Kr. 67# Nbolmementz-KeSingungein NkoimementS- Preis pränumerando! Sierteljährl. 3£0 Mk. monalL 1,10 Ml. wächcnllich 28 Psg, frei WS Hau«. Einzeln- Nummer S Pfg. Sonntags. »unimer mit illustrierter Sonntags- Beilage.Die Neue Welt" 10 Psg. Post. Adonnemcnli V-0 Marl pro Monat. Eingetragen«n die Post-Zeitungs. Preioiistc. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland S Marl pro Monat. PostabonnemeniS nehmen an: Belgien. Dänemarl, Holland. Italien. Luxemburg. Porwgal, Rumänien, Schweden und die Schweiz, »7. Jahrg. Crtdxlnt Wich außer montags. Vevlinev Volksbltttl. Die Tnteflions« Gebühr velrägt für die sechSgespaltcne Kolonel. geile oder deren Raum 60 Psg., für tpolitischc und gcwcrlschasMche PercinS. und BersaminlungS-Zlnzcigen SO Pfg. „Kltfne Hmrigen". daS erste tsclt. gedruckte) Wort 20 Pfg, jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlaf- siellen-Anzcigen das erste Wort 10 Pfg., jedes wettere Wort S Pfg. 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Geboren aus dem an sich gleichgültigen Intercssenkonflikt zwischen den Kaliindustriellen, hat der Gesetzentwurf die höchstaktuelle Frage aufgeworfen: Soll ein unermeßlicher Nationalschatz privater Spekulation anheimfallen? Deutschland besitzt, wie der lichtvolle Vortrag des Geologen Herrn Professor B e y sock) l a g s vor der Kalikominission beweist. ein unermeßlich wertvolles Weltmonopol au reichsten Kali- falzlagern. Aber nicht jeder Bürger kann sich diesen Natur- schätz zugute machen. Immens große Kapitalien, wie sie nur wenigen eigen sind, muß man besitzen, um die im Erden- schoße lagernden Schätze zu heben. Darum konnte schon faktisch von keiner Bergbaufreihcit mehr die Rede sein, als die gesetzlichen Feldcrspcrren noch nicht eingetreten waren. Nur wer Millionen— allein oder in Gesellschaft mit anderen, ob in- oder ausländischen, ist gleich— als Anlagekapital aufwenden kann, dem fallen die Schätze zu. Die Niesenmasse der kapital- losen Volksgenossen, in deren vaterländischer Erde die Kalisalz- ablagerungen sich doch vorfinden, müssen von den Privi- legierten zu teuren Preisen kaufen, was ihnen von Rechts wegen gehört. Bis zu einer Tiefe von 1200 Meter waren 1907 in Deutsch land 9360 Millionen Kubikmeter Kalisalze ermittelt. Heute liegen Ivcitere bedeutende Aufschlüsse im Elsaß, am Niederrhein usw. vor. Leider haben die bundesstaatlichen Regierungen versäumt, sich rechtzeitig die kalihaltigen Felder für den Staatsbetrieb vor zubehalten. Hier trifft aber die größte Schuld die Regierung insofern, als sie sich— z. B. 1891 die preußische Regierung zu wenig nackensteif gegen die auf Gestattung der privat kapitalistischen Ausbeutung drängenden Interessenten verhielt. Infolgedessen setzten sich verhältnismäßig lvenige Unternehmer gesellschaften ohne Gegenleistung in den„Besitz" riesiger Kali felderkomplexe. ES gibt Gesellschaften, die sich Hunderte von Feldern(ein preußisches Maxinialfeld--- 2.2 Millionen Quadrat meter)„sicherten"; und da die alte Bergrechtsvorschrist, das „verliehene Bergrecht" müsse tatsächlich in Betrieb gc nommen werden, heute nicht mehr besteht, so„sicherten" sich gewisse Unternehmergesellschaften ungeheuere Felder komplexe aus Vorrat, verkauften die vom Staate unent- geltlich„verliehenen" Felder auch wohl mit kolossalen Ge Winnen an Dritte, so daß diese, sofort mit einer Millionen� ausgäbe belastet, nur einen um soviel teureren Betrieb er öffnen konnten. Daraus resultieren nicht zuletzt die stellen� weise sehr hohen Anlagekosten der neueren Kaliwerke, ab- gesehen von den Gründerschwindeleien,. Wenn gewisse Gesell- schaften mehrere Millionen Mark Felderankaufsgeld erlegen müssen— notabene eine oft mehrhundertprozentige Ein- nähme der Verkäufer im Verhältnis zu den tatsächlich veraus- gabten Bohrkosten usw.— so verlangt diese Ueberkapitali- sierung natürlich nach einer entsprechenden Verzinsung. waS zur PrciShochhaltung verleitet und in fortwährender Wechsel Wirkung wieder neue Unternehmungen entstehen läßt. Die hohe Kapitalverzinsung lockt an. Insofern haben die Besiirworter der freien Konkurrenz unzweifelhaft recht: die Hochhaltung der Preise durch das Syndikat mußte die fortwährende Entstehung neuer Werke und damit die heutige Kalamität in der Kaliindustrie begünstigen. Aber der Hauptgrund liegt doch in der Auslieferung der N a t i 0 n a l s ch ä tz e an das Privatkapital, das sich naturgemäß durch Syndizierung vor einem Herabgehen derRente zu schützen sucht undnunamEnde seines Lateins angekommen ist. Die privatkapitalistische Wirtschaft führt zur Verwüstung unserer Nationalschätze. Das geht in klassischer Weise aus dem der Kalikominission zugegangenen Material hervor. Statt daß die Privatwirtschaft die Intensität der Produktion rationell steigert, bewirkt sie ein Brachlegen der Produktionskräfte. Es entfielen Absatzmengen, berechnet aus reines Kali, auf jedes Werk: 1909..... 202407 Doppelzentner 1903..... 151 021 1903..... 118 315 Also ist die von jedem Werke zu liefernde Menge enorm reduziert worden I Die Kahl der liefernden Werke ist nämsich zur selben Zeit(1900—1908) von 15 auf 50 gestiegen l Eine so riesige Vermehrung der Produktionsstätten übersteigt bei weitem den Bedarf. Auch wenn kein Syndikat eine Ouotie- rung vorgenommen hätte, die Werke würden doch zu einer Nichtausuutzung ihrer Leistungsfähigkeit genötigt worden sein. Die Entgegnung, wenn sich kein Syndikat gebildet hätte, würde sich«von selbst" ein Ausgleich zwischen Bedarf und Erzeugung vollzogen haben, geht zwar auf den alten Adam Smith sind, nachdem eine maßlose Spekulation und lieber- Produktion in dem betreffenden Geivcrksziveig erhebliche Störungen verursachten. Es liegt aber in der Natur der auf privcAer Bereicherung beruhenden kapitalistischen Wirtschaftsordnung, daß auch die Unternehmer-Syndikate keine gemeinnützigen Regulatoren der Produktion sein können, ja gerade durch gewisse Syndikats Praktiken eine anarchische Verwüstung des Nationalvermögens befördert wird. So hat das Kalisyndikat jahrzehntelang eine „Politik der alten Werke" getrieben und dadurch die wahnsinnige Vennehrung neuer Werke geradezu veranlaßt. Wie hat sich das Kalisyndikat als Regulator der Produktion bewährt? 13 Werke(ohne die preußisch-siska lischen) sind, wie der ReichstagSkommission mitgeteilt wurde allein imstande jährlich 211,8 Millionen Doppelzentner Roh- salze zu liefern. Die preußisch-siskalischen Werke geben an. ihre jährliche Leistungsfähigkeit betrage fast 23 Millionen Doppelzentner Rohsalze. Nun stehen aber noch Dutzende von Werken nicht in der Liste, oder stehen kurz vor Inangriffnahme der Förderung oder befinden sich am Abteufen. Man greift nicht zu hoch, tvenn die Leistungsfähig keit der betriebenen und der im Entstehen begriffenen Kaliwerke auf 350—400 MiSio»e« Doppelzentner Rohsalz pr, Jahr veranschlagt wird! Demgegenüber steht eine tatsächliche Firbernua van nar 70 bis 80 Millionen Doppclzentner Rohsalz im Jahre 1903! Leben wir in einem Tollhause? Den derzeitigen Absatz an Roh- kalisalzen können allein die erwähnten 13 Privätwerke und die preußisch-fiskalischen Werke dreifach liefern. Sie liegen also zu zwei Drittel brach! Dabei nennt das Jahrbuch der Kallindustrie 50 Kali- untemehmungen, die zurzeit noch nicht fündig waren bezw es noch nicht sind; außerdem nennt das Jahrbuch noch 162 Gesellschaften, welche Terrain für Kaltbohrzwecke besitzen Also stünden außer den 55 syndizierten, den 3 nichtsyndizierten (Schmidtmann-Konzern) fördernden Werken und den 26 kurz vor Aufnahme der Förderung befindlichen Unternehmungen noch 212 Unternchinergesellschasten bereit, möglichst schnell an den Markt zu liefem. Wo doch allein die fertigen Werke schon einer Fördereiufchränkung von 70 bis 80 Proz. unter liegen! Die preußisch- fiskall schen Werke können«ar gat 20 Proz. ihrer Leistungsfähigkeit ausnutze»! Das ist von dem sozialdemokratischen Redner der Kaligesetzkommission vor erechnet worden und die Regierungsvertreter haben das still 'iweigend zugegeben. Wie kann man sich da über eine schlechte Rentabilität der Staatswcrke Wundern? Die Anhänger der kapitalistischen Spekulation benutzen dann diese Folge der wahnsinnigen Wirtschaft, um das Staatsmonopol, daS die Sazialdemokraten vorschlagen, als unwirtschaftlich zu der- werfen. Auch wenn die von den größten Optimisten erhoffte Absatzsteigerung einträte, wie lange würde cS dauern, bevor auch nur die jetzt fördernden Werke vollbeschäftigt werden könnten? Von>900—1908 hat sich der Gesamtabsatz, berechnet auf reines Kali, von 3,03 auf 5,91 Millionen Doppel- zentner gehoben, also innerhalb neun Jahren schwach verdoppelt. Wenn auch schon im Laufe des nächsten Jahrfünfts eine Verdoppelung des Absatzes gelänge, so würden die augenblicklich betriebenen Werke erst gut gerechnet 66�/z Proz. ihrer Leistungsfähigkeit ausnutzen können. Inzwischen hätte sich aber die Werkszahl mindestens in gleicher Weise wie im letzt- vergangenen Jahrfünft vermehrt und nach wie vor läge der weitaus größte Teil der Kaliwerke brach, d. h. sie könnten nur den kleinsten Teil ihrer Leistungsfähigkeit ausnutzen. An diesem Zustande kann der zur Beratung stehende Gesetzentwurf nichts ändern, weil er die Vermehrung der Werke nicht hindern will. Noch weniger würde eine„VortriebSgemcin- schaft" nur für den Auslandsabsatz die Verwüstung unserer Kalischätze hindern, denn das Grundübel liegt in der unbeschränkten privatkapitalistischen Spekulation mit dem Nationaleigentum! Die viel erörterten Auslandsverkäufe sind ja die F 0 l g e n dieser Spekulation. Wie irrationell— auch vom privatkapitalistischen Stand- punkte aus— in unserer Kaliindustrie gewirtschaftet wird, dafür�sei ein Beispiel angeführt, das die völlige Unhaltbarkeit deö Systems dartut. Ein gewiffes Werk— Namen tun nichts zur Sache— hat der Reichstagskommission Nachweise über das Verhältnis zwiscküm seinen Lieferungen und seinen Selbstkosten übergeben. Die Jahresverkäufe betrugen 1906: 31 Pro;., 1907: 10 Proz.. IftK: 19 Proz.. 1909: 21 Proz. der Leistungsfähigkeit des betreffenden WerkeS! Also nur ein Fünftel seiner Erzeugungsmöglichkeit nutzte es 1908/1909 au?. 1910 begann cS mit freien(außersyiidikat- lichen) Verkäufen. Es betrugen die verlausten Mengen Dopvelzentner (auf reincS Kall berechnet) 1306.... 232 630 1908.... 130 210 1910(2 Monate) 160 200 Diese Zahlen betrachte mau sich genau l Sie tverfen ein Selbstkosten pro Doppelzentner Hartsalz Und Kaimt Mark 0.478 0.902 0,330 SOo/.iffts Chlorlalium Mark 8.241 6,470 2,568 ....„..,---------------- grelles Schlaglicht auf die heißumstrittene Frage der Selbst- zurück, ist aber trotz ihres hohen Afters nicht verehrungs- kosten. 1908 betrug der Absatz des Werkes fast 60 Proz. würdig. Die Regel ist doch, daß die Syndikate entstanden' weniger als 1906; die durch das Syndikat festgesetzte Quote war infolge der Inbetriebsetzung neuer Werke soviel herabgesetzt. Darauf verdoppelten sich die Betriebskosten um 100 Proz.! Ganz natürlich, wenn sage und schreibe 81 Proz. der Leistungsfähigkeit des Betriebes ungenutzt bleiben! 1910 setzt daS Werk in zwei Monaten mehr ab als 1908 im ganzen Jahre und nun gehen lue Selbstkosten auf fast ein Drittel von denen pro 1908 herab l Und wie diesem, so geht es den meisten anderen Werken. Man darf getrost annehmen, daß bei rationeller Ausnutzung der LeistungL- fähigkeit der Kaliwerke ihre Gewinnungs- und Fabrikations- kosten 50 Proz. medriger stünden als jetzt, wo zwei Drittel der Produktivkräfte brach liegen. Welche unfinnige, gemeinschädliche Verschwendung! Und sie wird noch größer, wenn der privatkapitalistischen Spelulation kein Riegel vorgeschoben wird! Bedeutend billiger würde unsere Bauernschaft das für die Bodenkultur unentbehrliche Kali erhalten, wenn eine rationelle Ausbeutung unseres National- s ch a tz e S an Kalisalzlagern vor sich ginge. Jrrationell im höchsten Maße ist die privatkapitallstffche-Wirtschast. Immer- fort werden neue- Förderstätten errichtet, obgleich aus Jahr- zehnte hinaus die augenblicklich in Betrieb befindlichen den Bedarf decken können. Infolge dieser wilden Jagd nach den Millionen sind die Werke genötigt, nur den geringsten Teil ihrer Leistungsfähigkeit auszunutzen; nur infolgedessen steigen die Gewinnungs- und Fabrikationskosten, wie die Blut- temperatur eines Fieberkranken. Es hält das Syndikat die Preise hoch, um den Unternehmern eine möglichst hohe Vergestatten, was dann wieder rke entstehen läßt mit den zinsung ihres Anlagekapitals neues Kapital anlockt, neue geschilderten Folgen. In der Kaliindustrie ist die Unfähigkeit des Kapfta- liSmus, auf die Dauer den Volksbedürfniffen gerecht zu werden, in seltener Klarheit hervorgetreten. Wozu noch die besondere Gefahr tritt, daß die weitere Auslieferung unseres Nationalschatzes an Kalisalzlagern diese selbst im höchsten Maße gefährdet. Eine wilde Spekulation macht sich breit, das Syndikat hat sie nntverschuldet und ist nun selbst sterbenskrank. Bc- ginnt das Abschlachten zwischen den einzelnen Werken, dann wird der unausbleibliche Raubbau der Nation unermeßlichen Schaden durch die Vor- nichtung gerade der edelste,: Kalisalzlager zufügen! Der Konkurrenzkampf in der syn- dikatslosen Kaliindustrie wird nur auf Kosten des deutschen Volkes auSgefochten werden, dessen ihm von der Mutter Natur überkommenes Erbteil dann von„nationalen" und„internattonalcn" Spekulanten erst recht verwüstet wird. Das Syndikat aber als eine von Reichs wegen privile- gierte Monopolgesellschaft von Privatkapitalistcn verewigen zu wollen, dafür muß sich jeder seiner Pflicht als Volksvertreter bewußter Abgeordneter bedanken. Der Reichstag ist angerufen, Ordnung in dem kaliindustriellen Chaos zu schaffen. W ohlan. er schaffe eine Ordnung, die der Nation die alleinige Nutzung an der Verwertung des Nationalschatzes sichert! Der Reichstag ist angerufen, den Antrag der sozialdemokrattschen Fraktton anzü- nehmen und die kapitalistische Wirtschaft aus der Kaliindustrie auszuschalten. Mit einem solchen Gesetzgeöungswerk würde der Reichstag lebhaften Beifall finden bei der ungeheuren Mehrhett des Volkes. Es ist aber keine Zeit mehr zu verlieren. Denn nach einerReihe von Jahren würde dies Reform- werk noch weit schwieriger und kostspieliger sein als heute. Daß der Fortbestand der Privatwirffchaft unermeßliche Werte vernichten, ruinösen Raubbau mit dem Nattonaleigentum zur Folge haben wird, ist auch zugegeben worden von denen, die sich gegen ein StaatSmonopol' aus- sprechen. Da ist eS Zeit, das Volk auf die tolle Mißwirtschaft mit seinem Eigentum aufmerksam zu machen. Unersetzliche Werte sind äußerst bedroht. Die Pflicht der Volks- Vertretung ist es, das Volkseigentum vor dem Verderben zu schützen._ lMhsnSIiing des vereinsgeiettes. Die nervöse Angst des Berliner Polizeipräsidenten bor dem Wahlrechtskampf hat die robusten Vermalter der Polizei n den entlegensten Dörfern des platten Landes angesteckt. Deffentliche Versammlungen sind den Herren ein Greuel. Unter allen Umständen müssen dieselben verboten werden, nachdem die reaktionäre Presse zur Mißachtung des Vercmsgesetzes gegenüber der Arbeiterklaffe aufgefordert hat. Vor unZ liegen zive: gesetzwidrige Ver- a g u n g e n zur Genehmigung der Abhal-- ung öffentlicher Versammlungen in dein Wahlkreis Friedeberg-Arnswalde. dessen Ver- trete r zurzeit bekanntlich der Herausgeber der„Wahrheit", Herr Bruhn, ist. In dem Dorfe B e r n s e e im Kreise AmSwalde sollte am 6. März eine Versammlung unter freiem Himmel statt- inden. Der Anttsvorsteher zu Maricnwalde lehnte die Ge- nehmigung durch folgendes Schreiben ab: „Die nachgesuchte Genehmigung zur Abhaltung einer Ver- sammlung auf dem Grundstück des Eigentümers August Mengert zu Berns« am Sonntag, den 6. März diese» Lahre» unter freiem ßmiilicl knrd hierdurch Jittt 91 üc£ ficht auf biege- samtc il politischen Verhältnisse sowie hiusichllich der bei und nach dieser Versammlung erfolgten Demoustrationeu und des zu erwartenden Umzuges versagt, da hieraus eine Gefährt d'ung der öffentlichen Sicherheit zu befürchten ist." Prächtig!„Mit Liücksicht auf die gesamten politischen Verhältnisse", das ist der tvahre Grund. Man fürchtet eben eine freie Ausspruche über die Wahlrcchtsschmach und die öffentliche Stäupung der Junker und Jmlkeraenosscn. Mit dein Gesep ist die Nersagung der Versammlungsabhaltting und ihre Aegründu»g absolut unbercinbar. Stach dein Gesetz darf eine Versammlung nur verboten werden, wenn aus ihrer Abhaltung„Gefahr für die öffentliche Sicherheit zN be- fürchtenssts'» Der AnrtSvorstehxr scheint über auch davor gezittert zn haben, datz eine von ihm nimnier zu verbietendeDemonstration stattfindeil könne oder vielmehr, wenit man dem Wortlaut seines Erlasses folgt, daß sie bereits erfolgt sei. Sein Verbot wird ja im Verwaltungsstreitverfahren aufgehoben werden. Köstlich ist aber, welche Ängst die Polizeigewaltigcn im Kreise Arnswaldo ergriffen hat. Zum großen Erstaunen der Ein- wohncr des nach der letzten Volkszählung ganze 747 Ein- tuohncr zählenden Dörfchens Bernseo fand am Sonntag eine gewaltige D e m o n st r a t t o n und ein ll m z u g durch— schnell herbeigerufene Polizeimannschaften statt. Vier Gendarmen, zwei O b e r w a ch t m e i st e r und zwei W a ch t m e i st c r rückten gegen Mittag in Bernsee ein. Sie inspizierten zunächst das Grundstück des Genossen Mengert, zerbrachen sich vorschriftsmäßig den Kopf darüber, ob und was wohl geschehen würde. Datm patrouillierten sie von mittags 12 bis abends 6 Uhr durch das Dorf, wohl um zu erforschen, ob nicht dort hinter irgend einem Zaun, einer Hecke oder in"Irgend einem Winkel die Versammlm�g ab- gehalten würde." Die Heiterkeit über den behördlich angeordneten Aufzug war in Bernsee eine all- gemeine. Da trotz alles Patronillicrens die bewaffnete Macht auf den Fewd nicht stieß, trat sie gegen 6 Uhr den Rückzug an. Berufet ist gerettet. In demselben Kreise Arnswalde sollte am Sonntag, den 13. d. M., in R e e tz im Garten der Witwe Maria Weeber eine öffentliche Versammlung stattfinden. Auf das Genehmigungs- ersuchen ging zunächst folgende Antwort der Polizeiverwaltung von Reetz: Die Gcnehmiglmg zu der am Sonntag, den 13. d. M., nachmittags 2 Uhr. im Garten der Witwe Maria Weeber Hierselbst bc- absichligten öffentlichen Versammlung wird hiermit von unS verweigert, weil hier mehrere Witwen NamenS Maria Weeber wohnen und daher nicht der Ort derart kenntlich gemacht worden ist, daß geprüft iv erden kann, ob derselbe in sicherheitSpolizer- licher Beziehung genügt! Ferner ist der Zweck der Versammlung und die Person, welche dieselbe berufen will, nicht ersichtlich gemacht. Auch fehlt die Angabe, wer in dieser Bersaninilung alS Leiter auftreten will. Nachdem der Einberufer sich von feiner Heiterkeit über ffie polizeiliche Genauigkeit, mit welcher die Witwen Maria Weeber in dem 2783 Seelen zählenden Landstädtchen Reetz polizeilich registriert werden, erholt hatte, gab er in einer neuen Eingabe der Polizeiverwaltung die Personalien der von ihm gemeinten Witwe genau an. Ferner erteilte er, wiewohl das Gesetz die Polizei keineswegs berechtigt, die An- gäbe des Zwecks des Einberufers oder des Leiters der Ver- samnilung zu verlangen, in höflicher Weise auch über diese Punkte der Polizeivertvaltung Auskunft. Endlich versicherte er zur, Beruhigung der Polizeiverwaltung, daß der Ver- sammlungsranm eingefriedigt werden würde. Darauf erhielt er von der Polizeiverwaltung eine neue Ablehnung der Genehmigung zur Veranstaltung der Versammlung. Sie ist ivert, weiteren Kreisen wörtlich bekannt zu werden. Sie lautet: Die nachgesuchte Genehmigung für die Versammlung im Garten der Witwe Maria Weeber am 13. d. MtS., nachmittags 2 Uhr wird verweigert, weil der in Aussicht genommene Ort die erforderliche Gewähr für die öffentliche Sicherheit nicht bietet und für letztere auch s o n st Gefahren zu befürchten sind. Der qu. Garten und die zu beiden Seiten angrenzenden Parzellen werden in Entfernungen von 7—8 Metern durch eine Reihe offcnliegender ziemlich tiefer Stichgruben abgeschlossen. Bei dem Zusammenströmen größerer Menschenmengen und dem hiermit verbundenen Gedränge bilden dieselben eine Gefahr für das Publikum, welche auch nicht durch die von Ihnen beabsichtigte Einfriedigung des Weeberschen Grundstücks, zumal die Art der- selben nicht angegeben ist, gehoben werden kann. Außerdem erscheint unter den g e g e n iv ä r t i a e» Ver- h ä l t n i s s e n und namentlich mit Rücksicht darauf, daß bei politischen Versammlungen unter freiemHimmel erfahrungs mäßig eine bedenkliche Ungebunden- l, eitin die Erscheinung tritt, hierdurch die Gefährdung der öffentlichen Sicherheit keineswegs ausgeschlossen. Auch dieser Polizeiverwalter leidet an einer bedenklichen Nngebundenhest der Kenntnis des Vereinsgesetzes. Dies ver? laugt, daß für den Fall einer Gcnehmigungsverweigerung objektive Tatsachen angeführt werden, welche vom Standpunkt eines normal denkenden Menschen aus eine„Gefahr für die öffentliche Sicherheit befürchten lassen". So dankbar man den Polizeiverwaltern für die Zwerchfellcrschütterung sein darf, die ihre Erlaffe hervorrufen, so wenig kann man sich damit ein- verstanden erklären können, daß die Bestimmungen des Vereinsgesetzes in dieser Weise aufs schwerste ver- letzte iverdcu. Die fortgesetzte Mißhandlung des Vereins- rechts beweist, wie recht die sozialdemokratische Fraktion hatte, als sie verlangte, es sollte Bestrafung der Polizeibeamtcn eintreten, die dem Gesetz zuwider die Genehmigung ver- sagten. Nicht Willkür der Polizei soll nach dem Gesetz über die Möglichkeit, Versammlungen unter freiem Himmel abzuhalten, entscheiden. Vielmehr haben die Bürger ein Recht zur Abhaltung solcher Versammlungen. Die Genehmigung zur Abhaltung solcher Versammlungen darf nur verweigert werden, wenn eine wirkliche Gefahr für die öffent- liche Sicherheit zu befürchten ist. Der kuriose Hinweis auf die gegenwärtigen politischen Verhältnisse in beiden Polizei- Verfügungen deutet darauf hin, daß die Anführung dieses gesetzwidrigen Grundes auf die Hetzlettüre des„Deutschen Tageblatts", des Blattes für»geistig schwerfällige Leser" zurückzuführen ist.