Ar. 69. übennemenk-NeöinsUMl»: Tbonnemcnts- Preis pränumeraiida i Vierteljührl. 330 SKI, monatt. 1,10 M'� tvöchrntlich 28 Psg, frei WS Haus. Einzelne Nummer S Pfg, Sonntags- nummer mit illustrierter Sonntags« Vellage»Die Neue Bell" 10 Pfg. Post- Nbonnement: 1,10 Mark pro Monat, fugetragen in die Post-ZeitungS- rcisliste. Unter kireuzband für eutschland und Oesterreich- Ungarn L Mark, für das übrige SluSIand 3 Mark pro Monat. Poflabonnements nehmen an: Belgien, Dänemark, Holland. Italien, Luxemburg, Portugal, Rumänien. Schweden und die Schweiz. 27. Jahrg. CrTOttot iZgli» außer ßlcntast. Berliner VolKsblakl. Die Tnfertiens' Gebühr Beträgt für die fechsgefpallene Koloilel- zcile oder deren Raum K0 Pfg., für politische und gewerkschaftliche Vereins- und Versammlungs-Anzeigen 30- Pfg. „Kleine anielgtn". das erste(fett« gedruikte) Wort 20 Psg., jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlaf- ftellen-Anzeigen das erste Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer niüssen bls k» Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition tjt bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm- Adresse: „Sozlaldcnidlint Rtrlin". Zentralorgan der foziatdemokratifeben Partei Deutfcblands. Redaktton: SM. 68, Llndcnstraose 69. Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1983. Mittwoch, den 23* März 1910* Expedition: 8M. 68, Lindenstrasae 69. Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1981. Die(Politik der Dffären. Paris, 20. März.(Gig. 33er.) „Eigentum ist Diebstaht", sagt der kleinbürgerliche Sozialismus. Hinter der Kapitalsakkumulation sucht er einen Kriminalroman. Den Profit, der in Werkstätten. Bergwerken, Latifundien aus Proletarierknochen herausgeschunden wird, sieht er als ökonomisches Naturprodukt an. Sein Atitztrauen beginnt beim Händler und steigert sich beim Finanzier zur Entrüstung. Ein weiteres Herz hat die Moral der Bourgeoisie. Sie heiligt noch den Extragewiun, den der Kapitalismus auf dem Umweg des Staatsbudgets-alljährlich in seine Taschen praktiziert. In Ehren wandeln Ministerpräsidenten und Marine- minister von gestern, deren interessierte Beziehungen zu Staats- lieferanten und Großbanken' notorisch sind, unter den Zeit- genossen und schlagen aus ihren Aussichten Münze. Ver- waltungsratsstellen und glänzend dotierte Gerichtsvertretungcn schüttet das Glück aus seinem Füllhorn über die Staats- männer von morgen aus. Bei all diesen Dingen hat der Staatsanwalt nichts zu tun. Der muß hinter ausständigen Arbeitern her sein, die dem leiblichen Wohl oder der Ehre eines Streikbrechers nahe- getreten sind, ungebärdige Redakteure ins Loch schassen, die dem Kapitalismus nicht die gebotene Liebe entgegenbringen und die Rechtsordnung gegen die Deklassierten verteidigen, die sich in arbeitsloseni Erwerb versuchen, ohne die zulässigen Formen einzuhalten. Am„Verbrecher" tobt sich die bürger- liche Moral aus und will durch ihre Wut ihre Empfindlichkeit beweisen. Sie ist auch in einem gewissen Sinne aufrichtig. wenn sie sich entschließt, mit strenger Bestrafung der Schuldigen zur Tagesordnung— der Profitmacherei überzugehen. So ist die Affäre D u e z zu einer Bedeutung gelangt, die sie in hohem Maße dem Interesse, sie zu isolieren, verdankt. Daß der Liquidator Duez ein paar Millionen gestohlen, zum Teil verjubelt und verspielt, zum Teil auf die Seite gebracht hat, ist im Grund ein Ereignis, das in die Kriminalrubrik der Presse gehört. Die unglaubliche Fahrlässigkeit, die bisher bei der Kontrolle der Liquidatoren c.' irscht hat und von Duez mit solcher Dreistigkeit aus- ge.mtzt wurde, gibt ja auch für die Reform der Justizver- waltung einen zwingenden Hinweis, aber wenn die Organi- sation des Liquidationsverfahrens sicher den Liquidatoren ersparen sollte, bei ihrem Geschäft zu verarmen, so war sie offenbar auch nicht in der Absicht eingerichtet, den Uuterschleif zu begünstigen. Der bürgerliche Eigentumssinn hat keine Tendenz, die Vermögensrechte von Erben raublustigen Frei- beutern auszuliefern. Herr Duez ist wirklich nicht interessant. Auch dann nicht, wenn er, wie es immer wahrscheinlicher wird, nebenbei auch mit den Klerikalen gemogelt hat. Der Kniff der radikalen Presse, ihn jetzt den Kongregationen anzuhängen und seine Diebereien womöglich mit einem ultramontauen Komplott in Verbindung zu bringen, ist gar zu albern. Es wäre den vertriebenen Orden auch nicht zu verübeln, wenn sie versucht hätten, einen Teil des Vermögens, das man ihnen abgeknöpft hat, zu retten. Zur Loyalität gegen den antiklerikalen Staat waren sie sicher nicht' mehr verpflichtet, als die Muster- republikaner der Gesellschaft„für Nährprodukte", wie sich die Bande des„Matin" vor ihrem Feldzuge zur Eroberung des Karthäuserlikörs getauft hat. Viel interessanter als die Manipulationen, die Herrn Duez ins Strafgericht geführt haben, sind diejenigen, die es seinen moralischeren Mitwirkenden beim Liqnidationsgcschäft erniöglicht haben, um das Gericht h e r u in z u k 0 m m e n. Von den zwei- oder dreihundert Millionen, auf die das säkularisierte Kloster gut geschätzt werden kann und von denen, wenn es sehr gut geht, ein Fünftel gerettet werden wird, sind vielleicht fünf oder zehn Millionen gestohlen worden, der Rest aber glücklichen Käufern in den Schoß gefallen oder den Liquidatoren und anderen Mittelsmännern an den Fingern kleben geblieben. Von den Geheinmisien dieses Verfahrens aber werden die Zeitgenossen wohl das wenigste enthüllt sehen. Merkwürdig könnte es scheinen, daß eigentlich auch keine besondere Neugierde und noch weniger eine laute Em- pörung hervortritt. Unstreitig hat der Liquidationsskandal die Mißachtung, die in den Massen gegen alle bürgerlichen Parlamentsparteien und gegen den Parlamentarismus über- Haupt herrscht, verstärkt. Nicht etwa, als ob man darum auf eine Abkehr von der republikanischen Staatssorm schließen dürste. Davor bewahren den französischen Bürger die Er- innerungen an frühere RegierungSsystcme und neben dem eingewurzelten Freiheitsbcdürsnis der gesunde Menschen- verstand! Aber in den kleinbürgerlichen Massen tritt die Tendenz zutage, die Politik als ein— sehr einträgliches— unehrliches Gewerbe zu betrachten und jedem Parlamentarier ohne weiteres Verbindung mit der- dächtigen Geschäftsleuten zuzumuten. Die LiqnidationLaffäre ist nur eine von den vielen, die in den letzten Jal/rzchuten diese Meinung gefördert haben. Da die Kongregatiousgütcr verpulvert worden sind, ehe sie noch in den Besitz der Nalion gclommeu waren, fühlen sich die Massen im gegebenen Fall nicht direkt geschädigt. Sie tragen übrigens nicht minder ergiebige, unnüttelbar am nationalen Arbeitsprodukt geübte Raubgriffe, wie die unglaublichen Pahnverstaatlichungsgeschäfte und die Marineaffären mit derselben Geduld. Bis zu dem Augenblick, wo sich in einer politischen oder wirtschaftlichen Krffis die angesammelte Verachtung in einem revolutionären Ausbruch entladen wird. Vielleicht werden die letzten Er- eignisse, die auf das klarste zeigen, daß auch die fort- geschrittenste bürgerliche Politik dem bürgerlichen Bereicherungs- system dient, die sozialistische Partei von den Traditionen und Illusionen befreien Helsen, die sich der sozialistischen Erziehung des Proletariats und der Taktik des Klassenkampfes gerade in Frankreich entgegenstellen. Ser Azhlrechttliampk. Wie tief die Empörung über die Vergewaltigung des ganzen Volkes durch die preußische Wahlrecktsreform in die große Masse des Volkes gedrungen, auf der anderen Seite aber auch die Nervosi- tat und Furcht der Polizeibehörden im stetigen Steigen begriffen ist, zeigten redst deutlich die Vorgänge am vorigen Sonntag in D r 0 s s e n, einer kleinen Ackerbürgerstadt von etwa 5000 Einwohnern in dem Reichstagswahlkreis W e st- S t e r u b c r g. Bis Anfang Februar dieses Jahres, dem Bxginn des Kampfes um die Wahlreform, hatten wir dort nur 5 bis 0 Wahlvereinsmit- glieder. Trotzdem unseren Genossen die Agitation so ungeheuer erschwert wurde, trotzdem sie zu öffentlichen Versammlungen keine Säle bekommen, Versammlungen im Freien aber ohne weiteres verboten werden, ist es ihnen in der kurzen Zeit von etwa 8 bis 10 Wochen gelungen, ihre Mitgliederzahl auf 45 zu erhöhen. Linn hatten die Genossen zum vorigen Sonntag um die Polizei-- liche Genehmigung zu einer Versammlung nachgesucht, die auf einer Wiese abgehalten werden sollte, die etwa 1 Kilometer von der Stadt und 150 bis 200 Aleter von der nächsten Chaussee entfernt war, und zu welcher man auf breiten Feldwegen von vier Seiten gelangen konnte. Trotzdem nun die Lage und Beschaffenheit des Versammlungs- ortes in jeder Beziehung die Gewähr dafür bot, daß der Zu- und Abstrom der Versammlungsbesucher sich in durchaus ruhiger Weise vollziehen konnte, trotzdem auch noch vie Genossen jede Gewähr da- für übernommen hatten, daß keinerlei Ausschreitungen vorkomincn würden, lehnte der polizeigewaltige Herr Bürgermeister die nach- gesuchte Genehmigung mit der kurzen lakonischen Begründung ab, daß Gefahr für die öffentliche Sicherheit zu be- fürchten wäre! Worin nun aber diese„Gefahr" eigentlich bestehen sollte, war nicht gesagt und wird wohl auch ewiges Geheimnis des großen Polizeistrategen von Trossen bleiben. Unsere Genossen wandten sich an den Landrat. Diesem ging die übertriebene Angst des Bürgermeisters um tzie Staatssicherlfeit denn doch zu weit, denn er erteilte die Genehmigung zur Abhaltung der Versammlung. Aber die Furcht vor einer etwaigen Revolution der 43 Genossen war beim Bürgermeister damit nicht etwa gebannt, denn ein solches Aufgebot von Gendarmen zu Fuß und zu Pferde als am vorigen Sonntag, hat das kleine ruhige Landstädtchen Trossen noch nie gesehen. Ein Berittener hielt hoch zu Roß Wache vor dem Krieger- denkmal! Zwei andere Berittene patrouillierten bis zum Beginn der Versammlung in den Straßen auf und ab; neben ihnen noch 5 Fußgcndarmen, alles wohl bewehrt und in kriegsmäßiger Aus- rüstung. Kein Wunder, daß bei solchen polizeilichen Vorbereitungen die Erwartungen der Einwohner auf das, was nun in der Ver- sammlung passieren werde, auf das höchste gestiegen war. Weit über 1500 Personen, darunter eine große Anzahl Frauen, füllten den Versammlungsplatz. In sarkastischer Weise geißelte der aus Berlin erschienene Re- ferent Schneider diese großen Kriegsvorbereitungen, die doch wahrlich nach den bisherigen Erfahrungen in unseren politischen Versammlungen nur der Ausfluß einer überreizten Phantasie sein können. Treffend wies er darauf hin, daß zuweilen bei patriotischen Veranstaltungen, bei Karneval und studentischem Ulk nicht nur die Ruhe, sondern tatsächlich auch die Sicherheit friedlicher Staats- und Stadtbürger gefährdet istl Doch hier versage die Aufsicht der Polizei. Rur wenn die Entrechteten, die man gewöhnt war, als Heloten zu betrachten, ihr staatsbürgerliches Recht fordern, dann solle mit einem Male nicht nur eine Stadt, sondern der ganze Staat gefährdet sein. Helle Entrüstung rief die Erwähnung hervor, daß man am 8. März sogar die Kanon e y in Bereitschaft gehalten habe, um eventuell das Verlangen des Volkes nach gleichen staatsbürgerlichen Rechten mit Kartätschen zum Sckstveigcn zu bringen! Donnernder Beifall lohnte dein Redner für seinen etwa Il-Hsiundigen Vortrag. Dann ging die Masse ebenso ruhig, wie sie gekommen war, wieder nach Haufe, nur daß sich wieder eine Anzahl Genossen zum Eintritt in den Wahlverein meldeten! Schon eine halbe Stunde nach Beendigung der Versammlung rückte der größte Teil der bewaffneten Macht wieder ab. Augen- scheinlich war es nun auch dem Bürgermeister inzwischen auf- gedämmert, daß er sich durch dieses Polizeiaufgebot in ganz Drossen unsterblich blamiert habe. Verurteilungen auf Grund von SchutzmauusanSsagen. Das Schöffengericht in Frankfurt a. M. verhandelte am Mon- tag gegen sechs Wahlrechtsdemonstranten vom 13. Februar, die gegen Strafbefehle Einspruch erhoben hatten. Ten Vorsitz führte wiederum Assessor Schwabe, der die Strafbefehle ausgefertigt hatte. Als Schöffen fungierten ein Ingenieur und ein Stadt-- sckretär. Tos Gericht kam im Gegensatz zu den ersten Vcrhand- lungen gegen eine Reihe Einsprucherheber zu verhältnismäßig sehr harten und hohen Strafen. I!ur bei drei Einsprüchen wurden die Strafen herabgesetzt. Dabei handelte es sich nur um Hochrufe usw. Und doch wurden Hoftstrafen bis zu 3 Wochen ver- hängt! Zwei der Angeklagten sollen bei Auseinandertreibung einer Menge durch die Polizei durch die Rufe:„Aus, alles hierher!" groben Unfug verübt und polizeilichen Anordnungen nicht Folge geleistet haben. Die Angeklagten erklärten, nur zu ihren Bekannten gesagt zu haben:„Kommt wir gehen dorthin I", und bestritten, dadurch einen neuen Auflauf veranlassen gewollt zu haben. DaS Gericht schenkte den Aussagen der Schutzleute Glauben und Ver» urteilte den einen der Angeklagten zu 4 Tagen und den anderen zu zwei Tagen Haft(der Strafbefehl lautete auf je zwei Wochen Haft), wegen groben Unfugs. Wegen Nichtfolgeleistung polizeilicher Anordnungen erfolgte Freisprechung. Bei dem einen der Angeklag- ten wurde als straferschwerend angenommen, daß er einige Stunden vorher im Gespräche mit Freunden auf dem Bahnhofsplatz gesagt haben soll:„Wenn wir Revolver hätten, dann wäre es anders." Diese Aeußcrung wurde von einem Kriminalbeamten erlauscht. Bei den übrigen Anklagen handelte es sich nur um Hoch- rufe auf ein freies Wahlrecht. Durch diese Hochrufe sollen die Angeklagten die Menschenmenge aufgereizt und groben Unfug verübt haben. Die Schutzleute sagten aus, gerade von diesen Angeklagten die Rufe gehört zu haben. In einem dieser Fälle wurde es einmal wieder klar gezeigt, wie Schutzmannsaussagen zu bewerten sind. Ein Kriminalbeamter er- klärte unter seinem Eide, ein Angeklagter habe durch seinen Hoch- ruf e>ne Menschenmenge zu Rufen aufgereizt. Diesen Vorfall, der sich vor dem Gcwerkschaftshause abgespielt hatte, beobachtete seinerzeit der bei den Gerichtsverhandlungen als Berichterstatter anwesende Genosse K i r ch n e r. Als er die Ausführungen des 5lriminalbeamten hörte, meldete er sich als Zeuge, und bekundete unter seinem Eide, daß, als der Angeklagte den Hochruf aus- brachte, keine Menschenmenge um ihn herumstand und auch niemand in seinen Ruf eingestimmt habe. Der Angeklagte habe daher durch seinen Ruf auch niemand aufreizen können. Dem Kriminalbeamten wurde von diesem Zeugen, der sich erbot, noch weitere Zeugen, die den Vor- gang mit angesehen hatten, zu nennen, auch noch in anderen Punkten wiSersprochen. Der Beamte blieb aber trotzdem bei seinen Aussagen. Das Gericht erblickte aber in diesem Fall keine Aufreizung und setzte die im Strafbefehl aus» geworfene Geldstrafe von 80 M. auf 10 M. herab. Ein grober Unfug liege jedoch vor, denn der Hochruf qualifiziere sich nicht als eine politische Meinung, sondern als eine Parole gegen die Polizei.— Zwei andere?lngeklagte wurden— den Strafbefehlen entsprechend— zu je 30 M. Geldstrafe und einer zu drei Wochen Haft verurteilt. Diese drei Angeklagten hatten auch nur Hochrufe ausgebracht. Bei dem einen galt als er- schwerend, daß er als R e i ch s l ä n d e r an der Wahlrechts» frage nicht direkt interessiert sei, und bei dem zu drei Wochen Verurteilten, daß er Oesterreicher ist! So wurden also in einer Sitzung Hochrufe auf ein freies Wahlrecht mit 10 M. Geldstrafe bis zu drei Wochen Haft bewertet. Creptow vor Gericht. In Strafsachen, die zu Wahlrrchtsdemonstratione» in De- ziehung stehen, funktioniert jetzt der Justizapparat so, daß die Polizei zufrieden sein kann. Frühere Prozesse dieser Art haben ihr keine Lorbeeren gebracht, vielmehr wurde sie zumeist durch umfangreiche Beweiserhebungen über Polizeiatiacken so arg bloß- gestellt, daß sie in Gefahr kam, auch in bürgerlichen Bcvölkerungs- schichten das letzte Bestehen von Sympathien noch einzubüßen. Es scheint aber, daß das nunmehr Zanders werden soll. Den aller- neuesten Prozessen, die mit dem nicht ausgeführten Wahlrechts- spaziergang nach Treptow zusainmenhängen, darf die Polizei froheren Mutes entgegensehen. Gestern gab es vor dem Amts- gcricht Berlin-Mitte(138. Abteilung unter dem Vorsitz des Amts- richters Jeep) schon wieder zwei dieser Prozesse, die in der ver- bluffend kurzen Zeit von 14 Tagen verhandlungsreif geworden sind. In beiden handelte es sich uni° Polizcibelcidigung, in beiden wurde ausser de» sich beleidigt fühlenden Schuhlentcn kein anderer Zeuge vcvnommcn, und beide Angeklagten wurden dann zu harten Strafen verurteilt. Ein Metallarbeiter Säuger sollte am 0. März, dem Tage der großen Absperrung für Berlin-Südost, abends etwa gegen �-8 Uhr, in der Schlesischen Straße an der Ecke der Falckenfteinstraße seinen Aerger über die Leute deS Herrn v. Jagow in beleidigender Form zum Ausdruck gebracht haben. Vor Gericht beteueuke er, nur zu Passanten gesagt zu haben, infolge der Absperrungen habe er vier Stunden gebraucht, um nach der Grätzstraße zu kommen. Die Anklage behauptete, er habe auf der Straße im Vorbeigehen eine Gruppe Personen gefragt, was sie denn hier nmherständen und die Schutzleute anguckten, sie sollten lieber nach Hause gehen. Dabei habe er die Schutzleute als Hornochsen bezeichnet und gesagt, sie seien ihm ebenso viel wie ein Haufrn Kot.(Er soll sich hier eines noch sehr viel derberen Ausdrucks bedient haben.) Der Angeklagte bestritt das und behauptete seinerseits, gegen ihn habe man auf der Polizeiwache die Schimpfworte„Ludewig" und„Gesindel" ge. braucht und die Drohung:„Haut doch dem LiiiitNlei in die Fresse" ausgestoßen, so daß dann erst vielleicht luch er sich derber geäußert habe. Polizeiwachtmeister Kiiter bekundete als Zeuge, er habe auf der Straße jene Beleidigungen aus S.s Munde genau gehört, sei ihm eine Strecke nach der Brücke zu gefolgt und habe schließlich gegenüber der Polizeiwache seine Festnahme bewirkt. Der Amts- auwalt, Assessor Schmidt, beantragte 1 Monat Gefängnis. Durch jene Beleidigungen sei, wenn sie auch nicht so aufreizend Wirken könnten, wie z. B. der Ruf..Bluthaude". doch dw Polizei ver- ächtlich gemacht worden. Der Angeklagte, der ohne Verteidiger dastand, forderte Ladung von Entlastungszeugen, die er noch beschaffen wolle. Aber das Gericht hielt das für über- flüssig und verurteilte S. zu einer Geldstrafe von 120 Mark. Als strafschärfend sei, so sagte die Urteilsbegründung, angesehen worden, daß jene Beleidigungen an einem Tage ausgestoßen worden seien, an dem in der Menge eine große Erregung herrschte. Daß diese Erregung, die erst durch die Polizei mit ihren Absperrungen uub Attacke» hervorgerufen worden war. auch Sänger ergriffen hatte und daher strafmildernd ins Gewicht fallen muhte, davon sagte die Urteilsbegründung nichts. In der Schlesischen Strohe nahe der Cuvrhstratze soll an dem- selben Sonntag, abends gegen l>7 Uhr ein Maschinenformer Nedler die Polizei durch den Nuf„Bluthunde" beleidigt haben. Dem Gericht schilderte der Angeklagte, wie er, aus den Laubenkolonien Treptows heimkehrend, in der Schlesischen Strohe an der Ecke der Falckensteinstrahc auf eine Schutzmannskette gestoßen sei und dann, nach der Cuvrystrahe zurückweichend, auch hier durch eine Schutz- mannskette ausgehalten worden sei, so dah er weder vorwärts noch rückwärts gekonnt habe. Da sei angesichts der aufgeregten Polizei, die auf die Menge eingedrungen sei, der Ruf„Bluthunde" gefallen, ihn habe ein Schutzmann irrtümlich als vermeintlichen Rufer lherauSgegriffen. Auf Anregung des BertcidigerS Rechtsamvalt Dr. Kurt Nosenseld schilderte der Angeklagte auch, wie er schon am Nachmittag in Treptow beobachtet habe, dah in der Elsenstrahe die bewaffnete Macht in Gastwirtschaften eindrang und Gaste gc- waltsam hinauStricb. Der weiteren Einwirkung des Verteidigers auf die Vernehmung des Angeklagten wehrte der Borsitzende, der das für formell unzuläfstg erklärte und in Uebereinstimmung mit dem Gericht die betreffenden Tatsachen als materiell unerheblich ansah, unerheblich selbst für die Frage nach mildernden Umständen. Schutzmann Rost sagte aus, Nedler sei es gewesen, der„Bluthunde" schrie, da irre er sich nicht. Tie Polizei habe von der Ecke der Cuvrystrahe her, nur langsam zurückgedrängt, Berittene seien nicht auf die Menge eingedrungen. Der Zeuge bestritt zunächst, dah auch von der entgegengesetzten Seite eine Schutzmannskette sich in den Weg gestellt habe. Hinterher verbesserte er, das„könne hoch- stens noch an der Falckensteinstrahe gewesen" sein. So hatte es ja auch der Angeklagte geschildert. Zur weitere» Beleuchtung der Borgänge, durch die die Menge zu dem Ruf„Bluthunde" veranlaßt worden sein könne, halte der Verteidiger drei Zeugen geladen, einen Fabrikbesitzer Kluge und zwei Kaufleutc Samuel und Segall. Die Zeugen würden bekunden, dah am Nachmittag und auch noch am Abend die Polizei in der Schlesischen Straße gegen ruhig dastehende Personen rücksichtslos vorgegangen sei. auf sie eingeschlagen habe, in die Menge hincingesprengt sei, in Lokale eingedrungen sei, Gäste hinauSgetrieben habe usw.. so dah allgemeine und tiefe Er- regung entstand, die gcwih auch Redlers sich bemächtigte. Das sei zu beachten für die Beurteilung RedlerS, und auch seine Erlebnisse in Treptow seien hierbei zu berücksichtigen. Redler selber dürfte dann ausführlicher schildern, wie dort die Gastwirtschafte» gestürmt worden seien, wie dazwischengeschlagen worden sei, wie man selbst Frauen und Kinder gepackt und hinausgeworfen habe, wie Be- rittene von oben herab auf einen Mann eingehauen hätten, bis er blutete. Der Amtsauwalt empfahl Ablehnung der BeweiSanträgc des Verteidigers, weil das alles als wahr unterstellt werden könne. DaS Gericht beschloh die Ablehnung, weil auch die Erregung der Menge als wahr zu unterstellen sei. Somit war die Möglichkeit weiterer Feststellungeu abgeschnitten» und die Beweisaufnahme wurde geschlossen. Der Amtsanwalt fand, der Ruf„Bluthunde" in so erregter Situation sei besonders aufreizend und könne zu den schlimmsten Folgen führen, darum sei R. mit 3 Monate» Ge- fängnis zu bestrafen. Ohne Gewalt gehe cS bei der Räumung der Strassen nicht ab, da brauche man die Schutzleute, deren niemand sich annehme, nicht noch„Bluthunde" zu schimpfen.„Bluthunde" scheine jetzt das Schlagwort zu sein, mit dem man die Polizei treffen wolle.