Nr. 70. Abonnements- Bedingungen: $ Abonnements Breis pränumerando: Bierteljährl. 8,30 Mt., monatl. 1,10 M., möchentlich 28 Bfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Bfg. Sonntags. nummer mit illustrierter Sonntags Beilage Die Neue Welt" 10 Pfg. PostAbonnement: 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Post- ZeitungsPreisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Desterreich Ungarn 2 Mart, für das übrige Ausland 3 Mark pro Monat. Postabonnements nehmen an: Belgien, Dänemart, Holland, Italien, Luxemburg, Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. Ericheint täglich außer Montage. Vorwärts Berliner Volksblatt. 27. Jahrg. Die Infertions- Gebühr Betragt für die fechsgespaltene Kolonel zeile oder beren Raum 50 Bfg., für politische und gewerkschaftliche Vereins. und Verfammlungs- Anzeigen 80 Bfg. ,, Kleine Anzeigen", das erste( fett. gebructe) Wort 20 Pfg., jedes weitere Wort 10 Bfg. Stellengesuche und Schlaf stellen- Anzeigen das erste Wort 10 Bfg., jebes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm Adresse: Sozialdemokrat Berlin" Zentralorgan der fozialdemokratifchen Partei Deutschlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Vorwärts! Die dritte Lesung der Wahlrechtsvorlage hat fürzlich thren Abschluß gefunden. Aber damit ist der Kampf um die preußische Wahlreform nicht zu Ende! Am 12. April findet die Wiederholung der Abstimmung der dritten Lesung statt. Dabei können neue Anträge gestellt, nene Beschlüsse gefaßt werden! Aber auch wenn die Mehrheit des Abgeordnetenhauses in keine Aenderung des Gesetzes mehr willigen würde, so hat dann erst das Herrenhaus das Wort! Und unsere Reaktionäre rechnen ja darauf, daß das Herrenhaus das schier unmöglich Scheinende vollbringen: das unsäglich elende Wahlgesetz noch weiterhin verschandeln werde! Aber selbst wenn das Herrenhaus bereit wäre, dem Schnapsblock zuliebe auf jede Aenderung des Gesetzes zu verzichten, damit der Wahlrechtsraub am Bolte so rasch als zichten, damit der Wahlrechtsraub am Bolte so rasch als möglich bollzogen würde, so wäre es die gebieterische Pflicht der Opfer des Wahlrechtsraubes, den Kampf mit verdoppelter Kraft fortzusetzen! Donnerstag, den 24. März 1910. Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984. Dabei haben aber sämtliche großen Seemächte außer Deutsch- an, die bei der Wahlrechtsdemonstration vom 6. März in der land bereits ganz respeftable Unterseebootsverbände. So Gegend der Schlesischen Straße mit Schuhleuten in Konflikt gehaben Fahrzeuge dieser Gattung( fertig, im Bau oder be- raten sein sollen. reden " " 1 willigt): Franfreich 102, England 79, Rußland 36, Die Straffachen boten immer dasselbe Bild. Auf der einen Amerifa 35, Italien 12, Desterreich 12 und Japan 11. Seite stehen die Schule ute, die befunden, daß die von ihnen Und man unterschätze diese Boote hinsichtlich ihres Festgenommenen Bluthunde" oder" Haut die Hunde" gerufen denn schon eines der fleinen haben, auf der anderen Seite die Angeklagten, die dartun, Sostenpunktes nicht; österreichischen Unterseebote, deren Deplacement nur 230 Tonnen daß sie das Opfer einer Personenverwechselung gewesen sein beträgt, foftet 1 300 000 M. Die neuesten französischen Tauch- müssen. In den meisten Fällen werden auch noch von der Ver bote haben aber bereits eine Wasserverdrängung von 1000 teidigung Beugen benannt, welche bekunden sollen, daß die AnTonnen und kosten dementsprechend mehr. Die deutschen geklagten durch Brutalitäten von Schuhleuten, deren Augenzeugen Steuerzahler werden also in den nächsten Jahren wieder fie gewesen, in große Erregung bersetzt worden seien und deshalb einmal tiefer in den Beutel greifen müssen! mildere Strafe verdienen. Die Gerichte lehnen eine BeweisDoch weiter: Schon vor dem ostasiatischen Kriege stiegen führung nach dieser Richtung hin ab, indem sie als wahr unterdie Größenverhältnisse der Schiffe ständig, weil die Anforde- stellen", daß die Angeklagten durch einige Atte der Schußleute, die rungen, die man an ein modernes Stampfschiff stellte, von ihnen ungerechtfertigt oder brutal erschienen sein mögen, erregt Jahr zu Jahr höhere wurden. Aber nach dem blutigen worden seien. Der vor der 185. Abteilung unter Borsiz des Amtsrichters Treffen in Asien hat die Kriegsschifftechnik ein geradezu beängstigendes Tempo angenommen. Die Seestrategen aller Dr. Lepena u verhandelte Fall unterschied sich von den übrigen Länder haben aus dem Ausgang dieses Konfliktes die Schluß in einigen Punkten. Der bisher unbestrafte Arbeiter Wilhelm folgerung gezogen, daß alles Heil im Seekriegswesen in der Lehmann war nicht nur wegen Beleidigung, sondern auch wegen schweren Artillerie liegt, und so ist man denn in allen Staaten Widerstandes und lebertretung der Straßenordnung angeklagt. bemüht, die artilleristische Wirkung der Linienschiffe zu steigern. Er war ohne böse Absicht in die Menschenmenge hineingeraten und Das erste Ergebnis dieser Bestrebungen war das englische soll den Anordnungen der Schutzleute nicht Folge geleistet, BlutSchlachtschiff Dreadnought", das über die beispiellos starte hunde" gerufen und bei seiner Siftierung sich widersetzt haben. während bis dahin die stärksten Schiffe nur vier Sanonen auf Boruntersuchung gestellt, um für die Behauptung des Armierung von zehn 30,5 Zentimeter Geschützen verfügte, Sein Verteidiger, Nechtsanwalt Dr. Ruhm, hatte den Antrag dieses Stalibers besessen hatten. Schon anläßlich des Stapel- Angeklagten, daß er nicht die Beleidigung begangen, und ferner laufs der„ Dreadnought" sagten wir aber voraus, daß auch über das Verhalten der Schußleute Zeugen zu Worte fommen zu dieses Rekordschiff um in der Sprache der Flottentreiber lassen. Die Straffammer hatte den Antrag abgelehnt. Rechtszu sehr bald zum" alten Eisen" gehören anwalt Dr. Ruhm sandte nun aus dem Verhandlungszimmer, werde. Wie recht wir damals hatten, mag daraus schleunigst eine Beschwerde über diesen Beschluß an die Kammer hervorgehen, daß die neuesten Linienschiffsbauten fast aller ab und beantragte mit Rüdsicht hierauf die Aussehung der Seemächte die Dreadnought" an Größe weit hinter sich Verhandlung. Das Schöffengericht lehnte aber lassen und daß beispielsweise das Deplacement des letzten den Antrag ab, weil ein Antrag auf Voruntersuchung nach Eines der wichtigsten Mittel im Wahlrechtstampfe ist amerikanischen Schlachtschiffes Arkansas" zirka 28 600 Tonnen Gröffnung des Hauptverfahrens prozessual unzulässig sei. In der aber die Preffe! Sie enthüllt jeden Schachzug, jede Tücke beträgt, damit allo um beinahe 10 000 Tonnen größer ist als Sache selbst behauptete der Angeklagte, daß der Schuhmann, der das Deplacement der„ Dreadnought". Was das letzte Schiff ihn wegen des angeblichen Schreiens festgenommen hatte, sich in der des Feindes, sie gibt das Signal des Kampfes, fie schafft erst auszeichnete, das war seine starte Armierung und seine hohe Person geirrt haben müsse und sein Bruder, der einen guten durch Belehrung und Aufrüttelung der Massen die Vor- Geschwindigkeit. In beiden Beziehungen ist es weit über Gindrud machte, aber uneidlich vernommen wurde, bestätigte bedingungen für den wuchtigen Ansturm der Massen gegen die troffen, erhalten doch die neuesten französischen Linienschiffe die 8. Dagegen beschwor der Schußmann Peter, der vom eine Bestückung von 16 30,5 Zentimeter- Geschüßen und er Vorsitzenden wiederholt ersucht wurde, seine Aussage auf das einige der jüngsten Panzer bereits 23 Snoten forgfältigste zu prüfen, daß jeder Irrtum ausgeschlossen sei und um 21,5 Knoten beträgt. Amtsanwalt beantragte 2 Monate Gefängnis und Wer den Wahlrechtskampf wirksam und wuchtig Und genau dieselben Erscheinungen finden wir bei den 2 Wochen Haft. Der Gerichtshof verurteilte den Angeführt, wer die Wahlrechtsräuber und Wahl. Panzerkreuzern. Diese sollen nicht nur reine Aufklärungs- geklagten wegen der öffentlichen Beleidigung zu 3 Wochen Ge rechtsbetrüger entlardt und die Sache der fchiffe sein, sondern sie sollen sich auch an der Schlacht be- fängnis, wegen des Widerstandes zu 50 Mart Geldstrafe Boltsrechte siegreich vertreten zu sehen wünscht, teiligen können. Diese zwiefache Aufgabe hat dazu geführt, und wegen Uebertretung der Straßenordnung zu 3 Tagen Haft. den Panzerkreuzern eine schwere Artillerie zu geben, welche Die übrigen verhandelten Fälle boten keine besondere Mo. der sorge deshalb mit aller Zatkraft für die Berbreitung der der fast aller älteren Linienschiffe überlegen ist, und sie hat mente. Sie endeten mit der Verurteilung der Angeklagten zu Arbeiterpresse, für Gewinnung Zehutausender neuer Abonnenten weiter zu einer toloffalen Steigerung der Waschinenleistung Gefängnisstrafen von 3 Wochen bis zu 2 Monaten. Lettere für den geführt. Während der der im Jahre 1897 vom Stapel Strafe traf eine Person, die laut Bluthunde" den Schuhleuten gelaufene deutsche Panzerkreuzer Fürst Bismard", der entgegengeschleudert hatte. damals der größte war, bei 18,7 Knoten Ge- Nicht ganz in diese Kette von Anklagen, aber doch in dasselbe schwindigkeit 13 600 13 600 Pferdeftärken erforderte, entwickeln Milieu fallend war die Anklage, auf die sich der Tischlergeselle die Maschinen des neuesten englischen Panzerkreuzers Friedrich Krüger au verantworten hatte. Er hatte die bekannte bei 28 Snoten ca. 45 000 Pferdestärken. Erhöhung der Warnung des Polizeipräsidenten v. Jagow von einer AnschlagMaschinenleistung und Verstärkung der Artillerie ziehen aber fäule gerissen und sich dadurch gegen den§ 134 des Strafgesetzbuchs eine Deplacementsvergrößerung nach sich, und so beträgt bergangen, welcher besagt:„ Wer öffentlich angeschlagene Bekannt. denn die Wasserverdrängung des jüngsten britischen Panzer- machungen, Verordnungen, Befehle oder Anzeigen von Behörden freuzers bei voller Ausrüstung bereits ca. 22 000 Tonnen. und Beamten böswillig abreißt, beschädigt oder verunstaltet, wird Der stärkste deutsche Panzerkreuzer hat ein Gewicht von mit Geldstrafe bis zu 300 M. oder mit Gefängnis bis zu 6 MoWir haben schon öfter gezeigt, daß nicht nur die Ver- 15 500 Tonnen, das größte deutsche Linienschiff ein solches von naten bestraft." Der Gerichtshof verurteilte den Angeklagten zu mehrung der Kriegsschiffe, sondern in noch höherem Maße 18 500 Tonnen. Wir fönnen hieraus schließen, daß auch 3 Tagen Gefängnis. der Fortschritt der Seekriegskunst von unheilvollem Einfluß Dentschland in allernächster Zeit zu weiteren Deplacementsauf die Reichsfinanzen ist. Verfolgt man nun das rasend erhöhungen übergehen wird. Das bedeutet aber eine Zu" Infamie des Wahlrechtsverrates! chwindigkeit, während die Geschwindigkeit der„ Dreadnought" der Angeflagte gerufen habe:« Saut doch die Bluthunde!". Der „ Vorwärts"! Von der Mordstechnik. rasche Fortschreiten der Zerstörungstechnik in den letzten vier nahme der Marinelaften über die Summen hinaus, die die Vor dem Forum des Stadtparlaments Jahren, dann gehört wirklich nicht viel Prophetengabe dazu, Geldbedarfsrechnung der letzten Flottengefege vorfah; denn um den Völkern ein immer ärgeres Anschwellen der Marine- während der deutsche Etat im Jahre 1905 die Kosten Lasten zu weissagen. eines Linienschiffes erst auf 24,3 Millionen Mark vervon Berlin. Im Untersee boots bau sind in den letzten zwei anschlagte, wird die vollständige Ausrüstung der neuesten In der Berliner Stadtberordnetenverfamm. Jahren erhebliche Fortschritte gemacht worden. Die größten amerikanischen Riefenpanzer weit über 50 Millionen Mart Iung bot sich am Mittwoch bei der Beratung des Mängel des submarinen Bootes waren bisher bekanntlich erfordern. Wenn die Entwickelung des Schlachtschiffes nur Stadthaushaltetats unseren Genossen die Gelegenfeine geringe Seefähigkeit und seine mangelhafte Geschwindig- noch wenige Jahre in demselben Tempo weitergeht, dann heit, eine Abrechnung mit Herrn v. Jagow und keit, die bis dahin 6 bis 8 Knoten in der Stunde nirgends muß das deutsche Flottengesetz von 1900 beseitigt werden, seinen Leuten zu halten. Zum Etat der Polizeikoſten überschritt. Durch eine Vergrößerung der Schiffsdimensionen will Deutschland nicht die Konsumkraft seiner Bevölkerung in war von der sozialdemokratischen Fraktion eine und eine Erhöhung der Maschinenleistung hat man aber eine geradezu ffandalöser Weise einengen und die deutsche Volks- Resolution beantragt worden, die die Vertreter der ganz bedeutende Erhöhung der Seetüchtigkeit erzielen tönnen. wirtschaft dadurch dem völligen Ruin entgegensteuern. Bürgerschaft zum Protest gegen die Polizein Bei den letzten französischen Probefahrten blieben die Untertaten bom 6. März aufrief. seeboote ununterbrochen 72 Stunden in See, davon 36 Stunden in untergetauchtem Zustande. Die Geschwindigkeit der neuesten Projette unter Wasser schvanft zwischen 10 und 20 Seemeilen. Man kommt langsam aus dem Stadium der ersten Versuche heraus, und es beginnen sich ganz bestimmte Typen auszubilden, so daß alle Länder den Bau von Unterseebooten forciert betreiben können. Bluthunde. Die Kosten für die Polizei, die„ tönigliche", müssen in Berlin aus dem Stadtfädel bezahlt werden, aber widerspruchslos soll die Bevölkerung der Nefidenz es hinnehmen, daß der Die Nache für die Blamage der Polizei am 6. März führt Schumann, auf Befehl" handelnd, den Herrn der täglich zu Anklagen gegen Personen, die" Bluthunde" oder der Straße spielt. Durch die bisher beispiellofe Polizei. gleichen Polizeibeamten genannt haben sollen. Die Anflagen willkür, die man am 6. März uns zu bieten gewagt hat, werden nicht vereinigt, sondern gegen jede einzelne beschul- find endlich au ch bürgerlichen Kreisen die Augen Der deutschen Marineverwaltung sind für diesen 8wed digte Person wird einzeln getlagt. Mit ängstlicher Scheu hütet sich geöffnet worden. Weitester Schichten der Bevölkerung in den letzten zwei Jahren bereits 17 Millionen Mart be- die Anklagebehörde, ein umfassendes Verfahren einzuleiten, in dem hat sich eine gewaltige Erregung bemächtigt, die nach einer willigt worden. Wie die 17 Millionen Mart verwendet worden das gesamte Berhalten der Polizei flargestellt wird. Ein Abwehrfundgebung ruft. Leider meinten aber die find, weiß man leider nicht. Fest steht, daß bereits mehrere seitig werden lediglich die höchst interessierten Polizeibeamten als reisinnigen des Berliner Stadtparlaments sich wieder Boote vorhanden sind und daß diese Boote befriedigende Beugen vernommen. Soll durch diese Masse von Einzeltlagen einmal als Bremser betätigen zu sollen. Die um Cassel Leistungen erzielt haben. Geft steht weiter, daß man bereits unter Ausschaltung einer Beweisaufnahme über die Polizei und um Rosenom hatten der Resolution unserer Genossen dabei ist, in Danzig einen besonderen Hafen für Unter- taten dem Philister das Grufeln beigebracht und das zerfekte einen eigenen Antrag entgegengesetzt, der eine Stellung feeboote einzurichten. Es fehlt also nur die Flotte, die Neommee der Bolizei wiederhergestellt werden? nahme zu den unerhörten Vorgängen bom nach der Ansicht der Flottenfreunde natürlich den Unter- Gestern standen in verschiedenen Schöffengerits. 6. März bermied und nur eine Wiederholung zu ver feebootsflotten der anderen Staaten ebenbürtig sein muß. abteilungen wieder ein halbes Duhend Straffachen gegen Personen| hüten wünschte. Zur Begründung der Nesolution, die bau unserer Frak- tkon beantragt wurde, ergriff Genosse S t a d t h a g e y das Wort. Er legte dar, daß die Polizei Berlins im Zusammen- wnrken mit der Geuidarnierie der Vororte sich eines g e s s lj- widrige» und gewalttätigen Eingriffes in die Rechte der Stadt und ihrer Bewohner schuldig gemacht habe. Diese Attacken auf Straßenpassanten, diese Erstürmung von Gastwirtschaften und ähnliches mehr seien geradezu als L a n d f r i e d e n s b r u ch anzusehen, und man könne nur die besonnene Zurückhaltung bewundern, mit der die Bevölkerung das alles hingenoinmen habe. Stadthagens Ausführungen waren eine Anklagerede von zer- malmcn-der Wucht, wie Keulenschläge wirkten manche ihrer Sätze. Er schloß mit dem Ausruf, es sei eine Schmach für die Stadt Berlin, daß ihre Bevölkerung sich die Polizeitaten de? 6� März habe bieten lassen müssen. Nach ihm sprach der freisinnige Stadtverordnete Cassel als Wortführer seiner Fraktion„Alte Linke" und diesmal zugleich für die„Neue Linke", die ihr gleichwertig ist. Auch er forderte, daß der Bevölkerung Berlins nicht ihr durch das ReichSvereinsgesetz gewährleistetes Recht verkümmert werde. Aber mit allerlei Ausflüchten entzog er sich der Pflicht eines rückhaltlosen Protestes gegen die verübte Polizei- Willkür. Ueber die Vorgänge vom 6. März will er nicht urteilen, weil es an genauen Feststellungen fehle. Doch will er. so sagte er, den Mißmut der Bevölkerung beschwich- tigen: das sei mit ein Zweck, den sein Antrag verfolge. Im Gegensatz zu Cassel und den Seinen gab für die kleine „Sozialsortschrittliche Gruppe" der Stadtverordnete Uli- st e i n die Erklärung ab, daß sie in erster Linie für den Antrag der Sozialdemokraten stimmen»verde. Von unserer Seite sprach dann noch Genosse Borg- mann. Er schilderte die Verhandlungen, die wegen der im Treptower Park geplanten Versammlung gepflogen worden waren und ihn sowie den Genossen Ernst bis zun» Minister des Innern geführt hatten. Die Mitteilung, daß der Minister erklärt habe, an dem ruhig verlaufenen 13. Fe- b r u a r habe gegenüber den Denionstrationsziigen o i e Polizei nicht ihre Pflicht getan, rief Bewegung im Saal und auf der Tribüne hervor. Gegen den Antrag Cassel, der mit dem Begriff einer„Gefährdung der öffent- lichen Sicherheit" verklausuliert ist, machte Borgmaun geltend. daß für die Polizei eben immer„die öffentliche Sicherheit gefährdet" sein wird, wenn es sich um Veranstaltungen dieser Art handelt. Hatte Herr Cassel die Leisetreterei des Ber- liner Stadtfreisinns noch zu maskieren sich bemüht, so wurde sie von seinem Fraktionsfreund Stadtverordneten S o n ne n f e l d in aller Hülleulosigkeit gezeigt. Dieser Frei» sinnige trug kein Bedenken, es„eine absolute Un- g e s e tz l i ch k e i t" zu nennen, daß nach Nichtgcnehmigung der Versammlung im Treptower Park öffentlich zu einem Spaziergang dorthin aufgefordert worden sei. Ihm antworteten aus den Reihen unserer Genossen stürmische Rufe der Entrüstung, in die die Tribüncnbesucher einstimmten. Die Abstimmung ergab Ablehnung der Resolution, für die mir die sozialdemokratische Fraktion und neben ihr noch die sozialfortschrittliche Gruppe eintrat. Angenommen wurde dann der A n t r a g C a s s e l, aber keineswegs einstimmig. Die Unterstützung wurde ihm der- weigert von der sogenannten„Freien Fraktion", der rück- schrittlicküten der Stadtverordnetenversammlung. Zu ihr ge- hört auch der Vorsteher, der so in einen bemerkenswerten Gegensatz zur Mehrheit geriet. .' Die weitere Beratung des Stadthaushaltsetats brachte unter anderen noch eine erregte Aussprache über die Lage der Gemeindcarbeiter. Den Reigen eröffnete hier Genosse Leid, der sich den Kämmerer Steiniger vor- nahm und ihn als krassen Ignoranten entlarvte. Nach einer überaus lahmen Antwort des Kämmerers, dem auch der Stadtrat Namslau bcizuspringen versuchte, wurde die Abschlachtung des blamabel schlecht informierten Kämmerers durch unsere Genossen Borg mann und H i n tz e fortgesetzt und vollendet. Dabei kam es schließlich noch zu einen. Zu- sammenstoß mit dem Vorsteher, der die Äussührungen Hintzes in einer durchaus ungehörigen Weise kritisieren zu dürfen meinte._ Gegen die iagow-Jultiz! Ein bürgerliches Blatt wenigstens, das„Berliner Tageblatt", zwar kein offizielles freisinniges Organ, aber gerade darum das g e l e s e n st e aller liberalen Blätter, findet den anerkennenswerten Mut, an der eilfertigen Prozessierung der Opfer der Jagowschen Polizciattacken ent- schiedcne Kritik zu üben. Der Protest des„Verl. Tagebl." lautet in seinen markantesten Stellen: .An sich ist gegen eine rasche Justiz nichts zu sagen; ober die Fixigkeit darf nicht auf Kosten der Richtigkeit triumphieren. Gerade wenn Polizei und Staatsanwaltschaft sich beeilen, müsien sie auch den leisesten Schein vermeiden, als ob eS ihnen erst einmal um eine Reihe von Verurleilungen zu tun ist. E« macht aber einen sehr unangenehmen Ein» druck, daß vorläufig nur die angeblichen Missetäter bei den Szenen am Schlesischen Tor angeklagt find, während man von Anklagen wegen des Spazierganges im Tiergarten, der doch am 6. März den Mittelpunkt der Demonstrationen für ein freies Wahlrecht bildete, bisher nichts gehört hat. Wünscht der Herr Polizeipräsident auf die nun schon historische Schlappe, die er sich dort geholt, nicku wieder die«ufmerk'amkeit hinzulenken, oder fürchtet man vielleicht die Aussagen deö sehr zahlreichen Publikums, das damals zum unfreiwilligen Augenzeugen des brutalen Vorgehens der Polizei und der unsinnigen vom Großen Stern aus in die Reihen der Spaziergänger gerittenen Attacken gemacht wurde? Oder will man alle diese Zeugen ebenso beiseite schieben, wie es gestern und vorgestern niit dem größten Teil der vorgeschlagenen Zeugen geschehen ist? In diesem Falle konnte aller- dingS von einer gerecht abwägenden Justiz nicht mehr ge- sprachen werde«. Es würde sich nur darum handeln, ein »Exempel zu statuieren� und der Polizei eine „eklatante Genugtuung" zu verschaffen. Aber solche Zwecke haben mit der unparteiischen Rechtsprechung nichts mehr zu tun. Daß die schöffengerichtlichen Urteile nicht einfach hin- genommen werden dürfen, sondern daß gegen sie B e» r u f u n g eingelegt werden muß, versteht sich von selb st. T>aS Schöffengericht verhörte am Montag wenigstens noch ein paar Zeugen, während es sich am Dienstag einfach auf die SuSsagen der Schutzleute verließ. LllerdingS, das Gericht unterstellte alle-, waS durch die Zeugen bewiesen werden sollte, als w a h r.... Sind aber, wie jetzt durch die Amtsanwaltschaft und daS Schöffengericht als wahr angenommen wurde, schwere Ans- schreitungen der Polizeibcamten vorgekommen, wie solche ja schon früher anläßlich der Ferrerversammlung durch Zeugenaussagen festgestellt worden sind, dann ist eS unverständlich, wie sich der Vertreter der Amtsanwaltschaft auch noch darüber beklagen konnte. daß sich niemand in der Presse der Schutzleute annehme. Wir geben trotzdem zu, daß die Schutzleute zmn großen Teil nichts dafür konnten, sie mußten ausführen, was ihnen befohlen wurde. Ader bei ihren Vorgesetzten liegen die Dinge viel schlimmer. Für die empörende Attacke am Gros?cn Stern gibt eS kcinc Entschuldigung... Was ist denn eigentlich trotz derHerauSforderungen und Uebergriffe der Polizei geschehen? Wer von den Spaziergängern auch nur de» Versuch zum tätlichen Wider- stände machte, der wurde von den„Ordnern" sehr nachdrücklich zur Ordnung verwiesen. Sie haben einfach geschrien, als die Polizei in sie hineinritt. DaS ist die natürliche Reaktion der Muffe. Der verwerfliche und rohe Ruf„Bluthunde 1" wurde zum häßlichen Ausdruck der allgemeinen Erregung. ES mag be- dauerlich sein, daß sich die Masse im Ausdruck vergreift; denn wenn sie auch nicht die philosophische Ruhe besitzt, eine Vergewaltigung schweigend zu erlragen, so hätte doch jedes Schimpfwort vermieden werden müssen. Damit werden indessen noch nicht die ungewöhnlich hohen Strafen gerechtfertigt, die in den letzten Tagen gegen einige willlürlich herausgegriffene Personen gefällt worden find, und noch weniger die einfach un- verständlichen Anträge des Assessors Schmidt. Die Polizei halte vielleicht besser getan, von einer Strafverfolgung wegen des WahlrechtsspaziergaiigeS abzusehen; da sie nun aber an die Gerichte appelliert hat, so versteht es sich von selbst, daß die Dinge in einem unparteiischen gerichtlichen Verfahren klargestellt werden, nicht nach den einseitigen Bekundungen der Schutzleute, sondern auf Grund umfassender Zeugen- aussagen; und wir hoffen, daß alle, die bestimmte Angaben über die Vorgänge des 6. März machen können, sich den Lngellagten zur Versügung stellen werden." Wie sich auch die übrige bürgerliche Presse zu den Prozessen stellen niag: die Arbeiterschaft jedenfalls wird sich durch derartige Aktionen nicht einschüchtern lassen, sondern den Kampf gegen Wahlrechts- und Polizeischmach mit allem Nach- druck fortsetzen!_ poUtifcbc OcberHcbt. Berlin, den 23. März 1910. Ministerehren in Preusten. Minister v. Moltke erfreute sich weder beim Zentrum, noch bei den Agrarkonserdativen der schärferen Tonart sonder- licher Beliebtheit; denn er besitzt nach der Ansicht dieser „vaterländischen" Parteien zu wenig„Schnei d" und läßt sich zudem allzusehr von dem Unterstaatssekretär Holtz, der matt-nationalliberale Anschauungen hegt, beeinflussen. So weiß denn bald das eine, bald das andere klerikale oder kon- servative Blatt zu verkünden, daß Herr v. Moltke a m t s- m ü d e sei oder irgendwo angestoßen habe, woraus gewöhnlich irgend ein anderes Organ des blau-schwarzen Blocks ant- wortet, daß das Gerücht von der Amtsmüdigkeit nicht ganz zuträfe; denn wenn auch das Schicksal Herrn v. Moltke auf dem Ministersessel bisher wenig Lorbeerkränze beschert habe, so hätte er doch immerhin noch nicht ganz abgewirtschaftet. Und bei dieser kuriosen Ehrenrettung werden dem Herrn Minister so eu passavt einige kleine Lobeszensuren aus- gestellt, die beleidigender sind, als die schärfsten Angriffe es sein könnten. So schrieb kürzlich die„Köln. Bolksztg.": „In parlamentarischen Kreisen erhält sich das Gerücht, daß Minister v. Moltke amtsmüde sei und sich nach einem Ober- Präsidium zurücksehne. Der. Wunsch ist an sich zu begreifen. denn gerade in den letzten Wochen hat der Minister verschiedent- lich eine Kritik über sich ergehen lassen müssen, wie sie im preußischen Landtag immerhin nicht zu den Alltäglichkeiten zählt.... Allerdings kann er sich damit entschuldigen, daß in Wahrheit der Unterstaatssekretär Holtz, der in ungeniertester Form die Geschäfte der nationalliberalen Partei zu vertreten bemüht ist, die Schuld trage, indem er unter dessen Einfluß sich zu Schritten verleiten ließ, die er heute vielleicht lieber un- geschehen wissen möchte, um so mehr, als er der Ge- fahr dielleicht nicht ganz entgangen ist, sich mit den Absichten und der Politik des Ministerpräsidenten in Widerspruch gesetzt zu haben. Die Verantwortung dafür aber trägt nicht der „unverantwortliche" Unterstaatssekretär, sondern sie muß der Minister selber tragen." Recht schwere Angriffe. Herrn v. Moltke wird nachgesagt, daß seine Befähigung für seinen Posten nicht ausreiche, und er nur ein Spielball in der Hand seines Unterstaatssekretärs sei, dann wird er beim preußischen Ministerpräsidenten denunziert und schließlich der letztere noch obendrein auf- gefordert, für die Entfernung des Ministers des Innern zu sorgen, wenn er nicht für dessen Leistungen verantwortlich gemacht werden wolle. Und auf diese schönen Angriffe antwortet die„Deutsche TageSztg." mit folgenden halbversteckten Bosheiten: „Man wird wohl allerseits zugeben müssen, daß Herr von Moltke als Minister dsS Innern nicht immer eine glückliche Hand gehabt und bekundet hat. DaS galt schon von der viel erörterten Angelegenheit des Herrn Lothar Schücking, daS gilt wiederum von der Empfehlung der Germanicus-Bro- schüre. Auch daS wird nicht bestritten werden können, daß die Vertretung des WahlrechtSentwurfes durch den Minister nicht sonderlich geschickt und zweckmäßig war. WaS dagegen die„Kölnische VolkSzeitung" über den Untcrstaatssekretär Holtz sagt, das entzieht sich unserer Nachprüfung. Wir möchten auS- drücklich betonen, daß wir uns mit dieser Kennzeichnung der Tätigkeit des Herrn Unterstaatssekretärs nicht identifizieren. Im übreigen haben wir unsererseits noch nichts davon gehört, daß der Minister des Innern s ich mit Nücktrittsgedan- ken trage. Es ist wohl auch zuviel gesagt, wenn die„Köl- Nische Volkszeitung" davon spricht, er sei der Gefahr vielleicht nicht ganz entgangen, sich mit den Absichten und der Politik des Ministerpräsidenten in Widerspruch gesetzt zu haben. Unseres Er- achtens handelt eS sich nicht um«inen wirklichen Widerspruch, sondern nur um ein gewisses Fehlgreifen in der Form. Wir glauben nicht, daß Herr von Moltke binnen kurzem auS seinem Amte scheiden werde. Wir würden daS auch bis zu einem gewissen Grade bedauern, da seine Amts- führung, abgesehen von den bereits erwähnten Fällen, zu grund- sätzlichco und wesentlichen Ausständen keinen Anlaß gab." Echt preußisch! Wir finden es gffnz«ngetneffen, Jfletm preußische Minister von den Regierungsparteien als Schul- jungen betrachtet und ihnen die schärfsten Rügen criteilt werden. Das entspricht völlig der Zivilisation Preußens und der Stellung seinei; Minister als Kommis des Junkertums. Wer auf die sonderbare Ehre Anspruch erhi.'bt, in Preußen Minister zu spielen, muß auch die Konsequenzen auf sich nehmen._ Auch unter neuer Firma noch immer die Alten. Die„Kölnische Zeitung" vom 28. März erzählt daS folgende niedliche Stückchen von der Prinzipienfestigkeit der Fortschrittlichen Votkspartei: Die Einigung ber beiden liberalen Gruppen, der Freisbmigen Volkspartei»nd der Freisinnigen Vereinigung in Lübeck stieß aus Scbwierigkeiicn, weil man die Frage des gemeinsamen Vorsitzenden nicht zu lösen vermochte. Jede Gruppe wollte den Vorsitz haben, dann aber ist man darauf gekommen, einem beiden Parteien fernstehenden Mann das Amt des gemeinsamen Vorsitzenden anzubieten, und zwar dem früheren Rcichslagsabgeorduetc» Dr. Görtz. Dieser Dr. Görtz hat indessen seinerzeit für die Aenderung de« Wahlrechts dergestalt gestiinmt, daß die Wähler in zwei Klassen geteilt und somit der Sozialdemokratie nur eine bestimmte Zahl von Sitzen in der Bürgerschaft eingeräumt wurde. Da diese Handlung gegen dab Parteiprogramm verstieß, trug man Bedenken, Dr. Görtz ohne. weiteres zum Vorsitzenden zu wählen, man wandte sich mit einer Anfrage an die Parteileitung in Berlin, gab dabei aber auch zu erkennen, daß in Lübeck eine Aenderung des Wahlrechts notwendig war, wollte man nicht die ganze gesetz- geberische Tätigkeit den Sozialdemokraten überantworten. Die Parteileitung hat daraufhin zu erkennen gegeben, daß die Forderung deS Parte, Programms hinsichtlich des allgemeinen, gleichen, direkten und ge- Heimen Wahlrechts der besonderen Verhältnisse halber auf die Hansa st ädte keine Anwendung finden soll. Der Wahlrechtsverschlechterer Dr. Görtz wird demnach Bor« sitzender der„fortschrittlichen" Volkspartei werden. Bismarck und die indirekte Wahl. Die Konservativen agrarischer und industrieller Couleur haben sich in letzter Zeit zum Beweise der Berechtigung ihres Widerstandes gegen eine freiheitliche Reform des preußischen Dreiklasscuwahlrechts mehrfach auf frühere Aussprüche Bismarcks und anderer preußischer Politiker bezogen. Dem- gegenüber dürfte der Hinweis darauf nicht unangebracht sein, daß Bismarck sich am 28. März 1867 mit folgenden Worten für die direkte Wahl ausgesprochen hat. „Ateiner Ueberzeugung nach bilden die indirekten Wahlen an sich eine Fälschung der Wahlen, der Meinung der Nation. Es läßt sich da? schon auS einem einfachen Rechen- exempel... darlegen: Wenn man annimmt, daß die Majorität in jeder Stufe der Wahl nur eins über die Hälfte zu fein braucht, so repräsen- tiert der Wahlmann sckon nur einen Urwähler mehr als die Hälfte: der Abgeordnete repräsentiert nur einen Mann über die Hälfte der Wahlmänner, deren Gesamtheit ja schon nur etwas über die Hälfte der Urwähler repräsentiert. Der Abgeordnete, wenn nicht sehr große Majoritäten überall tätig gewesen sind, repräsentiert mit mathematischer Sicherheit bei den indirekten Wahlen nur etwas über ein Viertel der Urwähler, und die Majorität der Abgeordneten in dem Falle nur etwas über ein Achtel des Ganzen.... Darm habe ich stets in dem Gesamtgefühl des Volkes noch mehr Intelligenz als in dem Nachdenken