Nr. 73. Abonnements- Bedingungen: M Abonnements Preis pränumerando: Bierteljährl. 3,30 Mt., monatl. 1,10 M., wöchentlich 28 Bfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntagsnummer mit illustrierter SonntagsBeilage„ Die Neue Welt" 10 Bfg. PostAbonnement: 1,10 Mart pro Monat. Eingetragen in die Post- BeitungsBreistifte. Unter Kreuzband für Deutschland und Desterreich- Ungarn 2 Mark, für das übrige Ausland 3 Mart pro Monat. Postabonnements nehmen an: Belgien, Dänemark, Holland, Italien, Luxemburg, Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. Ericheint täglich außer Montags. Vorwärts Berliner Volksblatt. 27. Jahrg. Die Infertions- Gebühr Beträgt für die sechsgespaltene Kolonel geile oder deren Raum 50 Pfg., für politische und gewerkschaftliche Vereinss und Versammlungs- Anzeigen 80 Bfg. ,, Kleine Anzeigen", das erste( feitgedruckte) Bort 20 Bfg., jedes weitere Sort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlaffteen- Anzeigen das erste Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet Telegramm- Adresse: Sozialdemokrat Berlin" Zentralorgan der fozialdemokratifchen Partei Deutfchlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Parteigenossen! „ Vorwärts" 25 Mittwoch, den 30. März 1910. Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Mr. 1984. " " getroffen, ihm sind eine Gebühr von fünf Mark für eine oft tewitsch ging eine ganze Reihe von Herausforderungen durch die nur gelegentliche Benuzung keine Bagatelle. Hat man Regierung selbst voraus. Die Minister blieben vielen wichtigen schon die große Masse der Bevölkerung durch rigorose Beratungen in der Duma vollkommen fern oder erschienen nur, Benutzungsbestimmungen von der Nuznießung dieser um verleßende Erklärungen abzugeben. So erklärte der Justiz Institute ausgeschlossen, ferner durch Verweigerung minister, daß alle Beschlüsse der Tuma auf die Praxis der Vers Die verflossenen Monate waren ein herrliches Zeugnis ausreichender Mittel die Entwickelung dieser Bibliotheken waltung gar keine Wirkung haben werden; ganz ähnlich äußerte Ser politischen Reife und Entschlossenheit des deutschen Pro- verhindert, so daß sie, mit ausländischen Instituten ver- fich auch der Minister der Volksaufklärung. Stolypin selbst erschien letariats. Der politische Kampf ist zur Aktion der Massen glichen, sehr schlecht abschneiden, so sucht man zuguterlegt überhaupt nicht bei den Beratungen des Budgets, nicht einmal bei selbst geworden. Die glänzende Leistungsfähigkeit der poli- durch eine Steuer den Kreis der Benuger noch den Beratungen über das Ministérium des Innern. Erst nach all tischen Organisation hat dem preußischen Polizeistaat Schach enger zu ziehen! Und das in einer Zeit, in der in diesen absichtlichen Verlegungen der Ehre des Parlaments ließ man geboten, das System der Moltke und Jagow zum Gelächter modernen Staaten überall Bibliotheken errichtet werden, den Burischkewitsch los. Man rüstete ihn auch vorher zum Stampfe Europas gemacht, den Respekt vor der deutschen Arbeiterklasse die man sorgfältig ausbaut und vor allem der gesamten aus. Erklärte doch Purischkewitsch selbst, daß seine Ausführungen Bevölkerung zugänglich macht. fich auf Material stüßen, das für andere unzugänglich sei offenauch bei ihren schlimmsten Feinden erhöht. Haben denn die Herren im Kultusministerium feine bar wurde ihm das Material vom Polizeidepartement geliefert. Und der Kampf bringt bereits seine ersten Früchte. Ahnung, wie sehr sie sich durch eine derartige Steuer bla- Alles läßt darauf schließen, daß Purischkewitsch, wenn nicht direkt Ueberall wachsen unsere Organisationen, überall steigt die mieren? Stennen sie nicht den jämmerlichen Zustand der im Auftrage Stolypins, so doch mit dessen Genehmigung ge Zahl der Leser und Abonnenten der Arbeiterpresse. Die preußischen Bibliotheken?- Doch lassen wir einige Zahlen handelt hat. Demonstrationen haben weite Schichten unserer indifferenten reden: Stolypin hat bereits verschiedene Mittel angewandt, um die Klaffengenossen aufgerüttelt und sie reif gemacht, einzutreten Der Etat sieht für die Gesamtheit der staatlichen Univer- Dumamehrheit gefügig zu machen: Versprechungen, Drohungen in die Kampfreihen des gewerkschaftlich und politisch orga- sitätsbibliotheken ganze 900 000 m. vor; hinzu kommt noch mit Rüdtritt seines fonstitutionellen" Stabinetts oder mit der Aufnifierten Proletariats. Diese neuen Kämpfer mit Klaffen- die Zentralbibliothek Preußzens, die sog. Kgl. Bibliothek zu lösung der Duma; warum soll er nicht auch einmal zur Provokation bewusstsein zu erfüllen, sie zu schulen für den Befreiungs- Berlin mit 800 000 M. Nach Dr. Schwenke kommen nun bei gegriffen haben, zum traditionellen Lieblingsmittel aller russischen kampf des arbeitenden Volkes, ist die wichtigste Aufgabe der den 10 Universitätsbibliotheken zum Bücherankauf und Einband Regierungen? Durch Standale wollte man die Duma vor ganz Arbeiterpresse, dieser wuchtigen Waffe im politischen Kampfe. auf jede durchschnittlich 30 000 m. Daß diese Summen Europa kompromittieren. Die Echtrussen" wollten die Standale Deshalb ist es Eure Pflicht, Parteigenossen, den bevor- bei dem Umfange der heutigen Bücherproduktion völlig un- noch auf eine andere Weise ausnuten. Der Minister der Volksaufzureichend sind, gibt man auch zu. Bücher, die für die klärung, der berüchtigte Minister Schwarz, gilt überall, auch beim stehenden Quartalswechsel zu benutzen, um Eurem Blatte, dem Volkswirtschaft oder Staatswissenschaft von bedeutendem Werte Baren, als die wichtigste Stüße des Absolutismus. Man wußte des= sind, wird man vergeblich in der größten Bibliothek Preußens halb im voraus, daß Skandale bei der Beratung des Etats dieses bezw. Deutschlands suchen. Aber um dem Leser ein Bild von Ministers den größten Unwillen des Zaren gegen die Duma hervor. dem jämmerlichen Zustande des Bibliothekswesens in Preußen- rufen werde. Die echtrussischen Helden waren bestrebt, die Auflösung Deutschland, im Lande der Dichter und Denker, zu geben, der Duma zu erwirken; Stolypin selbst aber scheint nicht so weitneue Abonnenten zu gewinnen. Der Kampf um die Er- wollen wir zum Vergleich zwei Bibliotheken Englands heran- gehende Pläne verfolgt zu haben. Im Grunde genommen kann er oberung des allgemeinen, gleichen und geheimen Wahlrechts ziehen: 1. die Bibliothek des Britischen Museums und 2. die wohl mit der dritten Duma zufrieden sein: es ist die einzig möge Die Bibliothek des liche Kombination zur Aufrechterhaltung seiner eigenen Selbstherrdauert fort, und jeder Arbeiter muß durch sein Blatt sich unter. Bibliothek der Stadt Manchester. richten, um als Vollwertiger an diesem großen Ringen teil- Britischen Museums erhält Pflichtexemplare der neu er- fchaft. Ein Schritt nach links würde zur Demokratisierung der nehmen zu können. Aber auch im gewerkschaftlichen Kampfe scheinenden Drucke in Großbritannien, Irland und den Duma und zum Sturze der Bureaukratie führen, ein Schritt nach stehen bedeutungsvolle Entscheidungen bevor. Das Blatt, britischen Kolonien; dessenungeachtet gibt sie doch noch rechts würde dem Großgrundbesitz die Alleinherrschaft geben 200 000 Mart jährlich für Anfäufe und die gleiche und gleichfalls zum Sturz der Bureaukratie führen. Bei der jetzigen das einzig und allein die Interessen der Arbeiterklasse ver- Summe für Einbände aus. Ihr Bücherbestand beträgt etwa Kombination dagegen ist es leicht, in den bürgerlich- konstitutionellen tritt, ist der 5 Millionen Exemplare( die preußische Zentralbibliothek etwas Bestrebungen der Großkapitalisten( der Oftobristen) ein Gegen über 1 Million); davon 2 Million periodischer Druckwerke gewicht gegen die feudalistisch- konstitutionellen Bestrebungen der und über 30 000 Zeitschriften( ohne Zeitungen). Die Aristokratie( der Nationalisten und der Rechten unter Graf städtische Bibliothek zu Manchester, die im Durchschnitt Bobrinsky) zu finden. Die dritte Duma bietet auch das beste täglich von 6128 Personen benutzt wird und deren sonstige Mittel zur Bekämpfung der Demokratie und hat darin schon vieles Einrichtungen mustergültig sind, kostet der Stadt jährlich geleistet. Durch die Aufrechterhaltung des Gleichgewichtes zwischen 432 000 W. Davon werden 102'000 M. für den Ankauf von dem Feudalismus und dem oktobristischen Stonstitutionalismus ist Büchern usw. verwandt.*) es Stolypin gelungen, hinter einem Scheinparlamentarismus die In England wie auch in Amerika und anderwärts Selbstherrschaft der Bureaukratie und seine eigene im vollen Um. sucht man die Benutzung der Bibliotheken auf alle nur erdent fange zu erhalten. Die dritte Duma ist zu einem Werkzeug in den liche Art zu erleichtern. Man geht von der Anschauung Händen Stolypins geworden, zu einer willenlosen Vollzieherin aller aus, daß die dadurch erworbene Intelligenz seiner Wünsche. befruchtend auf das wirtschaftliche Leben Das ist aber noch nicht alles, was Stolypin wünscht. Die Duma wirft. Darum ist es möglich, daß englische und amerika- ist zwar willenlos, aber nicht sprachlos. Da fißen vor allen nische Waren, trok höherer Arbeitslöhne, die für ihre Her- die Sozialdemokraten, die durch keine Mittel zum Schweigen zu stellung ausgegeben werden, dennoch siegreich den Weltmarkt bringen sind, ebensowenig wie die Trudowifi. Auch die Kadetten behaupten. Doch der preußische Junker und mit ihm die von führen oft unangenehme Reden. Selbst die Ottobristen halten es Die preußische Regierung hat ihre Absicht, für die staat- ihm beherrschte Bourgeoisie sieht nur die andere Seite der für nötig, von Zeit zu Zeit durch Scheinopposition ihre tonstitution lichen Bibliotheken eine Benutzungsgebühr von 5 M. pro Medaille, nämlich: daß ein gebildetes, hohe wirtschaftliche und nelle Gesinnung dem Lande zu beweisen, wenn sie auch stets für Jahr zu erheben, nunmehr verwirklicht. Das hat für uns fulturelle Werte erzeugendes Volk sich nicht wie willenlose die Regierung stimmen. Dieser" Redseligkeit" möchte Stolypin nichts Ueberraschendes. Ein Glied mehr in der Heloten behandeln läßt, daß es mit teilnehmen will an der Aus- fchon längst ein Ende sehen. Das einfachste wäre, die Duma auf Langen Kette der kultur- und bildungs- gestaltung der staatlichen Organisation. Nach ihrer Anschauung zulösen und dafür zu sorgen, daß in die vierte sich die verhaßten feindlichen Handlungen, die für Preußen leidet Deutschland und besonders Preußen an einen Ueberfluß Sozialdemokraten und Trudowifi nicht eindrängen, und auch von traditionell geworden sind. Gebildeter. In England oder Amerifa kann man es sich den Kadetten nur wenige rechtsstehende hineinkommen. Man könnte „ Vorwärts". Die Zahl seiner Abonnenten erhöhen, heißt die Macht des Proletariats stärken, die Macht seiner Gegner mindern. Darum agitiert unablässig, dem Vorwärts" neue Leser zu werben und damit dem Proletariat neue Kampfgenossen zu gewinnen! Preußische Kulturpolitik. " 1 " " Auf den ersten Blick könnte man meinen, es handle sich gar nicht vorstellen, wie man zuviel Gebildete haben das durch eine neue Reform" des Wahlrechtes erzielen- etwa hier nur wieder einmal um die bekannte Knickerigkeit, die kann. Doch jene Aermsten kennen nicht die Segnungen des durch eine neue Beschränkung der Arbeiter- und Bauernfurien. Sparwut, die in Preußen immer dann zutage tritt, wenn von keinem Wissen angetränkelten militärischen Geistes, der Allein bei jeder neuen Umgestaltung des Wahlrechtes entsteht die Gefahr, ein rein feudales Parlament zu erhalten, dem sich die Kulturaufgaben in Frage stehen. Doch die Ursachen in Preußen tonangebend ist. liegen tiefer. Denn daß es eine faule Ausrede ist, wenn Es ist bezeichnend für die Anschauungen der preußischen Bureaukratie unterordnen müßte. Stolypin ist stets bereit, die gesagt wird, es soll nur eine Beihilfe" sein, um die für den Regierung, daß, wenn man in wirklichen Stulturstaaten einen Interessen der Feudalen auf Kosten des Volkes zu fördern, aber sich Bücherankauf jetzt noch sehr beschränkten Mittel zu