Nr. 72. Abonnements- Bedingungen: Abonnements Preis pränumerando: Vierteljährl. 3,30 t, monatl. 1,10 m., wöchentlich 28 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags numimer mit illustrierter Sonntags. Beilage„ Die Neue Welt" 10 Bfg. PostAbonnement: 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Post- Zeitungs Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Desterreich- Ungarn 2 Mart, für das übrige Ausland 3 Mark pro Monat. Postabonnements nehmen an: Belgien, Dänemark, Holland, Italien, Luxemburg, Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. Ericheint täglich außer Montags. Vorwärts Berliner Volksblaff. 27. Jahrg. Die Infertions- Gebühr beträgt für die sechsgespaltene Stolonel. geile oder deren Raum 50 ẞfg., für politische und gewerkschaftliche Vereins. und Bersammlungs- Anzeigen 80 Pfg. ,, Kleine Anzeigen", das erste( fett gedruckte) Wort 20 Pfg., jebes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlafstellen- Anzeigen das erste Wort 10 Pfg., fedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm- Adresse: Sozialdemokrat Berlin" Zentralorgan der fozialdemokratischen Partei Deutschlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Auferstehung. 3 Sonntag, den 27. März 1910. Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984. eine apokalyptische Lehre sanktionieren, nach der das kaiserliche gewollte heilige Ordnung mitsamt der Vertröstung auf ein Rom als der Antichrist galt, dessen Niederwerfung die erste besseres Jenseits verliert ihre Wirkung. Die Völker sind Vorbedingung der Errichtung des irdischen Gottesreiches war. mündig geworden, und tatkräftig suchen sie ihr eigenes GeSo wurde das göttliche Reich in ferne Regionen über den schick zu gestalten. Mögen immerhin die Osterglocken zum Gestirnen und die Auferstehung an das Ende der Welt, vor alten Auferstehungs- und Entsagungsglauben mahnen; nicht das jüngste Gericht, verlegt, und später, nachdem von feineren mehr lauscht andachtsvoll das arbeitende Proletariat den Geistern auch dieser Gedanke als allzu materiell" und„ roh- verheißenden Klängen. Es will nichts mehr vom alten Auffinnlich" empfunden wurde, die verheißene Auferstehung als erstehungsglauben der Kirche wissen, denn ihm selbst ist das Weiterleben der Seelen in einem nebelhaften Jenseits- in feiner Mitte ein neuer Auferstehungs. glaube entstanden: fein Glaube, der über Wolken Nach der christlichen Lehre ist Dstern das Fest der Auferstehung des auf Golgatha gekreuzigten Weltheilands. Wie das Christentum bei seinem Vordringen in die Heidenwelt so manche der altheidnischen Naturfeste mit seinen Kirchenfesten berband und beider Grundgedanken vereinigte, so hat es auch das altdeutsche Lenzesfest, das frohe Fest des Wiedererwachens reich verstanden. der Lebensfräfte aus starrer Wintersnacht, zum Auferstehungsfest Und mit dem Auferstehungsglauben wandelte sich auch unerforschliche Gnaden- und Wunderwirkungen sucht, sondern seines am Karfreitag gefreuzigten Gottes gemacht und dieses die Abkehr vom irdischen Leben, die Hoffnung auf eine baldige der Glaube an sich selbst, an die aufstrebende Menschheit. Fest des teimenden neuen Lebens mit christlich gespenstischer Erlösung aus dem irdischen Elend. Anfangs hatte diese Abkehr Neues Hoffen, neues Streben beseelt die Gemüter und Mystik ausgefüllt. vom irdischen Getriebe, diese Ergebung in das Walten der gött- läßt sie freudig den Verfolgungen trogen, durch die, wie einst Gleich dem Erlösungssehnen des Urchristentums, dem lichen Macht, ihre Wurzel in der Zuversicht, daß jederzeit, im kaiserlichen Rom, die Herrschenden den neuen Glauben zu Motiv des Weihnachtsfestes, ist auch der christliche Auf- vielleicht schon in wenigen Jahren der Messias wiedererscheinen unterdrücken suchen. Der Erlösungsgedanke des erstehungsglaube geboren aus dem Massenelend und dem und sein irdisches Reich aufrichten fönnte. Hatte es unter Sozialismus hat allzu tiefe Wurzel geschlagen, als daß Verfall der Römerwelt. Aus der Troftlosigkeit der grauen- folchen Umständen einen Sinn, um eine Besserung der eigenen fich die freigewordenen Geister wieder in alte Fesseln schlagen haften sozialen Zustände des kaiserlichen Roms flüchtete sich und der fremden Lebenslagen zu kämpfen und sein Herz an ließen. Selbstbewußt fordert das Proletariat sein Dsterrecht die Hoffnung in eine bessere Zukunft, in den Glauben an ein die Dinge dieser Welt zu hängen, die so vergänglich erschienen?- trotz aller firchlichen Dogmatit und Mystik und aller neues Leben auf den Trümmern der durch die göttliche Macht Die Hauptsache war, sich auf die Wiederkunft des göttlichen Widerstände des Staates. des Messias niedergezwungenen Römerherrschaft: ein Leben, Erlösers vorzubereiten, der dieses ganze fündige irdische an dem alle teilnehmen sollten, die den Weisungen des Ge- Jammertal vernichten würde. Darum„ trachtet zuerst nach Die nationalliberalen und die Wahlreform. 7 freuzigten folgten, auch jene, die inzwischen dem irdischen seinem( nach Gottes) Reich und Recht, so wird euch dies alles Tode verfallen waren. Und diefer Glaube an ein neues zufallen". So entstand die Lehre: Fügt cuch in das, was Eine Korrespondenz, die zuweilen gut informiert ist, behauptet, Leben in einem neuen tausendjährigen Reich unter der Herr- Gott schickt, entsagt dem irdischen Genußleben! Bald wird daß die ausschlaggebenden Parteien nicht geneigt seien, an dem schaft des gekreuzigten, aber nach Bekundung judäischer sich alles ändern, denn das messianische Gottesreich ist nahe. Wahlgefeh, wie es in der dritten Lesung angenommen worden ist, Propheten am dritten Tage nach seinem Tode auf- Doch je weniger man mit der baldigen Wiederkunft des bei der am 12. April erfolgenden Wiederholung der Abstimmung erstandenen göttlichen Messias fand noch eine Veränderung vorzunehmen. Man beabsichtige vielmehr, in den armen Erlösers rechnete und je mehr andererseits das Christentum das Gesetz in seiner bisherigen Form dem Herrenhaus zugehen zu christlichen Urgemeinden um so leichter eine Stätte, zur Religion der Besitzenden und Herrschenden, zur anerkannten lassen, das sich dann bereits am 14. April mit dem Gesek befassen als seit Plato der Auferstehungsglaube in der griechischen Staatsreligion wurde, desto mehr schwand die hoffnungs- werpe. Das Herrenhaus seinerseits werde allerdings vermutlich Philosophie immer größere Verbreitung gefunden hatte und gläubige Entsagung. Aus dem christlichen Gemeindeleben er nicht auf alle Renderungen verzichten. fast ein Gemeingut aller jener zerstreuten Teile des Juden- wuchs eine herrschsüchtige, nach stetiger Ausdehnung ihrer Wenn diese Meldung zutrifft, sind die Versuche der Konser. tums geworden war, die gläubig auf einen Messias, einen Macht trachtende kirchliche Hierarchie, die sich eine gewaltige vativen, mit den Nationalliberalen zu einem Einverständnis zu Erretter aus der Römerherrschaft und Wiederhersteller eines Stellung im Staate schuf und bald, auf ihre angebliche Ein- tommen, bisher erfolglos geblieben. Entweder wollen sich also die neuen, mächtigeren judäischen Gottesreichs hofften. setzung durch Gott pochend, auch die Beaufsichtigung der welt- Konservativen mit der Zustimmung des Zentrums begnügen und Die Kunde, daß der Erlöser, nachdem er schon im Grabe lichen Gewalten als ihr Recht beanspruchte. Das Christentum auf die Mitarbeit der Nationalliberalen verzichten, oder sie ergelegen, vom Tode wieder auferstanden und seinen Jüngern wurde praktisch. Praktisch nicht insofern, als es die christliche warten, daß das Herrenhaus feinerseits den Natinalliberalen einiges Entgegenkommen beweisen wird. erschienen sei, dünfte den sehnsüchtig der Erlösung aus ihrem Lehre in der Praris des Lebens zu verwirklichen suchte, Die Nationalliberalen gefallen sich einstweilen in der Rolle der Elend Harrenden nicht nur eine sichere Gewähr für die sondern indem es diese Lehren an die Wünsche des Unentwegten. Auch die National- 8tg." versichert, daß die National. Wiederkunft des Messias und seiner Aufrichtung eines neuen, Tages und derer anpaßte, die den Tag beherrschten, liberalen dem weiteren Verlauf der Dinge mit Ruhe entgegensehen. Herrlichen Reiches, sondern auch eine Bürgschaft dafür, daß der Mächtigen und Besitzenden. Während das Christentum Wohl hätte die Partei alles getan, um die Erledigung der Vorfie selbst, falls sie noch vor diesem nahe bevorstehenden Er- ursprünglich den Verzicht auf Gewalt und Besizesfülle forderte lage zu beschleunigen und sie in positivem Sinne zu gestalten, wohl eignis sterben sollten, wieder auferstehen würden zu neuem und nach seiner Lehre eher möglich war, daß ein Kamel habe sie zur Erlangung der Einigung auch schwere Opfer nicht glücklichen Leben in Gemeinschaft mit dem Gekreuzigten. durch ein Nadelöhr ging, als daß ein Reicher in den Himmel gescheut, doch habe sie auch die Schranken dessen gewahrt, was mit Wie eng der urchriftliche Auferstehungsglaube mit den tam, wurde die christliche Frömmigkeit mehr und mehr zu liberalen Anschauungen vereinbar gewesen sei. Ueberschritten habe jüdischen Hoffnungen auf die Aufrichtung eines neuen einem Machtmittel, dessen die Herrschenden, vor allem die sie diese Schranken nie und nirgends. So werde sie auch, gefestigt messianischen Weltgottesreichs zusammenhängt, zeigt aufs deut- firchlichen Großen felbst, sich zur Niederhaltung der Massen gegen rechts und links, die Bahn innehalten, die sie sich von Anfang lichste die in den Jahren 68-69 unserer Zeitrechnung unter bedienten. Die Lehre von der Entsagung, von der stillen Einigkeit in der Fraktion selbst eine vollständige sei. an borgezeichnet habe. Das werde ihr um so leichter sein, als die dem Eindruck der Neronischen Christenverfolgungen nieder- Ergebung in Gottes Ratschluß und der Hoffnung auf ein geschriebenen Offenbarung Johannes", bestimmt neues Leben nach dem Tode ward nun in der Hand der dazu, die Gläubigen" auf die bevorstehende Wiederkunft des Mächtigen, die sich selbst nicht an sie kehrten, zu einem wohl Erlösers vorzubereiten und sie zur Standhaftigkeit im Ertragen feilen Bändigungsmittel der Massen. Ihr Elend, der über sie hereingebrochenen Verfolgungen zu ermahnen. ihre gedrückte Lage wurde ihnen als in Gottes weisem Rat- Es ist richtig, daß die Nationalliberalen anfangs durch ihre Das göttliche Reich, das in dieser Schrift verheißen wird, ist schluß begründet hingestellt, als ein Teil der von Gott Haltung das" demokratische" Zentrum beschämen zu wollen schienen. nicht ein Reich des Jenseits und die verkündete Auferstehung gewollten heiligen Ordnung, und die stille Unterwerfung immerhin Forderungen auf, die dem Zentrum mit Rücksicht auf die Denn die Nationalliberalen stellten mit ihrem Zehntelungsantrag der Toten nicht ein Fortleben unsterblicher Seelen in diesem unter den Willen der Mächtigen als ein göttliches Gebot, tonservativen Verbündeten zu weit gingen und deshalb von Jenseits. Auf Erden, auf den Trümmern des in gewaltigem für dessen Befolgung einst ihre Seele im Jenseits himmlische ihnen niedergestimmt wurden! Ebenso erklärten sich die Ringen niedergeworfenen römischen Weltreichs begründet der Freuden genießen werde. Und wo die Menge diese Lehre Nationalliberalen bedingungslos für die geheime und gekreuzigte Messias sein tausendjähriges Reich, das nicht anerkannte, wo sie sich gegen die ihnen als göttliche direkte Wahl, während das Zentrum durch seinen perfiden Verrat herrliche Jerusalem: eine Riesenstadt, fast Drdnung gepredigten firchlichen Dogmen auflehnte, da griff die bereits gesicherte geheime Wahl durch die Wiedereinführung 300 Meilen in der Länge und Breite, aus Gold und Edel- die kirchliche Hierarchie, wie einst die Kaiser Roms, zu der indirekten Wahl verschandelte. So hätten die Nationalliberalen steinen erbaut. Und in dieser Stadt lebt der Messias als blutigen Glaubensverfolgungen. Zur höheren Ehre Chrifti, dem angeblich demokratischen, in Wirklichkeit aber agrarisch- realRegent unter den Seinen, deren Erstlinge" und Aus- des einst als Erlöser aus irdischem Elend und Zwang Er- tionären Zentrum gegenüber in der Wahlrechtsfrage den Anspruch erwählte aus 144 000 Juden bestehen, 12 000 aus jedem der sehnten, flammten die Scheiterhaufen auf und die Jubel- auf den fortschrittlicheren, boltsfreundlicheren Standpunkt gehabt, zwölf Stämme Jsraels. Um sie schart sich die große Menge gefänge einer in religiösen Wahnsinn getriebenen Menge über wenn sie sich nicht doch bei der letzten Plenarberatung eine schmä h der Heiligen anderer Nationen, Stämme, Völker und tönten das schauerliche Stöhnen der lebendig Verbrannten. Es war schon bezeichnend, daß die nationalliberale Fraktion Sprachen" und die Gruppe der Toten, Auferstandenen, der Heute ist diese Art, dem Zweifelnden und Unbotmäßigen ihren Behntelungsantrag im Plenum nicht wiederholt hatte. Gestorbenen, die das Wort des Messias befolgt und wegen die Richtigkeit der kirchlichen Dogmen zu beweisen, nicht mehr noch schlimmer aber war es, daß die Nationalliberalen nicht einmal ihres Glaubens gelitten haben. Zur Belohnung für ihre möglich. Die steigende menschliche Kultur hat jene Zeiten die Einführung der direkten Wahl für das ausschlag. Leiden ruft sie der Messias aus den Gräbern, teilzunehmen überholt. Doch wenn auch die Formen der firchlichen Herr- gebende Moment erklärten, sondern durchblicken ließen, daß fie an feines Reiches Herrlichkeit, während die Ungläubigen dem schaft gewechselt haben, die Verwendung der Kirchlichen Macht troßdem für das schmachvolle blau- schwarze Kompromiß zu haben Tode verfallen bleiben bis zum Ablauf des tausendjährigen mittel zur Niederhaltung der Masse ist geblieben. Gerade fein würden, wenn ihnen der Schnapsblock nur auf dem Gebiete der Reiches und dem diesem folgenden großen göttlichen Straf- die letzten Wochen haben wieder gezeigt, wie sich die politische drittelung möglichst über den ganzen Wahlbezirk hinaus Steuerbrittel ung entgegenkomme, das heißt in eine Steuer gericht. Vertretung der römisch- katholischen Kirche, das Zentrum, willige. So hatte die nationalliberale Fraktion alle liberalen neue, " 11 Das klingt ja alles sehr schön und heldenhaft, nur entsprach die Haltung der Nationalliberalen leider keineswegs der Schranke dessen, was selbst mit nationalliberalen Anschauungen vereinbart" sein sollte. liche Blöße gegeben hätten. Wie ein wundersames, phantastisches Märchen erscheint im Dienste eines machtlüfternen Klerus bereit fand, dem Forderungen preisgegeben und lediglich an derjeni. uns diese Verheißung der Gründung eines irdischen Gottes- Volt seine elementarsten politischen Rechte zu versagen und gen Forderung festgehalten, die Konservative und Zentrum reiches und der Auferstehung der Toten; und doch hat der alle einst gegebenen Versprechungen schamlos zu brechen. mit Recht als eine antiplutokratische Bestimmung be Unsterblichkeitsglaube in dieser aus überhitter orientalischer und als aus den Reihen der katholischen Arbeiterschaft zeichnen konnten! Daß das Zentrum die Interesse der nichtbezeich Phantasie geborenen Gestalt bis in das dritte Jahrhundert Widerspruch erfolgte, da griff der Klerus nach altem Rezept neten Klasse in diesem Falle nur deshalb wahrte, weil das in die Hoffnungen der urchriftlichen Welt beherrscht, und eine zu dem Mittel, die heilige" Stirche für gefährdet zu erklären seinem ureigensten Fraktionsinteresse liegt, ſpielt dabei keine Rolle. ganze Reihe der angesehendsten ältesten Stirchenväter, darunter und Entsagung zu predigen. Die Nationalliberalen fönnen wirklich ihrem Schicksal danken, Frenäus, Hippolyt, Tertullian, Papias, haben diesen Glauben Nur bei einem kleinen Teil der ärmeren Volksschichten wenn sie die Bündnistreue der Konservativen den ultramontranen verteidigt, bis später die alexandrinische und die römische gelingt es jedoch noch, das Aufwärtsstreben und Drängen zu Wahlrechtsverrätern gegenüber vor der Schmach schützt, unter Schule diese sinnliche Deutung" berdrängte; fonnte neuer Lebensgestaltung in mattem Entsagungsglauben zu er- Breisgabe aller liberalen Forderungen und um den doch die römische Kirche, nachdem das Christentum zur sticken. Der christliche Glaube ist im stetigen Schwinden be- Breis einer weiteren Berschlechterung des Wahlrechts in den Staatsreligion des römischen Kaisertums geworden war, nicht griffen, die Lehre von der stillen Ergebung in die von Gott Block der Wahlrechtsräuber einbezogen worden zu sein! Schnapsboykstt imd Mal/lrechtokainpf ergänzen einander! Seide treffe« die Junker, die schlimmsten Feinde des Proletariats! der belgische RachlaßSkandal. Brüssel, 15. März.(Eig. Bericht.) Unter allen Skandalen, die die Herrscherlaufbahn Leopolds II. bezeichnen, ist wohl der aus- giebigste und gediegenste der Nachlassskandal, über den neulich die Interpellation Vandervelde gründlich Licht verbreitet hat. ES war «in Epilog, den die verherrlicher deS„grossen Königs" kaum in seine Biographie ausnehmen dürften. In der Tat: was immer dieser königliche Jndustrieritter in seinem geschäftereichen Dasein an zweideutigen Operationen und unsauberen Manövern aufgeführt hat— eS wird entschieden in den Schatten gestellt durch den letzten grossen Trick, den die BermögenSIiquidation zutage gefördert hat. ES wird nach diesen Einhüllungen schon ein geniales Fälschertalent vonnöten fein, um der Welt noch immer die Legende aufzuschwatzen, dass die skrnpel- lose vermögenZrafferei Leopolds nur im Interesse und zum Besten der Nation betrieben worden ist. Man hat ja die Ausbeutung und Ausplünderung der Neger, den Länderraub, den die Regierung deS „Unabhängigen KongostaateS" an den Negern verübt, damit zu ent» schuldigen und zu beschönigen versucht, dass ja die Beute dem Mutter« lande bestimmt war. Und wenn eS auch wahrlich kein Geheimnis war, dass Leopold Millionen und Millionen aus dem Kautschuk- und Elfenbeinhandel für seine höchstpersönlichen Zwecke verwendete, seiner krankhaften, durch kcineRegung derMenschlichkeit oder eines künstlerischen Geschmacks gemilderten Verschwendungssucht opferte, so blieb doch immerhin noch Raum für die Illusion, dass Leopold mit seinen Kolonialgeschästen Belgien„bereichern" wollte. Konnte man über« Haupt an dieser Voraussetzung drehen und deuteln? Zwar war das erste Testament, daS Leopold verfasst hatte, als er die grossen Pumps im Parlament vorbereiten lieh, längst umgestossen: Belgien sollte die Kolonie damals„umsonst" haben. Aber die Grossmut Leopolds hatte sich etwas verflüchtigt, als er die gewünschten Millionen in der Tasche hatte, und so hat er sich bekanntlich im NnnexionSvertrag noch eine recht anständige Abfertigung bewilligen lassen. Aber auch nachdem die Kammer dem König die 5V Millionen „Indemnität" zugesprochen, mochten sich die Belgier— die wenigstens, die sich auf die„reiche" Kolonie freuten, sagen, dass sie ihnen jetzt nun auch wirklich gehöre, mit allem, was drum und dran ist, mit den Schulden, aber auch mit den Aktive».... Was die Schulden betrifft, so stimmt die Sache natürlich. Und Belgien wird überdies die Millionen kostenden Reformen im Kongo auszuführen haben-- nicht nur, weil eS Albert 1. will, sondern auch, weil es Leute ausserhalb Belgien? verlangen. Wie gesagt: so weit Belgien zu zahlen haben wird, stimmt alle?. Es stimmt nur in dem andern Punkt nicht: nämlich, so weit Belgien etwa? be- kommen sollte. Die Liquidation des Leopoldischen Vermögens- Nachlasses hat nämlich ergeben, dass der seltsame„Wohltäter" Leopold die Nation um 27 Millionen bemogelt hat. die ihr von Rechts wegen, daS heisst: auf Grund des Kongoannexionsvertrages zugehören. Nach diesem fallen den, belgischen Staat alle Aktiven der Kolonie und der aufgelösten Krön« domäne zu. Der König aber hat diese Fonds ganz anderen, nach seinem persönlichen Willen bezeichneten Zwecken zugewiesen, und Belgien ist möglicherweise auf den Prozcssweg angewiesen, um seine VtrtragSmässigen Bcsitzrechte auszuüben. WaS sich ereignet hat, ist kurz gcfasst folgendes: Nach dem Tode deS Königs fanden sich in seinem Nachlass 23 Millionen Kongo- weripapier«(ungerechnet jener, die sich zweifellos im Besitz der morganatischen Gattin Leopolds, der Baronin Vaughan befinden), die aus den Aktiven der Kolonie und der Krondomäne stammen und die daher rechtmässiges Eigentum der Nation sind. DaS erste Licht auf den Skandal ivarf ein aufsehenerregender Artikel der demokratischen Brüsseler„Gazette", die von einer bisher un- bekannten„Fondation de Niederfüllbach" berichtete, die zweifellos ans den Fonds der Krondomäne gegründet wurde. In dieser Gründung wie in der„Sociötö des Sites", der„Sociötü de la cvte d'Azur" stecken Jmmobilienwerte, die dem Kongostaat bezw. der Krondomäne gehörten und demzufolge Eigentum Belgiens hätten werden müssen.— Im übrigen zeigt sich, dass Leopold nicht ganz so arm gestorben ist, als sein Testament erzählt, in dem der verstorbene König bekanntlich er« klärt hatte. dass er nichts besähe, als die armseligen fünfzehn Millionen, die er von seinen Eltern ererbt und die er-- wer lacht« bei diesen Worten in Belgien nicht Z— trotz aller„Schwierigkeiten" seines Lebens treu für seine Töchter bewahrt hatte!— Der Vermögens!, achlah hat immerhin gezeigt, dass die Armut nicht ganz so drückend war. Wobei noch zu bedenken ist, dass niemand den ungeheuren Vermögensbesitz der Baronin Vaughan kennt, in deren Taschen auch die aus der Kongoschuld stammenden 30 Millionen ver- sch wunden sein sollen, die der König seinerzeit von Belgien entliehen hat und die einfach nicht mehr zu finden waren! Die Regierung hat im Jahre 1303 auf die Interpellation deS Demokraten Janson über den Verbleib dieser Summe eine grotesk-hilflose Antwort gegeben und bis heute hat man den„Rechenfehler" nicht entdeckt. durch den Belgien um 30 Millionen gebracht wurde. Ein klerikales Antwcrpener Blatt und der Brüsseler klerikale „Patriot«"— ein Blatt, das dem König Leopold eistigste Opposition machte haben seinerzeit behauptet, ohne dass ein offizielles Dementi erfolgt wäre, dass diese 30 Millionen im Geldschrank der Baronin Vaughan verschwunden feien.— Eine Lappalie scheint da- gegen die ebenfalls auf das Verlustkonto Belgiens fallende berühmte luxuriöse Villa Vanderborght, die Leopold der Baronin Vaughan eingerichtet hatte und die von der Krondomäne angekauft wurde— also ebenfalls rechtmässiges Besitztum Belgiens wäre. Die Regierung hat nicht die— UnHöflichkeit begangen, die Siegel an die Schlotzpforten der Villa anzulegen.... • In einer von Leidenschaftlichkeit freien, in ihrer Sachlichkeit NU« um so eindringlicheren Rede hat Vandervelde in der Kammer den ganzen Nachlassskandal aufgedeckt und die Regierung, al» den dafür verantwortlichen Teil, zur Rechenschaft gezogen. Seine Rede hat den letzten blassen Schein der Legende zerstört, dass Leopold„Zeit seines Leben nur darauf bedacht war. Belgien gross zu machen". Um zu erweisen, was der König an Belgien Gutes geübt, sagte vandervelde, mühte man uns die Rechnungen und Archive des Kongo st aateS übermitteln! Aber wir werden niemals die Wahrheit wissen, denn Leopold hat alles, eingeschlossen die Belege der Aivilltste. vernichtet!" l Besonders anschaulich hat Vandervelde demonstriert, wie Leopold seine diversen Gesellschaften gegründet hat, deren Gesetzlichkeit über- Haupt zweifelhaft sei. Die Aktionäre dieser Gründungen waren bekanntlich lauter Strohmänner, persönliche Freunde des Königs, wie die Barone Goffinet, Dr. Thiriar usw., und das ganze geschäftliche Arrangement, zu dem diese Herren herhielten, lief auf eine Beschummelung deS FiSkuS hinaus. Die„Sociötü de la röte d'Agur" hielt einmal eine„Generalversammlung" ab, die sich aus zwei Mitgliedern zusammensetzte. Diese zwei Aktionäre, Leopold und fein Dr. Thiriar, beschlössen„einstimmig" die Erhöhung de» Kapitals. Dass freilich dieser Nachlassskandal möglich wurde, daran trägt natürlich die Regierung und in, besonderen der Kolonienminister Renkin die unleugbare und übrigens ungeleugnete Scbuld. Als der Abgeordnete L o r a n d vor der Kongoannexion im Jahre 1908 den Kolonienminister interpellierte, ob ihm Einficht in die Rechnungslegung der Kolonie gewährt worden sei, erklärte Renkin aufs bestimmleste, dass iPm über alle Summen Rechenschast abgelegt wurde. Und was„erklärt" der Minister heute, angesichts der im Besitz Leopolds vorgefundenen 23 Millionen Kongopapiere? Dass er zwar nie einen Blick in die Bücher deS KongostaateS und der Kron- d o'm äne geworfen, dass er aber in gutem Glauben gehandelt, als er, auf Grund der ihm vorgelegenen Dokumente erklärte, dass alles in Ordnung sei. Jetzt, angesichts der„neu aufgetauchten Tat- fachen" müsse er zugeben, dass seine damaligen Erklärungen ungenau waren. DaS heisst auf gut Deutsch: daß der gewichste Leopold den vertrauensseligen Herrn Renkin angeschwindelt hat! Aber ob»un der Kolonienminister nur ei» Betrogener oder ein Mitschuldiger ist: waS soll man zu einem Parlament sogen, daS nach einer derartigen Erklärung eines Ministers Ja und Amen sagt und der Regierung daS Vertrauen ausspricht? Es ist erwiesen, dass die Kammer von Herrn Renkin getäuscht wurde, dass Herr Renkiu sich vom König hat täuschen lassen, dass der Minister eS an den ei» fachchsten Vorsichtsmassregeln bei der Uebernahme der Kolonie hat fehlen lassen: aber die Majorität stimmt für die Tagesordnung Woeste, womit die Kammer die Erklärungen deS schuldigen Ministers einfach zur Kenntnis nimint! Die Tagesordnung Vandervelde, die die Schuld der Re- gierung feststellt und ihr das Misstranen darüber ausspricht, dass sie eS bei der Uebernahme an den notwendigen VorsichtS- massregeln habe fehlen lassen, un, Belgien den vollen Besitz der Kolonie zu sichern, vereinigte auf sich die 31 Stimmen der Opposition. ES stimmte Linke gegen Rechte— bloss ein paar Klerikale, darunter Beernaert, zogen die Abwesenheit einem direkten VertrauennSvotum vor. Dem Nachlassskandal fügt fich so würdig der parlamentarische Skandal an, dass die Majorität einer Regierung das Vertrauen ausspricht, die die Kammer in einer der wichtigsten Fragen, die je das Land be- schäfligte, in unverantwortlicher Weise Himers Licht geführt hat. Sie oberhausttage. London. 24. März.(Eig. Ber.) Die Auseinandersetzimg über die Oberhausfrage ist im ganzen Lande in Fluß geraten. Sie dreht sich gegenwärtig um verschiedene Resolutionen und Amendements, deren wichtigste am 29. und 30. d. M. im Unterhause zur Beratung kommen werden.. Im Oberhause wurde bereits das Prinzip der Erblichkeit über Bord geworfen, aber noch nichts an dessen Stelle gesetzt. Wie bereits gemeldet, veröffentlichte der Ministerprasi denk Mr. Asquith seine Resolutionen, deren Inhalt die Grundlage deS kommenden Gesetzentwurfs bilden soll. Die Liberalen sind von dieser Resolution befriedigt. Nicht so die Arbeiterpartei. Sie wird mehrere Verbesserungsan- träge stellen, die jetzt schon veröffentlicht werden. Sie lauten! „Da daS Oberhaus eine unverantwortliche Körperschaft ist, deren Interessen notwendigerweise dem Gemeinwohl entgegen- gesetzt sind, so erklären wir, daß eS ein Hindernis für den staatlichen Fortschritt bildet und deshalb abgeschafft werden muß." Dieses Amendement wird von Barnes begründet und von Henderson und Macdonald unterstützt werden. Das zweite Amendeinmt der Arbeiterpartei lautet: „Finanzvorlagen werden zu Gesetzen erhoben, wenn sie das Unterhaus passieren und die königliche Sanktion erhalten." � Der radikale Abgeordnete Sir Henry Del ziel bringt folgenden Zusabantrag ein: „Um der Verschleppungstaktik der Lords vorzubeugen, soll das Gesetz bestimmen, dass es den LordS verboten ist. gegen den Willen der derzeitigen Regierung Anträge über Finanz. vorlagen zu stellen." Dieses Amendement hat den Zweck, den Lords die Mög. lichkeit zu nehmen, Finanzvorlagen an die Wähler zu ver- weisen, wie dies mit dem letzten Etat geschehen ist. Im Namen der konservativen Opposition beantragt der Abgeordnete E. E. Smith: „Das Haus ist gegen die Antastung de? unzweifekhaften Vorrechts der Lords, die Finanzvorlage des Jahres(den Etat) zu verwerfen, da doch ihre Aktion bei den letzten Wahlen aufs glänzendste gerechtfertigt wurde." Dieses Amendement wird höchstwahrscheinlich zu einer umfassenden Debatte führen. Die Konservativen behaupten, daß es im neuen Parlamente keine Mehrheit für den jus- pendierten Etat gibt. Die Lords suchen dem Angriff der Regierung durch einen Flankenmarsch zu. entgehen. Sie haben die Reform des Oberhauses � wovon die Resolutionen der Regierung nichts enthalten— selbst in die Hand genommen. Sie bieten eine Aenderung der Zusammensetzung des Hauses an, um seine Befugnisse voll aufrechtzuerhalten. Die zu diesem Zwecke von Lord Rosebery eingebrachten Resolutionen lauten: 1. DaS Haus der Lords ist der Ansicht: Eine starke und tüchtige Zweite Kammer ist nicht nur ein fester Bestandteil der britischen Bersaffung, sondern auch eine Notwendigkeit für daS Wohlergehen deS Staates und für das Gleichgewicht des Parlaments. 2. Eine derartige Kammer kann am besten geschaffen werden durch eine Reform und Neuordnung des Hauses der LordS. 3. Die notwendige Vorbedingung einer solchen Reform ist die Anerkennung des Grundsatzes, daß der Besitz eines PeerS- titels nicht mehr das Recht auf Sitz und Stimme im Hause der LordS in sich schließt. Die Lords haben vorläufig den Absatz 3 mit 175gegen 17 Stimmen angenommen.. Diese Preisgabe des erb- lichen Prinzips durch die Lords selber, die auf Grund dieses Prinzips ihre Macht ausüben, ist gewiß bezeichnend für die Lage. Indes wollen die Herren nur ein äußerliches Moment ihrer Macht opfern, nicht die Macht selber. Um die aber geht es. wenn den Liberalen der Kampf ernst ist. politische(leberfobt. Berlin, den 26. März 1910. Gegen Wahlrechtsdemonstrante» gehen auch die Breslauer Richter fast täglich vor. Aber während sie in den ersten Tagen ein„Hoch" mit 10 M. bewerteten, kostete es am zweiten Verhandlungstage bereits 1-5. am dritten 20 M. und am vierten gar schon eineWoche Haft! Die ersten Strafbefehle lauteten fast durchweg— sie waren vom frischem Zorn diktiert!— auf 4 bis 8 Wochen Haft!! Und ganz wie in Berlin und anderen Polizeizcntren werden auch in Breslau als Zeugen nur Schutzleute vernommen. Da man diese Staatsstützen nicht zu Wähler» zweiter Klasse machen will, bewertet man sie als schwörende, sich nie irrende Zeugen um so höher. Die ,. Volksmacht" hat bereits festgestellt und öffentlich angenagelt, daß die Staats- anwaltschaft Zeugen, die in der Voruntersuchung bereits ver- nommen worden waren, einfach nicht hat laden lassen, weil ihre Aussagen— der Polizei sehr ungünstig waren! Die Anklagebehörde reagiert darauf gar nicht. Dafür aber be° kommt sie folgendes fertig: Sie beantragte in ein und der» selben Gerichtsverhandlung gegen einige Hochrufer 4 bis 8 Wochen Haft, dagegen gegen einen Trunkenbold, der Radau gemacht und allerlei Unfug getrieben. Sachen demoliert und dergleichen Straftaten begangen hatte— 15 M. Geldstrafe. Man kommt also wesentlich besser weg, wenn man es mit dem Schnaps der Junker anstatt mit den Forderun» gen des Volkes hält.... Auch die Polizei in der Oder« residenz schützt den Fusel. Sie hat einen Abstinenten in Strafe genommen, nur weil er Plakate:„Trinkt keinen Schnaps!" herumgetragen hatte.