__ Oer AshlrechttllMpf. Kauoneu gegen den Wahlrechtskampf. Am Freitag brachte eine Berliner Korrespondenz die Be- schwichtigungsnotiz, die Truppen der Berliner Gar- n i s o n seien an den letzten Sonntagen nur deshalb in den Kasernen zurückgehalten worden, weil ein Zu- sanunentreffen von Soldaten mit den Zügen Demonstrierender vermieden werden sollte. Diese Behauptung steht indes mit der Wahrheit in un- vereinbarem Widerspruch. Es sind tats ächlich an den Demonstrationstagen gewisse Truppenteile in Marschbereitschaft gehalten ivorden. ES sind auch, wie uns von verschiedenen Seiten mitgeteilt worden ist. Unteroffiziere in Schutzmannsnnisorin gesteckt und zur Verstärkung der Polizei bereit gestellt worden. Ob sie zur„Verwendung" gelangten, ist allerdings nicht festgestellt. Das„Berliner Tageblatt" schreibt zu der Ablcugnung: „Wie wir erfahren, ivar am ü. März, dem Sonntag, an dem der Wahlrechtsspaziergaug im Tiergarten und im Treptower Park stattfand, die Kaserne des 1. Gar de-Feldartillerie- r e g i m e n t S in der Krnppsiraße in ein form licheS Kriegs- lager verlvandelt tvorden. Auf dem Kasernenhofe waren ani Sonntag nachmittag Geschütze und Munitions- wagen mit scharfer Munition versehen, zum Ausrücken fertig aufgefahren: die Pferde standen gesattelt in den Ställen bereit, um jeden Moment angespannt zu werden. Bon der Südkascrne wurden Mannschasten zum Munition S- empfang nach der Nordkasernc kommandiert; die Mannschaften wurden dann mit scharfer Revolver in unition ver- sehen usw. Es gab also in der Tat am«. März in Berlin einflußreiche Personen, die gewillt waren, die friedlichen Spazier- gänger im Tiergarten und auf den Straßen. Männer, Frauen und Kinder, eventuell von der Artillerie zusammen- schieben zu lassen!" Kanonen gegen den Wahlrechtskampf, gegen friedliche Demonstranten! Ms am Donnerstag in der Stadtverordneten- Versammlung zu Brandenburg der Genosse Baron mit- teilte, daß dort Kanonen gegen das Volk s ch u ß f e r t i g gemacht worden seien, antworteten die ungläubigen büraer- lichen Stndtväter mit lautem Gelächter und wildem Töven. Jetzt wird die entsetzliche Tatsache für Berlin von bürgerlicher Seite bestätigt! Es träuinen also ge- wisse Leute davon, daSVolk niederkartätschen zu lassen!! Die Meldung wird alle menschlich Fühlenden bis weit über die Arbeiterschaft hinaus mit tiefster Empörung und loderndem Zorn erfüllen. So also wird deutsches Arbeiterblut in einflußreichen Kreisen der herrschenden Klasse geschützt! Der verbrecherische Plan Bismarcks, die A r b e i t e r b e>v e g u ti g in einem Blutbad zu er- sticken, geht also immer noch um! Der Fall erinnert aber nicht bloß an Bismarcks blutige Phantasten. Er ruft auch die Erinnerung an Vorgänge wach, die sich vor 82 Jahren in Berlin abspielten. Auch damals ist in dem Thron nahestehenden Kreisen der Plan vertreten worden, das Volk niederkartätschen zu lassen! Die einflußreicheil Herren, die an: 6. März die gefährliche Maßregel anordneten, sollten die Gespenster der Märztage von 1848 nicht leichtsinnig heraufbeschwören l Die Arbeiterschaft aber weiß jetzt jedenfalls, wessen sie sich zu versehen hat l Das Proletariat wird mit der ungeheuerlichen Tatsache zu rechnen toissen— niemals aber wird es sich dadurch von der Weitersührung cineS Kampfes umL Wahlrecht abschrecken lassen l Aus R a t h e il o w wird uns geschrieben: Wegen angeblich zu erwartender sozialdemokratischer Demo»- sirationen wurde die N a t h e n o w er Garnison am 18. März von 4 Uhr nachmittags an in den Kasernen konsigniert. Selbst daö Lazarett war in den Befehl mit einbezogen worden. Hundert Husaren hatten den Befehl, sich feldmarschmäßig be- reitzuhalte«.— Dabei wacen von der örtlichen Parteileitung keinerlei Veranstaltungen geplant. Eine Demonstration vor der preußischen Gesandtschaft il» Stuttgart. In Stuttgart fanden am Freitagabend zwei stark b e- suchte Märzfeierversammlungen der Sozialdemokratie statt. Nach dem Schluß der Feiern kam es zu imposanten Straßen- deinonstrationen gegen daS preußische Wahlunrecht. Ein Zug von Kundgebenden bildete sich, der den Weg nach der preußischen Gesandtschaft nahm. Ein Zug von über 2000 Personen gelangte unter Hochrufen auf das freie Wählrecht und Pfuirufen auf Preußen bis vor das GesandtschaftSgebaude. Die über- raschte Polizei hatte dort Ausstellung genommen. Der Zug wurde geteilt und zum Rückzug gezwungen, nachdem vorher noch mehrfach Hochrufe auf das allgemeine Wahlrecht vor dem Hause ausgebracht waren, Der Zug ging dann nach dcm Gelverlschafts- hause und löste sich dort in aller Ruhe auf. Hilf. Herr Staatsanwalt! Die„Post" ruft nach dem Staatsanwalt, weil die„Dortmunder Arheiterzeilung" die Karikatur eines siegreichen Polizeikämpfers gegen Wahlrechtsdemonstranten brachte. Das Scharfmacherblatt er- blickt darin eine Aufreizung und verlangt, daß die Führer und „Hetzer" als Urheber der Straßenkrawalle der verdienten Strafe überliefert werden. Die Jurisprudenz der„Post" ist ebenso schlecht, wie ihre Angst vor der WahlrechtSbeweguug groß ist. Die Berliner Justiz gegen die Demonstrationen. Die ersten Gerichtsverhandlungen gegen Teilnehmer der Berliner WahlrechtSlundgebnng vom 0. März werden am Montag, Dienstag und Donnerstag der nächsten Woche gegen die Arbeiter Schefflcr. Gerber und Siedler stattfinden. ES handelt sich dabei um Bor- kommnisse in Treptow und an der Schlesischen Brücke. Das Keqiiiem der Revanche. Paris, 15. März.(Eigener Tericht.) Die Aufnahme, die die Erklärungen Bethmann Hollwegs über Elsaß-Lothringen in der bürgerlichen Presse Frankreichs finden, zeigt, daß nicht nur der RevanchepatriotiLmus, sondern auch die innerliche Solidarität mit den Bewohnern des Reichslandes zu einem rein äußerlichen Kult ge- worden ist, die man gerne bereit ist, über Bord zu werfen, wenn sich die Gelegenheit dazu bietet. Mag unter dem Gesichtspunkt der inter- nationalen Politik dieser Verzicht zunächst als eine Bürgschaft deS Friedens erscheinen, so wird man sich freilich darauf gefaßt machen müssen, daß er die Bahn zu nicht weniger gefährlichen wellpolitischcn Spekulationen erweitert. Es ist der Profithunger, der den alten Schmerz zum Schweigen gebracht hat. Man wischt zwar mit der ziemlichen melancholischen Geste die schuldige Träne aus dem Auge. aber im Grunde hat man ein Gefühl der Erleichterung, wie Leidtragende, die jahrelang einen Schwer- kranken im Haus hatten und um seiuetwillen ihre Bewegungs- freikeit opfern mußten. In der Eile der— um diesen jetzt so nahe- liegenden Ausdruck zu gebrauchen— Liquidation sieht man sogar darüber hinweg, daß man die Rechtfertigung des Verzichts auf das Revancheprogramm in dem Wunsch gesucht hat. den Elsaß-Loth- ringem bürgerliche Freiheitsrechte vergönnt zu sehen. Augenscheinlich haben die französischen Bourgeois die Feder, um Herrn Bethmann Hollweg die Quittung auszustellen, in die Hand genommen, noch ehe sie sich vergewissert haben, ob diejenigen, um die es sich handelt, zu den vagen Versprechungen des Kanzlers das gleiche Vertrauen haben. Man wird diesem Bekenntnis zu der großen Wahrheit der kapitalistischen Ordnung, daß der zeitliche Profit über die ewigen Gefühle geht, seinen Wert nicht absprechen dürfen und eben so loenig feine große geschichtliche Bedeutung, die in der Vorbereitung neuer weltpolitischer Kombinationen besteht. Es ist kein Zufall, daß Bethmann Hollwegs Erklärung mit der Präzisierung des neuen Kurses der deutschen Marokkopolitik und den Vorbereitungen zu einem neuen französischen Vorstoß in Afrika zu« sainmenfällt. Die Spekulanten der finanziellen und industriellen Expansion sind gefährlicher für den Frieden alS die Don Quichottes des säbelrasselnden Nationalismus, so wie Einbrecher für ein Haus gefährlicher sind als Gespenster. Den Elsaß- Lothringern vermag nur die Demokratie die Fülle der bürgerlichen Freiheit und freier kultureller Entivickeluiig zu gewähren, und nur die Demokratie vermag das Verhältnis des deutschen und des französischen Volkes zu redlicher, über den Weltstieden gebietenden Freundschaft zu gestalten. Die Annäherung der preußische» Feinde des allgemeinen Wah-�chts und der französischen Nutznießer seiner kapitalistischen Korruption mahnt dagegen die arbeitenden Klassen beider Länder zu erhöhter Wach- scmileit._ poUtifche debcrHcht. Berlin, den 19. März 1910. Komische Käuze. Die konservativen Blätter haben, lvenn sie auch Herrn Elard v. Oldenburgs Klotvnspäße inr Reichstag zu verteidigen suchten, doch größtenteils zugestanden, daß er über daS so- genannte berechtigte Maß der Abwehr hinausgegangen sei. Die rechtsnationalliberaleil„Hamburger Nachrichten", das Organ der hanseatischen BiSmarckfetischisten, sind über diese Schwäche der konservativen Presse sehr verschnupft. Sie finden, daß der hohe Standpunkt, den Herr v. Oldenburg in„per- fönlichen Ehrenangelcgenheiten" einnimmt, nicht genügend ge- würdigt ist; und da kaum zu erwarten ist, daß die konservativen Blätter das Versäumte nachholen, so besorgt das Hamburger Bismarckblatt selbst die Würdigung. Unter dem Titel„Die parlamentarischen Manieren der Demokraten" schreibt dieses kuriose Preßorgan: „Noch nie haben sich so viel Radauszenen in den deutschen Parlamenten ereignet, noch nie sind dort so massenhaft Ord- nungSrufe erteilt worden, wie in unseren Tagen. Die freisinnig» sozialdemokratischen Sturmgenossen, die in ganz Deutschland die unumschränkte Souveränität des GleichHeitSwaHkrechtS herstellen wollen, suchen im voraus durch ihre Vorkämpfer in den Volksvertretungen die Errungeuschafte» zu illu- strieren, mit denen ganz Deutschland gesegnet sein würde, wenn allenthalben ihr Kampf zum Ziel geführt hat. Während die bürgerlichen und die sozialrevolutionären Demolraten das Recht auf die Straße beanspruchen und auf der Gasse für ihr heiliges Wahlrecht demonstrieren, demonstrieren zugleich die Er- korenen dieses Wahlrecht durch ihr Betragen im Parlament,«oelche Umgangsformen dort unter der Herrschast des demokratischen Wahlrechts schließlich siegreich Platz greifen müssen. Der Ton der Gasse und der Gosse klingt heute allerwärts aus den parlamentarischen Körperschaften.". Das Blatt schildert dann auf seine Weise die Vorgänge in der Reichstagssitzung am 17. März und fügt hinzu: „Da es sich hier um eine durchaus persönliche Ehrenstage ge- handelt hatte, zwischen zwei Männern, die grundsätzlich auf dem Boden der persönlichen Genugtuung stehen, so war im Reichstage niemand mehr befugt, hineinzureden, am allerwenigsten, die den gleichen Standpunkt in per» sönlichen Ehrenangelegenhetten wie der Abgeordnete v. Oldenburg nicht vertreten, daher auch nicht hierfür das er- forderliche Verständnis und das spezifische Ehrgefühl besitzen können. Trotzdem benutzten nacheinander nicht weniger als drei Demokraten die erledigte Ehrenangelcgenheit, um sich einzumischen und ihren konservativen Gegner in unerhörter Weise zu provozieren... „Die ganze Episode läßt sich also charakterisieren: auf der einen Seite der Vertreter eures Ehrenkodex, der den Einzelnen für sein Betragen dadurch verantwortlich macht, daß er ihn ver- pflichtet, persönlich Genugtuung zu geben. Herr v. Oldenburg hat die Beschimpfimgen seiner Gegner mit der Erllärung beantwortet: Ich gebe Satisfaktion; ich stehe zur Verfügung. Ihm standen aber nicht ehrliche Gegner des Duellstandpunltes gegenüber, die an die Stelle der Satisfaktion die Abbitte setzen, die, wem, sie die Ehre des anderen in ungehöriger und im- gerechtfertigter Weise berührt haben, für persönliche Beleidigung wenigstens die Sühne der Entschuldigung und die Bitte um Verzeihung geben. Hier befanden sich auf der Gegen- feite nur die Vertreter eines wüsten Radau- und Schimpfkomments, die schimpfen, und, wenn sich dann der Beschimpfte in seiner Art dagegen zu wehren sucht, erst recht schimpfen.... Hat denn daher der Abg. v. Olden» bürg so unrecht, wen» er behauptet,»diese Herren haben in persönlichen Sachen einen Ehrenstandpunkt überhaupt nicht"! Diese Tintenkulibegeisterung für den Oldenbuvgschcn Ehrenkodex und die Austragung von paclamsntarischen Zwistigkciten durch das Abschießen von Pistolen scheint jedoch selbst in den hochfeudalen Regierungskreisen nicht das richtige Verständnis zu finden; denn das offiziöse Wolffsche Telegr.» Bureau verbreitet folgende Depesche:- München, IS. März. Wie den„Münchener Reuesien Räch» richten" von, Kriegsministerium bestätigt wird, ist eine Forderung deö Kriegsministers durch den Reichstagsabgeordneten v. Olden- bürg nicht erfolgt. Dem Kriegsminister ist aber zur Kenntnis gebracht worden, daß Herr v. Oldmburg durch seine«eußerungen in der bayerischen Abgeordnetenkammer, falls sie so gelautet, wie ein Teil der Presse sie brachte, sich beleidigt fühle. In der Vor- anSsicht, daß die Sache im Reichstage zur Sprache kommen würde, wurde darauf die vom bayerischen Militärbevollmächtigten zu gebende Antwort festgelegt und der Wortlaut der vom Generalmajor Freiherrn v. Gcbsattel im Reichstage ver- lesenen Erklärung entspricht dieser Festlegung. Im übrigen wurde der Militärbevollmächtigtö ermächtigt, die gleiche Antwort erforderlichenfalls auch Herrn v. Oldenburg persönlich zu geben. Das Wolffsche Bureau würde schwerlich die Meldung der „Münchener Neuesten Nachr." in dieser Form telegraphifch verbreiten, wenn der Regierung nicht selbst das Auftreten des Herrn Elard v. Oldenburg unbequem wäre und sie gem sähe. daß er von jeinen konservativen Freunden an die Kette gelegt würde. Nationalmiserabler Liberalismus. Die im Sterben begriffene„National�Zeitung" am Juli ivird sie bekanntlich lvegcn zunehmender Abonnentenschwindsucht ihr Erscheinen einstellen— fühlt sich veranlaßt, im Leitartikel ihrer heutigen Abendnummer über„die Zukunft der nationalliberalen Partei" zu philosophieren. Verfasser des Artikels ist die Berliner nationallibcrale Geistesgröße Professor Dr. Leidig; und das Motiv der Schreiberei ist neben dem Bedürfnis des Autors, sich selbst die guten politischen Aus- sichten deS NationallibcraliSmus zu attestieren, vor allem die Absicht, den Vionservativcn gut zuzureden, sich doch nicht allzu sehr vom Zentrum umgarnen zu lassen und nnt dem„ in ä ß- vollen" Liberalismus noch vor dem Abschluß der preußischen Wahlrechtsreform dadurch eine Verständigung zu suchen, daß sie diesem einige kleine Zugeständnisse als Slöder hin- tversen. Deshalb wird denn auch ostentativ hervorgehoben, daß, ivaL die Wahlrechtsvorlage anbetrifft, die Auffassung deS NationallibcralismuS von der der linksliberalen Parteien er- h e b l ch abweicht. Die nationalliberalc Partei fei eine Partei, die vor allein und als ihre erste Aufgabe„die Sickierung und Erhaltung der nationalen Notwendigkeiten unseres öffentlichen Lebens betrachte und deshalb nur„schritt für Schritt" den liberalen Ideen das Bürgerrecht erkämpfen wolle. Doch das ist nebensächlich; mag sich die nationalliberale Partei zu den Konservativen und dem LinkSliberaliSmuS stellen wie sie will; ihr sehnsüchtiges Verlangen als Dritte im Bunde sich dem schwarz-blauen Block anschließen zu dürfen. interessiert uns recht wenig. Wichtiger erscheint uns, daß der Artikel jedeS Bündnis zwischen ZiationalliberaltömuS und Sozialdemokratie bei den nächsten Wahlen für unmöglich erklärt: „Die nationalliberale Partei wird und muß vor allem auch an ihrer scharfen Gegnerschaft gegen die Sozialdemokratie fest- halten, und unzweideutige Erklärungen unserer Filhrer und der Fraktionen im Reichs- und Landtage ergeben klärlich, daß die nationalliberale Partei,»lögen auch hier und da sich andere Wünsche bei einzelnen zeigen, daran festhält, die Sozial- demokratie als bilndniSun fähig zu bezeichnen, so lange diese Partei in ihrer Taktik und in ihrem Schaffen sich außerhalb deS RechtSznstandeZ unseres deutschen Nationalstaates stellt." Wir sind mit diesen Ausführungen völlig einverstanden. Solange der NationallibcralismuS ein so trauriges Gebilde bleibt� wie er zurzeit ist, ist jedes Bündnis zwischen ihm und der Sozialdemokratie völlig ausgeschlossen und der„Block von Bebel bis Bassennann" nichts als ein alberneS Hirngespinst. Eine aufstrebende Partei verbindet sich nicht mit einer ver- wesendcn._ Das Zentrum ist keine konfessionelle Partei. So verkündet die Partei für Wahrheit, Freiheit und Recht, wenn sie gewisse politische Ziele erreichen will. In Baden ist ein katho- tischcs Pfarramt anderer Meinung. Es erläßt mit seinem AmtS- charakter unterzeichnet, eine Einladung zu einer p oli tischen Bcr- sammlung des Zentrums. Das Inserat, welches in Nummer ö2 des in Waldki.ch bei Freiburg erscheinenden klerikalen„BreiSgauer BollSblatteS" zu finden ist, hat den solgenden Wortlaut: „OberfimonSwald. Nächsten Sonntag, den 20. März, vorm.>/Z1 Uhr, ist Volksversammlung im„Rebstock" zu Obersimonstvald. Der Herr Abgeordnete Reinhardt wird über die Landtagsvor- Handlungen Bericht erstatten. Alle Männer und Jünglinge, »elche über IS Jahre alt find, sind freundlichst eingeladen. OberfimonSwald, 16. Marz 1910. Katholisches Pfarramt: Adam, Pfr." Der Pfarrer Adam wird natürlich ob feiner Unvorsichtigkeit von der Zsirchenbehörde die entsprechende Rüge bekommen; aber so wie er denken und handeln alle seine«mtsbrüder, nur sagen sie nicht so plump, baß katholische Kirche und Zentrum eins sind. Armenuntcrstützung Der anhaltische Landti Beschränkungen beseitigt, lebhast beschäftig!, soll nach den Osierscricir. die bis zum G0. März dauern, in einer Sitzung behandelt, werden. EL ist unzweifelhaft, daß die Regierung und die Konservativen ebensosehr wie die bürger- lichcn Journalisten von der rechten Seite sich bei der ganzen An- gelcgenhcit stark lompromitiert haben. Aus der Bremer Bürgerschaft. Die Lehrermaßrcgelungcn in Bremen haben die sozial- demokratische Fraktion der Bürgerschaft veranlaßt, einen Antrag ein- zubringen, nach dem der ij 25 des bremischen Beaintengcsetzcs dahin erweitert wird, daß■ in der„politischen und religiösen Betätigung der Beamten innerhalb des strafgesetzlichen Rahmens" eilte Verletzung des vorgeschriebenen Verhaltens nicht erblickt werden kann. Ferner fordert die sozialdemokratische Fraktion die Einführung deS allgemeinen, gleichen, geheimen und direlten Wahlrechts für alle über 20 Jahre alten Männer und Frauen nach Maßgabe der Verhältniswahlen,__ frankmcb. Die Neuwahleu zur Deputiertclkammer. Paris, 19. März. In dem heute unter dcfn Vorsitz deS Präsidenten der Republik abgehaltenen Ministerrat wurden die Neuwahlen zur Deputiertenkainmcr auf den 21. April festgesetzt. Der Minister des Aeußeren und der Handelsminister erstatteten den Bericht über die Zollverhandlungen mit den Vereinigten Staaten. � Die Unterschlagungen i» der Marine. Lorlcnt, 19. März. Das SeekriegSgericht hat die straf rechtliche Verfolgung mehrerer Beamten und eineS Arbeiters des Arsenals angeordnet, die von den, kürzlich verhafteten Lieferanten Ballois Bestechungsgelder angenommen hatten. Cngwnä. Eine Rede des Ministerpriifideuteu. London, 18. März. Premierminister Asquith erklärte irt einer Rede zu Oxford, er glaube nicht an eine Weiß- wafchung der Lords, daS Oberhaus müsse auf d e m o» kr atischer Basis neu errichtet werden. Das absolute Veto der Lords müsse verschwinden, er lehne es aber ab, die Frage zu beantworten, mit der er bestürmt worden sei, nämlich was sein nächster Schritt sein werde, nachdem daS Unterhaus seine Resolution gegen daS Vetorecht des Oberhauses erlassen habe. Rußland. Tumult in der Duma. Petersburg, 19. März. In der N c i ch s d u m a erklärte tväh- rend der Beratung des Etats der Unterrichtsverwaltung Purisch- kewitsch, auf den russischen Hochschulen gäbe cS nichts als Sitten- Verderbnis. Auf der linken Seite entstand ein unglaublicher Lärm, der in anhaltendes Geschimpfe zwischen der Linken und der Rechten überging. Der Sozialdemokrat Gegetschkorä rief Purischke witsch„Schurke" zu, der Extrcmrcchte Timoschkin erwiderte den Ruf. worauf Präsident Fürst WolkonSky beide Abge ordnete für zwei Sitzungen auszuschließen beantragte.(Stürmi scher Beifall, Schmährufe im Zentrum, betäubendes Pultklappern links.) Mit den Stimmen des Zentrums, der Nationalisten, der �ladetten und der Progrcssisten wurden beide Abgeordnete auf ,wcr Siiiunlir» ausgeschlossen. DaS Mitglied der Arbeiteraruppe Bullcil erklärte von der Rednertribüne aus, daß er den Worten beistimme, welche von den Ausgeschlossenen gesagt worden seien, und unter fortdauerndem Lärm wurde er auf Vorschlag des Präsidenten auf 15 Sitzungen auSgrschlosten. Purischicwitsch versuchte darauf� seine Rede fortzusetzen, wurde aber von. den. Sozialdcmolrateu daran gehindert, von denen einer nach dem anderen erklärte, Purisch kewitsch werde nicht reden. Einer nach dem anderen wurde vom Fürsten Wolkonskh für eine Sitzung ausgeschlossen. Dagegen legte der Kadcttenführer Miljukow Verwahrung ein ulld erklärte, der Präsident bringe die Duma in eine unmögliche und erniedrigende Lage. Deswegen wurde auch er mit den Stimmen des Zentrums und der Rechten für eine Sitzung ausgeschlossen. Die Sozialdemokraten fuhren fort, zu erklären, sie würden Purischkewitsch nicht sprechen lassen. Kadett Schingarciv erklärte, die gesamte Kadettenfraktion schließe sich der Ansicht Miljukows an. Die Sitzung wurde unter- krochen. Als nach Wiedereröffnung Purischkewitsch abermals die Rednertribüne betrat, wurde er von furchtbarem Lärm empfangen. Ein Sozialdemokrat schrie: Wir werden Purischkewitsch nicht rede» lasse». Er wurde vom Präsidenten für zwei Sitzungen ausgeschlossen. Unter betäubendem Geschrei und dem Ge- krache zerbrecheiwer Pulte r verlas darauf Purischkewitsch etwas vom Blatte, während die Recht« die Tribüne umdrängte, um hören zu können. Nachdem Purischkewitsch zu Ende gelesen hatte, warf er das Blatt den Stenographen zu und verließ unter lärmendem Beifall der Rechten und dem Geschrei der Linken die Tribüne. Sodann ging die Duma zur Tagesordnung über. » In Oktrobistenkreisen ist man der Ansicht, daß die Duma der sicheren Auflösung entgegengeht. Eine echt russische Gemeinheit. Kürzlich hat sich dn der Dunia ein Vorfall abgespielt, der in seiner Roheit nur eine Parallele hat in jener berüchtigten Debatte des preußischen-Dreiklassenparlaments, in der der damalige Minister v. H a m m e r st e t n den Fall Janina Berson zur Sprache brachte. In einer Rede über die Petersburger Universität be hauptete der Führer der Echtrussen und Mitarbeiter der„Kreuz- zeitung", Purischkewitsch, daß sich im Studentenausschuß der Universität eine Jüdin befäudc. das Juristenwcibchen gc- nannt, die in intimen Beziehungen zu allen Mitgliedern des Seniorenrates stehe. Darauf erhob sich im Saale ein ungeheurer Lärm. Die Linke rief Purisch- kewitsch Schniähworte zu und verlangte dessen Ausweisung. Der Präsident erklärte, der Redner müsse, was er gesagt habe, auf sein Gewissen nehmen. Der Kadettenführer Miljukow for- dcrte Purischkewitschs Ausweisung und begann einen Wort st reit mit dem Präsidenten. Ununterbrochene Zurufe links und Beifallklatschen rechts veranlaßtcn den Präsidenten, die Sitzung zu schließen. Nach, deren Wiedereröffnung entzog der Prä- sident Purischkewitsch das Wort, und erteilte Miljukow wegen seines Verhaltens eine Rüge. Im Zusammenhang mit den Zwischenfällen legte Cham- ja low das Amt des Präsidenten nieder und meldete seinen Eni- schluß brieflich dem ersten Vizcpräsidenien. Griechenland. Bauenmnruheu. Athen, 19. März. Nach Blättermeldungen auS T h e s- salien haben Bauern sich zusammengerottet, verschiedene Grundbesitzer von ihren Besitzungen verjagt und sich dyrt festgesetzt, sind aber von her Gendarmerie ohne Zwischen- fall wieder vertrieben worden. Die maßlos Ausgebeuteten verlangen die Expropri- ati o n der großen Grundbesitzer und die Auf- türkische Regierung benutzt, um bei der griechischm Wahlrecht in Anhalt. M einen Gesetzentwurf an, der die "iSher Empfängern von Annen Unterstützungen die Ausübung des Landtags- und Gemeindewahlrechts unmöglich machten. Otto Hermes f Der freisinnige Parlamentarier Otto Herme? ist heute im Alter von 71 Jahren plötzlich an einem Schlaganfall gestorben. Der Ver- storbene wurde 1338 als Sohn eines Landwirts in Meyenburg geboren, studierte Naturlvissenschaften und leitete dann längere Zeit in Berlin eine chemische Fabrik, bis er später die Direktion des Berliner Aquariums übemahm. Schon in den sechziger Jahren des vorigen Jahrhunderts schloß er sich der Fortschrittspartei an und war jährelang Vorsitzender des Zentralkomitees der Fortschritts- Partei in Berlin. 