erhöhen, Schritt vorwärts macht, sie nicht nur nicht folgt, sondern persönlich den Feudalen zu unterwerfen, hat er keine Luft. Er ist zeigt jene Auslassung des ersten Direktors der kgl. Bibliothek gleich noch einen Schritt rückwärts tut. Sie will damit flug genug, um zu verstehen, daß bei jeder weiteren reaktionären Geh. Regierungsrat Dr. Schwenke im Berliner Tageblatt", beweisen, daß Bildung und preußische Regierung zwei Dinge Umgestaltung des Wahlrechtes er selber und das ganze bureaufratische System zum Opfer fallen würde. Er wird deshalb bei der dort ausführte, daß für sämtliche staatliche Bibliotheken sind, die sich gegenseitig ausschließen. dem jezigen Wahlrecht und bei der dritten Duma bleiben, durch Preußens etwa 40 000 Entleiher in Frage kommen, daß also fortgesetzte Drohungen aber die Dumamehrheit einzuschüchtern demnach im günstigsten Falle noch feine 200 000 M. eintämen. suchen und sie zu Ausnahmemaßregeln gegen die Redner der wirks Sicher wird die Summe noch geringer sein, denn zweifellos lichen Opposition zwingen. Die Standale geben eine gute Gelegen wird die Zahl der Ausleiher zurückgehen. Durch die Wahl Gutschkows zum Präsidenten der Reichheit, neue Maßregeln gegen die Redner der Opposition zu berfäme noch nicht mal die Summe ein, die Herr Bode so neben- duma soll eine große Strise verhütet worden sein. Die Oktobristen langen, neue Bestimmungen in die Geschäftsordnung einzuführen, bei für eine wertlose Wachsbüste ausgab! Bei dem engen stellen diese Wahl als eine Rettungsaktion für die Duma, ja für oder die Macht des Vorsißenden zu erweitern. Chomjatow Gesichtskreis, der die Voraussetzung für einen tüchtigen preußi- den Parlamentarismus selbst dar und zugleich als ein großes war viel zu schwach vielleicht auch viel zu ehrlich-, um diesem schen Beamten, also auch bei diesem Bureaukraten vorhanden Opfer der Oktobristenpartei, da Gutschtow als Präsident seine Wunsche mit genügendem Nachdruck entgegenkommen zu können. ist, nimmt es nicht wunder, daß es dieser Herr für ganz selbst. Parteitätigkeit aufgeben müsse. Auch in den linksliberalen Kreisen un hat der schneidige Alexander Gutschkow die Pflicht über verständlich hielt, daß man für die Benutzung einer Bibliothek glaubt man, daß man die letzten Standale in der Duma mit Absicht nommen, seinen Parlamentskollegen einen Waultorb anzulegen. eine Gebühr zahlt; wie man ja auch von den Schülern hervorgerufen habe, um die Duma dadurch zu kompromittieren Allerdings, eine ehrenhafte Aufgabe für den Führer einer großen höherer Lehranstalten Schul, von den Studierenden Kollegien- und somit eine Rechtfertigung für die Auflösung zu schaffen. Ob„ konstitutionellen" Partei. gelder, ja von den Besuchern der Museen Einwirklich die Gefahr einer Auflösung so nahe war? Ob sie durch frittsgelder erhebt". Bedenkt man, daß die Erhebung die Wahl Gutschkows verhütet ist? geht. Vielleicht Stolypin und die dritte Duma. Uebrigens hat Gutschkow eine andere und wichtigere Aufgabe zu lösen: Die Durchführung des Gesezentwurfes zur Unterjochung von Eintrittsgeldern, z. B. an der Nationalgalerie, auch erst Die Sozialdemokratie, die Trudowiki( Arbeitsgruppe) und die Finnlands. Nach dem eben veröffentlichten Manifeste wird die vor nicht langer Zeit erfolgte, so erkennt man, wohin die Reise Stadetten haben sich bei der Neuwahl des Präsidenten der Stimme Unterjochung nicht auf administrativen, sondern auf gesetzgeberischen enthalten und die Enthaltung damit motiviert, daß das Präsidium Wegen verwirklicht werden. Chomjakow war zu unentschlossen, um Nicht um eine„ Beihilfe" handelt es sich hier, sondern der Ottobristen eine systematische Provokation durch kompromittie- bei der Verhandlung des Gefeßentwurfes genügend scharf gegen man will in erster Linie dadurch abschreckend wirken; rende Standale begünstigt habe. Es ist auch in der Tat wichtig die Opposition vorzugehen. Gutschtow wird es wohl gelingen, sich man will die Benutzung der Bibliothefen erschweren; festzustellen, daß die Provokation diesmal nicht nur von den„ Echt die Zufriedenheit Stolypins zu erwerben. die Zahl der Ausleiher mindern. Diese sollen immer russen", sondern auch von der Regierung und zum Teil vom Dumamehr das Privilegium einer zahlungsfähigen präsidium gefördert wurde. Der direkten Provokation des PurischMinderheit werden. Es ist ein Schlag gegen das„ gebildete Proletariat". Denn dieses wird durch die Steuer *) Abh. und Berichte von A. B. Meyer, Dresden. Gutschkows Versprechungen. Petersburg, 25. März. Reichsduma. Vor dichtbesetztem Hause eröffnete heute zum ersten Male der neue Präsident Gutschtow Sfc Sitzung mit einer Ansprach?, in SeL er ausführte, et fei ein überzeugter konstitutioneller Monarchist und sei der Ansicht, Nutz- land könne nur bei einer konstitutionellen monarchi- schen Staatsordnung, mit einer mit weitgehenden legislatorischen Rechten ausgestatteten Voltsvertretung und einer starken, nur dem Monarchen, nicht aber den politischen Parteien verantwortlichen Regierung gedeihen. Ohne die kon- stitutionelle Monarchie und unter der Herrschaft des Parlamenta- rismus könne er sich eine friedliche EntWickelung des heutigen Ruhlands mit seinen Besonderheiten, die, ein Erbteil der russischen Geschichte, in dem russischen Wesen lvurzclten, nicht denken. Die Zahl der der Erledigung harrenden Fragen, unter denen die der Landesverteidigung und die der Elementarschulen obenan ständen, sei sehr groh; aber, wie ihm scheine, könnten bei allen diesen die politischen Gesichtspunkte in den Hintergrund mten, und auch die schärfste politische Meinungsverschiedenheit dürfe eine einmütige Arbeit nicht verhindern. Die dem Präsidenten gegebene Gewalt werde er mit der Geschäftsordnung benutzen zum Schutze der Würde der Duma, sowie zur Einbürgerung parla- mentarischer Sitte und Wahrung der Ordnung, ohne die eine ernste gesetzgeberische Arbeit undenkbar sei. Die Worte des Präsidenten wurden vom Zentrum, den Nationalisten und einem Teil der Oppo- sition mit lebhaftem Beifall bcgrüht. politilcbe ClcbcrHcbt. Berlin, den 29. März 1910, Belohnung für die Polizeiattacken. Die Herren Reaktionäre planen eine„Ehrengabe" an die Berliner Schutzmannschaft als Belohnung für die von dieser bei ihren Attacken auf friedliche Wahlrechtsdemonstranten be- Wiesens preußische„Schneidigkeit"— vielleicht auch, um die Berliner Polizei unter Führung ihreö genialen Präsidenten zu weiterer Steigerung ihrer Bravour im Dienste des Junker- regimeuts anzuspornen. Das„Berk. Tagebl." veröffentlicht folgendes mit der Schreibmaschine vervielfältigtes„ v e r- trauliches" Rundschreiben des als Reaktionär bekannten Landesdirektors der Provinz Brandenburg: Verlraulich. Berlin. 26. März 1910. Die Berliner Schutzmannschaft steht zurzeit in außerordentlich schweren Diensten. Treue Pflichterfüllung seitens der Beamten wird von einem Teil der Bevölkerung leider mit uner- hörten Beschimpfungen vergolten. Selbst die Kinder von Schutz- leuten als solche sind den Gehässigkeiten und den Angriffen ihrer Mitschüler auSgeletzt. Demgegenüber ist von vielen Seiten angeregt worden, vor- urteilslose und gerecht denkende Bürger möchten sich zu einer Ehrengabe für die Schutzmannschaft als Sym» pathiekundgebung für diese pflichttreuen Beamten zusammenfinden. Sollten Euer Hochwohlgeboren geneigt sein, sich einem hierfür zu bildenden privaten Komitee anzuschließen, so bitte ich geneigte umgehende Mitteilung an meine Adresse. Berlin W. 66, Leipziger Straße 3. Mit Politik, insbesondere mit der Wahlrechtsfrage, hat diese Anregung selbstverständlich nicht das mindeste zu tun. Etwaige Spenden für diese Ehrengabe bitte ich Herrn Bankdirektor Leopold Steinthal, Berlin W., Französische Straße 29, übermitteln zu wollen, unter der Bezeichnung„Für die Ehrengabe an die Berliner Schutzmannschaft". Freiherr v. Mantenffel, königlicher Wirklicher Geheimer Rat und Landesdirektor der Provinz Brandenburg. Es ist nichts als ein Täuschungsversuch, wenn behauptet wird, das Schriftstück hätte mit der Politik und der Wahlrechtsfrage nichts zu tun. Der �weck der„Ehrengabe" kann nur sein, der Schutzmannschaft die Ansicht beizubringen, daß ihre Attacken und ihre Brutalitäten die Billigung und Sympathie der sogenannten maßgebenden Kreise finden und diese bereit sind, alle polizeilichen Nebergriffe zu decken. Dieser Wirkung seines Vorgehens auf die Schutzmannschaft dürste der Unterzeichner des Aufrufs sich auch recht wohl be- wüßt sein. Wenn er trotzdem nicht offen eingesteht, daß es sich um eine Aufmunterung zu weiterer„treuer Pflicht- erfüll"» g". d. h. schneidigen Attacken handelt, und lieber in süßlicherWeise au das menschliche Mitgefühl appelliert, so hat das wohl nur den Zweck, recht viele„gerecht denkende Bürger" zum Geben zu veranlassen und auf diese Weise eine größere Summe für die Berliner Polizei zusammenzubringen. „erster äeuticher üiusturtsg" (am 24. und 26. März zu Berlin). DaS klingt so verheißungsvoll und brachte als Veranstaltung, im ganzen genommen, doch eine solch große, große Enttäuschung. „Erster deutscher Kulturtagl", und man denkt an unabsehbare Scharen, die Herzuströmen, an flammende, hellauflodernde Begei- stcrung, eine Riesendemonstration!„ES kreißten die Berge, und geboren wurde ein klein-winziges Mäuslein." Ein blamables Fiasko der Bourgeoisie und ihrer angeblichen Jnteresien für Kul- lur! Wenig mehr als ein halbes Tausend Menschen, die eS sich im weiten Saale der Philharmonie auf den Plätzen a S bis 1 MI. recht bequem machen konnten. DaS was alles. O. du armselige deutsche Bourgeoisie!........„.. Und nun die Herren Veranstalter! Glauben ste tmrklich, daß durch derartige„Kulturtage"— sie haben doch die Absicht, sie fort- zusetzen?!— etwas bezweckt würde? Glauben sie wirklich, daß die Parole:„Auf zum Kampfe für die Kultur gegen Junker und Pfaffen!" den satten Spießbürger noch einmal aufrütteln würde? Und haben sie niemals etwas von dem Ringen der Arbeiterklasse gegen die Mächte der Reaktion gehört, von diesem Kulturkampf ,m wahrsten Sinne des Wortes? Aber warum schwiegen sie davon? Fürchteten sie den„Ludergeruch der Revolution"?— Nichtsdestoweniger sind die Ausführungen der einzelnen Red- uer, wenn ste auch nicht auf einen Ton harmonisch abgestimmt waren und die Ansichten stellenweise bedenklich divergierten, immerhin so bemerkenSivert, daß wir nicht umhin können, sie auszugsweise hier wiederzugeben. Der bekannte Pädagoge Prof. G u r l i t t eröffnete am Donnerstag die Tagung, die nach seinen Worten dazu dienen sollte, moderne Kulturprobleme öffentlich (Spaßl bei 1 bis 6 Mk. Eintritt!) zu behandeln. Also eme Art Kulturparlament, für das ja in Preußen, dem Land der„Heiligen und Junker", keine Stätte sei, und dessen Devise lauten müßte: „Auf zum Kampf gegen jegliche Reaktion!" � Als erster'Redner sprach hierauf der«taatSrechtslehrer Prof. Echücking- Marburg über„Kultur und Jnternatio. nalismus". Der preußische Ministerpräsident von Bethmann Hollweg glaubte gelegentlich seiner Wahlrechtsrede von einer all- gemeinen Knlturstagnation sprechen zu dürfen. Nichts ist im Hin. Dlick auf den Internationalismus verkehrter. Zwar ist der Jnter- Nationalismus bei der Regierung nicht gut angeschrieben. Wer für die Weltfriedensbewegung eintritt, der ist von vornherein als schlechter Patriot gebrandmarkt; und hinter der Regierung steht die große Masse des deutschen Bürgertums, die in ihrer Kurz- sichtigleit alles für Intrigen gegen den Staat ansieht, was auf Nüstungseinschränkungen hinausläuft. Dabei muß der tagtägliche Fortschritt in der Waffentechni! jeden Einsichtigen dazu dringen, > Trotz des offenkundigen Zwecks der ganzen Mache er- scheint in Anbetracht der noblen Gesinnung jener Kreise, auf deren Geldbeutel Herr v. Mantenffel spekuliert, nicht aus- geschlossen, daß sich manche Geber einfinden— teils aus Haß gegen die Sozialdemokratie, teils weil sie sich gern nach oben beliebt machen und nach dem Hoflieferantentitel oder einen Orden vierter Güte girre». Im Grunde genommen haben wir durchaus nichts gegen das Rundschreiben des Freiherrn v. Mantenffel einzutvenden, denn besser als durch diese Mache eines seiner höchsten Beamten kann der Charakter des preußischen Kulturstaates kaum bloß- gestellt werden. Wir vermissen nur eins. Nämlich daß nicht auch zugleich für eine„Ehrengabe" an den Herrn Polizei- Präsidenten v. Jagow und den Polizeihauptmann Stephan gesammelt wird!