des WahlmanneS bei dem Aussuchen deS zu Erwählenden gefunden.., Anklage gegen den„Vorwärts". Me unseren Lesern erinnerlich, wurde unser verantwortlicher Redakteur zum S. März vor Gericht geladen, um über die Be- schuldigung verantwortlich vernommen zu werden, durch Artikel deS „Vorwärts" zum Ungehorsam gegen eine Anordnung deö Polizeipräsidenten und zur Umgehung eines von ihm nicht erlassenen„Verbots" aufgefordert zu haben. Die Anschuldigung mußte zu Boden fallen, weil eine rechtmäßige Anordnung deS Polizeipräsidenten oder ein rechtmäßiges Verbot des Polizeipräsidenten nicht ergangen ist. Dieser Ueberzeugung scheint allmählich auch die An- klagebehörde geworden zu sein. Sie hat eine neue Anklage gebaut. Nach derselben soll Genosse Barth durch eine Reihe von Artikeln des„Vorwärts", die sich auf das Vorgehen des Polizeipräsidenten zum S. März bezogen, zwei Vergehen begangen haben. Er soll Versammlungen unter freiem Himmel und Aufzüge ohne die vorgeschriebene Anzeige oder Genehmigung veranstaltet und durch dieselbe Handlung zun, Ungehorsam gegen daS VeremSgesetz. nämlich zur Veranstaltung von Versammlungen unter freiem Himmel und von Aufzügen ohne die vorgeschriebene Genehmigung ausgefordert zu haben. Die Aufforderung soll auch die strafbaren Handlungen zur Folge gehabt haben. Ob unter denen nach der Anklage strafbaren Versammlungen und Auf- zügcn die Versammlungen und Aufzüge der Polizei oder waS sonst gemeint ist, gehl aus der Anklage nicht hervor. Wohl aber ist be- reits zum 1. April Termin anberaumt. Nicht weniger alS fünf Schutzleute sind zu demselben geladen. Was sie belunden sollen, ist dem Angeklagten ein Rätsel. Wiederaufnahme des Esseucr Meineidsprozesses. Bochum, 23. März. (Privatdepesche deS. v o r w ä r ljs".) DaS Oberlandesgericht in Hamm hat als Be- i�lv erdein stanz auf daS abweisende Erkenntnis des Essener LcmdgerichlS das Wiederaufnahmeverfahren des Essener MeineidSprozesseS Schröder und Ge» nossen angeordnet. ck So ist endlich, naih mehrfachen vergeblichen Versuchen der Opfer, der Weg zur Sühne eine« empörenden Justizmordes eröffnet. Endlich wird das fnrchtbare Klassenjustiz- Urteil, das am 17. August 1892 gegen die Genossen Schröder, Meyer und drei andere Angeklagte erging, nachgeprüft und als unhaltbar erwiesen werden können. DaS ObcrlandeSgericht Hamm hat die neuen Momente, die für die Unglaubwürdig- keit deS Hauptzeagen jenes Prozesses, deS früheren Gendarmen, jetzigen Bureauasßisteuten Münter sprechen, besser gewürdigt alS die Vorinstanz. DaS Urteil des Schwurgerichts Essen vom 17. August ISOS lautete gegen Gn»ossen Schröder auf zwei Jahre sechs Monate Zuchthaus, gegen die Genossen Meyer und G r ä f auf je drei Jahre sechs Monate Zuchthaus, gegen die Genossen Imberg und Willing und den Bergmann Beck- mann auf je 8 I a h re Zuchthaus wegen wissentlichen Meineids und gegen den Bergmann Thiel wegen fahr» lässigen Meineids auf li Monate Gefängnis. Einige der Verurteilten sind inzwischen gestorben, andere ausgewandert. Der Hauptangeklagte, Genosse Ludwig Schröder, den das Vertrauen seiner BerufSgenoflen nach seiner Entlassung auS dem Zuchthaus alsbald wieder an die Leitung des Bergarbeiterperba nde» berief unk Set jetzt den Posten des 3. Vorsitzenden bekleidet, hat dke Wiederaufnahme deS Prozesses unablässig betrieben und sieht seine Bemühungen nun endlich erfolgreich. „Eine echte, eine christliche Reaktion." Das Wirten deS blausckwarzcn Blocks, die Seelengemeinschaft der Ultramontanen und Konservativen, erinnert an die Zeit der siebziger Jahre, wo die ZentrumSführer daran arbeiteten, den kon- fessionellcn Rahmen des Zentrums zu erweitern und eine große christlich-konservative LolkSpartei zu schaffen. Aus August Neichens pergerS Tagebuch teilt sein Biograph Pastor folgende unter dem 25. April 1871 verzeichnete Stelle mit: »Gestern abend mit Windihorst und meinem Bruder sowie Herrn v. Gerlach bei Bindewald tZentruinsabgeordneter). Heute brachte ich Gerlach in unsere Fraltion, wo eine' Art Fraterni« sierung auf dem allge in einen chri st lichen Boden statliand." Gerlach, damals Appellationsgerichtspräsident a. D., ist einer der Renommierprotestanten deS Zentrums; er trat nachher dem Zentrum, das ihm ein Mandat für den Reichstag wie für den Land- tag verschafft hatte, bei. Zur selben Zeit, wo obiges geschrieben wurde, machte Reichensperger, wie ebenfalls bei seinem Biographen zu lesen ist, auf einem Diner bei dem Chefredakteur der.Kreuz- Zeitung" die Erfahrung, daß in den TngeSfragen.durchweg Einverständnis' zwischen den Konserativen und den Katholiken herrsche. Mallinckrodt, bis zu seinem Tode im Jahre 1874 der un« bestrittene Führer das Zentrums, erzählt, wie wir bei seinem Bio- graphen Psülf lesen, von einem im Februar 1872 zu Ehren Windrhorsts gegebenen Diner, an dem auch konservative Ab- geordnete teilnahmen. Gerlach sprach bei dieser Gelegenheit dem Zentrum seinen Dank für daS bisherige Wirken aus und liest sich über das auS, was jeder konservative Mann mit dem Zentrum gemeinsam habe. Mallinckrodt erwiderte, dast alles, was noch wahrhaft konservativ und echt ch r i st g l ä u b i g sei in Deutschland, sich einigen möge mit dem Zentrum zur geineinsamen rettenden Aufgabe..Zum schnellen Siege, sagte Mallinckrodt, bedürfen auch wir der Allianz und diese kann unS nur eine Partei bieten, die selber auf dem positiven Boden christlicher Offenbarung wurzelt und die Autorität der christlichen Glaubens» und Sitten- g e s e tz e achtet.' WaS damals die Führer des Zentrums ersehnt und erstrebt haben, ist unterdes herrlich in Erfüllung gegangen. Bei der Reichsfinanzreform und der preußischen Wahlreform ist die „heilige Allianz' der Konservativen und Ultramontanen in Wirk- samkeit getreten. Und noch ältere und verwegenere Wünsche der klerikalen Reaktionäre sind verwirklicht worden. Im Jahre 1848 gründeten die rheinischen Ultramontanen ein Blatt. Die Deutsche VolkShallc'(im Volksmunde„BolkSfalle" genannt), daS sich mehr und mehr zum Organ der ärgsten Rück- tvärtserei entwickelte. Dieses würdige Blatt schrieb im Mai 1850: „Darum beschwören wir Euch bei dem noch fließenden Blute eines deutschen Königs, beschwören wir alle, denen eS am Herzen liegt, daß die Religion, die Sitte, die Monarchie, das Recht und die Ordnung erhalten werde: Kraft der Kraft entgegenstellen, Gewalt der Gewalt, der Schlange der Revolution mit festem Fuß das giftsprühende Haupt zu zertreten, in Gottes Namen zu ergreifen das einzige, was retten kann: daS Schwert der Gerechtig- k e i t, die Rute der Zucht, und unter dem Banner de» Kreuzes das zu erkämpfen, waS ihm nottut: eine gründliche, eine echte, eine christliche Reaktion!' Diesem Wunsch ist das Heil widerfahren, daß er eine doppelte Erfüllung erlebt hat. Die fünfziger Jahre brach die Nacht der Reaktion über Deutschland herein und sie währte ein volle? Jahr» zehnt. Wenn die Männer der„Volkshalle" noch lebten, würden sie mit Freuden bemerken, daß mit dem Jahre 1310 die„echte christliche Reaktion' wiederum über Preußen-Deutschland lagert. Ihre Dauer wird allerdings weniger lang sein, denn daS Volk ist erwacht und an die Stelle eines mattherzigen Bürgertums ist die Arbeiterklasse, die Sozialdemokratie als Bekämpfet der Re- aktion getreten. Eine Denkschrift über dke Einfnhrscheine. Dem ReilbStag ist eine Denkschrift über das Einfuhrscheiitwesen zugegangen. Eö werden darüber folgende Angaben gemacht: .Der bei den vorjährigen Erörterungen in einem mit großer Mehrhett gefaßten Beschluß der Budgelkommission zum Ausdruck gelaugie Wunsch, eine solche Denkschrift ausgearbeitet zu sehen, beruhte auf der Auffassung, daß es zunächst einer erschöpfenden Kuftlärung der öffentlichen Meinung bedürfe. Diesem Zwecke soll dadurch entsprochen werden, daß unter Verzicht auf eine bestimmte Stellungnahme zu der Frage, ob und in welcher Beziehung die bestehenden Vorschriften au ändern sind, vornehmlich eine Darlegung aller Verhältniiie, die für die künftige Erörterung der Frage von Wert sein können, in der Denkschrift gegeben wird. Im erste» Abschnitt ist dargelegt, wie fich da» geltende Recht geschichtlich entwickelt hat, welchen An- teil an dieser EntWickelung die politischen Parteien und die ver» fchiedeuen Erwerbskreise in den verschiedenen Teilen dcS Reiche« gehabt haben, welche wirtschaftlichen Erwägungen maßgebend waren. und welche Einiveiidungen gegen de» jetzigen Zustand erhoben find. Der zweite Abschnitt erörtert de» Einfluß dieses Rechts- zustande« aus die Einnahmen de» Reiches, die PrciSbildmrg im allgemeinen, den Schiffsverkehr in de» östlichen Häfen, die Sieh- Haltung und die Müllerei im besonderen. Im dritten Abschnitt werden endlich die wichtigsten, innerhalb und außerhalb des Reichs- tage« hervorgetreteneu Abänderungsvorschläge gewürdigt. Eine Reihe von stalistlschen Nachweisungen ist beigesügt. Das Talglicht von Breslau. Ein Bürgermeister nach dem Herzen der Jagow und Genoffen ist Herr Dr. Georg Bender in Breslau, der seit einiger Zeil krampfhaft versucht, de» Beweis zu liefern, daß er wert ist. im preußischen Herrenhause zu sitzen. Als kürzlich unsere Genossen in der Stadtverordnetenversammlung lebhaft Klage darüber führten, baß der Magistrat Sonntag für Sonntag der Polizei die städtischen Lokale als Kriegslager gegen WohlrechtSkundgebnngen überlasse, daß man sogar das Rathaus ständig als Polizcibitvak mißbrauchen laste, da erllärte der Oberbürgermeister, der nebenbei Mitglied der Fortschrittlichen BolkpSpartei ist: Diese Klagen berührten ihn gar nicht. Er werde nach wie vor der Polizei die Lokale zur Verfügimg stellen. Und als dann die Stadtverordnetenversammlung einstimmig(die Konservativ- Klerikalen waren obstruierend fort« gegangen) eine Kuiidgebung gegen die Wahlrechtsvorlage annahn», ließ das der freistnnigc.Ober' zwar geschehen, schloß sich der Kund- gebung aber nicht an. Den Gipfel erkletterte jedoch Herr Bender in der letzten Stadtverordnetensitzung. Unsere Genoffen erhoben Protest, weil der Oberbürgermeister im Gegensatz zu seiuen Kollegen in Berlin. Stettin, Essen, Köln, Frankfurt usw. die Hergabe eines städtischen Platzes für eine gemeinsame Kundgebung gegen die Wahlrechtsvorlage verweigert hatte. Darauf erhob sich Herr Bender, der FreisinnSmann, der im Herrenhause den.Radikalen' mimt, und rechtfertigte nicht nur sein parteiische» Verhalten, sondern sang der Polizei geradezu LoveShhmnen! Den- selben Platz, oen er uns für zwei Stunden verweigert, stellte er den Klerikalen beim Katholikentag über zehn Tage zur Verfügung, stellt er nach wie vor einem profillüsternen Konsortium zur Veranstaltung von Vogelwiesen usw. zur Verfügung. WaS tut der fteisinnge Kommunalchef? Er erklärt dreist und gottcSfürchtig: die Katholiken hätten auch noch nicht den Verkehr und die Ordnung gestött und auch noch niemand mit dem Revolver bedrohtll! Den Beweis dafür, daß Wahlrechtsdemonstranten beides oder einS von beiden getan, blieb er natürlich schuldig. Mit dieser Aeußerung übertrifft dieser Freisinnsmann sogar die erzreaktionärsten Jagow-Organe, denn nicht einmal sie haben die Behauptung gewagt, wir hätten irgend jemand mit Revolver bedroht. Ja, ich bin klug und weise, Bin Breslaus größtes Licht l HereingefaNen. Herr Max Giemsa, Mitglied der Zentruinsfraktio» imvreußi- schen Abgeordnetenhause, hat sich aufS neue gerichtlich bescheinigen lasten, daß er seiner Fraktion durchaus würdig ist. Wie wir vor einiger Zeit meldeten, hatte Herr Giemsa in einer Versammlung de» katholischen MännervcreinS zu Kattowitz ausgeplaudert, daß ursprünglich drei Dutzend Abgeordnete vom Zentrunr für die Erbanfall st euer einzutreten entschloffen ge- wesen wären, auS Gründen der Parteidisziplin aber doch schließlich gegen diese Steuer gestimmt hätten. Diese.Entgleisung' wurde, als sie in den Zeitungen erwähnt wurde, von Herrn Giemsa kurzweg bestritten. Er schickte der „Breslauer Zeitung' eine Berichtigung zu, die der Redakteur Dr. Oehlke mit dem Zusatz versah:„Wie kann unS der Abgeordnete Giemsa eine Berichtigung zugehen lasten, von der er weiß, daß sie wider beffereS Wiffen abgefaßt ist.' Daraufhin warf Giemsa in der.Neißer Zeitung' der„BrcS- lauer Zeitung' freche Verleumdung vor und verklagte Dr. Oehlke obendrein. Dieser erhob Widerklage, und daS Schöffengericht in Kattowitz sprach ihn frei, verurteilte aber den Abgeordneten Giemsa wegen Beleidigung zu 50 M. Geldstrafe und Tragung der Kosten. Giemsa legte dreist und gotteSfürchtig Berufung ein. Die Strafkammer aber kam Montag gleichfalls zu dem Urteil, daß Abg. Giemsa die Aeußerung von den drei Dutzend zur Parteifahne zurückgekehrten ZentrumSabgeordneten in der Tat hat fallen lasten, die„Berichtigung' somit wider besseres Wissen erfolgt sei. Dr. Oehlle wurde deshalb von der Anklage der Be- leidigung freigesprochen, und ebenso wurde die Berufung deS Abg. Giemsa verworfen und seine Strafe aufrechterhalten. Zwei prächtige„Stellvertreter'" GotteS. Von dem Kriegsgericht in Potsdam wurden vor kurzem zwei Unteroffiziere, Rdannigel und Schreck, wegen tätlichen Angriffs auf Vorgesetzte verurteilt, und zwar der eine zu SV* Jahren Gefängnis und Degradation, der andere zu 6 Monaten 2 Tagen Gefängnis und Degradation. Die Verurteilten hatten im betrunkenem Zustande zwei Offiziere in Zivil tätlich angegriffen. Beide legten Berufung ein. TaS Oberkriegsgericht in Potsdam hat jedoch heute das Urteil der ersten Instanz bestätigt und lediglich bei dem einen der Unter- offiziere die Degradation aufgehoben. frankrtid). Die Arbeiterpenfione» beschlösse». PatiS, 22. März. Der Senat nahm heute die Beratung des AlterSversorgungSgeseyeS wieder auf und billigte ins- besondere ein Amendement, das den vor Erreichung deS 50. Lebensjahres naturalisierten fremdländischen Arbeitern das Recht auf gewisse Wohltaten deS Gesetze» zuspricht. ArbcitSminister B i v i a» i erklärte, die Arbeiter würden ein Recht zu fordern, nicht eine Vergünstigung zu erbitten haben usw. Der Senat nahm hier- auf da« Arbeiterversicherungsgesetz im ganzen mit 280 gegen S Stimmen an. Der Brunnen wird zugedeckt. Die Deputiertenkammer nahm am Dienstag durch Haiideaufheben fast einstimmig einen Antrag an, wonach der Ee- neraldircktor der Domänen an Stelle der Liquidatoren für die Ordensgüter treten und deren bisherige Funktionen unter der Kontrolle des Kultus- und des FinanzniinisierS aus- üben soll. Italien. Die italienische Ministerkrise. Ron», 21. März. Daß Eonnino bei dem Votum über die Han- delSmarine unterliegen oder obsiegen würde, war von verschiedenen Seiten und auf Grund verschiedener Erwägungen angenommen und vorausgesagt worden. Daß er aber, ohne ein Votum abzuwarten, zurücktreten würde, die Flucht ergreifen, che er das letzte Pulver verschaffen hatte, das hätten wohl seine bittersten Gegner nicht er- wartet. Gewiß lag die Situation so, das Sonnino auf alle Fälle nichts gewinnen konnte: sein Sieg in Sachen der SchiffahrtLdienste hätte den Grund aufgehoben, uin dcffentwillen ihn die Giolitiianer bisher geschont hatten. Aber selbst wenn er in der heutigen Sitzung unterlegen wäre, welches Resultat bei einem Präsenzbcstande von über 460 Abgeordneten immerhin nicht mit Bestimmtheit voraus- gesehen werden konnte, so hätte sein Fall doch nicht die unklare und undurchsichtige Situation gezeitigt, unter der man heute laboriert. Die Frage der Schiffahrtsdienste ist eine vorwiegend technische. Von allen Abgeordneten dürften nur sehr wenige wirkliche Äom- petenz in der Sache haben. Die sachliche Kritik ist vorwiegend von der äußersten Linken ausgegangen; Gen. Bonomi und der Repu- blikaner Pantano haben dargelegt, aus welchen Gründen der Eni- Wurf Bettolo ebenfotvenig wie der frühere Entwurf Schanzer die Gewähr bietet, daß der Aufwand von zirka 460 Millionen wirklich einen entsprechenden Nutzen für das italienische Verkehrswesen zur See zeitigen würde. Auf der anderen Seite ist der Exminister Sck'anzer für die Grundsätze seines Entwurfes eingetreten, der aus- schließlich auf dem System der Subventionen beruhte, während der Entwurf Bettolo, wie wir früher bereits dargelegt haben, auch Kon» struktionsprämicn, Zollcrleichterungen, sowie Prämien für den Personen, und Frachtgutverkehr vorsieht. Immerhin kann man sagen, daß von dieser Seite, also der der Giolitiianer, keineswegs die prinzipielle Ablehnung sondern vielmehr die Gefolgschaft für Schanzer und somit für Giolitti, matzgebend war. Die Einwürfe Schanzers sind ausschließlich technischer Art, ihnen liegt nicht jenes Mißtrauen zugrunde, das die Opposition der äußersten Linken be- stimmt, die hinter den Kulissen wirkende Kapitalistengruppcn arg- wöhnt. Verhältnismäßige Kleinigkeiten sind cS, die Schanzcr an dem Entwurf Bettolo moniert. Im Laufe seines eigenen Ministe- riumS hat er selbst mindestens ebenso große Wandlungen in der rage durchgemacht, als die vom Projekt Schanzer zum Projekt ettolo. Der Angriff von seilen der Giolitiianer ist zweifellos nicht prinzipieller Art, sondern ein Ergebnis parlamentarischer Er- wägungen. Wenn die Giolittianer wirklich entschlossen waren, jetzt schon Sonnino den Garaus zu machen, was wir durch Sonninos vor- zeitige Demission nicht erfahren konnten, hat sie offenbar die parlamentarische Konstellation gelockt, die die äußerste Linke und die Giolittianer in gemeinsamer Opposition vereinte. In dieser Konstellation liegt die Gefahr der Krise. Damit die Krone aus der Demission ohne Votum einen Finger» zeig ablesen könne, mutz sie die Kräfte der Opposition abschätzen, der das Ministerium wich, ans Furcht, ihr zu erliegen. Nach vollen- detem Votum hätte man diese Kräfte zählen können, aber wägen auch nicht: denn wenn sich Giolittianer und äußerste Linke vereinten, so beruht doch ihre Opposition auf ganz vierschiedenet Grundlage. Wieder, wie bei der Situation, die Sonnino ans Ruder brachte, ist eS eine nicht homogene Opposition, die das Mini- sterium stürzt. Die heutige Lage unterscheidet sich von der damaligen dadurch, daß ein Teil dieser Opposition, die Giolittianer, in der Kammer eine Mehrheit hat, während die Sonninianer sie damals nicht hatten. Die heutige Kammer ist von Giolitti über die Taufe gehalten worden und ist in ihrer Mehrheit so beschaffen, daß nur Giolitti oder ein Mann seines Herzens mit ihr regieren kann. Wir haben dies von Anfang an gesagt, und jede einzelne Phase des bisherigen par- lamentarischen Lebenö hat diese Annahme bestätigt. Entweder Giolitti, oder solche, die in Giolittianischem Geiste regieren, können in dieser Kammer auf Dauer rechnen. Deshalb sollte der Umstand, daß die äußerste Linke zum Sturze beitrug, in keiner Weise auf den Verlauf der Krisis, soweit dieser von den Parteien abhängt, ein» wirken. Besonders den Sozialisten ist eine rein negative Haltung vorgeschrieben, die in dem Satze gipfelt: Fort mit dieser Kammer und mit einem Wahlrecht, das solche Kammern möglich macht. Von diesem Standpunkt aus hat die Lösung der Krise nur geringes Interesse für die sozialistische Partei und ihre Fraktion. Cncslanck. Ein Dementi. Die Nachricht deS„Daily Ehronicle'. wonach eine Ver- stSndigung zwischen der Regierung und den Iren zustande gekommen sei, ist bereits als falsch bezeichnet worden und zwar von einer gut legitimierten Seite. Der Führer der Iren, Redmond, der am Montag die lange Besprechung mit Lloyd George hatte, gibt bekannt, daß die Lage sich durch diese Be- sprcchung in keiner Weise verändert habe. Danach wäre eS also noch nichts mit der Besserung der Nie» gierungSsttliation. Indes scheinen die Verhandlungen fortzudauern. Hardie und BarneS über die Lage. London, 21. Februar. Ueber die außerordentlich schwierige Lage, die durch den liberal-imperialistischen Flügel des Kabinetts geschaffen wurde, sprachen in den letzten Tagen Hardie und Barnes. Beide Redner benutzten oie Gelegenheit, die U n- zuvcrlässigkcit der liberalen Führer in demo- krati schen Fragen nachzutveisen. Hardie sprach in seincm Wahlkreise und sagte: Die Lage ist verwickelt, da die liberale Regierung und die liberale Fraktion nicht einig sind. Die Lords suspendierten den Etat, worauf die Regierung das Parlament auflöste. Schon die Auflösung war ein Fehler, jedoch glaubte man. die Regierung würde nach den Wahlen in einen ernsten Kampf gegen die LordS eintreten. Anstatt dessen gibt uns die Regierung Resolutionen gegen das Ober- haus, worauf es abermals zur Parlamentsauflösung kommen wird. Dieses ganze Verfahren ist ein A u s f l u ß der Feig- heit. Die Wählerschaft gab der Regierung das Mandat, den Etat annehmen zu lassen und das Veto der LordS abzuschaffen. Die Regierung ließ dieses Mandat unbeachtet, um jetzt lmederum dasselbe Mandat von neuem zu verlangen. Diese ganze Konfusion zeigt, daß die Liberalen die Befestigimg der Demokratie fürchten. In dieser Furcht sind sich die Liberalen und die Tories gleich. Ich glaube, die Regierung geht absichtlich einem Sturz entgegen. Zum Schluß forderte der Redner die walisischen Bergleute auf, zwei Arbeiterkandidaten aufzustellen, anstatt— wie früher— einen liberalen und einen Arbeiterkandidaten. Barnes sprach in einer Volksversammlung in Torquay, in der er sagte: Die Arbeiter sind für die vollständige Ab- schaffung des Hauses der Lords. Eine revidierende Kammer mag vielleicht nötig sein, aber ihre Mitglieder sollten anerkannte Autoritäten sein und nicht die Sohne ihrer Väter. Die Regierung besteht auS Parteiführern, die nicht führen sondern hin und her schwanken. Sie ist gegenwärtig für eine Vorlegung deS Etats, ehe noch die Vetoresolutionen im Oberhause erledigt sind. Em derartiges Verfahren muß zu einer schweren Nieder» läge der liberalen Partei führen, da die Iren unter solchen Um- ständen gegen den Etat stimmen werden'). Die Vorlegung deS Etats vor der endgültigen Erledigung der Vetoresoluttonen be- deutet also Parlamentsauflösung und Neuwahlen, die aber im besten Falle nur eine kleine Mehrheit für die Liberalen bringen könnten. Es ist indes möglich, daß die Tories mit einer kleinen Mehrheit ins neue Parlament einziehen werden. ES ist noch vieles zu retten, wenn die Regierung Mut zeigt und die Finanzen be- nutzt, die Minderheit zum Nachgeben zu zwingen. Anstatt Neu- Wahlen sollte die Regierung zum Referendum greifen und den Wählern die einzige Frage vorlegen, ob sie für die Abschaffung des Vetorechts der Lords sind.— Die Stimmung in allen progressiven Kreisen ist sehr gedrückt. Asquith und seine liberal-imperialistischen Kollegen haben die Lage verpfuscht und sie ist kaum mehr zu retten. Schweden. Ein Anschlag aufs KoalitionSrecht. Stockholm. 22. März. Der in der Thronrede zur Eröffnung des Reichstages angekündigte, von der Regierung ausgearbeitete Ge- sctzentwurf betreffend Arbeits Übereinkommen zwischen Arbeitgebern und Arbeitern ist heute dem ReickStag vorgelegt worden. Der Gesetzentwurf bestimmt u. a.. daß Kollektiv» Uebereinkommen nicht auf länger als fünf Jahre abgeschlossen werden können. Während des Bestehens emeS solchen dürfen weder von den Arbeitgebern noch von den Arbeitern Aussperrungen lind Arbeitsein- st e l l u n g e n oderShmpathiestreikS undShmpathie- anssperrungen vorgenommen werden. Ferner wird die Er- richtung eines Arbeits schiedSgerichtS mit dem Sitz in Stock- Holm vorgeschlagen, das au» drei Juristen und vier mit den Arbeitsverhältnissen vertrauten Personen be- stehen soll. Den Arbeltgebern steht daS Recht zu. die Arbeit zu leiten und zu verteilen, sie müssen aber den Arbeitern Freiheit zur Teilnahme an politischen oder kommunalen Wahlen gewähren. Schließlich enthält der Entwurf S t r a f b e st i m in u n g e n für die Veranstaltung von Streiks, die das Wohl der Staates gefährden. Namentlich die letzte Bestimmung zeigt die arbeiterfeindliche Tendenz des Eutlvurfs, der auch in seinen anderen Bestimmungen auf Fesselung der Arbeiterschaft abzielt. Die Parität wird aller- ding« äußerlich gewahrt, indem auch die Unternehmerschaft denselben Bestimmungen unterworfen wird. In Wirklichkeit ist die Parität indes nicht voihanden, da für die Arbeiterschaft daS Recht zur Arbeitseinstellung weit höhere Bedeutung hat als für die Unter» nehmer. Kmerlka. Der Arbeiterbond gegen de» Stahltrust. Washiligtv», 22. März. Die Federation of Labor hat dem GeneratstaatSanwalt eine eingehende Denkschrift überreicht zur Begründung der von ihr gegen den S t a h l t r u st erhobenen Be- schlltdigung, daß er das Antttrustgesetz verletze. •) Die Rede wurde vor der Meldung des„Daily Ehronicle" gehalten, wonach die Iren sich mit der Regierung verständigt haben sollen. Red. I dort eine Arbeitszeitverkürzung von 1— 3 Stunden pro Woche ein- tritt.) Am 1. Oktober 1910 werden die Löhne und?lkkordpreise um ö Proz. erhöht. Die Akkordabschlagszahlungen betragen mindestens 27 resp. 39 resp. 83 M. pro Woche. Das Montagegeld innerhalb Berlins toird von 79 Ps. auf 1 M. pro Tag erhöht. In Orten mit vertraglich besseren Bedingungen müssen diese erfüllt werden. GewerkfcbaftUcbce. Die Kriegserklärung des Deutfcben Arbeitgeber- bunctes für das Baugewerbe. Unter sehr starker Beteiligung tagte am 22. März in Dresden die außerordentliche Hauptversammlung des Deutschen...... Arbeitgeberbundes für das Baugewerbe, die zu dem Ergebnis Ebenso müssen von auswärts nach Berlin kommende Montage der Verhandlung mit den Zentralverbäiiden der Arbeiter, die! nach den Bestimmungen des Berliner Vertrages arbmten am 9. und 10. März stattgefunden, Stellung nahnt. Bundesvorstand und Dreizehner-Kommiision pflegten schon am vorhergehenden Tage streng vertrauliche Beratungen, wobei es zu erheblichen Unstimmigkeiten gekommen sein muß, denn bei Eröffnung der Hauptversammlung wurde erklärt, daß der erste stellvertretende Vorsitzende, Baumeister Heuer- Berlin. sein Amt niederlege und zwar aus„Gesundheitsrücksichten". Heuer sowie die anderen Berliner Herren nahmen an der weiteren Verhandlung nicht mehr teil. Baurat E n k e- Leipzig, zweiter Stellvertreter, übernahm die Leitung und hielt auch das einleitende Referat. Gegen zwanzig Redner griffen in die Diskussion ein und es waren besonders die Herren aus dem Süden, Südwesten und dem Westen, die auf strikte Aufrechterhaltung der Arbeitgeber- forderungen drängten. Die folgende Resolution fand ein- stimmige Annahme: „Die dritte außerordentliche Hauptversammlung des Deutschen Arbeitgeberbundes für das Baugewerbe verlangt, daß die Ende März d. I. ablaufenden Tarifverträge mit den Arbeit- nehmerorganisalionen unter Zugrundelegung eines Tarif- Vertragmusters erneuert werden, welches folgende Be- d i n g u n g e n zu enthalten hat: t. Der Abschluß soll zentral erfolgen. Die vorherige Vereinbarung der speziellen Arbeits- bedingungen soll nach wie vor diesen Arbeitgeberverbänden und den in Betracht kommenden Zweigverbäuden der Arbeit- nehmer überlasten bleiben. 2. Die Möglichkei., die für die einzelnen Verbände geeignetsten Lohumethodeu zu vereinbaren, soll durch das Vertragsmuster gesichert werden. Eine Reduzierung der Löhne ist nicht be- absichtigt. 3. Die Akkordarbeit soll nicht nur als zulässig erklärt, sondern ihre Durchführung auch im Vertrage gesichert werden. 4. Durch eine besondere Erklärung außerhulb des Vertrages soll eine Sicherung der Arbeitgeberarbeilsnachlveise insofern fest- gelegt werden, daß diese von den Arbeitnehmerorganisationen in keiner Weise gestört werden dürfen. 