Ar. 71. Udonnemenk-keckingimsen: Nbonnkmcnts. Preis prünimicrando i iSierteljührl. 3Z0 Mi, monatl, 1,10 Mi,. wöchcnllich 28 Pfg, frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg, Sonniags» Nummer mit ülulirierter Sonntags« Beilage.Die Zleue Welt" 10 Pfg. Post« Monnement: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die P»fl-Zeitungs- Prclslislc. Unter Kreuzband für Teutschland und Oesterreich. Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland S Marl pro Atonal. PostabonnenientS nehmen an: Belgien. Däneuiari, Holland, Italien, Luxemburg, Portugal, Rumänien. Schweden und die Schweiz. S7. Jahrg. CridKlnt tZzlich aiißcr montags. nr ♦ Verlmev Volksblatk. vle Insertion;-Lebilhi' belrägt für die sechsgespaltene Koloiter- zeile oder deren Raum ö0 Pfg, sä« politische und gewcrlschastllchc Vereins- und Bersammlungs-Zlnzeigen»0 Pfg. „irteln« ZZnreigen", das erste(sctt- gedruckte) Wort 20 Pfg,, jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlaf« stellen-Anzcigcn das erste Wort 10 Pfg,, jedes weitere Wort 5 Pfg, Worte übe« Ib Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition tjt bis 7 Uhr abends geöffnet, Telegramm.Adresse: „Soiialli-nioiirat Rcrlla*. Zentralorgan der fozialdemokratifcben parte» Devitfcblande. Rectal»» ton: 8Al. 68» Ltndcnatrasse 69. Fernsprechcri Amt IV, Nr. IS83. Freitag, den 25. März 19 10. Expedition: SM. 68, Lindenatraesc 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. Ii)84. Släevburg uns seine srZsiäevtev. Zweimal schon hat es jetzt im Reichstag Skandalszenen gegeben, die hervorgerufen wurden durch den junkerlichen Uebermut des Abgeordneten für Elbing. Sie erhielten aber erst dadurch den Charakter parlamentarischer Krisen, daß Herrn von Oldenburgs unqualifizierbares Verhalten Deckung fand bei den amtierenden Präsidenten. So war es, als der Vizepräsident Erbprinz von Hohenlohe in der januschauer- lichen Spielerei mit dem Staatsstreich nur ein Beispiel für angewandte Disziplin entdeckt zu haben behauptete; so war es am 17. März, als der Vizepräsident Dr. Spahn erst durch eine dringende Ermahnung von verschiedenen Seiten dazu gebracht wurde, Herrn v. Olden- bürg einen Ordnungsruf zu erteilen, weil er gegen drei andere Abgeordnete die Beschimpfung ausgestoßen hatte, sie hätten „in persönlichen Sachen überhaupt keinen Ehrenstandvunkt". So war es aber.auch in der Schlußszene der nämlichen Sitzung, als der Präsident Graf S ch iv e r i n behauptete, in der Bemerkung des Herrn v. Oldenburg, daß er„selbst- verständlich den Herren Abgg. Müller und Haußmann jederzeit zur Verfügung st ehe", könne er eine Heraus- forderung nicht erblicken. Rur wenn man die Doppel- natur jener Vorgänge, die Exzesse des Herrn v. Oldenburg und deren Deckung durch die schwächliche Nachgiebigkeit der Präsidenten ins Auge faßt, kann man sie richtig würdigen, kann man insbesondere das Eingreifen der Sozialdemokratie verstehen. Dem RcichstagSpräsidenten stehen in Ausübung feines Amtes den Abgeordneten gegenüber zwei disziplinarische Mittel zu Gebote: Er kann den Redner zur Sache rufen, wenn er sich nicht an das Thema hält, und er kann ihn zur Ordnung rufen, wenn er im Ausdruck die Grenzen parlamen- tarischer Sitte überschreitet. Nach dreimaligem Ordnungsruf kann der Präsident dann das Haus befragen, ob dem Redner das Wort entzogen werden soll. Außerdem hat der Präsident noch die Möglichkeit, einen Abgeordneten bei beharrlicher Nicht- befolgung seiner Anoidnungen aus dem Saale zu verweisen. Was nun den Ordnungsruf anbetrifft, so könnten wir Sozialdemokraten damit einverstanden sein, wenn diese Ein- richtung überhaupt abgeschafft würde. Mögen die Angriffe auf uns noch so gehässig ausfallen.— wir würden uns unserer Haut zu wehren wissen. Schließlich würde auch alle Welt sich gewöhnen, Angriffe nur nach ihrer inneren sachlichen Berechtigung, nach der Beweiskraft der Gründe zu werten, mit dem sie gestützt werden, nicht nach dem Ausdruck. Wie jetzt die Ordnungsrufe gehandhabt werden, dienen sie in vielen Fällen dazu, der Opposition die Kritik zu erschweren. Da es ganz dem diskretionären Ermessen des Präsidenten überlassen ist, wann er einen Ordnungsruf erteilen will, artet die Handhabung dieses Rechts zu einer ganz unerträglichen Einengung der Redefreiheit aus. Das einzige Schutzmittel gegen den Ordnungsruf, der Appell an das Haus, kann nur in höchst seltenen Fällen überhaupt angewandt werden und versagt dann obendrein fast stets, da die Mehrheit den von ihr eingesetzten Präsidenten zu sä, ätzen sucht, selbst wenn er sich'in einem Ordnungsruf vergriffen hat. Als Oppositionspartei, der an möglichster Ausnutzung der Redefreiheit gelegen ist, hätten wir also ein Interesse daran, daß mit der Einrichtung des Ordnungsrufes sobald wie möglich reiner Tisch gemacht wird. So lange der Ordnungsruf jedoch einen Bestandteil des parlamentarischen Mechanismus bildet, liegt es im Interesse der parlamentarischen Redefreiheit, daß er möglichst ob- jektiv und möglichst unparteiisch angewandt wird. Um eine solche objektive und unparteiische Handhabung der Disziplinarbefugnisse des Präsidiums zu erreichen, ist es aber erforderlich, daß wir den Kampf gegen präsidiale Ent- gleisungen aufnehmen. Jedes Recht muß im Kampf erobert und im Kampf verteidigt werden. Wer sich mit quietistischem Achselzucken widerrechtliche Behandlung gefallen läßt, ermutigt den Rechtsbrecher nur zu weiteren Uebergriffen. Den Kampf zur Sicherung der Redefreiheit haben wir aber nicht nur dadurch zu führen, daß wir gegen Ordnungs- rufe, die uns zu Unrecht erteilt werde», aufbegehren, sondern auch dadurch, daß wir es nicht stillschweigend hinnehmen, wenn Parteifreunde des amtierenden Präsidenten bei grob- lichen Exzessen unbehelligt gelassen werden. Man kann natür- lich nicht stets, wenn ein Präsident von der Linie strenger Unparteilichkeit abweicht, dagegen remonstrieren: man muß sich besonders eklatante Fälle aussuchen. Man muß aber so- wohl gegen Unterlassungen wie gegen Uebergriffe in der Handhabung der Präsidialgewalt Verwahrung in geeigneter Form einlegen. Erst durch die Kontrastwirkung, die durch einen solchen Kampf nach zwei Seiten erreicht wird, macht man es jedermann erkenntlich, wie weit entfernt die Hand- habung der Präsidialbefugnisse im Reichstag von dem Ideal unparteilicher Gerechtigkeit ist. Aus diesem Grunde haben wiederholt Sozialdemokraten im Reichstag ungerecht- fertigte Versuche, sie in der Redefreiheit zu beschränken, mit Erfolg zurückgewiesen. Aus diesem Grunde habe�ich selbst auch zweimal den Ordnungsruf gegen Herrn v. Oldenburg verlangt, einmal als er den Reichstag mit der Drohung verhöhnte, der Käiser müsse ihn jederzeit mit einem Leutnant und zehn Mann auseinanderjagen können, ein zweites Mal, als der nämliche Herr dreien seiner Kollegen den„Ehren- standpunkt" abgesprochen hatte. l Sicher kann Herr v. Oldenburg einen Sozialdemokraten I weder verletzen noch beleidigen. Hätte man es nur mit seinen brutalen Prahlhansereien außerhalb desReichstags tu tun, so würde eine scharfe Abfertigung genügen. Auch bieten sie uns obendrein erwünschten Stoff zur humoristischen Kennzeichnung junkerlicher Unkultur überhaupt. Daß irgend jemand einen anderen an seiner Etyre schädigen könnte, ist ' überhaupt eine irrige Anschauung, dae dein durch und durch falschen Ehrbegriff der feudalen Gesellschaft entstammt und die von der kapitalistischen Gesellschaft übernommen ist. Auf diesem falschen Ehrbegriff beruht der gräuliche Unfug gleich- zeitig der Beleidigungsprozesse und der Duelle. Nach unserer Auffassung steht die Ehre eines Menschen ausschließlich in seiner eigenen Hand. Nur was er selbst tut, kann seine eigene Ehre beeinträchtigen, nicht was andere Leute tun oder sagen. So können wir die Menschen auch nicht in zwei Klassen teilen, in die eine, die uns beleidigen kann, in die andere, die uns nicht beleidigen kann. Eine solche Einteilung geht unbewußt von überwundenen Vorurteilen der bürgerlichen Gesellschaft aus. Deshalb sind Oldenburgs Angriffe auf uns für unsere Ehre völlig belanglos, aber ebenso belanglos auch Angriffe irgend eines anderen noch so angesehenen Gegners. Um was es sich aber für uns ün Reichstag handelt, ist, daß vom Präsidenten alle Abgeordneten, also auch Oldenburg, bei der Handhabung der Disziplinarbefugnisse mit gleichem Maß gemessen werden. Daß das leider nicht geschieht, dafür liefern der Fall Oldenburg I sowie der Fall Oldenburg ll eklatante Beweise. Es ist doch wohl kein Zufall, daß gerade diesem brutalen Junker gegenüber die Präsidenten versagt haben. Herr Spahn hat sich immerhin noch durch gütliches Zureden zur Erfüllung seiner Pflicht bringen lassen. Der Erbprinz von Hohenlohe hat seine Passivität jedoch hinter einer kläglichen -Ausrede verschanzt, deren absolute UnHaltbarkeit ich nach- träglich im Reichstag mit hinreichender Deutlichkeit nach- gewiesen zu haben. glaube. Das Verhalten des Grafen Schwerin gegenüber Herrn v. Oldenburg ist wegen der Ver- taguug für die. Qsterferien im Reichstag aber noch nicht zum Austrag gebracht worden. Es handelt sich da um die in- direkte Herausforderung zum Duell, die Herr v. Oldenburg in jener letzten Reichstagsitzung sich erlaubt hat. Wie wenig der neue Präsident Graf Schwerin-Löwitz es versteht, mit gleichem Maß zu messen, dafür hat er in der nämlichen Sitzung schon einen, wenn auch nicht so krassen, so doch um so amüsanteren Belveis geliefert. Der Freiherr v. Gamp-Massaunen hatte bei Beginn der Sitzung eine gewisse Tätigkeit der Oberrechnungskammer als „Kinderei" bezeichnet. Es freute inich um so mehr, daß der Präsident diese ganz treffende Kennzeichnung ungerügt ließ, da ich nach unserer bisherigen Erfahrung leider an- nehinen mußte, daß einem Sozialdemokraten das nicht so ungerochen hingehen würde. Um also die Einbürgerung dieses Ausdrucks für unsere Verhandlungen zu sichern, sprach ich meine Genugtuung darüber aus, daß der Herr Präsident ihn anstandslos zugelassen habe. Graf Sck)wcrin-Löwitz erhob dagegen keinen Widerspruch. Er hatte also gehört, daß Herr v. Gamp das Wort auf die Tätigkeit eiuer hohen Reichs- behörde anwandte, ohne es zu rügen, und hatte damit dessen Gebrauch sanktioniert. Als aber später in der nämlichen Sitzung der fortschrittliche Abgeordnete Haußmann in Abwehr Oldenburgischer Angriffe das Wort„Kinderei" auf die januschauerliche Duellfexerei anwandte, erklärte der näm- liche Graf Schwerin:„Diesen Ausdruck kann ich nicht dulden, er widerspricht der Ordnung des Hause s." Nach Schwerinschem Rezept darf mau also einen Aus- druck gegen Herrn v. Oldenburg nicht anwenden, der zulässig ist gegenüber einer hohen Reichsbehörde, oder aber der Herr Präsident hat innerhalb weniger Stunden überhaupt seine Ansicht über den Begriff„Kinderei" völlig geivcchselt. Das erweckt trübe Aussichten für die Stetigkeit in der Handhabung seiner Präsidialbefugnisse. Doch die unterschiedlickte Behand- lung der Herren v. Gamp und Haußniann ist. von unwesent- licher Bedeutung iin Vergleich zu dem Verhalten des Präsi- deuten gegenüber Oldenburgs Duellfexerei. Man niuß sich vergegenwärtigen, daß die ganze un- würdige Januschauerei am 17. März damit ihren Anfang nahm, daß der Herr v. Oldenburg in Wegelagerermanier hörbar mit dem Revolver knackte, um eine Art Revokation des bayerischen Kriegsministcrs zu erpressen. Die Form, in der im Auftrage dieses Kriegsmaunes dessen Worte„Ge- schmacksverirrung und Entgleisung" durch den bayerischen General v. G e b s a t t e l als„nicht beleidigend" für Herrn ! v. Oldenburg ausgelegt wurden, erregte natürlich große ' Heiterkeit auf Kostein des Revolverknackers und zogen ihm einige humoristische Bemerkungen der Abgeordneten z M ii l l e r- Meiningen. Haußmann und N 0 s he zu. In einer späteren Polemik erklärte Herr v. Oldenburg seinerseits noch ausdrücklich: „Außerdem bemerke ich, daß der Abgeordnete Dr. Müller (Meiningen) gewußt hat, daß diese Sache die Beilegung eines Ehrenhandels war." Mit anderen Worten: Oldenburg hatte eine Duell- forderung losgelassen, sofern nicht der Kriegsminister eine den Oldenburg befriedigende Erklärung abgegeben hätte. Dieser e r st e n Hineintragung einer Duellsache in den Reichstag ließ Herr v. Oldeiwurg dann sofort eine zweite Anwendung der Duellsitten folgen, indem er in Anspielung auf die Kritik, die Müller, Haußmann und Noske seinem „Ehrenhandel" angedcihen ließen, ausrief, das könne ihn nur heiter stimmen, da diese drei Herren„in persönlichen Sachen einen Ehren st andpunkt überhaupt nicht haben". Das ist nach dem bekannten Sprachgebrauch der Duellfexe und besonders im Zusamenhang mit dem Vorauf» gegangenen gar nicht anders zu verstehen als: Die Herren haben keinen Ehrenstandpunkt, wc i l sie sich nicht duellieren. Schließlich kam es dann im Anschluß an die Desavouie- rung Oldenburgs durch die konservative Reichstagsfraktion zu der dritten und schlimmstein Anwendung der Duell- sitton, zu einer indirekten Herausforderung zum Duell. Zweien seiner Gegner, den Fortschrittlern Müller und Haußmann, erkannte im Laufe dieser Auseinandersetzungen der Herr v. Oldenburg plötzlich die Duellfähigkeit wieder zu. Den Sozialdemokraten Noske ließ er bezeichnenderweise dabei aus dem Spiele. Er rief jenen beiden bürgerlichen Poli- tikern zu: „Im übrigen erkläre ich, daß ich selbstverständlich den Herren Abgg. Müller und Haußmann jederzeit zur Ver, fügung stehe." Als der Abgeordnete Haußmann das als eine ganz un- zweideutige Herausforderung zum Duell scharf zurümvieS, erklärte der Präsident Graf S ch w er i n: „Ich bemerke zunächst, daß ich in den Ausführungen des Herrn Abg. v. Oldenburg eine Herausforderung nicht erblicke. Sonst würde ich diese Ausführungen entschieden ge- rügt haben." Es. ist kaum anzunehmen, daß außer dein Präsidenten noch irgend jemand im Reichstag oder außerhalb desselben nicht gemerkt hat, daß Herr v. Oldenburg mit jenen Worten sagen wollte, er stehe den beiden Herren jederzeit zu einem Duell zur Verfügung. Denn in seinem Munde konnten sie unter diesen Umständen nach Ossi» zierskomment gar nichts anderes bedeuten. Es ist ja sicher rührend, wenn ein Mann in dem vorgerückten Alter des Grafen Schwerin sich die kindliche Naivität so lange be- wahrt hat, daß er nicht merkt, wie es in der Welt zugeht. Wenn aber ein solcher Mann jahrelang als Kavallerieoffizier gedient hat, dann ließe sich seine Verständnislosigkeit nur so erklären wie die des„Barons" in Gorkis„Nachtasyl", der „keine Ahnung" mehr hat von den Dingen, die ihm passiert sind. Eine andere Erklärung für das Verhalten des Grafen Schwerin gibt es allerdings noch. Er könnte eine Heraus- forderung in jenen Worten deshalb nicht gefunden haben, weil sie den anderen Herren anheimgeben, ihrerseits die Forderung zum Duell an Herrn v. Oldenburg ergchen zu lassen. Aeußerungen konservativer Blätter deuten eine solche Auslegung an. Sollte Herr Graf Schwerin sie sich zu eigen machen, so wäre das jedenfalls eine wenig würdige Aus- flucht, dekln ob ich sage:„Ich fordere Dich zum Duell", oder: „Ich erwarte Deine Forderung zum Duell" kommt im Nutz- effekt ganz genau auf das nämliche hinaus. Wir haben es also bei diesem Vorkommnis wieder mit zwei Tatsachen zu tun: Erstens, daß nach allgemeiner Auf- fassung ein Abgeordneter in offener Reichstagssitzung eine zwar indirekte aber ganz unzweideutige Aufforderung zum Duell anderen Abgeordneten ins Gesicht geschleudert hat, und zweitens, daß der amtierende Präsident gegen eine solche Herabwürdigung des Reichstags nickst die ihm zustehenden Disziplinarbefugnisse augewandt hat. Meiner Ueberzeugung nach darf sich der Reichstag aber die Hineintragung von Duellsitten in seine Verhandlungen unmöglich gefallen lassen. Auch hiergegen muß energisch vor- gegangen werden, eingedenk des Wahrspruchs:„Im Kampf sollst Du Dein Recht finden I" G. Ledebour. Sei' Ashli'echtsliZwpf. Die richtige Antwort. Die Stadtverordnetenversammlung in So. l i n g e n beauftragte in ihrer Sitzung vom 22. Februar d. I., wie der„Vorwärts" in Nr. 47 berichtete, die städtische Verwal« t u n g, an das Abgeordnetenhaus eine Eingabe zu richten, in welcher um Ablehnung der Wahlrechts- Vorlage der Regierung und um Einführung eines Wahlrechts ohne K l a s s e 11 w a h l, aber mit geheimer Stimmabgabe bei gleichzeitiger Neueinteilung der Wahlkreise, die den Einfluß der Städte und der Industrie zu berücksichtigen hätte, ersucht wurde. Der Beschluß wurde beinahe einstimmig gefaßt. In der am Dienstag, den 22. März stattgefundenen Stadtverord- neten Sitzung teilte der Oberbürgermeister mit. daß er den Beschluß des Kollegiums vom 22. Februar nicht zur Aus. führung gebracht habe. Zur Begründung gab er an, daß ihn. der§ 34 der rheinischen Städteordnung daran hindere, wonach politische Angelegenheiten nicht vor die Gemeindevertretungen gehörten. Der Oberbürgermeister stellte die Frage, ob das Kol« legium gegen diesen Entscheid den Klageweg beschreiten wolle. Die Antragsteller antworteten, daß eine Klage wohl keinen Zweck habe und gaben folgende Erklärung ab: „Ter Entschluß der Verwaltung, den vom Kollegium nahezu einstimmig gefaßten Beschluß in der Frage der preußischen Wahlrechtsreform gu beanstanden und das Kollegium auf den aussichtslosen Weg einer Klage im Verwaltungsstreiwerfahren zu verweisen, ist auf das lebhafteste zu bedauern. Dieser Eni- fchlufe scheint allerdings stark unter dem Einfluß„gottgewollter Abhängigkeiten" zu stehen, unter denen unsere Selbstverwaltung sehr zu ihrem Schaden leidet. Die Antragsteller verzichten aber auf die ihnen zustehenden Rechtsmittel, weil sie 2. in dieser Frage von den zuständigen Körperschaften unter dem jetzigen Regiment in Preußen einodjektives Urteil nicht erwarten; 8. cS eine Verschwendung städtischer Mittel wäre, darum fruchtlose Prozesse mit der Regierung zu führen, und 8. weil, ungeachtet der Beanstandung, die Tatsache bestehen bleibt, daß das Solinger Stadtverordnetenkollegium iu seiner großen Mehrheit gegen die Wahlrechtsvorlage der Regierung und für das allgemeine, gleiche, geheime und direkte Wahl- recht votiert hat." Ein bürgerlicher Stadtverordneter trat diesen Ausführungen des Genossen Schaal vollkommen bei, ebenso der Erklärung. Den Oberbürgermeister schmerzte die Redewendung von den„gott» gewollten Abhängigkeiten", und so erklärte er, sich davon freizu» wissen, wobei er freilich nicht auf seine Stellungnahme in dieser Sache zum Beweis berufen konnte! Eine Wahlrechtskundgebung im Kreise Bonn-Land. Eine Demonstration gegen das Zentrum im allgemeinen und dem Abgeordneten des Kreises, Dr. Spahn, im besonderen fand am letzten Sonntag in Pützchen bei Bonn statt. Der sehr geräumige Saal war bis auf den letzten Platz besetzt. Mindestens 4Si) Per- sonen waren anwesend, trotz eindringlicher Warnung Vor dem Versammlungsbesuch von der Kanzel herab! Der Referent, Genosse Sollmer-Köln, der in l�stündiger Rede die Schandtaten des Zentrums geihelte, erntete stürmischen minutenlangen Beifall. Wie selbst ländliche Wähler in dieser Zentrumsdomäne gegen die Zentrumspartei aufgebracht sind, be» wiesen die stürmischen Zustimmungsrufe während des Vortrages, wenn der Redner die Schandtaten des Zentrums ins rechte Licht setzte, und der nicht endenwollende, immer wieder von neuem beginnende Beifall am Schlüsse des Vortrages. Die Protcstreso» lütion fand einstimmige Annahme. Mit sehr großer Befriedigung nahm man die einstimmige Annahme des zweiten Absatzes der Resolution auf, der sich gegen den Zentrumspräsidenten j)eS Ab- geordnetenhauseS im allgemeinen und gegen den Vizepräsidenten deS Reichstages, Dr. Spahn,„dem Abgeordneten des Kreises", im besonderen richtete, und folgenden Wortlaut hatte: „Hieran anschließend sprechen die Versammelten ihre Eni- rüstung über die schäbige Art aus. mit der die wahren Ver» teidigcr der Volksfreiheiten und Volksrechte namentlich durch den Zentrumspräsidenten im Abgeordnetenhause behandelt werden. Diese Art findet nur noch in der Art deS Benehmens des Reichs» tagSvizeprafidenten Dr. Spahn, der ebenfalls dem Zentrum entnommen ist, ihr Gegenstück. Beide sind einander würdig." Ein Hoch auf das allgemeine, gleiche, direkte und geheime Wahlrecht fand begeisterte Aufnahme. 20 Aufnahmen in die Or- ganisation, eine Reihe Abonnenten für die„Rheinische Zeitung" waren als Gewinn zu verzeichnen. Die Versammelten begaben sich hierauf nach Beuel vor die bürgermeisterliche Villa, um für das allgemeine, gleiche, direkte und geheime Wahlrecht zu demon» prierm. IflO Wochen Gefängnis hat die Justiz in Halle bis jetzt über Wahlrechtskämpfer verhängt! Am Mittwoch wurde gegen 23 Demonstranten verhandelt, von denen nicht einer freigesprochen wurde. Man gedenkt also„ganze Arbeit" zu machen. Unter den Ange- klagten vom Mittwoch befanden sich mehrere durchaus„gut- gesinnte" Handwerksmeister und Kriegervereinler. die in der Anklagebank ihr herbes Schicksal, als Wahlrechtsdemonstranten verurteilt zu werden, bejammerten! Die Polizei hatte sie im blinden Wüten gepackt und die Justiz mochte ihr natürlich nicht Unrecht geben..„ � � Es war diesmal der Verteidigung möglich, durch Zeugen- aussagen ein einwandfreies und ziemlich um- fassendes Bild der blutigen Vorgänge am 13. Februar zu entrollen. Zwar wurden diese Zeugen nicht vereidigt, aber ihre Aussagen hatten doch die nötige Wirkung. Festgestellt wurde, wie nachher Genosse Dr. Liebknecht im Plaidoyer hervorhob, daß die Polizei erst eingriff, als die Menge der Demonstranten sich bereits friedlich zerstreute. Alle diese Zeugen bezeichneten das Vor- gehen der Polizei als ein rücksichtsloses und rohes. Es sei wahllos auf Greise, Frauen und Kinder eingeschlagen worden. Berittene jagten im Galopp die Fußsteige entlang und der- höhnten noch die Niedergerittenen. Später rühmten sich die Polizisten in verschiedenen Kneipen ihrer blutigen Taten! Sehr auffallend war wieder die fast wörtliche Uebereinstimmung der PolizistenauP sagen. Der Staatsanwalt Schulze lobte die„Ruhe" der Polizei. Weun er draußen gewesen wäre, hätte er viel eher einhauen laffen als der kommandoführende Polizeiinsprktor. Land- gerichtsdirektor Schubert erklärte, die Verteidigung habe die allgemeinen Vorgänge nur deshalb zur Spradje gebracht, uni in der Presse darüber berichten lassen zu können. Die geringste Strafe beträgt 80 Mk. Geldstrafe. Alle übrigen Angeklagten erhielten für die Delikte Widerstand. Beamtenbeleidigung, Auflauf, grober Unfug usw. Ge- fängniSstrafen von zwei bis fünf Wochen. Insgesamt ist am Mittwoch auf 63 Wochen Gefängnis er- kannt worden, zusammen mit den Strafen vom Sonnabend vorher 100 Wochen. Unter den Verurteilten befindet sich Genosse Redakteur Kaszarek, der zwei Wochen Ge» fangniö erhielt. Protest gegen die Wahlrechtsjustiz. Halle. 