_ Preußisches Jnnkerregiment. Herr Professor Gustav v. Schmoller hat der Wiener„N. Fr. Presse" einen langen Artikel über:„Das preußische Jun- k e r t u in" geschrieben. Wie es seiner politisch-amphibischen Natur entspricht, verneint er, daß es ein eigentliches Junkerregi- ment in Preußen gibt. Schon deshalb könne man nicht, wie er meint, davon sprechen, weil die Grundaristokratie Ostelbiens in dem industriellen Westen Ostelbiens ihr politisches Gegengewicht fände, und weil ferner die preußischen Junker, die als stockkonser- vativ ins Amt kämen, durch die Logik der Tatsachen nach zwei Jahren zu Liberalen gemacht würden. Zudem könnten doch Män- ner wie Bethmann, Tirpitz, Delbrück, Dernburg, Sydow, Wer- muth nicht als Junker bezeichnet werden. Immerhin muß auch Professor v. Schmoller zugeben, daß die Klage über die Macht der Junker in Preußen„nicht ganz unbegründet" ist. Interessanter als diese Meinungen ist eine kleine Erinnerung, die der Berliner Nationalökonom aus der Caprivischen und Hohen- lohcschen Aera erzählt, da sie recht treffend daS Verhältnis der agrarkonservativen Verwaltungsbureaukratie zum preußischen Staatsministerium schildert. Herr v. Schmoller erzählt: „Als der 1390 mit Caprivi eintretende liberale Minister des Innern, Herrfurth, nach zwei Jahren abtrat, sagte er zu Miguel, aus dessen Munde ich es weiß, erhäbedie feudale Cliquenwirtschaft trotz aller Mühe nicht be- seitigen können. Hohenlohe hat als Ministerpräsident gegenüber den renitenten feudalen Landräten und Regierungs- Präsidenten einmal den Plan erwogen, einige Dutzend Landräte und Präsidenten auf einmal abzu. setzen und seinen Sohn zu diesem Zwecke zum Minister des Innern zu machen. Er meinte, er könnte als großer süddeutscher Standesherr den Haß des östlichen Adels wohl ertragen; nach ihm werde nie mehr ein preußischer Ministerpräsident dazu de n M u t h a b e n. Er konnte den Plan nicht durchsetzen, diese«. verwandelte sich in die Außerdienststellung einiger Beamten, die als Abgeordnete gegen den Kanal gestimmt hatten und dafür nach einigen Jahren eine um so glänzendere Karriere machten. Daß Hohenlohe diesen Plan nicht durchführen konnte, ist wohl doch ein Glück. Selbst Schwerin hat 18S3 bis 1859 als Minister des Innern sich einer ähnlichen Massenabsetzung, welche die Liberalen forderten, widersetzt. Wir sehen in Frankreich die schlimmen Folgen des UmstandeS, daß jeder Ministerwechsel einer so großen Zahl Präfekten die Stellung kostet. Eine lang. same in der Stille sich vollziehende Veränderung, wie sie Man- teuffel im Osfizierkorps vornahm, ist vorzuziehen. Unter Um- ständen freilich ist auch solche Gewaltkur nicht zu vermeiden." Besser als durch diese Reminiszenz kann die Herrschaft der Junker im Preußischen Polizeistaat kaum nachgewiesen werden. Zur Einschränkung der Prügelpädagogik soll der Kultusminister Preußens— so lesen wir in bürger- lichen Blättern vom Ostersonntag— der Lehrerschaft die folgenden zehn Merksätze gewidmet haben: „1. DaS Recht der körperlichen Züchtigung soll dem Lehrer nicht genommen werden. 2. Ehrensache des Lehrers mutz es sein, die Anwendung der Körperstrafe in seiner Sckmle auf ein Mindest- maß zu beschränken. 3. Mißbrauch des Züchtigungsrechts verrät mangelhafte pädagogische Durchbildung. 3. Die Körperstrafe ist kein geeignetes Mittel zur Beförderung des Lernens. 5. Sie soll nie angewandt werden, ohne daß zuvor der etwaige Einfluß häuslicher oder physiologischer Verhältnisse auf das Ver- halten des Schülers gewürdigt worden ist. 6. Die Körper- strafe darf in ihrer Anwendung weder die Gesundheit des Schülers schädigen, noch seine Ehre antasten, noch die Schamhoftigkeit ver- letzen. 7. Ueberschreitung des Züchtigungsrechies sührr nickt selten vor die Schranken des Gerichts, auch wenn sie nur im Eifer, in Erregung oder in der Entrüstung geschehen ist. 8. Der Lehrer soll darum zum Schutze nicht nur der Schüler, sondern auch seiner eigenen pädagogischen Würde alles beacklen, was das Handeln im Affekt erschwert. 9. Insbesondere empfiehlt eS sich immer, in an« nicht mehr romantisches Heldentum, sondern nur noch Massenmord im Kriege zu erblicken. Es ist die Technik, die uns Tauscnd- meilenstiefel und Riesenarme und Feenhände verliehen hat, die uns im Eilmarsch dem Internationalismus zuführt. Die„National"- ökonomie ist längst zur„Welt"wirtschaftslehre geworden; ein Staat lebt vom anderen, und mit dem Welthandel gedeiht der geistige Internationalismus. Parteien und Berufe sind enttveder schon international organisiert oder sie sind auf dem besten Wege dazu. Wie die gesellschaftliche EntWickelung von der Familie aus- ging und über Sippe und Stamm zur Nation führte, so wird sie hierbei nicht stehen bleiben: ihr Endziel ist der Weltstaat. Das Völkerrecht von früher bezog sich auf die Kriege allein, heute müssen wirtschaftliche Forderungen bereits international geregelt werden. Wenn auch die deutsche Diplomatie dafür noch kein Per- ständnis besitzt, so wird sie durch die Verhältnisse schon gezwungen werden, einzusehen, daß man um einer Casablanca-Affäre willen nicht die ganze Welt in den Harnisch bringen darf. Alsdann wird auch dem unsinnigen Wettrüsten dos Ende nahen. Deutschland opfert jährlich für Militärzwecke 1?1 Millarden Mark. Könnte man diese..Volkserziehung" nicht auch billiger haben, wenn man sich auf Abrüstungsvorschläge einließe, und ist es nicht auch eine nationale Ehre, wenn alle Staatsangehörigen sich satt essen können? Für unsere ganze soziale Fürsorge wird in einem ganzen Jahre nur so viel wie für einen einzigen Riesenpanzer aus- gegeben. Für den erkrankten monistischen Theologen Dr. Lipsius- Bremen sprang Prof. Pentzig ein, der unter dem Thema: „Kirche und Religiosität" eine von starken Ausfällen strotzende Philippika gegen das Kirchentum hielt: Auch die Kirche, insbesondere die katholische, ist international; aber dieser Jnter- Nationalismus hat uns noch keine Segnungen gebracht. Wohin er kommt, sät er Glaubenshaß, und der ist stärker als Nationalitäten. haß, und dadurch zerstört die Kirche die innere Harmonie des ein- zelnen Menschen. Daher ist der Kampf gegen sie eine Kulturtat. Unsere Politiker nennen sich stolz Realpolitiker, d. h. sie werten auch Ideales nur real, und sehen also in der Kirche einzig und allein den realen Machtfaktor. Wären sie ein wenig Kulturpolitiker für ideale Güter, sie hätten sich schon längst gegen das Kirchen- tum, d. h. gegen die Entartung der Religiosität, gewandt, die da« mals entstand, als man statt des Kämmerleins im Innern prun» kende Tempel zur Anrufung der Gottheit brauchte. Wer einen Mittler für sein Seelenheil nötig hat, der ist nicht religiös, und ein solcher Mensch verfällt natürlich einer Kirche als einer Seelen» Versicherungsanstalt. Dem Monopol auf den„alleinigen Weg zur Seligkeit" und dem Monopol auf die„ewigen Wahrheiten", die eine Entwickelung verhindern sollen, gilt unser Kampf. An dritter Stelle sprach sodann Prof. Gurlrtt über: „Die Trennung von Kirche und Schul e". Der Keim zu dem großen Uebel des KonfessionalismuS in Deutschland wird bereits in der Schule gelegt, wo man die Kinder wie Lämmer und I gemessener Entfernung bom Schüler zu Kleiben. 10. Die. wirk« samsten Mittel, die Anlässe zur Anwendung der Strafen zu ver- mindern, sind gewissenhafte Lorbereitung, anregender Unterricht, strenge Selbstzucht." Wer wird im Machtbereich des preußischen Junkers,&cS~ preußischen Unteroffiziers, der preußischen Gesindeordnung und ähnlicher Preußereien einem Kultusminister auch nur dieses Wenige und Winzige von Einschränkung des Prügeins zutrauen wollen? Wir hatten die Mitteilung, daß„vom Kultusministerium" ein Erlaß mit diesen Merksätzen ergangen sei, schon am Donnerstag voriger Woche in der„Pädagogi- scheu Zeitung" gelesen, von wo sie wohl ihren Weg in die Tagespresse gefunden hat. In der„Pädagogischen Ztg." stand aber die Nachricht nicht unter Preußen, sondern unter — Bayern. Für Bayern klingt sie allerdings weniger un- glaubwürdig. Ter Kieler Freisinn im Wahlrechtskampfe. Kick, 29. März.(Privatdepesche des„Vorwärts".) Bekanntlich hat der Oberbürgermeister für die gemeinsame Sitzung beider städtischer Kollegien und der Stadtverordnetenvorsteher für die Stadtverordnetenversammlung es abgelehnt, einen Antrag auf die Tagesordnung zu setzen, beim Abgeordnetenhause und der Staats- regierung um die Einführung des Reichstagswahlrechts in Preußen zu petitionieren. Die sozialdemokratischen Stadtverord» n e t e n hatten deshalb zu der heutigen Stadtverordnetenversammlung zwei Anträge gestellt. Der erste verlangt, daß nur das Stadtverordnetenkollegium über Bedenken der Zuständigkeit zu entscheiden habe. Der zweite fordert, daß der sozialdemokratische WahlrechtSantrag auf die Tagesordnung der heutigen Stadtverordneten- Versammlung gestellt werde. Der erste Antrag wurde dem Seniorenauschuß zur Prüfung und Be� richter stattung überwiesen, der zweite wurde gegen die Stimmen der Sozialdemokraten und d e S freisinnigen Landtagsabgeordneten Hoff ab- gelehnt. In der darauf folgenden Sitzung des Magistrats und des Stadiverordnetenkollegiums brachte im Anschluß an eine Mitteilung des Vorsitzenden Bürgermeisters Lindemann über die Polizeikostcn Genosse Adler die unerhörten ll ebergriffe der Polizei bei der Wahlrechts- demonstration am 14. März zur Sprache und meinte, es fei an der Zeit, an die Stadtverordneten- kollegien den Antrag zu stellen, die Stadt Kiel von de? gänzlich für ihren Beruf unfähigen Polizei zu befreien. Hier wurde Genosse Adler von dem Bürger- meist er Linde mann unterbrochen, der erklärte, der Magistrat sei anderer Ansicht darüber als der Redner und seine Freunde. Auch könne er im Namen eines großen Teiles der Bevölkerung nur seine Genugtuung über da» zielbewußte Vorgehen der Polizei bei der Wahlrechts- demonstration zum Ausdruck bringen. Stürmisches Hört! h ö r t I und st ü r m i s ch e P r o t e st e der Sozialdemokraten folgten dieser Aeußerung. Als Genosse Adler auf diese Provokation ant- � Worten wollte, schnitt ihm derselbe Bürgermeister Lindemann, der ihn also herausgefordert hatte, kurz das Wort ab. Kein bürgerlicher Vertreter protestierte gegen diese Vergewaltigung. So führt das freisinnige Kieler Bürgertum den Wahlrechtskampf!