mittags von 3 bis L Uhr. findet die Gemeindevertrcterwahl der dritten Abteilung in der Turnhalle Hasselwerder Straße, Ein- gang Grünauer Straße, statt. Die Kandidaten der Sozialdemolratie sind die Genossen Paul Töllner und Max De hm et. Am Sonntag, den 20. März, vormittags Uhr, treffen sich die Genossen bei Hielscher, Berliner Straße 110, zur Flugblattver- breitung. Rcinickcndorf-West. Heute nachmittag von 4 bis 3 Uhr findet im Lokal von Marks, Scharnweberstraße 68, die Ersatzwahl für den verzogenen Genossen Maleika statt. Kandidat ist der Eigentümer Genosse Franz Lange. Die Genossen werden ersucht, die Säumigen noch aufzurütteln, damit unS auch heute der Sieg zufällt. Die Mitgliederversammlung des Wahlvereins findet aus- nahmsweise heute am Freitag im Lokal von Gördes, Ecke der Eich- born- und Waldstraße, statt. Tagesordnung: 1. Bericht von der Berbandsgeiieralversammlung. 2. Verkündung des Wahlresultats. 3. Vcreinsangelegenheiten und Verschiedenes. Reinickendorf. Heute findet die Gemcindevertreterwahl der zweiten und ersten Klaste statt. Wir haben keine Kandidaten auf- gestellt und ersuchen unsere Genossen sich der Stimme zu enthalten. Borsigwaldc-Wittenau. Die Gemeindevertreterwahl für die dritte Klasse findet am 2 3. März, mittags von 12 bis abends 8 Uhr, im Restaurant von Albert Schulze, Wittenau, statt. Bis dahin werden die Genossen noch zu reger Agitation für den sozialdemokratischen Kandidaten aufgefordert. Am Sonntag, den 20. März fiüh 8>ch Uhr, wird von dem be- kannten Lokal aus ein auf die Gemeindewahl bezügliches Flugblatt verbreitet. Tempelhof. Zum ersten Male hält die Sozialdemokratie ihren Einzug in das Dorfparlament des konservativen Tempelhof. Die- selbe Partei, die mit allen Mitteln stets zurückgehalten wurde, dringt nun gleich mit 3 Mann durch. Die Wahlen dauerten un- unterbrochen 13 Stunden, trotzdem mußten noch Wähler, die in unserem Sinne gewählt hätten, abziehen, ohne ihr Wahlrecht aus- geübt zu haben. DaS amtliche Wahlresultat konnte erst um Mitter- nacht verkündet werden. Tie Gesamtzahl der Wähler betrug 1068; hiervon haben unsere Kandidaten erhalten: Schmidt bS3, Müller S53 und Frantz 648. Die Gegner schleppten alles heran, um uns in die Stichwahl zu drängen; si« haben ihr Ziel nicht erreicht. Die Steigerung der sozialdemokratischen Stimmen veranschaulichen folgende Zahlm: Jahr Sozialdemokratie Gesamte Gegner 1S0S... 157 624 1908... 203 310 1910... 558 BIO Senzig bei Königswusterhausen. Bei der Gemeindevertreter. wähl erhielt in der dritten Klasse der sozialdemokratisch? Kandidat 53 Stimmen. Ein Gegenkandidat war nicht aufgestellt. In der zweiten Klasse wurde der bürgerliche Kandidat mit 12 gegen 9 sozialdemokratische Stimmen gewählt. Zehlendorf(Wannseebahn). Der Trick der Gemeindeverwal- tung, die Wahlen im Südbezirk an zwei Tagen anzusetzen, hat den Erfolg gehabt, daß unsere Stimmenzahl gegenüber der Wahl am Montag etwa? herabgegangen ist; aber auch die der Gegner, und zwar viel bedeutender. Es erhielten hier unser Genosse Jäkel 115 Stimmen, am Montag sind wir mit 144 in die Stichwahl ge- kommen; der Gärtncreibesitzer Clas 258 Stimmen gegenüber rund 350 Stimmen am Montag. Unerwartet gut haben wir bei starker Beteiligung im Nord- bezirk abgeschnitten. Von 604 gültigen Stimmen erhielten Griebel 423, Lang(Beamtenvereinigung) 254, Denkwardt 174 und unsere Genossen Kutta und Ulm je 176 Stimmen. Wenn man die ge- waltige papierne Macht der Gegner in den Forensenstimmen be- rücksichtigt, ist dieses Ergebnis um so höher anzuschlagen, al« wir gegenüber der Wahl vor zwei Jahren in dieser Domäne des Reich. tumS noch 39 Stimmen gewonnen haben. Da Stichwahl zwischen dem Bcamtenkandidaten Lang und unserem Genossen Ulm stattzu. finden hat, wird eS sich bald zeigen, ob das hiesig« Bürgertum Mut genug besitzt, den unerhörtesten WeamtenterroriSmus, der jemals verübt wurde, abzuschütteln. Wenn die Herren ehrlich sind, dürste ihnen nicht» andere» übrig bleiben, als in der StichwÄhl unseren Genossen Göhre im Eüdbezirk und Genossen Ulm im Nordvezirk zu wählen. Den Herren Beamten können wir aber jetzt schon vev- raten, baß wir dafür sorgen werden, daß bei der Stichwahl der Zugang zwischen dem Wahllokal und ihrem Schlepplokal ebenfalls Um 8 Uhr zu schließen ist. Pankow. Die gestrige Gemeindevertreterwahl brachte uns keinen vollen Erfolg. Im i. Bezirk erhielt der bürgerliche Kandidat 875, der sozialdemokratische Kandidat Genosse Winkler 793 Stimmen Der Bürgerliche ist somit gewählt. Gegen die Wahl wird Protest eingelegt, weil die Türen zum Wahllokal schon vorzeitig ge- schlössen wurden. Der Bürgermeister selbst ordnete die Wieder- öffming an. Im 2. Bezirk entfielen aus den bürgerlichen Kandidaten 657 auf den sozialdemokratischen Kandidaten Ge- Nossen Wilhelm Brall 358 Stimmen. Reinickendorf. Im 1.(westlichen) OrtSteil siegte unser Genosse Ohl mit 566 Stimmen über den Bürgerlichen, der 11 Stimmen erhielt. Im 2.(mittleren) Ortsteil erhielten unsere Genossen H ö p s n e r und Kühn 500 Stimmen, die Kandidaten der Grund» befitzervereine 80 Stimmen. Heute, Freitag nachmittag, findet für den verzogenen Genossen Maleika im Marksschen Restaurant, Scharnweber- straße 68, die Ersatzwahl statt. Unser Kandidat ist der Genosse Franz Lange. Wir ersuchen alle Genossen, heute nochmals ihre Pflicht zu erfüllen. Der heutige Tag bollende, was der gestrige begonnen. Die Bezirksleitung. Hermsdorf. Wie wir bereits kurz berichteten, hat die Ge» msindewahl mit dem Siege unserer beiden Kandidaten, der Ge. nossen Behrends und Pricßmeyer, geendet. Die Zahl unserer Ge. nassen im Gemeindeparlament erhöht sich somit von 1 aus 3. Die Wahlbeteiligung betrug nur 86 Proz., trotzdem hat sich die Arbeiter» schoft diesmal stärker an der Gemeindewahl beteiligt als sonst. Soviel auch für die bürgerlichen Kandidaten vor und während der Wahl agitiert wurde, nutzte es doch nichts; die Einwohnerschaft wollte von solchen politischen Eunuchen nichts wissen, und so siegten wir mit fast 100 Stimmen Mehrheit über die Gegner. Wildau-Hoherlehme. Bei der am Mittwoch stattgefundenen Gemeindevertreterwahl zur dritten Klasse wurde unser Genosse Schumann mit 175 gegen 97 Stimmen wiedergewählt. Bei der vor zwei Jahre» erfolgten Ergänzungswahl erhielt derselbe 149, der Gegner 88 Stimmen. Der Erfolg ist um so höher einzuschätzen, als durch den von einigen Beamten der Firma Schwartzkopff auS- geübten Terror ein Teil unserer Genossen den Ort verlassen mußte. Trotzdem sich der Herr Obcringenieur Nacke vorgenommen hatte, nicht früher zu ruhen, bis der letzte„Rote" unfern Ort verlassen hat, und die RauLreißerkolonne der Firma, unter Führung Ihrer Obergelben, vollzählig erschienen, auch die Arbeiter der Bahn ihre Stimme abgaben, vermochten sie es nicht, uns unfern Sitz zu ent. reißen. Möge dieser Erfolg den Königswusterhausener Genossen bei der am nächsten Dienstag stattfindenden Wahl in ihrem Orte ein Ansporn sein, damit auch sie den Sieg über die Gegner