21. März.(Eig. Ver.) Hier protestierte die Arbeiterschaft am Mittwochabend in einer imposanten, von nahezu 3000 Personen besuchten Ver- sammlung gegen die Wahlrechtsjustiz, die Strafen über Strafen gegen Wahlrcchtskämpfer verhängt. Anstelle des Genossen Liebknecht, der bis in die Nacht hinein durch die Verhandlungen gegen die Demonsttanten in Anspruch genommen war, referierte Genosse H e n n i g, dessen scharfe Kritik der Art. wie der Klassenstaat die arbeitende Bevölke- rung niederhält, großen Beifall fand. Die bürgerliche Scharf- macherpresse konstatiert voll Wut, daß von einem Ab- flauen der Bewegung nicht die Rede sein könne. Die Polizei hatte die üblichen umfassenden Bor- bereitungen getroffen, fand jedoch infolge der meisterhaften Ruhe der Versammlungsteilnehmer nichts zu tun. „Aufreizung gegen die Polizei." Wer reizt die Bevölkerung gegen die Polizei auf? Warum kst besonders in neuester Zeit die Bevölkerung Berlins von so «ußerordentlicher Erregung gegen die Polizei ergriffe» worden? Die Gerichte sprechen es jetzt Tag für Tag aus, daß der Ruf »Bluthunde!" ganz besonders geeignet fei, gegen die Polizei auf- zureizen. In diesen Tagen und Wochen haben sie ja alle Hände voll zu tun mrt der Aburteilung von Wahlrechtsdemo n- stranten oder solchen, die ihnen dafür gelten. Mit rücksichts- loser Härte mchtctn sie da über jeden, der den Ruf„Bluthunde!" ausgestoßen habew soll. Es ist in der Tat auffallend, daß jetzt so viele sich zu diesem Ruf hinreißen laGen, Aber den Gerichten passiert dabei eine kleine Verwechselung: sie vertausche» die Ursache mit der Wirkung. Nicht esst der Ruf„Bluthunde" bewirkt die Erbitte- rung gegen die Pcdizei, sondern diese schon bestehende und auch immer wachsende Etrbitterung ist eS, die bei rasch erregten Per- sonen sich in dem Skuf„Bluthunde!" Luft zu machen sucht. Wir hörten ihn zum erstl:>imal nach jenem WahlrechtSsonntag von 1908, wo die Polizeisäbel sich in dem Blut von Einwohnern Berlins färbten, und seitdem haben wir ihn öfter und immer öfter zu hören bekommen. Gestern wurde bor dem Amtsgericht Berlin- Mitte von einem Schutzmanu. der gegen einen vermeintlichen Wahlrechts- demonstranteu und„!vluthuad"-Rufer als Zeuge austrat, unter seinem Eid die Aussage gemacht, daß er selber an dem Tage der polizeilichen Belagerung des Treptower Parkes zeitweise innerhalb einer einzigen Minute au Sümal den Ruf„Bluthunde!" gehört habe. Und an diesen Salven von„Bluthurid"-Nufen soll sogar ein Mann sich beteiligt haben, der bisher so wenig von Erbitterung gegen die Polizei erfüllt gewesen war, daß er mit Schutzleuten freundschaftlich verkehrtp und mit manchen geradezu auf Du und Du stand. Ein Zuschneidezr Jahnke war eS. der auf die Anklage, die Polizei durch de» Ruf:„Pfui! Bluthunde!" beleidigt zu haben, sich zu verantöwtten hatte. Am 6. März war er schon morgens um 1�9 Uhr noch vor Beginn der Umzingelung des Treptower Parkes nach dem benachbarten Laubenland hinaus- gefahren. Für den erw-rrteten Wahlrechtsspaziergang, gegen den bald nachher die Polizei ssn Stärke von 1S00 Mann aufmarschierte, interessierte er sich nicht. Er ging zu einem Gastwirt Zeidler und half ihm den ganzen Taitz über bei der Bedienung seiner Gäste. Hundemüde machte er sich, so führte der Angeklagte aus, abends auf den Heimweg und voar froh, nach Hause gehen zu dürfen Kurz bevor er seine Wohmung erreichie, wurde er gegen 7 Uhr abends in der Schlesischen Straße an der Ecke der Falckenstein- straße, wo ringsum der Ruf„Bluthundel" erschallte, von einem Schutzmann festgenommen.„Ich werde," beteuerte er vor Gericht, „mich doch hüten, mitzurufun, wo ich Bekannte und Freunde unter den Schutzleuten habe." Die Beweiserhebung fiel zuungunsten JahnkeS aus. Gegen ihn bekundete der Schutzmann Winterfeld, daß in einem Augenblick, wo die Polizei wieder mal vorging, um die Menge zurückzudrängen, er genau gesehen und gehört habe, wie Jahnke. seitwärts von ihm in einer Entfernung von S— 4 Schritt stehend, den Mund bewegt und an den Rufen:„Pfui! Blut- Hunde!" sich beteiligt habe. Auf Befragen gab er an, daß er, wie schon erwähnt, zu dieser Zeit in einer Minute vielleicht S0mal habe„Bluthundel" rufen hören. Aber dessen ungeachtet schien eS ihm„völlig ausgeschlossen", daß er bezüglich JahnkeS sich geirrt habe. Der Verteidiger, Rechtsanwalt Dr. Kurt Rosen. feld, stellte fest, daß Zeuge in seiner polizeilichen Vernehmung angegeben hatte, hinter Jahnke gestanden zu haben. Da habe er doch wohl nicht sehen können, daß Jahnke„den Mund bewegte". Daraufhin verbesserte sich der Zeuge. Jahnke habe sich gerade um- gedreht. Auf die Vorhaltung, daß sogar- Schutzleute des Reviers dem Schutzmann Winterfeld nach JahnkeS Festnahme gesagt haben sollen, I. sei ihnen bekannt, der mache so etwas nicht, antwortete Winterfetd, davon wisse er nichts. Auch das hatte er nicht gehört, daß schon auf der Straße Schutzleute erstaunt zu I. sagten:„Na, Franz, warum haben sie denn Dich festgenommen?"„Es wurde ja soviel geschrien." sagte der Zeuge,„da könnte ich das überhört haben." Aber den Ruf:„Pfui! Bluthunde!" aus JahnkeS Mund meinte er ganz genau gehört zu haben. Dem Angeklagten wurde auch durch den Zeugen Gast Wirt Zeidler bestätigt, daß Jahnke ein nüchterner und sehr ruhiger Mann sei, dem man „jedes Wort auS dem Munde rauSziehen" müsse, wenn er etwas sagen solle. Am 0. März habe er bei Zeidler, wo er den ganzen Tag arbeitete, auch die dort einkehrenden Schutzleute zu bedienen gehabt. Mit Schutzleuten stehe er überhaupt auf bestem Fuße. Doch daS half alles nicht. Der Amtsanwalt war bereit. dem Angeklagten zu glauben, daß er sonst ein ruhiger Mann sei und keinen Haß gegen Schutzleute empfinde. Aber an jenem Abend habe er gegen sie den Ruf:„Bluthunde!" ausgestoßen, der überaus aufreizend sei und daher mit 1 Woche Gefängnis bestraft werden müsse. Der Verteidiger führte aus, daß Jahnke. selbst wenn er wirklich mitgerufen hätte, unmöglich so hart bestraft werden könne. Er sei schlimmstenfalls angesteckt worden von der allgemeinen Erregung, die durch Polizeiattackeu.hervorgerufen worden war. DaS Urteil lautete auf Gefängnisstrafe von 1 Woche. Die Begründung sagte, daS fei auch milde, viel milder als die Strafen, die in den letzten Tagen aus gleichem Anlaß verhängt worden seien. Genau nach der Schablone, die wir aus den letzten Tagen nun schon zur Genüge kennen, wurde weiter ausgeführt, der Ruf: „Bluthundel" fei geeignet. Erregung zu bewirken. Da müsse den Schutzleuten Schutz gewährt werden, zumal im Hinblick auf die Schwere ihres Dienstes. Wer reizt die Bevölkerung gegen die Polizei auf? Wer es genau wissen will, der frage Herrn Jahnke, der bisher mit Schutz. leuten auf Du und Du stand. Schwerlich wird fein gutes Ein. vernehmen mit der Polizei, daS am Abend des 6. März in die Brüche gegangen war, durch diese Gerichtsverhandlung wieder- hergestellt worden fein. Und schwerlich wird die Erbitterung, die infolge der sich immer wiederholenden Polizeiattacken sich der Bevölkerung Berlins bemächtigt hat, durch solche Urteile beschwich. tigt werden. In einem zweiten Fall handelte eS sich um einen Arbeiter Burgwardt. Dieser hatte am 6. März die Kaiser-Wilhelm- Straße passieren wollen, war aber durch die absperrenden Schutz. leute zurückgewiesen worden. Er wandte sich an einen Polizei- leutnant, der ihm die Erlaubnis gab. die Straße zu passieren. Als B. dann die Schutzleute passierte, die ihm vorher den Durch- gang verweigert hatten, machte er den Beamten mit der Hand ein« „lange Nase".— DaS Gericht erblickte hierin eine Beleidigung und erkannte auf 30 Mark Geldstrafe. politilcbe(leberlickt. Berlin, den 24. März 1910 Die gottgessebene Abhängigkeit der preußischen Regierung von den Konservativen. Herr v. Bethmann Hollweg. der kuriose Philosoph der „gottgegebenen Abhängigkeiten" hat bekanntlich im Abgeordneteichause bestritten, daß die preußische Re- gierung eine„Parteiregieruug" sei: eine Ableugnung, die von den Konservativen mit ostentativem Beifall aufgenommen wurde. DaS„Verl. Tagebl." bringt zu diesen Kanzlerworten einige Illustrationen, die, wenn sie auch nichts NeueS be- künden, doch der Erkenntnisfähigkeit des großen Philosophen, der zurzeit angeblich die Geschicke Deutschlands leitet, ein recht miserables Zeugnis ausstellen. In Kraupischken(Regierungsbezirk Gumbinnen) hat der Gemeindevorsteher folgende amtliche Bekanntmachung er- lassen: „Bekanntmachung. Am Freitag, den 4. März, vormittags 10 Uhr: Versammlung des konservativen Vereinß im Hotel Meher-Kraupischken. Bericht des RcichStagSabgeordneten Grafen Kanitz und des Landtagsabgeordneten Gottschalk. Vorträge über die politische Lage. ES werden alle reichstreu denkenden Männer gebeten, dieser Versammlung beizuwohnen. Der Gemeindevorsteher im Auftrage � des Herrn Amtsvorstehers, Kraupischken." Fast noch interessanter als diese kleine Idylle auS den Gefilden Ostpreußens ist folgendes Bild aus derselben Gegend. In einer Versammlung des„Nationallibcralen Vereins für den Kreis Rastenburg" verlas der nationalliberale Partei- sekretär Dr. Kipper eine mit Rückantwort an den L a n d rat v. Tyscka in Lotzen adressierte(gedruckte) Postkarte, durch die die Kreisinsassen aufgefordert werden, ihr Einver- ständnis damit zu erklären, daß ihr Name unter ein konser- vatives Flugblatt gegen die Nationalliberalen gesetzt werde. Nach Art tüchtiger Geschäftsleute hieß es:„Eine Nicht» an t wort gelte als Zu st immun g". Auf diese Weise kamen denn auch 85 Unterschriften von national- liberalen Wählern unter das gegen die Nationalliberalen gerichtete Flugblatt. Im Wahlkreis Friedland-Gerdauen- Rastenburg, auch in der Gegend von Kraupischken, zirkulierte. wie Herr Kipper gleichfalls weiter mitteilte, ein mit der gedruckten Unterschrift„Der Land rat" versehenes Zirkular, in dem zum Abonnement auf die konservativ-agrayische „Ostpr. Ztg." aufgefordert wurde. Herr v. Bethmann Hollweg muß sich jedenfalls schon sehr tief in die gottgegebenen Abhängigkeiten vergraben haben. wenn er in solchen Beispielen nichts findet, das auf eine „Pavteiregierung" hinweist._ Altenburger LandtagSwahlen. Im Herzogtum Sachfen-Altenburg finden am 14. Aprik Land- tagSwahlen statt. Der Landtag wird auf drei Jahre gewählt. Er besteht aus 32 Abgeordneten, von denen IS auf das Land entfallen. Das Wahlrecht ist neben dein preußischen DreiNassenwahlrecht und dem Wahl, recht' für den Schwarzburg-Sondershausener Landtag wohl daS elendeste im Deutschen Reiche."Es ist ein Vierklassen- Wahlrecht, an eine halbjährig« Anwesenheit am Orte und Erfüllung der Steuerpflicht geknüpft. Die Steuerzahler find in drei Klassen eingeteilt, denen noch als vierte eine Klosse der Höchstbesteuerten aufgepfropft worden ist. Diese auserlesene Gesellschaft wählt für sich allein 9 Abgeordnete. Von den übrigen drei Klassen entfallen auf die erste Klasse 7. aus die anderen beiden Klassen je 8 Abgeordnete. Die Wahlbewegung ist im vollen Gange. Der Kampf gestaltet flch inimer mehr niehr zu einem Kampfe um die Vernichtung der agranschen Majorität im Landtag, die nur dann gebrochen werden kann, wenn eS den Sozialdemokraten oder den Liberalen oder beiden zusammen gelingt, die acht Mandate der dritten Abteilung, von denen unsere Partei drei als sicheren Besitzstand in Händen hat, zu erobern. So konzentriert sich der eigentliche Kampf auf die Mandate der dritten Abteilung, von denen der Bund der Landwirte vier in Händen hat. DaS fünfte strittige Mandat ist ein für die Stadt Altenburg neu- geschaffener Landtagssitz, um den sich neben dem sozialdemokratische« Kandidaten ein fortschrittlicher Arbeiterkandidat bewirbt. Von unserer Seite sind als Kandidaten aufgestellt: In der Stadt Altenburg: Verbandsvorsitzender Metzfchke und Gewerkschafts- beamter Wunderlich. Im Wahlkreis der Städte des OsikreiseS (Schmölln. Ronneburg. Gößnitz, Meuselwitz, Lucka): Redakteur Dickreiter in Alienburg. Im Wahlkreis der Städte deS West» kreise«(Kahla. Eisenberg. Roda, Orlamünde): Kaufmann Böhme in Eisenberg. In den ländlichen Wahlkreisen kandidieren die Genoffcn Lagerhalter Pietzsch-Meuselwitz, Gewcrkschaftsbeamter Rößler-Altenburg, Geschäftsführer JunghanS-HermSdorf und Tabak» fabrikant Schulze-Löbschütz. Sehr behindert wird die Wahlagitation durch den Mangel an Lokale. Die Wirte auf dem Lande, die auSnahmS- los unter dem Terrorismus des Bundes der Landwitte zu leiden haben, geben uns ihre Säle zu Versammlungen nicht her. Nicht einmal die Liberalen bekommen Säle aus dem Lande. Auch die StaatSregierung macht im Saalboykott. Sie hat eine Ver- fügung erlassen, nach der eS den Gemeindebehörden untersagt ist. ihre Genehmigung dazu zu erteilen, daß in den Gemeindegasthöfen. die Eigentum der Gemeinden sind, sozialdeniokraiische Versamm- lungen abgehalten werden. So arbeiten der Bund der Landlvirte und die„unparteiische" StaatSregierung Hand in Hand. Ob mit Erfolg, das wird der 14. April ja lehren. Nachwahl zum württembergischeu Landtag. Im Wahlkreis LudwigSburg-Stadt fand an, Mittwoch die durch den Tod des volksparteilichen Abg, Schnaidt notwendig ge- wordene Nachwahl statt, für die sich Volkspartei und Nationalliberale auf eine gemeinsame Kandidatur geeinigt hatten. Sie hatten den Gemeinderat Hoffmeister aufgestellt, der angeblich parteilos ist. in Wirklichkeit bisher ober immer den Nationalliberalen zugezählt wurde. Hoffmeister erhielt 1774 Stimmen, während der sozial- demokratische Gegenkandidat Pflüger 932 Stimmen erhielt. Hoffmeister ist somit gewählt. ES ist der Sozialdemokratie aber gelungen, ihre Stimmenzahl seit Ende 1906 um 273 zu steigern, während die bürgerlichen Stimmen nur uin 70 zunahmen. Der moralische Erfolg der Sozialdemokratie ist beachtenswert, da LudwigSbuig da« schwäbische Potsdam ist und eine für die Sozialdemokrati« sehr ungünstig zusammengesetzte Bevölkerung hat. Die Reaktion im Hamburger Parlameut. Die Konzentration aller reaktionären Elemente in der Homburger Bürgerschaft dokumenliette sich Mittwochabend bei der Wahl deS Vorstandes. Zum ersten Male beanspruchten die Sozialdemokraten eiiicn Sitz im Vorstände und schlugen für den einen Schriftführerposten unseren Genossen Stengele vor. Bevor aber der Seniorenkonvent sich vereinigte, um den Wahlaufsatz zu machen, hielten Vertreter der drei alten Fraktionen(des Wahlranbblvcks) eine Zusainmenkunst ab, in der sie beschlossen, keinen Sozialdemokraten zuzulassen, wohl aber einen Schriftführerposten den vereinigten Liberalen zuzu- billigen. Als nun der Seniorenkonvent zusanimenttat, war die Sache schon gemacht, und dem sozialdemokratischen Senior wurde erklärt, man könne keinen Sozialdemokraten in den Borstaild aufnehmet!, weil ja die Sozialdemokraten sich geflissentlich von allen Re- präsentationSpflichten drückten. Do Hainburg der Form noch eine Republik ist, die Herren aber nur Repräsentationen bei Fürsten- empfängen und deigleichen gemeint haben können, so stellten sie sich selbst al« höchst sonderbare Republikaner hin. Dagegen hat die Sozialdemokratie bei den Wahlen zum Bürger« auSschuß einen kleinen Erfolg errungen. Dieser ständige Ausschuß ist eine Art konzentriertes Parlament, daS recht wichtige Funltwneo hat; unter anderem BefÄItefjt et selbständig über gewisse Geldbewilligungen, ferner in KonzesfionSfragen(Straßenbahn) und in persönlichen Angelegenheiten(Pensionen usw�). Bisher Halle unsere Frattion nur einen Vertreter in dieser Körperschaft, den Genossen Stötten, der auch fernerhin darin bleibt. Jetzt ist noch ein zweiter Sozialdemokrat, Genosse Zafske, hineingewähll worden. Portoreform. Der Haupteinwand der Regierungen gegenüber allen Wünschen auf Portoermägigung ist bekanntlich immer der bei der..gegen» wärtigen ungünstigen Finanzlage" unmmöglich zu ertragende und sicher zu erwartende EinnahmeauSfall. Wie verkehrt solche Gin- Wendungen sind, dafür liefert Arved Jürgensohn in einem Werk über..Weltportoreform"(Verlag Liebheit u. Thießen,(5,50 M.) interessante Beispiele. Einige davon mögen hier Raum finden: Postmeister Stephan lehnte beharrlich die Heraufsetzung de? einfachen Briefgewichts von 15 auf 20 Gramm ab, weil.deswegen kein einziger Brief mehr geschrieben würde", also ein reiner AuS- fall von 4— 5 Millionen Mark entstände, während in Wirklichkeit diese lSOV eingetretene Reform sofort eine Mehremmchme von 12 Millionen Mark brachte.— In Neu-Seeland wurde am 1. Ro- vember 1906 das inländische einfache Briefgewicht von ih Unze auf 4 Unzen erhöht und der auf mehr als 25 436 Pfund Sterling berechnete Ausfall betrug schon im ersten Jahre nur 10SS Pfund Sterling. Ein umgekehrtes Beispiel: Der Preis der Ortspostkarte wurde 1906 in Deutschland von 2 Pf. auf 5 Pf. erhöht, was 12 Millionen Mark mehr einbringen sollte. Ihr Verbrauch ging aber um Z5Proz. zurück und ergab nur 4— 5 Millionen Mark.— Ebenso erg«b die Heraufsetzung der Zeitungsbeilagegebühr von Vi auf% Pf. binnen IM Jahren eine Verkehrsabnahme um 30 Prvz.— Die deutsche Fahrkartensteuer brachte statt der berechneten 46 Millionen Mark im zweiten Jahre nur 19�, im dritten Jahre gar nur 17 Millionen Mark Mehreinnahme, dank Abwanderung in die unteren Klassen und relativem Rückgang des Verkehrs. Die Stempelsteuer für Automobile bringt auch jetzt erst 1% Millionen Mark statt des bereits für sofort berechneten Betrages von 3 Millionen Mark. Der Berliner Bezirk(mit 3 Millionen Einwohnern) verein- nahmte an Porto usw. über 103 Millionen Mark, d. h. zirka 3000 M. auf jeden Beamten, die acht Bezirke Bromberg, Danzig, Frankfurt a. O., Gumbinnen, Königsberg, Köslin, Posen, Stettin (mit SV* Millionen Einwohnern) zusammen nur 44 Millionen Mark, d. h. etwa 1000 M. auf jeden Beamten. Von der Gesamt» einnähme der Reichspost(557 Millionen Mark 1907) entfielen allein auf die 38 Großstädte 257 Millionen Mark~ 46 Proz. Wenn im Jnlande, unter Außerachtlassung de? Rentavilitäts. Prinzips, die Großstädte, also Handel und Industrie, die Gebühren aufbringen, von deren Ertrag die Gesamtorganisation auch für die übrigen unrentablen Landesteile aufrechterhalten wird, dann ist doch gewiß zu verlangen, daß auch im Auslandsverkehr, zu- guusteu von Handel und Industrie, der Gesichtspunkt der Ren- tabilität an zweite Stelle gerückt wird. Sind Gewerkschaftsversammlungen politische Versammlungen? Der Bevollmächtigte der Zahlstelle Gräfinan-Angstedt deS Textilarbeiterverbandes und zwei noch nicht 17 Jahre alte Mitglieder hatten Strafmandat erhalten, und zwar letztere, weil sie an einer„politischen" Mitgliederversammlung teilgenommen haben sollen, der Bevollmächtigte, weil er deren Anwesenheit ge. duldet und somit gegen die ß§ 17 und 18 des ReichsvereinsgesetzeS verstoßen habe. In der hiergegen vor dem Schöffengericht in Stadt ilm eingelegten Berufung wurden sämtliche drei Angeklagte von der Beschuldigung, das Äereinsgesetz übertreten zu haben, frei- gesprochen. Das Gericht betonte, daß auf Grund de» Statuts des Deutschen Textilarbeiterverbandes von einer politischen Organisa. tivn keine Rede sein könne. Auch könne nicht bewiesen werden, daß der Verband eine politische Tätigkeit entfaltet habe. Nach dieser Be gründung des Freispruchs stellte sich das Gericht sonderbarerweise auf den Standpunkt, daß die beiden jugendlichen Angeklagten zwar in bezug auf das Vereinsgesetz freigesprochen Jeien, aber trotzdem bestraft werden müßten, weil sie eine Landratsamtsverordnung vom L7. November 1893 ubertreten hätten, nach der Personen unter 37 Jahren nach 0 Uhr abends Gast- und Schankwirtschaften nur in Begleitung erwachsener Angehöriger besuchen dürfen. Der eine Angeklagte erhielt deshalb 1 M.. der zweites Angeklagte 2 M Geld- strafe. Selbstverständlich sind diese Strafen unhaltbar. Wenn das NeichSvereinSgesetz den jugendlichen Arbeitern die Teilnahme an geschlossenen Gewerkschaftsversammlungen gestattet, können diese reichsgesetzlichen Bestimmungen nicht durch Landratsamtsverord- nungen illusorisch gemacht werden. In diesem Sinne wird sicher quch die Berufungsinstanz entscheiden müssen. Wieder ein prächtiger„Stellvertreter"! Im Herbst vorigen Jahres wurde dem kaum LOjähriaen Unteroffizier Heß von, 102. Jnfanterie-Regiment in Fitiau eine Korporalschaft übertrogen: er begann sofort mit allerlei Ge- meinheiten gegen seine Untergebenen. Aus dem Wege vom Schieß- stand ließ er die Soldaten zehn Minuten lang Laufschritt machen, daß diese erschöpft, außer Atem und in Schweiß gebadet waren! Bei derselben Gelegenheit mußten sich die Soldaten an a ch t b i S z e h n m a l in den mit Pfützen be« deckten und aufgeweichten Boden werfen und da- zwischen immer wieder Laufschritt machenl Dann sollten die Soldaten singen(!). wozu sie infolge ihrer Atem- losigkeit nicht imstande waren. In der Jnstriiktionsstunde hat dieser Patron einen Untergebenen ins Geiicht gespuckt! Außerdem borgte er die Soldaten an und brachte sie durch allerlei Manipulationen um ihr Geld. Das Dresdener Kriegsgericht verurteilte den Unteroffizier wegen vorschriftswidriger Behandlung, Beleidigung, Unterschlagung usw. mit Rücksicht aus die an den Tag gelegte Schamlosigkeit zu drei Monaten Gefängnis nnd Degradation._ franhreidk. Reform der Wahlkreiseinteilung. Paris, 24. März. In der Deputiertenkantmer wurde die Gesetzesvorlage angenommen, nach welcher, e n t» sprechend den Aenderungen in der Bevölke. rungSzisser, einige Wahlkreise abgändert und sechs neue Deputiertensitze geschaffen werden. So in Frankreich— in Deutschland wird das Unrecht der veralteten Wahlkreiseinteilung im Reich wie in Preußen sorgsam bewahrt— zu Nutz und Frommen der Junker und deS Zentrums. Italien. Eine Komiptionsassäre in der italienischen Kammer. Rom, 21. März. AlS in der Sitzung vom vorigen Sonnabend die Kammer die Wahl des Fürsten Ruspoli in Belletri in namentlicher Abstimmung konvalidiert hatte, nachdem das UntersuchungS- komitee der Wahlprüfungskommission zu dem Schluß gelangt war. daß