Ztr. 68. Hbonntmen tS'Bedlngungen: WonnemenIS> Preis pränumerando i Bierteljährl. 3,80 MI, monatl. 1,10 MI., wöchenllich 28 Pfg, frei ins Haus. Einzelne Rummet 5 Pfg, Sonntags- nummer mit illustrierter Sonntags- Beilage.Die Neue Welt" 10 Pfg. Post- klbonnement: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post, Zeitungs- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich. Ungarn S Marl, für das übrige Ausland 8 Marl pro Monat, PostabonnemenlS nehmen an: Belgien, Dänemarl, Holland, Italien, Luxemburg, Portugal, Simnänien. Schweden und die Schweiz. 87. Jahrg. QtdKliit»M loScr montsst. Verlinev Volksblatt. Die TnTertlonS'GebObr- bclrSgt für die fechsgefpalteno Kolonel» gelle oder deren Raum 50 Pfg.. für polltische und gewcrlschastllche Vereins» und Berfammlungs. Anzeigen 80 Pjg. „Weine Sn-eigen". das erste tfett- gedruckte) Wort 20 Pfg,, jedes weitere Wort 10 Pfg, Stellengesuche und Schlaf- siellen-Anzeigen das erste Wort 10 Pfg,, jedes weitere Wort 5 Pfg, Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Numnier müssen bis S Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geösjnet. Telegramm. Adresiet „SozlaMtinolirat Berlin", Zcntralorgan der roziatdemokratifcbcn Partei Deutfchlande. Redaktion: öCd. 68» Lindenatrasse 69. Fernsprecher: Amt IT, Nr. 1983. Die Krise in Spanien. Madrid, 18. März.(Eig. 93er.) Die letzte spanische Ministerkrise ist deshalb von besonderer Bedeutung, iveil sie leicht zu einem Wandel oder gar zur Auf- lösung der liberalen Partei, ja selbst zum Bankerott des monarchischen Regimes führen kann. Bekanntlich war M 0 r e t Ministerpräsident geworden im Anschluß an die stürmischen Manifestationen, die in Spanien sowohl wie im Auslande gegen Morels Vorgänger, Herrn M a u r a— den Mörder Ferrers— veranstaltet worden waren. Moret war der Führer der liberalen Partei, einer der beiden„xsrtiäos turnantss"(Alistauschparteien), die abwechselnd die Macht in Händen haben. Es war also— wohlverstanden— gemäß der ständigen Uebung in der spanischen Politik so gut wie abgemacht, daß, sobald die konservative Partei die Macht aus der Hand gab, die liberale Partei an ihre Stelle zu treten hatte. So lautet wenigstens der still- schweigende Pakt zwischen den politischen Gruppen, die sich in die Herrschaft Spaniens teilen, jener Pakt, der sozusagen vom König selbst anerkannt ist. Jedoch die liberale Partei ist seit dem Tode ihres alten Führers S a g a st a in verschiedene Gruppen zerspalten, an deren Spitze die Herren Moret, Montero-Rios, Canalejas und Graf Romanones stehen. Obgleich nun all' diese Gruppen und ihre Führer im Prinzip anerkannten, daß Moret die Leitung gebühre, so verfocht doch in Wirklichkeit ein jeder von ihnen die Sonderinteressen seiner Gruppe, statt daß er die Interessen der Gesamtpartei wahrnahm. Man kann ruhig behaupten, daß ohne die Ereignisse der „tragischen Woche" in Katalonien und ohne die Folgen, die sich daraus ergaben, Maura noch lange Zeit die Regierung in Händen behalten hätte. Denn die liberale Partei bedurfte einer Verlängerung ihrer oppositionellen Periode, um die der- schiedenen Gruppen, aus denen sie sich zusammensetzt, mit- einander zu verschmelzen. Es existiert nämlich noch eine Regel, die in der spanischen Politik eine Rolle spielt: die Parteien kommen herunter, wenn sie an der Macht sind, und kommen wieder hinauf, wenn sie in der Opposition smd. Vielleicht hat gerade djese Schwäche der liberalen Partei dazu beigetragen, Herrn Maura Mut zu machen. Denn da er sich für den unumschränkten Herrn der Situation hielt, so zauderte er nicht, das Volk herauszufordern: Zuerst dadurch, daß er einen ungerechten Krieg erklärte, sodann dadurch, daß er die Proteste dagegen erstickte, endlich, indem er den Auf- rühr in der berühmten Juliwoche brutal niederknüppelte. Wie dem aber auch sei, Tatsache ist, daß Moret sich ge- zwungen sah, an Mauras Stelle zu treten in einem Moment, wo er darauf durchaus nicht gefaßt war, nämlich gerade dann, als es vor allen Dingen nötig gewesen wäre, die ganze Kraft aufzubieten, um den Anschein zu erwecken, als besitze die liberale Partei etwas wie eine Organisation. Unter diesen Umständen mußte Moret, sobald er einmal die Geschäfte über- nommen hatte, großen Schwierigkeiten begegnen, zumal in Anbetracht der außerordentlichen Machtgelüste der Gruppen und Untergruppen seiner Partei. We beklagten sich, aufgeopfert, mißachtet oder zumindest nicht genügend beachtet zu sein. Die Wahl des Mnisters des Innern z. B. hat unter anderem das Zustandekommen des Kabinetts beständig bedroht, da drei„große Tiere" ihreKandidatur aufgestellt hatten. Van einem Tage zum anderen wartete man mit großer Ungeduld auf die Ernennung des Ministers des Innern, während Moret das Portefeuille inzwischen vorläufig in Händen hatte. Da erfuhr nian plötzlich, zum höchsten Er staunen der Mehrheit des spanischen Volkes, daß Moret danke und Canalejas ihn ersetze. Expedition: SM. 68, Lindcnatraaae 69. Fernsprecher: Amt IT, Nr. 1984. Was war nun die Ursache der Krise? Es liegen darüber zwei Erklärungen vor, eine amtliche und eine halbanitliche. Nach der amtlichen Lesart ist die Krise znrückzufiihren auf die Abdankung des Grafen Romanones— des Vorsitzenden des liberalen Komitees'in Madrid— und aller Mitglieder dieses Komitees. Und zwar wollten diese Herren durch diesen Schritt gegen einen Beschluß protestieren, den der Gemeinderat von Madrid mit Unterstützung liberaler Stimmen gefaßt hatte. den Beschluß, durch den fcer Gemeinderat die Befugnis erhielt, gewisse Beamte zu ernen«en. die bis dahin gewöhnlich vom Bürgermeister ernannt worden waren! Graf Romanones und seine Anhänger waren der Ansicht, daß das Recht, das hier desn Bürgermeister genommen wurde (der Bürgermeister von Madrid ivird vom König er- nannt), daß dieses Recht für die republikanische und sozialistische Mehrheit in der Gemeindevertretung von Madrid eine Stärkung bedeute. Und damit seien— so behaupteten sie— die Interessen der Monarchie von den Freunden Morets preisgegeben.',. Der Verzicht deS Grafen Romanones und seiner Anhänger bedeutete für das Ministerium eine Ohrfeige und zwang Herrn Moret. abzudanken. Das ist die offizielle LeSart. Die offiziöse LeSart lautet ganz anders. Nach dieser wollte Maura. der im königlichen Schlosse — besonders bei der Königinmutter— allmächtig ist, Moret in Ungnade bringen, aus Aerger über die Haltung, die der Führer der Liberalen seit der Krise eingenommen hatte. Es sei also— nach der zweiten Lesart— Herrn Maura mit Hilfe einiger Personen aus der Umgebung des Königs und mit Hilfe der Königinmutter gelungen, Alfons Xlll. davon tfU überzeugen, daß Moret eine Gefahr für die Monarchie bedeute, und sie hätten den König zu bestimmen gewußt, Moret den Laufpaß zu geben. Da rief man Canalejas, auf daß er ein neues Ministerium bilde. Wir müssen erklären, daß die halbamtliche Lesart uns bei weitem wahrscheinlicher dünkt als die amtliche. Indessen, so oder so, in beiden Fällen ist das Resultat das gleiche: Erstens, entgegen dem konstitutionellen Brauch, hat der König den Ministerpräsidenten verabschiedet. Zweitens: da Alfons Xlll. fand, daß der gemäßigt- liberale Moret eine Gefahr für die Monarchie bedeutete, so hat er seine Zuflucht zu Canalejas genonimen, dem Führer der radikalsten Gruppe aller monarchistischen Parteien. Dies alles erscheint recht sonderbar und begegnet im Lande nur sehr geringem Verständms. Sobald Moret sein Amt hatte niederlegen müssen, verkündete er, daß er dem neuen Ministeriunl jede Hilfe und Mitarbeit verweigern würde und später veröffentlichte er im„Jniparcial" einen Brief, in ivelchem er sich über die Art beklagte, in der„ m an" sich ihm gegenüber benommen hätte! Montero-Rios seinerseits versuchte alle„Mitglieder der liberalen Familie" miteinander auszusöhnen, namentlich Moret und Canalejas: aber da dieser sich weigerte, Moret als Führer anzuerkennen, so mußte die Krisis in der liberalen Partei öffentlich verkündet werden. Wie wird's nun mit dem Ministerium Canalejas werden? Wird es sich lange am Ruder halten können? Das sind Fragen, auf die eine Antwort zu geben recht schwer ist. Es hat sich hartnäckig das Gerücht verbreitet:„m a n" habe die Absicht, schnell alle Männer der liberalen Partei aufzn- brauchen, damit es Herrn Maura ermöglicht werde, bald wieder die Herrschaft zu übernehmen. Andere behaupten, daß man, da das Ministerium Canalejas zu radikal sei, eine ganz neue Lösung vorbereite mit dem General W e y l e rf, dem Mörder von Kuba, als Präsidenten. Danach würden also Maura und Weyler. die hervorragendsten Vertreter deS Klenkalismus und des Militarismus, an der Spitze der beiden Parteien stehen, die Alfons XIII. zu Stützen seines Thrones zu machen gedächte. Sollte dieser Plan Wirklichkeit werden, so darf man für Spanien unruhige Zeiten voraussehen; denn Maura und Weyler sind sehr unbeliebt und werden alle beide als Ver- treter des Gedankens einer diktatorischen Regierung betrachtet. Der politische Horizont Spaniens ist also, wie man sieht, noch von schweren Wolken verdunkelt. Und die letzte Krise, welche die Krise der liberalen Partei im Gefolge gehabt hat, könnte den Bankerott des Königtums selber herbeifiihren, wenn das republikanisch-sozialistische Bündnis (das ja einzig und allein zu deni Zwecke geschlossen ist, die bourbonische Monarchie zu stürzen, die im- vereinbar mit der Zivilisation ist), wenn das republikanisch- sozialistische Bündnis aus der Verwirrung im liberalen Heere Nutzen zöge, um die Macht an sich zu reißen. Gewisse Leute versichern, daß Canalejas es verstehen wird, alle Gefahren zubeschwören, die über dem Haupte Alfons X»I. schweben. Wir wollen die Fähigkeiten des Herrn Canalejas nicht bestreiten; er ist verhältnismäßig jung, er hat viel Talent, große Beredsamkeit, aber nach der Behauptung derjenigen, die ihn kennen, fehlt es ihm an Energie und Mut. Canalejas ist aber jedenfalls einer der wenigen spanischen Politiker mit einem festen Programm und gefestigten Ansichten. Er hat seine Anschanungen in öffentlichen Versanimlungen, in ab- der Kammer und in seinem alten Organ, dem Madrider |„Heraldo", öfters auseinandergesetzt. Am besten hat er seine Ideen dargestellt in einem großen Arttkel, den er in der Madrider Monatsschrift„Nuestro Tiempo"(Dezember Nummer 19U1) veröffentlichte, und in einem sehr langen Vorwort zu dem Buche„El Jnsfituto del Trabajo", (die Institutionen der Arbeit), einem Buche der Herren Buylla, Posada und Morote. Das Programm des Herrn Canalejas besteht aus nenn kurzen Formeln, die er selber aufgestellt hat: 1. Man muß den Klerikalismus bekämpfen. 2. Man muß die Monarchie nationalisieren. 3. Man muß die städtischen Zölle und die indirekten Steuern abschaffen. 4. Der König muß demokratisch regieren. 5. Das Proletariat muß wirklich an der Regierung teilhaben. 6. Man muß den Senat reformieren, um in der Gesetzgebung für Arbeitergesetze zu sorgen. 7. Man muß die allgemeine Dienstpflicht einführen. 8. Man muß die Todesstrafe abschaffen. 9. Man muß die Groß- grundbesitz-Wirtschaft ausheben. Die Freunde des neuen Ministerpräsidenten nennen ihn den«spanischen Zanardelli" oder den„spanischen Waldeck- Rousseau". Und sicherlich gehört sein Programm zu den radikalsten im Königreich, und ist im Grunde genomnien viel radikaler als das Programm mancher Republikaner, obgleich Canalejas sich ausschweigt über die Reform des Militärstraf- rechts, sowie über die Abschaffung des Rechts zur Errichtung außerordentlicher Gerichtshöfe. Selbst wenn man den Ursprung der Krise vergäße, die Herrn Canalejas ans Ruder brachte, müßte man sich fragen, ob es unter den Monarchisten genug Männer zur Aufrecht- erhaltung eines solchen Programms gibt. Man muß diese Frage jetzt mit um so größerer Berechtigung aufstellen, da wir wissen, in wie viel Grnppen die liberale Partei gespalten und aus wie verschiedenartigen Bestandteilen das neue Ministerium zusanunengesetzt ist. Wir werden ja nun bald sehen, waS Canalejas in dieser Lage zu tun gedenkt. Falls er sich durchsetzen sollte(was im übrigen recht zweifelhaft ist), dann werden wir cs mit einer neuen demokratisch-monarchistischen Partei zu tun bekommen, mit einer sehr fortschrittlichen Parket, die das politische Gepräge Spaniens von Gniild aus verändern wird. Falls er(was sehr wahrscheinlich ist) kein Glück haben sollte, dann werden wir uns einer so verwirrten Lage aegenübersehen, daß es nach unserer Meinung nur noch zwei Auswege gibt: entweder die mehr oder minder nahe Diktatur des Maura oder deS W e y l e r oder aber ein vollständiger Wechsel des Regimes und Er» ri ch tun g einer demokratischen Republik. ver Sshlrechttiiginpf. Demoustrattonen. Der Sonntag hat wieder eine ganze Reihe im- posanter Demonstrationen der Arbeiterschaft ge- bracht. Die Beteiligung war überall eine gewaltige, und der Geist, der die Versammelten erfüllte, war der fester Kampf- entschlossenheit. Die Berichte lauten: Köln, 29. März. Für Köln und Umgegend fand auf dem Deutzer Schützen» platz eine Versammlung unter freiem Himmel statt, die von 25 000 Personen besucht war. Der Redner, Genofle Liebknecht, fand mit seiner Aufforderung, jetzt erst recht alle Kraft an die Eroberung des allgemeinen, gleichen, geheimen und direkten Wahlrechts zu setzen, stürmische Zustimmung. In einer Resolution sprachen die Vcrsannnelten ihre Entrüstung über die schäbige Art auS, mit der die wahren Verteidiger der VolkSrechle im Abgeordnctenhause, die Sozialdemokraten, namentlich durch den Zcntrumspräsidcnten behandelt wurden. Als die Maffe der Versammelten über die Schiffsbrücke wieder nach der Stadt zog, bot sich ihnen ein eigenartiges Bild. Aus Anlaß des Palmsonntages durchwanderte eine lange Prozession die Hauptstraßen. Aber man sah verhältnismäßig wenig Arbeiter darunter; auch im heiligen Köln, dem deutschen Rom, sind die Tage der Zentrumsherrschaft gezählt!— Natürlich wurden die ruhig nach der Stadt zurückkehrenden WahlrechtSdcmonstranten von einem großen Aufgebot von Schutzleuten begleitet. Um die Prozession aber, obgleich sie um die Mittagszeit stundenlang den Verkehr in den Hauptstraßen unterband, kümmerte sich kein einziger Polizeimann! Elberfeld. 20. März. Die beiden Wuppertalstädte Elberfeld und Barmen sahen heute eine Demonstration, wie eö fie bis jetzt noch nicht erlebt hatten. Auf dem geräumigen Exerzierplatz, einem der höchst gelegenen Punkte Elberfelds, strömten in der vierten Nachmittagsstunde die Masten der Demonstranten zusammen. Als kurz nach 4 Uhr auf ein Signal mit der roten Fahne von drei Tribünen ans die Ansprachen der Genossen Ebert, Molkenbuhr und Ströbel begannen. füllten 20 000 Teilnehmer den mächtigen Platz, während viele Hunderte Neugieriger von den» benachbarten Straßen, Bauplätzen und Fenstern aus der imposanten Kundgebung beiwohnten. Die Ansprachen fanden zu gleicher Zeit ein Ende, so daß sich nach Ver- lesung der Protestresolution gleichzeitig 20 000 Hände erhoben and aus 20 000 Kehlen das Hoch auf daS freie und gleiche Wahl« recht ausgebracht wurde. Nach Absingnng der dritten Strophe der Arbeitermarseillaise zerteilte sich die Menge in vollster Ordnung, auf den verschiedenen Straßen in das Innere der Stadt hinabwogeud. Da sich die Polizei mit verständiger Zurückhaltung benahm, kam eS auch nicht zur leisesten Reibung. Essen» 20. März. In einer großen, von einigen tausend Personen besuchten Bergarbeiterversammlung in Essen referierte Genosse P 0 k 0 r n y- Bochum über die WahlrechtSvorlage und die BeHand- lung der Interpellationen über Bergarbeiterfragen im Landtag. Er forderte zum Kampf auf für die politische und wirtschaftliche Gleich- berechtigung. Wenn die Demonstrationen nichts mehr nützten, müsse man zu anderen Mitteln greifen. Er glaube, daß die Bergarbeiter in dem kommenden Kampf eine führende Rolle spielen werden. Im Januar habe der alt« Bergarbeiterverband 20 000 neue Mitglieder gewonnen. Biebrich» 20. März. Hier fand heute eine Riesen Versammlung unter freiem Himmel statt. Auf einer Wiese bei der Armeuruh« Mühle hörten einige Tausend Menschen den Bortrag deS Parteisekretärs Genosten Rudolf aus Frankfurt a. M. Während der Versammlung kamen Hunderte von Wiesbadenern in geschlossenem Zuge die Straße herunter und beteiligten sich an der Kundgebung. Ein DeMonstrationS- zug, der von der Polizei nicht gestört wurde» bewegte sich bis v 0 r S R a t h a u s, wo er sich zerstreute. In Weißtirchen» einem Dörfchen im TaunuS, ver» sammelten sich Sonntag zirka 1400 Personen unter freiem Himmel, um für das freie Wahlrecht zu demonstriere». Breslau» 20. März. Schlesien hatte heute in mehreren Städten Kundgebungen. In Schweidnitz zog eine Menge von 2000 Personen auf denMarktplatzund brachte Hochrufe aufs Wahlrecht auS. ES wurden acht Verhaftungen vorgenommen. In L i e g n i tz Bricg, Trebnitz und Parchwitz fanden Versamm-, lungen unter freiem Himmel statt, die alle einen starken Andrang auswiesen. In Hainau, Goldberg, Kattowitz, Neisse. Neustadt und Ziegenhals fanden Versa, mnlungcn in Sälen statt, die zum Teil polizeilich abgesperrt werden mußten. In den meisten der Städte fanden auch Straßen« Umzüge statt, die ohne Zwischenfälle verliefen. Ein ftfonds für den Wahlrechtskrieg. Unser Kieler Parteiblatt, die„Schleswig-Hol» st e i n i s ch e V o l k s z e i t u n g" erläßt folgenden Aufruf: „Die Proletarier Kiels haben ihre ehrliche Absicht, für die Beseitigung des Dreiclassenelends das Aeußerste zu wagen, durch einen glänzend durchgeführten Massen- streik betätigt. Die Solidarität der Arbeiterschaft hat auch den Opfern der Unternehmerrache jeden Schaden fern- zuhalten gewußt, indem sie auf einen Schlag 32l)iX> M. für die Unterstützung der Ausgesperrten hergab. ES ist sicher, daß der Kampf um das Wahlrecht noch schärfere Formen aunehme» und noch mehr Opfer koste» wird «lS bisher. ES ist sicher, daß auch dabei wie bisher die Arbeiter Kiels sich an der Spitze der Bewegung halten werden. Natürlich wird es dann den Kassen der Organisationen nicht immer leicht sein, all die Mittel aufzubringen, die der eventuelle langtägige politische Massenstreik erfordern kann. Unter den Umständen wäre es nicht richtig, nur mit den Kassen der Organisationen zu rechnen und sich nur auf die regelmäßigen Beiträge ihrer Mitglieder zu verlassen. Wer Parteigenosse ist und Einnahmen hat, die über den Durch- schnitt hinausgehen und wer. ohne Parteigenosse zu sein. Freund des demokratischen Wahlrechts ist und Sympathien hat für da? gewaltige Ringen, das jetzt einsetzt, der sollte eine Gelegenheit finden, nach seinenMitteln beizutragen. Zu diesem Zwecke eröffnen wir für die Kreise dieser Ge- noffen und dieser Wahlrechtsfreunde hier eine Sammlung. Da in unserer Provinz sicherlich Kiel den Brennpunkt der Wahlrechtsbewegung darstellen wird, werden wir die Gelder zunächst in Kiel zur Verwendung bringen.. Zur Wahlentrechtung Gefängnisstrafen! Halle, IS. März. Unter dem Vorsitz des LandgrrichtSdirektorS Schubert, bekannt aus Königsberg und Erfurt, wurde am Sonnabend vor der Strafkamnier in Halle gegen dreizehn Angeklagte verhandelt, die sich bei den großen W a h l r e ch t s d e m o n- strationen der Halleschen Arbeiterschaft. namentlich am 13. Februar, dem Blutsonutag. der verschiedenartigsten Vergehen schuldig gemacht haben sollten. Auflauf. Wider- stand gegen die Staatsgewalt. Polizisten- beleidigung. grober Unfug usw. lauteten die angeblichen Delikte. Erst sollte Anklage wegen Aufruhrs erhoben werden. jedoch blieb es bei der Absicht. Bis spät in den Abend hinein währten die Verhandlungen und sie gestalteten sich zu einer schweren moralischen Nieder- läge der Polizei. Zwar wurde gegen die Angeklagten auf insgesamt S? Wochen Gefängnis und 30 M. Geldstrafe erkannt. Doch konnte von den Angeklagten, den Zivilzeugen und den Verteidigern festgestellt werden, daß Tausende und Abertausende „Gutgesinnter" in Halle über daS Verhalten der Polizei bei den WahlrechtSdcmonstrationen noch heute geradezu empört sind. Zu berücksichtigen ist auch bei der Wertung deS Urteils die Bcr- handlungSsührung. Während die Polizeibeamten, die ihre Aussagen ganz schematisch gegen die Demonstranten richteten, mit aus- gesuchter Höflichkeit behandelt wurden, mußten sich die An- geklagten und die wenigen Entlastungszeugen, die auftreten tonnten, in barschester Weife anreden lassen. Der Verteidigung wurden sämtliche BeweiSanträge, die ein klares Bild über die ganzen Vorgänge schaffen sollten, rundweg abgelehnt, dagegen durften die Hauptzeugen der Anklage, wie der Polizeiinspektor V. Dossow, a la Polizeibericht Ding« schildern, die sie selbst gar nicht gesehen hatten. Erst aus Reklamation unseres Genoffen Liebknecht veranlaßte der LerhandlungSleiter Polizisten die den Anwälten nicht ant- Worten wollten, die geforderte Auskunft zu geben, von vorn- herein wurden die Wahkrechtsdemonstranten vom Vorsitzenden des Gerichts als eine„unvernünftige Menschenmenge", die sich„zusammengerottet" habe, die Angeklagten al»„Herum- treiber" bezeichnet! AIS„Gewalttätigkeit", diedas Signal zu der brutalen Metzelei gegeben haben soll, wird de» zeichnet, daß jemand einem Berittenen, dessen Pferd unter anderem ein Kiud schwer verletzte, in de» Zügel siel. Ueber die Ent- lastungSzeugen äußerte sich der Landgerichtsdirektor Schubert. daß sie sich eigentlich alle strafbar gemacht hätten und selbst auf die Anklagebaak gehörten. Zu den Beweisanträgen der Oerreidigung über Bluttaten der Polizei be- merkte Herr Schubert, all daö könne ruhig als wahr unter- stellt werden, die Polizei fei zu ihrem„energischen" Vor- gehen berechtigt gewesen I Wenn trotzdem daS Urteil nicht schärfer ausfiel, so ist zu er- meffen. wie elend eS mit dem Gebäude der Anklage bestellt ist. Der Staatsanwalt. Dr. Schulze heißt er. beantragte gegen jeden der Angeklagten mehrere Monate Gefängnis.