davon- tragen. Groß-Besten(Kreis Teltow). Die Gcmeindewahl st, de? dritten Abteilung brachte uns einen Sieg. Von 46 abgegebenen Stimmen erhielt unser Genosse Zander 26. der Gegner 21. Zander zieht als zweiter Sozialdemokrat i» das Gemeinde- Parlament. Klem-Bestca(Kreis Teltow). Auch hier endeten die Gemeinde. wählen mit einem Siege her Sozialdemokratie. In der dritten Abteilung wurde Genosse Karl Skarupke mit 18 gegen 6 Stimmen gewählt und in der zweiten Abteilung Genosse Wilhelm Skarupke mit 8 gegen 6 Stimmen. Nauen(Kreis BeeZkow). Die Gemeindewahlen brachten uns einen glänzenden Sieg. In der d r i t t e n Abteilung wurde der Genosse Otto Graßnick mit 34 geaen 11 Stimmen gewählt. In der zweiten Abteilung trugen unsere Genossen Rothe und K ü I p e r den Sieg davon. Ersterer erhielt 14, letzterer 10 Stim- men; da noch auf einen bürgerlichen Kandidaten 10 Stimmen ent» fallen waren, mußte die Auslosung entscheiden, die zu unseren Gunsten ausfiel. ES sitzen nunmehr 5 Sozialdemokraten im Ge- meindeparlament, da? auS 12 Gemeindevertretern besteht. Cladow a. Havel. Bei der gestern hier stattgesundenen Ge» meindewah! in der dritten Abteilung wurde unser Genosse Beukel mit 39 gegen 36 bürgerliche Stimmen gewählt. Damit zieht der erste Sozialdemokrat in die Gemeindevertretung ein. Wilhelmsruh. Bei der gestrigen Gemeindevertreterwahl der dritten Abteilung im I. Bezirk wurde der sozialdemokratische Kan- didat. Genosse Robert H a s ch e ck, mit 288 Stimmen gewählt. Der gegnerische Kandidat erhielt 42 Stimmen. Gegenüber der letzten Wahl hat die Sozialdemokratie 105 Stimmen zugenommen. Bohnsdorf. Die Eemeindevertreterwahl der dritten Abteilung endete mit dem Siege der Sozialdemokratie. Von 146 eingeschrie- denen Wählern übten 76 ihr Wahlrecht auS. Unser Kandidat, Genosse S ch i f f k e, erhielt 50 Stimmen, die beiden gegnerischen Kandidaten zusammen 26 Stimmen. Der zu Wählende mußt« Angesessener sein. Diese Eigenschaft traf bei unserem Genossen als Vertreter der Baugenossenschaft„Paradies" zu. Der Gemeindevorsteher erklärte jedoch die auf unseren Kandidaten entfallenen Stimmen für ungültig und einen der bürgerlichen Kandidaten für gewählt. Unsere Genossen protestierten gegen das ungesetzliche Vor- gehen des Gemeindevorstehers, indem sie darauf hinwiesen, daß nach den Entscheidungen des Oberverwaltungsgerichts der Der» treter einer Genossenschaft als Angesessener gilt. Der Gemeinde- Vorsteher ließ sich nicht bewegen, von seinem ungesetzlichen Vor- haben Abstand zu nehmen; er berief sich dabei auf den Landrat, zu dem er zwecks Information in dieser Angelegenheit hingefahren war. Der Landrat habe ihm erklärt, daß der Vertreter einer Ge- nossenschaft nicht als Angesessener zu gelten habe. UnS will daS ganz unverständlich erscheinen, wie der Landrat eine derartige Auskunft geben konnte. Selbstverständlich wird gegen den als ge- wählt erklärten bürgerlichen Kandidaten Protest eingelegt werden. Nixdorf. Aufsehen erregte es am Dienstag früh an der Lohmühlenbrücke. als das bei dem Schlächtermeister Schmiedel, Friedelstraße 23, be. dienstete Mädchen, angeblich die Schwester der Frau Sch.. in den Kanal sprang, um sich das Leben zu nehmen. Die Lebensmüde wurde von Passanten aus dem Wasser gezogen. Sofort angestellte MederbelebungSversuche hatten Erfolg. Das Mädchen wurde als- dann nach dem Krankenhaus überführt. Wie verlautet, soll daZ Mädchen über schlecht« Behandlung im Dienst geklagt haben. Heute abend 8 Uhr findet in Hoppes Festsälen. Hermann- straße 49, die Märzfeier statt. Durch Chorgesang wird der be- kannte Männergesangverein„Rixdorf" die Feier einleiten. Die Festrede hält der ReichStagSabgcordnete Genosse Eichhorn. Ferner Rezitation von FreiheitSgcdichten. Da weder Kosten noch Mühe gescheut sind, diesen Abend ganz besonders eindrucksvoll zu ge- stalten, wird um gute» Besuch ersucht. Der Eintritt kann jedoch nur gegen Vorzeigung des Mitgliedsbuches erfolgen. Ichüneverg. I» der letzten siyung der GewertschaftSkommissioa teilte der Obmann den Delegierten mit, daß in den Kommissionssitzungen des öfteren Borträge über die Sozialgesetzgebung gehalten werden o llen. Zu diesen Sitzungen sollen auch die Vertrauensleute der Beiriebe eingeladen werden. Des weitere» sollen Kunst- und Unter- haltungSabende veranstaltet werden. Diese Borschläge fanden ein- stimmige Annahme. Am 23. April findet bereits ein Unterhaltungö- abend statt. Zur Aufführung gelangt Max Halbes„Jugend" durch Herrn Walkotte. Der EintnttspreiS wird auf 75 Ps. fetzgesetzt. Für die Jugendlichen sind ermäßigte Preise vorgesehen.— Hierauf teilte der Obmann mit, daß der von den Tran«- porlarbeitern vorgeschlagene Gewerbegerichtsbeisitzer durch ein Schreiben an den Magistrat seine Wahl abgelehnt habe. ein Vorgang, durch den die Kommisston leider recht unangenehm be- rühr« wurde. Die Delegierten und Vertreter müssen es sich zur Pflicht machen, au« ihren Reihen nur solche Kollegen in Vorschlag *u bringen, die sich auch der Bedeutung bei der Ucbernahme eines solchen Amte» voll bewußi sind, damit künftig etwa» derartiges der- mieden wird.— Eine Beschwerde gegen den städtischen Arbeits« nacknveis wird der LrbeitSnacbweiSkommission überwiesen. Genosse Herker, als Mitglied genannter Kommission, berichtete aus der letzten Sitzung, daß die geplante Erweiterung deö AusenthaltSraumes im Arbellsnachweise bis zum Herbst zurückgestellt worden sei.— Der Vertreter der Gärtner teilte mit, daß die organisierten Gehilfen rote Legitimotionskarten bei sich führen, und ersuchte die Delegierten, dieses berücksichtigen zu wollen. Eharlottenburg. Zur Bl-iweißfrage nahm ein« der letzten Sitzungen der Hochbau- Deputation Stellung. Diesmal mit größerem Erfolg wie früher. ES wurde nämlich nach längerer gegenseitiger Aussprache beschlossen, bis auf die Dauer von drei Jahren auf allen städtischen Bauten die Verwendung von bleiweißhalligcn Farven uichi mehr zuzulasien. Die während der Dauer diese» dreijährigen Verbotes gemachten Erfahrungen sollen dann geprüft werden, um eventuell die Verwendung von bleiweißhaltiaen Farben auf städtischen Bauten dauernd zu verbieten. Auch sollen in der Zwischenzeit die mit dem Bleiweißverbot in der Schweiz erlangten Resultate untersucht und bei der endgültigen Entscheidung über diese Frage berücksichtigt werden.— In letzter Linie ist dieser Erfolg, der in dem Beschlüsse der Hochbaudeputalion liegt, zurückzuführen aus die immer von neuem gegebenen Anregungen unserer Genossen in der Deputation. Ein» äußerst stimmungsvolle Märzfeier veranstaltete der Wahl. verein am Dienstag im großen Saal« des Volkshauses. Die in Massen heranziehenoen Genossen und Genossinnen bewiesen, daß, ganz gleichgültig unter welchem Etikett eine Veranstaltung vor sich geht, eine Zusammenkunft klassenbewußter Arbeiter in der gegen- wältigen Zeit sich ohne weiteres zu einer Willenskundgebung zur Erringung des allgemeinen, gleichen Wahlrechts gestaltet. Der Vor« sitzende, Genosse Will, hob das auch in seinen einleitenden Worten hervor und betonte, daß alle Anwesenden von den gleichen Ge» danken beseelt find wie die Teilnehmer der Groß-Berliner Ver. sammlungen.