„Jagow und seine Bluthunde" habe sogar die Ueber- schrift eines Zeitungsartikels gelautet. Der Verteidiger begründete seinen Antrag auf Freisprechung mit der Unzuverlässigkeit von Schutzmannsaussagen, die zu verstehen sei aus der Erregung, von der bei solchen Vorgängen zu allererst die Polizei selber ergriffen werde. Mindestens seien 2 Monate Gefängnis eine viel zu hohe, unbegreiflich hohe Strafe für ein Wort, das nach den Vorgängen der letzten Zeit sich der Bevölkerung aufgedrängt habe und— wie auch der AmtLanwalt hervorgehoben habe— geradezu Schlagwort geworden sei. Solle hiergegen die Polizei geschützt werden, so müsse doch auch der Anspruch der Bevölkerung auf Schutz nicht auheracht gelassen werden sowie ihre berechtigte Erregung über solche Polizeiattacken. Das Urteil lautete auf 3 Wochen Gefängnis. Die Begründung hob hervor, wie anfrrizend es wirken müsse, wenn bor einer erregten Menge die Vertreter der Staatsgewalt als»Bluthunde" beschimvft werden. ** Sollen alle von Polizeibeamten am 0. März gegen die Wahl- rechtsdemonstranten begangenen Beleidigungen und sonstigen Per- fehlungen gegen die Ehre und Freiheit der Staatsbürger mit ähnlich ungerechtem Masse gemessen werden, wie hier vermeintliche, durch die Erregung über das Polizeivorgehen erklärliche Aeutze- rungen, die Zivilpersonen zur Last gelegt sind? Auf wie viele Jahre Gefängnis mühte dann erkannt iverden! Aber der Anklage- behörde liegt offensichtlich auf diesem Gebiet nichts an Verwirk- lichung der Gerechtigkeit, dem Messen mit gleichem Mass ohne Unterschied der Person lediglich nach Maßgabe der Tat, die de- gangen ist. Dadurch und nur dadurch ist auch ihr lebhafter Wider- spruch gegen die Aufhellung der Gesamtsituation durch objektive Zeugen begreiflich. Leider ist das Gericht diesem Widerwillen gegen die Ermittelung der Wahrheit gefolgt. In der Ablehnung der Beweiscmträge liegt eine schwere Beeinträchtigung des Rechts des Angeklagten, seines Rechts, dah die Sachlage vor Gericht objektiv ermittelt und beurteilt wird. Die völlig unzureichende Schilderung der Vorgänge am 6. März durch die Anklageschrist kann solche notwendige Unterlage eines gerechten Urteils ebenso wenig ersetzen, wie die Anklagerede des Assessors, die zur B e- lastung des Angeklagten auf dieselbe„erregte Situation" Bezug nahm, gegen deren Schilderung durch unabhängige uninteressierte Zeugen er sich mit Lebhaftigkeit und Erfolg gewendet hatte. Das Gericht folgte seinen Spuren und lieh als strafschärfend einen Umstand gelten, dessen Aufhellung durch zur Stelle gebrachte Zeugen es abgelehnt hatte. Geht es so weiter, so wird in immer weitere Kreise die Ueberzeugung dringen, dah die heutige Justizorganisation mit Notwendigkeit statt zu Gerechtigkeit zu Klassenjustiz führen muh. Die Strafart und Strafhöhe lassen erkennen, dah die Organe der Justiz nicht als objektive Richterin über strafbare Handlungen, sondern als leidenschaftliche Rächerin für die Treptower Polizei- blamage gewaltet hat. Geringer wird dadurch die Erbitterung Äber das Wahl- und Polizeiunrecht wahrlich nicht. 200 Soldafcnraißbandiungcn! Ein Soldatenmihhandlungsprozeh, der fast unglaubliche Soldaten- schindereien zutage sörderte, wurde dieser Tage bot dem Kriegsgericht in Dresden verhandelt. Wegen Mihhandlung, vor- schriftswidriger Behandlung und Beleidigung Untergebener in zu- sammen zirka 200 Fällen(man könnte eben so gnt auch sagen S00 oder 1000 Fällen, beim genau läßt sich das nicht feststellen) waren angeklagt der SergeautKasper. der Vizewachtmeister Schmidtchen, der Sergeant Mentschel und der Unter- offizier Gerlach, sämtlich vom Ulanen-Regimcnt Nr. 17 in Oschatz(Sachsen). Kasper, dem allein zirka 125 Fälle zur Last gelegt werden, beging in seiner Zelle durch Erhängen am Fenster- gittci Selbstmord. Er wurde jedoch abgeschnitten, und die Wieder« beleLungsversuche waren von Erfolg. Er ist wieder völlig hergestellt.' Die Angeklagten werden beschuldigt, sich in der Zeit von 1903 bis 1909 in fortge letzter und unerhörter Weise an Untergebene vergangen zu haben. So hat Kasper, der schon seit langem als Soldaten- sckiinder galt» die Soldaten beim Turnen, Reiten und Schießen ge- mißhandelt. Beim Zielen muhte stets ein R o h r st o ck vorhanden sein. Er hat damit nach Laune und Belieben aufdie Soldaten eingeschlagen, oft dermatzen, daß der Rohrstock in Stücke sprang!„Ich werde Euch schon noch klein kriegen!" drohte er. Auch die Peitsche gebrauchte er. Ein Ulan wurde von ihm derart mit Peitschenhieben traktiert, dah er drei Tage dienstunfähig war. Der Arm war dick angeschwollen und blutunterlaufen. Ein anderer erhielt mehrere Peitschenhiebe über die Hand, dah die Haut aufsprang. Die Wunden sind heute noch zu sehen. Mehrfach wurden die Leute in schmerzhafter Weise auf verschiedene besonders einpfindliche. Körperteile geschlagen. Auch an Schimpfworten fehlte es nicht. A a S und Haderlump waren beliebte Ausdrücke. Aus offener Strohe wurde ferner ein Ulan mit der Lanze über den Kopf geschlagen, dah das Blut unter der Mütze hervorlief! Dazu kamen allerlei StrafübungeN. Ost nluhten die Soldaten Kohlenkasten. Bänke usw. s o l a n g e st r e ck e n, bis sie vor Erschöpfung und Schmerzen zusammenbrachen. Auch der Angeklagte S ch m i d t ch e n hat in einer Unmenge von Fälle» mit der Springschnur auf Untergebene eingeschlagen und be- sonders mit großer Schlagfertigkeit Ohrfeigen ausgeteilt. Mehr- mals hat er Soldaten bis zur Erschöpfung Kniebeuge machen lassen l Ihm werden gegen zwanzig Fälle zur Last gelegt. � Der Angeklagte Mentschel hat ebenfalls oft mit der Peitsche auf Untergebene eingeschlagen und die Springschnur„tanzen" lassen. Nicht selten kam es vor. dah er Streckübungen mit Karabiner bis hundert, ja sogar bis dreihundert- mal ausführen lieh! Eine ganz eigenartig ausgewählte Methode im Mihhandeln hatte der Angeklagte Gerlach erfunden. Er liebte es, die Soldaten dermatzen in die Backen zu kneifen, dah diese tage- und wochenlang Schmerzen verspürten. Vielfach wurden auch die Unter- gebenen von ihm mit Fäusten bearbeitet und mit der Springschnur geschlagen. Außerdem nahmen sich diese Soldatenschinder verschiedentlich heraus, nach ihrem Belieben Strafen zu diktieren. Ein Ulan wurde zu 14 Tagen„Stubendienst" verurteilt. Der Angeklagte Kasper setzte sogar einmal selbständig Strafexerzieren an und behandelte dabei die Leute durchaus vorschriftswidrig. Einer der Soldaten wurde durch Ucbermüdung und Erschöpfung zur Gehorsams- Verweigerung getrieben I Er wurde gemeldet und vom Kriegsgericht mit einer exorbitanten Strafe be- l e g t I Doch brachte dieser Vorfall den Stein ins Rollen, denn der Soldat erklärte vor Gericht, daß Kasper die Soldaten mihhandle. Es wurde daraus eine Untersuchung eingeleitet, die von Tag zu Tag mehr Mihhandlung en zutage sörderte. Ein großer Teil der Soldaten rückte aber zugunsten der Soldatenschinder während der Untersuchung zunächst nicht mit der Wahrheit heraus I„Wir sollten nichts sagen" erklärten sie später. Eine bestimmte Zahl der an ihnen begangenen Mihhandlungen vermochten die Soldaten nicht anzugeben; die meisten sagten nur aus „mehrmals" oder wenigstens 2— 3mal geschlagen worden zu sein. Fast alle erklärten aber, dah sehr oft Mihhandlungen vorgekommen seien. Auf die einzelnen Fälle könnten sie sich nicht besinnen. Die Angeklagten gaben sämtlich einen Teil der Mihhandlungen zu, ent- schuldigten sich aber mit der„mangelhaften Beaufsichtigung". „Ein Leutnant war zwar zur Beaufsichtigung befohlen, aber nie dal" erklärte einer der Angeklagten. Weiter bezeichneten sie die Mihhandlungen als einen Akt der— Selbsthilfel Sie hätten dazu gegriffen, da die Soldaten auf ihre Meldung hin fast nie bestraft worden seien.«Wenn Aufsicht dagewesen wäre, dann wäre eZ nicht so weit gekommen", meinte Kasper. Es ist deshalb auch gegen einige Offiziere eine Untersuchung eingeleitet, so dah der Prozeh noch weitere Kreise ziehen wird. Der Anklagevertreter führte aus: Die Verhandlung habe ein bedauerliches Bild entrollt, wie es nicht mehr vorkommen dürfe. Wenn solche Mihhandlungen passierten, dann sei es kein Wunder, dah die Soldaten verbittert würden. Kricgervereinler würden diese Soldaten sicher nicht. Durch derartige Mihhandlungen würde die Dienstfreudigkeit nicht gehoben, sondern zur Gehorsams- Verweigerung provoziert. Oft seien Selbstmorde die Folge. Nach diesen grohen Worten überraschte es um so mehr, dah der Anklagevertreter auffallend gelinde Strafen bean- t r a g t e. Gegen den Hauptschuldigen Kasper beantragte er nur acht Monate Gefängnis! Das Urteil lautete bei Kasper auf nenn Monate Gefängnis und Degradation; bei Schmidtchen auf— fünf Wochen gelindrn Arrest; bei Mentschel auf— sechs Wochen gelinden Arrest; bei Gerlach auf—- sechs Wochen mittlere» Arrest! Z politifcbe öchcrHcbt* Berlin, den 22. März 1910. Wahlrechtsvorlage und Herrenhaus. Der„Rhein.-Westf. Ztg." wird von angeblich„einflußreicher. wohlunterrichteter Seite" über die voraussichtliche Be- Handlung der Wahlrechtsvorlage im preußischen Herrenhause berichtet:' „In den Kreisen der Mitglieder des Herrenhauses sieht man der kommenden Beratung über die Wahlrechtsvorlage mit be- rechtigter Sorge entgegen. Geschäftlich dürfte sich die nächste Zeit etwa folgendermahen gestalten: Am 15. April erfolgt der Zu- sammenlritt, dem sich am IS. die erste Beratung und die Wahl eines Ausschusses anfchliehen wird, falls nicht die am 12. von frei- konservativer Seite zu erwartenden Abänderungsvorschläge im Abgcordnetenhause Gehör und Annahme finden und dadurch das ganze Programm umgestohen wird. Der Ausschuß wird au-Z 20 Mitgliedern bestehen, von denen 12 der konservativen Partei, 8 den übrigen Fraktionen angehören. Rechnet man für den Zu- sammentritt dieser Herren den 13. oder 19. und eine Beratungszeit von drei Tagen, 19.— 21., so dürste der Bericht, zu dessen Fertig- stellung 2—3 Tage notwendig find, etwa am 23. April den Herren- hauSmitgliedern zugehen, in deren Händen er etwa eine Woche verbleibt. Man kann also annehmen, dah die entscheidende Sitzung am 3. Mai stattfinden wird, da der 1. Mai Sonntag ist und eine Zusammenkunft am Montag nicht stattfinden soll. Die vorläufige Be- ratung, die zwischen eüizelnen Mitgliedern des Herrenhauses bis jetzt gevflogen worden sind, haben zu irgend einem Ergebnis noch nicht geführt, vielmehr nur gezeigt, dah die Lage noch ganz un- geklärt ist. Ganz besonders ist es die geheime Wahl, die von einem grohen Teil des Herrenhauses als am schwersten gegen die bisherigen Anschauungen verstohend, bezeichnet wird. Von vcr- schiedenen sehr angesehenen einflnhreichen Mitgliedern wird die Taktik der Konservativen in der letzten Zeit als nicht besonders glücklich bezeichnet. Im großen ganzen herrscht aber der WUlr, die Borlage» wenn auch mit einige« Abänderungen, zu verabschieden, da ein Unter« den« Tisch- Fallenlassen des Kompromihgesetzes nur neue Kämpfe auslösen würde und man der Ansicht ist, dah das Land von seinen innerpolitischen Wirren unter allen Umständen befreit werden muh." Die weisen Herrenhäusler irren sich gründlich, wenn sie meinen, durch Annahme des ihnen aus dem Abgeordneten- hause zugegangenen traurigen Machwerks das Land von seinen„innerpolitischen Wirren" befreien zu können. Die Agitation gegen das die arbeitenden Klassen schmählich ent- rechtende Privilegienwahlgesetz wird vielmehr dann erst eigent- lich beginnen— und zwar mit schärferen Mitteln als bisher._ Das böse Gewissen der Wahlrechtsmeuchler. Wie unangenehm dem Zentrum die Entlarvimg und Brand- markung seiner schamlosen Wahlrechtspolitik ist, beweisen die krampf- haften Versuche der ZentrumSpresse, die infamen Verrätereien des Zentrums zu beschönigen. Um das Mah seiner Schamlosigkeiten voll zu machen, hat sich das Zentrum nicht entblödet, im Verlaufe der Wahlrcchtsdebalteu durch Stimmen für einen Schluhanrrag den sozialdemokratischen Rednern mehrere Male bei den wichtigsten Fragen das Wort abzuschneiden. Die„Germania" sucht die Zentrumsfraktion nun folgendermahen herauszuhauen: „Bei der Beratung der Wahlrechtsvorlage im Hause der Ab- geordneten haben sich Vertreter der Sozialdemokraten wiederholt darüber beschwert, dah sie nicht genug zum Worte verstattet seien; die sozialdemokratisckie Presse hat verswiedenilich in diese Klage eingestimmt. Wie sieht es denn in Wahrheit mit dieser Be- haiiptung auS? Wir haben uns darauf die stenographischen Be- richte des Abgeordnetenhauses über die Sitzungen vom 18.. 19. und 29. Februar, an denen die erste Lesung stattfand, sowie vom 11., 12., 14. und 13. März, an denen die zweite und dritte Lesung geschah. näher angesehen und müssen danach folgendes feststellen: Von den Sozialdemokraten haben das Wort gehabt Borgmann einmal, Hirsch zweimal, L e i n e r t dreimal, Liebknecht zweimal, Ströbel fünfmal. Im ganzen haben somit die Sozialdemokraten dreizehnmal geredel, wobei die persön- lichcn Bemerkungen oder solche zur Geschäfisordnung nicht mitgerechnet sind. Dah sie hiermit in genügender Weise zum Worte gekommen find, ergibt sich schon daraus. dah die mehr wie zwanzigmal so starke Zentrums- Partei nur zwölfmal durch verschiedene ihrer Mitglieder das Wort hat nehmen lassen. Noch mehr tritt die Unrichtigkeit der Klage der Sozialdemokraten in die Erscheinung, wenn die Länge der Reden der Sozialdemokraten in Betracht gezogen wird. Die sämtlichen Reden der Abgeordneten zur Wahlrechtsvorlage nehmen in den stenographischen Berichten 568 Halbseiten(Folien- format) ein, wovon allein auf die Reden der Sozialdemokraten 111�4 Seiten entfallen. Wenn man bedenkt, dah zur Partei der Sozialdemokraten von den 443 Abgeordneten nur fünf Mit- glieder gehören, so kann kein Zweifel darüber aufkommen, dah alle Klagen über Verkürzung der Redefreiheit gänzlich un- begründet sind." Die Behauptungen der„Germania" sind nicht einmal richtig. So hat Genosse Ströbel nur viermal das Wort ergriffen; die fünfte Rede hat das Zentrumsblatt einfach hinzu— erfunden. Und dem Genossen Leinert wird eine ganz kurze Erklärung von drei Sätzen als Rede angerechnet, ebenso dem Genossen Hirsch eine Bemerkung von einem einzigen Satze I Aber davon ganz abgesehen! Die Sozialdemokratie ist ihrer Wählerzahl nach weitaus die stärkste aller Parteien in der preuhischen Duma, sie hätte also alles Recht darauf, in einer Frage auSgiebig zum Worte zu kommen, die für ihre Wähler, wie für die entrechteten Volksmassen überhaupt von der ungeheuersten Bedeutung ist! Und wenn das Zentrum bei den Verhandlungen so grohe Ent- haltsamkeit im Reden geübt hat, so geschah daS, um die VerHand- langen über die Wahlrechtsvorlage so rasch als möglich zu Ende zu bringen, damit nur ja der infame ultramontane Wahlrechtsverrat nicht am Ende durchkreuzt werde! Und damit auch nicht etwa die Sozialdemokratie durch aufpeitschende Anklagen den niederträchtigen ultramontan» konservativen Schacher gefährdete, wurde ihr vom schwarzblauen Block gegen das Wahlrecht in brutalster Weise einfach das Wort ab- geschnitten I_ Wie das Zentrum das Wahlrecht verschacherte! In der Provinzialversammlung des Bundes der Landwirte in Westfalen verbreitete sich der konservative Landtags- abgeordnete G e s ch e r, der auch Mitglied der Wahlrechts- kommission war. in sehr interessanter Weise über den Wahl- rechtsschacher des Zentrums. Ueber die Verhandlungen in der Kommission sagte er: „Das geheime Wahlrecht wurde a n g e n 0 m m e n. In diesem Stadium der Sache machte uns das Zentrum folgenden Vorschlag: Mit der geheimen Wahl sind Sie unterlegen, aber eS ist uns sehr darum zu tun.daßSiemitunS gehen, da wollen wir eine Konzession machen, wenn Sie dann später bei der Gesamtabstimmung für uns stimmen. Und zwar bot uns das Zentrum das indirekte Wahlrecht, die Wahlmänner an, die die Regierungsvorlage nicht hatte. Da lag unS außerordentlich viel daran, dah wir die Wahl männer im Gesetz behielten. Das ist ein Punkt, der vor dem Lande klar zu stellen ist. Wir haben auf das Kompromiß unS eingelassen, als das geheime Wahlrecht uns aufgezwungen worden war. So lange wir die Wahl hatten, ob geheimes Wahlrecht oder nicht, sagten wir, unter allen Um- ständen wollen wir das geheime Wahlrecht nicht haben. Als aber entschieden war, wir bekommen das geheime Wahlrecht, da war es für uns von großem Gewicht, daß uns die Wahlmänner erhalten blieben. Das sind meistens besonnene, angeschene Männer in der Gemeinde. Die Wahlmänner sind die eigentlichen Pfeiler des politischen Lebens auf dem Lande.(Sehr wahr I) Wenn direkt Abgeordnete gewählt werden, so sieht man, daß sofort eine wilde Agitation losgeht. Wenn aber Wahlmänner gewählt werden, dann wählt der Wähler den Mann seines Vertrauens, den Nachbar, der Ver- dienste um die Gemeinde hat. Bei diesen Wahlmännern ist die Agitation, wie sie namentlich von sozialdemokra- t i s ch e r Seite getrieben wird, nicht angebracht, sie hören nicht darauf." Also auch Herr Gescher bestätigt dem Zentrum die großen Verdienste, die es sich durch die Preisgabe der direkten Wahl um die Konservativen erworben hat! Der Entwurf des Reisekostengesetzes wird vom Abgeordnetenhause erst im April, vom Herrenhause erst im Mai vcravschiedet werden können. Es ist deshalb beabsichtigt, die Neuregelung des RcisekostenwesenS in Preußen erst am 1. Juli in Kraft treten zu lassen. Auch für das Reich wird die Neuregelung durch kaiserliche Verordnung erst zu diesem Termin erfolgen, da beide Tarife übereinstimmen sollen. Schutz gegen Schutzleute! Je mehr der Ruf nach Schutz gegen die Schutzleute ertönt, desto mehr Mühe geben sich die Hüter der öffentlichen Ordnung, den Be- weis für die Berechtigung dieses Notschreies zu erbringen. Ganz besonders schlimm bestellt mit der polizeilichen Willkür muß es im rheinisch-westfälischen Industriegebiete sein, denn die von dort be- richteten»Fälle" häufen sich zusehends. So wurde am IS. d. M. wieder vor der Strafkammer in Duisburg gegen zwei Polizei- beamte verhandelt, die ohne irgendwelchen Schein von Recht einen Bürger in seiner Wohnung aufgesucht und ihn dort derart mit der Waffe verhauen haben, daß der Mann vier Wochen im Krankenhause zubringen mußte! Die beiden Polizeibeamten Kröppen und N o l t i n g aus Msum, dem—„berühmten- Jnspektionsbezirke Hamborn zu- gehörend, befanden sich eines TageS in einer Kneipe, als dort erzählt wurde, ein gewisser Schmicdemeistcr Diergard— der «ster einen über den Durst trinkt— sei wieder betrunken und schlage in seiner Wohnung alles entzwei. In Wirklichkeit hatte der schon ältere ivtann aber nur eine häusliche Szene gehabt, weil ihm angeblich seine Frau 5 M. weggenommen hatte. Bei dem nicht gerade sanften Nachsuchen in einem Schranke waren eine Kaffee- kanne und ein Topf mit Gebäck in Scherben gegangen. Das war alles. Das ging aber die Polizeibeamten nichts an. Trotzdem gingen beide auf Grund des Wirtshausgesprächs nach der Wohnung des Diergard. der sich längst wieder beruhigt hatte und in der Wohnung eines Mitbewohners seines Hauses war, als die Polizei- beamten Einlaß verlangten. Kaum hatte Diergard geöffnet, so er- hielt er von den behelmten Ordnungshütern Faust schlüge ins Gesicht! Dann wurde er von den beiden Polizisten in seine Küche gedrängt, und nun ging es mit dem Säbel drauf. Alles das geschah ohne irgendwelche vorherige Auseinander- setzung, ohne irgendwelchen Streit. Dann, als der Mann in der Küche der Hiebe genug erhalten hatte, nötigten ihn die beiden Polizeibeamten, sich ins Bette zu legen. Diergard kam dem auch nach. Kaum aber lag der Mann zu Bett, dann wurde er a u f ö neue verprügelt, so daß er laut schrie:.Wenn Ihr noch nicht aushören wollt, so schlagt mich nur gleich tot". Pier Wochen mußte daS Opfer polizeilicher Brutalität im Krankenhause liegen, llnd für dieses jeden Schein eines Rechtes entbehrende Verfahren, für diese viehische Roheit in der Polizei- uniform beantragte der Staatsanwalt, der selbst zugeben mußte, daß die Rohlinge sich nicht als Polizeibeamte qualifizierten, je— einen Monat Gefönguis! Und das Gericht erkannte demgemäß. O, Preußen, du herrlicher Kulturstaati Heranzüchtung neuer Marinesachverständiger. Der natioualliberale Abgeordnete Dr. Görcke(Oberlehrer in Brandenburg) und der Zentrumsabgeordnete Nacken(Kaufmann in Eichweiler) erhielten, wie die»Köln. Ztg." meldet, vom Reichs- marineamt Einladungen, als Gäste der Reichsmarine im Herbst eine Reise nach Kiautschou zur Kenntnisnahme der dortigen Wer- hältniffe zu unternehmen. Auf der Rückreise sollen die Betriebe in Port Arthur, Hongkong und Batavia besichtigt werden. Den beiden Herren wird ein Marineattachö zugeteilt werden. Voraussichtlich werden sich die beiden Herren auf ihrer Spritz- fahrt— vorausgesetzt, daß sie nicht durch die Seekrankheit zu hart mitgenommen werden— durch die Unterweisung ihres Marine- attackös zu gründlichen Marinesachverständigen entwickeln, die nach- her im Reichstag stets alle Marineforderungen für ganz berechtigt und durchaus nötig finden._ Konservative und Nationalliberale. Einen weiteren Vorstoß ins Herz des Industriegebiets machten Montagabend die Konservativen. In Essen hielten sie eine Ber- fammluna ab, in de» vier Stunden lang die Abgeordneten Strosser, Meher-Tsisit und Diederich Hahn über die Politik der Konservativen redeten. In scharfer Weise wurden die Nationalliberalen her- genommen wegen ihres Verhaltens zur Finanzrefvrm und zur Wahlrechisfrage. Diederich Hahn kündigte an. daß im Industrie- gebiet möglichst diel konservalive Vereine gegründet werden sollen, um den Linksabmarsch der Nationalliberalen zu hemmen und dieser und jeder weiteren Demokratisierung der politischen Einrichtungen PreußenS entgegenzuwirken._ Die Frankfurter Genoffei: gegen de« Etat. Frankfurt a. M., 22. März.(Privatdepefche des„Vorwärts-.) Bei der in der heutigen Stadtverordnetensitzung erfolgten Schluß- a b st i m m u n g zum Etat lehnte die sozialdemo- kratische Fraktion— im Gegensatz zum Vorjahre— den Etat ab. In der Begründung wurde mit ausgeführt, daß bei der Steuerregelung nach dem Grundsatz: Schonung nach oben und Bc- lastung nach unten verfahren und der sozialdemokratische Antrag auf Abschaffung der Gebühren abgelehnt worden sei. ES wurde femer auch auf daS Verhallen des Magistrats in der preußischen Wahl- rechtsfrage und die Begründung der Interpellation über daS Wer- halten der Polizei bei den Straßendemonstrationen hingewiesen. Lehrcrmangel im Osten. Die Regierung in Posen hat wiederum eine Anzahl Lehrerstellen für die Regierungsbezirke Posen und Blomberg ausgeschrieben, darunter fünfzehn katholisch? und zwei evangelische Stellen. Trotz all der Liebesmüh, die die Regierung für ihr« GermanisierungSzwecke aufwendet, wollen die Lehrer nickt anbeißen. Die heilige Disziplin. Vor dem Oberkriegsgericht des vierten Armeekorps hatte sich der Berliner Rechtskonsulent Coslowski. der in der Reserve steht, wegen Ungehorsams, Beleidigung und AchtungSverletznng zu verantworten. Coslowski wurde im August v. I. zn einer Reserveiibung eingezogen. Gelegentlich einer Stiefelrevision warf der Unteroffizier B r e h m e r sämtliche Gegenstände, die auf einem Tisch standen, herunter.. Nachdem der Unteroffizier die Stube verlassen hatte, äußerte der Angeklagte anderen Kameraden gegenüber, er werde nach seiner Entlassung dem„Vorwärts- von der sonderbaren Behandlung, der die Reservisten ausgesetzt sind. Mitteilung machen. An einem Manövertage suchte der Angeklagte längere Zeit nach seinem Ouartier. Unterwegs begegnete er dem Unterosfizier Brehnier. Auf die Frage nach dem Ouartier, herrschte ihn der Borgesetzte an, er möge erst die Knochen zusammennehmen, wenn er mit ihm spreche. Dies gab dem Angeklagten Veranlassung, dem Unteroffizier folgendes zu antworten:„Wie können Sie einem der- heirateren Manne so etwas zumuten, Sie dummes Luder! Sie baben wohl noch keine Backpfeife von einem echten Berliner be- kommen? Ich werde Sie in den Druck bringen, daß Sie nicht wiffen sollen, wo Sie hingehören. Wundern Sie sich nicht, wenn einmal von„oben- etwa? herunterkommt I- Jn der Verhandlung wurde festgestellt, daß die eigenartige Haltung des Unteroffiziers dem Angeklagten gegenüber darauf zurückzuführen sei, daß der Unteroffizier„die Berliner gefressen habe-, ivie er sich einmal beim Kaffee auszudrücken beliebte. Auch der VerhandluugSIeiter meinte, man finde eL häufig, daß die Berliner beim Militär nicht sehr beliebt sind. Der Angeklagte wurde zu einer Gesamtstrafe von einem Jahr Gefängnis verurteilt._ Oeltevreick(lngarn. Wahlrechtsdemonstrationen und Polizeiattacke«. Budapest, 21. März. Die Sozialisten hielten heute abend mehrere große Volksversammlungen für daSallge- meine Wahlrecht ab. Daran schlössen sich Straßen- demonstraiionen, gegen die die Polizei mit blanker Waffe vorging. 