� Verurteilt wurden vier von ihnen zu je fünf Wochen Gefängnis, drei zu je vier Wochen, einer zu drei, einer zu zwei Wochen Gefängnis und einer zu einer Geldstrafe von 30 M. In zwei Fällen mußte Freisprechung erfolgen. Einer der am härtesten Verurteilten ist seit acht Jahren Mitglied eines Jünglings- verein? und war wie andere durch die AbsperrungSmaßregeln der Polizei in» Gedränge geraten. Am Mittwoch wird gegen eine noch größere Zahl von Angeklagten verhandelt. Der Ruf nach dem Wahlrecht— grober Unfug! In Breslau standen am Sonnabend wieder mehrere Teil« nehmer an Straßendemonstrationen vor dem Schöffengericht, die durch Schwenken des Hutes und Hochrufe groben Unfug verübt haben sollten. Di« Angeklagten wurden, entgegen der Auf- fasiung deS höchsten preußischen Gericht», das in Hochrufen groben Unfug nicht zu erblicken vermag, verurteilt und zwar wurden Geldstrafen von 1b M. und in einem Falle eine Woche Haft festgesetzt. DaS Gericht stützte sich hierbei auf ein Reichs- gerichtSurteil aus dem Jahre 1802, also a»S der Zeit unmittelbar nach dem Sozialistengesetz(I), wonach die bloße Teilnahme an sozialdemokratischen Kundgebungen als grober Unfug zu betrachten ist. da durch Kundgebungen sozialdemokratischer Natur die übrige Bevölkerung sich belästigt und beunruhigt fühlen kann! Die Justiz im Brauuschweiger Wahlrechtskampf. Das Landgericht zu Braunschweig verurteilte am Sonnabend den Genossen Wesemeier vom„VolkSjreund" wegen Beleidigung des StaatSministerS Dr. v. Otto zu acht Monaten Gefängnis. Die Beleidigung wurde in mehreren Artikeln gefunden, die nach der brutalen Polizeifäbelei wider die Wahlrechts- demonstranten am SV. Jamiar im„vottsfreund" erschienen sind. Die Begründung des Urteils läßt unzweideutig den Geist erkennen, aus dem es erfloß. Der Vorsitzende erklärte, daß der inkriminierte Artikel bestimmt war, den Minister dem allgemeinen Hasse der unteren VolkSklaffe auszuliefern und den Minister ein« zuschüchtern. Wer stehe dafür, daß sich nicht einer aus dem Leser- kreise deS.Volksfreund' finde, der durch den Artikel ver» anlaßt werde, ein Attentat gegen de» Minister zu begehen! (Allgemeines Gelächter im Znhörerraum.) Der Minister arbeite von früh bis spät für daS„Wohl des ganzen Volkes", er als Staats- manu müsse gegen Beleidigungen besonders geschützt werden. Der Staatsanwalt hatte sechs Monate Gefängnis deantragt. Gegen das Urteil wird Revision eingelegt werden. Die ungeqeucrliche harte Strafe wird die Braunschweiger Proletarier sicherlich nicht zum Einstellen des WahlrechtSkampfeS bewegen. Im Gegenteil.... Die Strafteudernonstratitm als„Auflauf". Am 20. Februar hatte Itzehoe eine grandiose Wahlrechts- demonstration, die ohne Störung verlaufen wäre, wenn nicht die Polizei sich die Berliner Polizeistrategie zum Muster genommen hätte. Als die Strahendemonstranten eine Brücke passierten, hatte es die Polizei durch Absperrungen zuwege gebracht, daß die Massen sich weder vorwärts noch rückwärts zu bewegen vermochten. Genosse Kellermann forderte die Polizei auf, den Weg freizugebtn. dann würde alles ordnungsgemäß vor sich gehen. Anstatt diesen der Si tuation angemessenen Rat zu befolgen, griff man Genossen K. heraus und führte ihn ins Polizeiverließ. Was man kaum für möglich hielt, geschah: K. wurde wurde wegen Auflaufs an» geklagt, obwohl er sich doch bemüht hatte, die Massen in Fluß zu bringen. Ankläger wie Schöffengericht, vor dem Genosse Kellcrmann am Donnerstag stand, nahmen, obgleich der Verteidiger Dr. Herz- Altona daS Widersinnige der Anklage nachwies, an, daß sie gerechtfertigt sei. DaS Urteil lautete auf eine Geld» strafe von 150 Mark. Gegen das unhaltbare Urteil ist Berufung eingelegt worden. Sie IZzuerubewegiiDg in Griechenland. In Thessalien, dem fruchtbarsten Teile Griechenlands find, wie wir schon telegraphisch gemeldet haben, Bauernunruhen ausgebrochen. Bereits find blutige Zusammenstöße zwischen Bauern und Militär, Ueberfälle der Bauern auf Eisenbahnzüge vorgekommen. Diesen„Unruhen" ging eine ziemlich friedliche Bewegung voran. Die Bauern suchten durch Versammlungen. Resolutionen und Petitionen an den König und das Parlament ihre Wünsche durch- zusetzen. Freilich konnte der Inhalt der Petitionen manchen europäischen großkapitalistischen Zeitungen zu„großem Bedenken" Veranlassung geben. Die Bauern verlangen nämlich die Expropriation eines Teiles des privaten Grundbesitzes in Thessalien und feine Verteilung an die bäuerliche Bevölkerung. Wie„revolutionär" oder gar „sozialistisch" diese Forderungen manchem auch erscheinen möchten, in Griechenland sind sie durchaus gesetzmäßig. Seit den achtziger Jahren sind oft Gesetzentwürfe über Expropriation einzelner Privat« güter in Thessalien vom Parlamente angenommen worden. Die Expropriationsbeschlüsse des Parlaments beziehen sich bereits auf ungefähr 300 Latifundien in Thessalien. Zur Verwiiklickung dieser Beschlüsse kam eS jedoch bisher nicht, da sich die Regierung immer auk die leere und von Schulden belastete Staatskasse berufen konnte. Den Besitzern der Latifundien muß ja„eine entsprechende Ent- schädigung" gegeben werden. Die Bauern verlangten somit nur die Ausführung bereits angenommener Gesetze. Diesmal wurden sie aber vom König und einflußreichen Parteiführern schroff zurück- gewiesen unter Hinweis nicht etwa auf Mangel an Geld, sondern auf „die Unantastbarkeit deS privaten Eigentums". Alle ExpropriationS- befchlüsse des Parlaments und die früheren Ausreden der Regierung stellen sich dadurch als Heuchelei, als ein Mittel des Stimmenfanges heraus. Das Parlament in Griechenland besteht feit 1864 aus einer Kammer, die sich auf Grund des allgemeinen, direkten, gleichen und geheimen Wahlrechts zusammensetzt. DaS passive Wahlrecht steht jedem Bürger zu. der daS 21. Lebensjahr erreicht hat; der Kandidat hingegen muß mindestens 30 Jahre alt sei» und irgendein Eigentum besitzen. Zu den Eigentümlichkeiten dieses pseudo-demokratischen Wahlsystems gehört noch, daß jeder Kandidat von zwölf Wählern empfohlen werden muß und verpflichtet ist, 200 Frank an die Staatskasse zu zahlen— zur Deckung der Wahlunkosten Selbstverständlich können Arbeiter und Bauern 200 Frank nicht zahlen und sind genötigt, ihre Stimmen für die Kandidaten aus den reicheren Schichten abzugeben. Die Bauernstimmen aber sind ja nötig, deshalb stellen auch bald die Regierungskandidaten, bald ver- schiedene Parteien bei den Parlamentswahlen entweder die„Expro- priation' oder eine radikale Steuerreform in Aussicht. Wie gesagt, find auch mehrfach Expropriationsbeschlüsse von der Kammer gefaßt worden— in der Absicht natürlich, diese Beschlüsse nie zu ver- wirklichen. DaS Spiel dauerte aber viel zu lange. Die wirtschaftliche Lage der Bauern ist so unerträglich geworden, daß man schließlich genötigt war, die ExpropriattonSangelegenheit auf irgendeine Weise zu erledigen. Die herrschenden Kreise haben aber alle ihre frühere» Beschlüsse und Versprechungen durch den Hinweis auf die Unantastbarkeit des Privateigentums so gut wie zurückgenommen! Abgesehen von der Entrüstung, die dies unter den Bauern hervor- rufen mußte, ist ihre wirtschaftliche Lage auch wirtlich un- erträglich. In Griechenland existiert nur der private Grundbesitz. Gemeinde- eigentum auf Grund und Boden ist gänzlich verschwunden, ebenso fast alle vlmcnden. Während aber in allen unftuchtbaren Teilen deS Landes der bäuerliche Kleinbefitz vorherrscht, besteht daS sehr fruchtbare Thessalien ausschließlich auS großen Latifundien, deren Eigentümer eS vorziehen, einen großen Teil ihres Besitzes(bis 40 Proz.) für Oliven- und Weinkultur(die Ausfuhrprodukte liefer») zu verwenden. Für jden Getreidebau bleiben hier höchstens noch 80—35 Proz. der sämtlichen Fläche übrig, da ein Teil der Fläche (Flüsse, Wege usw.) nicht bebaut werden kann. In den Gegenden deS bäuerlichen Grundbesitzes wird(der Bodenbeschaffenheit wegen) mehr Oliven- und Weinkultur als Kornbau betrieben. Die Folge ist, daß in ganz Griechenland stetig eine ungeheuere Brotnot herrscht; daS vom Auslände eingeführte Getreide ist mit einem hohen Zoll belegt. Die VolkSnahnmg besteht hauptsächlich auS Oliven, zu denen in einigen Gegenden noch ein wenig Maismehl und noch weniger Brot hinzu- kommt. Die meisten Gebrauchsartikel sind mit hohen indirekten Steuern belegt, außerdem müssen die Bauern noch das sogenannte „Zehntel" ihrer Ernte. daS schon längst auf 15 Proz. erhöht ist, dem Staate abgeben. DaS Elend der bäuerlichen.Grundbesitzer" ist unbeschreiblich. Sehr viele verlassen ihr„immobile» Eigentum", ziehen in die Städte, wo sie meistens keine Arbeit finden, dienen als Matrosen aus den Handelsschiffen unter außerordentlich schlechten Arbeits« und Lohnhedingungen, wandern aus nach Konstantinopel. nach Slußland, ja nach Indien, wie Elisse ReclnS noch in den 80 er Jahren feststellen konnte. So die„Grundbesitzer" in den unfruchtbaren Gegenden. In dem fruchtbaren Theffalien aber haben die Bauern über- Haupt keinen Grundbesitz. Rur die elendm Hütten bilden ihr „Eigenim". Sie arbeiten auf den Gütern der Großgnmdbefftzer und als Belohnung bekommt jeder einen Teil des Er- trageS der von ihm bearbeiteten Fläche. Früher war eS die Hälfte deS Ertrages. jetzt ist es oft viel weniger. Aber auch davon müssen die Bauern„daS Zehntel", tatsächlich 1b Proz. dem Staate abgeben. Eine Steuer also für fremdes Grundeigentum! Kein Wunder, daß die Bauern von Thessalien kein großes Interesse für die„nationale" Frage der regierenden und reichen Klassen— für die Kretafrage— haben, und jetzt, wo man von neuen Ausgaben für die Vermehrung der Armee spricht, auch die Verwirklichung eines Teiles der bereits angenommenen Gesetze verlangen, die zur Besserung ihrer Lage dienen sollen. Freilich stellen sie ihre Forderungen i» etwa«„scharfer" Form. Allein nachdem alle friedlichen Mittel erfolglos blieben, gibt«S ja für Bauern leine anderen Wege mehr. Daß sie auf diesem Wege be» deutende Resultate erzielen werden, ist sehr zweifelhaft, aber auch gänzlich unterdrücken wird sich diese Bewegung nicht lassen, trotz des EiferS der„nationalistischen" Militärliga. Wahrscheinlich werden die„Unruhen" bis zur Eröffnung der Nationalversammlung fortdauern, die sich in erster Linie nicht mit der Kreta-, sondem mit der Agrarfrage wird beschäftigen müssen. .» London, 21. März. Die.TimeS' berichten auS Athen: Die Ordnung in Larissa konnte in der letzten Nacht wieder hergestellt werden, für heute jedoch werden ernste Kundgebungen erwartet; man befürchtet Unruhen. DaS Hauptzentrum der Revolte ist K ar d i tz a. wo eine große Menge bewaffneter Landarbeiter versammelt sind, die eine drohende Haltung einnehmen. In verschiedenen Städten Tcssaliens werden für heute gleichfalls Unruhen der bewaffneten Landbevölkerung' erwartet. Die Regierung erteilte den Behörden strenge Weisungen, die Ruhe überall und um jeden Preis auf« recht zu erhalten. *.' Athen, 21. März. Von Freitag an hat sich in Thessalien die Lage wesentlich verschlimmert. Ueberall, wo eS Großgrundbesitz gibt, sind die Bauern eingedrungen und haben hon den Grund- stücken Besitz ergriffen und die Eigentümer oder Verwalter verjagt. Verschont blieben nur die in Händen von Mohammedanern befindlichen Güter. Zwei Tage lang schwankte die Regieruno und war im Zweifel, welche Maßnahmen zu ergreifen seien. Nach Verständigung mit den Führern der Parteien gab die Regierung den Befehl, die Bauern mit Gewalt aus den Gütern zu verjagen, in deren Besitz sie sich gesetzt hatten. Da die Bauer» aberWider stand leisteten, gab es überall bewaffnete Zusammenstöße, wobei zwanzig Bauern getötet und etwa 100 Bauern verwundet wurden. Ueber die Verluste der Truppen. die vermutlich auch nicht unbedeutend sind, verlautet von amt, licher Seite nichts. Die Presse mißbilligt aufs schärffte daS Vorgehen der Re- gierung. tadelt mit den herbsten Ausdrücken daS Blutvergießen und wendet sich schroff gegen die Personenparteien, die die Lösung der Agrarfrage zu hintertreiben suchen. Die Presse erklärt zu- gleich, daß es zu einer bewaffneten Revolution kommen wird, wenn die Negierung keine Gesetzvorlage zur endgültigen Siegelung der Agrarfrage einbringt. Die Bevölkerung in ganz Griechenland ist außevbrdentlich aufgeregt. Ueberall werden schwarzeFahnen herausgehängt. In Athen und den Provinzen werden große Volkskund» gedungen vorbereitet, in denen die Absetzung der Re» gierung verlangt werden soll. polltifcbe Ucbcrltcbt. Berlin, den 21. Mörz 1910. Aus dem Reichstagswahlkreife Olehko-Lyck-JohanniS- bürg. Laut Vereinbarung haben die jetzt„Fortschrittliche BolkSpartei" firmierenden Freisinnigen, die 1007 in diesem Wahlkreis 833 Stimmen aufbrachten, das Feld den Nationallibcralen abgetreten. Für diese kandidiert jetzt ein Rittergutsbesitzer, der, um die Bauern für sich zu gewinnen, sich nur- schlecktioeg Gutsbesitzer und Landwirt nennt. Schon jetzt— die Wahl findet erst am 14. April statt— find die nattonalliberalen und konservativen Junker in diesem rem ländlichen masurischen Wahlkreis hart aneinander geraten. Für den konservativen Kandidaten, den Landrat Brämer arbeitet, wie gewöhnlich, der ganze behördliche Apparat mit Hoch- druck. Fast sämtliche Gemeindevorsteher verweigern bei» spielsweise den Nationalliberalen das Ab» schreiben der Wählerlisten. Ferner wurden am 14. März den Nationalliberalen von drei verschiedenen Gastwirten die Hergabe ihrer Lokale zu Versanimlungen abgesagt mit der Begründung, der Herr Amtsvorsteher hätte erklärt, er würde sie bestrafen, falls sie ihren Saal für die Nationalliberalen hergeben sollten. Mit welch hochtönenden Phrasen die Nationalliberalen die masurischen Bauern zu ködern versuchen, beweist folgender Schluß eines Artikels der„Masurischen Zeitung": »Da« arme Maiuren liegt elend danieder, eS ist verarmt und vernachlässigt, niemals haben die Konservativen sich um die Witt- schaftliche Hebung MasurenS bemüht. Das soll anders werden, wenn die Nationalliberalen erst diesen Wahlkreis erobett haben, neues Leben wird hier einziehen, aus der armen verlassenen Oede soll eine blühende Landschaft werden, au« der vielfach ver« kommenen Bevölkerung sollen wohlhabende Bewohner werden.— Drnm Ihr Bürger, Bauern und Beamte, wer eS gut meint mit Masuren, der wähle den Besitzer Fritz Kqchan." Nach Schlvabacher Stil. Für die sozialdemokratische Partei kandidiert Patteisekretär Hermann Linde aus Königsberg. Die Genossen haben diesen Sonntag das erste Flugblatt verbreitet. Sie stehen vor einer sehr mühevollen, mit persönlichen Opfern verbundenen Arbeit. Der Wahlkreis hat 27 552 Wahlberechtigte; aber unter einer Gesamt» einwohnerzahl von 144 023 Köpfen sind nur fünf Städte mit zusammen 26 700 Einwohnern._ Bethmann Hollweg als Milchagrarier. In einer freisinnigen Versammlung in Charlokten- bürg teilte der Stadtverordnete Justizrat Flatau mit, daß der Reichskanzler v. Bethmann Hollweg noch heute mit einer großen Anzahl von Anteilscheinen an der verkrach- ten Milchzentrale beteiligt und in der Liste der Genossen unter Nr. 287 eingetragen sei. Preußen und Baden. AuS Baden wird uns geschrieben: Im Bundesrat hat Baden bekanntlich gegen die Einführung von SchiffahrtSabgaben auf den deutschen Strömen gestimmt. Es hat sich dann aber von Preußen bestimmen lassen— in der Meinung, daß die Schifsahrtsabgabett nunmehr unvermeidlich geworden sind— sich in Verhandlungen über Einzelheiten einzulassen. Preußen ist auch, wie der badtzsche Minister deS Innern, Freiherr von Bodman», kürzlich in der zweiten Badischen Kammer erklättc. Baden in staatsrechtlicher Hinficht entgegengekommen. Diejes Entgegenkommen ist augenscheinlich nicht nur in Dezug auf die Rhcinstraße, sondern auch in bezug auf die badische» Schienen» Wege erzielt worden. Seit langen Jahren hat Preußen— ganz besonders veranlaßt durch das badische Kilometerhefi, das erst, und zwar zum Leid« weisen des badischen Volkes, durch die Pcrsonentarifreform be» seitigt worden ist— Baden dadurch gestraft, dag es die großen Verkehrszüge nach dem Süden über das Elsaß leitete und in den wenigen Zügen dieser Art, die über Baden verkehren. Durchgangs- wagen nach„bester" Möglichkeit vermied. Das soll jetzt plötzlich anders werden. Vom 1. Mai ab wird ein neuer Zug ab Berlin über Baden direkt nach Basel geführt, der auch noch Wagen direkt nach Baden-Baden erhält. Damit wird allerdings ein langgehegter Wunsch Badens erfüllt. Man ist aber in Baden nicht im Zweifel darüber, daß die Erfüllung dieses Wunsches auf Kosten der freien Rheinstraße erfolgt. Und man erinnert sich, daß auch Württem« bcrg ähnliches„Entgegenkommen" Preußens gefunden hat, als es die vierte Klasse auf seinen Bahnen«inführte. In Baden wäre die Regierung zur Einführung der vierten Klasse auch schon längst geneigt, wenn nicht die Bevölkerung ihren Widerwillen mehr als einmal hinreichend deutlich bekundet hätte. Bei der jetzigen Zu- fammensetzung der Zweiten Kammer darf Badens Regierung schon gar nicht mit dieser preußischen Einrichtung kommen Aber umso- weniger hat Preußen Neigung, gute Schnellzüge durch Baden zu führen, um das zahlungsfähige Reisepublikum möglichst vor der Berührung mit Menschen zu schützen, denen man den harten Kampf um die Existenz an Gesicht und Kleidung anmerkt. DaS kommt auch wieder bei dem neuen oben erwähnten Zug zum Aus« druck. Denn der Zug erhält keine dritte Klasse; er wird der einzige durch Baden verkehrende Zug(abgesehen von den LuxuSzügen) sein, der keine dritte Klasse führt. Der Zug ist also nur für ganz wenige Menschen in Baden von Vorteil und illustriert somit ganz besonders glücklich die Situation, in der sich Baden dank der„weitsichtigen" Politik seiner Regierung gegenüber Preußen befindet. Das badische Volk drückt sich freilich etwas weniger vorsichtig aus, cS spricht einfach von dem Umfall seiner Regierung in der Frage der Stromfreiheit. Wieder ein mildes militärisches Urteil— gegen einen vorgesetzten. DaS Kriegsgericht Wiirzburg hatte am 24. Februar den Oberleutnant Rohe vom 6. Infanterieregiment in Bamberg zu der lächerlich geringen Strafe von zwei Togen Stubenarrest wegen Vorschrift?- widriger Behandlung eines Untergebenen verurteilt. Er hatte als stell- vertretender Kvmpagniechef bei einer Gefschtsülmng gegen den markierten Feind den jüdischen Soldaten Frank, der nicht genug in Deckung lag, beschimpft mit Ausdrücken wie„Kerl, Du kannst so nicht schießen, Kerl, ich reite Dich zusammen, wie Du gewachsen bist" usw. Gleichzeitig sprengte er mit seinem Gaul zweimal über den am Boden liegenden Soldaten hinweg, wodurch diesem durch einen Huf- tritt das Fleisch vom Schenkel weggetreten wurde und der Mann längere Zeit im Lazarett liegen mußte. Gegen da» milde Urteil legte der Gerichtsherr Berufung em. weil das Gericht dem Leulnant Glauben geschenkt hatte, daß das Ueberreiten nicht absichtlich geschehen, sondern auf da? nervöse Temperament des Pferdes zurückzuführen sei. serner, weil die AuS- drücke„Kerl" usw. nicht alS Beleidigungen betrachtet wurden. Jnter- essant war. wie der Leutnant sich in der BerufungSverhandüing vor dem Oberkriegsgericht verteidigte. Ausdrücke wie„Kerl" seien nicht be» leidigcnd, man höre sie oft auf dem Exerzierplatz, der Kasernenhof sei kein Ballsaal. im Felde— der Leutnant bat nämlich am Boxer- und am Hererofeldzug teilgenommen— habe er die Erfahrung ge- macht, daß man nur durch Strenge eine brauchbare Trupp« erziehen könne usw. Auch das OberkriegSgericht glaubte ihm und verwarf die Berufung des Gerichtsherrn.— Prügelnde Unteroffiziere. Bor dem Kriegsgericht der 13. Division hatte sich am Freitag der Sergeant Martens von der S. Batterie des 45. Artillerieregiments in Bahrenfeld bei Altona wegen Mißhandlung eines Untergebenen in drei Fällen zu verantworten. Als die Batterie zur Borstellung ausrücken sollte, ging beim Aufsitzen daS Pferd des Kanoniers Sch. seitwäxjS, wodurch eine kleine Verzögerung eintrat. Hierüber erbost, versetzte der Sergeant dem Sch. einen heftigen Schlag mit der Säbelscheide über die Beine und einen schmerz- haften Stoß mit dem Säbettorb vor die Brust. TagS daraus schlug per Angeklagte dem Sch. ins Gesicht, weil er seine Schuppenkette» nicht in Ordnung gehabt haben soll. Alle drei Roheiten ahndete daS Gericht mit 14 Tagen Mittelarrest. AIS strafmildernd komme die seitherige gute Führung und die mit„Borftellungen verbundene Aufregung" des M. in Betracht. Als zweite Nummer eines prügelnden Vorgesetzten erschien der Unterosfizier Hansen von der 3. Kompagnie des 31. Infanterie- Regiments(Altona) vor Gerich», weil er eniem Untergebenen wegen einer nicht zu seiner Zufriedenheit ausgefallenen Uebung ins Gesicht geschlagen hat. Auch er fand milde Richter. Urteil: Acht Tage Mittelarrest.______ Ungarn. Gewalttätigkeiten im Parlament. Budapest. 21. März. Als in der heutigen Sitzung des Ab» geordnetenhauses Ministerpräsident Graf Khuen. Hedervary vor Verlesung des königlichen Handschreibens be- treffend die Auflösung des Parlaments zu reden be. gann, um mit den Rednern der Opposition, Graf Batthyanvi und Franz Kossuth, welche die Auflösung des Abgeordnetenhauses als ungesetzlich hinstellten, zu polemisieren, wurde er unablässig durch lärmende Zwischenrufe der Unabhängigkeitsparte, unterbrochen. Nach zehn Minuten mußte die Sitzung' wegen der immer stürmischer werdenden Zwischenrufe unterbrochen werden. Als nach Wiederaufnahme der Sitzung der Ministerpräsident sich mit erhobener Stimme auf die Redefreiheit berief und sich darauf zu den Steno» graphen wendete, um seine im Tumult unverständliche Rede zu beendigen, wurde von dem Abgeordneten Zacharias ein Buch gegen ihn geschleudert, dessen Deckel ihn an der Stirn und im Gesicht verletzte. Einige Oppositionelle stürmten gegen den Ministerpräsidenten, andere schleuderten Bücher und Tinten» zeuge. Auch der Ackerbauminister Seren yi wurde durch ein Tintenfaß ziemlich erheblich verletzt. Der Präsident forderte die schuldigen Abgeordneten auf, sich zu melden, worauf die Abgeordneten Eitner und Zacharias erklärten, daß sie Bücher geschleudert hätten. Die Sitzung endete in großer Aufregung. Die Minister hielten eine Beratung ab. in der beschlossen wurde, der morgigen letzten Sitzung nicht beizuwohnen, da ohnehin ihre Wunden erst in frühestens acht Tagen geheilt sein können. Erzherzog Josef wird das Auflösungsreskript vor dem Abgeordnetenhause verlesen. Cnglsncl. Parlamentarische Nachwahl. London, 17. März.(Eig. 93er.) In Mid-Glamorgan (Wales) findet nächstens eine parlamentarische Nachwahl statt, die auf das Verhältnis zwischen der liberalen und der Arbeiter- Partei einiges Licht wirft. Die Vakanz wurde veranlaßt durch die Ernennung des liberalen Parlamentsmitgliedes Sir Sa- muel Evans zum Präsidenten des Ehescheidungsgerichts. Bei den letzten Wahlen im Januar wurde EvanS mit einer Mehr- heit von über 9000 Stimmen gewählt, wobei er nur einen konservativen Gegenkandidaten hatte. Als nun die Nachwahl nöttg wurde, stellten die Berg- leute und die Arbeiterpartei den Sozialisten Hartfhorn auf. Die Konservativen traten ebenfalls in den Wahlkampf ein. nur bei den Liberalen gab sich einiges Zaudern kund. Bekannte sozialliberale Politiker, denen die Kandidatur an- gettagen wurde, lehnten ab. Schließlich haben die Liberalen des Wahlkreises aus ihrer Mitte einen Kandidaten aufgestellt, der indes vom Parteivorstand nicht bestätigt wurde. Hierauf wurde von den Liberalen Mtd-Glamorgans folgendes Tele- gramm an den Parteivorstand nach London abgeschickt: „Wenn unser Eintritt in den Wahlkampf nicht bestättgt wird so wird der lokalen Organisation der Liberalen folgende Resolution vorgelegt und ohne Zweifel von ihr angenommen werden: Die Versanmilung der Liberalen von Mid-Glamorgan drückt ihre Eni- rüstnng über die Handlungsweise des Parteivorstandes auS, der es zuläßt, daß das Mandat den Sozialisten ausgeliefert wird. Wir betrachten das Arrangement als einen grausamen Verrat und eine bitter« Demütigung des Liberalismus. Der Kandidat der Bergleute ist durch und durch Sozialist." Im Namen des liberalen ParteivorstandeS antwortete der Master von Etibank: „Ich habe mit der Arbeiterpartei kein Arrangement betreffend Mid- Glamorgan getroffen. Dem Vernehmen nach hat der Vor- stand der Bergleute von SüdwaleS den Wahlkreis Mid-Glamorgan für sich beansprucht, allein die Bergleute enthielten sich des Kampfes, so lange der alte liberale Vertreter des Wahlkreises das politische Programm des Verbandes unterstützte. Nachdem nun Sir S. EvanS zurückgetreten ist, führten die Berg- leute ihre Resolution aus und stellten ihren eigenen Kan- didaten auf, und sie sind bereit, den Kampf rücksichtslos zu führen. Unter diesen Umständen hält eS der Vorstand für nicht ratsam, den Bergleuten entgegenzutreten. Die lokale Organisation unserer Partei kann selbstredend nach ihrem Gutdünken handeln, aber da ich befragt wurde, habe ich meine Meinung ausgesprochen und dabei bleibe ich auch." Diese Vorgänge zeigen gleichzeitig, daß die liberale und die Arbetterpartei ohne zedes formale Uebcreinkommen handeln, aber doch aufeinander Rücksicht nehmen, um den Konservativen nicht in die Hände zu spielen. Italien. Ministerkrise. Rom, 21. März. Wie die Agcnzia Stefani meldet, hat Mini st erpräsident Sonnino im Hinblick auf die parla- mentarische Lage seine Entlassung gegeben. Der König behielt sich die Entscheidung vor. Die Minister bleiben mit der Führung der laufenden Geschäfte betraut. Rom, 21. März.(Prrvatdepesche des„Vorwärts".) Sonnino demissionierte, ohne daS Votum der Kammer abzuwarten, wegen der gestrigen ungünstigen Aufnahme der Rede des Marineministers Bettolo, worin dieser den strittigen Gesetzentwurf über die Marinekonvention verteidigte. Diese Flucht kompliziert die Krise, weil die Frage vorwiegend technisch ist und weil der Hinweis der Kammer für die Nachfolge fehlt. Die Macht, das Ministerium zu stürzen, besaßen nur die Giolittianer, denen daher die Nachfolge zufallen sollte. « Heber die strittigen Marinekonventionen und die Lage sagt ein vom 19. März datierter Artikel unseres römischen Korrespondenten: Tie Frage der Marinekonventionen, die so schwierig und verwickelt war, daß Giolitti durch sie seiner Herrschaft müde wurde, bedroht heute daS Kabinett Sonnino, das eben durch diese Frage ans Ruder gekommen ist. Das von Bettolo umgestältete Projekt legt dem Staat für 15 Jahre ein jährliches Opfer von 39 Mil- lionen auf, ohne die Gewähr zu bieten, daß diese Summen wirklich die VerkehrSverhäliniffe zur See verbessern und nicht vielmehr ein großartiges Geschäft für eine Kapitalistengruppe darstellen werden. Von diesen 39 Millionen sind 13� für die subventionierten Linien bestimmt, SVb für Prämien für den Passagier- und Frachtverkehr der nicht subventionierten Linien. 4,7 Millionen für die Werften als Konstruktionsprämien und 13h Millionen für Rückvergütung des Einfuhrzolles ans dem Baumaterial. Die sozialdemokratische Fraktion hat zu dem Entwurf die folgende Tagesordnung angenommen:„In Erwägung, daß der Gesetzentwurf über die Schiffahrtsdienste das Ergebnis der Ab- hängigkeit ist, in der sich der Staat einer Koalition de» industriellen und BanAapitals gegenüber befindet, und daß er den Wirtschaft- lichen und politischen Interessen der Nation zuwiderläuft, beschließt die äußerste Linke, gegen den Entwurf zu stimmen und fordert alle Fraktionsmitglieder auf, sofort nach Rom zu kommen, um an dem Votum teilzunehmen. Biffolati. de Felice." Von Sozialisten stimmte nur Genosse Morgari gegen diese Tagesordnung. Die Radikalen haben ihren Fraktionsmitgliedern völlige Freiheit in ihrer Haltung gelassen. Auf alle Fälle hängt die Existenz des Kabinetts von den Giolittianern ab. Auch diese haben beschlossen, nicht als Fraktion vorzugehen, sondern ihren Mitgliedern freie Hand zu lassen. Die feindliche Haltung, die sie in letzter Zeit an den Tag gelegt haben, verspricht nicht viel Gutes. Andererseits weiß man aber, daß die Giolittianer bisher Sonnino eine Gnadenfrist gewährten, gerade damit er st« von den lästigen Konventionen befreit. Ein Wahlkampf i» Turin. Im IV. Turiner Wahlkreis ist eine Ersatzwahl nötig geworden, da Genosse Nofri, der gleichzeitig in Turin und in Siena ge- wählt worden war. da» Mandat von Siena angenommen hat. Der Turiner Wahlkreis gilt als sicher. Als Parteikandidaten hatte man die Genossen Rigola, Campanozzi. Salvemini und andere in AnSsicht gestellt. Die WahlkreiSversnmmlung hat sich aber für den Genossen TodeSchini, früheren Abgeordneten von Verona, entschieden, da dieser wegen eine» EhrenbeleidigungS- Prozesse» eine Gefängnisstrafe von 14 Monaten abzubüßen hätte, wovon ihn die Lbgeordnetenimmunität befreit. foilUancl. Russssssj-österreichische Annäherung. Petersburg, 29. März.