bei dieser Wahl weitgehende Bestechungen vorgekommen waren. rief Genosse M o r g a r i:„Hoch die Millionen, hoch die Korruption!" Der Abgeordnete Aprile, gegen den sich Morgari zu richten schien, fragte, ob dieser Ausruf ihm gelte, worauf Morgari antwortete, zu dem konstitutionellen Teil der Kammer gewendet:„Er gilt Euch allen!" Im Anschluß an diese Szene gab der Abgeordnete Aprile in der Sonntagsitzung die Erklärung ab. daß er mit Bestimmtheit wüßte, daß«m Sonn- abend ein Abgeordneter gegen die Konvalidierung deS Fürsten RuSpolt gestimmt hätte, nachdem er vorher von diesem Geld verlangt und nickt erhalten hätte! Natürlich machte diese Anklage den allertiefsten Eindruck, nnd die Kammer, vor allem die Abgeordneten, die gegen RuSpoli gestimmt hatte», forderten laut und dringend die Namensnennung. Der Abgeord» nete Aprile erklärte, daß der Schuldige nicht der äußersten Linken angehöre. Schließlich einigt« man sich dahin, daßj �be, Name dem Kammerpräsidenten mitgeteilt würde. Der alte Marcora, der an Taktlosigkeiten schon Unglaubliches geleistet hat, nahm diesen Beschluß mit den Worten auf:„Ich werde den Namen mit dem größten Vergnügen hören," was den Ausbruch anhaltender Heiterkeit veranlaßte. Auch ohne die offizielle Namensnennung zlauit man allgemein, den würdigen Abgeordneten in einem Per- treter eines Wahlkreises der römischen Provinz zu erkennen; die geforderte Summe soll 3000 Lire betragen haben. Cnglanct. Die Lage. ZumDementiRedmonds erklärt„D a l y E h r o n i e l e". daß zwar noch kein definitives Abkommen mit der Regierung ge- troffen fei, daß man diesem Ziele aber einen erheblichen Schritt > näher gekommen sei, so daß ein Abschluß zu erwarten sei. Liberal-konscrvative Koalition. kkin. London, 21. März 1910. Der Wahlkampf in Mid- Glamorgan(Wales! scheint einen jener Punkte zu bezeichnen, an denen man die Eni Wickelung der Parteien verfolgen tonn. Wie schon berichtet, kandidiert für den durch die Beförde- rur.z des liberalen Vertreters zum Präsidenten des Ehescheidungs- gerichtShofes freigewordenen Parlamentssitz der Genosse Vernon ö a r t S h o r n, der Beamter der Föderation der südwalisischen Bergarbeiter und der bekannteste unter den Parteigenossen seiner Heimat ist. Mehrere Male vorher ließ sich der Genosse Hartshorn bestimmen, von seiner Kandidatur zurückzutreten; diesmal aber gab es kein Zurück. Die Zentralleitung der liberalen Partei in London gob gleich bei dem ersten Ansturm der Arbeiterpartei, die diesen Wahlkreis für sich beanspruchte, nach und riet den Liberalen Mid- GlamorganS, sich in das unvermeidliche zu schicken. Diese aber konnten nicht einsehen, weshalb ein Wahlkreis, der ununterbrochen während 80 Jahre der liberalen Partei gehört hat, für nichts an die Arbeiterpartei ausgeliefert werden sollte. Besonders aber ärgerte sie, daß der Kandidat, für den sie Entsagung üben sollten, ein ausgesprochener Sozialist ist, der für die religiösen Streite- reien und die Tändeleien mit Home Rule für Wales, die den Inhalt des walisischen Liberalismus ausmachen, nicht viel Verständnis hat. Um dem unter den walisischen Bergarbeitern sehr beliebten Vernon Hartshorn entgegentreten zu können, versuchten nun die lokalen liberalen Größen einen sehr links stehenden Gegenkandi- baten aufzutreiben. Sie wandten sich an verschiedene bekannte Links- liberale— unter anderen auch an den Präsidenten der Budget- Liga und an den Nationalökonomen Chiozza Aloneh— hatten aber keinen Erfolg; alle schlugen ab. Schließlich ist eS ihnen gelungen, einen im öffentlichen Leben unbekannten Kandidaten aufzutreiben. DaS merkwürdigste ist nun, daß die Konservativen, die zuerst auch einen Kandidaten aufstellen wollten, nun davon ab- sehen und den Liberalen ihre Unterstützung gegen oen Sozialisten versprochen haben. Wir haben es also hier zum ersten Male in England mit einer offenen Koalition der bürgerlichen Parteien gegen den Sozialismus zu tun. Das Beispiel Mid-GlamorganS dürfte in Zukunft für viele Wahlkreise, wo die Parteiverhältnisse ähnlich liegen, das heißt wo eine gut organisierte Arbeiterschaft, die bisher den Kandidaten des liberalen BürgertumS unterstützt hat, sich dem Sozialismus zuwendet, vorbildlich sein. KbcMnien. Eine Palastrevolution. AdiiS Abeba, 24. März.Kaiser Menelik liegt in den letzten Zügen. Kaiserin Taitu ist abgesetzt und gezwungen worden, das kaiserliche Palais zu ver- lassen. Alle Häuptlinge haben dem neuen NeguS den Eid der Treue geleistet. Alles ist ruhig. Die Häuptlinge der Schoastämme, die mit der Regierung un- zufrieden sind, haben sich zusammeugetan und beschlossen, die Kaiserin von jeder Einmischung in die Staats- geschäfte auszuschließen. Sie beschlossen, datz alle Per- änderungen in den Kommandostellen, die auf Verfügung der Kaiserin in den Provinzen stattfanden, für ungültig erklärt und die früheren Inhaber in ihre rechtmäßigen Kommandostellen wieder eingesetzt werden sollen. Die Stadt ist ruhig, die Sicherheit der Europaer für den Augenblick nicht in Frage gestellt. Indien. Religiöse Unruhen. London» 24. März. AuS Peschawar wird gemeldet: Infolge deS Zusammentreffens eines großen religiösen HindufcsteS mit der mohammedanischen Feier zum Gedächtnis an den Tod des Pro- phetcn kam e» am Montagabend zu einem Zusammenstoß zwischen Hindus und Mohammedanern. Die Ruhe- störungen erneuerten sich gestern. Drei Mohammedaner und zwei Hindus wurden getötet und vierzig Personen verwundet. Ztvei Hindus sind ihren Wunden seither erlegen. ES kam auch zu Plünderungen. Die Truppen halten jetzt die Stadt besetzt und die Ordnung scheint wieder hergestellt. Zahlreiche Verhaftungen wurde» vorgenommen._____ Soziales* Zur Anwendung des ß 616 des Bürgerlichen Gesetzbuches. Das Hutgeschäft von Walter Huth hatte zum 1. Januar eine Blumenbinderin, Fräulein St., die auch als Verkäuferin tätig sein mußte, engagiert. Am 15. wurde ihr zu Ultimo Januar ge- kündigt. Sri. St. erkrankte nun am 16. Januar und blieb auch bis zum Ablauf der Kündigungsfrist ermchrbsbehindert. Vom Kaufmannsgericht ans Gewerbegericht verwiesen, klagt« dort am Dienstag Frl. St. auf Zahlung des ihr vorenthaltenen Lohnes von 27 M., der ihr noch nach Abrechnung des erhaltenen Kranken- geldes zustand. Die beklagte Firma wendete ein. daß diese Krank- beitsdauer nach einer nur■ 14tagigen Beschäftigung keine ver- hältniSmäßig unerhebliche fei. Da« Gericht unter Vorsitz deS MagistratSassessorS Dr. Leh- man» verurteilte die Beklagte zur Zahlung de« Lohnes im vollen geforderten Betrage mit Rücksicht darauf, daß die Tätigkeit der Klägerin auch eine kaufmännische loar und Handlungsgehilfinnen ohne Rücksicht auf die bisherige Dauer deS Arbeitsverhältnisses Anspruch auf den vollen Lohn ohne Anrechnung der von der Krankenkasse erhaltenen Unterstützungsbeträge haben. Zur Berechnung des JahreSarbeitövcrdienfteS. Der Arbeiter H. erlitt am 14. Juli 1908 im Betriebe eines Tiefbauunternehmers einen Unfall, an dessen Folgen er am 17. Juli verstarb. Die Tiefbau-Berufsgenossenschaft setzte für die Witwe und ihre beiden unter 1b Jahre altem Kinder die Hinter. bliebenenrente nach einem JahrrSverdienst von 972,56 M. fest. �u diesem JahreSarbeitSverdienst kam die Genossenschaft, indem sie der Berechnung als betriebsüblich nur 250 Arbeitstage im Jahre zugrunde legte. Der Verunglückte war nicht ein volles Jahr in dem Betriebe beschäftigt, wie auch ein anderer Arbeiter, der ein volles Jahr in dem Betriebe beschäftigt war, nicht nach- gelviesen werden konnte. Gegen die Festsetzung deS JahresarbeitS- Verdienstes wurde vom Arbeitersekreiariat Berlin Berufung ein- gelegt. ES wurde geltend gemacht, daß, wenn ein Arbeiter in einem ähnlichen Betriebe nicht zu ermitteln ist, nach 8 10 Abs. III des GewerbeunfallversicherungSgesetzeS der durchschnittliche TageS- »ertziemst des Verletzten mit 300 multipliziert werden muß. und dieser dann so ermittelte JahrrSverdienst der Berechnung der Rente zugrunde zu legen ist.— DaS Schiedsgericht für Arbeiter- Versicherung für den Regierungsbezirk Potsdam holte dann von einer anderen Firma Auskunst ein, die aber ergab, daß ein cihn- sicher Arbeiter, der ein volles Jahr in dem angefragten Betriebe gearbeitet, nicht vorhanden war. Das Schiedsgericht wies darauf die Berufung zurück und erklärte, daß der durchschnittliche TageS- verdienst deS Verstorbenen im Betrage von 3,89 M. mit Recht von der Genossenschaft nur mit 250 als der betrtebSüblichen Zahl der Arbeitstags in dem unfallbringenden Betriebe multipliziert worden sei. Gegen diese Entscheidung wurde Rekurs beim ReichSversiche- rungsamt eingelegt. Dasselbe folgte dann auch den Gründen der Re- kursschrift, hob die Entscheidung des Schiedsgerichts auf und ver- wies die Sache zur nochmaligen Festsetzung an die Berufsgenossen- schaft zurück. Die Berufsgenossenschaft hat daraufhin-der Witwe nunmehr mitgeteilt, daß der Rentenberechnung ein Jahresarbeitsverdienst von 1140 Mk. zugrunde gelegt wird. Die zu zahlende Rente ist nunmehr pro Monat um 8,25 M. höher als die Genossenschaft erst festgesetzt hatte. Bekanntlich entspricht der Jahresarbeitsverdienst im Sinne des Unfallversicherungsgesetzes fast durchweg nicht dem wirklichen Jahresarbeitsverdienst des Verunglückten. Die umfangreiche, aber inhaltlich für den Arbeiter hohle Reichsversicherungsordnung will an diesem Unrecht festhalten._ Seltsame Entlaflungsgründe. Ms Rechtfertigung einer Entlassung unter Ausschluß der vereinbarten Kündigungsfrist werden zuweilen seitens der Arbeit- geber die wunderlichsten Entlassungsgründe ins Treffen geführt, und auch hier wird, wie sich in den Verhandlungen des Berliner Kaufmannsgerichts zeigt, der selige Ben Akiba nicht selten Lügen gestraft. So klagte dieser Tage vor der 1. Kammer die 15jährige Verkäuferin Betty Z. gegen den Manufakturwarcnhiindler G.M. Cohn auf Zahlung von 15 M. Restgehalt, weil sie sich zu Unrecht sofort entlassen fühlte. Die von der noch sehr jugendlichen Vertreterin des beklagten Chefs vorgebrachten beiden Entlassungsgründe er- regten gleichermaßen das Kopfschüitcln der Beisitzer und deS Vorsitzenden. Das junge Mädchen erklärte, sie hätte die Klägerin engagiert, sie mußte sie aber aus folgenden Gründen wieder ent- lassen: Betty Z. hätte erstens„solche furchtbar verfrorenen Finger" gehabt. Das sei zwar sehr bedauerlich, aber eine solche Angestellte könne man doch nicht gebrauchen. Sodann sei Fräu- lein Z. Jüdin, was man nicht gewußt habe. Der Chef sei nämlich ein sehr frommer Jude und könne nicht mit ansehen, daß ein Gleich. gläubiger am Freitagabend und Sabbat arbeite. Damit aber die geschäftliche Arbeit nicht darunter leide, habe er nur christliches Personal. Würde die Klägerin als einzige Jüdin rituell gefeiert haben, so hätte es zu MißHelligkeiten unter dem Personal geführt. Dar einzige Ausweg aus diesem Dilemma blieb die sofortige Ent- lassung. Der Vorsitzende des KaufmannSgerichtS fetzte der Vertreterin deS Beklagten auseinander, daß diese Begründung beim Richter- kollcgium wohl kaum auf Verständnis stoßen dürfte, denn sie sei mit dem Gesetz nicht im Einklang zu bringen. Die Finger werde sich das junge Mädchen wohl nicht absichtlich verfroren haben, und noch weniger sei ihr Religionsbekenntnis ein EntlassungSgrund. Der Beklagte hätte ja, wenn er Wert darauf legte, vor dem Engagement die Klägerin fragen können, welchen Glaubens sie fei.— Nach dieser Rechestbelehrung zahlte die Vertreterin des Be- klagten, um einer Verurteilung vorzubeugen, die geforderten 15 M. Ueberstunden. Eine Lohnentschädigung von 54 M. und 12 M. für Ueber. stunden und ScmntagSarbcit klagte gestern der Packer Sch. gegen die Firma Wolfs Söhne beim Gewerbegericht ein. Er ist entlassen worden, weil er sich während der Kündigungsfrist ge» weigert hatte, Ueberstunden zu leisten. Der Beklagte terief sich darauf, daß dem Kläger beim Engagement gesagt worden ist, daß er während der Saison Ueberstunden leisten müsse. Darauf stritten sich die Parteien über die Dauer der Saison. Die Beklagte meinte, daß-dieselbe von August bis März dauere. Sie mußte sich von den beisitzenden Arbeitgebern dahin belehren lassen, daß bei einer solchen Zeitdauer von einer Saison nicht mehr gesprochen werden kann. Da die Beklagte die Ueberstunden nicht bezahlte, erachtete das Ge» werbegericht die Weigerung des Klägers für berechtigt und die Entlassung für ungesetzlich. Es verurteilte die Bc. klagte zur Zahlung einer Entschädigung von 4 0,50 M. Die Mehrforderung wurde abgewiesen. Denn die Entschädigung könne mir für den Rest der Kündigungsfrist und nicht für zwei volle Wochen zugesprochen werden. Ferner führte das Gericht in sehr anfechtbarer Weise auS: da der Anspruch auf Ver» gütung der Ueberstunden nicht sofort am nächsten LohnzahlungStage Reitend gemacht war. sei das Einverständnis des Klägers mit der NichtVergütung anzunehmen gewesen. Em der frauenben'egung. Eine wichtige Frage für proletarische Mütter. „Wer die Jugend hat, hat die Zukunft!" An dieses Wort sollen die proletarischen Mütter sich vor allem jetzt erinnern, wo die Entlassung der Kinder ans der Schule erfolgt. Will die Ar- beiterfchaft die Wucht ihrer Sturmkolounen stärken, so muß sie immer an der Arbeit sein, um fortwährend neue Kämpfer zu ge» Winnen. Dabei kann sie sich nicht nur auf die Evtoachsenen be- schränken. Diese, vielfach in altüberliefertem Au schauungskreiS aufgewachsen, sind schwer oder gar nicht neuen Ideen zugänglich. Es kann niemand seine ihm in einem halben Menschenafter anerzogene Uebcrzeugung so leicht über Bord werfen. Deshalb muß jede Klasse, die für ihre Interessen kämpft, ihre tägliche Werbe- arbeit auch auf den jungen Nachwuchs lenken. Die bürgerlichen Parteien haben das längst erkamtt. Nicht genug, daß der Staat die Jugen-d in den Volksschulen für die bürgerlichen Parteianschau- ungen drillt, diese Parteien haben es immer verstanden, dadurch die schulentlassene Jugend in großen Scharen hinter ihre Fahnen zu bringen. Dem konnte das Proletariat lange Jahre hindurch Mi? wenig entgegensetzen. Es mußte erst für seinen Klassenkampf freie Bahn schaffen, die Massen der Erwachsenen organisieren, den Feinden ein« geschulte, allzeit kampfbereite Armee entgegenstellen. Heute. wo die Partei eine Dreimillionenarmee mustert, findet sie Zeit und hat sie die pädagogischen Kräfte, um ruhige Erziehungsarbeit zu leisten. Eine Erziehungsarbeit, deren gute Früchte in der Zukunft reifen. Der Nürnberger Parteitag beschloß, daß im ganzen Reiche Jugeildausschüsse gegründet werden sollten, um die arbeitende Jugend zu sammeln und im Geiste einer freien Weltanschauung zu erziehen. Die Ausschüsse sind auch an der Arbeit, die heran- wachsende Jugend zu bilden, zu schulen, sie den christlichen Jugend- vereinen zu entreißen. Es wurden Jugendorganisationen ge» bildet, in- verschiedenen Städten zudem Jugendheime gegründet, in denen der Lehrling, der jugendliche Arbeiter, die junge Arbeiterin, ein Heim und eine Bildungsstätte finden. Zur Besorgnis und zum Schrecken der Gegner wächst und blüht die junge Garde kräftig heran; sie blüht trotz der Anstren- gungcn der Feinde. Die Polizei arbeitete vergeblich mit aller» band Schikanen, um die Organisationen anfzulösen, die Geistlichkeit mit allen nur zu wohlbekannten Mitteln bei der Jugend und den Eltern, um den klerikalen Einfluß auf das Volk auftechtzu» erhalten. Die Mütter müssen deshalb die Kinder den Veranstaltungen unserer Jugendbewegung zuführen; besonders die Kinder, die jetzt mit Ostern die Schule verlasse». Sie wurden durch die Schule in vielen Punkten mit bösen, volksfeindlichen Anschauungen verbildet. Je schneller diese Vorurteile weichen, um so schneller wird aus dem Nachwuchs ein freies, starkes Geschleckt, aus dem vor allem starke Kämpfer für»ufere Partei hervorgehen. Frauen und Mütter! Erfüllt deshalb Euro Parteipflicht und führt die Kinder unserer Jugendbewegung zu! Versamuiluiigen— Veranstaltungen. Lervand der Hausangestellten. Sonntag, den 27. März lt. Oster, feiertag), in den„Jndustrie-Festsälen". Beuthstr. 20 j(großer Saal):.Frühlingsfest". Lichtbildervortrag(Wilhelm Busch .Julchen"). Anfang 6 Uhr. Anfang des Vortrages Ä8 Uhr. GewerhlcbaftUche� Dfe Berliner Hkhordmaurer und der Kampf im Baugewerbe. Eine öffentliche Versammlung öer Berliner Akkord- maurer, die von: Vorstaude des Zweigvereins des Zentral- Verbandes und vom Vorstände des Gewerkschaftlichen Vereins der Akkordmaurer gemeinsam nach den Arminhallen einbe- rufen war, beschäftigte sich mit der Stellung der Akkordmaurer tm Berliner Baugewerbe. Dem Rufe waren zirka SM Jnter- estenten gefolgt, von denen die größere Hälfte jetzt im Akkord arbeitet. Das Bureau wurde von beiden je zur Hälfte be fetzt, ebenso stellte jeder Teil einen Referenten. Das Stattfinden und der Verlauf der Versammlung können als ein erfreuliches Zeichen des siegenden Gedankens der Arbeitersolidarität angesehen werden. Die immer schärfer aufeinanderplatzeirden Gegensätze zwischen den Anwendern menschlicher Produktionskräfte und den Verkäufern der Ar beitskraft treiben selbst die durch bestimmte Umstände zeid weise in Verwirrung und auf Abwege geratenen Ardeiter immer wieder zu der Erkenntnis, daß sie als Hilfstruppe der Unternehmer keine würdige Rolle spielen und in letzter Linie sich nur selber schaden, wenn sie sich als Puffer und Geißel gegen die eigene Klasse verwenden lassen. Der im Septeniber 1897 gegründete Gewerkschaftliche Verein setzte sich aus Mitgliedern der Lohnmaurerorganisa- tionen zusammen. Sie waren fast alle nüt den Beschlüssen und Grundsätzen der Organisation in Konflikt geraten, so daß der Ausschluß erfolgt war oder doch in Aussicht stand. Sperren und Streiks der Lohnarbeiter respektieren sie nicht. Seit 1897 sind eine große Anzahl gesperrter Bauten besetzt worden. Bei Streiks und Aussperrungen betrieben sie dasselbe ver werfliche Spiel, und eine der Ursachen, aus denen der Kamp, 1997 verloren ging, ist, daß die Akkordmaurer den bestreikten Arbeitgebern Arbeitskräfte zur Verfügung stellten und die notwendigste Streikarbeit fertig stellten. Im Hochsommer 1897 arbeiteten nur 1,94 Proz. der in Berlin beschäftigten Maurer im Akkord, der Prozentsatz stieg bis zum Mai 1997 auf 19 und er erreichte bis Ende des Kampfes im August desselben Jahres die bedrohliche Höhe von 24 Proz. Gegenwärtig dürften es wieder kaum 19 Proz. fein. Letztere stehen nicht niehr alle in offener Feindschaft gegen den Zentralverband. Der letztere sah sich nämlich in- folge der drohenden Gefahr im Januar 1998 veranlaßt, seinen Beschluß aufzuheben, wonach jeder im Akkord arbeitende Maurer ausgeschlossen werden mußte. Das Akkordverbot wurde aufgehoben und allen die Pflicht auferlegt, durch Auf- klärung die Maurer von der Schädlichkeit der Akkordarbeit zu überzeugen. Wer dennoch durch Zeit und Umstände ein- mal genötigt wird, im Akkord zu arbeiten, kann seitdem Mitglied des Verbandes bleiben. Den Akkordmaurern aber hat der Verband der Berliner Baugeschäfte mit schlagenden Beweisen gelehrt, wie töricht es gehandelt ist. wenn Arbeiter sich als Rausreißer der Unter nehmer gebrauchen lassen. So kam es. daß bestimmte gleichlaufende Interessen die bisher feindlichen Organisationen zunächst zu dieser einheit lichen Aktion zusammenführte. Der Referent des Verbandes gab zunächst einen fach lichen historischen Rückblick über das Entstehen der Sonder organisation und führte die Anwesenden in den Stand der jetzigen Tarifverhandlungen der Lohnmaurer ein. Indem er ihnen die Forderungen des Deutschen Arbeitgeberbundes er- klärte, zeigte er ihnen auch, wie stark hierbei die Interessen der Akkordmaurer ebenfalls berührt würden. Andererseits sei zu wünschen, daß sich überhaupt kein Akkordmaurer wieder zu Verstößen gegen die Solidarität bewegen lasse. Er for- derte sie deshalb auf. bei dem kommenden Kampf, unbeschadet der abweichenden Meinung über die Lohnform, mit den Lohnmaurern strenge Solidarität zu üben. Diese Ausfüh- rungen fanden lebhaften Beifall. Der Referent des Gewerkschaftlichen Vereins ging von dem Standpunkte aus, daß angesichts des drohenden Kampfes im Baugewerbe die Akkordmaurer sich fragen müßten, ob es nicht an der Zeit sei. sich eine würdige Stellung in der beut- schen Arbeiterbewegung zu errmgen, daniit sie endlich in die Reihen der um Existenz und Zukunft kämpfenden Organi- sationen eingereiht werden könnten. Ursache sei Hinlänglich vorhanden. Als die Lohnmaurer 1997 im Kampfe lagen, sei der Verband der Baugeschäfte mit der Frage an den Verein herangetreten, ob er mit ihm einen Vertrag schließen wollte. Es wurde den Akkordmaurern dauernde Beschäftigung und ständige Bevorzugung zugesagt. Auch die Preise wurden geregelt. So sollten im Keller für 1999 Steine 7,59 M. gezahlt werden. Leider waren die Akkordmaurer so vertrauensselig und übersahen, daß im Ver trage das wichtigste, nämlich die Preise, nicht aufgenommen worden sind. Als nun der Lohnkampf der Maurer verloren war und die Krise begann, da erinnerte sich der Arbeitgeberverband seiner Liebeswerbungen nicht mehr. Konnten früher die an- gebotenen Bauten kaum alle mit Maurern besetzt werden. so ließ nun die Arbeit nach und die Arbeitgeber drückten ganz schrecklich die Preise. Während der Maurerlohn von 1897—1997 um 25 Proz. stieg, war der Akkordpreis pro Tausend auf 7.59 M. stehengeblieben und wurde nun auf ö M. und weiter herabgedrückt. Die Ausbeutung stieg ins ungeheure und die Qualltät sank dermaßen, daß kein Akkordmaurer dafür die Verant- wortung übernehmen kann. Im März 1999 wurde der Vorhand des Gewerkschaft- lichen Vereins bei dem Verbände der Baugeschäfte vorstellig und fragte an, warum denn die Preise trotz des bis 1. April 1919 geltenden Vertrages so herabgedrückt wären. Da wurde höhnisch und kalt geantwortet, daß der Arbeitgeberverband ja die Preise nur für 1997 vereinbart habe. Im übrigen seien die Akkordmaurer selber schuld, wenn die Preise herab- gegangen sind. Wären sie in der Lage, vermittels einer großen Organisation, so wie die Verbände, mit Streiks und Sperren für ihre Sache zu wirken, so würden die Arbeitgeber gern bereit sein, die Preise auch weiter zu zahlen.