28 Personen wurden verletzt, 12 verhaftet.! Der Parlameutsskaudal. Budapest, 22. März. Der Reichstag ist hellte mit einer Thronrede geschlossen worden. Der Regierung muffen die Gewalttätigkeiten gegen die Minister sehr gelegen kommen. Mit der Entrüstung, die die Vor- fälle hervorrufen und die von der Regierungspresse natürlich tüchtig geschürt wird, wird sie bei den Neuwahlen politische Geschäfte machen. Zugleich gibt ihr ein schnell eingeleitetes Strafverfahren gegen die Verüber der Geivalttätigkeiten die Möglichkeit, mehrere oppo- silionelle Politiker während der Wahlkampagne unschädlich zu machen. Die Beschuldigten sollen nämlich schleunigst verhaftet werden. Die Immunität der Abgeordneten erlischt mit der Auflösung und steht dem Verfahren also nichts>nehr im Wege. Die Anklage soll aufs ganze gehen, sie wird auf Gewalttätigkeit gegen Staatsbehörden und schwere Körperverletzung lauten.— Die Wunden der Minister sind leichter Natur. Der Kaiser hat sein Beileid ausgesprochen und eine Bürgerversammlung soll ihnen in den nächsten Tagen einen Fackelzug bringen. Zur Hofrichter-Affäre. Wegen einer konfiszierten Broschüre über den Fall H o f r i ch t e r hatte sich am Montag der Genosse Max Winter, Redakteur der„Wiener Arbeiterzeitung", vor dem Gericht in Wien zu verantworten. Er wurde wegen Veröffentlichung von Tatsachen aus einer schwebenden gerichtlichen Untersuchung zu 2vllKtonen Geld st rase verurteilt. england. Die Aktion gegen daS Oberhaus. London, 22. März. Die Resolutionen in Sachen der O b e r h a u S f r a g e, die Ministerpräsident A s q u i t h im Unterhause einbringen wird, haben folgenden Wortlaut: 1. Es ist rätlich, daß das Oberhaus durch Gesetz für un- fähig erklärt wird, das Budget abzulehnen oder mit Zusätzen zu versehen, doch darf eine solche Ve- schränkrag der Rechte des Oberhauses nicht zum Vorwande dafür genommen werden, nun auch die bestehenden Rechte oder Privilegien deS Unterhauses zu vermindern oder zu beschränken. 2. Es ist ratlich, die Befugnisse des Oberhauses bezüglich anderer Vorlagen so zu beschränken, daß jede Vorlage auch ohne Zustimmung der LordS Gesetz wird, die in drei aufeinander folgenden Sessionen im Unterhause angenommen und dem Ober- Hause wenigstens einen Monat vor SessionSschluh zugesandt worden ist, unter der Voraussetzung, daß sie die königliche Sanktionierung erhalten hat und daß zwischen dem Tage ihrer ersten Einbringung im Unterhause und dem Tage ihrer dritten Annahme in diesem Hause lvenigstens zwei Jahre verstrichen sind. 3. ES ist rätlich, die Dauer eines Parlaments auf fünf Jahre zu beschränken. Gleichzeitig mit dieser Nachricht kommt eine Meldung deS „Daily Chronicle-, wonach eine Vereinbarung zwischen der Regierung und den irischen Partei- f ü h r e r n zustande gekommen ist. Der Schatzkanzler Lloyd George und der erste liberale Einpeitscher halten danach nachts eine zweistündige Besprechung mit den Nanonallsten R e d m o n d und D i l l o n, die dazu führte, daß für die Dauer des Parlaments ein völliges Zusammengehen der Iren und Liberalen verabredet wurde. Damit wäre die Annahme deS Budgets im Unterhause gesichert. Die Stellung des Kabinetts hätte sich demnach sehr gefestigt. Wahrscheinlich ist die Hilfe der Iren durch feste Versprechungen für den Kampf gegen das Oberhaus, der den Iren wegen HomeruleS vor allen, am Herzen liegt, erlangt worden. Uebrigens hat die Regierung ihre FinänzpoMik bereits auf die Eventualität ihres Sturzes eingerichtet. Unser Londoner Korrespon- den! schrieb uns darüber vor diesen letzten Meldungen: Dem Drucke ihrer Partei nachgebend, hat die Regierung beschlossen, die StaatSfinanzen nach altem englischen Gebrauch zur Waffe im Kampfe um die Oberherrschaft des Unterhauses zu machen. Die Nichterledigung des alten Etats hat bereits zu einer Mindereinnahme von rund 25 Millionen Pfund Sterling (500 Millionen Mark) geführt. Die Regierung will und kann die Einkommensteuerpflichtigen zur Zahlung nicht zwingen. Sie mutz sich deshalb zur Deckung der notwendigen Ausgaben mit kurz- fristigen Anleihen begnügen, für die selbstrsdend Zinsen gezahlt werden müssen, also das Defizit noch vergrößern. Dann hat die Regierung— entgegen dem in den letzten fünf- zehn Jahren herrschenden Gebrauch— beschloffen, die Geldbowilli» gung für den Staatsdienst(einschließlich der Alterspensionen) nur bis Mitte Ria» zu verlangen, anstatt auf fünf Monate, wie dies seit dem Jahre 1896 geschehen war. Es ist klar, daß, je kürzer die Fristen sind, für die die nötigen Gelder bewilligt werden, desto öfter muß die Regierung sich an das Unterhaus um Lupplx (Geldmittels wenden, und je öfter dies geschieht, desto abhängiger wird die Regierung vom Parlament. Der Parlamentarismus geivinnt dadurch an Macht. Die Maßregel der Regierung hat indes noch eine andere Be- deutung. Am 29. März kommen die Resolutionen über das V e t o der Lords zur Beratung. Das Unterhaus wird sie selbst- redend annehmen. Dann werden sie nach dem Oberhaus geschickt, wo ihr Schicksal um Mitte Mai entschieden sein muß. Werden die Resolutionen von den Lords verworfen, so tritt die Re- gierung zurück, wenn sie vom König keine Garan- tien erhalten kaum Der Rücktritt der Regierung bedeutet aber nicht immer eine Parlamentsauflösung; denn die Opposition könnte ans Ruder kommen, wenn sie numerisch stark ist und auf eine Mehrheit rechnen kann. Diese Eventualität wird jetzt von den Liberalen in Rechnung gezogen. Die Regierung sagt sich: Wenn wir die Geldmittel für den Staatsdienst bis zum Herbst schaffen, so geben wir der Opposition die Möglichkeit, an unsere Stelle zu treten, wenn wir demissionieren. Sind aber Geldmittel nur bis Mitte Mai vorhanden, so kann die Opposition die Regie. rung nicht übernehmen, ohne sofort das Unterhaus um Luppty ersuchen zu müssen. Und für eine sofortige Erfüllung der Wünsche einer konservativen Regierung gibt es im Unterhause keine Mehr- heit. Die Konservativen werden also um die Mitte Mai nicht im- stände sein, die Regierung zu übernehmen, dafür aber werden die Liberalen ein Pressionsmittel gegen LordS jntd Krone besitzen. fitinland. Zur politische» Lage. Aus HelnugforS wird uns geschrieben: Die finnische Volks- Vertretung, die am 1. März zusammengetreten ist, erhofft von ihrer parlamentarischen Tätigkeit keine ersprießlichen Resultate; denn es ist wirklich Sisyphusarbeit, die hier geleistet wird. Man kann ja im finnischen Landtag mit ernster Mühe die weitgehendsten Gesetzesprojekte ausarbeiten, man kann die glücklichste Lösung für manch verwickelte sozialpolitische Frage des Landes finden, aber was hilft das alles, wenn die Beschlüsse des Landtages keine gesetzliche Kraft er- langen können! Dazu bedarf es der Sanktion des russischen Kaisers und diese wird jetzt allen mehr oder minder wichtigen Beschlüssen des sinnischen Landtags hartnäckig verweigert. So wandern alle hier durchberatenen Reformprojekte(wie zum Bei- spiel da? Arbeiterjchutzgesetz, das kommunale Wahlgesetz usw.). in den Papierkorb deS russischen Ministerrats, denn, wenn Rußland' selbst keine„Reformen" durchführen kann, warum sollte man es denn dem finnischen Landtag erlauben? Und bei der jetzigen Lage, wo noch immer die Reaktion in Rußland triumphiert, ist weder das finnische Volk, noch die finnische Volksvertretung im- stände, die verlangten Reformen der russischen Regierung abl zutrotzen. Denn auch das Budgetrecht des finnischen Landtags ist äußerst beschränkt und über die Staatsfonds kann der russisch» finnische Senat nach seinem Ermessen verfügen. So kann maff wohl verstehen, daß im jetzigen Moment weite Volksschichten voit tiefgehender Erbitterung ergriffen sind... Vorläufig ist hier noch alles still und sowohl die russische Re» gierung als das finnische Volk stehen Gewehr bei Fuß. Dep Gouverneur Sehn hat einsehen müssen, daß mit den abgesandten Kosakenregimentern allein sich nichts anfangen läßt und daß da� finnische Proletariat es den russischen Machthabern überläßt, zu» erst die Schietzwaffen loszudrücken. Wie jeder russische Staatsl mann hat dann auch Seyn mit der Verstärkung der Spionage angefangen, aber auch für die russischen agents provocsteurs ist Finnland kein ergiebiges Terrain. Nun will man die wichtigsten Posten der Administration und Polizei mit cchtrujsischen Lcuteis besetzen. Die Meergreise des russisch-finnischen Senats sitzen ganz ratlos da: Finnland läßt sich nicht wie eine russische Provinz verwalten, von den wirtschaftlichen und rechtlichen Verhältnissen Finnlands haben die meisten ausgediente� Generäle nur eine blaffe Ahnung und am liebsten möchteil sie nach Rußland zurück, wo man lvenigstens in seine in Amte stehlen kann. So vergingen mehrere Monate auf der Suche nach finnischen Senatskandidaten, bis man zwei altfinnische Streber, Sarinkoski und Rainesalo auftrieb, die sich bereit er-, klärten, die Leitung einzelner Ressorts zu übernehmen. Unter- dessen dauern in Petersburg die Beratungen über den reaktionären Feldzug gegen Finnlands Rechte fort: man erwartet hier, daß Stolypin mit einer neuen Militärvorlage kommt und daß dam; die Existenzfrage der finnischen Konstitution zur Entscheidung kommt. Jedenfalls werden die nächsten Wochen uns darüber Auf» klärung bringen. Grieckenland. Die Bauernbewegnug. Athen, 22. März. Aus Larissa wird gemeldet, daß die gestern in Thessalien abgehaltenen Versammlungen ohne Ruhe? it'.örungen verlaufen seien. In der Nähe von Pharsala sind einige Strohmietcn in Brand gesteckt worden. Truppenverstärkungen sind dorthin abgegangen. Der Zugverkehr erleidet leine Unter- brechungen._ Athen, 21. März. Die Deputiertenkammer verhandelte heute über die Interpellationen betreffend die Ereignisse in Thessalien. Ministerpräsident Dragumis setzte die Umstände aus-! einander, durch die die Truppen veranlaßt wurden, gegen die auf- rührerischen Bauern von ihren Waffen Gebrauch zu machen.! Rallis und Theotokis billigten die Haltung der Re« g i e r u n g. DraguimS erklärte im weiteren Verlauf der Sitzung, daß die Regierung entschlossen sei, gegen die Urheber der Unruhen, wer sie auch seien, mit Strenge bor» zugehen.(Beifall.) Die Kammer ging alsdann zur Tages- ordnung über. Klmmka. Korruption. Pittsburg, 22. März. Die Großjury hat gegen fünfzig teils gegenwärtig im Amte befindliche, teils ehemalige Mitglieder oes Magistrats Anklage wegen Bestechlichkeit er» hoben._ Mus der frauenbewegung* Die Frauen in der Berliner Industrie. Der weitaus größte Teil der in der Berliner Industrie beschäftigten Frauen entfällt auf die Bekleidungsindustrie, aber auch im Holz-, Bietall-, Transport- und Buchbindergewerbe ist die weib- liche Arbeitskraft stark vertreten. Von den im Jahre 1909 in der Berliner Metallindustrie beschäftigten rund 25 000 Arbeiterinnen ge« hörten 4222 dem Deutschen Metallarbeiterverbande an, für welche der Verband an Arbeitslosenunterstützung 5470 M. und an Krankenunterstützung 15 839 M. verausgabte. Im Transportarbeiter« verbände find von den Tausenden von Hilfsarbeitcrinnen deS zu- ständigen Gewerbes 1490 organisiert; davon entfallen allein auf die Zeitungsträgerinnen 880 Mitglieder. An Krankenunterstützung zahlte der Verband an seine weiblichen Mitglieder im vierten Quartal deS vorigen Jahres 651,80 M. Der Wochenlohn betrug bei den in der Mineralwasserbranche tätigen Arbeiterinnen 12. 13 und 15 M. Auch in der Buch- und Papierindustrie stellen die Frauen ein sehr großes Kontingent. Von den in der Buchbinderbrauche tätigen 7000 weib- lichen Personen waren am Schlüsse des vergangenen Jahres 5833 organisiert, 3337 davon im Deutschen Buchbindervcrband. An Arbeits« losemmterstützung zahlte der Verband an seine weiblichen Mitglieder 18 822 M.. an Krankeiiuntcrstüyung 11 1g7M. In der Holzindustrie ist die Zahl der Frauen nicht so groß, immerhin sind auch hier mehrere Tausende, im Holzarbeitcrverband 252. Nach einer statistischen Auf- »ahme über die hier gezahlten Löhne— vom Verband im letzten Herbst veranstaltet,— die sich auf 982 Frauen in 630 Betrieben erstreckte, wurde in den Pianofabriken ein Durchschnittsivochenlohn von 13,32 M. gezahlt, in den Kammfabriken 12,24 M., in den Tischlereien 14,84 M. und in den Bürstenmachereien 14,97 M. Obwohl die Organisationen im letzten Jahre ihren weiblichen Mit- gliederbestand wesentlich erhöht haben, sind die Frauen im Vor- hältnis zu der Anzahl der beschäftigten Personen immer noch sehr scklecht organisiert. Die Aufwendungen für Krankheit und Arbeits- lostgkeit dagegen beanspruchen erhebliche Summen. Auf dem Gebiete der gewerkschaftlichen Frauenorganisation harrt den Zentralverbänden noch eine enorme Arbeit._ Der erste weibliche sozialdemokratische Stadtverordnete in Schweden.j Bei de» Stadtverordnetenwahlen im 4. und 5. Wahlkreise Stock- Holms, die in der vorigen Woche stattfanden, hat die Sozialdemokratie 49 376 Slimmen erhalten. Gewählt sind in diesen beiden Kreisen 4 Sozialdemokraten, 4 Freisinnige und 10 Konservative. Unter den Sozialdemokraten ist eine Genossin. Fräulein Gertrud M a n s s o n, die erste Frau, die in Schweden für das Amt eines Stadtverordneten gewählt ivordcn ist. Es war den bürgerlichen Parteien nun, nachdem die Frauen in Schweden für die Stadtverordneten- Wahlen neben dem aktiven auch das passive Wahlrecht erhalten hatten, möglich, Frauen in das Stadtparlament hineinzubringen, und es fehlte ihnen auch nicht an solchen Frauen, die das Amt mindestens so gut ausüben könnten wie die männlichen Vertreter dieser Parteien. Aber die bürgerlichen Herren haben ans ihren Kandidatenlisten den paar weiblichen Namen so niedrige Plätze angewiesen, daß, soweit biö jetzt die Wahlergebnisse vorliegen, von ihren Damen nicht eine einzige gewühlt ist. Unsere Parteigenossin Gertrud Mansson ist schon seit Jahren als Vorstandsmitglied in der Armenpflege sowie in anderen städtischen Ehrenämtern tätig, hat sich einen Schatz von praktischer Erfahrung und theorettscher Bildung erworben und sich durch ihre stille, emsige Arbeit im Dienste der Partei und des Gemeinwesens allgemeine Allerkennung verschafft. Sie wird lvahrscheinlich, bis in, nächsten Jahre die andere Hälfte der hundert Stadtverordneten Stockholms neugewählt wird, die einzige Frau bleiben, die in der Hauptstadt dieses Amt bekleidet. Im ganzen sind, soweit die Ergebnisse der Wahlen bis jetzt vorliegen, 12 Sozialdemokraten, statt bisher 2, gewählt, ferner 10 Liberale und 20 Konservative. GewcrfcrcbaftUchee* Partei- und Gcwerhlchaf tsgcnolTen! Zu Ostern beenden wieder Tausende von Handlungs- k«hrlingen ihre Lehrzeit und viele junge Mädchen treten als jugendliche Angestellte in kaufmännische Geschäfte ein. Da ist es Zeit, dafür zu sorgen, dah diese jungen Leute nicht jenen kauf- männischen Vereinen zum Opfer fallen, von deren Anhängern die gewerkschaftlich organisierte Arbeiterschaft ständig bekämpft und beschimpft wird. Heute kann man leider immer noch sehr oft be- vbachten, daß auch Arbeitersöhne und-Töchter, die als Handlungs- gehilfen tätig sind, sich aus Unerfahrenheit von jenen arbeiter- feindlichen Vereinen ins Schlepptau nehmen lassen. Die Arbeiter sollten daher nicht die Gelegenheit versäumen, ihre Kinder und Geschwister aufzuklären, dast, soweit sie als männliche und Weib- lichc Handlungsgehilfen tätig sind, oder im Versicherungsgewerbe beschäftigt werden, nur der Zentralverband der Handlungsgehilfen und Gehilfinnen als Organisation in Frage kommen kann. Dieser Verband kämpft für die Verbesserung der wirtschaftlichen Lage seiner Berufsgenoffen und zwar Scknlter an Schulter mit den Arbeitern anderer Berufe. Zcntralvcrband der.Handlungsgehilfen u. Gehilfinnen Deutschlands. Berzirk Berlin. Geschäftsstelle: N.O. 43, Neue Königstrahe 36. Berlin und vlmgegend. Die Holzbildhauer hatten sich am Montagabend außerordentlich zahlreich bei Litfin in der Memelerstrahe versammelt, um �u be- raten über die Frage:„Wie können wir die augenblicklich günstige Konjunktur für uns ausnutzen?" Den Ausführungen des Bran- chenleiters A h m a n n, sowie der regen Diskussion, die seinem Referat folgte, ist zu entnehmen, dag die Holzbildhauer gegenwärtig zuni ersten Male seit 16 Jahren wieder mit einer günstigen Kon- junktur rechnen können, und dah die Vielen unter ihnen, die die langen Jahre hindurch immer von neuem unter langwieriger Ar- bcttslosigkcit zu leiden hatten, sich nun endlich wieder einmal satt- essen wollen. Es ist ja aus den Arbeitslosenstatistiken bekannt, daß, so schwer auch die Wirtschaftskrise auf der ganzen Arbeiterschaft lastete, kein Beruf in so unerhörtem Maße und so andauernd von Arbeitsmangel betroffen wurde, wie die Holzbildhauer. Das hat in den letzten Jahren dazu geführt, daß mancher Holzbildhauer, um nicht zu verhungern, in einem anderen Beruf Unterkunft suchte, und daß auch die Zahl der Lehrlinge zurückging. Der Mangel an Ar- beit, der in diesem Beruf selbst in den Zeiten wirtschaftlicher Hoch- konjunktur andauerte, hat natürlich auch einen starken Druck auf die Lohn- und Arbeitsbedingungen zur Folge gehabt, so daß jetzt, wo die Nachfrage nach Arbeitskräften so stark ist, daß in der vorigen Woche nur 2ö Arbeitslose vorhanden waren, die Holzbildhauer mit aller Kraft danach streben müssen, daß ihr Anteil an den Erträg- nisten des flotten Geschäftsganges nicht gar zu gering ausfällt. Dazu ist selbstverständlich vor allem einmütiger Zusammenhalt in der Organisation notwendig. Die Versammlung bildete in ihrem ganzen Verlauf einen Beweis dafür, daß die Holzbildhauer die Situation eines Erfolg versprechenden Vorgehens erkannt haben. Heber die weitere» Schritte soll in einer demnächst stattfindeden Vertrauensmännerversammlung beraten werden. Die Stock- und Zelluloidarbeiter, organisiert im Deutschen Holzarbeiterverband, besprachen in einer Versammlung, die am Montagabend in den„Rittersälen" stattfand, den auf 3 Jahre abzuschließenden Vertrag mit den Unternehmern, wie er gegen- wärtig zur Verhandlung steht. Die Verhandlungen dauern schon geraume Zeit, aber es ist bis jetzt noch kein Resultat erzielt worden, das die Arbeiter irgend wie befriedigen könnte. Sie erwarten bestimmte Zugeständnisse und sind erstaunt und erbittert darüber. daß die Stockfabriianten so wenig Entgegenkommen zeigen. Das kam schon in der Vertrauensmännerversammlung am Sonnabend zum Ausdruck, und in der Mitgliederversammlung am Montag wurde wieder erklärt, daß die Arbeiter an ihren Forderungen fest- halten werden. Sie verlangen eine Erhöhung des Mindestlohnes von 25,56 M. auf 2L,56 W., der vom 12. Februar 1912 ab auf 36 M. steigen soll. Ebenso wird eine Verkürzung der Arbeitszeit von 51 Stunden auf 49�- oder 814 Stunden pro Tag gefordert. In bezug auf die Heimarbeit wird verlangt:„Arbeiten, welche außerhalb des Betriebes angefertigt werden, auch solche, die ledig- lich als Heimarbeit gelten, sind im Tarif mit anzuführen und als H e i m a r b e it zu bezeichnen. Die Preise für Heimarbeit sind so zu bemessen, daß sie dem betreffenden Arbeiter vollen Ersatz für alle Unkosten gewähren. Sofern noch Arbeitsplätze im Be- triebe frei sind, ist Heimarbeit unzulässig. Die Einsicht in die Lohnbücher der Heimarbeiter muß dem Werkstattausschuß jederzeit gestattet sein." Die Verhandlungen werden gegenwärtig noch fort- gesetzt und die Arbeiter hoffen, daß die Fabrikanten in Anbetracht der Lage im Beruf schließlich doch auf diese Forderungen eingehen werden. Achtung Sattler! In den Treibriemenfabriken von S ch w a r tz u. C o., Müllerstraße 171 a, Hugo D i e s e n e r, Schlesischestraße 18, Ernst Schultz, Luckauerstraße 11 und Witte, Göhlert u. C o., Fruchtstraße 1, haben die dort beschäftigten Kollegen wegen Nichtbewilligung der«ingereichten Forderungen die Arbeit em- gestellt. Wir ersuchen jeden Zugang nach genannten Werkstätten fern zu halten. Die Ortsverwaltung Berlin des Verbandes der Sattler und Portefeuiller. Achtung Schuhmacher! Der Streik bei der Firma Malck, Kaiserstratze 11/12, dauert fort, da eine Einigung noch nicht erzielt werden konnte. Schuhmacher-Verband, Berlin. Verband der Maler, Lackierer usw.