5. Eine geringere als dreijähiige VertragSdauer soll ausgeschlossen sein. Dieser Beschluß soll den Arbeitnehmern aller Zentralverbände als endgültige Entschließung des Deutschen Arbeitgeberbuudes für das Baugewerbe mit- geteilt werden. Falls die Zentralverbände das VertragSn, uster ablehnen, wird der Vor st and beauftragt, die bei Ablauf der jetzt gelten« den Tarifverträge erforderlich werdenden Maßnahmen zu ergreife» Die Hauptversammlung erwartet gemäß der in Berlin mitwen Arbeitervertretern getroffenen Vereinbarung Antwort der Arbeituehmerorganisationen bis spätestens de» 8. April und erklärt sich mit der Ver- längerung der jetzt bestehenden Verträge bis längstens den 14. April einverstanden." Der Beschluß ist so ausgefallen, wie er von den be- teiligten Kreisen nicht anders erwartet worden ist. Eine Ueberraschung bringt er nicht. Er enthält die offene Kriegs- erktärung._ s Anzahl der kleineren Vororke die Arbeitszeit länger als 51 Stunden f Lüneburg: Die wöchentliche Arbeitszeit wird verkürzt ton ist, wird durch die Ilnterstellung unter den Vertrag erreicht, daß 57 auf 55 Stunden. Die Stundenlöhne werden um 5 Pf. erhöht, Berlin und Qmgegend. Ein Kampf«m Arbeitszeitverkürzung im Berliner Grostgärtnercibetriebe. In deiu'.rogen Baumschulenbetriebe von L. Späth in Baum- schulenweg bei Berlin, der rund 599 Arbeiter beschäftigt, herrscht schon seit einer Reihe von Jahren das Bestreben, eine ver- kürzte Arbeitszeit durchzusetzen und sind schon einige Male entsprechende Anläufe gemacht worden, die jedoch stets ohne Ergebnis verliefen, weil keine Organisation dahinter stand. Seit dem vorigen Jabre hat dort nun der Allgemeine Deutsche Gärtnerverein sich der Sache angenommen und es ist nunmehr die Bewegung von neuein aufgenommen worden. Zunächst wurde eine Kommission bei der Geschäftsleilung vorstellig, die jedoch nichts erreichte. Seit der vorigen Woche haben die Arbeiter nun die„passive Resistenz" aufgenommen; sie gehen einfach, wenn sie 19 Stunden gearbeitet haben, nach Hause. Einschüchterungs- versuche von feiten des Direktors, die besonders bei den älteren, schon ein und zwei Jahrzehnte bei der Firma tätigen Arbeitern versucht wurden, blieben bisher ohne Erfolg. Die Arbeiter glauben um so mehr auf diese mäßige Verkürzimg der Arbeitszeit ein Recht zu haben, als alle einen recht weiten Weg zur Arbeitsstelle haben und die Firma aus dem kolossalen angehäuften Mehrwert ganz unermeßliche Reichiüiner zusammengetragen hat. Vor drei Jahren konnte die Firma neben dein Komplex in Bamuschulen- weg noch eine ganze kleine Ortschaft(Neu-Falkenrehrede bei Ketzin a./H.) auskaufen, nach der allmählich der jetzige Betrieb übersiedeln soll. Blamabel ist es, daß die Herren Kunsigärtnergehilfen der Firma, meist Söhne„besseren" Herkvinmeus, den Kampf nicht unterilützen. Glücklicherweise können diese aber nicht den Ausschlag geben, da ihre Zahl nur einige zwanzig beträgt. Die Arbeiter der Hofwagcnfabrik der Firma Zimmermann in Potsdam stehen in einer Lohnbewegung. Der Betrieb ist für Schmiede, Schlosser, Stellmacher, Sattler und Lackierer gesperrt. Zuzug ist streng fern zu halten. Alle arbeiterfrcundlichen Zeitungen werden gebeten, davon Notiz zu nehmen. Zentcalverband aller in der Schmiederei beschäftigten Personen. OeutfeKes Reich. Die Friedensbedingungen im Holzgewerbe. Wie wir hören, haben nunmehr die Mitglieder des Holz- arbeiterverbandes, wie auch die Arbeitgeber in der weitaus größten Mehrzahl der in Frage kommenden Orte den zwischen den Kom- Missionen resp. Verbandsvorständen vereinbarten Bedingungen für die neuen Verträge zugestimmt. Bei den Arbeitgebern sollen zehn Städte die Vereinbarungen abgelehnt haben, während bei den Ar- bertern nur noch einige Resultate ausstehen. Ju drei Orten wird noch weiter verhandelt, und in einer großen Anzahl Städte sind Kommissionen dabei, die Akkordtarife durchzuberaten, auch muß die Mehrzahl der Verträge redaktionell noch fertiggestellt werden. Die Hauptarbeit ist jedoch geleistet. Wir sind darum heute in der Lage, die Vereinbarungen für die einzelnen Städte bekannt zu geben. Es darf dabei ausge- sprochen werden, daß der Holzarbeiterverband mit dem Resultat der Tarifbewegung sehr zufrieden sein kann. Wir lassen nun die Zugeständnisse für die einzelnen Orte folgen: Barmen bei Elberfeld: Die Arbeitszeit wird verkürzt am 1. Juli 1911 von 53 auf 54 Stunden wöchentlich. Die Stunden» löhne werden erhöht um 5 Pf. Der gegenwärtige Durchschnitts- lohn von 59 Pf. erhöht sich im Laufe der Vertragsperiode auf 55 Pf. pro Stunde. Berlin, Eharlottenburg, Weißensee, Rixdorf, i Bei außertariflichen Akkordarbeiten wird der vereinbarte Lohn ' garantiert. Für alle Akkordarbeiten, welche öfter angefertigt werden, sind Akkordtarife aufzustellen. Neueingeführte Arbeiten sind nach der Vereinbarung des Akkordpreises mit dem Werkstatt- ausschuß im Tarif fortlaufend nachzutragen. Auf Verlangen der Arbeiter sind alle Arbeiten, für die der Akkordpreis tariflich fest- gelegt ist, in Akkord auszuführen. Sollen einzelne Stücke vom Gesamtakkord in der Fertigstellung vorgezogen werden, so wird für das einzelne Arbeitsstück ein Aufschlag von mindestens 7sss Prozent bezahlt. Die Abrechnung des Akkordes und Auszahlung des Ueberjchusses erfolgt an dem der Fertigstellung folgenden Lohntage. Ist der Lohntag ein Feiertag, so erfolgt die Lohn- zahlung an dem voraufgegangenen Werktage. Der gemeinsame Arbeitsnachweis ist in erster Linie zu benutzen, und soll eine anderweitige Einstellung von Arbeitskräften nur dann zulässig sein, wenn innerhalb 24 Stunden geeignete Arbeitskräfte vom paritätischen Arbeitsnachweis nicht vermittelt werden können. Andere Arbeitsnachweise dürfen nicht benutzt werden. Der Ver- trag ist in allen Betrieben auszuhängen und von der Firma und dem Werkstattausschuß zu unterzeichnen. Der Berliner Vertrag weist noch folgende bemerkenswerte Bestimmung auf: „Dieser Vertrag gilt als einheitliche Rechtsnorm für die gegenseitigen Beziehungen und Leistungen der Arbeitgeber und Arbeiter, sowohl einzeln wie in ihrer Gesamtheit, innerhalb seines Geltungsbereichs. Zum Ausdruck dessen ist er bei den zuständigen Gewerbegerichten niederzulegen. Zivilrechtliche Aw spräche an die beiderseitigen Verbände sollen aus diesem Veo trag nicht erhoben werden können. Alle Einzelabmachungen, welche gegen die Bestimmungen dieses Vertrages verstoßen, sind ungültig� Bernburg: Die Arbeitszeit wird von 57 auf 53 Stunden pro Woche verkürzt, die Stundenlöhne um 4 Pf. und der Mindest- lohn auf 42 Pf. pro Stunde erhöht. Beuthen, Kattowitz, Königshütte: Die Arbeits- zeit wird vom 1. Oktober 1919 von 58 auf 57 Stunden wöchentlich verkürzt. An Lohnerhöhung erhalten alle Holzarbeiter sofort 2 Pf., am 1. Oktober 1919 1 Pf. und am 15. Februar 1911 weitere 2 Pf. Die Akkordpreise werden sinngemäß der Lohnzulage erhöht. Brandenburg: Die Arbeitszeit beträgt während der Vertragsperiode 54 Stunden wie bisher. Die Stundenlöhne werden um 4 Pf. für Gesellen und Arbeiter erhöht. Braunschweig: Die Arbeitszeit beträgt 54 Stunden pro Woche. Jeder Arbeiter erhält eine Lohnzulage von 4 Pf. pro Stunde. Der vertragliche Durchschnittsstundenlohn steigt dadurch auf 48 Pf. Brombera: Die Arbeitszeit beträgt pro Woche 53 Stunden. Es erfolgt eine Lohnzulage pro Stunde von 4 Pf. Der vertrag- liche Durchschnittslohn wird erhöht auf 44 Pf. pro Stunde. Burg bei Magdeburg: Die Arbeitszeit beträgt wöchentlich 54 Stunden. Es tritt eine Lohnerhöhung von 3 Pf. pro Stunde ein und steigt der Durchschnittslohn auf 47 Ps. pro Stunde. Die Akkordtarife werden alljährlich durch die Schlichtungskommission revidiert und durch die neuen Muster ergänzt. Danzig: Die Arbeitszeit wird von 58 auf 55 Stunden ver- kürzt. Jeder Arbeiter erhält eine Lohnerhöhung von 5 Pf. pro Stunde. Der Durchschnittslohn wird von 42 auf 47 Pf. erhöht. Dresden: Die Arbeitszeit beträgt 52 Stunden pro Woche, die Stundenlöhne werden um 4 Pf. erhöht, der Normallohn steigt auf 57 Pf. pro Stunde. Düsseldorf: Die Arbeitszeit wird verkürzt von 54 auf 53 Stunden. In den eingemeindeten Vororten, wo die Arbeitszeit jetzt noch 57 Stunden beträgt, wird sie im Laufe der Vertrags- Periode auf 54 Stunden wöchentlich verkürzt. Die Arbeiter erhalten eine Lohnerhöhung von 4 Pf. pro Stunde. Der Durchschnittslohn steigt im Laufe der Vertragsperiode auf 58 Pf. pro Stunde. Erfurt: Die Arbeitszeit wird von 57 auf 55 Stunden wöchentlich verkürzt. Die Stundenlöhne werden um 5 Pf. erhöht. Der vertragliche Durchschnittslohn steigt während der Vertrags» dauer auf 49 Pf. pro Stunde. Bei neuen Mustern wird bei Akkordarbeit der Stundenlohn gesichert. Görlitz: Die wöchentliche Arbeitszeit wird von 55 auf 54 Stunden verkürzt. Die Stundenlöhne werden um 4 Pf., der vertragliche Durchschnittslohn während des Vertrages auf 45 Pf. pro Stunde erhöht. Göttingen: Die Arbeitszeit wird von 57 auf 53 Stunden wöchentlich verkürzt. Jeder Arbeiter erhält eine Lohnerhöhung von 5 Pf. pro Stunde, Der Durchschnittslohn wird auf 45 Pf. während der Vertragsperiode erhöht. Greifswald: Die Arbeitszeit wird von 39 auf 58 Stunden wöchentlich verkürzt. Die Stundenlöhne werden um 4 Pf. und der Mindestlohn wird von 39 auf 3b Pf. pro Stunde erhöht. G u b e»:/ Die Arbeitszeit beträgt 55 Stunden wöchentlich. Jeder Arbeiter erhält eine Stundenlohnerhöhung von 4 Pf. Der vertragliche Durchschnittslohn steigt auf 43 Pf. Z Halle a. S.: Die Arbeitszeit wird von 55 auf 54 Stunden verkürzt. Die Stundenlöhne werden um 4 Pf. erhöht. Der ver- tragliche Durchschnittslohn steigt im Laufe der Vertragsperiode auf 59 Pf. pro Stunde. Hannover: Die wöchentliche Arbeitszeit wird von 54 auf 53 Stunden verkürzt. Jeder Arbeiter erhält 5 Pf. Lohnerhöhung pro Stunde. Der Durchschnittslohn wird während der Vertrags- dauer auf 57 Pf. erhöht. Harburg a. E.: Die wöchentliche Arbeitszeit wird vom 1. April 1911 von 54 auf 53 Stunden verkürzt. Die Stundenlöhne der Arbeiter erfahren eine Aufbesserung von 5 Pf. pro Stunde. Der Vertragsmindestlohn beträgt vom 1. April 1911 ab 58 Pf. Hildesheim: Die wöchentliche Arbeitszeit wird verkürzt von 57 auf 53 Stunden. Jeder Arbeiter erhält eine Lohnerhöhung von 5 Pf. pro Stunde. Der Durchschnittslohn ist vertraglich auf 47 Pf. festgelegt. Kiel: Die Arbeitszeit wird von 54 auf 53 Stunden pro Woche verkürzt. Die Stundenlöhne werden um 4 Pf. erhöht. Der Mindestlohn für Tischler steigt auf 62 Pf., für Maschinen- tischler auf 66 Pf. pro Stunde. Köln: Die wöchentliche Arbeitszeit wird von 54 auf �53 Stunden verkürzt. Die Lohnerhöhung für jeden Arbeiter beträgt 4 Pf. pro Stunde. Der Durchschnittslohn, der bisher 53 Pf. pro Wockie betrug, wird vertraglich auf 69 Pf. normiert. Königsberg: Der Vertrag wird auf 4 Jahre, und zwar bis zum 15. Februar 1914, abgeschlossen. Die Arbeitszeit wird verkürzt von 5? auf 54 Stunden pro Woche. Jeder Arbeiter erhält eine Lohnerhöhung von 3 Pf. pro Stunde. Leipzig: Die Arbeitszeit beträgt 52 Stunden pro Woche. Die Stundenlöhne werden erhöht um 4 Pf. Der Mindestlohn für Tischler, Drechsler. Beizer, Polierer und Jnstrumentenmacher steigt auf 56. für Bautischler auf 58, für Maschinenarbeiter aus 52 Pf. pro Stunde. Einbezogen in den Vertrag ist die Musikindustrie mit 2999 Arbeitern. Hier ist jetzt die 53stündige wöchentliche Ar- beitSzeit noch üblich, die am 1. Juli 1919 auf 52 Stunden verkürzt wird. Lübeck: Die Arbeitszeit wird verkürzt von 55 auf 54 Stunden pro Woche. Der Lohn wird erhöht um 4 Pf. pro Stunde für jeden Arbeiter. Der Vertragslohn wird erhöht von 54 auf 69 Pf. Es Der Mindestlohn steigt von 43 auf 48 Vf. pro Stunde. Oldenburg: Die Arbeitszeit wird verkürzt von 55 auf 54 Stunden wöchentlich. Die Stundenlöhne werden um 4 Pf. erhöht, der Durchschnittslohn steigt auf 48 Pf. pro Stunde. Potsdam und Nowawes: Die Arbeitszeit wird verkürzt von 53 auf 52 Stunden pro Woche. Ter Lohn wird um 4 Pf. pro Stunde erhöht. Der vertragliche Durchschnittslohn steigt auf öiVa Pf. die Stunde. Quedlinburg: Die Arbeitszeit wird verkürzt von 59 auf 57 Stunden wöchentlich. Jeder Arbeiter erhält eine Lohn« zulage von 5 Pf. pro Stunde. Ter Durchschnittslohn wird vertrag» lich auf 45 Pf. normiert. Rendsburg: Die Arbeitszeit wird verkürzt von 57 auf 53 Stunden wöchentlich. Jeder Arbeiter erhält eine Lohnzulage von 5 Pf. pro Stunde. Der Mindestlohn steigt auf 45 Pf. pro Stunde. Spandau: Die Arbeitszeit wird verkürzt von 53 auf 52 Stunden pro Woche. Die Stundenlöhne werden um 6 Pf. erhöht. Der vertragliche Mindestdurchschnittslohn steigt auf 69 Pf. pro Stunde. Stargard: Die Arbeitszeit wird von 59 auf 58 Stunden verkürzt. Die Stundenlöhne werden um 4 Pf. erhöht. Stettin: Die wöchentliche Arbeitszeit wird von 56 auf 54 Stunden verkürzt. Jeder Arbeiter erhält eine Lohnzulage von 4 Pf. pro Stunde. Der Mindestlohn erhöht sich auf 47 Pf. Thorn: Die Arbeitszeit wird von 53 auf 56 Stunden pro Woche verkürzt. Die Stundenlöhne werden um 5 Pf. erhöht. Der Durchschnittslohn steigt auf 46 Pf. Zeitz: Die wöchentliche Arbeitszeit wird verkürzt von 56 auf 54 Stunden. Die Stundenlöhne werden um 5 Pf. erhöht. Der Mindestlohn wird auf 45 Pf. pro Stunde festgesetzt. Zittau und Groß-Schönau: Die Arbeitszeit beträgt 55 Stunden wöchentlich. Die Stundenlöhne werden um 4 Pf. erhöht. Alle Verträge mit Ausnahme von Königsberg sollen auf drei Jahre abgeschlossen werden._ Streiks der Gärtner. Die bor etwa 14 Tagen begonnenen Lohnbewegungen der Gärtner setzen sich allmählich, wo die Unternehmer jedes Entgegen- kommen ablehnen, in Streiks um. Eine Verständigung fand, wie schon berichtet, nur in Hamburg statt, und zrvar in der dortigen Landschaftsgärtnereibranche, für die ein Tarifvertrag abgeschlossen worden ist. Am Sonnabend, den 19. März, beschlossen die in der Hamburger Kunst- und Handelsgärtnerei tätigen Gehilfen und Arbeiter den Streik und ist dieser am Montag perfekt geworden. Gekämpft wird in der Hauptsache um 25 M. Wochenlohn für Ge» Hilfen und Arbeiter, Beseitigung des Kost- und Logiszwanges, zehnstündige Arbeitszeit und Abschaffung aller nicht naturnot- wendigen Sonntagsarbeften. In Nürnberg, wo der Unternehmerverband geantwortet hat, er lehne alle Verhandlungen ab und überlasse es jedem ein- zelnen, sich mit seinem Arbeitgeber zu verständigen, sind die Ge» Hilfen und Arbeiter aller Braucken der Erwerbsgärtnerei am Dienstag, den 22. März, in den Streik getreten. Gekämpft wird hier in der Landschaftsbranche um 49 Pf. Stundenlohn für junge Gehilfen, 42 Pf. ftir Arbeiter und 46 Pf. für Gehilfen über 21 Jahre; in der Handelsgärtncrei nach Altersklassen um 18 bis 25 M. Wochenlohn und Beseitigung des Kost- und Logiszwanges. Ferner wird für die Sommermonate die zehn-, für die Winter- monate die neunstündige Arbeitszeit gefordert. In Hmnburg so- wohl wie rn Nürnberg wurde der Beschluß, die Arbeit einzustellen, einstimmig gefaßt. Schwierigkeiten zur allgemeinen Durchführung bietet aber der in beiden Orten noch vielfach bestehende Kost- und Logiszwang. Indessen haben die Gärtner Trockentrommcl Patt, wobei ausi Personen schwere Arbeitszeit beträgt 61 Stunden pro Woche.(Da in einer großen, werden, hierfür ein städtisches Lokal zu erhalten. I lehungen erlitten. Lerantw. Redakt.: Richard Barth, Berlin. Inseratenteil ve!antw.:rd.Glocke, Berlin. Druck u.Verlag: Vorwärt»Buchdr.u. Verlagsanstall Lau! Singer& Co., Berlin S W. Hierzu 3 Beilagen«.Unterhalt»»«?», fr. 70. 27. Zahrgmg. 1. Sciltzt des Jotaiätb" getliiin WllisdlÄ Mluikrslag. 24. Miq lAO. Stadtverordneten-Verlammlnng. tt(außerordentliche) Sitzung vom Mittwoch, den 2 3. März, nachmittags 3 Uhr. Der Vorsteher Michele» eröffnet die Sitzung nach SM Uhr mit einem Nachruf für den am 19. März plötzlich verstorbenen Stadt- verordneten Dr. Hermes(A. L.). der der Versammlung mit zweijähriger Unterbrechung seit 1873 angehört hat. Stadw. Marggraff(soz.-fortschr.) hat wegen einer Reise um die Welt Urlaub bis Ende dieses Jahres genommen. Für den Empfang des 5. Internationalen Ornithologenkon- gresses in den Festräumen des Rathauses Ende Mai bis Anfang Juni d. I. wird die Summe von 7099 M. bewilligt und die Ein- setzung einer gemischten Deputation beschlossen. Tarauf setzt die Versammlung die Beratung de? Stadthaushaltsetats für 1SJ.0 fort. Ueber die Wteilungen„Park- und Gartenverwaltung" und „Gemeindcfriedhöfe" des Kapitel 8 referiert namens des Etats- ausschusses Stadw. Ewald lSoz.). Stadw. Lvhmann(A. L.) bringt die Absperrung des Memeler Parkes und die Fällung von Bäumen in dem- selben zur Sprache. Man habe den Platz den Anwohnern unter dem Vorgeben geraubt, für den Winter der Schuljugend den Schlittschuhsport zu erleichtern; aber mit der Unentgeltlichkeit sei es nicht weit her gewesen. Dem betr. Eisbahnpächter sei man übermäßig entgegengekommen. Bürgermeister Dr. Reicke bestreitet letzteres; auch seien dort Bäume nicht gefällt worden. Stadtv. Modeler(A. L.) bittet, dem unwürdigen Zustande des Fürst Bülowplatzes im Scheuncnviertel, einem Schmutzfleck schlimmster Art. ein Ende zu machen. Bürgermeister Dr. Reicke: Schon im Augenblick wird an der Regulierung des Platzes gearbeitet, nachdem festgestellt ist, daß er für die Untergrundbahn nicht mehr in Frage kommt. Beide Etats werden genehmigt. Ueber Kapitel 7, Polizei, Gerichte, Standesämter» Militär- Wesen berichtet Stadtm G o l d sch m i d t(91. L.j. Zu den Ausgaben für die Ortspolizei liegt die am 12. März eingebrachte Resolution Dr. Arons u. Gen.(Soz.) vor: .Die Versammlung protestiert gegen tue seitens des Polizeipräsidenten am ö. März veranlaßte Absperrung des Treptower Parks und gegen die Behinderung der Bürgerschaft in der Benutzung der Berliner Straßen, Parks und Plätze." Stadtv. Stadthagen(Svz.j: Auch wenn wir durch das Gesetz gezwungen sind, Kosten zu tragen, über deren Verausgabung uns keine Rechnung gelegt wird, so sollen doch diese Kosten immer Polizeitosten sein. Es kann keine Rede davon sein, daß hier in Berlin die Polizei ein Organ ist, dessen Tätigkeit in Äufrechterhaltung der Ruhe, Ordnung und Sicherheit besteht; im Gegenteil, in wachsendem Maße hat man sehen müssen, daß die hiesige Polizeiverwaltung Rlihestörungca und Unsicherheit hervorruft und dem Gegenteil dessen zu dienen geeignet ist, wozu eine vernünftige Polizei da sein sollte.'Ich erinnere nur an den Ferrrrprozeß und an die Vorgänge der letzten Zeit, die Folge der g'oßen Erregung» die m i t R e ch t sämtliche vernünftigen Menschen und insbesondere die Berliner gegen die Wahlrechtsschmach erfaßt hat. Da haben gewisse in junkerlichen Kreisen tonangebende Blätter geglaubt, die Polizei aufhetzen zu müssen; Demonstrationen dürften nicfft geduldet werden, es müsse entgegen dem Lereinsgesetz, es müsse mit Waffengewalt vorgegangen werden. Diese Artikel haben die Polizei zu Taten veranlaßt, die in das Recht der einzelnen Bürger und der Stadt Berlin tief eingreifen. Deshalb unser Antrag. Die Berliner Polizei ist einem Fremdkörper überantwortet, der der Stadt gegenüber keine Verantwortung hat und auch glaubt, unverantwortlich handeln zu können gegen die Rechte und das Eigentum der Bürger und der Stadt. kleines feinUeton. Frühe und späte Ostern. In diesem Jahre fällt das Osterfest auf einen sehr ftübzeitige» Termin, auf den 27. März. Es ist dies der früheste Osterlermin seit dem Jahre 1894. in dem das Fest. ebenso wie 1883, scbon aus den 25. März fiel. Das früheste Oster- fest in der neueren Zeil brachten die Jahre t845 und 1859. in denen Oüern schon aus den 23. März fiel. Aber selbst das ist nicht der früheste Ostertermin. Nach den Vor>christen. die da? Konzil von Niraea im Jahre 825 nach Christi Geburt erlassen hat, darf das christliche Osterfest nicht mit dem jüdischen Passah- fest zusammenfalle»; es wurde deshalb auf dem ökumenischen Konzil festgesetzt, daß das Osterfest stets am ersten Sonntag nach dem FlühlingSvollmonde gefeiert werde. Fällt dieser Vollmond selbst auf den Sonntag, so wird Ostern acht Tage später gefeiert. Als Termin des Frühlingsanfangs nahm man einheitlich den 21. März an. Der frühzeitigste Ostenibeginn ist somit der 22. März; denn wenn der FrühlingSoollmond auf de» 21. März fällt, so kann, vorausgesetzt daß das am Sonn- abend ist, das Osterfest am nächsten Tage gefeiert werden. Dieser Fall ereignete sich seit dem Beginn des Ig. Jahrhunderts einmal, und zwar im Jahre 1813. Erst 1979 würde Ostern wiederum auf den 22. März, den frühmöglichen Termin, fallen. Der späteste Oster- termin ist der 25. April; er Hot dann Geltung, wenn der Frühlings- Vollmond an seinem überhaupt späteste» Termin, dem l3. April ist (23 Tage nach dem 21. März) und wenn dieser 18. April auf einen Sonnlag fällt. Denn dann muß das Osterfest acht Tage später, nämlich am 25. April gefeiert werden. Diese» spätesten Ostertermin brachte zuletzt das Jahr 1886; 1943 würde Ostern wieder auf den 25. April fallen. Diese ganze komplizierte Rechnung hat eS trotzdem nicht verhindern können, daß seit dem Konzil von Nicaea schon zweimal die ersten Tage deS christlichen und jüdischen Osterfestes zu'annnengesallen find. Bekanntlich richten sich die Termine zahlreicher beweglicher Feste, wie Pfingsten, Christi Himmelfahrt, Fronleichnam, Fastnacht nach dem Ostertermin, und wegen der dadurch verursachten tiefgehenden wirtschaftlichen Schwierigkeiten hat das Bestreben, durch internationale Vereinbarung de» Ostertermin festzulegen, neuerdings viel Aussicht aus Verwirk- lichung. Im Juni dieses Jahres soll auf dem zu London statt- findenden internationalen HandelSkanimerkongreß diese Frage er- örtert werden. Die„Arbeitswilligen". Aus dem Generalstreik in Philadelphia bringt die»Franlf. Zeitung" sehr anschanliche Bilder. Die»Arbeits- villigen" werden alio geschildert: Eine Quelle beständiger Belustigung für den Beobachter sind die neuen oder»grünen" Angestellten, wie sie hier genannt werden. Die M o t o r>v a g e n f ü h r e r sind augenscheinlich von dem Ehrgeiz ge- plagt, die Solidität der Bauart der ihnen anvertrauten Wagen an allen möglichen Objekte», Menschen, Automobilen. Lastwagen usw. zu er- proben. Mit besonderem Vergnügen scheinen sie aber gegen eine andere„Enr" zu fahren, und wenn zwei derselben zu gleicher Zeit an einer Kreuzung ankommen, sieht jeder Führer eine Ehre darin, zuerst auf der anderen Straßenseite zu sein. So lommt es, daß cS an den Kreuzungen sehr viel.Kleinholz" gibt. Die K o n d u k- teure bezeigen einen lobenswerten Eifer in der Einziehung der Fahrgelder, nur sind sie außerordentlich vergeßlich. Wie bekannt, erhält hier m Amerika der Passagier keinen Fahrschein. ES bestehr Am 6 März ist der der Stadt gehörige, mit großen Kosten eingerichtete Treptower Park dem Eigentum der Stadt und ihrer Bürger gewaltsam und rechtswidrig entzogen worden. Man weiß nicht, ob man über die Vornahme der Absperrung mehr entrüstet oder heiter gestimmt sein soll. Eine große Anzahl Schutz- leute und Gendarmen haben auf Veranlassung des Berliner Polizeipräsidenten alle Zugänge zu dem Park gesperrt und einen sogar mit Brettern vernagelt. Wir haben solche Vernagelung schon einmal erlebt, als der Amtsvorsteher von Erkner, Herr v. Busse, unter dem Sozialistengesetz eine Versammlung verbot und mit Hilfe eines Gendarmen den Eingang zu dem betreffenden Lokal vernageln ließ. Dem Herrn ist ja durch Gerhart Hauptmann in dem„Biberpelz" ein dauerndes Denkmal gesetzt. Gegen die Gesetzwidrigkeit des Vorgehens des Berliner Polizei- Präsidenten müssen wir entschieden protestieren. Der Polizeipräsident hatte vorher gesetzwidrig eine Ver- sammlung unter freiem Himmel an derselben Stelle nicht ge- nchmigt, und als nun der Spaziergang geplant wurde, ging er auf die Hetzereien der erwähnten Presse ein, die ihn beschwor, um Gotteswillen nicht gegen die Wahlrechtsschmach demonstrieren zu lassen. Er erließ gegen die Ankündigung im„Vorwärts" einen Haufen offiziöser Auslassungen in allen möglichen Zeitungen— ich habe drei davon hier, eine immer scherzhaster als die andere —. Kollegen Borgmanu teilte er mit, er würde den Spazier- gang als genehmigungspflichtige Veranstaltung ansehen und ihr entgegentreten. Eigentümlich: Ein Spaziergang soll eine Versammlung sein! ES wurde nachher versucht, das zu rechtfertigen; gegen harmlose Spaziergänger habe er nichts, aber wenn eine große Menge komme, sei es etwas anderes, dem müsse man entgegentreten, das sei eine Versammlung, nämliche„eine absichtliche Vereinigung mehrerer Menschen an einem gemeinsamen Ort zu gemeinsamen Zwecken"! Dann müßte jede Landpartie, jede Gesellschaftsreise, jedes Kaffee- kränzchen, jedes Hochzeitssest der polizeilichen Genehmigung unter- liegen, auch das Anschauen der Parade müßte dann genehmigt werden(Hetterkeit). Das ist so widersinnig, daß über diese Polizei- liche Auslassung überall die größte Heiterkeit entfesselt wurde. Der Polizeipräsident stützt sich auf frühere Demonstrationen, die auch gesetzwidrig seien, weil er sie nicht genehmigt habe. Ganz der Jargon der„Deutschen Tageszeitung", noch über das Vormärzliche hinaus. Daß Demonstrationen gesetzlich zulässig sind, kann nach dem Gesetz nicht einen Augenblick im Zweifel sein, siehe Kammergerichtserkenntnis vom 5. April 1999. Der Polizei» b e a m t e, der solchen Demonstrationen entgegentritt, hairdelt ge- setzwidrig. Man hat versucht, die Demonstrationen zu Versamm- lungen zu stempeln; aber es sind keine Versammlungen, darüber besteht auch nach der Logik und nach G-ericbtserkenntnissen kein Zweifel mehr. Die Absperrungen, die erfolgten, um alle die- jenigen, welch« etwa für das Reichstagswahlrecht sind, am Spazierengehen am Sonntagnachmittag zu hindern, sind ein rechts- widriger Eingriff in das Recht der Stadt und ihrer Einwohner, wie es die Städteordnnng einwandsfrei feststellt. Die Polizei war verpflichtet, Widerstand gegenüber den Spazierengehenden zu brechen, nicht aber zum Gegenteil. Der Polizeipräsident wußte auch selbst, daß er etwas Rechtswidriges beging, denn er sagt in einer seiner Proklamationen, der Spaziergang sei eine Umgehung dessen, was er nicht haben wollte. Es steH damit ebenso, wie wenn jemand für strafbar erklärt wird, der das Verbot„du s o l l st nicht stehlen" dadurch umgangen hat, daß er nicht gestohlen, sondern sich ehrlich ernährt hat.(Große Heiterkeit.) Durch die Hetze einiger Junkerorgane ist vielleicht die ruhige Ueberlegung dem Polizeipräsidenten verloren gegangen, so daß er nicht gewußt hat, tvas er tat; aber die objektive Rechtswidrigkeit seines Tuns steht fest. Die Polizei ging indessen noch weiter; sie unterband den Verkehr, den sie fördern soll; die Besucher des Parks, die schon vor 12 Uhr mittags da waren, Männer, Frauen und Kinder, die in den Lokalen essend und trinkend sich befanden, wurden durch Schutzleute und Gendarmen aus den Lokalen herausgeholt und das städtische Eigentum aus die scheust- lichste Weise verwüstet. Frauen und Kinder sind mißhandelt, ge- pufft, gestoßen, hinausgezerrt worden. Auch den Gastwirten ist ein ungeheurer Schaden zugefügt worden; einem ist bis in sein« der Einheitstarif— ein Nickel für jede Entfernung— und wenn der Kondukteur einen solchen eingenommen hat, erwartet man, daß er de» Riemen einer Registriervorricbtung zieht, die mit Hellem Glockenton ankündigt, daß die Gesellschaft um fünf Cents reicher ist.„Erwartet man," sagte ich, eigentlich soll eS heißen,»erwartet die Gesellschaft"—- aber ich fürchte, sie erlebt viele Enttäuschungen. Die Kondukteure hoben augenscheinlich erst eine Halste ibrer Pflichten gründlich begriffen, nämlich das Ein- kassieien der Nickel, die andere Hälfte, das Abliefern derselben, haben sie wohl noch nicht heraus. Jedenfalls sind sie außerordentlich ver- geßlich beim Registrieren. Ein Direktor der Gesellschaft, der von einem Zeitungsmann darüber befragt ward, grinste vergnügt und meinte: „Na. was denken Sie, wir sind ja schon froh, wenn wir unsere Wagen wieder kriegen I". Ich muß noch bemerken, daß der Ausdruck»Arbeits» willige", den man diesen Leuten beilegt, entschieden wenig an« gebracht ist. Die neuen Leute sind durchweg Bassermnnnsche Gestalten, die wohl wissen, daß sie von der Gesellschaft nur als Notbehelf gebraucht werden und sofort»fliegen" werden, sowie diese sich mit ihren alten Leuten wieder arrangiert hat. Einer von den neuen Kondukteuren sagte mir denn auch, als er halten ließ, um sich eine Zigarre zu kaufen und anzuzünden(die neuen Leute haben allerlei Privilegien, von denen die alten nichts wußten):»Ach, wissen Sie, warum soll ich das nicht mitnehmen? Man hat mir mein Fahrgeld von New Dock bezahlt, mich eingekleidet, ich bekomme Kost und LogiS sowie drei Dollar per Tag und—«Na. und?* fragte ich.—»Nun. und alle Fahrgelder, die die Gesellschaft nicht— gebraucht 1" erwiderte er mit verschmitzt-vergnügtem Lächeln. Zur Geschichte der Schachmeisterschaft. Die Würde eines Welt- Meisters im Reiche des Schachs existiert erst seit dem Jahre 1866, als Wilhelm Sleinitz ihn sich nach seinem Sieg über Andersen zulegte mit der Erklärung, diesen Titel gegen jeden Spieler ver- leidigen zu wollen. Er hat ihn denn auch fast dreißig Jahre lang innegehabt, und auch der große englische Meister Blackburne, der in den siebziger Jahren zweimal dagegen ankämpfte, vermochte, da er nicht eine einzige Partie Steinitz abgewann, ihn nicht an sich zu reißen. Das gelang, wie Erich Cohn in der Monatschrift „Ost und West' mitteilt, erst dem immer glänzender spielende» Zuckertort, der 1883 in London drei Points mehr als Steinitz und damit den ersten Preis errang. 1886 kam es dann zu dem ersten großen WeltmeisterschaftSmaich zwischen den beiden Meistern. In ihin bezwang der alle Champion seinen Gegner glänzend; er siegte mit zehn Gewinn- gegen fünf Verlustpartien bei fünf Remisspielen. Allmählich aber erwuchs dem Meister, der alle anderen Gegner immer wieder bezwang, ein besonders gefährlicher in Emanuel Lasker, der nach Amerika kam, um dem alternden Weltmeister die Krone zu entreißen; er siegte 1894 über ihn mit zehn Gewinnpartien. Vier wurden remis, und fünf rettete sich Steinitz. Lasker befestigte im Laufe der Jahre dann seine erste Stellung durch seine Siege in den Wcttkämpfen mit Marschall, Tarraich und Janoivski. Der erste aber, der Laskers Siegeslauf, wenn nicht brechen, so doch aufhallen konnte, war Karl Schlechter. Der Match, der mit den, Resultat 5: 5 unentschieden endete, ist noch in aller Schachfreunde Erinnerung. Heber den Siegeslauf der Setzmaschine macht da?»Buchgewerbe" einige interessante Mitteilungen. Seit Erfindung der ersten brauch- Privaträume hinein ein Gendarm gefolgt, um nachzusehen, ob da nickst einer wahlrechtsspazieren geht.(Große Heiterkeit.) Die Schutzleute, deren Erregung wegen ihrer ewigen Dienstbereitschaft man verstehen kann, haben das Publikum mit Ausdrücken wie „Hund e",„Halunken" usw. belegt. Das ist unerhört und in der Kulturwelt noch nickt dagewesen, daß die Polizei, welche für die Ruhe, Ordnung und Sicherheit Sorge tragen soll, planmäßig gegen Sicherheit und Eigentum tor Bürger vorgeht.(Lebhafts Zustimmung und Unruhe.) Würde diese Polizei vor ein unpartei» isches Schwurgericht gestellt, sie würde zweifellos verurteilt werden. 9toch böser ist man vorgegangen in der Umgegend des Parkes selbst, Die paar Leute, die sie haben wegführen können, die ihrer Ent» rüstung durch Ausdrücke wie„Bluthunde" usw. Ausdruck gegeben haben, sind vor die Gerichte gestellt, und dort hat man �sich die größte Mühe gegeben, den Vorgang in seiner Totalität nicht durch Zeugenaussagen aufklären und darstellen zu lassen. Aber so viel ergibt sich doch auch aus den Zeugenaussagen, daß die Schutzleute ohne jeden Grund mit Pferden in eine durchaus ruhige Menge hineingesprengt und daß Leute dadurch mngeivorfen und von Pfetdehufen getreten wurden, daß auf einer fast menschenleeren Straße ein Wachtmeister hat blank ziehen lassen, daß Leute an? den Häusern herausgeholt worden sind usw. Nicht nur am Schle» fischen Tor sind Brutalitäten der Polizei vorgekommen. Welchev Grad von Feigheit gehört dazu, in voller Bewaffnung gegen Wehr» lose anzureiten, und welcher Grad von Niederträchtigkeit, hineinzureiten, um etwa zu provozieren! Die Stadt Berlin ist ja auch für die angerichteten Schäden verantwortlich auf Grund des Ge« sctzes von 1859, so daß sie zum Protest doppelten Grund hat. Die Polizeiausschreitungen haben aber nicht bloß im Osten, sondern auch anderStvo stattgefunden. Der Polizeipräsident ist bekanntlich von den Sozialdemokraten„versetzt" worden. Während seine Leute in Treptow warteten, waren die Spaziergänger im Tiergarten. Auch hier auf dem Königsplatz usw. wurde auf absolut harmlos dahingehende Spaziergänger eingeritten und losgeschlagen. Polizeibeamte sagten:„Haben wir Euch endlich, Ihr Hunde, jetzt sollt Jhr'S aber kriegen!" Auch ein Offizier leistete sich ähn- liches. Auf wehrlos Daliegende schlugen sie wie die Bandalvn ein» womit ich die Vandalen aber nicht etwa herabsetzen will. Ueber diese Vorgänge haben auch zahlreiche Nichtsozialdemokraten sich ausgelassen. Der Abg. G o t h e i n hat erklärt, daß, wo die Polizei nicht eingriff. alles in größter Ordnung verlief, daß aber daS Verhalten der Polizeibeamten, die in die ruhige Menge hinein auf die Bürgersteige ritten, ganz unqualifizierbar war. Selbst Mecklenburger Freunde hätten ihm erklärt, solche Bru» talitäten seien sogar für Mecklenburg unerhört. Ich verstehe, daß die so hineingefallene Polizei erregt war, aber daS gibt ihr kein Recht dazu, die Bevölkerung Berlins so zu molestieren, wie es hier geschehen ist. Die Attacke am großen Sterin stellt sich als eine ganz sinnlose, direkt die Sicherheit gefährdende, provo» zierende Handlung der Polizei dar, welche Berlin in der Achtung des Auslandes herabsetzen muß; alle französischen Zeitungen sind in ihrem VerdammnngSnrteil über die unfähige Polizei und in der Anerkennung des Verhaltens der Massen einig. Sind wir demgegenüber nicht mit unserer Reso» lution zu zahm gewesen? Sollte nicht die strafrechtliche Ver- folgung der Schuldigen beantragt werden? Aber dazu ist die Versammlung nicht da; die Staatsanwaltschaft aber ist verpflichtet, gegen alle strafbaren Handlungen vorzugehen. Wir haben also die mildeste Form gewählt, und auch ich persönlich bin bei meiner Begründung jeder Schärfe ausgewichen. Wer zu» gegen war, konnte nicht anders als sagen, daß dieses Verhalten der Polizei provokatorisch wirken mußte; und auch wer nicht zugegen war. muß empört sein über die Rechtlosmachung der Bevölkeruing, wie sie hier geschah. Ich bitte Sie, unseren Pro- lest einstimmig zu beschließen. Auch im Reichstag wurde da? Verhalten des Polizeipräsidenten als rechtswidrig allerseits an« erkannt.