_ Maßnahmen gegen die Vieheinfuhr aus Dänemark. Die Vieheinfuhr aus Dänemark ist den Agrariern längst ein Dorn im Auge und das im vorigen Jahre beschlossene Viehseuchen- gesetz ist wesentlich zu dem Zwecke gemacht worden, alles Vieh- von der Einfuhr ausschließen zu lpnnen, sobald die Agrarier /as wünschen. Einstweilen geht es aber auch so. Von Berlin aus ist vorige Woche eine Kommission nach den Ouarantäneanstalten in Kiel, Flensburg und Apenrade, die für die Einfuhr von Vieh in Frage kommen, entsandt worden, um das aus Dänemarl ein- geführte Vieh der Tuberkulinprobe zu unterziehen. Nach den vor« liegenden Nachrichten ist fast die Hälfte der in den genannten Anstalten befindlichen Rinder für tuberkulös erklärt worden. Die Tiere wurden sofort getötet. Die dänischen Exporteure haben darauf den Export sofort eingestellt und rechnen auf eine Intervention der dänischen Regierung. In Dänemark• erblickt man in dem Vorgehen der deutschen Negierung eine politische Maßnahme. Das ist wohl nicht der Fall. Der Bund der Landwirte wird der Regierung einfach den Wunsch ausgesprochen haben, in irgendeiner Form den unseren Junkern so unbequemen Böcke sondert und sie dadurch sicher nicht klüger und duldsamermacht. Wir fordern mit Goethe„ein Christentum der Gesinnung und der Tat", eine unbedingte Absage an das Alte Testament, das heute noch aller Naturivissenschaft zum Trotz als Gottes Wort ge- lehrt wird, und Beseitigung des lutherischen Katechismus aus der Schule, der heute überlebt ist, durchaus nicht für die Kinder geeig- net und ein Marterstück für alle Erzieher ist. Wir stehen mit Pestalozzi auf dem Standpunkt, daß Religion Erleben ist. Zeigt den Kleinen diese Welt, und wem;.schon das Jenseits, dann auf. alle Fälle ohne Pastoralen Beigeschmack. Wir fordern mit den � Sozialdemokraten, daß Religion Privatsache sei. Und für die Er» ziehung der Kinder darf ein alter, überwundener Glaube nicht die Grundlage bilden. Glaube ohne die Tat nützt der Menschheit nichts; aber Verantwortlichkeitsgefühl der Gesamtheit gegenüber und Treue gegen sich selbst, das müssen wir in unseren Kindern erwecken. Und gegen die Zwangspraxis von oben her gibt es nur ein brutales Mittel: Massenaustritt au» der Kirche. Am Sonnabend sprach als erster Redner Dr. Vielhaber über:„Die Zukunft des deutschen Protestantis» in u 8." Vielhaber suchte nachzuweisen daß der MoniSmuS, die Weltanschauung von den Kausalzusammenhängen, nur eine orga- nische Fortentwickelung des deutschen ProreftanttSmus sei. Wir müssen allerdings unterscheiden zwischen einem kirchlichen und einem kulturellen Protestantismus, die sich seit etwa einem Jahr- hundert immer weiter voneinander entfernt haben; besonders seit den Zeiten Schleiermachers ist der Bruch offenbar. Der kirchliche Protestantismus ist teilweise unter dem Einfluß der Dynastie der Stagnation verfallen. An der Spitze des Protestantismus steht Luther. Wir dürfen allerdings nicht immer auf ihn zurückgreifen, da er häufig nicht einen Fortschritt, sondern einen Rückschritt be- deutete. Aber er hinterließ un» vor allem einen großen Gedanken, den der Autonomie der Einzelgemeinde. Und es wird eine Zeit kommen, wo die Kommune all das übernehmen wird, was die Familie nicht leisten kann, z. B. die Erziehung, und der plumpe. Staat wird dann von den Kommunen beherrscht werden. In diesem Sinne wirkten schon Herder, dessen Schriften lange nicht genug gc- lesen werden und sich besonders als Lektüre für die höheren Schulen eignen, und Schleiermacher, die man, wie überhaupt die besten Protestanten, als Vorläufer der monistischen Weltanschau- ung betrachten muß. Eine Katastrophe des Protestantismus steht unmittelbar bevor, aber nur des kirchlichen; und daran schuld ist nicht die moderne Wissenschaft, sondern die Schlafmützigkeit der kirchlichen und swatlichen Behörden. Sehr merkwürdige und energischen Widerspruch herausfor- dernde Anschauungen über das Verhältnis zwischen„Religion und Sittlichkeit" entwickelte hierauf der in letzter Zeit viel- genannte Karlsruher Philosophieprofcssor Dr. Artur Drews. Nach ihm besteht das Wesen der Sittlichkeit in der Verwirklichung« objektiver, im Gegensatz zu derjenigen subjektiver Zwecke, und nur ein? solche Handlung hat sittlichen Wert, die suS einer sittliche» Viehimport ou5 Dänemarl zu unterbinden. Wünsche, die von dieser Seite kommen, sind der Negierung stets Befehl. Ueber den Wert der Tuberkulinprobe spricht sich der Präsident des tierärztlichen Ge- sundheitsamtes in Kopenhagen, Prof. Bang, sehr abfällig aus. Nach einer Drahtmeldung des„Berl. Tagebl." begründet er seine Ansicht wie folgt: „Die deutschen offiziellen Berichte konstatierein, daß inr ersten Quartal 1909 auf Tuberkulinprobe in deutschen Quaran- tänestationen nur 0,6 Proz. der Rinder reagierten, wovon aber beim Schlachten 31,4 Proz. sich als tuberkulös erwiesen. Im 3. Quartal sind die Zahlen noch ärger: 0,6 gegen 33,9 und im Jahre 1902 2,1 gegen 20,5. Unter solchen Verhältnissen könnte man natürlich ebenso gut die ganze Quarantäne- cinrichtung abschaffen. Die Tuberkulinprobe ist auch nicht für Schlachtvieh bestimmt, denn bei solchem konstatiert man weit leichter die Tuberkulose nach dem Schlachten. Ob Deutschland zukünftig aus politischen Rücksichten die Einfuhr lebenden dänischen Viehes verbieten wird, weiß man ja nicht. Dann müssen wir eben selbst schlachten und nur tuberlel- freies Fleisch über die Grenze schicken." Die Dänen täuschen sich, wenn sie meinen, daß sie ein- wand freies Fleisch ohne weiteres nach Deutschland ein- führen können. Nach dem neuen Viehseuchengesetz könnon tierische Erzeugnisse von der Einfuhr schon dann ausgeschlossen werden, wenn der Verdacht besteht, daß in dem Ursprungslande seuchenbehaftetes Vieh vorhanden ist. Diesen Verdacht bei den Zollbeamten wachzurufen, wird dem junkerlichen Bunde der Landwirte nicht schwer fallen. Die ganze Aktion ist ein neuer, un- erhörter Raubzug auf die Taschen des Volkes. Heute schon sind in den Großstädten die Fleischpreise enorm hoch, für die breiten Massen überhaupt nicht mehr erschwinglich. Dabei ist dieses Fleisch mitunter von einer Qualität, die in gar keinem Verhältnis zu den unverschämten Preisen steht. Und die Regierung des Herrn v. Bethinann Hollweg bietet die Hand dazu, diese Auspowerung des Volkes noch zu fördern, natürlich stets unter dem Vorgeben, über die Volksgesundheit wachen zu müssen. Es ist keineswegs ausgeschlossen, daß sich Dänemark durch den Boykott deutscher Jndustrieartikel revanchiert. Das Reichsetatsgesetz wird vom„Neichsanzeiger" publiziert. Die wichtigsten Paragraphen lauten: 8 t- Der ReichShauShaltsetat für das Rechnungsjahr vom 1. April 1910 bis 31. März 1911 wird in Llusgabe und Einnahme auf 2 853 781 095 M. festgestellt, und zwar: im ordentlichen Etat auf 2 311 333 655 M. an fortdauernden und auf 351 717 171 M. au einmaligen Ausgaben sowie auf 2 663 050 326 M. an Einnahmen, im außerordentlichen Etat auf 190 730 269 M. an Ausgaben und auf 190730 269 M. an Einnahmen. 8 2. Der Reichskanzler wird ermächtigt, zur Bestreitung einmaliger außerordentlicher Ausgaben die Summe von 117 931 322 M. im Wege des Kredits flüssig zu machen. 8 3- Der Reichskanzler wird ermächtigt, zur vorübergehenden Ver- stärkung der ordentlichen Betriebsmittel der Reichshauptkasse nach Bedarf, jedoch nicht über den Bedarf von 150 000 000 M. hinaus, Schatzanweisungen auszugeben. Das gleichzeitig publizierte Kolonial-EtatZgesetz bestimmt: mmim,, i-v..... MM- Der Haushaltsetat det Schutzgebiete auf das Rechnungsjahr 1910 wird in Einnahme und Ausgabe auf 107 697 905 M. festgestellt, und zwar im ordentlichen Etat auf 75 992 905 M., im außerordentlichen Etat aus 31 705 000 M. 8 2. Der im Wege des Kredits flüssig zu machende Betrag beläuft sich auf 31 632 361 M._ Die Arbeiterlegitimatiouskarten werden, wie der„Vossischen Zeitung" aus Bern berichtet wird, Gegenstand diplomatischer Auseinandersetzungen zwischen der Schweiz und dem Deutschen Reiche werden. Preußen fordert bekanntlich von ausländischen Arbeitern so- genannte Arbeiterlegitimationskarten; solche sollen auch in Bayern Gesinnung hervorgeht. Soziale Instinkte werden erst zur Sitt- lichkeit, wenn sie auf Gott bezogen werden, als Ausfluß göttlicher Gebote(??). Ohne Rücksicht auf die Gottheit hätte sich der Mensch immer von cudümonistischen Grundsätzen leiten lassen. Es gibt keine Religion ohne Sittlichkeit.(??) Gibt es auch eine Sittlich- keit ohne Religion? N e i n. Denn welches Motiv hat der reli» aiouslose Mensch, sich sittlich zu betätigen? Für die große Masse sinkt die Moral ohne Religion zur Pseudomoral herab. Was heute noch an Sittlichkeit vorhanden ist. hat seine Basis in her zu- fälligen Organisation unseres Gehirns, ist ein stehengebliebener, ererbter Rest einer früheren, vergangenen, religiösen Sittlichkeit. Deshalb muß das erste Ziel aller modernen Kulturbestrebungen die Bildung einer neuen Religion sein!(Wirklich? Herr Professor, tvollen Sie da nicht den Teufel durch Beelzebub austreiben? Uebrigens, was verstehen Sie eigentlich unter„Religion"? Das vergaßen Sie ganz zu sagen.)— Als letzter in der Reihe der Redner behandelte Dr. Lothar S ch ü ck i n g, der gemaßregelte Bürgermeister von Husum, das Thema:„Preußische Verwaltung und Kultu r." Preu- ßen wird beherrscht von zwei durchaus kulturfeindlichen Mächten, den konservativen und klerikalen Reaktionären. Für die Konser- vativcn ist die große Masse des Volkes überhaupt kein kulturbil- dender Faktor; das ist vielmehr die Dynastie und der Adel. Die Basis aller Kultur ist die Landwirtschaft, demgemäß sind die Städte nur verdächtige Ansammlungen liberaler Elemente, und der Fdrt- schritt ist der Krieg. Der Kulturprozeß vollzieht sich als das Walten eines Gottes. Demgemäß ist der preußische Landtag auch eine Volksvertretung, die nicht vom Volk, sondern von den Land- räten gewählt wird. Mächtiger als der Landrat ist in klerikalen Gegenden nur der Kaplan. Die Kirche kümmert sich freilich im Gegensatz zu den Konservativen um das Volk, aber nur aus Änti- Intellektualismus, um die Rkassen unter ihrer geistigen Oberauf- sicht zu halten, um ihnen die Ueberzeugung beizubringen, daß alles Gute nur von der Kirche kommt. Politisch geht allerdings das Zentrum mit den Konservativen in der Unterdrüchung der Volksrechte Hand in Hand. Ein Ausfluß der junkerlichen Herr- schaft in Preußen ist die Stellung, die die Polizei hier einnimmt; sie ist nur im Junkerinteresse da. Was sie für richtig hält, das ist preußisch.es Verwaltungsrecht. Ebenso ist die Bureaukratie nur ei» Jnstruyient in den Händen dex Junker. Sie hätte lange nicht eine so große Stärke erlangt, wenn sie nicht vom Gericht ziemlich unabhängig wäre— gegen Beamte gibt es keinen Staatsanwalt— und selbst im Falle eineS Gerichtsverfahrens der Beamte durch den Konfliktseinwand seiner Vorgesetzten gedeckt würde. Eine Be- schwerde im vorgeschriebenen Jnstanzenzug gegen einen Beamten wird aber dadurch illusorisch gemacht, daß sie in der Regel von dem bearbeitet wird, gegen den sie gerichtet ist. Erst wenn das konser. vativ-klerikale Parteiregiment gestürzt ist, wird die kulturelle Rück- ständigkeik Preußens ein Ende nehmen.«g. entgeführt werden. Das„Berner Tageblatt" erblickt in den Arbeiter- legttimationskarten eine Verletzung des Art. 8 des schweizerisch- deutschen Niederlassungsvertrages, wonach Schweizer in Preußen, überhaupt in Deutschland, lediglich einen Heimatschein und ein Leumundszeugnis vorweisen müssen. Das„Berner Tageblatt" fordert den Bundesrat auf, bei der deutschen Regieruug wegen der vor- liegenden Angelegenheit diplomatische Schritte zu tun. Nationalliberale Wahlagitation. Im Reichstagswahlkreise Oletzko-Lyck-JohanniSburg machen gegenwärtig die Nationalliberalen große Anstrengungen, um den Konservativen daS Mandat zu entreißen. Ein ganzer General- stab ist dort tätig, und das Gold des HansabundeS ergießt sich über den ganzen Wahlkreis. ES wird wieder eine Schwabachsche Wahl gemacht. Die arme, unwissende masurische Bevölkerung, insbesondere die Knechte und die Landarbeiter versucht man auf jede Weise zu betören, indem man ihnen erzählt, der liebe Gott hätte ihnen den nationalliberalen Kandidaten, einen Gutsbesitzer aus dem Wahlkreise, gesandt. In der liberalen„Ma- surischen Zeitung" ist ein Artikel erschienen, den angeblich ein Arbeiter(?) eingeschickt haben soll. Darin heißt es: „Liebe Wähler, bis jetzt hatten wir zwei Parteien, welche ich auch schon genannt habe, und von der nationalliberalcn Partei wußten wir gar nichts, weil sie von der konservativen Partei vor uns versteckt war und uns niemand zu ihr führte. Jetzt hat aber der liebe Gott einen Menschen geschickt, welcher die nationalliberale Partei für uns zum Vorschein brachte. Ach, was uns das für eine Freude macht, daß der liebe Gott einen solchen Menschen geschickt hat, welcher uns aus dem Kummer und Elend heraus- reißen will. Liebe Wähler, wenn es so länger gegangen wäre, wie es bis jetzt gegangen ist, so würden wir von den Herren Domänenpächtern schließlich als Sklaven für einen Groschen verkauft werden. Nein, liebe Wähler, jetzt frisch in den Kampf gegen die Konservativen. wählt den Herrn Kochan und nicht den Herrn Landrat, so werden wir aus unserem Elend herausgerissen." In dieser Weise bearbeiten die