«Trinkt den Fusel unserer Junker!" ist jedenfalls erlaubt. Und das verlangt Vertrauen und Respekt vom Volke! Nntionalliberal-konservativer Zwist. Wir gaben kürzlich die Ausführungen deS konservativen Abgeordneten v. G e s ch e r über das blau- schwarze Kompromiß und die Stellung der Nationalliberalen zu ihm wieder. Die Nationalliberalen hatte Herr Gescher dabei mit alten Weibern verglichen; sie seien immer wieder mit neuen Forderungen gekommen, bis die Konservativen nicht mehr hätten mitmachen können. Die.National» liberale Korrespondenz" ist darüber schwer gekränkt und schreibt: «DaS wäre scbon an sich eine arge Entstellung der Tatsachen, da ja die Nationalliberalen ihre Forderungen von Anfang an in der Kommission festgelegt hatten und von ihren ersten Anträgen nur in unwesentlichen Punkien, keinesfalls aber unter Verschärfnng ihrer Bedingungen, abgewichen sind. Abgesehen davon muß es aber Verwunderung erregen, dass ein Abgeordneter überhaupt ouS vertraulich geführten Verhandlungen allerlei„auszuplaudern" sich für berechtigt hält. Wenn das nun noch in ganz ungehöriger, schroff beleidigender Form geschieht, wie sienach den Zeitungsberichten der Herr v. Gescher beliebt hat, dann wird es anderen Parteien allerdings unmöglich werden, mit den Konservativen sich in irgendwelche Verhandlungen ausserh-alb des Plenums und der Kommission einzulassen." Der nationalliberale„Hanno v. Courier" seinerseits fügt hinzu: „Nach den bisherigen Erfahrungen und der gegenwärtigen Stellung der Konservativen wäre eS allerdings sehr verständig, wenn auf alle weiteren Wahlreform-Berhand« l u n g e n mit den Konservativen„ausserhalb des Plenums und der Kommissionen' seitens der Nationalliberalen ein für allemal verzichtet würde." DaS Vernünftigste wäre, wenn die Nationalliberalen sich mich im Parlament selbst mit dem blau-schwarzen Block über die Wahl- reform nicht mehr zu verständigen suchten. Schon alle bisherigen Verhandlungen haben sie aufs schwerste kompromittiert. Weltmisfion. Am ersten Ostertag soll von allen Kanzeln der preußischen Landeskirche ein von der letzten Generalsynode einstimmig be« schlossener Aufruf verlesen werden, der für die„friedliche Welteroberung auf dem Wege der Weltmission' Stimmung macht.„Eine entscheidungsvolle Zeit in dem Reiche Gottes," heißt es in dem Auf» ruf, sei es, in der wir lebten. Die christliche Religion sei zur Weltreligion berufen und müsse ihren Anspruch mit aller Kraft geltend machen. Namentlich in den deutschen Kolonien müsse für eine kraftvolle Belebung der evangelischen MissionSarbeit gesorgt werden. Dort sei daS Christentum durch das mächtige Vordringen deS Islam bedroht.„Soll Deutschland christlich oder mohammedanisch werden?" usw. Unsere christliche Kirche ist ausserordentlich bescheiden, wenn sie damit zufrieden ist. den KreiS ihrer äusseren Herrschast ans- zudehnen und die Eingeborenen unserer Kolonien für die äusseren Formen deS Christentums zu gewinnen. UiisercS ErachienS läge für daS offizielle Christentum die Pflicht viel näher. endlich einmal für die Verwirklichung der sittlichen Grundsätze des Christentums einzu- treten! In Deutschland nicht minder als in den Kolonien! In Deutschland freilich verliert die christliche Kirche in ihren beiden Konfessionen unaufhaltsam an Ausehen durch die völlige Gleichgültigkeit, mit der sie die politische und soziale Unterdrückung der Massen nicht nur teilnahmslos mit ansieht, sondern sogar noch zu fördern sucht! WaS daS offizielle Christentum so im Mutterland verliert, glaubt eS in den Kolonien gewinnen zu können. Aber auch hier ist sein Wirken, die pomphast angekündigte„Weltmission". ergebnislos, so lange daS Christentum der schmachvollen Unter» drückung und Ausbeutung der Eingeborenen gleichgültig zusieht. Die Weltpolitik unseres Christentums ist noch ein hohleres Tmg» gebäuds als die Weltpolitik unserer„gepanzerten Faust"! Ucber die RcichSfinanzreform fäven die„Jahrbücher für Nationalökonomie und Statistik" folgendes Urteil: „Der objektive Beurteiler finanziellen Geschehens, dessen Blick durch Parteigeist und'P arkeiinteresfen nicht ge» trübt ist, wird diese Löiung bedauerlich finden müssen. Die grosse nationale Aufgabe fand kein Geschlecht, das ihr gewachsen war. Schon nach der ganzen Struktur fehlt dem ?anzen Bau eine feste und einheitliche Grund- a g e. Die gewählten Steuern, Kinder eines launischen Augenblicks, sind mechanisch nebeneinander ge- stellt, ohne organische Verbindung. Vor allem läsjt die Reichsfinanzreform den sozialen Ausgleich auf dem Gebiete der direkten und indirekten Steuern, die Balanzierung zwischen Aufwand- und Besitzsteuern � vermissen. Was auf dieiem Gebiete geleistet war, ist das Ergebnis politischer Scheingründe, getragen von der � Abneigung agrarisch gerichteter Jnteresien gegen Handel, Industrie und mo- biles Kapital. Der Ausgleich als wirksame Steuerreform für den Grundbesitz fehlt. Noch erheblicher aber erscheinen die steuertechnischen Mängel, die durchaus erklärlich sind, wenn wir uns an die Ueberhastung der Steuervorschläge erinnern. ES wird darum der Finanzchronist nur mit M ist« behagen und unbefriedigtem Gefühl auf diese Etappe deulscher Finanzgeschichte zurückblicken könnend Der Verfasser dieses Artikels ist nicht genannt. Umso- mehr ist anzunehmen, daß das Urteil die Auffassung der Herausgeber der Zeitschrift widerspiegelt, nämlich der Pro- fessoren Conrad- Halle, L o e n i n g- Halle, L e x i s- Göttingen und W a e n t i g- Halle. Der Kampf um das Posener Ncichstagsmandat. Um das durch den Rücktritt des Abgeordneten v. CharnowSki erledigte Reichstagsmandat ist in den letzten Tagen ein heftiger Kampf innerhalb der polnischen Partei entbrannt. Während die „Demokraten" unter den Polen den Gewerkschaftsführer Nowicki als Kandidaten proklamierten, sind die konservativen Polen mit einer Gcgenkandidatur Sosinski hervorgetreten. Während der letzten Tage gab es in allen polnischen Wählerversammlungen heftige Debatten um den„richtigen" Kandidaten. Der„Kurier Poznanski" richtet sehr scharfe Angriffe gegen die Posener Jen- tralleitung, der er vorwirft, dast sie die Mehrheit der polnischen Wähler sowohl als auch das Wahlregulativ vergewaltige. Die Leitung hat in allen Versammlungen eine Abstimmung für und wider Nowicki vorgenommen, und obwohl Nowicki die gröstte Stimmcnzahl erhielt, versucht es die Zentralleitung, doch dem Gegenkandidaten das Mandat zu verschaffen. Die Wahl ist am 8. April, und wenn nicht noch im letzten Augenblick eine Einigung erzielt wird, wird man es mit zwei polnischen Kandidaten zu tun haben. Da» genannte Polenblatt kündigt zedoch„einen Kampf mit rücksichtslosester Erbitterung und ohne jeden Pardon" gegen daS Wahlkomitee an, das aus einigen adligen Rittergutsbesitzern und Pröpsten besteht. Die konservativen Organe„Dziennik" und „Goniec" sind jedoch mit dem Vorgehen der Leitung sehr zufrieden, „weil dadurch dem zersetzenden Ferment, der Anarchie, der„V o l k s p a r t e i", ein Riegel vorge» schoben werde." Die deutschen Parteien haben als„gemeinsame deutsche Kan- didatur" den Posener Oberbürgermeister Dr. W i l m S aufgestellt. Für unsere Partei kandidiert Gewerkschaftsführer Genoffe MatuSzewSki- Posen, für den eine rührige Agitation ent- faltet wird. In voriger Woche hielt Genosse Redakteur Albert auS Breslau eine Anzahl Versammlungen im Wahlkreise ab. An Waffen fehlt es unseren Genossen nicht, denn daS Verhalten der Polen bei der Reichsfinanzreform hat ihnen diese in reichem Maße geliefert. Daher auch die Uneinigkeit der Polen diesmal, die jetzt das Zurschautragen„demokratischer Allüren" für erforderlich halten._ Mitten in der Arbeit zur ReichstagSwahl find bereits unsere Genossen im Wahlkreise LandeShnt-Janer-Bolkenhain, wo infolge de« Todes de« Abg. Hermes eine Nachwahl stattzufinden hat. Die Parteileitung beruft iür den 10. April einen Kriegsrat in Form einer Wablkreiskonferenz ein. in welcher des SchlachtplanS Einzelheiten festgelegt werden sollen. An Stelle des aus dem Kreise verzogenen Genossen Krätzig kandidiert für uns der Genosse Gust. Proll in LatldeShut. Die Situation wird jetzt noch besonders interessant dadurch, dast die Freisinnigen(man merkt die Absicht) mit ihrer— Feindichast gegen die Sozialdemokratie kokettieren und den Kon- scrvaliven und christlichen Arbeitern zu beweisen suchen, dast sie, die Freisinnigen, schärfere Gegner der Sozialdemokratie seien als das Zentrum. Der Freisinn, der geeinigte, fortschrittliche, bleibt also dabei: Mit der Front nach links! Mager! Zum Wiederaufnahmeverfahren des Essener Meineids- Prozesses wird uns noch geschrieben: Die Nachricht, dast da» OberlandeSgericht in Hamm das Wieder- aufnahmeverfahren im Essen er Meineidsprozeh angeordnet habe, ist von der gesamten Bevölkerung des Jndustriebezirks, soweit sie über die Vorgänge orientiert ist, in der freudigen Erwartung aufgenommen, dast nun recht bald jenes krasse Klassenurteil beseitigt und den vor aller Welt schon jetzt glänzend gerechtfertigten Opfern endlich Genugtunng gegeben werde. Als seinerzeit das Urteil gefällt wurde, war man in weitesten Kreisen der Ueberzeugung, dast die Verurteilung der letzte ver- nichtende Schlag sein sollte, der an sich schon so stark geschwächten Bergarbeiterorganisation vollends den Garaus zu machen. Schrieb doch selbst damals die„ R h e i n.- W e st f. g t g." von dem„letzten vernichtenden Schlag", der jetzt den alten V e r b a n d getroffen." Charakteristisch war der Ausspruch eines Ge- fchworenen während des Prozesses auf der Heimfahrt:»Die Kerle müssen verurteilt werden, darüber brauchte ich keine drei Tage zu sitze n." Vom Proletariat sind die Opfer des Prozesse« von Anfang an als unschuldig betrachtet worden. daS ging schon daraus hervor, dast die für ihre Angehörigen eingeleitete Sammlung die Summe von beinahe 60000 M. erreicht halte. Von den Verurteilten hat der Genosse Ludwig Schröder(der alte Lux) die Strafe, die er im Zuchthause zu Werden verbüßte, am besten überstanden. Der Genosse Johann Meyer ist durch die schlechte Behandlung in den Zuchthäusern Hamm und Münster lörverlich total ruiniert worden. Der Genosse Graf, der während seiner Zuchthausstrafe wegen einer angeblich„stechen" Antwort auf die Vorhaltungen eines Werkmeisters gepeitscht worden war, diese Scheußlichkeit nach seiner Entlassung der„Rheinisch-Westf. Ar- beilerzeitung' zu Dortmund mitgeteilt hatte und darob wegen„Be- leidigung" zu 6 Monaten Gefängnis verurteilt wurde, ging nach Brasilien und ist dort verschollen. Der Bergmann Imberg ist später nach Schottland ausgewandert und dort in der Grube tödlich ver- unglückt. Ueber den Verbleib der übrigen ist zurzeit nichts bekannt. Nur ein Freispruch kann der Justiz wieder ihr schwer ein- gebüßtes Ansehen zurückgeben. Die Verhandlungen werden voraus- sichtlich im Juni d. I. erfolgen. Die mit großer Ausdauer betriebenen Bemühungen des Ver« teidigerS Rechtsanwalt Dr. Viktor Niemeyer in Essen verdienen An- erlennung.___ Tenunziantengeschmeiss. Durch den Eintritt der im letzten Herbst gewählten fünf sozial- demokratischen Vertreter in das Altonaer Stadtverordneten- kollegium ist zweifellos in daS bis dahin sozialistenreine Stadt- Parlament ein frischerer Zug gekommen. Während früher die HauLagrarierdebatten von keinem sozialpolitischen Gedanken ange- kränkelt waren, werden jetzt, angeregt durch unsere Genossen, Dinge erörtert, die bis vor kurzem den meisten bürgerlichen Stadt- verordneten ein Buch mit sieben Siegeln waren. Manch ein Sesselwärmer hat plötzlich in der ticfinnersten Falte seines Herzens etwas wie Arbeiterfreundlichkeit entdeckt; zaghaft stimmt man hier und da einigen Anregungen unserer Genossen zu, oder, was allerdings billiger ist. man drückt dafür seine Sympathie auS. Bei der Etatberatung hielt Genosse Dr. Herz eine groß- zügige Rede, in der er auf die vielen früheren Begehungs- und llnterlafsungssündca kjimvicS und vorausschaund einer gesunden Eingeineindungspvlitlk das Wort redete, um so gegenüber dem großen und reichen Hamburg ein wirtschaftlich und finanziell leistungsfähiges Gemeinwesen zu schaffen. Dast der neue Oberbürgermeister von Altona, Herr Schnacken- bürg, in manchen Punkten mit Genossen Dr. Herz übereinstimmte, ja sogar— wie schrecklich!— die Sozialdemokraten auch für— anständige Menschen hält, deren Gesellschaft man nicht zu meiden braucht, gingen dem schäbigsten oller Scharfmacherorgane, den „Hamburger Nachrichten", über die Hutschnur. In mehreren gift- geschwollenen Artikeln—„Morgenröte in Altona",„Ein Herz und eine Seele" usw.— suchen die„Hamburger Nachrichten" das Bürgertum und auch noch andere Stellen gegen den Magistrat und die Vertreter der Sozis scharfzumachen. Auch die bürgerlichen Stadtverordneten bekommen einen Hieb ab:„Auch die Mehrzahl der bürgerlichen Stadtverordneten scheint der Sozialdemokratie gegenüber völlig mit Blindheit geschlagen zu sein. ES gibt viele bürgerliche Stadtverordnete, die immer noch betonen, daß die sozialdemokratischen Stadtverordneten„ihre Kollegen" seien und daß sie in ihnen nur Stadtverordnete und keine Sozialdemokraten sähen."— Daneben sind noch andere Mächte am Minierwerke. Im Kreise Pinnebcrg, der bei einer Eingemeindung der Elbdörfer in Altona Haare lassen müßte,„herrscht" seit langer Zeit der scharfmacherische Landrat und Geheime Regierungsrat Dr. Scheiff, den man in Ein- gesandt» in der Kreispresse und sonstwie zu bearbeiten sucht, nach wie vor ihr„Gebieter" zu bleiben, d. h. die Eingemeindungsfrage zu hintertreiben. Und das hat in wenigen Wochen das rote Quintett ange- richtet!_ Bierkrieg in Baden. Die Biersteuererhöhung führt nun auch in Baden zur Er- höhung des Bierpreises. Die vereinigten Brauereien verlangen einen Aufschlag von 2.50 M. pro Hektoliter. In Karlsruhe und Heidelberg haben die Wirte de» Aufschlag akzeptiert und bringen daS GlaS Bier fi/ip Liter) um 2 Pf. höher zum Ausschank. In Mannheim hat sich eine Einigung zwischen Brauern und Wirten zerschlagen. Die Wirte wollen in eine» Ausschlag von 2 M. pro Hekto- liter eilnvllligen, aber den Konsumenten einen Aufschlag von 6 M. ab- nehmen. Durch einen auf die Dauer von 10 Jahren gültigen Vertrag sollen die Brauereien dafür sorgen, daß daS Bier nur noch durch Wirte und Flaschenbierhändler bezogen werden kann, Regiebier an Bauten und bei Sommerfesten der Bereine soll eS nicht mehr geben. Die Vorschläge wurden von den Brauereien abgelehnt, worauf die Wirte die Verhandlungen abbrachen. Ab 1. April wollen nun die Brauereien den Ausschlag von 2,50 M. von den Wirten verlangen, so dast von diesem Zeilpuntt ab in allen Städten und Ortschaften llnterbadenS und der vorderen Pfalz der Bierkriea entbrennen wird. Die Vertrauensleute der Gewerkschaften und der sozialdemokratischen Partei nehmen eine abwartende Stellung ein. Stadtverwaltung für Samoa« Die Pflanzer in Samoa haben an den Reichstag eine Ein- gäbe gerichtet, in welcher sie bitten, der Kolonie die Selbstverwal- tung zu gewähren. Sie weisen darauf hin, daß die Kolonie Selbst- Verwaltung hatte, ehe die deutsche Flagge gehißt wurde und dast diese Selbstverwaltung den Vorzug der Billigkeit hat. Außerdem beschweren sich die Pflanzer über verschiedene Anordnungen des Gouverneurs, namentlich auf dem Gebiets der Verteilung der Steuern._ 8cbwdz.. Ein Borstos; der Ehristlichcu. In der k-tzthin in Zürich tagenden Sitzung des BundeSvor» standcs des Schweizerischen ArbeiterbundeS. dem be- kanntlich neben den sozialdemokratischen Organi. s a t i o n e n auch katholische angehören, haben die Vertreter der letzteren, insbesondere der bekannte Dr. DecurtinS. An- griffe gegen das Arbeitersekretariat wegen seiner Tätigkeit im Dien sie der freien GewerkichaftS- bewegung gerichtet, wodurch die„Neutralität" verletzt würde, da nicht auch gleickizeitig die christlich« Gewerkschaftsbewegung ge- fördert werde. Deshalb sollten die Beamten des ArbeitersekretoriatS sich in Zukunft jeglicher gewerkschaftlichen Agitation enthalten. Unser Genosse Greulich, der Leiter des ArbeitersckretariatS. wandte sich entschieden dagegen und konstatierte, dast der Anstoß zur Gründung der christlichen Gewerkschaftsbewegung von oben, 0. h. von der katholischen GeisUichkeit oder der Kirche ausgegangen sei und dast die christliche Gewerkschaftsbewegung dem Arbeiter- Sekretariat keinerlei Mitteilungen über ihre Mitglieder und Kassen- Verhältnisse machen, was aber die fieien Gewerkschaften tun. Nach längerer lebhafter Debatte wurde der Decurtinssche Antrag, der offenbar einem Auftrage deS Schweizerischen Katholikentages ent- sprach, abgelehnt, worauf Dr. Decurtins sei'nen AuS» tritt aus dem Bundesvorstand erklä'-te. Beschlossen wurde, auf dem Arbeitersrkvetaria» eine Verteilung der Arbeiten vorzunehmen und das Programm zu revidieren.' frankrelcb. Die Sozialisten aegen das Uenza-Shndikat. Am Donnerstag haben die Sozialisten in der Kammer eine Durchpeitschung des Gesetzentwurfs über die algerische Uenza-Eisenbahn(die mit der Ueberlassung der Ilenza- Erz m inen an ein internationales Syndikat zu» sammenhängt) durch Obstruktion vereitelt. Ein Sozialist nach dem anderen meldete sich zum Wort, um die Vorlage zu b e- kämpfen. Auf Antrag der Sozialisten wurde üb«r einen Antrag auf Schluß der Debatte namentlich abgestimmt. Da die beschlußfähige Zahl von Mitgliedern nicht vorhanden war, wurde die Sitzung aufgehoben. Nach Wiederaufnahme der Sitzung wurde der Antrag auf Schluß der Generaldi'S» kussion über den Gesetzentwurs mit 166 gegen 139 Stimmen angenommen. Damit ist indes für die Befürworter des Gesetzes nicht viel gewonnen, da die Sozialisten ihre Taktik bei der Einzelberatung fortsetzen. Die„HumanitS" schreibt darüber:„Der„maß. volle" Gesetzentwurf ist begraben. Man kann vielleicht noch einen Bormittag lang darüber schwatzen. Aber ihn durchzusetzen, besteht nicht mehr die geringste Hoffnung. Die Uenza-Leute haben zwar einen Scheinerfolg davongetragen. Sie haben mit 26 Stimmen Mehrheit erreicht, dast die erste Beratung geschlossen wurde. Aber dieser Pyrrhussieg hat sie aus einer Selbsttäuschung gerissen. Die Abgeordneten, die gegen den Debattenschluß gestimmt haben, werden Gegenvorschläge und Verbesserungsanträge zu jedem Artikel einbringen und werden immer wieder die Erörterung und die Abstimmungen erneuern. Viele Radikale, die nicht gewagt haben, gestern offen gegen dieHaifische aufzutreten, werden mit den Soziali st en gehen, wenn eS sich darum handeln wird, wirkliche Verantwortlichkeiten auf sich zu nehmen, über die sie den Wählern nächstens Rechenschaft zu geben haben werden. DaS Scheitern der Uenza-Vorlage ist ein s ch ö n e r S i e g d e s S o z i a- liSmus. Wir wollen, daß Uenza für Algerien und Frankreich ausgebeutet werde. Zu diesem Zwecke mußten die Machenschaften der goldenen Internationale aufgedeckt wcxden. Das ist geschehen." Der Grund des Widerstandes unserer französischen Genossen ist also, daß die Regierung die Minen einer intcrnattonglen Ausbeutergesellschaft zur Privatnutzung ausliefern will. Marokko-Rechuunge«. Die Kammer nahm am Donnerstag NachtragSkredtte für Marokko mit 462 gegen 74 Stimmen an. In der Debatte erneuerten die Sozialisten C o n st a n S und I a u r tz S die Proteste gegen die Marokkopolittk. Die RcgierungSvertret« antworteten ihnen mit den gewohnten Argumenten. Der Zolltarif. Im Senat wurde am Donnerstag die Streichung des von der Kammer angenommenen Artikels 9, wonach die Gewerbe» treibenden, die mehr als fünf außer halbd er Landes- grenze wohnende Arbeiter beschäftigen, eine b e« sondere Steuer zahlen sollen, mit 267 gegen 12 Stimme« beschlossen und sodann das ganze Zollgesetz mit 231 gegen 5 Stimmen angenommen. Von den Liquidatoren. Paris, 26. März. Das AppellationSgcricht zu AmienS hat den Liquidator der Kongregalionsgüter Desreumeaux zur Rück« erstattung der von ihm zu Unrecht berechneten Honorare und Kosten im Betrage von 450 000 Frank verurteilt.— Ob man das Geld noch von ihm kriegen wird? ScKtvecleu. 19 sozialdemokratische Stadtverordnete in Stockholm. Die diesjährigen Stadtverordnetenwahlen Stockholms haben nun mit der Wahl im 6. Kreis abgeschlossen. Die Auszählung der Stimmen ergab, daß in diesem Kreise von 2854 sozialdemokratischen Wählern 20117 Stimmen, von 1080 freisinnigen Wählern 18 789, und von 676 konservativen Wählern 16 046 Stimmen abgegeben waren. Gewählt sind im 6. Kreise vierSozialdemokraten, zwei Liberale und zwei Konservative. Das Endergebnis der Wahlen ist, daß von den 59 Mandate», oie diesmal zur Wahl standen, die Sozialdemokraten 16 erhalten haben, die Liberalen 12, die Konservativen 22. Von den 16 Sozial- demokraten sind 2 wiedergewählt und 14 neugewählt. Unsere Ge- uossen haben den Liberalen 8 Mandate, den Konservativen 6 ab- .genommcn. Im ganzen haben für die sozialdemokratischen Listen 15185 Wähler gestimmt mit 160 707 Stimmen, für die Liberalen 8240 Wähler mit 142 206 Stimmen, für die konservativen Listen 10 424 Wähler mit 281283 Stimmen. Im Durchschnitt komme» auf jeden konservativen Wähler 24 Wahlstimmen, auf jeden libc- raten Wähler 17, auf jeden sozialdemokratischen Whäler nur 10'/» Wahlstimmen. Hätte die große Wahlrechtsreform auf kommunalem Gebiet statt der Herabminderung des hundertaradigen auf das vierziggradige Wahlunrccht, die WahlrcchtSgleichheit gebracht, so würde die Sozialdemokratie fast ebenso viele Mandate erhalten haben, wie die beiden bürgerlichen Parteien zusammen. In Stockholms Stadtparlament sitzen nun außer den 50 neu- gewählten, 50 Vertreter, die noch nach dem hundertgradigen Stimm- recht gewählt sind. Bon ihnen gehören 3 der Sozialdemokratie an, die also jetzt 19 Sitze inne hat, 31 den Konservativen und 16 den Liberalen. Diese Hälfte des Stadtparlaments wird im nächsten Jahre neugewählt, und da werden unsere Parteigenossen jedenfalls dafür sorgen, daß eine noch größere Zahl von Vertretern der kapl- talistischcn Parteien den Vertretern der Arbeiterschaft weichen muß. Frauen sind, da die Frauen nicht nur als Wählerinnen, sondern zum ersten Male auch als Wahlkandidaten auf- treten konnten, zwei gewählt. Außer unserer Parteigenossin Fräulein M a n s s o n im 4. Kreise, für die alle sozialdemokratischen Wähler stimmten, wurde im 5. Kreise Fräulein Palmgren gewählr als siebenter Kandidat der Konservativen. Sie stand ursprünglich an fünfter Stelle auf der konservativ«» Liste; ihr Name war auf vielen Stimmzetteln gestrichen, so daß sie bei der Auszählung auf die siebente Stelle rückte. Da jedoch die Konservativen in diesem. die wohlhabendsten Stadtteile umfassenden Kreise 7 Kandidaten durchbrachten, während die Sozialdemokraten sich mit einem, dle Liberalen mit zwei Vertretern begnügen mußten, konnte sie glück- lich noch hineinschlüpfen in? Stadtparlament. Serbien. Eine Kundgebung der Proletarier des Balkan». Belgrad, 26. März. lPridatdepefche de»„Vorwärts") Morgen, den 27. März, werden auf die Jnitiattve des int er- balkanischen sozialdemokratischen Komitee» große öffentliche Volksversammlungen in den Haupt- städten der Balkanländer abgehalten werden. In Sofia spricht von der s e r b i s ch o n Sozialdemokratie Genosse Laptschewitsch, in Belgrad der bulgarische Genosse K o l a r o w. In den Versammlungen wird ein gemeinsamer Protest gegen die imperiali st ische Politik, in erster Linie gegen die Rußlands auf dem Balkan im Sinne der Resolution der ersten sozialdemokrattschen Balkankonferenz beschlossen und die Solidarität der Proletarier aller Nationen des Balkans proklamiert werden... Amerika. Ein Protektorat über Liberia. Washington» 25. März. Präsident Taft ließ dem Kon- greß in einer Sonderbotschaft die Vorschläge der amerika, nischcn Kommission, welche jüngst Liberia besucht hat, zugchen. Danach sollten die Vereinigten Staaten zu einer schnellen Bei» legung der Grenzstreitigkeiten beitragen und Liberia in den Stand sitzen, mit Hilfe einer Anleihe bei den Vereinigten Staaten seine Gläubiger zu befriedigen. AIS Garantie dafür sollten die Ver- einigten Staaten die Kontrolle über die libe- rischen Zölle, Mitwirkung bei der Regelung der Finanzverhältnisse und bei der Einrichtung einer ausreichenden Polizei und endlich die Wieder- aufnähme von Verhandlungen wegen Anlage einer Kohlen-- station in Liberia verlangen. � Die Botschaft vermeidet zwar das Wort Protektorat, doch ist klar, daß die Ausführung der Vorschläge Tafts die Negerrepublik an der Nordwestküste Afrikas unter die politische Vormundschaft der Union stellen würde. Der amerikanische Imperialismus streckt seine Fänge schon nach Afrika aus, wozu die europäischen Kolonial- mächte sehr sauer sehen dürften.— Liberia ist eine amerikanische Gründung. Eine Gesellschaft zur Ansiedelung amerikanischer Neger in Afrika schuf die erste Ansiedelung an der westafrikanischen Küste im Jahre 1819._ DaS zollpvlitische Verhältnis zu Deutschland. Washington, 26. März. Der Präsident hat eine weitere Prvklä- mation erlassen, durch welche den Erzeugnissen aller deutschen Kolonien und Schutzgebiete der amerikanische Minimal- tarif eingeräumt wird. Sozialed. (Siehe auch 1. Beilage.) Krankenkassen als Gesamtschuldner. DaS Landgericht Berlin ll hat in einem Urteil vom 89. No» vember 1907 angenommen, eine Hilfskasse sei zum Ersatz des von der Ortskrankenkasse ihrem Mitglied Geleisteten verpflichtet. DaS- selbe Landgericht hat nunmehr in einem den Parteien sitzt zu- gegangenen Urteil voin 23. Februar 1919 mit Recht im entgegen. gesetzten Sinne entschieden. ES hatte die(Schöneberget OrtS- kranken lasse gegen die Kranken, und Sterbekasse aller gewerblichen Arbeiter für Schöneberg und Berlin auf anteilige Zahlung dessen geklagt, was sie für Personen gezahlt hatte, die Mitglieder beider Kassen waren. Die Patienten httten zur notwendigen Heilbehandlung nur die Ortskrankenkasse in Anspruch genommen. Die Klage stützt sich darauf, daß beide Kassen Gesamtschuldner der Behau- delten im Sinne der ßZ 421, 426 B. G.-B. seien. DaS Urteil lehnt �die Annahme einer Gesamtschuld ab, weil sid« der Kassen die Heilfürsorge nur nach Matzgabe der von ihren Vertrauensärzten getroffenen Anordnungen leisten.„Daher sind," heißt es im Urteil, «die Leistungen, zu denen jede Partei verpflichtet ist, nicht die gleichen, sondern sie dienen nur als ein— in jedem einzelnen Falle abweichend geartete»— Mittel zur Herbeiführung eine» gleichen Erfolges, die Bewirkung solchen Erfolge» ist aber nicht die Leistung. die jeder Partei obliegt." ©cwerfefcbaftUchee# Zahlen gegen Catfacben. Die neueste Nummer des„ReichSarbeitSblatteS� veröffentlicht »ine Zusammenstellung der Streiks des Jahres 1303 für die wichtigsten Länder Europas. Da sich zufällig eine überragende Ziffer für Deutschland ergibt, druckt die Unternehmerpresse die Zu- sammenstellung natürlich sofort eifrig unter der aussichtsreichen Ueberfchrift:„Das streikreichste Land"' ab. Es gibt sich dabei doch die schönste Gelegenheit, den freien deutschen Gewerkschaften eins auszuwischen. Die Ziffern lauten für 1908: Deutschland... 1317 Streiks �rankreiw.... 1073, Oesterreich.... 721, Endland..... 399„(einschl. Aussperrungen) Ungarn..... 201„ Holland..... 108„ Belgien..... 101„ Schweiz..... 93„ Vesonders der krasse Gegensatz zwischen den deutschen und den englischen Streikziffern wird weidlich für die artigen eng- lischen und gegen die streiklüsternen deutschen Gewerkschaften aus- genutzt. Hier muß aber den Herren ein gründliches Quantum Waffer in ihren Wein geschüttet werden. Der Bericht der General Federation« f Trade Unionsfür daS Jahr 1907 an das Internationale Sekretariat der freien Gewerkschaften sagt zu den amtlichen Zusammenstellungen— von dort kommt die Ziffer der 399 Streiks— das Folgende: „Die Berichte des Handelsministeriums enthalten nur die Fälle, wo zehi, und mehr Personen beteiligt sind. Im Jahre 1903 hat der Verband 897 Streikfälle ver- zeichnet, an denen er beteiligt war, es befanden sich aber darunter nur 195 Fälle, wo zehn und mehr Personen beteiligt waren.(I) Eine Statistik, welche eine so große Zahl von Streiksällen über- geht, ist von zweifelhaftem Wert." So urteilt die englische Landeszentrale über die amtlichen Ziffern. Schon das eine Beispiel zeigt, wie fragwürdig derlei amt- liche Erhebungen sind. Ganz abgesehen davon, daß in den einzelnen ' Ländern die Erhebungsmethoden recht verschieden sind. ES ist ja trotz- dem möglich, daß Deutschland in den Ziffern der Streiks— und nicht zu vergessen, auch der Aussperrungen— an erster Stelle steht, dies ist aber noch kein absoluter Beweis für die.Streiklust" der deutschen Arbeiter, um diese festzustellen, müßten die Ziffern mit der industri- ellen Produktionsdichtigkeit in Vergleich gesetzt werden. Und dann dürfte auch die Eigenart des deutschen Unternehmers nicht außer Acht gelassen werden, der gar zu gern die Politik des Herrn im eigenen Hause befolgt, eine Politik, die man in anderen Ländern in dem Umfange leicht, möglicherweise nicht kennt, und die für Deutschland ja auch dahin geführt hat, daß es, wie wir schon fest- stellten, auch die größte Ziffer der Aussperrungen hat. Diese Tat- fachen hinzuzufügen, hat natürlich die Unternehmerpreffe wohlweis- lich vergeffen._ Berlin und Qmgezend. Achtung, Sattler! In der Sattler- und Lederwarenfabrik von Gebr. Wassermann, Sebastianstr. 71, haben sämtliche Kollegen wegen Nichtanerkennung der eingereichten Forderungen die Arbeit niedergelegt. Zuzug ist streng fernzuhalten. Die Ortsverwaltung. verband der Maler usw. Die Differenzen bei der Firma L. Panzeuhagen in Spandau sind am Donnerstag vor dem Orts- tarifamt beigelegt ivorden. Fahrgelder usw. hat die Firma nach- zuzahlen, sowie die Kosten der Sperre überhaupt zu tragen. Die Sperre über diese Firma ist somit aufgehoben. Die Bezirksleitung. Die Differenzen in der Hofwagenfabrik der Firma Zimmermann in Potsdam sind beseitigt. Die Sperre ist daher aufgehoben. Zentralverband aller in der Schmiederei beschäftlgten Personen. Verwaltung Potsdam. veuvkcbes Relch. Zur Beachtung! vom 1. April d. I. ist die Adreffe für den unterzeichneten Zentralsekretär: Berlin SO. 16, Engelufer 15 IV. Der Verstand der Zentralkommission für Bauarbeiterschutz. I. A.: G. Heinke. Streikfonds des Verbandes der Lithographen, Stein- drucker und verwandten Berufe. Die Unruhen im Steindruckgewerbe, über die wir laufend in letzter Zeit berichtet haben, sind zurzeit soweit beigelegt. Durch getroffene Vereinbarungen mit dem Arbeitgeberschutzverband hat der Verband der Lithographen, Steindrucker und verwandten Be- rufe eine Riescnauösperrung abgeschlagen, die sich über ganz Deutschland ausbreiten sollte. Wohl selten ist von einer Unter- nehmerorganisation eine Generalaussperrung so grundlos an- gedroht worden wie in diesem Falle. Es lag nichts weiter vor, als daß die Berufskollegen mit einer vom Arbeitgeberverband heraus« gegebenen Arbeitsordnung nicht einverstanden waren, und daß in München die organisierten Gehilfen Forderungen stellten, die selbst nach dem Organ des Unternehmerverbandes nichts weiter enthielten als.die Fixierung der tatsächlich bestehenden Lohn- und Arbeits- Verhältnisse". Durch die einmütige Protestbewegung der Gehilfen in allen Städten gegen diese Zuchthausordnung sah sich schließlich der Arbeitgeberschutzverband veranlaßt, diese„Normalarbeitsord- nung" zurückzuziehen.— Als diese frivole Aussperung vom „Schutzverband deutscher Steindruckereibesitzer" angekündigt wurde, hielt der Verband der Lithographen, Steindrucker und verwandten Berufe in Halle eine Konferenz von Vertretern aller größeren Städte ab, welche beschloß, die vom Arbeitgeberverband heraus- gegebene Zuchthaus-Arbeitsordnung unter keinen Umständen anzu« nehmen, sondern die angedrohte Aussperrung herankommen zu lassen. In diesem Falle sollten sofort ähnlich hohe Extrasteuern wie bei der großen Aussperrung im Jahre 1906 ausgeschrieben werden. Damals wurden je nach den Löhnen wöchentlich 1, 2, 3 und mehr Mark erhoben, vielfacki>0 Proz. ves LobneS. Diese bohen Extrasteuern sind nun, nachdem durch die beiderseitigen Abmachun- gen soweit der Friede im Gewerbe wieder hergestellt wurde, vor- läufig nicht nötig.