— Der Saal und die Galerie waren bis auf den letzten Platz besetzt, sogar außerhalb des Saales hatten die Ge. ncssen, auf Tischen und Stuhlen stehend, Posta gefaßt. Die Polizei sperrte bald den Zugang zum Saal.— Nach der Wieder. gäbe des herrlichen Freiliarathschen Gedichts„Die Revolution" durch den ReichstagSabgeordneten Genossen Geck und nach dem durch die„Charlottenburger Liedertafel" vorgetragenen Licdc „Dem Lenz entgegen" ließ Genosse Geck in seinem Lichibildervor- wage die Ereignisse des großen Jahres 1843, insbesondere die badische Revolution 1843/49 in Wort und Bild an den Anwesenden vorüberziehen. Der Vortrag fesselt» die Zuhörer bis zuletzt. In- grimm und Zorn mußten ja jeden erfüllen bei dem Gedanken an ie traurigen Zustände, die trotz alledem noch heute in Preußen herrschen, bei dem Gedanken daran, daß nach den schweren Kämpfen vor mehr als 60 Jahren beute noch eine Schlacht bei Treptow möglich tft. Räch einem Schlußwort des Genossen Will schloß die unpofante Feier mit einem begeisterten Hoch auf die Sozialdemokratie. Mit Staunen sah man beim Verlassen des Volkhauses, daß wieder die aesaniw Polizeimacht CharlottenburgS außzeboten war, sogar die sonst im Bureau arbeitenden Schutzleute hatten Dienst. Ueberall, bis zum„Anw" herunter, leuchteten die Pickelhauben der braven Ordnungsmänner. Glaubten sie an einen Spaziergang nach dem„Großen Stern"? Hatten sie auch die Gctzkowskhb rücke gut verwahrt? Wir wissen es nicht. Zu tun ic kamen sie jedenfalls nichts. Ober-Schöneweide. Gemeindevertretersivung. Die Beratung einzelner Spezial» etatS wird fortgesetzt. Beim Volksschulwesen wurde vom Genossen Grunow beantragt, daß aus den Erzeugnissen der Koch- schule bedürftigen Kindern warmeS Mittagessen verabfolgt werde. Vom Gemeindevorsteher wurde der Antrag als überflüssig bezeichnet insofern, als er im Verwaltungswege bereits im Sinne desselben verfüge. Dies entspricht jedoch nicht den Tatsachen, nur in einer Schule, und zwar auch dort nur auf Veranlassung des Nektars, wird davon Gebrauch gemacht. Der Eifer, mit welchem der Vorsteher sich gegen Annahme des Antrages wandte, war jeden- falls einer besseren Sache würdig. Die bürgerlichen Vertreter, folg- ■fam wie immer, wollten ihren Präses nicht im Stiche lassen und lehnten den Antrag ab, trotzdem er sonst ihren Beifall fand. Ein weiterer Antrag des Genossen Grunow, betreffend Einrichtung einer Hilfsschule für sckMichbegabte und mit Gebrechen be» haftete Kinder, wurde abgelehnt, nachdem der Gemeindevorsteher auf die finanzielle Not der Gemeinde verwiesen hatte. Damit opriert man, lvenn es die Volksschule angeht; bei der höheren Schule hingegen wird nicht? zu teuer. Die Volksschüler mögen« zusammengepfercht in großen Klassen, auch weiter darunter leiden, daß der Unterricht durch schwachbegabte Kinder gehemmt wird. Eö wird sich ja zeigen, ob die Herren bei der weiteren Etats- beratung auch auf die Finanzen Rücksicht nehmen werden, wenn unsere Genossen die Streichung der Kirchenbeihilfen in Höhe von 4000 M. beantragen werden. Die neue Bier st euer- Vorlage wurde gegen die Stimme unseres Genossen angenom» men. Sehr weise war hier wieder der Ausspruch des Gemeinde- Vorstehers, diese Steuer würde ja doch von den Brauereien ge- tragen, als ob der Preis des Bieres nicht fortwährend gerade in» folge der Steuern stiege. Einem Vergleich mit der Firma Frister betr. Kosten der Baggerung des Spreeufers wurde zugestimmt; danach trägt die Gemeinde% und die Firma Va der Kosten. Für die Einführung des Nachttelephons ab 1. April lourdeo S5S M. als(Sarantiesumme bewilligt. Boxhage»- Nummelöburg. EtatSberatung in der Gemeindevertretung. In der letzten Sitzung hat bei überfüllter Zuhörertribüne die Beratung de» Etat» Voranschlages für 1910/1911 ihren Anfang genommen. Einleitend führte der Bürgermeister Dr. Hahn hierzu aus. daß der diesmalige Voranschlag ein recht wenig günstiges Bild darbietet. Die Gesamt- summe von 3 300 600 M. weiche von der deS Vorjahres Verhältnis« mäßig nur ein geringes ab. Der Gemeindevorstand habe mit der größten Vorsicht und Gewissenhaftigkeit die Aufstellung deS Vor- anschlageS vorgenommen, trotzdem sei nicht zu umgehen gewesen, daß die Steuern nicht unerheblich erhöht werden mußten. So nvußte eine Erhöhung bei der Gemeindeinkommensteuer von jetzt 125 Proz. aus 135 Proz., und bei der Grundwertsteuer von SV* bei bebauten und SVa Proz. bei unbebauten Grundstücken auf SVj und 7 Proz. pro Mille vorgenommen werden. Die Gewerbesteuer soll in den Klassen I bis III eine Erhöhung auf 250 Proz. erfahren, auch sei die Erhöhung der KanalrsationSabgaben nicht zu umgehen. Daß trotzdem noch aus Fondsmitteln 115,000 M. entnommen werden müssen, sei ein Beweis für die derzeitige finanzielle Schwäche der Gemeinde, die ihre Hauptuvsache mit darin hat, daß der Gemeinde rentable Werke, wie Gas- und Elektrizitätswerke, fehlen. Außer- dem bedeuten die Erhöhung der Lehrergehälter und der Mehrauf- wand für die Polizeikosten— welch letztere von 30 000 auf 75 000 Mark gestiegen sind—, wie andererseits der Fortfall der Staats- Zuschüsse zu den Volksschullasten für die Gemeinde erhebliche Mhr- lasten, denen Einnahmen nicht gegenüberstehen. Genosse John, welcher den Voranschlag von der kritischen Seite aus beleuchtete, konnte in seinen Ausführungen den Nachweis führen, daß die augenblicklich schlechte Finanzlage mit ihre Haupt- Ursache in der von den GrundbesitzervcreinSvertretern unter Füh- rung des Gemeindevorstandes schon seit Jahren leider mit Erfolg betriebenen künstlichen Herabsetzung des Gemeindeeinkommenstei�ep- Zuschlages zu suchen sei. Daß der jetzige Tiefstand in den Gemeinoe- sinanzen euitreten mußte, das haben die sozialdemokratischen Ver« treter schon seit Jahren bei jeder Etatsberatung warnend dargelegt. Die Verantwortung, daß nunmehr die Ausgleichsfonds auS- geplündert sind und der Etat nur noch durch erhöhte Steuersätze zum Balanzieren gebracht werden kann, trage allein die bürgerliche Vertretung.— Zu den einzelnen Kapiteln des Etats beantragte unser Vertreter u. a.: Einführung der Unentgeltlichkeit des Be- stattungSwesenS, wie die unentgeltliche Abgabe der Lernmittel für oie Volksschuler, und Fortführung der MittagSspeisung bedürftiger Schulkinder, sowie Einstellung eines größeren Betrages für die Ferienkolonie und bessere Ausgestaltung des Gesundheitswesens. Den für diese Positionen eingestellten Gesamtausgabebetrag von 12 300 M.