(Nieldung der Petersburger Tele» graphenagcntur.) Die in letzter Zeit zwischen dem Peters- b u r g e r und dem Wiener Kabinett gepflogen«, VerHand- lungen haben ein befriedigendes Resultat ergeben. Nachdem bei diesem Meinungsaustausch klargestellt worden ist, daß in den Balkanangelegenheiten zwischen Rußland und Oesterreich-Ungarn volle Uebereinstimmung in den politischen Grundsätzen besteht, sind zwischen den beiden Regierungen wieder normale diplomatische Beziehungen hergestellt worden. Der Meldung sind sieben Dokumente angefügt, die den Verlauf der Verhandlungen darlegen. Ein Abkommen ist nicht getroffen, die beiden Möchte haben sich nicht auf bestimmte Punkte der- pflichtet. Die Bedeutung des Vorganges liegt darin, daß— bis auf werteres— das gespannte Verhältnis zwischen Rußland und Oesterreich entspannt worden ist. Tlntenka. Die Sprecherkrise im Nepräsenkanienssaus«. Waflsington, 19. März. In der heutigen Sitzung deS R e- präsentantcnhauses herrschte große Erregung, da für heute die Entscheidung über den gestern von den Demokraten und einer großen Anzahl dem Sprecher feindlich gesinnter Republi- kaner gestellten Antrag auf Ernennung einer Kommissionzur Abänderung der Geschäftsordnung, der der Sprecher nicht angehören dürfe, zu erwarten stand. Zunächst verlas der Sprecher Eannon einen Ankrag, in dem die eben genannte Resolution als geschäftsordnungswidrig bezeichnet wurde. Hierauf appellierte der Einbringer dieser Resolution an das Haus und ein Anhänger des Sprechers stellte demgegenüber den Antrag, über die Resolution zur Tages« ordnung überzugehen. Er wurde j edoch n i e de r» gestimmt, da sich 35 Republikaner den Demokraten anschlössen. Der Appell an das HauS fand sodann eine Unter- ftützüng von 182 Stimmen, denen nur 169 republikanische Stimmen gegenüberstanden.— Die Bedeutung dieser Abstimmung liegt darin, daß Cannon und seine seit sieben Jahren unwidersprochen geübte Geschäftsführung zum ersten Male eine Niederlage erlitten hat. Ebenso sind die Republikaner durch das Zusammengehen einer großen Anzahl ihrer Anhänger mit den Demokraten in eine kritische Lage gekommen. Das Haus nahm schließlich mit 193 gegen 153 Stimmen den Antrag auf Einsetzung einer Kommission zur Aenderung der Geschäftsordnung unter Ausschluß des Sprechers an, Darauf teilte der Sprecher mit, daßerseinAmtnieder- legen wolle. Als hierauf ein Demokrat den Antrag stellte, das Sprecheramt für vakant zu erklären und den Sprecher abzusetzen, kam eS zu stürmische« Auftritten. Der Antrag wurde abgelehnt. Soziales. DaS Gewerbegericht als Bergleichöküchc. linker den Kammern des hiesigen GewerbegerichiS, die einer Entscheidung auszuweichen und die Parteien zu einem, in der Regel den Arbeiter schwer schädigenden, Vergleich zu veranlassen suchen, zeichnet sich die Kammer 1 unter Vorsitz des Magistratsrats Dr. Leo aus. Nachstehend sei au» der gestrigen Sitzung ein Fall geschildert, der für die Art der„Rechtsprechung" in dieser Kammer tvpisch ist. Der Schürzenschneider K. hatte sich. auf eines der vielen Inserate des Schurzenfabrikanten Emil Färber um Arbeit be- warben. Er erhielt ein Dutzend Schürzen als Probearbeit über. tragen. Sie wurden ihm bei der Lieferung als ordnungsgemäß gearbeitet abgenommen. Neue Arbeiten wurden dem Kläger aber nicht. übertragen. Seine fortgesetzten Bemühungen, Arbeiten zu erhalten, hatten nur den Erfolg, tmß er immer und immxr wieder auf spätere Tage vertröstet wurde. Inzwischen inserierte der Be- klagte aber fleißig weiter nach Arbeitskrästen. Hieraus schloß der Kläger, daß der ihm gegenüber vorgeschützte Arbeitsmanzel in Wirklichkeit nicht vorhanden sei. Er machte deshalb seinen Anspruch auf Entschädigung für die vierzebntäaige Kündigungsfrist mit 99 Mark beim Gewerbegericht gelteno. Der Vertreter deS Beklagten wendete ein: 1. Es liege ein Engagement nicht vor; er habe aller« dings die Absicht, dem Kläger in der Saison Arbeiten zu über- tragen. Es sei ihm auch gesagt worden, wenn Arbeit da sei, be- komme er Nachricht. 2. Das Verhältnis mit dem Kläger fei kein Arbeits-, sondern ein Werkvertrag. Der Borsitzende Dr. Leo versucht darauf, die Parteien zt, einigen. Er beginnt dabei mit der Bemängelung der Höhe der Klageforderung. 80 M.' die Woche verdiene ein Arbeiter mit der Anfertigung von Schürzen nicht, 29 M. halte er für angemessen. Die Klageforderung würde sich danach auf 49 M. belaufen. Er empfehle den Parteien, sich auf— 20 M. zu vergleichen. Der Kläger wendet sich gegen die Bemängelung der Klageforderung. Er arbeite ja im eigenen Heim; er schneide und richte zu, und /seine Frau näht die Schürzen. Dadurch werde ihm ermöglicht. 39 M. die Woche zu verdienen. Soviel sei auch für den Lebensunterhalt der Familie erforderlich. Schließlich lvar der Kläger bereit, auf den Vergleich einzugehen. Doch nicht der Vertreter des Beklagten. Das Gericht zog sich zur Beratung zurück. Nach Wiedereintritt in die Verhandlung hielt der Borfitzende seinen Vorschlag aufrecht. Die sachverständigen Beisitzer hätten ebenfalls 29 M. Wochenverdienst fiir einen Schürzenschneider für angemessen gehalten. Die Frage, ob Werk- oder Ärbeilsvertrag vorliege, sei noch nicht geprüft wor- den. Der Vergleichsvorschlag sei den Parteien zu empfehlen. Der Vertreter des Beklagten hielt an sseiner irrigen Ansicht, daß ein Werkvertrag vorliege, fest lind lehnte«inen Vergleich abermals ab. Und daS, wiewohl der Vorsitzende ihn mit einer Flut von Lieb- kosungen überschüttete, deren einige nachstehend wiedergegeben seien:„Sie schütteln Ihr weises Köpfchen, alS ob Sie die Weis» heit mit Löffeln gefressen hätten!" und„Starren Sie nicht wie so ein hypnotisierter Igel vor sich hin!" Nachdem da? Gericht die aus feiner Mitte aufgeworfene Frage, ob nur ein Probeengagement vorgelegen, verneint hatte, weil dem Kläger der Arbeitslohn für die Probearbeit nicht am Ltefertvge. sondern an dem vom Geschäft für alle Arbeiter festgesetzten Rechentage gezahlt worden ist, zog cS sich abermals zur Beratung zurück. Der Vorsitzende sucht nach der Beratung wieder seinen Vergleichsvorschlag durchzudrücken. Nach langen abermaligen Ermahnungen und Vorhaltungen war der Ver» tretcr des Beklagten gefügig geworden und akzeptierte auch seiner« {eitS den Vorschlag. So kam der für den Kläger höchst unbillige Zergleich endlich zustande. Im vorstehenden ist keineswegs ein zufällig ausnahmsweifer Fall der BerhandlungSart des MagistratSratS Dr. Leo geschildert. Solche Vorgänge spielen sich vielmehr an fast jedem VerhandlungS- tage ab. Allerdings kann Herrn Dr. Leo insofern der Vorwurf der Verletzung der Parität nicht gemacht werden, als er mit seinen Koseworten gleichmäßig Arbeitgeber wie Arbeiter bedenkt. Ein solche? Verfahren ist eines Gerichts, und insbesondere eines Ge- Werbegerichts, unwürdig. Die Parteien wenden sich an dasselbe, um Recht zu erhalten, nicht um mit ihren Rechten Schacher treiben und sich mit Bemerkungen regalieren zu lassen, die. von einem ernst zu nehmenden Menschen ausgesprochen, Beleidigungen wären. die auszusprechen sich insbesondere ein Richter schämen sollte. Wie mag cS erst in den unter Ausschluß der Beisitzer und der Oeffent» lichkeit vom Magistratsrat Dr. Leo anberaumten Sühneterminen hergehen? Gegen ein solches Verfahren hätte der Magisttat als Aufsichtsbehörde einzuschreiten. Den Parteien bleibt leider kein Mittel, als vielleicht das, den Vorsitzenden, der für die fleißige Wochenarbeit eines Ehepaares 20 M. für angemessen erachtet, so- bald er eine dahingehende Kundgebung macht, als Sachverständigen für das Gegenteil zu benennen, und ihn in den nächsten Termin als befangen abzulehnen._ Gratifikation bei der Kommerz- und Diskontobank., In' Ergänzung des Gewerbegerichtsberichts, den wir am 10. dieses Monats brachten, teilen wir auf Wunsch nachstehend da» dem Kläger erteilte Zeugnis in Abschrift mit. ES lautet:„Wir bescheinigen, daß Herr... vom... biS... al» Bureaudiener und zirka 3 Monate als Kassenbote in unserem Institut tätig war. Derselbe hat die ihm obliegenden Arbeiten bei guter Führung zu unserer Zufriedenheit erledigt. Herr... verläßt unser Institut auf seinen eigenen Wunsch. Berlin, den 18. 2. 1919. Kommerz» uno DiLkontotani" Mit dem Inhalt dieses Zeugnisses ist die Be» kundung des Herrn Aschenbrenner, Kläger habe zu Tadel Anlaß gegeben und sei deshalb entlassen, unvereinbar. Und doch bxruht daS Urteil lediglich auf dieser falschen Bekundung. Prämien für Kassenbetrüger. Wegen Vergehens gegen das KrankenvcrsichernngSgesetz hatte sich der Architekt Wallrat auS Tempclhof vor der 3. Strafkammer des Landgerichts III Berlin zu verantworten. Die Verhandlung dauerte kaum 15 Minuten. Der Vorsitzende der Kasse, der be- stätigen sollte, daß W. 299 M. den Arbeitern abgenommen, aber der Kasse nicht zugeführt hatte, blieb unvernommen, weil der An. aeklagte gestandig war. Das Urteil lautete auf nur 5V M. Geldstrafe oder 5 Tage Gefängnis. Ein Handwerksmeister, bei dem es sich nur um 1,74 M. handelte, die er an die Krankenkasse nicht bezahlte, erhielt vor einigen Tagen von demselben Landgericht 8 Tage Gefängnis zudiltiert. 59 M. Geldstrafe für Unterschlagung von 269 M.— eine nette Prämie für Unterschlagung. Freilich handelte cS sich nicht um einen Arbeiter oder Handwerksmeister, sondern um einen Archi- tekten, der vermutlich daS Abiturientenexamen bestanden hat und deshalb die Reife als LandtaaSwähler zweiter Abteilung er- halten soll.' 6ewerkrcbafrUcbc3. Hd)tutigl Gips- und Zcmentarbeitei*. Heute Dienstag, den 22. März, findet eine statistische Erhebung über alle in Berlin und Umgegend im Gips- und Betonbangewerbe beschäftigten Rabitz- und Einschal Wandputzer, Träger, Rabitzspanner, Zementierer, Steindecken> wölber, Einschaler und Hilfsarbeiter statt. Bei dieser Er Hebung, die sich über die Zahl der Unternehmer, die Zahl der bei diesen beschäftigten Arbeiter sowie der arbeitslosen und kranken Mitglieder unserer Sektion erstreckt, soll auch gleichzeitig über die Ausdehnung der Akkordarbeit sowie über die zurzeit im Gewerbe bestehenden Lohn- und Arbeits Verhältnisse überhaupt eine Umfrage stattfinden. Jedem Mitgliede unserer Sektion ist zwecks Ausübung dieser Er Hebung am Sonntag ein Fragebogen zur Beantwortung über bracht worden. Wir richten nun an alle Mitglieder unserer Sektion die dringende Bitte, uns bei Ausführung dieser Kontrolle zu unterstützen und die auf den Fragedogen gestellten Fragen wahrheitsgetreu zu beantworten. Falls der Fragebogen bis Sonntag, den 27. März, nicht abgeholt wird, ersuchen wir. denselben an unser Bureau. Engelufer 15 einzusenden. In Anbetracht der uns bevor stehenden Lohnbewegung darf sich kein Mitglied unseres Ver< bandes dieser kleinen Arbeit entziehen. Der ScktionSvorstand. I. A.: Otto Haese. Berlin und Umgegend. Ausbeutung jugendlicher Arbeitskräfte. Der»Berliner Lokal-Anzeiger' hat in seiner tech- Nischen Abteilung derZeitungS-Stereotypie eine Aenderung eimreten lasten, die in den Berliner ZeitungZbetrieben einzig dasteht. ES werden feit voriger Woche am Freitag und Sonnabend Lehr- linge des Nachts in der ZeitungS-Stereotypie mit beschäftigt. Die Gehilien in anderen Betrieben werden sich wundern, wie dies möglich ist. Herr W o l t e n. der technische Leiter deS„Berliner Lokal- Anzeiger', braucht für den ZeitungSbetricb der Stereotypie Freitags und Sonnabends A ush i lfe, und da arbeitslose Gehilfen genug vorhanden, so meldeten sich vergangene Woche— durch den Arbeitsnachweis— zwei Stereotypeure bei der Firma. Herrn W ölten erschien aber der von den Gehilfen ge- forderte Lohn von 15 M. für die Nachtarbeit zu hoch und er verzichtete auf deren Dienste. Er faßte vielmehr den .genialen' Entschluß, am Freitag und Sonnabend zwei Lehrlinge der Akzidenz-Stereotypie in der ZeiwngS-Stereotypie zu beschästigen. Nachdem die Lehrlinge am Freitag von morgens Vs8 bis nachmittags V«2 Uhr beschäftigt waren, mußten sie abends noch von S bis>/«1 Uhr in der ZeitungS-Stereotypie tätig sein; am Sonnabend war ihre Beschäftigung von nachmittags S Uhr bis nacht» 1 Uhr. Wer die schwere Arbeit in der ZeitungS-Stereotypie kennt, weiß, was dies bedeutet. Außer den zwei Lehr- lingen, die m der ZeitungS-Stereotypie zur Ueberarbeit heran- gezogen werden, muß auch noch ein Lehrling der Akzidenz-Stereotypie täglich von Va8 bis 8 Uhr abends Ueberarbeit verrichten. Bester als Herr Walten versteht es wirklich kein anderer, jugendliche Arbeitskräfte auszunützen. Der deutsche Buchdruckertarifi steht an- scheinend für den Herm nur auf dem Papier! Die Lohnbewegung der Treibriemensattler. Bei Hanke, Halberstamm. B. N.Löwe find mittler- weile weitere Erfolge zu verzeichnen, sowohl in Lohnerhöhungen und Urlaub al« auch bezüglich der Arbeitszeitverkürzung. Bei Fritsche ist die geforderte Arbeitszeitverkürzung ohne weiteres bewilligt worden, ebenso erhalten die betrestenoen Arbeiter drei Tage Urlaub und Lohnerhöhung. Der Vertrag ist also hier im wesentlichen akzeptiert worden. Der Chef der Firma Schwarz u. Co. will nur 6 Proz. auf die Akkordarbeit bewilligen. Die 10 stündige Arbeitszeit soll bestehen bleiben. Bei P r e tz e l ist der 9 stündige Arbeitstag, aber sonst nichts bewilligt. Witte u. Göllert will Herr im Hause bleiben und mit dem Verband nichts zu tun haben. Er unterschreibt den Tarif, wenn alle Fabrikanten Deutschlands unterschreiben. D i e S n e r will auch mit dem verband nicht» zu wn haben, hat sich aber zu minimalen Zugeständnissen bereit erklärt. Im übrigen meinte er, die Fabri- kamen, die den Tarif unterschrieben, trieben Schmutzkonkurrenz. Stieger u. Mallon hat, abgesehen von der Akkordarbeft und Urlaub, den weseMlichsten Punkten deS Tarifs zugestimmt. Und dieser Herr will„Herr im Hause" bleiben. W w. Schulz unterschreibt den Tarif, wenn die anderen eben- falls unterschreiben. A. Pirk will erst den Streik abwarten, zeigte sich jedoch nicht grundsätzlich abgeneigt, zu bewilligen. Mt einigen Firmen wird noch verhandelt werden unv ist Aussicht auf Erfolg vorhanden. Am Montag wird in den partiellen Streik eingetreten, soweit nicht noch in den einzelnen Betrieben der Tarif bewilligt wird. Die ganze Situation läßt jedoch den Schluß zu. daß mit den ! Fabrikanten doch noch ein einheitliches Abkommen getroffen werden ann. Ein Antrag, dem zufolge die Kollegen, die nicht in Streik treten, an die Streikenden wöchentlich 1,b0 M. abzugeben haben, Wird einstimmig angenommen._ Verfrühter Jubel der Gelbe«. Ehrenmann L e b i u S berichtet in seinem„Bund' vom 25. März, die„Sprengung eines gelben WcrkvereinS' sei wieder einmal der Sozialdemokratie mißglückt. In den Arbeiter-Unter- stützungSverein der Berliner Motorwagenfabrik in Reinicken- d o r f häte die Sozialdemokrati« nach und nach 85 verkappte„Rote" eingeschmuggelt. Als nun einer dieser Leute wegen„Agitierens' in der Fabrik entlaffen wurde, stellten sie die Forderung, den ent- lassenen Arbeiter wieder einzustellen. Die Firma lieh sich aber nicht ins Bockshorn jagen, und nun streikten tatsächlich nicht etwa die Gelben, sondern die 85 in den Verein geschmuggelten Roten, indem sie zugleich ihren Austritt aus dem gelben Verein erklärten, um den Verein zu sprengen. Eine halbe Woche, nachdem der aussichtslose Streik im Gange war, ließ der Heizer den Kessel- boden durchbrennen. Angeblich wußte er nicht, daß der Kessel kein Wasser hatte; jetzt steht der Betrieb still. In unseren(den gelben) Mitgliederkreisen betrachtet man diesen„zufälligen' Betriebsunfall als eine von den Streikenden ausgeheckte Teufelei. Soweit Leb i uS. In Wahrheit ist der Sachverhalt folgender: Nachdem die Dreher auf die Wiedereinstellung der durch die Dbergelben Denunzierten verzichtet hatten, erklärten sie durch Unterschrift ihren Austritt aus dem gelben Unterstützungsverein. Die Kommission, welche die Liste mit den Unterschriften der Direktion überbrachte, wurde sofort entlassen. Hierauf legten sämtliche Dreher die Arbeit aufs neue nieder. Ihnen schloß sich am anderen Tage noch ein Teil der anderen Beschäftigten an und erklärten ebenfalls unterschriftlich ihren Austritt. Die Zahl der aus dem gelben Verein Ausgetretenen betrug nunmehr 98; es fanden weitere Verhandlungen statt, in deren Verlauf die Firma nach fünf Tagen erklärte, mit dem Vertreter der Organisation verhandeln zu wollen. Hierbei kam folgender Vergleich zustande: Die Firma erklärt sich bereit, alle Streikenden wieder einzustellen, mit Ausnahme der wegen der Differenz entlassenen beiden Dreher. Es soll jedem Arbeiter freistehen, sich da zu organisieren, wo er will. Niemand soll geyalten sein, den gelben Arbeitsnachweis an passieren. Die aus dem gelben Unterstützuivgsverein Aus«- rretenen verpflichten sich, die Gelben nicht zu belästigen. Dieselbe Lerantw. Redakt. Verpflichtung übernimmt die Direktion für die Gelben. Zu be- merken ist noch, daß während des sechstätigen Streiks e i n G e I b e r (der Heiner) den Kessel anheizte, ohne Wasser in demselben zu haben. Die Folge war, daß die Feuerbuchse durchbrannte. Dieses Vorkommnis sucht man den Streikenden in die Schuhe zu schieben was um so niederträchtiger ist, da dieselben zur Zeit gar nicht im Betriebe waren. Achtung, Böttcher! In der chemischen Fabrik K u n h e i m u. Co. haben die Böttcher wegen schlechter Entlohnung und miserabler Be- Handlung durch Vorgesetzte die Arbeit niedergelegt. Zuzug ist streng fernzuhalten. Die Ortsverwaltung. Verband der Maler, Lackierer usw.(Filiale Spandau.) Vom Dienstag, den 22: März 1910, gilt die Firma Adolf Panzcnhagen, Spandau, Feldstraße, bis auf weiteres als gesperrt. Zuzug ist streng fernzuhalten. Die Ortsverwaltung. Achtung, Tapezierer! Die Ledermöbelwerlstatt von Beyer, Buckower Straße 6, ist wegen Differenzen gesperrt. Die Ortsverwaltung. Oeutkches Reich. Eine ungesetzliche Mafiregel. Wie der„Vorwärts' schon vor Wochen berichtete, befinden sich die Arbeiter der Firma Hugo Linder. Delta werk in Solingen, Gasitraße. seit dem 27. Dezember 1959 im Streik, an welchem der Jndustriearbeiter-Verband(Solinger Fachverein) wie auch der Metallarbeiter-Verband be- teiligt ist. Obgleich der Streik nun schon zwölf Wochen dauert, ist von den 135 Sireikenden noch kein einziger abtrünnig geworden, was nickt allein den bestreikten Fabrikanten sehr zu ärgern scheint, sondern auch die Solinger Polizeiverivaltung, die um das Wohl und Webe des Herrn Linder sehr besorgt zu sein scheint. Vor noch nicht langer Zeit ist die Solinger Polizeiverwaltung dazu über- gegangen. das S t r e i k p o st e n st e h e n in der Umgebung der Linderschen Fabrik zu verbieten. Auf Vorstelligwerden beim Oberbürgermeister wurde dieses Verbot aber wieder auf- gehoben, nachdem sich herausgestellt hatte, daß die Angaben des Fabrikanten Linder, die Arbeitswilligen und sonstigen Passanten würden in der Nähe der Fabrik von den Streikposten belästigt, un- wahr waren. Das ärgerte de» Fabrikanten natürlich sehr und noch mehr ärgerte ihn, daß die Streikleitung gegenüber seiner Fabrik ein Lokal gemietet und ein Streitbureau ein- gerichtet hatte. Vor einigen Tagen ist die Solinger Polizei- Verwaltung abermals mit dem Streikpostenverbot vor- gegangen und willStreikposten in derNäheder Fabrik nicht mehr dulden. Begründet wurde das Verbot damit, daß in letzter Zeit wiederholt Arbeitswillige in der Nähe der Linderschen Fabrik von Ausständigen belästigt und sogar mißhandelt worden seien, weshalb die Ausstellung von Streikposten auf der Gasstraße und Grünewalder Straße in zirka 155 Meter Entfernung aufwärts und abwärts nicht mehr geduldet werden könne. Auf Vorstelligwerden der Streikleitung bei der Polizeiverwaltung, die in Erfahrung bringen wollte, wer und wann jemand in der Nähe der Fabrik belästigt und mißhandelt worden ist. blieb man ihr die Ant- mort schuldig; denn tatsächlich weiß weder die Streikleitung noch die Streikposten etwas von Belästigungen und Mißhandlungen. Des Rätsels Lösung ist aber die, daß sich der Fabrikant Linder beschwerdeführend an den RegierungS« Präsidenten in Düsseldorf gewanbi hat, indem et in seiner Beschwerde hervorhob, daß er die Fabrik chon läng st voll Arbeitswilligen haben könnte. wenn das Streikbureau nicht in der Nähe der Zabrik wäre und die Steikposten entfernt würden. Die Solinger Polizeiverwaltung ist also nur das aus- ührende Organ deS Regierungspräsidenten. Die Fabrik befindet ich allerdings in den größten Schwulitäten, denn trotz aller Anzeigen in auswärtigen Blättern ist es ihr bisher nicht gelungen, Ersatz heranzuziehen. Hundert« von Arbeitswilligen wurden von den Streikposten über die Ursachen des Streiks aufgeklärt und wieder abgeschoben. Sogar die berühmte.Ferberkolonne' wurde nach einigen Wochen„wirksamer Tätigkeit' wegen Unfähigkeit vom Besitzer wieder an die Luft gesetzt und heute hat die Fabrik weniger Arbeitswillige wie vor einem Vierteljahre. Die Aussichten für die Streikenden swd außerordentlich günstig. Eine Generalversammlung de» Jndu�striearbeiter-BerbandeS nahm vor einigen Tagen Stellung zu dem Streikpostenverbot und nahm eine scharfe Resolution an. in welcher mit aller Entschiedenheit gegen diese Polizei- liche Matzregel protestiert wird, die eine gesetzwidrige sei und deshalb nicht befolgt werden könne. Die Streik- leitung hat dem Verbot auch keine Folge gegeben, sondern die Slreilposten weiter ausgestellt, mit dem Erfolg, daß dieselben der polizerlichen Notierung v e r- fielen. Diese Polizeimaßregel hat einen Tag gedauert und nach« dem man wohl sah. daß sich die Streikenden ihr gutes Recht nicht nehmen lassen, sah man bis jetzt von weiteren Belästigungen der Streikposten ab. Was nun werden wird, muß die Zukunft lehren. Wenn Zuzug von Arbeitskräften weiter femgehalten wird, muß der Fabrikant kapitulieren, ob er will oder nicht. Hustand* Ei« Einigungskoltgrefi der ftanzöstschen Bergarbeiter. Die ftanzösische Bergarbeiterbewegung hat in den letzten Jahren unter inneren Streitigkeiten empfindlich gelitten. Dies hing damit zusammen, daß lange Zeit in den Organisationen mehr Politik als gewerkschaftliche Arbeit betrieben wurde. Für B a S l y, den alten Führer der Bergarbeiterschaft, der als revolutionärer Sozialist begonnen hat und immer mehr auf die reformistische Seite hinübergeglitten ist, so daß er jetzt trotz seiner Zugehörigkeit zur geeinigten Partei eigentlich als Blocksozialist anzusehen ist, war die Gewerkschaft vor allem ein Apparat für sein« Wiederwahl. Aehnlich verführen seine Leutnants, und man sah Rebellenzorn sogar sich in Knopflochschmerzen verwandeln. Als dann unter dem Ministerium Clemenceau, genannt Sarrien, der große Berg. arbeiterstreik ausbrach, wurde die Aktion der Arbeiterschaft durch den wilden Kampf zwischen der..allen' Baslyschcn und der neuen, von dem Anarchisten Broutchoux gegründeten Föderation schwer geschädigt. In den letzten Jahren aber trat die Erkenntnis von der Notwendigkeit der Einigung immer stärker ins Bewußt. sein der Arbeiter. Als nach Ueberwindung mancher Schwierigkeit die Föderation in die Arbeitskonföderation aufgenommen worden war, nahmen die auf sie hinzielenden Bestrebungen einen rascheren Fortgang. Zuerst schloß sich die Sonderorganisation von Moni- ceau leö Mines an den Verband an. Dagegen bot ein Zwist zwischen der Föderation des Loire.DepartementS und der gleich. falls als Föderation konstituierten Organisation der Departe- mentshauptstadt St. Etienne viel Schwierigkeiten dar. und in den Departements Nord und PaS de Calais hielt sich der Separa. tismus gleichfalls, obgleich die Persönlichkeit Broutchoux auch den revolutionär-syndikalistischen Gegnern BaSlyS Unbehagen einzu- flößen begann. Das Statut der Arbeitskonföderation, das für jeden Beruf nur einen Landesverband anerkennt, wirkte indes zu- gunstcn der Einigung. Das AuSkunftLmittel der Broutchouxschen Organisation, das im Anschluß an den Verband der Schiefer» arbeitet bestand, wurde um so unhaltbarer, je stärker sich die Tendenz zur Gründung von Jndustrieverbänden geltend machte. In der vorigen Woche ist die Einigung auf einem Kongreß in Aldi beschlossen worden. Vertreten waren nicht nur die alte und die„neue' Broutchouxsche Organisation und die beiden Ver- bände der Loire, sondern auch die Schieferarbeiter. Die wichtigsten Beschlüsse sind: Es wird eine Föderation der unter Tag Arbeitenden konstituiert, der die Bergarbeiter und die Schieferarbeiter angehören sollen, weiter aber auch die Unter Tag Richard Barth, Berlin. Inseratenteil verantw.iUH.Gl, cke, Berlin. Druck u.Lerlag:BorwartsBuchdr.u.verlag»anitÄ» beschäftigten Erdarbeiter. Die Durchführung dieser letzten Be. stimmung dürfte allerdings auf Schwierigkeiten stoßen, ebenso wie die deS Beschlusses, wonach die im Departement Meurthe et Moselle tätigen Metallarbeiter, die einen Teil des Jahres bei der Erzgewinnung beschäftigt werden, dem Verband beitreten sollen. Die Spaltung im Pas de Calais und Nord soll in der Art bei- gelegt werden, daß überall dort, wo Sektionen beider Verbände bestehen, die Mitglieder der„neuen" in die Sektionen der„alten' eintreten. Eine Zurückweisung von Mitgliedern ist unberechtigt. In der Loire werden beide Gewerkschaften aufgelöst und durch eine neue ersetzt. Zu erwähnen ist von den weiteren Beschlüssen des Kongresses eine mit allen gegen 11 Stimmen angenommene Resolution, die — im Sinne der von Briand in sein platonisches soziales Reform- Programm aufgenommenen Idee— die Zuteilung von Berg» Werksaktien an die Arbeiter fordert. Sie sollen in den Händen der Gewerkschaft bleiben, die den Jahresertrag nach dem Verhältnis der geleisteten Arbeitstage aufteilt. Die Gewerkschaft soll eine der Zahl ihrer Aktien entsprechende Vertretung im Ver- waltungsrat bekommen. Es wäre zu wünschen, daß die auf die Organisation bezüz» lichen Beschlüsse des Kongresses bald durchgeführt werden und der französischen Bergarbeiterschast eine erhöhte Aktionskrast ver- leihen._ Der römische Tramvahnerstreik. Rom» 19. März 1915.