„Wir mußten beschämt von dannen ziehen," so ruft der Redner aus,„haben uns aber gelobt, Einkehr zu halten und nicht zu. ruhen, bis wir uns Ehre, Achtung und Respekt auf allen Seiten errungen haben." Wir werden es dem Arbeitgeber- verband niemals vergessen, wie schändlich er uns behandelt Hot und wie verächtlich er uns beiseite schob, als wir ihm aus der Patsche geholfen. Wir werden uns nicht wieder wie 1997 dazu mißbrauchen, unseren anderen Kollegen vom Verband Knüppel zwischen die Beine zu werfen.(Stürmischer Beifall.) Im November 1999 fragten wir wieder an, ob zum Zwecke der Vertragserneuerung Verhandlungen stattfinden können. Nach längerer Zeit fand eine solche statt. Wir wurden sehr kühl behandelt. Wohl stimmte man unseren allgemeinen Vorschlägen zu, auch dem, daß Sonnabends um 4 Uhr Feierabend sein soll: aber den wichtigsten Punkt, die Festsetzung der Preise, lehnten die Unternehmer ob. Ein Vertrag ohne Preisfestsetzung ist vollständig wertlos: damit dürfte auch für uns die Verhandlung für gescheitert gelten. Die Arbeitgeber können ja auch mit uns keine Vereinbarung treffen, wenn sie von-den Verbänden ausdrücklich die Ver- pflichtung fordern, vor und bei der Vereinbarung der Akkord- preise keinerlei Einfluß auf ihre Mitglieder auszuüben. Also. Kollegen! Unsere Stellung ist klar. Wir dürfen unseren Kollegen vom Verband nicht mchr hindernd in den Weg treten, sondern müssen mit ihnen Schulter an Schulter käinpfen. Etwas anderes dürfen wir nicht mehr mit unserer Ehre für vereinbar halten.(Lebhafter Beifall.) Nachdem sich noch mehrere Redner im gleichen Sinne ge- äußert hatten, fand folgende Resolution einstimmige An nähme: „Die heute am 23. März in den„Armin-Hallen", Kam Mandantenstraße S8/59, tagende öffentliche Versammlung der Akkordmaurer Berlins und der Umgegend beschließt: In Erwägung: daß der eventuelle Kampf im Baugewerbe Deutschlands im Jahre 1910 einen großen Umfang annehmen und den Herrenstandpunkt der organisierten Unternehmer in noch nie dagewesener Schärfe zeigen wird; in fernerer Erwägung: daß die Berliner Akkordmaurer-durch ihren bisherigen Standpunkt in früheren Lohnkämpfen der Maurer, nicht nur diese, sondern in noch viel größerem Maße sich selbst un- geheuer geschädigt haben; daß sie in einer eventuellen Aussperrung der Maurer Deutsch- lands und dadurch auch der Berliner Maurer, oder in einem eventuell aus der Aussperrung hervorgehenden Lohnkampf der Berliner Lohnmaurer gegen letztere vollste Solidarität üben und jeden Streik- oder Spcrrbruch weit von sich weisen. Ferner verpflichten sich die Anwesenden, ihren ganzen Einfluß auf die in der Versammlung nicht erschienenen Akkordmaurer im Sinne der Resolution aufzubieten." Berlin und ümgegend. Achtung! Friseurgehilfen! Zwecks Kontrolle darüber, daß am zweiten Feiertage nicht ge- arbeitet wird, melden sich die Kollegen am genannten Tage zwischen 9— 11 Uhr im Bureau, Rosenthalerstraße 57. Verband der Friseurgehilfen, Zweigverein Berlin und Vororte. Die Lohnbewegung im Schneidergewerbe Berlins und der Bororte schreitet rüstig vorwärts. In der Herrenkonfektion wird die Zahl der Geschäfte, die sich genötigt sehen, Tarifverträge mit dem Schneiderverband abzuschließen, immer größer, so daß man dem Ziele einer allgemeinen und einheitlichen Regelung der Lohn und Arbeitsverhältnisse immer näher kommt. In der vorigen Woche ist unter anderem bei der Firma Hugo Hermann u. Co. ein Tarifvertrag auf derselben Grundlage wie bei den vordem schon tariflich geregelten Geschäften abgeschlossen worden, allerdings erst nach viertägigem Streik. Die Firma hatte so niedrige Angebote gemacht und dann die Verhandlungen der- maßen hinauszuziehen versucht, daß den dort-beschäftigten Kon- fektionsschneidern kein anderes Mittel als die Arbeitsniederlegung übrig blieb, die ja dann auch ihren Zweck nicht verfehlte. Am Sonnabend, als die mündlichen Abmachungen schon getroffen waren, weigerte sich der Firmeninhaber, den Tarifvertrag zu unterschreiben und behauptete, daß bei anderen Firmen niedrigere Lohnsätze vereinbart seien. Nun ist es Tatsache, daß bei einer Firma die Grundpreise für Sakkos in zwei Serien etwas niedriger angesetzt sind. Das ist aber ganz unbedeutend, und übrigens wurde der Tarif mit jener Firma schon früher abgeschlossen als der bei Adalbert Stier, der die Grundlage aller weiteren Tarif- abschlüsse bildet. Aus jener geringen Abweichung, die die Firma Hugo Hermann als Grund der Verweigerung ihrer Unter- schrift anführte, kann also keineswegs gefolgert werden, daß der Grundsatz der Einheitlichkeit der Tarifverträge nicht durch- geführt wird. Die bei der Firma beschäftigten Schneider nahmen am Monwg in einer vollzählig besuchten Versammlung Kenntnis von dem Verhalten des Unternehmers und beschlossen, falls er nicht sofort unterzeichnete, die Arbeit wieder niederzulegen. Als der Firmeninhaber das erfuhr, wandte er sich sogleich an den Schneiderverband und unterschrieb den Tarifvertrag, der nun am 15. April in Kraft tritt. Der Tarifvertrag für die Herrenkonfektion ist im übrigen end- gültig abgeschlossen und unterzeichnet hei Adalbert Stier, wo er am 15. April in Kraft tritt, bei M a ch o l u. L e v i n, wo er am 1. April, bei Cohn u. Sohn, wo er am selben Datum in Kraft tritt. Bei Stern Gebr. ist der Tarifvertrag vor- gestern unterzeichnet worden und gilt, wie bei Hermann und bei Stier, vom 15. April ab. Bei der Firma S. A d a m ist der Tarifvertrag endgültig unterzeichnet und auch schon seit dem 1. März in Kraft getreten. Bei Bender u. Gattmann ist der Tarif ebenfalls unterzeichnet und gilt vom 1. April ab. Bei Elsbach Nachfl. wird die Unterzeichnung des Tarifs, der dort am 15. April in Kraft tritt, demnächst erfolgen. Am selben Tage soll auch bei Albert G r a e tz der Tarif in Kraft treten, hier rnd jedoch noch einige Positionen zu regeln. Bei der Firma S ch u l m e i st e r ist die tarifliche Regelung bereits durchgeführt, die Unterzeichnung steht jedoch noch aus. Die Firma Reichmann, die den Tarifvertrag, der am April Geltung erhalten soll, noch nicht unterzeichnet hat, er- hebt die Einwendung, daß bei den Verhandlungen andere Preise vereinbart seien, als jetzt im Tarif verzeichnet sind. Die bei ihr tätigen Schneider hielten am Montag eine Versammlung ab, wo estgestellt wurde, daß der schriftlich niedergelegte Tarif durchaus übereinstimmt mit den Aufzeichnungen der Kommissionsmitglieder, und beschlossen wurde, der Firma mitzuteilen, daß sie sich geirrt habe, und daß, falls sie sich weigere, den Tarif in der vorliegenden Fassung zu unterzeichnen, die Arbeit eingestellt werden müsse. Antwort wird bis spätestens den 29. März verlangt. Eingereicht, aber noch nicht abgeschlossen, sind die Tarife bei den Firmen Max Lesser und Pohl u. Schmidt. Für eine Reihe anderer Firmen sind die Vorbereitungen zur Einreichung der Tarife im Gange. Die Tarife für die Herrenkonfektion müssen immer einzeln ausgearbeitet werden, da in jedem Geschäft Arbeiten >u finden sind, die in anderen Geschäften nicht vorkommen und larum besonders berücksichtigt werden müssen. Uebrigens werden die abgeschlossenen Tarife gedruckt und einer allgemeinen Branchen- Versammlung vorgelegt werden. Der Tarifvertrag der K o st ü m b r a n ch e ist durch die kürz- lich eingeleitete Bewegmu;. die sich auf die bisher nicht geregelten Geschäfte erstreckt, vorläufig bei weiteren fünf Firmen zur An- erkennung gebracht.— Die Verhandlungen, die mit den Arbeit- gebern der Kostümbranche über die halbstündige Verkürzung der wöchentlichen Arbeitszeit infolge der Gewerbeordnungsnovelle ge- pflogen wurden, haben zu einer Einigung nicht geführt. Die Arbeitgeber haben sich jedoch bereit erklärt, sich einem Schieds- pruch des Gewerbegerichts zu unterwerfen. Der Schneidcrverband wird sich wahrscheinlich ihrem Vorgehen anschließen und den binnen kurzem zu erwartenden Schiedsspruch anerkennen. In der MilitSrbranche änd wegen der neuen Uniformen, wobei es sich allerdings vor- äufig nur um Muster handelt, Verhandlungen gepflogen und auch Preise mit dem Warenhaus für Armee und Marine vereinbart Letzte Nadmcbtcn und Depcrcbcn. Riistungskoller in Rußland. Petersburg, 24. März.(W. T. B.) Die Finanz» kommiffion des Reichsrates stellte die im Budget ge» orderten Kredite von 14 674 999 Rubel für den Bau neuer Kriegs- chiffc, die die Budgetkommission der Duma um elf Millionen redu- ziert hatte, wieder her._ Zusammenstöße an der montenegrinische» Grenze. Saloniki, 24. März.(W. T. B.) An der montenegrl« Nischen Grenze ist es in den letzten drei Tagen zwischen Arnauten, türkischen Grenzsoldaten und Monte» negrinern zu mehreren blutigen Zusammenstößen gekommen. Bei Erzanitze und Pepitsch dauern die Scharmützel an. Zwei Montenegriner und ein Arnaüte sind bereits gefallen. Die montenegrinische Regierung hat Einspruch erhoben und droht, zur Selbsthilfe zu greifen, falls die türkische Regierung nicht sofort die Ruhe wiederherstellen läßt. Gewalten der Tiefe. Catania, 24. März.(W. T. B.) Wie Direktor Ricco vom Aetnaobservatorium aus Nicolisi telegraphiert, haben die Eruptionen der letzten Tage einen Lavastrom ausgeworfen, der in einer Breite von 599 Meter mit einer Stundengeschwindigkeit von mehr als 29 Meter vom Monte San Leo herabströmt. Ein Telegramm aus M U o meldet, daß die dortige Bevölke» rung heute durch eine starke Erderschütterung in großen Schrecke» versetzt worden ist. Verantw. Redakt.: Richard Barth, Berlin. Inseratenteil verantv.: rh. Glocke. Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u. VeriagSanstaU Paul Singer& Ca, Berlin 8 W, Hierzu 4 Beilagen u.vnterhaltungSbl, worden, jedoch unter der Voraussetzung, daß, wenn die Uniforme» allgemein eingeführt werden, über die Löhne noch weiter der- handelt wird. Die Herrenmnßschnciber CharlottenburgS haben ihre Lohnbewegung mit Erfolg beendet. Es sind überall Tarifverträge, entsprechend dem Berliner Herrenmaßschneidertarif, abgeschlossen worden. Allerdings konnte dies gute Ergebnis nicht ohne Streik erzielt werden, und die Verhandlungen mit der von den Meistern eingesetzten Kommission hatten sich auch zerschlagen, weil die Herren nicht eher Abmachungen treffen wollten, als der Streik aufgehoben wurde. Darauf konnten die Vertreter der Arbeitnehmer natürlich nicht eingehen und darum mußte man sich wieder an die einzelnen Firmen wenden, wobei denn auch der gewünschte Erfolg nicht ausblieb. In S t e g l i tz konnte die Lohn- bewegung der Herrenmaßschneider ebenfalls nach erfolgreichem Streik für beendet erklärt werden, nachdem auch dort der Tarif im allgemeinen zur Anerkennung gebracht ist. Sechs Firmen mit im ganzen 18 Arbeitern haben ihn jedoch noch nicht anerkannt, und über sie ist d i e Sperre verhängt. Nun erklären sich diese Firmen allerdings auch bereit, den Tarif zu unterzeichnen, nur sind sie sich noch nicht klar darüber, wer den Anfang machen soll.— Bekanntlich hatten die Arbeitgeber in Steglitz bei der Einreichung der Forderungen den Einwand erhoben, daß dort noch ein Tarif- vertrag bestehe und erst einmal gekündigt werden müsse. Der Schneidcrverband erklärte demgegenüber, daß in dem alten Tarif keinerlei Kündigungsfrist vereinbart sei. Daraufhin brachten die Arbeitgeber zu den Verhandlungen den Krcissekretär mit, der der Arbeitnehmern klar machen sollte, daß sie Tarifbruch begangen hätten. Nachdem der Kreissekretär jedoch Kenntnis von der Rechtslage genommen hatte, mußte er erklären, daß die Arbeit- nehmer das juristische Recht hatten, ohne Kündigung neue Frfrde- rungen zu stellen, wenngleich er meinte, daß ihnen vielleicht moralisch die Pflicht nahegelegen habe, erst zu kündigen. Achtung, Bautischler! In dem B-augeschäft von August Konrad in Hennigsdorf sind neue Differenzen ausgebrochen, weil Herr Konrad das bei der Verhandlung gegebene Versprechen nicht einhält. Zuzug ist fernzuhalten. Deutscher Holzarbeiterverband. Zahlstelle Hennigsdorf i. d. Mark. Deutfckes Reich. 250 Hochofenarbeiter des Differdinger Werks der Deutsch. Luxemburgischen Bergwerksgesellschaft traten wegen Verweigerung der geforderten Lohnerhöhungen in den Ausstand. Ausland. Die Maffenaussperrung in Dänemark beschlossen. Der Hauptvorstand der Dänischen Arbeitgebervereinigung hat am Dienstag die geplante Massenaussperrung der Mitglieder des Arbeitsmannsverbandes beschlossen. Sie soll am 2. April durch« geführt werden und sich auf die Textilindustrie, die Seilereien, das ganze Baugewerbe, die Dachpappenfabriken, die Steinhauereien, die Sägewerke, die Möbelindustrie, die Ziegeleien, die Kalt- und Mörtelwerke, die Erdarbeiten, die Eisenindustrie und verschiedene andere Fächer erstrecken, so daß damit zu rechnen ist, daß die ge» samte Industrie und auch die öffentliche Bautätigkeit lahmgelegt wird. ES sind zunächst ungefähr 19 999 Mann, die direkt von der Aussperrung betroffen werden sollen. In der Folge wird natürlich die Zahl derer, die aus der Arbeit gedrängt werden, bedeutend größer werden. Die Arbeitgebervereinigung hat bei Veranstaltung der Aussperrung die nach der Generalaussperrung von 1899 mit dem Gesamtvcrband der Gewerkschaften getroffenen Verein» barungen. die noch immer volle Geltung haben, gebrochen und wird dafür von dem permanenten Schiedsgericht zur Rechenschaft gezogen. Der Dänische Arbeitsmannsverband. der mit seinen sckwedischen, norwegischen und deutschen Brüderverbänden Gegen- seitigkeitsverträge abgeschlossen hat, sorgt unter anderem schon durch internationale Beratungen dafür, daß die Arbeiterschaft auch in diesem ihr aufgezwungenen Kampf keine Niederlage erleidet. Kongreß des italienischen Maurer» und Bauarbetterverbanbe» (Federazione Edilizia in Turino). In Turin tagten vom 19. bis 23. d. M. die dem italienischen Verband angeschlossenen Maurer und Bauarbeiter. Man kann ohne Uebertreibung sagen, daß noch kein italienischer Gewerkschaftskongreß soviel praktische und die Gewerkschaft fördernde Arbeit schaffte. Angenommen wurde, für die Verkürzung der Arbeitszeit auf 9 Stunden einzutreten. Ferner wurde der Anschluß an die Generalkommisston Italien» eschlossen. Doch was besonders nicht allein für den italienischen Verband, sondern auch für seine Bruderverbände von Bedeutung ist, das ist die Erhöhung der Beiträge, womit sich der italienische Mauerverband an die Spitze-der italienischen Verbände stellt. Bisher zahlten die italienischen Bauarbeiter nur für ein halbe? Jahr Verbandsbeiträg«; dies wurde dahin umgeändert, daß die Beiträge von 1912 an für 49 Wochen zu zahlen sind. Auch wurden die Monatsbeiträge erhöht, ähnlich dem Deutschen Maurerverband nach Staffelungen. Auch die Zusammensetzung des Vorstandes, Einrichtung des Kontrollausschusses usw. wurde nach deutschem Muster beschlossen. Ferner wurde über Unfall- und Jnvalidengesetz referiert, und zeigte dieser Kongreß, daß der Bauarbeiterverband unter vorzüglicher Leitung steht, und eS deswegen zu begreifen ist, daß daS Unternehmertum ihn mit allen Fibern haßt. Am 21. d. M., abends, fand eine Zusammenkunft der ausländischen Organi» sationsvertreter statt, um sich über die beste Art der Organisierung der Auswanderer zu besprechen und sonstige wichtige Punkte zu beraten. Der Kongreß hat gezeigt, daß auch der italienische Ar- beiter den großen Wert der Organisation und der praktischen Arbeit begriffen hat und für das deutsche Unternehmertum daS frühere Paradies der Lohndrücker und Streikbrecher geschlossen ist. 5t. 71. 27. Jahrgang. 1. Kcilqe des Jotiuäito" Iniinn Inlbiilntt. Mag. 25. Märi 1910. SoÄsIiitliche Kongrdle in Condon. London, 22. März. Während der Ostertage halten die Sozialdemokratische Partei iS. D. P.) und die Unabhängige Arbeiter- Partei sJndependent Labour Party— I. L. P.> ihre Jahres- kongresse in London ab. Die Delegierten der S. D. P. tagen am 25., 26. und 27. in Canning Town Waiden« bürg in der 2. und 3. Klasse, Sandberg bei Altwaffer, Weiß« Wasser, Rietschen, Leschwitz, Altwasser, Groß-Krauschen, Laos- witz(in beiden Orten sieben neue Mandate!), Konradstal bei Waldenburg uird Groß-Rosen bei Striegau. In dem historischen Weberdorfe Langenbielau erhielten unsere Vertreter dies- mal 1392 Stimmen, gegen nur 573 Stimmen der letzten Wahl! Die Gegner erhielten dort nur noch 299 Stimmen! In mehreren Orten gingen Protest wählen vor sich: Da unsere Genoss--.» keine Hausbesitzerkandidaten aufbringen konnten, stellten sie Un- ansässige auf, nur um die Stimmen zu zählen, erhielten auch hier und da die Mehrheit. Die Mandate wurden jedoch dank der famosen Landgemeindeordnung für ungültig erklärt und die gegnerischen Kandidaten als gewählt proklamiert, obwohl für sie lächerlich wenig Stimmen abgegeben worden waren. Die L a n d r ä t e und A m t s v o r st e h e r haben sich bei diesen Wahlen von ihrer allerschlimmsten Seite gezeigt. Die Wahlzeit wurde in die für Arbeiter ungünstigste Tageszeit gelegt(früh 9, 19, 11 oder nachmittags 3 und 4 Uhr!), einzig in der Absicht, die Arbeiter von der Wahl fernzuhalten, d. h. also, ihnen ein gesetz- Ii ches Recht hinterlistig zu rauben! Das hat die Erbitterung der Einwohner gefördert und durch vollzähliges An- treten haben meist die Arbeiter, schwere Opfer bringend, einen Strich durch die Rechnung gemacht. Auch schon vor der Wahl hatte man alles getan, um die rote Welle zurückzudämmen: Die Wühlerlisten waren erbärmlich mangelhaft, in vielen Orten wußte der Gemeindevorsteher überhaupt nichts von einer Wählerliste, legte sie mithin auch nicht öffentlich aus, in anderen Orten wiederum gestattete man den Arbeitern nicht, Einsicht in die Liste zu nehmen, oder man verlegte die„Amtsstunden", und vor allem betrieb man gewissenlosen Unfug mit den Stimmen der Forensen. Soweit unsere Genossen mit Forensenstimmen antraten, erklärte man sie für— ungültig, kamen aber die Gegner damit an, nahm man sie als gültig an. Ja, in einem Orte verübte man geradezu galizische Manöver, um uns um unseren Sieg zu be- trügen. Aber es war alles umsonst: Das Volk steht auf, und selbst in den finstersten Winkeln, da wo der Landrat despotisch herrscht, wird eS hell._ Der Parteilag der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei Hollands, Amsterdam, 24. März 1919. Der diesjährige sechzehnte Parteitag der Sozialdemo-' kratischcn Arbeiterpartei findet zu Ostern in Leeuwarden statt und dauert wieder drei Tage. Zur Tagesordnung liegen 91 Anträge vor, deren vornehmste auf folgende Angelegenheiten Bezug haben: Das der marxisttschen Minderheit auf dem Deventer außerordentlichen Parteitage zuge» standene„Wochenblatt"; die Gründung einer wissenschaftlichen Partcischrift, eventuell neben der bestehenden„Nieuwe Tyd"; die Unterrichtsfrage; die Wahlrechtsfrage; die Vertretung der sozial» demokratischen Frauenklubs auf den Parteitagen der Sozialdemo- kratischen Arbeiterpartei; die Kolportagcfreiheit in den öffentlichen Versammlungen der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei; Achtuhr- Ladenschluß; Altersversorgung; Zusammensetzung des Partei- Vorstandes; Jugendorganisation; Militarismus; Land den Land- arbeitern; die Haltung der Partei bei Stichwahlen; Bildungsarbeit; Mitwirkung der Arbeiterorganisationen in der Verwaltung der Betriebe; eine Resolution, die sich gegen die Publikation eines Artikels des Parteipropagandisten Leeuwenberg in dem bürgerlichen Blatte„de Beweeging", wendet, worin er für einen„demokratischen Block" eintritt. Dem Jahresbericht des Parteisekretärs der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei, den er dem Partestage vor« legen wird, entnehmen wir folgendes: Die Zahl der Parteiabteilungen stieg von 194 auf 295, die Mitgliederzahl von 8779 auf 9594. Infolge des Deventer Beschlusses verlor die Partei zwei Abteilungen und 493 Mitglieder aus zusammen 49 Abteilungen.— Bei den im letzten Sommer stattgefundenen Kammerwahlen unterstützte die Partei in den Stichwahlen 6 Freisinns-Dcmokraten. 13 UnioNs-Liberalen. Zwei Kammersitze gingen der Partei verloren, zwei wurden gewonnen. Bei den Gemeinderatswahlen gewann die Partei 21 neue Sitze. Ueber die Wahlrechtsaktion hielt der Parteivorstand mit dem Aus- schütz der Gewerkschaftszentralc eine Besprechung, deren Resultat war, daß die Partei der Unterstützung und kräftigen Mitwirkung deS Verbandes der Gewerkschaften sicher ist, falls die Beschlüsse der Partei mit einem vom Parteivorstand dem Parteitage vorzu- legenden Antrag übereinstimmen.— Der Parteivorstand ernannte eine Kommission zur Besprechung der ganzen Materie der sozialen Versicherung, mit Ausnahme der Arbeltslosenversicherung. Ueber daS Verhältnis der Sozialdemokratischen Arbeiter« Partei zur Sozialdemokratischen Partei(der neuen Partei) Ihr seid nickt auf den Mann beschränkt, schont nicht Geschlecht noch Alter. Den Säbel raus und eingesprengt als rechte Hutzerspalterl Und Kind und Weib und Mann und GreiZ wird ohne Wahl vernwbelt— das ist doch noch die Lands lnechtSweis', nach der ihr Helden säbelt l Franz. Notizen. — Einfach auSjeschlossenl Herr v. Hülsen war alS derzeittger Berliner kgl. Bühnengewaltiger im Testament der ver» storbenen Münchener Schauspielerin Klara Ziegler zusammen mit den, Münchener Generalintendanten und dem Präsidenten der deutschen Bühnengenossenschaft zum Verwalter der Ziegler-Sliftung eingesetzt worden. Da die Schauspieler es sich neuerdings herausnehmen. Herrn Hülsen, den Diktator des direktoriale» BübnenvereinS, nicht mehr bloß zu beweihräuchern, lehnte es seine Junkerlichkeit ab, gemeinschaftlich mit dem jetzigen Präsidenten der Genossen« schaft einer Körperschaft anzugehören. Das Auftreten deS jetzigen Leiter? der Schauspielerorganisation. deS Herrn Nissen, der MamieSmut bewiesen hat, paßt Herrn Hülsen nicht. WaS hätte die honette Sippe für ein Jndianergeheul an« gestimmt von Pietätlosigkeit, von Anmaßung und sonst was, wenn sich ein simpler Mitbürger dergleichen herausgenommen hätte. Herr Hülsen ist zufälliger Jnbaber eines Amtes, zu dem man keine Be« fähignna zu haben braucht. Frau Ziealer war sehr schlecht beraten, als ste den erwählten Vertrauensmann einer Künstlerorganisation mit Hosbeamten, die mit der Bübneitkunst keinerlei innere Gemein» schast haben, zusammeiikoppeln wollte. — Ein Rektor, der nicht zu Hof ging. AuS dem Leben deS jüngst in Berlin verstorbenen hervorragenden Erforschers romanischer Sprachen, Adolf Tobler. wird in der„Franks. Ztg."' eine charakteristischer Vorfall berichtet. Tobler war Schweizer von Geburt und halte sich, trotz seiner langjährigen Tätigkeit in Berlin, nicht ganz die borussische Kultur anzueignen verstanden, weswegen er denn auch nicht wie seine servilen Kollegen.geheimer MegierungSrat" wurde. Als Tobler das Rektorat der Berliner Universität verwaltete, wurde er natürlich zu Hof geladen. Er ver» zichlete indes darauf hinzugehen, weil er die von oben her dekretierte Hofmode der EskarpinS nicht mitmachen wollte. Tobler wird der einzige Universitätsrektor geblieben fein, der die Maskerade abzu» lehnen Manns genug war. sag? Ert Sttlchk, btft sssue Partei fiaBe Eti! illien fetrren Schaden verursacht. Zur gemeinschaftlichen Feier des MaitageS beider Parteien riet der Parieivorstand den Abteilungen, auch die Sozialdemokratische Partei einzuladen, fall» auch andere Arbeiterorganisationen hierzu angegangen werden, nicht aber, wenn die Sozialdemokratische Arbeiter« partei-Abteilung die Feier selbständig begeht.