1831 wurde er in der Westprignitz in den Reichstag gewählt, verlor jedoch dieses Mandat 1884 wieder. Als Ersatz erhielt er 1837 das Reichstagsmandat für Jauer-LandeShut, das er bis zuletzt besessen hat. In der letzten Zeit trat Otto Hermes nicht mehr politisch hervor; jüngere Kräfte traten in der Lordergrund und drängten den„Alten" zurück.� Ob die Fortschrittlich« LolkSpartei das durch den Tod erledigte ReichstagSmandai- behalten wird, erscheint recht zweifelhaft; denn bei der letzten Wahl(1907) haben die vier dort in Betracht kommenden Parteien- ungefähr gleich viele Stimmen aufgebracht. Es fielen auf Hermes 5723 Stimmen, während der freikonservative Kandidat SM): der sozialdemokratische 6019 und der Zentruniskandid«t 4007 Stimme» erhielt. In der Stichwahl siegte dann Otto Hermes mit 9840 gegen 7495 freikonservative Stimmen. Aus dem sächsische!» Landtage. Bei der neulichen Besprechung der Maßregelung von Eisenbahnern soll, bevor der Finanzminister den' Präsi- denien um Schutz gegen die„Ungezogenheiten der Kammer" bat. ein Zwischenruf:„Pfui Teufel!" gefallen sein. Dieser- Zwischenruf ist weder vom Präsidium noch von der Linken der Kammer gehört worden, aber im Stenogramm, das aus der Druckerei des könig- lichen„Dresdener Journals" zurückkam, war er vcrzeich- net. Deshalb erfolgten heftige Angriffe auf den national- liberalen Präsidenten, der am Mittwoch eine lange Erklärung ab- gab und den Zwischenruf für eine Fälschung des Steno- g r a in m s erklärte, die im ainllichen„Dresdener Journal" ent- standen sei.. Freitag gab min der Präsident bor Einttttt rn die TageS- «rdmma eine neue Erklärung ab. Nach dieser ist der Zwischen- ruf„Pfui Teufel!" auf Anordnung deS Finanz- „iinisterS v. Rüg er irr das amtliche Stenogramm t, i n e i n k o r r i g i e r t worden. An diese Tatsache knüpfte er eine lanfle�Erörterung, die sich damit befaßt, oh dieser Zwischenruf tat- säihlich gefallen..ist oder nicht. Die Konservativen behaupten, er sei gefallen, konnten aber nicht beweisen, daß er von der Linken gefallen sei.. WDMOWHWWWW nalisten der Amtsblattpreise, die alö'Berichterstatter auf der DriWne saßen. Die ganze Angelegenheit, die alle Fraktionen Reglerlmg gegen jede ZivangZeitleignung zu protestieren. Die griechische Regierung hat darauf erklärt, daß die Grotzgrund- besther ihres Schutzes gewiß sein können. Kmerlka. Obstruktion. Washingte», 18. Marz. Die gestrige Sitzung des Repräsen- taut en hauseS dauerte die Ra cht n b er an und war heute morgen um 9 Uhr noch immer nicht beendet. Die Ursache zu der außerordentlich lang andauernden Sitzung liegt iu einem Konflikt, in den der Sprecher Joe E a» n o n mit einer sehr großen Minorität des Hauses geraten ist. Die Demokraten haben im Verein mit einer großen Anzahl dem Sprecher feindlich gesinnter Republikaner eine Resolution eingebracht, wonach eine GeschästSordnusigs- k o m in i s s i o n gewählt lverde» soll, der der Sprecher selbst nicht angehören darf, und die sich nnt der Aufgabe zu befassen hat, die Mächt des Sprechers zu beschränken. Die Annahme dieser Resolution würde wohl die Demisstön des Sprechers im Gefolge haben. Die Länge der Debatten zeigt, wie mächtig die Minorität bereits ist.. Um 2 Uhr nachinittagZ brachte einer der Anhänger des Sprechers einen Antrag ei», ivonach sich das Haus bis 4 Uhr vertagen sollte. Dieser Antrag wurde mit 151 gegen 151 Stimmen angenommen. Als das Ergebnis der Abstimmung bekannt gegeben ivurde, entstand ein unbeschreiblicher Lärm, und die Anhänger Cannons brachen in ein betäubendes Freudengeschrei aus. Nachdem die Sitzung um 4 Uhr nachmittags wieder auf- genommen worden war, wurde mit 154 gegen 150 Stimmen ein Bertagnngsantrag auf heute angenommen. Hue der Partei. In die Freiheit zurückgekehrt ist nunmehr der Genosse Stein- k a m p, der wegen Beleidigung«i»es Reserveoffiziers, Besitzer eines „unparleiischen" Generalanzeigers, als Verantivorilicher Redakteur vorn B o ch u i» c r„ A o l k S 0 l a t t" zwei Monate lang in der Strafanstalt Weil hat verbringen müssen. Die Behandlung unsercs Genossen hat in bezug auf Beköstigung' anfangs zu Klagen Bcr- anlassung gegeben. pollrelliebeg, Sericbtlicbes ufw, Ei» Freispruch. Genosse L lux weil er vom„Volks- willen" zu H a n n o v e r hatte sich am Freitag vor dem Schöffen- gcricht zu Haimover wegen Beleidigung eine« Jngeiiieurs und Betriebsleiters zu Verantlvvrteir. Er hatte ihm vorgeworfen, daß er sich durch Beeinflussung eines von ihm abhängigen Arbeiters ans ver Fabrik mehr Kohlen verschafft habe, als ihm zustanden. DaS Gcricht erkannte auf Frcisprcchimng, da der BeivelS der Wahrheit erbracht wurde. Soziales. DaS Geleaeuheitsgeschäft des Stabtrelsenden. Tie Frage, ob ein Sliigestelltcr sofort, entlassen werden kann, wenn er durch ein gelegentliches Geschäft sich einen Extravcrdicnst erwirbt, unterlag gestern der Entscheidung der 2. Stammet des Berliner KaufinannSgerichts. Der mit festem Gehalt und Provision angestellte Stadtreisende cincL FuhruntcrnehmcnS war entlassen worden, weil der Prinzipal in Erfahrung gebracht hatte, daß crstcrcr einen Geschäftsvcrkauf vermittelte, an welchem er 500 M. verdiente. Der Käufer des betreffenden Geschäfts wurde später durch Vcrmittelung des Klägers noch Kunde der Beklagten, diese stellte sich ober auf den Standpunit, daß ein fest angestellter HandkungS- gehilf« seine ganze Arbeitskraft einzig und allein dem Unter- nehmen zu widmen Hai, in dessen Dlensten er stchi, und daß er keine Rebengeschäfte betreiben darf. Dem hält Kläger entgegen, daß er Einleitung und Abschluß des betreffenden Geschäfts außer- halb seiner Arbeitszeit bei der Beklagten gemacht habe, und daß seine geschäftliche Tätigkeit absolut nicht darunter gelitten hat. Das Kaufmannsgcricht erklärte die sofortige Entlassung für ungerechtfertigt. Die Bermittelung des Geschästsverkaufs war ein privates Geschäft, und es lag nicht im Rahmen der Tiensipflicht des Klägers. Der Beklagten ist nicht nur kein Nachteil aus diesem Nebengeschäft cutsianden, sondern sie hat sogar noch einen neuen Kunden dadurch erworben. Kläger hat somit nicht gegen, sondern im Interesse der Beklagten gehandelt. In der Annahme der Pro- Vision für seine Vermittelung ist ein Vertraucnsmißbrauch Hicht zu erblicken._____ Abschluß eines Arbeitsvertrages durch einen Arbeitsnachweis. Ist ein Arbeitsnachweis beauftragt, lediglich Arbeiter dem Arbeitgeber zuzusenden, damit dieser sie eventuell engagiere, so wird durch die Vermittlung des Arbcitsnachioeises noch kein Arbeitsvertrag geschlossen, sondern erst durch die Abrede des Arbeiters mit dein Unternehmer. Anders steht es, wenn ein. Auftrag zur Engagierung seitens des Unternehmers erteilt ist. Dann handelt der Vermittler als zum Abschluß des Vertrages Beboll- mächtigter. Die Annahme durch ihn verpflichtet den ArbeitgeLcr. In demselben Sinne wurde gestern vom hiesigen Gewcrbegerstht entschieden......— Der Tischlermeister Liebe erwartete-die Älkunft einer' Kqhn- laduiig Bretter. Er beauftragte den vom!?afenarbciterverbande unterhaltenen Arbeitsnachweis, ihm vier Hafenarbeiter zur Löschung der Kahnladung zuzusenden; vorher solle er ihm durch Telephon das Eintreffen der Arbeiter melden. Kurz vor Ein- treffen des Kahnes telcphonierte der Arbeitsvermittler bei L. an. Das Telephongcspräch hörte aber ein zufällig gleichfalls auf dem Nachweis amvcsendcr, ehemals bei L. beschäftigt gewesener Arbeiter mit an. Als der Vermittler den Arbeitslosen, die zur Annahme der Beschäftigung zunächst in Frage kamen, den Auftrag gegeben hatte, sich am nächsten Morgen zur Löschung der Ladung auf dem Arbeitsplatze einzufinden, ging bald darauf der Arbeiter B-, der daö alles angehört hatte, zu L. nach der Wohnung und gab auf dessen Frage an, daß er bom Arbeitsnachweis komme. Es wurde ihm darauf die Löschung der Kahnladung übertragen. B. erscksteir am nächsten Tage mit drei anderen Arbeitern auf dem Arbeitsplatz und nahm die Arbeit in Angriff, während die vier vom Arbeits- Nachweis gesandten Leute wieder fortgeschickt wurden. Sie klagte» nun gemeinsam gegen Liebe beim Gcwcrbegericht auf Eriab des ihnen verloren gegangenen Arbeitsverdienstes von 124,30 M. Der Beklagte bestritt, daß ein Engagement vorgelegen habe, und be- antragt Klageabweisung. Der als Zeuge vernommene Arbeits- vermittler bekundete, er habe die gesandten Leute auftragsgemäß für den Beklagten engagiert. Er hätte dem Beklagten, der ihn persönlich besucht hatte, die Namen der Leute nennen können, es sei aber nicht verlangt worden. Er habe aber, nachdem er den Leuten den Auftrag definitiv gegeben hatte, dem Beklagten tele. phonisch mitgeteilt, daß sich dieselben am nächsten Morgen auf dem Arbeitsplätze einfinden würden. Der Beklagte war demnach nicht mehr berechtigt, andere Leute an Stelle der Angenommenen zu engagieren, und hätte etwa bereits geschehene Engagements rück- gängig machen müssen. Dem Einwand gegenüber, der Arbeiter B. habe dem Arbeitgeber wahrheitSwidrig gesagt, er sei vom Arbeits- nachweis geschickt, sei zu bemerken, daß die vom Arbeitsnachweis gesandten Arbeiter stets mit Ausweispapieren versehen seien. Die Inanspruchnahme des Arbeitsnachweises durch die Arbeitgeber verpflichte dieselben, nur die vom Nachweis gesandten Leute zu be- schäftigen. Der Zeuge' B„' der in unberechtigter Weise seinen Kollegen die Arbeit weggeschnappt hat, bestätigt, daß er Liebe gegenüber auf dessen Befragen angegeben, cr komme vom Arbeits- nachweis und diesen dadurch in Irrtum versetzt hafte, r Das Gewerbegericht verurteilte den Beklagten dem Klage- antrage entsprechend. GewerhlcbaftUehe� Hn die Zimmerer Berlind und Umhegend 1 Werte Kameraden! Tie Verhältnisse im Baugewerbe spitzen sich immer mehr zm Mit fieberhafter Tätigkeit rüstet das Scharfmachertum auf der ganzen Linie zum Kampf. An eine friedliche Rege- lung der bestehenden Differenzen ist nicht mehr zu denken. In den nächsten Tagen wird die Entscheidung fallen. Und dann?— Tann stehen wir mitten im Kampfe. Kameraden! Angesichts dieser Situation heißt es alle Kräfte anspannen. Neben der unermüdlichen Agitation für den festen Zusammenschluß aller Zimmerer Deutschlands niüssen wir das Kampffeld klären und über alle Einzelheiten informiert sein, die mit dem Kampf in Verbindung stehen. Es ist deshalb unsere nächste Aufgabe, unverzüglich fest- zustellen, wie es gegenwärtig in unserem Lohngebiet aus- sieht. Unser Zentralvorstand hat an alle Zahlstellen brief- lich das Ersuchen gerichtet, nach jeder Richtung hin sofortige Vorbereitungen zum Kampf zu treffen. Am Ä. März wird in jeder Zahlstelle festgestellt, wieviel Unternehmer existieren und wieviel Zimmerleute bei jedem Unternehmer beschäftigt sind. Desgleichen ist das Organisationsverhältnis der Zimmerlente zu ermitteln. Die Kranken und Arbeitslosen sind zu zählen, aber auch die Ziminerleute, die in einem dem Baugewerbe fremden Betriebe arbeiten. Kameraden! Geht frisch und mutig an die Ausführung dieser Arbeit. Im Interesse der guten Sache und weil diese Feststellungen für unsere Organisation im Kampfe unentbehr- lich sind, appellieren wir an die gesamte Mitgliedschaft, alles aufzubieten, damit ein vollzähliges und lückenloses Resultat zustande kommt. Die praktische Ausführung dieser Erhebung ist wie folgt gedacht: 1. Am Dienstag, den 22. März, bekommt jedes Mit- glied der Zahlstelle Berlin und Umgegend eine Platzliste zugestellt, die er für seine Person gewissenhaft ausfüllen und am Tonnerstag, den 24. März, in feinem Bezirkslokal abgeben muß. 2. Die auf einer Arbeitsstätte beschäftigten Mitglieder der Zentralstelle Berlin und Umgegend haben sich gegen- festig darüber zu verständigen, wer von ihnen diejenigen Kameraden, die einer anderen Zahlstelle angehören, sowie die Nichtverbandsmitgliedcr(Lokalorganisierte. Christliche, Hirsch-Dunckersche, Unorganisierte) auf seiner Platzliste mit aufführen soll. 3. Der dazu auserwählte Kamerad hat die auf der Platzliste gestellten Fragen für die Zimmerer, welche unserer Zahlstelle nicht angehören, gewissenhaft zu be antworten und die Rubriken demgemäß auszufüllen. In dem Fall, daß zur Ausnahme der oben bezeichneten Per fönen die Platzliste des betreffenden Kameraden nicht aus reichen sollte, muß die Platzliste eines anderen, eventuell die mehrerer Mitglieder unserer Zahlstelle zu Hilfe ge- uominen werden, jedoch muß derjenige Kamerad, der seine Platzliste hierzu zur Verfügung stellt, selbige zurückerhalten, da jedes Mitglied seine empfangene Liste wieder ab geben muß. 4. Feder Bczirksführer hat die Platzlisten der Mit glieder seines Bezirks bis spätestens Dienstag, den 23. März, dem Vorstande zur weiteren Bearbeitung und Zusammenstellung zu übermitteln. Zum Schluß richten»vir an alle Mitglieder unserer Zahl- stelle nochmals das dringende Ersuchen, an der Ausführung dieser statistischen Erhebung pflichtschuldigst mitzuwirken und sich keine Mühe verdrießen zu lassen. Die hiermit verbundene Arbeit, Kameraden, ist nicht so schwierig, sie zu bewältigen ist ein leichtes, wenn alle Mitglieder ihre Schuldigkeit tun. Sorge deshalb jeder einzelne dafür, daß uns dieses Werk auf der ganzen Linie gelingt zur Freude jedes einzelnen und zum. Nutzen unseres Zentralverbandes. Der Vorstand. I.A.: Wilhelm Witt. Berlin und Qmgezend. Der bevorstehende Krieg im Baugewerbe stand auf der Tagesordnung von nicht weniger als 3 2 Ver- s a m m l u n g e n, die die hiesige Zahlstelle des Z i m m e r V e r° b a n d e s auf Mittwoch- und Donnerstagabend in den verschiedenen Bezirken des Lohngebiets Berlin und Umgegend einberufen hatte. Die Versammlungen waren alle zahlreich besucht und bewiesen in ihrem ganzen Verlauf, daß die Zimmerer überall begriffen haben, wie sehr in der gegenwärtigen Lage fester Zusammenhalt in der Or- ganisation und Opfermut notwendig sind, um dem kriegslüsternen Unternehmertum die. Stirn bieten zu können. Die Referenten schilderten in allen Versammlungen eingehend, wie das Unter- nehmertum des Baugewerbes den Kampf vorbereitet hat und über das ganze Reich ausdehnen will.— Die diesjährige Bewegung wird offenbar an Umfang und Bedeutung alle früheren weit über- treffen. Es kommen rund 21 000 Baugeschäfte mit 317 000 Arbeitern in Betracht. Der Zentralverband der Zimmerer ist mit ungefähr 2S0 Zahlstellen und 4b 000 bis 00 000 Mitgliedern daran beteiligt. Der Zentralvorstand der Zimmerer hat bereits eine Streiksondsstcuer ausgeschrieben und ferner alle Zahlstellen durch Rundschreiben aufgefordert, unverzüglich zu dem bevorstehenden Kampf Stellung zu nehmen. Es heißt in diesem Rundschreiben zum Schluß: „Kameraden! Auf die augenblickliche ernste Situation haben wir Euch in kurzen Zügen hingewiesen. Wir nehmen bestimmt an, daß auch Ihr den Ernst der Situation begreifen und dem- entsprechend handeln werdet. Beherzigt unsere eingangs er- wähnten Worte, daß außerordentliche Umstände auch außer- ordentliche Maßnahmen bedingen. Der Opfermut der Käme- raden wird das Barometer sein, das uns angezeigt, ob man Tarifverträge auf freiheitlicher Grundlage will oder ob man lieber gewillt ist, sich für die Zukunft Sklavenkettcn anlegen zu lassen."— Die 32 Versammlungen bildeten einen sicheren Beweis dafür. daß sich die Zimmerer Berlins und der Vororte auf keinen Fall die Sklavenketten anlegen lassen werden, die das Unternehmertum ihnen wie der gesamten Bauarbeiterschaft anlegen möchte. DaS Barometer der Versammlung zeigte einen Sturm der Entrüstung an und einen Opfermut, eine Kampfbereitschaft, wie sie die ernste Zeit erfordert. Ueberall wurden Anträge auf Erhebung von Extra- steuern zur Stärkung der Lokalkasse gestellt und andere Maßnahmen zur Vorbereitung des Kampfes angeregt. Endgültig darüber zu be- schließen, ist der Generalversammlung der Zahlstelle vorbehalten. die demnächst stattfinden wird._ Die Lohnbewegung der Treibriemensattler. In einer stark besuchten Versammlung erstattete Schulze Bericht über die Antwort der Fabrikanten zu den eingereichten Forderungen. � Die Herren Friedrich Schulz u. Tenner t. sowie C. Ä. Löwe, Jnvalidenstraße, hatten schriftlich in ablehnen- dem Sinne geantwortet, während M c l z o w u. Hanke mündlich mit dem Verbandsvertrcter verhandelten und Zusagen machten. Ebenso liegen günstige Antworten vor von B. A. Löwe, Walde- marstraße � 64a, von„Eoncordia". Halber st am, Schuh. mann, während Rsieger u. Mallon, Schwarz u. C o m p., Diesnsr, P r ä tz e k, Reich ü, Ernst Schulze, Luckauer-- straße, nicht antworteten. Schulz konnte in seinem Referat berichten, daß so wenig Einigkeit unter den Herren herrscht, daß. sie in ihrer Sitzung ohne Beschlußfassung auseinandergingen. Es sind zwei Richtungen vor- Händen, von denen eine verhandeln will und die andere nicht. Da- her würde es sich empfehlen, Einzelverträge abzuschließen, da man angesichts dieser'Sachlage schwer zu einem Gesamttarif gelangen werde. Die Versammlung war sich dahin einig, daß in den Be- trieben, wo keine zusagende Antwort erfolgt, am Sonnabend vor- zusprechen und bei nicht befriedigendem Erfolg am Abend die Arbeit niederzulegen sei. Es wurde darauf aufmerksam gemacht, daß in der„Berliner Morgenpost" unorganisierte Treibriemen- sattler gesucht werden. Damit werden die Herren aber wenig Glück haben. Auch täuschen sie sich, wenn sie glauben, ihre Arbeiter seien nicht stark genug organisiert, in diesem Punkte sind sie schlecht beraten._ Mandatsttiederlegung der Arbeiterausschüsse in den Englischen Gasanstalte». Zum Protest gegen die fortgesetzte Ablehnung aller Anträge und der Weigerung der General-Direktion, mit den Obleuten der Arbeiter-Ausschüsse zu verhandeln, beschloß eine Versammlung der Arbeiterschaft aller Betriebe, die Arbeiterausschüsse aufzufordern, ihre Mandate niederzulegen. Die Ausschüsse sind dieser Aufforde- rung nachgekommen._ Der Streik im Rixdorfcr Krankenhaus ist beendet. Es gelang der Verwaltung, die Stellen der Streikenden zu besetzen. In der Ärankenhaus-Dcputatiou kam am Freitag die Angelegenheit zur Sprache. Das rigorose Vorgehen des Direktors Matz, besonders in der Urlaubsfrage wurde allseitig gerügt. Es soll in Zukunft den Wünschen des Personals Rechnung getragen werden. Damit ist die Bewegung doch nicht erfolglos gewesen. Deutsches Reich. Die Tapezierer in Bremen haben am Freitag ihre Lohnbewe- gung mit Erfolg � zu Ende geführt. Für die beiden ersten Ge- Hilfenjahre wurd» eine Erhöhung des Stundenlohnes um 2 Pf.. für ältere Gehilfen eine Erhöhltng um 0 Pf. pro Stunde errungen. Außerdem wurde die Akkordarbeit völlig ausgemerzt. Die Gärtner in Bremen beschlossen Freitag abend in den Streik einzutreten. Seit längerer Zeit waren Verhandlungen über die Aufbesserung der Lohn- und Arbeitsverhältnisse im Gange, die aber an der ablehnenden Haltung der Jnnungsmeister, die nicht einmal mit dem Gauleiter verhandeln wollten, scheiterten. Wo 14tägige Kündigung besteht, wurde Sonnabend, wo eine 8tägige Kündigungsfrist vereinbart ist, wird nächsten Sonnabend Kündi- guug eingereicht. Zuzug nach Bremen ist fernzuhalten. Die Nürnberger Barbiere beschlossen in einer von 160 Personen besuchten Versammlung einstimmig, in den Streik cinzu- treten, Rusland. Der römische Trambahuerstreik. Rom, den 17. März 1910.