— Weiter aber hatte sich die erwähnte Gehilfen- konferenz auch mit der Gründung eines Kampf-Äb- wehrfonds beschäftigt, um gegen die fortgesetzten scharfmacheri- schen Drohungen der Unternehmer misÄussperrung finanziell ge- sichert zu sein. Die Konferenz nahm einen Antrag an, wonach, falls es nichä zur Aussperrung kommt, ein Jahr lang eine kleine wöchentliche Extrasteuer erhoben werden soll. Hauptvorstand und Ausschuß des Verbandes der Lithographen, Steindrucker und ver- wandten Berufe, denen dieser Antrag zur Durchführung übertragen wurde, schreiben nunmehr folgende Extrasteuer aus: Von jedem Mitgliede ist ein Extrastenerbetrag von 10,40 M. zu erheben. Dieser soll in der Zeit vom 1. April 1910 bis zum 1. April 1911 bezahlt werden; er kann auf einmal, in mehreren Raten oder wöchentlich mit 20 Pf. bezahlt werden. Ueber die Art der Erhebung, ob in Wöchentlichen Zuschlägen zum Verbandsbeitrag oder in besonderen Beiträgen entscheiden die einzelnen Zahlstellen für sich selbständig, nur muß von jedem Mitgliede am 1. April 1911 der erwähnte Betrag von 10,40 M. bezahlt sein. Bei der jetzigen Zahl der Ver« bandsmitglieder wird so ein Grundfonds von rund 200 000 M. geschaffen, der nur bei größeren Kämpfen zur Unterstützung der kämpfenden Llollegen Verwendung finden soll. Das Vorhanden- sein dieses Kampffonds wird den Herren Scharfmachern im graphischen Gewerbe klar machen, daß die Arbeiter stets die richtige Antwort finden. Die Schaffung dieses Schutzfonds wird von den Kerantw. Redakt.: Richard Barth, Berlin. Inseratenteil verantw.: Gehilfen gut aufgenommen. Aus vielen Orten waren schon früher solche Anregungen an die Verbandszentrale gekommen. Zum anderen wird es jedem einsichtigen Kollegen klar sein, daß es viel bester ist, bei sicherer Zeit die nötigen Wwehrmittel beiseite zu legen, als erst im Ernstfall unter viel ungünstigeren Umständen, und dann in viel höherem Maße Mittel zum Kampfe gegen Unter- nehmerwillkür herbeizuschaffen. Wjohl ist der regelmäßige jetzige Wochenbeitrag des Verbandes hoch; er beträgt 1,30 M., mit Orts- zuschlügen in manchen Städten 1,50 M. und mehr, doch werden die Gehilfen auch noch diesen Extrabeitrag zahlen als Versicherungs- Prämie auf die zukünftige Ruhe im Gewerbe und zur eigenen Sicherstellung._ Der Miihlcnarbeitervcrband zählte am Schluffe des Jahres 1909 4482 Mitglieder gegen 4341 im Jahre vorher, er nahm also trotz der Krise, in der sich die Mühlenindustrie befindet, um 141 Mitglieder zu. Die Gesamteinnahmen des Verbandes betrugen 112 520,15 M.(1908: 108 612,59 M.s. Die Einnahmen der Haupt- lasse betrugen 87 893,14 M.(85 040,20 M.). Die Gesamtausgaben der Hauptkasse betrugen"76 478,30 M.(75 120,19 M.), so daß der Kassenbestand der Hauptkasse sich um rund 11 000 M. auf insgesamt 74 668,13 M. vermehrte. Der Verband verfügt über ein gut aus- gebautes Unterstützungswesen, um seine ziemlich verstreut ar- beitenden Mitglieder an die Organisation zu fesseln. Die Haupt- lasse zahlte im vergangenen Jahre an Notunterstützung und Um- zugsgeld 1854,90 M., an Sterbegelder 6325 M., an Streik- und Gemaßregeltenunterstützung 8000 M., an Arbeitslosenunterstützung 8643 M., an Krankenunterstützung 19 762 M- an Reiseunter- stützung 1942 M. Mit den Beständen in den Zahlstellen verfügt der Verband über 91 000 M. Barvermögen. Der Verband war an 44 Lohnbewegungen, Streiks und Aussperrungen mit 1802 seiner Mitglieder beteiligt. In einen besonder? heftigen Kampf wurde er verwickelt durch eine von den Unternehmern durchgeführte Aus- sperrung sämtlicher Mühlenarbeiter in Mittelfranken, die vom Verbände erfolgreich abgeschlagen wurde. Erreicht wurde durch die Bewegungen eine Arbeitszeitverkürzung für 330 Personen von 1134 Stunden pro Woche, Lohnaufbesserungen wurden für 1307 Arbeiter 1909 M. pro Woche erzielt. Sonstige Verbesserungen der Arbeitsbedingungen traten für 908 Arbeiter außerdem ein. Der Mühlenarbeiterverband steht im Begriff, sich entweder mit dem Verbände der Brauereiarbeiter oder dem der Bäcker und Kondi- toren zu verschmelzen, um dadurch größere Agitationsmöglichkeiten zu bekommen. Ter Fabrikarbeiterverband nahm' in den ersten beiden Monaten dieses Jahres um 5000 Mitglieder zu. Achtung, Tapezierer, Polsterer! Die Tapezierer der Möbel- fabriken von Stuttgart stehen seit dem 23. März im Ausstand; in den Kleinbetrieben läuft der Vertrag am 1. April ab. Da die Arbeitgeber bis jetzt jede Verständigung abweisen, auch die An- erkennung der Organisation ablehnen, ist zu erwarten, daß sich der Kampf noch weiter ausdehnt. Von dem Ehr- und Pflichtgefühl der Kollegen an allen Orten erwarten wir daher, daß sie Stuttgart streng meiden. Verband der Tapezierer. Filiale Stuttgart. Im Holzgewerbe in Dresden ist es noch zu keiner Einigung gekommen. Der Unternehmerschutzverband, Bezirk Dresden, lehnte die von den Vorständen der Organisationen vereinbarten 4 Pf. Lohnerhöhung ab. Neue Verhandlungen werden eingeleitet. Abermals Streik bei Krupp. Im Betriebe der Kruppschen„Friedrich Alfred-Hiitte" in Rhein- hausen haben am Donnerstag plötzlich sämtliche Maschinisten und Heizer die Arbeit cingestelst, weil die Firma den Wunsch der Ar- beiter, die im Jahre 1907 gezahlten Löhne wieder einzuführen, ab- lehnte. Während des letzten Jahres sind die Löhne im Kruppschen Betriebe verschiedentlich herabgesetzt. Die Firma wollte nun wohl auf Grund der Vorstellungen einzelnen Arbeitern etwas zulegen, was aber von den Maschinisten nicht akzeptiert wurde. Von den in Be- tracht kommenden Arbeitern sind zirka 200 im Heizer- und Maschinisten- verband, 11 im Deutschen Metallarbeiterverband. 11 im christlichen Metollarbeiterverband und 5 bei den Hirsch-Dunckerschen organisiert. Der Betrieb ruht vollständig. Es wird ersucht, den Zuzug von Heizem, Maschinisten und Kranführern nach Rheinhausen zu unter- lassen._ Die Steinarbeiter in Augsburg haben auf dem Wege friedlicher Verhandlung einen sehr günsligen Tarifvertrag mit den Arbeitgebern abgeschlossen. Außer einer Verkürzung der Arbeitszeit wurde eine Lohnerhöhung von 1 bis 8 Pf. pro Stunde durchgesetzt, eine weitere Lohnerhöhung erfolgt ab 1. März 1912. Weiter wurden noch verschiedene Verbesserungen durchgesetzt, der 1. M a i wurde seitens der Arbeit- geber als Feiertag anerkannt. Die Steinarbeiter Augsburgs sind sämllich im Steinarbeiterverband organisiert, woraus auch der günstige Tarifabschluß resultiert. Die Schuhmacher(Schoßarbeiter) von Frankfurt a. M. stehen nun seit 8 Tagen im Streik. Aller Voraussicht nach wird der Kampf ein langer und hartnäckiger werden. Die Meister zeigen sich zu keiner Verhandlung geneigt. Dem Vorsitzenden des Gewerbe- g-richts gegenüber erklären sie, noch kein Bedürfnis zur Ver- hundlung zu haben. Eine größere Anzahl Streikender ist bereits abgereist; nach den Feiertagen werden deren noch mehr folgen. Es stehen noch 250 Arbeiter im Streik, über 100 sind abgereist. Die Arbeiter sind entschlossen, den Kampf mit aller Energie solange zu führen, bis von feiten der Meister ein Entgegenkommen ge- zeigt wird. Sollten die Meister den Kampf noch lange hinziehen, so dürften ihnen die besten Arbeitskräfte verloren gehen, weil gerade oiese überall sehr gesucht sind. Abermals die Wohlfahrtsplage der Gerresheimer Glashütte, Aktiengesellschaft(vorm. Ferd. Heye). Wir berichteten kürz- lich, daß das Düsseldorfer Landgericht entschieden hatte, daß die Firma kein Zurückbehaltungsrecht an den Spargeldern der Arbeiter habe, weil diese Spargelder als ein Teil des Lohnes gelten. Die Firma löste darauf die„Sparanlage" auf. Man sollte nun annehmen, daß mit Auflösung der„Sparanlage" die Arbeiter auch ihre eingehaltenen Groschen ausbezahlt erhielten. Bei einigen, die nicht mehr auf der Hütte arbeiten, war das denn auch der Fall. Doch als die übrigen Arbeiter ihre Gelder haben wollten, erklärte ihnen der Betriebsleiter, die ersten Auszahlungen seien auf einen Irrtum seinerseits zurückzuführen, es würden keine Spargelder mehr ausbezahlt. So bleibt denn den Arbeitern weiter nichts übrig, als zu klagen, was die Mehrzahl von ihnen natürlich nicht tun wird, um nicht aus Arbeit und Wohnung ge- warfen zu werden. Das Düsseldorfer Gewerbegericht hatte sich mit fünf Klagen von Arbeitern zu beschäftigen, denen die Glas- Hütte die Auszahlung der Spargelder verweigerte. Es handelte sich um Beträge von 139,75 M., 46,60 M.. 39,55 M., 68,58 M. und 52,75 M-, also um für Arbeiter sehr hohe Summen. Auf Grund des Landgerichtsurteils mußte das Gewerbegericht die Millionen- firma zur Zahlung verurteilen. Wie die Firma„ihre" Arbeiterinnen schätzt, geht aus einer im selben Termin verhandelten Klage einer Arbeiterin der Abteilung Hülsenfabrik hervor. Auch für diese Abteilung besteht eine be- sondere„Spareinrichtung", eine„freiwillige" Leistung der Firma. Den Arbeiterinnen werden 10 Proz. ihres Lohnes einbehalten und gutgeschrieben. Der Vertreter der Firma erklärte bor dem Ge- Werbegericht, die Firma habe diese„Wohlfahrtseinrichtung" ins Leben gerufen, weil die Väter der Mädchen deren Verdienst häufig vertränken, so daß bei einer eventuellen Verheiratung die Mädchen mittellos daständen. Die Klage des Mädchens auf Auszahlung ihres 130 M. betragenden Sparguthabens wurde abgewiesen, weil der Vater als gesetzlicher Vertreter des Mädchens sich unter- schriftlich mit dieser..Spareinrichtung" einverstanden erklärt halte. Bemerkt sei noch, daß die Glashütte auch die vom Landgericht so arg mißhandelte Zwangssparkasse auf„anderer Grundlage" wieder weiterführt. ltz.Gl«cke.Berlin. Druck».Verlag: Vorwärts Buchdr.u.BerlagSanstal» Die Gärtner und Gärtnereiarbeiter in Nürnberg waren am 22. März in den Streik getreten. Infolge nahezu einmütiger Be» teiligung— es waren von etwa über hundert nur sechzehn stehen geblieben— sahen die Unternehmer, die vordem alle Verhandlungen abgelehnt hatten, sich genötigt, nun doch zu verhandeln. Am dritten Ausstandstage fanden die Einigungsverhandlungen statt und nach Ver- lauf von vier Stunden kam es zur Vereinbarung eines Tarifvertrages mit dem Allgemeinen Deutschen Gärtnerverein. Nach diesem wird die Arbeitszeit im Jahresdurchschnitt auf W/o Stunden normiert, die bisher 11 Stunden betrug und teilweise noch ganz ungeregelt war. Die Löhne werden um 1—2 M. die Woche erhöht. Ausland. Doch nicht ganz wie bei uns! Anläßlich eines Streiks in Bethlehem(Pennsylvamcn) war einer der Streikenden durch einen Schutzmann erschossen worden. Dieser ist nun auf Grund der durch die Gewerkschaften erhobenen Klage verhaftet und wegen Mord unter Anklage gestellt worden. Versammlungen. Gesetzlicher Schutz gegen die Gesundheitsgcfahren im Gießereigewerbe ist dringend notwendig. Dies ist bewiesen durch die Erhebungen, die der Metallarbeiterverband über die Zustände in den Gießereien veranstaltet hat, deren Ergebnisse dem Reichstag als Denkschrift überwiesen worden sind. Am Donnerstag beschäftigte sich eine zahlreich besuchte Versammlung der in den Metallgießereien Berlins beschäftigten Former und Berufsgenossen, die im gioßen Saale des Gewerkichaftshauses stattfand, mit der Frage des Gesundheits- scbutzes. Der Referent Dr. Grünspan schilderte auf Grund der Erhebungen die Zustände und hob dabei immer wieder hervor, daß besondere Vorschriften, wie sie der Bundesrat und die Landes- so- wie die Polizeibehörden nach Z 120s der Gewerbeordnung zwecks Durchführung der in den übrigen Punkten desselben Paragraphen eut- haltenen Grundsätze erlassen können, rür die Gießereibetriebe mindestens ebenso oder gar noch notwendiger sind wie für die Bucbdruckereien, Schriftgießereien, die Tabakindustrie usw., für die sie vorhanden sind. Von den 102 durch die Erhebungen untersuchten Gießereien liegen 22 im Keller nnd in 10 diente der Keller neben anderen Räumen als Arbeitsraum. AuS dem Keller kann der Dunst nicht abziehen. Für die Tabakbetriebe und für die Buchdruckereien bestehen Vor- schriften, wonach die Fenster ausreichend geöffnet werden und danach eingerichtet sein müssen. In den Schriftgießereien muß der Brennraum von den übrigen Arbeitsräumen getrennt sein, damit wenigstens die übrigen Arbeiter von den besonders giftigen Dünsten dieser Arbeit verschont bleiben. Für die Metallgießereien bestehen der- gleichen Vorschriften nicht, und die Zustände sind auch danach. Es gibt Betriebe, wo die Fenster überhaupt nicht geöffnet werden können oder dürfen. Uebrigens ist es notwendig, daß für die Metall- gießereien, in denen ausreichende Lüftung nicht möglich ist, besondere Vorschriften über die Anwendung von Ventilatoren erlassen werden. Jetzt sind Ventilatoren nur hier und da vorhanden und erfüllen ihren Zweck nicht. So geben die Erhebungen über diese Frage bei einem Betriebe die Auskunft:„Ventilator vorhanden, funktioniert nicht", bei einem anderen:„Der Ventilator darf beim Gießen nicht angewendet werden". Mit der Reinigung wie mit den Fußböden, Decken und Wänden ist es nicht minder schlecht bestellt. Da gibt eS Betriebe, wo eigentlich überhaupt nicht reinegemacht wird, und in dieser Hinsicht schweben den Gießereiarbeitern die Vorschriften, wie sie in den Buchdruckern«» gelten, eben auch noch als ein schönes Ideal vor Augen. Das gleiche gilt von Ankleideräumen, Kleiderschränken, Wasch» einricbtungen, Speiseräumen. Auch an diesen Dingen fehlt eS. Wenn sich vier oder fünf Arbeiter in einem Eimer waschen müssen, der noch dazu zu anderen Zwecken dient, ziehen sie natürlich in vielen Fällen vor, ihren Arbeitsschmutz nachhause zu tragen und sich dort zu reinigen. Besondere Räume zum Waschen und Ankleiden sind überhaupt seltene Dinge in den Metallgießereien. Als Kleider- schränke dienen selbst in einigen größeren Betrieben alte Kisten, die die Kleidungsstücke keineswegs vor dem Staub und Dunst der Arbeit schützen können. Besondere Speiseräume wären ja in Betrieben, die so gesund» heitsschädliche Dämpfe entwickeln, ganz besonders notwendig, aber wo sie wirklich vorhanden sind, reichen sie meist nicht aus. S� wird aus dem Großbetriebe von Julius Pintsch berichiet, daß für die 1200 Arbeiter ein Speiseraum da ist, der nur 20 Personen Platz bietet. Da müssen die Arbeiter natürlich auf die Benutzung ver- zichten. Es kommt in Gießereien gar nicht seilen vor, daß Arbeiter ihre Mahlzeiten einnehmen, während in demselben Raum gegossen wird. — AuS den ganzen Erhebungen geht hervor, daß geradezu unerhörte Zu» stände in den Gießereibetrieben zu finden sind, und man frägt sich unwillkürlich, warum denn die Gewerdeiilspektion dort nichl kräftig eingreift. Aber es sind in den letzten zwei Jahren in Berlin und Umgegend nur 47 Gießereibetriebe einmal revidiert worden, und dabei wurden die Inspektoren oft über die Zustände getäuscht. Wohl ist hier und da ein wenig Abhilfe geschaffen, aber es fehlt eben an jeglichem wirklich durchgreifenden Schutz. Gründliche Besserung zu schaffen, dazu ist selbstverständlich vor allem fester Zusammenhalt in der Organisation notwendig. DaS wurde namentlich in der Diskussion über den Vortrag betont. Zeigen die Behörden und die gesetzgebenden Körperschaften kein Ver» sländniS für die dringende Notwendigkeit ausreichenden Gesundheits» schutzeS, so müssen eben die Gießereiarbeiter selbst mit um so größerem Eifer dafür sorgen, daß sie dieses Ziel aus eigener Kraft ermchen._ Letzte Nacbncbtcn und Dcpcrcbcn. Lohnbewegung der Tiamantarbeiter. Hanau» 26. März.(B. H.) Die hiesigen Diamantarbeiter sind in eine Lohnbewegung eingetreten. Es wird eine einheitliche Lohn, und Arbeitsregelung angestrebt. Die Arbeiter haben einen Vertragsentwurf für drei Jahre eingereicht. Die Diamant- schleifereibesitzer haben bereits einige Zugeständnisse gemacht. Die Verhandlungen dauern fort. Znm Bäckcrstreik. Frankfurt a. M., 26. März.(B. H.) Die Lage deS Bäcker- flreiks ist noch unverändert. Die Zahl der Streikenden betrögt über 500. Was die Zusammenstöße mit den Streikbrechern anlangt, so teilt die Organisation der Bäckergehilfcn mit, daß nach den genaueren Nachforschungen die Vorkommnisse der letzten Tage weit harmloser gewesen seien, als sie geschildert wurden und jeden- falls in keinem Falle von den Streikenden ausgegangen seien. Im übrigen werden auch heute von den Außenstadtteilen vielfache Aus- schreitungen gemeldet._ Durch giftige Gase getötet. Hannover, 26. März.(W. T. B.) Im hiesigen Gas» und Wasserwerk sind heute der Betriebsleiter und ein Arbeiter infolge Einatmens giftiger Gase in den Ammoniakwasserbchälter gestürzt und ertrunken. Grostfeuer. Stuttgart. 26. März.(B. H.) In Leonberg bei MalmS« heim find heute fünf Wohnhäuser nebst fünf Scheunen abge- bräunt. Fünf Familien sind obdachlos. Ausstand in Tunis. Algier, 27. März. Nach einem Telegramm auS Tunis sind die Hafenarbeiter heute in den Ausstand getreten, nachdem sie ver- nommen hatten, daß die Frage der Uenzabahn von der Kammer noch nicht erledigt worden sei. Sie veranstalteten Straßenkund- gedungen. Die Gendarmerie besetzte die KaiS. Bisher ist eS zu keinen ernsteren Zwischenfällen gekommen. Paul Singer& Co., Berlin SW, Hierzu 5 Beilage«," Ar. 72. 27. Zahrgaag. I ftnlogt des Jotiuätls" Kerlim Wsl>I«T Smtiig. 27. Pütt 1910. AiNichsktllcher Vochenberichl. Berlin. 26. März 1310. Krieg im Vaugetverbe.— Materialsperre alS Kampfmittel.— Mitleidende Gewerbe.— 2 Millionen Interessenten.— Kriegs« riistnagen. Aehlspeknlation der Unternehmer.— Der politische Faktor.— Kampfziele.— Borbereitungen der Unternehmer.— Soziale und wirtschaftliche Folgen. Krieg im Baugewerbe? Die Situation ist nun so, daß man für die Verneinung der Frage kaum noch Momente finden kann. Die Unternehmer haben auf der Hauptversammlung des Ver- bandeL der Baugewerbe am 22. März in Dresden eine Entschliehung votiert, die eine Kriegserklärung an die Arbeiter darstellt. Bleibt eS bei dem Ultimatum der Unternehmer, dann scheint der Kampf unvermeidlich. Und er würde nicht auf das eigentliche Baugewerbe beschränkt bleiben. Die Baugewaltigen wollen die Materiallieferanten zwingen, durch Materialsperre über solche Geschäfte, die sich einem eventuellen TuSsperrungsbeschluh nicht fügen, in den Kampf zuungunsten der Arbeiter einzugreifen. Fügen die in Betracht kommenden Liese- ranten sich solchem Begehren, dann beschränken sie den bei ihnen Beschäftigten willkürlich die Arbeitsgelegenheit. Das könnte die Arbeiter veranlassen, auch ihrerseits Abwehrmahnahmen ins Auge zu fassen. Sie würden die Verletzung ihrer Interessen nicht ein- fach als gottgegebene Abhängigkeit von Bauunternehmer Gnaden widerspruchslos hinnehmen. Aber, ob mit oder ohne bewußter Mitwirkung der Material- lieferanten: ein Kampf im Baugewerbe würde auf jeden Fall eine Reihe anderer Gewerbe ganz erheblich in Mitleidenschaft ziehen! Eine umfassende Aussperrung oder ein allgemeiner Streik der Ma>rer legt naturgemäß auch in ganz erheblicher Weise die Pro- duktion im Ziegelgewerbe lahm, beeinflußt das Transportgewerbe; die Mörtelwerke müssen aussetzen; den Zementfabriken bleibt ein gewichtiges Absatzfelo verschlossen, ebenso den Gips-, KieS- und Kalksteinlieferanten, desgleichen den Dachziegeleien, Schieferwerken. Töpfereien und Eyamottewerken. JSer Holzhandel stagniert, Zimmereien mangelt es an Arbeit, Steinmetzen bekommen Feier- tage, der Betrieb stockt in Bauschreinereien, für Tapezierer, Kleber, Glaser, Stukkateure, Anstreicher, Bauanschläger vermindert sich die Arbeitsgelegenheit. Auch den Trägerwalzwerken dürfte ein großer Kampfs im Baugewerbe sehr ungelegen kommen; noch mehr gilt dies für die Baueisen liefernde Kleineisenindustrie. Selbstverständlich würde die Zahl der direkt und indirekt Be- troffenen von dem Grade des KampfumfangeS bestimmt. Wieviel Arbeiter in den mehr oder minder unmittelbar beteiligten Ge- werben beschäftigt sind, darüber erlaubt die nachstehende Zusammen- siellung ein Urteil. Nach den Angaben der Berufsgenossenschaften waren im Jahre 1S08 durchschnittlich versichert: Berufsgenossenschaften: Personen Töpferei.......... 83 005 Ziegelei........... 277 955 Steinbruck.......... 439 719 Sächsische Holz........ 37 849 Norddeutsche Holz....... 288 225 Bayerische Holzindustrie..... 43 218 Südwestdeutsche Holz...... 69 461 Hamburgische BaugeiverkS.... 82639 Nordöstliche„.... 231 398 Schlesiich-Posensche...... 118 398 Hannoversche„..... 100 980 Magdeburgische„..... 47 457 Sächsische...... 117 185 Tbüringische„..... 48 280 Hessen-Nassauische„..... 81 853 Rbeinisch-Westsäl....... 212 872 Württembergische..... ,49 686 Bayerische...... 102 221 Südwestliche...... 67 451 Tiefbau........... 306 276 Staatliche AuSführungSbehörden, Bau- Verwaltungen......... 61 595 Provinzial» u. Sommunal-AuSfübrungS- bebördsn.......... 109 915 Hdölf Glaßbrcnmr. So schwer CS gegenwärtig wird, Satiren nicht zu schreiben, 5o leicht ist'S zumal in Preußen— als staatsumstürzlerischer Zamphletist verschrien und proskribiert zu werden. Adolf Glaß- brenner, dessen Geburtstag sich heute zum hundertsten Male jährt, hätte eS sich gewiß nicht träumen lassen, noch vierunddreißig Jahre nach seinem Tode für gefährlich zu gelten. WaS hat beispielsweise, neben einigen anderen Humoristika, der„Eckensteher Nante" verbrochen. daß er beinah acht Dezennien nach seiner Entstehung noch immer vom BureaukritiSmus:—„Kgl. Hofbibliothek" genannt— unter Verschluß und Siegel gehalten wird? Zum wenigsten trägt er den ominösen Stempeldruck:„Se k r e t i c r t", womit gesagt werden soll, daß der Eckensteher nicht ganz stubenrein sei und allen- JollS nur unter dem Vorgeben„wissenschaftlicher Zwecke" mit aus- >rücklicher Genehmigung der Direktion verliehen— oder auch nicht verliehen werde.... Derartige Witze gehören dorthin, wo der Pfeffer wächst. Doch ich vergesse, daß ich im Polizei- nicht Kulturftaat Preußen lebe, wo die häßlichsten Unkräuter nebenein- ander wachsen. Und so ist's denn auch nicht verwunderlich, wenn sich die bürgerlichen Preßorgane in ihren Jubiläumsartikelchen ängstlich gehütet haben, von Glaßbrenncr dem Satiriker zu reden. Er war ja nur ein„Spaßmacher"— Sela. Gewiß, Adylf Brenngla? hat unzählige Witze gerissen, die die ganze Harmlosigkeit des vrirmärzlichen Spießertums zur Schau tragen. Allein er hatte sich ja vorgenommen, die Berliner genau so hinzustellen, wie sie da- malb waren. Konnte er ihnen denn politische Anschauung ein- impfen,— wenn ihre geistige Kultur über harmlose Ziegenbocklein. spränge nicht hinauskam? Wann sich ihre„gesinnungsvolle Oppo- fitton" in Wortspielerei, in witzigen Antithesen verpuffte? Ttc � französische Julirevolution hatte nicht vermocht, das preußische Bürgertum aus seinem Schlafe zu wecken. Das Mettcr- nidrfcbe Bcvormundungsfystem, die Kleinstaaterei mit ihrer eigen- sinnigen Grenzensp-rrung durch allerhand lokale Privilegien, Monopole, ungebührliche Zölle, Mauthgefälle usw. lag wie Mehltau auf jedweder freieren Entwickelung. Es war die trostlose Periode. von der Friedrich Rückert sang: „Neununddreißig bunte Lappen— Wie soll das zusammenklappen?" Preitßen-Deutschland starrte voller Zollschranken, Grenz- Schlagbäume. Oktroi- und Chausseehäuschen. Zwar wurden durch den'834 gegründeten Zollverein alle innerhalb der norddeutschen Bundesstaaten aufgerichteten Zollschranken beseitigt— nicht aber die Zerrissenheit der Zustände. Dieser Zersplitterung entsprach der kleinliche Geist des BurgertumS. Allerdings dürfen wir auch nicht die Ursachen hierfür in Betracht zu ziehen vergessen. Mit ihren feudat-absolutistischen Landesvätern mästeten sich die Junker und die Kapitalisten um die Wette. Der Bureaukrat schwang die Geißel; der Zevsor hielt jedes freie Schrifttum drakonisch nieder. Das Volk war prc.letarisiert und durch den Polizeibüttel zum Widerspruchs- kosep G>ehorsaui gezwungen. Die Lächerlichkeit der Bevormundung de« Bürgertums im vormärzlichen Berlin läßt sich beispielsweise durch bas verbot des Tabakrauchens in den Straßen, vornehmlich „Unter den Linden", sowie durch das Nichtgestatten der Beteiligung des roeiblichen Geschlechts am Turnen oder Schwimmen, und andere lltungsmaßregeln erweisen.,,« Das sind insgesamt rund 3 Millionen Personen— ohne die in Betracht kommenden Betriebe der Eisenindustrie und des Trans- Portgewerbes—, auf deren Beschäftigung ein Kampf im Bau- gewerbe wenigstens einen gewissen Einfluß ausüben würde. Kommt es zu einem Kampfe, dann wird eS zweifellos ein bei- spielloS umfassender und erbitterter werden. Darauf lassen die Kriegsrüstungen auf beiden Seiten schließen. Die Bauarbeiter sind schon seit einiger Zeit dabei, ihren Kampffonds zu stärken. Wichtiger ist. daß die ernste Situation die Differenzen innerhalb der Bauarbeiterschaft wie mit einem Zauberschlage beseitigt hat. Einen erfreulichen Beweis dafür sehen wir in der bedingungslosen Solidaritätserklärung der Akkordmaurer. Diese Wendung dürfte den Bauunternehmern sicherlich sehr unangenehm sein. Rechneten sie doch damit, die Akkordmaurer als liebe Kinder— das heißt als Arbeitswillige— bei dringlichen Arbeiten verwenden zu können. Nun hat die Rechnung ein böses Loch bekommen. Den Diplomaten des Arbeitgeberverbandes ist das Konzept erheblich verdorben, ihr strategischer Plan bedarf schon einer gründlichen Korrektur. Von viel größerer Bedeutung für die Bauarbeiter ist jedoch die Soli- darität der gesamten organisierten Arbeiterschaft. Da» ist sicher: kommt es zum Kampfe, dann stehen alle Gewerkschaften wie ein Mann hinter den Bauarbeitern! Zwei gewichtige Faktoren wirken diesmal als Solidaritätsstärker. Zunächst die politische Situation. Die aus Anlaß der Wahlrechtsfrage in Preußen ausgelöste Er- regung ist von so nachhaltiger Wirkung, daß sie bei einem Angriff der Bauunternehmer eine Machtkonzentration der gesamten prole» tarischen Massen gegen die Angreifer direkt herausfordert! Ueberall im Lande drängt und stürmt es nach schärferen Mitteln im Wahlrechtskampf. Die Entfesselung eines Wirtschaft- lichen Kampfes durch das Unternehmertum würde naturgemäß der hochgespannten Erregung ein Auspuffrohr leiben. So wirkte der politische Faktor als starke unwiderstehliche Unterströmung bei der Solidaritätsbekennung für die in den Kampf gedrängten Bauarbeiter. Welche Formen, welche Dimensionen das Ringen annehmen würde, das entzieht sich jeder Vorbeurteilung. Wenn die Erregung der Stunde das Wollen gebiert, trotz Polizeiverbot, trotz Androhung der bewaffneten Macht, das Recht auf die Straße einfach zu nehmen, wenn viele hunderttausende Menschen fast plötzlich mit stolzem Selbstbewußtsein öffentlich den Willen bekunden, ihr Recht zu ertrotzen, wer will dann im voraus sagen, was geschieht, wenn das Unternehmertum ein Kräftemcsscn geradezu provoziert? Zudem weiß die Arbeiterschaft nur zu gut, daß es sich in dem in Aussicht stehenden Kampfe im Baugewerbe um mehr handelt, als um ein bloßes Ringen wegen einiger Tarifpositionen. Nirgends herrscht darüber ein Zweifel, daß die Ausspielung der Mächte der Entscheidung gilt, ob den Arbeitern überhaupt eine Mitbestimmung bei Festsetzung der Arbeitsbedingungen eingeräumt werden soll oder nicht. Die Unternehmer sagen„nein!". Den Organisationen soll neben dem Recht, die Bedingungen der Unternehmer namens oer Arbeiter akzeptieren zu dürfen, die Pflicht auferlegt werden, die Beachtung des Unternehmerwillens mit Hilfe der Gewerkschafts- mittel zu garantieren. Kurzum: für das formale Recht, auf der Grundlage der von den Unternehmern präjudizierten Bedingungen Vertrüge abschließen zu dürfen, sollen die Gewerkschaften materiell zu Instrumenten der Unternehmerinteressen degradiert werden. Die Bauarbeiter dienen als Objekt für den Versuch des auf der ganzen Linie vereinigten Unternehmertums, die Gewerkschaften an die Wand zu drücken. Wenn daher die Gesamtarbeiterfchaft in den Kampf«mgretft. dann nicht nur aus selbstverständlicher Klassen- solidgritäf� sondern auch aus wohlverstandenem gewerkschaftlichem Sxspstststeresse, in Wahrnehmung ihres Mitbestimmungsrechts, auS dem Bewußtsein, daß sie das Fundament ihrer Existenz zu ver- »erdigen hat. Dem Kampfziele entsprechen auch die Anstrengungen, die das Unternehmertum macht. Die über die Absichten der Unternehmer, über die scharfmacherischen Triebkräfte gut informierte„Rheinisch- Westfälische Zeitung" plauderte kürzlich— Nr. 304— folgendes aus: „Die 22 000 Arbeitgeber, die 300 000 Arbeitnehmern gegen» überstehen, haben versucht, ihre Stellung durch Abschluß von Kartellvcrträgen mit den Arbeitgeberverbönden Oesterreichs, der Schweiz, Frankreichs, Belgiens, der Niederlande, Dänemarks und der skandinavischen Staaten einen festeren Halt zu geben. Die abschließenden Verbände lagen sich gegenseitig weitgehendste Unter- stützung für den Fall eines allgemeinen Ausstandcs zu. Auch die Immerhin konnte sich ein Schriftsteller damals schon unliebsam macken, wenn er auch nur die Rückständigkeit der bürgerlichen Ge- sellschaft, nebst deren Helfer: Sankt BureaukratiuS, artig beim Zopfe scküttelte. Und das tat Glaßbrenner, lange bevor sich die Unzufriedenheit endlich in revolutionären Kundgebungen auf der Straße Luft machte. Ihn selbst aber sehen wir von dem Zeitpunkte an, wo er sich in Neustrelitz— also im„Auslände" aufhielt. fckärfer und bestimmter vom mehr oder weniger witzboldigen Ge- fellschaftSstickler zum politischen Satiriker emporwachsen. Und als solcher stellt er sich in die erste Reihe aller satirischen Schriftsteller jener Jahre, wiewohl ihm die Wucht eines Heinrich Heine abgeht. Er sah die politischen Zustände nicht wie dieser von der Weltwarte des revolutionären Kosmopoliten, sondern eher durch das Brennglas des mehr und mehr sich demokratisierenden Bürger- tums. Di« kleineren Bilder, die sich da seinem Auge zeigten, be- leucktete er allerdings mit ziemlicher Schärfe, die nur wieder durch bumoristische Gesten gemildert erscheint. Gleichwohl setzten sich ihm Preußen und der deutsche Bundestag auf die Fersen; denn er übte doch eine„gefährliche" Wirkung aus. weil seine Schriften große Verbreitung fanden. So erklärt es sich auch, warum Glaß- brenner die„Lieder eines norddeutschen Poeten", die übrigens einige seiner frischesten Verssatircn enthalten, in der Schweiz erscheinen ließ. Natürlich wurden sie flugs in Preußen verboten. Dasselbe geschah mit seinem satirischen Epos„Neuer Reinicke Fuchs", das in Leipzig herauskam. Hierbei zeigte sich auch, daß Glaßbrenner bespitzelt wurde. Schon mehrere Monate zuvor wa� die Berliner Sraatsanwaltschasl in der Loge, oie säck- siscke Behörde auf das Ersckeinen dieses BuckeS hinzuweisen. Es sollte darin eine kirchliche Einrichtung, nämlich der JesuitiSmus, gebrandmarkt sein, so, als wenn das preußische Volk von einer jesuitischen Regierung im Schach gehalten werde usw. Kurz, als dann daö Buch erschien, da wurde sofort in Leipzig gehaussucht. Bis auf wenige Exemplare war aber die ganze Auflage bereits über alle Buchhandlungen Deutfcklands verteilt. Das vom Staats- anwalt in Berlin erlassene Verbot hatte nur zur Folge, daß die 5000 Exemplare betragende Auflage innerhalb vier Wochen ver- kauft war. Glaßbrenner selbst widerlegte in einem offenen Be- schwerdeschreiben an die Oberzensurbehörde die Ungerechtfertigkeit des Verbots, indem er seine gut monarchistische Gesinnung durch Parallelstellcn aus dem Epos zu erhärten versuchte, gleichzeitig aber mit markanten Sätzen die Freiheit des publizistischen und dichterischen Schaffens verteidigte. Im roten Jahre steht Glaßbrenner vollständig auf Seiten des Volkes. Da wird seine Satire schneidend. Die Wiener Revolution, der Münchener Lola Montez-Putsch, insonderheit aber die Berliner Märztage werden mit witziger Schärfe behandelt. Der Dichter wirft sich hier zum Ankläger der Reaktion und zum Verteidiger des Volkes auf. Er selbst war ja nach Berlin geeilt. Was er da sah, empörte ihm das Herz. Er geißelte die Kleinmütigkeit des Bürgertums, das, vor den letzten Konsequenzen zurückschreckend. sich den Sieg über die Reaktion aus den Händen winden ließ. Er wird ernst und bitter. Der Satire gesellt sich das Pathos der re- oolutionären Ueberzeugung. Man wird den Schwur am Massen- grabe der Märzgefallenen nicht ohne Ergriffenheit lesen. Nicht bloß hierdurch, sondern auch durch mannigfache bissige Ausfälle in seinen„Humoristischen Vol�Skalendern" hatte er sich iu Mecklenburg mißliebig gemacht. Ausgewiesen, ging deutschen Verbände der Arbeitgeber in den übrigen Gewerben würden dem Deutschen Arbeitgeberbund Unterstützung gewähren. manche sind schon an und für sich vertraglich hierzu verpflichtet» ganz abgesehen davon, daß verschiedene Arbeitgebcrverbände in ihrem Bereiche für gleiche Ziele wie die Arbeitgeber im Bau- gewerbe kämpfen, und daher allein schon aus prinzipiellen Rücksichten an dem Ausgange des Kampfes im Laugewerl* interessiert sind(wie der Zechenvcrband durch den Allgemeinen Ar- beitsnachweis)." Also Solidarität der Unternehmer über den nationalen Rahmen hinaus! Das erhellt die Situation blitzartig! Nun weiß die Ar- beiterschaft, was auf dem Spiele steht. Die Nationalisten werden sogar kosmopolitisch, um die eigenen Volksgenossen niederzuringen, Das ist ein sicheres Wegezeichen dafür, wohin die Reise gehen soll. Die internationalen Abmachungen haben jedenfalls den Zweck, die Vcrrufscrklärungen wirksamer zu gestalten, den Ausgesperrten und Streikenden die Arbeitsgelegenheit auch im Auslande abzuschneiden. Die Lieferung von Streikbrechern hat man dabei wahrscheinlich ebenfalls geregelt. Die Vorbereitungen auf beiden Seiten, bei den Arbeitern dazu das Lcbensinteresse, das auf dem Spiele stehende gewerkschaftliche Sein, lassen keinen Zweifel darüber, daß der Ausbruch de« offenen Kampfes einen so hohen Krästezusainmenstoß bedingt, wie wir ihn noch nicht erlebt haben. Dieser Aufprall kann Existenzen vernichten, tiefe, schmerzende Wunden schlagen, wie noch kein Wirt- schoftlicher Kampf vorher. Dieser Kampf ist entscheidend für soziale Neubildungen und Verschiebungen. Auf lange Zeit, in nachhaltiger Weise beeinflußt er die Wirtschaftslage. Wie diese sich in den näcksten Monaten gestalten wird, das ist abhängig von der Ent. scheidung über Krieg und Frieden im Baugewerbe. Wenn tausend« Arbeiter beschäftigungslos werden, dann wissen sie: der Herrenwille des Unternehmertums, seine Sucht, die Arbeiterschaft, ihre Organ!