Nationalliberalen die masurische Landbevölkerung. Einen Teil versucht man mit klingender Münze, den anderen Teil mit dem lieben Gott einzusaugen. Die National- liberalen ziehen sogar gegen die»Sklaverei auf dem Lande" zu Felde. Dabei haben sie im Reichstage den Land- arbeitern das Koalitionsrecht verweigert, und für die Aufrecht- erhaltung der ländlichen Sklaverei gestimmt. „Attentat" auf nationalliberale Agitatoren. Die„Nationallib. Korresp." weiß von einem„Attentat" zu be- richten. In der Nähe eines oftelbifchen Dorfes wurde am Donners- tag voriger Woche in ein Abteil II. Klasse des Zuges E y d t- kühnen— Berlin geschossen. In diesem Abteil saßen die Generalsekretäre der nationalliberalen Partei, Breithaupt und Kalk off, sowie der Landwirt K r ü g e r vom deutschen Bauern- bund, die sich auf der Rückreise von Lyck, wo sie in die Wahl- agitation eingegriffen hatten, befanden. Verletzt wurde niemand. Demonstrierende Wirte. Weil in Breslau der konservative Stadtv. Weide, der Führer der Gastwirte, sich feige vor der Abstimmung gegen die Wahlrechtsvorlage gedrückt hatte, beschloß die Generalveriammlung der Genossenschaftsbrauerei der Breslauer Gastwirte, als Protest dagegen den Betrag von 500 M. der sozialdemokratischen Partei» kasse zur Bekämpfung des Wahlgesetzes zur Verfügung zu stellen. Nur 19 Wirte spielten sich als alte Preußen auf und stimmten dagegen._ franhmch. Die Kammerwahlen. Paris, 29. März. Die Parlamentswahlen sind endgültig auf den 2i. April und die Stichwahlen auf den 8. Mai festgesetzt worden._ Der Kampf gegen den Zolltarif. Paris, 29. März. In der Deputiertenkammer wurde der Finanzminifter gefragt, ob es zutreffend sei, daß Belgien Re- pressalien gegen Frankreich plane, indem eS französisches Obst und junge Gemüse mit hohen Zollsätzen belasten wolle. Der Minister erwiderte, er glaube nicht, daß die französischen Zollsätze aggresswe Maßnahmen irgendeines Landes rechtfertigen würden. Wenn irgendein Land solche Blumen, Weine oder Früchte, die nur aus Frankreich importiert werden, mit hohem Zoll belegen würde, so müßte Frankreich darin eine unannehmbare Repressalie erblicken. Die Liquidatoren. Paris, 23. März. Der Senat hat den von der Deputierten- kammer angenommenen Antrag betreffend die Amtsent- h e b u n g der Liquidatoren der Ordensgüter genehmigt. ßolland. Berfassungsrevision. Amsterdam, 26. März.(Eig. Ber.) Der„Staatscourant" ent- hält die RegierungSmiiteilung der Einsetzung einer StaatSkommIssion zur Untersuchung der Frage, welche Abänderungen in der Verfassung vorgenommen werden sollen. Zum Borsitzenden der Kommission ist der Ministerpräsident und Minister des Innern Th. HeemSterk ernannt worden. Außerdem haben die konservativsten Elemente von vornherein eine verhältnismäßig sehr starke Vertretung, während die Anhänger des allgemeinen Wahlrechts sich mit drei bürgerlichen Vertretern, denen sich ein vierter vielleicht bedingungsweise anschließt, und dem Kammermitglied Genossen Troelstra begnügen müssen. Nach der Zusammensetzung der Kommission ist von ihr alles gegen, nichts für das allgemeine gleiche Wahlrecht zu erwarten, auch nicht von seinen bürgerlichen Befürwortern, die bekanntlich im entscheidenden Moment ihr bürgerliches Gewiffen durch politischen Kuhhandel be- schwichtigen. Die Möglichkeit ist nicht ausgeschlossen, daß sich die Ber« treter der beiden größten kirchlichen, der antirevolutionären und katholischen Partei auf ein Wahlrecht der Haushaltungsvorstände einigen werden. Die Einsetzung dieser Kommission aber ist schon an sich für die regierenden Parteien ein Mittel, die Wahlrechtsfrage auf die lange Bank zu schieben, weshalb ihr dann auch die Revision der ganzen Verfassung zur Aufgabe gemacht wurde. Dem holländischen Proletariat macht eS dieser Versuch der Erwürgung seines Kampfes für das allgemeine Wahlrecht zur Pflicht, diesen Kampf nunmehr mit schärferen Mitteln zu führen als bisher. Rußland. Rechtsraub! Der Zar hat Sonntag ein Finnland betreffendes M a n i. f e st unterzeichnet, welches befiehlt, den durch den Ministerrat dem Kaiser unterbreiteten Gesetzentwurf über die Veröffentlichung nur Finnland betreffender Gesetze und der Ge fetze allgemein- staatlicher Bedeutung in der Reichsduma und im Reichsrat ei nzubringen und ferner dem finnischen Landtag zu gestatten, über den Inhalt des Gesetzentwurfes ein Gutachten abzugeben, das dann der Beratung der Reichsduma und des ReichSrates unterliegen soll. Das Gutachten ist innerhalb eines Monats, vom Tage des Empfangs des Gesetzentwurfs an ge- rechnet, abzugeben. Der Gesetzentwurf bestimmt, daß Gesetze, welche nicht nur Finnland allein betreffen« fondern allgemein» st aatliche Bc- deutung haben, durch die reichsgesetzgebenden Körperschaften be» stätigt werden müssen. Nur die innere finnländische Angelegen- hciten betreffenden Gesetze unterliegen der Bestätigung der gcsetz- gebenden Körperschaften Finnlands. Die Grundlagen der inneren Verwaltung Finnlands werden verändert im Wege der allge-> meinen Gesetzgebung auf Initiative des Kaisers. Die wichtigsten Fragen, tvelche auf diese Weise geregelt werden, sind: Teilnahme Finnlands an den Ausgaben des Reichs und dementsprechend« Festsetzung der Einzahlungen, Abgaben und Gebühren; Wehrpflicht der Bevölkerung Finnlands; Rechte der in Finn- land lebenden russischen Untertanen; Feststellung der Fragen, welche im Reichsinteresse aus derKompetenzderfinnländischen Gerichtshöfe auszuscheiden sind; Bestimmungen betref- send öffentlicheVersammlungen und Vereine; Preß- gesetzgebung für Finnland und Bestimmungen über die Ein- fuhr ausländischer Drucksachen; Zollbezieh un gen zwischen Finnland und anderen Teilen Rußlands; finnländisches Geldshstem; Post- und Telcphonwesen; Luftschiffahrt; Eisen- bahnwesen; Rechte der Ausländer in Finnland. Die Gesetzesvor- läge sieht ferner die Vertretung der finnischen Bevölkerung im Reichsrat und in der Reichsduma vor; der finnische Landtag wählt ein Mitglied des Reichsrats auf neun Jahre und in die Reichs- duma fünf Mitglieder, von denen vier finnische Bürger, der fünfte ein In Finnland lebender Russe sein soll. Die Begründung der Vorlage führt aus. daß Finnland in seinen inneren(andere Reichsteile nicht berührenden) Angelegen- heiten nur eine provinzielle Selb st ver waltung ge- nieße, daß die Reichsgrundgesetze für Finnland ebenso obligatorischen Charakter haben wie für die übrigen Reichsteile, daß ferner in allen nicht rein finnländischen Angelegen- heiten die Meinung des finnländischen Landtags ausschließlich b e- ratende Bedeutung habe und daß zum Nutzen Finnlands denv Reichsrat und der Reichsduma Vertreter der Bevölkerung Finn- lands eingefügt werden.— Ueber die Vertretung Finn- land im Rcichsrate und der Reichsduma führt das Expose aus, daß die gleichberechtigte Mitarbeit der von Finnland gewählten Reichsratsmitglieder und Reichsdumaabgeordneten der Idee der Staatseinheit besser entspreche, als die Vertretung durch Delegierte Finnlands, und daß für die von Finnland gewählten Mitglieder des Reichsrates und der Rcichsduma die Kenntnis dev russischen Sprache obligawrisch sei. Tritt dieser Gesetzentwurf, tvelcher mit der beschworenen Ver- fassung Finnlands im schroffsten Widerspruch steht, wirklich in Kraft, so hat Finnland aufgehört, ein selbständiger Staat zu sein und wird zu einer russischen Provinz herabged rückt. Daß die reaktionäre Duma diesen frechen Rechtsraub sanktionieren wird, daran ist leider kaum zu zweifeln. Ebensowenig aber daran, daß das finnländische Volk diese schnöde Vergewaltigung nie an« erkennen wird. Finnlands Sache ist jetzt untrennbar mit der Sache der russischen Revolution verknüpft und wird mit ihr zusammen schließlich über den volkermordenden Zarismus triumphieren. Bulgarien. Neue Grenzkämpfe. Sofia, 29. Nkärz. Am 27. März nachmittags schössen t ü r, kische Soldaten auf eine bulgarische Patrouille. die bei dem Grenzposten Tatarkiocj, Bezirk Kazim Aghatsch, die Runde machte. Es entwickelte sich hierauf ein Gewehrfeuer, das bis zum Abend dauerte und am nächsten Tage wieder auf- genommen wurde, nachdem die Türken Verstärkungeit durch Infanterie und Kavallerie erhalten hatten. Bisher ist von einem Verlust auf bulgarischer Seite nichts bekannt. Ein türkischer Soldat wurde auf bulgarischem Gebiet gel öl et. Wahrscheinlich gab es auch einige Verwundungen. Der Kriegsminister erteilte sofort den Befehl, das Feuer einzustellen. Heute wird eine Kommission aus türkischen und bulgarischen Offizieren zusammentreten, um den Zwischenfall zu untersuchen. Hberftnien. Der Dhronstreit. Frankfurt a. M.. 29. März. Der„Frankfurter Zeitung" wird aus Addis Abeba gemeldet: Die Kaiserin Tai tu ist zur öffentlichen Verantwortung gezogen und von den Großen jedes Gutes und jeder Gewalt verlustig erklärt worden; sie darf nur den Kaiser pflegen und wird ständig bewacht; der Telephonverkehr mit den wenigen Anhängern, die sie noch hat, ist ihr verboten worden. Ihre Soldaten sind fast alle desertiert, ihr« Macht ist nach einem mißlungenen Fluchtversuch endgültig ge- brachen. Sie beabsichtigt, in ein Kloster zu gehen. Kaiser Men e». lik, der völlig gelähmt ist. lebt noch; deshalb unterbleibt! die Krönung Jeaffus, der jetzt allgemein als Thronfolger an» erkannt wird._ Hub der parte!* Ein Brudergruß aus Holland. Vom Parteitag der holländischen Sozial» demokratie ging uns der folgende telegraphische Gruß zu: Lecuwarden» 29. März. Die auf dem Kongreß zu Leeuwarden versammelte Sozialdemokratische Arbeiterpartei Hollands spricht, im Begriff neue Kampfmethoden zu ergreifen für die Eroberung des allgemeinen, gleichen Wahl- rechts, ihre herzliche Sympathie aus mit Eurem schönen Kampfe gegen das Dreiklaffenwahlunrecht und wünscht Euch in diesem schweren Kampfe einen glänzenden Sieg über die gesamten Feinde des Proletariats. Der Parteisekretär: Van Kuykhof. Eine freisinnige Heldentat. Für die diesjährige Maifeier hatten die Gewerkschaftsleiter in Nürnberg den Magistrat gebeten, für ein Massenmeeting den großen Platz vor der Festhalle in Luitpoldhain zu überlassen. Das wurde jedoch mit der Ausrede abgelehnt, daß d i e A n l a g e n b e- s ch ä d, g t werden könnten, obwohl die Gewerkschaften die Garantie dafür übernehmen wollten. Die Mehrheit des Magistrats ist freisinnig. Personalien. An Stelle de« Genossen Pieck, der. wie schon gemeldet, am 1. Mai in das Sekretariat des Zentralbildungsaus» schiisieS eintritt, ist Genosse Rauch, bisher in der Redaktion der „Bremer Bürgerzeitnng", zum Parteisekretär in Bremen gewählt worden. In die Redaktion der„Bremer Bürger» z e i t u n g" tritt Genosse H o l z m e i e r ein, ber vor kurzem gemäß» regelte Bremer Lehrer. pollrelUchta, OcricbtUchea ufw. Haussuchung. In den Geschäftsräumen der„ G a z c t a R a b o t n i c z a" zu Kattowitz sowie in der Privatwohnung des Genossen BiniSz- k i e w i c z wurde am Sonnabend durch drei Polizeibeamte Haus» luchung abgehalten. Man suchte nach Waffen, M u n i t i o n(I) iowie Brieffchaften, die sich darauf beziehen. 