(Eig. Ber.) Eine volle Woche war die Hauptstadt ohne Trambahnverkehr. Bis Freitag früh ruhte der Dienst auf allen Linien. Vom Freitag cur hat man auf 3 Teil» strecken einen ganz und gar unzulänglichen Verkehr von 9 Uhr morgens bis 6 Uhr abends hergestellt, wobei die Wagen von den Kontrolleuren geführt und bedient werden. Um zu diesem Resultat zu kommen, das einen Halbtagsdienst für weniger als ein Zwanzig- stel des städtischen Trambahnnetzes herstellt, hat die Gesellschaft d-aS Kontrollpersonal durch Lohnerhöhungen Mwvnnen. Aus die Haltung des eigentlichen Personals hatte dieser Umstand keinen Einfluß. Von einer Solidarität der Kontrolleure mft den übrigen Trambahnern konnte nie die Rede sein. Die Gesellschaft hat sich endlich herbeigelassen, Unterhandlungen anzubahnen. Natürlich wollen die Trambahner sich nach so großen Opfern nicht damit begnügen, nur die Maßregelungen zurück. genommen zu sehen. Sie fordern Verbesserung der Arbeitsbedin- gungen, und die Trambahngesellschaft hat sich splendide bereit erklärt, 15 Cent, pro Tag zuzulegen und die Dienstzeit zur Er- reichung des Maximallohnes von 4,55 Lire von 18 auf 12 Jahre zurückzusetzen. Mit so kümmerlichen Zugeständnissen wollen sich die Streikenden nicht begnügen. Weiß man doch, daß die römische Gesellschaft 15 Proz. Dividend« zahlt, mehr als irgendeine andere italienische Trambahngesellsckast. Die Stadtverwaltung hat kein Mittel, einen energischen Druck auf die Gesellschaft auszuüben, weil sie nicht in der Lage wäre, eventuell den Dienst in eigene Regie zu übernehmen. Das Polizeiaufgebot auf den Straßen und bei den Depots ist außerordentlich groß, aber die Streikenden ver» halten sich vollkommen ruhig. Bis jetzt ist ihre Stimmung vor- züglich, und auch die Sammlungen für den Streilfonds fallen sehr zufriedenstellend anS. Ro«, 21. SRätz.(Privatdepesche de».Borwärt»'.) Der Streik der Trambahnangestellten ist beigelegt. Die Gesellschaft nimmt die Maßregelungen zurück und gewährt eine geringe Lobn« zulage._ Ausstand der römischen Sttafienkehrer. Rom, 19. März 1919.(Eig. Ber.) Ohne der Stadtverwaltung vor- her ein Ultimatum zugehen zu lassen, haben die römischen Straßen- kehrer am Sonnabend früh die Arbeit niedergelegt. Dieser Streik ist von einem neu gegründeten klerikalen Gewerkverein in Szene «setzt worden und bezweckt deutlich einen Angriff auf die radikale Stadtverwaltung. Dabei ist aber nicht zu vergessen, daß die aus- ständige Arbeiterkategorie m der Tat äußerst schlecht bezahlt ist: die Leute erhalten 75 Frank monatlich und fordern einen Zuschlag von 55 Cent, pro Tag. Unter diesen Umständen ist eS bedauerlich, daß der Bürgermeister den starken Mann spielt und durch Mauer» anschlage die Entlassung aller Streikenden verfügt, die bis morgen die Arbeit nicht wieder aufgenommen haben. Freilich würden die geforderten Erhöhungen eine Mehrausgabe von rund 185 000 Lire un Jahre mit sich bringen. Trotzdem brauchte der Bürgermeister nicht so autoritär zu verfahren und nicht von vornherein jede Ver. Handlung abzulehnen. Daß der Streik von klerikalen inszeniert worden ist, ändert an dem Kern der Sache nichts und sollte diz Haltung des Bürgermeisters nicht beeinflussen. 'Verfammiunqen. veber die Reaktion in Preußen sprach am Freitag bor einer von etwa 1005 Personen besuchten öffentlichen BolkSversamm- lung Genosse Stadtverordneter Adolf Hoffmann. Kopf an Kopf gedrängt saßen und standen die Zuhörer und lauschten der interessanten Rede, sie oftmals durch Beifallssalven unter- brechend. Gegner meldeten sich trotz Aufforderung nicht zum Wort. Ein Genosse schilderte seine Erfahrungen des Tages am Friedrichs» Hain. Er besprach die brutalen Polizeiattacken bei den letzten Demonstrationen und forderte die Anwendung deS politischen Massenstreiks im Wahlrechtskampfe. Genosse Hoffmann ging im Schlußworte darauf ein und meinte, wir werden dieses Mittel anwenden, wenn es uns an der Zeit erscheint und nicht, wenn es die Gegner und die Polizei er- warten. Er forderte die Versammelten nochmals auf. durch inten- sivste Agitation den Wahlrechtskampf zu fördern. Mit donnernden Hochrufen auf das allgemeine, gleiche, ge» Heime und direkte Wahlrecht schloß die Versammlung. Unter Absingung von Freiheitsliedern gingen die Versammelten aus» einander. Letzte Nacbricbtcn und Dcpcfcbcn. Der neue Dumapräsident. Petersburg, 21. März.(W. T. B.) Die Reichsduma schritt bei vollbesetztem Hause heute abend zur Wahl des neuen Präsiden» ten. Die Sozialdemokraten, die Arbeitsgruppe und die Kadetten enthielten sich der Abstimmung und verlasen Erklärungen, in denen sie ihre Stimmenthaltung mit dem Hinweis darauf begründeten, daß das Präsidium der dritten Duma deutlich dem rechten Flügel der Duma zuneige, die Interessen der Minderheit ignoriere und zulasse, daß die Tribüne der Duma zu einer provokatorischen Waffe gemacht werde zum Zweck der Diskreditierung der Volksvertretung Rußlands. Zum Präsidenten wurde mit 221 gegen 68 Stimmen der Führer der Oktobristen, Gutschkoff, gewählt. Eine Massenanklage. Chicago, 21. März.(W. T. B.) Die große Anklagejurh hat gegen die Rational Pöcking Co. und gegen 11 von ihr ab» hängige Flcischgesellschaften wegen Verletzung des SntftrustgrsetzeS Anklage erhoben._ Eine schwere Eiscnbahnkatastrophe. Marshalltown(Iowa), 25. März.(28. T. B.) In der Nähe von Greenmountain würden bei einem Eisenbahnunfall, bei dem ein Personenzug der Rockislandbahn die Böschung hinabstürzte, 23 Personen getötet und 31 verletzt. jßoul Singer Sc Co» Berlin L WTHierzu 3 Beilagen«.Unterhaltung»»! Ke. 68. 27. Iahrgallg. 1. KcilM des Jormttf Kcrlim loUlott. Situs!»!!, 22. Uäii 1919. Die lkgeliilig der Herztefrage!» der ßeicbsverHcSerußgsordnung. Die ReichsversicherungsordnAng regelt in nicht Wentel Äs Fl Paragraphen lZ 377—407) dos Verhältnis der Krankenkassen zu den Aerzten und Apothekern. Diese Regelung bezieht sich aus- schließlich auf die Krankenkassen, nicht auf die Unfall- oder Invalidenversicherung. Die außerordentliche weit- fchweifige Regelung läßt sich kurz dahin zusammenfassen: die Frage, wie für ärztliche Behandlungen seitens der Krankenkassen Fürsorge zu tragen ist, ist den Mitgliedern und der Verwaltung der Kranken- lassen entzogen. Hingegen ist der oberen Verwaltungsbehörde ,und dem Oberversicherungsamt gestattet, auf die Aerzte gut ein- zureden. Befolgen die Aerzte den Rat der Verwaltungsbehörden nicht, so sind sie keineswegs zur Behandlung der Kranken ver- pflichtet, die Krankenkassenmitglieder bleiben dann ohne ärztliche Hilfe, solange die Kasse sich nicht den Foederungen der Aerzte unter- Wirft. Das nennt sich Lösung der Aerztefrage! Das Gesetz zwingt die Krankenkassen, ihren Mitgliedern die ärztliche Behandlung zu gewähren. Den Aerzten aber steht es �ei, ob sie Krankcnpraxis treiben wollen oder nicht. Die Reichs- , Versicherungsordnung lehnt eS aber ab, den naturgemäßen Weg zu beschreiten: der Pflicht der Kasse, ärztliche Hilfe zu schaffen, die Pflicht der Aerzte, diese Hilfe zu leisten, an die Seite zu stellen. ) Die Alimentation der Aerzte durch die Krankenkassen kon- struiert der Entwurf in folgender Weise: Die Kassen sind zur so- genannten beschränkten freien Arztwahl verpflichtet, sie haben einen «allgemeinen Arztvertrag" mit den Aerzten ihres Be- reichs zu schließen. Diesem allgemeinen Arztvertrag kann jeder approbierte Arzt, der im Bereich der Kasse wohnt, schriftlich bei- treten und kann vom Beitritt nur ausgeschlossen werden, wenn ein »wichtiger Grund" im Sinne des Bürgerlichen Gesetzbuchs borliegt. Die Kasse darf nur dann, von der freien Arztwahl abgehen, wenn die Satzung den Vorstand ausdrücklich ermächtigt, einen„besonderen Arztvertrag" nur mit bestimmten Aerzten zu schließen. Doch muß den Mitgliedern in solchem Fall, soweit es ohne erhebliche Mehrbelastung der Kasse möglich ist, die Wahl zwischen mindestens zwei Aerzten freibleiben. Außerdem kaniudas Oberversicherungsamt anordnen, falls die ärztliche Versorgung nach seiner Ansicht nicht genügt, daß noch an- dcre Aerzte zugelassen werden. Den Bertrag bereitet nicht die Kasse, sondern ein V e r t r a g s auSschuß vor. Für den Bezirk des Oberversicherungsamts soll ein Vertragsausschuß für allgemeine und einer für beson- dere Arztverträge gebildet werden. Jeder Vertrasausschuß soll auS gewählten Vertretern der Kasse und der Aerzte in einer Anzahl von je mindestens vier Mitgliedern bestehen. Ein solcher VertragSauSschuß würde in der Regel nach den Motiven für eine ganze Provinz einzusetzen sein. Die oberste Verwaltungsbehörde kann bestimmen, daß die Krankenkassen allein die Kosten des Ver- tragSausschusseS zu zahlen haben. Die Wahl zum VertragSauSschuß geschieht auf vier Jahre. Die Vertreter im VertragSauSschuß können sich über die Bestellung eincS Ob manneS verständigen oder sie der höheren Verwaltungsbehörde übertragen. Wird kein Obmann bestellt, so führt abwechselnd ein Vertreter der Aerzte und der Kassen den Vorsitz. Die Ausgaben des Vertragsaus- schusseS bestehen in der Vereinbarung bestimmter Grundsätze für die Verträge zwischen den beteiligten Krankenkassen und den Aerz- ten. 8 383, Abs. 3 hat die Güte— freilich ohne Strafandrohung— daß die im Wege der DiSziplinarverfolgung und in anderer Weis« gegen Aerzte erfolgten Erpressungen und Erpressungsversuche für die Zukunft nicht mehr statthaft sein sollen. Es heißt da:„Kein Arzt darf wegen Verletzung der ärztlichen Standesehre oder der ärztlichen Standespflichten aus dem Grunde verfolgt werden, weil er mit Krankenkassen Verträge unter Bedingungen abgeschlossen hat, die gegen dfle Grundsätze entsprechen.. Aus Vereinigungen und Verabredungen, die den Abschluß von Verträgen auf der Unterlage der Grundsätze verbieten, findet weder Klage noch Einrede statt." Auf einstimmigen Antrag beider Gruppen kann die höhere Verwaltungsbehörde anordnen, daß die Verträge zwischen den beteiligten Aerzten und Krankenkassen nach den Grund- kleines Feuilleton. Die Wirkung der modernen Seeschlacht. Von der verheerenden Wirkung, die künftige große Seeschlachten auch auf den Geistes- zustand der Kämpfer ausüben werden, geben die Experimente einen Vorklang. die die französische Marine bei den Schärfschießübungen auf da« Wrack der„Jena" angestellt hat. Man wollte die Wirkung der Gase erproben, die bei der Explosion moderner Geschosse sich bilden und denen die Eigenschaft zugeschrieben wird, Menschen zu betäuben und zu vergiften. Zu diesem Zwecke, so wird im„Matin" ausgeführt, hatte man in die Türme und Schiffsräume der„Jena" Hunde eingeschlossen. Nach jedem Bombardement wurden die Hunde untersucht. ES zeigte sich, daß man die verheerende Wirkung der Gase überschätzt hatte, denn keiner der Hunde war erstickt oder zeigte auch nur Vergistungserscheinungen. Aber auf die Verfassung der Tiere hatten die furchtbaren Erschütterungen, die Wucht der Pro- jektile und das Krachen der explodierenden Geschosse eine über- raschende Wirkung: sie wurden anfangs niedergeschlagen, träge und melancholisch, an den folgenden Tagen, nach der Fortsetzung deS Bombardements, erkannten die Hunde ihre Herren nicht wieder und schließlich begingen zwei der Tiere regelrecht Selbstmord: sie sprangen ins Meer und ließen sich untersinken, ohne auch nur einen Versuch zu machen, zu schwimmen. Nach dieser Wirkung auf die Tiere mag man schließen, wie viele Kombattanten in künftigen See- schlachten Opfer der Neurasthenie und des WahnsiiinS werden mögen. Die Chemie der Flora. Herr Bode sucht die Ergebnisse der von Dr. Pmku« vorgenommenen Analyse des Florawachses mit Argumenten zu bekämpfen, die ganz auf der Höhe seiner früheren stehen. Er hat einem Vertreter des Reuterschen Bureaus fein Herz ausgeschüttet und orakelt, daß das von Dr. PinkuS untersuchte Wachs wohl von den äußeren Schichten stamme und von den Restaurationen des LncaS herrühren könne. Nun hat aber Dr. PinkuS in Nr. 32 der„Chemiker-Zeilung"(die nebenbei bemerkt ein angesehenes wissen- schaftliches Fachblatt und kein Tummelplatz von Bodejüngcrn ist) ausdrücklich festgestellt, daß daS untersuchte Wachs der mittleren Schicht entstammt, die der Hand de? hypothetischen Restaurators un- zugänglich bleiben mußte. Wenn Herr Bode weiter behauptet, daß sei» Chemiker gezeigt habe, daß das Lucaswachs von dem Flora« wachs gän stich verschieden war, so weiß man in der Tat nickt mehr, ob man sich mehr über die Ignoranz oder die � Vorurteilslosigkeit des Herrn Bode wundern soll. Denn auS den dürftigen Ver- öffentlichungcn des Bodeschen Chemikers ging, wenn überaus etwas die nahe Verwandtschaft dieser beiden Wachsarten hervor. In einem Punkte scheint allerdings Dr. PinkuS geirrt zu haben. Er nahm an, daß Walrat vor 1700 nicht auf den europäischen Markt gekommen sei. Zuschriften an die„Times" behaupten aber, daß eS schon im IS. Jahrhundert bekannt war. Damit ist freilich noch lange nicht bewiesen, daß Walrat damals dem Wachs zugesetzt wurde. sähen, die der Vertragsausschuß aufgestellt hat, abgeschlossen werden müssen und daß davon nur mit der Genehmigung des Vertrags- ausschusses abgewichen werden darf. Da den Entwurfverfassern aber schwant, daß die Aerzte sich trotz der Einstimmigkeit auf Ge- heiß des Leipziger Verbandes den Teufel um Ausführung von Ver- tragsversprechcn scheren könnten, bestimmen sie fürsorglich: finden beteiligte Krankenkassen keine ausreichende Zahl von Aerzten, die mit ihnen solche Verträge abschließen wollen, so setzt die höhere Ver- waltungsbehörde die Anordnung außer Kraft. Also soll auch dies Brimborium nur als Vorspann zur Aufstellung höherer Forderun- gen seitens der Aerzteschaft dienen. Die Landesregierung kann anordnen, daß die Vertragsausschüsse Grundsätze nur für den Bezirk einzelner Versicherungsämter auf deren Antrag zu dereinbaren haben. WaS geschieht, wenn der Ver- tragsausschuß nach wiederholter Verhandlung keine Grund- sätze vereinbaren kann? Dann soll der Vorsitzende das der höheren Verwaltungsbehörde anzeigen und diese soll dann die Grundsätze vorläufig feststellen, nachdem sie das Ober- versicherungsamt, die Mitglieder des Vertragsausschusses sowie die ärztliche Standesvertretung des Bezirks gehört hat. Die Grund- sätze haben also keinerlei Zwangscharakter. Sie sollen also beim Vertragsabschluß berücksichtigt werden, müssen es aber nicht. Und zu diesem Zweck die völlige Aufhebung der Selbstverwaltung der Krankenkassen und ein umständliches bureaulratisches Ver- fahren I Die Grund, utze sollen für mindestens zwei und Hörstens sechs Jahre vereinbart werden. Auch wenn Grundsätze durch den Vertragsausschuß vereinbart sind, ist noch ein umständliches Verfahren vorgeschrieben, wie nun die eigentlichenVerträgeabgeschlossen werden sollen. Es soll nach§ 389 der Kassenvorstand, der einen allgemeinen Arzt- vertrag schließen will, alle Aerzte seines Bezirks durch öffentliche Bekanntmachung auffordern, ihm binnen einer gesetzlichen, min- bestens einwöchigen Frist mitzuteilen, ob sie bereit sind, mit ihm über den Abschluß eines Arztvertrages zu verhandeln und zwar, wo Grundsätze vereinbart oder vorläufig festgesetzt sind, auf deren Unterlage. Einigt sich die Kasse mit der Mehrheit der anwesenden Aerzte nicht, so können beide Teile die Wahl eines S ch i e d s- ausschusses vereinbaren und ihm die Vermittelung übertragen. Es können aber auch jeder der beiden Teile ddn Vertragsausschuß als Einigungsamt anrufen. Gezwungen werden aber kann niemand hierzu. Auch wenn ein Teil das Einigungsami angerufen hat, soll, nämlich wie beim Einigungs- amt des Gewerbegerichtsgesetzes nur möglichst darauf hingewirkt werden, daß der andere sich der Anrufung anschließt. Das Eint gungsamt besteht aus dem Obmann als Vorsitzenden und je vier Arzt- und Kassenvertretern als Mitgliedern, d. h. der Vertrags- ausschuß handelt in dieser Besetzung als Einigungsamt. Es soll in gemeinsamer Verhandlung eine Einigung herbeizuführen suchen Einigen sich Heide Teile, so ist danach der Arztvertrag aufzu- stellen. Einigen sie sich nicht, so beschließt eS mit einfacher Mehrheit einen Schiedsspruch, der sich auf alle streitigen Teile erstreckt. In gleicher Weise soll der VertragSauSschuß als Einigungsamt an- gerufen werden können, wenn eS sich nicht um den Abschluß eines „allgemeinen Arztvertrages", sondern um den»besonderen Arzt- vertrag" handelt. Bei Streitigkeiten zwischen der Kasse und den bei ihr tätigen Aerzten au» einem bestehenden Vertrags- Verhältnis muß zunächst der VertragSauSschuß angerufen werden. Die Klage ist erst zulässig, nachdem-der Vertrags» auSschuß oder im Aerztevertrag vorgesehener Sach. auSschuß oder ein aus seiner Mitte gebildeter Beschwerde- verständige über die Streitigkeit entschieden oder innerhalb eines Monats nach der Anrufung eine Entscheidung noch nicht ge- troffen haben. Die Aussprüche des Vertragsausschusses, des Einigung?- amteS, des Beschwerdeausschusses oder des Sachverständigen- ausschusses können gegen die Aerzte nicht mit Zwang durchgeführt werden— ein reines Kasperle- theater, daS die ReichSversicherungsordnung in der Unzahl von Paragraphen aufführt. Kann eine Krankenkasse weder den„allgemeinen" noch einen Vor allem aber wird dadurch in nichts die fabelhast genaue Ueber- einstimmung deS Flora- und deS LucaSwachseS erschüttert, die für logisch Denkende nur dadurch erklärt werden kann, daß sie— beide komplizierte Mischungen— von derselben Person herrühren. Tbeater. Neue freie Volksbühne(im Metropoltheater). Wenn nicht Karl M i I l ö ck e r eine so prickelnde Musik geichrieben hätte, so krähte nach der altwiener Posse:„Drei Paar Schuhe" von Berka, die Karl Görlitz als Grundlage für sein gleichnamiges Lebens- bild benutzt hat. längst kein Hahn mehr. Selbst dieser textliche Auf- putz für sich allein würde nichts daran zu ändern vermögen. Wesent- sich günstiger stehen die Chancen, seitdem das Ensemble deS Metropoltheaters die Bürgschaft für den Erfolg übernommen hat. Wem noch daS Gelächter über die Proklamationen des Polizei- gewaltigen Herrn von Jagow an die Berliner im Geblüte sitzt, der wird noch nicht verlernt haben, sich hier vollends vor Lachen aus- schütten zu können. Und das ist lediglich daS Verdienst einer sehr belustigenden Aufführung— ganz abgesehen von der namentlich im Schlußakte reichlich gebotenen Fleisch- und Toilettenschau in ihrer Verbindung mit feschgeschwungenen Tanzbeinen und schwirbelnder Laune. Daß im Grunde aber die ganze Darstellung nur auf sechs bis acht Augen steht, versteht sich von selbst. Da sind die Herren Kettner. der als Börsenspekulant Stangelmeier typisch ist, Pfann als gemütlicher Damenschuster, Hummel als putziger Theaterdiener und Fräulein Ida Perry als resolute fröhliche Frau Schusterin hervorzuheben. Doch was wären sie ohne Joseph Giampietro? Sein tagsüber klapperiger, zitternder, zuckender, bei Nacht elektrischer Rouü Julius von Nachtfalter bildet die Krone aller schauspielerischen Charalterleistungen und entfesselte wahre Stürme von Heiterkeit. s. k. Humor und Satire- Staats stützen. Auf die Verfassung hatte'mal der Oldenburg gehustet, und seine Freunde hatten all' gewiehert und geprustet. Nun hat er. rufend zum Duell, auch aufs Gesetz gehustet, die Freunde haben wieder hell gewiehert und geprustet. Gesetz, Verfassung— alles„kann" den edlen Jaiulschauer. Man fragt sich: Wer kommt nächstens drcm? (Der Husten scheint von Dauer.) Vielleicht, wenn wieder ein Kanal und will sich mausig machen. dann hustet er mit einemmal auf noch ganz andre Sachen. besonderen Arztvertrag" unter angemessenen Bedingungen mit einer genügenden Anzahl von Aerzten schließen, und wird hierdurch die ärztliche Versorgung der Kasienmitglieder ernstlich gefährdet, so kann auf Antrag des Kassenvorstandes die oberste Ver« waltungsbehörde nach gutachtlicher Aeußerung des Ober« versicherungsamtes und der Vertragsausschüsse des Bezirkes die asse ermächtigen, ihren Mitgliedern statt der Krankenpflege eine Leistung bis zur Höh« von zwei Dritteln des gesetzlichen Kranken« geldes zu gewähren. Die Krankenkasse kann auch die Krankenversicherten in solchem Fall, wiewohl die Voraussetzungen zur Ueberweisung in ein Krankenhaus nicht vorliegen, in ein Krankenhaus verweisen. Dies sind die wesentlichsten Bestimmungen, durch welche bis ReichSversicherungsordnung gesetzlich festgelegt wissen will, daß die Krankenkassen der Aerzte wegen, nicht aber um der erkrankten Arbeiter willen fungieren sollen, und daß den Arbeitern und den- Krankenkassen nur das Recht zugestanden werden soll, die Forde» rungen zu bewilligen, die die Aerzte verlangen. Die Motivs weisen nicht einmal das häufige Verlangen von Aerzten, nach den Mindestsätzen der Medizinaltaxe bezahlt zu werden, entschieden zurück. Sie begnügen sich mit folgenden Ausführungen:„Nicht erfüllbar war die von Aerzten häufiger auf- gestellte Forderung, daß die ärztliche Tätig« keit st eis nach Einzellei st ungen abgegolten werden solle, wobei die Minde st sätze der Medizinaltaxe, zugrunde zu legen seien. Eins solche Vorschrift müßte, in voller Schärfe durchgeführt, zum wirtschaftlichen Zusammen« bruche zahlreicher Krankenkassen führen." Die wehrlose Auslieferung der Krankenkassen an den Leipziger Verband ist der langen Bestimmungen der ReichSversicherungsordnung kurzer Sinn, lind daS nennt der Staatssekretär Delbrück soziale Gefetz, gcbung.„Meine Herren, wir arbeiten ja nur für Sie," nämlich die Begüterten, ist freilich die Devise des neuen Staatssekretärs. Vertragsausschüsse sollen auch für das Verhältnis zwischen den Krankenkassen und den Zahnärzten eingerichtet werden. Auch hier soll das OberversicherungLamt anordnen können, daß noch andere Zahnärzte hinzuziehen sind als die Kasse zu» gezogen hat. Auch das Verhältnis mit den Apothekern regelt die ReichSversicherungsordnung durch mehrere Paragraphen. Die Satzung soll den Vorstand der Kasse ermächtigen können, wegen Lieferung der Arznei Vorzugsbedingungen mit einzelnen Apotheken zu vereinbaren und, von dringenden Fällen abgesehen, die Be« zahlung anderer abzulehnen, wenn sie sich nicht bereit erklären, zu den gleichen Bedingungen zu liefern. Diese Verträge müssen binnen einer Woche dem VersicherungSamt und außerdem spätestens eine Woche, bevor sie den Kassenmitgliedern bekannt gegeben werden, allen Apothekenbesitzern und-Verwaltern des Kassen, bereiches mitgeteilt werden. DaS Qberversicherungsamt soll, wenn seiner Ansicht nach die von einer Kasse gewährte Arznei, Versorgung nicht genügt, die Leistung auch durch andere Apotheken vorschreiben. Die Apotheken dürfen den Krankenkassen Arznei, mittel, die auch ohne ärztliches Rezept abgegeben werden können, ohne Rücksicht auf die Form der Verschreibung nicht höher als zu den im Handverkauf üblichen Preisen anrechnen. Für die anderen Arzneimittel haben die Apotheken den Krankenkassen nach näherer Bestimmung der ober st en VerwaltungS« be Hörde einen Abschlag an den Preisen der Arzneitaxe zu ge« währen. Die oberste Verwaltungsbehörde kann zur Herbeiführung und Erleichterung von Verträgen und zur Schlichtung von Streitigkeiten zwischen den Kassen und den Apotheken einen ähn, lichen Rattenschwanz von überflüssigen, kostspieligen und zeit- raubenden Ausschüssen und Aemtern anordnen, wie sie für daS Verhältnis zwischen den Kassen und Aerzten vorgesehen sind. Damit die Betriebskrankenkassen des Reiches und der Bundesstaaten von diesem vexatorischen Wechsel- balg bureaukratischer Pfuscherei und ärztlichen Unverständnisses nicht betroffen werden, bestimmt§ s07 fürsorglich, daß die Landes» regierung festsetzen soll, ob und inwieweit die gegen anders Krankenkassen gemachten Vorschriften Anwendung finden. Ja ja, so ist der Hustenreiz: des Staates stärkste Stützen läßt er zuweilen ihrersenS das warme Nest beschmlltzcn. Wenn, Edle und Erlauchte, euch ein Husten macht Beschwerden, kann euch Gesetz, Verfassung, Reich und sonst noch was gestohlen werde«. Notizen. Fra«». Vorträge. Die Naturwissenschaftliche Ge» sellschaft, Ortsgruppe Berlin, hält ihre nächste Sitzung am Dienstag, den 22. Marz, abends Vi9 Uhr, im Zimmer 109 des Berliner Rathauses ab. M. H. Baege wird einen Bortrag über daS Thema:„Urzeugungsproblem" balten. Eintritt frei' — Der Deutsche Monistenbund veranstaltet am Dienstag, den 22., 8ili Uhr, im Bürgersaal deS Berliner Rathauses einen Vortrag. Dr. Franz v. Matuschka spricht über die Frage: „Schöpfung oder Urzeugung."