(Beifall auch auf der Zuhörertribüne.) Es geht ein Antrag Cassel-Frick(Alte unt> Reue Linfe) ein. den Magistrat zu ersuchen, durch geeignete Vorstellungen ber den Staatsbehörden dahin zu wirken, daß öffentliche Versamm« lungen unter freiem Himmel und Aufzüge, von denen baren Setzmasckine, der Linotype, sind jetzt 23 Jahre verflossen; am 1. Januar 1910 betrug die Zahl der überhaupt in Gebrauch befindlichen Setzmaschinen schätzungsweise 21 999. Davon entfällt der Löwenanteil auf die von der Mergenthaler Setzmaschinenfabrik gebaute Linotype, von der zirka 17 999 bisher verkaust wurden, bis zum weitaus größten Teil auch noch in Gebrauch sind. Die in Berlin gebaute Typographmaschine hat eS erst auf ein« Ziffer von 2399 ge» bracht; die Monoline vermutlich erst auf einige Hundert. Di« neuest« Erfindung auf dem Gebiete der Setzmaschinen ist die Monotype, die statt einer ganzen Zeile Einzelbuchstaben setzt und gießt. Es gehören zu einer kompletten Monotype eine Gieß« und eine Setzmaschine, von denen zusammen gegenwärtig 5999 Exemplare im Gebrauch sein dürften. DaS Blatt rechnet auch noch die Summen zusammen, die diese Maschinen gekostet haben und kommt zu dem Schluß, daß heute ein Kapital von rund 599 Millionen Marl in Setzmaschinen festgelegt ist. Humor und Satire. Treptower Vogelli«� Sn Treptow sonnte sich heiter in munteres Starenpaar. Es schwärmten die blauen Reiter; Da sprach der eine Star: „Ei sieh' doch, lieber Gesell«; Dort unten das Gehetz, Welch schöne Paralelle Zum Vogelschutzgesetz. Uns schirmt mit Kind und Kegel Die liebe Polizei, Macht an« uns„freie Bogel" Und die Menschen— vogelfrei l' Notizen. — Vortrage. Der Vortragszyklus: Anleitung zum Betrachten von Kunstwerken, den Prof. P. Schübling in der Zeit vom 39. März bis 23. April von Ö'/a— 71/a Uhr im Schiller-Saal, Charlottenburg, hält, wird durch zahlreiche Lichtbilder erläutert. Abonnementshefte zu 3 M. in beiden Schiller- Theatern. — D i e Zahl der Abstinenten Deutschlands. Der Allgemeine Zentralverband gegen den Alkoholismus hat berechnet, daß die Anzahl der Abstinenten Deutichlands, die Anti-Slkohol- vereinen angehören, im Jahre l909 98 279 Erwachsene und 22 839 Jugendliche betrug. Die Zunahme gegenüber dem Vorjahre macht bei den Erwachsenen 14 179, bei den Jugendlichen etwa ein Drittel aus. Der„Alkoholgegner" teilt dazu mit, daß bei dieser Aufstellung die zahlreichen Vegetariervereine, die Heilsarmee und andere Organisationen nicht berücksichtigt sind; wären sie eS, so würde die Gesamtzahl der Abstinenten Deutschlands mit einer Viertel» Million eher zu niedrig als zu hoch gegriffen sein. — Der Aufzug auf die PeterSkuppel. Zur Feier deS Namenstages des Papstes ist am 19. d. M. ein Aufzug auf die Peterskuppel emgeweiht worden. Der Aufzug ist in dem elliptischen Schacht der von Michel Angelo entworfenen Treppe angebracht und hat so schön Platz, daß man meinen sollte, Michel Angelo hätte mit dieser Einrichtung gerechnet. Die zu überwindende Höhe beträgt 44 Meter. (eine Gefahr fut Sie öffentliche Sicherheit nicht zu öe. fürchten ist, im Polizeibezirl Berlin nicht gehindert werden. Gtadtv. Cassel(A. L.): Für uns ist das Bereinsgcsetz «abgebend. Danach sind Versammlungen unter freiem Himmel und Umzüge an sich gestattet; sie bedürfen der Genehmi- gung der Polizei, die nur versagt werden darf, wenn Gefahr für die öffentliche Sicherheit zu befürchten ist. Die Prüfung der Zweck. mähigkeitSfrage ist ausdrücklich ausgeschlossen, di>. Aburteilung über diese Frage ist uns in diesem Augenblick dadurch etwas erschwert, : Saß die Veranstalter der verbotenen Versammlung-,, usw. Klage ' im VerwaltungSstreitderfahrcn erhoben haben. Man wird daher die Entscheidung nicht gut vor Abschluh dieses Gerichtsverfahrens fällen können. eS wnn uns aber nicht verwehrt werden, unsere Ansicht über \ baS Verhalten des Polizeipräsidenten auszusprechen. Meine Freunde find nicht davon überzeugt, daß daS V e r b o t jener Versammlung gerechtfertigt war; warum man die Versammlung im Tep- tower Park verboten hat, können wir uns nicht erklären. Die Genehmigung des Eigentümers des Parks, der Stadtgemeinde, war ' ja außerdem in Aussicht genommen. Es war nach unserer Mei- nung auch nicht ausreichend, das Verbot wegen der Möglichkeit der Gefährdung der öffentlichen Sicherheit nach Schluß der Ver» sammlung auszusprechen, dafür das Erforderliche vorzukehren, war eben Sache der Polizei. Auch hatten die Unternehmer der öffentlichen Versammlung dem Polizeipräsidenten eine Gewähr. lerstung für die Aufrechterhaltung der Ordnung angeboten. Nach den Erfahrungen vom Sonntag, �en 13. Februar, wo sich 100 000 oder gar 200 000 Menschen in den Straßen bewegt haben, ohne dir Ordnung zu stören, mußte man annehmen, daß dieses An- gebot nicht ohne weiteres in den Wind zu werfen war. Aus persönlichen Wahrnehmungen im Tiergarten kann ich nur be- zeugen, daß nirgends die öffentliche Ordnung gestört wurde. Wir glauben, daß in der Tat die Auslegung des Polizei- Präsidiums zu eng und nicht mit dem Gesetz vereinbar»st. I Bezüglich de? Verhaltens von Polizeiorganen an dem Sonntage selbst wird eS schwer sein, ein einheitliches Urteil zu gewinnen. weil die tatsächlichen Feststellungen fehlen. Die Beamten hatten am S. März einen sehr schweren Dienst, und erklärlich ist, wenn dieser schwere Dienst sich sehr häufig wiederholt, daß eine gewisse erregte Stimmung bei den Beamten ««ntreten kann; aber trotzdem dürfen nicht Ausschreitungen vor» kommen, wie sie von Zeugen bekundet und aus dem Publikum mit« geteilt sind. Hatte die Polizei sich im Tiergarten überraschen lassen. so mutzte sie um so mehr dafür sorgen, daß das Publikum dort nicht zu Schaden kommen konnte, denn eine Warnung war nicht erlassen worden. Uebertreibungen mögen in den Preßberichten vor. gekommen sein; von schweren körperlichen Beschädigungen hat inan später Genauere? nicht mehr gehört. Ich bedaure. daß die Polizei sich darüber in Schweigen gehüllt hat. In den Prozessen der letzten Tage ist mehrfach zugunsten der Angeklagten angenommen worden, daß dies« Ausschreitungen als geschehen zugegeben wurden; ich bedaure um so mehr, daß nichts Positives gerichtlich fesigeftellt worden ist. woran daS öffentliche Interesse sehr groß gewesen wäre. Einen Protest können wir nach dem von mir Angeführten nicht beschließen; wir wollen nicht aburteilen über noch nicht fest- gestellt« Dinge. Wir haben aber das Interesse, daß der Berliner Bevölkerung daS im Vereinsgesetz gewährte Recht nicht ver» kümmert werde. Wir können auch nicht wünschen, daß Lokal. inhaber, wie geschehen, durch die Polizei in ihrem Gewerbe gestört werden. Geht der Magistrat auf unseren Vorschlag ein, so kann der Bevölkerung dadurch ein Nutzen entstehen, indem die Polizei erkennt, daß sie durch ihre Maßnahmen sehr viel Mißmut er- regt hat. Ein weiteres ist im Rahmen unserer städtischen Befug. nisse nicht zu sagen; was allgemein politisch dazu zu sagen ist, ge- hört in die Parlamente. Gtadtv. Ullstein(soz>fortschr.): In fast allen Kulturstaaten find Straßendemonstra Honen ein zulässiges und wirksames AgitationS» mittel für politische Forderungen. Die Polizei Hai im Gegensatz zu der Ruhe der Versam,nlungS- und Umzugsteilnehmer eine hochgradig, Nervosität an den Tag gelegt. Die Kavallerieattacken, di« Gewalttätigkeiten gegen harmlose Bürger und die immensen Verkehrsstörungen, die die Polizei hervorrief, zeigen, daß die Polizei ein Apparat ist. der nicht mit der von ihm zu erwartenden Ruhe und Besonnenheit funktioniert. Wir müssen fast S Mil» lionen dafür aufbringen; die Unterhaltung der Polizei gehört leider auch nicht zu den Kulturaufgaben, an denen nach der Meinung dcS Kämmeverö gespart werden kann. Wir geben unserem Un- willen über di« Vorgänge des 6. März dadurch Ausdruck, dafe wir dem Antrag SronS ebenso wie dem Antrag Cassel zustimmen werden.(Beifall.) Damit schließt die Beratung. Im Schlußwort führt Stadtv. Borgmann(Soz.) aus: Der Antrag Cassel ist durchaus unzulänglich und bringt das absolut Notwendige nicht' zum Ausdruck. Herr Cassel selbst hat schon anerkannt, wie durchaus ruhig und ordnungSinäßig sich die Demonstration am 13. Februar abgespielt hat. Di« Presse des Polizeipräsidenten erklärte nachher diese Demonstration für ungesetzlich. Unsere Parteiorganisation trat, als weitere Demonstrationen in Aussicht genommen»varen, wegen Genehmigung einer Versammlung unter freiem Himmel im Treptower Park zunächst mit dem Oberbürgermeister in Verbindung, der die Genehmigung erteilte. Der Polizeipräsident aber, an den wir alsdann herantraten, lehnte die Genehmigung glatt ab und wies auch darauf hin. daß die Vorgänge am 13. Fe« bruar ungesetzlich gewesen seien.(Hört! HörtI) Wir erklärten, wir wollten unS sämtlichen Polizeiverordnungen bezüglich«der Züge zum Versammlungsplatze unterwerfen; ohne Erfolg. Wir gingen dann, um nichts unversucht zu lassen, zum Minister des Innern. Der Minister lehnte es ab. in die Ange» legenheiten der OrtSpolizei einzugreifen, und als wir ihn darauf hinwiesen, daß doch keinerlei Gefahr vorläge für die Abhaltung solcher Demonstrationszüge, wie der 13. Februar be- weise, erwiderte er, daß nach seiner Auffassung die Polizei am 13. Februar ihre Pflicht nicht getan habe. (HörtI hörtl) Die Frage, ob der Polizeipräsident bei seinen Ver- fügungen im Rahmen seiner Befugnisse geblieben ist, ist durchaus strittig; die Absperrung des Parkes ist erfolgt, obwohl der Polizei- Präsident dort ein Berfügungsrecht nicht befitzt. Im Reichstage führte der Staatssekretär Delbrück auS, in Treptow habe die OrtS- Polizei die Schließung des Parks angeordnet. Diese Behauptung ist nicht wahr(Hört! hörtl). denn bei der Ablehnung der Ge- nehmigung hat der Polizeipräsident kein Wort davon gesprochen, toß er für den Park überhaupt nicht zuständig sei. Der Treptower Amtsvorsteher Schablow hat ja auch bereits erklart, daß er keinerlei Verfügung getroffen hat, sondern daß ihm das VerfügungSrecht für jenen Tag entzogen war! Mit der Absperrung ist auch die Straße entgegen der Proklamation des Polizeipräsidenten dem öffentlichen Verkehr entzogen worden; der Straßenbahnverkehr wurde auf. gehoben, der Bahnhof Treptow geschlossen! DaS Publikum ist am Gebrauch seines Rechtes, die Straßen für den öffentlichen Verkehr zu benutzen, verhindert worden. Der Polizeipräsident hat sich auf England berufen. Ich habe selbst beobachten können, wie sich im Hhde-Park oder auf dem Trafalgar-Square die englische Polizei für da» Publikum und im Interesse der Veranstaltungen bemüht. Am 6. März haben sich auch unlautere Elemente. Polizeispitzel. t>ie als solche erkannt wurden, unter dem Publikum befunden! Im Tiergarten hat die Polizei in geradezu haarsträubender Weise ge- haust. Ich füge zu dem Zeugnis des Abg. G o t h e i n noch daS des freisinnigen Redakteurs Dr. Oehlke-Bre Slau, der eben« falls Augenzeuge war und sich in seiner Zeitung ganz ähnlich äußerte. Daß die Demonstration beabsichtigt hat, die Staats- und Gesellschaftsordnung über den Haufen zu werfen, ist„absurd"; dazu»st unsere Berliner Bevölkerung viel zu aufgeklärt und ver- ständig. Der Antrag Cassel spricht davon:„soweit die öffentliche Sicherheit nicht gefährdet ist". Ja. die Berliner Polizei hält die öffentliche Sicherheit immer für gefährdet bei solchen An- lüffea und steht darin eine Auflehnung gegen die Staatsgewalt. Die verkehrten Auffassungen bei den leitenden Personen bis hinaus zum Minister muß man aufs tiefste beklagen. Wollen Sie der tiefen Mißstimmung der Bürgerschaft Ausdruck geben, so müssen Sie mindestens uiiserem Protest ihre Zustimmung er- teilen, der besagt, daß die Berliner Bürgersckmft nichts gemein haben will mit dem gemeinen Borgeheo der Polizei.(Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) Stadtv. Sonnenfeld(A. L.)(für den Antrag Cassel): Wenn wir die Handlungsweise des Polizeipräsidenten schlankweg für gesetzwidrig erklären, und alle Instanzen im Vermal- tungsstreitversahren sich nachher auf den entgegengesetzten Stand- Punkt stellen, so würde die Autorität der Versammlung dadurch nicht gehoben werden.(Widerspruch.) Unsere und der ganzen Be- völkerung Mitzstimmu»»g über das Verhalten der Polizei kommt dieser auch in dem Antrage Cassel zur Kenntnis. Die„Aufforde- rung" zum WahlrechtSipaziergang, der unbedingt ein Aufzug war, war eine Ungesetzlichkeit!(Große Unruhe und Zu. rufe bei den Sozialdemokraten.) Solche können wir auch in unseren eigenen Reihen nicht gutheißen!(Abermalige große Unruhe bei den Sozialdemokraten, Zurufe: Oberstaatsanwalt! All- gemeines Ehrenzeichen! Stürmische Heiterkeit.) Der Antrag Arons wird gegen die Stimmen der Antrag- steller und der Sozialfortschrittlichen abgelehnt. Der Antrag Cassel.Frick gelangt zur Annahme; gegen ihn stimmt an- scheinend die gesamte Freie Fraktion und von der Alten Linken Stadtverordneter Haberland. Für die Abteilungen„Märkisches Provinzialmufeum" und „Stadtbibliotftek, Bolksbibliotheken und Lesehallen" des Kapitels X ist ebenfalls Stadtv. Goldschmidt Referent. Diese Etats passieren ohne Debatte. Für Kapitel 11. Besoldungen und Berwaltungskosten(Abt. 1, Gehälter der Magistratsmitglieder. 2. Personalbesoldungsetat, 3. Ruhegehälter, Witwengehälter und Unterstützungen. 4. Sta» tistisches Amt. S. Verwaltung der Bureaudienftgebäude und der außerhalb derselben gelegenen Bureaus, 6. Geschäftsbedürfuisse und Prozeßkosten) ist Stadtv. Barth(A. L.) zum Ausschußrefe- renten bestellt. Der Ausschuß hat mit großer Vkhrheit folgenden Antrag zur Annahme empfohlen: „Die Versammlung ersucht den Magistrat, daS AuSwiirtS- wohnen der Beamten nur unter scharfer Kontrolle der BedürsniS- frage in Zukunft zu gestatten." Stadtv. Ladewig(N. L.) befürwortet die Resolution unter Hervorhebung des sehr auffälligen Umstandes, daß auch ein be- soldeter Stadtrat, der schon vre, Jahre im Amte fei.� noch immer nicht in Berlin eine passende Wohnung habe finden können. Oberbürgermeister Kirfchner: Es liegt hier in der Tat ein Uedelstand vor, den weiter abzustellen wir bemüht sein roeeden. Diätarisch Beschäftigte werden wir nicht mehr annehmen, wenn sie nicht in Berlin wohnen.(Sehr gut!) Stadtv. Cassel spricht ebenfalls im Sinne des AuLschußantrageS. Stadtv. Dr. Preuß(Soz. Fortschr.) tritt der Resolution, die Unmögliches und Unausführbares wolle und zur Willkür führen müsse, entgegen. Die Prüfung der Bedürfnisfrage sei im heutigen Berlin ein Unding. Die Resolution wird angenommen, ebenso die genannten Etats. Stadtv. Ullstein(Soz. Fortschr.) berichtet über die Ausschuß- verhandlurtgen betreffend die Abteilungen„Gaswerke",„Oeffent- liche Beleuchtung",„Strasien-Reiaigung und Besprengung",„Ab- ladewesen",„Bedürfnisanstalten". Auch im Ausschüsse hat der Kämmerer sehr energisch gegen weitere Steigerung der Arbeitslöhne bei den Gaswerken unter Hinweis auf die in den zehn Jahren bis 1908 von 7 auf 4 Proz. gesunkene Verzinsung des investierten Kapitals Front gemacht; ein Antrag auf Beratung über die Lohnverhältnisse der Arbeiter samt- licher städtischen Betriebe in gemischter Deputation ist ohne De- batte abgelehnt worden. Stadtv. Leid(Soz.): Ich muß hier doch noch ein Wort kür die städtischen Arbeiter, und Mar zunächst für die der Gaswerke sagen. Im Etat ist für eine Lohnaufbesserung außer einigen Er- höhungen der Sätze für die Arbeiter der Stroßenreinigung nicht? enthalten. Immer, wem» wir auf das dringende Bedürfnis hin- weisen, hat nian uns erwidert, es gehe nicht an, die Frage für eine einzelne Verwaltung zu erörtern, man müsse die Sache gene- rell behandeln und sich auch nach den anderen Verwaltungen richten. Dabei ist für die städtischen Arbeiter nichts herausgekommen, sie hatten daS Nachsehen; wir haben in den Deputationen wohl viele Debatten, aber die Arbeiter haben davon keinen Profit gehabt. WaS auS den Beratungen der Magistratskommission über die Arbeiterlohnfragen herauskommen wird, wissen wir nicht. Allzu» viel Bertrauen, daß ihre Wünsche berücksichtigt werden, dürften die Arbeiter nicht haben, wenn sie sich vergegenwärtigen, wie der Kämmerer immer mit dem Rotstift dazwischen fährt. Durch die sogenannte ReichSfinanzreform sind in der Haupt- fache die Arbeiter betroffen, da muß durch Erhöhung der Löhne ein Ausgleich geschaffen werden. Die Rechnung des Kämmerers über die Rentabilität der Gaswerke ist falsch. Die Zahlen, die er be- treffend die Lohnsteigerung für die GaSarbeiter anführte, sind direkt geeignet gewesen, die Bevölkerung zu täuschen. Nach seiner Behauptung sind die Lichne in 10 Jahren um 150 Proz. gestiegen; er hat aber nicht angeführt, in welchem Umfange sich unsere Gas- werke vergrößert haben und die Zahl der Arbeiter gestiegen ist. ES konnte den Anschein gewinnen. alS ob der Lohn des einzelnen Arbeiters so gestiegen war.(Zuruf: War auch beabsichtigt I) Getviß find die Löhne in den letzten 10 Jahren gestiegen; daS wäre ja noch schöner, ivenn Berlin in dieser Beziehung allein hätte zurückbleiben wollen. Der Kämmerer ist der Auffassung, daß eine «höhte Arbeitsleistung bei verkürzter Arbeitszeit nicht möglich sei. TaS Gegenteil steht zweifellos fest; eS ist aus den Betriebsergeb- nissen zu ersehen. Gewiß ist die gesteigerte Leistungsfähigkeit der Gaswerke auch zum Teil eine Folge der Verbesserung der Technik. Aber die Leistung des einzelnen Arbeiters ist bei der verkürzten Arbeitszeit keineswegs zurückgegangen. Der Kämmerer bestreitet das und gibt als seine national- ökonomische Weisheit zum besten, daß dann schließlich ein Arbeiter in einer Stunde soviel müßte leisten können als in 8 Stunden. Mit einem solchen Standpunkte ist nicht mehr zu diskutieren Der Kämmerer ging aber noch weiter. Er kündigte im Ausschuß einen Appell an dkv Versammlung an. daß für eine gewisse Zeit Ruhe eintrete und die hohen Löhne nicht„noch höher"»Verden sollten. Der Kämmerer liebt ja sonst die Vergleiche; in seiner EtatSrede hatte er R i x d o r f in sein Herz geschlossen wegen der dortigen geringen Leistung für Acnenunterstützung. Er sollte sich die Lohn- listen von dort einfordern, er wird dann Anfangslöhne von mit», bestens 4,25 Mk.(Hört! Hört!) finden. Bei uns haben wir immer »>och AnfangSlöhne von 3,75 M., was unter keinen Umständen zeit- gemäß ist. Gewiß haben wir die Betriebe nicht bloß, um Arbeiter und Angestellte zu versorgen, sondern weil wir sie brauchen, weil sie im Interesse der Bevölkerung notwendig sind. Den städtischen Arbeitern ist übrigens noch mehr an guter, anständiger Behandlung, als an hohen» Lohn gelegen, wenn sie die Wahl haben; eS sollte also«ich noch der Richtung eine Besserung eintreten, die ja übrigens so gut wie nichts kostet. Tie ArbeiterauSschüsse werden noch immer als Popanz, als Luft behandelt; man hört sie wohl, aber weiter geschieht nicktS; Antwort auf ihre Vorstellu�en bekommen sie ent- weder überhaupt nicht oder erst nach langen Monate»». Im Juni vorigen Jahres wurden sie zur Aeußerung über die neue Arbeitsordnung aufgefordert; sie haben ihre Anträge dazu eingereicht, hörten aber dann nichts mehr davon. Am 13. Dezember war die nene Arbeitsordnung angeschlagen und damit perfekt. Im Ausschuß hieß eS: „Ja, waS wollen die Leute noch mehr?' Sie müssen gehört werden und sind gehört worden." Eine solche Behandlung der Arbeiter ist nicht bloß bei den Gaswerken, sondern auch in den anderen städtischen Betrieben Gegenstand steter Klage. Am schlimmsten werden zweifellos unsere Angestellten in den Kranken- und Pflegeanstalten behandelt; man stellt sie tatsächlich unter die Gesindeordnung. DaS Beurlaubtenshstem wird direkt zur Beschränkung des Koalitionsrechts gemißbraucht. Kein Wunder, daß da der Wechsel des Personals in den Anstalten ganz ungeheuer groß ist. In samt- lichen Krankenanstalten war Anfang 1908 Bestand 3085, Zugang 3301, Abgang 3104, am Ende des Jahres Bestand 3284. Das gc- samte Personal hat also gewechselt, gleich 100 Proz.; da aber ein gewisses Stammpersonal vorhanden»st, ist der tatsächliche Wessel noch größer. Im Birchow-Kraitkenhause übertrifft der Wechsel cme uor»»«, Anstalter». Der Dienst ist auch kein leichter; es sind in demselben Jahre bei dem männlichen Personal 645, bei dem weiblichen 975 Erlrankungsfälle gleich 1620 oder 49,9 Proz. vorgekomnrenl(Hört! hört!) Auch hier steht das Virchow-Krankenhaus an der Spitze. Aus alledem geht hervor, daß hier noch sehr viel zu bessern ist, daß die Mehrheit nicht dein Kämmerer folgen, sondern dafür sorgen soll, daß auch an die städtischen Arbeiter gedacht wird, daß mindestens das Interesse ihnen entgegengebracht wird, da? Haus- und Grundbesitzerinteressen hier zu finden pflegen.(Beifall und Unruhe.) Kämmerer Dr. Steiniger: Die Schlcht der Maschinisten und Heizer ist immer mehr verkürzt worden, von 1899— 1910 von 12 auf 8 Stunden, um ein volles Drittel; dieser Aussall kann durch erhöhte Leistungsfähigkeit nicht ausgeglichen werden. Dasselbe Verhältnis besteht bei dem Dienst aus den Höfen. In drn Löhneir der Gaswerke findet sich ein Anfangslohn von 3,75 M. nicht. Hier ist die Arbeitszeit auf 10 und 9 Stunden heruntergegangen. In der Kanalisation find«» wir dieselbe Erscheinung. Der Vorredner geht gegen mich mit einer wahren Gehässigkeit vor; ich könnte ihm das mit einer Fülle von Material zurückgeben.(Zuruf bei den Sozialdemokraten: Immer los!) Stadtrat NainSlau ergänzt diese Ausführungen durch Angabe der absoluten Lohristeigerungen für eine Reihe von Arbeiterkate- gorien. Die Arbeiterausschüsse würden fo wohlwollend be- handelt, wie nur irgend denkbar. Sie würden �nach ihrem Wunsch einberufen und kämen mit unendlichen Anträgen, auch die un- wesentlichsten Dinge würden von ihnen feierlich beraten. Agitationen zu Parteizwecken während der Arbeitszeit dürsten im Interesse der Disziplin nicht stattfinden. Stadtv. Borgmann: Für die Rixdorfer Arbeiter besteht eine Lohnskala wie bei unS; die Lage der Rixdorfer Arbeiter ist tatsächlich erheblich besser als die der unsrigen. Durch die Ein- führung der Achtstundenschicht vor dem Ofen hat die GaSwerkSver- »valtung keinen Schaden, soichern Nutzen gehabt. Der Kämmerer hat die Steigerung der Löhne bei den Gaswerken um 150 Proz. in den letzten zehn Jahren behauptet; er gibt aber nicht an. um wiviel die Zahl der Arbeitskräfte gestiegen ist. Tatsäch- lich ist der Lohn nicht gestiegen, sondern der Kostenpreis pro 1000 Kubikmeter erzeugtes Gas ist gesunken!(Zurufe.) Gewiß, auch durch die technischen Fortichritte. Der Kämmerer wollte offenbar mit seinen AuSführui»gen in seiner Etatsrede eine Veräußerung der Gaswerke vorarbeiten, und im Ausschuß war auch schon von iliem Pachtangebot die Rede! Seine Aufstellung soll offenbar auch dem Verlangen nach höheren Löhnen möghchst entgegenwirken. Es ist merkwürdig, daß wir hier die Verwaltung gegen den Magistrat verteidigen müssen, sofern der Kämmerer wirklich auch namens des Magistrats ge« sprachen hat. Ein verkehrteres Verfahren als die Gaspreiserhöhung könnte gar nicht vor» und eingeschlagen werden; es würde unsere kleinen Geschäftsleute schwer schädigen und einen Rückgang des Konsums bedeuten. Braucht man Geld, so nehme man es aus Steuer«, aber nicht auf diesem Wege.(Beifall bei den Sozialdemo. kraten.) Stadtrat Ramsla«: Bei den drei achtstündigen Schlchten läßt sich die volle Arbeit an den Retorten doch nicht ganz schaffen, wie bei der früheren zwölfftündigen Schicht. Stadtv. Goldschmidt: In der Aufrechnung ist doch tatsächlich au chdie vorzügliche Berliner Straßenbeleuchtung, auf die wir stolz sind, mit einbegriffen. Andererseits konnte doch kaum jemand die Angaben des Kämmerers, daß die Arbeiterlöhne um 150 Proz. ge» stiegen seien, auf den Lohn deS Einzelnen beziehen(Widerspruch). da er unS doch unmittelbar darauf selbst Lohnsteigerungen, von 20 Proz. anführte. In der Stratzenrenigungsdeputation ist einstimmig eine Lohn- erhöhung verlangt worden; der Minimallohn soll von 3,75 aus 4 Mk„ der Höchstlohn auf 5,50 Mk. gesetzt nwrden. Eine über- mäßige Belastung des Etats wird dadurch nicht herbeigeführt werden. Stadtv. Hintze(Soz.): Wir haben schon 1901 den Urlaub für alle ein Jahr im Betriebe stehenden Arbeiter auf 8 Tage, nach 5 Jahren auf 14 Tage verlangt; Herr Goldschmidt ist auch heute sehr zahm und will eine Verbesserung nur für die ältere» Arbeiter. In dem Gaswerksbericht, den Stadtrat N a m s l a u er- stattet hat. ist die öffentliche Gasbeleuchtung mit IVj Millionen Mark aufgeführt und der Gewinn aus den Gaswerken auf 11% Millionen Mark,„gewiß kein Pappenstiel", Herr Kämmererl Die Zahl der Arbeiter bei den Gaswerken hat sich verdoppelt. Die Arbeitslöhne haben im ganzen nur eine mäßige Steigerung erfahre»». Bei den Markthallenarbeitern ist die Steigenrng 3314 Proz.. aber auch das genügt noch lange nicht gegenüber den Anforderungen de« Lebensunterhalts infolge der gestiegenen Preise. Der Kämmerer M a a ß bezog seinerzeit ein Gehalt von 12 090 M., daS Gehalt des jetzigen Kämmerers beträgt 17 000 M.(Unruhe; Zuruf: Verdient er auch!) Ja, er verdient es, indem er auf die Arbeiterlöhne drückt!(Große Unruhe.— Borsteher: Das ist ja unerhört: mit solchen Torheiten dürfen Sie hier nicht kommen! — Große Unruhe bei den Sozialdemokraten.) TaS sind keine Torheiten, sondern Zahlen, die betveisen, was ich sage.(Der Vorsteher bleibt bei seiner Meinung. Fortdauernde Unruhe.) Da eine Magistratskommission sich mit der Frage beschäftigt, wer- den wir abwarten, was dabei herauskommt; viel Vertrauen habe ich unter dem Drucke, den der Kämmerer ausübt, nicht. Stadtv. Borgmann(zur Geschäftsordnung): Wir sehen hier wieder, wie schlimm es ist. daß unsere Partei im Bureau nicht vertrete« ist. Unser Redner hat sich Worte an den Hals werfen lassen müssen, die ganz unzulässig sind und in der Geschäftsordnung keinerlei Stütze finden. Der Etat für die Gaswerke und für die öftentliche Belenlhtung wird genehmigt und nach 10 Uhr die Etatsberatung abgebrochen. um nächsten Mittwoch fortgesetzt zu werden. Orts- Krankenkasse der Handlvtrktr Apnndans. Zlin 81. März, abends 8 Uhr: General- Versammlung im»Hotel zum Stern". TagrSordnung: 1. Kassenbericht und Abnahme der Rechnung deS Vorjahres. S. Bericht über den Stand der WalderbollmgAssäUe. 3. Verschiedenes. 272/7 Der Borltand. «. Lndrwtg, Borsitzender. vi». Simmvl Spezial-Arzt• für Haut- und Harnleiden. Prinzenslr. 41, ä™*. 10—2, 5—7. Sonntage 10-13, 2—4. Obstbaum- u. Hochwald- Parzellen, direkt au der Chaussee und Lahnhoi gelegen. 1337b' Nnssonhoido cA-ro»»») von 300 Mark an inH. Hon». Bin täglich zu den rfnsen uö Steltiner Bahnhof 10.44 und 12,40 dort zu treffen. Fahrzeit'/, Stunde«. Besitzer«. Wolf, Oranienburg, Berliner Str. 52». herreil- und Knoben- Gurderoiie fortig u. noch Muo� auf Teilzahlung> »Vocho von V Mark a» J.Kurzberii BmwiwJsr asc*?• Unserem Genossen, dem Bahlstellenleiter H. Kannowade nebst Frau die herzlichsten Glüdwünsche zur silbernen Hochzeit und zum 50. Ge burtstage. Die Genossen des 5D Bezirks Rixdorf. 48182 ECCCCCC# 999999999 66666 Unserem Genossen Heinrich Kanowade und Fran zur heutigen Silberhochzeit und seinem 50. Geburtstage die herzlichsten Glückwünsche. Die Funktionäre des 5. Bezirks Rixdorf. Sozialdemokratischer Wahlverein für den 4. Berl. Reichstags- Wahlkreis. Frankfurter Viertel. Bezirk Nr. 379. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Genosse, der Arbeiter Karl Schöps Mehnerstr. 5, gestorben ist. Ehre feinem Andenken! am Die Beerdigung findet Donnerstag, den 24. März, nach mittags 5 Uhr, von der Leichenhalle des Zentral- Friedhofes in Friedrichsfelde aus statt. Um rege Beteiligung ersucht Der Vorstand 216/14 Deutscher Transportarbeiter- Verband. Bezirksverwaltung Groß- Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Möbelpader Karl Schöps am 20. März im Alter 48 Jahren verstorben ist. bon Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 24. d. M., nach mittags 5 Uhr, von der Leichen, halle des Bentral Friedhofes in Friedrichsfelde aus statt. 67/15 Um rege Beteiligung wird ge= beten. Die Bezirksverwaltung. Deutscher Transportarbeiter- Verband. Bezirksverwaltung Groß- Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Kutscher Ferdinand Philipp am 21. März im Alter von 59 Jahren verstorben ist. am Ehre feinem Andenken! Die Beerdigung findet Freitag, den 25. d. Mts., nachmittags 3 Uhr von der Leichen balle der Segensgemeinde in Weißensee, Gustav Adolf- Straße, aus statt. 67/16 Die Bezirksverwaltung. Verband der Maler, Jackierer, Auftreicher ufw. Filiale Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß der Kollege Friedr. Seidenberg am am 20. März verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet Donnerstag, den 24. März, nach mittags 4%, Uhr, von der Leichen halle des Gethsemane- Stirchhofes in Nordend aus statt. 129/2 Die Ortsverwaltung. Zentralverband d. Maschinisten und Heizer, sowie Berufsgenossen Deutschlands. Verwaltungsstelle Groß- Berlin. Todes- Anzeige. Am 21. März verstarb unser Mitglied Karl Streubel. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am 24. März, nachmittags 4 Uhr, bom Trauerhause.Landsbergerullee144 nach dem Georgen- Stirchhof, Lands. berger Allee, ftatt. 145/4 Um rege Beteiligung bittet Die Ortsverwaltung. Allen Verwandten, Bekannten, Kollegen und Genossen hiermit bie traurige Nachricht, daß unser liebes, gutes Kind Marie im 18. Lebensjahr, durch einen elenden Tod von uns geriffen worden ist. 48212 Wir bitten als tieftrauernde Eltern um stilles Beileid, um unferen großen Schmerz zu stillen. Die Beerdigung findet am Freitag, den 25. März, nachmittags 3 Uhr, von der Halle des neuen Johannis- Kirchhofes in Plößensee aus ftatt. Familie Bonitz. Deutscher Metallarbeiter- Verband Verwaltungsstelle Berlin. Nachruf. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Dreher Hubert Tolxdorf am 20. März an Lungenleiden gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Todes- Anzeige. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Former Paul Jonk am 21. März an Lungenleiden gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Freitag, den 25. März, nachmittags 4 Uhr, von der Leichenballe des alten Thomas- Kirch bofes in Nigdorf, Hermannstraße, aus statt. Rege Beteiligung erwartet 113/12 Die Ortsverwaltung. Verband der Maler, Lackierer, Auftreicher usw. Filiale Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß der Kollege Michael Schubert am 21. März berstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet Donnerstag, nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des Bethsemane- Stirch hofes in Niederschönhausen aus ſtatt. 129/3 Die Ortsverwaltung. Am Dienstag, 9% Uhr mor gens, verschied nach langem, schwerem Leiden mein innige geliebter Mann, unser herzensSchwiegervater, guter Bater, Großvater, Bruder u. Schwager, der Gastwirt 1342b Paul Plaen im Alter von 50 Jahren. Dies zeigt tief betrübt an im Namen der Hinterbliebenen Die tieftrauernde Witwe Emilie Plaen gb. Kranz u. Kinder, Linienstr. 133. Die Beerdigung findet Freitag, nachm. 4 Uhr, von der Leichen balle des Georgen Friedhofes, Landsberger Allee, aus statt. S Todes- Anzeige. Am Dienstag, den 22. März, nachmittags 2 ühr, entschlies nach langem, qualvollem Leiden unfer herzensguter, hoffnungsvoller Sohn, Bruder, Schwager und Dnfel Emil Königsberg im bollendeten 30. Lebensjahre. Mit der Bitte um stille Teil nahme im Namen der trauernden Hinterbliebenen am Familie Königsberg Rheinsberger Str. 34. Die Beerdigung findet Sonnabend, den 26. März, nach mittags 2 Uhr, auf dem Süd meft- Kirchhof in Stahnsdorf statt. Nachruf. So fchlaf denn wohl, schlaf wohl in Frieden, Du gingft, Du mußteft von uns gehn, Doch was Dir etvig bleibt, ist unf're Liebe Du wirst Dich nie von uns vergeffen seh'n. Gewidmet von seinem treuen Freunde 48222 Willi Schmidt. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme, sowie die zahlreichen Kranzspenden bet der Be erdigung meiner unvergeßlichen Frau Marie Förster den Verwandten, Bekannten, Genoffen sowie dem Gesangverein Schneeglödchen meinen berzlichsten Dant Oswald Förster. Danksagung. Burüdgekehrt vom Grabe unferes lieben Sohnes Rudolf fagen toir allen unseren lieben Freunden und Bekannten für die berzliche Anteilnahme und den reichen Blumenschmud unferen aufrichtigen Dant. Rigdorf, am 23. März 1910. Reinhold Kähne u. Frau. 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Seft 7: Die Entstehung des Juden tums. Die Sammlung in Babylonien. Die Rüdlehr nach Jerusalem. Der entscheidende Sieg der Priester. Uebergang zum Neuen Testament. 245/ 16* Heft 8: Auferstehungsgeschichten. Berichte. Tatsachen.- Legenden. GES.GESCH. Eszet Cigarette ohne Streichholz zu entzünden! ,, Eszet" ist unentbehrlich bei stürmischem Wetter ,, Eszet" ist unentbehrlich für Jagd, Sport und Seereisen ,, Eszet" ist unentbehrlich für jeden Raucher, der sich viel im Freien aufhält Eszot" entzündet sich an einer an der Schachtel befindlichen Reibfläche wie ein Streichholz ,, Eszet" ist frei von jedem fremden Geschmack und Geruch ,, Eszet" ist hergestellt aus den feinsten türkischen Tabaken ,, Eszet" wird deshalb von Qualltät rauchern bevorzugt ,, Eszet" ist zu haben in Blechpackungen à 20 Stück von 2% bis 20 Pf. pro Stack ,, Eszet" ist in Spezial- Zigarrengeschäften zu haben Cigarettenfabrik VIOLA- COMPAGNIE HAMBURG 6. 