(Eig. Bericht.) Durch eine freche Provokation hat die römische Trambahngescll- schaft den Streik heraufbeschworen. Die hiesigen Trnmbahner haben seit einiger Zeit eine Agitation eingeleitet, um Erhöhung der Minimallöhne zu fordern, da das rapide Steigen aller Lebens- mittel und besonders der Mieten ihnen bei den heutigen Löhnen die Existenz unmöglich macht. Um über ihre Forderui�cn zu bc- raten, haben sie am vorigen Sonntag eine Generalversammlung abgehalten und zu diesem Ztoeck nach vorheriger Ankündigung den Dienst ruhen lassen. Als sie sich am Montag zur Wicderaufnahet des Dienstes bei den Depots einfanden, wurden sie durch in Kenntnis gesetzt, daß ihr ganzes Zlgitationskomitee vom suspendiert wäre und der Disziplinarausschuß für den m Freitag einberufen würde, um über die Bestrafung der Beteiligtcist zu entscheiden. Diese Nachricht wurde mit der größten Erbitterung aufgenommen; alle Trambahner lehnten es einstimmig ab, die Wagen aus dem Depot zu führen und die wenigen, die schon vor Tageslicht fortgefahren waren, ohne das Plakat zu sehen, kehrten nach Beendigung ihrer ersten Tour in das Depot zurück. Die Be- völkerung, der das Endergebnis der Sonntagsversammlung, das auf nochmalige Verhandlungen hinauslief, bekannt geworden war, sah sich mit großer Verwunderung des Tramverkehres beraubt und erfuhr erst durch die Abendblätter, daß die beabsichtigte Maßrege- lung diesen Streik herbeigeführt hatte. Vorläufig fordern die Streikenden nichts, als die Wiederein- stellung der Gemaßregelten. Sie wollen nicht die Lohnfrage in diesem, ihnen aufgezwungenen, Ausstand ausfechtcn. Die Gesell- schaft ihrerseits benutzt die Forderungen der Arbeiter, um durch sie bessere Vertragsbedingungen mit der Stadtverwaltung zu er- zwingen� aber diese scheint nicht auf den Leim zu gehen. Jedenfalls haben d:e sozialistischen und republikanischen Stadtverordneten beschlossen, gegen jede neue Konzession zu Gunsten der Tramgesell- schaft Stellung zu nehmen. Ob die Stadtverwaltung das Recht hat, die Gesellschaft für das Aussetzen des Dienstes mit Strafen zu belegen, oder für vertragsbrüchig zu erklären, ist zweifelhaft. Der Vertrag entschuldigt Dienstunterbrechungen, die wegen„höhe- rer Gewalt" erfolgen, und wiederholt wurde der Streik als solche betrachtet. Die Stadt ist ganz von TramS verlassen, während man am Sonntag 3 Linien durch Verwendung des Kontrollpersonals auf- recht erhalten konnte. Unruhen sind nur zu befürchten, falls die Gesellschaft Trams mit Streikbrechern in Verkehr bringt. Das Militär ist konsigniert. Das Straßenöild scheint an Lebhaftigkeit ewonnen zu haben durch die vielen Fußgänger und die zahllosen droschkem Wie lange diese bei dem schlechten Wetter besonders ungemütliche Situation noch andauern wird, ist nicht abzusehen. )Zus Incluftrie uncl ttaticlel. Hausagrarier und Jndustriefeudale. DaS herrliche Dreiklassenwahlrecht, in Verbindung mit dem Hausbesitzerprivileg, liefert die Gemeinden fast überall den Grund- rentenschluckern ouS. Im rheinisch- westfälischen Industriegebiet finden die HauSagrarier aber sehr oft Rivalen in den Zechen- und Hüttengewaltigen. Diese wollen sich von den HauSpaschas nicht die Lasten aufpacken lassen und die Hausbesitzer wehren sich dagegen. Kosten zu übernehmen, die man aus die Industrie abwälzen kann. Solange es gegen die Arbeiter geht, sind die Herrschaften einig, in holder Harmonie kämpfen sie für das— nationale Wohl. Sobald aber das Portemonnaie-Jnteresse in Frage kommt, hört die Ge- mütlichkeit auf. Jetzt ist ein interessanter Konstikt zwischen der Zeche Eintracht Tiefbau und den Hausbesitzern in Freisenbruch ausgebrochen. Die letzteren haben kürzlich die Ein- führung einer Kopfsteuer beschlossen, welche die genannte Zeche belastet. AIS dann bald darauf die Zeche in der Gemeinde Freisenbruch die Gründung einer Konsumanstalt in Aussicht nahm, glaubten die Hausbesitzer, darin eine» Racheakt wegen der Einführung der Kopf- steuer erblicken zu sollen. Und nun drohen sie mit Enthüllungen über Benachteiligung der Gemeinde durch die Zeche., Zornig schreibt deshalb Herr Kasparck in seiner Korrespondenz: «Die Haus- und Grundbesitzer im rheinisch-westsälUchen Jndustrie- bezirk haben sich in den zu einem Verbände zusammengeschlossenen HauS- und Grundbesitzervereinen eine Jnteressenorganisation ge« schaffen, die mehr und mehr die öffentliche Kritik herausfordert. Ab- gesehen davon, daß versucht wird, die Steuerpolink der Gemeinde- Vertretungen zugunsten gewerbsmäßiger Häuserspekulanten und ein- geborener Grundstücksbesitzer zu beeinflussen, abgesehen davon, daß von einigen Vereinen Mietskontrakte ausgearbeitet werden, die den Mieter einfach rechtlos machen, gehen die bsati xossicksiitss jetzt auch dazu über, angeblich bestehende Gegensätze zwischen Industrie und Bürgerschaft zu vertiefen und die öffentliche Meinung aufzuregen. Dieselben Leute, die durch die EntWickelung der Industrie erst in die Lage versetzt wurden, mühelos Gewinn auf Gewinn zu häufen, scheuen sich nicht, aus eigennützigen Motiven den Allgemein-Jntereffen entgegenzutreten und von vorgeschobenen «Bürgern und Wählern" sich ihre Privatgeschäfte besorgen zu lassen. Hoffentlich bringt der Jntereffenkampf noch mehr Offenherzig« leiten. Unsere Genossen werden wohl nicht versehlen» bei Wahlen die gegenseitigen Charakterisierungen gebührend auszunutzen. Schließlich ist es ja doch der Arbeiter, der die Kosten tragen muß. Das Haudelsverhältnis zwischen den Vereinigten Staaten und Frankreich. Präsident Taft hat bekanntgegeben, daß nnt Frankreich eine vollkommene Verständigung über den Zolltarif erziel: worden ist. Das Uebereinkommen, das Frankreich eine Ermamgung von 25 Proz. auf die Sätze des Payne- Aldrich- Tarifs zugesieht, ist von dem Präsidenten heute unterzeichnet worden. Erhöhung der Dividende. Die Norddeutsche Wollkämmerei und Kammgarnspiuiierei in Bremen verteilt für das letzte Jahr 12 Proz. Dividende, 4 Proz. mehr als im vorigen Jahre. Versammlungen. Zentralvcrband beutscher Braucreiarbeiter. In der Mit« gliederversammlung der Ortsverwaltung Berlin, die am Donners- tagabend bei Freyer in der Koppenstraße stattfand, wurden ver- schiedene Anträge zum bevorstehenden Verbandstage beraten,-me. folaenden Anträge wurden von der Ortsverwaltung und den Ver- trauensmännern empfohlen. Zuerst handelte es sich um e.nen Antrag zur Geschäftsordnung, Abstimmungen auf dem Verbands- tag betreffend. Dam, folgen Aenderungei' des Statuts. Zu? 7: Mitglieder, welche vorübergehend einem anderen Berufe Beschäftigung gesunden haben, unterliegen ebenfalls der B�ltrag-ps� ch' Herabsetzung der Wartezeit bei Arbeitslosigkeit auf 7 �Zu's 22: Abs. 2 soll lauten: Bei aushilfsweise geleisteter Ar« Veit(Vize) fällt bei einer Dauer derselben bis zu 44 Tagen die Wartezeit fort. Aushilfsweise Arbeit, deren Dauer 14 Tage über- schreitet, gilt als„festes" Arbeitsverhältnis und betragt nach Be- endigung desselben die Wartezeit 7 Tage. Abs. 3 wird gestrichen. Zu§ 29: Der Verbandsvorstand besteht aus dem 4. und 2. Vorsitzenden, dem Kassierer, dem Redakteur des Fachorgans und 9 Beisitzern. Zu§ 48: Abs. 3 soll lauten: Die Zahlstellen entsenden auf je 750 Mitglieder einen Delegierten. Die Wahlkreiseinteilung soll so geschehen, daß mehrere kleine Zahlstellen zusammen auf 750 Mitglieder einen Delegierten entsenden können. Abs. 5a(neu): Zur Vorberatung der eingegangenen Anträge wählen die Delegierten aus. ihrer Mitte eine Kommission von 5 Mitgliedern, welche mit je einem Vertreter des Verbandsvor- standes und des Ausschusses' dem Verbandstag eine Vorlage zu unterbreiten hat. Abs. 6 soll lauten: Diese Vorlage nebst dem Rcchenschafts- bericht hat der Verbandsvorstand mindestens 44 Tage vor dem Stattfinden des Verbandstages den Delegierten zu übersenden. Ferner soll beschlossen werden: Der Berbandstag 4040 hat für sämtliche Angestellte des Verbandes lHauptburcau, Bczirksleitcr usid Ortsangestellte) einen Gehaltstarif auszustellen. Die Zahlstellen sind berechtigt, in, Einverständnis mit dem Uptvorstand ein Ortsstatut zu erlassen. Hodapp begründete diese Anträge und machte dann darauf aufmerksam, daß die A e r fch m c l z u n g mit dem Mühlen». «rr d e i t e r v e r b a il d den nächsten Vcrbandstag beschäft�zci, werde. Die Verbandsmitglieder haben sich in einer Abstimmung dafür erklärt, Hodapp meinte aber, daß der Brauereiarbeiterver- band keine Förderung durch die Verschmelzung erfahren würde und daß eine Beitragserhöhung die Folge sein müßte. Diese An- gelegenheit wurde in der Diskussion noch eifrig erörtert. Trö» ger brachte dazu einen Antrag. ein, nach welchem ein Verschwel- zungsbeschluß des Verbandst'"'''--• dann in Kraft treten soll» lmung sich mit einer Zwei- Die Versammelten stimmten »so zu wie den übrigen � Wahl von 5 Delegierten wurden 13 Kandidaten sbeamten für die OrtS« wenn die Mitglieder in einer drittelmajorität daftir entschr diesem Antrage für den Beb bereits erwähnten Anträgen. und 5 Ersatzmännern zum Verl aufgestellt. Die weitere Anstelluiig eines Verwaltung Berlin, der besonders." in den Weißbier- und Brau u Bierbrauereien ein Wirkungsfeld finden soll, rief eme längere Diskussion hervor; die Anstellung wurde dann bc. schlössen. Nachrichten und Depefchen. Ein Massenmeeting gegen die Wahlrechtslüge. Köln, 19. März.(Privatdepesche des„Vorw") Die Kölner Polizeidirektion erlaubte der sozialdcmo. kratischen Partei für Sonntag vormittag die Abhaltung einer Masscnkuildgebung unter freiem Himknel, bei der der sozial. demokratische Landtagsabgeordnete Liebknecht über die preußische Wahlreform reden wird. Die polizeiliche Genehmigung erfolgte unter der bestimmten Voraussetzung, daß die Teilnehmer an der Massenversammlung ruhig auseinandergehen und ksinerlri Demonstrationen veranstalten. Auch die Freisinnige Volkspartci wird gelegentlich des am Sonntag stattfindenden BezirkZpartci. tages in Köln eine großeVolksversammlung veranstalten, in der mehrere freisinnige Abgeordnete über ht«'Politische Lage und preußische Wahlrechtskämpfe referieren w«irdeH.'.:i. -v- Eine tfolge der soziatdcmokratischen Kritik»«rKeichstage. Kiel, 19. März.(W. T. B.) Auf der kaiseAich«- Werft wurde heute durch Anschlag bekannt gemacht, daß dwnwegcn Arbeits. mangel in Kündigung stehenden Arbeitern Gelegen. heit gegeben sei, bei der Bulkanwcrft, Ä�Wiluny Hamburg, einzutreten. Es handelt sich llm mehrere huntzftt Arbeiter aller Ressorts._ Die Streikbewegung in Rom. Rom, 19. März. lPrivatdepesche des„Vorwärts".) Der Tram- streik ist unverändert. Seit heute früh streiken sämtliche städtischen Straßenkehrer auf Veranlassung des klerikalen Gewerkvereins. ohne vorher Forderungen an den Stadtrat gestellt zu haben. Sie verlangen Lohnzulagcn. Der Bürgermeister fordert durch Mauer- anschlug die Wiederaufnahme der Arbeit bis Sonntag, andernfalls die Entlassung der Streikenden geschieht. Untergang eines Fischerbootes. Boulogne s»r Mer, 19. März.(SS. H.) Ein Fischerboot aus Etaples ist auf der Höhe von Boulogne gesunken; zwei Maa» er« tranken. �... Feuerspeiender Berg. «uigapore, 49. März.(B. H.) Der Krater des. auf der Insel Buru(Molurken) befindet sich in Tät Bisher sind zweihundert Eingeborene umgekommen, mehrere Europäer vermißt. Die Plantagen auf der Insel sind vernichtet. �__ w � � �____________________________________________________________________ tofitt. verantw. Redakt.: Richard Barth, Berlin. Inseratenteil verantw.:»tz. Glocke. Berlin. Druck U.Verlag: Vorwärts Buchdr.u.VerlagSanftall'xäül Singer L- Co.. Berlin 2W.. Hierzu 5 Bellen».' gt.«. 27. MM, i. KtlllM des Lsmiirts" Kerliktt VölksdlM. SM.,. 2«. Mi M. Serickts- Leitung. Ein Opfer des 13. Februar. Ein Zusautmenstotz des 22jährigen Arbeiters Anton Woytfo mit der Polizei in Rixdvrf am 13. Februar bildete die Grundlage zu einer gestern vor der 3. Strafiaimner des Landgerichts II ver- handelten Anklage. Als Polizeibeamte am 13. Februar einen von der Hasenhaide nach Rixdorf gehenden Demonstrationszug störten, Jam es hierdurch am Richardplatz zu Entrüstungskundgebungen gegen die Polizei. Der Angeklagte war zufällig in den Zug hin- eingeraten. Nach der gegen ihn erhobenen Anklage soll er am Richardplatz gerufen haben:„Wir sind Bürger und bezahlen für Euch die Steuern, wir können machen� was wir wollen!" Aus der Menge sollen nach Angabe der Polizeibeamten mehrere Steine geschleudert worden sein. Bei dem Durchzuge von der Kaiser Friedrichstraße nach der Anzengruberstrage bog der Angeklagte mit mehreren Personen in die noch unregulierte Donaustraße ein. Als er bemerkte, daß die Schutzleute Sprenger und Bottke dem Zuge folgten, rief en ihnen nach der Anklage„Bluthunde" zu. Ter Schutzmann Sprenger kam daraufhin auf ihn zu, um ihn festzu- stellen. Der Angeklagte rief ihm zu:„Komm nur ran, Du Strolch, Du Verbrecher, mit Dir werde ich schon fertig werden!" Als sich ihm der Beamte trotzdem näherte, flüchtete Woytko auf den Neu- bau Anzengruberstraße 7/8, hob einen Mauerstein auf und stürzte sich auf den Schutzmann, wobei er ausgerufen haben soll:„Dich schlage ich tot!" Der Stein wurde ihm in diesem Augenblick von dem von hinten herzutretenden Schutzmann Bottke entrissen. Bei der nun erfolgenden Sistierung soll der Angeklagte Widerstand ge- leistet haben.— In der gestrigen Verhandlung gab der Angeklagte zu, daß sich der Sachverhalt so abgespielt haben könnte, wie ihn die Schutzleute und die übrigen Zeugen schilderten. Er selbst könne sich auf nichts mehr besinnen, da er betrunken getvesen sei. Er habe am Tage vorher einen Maskenball mitgemacht und noch nicht geschlafeiu Wie er in den Zug hineingeraten sei, Wiste er nicht.— Staatsanwalt Loch beantragte eine Gefängnisstrafe von 5 Monaten, da der Angeklagte sich einer groben Ausschreitung schuldig gemacht habe und durch sein aggressives Vorgehen gegen die Schutzleute als böses Beispiel für die übrigen Personen gewirkt habe.— Das Gericht nahm an, daß der Angeklagte nach seinem ganzen Auftreten wohl angetrunken, nicht aber betrunken gewesen sei. Er habe sich ohne jede Veranlassung eines schweren Exzesses gegen die ruhig ihres Weges gehenden Schutzleute schuldig gemacht. Derartige Aus- schreitung erfordere eine exemplarische Bestrafung, da gerade die Schutzleute bei ihrem ohnehin schon sehr schweren Dienst gegen tätliche Angriffe gewisser Elemente mit aller Energie in Schutz genommen werden müssen. Das Urteil lautete deshalb auf 3 Monate und 1 Woche Gefängnis. Die Strafe gegen den Angetrunkenen, wenn nicht Betrunkenen, der über das Vorgehen der Polizei gegen die friedlichen Demon- stranten offensichtlich in Erregung geraten war, ist eine außer- vrdentlich hohe._ Ein erstochener Unteroffizier. Mit einem Exzeß, der sich in der Nacht des ersten Weihnachts- feiertages abspielte und bei dem ein Menschenleben vernichtet wurde, hatte sich gestern daS Schwurgericht des Landgerichts l unter Vorsitz des Landgerichtsrats Arnold zu beschäftigen. Wegen Körperverletmng mit tätlichem Ausgange waren die Brüder Schiffer Karl Eichler und Arbeiter Arthur Eichlcr angeklagt. In der Nacht des ersten Weihnachtsfeiertages gegen Wz Uhr kehrte der Unteroffizier Hermann Specht von: 1. Garde-Feldartillcrie-Regi- ment mit mehreren Kameraden von einer gemeinsam verlebten Weihnachtsfeier zurück. An der Ecke der Birken- und Stromstraße trafen sie auf eine Gruppe junger Leute, von denen die Unter- offiziere angerempelt sein sollen. Es kam zu einem Wortwechsel. Specht soll die jungen Leute aufgefordert haben, ihnen den Weg nicht zu versperren, sonst müste er von seiner Waffe Gebrauch machen. Der Wortwechsel hatte inzwischen eine größere Anzahl von Personen herbeigelockt, die die Unteroffiziere umgaben. Karl Eichler gab sodann dem Unteroffizier Specht einen Stoß vor die Brust, dieser zog den Säbel und versetzte seinem Gegner damit einen Schlag, so daß Karl Eichler im Gesicht blutete. Als Arthur Eichler dies sah. warf er dm Specht einen harten Gegenstand mit solcher Wucht an den Hinterkopf, daß Specht zu Boden fiel. Seine Kameraden, von denen der eine inzwischen auch durch einen Schlag auf die Nase verletzt worden war, eilten zu ihm und sahen, daß aus einer Wunde auf der Brust Blut hervorquoll. Der schwer kleines Feuilleton. Frühlingsanfang. Am Montag, den 21, März, um 1 Uhr nachmittags erreicht der Mittelpunkt der Sonne den Schnittpunkt der Ekliptik mit dem Aequator: Der Frühling beginnt. 179 Tag« hat die Sonne über der südlichen Halbkugel geweilt; nun steigt sie nordwärts über den Aequator hinaus, um 186 Tage der nördlichen Halbkugel die Fülle ihres Lichts und ihrer Wärme zu spenden. Diese Differenz von sieben Tagen zwischen der Länge des Som- mers und des Winters ist die Folge der elliptischen Form der Erd- bahn. Allerdings weicht diese nur unwesentlich von der Kreisbahn ab; immerhin ist die Erde während des Nordwinters der Sonne etwas näher, als im Nordsommer. Die Annäherung des Planeten an sein Zcntralgcstirn beschleunigt aber seinen Lauf, die Erd- drehung ist daher in unserem Winter eine schnellere als im Som- mer, zur Zeit der Sonnenferne. Auf diese Weise entsteht die klima- tisch allerdings nicht wesentlich Ins Gewicht fallende Verkürzung unseres Winters zugunsten der Ivarmen Jahreszeiten. Auf der Südhalbkugel ist das Verhältnis natürlich umgekehrt. Im mitt- leren Norddeutschland beträgt die Höhe der Sonne über dem Hori- zont im lvahren Mittag etwa 33 Gr. Bis zum 21. Juni nimmt die Mittagshöhe des Tagesgestirns bis auf 61 Gr. zu, um dann in den sechs Monaten bis zum Wintersolstitium bis' auf 14% Gr. zu sinken. Entsprechend der höheren oder niedrigeren geographischen Breite eines Ortes verschiebt sich auch die jeweilige Höhe der Son- nenaufsteigung. Am Nordpol B. geht am 21. März die Sonne auf, um bis zum 23. September ununterbrochen über dem Horizont zu verweilen. Am nordlichen Polarkreise erhebt sich die Sonne Hur Zeit des Wintersolstitiums nicht mehr über den Horizont, und ze weiter man vom Polarkreise nach Norden vordringt, umso länger wird die Zeit, in der während des Winters das Tagesgestirn un- sichtbar bleibt. Der Frühlingspunkt, wie man den Schnittpunkt des Aequators mit der Ekliptik nennt, steht aber nicht fest; er wandert vielmehr im Laufe von 25 600 Jahren rings um das Him» melsgewölbe. Man nennt diese Erscheinung die Präcession der Tag- und Nachtgleichen; daher kommt es. daß die Sonne am 21. März gegenwärtig im Sternbild der Fische steht, während sie vor mehr als 2000 Jähren an diesem Termin bereits in den Widder eintrat. Man spricht deshalb heute von dem Eintritt der Sonne in das Zeichen des Widders, das mit dem Sternbilde des Widders' also keineswegs identisch ist, Theater. Kleines Theater.„LuxuSzug*. Lustspiel von Abel Hermant. Die Zensurschwierigkeitcn, mit denen daS Stuck in Berlin zu lchnpfen hatte, find schwerlich der Tendenz geschuldet. Im ersten Akt sieht es sicü hier und dort so an, als steuere der Autor auf eine politisch schillernde Satire los, die das Treiben ent- gleister Fürstlichleiten und abenteuernder erotischer Präsident- schastSkandidaten sich zum Ziel nimint. Ein"idiotisch grinsender Großfürst, dessen hervorragende. im Kriege gegen Japan be- wirsuic Umsicht durch einen Ehrensäbel belohnt worden ist, tritt auf. Verletzte wurde mittels Automobils nach dem Krankenhause ge- bracht, wo die Aerzte nur seinen Tod feststellen konnten. Er hatte einen Messerstich ins Herz erhalten. Der Messerstecher soll Karl Eichler getvesen sein. Beide Angeklagte waren an jenem Abend angetrunken. Karl Eichler behauptet, sich im Stande der Notwehr befunden zu haben. Die Geschworenen bejahten unter Ablehnung weitergehender Fragen die aus§ 227 formulierte Frage, tz 227 besagt:„Ist durch eine Schlägerei oder durch einen von mehreren gemachten Angriff der Tod eines Menschen verursacht worden, so ist jeder, welcher sich an der Schlägerei oder dem Angriff beteiligt hat, mit Gefängnis bis zu drei Jahren zu bestrafen." Das Urteil lautete gegen Karl Eichler auf die Maximalstrafe von 3 Jahren, gegen Arthur Eichler auf 6 Monate Gefängnis._ Versuchte Erpressung aus Liebesbriefen. Daß man Liebesbriefe vernichten oder, noch besser wie Wert- papiere aufbewahren soll, mutzte der Ingenieur E. aus Charlotten- bürg in einer für ihn sehr unangenehmen Weise erfahren. Vor der 3. Strafkammer des Landgerichts III mußte sich die Zimmer- Vermieterin Penski und ihr Pflegesohn, der Kellner Artur Band, unter der Anklage der versuchten Erpressung und des Diebstahls verantworten.— Bei der Angeklagten Penski, die sich als Zimmer- Vermieterin ernährt, wohnte vor einiger Zeit ein Ingenieur E. Wie alle Zimmervermieterinnen war auch die Angeklagte von einer derartigen Portion Neugierde erfüllt, daß sie nicht eher ruhte, bis sie in die intimsten Jntimttäten ihres„möblierten Herrn" ein- gedrungen war und� Kisten und Kästen, Schränke und selbst Kassetten durchgeschnüffelt hatte. Bei dieser Gelegenheit machte sie eine Entdeckung, die sie in ihrer Zimmervermieterinnen- und auch Frauenehre auf das tieffte empörte. Sie fand in einem Kasten neben zartdustenden Schlcifchcn und Strumpfbändern weiblicher Herkunft mehrere ebenfalls duftende Briefchen, deren zum Teil recht intimen Inhalt sie förmlich verschlang. Sie kam dabei zu der Ansicht, daß auch ihr Zimmerherr, ebenso>vie alle anderen Männer, „nichts taugte" und zu den größten Heuchlern gehörte, da er, ob- wohl er verlobt war, mit mehreren anderen Vertreterinnen des schönen Geschlechts in Beziehungen getreten war. Dies brachte sie auf den Gedanken, ihren Zimmerherrn gehörig zu rupfen. Als E. auszog, verlangte sie von ihm kurz und bündig für die Rückgabe der Briefe die Kleinigkeit von 2000 M., während sich ihr mit- anivesender Pflegesohn schließlich dazu verstand, die Forderung auf lSOO M. zu ermäßigen. Als E. ablehnte, schrieb die erpresserische Wirtin an die Eltern der Braut des E. einen Brief, in lvelchem sie um �eine Rücksprache bat. Bei einem nochmaligen Besuch des E. erklärte ihm die Angeklagte, daß die Briefe sich gut verwerten ließen,„sie habe schon einen Journalisten dazu". Mit Rücksicht auf die überaus gemeine und verwerfliche Handlungsweise der An- geklagten erkannte das Gericht gegen die Penski auf 7 Monate und gegen Band auf 3 Monate Gefängnis. Ein Duell zweier Beelitzer Aerzte vor der Strafkammer. Ein unblutiger Ehrenhandel bildete gestern einen Verhandlungs- "gegenständ der Potsdamer Strafkammer. Wegen Herausforderung zum Zweikampf mit tödlichen Waffen war der Arzt Dr. Ernst Löwenstein aus Karlsbad und wegen Kartelltragens Dr. Gerhard Fritschkc, beide in der Lungenheilstätte in Beelitz angestellt, an- geklagt. Dem Zweikampf lag eine Beleidigung zugrunde. Der Angeklagte L. befand sich in einem Gespräch mit dem Mit- angeklagten F. und wurde in der Unterhaltung fortwährend durch verletzende Zwischenreden des Arztes Dr. v. Bühnau gestört. Als ihm die Geduld riß, entschlüpfte ihm das Wort:«Ihnen müßte »tan eine Ohrfeige geben! Sofort schlug nun v. B. zu und traf den Angeklagten am Arm. Einige Beleidigungen folgten der Tätlichkeit. Durch Dr. Fritschke ließ nun L. den v. B. zum Zweikamps mit Pistolen herausfordern. Als Kampfbcdingungen wurden verein- bart: einmaliger Kugelwcchscl und 2ö Sprungschritte Distanz. Ein von der Aerzteschaft der Heilstätten gebildeter Ehrenrat billigte die Bedingungen des Zweikampfes, und das Duell wurde im Sep- tcmber 1908 im Walde bei Beelitz ausgetragen. Der erste Schuß kam L. zu. Wie er in seiner Vernehmung erklärte, hatte er nicht die Absicht, seinen Gegner zu töten, denn er schoß absichtlich in die Luft. v. B. kam nicht zum Schuß, da die Kugel im Laus stecken geblieben ist. Die Gegner versöhnten sich, und v. B. rebozierte alle Beleidigungen und erklärte, er müsse direkt zur Beleidigung des L. aufgehetzt worden sein. Etwa 9 Monate nach dem Ehrenhandel starb plötzlich v. B. in der Heilstätte an einem Herzklappensehler. v. B. war cm nervös überreizter Herr. Nach dem Antrag des Da er beim Anblick der feindlichen Flotte das unter seinem Befehl stehende Kriegsschiff sofort Kehrt machen ließ, hat er durch diesen Akt der Weisheit dem Zaren mehrere Tausend wackere Männer er- ballen. Der vertriebene Präsident eines südamerikanischen RaubstaateS, ein Schwadroneur im Stile der Sardou- schen RabagaSkomödie; gedenkt in schwärmerischer Sehnsucht des Vaterlandes in Sonderheit der vaterländischen Staats- lasse und läßt die Fahne holen, um einer Handvoll Getreuer, die für ihn kämpfen wollen, den Schwur der Treue abzunehmen. Indes über ein paar Anläufe solcher Art, die sich neben den fein geschliffenen Pointen des Caivalletschen„König" ohnehin recht ärmlich ausnehmen, kommt Hermrnit nicht hinaus. All die hohen Herrschaften sind schließlich nur entboten, den altbekannten Pariser Possentricks zu einer neuen Staffage zu Verbelfen. Der hübsche, dumme Sohn deS Präsidenten, der auch in Liebesiachen außerordentlich schwer kapiert, wird von der unternehmungslustigen Braut des Großfürsten Prinzessin Hedwig und von einer stürm- erprobten Spanierin abwechselnd zum Rendezvous geladen, und von dieser im LuxuSzuge bis nach Wien verschleppt. Zu guterletzt hat er das Glück, von der Prinzessin, die sich mit ihm kompromittierte� als Bräutigamjan Stelle ihres Russentroltcl akzeptiert zu werden. Sehr drollig spielten Jlka Grünin g die ewig schnatternde Prinzessin-Mutter und Erich Ziegel in der Epiwdenrolle deS donquichottisch schmachtenden Sekretärs der Spanierin. Herr Adalbert markierte ergötzlich die Geniertheit und das feier- lich korrekle Wesen des viel umworbenen jungen ManneS._ Mathilde Brandt war eine anmutig liebenswürdige Verführerin. Das Publikum schien sich zu amüsieren. ät. Pariser