— Erster Kulturtag. Am 24. und 26. März, abends 8 Uhr, werden in der Philharmonie öffentliche Vorträge stattfinden, die von den Veranstaltern unter dem Namen„Erster Knlturtag" zusammengefaßt werden. Es sprechen am 24.: Prof. W. S ck ü ck i n g über„Kultur und Internationalismus", Dr. Fr. LipsiuS aus Bremen über daö Thema: „Sind wir noch Christen?". Prof. Gurlitt über„Trennung von Kirche und Schule". Am 26. sprechen: Dr. V i e l h a b e r über „Die Zukunft deS deutschen Protestantismus'. Dr. Lothar S ch ü ck i n g über«Preußische Verwaltung und Kultur", Dr. R. P enzig ein Schlußwort. — Erotische Volkslieder. HanS O st w a l d, der Herausgeber der Lieder aus dem Rinnstein und der Großstadt- dokumente. beabsichtigt zu wissenschaftlichen Zwecken eine Sammlung erotischer Volkslieder herauszugeben und ersucht um Zusendung ent» sprechenden Materials.(Adresse Zehlendors, Karlstr. 23.) — Herr E r n st P o s s a r t hat das Bedürfnis gefühlt, der Genossenschaft deutscher Bühnenangehöriger seine Ehrenmitgliedschaft zu kündigen. Das ist des Münchener Generalintendanten a. D.. der zur Direktorenpartei gehört, gutes Recht, aber der salbadernde Brief, in dem er den zum Klasienbewnßtsein erwachenden Schau« spielern rät, wieder vor ihren Brotgebern und„Gönnern" zu kuschen, hätte er sich wirklich schenken können. Denn der ehemalige Schauspieler Possart, der es so weit gebracht hat und seiner Titel wegen darauf verzichten mußte als Schauspieler aufzutreten. empfindet natürlich längst nicht mebr als Schauspieler. Direktoren sollten« einer Schauspielerorganisation überhaupt nichts zu suche« habe». Treptower Pclizeiatfacfeo vor Gericht. Wie am 6. März, dem Tage des nicht ausgeführten Wahl rechtSspaziergangeS nach Treptow, die den ganzen Südosten Berlins belagernde Polizei ihr.Recht auf di Straße" ausübte, das wird jetzt uor den Gerichten erörtert- Sehr viel rascher als sonst haben diesmal die Polizei, die Staats vnwaltschaft und die Gerichte gearbeitet, um die Opfer der Ab sperrungSwut des Herrn v. Jagow auf die Anklagebaul zu bringen- Der erste Prozeß dieser Art wurde bereits gestern, nur zwei Wochen nach jener Polizeiblamage, vor dem Amtsgericht Berlin Mitte Charlottruburg. Neue Jugend. Arirdrich- WilhelmstädtifchcS. Der selige Toupinel. Gastspiel. Miß Dudelfack.(.Anfang 8'/. Uhr.) Hebbel. Kavaliere.(Ans. 8'/, Übt.) Volksover. Der Troubadour.(An- fang 8J7, Uhr.) Luise«. WaS Kott zusammenfügt. Roir. Der Verschwender. LuftfPielhauS. Der dunste Punkt. Met-ui'oi. Hallohll— Die große Revue. Bolies Eaprice. Herr Dafferkropf. Der Lufllunier. sSlnf. 8llt Uhr.) Cnsina. Berlin bei Nacht. Getr. Herrnield. Es lebe das Nachtleben.— Die Original- KiabriaSpartie. Stadttheater Moabit. Gefchloffc». Noact. Der steine Lord. «p �.o. Der Zechpreller, spezia- litäten. Painge. Spezialitäten._ Walballa. Soeziaiilöten �~~~ vvqgenhagen. Spezialitaten.(Sin- 7'/. Uhr). Brau ta. j.,»de»»rnste 1K lt>» Abends 8 Uhr: Der Kinomato- PH im Dienste der Wiffen- 1 und des NnlerrichtS. Hörsaal 8 Uhr: Chemiker P. Bartel: Messung hoher Temperaturen. Stern,,»r>>..znoandcustr. 57—62. " L/e«ninsr-Theatera « Uhr: Das Konzert. Mittwoch, 8 Udr: Da» Konzert. Donnerstag,?>/, Uhr: Die Frau vom«teere. Schiller-Theater 0.(Wallner-Theat.) Dienstag, abend« 8 Uhr: Ijager. Hieraul: Die PiccolominI von Friedrich Schiller. Ende 10-,. Uhr. Mittwoch. obendS8Uhr: s-oltitiveliv. Donnerstag. abendS 8 Uhr: l'kvAtez'. Schiller-Thcator(Charlettenburg). Dienstag, abend« 8 U h r: ZieriQ �uxvnek.(tohsn Ulteljeene.) Schauspiel in 5 Sitten v. Tor Hedberg. Deutsch von Hennanu Blochcr. Ei?de 10'/, Uhr. Mittwoch, abend« 8 Uhr: F.gmont. Donnerstag, abend« 8 Uhr: Viel lUirmen lim nichts. Brauerei F r iedrichshaisi am Königstor. Größter Konzertsaal Berlins. Dom 27. März(1. Osterseiertag) Vis zum 3. April: l*»ul Liincke- Woclie. unter persönlicher Leitung U»« de« populären Koorponisten* c»*1. i. Jl-4 Äil KV-C* Anfang an Sonn- und Festlagen k'/, Uhr, wochentags 8'/, Uhr. Entrce»O Pf., refervierler Platz 78 Pf. Billett« im Vorverkauf zu ermäßigten Preisen(40 reff». 80 Ps.) bei Zucht. Jmmanuelkirchftr. 12, Hahnisch. Augustflr. 50, und Mann, Petersburger Platz 4.___ Volks oper. EW., Belle-Mliancr-Straße Nr. 7/8. Abc:ld«'1,9 Uhr: Der Troubadour. (Gastspiel) Luisen-Tlieater. Abend» 8 Uhr: Schauspiel in fünf Akten von Ernst Rilterseidt nach freier Benutzung einer Erzählung von CourtbS-Maoler. Mittwoch: Klapperstorch d. Königin. Donnerstag: WaS Gott zusammen. fügt.__ •Berliner Theater. Heute 8 Uhr: TilltfUft» Morgen: Taifun. lieues fdester. Dienstag und Mittwoch: Die goldene Ritterzeit. Ansang 8 Uhr. Donnerstag: fM Der Philosoph von Sanssouci. OSE'THEATE Große Frankfurter Str. 132. Bei aufgehoben. Abonnem. Zum Beiiefizf.Slrtur Dinckler Der Berfchwender. VoUSfttäck mit Gesang und Tauz m drei Aste» von Raimund. Ans.» Uhr. Ende II Uhr. Mittwoch. DonnerSIag: Tie Ehre. Vorletzte Woche! 8'/, Uhr: 8'/, Uhr: Der Zechpreller mit Konrsd Dreher a. G. _ Vorher ob 8 Uhr BUB" Itzlo großen' GG Mttrg-BpezinllUtten. Theater des Westens. Abend« 8 Uhr: Die geschiedene Frau. Donnerstag und Sonnabend: Der stvele Bauer. ■jjr�ueiTOpePctten-Theater. Heute und folgcnbe Tage 8 Uhr: Der Graf von Luxemburg. Sonntag nachmittag 3 Uhr zn er- Mäßigten Pretic»: 0«r Cigeuverosroo. MMiiWkeimÄalttisedgs Seitsustzislltaus. Dienstag, den 22. Mär,, abend» 8 Uhr: Der setixe loupinel. Mittwoch z. erstenmal: Schuldig. Donnerstag: Schuldig. ...... loil-n. jreitag: Gefchiossi. Sonnabend: Othello. kus�sflevtksus. Mend» 8 Uhr: Der dunkle Punkt. ilesidenz-TItaater Direktion: Richard Alexander. Abends 8 Uhr: Das Nachtlicht. Schwank in 3 Ästen v. M. ZamacolS. Hieraus: Ter selige Oktave. Vurleske in 1 Ali von Joe« Miraude und Henri Gsroule. folies Caprice Der Cuftturner. >encr bunter Toll. Herr Wasserkropf. Bnfang 8'/» Uhr. Boroerk, 11— L Uhr. lSelropolldeiiler Hsuio::: Die große Kevne! I.SBild v.J.Freund. Musikv.P.Linke Anfang 6 Uhr. Rauchen gestattet 24. MSrz; Gastsp. d.Deutsch.Xheat Frühllnas Erwachen von Fr. Wedekind. Das Dreigestirn weiblicher Schönheit, Grazie o. Kunst Bosario Guerrero Marie Lafargue Odette Valery und die anderen — Star-Altraktionen.— Palast-Theater. Bnrgflraße 34, am Bahnhos Börse. Intcpnnllonnlc« Rlngkampf-Cliaraplonat nm Sie cllnaclatcracbntt. Protektor: Herr Pros. st. ttumlrwaer. Preise: 1» 000 M. in bar. Dienstag, den ÄS. Mörz: ftoste-�ämple. Ent«cbcian»svlt»n>piri Eltmeut d'lltnger» g«seu John Pohl. Abs II. Ferner ringen: Herrmann gegen Limoustu. Buhn gegen«erbet. Vorher: Die glänzenden Spezlallillisa. 3(4 8 Uhr. Preist vv Ps.bfS S N. Urania. Wissenschaftliches Theater. Abends 8 Uhr: Der Klnomatograph im Dienste der Wistenscbalt und des Unterrichts. Hörsaal 8 Uhr: Chemiber P. Partei: Messung hoher Temperaturen. Zs ifkus arrasani alter Botanischer Garten. Dienstag, den 22. März, abends 8 Uhr: Britlante Vorstellung mit einem rein zirzensischen Programm. Ab O'/i Uhr: Fortsetzung der Ringkampf- Konkurrenz unter dem Protektorat des Herrn Prot Rolnhcld Begas. Es ringen: Paradanoff gegen Cazeaux de Bastienx. Entaciieldangakampt: Mlohallafl gegen Lassartesse. Protestkampf: Reykowitsch gegen Strenge. 1 % ita t* iba Ci äkiZ. j. A Jh*» 1 Passage-Tlieater. Abends 8 Uhr: Das l gesellschaftliche J Ereignis von Berlln| Anflreien der schUnen iSisters Ridley * In ihren hlsterl sehen Tiin» | Georg Kaiser Schneider- Dnnel— ond das große Programm!\ VMWWWWWF Passage-Panapttkum Senegal in Berlin! RQ wilde Weiber " Männer, Kinder. Drei Negerdörfer Ohne Extra-Entroe! m alba IIa �'Mf" TT'afer Weinbergsweg 19-20, Reeenth.Tor. Anfang 8 Uhr: Da« große Brogr.| Watt, das lebend« Elekiriziläta- werk u. die Obrigan Spezialitäten Tunnel: Die allergrfiSte Kanne. Theaterbesuchern freier Sint>itt> Voigt-Theater OantMpici in Pnhlmanna Theater, Schönhauser Alice 148, Dienstag, den SS. Mörz: Aus dem Volke. VcIkSstlick mit Gesang in 4 Akten von H. Schulz und A. Seelen. Musik von A. Kersten. K assenöffnimg 7 Uhr. Ansang 8 Uhr. K ii« i zgaTad t» IA aaina. Holzmarklftraße 79. Täglich: Spenialitftten ernten Kaneo* mit Frnnx Sobannkl. 9 Uhr: Hoheit» Liebesroman. ?l u t» I Grün-DonnerStag und Oster-Somlabend: Zcravm der Rose und Klippen und Welle«. An den 3 Ollerseiertagen: Feet- Vorstellung. Anlang 0 Uhr. Ii Sozialdemokratischer Wahlverein für den 5. Berliner Reichstags-Wahlkreis. Sonntag, den 27. März er.(1. Olterfeiertag), im„Schweizer-Garten", am Königstor: 3/S* Großer Unterhaltungs- Abend bestehead in öltlfODlC- KODZCtt(Dir.: Herr M. Fiecher) Vorträge und Tanz unter gefälliger Mitwirkung des Berliner jjUlk.-Trlo". ErOfThang 6 Ehr. Anfang 7 Ehr. Eintrittspreis 30 Pf, Billetts bei den Bezirksführern und in den Parteispediüonen Hahnleoh und Zucht. iE); H roi SoziaUrttr«im!» fies 6. Berier Relttp-HMs. Hontas, den 38. 5IHrz(zweiter Osterf clertag): Drei große Hatineen Baliscbmieders Etablissement □ Germania-Pracbtsais □ Stadttheater Moabit BaditraBe 16 ChausseestraBe 110 Alt-Moabit 47,49 I Berliner Elk-Trlo. Paul Bantbeys Enstlge Sänger. Apollo» Sänger. Schäfer und Enhndal(Jongleure). IHnndharmonlka- Verein„Vorwärts"(Dirigent: Herr Alfred Söldner). Gesangverein„Schönhauser Vorstadt"« „Sängerchor Wodding".„Bännerchor Moabit". Anfang pünktlich 12 Uhr.—————— Eintritt 25 Pfennig. Montag, den 38. März(zweiter Ostertelertag: Bunter Abend □ □ □ □ unter Leitung von Margarete Walkotte in den Pharus-Säien, Müllerstraße 142. {Frl. Dams, Koloratursängerin. Willi Decbert, Cello. Margarete Walkotte. Leonhard Grosser, Komiker. Am Flügel: Herr B. Siitzscbe. Anfang abends 6 Uhr.——— Eintritt 40 Pfennig. Nach«er Vorstellung: TANZ. 2»» hS3| S""™ 226/6* Bas Komitee. Kcmmandantenftr. 57. T. A. 4, 6083. Nur noch diS morgen Mittwoch: 1. Serie des HerruseldtZystus: Es lebe das Nachtleben. Die Original« Klabriaspartie Ans. 8 Uhr. Vorverkauf 11—2 Uhr Donnerstag, 24., Sonnabend, 26.: 2. Serie: .Meyerhains* u.»Lebte Ehre*. Osterscnntag und folgende Tage: 3. Serie: »Die beiden Bindelband».* »Original-RlabriaSPartie.* Billett« hierfür bereits zu haben. Alt-Hoablt 47/48. DonnerStag, de« 84. März: Keine Vorstellung. Trianon-Theater. Heute und folgende Tage, 8 Uhr: Theodore 4k Cle. Sonntag nachnn: Pariser Witwen. DienStag. den SS. März, abends 7'/, Uhr: Außerordentl. gr. Borstellung Neu I Neu l Vertat Shaws die vorzüglichen Amerikaner. Brei Gohr. Mouche. Neu I Zum erstenmal: Neu! Overgauuer, FuchShengst in der hohen Schule geritten von Herrn Heß. Blr. Albert Sehnniann, neue und moderne Dreffuren. The R1 Tchaves, 11 Perf. w ihren Barbarentäuzen. Clown Adolf und Coco mit neuen Schlagern. Um 91/, Uhr Ende 11 Uhr Die drei Rivalen. ®r. Fcerfe au« der Hugenottenzeit. Casino-Thoater Lothringer Straße 37. Anfang 8 Uhr. Berlin bei Nacht. Domiersraq und Sonnabend: Ackern,.■inn. Ab Sonntag: Berlin bei Nacht. Sonbtag und Msntag nachmittag 4 Uhr: Ein deutsche* Frsuenherz. Relebshallen-Theater. Stcttlncr Sänger Z Schluß(Letzte Woche) Oer NachtwSohter von Zerpenschleuse vonMehfel Anfang: Wochent. 8 Uhr. Sonntags 7 Uhr. Tonbild-Theater Reformi] Kino O® a Heute vollständig neues~ % Programm! g. ü Jede« Bild ein Schlager.« — Vorstellung von 5—11 Uhr. af Ente. Erwachs. SOPf.l ohne _ Kinder 10„ ISlai Zirkus Busch. Heute Dienstag, den 22. März, abends 7'/, Uhr präz.: Großer Gala-Abend. Die Hassans! Therese Fillis, James Leon Fülle jun.. Heinrich Fülle, in ihren Produktionen d. honen Schule. Hr. E. Sohumenn, Meisterdree. Reiterfamilie ProserpL Zwergclown Franuois, Kunstr. Qigerlclown Altred Daniels. 9 Uhr es. Ende 10°/, Uhr: Die rust. Sensatlent-Pantomlme Maria! Sonntag, Montag: X Vorst Gastspiel Theater. 8V« Uhr: Mlsa Bndel.ack. GrünbonnerSt. imb Öfters onntag: I,n maln. Mimodrama Henri» Vörenq. Hierauf: Bunter Teil. Karl Haverland Ansang Theater, präz. 8 U. 77/79 KommandaMenftraße 77/79. Rene erstklassige Spezialität. Llliputaner-Tnippe prolongiert Heute nach d. Vorstellung: Ball. W.jtaseksTbestsr Srunnennr. 16, am Rofenthaler Tor. Direktion:Fra«zMerl«r. Letzte Borftellung vor Osterte» Der kleine Lord. Echaufpfel in 3 Akten. Vom 23.-20. März der Karwoche wegen gefchloffen. Arwskos erleherger Strave<28. � Kontag, 2. Ostertelertag: ; f�aul$ Springers Kabarett- und Posscn-Geseilscbalt. Anf. Konz. 5 Uhr., Vorst 7 Uhr. Tanz ip Für den Inhalt der Inserat« übernimmt die Redaktion de« Publikum gegenüber t(tBnU) verantwortmig. Filiale Berlin. Donnerstag. 24. März. avds. S'/z Uhr» im Gewerkschaftshaus, Engelufer 15(gr.Saal): Versammlung. Tages. Ordnung: ... Dtellungnahme zum Gmitage und zur Generalversammlung m Dresden und endgiiltigc Abstimmung iidcr die dazu gestellten Anträge. 2. Wahl der Delegierten zum Gautage. 3. Bekanntgabe der in den Bezirke» vorgeschlagenen Kandidaten zur Generalveriammlung. 4. Verschiedenes. Zahlreichen Besuch erwartet_[192/9] Der Voratand. SegeMtmer 1909 Frühbrut, schon fleißig legende, belieb. Farbe, garant. leb. Ankunft, 18 St. 33 M., 12 St. 22 M., 6 St. 12 M., alles m. Hahn. Schneier, MySlouittz O.'S. Nr. S.[212/7' »so— SS 31. M» ostüme, ofoffreste wegen Schluß der Saison spottbillig Betriebswerkstclle für Dumen. konfcktion Mi Wienandt, stLryÄ chnungs-Absctalaß der Gemeinsame» Ortskranrenkasse für Königs-Musterhause»«. Umg. �~£-£2iJ2£Snu2l!ll£!iiM92iL—— äs»— Allen Verwandten, Bekannten und Kollegen die traurige Nach. richt, daß unser Sohn und Bruder, der Dreher Lüben Toiidorf am Sonntag gestorben ist. vis trsusrnilen fllntorbiiodenea «uttsr uns L ruber. Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 23. März, nach- mittags 3 Uhr, von der deichen« halle des PiuS- Kirchhofes in WUhelmsberg aus statt. 13156 Arbeitsnachweis: Hol I. Amt 3. 1239. Sjcrwalniligsstrllc Berlin, zdauvtbureau OdaritdetrsS» S. Hos III. Amt 3. 1987. Mittwoch, den 23. März 1910, abends 6 Uhr: W er samnaluiig] aller in der chirurgischen Branche beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen im„Rosenthaler Hof", Nosenthaler Straße 11/12. Tage«. Ordnung: 1. Vortrag des Genossen Sillicr über:„Amerika" 2. Diskussion. 3. Branchenangelegenheiten und Verschiedenes. Die außerordentliche Wichtigkeit dieser Versammlung macht das Er. scheinen aller Bcrussaiigehörigen notwendig.— Die Kollegen der Firma Äettncr sind hiermit besonders eingeladeu. Mittwoch, den 23. März 1910, abends S'/s Uhr: Nkchlmlimg dn Graiiciltt««d Jiselkiire im»Dresdener Garten", Dresdener Straße 45. TageS-Orduung: 1. Vortrag des Genossen Johannes Schneider über:„Die Entwickelung der Rechtsidee und das Gewerkschaftsleben" 2. Diskilsslon. 3. Branchenangelegenheiten. Die Ziseleure der Gelbmctallindustrle find besonders zu dieser Ver famnrlung eingeladen._ Miinis! Arbeitsnachweis. W°°s! Sonnabend, den 26. März, bleibt der Arbeitsnachweis wegen Renovierung geschlossen. Donnerstag, den 31. März, bleibt die Kasse im Arbeits «achweis wegen Quartalschluß de» ganzen Tag geschlossen. 113/8_ Die Ortaverwaltnog. Deutscher Holzarbeiter-Verband. - Zahlstelle Rixdorf.= TonnerStag. de« S4. März, abendö 8 Uhr, im Lotale des Herrn Hoppe, Hermannstrasie 49: ZilitgUväer-Varssmmllmg. TageS-Ord nung: I. Bericht von der Generalversammlung Groß-Berlw». S. Beratung der Llnträg« zum Gau- und BerbandStage. 3. VerbandSangelegenheiteu. Sl/1»_ Die Ortaverwaltnng. Achtung! �btung! Mittwoch, den 23. März 1910, abend? 8Va Uhr: Öffentliche Versammlung aller aus Alikordliaulen likschiistigte« Manrn in den»Arminhallen", Kommandantenstratze 38/89. Tagesordnung: i. Deiche Stellung nehmen die Attordmaurer mi Berliner Baugewerbe ein? 2. Diskussion. Zahlreichen Besuch aller in Frage kommenden Kollegen erwartet Der Borstand des Zentralverbandes der Maurer. Zweigverei» Btrll». Der Vorstand deS gewerkschaftlichen Vereins der Akkordmaurer. Sozialdemokratischer Wahlverein Zehlendorf(Wannfeebahn) nnd Umg« DirnStag, den 22. März 1910, abends 8 Uhr, bei Mickley» Potsdamer Straße: AußttirdenWeMlWitdttmsmmlitiig. TageS« Ordnung: Die Auflösung unseres Wahlvereins. Eine Polizeischikane? Dir erwarten sämtliche Mitglieder.[202/13] Der Vorstand. a) Einnahmen. M. I. Kassenbestand für d. An- sang d. Rechnungsjahres 817.28 2. Zinse» v. Kapitalien usw. 1 162.25 3. EintnttSgelder.... 2 023,16 4. Gelamibeiträge... 58 731,47 S. Ersatzleistung, f. gewährte Kraiikenunlerstützungen. i 123,64 6. Ersatzleistung, o. Berufs« geiiofsciischasten usw... 746,38 7. Sparkassen- oder Bank- einlagen.Entnahmen aus dem Reservefonds.. 1000,— 8. Vorschüsse d. RechmingZ, sührerS...... 1 200,- 9. Sonstige Einnahmen. 155,97 10. Summe der Eirmahnien (Ziffer 1-9).... 69 960,15 d) Ausgaben. M, 1. Für ärztliche Behandlung 13 254,38 2. Für Arznei und sonstige teilmittel.... rankengelder: a) an Mitglieder.. d) an Angehörige d. Mit glieeer...... 4. Unterstützungen a.Wöch» ne rinnen...... 5. Sterbegelder.... 6. Kur. und VerpflcglMgS» kosten a.Krankenanstalten 7, Ersatzleistung, f. gewährte Krankeiiunterilütznng. 8. Zurückgezahlte't'eilräge und Eintrittsgelder.. 9 Zuführungen z. Reserve» sonds....... 1 10. Durchlaus. Posten. Für fremde Kassenmitglicder 11. VerwallungSauSgaben: a) persönliche.... b) sächliche..... 12. sonstige Ausgaben (dabei 300 M. Kranken« bauszuschaß)...._ 13. Summe der Ausgaben (Ziffer 1-12).... 67 352,25 11 112,98 15 472,40 626,70 1275,20 1400.- 6 984,10 l 833,53 116,20 6 182,25 4 877,20 2 812,65 699,43 725,73 Zillen Freunden und Bekannten die traurige Nachrickt, daß meine liebe Frau und unsere gute Mutter am 20. März sanft entschlafen ist Um stilles Beileid bitten Hok». IMetz nebst Söhnen. Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 23. o. Mls., nach- mittags 3»/. Uhr. aus dem Kirch- Hofe in Stahnsdorf statt. 47982 o) Abschluß. Summe der Einnahmen(Ziffer a 1—9)..... 69 960,15 M. Summe der Ausgaben(Ziffer b 1—12)..... 67 352,25, Ergibt für den Schluß des Rechnungsjahres einen Kassenbestand von........... 2 607,90 M. ErkranlungSjälle der männlichen Mitglieder 779 mit 14 029 Tagen, der weiblichen Mitglieder 282 mit 5789 Tagen. Summe der Sbaittgeitstage 19 818. Gestorben sind 15 männliche und 5 weibliche Mitglieder. Höchste Mitgliederzahl: Oktober mit 3249 Perjonen. KSnigS-Wusterhaui'cn, den 7. Februar 1910. 272/4_ Der Yoratand. G. Schmidt, Vorsitzender. Li| if Arnnlrl Dresdenerstr. 116 Ii U l"/r\§ I I U I U(Kein Laden) amOranicaplati Hut und Mützen Engrosgeschäft. Einzelverkauf zu auffallend billigen aber festen Preisen Strohhüte aller Art sehr dilllx.__ Weiche Herrenhüte v. 1,50-6,00 Sielte HerrenhQte v. 2,00-7,6# Nur fehlerfrei« moderne Ware. Nur fehlerfreie moderne Ware. Grösste Huswahl In Mützen nnd Strohhüten. Möbel-Halle Harry Goidschniidt m. M s, S9 Et" SÄ"""' ------- Bekannt für beste, gediegenste Arbeit 1------- Auf Kredit! Kulanteate Z ahl u n g s b e d i n gnn r en! Nach langem, schwerem, unsag- barem Leiden entriß uns am 19. März der unerbitttiche Tod unsere mnigsigcliebte, vcrgöltcrte Mutter, Schmicger. und Groß mittler, Schwägerin mid Tante, Frau Wve. Marie Paritschke geb. Schulz im 56. Lebensjahre, was Ichmerz. erfüllt, um stilles Beileid bittend. mzeigen psul Paritschke. Helene Sioll geb Paritschke. Richard Stall. Die Beerdigung findet heute um i/z3 Uhr vom T> auerhause, Reichcnbergerstr. 127, aus naa, dem Zentralsriedhos in Friedrichs- selbe statt.__ 13066 Danksagung Für die vielen Beweise'herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meiner lieben Frau Lerla ksgeöoi'» sage Ich allen Beteiligten, Verwandten und Bekannten sowie dem Verein der Heizer und M ischinisten zu Kö penick, dem AdlerShoser Ballspielflub 1903, der Damen- und Hcrren-Ab. teilung deS Arbeiter-TurnvereinS. dem Sozialdemokratischen Dahlvcrein meinen herzlichsten Dank. Im Namen der Sinterbliebenen _ Robert Hagedorn. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme beim Hinscheiden unserer unvergeßlichen Mutter und Schwicger mutier Erucntluc Ende sagen wir allen Verwandten, Bekannten und Freunden unseren herzlichen Dank. 1307 Berlin, 20. März 1910. Elly Eeppert geb. Ende. _ Fritz l-eppert,_ Danksagung Für die vielen Beweise b> crzstchn l Kranz. Teilnahme sowie die zahlreichen Kranz spcnocn bei der Beerdigung meiner unvergeßlichen Frau IKtam Fechner saye ich allen, welche der Dahin> geschiedenen die letzte Ehre erwiesen haben, meinen herz ichstcn Dank. l31kb Utax Fcchncr. Hygienische Bedarfsartikel Drogerie Zareinbo. Weinbergsweg I. dir.«.Rosenthaler Tor. � Billigste Bezugsquelle 1 Versuch s. zur dauernden Kundschaft, KjrphiHs- Näcbveis In allen frisch, u. veraltet, zweifelhaft. Fäll, durch wissenlchastl. Untersuchung. sosort; deSgl. H�rri-(spez. aus Go- norrhoe-Fäden) u. Sputum-Analysen. Hr. tiomo/er& Co., Spezial-Laborat., Friedrichstr. 189, zw. Kronen- und Mohrensttatze), I. 8724. Pers. Rückspr. diStr. u. tostenl. Geöffnet von 3—3 Sonntags von 12—1.• Viele Millionen Stiefel werden in Deutschland erzeug� dar Salamander■ Stietel ist anübertroffeib fordern Sie Musterbuch. V EbtisÜfprels.». U 13.60 Luxus•Auslührung 11 16.50 Salamander Scfiuhges. m, b, H, Berlin W. 8 rriedHeli- Strasse 183 G König-Strasse 47 SW. 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Unfern Mitgliedern die traurige Nachricht, daß unser Sangesbruder,' Kollege Richard Wartig im 34. Lebensjahre nach langem.\ schwerem Leiden verstorben ist. Stets werden wir seiner inj Ehren gedenken. Die Beerdigung findet am I Mittwoch, den 23. März, nachm. >/z5 Ubr, aus dem Friedhofe der! Markus-Gemeinde, WilhelmSberg. statt. Die SangeSbrüder werden er- 1 sucht, sich recht zahlreich zums letzten Geleit einzufinden. Der Vorstand. Ztomplette Wohniutgs-Sindchfoingen Moderne Musterzimmer steheu zur Ansicht cant tat«ne«raurentaffe«.~~■■•»a solide» Preisen In meinen großen Fabrit- und Vertantsränmen.— Auf Wunsch Zahlnngserlelchternng."■»— � 10_2> Sonntag» lö�iä 2 Lerantwortliger Redakteur Hiichard Bartjs, Berlin. Lür den Inseratenteil vcrant».: TH-Glriie» Berlin, Druck u. Verlag: Vorwärt» Buchdruckerei u. BerlagKanstait Paul Singer Sc Co» Berlin SW. l'odesi-.Anzieig«. Am Sonntag verschied nach langem, schwerem Leiden unser lieber Kollege, der Schriftsetzer Biehart tfartig im 34. Lebensjahre. 13136 Ein dauerndes ehrendes An- denken bewahren ihm Tie Kollegen der„Tossiach. Zeitung*4. Die Beerdigung findet am Mtt- woch, den 23. d., nachm.'/z5 Uhr aus d'M Friedhos der MarkuS« gemeinde, WilbelmSberg, statt. Mcböf Melallarbeiter-Verband! Berwnltniigsstclle Berlin. Todes- dnzefge. Den Kollegen zur Nachricht. I daß unser Mitglied, die Arbeiterin; Frida Dürre am 19. d. M. gestorben ist. Ehre ihrem Andenke» f Die Beerdigung findet am l Mittwoch, den 23. März, nach. mittags 3 Uhr. von dem Trauer. 1 Hause, M- Glienicke, Rudowerl Straße 66 aus nach dem Fried« hos in Alt-GIienicke statt. Rege Beteiligung erwartet 113/9 Die Ortsverwaltnna.| Deutscher Transportarbeiter-Verband. Bezlrksverwaltung GroS-Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Kutscher David llrban am 20. März im Atter Von 42 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenken k Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 23. d. MtS., nach. mittags 2'/« Uhr in Teupitz statt. 67/13 Die Bezirksverwaltung. Deutscher Transportarbeiter-Verband. Bezlrksverwaltung GroB-Berlln. Den Mitgliedern zur Nachricht. daß unser Kollege, der Droschlen- sührcr 67/12 MugusK Otto am 19. März im Alter von 57 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenke» l Die Beerdigmig findet am Dienstag, den 22. d. MtS., nach. mittags 4'/, Uhr, von der Leichen. Halle des neuen Nazareth-Fried- hoseS in Remickendorj-West aus statt. Die Bezirköverwaltung. Am Sonnabend, den 19. März, I verstarb'mein lieber Bruder, der [ Klempner Paul Näpplich [ im Alter von 30 Jahren. Die Beerdigung findet morgen �Mittwoch, den 23. März, nach- mittags 3 Uhr, von der Leiche». balle des Nazareth-Kirchhoses in Reinickendorf auS statt. Im NaMen der Hinterbliebenen ddolt ÄTUrrUch. Dp. Simmel Spezial-Arzt• für Haut- und Harnleiden. Prinzenstr. 41, ÄS» 10— 2, 6—7. Sonntag« 10—12, 2— 4, Kr. 68. 27. Zahrgang. 