(Filiale Spandau.) Vom Dienstag, den 22. März 1916, gilt die Firma Adolf Panzenhagen, Spandau, Feldstraße, bis auf weiteres als gesperrt. Zuzug ist streng fernzuhalten. Die Ortsverwaltung. Deutlcbes Reich. Die Tarifbetvegnng im Holzgetverbe. In den letzten Tagen haben in allen bei der Bewegung in Frage kommenden Orten Versammlungen der Arbeitgeber zu dem Verhandlungsrcsultat Stellung genommen. In Hannover war die Versammlung des Holzarbeiter- Verbandes von rund 1666 Mitgliedern besucht und wurde der neue Vertrag mit Zweidrittel-Majorität akzeptiert. Derselbe sichert den Arbeitern eine Lohnerhöhung von 5 Pf. und einen vertraglichen Durchschnittslohn im Laufe der Vertragsperiode auf 57 Pf. steigend zu. Die Arbeitszeit wird von 54 auf 53 Stunden pro Woche ver- kürzt. Heber die Stellungnahme der Arbeitgeber in Hannover ist noch nichts bekannt geworden. In Kiel haben die Arbeiter sowohl wie die Arbeitgeber zu- gestimmt. An Lohnerhöhung erreichen die Kieler Holzarbeiter 4 Pf. pro Stunde und Verkürzung der Zlrbeitszeit von 54 auf 53 Stun- den pro Woche. Der vertragliche Mindcstlohn steigt für Tischler auf 62 und für Maschinentischler auf 66 Pf. pro Stunde. Bezüglich des ArbcitSnachiveiscs, der seit langen Jahren das hauptsächlichste Streitobjekt in Kiel war, sagt der neue Vertrag:„Sobald die Zentralporständc der beiderseitigen Verbände eine definitive Ver- cinbarung über die Arbeitsvermittelung im deutschen Holzgewerbe getroffen haben, soll diese auch in Kiel zur gemeinsamen Regelung der Arbeitsnachweisfrage als vorbildlich anerkannt werden. Bis dahin bleiben die jetzigen Arbeitsnachweise der beiderseitigen Ver- bände bestehen." In München wurde bisher nur örtlich verhandelt. Die letzte Verhandlung fand kürzlich unter Vorsitz des Gewerbegerichtsrates Dr.P renn er statt. Ein Resultat zeitigte sie nicht. Den Haupt- streitpunkt bildet hier die Verkürzung der Arbeitszeit. Die Holz- arbeitcr�verlangen, daß München mit Leipzig, Dresden, Frank- Verantw. Redakt.: Richard Barth, Berlind Jnferatenteil�verantw�r furt a. M. und Hamburg in eine ArbeitSzeitklasse gebracht wird. Zwischen dem Vorstand des Deutschen Holzarbeiterverbandes und dem Vorstand des Arbeiterschutzverbandes für das deutsche Holz- gewerbe wurde vor einigen Jahren ein„Regulativ zur Regelung der Arbeitszeit in den deutschen Städten" vereinbart. Auf Grund der Vereinbarung ist in den oben genannten Städten die Arbeits- zeit auf 52 Stunden pro Woche verkürzt. Damals wurde als selbst- verständlich angenommen, daß auch München in diese Klasse gehört. Damals gehörte München dem Arbeitgeberschutzverbande noch nicht an, hat sich nun aber seit einem Jahre angeschlossen. Die Leitung des Arbeitgebcrschutzverbandes in München lehnt es nun mit aller Entschiedenheit ab, die geforderte Verkürzung der Arbeitszeit von 53 auf 52 Stunden pro Woche zuzugestehen, während die Arbeiter unter allen Umständen darauf bestehen, um mit den Städten gleicher Größe auf dasselbe Maß zu koinmen. In der Lohnfrage haben die Arbeitgeber einiges Entgegenkommen gezeigt und haben 3 Pf. Lohnerhöhung zugestanden, welche die Arbeiter als vollständig un- genügend betrachten. Die Arbeitgeber haben weitere Verhandlungen als zwecklos bezeichnet, wenn die Arbeiter an der Verkürzung der Arbeitszeit festhalten, und Herr Dr. Premier hat darum die Ver- Handlungen als gescheitert erklärt. Kriegsrüstunge» der Banunternehiner. Die mittelsränkischen Bauunternehmer bereiten svstematisch und entschieden den Angriff vor. In einem an die Mitglieder, des Unternehmerverbandes verschickten vertraulichen Rundschreiben, das der Arbeiterorganisation auf den Tisch geflogen ist, wird auf den Ernst der Situation aufmerksam geinacht und darauf hingewiesen, daß möglicherweise schon am 1. April alle Geschäfte geschlossen werden müssen. Den Mitgliedern wird angeraten, mit der Heber- nähme von Aufträgen äußerst vorsichtig zu sein und unter allen Umständen den betreffenden Verträgen die Streikklausel beizusetzen. Gleichzeitig wird in Erinnerung gebracht, daß nach dem Verbands- statut nur der Arbeitsnachweis des Verbandes— ein Maßregelungsinstitut ersten Ranges— benutzt werden darf und gedroht, daß in Zukunft gegen zuwiderhandelnde Mitglieder eingeschritlen wird. Zu bemerken ist, daß in Mittelfranken von den Arbeitern keinerlei Forderungen gestellt worden sind, daß die Arbeiter viel- mehr von einer Kündigung des am 1. April ablaufenden Vertrages abgesehen haben und geneigt waren, ihn ein weiteres Jahr fort- laufen zu lassen, er wurde aber knapp vor Ablauf der festgesetzten Frist vom Unternehmerverband selbst gekündigt, der den Krieg will, um das berüchtigte Berliner BertragSmuster durchzusetzen. Eine christliche Organisation unter dem Schutze der Arbeitgeber. Der christliche Verband der Staats-, Gemeinde und sonstigen Arbeiter rühmt sich in Nr. 11 der„Gewerkschaftsstimme", den Thü- ringer Waldarbeitern das Koalitionsrecht gerettet zu haben. Die Holzbestände des Thüringer Waldes sind Eigentum des Herzogs von Gotha. Vor Jahresfrist erließ der Hofkammerpräsident an die Forstmeister und Oberförster eine Kundgebung, die nach der„Ge- Werkschaftsstimme" von den Oberförstern so aufgefaßt worden sei, als sollten sie gegen den christlichen Verband arbeiten, der einige Ortsgruppen gegründet hatte. Im Nu seien auch sämtliche Orts- gruppcn verschwunden. „Am 31. Januar 1916 machte der(christliche) Arbeitersekretär Neu mann eine Eingabe an den Hofkaminerpräsidenten, in der darum nachgesucht wurde, daß die Forstbeamten angewiesen wer- den sollen, nicht mehr gegen unseren Verband zu arbeiten." Dieses Bittgesuch scheint nicht sofort den gewünschten Erfolg gehabt zu haben. Denn— so fährt die„Gewerkschaftsstimme" fort— „am letzten Februar begab sich Neumann selbst dothin. Nach einer längeren Hnterredung wurde Neumann ermächtigt, den Forstbeamten sowohl, wie den Arbeitern mitzuteilen, daß der Herr Präsident nicht wünscht, daß die Arbeiter am Anschluß an unseren Verband gehindert werden, sondern daß ihnen darin volle Freiheit gelassen werde." Man erachte das pikante Verhältnis zwischen dem christlichen Arbeitersekretär und dem Herrn Kammerpräsidenten des Herzogs von Gotha. Der Präsident„ermächtigt" den christlichen Sekretär zur Heberbringung von Wünschen und Anordnungen an die Forst- beamten. Dieses Verhältnis zwischen Forstverwaltung und christ- licher Organisation wird noch mehr beleuchtet durch einen Vorgang vom 13. März in W i I d e n t a l im Erzgebirge. Nach dort hatte der Gauleiter des Verbandes der Land- Wald- und Weinbergs- arbeiter die Waldarbeiter der umliegenden Orte zu einer Ver- samuilung zwecks Gründung einer Ortsgruppe eingeladen. Der christliche Verband der Staats- und Gemeindearbeiter hat in der Gegend eine kleine Zahlstelle, deren Bezirksleiter den Einfall der „Roten" in sein Gebiet so sehr fürchtete, daß er sich hinter den Oberförster steckte. Die Förster mußten den Waldarbeitern den Besuch der Versammlung verbieten. Als der Einberufer der Ver- sammlung im Lokal eintraf, fehlten die Waldarbeiter, dagegen waren anwesend der Oberförster und der christliche Bezirksleiter. Als diesem, G Y m n i s ch ist sein Name, sein arbciterverräterisches Verhalten vorgehalten wurde, wußte er sich nicht anders zu helfen als durch wüstes Schimpfen auf den Gauleiter des Landarbeiter- Verbandes. Der christliche Verband der Staats- und Gemeindearbeiter beweist mit solchen verwerflichen Praktiken, daß er mit seinem Latein zu Ende ist. Er kann die betörten Waldarbeiter, die sich in seine Pferche verlaufen haben, nur halten, indem er mit den Arbeit- gebern gemeinsame Sache macht. Bewegung der wtaler. Unter dem Vorsitz des Beigeordneten Rath tagte in Essen eine Sitzung des Gautarifamtes für das Malergewerbe für Rheinland- Westfalen. Es wurde über die Bewilligung der Lohnerhöhung von 1 Pf. verhandelt, die in Gemäßheit des beim Vertragsabschlüsse von den Unparteiischen ergangenen Schiedsspruchs als Ausgleich der durch den Z 3 des Tarifvertrages eingetretenen Ausfälle an Lohnzuschlägen und Fahrtvergütungen einzutreten hat. Nach dem einstimmigen Beschluß des Gautarifamtes soll der Ausgleichs- Pfennig isi den Städten Bochum, Barmen, Elberfeld, Duisburg, Dortmund. Aachen, Hagen und Krefeld gezahlt werden, während er in den Städten Bielefeld, Oberhause», Münster, JEssen, Hamborn, Gelsenkirchen, Düsseldorf, Remscheid, Herne, Siegen, Opladen, Solingen, Vohwinkel und Velbert nicht eintritt. Tarifabschlust im Tapezierergewerbe. Zwischen der Ortsgruppe Augsburg des bayerischen Landes- Verbandes für das Tapeziergewerbe und dem Tapeziererverbande ist nach längerer Unterhandlung ein Tarifvertrag, gültig für Augsburg und die Vororte, abgeschlossen worden. Die Arbeitszeit wird auf 91h Stunden herabgesetzt, der Stundenlohn um 5 Pf. pro Stunde erhöht. Außerdem bringt der Vertrag den Gehilfen eine Reihe anderer erheblicher Verbesserungen. Der Vertrag läuft bis 15. März 1913.'_ Ein unverbesserlicher christlicher Verleumder. Der Bergmann Josef-Foschepot zu Kamen. Mitglied des Gewerkvereins christlicher Bergarbeiter, hatte im Jahre 1965 wiederholt die Behauptung aufgestellt, der Bezirksleiter Mücke vom Bergarbeiterverband habe beim Streik 1965 4666 M. unter- schlagen. Mücke verklagte Foschepot damals. Die Angelegen- heit endete durch einen Vergleich, in dem Foschepot sich bereit er- klärte, die Beleidigung in der„Bergarbeiterzeitung" und d'er „Kamener Zeitung" zurückzunehmen, waS auch geschah. Im Fe- bruar 1969 stellte derselbe Foschepot die Behauptung von neuem auf, Mücke habe damals nicht nur 4699 M. unterschlagen, sondern auch seine Familie vernachlässigt, so daß seine Frau aufgerückt sei, und seine Kinder auf Kosten der Armenverwaltung unterhalten ».Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr.mVerlageanstaU V iverden mußten. Diese Behauptung wiederholte Foschepok SM 24. Oktober 1909 nach einer Zentrumsversammlung in der Wirt- schaft G ö tz in Kamen. Mücke strengte aufs neue gegen F o s ch e- p o t Klage an. Die Angelegenheit wurde am 16. März 1916 vor dem Amtsgericht Kamen verhandelt. Vor Eintritt in die VerHand- lung erklärte der Anwalt des Foschepot, daß seine� Partei gau nicht daran denke, den Wahrheitsbeweis anzutreten, Foschepot habe in gutem Glauben gehandelt und müsse ihm der§ 193 (Wahrung berechtigter Interessen) zuerkannt werden; er hoffe, daß die Gegenpartei hiermit zufrieden und die Sache hiermit erledigt sei. Der Anwalt M ü ck e s konnte sich diesmal hierauf nicht einlassen, auf Grund der Erfahrungen aus dem Jahre 1993 mit Foschepot.— Das Gericht verurteilte Foschepot zu 39 M. Geldstrafe und Veröffentlichung des Hrtetls im„Westfälischen Anzeiger"._ Versammlungen. Protest der Zigarcttcnarbeiter und-arbeiterinnen gegen den AuZ» schlug von den Unterstützungen aus dem Viermillionenfonds. Die Zigarettenarbeiter und-arbeiterinnen hatten sich am Donnerstagabend versammelt, um Stellung zu nehmen zu den Abweisungen der Hnterstützungsgesuche von Arbeitern und Ar- beiterinneii der Zigarettenindustrie, die durch die Zollgesetzgebung brotlos geworden sind. Eingehend schilderte der Referent Max Müller, wie schwer die Steuer die Arbeiterschaft der Zigarettenindustrie geschädigt hat. Eine Anzahl von Fabriken wurden gänzlich geschlossen, während in den anderen Fabriken beständig Nur noch halbe Tage und viertel Tage gearbeitet würde. Wochenlang lagen etliche Be:riebe gänzlich still. Bei der Firma Garbaty beläuft sich die jetzt ein- getretene Arbeitszeitverkürzung für die 359 dort beschäftigten Personen allein in den Monaten Dezember und Januar aus 59 975 Stunden; der Lohnausfall betrug in der gleichen Zeit 17 536,25 M. Bei der Firma R o ch m a n n(„Problem") waren bor Jnkrast- treten der Banderolensteuer von 1996 rund 196 Arbeiter beschäf- tigt, 1968 noch 73 und heute sind es nur noch 32 Arbeiter, die aber auch verkürzt arbeiten müssen. Bei der Firma 3i o ch m a n n („Phänomen") wurden vor dem 1. September 1969 noch 84 Ar» bester beschäftigt, heute sind es nur noch 42 Arbeiter, die auch noch täglich drei Stunden verkürzt arbeiten müssen. Und so geht es in allen Betrieben. Trotz dieses Notstandes werden die um Hnter- stützung aus dem Viermillionenfonds nachsuchenden hungernden Zigarettenarbciter und-arbeiterinnen abgewiesen. Dies geschieht infolge einer falschen Auslegung des Gesetzes, indem die Ziga- rettenarbeiter nicht als Tabakarbeitcr angesehen werden. Auch der Reichsschatzsekretär W e rm u t h hat sich dahin ausgesprochen, daß die Zigarettenarbeiter nicht unterstützungsfähig sind. Gegen diese Zurücksetzung müsse die Arbeiterschaft der Zigarettenindusirie energisch protestieren und ihren Anteil an dem Unterstützungs- fonds für die durch die Folgen der Tabaksteuer brotlos geivordenen Tabakarbeiter fordern. Dem beifällig aufgenommenen Vortrage schloß sich eine längere Diskussion an. Sämtliche Redner sprachen im Sinne deö Referats. Zum Schluß wurde folgende Resolution einstimmig angenommen: „Die öffentliche Versammlung aller in der Zigarettenindustrie beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen protestiert auf das energischste gegen die Anweisungen der Gesuche der durch die Tabaksteuererhöhung in der Zigarettenindustrie brotlos gewor- denen Arbeiter und Arbeiterinnen um Unterstützung aus dem Viermillionenfonds, welcher bewilligt wurde auf Grund des Artikels IIa des Gesetzes betreffend Aeuderuiig des Tabaksteuer- gesetzes. Die Versammlung erwartet von den Staats- und Reichs- regierungen, ebenso auch vom Bundesrat, daß sie sich nicht den bisher ergangenen abweisenden Entscheidungen der Zoll- und Oberzolldirektion anschließen werden, sondern den fast einmütig vom Reichstag ausgesprochenen Wunsch auf Hnterstützung auch der in der Zigarcttenfabrikatwn brotlos gewordenen Arbeiter und Arbeiterinnen zueigen machen werden. Da durch die Eick- führung der Erhöhung der Banderolensteuer auf Zigaretten eben- falls namenloses Elend unter den Arbeitern dieser Industrie hervorgerufen wurde. Die Versammlung erlvartet von den Vertretern im Reichstage, daß sie sich der zum Hunger durch obiges Gesetz Verurteilten mit allem Nachdruck annehmen werden." Letzte Nachnchten und DcpcFcben. Lohnbewegung der Bäcker in Süddeutschknnd. Frankfurt a. M., 22. März.(Privatdepesche des„Vor- wärts"). Die Bäckermeister lehnten den vom Gewerbegerichi als Einigungsamt einstimmig gefällten Schiedsspruch, der den Gehilfen wenigstens einen Ruhetag alle zehn bis vierzehn Tage bringe« soll, ab. Die Bäckergehilfen, die dem Schieds- spruch zustimmten, beschlossen in einer sehr stark besuchten Vcrsammluug, ihre Forderungen auf der Grundlage des Schiedsspruchs durch Streik und Boykott durchzuführen z» versuchen. Der ein st immig beschlossene Aus- stand erfolgte sofort noch heute abend. In Betracht kommen ungefähr IVR) Bäcker und Bäckereihilfs- arbeiter. Die Forderungen wurden nun den Bäckermeistern einzeln überreicht. Karlsruhe, 22. März.(Privatdepesche des„Vorwärts".) In Karlsruhe legten heute LOH Bäcker die Arbeit nieder und traten in den Streik. Aur Reform des Oberhauses. London, 22. MLrz.(M.?. B.) Die dritte Resolution Lord Roseberys, welche den Grundsatz aufstellt, daß der Besitz der PeerS- würde an sich nicht ohne weiteres die Mitgliedschaft des Oberhauses mit sich bringt, wurde heute mit 175 gegen 17 Stimmen an» genommen.__ 129 Millionen Dollar für Flottenbauten. Washington, 22. März.(W. T. B.) Das dem Repräsentanten- haus zugegangene Marinebudgct beläuft sich in Ausgaben auf 129 Millionen Dollar. Es ficht vor den Bau von zwei Schlacht- schiffen, einem Reparaturschiff, zwei Kreuzern und fünf Hnterseebooten. Verschüttet. Beuthen, 22. März. Auf der Schlesiengrube stürzten Kohlen- massen ein. Der Bergmann Z i e l o n k a erlitt dabei so schwere Verletzungen, daß er starb. Bom Gerüst gestürzt. Frankfurt a. M., 22. März.(B. H.) Zwei Schlosser. die heute nachmittag auf einem Notgerüst in der Kaiserstraße ein Schild an einem Hause anbringen wollten, stürzten aus einer Hohe von 8 Meter«af das Straßenpflaster und erlitten beide schwere Verletzungen._ Hochwasser in Süditalie«. Foggia, 22. März.(W. T. B.) Infolge anhaltender starker Regengüsse sind die Flüsse Ofanto und Ccrvaro aus den Ufern getreten. Der Eisenbahnverkehr zwischen Foggia und Bari ist u nt e r b r o ch e n. Die Brücke über den Ccrvaro auf der Strecke Foggia— Potenza ist förlgerissen. Das Wasser erreichte die Höhe von 11h Meter. Der Schaden ist beträchtlich., rul Singer 6c Co., Berlin SW,- Hierzu 3 Beilagen u.Unterhllllungsbl«~ |t. 69. Z7. Illhkgms. 1. KkilGt i>cs Jotmirls" Kttlim lolbli Int! Mitwoch. 23. Marz 1910. Hud Indufrric und Dandel. Betriebs- und Personalvermehrung. Bei einer Vergleichung der ZSHlungSergebnisie aus dem Jahre 18SS mit denen nach der letzten Aufnahme macht sich eine gewisse Begrenzung notwendig. Die für 1907 gebildete Gruppe XXTJT (Musik-. Theater- und Schaustellungsgewerbe) ist für 139ö nicht vor- Händen. Wegen verschiedener Abgrenzung der Größenklassen beider Zäh- Zungen muß sich die entsprechende Vergleichung sodann auf die Allembetriebe, oie Kleinbetriebe(mit 1— S Personenj sowie auf die Summe der Mittel- und Großbetriebe(mit über b Personen) be- schränken. Nach dieser Unterscheidung find im preußischen Gewerbe beschäftigt gewesen mAlleinvetrieben an Inhabern solcher männl. weibl. 190?....... 613 484 270 713 1895....... 649 165 802 477 1907 weniger als 1895 135 631 81 764 in Proz. 20.90 10,50. Diesem Rückgänge der kleinsten Betriebe steht in den Klein- betrieben(mit 1—5 Personen) und in den Mittel- und Großbetrieben (mit über 5 Personenj eine Zunahme des Personals aller Berufs- ftellungen gegenüber. ES find ermittelt worden: W Setriei« w Betrieben mit mit 1 bis S Personen über 5 Personen männl. weibl. männl. weibl. » o flWT..«48 351 101 161 171 898 10 795 Inhaber. SetriebS. 1 1895_. 514 996 53 738 121 092 7 165 lett-r...-(Unterschied-s. 133 355+ 47 413+ 50 804+ 3 630 VerwauungS..(1907.. 25 933 7 204 290 567 51 332 Kontor, und»U-! 1895.. 24 410 1 321 149 029 7 691 rcaupersonal. s Unterschied+ 1523+ 5 883+ 141 538+ 43 641 Technisch. Betrieb«.(1907.. 17 302 722 176 902 6 027 und AussichtS.{ 1895.. 5 199 254 63 797 1 161 personal...(Unterschied+ 12 103+ 468+ 113 105+ 4 866 • v«(1907.. 767 686 171 516 3 810 692 773 465 Bn v« t.r'!'895.. 762 743 173 918 2 370 105 472 373 «nd Arbeiter.(Unlerschied+ 4 938— 2 402+1440 587+301092 ....... v(1907.. 69 412 400 469 13 375 33 918 Mithellende Fa.>.. 24 525 155 408 3 798 11 713 muten angehonge su„,crschied+ 44 887+245 061+ 9 577+ 22 205 {1907.. 1 528 684 681 062 4 463 432 875 537 1895.. 1331 878 384 639 2 707 821 500 103 Unterschied+ 186 806+296 423+1 755 611+375 434 Werden die Verschiebungen von 1835 bis 1907 in Verhältnis- zahlen ausgedrückt, so sind die Inhaber in den Kleinbetrieben (1—5 Personen) um 31,78 Proz und in den Mittel- und Groß- betrieben(über 5 Personen) um 42,44 Proz. zahlreicher geworden. Rechnet man die Allein- und die Kleinbetriebe zusammen, so beträgt die Zunahme von 1895 bis 1907 nur 0,83 Proz. Die weiblichen In- Haber haben stärker zugenommen als die männlichen; eS vermehrten sich in Prozenten i. ÄetoBettteBeH'J.SÄÄ 41,96 die männlichen Inhaber um.. 25.89 die weiblichen Inhaber um 68,23 50,66 und zwar Hai die Selbständigkeit der Frauen in den Kleinbetrieben eine sehr erhebliche Verbreiiung gewonnen, ist aber auch in den Mittel- und Großbetrieben sehr ansehnlich gewachsen; doch ist hier ihre«nzabl vergleichsweise nicht groß. Die Unterschiede zwischen 1895 und 1907 sind bei den übrigen Berussschichten und innerhalb dieser bei dem männlichen und Weib- liehen Personal der Gewerbebetriebe aus folgenden Zahlen zu ent- nehmen. Die Zunahme(Abnahme—) betrug in Prozenten bei den BerufSst-llungen- in in Mittel-«nd Kleinbetrieben Großbetrieben Verwaltung«- usw. Sersonal... Technische« usw. LetriebSpersonal Gehilfen und Arbeiter....... Mithelfende Familienangehörige. Ueberhaupt. einschließlich Inhaber Die Zunahme deS Verwaltung« 0,24 446,34 232 79 184,25 0,65 — 1,38 183,03 157,69 14,78 77,07 94,97 567,43 177,29 419.12 60,78 63,74 252,10 189,58 64,83 75,07 weit stärker ist als die der Inhaber, usw. Personals, die insgesamt entfällt für beide Geschlechter kleines feuilleron. Die Todesstrafe tu der Schweiz. Die Bundesverfassung von 1874 hat die Todesstrafe in der Schweiz abgeschafft. Vier Jahre später wurde fie auf Wunsch einiger, besonders katholischer Kantone. die eine Zunahme der Verbrechen zu konstatieren glaubten, wieder fakultativ eingeführt. Theoretisch machten nur die Kantone Luzern, Freiburg, Wallis, St, Gallen und die Urkantone davon Gebrauch, aber ouw hier wurde praktisch meist das ausgesprochene Todesurteil im letzten Augenblick durch Begnadigung ersetzt. Einzelne Hin- richtuugen kamen jedo» vor. die zwei letzten im Kanton Fr.iburg, davon eine im 20, Jahrhundert. Gegenwärtig liegen wieder zwei schwere Fälle in Luzern und Freiburg vor. Die Verurteilung zum Tode ist ausgesprochen, die Begnadigung aber nicht wahrscheinlich; am wenigsten hat der Freiburger Mörder darauf Aussicht. Nu» er- hebt sich aber«in materielles Hindernis, Die Schweiz besitzt nur e,»e Guillotine, dem Kanion Schnffhauien gehörend, der die Todes- > strafe abgeschafft hat. Nun Hai Schaffhausen nach der letzte» Hin- richiung beschlossen, seine Guillotine nicht mehr auSzuleihen. Woher wollen die Freiburger und Luzerner fie beziehen? Gegen eine An» Schaffung dieser Art sträub» sich der Volkswille und dte öffentliche Meinung. Wird man wagen, fie ouS Deutschland oder Frankreich zu leihen? DaS Urteil der Geographen über Pcary. Der Zweifel an dem behaupteten Ergebnis der Nordpolarreiie von Pearl), der in dem Beschluß des amerikanischen NepräsentantenhauseS zum Ausdruck gekommen ist. hat größtes Aufsehen erregt. Da nach dem Ablauf deS Falles Cook beinahe alle Welt in Nordpolarsachen nervös ge- worden ist, so erscheint es geboten, eine nüchterne Betrachtung über den Stand der Dinge anzustellen. Es ist scheinbar in Ver- gessenheit geraten, daß ein Ausschuß von Sachverständigen, der von der Geographischen Nationalgesellichast in Washington aus drei hervorragenden Autoritäten gebildet war, einstimmig bekundet hat. daß nach seiner Meinung Peary den Pol erreicht habe. Di� Zweifel, die von einigen Fachleuten auch gegen Peary geäußert worden sind, gründeten sich zum Teil auf die große Beschleunigung seiner Reise, nachdem er seine letzten weißen Begleiter zurückgelassen hatte. Diese Beschleunigung ging von etwa 15 bis auf 42 Kilo- meter täglich, aus der Rückreise nach Süden sogar auf über 70 Kilo- meler. Außerdem hat seine Angabe, daß er Mittagsbeobachtungen am Po! angestellt habe. Bedenken hervorgerufen. Da sich Peary am 6. April, also nur wenige Tage nach der Frühlings- Tagundnachtgleiche, an seinem nördlichsten Punkt befand, so müßte, wenn dieser wirklich der Pol gewesen wäre, der scheinbare Tagesweg der Sonne so nahezu im Horizont sich befunden haben, daß eine Beobachtung zur Mittagszeit unmöglich gewesen wäre. DaS ist die Ueberlegung, auf Grund deren der zweifellos ge- überwiegend auf die Mittel- und Großbetriebe. Die im Vergleich zu den Männern hier auffallend starke Zunahme der Frauen verliert durch die verhältnismäßig weit geringere Anzahl zwar an Gewicht; jedoch ist sie, insbesondere bei den Mittel- nnd Großbetrieben, wo oie Anzahl von 7031 auf 51 332 gewachsen ist. sehr beachtenswert. Auch das technische Betriebsperionat hat bedeutend zugenommen, das männliche vor allem bei den Kleinbetrieben, das weibliche über- wiegend bei den Mittel- und Großbetrieben. Von den Gehilfen und Arbeitern hat bei den Kleinbetrieben das männliche Personal so gut wie nicht zugenommen, während das weibliche sogar abgenommen hat. Dem steht eine wesentliche, bei den Frauen etwas stärkere Zunahme in den Mittel- und Großbetrieben gegenüber,_ Antiwarenhausllga. Die Warenhäuser haben Glück: ihre Gegner machen für sie ununterbrochen Reklame! Durch die Klagen und Beschwerden, die in den Vereinen des Detailhandels und der Hausbesitzer gegen die Warenhäuser immerfort erhoben werden, wird bei den Konsumenten ganz naturgemäß die Ueberzeugung gestärkt. in den Warenhäusern werde ihnen eine ganz besonders günstige Kaufgelegenheit geboten. Daher schlagen alle Forderungen, die darauf hinauslaufen, die Entwickelung der Warenhäuser durch ge- setzliche Fesseln einzuengen, in das Gegenteil des Beabsichtigten um. Jetzt ist eine Antiwarenhausliga gegründet worden. Sie setzt sich vorwiegend aus kleineren Geschäftsleuten und Hausbesitzern zu- sammen. Die Mitglieder verpflichten sich, von Warenhäusern nichts zu kaufen. So haben die Warenhäuier eine neue Reklame und der Beschluß der Liga— steht nur aus dem Papier. Kartellpolitik. DaS Kohlensyndikat hat beschlossen, ab 1. April die bestehende AuSfuhrvergütung für Ferligfabrikate von 1,50 M, pro Tonne ver- brauchter Kohle nicht mehr zu gewähren. Das Syndikat hatte diese Vergütung seit etwas über einem Jahre wieder gezahlt, um der deutschen Eisenindustrie den Wettbewerb aus dem Wellmarkte zu er- leichtern. ES wird dabei nach einem bestimmten Schlüssel der Ver brauch an Kohlen pro Tonne Draht, Röhren usw, ermittelt und bei der Ausfuhr der oben angegebene Bettag rückvergütet. Einen großen Dienst erweist das Syndikat der Industrie deshalb nicht, weil in der Regel die ausländischen Abnehmer die Kohle doch noch billiger be- kommen. Doch findet immerhin ein kleiner Ausgleich zwischen den Inlands- und Auslandspreisen statt. Wenn jetzt die Vergütung für die Ferligfabrikate forifällt, so kommt darin die Besserung des inter- nationalen Eisenmarlies zum Ausdruck. Die für Roheisen gezahlte Vergütung bleibt vorläufig noch weiter bestehen. Auch verkauft man an den ausländischen Verbraucher viel billiger, als an den Jnlandskonsumenten; dann zahlt man diesem eine kleine Vergütung, um ihn gegen den begünstigten Auslands Verbraucher wieder eher konkurrenzfähiger ju»..ui:, u. Jetzt hat man die Ausfuhrvergütung für Fertigerzeugnisse aufgehoben, aber für Roheisen läßt man sie bestehen. So macht man den Ausland« konkurrenlen, der billiges Roheisen und billige Kohlen bezieht, gegew über dem inländischen Fabrikanten, der Kohlen und Roheisen teurer bezahlen mutz, wiederum erheblich leistungsfähiger. Wunderbar find die Wege der Kartellpolitik!