— In bezug auf da» Zusammenwirken beider Parteien bei einer Gemeinde- ratswahl riet der Parteivorstand zur Ablehnung und begründete die» damit, dah e» nicht angehe, mit einer sozialdemokratischen Partei zusammenzuwirken, welche von der Internationalen als solche nicht anerkannt sei und hoch st wahrscheinlich nicht anerkannt werde. Zusammenwirken mit der Sozial- demokratischen Partei würde ihre Anerkennung derselben bedeuten, während kein Grund für ihre Existenz bestehe. Zwei Mitglieder des Parteivorstandes sprachen sich für das Zusammen« wirken aus, eins derselben, weil beide Parteien das gleiche Pro» gramm haben.— Der bekannte Verlauf des Gesuches der Sozial- demokratischen Partei um Anschluh an die Internationale, bezw. an das Internationale Bureau, wird im Berichte des Näheren erwähnt; mit der Weigerung der Mitwirkung hierzu seitens der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei sei die Angelegenheit vorläufig abgetan, beendigt jedoch nicht, da die Sozialdemokratische Partei nunmehr Berufung beim Internationalen Bureau eingelegt habe. Die Parteipresse hat sich um ein Wochenblatt vermehrt. Die zur Revision des Parteiprogramms nach dem Utrechter Partei- tage eingesetzte Kommission hat ihre Arbeiten nach zeitweiliger Einstellung wieder aufgenommen und hofft ihre Arbeit dem nächst- folgenden Parteitag zur Behandlung vorlegen zu können. Der Gerst in den Abteilungen, sagt der Bericht, sei ein besserer als im Vorjahre; bei vielen sei die Lust zur Parteiarbeit wieder zurück- gekehrt.— Der finanzielle Bericht zeigt an Einnahmen und AuS- gaben die Summe von 24 291,60% Gulden. Die Mitgliedcrbeiträgr belaufen sich auf 6105,99% Gulden. Der Wahlfonds ergab «946,05% Gulden, worunter 1200 Gulden von Genossen in den holländischen Kolonien beigesteuert. Eine neue Parteidruckerei. Die„G 3 r l I tz e r V o l k S z e i t u n g', die bislang als Kopf. Blatt der„Dresdener Volkszeitung" in der Zittauer Partei. druckerei hergestellt wurde, ist am TonnerStag zum ersten Male in der neuerrichteten Parteidruckerei in Görlitz gedruckt worden. AlS die„Görlitzer Volkszeitung" am 1. Februar 1899 gegründet wurde, erschien sie in bescheidenem Umfange nur dreimal wöchentlich. Am 1. April 1S0Z wurde sie in eine TageS- zeitung umgewandelt. Nach dem Vorbilde der Dessauer Genossen gründeten die Genossen Niederschlesiens eine Genossenschaft und einen Sparverein, um die erforderlichen Mittel zur Errichtung einer Druckerei aufzubringen. In knapp einundeinhalb Jahren wurden rund 126000 Mark aufgebracht, die zum Ankauf eines ausgedehnten bebauten Grundstückes dienten. Die Druckerei ist mit allen technischen Neuerungen auf dem Gebiete des Zeitung?- wesenS ausgerüstet. Die Genossen feiern die Eröffnung der eigenen Druckerei in würdiger Weise durch eine umfangreiche HauSagitation zur Gewinnung neuer Abon- nenten._ Mangelnde sittliche Befähigung. In Löbejün, einem Städtchen bei Halle a. S., war vor kurzem von der dortigen Stadtverordnetenversammlung der Genosse Lagerhalter Röber einstimmig zum Mitglied? des SchulvorstandcS gewählt worden. Die Regierung verweigerte jedoch die Bestäti- gung wegen„mangelnder sittlicher Befähigung" des Genossen. Die bürgerlichen Stadtverordneten fielen darauf gehorsam um und wählten einen der ihren._ Mus Induftrie und ftandel Der Arbeitsmarkt im Februar 1910. In der Großindustrie war nach dem Berichte des„Reichs- arbeitsblatteS" im Februar ein Stillstand, in gewissen Saison- gewerben eine Aufwärtsbewegung zu konstatieren. Auf dem Ruhrkohlenmarkte verschlechterten sich die Dbsatzver- hältnisse weiter. Auch im Saarrevier und in Oberschlesien blieb die Nachfrage nach Kohlen sehr schwach. Die Braunkohlenindustrie klagte gleichfalls. Hauptsächlich schuld daran waren die überaus günstigen WitterungStxrhältnisse, die den Bedarf für Hausbrand minderten. In der Eisen, und Metallindustrie hat sich gegen den Vormonat wenig geändert, doch machte sich eine leicht- Besserung fast allgemein geltend. Bei den Werken d«S Stahlwerksverbandes war die Beschäftigung etwa gleich gross wie im Vormonate. Die Textilindustrie leidet weiter unter den hohen Rohmaterial- preisen; ganz ungenügend war die Baumwollspinnerei beschäftigt. Auf die Tuchfabrikation war die milde Witterung von günstigem Einflüsse. Das Baugewerbe wies infolge der milden Witterung einen besseren Beschäftigungsgrad auf als sonst in dieser Jahres- zeit, doch wird ein wirklicher Aufschwung vermißt, zum Teil sogar eine Verschlechterung gemeldet. DaZ Bekleidungsgewerbe zieht Vorteil auS der warmen Witterung und aus dem dieses Jahr so früh fallenden Osterfeste, und ist deshalb sehr befriedigend be- schäftigt. Bei den an das Kaiserliche Statistische Amt berichtenden Krankenkassen ergab sich am 1. März gegenüber dem 1. Februar eine Zunahme der versicherungspflichtigen Mitglieder abzüglich der erwerbsunfähig Kranken um 55 610, und zwar um 42 83! männliche und 12 779 weibliche, während am 1 Februar gegenüber dem 1. Januar die Mnahull» 2411(— 8914 mannliche, T 6503 weibliche) betrug. Gegenüber dem Februar 1909 war die Zunahme dresmal wesentlich grösser; sie betrug danrals 7167 Mitglieder. Der März 1910 wies gegen den Februar 1910 eine Zunahme beider Geschlechter auf; im Vorjahre zeigte sich vom März 1909 zum Februar 1909 eine geringere Zunahme. Für beide Geschlechter war die Lage im Jahre 1910 günstiger. Auch die Berichte der Arbeitsnachweise lassen eine Belebung des ArbeitSmarkteS in die Erscheinung treten. Bei der Gesamt» zahl der berichtenden Arbeitsnachweise, für welche vergleichbare Zahlenangaben vorliegen, kamen im Februar 1910 auf 1CW offene Stellen bei den männlichen Personen 229, bei den weiblichen 90 Arbeitsgcsuche gegen 293 bezw. 89 im Februar 1909 und 254 iwzw. 68 im Vormonate. Auf dem Berliner Arbeitsmarkte steigerte sich der Beschäfti» gungSgrad um etwa 20 Proz., und zwar wurden nicht nur ein- zelne Industriezweige günstig beeinfluht. Im Regierungsbezirk Düsseldorf war die ArbeitSlage gegenüber der des Vormonats günstiger. In Hessen, Hefsen-Nassau und Waldeck hat die im Vor- monat einsetzende Besserung weiter angehalten. In Bayern und Württemberg war man allgemein zufrieden, dagegen lieh die Lage des Arbeitsmarktes in Elfass-Lothnngen zu wünschen übrig. Segen der Finanzreform. Die Reichsfinanzreform gab Brauereien, Wirten und Händlern willkommenen Anlass zu erheblichen Preiserhöhungen. So hat auch die Afchinger-Gefellschaft sowohl die Preise für Kaffee als besonders auch für Bier erhöht, zum Teil durch Einführung klei- nerer Gefässe. Vorwiegend auf diesen Umstand ist es zurückzu- führen, daß die Gesellschaft schon im vergangenen Jahre eine Mehreinnahme von rund% Million Mark erzielte. Nach dem, Geschäftsbericht steigerte sich auch der Bruttogewinn, und zwar von 2 227 151 M. auf 2 460 977 M. Die Aktionäre erhalten 8 Proz. Dividende. Wie die Verwaltung in der am Mittwoch abgehaltenen Generalversammlung mitteilte, ist im laufenden Geschäftsjahre einschliesslich der dritten Märzwoche gegen die gleiche Zeit des Vorjahres bisher eine Mehreinnahme von 175 000 M. erzielt worden. So wird die Reichsfinanzreform zu einer Segensquelle für die Gesellschaft. Mit ihr nützen viele andere die Steuer- erhöhung dazu auS. das Publikum doppelt und dreifach bluten zu lassen.__ gsreireli giSse Gemeinde. Kleine Frankfurter Strasse«. Sonntag. den 27. März, vormittags 11 Uhr: Feftv ortrag von Frl. I. Altmann. Montag, den 28. März: Festoortrag von Herrn Pros. Dr. A. Gehrkc. Damen und Herren als Gaste sehr willkommen._ Am Dienstag, den 22. März, entlchkief am Herzschlag w der Heilstätte Beelitz unser lieber Kol- leg«, der Schristsetzer Ulbert Scholz im 42. Lebensjahre. Sin ehrendes Andenken werden dem Braven stet» bewahren vis Kollegen der Firma Hempel& Co. Die Beerdlgnng findet am Sonnabend, den 2S März, nach- mittags 3 Uhr. aus dem Luisen- ftädttschen KIrchbos in Rtxdors, Hermaimstrasse, statt. lSSSb Bereinen, Gestllschasten usw. empfehle mein in den Allen Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, dass unser lieber Bater, Bruder und Gross- oater Otto Hirscbberg im viter von 72 Jahren nach langen schweren Leiden am 23. März saust entschlasen ist. Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 26. März, nach- mittag« 8 Uhr, von der Leichen- halle deS Zentral« FrtedhoseS in FriedrichSselde au» statt. 13L0b Um stille» Beileid bitten vis trausrnden Hinterbliebenen. Statt jeder besonderen Danksagung. Für die uns in so reichem Maße erwiesene Teilnahme beim Ableben unseres geliebten, unvergeßlichen Hem. SeftliM Kempski sagen wir den innigsten, herzlichsten Dank. Berlin, März 1910. Die Hinterbliebenen. Wersdorfer KMergkN VÄf Amt Salkberge ______________________ 84 Sfile ffljT lOOO Personen. Garten für 1000 Personen, zwei Kegel« —— C. Kit Fern- sprecher „Glückauf" bahne», Spielplatz, Kasfeeküche. Dampferstation. topp«». Am Mittwoch, den 23. d. Mi»., verschied nach kurzem schweren Leiden mein lieber, unvergcssltcher Mann, Vater, Schwiegersohn. Bruder, Schwager und Onkel. der Swckvteur Hugo Schmidt im 45. Lebensjahr«. 13Slb Die» zeigt an Im Name» der trauernden Hinterbliebenen Witwe.AIn,«, Schmidt. Die Tiauerseler findet am Sonnabend, den 26. er., nach- mittag»'1,4 Uhr, im Hanse Nürn- berger Straße 20 statt. Beerdigung:'1,6 Uhr, Kirchhof am Fiichendnmner Weg lChar- lottenburg). Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teitnabme bei der Beerdigung meiner lieben Tochter ITrlda Dürre sage ich allen Verwandten und Be- kannten sowie dem Metallarbeiter- verband(Zahlstelle Berlin), der Dtreftion und dem Personal der Auer- Gesellschast, Berlin, metneu herz- lichste» Dank. Im Namen der Hinterbliebenen: Vilhelmine Dürre. Bau-Genossenschaf».Turnerheim" Eingew. Geilossensch. ur. beschr. Hast. Sonnabend. den 2. April 1910, abend» 8'l, Uhr, Im Lokal von Kaiper, Nirdors, Richardswatze 35: General> Aeriammluna. Tage«- ordnung: 1. GeschästSbericht. 2. Ge- nehmtgung der Bilanz und Etit, lastung des Vorstände». 3. Beschlüsse sassung über Verteilung de« Rein, gewinn». 4. Neuwahlen de» Vorstände» und vusfichtsrate». 5. Stm tutenänderung.< Erhöhung der Haft. lumme auf 200 M.) 6. Verschiedene». Der Vorstand. 104)5 Max Schänberg. Otto Klein Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahm« und schönen Kranzspenden bei der Beerdigung unsere» guten Vater», de» Stein Hauers Vi Hertmann, sage ich allen Verwandten und Be- kannten, sowie dem Zentralverband ber Steinsetzer und BerusSg. im Namen aller Hinterbttebenen herzlichsten Dank 0. Sehenli, Antonstr. 34. Dr. Simmel Spezial-Arzt* für Haut- und Harnleiden. Prinzcnslr. 41, 10—2, 5—7. Sonntage 10—12, 2—4. Von der Reise zurück r3«B Dr. A. Pinkuss. ifaUds tutTm 8« JerUner Irtsller- RÄMereir Mitglied de» Arbeitev- Nadiahrer-BundeS »Solidarität-'. Tonren zum 25., 27.. 23.. 29. März: Am 27.: 2.. 6.. 10. Adk 2 Uhr: Hirschgarten. 28.: 1. bis 10. Wk 12 Uhr: MierS- dors(Zur Mühle). 1. Abt. 26. l Uhr: Baumschulen. weg(Speer). Start: Bülowsw. 58. 2. Abt. 25. 8 Ubr: Herrenpartt« (2. KreiS). 27. 5 Uhr: 2.Tagestour: Neu-Swelitz(Zum braunen Hirsch). Start: Fontane-Promenade lS. 3. Abt. 25. 8 Uhr: Werneuchen. von dort 1. Tag Bernau, 4. Tag Wriezen, Küstrin, Franksurt a. O. 27. 6 Uhr 2. Tag Franksiwt a. O. Uhr Birkenwerder(ParadieSgarien). >. 1 Uhr Alt-GIienicke(TroppenS). 4. Abt. 25. 7 Ubr: tzerreniour nach Pätz bei Gross-Besten. 1 Uhr: Eich- walde(Witte). 27. 7 Uhr: Dandlt» (GeiellschastShauS). 1 Uhr: Schön- walde(Schulz). 29. 2 Uhr: Karls- Horst(Fllrstenbad). 5. und 10. Abt. 25. 7 Uhr: EverS- walde. 2 Uhr: Franz.. Buch holz. 2». 2 Uhr: HermSdoft. Start: Elyfium. 10. Abt. Start: Weber- stratze 6. 6. Abt. 25. 1 Uhr: Birkenwerder (ParMcZgarten). Start: Oderberger "e'. Abt. 25. 9'/, Uhr: PlchelSwerder (Freund). 9. Abt. 27. 1',. Uhr: Hennigsdorf. Start: Schillmgsw. 15. 10/9 mttellang. Allen Freunden und Bekannten teste ergebenft mit, dass ich von „Fischerhütte-. Seestrasse. nach ltlrchatti-. 5a verzogen bin Ich hofse, dass sie mich auch hier beehren. Hochachtungsvoll Karl Zachow,(ruf), d Fischerhütienwirt. �A.B.Koch� Kohlen-Brikettgrosshandlung (*cgrtindct 1893. Hanpt-Koutor tveriin 0. 84. Peteraburfi;ci- Htraße 1 (gegenüber Warschauer Straße). Fernspr. 3lmt 7 Nr. 3040 u. 3096. FaSkrpMtnUkrklillfsktllkN I. O. 34. Oitb.. Güterbahnhof, Ging. SküderSdorfrr Str. 71. fr. Oftbavupark. II. O. 17. Oitb.- Güterbahnhof, ftrndttftr. 13. m. II. 113. Nehmftratze 88—34, Cfrfe Schivelbeiner Strafte. IV. W. 65. Antonstrahe 36— 41, Ecke Sinheplatzftrofte. Bretse für our la Warken ad Platz Enorme Posten Herren-Anzüge tmd Paletots, welche in stiller Zeit in eigener Werkstatt angefertigt sind, für 27,00 Mark. Großes Lager von In- and ausländischen Stoffen zur Anfertigung nach Maß von 45,00 M. an. 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Ter Deutsche Holzarbeitcrverband(Verwaltungsstelle Berlin) hielt am Freitag im Gewerkschastshaus eine Generalversammlung ab. Mit einer Ehrung der März- gefallenen von 1848 wurde die Versammlung eröffnet. Nachdem dann auch der verstorbenen Mitglieder gedacht worden war. nahm der Kassierer Miete das Wort zu einigen Bcmertunaen zum Kassenbericht vom 4. Quartal 1209. In diesem Quartal hatte die Hauptkasse eine Einnahme von 186 489,16 M. und eine Ausgabe von 123 948,57 M., so dag ein Bestand von 13 931,54 M. verblieb.— Die Lokalkasse nahm im 4. Quartal cinschlieglich des alten Bestandes 249 833,17 M. ein und gab 35 971,59 M. aus. Es verblieb ein Bestand von 157119,39 M.— An diesen Bericht schloß sich eine Diskussion über Einzelheiten. Zum Jahresbericht für das Geschäftsjahr 1999 sprach der Vorsitzende Glocke. Dem Bericht, der gedruckt vorliegt, entnehmen wir folgendes: Das Berichtsjahr war für den Verband günstiger als daö vorhergegangene Jahr. Wäbrend im Jahre 1998 in Berlin für Arbeitslosenunterstützung 594 869 M. ausgegeben wurden, erforderte dieser Unterstützungszweig im Jahre 1999 nur noch 288 234 M. Auch die Vermittelung durch den Arbeits- Nachweis zeigt eine Aenderung zum Besseren. 1993 besetzte der paritätische Arbeitsnachweis 8568 Stellen, 1999 aber 12 989 Stellen. Zu Anfang des Jahres war die Beschäftigung der Berliner Holzindustrie noch sehr gering. 4999 Arbeitslose waren vorhanden. Die Zahl der Arbeitslosen würde Noch größer gewesen sein, wenn nicht im Jahre 1998 viele Holzarbeiter Berlin verlassen hätten. Aon den vorhandenen Arbeitsplätzen waren Anfang 1999 nur zwei Drittel besetzt. Das Verhältnis erscheint noch ungünstiger, wenn man berücksichtigt, daß nicht nur die Zahl der besetzten, sondern auch die der vorhandenen Arbeitsplätze abgenommen hat. Inzwischen ist der Tiefstand der Konjunktur überwunden und eine Besserung eingetreten. Im Januar 1919 waren schon 2419 Holz- arbciter mehr beschäftigt als im Januar 1899, aber die Zahl müßte noch um 4599 steigen, wenn die Zahl der im Dezember 1996 be- schäftigt Gewesenen erreicht werden soll. Von einer Hochkonjunktur ist also die Berliner Holzindustrie noch weit entfernt. In der ersten Hälfte des Jahres war die Organisation ge- nötigt, vorwiegend gegen die Verschlechterung der Arbeitsverhält- nisse anzukämpfen. Streiks sowie Differenzen ohne Arbeitsein- stellung, welche in dieser Zeit stattfanden, sind fast durchweg auf Lohnabzüge zurückzuführen. Jedoch ist gegen das Vorjahr eine Verminderung der Abwchrkämpfe eingetreten. Mit dem Einsetzen eines besseren Geschäftsganges im zweiten Halbjahr wurde vcr- sucht, die während der Krise gesunkenen Löhne und Akkordprcise auszubessern. Es wurden 25 Angriffftreiks idavon 17 erfolgreich) mit 599 Beteiligten und 23 Abwehrstreiks(davon 14 erfolgreich) niit 519 Beteiligten geführt. Die Aussperrung wegen der Maifeier erstreckte sich auf 3659 Arbeiter in 236 Betrieben. Die Ausgaben für Streikunterstützung betrugen 83 494 M. Von den durch die Lohnbewegungen erreichten Verbesserungen sind zu nennen: Für 191 Personen in 4 Betrieben je V/s Stunde Arbeitszeitverkürzung und für 479 Personen in 39 Betrieben durchschnittlich 4,29 M. Lohnaufbesserung, wovon der größte Teil auf die 215 Bodenleger kommt. Für die übrigen 255 Streikenden beträgt die Lohn- crhöhung nur 1,69 M. durchschnittlich.— Durch die gesamten Lohn- bcwcgungen einschließlich der durch Verhandlung erlangten Ver- besserungen wurde erreicht an Lohnerhöhung für 1199 Arbciter durchschnittlich 2,79 M. An wöchentlicher Arbeitszeitverkürzung: Mi Stuirde für 1963 Arbeiter, 1 Stunde für 13 658 Arbeiter, V/z stunden für 13 Arbeiter, 2 Stunden für 392 Arbciter, 3 Stunden für 18 Arbciter. SM Stunden für 14 Arbeiter, 4 Stunden für 7 Arbeiter.— Manche Differenzen würden keine Arbeitseinstellung nötig gemacht haben, wenn cS nicht gelbe Arbeiter gäbe, die cS sich zur Aufgabe gemacht haben, bei Lohnstreitigkeiten als Arbeits- willige aufzutreten. Tie Gelben kundschaften aus, wo Differenzen auszubrechen drohen und bietet sich ibr Streikbrechervermittelungs- burcau zur Lieferung von Arbeitswilligen an. Der Holzarbeiter verband war jedoch in der Lage, die Tätigkeit des Vermittelungs� burcaus der Gelben völlig lahm zu legen. Die Schlichtungskommission ist während des Jahres 244mal angerufen worden. Zur Beilegung von 239 Differenzen fanden 243 Verhandlungen der Beauftragten allein, 49 Verhandlungen mit Sachverständigen und 9 Sitzungen der Schlichtungskommission statt, in denen 87 Sireitfälle beraten wurden. Die Tätigkeit der Schlichtungskommission wurde durch das vertragsividrige Verhalten mancher Arbeitgeber recht erschwert. Einige wollten sich den Be- schlüssen der Kommission unter keinen Umständen fügen. Das er- regte natürlich Mißstimmung unter den Arbeitern der betreffenden Betriebe. Wenn erneute Differenzen ausbrachen, und die Arbeit eingestellt wurde, weil ja durch die Schlichtungskommission nichts zu erreichen war, dann erklärten die Unternehmer die Arbeiter als vertragsbrüchig und die Schlichtungskommission trat nicht eher in Tätigkeit, als bis die Arbeit wieder aufgenommen wurde. Auf dem paritätischen Arbeitsnachweis ließen sich im Laufe des Jahres 32 599 Arbeitsuchende einschreiben. 16 586 Stellen wurden gemeldet, davon 12 989 besetzt. Unter diesen waren 493 Stellen nach auswärts, die sich auf 161 Orte verteilen, davon 3 im Auslande. Von den Eingeschriebenen waren 86,6 Proz. Mitglieder des Holzarbeitervcrbandes. Auf 199 offene Stellen kamen im Jahresdurchschnitt 195 Arbeitsuchende.— Der Arbeitsnachweis des Verbandes, welcher in den Branchen vermittelt, für die der paritätische Nachweis nicht zuständig ist, verzeichnete 3197 Arbeit- suchende, 1697 gemeldete Stellen, von denen 1934 besetzt wurden. Ucbcr die Mitgliederbewcgung sagt der Bericht: Das Jahr 1998 hatte mit einem Mitgliederbestände von 23 835 abgeschlossen. Trotz lebhafter Agitation, besonders im Frühjahr, ist eine wesentliche Steigerung der Mitgliederzahl nicht eingetreten, obwohl 5761 Reu- aufnahmen stattgefunden haben. In de» einzelnen Quartalen schwankte die Mitgliederzahl nur unbedeutend. Sie betrug am Jahresschluß 24 917. Die Mitgliederzahlen der einzelnen Branchen sind folgende: Vodenlcger 256, Bürstenmacher 62, Drechsler 613, Einsetzer 874, Jalousiearbeiter 112, Kammacher 221, Kistenmacher 327, Klavierarbcitcr 1965, Korbmacher 187, Maschinenarbeiter 2915, Modelltischler 665, Perlmuttarbeiter 139, Möbelpolierer 2952, Rahmcnmacher 183, Stellmacher 599, Stockarbeiter 517, Tischler 12 591, Aergolder 733. In einzelnen Branchen der Holzindustrie hat in den letzten Jahren eine ausgedehnte Anwendung leistungsfähiger Spezial- Maschinen stattgefunden. In solchen Betrieben werden statt der gelernten Arbeiter ungelernte sowie weibliche und jugendliche Arbeitskräfte beschäftigt. In oen Pianomcchanikfabriken, den Goldleistenbetrieben, den Kammfabriken und den Jalousiefabriken werden jetzt jugendliche Arbeitsburschen in größerer Zahl be- schäftigt. Oft bekommen sie nur den dritten oder vierten Teil des Lohnes eines erwachsenen Arbeiters, müssen aber an der Maschine ebensoviel leisten wie dieser und werden entlassen, wenn sie älter werden und mit dem niedrigen Lohn nicht mehr auskommen können. Bei Lohnbewegungen können die jugendlichen Arbeiter als Stütze der Unternehmer verwendet werden.� Aus diesen Gründen macht es sich der Verband zur Aufgabe, die jugendlichen Arbeiter zu orga- uisieren. Er hat für sie eine besondere Abteilung eingerichtet, Ivo statt des geltenden Beitrages von 1 M. ein solcher von 39 Pf. er- hoben und die Hälfte der statutenmäßigen Unterstützungssätze gc- zahlt wird. Im übrigen haben die Jugendlichen die gleichen Rechte wie alle anderen Mitglieder. Mit den Erzichungsbestrebungen der Jugendorganisation hat die Jugendabtcilung des Verbandes nichts zu tun. Sic erstreckt sich nur auf die jugendlichen Arbciter der genannten Berufszweige und nimmt Lehrlinge nicht auf. Rechtsschutz gewährte der Verband an 297 Mitglieder in 89 gewerblichen Streitigkeiten und 27 Strafprozessen. Tic Bibliothek enthält 3859 Bände. Der Kassenbericht schließt in Einnahme und Ausgabe der Hauptkasse mit 534 383,68 M.. der Lokalkassc mit 724 768,26 M. Für Untcrstützungszwccke wurden ausgegeben: An Arbeitslose 217 298 M., au Kranke 169 649 M., an Streikende uno Gemäß- regelte 112 985 M., an Notleidende 2291 M., au ausgesteuerte Mit- glieder 22 493 M., an Umziehende 2313 M., für Rechtsschutz 5813 Mark. Sterbegeld 19 412 M. Glocke teilte noch im Hinblick auf die Trariffrage mit, daß Montag und Dienstag(21. und 22. März) die verschiedenen Spczialkommissionen zusammentraten, um über die Branchentarife zu verhandeln. A p p i ch als erster Diskussionsredner warf der Verwaltung Schwerfälligkeit vor, die namentlich zutage trete beim Eingreifen in Werkstattstrcitigkeiten. Einen Hauptfehler siebt er uamcut- lich darin, daß der erste Bevollmächtigte nicht auf dem Bureau sitzt, er, der der Generalversammlung, der Masse verantwortlich sei. Redner beantragt Einsetzung einer Kommission, die die Frage der Reorganisation der Verwaltung beraten und der nächsten ordcnt- lichen Generalversammlung Vorschläge machen soll.