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Für die fünfte Klaffe ist er auf 4,50 M. und für die sechste Klasse auf 5,00 M. festgesetzt. Auch die Kassenbeiträge bleiben für die erften bier Stlaffen unverändert. Für die fünfte Klaffe beträgt derselbe jedoch nicht mehr 1.05 M., sondern 1,20 M., und für die sechste Klaffe 1.32 M. wöchentlich. Als Strantenunterstüßung wird im Falle der Erwerbsunfähigkeit, falls fie länger als zwei Wochentage dauert, nur noch die Hälfte des durchschnitt lichen Tagelohnes als Krankengeld gezahlt; ein Mehrbetrag( 60 Broz.) fann in Zukunft nicht mehr zur Auszahlung kommen. In den Fällen, in welchen auf Verfügung des Kaffenvorstandes Kranten hauspflege eintritt, erhalten diejenigen Mitglieder, welche den Unterhalt von Angehörigen aus ihrem Arbeitsverdienst nicht beftritten haben, den achten Teil des durchschnittlichen Tagelohnes als Krankengeld. Mitglieder welche Angehörige haben, deren Unterhalt fie bisher aus ihrem Arbeitsverdienst best itten, erhalten den vierten Teil des durchschnittlichen Tagelohnes, und wenn sie bei ihrer Erkrankung ein Jahr lang ununterbrochen der Kaffe an gehört haben, die Hälfte des durchschnittlichen Tagelohnes für diese An gehörigen. 272/6 Berlin, den 22. März 1910. W. Zapel Hut- Fabrik, Skalitzerstr. 131. Größtes Spezial- Geschäft===== für Seiden- und Filzhüte. DF Lager in Schirmen und Mützen. Brauerei Friedrichshain am Königstor. Größter Konzertsaal Berlins.. Bom 27. März( 1. Osterfeiertag) bis zum 3. April: Paul Lincke- Woche unter persönlicher Leitung Paul Lincke. des populären Komponisten Anfang an Sonn- und Festtagen 6, Uhr, wochentags 8%, Uhr. Entree 50 Bf., reservierter Plas 75 Bf. 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Diejenigen Bereine und Parteigenossen, die auf ihren Ausflggen und Parteien Nuwawcs und Wannsce besuchen, ersuchen wir auf Wunsch der dortigen Genossen, in 52 o tu o w e 3 das Lokal Max «ingers Volksgarten, Priesterstr. 3t, und in Wannsee das Restaurant„Fürstenhof", Jnh. Philipp. Kimigstr. 40, be sonders berücksichtigen zu wollen. Auf mehrere Anfragen teilen wir an dieser Stelle mit, dast das Lola! von Robert Riedel, Neue Mühle, der Arbeiterschaft nicht Zur Verfügung steht. Herr Riedel verzichtet auf den Besuch der organisierten Arbeiterschaft und ersuchen wir daher ganz besonders die Vereine, bei Arrangierung ihrer Partien dies besonders zu be- achten. Folgende Lokal« sind frei: Nordend: Peter Thomsen, Vlankenfelder Str. 20: Biesdorf-Iüd: Exners Gesellschafts- h a u S. Auf wiederholte Anfragen teile» wir mit. datz das Lokal „Neuer Krug"«. d. Oiersprre, Inhaber: Louis Neumann. frei ist. Die Lokalkommission. Zweiter Wahlkreis. Am Karfreitag findet eine Herrenpartie verbunden mit Besichtigung der Begräbnisstätte Klara Müller« JahnkeS statt. Treffpunkt 8 Uhr am Schlesischen Bahnhof sauf der Seite, wo die Untergrundbahn abfährt): Abfahrt 8.23 nach Rahnsdorf. Für Nachzügler bis>/41 bei Witwe Klemm(Rahnsdorfer Mühle). Der Vorstand. Sechster Wahlkreis. Wie alljährlich, so findet auch in diesem Jahre am Karfreitag die übliche Fustpartie statt. Treff- Punkt früh 0 Uhr im Restaurant„Rotz-Trappe", Westend. Spandauer Chaussee. Von da ab: Abmarsch uin 10 Uhr nach PichelSwerder zum„Allen Freund". Zahlreiche Beteiligung ist erwünscht. Die Genossen Moabits treffen sich um 8 Uhr bei KirschkowSki. Beuffelstr. 9. Billetts zu der Vorstellung in den PharuS-Sälen am 24. März sind nur noch zu haben bei Rietz. Fehiiiarnstr. 8, Glawe. Lieben- walder Str. 4. und Melzer, Wiesenstr. 22.— Die BillettS zu der Matinee bei Ballsckmieder mllffen bis Freitag abgerechnet sein. BillettS sind dann nur noch erhältlich bei Gatzinann, Badstratze. Ecke Grün- thaler Straße. Der Borstand. Vritz-Bnckow. Heute abend'/a? Uhr findet bei Zilz eine außer- ordentliche BereinSversammlung statt. Mitgliedsbuch legitimiert. Der Vorstand. Frirdrichsfelde. Für Karfreitag hat der Wahlverein eine Fuß- Partie geplant. Treffpunkt morgens ll3S Uhr bei Genossen Sudbrink, Berliner Str. LS. Boxhagen-Ziummrlsburg. Der hiesige Wahlverein ver- anstaltet am Sonntag, den 27. März sersten Osterfeiertag), in„Cafä Bellevue" ein Frühlingsfest, bestehend in Konzert, humoristischen Vorträgen. Theater und Tanz. Anfang nachmittags 6 Uhr. Ein- tritlskarlen a 30 Pf. sind bei sämtlichen Bezirksführern wie in der „Borwärts'-Spedition, Alt-Borhagen 50, und beim Genossen Otto John. Karlshorster Str. 1, zu haben. Der Vorstand ersucht die Mit- glieder mit ihren Angehörigen um recht rege Beteiligung an diesem Vergnügen. Der Borstand. Strausberg. Am Sonnabend, den 20. März, findet die Mit- gliederversammlung des Wahlvereins statt. Potsdam. Der- Wahlverein veranstaltet am zweiten Oster- feiertage(Montag) im.Viktoriagarten", Alte Luisenstraße, ein Ver- g n ü g e n, bestehend in«bendunterhalwng und Tanz. Eintritts- karten vorher bei den Bezirksführem. Spandau. Am Karfreitag veranstaltet der Wahlverein eine Fuß- Partie nach Bötzow über Hennigsdorf. Der Abmarsch erfolgt früh 7 Uhr vom Genossen Karl Gottwald, Schöntvalder Str. 80. Der Vorstand. berliner pfacbricbtm Mappen. Ein grober Humorist behauptet, es könnten kaum mehr so viele Ochsen geboren werden, um abgezogene Felle für Mappenleder herbeizuschaffen. Heute läuft fast schon jeder dritte bürgerliche Mensch mit einer Mappe bewaffnet herum. Zwischen manchem Träger der Mappe und ihrem vierbeinigen Lieferanten soll sogar eine innige Seelenverwandtschaft be- stehen. Das bloße Tragen einer Aktenmappe kann jedenfalls nicht immer als Belveis einer größeren Portion Hirnschmalz gelten. Sonst müßten ja auch die dreihundert Junker, die jetzt alltäglich gravitätisch nach dem Dreiklassenparlament stelzen und jeder einzelne mit einer rindslcdernen Mappe antanzen, über so etwas wie Geist verfügen. Bei diesen vom blinden Glück, nicht von der Natur bevorzugten Ertramenschen „Jeist und Jrazie" voraussetzen zu wollen, wäre geradezu eine Beleidigung für sie. Sind es nicht in ihrer Art Teufels- kerle? Haben Stroh im Schädel und dreschen Korn, brennen Spiritus und haben keinen Geist. Die Gegensätze berühren sich... und die feinste, modernste Aktenmappe in solchen flei- schigcn Händen verleugnet niemals ihre Abstammung. Wie den Bogel an den Federn, so erkennt man an der Mappe schon beinahe den Beruf des Nienschen, mitunter selbst seinen Charakter. Wer in der neunten Morgenstunde bis zum Schluß des akademischen Viertels vor zehn die nach dem Stadtinnern führenden Straßenbahnlinien benutzt, sieht eine ganze Mappengalerie aufmarschiert. Rote, gelbe und schwarze, geschwollene und schwindsüchtige, mit und ohne Nickelschloß. Alles fleißige Bcmnte. die iin Ministerium oder sonstwo dreimal frühstücken, sünsmal das Geheimkabinett aufsuchen, zehnmal Zwiesprache halten und dabei soviel Ar- bcit liegen lassen, daß sie dieselbe in der Mappe nach den heimischen Penaten schleppen müssen. Und da will sich die Oeffentlichkeit noch entrüsten, daß diese znm Kanzleirat oder gar zuni Geheimrat avancierten ehemaligen königlich preußi- schen Unteroffiziere und Mitesser an der großen Staatskrippe zu hoch besoldet sind und ihr Gehalt nicht verdienen? Ein Pcreat allen Nörglern und Kritikern I Die Mappe bclveist es ja, daß diese geplagten Siiiekurenmönner noch ihr bißchen freie Zeit zur Hausarbeit für den Staat hergeben müssen. Na ja doch, mancher Arbeitseifer ist echt. Das sind die Streber, die die Arbeit anderer mitleisten und Karriere machen oder frühzeitig überarbeitet ins Grab beißen, wenn sie in die Mappe ihre Gesundheit hincinpackten. I War die Renommiermappe einst Vorrecht des beamteten Preußen, namentlich auch des Steuererhebers und des Gc- richtsvollziehers, so ist sie heute längst Allgemeingut geworden. �Der in nervösem Tempo über die Straße hastende Rechts- anwalt ist ohne Aktenmappe, aus der die gelben Aktendeckel mit den Namensschwänzen indiskret hervorlugen, kaum denk- bar. Und sein jüngster Schreiberstift, der ein zweites Erern- plar nach dem Gericht schleppt, komint sich in dieser Rolle furchtbar wichtig vor. Der erste Schritt zum— Linksanwalt. Kaufleute, Bankiers, Börseaner, Kassenboten, Lehrer, Künstler, Schriftsteller— alles schleppt sich mit Mappen jeg. lichen Formats. Denn wir leben ja im Zeitalter des beschriebenen Papiers. Was an Arbeit und Mühe, an Talent und Ungeschick, an Ehrlichkeit und Verstellung, an Reichtum und Ehre, an Not und Elend in allen diesen Mappengeheimnissen schlummert... es geht auf keine Kuhhaut, ist ein Meer von Leidenschaften. Zum Glück birgt die moderne Straßenmappe auch noch andere als bloß papierne Delikatessen. Oft recht hormlose Dinge, die den Anschein der tiefgründigen Gelehrsamkeit des Trägers erwecken sollen. Wie manche„Musikmapve" ist mit Makulatur gefüllt, mit Hintertreppenliteratur oder gar mit aufgekauften— Frauenhaaren. Urkomisch wirkt es und Heiterkeitsstürme erregt es unter den verständnisinnig grinsenden Beobachtern, wenn solche Mappe aus der„ge- lehrten" unverhofft eine„geleerte" wird. Es muß auch solche Renommierhelden geben. Sebr realen Untergrund hat da- gegen die Frühstücksmappe. Mancher und manche schleppt im Rindsleder ein ganzes Tagesmenü init nach dem Geschäft, vom gemahlenen Kaffee bis zum Eisbein und Nachtisch. Und eS fehlte etwas in unserer aus dem vollen Menschenleben ge- griffenen Skizze, wollten wir die Jugend vergessen mit ihrer Schulmappe. Man hat vergebens versucht, dieses Schul- requisit auszumerzen unter Hinweis auf gesundheitliche Stö» rungen in den besten Entwickelungsjahren. Irgendwo müssen doch die Kinder auf dem Schulwege ihre von Jahr zu Jahr sich mehrenden Lehrmittel lassen. Der Schultornister hat sich leider fast ganz überlebt, ist nicht mehr fein genug. Lieber läßt man die Jugend die schwere Schulmappe einseitig tragen und wundert sich dann, wenn die Kinder schief werden, ehe sie noch in die Tretmühle des Erwerbslebens gespannt sind. Der Berkauf des Aufmarschgeländes. Gestern mittag ist, wie das„Berliner Tageblatt" mit- teilt, im Lkriegsmimsterium der Vertrag über den Kauf des Aufmarschgeländes formell abgeschlossen worden. Vom Berliner Magistrat begab sich Magistratsrat Dr. Franz als städtischer UrkundSbeamter in das Kriegsministerium. Der Kaufpreis beträgt für das zehn Hektar große Terrain 63 Millionen Mark. Ein Bebauungsplan ist' für einen Teil des Aufmarschgeländes bereits aufgestellt worden und wird den Magistrat demnächst beschäftigen. Danach wird der Viktoria- park, den Vorschlägen des neuen Gartendirektors Brodersen entsprechend, nur auf der südlichen Hälfte deS Aufmarschgeländes in der Richtung nach Westen verlängert. Der nörd- liche, kleinere Teil des ansteigenden Geländes wird bebaut; eine Wohnstraße zieht sich in der Verlängerung der Groß- beerenstraße nach dem Tempelhofer Feld hin. Die Gemeinde Tempelhof wird ihren Bebauungsplan für das Tempelhofer Feld etwas ändern müssen, da in ihrem Entwurf die Möckernstraße gradlinig nach dem Tempelhofer Feld ver- längert worden war. Die Vorlage wird jetzt den Stadt- verordnetes zugehen._ Hokuspokus. Es ist wiederholt darauf hingewiesen worden, ein wie großer Teil der Arbeiterschaft noch immer zu den Abonnen- ten der bürgerlichen Presse zählt und damit seine eigenen Be- strebungen in demselben Maße schädigt wie er die der Gegner unterstützt. Dieser Hinweis kann nicht oft genug wieder- holt werden. Braucht man doch z. B. nur den Unterhaltungs- teil eines vielgelesonen lokalen Blattes zur Hand zu nehmen, um zu staunen, in welch gerissener und doch so plumper Weise den Leutsn da die rückständigsten Anschauungen ein- gedrillt werden. Ein würdiges Pendant zu diesem Blatte ist nun die in der„Deutschen Verlagsanstalt", Linden- straße 26, ersck>einende„Berliner Hausfra u". Schrift- leitung Dorothee Goebeler. Diese nicht nur in bürgerliche, sondern leider— auch in Arbeiterkreisen weitverbreitete Wochenschrift hätte es wohl trotz der„7 Pfennig die Woche" und der„Kafseestunden" unter Mitwirkung„bewährter Künstler" nicht auf die Auflage von einer Viertelmillion ge» bracht, hätte sie dabei nicht die Unterstützung der Arbeiter- frauen gefunden, die sie nun systematisch zu verblöden und zu verdummen sucht. Soweit ihr das selbst nicht gelingt, wird sie darin treulich von der im selben Verlage erscheinenden „Deutschen Warte" unterstützt. Abgesehen von dem redaktionellen Teil, in dem der seichteste Tratsch unter Be- teiligung der„Mitschlvestern" breitgetreten wird, vermittelt das Blatt an Hand seiner Jnseratenplantage aber auch noch andere Genüsse, als da sind spiritistische Sitzungen, Karten- legen. Bleideuten usw. und bietet damit die Hand zu geradezu gemeuigefährlichein Unfug und Schwindel. In der Nummer vom 17. d. M. zählten wir nicht weniger als 42(!) derartiger Inserate. Das wundert uns natürlich nicht. Geschäft ist eben Geschäft. Derjenige Teil der Arbeiterschaft jedoch, der zu den Abonnenten derartiger und ähnlicher Blätter zählt, sollte sich doch endlich bewußt werden, daß in die Kreise der Arbeiter nicht mittelalterliche Ideen und dito Hokus- pokus gehören, sondern Blätter wie der„Vorwärts" und die „Gleichheit", die allein ihre Bildung und Interessen ver- treten._ Die vollständigen Ergebnisse der letzten Erhebung der Grund- stiicke und der bewohnten Wohnungen von Ende 1905 werden für Berlin und 29 Vororte vom Statistischen Amt der Stadt Berlin soeben in eingehender Weise veröffentlicht, nachdem die Haupt- sächlichsten Feststellungen auszugsweise schon im 30. und 31. Jahr- gange des Statistischen Jahrbuches der Stadt Berlin bekannt ge- geben waren. Dem reichgegliederten Tabellenwerk ist im textlichen Teil die geschichtliche Betrachtung der bisherigen Berliner Grund- stücks- und Wvhmmgserhebungcn vorausgeschickt, welche in Berlin bis in da» Jahr 180! zurückreichen. Ein gleichfalls beigegebener Leitfaden zur Benutzung des TabellemveriS dürste desien Verstand, lis erleichteriu Aus der Grundstücksstatistik seien hervorgehoben die Feststellungen über die Zahl der Bewohner, der Wohnungen, der Besitzverhältnisse, ferner über das Vorhandensein gewisser Einrichtui�en wre für Zentralheizung. Beleuchtung usw.. Merkmale, welche in mannigfachen Kombinationen, so insbesondere auch mit der örtlichen Lage bearbeitet worden sind. In der Woh« nungsstatiftik werden u. a. behandelt: die Größenverhältnisse, die Dauer' der Bewohnung, die Bewohnerzahl, die Gliederung nach Eigentümer, und Mieterwohnungen unter Berücksichtigung deS GeiamtdetrageL der JahreSmiete, wobei wieder die gleichzeitige Berücksichtigung verschiedener Gesichtspunkte durchweg Platz ge- griffen hat. In der der Berliner Statistik eigenen sehr eingehenden Weise sind ferner die Berhältniffe der HauShaltungszusammcn- sctzung dargestellt. Di« Auflösung der Bevölkerung in die durch die Stellung innerhalb des Haushalts bezeichnete,, Elemente— Haushaltungsvorstände, Ehefrauen, Kinder, Wirtschafts- und Dienstperjonal, Gewerbegehilfen, Zimmerabmieter, Schlafleute usw. — wird durchgeführt in Verbindung mit der Personenzahl dev Haushaltung, ferner in der Gliederung nach zahlreichen Artklassen der Haushaltungsgcmcinschaft— einzeln für die kleinen� Wohnungen bis zu 3'Wohnräumen und zusammengefaßt für die größeren. Endlich werden die verschiedenen Arten von Anstalten und ihr Personal nach ihrer örtlichen Lage behandelt. Das im Verlage von Puttkammer u. Mühlbrocht, Berlin W. 50, erschienene Werk ist zum Preise von 4 M. durch alle Buchhandlungen zu be- ziehen. Das Märkische Museum ist am Eharfreitag, am Ostersorm- abend und am 1, Osterfesttage geschlossen, vom zweiten Ostertage ab, wie gewöhnlich, von 10—3 Uhr geöffnet. Das Filialwesen im Detailhandel ist allmählich zu einem wahren Unfug ausgcartct. Großunternehmer mieten Läden, be- schaffen die Einrichtung, liefern die Waren und setzen in solche Filialen„Geschäftsinhaber" hinein, die in Wirklichkeit weiter nichts als Angestellte sind. Diese müssen dann für ein dürftiges Gehalt, zum Teil auch für eine kleine Freiwohnung oder für ein bißchen Gewinnanteil, ihrem Brotherrn alle Arbeit samt der Verantwortung abnehmen. Selbstverständlich hat jeder Filialleiter obenein eine Kaution zu stellen, damit der Unter« nehmer, der eigentliche Geschäftsinhaber, für alle Fälle gesichert ist. Dem Filialwesen begegnen wir vornehmlich im Handel mit Kou- fitüren, mit Seife und Parfümerien, mit Spirituosen, mit Back- waren, mit Kaffee und Materialwaren, und besonders Frauen suchen durch Uebernahme von Filialen sich ihr bißchen Brot zu erwerben. Von einer Selbständigkeit, jener viel geprie- senen, ist da keine Rede, zumeist find solche Filialleitcrinncn noch viel schlimmer daran als andere Angestellte. Daß auch im K o h- len Handel geschäftskundige Großunternehmer die Profitjagd nach demselben Rezept betreiben, dürfte tvcniger bekannt sein. Kürzlich gelangten diese Zustände zur Kenntnis einer Schöffen- abteilung des Amtsgerichts Berlin-Mitte. vor der die Leiterin eines Kohlenfilialgeschästes, eine Frau Sch., sich unter der Anklage der Unterschlagung zu verantworten hatte. Die Filiale gehörte einer Frau L a a ck e, die im ganzen sieben Filialgeschäfte besitzt. Frau Sch. war eines Tages aus der ihr übergebenen Filiale auf und davon gegangen und hatte Geld mitgenommen, das sie aus dem Verkauf der ihr von Frau Laacke gelieferten Waren ver- einnahmt hatte. Daraufhin denunzierte Frau Laacke die Frau Sch. wegen Unterschlagung. Vor Gericht erfuhr man. daß das Gehalt für all' die Mühe, die Frau Sch. von den, Kohlengeschäft hatte, sich auf 3 0 Mark pro Monat belief. Wir nehmen an» daß mit dem Laden noch eine kleine Wohnung verbunden war und auch«in paar Mark vom Verkaufsgewinn gewahrt wurden. Jeden- falls konnte aber Frau Sch. von dem Ertrag ihrer Arbeit als Filial. jeiterin keine großen Sprünge machen, darum trug sie nebenbei noch Zeitungen aus, wie sie vor Gericht angab. Das Dreimänncr» kollegium der 139. Schöffenabteilung des Amtsgerichts Berlin- Mitte horchte auf, als Frau Laacke ihren auf das Filialwesen sich gründenden Kohlengroßhandel schilderte und die Mitteilung hinzu- fügt«, daß sie sich sieben Läden hält. Frau Sch. hatte jene„U n- terschlagung" dadurch wieder gut zu machen gesucht, daß sie der Frau Laacke das Geld zurückerstattete, wobei das der Frau Sch. noch zustehende Gehalt verrechnet wurde. Aber die Strafsache hatte weiter ihren Gang genommen, und die Verhandlung endete für Frau Sch. mit der Verurteilung zu einer Geldstrafe von 10 Mark. Frau Laacke, die Inhaberin der sieben Kohlenfilial. geschäfte, sah sehr zuftieden aus, als sie den Gerichtssaal verließ. Allgemeine StädtebauauSstellung 1910 in Berlin. Die All- gemeine StädtebauauSstellung(1. Mai bis 15. Juni in der aka» demischen Hochschule für die bildenden Künste) wird auch vom Ver, band der Steinsetzer, Pflasterer und Berufs- genossen Deutschlands und zwar mit einem interessanten Modell einer Baubude für Straßenbauarbeiter beschickt werden. An diesem Modell werden die Anforderungen erläutert werden, di« die Stratzen'bauarbeiter an eine solche Bude stellen. Auf der an- deren Seite ist— da bei den häufigen Stratzenbauten die Bau- buden eine beinahe regelmäßige Erscheinung im modernen Straßen« bilde sind— die einfache, geschmackvolle Aufmachung des Aeußeren der Baubude eine beachtenswerte'Aufgabe. Die Sommerferien für die Gemeindeschulen sind durch Ver- fügung des Provinzial-SchulkollegiumS entsprechend den Ferien für die höheren Schulen dahin abgeändert worden, daß der Schul- schlutz am Freitag, den 1. Juli, und der Wiederbeginn des Unter- richts am Dienstag, den 9. August, stattfindet. Modern« GemütSathleten. Im sogenannten Fleischmarkt des „Berliner Lokal-AnzeigerS" wimmelt es jeden Tag von Roheiten und Unflätigkeiten. Das Scherlblatt übt in dieser Beziehung so gut wie keine Jnseratenzensur aus, weil ihm der Geldverdienst über alles geht. Wir greffen folgende„Voranzeige" heraus: „Kindchen, Anfang April zu erwarten, möchte junges Ehepaar(Vater Akademiker), durch Schicksals- schlage schwer betroffen, als eigen abgeben. Offerten B. W. 827 usw." Also schon der Foetus im Mutterleibs wird hier verschachert. Pui über eine Zeitung, die sich zu solchem Handel hergibt. Wohl jede Mutter, auch die moralisch verkommenste, liebt das Kind, das sie� unter dem Herzen trägt. Erst wenn sich anch der Geburt die dräuendste Sorge einstellt und das Kind nach Nahrung schreit, die nicht beschafft werden kann, stellt sich mitunter jenes Empfinden ein. das mit schwerem Herzen sich des Kindes auf legalem Wege ent- ledigen möchte. Wir haben für dieses„Verschenken" von Menschen- fleisch aus unseren herrlichen sozialen Zuständen heraus tiefstr» Verständnis. Aber schon Kinder meistbietend zu versteigern, die noch nicht mal das Licht der Welt erblickt haben, ist eine um so widerlichere Roheit, als sich hier der Vater als ein„akademisch Gebildeter" bekennt. Da offenbart sich so recht die ganze Gcmütö- Verrohung derjenigen gesellschaftlichen Kreise, die sich mit ihrer „Bildung" immer turmhoch über das untere Volk stellen wollen. Ob diese Gemütsleutchen vorliegend überhaupt verheiratet sind? Wie beim Hunde- und Katzengeschlecht ist's, dem man die Jungen einfach fortnimmt. Fehlt blas noch, daß man die unbequemen Liebespfänder der„Gebildeten" von Staatswegen ersäuft. Wie sagte doch neulich der königlich preußische Hofprediger Obly?„Es wächst ein Geschlecht heran, vor dem unS grauen muß." Wir haben eS schon, dieses Geschlecht, aber nicht im unteren Volke. Grundstücksspekulation. In der Gegend von Zossen, besonders in den Ortschaften Jachzenbrück, Zesch, Zehrensdorf und Pätz har der Ankauf von Terrains für den neuen Truppenübungsplatz ßine un- gesunde Grundstücksspekulation hervorgerufen, dle durch Gerüchte, wonach der FiSku« weitere große Ankäufe plane, um dort eine Lust- schifferstation anzulegen usw., genährt wurde. Der Landrat deS Kreises Teltow, v. Achenbach, hat jetzt eine amtliche, auf einer Er- machtigung des KriegSministcrs beruhende Bekanntmachung erlassen, aus der hervorgeht, daß die Gerüchte jeder tatsächlichen Grundlage entbehren. Wenn später einmal eine Vergrößerung diese» enorm groszen Uevun�ZpIatzeS in Frage kommen sollte, was heute Ks- zweifelt werden muf;, dann können nur die miZgedehiiten Forste» des Fürsten SolmS-Baruth in Frage kommen, die unmittel- bar an den Uebungsplatz anstoßen und die Fortsetzung des Platzes nach Süden bilden. Diese und die königlichen Forsten dehnen sich meilenweir aus. In Folge dieser Grundstücksspekulation sind in einigen Orten die Preise gestiegen. Ein Rückschlag ist sicher zu erwarten. Mit der Anlage des neuen Truppenübungsplatzes soll im nächsten Jahre begonnen werden. Zehrensdors muß im Herbst d. I. von allen Bewohnern geräumt werden. Dann werden auch die Rcstkaufgelder ausgezahlt werden. Der Durchschnittspreis für die fast nur aus Sandboden bestehenden, mit Kiefern bestandeuee Flächen, stellt sich auf rund 400 M. Zv-w-ere schwere Straßenbahnunfälle werden vom gestrigen Tage gemeldet. Beim Verlassen eines Straßenbahnwagens schwer der- unglückt ist gestern abend der 63jährige Parkarbeitcr Hermann Ne/chke aus der Rigaerstraße 84. Es stieg an der Ecke des Weiden- Wegs und der Liebigstraße von einem von ihm benutzten Straßen. bahnwagen der Linie 66, der sich bereits zur Anfahrt zur Halte- stelle befand. R. fiel und geriet unter den Vorderperron des An- hängewagenS. Er erlitt einen Bruch des rechten Unterarmes, eine schwere Quetschung des rechten Oberschenkels sowie Wunden am Kopf und im Gesicht. Außerdem wurde dem Verunglückten die linke Schulter vollständig ausgerenkt. Von der Unfallstation in der Warschaucrstraßc. wo der Schwerverletzte Notverbände erhielt, wurde er nach dem Krankenhaus am Friedrichshain überführt. Ein zweiter schwerer Unfall trug sich gestern nachmittag in der Chausieestraße zu. Dort wollte an der Ecke der Kesselstraße der Kaufmann Oppermann, Reuschstraße 96, in Borsigwalde wohnhaft, den Hinterperron eines Wagens der Straßenbahnlinie 68 besteigen, glitt von dem Trittbrett ab und stürzte so unglücklich, daß er bc° sinnungSlos liegen blieb. Der Verunglückte wurde nach dem Rudolf- Virchow-Krankenhaus gebracht, wo eine schwere Quetschung am linken Bein, sowie mehrere Wunden am Kopf festgestellt wurden. In der Breitenstraße in Schmargendorf wurde die vierjährige Tochter Jenny des in der Zoppoterstratze 17 daselbst wohnhaften Tapezierers Blind von einem herannahenden Motorwaggon der Straßenbahnlinie B umgestoßen. Das Kind erlitt eine schwere Kopfverletzung und wurde nach der elterlichen Wohnung gebracht. Unter den Rädern eines Eisenfuhrwcrks zermalmt. Ein trauriger Vorgang hat sich gestern abend in der Huttenstraße ab- gespielt. Der in der Huttenstraße 40 wohnhafte Werkmeister Sander hat zwei Söhne im Alter von sechs und einem Jahre. Als gestern der ältere seinen kleinen Bruder in einem Sportwägelchen auf der Straße fuhr, schob er versehentlich das leichte Gefährt gegen ein herankommendes, mit Eisen schwer beladencs Fuhrwerk der Firma I. E. Degner, Gertraudtenstr. 13. Der Sportwagen wurde umgerissen und der Knabe herausgeschleudert. Er stürzte so unglücklich auf den Fahrdamm, daß das Hinterrad des Last- wagen» über ihn hinwegging, so daß der Kleine fast vollständig zermalmt wurde. Das Kind war sofort tot. Die Rettungsgesellschaft der Wassersportvereine hat mit dem letzten Sonntag ihre Samaritertätigkeit wieder aufgenommen. Die Gesellschaft ist eine gemeinnützige Gründung von Mitgliedern der Berliner Wassersportvereine, deren Mitglieder für die Rettungs- zwecke einen Jahresbeitrag von mindestens 1 M. zu zahlen haben. Der Gesellschaft gehören aber auch noch Freunde des istuder-, Segel- und Schwimmsports an, die durch größere Gaben den guten Zweck fördern helfen. Im Dienst der Gesellschaft stehen teils besoldete Kräfte(Fischer, Motor- und Dampferführer, Heizer) teils wird der Rettungsdienst von freiwilligen Samaritern aus den verschiedenen der Gesellschaft angehörenden Vereinen ausgeübt. Am vergangenen Sonntag wurde die Hauptstation am Müggel- see, am Rahnsdorfer Gmünds bei Müggelhort in Betrieb genom- wen. Die Station besteht aus einer Wellblechbaracke, die mit allen Hilfsmitteln zur ersten Hilfe eingerichtet ist, einem hohen Aus- sichtsturm, von dem der See gut übersehen werden kann, und einem Bootsschuppen mit angebauter Leichenkammer. Ein eigener Ret- tungsdampser„Müggel". der an Sonntagen stets unter Dampf liegt, sowie zwei Rettungsboote stehen zur Verfügung. Mit dieser Sta- tion sind telephonisch Warnungsstellen verbunden in Cöpenick, an der Spreebrücke, in Friedrichshagen an der Einfahrt zum Müggel» fee und bei Erkner. Die Stationen sind gekennzeichnet durch weiße Flaggen mit dem roten Kreuz. An den Flaggenmasten wird durch einen schwarzen Ball das Zeichen gegeben wenn das Befahren des Müggelsees wegen Sturmes oder böigen Windes mit Lebensgefahr verbunden ist. Dieses Zeichen sollte von allen Ruderern strengstens beachtet werden. Bei den eigenartigen Wasser- und Windverhält- nissen der Müggel ist sehr oft bei Friedrichshagen die Gefahr gar nicht zu erkennen, die den ungedeckten Sportbooten in der Mitte des Sees droht. Wenn sich ein Befahren des Sees trotz der Sturm- Warnung gar nicht umgehen läßt, dann ist der See auf alle Fälle dicht unter Land, je nach der Windrichtung nördlich oder südlich, aus- zufahren. An den Osterfeiertagen erstreckt sich die Tätigkeit der RettungS- gesellschaft aber nicht nur auf den Müggelsee, sondern auch auf den Wannsce, den Dolgen See und Wolziger See. Auf dem letzteren versieht ein Motorboot mit Samaritern und drei Fischern den Rettungsdienst. Das Boot wird an den Fischermolen bei Blossin stationiert. Der Besitzer des Sees hat für die Unterbringung von Geretteten einen Schuppen zur Verfügung gestellt. Am Fried- riefisbauhof am Dolgen See ist das große Rettungsboot der Ge- sellschaft stationiert. Auch dort versehen Samariter und Fischer den Dienst gemeinsam. Auf dem Wannsee und den angrenzenden Havelgewässern wird ein mit erprobten Samaritern besetztes Motor- boot an beiden Feiertagen kreuzen, namentlich in besonders ge- fährdeten Stellen. Der gleiche umfangreiche Rettungsdienst ist für die Pfingst- feiertags in Aussicht genommen. Erschossen und vergiftet. Auf zweifache Weise hat sich der 46 Jahre alte Lagerverwalter Oskar Rudolf, Münchenerstraße 4S, ums Leben gebracht. Im Januar verlor R. seine Ehefrau durch den Tod. Er war seitdem schwermütig. Als nun auch noch ein Zivilprozeß, der ihm viel Sorgen bereitete, hinzukam, faßte er den Entschluß, freiwillig aus dem Leben zu scheiden. Nachdem er alle feine Angelegenheiten geregelt, vergiftete er sich mit Zyankali und zagte sich darauf noch eine Revolverkugel in die Schläfe. Als die fünf Kinder des Lebensmüden auf den Schuß hin ins Zimmer eilten, fanden sie den Vater entseelt vor. Auf dem Nachttisch lag neben dem Kruzifix und dem Gebetbuch ein Behälter mit Gift. Die Rechte des Toten hielt noch kampfhaft den Revolver umspannt, in der Linken befand sich ein an seine Kinder gerichteter AbschiedSbricf. ArbeiterbildungSschule, Berlin. Die letzte Eftunde in den Redeübungen dieses Quartals findet am Donnerstag, den 24. März, abends �9 Uhr statt. Zeugengcsuch. Personen, welche am 4. März d. I., abends 6% Uhr, auf dem Bahnhof Wedding den Unfall einer alten Frau gesehen haben— dieselbe ist gestorben— werden gebeten, sich zu melden bei Gustav Hering, Schonenschestr. 13. Vorort- IVackricbten. Die Gemeindewahlbewegung. Buckow. Die Stichwahl zur Gemeindevertretung findet heute abend von 5�/, bis 6l/3 Uhr im Gemeindeschulhause statt. Wie in allen anderen Gemeinden Groß-Berlins muß es sich auch die hiesige Arbeiterschaft zur Ehrenpflicht machen, dem sozialdemokratischen Kandidaten Genossen Joseph H a d a m e ck zum Siege zu verHelsen. Insbesondere werden die mit Buckower Wählern beschäftigten Arbeiter aufgefordert, dieselben auf ihre Wahlpflicht aiifmerksam zu machen. Wenn am heutige» Tage jeder seine Schuldigkeit tut, s« können uns die Gegner den Sieg nicht streitig machen. Wahlergebnisse. Mahlsdorf(Ofibahn.) Bei der am Dienstag in der dritten M- teilung erfolgten Stichwahl zur Gemeindevertretung siegte unser Genosse Albert Schmidt mit 1S9 Stimmen über den„gemein- samen bürgerlichen Kandidaten", ehemaligen Sozialdemokraten Ulbrich, welcher 140 Stimmen erhielt. Die Eisenbahner„wählten" in ihrer gottgewollten Abhängigkeit fast geschlossen Ulbrich und da bekanntlich im Himmel über einen Sünder der Buße tut, mehr Freude herrscht wie über 99 Gerechte, so traten auch die Lehrer mit großer Begeisterung für Ulbrich ein; aber der Liebe Müh' war der- gebens. Unsere Genossen und Genossinnen waren diesmal auf dem Posten und so gelang es. auch den dritten sozialdemokraten Rene- gaten zu Fall zu bringen. Boxhagcn-RummrlSburg. Bei den gestrigen Stichwahlen zur Gemeindevertretung in der II. Klasse siegte im Ortsteil Boxhagen der Kandidat des Bürgervereins Oberlehrer Aigte mit 213 Stimmen über den Kandidaten des GrundbesitzervereinS Robiczck, auf welchen nur 179 Stimmen bei darunter allein etwa 90 Forensenstimmen ent- fallen waren. Im OrtSteil Rnmmelsbupg erhielt der Kandidat des Grundbesitzervereins C a r l i n 3 Stimmen mehr als der Kandidat des Bürgervereins Winter und zwar 136 gegen 133 Stimmen. Die Wahl von Carlin wird zweifelsohne kassiert werden müssen— da für Carlin von zwei Personen Stimmen als Vertreter bereits verstorbener Wähler abgegeben worden sind— und ein Wähler zu Unrecht zurückgewiesen worden ist. Der große Erfolg der Bürgervereinskandidaten besonders in Boxhagen ist ausschließlich darauf zurückzuführen, daß unsere Parteigenossen geschlossen für die- selben eingetreten sind und auch sonst eine scharfe Stellung gegen die Grundbefitzerpartei eingenommen haben. In den Borjahren sind der Hansbesitzerpartei die Mandate in der II. Wählerklasse ständig kampflos in den Schoß gefallen.