(pro Kopf der Bevölkerung 23 Ps.), verteilt auf die äußerst notwendigsten sozialen Einrichtungen, wie Ferienkolonie 4600 M., Tuberkulosenfursorge 1800 M., Bekämpfung der Kinder- sterblichkeit 1500 M.. Lernmittel an Bedürftige 3000 M. und 1500 Mark an den Verein Frauenhilfe für warme Frühstückskost an bedürftige Schulkinder, bezeichnet Redner für eine Gemeinde wie Rummelsbnra mit über 50 000 Einwohnern und einem Etat von übr 8)4 Millionen als beschämend klein. Wenn dagegen anderer» seitS in Betracht gezogen wird, daß der bessersituierten Bevölke» rung ollein zur Unterhaltuno der höheren Schulen ein Gemeinde» Zuschuß von 149 890 M. gewahrt wird, so zeichnen sich dagegen di« Almosen, die den ärmeren Bevölkerungsschichten gnädigst geboten werden, von einer recht betrübenden Seite. Ferner tritt Redner für die Eweiterung der Volksbibliothek und für die Vergrößerung und besseren Ausgestaltung des Kinderhorts ein. Auch die stellen- weise noch vorhandenen miserablen Bürgersteige unterzog Redner einer scharfen Kritik. Beim Kapitel„höhere Schulen' beantragt unser Genosse zur Gesundung der Finanzverhältnisse, die Auf- Hebung der Vorschulklassen an den einzelnen höheren Lehranstalten sowie auch den Abbau des LehrerinnenseminarS, welch letzteres zurzeit schon bei 55 Schülerinnen, wovon nur 4 einheimische sind� einen Zuschuß von über 8000 M. erfordert. Die 6 Borschulklassen am Gymnasium und die 6 VorschuMassen an der höheren Mädchen- schule erfordern zusammen einen Zuschuß von über 42000 M. Ebenso erfordern die 4 Vorschulklassen der Mittelschule bereit? einen Zuschuß von 16 000 M. Beim Kapitel„Gemeindeverwaltung" kritisierte Genosse John scharf, daß die im Vorjahre den Gemeinde- beamten bewilligten Gehaltserhöhungen nicht in voller Höhe aus- gezahlt worden sind. Die Positron„Polizeikosten"(75 000 M., im Vorjahre 80 000 M.) gab unserem Redner Veranlassung, die An- sammlung der Polizei in Treptow und die dadurch bewirkte Ent- ziehung der Sicherheitsorgane aus dem Orte, in Verbindung mit der Frage, welche Rechte der Gemeinde für die Tragung der nicht unerheblichen Polizeikosteu eigentlich zustehen, in den Bereich seiner Kritik zu ziehen. Beim Kapitel„Volksschulen" ersuchte Redner um die Ein- führuug von Haudfertigkeitsunterricht und um Einsetzung van Mitteln für SchulauSflüge, wie auch um eine andere Übersicht- kichere Ausgestaltung der Schulärzteberichte. Beim Kapitel „Straßenverwaltung" wünscht Genosse John eine bessere Pflege der Strahcnbäume. Ferner verlangt Redner, daß wegen der Schröpfung der Gemeinde durch die Stadt Berlin bei der Be» rechnung des Gasverbrauches für die Straßenbeleuchtung nach dem Verbrauch der bereits über 10 Jahre Ntcht mehr vorhandenen Schnittbrenner statt nach dem jetzigen wirklichen Verbrauch tx ein entschiedenes Veto eingelegt werden muß. Beim Kapitel„Verschiedenes" übte unser Genosse noch daran Kritik, daß für daS vor drei Jahren beschlossene Volksbad in diesem Jahre ganze 10 M. in den Etat eingesetzr worden sind, auch beniängrtt Redner, daß die vor einem Jahre beschlossene Ledürf- nisanstaU noch nicht errichtet ist und auch sonst allem Anscheine nach recht langsam in der Bauvevwaltung gearbeitet wird. Im besonderen kam dann Genosse John noch auf die Dahlen zum Eemeindebsrstand wie zur Schuldcpulation zu sprechen, da bei diesen beiden Wahlen die bürgerlichen Vertreter sich immer damit entschuldigen, daß es zwecklos sei, für unsere Kandidaten zu stim- xnen, da dieselben doch nicht bestätigt werden würdet�. Als Red- «er nun in scharfer Weise darauf hinwies, daß dies leere Aus- reden, heuchlerische Phrasen seien, was sie durch die Wahlen zum Kreistag und Kanalisationsausschutz, wo eine Bestätigung nicht er- forderlich ist, klar bewiesen haben, war beschämendes Schweigen die Antwort. Nachdem Genosse B e r g e r noch besonders für einen höheren Betrag kür die Speisung bedürftiger Schulkinder einge- treten war und gleichzeitig warm für besiere Ausgestaltung des Gesundheitswesens plädierte, nahm der Bürgermeister daS Wort zu einer kurzen Ertviderung. Leider beschränkte sich derselbe in seinen Ausführungen auf ein paar wenige Beschwerdepunkte; so erklärte er mehrmals, datz er die Beantwortung den betreffenden Dezernenten überlassen müsse, da dieselben aber leider nicht an- wesend waren, so konnte auch eine Beantwortung nicht erfolgen. Die Nichtausführung des BaueS der bereits vor drei Jahren bc- schlossenen Volksbadeanstalt wie die schlechte Beschaffenheit des Kinderhorts entschuldigte er mit dem Mangel an Geld. Das Lehrcrinnenseminar ersucht der Bürgermeister vorläufig noch nicht eingehen zu lassen, da er noch die Hoffnung hat, die Sache werde sich bessern. Unter welchen Borspiegelungen mitunter fliegende Polizeiwachen hei Wahlrechtsversammlnngen in Lokalen untergebracht werden, davon gibt die am letzten DienStag aus Anlatz der im Cafö Bellevue tagenden Wahlrechtsversammlung im Lokale der Witwe Schonert insinuierte Polizeiwache einen Beweis. Erschienen da mit einem mal ein paar Schutzleute, von denen der eine ein Bukett in der Hand trug, mit der Erklärung, daß sie eine kleine Geburtstagsfeier ab- holten wollten, nach und nach hatten sich zu dieser angeblichen Geburtstagsfeier an die zwanzig Schutzleute eingefunden. Als die Wirtin durch Gäste darauf aufmerksam gemacht, nun auch gewahr wurde, datz die in einem besondere» Raum untergebrachten GeburtStagSgäste— alles weniger als eine GeburlslagSfcier abhielren,— soll die Frau Schonert dem führenden Wachtmeister ihren Unwillen über ein solches Eindringen in ihr Lokal ausgesprochen haben. Tatsächlich zogen nunmehr die Schutz- leute, da inzwischen auch die Versammlung im Ca sä Bellevue beendet war und eine Gelegenheit für sie zum EinHauen auf etwaige Demonstranten sich nicht bot, wie die betrübten Lohgerber von dannen. Ferner hat die Frau Schon'rt der Lichlenberger Polizeidirektion die schriftliche Mitteilung jjugehen lassen, datz sie in Zukunft ihre Räume auf keinen Fall für eine fliegende Wache wieder hergeben werde. Weiftensee. Tie Borberatungen zum Etat für 1910 sind in der Kommission beendet. Nicht alle Wünsche der einzelnen Interessenten auf Er- latz von Steuern konnten berücksichtigt werden, wollte man den Kommunalzuschlag nicht erhöhen. Die ordentliche Verwaltung schlietzt mit 3 075 785 M., die autzerordcntliche Verwaltung mit 000 000 M. ab. Dar Wert der Liegenschaften ist auf 121 500 000 Mark veranschlagt, und zwar 37 Millionen Mark für unbebaute und 84� Millionen Mark für bebaute. Die allgemeine Verwaltung erfordert einen Zuschutz von 358 928,82 M., die Kapital- und Schuldenverwaltung einen Zuschutz von 334 216,63 M. Die Ge- meindegrundstücke bringen einen Ueberschutz von 48641 M., die Steuerverwaltung einen solchen von 1 271 241 M. Der Zuschutz der Schulverwaltung beträgt 437 756,50 M,, der der Armenverwal- tung 105 516 M.; für die Wohlfahrtseinrichtungen werden 13 794 Mark gefordert. Die Verwaltung der Stratzen und Plätze verlangt 87 750 M.; der Kanalisationsetat balanziert mit 269 000 M., der Rieselfeldetat mit 243 900 M.; die Wasserversorgung liefert einen Ueberschutz von 13 200 M.. der Etat der Friedhöfe einen solchen von 4880 M. Das Fleischschauamt balanziert mit 74 235 M. Die Plenumberatungen sollen in zwei Tagen erledigt werden, und zwar am 23. und 24. März. Spandau. Schwer veclmglückt ist