2>/g Stunden plagte ich die Polizei. Schließlich mußte sie mit leeren Händen wieder abziehen. Welcher Spatzvogel mag denn der Hochwohllöblichen den kolossalen Bären aufgebunden haben, daß sich in den Räumen der . Gazeta Robotnicza" ein Waffenlager befinde? Strafkonto der Presse. Wegen Beleidigung eines antisemitischen Stadtverordneten wurde Genosse G r ö tz s ch von der»Dresdener Volkszeitung" zu 200 M. Geldstrafe vernrteilt. GewerkrcbaftlicbeB. Neutralität ift Clnfinnl Erkelenz, der Gerüffelte, wehrt sich und weist darauf Hin, daß auch früher schon von den Hirsch-Dunckerschen GeWerk- vereinen die Liberalen als die„richtigen" Bundesgenossen betrachtet wurden. In der Düsseldorfer„Westdeutschen Post" wird ein Artikel von Max Hirsch aus dem Jahre 1871 erwähnt, worin offen die liberale Partei als diejenige erwähnt wird, die für die Gewerkvereinler in Betracht käme. Nachdem erwähnt wurde, daß in einigen Städten die Arbeiter liberale Fortschrittskandidaten selbständig aufgestellt hätten, heißt es dann über die Betätigung der Gewerkvereinler: „Möchten uns bald aus anderen Wahlkreisen ähnliche Berichte zugehen wie aus Danzig und Altwasser. Noch in vielen anderen Gegenden, wo bis jetzt schwach liberal oder gar konservativ und klerikal gewählt wurde, in der Lausitz, in Oberschlesien, in der Mark, in Pommern usw. zählen unsere Freunde und Mitglieder nach Tausenden. Auch in Süddeutschland, wie der Wahlaufruf der Pforzheimer„Genossenschafter" bekundet, wollen unsere Brüder mit dem allgemeinen, gleichen und direkten Wahlrecht Ernst machen. Es gilt jetzt die Probe abzulegen in entscheidender Stunde. daß die Mitglieder unserer Organisation treue und energische Bundesgenossen der entschieden liberalen Partei sind, deren kräftige Unterstützung sie da- durch erwerben. Für die nächsten Wochen müssen alle Bestrebungen den Wahlen den Vorrang lassen." Dazu bemerkt dann das Düsseldorfer Blatt bezw. der wohl dahinter steckende Erkelenz: „So unser verstorbener Anwalt damals! Und wir jetzt? Es ist bedauerlich, daß man an manchen Stellen sich aus persönlichen Gründen nicht zu einem offenen Bekenntnis aufschwingen will. Mit der Vogel-Straußpolitik imponieren wir keinem ehrlichen Gegner, und unseren Freunden, deren es Gottseidank doch noch etliche gibt, machen wir es schwer, auf unserer Seite zu bleiben. Oder glauben die Ueberklugen, es käme bei den vielen verpaßten Gelegenheiten auf eine mehr oder weniger nicht an." Der„Regulator", der zuerst den Erkelenz stark rüffelte, ist auch ziemlich kleinlaut geworden. Der„Vor- wärts" hatte dies Berliner Gewerkvereinsblatt an dessen eigene Stellung bei der Reichstagswahl erinnert. Der„Re- gulator" findet kein Wort, darauf zu erwidern. In einem neuen Artikel hält er zwar an seiner formalen„Neutralität" fest, sagt aber sonst mit vielem Drumherum auch nichts anderes als wie Erkelenz. Auch das Blatt Naumanns,„Die Hilfe", meldet sich in der Sache zum Wort und meint, der frühere neutrale Standpunkt der Gewerkvereinler sei jetzt nicht mehr an- gebracht: „Die deutschen Gewerkvereine sHirsch-Dunckeri aber haben heute um so weniger Anlaß, sie(die politische Neutralität) noch ausrecht zu erhalten, als iu- zwischen diejenigen Parteien, denen sie seit Jahren durch Welt« anschauung und WirtschaftSintcresse nahestanden, jetzt geeint sind, und keine Gewerkvereinler mehr vor die Qual einer Partei- politischen Wabl stellen. Darum sollten sie fest entschloffen in die Hand der Fortschrittlichen Volkspartei(Freisinn) einschlagen." Mögen sie offen einschlagen. Die große Illusion, als ob damit die altersschwachen Hirsch-Dunckerschen nun in einer Art Altweibermühle wieder jung und siegfriedstark gemahlen würden, wird schon früh genug grausam zerstört werden. Und dann wird ja auch der große„Stratege" Erkelenz wohl— bei den Hirsch-Dunckerschen!— engültig ausgespielt haben. Qui vivxa verra! Berlin und Umgegend. Tarifbewegung in den Berliner Lagerbierbrauereien. Der zurzeit geltende Tarifvertrag in den Berliner Lagerbier- brauereien läuft am 31. März d. I. ab. Da die Tarifverhandlungen mit dem Berein der Brauereien noch nicht so weit gediehen sind, daß der neue Tarif am 1. April d. I. in Kraft treten kann, finden in den nächsten Tagen Verhandlungen darüber statt, wie sich das Berbältnis nach dem 31. März d. I. bis zum Abschluß des neuen Tarifes zu gestalten hat. lieber das Ergebnis dieser Ver- Handlungen werden die Kollegen in den nächsten Tagen das Nähere erfahren. Gleichzeitig teilen wir mit, daß am 3. April d. I. eine all- gemeine Brauereiarbeiterversammlung stattfindet, welche fich mit der Tariffrage beschäftigen wird. Die Lohnkommission der Brauereiarbeiter Berlin? und Umgegend. C. 64, Mulackstr. 10, I. Fernspr.-Amt III, Nr. 4518. Lohnbewegung der Schuhmacher Groh-Berlins! Die Schuhmachergehilfen der Schoßbranche hatten sich gestern morgen sehr zahlreich im großen Saale von Dräsel in der Neuen Friedrichstraße versammelt, um zu der in diesem Frühjahr ge- planten Lohnbewegung Stellung zu nehmen. Der Referent I. Kluß schilderte zunächst die Lage der Schoßschuhmacher, die, wie es wohl auch schon in weiteren Kreisen bekannt ist, außer- ordentlich traurjg ist. Im Schuhmachergewerbe hat sich bekannt- lich in den letzten 30—40 Jahren eine gewaltige Umwälzung voll- zogen. Früher ließen sich noch viele Leute ihr Schuhzeug nach Maß anfertigen, und soweit für den Markt gearbeitet wurde, waren es Kleinbetriebe, in denen die Ware wesentlich �nit der Hand hergestellt wurde. Heutzutage gibt es nur noch wenige, be- sonders wohlhabende Leute, die ihre Stiefel nach Maß anfertigen lassen, und die Marktware wird in ungeheuren Massen in großen Fabriken mit Maschinen hergestellt. Für die Schoßschuhmacher ist nur wenig Maßarbeit vorhanden, die meisten sind auf die Reparaturarbeit angewiesen. Die Löhne sind aufs äußerste ge- drückt, wo sich der Einfluß der Organisation nicht geltend machte. Der Durchschnittslohn der Schoßschuhmacher Berlins ist 20 M. die Woche. Es gibt wohl solche, die 26 M. verdienen, aber andere bringen es kaum auf 13 M., ja erhalten gar nur 12 M. für die Arbeit der ganzen Woche. Mancher Schuhmachergehilfe muß, selbst wenn er Arbeit hat, buchstäblich am Hungertuche nagen. Wohl sind im Jahre 1906 mit einer Anzahl von Arbeitgebern Werkstättentarife abgeschlossen, aber sie sind vielfach durchbrochen oder zurückgezogen worden. Bei dem schlechten Geschäftsgang, der großen Arbeitslosigkeit ist es den Gehilfen nicht gelungen, die tariflichen Abmachungen dauernd und allgemein durchzuführen. Die allzu elende Lage der Schoßschuhmacher, die durch die Wirt- fchaftskrise wie durch die künstliche Verteuerung der Lebensmittel noch weiter verschlimmert wurde, ferner der Umstand, daß die Schoßschuhmacher in den Kleinwerkstätten vereinzelt arbeiten, sind schuld daran, daß sie in ihrer Organisation während der verflossenen Jahre nicht die Macht entfalteten, die zu einer all- gemeinen Verbesserung der Lohn- und Arbeitsverhältnisse not- wendig ist. Der Referent ließ keinen Zweifel darüber, daß, wenn. der Lohntarif nun endlich vollends durchgeführt werden soll, die Schuhmacher zu einem Kampf gerüstet sein müssen. Vor allem ist dazu selbstverständlich notwendig, daß sie einmütig in ihrem Zentralverband zusammenstehen. Diese Ueberzeugung hat sich nun auch unter den Schoßschuhmachern allgemein Bahn gebrochen. Der ganze Verlauf der Versammlung und die lebhafte Diskussion bewiesen, daß die Empörung über die elende wirtschaftliche Lage groß ist unter ihnen, und daß sie nun mit voller Kraft ein- wütig für ihre Forderungen eintreten werden. Das Ziel der Terantw. Redakt.: Richard Barth, Berlin. Inseratenteil verantw.: Bewegung ist im wesentlichen, den Minimaltarif öon 1906 all- gemein durchzuführen. Der Tarif hat nun einer Kommission vorgelegen und ist in wenigen Punkten abgeändert worden. Er wurde der Versammlung unterbreitet und fand allgemeine Zu- stimmung.� Die Forderungen sind sehr bescheiden, sowohl in den Akkord- sowie in den Zeitlöhnen. Als Minimalstundenlohn werden 60 Pf. verlangt, im Wochenlohn 26 M., für Reparatur- Werkstätten mit Maschinenbetrieb 27 Ak. Die tägliche Arbeitszeit soll 9lü Stunden nicht übersteigen. Für Ueberstunden sind 16 Pf. Aufschlag zu zahlen. Das Kost- und Logiswesen soll beseitigt werden. Die Versammlung nahm einstimmig eine Resolution an, in der die Ortsverwaltung aufgefordert wird, den Arbeitgeber- korporationen den Tarif zu unterbreiten, mit der Maßgabe, daß die Verhandlungen dann bis zum 15. April endgültig abgeschlossen sein sollen. Am 18. April wird eine neue Versammlung statt- finden, um den Bericht entgegenzunehmen und zu beschließen, was notwendig sein wird. Eine Woche früher, am 11. April, werden die Gehilfen sich in Bezirksversammlungen mit der Sach- läge besaßen. Achtung, Sattler! In den Treibriemenfabriken von A. Schwarz u. Co., W itte, Göhlert u. Co., Ernst Schulz, Fr. Diesener und bei Aug. Pick haben die dort beschäftigten Kollegen wegen Ablehnung der eingereichten Forderungen die Arbeit eingestellt. Einige dieser Firmen sind bemüht, durch Annoncen in den ver- schiedensien Blättern Ersatz aus der Provinz heranzuziehen. Wir bitten daher alle arbeiterfreundlichen Blätter um Abdruck dieser Zeilen. Die Ortsverwaltung Berlin des Verbandes der Sattler und Portefeuiller. Die Kistenmachcr Berlins beschäftigten sich in einer am Montag in den Andreas-Festsälen abgehaltenen Versammlung fast aus- schließlich mit dem Streik bei Pflugrath, Elsenstr. 52. Die dort im Streik Stehenden erklärten einstimmig, einer wie der andere, daß sie nicht wegen vier Kollegen, welche keine Beiträge bezahlen wollten, in den Ausstand getreten seien, wie Herr Pflugrath fälschlich be- hauptet hat, sondern einzig darum, weil Herr Pflugrath versucht hätte, mit einzelnen Kollegen einen Vertrag abzuschließen und die übrigen zu entlassen. Dieses sollte nicht etwa geschehen, weil es sich um minderwertige Kräfte handelt, sondern nur, weil er glaubte, Leute genug zu finden, die sich gutwillig eine Lohnreduzierung ge- fallen lasten. Oeutlcbes Reich. Zum Streik der Heizer und Maschinisten in der Krupp scheu Friedrich-Alfredhiitte in R h e i n h a u s e n ist nachzutragen, daß in- zwischen die Differenzen beigelegt sind. Seitens der Direktion sind befriedigende Zugeständnisse erfolgt, worauf die Streikenden die Arbeit am Sonnabend wieder aufgenommen haben.— Wahrscheinlich hat der Umstand mit zu der Nachgiebigkeit der Direktion beigetragen, daß von dem kleinen Trupp„Arbeitswilliger" schon in der kurzen Dauer der Arbeitseinstellung eine Menge Schaden angerichtet wurde. Mehrere Hebekräne wurden infolge unsachgeniäßer Behandlung stark beschädigt und so viel an Maschinen ruiniert, daß die Direktion von den„Arbeitswilligen" genug haben wird, obwohl man sie per Droschke(!) zur Arbelt schaffte. Gaukonferenz des Textilarbeiterverbandes. Kassel, 23. März. Während der Feiertage fand im hiesigen Gewerkschaftshause eine Konferenz des GaueS Nordwest des Zentralverbandes deutscher Textil- arbeiter statt, der in der Hauptsache die Provinzen Schleswig-Hol- stein, Hannover, Hessen-Nassau, Westfalen, Oldenburg und die Hansa- städte umfaßt. Anwesend waren außer dem Gauvorstand sowie Vertretern des Zentralvorstandes und des Bcrbandsorgans aus 23 Mitgliedschaften 36 Delegierte. Es wurden während der Tagung meistens interne Fragen der Organisation erörtert. Der Gau umfaßte Ende 1909 rund 30 Filialen. Ende 1907 waren es 36. Der Rückgang ist durch Verschmelzung von Filialen und durch Abgang an den Gau Rechts- Rhein entstanden. Neu gegründet bezw. selbständig geworden sind drei Filialen: Alsfeld. Peine und Göttingen. Infolge der außerordentlich schlechten Konjunktur in den meisten Zweigen der Textilindustrie und der dadurch bedingten Abwanderung ausländi- scher Arbeiter ist die Mitgliederzahl in den Filialen des Gaues zurückgegungen und zwar von 10 029 auf 8300(4862 männliche und 3438 iveibliche). Die Redner erklärten sich in der Mehrheit mit der Tätigkeit der Gauleitung einverstanden und gaben im übrigen Schilderungen der sozialen Zustände in der Textilindustrie. Bei der Stelluiignahnie zur Generalversammlung in Berlin werden dieser als Material überwiesen die Anträge von Hannover« Linden und Osterode auf Aenderung des Regulativs für die Unter- stützungSeinrichtungen, dem Vorstand überwiesen ein Antrag Schiffbeck auf Beschaffung einer ungarischen Zeitung. Unterstützt wurde ein weiterer Antrag an die Generalversammlung, die Zentral- käste möge alle Delegationskosten, auch der Gaukonferenzen über- nehmen. Die Anträge Bramsche und Elmshorn erübrigten sich, da es der Generalversammlung obliegt, eine Neueinteilung der Gaue vorzunehmen._ Keine Differenzen im Hamburger Baugewerbe! Am Sonnabend ist zwischen dem Baugewerbeverbande und den Verbänden der Maurer. Zimmerer und Bauhilfsarbeiter eine Einigung auf folgender Basis zustande gekommen: Der bisher beratene Tarif wird bis zum 31. März 1910 ab- geschlossen. Er wird prolongiert bis zum 16. April 1910. Wenn bis dahin kein neues Vertragsmuster zustande konimt, wird der Tarif bis zum 1. Oktober 1910 prolongiert. Wenn überhaupt kein neues Vertragsmuster zustande kommt, gilt der Tarif bis zum 31. März 1913. Mit der Einigkeit der Unternehmer hapert es mithin. Die Lehren des vorjährigen großen Kampfes im Hamburger Baugewerbe haben bei den Unternehmern doch einen starken Resonanzboden ge- iunden. Die Hamburger Bauarbeiterschast hat den vorjährigen opferreichen Kampf nicht umsonst gekämpft; der wirkliche Erfolg zeigt sich jetzt in vollem Umfange. Ausland. Internationaler Kongreß der Lithographen, Steindrucker und verwandten Berufe i» Amsterdam. Das Sekretariat des internationalen Bundes der Litho- graphen, Steindrucker und verwandten Berufe, das seinen Sitz in Berlin hat, beruft den siebenten internationalen Kongreß zum 12. bis 14. September d. I. nach Amsterdam in Holland ein. Dem internationalen Bund gehören die Berufsorganisationen der Litho- graphen, Steindrucker und verwandten Berufe von folgenden Län- dern an: Belgien, Deutschland. Dänemark, England, Finnland, Frankreich, Holland. Italien, Norwegen, Oesterreich, Schweiz und Ungarn. Weitere Verbindungen sind angeknüpft mit den Berufs- organisationen in Amerika, Australien, Rußland und Spanien; deren Anschluß steht bevor.