« sation wehrlos zu machen, hat uns auf die Straße geworfen! Das ist böse Saat; dem Kapitalismus reift aus ihr verderbliche Frucht. v. /Iiis der Partei. Internationale Solidarität. Von dem zurzeit tagenden Parteitag der Sozialdemvkra» tischen Partei Englands geht uns folgende telegraphische Sympathiekundgebung zu: London. 20. März. Der 80. JahreSkongretz der britischen Sozialdemokratischen Partei sendet den deutschen Genossen brüderliche und herzliche Grüße. Die besten Wünsche auf Erfolg im gegenwärtigen Kampf. _ Lee. Sekretär. Gemeindcwahlsirge. In«lt-Drewitz bei Küstrin wurden in der dritten Abteilung zwei Genossen mit 36 gegen 29 gegnerische Stimmen, in der zweiten Abteilung ebenfalls zwei Genossen mit IV gegen 14 Stimmen gewählt. In der ersten Abteilung konnten leine geeigneten Kandidaten aufgestellt werden, sonst würde auch dort ein erheblicher Fortschritt zu verzeichnen sein. Die Zahl der sozialdemokratiscken Gemeindevertreter ist jetzt auf 8 gestiegen. Die Gegner hatten alle» aufgeboten. Auf ihr Ansuchen sandte die Eisenbahnbetriebsinspektion zwölf Bahnbeamte nnd-Arbeiter zur Wahl, die die bürgerlichen Kandidaten wählen mußten— eS war indes umsonst. Vor vier Jahren haben sich unsere Genossen da» erste Mal an der Wahl beteiligt. Sie haben Aussicht, in weiteren zwei Jahren die Mehrheit zu erlangen. In Neuenhagen bei Oderberg(Brandenburg) siegten die Sozialdemokraten mit 71 Stimmen über den konservativen Misch- wasch, der eS auf 54 Stimmen brachte, worunter sich an 20 größten- teils ungültige Forensenstimmen befanden, die die Sozialdemokraten durchgehen ließen, da die Gegner ohnehin hineingefallen sind. Die dritte Abteilung ist jetzt v o l l st ä n d i g im Besitze der Sozial» demokratte._ Ein neues Parteiblatt für dir Hinterpfalz. Eine gemeinsame Konferenz der drei hinlerpfälzischen Wahl» kreise, die Sonntag in Homburg tagte und von 58 Delegierten er nach Hamburg, wo er mehrere Jahre verblieb. Als man ihm aber Schwierigkeiten in den Weg legte, sich dort dauernd heimisch zu machen, ging er wieder nach Berlin zurück, um nicht auch hier veö Heimatsrechtes verlustig zu gehen. Seiner demokratischen Ge. sinnung ist er indessen treu geblieben. Das preußische Regime und dessen Triarierbande, die Junker, hat wohl kein anderer schärfer und witziger bekämpft als Glaßbrenner in unzähligen Epigrammen. So gründliche Arbeit hat er da vollbracht, daß wir glauben, die Ostelbier von heute im Spiegelbild« derer von dazumal zu sehen, Als Satiriker von gutem Schrot und Korn wird fein Name im Ge« dächtniö bleiben; denn da hat er für seine Zeit sein Bestes geleistet» '.' Zeitgemäßes aus GlaßbrennerS Schriften. j Zur Situation. Ein Rechtsstaat ist jetzt Preußen allerdings, Nur schade drum: das ganze Volk steht link». Vom MinisteriumDonquixote. A.: Ich bleibe dabei. eS hat den Geist der Zeit und»msertr Geschichte verraten l B.: Gott bewahre I Sie haben geschrieben und gesprochen, was sie nicht verantworten können— aber sie haben keinen Geist verrann. Rene chinesische Politik. Der politische Himmel ist nicht ganz rein» ES droht uns manch' schwarze Wolke, Drum üben wir uns, um stark zu fein, Im Krieg mit dem eigenen Volke. » Die Junker im Abgeordnetenhaufe. Euer Tadel und Schimpf sckilt nicht; Euer Wort und Versprechen stillt nickt; Vertrauen und Geld quill» nicht; Bange machen � gilt nicht! ES ist doch eigentlich zu viel verlangt, daß die Nägel in den Köpfen der Junker zum Sarge unserer Freiheit gebraucht werden sollen. O Die Feudalen wollen das Faustrecht wieder einführen, well dal da? Recht der langen Finger involviert. » Die Junker möchten, daß wir 1813 nichts gewonnen hätten als die Schlachten-» und nichts gerettet als da» Baterland ihrer Privilegien. Krautjunkers Notizkalender. Selbsthochschätzung. Champagnerbenetzimg. Austernletzung. Beamtenversetzung. Säbelwetzung. Eidverletzung. DemokratenhetzUNg. Ballettergvtzung. JudeuauSlrätzuvg. BersassungSzerfetzMtg. besucht war, beschloß einstimmig die Gründung einer Ge- nossenfchoktsdruckerei zwecks Herausgabe eines eigenen Partei blatteö in der Hinterpfalz. Die eingesetzte Kommission hat sofort die notwendigen Borarbeite» in Angriff zu nehmen._ Wechsel in der Chefredaktion des„Peuple". Brüssel, 24. März. In seiner letzten Sitzung hatte sich der Generalrat der belgischen Sozialdemokratie mit der Neubesetzung der Chefrcdakrion des.Peuple" zu befassen. Der bisherige Chef- redakteur Genosse De Braucks re bat, nämlich gemätz seiner am letzten Parteitag abgegebenen Erklärung, das; diese Stelle von einem Genossen verwaltet werden müsse, der in den gegenwärtigen Fragen der Parteitaktik die Meinung der Majorität vertritt, sein Amt niedergelegt. Wie erinnerlich hat De Brouckere auf dem Parteitag die Meinung der Minorität vertreten, die sowohl die Blockpolitik wie den MinisterialiSmuS verwirft. Nach der Annahme der Resolution Vandervelde hat dann De Broucköre auf dem Partei- tag seine Demission angekündigt und auf ihr bestanden.— Nachdem dem scheidenden Chefredakteur, unter dessen Leitung sich das Partei- Elatt sehr günstig entwickelt hat, der Tank und das Vertrauen der Partei ausgesprochen wurde, wurde zum neuen Leiter des Zentral- organö der Abgeordnete von Huy-Warcmme, Joseph WanterS ernannt, der bisher die leitende Stellung in der Genossenschaft»La Justice* innehalte. pollzelUches, Gmchttichca ulw. Pressprozessc. In der»Altenburger VolkSzeitung' erschien am 28. Februar v. I. ein Artikel, der sich mit den Zuständen in der Knopfindustrie deS altenburgischen Städtchens Schmölln beslbästigte. Die Kritik, die an den Verhältnissen geübt wurde, er- regte dermaßen den Zorn der Knopsindustriellen, daß sich 33 zu- sammentaten und wider den verantwortlitben Redakteur der.Alten- burger VolkSzeitung", Genossen Dikreiter, BeleidigungS- klage anstrengten. Um ober vor Gericht einer eingehenden Er- örterung der Arbeitsverhältnisse und Zustände in der Schmöllner Knopfindustric aus dem Wege zn gehen, ignorierten die Herren die krassen Schilderungen der Fabrikverhältnisse und klammerten stch an Nebensächlichkeiten. So fühlten sich die Herren z. B. durch die Bezeichnung.skandalöse Zustände* aus das schwerste beleidigt, wehrten sich aber mit Händen und Füßen dagegen, daß der Wahrheitsbeweis von dem Angeklagten angetreten werde— weil sie sich nur formell beleidigt fühlten. Einen Bcrgleichsvorschlag, nach dem erklärt werden sollte, daß die in dem„VolkszeitungS*-Ärtikel «ilhaltenen Schilderungen der Verhältnisse in der Schmöllner Knopf- industrie übertrieben seien— man wagte es nicht, sie als ganz und gar unzutreffend zu bezeichnen— lehnte Genosse Dikreiter ab. Das Urteil des Schöffengerichts zu Schmölln lautete auf eine Geldstrafe von 50Mark. Wegen eines ähnlichen.Verbrechens" hatte sich der gleiche Sünder am Tage zuvor vor dem Altenburger Schöffen- (I e r i ch t zu verantworten gehabt. Kläger war hier der herz»glich ächsische Kammerherr und Rittergutsbesitzer v. Blödau auf Ehrenberg bei Altenburg. Dieser Herr, ein ganz extremer Agrarier und Führer des Bundes der Landwirte im Herzogtum Altenburg, der als Reichstagsabgeordneter für Altenburg svon 1898 bis>9V3) gegen den Wucherzolltarif stimmte, weil ihm die Agrar- fchutzzölle nicht hoch genug waren— fühlte sich beleidigt durch einen Artikel, der sich mit der Kinderarbeit auf seinem Gute be- schäfligte. Es war in dem Artikel gesagt worden, daß auf dem Gute des Klägers Kinder an Stellen beschäftigt werden, wo vor einigen zehn Jahren Frauen beschästigt worden seien, und daß den Kindern nur SO Pf. als Tagelohn bezahlt werde. Durch das Zeugnis des Gutsinspektors deS Klägers wurde erwiesen, daß zu der Zeil, als er auf den. Gute in Stellung trat, mehr Frauen beschäftigt worden seien. als heute. Weil die Frauen aber mehr Lohn und kürzere Arbeitszeit verlangten, wurden dann mehr Kinder beschäftigt. Im Tagelohn bekommen die Kinder für eine von früh S llbr bis abends 7 Uhr dauernde Arbeitszeit während d e r E r n t e 1 M. pro Tag. Unterbrochen wird die Arbeitszeit durch zwei Pausen vormittags und nachmittags von je einer halben Stunde und einer Mittagspause von zwei Stunden. Während der Kartoffelernte lesen die Kinder Kartoffeln im Akkord. Nach dem Zeugnis des Gutsinspektors verdienten sie dapn, wenn sie tüchtig an die Arbeit gingen, bis zu 1.20 M. Der T a g e l o h n betrug in dieser Zeit S0 Pfennige. Weil nun, n der Erntezeit— das sind mnd vier Wochen— der Kläger den Kindern l M. für eine neunstündige Arbeitszeit bezahlte und nicht wie in dem Artikel ganz allgemein behauptet worden war 60 Ps. und weil daS Gericht aus der ganzen Fassung des Artikels die Ab- ficht der Beleidigung glaubte herauslesen zu tonnen, wurde Genosse Dikreiter zu einer Geldstrafe von 100 M. verurteilt. Der Vertreter des Klägers wollte den.Verbrecher' unter allen Umständen auf eine längere Zeit ins Gefängnis gesteckt wissen. Genosse Blumtritt von der.OberfränkischenBolkS» zeit u n g* in Hof wurde wegen Beleidigung des zweiten Bor- fitzenden des liberalen Arbeitervereins und eineS früheren Sozial- demokraten zu 25 und S0 M. Geldstrafe verurteilt. Soziales« Ein schlechtes ArVeitSordnungSmuster einer Gewerbelnspektioa Ihat dem Sthneidervcrband, und auch den Arbeitgebern, namentlich m der Kostümbranche, unnötige Scherereien verursacht. Die Ge- kleines Feuilleton. Die Chemie der Flora. In der Bodepartei, in die nach der vs« WnndernSwert sauberen Analyse deS Chemikers Dr. Pinkus blasser Schrecken gefahren war, regt sich noch eine schwache Osterhoffnung. Herr PinkuS hat bekanntlich nachgewiesen, daß das Flora- wie das LucaSwachs Walrat sSperm.osti) enthalte. Seine Angabe, daß Aatrat erst seit dem 18. Jahrhundert Verwendung finde, wurde indes durch ?jitate aus Shakespeare, Konrad Geßner und anderen Schrift- tellern bestritten. Freudestrahlend nahm die Bodepresse, die bis dahin die auch als rein chemische Leistung bedeutsame Analyse verschwiegen hatte, Notiz davon. Indes die Weisheit des Herren ist zum teil reine ortweisheit. Svermäceti bezeichnet nämlich ursprünglich etwas ganz WandereS als Walrat, nämlich Ambra, ein Exkrement deS Pottwales, das aus dem Meereswasser schwimmend gefunden wird und seit etwa 800 als Heilmittel im Gebrauch ist. Jndeß scheint auch daS heute«IS Walrat bezeichnete Fett schon um 1200 bekannt gewesen zu sein. Denn nach Konrad GeßnerS Fischbuch von 1568 hat eS Albertus Magnus bereits von der Ambra unterschieden. also die Möglichkeit, daß Leonardo Walrat gekannt hat, ist zuzu- geben. Ob er eS aber zu Wachsbüsten verwendet haben würde? Noch 1660 kostete 1 Pfund Walrat 30—36 Reichstaler, nach heutigem Geldwert mindestens 300 M., und 1 Pfund Bienenwachs 1ch0 M. Da Herr Bode zu Leonardos Lebzeiten noch nicht existierie(um 180 000 M. für die Flora zu bezahlen, so würde Leonard« sich ge- Slütet haben, Walrat zu verwenden. Erst nach 1700 wurde Walrat o billig, daß man eS technisch verwenden konnte und seit dem 18. Jahrhundert wird denn auch Walrat zu Kerzen gebraucht. DieS Resultat dieser technologisch-historischen Uebersicht deckt sich wunderbar mit der Angabe von Lucas Sohn, daß sein Vatsr Kerzen- siumpse für seine WachSarbeiten auflaufte und verwendete. Wenn da« Kaiser-Friedrich-Mufeum zur Erforschung der Wahrheit hätte beitragen wollen, so hätte sein eigener Chemiker schließlich ja wohl auch das Walrat in dem Wachs feststellen können. Sowohl von englischer Seite(Bell) wie in«»Vorwärts' war darauf hingewiesen, welche Zusätze zun, Wachs in der Kerzenherstellung um 1L40 tbltch waren. Hätten wir Wachs von der Flora zur Ber- tverbeinspektisn Verlitt 81V. forderte dieser Tage die Arbeitgeber ihres Bezirkes auf, eine Arbeitsordnung einzuführen und sandte zugleich als Muster eine Arbeitsordnung zu. Diese entsprach zwar den gesetzlichen Bestimmungen, aber stimmt keineswegs mit dem geltenden Tarifvertrag überein. So ist z. B. in dieser„Muster'- Arbeitsordnung die tägliche Arbeitszeit auf zehn Stunden bc» messen, während sie in der Kostümschneiderei wie in verschiedenen anderen Berufen durch Tarifvertrag auf 9 Stunden festgesetzt ist. Dann enthält das Arbeitsordnungsmuster die Bestimmung, Beschwerden über die Höhe des Lohnes müssen binnen 21 Stunden erhoben werden, während der Tarifvertrag hierfür eine Frist von acht Tagen vorsieht. Roch in anderen Punkten hat die Gewerbe- inspcktion bei Ausarbeitung ihres Musters keinerlei Rücksicht auf die bestehenden Tarifverträge genommen. Sic hat dadurch Ver- wirrung in den Kreisen der Arbeitgeber angerichtet und Anregung zu Verschlechterungen gegeben. In Betrieben, in denen bisher keine Strafbestimmungen bestanden, gab dieses amtliche Arbeits- ordnungSmuster den Arbeitgebern Veranlassung, solche einzuführen, obwohl ein Bedürfnis dazu durchaus nicht vorlag. Die Gewerbe- infpertion SW. hat sich mit ihrem Muster vom grünen Tisch, das den lvirklichen Verhältnissen gegenüber verständnislos ist, wahrlich kein Verdienst erworben. Wollte sie den Arbeitgebern ein Arbeits- ordnungSmuster borlegen, so hätte sie sich zuvor mit den Beteiligten m Verbindung setzen sollen. Die Gcwerbeinspektion SO. hat in ihrem Bestreben, den gesetzlichen Bestimmungen Geltung zu ver- schaffen, einen einfacheren und besseren Weg eingeschlagen. Sie hat die betreffenden Bestimmungen ausgezogen und den Arbeit- gebern zugestellt. Die Arbeitgeber waren darüber nicht in Zweifel, daß es sich hierbei um das Minimum handelt, was die Gesetzgebung verlangt, daß aber im übrigen der Tarifvertrag für die Regelung der Arbeitsbedingungen maßgebend ist. So wurde die Verwirrung vermieden, die die Gewerbeinfpektton in L1V. mit ihrer Arbeitsordnung angerichtet hat. Uebrigcns könnte sich die Gewerbe- inspektion in anderer Weise verdient machen, nämlich dadurch, daß sie auf Durchführung der Arbeiterschutzgesetze dringt. In einer ganzen Reihe von Betrieben kommt es gegenwärtig fast regelmäßig vor. daß über die gesetzlich zulässige Zeit hinaus gearbeitet wird, und auch in vielen Fällen herrschen in anderer Hinsicht, z. B. rück- sichtlich der Arheitsräume, Verhältnisse, die der Besserung dringend bedürfen._ Versuchte Einengung deS Begriffes Betriebsunfall? In fast allen unfallverficherungspflichtigen Betrieben suchen die Berufsgenossenschaften den Begriff eines Betriebsunfalles einzu- engen. Leider tritt das Reichsversicherungsamt dieser dem Wort. laut und Zweck des Unfallversicherungsgesetzes widersprechenden Tendenz nicht immer entgegen. Nachstehend teilen wir einen Fall mit, in dem das ReichSversicherungSaint dem Gesetz Achtung ver- schaffte. Der Kutscher D. war mit seinein Fuhrwerk auf dem Wege nach dem Betrieb« deS Unternehmers. In der EohliSftraße, nur noch eine kurze Strecke vom Betriebe entfernt, hielt er sein Fuhr- werk an, trat in eine Wirtschaft und ließ sich einen kleinen Imbiß geben. Der Vorgang hatte nur kaum 5 Minuten gewährt. Er trat dann wieder auf die Straße, um zu seinem Wagen zu gelangen, hierbei ist er überfahren worden. Der Unfall hatte eine erhebliche Einbuße der Erwerbslosigkeit zur Folge. D. stellte daher bei der FuHrwerkS-Berufs- genösse nschaft den Antrag auf Rentengcwährung. Er wurde indessen mit seinem Anspruch abgewiesen, weil„eS sich im vorliegenden Falle nicht um einen Betriebsunfall handele, sondern um einen Unfall, der den Kläger zu jeder Zeit im alltäglichen Leben treffen konnte. Die Zugehörigkeit zum Betriebe sei gelöst worden, als D. das Fuhrwerk angebalten und die Wirtschaft betreten habe. DaS Betreten der Wirtschaft sei indes im eigenen Jtttereff« erfolgt. Auch in der Berufungsinstanz wurde 31- � b g e- wiesen. Gegen das Urteil des Schiedsgerichts löffte beim Reichsversicherungsamt ein.-'»ftgn«!______ Der erkennende Senat(I) des ReichSversichrrungSom»» g«b dem Rekurse des Verletzten statt und verurteilt« die Fuhrwerks- berufSgenossenschast zur Zahlung der Unfallrente. In den Gründen wurde ausgeführt; Der Eintritt in die Wirtschaft hat— zumal eS sich nur um eintn sehr kurzen Zeitraum handelt— die Betriebs- Zugehörigkeit deS D. nicht aufgehoben. Außerdem ist die ganze Straße als den Betriebszwecken dienend anzusehen. Es liegt somit ein Betriebsunfall vor._ Betriebsunfall eines Droschkenkotschers. Der Droschkenkutscher Z. hielt an einem Novemberabend 1903 mit seiner Droschke auf dem Halteplatz Bellevuestraße. In der 12. Stunde sah er. daß seine Uhr nicht stimmte. Da er die Taze um 12 Uhr umschalten mußte, fragte er seine 5wmevaden, wie spät es sein könnte. Da er auch von diesen keine genaue Auskunft er- hielt, begab er sich in die gegenüber gelegene Wirtschaft. Beim Eintritt in die Wirtschaft fragte er die Wirtin, ob die Uhr im Lokal richtig gehe. Er ließ sich dann ein Glas Bier geben, trank dasselbe, bezahlte und ging wieder heraus. Auf dem schlüpfrigen t ahrdamm glitt Z. aus, kam zu Fall und brach das Bein. Nach bschluß des Heilverfahrens stellte Z. bei der Fuhrwerksberufs- genossenschaft den Antrag auf Rente. Er wurde indessen abge. wiesen, da:„ein Betriebsunfall nicht vorliegt. Z. habe sich in das Lokal begeben, um seine leiblichen Bedürfnisse zu befriedigen. DaS Einnehmen von Getränken usw. dient indessen nicht dem Betriebs- intereße, sondern dem eigenwirtschaftlichen Interesse des Z. Ein Betriebsunfall könne daher nicht angenommen werden." Der Kläger legte Berufung beim Schiedsgericht für Arbeitet Versicherung Berlin ein. Er machte geltend, daß der Gang in das Restaurationslokal nur den Zweck gehabt habe, die genaue Zeit feststellen zu können, da er die Taxe um 12 Uhr umschalten mußte. fsigung gehabt, so hätten wir schon vor etnem Vierteljahre den Nachweis von Walrath geführt. Herr Rathgen hat sich also durch einen Privatchemiker, der im ganzen'/.Gramm FlorawachS zur Verfügung hatte, beschämen lassen. Jetzt kündigt er in der „Chemikerzeilung"(Nr. 33) an, daß er nun auch auf die Walfisch. jagd gehen wolle, sowohl bei der Florabüste wie bei allen Wachs- arbeilen. Wir wünschen ihm einen guten Fang I Tbeater. Neues Schauspielhaus. Die Rampe, Schauspiel in vier Akten von Henry de R'o t h s ch i l d. DaS Stück, das vom Theaterleben und der Komödiantencitelkeit handelt, hatte ein paar Akte mit epigrammatisch charakteristischen Wendungen, nicht so hübsch wie BahrS temperamentvolle Theatersatire„Die gelbe Nachtigall", doch unterhaltsam genug, indes die hohlen Sentimentalitäten deS Schlußakts verdarben dann zuletzt alles und riefen, trotzdem Frau S o r m a die weibliche Hauptrolle spielte und den banalen Emp- finbungen der Helden etwas vom Zauber ihrer eigenen schlichten, anmutig tiefen Naturwahrheit verlieh, eine vernehmliche Opposition hervor. Der berühmte Darsteller und Theaterdirektor dem diese aristokratische Madame Grandier, sich unter seiner Leitung im Sturmschritt zur genialen Schauspielerin entwickelnd, ihre Letden- schaft weiht, entpuppt sich als ein so nichtiger und roher auf- geblasener Patron, daß ihre Liebe statt zu rühren nur kompro- mittierend wirkt. Erst ein zärtlicher Liebhaber und stolz auf die Talente der von ihm Entdeckten, wird er, so bald ihr rascher Aufstieg seine Erwartungen übertrifft, vom kleinlichsten Neid, der sich in jämmerlich gehässige» Schikanen Luft macht, erfaßt. Ihr rauschender Triumph in einem neuen Schauspiel führt zum Bruch. Sie bettelt kläglich um feine Neigung, und damit nicht tcnug— lockt sie ihn unter falschen Vorspiegelungen zu einer irob« in ihr Zimmer und trinkt in einer Szene, die sie mit großer Verve vor ihm aufführt. Gift! Die falsch- Komödianterei. die in dem Stück gezeichnet und gebrandmarki werden soll steckt auch dem Drama selber rn den Knochen. Recht gut war neben der S o r ma auch Herr Christians in der Direktorenrolle und Herr Arndt in der drolligen Episodenfigur eines Impresario. dt. Lustspielhaus. Zwei Premieren auf rinmal. DaS erste Lustspiel: Die aoldensFreiheitbon C. G. Lennox wird von Rudolf Lothar, dem Uebrrgeschäftigen, in deutscher Die Wirtin deS Lokals müsse übrigens bekunden, daß beim Eintritt in das Lokal die erste Frage war, ob ihre Uhr richtig gehe und er sich kaum einige Minuten im Lokal aufgehalten habe. Das Schiedsgericht trat indessen der Auffassung der Berufs- genossenschaft bei und wies den Z. mit seiner Berufung ob ftejMt das Urteil des Schiedsgerichts legte Z. Rekurs beim Reichsversiche- ruugsamt ein. Ter 16. Senat gelangte zur Verurteilung der Fuhr- werköberufsgenossenschaft. In der Verkündung deS Urteils wurde ausgeführt: Die Umschaltung der Taxe mußte tatsächlich um 12 Uhr geschehen. Der Kläger hat, da er von seinen Kameraden keine ge- imgende Auskunft über die Zeit erhielt, die Wirtschaft im Betriebs- mteresse aufgesucht. Die Bekundungen der Wirtin lassen erkennen, daß der Eintritt in die Wirtjckiaft tatsächlich erfolgte, um genaue Auskunft über die Zeit zu erhalten. Unter diesen Um- sräaden handelt eS sich um einen Betriebsunfall und nicht um einen Unfall im„eigenwirtschaftlichen" Interesse. Die Berufsgenossen- schast war daher zur Entschädigungspflicht zu verurteilen. Gegen Schikanierung durch Theaterdirektora» entschied in einem Streit zwischen einem Berliner Theaterdirektor und einer Bühnenkünstlerin die 16. Zivilkammer deS Berliner Landgerichts l. Die als Klägerin austretende Schauspielerin L. war sofort entlassen worden, weil sie ihrem Direltor vor ver» sammeltem Bühnenpersonal den Vorwurf gemacht hatte, er schika» niere sie. Frl. L. begründete vor Gericht diesen Vorwurf damit, daß sie zwar mit 6000 M. Jahresgage engagiert war. trotzdem aber fast aar nicht bezw. nur in ganz untergeordneten Partien be- schäftigt wurde. Das hätte sie schließlich dermaßen aufgebracht, daß sie sich zu der Aeußerung hinreißen ließ. Nach einer sehr eingehenden Beweisaufnahme �verurteilte das Landgericht den Theaterdirektor dem Antrage gemäß und erklärte mit folgender Begründung die Entlassung sür unbegründet: Die zwischen Direktor und Schauspieler geschlossenen Verträge sind nach Treu und Glauben so auszulegen, daß eine Beschäftigung des Künstlers nach Maßgabe seiner Kenntnisse und Fähigreiten er- folgen muß. Stehen dem Direktor mehrere gleich gute Kräfte zur Verfügung, so darf er nicht einzelne davon von der Beschäftigung zum Teil ausschließen. Der zu den besseren Älrästen zahlende Künstler wird durch geringe oder ganz fortfallende Beschäftigung erheblich geschädigt, weil er leicht die Routine verliert und an künst- lerisckem Ansehen einbüßt. Die Klägerin blieb 300 Tage im Jahre unbeschäftigt. Eine so geringe Beschäftigung, zumal in unter- geordneten Rollen, bei einer Schauspielerin mit 6000 M. Gage ist auffällig. Es ist erklärlich, daß sich die Klägerin zurückgesetzt fühlte und bei ihrem nicht unberechtigten künstlerischen Ehrgeiz an eine Schikane des Direktors glaubte. In Anbetracht dieser Um- stände gab die Aeußerung dem Beklagten keinen tristigen Grund, die Klägerin sofort zu entlassen. Zur Wählerliste der L.-G-O. Nach ß 44 der Landaemeindeordnung ruht die Ausübung des Stimmrechts, wenn das Gemeindemitglied seine Abgaben nicht ent. richtet hat. Das Oberverwaltungsgericht hat in einem von Lichter. felder Genossen angestrengten Prozeß entschieden, daß die Nicht- aufnähme der mit den Abgaben Rückständigen in die Wählerliste dem Gesetz entspricht. ES ist damit daS Oberverwaltungsgericht der Ansicht von Oertel und Jebens gefolgt und hat die Meinung von Genzmer. Kiel und Spieß als irrig gekennzeichnet, die An- nähme, der Suspendierte müsse mit einem Vermerk über das Ruhen des Stimmrechts in der Liste Aufnahme sinden. Zur Aufnahme in die Liste ist danach erforderlich, daß die mit Steuerzahlung Rück» ständigen während der Auslegung der Listen ihre Steuerschulden bezahlen und Ausnahme in die Liste beantragen— ein insbesondere sür Arbeiter auf dem Lande oft unausführbares Verfahren. ©eriebtö- Zeituno. (Siehe auch 4. Beilage.) In der Bruhnfchen ErpressungsaffSre. ist nunmehr die Anklage erhoben worden. Sie richtet sich, wie utt» aus gutunterrichteter Quelle mitgeteilt wird, nicht nur gegen die Verleger Wilhelm und Paul Bruhn, sondern auch noch gegen den Redakteur Dietrich. Die Anklage wirft den Angeklagten 10 Fälle der versuchten und vollendeten Erpressung vor. Die Anklageschrist, die augenblicklich vervielfältigt wird, soll etwa. 60 Seiten umfassen. Geladen werden voraussichtlich zirka 50 Zeugen« darunter die Ver- L** Z 1 S. � Q£1 u.'1 Y*. � A 0 1 4" f& f teidiger des früheren Redakteurs der, Rechtsanwälte Dr. Werthauer und Dr. eines hiesigen bekannten Warenhauses. Nachtlokals. Nach der Lage der Sache dür erst anfangs Mai stattfinden. Dahsel. die ie der Inhaber Inhaber eines iuptverhandlung m« Vermircbtes.* i i'hh y. Bluttat eines Irrsinnigen. Aus Trier wirb geknekdet: Der frühere Witt, jetzige Brauereiarbeiter Better durchichintt nachts seinen zwei Kindern mtt einem Rasiermesser den Hals und verletzte sich dann selbst auf gleiche Weise lebensgefährlich. Er ist anscheinend irrsinnig. Seine Frau sollte heute aus dem Krankenhaus entlassen werden. Eine Oelfavrlk niedergebrannt. Einer Meldung aus Marseille zufolge ist dort eine Oelfabrik. in der 13 000 Meterzentner Oelkerne lagerten, in der vergangenen Nacht niedergebrannt. Der angerichtete Brandschaden übersteigt eine Million Frank. Uebertragung geboten. Ob eS ein Gewinn ist? Neu hinsichtlich des Sujets ist's sicherlich nicht. Darin wird, was ein letzten Grundes sich wirklich in Liebe zugctanes Ehepaar trennt ignd wieder zusammenführt, zum Austrag gebracht. Die Frau verträgt die Beschränkung ihrer Launen und Modenarrheiten nicht: In der „goldenen Freiheit" während der schwebenden Ehescheidung macht sie unliebsam« Erfahrungen mit jungen Gecken und alte« greisen. Schluß: die beiden Eheleute kriegen sich wich ganze, wenn auch charmante Spiel kann die Armut an verdecken. Dieser gleicht einer tauben Nuß mit schauo Schalen. Feliciia C e r i g i o l i und Leo P e u k e r t reizend. Zog sich dieser Dreiakter allzu lang hin. so en Rudolf PresbertS Lustspiel: DaS Bersöhnui sowohl durch seine Kürze— eS ist glücklicherweise nur akter— wie durch die drastische Komik und Schlagfettig..... Handlung, die bloß eine Episode ist. Gegenstand: Der Dramatiker betrügt seinen Freund, den Schauspielkritiker mit dessen Frau; und dieser der gar nicht so ein Trottel ist, als welche-.- er.r» scheint, techtelmechtelt hinwiederum mit der Frau eines andern. Der Dialog ist voller prickelnder Zweideutigkeiten; das Ganze weniger ein Lustspiel als ein dialogisiertes Feuilleton. Hauptsache: es amüsierte nicht bloß die.Freiberger", die zu dieser General. probe zahlreich geladen waren; woran aber sicber auch die flotte Darstellung Anteil Hätz e. st. Notizen. -- Nissens Antwort. Der Verntzends der Deutschen Bühnengenossenichaft, Hermann Nissen, hat die hochnäsig, Ablehnung deS Generalintendanten Hülsen mit einer gebührenden Ertlötimg be- antwottetz Sie lautet:»Herr Graf v. Hülsen-Haeseler veröffantlicht eine Erklärung, daß er die Berufuung in das ünrotariam der .Klara-Ziegler-Stiftung' neben mir ablehne. Das war bei dem rein perlönlichen Standpunkt des Bühnenvereinspräsidenten in t gegenwärtigen Konflikt vorauszusehen. Ich hatte auch da ich iit, die Verwaltung der Stiftung die Berufung des GenossenschastSpräMntm ür wichtiger hielt, als die des Berliner Generalintendant.'«; die Berufung nur angenommen in der bestimmten BorauSseyimg. daß >er Graf v. Hülsen ablehnen werde. Wenn dieser so propl rea-'ierr, o kommt er nur meinen Wünschen entgegen. Dem provozierei'de» Ton der gräflichen Erklärimg zu folgen, muß ich mir vers An diesem Schild sind die Läden erkennbar, RIGINAL SINGER NAHMASCHINE in denen nur SINGER Nähmaschinen verkauft werden. Mustergültig in Konstruktion und Ausführung, gleich vorzüglich für Hausgebrauch und Industrie. Singer Co. Nähmaschinen Act. Ges. BERLIN, Leipziger Straße 92. Läden in den verschiedenen Stadttellen. Achtung! Hausfrauen! Achtung! Wir empfehlen unsere aus den besten Rohmaterialien hergestellten Backwaren: Stollen, Napfkuchen etc. Garantiert reines Roggenbrot Bäckereigenossenschaft Berlin Berlin 0. Bödikerstr. 30. 0. Hohenlohestr. 18. 59 " 1 SO. Glogauer Str. 28. ( E. 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Der Kampf der Nationen.