2. Skilage des Lawärls" Snliim Ualdsdlalt. Dievstag, 22. Mar; 1910. Partei- Angelegenheiten. Zweiter Wahltreis. Am Karfreitag findet eine Herrenpartie verbunden mit Besichtigung der Begräbnisstätte Klara Müller- Iahnkes statt. Treffpunkt 8 Uhr am Schlesischen Bahnhof sauf der Seite, wo die Untergrundbahn abfährt); Abfahrt 8.23 nach Rahns- darf. Für Nachzügler bis �/zll bei Witwe Klemm(RahnSdorfer Mühle). Der Vorstand. Sechster WahllrriS. Wie alljährlich, so findet auch in diesem Jahre am K a r f r e i t a g die übliche Futzpartie statt. Treff- Punkt früh 0 Uhr im Restaurant„Rofi-Trappe", Westend, Spandauer Chaussee. Von da ab: Abmarsch um 10 Uhr nach Pjchelswerder zum»Alten Freund". Zahlreiche Beteiligung ist erwünscht. Der Vorstand. Friedenau. Heute Dienstag, abends 9 Uhr, Mitglieder- Versammlung bei Mechelke, Handjerystr. 60/61. Tagesordnung: 1. Aufnahme neuer Mitglieder. 2. Der Erfolg bei der Gemeinde» iwahl. 3. Unsere diesjährige Maifeier. 4. Bericht von der General- Versammlung Grotz-Berlin. S. Anträge und Verschiedenes. Der Vorstand. Treptow.Baumschulenweg. Heute Dienstag, abends S'/a Uhr, findet eine außerordentliche Generalversammlung des Wahlvereins im Lokal von Speer, Baumschulensir. 78, statt. Tagesordnung: 1. Wahl des ersten Vorsitzenden. 2. Die Jagow-Jnterpellation in der Gemeindevertretung.— Das Verhalten der bürgerlichen Parteien bor und nach der Gemeindewahl. Referent: Gemeindevertreter A. G e r i s ch. 3. Berichterstattung von der KreiS-General- Versammlung. 4. Berichterstattung von der Generalversammlung Groß-Berlin. b. Verschiedenes.— Mitgliedsbuch legitimiert. Der Vorstand. Köpenick. Heute DienStag, den 22. März, abends Punkt 8 Uhr, findet beim Genossen Zipgan, Grünauer Straße 31, die Wahl- vereinSversammlung statt. Genoffe Mermuth spricht über:„März- erinnerungen". Der Vorstand. Grünau. Heute DienStag, abends 7 Uhr, findet von der Grünen Ecke aus eine Kuvertverbreitung statt. ES ist unbedingt notwendig, daß sämtliche Mitglieder des Wahlvereins zur Stelle sind. Trebbin. Am Donnerstag, den 24. d. M.. abends 8'/« Uhr, findet im Schützenhaus eine Bürgerversammlung statt. TageS- ordnung: Die Vorgänge der letzten Zeit im Stadtparlament. Pankow. Heute, DienStag, abends SVa Uhr findet bei Groß- k u r t. Berliner Str. 27, eine außerordentliche General- Versammlung statt. Tagesordnung: 1. Bericht von der Ver- bandS-Generalverfammlung. 2. Neuwahl der beiden Bezirksleiter sowie eines Delegierten zur KreiS-Generalversammlung. 3, Vereins- angelegcnheiten. 4. Verschiedenes. Mitgliedsbuch legitinnert. Die Bezirksleitung. Nieder-Schönhaufen. Heute, DienStag. abends S'/a Uhr findet bei Stechcrt sSchwarzer Adler). Blankenburger Str. 4. eine Volks- Versammlung statt. Thema:„Die hiesigen bürgerlichen Parteien im Schlepptau des ReichsberbandeS zur Bekämpfung der Sozial- demokratie". Referent: ReichStagS-Abgeordneter Fritz K ü n e r t. Die Parteigenossen werden ersucht, für einen guten Be- such Sorge zu tragen. Die Bezirksleitung. Spandau. Am Karfreitag veranstaltet der Wahlverein eine Fuß- Partie nach Bötzow über Hennigsdorf. Der Abmarsch erfolgt früh 7 Uhr Vom Genoffen Karl Gottwald, Schönwalder Str. 80. Der Vorstand. Berliner J�acbricbten* Der Friedhof der Märzgefallenen im Friedrichshain war infolge des schönen Wetters am Sonntag das Ziel von Zehn- taufenden von Arbeitern. Mancher Besucher mutzte eine Stunde Wartezeit opfern, bevor er bis zum Friedhof vorrückte. An Polizei in Uniform wie in Zivil fehlte es nicht. Wohl hatten die Schleifen infolge des Wetters vom Freitag zum Sonnabend etwas gelitten, die Inschriften waren teil- weise schwer leserlich, aber trotzdem machte das grelle Not der Schleifen einen tiefen Eindruck. An die vormärzliche Zeit wurden die Besucher erinnert durch Schleifen, aus deren Ver- fassung das Walten der Polizeischere ersichtlich war. Im Jahre 1848 wurde die Zensur beseitigt, aber heute wird sie nach wie vor ausgeübt, ganz abgesehen von der Vernichtung des Eigentums, deren sich die Polizei als Schützerm desselben schuldig macht. Die ortsüblichen TagelohnsStze. Der Obechräsident hat die orts- üblichen Tagelohnfätze gewöhnlicher Tagearbeiter vom 1. April 1910 ob für männliche Personen über 16 Jahre aus 8,60 M., für weibliche Personen über 16 Jahre auf 2,20 M. festgesetzt. Daher sind vom 1. April ab für invalidenversicherungSpflichtige weibliche Personen, die einer Krankenkasse nicht angehören, also z. B. für weibliche Dienstboten, Aufwärterinnen, Reinniachesrauen und Hausreinigerinnen Versicherungsmarken der dritten Lohnklasse zu Ä Pf., nicht wie bisher Beitragsmarken der zweiten Lohnklaffe zu 20 Pf. zu ver« wenden. Bei männlichen Personen bleibt eS bei der bisherigen Markenverwendung. Zu Ehrenmitgliedern des GrnndbesitzervereinS.Osten sind der Bürgermeister Reicks und der Berliner Polizeipräsi- dent v. Jagow ernannt worden. Beide haben die Ehrenmit- gliedschaft angenommen. Bekanntlich hat Herr Reicke in einer Rede beim 25. Stiftungsfest des Vereins eine besondere Verschönerung des Andreasplatzes in Aussicht gestellt. Ueber die Verdienste des Herrn v. Jagow erfährt man nichts Näheres._ Jagow auf der Höhe. Welchen Schatz besitzt der preußische Staat an dem Polizei« Präsidenten von Berlin! Wie er alle Anschläge des Umsturzes zu nichts zu machen weiß, seien sie auch noch so fein auSgekügelt I Der Jagow läßt sich nicht hinters Licht führen. O nein, der ist geradezu Von überpolizeilicher Schläue! Da hatte zum Sonntagabend der Jugendausschuß von Berlin nach den» A r m i n h a l l e n' in der Komman- dantenstratze eine Jugendversammlung einberufen, in der Genosse Ledebour über„Märzdichter" sprechen sollte. Arglose Leute würden glauben: Nun, da werden Gedichte vorgelesen, Lieder vor- gettagen, eine Art Märzfeier abgehalten und dann gehen die paar hundert jungen Männer und Mädchen friedlich nach Hause. So hat sich die Versammlung tatsächlich auch abgespielt. Aber Jagow wußte bester, was eigentlich dahintersteckte. Seit dem 6. März ist er auf der Hut. Durch genialen Spürsinn hatte er gewittert, daß die Jugendlichenversammlung nur eine MaSke war. Von den„Armin- hallen" aus kann man in zehn Minuten da? Schloß erreichen. Merkst du was, Patriot? Das Vaterland war in Gefahr. Doch die Umstürzler hatten nicht mit der überlegenen Strategie unseres Jagow gerechnet. Ms um 10 Uhr die jungen Leute— eS waren nur ein paar Dutzend älterer Personen dazwischen— au» der Versammlung herausströntten, fanden sie die Skatze in ein Kriegslager verwandelt. Einige Polizei- offiziere führten das Kommando über, so weit man sehen konnte, etwa 60 Schutzleute. Nadfahrende Schutzleute jagten hin und her, fast unter jedem Laternenpfahl stand ein Posten, die Eingänge zu den angrenzenden Straßenzügen waren mit kleinen Abteilungen von Schutzleuten besetzt. Die Versammlungsbesucher stießen Rufe der Verwunderung aus:„Ist denn hier ein Raubmord passiert?",„Das ist ja wie eine Szene aus Krähwinkels Schreckenstagen", schwirrte es durch- einander und immer wieder erschallte fröhliches Lachen. Aber dadurch lasten sich Jagow und die Seinen nicht täuschen. Das Lachen sollte nur die Enttäuschung über die Vereitelung des schnöden Umsturz- planes verdecken. Nicht der geringste Versuch wurde gemacht, vom Lustgarten oder der Löwengrube oder den Domtreppen aus unlieb- same Rufe nach dem Schloß hiuübergellen zu lasten. Wo die Kommandantenstraße und Beuthstraße sich gabeln, hatte der große Polizeistratege einen Kordon von Schutzleuten quer über die Straße ziehen lassen, um den von den Arminhallen erwarteten Feind zurück- werfen zu lasten. Aber eS war nicht nötig; nur einzelne Personen, in Gruppen zu zweien und dreien zogen dieses Weges. Als Ledebour gleichfalls mit zwei Damen durch den Kordon hindurch dem Dönhoffplatze zugegangen war, kam plötzlich ein radelnder Schutz- mann dicht an der Bordschwelle entlang hinter ihm hergefahren, faßte ihn im Vorbeifahren scharf ins Auge, drehte um und fuhr im scharfen Tempo nach dem Hauptquartier zurück, jedenfalls um zu melden, daß nunmehr die Gefahr beseitigt sei, da der Feind sich zerstreue. Darauf wurde denn auch der Kordon an der Kommandantenstraße zurückgezogen. Aufatmend werden die treuen Untertanen ausrufen: Welches Glück, daß wir in der Hut unseres Jagow ruhig weiter schlafen können I Mögen die schwarzen Pläne der roten Umstürzler immer so zuschanden werden wie am 20. März l Wahrlich, wenn jenes preußische RuhmeSwort im schönsten Bülowstil sagt: Preußen in Deutschland voran! so setzen wir in alleruntertänigster Begeisterung nunmehr noch hinzu: Jagow in Preußen voran! Heil! „Rotkoller". Die„Berliner Volkszeitung" weiß zu berichten, daß das Aushängen eines Kranzes mit roter Schleife in dem Schaufenster des Blumenladens Alexandrinenstr. la von dem Revierpolizeileutnant verboten worden ist. Ob etwa auf der Schleife ein„blutrünstiger" Vers stand, der den Bestand deS Deutschen Reiches oder sonstwie die polizeiliche Ordnung zu ge- fährden imstande war. wird nicht mitgeteilt. Ueber die Sache selbst noch ein Wort zu verlieren, nachdem die Nervosität des Berliner Polizeipräsidenten längst auf seine unteren und untersten Beamten übergegangen ist, halten wir für gänzlich überflüssig. Interessant ist nur, daß die Polizei nicht auch schon auf die roten Fahnen Jagd gemacht hat, mit denen seit mindestens anderthalb Monaten die Bierwagen der Berliner Bock- bierbrauerei zur Reklame geschmückt sind. So gewöhnt man den Berlinern die Begeisterung— ab! Ein großes Polizeiaufgebot stand am Montag gegen%3 Uhr nachmittags im Lustgarten vor dem Königsschloß, als unser Weg uns chier zufällig vorüberführte. Was war los? Erwartete man wieder mal einen Zug von Wahlrechtsdemonstranten, die ihren Ruf nach einem gleichen Wahlrecht für Preußen zu den Fenstern da oben hinaufschicken würden? Nervös fiebernde Unruhe ergriff plötzlich alle Schutzmannsherzen, so daß sie— sichtbar fast— gegen die blauen Uniformen hämmerten. Aus dem Schloßportal ritt eine Gruppe bunt uniformierter Reiter heraus, ein reichliches Halb- dutzend Offiziere— und in ihrer Mitte der Kaiser, jedem er- kennbar durch die besonderen Zutaten seiner Uniform, sowie durch Haltung, Miene, Bart usw. Langsam trottete er den„Linden" zu, wohl um nach dem Tiergarten zu gelangen und einen Spazier- ritt zu machen. Wir sahen ihm vom Lustgarten aus nach, bis er — an dem durch SchutzmannSreihen bewachten Publikum vorüber- reitend— die Schlohbrücke erreichte. Vier bis sechs Hüte sahen wir— oder waren es mehr?— sich heben, auch ein oder zwei Taschentücher wurden geschwenkt, aber kein Ruf drang an unser Ohr. Das Ganze kam uns ein bißchen sehr still vor. Warum mögen die Schaulustigen, die da standen, keinen Begeisterungsaus- bruch zustande gebracht haben? Vielleicht deshalb nicht, weil man nie wissen kann, ob nicht ein nervöses Schutzmannsohr die Sache falsch auffaßt und dann die Polizei sauft gegen die patriotischen Hochrufer auS Mißverständnis ebenso unsanft in Aktion tritt, wie sonst nur gegen rufende Wahlrechtsdemonstranten. Ja, so gewöhnt man den Berlinern die Begeisterung abl Der Osterumzug hat schon am Palmsonntag, begünstigt vom schönsten Winterwetter, überaus flott eingesetzt. Ueberhaupt werden die eigentlichen UmzugStermine nicht mehr so genau wie früher eingehalten. Man ist endlich dahinter gekommen, daß eS Zeit und auch Kosten erspart, wenn man sich verabredet, die Wohnung zu einem beistmmten früheren Termine zu räumen. Alsdann ist Möbelfuhrwerk billiger zu haben als an den drei Hauptziehtagen, wo sich alles zusammendrängt. Vorgestern ist reichlich ein Drittel aller Aprilumzüge bewerkstelligt worden. Man hat ja auch das Bestreben, schon vor dem Feste, das diesmal kalender- mäßig wenig günstig fällt, in der neuen Wohnung zu sein. Auch die meisten Hauswirte, die heutzutage in Anbetracht der vielen Tausende leerstehender Wohnungen sehr kleinlaut geworden sind, lasten in dieser Beziehung mit sich reden. Wieder fielen die außer- ordentlich vielen Umzüge in den neueren Straßenvierteln auf. Hier macht sich vorläufig noch recht wenig Seßhaftigkeit bemerkbar, was auf die mangelhafte moderne Bauart zurückzuführen fein dürfte. Alles sieht äußerlich wunderschön aus, aber erst nach dem Einzug besieht man den Schaden. Und zum nächsten Termin wird— abermals gekündigt. Unsere Abonnenten möchten wir darauf aufmerksam machen, der Zeitungsspcdition rechtzeitige und genaue Mitteilung von der neuen Wohnung zu machen, insbesondere Angaben, ob die neue Wohnung vorn, im Seitenflügel und wie hoch belegen ist. Einen WutauSbruch deS frommen„Reichsboten" hat die Tatsache veranlaßt, daß neulich die Polizei aus dem Bcr- liner Rathause verwiesen wurde, und weil der Vorsitzende der Aeltesten der Berliner Kaufmannschaft, Herr Kaempf, öffentlich erklärt hat, in Zukunft der Polizei im Börscngebäude keine Frei- statt mehr gewähren zu wollen. Der„ReichSbotc" schreibt: „Wie unlängst der Oberbürgermeister von Berlin, so hat jetzt der„alte Kaempf" den Mannesmut vor Königsthronen gr. funden, um ihn vor Paul Singerleben zu verleugnen und sich „prinzipiell" dazu bekannt, daß, so wenig wie im Rathaus, auf der Börse— selbst an den Tagen, die zu kritischen auswachsen könnten— Schutzmannsabteilungcn, wenn auch nur ganz vor- übergehend, Aufenthalt nehmen dürfen. Der Teil der Berliner Presse, der von der Sozialdemokratie bereits so abhängig ist, daß er alles schluckt, waS ihm von den Roten zugemutet wird, hat glauben zu machen versucht, daß es das Gremium der Stadtväter als unter seiner Würde erachten müsse, sich für das Wohl einer Stadt weiter zu plagen, in deren Rathaus an einem bewegten Tage einmal Schutzleute zur Vor- Lorge aufgestellt werde» konnten. Sie bekämen vielleicht in der Nähe zu tun, oder durch ihr plötzliches Auftauchen auf der Bild- fläche ließe sich eine mehr oder weniger große Gefahr und un- absehbares Unheil abwenden. Wer in der Entwickelungsgeschichte der Menschheit einiger- maßen Bescheid weiß, braucht nicht lange sich zu besinnen darauf, wann und wo es sich als ganz nützlich erwies, daß beispielsweise Herr Lepine in Paris einen gewissen Fall vorbedacht hatte, weil in einem gegebenen Moment irgendwo Militär oder Garde Re- publicaine in die Erscheinung traten, verlor eine Komplikation, die entstand, sofort ihren gefährlichen Charakter: es brauchte kein Blut zu fließen, im anderen Falle wäre dies vielleicht unabwend- bar gewesen. Selbst im Dunstkreis der französischen Deputierten- kammer und des Pariser Oberhauses wird an dem Aufenthalt von Garde Republicaine, ja sogar an dem von Zügen von In. fanterie ein Anstoß nicht genommen. Nach der Seite des Quai d'Orsay liegen nicht etwa nur an kritischen Tagen, sondern stän- dig unter der großen Freitreppe des Palais Bourbon etwa 2b Infanteristen unter Führung eines—(o entsetzlichl) Leutnants. Ein außerordentlicher scharfer Postendienst ist organisiert und jedwede Nase, die sich zeigt, wird aufs Korn genommen. Wenn der Präsident der Lwtmmer bei Beginn der Sitzung das Vestibül durchschreitet, säubert ein Zug Garde Republicaine den Vorsaal. Die scharfe Bewachung des französischen Unter- und Ober- Hauses datiert von der Zeit her, wo von der Journalistentribüne im Palais Bourbon ein— Bombenattentat verübt wurde. Wir kennen unsere Rathaushabitues und Börsenheiligen zu genau, um uns überzeugt zu halten, daß ein Appell an die Furcht außer der vor sozialdemokratischer Erprcsserei an ihren Mannesbrüsten abprallt. Woran wir erinnerten, das soll nicht heißen: denkt daran, daß so etwas, was in Paris passiert, auch noch einmal in Berlin vorkommen könnte.— Nein! Es kann uns lediglich daran gelegen sein, zum Bewußtsein bringen zu helfen, wie unglaublich lächerlich es ist, wenn die sonst so tapferen Fortschrittsleute im Rathause und im Goldcnen-Kalbspalast eS als einen Beweis von Mannesmut vor Königsthronen ansehen und sich damit vor Paul Singerleben brüsten, der Sozialdemo- kratie zu Liebe nicht zu dulden, daß dort eine Schutzmanns- abteilung, wenn auch nur vorübergehend, Unterschlupf suchen möchte._ Man stelle sich das Geschrei vor, das ön Neujerusalem auS- bräche, und das Geschimpfe auf die Polizei, das vom Cafe deS Westens bis zum Treptower Park tobte, wenn einmal in der Nähe des Rathauses oder der Börse bei einer Demonstration nicht etwa ein Milligramm von dem edlen Blute der Stämme zum Fließen gebracht würde, deren Deszendenz in den genannten Häusern zu gewissen Stunden in auserwähltesten Exemplaren arbeitet und das Verdienen groß schreibt. Nein: Wer eS könnten einige Tropfen von irgendwelchem Blut, das draußen vergossen wird, in wenn auch noch so minimaler Zerstäubung auf eine weiße Weste oder Binde sich verirren, worin man unter Um- ständen im Rathaus oder auf der Börse versammelt ist/ wenn man im Anschluß an die Arbeit noch ein Vergnügen vorhat. „Wo ist die Polizei, wo ist der Schutzmann, wo waren fie, wo sind sie gewesen?" würde eS tagelang bei alt und jung heißen, und am Alexanderplatz müßten sämtliche Telephons ab- gehängt werden, um sich vor den Gewittern von Vor- und An- würfen halbwegs zu retten. Im„Kladderadatsch" auS dem Jahre 1848 findet sich ein sprechendes Bild. Kommunard?, wie sie damals wuchsen, zwingen die Bürgergarde, ehe sie auf Wache zieht, ihre Gewehre an die Kommunards abzugeben.„Damit der Stadt kein Schade ge- schehel" Nur zur Erheiterung unserer Leser geben wir den vorstehenden Erguß wieder. Der Verfasser ist, um in seinem Jargon zu. reden, zweifellos„mefchugge"._ Wege» Sammlung für einen Kranz der Märzgefallenen hat sich die Meierei von Bolle, Alt-Moabit 98/103. an einigen bei. ihr be« schäftigten Handwerkern gerächt. Zirka 25 Handwerker und Arbeiter hatten in» Laufe der vergangenen Woche einen Betrag für einen Kranz zusammengebracht. Donnerstag früh wurde durch Vorgesetzte gewarnt: Wer sich morgen demonstrativ beteiligt, hat sich als entlasten zu betrachten. Mit der Niederleaung des Kranzes wurde ein Arbeitsloser beaustragt. der seiner Pflicht auch genügte. Aber nichtsdestoweniger mußte die schöne Handlung der Arbeiter gerochen werden, und so wurden denn am Sonnabend sechs Mann— vier Klempner und zwei Arbeiter— entlasten, weil sie, wie der Obermeister sagte, einen Kranz niedergelegt haben sollen. So wird mit den Arbeitern umgesprungen, die diesem „Musterbettieb" ihre Arbeitskraft hingeben. Natürlich ist das nur möglich, weil die Organisation noch sehr schwach ist. Die An- gestellten find sich noch zu wenig ihrer Klassenlage bewußt, was zur Folge hat, daß ihnen eine Behandlung zu teil wird, die freien Arbeitern nicht geziemt. Eine teilweise Absperrung deS Treptower Parke» wird durch die königl. Eisenbahndireklion Berlin vorgenommen, die den einzigen Verbindungsweg zwischen Stralau und Treptow, de» sog. Parkweg, durch ihre Arbeiten am Bahnhof Treptow vollständig unpassierbar gemacht hat. Seit dem November vorigen Jahres bereits ist der Umbau des Bahnhofes Treptow im Gange und jetzt beginnt man mit den Aufschüttungen, wobei an der Eisenbahubrücke gewaltige Erdbewegungen vorgenommen werden. Die Erschwerung deS PassierenS dieses überaus stark frequentterten Parkweges hat nun zu ganz unhaltbaren Zuständen geführt, so daß die meisten Passanten sich cntschließen müssen, auf diesen Weg überhaupt zu verzichten. Die Sache hat noch insofern ein besonderes Interesse, als damit den erholungsbedürftigen Bewohnern von Berlin 0. und Stralau sowie RummelSburg der Zugang zum Treptower Park, ihrer einzigen Er- holungsstätte, gesperrt wird, indem sie. um in den Treptower Park zu gelangen, den weiten Umweg über die Oberbaumbrücke und durch den Schlesischen Busch machen müssen. Es sind schon private Beschwerden erhoben worden, die jedoch keinen Erfolg hatten. Jetzt indessen werden sich die Gemeindevertretungen von Stralau und Treptow sowie die daran interessierten Gastwirte mit der Angelegen- heit beschäftigen. Die Pietät der Kirche. Dem„Berliner Lokalanzeiger" wird glaubwürdig geschrieben: „Auf dem Dankesfricdhof wurde am 11. März ew mir persönlich nahestehender junger Mann beerdigt. Am 13. wollte ich das Grab des Verstorbenen aufsuchen, konnte es aber nicht finden. Auf meine Erkundigung erhielt ich den Bescheid, daß das Grab noch keinen Hügel hat und die Kränze abseits davon liegen. So war es denn auch. Die teueren Kränze, welche dem Toten gewidmet worden waren, lagen ungefähr zehn Schritt entfernt auf einen Haufen geworfen. Das kann doch kaum in der Ordnung fem." So etwas verwundert uns gar nicht weiter. Der Kirche ist eS die Hauptsache, daß erst mal das Geld im Kasten klingt. Dann wird die Seele schon von selbst in den Himmel springen. Auf die Pietät aber, die die Angehörigen der Toten beänspruchen, pfeift die Kirche. In dem Wettbewerb zur Erlangung eines Bebauungsplanes für Groß-Brrlin ist am Sonnabend, den 19. März, die Entscheidung des Preisgerichts gefallen. Es wurden, da nur 4 von de» ein- gegangenen 27 Entwürfen für die Preisverteilung nach dem Urteil der Preisrichter in Frage kommen konnten, beschlossen, von den 5 ausgesetzten Preise» nur 4 zur Verteilung zu bringen. Da sich die Mehrheit der Preisrichter nicht auf einen der vorNcgenden Eni- würfe für den ersten Preis einigen könnte, wurde beschlossen, den .«steo und zweiten PPreis zusammenzulegen und in zwei gleichen Preisen von je 25 000 M. gu verseilen. Diese zwei ersten Preise erhielten der Architekt Hermann Jansen zu Berlin, sotvie ferner gemeinsam der Stadtbaurat a. D. Professor Dr. Brix, der lönig- liche Baurat Professor Genzmer und die Höchbassngesellschaft in Berlin. Den dritten Preis von 15 000 M. erhielten gemeinsam Professor Dr. Rud. Eberstadt, Professor Bruno Möhring und Oberingenieur Richard Petersen, sämtlich zu Berlin. Den vierten Preis von 10 000 M. erhielten gemeinsam die Firma Hovestadt u. Contag in Wilmersdorf. Professor Dr. Bruno Schmitz zu Char- lottenburg und Professor Dr. Jng. Blum zu Hannover. Außerdem wurden noch eine Anzahl von Entwürfen zum Ankauf ausgewählt. Die hiervon abweichenden Meldungen einer hiesigen Tageszeitung find unrichtig. Gemäß den Bestimmungen des Preisausschreibens werden sämtliche Entwürfe öffentlich ausgestellt werden. Ueber Or't und Zeit sind noch keine Bestimmungen getroffen worden. Die Aufstellung des Denksteins für Genossin Staegemann wurde am IS. d. M. ihrem Geburtstage, unter strengster amtlicher Ueber- wachuna vollzogen. Drei Gendarmen waren auf dem städtischen Friedhofe postiert und der Inspektor hatte sich dicht am Grabe auf- gestellt. Es war die nachgesuchte Erlaubnis, ein Lied fingen und einige Gedenkworte sprechen zu dürfen, nicht erteilt worden. So muhten die sehr zahlreich erschienenen Genossinnen still am Grabe defilieren und ibre Kränze niederlegen, die den grauen Erdhügel bald in ein Frühlingsblumenbeet umwandelten. Aber auch die so sorg- some Urberwachung hat nicht zu verhindern vermocht, daß diese stille Gedenkfeier in den Herzen aller Teilnehmerinnen den Schwur er- neut und befestigt hat, iederzeit treu zu stehen zur Sozialdemokratie gleich der Verstorbenen, bis frei das Wort. Uederfahreu>md getötet. Am 19. d. M., abends BVa llhr, wurde die im ganzen Bötzowviertel bekannte Rentiere Auguste Dittman»(vulgo.Katzeumutter") durch ein Lastfuhrwerk am Aleranderplatz üoerfahrsn und, nachdem man ihr in der Unfallstation Keioelstrahc die erste Hilfe verlieh, auf ihren Wunsch mittels Kranken- wagen nach ihrem Hause Greifswalder Strohe 12 gebracht, wo sie gegen Morgen ihren schweren Verletzungen erlegen ist. Frau Dittniann, die außer dein Hau?, das sie seit 26 Jahren bewohnte, ein großes Vermögen besitzt, unierhielt stets mehr als ein Dutzend Katzen. In ärmlicher Kleidung pflegte sie in der Zentral- Markthalle bei Schlächtern und Händlern Abfälle für ihre Lieblinge zu erbitten, die ihr willig gegeben wurden; zum Ka»f war sie zu geizig. Für ihre Person gab sie mir das Allernotwendigste aus. Durch den ständigen Berkehr mit ihren Katzen, die allerdings die Hülste der ersten Etage bewohnten und auch wie ihre Kinder behandelt wurden, duftete sie gerade nicht angenehm. Vor längerer Zeit ging bereits eine Zeitungsnotiz durch die Blätter, wonach in einem Straßenbahnwagen Fahrgäste entsetzt aufsprangen, als die»Katzen- mutier aus der Greifswalder Straße" im Wagen Platz nahm. Lachende Neffen werden ihr Vermögen erben; was aber wird mit den Katzen geschehen, wenn sie testamentarisch nicht bedacht find? Die Verunglückte erreichte ein Alter von SL Jahren. Ausgesetzt wurde gestern vormittag auf dem Flur des Hauses Fehrbellmer Str. 45 ein Knabe von 8—9 Monaten. Der Kleine trägt eine weiße gestrickte Pudelmütze, weiße Wäsche und schwarze Strümpfe und war in einen braunen Rock und ein Jackett ein- Bewickelt. Weil man die Mutter nicht ermitteln konnte, Ivard der indling dem Waisenhaus übergeben. Der Tod im Asyl. Plötzlich gestorben ist im städtischen Asyl in der Fröbelstraße ein unbekannter etwa 65 Jahre alter Mann. Der Fremde hatte in dem Obdach Zuflucht gesucht und als er morgens von, Wärter geweckt werden sollte, war er tot. Vermutlich hat ein Herzschlag den, Leben des alten Mannes ein jähes Ende bereitet. Aus der Saft entlassen ist der Inhaber des Gartenbautech. nischen Instituts, Kaufmann Karl Werner. Er erklärt, mit der Schwindelaffäre nichts zu tun zu haben, der frühere Landwirt Arnold Jörg käme in Frage. Auf einer Ruderpartie ertrunken. Einen traurigen Abschluß sollte eine Rudcrportie finden, die am Sonntag mehrere junge Kauf- leute aus Berlin unternommen hatten. Sie waren auf einem Sechs» fitzer die Oberspree hinuntergefahren und kreuzten den Müggelsee. Als sich das Fahrzeug etwa in der Mitte des ausgedehnten Ge- Wassers befand, beging einer der Ruderer die Unvorsichtigkeit, sich etwas stark zur Seite zu neigen. Da» Boot geriet dadurch so sehr ins Schwanken, daß einer der Mitfahrer in die Fluten stürzte. Er ging sofort unter und kam nicht wieder zum Vorschein. Die Leiche es Ertrunkenen konnte nicht gelandet werden. Sportpark Treptow. Die zweite Veranstaltung der Rennbahn war von besserem Wetter begünstigt als der Eröffnungstag und der Besuch war ein guter. Die beiden Dauerrennei, über 20 und 60 Kilometer wurden von Demke, Schulze und Rosenlöcher bestritten. D e m k e war der Held des Tages und gewann beide Läufe über- legen vor seinen Gegnern. Im ersten Lauf versagte Rosenlöcher vollständig und büßte schon bald nach Beginn eine Runde«in, der sich noch vier weitere anschlössen. Schulze hielt sich gut, fiel aber gegen den Schluß ebenfalls zurück. Im zweiten Lauf hielt sich Rosenlöcher besser und erst gegen den Schluß gelang eS zuerst Schulze. dann auch Demke, ihn zu passieren und noch zwei Runden ab- zunehmen. Demke erobert sich nun auch gegen Schulze die Spitze und nimmt diesem dann noch eine Runde.