am Dienskagnächmitkag fecc vierjährige Sohn des Arbeiter? Lajewskj aus der Weitzenburger Stratze. Der Knabe hatte mit anderen Kindern eine in der Gütel- stratze auf einem Feldbahngeleise stehende Lowry in Bewegung gesetzt, alsdann sprangen die Kinder auf und fuhren eine Strecke mit. Hierbei stürzte der kleine L. ab, wurde von der Lowry über- fahren und ihm ein Unterschenkel zersplittert. DaS Kind wurde nach Anlegung eines Notverbandes in das städtische Krankenhaus geschafft. Potsdam. Stadtverorduetenschung. DaS OrtSstatut für die neuemgeführte obligatorische Fortbildungsschule für weibliche Angestellte deS KaufmannSstandeS hat die Genehmigung nicht gefunden. Mau er- klärte sich mit folgenden Abänderungen einverstanden: die Ent- scheidung. ob ein anderweiter Unterricht als Ersatz für den Fort- bildungsschulunterricht angesehen werden kann, steht den, RegierungS- Präsidenten und nicht dem Schulvorstande zu. Der Unterricht hat stattzufinden in der Zeit von vormittags 8 Uhr bis spätestens 5 Uhr nachmittags; das Schulgeld beträgt jährlich 24 M. Auch hat die neue Hundesteuerordnung keine Genehmigung gefunden. Nach einer KabinettSordre von 1829 müssen die Hunde zur Bewachung und zu gewerblichen Zwecken steuerfrei bleiben. Der Magistrat soll den Klageweg hiergegen beschreiten. Den Lehrern an dem Realgymnasium und der Realschule sollen die Gehälter für 1908 jetzt nachgezahlt werde», weil für diese Schulen ein StaatSzuschutz gewährt wird. Sowohl für die Lehrer mit der gleichen Qualifikation der höheren Töchterschule wie für alle seminaristisch gebildeten Lehrer(die also in ihrem Gehalte bedeutend niedriger stehen) wird diese Nachzahlung nicht stattfinden. Dem Pädagogischen Verein wurden zur Bekämpfung der Schundliteratur für eine Jugendschriftenausstcliung 100 M. und der ftciwilligen Feuerwehr anlätzlich ihres 25 jährigen Bestehens 800 M. zu den Festkosten bewilligt. In der Charlottenschule wird, wie in den Gemeindcschulen. ein HauShaltungsunterricht eingeführt. Da sich die bisherigen Alarmeinrichiungen für die Feuerwehr, hauptsächlich zur Nachtzeii, als ungenügend erwiesen haben, wird eine besondere Einrichtung geschaffen sMorse-SicherheitSsyslem). Auf Antrag deS Stadtv. Krämer sollen aber die Kosten von 31 O00 M. nicht aus der aukzunehmenden Anleihe, sondern aus laufenden ElatS- Mitteln eiittiommen werden. Man will einen Teil der Ueberschüsse der Sparkasse dazu verwenden.— Der Erhebung der Biersteuer wird zugestimmt und dieselbe als Fabrikatsteuer festgesetzt auf 30 Pf. für den Hektoliter leichteren und . 65,»„„ schweren BiereS. Die Gesamteimrahme daraus soll 53 000 M. betragen. Nachdem man in der vorigen Sitzung einem Stadlsekretär den Titel»Bureau- direktor' verliehen hatte, beehrte man diesmal den Brandmeister mit dem Titel.Brandinspektor'. Die Untersuchung über die Ursach« der GaSexpl-flo» in der GardedukorpSkaferitc hat zu dem Ergebnis geführt, datz eS sich um einen Akt groben Unfug« handelt. Der GaSarm in der Latrine 77 war nämlich mit Gewalt abgebrochen und zweifellos har der Täter aus Mutwilligkeit gehandelt. Die Verletzuilgen stellen sich jetzt als sehr bedenklich heraus. Ueber die Person deS Täters ist nichts be- könnt. ES kann aber nur ein Soldat in Frage kommen, der gegen Mitternacht den Klosettraum ausgesucht hat, da vorher Licht im Abort gesehen worden ist.__ Amtlicher Marltbertcht der städtlichen Marktballen-Dtrektton Ilde, den Nroßbandel in den Zentral-Maektballen. Marktlage: Fleisch: Zukubr stark, Nelchäst schleppend, Preise für Schweinefleich nachgebend, sonst unverändelt. 30 1! b: Zusudr sehr schwach, Geschäft lebhaft. Preise fest Geflügel: Zufuhr etwas reichlicher, Geschäft levhast, Preise gut. Fische: Zufuhr genügend, Geschält teilweise rege, Preise wenig verändert. Bulter und Käse: Geschäsl ruhig. Preise unverändert. Gemüse. Ob d und Tüdkrü cht-: Zufuhr genügend, Geschäft in Südfrüchten und Obst still, in Gemüse rege, Preise wenig verändert. Vermischtes. Tie Berzweiflungsiat eines DefraudauicU. AuZ Hirsch« herg i. Schl. wird vom gestrigen Tage gemeldet: Heute morgen versuchte sich nach Unterschlagung von etwa 10 000 M. der Buch- Halter und Kassierer der hiesigen Gasanstalt durch einen Schutz in die Schläfe zu entleiben. Es ist wenig Hoffnung vorhanden, ihn am Leben zu erhalten. Bergleute verschüttet. Einer Meidung aus Zabrze zufolge wurden auf dem Delbrückschacht in verflossener Nacht durch einen Kohlensturz mehrere Bergleute verschüttet. Ein Mann ist tot, die übrigen konnten geborgen werden und sind nur leicht verletzt. Grubenbrände. Wie aus Befoul(Frankreich) berichtet wird, ist in dem Kohlenbergwerk von Ronchamp, wo Bergleute mehrere Wochen hindurch streikten, eine Feuersbrunst ausgebrochen, die trotz aller Bemühungen bisher nicht gelöscht werden konnte. Nach Ansicht von Fachleuten ist der Brand auf Selbstentzündung zurück- zuführen und dadurch verursacht, datz das Bergwerk nicht instand gehalten werden konnte. Einer Meldung aus Halifax(Neuschottland) zufolge wütet in einer Kohlengrube in Ttellarton seit einigen Tagen ein Brand. der trotz aller Anstrengungen der Feuerwehr noch nicht gelöscht werden konnte. Durch die sich entwickelnden Gase kamen mehrere Personen zu Schaden. TorpcdobeotSzerstSrer zufammengestohiU. DuS Debonport wird vom gestrigen Tage gemeldet: Die Torpedobootszerstörer „Racehorse" und„Ostrich" sind auf einer Uebungsfahrt zusammen- gestotzen; die Schiffe sind gestern abend in stark beschädigtem Zu- stände hier eingelaufen. Eine Explosion. Aus London wird gemeldet: In Arklow (Irland) erfolgte gestern nachmittag in Khnochs Korditwerkcn eine Explosion; zwei Personen wurden getötet, mehrere verletzt. DaS Emser Kurtheater zerstört. Nach einer Meldung aus E m S entstand in dem Kaisercafö Feuer, daS auf das K u r t h c a t e r übersprang. DaS Tbeater ist niedergebrannt und cingestlirzt. Per« sonrn wurden nicht verletzt.__ Allgemeine Kranke», und Sterbekasi« der Metallarbeiter sE. H. LS, Hamburg). Filiale Berlin S. Sonnabend, den 19. März, abends 8'/, Uhr, bei KarsowSti, Bernauer Strasje 82: Mitglieder- Dersamrnlimg.— Filiake Tegel. Sonnabend, de» 19. März, abcobZ 81/, Uhr, bei KakieS, Berliner Str. 92: Mitgliederversammlung. Arbeiter-Schachklnb. Abt. Lichtenberg bei Blume Montags>/,9 Uhr Spielabcnd. Jeden Dienstag Uhr: Abt. Wedding bei Schulz, Max- stratze 13d; Abt. Ost I bei Böhl. RüderSdorser Str. LS; Abt. iKirdvvf bei Stahmann, Reuterstr. 48. Jeden Donnerstag'Ifi Uhr: Abt. Zentrum bei Freiheit, Draaoneistr. lb; Abt. Moabit bei Pielele, Zwinglistr. 25. Jeden Freitag>/.9 Uhr: Abt Nord-West bei Lamprecht, Pntlihstr. 10; Slbt. Gesund- brunnen bei Ftttsch, Dronihetmer Stratze 4; Abt. Schönhauser Allee bei Baganz, Gaudystr. 3. Jeden Eonnabend st,» Utzr: Abt. Wattstrahe bei Wöhrenhoff, W,tl- und Usedomstratzen-Ecke. 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SttHibitz sCottb.-Sprembg.). Paul Nowka. Prellbock. Guft. Neubarth, Kü-siröbttz. Uiid�nd«. I.