— Nach AppichS Meinung ist nicht genug zur Organisierung der Jugend getan worden. Ztachdem ein Redner gegen Appich gesprochen hatte, trat ihm auch Glocke entgegen. Er stellte gegenüber einer entsprechenden Aeußerung Apptchs fest, daß bisher niemals andere Gewerkschaften dem Holzarbeiterverband Mangel an Energie oder Zielsicherheit vorgeworfen hätten. Was die Regelung der Werkstattdifferenzcn angehe, so werde bei Abwehrstreiks sofort eingegriffen. Bei An- griffstreiks müsse natürlich die Ortsverwaltung erst beraten, um aussichtslose Streiks zu verhindern. Das läge im Interesse der Kollegen und des Gesamtvcrbandes.— Die Jugendorganisation könne man nur infoweit pflegen, als cS sich um Burschen handle, die als Hilfsarbeiter tätig sein können und eventuell als Kontur- reuten in Frage kommen. Lehrlingsabtcilungen sollen nicht mehr errichtet werden. Die Lehrlinge und die übrige Jugend sollten ihre eigene Organisation gemeinsam Pflegen. Es fei auch daS richtigste, denn die Jugend spreche am besten zur Jugend. Der Redner wendet sich ferner gegen die übrigen Angriffe und legt besonders dar. daß die Agitation in keiner Weise'von der Ver- waltung vernachlässigt worden sei. In der weiteren Diskussion, in der noch von anderer Seite die Tätigkeit der Verwaltung gerechtfertigt wurde, äußerte Sommer Bedenken gegen das Verhandlungsverfahrcu des Ob- mannes M aaß, worauf dieser mit einer Richtigstellung antwortete und die Bedenken des Vorredners zurückwies. Der Antrag Appich auf Reorganisation der Verwaltung wurde abgelehnt. Es folgte die Ersatzwahl der Ortsverwaltung und der An» gestellten. Glocke als Vorsitzender wurde gegen eine Stimme wiedergewählt. Die Wahl des Kassierers fiel wieder auf Miele und die des ersten Schriftführers auf Grabe. Zum zweiten Schriftführer wurde Jhland gewählt und zum Beisitzer e r n a u. Weiter wurden gewählt als Arbeitsvermittler G ü t h. als Obmann der Schlichtungskommission Reichel, als Burcau- Hilfsarbeiter Langhamm er, Leß und Werner. Für die Wahlen der Revisoren sind Stichwahlen erforderlich, die in einer nächsten Versammlung vorgenommen werden müssen. : o : t » t » 3 i Preiswerte Strassen- Stiefel Nur erstklassige Fabrikate □□ Konkurrenzlos in Qualität und Passform ferusalemer Str. 38-39 Friedrich-Strasse 75 Potsdamer Strasse 2 Tauentzien-Strasse 19a König-Strasse 25-26 Zentrale und Versand: jj Jerusalemer Str. 38-39 « ii Für Damen; Bosealf- und Ch evreaa-S chnürstief ei mit nnd ohne Lackkappen, auch Derbyschnitt Braao und schwarz Chevre a o- Schnür- u. 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Taisun. Neues. Der Philosoph von Sans- souei. Weste». Der sidele Bauer. sieueö Operetten. Schuldig. Driano». Monsieur Atphonse. Kefidenz. Mulatte. Thalia. Mein Leopold. Schiller«>.>«8» lsiier- Thealer.) Geschäsi ist Gcschäst. Sch'ltr, Gharlorteuburg. HanZ Lange. Friedrich> Bsilhclmsiädtischcs. Der Strom. Gastspiel. Geschloffen. Hendel. Ketten. ÄotkSoprr. Der Troubadour. Luisen. Geschlossen. »ioie. Kean. Lnstspielhaus. Geschloffen. tyketrovai. Halloh II— Die große Revue. Folies Caprice. Herr Wafferkrops. Der Lujtlurner.(Ans. 8'/, Uhr.) Gast»». Ackermann. Gebr. Herrnfcld. ES lebe das Nachtleben.— Die Orighial- Klabriaspartie. Stadttheater Moabit. Geschlossen. Roact. Geschloffen. ilp.'ito. Der Zechpreller. Spezla- litälen. Vaiiogc. Spezialitäten. Wintergarten. Speztasttälen. Reichsballen. Stettiner Sänger. Palast. Spezialitäten. etarl Haverland. Spezialitäten. WalhaNa. EpeziaNtäien. Pnggrnhagen. Spezialitäten.(Zlu- ly, Uhr). Uran,a. Tanveastrah« 4«/4N. Nachm. i Uhr: In den Dolomiten. Abends 8 Uhr: Im Firnengianz dcS Ober-Engadin. Hörsaal 8 Uhr: Dr. Hennig: Ko« meten und andere Hiininels- zcichen ini Aberglauben. Steenmart«. Aüvalideustr. 57— 62. Yioiasliis-'fheatcr. ©efchü von 10—1 Uhr geöffnet. Freitag: ossen. Die Kaffe ist Sonnab., 8 Uhr: Dnntris dcrNarr. Sonntag, 3 Uhr: Nora. 8 Uhr: Das Konzert. Montag. 3 Uhr: Rosenmontag. 8 Uhr: Daniels der Narr. Berliner Theater. Heute Freitag: fieachlossen. fSfr Taifun. Heues Thealer. Heute Freitag:«onvielossei». Sonnabend 8 Uhr: Der Philosoph von Sanssouci. Ostersonntag und'.Montag: IMo goldene Rttfergeif. Theater des Westens. 8 Uhr: Oratorium ,.Oie ScHäpfung" mit Kammersänger Alex. Heinemann. Morgen: Ter sidele Bauer. Lnsispfeihaas, Htitie: ftcschlossen. Öfters onntag nachui 3 Uhr: Los von, Manne. Abends 8 Uhr zum erstenmal: Die goldene Freiheit. Hierauf: Das Aersöhniingöfeft. RieMMIliöWiliisoliK Schacspielhaus. Heilte Freitag: Geschlossen. Sonnabend,£ü. März, abends 8 Uhr: ]>er Strom. Drama in 3 Auszögen v. M. Halbe. Sonntag(1. Ojterseicrtag) nachm. 3 Uhr: Die Jungfrau von Orleans. Abends 8 Uhr: Schuldig._ Residenz-Tlieater Dtreltion: Richard Alexander. Heule: Geschlossen, Morgen abend 8 Uhr: IllllSO tt«. Schanspiel in 3 Alten voll Guh de Ma.upassaut. Ostersounlag und-Montag: Das Nachtlicht fflksoner. BW., Belle-Alliaure.Straße Nr. 7/8. AbendS 8 Uhr; Geistliches Konzert. Sonnahivd'/jO Uhr: Der Troubadour. Seil III er Schiller-Theafcr 0.(Wallner-Theat.) Freitag: Geschlossen. S o n n a b e i: d, abends 8 U h r: Geschält ist Geschkkt. Schauspiel in drei Akten von Oetave Mirbeau. Deutsch v. Max Schönau. Ende lO'/.j Uhr. Sonntag, n ach»i. 3 II fi r: Wallcnstcins Lager. Die Piccolornini. S o n u t a g, a d e n d S 8 Uhr: "Wallensteins Tod. Theater. Schitler-Theater(Charlattenburg). Freitag: Geschlossen. Sonnabend, abends L U h r: Rnns?,»njr<5. Schauspiel in 4 Akten o. Paul Hehse. Ende 10'/- Uhr. Sonntag, nach in. 3 Uhr: Kabale and Liebe. Sonntag, abends 8 U h r: Viel Lneinen am nichts. OOSSs]! Sozialdemokratischer Wahlverein des vierten Berliner Reichstags-Wahlkreises. -H ET Brauerei Friedrichshagei ani Konigstor. Grösttcr Konzertsaal Berlins. Vom 27. März(1. Ostcrfeieriag) bis zum 3. April: Z�aul Z�liiehe-�Teehe linier persönlicher Leitung s9 v, g"BT, S-bb Ijt ü des populären Koniponisteii«tt»«. ll. JBJ» Anfang an Sonn- und Festtagen 6'/, Uhr, wochentags S'/j Uhr, (iutvee 50 Pf., reservierter Platz 75 Pf. Bllietts im Vorverlaus zu ermähigten Preise»(40 resp. 00 Ps.) bei Zucht, Jmmanuclkirchstr. 12, Hahuisch, Augusistr. 50, und Man», Petersburger Platz 4 ÄH � Panopticum Frledrlchst. 165, Pschorrnal. ist heute den ganzen Qg geöffnet. > WSIirsnä cksr Ostor-Lostulforign FamMentsge!.> MoSveiSe»� dl»» tldsroomme»! V 1.1» Ne» 0nvn«l. tni I. uiid II. Osterfelertag; Groß. MilitärKonzert II. Cardc-Draconcr-RB 4 Personen C Sf. Urania. Wissenschaftliches Theater. Freitag geschlossen. Sonnabend, nachmittags 4 Uhr: In den Dolomiten. Abends 8 Uhr: Em Firnengianz des Ober- Engadin. 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Ab Q'/j Uhr: Fortsetzung der Ringkampf-Konkurrenz Endkümpfe: Es ringen: Cazeaux de Baetiouz gegen Michailoff.[ 2 Entsoheidungskämpfe: ■ Strenge gegen van den Berg, i j Jakob Koch gegen Lassartesse. Gastspiel-Theater. Heute Freitag und morgen Sonn- abend: Geschlossen. Sonntag und Montag nachniitlag 3 Uhr: Jliss Pndelsacit. Heute(Karfreitag): DM- Geschlossen. MM Morgen, Sonnabend, 26. März 1910: Das Dreigestirn wcitiücher Schönheit, Grazie o. Kunst Rosario Goerrero Marie Lafargue Odette Valery und die anderen —Star-Attraktionen.— Heute Karsreitag: Geschlossen. Morgen Sonnabend: Bollständig neues Programm. An beide» Osterseiertagen: Je zwei Frstvoi-stellungen. Sa aihalia- Variete-Theater Weinbergsweg 19-20, Rosenth.Tor. Heute geschlossen. morgen Sonnabend: SpeziaMten-Vorsleiluiig. — Ansang 8 Uhr.— Sonntag, den 27. März 1910 (1. 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Schönthan. foties Lsplice Heute Freitag: Gk�jiö�ttt. An alle» drei Feiertagen: UZei' Luf iiurner. Herr ffasserkropf. Alt-Soablt 47/48. Sonntag, den 27. März 1010 (J. Feiertag): Gastspiel des Frl. Anna Bergs rom Friedrich- Ailhelmft. Schauspiel- haus und des Frl. Frieda Ward vom Rofe-Thcater: Wss'Zs Stuart. Montag, den 28. März 1010 (2. Feiertag): Zwei vom Ballett. Bollsstück mit Gcfang in 3 Alte» von Stinde u. Engels. Dienstag, dou 20. März 1010 fit. Feiertag): Zern unwiderruflich 1 atzte» Male: Sherlock Holmes. Oassno-Tfoeater Lothringer Strohe 37. Ansang S Uhr. Heute geschlossen. An den Feiertagen 8 Uhr: Berlin bei 9tacht. An den Feiertagen nachm. 4 Uhe: Ei» deutsches Frauenherz. I JldusHof I �Pcplcberg;er 8traQe 36.J � Montag, 2. Osterlelerlag: 2 l�aul§ Spi'itiijers| Kabarett- und Possen-Gcsellschafl. Anf. Konz. 5 Uhr., Vorst. 7 Uhr. Tanz Karl Haverland Ansang Theater, präz. 8 U. -77/79 Kommandautenstrahe 77/79. 1 Heute: Leichlolien.! Mw-Sutra- Vorstellung. Trianon-Theater. Heute: Geschlossen. Sonnabend 8 Uhr: Monslenr Alphonse. Zu: beiden Lsterfeiettagen 8 Uhr: Theodore A Cäe. Stm 1. Osterfeicrtag 3 Uhr: Buridans Esel. 2. Lsterseicrtag 3 Uhr: Pariser Witwen._ Reicbsliallen-Tbeater. Beate: Reine Forstel!. Morgen; Eliiß'SoirBB m der JpStettiner Ml Sänger Ansang: 8 Uhr. f| Herren-Moden| Teilzahlung. Liefere vornehme Herren- kleidung, fertig it nach Matz. Bequeme Zahlwciie M» menatt. 10.00, viertelj. 25.00. Gcofice Stoislagcr. 8 Schneiderei Goldstein 9 VoritS tr. 61, gegr. 1S02. G) Montag, den SS. März(zrrelter Oäterfciertas): Drei große Maäneen Baiischmieders Etablissement □ Germania-Prachtsäie □ Stadttheater Moabit BadstraSe 15 ChausseestraS e 1iO Alt-Moabit 47/49 ! Berliner Vlk-Trlo. Panl Mautheys Gnstlge Sänger. Apollo» Sänger. Schäfer vmd Liuhndal(Jongleure). Mundharmonika- Verein„Vorwärts"(Dirigent: Herr Alfred GSIdner). Gesangverein„Schönhauser Vorstadt". „Sängerchor Wcddlug".„Männerchor Moabit". Anfang pünktlich. 12 Uhr.—————— Eintritt 25 Pfennig. Montag, den 28. März(zweiter Ostcrlelertag:_ □s Bunter Abend I unter Leitung von Margarete Walkolte in den Pharus-Sälen, Müllerstraße 142. j Frl. Dams, Koloratnrsäng-erin. Willi Deckert, Cello. Mitwirkende: r Margarete Walkottc. I.conhard Grosser, Komiker. il Am Flügel: Herr B. Siitzsche. Anfang abends 6 Uhr.——— Eintritt 40 Pfennig. Nach der Vorstellung: TANZ. f.KrÄSg Sf"""' m hgelg* Bus Komitee. läar»— © 1 & M. Schnlmeister Hochbahn-Station Kottbuser Tor. m tammw { Rjishha'tgsb Auswahl in allen Abteilungen Billigste Preisnotiz Jedermann ob Dame oder Harr ledig od verheiratet erbait Kredit Möbel Einzelne Slticke in allen Holz- und Stiiartea Lieferung vollständiger» Wo§i»uri9£-Einri€htunse� <*er ei3'acbslca bis zur fi:e(3ipge!:3ten Ausstattung, r Hcrreni, Damen- u. Xinder-Garderobe! Kar streng moderne Genres in«Hon Artikeln. Kleiderstoffe, Wäsche. Gardinen, Portieren, Teppiche.] Alles auf allsrbequemste Teilzahlung. 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Qescbiftsjabr, abgeschlossen am 31, Dezember 1909. Ausgabe. Unkosten................... 4.998.382,79 Steuern................... 504.392,34 Abschreibung auf Bankgebiude und Inventar.... 416.790,75 Reingewinn lür 1909............ 6.184.836,09 Für Dividende 60/0 M. 5.100.000 abz. vorstehend. 3.400.000 1.700.000,— 2.443.289,15 Gewinn- Vortrag auf 1910........ 256.546,94 6.184.836,09 M. 12.104.401,97 Einnahme. Gewinn-Vortrag von 1908 Zinsen.................... Pro vis on................... Gewinn auf Wertpapiere und Konsortialbeteiligungen Kursgewinn auf Wechsel............ Kursgewinn auf Sorten und Zinsscheiue Hamburg, den 23. März 1910. 242.625.06 6.304.181,05 3.974.139,11 934.468,22 661.204,28 87.884,25 M. 12.104.401,97 Der Vorstand. Korn. Harter. Arnnärl Drcsdenerstf. 116 -M I I I U! U(Kein Laden) amOranienplatz Hut und Mützen Engrosgeschäft. 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Feiertag, nachmittags 4 Uhr, statt. Billett-? sind im Bureau und bis zum 1. Feiertag 3 lihr in der Oclzarbcitcrbörse, Engeluser IL, zu haben 81/3_____ 01e Ortsverwnllnng. Commerz- und Disconto-Bank. Bilanz per 31. Dezember 1909. Aktiva. Kasse, Sorten und Zinsscheine........ Wechsel.............. Guthabon boi Banken und Bankiers...... Reports und Lombards........... Vorschüsso auf Waren und Warenverschifiungen Eigene Wertpapiere........... tialbeteuig 12.373 983,63 74.846.840,— 21.101.472,29 80.117.700,12 21.278.693,67 W>WWW>WWW>W>W�W 29.581.364,43 Konsortialbeteiligungen............. 15.642.173,17 Komplette 1 Einriclitang 2SS Mark Komplette Einrlctitung i 750 Marki Komplette| Komplette Einrlclliung Elnriclitung 350 Mark 500 Mark 15-20 Mjozlg. 1 30-35 LÄ 1 5011 Aßzalilg. i 75 1 ilHM!?. Einz. Schlafzimmer, Kerrenzimmsr, Wohnzimmer u. Küchen KSufefKÄ.".'.1 Halen eelbtl HAH? erhalten Qu? u '0' Hier will«In Jeder In elexanler Kleidung Verlanen. Solche erhalt man mit I 9K. 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Im Zusammenhang mit den Einigungsbestrebungen dürfte der Druck stehen, den gegen- wärtig das Hefesvndikat auf die Outsiders der Spirituszentrale ausübt. Denn im Hefesyndikat sind mehrere Betriebe vereinigt, die nicht dem Spiritussyndikat angehören. Um nun diese der Zentrale zuzuführen, hat die Spirituszentrale resp. einige ihrer Mitglieder den Outsiders ein Ultimatum bis S. April für den Anschluß an die Zentrale gestellt und droht im Falle der Ab- lehnung mit der Errichtung von Konkurrenzfabriken, was ihr durch Umwandlung einiger ihrer Melassefabriken möglich ist. Einen Anstoß zu den Einigungsbestrebungen soll unter anderem die Tatsache gegeben haben, daß die Abnehmer der Spritindustrie, die Großdcstillateure, eine Konvention zu gründen beabsichtigen, so daß sich alsdann im Spiritusgewcrbe zwei Organisationen— Hersteller und Verbraucher— gegenüberstehen. Zu diesem Zwecke wird es als erforderlich bezeichnet, daß die Organisation der Hersteller vollständig geschlossen ist." Die Notiz stammt offensichtlich aus Kreisen, die der Spiritus- zentrale mindestens sehr nahe stehen. Um einen Sinn in das Gerede zu bringen, muß man lesen: die Spirituszentrale will das Hefefyndikat zwingen, einen Druck auf seine Mitglieder auszuüben, sich der SpirituSzentrale anzuschließen, soweit das noch nicht ge- schehen ist. Den Zweck der Uebung läßt deutlicher eine Zuschrift erkennen, aus der wir folgendes wiedergeben: „Die Drohung des Herrn Untucht, seine zwei Melasse- brennereien in Hefebrenncreien umzuwandeln, ist gar nicht ernst zu nehmen. Herr Untucht will sich hiermit nur auf leichte Art eine jährliche Extrarente von 60 009 M. herausholen, weil ihm sein Gehalt von 60 000 M. als Direktor der Spirituszentrale wohl nicht auskömmlich genug erscheint. Ganz den gleichen Trick könnten dann aber die übrigen deutschen Melassebrenner gegen- über den Hefebrennern ebenfalls anwenden, und es wären dann seitens des Hefesyndikats jährlich 500 000— 600 000 M. Trinkgeld an die Melasscbrenner abzuführen, dafür, daß diese„nichts" leisten! Wahrlich, unsere Gesetzgebung ist weit gekommen, daß sie solche Tricks in dem Bereich der Möglichkeit aufkommen lassen kann...." Da agrarisch-ultramontan Trumpf ist bei uns, wird der Schnapsblock dem deutschen Volke noch manches giftige Tränklein eingießen. Die Heiligen sorgen für Verdummung, die Ritter für Fusel, den die verdummte Masse schwer bezahlen muß. Ideale Schnapsblock-Weltordnung I Bierkartelle. Die Kartellierung in der Brauindustrie hat tn den letzten Jahren gewaltige Fortschritte gemacht. Vor einigen Jahren wurden erst neun Brauereiverbände festgestellt. Jetzt ist die Zahl auf 179 gewachsen. Im Jahre 1909 bestanden in der Norddeutschen Brau- steuergemeinfchaft III, in Bayern 52, in Württemberg 6, in Baden 6 und in Elsaß-Lothringen 4 Brauereiverbände. Besonders interessant bei dieser OrganifationsauSbreitung ist, daß ihre un- mittelbare Ursache die deutsche Steuergesetzgebung war. Schon die Brausteuer von 1906 erweckte bei den Brauereien den Wunsch, die ihnen auferlegten Steuerlasten auf die Konsu- menten abzuwälzen. Es entstanden die Konventionsbildungen mit Fe st legung der Minde st preise für Faß- und Flaschen- bier. Eine straffere Organisation kam dann zustande, als das Brausteuergesetz von 1909 in Kraft trat. Syndikatsübermacht. Amerika wehrt sich jetzt angeblich gegen die übermächtig ge- wordenen Syndikate und Trusts. In Deutschland regieren die Syndikatsherren ebenfalls wie sie wollen, Rußland gibt sich jetzt die — natürlich aussichtslose— Mühe, von der wirtschaftlichen All- inacht der Produzentenverbiirdungen frei zu kommen. Man verbot die Synbizicrung, die Produzentenvereinigungen leben als Aktien- gesellschaften weiter. Dann kam die russische Regierung zu einem ganz energischen Schritt, sie entzog den Syndikaten die Staats- lieferungen. Und der Effekt? Nichtshndizierten Kohlenwerken hatte die Regierung Aufträge gegeben, das südrussische Steinkohlen- syndikat lieferte. Seine Außenseiter sind mit ihm nämlich durch streng geheime Verträge längst verbunden. Es ist hier wie überall: Unter der Herrschaft des Kapitalismus kann die Regierung eines Staates eben nur noch Ausschuß der kapitalistischen Cliquen sein! 8elir günstige Oster- Angebote Herren-Anzöge VWt 12— 15.- 18.— 21.— 21— 27.— Mark 30.— 36.— 40.— 50.— 60.— 70.— Herren-Paletots Mark 12— 15.— 18.— 21.— 24.— 27.— Mark 30.— 36.— 40.— 45.— 50.— 60.— Herren-Ulster Mark 18.— 21.— 24— 27.— 30.— 33.— Mark 36.— 40— 45.— 50.— 60.— 65— Loden- Pelerinen für Herren n. 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Billetts sind bei dem Kassierer L. Herker, Grüne- waldstraße 30, und in der Spedition, Martin-Luthcr-Straße 51, zu haben. Die fällige Wahlvereinsversammlung fällt diesen Monat aus. dagegen findet am Dienstag, den 2g. d. M.. abends 8 Uhr, der Frauenleseabend iin Tunnel. Meininger Straße 8, statt. Der Borstand. Groß-Lichterfelde. Am Dienstag, den 29. März, findet bei Wahrendorf die Wahlvereinöversammlung statt. Tagesordnung: „Die bürgerlichen Parteien und ihre Wähler." Referent: Genosse Kalis ki. Berichte von der Kreisgeneralversammlung sowie der iGenerolversammlung Groß-Berltn. Schmargendorf. Am 1. Feiertag früh>/�S Uhr findet vom Lokal Adolf Böttcher, Spandauer Straße 8, eine wichtige Flugblatt- Verbreitung statt. Stieder-Ichlinhausen-Nordend. Montag, den 28. März, 8'/, Uhr früh, Flugblattverbreitung von den bekannten Stellen aus. Dienstag, den 29. März, abends 8 Uhr. Mitgliederversammlung bei Weiland. Lindenstr. 43(vorm. Steffens Lindengarten). Tages- ordnung: Stichwahlongklegenheiten.— Nachdem: Gemütliches Beisammensein mit Tanz.— Die Stichwahl findet am LO. März in der Zeit von 11— ö Uhr statt. Die Bezirksleitung. Berliner JSacbncbten. Frühling im Zoo. Eilt Besuch des Zoo gehört immer z» den angenehmsten Ausflügen, die sich der Berliner leisten kann: er profitiert dabei nach zloei Rickstungcn hin: denn er befindet sich nicht nur in einem schönen, sorgfältig gepflegten Garten, sondern er kann auch sein zoologisches Wissen bereichern. Jetzt aber im werdenden Frühling erhöht sich, besonders für den Natur- freund, der Reiz dieses Tierparkes noch erheblich. Die milde Witterung der letzten Wochen hat hier im Verein mit der Gartenkunst die Knospen und Keime teilweise schon ein ganzes Stück lveiter getrieben, als dies sonst um diese Jahreszeit der Fall zu sein pflegt. An geschützten Stellen zeigen sich an Hecken und Buschwerk beretts die erste» zarten Blätter. Die um die großen Wasserbecken gruppierten Weiden hat ein lichtes Grün überhaucht. Die gefleckten Stämme der Nlatanen und Birken leuchten in ihrm hellen Teilen inten- siver als sonst. Und im kurz gehaltenen Rasen machen sich, außer den von Gärtnershano angepflanzten Blumen, weiße und blaßrote Sterne sckwn recht häufig bemerkbar. Doch nicht nur an den Blumen und Blüten merkt man es. daß der Frühling ins Land gezogen ist. Auch die Tiere geben in ihrem Wesen und Aussehen mannigfaltig Kunde von seinem Erscheinen. Das fällt besonders bei den Bögeln auf. Ihre schillernde Jederpracht, ihre erhöhte Beweglichkeit fesseln den Beschauer. Besonders die Wildhühnerarten haben eine Frühlingsrobe angelegt, wie sie keine Modedame lieb« reizender und farbenprächtiger ausklügeln könnte. Die langen Schweife der Edelfasanen schillern vom kräftigsten Gelb bis zum dunkelsten Blau. Und selbst sonst ganz unscheinbare Vögelcheu. Meisen- und Finkenarten, haben für die Blütezeit ihrer Liebe sorgfältig Frühlingstoilette gemacht. Unter den Vierfüßlern tragen noch die meisten ihren dichten Winterpelz. Aber auch au ihnen ist der Lenz nicht spurlos vorübergegangen. Etwa Hageres und Gestrecktes ist vielfach in ihre Gliedmaßen gekommen, das bei den Gazellen- und Antilopenarteit eine erhöhte Geschmeidigkeit und Behendigkeit gibt, die Einhufer hingegen mit einem Schein stärkerer Kraft ausstattet. In gewisser Weise hilflos schauen nur die Hirscharten drein. Sie haben gerade die neuen Geweihe angesetzt, die buckelartig noch unter der Haut liegen, und den sonst schiank-kräftigen Tieren ein verändertes Aussehen geben. Für viele Säugetierarten ist jetzt die Paarungszeit gekommen. Andere haben mit der Aufzucht ihrer Babys zu tun, die die ersten beiden Monate dieses Jahres brachten. Am drolligsten ist da ein fünf Wochen altes Büffelkalb, das in den spaßigsten Sprüngen seine Mutter umtollt, au jedem Pfahl herumleckt und herumknabbert, und sich in respektvoller Ertfernung nur vom Vater hält, der mürrisch vom Nachbarverschlage auf seinen munteren Spröß- ling herunterglotzt.