( Aus Natur und Geistes. moIt." Band 242 und 243. Leipzig. Teubner. Preis Kronen.) heute immer als unpolitisch und sogar belächelnswert erscheinen,[ weis auf Sambach gerechtfertigten reaktionären Maßregeln- bies so ist doch jedenfalls kein Grund da, solche Gesinnung als anti- ist im wesentlichen die Bilanz des Hambacher Festes. zum erstenmal, ist ja dieser Vorwurf eines der Hauptkampfmittel närste Episode aus der Vergangenheit des deutschen Bürgertums national" zu stigmatisieren. Freilich, wir haben es erlebt, und nicht Es ist das nicht geringe Verdienst Herzbergs, diese revolutio aus der Waffenfammer unserer heutigen Bourgeoisie, und so mag zum ersten Male in allen weit verzweigten Zusammenhängen aufWilhelm Herzberg hat hier als erster den Bersuch unter unter diesem Schimpf begraben. Daß aber auch den Führern schieht, daß er das Ereignis und die handelnden Männer in ihrer ree auch diese ihr unangenehme Episode der eigenen Vergangenheit gefaßt und gewürdigt zu haben. Wenn es ihm hier und da gea nommen, auf Grund der Queilen und in objektiver Würdigung der Hambacher Bewegung der Gedante an eine Intervention Frank. Bedeutung überschäßt, so schadet das wenig, da eine allgemeine der Tatsachen eine Darstellung jener grökten und wichtigsten Aktion reichs am nächsten lag, beweist beraberg mit vielen Bitaten aus Betrachtung die Korrektur schon in fich trägt. Von besonderem aus der Jugendzeit des deutschen Liberalismus zu geben, die ihren Zeitschriften, durch die sie ihre Anhängerschaft zu vermehren Intereffe sind die Mitteilungen Herzbergs über die sozialen Ideen freilich verlaufen ist wie mehr oder minder alle Aktionen des und zu organisieren trachteten. Der Gedante des Hambacher und Theorien der Parteiführer, die mit ihrer gang im fleinbürgerdeutschen Liberalismus: wie das mit Recht viel berufene Horn- Festes selbst tam ihnen, wie aus dieser Darstellung deutlich wird, lichen Gesichtsfreise sich bewegenden Argumentation den Stand der berger Schießen. Wir wissen, daß diefes eingeborene Hornberger erst, als ihnen durch Verfolgungen aller Art, Beschlagnahme, Ver- öfonomischen Entwidelung aufs deutlichste widerspiegeln. Im tum ökonomische Gründe hat, daß es im allerengsten Zusammen siegelung ihrer Pressen, die Agitation durch hange steht mit der späten Entwickelung des deutschen Bürgertums unmöglich gemacht worden war. In seiner Untersuchung legt dafür begrüßen, in wie hohem Maße das Interesse für historische den Druck ganzen darf man die Arbeit Herzbergs als ein erfreuliches Zeichen überhaupt, mit feiner späten und im Beginnen noch chwachen Herzberg nun alle Momente dieser demokratischen Agitation in der Studien innerhalb der Partei gewachsen ist. Mehr und mehr erund schwankenden Beteiligung an der Weltwirtschaft. Und so Rheinpfalz dar, die in dem ziemlich improvisierten Hambacher wacht das Bewußtsein, daß die historische Erkenntnis, ebenso sehr fehen wir denn, daß zur selben Zeit, in der das englische Bürger- efte gipfelte, die Ursachen: die ökonomischen Verhältnisse, den wie die ökonomische, eine notwendige Basis und Voraussetzung auch tum feine politische Macht auf friedlichem Wege stabiliert, in der Steuerbrud. Die schlechte. egoistische, den Interessen des neu- der politischen Aktion ist. Ein weites Feld ist da noch zu bestellen. das französische Bolf das feudale Königtum gerbricht und sich ein erworbenen Landes wenig entsprechende, unbolkstümliche bayerische Wir nehmen die schöne Arbeit Herzbergs als Pfand dafür, daß es neues schafft nach seinem Bilde. unser deutsches Bürgertum Verwaltung, die Zensur mit ihren tattlosen, die Gegenfäße nur ihm an erfolgreichen Bebauern nie fehlen wird. und auch hier handelt es sich zunächst immer nur um die wirt verschärfenden Eingriffen. Die Julirevolution, der polnische Aufschaftlich fortgeschritteneren Landesteile eine freilich großen stand, die Insurrektion Belgiens wedt und schürt allerorten das gelegte Demonstration veranstaltet, die im besten Falle eine bedeu politische Interesse. Die zahme Opposition in den kleinen füd- R. Charmat, Oesterreichs innere Geschichte von 1848 tende Ausbreitung seiner Ideen und Ideale zur Folge haben deutschen Landtagen wird um einige Grade heftiger. Aber schon fennte. Unser heutiges Bürgertum mag, joweit es eine eigene trifft die Regierung, von Frankfurt, Berlin, Wien ermahnt und Geschichte schreibt, von diesen Zusammenhängen freilich nichts angeeifert, ihre Maßregeln. Sie erschwert die Landtagskandida wiffen. Es wiederspräche das auch durchaus seiner Jdeo ogie, und turen, indem sie oppositionellen Beamten den Urlaub weigert. Sie mehr noch fast seinen Gegenwartsintereffen. Es ist deshalb für leitet Breßprozesse ein. Sie seht die Führer in Gewahrsam. Alles feine Historiker Verlegenheit, vom Hambacher Fest zu reden, und das stärkt nur die revolutionäre Stimmung der mehr und mehr In den vorliegenden beiden Bänden hat der durch seine Bewir sehen sie sich dieser Mühe nur mit fauerer Miene unterwinden. ihre politische Bedeutung erkennenden Journalistik. Der Breß- mühungen um die Geschichte des österreichischen Liberalismus ver Es erscheint ihnen halb als Spiel, halb als Wahnwis, feine Atteure berein, die erste demokratische Organisation Deutschlands, ein treff diente Autor als erster den Versuch gemacht, in gemeinverständlicher als Knaben. Abenteurer oder Tollhäusler. Es ist also gar fein liches Werkzeug seiner Propaganda, ist hierfür charakteristisch. Er Darstellung einen Führer zu geben auf den verschlungenen Pfaden Wunder, daß dieser bedeutsamen, für das deutsche Bürgertam zeigte, daß die Bewegung schon eine bedeutende Anzahl zuverlässiger österreichischer Entwidelungen während der lebten sechzig Jahre. geradezu fymbolischen Eposode der erste erschöpfenbe, bis auf den Anhänger mustern fonnte. Als nun von einem ziemlich obffuren Als erster: benn für den größeren und zugleich dem Historifer Grund gehende Schilderer auf sozialistischer Seite ersteht. Man Komitee der Aufruf erging, den Gedenktag der baherischen Kon- schwierigere Aufgaben bietenden Teil der Periode existieren bis muß zugeben, daß Herzberg keine Mühe gefcheut hat, aus Aften ftitution, 27. Mai 1832 zu Sambach, durch eine allgemeine Ver- jekt taum die notwendigsten Vorarbeiten. Da hatte der Autor, bis und vergilbten Beitungsblättern, die heute zu den großen Selten fammlung nach dem Vorbilde des badischen Liberalismus festlich zu in all die mühseligen vorbereitenden Kleinigkeiten hinein, alles heiten gehören, da in jenen Tagen ihr bloßer Befis fast als ver- begehen, griff der bekannte Politiker Siebenpfeiffer, einer der selbst zu leisten: die Sammlung des Materials, fritische Prüfung fuchter Hochberrat galt und geahndet wurde, das Hambacher Fest, Gründer des Preßvereins, diese Idee auf, um die Feier zu einer und Ausleje jedes einzelnen Datenkomplexes bis er zur feine Stimmung und seine Voraussetzungen wieder aufzubauen. großen Demonstration, zu einer Vereinigung aller demokratischen Gruppierung und Ausführung nach den gewählten Gesichtspunkten Und da erhalten wir ein ganz anderes Bild, als aus den bisher Elemente zu gestalten. Die Regierung suchte mit rechtlich halt schreiten konnte. So verlockend ein solches Arbeiten auf neuem gangbaren Darstellungen, die alle mehr oder weniger auf die losen Verboten borzubeugen, ließ sich aber schließlich die Erlaubnis Lande ist, find doch andererseits auch die Nachteile gerade für eine Weisheit des großen Orafels unseres Bürgertums, des Brod- abtrozen. Der Verlauf der Hambacher Lage ist bekannt. So populäre, auf Massenwirkung berechnete Schrift nicht zu berkennen: haus", hinauslaufen, welches ohne Blid für die tieferen Busammen- radikal und freilich mehr schwärmerisch als flar unb atvedbewußt bas Rohmaterial sieht in solchem Falle stets hie und da noch deuthänge mit herzerfreuender Simplizität fonstatiert, daß die natio- die Reben ausfielen, die in fast unendlicher Reihe die begeisterten lich durch die Rüden der darstellerischen Verkleidung, Daten und nale Idee, der Reichsgedanke zurückgetreten sei bor unklaren repu- Zuhörer überströmten, zu einer Aftion war man nicht gerüstet, und Namen brängen sich in einer den ungeschulten Betrachter blitanischen Zdealen, und daß die Führer nach Frankreich geschielt" die tatendurftige Jugend, die nur Waffen erwartete, um die be- verwirrenden Fülle, gestaltlose Aufzählung tritt an die Stelle wäh hätten. In Wahrheit aber lag die Sache so, daß auch eine natio- rauschenden Worte zur Wahrheit zu machen, erlebte bie ent- lender Charakteristik. Gänzlich ist diesen Gefahren auch Charmas nale Wiedergeburt bei der reaktionären Wirtschaft in den achtund- mutigendste Enttäuschung. So liegt etwas 3wiespältiges in dieser nicht entgangen, aber bei der enormen Schwierigkeit des gestellten dreißig Ländern und Ländchen, über die damals deutsche Fürsten ganzen Hambacher Agitation, die feine Tat gebar, und als bloße Problems bleibt es bewundernswert, daß er so selten unterlag. Im ihr glorreiches Szepter schwangen, nur zu erwarten war durch eine Predigt zum Kreuzzuge für die Freiheit", als Aufforderung zur allgemeinen lefen sich die beiden Bände angenehm: es genüge, hier bolltommene Umgestaltung aller bestehenden Verhältnisse. Und die Organisation, wie Herzberg es aufgefaßt wissen will, von vornherein die lebendige Schilderung des Vormars, die Charakteristik des franzöfifchen Sympathien waren ganz selbstverständlich in einem zu lärmend angelegt war. Die Zehntausende berliefen sich, die Bürgerministeriums, die Darstellung des Gründungsschwindels und Lande, bas jeden Anstoß zu seiner im Vergleich zu Nord, Mittel- Fanfaren von Hambach wedten nicht bie noch teilnahmslosen Bolts- des Strachs" im ersten, die Borträts Badenis und Storbers, sowie und Ostdeutschland vorgeschrittenen politischen und wirtschaftlichen schichten aus ihrer Lethargie. Wohl aber machten Sie die reattio ben knappen Abriß der Arbeiterbewegung im zweiten Bande lobend Entwidelung, zu seiner moderneren Gefeßgebung und Verwaltung nären Regierungen aufmerksam auf die ihnen drohende Gefahr. hervorzuheben. Aus diesem Hinweis erhellt schon, daß Charmazz aus Frankreich empfangen hatte und im Frankreich der Julirevo- Und während die Hambacher Führer noch über die Werbefferung fich in seiner Darstellung nicht auf eine politische Konstruktion be lution ein leuchtenbes Borbild für die eigenen Bestrebungen er der Organisation des Preßvereins, des Reformbereins, berieten, schränkt, sondern auch einen offenen Blid für die zugrunde liegentennen mußte. In einem Gebiet, das die Segnungen des code hier und da mit dem Gedanken an einen Butsch spielten oder ficy ben wirtschaftlichen Tatsachen und Entwickelungen hat. So weit Napoléon im täglichen Leben verspürte, während die Nachbarländer auch mit lächerlichen Stompelengstreitigkeiten aufhielten, denen es in diesem engen Rahmen und bei der ersten Bewältigung des noch unter einer halb mittelalterlich- feudalen Justiz seufzten, eine ein föstliches Denkmal des Spottes gesetzt hat, handelten jene. Stoffes möglich war, werden alle berechtigten Wünsche in dieser mochte auch der Gebante an ein näheres Verbündetfein in den So wurden die demokratischen Tage von Hambach noch ganz im Richtung befriedigt. Besonders schätzbar scheint mir die Arbeit des Fragen der praktischen Politik ein ganz natürliches Gewächs sein. Sinne Metternichs zu einem Fefte der Guten". Verfolgung und Autors aber deshalb, weil sie sich von allen Beschränktheiten eines In einem Briefe eines am Sambacher Fest und seinen Folgen Ginterferung der Führer, Zersprengung und Auswanderung der ge- einfeitigen nationalen Chauvinismus freizuhalten weiß, und die unmittelbar Beteiligten, der mir jüngst in einem Schiveizer Archive führten Maffen, blutige Unterdrückung der hier und ba, wie im fulturelle Bedeutung des Selbständigtverdens der österreichischen in die Hände tam, ist die Möglichkeit oder Hoffnung ausgesprochen, Frankfurter Wachensturm, in heller Berzweiflung auffladernden Nationalitäten von allem Geschrei der verschiedenen Lager unbeeinmit Hilfe des revolutionären Frankreich die Befreiung Deutsch rebolutionären Energie, grausame Niederhaltung und Aus- flußt zu werten vermag. So ist das Buch auch als historische Einlands au erkämpfen, dann werbe das in Freiheit erstartte Bater saugung verdächtiger Ortschaften durch die Strafbayern", jahre führung in die österreichischen Probleme der Gegenwart jedermann Land biefem die Striegsbeute schon wieder abjagen., Mag uns das lange Hemmung eines jeden Fortschrittes durch die mit dem Sin- zu empfehlen. " Es gibt viele Malzkaffees, aber nur einen sol Kathreiners Malzkaffee. Dieser hat sich seit 20 Jahren bewährt und wird von den Aerzten empfohlen. Es gibt keinen Malzkaffee auf der ganzen Welt, der auch nur annähernd an die allgemeine Beliebtheit und Verbreitung des echten Kathreiners Malzkaffee heranreicht. 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Schiller- Theater. Schiller- Theater 0.( Ballner Theat.) Sonntag, nam. 3 Uhr: Wallensteins Lager. Qterauf: Die Piccolomini von Friedrich Schiller. Ende 6 Uhr. Sonntag, abends 8 Uhr: Wallensteins Tod. Ein Trauerspiel in 5 Aufzügen von Friedrich Schiller. Ende 11 Uhr. Montagnac m. 3 Uhr: Kabale und Liebe. Montag, abends 8 Uhr: Goldfische. Schiller- Theater( Charlottenburg). Sonntag, nach m. 3 Uhr: Kabale und Liebe. Ein bürgerliches Tranerspiel in 5 Aufa bon Friedrich Schiller. Ende 5 Uhr. Sonntag, abends 8 Uhr: Viel Lärmen um nichts. Lustspiel in 5 Aften v. B. Shakespeare. Ende 10% hr. Montag nam 8 Uhr: Hans Lange. Montag, abends 8 Ubr: Der Pfarrer v. St. Georgen. Dienstag nach m. 3 Uhr: Wilhelm Tell. Dienstag, abends 8 Uhr: Dienstag, abends 8 Uhr: Goldfische. Egmont. Castan's Panopticum Friedrichst. 165, Pschorrpal. Während der Oster- Schulferien Jeder Besucher kann 1 Familientage! Kind frei einführen! Familientage! Einzig in der Welt! 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Dienstag und folgende Tage 8 Uhr: Der Graf von Luxemburg. Residenz- Theater Direktion: Richard Megander. Coollo En beiden Ofterfeiertagen nachmittags 8, Uhr: Sonntag and Montag abends 8 Uhr: Halbe Preise! Das Nachtlicht. Shipant in 3 Mien v. M. 3amacois. Operette und die gr. Spezialitäten. Abends 8 Uhr: Konrad Dreher a. G. in der Boffe Luisen- Theater. Der Zedpreller. Nachmittags 8 Uhr: Don Carlos. Dramatisches Gedicht von Schiller. Abends 8 Uhr: Was Gott zusammenfügt. Schauple! in fünf Alten von Ernst An den beiden Osterfeiertagen je Montag nachm. 3 Uhr: Gib mich frei. 8 Uhr: Klapperstorch d. Königin. Dienstag nadm. 3 Uhr: Das Chloß am Meer. 8 thr: Bas Gott aufammenfügt. * 2 Vorstellungen 2 mit dem Dreigestirn Friedrich- Wilhelmstädtisches weiblicher Schönheit, Grazie u. Kunst Schauspielhaus. Sonntag, 27. März, nachm. 3 Uhr: Die Jungfrau von Orleans. Abenbs 8 Uhr: Schuldig. Montag nachm. 8 Uhr: Die Jungfran non Drleans. Abends 8 Uhr: Flachsmann als Erzieher. Dienstag 8 Uhr: Schuldig. Rosario Guerrero Marie Lafargue Odette Valery und den anderen -Star- Attraktionen. DOSE- THEATED Heufeld Große Frankfurter Str. 132 Nachmittag 3 Uhr balbe Die Ehre. Preise: Schauspiel in 4 Aften v. Sudermann. Abends 8 Uhr: Theater Sommandantenstr. 57... 4, 5083. An allen drei Osterfeiertagen: Herrnfeld- Byllus 3. Serie: Die beiden Bindelbands. Der Verschwender. Die Original- Klabrias- Partie Boltsstüd mit Gelang und Zang in mit Anton und Donat Herrnfeld. Auf. 8 Uhr. Borverkauf 11-2 Uhr brei Allen von Raimund. Montag nachm.: Der Eisenbahn- Ostersonntag u. Montag, nachm. 4 Uhr räuber. b. Der Verschwender. Dienstag nachm.: Die Ehre. Abends: Der Verfchwenber. Salbe Preife: Es lebe bas Nachtleben. Casino- Theater Folies Caprice Lothringer Straße 37. Zäglich 8 Uhr. B Heute und folgende Zage: Größter Konzertsaal Berlins. Bom 27. März( 1. Osterfeiertag) bis zum 3. April: Paul Lincke- Woche unter persönlicher Leitung Paul Lincke. des populären Komponisten Anfang an Sonn- und Feltlagen 6%, Uhr, wochentags 8%, Uhr. Entree 50 Bf., reservierter Blat 75 Pf. Billetts im Vorverkauf zu ermäßigten Preifen( 40 resp. 60 Bi.) bei Zucht, Immanuelfirchstr. 12, Hahnisch, Auguststr. 50, und Mann, Petersburger Plaz 4. Germania- Pracht- Säle N. Chausseestr. 110- Karl Richter Am 1. und 2. Osterfeiertag: Paul Mantheys lustige Sänger ( ehem. Otto Steidls Hamburger Sänger) Großes Festprogramm. Anfang 6%, Uhr. Anfang 6, Uhr. Nachdem: Familien- Ball. Am dritten Paul Mantheys lustige Sänger Osterfeiertag: Anfang 8 Uhr. Anschließ.: Frei- Tanz. Eintritt 60 Pf. Im weißen Saale von 7 Uhr ab: Großer Fest- Ball.( Benefiz der Hauskapelle.) Schloß Weißensee Neu übernommen: Linke& Haenel. Am 1. und II. Osterfeiertag: Groß. Militärkonzert II. Garde- Dragoner- Rgt., Obermusikmstr. Peschke Anfang 3- Uhr. Entree 20 Pf. Kinder frel. Bel ungünstiger Witterung findet das Konsert im Saale statt. Am II. u. III. Osterfeiertag in beiden Sälen: Grand Elite- Ball Kanonen- Orchester, Direktion: Richard Morelll. Tanzleitung: Tanzlehrer Karl Hoffmann. Passepartouts für die Sommer- Saison 1910 werden von heute ab im Bureau ausgegeben. 2 Personen 4 M., 3 Personen 5 M., 4 Personen 6 M. Habermanns Insel- Restaurant Plötzensee am Bahnhof Beuffelstraße. Sm neueröffneten und renovierten Sommeretablissement An beiden Osterfeiertagen: GROSSES KONZERT. Außerdem am zweiten Feiertage: OOO Tanz- Reunion □ □ O bei freiem Entree. Reichhaltige Speisenkarte. Vorzügliche Getränke, " Kegelbahn. Raffeeküche per iter 0.80 9. Friedrich Neumann. Großer Lacherfolg! Der Luftturner. Der Luftturner. Sophien- Säle Sophlenstraße 17/18 Die tolle Lokalpojie Berlin bei Nacht. eute and morgen nachm. 4 Uhr: Ein deutsches Frauenhers. Zeil. Herr Wasserkropf. Straße am Hackeschen Markt Inhaber: Paul Baatz empfiehlt feine von 60-2000 Perfonen faffenden Säle gu Versammlungen Anfang 8%, Uhr. Borverkauf 11-2 Uhr. Bortrags- u. Aunstabenden usw. Vorzügl. Afuftit. Klait. Entgegenkommen 000 Zirkus Schumann Zirkus Busch Sonntag, 27., Montag, 28. März: 2 gr.brillante Vorstellungen 2 Nachm. 3, Uhr hat jeder Besucher 1 Kind frel, weitere Kinder unter 10 Jahren zahlen halbe Preise außer Galerie. In jeder Vorstellung, nachmittags und ahends ungekürzt Die drei Rivalen. Gr. Feerie aus der Hugenottenzeit. Außerdem das großartige Pro gramm. Die Amerikaner ??? Aerial Shaws??? Neu! Obergauner. Neu! Fushengst, geritten von H. Heß. Barbarentänze der elf Personen Ri- Tchaves. Dir. Alb. Schumann, neue Dreffur. irkus Sarrasani alter Botanischer Garten. An den drei Osterfeiertagen: große Sonntag, 27., u. Montag, 28. März. An belden Osterfeiertagen. Je 2 Gr. Gala- Vorstellungen 2 nachm. 3, Uhr u. abends 7, Uhr. Um 3, Uhr zahlen Kinder unter zehn Jahren auf allen Sitzplätzen halbe Preise.( Galerie volle Preise.) In sämtlichen Vorstellungen, nachm. 3, a. abends 7, Uhr: Die russ. Sensat.- Pantomime ,, Marja" ohne Kürzung In sämtlichen Vorstellungen: Die Hassans! In sämtilchen Vorstellungen: Schul-, Freiheits- u. Spring. Sämtl. Clowns mit pferde. neuen Witzen und Späßen. In den Abend- Vorstellungen: Therese Fillis, James Leon Fillis Jun., Helarich Fillis in ihren Produktionen d. hohen Schule. 5 Gala- Vorstellungen 5 Palast- Theater. mit einem rein zirzensischen Programm. Finale- Ringkämpfe unter dem Protektorate d. Hrn. Prof. Reinh. Begas. Sonntag nachm. 4 Uhr: Cazeaux de Bastleux gegen Reykowicz. Michalloff gegen Paradanoff. abends 8 Uhr: Strenge gegen Jakob Koch. Michalloff gegen van den Berg. Entscheidungskampf:* Cazeaux de Bastieux gegen Paradanoff. Montag nachm. 4 Uhr: Cazeaux de Bastieux gegen van den Berg. Revanchekampf: Strenge gegen Paradanoff, Abends: Michallofl gegen Jakob Kooh. Jakob Kooh hat sich mit der Disqualifikation Michailoffs nicht einverstanden erklärt, er verlangt nochmals mit Michailoff zu ringen, da er nur einen einwandfreien Sieg annehmen will. Es muß bis zur Entscheidung gerungen werd. Entscheidungskampf: Strenge geg. Cazeaux de Bastieux. Dienstagabend: 2 Entscheidungskämpfe: Koch gegen van den Berg. Michailoff gegen Cazeaux de Bastieux. Lustspielhaus. Ostersonntag nachm. 3 Uhr: Los vom Manne. Abends 8 Uhr zum erftenmal: Die goldene Freiheit. Hierauf: Das Verföhnungsfest. Trianon- Theater. Abends 8 Uhr: Burgstraße 24, am Bahnhof Börse. Ringkampf- Championat um die Weltmeisterschaft. Proteftor: Herr Brof. H. Hundriesor. Finale- Kämpfe. Sonntag, den 27. März: Entscheidungskampf: John Pohl- Abs Il gegen Bipps. Ferner ringen: Herrmann gegen Vervet, Pedersen Bahn Maffetti, Limourin. Montag, den 28. März: Entscheidungskampf: Bahn gegen Vervet. Ferner ringen: John Pohl- Abell gegen Herrmann Zipps gegen Veberfen. Beginn der Ringfämpfe: 9%, Thr. Borber: Die glänzenden Spezialitäten. Karl Haverland Anfang Theater. praz. 8 Uu. 77/79 Rommanbantenstraße 77/79. An allen drei Feiertagen: Gala- Spezialitäten- Vorstellung. Nach der Vorstellung: Ball, Voigt- Theater Gesundbrunnen, Badftr. 58. Sonntag, den 27. März cr.( 1. Dfter feiertag), nachmittags 3 Uhr: Die Geier- Wally. Abends 8 Uhr: Aus dem Volte. Montag, den 28. März or.( 2. Oftep feiertag), nachmittags 3 Uhr: Sherlock Holmes, Abends 8 Uhr: Ausgewiesen. Dienstag, den 29. März cr.: Verlorene Ehre. Schauspiel in 3 Atten v. Rohrmann Riegen. Kaffenöffnumg 7 Uhr. Anfang 8 Uhr. Boranzeige: Freitag, den 8. April: Gytra- Benefiz- Vorstellung f. Hmm. Knispel: Das letzte Wort. Schaufe. in 4 Att. v. Fr. v. Schönthan Theodore& Cie. WalhallaGastspiel- Theater. Sonntag und Montag nachm. 3 Uhr und abends 8 Uhr: Miss Dudelsack. Reichshallen- Theater. Stettiner Sänger ( Meysel, Britton, Schrader usw.) Anfang 1. u. 2. Feiertag 7 Uhr. 3. Feiertag 7% Uhr. afrets- Theater Weinbergsweg 19-20, Rosenth. Tor. Heute Sonntag und morgen Montag: je 2 Vorstellungen 2 nachmittags 3 Uhr jeder Be fucher ein Kind frei) und abends 8 Ubr. In beiden Vorstellungen: Der Willy- Walde Watt, Das lebende Elektrizitätswerk u. die fibrigen Spezialitäten. Tunnel: Die allergrößteKanone Ferner: Negimentskapelle. Theaterbefucher freien Eintritt. Theatertale ununterbroch. geöffn. W. Noacks Theater Stadt- Theater Moabit Srumenitr. 16, am Rosenthaler Tor Direktion: Franz Merker. Sonntag nachm. 3 Uhr: Der Widerspenstigen Zähmung. Sonntag abend 8 Uhr: 8. 1. Male: Wach und Schließgesellschaft. Schwant in 3 Aften. Montag vorm. 11 Uhr: Matinee. Alt- Moabit 47/18. Sonntag, den 27. März 1910 Gastspiel des Fel. Anna Bergé ( 1. Feiertag): vom Friedrich- Wilhelmst. Schauspiel haus und des Frl. Fricba Ward vom Rofe Theater: Montag nachm. 3 Uhr: Der fleine Maria Stuart. Lord. Abends 8 Uhr: Wachu. Schließgefellschaft. Dienstag nachm. 3 Uhr: Der Montag, ben 28. März 1910 ( 2. Feiertag): Widerspenstigen Zähmung. de Zwei vom Ballett. 811: Wach u. Schlickgesellschaft. Königstadt- Kasino. Holzmarktstraße 72. Säglich: Spezialitäten ersten Ranges mit Franz Sobanski. An den 3 Dfterfeiertagen: Große Fest- Vorstellung. 9 Uhr: Hoheits Liebesroman. Anfang 6 Uhr. Bollsstüd mit Gefang in 3 Atten von Stimbe u. Engels. Dienstag, don 29. März 1910 ( 3. Feiertag): Zum unwiderruflich letzten Male: Sherlock Holmes. Für den Inhalt der Inserate übernimmt die Rebattion bem Bublifum gegenüber feinerles Verantwortung. DAD Sozialdemokratischer Wahlverein des vierten Berliner Reichstags- Wahlkreises. Sonntag, den 27. März 1910 ( 1. Osterfeiertag): Zwei Matineen B im Konzerthaus Sanssouci Kottbuser Str. 6: Auftreten des Berliner Ulk- Trio. in Kellers Festsålen Koppenstraße 29: Auftreten der Gesellschaft Strzelewicz. Konzert. Eröffnung 11 Uhr. Anfang pünktlich 12 Uhr.- Billett 30 Pt. Wir bitten die Mitglieder und deren Angehörigen, sich rechtzeitig mit Billetts zu versehen, weil jaffene Kasse nicht stattfindet. 216/15 ΤΣ ΟΣ ΟΣ O Sozialdemokratischer Wahlverein des 6. Berliner Reichstags- Wahlkreises. Montag, den 28. März( zwelter Osterfelertag): Drei große Matineen Ballschmieders Etablissement Germania- Prachtsäle Stadttheater Moabit Badstraße 16 9 Chausseestraße 110 Alt- Moabit 47/49 Berliner Ulk- Trio. Paul Mantheys Lustige Sänger. Apollo Sänger. Schäfer und Luhndal( Jongleure). Mitwirkende: Mundharmonika Verein ,, Vorwärts"( Dirigent: Herr Alfred Göldner). Gesangverein ,, Schönhauser Vorstadt". Sängerchor Wedding". Männerchor Moabit". Eintritt 25 Pfennig. 99 Anfang pünktlich 12 Uhr. Montag, den 28. März( zweiter Osterfelertag: 13 Bunter Abend 00 00 unter Leitung von Margarete Walkotte in den Pharus- Sälen, Müllerstraße 142. Frl. Dams, Koloratursängerin. Willi Deckert, Cello. Margarete Walkotte. Leonhard Grosser, Komiker. Am Flügel: Herr B. Nitzsche. Eintritt 40 Pfennig. Mitwirkende: Anfang abends 6 Uhr. Nach der Vorstellung: TANZ. Herren, die daran teilnehmen, 226/6 ΟΣΟ ΩΣ ΟΣ ΩΣ zahlen 50 Pfennig nach. O ΩΣ Ο Das Komitee. ΟΣ OOO DJ Sozialdemokratischer Wahlverein für den 5. Berliner Reichstags- Wahlkreis. Sonntag, den 27. März ar.( 1. Olterfeiertag), im ,, Schweizer- Garten", am Königstor: 223/8 Großer Unterhaltungs- Abend bestehend in Sinfonie- Konzert( Dir.: Herr M. Fischer) meras Vorträge und Tanz unter gefälliger Mitwirkung des Berliner ,, Ulk- Trio". Eröffnung 6 Uhr. Anfang 7 Uhr. Eintrittspreis 30 Pt. Billetts bei den Bezirksführern und in den Parteispeditionen Hahnlech und Zucht. Hochinteressant ist an den Osterfeiertagen ein Besuch des neueröffneten WELT- CAFÉS Kerkau- Palast Behren- Strasse 48, an der Friedrich- Strasse Im Musiksaal nachm. u. abends Konzert von ersten Künstlern Eigene Konditorei- Separate Damen- Salons 60 Billards Parkettkegelbahnen Spielzimmer Kottbuser Sanssouci, Straße 6. Direktion Wilhelm Reimer. Fest- Programm der drei Osterfeiertage: Sonntag und Montag: Hoffmanns Hordd. Sänger • Verband der Hansangestellten. Schultheiss- Bier verdankt sein Renommee seiner hervorragenden Qualität und Bekömmlichkeit. Blüthner- Saal Ostersonntag( 1. Feler) abends, tag Ostermontag Feier ( 2 tag7% Uhr: Konzert d. Blüthner- Orch. Dir.: F. Nelsser. SoL: Fischer, Szanto- Alschausky, Ohlhoff, Mulder. Karten bei Bote& Bock, WertMoabiter Gesellschaftshaus Wiclefstr. 24. 2. Osterfeiertag: Großer BALL 8. Osterfeiertag: helm etc. Orchester- Bureau Latzow- Cabaret- Abend, straße 76, Tages- und Abendkasse. Volks- Theater. Bixdorf, Germannstraße 20. Sonntag, den 27. März: Das Ende vom Lied, Romöble aus dem Dffigtersleben von Otto Loth Montag, den 28. März: Wach- und Schließgesellschaft, Schwank in dret Alten von Richard Manz Dienstag, den 29. März: Alt- Heldelberg, Schauspiel in fünf Aften von Wilhelm Meyer Förster. Anfang 8 Uhr. veranstaltet v. d. Elchlerschen Sängergesellschaft Nach der Vorstellung: Tanzkränzchen. Elysium Landsberger Allee 40/41 Am 2. und 8. Feiertag im Mielen- Parkettiaal: Gr. BALL. Anfang 4 Uhr. Entree fret. Avis: Saal n. Garten m. 8Bühne ift an Sonnabenben im Mal bis September mit Sängergesellschaft an Vereine gratis zu vergeben. Gewerkschaften, Vereine, Fabriken! Für Sommerfette and Sommernachtsbälle ist großer Naturgarten mit Bühne und großem Saal zu kulanten Bedingungen zu vergeben. Tonbild- Theater Reform Kino Reinickendorfer Str. 26-27. Heute vollständig neues Programm! Jedes Bild ein Schlager. Vorstellung von 5-11 Uhr. Entr. Erwachs. 30 Bf.) " ohne Kinder 10, Nachzahl. Burgtheater- Kinematograph Ecke Weddingstraße. borm. Groterjan, Inhab.: Rud, Merz, Schönhauser Allee 129. Tel. 3, 9353. Billige Die lehende Photographie. Preise Bornehme Fest- Säle neugebaute für Hochzeiten und andere Festlichkeiten mit Empfangszimmer. Bitte meine Räume zu besichtigen. Meni borschläge in feber Preislage z. Verfüg. Markgrafen- Säle 34. Markgrafen- Damm 84. An der Stralauer Allee. B. Neumann, Treptow, Parkstraße 2, Seben Sonntag: Großer Ball. " Treptower Lustgarten". Sonntag, 27. März( 1. Ofterfeiertag), in den Industrie- Feftfälen, Achtung, Müggelschlößchen, Friedrichshagen. Anfang 6 Uhr. Beuthstr. 20, I( großer Saal): Frühlings- Fest. Hochintereffanter Lichtbilder- Vortrag( Wilhelm Busch: ,, Julchen"). Fest- Spielplan. Anfang des Vortrages 8 Uhr. Aktuelle Einakt., EnsembleDie Arbeiterschaft erfuchen toir, alle thr bekannten Hausangestellten auf Scenen, ernste und heltere Vorträge, a cappella- Ge- diefe Beranstaltung aufmerksam zu machen und auch selbst baran teil sunetmen. sänge usw. Dienstag( 3. Feiertag): Zum ersten Male in Berlin Gastspiel der 1. Leipziger DamenSänger- Gesellschaft. Großartiges Programm!) Am 1. u. 2. Feiertag Anf. b. Stonzerts. 5 Ubr, der Borft. 7 Uhr. Am 3. Feiertag Anf. 8 Ubr.- Am 2. n. 3. Felertag: Ofter- Zanstränschen. Artushof Perleberger Straße 26. Montag, 2. Osterfeiertag: Paul& Springers Kabarett- and Possen- Gesellschaft. Anf. Konz. 5 Uhr., Vorst. 7 Uhr. Tanz Berliner Prater Theater Raftanienallee 7-0. 00000 Wo verleben wir die Feiertage? 000000 3n ben Prachtsälen des Ostens. Gr. Familien- Soiree Frankfurter Allee 151/52, 3ng. 0. Cranz. Frankfurter Allee 151152. Am 1 Osterfeiertag: Am 2. and a. Dfterfeiertag: Im weißen Saale: Tanz- Reunion bei start befeptem Drchefter. Anfang 4 Uhr. Deranstaltet bom Klub der Barmlofen u. Männerquartett Harmonia. Am 2. Osterfelertag: Um Restaurant an allen dret Feiertagen: Gr. Konzert, Theater Großes Künstler- Frei- Konzert w.Spezialität.- Vorstllg. Anf. 6. Kona. 5. b. Borft. 61, U. berbund. m. humorist. Vorträgen Rach d. Borst.: Zauzkränzchen. Anfang 4 Uhr. Borzügliche Küche. Andschank von Bahenhofer hell, edst iliener und Münchener Bürgerbrän. 28414 prachtvoll Am 1. and 2. Felertag: creinen, Geſellſchaften usw. Rüdersdorfer Kalkbergen gelegenes Große Soiree der Apollo- Sänger. Anfang 7 Uhr. Nach der Vorstellung: Tanzkränzchen, Am 3. Felertag: Großer Elite Ball. Anfang 7 Uhr. empfehle mein in den fil Umi Saltberge Gesellschaftshaus„, Glück auf" prerjer 84 Caefar 1000 Berfonen, Garten für 1000 Personen, swet Regel bahnen, Spielplak, Sofferküche, Dompferstation C. Koppen, en Freunden und Belamten ble ergebene n geige, daß ich Ende diefes Monats das Lotal Müggelschlößchen nath bolständiger Renovierung eröffnen toerde Es wird mein Bestreben fein, fofern es in meinen Sträften steht, allen Gesellschaften, Bereinen und Gewerkschaften auf das weitgehendste entgegen. gutommen, um allen Wünschen Rechnung zu tragen. Anerkannt vorzügliche Küche. Auch find Sommerwohnungen an vermieten. Ergebenft Anton Glesholt. Fernfpr.: Amt Köpenid 82. Made befonders darauf aufmerksam, baß mein Lokal nicht gesperrt ist, tole irrtümlich in der Lokalliste steht. Königsbank Im Restaurant täglich musikalische Unterhaltung. Vorzügliche Küche, ff. Biere u. Weine, Billard u. Kegelbahn. Alhambra Walner- Theaterstraße 15. Jeden Sonntag: Großer Ball Großes Orchester. Anfang Sonntags A. Zameitat. 5 Uhr. Süßmilch's Konzert- Hallen Bornholmer Straße 7. Spezialitäten Vorstellung. Entree frei. Anfang 5 Uhr. Mittellung. Allen Freunden und Bekannten teile ergebenft mit, daß ich von Fischerhütte, Seestraße, nach Kirchstr. 5a berzogen bin. Sch hoffe, daß sie mich such hier beehren. Hochachtungsvoll Karl Zachow, früh. 6.Fischerhüttenwirt. ,, Pharus- Säle" 99 117 Gr. Frankfurter Str. 117 Beiger: Max Ludwig, Mullerstr. 142. elegant renovierte Festfäle mit Bühne( elektrisches Licht). Für Getverkschaften, Bereine, welche 600 Personen stellen, habe ich Sonnabende zu jeder Jahreszeit fret. Während der Sommermontate Juni, Juli, Auguft gebe meinen großen Garten( 800 Perfonen fassend) mit erlager Herzengejenfchaft gratis 1. Weihnachtsfeiertag noch frei. Um werte Bestellung bittet Cart Breuer, Amt 7, 8142. Sänger- Morgensprache". Labe alle Gejangvereine, Freunde und Bekannte zu der am 2. Ofters feiertag, vormittags 10 Uhr; statt. findenden Sänger Morgensprache" 13716 herzlich dazu ein Ergebenft Max Ludwig. Berliner Volks- Chor Dirigent: Dr. E. Zander. Montag, den 11. April er. abends 8, Uhr, im Konzertsaal Friedrichshain am Friedrichshain 16-23 Dienstag, den 12. April er. in der Neuen Welt, Hasenheide 108-114 Szenen aus Richard Wagner: ,, Die Meistersinger von Nürnberg" Zur Boykotterklärung des Arbeiter- Sängerbundes niers gegen baitomobielso? den Berliner Volks- Chor. zob I. zum Arbeiter- Sängerbund wirbe zurzeit aller Wahrscheinlichkeit nach Der Bolfschor ift fein bürgerlicher Verein wie der Arbeiter den Verlust dieser Mitglieder bedeuten und damit das ganze Ergebnis Sängerbund behauptet, denn der mühsamen musikalischen Erziehung des Chores in den legten 1. feine zirka 300 Mitglieder refrutieren sich heute ausschließlich fünf Jahren binfällig machen. Wenn der Vorstand des Bundes dem aus den arbeitenden Schichten Groß- Berlins, die Mehrzahl der Chor eine Ausnahmebehandlung zusicherte, so ist das unmaßgeblich. männlichen Mitglieder ist organisiert. Der jezige Vorstand fann sich schnell ändern, lediglich das Statut 2. Aus feinen ersten Jahren gehören ihm zwar noch einige entscheidet. bürgerliche Herren als außerordentliche Mitglieder an. Jede Vers 3. Der Chor steht in Gefahr, die Aula des Sophien- Real mehrung diefer Bahl ist aber durch Statut von 1908 ausgeschloffen. Gymnasiums als Uebungsfaal zu verlieren, wenn er dem Bund bei 3. Die Verfaffung des Chors ist durchaus demokratisch. Alle tritt. Wir verweisen auf die Erfahrungen, die die Arbeiter- Turn Funktionäre werden jährlich neu gewählt. vereine gemacht haben. Der Verlust der Aula bedeutet aber entweder einen starten 3wang der Mitglieder zum Alfobolgemuß an den llebungsabenden oder eine Mehrausgabe des Chors von mindestens 1000 m. jährlich. Diese fönte nur durch Erhöhung der Konzertpreise, also durch Abwälzung auf die Schultern der Arbeiter wieder eingebracht werden. Das aber wollen wir nicht. 4. Der Chor will ausschließlich für die organisierte Arbeiterschaft Berlins wirken. Er zeigt seine Stonzerte in feinem bürgerlichen Blatt 66 an. Er vertreibt seine Billetts nur durch seine Mitglieder in Wertstätten, Gewerkschaften, Konfumbereinen und solchen Läden, in denen Er fonzertiert nur in boykottfreien Soli: Frau Hedwig Marek, Frl. Cäcilie Simson, Herr königl. Hof- nur Arbeiterpublikum verkehrt. 4. Der Chor verliert, wenn er dem Bund beitritt, gerade die opernsänger Rud. Jäger( Leipzig). Herr Dr. Alfr. Guttmann, Sälen. Seine Konzertpreise sind absichtlich so bemessen, daß die beften feiner mitwirkenden Solisten. Sein Bestreben ist, in seinen Herr königl. Hofopernsänger Friedr. Plaschke( Dresden) Arbeiterschaft sie bezahlen tann. Das verstärkte Blüthner- Orchester 5. Der Chor erhielt niemals Unterstützung aus irgend welchen Stonzerten der Arbeiterflaffe die ersten fünstlerischen Kräfte vor Orgel: Walter Fischer bürgerlichen Stiftungen, auch nicht fein Dirigent. Ade entgegenzuführen. Die aber find alle in offiziellen Stellungen an Hoftheatern und Hochschulen, steten also im Dienste der herrschenden gefegten Behauptungen find Univahrheiten. Kassenöffnung 7%, Uhr. Der Berliner Volks- Chor. Abendkasse 1 Mk. Programmbuch mit Wagners Bild, Text und Erläuterungen 10 Pf. Am Sonntag, den 10. April, abends 7 Uhr, findet im großen Saal des Gewerkschaftshauses, Engelufer 15, ein Einführungs- Abend statt. Vortrag: Herr Prof. Dr. Sternfeld. Soll: Frl. Arndt, Wäschke u. a. Der Berliner Volks- Chor". Reul, Barnimstr. 42, Konsum- Genossenschaft, Markusstr. 37, Zorndorfer 6. Der Chor erhielt aber auch nie finanzielle Unterstügung von Klassen, und sind gezwungen, auf deren Machtwillen Rüdsiat zu Arbeiterorganisationen. Die Arbeiterschaft unterstügte ihn bisher nur nehmen. Sie dürfen fast alle nicht mehr im Bolfschor mitwirken, durch Besuch seiner Konzerte. Dieser Besuch, den er sich durch seine wenn diefer Bundesmitglied wird. Ein Beweis aus jüngster Beit Leistungen errang, reichte bisher gerade aus, um die Kosten seiner ist, daß die Königlichen Kammermufiter und Kammervirtuosen, die zu dem 19. Stiftungsfest der Arbeiterbildungsschule mitwirken sollten, Konzerte zu decken. 