-v. We Lokale gesperrt. v»nn>nit. 8.-8. Alle Lokale gesperrt. TTsiMlort N.-B. Zum Kaiserhof, P. GapinSli, Kaiser str 80, 8.-8. .Strandschlon*..Belleoue*a,Tegtl. See und Hamusel, Hauptstraße, gesperrt. Ve'Dvlvrt. 8.-8. Rest. Belleonc.— Rest.Leuchllurm. — Rest, Schwan. Otto Schöne, Scharfenbergeistr. 9, l'eltBw-i'ieM-liof. T.-B. Deutsches Wirtshaus, Inhaber Reinh. Preuß, Bcrlinerstr. 16 (Versammlungslokal). Verkehrslokal: Wilhelm Bonow, Ziblcndorserstr. 4, G, Kupsch, Hoher Stetnweg 10. Tcmpelliof. T.-B. .Wilhelmsgart,', Hans Schneidereit, Berlinerstr. 9, Fritz Apelt, Berlinerstr. 41/42. 'Ot-niplin. All« Lokale gesperrt. lietweiMler a.H. 8.-8.-8. Rein Lokal srei. Trattendorl(Ccttbus.-Spriig.) Otto Nalonz. Trebbin. T.-B. Emst Schulze, GesellschastShaus, Bahnhosslraße. Otto Woiff, Zum Kronprinzen, Bahnhosstraße. t Lehmann, Bahnbofstratze. Gleiche, Bahnhosslraße. Gräse, Bahnhosstrahe. W. Jütlner, Beriinerstraße. SS. Fromm, Schützenhaus, Berlinerstraße. I. Hirsch, Markt. Ww. Hause. Zossenerstlahe. B. Rudolf, Plantage GUfto». H. Gros, Beelitzerstraße. Treptow. T.-B. Ww.Grahinaiin, Elsenstr., gesperrt. Alle anderen Lokale srei. Treaen brietzen. Herm.Dornow, Berliner Vorstadt2. Gust. Rorenz. Breitestr. 254. Triebe!. Zoptzil-korst. Hotel.Zur Post". Tletzdori. 8.-8.. �Fägerhelm*, Jul. Schmoll. Vaientin« werder. Frei. 8.-8.-8. Teblefanz. P.-C.-H. Heinr. Peels ch, Gescllschajlshaus, Ausbau, srei. Paul Schiötlke gesperrt. Velten. P.B.-B. Gesperrt: Julius Tübbecke, Breite- str. 67 undTurnballe desMänner- Turnvereins. Alle and. Lok. frei. Vet»elian. Alle Lokale gesperrt. Vietz.(Landsijerg-Soldin.) Reit. Sabert, am Vieh markt. WaidmaniiHliiwt. 8.-8. Rest. Schwcizerhäuschen, Diana- strahe 26/88. Jnh. Möller. Zum Bergschloh. Jnh. R.Heinrichs. »sstdliti-ülliidliltzeß. kl.-». Georg Lahau, GeseUschastshauS, Prenzlauer- u.Bernaucrstr.- Ecke. Alle anderen Lokale sind gesperrt. Wannaee. T.-B. Fürstcnhos, Jnh. Philipp, König- strahe 40. Bairischer Hof, Jnh.: Wollenzien, Glienickerslr. 10. Guit. Koch, Chausseestr. 2 a. �Veinnieixterdom. Beulhin. 8.-8.-8. tzVei»!»azk, Lorzll-kSTZl. M. Kanler. tzVeii»«en«ee. 8.-8. Alle Lokale srei. Welaow. Coltb.-Sprbg. G Model, Gasth. zur Grube Clara. H. Pscisscr. Zum deutschen Kaiser. August Pötschik. tzVenlßiebendorT. 8.-8. Alle Lokale gespeirl. �Verder a. d. ISavel. Schworzer Adler,(Jnh Koch), Fischerstr. 98. tzVemeneben. Carl Schlotlke(sr.Wittcnberg). V�ern!«dort. T.-8. Rest, am Crossinsce, Jnh. Wilh. Schramm. Schwcdler,.Zum Oder-Spree-Kanal.' Weskow.(Collbus-Sprbg.) Restaurant Franz Winnenberg. WUdan. T.-B. Otto Schutzmann, Wildauer Hos. Otw Heiser.„Zur Dahme". 'tzVilbelmMberj;. 8.-8. Alle Lokale srei. WilhelniMhagcn- 8.-8. Alle Lokale srei. Wilhelmürali. 8 8. Alle Lokale srei. �Vi>beln»«rnb sOberhav.). Jnb. Kieker gelperrt. �Vilineittdort. T.-B. LouIsenpark,WllhclniSll)ie1l2,Jnh. Dase.[114-115. Bitloria-Garten, WilheimSauc Spichem-Säle, Spichenistrahe 3, Jnh. Stcchert. Zur Klause, Hildcgardstr. 5/6. WiUnack.[West-Prignitz." Baljes Gasthof. Wittenau. 8 8 Albert Schulze, Hauplltr. 56. Ernst Wittchow, Oranienburg«. strahe 100. Julius Eberhardt, Lübars«» strahe 96 srei. Friedrich Schulze, Oranienburger- strahe 88-89, gesperrt. Wittenberge(West-Prlgn.) Ccnlral-Halle(Gutlche) u. Reslaur Bürge- garten, StiehmS. Volksgarten und Landhaus. Witt«!>to«k(O.-Prignitz). Meißner,„Zur Eisenbahn". Wolteradori[Dorf). 8.-8 Alle Lokale srei. WolteradorffScb ense).B.-B Woilcrsdorser Mühle und Hotel Kronichsbcrg gesperrt. Alle anderen Lokale srei. W o> tersdorisLuckenicalde Aste Lokale frei. ikliiekeriek a. O. A. Hinze Zechin(Franksnrt-Lebus). Vrauerei Fried r. Buchbolz. ZSeeßlen. t.-B. P. Lehrend. Gasth. z. Palme. Zehdeniek. Restanranl Buchholz. Amtsfreiheil St. Kodier. Rest, zum Vorwärts Damnibaststr. Zelilendari. T.-8. B. Miellei. PotSdameritrahe 2t (WaldeSlust). Wilh. Wieck, GesellschastShaus, Karl strahe 12. Otto Schöne, Potsdamer Chaussee Ecke Derflingcrstrahe. Zehlendarrb.LiebeDwalde(B.-B. Rest, zur Eisenbahn, C. Osten. Zeperniek an der Slelliner Bahn. 8.-8. „ZumPank«SchIöhchen"(Ostertagj Zei*nMd«ri". T.-8. VerkchrSlok.: Jul.Kuorr, a.Wassei Zentbe.n. T.-8. Albrechlsho)(Spethmanu). „Zur Dorsaue", Jnh. Lindemaim Dorsslr. 15./ Zielenzig. [Ost- und Wcst-Slernberg.) VcrlehrSlokal: Restaurant Tietz. Rest. Schützenhaus. Zinna(IllZler). August Heinrich. ZaKHen. T.-B. Verkehrslokal: Kurzner, Baruthei strahe l0. . Znbi»dart. 8.-8. Alle Lokale gesperrt. Züllicha«. Alle Lokale gelperrt. Zwiebnaeb. T.-8» Gärtner. Berliner Schweiz, a» Seddin-See. Verantwortlich: Druck:«orwärts Luchdruckerei Richard Henschel. Berlin t». 58. Ueckermüadcrstr. 17.. und Lertagsanstall Paul Singer* So„ Lertm SW. 68, Lindmstr. i AUe Kokale, dle keinen Saal haben, sind frei! Lokal- für Kerlin und die Provinz Krnndendurg. fTllZgegeben gm 19. ITlarll 1910. Obmann der Kommission: üiebard Ocnschcl, Jf. 58, ileckcrmiinberstr. 17. Alle Mttlellungen, Anfragen zc. sind für Berlin an da« unterzeichnete Kommissionsmitglied des betreffenden Kreises zu richten. Für Stzreis Nieder-Bornim an Hermann Elias, 0.112, Blun-enthalltr. 24. sür Kreis Teltow-Pceökow an Earl Rohr, Rixdor-f, Eelchowerstr. 15/16, v. IV: sur Kreis Potsdam-Ost-Havella»d an Emil Schubert, Spandau, Kurstr. 21. Die zu den genannten drei.Kreisen gehörenden Orte sind durch folgende Buchstaben besonders bezeichnet: Nieder- Barnim— N.-B., Teltow- Beeslow— T.-B., Potsdam- Ost- Havel I an d — x.-O.-H. Für alle übrigen Orte sind Anfragen usw. direkt an den Obmann der Komimsstoii zu richten. Zur besonderen Beachtung empfehlen wir folgendes: Die in der Liste mit einem * bezeichiietkn Orte bezw. Lokale gelten als frei, jedoch ersuchen wir dl« Partcigeilastc» dringend. Vereins-. Werkstatt- oder sonstige gröstere Partien uicht nach die,cn Lokalen unternehmen zn wollen. Zu jeder gcwünschten Auskunft ist die Kommission jederzeit gern dereit, nur müsse» Wir darum btttc». alle Anfrage» möglichst frühzeitig zn stellen. Diese Liste ist bis zum Erscheinen der folgenden aufzubewahren, nnd bitten wir, von den tu der Zwischenzeit eintretende» Aendcrunge» Notiz zu nehmen, Kokalkommisstou. Berlin. 1. Wahlkreis. Centrum Festsäle, Niederwallstr.20. DräselsFestsäle.NeueFriedrichsl 35. Louisen-Zelt, In den Zelten 9a. Palast-Theater, Burgstr. 24. Zum gold. Löwen, Jüdenstr. 55. Lokal-Kominissions-Mitglied: Paul Bartsch, Lesstngstr. 32. 2. Wahlkreis. Anbalt. Ressource, Möckeriistr. 114. Bock-Brauerci, Tempclhoser Berg. Bohne, Hasenhelde 45—47. Bonackcrs Fcstsäle, Blücherstr. 61. Giiesing, Wassertborstr. 68. Gohmann, Krenzbergstr. 48. Gramkau, steglitzerslr. l8. Heilman», �Schonleinstr. 6. Gründer, eochmcnnstr. 13. Jabels Brauerei, Bergmann str. 5-7. �appolds Brauerei, Hasenheloc 32/58 zochbahn-Rest., TenchelhoserUfer 30. zosjäger-Palast, Hasenhelde 52/53. Kliems Festsäle, Hasenbeide 13/15. Königshos, Bülowstr. 37—40. Leuchtturm, Fonlane-Promenad. 15 Marlgraseii-Casino, Marlgrascn- strahe 83. Münchs Festsäle, Steglitzerslr. 