Theater. JacqueS R i ch e p i n S Komödie: „ T a n t h o bei den C o u r t i s a n e n die in den BouffeS ParisienS bei der Generalprobe großen Beifall errungen hat und vermutlich lange das Repertoire beherrschen wird, verlegt daS ab- geputzte Vandeville-Thema„Wie man Männer fesselt" in eine sparsam kostümierte griechische Welt. Frau Tanlho, die sich über die— Nachlässigkeit ihres EhegemablS zu beklagen hat. entschließt sich, die Kunst, männliche Liebesgefühle zu beleben, in einer diesen Zwecken dienenden BetnfSgenossenichaft zu studieren. Wie dicS die bourgcoise moralische Theaterkonventioii verlangt, geht die Affäre schließlich in der Art aus, daß Xanlho ihren Gatten liebenswürdiger und liebesfähiger findet als seinen illegitimen Konkurrenten. Ehe sich aber die Chetugenh dermaßen zu Tilch setzt, schnappt daS Laster sehr fette Bissen weg. Für die Poesie fallen immerhin einige Brocken ab. An die geistreiche Feschheit der Offenbachschcn Travestie. ja auch an_ die witzige Donnaysche Modernisimmg der„Lhsistrata" reicht diese mit allein Raffinen tent inszenierte, aber allzu behaglich in der Zote herumwatende Verklärung des Bordell- bctricbcs nicht heran. Selbstverständlich macht die Anmut der fran- zöstscheu Sprache und das klingende Reimspiel RichepinS manches erträglich, was etwa in einer deutschen Uebertragung in die Diktion des„Wirtshauses an der Lahn" geraten lvürdc. Interessant ist das Werk als charakteristisches BerfallSprodukt des bourgeoisen Geschmacks und auch als Zeugnis einer im Grunde doch wohltuenden Un» Staatsanwalts wurde Dr. L. wegen Zweikampfes zu 3 Monate« Festung und Dr. F. wegen Kartelltragens zu 2 Wochen Festung ver- urteilt. Wer aus den Kindcrjahrcn heraus ist und dem Duellunfug sich unterwirft, zeigt dadurch besser als der schärfste Kritik«-. xZ tun könnte, lvie wenig er wert ist._ Sportbctrug.» Das Schöffengericht in Jnsterburg verurteilte gestern den Grundbesitzer und Pferdetzändler Faltain-Gumbinnen,„Weltmeer", der im vorigen Sommer eine in Berlin gekaufte Vollblutstute unter dem Namen„Cypresse" als Halbblutstute auf ostpreußischen Renn- Plätzen in Konkurrenz laufen ließ, wegen Betruges zu 1009 Mark Geldstrafe oder 200 Tagen Gefängnis. Streupflicht bei Glatteis vor einem Gotteshause. Vom Reichsgericht ist dieser Tage folgender �Fall entschieden: Eine Frau B. ist am 20. Dezember 1906 anläßlich des Besuchs der Frühmesse in dcrTt. Josephskirche zu Düsseldorf- Oberbilk ver- unglückt. Als die Klägerin die Kirche verlassen hatte und über einen der St. Josephspfarre gehörigen Platz ging, um zur Straßen- bahn zu gelangen, glitt sie auf dem Wege aus und zog sich einen Knöchelbruch zu. Es steht fest, daß die Kinder an der unebenen Fläche dieses Platzes Rodelbahnen anzulegen pflegten, und zwar auch dann, wenn man sie öfters fortjagte und wenn gestreut wurde, sodaß die Glätte noch nach 7 Uhr abends wieder entstanden sein kann. Das Landgericht Düsseldorf erkannte den auf Schadensersatz gerichteten Anspruch der Klägerin dem Grunde nach für gerecht- fertigt an. Das Oberlandesgericht Düsseldorf wies die Klägerin ab, weil die Beklagte ihrer Streupflicht hinlänglich genügt habe, wenn sie zwischen 7 bis 8 Uhr morgens und 7 Uhr abends zur Ab- stumpfung der Eisglätte gestreut habe. Dies entspreche der Polizei- lichen Vorschrift; mehr könne der Beklagten nicht zugemutet wer- den. Für den vorliegenden Fall sei erwiesen, daß sie selbst einen Polizisten beauftragt habe, die Kinder, die nicht wegzubringen ge. Wesen scren, und die immer wieder von neuem Schlittenbahnen anlegten, fortzujagen. Sie habe auch dem Polizisten deshalb zehn Mark versprochen, jedoch habe der Polizist nicht immer dort stehen bleiben können. Wenn die Kinder dann abends nach 7 Uhr nach» mals eine Schlittenbahn anlegten, so könne die Beklagte nicht ver- antwortlich gemacht werden. Das Reichsgericht gab der Revision der Klägerin statt und hob das Urteil des Oberlandesgerichts Düsseldorf auf. Der erkennende Vl. Zivilsenat führt aus, daß vor einem Gotteshause, in dem Früh- gottesdienst schon um 6 Uhr stattfindet, nicht bis 7 Uhr mit dein Streuen gewartet werden kann, wie dies auf gewöhnlichen Straßen üblich ist.— Die Sache wurde deshalb zur anderweitigen Prüfung unter diesen Gesichtspunkten an das Oberlandesgericht Düsseldorf zurückgewiesen._________ (Öocbcn-Spielplan der Berliner Cbeater. Köuigl. Opernhaus. Sonntag: Siegfried.(Anfang 7 Uhr.) Montag: Der Prophet.(Ansang 7>/„ Uhr.) Dienstag: Sinsoniekonzert. Mittwoch: Der Prophet. Donnerstag: Oeffentliche Hauptprobe. Freitag: Gcjchlossen. Sonnabend: Sinsoniekonzert. Sonntag: Der Prophet. Montag: Die lustigen Weiber von Windlor. Königl. Schauspielhaus. Sonntag: Der Widerspenstigen Zähmung. Montag: Strandlindcr. Dienstag: Geschlossen. Mittwoch: Wilhelm Teil. Donnerstag, Freitag, Sonnabend: Geschlossen. Sonntag: Maria Stuart. Montag: Strandkinder.(Ansang Tla Uhr.) Neues königl. Opern-Theater'. Sonntag, den 20. März: Cavallöria rustioana. Bajazzi.(Ansang 7l/a Uhr.) Sonntag, den 27. März, nachm. 3 Uhr: Hansel und Grete!. Die Puppensee. Abends: Wie die Alten sungen. Deutsches Dheater. Sonntag: Judith. Montag: Hamlet. Dienstag: Judith. Mittwoch: Romeo und Julia. Donnerstag: Judith. Freitag: Ges tlofsen. Sonnabend: Faust. Sonnlag: Judith. Montag: Don Carlos. (Ansang 7'/. Uhr.) Deutsches Theater(K am m e r sp i el e). Sonntag, Montag, Dienstag, Mittwoch: Der gute König Dagobert. Donnerstag: Mcdea. Freitag: Geschlossen. Sonnabend: GhgeS nnd sein Ring. Sonntag und Montag: Der gute König Dagobert.(Ansang 8 Uhr.) Lessing-Theatrr. sonnlagnachmittaz 3 Uhr: Die versunkene Glocke. Abends: Das Konzert. Montag: Tantris«er Narr. Dienstag und Mittwoch: Das Konzert. Donnerstag: Die Frau vom Meere. Freitag: Geschlossen. Sonnabend: TanNis der Narr. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Nora. Abends und Montag: Das Konzert.(Ansang 8 Uhr.) Berliner Dheater. Sonntagnachmittag 3 Uhr:HerodeS und Mattamne. Abends, Montag, Dienstag, Mittwoch und Donnerstag: Taisun. Freitag: Geschlossen. Sonnabend: Taisun. Sonntagnachmittag 3 Uhr: HerodeS und Manamne. Abends und Montag: Taisun.(Ansang 8 Uhr.) besangenheit geschlechtsmoralischer Auffassung. Immerhin empfindet man die Ungerechtigkeit der bürgerlichen Justiz, die eben jetzt erst wieder einige Unternehmer ärmlicherer Nuditäten-Schaustellungen zu Gefängnisstrafen verdonnert hat. o. p. Humor und Satire. Verlorene Liebesmüh'. Wieder habt auf so manchem Kranz Ihr verpönte Worte entdeckt, Habt die Schleifen entfernt mit scharfem Schnitt Und sie in die Tasche gesteckt. Ihr Toren, die den gerechten Groll Des Volkes zu bannen ihr glaubt, Wenn ihr ein paar Streifen bedrucktes Band Bei der Totenfeier ihn, raubt. Verlorenes Tun! Nicht was auf dem Band, Dem baldverblichenen, steht— Nicht das ist entscheidend— wohl aber der Geist, Der aus diesen Inschriften weht. Der G e i st d e r Freiheit, der Jahr um Jahr Lenzbefruchlend sich zeigt, Wenn aus den stummen Gräbem im Hain Unssrer Märzgefall'nen er steigt. Drum schneidet nur zu! Wir lachen der Müh', Die ihr vergeblich euch gebt. Weil nicht Säbel, nicht Schere zcr st vre» kann, Wav tief in den Herzen uns lebt. _ Satyr. Notizen. — Die akademische Bühne, diese merkwürdige Ver« anstaltnng für Theaterdurchfällc, scheint Frank Wedekind wider seinen Willen mit einer Aufführung beglücken zu wollen. Wedekind protestiert in einer Zuschrift au u»ö, daß seine Mitwirkung bei der Aufführung seiner Einakter„Zensur" und„Totentanz" angekündigt werde.— Die akademische Bühne täte wirklich gut, die Dramatiker und das Publikum in Ruhe zu lassen. — D e r G e s a» g s p ä d a g o g e G. B. L a m p e r t i, der Nachfolger seines gleichfalls als Gesangslehrer lveithin geschätzten Vaters, ist im Alter von 71 Jahren in Berlin gestorben. — Verrückte Bilderpreise. Der New Dorker Bankier Otto Kahn hat ein Selbstbildnis des Malers Hals, das ihn mit seiner Familie darstellt, für 2 Millionen Mark erworben. Pierpont Morgan hatte dafür bis zu 1600 000 M. geboten. Ueberhaupt hat sich zwischen verschiedenen Millionären ei» heftiger Kampf um dieses Gemälde entspdimen. Das Bild ist erst vor kurzein nach Amerika gebracht worden und hat jetzt seinen Preis verdoppelt.— Der Wahnsinn des kapitalistischen Syltems wird durch solche Luxusausgaben großer VolkSplünderer— denn lvsit«r sind diese Bilderläuse nichts —«ufs lkosseste gekennzeichnet. Neues Theater. Sonntag, Montag, Dienstag und Mttwoch: Die goldene iftittojcit. Donnerstag: Der Philosoph von Sanssouci Freitag: beschlossen. Sonnabend: Der Philosoph von Sanssouci. Sonntag und Montag i Die goldene Räterzeit.(Anfmiz 8 Uhr.) Neues Schauspielhaus. Sonntag: Die Frau im Fenster. Mirandollna. Montag: Traunmltls. Dienstag: Die Frau im Fenster. MiraNdolina. �ptittwochnachmittag 3 Uhr: Die Räuber. LldendS und Donnerstag: Mi- Heidelberg. Freilag: Der Messias(Mozart-Chor). Sonnabend, Sonntag und Montag: Die Rampe.(Ansang 8 Uhr.) ebbet- Theater. Sonntag bis Mittwoch: Kavaliere. Donnerstag: Ostern. Freitag: Geschlossen. Sonnabend: Ketten. Sonntag: Kavaliere. Montag:»Ketten.(Ansang 8'/, Uhr.) Koniifa>e Oper. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Die Fledermaus. AbendS: Zigeuncrlicbe. Montag:: Hoffinanns Erzählungen. Dienstag: Zigeunerltebe. Mittwoch: RobwS Entde. Donnerstag: Tiefland. Freitag: Geschlossen. Sonnabend: Zigeunerflebc. Sonntmi nachmittag 3 Uhr: voffmanns Erzählungen. Abends: Rotnrs Ende. Montag: Zigeunerllebe.(Ansang 8 Uhr.) Kleines Thwrter.»sonntagnachmittag 3 Uhr: Moral. Wends, Montag, Di«l,stag und Mittwoch: LuruSzua. Donnerstag: Jugend. Freitag:«eschtosien. Sonnabend: Nachtasyl. Nächsten Sonntagnachmittag 3 Uhr: Moral, üwends in» Montag: LuxuSzug.(Ansang 8 Uhr.) Theater des Westens- Sonntagnachmittag 3'/« Uhr: Der sidele Bauer. Abends. Montag. Dicu«tag und Mittwoch: Di- geschieden- Frau. Donncrstall: Der sidele Bauer. Freitag: Oratorium. Die Schopsung. Sonnabend: Der sidele Bauer. Sonntagnachmittag L'/. Uhr: Der sidele Bauer. AVendS und Montag: Die geschiedene Frau.(Anfang 8 Uhr.) Schiller-Tbeatrr«». Sonntacpiachmittag 3 Uhr: Vlel Lärnren um Nichts. NvendS: Di- Zwillingsschw.ste v- Montag: Goldflsche. Dienstag: Wallensteins itager. Äe Piceolomini. Mtttwoch: Goldfisch- Donnerstag: Wallcnfteins Tod. Freitag: Geschlossen. iSonnabend: Geschäft it, KeschSst. SonntaSttachMlAag 3 Uhr: Wallcnslems La�er. Die Ptccolomini Abends: Wallensteins Tod. Montag: Goldsische.(Ansang 8 Uhr.) Schiller- Tl'eater Vharlottenbnrg. Sonntagnachmitlag 3 Ubr: Der Meineldbalrcr. Abends und Montag: Hans Lange. Dienstag- Neue Jugend. Mittwoch: Egmont. Donnerstag: Biel Lärmen um Nichts. Trcitaa: Gklckloflen. Sonnabend: Hans Lange. SanntagnachmtNag 3 Uhr: Kabale und Nebe. Abends: Biel Lärmen«m Nichts. Monlag- Der Pfarrer B0" Frichrtch-Wilhetr�städtisches Schauspielhaus. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Die Jungsrau r'on Orleans. Abends: Im bunten Gock Montag: Halali. Di-nStag: Der selige Touptncl. Mittwoch und Donnerstag: Schuldig. Freitag: Geschlossen. Sonnabend: Othello. Soimtagnachmittag 3 Uhr: Die Jungfrau von Orleans. Abends: Schuldig. Montag: Im bunten Rock.(Ansang 8 Uhr.) Bolksoper. Sonnlagnachmittag 3'/, Uhr: Der Trompeter von Säckingcn. Abends 8 Uhr: Die Hugenotten. Montag: All- Heidelberg Dienstag: Der Troubadour. Mittwoch: Rigoletto. Donnerstag: Die tugenotren. Freitag: GeflllicheS Konzert. Sonnabend: Der Troubadour. onntagnachmittag 3'/, Uhr: Rigoletto. Abends und Montag: Das Strumpfband.«Ansang 8 Uhr.) Luiken-Theater. Sonntagnachmtttag 3 Uhr: Don Carlos. WcndS: Was Gott zusammenfügt. Montag: Der Klapperstorch der Königin. Dienstag: Was Gott zusammenfügt. Mittwoch: Der Klapperstorch der Königin. Donnerstag: Was Gott zusammenfügt. Freitag und Sonnabend: Geschlossen. Sonutagnachmittag 3 Uhr: Don Carlos. Abends: Was Gott zusammenfügt. Montag: Der Klapperstorch der Königin.(Ansang 8 Uhr.) Neues Operetten- Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Der Zigeuncrbaron. Abends, Montag, Dienstag, Mittwoch: Der Gras von Luxemburg. Donnerstag: Der Strom. Freitag: Geschlossen. Sonnabend: Schuldig. Nächsten Soimtagnachmittag 3 Uhr: Der Zigeuncrbaron. AbendS und Montag: Der Graf von Luxemburg.(Ansang 3 Uhr.) Lustspielhans. Sonntagnachmtttag 3 Uhr: Los vom Manne. AbendS, und Mittwoch: Der dunkle Punkt. Donnerstag, Freitag : Geschlossen. Nächsten Sonntagnachmtttag 3 Uhr: Los vom Manne. Abends und Montag: Tie goldene Freiheit. Das Versöhnungssest. Montag, Dienstag und Somiabend: (Anfang 3 Uhr.) Rose-Theater. Sonutagnachmittag g Uhr: Deborah. AbendS und Montag: Die Ehre. DienStag: Der Verschwelt der. Mittwoch und Donnerstag: Die Ehre. Freitag: Geschlossen. Sonnabend: Kean. Sonntag: Der Vor- schwender. Montag: Kean.(Ansang 8 Uhr.) Noackö Theater. Sonntagnachmtttag 3 Uhr: Der Widerspenstigen Zähmung. Abends: Der kleine Lord. Montag: Der Widerspenstigen Zähmung. Dienstag: Der kleine Lord. Von Mittwoch bis Sonnabend: Gcschlosseu. Sonntaguachmittag 3 Uhr: Der Widerspenstigen Zähmung. Abends: Wach- und Schlieggescllschast Montagnachmittag 3 Uhr: Der llewe Lord. Abends 8-/, Uhr: Wach, und Schlieggescllschast. Thalia-Theater. Sonntag bis Mittwoch: Die Dorslomtcsse. Donnerstag: Mein Leopold. Freitag: Geschlossen. Sonnabend: Mein Leopold. Sonntagsnachmittag: Charlevs Tante. AbendS: Die Dorf« lomteste.(Ansang 8 Uhr.) Residenz-Theater. Sonntag bis Mittwoch: Das Nachtlicht. Der selige Oetave. Donnerstag: Musotte. Freitag: Geschlossen. Sonnabend: Musolte. Sonntag und Montag: DaZ Nachtlicht. Der selige Oetave (Anfang 8 Uhr.) Trianon- Theater. Sonutagnachmittag 3 Uhr: Pariser Witwe». Zlbends, Montag, Dienstag und Miltwolh: Theodore u. Cie. Donnerstag: Monsieur Alphonso. Freitag: Gelchlossen. Sonnabend: Monsieur Alphonso. Sonutagnachmittag 3 Uhr: Buridans Esel. Abends und Montag: Theodore u. Cie.(Ansang 8 Uhr.) Gaftspiel-Theater. Allabendlich auher Karfreitag: Mist Dudelsack. Kasino-Thcater. Sonntagnachmittag 4 Uhr: Ein deutsches Frauenherz. Allabendlich außer Karfreitag: Berlin bei Nacht. Apollo- Tbearcr. sonutagnachmittag S'/i Uhr: Spezialitäten. Allabendlich außer Karfreitag: Der Zechpreller. Spezialitäten.(Ansang Palast-Theater. Mabcndlich außer Karfreitag: Spezialitäten.(Ans. 8 Uhr.) Jolics(kaprice. Mabcndlich außer Karfreitag: Herr Wasserkrops. Der Lustlurncr.(Ansang 8'/« Uhr.) Buggenhagen. Täglich außer Karfreitag: Speziallläten.(Ans. 8 Uhr.) Merropol- Theater. Allabendlich außer Karfreitag: Hallohl Die große Revue l(Ansang 8 Uhr.) Reichsdallen- Theater. Allabendlich außer Karfreitag: SteUiner Singer.«Ansang 8 Uhr. Sonntags 7 Uhr.) Wintergarten. Sonntagnachmittag 3'/, Uhr: Spezialitäten. Allabendlich außer Karfreitag: Speztalilälc».(Ansang 8 Uhr.) Passage- Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Spezialttäte». M- abendlich außer Karfreitag: SpeziMäten.(Ansang 8 Uhr.) Karl Haverland- Theater. Allabendlich außer Karfreitag: Spezialitäten. Walhalla- Theater. Sonntagnachmittag 3'/, Uhr: Spezialitäten. Allabendlich außer Karsreitag Spezialitäten.(Ansang 8 Uhr.) Gedr. Herrnfeld-Tbeater. Sonntagnachmittag 4 Uhr: ES lebe daS Rachtieben. Abends und Montag bis Mittwoch! Die Meyerhains. Donnerstag: Es lebe daS Nachtleben. Freitag: Geschlossen. Sonnabend bis Montag: Es lebe das Nachtleben.(Ansang 3 Uhr.) Ilranta-Tliearer. Toubenltr. 48/49. Sonntag: Im Firnenglanz fceS Obercngadin. Montag: Vom Kreml zur Neiva. DienStag: Der Kiue- matograph im Dienste der W'ssenschast. Mittwoch: Die österreichische Rivtera. Donnerstag: Vom Kreml zur Newa. Freitag: Geschlossen. Sonnabend und Sonntag: Im Firnenglanz d-S Obcrengadin. Momag: Unbestimmt.(Ansang 8 Uhr.) Sternwarte. Jnvalidenstr. 57—82. .--[Neu'Eröffnung! Schneidermeister Wilhelm Seide Berlin, Gertraudtenstrasse 18-19, Ecke Neue Grünstrasse. (OegrOndel 1891) Spezial-Gesehäft für eleg. Herrenmoden Herren-Paletots u. Ulster»»»» auf Serge, elegant verarbeitet.... M. rÜi'"- fcJ»""" bis*ü«"~ oa«. 05«. Herren-Paletots o. 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Geldmarkt— Aus der Montanindustrie— Baugewerbe— Kohle»- martt— Außenhandel— Eisenbahnrinnahmr». Die Bank don England erhöhte am Donnerstag ihren Diskont von 3 auf 4 Prozent. Diese sprunghafte Erhöhung könnte auf eine erhebliche Versteifung am Geldmarkte schlichen lassen. Aber die ZinSfuherhöhung in England hat an den Weltbörsen wenig Einfluß ausgeübt. ES ist auch kaum damit zu rechnen, daß die Diskont- Politik in London, Diskontheraufsetzungen anderer führender Banken unmittelbar im Gefolge haben wird. Man betrachtet den Be- schluß der Bank von England als eine politische, nicht als eine au« den Geldmarktverhältnissen geborene wirtschaftliche oder bank- technische Mahnahme. Die Bankleiter wollen durch die Diskont- erhöhung einen Druck auf die Regierung in der Budgetftage aus- üben. Zurzeit kann von direkten Schwierigkeiten am Geldmarkt nicht die Rede sein. Aber sie können bald sich bemerkbar machen. An Voranzeichen dafür fehlt es nicht. Für festverzinsliche Werte ist der Markt schon nicht mehr so aufnahmewillig, wie es bei starkem Kapitalangebot der Fall ist. Die Banken bekunden gerade keinen grohen Elfer, Stadtanleihen usw. zu übernehmen, oder sie kommen mit ungünstigen Angeboten heraus. Man ist der Ansicht, die Groß- industrie werde in nächster Zeit mit bedeutenden Geldansprüchen an den Markt kommen. In den tatsächlichen Verhältnissen, den Fusions- bestrebungen, großen Betriebserweiterungen und Neugründungen, findet solche Meinung tatsächlich genügend Stütze. Bewahrheitet sie sich, dann muh auch mit dem Hinaufgehen des Zinsfuhes für Leih- geld gerechnet werden. Für die Gesamtentwickelung der Wirtschaft- lichen Verhältnisie wäre das jedenfalls kein Vorteil. Nach der vor einigen Tagen erfolgten Meldung, das Rheinisch- Westfälische Kohlenshndikat werde vorläufig keine Ermähigung der Beteiligungseinschränkung eintreten lassen, haben die neuen Be- teiligungsfestsetzungen in der am 17. März abgehaltenen Zechen- besitzerversammlung insofern«ine angenehme Ueberraschung gebracht, als die Beteiligung in Koks von 70 auf 72>/, Prozent erhöht wurde. Die Beteiligungen in Kohlen— 8ö Prozent— und in Briketts— W'/z Prozent— erfuhren keine Veränderungen. Die Erhöhung der Beteiligung in Koks läht darauf schliehen, dah der Bedarf der Eisen- industne sich etwas gehoben hat. Wenn auch die Beschäftigung im Eisengewerbe im allgemeinen noch schleppend ist, so wird doch über etwas gesteigerten Begehr von Eisenbahnmaterial berichtet. Auch der Abruf von Formeisen gestaltete sich nun lebhafter. Ob das von Daner sein wird, welchen Umfang das Geschäft annimmt, das hängt ivesentlich von der Entwickelung der Tariffrage im Baugewerbe ab. Kommt es zu einer Verständigung zwischen den streitenten Parteien, dann kann bald eine umfangreichere Bautätigkeit sich entfalten, entbrennt jedoch ein Kampf, dann wird eS ein umfasiender und sicherlich ein sehr hartnäckiger sein, der nicht nur die Tätigkeit im eigentlichen Baugewerbe lahmlegt, sondern auch in empfindlicher Weste auf die Material liefernde Industrie zurück- wirkt. Die milde Witterung, die den Verbrauch von Brennmaterialien zu Heizzwecken naturgemäß sehr stark einschränkte, beeinflußt in er- heblichcr Weise den ganzen Kohlenmarkt. Der Beirat des Kohlen- syndikats berichtet darüber: Die im Monat Januar d. I. eingetretene Abschlvachung des Kohlenabsatzes hat sich im Berichtmonate— Februar— noch verschärft und das Ergebnis des Gesamtabsatzes ungünstig beeinflußt. Der im Kohlenabsatz sich ergebende Rückgang ist ausschließlich auf den geringen Verbrauch infolge der außergewöhnlich milden Wütenmg des verflossenen Winters zurückzuführen. Die dadurch erwachsenen Äus- fälle haben in den meisten Kohlensorten, namentlich in groben Nüssen, einen empfindlichen Absatzmangel hervorgerufen, besten Ein- Wirkung sich auf die Beschäftigung der Zechen um so nachteiliger geltend machte, als die sonst gegen Winterschluß geleerten Läger fast überall gefüllt geblieben sind, woraus sich die llnmöglichkeia ergab, die geringere Absatzgelegenheit durch stärkere Einlagerung der über- schüssigen Mengen in dem gewünschten Maße auszugleichen. Im Gegensatz zu dem Verlauf des Kohlenabsatzes hat der Koks- absatz ein befriedigendes Ergebnis geliefert. Die eingetretene nicht unbeträchtliche Steigerung entfällt ausschließlich auf Hochofenkots, während der Absatz in Brechkoks für Hausbrandzwecke wie bei Kohlen infolge der milden Witterung nachgelassen hat. Aus die Beteiligungsanteile beziffert sich der Absatz auf 77, 4v Proz., woran der Absatz in Koksgrus mit 1,46 Proz. beteiligt ist. Eine gleich steigende Entwickelung hat der Brikettabsatz auszuweisen. Aus die Brikettbeteiligungsanteile sind 83,24 Proz. abgenommen und bis auf verhältnismäßig nicht erhebliche Mengen abgesetzt worden. Immerhin ist trotz des Rückganges im Februar, im Verhältnis zum Januar d. I., insgesamt im Absatz gegenüber dem Borjahre eine Besserung eingetreten; aber das Ergebnis des Jahres 1308 ist doch noch nicht wieder erreicht, wie folgende Aufstellung zeigt. Der rechnungsmäßige Kohlenabsatz betrug in 1000 Tonnen: 1908 Januar... 3 666 Februar... 