7. Umgekehrt hat der Chor schon mehrfach bei Beranstaltungen bazu feinen Urlaub erhielten. Beim Chor wirften bisher von solchen der organisierten Arbeiterschaft mitgewirkt und nur bei diesen. So ersten Sträften mit Emilie Herzog, Baul Knüpfer, R. Jäger, zweimal im Verein der Frauen und Mädchen, dem Arbeiter- F. Plaschke, Joachim, Halir, pausmann. Klingler u. a. Ferner fagten ihre Mitwirkung au: Abstinentenbund, auf dem Krantenfaffentongreß und beim Rigdorfer Bildungausschuß. 8. Als der Zentralvorstand der sozialdemokratischen Wahlvereine Berlins den Chor zur Veranstaltung eines Begrüßungskonzerts des legten Preußentages aufforderte, nahm dieser die Aufforderung fofort einftimmig und mit Freuden an. Tut das ein bürgerlicher Verein? Die Professoren Henri Marteau und Robert Kahn( Hochschule), die Königlichen Kammerfänger Scheidemantel und Dr. von Bary ( Dresden). Will die Arbeiterschaft Berlins auf die Darbietungen folcher Kräfte verzichten? 5. Aus gleichen Gründen hat sich auch die Dresdener BoltsSingakademie, eine Schwefterorganisation des Berliner Bollschors mit 1700 Mitgliedern, dem Bund nicht angeschlossen. III. எம் Anderweitige Gesichtspunkte. Jano? 1. Der Chor spricht dem Bund überhaupt das Recht ab, Boylotte stanzen der Arbeiterklaffe zu. zu verhängen. Das steht ausschließlich den ordnungsmäßigen InFrl. Simson, Herr Dr. Alfr. Guttmann, Herr Lederer- Prina, Herr Eintritt 25 Pf. Der Besuch dieses Abends wird den Konzertbesuchern dringend empfohlen." Einlaßkarten im Vorverkauf à 75 Pf. inkl. Garderobe bei: N.: Brehmer, Weißenburger Str. 9, Roloff, Wörther Str. 31, Rietz, Kopenhagener Str. 2, Swinemünder Str. 86, Vogel, Lortzingstr. 37, Thomas, Gartenstr. 71, Tietz, Invalidenstr. 124, Fischer, Veteranenstr. 6, Beyer, Veteranenstr. 11, Clasen, Gipsstr. 27, Sommerfeld& Co., Rosenthaler Straße 51, Seiffert, Gr. Hamburgerstr. 18/19, Kriedemann, Stargarder Straße 74, Konsum- Genossenschaft, Torfstr. 28 a, Antwerpener Str. 4, II. Willdenowstr. 30, Maxstr. 13a, Prinzen- Allee 85, Swinemünder Str. 44, Der Vollschor fann gleichwohl zurzeit dem Arbeiter- Sängerbund Hussitenstr. 53, Gartenstr. 3, Greifenhagener Str. 84, Schivelbeiner Straße 9. 0. Vogel, Koppenstr, 82, Liebecke, Romintener Str. 18, nicht als Mitglied beitreten, wie es dieser verlangt, denn Rietz, Kopernikusstr. 11, Petersburger Str. 5, Thaerstr. 18, Dähn, 1. der Chor hat völlig andere Ziele als der Bund. Der Voltsstraße 19, Schrolle, Landwehrstr. 8, Teichert, Am Friedrichshain 34, die werte der großen conniffer bedeit und fördern, folie Binige Petersburger Str. 34, Wedemeyer, Weidenweg 80, Niemeyer, Weber- chor will бei feinen Mitgliedern das Interesse für Verständnis für 2. Der Organisationszwang, der auf politischem und gewerk Straße 61, Liebigstr. 7, Kopernikusstr. 33, Bötzowstr. 34, Wins- fünstlerische Konzerte für die Kreise des arbeitenden Volkes verstraße 63, Kochhannstr. 14, Büschingstr. 12. S.: Ihm, Wrangel- anstalten. Der Bund dagegen pflegt vorwiegend den Gesang von schaftlichem Gebiet nötig und selbstverständlich ist, ist auf fünftstraße 58, Heinrich, Wrangelstr. 107, Neidhardt, Görlitzer Str. 58, Freiheits-, Bolts- und Arbeiterliedern. Damit foll nicht abfällig lerischem Gebiet unmöglich. Bird er versucht, so wird die Arbeiter Böttger, Skalitzer Str. 107, Zossener St. 30, Stangenberg, Köpenicker über die Arbeit des letzteren geurteilt werden. Beides ist nötig, beides flaffe zum Berzicht gerade auf höchsten Kunstgenuß und Kunstbetäti Straße 20a, Horsch, Engelufer 15, Fischer, Manteuffelstr. 110, Francke, aber auch völlig verschieden. gung verurteilt. Mariannenstr. 26b, Menzel, Muskauer Str. 1, Schulz, Admiralstr. 40a, 2. Das Statut des Bundes stellt Forderungen, die der Chor nicht 8. Verfolgte der Bund nicht bloß organisatorische, sondern auch Zindel, Reichenberger Str. 40/41, Teichert, Reichenberger Str. 98, erfüllen fann. Er verpflichtet seine Vereine geradezu zu gemeinsamen fünstlerische Ziele, so muß er vorstehende Gründe des Chors gelten Zehrend, Hasenheide 9, Kuhring, Jahnstr. 1, Bielefeld, Gräfestr. 35, lebungen und Vorführungen solcher Lieder, die zu pflegen der Chor laffen. Gressel, Grimmstr. 30, Meyer, Schleiermacherstr. 8, Röhl, Bergmann4. Der Boltschor in seinem jezigen Wirken ist eine fulturelle straße 10, Weiß, Großbeerenstr. 68, Schulz, Blücherstr 30, Schwedhelm, nicht einmal die Beit hat. Derselbe braucht seine ganze Zeit um Planufer 1, Rühle, Moritzplatz, Brinkmeyer, Alexandrinenstr. 25, Bobslen, die Chorwerke, die er aufführt, so zu studieren, daß die Vorführungen Notwendigkeit für die Berliner Arbeiterschaft, die darauf ftola fein Kommandantenstr. 62, Priegent, Belle- Alliancestr. 75, Konsum- Genossen- ernsten fünstlerischen Ansprüchen genügen. Das Statut des Arbeiter- follte, daß es wenigstens einem Arbeitergefangberein möglich und schaft, Arndtstr. 5, Zimmerstr. 22, Gräfestr 65a, Alte Jakobstr. 57/59, Sängerbundes fordert ferner, daß alle Mitglieder der ihm an- vergönnt ist, in würdiger Weise die großen Werke unserer Meister Weisestr. 52, Emser Str. 83, Wildenbruchstr. 61/62, Friedelstr. 15, gefchloffenen Vereine politisch oder gewerkschaftlich organisiert sein zur Aufführung zu bringen. Böhmische Str. 47, Forster Str. 20, Michaelkirchplatz 4, Heinrich, müssen. Bei Männer- oder sehr fleinen gemischten Chören ist das In seiner Wahlrechtsrebe im Abgeordnetenhaus hat Ströbel Münchener Str. 19, Liebe, Hermannstr. 68, Weber, Hermannstr. 100, möglich. Der Chor, dessen Hälfte weibliche Mitglieber bilden, hat gegen die Junker mit Stolz und Nachdruck auf die künstlerischen Larisch, Hermannstr. 223, Schnötke, Richardstr. 115, Friedrich, Hermannstr. 177. C.: Weihnacht, Grünstr. 21, Ramm, Stralauer Str 3-6, unter legteren noch eine größere Anzahl, die nicht organisiert und Bestrebungen der Arbeiterklase hingewiesen. Für Berlin aber werden Zander, Friedrichstr. 223. NW.: Rietz, Fehmarnstr. 8, Koch, Luisen- aurzeit auch nicht organisierbar sind. Die Schwierigkeiten, Arbeite- diese anerkanntermaßen zu einem guten Zeil gerade durch den Boltsstraße 30, Voigt, Charitéstr. 3, Konsumgenossenschaft: Erasmusstr. 5, rinnen zu organisieren, die jedem Genossen bekannt sind, bestehen erst chor präsentiert. Rostocker Str. 35, Emdener Str. 50, Stendaler Str. 5. 284/5 recht in solchen fünstlerischen Bereinigungen. Ein sofortiger Beitritt Direktion der Disconto- Gesellschaft in Berlin. Aktiva. Bilanz am 31. Dezember 1909. Kaffe, fremde Geldforten und Coupons Wechsel und furzfristige Schabanweisungen des Reiches und der Bundesstaaten. Guthaben bei Banten und Banfiers Reports und Lombards Borschüsse auf Waren und warenber fchiffungen Eigene Wertpapiere Stonfortial- Beteiligungen Beteiligung bei der Norddeutschen Bant in Hamburg Dauernde Beteiligungen bei anderen Bankinstituten und Bankfirmen. Debitoren Banken und Bankiers, M. 41 388 560 45 197 751 346 74 42 088 178 39 109 801 823 20 Sorten, Coupons u. zur Rückzahlung gekünd. Effekten. am 31. Dezember 1909. M Der Vorstand. Bilanz der Deutschen Bank, Berlin Aktiva. Passiva. M. Kasse M. 84 265 298.84 Aktienkapital.... Reserven: 200 000 000 Ordentl. Reserve A. M. 66 388 081.30 . 34 807 258.88 119 072 557 72 B. 30 294 319.34 M. pf • • 53 7016 652.28 ˚. 170 000 000 Guthaben bei Banken 103 699 002 92 " 38 092 611 89 und Bankiers. 54 609.619.40 489 318 092 77 • 9 . 19 500 000, Wechsel 528 710 882.99 790 384 045 6L " • Deutsche Schatzanweis. 37 398 202.19 15 185 009 70 249 802 259 66 schüsse. 279 001 957.29 899 720 1617 35 800 139 84 89 690 28 469 854 44 660 00 6493 255 4160 810 66 72 167 552 1 . 400 000 M. 450 8 6 571.07 76 282 415.08 32 271 617 48 527 178 986 45 Passiva. Eingezahlte Kommandit- Antelle Allgemeine( gefeßliche) Reserve Befondere Reserve Hierzu Ueberweisung aus der Gewinne u. Berluft- Rechnung von 1909. 81 809 487 70 27 615 822 15 38 167 034 46 Kreditoren 50 000 000 Depositengelder Alzepte und Scheds Außerdem Anal- Berpflichtungen Report u. Lombard VorEigene Effekten laut Jahresbericht Eigene Beteiligungen an KonsortialGeschäften Kommanditen Dauernde Beteiligungen bei fremden Unternehmungen Debitoren in laulender Rechnung, gedeckte. ungedeckte. 2 500 00022 000 000 285 037 391 48 224 912 550 28 193 206 946 16 R. 39 374 888,48 4380 291 47 2. 150 000,-98Vorschüsse auf Waren 7 016,70 9.157 016,70 89 905 546 75 David Hansemannsche Pensionskasse. Vorbehaltene Zuweisung an die David Hansemannsche Pen gebedt 97. 77 179 775,90 E ungedeckt 84.052 012,72 Sonstige Debitoren, gedeckt 152 996 156,62 B ungedect 54 482 438,49 818 710 383 73 Außerdem Aval- Debitoren 9. 89 374 838,43 Effetten- Depot der Pensionstaffe, bes Unterstügungsfonds und der besonderen Stiftungsfonds • Effekten- Depot der vorbehaltenen Buweisung an die Pensionskasse Mobilien Bantgebäude in Berlin M. 7 992 257,02 Bantgebäude in London Bankgebäude in Bremen Bankgebäude in Frank furt a. M. Bankgebäude in Mains 1 110 907,70 fionstaffe Buzüglich Binsen • Hierzu Ueberweisung aus der Gewinne und Berluft- Rechnung bon 1909. 4 897 807 40 Unterstüßungsfonds 152 625 und Waren177 265 475 87 ausserdem Bürgschaft- Debitoren: 99 879 487.15 verschiffungen ( davon am Bilanztage durch Waren, Verschiffungs Dokumente u. 6. w. effektiv gedeckt M. 116 468 838.21) Anlagen des Dr. Georg von Siemens'schen Pension- und Unterstützungs- Fonds. Bankgebäude Mobilien Debet. 6 107 250 25 306 400 406 • . Kontokorrent Reserve Depositengelder. Kreditoren in laufender Rechnung Noch nicht vorgekommene Schecks Akzepte im Umlauf ausserdem Bürgschaften: M. 99 879 487.15 Dividende, unerhoben Dr. Georg von Siemens'scher Pensionund Unterst@ tzung- Fonds Uebergangpesten der Zentrale und der Fillalen untereinander Bückstellung filr Talopsteuer Gewinn- und Verlust- Konto. 11819 1891 748 783 80 Mark 1891 748 783 N Gewinn- und Verlust- Konto. on Kredit. 300 000, Adolph von Hansemann- Stiftung. und besondere Stiftungsfonds für die Angestellten der Gesellschaft 457 016 70 504 785 10 826 584 20 M pf 5 446 665 41 An Handlungs- Unkosten- Konto( worunter M. 3 175 315.77 für Steuern und Abgaben) Per Saldo aus 1909. 39 Rückstellung für Talonsteuer 24 228 203 78 400 000-> 18 36025 Abschreibungen auf Bankgebäude 93 Abschreibungen auf Mobilien 674 88413 Saldo, zur Verteilung verbleibender Ueberschuss. うう 32 271 617 48 20 256 622 74 Spartaffen- Stonto für die Angestellten 1794 099,26 3 000 000, 600 099,46 14 478 363 44 16302 966 542 052115 der Gesellschaft Noch nicht abgehobene Dividenden der früheren Jahre Abschreibungen auf neu erworbene Immo bilien und Reserve für Neubauten Hierzu Ueberweisung Gewinn aus der und Berluft- Rechnung bon 1909 20. 1 000 000, n 1 000 000, Talonsteuer, fällig 1916, erste Rate 91, Broz. Dividende auf M. 170 000 000 Kommandit- Anteile • Tantieme des Aufsichtsrats Gewinn- Beteiligung der Geschäftsinhaber Uebertrag auf neue Rechnung. Gewinns und Verlust- Rechnung 1909. 2 000 00016 150 000 492 105 24 1968 420 96 1 855 516 61 . 966 542 052/15 59 392 972174 59 22 22 M. 7 888 801.73 M. pt 1150 541 52 58 156 431 22 59 306 972 74 242 857 15 1732 267 48 Gewinn auf Wechsel- und ZinsenKonto M. 25 819 856.86 » Gewinn auf Sorten, Coupons und zur Rückzahlung gekündigte Effekten. M. 409 750.60 Gewinn af Effekten M. 3092767.31 Gewinn auf Konsortial- Geschäfte Gewinn af Provisions- Konto M. 15 154 715.82 Gewinn als dauernden Beteiligungen bei tremen Unternehmungen und Kommanditen ... M. 6840 539.40 Den geehrten Bereinen, Gewerkschaften Fabriken usw. empfehle ich aur Obstbaum- u. Hochwaldbevorstehenden Saison für Dampferpartien usw. mein in eigene Razie pieder übernommenes Wirtshaus Schloß Woltersdorf ebenso meine Dampfer, bis 316 Personen faffend. Hochachtungsvoll Soll. M. pf Haben. M. pf Amt Eriner Nr. 49. Berwaltungsfoften einschl. Zatieme ber Angestellten 9 052 706 65 Steuern. 1 523 319 25 Saldo- Bortrag aus 1908. Effekten Sturswechsel. 1 383 737 46 7 624 577 39 Coupons Berfallene Dividende Provision Salonsteuer, fällig 1916, erste Rate Bu verteilender Reingewinn U 242 857 15 23 766 042 81 34 584 925/86 Distont und Binfen Beteiligung bei der Norddeutschen Bant in Hamburg Dauernde Beteiligungen bei anderen Bantinstituten und Bankfirmen. 708 555 64 145 635 68 816 7 241 946 54 9887 679 89 4 750 0002 841 977 26 34 584 925186 Verleih- Institut: Englischer Garten Friedrichst.115/ 1, a.Drabg. Lor. Eleg. Frad, Gehrod Alexanderstr. 27 c. Amt VII, 10628. Säle mit Bühne: Sonnabends, Beruner K- T10-11,50,0le1,00, Bejte 500 Sonntags im April, al freil 13886 Felix Scheuer Stralsunderstr.1 Berantwortlicher Redakteur Richard Barth, Berlin. Für den Parzellen, direkt an der Chaussee und Bahnhof gelegen, 13376 Nassenheide( Nordbahn) Friedrich Saewerton 300 Mark an inkl. Banu, SW. 48, Wilhelmftr. 116. VI 2418. Heinrich Franck Tel.: Amt III 4352. Brunnenstraße 185. 8-7 Uhr geöffnet 1908er Bühlerthaler Umblatt leicht, sehr blattig, 130 Pfg. feinste Ortschaft flotter Brand, vorst. vorzgl. Gechmaok Zusendung in Berlin kostenfrei und schnellstens. Besichtigen Sie mein großes Lager! D4 Sorgfältige und schnelle Redienung. Bin täglich zu den Rügen ab Stettiner Bahnhof 10.44 und 12.40 dort zu treffen. Fahrzeit/ Stunden. Befizer G. Wolf, Dranienburg, Berliner Str. 52a. W. Hermann Müller, Berlin, Magazinstr. 14. Geschnittene Jaba- Einlage a Bfd. M. 1.15 berzollt., fertig zum Verarbeiten. Gejchnittene Brafil- Einlage a b. M. 1.20 verzollt, gute Qualität, Inseratenteil verantw.: Th. Glode, Berlin. Drud u. Verlag: Vorwärts Buchdruderei u. Berlagsanftals Baul Singer& Co., Berlin SW Sl. 72. 27. Jahrgang. 3. DeilU»es.Fmiirls" Kerlim KIKsdlR Zoliiltag, 27. Uiir; lW. Achte Gkueralvtrsmmlllng des Nerbandes der Steia- setzet, Nftostcrer nnd Kervssgeusssev Zeutschllluds. Der Verband der Steinsetzer tritt am 23. März in Köln zu seinem achten Verbandstage zusammen. Sein letzter Verbandstag fand vor drei Jahren stalt. Wie ans dem Geschäftsbericht des Vorstandes hervorgeht, hatte auch der Steinsetzcrverband stark mit den Wirkungen der Krise zu kämpfen, die im Steinsetzerberus das ganze verflossene Jahr durch noch ungeschwächt andauerte. Die Krise wirkte nicht nur auf die Steigerung der Mitgliederzahl ungünstig ein, auch aus Art und Gang der Lohnbewegungen. Im vorigen Jahre mußte nahezu der dritte Teil aller Lohnbewegungen geiübrt werden, um die Angriffe der Unternehmer ab- zuwehren. Dabei hat der Verband die Erfahrung gemacht, einerseits, daß die der Arbeiterschaft aufgedrungenen Abwehr- kämpfe weit heftiger und intensiver waren als die Kämpfe die der Initiative der Arbeiter entsprangen, andererseits, daß die Unternehmer nicht davor zurückschreckten, bestehende Tarife zu brechen. Demgegenüber hebt der Vorstand hervor, daß die Unternehmer unter den von den Arbeitern inszenierten Kämpfen nicht einen einzigen nachweisen können, der unter Bruch eines Äer» träges eingeleilet worden wäre. Für die Schlagfertigkeit des Verbandes ist eS ein erfreuliches Zeichen, dast selbst der weitaus größte Teil der Abwehrkämpfe mit einem vollen Erfolg durchgeführt werden konnte. Die M i t g l i e d e r z a h l des Verbandes, die am Schlufle des JahreS 1903 9577 betrug, war bis Ende 1997 auf 10 253 in die Höhe gegangen; von da ab sank sie bis zum ersten Quartal 1909 auf 9775 herab. Doch ist der Rückgang wieder überwunden; am Schlüsse des Jahres 1909 war die Zahl wieder auf 10213 an- gewachsen. Der Verband hat also seit der letzten General- Versammlung trotz der wirtschaftlichen Krise 339 Mitglieder zu- genommen. Die Zahl seiner Filialen stieg von 240 auf 273. Dabei mutz in Betracht gezogen werden, datz das RekrutierungSgebiet des Verbandes ziemlich abgegrast ist. Der Verband führte in den drei Jahren 342 Lohnbewegungen; darunter 48 Angriffsstreiks mit 1299 Beteiligte� 41 Abwehrstreiks„1112, 13 Aussperrungen„ 1188, Viel zahlreicher waren die Lohnbewegungen ohne Arbeits- e i n st e l l u n g. Zum Zweck der Verbesserung der Arbeits- Verhältnisse fanden 221 mit 13 990 Beteiligten statt, zur Abwehr 19 mit 1727 Beteiligten. ES verliefen 51 Bewegungen ohne Erfolg. 39 mit einem teilweisen und 249 mit einem vollen Erfolg. DaS Resultat der erfolgreichen Bewegungen war für 13 083 Arbeiter eine Lohn- erhöhung von pro Woche 45 208 M.. und für 4475 Arbeiter eine Verkürzung der Arbeitszeit von 17 488 Stunden pro Woche. Für 877 Arbeiter wurde eine wöchentliche Lohnherabsetzung von 2484 M.. und für 279 Arbeiter eine wöchentliche Verlängerung der Arbeitszeit von 978 Stunden abgewehrt. Die Kosten sämtlicher Bewegungen betrugen 207 284 M. Für sonstige Unterstützungszwecke wurden verausgabt: an Gematzregeltenunlrrstützung... 4 307 M. .„ Reiseunterstützung...... 7112, . Notfallunlerstützung,..•. 8 038, „ Rechtsschutz........ 8120, , Krankenunterstützung..... 53 791, „ Sterbeunterstü tzung..... 33 075, Während der Verband für die Durchführung des Leipziger Parteitagsbeschlusses betreffend den Schnapsboykott durch eine nachhaltige Aufllärungsarbeit mit Erfolg bei den Mit' gliedern wirkte, hat er in einem Schreiben an die Arbeitgeber. verbände für das Steinsetzer-, Pflasterer« und Stratzenbaugewerbe das Ersuchen gerichtet, sie möchten durch die Einhaltung der bchörd- luven Schutzvorschriften den Kamps gegen den Alkoholgenuh unter- stützen. Vor allem möchten sie durch die Errichtung heizbarer Baubuden dem Notstand entgegenwirken, datz die Arbeiter die Gastwirtschaften aufsuchen muffen, um ihre Mahlzeiten einzunehmen oder ihre Kleider zu trocknen. Von den angegangenen Arbeitgeberverbänden hat nur einer, der Pommeriche Arbcitgeberverband, auf das Schreiben geantwortet; dieser in zustimmendem Sinne. Futlster Zlerbaudstag der Fleischer nnd Kernfsgevsssen. Hannover, 23. März. Vom 27. bis 31. März hält der Zentralverband der Fleischer hier seinen fünften Verbandstag ab. Die Tagesordnung ist sehr reichhaltig. Die zahlreich vorliegenden Anträge zeigen, welch großes Interesse die Mitglieder dem Verbandstage entgegenbrrngen. Vor allen Dingen werden sich die Delegierten mit zahlreichen An- trägen auf Erweiterung der Unter st ützungsernrich- t u n g e n zu beschäftigen haben und erneut zur L e r s ch m e l- zungsfrage Stellung nehmen müssen. Ein« große Zahl von Antragen ppilangt öfteres Erscheinen des Verbandsorgans, An- stellung von Gauleitern. Erhöhung der Beiträge, ander- weitige Regelung der Bestimmungen bei Lohnbewegungen und andere einschneidende Aenderungen mehr, so datz es wohl zu leb- haften Debatten kommen wird., AuS dem gedruckt vorliegenden Geschäftsbericht ist zu ersehen, daß die verfloffene Geschäftsperiode— sie erstreckt stch auf die Zeit vom 1. August 1907 bis 31. Januar 1910— erne frucht- bringende war und der Verband recht große Ursache hat, mit seinen Erfolgen zufrieden zu sein. Das beweisen die Tarifabschlüsse, die zum Teil recht beträchtlichen Lohnerhöhungen, die Ver- kürzung der Arbeitszeit, die Abschaffung oder Verbesse- rung deS Kost- und Logiszwanges u. a. m. Bis in die letzten Jahre hatten die Arbeitgeber immer die wirtschaftliche Interessen- Vertretung der Gesellen ignoriert. Die wachsende Macht des Zentralverbandes zwang die Arbeitgeber aber, sich mit seinem Be- stehen abzufinden. Um sich aber vor der Hochflut der zentralorgan,- sierten Fleischer zu schützen, gründeten sie gelbe Vereine, die m,t pen schon bestehenden Bruderschaften alles versuchten, ihren Berufs- kollegen im Kampfe um bessere Arbeitsbedingungen Knüppel zwischen die Beine zu werfen. Die Agitation wurde im großen Stile betrieben. Durch Massenverbreitung von Flugblättern und durch über das ganze Reich sich ausdehnende mehrmalige Hausagitationen, die ganz hübsche Erfolge brachten. Seitens der Gewerkschaftskartelle, so be- tont der Bericht, wurde dabei dem Verband wertvolle Hilfe ge- leistet. Lohnbewegungen fanden in den letzten zwei Jahren in 18 Orten statt; sie waren mit geringen Ausnahmen von Er- folgen gekrönt. Größere Bewegungen mit Streiks entstanden in Pforzheim, Stuttgart, Durlach und München. Daneben hatte die Organisation noch größere Kämpfe in Dresden, Braunschweig, Halberstadt und Flensburg auszufechten und in einer Reihe von anderen Orten Einzelbewegungen durchzuführen, wobei wiederholt der Boykott verhängt und die Gesamtarbeiterschaft den Sieg erringen half. Mit Genossenschaftsschlächtereien wurden in Leipzig und Hamburg recht günstige Verträge abgeschlossen, wie überhaupt aus dem Bericht hervorgeht, daß das Verhältnis hier recht zufriedenstellend ist. An der Gründung eines Nahrungsmittel- industrieverbandeS waren und sind die Fleischer sehr interessiert. Zum Zwecke gemeinsamer Beratung darüber, ob eine Verschmelzung der Arbeiter in der NahrungS- und Genutzmittel- industrie möglich ist. fand am 22. November 1907 in Hannover eine Konferenz der Vorstände und AuSschutzvertreter der vier Verbände (Brauer, Bäcker, Mühlenarbeiter und Fleischer) statt. DaS Er- gebnis der Konferenz war die Annahme einer Resolution, die sich für die Verschmelzung ausspricht. Die Diskussion über die Verschmelzungsfrage war bei den Fleischern sehr rege und die Mehrheit— zirka% der Mitglieder— stimmte auch für die Ver- schmelzung. Da aber die Brauer für den Jndustrieverband nicht zu haben waren, wurde aus diesem nichts und es kam nur zu einem Gegenseitigkeitsvertrag zwischen den Bäckern und Kondi- toren und Mühlenarbeitern einerseits und den Fleischern anderer- seits, der eine Reihe von Bestimmungen zur Erleichterung der Agitation und zur Regelung von Streiks und Boykotts enthält, ferner gemeinsame Anstellung von Beamten vorsieht. Di« Mitgliederzunahme beträgt 202. Durch eine sehr starke Fluktuation gingen dem Verbände viele Mitglieder ver- loren. Die internationalen Beziehungen dehnen sich auf Amerika, Dänemark, Frankreich, Holland, Oesterreich-Ungarn, Schweden. Schweiz und auf Serbien aus. Die Einnahmen des Verbandes stiegen in der Berichts- zeit von 78 395,23 M. auf 142 268,22 M. Bei den Ausgaben steht an erster Stelle der Posten für Agitation, der 15 195,76 Mark beträgt. In die Hände der Mitglieder flössen wieder zurück: 21 824 M. für Reise-, Erwerbslosen-, Sterbe- und Maßregelungs- Unterstützung, für Rechtsschutz 1455 M., für Lohnbewegungen und Streiks 9594 M. 25 Proz. der Beiträge wurden auf diese Weise den Mitgliedern voll wieder zurückbezahlt. Im Bericht wird be- sonders betont, daß die Befürchtungen über die Beitragserhöhung sowie über die neu eingeführten Unterstützungsarten nicht ein- getreten sind. Gerade in den Orten, wo man dagegen Opposition unternahm, sei der Verband unter den neuen Verhältnissen am besten vorwärts gekommen. Eue Induftrle und ftandeL Die Preishausse am Buttermarkt. Nachdem bereits im Oktober des verflossenen Jahres die Butter- preise einen seit Jahrzehnten nicht beobachteten hohen Stand erreicht hatten, war in den nächsten Monaten eine Preiöabschwächung ein- getreten. In den beiden ersten Monaten deS Jahres 1910 haben die Butterpreise wiederum stark angezogen. Nach den amtlichen Notierungen stellten sich an den beiden wichtigsten Marktorten die im Monat gezahlten durchschnittlichen Großhandelspreise für den Doppelzentner in Mark wie folgt: Dez. 09 Jan. 10 Febr. 10 241,34 251,48 262,11 230,24 240.24 263.62 244,19 257,00 267,60 226,26 252,40 260,75 Die Butterteuerung hat selten so lange angehalten wie in den letzten Monaten. Die Verteuerung der Butter scheint indessen nach der Gestaltung der Großhandelspreise in den letzten Wochen noch weiter fortschreiten zu wollen. Nach den Preisfeststellungen der von der ständigen Deputation gewählten Notierungskommisfion stellten sich nämlich die Preise für den Doppelzentner in Berlin folgendermaßen: 23. Oktober 31. Dezember 9. März 19. März I»... 270—274 243-253 230—284 273—284 Na... 260—268 240-252 276-280 276-280 llla... 233—252 233-240 270—273 270-278 Demnach haben am 9. März die Bntterpreise bereits den Höchst- stand des Vorjahres am 23. Oktober bedeutend überschritten. In den letzten zwei Wochen war zwar zeitweilig ein Rückgang der Preise für die billigeren Qualitäten zu verzeichnen, aber die Eßbutter erster Qualität hat ständig ihre Preise behauptet. Nach der Gestaltung der Marktlage in den letzten Tagen sind indessen die Großhandels- preise für Butter wieder sehr fest und neigen eher zu einer weiteren Steigerung als zu einer Ermäßigung. Teueres Osterfest. Nicht genug, daß der Osterkuchen infolge der gestiegenen Mehl-, Butter- und Milchpreise kostspieliger ist als sonst, auch der Oster- braten mutz im laufenden Jahre teurer bezahlt werden als im vergangenen. Der Lammbraten richtet sich im Preise nach der Bewegung der Hammelpreise. So kosten 50 Kilogramm Lebend- gewicht Hammel in Danzig dieses Jahr 39 bis 35?N. gegen 27 bis 31 M. im Vorjahre, in Breslau beträgt der Preis 39 bis 41 M. gegen 25 bis 34 M., in Berlin 25 bis 39 M. gegen 21 bis 33 M., in Leipzig 34 bis 42 M. gegen 32 bis 36 M., in Hamburg 39 bis 49 M. gegen 20 bis 35 M. im Vorjahr. Erheblich teurer als im vorigen Jahr müssen auch die Dortmunder ihr Osterlamm bezahlen, der Preis stellt sich auf 38 bis 42 M. gegen 32 bis 36 M. vergangenes Jahr. In München ist der Hammelpreis von 22 bis 28 aus 22 bis 33 M. hinaufgegangen. Glücklicherweise sind im großen Berlin, I. Sorte.. Berlin, II. Sorte.. München, f. Schweizer- München, GebirgS«.. und ganzen die Hammelfleischpreise doch noch nicht ganz in dem Grade hinaufgegangen wie die Hammelpreise; sie stellten sich im Durchschnitt von 50 Städten dieses Jahr auf 1,66 M. pro Kilogramm gegen 1,64 M. im Vorjahr. Einzelne Städte ragen aller- dings mit starken Steigerungen des Hammelfleischpretses hervor. Gegenüber dem Vorjahr ist das Kilogramm teurer in Koblenz um 9,59, in Dortmund um 9,38, in Bromberg um 9,24, in Erfurt um 9,17, in Frankfurt a. M. und Königshütte O.-S. um 9,16, in Hanau um 9,15, in Hannover um 9,14, in Alleinstein um 9,13 und in Stettin um 9,11 M. Hus der frauenbewegung* Ueber Liebeslcben und Mutterschutz in Italien. sprach Prof. Michels aus Turin im„Bund für Mutterschutz". Der Redner führte ungefähr folgendes aus:„Man müsse lange in Italien gelebt haben, um seine Einwohner richtig beurteilen zu können. Aeußerlich sei vom Liebesleben in Italien weniger wahr- zunehmen als bei uns. Die Paare gehen dort nicht untergehakt, sie küssen sich nicht, oder doch seltener vor aller Augen als bei uns. So kommt es, daß in Italien eine ganze Literatur über deutsche nächtliche Liebesszenen in Sommergärten und Parks erstand, die der Italiener staunend in sich aufnimmt. Freie Liebe, wie wir sie verstehen, existiert in Italien überhaupt kaum. Der Italiener ist ein geradezu patriarchalischer Familienmensch, bis in den neunten, zehnten Grad rechnet er seine Verwandschaft. Seit zirka hundert Jahren hat sich Italiens Einwohnerschaft verdoppelt. Auch in der Fremde tritt die Produktivität in die Erscheinung; so werden all- jährlich z. B. in New Jork 15 000 Italiener mehr geboren, als dort sterben. Uneheliche Kinder gibt es dem Namen nach viele in Jta- lien, weil der Staat die Kinder aus nur kirchlich geschlossener Ehe als ehelich anerkennt. Wirklich uneheliche Kinder, in dem Sinn, wie wir sie ansehen, gibt es dort nur wenig. Prof. Michels führr das einerseits darauf zurück, datz das italienische Mädchen sich eine größere Reserve auferlege, weil Italien das Gesetz des Recher- chierens nach der Vaterschaft fehlt(es fehlt dort sogar das Gesetz deS Recherchierens nach der Mutterschaft), in der Hauptsache aber darauf, daß in Italien auf je 100 Männer 101 Frauen kommen. Neomalthusianismus treffe man in Italien nur in höheren Kreisen an. Wo Ueberschuß an Frauen, wie beispielsweise in England, wo auf je 100 Männer eine Mehrzahl von 126 Frauen komme. dort müsse sich naturgemäß die Prostitution stark entwickeln, dort müsse aber auch die Frauenbewegung günstigeren Boden finden. Die Italienerin, führte Redner weiter aus, ist ein Gut höchster Not- wendigkeit für den Italiener, er trachte danach, sich das Weib schnell zu sichern, es als reine, unberührte Frau zu bekommen. Einmal verheiratet steht sie vollständig unter der Kontrolle des Mannes und diese Kontrolle in Italien ist sehr scharf. So geht die norditalienische Frau z. B. nur bei. Tage aus, abends nie allein. In Sizilien gehen die Frauen nur zu mehreren aus. Der Italiener schützt auch seine Dienstmädchen im allgemeinen vor Wegen und Besorgungen bei Nacht. Fast in jedem größeren Hausstand trifft man eine ältere Aufwärterin, die helfend einspringt. Die eigentliche freie Liebe ist für den, der sie dort ausübt, sehr gefährlich. Wird durch ihn ein Mädchen betört, oder erwartet sie gar«in Kind, ohne daß er sie zu ehelichen gedenkt, so muß er vor der bekannten Ben- detta, der Familienrache, zittern. Der entferntverwandteste Vetter fühlt sich zum Rächer verpflichtet, dank des so unendlich stark aus. geprägten Familiensinns der Italiener. Was die höhere Bildung anbelangt, so stehen der Italienerin alle Schulen offen, überall trifft man die gemeinsame Erziehung von Knabe und Mädchen. Nach dem italienischen Gesetz:„was nicht verboten ist, das ist er» laubt", hat man den Mädchen in Italien auch sofort, als der An» spruch erhoben wurde, die Universität geöffnete Die besser situicrten Mädchen besuchen die Gymnasien, Universitäten und verloben sich dann meistens mit ihren männlichen Kollegen, etwa nur ein Achtel von ihnen kommt zur Verwertung ihrer Kenntnisse im Dienst deS Staates. Die ersten Studentinnen, sowie die ersten Fabrikarbeite- rinnen galten allerdings als besonders leichtsinnig; das ist längst anders geworden. Mit der Ausdehnung des Kapitalismus nahmen die unehelichen Geburten �u, wie in der Gegend MantuaS. Trunk. sucht und Kindesmord sei in diesem Landstrich zurückgegangen. Der italienische Familiensinn regelt die sozialen Verhältnisse. DaS un- eheliche Kind erkennt der Vater fast immer an und gibt ihm seinen Namen. DaS nichts zu tun, gilt als unanständig. Wenn junge Eheleute nicht selbständig sein können, wohnen sie bei ihren Eltern, das erste Kind bedeutet eine Revolution in ihrem Leben, Vater und Mutter richten ihr Leben nur nach diesem kleinen Erden- bürger und seinen Nachfolgern ein. Ehebruch wird nicht so streng geahndet wie bei uns, nur wenn die Frau im Hause darunter leidet, lehnt sie sich meistens dagegen auf und dann steht die Ge- sellschaft auf ihrer Seite. Der Verzicht auf das Kind von der einen oder anderen Seite verhütet meistens die Ehescheidung. Die Fa» milienzusammengehörigkeit ist dem Italiener eben das Höchste. Ihr zu Liebe ziehen Eltern, die ihre Kinder studieren lassen möchten, mit ihnen in die Universitäten, geben Geschäft, Stellung, Heimat. alles auf, um unisono bleiben zu können. Dadurch stagnieren aber auch oft die Bildungs. und wirtschaftlichen Verhältnisse. Sein Urteil über die Italienerin faßte Professor Michels dahin zusam- men, daß sie keinem anderen Weibtypus an Intelligenz nachstehe. an Innerlichkeit, Mutterliebe. Pflichtgefühl wahrscheinlich viele übertreffe und er glaubt, daß ihr noch eine große Zukunft vorbehal. ten sei, wenn erst die Allgemeinbildung ausgedehnter, der frauen- rechtlerische Standpunkt energischer von ihr begriffen, und die alten Schranken, die sie noch umgeben, niedergerissen wären. Begünstigt würde das durch den von Lehrerinnen erteilten freien Religions- Unterricht, durch das Fehlen der theologischen Fakultäten an den Universitäten. Es sei in Italien keine Seltenheit, daß manchmal der Vater Sozialdemokrat, der Sohn Anarchist, die Mutter or. thodox sei, oder auch umgekehrt und keiner wolle in solchen Dingen vorherrschen, wie das vielfach in Deutschland der Fall sei. Zu Beginn der Versammlung brachte ein Teil der Anwesenden ein Hoch auf Frau Dr. Helene Stöcker aus. Man wollte damit gegen die Angriffe demonstrieren, deren Frau Dr. Stöcker in letzter Zeit ausgesetzt war. Mehrere ihrer Gegnerinnen verließen die Ver» sammlung. Fand- und Waldparzrlleu nahe Bahnhos aus erster Hand von 4 Mark an Otto Breseke, Petershagen. Kredit Monatl 10 M. liefere elcfl. Hcrrengarderobe Ii. Matz fbilliglte Preise) I Inninnmu/C�i Schneidermeister. J. I UllipulUWbr.l, Liiidenstr. 110. ■ Kassa 10 Proe. 