35. Earl Nihles Festsäle, Dennewitzstr. 15. Raabes Festsäle, Flchtcslr. 29. Reinhardts Neues Gescllsch.-HauS, Hasenheide 57. SchnegelbergS Fcstsäle, Hasen- Heide 21. Jahnst. 8. UnionS-Graucrei,Hasenheide22/31. Viltorla-Braucrci.Lützowst. 111/12. Lokal-Komm.-Milglied: Heinrich Schröder, Bergmannjtr. Söll. Z. Wahlkreis. Mexandrinen- Festsäle, Mexan- drinenstr. 110. Arminhallen, Kommandanten- strahe 58/59. Beckers Festsäle, Kommandanten« strahe 62. Berchts Rittersäle, Ritterstr. 71)75. Berliner Klubhaus. Ohmstr. 2. Brillant-Festsäle, Clty-Passage. »Kl strahe 52/5; Deutscher Hof, Luckanerstr. 15. Dresdener Kasino, Dresdenerstr.96. Dresdener Garten. Dresdener- strahe 45, Jnh. W. Pasternacki. Englischer Hos, Neue Rohstr. 3. Feuersteins Festsäle, Alte Jakob» strotze 75(Jnb. W. Stube). B. Frankes Festsaal, Sebastian- strahe 39(Jnh. I. Meier). Fürstcnhos, Köpenickerslr. 137/138. GesellschastShaus, Prinzcnstr. 94. Gewcrtschaslshaus, Engeluscr 15. Graphisches VereinShauS, Älexan- drinenstr. 44. Gralweils Bicrhallen. Komman- dantensti".77/79(J»H.Habeiland). Grupes Festsäle, Aimenstr. 16. Januszkicwicz, Melchiorsir. 15. Jnscl-Festläle, Jnselslr. 10. Jnduslrie-Festsäle. Veuthstr. 19/20. Kellers„Neue Philharmonie*, Köpenickerslr. 96/97. Köpenicker Festsäle, Köpenick«- strahe 127». Köpenicker VereinShauS, Köpe» nickerslrahe 62. Lüdlles V-rcinshauS, Dresden«- strotze IIS. Alle Lulsenstädt. KonzcrthauS, Jalobstr. 37(Jnh. Jak. LiS). Märkischer Hos, Admiralstr. 13 s. Meyer, Oranlenstr. 103. llllichael-Festsäle, Michaclkirchstr. 39. Neues KlubhauS, Kommandantcn- strahe 72. OrphellM-Festsile, Brückenstr. 2. »Zum Stleyandriner", Ascxan- drinenstr. 37 a. Lokal-KommissionS-Mtglled: Carl König, Urbaustr. 93. 4. Wahlkreis. Düd-Ost. BeHrends Festsäle, Mantetiffel- strahe 95. Casä Alsen, Vord. Schlesischen Tor2. Central-Fcstsäle. Oranienstr. 180. Glcoe,„Snd-Ost",WaldemarsIr.75. Graumann, Namiynstr. 27. Grünauer Gatten, Grünaucrstr. 14. Jnduslrie-Festsäle, Mariannenstr.31 Mariannen- Festsäle, Marianne«- User 2. Max Nowack, Manteuffclstr. 9. Nnunynsestsäle(Böhm), Naunhn» straße 6. Orarücn-Salon, Oranienstratze170. Relchenbcrger Hos, Reichcnberger» strahe 147. Sanssouci. Kottbuserstr. 6. Schocke(Drachenburg), Vor dem Schlesischen Tor. Schuhmacher, Skalitzerstr. 126. Walter(Urania), Wrangclstr, 9/10. G. Wollschläger, Adalbertstr. 21. Ost. Mambra, Wallncrthcaterstr. 15. Albrecht, GeIcllschaslsh.,La»gcst.108- . Andreas'Fejtsäle, Andrcasstr. 21. •i-M toMoiW«»® e»MW •ap9«.M(|o|» •p.uiJjaB 3|Dj03 SM f.-H-sq!»;» H> i-hu-izu«-,I,zx 'gp>e«5>lsqz i»q isusii«i!5lls5lz ipoqqyx'pzg-A»jnLn» 'g-'ii jaopsUitSSfli •uaiJ-tg'uapnJjKea«»qg�I «-iijajqitji«]{ iBjo)g8iin]iuurol »Z-gj n•si�jjugs)-cg nj.taqaaai -H>G'.'ItJWJffi antz')uoantnj3{ß *ap|«».UM.coq�f tziitzpzqqoE■uuaS 'j|»pt)0U3j(toi5 uwg" zvuactp® '(ivvA) i j4ojiuptt.ift'-tZunL jnea ■Ii.>»<3 i.i(| •atJiamtJiiejoft'gjuqäojj Bios® ■fl-i«,�aa(lK TtMiB ■fjSJOJ-fitJOS) •} j 1 1(jnuojs a,u,aiti>tk) Ms (-qiguils--iniii3) aaqauaKwia •gnpn« ona ■HNL'33|p5n"i™fp® luni(oijijD® •fl- l-aasiszigiujelios uib jjousasia »a.i-«jzv»ms 'g-'l■aa«uBiqj.>)«nl�--(g zqu;3 uaufio jitt(uu.uiDijoif •mjaiiitoliD« uin« luoitiBUi«; •auiq«(| P3,aj3« 31», og»DB •B-'X-wiamva (•|joqu39»(j.njB-Y-II) g-'X uassoz q(jopuoqnfi ■puaJlJß jjdjos JJ),-, «o*» UOaklAJ� •fllluao®-,h,i,iq»PvN'«IllPA BinuiMoS uajnB q-tl>ti'"lIVW'?au! 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Vaogeftr.»0. Ost-Kasino, Fraoklorter Allee IVS. Ostbahohof-Reslaoranl, I. Opper- mann. Kilslriner Platz. Patriaseflsäle.Gr.Fraokjorterstr.Sb. Pavcodoler, Landsberger Allee 24. Prachtsüle.All-Berim', F.Schmidt. Blomensti 10. Refidcnz-Feslläie LandSbergerst 81. Schmidt..Zum Freilchlltz-, Frucht- stratze 36». Scholz,«rotze Fraosturterstr. 74. SchröderSGesellschastShauS, Frank« surler Allee 127. B. SchumSkt, Laogestr. 6b. Tauert.«rotze Franksurterstr. 8S. Boittgarteii.Thealer, H. Damm, Landsberger Allee 7S/77. G. Wolft. Kolonte WilhewlShöhe, Haheiischöiihauser Str. Zietz. Warschauerslr. 61. Zimmerinaiin. Grüner Weg 29. Lakal-KommisstonS-Mitglled: Carl Rott. Stratzmannltr.23, ptr. L. Wskltircl». Diesen er. Landabergerltr. 37. lll. Einst. Preozlauerltratze 41. Fürsteoberg-Säle. ZiosenthiiIeAlr.«6. GesellschastShao» Berliner Rostter, Kaiser Wtlhelmstr. 18 m. Gruoow« PerewthauS, Dragoner. strotze Ib. KöolgSsile. Neu« KSntgstr. 2S. Kürbis, Suisensir. S«. Kuhns Festsäle, Linieostr. 8. Landsberger Castno, Alb. Scheruch, LandSbergerltr. 39. Leydecker« salon, Sophlenftr. 84. Logetl-Reflamiuit, Kl. Auguftstr. 14. Lmia-Eäle. Neue KSntgstr. 7. Müller, Restaurant, Lintenstr. 6b. Mündner, Llmenftr. t9. Neue» KonzerthauS, Alexanderpl. PachuraS Klubhaus, Landsberger» strotze 8b. Philadelphia, GretsSlvalderft. 138/39 Restaurant»Bürgerheim-, Alle Schöohaoserstr. 23/24. Roseothaler Hos, Rolenlhaler» stratze lt/>2.(thalerstr. S7. Rolenihaler BereinShauS, Roleu> Schützenhau«, Llmenftr. b. Schwei, ergarsten, Am KänlgStor. Sophien-Säle. Sophlenftr. 17/18 Uiiion.FrftläIe,GreitSwalderftr.22L verbandshaoS der GastwirtSge- hülsen, Gr. tzamborgerftr. 18/19« Wendt« Pracht-Säle, Münzstr. 17. Eing. KänigSgraben, Lokal« Komm.-Mitgltedi Albert H a b n i I ch. Auguftstr.bl, Ouerg.IV. S. V�ndilKpol». Moabit. ArwS'Hos, Perlebergerstr. 26. ArmtniuS-Hallen, Bremerftr. 70/71. Baiiero.Schänke, W. Köster, Beustelstr. 22. Danziger Ball-Salon, Stromstr.L8. EiSschlStzchei) kPlStz-ns-e). GieShoit, Joiel-Stesl(Plotzensee). Kran.-Brauerei, Alt-Moablt 47/49. S. Ladewig. Lehrierstr. 34. „MoabiterBürgersäle-, Beoffelstr.9. Moadller GesellschastShaoS, Wlclesftr. 24. Emdcoerstr. 34/3b. Moabiler Kastoo, WiiSoackerstr. 63. MoablterSchützenhauStPlötzense«). Schüler(Braoerel Moabtl), Turm« stratze SS,2«. E. Slark, Waldstr. 8 Btrtoi-ia-Sawn, Perlebergerstr. 14. Weddtng nnb Oranienburger Vorstadt. MtmannsBeretnShauSLftivatiden. stratze 146. Berliner vo-t-vraueret, Abt. ll, Chausseestr 64. Berliner Nordpari, Müllerstr. 148. Gebr. Eranz'Aeftsäle.KbSlioerftr. 8. DetIostSFestsm«,ilooalidenftr.84(8S. FonkeSGesellschasl«haoS,T.r«stllr.4t Geiiosiensch.-WirtSH.,V?iordoserl0 Germaoia-Gäle, Chausseestr. 110. Gesell, chaslshauS, gnh. M. Schöl« zel, Bohenstr. 12. Hastmano, Pasemalkerstr. 8. .yoppe, Deeslr. 1. Humboldt'Säle, Hussttenstr. 40. Hüboer« Festsäl«, Chausseestr. 120. Köhlers Salon, Tieckstr. 24. Kromreysgeftsaal, Ctchendorststr.8. MeeseS«kselljchastShauS. Schulst. 29 Milbrobt« GelellschaftSh.Müllerft.? Orani-nburg.Festsäle,«haussc-ft.16 Pharus-Säle, Müllerstr. 142. StaabeS Festsäle, Kolbergerstr. SS. Eacho», Müllerstr. 13«. Schmidts Festsäle, Gartenstr.«. Schreiner« BereinShauS, EchiU« stratze 66. Schult heitz, Geestr. 82.[(trotz» 17. Schumanns BerelnS-H., KöSiiner- S Schwanke« Festfäle,«hausteest. Wfl. E. Schwarz, Tegelerftr Sb/b«. ereins-Reslaurant, WUH. Retnett, Eparrftr. 14. Zum BolkSheim, Ackerstr. 128. Zum Schillerparl, Paul Man», Müllerstr. 59. Ro, entHaler Vorstadt und Bei'nndbrunnen. Borussta, Ackerstr. 