6 398 1303 1310 4 923 3 461 4 330 3 136 Zusammen..11664 8313 10637 Noch ungünstiger haben sich die Verhältnisse am oberschlesischen Kohlenmarkt gestaltet. Besonders die remen Zechen, die nicht mit Hüttenwerken verbunden sind und daher für verschiedene Kohlen- sorten keinen festen Absatz haben, müssen nmfangreiche Produktions- einschränkungeil vornehmen. ES werden nicht nur Feierschichten ein- gelegt, verschiedentlich greift man auch zu dem Mittel der Beleg- schaflsverminderung. Der Versand im Monat Februar aus dem oberschlesischen Bezirk ist mit 174 714 Waggons gegen den im gleichen Monat des Vorjahres mit 130 226 Waggons um 13 312 Waggons oder rund 8,2 Proz. zurückgeblieben. Der Versand in den beiden ersten Monaten dieses Jahres betrug im ganzen nur 336 784 Waggons gegen 334 884 im Jahre 1303, ist also um rund 33100 Waggons öder rund 3,6 Proz. gesunken. Die Haldenbestände haben am Ende des Jahres 1309 nach der Statistik des Oberschlesischen Berg- und Hüttenmännischen Vereins 804 501 Tonnen gegen nur 220 201 Tonnen Ende 1903 betragen. ES lagem jetzt weit über 1 100 000 Tonnen auf den Gruben. Man rechnet mit einer als- baldigen Preisreduktion, die eine Belebung bringen soll. Der deutsche Außenhandel zeigt für den Monat Februar bei einzelnen Positionen in der Ausführ ziemlich beträchtliche Steige- rungen. So ist die Ausfuhr von Eisen und Eisenlegierungen von 3,6 Riillionen Doppelzentner im Februar 1909 auf 6,3 Millionen Doppelzentner, die von Blei und Bleilegierunge» von 48 703 Doppel- zentner auf 62 636 Doppelzentner gestiegen. In dem Export von Kupfer und Kupferlegierungen ist eine Zunahme von 93 592 Doppelzentner auf 117 696 Doppelzentner eingetreten, die Ausfuhr von Maschinen, elektrotechnischen Erzeugnissen, Fahrzeugen usw. ist um 66 000 Doppelzentner auf 713334 Doppelzentner gesttegen. Erhebliche Exportsteigerungen find weiter ein- gettelen: Glas und Glaswaren von 203 327 Doppelzentner auf 249 082 Doppelzentner; Waren aus Steinen von 37 817 Doppel- zentner auf 142 737 Doppelzentner; Papier, Pappe und Waren daraus von 380 343 Doppelzentner auf 713 315 Doppelzentner; lierische und pflanzliche Spinnstoffe von 478 641 Doppelzentner auf 370788 Doppelzentner; chemische und pharmazeutische Erzeugnisse sowie Farben von 8.4 Millionen Doppelzentner auf 3,3 Millionen Doppelzentner; mineralische und fossile Rohstoffe von 49,8 Mill. Doppelzentner auf 31,1 Mill. Doppelzentner: Erzeugnisse der Land- und Forstwirtschaft von 6,2 Mill. Doppelzentner ans 7,4 Mill. Doppelzentner. Die letzteren Erzeugnisse stehen in der Ausfuhr so- wohl mit der absoluten Menge als auch mit der Mehrcinfuhr an erster Stelle. Während im Februar v. I. rund 27 Mill. Doppel» zentner importiert lvurden, find es diesmal rund 31 Mill. Doppel- zeutner. Das Einfuhrmchr geht über die Ausfuhrstcigerilng beträcht- lich hinaus. Stark zugenommen hat auch die Einfuhr von chemischen Erzeugnisscii, nämlich von 2Vz Mill. Doppelzentner auf rund 3 Mill. Doppelzentner. Insgesamt wurden im Februar 36 Mill. Doppelzentner eingeführt, bei einer Ausfuhr von 37 Millionen Doppelzentner. Demnach ist diesmal die Ausfuhr größer als die Einfuhr. In den beiden ersten Monaten dieses Jahres zusammen bleibt die Gesamtausfuhrmengo aber noch um 4,4 Millionen Doppelzentner hinter der Einfuhr- menge zurück. In den Monaten Januar und Februar 1910 wurden insgesamt 73 852 282 Doppelzentner importiert gegen 73 777 102 Doppelzentner in dem entsprechenden Zeitraum des Vorjahres und exportiert 74 452173 Doppelzentner gegen 68 213 625 Doppelzentner. Ein- und Ausfuhr sind gestiegen, das Verhältnis zwischen Import und Export hat sich jedoch fast gar nicht verändert. Die Ausfuhrsteigerung wird zu einem guten Teile auf die Uebersättigung des Inlandsmarktes zurückzuführen sein. Es kommt darin also eher eine verschlechterte als eine verbesserte Lage zum Ausdruck. Aber auf die Entwickelung der Eisenbahneinnahmcn war die Steigerung des Außenhandels von gllnstigein Einfluß. Die Betriebseinnahmen der prcirßisch'hessischen Staatseisenbahnen haben nämlich im Februar 1910 gegenüber dem gleichen Monat des Vor- jahreS im Personenverkehr 4 Millionen Mark— 13,02 Proz., im Güterverkehr 6,3 Millionen=- 6,63 Proz. mehr, insgesamt nach Abzug einer geringen Mindereinnahme anö sonstigen Quellen 10,2 Millionen Mark— 7,49 Proz. mehr betragen. Die Zahl der Sonn- und Werktage war in beiden Jahren gleich. Unter Berück- stchtigung des erwähnten Umstandes kann die Mehreinnahme der Eisenbahn eine ungemischte Freude nicht auslösen. D. 000Q000O000O000O000O000O000Q000QC00Q000O000Q000O00O000O000Q000Q000Q000a0.00Q000O000O000O«L00Q000Q0Ä0Q0000O0C0O000Q000Q000Q0C0O000O000O000Ol000Q0»0!Q00O000Q000Q000QC00Q080O00.0Q000P000Q000Q000Q000O000Q09(>QQQ9 Theater und Vergnügungen □□□ ööö □□□ (SieJje Wochen- Spielplan.) Sonntag, den 20.!IK a r z, nachmittags 3 Uhr: Kreic Bolksbiihiie. Neues Schau tbiclhaus, 13. Abteilung a, d, o: Trauiimlus. Thalig-Theaier, 8. Abteilung o, d, s, i und ö. Abteilung a, b: Der Dorl> thrann. Residem-Theatex, S. Abteilung b, o: Musatte. Montag, den 21, März, 8 Uhr: 17,(IV,) Abendabteilung im Neuen SchausPicihaus: TraumuluS. Reue Freie Volksbühne. Nach mittags 2'lt Uhr. im Deutschen Theater: Kabale und Liebe. ftammerspielhaus: Frühlings Er- wachen, Nachm. 3 Uhr: ÄeueS Theater: Mütter, Friebr-Wilhclmstüdt. Schauspielhaus: Die Jungfrau von Orleans. Schiller- Theater 0,: Viel Lärm um nichts, Schiller- Theater Charlottenburg: Der Meineidbauer. Hebbel-Theater: Hanna Jagert. Berliner Theater: HcrodeS und Marianine. Metropdl- Thealer: Drei Paar Schuhe, Kleines Theater: Moral. Neues Operetten- Theater: Der Zigeuiierbaroii._ E,eHt>lnj;-Theutep. v. Uhr: Die versunkene Glocke. S.Uhr: Das Ko»»ert. Montag, 8 Uhr: DautriS der Narr. Dienstag, 8 Uhr: Das Konzert. Berliner Theater. Heute 8 Uhr: Taifllll. Morgen: Taifun._ Heues Theater. Abends 8 Uhr: Die goldene Ritterzeit. Morgen und folgende Tage: Die goldene Litterjeit. Theater des Westens. Nachm. 3'/, Uhr: Ter fidele Bauer. Abends 8 Uhr: _ Die geschiedene Frau._ Wene« Operetten-Theater. Heute und solgendc Tage 8 Uhr: Der Graf von Luxemburg. e u t e nachmittag 3 Uhr zu er- igten Preisen: Der Zigeunerbari Urania. Wissenschaftliches Theater. 8 Uhr: Im Flrnenglanz des Ober-Engadin. Montag 8 Uhr: Eugen Zabel: Vom Kreml zur Newa. Hörsaal 8 Uhr: Prof. Dr. Cerebotani: Neuerungen auf dem Gebiet der drahtlosen _ Telegraphie,_ Berliner jlpariiitn Unter den Linden 68a Eingang Schadow-StraßeNo.14 Heute Sonntag Eintrittspreis WF 50 Pf."WD Keichhaltigste Ausstellung der Welt an lebenden Seetieren, Reptilien etc.__ Passage-Panoptikum Senegal in Berlin! RA wilde Weiber Männer, Kinder. Drei Negerdörfer Ohne Extra-Entree! -Theater. [Tassage < Heute Sonntag: 2 Vorst. 4 Nachm. 3-7 Uhr kleine Preise. Abends 8 Uhr: Das j gesellschaftliche J Ereignis von Berlin t Auftreten der schönen iSisters Ridley J in ihren historischen Tänzen. i Georg Kaiser 1 «unri Ir�rw Schneider• Dnncker> und das große Programm! �»cliiller Schiller- Theater 0.(Wallner-Theat.) Sonntag, nachm. 3 Uhr: Viel Ettrnien um nichts. Lustspiel in 5 Akten v. W. Shakespeare. Ende 51/, Uhr. Sonntag, abends 8 Uhr: Olc Zwllllngsschwester. Lustspiel in 4 Auszllgen v. L. Fulda. Ende 10>/, Uhr. Montag, abends 8 Uhr: Goldflsche. Dienstag, abend? 8 Uhr: Wallenstelns Enger. Hieraus: Die Plccolominl. Theater. Schiller-Theater(Charlottenburg). Sonntag, nachm. 3 Uhr: Der Tlelneldbaner. Volksstück in 3 Akten von Ludwig Anzengruber. Ende S'/z Uhr. Sonntag, abends 8 Uhr: läuns Ean{je. Schauspiel in 4 Akten v. Paul Hcyse. Ende 10'/, Uhr. Montag, abends 8 Uhr: Dans Eange. Dienstag, abend? 8 Uhr: Nene.Jiixcnck.slohan Ulfstjerna.) Berliner Kranken-Unterstülzungs- und Begräbnis-Verein fiir Frauen u. Mädchen ■ Sonntag, 20. März, 6 Uhr, In den Andreas-Festsälen, Andreasstr. 21. 19. Stiftungs-Fest " Vokal- u. Instrumental-Konzert, humoristische Vortrage unter Mitwirkung des Berliner Ulk-TflOi Um zahlreichen Besuch bittet 284/2 Der Vorntand. 1. A.: Emst Gerlach, Waldemars tr. 48. Volks-Oper. 8W, Belle-Alliance-Strahe Nr. 7/8. NochniitlagS 3'/, Uhr bei bedeutend erinätzigten Preisen: Der Trompeter v.SNmgeR. Abends 3 Uhr: Die Hugenotten. Luisen-Theater. NachmitlogS 3 Uhr: Don Carlos. Abends 8 Uhr: VIS Gill»»W Montag Premlere: Klapperstorch her«ön igln. Dienstag: WaZ Gott zusammen- t. ittwoch: Klapperstorch d. Könlgln. Residenz-Theater Direltion: Richard Alexander. AbendS 8 Uhr: Das Nachtlicht. schwank in 3 Akten v. M. Zamacols. Hieraus: Der selige Oktave. Burleske in 1 Akt von IveS Miraude und Henri Gäroule. IlelropoiTiiester Heute nachmittag 3 Uhr: vre! paar Schuhe. Abends 8 Uhr: Hallo!!! Die große Revue! Hänchen überall geatzsttet. Castan's Panopticum Friedriehst. 165, Pschorrpal. Mr. Frank Lentini, der Doppetmann Ali Ben Mohamed, orientalischer Gaukler. Täglich T'/i Uhr abends. Sonntags: 2 Vorstellungen. Heiter© Vorträge.------- Vollständig neues Programm. Trianon-Theater. Heute und folgenbe Tage, 8 Uhr: Theodore A Cle. Sonntag nachm.: Pariser Witwen. Lustspielhaus. Nachm. 3 Uhr: Los vom Mann. Abend? 8 Uhr: Der dunkle Punkt. s• Heute 2 Vorstellungen 2 nachm. 3'/, Uhr(kleine Preise) und abends 8 Uhr mit dem V Dreigestirn weiblicher Schönheit, Grazie u. Kunsil RosarioGuerrero Marie Latarpe Odette Ifalerjf und die anderen — Slar-AUraklionen.— Polles Caprice Der Luftturner. Mener bunter Teil. Herr Wasserkropf. Ansang 8'/« Uhr. Vorverk. 11—2 Uhr. jasR-inc/tie j Greste Franksurter Str. 132. | Nachm. 3 Uhr halbe Preise:| Deborali. LolkSschautpiel in 4 Akt. v. Mosenthal. kuw Die Ehre. Schauspiel in 4 Akten v. Sudermann. Montag: Die Ehre._ friedrich-Wilhelmstadtisches Schauspielhaus. Sonntag, den 20. März, nachm. 3 Uhr: Die Jungfrau von Orleans. Abends 6 Uhr: Im bunten 3iock. llontag: Halali. «vorletzter Sonntag! Vi, Uhr: 8'/, Uhr: Der Zechpreller , mit Konrad Dreher a. G. Vorher ab 8 Uhr: Die groBen-M> XTdra-SpeslaJItttten. Sonntag, den 20,, Montag, den 21., Dienstag, den 22. und Mittwoch, den 23. März: Anfang präzise 8 Uhr. vis original» Klabriaspartie und Es lebe das Nachtleben mit Anton und Donat Herrnfeld in den Häuptrolle». Donnerstag, 24., Sonnabenb, 26.: 2. Serie: „Letzte Ehre« u.„MeyerhatnS-. Sonntag, 27. und tolgende Tage: 3. Serie: „Die beiden BtndelbanbS." „Original-Klabriaspartie.« Sonntag nachm. 4 Uhr: „Es lebe das Nachtleben.« igst Holzmarkttlraste 7Z. Täglich: SpeElalltttten eaten Hansos mit Franz Sobanskl. 9 Uhr: Hoheits Liebesroma«. Avis! Grün-DonnerStag und Oster-Sonnabend: Traum der Rose und Klippen und Wellen. An den 3 Osterfeiertogen:' Fest» Vorstellung. Ansang 6 Uhr. Casino-Theater Lothringer Strafet 37. Ansang 8 Uhr. Berlin bei Nacht. Posse tn 3 Akt. v.®. Schätzler-Pärassini. Sonnt. 4 U: Ein doulsoh. Frsuenhsrz. Karl Uaverland Ansang Theator. präz. 8 U. 77/79 Kommandantenstraste 77/79. Neue erstklassige Spezialität. TilPlsiiei'-fPlippe prolongiert. fvmte nach d. Vorstellung: Ball. Palast-Theater. Burgstraste 24, am Bahnhof Börse. Internationales Ringkampf-Championat am die Welimeiiiterschatt. Prolettor: Herr Pros. H. Hundrieser. Preise: 10 000 M. in bar. Tonntag, den 20. März: Job» Pohl< Abs II geg. Cldment d"A»gers. Limouir» gegen Raneati. Protest-Entscheiduiigstampf: Maisetti gegen Zipps. Das Schiedsgericht hat den Protest Massetti als berechtigt anerkann: und einen nochmaligen Kamps angeordnet. Borher: Die glänzenden Spezislitälen. Ans. 8 Ubr. Preise 50 Ps. bis 3 M. Bliilliner-»»«>» Saal Heute, Sonntag, d. 20. März,?'/, Uhr Konzert« Blüthner-Orch. Dirigent F. Neisser. Solist: Shimberg. Karten bei Bote& Bock, Wertheim etc. Orchester-Bureau LUtzow« slraBe 76, Tages- und Abendkasse. iä alhalla Variete-Theater Heute, Sonntag: 2 Vorstellungen 2 nachmittag« 3'/z Uhr(jeder Besucher ein Kind frei) und abends 8 Uhr. In beiden Vorstellungen: Der Kill, Saide u. die übrigen Spezialitäten. Im Tunnel: Die allergrößte Kanone. Theaterbesucher freien Eintritt. Reledshallen-Iliealer. Stettiner Sttnger Z. Schlust(letzte Woche) Oer Nachtwächter von Zerpenschleuse von Mehsel. Ansang: Wochent. 8 Uhr. Sonntags 7 Uhr. Uff Praltr-Mr. Kastanien• Allee 7—0. Mnttersegen Perle vou~' : Gesang in 0. Friedrich. Anfang 8 Ehr. oder: Die Perle von Tavoyen. Schauspiel mit Gesang in S Akten von Vk.ZVoseks Theater Sruniieiinr. 16, am Rosenthaler Tor Direktion: Franz Merker. Nachmittags 3 Uhr: Der Widerspänstigen Zähmung. Kleine Preise.— Abends>/,8 Uhr: Der kleine Lord. Schauspiel in 3 Akten. Montag Gastspiel Kai l Frieda«: Der Wtderspänstigen Zähmung. Alt-Hoablt 47,48. Sonntag, den SQ. März: Dorf llnd Stadl. Schauspiel in S Aufzügen v. Charlotte Birch-Pfeiffer. Sanssouci, sSV. Direktion Wilhelm Reimer. Heute, Sonntag: Letzte Borst, v. Ostern. Neues Programm. Elite-Soiree fÄ» . HoIIm. Kordd. Sängern. Die Welt geht unter. Burleske in 1 Akt. Beg. Sonnr. ö.wolbenl. 8U. An allen drei Feiertagen: Graftes Osterfestprogramm. D, 2 Feier- tag: Elite-Fest-Soireen v. Hoffmanns Nordd. Sängern. 3. Feiertag: Gastsp. der 1. Leipziger Damen-Sänger-Gesell- schaft. 2. und 3. Feierlag: Osler- Tanzkränzcheu Ganverein Berlin. TYPOGRAPHIA Gesangverein Berliner Buchdrucker and SchriftgieBer. Gegr. 1879.— Chormeister Alexander Weinbaum— M. d. D A.-S. ■■ Brauerei Friedrichshain am Königstor. Gröftter Konzertsaal Berlins. Monte, Sonntag, den 20. Marz 1010: Großes Doppel'KünstlernKonzert-HM Gastspiel Franz von Blon :It seiner Kapelle(40 Künstler) unter Iflffe GsSssmabsbss Mitwirkung von auu Hangern» Jlaritas"««b Jorfl-Ost-Lyrania 1841'(sk.*.*.®*.) Chormeister: Herr Direktor VVarnlng _ mit Benutzung der großen Konzert-Orgel.— Ansang 5 Uhr. En tue 50 Ps.- Einheitspreis. C Sonntag, den 27. März(1. Osfe rleiertag), im Konzertsaale der ,,Venen Welt" (Hasenheide): KONZERT Mitwirkende: Elisabeth Ohlhoff, Sopran, J. v. Raatz=Brockmann, Bariton, Franz Borisch, königl. Kammermusiker(Cello), Edward Collins am Klavier. Anfang 6 Uhr. Eintritt 60 Pf., Kinder 20 Pi. DM- Kinder unter 6 Jahren haben keinen Zutritt. Eintrittskarten a SO Pfennige sind zu haben in den Zigarrengesobäften von Horsoh(Gewerk- sohaftshaus) u. Charitestr 3, G. Schulz, Kott- buser Tor. E Schulz, Mittenwalder Straße 2, K. Bielefeld, Gräfestr 35, und in den übrigen mit Plakaten belegten Handlungen. ■■ BF ■■ ■■■ ■■ B B B■ Tountag. den SO. Mär». 31,- n. Ti, Uhr: 2gr.briilaiile1forstellu[igeii2 Nachm. 3'/, Uhr hol jeder Besucher t Kind irei, weitere Kinder unter 10 Jahren zanlen halbe Preise auster Galerie. beiden Vorstellungen AM- nngchttrzt-TWF Die drei Rivalen. Austerdem das sensationelle Pro, gramm. 11 a.: Die Amerikaner j�erial Shaws. Barbarentänze der R1 Tchaves, U Personen Direktor Alb. Schumanns neue moderne Dressuren.— Drei Gebr. Houcke.— Militärischer Reitakt. Sämtliche Clowns m. neuen Witzen. irZms-»e arrasani alter Botanischer Garten. Sonnatag, den 20. März; 0 brillante Vorstellungen 2 1-1 Q Ol"! TT", 11 T'V, T« Zs nachm. 4 Uhr und abends 8 Uhr. In beldenVorslellnngen ein rein zirzensisches Programm sowie Fortsetzung der Ringkampf- Konkurrenz unter dem Protektorat des Herrn Prof. Reinhold Begas. Nachm. 4 Uhr ringen: Paradanoff gegen Reykowitsch. Cazeaux de Bastieux gegen Jack Lewis. Abends 8 Uhr ringen: Strenge gegen Reykowitsch. Koch ge�en Cazeau de Bastieux. EntNcheldnngMkampf: Gastspiel-Theater. 8'/, Uhr: Miss Dnitelsach. Morgen und folgende Tage: Miss Dmlelsnrk. Tonbild-Theater Re Hin � Diese j; Woche I Faust c Tragödie t>. W. o. Goeu/e und? das übrige hervorragende •- Schlager-Programm. P •5 Entr. 3>Ps., ohne Nachzahlung. ss- Dauervorstellg. v. 5— t t Uhr. Sonntags von 3— 11 Uhr. V oigt-Xlieater Gesundbrunnen Badstraste 58. Heute, Sonntag, nachm.: Keine Borstg. Abends 8 Uhr: Die Geier-BSally. Schauspiel in 5 Akten von Wilhelmine v. Hillern.— Bis 12 Uhr Tanz. Moniag. den 21. März: Aus dem Boike. Volksstülk mit Gesang in 4 Akten von H. Schulz u. A. Seelen. Musik von A. Keriten. Kassenöffnung 7 Uhr. Einsang 8 Uhr. 1 Funke* Geselisehaltshaiis t ♦ Trlftstr.«3. J JedenMontag: ♦ : f�aul$ Springers: Kabarett- and Possen-Oesellscbaft. Anfing>'/, Uhr. Freitanz. Heute Sonntag, den 20. März 1910 2 Gr. Gala-Torstellinp 2 nachm. 3'/, Uhr u. abends 7'/, Uhr. Um 3'/, Uhr zahlen Kinder unter zehn Jahren auf allen Sitzplätzen halbe Preise.(Galerie Z volle Preise.) In beiden Vorstellungen, 6'/, u. 7'/, Uhr: Die rnss. Sensat.-Pantomlme „Marja" ungekürzt. In beiden Vorstellungen: Die Hassans! In beiden Vorstellungen: Vorführen und Reiten der best dressierten Schul-, Pyü- heits- und Springpferde. In beiden Vorstellungen: Auftreten sämtl. Clowns mit den neuesten Witzen u. Spaßen. Abends 7'/, Uhr; Theres Filiis, James, Leon Fillls jun., Heinrich Filiis in ihren Produktionen d. hohen Schule. Volks-Theater. Rlxtlorf, Hermauiistrafte SO» Sonntag, den 20. März: - Trllbz�, Schauspiel in vier Allen bis HanS Hochseldi. Ansang 8 Uhr. Ansang 8 Uhr. Moniag, den 21. März: Keine Vorstellung�_ Burgtheater-Kinematograph vorm. Groterjan. Jnhab.; Rud. Merz, Schönhauser Allee ISO. Tel. 3, 9353. Die leWe Photographie. pS Vornehme ETa«-!- äl a neugebaute- t5& L für Hochzeiten und andere Festlichkeilen mit Empfangszimmer.— Bitte meine Räume zu besichtigen. 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Für diese gibt es Bestimmungen, die nicht sozialen, arbeiterfreundlichen, sondern lediglich allgemein gesundheitlichen Erwägungen entsprungen sind. Die Gesetzgebung der Ver. Staaten kennt keinen Begriff der„Heimarbeit", sie berücksichtigt jedoch in 12 Staaten die Herstellung von Kleidungsstücken und bestimmten Gebrauchsgegenständen, soweit sie gewerbsmäßig in Mietshäusern mit mindestens drei Parteien.„TenemeMs", oder auch in Wohn- Häusern überhaupt erfolgt. Allgemein findet sich der Ausdruck „Sweat Shops" auf solche Werkstätten angewendet, auch wenn kein eigentliches.Schwitzsystem", das ist die Tätigkeit des Zwischen- mcisters, besteht. Der Arbeiter steht meistens in unmittelbarem Ver- tragsverhältnis zum Unternehmer. Die aufsehenerregenden Ent- hüllungen über die Zustände in den Schwitzwerkstätten Londons in den achtziger Jahren, wodurch die Gefahr der Verbreitung ansteckender Krankheiten aus solchen Werkstätten in ein grelles Licht gerückt wurde, blieb nicht ohne Einfluß auf die ängstlich gewordenen Dollarmänner. Um ihr kostbares Leben zu schützen, drängten sie auf hygienische Maßnahmen. EinemAufsatz in denKonradschenJahrbüchern slll. Folge, 89. Band) entnehmen wir darüber einige Angaben: Im Jahre 1890 ging New-Dork mit einer gesetzlichen Regelung der in„Tencments", d. h. Mietshäusern untergebrachten Betriebe voran, andere Staaten folgten. Außer dem Bekleidungsgewerbe wurden auch andere Ge- werbszweige einbezogen. Mehrere Aenderungen erfuhr das New Aorker Gesetz, es wurde zuletzt im Jahre 1908 abgeändert. Danach ist das Herstellen, Abändern, Ausbessem und Fertigstellen von Röcken, Westen, Beinkleidern, Mänteln verschiedener Art, Kopf- bedeckungen, Hosenträgern, Kleidungsstücken für Frauen, Unter- kleidem, Kragen, Pelzwerk, Schürzen, Geldtaschen, Pantoffeln, Papier- schachteln. Papierkörben, Fedem, künstlichen Blumen, Zigaretten und Zigarren, Regenschirmen, Gummiattikeln, außerdem das Verfertigen und Verpacken von Makkaroni, Speiseeis, Süßigkeiten, Konditor- waren, Nüssen und Konserven in einem„Mietshause"—„Tenement" — oder Teil eines solchen an die Voraussetzung einer behördlichen Erlaubnis—„License"— geknüpft. Handschuhe fallen merkwürdiger- weise nicht unter die Bestimmung. Ausnahmen sind für einige Waren gemacht, die vor dem Verkauf geivaschen werden, wie: leinene und baumwollene Kragen, Manschetten, Hemden und Blusen. Die Erlaubnis gilt für das Haus als solches und muß vom Eigen- tümer von der Gewerbeaufsicht eingeholt werden. Die Erlaubnis ist unter der Voraussetzung zu erteilen, daß dort keine ansteckenden Krankheiten herrschen, und der sanitäre Zustand des � Hanfes als einwandfrei erachtet wird. Die konzessionierten Häuser unterliegen einer alle 6 Monate auszuübenden Kachschau durch die Gewerbeaufsichtsbehörde. Ausgeschlossen von der Erlaubnis bleiben unter allen Umständen Kcllerräume, die bis über ihre halbe Höhe unter dem umgebenden Gelände liegen, dann Räume, die ungenügend belichtet und füstbar sind, und nicht mindestens 599 Kubikzoll Luftraum für jede beschäftigte Person besitzen. Ausgeschlossen von der Arbeit in solchen Mietshäusern sind ferner Personen, die nicht zur Familie des Mieters gehören, es sei denn in Räumlichkeiten des Erdgeschosses oder ersten Stockwerkes, die nur als Werkstätten unmit�lbar für Kunden arbeitender Kleidermacher dienen. Doch bedürfen solche Betriebe, um fremde, d. i. nicht zur Familie des Mieters gehörige Arbeitskräfte zu beschäftigen, einer besonderen Erlaubnis der Gewerbeaufsichtsbehörde—„Permit". Die Aufstellung dieses„Permit" ist außerdem davon abhängig, daß die Wcrkstätte für jede beschäftigte Person 1999 Kubikzoll Luftraum bietet, und daß dort keine Kinder unter 14 Jahren arbeiten oder wohnen. Im Falle der Zuwiderhandlung gegen die gesetzlichen Vorschriften stehen neben der Strafverfolgung den Behörden weit- gehende Befugnisse an den Waren zu. Um den Vollzug dieser Bestimmungen zu sichern, ist den Unternehmern zur Pflicht gemacht, über ihre Heimarbeiter ein Verzeichnis zu führen, und vor der Ausgabe von Arbeitsstoff sich darüber zu vergewiffcrn, ob das betreffende Mietshaus die Kon° zcssion besitzt und ob die betreffende Wohnung infolge ansteckender Krankheit infiziert ist. Dieses Gesetz dient demnach überwiegend der öffentlichen Ge» sundheitspflcgc, der Seuchenbekämpfung und-Verhütung, und nur mittelbar dem Arbeiterschutz, indem es auf die Schaffung und Er- Haltung gesundheitlich einwandfreier Wcrkräume abzielt; die Rege- lung der eigentlichen Arbeitsbedingungen ist ihm fremd. Dem gleichen Grundsatz folgen, nur mit geringerer Genauig- keit, die Gesetze der 11 übrigen Staaten; sie beschränken sich nahezu sämtlich auf das Bekleidungsgewerbe und die Anfertigung von künstlichen Blumen und Tabakfabriiaten. Das Bekleidungsgetverbe hat seinen Sitz hauptsächlich in New sflork, Ehicago, Philadelphia, Rochester, St. Louis. Boston und Baltimore. Man berechnet, daß allein New Ijork 49, in Chicago 13 Proz. vom Gesamtwert der Männerkleidung und 85 resp. 6 Proz. vom Gesamtwert der Fraucnkleidung jährlich hergestellt werden. Nach der letzten Volkszählung von 1999 beschäftigte die Kleiderfabrikation rund 399 999, die Herstellung von Unterkleidern rund 49 999 Arbeiter. Tie Verwendung von Maschinen ist bc- schränkt, viele Arbeitsleistungen eignen sich für Frauen untz jugendliche Personen. Leseabende. Erster Kreis. Montag, den 21. März, abends 8%, Uhr, bei Weihnacht, Grllnstr. 2 t. Reinickcndors-Ost. Montag, den 2l. März, abends 8 Uhr, im Restaurant Hirsch, Amendestr. 83. Wilmcrsdorf-Halensec. Montag, den 21. März, in Halensee bei Ludwig Schwachenwald, Restaurateur, Kurfürstendamm 137. Amtlicher Marktbericht der flädtilchen Marktballen-Direvion über den Gronbandei in den Zentral-Maritkiallen. Marktlage: Fleisch: Zusubr schwach. Geichäst still, Preise unverändert. Wild: Zufubr ohne Bedeutung, Gejefwft ruhig, Preise fest. Getlügel: Zusuhr etwas reichllcher, Geschäft nicht lebhaft genug. Preise befriedigend. Fische: Zusuhr genügend,_ Geschält teilweife belebt, Preise wenig verändert. Butter und Käse: Geschäft ruhig, Preise unverändert. Gemüse, � v tt Ö Südfrüchte: Zusuhr genügend, Geschäst still, Preise gedruckt. 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Telephon: Amt HI, No. 769. Dentseher Holzarbeiter-Verband Verwaltung Berlin« Montagy den 21. März; Mitglieder- Versammlungen in allen Bezirken und Branchen. Tagesordnung: 1. Bericht von de» Generalversammlungen. 2. Berbandsangelegenheite«. Mitgliedsbuch legitimiert. PiS Delegierten-Kandidaten müssen in den Versammlungen anwesend sein, wo sie als Kandidaten auf, gestellt sind. Wer ohne Entschuldigung fehlt, kann nicht gewählt werden. vMU Jedem Mitglieds steht es frei, nach dem ihm am bequemsten gelegenen Versammlungslokal zu gehen. Versammlungslokale und Beginn der Versammlungen z Tischler. Modelltischler Südwesten um PI, mt Sei Habel, Bergmannstr. 5-7. um S Uhr bei Wllk«. Praaneastr. l«8. §Ü�en'UN S Uhr im MSrktfche» Hof. Sldmiralftr. 18 v. Südosten I um 5-,, Uhr in d-n Nannyu-AestsSlen. Nauuyustr.«. vm 5 Uhr in dm«ittrrftr, 7b, Sonntag, den 20. März, abends 7 Uhr, in den„Arminhallen"» Kommandantenstrasie 38— SO: Zuzenil- Verzsmmlmiz Bortrag d-S SchrijlstcllerS tMeorg Dedeheur über? II«n•''■Ä'iSSlf Osten 1 um s'l, Uhr in den Andrcas-Fcstiäie». Andreadftr. 91. Osten II um 5'/, Uhr bei Mtfln, Memelerstr. 