__. So hat in mannigfaltiger Gestalt der Frühling semen Einzug in den Zoo gehalten: wer das Erwachen des Lebens in der Pflanzen- und Tierwelt gelegentlich beobachten möchte. kann hier manches sehen und lernen, wo eins auf das andere weist, und die Vielgestaltigkeit der Natur auf einem ver- hältnismäßig kleinen Raum zusammengedrängt ist. Ueber den Berkmif des AnfmarschgeläudcS meldet heute daS Nachrichtenamt des Magistrats: Der Magistrat hat beschlossen, den Stadtverordneten den Kauf des Geländes für den Preis von «300 000 M. zu empfehlen. Die urkundliche Festlegung dieses Be- schluffeS ist nicht im Krieqsministerium, sondern im Stadthause erfolgt. Das zu kaufende Gelände ist nicht 10, sondern 8,2 Hektar groß. Nicht der südliche, sondern der nördliche Teil des Geländes soll zur Vergrößerung des Parks verwendet werden, eine Wohn- straße in der Verlängerung der Großbeerenstraße ist nicht geplant. AuS dem Magistrat. Der Magistrat genehmigte die von den Arcküteklen Schmieden u. Boethke, den Erbauern des Kaiser- und Kaiserin-Friedrich-Krankenhaiises, ausgearbeiteten Vorentwürfe für einige Erweiterungsbauten dieses Krankenhauses. ES sollen zwei Pavillons für geschlcchtskranke Kinder und das Kesselhaus neu er- richtet und die Waschküche umgebaut werden. Den Spezial- entwürfen für den weiteren Bau des Osthofens am Stralouer Anaer, insbesondere dem Entwurf für den unterirdischen Eisenbahn- anschluß durch Untcrfahrung der Stralaner Allee und den, frei- händigen Erwerb eines für den Hafen erforderlichen Grundstücks stimmte der Magistrat zu._ Das ausgesetzte Kind. Dieser Tage brachten wir eine Notiz, nach der i» einem Hause l» der Fehrbellincr Straße ein Knabe in einem Alter von acht bis neun Monaten ausgcsunden wurde. Hinter dieser Lokalmcldung ver- birgt sich wieder einmal die Tragödie des armen Dienstmädchens, das in seiner Herzensangst nicht weiß, was es mit dem Kinde an- fangen soll, wenn sich der Bater nicht um dasselbe kümmert. Die Mutter des Kindes ist nach uns zugegangenen Mitteilungen zweifel- los ein Dienstmädchen, das sich bei einer Slcllenvermittlerin auf- hielt, aber keine Sielle anireleii konnte, weil CS ein Kind halte. Das Mädchen ist nach verschiedenen Stelle» gegangen, aber mit dem Kinde nahm es niemand in den Dienst. Dann bot das Mädchen den Knaben einigen Leuten zur Pflege an. wurde aber abgewiesen. Was sollte eS nun tun V In seiner Verzweiflung legte das Mädchen den Knaben auf die Treppe eines Hauses, so daß er bald gefunden werden mußte. Dann aber kommt die bürgerliche Preffe und zetert über die unnatürliche Mutter, während in Wirklichkeit die sozialen Zustände die Schuld tragen, daß die Mutter nicht in der Lage ist, selbst für geeigneres Untetkommen des Kindes zu sorgen. Die Deputation für das städtische Untersiichungsamt beriet in ihrer gestrigen Sitzung über die Festsetzung von Gebühren der für Private ausgeführten Uiitersuchungen. Die Deputation beschloß, der vom EtakSausschuß und vom Plenum der Stadtverordnetenversamm- lung gegebenen Anregung folgend, zunächst zur Erlangung ausreichender Unterlagen für die Berechnung des durch die Gebühren zu deckenden Aufwandes eine Erhebung über Umfang, Materialien- verbrauch und Zeitaufwand bei den ivahrend der letzten 18 Monate ausgeführten Untersuchungen anzustellen. Bemerken wollen wir zu dem Beschluß, daß in dem Etats- ouSschuß kürzlich über die Gebührensätze des UntersuchunaSauttes lebhaft Klage geführt wurde. So wurde u. a. berichtet, daß die Verwaltung des städtischen Obdachs eine größere Anzahl Seifen- proben von Submittenten dem Untersuchungsamt zur Untersuchung eingereicht habe. Als Kostenansatz seien 30 M. verlangt worden, in Rechnung gestellt hätte daS Amt aber 600 M. Dafür hätte das Obdach sehr viel Seife kaufen können. Große Parkanlagen am Lietzensee wird die Stadt Char- lottenburg herstellen. Die Stadt hat von der Terrainaesell- schaft Park Witzleben den 2619 Quadratruten großen Block zwischen dem nördlichen Lietzensee-Ufer. der Neuen Kantstraße und dem Königsweg zum Preise von 2 881 000 M. angekauft. Der unmittel- bar an das Sveufer grenzende Teil dieses Terrains soll zu schönen Parkanlage» ausgestaltet werden, während der Rest des Terrains von der Stadt zur Bebauung wieder verkauft werden wird. Die Lietzensee-Ufer werden nicht nur eine der schönsten Parkanlagen in Charlottenburg, sondern in Groß-Berlm überhaupt werden und die Wöhngegend um den Lietzensee eine der gesundesten und ge- suchtesten(für Leute mit großem Portemonnaie, Red.). Der Lietzensee selbst geht gegen eine von der Gesellschaft an die Stadt zu zahlende Entschädigung von 100 000 W. in den Besitz der Stadt Charlottenburg über. Aus Anlaß des Abschlusses dieses Vertrages haben die Geiellschaft Park Witzleben und die Tervaingesellschaft Neu-Westend Akt.,Ges. sich verpflichtet, die ungefähr ISO 000 M. be. tragenden Kosten für die Errichtung eines Personenbahnhofs zwischen Neue Kantstraße und Kaiserdamm und die Betriebs- Unkosten dieses Bahnhofes für die ersten fünf Jahre je zur Hälfte zu übernehmen. Von der Stadt Clzarlottenburg werden die Ver- Handlungen über den Bau des Bahnhofs nunmehr mit allem Nach- druck gefördert werden. Endlich hat die Stadt von der Terrgin Eefelstchaft Park Witzleben an der Dernvurgstraße noch ein Grunde stück zur Schaffung einer 22 Met« breiten Zugangsstraßs zu einem Bahnübergang über die Ringbahn erworben. In den Klauen von Bnben. Krasse Bilder aus dem Groß stadlleben wurden m den letzten Sitzungen des Jugendgerichts Berlin-Witte entrollt. In einem Fall handelt es sich um ein erst vierzehn Jahre altes Mädchen, um die Tochter eines Kaufmanns aus Leipzig. Vor einiger Zeit kam das junge unerfahrene Mäd chen nach Berlin. Es geriet hier bald in die Hände eines Zu hälters und der gefährliche Bursche hatte fein Opfer bald derartig in seiner Gewalt, daß es sich seinem Willen voll und ganz fügte. Der Unhold schickte daß unerfahrene Geschöpf auf Diebstähle aus und verschaffte sich auf diese Weise Geld. Er schwindelte dem Mädchen vor. er wolle ein Restaurant eröffnen und brauche Geld dazu. Die Diebereien wurden aber schließlich entdeckt, worauf der verbrecherische Bursche von der Bildfläche verschwand. Sein Opfer wurde in Fürsorge genommen und hatte sich außerdem bor dem Jugendgericht zu verantworten. ES kam mit einem Verweis davon. In ewem anderen Fall komint ei» Ingenieur, ein hoch- begabter Mensch, als Zuhälter in Betracht, und sein Opfer war die Buchhalterin B.. die bildhübsche Tochter eiueS hiesigen hoch- achtbaren Bürgers. Der Zeppelintag sollte dem jungen Mädchen zum Verhängnis werde». In dem Menschengewühle auf der Straße wurde sie von dem Ingenieur, einem gewissen Claus, an- geredet. Es en-Noickelte sich ein Verhältnis zwischen den beiden und es dauerte nur wenige Wochen, so hatte C., eine völlig willen, und charakterlose Natur, das Mädchen derart umgarnt, daß eS für ihn auf die Straße gehen mußte. Der Bube lebte nun auf Kosten des unglücklichen Geschöpfs einen herrlichen Tag. und al» ihm die Polizei unangenehm zu werden schien, verduftete er. Auch gegen diese Verführte erkannte das Jugendgericht mit Rücksicht auf die vorliegenden Begleitumstände nur aus einen Verweis. C. wird jetzt von der Polizei eifrig gesucht, da er vermutlich noch andere Straftaten auf dem Kerbholz hat. Echt christlich. Immer wieder kommen über die Christliche Her- berge zur Heimat in der Oranienstraße lebhafte Klagen, nach denen dort einkehrende fremde Handwerker vom Aussichtspersonal gewiß- handelt werden. Am Dienstagabend waren Passanten, die an der Herberge vorübergingen, Zeuge», wie ein arbeitsloser Bäcker von Hausdienern und dem Portier derart verprügelt wurde, daß der Bedauernswerte heftig blutete. Erst auf Protest hin ließen die christlichen Brüder von ihrem Opfer, das bei der Roheitsszene seine Habseligkeiten verloren hatte. Mitleidige Menschen halfen dein Ar- beitslosen und Gemißhandelten beim Zusammensuchen der Sachen. Verunglückt ist gestern morgen kurz vor 8 Uhr, im Kaufhaus des Westens der verheiratete Fahrstuhlführer Schulz beim Reinigen des MotorraumS der Fahrstühle, wobei ihm die Kurbel des MotorS den rechten Unterarm zerschlug. Der Ann ist beim Handgelenk ge- brochen. Infolge der Wucht stürzte Sckmlz, wobei er sich die Stirn verletzte. Nachdem der herbeigeholte Arzt den Verunglückten ver- bunden hatte, erfolgte seine Ueberführung nach der Wohnung. Krankheit und schlechter Geschäftsgang haben den 55 Jahre alten Schankwirt Gustav Buttgercit aus der Stromstr. 7 in den Tod ge- lrieben. Butlgcreit beirieb sein Geschäft seit 15 Jahren, seit 8 Jahren, nach dem Tode seiner Frau, mit Hilfe einer Tochter. In der letzten Zeit ging es merklich zurück. DaS verstimmte den Mann um so mehr, als ihn auch die Atemnot öfter quälte. Nachdem er in der vergangenen Nackt um 12 Uhr geschlossen hatte, ging er noch ein Weilchen an die frische Lust, kehrte dann nach dem Sckankranm zurück, legte sich vor den Schanktisch, nahm einen Gasschlauch in den Mund und vergiftete sich. Heute morgen um 7 Uhr fand ihn seine Tochter, die ihn in der Wohnung vermißte, tot daliegen. Ein schwerer Straßcnvnhnunfall hat sich gester» abend gegen 10 Uhr in der Greifswalder Siraße zugetragen. Dort trat der obdachlose Gelegenheitsarbeiter Eduard Kmtzel unmittelbar vor einen herannahenden Straßenbahnwagen der Linie 17 auf die Schienen, wurde umgestoßen und blieb besinnungslos auf dem Stratzenpflaster liegen. Der Verunglückte, der eine nefe Fleischwunde an» rechten Oberschenkel. Ouetschuug deS rechten Fußes und eine blutende Kopf- wunde erlitt, wurde nach dem Kranlenhnuse am Friedrichshain übergeführt. Ei» wutmaßlichcr KiildeSvwrd beschönigt rnwUt die Kriminalpolizei. Hinler dem Zaun des städtischen Friedhofes an der See- straße fand man gestern nachmittag die Leiche eines neugeborenen Mädchens, die in graues Packpapier eingewickelt war. Die Mutter ist noch nicht ermittelt. Eine neue Stätte für daS zahlungsfähige Publikum ist in de» Behrenstraße in dem Kerkau-Palast erstanden. Es ist ein mit allem Raffinement und allen, Luxus ausgestattetes Weltcaft, wie es weder bisher Berlin besaß noch andere Großstädte bis jetzt besitzen. DaS Villard, deren Meister die Kerkaus sind, drückt dem Etablissement »einen Stempel auf: c-3 sind 66 Billards aufgestellt, sogar Damen- billardS sind vorbanden. Die iimere Ausgeslallung der Räume rührt von Professor Paul her. Die Kunst der Architektur unter Verwendung fast nur echte» MaierialS sowie die Beleuchtungskunst feiern hier Triumphe. Sängercher Wedding(120 Sänger, M. d. A.-S.-B., Chor, mcister Herr E. Thilo) veranstaltet am 27. März 1910, abc>tds 7 Uhr(t. Osterfeiertag) in den„P h a r u S s ä l c n"(großer Saal), Müllerstr. 142. einen Konzert- und Gesangsabend. Mitwirkende: die hervorragende Konzert- und Oratoriensänaerin Frl. Jenny Bremer, am Klavier Herr E. Thilo, sowie das Neue Tonkünstler- Orchester, Dirigent Herr Fr. Hollfeloer. Programm inkl. Tanz 50 Pf. Der Männerchor„Schönhauser Borstadt"(M. d. A.-S.-B.) halt unter Leitung seines Dirigenten Herrn P. A. Joseph am 1. Oster- setcrtag in Dräicls Fcstsälen, Neu» Friedrichstr. 3b, ein Vokal- und Jnstruinental-Konzert ah. Zirkus Colomb» eröffnet seine erste Berliner Saison am Ostersonnabend um 8 Uhr in seinem eigenen 3000 Personen fassenden Gebäude in der Magazinstraße an der Alexanderstraße. Das Schloß Weißcnsre ist in die Hände der Herren Linke und tamel übergegangen. Wie wir hören, beabsichtigen die neuen esitzer den Vau eines großen, 4000 Personen fassenden Saales. der natürlich der Arbeiterschaft zur Verfügung stehen soll. Die Spree-Havel-DampsschisfahrtSgcsellschaft„Stern" wird am Charfreitag und während der Ostersesttage bei günstiger Witte- rutia die Dampfer wie folgt Verkehren lassen: 1. zwischen Grünau (Gesellschaftshaus) und Schmöckwitz-Rauchfangswerder von 10.20 Uhr stündlich, g. Zwischen Wannsee(über Cladow-Pfaueninsel) und Potsdam von 11.15 bis 5.15 Uhr stündlich. 3. Ab Spandau von 0.30 Uhr an stündlich nach Tegel und Heiligensee. 4. Ab Tegel von 8.15 Uhr bis 7.15 Uhr abends stündlich nach Spandau und von 7.45 Uhr ab stündlich nach Heiligensee. 5. W Erkner(Bahnhofs- Hotel) von 10.05 Uhr stündlicher Verkehr auf der Löckuitz bis Alt- Buchhorst. 6, Ab Erkner( Dampferstation) von 9 Uhr ab stündlicher Verkehr nach Heideschloß Hohenbinde. 7. Auf dem Müggelsee von 10.30 Uhr ab halbstündliche Ueberfahrt und stündlicher Verkehr nach RahnSdorf-Mühle. 8. Auf dem Scharmützelsee Verkehr im Anschluß an die daselbst eintreffenden Züge 0.42, 12.30 und 3.25 Uhr Ver- bindung nach Schwarzhorn, Diensdorf. Pieskow. Pechhütte und zurück. 9. Am Charfreitag verkehren außerdein um 10 und L Uhr ab Jannowitzbrücke Extvaoampfer nach Woltersdorfer Schleuse, Rückfahrt 0 Uhr. Fahrpreis hin und zurück 75, Kinder 40 Pf. Am 1. und 2. Osterfesttag verkehrt ftüh 10 Uhr ab Jannowitzbrücke ein Dampfer nach Woltersdorfer Schleuse, ferner wird von 2—5 Uhv halbstündlicher Verkehr nach Treptow Eierhaus, TnbbertS Wald» schloß und Loreleh unterhallen. Zeugen, welche am Sonnabend, den 19. März, abends 6% Uhr. den Zusammenstoß eines Automobils mit einem Radfahrer an der Charlottenburger Brücke gesehen haben, werden dringend ersucht, ihre Adresse an Lehmann, Charlottenburg, Schillerstraße 08, Ouer- gebäude 4 Treppen, zu senden. Eine» für ihn erheblichen Verlust hat ein Arbeiter erlitten, der ein schwarzlederneS Portemonnaie mit 27 M. Inhalt von der Cuvrh- straße bis Schlesische Straße S verlor. Der ehrliche Finder wird gebeten, dasselbe gegen Belohnung abzugeben bei Jendretzke, Schlc- fische Straße 6, Hos parterre links. Vorort-stiackrickte». Rixdorf. Die Stadtverordnetenversammlung arbeitete am Dienstag ohne nennenswert« Debatten im Geschwiudschritt eine größere Tages» ordnung auf. An erster Stelle stand die Borlage, welche in der vorigen Sitzung zu stürmischen Auseinandersetzungen und zur Beschlußunfähigkeit geführt hatte. Um so schneller wurde die Sache diesmal erledigt, indem die Subvention von 200 M. für die Fach- schule der Barbier» und Friseur-Jnnung ohne weiteres bewilligt wurde. Die Bedingungen fürdiePrivatabteikung de» städtischen Krankenhauses schlägt der Magistrat vor wie folgt festzusetzen: Verpflegungssatz in der ersten Klasse für hiesige Kranke 12 M.. für auswärtige Kranke 14 M. täglich, in der 2. Klasse für einheimisch« und auswärtige Kranke 8 M. täglich. Besonders zu vergüten sind außerdem persönlich gewünschte Nacht- wachen, Srärkrmgsmittel. alle außergewöhnlichen Leistungen und Operationen, letztere nach der Medizmallaxe. Die Versammlung trat den Vorschlägen bei. Für das durch Beschluß vom 24. Februar in eigene Regie über- nommene BeerdigungSwese» werde» auf Antrag des Magistrats u. a. nachstehende Gebühren festgesetzt: Reihengrabstellen.. f. Pers. bis 1 Jahr 3.00 b. 10 I. 4.50 dar. 8.00 Wablstellen......., 50.00.. 60.00. 72.00 Herstellung der Gruft«„. 1,00.„ 2.00. 3.00 Belegen mit Rasen.„„„„ 2,00,, 2,50. 5,00 Borhalten der Senktücher 0,75 und 1,00 Leichenträger pro Mann 2,25. 3,00 Leichenwagen 3. Klasse von 12—6 Uhr nachmittags 8,00 sonst 7,00 2. 14,00. 1. Klasse 17,00 bis 40.00 2.„ für Kinder bis 12 Uhr mittags 7.60 sonst 8.50 i< 1*«»» 14,00 Begleitwagen 2.„ 7,60, 1. Klasse 9,50 Leichenwagen vom Buckower Krankenhause aus Zuschläge 1,00—8,00 Zur kürzlich beschlossenen Wertzu wachs st euer-Ord- n u n g beantragt der Magisttat einen Nachtrag. Dieser bezieht sich auf§ 10, in welchem für GrundstlickSenteignüngen Steuerbefreiung festgelegt ist. In der seinerzeit mit der Vorberatung der Steuer- ordnung betrauten Kommission ist mit Recht gegen diese Bestimmung opponiert worden; denn sie müßte dazu führen, daß bei Straßen- dnrchbrllchen oder ähnlichen dem Allgemeinwohl dienenden Regu» lierungen der Stadt von den Interessenten kein Entgegenkommen gezeigt, sondern stets die Enteignung abgewartet würde. Nur um das Jnkrafttteten der Wertzuwachssteuer nicht aufzuhalten, wurde von der sofortigen Anwendung abgesehen. Jetzt soll das nachgeholt werden, indem der§ 10 dahin ergänzt wird, daß die Steuersreiheu sich„nur aus diejenigen Ettteiginingen, bei denen der FiSku» des Deutschen Reiches oder des Preußtschen Staates der Unlerltehuier ist", bezieht. Dem Fiskus wird damit eine Extrawurst gebraten; das ist aber nicht zu ändern, da die Regierung, welche bekannterniaßeil den Gemeinden gegenüber als rücksichtsloser Tcrrainspekulant austritt, bezeichnender« weise die eigene Steuerfreiheit bei der Genehmignttg der Steuer- ordnung sich auSbediugt. Alle anderen Enteignungen solle» aber der Steuer unterworfen werden. Die Versammlung stiinmtv dein Nachtrage zu. Die Abänderung des Bebauungsplanes für da« ehemals Böhmische Dorf, dessen Straßen sich als zu eng und einer gedeihlichen baulichen Eiilwickelung als hinderlid sich erweisen, wurde genehmigt. Mit der©tofcett Sctüitct oicafecuBaBn und der SiidliKen Berliner Vororibahn will der Magistrat einen Nachtragsvertrag ab- schließen zwecke Herstellung einer S t r a tz e n b a h n v e r b i n d u n g zwischen Rixdors und Treptow. Die Gleisanlagen in der Erl-, Wildenbruch-. Harzer- und Elsenstraße bis zur Ge- niarkungSgrenze sollen von der Stadt eingebaut werden. Mit der Borlage erklärte sich der Sradlv. PagelS(Soz.) im ganzen einberstanden, bemängelte ober den auf der neuen Linie geplanten IS-Miimtcnverkehr als völlig ungenügend. Den Plan dcS Magistrats, vom Beginn der Geleiseinbanten ab den Omnibus- Verkehr einzustellen, bat Redner abzulchiicu, da in dem Falle der nacv Treptow zu belegene OrtSteil während des Baues ohne jede Verbindung wäre. Stadlrat Dr. G l ü ck s m a n n sagte, daß der lu-Mii:iitei, verkehr sicher bei Bedarf erweitert werden wird; der OnmibuSbetrieb müsse während des Baues iuhibieN werden, weil die Straße unbefahrbar würde. Beschlossen wurde hierauf im Sinne der Mogisiratsvorlage. Debattelos genehmigt wurde die Aufhebung des AbkoinmenS mit den, tgl. Polizei-Schiffahrtsbureau über die Erhebung der Lade stellen- Gebühren am Maybach- lifer, Wicsenufsr und am Nindorfer SchiffahrtSkanal. Die Lade- stellen-Anweisung und Gebührencinziehung wird vom 1. April ab durch städtische Beamte erfolgen. In» laufenden Etat für IllOll/lO ist die Verstärkung des Kapitels „armen pflege" um 100 000 M. notwendig, da die ungünstigen wirtschaftlichen Verhältnisse eine erhedliche Mehrbelastung der Annen- Verwaltung herbeiführten. So erfordern u. a. die Barunterstützunge» 7000 M., Äur und Aervflegung in Kranken- und anderen Heil- anstauen 66 000 M.. Verpflegung von Geisteskranken und mit Gebrechen Vehoftetcn 3000 M., Aufwendungen für Pflege- und Waisen» linder 1875 M., Erstattungen an anSwärtige Armenverbände 20 500 Mark mehr als veranschlagt war. Der Beilrag zu den Kosten der königl. Polizeiverwaltmig in Höhe von 305 000 M. im Jahre 1000/10 muß infolge einer NachtragSsorderung ebensallS um 36 165 M. er- höht werden. Beide Vorlagen erhielten die Zustinimung der Ver- sammümg. Es folgt eine geheime Sitzung. In große Lebensgefahr brachte vorgestern ein mlvorsichtiger Schütze den 1t Jahre alten Gymnasiasten Hans Kohn, den Sohn eines Oderpostassistenten aus der Weichselstraße 31. Als der Gymnasiast mit einem Mitschüler die Straße entlang ging, fiel plötzlich, anscheinend auS dem Hause Weichselstraße 40, ein Tesching- schütz. Die Kugel durchschlug dem Knaben an der rechten Halsseite den Stehkragen und verwundete ihn leicht. Nach den» Gutachten des Arztes, dessen Hilfe der Gymnasiast in Anspruch nehmen mußte, hätte daS Geschoß ohne Abschwächung seiner Flugkraft durch den Stehkragen tödlich gewirkt, da es gerade die Halsschlagader traf. Wilmersdorf. Die in unserer gestrigen Nummer gekennzeichnete RLSsichtSloflgteit der Wilmersdorfer Stadtverordnetenversammlung gegenüber den Vertretern der Prefie erfuhr in der am Mittwoch aiibcranmlen Sitzung noch eine Verschärfung: Der den Vertreten» der Presse bis dahin im Sitzungssaal zur Verfügung gestellte Tisch war auf Anordnung des Stadrverordneten-AorsteherS Dr. Leidig entfernt worden, eine Maßregel, mit der der Herr so deutlich wie möglich zu erkennen geben wollte, daß ihm die Anwesenheit der Berichterstatter während der Verhandlungen nn er- wünscht sei. Die Berichterstatter gingen� denn auch ihres WegeS. Herr Dr. Leidig scheint ganz zu verkennen, daß die Oeffentlichkeit gerade unter den gegenwärttgen Umständen ein Recht darauf hat, über die Vorgänge in der Stadtverordnetenversammlung unter- richtet zu werden. Es kommt aber noch hinzu die Aufgabe, so- wohl an dem Herrn Leidig als auch an der Körperschaft, die in ihrer Mehrheit anscheinend gegen die Gepflogenheiten ihres Leiters nichts einzuivenden hat, eine Ärt E r z i e h u n g s w e r k zu üben. � Und dies sehr notwendige Stück Arbeit kann nicht gut durch Abstinenz geleistet werden, sondern nur dadurch, daß man daS zurzeit beliebte Gebahren so deutlich wie angängig in derOefsent- l i ch k e i t b l o tz st e l l t. Die einmalige Arbeitseinstellung am DienS- tag war durchaus angebracht; mit einer dauernden Nichtbetäligung erweist man aber, wie die Affäre vom Mittwoch zeigt, nur �d e n Leuten cinen Gefallen, gegen die sich das Vorgehen der Prefie zu richten hat. Es kommt noch hinzu, daß der Raum für das übrige Publikum, wo die ZeitmigSberichterstatter hätten Platz nehmen können, kaum viel unbequemer ist als die sehr primitiven Einrichtmigei?, die man ihnen bisher großmütig zur Verfügung stellte. Sollte die Berliner Prefie ans der AuSsperrimg die Lehre entnehmen, daß die Rückständigkeit der AilmerSdorfer Stadtverordnetenversammlung hinfort etwas schärfer gegeißelt werden muß. als es. vom„Bor- ivärtS" abgesehen, bisher geschehen ist, so wäre damit schon manches gewonnen. Vorab hat der Prefiekcieg einen etwas phantastischen Plan im Hirn des StadtberordnetenvorstehecS reifen lasten. Herr Professor Dr. Leidig machte nämlich der Stadtverordnetenversammlung den Vorschlag, die zurzeit etwa alle Vierteljahr von der Stadt heraus- gegebenen„WilmerSdorscr Blätter" zu einem größeren osstziellen Organ der Stadt zu erweitern. Ein solches Blatt, das am Ende nicht täglich, aber doch in öfteren Zwischenräumen heraus- zugeben sei,»nlifie allen G e m e i n d e w ä h l e r»t von WilmerS- darf n m s o n st zugängig gemacht werden. Geschehe dies, dann sei die Stadt nicht mehr von- privaten Wohlwollen oder U e b e l w o l l e n der Presse abhängig. An die Ausführung dieses Vorschlages, der von der Stadtverordnetenversammlung schweigend hingenommen wurde, ist ja nicht zu denken; und er sollte wohl auch kaum mehr als ein Schreckschuß sein. Vielleicht bietet sich aber doch Gelegenheit, später einmal au diesen Gedanken einer Erweiterung der kommunalen Aufgaben zu erinnern. Steglitz-Fricdeuau. Dcr Männerchor Friedenau-StegliN veranstaltet am 27. März ll. Osterscicrtag) nachm. 