— Hoffentlich wird nunmehr auch die bisherige unbeschränkte Machtstellung der Grundbesitzervereins- Partei in der Gemeindevertretung in 2—4 Jahren gebrochen sein. Die Wahlbeteiligung betrug in beiden Bezirken fast 70 Proz. der eingeschriebenen Wähler. Ketschendorf. Bei der vorgestern stattgestmdenen Gemeinde- Vertreterwahl wurde in der dritten Abteilung Genosse Paul Seifert mit 106 gegen 63 bürgerliche Stimmen gewählt. In der zweiten Abteilung erhielten Genosse Wilhelm Lehmann und der bürgerliche Kandidat je 27 Stimmen. Das LoS entschied zugunsten unseres Genossen Lehmann. In der ersten Ab- teilung wurden die beiden bisherigen Vertreter Krantz und Garicke gewählt. RtihlSdorf bei Teltow. Bei der am Montag stattgehabten Gemeindewahl siegte der Genoffe Zimmerer Schulz mit 29 gegen 9 Stimmen. Birkcnwerdcr. Bei der am 21. März in der dritten Abteilung vorgenommenen Gemeindevertreterstichwahl erhielten unsere Genossen August P u t l i tz und Karl M a e k e r je 94 Stimmen. Die Kan- didaten des OrtsvereinS, denen sämtliche Stimmen der„Patrioten" zufielen, wurden mit je 162 Stimmen gewählt. In dieser Zahl sind 98 Forcnsenstimmen enthalten, die nach§ 45 der Landgemeindeordnung nicht in die Gemeindewählerliste gehören. Ein von unseren Genossen erhobener Einspruch gegen die Richtigkeit der Gemeinde- Wählerliste mit dem Autrage, die vorerwähnte Wählergruppe aus der Liste zu streichen, wurde von der Gemeindevertretung zurück- gewiesen. Wegen dieser Zurückweisung ist Klage im VerwaltungS- streitverfahren erhoben worden; eine Klage auf Annullierung der Wahl wird sich anschließen. Wir werden uns also voraussichtlich in nicht allzu ferner Zeit von neuem mit den bürgerlichen Gegnern messen, die ohne„Papierstimmen" in der Minderheit swd. Bornim- Bornstedt. In Bornim zieht zum erstenmal ein Sozialdemokrat in das Dorfparlament ein. Genosse Maurer Woldert erhielt 59 Stimmen, die Gegner 33.— In Bornstedt faild die Wahl einige Tage später statt. Man hatte jeden Arbeiter auS Sanssouci, Beamten usw. mobil gemacht, so daß wir unterlagen. Genosse Bölke erhielt 32 Stimmen und die Gegner 72 (davon V, Papierstimmen). Unsere Genossen waren hier sehr lässig bei der Wahl, sonst wäre das Resultat ein besseres gewesen. Grünau. Bei der gestrigen Gemeindcvertteterwahl erhielten Stimmen: der sozialdemokratische Kandidat Genosse Ernst M i tz n e r 169, der bürgerliche Kandidat Schuchhulz 160, darunter 41 Forensenstimmen. Letzterer ist gewählt.»- Borsigwalde-Wittenau. Bei der gestrigen Gemeindevertreter- wähl stimmten von den 1173 eingeschriebenen Wählern 432 für den sozialdemokratischen Kandidaten Genossen W i t ch o w, während für den bürgerlichen Kandidaten Kakerow 102 Stimmen abgegeben wurden. Der Sozialdemokrat ist somit gewählt. Nieder-Schöneweide. Ein dreister Diebstahl ist auf dem Fabrikgrundstück der Firma Gebr. Lehmann verübt worden. Dort steht ein Schuppen, in dem ein dem Fabrikdiieltor gehöriges wertvolles Motorboot untergebracht war. Als vorgestern der Monteur das Fahrzeug einer Repararur unterziehen wollte, war eS verschwunden. Die benachrichtigte Strom- Polizei entdeckte das Fahrzeug an der TreSkowbrücke. Es war un« bemannt und seines gesammten Inventars beraubt. DaS Steuerrad, die Glocke, die Laternen und andere wertvolle Bestandteile sowie die Jniieneiurichtung waren losgelöst und entwendet worden. Bon den Dieben ist bisher nichts bekannt. Martendorf. Lebhafte Klagen werden über den Zustand der hiesigen Straßen laut. Abgesehen von der Chausseestraße und Kaiserstraße sind die meisten Straßen verbesserungsbedürftig. Insbesondere fordert ein Mißstand in der Kurfürstenstraße zur Kritik heraus. In dieser Straße ist wiederholt Sand aus den Bürgersteig abgeladen worden. Hinzu kommt, daß man diese Haufen einige Tage lagern und es nachts an jeglicher Beleuchtung fehlen ließ. Hierüber scheint sich die im Ueberfluß vorhandene Polizei keinerlei Kopfschmerzen zu machen. Und gerade könnte die„Wohl- löbliche" in diesen Sandhaufen mit gutem Recht— im Gegensatz zu streikenden Arbeitern ein Verkehrshindernis erblicken. Schuld an solchen Zuständen tragen aber auch die auf Grund deS kommunalen Dreiklassenwahlrechts in der Gemeindevertretung sitzenden bürger- lichen Vertreter, denen unsere Genossen bisher vergeblich Ver- nachlässigung ihrer Pflichten zum Vorwurf gemacht haben. Strausberg. Eine von 390 Frauen und Männern besuchte Protestversammlung gegen die Wahlrechtsvorlage hörte vor einigen Tagen ein Referat des Genossen Schubert- Spandau. Die Ausführungen des Redners wurden oft von lebhaftem Bestall unterbrochen. Unter Hochrufen auf die Sozialdemokratie und Absingen der Marseillaise trennten sich die Versammelten. �riedrichsfelde. Das Ergebnis der Gemeindevertreterwahl für die dritte Klasse darf man als ein erfreuliches bezeichnen. Es wurden abgegeben: für Genossen Pinseler 429 und für Genossen Oehlert 425 Stimmen. Die von den Bürgerlichen in Aussicht genommenen Herren hatten verzichtet, die komische Rolle von Durchfallskandidaten zu spielen. Die hohe Stimmenzahl— unter den 1447 eingeschriebenen Wählern kommen nur etwa 900 für uns infolge der Oeffentlichkeit der Wahlen in Betracht■— ist ein schöner Beweis für den ernsten Willen weiter Kreise der Bevölkerung, Einfluß auf allen Gebieten de» öffentlichen Lebens zu gewinnen. Am Abend vor dem Wahltage fand eine Volksversammlung statt. Der Besuch war im Gegensatz gegen früher recht gut. Genosse S ü d e k u m verstand e» meisterhaft, die Grundzüge der von uns erstrebten Kommunalpolitik dem Verständnis auch der am wenigsten Vorgebildeten unter den zahl« reichen Zuhörern näherzubringen. Unserem wiedergewählicn Ge- nosien Pinseler blieb es hierauf vorbehalten, barzulegen, wie erst nach langem, unermüdlichem Drängen von unserer Seite einige Fortschritte, anderwärts schon längst zum Segen der ganzen Be- völkerung durchgeführt, auch bei uns gemacht wurden. Viel sei noch zu erkämpfen. Es komnie jedoch nicht allein ans eine energische Vertretung in der Gemeindeverwaltung an, sondern die gesamte Bevölkerung müsse fortgesetzt ihr regstes Interesse an den Fragen der Kommunalpolitik bekunden. Nachdem Genosse Oehlert noch einige Ausführungen prinzipieller Natur gemacht und Lehmann einige praktische Winke für die Wahl gegeben hatte, schloß der Vorsitzende Schioenk die Versammlung unter Hinweis auf die innige Beziehung zwischen dem preußischen Wahlrechtskampf und der Gemeindevertreterwahl, die beide von den, Willen getragen sein müßten, die Fesseln der Entrechtung zu sprengen. Reinickendorf. In der letzten Gemeiiidevertreterfitzung begann die Etatsberatung. Vorher wurden noch einige kleinere Vorlagen erledigt. Den Gemeinde- beamten soll die bisher von ihnen gestellte Kaution zurückgegeben werden. Die am 17. und 13. März stattgefundenen Gemeinde-; verlreterwahlen wurden für gültig erklärt. Die Beratung des Etats wurde eingeleitet vom Bürgermeister mit einem kurzen Resümee über die Aenderungen, die die Finanzkommission am Etat vor- genommen hatte. Auf eine Generaldiskussion wurde verzichtet. Der erste Etat(Amts- und Gemeindeverwaltung) ist veranschlagt mit 92 000 M. Einnahme und 396 000 M. Ausgabe, erfordert mithin einen Zuschuß von 304 000 M. gegen 262 000 M. im Vorjahre. Die Besoldungen der Gemeindcbeamten allein erfordern 46 809 M. mehr als im Vorjahre. Die VollziehungSbeamlen hatten außer ihrer Zulage noch eine Funktionszulage beantragt; die Forderung wurde abgelehnt. Bei den Titeln: Gewerbe- und Kaufmanns- gericht rügten unsere Genossen das Bestreben deS Vorsitzenden dieser Institutionen, die Streitsachen ohne Beisitzer zu erledigen. Die klagenden Arbeiter fühlten sich dadurch in ihren Rechtsansprüchen gehemmt. Herr Reichhelm, der Vorsitzende des Gelverbegerichrs, gab zu, das Bestreben zu haben, die Streitfülle durch Vergleichversuche zu beenden. Er habe damit auch überraschend viel Erfolge erzielt. Vom Schöffen Dr. Kühnemann wurde ihm sekundiert. Genosse Ohl machte darauf aufmerksam, daß die Parteien sich auf den Vergleich nicht einlassen brauchen, und erwartet, daß vom Vorsitzenden der Durchführung der Prozesse keine Schwierigkeiten bereitet werden. Der Etat wurde schließlich unverändert genehmigt. Beim zweiten Etat (Grundstücksverwaltung) erscheint zum erstenmal eine Einnahmeposilion auS den beabsichtigten Grundstücksverkäusen. 233 335 M. sind hierfür ver- anschlagt. Aus dieser Ei»nahme soll zunächst die aus früheren Jahren angehäufte Zinsenschuld mit 130 000 M. gedeckt werden. Weiter soll ein Tilgungsfonds gebildet werden, in den die Beträge fließen, welche dem Ankaufswert der Grundstücke inklusive Zinsen und Verwaltungskosten enlsprechcn. Ein dann etwa noch ver- bleibender Rest wird zu einem Fonds angehäuft, der späterer Ver- Wendung vorbehalten bleibt. Zur Balanzierung dieses Etats dienen ferner die Einnahmen auZ Verpachtungen von Gemeindeländereien sowie eine Anleihe von zirka 75 000 M. Unsere Genossen be» tonten nochmals unseren grundsätzlichen Standpunkt zum Ver- kauf des Gemeindegrundbesitzes, scblossen sich aber im übrigen der Verwendung der Einnahmen an. Der Etat wurde darauf genehmigt. Ganz besonderes Interesse beanspruchte der Etat der Schulverwalwng. Die Ausgabe» für die Volksschulen betragen 487 750 M., denen nur eine Einnahme von 67 900 M. gegenüber steht. Die persönlichen Ausgaben(Lehrergehälter usw.) betragen 345 660 M., 1666 M. sind für Schulärzte eingesetzt, darunter 400 M. für Spezialärzte. Ganz besondere Aufmerlsa»-.tcit soll den zahnkranken Küldern gewidmet werden. Von den Lehrern war nochmals die Forderung auf Gewährung einer Ortszulage von 750 M. erhoben worden. Unsere Genossen unterstützten diesen Antrag aufS lebhafteste; er wurde jedoch ebenso wie die übrigen Wünsche der Lehrer abgelehnt, nachdem der Herr Reichhclm sich energisch dagegen gewandt hatte.„Sie werden ja nie zufriedene Lehrer schaffen", so behauptete er auf die Anregung eines Bürgerlichen, den Lehrern doch etwas entgegenzukommen. Genosse Ö h l rügte besonders den Erlaß de» RegierungS- Präsidenten, der den Lehrern verbietet, sich mit ihren Wünschen'an sozialdemokratische Gemeindevertreter zu wenden. Weiter forderten unsere Genossen die freie Lieferung der Lernmittel. Zwei dahin- zielende Anträge wurden jedoch abgelehnt, ebenso der Antrag, für größere Schillerfahrten 300 M. in den Etat zu stellen. Weiter forderten unsere Genossen eine Ucbersicht über die Klassenfrequeliz. Diese soll nunmehr nach der NeueinsÄulung angefertigt werden. Etwa 4500 Kinder besuchen die Volksschule. Die Gesamt» aufwendungen betragen etwa 90 Mark pro Kopf und Jahr. Der Etat des Realprogymnasiums sieht eine Ein- nähme von 32 000 M. und eine Ausgabe von 92100 M. vor. 60 800 M. Zuschuß erfordert der Unlerricht der zirka 230 Schüler des Gymnasiums, das sind pro Kopf zirka 26t M.. dazu kommen 750 M. Zuschuß an das Kuratorium der höheren Töchter- schule, die von 26 Schülerinnen besucht wird. Genosse Ohl ver» langte die Aufhebung der Vorschulklassen und dafür den Ausbau der Volksschule. Auch ersuchte er um Auskunft über die Anzahl der bis- her gewährten Freistellen. Letztere konnten bisher nicht gewährt werden, da sich noch keine Reflektanten gemeldet hätten, erzählte der Bürgermeister, der auch gleich für die Beibehaltung der Vorschule sich ins Zeug legte. Was auch von den bürgerlichen Herren be- schloffen wurde. Für die am 1. Oktober zu errichtende Forlbitdungs- schule wurden 5000 M. in den Etat eingesetzt. Ein entsprechendes Statut soll demnächst zur Beratung gelangen. In der Mitgliederversammlung des Wahlvereins Reinickendorf- West gab Genosse Kuschminder den Bericht von der Verbands- Generalversammlung. In der Diskussion wurde beschlossen, daß die Kreis-Generalversammlung erneut den Antrag des vierten Kreise»: „Erlaß der Beiträge für die weiblichen Mitglieder bei Arbeitslosig- keil des Mannes, der Mitglied des Wahlvereins ist" einbringen soll. Zur Neuaufnahme hatten sich 3 Genossinnen und 13 Genossen ge- meldet. sisriedrichshagen. Der Boranschlag deS GemeindchmiShaltsetats für das RechnungS- jähr 1910 schließt ab in Einnahme und Ausgabe mit 686 600 M (im Vorjahre 649 400 M.), also ein Mehr von 37 200 M. Diese Mehraufwendung wurde notwendig hauptsächlich durch die Er- höhung der Lehrergehälter. DaS Gemeindevermögen beträgt 2 304 065,50 M, die Gemeindeschulden 1732 015,44 M., der Ver- mögensüberschuß also 572 040,06 M. Nach dem Voranschlag sollen erhöht werden: die Gemeindeeinkommen st euer von 125 auf 135 Prozent, die Grundwertsteuer von 8 auf 4 pro Tausend für bebaute Grundstücke und von 6 auf 7 pro Tausend für unbebaute Grundstücke. Zur Speisung bedürf- tiger und ungenügend ernährter Schulkinder sind 2400 Mark und zur Unterstützung arbeitsloser Ein- wohner 3000 Mark eingestellt. Die Etatskommission tritt in den nächsten Tagen zur Beratung des Voranschlages zu- sammen. Waidmannslust-Lübars.Z Die Gemeindevertretung erledigte in ihrer letzten Sitzung den ganzen Etat in kaum 20 Minuten durch einfaches Handhochheben bei den einzelnen Positionen. Nur bei dem Punkte Schulverwaltung gedachte man mit ein paar Worten der Lehrer, welche hier schlechter gestellt find wie in den Nachbarorten; jedenfalls mit Rücksicht auf die in nächster Zeit zu erwartenden Neuwahlen der dritten Ab- teilung. Sodann schritt die Vertretung zur Kassierung der von ins am 2. März eroberten zwei Mandate der dritten laffe, indem einfach ein Teil Stimmen für ungültig erklärt wurden, so daß keiner die Majorität erhielt. Gegen diesen Beschluß werden wir selbstverständlich Klage erheben. Potsdam. ftrafgesetzbuch aufgehoben sind. Das Reichsstrafgefehbuch hat diese Erfolg. Es handelte fich in dieser Gruppe umt einen ernsten Ante Materie erschöpfend geregelt. Danach bleibt nach der Reichsvers lauf zur Regelung der Lohn- und Arbeitsverhältnisse. Daß das fassung fein Raum zu partikularrechtlicher oder polizeilicher Rege- Biel nicht erreicht wurde, kann nur ein Ansporn sein, bei der nächs lung. Das ist vom Oberverwaltungsgericht in Sachen Stüven sten Gelegenheit besser gerüstet auf den Plan zu treten. Uebrigens wider den Oberpräsidenten von Schleswig- Holstein im November hat die Bewegung bei einer Firma zum Abschluß eines Tarif1891 anerkannt. Endlich entbehrt aber die Polizeiverordnung auch vertrags geführt. wegen des verschwommenen, unflaren Ausdrucs„ Demonstrationen In der Möbelschloßbranche gelang es nach kurzen Streiks, Ver. gegen die bestehende Ordnung" der Gültigkeit. Die Kammer- einbarungen über die Lohn- und Arbeitsverhältnisse zu treffen, die gerichtsentscheidung ist ein Beitrag mehr zu der Tatsache, daß der bis zum 1. Juni 1911 Geltung haben. Kampf gegen politische Richtungen gelehrten, ernannten, nicht ge wählten Richtern objektive Erfassung der Rechtslage oft unmöglich macht. Ein Distriftskommissar. In der Hartgummibranche, deren Tarifvertrag im Herbst ab. gelaufen war, wurde mit vier Firmen ein neuer Vertrag abgeschlossen. Bei drei andern Firmen wurde die Arbeit niedergelegt. Der Streif endete bei diesen Firmen am 20. November mit Verlängerung des alten Tarifvertrags bis zum 1. Oktober 1910. Stadtverordnetenfißung. Dem Dringlichkeitsantrage des Magiftrats über die Beteiligung der Stadt an der Städtebauausstellung stimmte man zu. Der Stadtrat Zwicker, dessen Wahlperiode abgelaufen ist, wurde mit allen abgegebenen Stimmen auf weitere Den Bauschlossern und den Geldschrankschlossern waren ihre 12 Jahre wiedergewählt. Eine lebhafte Debatte entstand über die Tarifverträge von den Arbeitgebern zum 1. April gekündigt wor Gingemeindungsfrage. Man hat allgemein eingesehen, den. Die Verhandlungen, die während der Kündigungsfrist stattdaß durch die bisherige städtische Politik, recht viele Baustellen für fanden, hatten keinen Erfolg. In beiden Branchen kam es zur Are Villen und Landhäuser zu schaffen, die erwartete Entwicklung Potsbeitsniederlegung und zum Teil zur Aussperrung. Bei den Gelddams nicht eintritt, da die Käufer hierfür fehlen und die Arbeiter- Einiges Licht auf das Verhalten eines zur Bekämpfung der schrankschlossern, die am 27. Juli die Arbeit niederlegten, kam es schaft mehr und mehr abwandert. Man will daher die zum Kreise Polen eingesetzten Distriktskommissars verbreitete eine Schöffen am 20. August zu einer anderthalbjährigen Verlängerung des alten Bauch- Belzig gehörenden Teile, die an die Teltower Vorstadt an- gerichtsverhandlung in Posen. Vor dem Schöffengericht in Bosen Tarifvertrags mit einer Erhöhung der Stundenlöhne der Hilfs. grenzen, eingemeinden. Die sich direkt an Potsdam anschließende hatte sich der Kaufmann Hugo Noack wegen Beleidigung des arbeiter um 2½ Pf. Die Geldschrankschlosser erklärten sich, wenn Kolonie Cecilienhöhe des Arbeiterbauvereins, die ja wesentliche Distriktskommiffars Rittmeisters v. Keller, dem er in einer Ein- auch erst nach längerem Sträuben, damit einverstanden. Für die Vorteile für Potsdam nicht bietet, ist aber der Schlüssel für weiteres gabe an das Amtsgericht in Schrimm den Vorwurf der Bestechlich- Bauschlosser und Kunstschmiede kam ebenfalls am 20. August ein wertvolleres Gelände. Die in Aussicht genommene Zwangsmaß- feit machte, zu verantworten. Noad hatte in dem Ausflugsorte neuer Tarifvertrag zustande, der geringe Lohnerhöhungen bot, regel würde aber das Fortbestehen der Kolonie in Frage stellen: Unterberg ein Gebäude errichtet und verlangte dafür die Schank- aber von der Schlosserversammlung nicht gutgeheißen wurde. Es Seit 10 Jahren muß für jedes Kind der Kolonie, das die Pots- konzession, die der Kommissar verneinte. In der mündlichen Ver- waren 243 Stimmen dafür und 273 dagegen. Da somit die zur damer Gemeindeschule besucht, 6 M. Schulgeld gezahlt werden, handlung auf dem Landratsamt soll der Landrat von Kirchhoff den Fortführung des Streits notwendige Mehrheit nicht vorhanden war, in Zukunft sollen 60 M. entrichtet werden. Man hob diesen Be- Noack einen Landstreicher genannt haben, worauf Noad den Land- wurde die Bewegung für beendet erklärt. schluß vorläufig bis zum 1. Oktober d. Js. auf. Die ebenfalls in rat wegen Beleidigung verklagte und vor dem Schöffengericht in Aussicht genommene Eingemeindung der Kolonie Daheim( für Schrimm behauptete, der Landrat wisse von dem Treiben des Eisenbahnbedienstete) scheitert an dem vorläufigen Widerstand der Distriktskommissars und verschleiere dieses. Nun klagte der KomEisenbahnbehörde Für diese Kinder muß das erhöhte Schulgeld miffar gegen Noad wegen verleumderischer Beleidigung. Der Angezahlt werden. An den Gemeindeschulen soll der Haushal- geklagte erbot sich, den Wahrheitsbeweis zu erbringen. In der tungsunterricht obligatorisch eingeführt werden. Bisher Verhandlung wurde festgestellt, daß im Bezirk allgemein_bon der nahmen 144 Schülerinnen fakultativ daran teil. Da aber jetzt Bestechlichkeit v. Stellers gesprochen würde. Ferner bekundete 300 Schülerinnen in Frage kommen, sollen die übrigen in der König- Restaurateur Gehl, daß im Herbst 1908 der Kommissar von ihm ein lichen Handels- und Gewerbeschule für Mädchen gegen eine Ent- Darlehn von 300 m. verlangt habe, er habe ihm dieses gegeben schädigung von jährlich 1736 M. unterrichtet werden. Die Etats- und dafür die Zusicherung erhalten, daß v. Keller am Orte und in überschreitungen für 1909 betragen 70 000 M., die aber durch er- der Umgebung keine weiteren Konzessionsgesuche mehr genehmigen höhte Einnahmen Deckung gefunden haben. würde. Trotzdem sei nach einiger Zeit eine neue Konzession erteilt worden. Darüber von Gehl zur Rechenschaft gezogen, habe v. Keller den Betrag zurückgesandt. Ein Gastwirt Morawski bekundet, daß er dem Kommissar 400 M. geliehen habe, die er jetzt noch au er halten habe. Ob das Darlehn Entgelt für die Verlängerung der Polizeistunde in seinem Lokal sei, will der Zeuge nicht mehr wissen. Aehnliches bekundeten noch mehrere Zeugen. Der Kommissar mußte selbst zugeben, daß er von den Baufirmen Böhmer u. Preul und Hoffmann, die in Unterberg Bauten ausführten, größere Beträge geliehen erhalten habe. Der Verteidiger geißelte mit scharfen seine Pumpereien die Geschäftsleute von ihm abhängig mache. Dag Gericht verurteilte den Angeklagten Noad trotzdem zu 200 m. Geldstrafe. Es betonte, daß das nicht ganz einwandfreie Verhalten des Kommiffars v. Keller zugunsten des Angeklagten berücksichtigt worden sei. Liebestragödie im Wildpart. In der vergangenen Nacht hat sich im Wildpark eine Liebestragödie abgespielt. Aus unglüdlicher Liebe fuchte dort der zwanzigjährige Laufbursche May Jdert aus der Lach mannstraße 1 in Berlin seine Geliebte, die sechzehnjährige Arbeiterin Frida Auersch aus der Reuterstr. 73 in Rigdorf durch einen Revolvers schuß in den Leib zu töten und jagte sich dann selbst eine Kugel in ben Oberkörper. Das junge Paar wurde schwer röchelnd von einem Forstaufseher aufgefunden und nach dem St. Josephs- Krankenhauſe gefährlich.. stand bei der Berliner Metallwarenfabrik von Dehmide u. Schröder in der Waldemarstr. 51 in Stellung und unterhielt schon feit längerer Zeit ein Liebesverhältnis mit der Arbeiterin A., die in einer Straußfedernfabrik tätig war. Dem Verhältnis sollen sich Schwierigkeiten entgegengestellt haben, weshalb das Paar aus dem Leben zu scheiden beschloß. Jugendveranstaltungen. Ober- Schöneweide. Freitag, den 25. März( Starfreitag), findet der Besuch der Ständigen Ausstellung für Arbeiterwohlfahrt" statt. Treffpunkt 11 Uhr im Jugendheim, Alaraftr. 2, part. Abfahrt 12 Uhr 10 Min. vom Bahnhof Nieder- Schöneweide nach Charlottenburg. Die jugendlichen Arbeiter und Arbeiterinnen sowie deren Eltern sind hierzu freundlichst eingeladen. Der Jugendausschuß. Gerichts- Zeitung. Die rote Fahne beim Leichenbegängnis. In Genthin verstarb im vorigen Jahre der als eifriger So zialdemokrat bekannte Vorsitzende des dortigen Gewerkschaftsfartells. Bei seiner Beerdigung trug der Genosse Brett eine zu fammengerollte rote Fahne, die in einen Trauerflor gehüllt war. Er wurde deshalb wegen groben Unfugs und wegen Uebertretung einer Polizeiverordnung des Regierungspräsidenten in Magdeburg angeklagt. Das Landgericht Magdeburg verurteilte ihn zu einer bom 21. April 1891, welche im§ 1 bestimmt:" Rote Fahnen, deren Geldstrafe, aber nur wegen Uebertretung der Polizeiverordnung Entfaltung zu Demonstrationen gegen die bestehende Ordnung bestimmt oder geeignet sind, dürfen nicht geführt werden." Grober Unfug liege nicht vor, da die Fahne zusammengerollt gewesen sei und das Rot wegen der Umhüllung nicht start hervortrat. Angeflagter habe nicht mit der Fahne demonstriert, sondern nur bezweckt, daß das Leichenbegängnis feierlicher werde. Aber wegen ber Uebertretung der Polizeiverordnung müsse er berurteilt werden. Danach hätte er die rote Fahne überhaupt nicht führen dürfen. Brett legte Revision ein. Der Vertreter der Oberstaatsanwaltschaft am Kammergericht hielt die Polizeiverordnung für ungültig, und zwar im Hinblick auf das Reichsvereinsgeseh. Polizeiborschriften allerdings, die mit dem Vereinsrecht nichts zu tun hätten und den einzelnen im übrigen binden, bänden ihn auch, wenn er Mitglied eines Aufzuges oder einer Versammlung sei. Eine Polizeiberordnung dürfe aber nicht in das Vereins- und Aufzugsrecht eingreifen. Das nahm der Oberstaatsanwalt hier als gegeben an, weil Fahnen, wie sie der§ 1 der Verordnung nenne, bei Aufzügen getragen würden. Dagegen müsse die Sache an das Landgericht zurückgehen, damit dieses nachprüfe, ob nicht das Leichenbegängnis durch das Tun des Angeklagten zu einem außergewöhnlichen geworden sei, das nach dem Vereinsgesetz einer Genehmigung bedürfe, und ob nicht B. als Veranstalter in Frage käme. Verfammlungen. Bieht man in Betracht, daß das verflossene Jahr im allgemeinen ein Jahr der Wirtschaftskrise war, so ist die Bewegung zur Verbefferung der Lohnverhältnisse und zur Abwehr von Berschlechte ein Jahr der Wirtschaftskrise war, so ist die Bewegung zur Verrungen immerhin recht lebhaft zu nennen. Die Krise wie die inzwischen eingetretene Hebung der Wirtschaftslage zeigen sich selbstberständlich auch im Bericht über den Arbeitsnachweis der Orga nisation. Im ganzen verflossenen Jahre wurden 5734 Stellen ber mittelt. Auf die ersten drei Monate tamen davon 672 Stellen, mogegen jetzt vom 1. Januar bis zum 15. März 1910 schon 1576 im selben Monat 1910 731 Stellen; im ganzen März vorigen Jahres Stellen bermittelt worden sind. Im Februar 1909 waren es 166, waren es 300 Stellen und in der ersten Hälften des März dieses Jahres sind schon 462 Stellen vermittelt worden. Zur Aufflärung und Erziehung der Jugend in der Metall industrie ist eine Jugendabteilung gegründet, die der Organisation träge werden beim späteren Eintritt in den Verband angerechnet. In der Charitéstraße 3 ist ein Jugendheim eingerichtet, das Sonntagsnachmittags geöffnet ist zu unentgeltlicher Benuzung für jeden jugendlichen und Lehrling. Die Jugendabteilung zählte Ende des Jahres bereits rund 1000 Mitglieder. Zur Gewinnung der Arbeiterinnen der Metallindustrie ist für den Verband eine besondere Kommission tätig und ihre Arbeit hat bereits gute Erfolge erzielt. Die Zahl der weiblichen Verbandsmitglieder ist von 3546 auf 4222 gestiegen. Deutscher Metallarbeiterverband. Die Verwaltungsstelle Berlin Daß innerhalb der Mitgliedschaft die allgemeinen Bildungsdes Metallarbeiterverbandes hielt am Sonntag ihre General- bestrebungen nicht bernachlässigt werden, dafür zeugt die starke Benutzung der Bibliotheken der Verwaltungsstelle. Es bestehen bersammlung ab, die den großen Saal der Brauerei Königstadt in neben der Hauptbibliothek neun Ortsbibliotheken und dazu ist im der Schönhauser Allee bis auf den letzten Stehplatz füllte. Der Oktober 1909 die Bibliothek des Jugendheims gekommen. Die Zahl erste Punkt der Tagesordnung war der Jahresbericht der Ortsverwaltung, der den Mitgliedern in einer 112 Seiten der Bände ist im verflossenen Jahre von 8710 auf 10 239 gestiegen. Jugendschriften find 969 vorhanden. Die Zahl der Bücherausstarken Broschüre gedruckt vorliegt. Der Bevollmächtigte Cohen gab der Versammlung mündlich eine interessante Uebersicht über die leihungen war 48 882 gegenüber 60 451 im Jahre 1908. Daß die wichtigsten Ereignisse und die Entwicklung der Organisation im Zahl diesmal geringer war, hat lediglich seine Ursache darin, daß Jahre 1909. zu Anfang des Jahres machte sich die Krise in einer die Hauptbibliothek wegen Rebidierung und Verlegung vom HinterStärke wie nie zuvor geltend. Die Verwaltungsstelle gab im hause 2 Treppen nach dem Parterre des Vorderhauses in der Cha1. Quartal 1909 461 331,50 M. für Arbeitslosenunterstüßung aus, ritéstraße faft vier Monate lang geschloffen bleiben mußte. Eine das sind über 41 000 M. mehr als im selben Quartal 1908. 3um bergleichende Zusammenstellung mit den Bibliotheksberichten anderer Sommer und Herbst nahm die Arbeitslosigkeit imer mehr ab. Der Gewerkschaften zeigt, daß die Metallarbeiter mit der Benutzung Höhepunkt der Krise wurde unerwartet schnell überwunden. Die ihrer Bibliothek obenan stehen. Gesamtsumme der Arbeitslosenunterstüßung war im Jahre 1909 Mart. Berechnet auf sämtliche Mitglieder der Berwaltungsstelle denn auch geringer als 1908, nämlich 796 833,85 m., statt 922 129,60 wurden im Jahre 1908 pro Mitglied 14,60 M., im Jahre 1909 pro Mitglied 12,45 M. an Arbeitslosenunterstützung ausgezahlt. Wie fich die Arbeitslosenunterstüßung in den letzten vier Jahren auf die verschiedenen Berufe oder Branchen der Metallindustrie verteilte, zeigt folgende Tabelle. Es wurden an Arbeitslosenunterstützung pro Mitglied der aufgeführten Branchen ausgegeben im Jahre: 1906 Schloffer Klempner. Rohrleger u. Helfer 20,01 Dreher. Former Arbeiter Gürtler Anschläger Schleifer Mechaniker Drüder. • 1907 M. • ˚ 3,08 6,89 4,65 7,35 6,09 1908 1909 M. M. M. 7,05 13,05 12,60 12,15 25,65 19,35 19,95 25,50 21,75 10,85 21,65 15,85 8,95 20,00 18,75 6,45 18,52 9,44 10,35 19,38 13,05 40,15 53,58 9,90 14,85 86,00 6,05 8,50 16,40 14,00 2,69 4,85 9,15 9,80 13,35 8,05 17,83 17,00 0,95 6,45 18,52 9,90 • 2,04 4,45 7,15 7,00 9 1,81 4,55 8,97 7,30 0,95 1,15 1,15 1,05 2,35 11,65 18,52 8,85 3,02 13,35 22,23 11,50 • 1,85 3,00 4,45 Hobler und Fräser. Schmiede. Elektromonteure. Arbeiterinnen Nicht- Metallarbeiter Nadler. Goldarbeiter. Bifeleure 1,75 1,65 16,47 14,65 Die Mitgliederzahl der Verwaltungsstelle war am Jahresfaft 1000 gestiegen. ſchluß 64 081. Sie ist im Laufe des Jahres trotz der Krise um der Bilanzsumme von 2 138 898,53 m. ab. Unter den Ausgaben der Die Jahresabrechnung schließt für die Hauptkasse mit Hauptkaffe sind für die Unterstüßung in Krankheitsfällen 465 660,35 Mark, bei Arbeitslosigkeit 796 833,85 M., für Streifunterstützung 238 242,15 M., für Gemaßregeltenunterstübung 90 427,80 M., für Rechtsschutz 30 160,06 M. An die Hauptkasse wurden 150 000 0. eingesandt. Die Bilanzsumme der Einnahmen und Ausgaben der 2ataltaffe ift 1 378 705,04 20. Der Bestand der Lokalkasse ist im Laufe des Jahres von 699 665,66 m. auf 947 960,89 M. angewachsen. Er ist zurzeit bereits auf über eine Million gestiegen. Am 22. Oktober 1909 wurden der Verwaltungsstelle durch Einbruch 7548.34 M. gestohlen. Die Summe ist jedoch von der Versicherungsgesellschaft gegen Einbruchsdiebstahl gedeckt worden, nachdem der Kassierer Henning die Gesellschaft verklagt hatte. Die Generalversammlung, der die Abrechnung vom 4. Quartal 1909 gesondert borlag, erteilte dem Kassierer nach kurzer Diskussion einstimmig Decharge. Hierauf folgten die Ergänzungswahlen zur Ortsverwaltung. Als 1. Bevollmächtigter wurde Cohen, als 2. Kassierer Blumenthal wieder gewählt. Als Beisiger wurden Frik Karl und Strider gewählt. Die Wahl dreier Revisoren erfolgte durch Urabstimmung, als Kandidaten dazu wurden Drägert, Gries, Prüfert und Volmer aufgestellt. Das Kammergericht wies jedoch am Montag die Revision ab Sodann kamen noch einige Anträge zur Verhandlung. Anund führte aus: Zur Entscheidung stehe die Frage, ob§ 1 des Vergenommen wurde ein Antrag, wonacy eine besondere Kommission eingefeßes für Begräbnisse beziehungsweise für öffentliche Aufzüge eingesetzt werden soll, die eine Bewegung zur Einführung des freien das Tragen von roten Fahnen gestatte und polizeiliche BeschränSonnabendnachmittags für die Metallindustrie Berlins zu entfalten fungen, die in der Beziehung bestehen, ausschließe. Der Senat hat; ferner ein Antrag, wonach die Reise- und Aufenthaltsunterfei ganz der Ansicht, die Wolfgang Heine in seinem Kommentar Aus Rücksicht auf die Krise mußten die Angriffsstreiks in drei ftüßung in Zukunft nicht mehr im Verbandshause, sondern im zum Reichsvereinsgesek vertrete, indem er dort sage: Befugnisse Vierteln des Jahres auf das allernotwendigste beschränkt bleiben, Gewerkschaftshause ausgezahlt werden soll. Die Ortsverwaltung aber, die der Polizei oder den Behörden für andere Fälle ganz während im letzten Vierteljahr eine lebhaftere Bewegung möglich wird sich mit den beiden Beschlüssen noch beschäftigen und der näch allgemein zustehen, die also nicht vereinsrechtlicher Natur sind, wurde. Es fanden im Laufe des Jahres 15 Angriffsstreiks, an denen sten Generalversammlung Vorschläge zu ihrer Durchführung untertreten nicht deshalb außer Kraft, weil die davon betroffenen Per- 418 Streifende beteiligt waren, und 46 Abwehrstreits mit 2667 breiten. fonen sich gerade in Ausübung ihres Vereins- oder Versammlungs- Streifenden statt. Tarifbewegungen fanden 5 statt mit 3244 Be- Lese- und Diskutierklub Wilhelm Liebknecht". Heute Donners. rechts befinden." Wenn alle anderen links fahren müßten, dann teiligten. Ferner wurden 103 Differenzen mit 7115 Beteiligten tag, abends 9 Uhr, Sigung bei St. Eichhorn, Danziger Straße 93. dürften Begräbnisse nicht etwa deshalb, weil sie Aufzüge feien, ohne Arbeitsniederlegung erledigt. Vortrag. Gäste willkommen. rechts fahren. Der§ 1 des Vereinsgesetzes wolle mit seiner BeAn den Tarifbewegungen waren beteiligt: die Bauflempner, ftimmung über den Ausschluß polizeilicher Beschränkungen nur die Bauanschläger, die Schwarzdrudgraveure, die Möbelschloßaussprechen, daß die Vereinsbildung