65. ft«/, lchiäfrige Betten M, IS.—. 20.—. 23.50, 23 SS—. Proben und Preisliste grott». Uintalilch oder Rückfmdnng gestattet, lllcruackung kostenfrei. I Behtiährtger Umsah 2ti4« Zentner Bettfedeni. von I keinem zweiten vetten» n. Bettfeder, igefchäi« erreicht, f Möbel-Fabrik R. ßalau Brniineiistr. SÄ strttHneva"d:fn" fleBr Komplette Wohnungs-Einrichtungen sowie Einzclinlibel stehen in moinom sechs fitagon hoben Fabrikgebäude ohne jeden Kaulzwang zur Besichtigung bereit sss Ständiges Lager---- von ca. 60 kompletten Elnrlclitunsem. Beeile Arbeit! IS Jahre Garantie! Teilzahlung gestattet! 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Achtung: Bewilligte Bäckerei! IjSÄ: Allen Hausfrauen und Genossen zur sreundfiche» Dütteilung, daß ich die Bäckerei von Herrn GcrtuH£, KttpenicU, Müggelhetiner Ztrnste 32, übernommen habe. Die Forderungen der Gesellen sind bewilligt und soll es Nirm Bestreben sein, die Kundschasi ausS reellste zu bedienen. Bäckermeister ns-nut UnixIItv, Köpenick. 1247b Müggelhenner Str. S2. LÜnec trotten aindr Muster-Gouponsu. Reste V usw. für Anziige9 Paletots, Kostüme direkt aus der Fabrik,' Enorm billig! Meter Ä.—, 8.—, 4.—.!>.— Mark» BUF* Nur Saison-Neuheiten! TWI Spezialhaas inoderoer Herren- and Damenstoffe. Koch& Seeland Gesellschaft in. b. H.« BEKEEV C., Roßstraße 2, Sonntag» geF/kfiict. 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Am Ostersonntag veranstaltet der Gesangverein .Eintracht" in dem gesperrten Lokal.Hertels SchiitzenhauS", Zehlendorfer Strafie in Groß-Lichtersclde, ein Jnstrumentalkonzert. Wir ersuchen alle etwa angebotenen Billetts entschieden zurückzuweisen. Am gleichen Tage veranstaltet der .Grofi-Llchterfelder Männerchor" im freien Lokal von Wahrendorf, Bäkestr. 22, dortselbst einen Unterhaltungs« abend. Da dieser Berein sich auch der Partei zu allen Ver- anstaltungcn bereitwilligst zur Verfügung stellt, bitten wir um eine recht rege UnterstüHung. Der Diusikverein„Edelweiß"- Charlottenburg und der Männergcsangverein„Fr oh sinn"-Berlin veranstalten am Oster- sonntag ein„großes Konzert" im.Kurfür st cnpark Halensee", Kursürstendamm 119/120. Da dieses Lokal der Arbeiterschaft nicht zur Verfügung steht, ersuchen wir die von obigen Vereinen vertriebenen Billetts zurückzuweisen. In Hakcnfelde bei Spandau hat das Lokal.H. Steinebachs V o l l s g a r t e n" den Besitzer gewechselt. Der jetzige Inhaber Herr M i e r k e erklärte unseren Genossen gegenüber, das Lokal in Zukunft überhaupt nur M i l i t ä r p e r s o n e n zur Verfügung zu stellen. Wir ersuchen daher die Arbeiterschaft Berlins und Spandaus und ganz besonders die Vereine, dies bei ihren Ausflügen und Partien(Karfreitag und Ostern) streng zu beachten. Die Lokalkommission. Zweiter Wahlkreis. Heute Sonntag. 20. März, mittags 2 Uhr pünktlich, findet die Uraaia-Borstcllung statt. Zur Aufführung gelangt:„Im Firnenglanz de? Ober-Engadin". Die Physiksäle werden eine Stunde früher geöffnet. Eintritt inklusive Garderobe «0 Pf. Billetts sind noch beim Kassierer G. Schmidt lan der Kasse der„Urania") zu haben. Der Borstand. Rixdorf. Morgen Montag, den 21. März, abends präzise 88/4 Uhr, findet im Nixdorfer Siadttheater. Bergstr. 147, der Marcell Salzer-Abend statt. Der Saal wird um TL Uhr geöffnet.— Der Leseabend der Frauen fällt an diesem Tage für Rixdorf aus. Schöneberg. Heute Sonntag, den 20. d. MlS., veranstalten die Genossinnen im Tunnel der Neuen RathauSsäle, Meininger Str. 8, ein gemütliches Beisammensein, verbunden mit Rezitation, Vorwägen und Tanz. Anfang 6 Uhr. Die Genossen und Genossinnen wollen sich zahlreich daran beteiligen. KarlShorst. Parteigenossen! Dienstag, den 22. März, abends 8l/g Uhr, im Restaurant zum Fürsteitbad, Mitgliederversammlung. Der Vorstand. Treptow-Baumschulenweg. Dienstag, den 22. März, abends S'/a Uhr, findet eine außerordentliche Generalversammlung des Wahlvereins im Lokal von Speer, Boumschulenstr. 78, statt. Tagesordnung: 1. Wahl des ersten Vorsitzenden. 2. Die Jagow- Interpellation in der Gemeindevertretung.— Da? Verhalten der bürgerlichen Parteien vor und nach der Gemeindewahl. Referent: Gemeindeverweter A. G e r i f ch. 3. Berichterstattung von der Kreisgeneralversammlung. 4. Berichterstattung von der General- Versammlung Groß»Berlin, ö. Verschiedenes.— Mitgliedsbuch legitimiert. Der Vorstand. RummelSburg. Heute Sonntag, nachmittags 5 Uhr. findet eine Uraniavorstelluna statt. Zur Aufführung gelangt: Im Firnenglanz des Ober-Engadin. Billetts find noch beim Genossen John, Karls- horster Swaße 1 und in der„VorwärtS"-Spedition, Alt-Boxhagen 66, zum Preise von 66 Pf. inklusive Garderobe zu haben. Das Komitee. Marieufelde. An, Dienstag abend 7 Uhr: Flugblattverbreitung und Exwazahlabend bei Berger. Berliner Straße 114. Am Mittwoch, den 23. d. M., von 3 bis 6 Uhr, findet die Wahl der dritten Klasse statt. Parteigenossen, die mtt Marienfelder Wählern zusammen- arbeiten, werden ersucht dieselben an ihre Pflicht zu erinnern. Zeuthen. Heute Sonntag, findet um 6 Uhr bei Lindemann lDorsaue) eine öffentliche Wählerversammlung statt. Tagesordnung: Welche Aufgaben haben die Verweter der Sozialdemokratie im Gemeindeparlament zu erfüllen. Ref.: Genosse Groger-Rixdorf. Das Wablkomitee. Teltow. Am Dienstag, den 22. d. Mts., abends 8Vz Uhr. findet im Lokale des Genossen W. Bonow die regelmäßige' Mitglieder- Versammlung des Wahlvereins statt. Tagesordnung: Vortrag des Genossen Kurt Heinig.— Such haben Gäste daselbst Zutritt. Der Vorstand. Weißensee. Die zum Dienstag, den 22. März er., anberaumte Mitgliederversammlung fällt besonderer Umstände wegen aus. Die Bezirksleitung. Pankow. Am kommenden Dienstag, den 22. d. M., abends S'L Uhr, findet bei Großkurt, Berliner Str. 27, eine außer- ordentliche Generalversammlung statt. Tagesordnung: 1. Bericht von der Verbands-Generalversammlung. 2. Wahl der beiden Bczirksleiter sowie eines Delegierten zur Kreis-General- Versammlung. 3. BereinSangelegenheiten. 4. Verschiedenes. Mit- gliedsbuch legitimiert. Die Bezirksleitung. öerlmer JVacbncbten. Warnung vor Auswanbcruug nach Australien. Vor Jahresfrist rührte ein Agent in Deutschland und vor allem in Berlin die Werbetrommel und bestimmte zahlreiche Personen zur Auswanderung nach Australien. Es wurden die glänzendsten Versprechungen gemacht und den Leuten vorgeredet, mit der Zeit Giundbcsitzer zu werden, da die australische Regierung den Kolo- nisten sehr entgegenkäme und das Land so gut wie verschenke. Wir toarntcn schon damals, den Lockrufen zu folgen. Da aber in Berlin, vor allem bei den Tischlern, große Arbeitslosigkeit herrschte, cnt- schlössen sich viele Personen, auch verheiratete, mit Weib und Kind zur Auswanderung. In der Samariterkirche wurde sogar für eine Anzahl Familien ein Abschiedsgottesdienst eingerichtet. Nun kommen aber fortgesetzt Nachrichten von den noch Australien Aus- gewanderten, die sehr betrübender Natur sind. Wahrhafte Ver- zwcislungSschrcte sind es, die in de» Briefen ausgestoßen werden. Alle Ausgewanderten sind aufs schmählichste enttäuscht worden. Die größten Entbehrungen sind ihnen auferlegt worden: unter freiem Himmel oder in Zelten mußte kampiert werden. Fieber und Ueberanstrengungen haben zahlreiche Leute krank gemacht, andere sind gestorben. In einem aus Brisbane(Ostküste von Austra- licn) datierter Brief, den ein aus Berlin Ausgewanderter an seine Eltern schreibt, heißt es unter anderem:..Wir haben in den paar Wochen schon sehr viel durchmachen müssen. Wir schreiben Euch hiermit die volle Wahrheit. Wenn wir mit nach Rockhampton ge- gangen wären, in den Busch, dann hättet Ihr nie die' richtige Wahr- heit von uns zu l?örcu bekommen, da dort die Briese alle unter Zensur stehen. Wir sind alle sehr enttäuscht worden durch diesen Bcriwt, der Seelenverkäufer, Agent durch und durch. Die meisten isetcjT gezwungep. b£fli Msyne zu folgen, dg sie alle tuiücljos sind und gezwungen sind, seine Unterstützung anzunehmen. Fünf Fa- Milien sind in der Stadt geblieben, aber die Arbcitsnot ist hier noch viel größer und dann die Hauptsache, die Unkenntnis der Sprache. Ich hatte Arbeit in der Kohlenmine, vier Meilen von der Stadt, bekommen, bekam nach vier Tagen das Fieber und war gezwungen, die Arbeit wieder einzustellen. Grethe hat auch Fieber gehabt. Hannchen hatte es gleich den ersten Tag, wo wir in das Emigran- tcnheim kamen. Wir sind wieder nach der Stadt gezogen, da wir in Redbank, so heißt das Dorf, keine Wohnung hatten und unterm Zelt schlafen mußten und keiner von uns geiund geworden wäre. Hier in Brisbane haben wir bei einer deutschen Familie eine Stube abgemietet, die Woche drei Mark. Liebe Eltern, es ist ein rich- tiger Notschrei, den wir hiermit an Euch schreiben. Warnt nur alle Menschen, hierher zu kommen, denn hier ist es noch viel trau- rigcr als in Deutschland. Wenn wir das Geld hätten, würden wir sofort wieder zurückkommen. Wir brauchten gar nicht unser Jahr Kontrakt abwarten. Es hieß immer das freie Land, aber hier ist es ganz anders. Die Lebensmittel sind sehr teuer. 7 Pfund Kar- toffeln kosten 90 Pf„ 1 Pfund Stärke 55 Pf. Das einzige, was billig ist, ist Fleisch. Hammelfleisch ein Pfund 10 und 16 Pf., Rind- fleisch 30 Pf. Eine große Leber mit Lunge kostet 30 Pf., Milch ein Quart 40 Pf. Hier geben die Kühe nur sehr tvenig Milch, weil sie nur von Gras leben und das Fleisch ist auch nichts wert. Wir haben gestern erfahren durch einige, welche schon wieder zurück sind aus Rockhampton, daß alle, die in den Busch gegangen, schwer krank sind. Herrn R'ischs Schwager liegt hoffnungslos danieder, er ist im Hospital. Diesen Bernot(Agenten) hätten sie im Busch bald aufgehangen, so erbost waren alle. Cr drohte, sie ins Gefängnis zu bringen und er hat ihnen alle Freibahnbilletts gegeben, damit jeder hin kann, Ivo er will. Die meisten fahren wieder nach Brisbane. Thieß und noch eine Familie fahren über 14 Tage mit einem deutschen Schiff wieder nach Deutschland zurück. Wir haben alle Erlaubnis, wir können gleich wieder zurück. Wir brauchen das Jahr nicht auszu- halten. Aber es hat keiner Geld...." Auch vor Auswanderung nach Argentinien sei gewarnt. Eine Firma Edendale u. Co. in London niachte in Zeitungsinscraten Propaganda für die Auswanderung nach der Telta-Kolonie in Ar- gentinien, Jnem Unternehmen zurk Kolonisation des Parana. Deltas. Nach zuverlässigen Mitteilungen kann dieses Unternehmen den Auswanderern keinesfalls empfohlen werden. Wir möchten daher nicht unterlassen, vor der Auswanderung nach Argentinien und der Werbetätigkeit der Firma Edendale u. Co. dringend zu warnen._ Die Deputation für die städtischen Krankenanstalten und die öffentliche Gesundheitspflege wählte in ihrer Sitzung von, 19. März zu Assistenzärzten des Krankenhauses am Urban die Doktoren Ulrichs und Hering für die chirurgische Abteilung und L. Cohn und Neuhaus für die innere Abteilung und zum Assistenzart der chirurgischen Abteilung des Krankenhauses Moabit den Dr. Silberfipe. Vom 1. April 1910 ab soll eine Statistik der in den städtischen Krankenhäusern befindliche» Genesenden. Chronischkranken und Tuberkulösen ausgenommen werden. Für die Beratung der Grundsätze, nach denen die Statistik auf- genommen werden soll, wurde eine Kommission aus den Herren Geheimrat Dr. Straßmann. Geheimrat Dr. Landau und Dr. Wehl gewählt. Dabei wurde darauf hingewiesen, daß diese Statistik dunv den Bau des neuen TuberkulosekrankenhauseS nicht etwa veranlaßt worden ist und diesen vom Magistrat bereits beschlossenen Bau nicht aufhalten wird. In der Säuglingsfürsorgestellc l, Blumcnstraße 78, findet im Monat April je einmal wöchentlich Unterricht in Säuglingspflege mit praktischen Uebungen statt. Meldungen hierzu schriftlich oder mündlich im Bureau deS Kinderhauscs. Blumenstraße 78, vorn links pari., wochentäglich von 2—4 Uhr. Berlin im Märzschnee. Eine eigenartige Ucberraschnng ist gestern morgen der hiesigen Einwohnerschaft zu teil geworden. In der vergangenen Nacht war ein starker Schneefall eingetreten, der bis zum Vormittag andauerte und die Dächer mit einer weißen Decke versah. Dagegen blieb der Schnee auf den Sttaßen nicht liegen. In vielen Lokalen, in denen bereits in den Vorgärlcn der Restaurationsbctrieb eröffnet worden war, mußten Stühle und Tische infolge deS WinterweiterS wieder zurückgezogen werden. Die uächste Sitzung der Stadtverordnetenversammlung findet nächsten Mittwoch statt. In dieser Sitzung wird der städttsche Etat weiter beraten. Beini Polizeictat werden die Vorgänge am 6. März und die Schließung deZ Treptower Parkes durch Herrn v. Jagow besprochen werden. Die Leute des Herrn v. Jagow haben am späten Nachmittag und Ahend des 13. März in der Gegend des Landsberger Tores in der unerhörtesten Weise da« Publikum belästigt. In Ergänzung unserer gestrigen Mitteilungen werden unS noch eine Anzahl Fälle mitgeteilt, aus denen hervorgeht, in welcher Weise die Polizei ihre Aufgabe, die Berliner Bürger„zu schützen" auffaßt. Ein besser gekleideter Mann trat am 18. März gegen S'/g Uhr auS einem Lokale in der LandSbergerstraße auf die Straße in einem Augenblick, da Attacke auf Menschen gemacht wurde. Ohne viel Federlesens wurde er sistiert und nach der Wache in der Landsberger- straße. Ecke Friedcnstraße gebracht. Ans dem Flur, der zur Wache führte, wurde der Sistierte von einem Schutzmann mit der Faust ins Gesicht gehauen, wobei ihm einige Zähne ausgeschlagen wurden. Außerdem wurde dem Manne der Kragenschoner sowie der Rock zerrissen. Ein anderer, ein Arbeiter hatte an dem Abend seine in der Höchste- straße wohnende Braut besucht. Gegen V«10 Uhr war er im Begriff, nach Hause zu gehen, da gewahrte er im Hausflur einen Schutz- mann, der ihm ohne weiteres eine» Stoß gab. daß er hin- stürzte. Darauf zog der Beamte seinen Säbel und schlug auf den am Boden Liegenden in der unmenschlichsten Weise ein, so daß der in dieser Weise Mißhandelte eine tiefe, fingrr- lange Wunde auf dem Rücken davontrug und auf der Unfallstation verbunden werden mußte. Auch der Ueberzieher deS Mannes ist von Schutzleuten vollständig zerrissen worden. Die Erbitterung der Berliner Bebölkeriing gegen die Polizei ist in fortwährendem Wachsen begriffen. Und da wundert sich die Polizei noch, daß das Publikum ihr in bestimmten Fällen etwaige Hilfeleistung versagt? Wir wundern uns schon lange nicht mehr. Eine traurige Aufklärung hat das Verschwinden der elf Jahre alten Schülerin Elfriede Bischoff gefunden. Das Mädchen hatte sich in der Schule einen Tadel ihres Lehrers zugezogen und fürchtete, von ihrer Pflegemutter, Frau Noack, bei der sie in der Ehausseestraße 124 wohnte, dafür bestraft zu werden. Aus Furcht kehrte es nicht mehr nach Hanse zurück. Am Sonntag, den 27. Februar, fand man am Charlottenburger Ufer an der Dove- brücke die Schulmappe der Vermißten. Erst gestern wurde ihre Leiche an der Caprivibrücke aus der Spree gelandet und nach dem Schauhaus auf Westend gebracht. Ein großer Schwindler, der schon oft die Behörden beschäftigt hat, macht wieder einmal von sich reden. Ein Kaufmann Müller gründete vor einigen Jahren in der Holzmarktsiraße 606 ein „Berliner Bctricbsburcau", nannte sich Gcncralpüäitcr. General- dircktor usw. und schwindelte Frauen, denen er Stellung in Theatergarderoben, feinen Restaurants usw. versprach, unter allen möglichen Vorspiegelungen Bürgschaften ab. Im November 1908 verhaftet, wurde er wegen eines Bcinleidcns zunächst in der Cha- rite bchqndclt. Als rr HV£»Lsh dW UytxrsiMngSgefäiigM gebracht werden sollte, entfloh er mit Hilfe seiner Frau. Seit- dem wohnte er unter allerhand falschen Namen in Sanatorien und Pensionaten der Vororte und setzte von dort aus sein Schwindel- treiben fort, indem er sich für den Direktor vom Kaiserhof, vom Kaiserkeller, von Kempinski usw. ausgab. Viele Frauen betrog er von seinem Versteck aus um ihre ganzen Ersparnisse und den letzten Notgroschen. Im ganzen erbeutete er in den letzten zwei Jahren über 20 000 Mk. Anfangs Januar d. I. ermittelte ihn die Kriminalpolizei endlich in Flottstelle bei Caputh, wo er mit seiner Frau ein möbliertes Zimmer bewohnte, und nahm ihn fest, als er wieder einmal bei einem neuen Opfer in einem feinen Mietswagen vorfuhr. Nachdem ihn erheuchelte und wirk- liche Krankheiten nicht mehr retten konnten, verweigerte der Schwindler jetzt die Nahrungsaufnahme und wurde abermals vom Untersuchungsrichter nach der Charite gebracht, um hier gründlich auskuriert zu werden. Dann wird ihn endlich der Strafrichtcr zur Verantwortung ziehen können. Arbeitslosigkeit hat den 69 Jahre alten Weber August Böttcher, der als Junggeselle in der Proskanerstr. 38 in Schlafstelle wohnte, in de» Tod getrieben. Böttcher hatte seit sechs Wochen keine Bc- ichäftigung mehr und fürchtete auch, als alter Mann leine mehr zu bekommen. Es bedrückte ihn. daß er seiner Wirtin bereits 12 M. schuldig geblieben war, obwohl sie ihn nicht gemalmt hatte. In der Verzweiflung griff er gestern zum Strick. Als seine Wirtin von einem Ausgang heimkehrte, fand sie ihn als Leiche an der Schlaf- stubentür hängen. Unglückliche Liebe hat den 30 Jahre alten Kellner Hermann Schwarzkops in den Tod getrieben. Er hatte seit längerer Zeit ein Verhältnis mit einer Friseuse Martha M. in der Prinzen» straße 28. Diese wollte seinem Drängen auf Heirat nicht nach» geben, weil er lungenkrank war. In der Erregung darüber er- schoß er sich gestern nachmittag in der Wohnung seiner Braut. Ein Lcichenfund wurde vorgestern in der Havel gemacht. In der Nähe des Restaurants„Tivoli" bei Tegel sahen Schiffer auf der Oberfläche des Flnssez den Leichnam einer männlichen Person treiben und schafften ihn aus Ufer. Es handelt sich bei dein Toten um einen etwa zwanzigjährigen Mensche», der auS den besseren Ständen stammt. Papiere, die über die Persönlichkeit des Toten Aufllärung geben könnten, wurden leider nickt vorgesunden. Die Kleidung des Toten ist äußerst elegant. Bei der Leiche wurden eine wertvolle goldene Uhr, goldene Manschettenlnöpfe und eine wohlgefüllte Geld- börse vorgefunden. Zwei Vcrkchrsstörnngcn im Straßenbahnbetriebc, die durch fest- gefahrene Fuhrwerke verursacht worden sind, haben sich am Sonnabendnachmitlag im Südosten der Stadt und in Rixdorf ereignet. An der Ecke der Dresdener und Alten Jakobstraße hatte sich ein Möbelwagen der Firma Paul Schur im anfgerisienen Straßen- Pflaster festgefahren und sperrte das Gleis in der Richtung»ach der Köpenicker Straße. Während der fast eine halbe Stunde dauernden Störung wurden die Wagen der Linien 6, 9, 83, 87, 83, 91 bis zum Spittelmarkt zurückgenommen und über den Mollenmarkt, Siralaucr Siraße, Brückenstraße abgelenkt.— Die zweite Verkehrs- störung wurde in der Richardstraße in Rixdorf durch einen Last- wagen der Firma Reinhold Neumann in Nixdorf hervorgerufen, dem auf dem Straßenbahngleis ein Rad abgelaufen war. Das Hindernis wurde durch einen Rettungswagen der Straßenbahn beseitigt. Während der 20 Minuten dauernden Störung wurden die Linien 22, 27 und 46 durch die Thüringer und Bergstraße um- geleitet. Der verkannte SittlichkcitSattentäter. Wie leicht man heute in schweren Verdacht geraten kann, zeigt ein Vorfall, der unS vom Gesundbrunnen gemeldet wird. Der Ol Jahre alte Rentenenipsänger Friedrich R., Gortschedstraße 11 wohnhaft, hatte sich, da er ein Holz- vein trägt»und häufig ans der Straße ermüdet, ans dem Brunnen- platz auf eine Bank niedergesetzt. Kleine Kinder spiellen um den alten Mann herum. Als ein kleines Mädchen dem R. auf den Schoß kletterte und ihm von R. die Backe gestreichelt wurde, traten Passanten hinzu und bezichtigten den Greis des SittlichkeilSver- brcchens. Es war ein Glück, daß durch die anderen Kinder bestätigt werden konnte, daß sich R. nichts hatte zuschulden kommen lassen. Es blieb ihm allerdings nicht erspart, den Weg zur Polizei anzn» treten. Da nichls Belastendes gegen ihn ermittelt werden konnte, so wurde er wieder auf freien Fuß gesetzt. Leider hänfen sich in letzter Zeit die Mitteilungen, daß völlig unschuldige Personen in der leichtfertigsten Weise derartiger Vergehen beschuldigt werden, wodurch viel Aufregung und Unglück angerichtet wird. Die Polizei gegen die Freie Volksbühne. Die polizeiliche Ungnade, die auf allen Einrichtungen lind Be- strcbungen der Berliner Arbeiterschast lastet, wird auch der Freien Volksbühne in empfindlicher Weise fühlbar gemacht. Seit ihrem Be- stehen hat die Freie Volksbühne als geschlossener Verein das selbst- verständliche Recht für sich in Anspruch gcnonimen, ihre Beranstal- tungen auf die Nachmittage der arbeitsfreien Tage einschließlich des Bußtags und des Karfreitags zu legen, und niemals ist sie darin durch polizeilichen Einspruch gestört worden. Neuerdings ist das anders geworden. AuS einer Polizeiverordnung vom Jahre 1903 leitet die Behörde jetzt für sich das Recht ab, die Volks- bildenden Bestrebungen der Freien Volksbühne an den so- genannten„verbotenen Tagen" zu unterbinden, und ihr einziger Schmerz scheint der zu sein, daß»«cht alle Sonn- und Feiertage deS JahreS solche Tage sind, die die verbotenen heißen, weil an ihnen der Polizei alles erlaubt ist. Noch am letzten Bußtag hat wenigstens das Schönebergcr Polizeipräsidium die Einsicht gehabt, die Auf- führung der Freien Volksbühne im Neuen Schauspielhause nicht zu stören, während in Berlin alles verboten war. Diesmal aber ist für ganz Groß-Berlin ein„einheitliches Vorgehen" erzielt worden, und nicht nur die Direktion des Thalia-ThcatcrS, sondern auch die des Neuen Schauspielhauses ist Polizei- lich gehindert worden, ihren Verpflichtungen gegenüber der Freien Volksbühne am Karfreitag nachzukommen? Was hat nun die Polizei davon, wenn sie ein paar tausend Mitgliedern der Freien Volksbühne ihr lange erwartetes Feiertagsvergnügen verdirbt und einem Verein, dessen Hervorraaende kulturelle Gemeinnützigkeit doch auch von den Gegnern der Arbeiterbewegung anerkamit werden muß, um erhebliche Summen schädigt? Und was sollen nun die Arbeiter mit ihrer freien Zeit anfangen? Spazierengehen dürfen sie nicht, daS Theater wird auch geschlossen, so bleibt nur der Weg der golt- gewollten Abhängigleit offen: von der Kirche nach dem Wirtshaus. So ists in den ostelbischen Gutsbezirken überall, warum sollte es in Berlin anders sein? Die Freie Volksbühne hat ihre für den Karfreitag geplanten Aufführungen notgedrungen auf später verschieben müssen. Den Mit- gliedern, deren Vorstellung durch das Polizeiverbot ausfällt, wird am 16. Mai(„Bunbilry" im Neuen Schanspiclhause) und an, 6. Juni („Der Dorftyrann" im Thalia-Theater) Ersatz geboten werden. Die Leitung der Freien Volksbühne ist sich dessen bewußt, daß sie mit dieser Verschiebung den betroffenen Mitgliedern leine Freude bereitet; diese werden sich jedoch an anderer Stelle dafür bedanken müssen. Im Thalia-Theater wurde am Freitagabend eine dreiaktige Operette„Die Dorfkomtesse" aufgeführt, die insofern ein gc- wisseS Interesse bot. als sie zeigte, daß auf dem Gebiete der Musik auch die Frau etwas leisten kann. War die Schöpfung auch keine erstklassige, die die Komponistiii Frau Danziger zustande ge- bracht hat, so war sie auch nicht minderwertiger wie viele Arbeiten ihrer männlicheii Kollegen. Die Operette bürgt eine Reihe ganz netter Partien; nicht gering war der Tanz vertreten. Einige wirkungö- volle Schlager hat Alfred Schünfeld verfaßt, von denen das Terzett:»Die netten kleinen Frauen" und»Die holden Gletscher- feen* besonders einschlugen. Zum Erfolg deS Abends trugen Oskar Braun, Entresser und Camill vom Neuen Operettentheater und daS Künstlerpersonal des Thaliatheaters. Arnold Riek, Walter Formes und die immer lustige Helene Ballot bei. Die Dorfkomtesse wurde leidlich gut von Käthe Herold dargestellt. Nach dem zweiten Akt wurden die Kimstler in einem wahren Blumenmeer erstickt. Die Komponisten mustte wohl ein halbes Dutzendmal auf die Bühne. Dnchstuhlbraud in Berlin kl. Durch mehrfachen Alarm wurde gester» mittag die gesamte erste Kompagnie der Feuerwehr nach der Schönhauser Allee 104, dicht an der Pankower Grenze, ge- rufen. Als die Löschzüge dort eintrafen, stand der Dachstuhl des Hauses in großer Ausdehnung in Flammen. Da die Nachbargebäude stark gefährdet waren, griff die Wehr sofort mit drei Schlauch- leituugen ein. Trotzdem nun unausgesetzt gewaltige Wassermengen in die Glut geschleudert wurde», konnte von dem Dachstuhl doch nichts mehr gerettet iverden. Er brannte vollständig nieder, so daß der Schaden ganz beträchtlich ist. Zeugengrsuch. An, 3. März gegen Abend kam ein Arbeiter von der Arbeit und sah in der Friedenstraße, gegenüber dem Friedrichs- Hain, wie zwei Männer ein Mädchen mißhandelten. Er wandle sich an einen Schutzmann um Hilfe, dieser aber lehnte ab, worauf eS zu einem Streit kam. im Verlaufe dessen der Säbel in Funktion trat. Wer den Vorgang näher angesehen hat, wird gebeten, seine Adresse an Th. Gvbel, FriedrichSberger Str. 19, gelangen zu lassen. Eine arme Näherin hat auf dem Wege von Lychener Straße bis Schlicmaunstraße ein Portemonnaie niit 37, 73 Mark Inhalt verloren. Da dieses Geld der Lohn für längere Zeit und ihr ganzes Barvermögen ist, wird dringend um Abgabe in der Spedition von MarS, Lychener Straße, gebeten. Arbeiter-Samariterkolonne. Montag abend 9 Uhr zweite Ab- tcilung, Brunnenstr. 