_____ Amerikanische and deutsche Handelspolitik. Wenn man in Deutschland von amenkantscher HandeSpglitik spricht, so denkt man nur an die Schutzzölle. Allein wenn auck, die Amerikaner die extremste Schutzzollpolitik treiben, so sind sie doch viel zu sehr Geschäftsleute, um die Schutzzölle, wie eS in dem Deutschen Reich preußischer Observanz geschieht, zu einem unantast- baren Staatscrbaltungsprinzip zu erheben. Schon die Me Kinley- Bill enthielt die Bestimmting, daß für eine ganze Reihe wichtiger Artikel bis zu 20 Proz. Zollherabsetzungen gewährt werden dürfen, wenn aus der Gegenseite, also von den ftemden Staaten, ebenfalls Zollverminderungen zugestanden werden. Jetzt haben sich die Vereinigten Staaten in Brasilien eine Vorzugsbehandlung gesichert, während zwischen dem Deutschen Reich und Brasilien überhaupt noch kein Handelsvertrag zustande ge- kommen ist. Die Vereinigten Staaten genießen in Brasilien 20 Proz. Zollermäßigung für eine ganze Reihe von Waren. Sie haben es erreicht, indem sie ihrerseits Brasilien die freie Einfuhr von Kaffee gesichert haben. Deutschland hätte durch die Herabsetzung seiner Lebensmittel- und Eiseitzölle von den Vereinigten Staaten sicherlich ganz außer- ordentliche Zollzugeständnisie erreichen können, und würde so doppelt profitiert hoben: einmal durch Verbilligung der Herstellungskosten seiner Industrie beziehungsweise Erhöhung der Leistungsfähigkeit wichtigste Einwand gegen die Erreichung des Pols erhoben worden ist. Wenn nun die Geographische Nationalgesellschast in Washington trotzdem für Peary sich erklärt hat, so ist dagegen ins Feld geführt worden, daß sie zu innig mit seinen Bestrebungen und Leistungen verbunden gewesen und deshalb in einem Borurtetl zu seinen Gunsten besangen sei. Ein solcher Verdacht kann aber nicht aus die von dieser Gesellschaft eingesetzte Kommission zutteffen. Insofern bleibt die Sache allerdings noch immer in der Schwebe, als dieser Ausschuß bisher nur in einem kurzen Satz seine einstimmige An- erkennung der Behauptungen Pearys kundgegeben hat. daS von ihr geprüfte Material aber bisher noch nicht veröffentlicht worden ist, Man muß zur gerech'en Beurteilung der ganzen Frage in Rücksicht ziehen, daß eine genaue mathematische Bestimmung des Pols aus einer eiligen und leicht ausgerüsteten Schlittenreise überhaupt un- niöglich ist. Selbst wenn eine Ungenmiigkeit in den astronomischen Beobachtungen von Peary nachgewiesen werden sollte, so würde man daraus nicht den Vorwurf ableiten können, daß er die Welt mit un- gerechtfertigten Entdeckeransprüchen getäuscht habe. „WohltStigkeits"-Konzerte. Dr. John Mez, Mannheim, teilt in den„DokuiiK iiten des Fortschritts"(Georg Reimer, Berlin) mit: Um den Insassen von Kranken-, Armen- und Waisenhäusern. Blinden- Heimen usw. den Besuch von Musikaufführungen in größerem Um- fange als bisher zu ermöglichen, hat man in einer Stadt Süd- deutichlandS die Einrichtung getroffen, daß bei jedem Orchester-, Kammermusik- oder Kirchenkonzert(sowie bei den Konzertproben) die übetflüssigen Plätze unentgeltlich abgegeben werden. Eine Zentralstelle läßt sich die genaue Anzahl der jeweils verfügbaren Sitzplätze mitteilen und benachrichtigt dementsprechend— häufig erst ganz kurz vor Beginn der Musikprobe oder des Konzertes— die betreffenden Anstalten. Da regelmäßig fast bei jeder musikalischen Veranstaltung eine ganze Anzahl von Plätzen frei bleiben, die dann von den Konzertgebern stets gern für einen solchen Zweck hergegeben werden, so konnte die neue Einrichtung bisher stets einem größeren Kreise von Personen zugute kommen. Wenn diese menschenfteundliche Idee in anderen Städten Nach- ahmung fände, so würde dadurch vielen gewiß ein großer Dienst er- wiesen. Wer auch nur einmal beobachtet hat, wie aufmerksam und andächtig insbesondere Blinde und Waisenkinder den Tönen der Musik lauschen, der wird gewiß nicht säumen, an der Verwirklichung dieses hübschen Gedankens in seinem Wohnorte nach Möglichkeit mit- zuwirken l Humor und Satire. Neue Demon st ratio neu. Im«Vorwärts": Jeder, der es ernst mit dem gleichen, direkten und geheimen Wahlrecht nieint, wird am nächsten Sonntag mit der Stadibahn spazieren fahren. Immer von Westend bis Treptow und zurück. seiner Arbeiter, sodann durch Erweiterung der Absatzmöglichkeit, ganz besonders seiner verarbeitenden Industrie. Deutschland produziert weiter ebensowenig Kaffee wie Nord- amerika. es hat keine Kaffeeplantagen zu schützen.— aber Deutschland produziert Steuern und kann infolgedeffen den Kaffeezoll nicht entbehren. Statt den Kaffeezoll zu er- mäßigen, hat man ihn denn auch neulich wieder bei der sogen.„Finanzreform" erhöht. Die Antwort darauf seitens B r a s i l t e n s ist nicht ausgeblieben. Es hat zwar seine Zölle gegenüber Deutschland nicht erhöht, dafür aber durch Verfügung vom 0. Januar d. I. den Vereinigten Staaten für eine Reihe von Artikeln weitere Zollermäßigungen gewährt. Es sind das: Zement, Korsetts. Schulmöbel, Schreibtische. Deutsch- land hat eine nicbt unbedeutende Ausfuhr von Zement nach Brasilien. Die Handelszeitschrist„Export" teilt mit:„Für die letztjährige Ein- fuhr aus Deutschland haben demnach 4 140 000 M. Zoll gezahlt werden müssen, während eine gleich große Menge nordamerikamscher Zement gemäß der jetzigen Vorzugsbehandlung nur 3 312000 M. Zoll in Brasilien zu zahlen hat, also 823 000 M. weniger." Die Differenz zugunsten der Vereinigten Staaten bettägt demnach etwa 20 Proz, vom Zoll. Diese Art des Zollkampfes, indem man das eine Land in Nach- teil setzt gegenüber dem anderen, läßt sich viel leichter durchführen, weil es das einführende Land vor Ueberteurung schützt, und ist an- gesichts der scharfen Konkurrenz der Industrieländer auf dem Welt- markt nicht minder wirksam. Sie fällt nur weniger auf. So hat jüngst die Reichsregierung daS Ende deS Zollkrieges mit Kanada verkündigt. Man hat es ihr geglaubt, und doch ist eS nicht wahr. Der Sachverhalt ist nämlich folgender: Nach der getroffenen Ver- einbarung wendet Kanada seinen Maximaltarif Deutschland gegenüber nicht mehr an, sondern seinen Generaltarif; aber dieser Generaltarif ist in Wirklichkeit seit dem 1. Februar d. I. zu einem Maximaltarif geworden, weil nunmehr, neben England. daS schon früher eine Vorzugsstellung inn« hertte, auch Frankreich und mit ihm die lange Reihe der meistbegünstigten Staaten, darunter Oesterreich-Ungarn. Schweden, Schweiz. Norwegen, Nußland, Japan in den Genuß eines geringeren Zolltarifs gelangen. Der gleiche Fall in dem Handelsverkehr mit K u b a. Die Vereinigten Staaten schloffen l902 mit Kuba einen Handelsverttag ab. durch den sich die beiden Staaten gegenseitig 20 Proz, Zollermäßigung gewähren. Das hat für Deutschland eine Bedeutung nicht nur wegen der Einfuhr nach Kuba, sondern ganz besonders, weil Kuba mit Deutschland auf dem amerikanischen Zuckermarkt konkurriert und doch der kubanische Zucker in den Vereinigten Staaten einen ge- ringeren Zoll zu tragen hat. Die Sache soll aber noch schlimmer werden. Kuba will jetzt gegwiüber den Staaten, die mit ihm keine Meistbegünsligungsverträge haben, seine Zollsätze um dreißig Prozent erhöhen. Wir entttehmen darüber der„D. Tagesztg.", die gewiß nicht zu den Gegnern der deutschen Schutzzollpolitik geHort, fotgende Mitteilung:„Wie eS heißt, soll sich dieses Vorgehen in erster Linie gegen Deutichland richten, weil eS mangels eines Abkommens die Einfuhr aus Kuba nach dem Generaltarif behandelt. Der Gesetzentwurf ist bereits vom Ausschüsse des Parlaments an« genommen und liegt jetzt dem Plenum zur Beschlußfaffung vor, an dessen Zustimmung aber nickt zu zweifeln sein soll." Das agrarische Blatt hetzt nun zum Zollkrieg; anderes weiß eS nicht; wie denn auch die Reichsregierung gegenüber dem neuen französischen Zolltarif sich nicht anders zu helfen wußte, als durch Androhung von Repressalien. Gewalt— das ist das letzte Wort der deutschen Politik in allen Dingen: nach außen und nach innen, im Handel und im Verkehr. Als England seine industrielle Weltherrschaft etablierte, proklamierte es den Freihandel. Nun sind die V e r e i n i g t e n Staaten aus dem Wege zur industriellen Weltherrschaft und wir sehen, wie fie ihre Schutzzölle opfern, um Absatzmärkte zu ge« Winnen. Als aber das Deutsche Reich zum Bewußtsein seines industriellen Uebergewichts in der Welt gelangte, da schickte eS Panzerschiffe in die Welt hinan«. Die Handelsbeziehungen des Reiche? find zerrüttet. Das nennt man bei uns: Schutz der nationalen Arbeits Sozialee« Herabsetzung der Konventionalstrafe. Der Oberwächter Mansie ist von der Berliner Nachtwach- gesellschaft Jul. Arndtstein u. Co. fristlos entlassen worden. Er hielt die Entlassung für unberechtigt und klagte gestern beim Gewerbegericht auf Entschädigung wegen Nichtinnebaltung der dreitägigen Kündigungsfrist sowie auf Rückzahlung der ihm als Konventionalstrafe einbehaltenen Kaution von 30 M. Für den Fall, daß die Entlassung als berechtigt angesehen würde, beantragte Polizeiliche Gegenerklärung: Die Stadtbahn dient lediglich dem Verkehr. Wer immerzu hin und zurück fährt, darf sich nicht wundern, wenn er unter die Räder kommt. ES sei an das große Eisenbahnunglück in Kentucky erinnert, bei dem über hundert Leute umS Leben kamen. Ich werde mithin sämtliche Bahnhöfe der Stadtbahn sperren lassen. Im„Vorwärts": Jeder, der der preußischen Wahlrechts- schwach seinen Protest entgegenschleudern will, gehe nächsten Sonntag in die Kirche.' Gegenerklärung: Die politische Agitation, welche sich in Presse und Parlament bereits übergenug betättgt, darf nicht in die Kirche dringen. ES sei daran erinnert, daß vor fünfzehn Jahren in einer Spanischen Kirche mehrere Personen totgedrückt wurden. Ich werde mithin morgen allen derartigen Bersuchen ent- gegentreten und sänitliche Gotteshäuser inklusive der jüdischetl Synagogen sperren lassen. Bei' man zu Hause. Im„Vorwärts": Wir fordern hierdurch alle zielbewußten Anhänger eines freien Wahlrechts auf, am nächsten Sonntag zu Hause zu bleiben. Niemand darf auf die Straße I Gegenerklärung: Eine derartige Zusammenrottung von Hunderttausenden in engen Räumen ist eine offenkundige Umgehung polizeilicher Anordnungen. Ich werde diesem aufteizendeu Zuhause- bleiben mit allen Machtmitteln entgegentreten und die Betreffenden zwingen, am Sonntag nach Treploiv zu spazieren. ES sei daran erinnert, daß zu Hause die meisten Leute sterben. Ich wams Stubenhocker l _(«Lustige Blätter.") Notizen. — Wechsel in der Charit S. Der bisherige Leiter der Abteilung für Frauenkrankheiten in der Charitö, Professor Ernst B u m m. wird an Stelle deS zurücktretenden Professors Olshausen die Direktion der Universitäis-Frauenklinik übernehmen. Ais Nach- folger Bumms ist Professor K r ö n i g. der zurzeit in Freiburg i. B. wirkt, in Aussicht genommen. — Johannes Schilling, der Altmeister der deutschen Bildhauer, ist in der Nacht auf Dienstag im 82. Lebensjahre in Klotzsche bei Dresden gestorben. Er hatte pairiolische Popularität durch sein Nationaldenkmal auf dem Niederwald geivonnen, dem trotz seiner Riescnhaftigkeit alle Größe fehlt. Schillings Begabung war auf das Anmutige einer rein fornialcn klassizistischen Kunst gerichtet. Einige Gruppen von der Brühlschen Terrasse und einige Reliefs offenbaren sein Streben besser als all' die Kaiser- und Bismarckdenkmäler, die heute nur noch Kriegervereinler begeistern. — E i n T y p h u S s c r u m? In der Pariser Akademie der Wissenschaften teilte Professor M e t s ch n i k o w vom Pasteurinstitut mit, daß eS ihm gelungen sei, bei Schimpansen eine dem Typhus durchaus ähnliche Krankheit hervorzurufen. Er werde nunmehr ver» suchen, an Affen HeilungSversuche mittels Serium vorzunehme«. er Herabsehung der Strafe auf einen angemessenen Betrag. Die Beklagte wendete ein, dah der Kläger mit Recht fristlos entlassen worden sei. Auch die Kaution sei nach§ 4 des Vertrages als Ver- tragsstrase verfallen und dem Unterstützungsfonds für die An- gestellten zugeführt worden. Auch habe der Kläger durch Unter- schrist anerkannt, keinerlei Ansprüche mehr gegen sie zu haben. Auf Grund des Ergebnisses der Beweisaufnahme erachtete das Gericht die Entlassung als zu Recht erfolgt, den Anspruch auf Ent- schädigung deshalb für unbegründet. Die Kaution sei nach dem Wortlaut des Vertrages allerdings als Konventional- strafe verfallen. Es komme aber die Vorschrift des K 343 des Bürgerlichen Gesetzbuchs in Arnvendung, diese lautet:„Ist eine verwirkte Strafe unverhältnismäßig hoch, so kann sie auf Antrag des Schuldners durch Urteil auf den angemessenen Betrag herab- gesetzt werden. Bei der Beurteilung der Angemessenheit ist jedes berechtigte Jinrreffe des Gläubigers, nicht bwß das Vermögens- interesse, in Betracht zu ziehen." Die Vertragsstrafe sei deshalb auf 3 M. herabgesetzt. Denn durch die Entlassung und die 3 M. sei die einmalige Trunkenheit des Klägers, für die die Konven- tionalstrafe angesetzt sei, genügend gesühnt. Die Beklagte wurde verurteilt, an den Kläger 24 M. zu zahlen. Abgelehnter Eingriff i» die Selbstverwaltung. zftr Entschädigung der Vorstandsmitglieder von Krankenkassen für erwachsenden Zeitverlust und entgehenden Arbeitsverdienst betrifft eine dieser Tage ergangene Entscheidung des Preußischen Oberverwaltungsgerichts, durch die unter Aufhebung eines Be- kchlusses und eines Urteils der Vorinstanz die Genehmigung zu einer Statutenänderung erteilt wurde. Die Ortskrankentasse für Borhagen-Rummelsburg hatte ihrem 8 41 folgende neue Fassung gegeben:„Die Mitglieder des Vorstandes verwalten ihr Anit als Ehrenoint. Für den durch Wahrnehmung der Vorjtandsgeschäfte -ihnen erwachsenden Zeitverlust und entgehenden Arbeitsverdienst erhalten sie jedoch für jede Sitzung, an welcher sie teilnehmen, eine Entschädigung von 30 Pf. für die Stunde. Dieselbe Entschädigung erhalten diejenigen Kasscnbeamten, welche an den betreffenden Sitzungeu teilzunehmen haben."— Der Bezirksausschuß versagte die Genehmigung für diese Bestimmung und blieb auch in seinem späteren Urteil bei diesem Beschlüsse, nachdem er sich auf Antrag der Kasse in mündlicher Verhandlung mit der Sache befaßt hatte. Der Bezirksausschuß führte u. a. aus: Die Höhe der für erwach- senden Zeitverlust und entgehenden Arbeisverdienst in Aussicht genoinmenen Entschädigung würde nicht im Verhältnis mit den tatsächlichen örtlichen und wirtschaftlichen Verhältnissen der zu Kassenvorstandsmitglieder wählbaren Kassenmitglieder und zu dem Umfange der Kassengeschäfte stehen, sondern zu hoch fein. Nament- lich wenn man berücksichtige, daß die Kasse Angehörige der ver- schiedensten Berufe in sich vereinige, deren durchschnittliche Tage- löhne zum Teil niedrig seien, und daß die Sitzungen in die arbeits- freie Zeit verlegt werden könnten. Daß der Vorstand der klagenden Kasse meist �ur aus Angehörigen der ersten Klasse der Kassenmit- glieder mit den höchsten Löhnen bestehe, könne hieran nichts ändern. Durch die neue Fassung des§ 41 würde ferner den Kassenbeamten, die an den Sitzungen teilnehmen, neben ihrer Besoldung eine be- sondere Entschädigung zugestanden. DaS dürfte doch auch nur dann zulässig sein, wenn die Sitzungen außerhalb der Dienststunden der Beamten fielen. Das ObcrrerwaltungSgericht hob dies Urteil auf und geneh- migte die fragliche Statutenänderung mit folgender Begründung: Zu prüfen war, ob die Statutenänderung gegen die gesetzlichen Bestimmungen verstieß. Eine solche, durch das Gesetz zugelassene Entschädigung für erwachsenden Zeitverlust und entgehenden Ar- beitsverdienst könne nun nach Meinung des Senats auch pauscha- liter festgestellt werden, also ohne daß zu berechnen sei. was jeder im Einzelfalle verliere. Die Feststellung des angemessnen Satzes müsse natürlich eine solche sein, daß nicht der Charakter einer Entschädigung verloren gehe und der Satz nicht etwa den Charakter einer Besoldung annehme. Das allein hätte der Bordrrrichtrr prüfen dürfen und nicht, ob der Satz aus ZweckmäßigkeitSgründen zu hoch fei. Somit fei die Vorentscheidung aufzuheben. Bei freier Beurteilung habe nun der Senat nicht annehmen können, daß die Entschädigung von 30 Pf. pro Stunde den Charakter einer Ent- schädigung vermissen lasse. Er halte sie für angemessen. Ob sie vielleicht 10 oder 20 Pf. zu hoch sei, darauf komme eS nicht an. Jedenfalls halte sie sich in Grenzen, dah sie nicht den Charakter als Entschädigung verliere.— Wenn der Bezirksausschuß noch die Entschädigung der Kassenbeamtrn erwähne, so sei das eine Frage, die der Aufsichtsbehörde entzogen sei. Wie die Kassen ihre Be- amten im Gehast usw. stellen wollen, das sei an sich ihre Sache und könne nur nach der Richtung geprüft werden, ob die Bezüge so hoch seien, daß sie den Charakter der notwendigen Verwaltungs- kosten verlieren würden. Im übrigen sei die Selbstverwaltung in der Beziehung anerkannt._ Der Bochvlter Aerztekrieg ist immer noch nicht beendigt. Neuerdings wird von den Gegnern der Kasse dir Taktik befolgt, die neuen Kassenärzte in der öffent- lichen Meinung, wo immer sich eine halbwegs passende Gelegenheit bietet, herabzusetzen. Die neuen Aerzte, die keineswegs einen leichten Stand haben, werden auf Schritt und Tritt beobachtet. Geradezu„rührend" ist es, wie manche Personen gerade jetzt um das Wohlbefinden und die ärztliche Behandlung der Kassenmit- glieder besorgt sind. Während früher die begründeten Beschwerden der Kassenmiiglieder einfach zu den Akten gelegt wurden, sucht man jetzt bei Kleinigkeiten den Schutz der Aufsichtsbehörde nach Anderseits aber hat diese Kampfesweise nicht wenig dazu bei» getragen, die Einigkeit zwischen Fabrikanten und Kassenmitgliedrrn zu befestigen, so daß diese fest entschlossen sind, unbekümmert um die freiwillig aufzubringenden Kosten, den Streit siegreich zu Ende zu führen. Der Aerzteverband hat bisher alle Aufwendungen in oieser Sache vergebens gemacht. Ein siebenter Kassenarzt tritt in den nächsten Tagen seine Stelle an. Der kürzlich losgekaufte Arzt erhielt übrigens nicht 4200 M., sondern, wie verlautet, 42 000 M. Nur weiter so,— der Leipziger Aerzteverband wird sichs wohl keiften können. Gerichts-Deining. Folgen des WohnungselenbS entrollte eine gestern vor der 2. Strafkammer des Landgerichts II geführte Verhandlung. Angeklagt wegen Sittlichkeitsverbrechenö «n Sinne des§ 178,3 St.-G.-B. war der Zementarbeiter Ernejto Telpiccolo, während sich die Arbeiterfvau PitniewSka wegen fchwercr Kuppelei zu verantworten hatte. Dir Angeklagte Pikniewska hatte in der Hagelsberaerstraße eine aus Stube und Küche bestehende Wohnung inne. Jn-der Küche schlief sie mit ihrer jetzt 12jähriocn Tochter in einer Feldbettstell«, während in der einfenstrigen Stube vier italienische Arbeiter, darunter der Angeklagte, in zwei Betten schliefen. Wie in der Verhandlung festgestellt wurde, hatten der Angeklagte und ein anderer inzwischen flüchtig gewordener italienischer Arbeiter häufig anstelle der Mutter in der-Feldbett» stelle in der Küche geschlafen, während die Angeklagte ihre Lager- statte in der Stube aufschlug. Sie duldete, daß hauptsächlich der Angeklagte Delpiccolo zu ihrer 12jährigen Tochter in Beziehungen trat, die zur Folge hatten, daß das Mädchen sich trotz ihrer Jugend eines gefährlichen gynäkologischen Eingriffs unterziehen mußte. — Der StnatSnnwalt beantragte mit Rücksicht aus die ungeheure sittliche und moralisch? Verworfenheit der Angeklagten gegen die Frau P. 1 Jahr Zuchthaus und gegen D. 0 Monate Gefängnis. Für Delpiccolo machte Rechtsanwalt Staats geltend, daß in dessen Heimat Italien ganz andere Anschauungen herrschen, da dort viel- fach schon- 12jährige Mädchen heiraten. Das Gericht erlannte dies auch an und verhängte gegen D. die niedrigste gesetzlich zulässig« Strafe von 3 Monaten Gefängnis unter Anrechnung von einem Monat der Untersuchungshaft. Gegen die Frau P, lautete daS Urteil auf t Jahr 3 Monate Gefängnis» < Weniger dieDngsklagien als dasWohnungSclend und diejenigen sind an dem mit hoher Straf« gegen die Mutter gesühnten Ver- brechen schuldig, die die auf der tiefsten Kulturstufe stehenden Aus- länder als Lohndrücker nach Deutschland importieren. Gegen diese. , licht gegen die unglücklichen Opfer der elenden Verhältnisse hätte der Staatsanwalt seine moralischen Angriffe richten sollen. Das Wort„Baseline" ist nicht schutzfähig. Zwischen der„Chesebrough Manusacturing Company consoli- dated" zu New Uort(V. St. A.) und der Firma Dr. Graf u. Co. in Bcrlin-Schöneberg hatte sich ein Rechtsstreit um Benutzung des Wortes Vaseline entwickelt. Der amerikanischen Firma ist patent- amtlich ein Gesamtabzeichen„Petroleum-Vaseline-Jelly", darunter in mehrzeiliger Schrift eine nähere Beschreibung und Anpreisung des Heilmittels mit der vollen Firma geschützt. Von diesem Ge- samtzeichen treten das Wort Vaseline und die Firma in größeren Buchstaben hervor. Die beklagte deutsche Firma vertreibt eine Heilsalbe mit der Aufschrift„Amerikanisches Bascline Dr. Graf und Co.". Die Klägerin behauptet, daß damit in ihr Zeichenrecht eingegriffen werde, denn in dem ihr geschützten Gesamtzeichen sei das Wort„Vaseline" als vorherrschender Bestandteil anzusehen. so daß alles übrige als unwesentliches Beiwerk dahinter zurücktrete. Das Landgericht Berlin hat diese Auffassung der Klägerin verneint und die Klage nbgewirseu. Das Kammergericht zu Berlin erkannte auf Zurückweisung der Berufung. Auch das Kammer. zericht verneint die Schntzfähigkeit des Wortes Vaseline. Es komme darauf an. ob dieses Wort überhaupt die Fähigkeit besitz«, die damit gekennzeichneten Waren von den Waren anderer Gewerbe- treibender zu unterscheiden. Wenn das Wort Vaseline auch früher eine Herkunftsbezeichnung bedeutet habe, so komme für Deutsch- land, den Ort der angeblichen Verletzung des Zeichens, in Betracht, daß sich hier ein Wandel dahin vollzogen habe, daß das Wort „Vaseline" seine Bedeutung als Herkunftsbezeichnung vollständig eingebüßt hat. In Deutschland verstehe man unter Baseline den Warennamcn für„ein aus Petrolrumrückständen als salbenartigcö Produkt hergestelltes Lindcrungs- und Heilmittel".