und die Art der Versamm branche, die Bau- und Geldschrankschlosser und die Hartgummilung usw. nicht durch Polizeiverordnungen beschränkt werden. branche. Die Bauklempner, deren Tarifvertrag von den UnterWenn die angezogene Polizeiberordnung eine solche Beschränkung nehmern gekündigt worden war, wurden am 1. April ausgesperrt. darstellte, dann könnte sie nicht angewendet werden. Das sei aber Der Kampf dauerte bis zum 26. Juni und führte nicht zum Abschluß nicht der Fall. Sie spreche nicht davon, daß rote Fahnen nicht bei eines neuen allgemeinen Tarifvertrags. Das Gewerbegericht hatte Aufzügen oder Begräbnissen geführt werden dürfen. Sie unter einen Schiedsspruch gefällt, der Verschlechterungen bot und von der 23 900 Mark Schiffsgelder wurden am Sonnabend auf dem im sage vielmehr ganz allgemein das Anbringen und Führen roter Bauklempnerversammlung mit 221 gegen 43 Stimmen abgelehnt Safen von Wilhelmshaven liegenden Torpedoboot" S. 117" bon Fahnen, das öffentlich sichtbare Dekorieren damit usw. Das ge- wurde, worauf man mit 136 gegen 125 Stimmen beschloß, den Streit einem Werfttischler gestohlen, der früher auf einem Torpedoboote schehe nicht, um einer Vereins- oder Aufzugsbildung entgegenzu- für beendet au erklären. Die Zentrale der Klempnergewerte" gedient hatte und daher mit den Verhältnissen vertraut war. Der wirken, sondern um die Allgemeinheit zu sichern gegen Demons Nieb bezeichnete eine Stelle im Hafen, wo er die Kassette mit ihrem strationen, die durch solche Provokationen vielleicht entstehen versuchte dann den abgelehnten Tarifvertrag bei den Mitgliedern Diebstahl wurde erst am Dienstag entdeckt. Der fofort verhaftete des Metallarbeiterverbandes durch weitere persönliche Aussperrung tönnten. Also sei die Verordnung ohne vereinspolizeilichen Cha- zur Anerkennung zu bringen, was jedoch nicht gelang. Uebrigens Inhalt bersenkt haben will. Taucher find jetzt damit beschäftigt, rafter. Die Polizeiverordnung sei also anwendbar. Und wenn etwa ein Berstoß gegen§ 19 des Vereinsgesetzes vorläge, dann hatten während der Lohnbewegung schon 184 Firmen den vom Me- nach dem Gelde zu fuchen. würde sie in der Anwendung damit nur ideell konkurrieren. Die tallarbeiterverband vorgelegten Tarif anerkannt und dazu kamen Anwendung dieses Paragraphen habe aber das Landgericht durch nach Beendigung des Kampfes noch einige hinzu. seine Feststellung ausgeschlossen, daß jede Demonstrationsabsicht gefehlt habe. Danach habe sich das Begräbnis in den Schranken eines gewöhnlichen gehalten. Die Polizeiverordnung ist mit Recht angewendet.. Die Entscheidung greift feht. Die Polizeiverordnung ist aus den von dem Oberstaatsanwalt angeführten Gründen, die das Rammergericht unzutreffend gewürdigt hat, ungültig. Sie ist aber auch deshalb ungültig, weil die Polizei fein Recht hat, das Tragen son roten Fahnen zu verbieten, weil die früher bestandenen ähn= Fichen Verbote des preußischen Strafgesetzbuches durch das Reichs" Nach einem partiellen Den Bauanschlägern war ihr Tarifvertrag ebenfalls von den Unternehmern gekündigt worden, um die Lohn- und Arbeitsverhältnisse zu verschlechtern. Die Preise sollten um 10 Proz. herDer Plan mißlang. abgesetzt werden. Streit, der sich auf 10 Firmen mit 153 Bauanschlägern erstreckte, wurde der Tarifvertrag mit kleinen Aenderungen und Erhöhung des Stundenlohnes von 65 Pf. auf 70 Pf. auf drei Jahre neu abgeschlossen. Vermischtes. Feuer im Thorner Fernsprechamt. Aus Thorn wird vom geftrigen Tage gemeldet: Jm Telegravhen- und Fernsprechamt ist Feuer ausgebrochen. Der Fernsprechverkehr ist einstweilen gänzlich unterbrochen. Telegramme von und nach Thorn werden wahrscheinlich erhebliche Verzögerungen erleiden. Eine weitere Meldung aus Thorn lautet: Das Feuer im Sauptpostgebäude entstand um 11% Uhr vormittags in einer Dachfammer und entwickelte sich mit großer Schnelligkeit. Auch der Telephonhelm mit etwa 600 Drähten geriet in große Gefahr. Die Die Tarifbewegung der Schwarzdrudgraveure, bie zu einem Feuerwehr vermochte nur wenig auszurichten. Um Mittag mußte Streit führte, der faft Jahr dauerte, hatte nicht den gewünschten I das Telegraphenamt von den Beamten geräumt werden. Ausbruch des Aetna. Nach Meldungen aus Cattania erfolgte geftern früh 8 Uhr 15 Minuten ein Ausbruch des Aetna. Ein Schlund offnete fich in Höhe von 2000 Metern und warf Asche, Lava und Steine aus. Briefkaften der Expedition. Witterungsübersicht vom 23. März 1910, morgens 8 Uhr. Eisenbahnüberfall in Rußland. Aus Tiflis wird gemeldet:[ währt. Th. S. 15. Der mündliche Abruf genügt; allerdings trifft Sie beantworten. Rommen Sie in den Abendstunden gleich nach Beendigung der Nähe der Station Nigoiti brachten gestern Räuber einen die Betpeislaft. Sie hätten auch noch eine Nachfrist stellen müssen. Bie Shrer Arbeitszeit in die Sprechstunde der Redaktion, Lindenstraße 69. Güterzug, in dem sich ein Kaffenbeamter mit der Löhnung für die der anhängige Rechtsstreit entschieden werden wird, können wir nicht fagen. E. 3.§ 19. Der§ 20 gestattet Ermäßigung aus sogenannten Billig8. m. 100. 1. Der Testamentsvollstreder hat die unbeschränkte Ber- teitsgründen. Bahnarbeiter befand, zum Entgleifen, wobei ein Schaffner getötet waltung, wenn im Testament nichts anderes bestimmt ist. Er muß Ihnen und die Lokomotive sowie zehn Wagen zertrümmert wurden. Die auf Verlangen alljährlich Rechnung legen. Seine Tätigkeit muß auf bie Räuber eröffneten ein Feuer auf den Zug, das von den Polizei- Gläubiger tann, wenn er einen Schuldtite! besitzt, in den Nachlah vollHerbeiführung der Auseinandersehung gerichtet sein. 2. Ein anderer beamten, die den Kassenbeamten begleiteten, erwidert wurde. Der streden laffen. 2. P. 26. 1. Ja, sofern er dazu ohne Gefährdung Kassenbeamte wurde getötet, drei Polizeibeamte wurden verwundet. feines stancesgemäßen Unterhalts unter Berücksichtigung seiner fonftigen unserer Abonnenten, die noch während des ganzen nächsten Monats in Patienten in Beelik, Buch und anderen Heilstätten. Diejenigen Die Räuber, benen es nicht gelang, das im Zuge befindliche Geld Berpflichtungen imftande ist. 2. Darüber gibt die Verwaltung des Stiftes der Seilstätte bleiben, wollen uns wegen der Ueberweisung von Frei Austunjt. 3. Sind die Waren nach Aufhebung des Abkommens exemplaren sofort ihre Adresse einsenden, da bei verspäteter Bestellung die zu rauben, entflohen. bezogen und hat die Firma vor der Lieferung Stenntnis von der ersten Nummern des neuen Monats von der Post nicht geliefert werden. Aufhebung durch die Beteiligten erhalten, dann haftet B. nicht, fonit ja alle Adressen müssen jeden Monat neu eingesandt werden. Redaktion. S. 100. Kommen Sie in der Zeit zwischen 12 und 8 Uhr in die C. P. 1885. Benden Sie sich an die Innung oder die Handwerkskammer. 5. R. 5. 1. Die Mutter muß bei dem Vormundschaftsgericht die Bestellung eines Pflegers beantragen. Diefer muß flagen. 2. Etma 60 M. monatlich. 3. Es kann Beschlagnahme des Lohnes erfolgen. 7. J. 19. Es würde für einen solchen fall in Abwesenheit der Bes flagten verhandelt werden. 8. R. 54. Gewährt die Krankenkasse, der Sie jezt angehören, die Mindestleistungen, so sind Sie von dem Beitrittsawang befreit. Benden Sie sich an die Aufsichtsbehörde. R. B, 15. 1. Fragen Sie bei dem Auskunftsbureau, Bahnhof Alexanderplatz an. 2. Bom Lehrter Stadtbahnhof. G. M. Ja. M. M. 1. Nein. 2. 110. Der Verkauf durfte erst erfolgen, nachdem Sie eine bezüg liche Androhung erhalten hatten, vorausgelegt, daß dem Gläubiger Ihre Adresse betannt war. Haben Sie eine Androhung nicht erhalten, so tönnen Sie Schadenerfaz fordern. Die Stosten richten sich nach dem Objekt. . 1000. Nein. B., Gropius D. B. 1. Das ist zulässig. straße. Die Staffe lönnen wir nicht empfehlen. Wenden Sie sich übrigens an Wilh. Sinz, Prinzenstr. 66, born IV. P. S. Wir raten, die Un gelegenheit mit dem Vorsitzenden des IV. Streifes, Genoffen Baul Hoffmann, Oppelner Straße 47, zu besprechen. A. B., Pantstr. 62. In der Ausführlichkeit, wie Sie es wünschen, tönnen wir die Anfrage nicht Briefkaften der Redaktion. Die furikilde Sprechstunde findet Binben# rake 3, sivelter Spl. britter Eingang, vier Treppen, Gahrstuhl wochentäglich abends von 71 bis 9% Ubs statt. Gröffnet 7 Uhr. Sonnabends beglunt ble Sprechstunde um 6 1hr. Jeber Anfrage ist ein Buchstabe und eine Zahl ats Mertzeichen beizufügen. Briefliche Antwort wird nicht erteilt. Bis au Beantwortung im Briefkasten können 14 Tage vergehen. Eilige Fragen trage man in ber Sprechstunde vor. D. 12. Ihre Anfrage ist in Nr. 52 beantwortet. Friedenau. 1. Am 1. Juli 1909. 2, Nein. Die Stempelpflicht beginnt erst bei einem Mietszins bon 360 m. jährlich, 3. Für jebes Stalenderjahr. 4. Nur an einem der beiden Bobnjige. 5. 3a. Jn 30 Jahren.. 23. 100. Ihr Vater soll unter Ueberreichung feines Militärpasses einen Antrag an das Polizeipräsidium stellen. Für die zurüdliegende Zeit wird nichts geDonnerstag, den 24. Mara Anfang 7%, Uhr. Königl. Opernhaus. Hauptprobe zum Sinfonie- Konzert. Königl. Schauspielhaus. Schloffen. Ge Neues fönigl. Opern Theater. Gefchloffen. Deutsches. Judith. Stammerspiele. Medea.( An fang 8. Uhr.) Leffing. Die Frau vom Meere. Neues Schauspielhaus. Alt- Heidel berg. Kleines. Luguszug. Anfang 8 Ubr. Komische Oper. Tieflaud. Berliner. Tatfun. wwww Stationen 764 Sminembe. 760 N pamburg 766 23 Berlin Franti.a. M. 771 S Münden 770 923 Wien Better Stationen 5 Haparanda 751 23 6 Betersburg 753 NW 4 Regen 7 bedeckt 3 3 bededt 2 Scilly 2 mollig 2berdeen 1 Baris 3 bebedt Better Temp. n.. 2 heiter 1 molten!-3 4 volfig 4888 775 NNS 77493 773 NND 1 bedeckt 3wolfen! 0 765 N 4 halb bd. 4 Wetterprognose für Donnerstag, den 24. März 1910. Regen- oder Graupelschauern und frischen nordwestlichen Winden, Ein wenig fübler, teilweise aufflareud, jedoch unbeständig mit einzelnen Theater und Vergnügungen Theater des Westens. Abends 8 Uhr: Der fibele Bauer. Morgen: Dratorium ,, Die Schöpfung mit Stammerfänger Alex. Heinemann, Sonnabend: Der fidele Bauer. Lustspielhaus. Abends 8 Uhr: Schiller- Theater. Schiller- Theater 0.( Wallner- Theat.)| Schiller- Theater( Charlottenburg). Donnerstag, abends 8 Uhr: Donnerstag, abends 8 Uhr: Wallensteins Tod. Trauerspiel in fünf Aufzügen von Friedrich Schiller. Ende 11 Uhr. Freitag: Geschlossen. Viel Lärmen um nichts. Lustspiel in 5 Aften v. B. Shakespeare. Ende 10%, Uhr. Freitag: Geschlossen. Geschlossene Vorstellung. Gonnabend, abends Buhr: Sonnabend, abends 8Uhr: Friedrich- Wilhelmstädtisches Schauspielhaus. Donnerstag, 23. März, abends 8 Uhr: Schuldig. Neues. Der Philofoph von Sans. Drama in 3 aften bon Rich. Bos. fouet. Weften. Der fibele Bauer. Neues Operetten. Der Strom, Trianon. Monfieur Alphonse. Refidenz. Mufotte. Thalia. Mein Leopold. Schiller 0.( Banner Theater.) Wallensteins Tod. Schiller Charlottenburg. Lärmen um nichts. Friedrich Wilhelmstädtisches. V Schuldig. Gastspiel. Gefchloffen. Sebbel. Dftern. Viel Freitag: Geschloffen. Sonnabend: Der Strom. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Die Jungfrau von Orleans. Neues Operetten- Theater. Albends 6 Uhr: Der Strom von Halbe. Freitag: Gefchloffen. Sonnabend: Schuldig. Volksoper. Boltsover. Die Hugenotten.( Un SW, br. 7/8. fang 82 Uhr.) Quifen. Was Gott zusammenfügt. Mofe. Die Ehre. Lustspielhaus. Gescht Borstellung. Metrovol. Halloh!! Die große Revue. Folies Caprice. Herr Wassertropf. Der Luftturner.( Anf. 8 Uhr.) Cafino. Ackermann. Gebr. Herrnfeld. Es lebe bas Nachtleben. Die Driginal Klabriaspartie. Stadttheater Moabit. Gefchloffen. Road. Der fleine Lord. Apolio. Der Bechpreller. Spezia litäten. Banage. Spezialitäten. Wintergarten. Spezialitäten. Reichshallen. Stettiner Sänger. Palast. Spezialitäten. Karl Haberland. Spezialitäten. Walhalla. Spezialitäten. Buggenhagen. Spezialitäten.( An7 Uhr). Urania. tanbenstraße 48/49. Nachm. 4 Uhr: Nom und die Campagna. Abends 8 Uhr: Bom Kreml zur Newa. Sternwarte, Invalidenstr. 57-62 Lessing- Theater. Donnerstag, 7, Uhr: Die Fran bom Mecre. Freitag: Gefchloffen. Die Staffe ist bon 10-1 Uhr geöffnet. Gonnab., 8 Uhr: Tantris der Narr. Sonntag, 3 Uhr: Nora. 8 Uhr: Das Konzert. Montag, 3 Uhr: Rosenmontag. 8 Uhr: Tantris der Narr. Berliner Theater. Beute& 5: Taifun. 8 Morgen Freitag: Geschlossen. Belle- Alliance- Straße Abends Uhr: Hugenotten. Geschäft ist Geschäft. Urania. Wissenschaftliches Theater. Nachmittags 4 Uhr: Rom und die Campagna. 8 Uhr: Eugen Zabel: Vom Kreml zur Newa, Passage- Theater. Abends 8 Uhr: Das gesellschaftliche Ereignis von Berita Sisters Ridley Auftreten der schönen in ihren historischen Tänzen. Georg Kaiser Schneider- Duncker Luisen- Theater, und das große Programm! Abends 8 Uhr: Was Gott zusammenfügt. Schauspiel in fünf Aften von Ernst Ritterfeldt nach freier Benubung einer Erzählung von Courths Mahler. Freitag u. Sonnabend: Geschlossen. Sonntag nachm. 3 Uhr: Don Carlos. 8 Uhr: Was Gott zuſammen Passage- Panoptikum Hans Lange. irkus Sarrasani alter Botanischer Garten. Donnerstag, den 24. März, abends 8 Uhr: Brillante Vorstellung mit einem rein zirzensischen Programm. Ab 9 Uhr: Fortsetzung der Ringkampf- Konkurrenz unter dem Protektorat des Herrn Prof. Reinhold Begas. Endkämpfe: Es ringen: Van den Berg gegen Strenge. Reykowitsch gegen Careaux de Bastieux. Entscheidungskampf Jakob Koch gegen Michailoff. Gebr errnfeld Theater Kommandantenstr. 57. 2. A. 4, 5083. Heute, Donnerstag und Sonnabend, 2. Serie des Herrnfeldt- Zyklus: Senegal in Berlin! Die Meyerbains 50 Wilde Weiber Männer, Kinder. Montag nachm. 3 Uhr: Gib mid Drei Negerdörfer frei. 8 Uhr: Klapperstorch d. Königin. Dienstag nachm. 3 Uhr: Das Schloß am Meer. 8 Uhr: Was Gott zufammenfügt. Ohne Extra- Entree! pollo und Die letzte Ehre. Anf. 8 Uhr. Vorverkauf 11-2 Uhr Karfreitag geschloffen. Ostersonntag und folgende Tage: DOSE THEATER POLLO Die Große Frantjurter Str. 132. Anj. 8 Uhr. Ende 11 Uhr. Die Ehre. Schauspiel in 4 Alten v. Subermann. Freitag: Geschloffen. Sonnabend: Reast. Sonntag nachm.: Die Ehre. Abends: Der Verschwender. Gastspiel- Theater. Am Donnerstag, Freitag u. Sonnabend bleibt das Theater geschlossen. Metropol- Theater Donnerstag, den 24. März 1910: Gastspiel des Neues Theater. Deutschen Theaters. Donnerstag und Sonnabend 8 1hr: Der Philosoph von Sanssouci. Sonntag und Montag: Dic goldene Ritterzeit. Frühlings Erwachen. Sonnabend, den 26. März 1910: Gespenster. Folies Caprice Komiker Schnitzel. Solo- Teil. Residenz- Theater Das Lied vom braven Mann. Direktion: Richard Megander. Abends 8 Uhr: Musotte. Schauspiel in 3 Atten von Guy de Maupassant. Karfreitag: Gefchloffen. Sonnabend: Mufotte. Ostersonntag und Montag: Das Nachtlicht. Trianon- Theater. Abends 8 Uhr: Monsieur Alphonse. Anfang 8, Uhr. Borbert. 11-2 Uhr Stadt- Theater Moabit Alt- Moabit 47/48. Donnerstag, den 24. März: Keine Theater Heute, Donnerstag fowie Sonnabend: .3 Serie: Die beiden Bindelbands, Berliner Betterbureau. Freie Boltsbühne Die nächsten Stücke: Lessing- Theater; Neues Schauspielhaus: nachmittags und abends: Hanneles Himmelfahrt Thalia- Theater: Traumulus. Residenz- Theater: Der Dorftyrann. Musotte. In Vorbereitung: Oskar Wilde: Bunbury( Ernst sein). 99 Die Karfreitags- Vorstellungen am 25. März im Neuen Schauspielhause und Thalla- Theater:, Ernst sein" und ,, Der Dorftyrann" sind vom Berliner und vom Schöneberger Polizeipräsidium wiederum verboten worden, da diese Behörden an dem Tage auch für geschlossene Gesellschaften nur geistliche Konzerte" gestatten. n Die Ersatzvorstellungen sind im Neuen Schauspielhause am 2. Pfingstfeiertage und im Thalia- Theater am Sonntag, den 5. Juni, je nachmittags 3 Uhr. Etwa gelöste Marken bleiben dafür gültig. Einige Karten zu den Nachmittags Abteilungen können noch in den Zahlstellen bestellt werden. 240/13 Der Vorstand. L. V.: G. Winkler. Zirkus Schumann Donnerstag, den 24. März, abends 7, Uhr: Brillante Vorstellung. Aerial Shaws bie phänomenalen Amerikaner, Neu! Neu! Oberganner, Original- Klabrias- Partie per tuben gedate Original- Klabrias Sonntag und Montag, Nachm. 4 Uhr: Halbe Preise: Es lebe das Nachtleben. Vollständig neues Palast- Theater. Programm. Karfreitag geschlossen. zwei Burgstraße 24, am Bahnhof Börse. Internationales Un beiben Dfterfeiertagen: Je svet Ringkampf- Championat Festvorstellungen. Das Dreigestirn um die Weltmeisterschaft. Protektor: Herr Brof. H. Hundrieser. Preise: 10 600. in bar. Fuchshengst in hohen Schule geritten von Herrn Heß. Dir. Albert Schumann, neue und moderne Dreſsuren. Le Ri- Tchaves in ihren Barbarentänzen. Um 9% Uhr Ende 11 Uhr Die drei Rivalen. Gr. Feerie aus der Hugenottenzeit. Karfreitag: Geschlossen. Ostersonntag u. Montag: Je zwei große Borstellungen. Donnerstag, den 24. Märs: W. Noacks Theater Finale- Kämpfe. Entscheidungskampf: Pedersen gegen Vervet. Dieser Stampf, der am Montag wegen Polizeistunde abgebrodjen murde, kommt zuerst zum Austrag, welblicher Schönheit, Grazie u. Kunst banach ringen, falls es die Zeit Rosario Guerrero Marie Lafargue Odette Valery und die anderen Star- Attraktionen. Morgen( Karfreitag): Geschlossen. Karl Haverland Anfang Theater. präz. 8 U. 77/79 Sommandantenstraße 77/79. Neute erstklassige Spezialität. Vorstellung. Liputaner- Truppe prolongiert. Heute nach d. Borstellung: Ball. erlaubt: Bipps gegen Clément. Maffetti gegen Ali Oglu. Borher: Die glänzenden Spezialitäten. Anf. 8 Uhr. Preise 50 Pf. bis 3 M. Brunnenitr. 16, am Nosenthaler Tor. Direktion: Franz Merker. Bom 23. bis 26. März der Karwocje wegen geschlossen. Der Widerspänftigen Zähmung, Sonntag nachm. 3 Uhr: Sonntag abend 8 Uhr: Wach- und Schliekgefellschaft. Schwant in 3 Aften. Casino- Theater Tonbild- Theater Lothringer Straße 37. Anfang 8 Uhi. Ackermann. Un den Feiertagen 8 Uhr: Berlin bei Nacht. An den Feiertagen nachm. 4 Uhr: Ein deutsches Frauenherz. Artushof Perleberger Straße 26.) Montag, 2. Osterfeiertag: Paul& Springers Kabarett- und Possen- Gesellschaft. Anf. Konz. 5 Uhr., Vorst. 7 Uhr. Tanz Reinickendorfer Str. 26-27. ReformKino Hente vollständig neues Programm! Jedes Bild ein Schlager. Borstellung von 5-11 Uhr. Entr. Erwachs. 301) ohne " Stinder 10, Nachzahl. Ecke Weddingstraße. Zirkus Busch. Heute Donnerstag, den 24. März, abends 7, Uhr präz.: Großer Gala- Abend. Die Hassans! Therese Fillis, James Leon Fillis jun., Heinrich Fillis, in ihren Produktionen d. hohen Schule. Hr. E. Schumann, Meisterdres. Reiterfamilie Proserpi Zwergclown Francois, Kunstr. Gigerlclown Alfred Daniels. 9 Uhr ca. Ende 10%, Uhr: Die russ. Sensations- Pantomime Marja! Sonntag, Montag: 2 Vorst. Walhalla Variete- Theater Weinbergsweg 19-20, Rosenth. Tor. Anfang 8 Uhr. Die glänzenden Spezialitäten. Reichshallen- Theater. Stettiner Sänger ( Meysel, Britton, Schrader etc.) Anfang: 8 Uhr. EliteProgramm. Königstadt- Kasino. Holzmarktstraße 72. Siglf: Spezialitäten ersten Ranges mit Franz Sobanski. 9 11hr: Soheits Liebesroman. Abis! Grün- Donnerstag und Dfter- Sonnabend: Traum der Nose und Klippen und Wellen, An den 8 Dsterfeiertagen: Festvorstellung. Anfang 6 Uhr. Für den Inhalt der Juierate Abernimmt bie Debattion dem Publikum gegenüber teinerlei Verantwortung. Berantwortlicher Rebatteur Richard Barth, Berlin. Für den Inferatenteil verantw.: Zb. Glocke, Berlin. Drud u. Verlag: Vorwärts Buchdruderei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW. Ar. 70. 27. Jahrgang. 3. jikillP Ks Jotiiiiitö" Donnerstag, 24. Marz 1910. Huö der Partei. Gcmcindewahlsiege. Sei den In den letzten Wochen erfolgten Gemeiudevertreterwoblen Im Bezirl K a f! e l Hot unsere Partei autzerordemlich erfreuliche Er- folge erzielt. In 30 Orten fiel uns der Sieg in der dritten und in 12 von diesen 30 Gemeinden auch in der zweiten Wähler- a b t e i l u u g zu. Es wurden gewählt 67 sozialdemokratische Gemein deVertreter und zwar 42 in der dritten und 1ö in der zweiten Abteilung. In drei Orten verfügt unsere Partei über die M a j o r i t ä t der Sitze im Gemeindevarloment. In F l v e r's g e h o f e n bei Erfurt, einer Gemeinde, die im nächsten Jahre mit Erfurt verschniolzen wird, sind bei der Gemeinde� Verireterivahl zw ei Genossen in der dritten Abteilung gewählt worden. Auf Grund der Einverleibungsbedingungen werden beide Genossen als erste Sozialdemokraten in das Erfurter Stadt- verordnetenkollegium einziehe».__ Erhöhung der Parteibeiträge. Der Sozialdemokratische Verein für die Wahlkreise Köln-Stadt und Köln-Land beschloß, zur Sammlung eines Wahlfonds dauernd einen Extrabeitrag von 20 Pf. pro Vierteljahr von den männlichen Mitgliedern zu erheben. Der reguläre Beitrag beträgt 10 Pf. pro Woche. Ferner beschloß die Versammlung im Prinzip die Ueber nähme der Druckerei der„Rheinischen Zeitung' in eigene Regie sowie die Er- h ö h u n g des A b o n n e m e n t s p r e i s e S von 70 auf 80 Pf. monatlich._ Personalien. Genosse Pieck legt am 1. April seinen Posten als Parteisekretär in Bremen nieder, um in das Sekretariat des BildungSausschusseS zu Berlin einzutreten._ Sozialem Landarbeiterelend. Auf dem Gute Kozuskowo, Kreis Strelno(Posen), kam es unter den dort beschäftigten ausländischen Arbeitern zu schweren Aus- schreitungen. Die Arbeiter verlangten Jnnehaltung der ihnen zu- gesicherten Bedingungen und bessere Behandlung. Da dieses nicht gewährt wurde, verlangten sie die Auszahlung ihres Lohnes und Entbindung vom Kontrakt. AIS der Inspektor dieses verweigerte, nahmen fie eine drohende Haltung an. Die zu Hilfe gerufenen Gendarmen wurden tätlich angegriffen und machten von ihrer Waffe Gebrauch. Ein Arbeiter wurde durch einen Säbelhieb schwer ver- letzt und schließlich alle dem Gerichtsgefängnis in Strelno zu- geführt. DaS ist der Schluß des Dramas. Erst schöne Vorspiegelungen, die nicht gehalten werden, zuletzt Hiebe mit der blanken Waffe und darauf vielleicht noch eine längere Gefängnisstrafe und Ausweisung. Zweiter Deutscher Wohnungskongreß. Im Herbst 1304 hat bekanntlich ein Erster Deutscher Wohnungs- kongreß unter außerordentlich starker Beteiligung in Frankfurt. a. Main stattgefunden. Der Deutsche Verein für Wohnungsreform hat sich, einem Auftrage des ersten Kongresses folgend, vor kurzem mit einer Anzahl anderer Wohnungsreform-Organisationen Deutschlands in Verbindung gesetzt. Es ist danach unter all. gemeiner Zustimmung der Plan eines neuen Kongresses im Früh- jähr oder Frühsommer 1011 aufgestellt worden. Dieser Plan wird demnächst weiteren Kreisen zur Beratung und Beschlußfassung und zur Konstituierung eines größeren Organisationsausschussees unter- breitet werden. Die Vorbereitungen hierzu sind im Gange. Der frühere Staatssekretär Graf v. Posadowsky hat sich auf Ansuchen hin bereit erklärt, den Vorsitz des Kongresses zu übernehmen. Nicht zu verwechseln ist dieser Zweite Deutsche Wohnungs- tongretz mit dem Internationalen Wohnungskongreß, der bereits in diesem Jahre in Wien tagt. Die vorbereitenden Ge- schäfte für den Deutschen Wohnungskongretz werden vorderhand vom Deutschen Verein für Wohuungsreform, Frankfurt a. Main, Hochstraße 2311, geführt. S Eine SubmissionSblüte. Ein krasses Ergebnis zeitigte die Ausschreibung der Maurer. arbeiten an der Eisenbahnstrecke Oberhausen-West. Es liefen 26 Offerten ein. Von diesen betrug die niedrigste, von der Firma Eickhoff u. Comp, in Hattingen abgegebene 36 355,66 M., die höchste. von der Firma Friedrich Kassen in Münster abgegebene 116 952,20 M. Die Differenz beträgt also 80 596 M. Würden die Arbeiten direkt an die Arbeiter gegeben, so würden der FiskuS und die Arbeiter weit besser fahren. Eue Industrie und Handel Lebensmittelverteuerung. Seit Monaten ist die Bewegung der Lebensmittelpreise an- dauernd steigend. Der wöchentliche Nahrungsmittel- aufwand einer vierköpfigen Familie, berechnet auf Grund der BerpflegungSration des deutschen Marinesoldaten, stellte sich nämlich im Durchschnitt von 55 deutschen Städten während der ersten beiden Monate dieses mid des vorigen Jahres auf Mark: Januar Februar Gegen Januar 1909...... 22,46 22,37— 0.09 1910...... 23,75 23,76+ 0,01 Differenz gegen 1909-s- 1,29+ 1.89-f- 0,10 Die Verteuerung der HauShaltskosten gegenüber 1909, die im Januar t,29 M. betragen hatte, stellt sich im Februar auf l,ZS M. Höher als im Borjahre stellen sich vor allem die Preise der ver- schiedenen Fleischsorlen. Rindfleisch kostete im Februar d. I. durchschnittlich 1,55 M. pro Kilogramm gegen 1.53 M. im Vorjahr. Bauchsleisch ist im Preise von 1,30 auf 1,35 gestiegen. Bei Kalbfleisch ist der Preis von 1,71 M. pro Kilogramm im Februar 1909 auf 1.74 M. in diesem Jahr gestiegen. Hammelfleisch weist einen Durchschnittspreis von>.66 M. auf gegen 1,64 M. im Vorjahr, Schweinefleisch ober gar einen solchen von>,65 M.. während et im Vorjahr nur 1,54 M. betragen halte. Erbsen stellen sich im Durchschnitt pro Kilogramm im Preise auf 38 Pf. gegen 37 im Vorjahre, Speise- b o h n e n auf 39 gegen 37. Scharf weicht der ButterpreiL vom Stande im Vorjahre ab: 1 Kilogramm Eßbutter kostete im Februar 1909 2,53 M., im Februar d. I. aber 2,16 M.; der Preis ist auch noch von Januar auf Februar gestiegen. Der Preis für 1 Liter Milch ging von 19 auf 19 Pf. hinauf. Der Preis für Weizenmehl ist von 36 auf 39 Pf. gestiegen, während der für Roggenmehl von 82 auf 31 Pf. herunterging. Trotzdem ist aber Roggenbrot von 31 Pf. im Februar v. I. auf 32 Pf. in diefent Jahre gestiegen. Sehr scharf ist die Preissteigerung für Schweineschmalz, Backobst und Kaffee. Erfteres kostet>,93 M. pro Kilogramm gegen 1,67 im Lorjahre, Backobst 92 gegen 87 Pf. und gebrannter Kaffee 2,58 M. gegen 2,45 im Vorjahre. Ungebrannter Kaffee stellt sich im Preise auf 2.14 M. gegen 1,95. Die oben berechnete Steigerung des Wochenaufwandes macht nicht weniger als 6,2 Proz. aus. Preiserhöhung. Mit Hinweis auf die Preissteigerung am Roh- kautschulmarlte haben die im Zentraiverein deutscher Kautschukwaren- fabriken vereinigten Unternehmer beschlossen, neben den bisherigen Ausschlägen weitere Preiserhöhungen von 10 bis 20 Proz. eintreten zu lassen. Daß Fabrikanten generelle Preisherabsetzungen beschließen, wenn die Nohmalerialien billiger geworden sind, davon hört man nie oder höchst selten. Die glänzende Rentabilität der Gummi- warenfabrike» rechtfertigt die beschlossene Preiserhöhung jedenfalls nicht. Die Moselkanalisierung. In der PetitionLkommission des preußischen Abgeordnetenhaukes ist unlängst das Projekt der Mosel- und Saarkanalisieruug zur Er- örterung gelaugt. Da interesfieren wohl die Vorträge, die Landtags- abgeordneter Dr. R o e ch l i n g und Generalsekretär R a g o c z y(vom Aentralverein für deutsche Binnenschiffahrt) über dieses Thema auf der zweiten Generalversammlung des De utsch-Französi scheu W i r t s ch a f t s v e r e i n s am 15. November v. I. gehalten haben. Wir entnehme» denselben folgende Gesickitspunkte: Die Moselkanalisierung, die schon 1793/94 vom Comits de Com- merce in Metz gefordert worden war, ist zuerst 1867 von der fron- zösischen Regierung in ihrem Gebiet— von Frouard bis Metz dnrcbgefiihrr worden. Durch Z 13 des Frankfurter Friedensvertrages wurde die Weitersührmig für beide Staaten vorgesehen. Nach Er- stnduug des technischen Versahrens für die Verwertung der loth- nuglschen Miuctte zur Stahlerzeugung ließ auch die preußische Re- gieruug Anfang der 90er Jahre ein Kaiialisationsprojekt ausarbeiten. Weiter gekommen ist die Angelgenheit aber bisher nicht. Für den Verkehr komme» hauptsächlich folgende großen Ver- frachluiigen in Betracht: 1. Rhein und Mosel aufwärts: Ruhrkoks zur Beschickung der Hochöfen. 2. Mosel abwärts nach dem Rhein zu: Erz für das rbeinisch-westfälische Industriegebiet, Roheisen und Stahl- bruch für die reinen Walzwerke, endlich zahlreiche Fertigwaren zum Export nach Nebersee, die heute über belgische Bahnen nach Aut- werpen gehen, 3. Mosel abwärts— Saar aufwärts: Miuetleeze für die Eisenwerke, 4. Saar abwärts— Mosel aufwärts: Saarkohle und -koks.