— Zur Tätigkeit dZs internationalen Kongresses gehört der Ausbau der internationalen Verbindung: im besonderen wird auch die Ansammlung eines großen Kampf- resp. Streikfonds geplant, von dem in eintretenden Fällen die ver- schiedenen Landesorganisationen unterstützt werden. So hat der bereits vorhandene Fonds in den letzten Jahren schon wiederholt eingegriffen bei Kämpfen in Dänemark, Italien, Holland und be- sonders bei dem großen Generalstreik im vorigen Jahre in Schwe» den, wobei die einzelnen LondeSorganisationen auch durch frei» willige Sammlungen ganz bedeutend geholfen haben.— Seit dem letzten Kongreß wird vom internationalen Sekretariat zur weite- Utz, Glocke. Berlin. Druck u. Verlag: Borwärt» Buchdr. u. BerlagSanfigll I ren Festigung beM gegenseitigen Verständigung eine ln drei Sprachen(deutsch, englisch und französisch) erscheinende Zeitung ..Bulletin" herausgegeben, die über die Kämpfe in den einzelnen Ländern und über wichtige Verbandsfragen berichtet.— Auf dem internationalen Kongreß in Amsterdam wird auf Beschluß des letzten Kongresses 1907 in Kopenhagen auch eine Druckbogen» Ausstellung veranstaltet, um an der Hand dieser die Lohn- und Arbeitsverhältnisse in den einzelnen Ländern zu demon- strieren. Die einzelnen Landesorganisationen werden im„Bulle- tin" aufgefordert, ungesäumt die Sammlungen der Drucksachen in die Wege zu leiten. Es sollen von in jedem Lande angefertigten Drucksachen einige zur Ausstellung besorgt werden. Bei jedem der Druckbogen sollen die Herstellungskosten genau angegeben werden, ferner die üblichen Wochenlöhne und die täglichen Arbeitszeiten der in Betracht kommenden Arbeiter usw. Kommunale Streikbrecher-Wehrpflicht wollte der konservative Stadlverordnete Herlitz in Stockholm eingeführt wissen. In ihrer letzten Sitzung vor Einführung der neugewählien Vertreter hatte sich die Stadtverordnetenversammlung mit diesem Antrage zu befassen, der bezweckte, daß bei Arbeitsniederlegung in den kommunalen Be- trieben und Arbeitszweigen jeder Bürger verpflichtet sein sollte, die Arbeiten auszuführen, also als Streikbrecher tätig zu sein. Der An- trag war jedoch schon im Ausschuß abgelehnt worden, und die Stadt» verordnetenversammlnng tat das gleiche, ohne eine formelle Ab» stiminung für nötig zu erachten. Das Ende des Strasteukehrerstreiks. Rom, 26. März.(Eig. Ber.) Naibdem die Stadtverwaltung den römischen Straßenkehrern eine Lohnzulage von 26 Centimes pro Tag versprochen hat, ist die Arbeit wieder aufgenommen worden. Der Anteil, den der klerikale Gewerkverein an der Bewegung hatte, und dessen politische Absichten gegen die antillerikale Stadtverwaltung kamen bei der Abstinimung über die Wiederaufnahme der Arbeit zutage, bei der die Mitglieder des Gewerkvereins trotz der nicht geringen Zugeständnisse gegen die Wiederaufnahme der Arbeit stimmten. Sie blieben aber in der Minderheit._ Letzte jVacbricbtcn und Dcpclcbcn. Gegen das Oberhaus. London, 29. März. Das Unterhaus trat heute nach der kurzen Osterpause wieder zusammen und begann sofort die allge- meine Beratung über die Resolutionen betreffend das Oberhaus und die Dauer der Parlamentssession. Premierminister A s q u i t h beantragte, daß das Haus sich als Kommission konstituiere, um die Resolutionen zu beraten, und gab eine ausführliche Erklärung ab, in welcher er die Politik der Regierung und ihre Haltung gegenüber der Reformfrage aus- einandersetzte. Während er zugab, daß ein Bedürfnis für eine zweite Kammer in England vorliege, stellte er in Abrede, daß Großbritannien gegenwärtig ein Zweikammersystem habe. Das gegenwärtige System sei eine Karikatur und eine Tra- vcstie des Zweikammersystems. Die Regierung wünsche nicht. die zweite Kammer dem Unterhause koordiniert zu sehen; sie wünsche aber das Unterhaus in seiner Machtvollkommenheit und Borherrschaft in der Gesetzgebung erhalte» zu sehen. Es gäbe in- dessen Funktionen der Beratung, der Revision und des Aufschubs, die in nützlicher Weise von der zweiten Kammer ausgeübt werden könnten, was mit der Vorherrschaft des Unterhauses vereinbar sei. Das Oberhaus müßte auS einer verhältnismäßig kleinen Zahl von Mit- gliedern bestehen und nicht auf der Erblichkeit, sondern auf demokratischer Grundlage beruhen. Es müßte eine Körperschaft sein, die den Willen der Nation repräsentiere unp von ihr abhängig sei. Die Resolutionen würden nicht als /md- gültig erschöpfende Lösung des Problems eingebracht, es wäre aber vor allen Dingen nötig, daß man sich mit dem Oberhaus so wie es jetzt sei beschäftige. Die notwendige Vorbedingung für die Aus- führung der Politik der Regierung sei die Verhinderung der ver» fassungswidrigen Ncbcrgriffe in der Finanzgebarung. Die zweite Resolution sei dazu bestimmt, der heillosen Verwirrung zwischen beiden Häusern ein Ziel zu setzen. Gegenwärtig sei der einzige verfassungsmäßige Weg, der Verwirrung ein Ende zu be- reiten, der, daß das Parlament aufgelöst werde oder daß neue Peers von der Krone ernannt werden. Das Borrecht der Krone sei, obwohl es selten ausgeübt werde, ein wesentlicher Bestandteil der Verfassung. Die Resolution Lord Roseberys führe einen direkten tödlichen Schlag gegen die Prärogative und wenn sie Gesetz werden sollte, würden die Lords eine autonome Körperschaft ohne Kontrolle werden. Sowohl die Auflösung wie die Ernennung neuer Peers wären ein ernstes Ausnahmemittel, das aber im Falle der Not furchtlos an- gewandt werden müßte.(Beifall bei den Ministeriellen.) Nachdem Asquith sodann betont hatte, daß andere Anregungen unausführ- bar wären und daß die Vorschläge der Regierung den ersten Schritt bildeten zu einer Emanzipation des Unterhauses, erklärte er der Meinung zu sein, daß dem absoluten Veto der Lords das absolute Veto der Krone folgen mühte, bevor der Weg freigemacht werden könnte für eine ungefesselte Demokratie. B a l f o u r(Umonist) spottete über den Plan der Regierung und erklärte, es fei nur natürlich, daß das Oberhaus von seiner Macht Gebrauch mache, wenn eine Regierung am Ruder sei, die in ihren Hauptelementen revolutionär sei. Die Regie- rung verhöhne die Meinung aller großen, freien Regierungs- körperschaften der Welt durch Beschränkung der Vollmachten des Oberhauses, und das ganze Programm der Regierung fei grotesk. Redmond(Ire) erklärte, seine Partei würde die Reso- lutionen bereitwillig st unter st ützen. Asquith möge auf der Annahme der Resolutionen bestehen, eine Mehrheit von 129 Stimmen sei ihm sicher. Barnes(Arbeiterpartei) erklärte, die Resolutionen unter- stützen zu wollen, sie seien in keiner Weise als ein ausreichendes Mittel gegen die Uebelstände zu betrachten, gegen welche die Reso- lutionen sich richteten. Die Zolltarifreform. Pari?, 29. März.(W.T.B.) Die Deputiertenkammer nahm mit 416 gegen 92 Stimmen den Gesetzentwurf betreffend die Zolltarifrevision in seiner Gesamtheit mit Aenderung zweier Po- sitionen in der Senatsfassung an. Die Eruption des Aetna. Catania, 29. März.(W. T. B.) Der Direktor drS Aetnaobfrr- vatoriumS teilte aus N i c o l o s i mit. daß die Masse und Schnellig. keit der Lava im Wachsen fei, die Lage sei gegen gestern wenig Verändert. Auch die Sektion Catania des Alpenklubs versichert, daß der Busbruch des Vulkans wieder zunehme und mit starkem Getöse verbunden sei. Gegen Bestechungsversuche. Washington, 29. März.(W. T. B.) Das Repräsentanten. haus gab die Ermächtigung zu der U n t e r s u ch u n g der A n» schuldigungen, daß in Washington von Schiffsinteressentcn ein Versuch gemacht worden sei, auf Mitglieder des Kongresses durch Bestechungen zugunsten der VorlageübcrdieSchiffS, subsidien einzuwirken. Zaul Singer& Co.. Berlin S VV.— H ieizu 4 Beilagen u.Untirhaltungsbl.~ ».73. 27. mm. i SeillP iltS Jormärlö" Dttlilltt Wlksdllllt.« 30» ,m Ein Parteitag fit die obere Rheinprovia; fand an den beiden Ostertagen in Aachen statt. ES waren 49 Vertreter aus IS Reichslagswahlkreisen, ferner vom Partei- vorstand Genosse W e n g e l S und vom preußischen Landesausschuß Genoste Ernst aus Berlin erschienen. Den Jahresbericht des Agitationslomitees erstattete Partei- selretär H o f r i ch t er- Köln. Er verwies auf die im Berichtsjahr im Bezirk erfolgten drei Reichstagsnachwahlen: in Adenau-Kochem- Zell, Düren-Jülich und Koblenz-St. Goar, bei denen das Zentrum insgesamt 18800 oder fast ein Drittel seiner bisherigen Stimmen verlor infolge der Erbitterung der Wähler über die Reichsfinanzreform. Weiter befaßte sich der Berichterstatter mit der Wahlrechlsbewegung und kennzeichnete das verlogene Verhalten des Zentrums, das der Sozialdemokratie fälschlich kulturkämpferische Gesinnungen nachsagt, zur selben Zeit aber mit den K o n s e r- vativen zusammengeht, der nämlichen Partei, die den ganzen Kulturkampf gegen die katholische Kirche mitgemacht, für alle Be- schlüsse gestimmt hat, bis man lediglich aus Furcht vor der Sozialdemo- kratie den Kulturkampf aufgegeben hat, der Zentrumshistorikern als die brutalste Verfolgung der katholischen Kirche, die die Geschichte kennt, bezeichnet wird. Das Zentrum ist innerlich genau so reaktionär wie die ostelbischen Junker, mit denen es sich zur Aussaugung und Eni- rechtung des Volkes aufs innigste verbrüdert hat. Gegenüber den Schwierigkeiten, die ihm der Volksverrat bei Finanzreform und Wablrechtsänderung bietet, greift das Zentrum zu dem alten dema- gogischen Trick, den katholischen Arbeitern vorzuschwindeln, die Religion sei in Gefahr. Nach dieser Richtung hat sich vor allem die Auf- klärung des katholischen Volkes zu bewegen. Der Redner befaßte sich sodann mit der terroristischen Kampfes- weise des Zentrums in seinen Machlgebieten, wo es vor den feigsten Ueberfällen auf sozialdemokratische Flugblattverteiler, vor den hinter- listigsteu Saalabtreibereien nicht zurückscheut Trotz aller ungeheueren Schwierigkeiten, trotz des übermächtigen Feindes ist eS gelungen, im Agitationsgebiet die Zabl der eingeschriebenen Partei- Mitglieder aus 10 360 im Berichtsjahre zu steigern, eine Zahl, die allerdings uns bei weitem nicht genügen könne und in starkem Mißverhältnis zu den sozialdemokratischen Reichstagsstimmen und Gewerkschaftsmitgliedern stehe. Die Frauenagitation hat im Berichtsjahre leider keine Fortschritte gemacht. Die Jugend- organiiation läßt, abgesehen vonKöln und Mülheim a. Rh.. sehr zu wünschen übrig, was angesichts der eifrigen Bestrebungen der Klerikalen auf diesem Gebiete außerordentlich beklagenswert ist. ES müste hier ein ganz anderer Fleiß entwickelt werden, wie über- Haupt auf dem vorgeschobenen Posten der Sozialdemokratie im katholischen Westen die Anspannung aller Kräfte bis zum äußersten gebiete. Der Kassenbericht