— Diese Auffassung vertritt auch das kaiserliche Patentamt. Wenn aber das Wort Bascline in dem Gesamtzeichen der Klägerin seine unter- scheidende Kraft eingebüßt hat, so ist es zum freien Warennamen geworden, für den die Klägerin einen Schutzanspruch nicht mehr geltend machen kann. Das Reichsgericht hat nunmehr die von der Klägerin gegen daS Urteil des Kammergerichts eingelegte Revision zurückgewiesen und damit das Wort Vaseline als freien Warennamen bestätigt. Di« verhängnisvolle Ohrfeige. Das Reichsgericht verwarf die Revision des BerlagSbuchhänd- lers und Buchdruckereibesitzers Georg Hartman« gegen das Urteil des hiesigen Landgerichts vom 3. November v. I. Bekannllich war H. zu acht Monaten Gefängnis verurteilt, weil er dem russischen Arzt Dr. Libliowski eine Ohrfeige verabreicht hatte, deren Wirkung voraussichtlich dauerndes Siechtum des Geschlagenen ist. Versammlungen. Der Zweigverein Berlin des Maurerverbandes hielt am Freitag im großen Saale der Arminhallen seine Generalversammlung ab. Auf der Tagesordnung stand als 1. Punkt der Bericht vom 11. Verbandstag. Der erste Referent Heller gab eine Ueber- ficht über die wichtigsten Punkte der Verhandlungen wie über die Beschlüsse, die der MaurerverbandStog in Leipzig gefaßt hat und von denen ja der über dir Verschmelzung mit dem Bauhilfsarbeiter- verband ganz besondere Aufmerksamkeit verdient. Sodann berichtete Heidemann über den gemeinsamen Verbandstag der Maurer und Bauhilfsarbeiter, der die beschlossene Verschmelzung in die Wege leitete und über das Statut der gemeinsamen Organisation beriet und beschloß.— Die Diskussion über die Berichte ergab, daß die Versammlung im allgemeinen mit den Beschlüssen des Ver- bandstages einverstanden war. Jedoch wandten sich die meisten Diskussionsredner sehr scharf dagegen, daß ein Berliner Delegierter sich auf dem Verbandstag dafür ins Zeug legte, daß die Rund- schauartikel CalwcrS auch noch weiterhin im„Grundstein" erscheinen sollen, obwohl seinerzeit die Generalversammlung des Zweigver- eins sich in einer Resolution dagegen ausgesprochen hatte. Der zweite Punkt der Tagesordnung war der Geschäfts- und Kassenbericht über das Jahr 1909, der den Mit- gliedern in einer 62 Seiten starken Broschüre gedruckt vorliegt. Ueber die Bautätigkeit im verflossenen Jahre sagt der Bericht, daß es mit ihr nicht wesentlich besser bestellt war, als 1908. Eine gute Ueberficht über die Lage des Arbeitsmarktes im Baugewerbe Groß- Berlins bietet die Arbeitslosenzählung, die der Ztoeigverein im Jahre 1909 gegen Ende jeden Monats vorgenommen hat. Ueber die Ergebnisse dieser Zählungen gibt eine große Tabelle Auskunst. Wir entnehmen daraus, daß Ende Januar von den beftagten Mitglic- dern 38,84 Proz. ohne Arbeit lvaren, Ende Februar 60,53, Ende März 27,61 Proz. In den drei folgenden Monaten ging die Zahl der Arbeitslosen weiter zurück, so daß sie Ende Juni nur noch 11,32 Proz. ausmachte. Dann trat wieder eine Steigerung ein, die ihren Höhepunkt mit 34,08 Proz. im November erreichte. Am 24. Dezember waren 23,05 Proz. arbeitslos. Die Achtzehnerkommission hat im Laufe des JahveS 4 Sitzungen abgehalten. Sie beschäftigte sich in ihrer letzten Sitzung mit der Frage der Tarifverlängerung. Welche Stellung die Unter- nchmer dabei einnahmen, ist ia bereits bekannt. Der Geschäfts- bericht sagt mit vollem Recht: „Beobachtet man die Dinge aber schärfer, die sich im Lager der Unternehmer abspielen, verfolgt man ihre Zeitungen, ihre immer schärfere Betonung der Notwendigkeit von Arbeitsnach- weisen, die einseitig nach ihren Wünschen eingerichtet werden, die Bemühungen zur Organisierung der Materiallieferanten in ihrer Organisation, dann merkt man, daß eS die Ruhe vor dem Sturm ist." Die Maifeier führte im verflossenen Jahre wiederum zu einer Aussperrung, die allerdings nicht sehr umfangreich war. Sie verursachte dem Zweigverein eine Unterstützungsausgabe von 7504,45 M. Die Agitation zur Gewinnung neuer Mitglieder und zu weiterer Ausbreitung der gewerkschaftlichen Grundsätze ist sehr eifrig und auch mit gutem Erfolge betrieben worden. Die Tätig- keit der Organisationsleitung wurde auf den Arbeitsplätzen zwecks Beseitigung von Mißständen. Regelung von Streitigkeiten mit dem Unternehmer sowie zur Untersuchung von Maßregelungen in 239 Fällen in Anspruch genommen. Bautenkontrollen wurden im Be. richtSjahre drei ausgeführt, die zur Feststellung der Wirtschafts. läge im Berufe dienten. Der Geschäftsbericht gibt über die Re- sultate in mehreren Tabellen genaue Auskunft. Es folgen dann die Berichte der einzelnen Sektionen, der Putzer, der Gips- und Zementbranche, der Fliesenleger, die bekanntlich mit den Unter- nehmern einen neben'Tarifvertrag abschlössen, der Backofeiunaurer, die ebenfalls eine Tarifbewegung durchmachten, und der Kunststein- versetzer, bei denen sich, obwohl ein Tarifvertrag nicht besteht, be- stimmte Lohn- und Arbeitsbedingungen Geltung verschafft babcn. Rechtsschutz bei Lohnklagen gewährte der Zweigverein seinen Mitgliedern in 29 Fällen. 5 dieser Klagen wurden abgewiesen, 11 hatten vollen Erfolg vor Gericht, jedoch kamen die Arbeitnehmer in dreien dieser Fälle gleichwohl nicht zu ihrem Geld, weil die Zwangsvollstreckung fruchtlos ausfiel. In drei Fällen wurde ein Vergleich geschlossen: 7 Klagen sä, weben noch und in drei Fällen wurde im Interesse der Arbeitnehmer bei Kontursen auf die vor- handene Masse Beschlag gelegt. Rechtsschutz in Strafsachen ge- währte die Organisation in 7 Fällen, woran 11 Mitglieder beteiligt waren. Ein Fall datierte aus dem Jahre 1903. Die Polizei brauchte so lange, um einen Zeugen aufzuspüren,. Die Anklage, die auf Körperverletzung und Beleidigung lautete, endete mit einer Verurteilung zu 30 M. Geldstrafe. Eine Anklage wegen Vergehen gegen 8 Ihll der Gewerbeordnung schwebt noch. Die erledigten Au. klagen haben im ganzen mit Verurteilung zu zwei Wochen Ge» fängnis und 93 M. Geldstrafe, sowie in zwei Fällen jniT Freisprechung der Angeklagten geendet. Die Wirkungen de» Bau- schwindelS für die Arbeiter zeigen sich übrigens noch ganz besoN» ders kraß in dem Rechtsschutzbericht der Putzersektion. Hier sind 22 Lohnklagen verzeichnet, an denen 130 Putzer mit 9179 M. betei- ligt waren. Nur 12 erhielten ihr Geld in Höhe von 600 M., 8579 Mark Arbeitslohn gingen also verloren. Die Bibliothek des Zweigvereins wurde im Laufe des JahreS Zv41mal in Anspruch genommen, �sie umfaßt jetzt 2319 Lände, nachdem im verflossenen Jahre 51 hinzugekommen sind. Die Abrechnung des Zweigvereins med der Sektionen für daS Jahr 1909 schließt mit einer Einnahmesumme von 451 346,47 M. ab. Die Ausgaben betrugen 272 441,64 M.> so daß der Bestand am Jahresschluß 178 904,83 M. war. An die Hauptkasse sind in bar 93186.75 M. abgesandt worden. Die Krankenunterstützung erforderte 56 533,15 M. Ausgaben von der Zweigvereinskasse, die Unterstützung bei Bausperren, Maßregelungen und bei der Mai- aussperrung 18 764,55 M., die Unterstützung bei Streiks in der Gips, und Zementbranche 1143,20 M. Für Sterbeunterstützung sind 12 357,50 M. ausgegeben worden. Die Mitgliederzahl des Zweigverein? ist im Laufe des JahreS von 8603 auf 9712 gewachsen. Inzwischen ist jedoch ein weiterer Zuwachs festzustellen, so daß jetzt schon 11 800 Mitglieder vorhanden sind. Nach der Berichterstattung gab der Vorsitzeiche Hanke be» kannt, daß der 1. Mai wie alljährlich auch durch eine Vormittags- Versammlung gefeiert wird, die in der Bockbrauerei am Tempel- hcfer Berg stattfindet. Sodann wurde das Ergebnis der Vorstands-- mahlen bekanntgegeben, nachdem die Versammlung beschlossen hatte, daß die einfache Mehrheit entscheidend sein soll. In den Zweigvereinsvorstand sind wieder gewählt als: 1. Vorsitzender Otto Hanke, als 2. Heinrich M etzke, als 1. Kassierer W a: te n- be r g, als 2. L e h m a n n- Charlottenburg, als Schriftführer Al- bert Wulf, als Beisitzer Stegemann. � Zu Revisoren sind Graul, Lehmann- Friedenau und T h ö n s gewählt, in die Beschwerdekominission: Doose, Guse, Hempel, Matusseck uno Franz Schulz. Ferner beschloß die Versammlung auf An» trag der Vertretersitzung einstimmig: „Alle noch restierenden Streikbeiträge auS der Lohnbewegung des Jahres 190? müssen bis zum 3. April d. I. bezahlt werden. Mitglieder, die diesem Beschluß nicht nachkommen, werden mit ihrer Zugehörigkeit zur Organisation bis zum 1. November 1997 zurückgesetzt. Dieser Beschluß gilt für a l l e Mitglieder des Zweigvereins Benin und anderer Zweigvcreine, die an der Berliner Lohnbewegung des Jahres 1997 beteiligt waren." «mtltwer Marktbericht der ktüdtilchen 4>!arttballen-DtreMon über den«Nrotzbandel in de» Zenwal-Marktballeir Marktlage: Fleisch: Zulubr genügend, Meschöi! flau, Preise unverändert, Wild: Zufubr sehr knapp, Geich all ruhig. Preise sest, G- s l ü g e l: Zusuhr reichlich, Geschäst ledhast, Preise gut, Fische: Zusuhr etwas reichlicher, Gelchäl» rege. Preise im allgemeinen besriedigend. Bulter und Käse: Geschäst ruhig, Preise unveränder!. Gemüse, vbi« und Südfrüchte: Zusuhr genügend, Geichäst ziemlich rege, Preise für Blumenkohl anziehend, sonst wenig verändert, Arbeitsnachweis: Uerwaitungsftellr Berti«. Hauvrdureau: Hos 1,«ml S, lLLS, ChariUsiraBe 3. Hos IIL Amt 8, 1987. Donnerstag, den Ä4. März 1910, abends 6 Uhr: vtcknmlW dkl Mktllgdrßcktl im GewerkschaftshauS, Engclufer 15. Saal 1. TageS-Ordnung: L Branchenangelegenhesten. 2. Diskussion. 8. verschiedenes. Donnerstag, den SM. März 1910, aVendS 8'/, Uhr: AI Verssunmlniig IA der Gold-«nd Silberarbeiter im„Dresdener Garten", Dresdener Straße 45. TageS-Ordnung: 1. Bortrag des Genossen W«IB über:„Die Arbeiter unb daS moderne Kunstgewerbe.« 2. Vcrdandsaugelegenhrsten. 3. Verschiedenes. Zahlreichen Besuch erwartet IMv OrtsiTerwaltiing, Der Feiertage wegen bleibt das Bureau an folgenden Tagen geschloffen: Freitag, den S». März, den ganzen Tag. Sonnabend, den!iO. März, nachmittags. Montag, den 28. März, den ganze« Tag. Dienstag, den 20. März, nachmittags. Wim! Arbeitsnachweis. Wm! Sonnabend, den 26. März, bleibt der Arbeitsnachweis wegen Renovierung geschlossen. Donnerstag, den 31. März, bleibt die Kasse im Arbeit»- aachweis wegen Ouartalfchluß den ganzen Tag geschlossen. 113/10____ lUe Ortaverwaltung. Denttr IWir-fiS Am 1. Osterfeiertag findet eine Urania- Vorstellung statt. Eröffnung nachmittag tt« 4 Uhr. Die Vorstellung be- ginnt pünttlich um 5 Uhr. Im Firneuglanz des Ober-Eugadi«. 61/2 I. A,: vi« T erwal tan g. Orts-KranMasse der Zigamüiaelier, Zigaretten- maelier, Zisarrensortlefer und deren gewerbliche Hiifsarbeiier zu Berlin. tnerStag. d.»I.Marz ivlv. abends 8'/, Uhr, im Beetureat Hahn. LIntenstr. 73: Generai-Tersammlong der Arbeitgeber u. Arbeitnehmer. Tagesordnung: t. Vorlegung des Jahresberichts. 2. Berich! der Revifionskommisston. 3. Bericht über den 2. Nachtrag zum Statut, sowie über dessen weitere Genehmigung, Nur Delegierte zur General« Versammlung hoben Zutritt.— Ein- ladungSkarte legitimiert. 13306_ Der Borftanb. Reinickendorf, Schweizer-Viertel, im neuen Zentrum, in nächster Nähe deS Schillerparks und des SchäferseeS vorzüglich gelegene billige 2>, 2- und l-Zilmnerwohmmgeli im Border- oder Garlcnhaus«, mit auch ohne Bad, vallon usw. sosort vermietbar in den Neubauten der Schiller» Promenade. Brienzer Straße, Rüttt-Straße, Holländer- und Thuner Straß« Orts- Krankeukasse der Graveare etc. Am Montag, den 11. April 1910, abends 7 Uhr, findet im Gewert- schaftShause, Berlin, Cngeluser 15 (Saal 1), die Ontenti. General-Versammlung statt. 873/5 Tagesordnung: 1. GeschästlicheS, 2. Neuwahl eincS Vorstandsmitgliedes(Arbeitliehmer). S. Jahresbericht 1909, 4. Bericht der Revisoren. 5, Verschiedenes. Vollzähliges Erscheine« der Ddt» gierten erwartet Der Vorstand. Erscheint 2 mal wSchentlich. Sezngsqaellen-irerzelclmis. Die hier verzeloheeten Firmen empfehlen bei Einkäufen Ihre Geschäfte. Abzahlungsgeschäfte Credit-Haus Moabit Tnrmstraße 55, Ecke Waldstraße gewahrt je dem bei spielend leichter An- und Abzahlung mehrjährigen Kredit auf Waren und Möbel. Lubascher,S.| _ I Oredlttiaus C3sa Gebr. Weber, Neue Königstr. 58. Spandau, Pots- damerstr. 231. ' koulaolest«!». PI. Schönebg.,KoIonneii- !l str. 9 am Ringbahnh. Weber, Herrn., Danaigerstr. 781. WiMlÄ* Zutrann&Co. ÄaVr.10 beat. t. 1887, Hödel- 11. sSmillcfet Warei. Alkoholfreie Setranke J Sinalco(Bikbrause) O.n.-Vertreter QttO StEfiCk ■jV'O, Landsberger Allee 6/7. I- Fernruf VII. 1688 und 1564-- Eisennait.Kr aftbrot, neu. pr»w. v. Er,««vpt tra-Prä»0NtS: keiSorerouiU.Asrlceosrdili jscl. KAuier 1 Brotkorb, bei 100«ice Brotdose. Ecriio uud Vororte cx 2000 ü lederlagen iDelnigfr Fsbriksni: Gebr. 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IlchkWg. 2. Sdliijf des Jotmirtf ficritt JWlislilnlt. Wwoch. 23. Mar; im. partei- Hngelegenbeiten. Sechster Wahlkreis. Wie alljährlich, so findet auch in diesem Jahre am Karfreitag die üdliche fyustpartie statt. Treff- Punkt früh S Uhr im Restaurant„Rost-Trappe", Westend. Spandauer Chaussee. Bon da ab: Abmarsch um 10 Uhr nach Pichelswerder zum„Alte» Freund". Zahlreiche Beteiligung ist erwünscht. Die Genossen Moabits treffen sich um 8 Uhr bei Kirschkowski, Beusselsrr. 9. Der Borstand. Sechster Wahlkreis. Die noch nicht verkauften Billetts zu der Vorstellung in den Pbarus- Sälen müssen bis heute abend zurückgelicfert werden. Vom 24. März ab sind Billetts nur noch zu haben bei Rieh, Fehmarnstr. 8, Glawe, Liebenwalder Straffe 4 und Melzer, Wicseuslr. 29.— Die Billetts zu der Matinee bei Ballschmieder Müssen bis Freitag abgerechnet sein. Billetts sind dann nur noch erhältlich bei Gaffmann, Badstratze, Ecke Grünthaler Straffe. Britz- Buckow. Donnerstag, den 24. März, abends 8ll2 Uhr, findet bei Zilz eine außerordentliche Vereinsversammlung statt. _ Der Lorstand. Berliner jVacbricbtcn* Die„koiifcssronslose" Heilsarmee und der Berliner Magistrat. Ueber die Tendenzen der Heilsarmee, vor allem aber über die von ihr ausgeübte„soziale Hilfstätigkeit" sind kürzlich eingehendere Erörterungen gepflogen worden, als es sich darum handelte, daß die Stadt Berlin der Heilsarmee 3000 M. zur Gründung eines Asyls für„Gesunkene" hergeben sollte. Besonders betont wurde bei dieser Gelegenheit, Berlin dürfe einer Gesellschaft, die den religiösen Wahnsinn in Rein- kultur züchte, liicht noch durch Zuwendung eines Geldbeitrages ein gewisses Relief geben. Selbst von Vertretern des Magistrats wurden die religiösen Bestrebungen der Heilsarmee nicht in Schutz genommen. Um so mehr sind wir verivundert, in einer amtlichen Auslassung des Magistrats die Ansicht vertreten zu finden, daß die Heilsarmee konfessionslos sei, dann aber wird es in weiteren Kreisen Verwunderung erregen, daß der Berliner Magistrat seit längerer Zeit mit der Heilsarmee in einem Vertragsverhältnisse steht. Wir ersehen das aus einem Bericht des Magistrats der Stadt Berlin an das Preußische Ministerium des Innern über die Fürsorgeerziehung Minder- jähriger. In diesem Bericht, der in der Statistik über die Fürsorgeerziehung Minderjähriger für das Rechnungsjahr 1908(1. April 1908 bis 31. März 1909) veröffentlicht ist, heißt es: „Um bei der Unterbringung der Zöglinge noch mehr zu individualisieren, sind wir mit noch einer Reihe von Anstalten in vertragliche Beziehungen getreten, so mit dem Rotburgerhaus in Neuß für weibliche schulentlassene katholische töglinge, mit dem Mädchen-Rettungsheim der Heilsarmee in riedenau bei Berlin skonfessionslos) und der Anstalt Tannen- Wald für schulentlassene, männliche, lungenkranke Fürsorge- zöglinge." Wir wissen im Augenblick nicht, ob Fürsorgezöglinge zur- zeit in dem Rettungshaus der Heilsarmee sich befinden. Es wird aber allseitig Kopfschütteln hervorrufen, daß der Magistrat die Heilsarmee als ein geeignetes Institut zur Erziehung der Fürsorgezöglinge betrachtet. W wird die höchste Zeit, daß auf diesem Gebiete durchgreifende Reformen geschaffen werden. Die stäbtische Vcrkehrsdeputation beschloß in ihrer gestrigen Sitzung der Berliner Elektrischen Straffenbahn Aktiengesellschaft die Mitbenutzung städtischer Straffen- bahngleise für eine Straßenbahnlinie von Niederschönhausen- Pankow über den Wcddingplatz nach der Sellerstraffe zu gestatten. Für eine vom Haus- und Grundbesitzerverein Gesundbrunnen an- geregte Abzweigung einer städtischen Straßenbahnlinie über die Swinemünderbrücke und das Virchowkrankenhaus nach Moabit sollen die Spezialprojekte ausgearbeitet werden. Die Genehmigung zum Bau der von der Stadt geplanten Untergrundbahn Moabit-Rixoorf kann zurzeit noch nicht erteilt werden, weil die dabei zu lösende Frage der Kreuzung der Linden durch einen Tunnel erst entschieden werden soll, wenn die Frage des Opernhausneubaucs gelöst ist. Da zu dem Bau der ganzen Strecke nicht sofort geschritten werden kann, die Stadtgemeinde Rixdorf aber den Wunsch hat, den Teil von der Rixdorfer Grenze bis" zum Dönhoffsplatz alsbald in Betrieb ge- setzt zu sehen, soll mit Rixdorf darüber verhandelt werden, diesen Teil der Untergrundbahn zunächst auf Rixdorfs Kasten zu baifen und zu betreiben.— Der Minister der öffentlichen Arbeiten hat jetzt die Eisenbahndirektion ermächtigt, den von der Stadtgemeinde am Stralauer-Anger gePlanten Osthafen als Tarifstation zu be- handeln. Damit ist für die den Hafen benutzenden Güter die Sln- Wendung der reinen Streckenfracht gesichert und die Erhebung einer besonderen Ueberführungsgebühr ausgeschlossen. Mit dem Bau des Hafens, für den ein Teil der Wasserbauten bereits hergestellt ist, kann nunmehr fortgefahren werden. Den städtischen Körper- schaften werden die Vorlagen über den Grunderwerb und den Bau von drei Speichern und zwei Lagerhallen, die die VerkehrSdepu- tation genehmigte, demnächst zugehen.— Die Bergmann Elektrizitätswerke planen im Anschluß an die städtische Süd-Nord-Unter- grundbahn eine Anschlußbahn, die durch die Müllerstraße über Tegel nach der neuen Gartenstadt Frohnau führen soll. Die Ver- kehrsdeputation erklärte sich grundsätzlich mit dem Anschluß dieser Lahn an die städtische Süd-Nord-Bahn einverstanden. Die polizeiliche Absperrung des Treptower Park? kam zu einer eingehenden Erörterung in der Delegiertenversammknng des Verbandes derGast» undSchank Wirte fürBerlin und die Provinz Brandenburg, die Montag abend im Volksgartentheater in der Badstraffe stattfand. Der Verbandssyndikus Justizrat Dr. Scböps suchte zunächst nachzuweisen, daß die Ab- sverrung des Treptower Parks und die weiteren Maßnahmen des Polizeipräsidenten v. Jagow bei dem Wahlrechtsspaziergang am 6. März durchaus ungesetzlich gewesen seien. Der Inhaber des vor der Ringbahn am Eingang des Treptower Parks gelegenen„Reuen Gesellichastshanses", Herr Ferchner. schilderte dann die wiederholten polizeilichen Attacken auf die Gäste seines Lokals. Bis 12 Uhr sei es den Passagieren der Stadlbahn noch möglich gewesen, sein Lokal zu erreichen. Der Garten sei besetzt gewesen mit gutem Publikum, das im Sommer immer dort zu Mittag esse oder Kaffee trinke. Um 12� Uhr hätten plötzlich 300 Schutzleute unter dem Kommando von zwei jungen Polizeileutnants einen Sturmangriff ans die im Garten sitzenden Stammgäste unternommen. Die Leute, die beim Kaffee saßen oder ihr Schnitzel offen, seien ohne erficht- lichen Grund am Genick gepackt und hinausgeworfen worden. Einige Gäste seien vor den Schutzmaiinshieben bis in die Privatwohnung des Wirtes geflüchtet. Dessen Protest sei von den Polizeileutnants barsch zurückgewiesen worden mit der Bemerkung:„WaS gehen die Leute hierher?" Nach einiger Zeit hätte die Polizei die Eingänge zum Lokal wieder freigegeben und nun seien natürlich' die auf der Straffe attackierten Gäste massenhaft in das Lokal hinein- gedrängt worden. Um l�/z Uhr stürmten die Polizisten aufs neue ins Lokal. Sie Vertrieben zunächst die Gäste aus dem Garten und drangen dann in den dichtbesetzten Saal. Hier gingen die Schutz- lcute durch den Saal und verteilten in den Gängen nach rechts und links Püffe ohne Unterschied. Auch Frauen und Kinder wurden nicht verschont. Die Leute wurden aus dem Saal vertrieben. Da die Polizei die Eingange nicht besetzte, wurden nach einiger Zeit wieder die Passanten von den Schutzleuten in das Lokal gedrängt. Um 4 Uhr kamen die Schutzleute wieder ins Lokal, um die Gäste, die sich ganz still verhielten, hinauszulreiben. Jetzt habe er, der Wirt, die Wachtmeister aber auf die ruhige Haltung der Gäste aufmerksam gemacht und die Polizisten energisch zum Verlassen des Lokals aufgefordert. DaS habe dann auch gefruchtet. Vom den Schutzleute» sei in seinem Lokal mich großer Materialschaden durch Eiuschlagen von Fenster», Zertrümmern von Türen und Zäunen angerichtet worden. Nach lebhafter Dis- kussion, in der von vielen anderen Rednern noch Beschwerden über das brutale Vorgehen der Polizei vorgebracht wurden, brachte der Verbandspräsidcnt Strauß folgende Resolution zur Abstimmung, die eiustintmig angenommen wurde: „Die heute versammelten Delegierten des über 6090 MiV glieder zählenden Verbandes der Gast- und Schankwirte sprechen hierdurch im Interesse ihres Gewerbes ihre schärfste Mißbilligung über die am 6. März auf Anordnung des Polizeipräsidenten er- folgte Absperrung des Treptower Parks und die bei dieser Ge- legcnheil, gegen einzelne Lokale und das in diesen versammelte Publikum von Schutzleuten und Gendarmen verübten Gewalt- tätigkeiten aus. Sie sprechen ferner die bestimmte Erwartung aus, daß auch die Aufsichtsbehörde die Absperrung des Treptower Parks und das hierbei von den Polizeimannschaften an den Tag gelegte Verhalten für ungerechtfertigt erklären und dafür sorgen wird, daß die hierdurch ans das schwerste geschädigten Treptower Gastivirtc in angemessener Weise entschädigt werden, und daß in Zukunft derartige ungesetzliche polizeiliche Maßnahmen, durch welche ein dem öffentlichen Verkehr geividmeter Park zeitweise vollständig seiner Bestimmung entzogen wird, sowie überhaupt jede die Verkehröfreihcit beseitigende oder einschränkende Polizei liche Anordnung unterbleibt." Reform der Fürsorgeerziehung. Die von der städtischen Waisen- deputation eingesetzte Äömmissio» zur Beratung von Reformen ans dem Gebiete der Fürsorgeerziehung beriet in ihrer gestrigen Sitzung unter Vorsitz des Stadtrats Düring die Grundbedingungen für die mit fremden Anstalten über Erziehung Berliner Fürsorgezögling abzuschlieffendcu Verträge. Es wurde dabei u. a. beschlossen, soweit solche Anstalten außer den Berliner Zöglingen auch Zöglinge anderer Verbände aufnehinen, mit diesen Verbänden in Beziehung zu treten, um zu erreichen, daff ein gegenseitiger Austausch der über Re- Visionen der Anstalten aufgenommenen Berichte erfolgt. Ferner wurden eine Anzahl von Beschlüssen gefaßt, die eine innere Um- gestaltung der städtischen Erziehungsanstalt in Lichtenberg ein- leiten sollen. Welche Beschlüffe das sind, wird leider nicht mitgeteilt. Postalische Umgcmeindungcn und Verlegungen in Berlin. Postalische Umgenieindungen erheblichen Umfangs treten am 27. März mit der Eröffnung des neuen reichseigenen Posthauscs in der Französischenstraffc 9/12 ein. Weitere Aenderungen folgen am 1. Oktober. Mit dem Ablauf des 26. März wird vor allem das bisherige Postamt W. 45 in der Behrenstraffe 22 aufgehoben. Gleiche zeitig siedelt das Postamt W. 8, das sich jetzt Taubenstraffe'8/9 be- findet, in das neue Haus in der Französischenstraffe über. Die An- nahmestelle für gewöhnliche Pakete bei dem jetzigen Postamt 8 in der Taubenstraffe bleibt aber vorläufig in den bisherigen Dicnsträumen bestehen. Das bisher selbständige Postamt Berlin W. 64 Unter den Linden 12 wird mit dem Ablauf des 26. März in eine Zweig- stelle des Postamts 8 umgewandelt. Der Brief- und Rohrposö bcstellbezirk geht ungeteilt auf das Postamt 8 über. Die Adresse für die Bewohner des bisherigen Bestellbezirks 64 lautet also dann Berlin W. 8. Die künftige Zweigstelle W. 64 befaßt sich mit dem Verkauf von Wertzeichen, der Annahnie von Postanweisungen, Ein- schreibbriefen, Telegrammen, Rohrpostsendungen, Ferngesprächen. Auch gewöhnliche Pakete werden dort noch bis Ende September an- genommen. Am 1. Oktober wird dann die Zweigstelle 64 näher nach der Friedrichstratze verlegt. Sie kommt in die neugemictctcn Räume Unter den Linden 15. Die dann eingehende Paketannahme des Postamts 64 wird dann vorläufig durch eine Paketannahme in beschränktem Umfange in dem Neubau Französischestraffe 9/12 ersetzt. Mit der Fertigstellung des ganzen Neubaues wird dann dort eine Paketannahme in vollem Umfang eingerichtet. Die Errichtung eines Lungentuberkulose-KrankenhaufeS spielte in der letzten Sitzung der Stadtverordnetenversammlung eine große Rolle. Unser Genosse Dr. Wehl brachte zur Sprache, daff der Magistrat den Mm eines solchen Krankenhauses in Austrag gegeben habe nach Anhörung des Ehrenbürgers der Stadt Berlin, Professor Koch, der eiWBrustkraiikeiihaus für Erwachsene, nicht aber für Kinder notwendig halte. Es sei aber notwendig, auch für tuberkulöse Kinder gleicht mit zu sorgen. Männer wie Prof. Bernhard Frankel, BaginSki und Lennhoff halten eine solche Ein- richtung auch für Kinder dringend erforderlich. Der Magistrats- Vertreter setzte sich aufs hohe Pferd und erklärte, daff beim Bau natürlich auch auf tuberkulöse Kinder Rücksicht genommen werden sollte. Das scheint nun aber durchaus nicht so selbstverständlich zu sein, denn im letzten Gemeindeblatt vom 29. März teilt das Nach- richtenamt der Stadt Berlin auf Seite 149 mit:„Der Magistrat trat den mitgeteilten Kochschen Anregungen für den Bau eines neuen Tuberkulosekrankenhauses iin wesentlichen bei; wenn es das Bedürfnis fordert, sollen auch Kinder Aufnahme finden." Also wenn das Bedürfnis es fordert— dies ist aber der springende Punkt. Koch leugnet ein solches Bedürfnis, während die oben genannten Herren in ihren Gutachten den entgegengesetzten Standpunkt vertreten. Genosse Dr. Wehl ist also hinsichtlich des MagistratsbeschlusseS durchaus nicht so falsch informiert gewesen, wie Stadtrat Weigert ihm unterstellte.