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Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Genoffe, der Arbeiter Ernst Stöckel Sorauer Str. 10 geftorben ift. am Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet Dienstag, den 29. März, nach mittags 4 Uhr, von der Leichen halle des Zentral- Friedhofes in Friedrichsfelde aus ftatt. Um rege Beteiligung erfucht 216/16 Der Voritand Sozialdemokratischer Wahlverein des 6. Berl. Reichstags- Wahlkreises. Todes- Anzeige. Am 24. März, verstarb unser Mitglied, der Gastwirt Karl Buttgereit am Stromstr. 6/7. Chre seinem Andenken! Die Beerdigung findet Dienstag, den 29. März, nach. mittags 4%, Uhr, von der Leichen balle des neuen St. Johannis Kirchhofs, Plößensee, aus statt. Uni rege Beteiligung ersucht Der Vorstand. Sozialdemokratischer Wahlverein des 6. Berl. Reichstags- Wahlkreises. Todes- Anzeige. Am 24. März verstarb unfer Mitglied, Frau Emilie Moder Stoloniestr. 88. Ehre ihrem Andenken! Die Beerdigung findet am Dienstag, den 29. März, nach mittags 3 Uhr, von der Leichens halle des Virchow- Stranfenhauses nach dem städtischen Friedhofe in der Müllerstraße, Ede Seestraße, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht Der Vorstand. Sozialdemokratischer Wahlverein für den 6. Berl. Reichstagswahlkreis. Am 25. Mara starb unfer Mit glied, ber Maurer August Thiem. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet Diens tag, den 29. März, nachmittags 5 Uhr, von der Leichenhalle der Friedens- Gemeinde in NordendSchönhausen aus statt. Zahlreiche Beteiligung erwartet Der Vorstand. Zentralverband aller in der Nach jahrelangem Leiden ver starb am 24. b. M. unser lang jähriger Kassenbeamter Maximilian Marggraff im zweiundsechzigsten Lebensjahre. Derselbe war stets ein gewiffenhafter und pflichttreuer Beamter, dessen Andenken wir in Ehren halten werden. Die Beerdigung findet am 1. Feiertag, den 27. März, mittags 1 Uhr von der Halle des neuen Nazarethkirchhofes, ReinickendorfWest, aus ftalt. Der Vorstand der Ortskrankenkasse d. Maschinenbauarbeiter u. verw. Gewerbe zu Berlin. 3. A.: Franz Schuldt, Borsigender. 18925 Am Donnerstag, den 24. März, verstarb nach langem, schwerem Leiden unfer langjähriger Sollege Maximilian Marggraff im 62. Lebensjahre. Der Verstorbene war immer ein aufrichtiger und entgegen tommender Sollege und werden wir sein Andenten stets in Ehren halten. 13936 Die Beamten b. Ortskranken: kaffe d. Maschinenbauarbeiter und verw. Gewerbe zu Berlin. Verband d. Bureauangestellten und der Verwaltungsbeamten der Krankenkassen und Berufsgenossenschaften Deutschlands. Ortsgruppe Groß- Berlin. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Kassenbeamte Maximilian Marggraff ( Drts- Krankenfaffe der Maschinenbauer) am Donnerstag, den 24. März, im 62. Lebensjahr verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute, Sonntag, den 27. Mara, mittags 1 Uhr, von der Leichenhalle bes Nazareth- Friedhofes in Reinidendorf- West, Kögelstraße, aus statt. Bahlreiche Beteiligung wünscht 45/6 Die Ortsverwaltung. Am 24. März verschied nach aehntägigem, schwerem Leiden meine liebe Frau, unsere gute Mutter, Tochter, Schwiegertochter, Schwester und Schwägerin Emilie Moder geb. Hilse im Alter von 29 Jahren. Dies zeigt mit der Bitte um stille Teilnahme Hefbetrübt an Im Namen ber trauernden Hinterbliebenen: Karl Moder, Berlin, Kolonieftr. 88. Die Beerdigung findet am Dienstag, ben 29. März um 2, Uhr vom Birchow Krantenhause aus auf dem städtischen Friedhofe in der Müllerstraße, Cde Seeftraße, ftatt. 1408b Am Sonnabend, den 26. März, verschieb nach furzen, schweren Leiden im 82. Lebensjahre meine liebe Frau Berta Otto geb. Sohüler. Dies zeigt tiefbetrübt an der Gatte Karl Otto nebst Kindern. Die Beerdigung findet am Mittwochnachmittag 4 Uhr bon der Leichenhalle des GemeindeFriedbofes in Friedrichsfelde aus statt. Danksagung. 14186 Am 24. März verschied nach furzem, fchwerem Leiden unser jugendlicher Mitarbeiter, der 14196 Seherlehrling Kurt Puls im 17. Lebensjahre. Das Personal der Buchdruckerei H. S. Hermann. Die Beerdigung findet am 2. Ostertage, nachm. 4 Uhr, von der Leichenhalle des GeorgenKirchhofs in Weißensee aus ftatt. Allen Freunden, Verwandten und Belannten die traurige Mitteilung, daß meine vielgeliebte Frau, unsere gute Mutter, Schwester und Tante Klara Lange geb. Allgner nach kurzem Leiden verstorben ist. Dies zeigt tiefbetrübt an im Namen der Hinterbliebenen Hermann Lange, Gaftmirt, Görliger Str. 64. Die Beerdigung findet am weiten Osterfeiertag nachmittags 8 Uhr, von der Leichenhalle des Emmaus- Kirchhofes aus statt. Verband der freien Gast- und Schankwirte Deutschlands. Zahlstelle Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß die Frau des Kollegen Deuticher Transportarbeiter- Verband Bezirk Groß- Berlin. IV 3348 Arbeitsnachweis: Engelufer 15. I 2632 " Alte Leipziger Str. 1. Bureaus: Engelufer 15. Fernsprecher: Amt IV, 2382, 4747. Achtung! Mitglieder aus allen Branchen und Distrikten. Achtung! Donnerstag, den 31. März, abends 82 Uhr, in Kellers feftfälen", Koppenstr. 29: Außerordentliche General- Versammlung. Zages Drbnung: 1. Zusammenfchluß der Verbände der Hafenarbeiter, der Seemännischen Arbeiter und der Transporta arbeiter. 2. Anträge zum außerordentlichen Verbandstage, welcher im Mai d. I. in Hamburg stattfindet. 3. Auf ftellung der Kandidaten zur Wahl der Delegierten für den ankerordentlichen Verbandstag in 67/18 Hamburg. 4. Geschäftliches. Mitgliedsbuch ist als Legitimation mitzubringen. Ber länger als 10 Bochen mit seinen Beiträgen im Rüditande ift. bat feinen Butritt. Die Bezirksverwaltung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben Mannes, insbesondere feinen Kollegen sowie dem Metallarbeiter. verband und dem Wahlverein Rirdorf fage ich meinen herzlichsten Dant Die trauernde Witwe 13915 Martha Pletschke. Danksagung. Für die vielen Beweise aufrichtiger Teilnahme und reichen Kranzspenden bei der Beerdigung meiner Heben unvergeßlichen Frau Martha Thiem Klara Lange age i allen Berivandten und BeGörlizer Str. 64( Bezirk 4) gestorben ist. Ehre ihrem Andenken! Die Beerdigung findet am Montag, den 28. b. M., nach mittags 3 Uhr, von der Leichen halle des Emmaus- Stirchhofes in Rigdorf, Hermannstraße, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht Die Ortsverwaltung. Am Donnerstag, den 24. März, entschlief nach langen, schweren Beiden meine herzensgute Lebens gefährtin 1872b Marie Reschke geb. Schütz im Alter von 87 Jahren. Dies zeigt tief betrübt an Hugo Reschke und Kinder. Die Beerdigung findet Montag, den 28. März, nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des Hennigs dorfer Friedhofes aus statt. Deutscher Transportarbeiter- Verband. Bezirksverwaltung Groß- Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unsere Kollegin, die Arbeiterin Lina Kluth am 23. März im Alter bon 48 Jahren verstorben ist. Ehre ihrem Andenken! Die Beerdigung findet am Montag, den 28. d. M., nach mittags 3 Uhr, von der Leichen balle des Elisabeth Kirchhofes, Prinzen- Allee, aus ftatt. B Die Bezirksverwaltung. Deutscher Holzarbeiter- Verband. Verwaltungsstelle Berlin. Der Feiertage wegen bleibt das Verbandsbureau an folgenden Tagen geschlossen: Montag, den 28. März, den ganzen Tag. Dienstag, den 29. März, den ganzen Tag. Die Arbeitsnachweise sind am 28. und 29. März geschloffen. Die Extrabeiträge tommen von der Woche nach Dftern an in Bege fannten, insbesondere dem Chef und fall und beträgt dann der Beitrag wieder 1 Mark pro Woche, Jedes Mits Personal der Patent Startonfabritglied muß 11 Beiträge a 1,50 Mart geflebt haben. Für Arbeitslosigkeit und 6. m. b. Q., Markusstraße, sowie den Strankheit, die in der Zeit vom 15. Januar bis 26. Mars fällt, lommen die Kollegen der Firma Nöthling, dem entsprechenden Wochen in Anrechnung. fozialdemokratischen Wahlverein Bez. Nr. 321, Andreasstraße und Edardt straße, und auch den Sängern am Grabe meinen innigften Dank. Berlin, Andreasstraße 75.. 48722 Richard Thiem. Dantjagung. Jahresberichte tönnen die Mitglieder vom 80. März ab burch bie Berfstatt- Bertrauensleute vom Bureau abholen. Die Urania- Vorstellung findet am 1. Feiertag, nachmittags 4 Uhr, statt. Billetts find im Bureau und bis zum 1. Feiertag 3 Uhr in der Holzarbeiterbörse, Engelufer 18, au haben. Branche der Stellmacher. Rosenthaler Straße 11-12: Versammlung. Tagesordnung: Für die vielen Beweise herzlicher Donnerstag, den 31. März, abends 8, Uhr, im Rofenthaler Hof, Teilnahme sowie für die zahlreichen Stranzspenden bei der Beerdigung meiner unvergeßlichen Frau, unferer guten Mutter, sagen wir allen Bers wandten und Bekannten sowie ben 1. Der Streit in der Wagenfabrit Leuschner. 2. Die Kriegs. Hausbewohnern und den Kollegen erklärung der Wagenfabrikanten und die Antwort der Berliner und Kolleginnen der Firma C. B. Stellmacher. 3. Branchenangelegenheiten. Die Ortsverwaltung. Goerz, welche der Dahingefchtedenen 81/4 die letzte Ehre erwiesen haben, unferen herzlichsten Dant. Robert Diet nebft Söhnen. Danksagung. Bum Beweise für die überaus zahl reiche Teilnahme und reichen Strang [ pen en bei der Beerdigung meiner innigftgeliebten Gattin fage tch allen Freunden, Bekannten und Berwandten fowie dem Herrn Dtto Rothe für seine ergreifende Rede und den Sängern des Herrn May Praising, dem Flugtauben Berein Arnim", meinen Arbeitskollegen der Firma T. Heuer und den Arbeitskolleginnen meiner lieben Frau von der Firma Martin Rosenthal meinen innigsten Dant. Willy Plau, Steinfeger, Seelower Str. 20. Danksagung. Zentral- Verband der Schuhmacher Bahlstelle Berlin. Deutschlands. Bureau: Blankenfeldeftr. 10. Achtung! Schuhmacher! Achtung! Dienstag, 29. März( 3. Ofterfeiertag), vorm. 10 Uhr, in Drafels Festsälen, Neue Friedrichstr. 85 ( an der Zentral- Markthalle, in der Nähe des Alexanderplates): Große öffentliche Schuhmacher- Versammlung für Groß- Berlin. Tages Drdnung: 1. Die zum Frühjahr geplante Lohnbewegung der Schuh. machergehilfen von Groß Berlin." Referent: Kollege J. Klas. 2. Diskuffion. 3. Verschiedenes. 169/9 • Bflicht aller in der Branche tätigen Stollegen ist es, bie Bersammlung Der Einberufer. Für die vielen Beweise herzlicher Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme sowie die zahlreichen Strangeilnahme und die schönen Stranz. au besuchen. Spenden bei der Beerdigung meiner spenden bei der Beerdigung meines lieben Frau und guten Mutter lieben Mannes, des Formers Wilhelmine Köhler Paul Jonk fagen wir allen Berwandten und Befage ich hiermit allen Berwandten, fannten unseren innigsten Dant. Freunden und Kollegen, sowie dem Karl Köhler nebst Sohn. Danksagung. Für die anläßlich der Beerdigung meines inniggeliebten Gatten, unferes lieben Baters, des Gastwirtes Paul Plaen Allen beteiligten Genossen und Ge- erwiefene zahlreiche Teilnahme und noffinnen, dem Rauchflub sowie dem Rondolationen fagen wir allen Ber Handels- und Transportarbeiter wandten, Freunden und Bekannten berband fage ich meinen beften Dant sowie dem Gesangverein„ Rosalia", für Berein der Former, den Kollegen Deutschen Metallarbeiterverband, dem der Firma Heinze u. Ko., und den Kolleginnen der Firma A. S. Beutler meinen herzlichsten Dank. Witwe Klara Jonk. Dr. Simmel Spezial- Arzt für Haut- und Harnleiden. Schmiederei heschäftigt. Personen fie bie Beteiligung bei der Beerdigung dem Lotterieberein Blade Prinzenstr. 41, dictam, Zahlstelle Berlin. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Kollege Franz Kopischke am Donnerstag, den 25. März, berftorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Montag, den 28. März, um 8 Uhr, von der Halle des Michael Stirchhofes, Mariendorfer Weg, aus ftatt. 176/5 Rege Beteiligung erwartet Die Ortsverwaltung. Sozialdemokrat. Kreiswahlverein Nieder- Barnim. Bezirk Schöneiche u. Umg. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unfer Genoffe, der Klavier arbeiter Fritz Adler zu Fichtenau im Alter von 47 Jahren an der Broletarierkrankheit berstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am ersten Diterfeiertag nachmittags 3 ihr vom Trauerhause aus statt. 238/6 Bahlreiche Beteiligung erwartet Die Bezirtsleitung. meines Mannes. Frau Schöps, Mehnerstr. 5. unseren aufrichtigsten Dant. 13975 Moritzplatz, Witwe Emilie Plaen nebst Kindern. 10-2, 5-7. Sonntags 10-12. 2-4. WESTMANN Dienstag, den 29./3. cr., Vormittag 10%, Uhr: Beginn des Modell- Verkaufs Sehluss voraussichtlich schon Ende der Woche! 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Mai, Arbeiter- Marseillaise. Im Nebensaale pünktlich Ausschuß- Sitzung. 10 Uhr vormittags: Tages- Ordnung: 17/4 1. Aufnahme von Vereinen. 2. Bundesangelegenheiten. NB. Die Vereine werden ersucht, die Matinee- Billetts abzurechnen. Der Vorstand. Orts- Krankenkasse des Korbmacher- Gewerbes zu Berlin. Am Montag, b. 4. April 1910, abends 8 Uhr, im Gewerkschafts hause, Engelufer 15, Saal 7: Freie Kranken- u. Begräbniskaffe der Schuhmacher Montag, 11. april, abends 8 Uhr, General- Versammlung. u. Berufsg. Berlins.( e.g. Nr. 27.) bet Rube, Alle Jakobstr. 75: Ordentliche Generalversammlung. 28/6 Zages Ordnung: 1. Kaffenbericht. 2. Bericht der Kommission zur Prü fung der Jahresrechnung. 3. Bericht des Vorstandes. 4. Verschiedenes. 272/10 Mit dem 28. Mära treten folgende Wochenbeiträge in Straft: a) für Mitglieder der 1. Klasse 102 Pf. 75 2. 3. 57 " 4. 45 " 5. 24 0 Der Vorstand. Max Krause, Karl Schwedler, Mustauerstr.20, Rigdorf, Reuterstr. 3, Schriftführer. Borfigender. Tagesordnung: 1. Abrechnung vom 1. Quartal 1910. 2. Innere Kaffenangelegenheiten. Der Borstand Wachet auf! Borte eines Freundes der Nature heilmethode bon Dr. med. Adolf Schlesinger, praft. Naturarat und Magnefopath in Berlin, Kranken zum Trost! Gefunden zur Belehrung! Cine wahrhaft popular gehaltene, aus der Braris geschöpfte 74 Seiten Starke Streitschrift, die mit unerbitt licher Schärfe und Logik, belegt durch zahlreiche Beispiele, zu ben Streitfragen bes Tages: ier Schulmedizin-- hter Natun heilverfahren Stellung nimmt. Bum Preise von 50 Pf. in jeder Buch handlung erhältlich oder gegen Ginsen bung bon 60 Pf. direkt durch den Rommiffionsverlag Otto Mater G. m. 6. S., Leipzig 5. 290/8 Arbeiter- Bildungsschule Berlin. Schullokal: Grenadierstr. 37, Hot geradezu I. Lehrplan für das II. Quartal 1910. Montag: Gesetzeskunde.( Die Verfassungen der außerdeutschen Staaten.) 1. Das Staatssystem des Mittelalters. 2. Entwickelung und gegenwärtiger Stand der Verfassung in England. 3. Das alte Staatswesen und die Revolution in Frankreich. 4. Die Schweiz. 5. Oesterreich und Ungarn. 6. Belgien, die Niederlande, Luxem burg. 7. Die skandinavischen Staaten. 8. Rußland und Finnland. 9. Italien, Spanien, Portugal. 10. Die Balkanstaaten. 11. Der Orient. 12. Die amerikanischen Republiken. 13. Der soziale Untergrund der Verfassungen. Vortragender: Simon Katzenstein. Mittwoch: Einführung in den wissenschaftlichen Sozialismus. Die Entstehungsgründe der modernen Sozialdemokratie. Die ökonomischen Grundlagen des wissenschaftlichen Sozialismus. Das Wesen der kapitalistischen Produktion. Utopischer und wissenschaftlicher Sozialismus. Die historischen Grundlagen des wissenschaftlichen Sozialismus. Klassenkampf als Triebfeder der sozialen Umwälzungen. sozialistische Taktik. Der Zukunftsstaat". -Der Die Nach jedem Vortrag wird Gelegenheit zu freier Diskussion gegeben. Vortragender: Julian Borchardt. Donnerstag: Rednerschule. 1. Die Bedeutung und Notwendigkeit der freien Rede. Die Grenzen der natürlichen Beredsamkeit. Die Redekunst. Die Rede nach Form und Inhalt. Dispositionslehre. 2. Technische Hilfsmittel: Das Manuskript. Die Registratur. Die Nachschlage- Bibliothek. 8. Das Vereins- und Versammlungs4. Praktische Uebungen im F wesen. Die Geschäftsordnung. Reden und Diskutieren. Vortragender: Max Grunwald. Sonnabend: Geschichte.( Das Zeitalter des 80jährigen Krieges.) 1. Deutschland an der Schwelle des 30jährigen Krieges. 2. Die protestantische Opposition in Oesterreich. 3. Der Krieg in Norddeutschland. Wallensteins Erfolge und Pläne sein erster Sturz. 4. Schwedens Eintritt in den Krieg. 5. Die Feldzüge und Pläne Gustav Adolfs. Wiederberufung Wallensteins. 6. Die schwedische Politik und Gustav Adolfs Tod. Wallensteins Pläne gegen den Kaiser. Seine Ermordung. 7. Die Rolle Frankreichs im Kriege. 8. Friedensschluß. Die politischen Ergebnisse, die wirtschaftlichen und sozialen Schäden des Krieges. 9. Die englische Revolution. 10. Frankreich. Befestigung der Königsmacht. Die letzten Zuckungen der calvinistischen und der Adels- Opposition. Vortragender: Hans Block. Sonntag: Nationalökonomie.( Die Grundbegriffe der theoretischen Nationalökonomie. II. Teil.) 1. Wiederholung des I. Teils: Kapitalistisehe Wirtschaftsordnung. Ware. Gesellschaftliche Arbeit. Wert. Geld. Preis. Kapital. Mehrwert. 2. Mehrwertsrate. 3. Arbeitskraft. Arbeitslohn. 4. Akkumulation und Konzentration des Kapitals. 5. Die Grundrente. 6. Die Entwickelungstendenz der kapitalistischen Wirtschaftsordnung. Vortragender: Max Grunwald. Der Unterricht beginnt in Gesetzeskunde: Montag, den 11. April; in Einführung des wissenschaftlichen Sozialismus: Mittwoch, den 20. April; Rednerschule: Donnerstag, den 14, April; Geschichte: Sonnabend, den 16. April; Nationalökonomie: Sonntag, den 17. April. Jeder Kursus erstreckt sich auf zehn Abende und beginnt pünktlich um 8, Uhr und endet pünktlich um 10 Uhr. Der Bonntagskursus beginnt pünktlich um 10 Uhr und endet pünktlich um 11 Uhr. Die reichhaltige Bibliothek ist an diesen Abenden von 7-8, Uhr geöffnet. Der Mitgliedsbeitrag beträgt pro Monat 25 Pf.; das Unterrichtsgeld für jedes Fach pro Kursus 1 Mark und ist spätestens am zweiten Abend zu zahlen. Die Aufnahme neuer Mitglieder und Schüler erfolgt am besten bei Beginn jedes Kursus im Schullokal Grenadierstr 37, Hot geradezu 1 Treppe, und in nachstehenden Zahlstellen: Gottfr. Schulz, Admiralstr. 40a; Reul, Barnimstr. 42; Vogel, Lortzingstr. 37; W. Kaczorowski, Ravenéstr. 6; Horsch, Engelufer 15. Alle Zuschriften sind an den Vorsitzenden Hermann Lammé, Berlin- Rixdorf, Steinmetzstraße 51 III, Geldsendungen an den Kassierer H. Königs, Berlin S. 59, Hasenheide 56, zu senden. Der Vorstand. Möbel Lieferung erfolgt für GroßBerlin durch unsere eigenen Δ Δ Gespanne kostenlos. Δ Δ ,, Hoffnung 11 Berliner Schneiderei- Genossenschaft E. G. m. b. H. Tor u. 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Auf Wunsch der Parteigenossen Spandaus teilen wir nochmals mit, daß das Lokal»Steinebachs Volks- garten" in Hakenfclde bei Spandau den Inhaber gewechselt und uns jetzt nickt mehr zur Verfügung steht. In Wilhelmsruh an der Oberhavel ist das Lolal von Kieker für den persönlichen Verkehr frei. Das Lokal U h l e n h o r ft bei Köpenick ist frei, dagegen ist Restaurant.Ravenstein" am Müggelsee gesperrt, des- gleichen das Lokal. AlbrechtShof" in Steglitz. Die Lokalkommisflon. Vierter Wahlkreis. Dienstag, den 29. März(dritter Feiertag)� abends 7'/» Uhr, findet in Kellers Fsstsälen eine öffentliche Ver- lammlung'statt, in der Genosse A. H o f f m a n n über.Moderne Ehen' referieren wird. Nach der Versammlung: Gemütliches Bei- sammensein mit Tanz. Matineen im sechsten Wahlkreis finden am zweiten Feiertage statt bei Ballschmieder in der Vadstratze, in den Germania-Sälen in der Chansseeftraße und im Stadt-Theater Moabit, Alt-Moabit 47/49. Anfang lS Uhr. In den Pharus-Sälcn, Müllerstraße, findet am zweiten Feiertag, abends 6 Uhr, ein Bunter Abend statt. Billetts zu der Vorstellung in den Pharus-SiUen am 28. März sind nur noch zu haben bei Rietz, Fehmarnstr. 8, Glawe. Lieben- walder Str. 4, und Melzer, Wiesenstr. 29. Billetts zu der Matinee noch erhältlich bei Gaßmann, Badstraße, Ecke Grünthaler Straße.' Der Vorstand Schöneberg. Einen Walkotte-Abend veranstaltet heute. am l. Osterfeiertag, der Wahwerein in den Räumen der.Neuen Rathaussäle", Meiningerstr. 8. Der Beginn ist auf 6 Uhr angesetzt. Die Mitglieder werden ersucht, sich zahlreich zu beteiligen. Der Vorstand. WilmerSdorf-Halensee. Die am 29. März fällige Mitglieder Versammlung findet der Feiertage wegen erst Dienstag, den 6. April, statt. Der Vorstand. Steglitz. Die Versammlung fällt kommenden Dienstag aus, Dieselbe findet über acht Tage, den 5. April, statt. Groß-Lichterseldr. Am DienStag. den 29. März, findet bei Wahrendorf die Mitgliederversammlung deS Wahlvereins statt. Tagesordnung: Die bürgerlichen Parteien und ihre Wähler. Referent: Genosse Kali Ski. Berichte von der Kreisgeneral- Versammlung sowie von der Generalversammlung Groß-BerlmS. Lankwitz. Am Mittwoch, den SV. März, abends 81/} Uhr, findet bei Ebel, Mühlenstr. S, die Mitgliederversammlung deS Wahlvereins statt. Tagesordnung: Bericht von der KretSgeneralverfammlung und Groß-Bertin. Bericht von der Gemeindevertrrterwahl. Vereins- angelegenheiten. Der Vorstand. Schmargendorf. Am Dienstag, 29. März, abends S'/z Uhr. findet im Wirtshaus Schmargendorf(Bartels), Warnmünder Straße, eine außerordentliche Mitgliederversammlung des Wahlvereins statt. Tagesordnung: 1. Aufnahme neuer Mitglieder. 2. Wahlangelegen- heilen. 3. Dtskufston. 4. Maifeier. S. Verschiedenes. Gäste will- kommen. Britz-Bucko«. DienStag abend 7 Uhr findet von den bekannten Stellen aus eine Flugblattverbreitung statt Der Vorstand. Nieder-Schönhausen-Nordend. Montag, den 28. März, 8lL Uhr früh, Flugblattverbreitung von den bekannten Stellen au». DienStag, den 29. März, abends 8 Uhr. Mitgliederversammlung bei Weiland. Ändenstr. 43(vorm. Steffens Lindengarten). Tagest ordnung: Stichwahtangelegenheiten.— Nachdem: Gemütliches Bei- sammensein mit Tanz._ Die Bezirksleitung. Berliner jyacbricbten* Ostermorgeu. Graues, schwerfälliges Gewölk am Himmel. Nur ab und zu ein flüchtiger Sonnenblick. Ich bin aus der Stadt geflohen, die Landstraße entlang in die Umgebung weiter Felder, soweit, daß die vom Winde herrübergewehten Glocken- töne mich nicht mehr erreichen.— Ostermorgen und Glocken- musik? Warum laufe ich davon? Nüchterne Ueberlegungen halten mich ab. dieser Stimmung mich hinzugeben. Die Klänge sind mir fatal, diese erzfcmatischen Elferer für eine Sache, die immer ihr kleinliches Gezänk an die große Glocke gebracht hat, die mit weicher Stimme lockt und doch hart und unduldsam ist. die da dienen zu wollen vorgibt und doch allein herrschen will, die Demut heuchelt und doch den höchsten Platz einnimmt, die lauteste Stimme hat— in der Stadt, im ganzen Lande. Wieviele von uns haben— und wie lange, kostbare Zeit!— � im Banne dieser Eiferer gestanden! Was für un- säglich öde Stunden waren das für mich, diese Morgen- stunden, in denen der Lehrer uns mit den evangelischen Hauptstücken und nicht weniger evangelischen Zubchör teiln mißhandelte! Dreimal wöchantlich. Sommer und Winter, die übrigen religiösen Belehrungen ungerechnet. Und nach ihm der Mann im Tolar. Damit ja dw Oster- Parade der neu eingekleideten Konfirmanden in der Kirchs tadellos klappte. Wir alle hatten denn auck unser Glaubens- bekenntnis wie am Schnürchen. Und auf die Frage unseres „Seelsorgers", ob wir unserm„Herrn und Heiland" lebens- lang treu bleiben wollten, antworteten wir vorschriftsmäßig mit den«„lautet, und vernehmlichen" Ja. Was nicht aus- schloß, daß die nachfolgende Familienfeier mit ihren mate- riellen Genüssen dem soeben abgeschworenen„Teufel und seinen Werken" wieder sein volles Recht gab. Und der„Teufel Alkohol" behielt meistens das letzte Wort. Glücklicherweise hat wohl bei den meisten von uns das Leben korrigiert, was Unduldsamkeit und Ueberhebung auf der einen und Gedankenlosigkeit auf der anderen Seite ge- fehlt hatten. Wohl lvar es ein harter Tcelenkampf gewesen. der uns über die Kirchendogmen hinausführte, aber nur um so entschiedener ist die Trennung, um so freudiger die Hin- gäbe an das innere Gesetz unserer Persönlichkeit, uni so tiefer das Gefühl der eigenen Verantwortlichkeit geworden. Wie bald räumt das Leben des Lohnarbeiters mit allem Kirchenwust auf! Die Fabrikräume und Werkstätten, von Staub und Schweißgeruch erfüllr, meidet der fromme Weih- rauch, in die Schächte und Stollen der Bergwerke hat noch kein Schutzengel den Fuß gesetzt und alle Dogmen der Kirche, der Herrgott und sein Heer kapitulieren auf dem feindlichen Boden des Proletariats. Dafür hat dieses nun die ganze Last seines Daseins allein zu tragen. Das macht, daß es sie nun in ihrer er- drückenden Schwere erst ganz empfindet. Und daß es gleicher- maßen danach trachtet, den Druck zu lindern, wie die ganze Bürde von sich zu werfen. We Liebe, die einst die Kirche für sich und ihre himmlischen und irdischen Potentaten forderte, teilt das arbeitende Volk jetzt allein unter sich auf: einmütig geschlossen steht es einer Welt von Feinden gegen- über. Es wird heller, freundlicher. Ab und an ein Stückchen �Himmelsblau hinter jagenden Wolken. Ein Spaziergänger kommt mir entgegen. Freilich ein unfreiwilliger, den das Bündel auf dem Rücken, die abgetragene Kleidung, der Hand- feste Weidenstock gleich als einen der ungezählten Arbeits- losen ausweisen. Die Baumwollindustrie hat über den Be- darf hinaus produziert: deswegen geht er in Lumpen: ebenso reichlich sind die Textilprodukte: darum hat sein Hemd so viele Löcher. Lager und Läden starren von Erzeugnissen der Lederbranche: man sieht es an dem niedergetretenen Schuh- zeug an seinen Füßen. Und weil Fabriken und Bergwerke und Betriebe in Zeiten fiebernder Tätigkeit alle Arbeits- tröste bis aus die letzte verschluckt hatten, ohne genug zu bekommen, deshalb muß dieser jetzt beschäftigungslos und brotlos von Ort zu Ort wandern.— Göttliche Weltordnung des Kapitalismus! Wie leicht machen es sich die Herren, die aus den Kanzeln stehen und alles Leiden wie alle Rätsel des Lebens dem- jenigen aufpacken, den sie als„Auferstandenen" an diesem Tage sich nahe glauben. Wie unendlich schwer aber muß es dem Leidenden selbst werden, in dieser Welt der Widersprüche den Lebensinut zu behalten, zur Klarheit über sich und sein Los zu kommen! Mein Landstraßenpilger hat sich einen Zweig mit frischen Kätzchen an den Hut gesteckt und zieht pfeifend seines Weges! — Osterfreude und Osterhoffnung! Die Sonne, die nun die Wolken besiegt hat und voll herniederstrahlt, die im Frühlingspunkt ihrer Aufwärts- Wanderung steht, deren Ende Frucht und Segen und Ernte bedeutet: diese Ostersonne scheint in alle sehnenden Herzen. Ausatmen. Wachstum. Zukunftsfreude erfüllt sie. Kein Priester, kein Zeremoniell vermittelt oder stört diese Feier- stimmung, die aus der sich ergänzenden Nahm unmittelbar und voll in die Herzen derer überströmt, die sie suchen. Sie erfüllt auch mich, während ich langsam der Stadt zuschreite. Dabei lösen alle Gegenstände, die ich zurückkehrend wieder betrachte, die Erinnerungsbilder meiner Gedanken auf dem Heimwege aus. Und ich fühle: mit allem, was diesen Morgen um mich gewesen, meiner Entwickelung, meinem Schicksal, meinen Briidern und Mitkämpfern— habe ich die würdigste Feier des Frühlingsfestes begangen. Ostereier und Murmeln. Die Tage um Ostern bringen den Berlinern nicht nur die Ostereier, sondern auch das Murmelspiel. bei dem man die Berliner Jugend jetzt wieder emsig auf der Straße beschäftigt sieht. DaS ist kein Zufall, denn Murmeln und Ostereier hängen unmittelbar zusammen. Um das festzustellen, braucht man nur auf wendische Volksbräuche zurückzugehen, denn die Gegend um Berlm war ja vormals wendisch. In den Oster- tagen spielten die Eier bei den Wenden eine große Rolle. Neben der Ostersemmel, wendisch jastrowne calta, dem Pfefferkuchen, paprenc, holten sich die Kinder an diesen Tagen von ihren Paten auch die buntbemalten Ostereier, pisane jajka, und die Mädchen in der Nieder-Wendei, die Ostern langen, mußten den Jungen je zwei Ostereier geben, damit sie vie Bank der Sängerinnen das Jahr über instand hielten. An den Osterfeiertagen aber wurde von den Kindern und auch von Erwachsenen„gewalkt". Dazu wurde eine Bahn gemacht, die schräg in die Erde führte, oben schmal war und sich nach unten verbreiterte, die„Walk". Der erste Spieler rollte ein Ei die Walk hinunter; traf der zweite das erste, so war dieses geschlagen und abseits in eine Vertiefung gelegt.' Das ge- schlagene Ei zahlte einige Pfennige an den Treffer und das Spiel ging weiter. Das Murmelspiel unserer Berliner Jugend ist nun nichts anderes als das„walkowac" der Wenden, nur daß an die Stelle der leicht zerbrechlichen Ostereier die haltbaren Tonkügelchen getreten sind. Dre Spielregeln sind, wie man sieht, fast die gleichen und das Murmelspiel taucht auch regelmäßig in den ersten Früh- linastagen, kurz vor Ostern, auf. In Wirklichkeit sind ja auch alle diese Spiele mit Eiern und auch mit Bällen— an einzelnen Orten wird das Walk mit Bällen gespielt— nichts anderes als Lenzspiele, die an die Erneuerung der Natur im Frühling, an daS Erscheinen der neubelebcnden LenzeSsonne erinnern und bei denen der Ball. die Murmelkugel und das Ei den Sonnenball darstellen. Das Jugendheim in der Brunnenstraße 115 ist an den beiden Feiertagen von 4—10 Uhr geöffnet. Schutz den Schutzleuten? Die Schutzleute sind es. die des Schutzes bedürfen? Sie sind's, denen man Schutz gewähren muß gegenüber der Be» Völker ung, Schutz gegenüber den Ausbrüchen ihrer Entrüstung! In Preußen ist das ja alter Grundsatz, aber rück. sickstsloser noch als sonst haben in den Polizeiprozessen der letzten Woche Vertreter der Staatsanwaltschaft und Borsitzende von Gerichtshöfen ihn angewendet. Was hatten die Polizisten zu erdulden gehabt, denen da die Ge- nugtuung bereitet wurde, harte Strafen über die von ihnen zur Strecke giibrachten Opfer verhängt zu sehen? Die meisten der An- geklagten lourden beschuldigt, die gegen die Menge vorrückenden Polizisten durch den Ruf„Bluthund«!" beschimpft zu haben; einer sollte in seinem Verdruß über die Absperrungen die Polizei dem auf der Straße umherslehenden Publikum als ebenso wenig be- achtenswert, wie ein„Haufen Dreck" eö sei, bezeichnet haben; und einem wurde zur Last gelegt, nach gelungener Passierung der Ab- sperrungLlinie den Schutzleuten eine.lange Nase" gedreht zu haben. Für die.Bluthund"-Rufe gab es Gefängnisstrafen von 1 Woche ns zu 2 Monaten; auch der.Haufen Dreck" wurde mit einer Ge- ängniLstrafe von mehreren Wochen gesühnt; und selbst die„lange Rase" wurde dem Täter so übel genommen, daß das Gericht ihm 30 M. Geldstrafe zudiktierte. Schutz den Schutzleuten? Nicht um Schutz von Ge- sundhcit und Leben der Polizisten gegen eine Volksmenge, von der sie etwa bedrängt worden wären, handelte es sich in diesen Processen. Nur die Autorität der Polizei sollte durch die harten Irteile, die da ausgesprochen wurden, wieder aufgerichtet werden. Ihre Autorität, die von ihr selber umgestürzt worden war durch sinnlose Anordnungen deS Polizeipräsidenten und durch gewalttätiges Vorgehen ausführender Polizisten I Werden aber diese ReparicrungSversuche der Gerichte gelingen? Können sie gelingen, so lange die bei Polizeiattacken vorgekommenen AuSschrei- tungen von Polizisten gegen die Bevölkerung un gesühnt bleiben? Solcher Ausschreitungen haben Polizisten ich schuldig gemacht nicht nur am 9. März, über dessen Ereignisse abzuurteilen eine fixe Justiz schon jetzt begonnen hat. Auch bei früheren Polizeiatiacken, an denen die letzten Jahre, die Jahre des Wahlrcchtstampfes, so reich waren, ist von Polizisten auf Wehrlose und Fliehende eingehauen worden. Aber noch soll man uns den Polizisten zeigen, der deshalb auf die Anklagebank gekommen wäre! Auch am! 8. März d. I. hat es in den Abendstunden wieder Polizeiatiacken gegeben. Soweit sie sofort zu unserer Kenntnis ge- kommen waren, wurden sie von uns am nächsten Tage geschildert. «Eine davon, die ganz besondere Beachtung verdient, ist uns erst nachträglich und verspätet bekannt geworden. Auf dem Lands bergcr Platz und in den benachbarten Straßen ging es cn jenem Abend sehr stürmisch zu. weil wieder mal die Pvtfstt ihre von ihr 'elber ins Wanken gebrachte Autorität mit der Faust und dem Säbel wiederherstellen zu wollen schien. Sie rückte nicht nur gegen Straßenpafsantm vpr, dgreu Ansammlung durch sie scMr erst vcrr anlaßt worden war. sondern auch gegen Bewohner des Stadtteils, die vor den Haustüren standen. Abends um �>l0 Uhr wurden Mieter des Hauses Frieden st raße 93 durch Polizisten, deren Zahl auf ein halbes Dutzend oder mehr geschätzt wird, von der Haustür weggejagt und durch den Hausflur über den Hof verfolgt. Entsetzt stoben sie auseinander, schreiende Frauen rannten