1ö4: Vortrag über Transport Verunglückter und Erkrankter mit praktischen Uebungen. Die Monatssitzuua der dienst- tuenden Abteilung findet nicht diesen Donnerstag, sondern äm 31. März statt.__ Torort- JNfacbnchten. Die Gemeindewahlbetvegiing. Steglitz. Die SonntagS-Stichwahlen scheinen dem Mieterverein doch arge Kopfschmerzen zu bereiten. Die Situation erscheint ihm so uugiinstig, daß sich sein Kandidat Weiuhausen so weit herabläßt, das Hausbesitzer organ, den„Steglitzer Anzeiger", um die Aufnahme einer Wahlnotiz gegen die Sozial- demotraten zu bitten. DaS Vertrauen auf die Bundesgenossen »Kommunalverein", alter und neuer Hausbesitzerverein und— den .Reichsverband" scheint demnach nicht besonders groß zu sein. Um die bürgerliche Phalanx gegen uns vollständig zu machen, hat sich nun auch noch die„Demokratische Ver- e i n i g u n g" dem Mietervereine an den Hals geworfen, und der Vorstand der Demokraten hat die edle Absicht, an den Wahltagen fünfzig seiner Mitglieder als Schlepper zur Verfügung zu stellen. So haben wir wenigstens ein klares Kampffeld: hie Sozialdemokratie, dort das gesamte Bürgertum. Für die Arbeiterschaft mutz das ein neuer Ansporn sein, alles daran zu setzen, um den Sieg zu erringen. Herr Weinhausen selbst schreibt in seinem Elaborat:„Es ist nicht zu verkennen, daß bei den Haupt- wählen die Sozialdemokraten einen starken Stimmenzuwachs erfahren haben und deshalb hoffen dürfen, in den Stichwahlen zu siegen." Mögen daS unsere Genoffen beherzigen und den Wahlausschuh nach Kräften unterstützen. Die Parole für Senntag lautet: Morgens 8 Uhr Handzettelverteilung von den Bezirks- lokalen aus; um 11 Uhr treten die Genossen des 1. Bezirkes in der Turnhalle, Jahnsw. 29, die des 2. Bezirkes in der Turnhalle des Gymnasiums zur Bureauwahl an. Die Er'chienenen üben ihr Wahlrecht aus und begeben sich dann s o f o p,t in die beiden Schlepplokale: Schellhase, Ahornstraße, und Krüger, Haesestraße 1. Die Bezirksführer haben sich sofort, ohne erst zu wählen, dort einzufinden. Spätestens um 1 Uhr mittags müssen alle verfügbaren Kräfte dort anwesend sein. Nach einer Ruhepause werden die Parteigenossen dann um K U h r abermals in den S ch l e p p l o k a l e n erscheinen, um die letzte Arbeit zu verrichten.— Am Montag wird nur im 1. Bezirk gewählt. Wer es ermöglichen kann, erscheint früh um 10 Uhr in der Turnhalle, Jahnstraße. wieder zur Bureauwahl. Abends S Uhr, wenn nicht schon früher, müssen sich die Genossen sämtlicher Bezirke bei S ch e l l h a s e, Ahornstraße, einfinden zur Schlepparbeit. Auswärtige Parteigenossen, die in Steglitz arbeiten, werden ebenfalls ersucht, dort zu erscheinen. Also Genossen, frisch an die Arbeit! Ihr habt es in der Hand, drei Mandate zu erobern. Lankwitz. Die Ersatzwahl zur Gemeindevertretung hat am hiesige» Orte noch zu keinem endgültigen Resultat geiübrt. Deshalb findet Montag, den 21. März, von 8 bis 9 Uhr nach- mittags Stichwahl zwischen dem Konservativen Hildebrandt und unserem Genossen O. Franke statt. Nur wenn die Parteigenossen ihre volle Pflicht erfüllen, ist es möglich, den Sieg zu erringen. Es gilt daher, mit erneuter Kraft den Sieg vorzubereiten. Heute Sonn- tag. vormittags 10 Uhr, findet zur Vorbesprechung eine outzerordent- ltche Mitgliederversammlung bei Ebel, Mühlenstraß«, statt. In der öffentlichen Versamn�ung am Freitag, den 18. März, die zur Gemeindevertreter-Stichwahl Stellung nahm, referierte Genosse G r u h l- Nowawes über die Entwickelung und Bedeutung d«r Gemeinde. Seine Ausführungen fanden allgemeine» Interesse. Genosse Dehnst ging nachdem aus ein Flugbatt der Gegner ein und forderte die Anwesenden auf, energisch zu arbeiten, damit der Sieg am Montag unser sei. Nirder-Schöneweide. Morgen Montag, den 21. März, nach- mittags von 3~-8 Uhr findet in der Aula des Gemeindeschul- Hauses, Berlinerstraße 31, die Gemeindevertreterwahl der III. Klaffe statt. Es handelt sich um eine ErgänzungS- und eine Verstärkungs- wähl. Die Kandidaten der Sozialdemokratie sind die Herren Max D e h m e l, Tischler, und Paul Füller, Eisendreher. ES gilt nunmehr, bei dieser Wahl alle Hebel in Bewegung zu setzen, damil wir endlich auch hier Vertreter der werktätigen Be- völkerung in die Gemeindevertretung bekommen. Der heutige Sonntag muß noch zur Aufklärungsarbeit benutzt werden. Den Lauen und Gleichgültigen müssen unsere Genossen klar machen, daß sie ihr Wahlrecht ausüben und ihre Stimmen de» sozialdemokratischen Kandidaten geben müssen, wenn mit dem bisherigen Zustand im Gc- meindeparlamcnt gebrochen werden soll. Also frisch an die Arbeit! Frirdrichsfelde. Unter Hinweis auf die heute von den Bezirks» lokalen aus stattfindende Wählereinladung, zu welcher wir auch den letzten Parteigenossen als wertvolle Hilfskraft benötigen, bitten wir zu beachten, daß unser Wahlbureau nicht bei Bube, sondern bei Schulz, Lindenpark, eingerichtet wird. Wir erwarten, daß die Parteigcnoffen am Tage der Wahl recht zahlreich zur Wahlhilfe bereit sein werden. Ebenso sollte jeder bemüht sein,»ach Kräften für recht starken Besuch unserer Versammlung zu agitieren. Rur wenn uiisere Parteigenossen Mann für Mann tatkräftig an diesen Beranstaltungcn mitwirken, ist auf Erfolg zu hoffen. Erkner. Morgen, Montag, nachmittags 3 Uhr: Genreindewahl. Die Genossen werden dringeno ersucht, um 3 Uhr im Verkehrslokal von Degebrodt zu erscheine». KönigS-Wusterhausen. Dienstag, den 22. März, von vormittags ü'/a Uhr bis nachmittags 1 Uhr und von S bis 7 Uhr nachmittags findet im Pfnhlfchcn Hotel(am Bahnhofs die Ergänzungswahl der dritten Klaffe zur Gemeinde- Vertretung statt. Wenn es uns gelingen soll, Lrbeilervertreter ins OrtSparlanient zu bekomme», so muß jeder dafür sorgen, daß nie- mand der Wahl fernbleibt. Eines jeden Parteigenossen Pflicht ist es, sich am Dienstagnachmittag um 3 Uhr im Lokale von Ludwig Förstel(Stehbierhalle) in der Bahnhofstraße dem Wahlvorstande zur Verfügung zu stellen. Versäume niemand, am Dienstag überall, in der Fabrik, in der Werkstatt oder wo er sonst mit Königs-Wnster- hauscner Wählern in Berührung kommt, diese zu veranlassen, recht- zeitig zur Wahl zu gehen und die sozialdemokratischen Kandidaten Louis Deutschmaun und Wilhelm Pleikies zu wählen. Das sozialdemokratische Wahlkomitee. Wahlergebnisse. Pankow. Das amtliche Wahlergebnis der diesmaligen Gemeinde- Wahlen in der dritten WäHlerabteilung liegt nunmehr vor. Danach erhielten bei der Ergänzungswahl am 16. März: im 1. Bezirk: Genosse Joh. Hirsch meier 768 Stimmen Vorschullchrer Schiveinhagen. 744„ im 2. Bezirk: Genosse Wilh Kubig.. 360„ Bäckermeister Albrecht.... 612„ bei der Ersatzwahl am 17. März: im I.Bezirk: Genosse Karl Winkler.. 778 Stimmen Maurermeister Rohrbach... 874„ im 2. Bezirk: Geiiosie Wilh. Br all... 858„ Apotheker Buchmann.... 656„ Es sind somit die Genoffen Hirschmeier, Kubig und Brall ge- lvählt, während Genosse Winkler gegen den bürgerlichen Kandidaten unierlegen ist. Bisher waren wir in der Gemeindevertretung durch drei Genoffen vertreten, von denen einer mit April ausscheidet, so daß zwei verbleiben und drei neu hinzukommen, im ganzen also fünf künftig der Vertretung angehören.— Wie bereits mitgeteilt, wird von unserer Seite die Ersatzwahl im ersten Bezirk, wo Genosse Wmkler unterlag, angefochten aus folgenden Gründen: sieben Minuten vor Ablauf der bis 8 Uhr festgesetzte» Wahlfrist wurden auf wessen Veranlassung ist noch nicht festflestellt— die Saal- türen des Wahllokals durch die Ortspolizei geschloffen, so daß eine Anzahl Wähler nicht mehr Einlaß fanden und dadurch an der Wahl verhindert wurden. Da daS„Pankower Tageblatt" gegenüber unserem Protest von einem„angeblichen vorzeitigen Schluß des Wabllokals" spricht, mag es bei dem als Wahlvorsteher fungierenden Bürgermeister hierüber Erkundigung einziehen, welcher nach etwa drei Minuten währender Schließung die Wieder- ö f s n u n g der Saoltüren anordnete. Daß es sich hierbei um keinen bloßen Zufall handelt, geht daraus hervor, daß am vorher- gehenden Wahltage dasselbe Manöver versucht, aber noch rechtzeitig verhindert wurde. Wilhelmsruh. Bei der gestrigen Gemeinde- Vertreterwahl im zweiten Bezirk(Nordend-Rosenthal) wurde der sozialdemokratische Kandidat Genosse Hermann B r a t v o g e l mit 7ö Stimmen gegen den Kandidaten der ver- einigten bürgerlichen Parteien und Vereine, aus den 74 Stimmen entfielen, gewählt. Schenkendorf. Bei der am Donnerstag stattgefundenen Gemeinde- vertreterwahl wurde in der dritten Klaffe Genosse Wilhelm Eol» b e r g mit 39 gegen 5 Stimmen wiedergewählt. Auch bei der Wahl in der zweiten Klaffe, an welcher sich unsere Genoffen zum ersten Male beteiligten, wurde unser Genoss« Wilhelm Lieske mit 16 gegen 7 und 3 Stimmen, welche aus die beiden Gegner entfielen, gewählt. ES zieht somit der zweite Sozialdemokrat in das Dorfparlament ein. Daß die Gegner in der Bekämpfung der Sozial- demokratie selbst vor den infamsten Mitteln nicht zurückschreckten, geht aus einem Brief hervor, welchen einer unserer Kandidaten er- hielt. In demselben wird unserem Genoffen gedroht, daß, wenn er es mit der Sozialdemokratie halte, die Entlaffung au« dem Betriebe, wo er beschäftigt ist, zu gewärtigen habe. Zernsdorf lKreiS Teltow). Bei den Gemetndewahlen der dritten Abteilung wurde unser Genosse Schulz mit 33 gegen 16 Stimmen wiedergewählt. Schönwalde(Bezirk Pankow). Bei der Gemeindewahl fiegte der Kandidat der Sozialdemokratie in der dritten Klaffe mit 60 Stimmen. Die Gegner hatten aus einen eigenen Kandidaten verzichtet. In der zweiten Klasse wurde unser Kandidat mit 18 gegen 11 bürgerliche Stimmen gewählt. Es geht also auch hier vorwärts. Schöneberg. In Todesgefahr durch Rauchvergiftung geriet beim Löschen eines Brandes im Hause Motzstr. 77 einer der dabei tätigen Feuerwehr« leute. Durch sofortige Anwendung de» Sauerstoffapparats war es möglich, den Mann ins Bewußtsein zurückzunifen. Sein Zustand ist immerhin noch besorgniserregend. Rixdorf. Eine außerordentliche Sitzung der Stadtverordnetenversammlung findet am Dienstag, den 22. März, nachmittag« 5 Uhr, stall. Zur Beratung steh« u.a.: Erlaß einer Gebührenordnung für daS städtische BeerdigungSwesen, ei» Nachtrag zur WertzuwachSsleuer. Nachtrags- verlrag mit der Großen Berliner Straßenbahn wegen Herstellung einer Strahcnbahnverbindung zwischen Rixdorf und Treptow. Ab- ändernng des Bebauungsplanes des ehemaligen böhmischen Dorfes, Festsetzung der Bedingung für die Aufnahme in die Privatableilung des städtischen KrankenhuuseS. Aeußerst würdevoll und drmonstrati» verlies die am Freitag, den 18. d. M., im Hoppeschen Lokale abgehaltene Märzfeier. Kurz nach 7 Uhr abends begann sich der große Saal zu füllen. Ganz besonders erfreulich zahlreich war das weibliche Proletariat erschienen. Galerie, Neben- räume, Seitengänge waren bis in den letzten Winkel gedrängt voll, als der Männergesangverein„Rixdorf" mit einem stimmungs- vollen Liebe den Abend eröffnete.— Reichstagsabgeordneter Genosse Eichhorn, der hierauf die Festtede hielt, konnte, oft von Beifall unterbrochen, der vor 62 Jahren auf den Barrikaden gefallenen Märzkämpfer nicht besser gedenken, indem er aufforderte, den großen BefrciungSkainpf gegen alle Bolksfeinde. ins- besondere gegen das Junkertum und deren Bollwerke siegreich zu Ende zu sühreu. Nun kam der künstlerische Teil des Abends zu seinen, Rechte. Herr Stauffen, Schauspieler vom Berliner Theater, rezitierte mit wahrhaft heldenhafter Stinime und warmem Impuls aus freiheitlich- revolutionären Gedichten von Freiligrath, Herwegh und Heinrich Heine. Tharlottenbnrg. Von einem Automobil überfohrc» und lebensgefährlich verletzt wurde vorgestern abend der 16jShrige Laufbursche Paul Jablonski aus der Krummestr. 64. Als er vor dem Hause Berliner Str. 59 den gahrdamm überschreiten wollte, lief er dabei gegen ein heran« nahende« Privatautomobil, wurde umgestoßen und geriet unter den Krafuvagen, dessen Räder über ihn hinweggingen. Der Laufbursche erlitt eine blutende Kopfwunde, einen Schädelbruch und schwere Ver- letzung der Wirbelsäule. Der Verunglückte erhielt auf der Unfall« station in der Berliner Straße die erste ärztliche Hilfe und wurde von dort aus nach dem Krankeiihaus Westend übergeführt, wo er in bedenklichem Zustande daniederliegt. Bon seinem eigenen Wagen überfahren und schwer verletzt wurde gestern der 62 jährige Kutscher Friedrich Sommerfeld, Brauhofstr. 14 wohnhaft. Er durchfuhr mit einem mit Bauholz hoch beladenen Gesährt die Nordhausener Straße. Vor einem vorübersauscnden Automobil scheute das Pferd und bog nach dem Biirgcrsteig hinüber. Infolge des Anpralls der Räder gegen die Bordschwelle, stürzte Sommerfeld von seinem Sitz, geriet unter den Wagen und wurde überfahren. Der alte Mann erlitt cinen komplizierten Beinbruch, sowie schwere inner« Verletzungen und wurde nach dem Krankenhau» Westend gebracht... Zehtouvorf(WannseeEahu). Eine umfangreiche Tagesordnung, die schon ihrer ganzen Zu- sammenseyung nach bei unserer Vertretung auf Erledigung kaum rechnen ließ, war augenscheinlich nur wegen der bevorstehenden Ge- meiiidewahlen aufgestellt. Die Vertretung wollte wahrscheinlich den Beweis erbringen, daß sie, entgegen unserer Borwürfe, auch frucht- bare Arbeit leisten könne. In unterem Mißtrauen zu der Erledigung dieser Tagesordnung hatten wir uns denn auch nicht getäuscht. Man kam über die ersten zwei Punkte nicht hinaus, und mußte zehn Punkte für eine spätere Sitzung aufbewahren. Daß man bei der Behandlung eines Erlasses zum Ortsstatut betreffend die Erhebung von Beiträgen zu den �Kosten der Schmiitzwasierkanalisation länger verlveilen mußte, hätte man sich eigentlich vorher sagen können, da man vorher Jahre zu seiner Durchberatung gebraucht hatte. Wie unklar man aber jetzt noch war, geht a>n besten daraus hervor, daß in der Zeit vom 12. bis 15. März den Vertretern vier ver- schieden? Vorlagen über denselben Gegenstand zugingen. Nachdem dann verschiedene Herren ihre RedaklionSkuust versucht hatten, einigte man stch schließlich auf einen Vorschlag Münzer. Danach soll den Zahluiigspflichligen das Recht zustehen, die Zahlung des Haupt« beitrnges in vier Jahresraten zu leisten. In einer Rate von 19 Proz. und in drei Raten von je 27 Proz. des Gesamtbeitrages. Dieses Recht gelte jedoch nur für die gegenwärtigen Besitzer. Im Verkaufs- oder BebanungSfalle von angeschlossenen Grundstücken soll der Gesamt- oder der noch zu zahlende Restbetrag auf ein- mal fällig seiir. Diejenigen, die von diesem Rechte Gebrauch machen, haben aber S Proz. Zinsen im voraus zu zahlen, die event. anteilig zurückgezahlt werden sollen. Ferner sollen für den Bau- abschnitt, der am 1. Oktober fertiggestellt sein wird, für den laufenden Meter Straßenfront, in dem Gebiet der offenen Bauweise 18,50 Mark, in dem Gebiet der geschlossenen Bauweise 37 Mark erhoben werden. Für den HauSanschluß wird eine Pauschalsumme von 90 M. festgesetzt, jedoch nur von der Straßenleitung bis zur Grundstücksgrenze. Es wurde sodann ein Programm vorgelegt, be- treffend den Bau der neuen Volksschule in der Wilhelmstraße. Einst- weilen hat eS den Anschein, als wollte man hier auch für die Volksschlller einen Bau aufführen, der den Anforderungen der Neuzeit entspricht. Wir sind aber skeptisch geworden; schon einmal war bekanntlich ein Projekt ausgearbeitet, das dann aber in den OrkuS verschwunden ist; und bis jetzt hatte man nichts davon gehört. Daß gegenüber einigen Forderungen im Programm sich starker Widerspruch geltend machte, weil sie zu komfortabel erschienen, war, da es sich ja nur um eine Volksschule handelt, zu erwarten. Die Ausarbeitung deS Projekts ist den Herren Erdmann und Spindler übertragen. Aus ReinlicbkeitSgründen hätte man hierbei nach unserer Meinung dem Vorschlag de» Herrn Lange folgen und diese Firma nicht damit betrauen solle», da Herr Erd» mann Mitglied der Vertretung ist. Alle Gründe, die für diese Uebertragung vorgebracdt wurden, find fadenscheinig. JedeS Mit- glied einer Vertretung sollte soliden Austrag schon deswegen von stch weisen, daß nicht der Verdacht entstehe, es nütze seine Mitgliedschaft ini geschäftlichen Interesse auS. Auch wir find hierin Herrn Langes Meinung, daß wir saließlich unsere teueren Bauräte bezahlen, damit sie solche Projekte aussühren. Es ist jedenfalls bezeichnend, daß die Mehrheit der Vertretung über solche Gründe erhavor ist. Steglitz-Friedenau. Der vierte Vortragsabend über„Darwinismus und Sozialismus" findet im Rheiiiichloß, Friedenau, Rheinstraße, nicht bei Schelhase statt. Wegen der Gemeindevertreterwahl wird«twaS später an- gefangen werden. Ober- und Nieder-Schöneweide. Heute, Tonntag den 20. März, von 12% Bis 6 Uhr Gewerbe. gerichtswahl! Erfülle jeder über 26 Jahre alt« Arbeiter, welcher in Ober- oder Nieder-Schöneweide wohnt oder beschäftigt ist, seine Wahlpflicht und gebe feine Stimme für die Liste L der freien Gewerkschaften ab. Das Gewerkschastskartell für Ober-Schöneweide und Umgegend. Lichtenberg-FriedrichSfelde. Bereinigung Zugendheim. Die FrühlingSfeter für heute abend ist vom Polizeiprästdemen verboten worden. Dies« Veranstaltung wird auf Soniuag. den 10. April, nach den.Prachtsälen des Ostens", Frankfurter Allee 162, verlegt. Die Billetts haben dt» dahin Gültigkeit. Reinickendorf. Di« Etatsberatung in der Gemeindevertretung beginnt am Montag, den 21. März, und wird eventuell am Mittwoch, den 2 3. März fortgesetzt. Da diese Beratungen in der Gemeinde von besonderem Interesse sind, empfehlen wir den Genossen den Besuch der obigen Gemeindevertretersitzungen. Dieselben beginnen um 6 Uhr im großen Sitzungssaale. Vermischtes. Eine Luftschiffahrtlini«. Aus Köln wird uns gemeldet: Wie Direktor Eolsmann dem Reichstagsobgeordneten Robelt mitteilte, sind die Vorarbeiten für die LuflschiffahrlSlinie Düsseldorf- Berlin gleichfalls soweit gefördert, daß die Eröffnung der fahr» planmäßigen Fahrten im Herbst dieses Jahres erfolgen dürste. Durllunfug. Nach dem Pariser„Ail blaS" hat zwischen dem Chefredakteur de« rohalistischen Blatte«.Actio» franyaise" Leon Bandet und einem anderen Journalisten ein Duell stattgefunden, wobei Baubet am Arm und sein Gegner an der Sttrn verletzt wurde. Sozialdemokratischer ZentralwahlUrrctu ritt de» Reichstags' Wahlkreis Ztllllchau-SchwirbuS- Krosien-Tommerfeld(Ortsverein Berlin.) Dienstag, 22. März, abends 8'/, Uhr, Mttgllederversammlmig bei Eichhorn, Koppensw. 47. Nebensche Kranken- und Tterdekasse Nr. S. gegründet 178S. Heute Zahl- und Ausnahmetag bei Römer, Slisabethkirchstr. 14. BrUfhafUn der Redafttfon. — R. T. 347. Klagen Sie bei der AussichlSbehörde(Magistrat Berlin) und wenden Sie sich sür den Fall der Abmeiiung nochmals an uns.— R. G. 1. Eine Konzcslion halten wir nicht für erforderlich. 2. Nur event. Gewerbesteuer. 3. Nicht bekannt.— K. G. D. O. Rosenthal, Pols- damer Straß« 121?, D. Htrschseld, Meranderstr. Sl.— M. M. 1. Ja. f. M. 1884. Geburtsurkunden. Nachweis über die Staatszugebörigkcit, achwets über den Wohnsitz, ZustimmungSerklSrimg deS nicht erschienenen Verlobten und, soll« die Braut minderjährig ist, EinwilligungSertlärung deS Vaters.— W. 8. 79. 1. Ja, sosern eS sich um«inen tn kaufmänni» scher Weise eingerichteten Geichäslsbctrieb bandelt. In der Regel wird die» bei einem derartigen Umsatz zu bejahen sein. 2. Gebühren stet; 3,25 M. Lichtenberg. 14,07 M.— H. G. 1. Fall» der Dienst vor dem 1. Mär, 1909 angetreten ist. nein, sonit ja. 2. Für den Zeitraum der beiden letzten Lohnperloden, z. B. für die Zeit vom i. Januar bis Ende Februar, wem» monatliche Lohnzahlung erfolgte.— R. 15. Messen Sie bitte nach.— BSltterungsiitiersicht vom 19. März 191». morgen» 8 Uhr. . Wetterprognose für Sonntag, den 29. März 191». Zunächst zeitweise heller, am Tage etwas wärmer bei mäßigen»est« lichen Winden; später wieder zunehmende Bevblkuna und leichter Rege«, ' Berliner Setlerbureau. Fertig am Lager Herren-Frühiahrs-Paletots 30.- 33.- 33.. 43.- Herren-Frühjahrs-Ulster 38.- 43.- 48.- 53.- Herren-Jackett-Anzüge 18.- 34.- 39. 44.- Eleg. Mass-Anfertigung � zu niedrigen Preisen. D. Perleberg Chausseestr. 63, Ecke Liesenstr. Speziaihaus für moderne Herren- und Knaben- Bekleidung Sonntag bis 6 Uhr abends geöffnet + Hagerkeit+ schwindet durch Hautet Nfthr- Sulver„THilossia". Preisgekrönt erlin IwH. In 6 Wochen 24 Pfund ärztl. kontrollierte Zunahme. Gar. tmschadl Viele Anerk. Karton 2 M., bei Postversand Porto und Kacbaabmespeaen extra. H. Haute, Berlin N., Greifenhageners tr. 70. 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