— Die Fliegerrennen ver- liefen ganz interessant und brachten starke Felder an den Start, und konnten ohne Unfälle beendet werden. Die Ergebnisie sind: 20Kilometrr-Rennen. 1. Demke 19 Minuten kH/s Sekunden; 2. Schulze, 160 Meter; 8. Rosenlöcher, 1750 Meter zurück. 80 Kilometer» Nennen. 1. Demke 29 Minuten 88% Sekunden; 2. Schulze, 370 Meter j 3. Rosenlöcher, 680 Meter zurück. Hauptfahren: I.Otto Meyer. Z.Schwab. 3. Pawle. 87 Fahrer. Vorgabefahren. 1. S aldow(50 Meter Vorgabe), 2. Stellbrmk(40), 8. Linsener(170), 4. Hamann(70). Münzner(170), der als Erster«inkam, distanziert. Prämienfahren. 1. Pawke, 2. Trink», 8. Hoffmann. Stellbrink 2, Sterba und Hamann 1 Prämie. 80 Fahrer. Lei einer Explosion schwer verletzt wurden die 17» respektive IS sahrigen Schlosserlehrlinge Otto Knutscha aus der Koloniestr. 2 und Eduard Nehling auS der Soldiner Str. 42. Die beiden jungen Leute hatten sich am Sonntagnachmittag in der Werkstatt de» Bater» de« K., Koloniestr. 15/16, zu schaffen gemacht und unternahmen verschiedene Experimente, bei denen sie sich auch eines Kesiels mit siedendem Wasser bedienten und Schmelzungen auf einem Herdfeuer versuchten. Plötzlich explodierte der Kessel mit gewaltigem Knall und die einzelnen Teile desselben flogen den daneben stehenden Lehrlingen an den Kopf. Sie wurden zu Boden geschleudert und von den siedende» Flüssigkeiten am ganzen Körper schlver verbrüht. In besinnungslosem Zustande wurden die beiden ver- unglückten.Erfinder" nach der Unfallstation in der Vadstraße ge- schafft, wo namentlich bei K. schwere Verletzungen festgestellt wurden. Ihn, war das linke Auge vollständig zerstört, das ganze Gesicht, HalS, Brust mid beide Arme schwer verbrannt worden. Nehling hatte ebenfalls schwere Wundei, an der Brust, im Gesicht, Hals und an den Beinen und Armen davongetragen. Nach Anlegung von Notverbänden wurde Knutscha„ach dem Nudolf-Virchow-Kranken» banse übergeführt, während N. auf seinen Wunsch nach der elterlichen Wohnung gebracht wurde. DaS Berliner Mädchen für alles, die Feuerwehr, wurde heute mittag nach dem Engpaß in der Spandauer Straße am Rathaus zur Hilfe gerufen. Ein gefüllter Tonnenwagen der Deutfch-Amerika- nischen Petroleumgesellschaft wollte in die Probststraße einbiegen, als ein Straßenbahnwagen denselben erfaßte. Mit fürchterlichem Krachen brach da-S eine Hinterrad des Tonnenwagens; die Vorder- räder wurden abgerissen und der Wagen legte sich über die Schienen, wodurch ein größeres Verkehrshindernis entstand. Bald war die Feuerwehr zur Stelle, schob den halben Tonnenwagen zur Seite und machte die Straße wieder frei für den Berkehr. Vorort» I�acbricbten. Die Gcmeindetvahlbewegung. FrledrlchSfelde. Heute ist Gemeiudevertteterwahl für die dritte Abteilung! Obivohl sich die Bürgerlichen noch immer in tiefstes Schweigen hüllen, deuten dock eine Reihe von Umständen darauf hin, daß man die Absicht hegt, im letzten Moment mit Gegenkandidaten hervorzutreten, um uns zu überrumpeln. Die arbeitende Bevölkerung wird jedoch die Spekulation auj die Lauheit der Wähler zunickte machen, gilt es doch, die einzigen beiden Sitze, die von uns den bestehenden Verbältnissen nach besetzt werden können, zu behaupten. Wir dürfen sie uns nicht durch einen Gauner- trick aus der Hand reißen lassen von denen, die ohnedies über alle Maßen bevorrechtet find, von den Haus- und Grundbesitzen,. Arbeiter! Keiner von Euch wird den Vorwurf aus sich laden wollen, daß uns vielleicht gerade durch seine Lässigkeit der Erfolg versagt blieb. Wir erwarten vielmehr von jedem, daß er seine Pflicht tut, wählt und außerdem durck eifrige Wahlhilfe den Sieg erfechten hilft. Wer es ermöglichen kann, sollte bereits um 12 Uhr wählen, mindestens aber sich um 6 Uhr dem Wahlbureau zur Verfügung halten, das bei Schulz, Lindenpark eingerichtet ist. Dort wird auch am Abend gegen 9 Uhr das Resultat bekannt gegeben. Das Wahl- lokal— dies bitten wir besonders zu beachte»— steht der Arbeiterschaft zu Versammlungen nicht zur Verfügung. Wenn jeder seine ganze Kraft einsetzt, dann nur sind wir sicher, daß wir unseren Besitzstand in der Gemeindevertretung behaupten. Und nicht nur dies. Je imposanter die Stimmenzahl ist, die wir für unsere Kandidaten, die Genossen Otto Pinseler und Emil O e h I e r t, ausbringen, desto mehr wird darin die Empörung einen Ausdruck finden über all die Niederträchtigkeiten, mit denen die werktätige Bevölkerung auf dem kommunalen Gebiet überschüttet wird. Mohlsdorf(Ostbahn). Die Stichwahl zur Gemeindevertretung findet heute abend von ö—S Uhr statt. Unsere Gegner machen die größten Anstrengungen, um uns den Sieg zu entreißen. Sie haben alle früheren Differenzen unter sich hintenan gestellt und gehen geschloffen gegen uns vor. Die SonntagSnummer der.Mahls- dorfer Zeitung" strotzt von gehässigen Angriffen gegen die Sozial- demolratie. Aus dem Lügensack des Reichsverbandes hat man sich die stinkigsten Brocken herausgeholt, um sie gegen unsere Partei zu schleudern. Da müssen unsere Parteigenossen alles aufbieten, um zu verhindern, daß ein sozialdemokratischer Renegat, geschmückt mit Sumpfblumen des Reichsverbandes. in das Gemeindeparlament einzieht. Namentlich die Genossen in Köpenick und Berlin werden ersucht, dahin zu wirken, daß die mit ihnen zusammenarbeitenden Mahls- dorfer ihr Stimmrecht ausüben und für unseren Kandidaten Albert Schntidt stimmen. Die Mahlsdorfer Genossen haben die Pflicht, sich heut« nach- mittag um 4 Uhr Mann für Mann im Restaurant Dräger, Bahn- hofstr. 10, einzufinden. Wenn jeder Parteigenosse seine Schuldigkeit tut, bann muß uns der Sieg zufallen. Biesdorf(a. d. Ostbahn). Die Stichwahl kzwischen unserem Genossen August Müller und dem bürgerlichen Kandidaten findet heute nachmittag von 5 bis 8Uhr statt. Wir ersuchen unsere Wähler, möglichst schon vor Eröffnung der Wahl anwesend zu sein. Nachdem unsere Gegner sich bereits der Hilfe des Reichsverbandes versichert haben und eine Kampfesweise belieben, wie sie bisher nicht üblich war, gilt«s für uns alles daran zu fetzen, um den Sieg zu erringen. Wähler tut eure Schuldigkeit l Borfigwalde-Wittenau. Die Gemeindevertreterwahl für die dritte Klasse findet morgen Mittwoch, 28. März, mittags von 12 bis abends 8 Uhr, im Restaurant von Albert Schulze, Wittenau, statt. Bis dahin werden die Genossen noch zu reger Agitation für den sozialdemokratischen Kandidaten aufgefordert. Grünau. Einen letzten Mahnruf an die Wählerschaft richtete der Wahlverein durch eine Versammlung am Sonntag. Genosse Sonnen bürg- Friedrichshagen erläuterte eingehend unser Kommunalprogramm und zeigte auf Grund seiner Erfahrungen als Gemeindevertreter, welchen Segen für eine kleine Gemeinde die Mitarbeit der Arbeiterschaft bedeutet. Die beiden anwesenden bürgerlichen Gemeindevertreter Herren Olbrich und Krüger zogen es vor. der nachfolgenden Auseinandersetzung über örtliche Angelegen- heiten auS dem Wege zu gehen und entfernten sich mit der Ausrede, daß sie nicht gekommen wären, einen Propagandaborttag mit- anzuhören. Unser Kandidat Gen. M i tz n e r legte hierauf die Forde- rungcn an die Kommune dar. Gen. B l u h n, e geißelte besonders noch das Verhalten des bürgerlichen WahlmacherS. des Herrn Krüger. der Vorsitzender des liberalen BürgervereinS ist. Dieser Herr setzte vor kurzem Himmel und Hölle in Bewegung, damit im benachbarten Eichwalde unser Genosse Allritz gewählt wurde. Derselbe Herr suche jedoch zu verhindern, daß in hiesiger Gemeinde auch unsere Forderungen vertreten werden können. Für die Arbeiterschaft lagen diesmal die Verhältnisse besonders günstig dadurch, daß die Person deS bürgerlichen Kandidaten namentlich in Beamtenkreisrn auf Widerspruch stößt. Wenn also alle Genossen am Mittwoch auf dem Posten seien, müsse der Sieg unserer sein, trotz 43 Forensen und Beamtenabkommandierungen. Die Wahl findet am Mittwoch nachmittags von 1—8 Uhr im Lokal von Buchholz statt. Wahlergebnisse. Steglitz. Die SonntagSstichwahlen zur Gemeindevertretung brachten für die Sozialdemokratie den erfreulichen Erfolg, daß im 1. Bezirk Genosse Hamburg mit 1113 Stimmen gegen 1087 Stimmen, die der Mietervereinler Hernnuth erhielt, gewählt wurde. Unsere Stimmenzunahme gegen die Hauptwahl beträgt hier 214. Im 2. Bezirk brachten wir zwar auch 155 Stimmen mehr wie bei der Hauptwohl auf, doch unterlagen wir mit 687 Stimmen dem Mietervereinler. der 851 Stimmen auf sich vereinigte. Der Mieter» verein, der von dein gesamten Bürgertum unterstützt wurde. machte beim Schlepperdienst die gewaltigsten Anstrengungen. Wenn wir trotzdem im 1. Bezirk siegten und auck im 2. Bezirk unsere Stimmenzahl so bedeutend erhöhen konnten, so ist da» dem Eifer unserer Genossen zu verdanken, die unermüdlich tätig waren. Ein«eiterer Sieg. In der gesttigen Stichwahl wurde de» sozialdemokratische Kandidat, Genosse A ß m a n n. mit 1081 gegen 1024 Stimmen des MietervereinS-Kandidaten gewählt. Lankwitz. Die gestern stattgefundene Gemeindeber- treter st ichwahl ergab folgendes Resultat: Der konservative Kandidat Hildebrandt erhielt 395, der sozialdemokratische Kandidat Genosse Otto Franke 372 Stimmen. Erster« ist somit gewählt. Peteröhagen. Die am 19. d. M. stattgefmidene Stichwahl in der zweiten Klasse ergab folgendes Resultat: für unseren Genossen E. Höselbarth wurden 26, für den Gegner 15 Stimmen ab- gegeben, erster« ist somit gewählt. Die Wahl des Genossen Stimming in der dritten Klasse bei der Hauptwahl ist von der Ge- meindevertretung für ungültig erklärt worden; Gründe find aller- dingS nicht angegeben, das scheinen die Herren nicht für nötig zu erachten, aber so leichten Kaufs werden sie diesmal nicht weg- kommen. Beschwerde beim KreiSauSschuß ist erhoben. Tiefwerder bei Spandau. Bei der Gemeindevertteterwahl, welche am Sonnabend stattfand, wurde der sozialdemokratische Kandidat Genosse Tischler Emil Beer mit 15 gegen 7 bürgerliche Stiinme» gewählt. Somit zieht der erste Sozialdemokrat in das Dorfparlament ein. Charlotteuburg. Großfeuer kam am Sonntag früh um OVt Uhr tn Charlotten« Burg zum Ausbruch. Als die Charlottenburger Feuerwehr an der Brandstelle in der Darwinstraße und am Harzvurger User ankam, standen dort auf dem ausgedehnten Holzplatz der Holzfirma Zimmer» mann u. Sohn ein Schuppen mit Holzbearbeitungsmaschinen, dann ein größerer Schuppen mit Holzkohlen, zerkleinertem Holz usw. sowie ein kleinerer Schuppen, in dem auch Holz lagerte, und ein Holzstapcl mit zirka 100 Raummeter Holz ü, Flammen. Brand- meist« Stüde, der mit dem dritten Zuge von der Süd« wache schon vorgegangen war, ließ die Dampfspritzen am Veröindungskanal anlegen und auS diesem da« Wasser entnehmen. Außerdem wurde von einen, Hydranten ein E-Rohr gespeist. Ins« gesamt wurde von der Haupt- und Südwache mit 3 v-Rohren und 5 C-Rohren. also mit 8 Schlauchleitungen, unausgesetzt kräfttg Wasser gegeben. Nach einer Stunde schon hatte die Wehr das entfesselte Element in der Gelvalt und um 1 Uhr nachmittags war jede Gefahr beseitigt. Die Entstehung deS Feuers wird auj elekttischen Kurzschluß zurückgeführt. Der Starksttom zum Betriebe der Holzbearbeitungsmaschinen tourde nämlich von- einem Kabel entnommen, das in direkter Verbindung mit dem Kabel stand, das vom Charlottenburger Elektrizitäts» werk den Strom für die Straßenbahnen liefert, die auch die Kaiserin Augusta-Allee und andere dortme Sttaßen berühren. Das Kabelt für die Firma Zimmermann u. Sohn war von dem Sttaßenbahn» kabel seinerzeit abgezweigt worden. Durch irgend eine Ursache war nun am Ende des Kabels am Schaltbrett Kurzschluß ein« getteten. Der Strom mußte deshalb ausgeschaltet werden.. Dadurch entstand nun eine Verkehrsstörung, die erst behoben wurde, nachdem Strom vom Berliner Elektrizitätswerk be» zogen werden konnte. Der Sttom wurde dann umgeschaltet. Da» Kabel auf der Brandstelle mußte ausgegraben, abgeschnitten und ge» sickert werden. Hierauf konnte das Charlottenburger ElektrizitätSs werk ohne Gefahr wieder Strom für die Straßenbahnen liefern. Der Schaden ist bedeutend. Eine Menge Maschinen find stark be» schädigt, doch söll der Schaden voll versichert sein. Der Fabrik». betrieb wird aufrecht erhalten.'> Schöneberg. Die Konzession zu« Bau und Betrieb der Untergrundbahn für die Strecke Nollcndorfplatz bis Hauptstraße auf 90 Jahre ist der Stadtgemeinde genehmigt worden. Gleichzeitig ist an die Konzession die Bedingung geknüpft, daß die Fertigstellung und Inbetriebnahme der genehmigten Strecke spätestens bis zum 1. April 1911 erfolgen muß. Kann die Unternehmerin dieser Verpflichtung nicht nachkommen. dann ist eine Verzugsstrafe von 30 000 M. zu zahlen; wird der Betrieb ohne genügenden Grund unterbrochen oder eingestellt, so ist eine Verzugsstrafe bis zu 20 000 M. für jeden Fall der unbefugten Unterdreckung zu zahlen. Auch bezüglich der Signale ist eine besondere Bestimmung vorgesehen, um Vorkommnisse wie bei dem Gleisdreieck zu verhüten. Die Hauptsignale müssen mit Einrichtungen versehen iverden, d,e ein selbsttätiges Anhalten der Züge bewirken. Die Vorarbeiten für den Weiterbau der Bahnstrecke bis Behrenstraßs und Alexanderplatz sind soweit gediehen, daß in nächster Zeit damit begonnen werden kann. In ein« verkassenen Lande der Laubenkolonie„Alt-Japan" an d« Rubensstraße Selbstmord verübt hat die Frau eines Haus- besitzers aus der Düppelsttaße. Ditz anschsinend nervenkranke Lebensmüde ist von ihrer Wohnung aus nach der Laube gegangen. Hier hat sie durch Oesfnen der Pulsader ihren Tod herbeigeführt. Tempelhof. Ein bedauerlicher Unglücksfall ereignete sich vorgestern abend im Haus« Dorfstr. 45. Der dort beschäftigte Kutscher Lodert wollte einen mit Scheuertüchern schwerbeladenen Verdeckwagen hinter den Schuppen schieben, als der Wagen plötzlich umkippte und den Unter« körper des Mannes unter sich begrub. Den vereinten Kräften der Hausbewohner gelang eS, den Mann unter dem Wagen hervor» zuziehen. Ein sofort herbeigerufener Arzt stellte Beinbruch, und innere Verletzungen fest. Trotzdem der Krankenwagen in Britz sofort telephonisch bestellt wurde, dauerte eS doch reichlich anderthalb Stunden, bis d« Wagen ankam und den Mann abholte. Treptow-Bnnmschulenweg. Einbrecher haben in der Nacht zum Sonnabend der Schank- Wirtschaft von Schnorre, Elsensir. 106, einen Besuch abgestattet. Mittel« Rachschlüssel sind sie vom Hausflur eingedrungen und haben das zirka 30 M. bettagende Wechselgeld, Zigaretten, Spielkarten, ein paar Elfenbeinmanschettenknöpfe und eine Jnvalidenkarte. auf den Namen Margarete Blau lautend, mitgenommen. Gleichzeitig ist im Kontor von Höhne u. Sell im Oucrgebäude desselben Hauses ein» gebrochen worden. Hier sind sämtliche Jnvalidenkarte» der fünfzig daselbst beschäftigten Tischler und ein photographischer Apparat ge» stöhlen worden.. Mariendorf-Tüdende. Die letzte Gemeindevertretersitzung beschäftigte sich in der Hauptsache mit dem Etat. In der ersten Etatsberatung war die Vertretung beim Titel Steuern gegen die Erhöhung der Grund, ivertsteuer und Gewerbesteuer und verlangte die Aussetzung dieses Titels bis zur nächsten Sitzung. Nach vorhergegangener interner Besprechung wurde nun die Erhöhung der Grundwcrtsteuer von 2 M. auf 3 M. pro Mille ohne Debatte gegen die Stimmen unserer Genossen angenommen. Ebenso wurde der Erhöhung der Ge, n>erbesteuer zugestimmt. Genosse Reichardt beantragte noch Streichung der Biersteuer, jedoch hatte der Herr Gemeindevorsteher schon en bloe über die ganzen Steuern abstimmen lassen und damit jeden Einspruch abgeschnitten. Der Boranschlag für den neuen Etat weist folgende Positionen auf: Die Gemeindeverwaltung schließt mit einer Einnahm? von 16 050 M. ab, die Ausgabe betragt 114126 M., mtthin ist ein Zuschuß von 08 076 M. erforder, lich. Zu den Amtsverwaltungen gibt Martendorf 40 662 M. Dies« Ausgabe erhöht sich gegen das Vorjahr um 4662 M.— AuS den Liegenschaften betragen die Einnahmen 8870 M., die Ausgaben 3672 M. ES ergibt sich daraus ein Ueberschuß von 5108 M.— Bei der Kapital- und Schuldenverwaltung betragen die Einnahmen 30 025 M., die Ausgaben 223 993 M. Hier ist ein Zuschuß von 193 968 M. erforderlich. Di« Armenverwaltung sieht eine Ein, nähme von 17 730 M. vor. Die Ausgabe beträgt 30 576 M. Der Zuschuß beträgt hier 18 846 M.— Beim Reformgymnasium be, tragen die Einnahmen 9510 M. und die Ausgaben 50 483 M. Der Zuschuß beträgt 40 973 M. Das macht pro Schüler einen Zuschuß von 482 M.— Die Volksschule hat eine Einnahme von 8170 Dt. und eine Ausgabe von 117 350 M. Der erforderliche Zuschuß be« trägt 109 180 M. Das ist pro Schüler 72 M. Bei der Fort« bildungSschule beträgt die Einnahme 413 M. und die Ausgabe 3320 M.. der Zuschuß also 2506 M.— Die Straßcnverwaltung er» fordert eine Ausgabe von 90 884 M. und hat eine Einnahme von 53 699 M. Erforderlich ist ein Zuschuß von 37 185 M.— Bei der Steuerverwaltung ist eine Einnahme von 662 927 M. in Bor- anschlug gebracht. Die Ausgaben sehen 140 005 M. vor. Dabei würde ein Ueberschuß von 522 922 M. herauskommen.— Da» Feuerlöschwesen hat eine Einnahme von 18 M. und eine Ausgabe von 4440 M. Der Zuschuß beträgt 4422 M.— Die KanalisationS» Verwaltung hat eine Einnahme von 47 801 M. und eine Ausgabe von 61 304 M. Der erforderliche Zuschuß ist 13503 M.— Lü« .Insgemein" betragen die Einnahmen 52711 M. und die Aus» gaben 54 010 M., mithin ein Zuschuß von 1299 M. D«t Gesamtetat balanciert in Einnahmen und Ausgaben mit 940 825 M.— Die Schulden der Gemeinde Martendorf betragen 4 487 882,85 M. Die Liegenschaften repräsentieren einen Wert von 3658556 M. Das Genwindevermögen bettägt also rund L'ch Millionen M.--- Der Gemeindevorsteher betonte in der letzten Sitzung selbst, daß die Finanzlage der Gemeinde günstig z» nennen ist. Nowawe S. „In die Fixigleit sind sie mir vder", wurde WM Onkel Vräsig sagen, wenn er noch lebte und ihm zu Ohren käme, daß unsere öe- meindevertretung in einer einzigen Sitzung den l41 Foliosciten umfaffenden Etat, der in Einnahme und Ausgabe mit 1 747 700 M. cbschliefet, vollständig erledigt hat. Diese Etatsberatung im Eil- tempo war dadurch veranlaßt worden, daß der Gemeindevorstand mit der Aufstellung desselben zu spät fertig geworden war. Am 21. März fand bereits die Kreisausschutzsitzung statt, welcher der- selbe zur Genehmigung unterbreitet werden sollte. Immerhin wurde vom Bürgermeister auf das allseitige Verlangen der Vertretung. in Zukunft eine derartige Durchpeitschung zu verhindern, das Ver- sprechen abgegeben, datz er die Etatsberatung im nächsten Jahr auf einen früheren Zeitpunkt ansetzen werde. In der Generaldebatte nahm zuerst Herr Nathan das Wort, welcher betonte, datz der Etat von der Finanzkommission sehr ein- gehend durchberaten sei, so datz sich jetzt wohl kaum Aenderungen nötig machen werden. Redner gab sodann ein Bild über den Stand der Gemeindean�elegenheiten und erläuterte die EntWickelung. welche die Gemeinde in den letzten Jahren gemacht habe; sollen bierin weitere Fortschritte gemacht werden, dann mühten auch die Einnahmen bessere werden; es sei notwendig, datz insbesondere die Wertzuwachssteuer genügende Erträge bringe und die Ver- tretung sich darin einig sei, alle öffentlichen Einrichtungen und deren Ausführung in eigene Reyie zu übernehmen. Genosse Gruhl betonte, datz die Ausfübrungen Nathans im allgemeinen von uns unterschrieben werden können. Bezüglich der Steuererträge weise der Etat wesentliche Mehreinnahmen auf, indem die Personal- steuern um 19 000 M.. die Umsatz- und Wertzuwachssteuer um 21 000 M. höher gegenüber dem Vorjahre angesetzt seien. Für die EntWickelung des Ortes sei aber auch notwendig, daß die Gemeinde- � Verwaltung darauf ihr Augenmerk richte, leistungsfähige industrielle Unternehmungen in den Ort zu bekommen; das würde zur HebuiH der Nachfrage nach unbebauten Grundstücken beitragen, wodurch die Erträgilisse der Wertzuwachssteuer gesteigert und damit die finan- ziellen Verhältnisse der Gemeinde gebessert würden, denn zu einem Villenort sei unsere Gemeinde nicht geeignet. Redner spricht dem Gemeindevorstand seine Anerkennung dafür auS, datz er diesmal dem Etat eine Nachweisung de« DiensteinkommenS der Beamten beigefügt habe; er gab dem Wunsche Ausdruck, datz in Zukunft auch ein« Nachweisung, des Einkommens der übrigen von der Gemeinde beschäftigten Angestellten und Arbeiter beigefügt werden möge. Des weiteren stellt Genosse Gruhl den Antrag, der Gemeindevorstund möge eine Zusammenstellung und Drucklegung der für die beiden OrtSteile gültigen Statuten und Polizeiverordnungen veranlassen. da auf diesem Gebiete in der Gemeinde sehr viel Unkenntnis herrsche. Die Ausführungen von Gruhl und Nathan fanden in der Vertretung allseitige Zustimmung. Die Erwiderung des Bürger- meisterS lautete dahin, datz die Unterlassung der Beigabe einer Nachweisung über die Löhne der Nichtbeamten nur auf einem Irr- tum beruhe und in Zukunft dem Wunsche Gruhls entsprochen werden soll, ebenso dem Antrage auf Zusammenstellung der Polizei. Verordnungen. Bei der hierauf folgenden Beratung über die einzelnen Post- tlonen des Etats interpellierte Genosse Gruhl den Bürgermeister wegen der. Errichtung des GewerbegerichtS, das mit dem 1. April ins Leben treten sollte. Der Bürgermeister erklärte, datz daö von der Vertretung beschlossene Statut von der Aussichtsbehörde nicht genehmigt worden fei, da erst eine formelle Anhörung der Arbeit- geber und Arbeitnehmer darüber stattfinden müsse. Die evangeli- fchen Arbeitervereine und der Hirfch-Dunckerfche Gewerkverenn Haben bei ihm den Antrag gestellt, die Wahlen zum Gewerbegericht nach dem Proporttonalsystem vornehmen zu lassen; �diese Be- stimmüng sei im Statut nicht enthalten; er werde m nächster Zeit die Kommission noch einmal züsammenberufen. um die erforder» lichen Formalitäten zu erledigen. Die Position.Nachtwachdienst" gab dem Genossen Fesser Ber. «mlassung, seine Genugtuung darüber zu äussern, datz der Vertrag mit der Wach- und Schlietzgesellschaft am 1. Dkai aufgehoben werden soll, während die Mehrheit der Vertretung bei der Schliessung des Vertrages die von den Sozialdemokraten erhobenen Einwände da» gegen aufs heftigste bekämpft habe. Redner wünschte Auskunft darüber, in welcher Weise der Nachtwachdirist in der Gemeinde in Zukunft geregelt werden soll. Der Bürgermeister gab hierzu die Erklärung, datz in Aussicht genommen sei. den Nachtwachdienst durch von der Gemeinde anzustellende Beamte nach moderner Or» ganisatton ausüben zu lassen. Eine Erörterung über den Verein der Fortbildungsschüler führte Genosse Neumann bei der Betatung über den Etat der Fort- bildungsschule herbei. Er führte auS, datz bisher im Orte zwei Jugendorganisationen bestanden hätten, die freie Jugendorganisa- tion und der evangelische Jünglingsverein. Vor kurzem sei nun als dritte Organisation von den Lehrern der Fortbildungsschule ein Berein der Fortbildungsschüler gegründet, an dessen Leitung nicht nur die Lehrer, sondern auch der Rektor der FortbildungS» schule beteiligt seien; die Schüler, welche diesem Verein angehören, würden während des Unterrichts, bei der Verteilung von Prämien und so weiter in auffallender Weise von den Lehrern bevorzugt, was bei fym anderen Schülern böses Blut errege. Bon der Schul. Verwaltung wird diese Organisation dadurch unterstützt, datz ihr Klassenräume zur Verfügung gestellt werden. Redner wandte sich in scharfer We,se gegen diese Matznahmen und ersuchte ferner um Auskunft darüber, auf wessen Veranlassung die Schüler wegen ihrer Zugehörigkeit zur freien Jugendorganisation von den Lehrern be- fragt worden sind. In einer Erwiderung betonte der Bürger- meister Hätz er dem Fo-rtbildungsschüler-Verein fernstehe und der- selbe vom Gemeindevorstand nicht protegiert werde. Er wünsche nicht, datz durch den Verein Uneinigkeit unter ten Schülern hervor. gerufen werde. Bezüglich der Betätigung der Lehrer und des Rek- torS sei ihm mitgeteilt worden, datz diese auf Wunsch der be. treffenden Schüler in dem Berein tatig sind; jedenfalls betrachte «r die Angelegenheit nicht als abgeschlossen, sondern werde die vor- gebrachten Beschwerden weiter untersuchen; die Befragung der Schüler wegen ihrer Vereinszugehörigkeit fei auf Veranlassung der Aufsichtsbehörde erfolgt.