— Man sieht, wie vor- sichtig man Erklärungen von Magistratsvertretern aufnehmen muff. Lächerlich gemacht hat sich am Sonntag die Polizei auf dem Wedding. Ein Parteifreund schreibt uns:„Als ich am Sonntag gegen 19 Uhr den Dienst antreten wollte, stand an einem Sand- kästen des Curbiere Platzes(Müller- und Gerichtstraffenccke) ein junger Mann von 24 bis 26 Jahren in stark angetrunkenem Zustand« und redete alles durcheinander. Er wurde von keinem ernst genommen, da ja jedermann sah, daß er betrunken war. Als er dann noch ein Hoch auf das Wahlrecht ausgebracht hatte, taumelte er nach dem Nettelbcck-Platz zu. In diesem Augenblick kam die Triftstraße herauf im Laufschritt 1 Leutnant, 1 Wachtmeister und 3 Schutzleute der Luxemburger Wache, um den Uebeltäter zu ver- haften. Derselbe wollte sich der Verhaftung durch Flucht entziehen, was ihm wegen seiner Trunkenheit leider nicht gelang, denn in der Nuhcplatzstraffe wurde er gestellt und von drei Mann nach der ge- nannten Wache gebracht. Nach einigen Minuten trafen von der Gerichtstraffen-Wache 1 Wachtmeister, 4 Schutzleute(3 davon mit den neuen Revolvern ausgerüstet) ein, ferner ein höherer Polizei- offizier sowie mehrere Schutzleute in Autos, so daff im Zeitraum von 29 bis 39 Minuten 5 Offiziere und 39 bis 49 Schutzleute zur Stelle waren, und dies alles wegen eines Betrunkenen, der das Wahlrecht hochleben ließ. Der höhere Beamte sah wohl die Lächer- kichkeit der ganzen Sache ein. und zog sich mit seiner Armee nach der Luxeniburger-Wache zurück. Lange standen noch Lcute zusammen und lachten über den Eifer unserer Polizei." Beim Einsteigen in einen schon in Bewegung befindlichen Eisenbahnzng schwer verletzt wurde am Montag der 26 jährige Schlosser Fritz Lamprecht, Albrechtsir. 16, in Hermsdorf wohnhast. Lamprecht, der in einer Maschinenfabrik in der Brunnenstraffe be- schäftigt ist, hatte Ueberstunden gemacht und wollte den letzten um 1 Uhr nachts vom Bahnhof Gesundbrunnen abgehenden Vorort- zug zur Fahrt nach Hanse benutzen. Als der Schlosser auf der Station eintraf, setzte sich der Zug gerade in Be- wegung. Lamprecht versuchte noch schnell einzusteigen, stürzte jedoch ab, geriet zwischen Trittbrett und Bahnsteig und wurde eine kurze Strecke mitgeschleift, bis der Zug durch den Stations- Vorsteher, der den Vorfall beobachtet hatte, zum Stehen gebracht wurde. Nur mit großer Mühe konnte der Verunglückte ans seiner entsetzlichen Lage befreit werden. Er wurde nach der Unfallstation in der Badstraffc gebracht, wo ein komplizierter Bruch des reckiten Unterschenkels, an dem der Koochen vollständig bloßgelegt war, sowie mehrere blutende Kopfwunden und erhebliche Hautabschürfungen an dem Gesicht und an den Händen festgestellt wurden. Nach An- legung von Notverbänden wurde der Schwerverletzte nach dem Nudolf-Virchow-Krankeiihause übergeführt. Durch giftige Dämpfe ist am Montag in der Luxnspapicrfabrik. von Prager u. Lojda, Hagelbergerstraffe 54, ein schweres Unglück herbeigeführt worden. Die dort beschäftigte 21jährige Anlegerin Hedwig Brandt, Belle-Alliance-Straffe 19 bei den Eltern wohnhast, wollte gegen 4 Uhr nachmittags eine mit einer Schwefelflüssigkeit gefüllte Flasche nach den in der ersten Etage belegenen Arbeits» räumen bringen. Infolge eines Fehltritts stürzte das Mädchen rücklings die Treppe hinab und bei dem Fall wurde die Flasche zcr« trümmert. Da die Verunglückte nicht in der Lage war, sich zu erheben, muffte sie die giftigen Däinpfe einatmen. Als nach einiger Zeit der Unfall bemerkt wurde, gab die B. kein Lebenszeichen mehr von sich. Einem von der Unfallstntion am Tempelhofer Ufer herbei- gerufenen Arzt gelang es nach längeren Bemühungen unter An» Wendung eines Sauerstoffapparates, das Mädchen zum Bewußtsein zurückzurufen. Es wurde nach dem Krankenhause am Urban gebracht, wo es schwer daniederliegt. Nach einer anderen Meldung soll daS Mädchen bereits gestorben sein. Ein PseudoWachtmeister treibt gegenwärtig in Berlin und Um- gegend sein Wesen. Der Schwindler, der 26jährige Ernst Tam- schick, hat es hauptsächlich auf Vermieterinnen und Geschäfts- leute abgesehen, denen er erzählt, daß er soeben als Wachtmeister zur Schutzmannschaft nach Berlin versetzt worden sei. Durch diese Angabe und sein sicheres Auftreten wußte er sich schnell das Ver- trauen seiner Wirtsleute sowie zahlreicher benachbarter Geschäfts- treibender zu erwerben, die er sämtlich um erhebliche Summen prellte. Wurde ihm dann der Boden an einer Stelle zu heiß, so verlegte er heimlich das Feld seiner Tätigkeit nach einer anderen Gegend. Bisher ist es der Kriminalpolizei nicht gelungen, des Gauners habhaft zu werden. Arbcitcrbilduugsschule, Berlin. Die letzte Stunde in den Redeübungen dieses Quartals findet am Donnerstag, den 24. März, abends'/<$ Uhr statt. Luiscii-Thcatcr. Es war Karl Böttcher, der erst vor wenigen Monaten ins Grab gesunken ist, Ivohl noch vergönnt geblieben, der Uraufführung seiner satirischen Komödie„Der Klapper storch der Königin" in Halle persönlich beiwohnen zu können. Wir, die wir seine sozialen Anschauungen kannten und von seiner warm- herzigen Sympathie für das kämpfende Proletariat überzeugt waren, hätten doch lieber gesehen, wenn Böttcher die Berliner Premiere dieies— das läßt sich nicht wegleugnen— vortrefflichen Stückes erlebt hätte. Es gereicht dem Lnisen-Theater, also derselben Stätte, an der vorher verschiedene Böllwersche Dramen mit gutem Erfolg zur Aufführung gelangt sind, entschieden zur Ehre, daff sie nun auch dieser Komödie auf die Bretter vcrholfen bat, daff ihr an« dauernder Erfolg beschicken sein möchte, ist nichtbloff wünschenswert, sondern sehr wahrscheinlich. Einmal der, wenn man von schwächeren, aber hoffentlich bei den nächsten Wiederholungen plastischer, abgerundeter herausgearbeiteter Einzelleistungen ab- sieht— sorgfällig inszenierten und glücklichen Gesamtdarstellung wegen. Zum anderen jedoch um des Stückes willen, das, wie bereits bemerkt wurde, sehr achtbare Oualiläten besitzt. Der Dichter hat sich da den Byzantinismus des bürgerlichen Publikums zur Zielscheibe seiner Satire genommen. Die Aufregung, in welche alle indifferenten Kreise jener Bevölkerung, die ihre geistige Nahrung nur aus sensationslüsternen, servilen Prefforganen Scherlscher oder Ullsteinscher Observanz zu beziehen pflegen, bei der Erwartung eines— Thronerben versetzt werden, ist durch eine gut aufgebaute und wirksam kontrastierende Handlung köstlich persifliert. Im Vordergründe steht das Komitee zur Vorbereitung der Empfangsfeierlichkeiten für den Sprößling des Regenten. Natürlich muff er, wird er ein Junge sein. Das er- warten nicht bloß alle„Patrioten", nein, der Leibarzt Ihrer k. H. der Königin hat es bereits unternommen, das Faktum eines in Aus- ficht stehenden männlichen Thronerben im Boraus„wissenschaftlich" festzustellen, und die Bevölkerung von Dummsdorf ist wahrlich die letzte, um an solcher wissenschaftlichen Autorität zu zweifeln. Der„RegierungS-Anzeiger" sorgt schon, daff die Aufregung über das bevorstehende„freudige Ereignis" bis ins Blaue gesteigert wird. Alle patriotischen Frauen und Jungfrauen errichten allerorten im Lande Sammelstätten für die Leibwäsche des Knäbleins. Selbst» verständlich gehören zu diesem Naiionalgcschenk auch ungezählte Regimenter von Zinnsoldaten.„Ehreniäbetn" usw. Kurz, die Auf» regung ist maßlos: die allerhand vaterländischen Patriotenvereinchen können die Geburtsstunde nicht mehr abwarten. Hat doch der Kricgsminister schon seit vierzehn Tagen die geladenen Kanonen in Bereitschaft, um durch 191 Böllerschiiffe die Ankunft des erlauchten Kronprinzen anzuzeigen! Endlich endlich donnern die Bumskanönchen. Aber o weh, beim fünften Schuß wird'S stille. WaS ist los? Man wird stutzig, faßt sich an die geehrten wein- erhitzten Perückenhäupter, rennr hin und her, fragt in der Adjutantur an, kriegt keine Antivort, raunzt und raunt sich fürchter- liche Dinge in die patriotischen Ohrmuscheln. Wer aber be» harrlich ausbleibt, das ist— der erwartete Thronfolger. Schließ» lich will man wissen, daff es nur ein— Mädel war. Der geheimrätliche Leibarzt, der daS ganze UnKeil angerichtet hat, ist bereits heimlich„zur Erholung" nach dem Süden abgereist. Alle Begeisterung war— umsonst; Monsieur Klappcrstorch hat die Dummsdorfer fürchterlich an der Nase herumgeführt. Nur der Kommerzienrat Groffkopf, ein sehr agiler Witwer mit zwei großen Töchtern, hat aus höchst illegitime Art von seinem'Stubenmädchen einen stramme» Jungen zum Geschenk bekommen. Angenehm ist das zwar nickt, besonders, wenn man Vorsitzender des besagten Vorbereitungskomitees und nomineller LandtagSbote ist; und Böttcker ist es vortrefflich gelungen, diese kommerzienrätliche„Affäre" nebst allen ihren Begleiterscheinungen in wirksame satirische Beleuchtung zu rücken. Aber jetzt kommt Groffkopf zur Besinnung. Er pfeift auf den Kommerzienratslitel usw. und wird die Mutter seines Jungen heiraten. Zugleich derlobt sich seine Aeltcste mit einem Privatgelehrten, der von allen freiheitlich Gesinnten obendrein zum Abgeordneten gewählt wurde. Also ist Groffkopf der eigentliche Trinmphator; denn er hat einen Junge»: die Königin dagegen und alle Patrioten werden sich wohl oder übel noch ein weitere» Jahr gedulden müssen— weil Freund Adebar auf einem fremden Schorn» stein geklappert hat. Blusendicbstahl. Seidene Blusen im Werte von mehr als tvoo M. erbeuteten Einbrecher, die dem Schneidermeister Boy. Thüringer Strohe 41, einen nächtlichen Besuch abstatteten. Vom Hausflur aus drangen die Diebe in den Ladenraum, wo fie unter den Kostümen und Blusen reiche Auswahl hielten. Mit Kennerblick suchten die Einbrecher nur die teuersten Stoff« aus. B. ist durch die Diebesbande um mehr als 1000 M. geschädigt. Wer sind die Toten? Zwei unbekannte Männer sind in der Umgebung Berlins tot aufgefunden worden. Aus der Oberhavel wurde bei Sandhaufen im Gemeindebezirk Heiligensee ein Mann von 20 bis 22 Jahren gelandet und nach der Halle in Heiligensee gebracht. Der Ertrunkene ist 1,62 Meter groh und kräftig, Hai dunkelblondes Haar und ein Doppelkinn und trug einen dunklen SSinterüberzieher, einen Cheviotjackeltanzug und Stiefel mit Lackspitzcn. In den Taschen fand man ein Porte- monnaie mit 14 Mark, eine Uhr mit der Nummer 1442 und drei Schlüssel.— E r h ä n g t hat sich in der Röhe des Bahnhofs Mahlow ein Mann von etwa 00 Jahren. Dieser ist 1,00 Meter groh. hat Weihes Haar und Spitzbart und trug eine graogeflitterte Joppe und eine schwarze Hose. Sein Portemonnaie enthielt nur noch 70 Pf. Die Leiche befindet sich in der Halle zu Mahlow. Zcugengesuch. Personen, welche am 0. März d. Js., abends kurz nach 2 Uhr in der Schlesischenstrahe, nähe Cuvrystraße, in un- mittelbarer Nähe meine Verhaftung mit angesehen haben, besonders die Frau mit dem Kinderwagen, werden gebeten, mir ihre Adresse zu übermitteln. Otto Schefflcr, W., Steinmetzstratze 68, Hof 31. Vorort- JVacb nebten» Die Gemeindewahlbewegung. Grünau. Heute Mittwoch, nachmittags von 4 vis S Uhr, findet für die dritte Klaffe im Lokal von Buchholz die Gcmeindcwahl statt. Nochmals wird die Arbeiterschaft ersucht, alles in Bewegung zu setzen, damit der Kandidat der Sozialdemokratie. Genosse M i tz n e r, als Sieger ans der Wahl hervorgeht. Die Wähler der ersten und zweiten Klaffe geben ihre Stimme dein GaSarbeiter Hermann B l u h m e. Zeuthen. Die Wähler der dritten Klasse werden nochmals auf die heute Mittwoch von S'/z biS OUHr abends statt- findende Gemeindewahl aufmerksam gemacht. ES ist Ehrenpflicht eines jeden Arbeiters, dem Zimmerer Karl Kalies seine Stimme zu geben._ Das Wahlkomitee. Wahlergebnisse. Fricdrichsfelde. Bei der gestern erfolgten Gemeinde- v e r t r e t c r w a h l in der dritten Abteilung würden die sozialdemo- kratischen Kandidaten Krankenkassenbeamter Otto Pinseler mit 422 und Vergolder Emil O e h l e r t mit 422 Stimmen gewählt. Die Gegner brachte» es nur auf 2 Stimmen. 3 Stimmen waren zersplittert. Schönerlinde. Bei der Stichwahl am Sonnabend, de» 19. März. wurde Genosse S e i d l e r mit 71 Stimmen Majorität gegen den Bürgerlichen gewählt. Somit gehören jetzt zwei Genossen dem Dorf- Parlament an. Niederschiineweidc. Bei der am 21. März stattgefundenen Ge- mcindewahl wurden in der dritten Klaffe folgend- Stimmen ab- gegeben: Für die Ergänzungswahl erhielt der Hausbesitzer Herr Fricke 212, der bürgerliche Gegenkandidat Olimsky 68 und unser G-nosse Füller 210 Stimmen. Bei der Berstärkuugswahl erhielt der Hausbesitzer Herr Siebert 84. Herr Gläser 175 und der Genosse Dehmcl 212 Stimmen. Da die absolute Stimmenmehrheit von keinem Kandidaten erreicht und die Vollmachten nicht anerkannt wurden, findet keine Stichwahl, sondern eine Neuwahl statt. Unsere Stimmenzahl hat sich um 120 Prozent gegen die letzte Wahl der- mehrt. Lichtcnow(Str. Niederbarnim). Einen glänzenden Sieg errangen unsere Genossen in Lichtenow. indem der erste Sozial- demokrat, Genosse Drescher, in das Dorfparlament gewählt wurde. Biesdorf(Ostbahn). Bei der gestrigen Gemeindevertreterwahl wurde der sozialdemokratische Kandidat Genosse Müller mit 93 gegen 72 Stimmen, die auf den bürgerlichen Kandidaten entfielen, gewählt._ Chnrlottenburg. Gegen besoldete Waiscnpflegerinnen. Im Festsaale deS Rat- Hauses fand borgestern eine von etlva 80 Waisenpflegerinnen be- suchte Versammlung statt, an der auch Herr Oberbürgermeister Schuftehrus teilnahm, um die Frage der Anstellung besoldeter Waisenpflegerimren zu erörtern. Der Direktor des Kaiserin Auguste-Viktoria.Hauses, Prof. Keller, legte vom Standpunkte des Säuglingsarztes dar, daß die moderne Säuglingsfürsorge die Ueberwachung der Säuglinge durch berufsmätzig vorgebildete. Haupt- amtliche Pflegerinnen als unbedingt nottvendig erachte. Stadtrat Eamter wies in längeren Ausführungen auf den in Charlottenburg gegenüber vielen anderen Großstädten übermäßig großen Unter- schied in der Sterblichkeit ehelicher und unehelicher Säuglinge hin. Auf Grund einer Umfrage bei zahlreichen Großstödtc», die alle besoldete Waisenpflegerinnen angestellt haben, teilte er mit. daß die Einführung sich überall bewahrt und Ivescntlich zur Hcrabminde- rung der Säuglingssterblichkeit beigetragen habe. Auch habe in keiner einzigen Stadt die Einführung beruflicher Waisenpflege- rinnen Widerstaild bei den ehrenamtlichen Waisenpflegerinnen her- borgeruseii. Dasselbe tonnte Herr Stadtrat Dr. Gottstein aus Breslau berichten, wo am vergangenen Sonnabend'ste ehrenamtlichen Waisenpflegerinnen sich einstimmig für die Einführung be- svldeter Kräfte ausgesprochen habe». In den Erörterungen wurde von den Waisenpflegerinnen für und gegen gesprochen, und darauf wurden folgende Anträge zur Abstimmung gebracht: 1. Soll die Organisation der Waisenpflege durch Einstellung berufsmäßig vor- gebildeter Kräfte weiter ausgebaut werden? 2. Für den Fall, daß Magistrat Nied Stadtverordnete den Ausbau in diesem Wnne be- schließen, sollen inehr als zwei solche Pflegerinnen angestellt werden? — Beide Fragen wurden von der Mehrheit, mit 44 gegen L6 Stimmen, verneint. Die städtische Fürsorgestelle für Alkoholkranke wird vom 1. April 1910 ab die Tätigkeit der bisherigen Auskunfts- und Fürsorgestelle für Alkoholkranle des Zentralkoinicecs der Alkoholfürsorgestellen in Groß-Berli» im Cecilienhause, Berliner Str. 137, weiterführen. Die Sprechstunden, in denen ein psychiatrisch vorgebildeter Arzt über die Alkoholsrage unentgeltlich Auskunft erteilen und die Alkoholkranken selbst ärztlich beraten wird, finden, wie bisher, an jedem Dienstag von 6—8 Uhr statt. Daneben werden die Schwestern der Fürsorge- stelle für die Lungenkranken ihre Hausbesuche auch auf die Alkohol- kranken ausdehnen. Es ist dringend erwünscht, der Fürsorgestelle alle an irgend einer Stelle bekannt werdende» Alkoholkranken, vor allen Dingen alle erst im Anfmigsstadium befindlichen Kranken, bei denen die Fürsorge noch Heilung oder wesentliche Besserung erwarten läßt, möglichst zeitig zu überweisen, damit fie eine gedeihliche Wirksamkeit eutsalten kann. Rixdorf. Veranstaltungen. Montag, den 28. Marz(2. Osterfeiertag) findet in den„Bürgcrsälen", Bcrgstr. 147, nachmittags 3 Uhr. für unsere Jugend ein Lichtbildervortrag statt. Gegeben wird:„Die Reise um die Erde". Eintritt pro Kind 10 Pf.— Als letzte Veranstaltungen des BildungsausschusscS kommen zwei Theatervorstellungen in Frage und zwar am Sonntag, den 10. und 27. April. Zur Aufführung gelangt an beiden Sonntagen:.Das Tal des Lebens" von Max Dreher. Einiritiskarten sind rechtzeitig bei den Funktionären und in der Parteispedition. Neckarstr.' 2, zu entnehmen. Ter Bildungsausschuß. Marrendorf. In der Verleumdung der sozialdemokratischen Vertreter tut sich, wie wir früher schon einmal mitteilten, die„Mariendorfer Zeitung", die gleichzeitig das Publikationsorgan der Gemeindever- waltung Mariendorfs" ist, hervor. Schon wiederholt wurde von den �sozialdemokratischen Gemeindevertretern verlangt, die ausgeworfene Summe für diese Zeitung zu streichen, damit dieselbe den amtlichen Titel nicht mehr führen kann. Wer dieses Blättchen durchliest, muß sich fragen: Wie ist es überhaupt möglich, daß eine Redaktion de» Lesern ein derartiges Geschreibsel vorsetzen kann, ohne selbst dabei zu erröten. Besonderes leistet der Herr„Chef- redakteur", wenn es sich um Herabwürdigung von einzelnen Per- sonen handelt, die eine Kritik an der Zeitung übten. Da wird es oft mit der Wahrheit nicht so ernst genommen. So hat eS dem Herrn Chefredakteur der Gcmeindevertreter Genosse Reichardt wieder angetan, der bei der Etatsberatung die Streichung des Postens„Mariendorfer Zeitung" beantragte. Zwei Nummern der Zeitung mußten schon herhalten für die Beschimpfung und Vcr- leumidung des Gem'eindevertretcrs. Di«„Mariendorfer Zeitung" schimpft aber nicht nur in„Prosa", sie tut es auch in Versen. Zwar gibt es Nienschen, die, obwohl sie noch nicht ganz richtig deutsch schreiben können, schließlich doch ein»Gedicht fertig bringen. Bei dem Herrn„Chefredakteur" trifft aber auch nicht einmal das letztere zu. Das Lesen einer solchen Presse, die sich außerdem noch das Breittretcn des niedrigsten Ortsklatsches zur Aufgabe macht, führt zum politischen Stumpffinn. Und gerade in der gegenwärtig politisch bewegten Zeit muß es eines jeden ernste Aufgabe sein, der Presse die möglichst weiteste Verbreitung zu verschaffen, die eingreift in den Fluß der Zeit und sich die Erziehung des Volkes zur politischen Reife zur heiligsten Pflicht macht. TaS aber ist. von wenigen Ausnahmen abgesehen, der„Vorwärts". Letzterer nniß daher in jeder Arbeiterwohnung vertreten sein. Köpenick. Ueberfahren und getötet wurde vorgestern der Arbeiter Gustav Erpel aus der Adlershofcr Straße 2. E., der seinem Schwager beim Umzüge behilflich war, lenkte einen hockchepackten Möbeltvagen. Als von dem Gefährt ein großer Spiegel herabstürzte, wurden die Pferde scheu und gingen durch. Der Wagen wurde bald darauf gegen die Bordschwelle des Bürgersteigeö geschleudert, so daß der Arbeiter von seinem Sitz herabstürzte und unter das Gefährt geriet, dessen Räder ihm über die Brust hinweggingen und sofort seinen Tod herbeiführte». Der Verstorbene hinterläßt eine Witwe und vier unmündige Kinder. Friedrichshagen. Die Gemcindcvcrtretuug stimmte in ihrer Sitzung vom 18. März einer Stiftung des Rentier Masckiascheu Ehepaares, vorbehaltlich der behördlichen Genehmigung, zu. Durch notariellen Vertrag überweist das Ehepaar der Gemeinde eine Stiftung von 20 000 M. zur Gründung eines Alters- und Genesungsheim? sowie eines HeimS für verwahrloste Kinder. Der§ 2 der im April 1309 beschlossenen Grundsteuerordnling wird durch einstimmigen Beschluß wie folgt ge- ändert:„Der Besteuerung wird der gemeine Wert der steuerpflichtigen Grundstücke zugrunde gelegt. Die Grundsteuer wird nach einem für jedes Steuerjahr durch Gemeindebeschluß sestzustellende» und in ortsüblicher Weise bekannt zu machenden Satze von jedem Tausend des gemeinen Wertes der einzelnen Grundstücke erhoben; für unbebaute Grundstücke kommt aber ein mindestens um die Hälfte höherer Satz als für bebaute Grund- stü« zur Erhebung, indes darf der Satz für die unbebauten Grund- stücke den doppelte» Satz der bebauten nicht übersteigen. Zu einem bebauten Grundstück rechnet außer der mit Gebäuden besetzten Fläche noch das zehnfache der letzteren. Weitere Flächen gelten als selb- ständige unbebaute Grundstücke."— Der von der GesundheitS- komniission beantragten Errichtung einer Desinfektionsanstalt bat der Genieindevorstand zugestimmt und empfiehlt die Annahme de« An- träges. Die Vertretung beschließt, auf dem Grundstück der Pump- station ein besonderes Gebäude zu errichten und in demselben einen Desinfektionsapparat aufzustellen.