6/7. Brunnen- Säle, Brunnenstr. tb. E. Daase, Brunnenstr. tb4. Dietrichs Festsäle. Brunnenstr. 34. Elsasser Ball-Salon, Elsasserftr. Ib. Fey. Brunnenstr>84. Jos. FranteS gestläle, Vadstr. 19. Filschs Victorta.Garten, Vadstr. 12. Gramotte, O., Vergstr. 12. Harmonie, gnvalldenftr. 1». Melchert, Bergstr. 68. Noack» zcstsäle, Brunnenstr. tst. Olbiter, Uiedomstr. 33. Restaurant uAestsSIe.SIIaIserstr.26. RocwersFestsale.EItsabethkiichftr.lS Swloemonder GesellschaslshauS, Swwemünderftr. 42. F. Schuster, Ackerstr. 144. F. Wilkes Festsäle, Biunoenstr. 188. Zum Sängerheim, Peleraneuftr. 12 Ballschmleder, Badftr. 16. Bernhard Rose-Thealer. Badftr. i». Gregoiy-Brauerei, vadstr. 67 Max Hahn, Kolaoleftr. 124. Leonhardt, Koluniestr. 147. Marienbad, vadstr. 3S/36©Rh. Nagel). Schmidt. Herrn., Prwzen-Allee 33. «oltSgarten-Theater, vadstr. 8 (vehm- und Bellermannftratz«). Walhalla. Restaurant. WetnbergS» weg 19/20. Schönhauser Vorstadt. Arndt« Festsäle. Belsorterftr. 1». Arnim.Festsäle, Schönfiietzerstr. 22 Berollna- Festsäle, Schönhimlrr Allee 28. Bier-Sprudel, Gaudystr. 10. Brauerei Bötzow, Prenzlauer Allee. Brauerei Graterjan, Schönhauser Alle- 130. Brauerei Psesserberg, Schönhauser Allee>76. Brauerei Gabriel«. Jäger, OeklM. Wendors, Zehdenickerftr. l0. Brauerei Köntgftadt, Oeton Rod. Ltebwg, Schönhauser Alle« 10. Tonzerthallcn, Sützmllch.«arm holmersir. 7. Fröbel« Allerlel-Theater, Schön« hauler Allee l48.[garderstr.S. Genossenschaft«•WlAShau«, Star» Ketsch, Schönhauser Allee lS4a. Kopenhagens Klubhaus, Bliesch«, Kopenhagenerftr. 74. Maertln» Festsäle, Pappel<«llee2S. Obiglos Festsäle, Schwidterst.S3/24. P>-aicr-TheatcrLastaiiienAlle«7/g. Sänger-Hetm, C. Grunze, Schon- Häuser Allee 156. SchoItheitz'Fests., Kaftanlen«llee23. Steoei hau«, Prenzlauer Alle« 148. Lolal-Kommisslons-Milgltedi B. Heulchel, UeckermünderM.17. 1 Ovo, vertinerstr. 113/114. •Ngel. Sichbarn str. 72/73. ).Schlller.«lchboruiöle.6!ch»i>rnst.«) >. Dtgmann, Berllnersir 70. L Kuntze,.Am Bracken-, Schar«. weberstr. 158/159. Hetzer sArtirshas), Berlincrstr. 78. leppen(O. u. W.'Sleriiberg). Krtehrslokal:.Hotel Karl-. Me übrigen Lokale gesperrt. KUdurt'. T.-B. lll« öotol« frei. B tt n tffON tiisl. fl.-fl. IretkopsS Rest. Röiitgenthal >erm. Marx's WaldhauS. B«!,«Ntä»»t. fl.-fl. K« Lotale gesperrt, Tüdemdoi-t lDorf). fl.-fl. 5 Marx, Liilsenftr. 3t. «idexnud«�(Kalkb.j. fl.-fl. !. Roll,»asth. z. Anb«. Heinitzerst. I». >«otIches Haus, am Ketzelsee, gnh. Edwin ischwedersti). (esellschaflSh.uis.Glück Aus-, gnh. Koppen, Schutftr. 18. Seltzer Schwan, P. Hostmann, BogelSdorserstr. 1. Bnd«.rr dtzi i«h,Allch,»I 7.-8. (ertehrslokalei Aug. Palm, Köpe» nickerstratz«. Ich. Rolle, Koepentckrrstr. 86. Je anderen Lokal» gesperrt. Kiihl«>, in«•,»>» iirN» fl.-fl. llle Lotale frei. Sl»»«-„>ui»d sLuckenwalde). istdebraiidl. vaGt«di,l4vh. fl.-fl.-fl. lll« Lotale stet. v»«'k««nd«»rf. (CottbuS-Spreinberg.) lug. Dobring u Paul Sachs. /Sorau-Focst.) •. Echönborn, Brauerei. t4»d«M». fl.-fl. sflugS Rest. a. d. Oberspree. ur Waldschänke, gnh. Töldte. d»t»ndk«znx-Btdo.iN. Z. Thiele, Zur grünen Tann«. !Si»lidl»i»u»«iK. fl.-fl. Zaldschlotz. Fieiie'ttltvndort. fl.-fl. >tto Pätsch(Saal). SetzeihvllBrl /Luaso-UI-dsii). leulscher Kaiser, gnh. Karl Richter. Sei»««»»»(Sorau-Forst). 1. Schnetder u. E. Gebhardt. (Waldschlotz). »»v>,i>dk«ri». fl..fl..fl. Hans Ritzhaupt.»Schröder. '-chnudt, Wirtshaus Schildhorn. Sehildow. fl.-fl. Sie Lokale gesperrt. Schlaehtonitee. fl.-fl. helitzhos, WilbelmShöh« und Kastänienwälbchen, gnh Krüger, stet!»fle anderen Lotale gestarrt. Selirnai-kvitdBi't. fl.-fl. Kübler'S Wirtshaus, Schmargendorf, Warnemünderftr. 6. „Lmdenbaum". Spandauerftr. 4V, gnh. Ad.Pöllscher. SchUtzenbaus, Hundetehlenstr. 20, gnh. H Meitzner. 8cstmeIIwitriCoiib..Sprembg.). Richard Luclan. Herm. Hossmann. /SelZrntZi'tisliv bei Brandenburg a. d. H. Restaurant Gericke. Htakmdeltrvlti!. fl.-fl. Gasthos„Zur Palme", am Seddin« see, Heim. Peter. ?!oack, Restaurant Zum Jeddtnsee. Muxselbt,„Seglerlchlotz". .Wald.gdyll-, Witwe Lorenz. Letzöildlledl b.«oitersdorr. fl.-fl. Zum Waldschlötzchen. Th. Müller. Se-stönvbvrzx. fl.-fl. Zill« Säle stet. ZedSusjetze-Zeliillledeetz. fl.-fl. Waldschlotz, gnh Lemke. ftfckZnvidiizdv. N.-B. Sperrlieäki. ScIlSllfllcRS. fl.-fl. Alle Lotale gesperrt. l>icd»ntU«N* tz. Ffirsteaberg. Rest. Aug. Krüger. MckönhitlE. fl.-fl. Echlotz Schönholz gesperrt.. Alle anderen Lotale stet. jSe'kttHow. fl.-fl. Schulz. Sehdn wolde f.d..11. 1.-B, H. Schulz.— L. Liebenhagen.— H. Boramsn, Internat. Sports« haus a. Gorinsee. Mciidptarth. fl.-fl. Schützenhaus(Fritz Schutar). EirliaLeendorf. fl.-fl. «Rest. Neue.-Rest. Müller, Ziest. Hubertus, gnh. Mlosch, stet. ScRalieailtzrfb. Eichwalde. 7.-8. Kein Lolal stei. fl.-fl. Alle Lotale gesperrt. IS«>>>M«dt». Q. Deutsches Hau«, Hewersdarserstr. vciiwiebns. Ww. Pralsch, Crossenei stratze. Gustav Gondolalsch, Mühlensir. Wilh. Pansch,.Herrenstrnhe. Rob. Peil, Franisurterltratze. I. Peschcl, Kallaueistratze. gul. Lankisch, Kutschlauerstratzc. O«w. Schmidt, Warst. Retnh. Zilz, Angerstratze. Z. wettzen Lamm. R. Weber, Poststr. Seddin bei Beelitz. Rest. Samt Gräfe. *Seegele!d. P.-fl,-i. All« Lokale stet. «eidlit», l-lllldtzezlrfl flotdlll. Zum Spiykiug. «eikeendvrfl. SorAq-kSIBt. Rest. Schober. SeifteBbera II.(Calau-Luckau). Beultet« Gajlhos m Sauo. BeUieik« 7.-8. Alle Lokal« frd. vt»»»en(Coltb.-Sprembg.). E. Fischer! Rest. F. Lemke; Aböls gurk, Bellevue. Slatucn-Ziegelei» Hoffmanns Lokal. Vommericld(SchivlebuS). Zum Shufürften, Bahnhofstratze. Soinnierteld b.ireramen.P.O.H. Brauerei Webe» frei. Rest. Cindel. iSonneiiUarg ®.. u. W.-Steruberg). Wtlh. Greiser und Hotel Markgraf. 8«i'«u. Flora, Saganerstratze.— Gasthof zur Eile, Eilplatz.— Rumbauer, Pförtnerstratze.— Goldener Auker, Vriebuserstratze. vpend»»«. fl.-fl.-fl. VerkehrSlokale: Carl Gottwaid, Schönwaldcrftr.Sll. E. Köpiilcks Ball-Salon, PichelS- dorlerftr. 39. Paul Holldovf, Seeburgerstr. 26. .Volksheim-, Fr. Böhl«, Haoel» stratze 20. Spandauer Berg. T.«l. Bockbrauerei. Spindlerslelde« 7.-B. Rest. Ruhwald. Spreenhagen. T.-B. Gailhol zum deutschen Kaiser, gnh. Wllh. Bauer. J» pv?IA I> v Paul Heinze, GejellichaslshanS. Pool Kobelt. konzerlhuus Ludwig Krüger, Berglchlötzchm. Bruno Rückert, Bürgerhaus. vpringelherg. N.-B. Rcslauranl Falhle. ftiprncko bei Gaben* Rest. Schulz. Rest. Halenz. stjp»tend«rt'd. flt.-8»etl« I.-fl. Gottl Vogel. Dorsstr. 9. ftitaaben. P.'fl.-fl. Sasthos„Zum braunen Hirsch", Hamburger Thaufsee. StahnndarT- Jilein-Rlaebnan. 7.-1. Alle Lotale gesperrt. vteL-iit». 7.-8. Frei: Schelltzuse, Saat u. Garten Ahorn str. 15a, u. Blrtenwäldchen Saal und Garten, Schützenjst. «teiatart. 0.-B. Wilh. Schleusener. vtnipbriiek. fl.-fl. Wilhelm Lehmann. Stolpe a. d. Nordbahn, fl.-fl, vergemann. lm Dorf. iStoi-senbaxea. fl.-fl, Alle Lotale gesperrt. »itorboHe. 7.-fl, Slllt Lokale gesperrt. llütraiaa. fl.-fl. Alle Lolal« stet. StraiiHbera/(Stadt). Rest. Franz Magnus, Wilhelmftr. Rose. Bürgergarten, Wriezmerftr. /