(Natürlich können die Schüler nicht gezlvungen werden, derartige Fragen zu beantworten. D. B.) Nachdem hierauf der Etat von der Vertretung genehmigt war, wurde der öffentliche Teil der Sitzung geschlossen. Tegel. Mit be» gesetzwidrigen Wahlhandlungen des Wahlvorstandes ber am 8. und ü. März stattgehabten Gemeindevertreterwahlen be« fchäftigte sich eine am 18. März in Trapps Festfälen tagende, von über 10yu Personen besuchte P>:otestversamm. lung. Der Referent. Genosse Grauer, gedachte zunächst der Bedeutung des Tages sowie deS Kampfe? um das gleiche Wahl- recht für Preußen. Preutzenwahlunrecht und Gemeindewahlunrecht sind, so betonte der Redner, identisch; beiden haftet das Klaffen» shstem an. Die von der wirtschaftlichen Misere am härtesten ge- troffenen Arbeitslosen, die an der sozialen Arbeit der Gemeinden das größte Interesse haben, sind ausgeschlossen, weil sie die Steuern nicht zahlen können. Unerhört aber ist das Vorhaben, die mini- malen Rechte'der Gemeindewähler noch durch allerhand Er« schwerungen--- ungenügend« Lokale, ungünstige Wahlzeiten— illusorisch zu machen. Die Verwaltungsorgane fühlen sich als die Beauftragten der privilegierten Clique und scheuen sich nicht, das zu tun, was sie uns Sozialdemokraten immer vorwerfen, näm. lich die Gesetze zu mitzachten. Di« L-G.-O. ist zugeschnitten auf den grotzen Gutsbezirk Preutzen. der die Kosten der Verwaltung der grotzen. breiten Masse aufbürdet. Hier am Orte ist bewußt gegen das Gesetz verstoßen, denn merkwürdigerweise trägt die amt» liche, zur Stichwahl am 19. März zwischen dem Kgl. Bahnhofsvor» steh« Wistuba und dem Kgl. Förster Rundström einladende Karte das Datum 4. März, während die Hauptwahl doch erst am S. März stattfand. Taraus ist zu schließen, datz die vorgeschrie» bene Wahl der Beisitzer zum Wahlvorstand verweigert wurde. damit Beisitzer ernannt werden konnten, die sich den Wünschen des Amts- und Gemeindevorstehers anpatzten. Der§ 62 sagt, datz diejenigen als gewählt gelten, welche die meisten und mehr als die Hälfte aller abgegebenen Stimmen«halten haben; eine Schei- dung in gültige und ungültige Stimmen ist unzulässig. Der Wahlvorsteher hat in Verkennung der gesetzlichen Be- stimmung die Stichwahl ausgeschrieben. Er hätte ja nur den Amts- und Gemeindevorsteher zu fragen brauchen, der es wissen mutz, ob das Urteil des Kreisausschusses rechtskräftig ist. Der Amts- und Gemeindevorsteher hätte ihm antworten müssen: „Nein, das Urteil ist nicht rechtskräftig, es ist gegen dieses Urteil Berufung beim Dezirksausschutz eingelegt." Der Wahlvorsteher hat das nicht getan und hat auch die Beisitzer nicht informiert. Zu alledem kommt der§ 62 L.-G.-O., der die beiden unterlegenen, jetzt der Stichwahl ausgesetzten Kgl. Beamten als nicht wählbar bezeichnet. Besteht die Absicht, eine ungesetzliche Handlung durchaus vor- zunehmen, so mutz eine entsprechende Antwort gegeben werden. Am Schlutz des mit grossem Beifall aufgenommenen Vortrages ersucht der Redner die Anwesenden, die Organisation stärken zu helfen sowie. Leser der Arbeiterpresse zu lverben. Der Vorsitzende wollte sodann dem eingeladenen Amts- und Gemeindevorsteher, Wahlvorsteher Bürgermeister Weigert, das Wort zur Verteidigung geben, doch dieser hatte der Tapferkeit besseren Teil erwählt und war nicht erschienen. Genosse Halses verlas in der Diskussion ein Anschreiben an die nationalen Wähler, doch dazu beizutragen, datz nicht die Be- auftragten der Sozialdemokratie die aus st rebende Ge. meinde in ihrer Entwicklung hemmen könnten, und empfahl Nichtbeteiligung an dieser ungesetzlichen Stichwahl— wir haben keine Veranlassung, uns zu Mitschuldigen zu machen. Der Vorsitzende sprach noch die Erwartung aus, datz der Ge- meindevorfteher Weigert sich als bester Agitator für die Sozial. demokratie bewähren möge, und empfahl folgende, einstimmig an- genommene Resolution� „Die am Freitag, den 18. März, in Trapps Festsälen tagende öffentliche Versammlung, welche von über 1000 Personen besucht ist, protestiert auf das entschiedeust« gegen die ungesetzliche Hand- habung, welche am 8. und 9. März anlätzlich der Gemeindevertreter. wählen von dem Herrn Gemeindevorsteher Weigert verübt worden ist. Sie erwartet von dem ersten Beamten am Orte, datz er die Rechte und Gesetze achtet und sich nicht eigenmächtig über den klar und bestimmt lautenden§ 60 L.-G-O. hinwegsetzt Die Versammlung erklärt es für unmöglich, datz sie dem Herrn Bürgermeister Weigert die Achtung entgegenbringen kann, welche er als erster Beamter am Orte haben muh. so lange von ihm Recht und Gesetz auf diese Weise mitzachtet werden." Mit brausendem Hoch auf. die Sozialdemokratie und daS all- gemeine, gleiche, direkte und geheime Wahlrecht wurde die Ver- sammlung geschlossen. Grosj-Lichterfelde. Aus Anlaß der bevorstehende« Schulversetznng, die für viele Eltern mit mehr oder weniger grossen Geldausgaben durch Neu- anschaffung von Schulbüchern verbunden ist, hat sich, wie im vorigen Jahre, auch diesmal eine Kommisfton aus dem Wahlverein gebildet, welche den Umtausch resp. den Verkauf von alten Schulbüchern ver- mittelt, um dadurch den Parteigenossen höhne Ausgaben zu er» sparen. Die Genossen, die hiervon Gebrauch machen wollen, werden ersucht, sich bei Ed. S3 all vlv, Chausseestr. 64, abends nach 6'/, Uhr zu melden. Reinickendorf. Die zu gestern(Montag) abend S Uhr anberaumt gewesene Gemeindevertretersitzunq ist auf heute(DtenStag) verlegt worden. Beginn nachmittag? ö Uyr im grotzen SitzungSsaale deS Rathauses. Ober-Schöneweide. Bei den Wahlen der Ardritnehmer-Beifitzer zum hiesige» Gewerbe- geeicht erhielten die Liste des GewerkfchaflSkartellS 2549 Stimmen (9 Kandidaten), de» Hirsch-Dunckerschen Gewerkvereins 266 Stimmen (1 Kandidat). Bei den Arbritgebnwahle» erhielt die sozialdemokratisch» Liste 49 Stimmen(4 Kandidaten), die gegnerische List« 72 Stimmen (6 Kandidaten). Das Gewervegericht setzt fich demnach au» 18 Sozialdemokraten und 7 Bürgerlichen zusammen. Ckricbtö- Zeitung. Bon» Polizcikampf gegen die sozialdemokratische Jugend. Am 4. Juli 1909 fand ein Massenausflug der Berliner sozial- demokratischen Jugend nach Adlershof statt. Durch den„Vorwärts" waren die Treffpunkte für die aus den verschiedenen Gegenden Berlins kommenden jungen Leute angegeben worden. Ein Trupp von 60 bis 80 Personen, der von Treptow kam, marschierte am Vormittag jenes Sonntags durch Johannisthal. ES wurde ge- jungen. Der Gendarmeriewachtmeister Streng griff sich auS der Schar den Schlosserlehrling JanuS heraus, den er für den Bor- fänger hielt, und brachte ihn zur Anzeige. I. erhielt eine Anklage wegen Uebertretung des ReichLvereinsges etzes, weil er einen nicht genehmigten öffentliche» Aufzug geleitet habe. Tatsächlich war I. erst in der vierten Reihe gegange». DaS Landgericht II in Berlin brachte es. wie unseren Lesern erinnerlich, fertig, den Angeklagten zum Leiter eines genehmigungspflichtigen öffentlichen Aufzugs zu stempeln und ihn wegen Uebertretung des Vereinsgesetzes zu ver- urteilen. Und das machte es so: Es handele sich um einen Aufzug auf öffentlicher Strasse bei dieser in geschlossener Reihe über die Promenade marschierenden Menschenmenge. Alle Teilnehmer hätten der im„Vorwärts" bekanntgemachten Einladung folgen und daS gemeinsame Ausflugziel erreichen wollen, um sich dort mit den anderen Gruppen für die ebenfalls angekündigte An- spräche des Dr. Karl Liebknecht zu treffen. Aber auch schon die gemeinsame Wanderung nach einem bestimmten Orte würde aus» reichen, um für die im geschlossenen Zuge versammelten Menschen ein auf einem bewutzten gemeinsamen Zweck beruhendes Band her- zustellen. Die Fortbolvegung dieser Menschenmenge sei auch ge. eignet gewesen, die Aufmerksamkeit des Publikum» zu erregen und die öffentliche Ordnung, insbesondere den Verkehr zu gefährden.— Der Angeklagte sei als Leiter des Aufzugs anzusehen. Wenn in dem Zuge er auch vielleicht nicht blotz allein ein Liederbuch mit- gehabt habe, so habe doch der Wachtmeister schon von weitem gehört, datz nur eine Männerstimme ein Lied sang, in dessen Schlutz- reim der Chor einstimmte. Nach der bestimmten Bekundung war dies der Angeklagte. Indem er den Gesang leitete» leitete er da- mit auch den nach dem Gesangstcmpo sich fortbewegenden Zug.— So die Begründung des Urteils in der Hauptsache. Die von I. gegen dies eigenartige Urteil eingelegte Revision vertrat am Freitag vor dem zweiten Strafsenat des Kammergerichts Rechtsanwalt Dr. Kurt Rosenfrld. Der Begriff des Aufzugs und der der Leitung sei verkannt. Wenn eS nach dem Landgericht ginge, dann müßte jode Landpartie eines Vereins ein Aufzug sein. Vor allem aber könne unmöglich der-Angeklagte als Leiter angesehen werden, selbst wenn eS richtig wäre, datz er den Gesang geleitet habe, was bestritten worden sei. Durch die Leitung deS Gesanges könne höchstens herbeigeführt werden, datz gleichmäßig gesungen werde. Der Leiter des Gesanges sei doch noch kein Leiter des Auf- zuges. DaS Kammcrgericht wies die Revision ab. ES führte auS: Ob in tatsächlicher Hinsicht dem Urteil deS Landgericht» überall bei» zutreten wäre, könne dahingestellt bleiben, denn das Kammergericht sei an die laisächlichen Feststellungen gebunden. Die rechtlichen Gesichtspunkte seien nicht verkannt. Ein Aufzug sei eine ver- einigte Menschenmenge, die sich über die öffentliche Strasse in einer Weise dahin bewegte, welche die Aufmerksamkeit hes Publikums zu erregen und den Verkehr zu beeinträchtigen geeignet sei, Diese Definition stamme aus der Zeit des Preutzist/jen Vereins- gcsetzes, gelte aber auch für den Begriff des?lufzn�es im Sinne des Reichsvereinsgcsetzes. Das Landgericht habe tatsächlich fest- gestellt, das; es sich hier um einen solchen Aufzug fc-mdelte.— Bleibe die Frage, ob der Lehrling Janus der Leiter gewesen sei. Wenn das Landgericht gesagt haben würde, der Leiter des Gesanges fei als solcher auch Leiter des Aufzuges, dan> wäre daS falsch. Das Landgericht habe das aber nicht gesaa�, sondern nur daraus, daß er Leiter des Gesanges war. tatsächlich geschlossen, datz er auch Leiter des Aufzuges gewesen fi.t. An diesen rein tatsächlichen Schlutz sei der Senat gebunden. Somit sei die Revision als un- begründet zurückzuweise». Nach dieser„liberalen" Auslegung des„liberalen Vereins- gesetzes" erleben wir gZ. hoffentlich, da doch alle Bürger bor dem Gesetz gleich sind, dar, die Menge der Kirchgänger, die sich zu Ostern „über die öfseiitlich�n Straßen in einer Weise dahin bewegt, die die Aufmerksamkeit i>es Publikums— durch Tragen des Gesangbuchs — zu erregen geeignet ist", als Aufzug erachtet und der Prediger als Leiter dieses Auszugs vor den Kadi gezerrt wird..Zu der- artigen Ungereimtheiten führt die Ansicht des KammergerichtS. Richtig l>t, datz das kuriose Rechtsmittel der Revision das Revisions- gericht hindert, die offensichtlich verkehrtesten„tatsächlichen Fest- stellun�en", falls diese„nur" aus Verstößen gegen die Logik und die Auffassung des gesunden Menschenverstandes, nicht aber ge�en eine„Rechtsnorm" verstoßen. Indessen das angefochtene Urteil verstieß, ebenso Ivie das Kammergerichtsurteil gegen den Begriff „Rechtsnorm". Die vom Kammergericht gegebene Definition eines „Aufzugs" ist völlig unzutreffend. Jede Menschenmenge ist ge- eignet, die Aufmerksamkeit des Publikums zu erregen. Was die Wendung,„den Verkehr zu beeinträchtigen geeignet", bei der ge- aebenen Sachlage anders bedeuten soll alS: andere hindern auf dem Platz, wo die Menschenmenge steht, sich zu bewegen, ist un- erfindlich. Dennach bilden also alle, die sich zu irgend einem Zweck auf der Straße befinden, nach der kammergerichtlichen„De- finition" einen Aufzug. Man wird deshalb z. B. den Schuljungen, die zur Schule wollen, ernstlich raten müssen, polizeiliche Genehmi- gung hierzu einzuholen. Derartige Erkenntnisse, wie daS das gefällte, zeigen, wie überflüssig und schädlich die Institution-ge- lehrter Richter" ist._ Maitrank in sechster Instanz Mit einer gerade jetzt sehr aktuellen„Stoff"-Frage hatte sich gestern in sechster Instanz die 2. Strafkammer deS Landgerichts IE unter Vorsitz des Landgerichtsdirektors Licpmann zu beschäftigen. Es handelte sich um die Entscheidung der sehr wichtigen Frage, welche Ingredienzien der edle Stoff der Waldmcistcrbowlc, gemein- hin Maiwein oder Maitrank genannt, nach Gesetz und Recht ent- halten mutz und welche nicht. Ein hiesiger Weinhändler hatte ein Getränk unter dem Namen„Maitrank" in den Handel gebracht, welches zu dem billigen Preise von W Pfennigen pro Flasche in- klusive Glas in mehreren Filialen der Firma verkauft wurde. Dia Nahrungsmittelpolizei hatte herausbekommen, datz jener Maitrank auö angesüßtem Apfelwein und einem Aufguß aus frische Wald- meisterkräuter bestand. Die Staatsantvaltschaft erblickte hierin sine Bersälschüng eines Nahrungsmittels, da zur Bereitung von Maiwein bezw. Maitrank nur wirklicher Traubenwcm und nicht Apfel« wein verwendet werden dürfe. Die Folge war eine Anklage wegen Nahrungsmittelverfälschung gegen den Inhaber und einem. An- gestellten. Das Schöffengericht Berlin-Mitte erkannte seinerzeit auf 30 bezw. 10 Mark Geldstrafe. Auf die Berufung der beiden Angellagten hin erkannte jedoch die Strafkammer auf Freisprechung. Damit beruhigte sich jedoch die Staatsanwaltschaft nicht, sondern legte Revision ein. DaS Kammergericht hob das Urteil auf und verwies die Sache an die Aorinstanz zurück. Die Strafkammer erkannte wiederum auf Freisprechung. Da es sich allein Anschein nach um eine hochwichtige Prinzipienfrage handelte, legte die Staatsanwaltschaft nochmals Revision ein. Das Kammcrgericht hob daS zweite freisprechende Urteil auf und verwies die noch- malige Verhandlung nicht wieder an daS Landgericht I, sondern diesesmal an das Landgericht II, welches sich nun gestern als sechste Instanz mit dieser Sache zu beschäftigen hatte. Vor Gericht be- haupteten die Angeklagten, daß es allgemein gebräuchlich sei, bei der Herstellung des billigen Maitranks Apfelwein zu verwenden. DaS Publikum wisse auch ganz genau, datz es bei einem Preise von 63 Pfennigen inklusive Flasche nicht eine mit teuerem Mosel- oder Rheinwein angesetzte Maibotole erhalte. Diesen Standpunkt nahmen auch die von Justizrat Sandbecg geladenen Sachverstän- digen Weingroßhändler Ebeling und Großdestillateur Max Schulz ein. Beide begutachteten übereinstimmend, daß zur Herstellung eines so billigen Maitranks allgemein nur Apfelwein verwendet werde. Dieser sei noch besser als ein Moselwein, wenn es über- Haupt gelänge, einen mit 68 Pf. pro Flasche erkäuflichen Trauben- wein aufzutreiben. Maitrank sei ein ganz besonderes Getränk, zu welchem man je nach Geschmack und.Kostenpunkt Trauben, oder Obstwein verwenden könne. � Das Gericht nahm jedoch einen anderen Standpunkt ein. Es führte aus, datz im Publikum all- gemein unter Maitrank ein mit Waldmeisterkräutcrn versetzter Traubenwein verstanden werde. Kein Mensch, der Maitrank trinke« nehme an, datz er dabei Apfelwein bekomme, der allgemein als eine Art Gesundheitswein oder ein besonders billiger Obstwein angesehen werde. Wenn es Brauch sei, zu Maitrank Apfelwein zn verwenden, so sei dies eben ein Mißbrauch, der sich erst in dev Neuzeit entwickelt habe.— DaS Gericht erkannte auf 30 bezw. 10 Mark Geldstrafe.— Gegen dieses Urteil wird nunmehr wieder von den Angeklagten Revision angemeldet werden, so datz sich das Kammergericht dann zum drittenmal mit dieser Sache zu beschäf- tigen haben wird._ DaS Bootsunglück, welches am 22. August 1909 bei Köpenick auf der Dahme in des Nähe des Restaurants„Waldesruh" sich ereignet und zwei Menschenleben gefordert hat, beschäftigte gestern 1.Strafkammer des Landgerichts III Berlin. Wegen fahrlässiger Tötung hatte sich der 21jöhrige Kaufmann Fritz Mannheim zu verantworten. Der Angeklagte besatz ein eigenes Boot und fuhr an jenem Tage allein. Unterwegs nahm er zwei junge Mädchen auf, die übergesetzt werden wollten. Er hatte sich erst geweigert, deren Ersuchen zu entsprechen» ließ sich dann doch überreden und nahm die Mädchen mit. In der Mitte des Flusses bewegten sich die Mädchen. Das Boot kippte um und alle drei Insassen fielen i» das Wasser. Der Angeklagte wurde von einem Segelboot gerettet, die beiden Mädchen aber versanken in der Flut und fanden ihren Tod. Dem Angeklagten wird zur Last gelegt, datz er das Unglück durch Ueberlastung seines Bootes? verschuldet habe. Er bestritt dies und behauptet, datz in seinem Boot schon öfter drei Personen gefahren seien und das Unglück ausschliesslich durch die von den beiden Mädchen verursachte Be» wegung entstanden lei. Als Verteidiger berief sich Rechtsanwalt Sonnenfeld auf einen Sachverstäkldigen, der noch außer zwei vont Gericht geladenen Sachverständigen vernommen werden sollte. Der Gerichtshof hielt es für erforderlich, die Frage der Belastung des Bootes auf das genaueste zu prüfen. Der Beschluß ging dahin: an Ort und Stelle vor einem beauftragten Richter das Boot agf seine Tragfähigkeit, Stetigkeit usw. bei entsprechender Belastung durch die drei Sachverständigen prüfen zu lassen und den Sach- verständigen aufzugeben« gesonderte Gutachten vor dem nächsten Termin schriftlich abzugeben. Slmtllcher Marktbericht der städtischen Marktballeu-Dkektion über den Groghandel in den Zentral-Marltball-n. Marktlage: Fleisch: Zufuhr stark, Geschäft schleppend, Preise für Ochsen- und Schweinesteisch anziehend, sonst unverändert. Wild: Zufuhr sehr gering, Geschäst ruhig, Preise fest. Geslügel: Zufuhr genügend, Geschäst lebhast, Preise fest. Fische: Zusuhr mäßig, Geschäst ziemlich rege, Preise wenig verändert. Butter und Käse: Geschäst ruhig, Preil« unverändert. Gemüse, Obst und Südfrüchte: Zufuhr genügend, Geschäft ruhig, Preist fast unverändert, NA T- Si � »2.1 «n n. » o rfk- 1 1 Z? « 3R I §» t• " 2 i g' 5; c§ j 1» &s SJ5. « w •" Z Ii a 515 2 o p5 MÄMZ WAßzsß auf Rnhestuhl, Mckelservice, wie nebenstehend abgebildet, und viele andere anerkannt wertvolle Gegenstände erhalten Sie bei Benützung von Mmm» und Flammers ZelkenpMr hunderttausende solcher Geschenke kamen bis setzt zur Verteilung. Beide Wasch' mitte! find die denkbar besten, geben mühelos und ohne besonderes Bleichen schönste Wäsche, fie find garantiert unschädlich, ausgiebig und billig im preis. Sparsame, auf ihren vorteil bedachte Hausfrauen verwenden nur noch •.'i* Woimungs- Einrichtungen Aawi.Uung sinfaoher und «leganlcr Schlaf-, Herren- und Spelsezlmmtr Madern«, farbige KOcheneinrlohtaag.n sukMnsZswnZ jv. gegen gar. Einzeiue Möbelstücke und Polsterwaren liJeMAßzoiilung sv.obßeAnzaiilung. 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Im Jahre 1906 verlangte vcr schwedische 9teich»tag von der Regierung eine Untersuchung über die Zweckmägigkeit der Ein- führung des staatsbürgerlichen Frauenwahlrechts. Ein damals ein- gesetztes Untersnchungskomitee arbeitet mit solcher Gemächlichkeit. daß man bis jetzt vergeblich auf das Ergebnis wartet. Wenn die Frauen selbst oder wenn die Fürsprecher deS Frauenwahlrechts im Reichstag anfragten, was die Regierung in der Sache tun wollte, wurden sie stets daraus vertröstet, daß man erst die Ergebnisse jener Ksmiteeuntersuchungen abwarten müsse. Nun hat unser Parteigenosse Lindhagen. der als einer der eifrigsten Vorkämpfer des Frauenwahlrechts bekannt ist, in der zweiten Kammer eine Interpellation an die Regierung gerichket und angefragt, welches Schicksal über jener Untersuchung walte, ob die Regierung der An- gelegenheit die nötige Beachtung schenke. Die Interpellation kam ain Tonnerstag zur Verhandlung. Staatsminister Lindmann erklärte in der Beantwortung, durch die Untersuchung solle festgestellt werden, unter welcben Bedingungen die Frauen in anderen Ländern wahlberechtigt sind, und welche Wirkungen das politische Frauenwahlrecht voraussichtlich in Schwe- den haben werde. Wann das Komitee mit den Untersuchungen sertig werde, könne man unmöglich voraussagen. Die Sache solle ledoch so viel wie möglich beschleunigt werden.— Mit dieser Antwort gaben sich die Anhänger de? Frauenwahlrechts natürlich nicht ?ufrieden. Lindhagen bemerkte spöttisch, man wolle sogar unter- uchcn, ob in Australien die Einführung des Frauenwahlrechts eine Verminderung der Zahl der Eheschließungen und der Geburten zur Folge gehabt habe. Wenn man sich mit der Anfrage nach Australien wende, werde man sich dort jedenfalls lächerlich machen. Mit einer solchen Statistik könne man ja alles mögliche beweisen. — Im Verlauf der zeitweilig sehr heftigen Debatte sah sich der Staatsminister genötigt, einzugestehen, daß er tatsächlich einer Statistik über Frauenwahlrecht und Eheschließung einen gewissen Wert beimesse. Mit seiner Idee fand er jedoch in der Kammer keinen Anklang. Im übrigen trieben unsere Genossen, von denen auch Branting und Lindquist in die Debatte eingriffen, den Staats- minister sehr in die Enge, als sie daraus hinwiesen, wie die Re- gicrung im letzten Herbst das Komitee zur Vorberatung einer Tarifvertragsgesetzgebung einfach auflöste, weil es ihrer Meinung nach zu langsam arbeitete, obwohl doch diese Angelegenheit weit schwieriger zu bearbeiten sei als die Einführung des Frauenwahl- rechts, zu der es ja nur einer ganz winzigen Aenderung in den geltenden Wahlrechtsbestimmungen bedürfe. Ein positives Resultat ist natürlich bei der Debatte nicht herausgekommen. Es hat sich gezeigt, daß von der jetzigen konservativen Regierung nichts für die Frauen zu erwarten ist. Diese Regierung wird aber wohl lald einmal am Ende ihrer Tage angelangt sein, und das politische Wahlrecht werden die Frauen trotz aller Untersuchungen erringen. Vernrilcbres. Pestverdächtige Natten. Wie aus Hamburg gemeldet wird, sind cm Bord des von Südamerika dort eingetroffenen Dampfers „Theodor Wille" pestverdäcdtige Ratten gesiindcn worden. DaS Sckiff ist unmittelbar nach seinem Eintreffen einer Ausgasung unterzogen worden, hat dann die Ladung gelöscht und nimmt nun unter den erforderlieben Vorsichtsmaßregeln neue Ladung ein. Nteniehen sind nicht erkrankt. Eine Feuersbrunst in Nokohama. Eine Meldung aus Dokohama besagt: Eine FeuerSbrunst hat hier 566 Häuser zerstört. Dreitausend Mensche» sind obdachlos._ Tödlicher Absturz. Auf der F-rdinandSgruve bei Bagutichütz stürzte, wie aus Katwwitz gemeldet wird, der Monteur Kasperski in den Grubenschacht und wurde, vollständig zerschmettert. Seine Leiche konnte geborgen werden. Unwetter in Spanien. Heftige Stürme mit Schneefällen richten, wie aus Madrid gemeldet wird, in verschiedenen Landesteilen Unheil an. So wurden bei Calataynd(Provinz Saragossa) durch einen von einem Berge losgelösten Felsblock zwei Häuser zertrümmert und fünf Personen getötet. «MterunqStlderNcht vom 31. März 1910, morgeuS S Illtr. BS fr e CUNntcn<|.o 5= if S-ller Swmembe i 767 WSW 3 bedeckt Hamburg j 768 WSW L heiter Berlin 768 Still| wolkenl 4 wölken! 5 bedeckt 3 heiter jjranfl.a K 767 NO Miinchev Wien 65 NO 765 NW ei" »II Ü» MÖ Stationen Settel Bis: c* tcü WS» tasarcmDa 749 sSW eterSburg 762 S| ScIUd 768 NNW ätbemen 763 NNW Bant 176691 i 8 bedeckt 1 Nebel 4 wolkig 4 bedeckt 3 wolkettl I — 1 -1 8 6 0 Wetterprognoie für Tienstag. den SÄ. März 1910. Ein wenig wärmer, ziemlich heiter, bei mäßigen westlichen Winden; keine erheblichen Niederschläge. LreilVvpkeÄ öch lIQzaixo Metall-Politur machen das schmutzigste Metall spiegelblank ,n Flaschen von 10 bis 60 Pfennig Ueoerall zu haben. Fabr.: Lubszynski& Co., Berlin NO. Nomärts-Uttj Extra-Rabatt auf die bekannt billigen Preise selbst bei Gelegenheitskäufen. Teppieh-Thomas Achtung! Hausfrauen! Wir empfehlen unsere aus den besten Rohmaterialien hergestellten Backwaren: Stollen, Napfkuchen etc.___ S£ Garantiert reines Boggenbrot 3S Bäckereigenossenschaft Berlin (E. G. m. b. H.) Telephon-Ami IV 2083. Berlin 0. BSdikeretr. SO.| Berlin SO. Forsterstr. 20. 1 RUdorf; Falkttr. t. „ 0. Hohenlohestr. 18. ,, SW. Yorkstr. 65.„ Stelnmetzstr. 109. „ SO. Glagauer Str. 28. I Rlxdorf; Jsarstr. 11. I„ Hohenzoltemplatz 11. Lieferant für die Mitglieder der Konsumgenosseoscbaft Berlins and Umgegend. Kutabike G. fl. Hanewacker, Nordiiausen. 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