— Alles das sind sehr bedeutende und ständig steigende Frachtmengen. Ihr Transport im Wasserwege würde der schweren Industrie zusammen eine Frachtersparnis von zirka 13 Millionen Mark jährlich gewähren. Weiter würde die Ausnutzung des durch Wasserturbinen billig z» gewinnenden elektrischen Stroms der Landwirtschaft große Vorteile zuführen. Auch den kleineren Orten des Moseltals würden sich— hinsichtlich elektrischer Beleuchtung, Anlage elektro-chemischer Fabriken, Abgabe elektrischer Kraft an Handwerker usw. große Ent wickelungsmöglich- leiten eröffnen, ganz abgesehen davon, daß sie durch die Verkehrs- steigerung auch allgemein wirtschaftlich einen großen Ausschwung nehmen würden. Technisch liegen die Verhältnisse überaus günstig: Die Kosten betragen pro Meter nur 250 M., insgesamt 75 Millionen Mark(für die Saar 27 Millionen Mark). Die Leistungsfähigkeit ist auf je 12,5 Millionen Tonnen jährlich in Berg- und Talfahrt zu veran- schlagen. Eine Konferenz der beteiligte» Staatsregierungen am 5./6. April 1907 zu Trier ergab denn auch, daß der Moselkanal schon im ersten Jahre einen Ueberschuß von 1,5 Millionen Mark ergeben lvürde. Kein anderes europäisches Kanalunternehmen hat eine derartig glänzende Rentierung. Trotzdem nimmt das preußische Bauten- sowie Finanz- minifteriilm eine fast absolut passive Haltung ein, in der Hauptsache wohl aus Befürchtung erheblicher Ausfälle der Eisenbahn- einnahmen, die man neuerdings auf 24 Millionen Mark jährlich (früher nur aus 18—20 Millionen Mark) geschätzt hat. Demgegen- über fallen die eventuellen Erträgnisse des eventuellen staatlichen Schleppmonopols von über drei Millionen Mark, ferner die großen Einnahmen aus den Frachten für Bamnaterialien, endlich die Ent- lastung des WagenbedarsS um zirka 10 000 Waggons jährlich ins Geivichl! ganz abgesehen davon, daß gegebenenfalls der Staat Schleppgebühren und Eisenbahnfrachten in zweckentsprechender Höhe zueinander halte» kann. Vor allem aber darf, was auch beim Hannover- Rhein-Kalial mit vollem Recht abgelehnt wurde, der stskalische Gesichtspunkt nicht von au« schlag- gebender Bedeutung für ein so wichtiges wirtschaftliches Kulturwerk, wie die Kanalisierung einer unserer Hauptwasserstraßen werden._ Druckfehlerberichtigung. In der Notiz.Kartellpolitik' in der gestrigen Nummer des.Vorwärts' muß es im zweiten Absatz heißen erstes Wort.Auch' anstatt»Also' und in der 4. Zeile»etwas" anstatt»eher'._ Agrarische Liebesdienste. LlS Schulbeispiel, wie man in Deutschland im Interesse unserer Agrarier Handel und Verkehr zu»fördern' pflegt, teilen die Hain- burger Beiträge folgendes mit: Seit Jahren haben sich unsere HandelSkreiie die größte Mühe gegeben, die Beziehungen zu den Ländern am Persischen Golf zu entwickeln. Unter den wenigen Importartikeln, die in Frage kommen, bildet einen sehr aussichts- reichen die Dattel. In anderen Ländern ist sie ein Volksiiahrungs- mittel; von der versischen Ernte von etwa 30 Millionen Kilo geht z. B. die Hälfte nach England, nach Deutschland bisher nur 450 000 Kilo, denn bei uns unterliegt die persische Dattel einem Zoll von 24 M. per 100 Kilo, d. h. eine Belastung gleich dem vollen Wert der Ware. Andere Südfrllchte bezahlen viel geringere Sätze, getrocknete Pflaumen 5 M., Aprikosen und Ananas 4 M., und die neuerdings sehr in Aufnahme kommenden Bananen sind überhaupt zollfrei. Bemühungen, wenn nicht eine Zollbefreiung — wie sie in England besteht—, so doch wenigstens eine Er- Mäßigung des Zolles zu erlangen, und zwar mit vollem Recht, weil der bisher erhabene Zoll von 24 M. für die vom Persischen Golf importierten Datteln vollständig mit Unrecht erhoben ist, waren bisher erfolglos. Der Zolltarif kennt einen Zoll für frische Datteln von 12 M. und einen für getrocknete Datteln von 24 M. Diesem letzteren unterliegen die persischen Datteln. Es ist nun durch Sachverständigen-Gutachtcu uachgewieseii. daß die vom Persischen Golf importierten Datteln frisch vom Baum genommen und versandt und keinerlei Trockuungsprozessen nnter- zogen werden, während es sowohl in Persien wie anderswo Datteln gibt, die einem besonderen TrocknuiigSverfahren unterworfen, die aber bei uns aus Persien gar nicht eingeführt werden. Trotz alledem haben die hamburgischen Zollbehörden die richtige Tarifierung der Datteln verweigert, und ihre Entscheidung ist vom Reichsschatzamt, nachdem eS ein volles Jahr gebraucht hatte, um sich auf diese Ent- scheidnng zu besinnen, bestätigt worden. Die deutschen Agrarier werden mit solcher Politik sehr zu- frieden sein._ Aus der Naturgeschichte des WohUiulgiritstrustS. Auf den Ton schauernder Andacht vor dem Erhabenen sind die Berichte der bürgerlichen Blätter über eine neue Nockefeller-Stiftuug gestimmt. Die„New Yorker Staatszeiwug', das Organ der deutschbürgerlichen Miltelllasse, das sauft so gern und häufig über die brutale NücksichtSlosigkeit, die korrupten und räuberischen Methoden des OeltrusteS zetert, bittet heute.mit dem Hut in der Hand' alle Nockfeller je nachgesagten Schlechtigkeiten ab. Dabei ist bisher nur wenig Genaues über den Charakter und den Umfang der Schenkung bekannt, die auf eine Art Per» triistung der Wohltätigkeit hinauszulaufen scheint. Man weiß nichl ob Rockefeller ein oder einige Hundert Millionen springen lassen wird, oder ob er gar, wie man munkelt, ein volles Drittel seine? Milliardenvermögeiis hergeben will, von dem er übrigens selber nicht weiß, wie groß es eigentlich ist. Gerade zur rechten Zeit erzählt jetzt der sozialistische.Appeal t o R e a s o n" die Begleit- und Folgeumstände der Entscheidung des milden Richters Großcnp in Chicago, der das denkwürdige Urteil des Richters Landis, wodurch dem Oeltrust eine Buße von 29 000 240 Dollar auferlegt wurde, umstieß, und diese Enthüllungen lassen den Ursprung der Oeltrustreichlümer, mit denen Rockefeller„wohl- tun' will, in greller Beleuchlnng erscheinen. Am 6. Juli 1907 fällte Richter Landis sein Urteil und am22.J»li stieß die Machtvollkommenheit des Richters Großcup den Wabrspruch um, Rockefeller und Komplizen von der Zahlung der Strafe absolvierend. Soweit ist die Geschichte nicht neu; neu ist der Oeffenttichkeit dagegen, daß, unmittelbar, bevor Richter Großcup die über den Oeltrust verhängte Strafe auf- hob, an der Bostoner Börse in wenigen Tagen mit Oeltrustaktien Vermögen gemacht wurden, und daß ein dortiger Makler, der recht- zeitig eine schwere Menge dieser Papierchen aufgekaust hatte, um an der gewaltigen Kiirssteigeriing in Oeltrustwerlen nach GroßcupS Entscheidung zu partizipieren, kein anderer war, als Richter Groß» cups persönlicher Vertreter. Es war am 13. April 1907, alS der Juryspruch gegen den Oeltrust fiel, � der sogleich den von dem Appellationsrichter Großcup„Beiseitesetzung" des Verdikts verlangte, und es war 30 Tage vor dessen Entscheidung, also noch bevor Richter Landis jenem Wahrspruch sein Urteil folgen ließ, als der von Großcup beauftragte Bostoner Maller Oeltrustaktien zu kaufen begann, deren Kurs nach dem erwähnten Jnryverdikt ganz bedeutend gesunken war. Diese Ankäufe setzte Großcups Ver- treter noch zwei Tage vor dem Urteil des weisen und gerechten Richters von Chicago fort. Nach dieser Entscheidung kraxelten die Ocltrustwerte in einer Stunde so munter in die Höhe, daß auf diese Weise an der Börse insgeiamt 270 000 000 Dollar„ver- dient' wurden, welche Summe sich bald auf mehr als 500 000 000 Dollar erhöhte. Der„Appeal to Reason' verlangt die sofortige Prozessienmg Großcups, der inzwischen eine Reise nach Aegypten augetreten hat. Das Ganze ist ein gerade gelegen kommendes Exempel für die simple Wahrheit, daß die Wohltätigkeitsmillionen, über die wir uns zu be- geistern ergebenst gebeten werden, durch pfiffige Manipulationeu dem Volke gestohlen wurden, um im Notsalle auch mit verbrecherische» Mitteln verteidigt zu werden. Em der frauenbewegung. Selbstmordhäufigkeit beim weibliche» Geschlecht. Der innige Zusammenhang zwischen dem moralischen Tun der Menschen und den wirlschastlichen Verhältnissen ist schon oft betont worden. So wie in Zeiten steigender Brotpreise die Diebstähle häufiger werden, so reift in Zeiten schlechter wirlschafllicher Kon- junktur, allgemeiner Arbeitslosigkeit häufiger als sonst die äußerste Verzweiflungstat des Menschen. Nach den Mitteilungen des kaiserl. Statistischen Amtes kamen im Deutschen Reiche auf 100 000 Einwohner Selbstmorde: männlich auf 100 mannl. und weiblich kommen weibl. zusammen Selbstmorde 1897 8.4 20,6 26.1 1893 8.3 19,9 26.8 1899> 8,2 19,5 27,2 1900 8,5 20,3 26,8 1901 8,2 20,8 25,2 1902 8,8 20,4 26,3 1903 9,1 21,7 27,1 1904 9,2 21,0 28,5 1905 9,5 21,3 29,3 1906 9,4 20,4 30.5 1907 9,6 20,6 81,0 1908 9,7 21,9 29,1 Die Jahre 1898 und 99 waren solche der Hochkoninnktur und wir finde» dementsprechend nur eine Selbstmordziffer von 19,9 und 19.5 pro 109 000 der Bevölkerimg. Dann setzt die niedergehende Bewegung ei», die 1903 ihren Tiesstand erreichte, in welchem Jahre das reichsstatistische Amt im Juni 8,2 Proz. Arbeitslose in den an die Bcrichlerstattung angeschlossenen Gewerlschasten feststellte. Die Selbstmordziffer steigt in dieiem Jahre auf 21,7. Die nun wieder aussteigende Konjunktur läßt aus ihrem Höhepunkt im Jahre 1906 die Arbeitslosenziffer aus durchschnittlich 1 Proz. und die Selbstmordziffer auf 20,4 sinken. Und mit der darauf folgenden Verschlechterung der Wirtschaftslage beginnt auch wieder die Selbstmordziffer zu steigen. Die geringere Selbstmordhäufigkeit bei den Frauen ist eine Folge der geringeren Beanspruchung der Frau durch die berufliche Erwerbstätigkeit, wie andererseits die Zunahme der weiblichen Selbstmorde in den letzten Jahren init einer stärkeren Hineinbeziehung der Frau in diese Arbeit zusammenfällt. Bürgerliche Frauen gegen das Schnapsblock-Wahlrecht. In einer am 21. März von der Ortsgruppe für Fraueiistimmrecht veranstalteten, in den Anninhallen tagenden, sehr gut besuchten Ver- sammlung wurde die folgende Resolution einstimmig angenommen: Die am 21. März in den Arminhallen tagende, von der Ottsgruppe Berlin für Fraueustimrnrecht einberufene öffentliche Vollsversamm- lung protestiert ausS schärfste gegen die Wahlreform, wie sie von Regierung. Konservativen und Zentrum geschaffen ist. Sie protestiert in gleichem Maße gegen die durch nichts zu rechtfertigenden Ueber- griffe der Polizei anläßlich der Demonstrationen für das allgemeine gleiche, direkte, geheime Wahlrecht. Die Versammlung gelobt, in dem Kampfe um daS allgemeine, gleiche, direkte unv geheime Wahlrecht für beide Geschlechter nicht zu ermatten und nicht eher zu ruhen, bis das Recht des Volkes er« rungen ist._________ Amtlicher Marktbericht der städlilchen MarNdallen-DIrektton aber den Grotzbandel in den Zenwal-Marttballen� ÄKarktlagc: F l e H ck: Zutubr reichlich, Geschält ruhig, Preise mweräiidert. Wild: Zufubr sehr knapp, Steichäsl ruhig. Preis» scst. Geflügel: Zufuhr reichlich, in Puten über Bedarf, Gefchäst lebhaft, Preise gut. Fische: Zufuhr reichlich, Geschält teilweise lebhast, Preise wenig verändert. Butter und Käte: Geschäft ruhig, Preise unverändert. Gemüse, Obs, und Süd» fruchte: Zufuhr genügend, Geschäft ruhig, Preise wenig verändert. Jahr weiblich «YasierftandS'ttiachrtciiten der Landesanstalt für Gewässerkunde, mitgeteilt vom verllner Wctterbureau. Wasserstand Kemel. Tilsit V i e g e l. Justerburg Weichsel. Thorn Oder, Ratibor , Krofsen , Frantiutt Warthe, Schrimm » LandSberg Netze, vordamm Elbe, Leitmeritz » Dresden , Bardo , Magdeburg »j-i- bedeutet Wuchs,— Fall.—•) Unterpegel. Levys Schnellstridmaschinen bieten tohnenden Berdienft. Rundstricke maschinen von 75 M. an. Berliner Näh- u. Strickmasch.- Fabrik H. Levy. Nene Königstr. 18. Herren- Moden 46732* Teilzahlung. Liefere vornehme Herrenkleidung, fertig u. nach Maß. Bequeme Zablweise= monatl. 10.00, viertelj. 25.00. Großes Stofflager. Schneiderei Goldstein Yorkstr. 51, gegr. 1892. 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Weiter erklärte sich die Verfamlung einverstanden mit dem Bau einer Gemeinde- Doppelschus in der Wiebestraße und mit den vom Magistrat beantragten Aenderungen der Sparkassensazungen. An Stelle des Stadtrats Brof. Dr. Jastrow, der sein Mandat niedergelegt hat, wurde der frühere Direktor der Berliner Elektrizitätswerke Leopold Aschenheim mit 40 Stimmen zum unbesoldeten Magistratsmitglied gewählt. Hierauf sette die Versammlung die Etatsberatung fort. Die Sonderetats für das Elektrizitätswerk und für die Gasanstalten wurden debattelos genehmigt. Beim Sonderetat für die Deüllbeseitigung wurde eine Aenderung des Ortsstatuts nach der Richtung hin angeregt, daß die Gebühren nicht mehr lediglich nach dem Nuhungswert der Grundstüde bemessen werden. Diese sehr wichtige Frage fonnte beim Etat selbst nicht erledigt werden, sie wird voraussichtlich in einer der nächsten Sizungen von neuem angeschnitten. Beim Etat der allgemeinen Verwaltung sprach Genosse Klid den Wunsch aus, es möchte in Zukunft dem Etat ähnlich wie das in Berlin geschieht eine Aufstellung über die Neben einnahmen der städtischen Beamten beigegeben werden. Sowohl die Vertreter des Magistrats als auch die Bertreter der Mehrheitsparteien erflärten sich mit aller Entschiedenheit gegen diese Anregung. --0 Sehr lebhaft ging es schließlich noch bei der Beratung des Kapitels Steuern" zu. Der Etatsausschuß, unter dem Einfluß der Bausagrarier, hatte die vom Magistrat beantragte Erhöhung der Grundsteuer gestrichen und dafür lieber die Gewerbetreibenden mit einer höheren Steuer bedacht. Der Vertreter unserer Fraktion, Genosse irsch, hielt im Plenum mit den Hausagrariern gründe liche Abrechnung, er wies nady, wie unberechtigt das Geschrei über die angeblich zu hohe Belastung des Grundbefizes in Charlottenburg ist und verlangte die Wiederherstellung der Magistratsbor lage. Mit dieser Forderung drangen unsere Genossen freilich nicht durch, aber auch die Hausagrarier erreichten ihr Ziel nicht, denn es wurde ein von liberaler Seite gestellter Vermittelungsantrag angenommen, der von einer Erhöhung der Gewerbesteuer abfieht und die Grund- und Gebäudesteuer um die Hälfte des Betrages erhöht, den der Magiftrat beantragt hatte. Hiermit hatten die Etatsberatungen ihr Ende erreicht. Es ist möglich gewesen, den Etat mit 100 Broz. Einkommensteuer zu balanzieren, aber der Ausgleichsfonds, der für schlechte Etatsjahre angesammelt ist, dürfte so gut wie aufgebraucht sein. Hoffentlich wird die jetzt endlich beschlossene Wertzuwachssteuer die erwarteten Einnahmen bringen und die Finanzlage Charlottenburgs wieder günstiger gestalten. Wilmersdorf. 24. März 1910. rinnen beschäftigt und gegen den Leiter der Armenverwaltung, Imann bezüglich der Gemeindearbeiter ein. Er fragte an, ob es Stadtrat Samter, den Vorwurf erhebt, er lege sich deshalb so sehr denn nötig sei, daß die Gemeinde zirka 47 Arbeiter und Feuerfür besoldete Waisenpflegerinnen ins Zeug, um eine Verwandte in wehrleute beschäftige. Nach seiner Meinung sollte man die alten die Stellung hineinzubringen. Die Nachricht ist, wie der Ober- Leute, die Armenunterstüßung bezögen, als Gemeindearbeiter bürgermeister erklärte, völlig unwahr. Die Vertreter der Libe- einstellen. Damit würde man sie als Arme los, sie kosteten als ralen und der Unpolitischen beeilten sich, sofort dem Stadtrat Arbeitskräfte nicht soviel und die Gemeinde erspare auch noch die Samter in aller Form eine Ehrenerklärung zu geben. Unsere Armenunterstützung! Es ist bedauerlich, daß kein GemeindeverFraktion hatte hierzu keine Veranlassung. Nicht etwa, als ob die treter diese menschenfreundliche Ansicht des Herrn Kollegen beSozialdemokraten auch nur einen Augenblick die Angriffe des er- tämpfte und noch bedauerlicher ist es, daß kein Vertreter der Arwähnten Artikels für begründet halten, im Gegenteil, auch sie sind beiterklasse auf dem Rathause sich befindet, der in der Lage gedavon überzeugt, daß hier ein niederträchtiger Angriff auf den wesen wäre, diesen Volksfreund" auf den er sich so gerne Stadtrat Samter vorliegt, aber sie halten es nicht für nötig, das hinausspielt. festzunageln. Beim Titel Armenverwaltung" besonders zu betonen um so weniger, da es ein offenes Ge- rügte Gemeindevertreter Souchau die seltene Einberufung der heimnis ist, von wem jener Artikel in die Zeitung lanziert ist. Armenkommission zu den Sizungen. So hätten im letzten Jahre Der Artikelschreiber dürfte den Stellen, die dem Stadtrat ein Ver- nur vier Kommissionsfizungen stattgefunden. Dadurch komme es, trauensvotum erteilt haben, nicht allzu fern stehen. Wozu also daß die Armenpfleger sich kaum dem Namen nach kennen. Gine dies Komödiespielen? öftere Zuſammenkunft sei aber nötig. Die Kosten der Armenverwaltung stiegen ständig, so allein von 1906 bis 1908 um 25 Proz. Es sei notwendig, daß die Kommissionsmitglieder die Folgen ihrer Bewilligungsfreudigkeit fennen lernen würden. Schöffe Dr. Domino bemerfie, daß bei öfteren Sizungen der Besuch seitens der Kommissionsmit glieder sehr schwach sei und sie ihren Zwed nicht erfüllten. Im übrigen sei es klar, daß mit der Zunahme der Bevölkerung audy die Armenlasten wüchsen, die zu 50 Proz. auf zugezogene ent fielen. Gie sehr großer Teil der Armen gehörten früher gut bürgerlichen Kreisen an, die in ihren Verhältnissen zurüdgekommen feien. Die Anregung des Gemeindevertreters Engelmann, diese Leute als Gemeindearbeiter zu beschäftigen, sei undurchführbar, da sie förperlich ganz hinfällig und arbeitsunfähig seien. Der Betrag für die Ferienkolonie wurde Zum Etat der Gemeindeschulen beantragte Stadtvon 800 auf 1500 M. erhöht. Ein Antrag des Gemeindevertreters berordneter Dr. Piepmann( natl.), die Ausgaben für die Jäger auf Erhöhung der Gemeindeeinkommensteuer um 5 Proz Städtische Schulzahnpflege um 3000. zu verringern. Genosse wurde gegen zwei Stimmen abgelehnt, desgleichen ein solcher auf Sr. Borchardt wies darauf hin, daß seine Freunde nach wie Erhöhung der Hundesteuer. Nach einigen weiteren nebensächlichen oor die Gewährung unentgeltlicher Lernmittel an die Schultinder Erörterungen wurde der gesamte Etat angenommen. Am Schluß verlangen; wenn sie in diesem Jahre von der Stellung eines beder Sigung brachte Gemeindevertreter Rade eine Resolution sonderen Antrages abgesehen hätten, so dürfe man daraus nicht dahingehend ein, daß in allen Verwaltungszweigen möglichst sparben Schluß ziehen, als ob sie sich davon überzeugt hätten, daß der fam gewirtschaftet werden solle, daß insbesondere durch eine ander von ihnen gewiesene Weg ungangbar sei, sie ständen nach wie vor weitige Organisation in der Verwaltung eine Beschränkung der auf ihrem grundsäßlichen Standpunkt. Auf den Antrag Liepmann Zahl der Gemeindebeamten und eine Vereinfachung der dienstlichen wolle er nicht eingehen, er hoffe, daß dieser Antrag gegen die Zu einem Streit der Berichterstatter" ist es am Dienstag Geschäfte anzustreben sei. Diefe Resolution wurde angenommen Stimmen des Antragstellers und seiner beiden Fraktionsfreunde während der außerordentlichen Tagung der Stadtverord- und dem Gemeindevorstand überwiesen. abgelehnt werde. Auch Genosse Bogel rechnete gründlich mit neten- Bersammlung gekommen. Wir hatten schon früher dem Stadtverordneten Liepmann ab, dessen reaktionäre Anfichten über die Rücksichtslosigkeit berichtet, mit der das Wilmersdorfer Treptow- Baumschulenweg. schon vor 6, 7 Jahren erfolgreich in der Charlottenburger Stadt- Stadtparlament die Presse behandelt. In anderen Berliner Vor- Der Haushaltsetat für 1910 schließt ab mit 2 355 445 M. und berordnetenversammlung bekämpft seien. Die Zahnklinik sei ein- orten hört man, daß die Presse Entgegenkommen findet. Anders in übersteigt den vorjährigen mit 436 445 M. Die allgemeine Vergerichtet, und hoffentlich werde sie noch vergrößert werden. Mit Wilmersdorf. Zwar ist die Stadtverordneten- Versammlung in Er- waltung erfordert einen Zuschuß von 214 497 M. Das ist gegen der Bewilligung von Lernmitteln werde es genau so gehen wie mit mangelung eines eigenen Sigungssaales auf die Gastfreundschaft das Vorjahr ein Mehr von 33 931 M., welches durch die Aufallen anderen sozialdemokratischen Anregungen. Auch die Wert des Direktors der höheren Töchterschule angewiesen und hat hier befferung der Gehälter und durch Vermehrung der Beamtenstellen zuwachssteuer habe man ja alljährlich abgelehnt, und jetzt sei man selber nicht viel Bequemlichkeiten, ja felbst keine bibliothetarischen verursacht wurde. Die Kapital- und Schuldenverwaltung erfordert doch dazu übergegangen. Zum mindesten wünscht Redner, es würde oder sonstigen Hilfsmittel zur Hand. Wohl aber ist die Arbeits einen Zuschuß von 235 781 M.; gegen das Vorjahr ein Mehr von einmal ein Anfang gemacht und für die unterften Klassen die methode der Stadtverordneten- Bersammlung von solcher un- 67 000 M. Das Schulwesen erfordert für die Gemeindeschulen einen Lernmittel unentgeltlich geliefert werden. derlichkeit, daß nicht nur den Pressevertretern, sondern auch dem Zuschuß von 207 518 W., für die gewerbliche PflichtfortbildungsZum Etat des Straßenbaues beantragten unsere Genossen die Publikum im Allgemeinen die passive Teilnahme an den Verhand- fchule 3570 M., für das Realgymnafium 7880 W., für die Vorschule Regulierung der Straße 45 am Nonnendamm. Der Antrag wurde lungen arg verleidet wird. Wie schon mehrfach, fo ging es 250 M. und für die höhere Mädchenschule 3600 M., zusammen von dem Genoffen wilt begründet, der in längerer Rede auf die auch am Dienstag wieder. Es stand eine Magistratsvorlage über 222 318 M., das ist gegen das Vorjahr ein Mehr von 42 552 M. Vernachlässigung des Stadtteils jenseits der Spree und die dortigen Schaffung einer Wertzuwachssteuerordnung zur Ver- Für das Armenwefen find 19 000 M. in Ausgabe gestellt, gegen das ungenügenden Berkehrszustände hinwies. Jm einzelnen verlangte handlung. Der Stadttämmerer empfiehlt die Vorlage und mun- Vorjahr ein Mehr von 5200 M. Die Brauchwasserkanalisation weist er den baldigen Bau der Brücke im Zuge der Pastalstraße, da jett felt geheimnisvoll von Informationen, die Vertreter der Reichs- eine Einnahme und Ausgabe von 109 850 M. auf. Das find 11 750 Schultinder, die die Schule in der Hallerstraße besuchen, einen behörden den Vertretern der Stadt erteilt hätten. Das seien aber m. mehr als im Vorjahre. In der Einnahme find die Kanalisations großen Umweg machen müssen. Der Stadtfynditus Dr. Maier fetrete Angelegenheiten, deren Erörterung in Anwesenheit des gebühren von 8 Proz. auf 21% Proz. herabgefezt worden. An Ges erwiderte, daß die Straße 45 erst dann reguliert werden fönne, Bublifums nicht angängig wären. Man beschließt den Ausschluß meindesteuern werden wie bisher 100 Proz. der Staatssteuern ers wenn die Anlieger sich bereit erklären, die Mittel dafür aufzu- der Oeffentlichkeit, und Zuhörer wie Pressevertreter haben das Ver- hoben, fie figurieren mit 380 000 m. Das ist gegen das Vorein Mehr bon 45 000 m. Die Gewerbesteuer bebringen. Die Verhandlungen mit den Anliegern feien eingeleitet, gnügen, einstweilen auf einem zugigen Korridor, wo weder Sitzfahr bon ergibt die Summe man tönne aber noch nicht wissen, welches Ergebnis fie zeitigen gelegenheit noch sonst irgend eine Annehmlichkeit vorhanden ist, sich trägt 150 Broz. und 81 000. würden. Genoffe Wilt entgegnete hierauf, daß die Antwort des die Zeit zu vertreiben. Am 3. März dauerte eine solche Kunstpause Die Grundwertsteuer wird erhoben bom bebauten Grundbefit mit Magistratsvertreters eine Verschleppung bedeute. Der Magistrat drittehalb Stunden. Daß die Geduldsprobe vorgestern nicht fo 2,20 m. und vom unbebauten Grundbesig mit 4,40 m. vom Tausend. habe der Firma Siemens u. Halste, die hier in erster Linie in lange Zeit in Anspruch nahm, ist gleichgültig, wo es fich grund- Der Wert der bebauten Grundstücke beträgt 79 Millionen und der Frage tomme, stets Schwierigkeiten bereitet. Als die Firma fich in fäßlich um die Frage handelt, ob man der Oeffentlichkeit über der unbebauten 48 Millionen, es ergibt sich demnach eine Steuer An indirekten Steuern werden erhoben: Charlottenburg niederlassen wollte, habe ein Stadtrat fogar gefagt: haupt eine derartige Rücksichtslosigkeit bieten fumme von 385 000 m. Wir werden die Industrie in Charlottenburg ausräuchern." Die darf. Gerade am Dienstag, wo man vorher wußte, wie gehandelt Hundesteuer( pro Hund 20 M.) 12 000 m. Luftbarkeitssteuer Entwickelung des Stadtteils jenseits der Spree werde systematisch werden sollte, war für die Stadtverordneten- Bersammlung nicht 18 500 m. Umfagiteuer 70 000 m. Wertzuwachssteuer 50 000 Mt. gehindert. Wollen Sie aus Charlottenburg vielleicht eine Agrarier: das geringste im Wege, vor der öffentlichen Beratung die an- und Biersteuer 22 500 m. Die Gesamteinnahmen betragen in der stadt machen, wollen Sie nichts weiter hier haben als Kohlrüben- scheinend übrigens feineswegs belangreichen Regierungsinforma- ordentlichen Verwaltung 1 290 445 M., und in der außerordentlichen bauern?( Heiterkeit.) An diese Ausführungen unseres Genossen tionen mit aller gebührenden Andacht in geheimer Sizung ent- 1 065 000 M. Die Gesamtausgaben betragen in der ordentlichen knüpfte sich eine längere Auseinandersehung zwischen ihm und gegenzunehmen. Wo dies fich ohne Mühe ermöglichen ließ, er Verwaltung 1 282 145 M. und in der außerordentlichen 1073 330 M. dem Vertreter des Magistrats; im Verlaufe derselben erklärte der schien der Beschluß der Pressevertreter nunmehr überhaupt nicht Nowawes. Magistratsvertreter, die Firma Siemens u. Halste habe niemals weiter über den Fortgang der Verhandlungen zu berichten, durch einen Antrag gestellt, der darauf hinausgehe, daß sie sich in Chare aus angebracht. Die gewünschte Wirkung hat dieser Beschluß aller- Der Kommunalzuschlag zur Staatseinkommensteuer ist auch in Lottenburg ansiedeln wolle. Allerdings seien derartige Gerüchte dings nicht gehabt. Während einige Berliner Zeitungen gestern diesem Jahre auf 150 Broz. einschließlich Kreissteuer von der Ge berbreitet, aber sie seien vollkommen baltlos. Der Magistrat mache einer Erklärung der Berichterstatter Raum gaben, teilten andere meindevertretung festgesezt worden. Von diesem Sage werden auch den Siemenswerten nicht die geringsten Schwierigkeiten. Von der das Ergebnis der Verhandlungen mit. Danach ist in namentlicher die fingierten Einkommensteuersäße von 4 M. und 2,40 M. betroffen. von dem Stadtverordneten Wilt geführten Aeußerung bezüglich des Abstimmung mit 18 gegen 16 Stimmen die der Berliner Steuer. Der Ertrag der Einkommensteuer ist mit 250 000 m. im Etat an Ausräucherns der Industrie sei dem Magistrat nichts bekannt. Daß ordnung nachgebildete Magistratsvorlage angenommen gefeßt. An Gemeindegrundsteuer einschließlich Kreissteuer kommen der Magistrat nicht auf einem solchen Standpunkt stehe, beweise worden. Allerdings mit dem einschränkenden Zusaß, daß die 3,5% des gemeinen Wertes der bebauten Grundstüde und übrigens schon der Bebauungsplan für den Nordwesten, wo neben Umsatzsteuer auf die Wertzuwachssteuer angerechnet werden soll. 5,8% des gemeinen Wertes der unbebauten Grundstücke zur Ereinem Quartier, in welchem der Bau von Fabriten verboten ist, Wie man im Wilmersdorfer Stadtparlament die Presse ein hebung; diese Steuer soll eine Einnahme von 225 000 m. liefern. ein anderes ausdrücklich für Fabriten vorbehaltenes Quartier schäßt, zeigt noch der folgende Vorgang, über den wir von einem Die Gewerbesteuer I. und II. Klaffe ist auf 225 Broz, diejenige vorgesehen sei. Der Magistrat denke gar nicht daran, die Industrie Zuhörer Mitteilung erhalten haben. In der Erörterung über die III. und IV. Alaffe auf 175 Broz. einschließlich Kreissteuer festaus Charlottenburg zu vertreiben. Hiermit schloß die Debatte, Wilmersdorfer Steuerpolitik gebrauchte ein Redner das Wort, daß gesetzt worden; hier rechnet die Gemeindeverwaltung mit einem der sozialdemokratische Antrag wurde abgelehnt. die Zeitungsberichterstatter anscheinend die Verhande Ertrag von 29 700 M. Die Betriebssteure, die 50 Proz. einschließ Zu dem Kapitel Verschiedene Einnahmen und Ausgaben" lungen zu langweilig gefunden hätten und aus diesem Grunde lich Kreissteuer beträgt, ist mit einem Soll von 1200 M. im Gtat schlug der Etatsausschuß die Annahme einer Resolution vor, die der Sißung ferngeblieben seien. Wo nun dieser Zufall eingetreten verzeichnet, die Einnahme aus der Hundesteuer ist mit 5000 M., der den Magistrat ersucht, dahin zu wirken, daß im Bezirke Ließensee und eine Veröffentlichung nicht zu befürchten wäre, fönne man sich Grtrag der Luftbarkeitssteuer mit 3000 m. in den Etat eingefeßt. ein neues Polizeirevier errichtet wird. Außerdem finden einmal ohne Zwang über die finanzielle Frage der Stadt( Die Steuer für jeden Hund beträgt 12 M. pro Jahr.) An Umfabfich in diesem Etat 1000 M. zur Unterstützung der Witwen äußern. Der Mann, der sich, sei es immerhin mit einem Anflug steuer werden erhoben: 1 Proz. des Kaufpreises für bebaute und und Waisentasse der Schußmannschaft eingestellt. von Ironie, derart ausdrückte, war nicht etwa irgend ein dem poli 1½ Proz. für unbebaute Grundstücke; das Einnahmesoll für diese Genosse 8iets ch betonte, daß ja bei jeder Etatsberatung der Ruf tischen Leben fernstehender Grundstücksspekulant, sondern der Stadt. Steuer beträgt 35 000 M., während der Ertrag der Wertzuwachsnach mehr Polizei erschalle. Dieser Ruf werde begründet mit der verordnetenvorsteher Prof. Dr. Leidig in eigener Person, also ein steuer auf 30 000 m. veranschlagt ist und ie Biersteuer 13 000 m. Unsicherheit in den Straßen. Tatsächlich bestehe eine solche Un- Herr, der selber publizistisch tätig ist. Man ist in Wilmersdorf Einnahme liefern foll. Die Einnahme an dierekten Steuern ist ficherheit sogar in den belebtesten Vierteln, aber das liege nicht eben gut fonservativ und hält es mit dem ursprünglich in der preu- im Stat mit 505 900, an indirekten Steuern mit 86 000 m. verbaran, daß es zu wenig Polizisten gibt, im Gegenteil, es gäbe Bischen Städteordnung aufgestellten Grundsaß, daß die Verhand zeichnet, was eine Gesamtsumme von 591.900 M. ergibt. Von diesem viel zu viel. Man brauche fich nur zu erinnern, wieviel Mann- lungen der Stadtverordneten Versammlung die Deffentlichkeit Betrage sind an die Kreiskaffe Teltolp 86 629 M. Kreissteuer zu fchaften zur Ueberwachung politischer Versammlungen verwendet überhaupt nichts angehen. Daß diese Bestimmung der Städte- leiffen, so daß nach Abzug einiger anderer Verwaltungsausgaben werden. Bei den Demonstrationszügen habe man esft gesehen, ordnung sei etwa fieben Jahrzehnten beseitigt ist, tut nichts. Etwa für die Gemeinde ein Steuerüberschuß von 504 100 m. verbleibt. wieviel Schuhleute eigentlich in Charlottenburg vorhanden sind. ebenso lange ist nämlich auch die Stadtverordneten- Versammlung Am 6. März seien fogar 200 Schuhleute von Charlottenburg nach hinter ihrer Zeit zurüd. Treptow geschickt, und im Tiergarten hätten sie dann gefehlt. euerteit.) Dazu komme, daß die Polizei mit zahlreichen Ar- Groß- Lichterfelde. " B $ Eingegangene Druckschriften. „ Der Arbeitsmarkt." Nr. 6. Monatsschrift der Zentralstelle für Arbeitsmarktberichte. Herausgeber Prof. Dr. J. Jastrow. Verlag G. Reimer, Berlin. Das System des Marrismus. Von Dr. B. Charafoff. 347 Seiten. . Bondy, Berlin. Organisierung der Schulleitung anf Grundlage der Selbst. beiten überlastet sei, die gar nicht zu den Aufgaben einer Sicher- Am Montag begann die Gemeindevertretung mit der zweiten heitspolizei gehören. Für das Geld, das die Stadt bezahlt, könnte Lesung des Gemeindeetats 1910, die in ein paar Stunden beendigt fie wohl eine beffere Organisation der Schußmannschaft verlangen. war. Gemeindevertreter K. Lehmann bemängelte die Heran Einspruch erhebe er auch gegen die beantragte Unterstützung anziehung von 81 000 M. aus dem Steuerausgleichsfonds zur Balandie Witwen- und Waisentasse der Schußmannschaft, denn die Sorge zierung des Etats. Beim Titel„ Beamtengehälter" wünschte er die verwaltung. Von Dr. J. Nüchter. 2 M. F. Seybold, Ansbach. für die Witwen und Waisen der Beamten müsse Sache der Regie- Gleichstellung der beiden Steuerrendanten mit dem Bureaudirektor, Der entfesselte Nieje. Roman von R. Saudet. 3 M., geb. 4 M.rung und nicht Sache der Stadt sein. Er bitte, nicht zu glauben, da deren Arbeitsleistung mindestens dieselbe sei. Auch die Steuer- Schuster u. Löffler, Berlin. daß er sich bei seinen Ausführungen etwa bon politischen Gehässig erheber feien benachteiligt, da ihnen jest die Dienstaufwandsent- Universal- Bibliothek Nr. 5175. Francesca. Dper von H. Goek. teiten leiten lasse. Im Gegenteil, die Polizei habe ja nur für die schädigung von 400 M. nicht als pensionsfähig angerechnet werde. 5176. Vom Juristentage. Posse von A. Langer und D. Kalisch. Sozialdemokraten gearbeitet. Für die Witwen der Schuhleute zu Schöffe ange spricht sich gegen diese Alenderungen aus, die 5173. fo ich Dir!" Schauspiel von P. Lindau. Einzelnummer sorgen, könne unmöglich Aufgabe der Bürgerschaft sein, die von der wiederum zu einer neuen Besoldungsordnung führen müßten. Der 20 3. Ph. Reclam, Leipzig. Polizei niedergeritten und niedergeknüppelt wird. 11. Jahresbericht 1909 des Kartells europäischer Nad-, Motorfahrer. Antrag wurde abgelehnt. Derselbe Gemeindevertreter gab seiner Nach einer kurzen Erwiderung des Oberbürgermeisters Verwunderung Ausdruck, daß im Kassenbuch eine Reihe Ausgabe- und Automobilistenverbände in München. 52 Seiten. Soldaten sein schön. Roman aus dem Kasernenleben von Theodor Schuste hrus, der sich auf die Erklärung beschränkte, daß die poften als Entschädigung für geleistete Ueberstunden der Beamten Fischer. 1 M. Leipziger Buchdruckerei A- G., Leipzig. Verwaltung der Polizei nicht Sache des Magistrats sei, und im Steueramt enthalten seien. Handele es sich um dauernde Die Legionäre. Drama von A. Noffig. 2 M., geb. 3 M. Verlag dringend um die Bewilligung der 1000 M. als Anerkennung für Mehrarbeit, so müsse man eben neue Beamte einstellen. Schöffe Kühling u. Güttner, Berlin. das Verhalten bat, das die Polizisten seit Jahrzehnten der Bürger- ange erwiderte, daß diese Mehrarbeit nur zeitweise, z. B. ge- Die S. Fischers Berlag, Berlin. Sträfte deshalb unzweckmäßig sei. Ein Antrag Jäger, die EinDer Existenzkampf. Soziale Bilder aus der Gegenwart von S. Bloch. 125 Seiten. Turnus Berlag, Zürich, Bolleystr. 34. führung einer befferen Baukontrolle in Erwägung zu ziehen, wurde Die heilige Einfalt. Novellen von C. Biebig. 3 M. Verlag von Engelmann( Vertreter der Handwerker) bekämpft, von E. Fleischel u. Co., Berlin W. 9. der Gemeindevertretung aber angenommen. Einen geradezu Der häusliche Ratgeber. Von F. und W. Moser. 2,50 M. wunderbaren Standpunkt nahm der Gemeindevertreter Engel. R. Defler, Berlin SW. 61. schaft gegenüber an den Tag gelegt haben, gelangten die Anträge legentlich der Steuerberanlagung notwendig, die Anstellung neuer geb. 4,50 97 Perrenhofallee. Roman von Gustaf af Geijerstam. 3,50 M., des Etatsausschusses gegen die Stimmen der Sozialdemokraten zur Annahme. Bei dem Abschnitt Säuglingsfürsorge" brachte Oberbürgermeister Schuste hrus den Artikel eines Berliner Blattes zur Sprache, der sich mit der Frage der besoldeten Waisenpflege Oel- Lackfarben fürubber, Daltons up. Petersburger Drogerie, Petersburger Straße 69. Parfümerien, Seifen, Toiletteartikel. Neu erschienen: Aus meinem Leben. Bon August Bebel. I. Teil. brosch. 1,50 M., geb. 2 M. Der deutsche Arbeiter und der Nationalismus. Bon Dr. Karl Renner. Preis 60 Pf. Zum Gedächtnis bes Kommunistischen Manifestes. Bon Antonio Labriola. Eingeleitet und übersetzt von Franz Mehring. Mit einem Bildnis des Verfassers. Preis 1 M. Sozialistische Bewegungen und Syfteme bis zum Jahre 1848. 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