— Durch den starken Verkehr deö Publikums im Rathausp, besonders in den Kassenräumen macht sich eine bauliche Veränderung der Bureauräimre notwendig. Der Gemeindevorstand empfiehlt, einen Ausbau der Kassenräume und der übrigen Etagen vorzunehmen. Die Hochbaukommission hat sich dem Vorschlage des Gemeindevorstandes angeschlossen. Die Vertretung stimmt demselben einstimmig zu. Zoffeu. Die letzte Stadkverordneteusitzung nahm zunächst Stellung zur Neueiuführung einer Biersteuerorduung. Für eingestihrte« Lagerbier tollen pro Hektoliter 65 Pf., für Brounbier 30 Pf. erhoben werden. Genosse RidzewSki sprach sich entschieden gegen die Einsührung einer solchen Steuer aus. Die Steuerordnung wurde jedoch mit allen gegen die Stimmen unserer Genossen angenommen. DeS weiteren wurde eine neue Baugebührenordnung beschlossen. Danach hat jeder Bauherr bei Wohnhäusern für einen Kubikmeter Rauminhalt 2 Pf. statt 1 Pf. zu zahlen. Bei anderen Gebäuden (Stallungen. Scheunen usw.) sind 6 M., für selbständige Parzellen 10 M., für Umbauten 6 M. zu entrichten. In der Debatte hierüber sprachen sich einige Bürgerliche gegen die Erhöhung der Gebühren aus. Als Genosse RidzewSki auf dw Mängel der Bauordnung hin- wies, wurde ihm, trotzdem er an die Versammlung appellierte, das Wort entzogen. Die Bürgerlichen können sich immer noch nicht mit dem Gedanken vertraut machen, daß sie nicht niehr ganz unter sich sind. Mahlsdorf a. d. Ostbahn. Die letzte Gemelndcvertreterfitzung erledigte zunächst den Etat. der nach dem Antrage der Etatkommission mit Unwesentlichen Aende- rungen angenommen wurde. Große Heiterkeit erregten die Anö- führuugen deS von den drei Wählern der ersten Klasse zum Ge- meindevertreter ernannten Herrn Bildhauer Klein über unser Kommunalprogramm. Nach diesem Programm, so betonte der Herr, soll durch die Gemeinde alles gratis geliefert werden; man müsse daher fragen: wer soll denn die Kosten tragen? Die Hausbesitzer seien schon schwer belastet.(Der Herr ist Borstandönntglied des tausbesitzervereins.) Seine Ausführungen ginge« dabin, daß die uschläge zur Einkommensteuer erhöht, die Grundwertsteuer aber herabgesetzt werden müßten, da die Mieter ja dock viel schneller der Gemeinde den Rücken kehren können wie die Hausbesitzer. Hierauf nahm der neue Vorsitzende des Bürgervereins, Herr Plebwe. daS Wort, um sich über den schlechleu Ton, den unsere Genossen im„Vorwärts" anschlagen, zu entrüsten. Genosse Schumann erteilte den Herren die gebührende Antwort. Für die Gemeinde« bibliorhek wurden 000 M. zur Anschaffung von Büchern bewilligt. Die in» Etat vorgesehene Anstellung einer Gemeindekrankenpflegcrin wurde mit Stimmengleichheit abgelehnt. Der Gemeindevorsteher, welcher diesen Antrag selbst gestellt hatte, stimmte dagegen, fweil er inzwischen anderer Meinung geworden war, befürwortete aber, dem kirchlichen Verein Frauenhilfe für dieses Jahr noch einmal 100 M. zum Gehalt der von diesem Verein angestellten Krankenschwester zu bewilligen. Die Versammlung bewilligte gegen die Stimmen unserer Genossen die Summe. Die Uebernahme der Straßcureinigung und Müllabfuhr durch die Gemeinde rief wieder die Hausbesitzer auf den Plan, weil die Kosten derselben auf die Besitzer verteilt werden sollen. Schließlich wurden hierzu die Mittel bewilligt. Leim Schul- etat wurde von unseren Genossen gerügt, daß derselbe den Gemeinde- Vertretern nickt spezialisiert zugestellt wird, und daß der Sckulvor- stand anstatt die Einwohner unserer Kolonie Mohlsdorf Süd zu berück- sichtigen, unter großen Kosten einen Anbau an das Schulgebäude in der Walderseestraße hat ausführen lassen. Die Kolonie zählt über 900 Einwohner. Eine große Anzahl derKinder muß den über eine Stunde weiten Weg täglich viennal zurücklegen. Der Genwindevorsteher erwiderte, daß er nur eine Stimme im Schulvofftand habe und im übrigen die Beschküsse auszuführen habe. Er teilte ferner mit, daß der Schulvorstand beschlossen habe, in Mahlsborf-Süd ei« weitere? Klassenzimmer zu mieten und zum 1. April eine weitere Lehrkraft anzustellen. Zinn Punkt Bau oder Erwerb eines Gemeindehai/es waren mehrere Offerten eingelaufen. Die Gemeindevertretung beschloß jedoch mit 14 gegen 5 Stimmen, das Rathaus auf deu� der Gemeinde gehörenden Platz an der Köpenicker Allee. Ecke der R>chns- dorfer Straße zu errichten und beauftragte die Baukommiision mit der baldigen Vorlegung eines Projektes, da die Gemeinde die inne- habenden Räume zum 1. Oktober räumen muß. Damit qt die Frage, die seit einem Jahr die Gemüter erhitzt, erledigt. Der Beschluß wurde von einem als Zuhörer anwesenden Borstands-- Mitglied des Bürgerbercins laut als„Schande" bezeichnet. Stach ehe der Herr auS den, Saale verwiesen wurde, entfernte er sich schlsinigst. Die übrigen Punkte wurden vertagt. Nieder-Schönhause». Aus der Gemeindevertretung. Ein Antrag der Tcrraiir-Mien» gesellschast auf Erstattung von 30 000 M. Pflasterkosten wurde ab- gelehnt, da in den Verträgen mit dieser Gesellschaft ein derartiger Anspruch nicht vorgesehen ist. Der zu beantragenden Adäudcrungj des Ortsnamens durch Vorsetzung des Wortes„Berlin" wurde zugestimmt. Die Stadt Berlin plant bei der diesjährige» Balis- Zählung wieder eine Erhebimg über Wohnungen und Grundstücke borzunehmen. Die Vertretung lehnte eine BeteiTiMng ab.!oeil irgendein Vorteil für die Gemeinde nicht zu erwarten sei. Von der vor fünf Jahren vorgenommenen gleichen Statistik ist übrigens- bis jetzt noch nichts bekannt. Ein kleines Nachspiel hatte die Ge» nwinveivahl der 3. Klasse vom 14. März. Bei dieser Wahl war von den bürgerlichen Parteien der Gcmeindcvertrcter Thiebach, dessen Periode jetzt abläuft, wieder als Kandidat aufgestellt worden. Herr Thiebach hatte sich als Gemcindevertreter bei den Gemeinde.- ltamten nicht besonders beliebt gemacht, daher war es auch zu ver- stehen, daß die Gemcindebeamtcn geschlossen gegen Thiebach stimmten und einen Herrn Rühl wählten. Diesem Umstand hatte- es Herr Tbiebach zu verdanken, daß er gleich bei der Hauptwahl' durchfiel. Herr Rühl hatte nun ein Schreiben an die Gememde- vcrtretung gesandt, worin er mitteilt, daß die Beamten ohne sein Wissen und Willen ftir ihn gestimmt hätten, trotzdem er gar nicht. aufgestellt gewesen wäre; aber er freue sich, das Vertrauen der Beamten zu besitzen. Tief bedauern müsse er jedoch die Acußerung des GemeindevertreterL Je ratsch nach Schluß der Wahl der 2. Klasse: Den Gemeindebeamten müsse ern rotes Banner gestiftet werden, bei der nächsten Ge» Haltserhöhung sollen sie die Quittung dafür vrhalten. Herrn Jeratsch war dieses Schreiben äußerst unangenehm, er hielt es denn auch für ratsam, diese Angelegenheit i» nichtöffentlicher Sitzung zu erörtern. �_ Die Beamten hätten jetzt allen Grund, stch bor der kommenden Stichwahl der Stimme zu enthalten, um so mehr hat die Arbeiter» schaft die Pflicht, dafür Sorge zu tragen, daß am 30. März au,, Uhr, im GewertichaslShause, Sngeluser 15- Außerordenttich« Versammlung, Sozialdemokratischer Lese-«nd Diskntierklnv.Heinrich Heine". Heut» abend S'/, Uhr: Sitzung bei Bolze, Rodenbergstratze(L Edfle willkommen,., Lese, und TiskutierNub ,S«d-Oft". Heute Mittwoch, abend««'/, Uhr. bei Neidlwrdt, Görlitzer Str. 58- MttaUeberverjammIung. TageSordmmg: l. Vortrag de« Gcnaisen Werner über:.Demosthene« wid seine Zeit". S. Diskussion.— Gäste willkonunen._ tzjes«. und Diskutier«»» Baumschulenweg. Den Mitglied«« vttd everit. Güsten zur Kenntnis, daß die heutige Sitzung ausfällt. Jugendveranstaltungen. Tegel. Die Freie Jugendorganilalion von Tegel und Umgegend der, anstaltct am Karfreitag eine Partie über: Herm«dorf-»2ehnitzs-e— Grabow« see— Matz—Sachsenhaufen— Oranienburg—Hermsbors—Tegel. Fahrgeld 60 Ps. Trcfspunlt bis morgens 7 Uhr bei Herrn Halse«, Vrunoivstr. 23. Abfahrt von H e r m» d o r s 8 20. Rückfahrt von Oranienburg abend««HS. ' Oraonifation am Sonnabend, oeu «nannte itwirkend« sind: Marg. Fuchs, Sängerin, tS. Avrck. Herr Karl Ferner veranilaltet g« «in grühlingSfest. Mi_________._____ l;._..,._ Lüpnitz, N-zUator, und Gesangverein„Immergrün". Da« Eiutrittsgeld be- wägt 25 Ps. BereinSmitglicder haben freie» Zutritt. Um zahlreiche Unterstützung obiger Beranslaltungen settm» der Arbeiter» schast bittet_ Der Vorstand. «asscrstanvS.Nachrtchten der LandeKanstaU für ßetofiff erkunde, mitgeteilt vorn Serllner vetterboreau. a Wasserstand M emel. Tilsit Pregel, Jutterbmg Weichtet. Tboru Oder. Ratibor , Krassen , Frantturt Sa r t h e, Schrimm , Lanosbrrg Netz«, Loroamm Elbe, Leitmerttz , Dresden , Bardo . Magdeburg Wasserstand Saale, Havel, Spanoau») , Rathenow') Evre«. Svremoerg') , veeStow Sefer. Münde« 0 Winotti Rhein, MaHmillanSau , Kaub . Köln Neckar, Heübrmm Mai«, Wen heim Motel. Tri« am 21. 3. em 150 113 1 134 «5 430 242 SM 99 183 ISt 'ett 20. 3. cm') +3 +ö +3 —3 0 —9 -7 —4 +2 4-3 4-8 -1 >)+ bedeute» Such»,— Fall.— A Unterpegel. ßmffcaftni der Redaktion. Tie kurlklsche Sprcchslu,!»« findet Ltadeastrag« S. zwtlt» H«f, dritter Emsong,»ter Zrtpptn, IM- Sahrftatz»"TKi«oidcntialt» adrnd» M» 7% fei« 9Vj Uhr statt,«cdffntt 7 Uhr.««itnafecnfes ttffliitii M« «vrechNaafee nm 6 Uhr. gefeer»,sr««r ist et« Buchstabe«ad eine Sah» al» Wertzeichen bcizafüoca. Briefliche«»Noart wird nicht erteil». St» fett» Bcanno-rt»«« im Briefkaste»»rm» 1« Tage vergrhea. Ltitge Frage» trag« «an in der Sferechstaade fear. H. 2. 63. 1. u. 2. Nicht». S. Ja. 4. U.(S. ebenfalls, die Steuer. behörde» nehmen aber kmimg hierbei einen anderen Standpunkt ein.— A. P. 100. 1. Nein. 3. Fall« der Betrag tatsächlich für die Begrab»!«. toste» a»sgewe«det ist— außer den unter 1 erwähnten 190 M.— auch nicht.— Moabit 430. 1. Ja, sofern nicht anderweitige ErwerbStämMt in erheblicherem Matz« vorliegt. 2. Für ein Kind nichts.— O. O. 1913, wem, nickt vorzeitige Auslösung erfolgt.— Adolf 400. Erkennen Sie bei dem EtaudeSbeamtm. bei dem die Schürt gemeldet ist, oder vor de« die Eheschließung erfolgt ist. Mhre Vaterschaft an und beantragen Sie die Umschreibung d-S Namens Lassen Sie sich alsdann von dem Standes. bcainten eine Urkunde erteilen, die Sie der Schule einreichen müssen. -- G. D. Lux. 1. Der Artikel stammt aus der Feder eines HiftorUers, der als Quellen eine Anzahl Werke benutzt hat. Liegt Ihnen an einem das Thema zusamniensallenden Werk— es sind mehrere vorhanden— so lassen Sie sich uou der Buchhandlung Vorwärts Berlin. Lindenstr. 69, einen xiatalog kommen. 2. Wir raten von einer Rückkehr ab. SS ist dauernd die SIrafvcrbüßung zu besürchlcit.— Ausländer 17. J. Sie könnie» noch zum aktiven Dienst herangezogen werden. Eine Bescheinigung der Heimatbehörde, daß Sie nach den dortigen Gesetzen disposittonssähig sind. — IS. 11. Unseres ErachtenZ ist die Heranziehung zur Ergänzungs- steucr schon jetzt gesetzlich begründet. Bei der Vcccchnmig der Höhe ist nach dem Alter der Bezugsberechtigten abzustufen.— H. F. IVO. Die Atilitärbchörde hastet nicht! erinnern Sie aber nochmals. Im übrigen raten wir, sich au die Laudesversichcrungsanilalt zit wenden. ßnefkaften der Cxpeditlon. Patiouten tu Beelitz. Buch und anderen Heilftättett. Diejenigen unserer Abonncnlen, die noch während des ganzen nächsten Monats in der Heilstätte bleiben, wollen uns lvcgen der Ueberweisung von Frei« exemtzlaren sofort ihre Adresse cinsenden, da bei verspäteter Bestellung die ersten Nummern des neuen MonatS von der Post»licht geliefert werden. Alle Adressen müssen jeden Monat neu eingesandt werden. ä' jh:>■''■'■Vz.''• /s?••; x.''Cr<. Zulius Sindenbaum Jffg. Gfo8e Frankfürter Str. 14i Spezialhaus ersten Ranges für Herren- unü Knaüen- Bekleidung. GroBe Frankturtef Str. 141 Ecke Frwchtwtrnfle. Eclte Fruchtwti'aBc. Trühjahrs- K ssiheifen In Mister, fakiets und Jlnzfigen in großer Auswal zu billigsten Preisen. Guter Sitz garantiert. UlstClT in grauen, schönen Unstern, gestreift and kariert U00 1400 1700 2100 20°° S200 PsilCtOt8 hell nnd dnnkel marengo, sehr solide Ans- führnng 1300 I600 1900 2400 2900 S400 ifHCliCtt-AllZikgC in nenesten aparten IHnstorn, Qualitäten"40 II00 l400 1700 2100 20°° 3200 Jackett- Alizilge Krsatz ffirllaC. 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Miß Dudeljack.(Anfang 3's. Uhr.) Hebbel, itaoallere. filnf. 8>/,Uhr.) Volksoper. Rigoletto.(Ans. 8'/, Uhr.) Luisen. Klapperstorch der Königin. Rote. Die Ehre. Luftspielhauo. Der dunkle Punkt. Met.-v-t. Halloh ll— Dt« groß« Revue. Folies(kaprice. Herr Wasterkrops. Der Lustturner.(Ans. 8'/, Uhr.) Casin». Berlin bei Rächt. Gebr. Herrnfeld. E« lebe da» Nachtleben.— Die Original. ZNabrtaSpartie. Stadttheater Moabit. Geschlossen. Sioach. Der tleme Lord. Slpruo. Der Zechpreller. Spezia» litäten. «vai uge. Spezialitäten. Wintergarten. Spezialitäten. Reichs!>a Nr». Sleltmer Sänger. PalaN. Spezialitäten. Kart Haverlan». Spezialitäten. Waldalla. Svczutlitäien Buggenbnzcn. Spezialitäten.(An- 'l'l, Uhr). Urai m. kaudeniiratze IS»N. Siachm. 4 Ubr: In den Delomiten. Abend» 8 Uhr: Rudolt Ttrold: Die österreichische Revier«. Hörtaai8U.: PiosessorDr.lltathgen: . Da» Porzellatt. Steintrartr. Znvalidenstr. 37— 63 Urania. Wissenschaftliches Theater. Nachmittags 4 Uhr: In den Dolomiten. Abends 8 Uhr: Rudolf Tirold: Die Oater- reichliche Kevlcra. Hörsaal 8 Uhr: Professor Dr. R a t h g o n: Das Porzellan. Friedrich-Wütielmstädtisches Schaaspieitiaus. Mittwoch, den 23. März, abends 8 Uhr: Zum t Male: �chuldi�. Drama in 3 Akten von Rich. Boß. Donnerstag: Schuldig. Freitag: Geschlossen. Sonnabend: Der Strom. Lusispielhaus. Abends 8 Ufir; Der dnnkle Pnnkt. keLidöiiMkÄöi Direktion: Richard Mexander. Abends 8 Uhr: Das Nachtlicht. Schwank in 3 Akten v. M. Zamacots. Donnerstag: Musotte. Karsreitag: Geschlossen. Sominvend: Musotte. Ostersonntag und«Montag: Das Nachtlicht. Volksoper. SW., Belle.Nlliance-Steaße Nr. 7/8. Abends'/,S Uhr: kigoletto. Lestillee-Idester 0.(Wallncr>TH«at.) Mittwoch, abends 8 Uhr: Loldfische. Lustspiel in 4 Akten von Franz von Schönihan und Gustav Kadelburg. Ende 10'/, Uhr. Donnerstag, abends 8 Uhr: Gallensteins Tod. Freitag: O cschlossen. Theater. Schiller-Theater(ChaiieUenburg). Mittwoch. abendSbUhr: Pgmont. Em Trauerspiel in S Auszügen von Johamt Aolsgang v. Goethe. Ende U'/z Uhr. Donnerstag, abends 8 Uhr: Viel liilrmcn um nichts. Freitag: CIcschlosseM, Brauerei Friedrichshain am Königstor. Gröstter Konzertsaal Berlins. Boot 27. März(1. Ostctfeieriag) bis zum 3. April: I>a?UK lilneke- Woche unter persönlicher Leitung 1*«üler Weinbergsweg 19-20, Rosenth.Tor, Ansang 8 Uhr: Das große Progr. Aatt, da« tebende BlekteizitSts- 1 verk u. die Uhrigen Spezialitäten Tunnel: Oie allergräClo Kanone.| Theaterbesuchern Tretet EintAttl Neue Welt. Hasenheide. Mittwoch, den LS. März z Aus dem Volte. Boltsstück mit Gesang in 4 Alten von H. Schulz und A. Seelen. Musik von A. Kerpen. Kassenöffnung 7 Uhr. Ansang 8 Uhr. r MOi Alt-Hoablt 47/18. Donnerstag, den LI. März: Keine Uorstellmig. ksiellLdsilell-siieslsi'. Stettiner Sttnger Z. Schluß(letzte Vieohs) Oer Nachtwächter von Zerpenschleuse vonMeyscl. Ansang: Wi'ckcnt. GM 8 Uhr. Sonntag» 7 Uhr. ZHHius Busch. Heute Mittwoch, den 28. Märi, abends 7-/, Uhr präz. s Großer Gala-Abend. Die Hassans! Therese Fiflis, James Leon Fillis juiu. Heinrich Fillis. in ihren Produktionen d. honen Schule. Hr. E. Schumann, Meisterdres. ReiterfamiUe Proserpi Zwergclown Francois, ICunstr. Gigerl clown Alfred Daniels. 9 Uhr ca. Ende lO'.'jDhr: Die russ. Sensatiens-Pantomlme WA" Marja!"WsZ Sonntag, Montag: L Vorst. Foües Gaprice Der Cuftturner. fVcucr bunter Teil. Herr Wasserkropf. Ansang 8'/« Uhr. Vorverk. N— L UHr. Qssino-ThGaiei* Lotbringer Straße 37. Anfang 8 Uhu Berlin bei Stacht. Donnersiag und Sonnabend i Ackcriiiium. 5(6 Sonntag: Berlin bei Nacht. Sonntag und Montag nachmittag 4 Uhr; Ein deutsches Frauenherz. W.Koacks Theater Srmmenilr. 16, am Rojenthaler Tor, Direktion: Franz M e r 1 e r. Vom 23. bis 26. Mär, der Karwoche wegen geschlossen. Sonntag nachm. 3 Uhr: Der Bsiderspänsttgen Zichmnng. Sonntag abend 8 Uhr: Wach- und Schliestaesellischaft. 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Ehre seinem Andenken l Die Beerdigung sindet am I Mittwoch, den 23. März, nach. mittags 3 Uhr, van der Leichen- balle des Nazarclh-Kirchhoses in! Rcinickclidors aus statt. 22K/7[ Um rege Beteiligung ersucht j Der VorKlanil. Allen Verwandten, freunden! und Bekannten die traurige Nach- richt, dag am Sonnabend mein lieber Mann, unser guter Vater, j der Schleifer Hermann Pletschkei im Alter von 35 Jahren verstorben ist. 1371b Dies zeigen mit der Bitte um stille Teilnahme au Msi-tba Pletschke nebst Kindern. Beerdigung: Mittwoch ilL Uhr von der Halle des Nixdorser Fried- hoscs, Maricndorser Weg aus. Sozialileiiiokrat. Wablvereiii Mixdorf. Am Sonnabend, den 19. März, verstarb unser Mitglied, der Schleifer Hermami Pletsclike (8. Bczirl). Ehre feinem Andenken! Die Beerdigung sindet heute nachmittag 4'/z Uhr, von der Halle dcS neuen Rixdorscr FriedhoseS (Maricndorser Weg) aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 234/15 Der Boritand. OsMör Metallarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin. Todes- Anzeige. Den Kollegen zur Nachricht, dag unier Mitglied, der Schleifer Hennstm Pletschke am 19. März an Lungenleiden gestorben ist. Ehre seinem Andenken 1 Die Beerdigung sindet am Mittwoch, den 23. März. nach- mittags 4-/2 Uhr, von der Leichen- Halle des neuen Gemeinde-Fried- hoscs, MariendorferWcz, aus statt. Rege Beteiligung envartet 113/11 Die O rtsNerwaltnng. Deutscher Transportarbeiter-Verband. Bezirksverwaltung GroB-Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, dag unser Kollege, der Chauffeur Ulbert pircHsu am 18. März im Alier von 31 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 23. d. Mts., nach. mittags 5 Uhr, von der Leichen- Halle des Nazareth-KirchhoseS in Neinickendors, Kögclstrage, aus statt. 07,14 Um rege Beteiligung wird ge- beten. Die Bezirköverwaltnng. Allen Verwandte», Bekannten und Kollegen die traurige Nachricht, dag am Montag, den 21. März, nach langem, schwerem Leiden mein inniggcliebter Mann, unser lieber Bruder, Schwiegersohn, Schwager und Onkel, der Former psuB Jonck verstorben ist. Dies zeigt tiesbetrübt im Namen der Hinterbliebenen an Frau Klnru Jonck geb. Fiebig. Die Beerdigung findet am Freitag, den 25. März, nach- mittags 4 Uhr, aus dein alten Thomas- Kirchhos in Rixdorf. Hermannftrasze. statt. 1334b Dr. SimmeS Spezial-Arzt* (Gr Haut- und Harnleiden. Prlnzenslr. 41, ÄÄ 10— 2, 5— 7. Sonntags 10—12, 2—4. Bücher, Meyer-, Brockhaus- Kmko« kauft Todes-Anzeige Allen Kollegen und Bekannten die traurige Nachricht, daff mein iimiggeliebter Mann, nnscr guier Vater und Bruder, der Krajt- droschkcnsührcr Ulbert k�ircTmu am Donnerstag gestorben ist, Die trauernden Hinterbliebenen Fran, Kinder und Geschwister. Die Beerdigung sindet heute MiUwoch. den 23. März« nachmittags 5 Uhr, von der Leichen- halle des Nazareih-Kirchhoscs in Neinickendors, Kögclstrage, aus statt. 48002 Am Montag, 2'/. Uhr morgens, verschied sanft nach kürzen, schweren, mit Kcdiild ertragenen Leiden meine inniggeliebtc, herzensgute Fra». unsere Tochter, Schwester und Tante 1329b Auguste Tlau g°b. Grassow im Alter von 34 Jahren. Dies zeigt tiesbctrübt an im Namen der Hinterbliebenen Der tieitrauemde Gatte Willy Plan, Steinsetzer, Scelower Siraffe 20. Die Beerdigung findet Donners- tag, nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des Zentral-F> iedhoses (Friedrichssclde) aus statt. vis Sonnabend S"- Uhr möchte ich mein nach Tausenden von Stücken zählendes Lager so weit wie möglich geräumt sehen. Daher Verkauf teilwEhe tör die Mitte der Originclprelse: MODELLE m Mänteln, Kostümen, Phan taslepiecen Kleidern, Röcken, Biusen Jacketts d Kimonos □ Beduinen Backfisch-Konfektion° Uebergangs-HSntein Reisemänteln, Regenmänteln anfangend von 0, 10, 12, 15, 20, 25, 33, oO bis 2o0 M. Erbitte Besuch ohne jeden Verzug! Entzückend schöne Fassonsl Gediegene, saubereAusarbeitungl Jede Grösse, jede Weite vorrätig. 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März, nachm. i'l, Uhr, j von der Leichenhalle des Markus- Kirchhoses, Wilhelmsberg, aus! statt. iMMMsWefinsM! üxti'a-,ll»tell,>nsr 1 1. Gesch.: Berlin W, Mohren- StraSe 37a(2 Haus von der) Jerusalamor Straße). III. Gesch.: Berlin NO., Große{ Frankfurt. Str. 115(2. Haus I von der Andreasstraße). I 1 Sehrgr.Ausw.fert. Kleider, I Hüte, Handschuhe, Schleier| I etc. v. einfachsten bis zum f hochelegant. Genre z. äußerst j niedrigen Preisen. Sonder-Abteilung: naßanfcrtigniig: in 10 bis 12 Stunden. 3 N Um mein neues Unternehmen Herrenhekleidungshaus nröBten SUls zu streng festen Preisen bekannt zu machen, verkaufe ich Herren= Anzüge Mode 1910.. m. 8" I200 1600 1800 Herren-Ulster die neuest, schlag« m. II00 1400 IS00 1800 Herren-Paletots dunkel«.farbig m. 750 IO00 1400 1600 JOnglings-Anzüge und Ulster enorm billig. I Posten bunte Westen wertbis 7,50. m. I7S 250 HOSen modernste Muster.......... M. 1'® 2� Gehrock-Anzüge ia Qualität...... m. 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Wie eine Meldung aus Hannover Besagt, brach gestern mittag dort bei einem Neubau in der Hart- muk.nstrahe ein Gerüst zusammen. Drei darauf beschäftigte Arbeiter stürzten aus der Höhe des dritten Stockwerks in die Tiefe. Einer ist tot, zwei find lebensgefährlich verletzt. Gestrandet! Aus New Jork wird gemeldet: Ein Dampfer der hiesigen Einwanderungsstaiion sank in der Nähe von Rock Island, 760 Einwanderer gerieten in die wildeste Panik, wurden aber, wie berichtet wird, von anderen Fahrzeugen sämtlich gerettet. Eine Pilgerkarawane von Räubern überfallen. Eine Depesche auS Konstantinopel meldet: Der Mali von Medina meldet dem Ministerium des Innern, dah eine von Medina abgegangene Pilgerkarawane mit 70 Kamelen gleich hinter den Toren der Stadt von einer Schar arabischer Räuber überfallen und beraubt wurde. Die Räuber gehörten dem Tribu der Meli Mehmed an. Der Per- Mittelung der Scheiche Medinas gelang es, von den Räubern die Freigabe der Kamele zu erlangen, so daß die Pilger ihre Reise fort- setzen konnten. Zu der Äsenbahnkataprophe iu Amerika. Zu der Eisenbahn« katastrophe in der Nähe von Grecemontain im Staate Iowa wird noch aus Chicago berichtet: Es bestätigt sich, daß 4S Personen umgekommen sind. Ein Personenzug der Rock Jsland-Bahn« gesellschaft stieß mit einem Güterzug zusammen. Die Lokomotive des Personenzuges, ein Schlaf- und ein Rauchwagen wurden vollständig zertrümmert. Gescheitertes Schiff. Eine Meldung aus Paris lautet: Wie ein aus Madagaskar im Marineministerium eingegangenes Telegramm meldet, ist ein g r o ß e s Schiff unbekannter Herkunst lS0 Meilen von Diego Suarez gescheitert. iL| §•§ -= e s §§ Swmemde 763 NW Mamburg>767 NNW verliri! 764 SW Arants.a D! 766 NO München �766Siill Wien>763 NW «euer 4 halb bd. »bedeckt 1 bedeckt 1 heiler wolkig Zwolkcnl w« c?« »!> i* wi Ctcttonen 52 »=4 -§ c 3 if Haparanda 745 SW Petersburg 755® Sctlly 773 NNW tlberdee» Part» 77t W 768 NNO « veUee ** G* Hi s wölken!—5 3 Schnee 0 5 bedeckt 3 bedeckt 2 wolkig SSetterprognose für Mittwoch, den LZ. März>St0. Nachts kälter, am Tage wieder etwas loärmcr, vlelsach heiter, mäßigen westlichen Winden: keine erheblichen Niederschläge. bei ««» Conrad M& lB StHuftwaren�abrik Spittelmarkt 15(Teilhaus) C, Rosenthaler Straße 14 W., Potsdamer Straße 50 W., Schillstr. 16 NW, Turmstraße 41, Ecke Oldenburger Straße. NW.. 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