5 Uhr, im Etablissement„Birkeuwäldchen" Steglitz. Schützcnstraße, ein großes Konzert, verbunden mit Gesang, Theater und Ball. Da der Berein alles auf- geboten hat, einen genußreichen Abend zu bieten, derselbe sich auch bei allen von der Partei getroffenen Veranstaltungen stctö bereit- willig zur Verfügung stellt, so wird den Parteigenossen der Besuch dieses Konzerts empfohlen. Der Lorstand. Treptout-Baumschulenweg. Die Illumination im hiesigen Orte ans Anlaß des Gedenktages der Märzrevolution hat, so behauptet dcr„Treptower Anzeiger", auch „Kritiker" gefunden, die in mannigfacher Weise dagegen zu Felde ge- zogen seien. Das Llättchen gibt sogar die Ansicht eines solchen Kritikers über die Illumination wieder.»Es soll ein dem„Arbeiter- stände" angehöriger„älterer Herr" sein, der den für die Jllumi- nation bei den Bürgern vorsprechenden Genofien einen wohlmeinenden Rat zu geben für nötig hält. Der„ältere" Arbeiter soll nämlich entdeckt haben, daß eS doch weit besser gewesen wäre, wenn das Geld, das für die Lichter aufgewendet worden ist, für Speistmg hilfsbedürftiger Kinder verwendet worden wäre. Der dem„Arbeitcrstande angehörende ältere Herr" hätte, wenn er die Ehrung der 48er Revolution schon für eine so überflüssige Sache betrachtet, doch sehr gut hinzufügen können, daß die aus allgemeinen Gemeindemittcln Hurrapatrioten zur Verfügung gestellten Gelder bei Geburtstagsfeierlr oder sonstigen patriotischen Anläffen weit besser für die Speisung bedürftiger Kinder verwendet werden köimten. Wir befürchten nur, daß, wenn der„ältere Herr" dem„Treptower Anzeiger" eine solche Meiimng unterbreitet hätte, seine Zeile» in den Papierkorb versenkt worden wären. Aus der Gemeindevertretung. Nack Erledigung einer Reihe inenigcr wicktigcr Sacken wurde beschlossen, die Ncgenwajserkana- lisation in der Elscnsiraße nach Ostern in Angriff nehmen zu losscu und so zu beschleunigen, daß dicscllie bis Pfingsten fertig gestellt werden kann. Somit sollen die unhaltbaren Zustände, welche ein Ucherschrcitcn der Elscnstraße tu der Nähe dcr Rennbahn und an dcr Beermannstratze bei Regenwetter fast unmöglich machen, beseitigt lverden.— Ta die ehrenamtlich tätigen Schössen den Gemeindevorsteher nicht genügend vertreten und unterstützen können, wurde ein Ortsstatut erlassen, WeliheS die Anstellung eines Schöffen vorsieht.— Zur Herstellung eines Dampferaulegestcgeö, 200 Meter nördlich der Baumschulenstraße, wurde der Gemeindcvorstand bc- auftragt, der Dampfergesellschaft„Stern" einen Teil der Kosten zu ersetzen unter der Bedingung, daß auch nach Schluß der Ton- und Zemcnt-Ausstcllung die Anlegestelle bestehen bleibt und Dampfer daselbst regelmäßig anlegen. Die am 1. und 2. März vollzogenen Gemcindeberordneten- Wahlen wurden bis aus die deö Genossen Hcnsel für gültig er- klärt. Gegen die Gültigkeit der Wahl Heusels lagen drei Einsprüche vor. weil Hensel ein Nichtangesefiener sei, die amtliche Ausschreibung ober' die Wahl eines Angesessenen vorgeschrieben habe. Die Einspruchcrhebenden verlangten aber noch, daß der Grundbesitzcrkandidat als gewählt proklamiert werden müsse. Be- schlössen wurde gegen die Stimmen unserer Genossen, die Wahl für ungültig zu erklären. Es findet also jetzt im 4. Kommunalwahl- bezirk Neuwahl statt, in der ein Angesessener gewählt werden soll. Eine Beschwerde unserer Genossen gegen den AmtSwackimeister Dietze, welcher mit noch mehreren Polizeibeamten am Sonntag, den 13. Februar ftiedlicke Bürger in der Neuen Krug-Allee und Treptower Chaussee attackierte, wurde vom Bürgermeister als nicht stichhaltig erklärt. Ein Grund zum Einschreiten gegen Dietze liege nicht vor, denn er habe einen Aufzug, welcher nach§ 7 des Vcr- einsgcsetzes der Genehmigung bedarf, auseinanderbringen wollen. Gegen diese Auffassung wandten sich unsere Genossen, wohingegen sämtliche bürgerlichen Vertreter dcr Meinung dcS Bürgermeisters beitraten. Ober-Schöneweide. Am 2. und 3. Osterfeicrtag findet in der Zeit von 10 bis 2 Uhr in der Aula der Schule in der Frisckeiistraße eine Aus- stellung von Sckülerarbeiten der Pflichtfortbildungsschnle statt, welche für jedermann zugänglich ist. Die Ausstellung erfreute sich im Vorjahre eines regen Besuches.— Für die abgehenden Schüler wurde wie in den Jahren vorher ein Vortrag des Herrn Dr. med. Ehrist:ller über: Geschlechtliche Aufklärung gehalten. Lichtenrade. Die Stichwahl zwischen dem Genossen Friedrich Wöpke und R. Deter findet am Dienstag, den 29. März, in der Zeit von 5 bis 8 Uhr nachmittags im Lokal von Ebell, Dorfstroße, statt. Sonntag. den 27. März, morgens'/z8 Uhr, wird von R. Deter aus eine Flugblattverbreitung unternommen. Montag, den 23. März, mittags 1 Uhr: Oeffentliche Kommunalwählerversammlung bei Rudolf Deter. Tegel. Vor den Augen ihrcS Bräutigams erschossen hat sich vorgestern abend daS 28jährlge Dienstmädchen Johanna Kuppka. DaS Mädchen hatte ihre» Verlobten, den in der Borsigstraße wohnhaften Schlosser Rudolf Manthey, besucht. DaS Liebespaar. daS in toeuigen Wochen zu heiraten beabsichtigte, hatte den Nachmittag in voller Harmonie verbracht und gegen>0 Uhr wollte die K. zu der in Berlin wohnenden Dienstherrichaft zurückkehren. M. begleitete seine Braut bis zur Straßenbahnhaltestelle an der Borsigschen Fabrik, wo sie den Straßen- bahnwagen erwarteten. Hier erklärte das Dienstmädchen sich auf wenige Minuten entfernen zu wollen, begab sich auf das jenseits der Straße liegende freie Feld und gab hier vor den Augen ihres Bräutigams einen Schuß auf sich ab. Die Kugel war in die rechte Schläfe gedrungen und hatte den sofortigen Tod des Mädchens herbeigeführt. Der Grund zu der Tat ist vollkomrnen in Dunkel ge- hüllt. Die Leiche wurde nach dcr Halle des Tegeler Friedhofes geschafft._ Wahlergebnisse. Schenkendors bei Groß-Beeren. Bei der am 21. März erfolgten Gemeindewahl der dritten Abteilung wurde der Kandidat der Sozial- demokratie Genosse Möllendorf mit 22 gegen 16 Stimmen ge- wählt. Das Resultat ist um so erfreulicher, als unseren Genossen in ihrem Kampfe die erdenklichsten Schwierigkeiten bereitet wurden. Löwendorf bei Trebbin. Bei der Gemeindevertreterwahl wurden unsere Genossen Hermann Schulze in der dritten und Ferd. Berge mann in der zweiten Klasse gewählt. Nach jahrelangen Kämpfen find nunmehr unsere Genossen auch in der zweiten Abteilung vertreten. Die Sozialdemokratie verfügt dem- nach über drei Sitze in der dritten und einen Sitz in der zweiten Klasse. Unsere Genossen hoffen, bei den nächsten Wahlen die zwei anderen Sitze in der zweiten Abteilung zu erobern. Kablow sKreiS Beeskow). Bei den am Montag stattgefundenen Gemeindewahlen trug die Sozialdemokratie den Sieg in der dritten Abteilung davon. ES wurden die Genossen Stein und Buhr mit 30 gegen 4 Stimmen gewählt. Die Sozialdemokratie war hier zum erste» Male an den Gemeindewahlen beteiligt. Der Sieg ist um so erfreulicher, als hier am Orte ein Wahlverem noch nicht besteht, sondern nur einige Mitglieder in dem benachbarten Zernsdorf organisiert find. Ein Lokal zur Abhaltung von Versammlungen steht uns ebenfalls nicht zur Verfügung. Klosterfelde(Bezirk Wilhelmsruh). Bei der Gemeindevertreter» Wahl siegte zum ersten Male die Sozialdemokratie. Es w»rde Ge» nosse T a t k a als Vertreter in der dritten Klasse gewählt. ES geht auch hier in einem der dunkelsten Orte dcS Kreises Niederbarniin vorwärts. Buckow. Bei der am Donnerstag stattgefundenen Stichwahl zur Gemeindevertretung in Buckow erhielt unser Kandidat Genosse Hadameck 60 Stimmen, der bürgerliche Mischmaschkandidat, ein Bäckermeister Tarlatt, 55 Stimmen. Somit zieht der erste Sozial- demokrat ins Buckower Gemeindeparlameut. Jugendveranftaltungen. Ripdorf. Zu dem am 28. Mär,(2. Osterseiertaq), liachmittaqZ 3 Uhr, in den Bürgersälen, Bcrgstr. 147, stattfindenden Lichtbildervortrag sur unsere Jugend sind noch EintriltSlarlen a 10 Bs. in der Spedition, Neckarstr. 2, und tax Lokal von Hoppe, Hermannstr. 49, erhältlich. Kegebc» wird:»Die Reise um die Erde". Der BiidungSauSschuß. Steglitz. Der BildungSauSschutz veranstaltet am Sonntag, den 24. April, 2 Uhr nachmittags, im„Rheinschloß" in Friedenau eine FrühlingSseier. Die Parteigenossen werden ersucht, ihre Kinder, Mädchen über 8 Jahre, zur Miiwirkung beim FrühlüigSreigcn am 2. Oster- seicrtage, vonniliagS 10 Uhr, zu Schcllhase, Steglitz, Llhornstr. loa, zur Probe zu schicken.________ Gerichts-Zeitung* Breitscheid wider OSkr. Eine Beleidigungsklage, welche der Vorsitzende der Denrokra- tischen Vereinigung, der Schriftsteller Dr. Rudolf Breitscheid, gegen den Verleger der Zeitschrift„Ter Demokrat", den Bankbeamten Max Oskc, angestrengt hatte, beschäftigte gestern die Privatklage- abtcilung deS Amtsgerichts Berlin-Mitte. Ter Privattläger Dr. Breitschcid wurde vom Rechtsanwalt Brückman», der Beklagte durch von Rechtsanwalt Biktor Fränkel, vertreten. Gegenstand der Klage bildete eine Acußerung des Beklagten, die dahin ging, Dr. Breit- scheid operiere mit gefälschten Briefen.— Den Ausgangspunkt bildete ein Streit, der sich zwischen Dr. B. und dem Schriftsteller Franz Pfcmfcrt, den, Redakteur des„Demokraten", abgespielt hatte. In diesem Streit battc sich letzterer zu einer Erklärung verstanden, die jedoch mit Vorbehalt abgegeben wurde. Wie bc- bauptct wird, soll Dr. B. nun diese Erllärung in dcr Sitzung des Vorstandes dcr„Demokratischen Vereinigung" vom 21. Dezember angeblich in einer Weise zur Pcrlcsung gebracht haben, die nicht crtenncn ließ, dah sie nur vorbehaltlich abgegeben war. Tics hat dann den Beklagten zu der inkriminierten Acußerung veranlaßt. — Die Börhandkung endete, nachdem ein Bergleich von Dr. Brett» scheid abgelehnt worden war, mit der Verurteilung des Beklagten Oske zu einer Geldstrafe von 20 M. Dcr von dem Beklagten angetretene Wahrheitsbeweis wurde als mißlungen abgelehnt. Zur Mutterschuvassäre. Die Streitigkeiten im„Bunde für Mutterschutz' haben neben der Klage der Frau Adele Schreiber-Krieger gegen Rechtsanwalt Springer auch eine Privatklage des Fräulein Dr. Helene Stöckcr gegen Frau Schreiber gezeitigt. Die Klage ist gestützt auf ein �schreiben der letzteren an den Vorstand des Mutterschutzbundes vom 20. November v. I., in welchem sie ihren Austritt erklärt und diesen damit begründet, daß ihr die Geschäfts- und Kassenführung des Fräulein Dr. Stöcker zu den lebhaftesten Bedenken Anlaß ge- geben hätten. In dem Briefe wurde ferner gesagt, daß es nicht möglich gewesen wäre, eine Uebersicht über Einnahmen und Aus- gaben zu erlangen. Die Privatklage stützte sich ferner darauf, daß Frau Schreiber dem Gehcimrat Motzet gegenüber sie, die Klägerin, der unredlichen Kassen führnng beschuldigt habe. Der der Beklagten gestern zugestellte Beschluß des Schöffengerichts Charlottenburg weist die Klage des Fräulein Dr. Stöckcr ab, mit der Begründung. daß Frau Adele Sckreibcr zwar sehr scharf kritisiert, aber unter dem Schutz des§ 193(Wahrmachung berechtigter Interessen) ge« bandelt habe, so auch dem Gehcimrat Mayct gegenüber nur von Unregelmäßigkeiten in dcr Kassenführung gesprochen habe.— Die kürzlich vertagte Privatklage der Frau Schreiber gegen Rechtsanwalt Springer wird demnächst zur Verhandlung kommen. Eis kindischer Erpresserbrief. „Lieber Herr Neumann I Da ich in Geldverlegenheiten bin Und immer den Armen- und Waisenhäusern zustecke, darum bitte ich Sie, mir 500 Mark bis zum Sonntag überleihen zu wollen. Wenn das nicht tun so werde ich Sie strafen und werde über Ihnen den Todesurteil vollstrecken, oder ich laß daS HauL anzünden oder laß einen Dieb hincinschlcichen, der Ihnen dann die ganze Habe nehmen und von dieser Sache dürfen Sie niemanden etwas sagen, sonst stech ich Ihnen die Augen ans, daß Sie blind sind und Sonn- tag Nachmittag mit dem 2 Uhrschlag stellen Sie eine Zigarrenkiste mit 500 Mark nieder bei Lehmann Hermanns Sandgrube, nicht eher oder später wie um 2 Uhr. Und wenn Sie das nicht erfüllen so wissen Sie, welches Urteil über Ihnen fällt. Weh, wenn Sie etwas davon sagen, und wenn Sie dies erfüllen, werde ich Sie noch 15 Jahre leben lassen und wenn Sie noch 15 Jahre länger leben wollen, so müssen Sie 500 Mark hinlegen nochmals, das sind zusammen 1000 Mari und 30 Jahre. Dies schrieb der Allmächtige und Allerhöchste Richter im Himmel Herr ZEBAOTH".— Ter Adressat dieses Schreibens, der Handelsmann Neumann übergab das Schrecken der Gendarmerie in Benan, die dem Gemüts- menschen, der 15 Jahre Menschenleben mit 500 M. bewertete, nach altem Muster eine Falle stellte. Nachdem sich einige Gendarmen in der Nähe von Lehmanns Sandgrube versteckt hatten, wurde eine Zigarrenkiste durch den Adressaten Neumann an Ort und Stelle gebracht. Nach kurzer Zeit näherte sich auch ein Radfahrer, der die Kiste aufnahm und sich schleunigst aus dem Staube machen wollte, dabei aber den Gendarmen gerade in die Arme lief. Es war ein 16jäHriger Dienstknecht Reinhold Schulz, der wahrscheinlich durch Lektüre von Schundromanen und durch den Religionsunterricht zu seinem kindischen Plan verführt worden ist. Vor der Soraucr Strafkammer erzählt er das Märchen von dem großen Unbekannten, der ihm den Auftrag gegeben hätte, eine Kiste von der Sandgrube abzuholen. Das Gericht verurteilte ihn unter Zubilligung der Wohltat des Strafaufschubs zu vier Monaten Gefängnis. Ist ein Ausschluß von BereinSmitgliedern zulässig. Eine für das gesamte BereinSleben wichtige Entscheidung fällte am Mittwoch der 4. Zivilsenat des Reichsgerichts. Er sollte fol- genden Rcchtsgrundsatz auf: Bei rechtsfähigen Vereinen ist die Ausschließung eines Mitgliedes durch Beschluß dcr Vereinter- sammlung unzulässig, wenn nicht eine statutarische Bc. stimmung den Ausschluß zuläßt; das Mitglied unterwirft sich nur der Satzung und kann nicht unfreiwillig zum Austritt genötigt werden, wenn die Satzung cinen solchen Austritt nicht vorsätzlich vorsieht.— Ter Sachverhalt, der zu dieser Eni- scheidung die Veranlassung bot, war folgender: Der praktische Arzt Dr. Joachim in Freiburg(Br.) hatte im Mai 1907 in Freiburger Blättern angekündigt, daß er im Anschluß an sein: Privatklinik wöchentlich eine unentgeltliche Sprechstunde für Unbemittelte ab- halten werde. Eine ähnliche Mitteilung brache er auch auf dem Schilde vor seiner Wohnung an. Der Vorstand des Vereins Frei. burger Aerzte, dem Dr. Joachim angehörte, erblickte in diesem Borgchen eine Verletzung der ärztlichen StandeSpslicht. Es wurde beim ärztlichen Ehrengericht Anzeige erstattet und dieses erkannte am 21. September 1907 auf eine Verwarnung. Die Berufung dcS Dr. I- wurde vom EhrcngerichtShof in Karlsruhe verworfen, doch wurde er von den Kosten dcr zweiten Instanz entbunden, weil mil- dernd in Betracht kam, daß in Freiburg die Ansichten über die Frage der Polikliniken geteilt waren. Der Verein Freiburger Aerzte beschloß dann mit 26 gegen 14 Stimmen bei 6 Stimment- Haltungen Ausschluß des Dr. I. aus seinem Verein. Dieser AuS- schluß wurde auf Klage des ArzteS vom Landgericht Freiburg auf- gehoben. Das Oberlandesgericht Karlsruhe hob dies Verfahren aus und stellte das erste Urteil wieder her. Das Reichsgericht stellte das Urteil des Freiburger Landgerichts auS den eingangs an- geführten Gründen wieder her. Vermischtes. Die echten Hartmsdamen? Aus Frankfurt a. M. wird berichtet: Gegen den Impresario, der mit echten Haremsdamen gegenwärtig im hiesigen Intimen Theater ein Gaststiiel gibt, hat die Kriminal- Polizei eine Untersuchung eingeleitet. ES wird beanstandet, daß in Inseraten und Bekanntmachungen von acht echten Haremsdamen und zwei Eunuchen die Rede ist, während Zweifel an der Echtheit der HaremSdamen und Eunuchen bestehen soll. Man der- mutet, daß die eine der Damen auS Deutschland, und zwar auS Berlin stammt. Zu dem gestern gemeldeten Diebstahl von über 23 000 M. von einem Torpedoboot in Wilhelmshaven ist zu berichten, daß sich fast die ganze Summe des gestohlenen Geldes bei der Haussuchung auf dem HauSboden versteckt wiedergefunden hat. ES fehlen an dem Gelde nur etwa 200 M. Der Aetna in Tätigkeit. AuS C a t a n a wird vom gestrigen Tage gemeldet: Der Aetna ist seit einigen Tagen in Tätigkeit. AuS etwa zehn Oeffnungen er- gießen sich Lavaströme, welche schon bis in die Nähe der Ortschaften San Leo und Rinozzi angelangt find. Einige Weingärten wurden zerstört und mehrere kleine Hänser von den Schuttmassen begraben. Zusammenstoß zweier Torpedoboote. Einer Meldung aus Lorieut zufolge sind die beiden Turbineutorpedoboote.Boltigeur" und„Tirailleur" auf einer Probefahrt zusammengestoßen und haben beträchtliche Beschädigungen erlitten. Kunstschändcr. Wie aus Pari« gemeldet wird, sind in der gestrigen Rocht zwölf für den diesjährigen Salon der Gesellschaft französischer Künstler eingesandte Bilder von einem unbekannten Ucbellärcr gänzlich zerschnitten worden. Low Tiamantenschwindler Lemvink. Wie au? Paris gemeldet wird, hat die dortige BerustuigS- kiwimer für Strafsachen das Urteil gegen den angeblichen Diamanten» fabrikanten Lemoine, das ln erster Instanz auf drei Jahre Ge» fängnis, 3000 Fr. Geldstrafe und Zahlung einer Emschcidiguiig an den Direltor der De Beersgesellschaft Julius Wernher gelauiet hatte. vollinhaltlich bestätigt._ Raubmord im Zuge. Auf dem Bahngeleise bei Dombasle (Deptmement Meurlhe et Mosellc) wurde, wie auS Paris gemeldet wird, die Leiche des Bahnbeamten Daudon aufgefunden, der an- scheinend im Zuge ermordet und beraubt worden ist. Folgenschwere Pulvcrcxplosion. Aus Tanger wird vom gestrigen Tage gemeldet: Heule vormittag flog in dem Augenblicke, in dem aus Anlast des Hammelfeftes die Batterien an der Zollstation den üblichen Salut abfeuern wollten, ein Pulverschuppen in die Lust, wodurch acht Soldaten getötel und zahlreiche verletz! wurden. Die Explosion wird auf die Unvorsichtigkeit eines Soldaten zurückgeführt, der den Pulverschuppen mit einer brennenden Zigarette betreten hatte._ SmgeZanAene Druckrcbnftcn. Dan der„Neuen Zeit- lStuttgart, Paul Singer) ist soeben das 26. KÄt des 28. JahraangZ erschienen. Es hat jolgenoen Inhalt: Tic sU rfte Politik.— Die Wahlresorm der Junker und das Zentrum. — TAH ort der Reaktion. Bon Wilh. Düwcll(Berlin).— Um die Frei- heit der' Bauleute. Von August Bringmann.— Rützland in der Re- volution. Von I. Karski.— Literarische Rundschau: Dr. Ludwig Nieder Die Arbeitsleistung der Saarbergleutc in den königl. preußisch en Stein- kllhlengrubcn bei Saarbrücken seit dem Jahre 18L8. Von I. Karsli.— Zeitschristenschau. Die„Neue Zeit" erscheint wöchentlich einmal und ist durch alle Buch- bandmngen, Postanstalten und Kolporteure zum Preise von 3.Ä5 M. pro Quartal zu beziehen; jedoch kann dieselbe bei der Post nur pro Quartal abonniert werden. Das einzelne Hest kostet 25 Pf. Probcnummern stehen jederzeit zur Verfügung. Marianne. Geschichte einer Liebe. Von M. Ludwig. 3 M., geb. 4 M.— Frau Elses Vcrhcistung. Erzählung von K. Hahn. Um- schlagzeichnung von SB. Schulz. 2,50 M., geb. 3,50 M. Verlag: Langen, München. Brnfkaftgii der Redaktiöti. — Dank 100. 1. Nur, soweit es sich unr Schulden bandeli, die zum Zwecke der Bestreitung des Unterhalts gemacht sind und sosern die Tochter nicht aus ihrem etwaigen Vermögen oder aus einer Erivcrbstätigkeit Mittel zur Deckung besitzt oder erlangt hat. 2. Nein.— Nr. 100 W. 3. Die Beitröge zur Hilssirankenkasse sind abzugssähig, die übrigen Beträge nicht.— Ernst 30. Die Beruisgenossenschast muß weiter zahlen: falls der Manu entmündigt ist, an den Vormund. Der Gemeinde steht aber leider das Ziccht zu, wegen der Unterhaitzkosten in der Anstalt den Ztcnten- anspruch pfänden zu lassen.— H. S. i. Wiederholen Sie Ihre?lnsrage und teilen Sie imS gleichzeitig mit, unter welchem Datum Sie die erste Anfrage an uns gerichtet haben.— 126 31. 3. Ten Anordnungen des Arztes müssen Sie sich fügen.— 2ö. W. 95. Nein. — Markensammler. Abweichen in heißem Wasser.— G. T. 2. Geschälte empsehlcn wir nicht.— 91. 3. 2. Sie müssen die Laube im VermögenSoerzeichnis ausführen, wenn sie nicht dcnl Gläubiger jür daS Darlehen übereignet ist.— W. SÄ., Beclitz. Teilen Sie uns mit, an wen und zu Ivclchem Zweck Sie die lOl M. geiandt haben, Ivonächst wir die Frage deaniworten werden.— P. C. 61. Am 6. April.— P. II. 999. Der Vormund ist verpflichtet, Zwangsvollstreckung vornehmen zu lassen; es kann auch Lohnpsündung ersolgen.— Wladislaüs Broudis. Aus Ihrer Ansragc ist nicht ersichtlich, was Sie überhaupt wünschen. — Nr. 103 K. 3 Tie Eintragung ist zuläsfia, nach Ihrer Darstellimg auch nicht ansechlöar.— F. F. 33. 1. Ja. 2. ES basten beide, sosern beide den Vertrag unterschrieben haben.— F. BS. 6331. Wir haben Ihr Schreiben der Expedition zur weiteren Veranlassung übergeben.— G. 79. Wenden Sie sich an F. Schneider, per Adr.: A. Norden. Exhib. Hotel, Exhib. Street, Melbourne, Australien.— H.(S. 35. Soweit uns bekannt, keine.— D. 131. Der Antrag ist an die Armendircktion in Charwttenburg zu richten. Llnspruch aus eu:cn bestimmten Betrag haben Sie nicht; die Höhe desselben wird von den Verwaltungsbehörden sestgesetzt. Amtlicher Marktbericht der städtischen Marktballen-Dtrektion über den Großhandel in den Zenwal-Marktballcn. Marktlage: F l ei l»- Zufubr sehr stark, Geslbäst rege, Preise urweränhert. Wild: Zufuhr sebr schwach. Geschäft rege, Preüe fest. G est ü gel: Zusuhr reichlich, Geschäft lebhaft, Preise gut. Fische: Zusuhr reichlich, Geichäst teilweise schleppend, Preise etwas niedriger. Butter und Käse: Geschäft ruhig, Preise unverändert. Gemüie, Obst und Südfrüchte: Zusuhr ge- nügend, Geschäft rege, Preise wenig verändert. Wittcrungsübetsickit vom 31. März 1910, morgens 8 Uhr. ktationrn i« WiNei SN Havaranda 749 SW! Petersburg 759 WNW Scillh 774 NNO Aberdeen 773 WSW Pari! 1 773 NNO 2 halb bd.— 2 1 wolkeul—3 3 wolkig 9 3 heiter! 7 3 bedeckt S Swuwulde. I766W 1 heiter 3 Eainöura 769 NW' 3Duilst 6 Berlin 767 NW 2 bedeckt .tzranks.a M. 771NW 2wo!kig München 771 SN 4 wolkig Wien 765 NW 4 heiler Wetterprognose kür Freitag, den 35- März 1910. Ziemlich kühl und veränderlich, vielfach wolkig mit geringen Nieder schlägen und frischen nordwestlichen Winden. Berliner W c t t e r b u r e a ll. Stationen c* äli §£ w J WasserstandS-Nachrtckiten der Landcsanstalt für Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berliner Wctterbureau. 'i 4- bedentel Duch»,— Fall.— st Unlerveqel. ...JUVW* ,«•••....................... V,VAV.VSW.W. VV.W.".%V�V.%a.W.%l,.W*,.,ASWWA WoViSV.'.W.-AW.WVAW.Vy.W. 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