die Treppe des Hinterhauses hinauf und suchten sich in die Wohnungen hineinzureiten. Zwei Polizisten stürmten hinterher mit dem Ruf:..Die Hunde werden wir schon kriegen!" und rannten lärmend hinaufbis zum ober st en Stockwerk des Hauses. Inzwischen hatten einige der unten gebliebenen Polizisten dort einen Hausbewohner gepackt, der in Pantoffeln vor die Tür gegangen lvar und sich nicht rasch genug hatte entfernen können. Zeugen, die den Kampf gegen diesen Mann mitangesehen haben, versichern, er sei auf dem Hofe(der vom Hausflur her durch eine Gaslampe hell erleuchtet war) ins Gesicht geschlagen worden und auf der Treppe, wo er zu Fall gekommen war, habe man auf ihn eingeschlagen. Niemand hat uns sagen können, was der Mann eigentlich begangen haben soll. Er hat soll. Er hat an der Stirn Verletzungen davongetragen, die durch ihr Aussehen un-d durch dir Regelmäßigkeit ihres Abstandes von ein- ander den Verdacht erwecken könnten, daß er mit einem Schlagring bearbeitet worden sei. SchutzdenSchuhleuten.nichtderBebökkerung? Wie soll die Bevölkerung sich gegen Ausschreitungen der Polizei schützen, gegen wüstes Geschimpfe, mit dem auf das Publikum ein- gedrungen wird, gegen schwere Gefährdung von Gesundheit und Leben, die von Pferdehufen und Schutzmannssäbeln droht? Jeder Versuch zu schützender Abwehr würde die Wirkung haben, daß gegenüber solchem„W i d e r st a n d" die Schutzmannssäbel ihre Blutarbeit berichteten und der Zerschlagene hinterher noch zu schwerster Strafe verurteilt würde. Hat doch im Jahre 1993 in jenem Prozeß, der an die Polizeiattacke vom Schiffbauerdamm sich anschloß, ein baumlanger Polizeihauptmann erklärt, daß die Abwehrbewegung� mit erhobenem Arm, die ein 64jähriger Arbeiter gegenüber dem HauptmannLsäbel versucht hätte, als drohende Hal» tung und Widerstand hätte aufgefaßt werden müssen. Bei solchen Zuständen hatte in dem ersten der Prozesse, die jetzt der 6. März gebracht hat, der Vertreter der Staatsanwgltschaft noch den Mut, zu behaupten, die Polizei finde nicht genug Schutz! Nur zu sehr findet sie Schutz bei den Gerichten, die unter Ablehnung aller Versuche, Polizeiaussckaeitungeu durch Zeugenaussagen festzustellen, jeden unbesonnenen Ausdruck be- rechtigter Entrüstung aufs härteste ahnden. Nur zu sehr findet die Polizei den gewünschten Schutz auch bei jener Presse, die ihr immer zu dienen bereit ist, jener Presse z. B. vom Schlage des „Lokal-Anzeiger", der acht Tage nach den Polizeitaten vom ö. März die ihm wohlbekannte zornige Erregung weitester � Bevölkerungskreise durch einen beschwichtigenden Artikel zu dämpfen suchte. Solchen Schutzpatronen der Polizei hat Berlin es zu danken, wenn die Bevölkerung schutzlos aller Polizeiwillkür preisgegeben ist._ Als„Bevormundung" faßt der Verlag der„Deutschen Warte" und der„Berliner Hausfrau" auf. was wir ihm in unserer DonnerStagSnummer, wie aus demselben Anlaß schon zu wieder- holten Malen, ins Stammbuch geschrieben haben. Auch als „Abonnentensang", weil wir kurz vor dem Ouartalsersten diesen beiden Blättern die Abonnenten wegkapern möchten. Weder daS eine noch das andere ist uns eingefallen. Die„Deutsche Warte" hätte gar nicht nötig gehabt, unsere Notiz im politischen Teil zu beantworten und zur eigenen Reklame darauf hinzuweisen, daß sie ga»z gelegentlich auch mal einen freiheitlich gestimmten Artikel verzapft. Lieber wäre uns ein Eingehen auf den Kern der Sache gewesen, nämlich eine Erklärung, daß die„Berliner Hausfrau" endlich darauf verzichtet, daß an dem berüchtigten Wahrsage- schwinde! durch Aufnahme dutzender derartiger Schwindelinserate m jeder Nummer aktiv zu beteiligen. Hierzu findet die Redaktion nicht ein einziges Wort, so daß den Lesern absichtlich verheimlicht wird, waS wir kritisiert haben. Wir empfehlen nunmehr der„Ber- liner Hausfrau", für ihre famosen..Kaffeestunden" in der Phil- Harmonie ein paar Dutzend Berliner Wahrsagerinnen zum Gratis- schwindeln zu engagieren, eventuell gegen Zusicherung von Gratis- aufnahmen volksverderblicher Inserate. Sportunfug mit Polizeihunden. Zahlreiche Polizisten. be° sonders solche auS den Vororten, wollen hinter den„Erfolgen" der mit amtlichen Polizeikötern ausgerüsteten Berliner Kirminalisten nicht zurückstehen. Sie haben sich privatim einen gelehrigen Köter zugelegt und betreiben die Ausbildung von Polizeihunden zunächst als Sport, um später, wenn die Sache vielleicht klappt» mit den den Anforderungen des Dienstes einigermaßen entsprechen- den Viechern bei den Vorgesetzten Geschäfte machen zu können. Jeder nach seinem Geschmack! Der eine sieht eine besondere Ehre darin, auf Greise, Frauen und Kinder mit dem Säbel einzuhauen. ein anderer legt Leimruten nach„Piepmätzchen" aus. der dritte produziert sich«in Nebenamt als Hundedresseur. In Groß-Berlin laufe» jetzt so viele Polizisten, Gendarmen. Forstpolizeibeamte. AmtSdiener mit Hunden herum, daß man nicht immer unter» scheiden und auch nicht gut kontrollieren kann, ob diese Beamten zur Benutzung solcher Hunde im amtlichen Verkehr berechtigt sind oder nicht. Vergnügt sich ein Beamter damit, ohne amtlichen Auf» trag einen Hund zum Polizcidicnst zu dressieren, so hat er Zweifel» loS auch nicht das Recht, diesen Köter, der sein Privateigentum ist. im amtlichen Verkehr zu verwenden und auf Menschen zu hetzen oder damit Menschen irgendwie zu gefährden. Gegen derartige Ucbcrgriffe muß mit aller Entschiedenheit protestiert werden. Namentlich in den Vororten wird auch darüber geklagt, daß Poli- zisten die Hundcdressur auf offener Straße betreiben und damit die Straße, die nach dem Worte JagowS nur dem Verkehre dienen soll, unsicher macben. Ucberhaupt hat die Verwendung von Polizei- Hunden sehr stark über die Stränge geschlagen. Es ist gar rncht nötig, daß jede einzelne kleinere Polizeiverwaltung in der Um- gebung Berlins einen Polizeihund besitzt. Vielleicht>vird man nur zu bald einsehen, daß diese Köter, in die man augenblicklich noch so verliebt ist. daß man ihnen am liebsten eine blaue Schabracke mit silbernen Tressen umhängen möchte, von einigen Ausnahmen ab- gesehen, mehr schaden als nützen. Eisenbahnzusammenstos) am Bahnhof Wustermark. Auf dem Verschicbebahnhof Wustermark bei Spandau hat sich gestern in früher Morgenstunde ein schweres Eisenbahnunglück zu. getragen. Infolge falscher Signalg-bung fuhr dort am östlichen Ende des Bahnhofs ein ettva hundert Achsen zählender Güterzug, der aus Rummelsburg kam, auf einen haltenden Güterzug auf, wobei sieben Wagen entgleisten. Bon dem Zugpersonal wurden zwei Personen getötet: der Zugführer Walther und der Schaffner Metzenthin. Vom Lehrter Bahnhof ging nach erfolgter Meldung sofort ein Hilfszug mit Acrzten und Geräten an die Unfallstelle ab. Auch von der Eiscnbahndirektion und der Betriebsinspektion 3 fuhren einige Beamte mit. Der Zusammenstoß erfolgte auf dem Gleis 13 des Verschiebe» bahnhofes Wustermark, im Weichen- und Signalstcllwerk W. O. T. Dieses Stellwerk wird von einem Assistenten und einem Weichen» stcller bedient und hat die Ein- und Ausfahrtssignale zu geben. Durch ein Versehen leitete gestern früh das Stclllverk den von Rummeldburg kommenden Zug auf das Gleis 13. auf dem bereits ein anderer Güterzug hielt. Der Lokomotivführer des einfahrenden Zuges konnte infolge dichten Nebels den haltenden Zug nicht sehen. Erst in letzter Minute, etwa zehn Dagenlängen von der Unfallstelle entfernt, sah xx hie dtthendz GefgZx, Er ggb sofort da? Notsignal und sprang dann mit dem Heizer von der Lokomotive ab. da ein Zusammenstoß undmneidlich war. Der Anprall erfolge mit solcher Wucht, daß der Packwagen vollständig zertrümmert wurde. Das Dach schob sich auf die Lolomotive, wo auch die beiden tödlich ver- unglücktcn Bahnbcamten aufgefunden wurden. Walther hatte sich mit dem Schaffner Metzenthin in dem Packwagen aufgehalten, da Metzenthin zum Zugführerdienst ausgebildet werden sollte. Das übrige Zugpersonal blieb unverletzt. Auf der Unfallstelle selbst sah es wüst aus. Die ersten sieden Wagen des Ruminelsburger Zuges waren aus den Gleisen gesprungen und zum Teil stark beschädigt. Um Betriebsstörungen möglichst zu vermeiden, wurden die um- liegenden Stationen von dem Unfall sofort benachrichtigt. Vom Bahnhof Dallgow-Döberttz traf bald eine Hilflokomotive ein, die die nicht entgleisten Wagen zurückzog und so die Weiche freimachte. Auch der Berliner HilfSzug vom Lehrter Bahnhof war in kurzer Zeit zur Stelle. Nachdem der Tatbestand aufgenommen worden war, wurden die Leichen nach einem Bahnhofsraum getragen und die Aufräumungsarbeiten sofort in Angriff genommen. Der Per- sonenverkchr erlitt keine Unterbrechung, da der Betrieb dort vier- gleistg ausgebaut ist und die Güterzüge besondere Gleise haben. Unfall beim Fußballspiel. Ein schwerer Unglücksfall hat sich am Karfreitagnachmittag auf dem Exerzierplatz in der Schönhauser Allee zugetragen. Dort wurde von einem Berliner Fußballklub ein Wettspiel abgehalten, bei dem der 39 jährige Schuhmachermeister Adolf Kraft aus der Carmen-Shlva Straße 169 als Zuschauer zu- gegen war. Von einem über den abgegrenzten Spielplatz hinweg- fliegenden Ball wurde K. mit solcher Wucht getroffen, daß er zu Loden stürzte und einen komplizierten Bruch des rechten Unter» schenkels sowie erhebliche Hautabschürfungen im Gesicht erlitt. Der Verunglückte erhielt auf der Rettungswache in der Gaudvstratze Notverbände und wurde auf seinen Wunsch nach seiner Wohnung gebracht. Bon einem Pferde schwer verletzt wurde der 28 jährige Schmied Paul Grasde aus der Gneisenaustr. 23G, der in der Lehrschmicde in der Spreestrahe in Charlottenburg einen Kursus im Hufbeschlag durchmacht. Er hatte ein junges, feuriges Pferd zu beschlagen, das un- ruhig wurde und ausschlug. Die Schmied wurde so unglücklich an der Stirn getroffen, daß er sofort blutüberströmt und befinnnngS- los zusammenbrach. Auf der Unfallstation in der Berliner Straße. wohin der Verunglückte gebracht wurde, wurde ein schwerer Schädel- bruch konstatiert. Nach Anlegung von Notverbänden wurde Grasde noch der Königlichen Klinik in der Ziegelstraße gebracht. Unter den Rädern eine» Fernzuges. Auf den Ferngleisen der Stadtbahn zwischen den Bahnhöfen Zoologischer Garten und Savignyplatz wurde in der Nacht zum Karfreitag von einem Bahnbeamten ein Mann mit abgefahrenen Beinen und schweren Körperverletzungen aufgefunden. Der Beamte schaffte den Ver- unglückten nach dem Bahnhof Savignyplatz, wo ihm die erste Hilfe geleistet wurde. Dann wurde der Schwerverletzte nach dem Keankenhause Westend transportiert. Nach den vorgefundenen Papieren handelt es sich um den 4öiährigen Kaufmann Samuel Schmidt aus Zechanotv in Rußland, der sich anscheinend auf der Suche nach seiner Tochter, die von ihrem Liebhaber entführt wurde, befand. Er hatte eine Fahrkarte bis zum Bahnhof Char- lottenburg. Wie das Unglück geschehen ist, konnte noch nicht fest- gestellt werden. Vermutlich ist Schmidt, da der Zug einen Augen- blick auf freier Strecke halten mutzte, aus die Plattform getreten und dann beim Wicderanfahren des Zuges abgestürzt. Tätlicher Automobilunfall. Von einer Kraftdroschke uberfahren und tätlich verletzt wurde in der gestrigen Nacht der 31 jährige Schlosser Paul Jakisch. Petersburgerplatz 7 wohnhast. Gegen 1 Uhr passierte I., auf dem Nachhausewege begriffen, die Frankfurter Allee. An der Ecke der Warschauerstratze wollte er sich nach dem jenseitigen Bürgerstcig begeben. Dabei wurde er von einer Auto- mobildroschke umgerissen und überfahren. In besinnungslosem Zu- stände wurde der Verunglückte nach der Unfallstation in der War- schauerstraße gebracht, wo bei ihm mehrere Rippenbrüche und innere Verletzungen festgestellt wurden. Dann wurde er nach dem Krankenhaus am Friedrichshain übergeführt, wo Jakisch alsbald »ach seiner Einlieftrung verstarb. „GUttUche" Wcltortmang. Ein trauriges Osterfest ist der Fa- miste des Klempners Schräder, Martin Opitzstr. 18, beschieden. Ech. war seit längerer Zeit arbeitslos und er äußerte seiner Ehefrau gegenüber wiederholt, wenn er nicht bald Arbeit finde, so werde er sich ein Leid antun. Seitdem schwebte Frau Sch. fortwährend in großen Aengsten um ihren Mann. Als sie nun gestern früh auf- stand und die Küche betrat, fand sie dort zu ihrem Entsetzen ihren LbenSgefährten erhängt auf. Sch. war bereits tot. Wegen ArbeitSlofigkett hat sich ferner der wohnungslose Mecha- niker Otto Kahner d>aS Leben genommen. Der Bedauernswerte, der im 44. Lebensjahre stand, erhängte sich im Friedrichshain an einem Baum. Mord im Spreewald. In Schönwalds im Spreewald kehrte am Karfreitag ein Paar Lei einem Gastwirt ein und blieb über Nacht. Gestern morgen wurde der Mann mit durchschnittenem Halse tot im Bette aufgefunden. Seine Begleiterin hatte heimlich die Stube und daS Gasthaus verlassen. Mehrere Anzeichen sprechen dafür, daß sie den Mann ermordet hat. Der Tote ist ebensowenig bekannt wie seine Begleiterin. Ob sie aus Berlin gekommen sind, steht noch nicht fest. Allgemeine Städtebau-AuSsiellung 1919 in Berlin. Nachdem die meisten Entwürfe zum Wettbewerb für den Bebauungsplan Groß-Berlins zur Lösung der brennenden Frage der Nord-Süd- Verbindung für die Lerlmer Bahnen einen Tunnel vorgeschlagen haben, wird zum Vergleich ein großes Modell von New Uork be- sonders interessant sein, mit dem die größte Eisenbahngesellschaft Amerikas, die Peimsylvania Eisenbahn, die Allgemeine Städtebau- Ausstellung beschicken wird. Dieses Modell zeigt die mit enormen Arsten angelegten Eisenbahntunnels. die nach der Elektrifizierung der dortigen Eisenbahnen unter der Stadt angelegt worden sind und die ermöglichen, die Eisenbahn bis inS Herz der Stadt zu führen. Das Modell wird zu den größten der Ausstellung gehören�, Unzuverlässige Nachrichtenvermittler. Montag nacht wurde der Schlosser Lamprecht. Hermsdorf wohnhaft, vom Bahnhof Ge- fundbrunnen erheblich verletzt nach der Unfallstation in der Hoch- iraße gebracht und von dort nach einem Krankenhause über- geführt. Wie uns berichtet wird, hatte der Schutzmann es über- nommen. für Benachrichtigung der Angehörigen des L. zu sorgen. Diese waren aber bis Freitag noch ohne Nachricht. Hätten sie eS nicht in der Zeitung gelesen, würden sie über den Verbleib des L. noch heute im unklaren sein. Uebrigens ist der Unfall des Lamprecht auf der Station Westend pasjiertz der Verunglückte wurde aber bis Gesundbrunnen mitgenommen, um nach der in der Nähe des Bahnhofes gelegenen Unfallstation eingeliefert zu werden. Der Jugeudkursas für Fortgrschrittrnc soll unter der Leitung des Genossen Grunwald auch im nächsten Quartal weitergeführt werden. Es werden von jetzt ab im wesentlichen Uebungen im Steden und in schrifilichcn Arbeiten über besondere Themata aögehalien werden. Neue Teilnehmer, die über eine entsprechende Vorbildung «erfügen, sind noch wilfkomytnr. Der Kursus beginnt am Sonn- tag, den 17. April /nicht, wie erst beabsichtigt war. am 10. April», btznniliags Vü13 Uhr. in der Ätbeiter-BildungSschule, Grenadierfir. 37. Die späteren ZufammenLinsts sollen dann nach «erriuvarung mie den Teilnehmern zu einer früheren Wunde ve- ginnen. Arbeiter-BildungSschule. Der Unterricht in Naturcrkennt- nis findet am M ittw o ch, den 30, März, Freitag, den 1. April und Montag, den 4. April statt. Am Sonntag, den 3. April findet im Königstadt-Kasino, Holzmarkt- straße, eine Versammlung statt, in welcher die Genossin Luise Zietz einen Vortrag hält. Gesangliche Osterveranstaltungen. Sängerchor Wedding (129 Sänger, 5N. d. A.-S.-B., Chdrmeister Herr E. Thilo) ver- anstaltet am 27. März 1919, abends 7 Uhr(1. Osterfeiertag) in den„Pharussälen"(großer Saal), Müllerstr. 142, einen Konzert- und GesangSabcnd. Mitwirkende: die hervorragende Konzert- und Oratoriensängerin Frl. Jenny Bremer, am Klavier Herr E. Thilo, sowie das neue Tonkünstlerorchester, Dirigent Herr Fr. Hollfelder. Programm inkl. Tanz 59 Pf. Ter Männerchor„Schönhauser V o r st a d t"(27?. d. A.-S.-B.) hält unter Leitung seines Dirigenten Herrn P. A. Joseph am 1. Osterfeiertag in Dräsels Festsälen, Neue Friedrichstr. 35, ein Vokal- und Jnstrumentalkonzcrt ab. Der Gesangverein„Kreuzberger Harmonie"(M. d. A.-S.-B.) veranstaltet am Montag, den 28. März(2. Osterfeiertag), mittags 12 Uhr, in Happolds Konzertsaal, Hasenheide 32/38, unter Mitwirkung des Berliner Sinfonieorchesters(M. Fischer) eine 27!atinee. Programm 25 Pf. Bei der Karfrritagspartie deS sechsten Wahlkreises nach dem alten Freund in Pichelswerder hat eine Teilnehmerin einen schweren Verlust erlitten. Sie hatte der Sicherheit wegen— aus Furcht vor Spitzbuben— einen größeren Geldbetrag, den sie am dritten Feiertag abliefern sollte, mitgenommen, ihr ist aber da? Portemonnaie mit dem gesamten Inhalt abhanden gekommen. Es enthielt zwei Hundertmarkscheine, einen Fünfzigmarkschein, zwei Zwanzigmarkstücke, ein Zehnmarkstück und für S M. kleines Geld. 1 Ring. 1 Reinigungskarte von Spindler und einen Steuerzeticl. Sollte ein Teilnehmer der Partie oder eine andere Person das Portemonnaie gefunden haben, so wird der ehrliche Finder um Ab- gäbe gebeten bei Frau Böhme» Pankstr. 76. Auf der Treptvw-Sternwarte spricht Direktor Dr. Archenhold am Ostersonntag. nachmittags 5 Uhr, über:„Kann die Erde unter- gehen?", abends 7 Uhr über:„Unser Wissen von den Kometen". am Ostermontag, nachmittags 5 Uhr. über:„Der Halleysche Komet", abends 7 Uhr über:„Das Geheimnis des Weltenbaues" und abends 9 Uhr über:„Boten aus den fernsten öimmelsräumen". Herr Dr. Voith spricht am Dientag, den 29. März, nachmittags 5 Uhr, über:„WeliuntergangSprophezeiungcn". Mit dem großen Fernrohr der Treptow-Swrnwarte wird am Tage die Sonne, abends der Mond bezw. Saturn. Orionnebel und Jupiter gezeigt. „Der Klapperstorch der Königin", Karl Böttcher? er- folgreiche satirische Komödie, deren Berliner Erstaufführung vorigen Montag im Luisen-Theater stattfand, gelangt am am Montag, den 2. Osterfeiertag. dort zur Wieder- holung._ Vorort-]N ach rieb tem IchSneberg. Em mit Lebensgefahr verbundener Spielplatz sst der am Sachsendamm, Ecke Königsweg, liegende Lehniberg. Dieser mehrere Meter hohe Berg liegt aus militärfislalischem Gelände und wird von Kindern mit Vorliebe als Rodelbahn benutzt, nur mit dem Unter» schied, daß als Unterlage die Kleidungsstücke verwendet werden. Dabei werden nicht die Gefahren beachtet, die bei diesem schnellen Abrutsch entstehen können, da am Fuße dieses Berges viel Lastfuhr- werk sowie die Straßenbahn verkehren. Ein höchst bedauerlicher Unfall passierte dort vor einigen Tagen der 12jährigen Tochter des Beamten Schwarziopf. der sich zu Besuch bei Bekannten am Sachsendamm befand. Das Mädchen hatte am Lehmberg gleichfalls den Abrutsch mit unternommen, dabei verunglückte es so schwer, daß es eine Gehirnerschütterung davon- trug und nach dem Krankenhaus geschafft werden mußte; hier erlag das Kind am nächsten Tage seinen Verletzungen. Den Elten, kann nur angeraten werden, ihre Kinder vor diesem lebensgefährlichen Spiel zu warnen. Rtxdorf. „Dir Reife um dl« Erde" ist das Thema, welches Herr R. Schulz (Rixdorf) morgen, zweiten Osterfeiertag. nachmittags 2>/z Uhr, in den Bürgersälcn. Bergstr. 147, behandeln wird. Der mit Ltchtbildern ausgestattete Vortrag dürfte für unsere Jugend ganz besonders inter- essant sein. Eintrittskarten(pro Kind 10 Pf.)� sind in den Lokalen von Hoppe, Hermannstr. 49. und Meier, Prinz-Handjerystr. 3, er- hättlich.— Saaleröffnung l'/z Uhr. AuS den letzten MagifwatSsitzungen. Die Veränderung der Grenzen der Stadtbezirke l3a und 18b dahin, daß die Grundstücke Kopfstraße 23—44 aus dem Bezirke 13 b ausscheiden und dem Bezirk 13 a. einverleibt werden, wurde beschlossen. Die Reinigung der Schulen soll nicht einem Unternehmer, sondern den Schul- dienern— unter Aufsicht der Schuldeputation— übertragen werde,«. Die Anschaffung eigenen Fuhrwerks für die Krankenhaus- Verwaltung wurde beschlossen; eS sollen zunächst beschafft werden: 1 Milchwagcn. 1 Arbeitswagen, 1 Pferd sowie die notwendigen Utensilien und Gerätschaften.— Die Dienstleistung des Kranken- hauspcrsonais in der Pflichtfeuerwshr der Gemeinde Buckow soll durch Zahlung eines jährlichen Beitrages von S M. für die aus- geloste Person abgelost werden.— Dem Entwurf der Polizei- Verordnung betreffend die Reinigung und Spülung der Triiikgefäße in den Schank- und Gastwirtschaften wurde zugestimmt. Zehlendorf(Wannseebahn). Di« Stichwahl im Südbrzirl findet am Mittwoch, den 39. März, abends von S— 8 Uhr im»Fürstenhof" statt. Der Kandidat der Sozialdemokratie ist Genosse Söhre. Es ist nunmehr unbedingte Pflicht jedes Genossen und Arbeiters, mit aller Kraft für die Wahl misereS Kmididaten einzutreten. Am Tage darauf, also am Donnerstag, den 31. März. findet die Stichwahl im Nordbezirk, wo unser Genoste Ulm kandidiert, im„Kaiserhof" statt. Auch Hier ist die Wahlzeit von 5—8 Uhr abends festgesetzt. Für die Wähler und Genossen dieses Bezirks gilt natürlich dasselbe wie für den Südbezirk. Heute früh V-ß Uhr: Wichtige Fingblattverbreitung von Mieck und Micklcy auS. Ober-Tchöneweide. Eine Qual, so wird uns geschrieben, bedeutete für alle Be- teiligten die am vergangenen Sonntag stattgefundcne Gewerbe- gcrichtswahl. Gewählt wurde nach aufgestellten Listen. Diese waren sehr mangelhast angefertigt und eine ganze Anzahl Wähler nicht angetragen. Den Wählern war keinerlei Mitteilung zu- gegangen, ob und unter welcher Nummer ihre Eintragung ge- schehen. DaS Aufsuchen der einzelnen Namen war daher auch mit erheblichen Schwierigkeiten verbunden. Noch mehr Zeit nahm das Suchen nach denjenigen Wählern in Anspruch, die wicht «ingetragen. Durch diese langsame Abfertigung kam es zu be- cmgstigendem Gedränge, viele Wähler verließen nach stunden la-mem Warten das Wahllokal, ohne ihr Wahlrecht ausgeübt zu haben. Herrn Bcrthold. unserem erst kürzlich gewählten Oberhaupt. wird es angelegen fein ulüsieu, Einrichtungen zu treffen, nach denen die Geduld der Arbeiter auf keine zu Hartz Probe gestellr wird. Es ist gewiß kein Vergnügen, namentlich für die in Berlin wohimildeil Wähler, einen ganzen Soluitagnachmitiag in einer Turnhalle zu stehen und abeitds unp errichteter Sache abziehen zu Muffen.— Tie Wahl der Arbeitgeber am' Montag vollzog sich weit eintöniger. Nur 104 Stimmen wurden in ö Stunden abge- geben, von denen 49 die Kandidaten der sozialdemokratischen Liste erhielten. Am zwelle« Feiertag öormittag veranstalten die Arbetier- gesangvereine„Ober- SchLneweider Liedertafel",.Adlershofer Männergesangverein".„Köpenicker Männerchor".„Friedrichs- Hagener Männerchor",„Vorwärts I" Berlin und„Fichte-Georginia" Berlin im Restaurant von Höflich eine Morgensprache. Freunde des Männergesanges werden dort auf ihre Kosten kommen. Adlershof. Bei der am Donnerstag fiattgcfundcnen Gemeindcvorstehcrwahl wurde der Beigeordnete HanS Köhler, Boxhagen-Rnmmelsbuig. mit acht gegen sechs Stimmen, welche für den jetzigen Gemeindevorsteber abgegeben wurden, gewählt. In der hieran anschließenden Ge- meindevertretersitzung wurde die Verteilung des Steuersolls zun» Voranschlag nochmals beraten. Der Kommunalzuschlag wurde auf 169 Pro.;., die Gewerbesteuer der Klassen I und U aus 255 und der Klassen III und IV aus 180 Proz. fellgesetzt. An Grund- und Ge- bäudesteuer werden erboben bei bebauten Grundstücken 4 pro Mille und bei unbebauten Grundstücken 5,6 pro Mille. Zum Ausgleich des Voranschlages wurde die Wertzuwachssteuer mit 341,60 Mark höher eingesetzt. Nieder-Tchönhause«. Die Stichwahl zwischen unserem Genossen Adolf Woschke und dem bürgerlichen Mischmaschkandidaten Krause, findet am Li i t t w o ch, den 3 0. März, von 11 Uhr vormittags bis 8 Uhr abends statt. Wahllokal: R'e staurant Liedemit am Kirchplatz. Da die Bürgerlichen beabsichtigen, da? Wablburcau aus ihren Reihen zu besetzen, so ist es dringend notwendig, daß die Genossen, die bereits früher abkommen können, sich um%11 Uhr vor dem Wahllokal treffen. DeS weiteren werden die Genossen ersucht, etwas zahlreicher als wie bei der Hauptwahl sich dem Wahlkomitee zur Verfügung zu stellen. Unser Schleppbureau be- findet sich wieder bei Radseck, Kaiser-Wilhclmstr. 10. Parteigenossen? Noch einmal heißt es an die Arbeit gehen, noch einmal alle Energie aufbietent Agitiert, was in Euren Kräften steht! Zeigt, daß unser Kampfesmut. unsere Disziplin und unsere Organisation selbst über dreihundert Papierwähler zu triumphieren vermögen! Der Mittwoch muß uns den zweiten sozialdemokratischen Gemeindcvertrcter in unser Ortsparlament bringen. Ter Münergrsaitgvercin„Zukunft" veranstaltet am 27. März (1. Osterfeiertag), abends 7 Uhr, im Restaurant Liedemit, am Kirchplatz, ein großes Konzert. Da der Verein alles aufgeboten hat, einen genußreichen Abend zu bieten, derselbe sich auch bei allen von der Partei getroffenen Veranstaltungen stets bereitwillig zur Verfügung stellt, so wird den Parteigenossen der Besuch dieses Konzerts empfohlen. Reinickendorf. In der letzten Gemeindrvertretersttzmig fand die Fortsetzung der Etatsberamng statt. Der Armenetat erfordert bei einer Ein- nähme von 27 475 M. und einer Ausgabe von 105 575 M. einen Zuichuß von 78 l00 M. Vom Genossen Kölln wurden einige Po- silionen wegen ihrer Niedrigleit bemängelt, lieber die Täligleit deS Vereins für Ferienkotonie, der einen Zuschuß von 700 M. erhätt, soll ein Bericht eingefordert werden. Der Etat wurde genehmigt. Der Etat der Kranlenhousverwaltung erfordert einen Zuichuß von 30 355 M. Die zu erbebenden Sätze wurden gegen die Stimmen unserer Genossen von 3 M. aus 8,50 M erhöht. Der Etat wurde genehmigt. ebenso fast debattelo» der Etat der Kanalifationsverwoltung. der zum ersten Mal« in diesem Jahre keinen Zuschuß erfordert. Beim Etat der Wasserwerksverwallung beantragten unsere Genossen, den Ueberschuß von 7900 M. zur Bildung eine? Reservefonds zu verwenden. Der Antrag wurde abgelehnt. Der Ueberschuß wird in der allgemeinen Verwaltung mit verwandt. Der Etat wurde ge- nehmigt. Der Friedhosseta« schließt in Einnahme und Ausgabe mit� 11 900 M. und erfordert keinen Zuschuß. Die vor kurzem vor- genommene Erhöhung der Gebühren bringt einen Ausgleich zustande: Die Gärtnereiverwaltung deckt ihre Ausgaben in Höhe vo» 7600 M. durch den Verkauf von Sträuchen«, Bäumen usw. und erfordert daher keinen Zuschuß. Der Etat der Schlachtvieh- und Fleischbeschau- und Freibankverwaltung erfordert einen Zuschuß von t200M.. der event. durch Erhöhung der Freibank- gebühren wieder eingebracht werden soll. Das von der Gemeinde angelegte Industriegleis erfordert einen Zuschuß von 4990 M. bei einer Einnahme von 33 500 M. und einer Ausgabe von 37 500 M. Aus dem Etat der Kapital- und Scbuldenverwaltnng ist zu er- wähnen, daß Reinickendorf jetzt eine Schuld von 11295 783.18 M. kontrahiert bat. für welche ein Zinsendienst von 640 900 M. zu leisten ist. Der Titel Straßen- und Wegebauvecwaltung führte zu erregten Debatten zwischen unseren Genossen und der bürgerlichen Majorität über einzelne vom Verband der Gcmeindearbeitcr erhobene Forderungen, in deren Verlauf unsere Genossen den Saal verließen, nachdem ihnen in geradezu unanständiger Weile durch einen Antrag aus Schluß der Debatte das Wort abgeschniiten worden war. Wir lommen hieraus noch näher zurück. Beschlosseti wurde, die elektrische Beleuchtung der Straßen wieder einzustellen, falls sich die Stadt Berlin nicht zu Konzessionen bereit erklärt. Gellagt wurde darüber, daß ständig viel Lampen der elektrischen Beleuchrung zerbrochen seien. Der Schöffe Kühnemann führt daS auf Zrr- siörungslust der Kutscher zurück, die sich alle Mühe geben. die Lampen mit ihren Peitschen zu zerschlagen. Die Kutscher betreiben daS förmlich sportmäßig. ES ist unglaublich, was dieser Herr durch seine Brille der Arbeiter„freundlichkeit" alleö sieht. Der Etat erfordert bei einer Einnahme von 39 690 M. und einer Ausgabe von 219 209 M. einen Zuschuß von 179 699 M. und wurde genehmigt. Bei dem Etat der Steuer» Verwaltung gerieten die bürgerlichen Herren, die jetzt ganz unter sich waren, einander selbst in die Haare. Wie der Fehlbetrag ge- deckt werden sollte, gab Anlaß zu der bitteren Fehde. Die Finanz- kommission hatte beantragt, den Zuschlag zur Staatsemlammen- steuer aus 199 Proz., den Zuschlag zur Gewerbesteuer für die erste und zweite Klasse auf 250 Proz., für die dritte und vierte Klasse auf 150 Proz. festzusetzen und als Grundwertsteuer 2,7 pro Mille für den bebauten und 5.4 pro Mille für den un» bebauten Grundbesitz zu erheben. Der Beigeordnete ver- teidigte diese Einteilung. Herr Reinecke und in ganz besonder? energischer Weise der Bürgermeister, der schon sämtliche Grund- bcsttzer am Himgertuche nagen sieht, wehrten sich gegen diese„un- gcheuerliche Belastung", gegen die„Enteignung" der Grundbesitzer. Der Bürgermeister schlug eine Heraufsetzung de« Einkommensteuer« Zuschlages auf 125 Pf., und der Gewerbesteuer aus 275 resp. 175 Proz. sowie die Herabsetzung der Grundwertsteuer von 2,25 Pro- mille resp 4,5 Promille vor. In namentlicher Abstimmung wurde schließlich dieser Antrag mit 10 gegen 4 Stimmen abgelehnt. Mit demselben StimmverHältmS schließlich der ganze Etat angeuommcn. Hermsdorf i. M. In der letzten Gemeinbevertretersstzung teilte der Gemeinde» Vorsteher mit� daß der Vertrag zwischen der Gemeinde und der Eisenbahnbehorde betreffs Umbau deS BahnofS behördlich genehmigt ist. Die Gemeinde verpflichtet sich, zu dem Umbau etwa 170 000 M. beizutragen sowie die zu dem Umbau nötigen Gelände für die Eisenbahn zu erwerben. Die Gemeinde hat aber einen genau gleichlautenden Bertrag mit der„Hermsdorfcr Boden- Aktien- Gesellschaft" geschloffen, dadurch übernimmt eigentlich diese Gesell« schaft die vorstehenden Verpflichtungen der Eisenbahn gegenüber. ES entstehen also der Gemeinde durch den Umbau deS Bahnhofs. welcher erheblich vergrößert und den Ansprüchen der Einwohner- schaft genügen soll, keinerlei Kosten. Hierauf folgte die zweite Lesung des Etats. Genosse Sohrauer verurteilte in der Debatte, daß einzelne bereits sehr gut bezahlte Beamte noch immer extra honoriert werden, nur deshalb, weil hiejeiben in ihrer täglichen noch nicht siebcnstündigen Arbeitszeit « abends van 7� bis SHi Uhr statt. Geöffnet 7 Uhr. Sannabend» beginnt die Ebre-dstnnde nu> 6 Uhr. Jeder«nsrage ist«in BuKstabe«nd eine Zahl als Mertzeilhen blijUiLse». Briefliche Antwort wird nicht«teilt. Bis»nr Beantwortung i« BrirflaNca«iinnln 1t Tage dtrgehe«. Eilige Frige»«rage «au in der Sdrechstunde vor. A. 1V00. 1. Etwa 20 M. Der Vertrag tritt gegenüber Dritten mit der Publikation in Kraft. 2. Eine Verpflichtung zur Bezahlung der KrankenhauSkaften sür Ihre Mutter liegt nur dann vor, wem« Sie ohne Gefährdung Ihres standesgemäßen Unterhalt? unter Berücksichtigung Ihrer sonstigen Verpflichtungen dazu imstande sind. Pfändbar ist der 28,85 M. wöchentlich übersteigende Lohn.— F. 19. 1. Nein. 2. Auch nicht. 4. Ja. — H. K. 300. 1 M. pro Jahr.— M. 4«. Das hängt vom Er- messen deS VollstreckungSrichlerS ab; eine im Gesetz ziffernmäßig fest- gelegte Grenze gibt cS nicht. Unseres ErachtenS höchstens 3.50 M. —(£. B. 101. 1. Uns nicht bekannt. Anscheinend sind nicht genügende Mengen von Zucker und Wasser vor der Gärung hinzugesetzt. 2. biS 3. Die Pachtverträge sind zum Schluß des Pachtjahres— bei dem ersten zum 1. Okiober, bei dem anderen zum 1. April— auslündbar. Die Kündigung muß spätestens am ersten Werktage des halben JahreS, mit dessen Ablauf die Pacht endigen soll, im Besitz deS anderen BertragStellS sein. Kann die En" vom Gegner nicht innegehalten werden, so tönnen Sie Ersatz deS Usächlichen Schadens beanspruchen.— K. 13. 1. Der Schiviegersohn ist gesetzlich nicht unterhaltspflichtig. 2. Verlangen Sie im Wege der Nellamatlon Herabsetzung um eine Stufe.— R. Heidelbergerstr. 76. 1. Ja. 2. Wenn Sie im Kalenderjahr 1908 ausgetreten sind, so� fordern Sie die sür das erste Vierteljahr tgtO gezahlte Kirchensteuer zurück, sie hätten rechtzeitig reklamieren müssen. 3. Sie nicht, wohl aber Ihre Frau in Höhe der Halste der sür Sie in Frage kommenden Kirchensteuer.— F. Sch. 100. Im Verlage von Wilhelm Oppermann, Charlottcnburg, Kantstr. 99 erscheint eine Ihrem Zweck anscheinend dienliche Zestschrisl. Jedes Wort 10 Pfennig. B& JT t m M.■ i ANZEIGEN Dm erste Wo«(fettgedruckt) 20 Ptg. 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