ergibt in Einnahme und Aus gäbe 14296 M. Für den AgitationSkalender wurden 1200 M. ausgegeben, die zur Agitation bestimmte Wochenausgabe der„Rhet nischen Zeitung' erforderte einen Zuschuß von 740 M. An den Jahresbericht knüpfte sich eine ausgedehnte Debatte, die Viele wertvolle Anregungen für die Agitation brachte. Ueber die Wahlrechtsbewegung in Preußen refe- rierte Genosse Meerfeld(Köln). Er widmete naturgemäß einen sehr großen Teil seiner Ausführungen dem WahlrechtSverrat des Zentrum«. Durch ein reichhaltiges Material bewies er sowohl die tatsächlich vorhandene starke Abneigung dieser Partei gegen eine Erweiterung der Volksrechte, wie ihre schmähliche Preis' gäbe aller förmlichen Versprechungen. DaS Zentrum fei bei der Wahlrechtsfrage lediglich auf die Aufrechterhaltung der klerikal' konservativen Mehrheit, auf die Befestigung der agrarischen Aus- beutungsprivilegien und die ungestörte Fortsetzung seiner reaktionären Kirchen« und Schulpolitik bedacht. Der Redner unterbreitete im Namen des»gitationskomitees «ine Resolution, in der eS heißt: Der Parteitag spricht seine tief st e Entrüstung aus über den Wahlrechtsentwurs der Regierung, der eine unerhörte Verhöhnung der Volks massen war. Dieser Hohn ist aber noch brutal und schamlos gesteigert worden durch die Arbeit des klerikal-konfervativen Blocks. Das„Reform machwerk dieses Blocks ist eine freche Herausforderung der großen Mehrheit des preußischen Volkes. Die geheime Wahl der Wahlmänner ist für die Stadtbezirke zu einer halben Maßnahme, für die Landbezirke aber völlig wertlos geworden durch die Beibehaltung der indirekten Wahl und der öffentlichen Wahl der Ab- Geordneten, sowie der Verweigerung des gesetz- ichen Schutzes des'Wahlgeheimnisses bei der Wahl männerwahl; der Terrorisierung der ländlichen Wähler wird über' dies noch Tor und Tür offengehalten, der großen Masse dieser Wähler wird auch in Zukunft daS Wählen erschwert und verekelt Kleines feinUeron. AnS der Geschichte deS Aetna. Die Phantasie der Alten ließ den Aetna zur Riesenschmiede deS HephästoS werden, in der der Feuer- gott mit leiner Schar einäugiger Zyklopen den Donner schmiedet, mit dem Zeus die Welt erschüttert: in den Tiefen des Berges läßt die Sage den furchtbaren Riesen Typhon lebendig begraben liegen, den Zeus nach furchtbarem Kampfe überwand und in den Tartaros unter dem Aetna schleuderte, von wo aus das gefesselte Ungeheuer schreckliche Glut und Wirbelwinde zur Erdoberfläche ausstößt. So groß war die Anziehungskraft der geheimnisvollen Schrecken, die um diesen Berg weben, daß selbst die Alten, die sonst dem Hoch gebirge auswichen. Versuche unternahmen, den Gipfel des Aetna zu erklimmen, und von dem Philosophen Empedocles berichtet die Sage, daß er in dem grauenvollen Krater des Bergriesen den Tod gefunden habe. Die Geschickte berichtet von einem großen Ausbruch, der 425 v. Chr. dos Küstengebiet in der Umgegend des heutigen Catania verwüstete. Mehr als eine Stadt der Alten hat unter den Feuermassen des Berges ein tragisches Ende gefunden. Naxos. Hybla und andere wurden vernichtet. 125 v. Chr. sandte der Aetna so gewaltige! glühende Lavamassen in die Tiefen, daß das Ionische Meer zu kochen begann und Millionen von tischen umkamen. Und fast 250 Jahre später, um l21, wird atania ein Opfer des Aetnas; die Not und die Verwüstung sind so groß, daß die Römer den Bewohnern aus zehn Jahre alle Steuern «lasten. Gewaltige unterirdische Unruhen und große Seebeben gehen dem riesigen Ausbruch von 1169 voraus. Am 4. Februar er- scküttert ein mächtiges Erdbeben ganz Sizilien, Catania stürzt völlig ein. Taulende von Menschen werden verschüttet und die wenigen Ueberlebenden retteten sich nur mit Mühe vor dem dichten Aschen- regen und den glühenden Steinen, die der Berg über seine Be- wohner ausschüttet. 210 Jahre später ist Catania von neuem der Sckauplatz der gleichen schauerlichen Katastrophe. Dann verstreichen wiederum zwei Jahrhunderte.» in denen die Bevölkerung den Berg wieder mit Siedelungen überzieht, bis 1537 der Aetna zu gleicher Zeit an verschiedenen Stellen sich spaltet und mit so großer Wucht gewaltige Lavamasten ausipeit, daß ganze Ortschaften in wenigen Minuten von den Feuerströmen verschlungen sind, ohne daß die Einwohner Zeit gesunden haben, sich durch die Flucht zu retten. Aber alle diese Katastrophen sind nur ein Vorspiel zu dem vei- beerenden Ausbruch des Jahres 1669, bet dem mehr als 20000 Menschen untergingen. 24 Jahre später erfolgt ein neuer Ausbruch, und diesmal sind es nickt weniger als 60 000 Menschen, die dem Zorn des Aetnas zum Opfer fallen. Im 18. Jahrhundert folgen drei große weitere Ausbrüche und Jim 10. zählt man gar 15. 1809 bilden sich eine ganze Reihe neuer Krater, zwei von ihnen entsenden durch die Beibehaltung der Terminswahl; der Klassencharakter des jetzigen Wahlsystems wird noch v e r- schärft durch die Bevorzugung der Abiturienten. Die„Reform" deS schwarzen Blocks fügt den alten Infamien dieses Wahlsystems noch neue hinzu und geht nur darauf hinaus, das Dreiklastensystem neu zu befestigen und eine wirkliche Reform auf absehbare Zeit zu verhindern. Der Parteitag spricht seinen Abscheu und seine Empörung aus über den schmachvollen Wahlrechtsverrat des Zentrums. Er fordert nochmals dringend: Hinweg mit diesem Scheusal! Der Parteitag gelobt namens der Sozialdemokratie der oberen Rhein- Provinz, daß der Kamps um die Demokratisierung Preußens nicht einen Augenblick nachlassen, im Gegenteil mit noch viel größerer Kraft als bisher und mit Aufbietung aller Erfolg versprechenden Mittel weitergeführt werden soll bis zum endlichen Siege." In der Diskussion wurden die Fragen der' Steuer- Verweigerung, der Mietsverweigerung und des politischen Massen st reiks erörtert. Es wurde betont, daß die wichtigste Aufgabe der nächsten Zeit sei, immer größere Massen des Volkes für die Wahlrechlsbewegung zu gewinnen. Wenn das Volk in seinen Tiefen aufgerüttelt ist, dann erst werden auch alle anderen Machtmittel des Proletariats zur Geltung kommen. Die obige Resolution wurde einstimmig angenommen. Ueber die künftigen Reichstagswahlen redete Partei- sekretär B. Müller- Köln. Die nächste Reichstagswahl findet unter ganz anderen Umständen als die Hurrawahl von 1907 statt. Den Mittelpunkt der Wahlagitation werde die preußische Wahl- reform bilden, denn diese sei keine lediglich greutzische, sondern eine deutsche Frage; denn nichts geschehe im, Reich ohne den Willen des im Bundesrate ausschlaggebenden Preußen. Daneben sei vor allem die volksausbeuterische Reichsfinanzreform in den Vordergrund der Agitation zu stellen. Im Agitationsbezirk der oberen Rheinprovinz habe das Zentrum von 19 Wahlkreise 18 inne; nur einer gehöre den Nationalliberalen. Aber wenn auch das Zentrum der Hauplfeind sei und dessen brüderliches Zusammengehen mit der ostelbischen Reaktion in ausgiebigster Weise beleuchtet werde, so müsse auch in entschiedenster Weise den Liberalen. die nickt das Rückgrat hatten, für ihre angebliche Weltanschauung einzutreten, der Kampf angesagt werden. Die häßliche, beispiellos feige Kampfesart des Zentrums aber müsse so oft als möglich von der Tribüne der Parlamente gebrandmarkt werden. Der Redner mahnte zur baldigen Aufstellung der Reichstagskandidaten, Bildung der Wahlkomitees und Sammlung von Wahlfonds. Der Parteitag paßte ferner das Orgauisationsstowt und das Kommunalprogramm für den Bezirk den für die Gesamlpartei fest- gelegten Bestiininungen an. Zum Internationalen Kongreß wurde Genoste Hofrichter delegiert._ Erster Kllvdesltongrtß des deutschen Arbeiter-Samllriter- bundes. Im Dresdener Volkshause tagte am 1. Osterfeiertag der erste Bundeskongreß des Arbeitersamariterbundes, verbunden mit einer öffentlichen Ausstellung von Krankentransportmitteln, Aus rüstungsgegenständen für Samariterkolonnen, Lehrmitteln, Lite- ratur usw. Die sehr zweckmäßig arrangierte Ausstellung, an der sich auch größere auswärtige Kolonnen beteiligten, fand ledhaften Zuspruch. Besonderes Interesse erweckt eine von einem jungen Mitglied der Dresdener Kolonne außerordentlich sinnreich kon struierte Trage, die von zwei Fahrrädern getragen wird. Zu- sammengelegt kann sie von einem Radfahrer unauffällig auf dem Rücken transportiert werden, und im Bedarfsfalle ist sie in wenigen Minuten zwischen den nebeneinander fahrenden Rädern befestigt und bildet dann einen zweckmäßig hergerichteten Krankentrans- portwagen. Die Konstruktion ist gesetzlich geschützt. Nach dem vom Bundesvorsitzenden Stein-Berlin erstatteten Jahresbericht ist die Arbeit des ersten Jahres als eine sehr erfolg reiche anzusehen. DaS Hauptaugenmerk wurde auf die Errichtung neuer Kolonnen gelegt. Zu diesem Zwecke wurde an alle Partei- und Gewerkschaftsblätter ein Flugblatt versandt. Der Gründung von neuen Kolonnen stellten sich oft verschiedene Schwierigkeiten entgegen. Als Bundesorgan diente jetzt die vom Verband der Ge- meinde. und Staatsarbeiter herausgegebene..Sanitätswarte". Das war nur als Provisorium gedacht, und die baldige Gründung eines eigenen Bundesorgans macht sich erforderlich. Besonders brennend ist die Aerztefrage geworden. Der Leipziger Aerzteverband faßte den Beschluß, daß allgemein von den Sanitätskolonnen für den ärztlichen Unterricht Honorar gefordert und deren unentgeltliche Ausbildung als unstatthaft erklärt werden soll. Gegen diesen Be- schluß mutz Widerspruch erhoben werden. Solange der Arbeiter- samariterbund humanitären Zwecken dient, darf die Tätigkeit seiner aktiven Mitglieder nur als eine ehrenamtliche angesehen ununterbrochen unabsehbare Massen glühenden Gesteins, Felsstücke von mehreren Meiern Durckmester werden wie Kieselsteine Hunderte von Metern hoch in die Luft geschleudert. Von allen Seiten des Kegels kommen die Lavaströme, die sich zum Schluß zu einem ein- zigen riesigen Strom vereinigen. Neben diesen Lavamasten sind die Ströme des Veiuvs wie kleine Bäche neben mächtigen Flüssen; 1853 bilden sich zwei neue Krater und seitdem hat fast jeder neue Aus- brück neue Riste in den Berg gegraben, durch die die Feuermasten hervordrängen. Die Jahrtausende haben das Toben des Berges nicht zu dämpfen vermocht, und es bleibt das Schicksal der zahlreichen Be- wohner der Abhänge, stetig in einem Paradiese zu leben und doch zugleich eine Hölle unter und üb« sich zu wissen..., Theater. Freie Volksbühne(im Neuen Schauspielhaus):„Bun- b u r y" von Oskar Wilde. Man hat Mühe, dem Raketenspiel dieses blendenden Geistes zu folgen. Glaubt man schon ein Fädchen in der Hand zu halten, um nunmehr in dem Labyrinth verschnörkelter Laune und grotesken Witzes sich zurecht zu finden, so bemerkt man beim allernächsten Sprühfeuer, daß man bereits wieder überrumpelt wurde. Der Dichter ist ein Jongleur ohnegleichen; er hypnotisiert und ermüdet den Hörer in einem Hin. Das geht so vier Akte durch, zwischen unbändigem Gelächter und verwundertem Kopfschütteln. Wir stehen vor ungewohnten Erscheinungen. Es ist nur zu selbst- verständlich, daß die Londoner Gesellschaft und zwar das spezifische Dandylum sich an Oskar Wilde ergötzte. Sie empfand es nicht und er hatte eS auch gar nicht beabsichtigt, daß sie in allem ihrem Tun und Treiben verspottet wird. Wir, sofern wir uns Mähe geben, den in das Kreuzfeuer ironischer Anspielungen gerückten Vorgängen auf der Bühne zu folgen, vermögen trotzdem zu beobachten, daß der Dickter, indem er ungewollterweise m sich selbst jene hochgesell- schaftlichen Anschauungen und perversen Neigungen personifizierte, doch ein ungeheuer bissiger Satiriker ist. Das durch nichts zu be- irrende Wohlleben in Gut- und Vielesterei, Nichtstun und behaglichem Schlendern; die sportsmäßige Spielerei mit Liebe. Heirat usw.; der ungeniert freie Umgang zwischen beiden Geschlechtern, der weder sentimentale Kopfhängerei noch idealistischen Opfersinn aufkommen läßt, sondern alles mit gleicher Nüchternheit behandelt; die formale Prüderie und Heuchelei auf der einen, das blinde Kuhspiel mit religiösen und moralischen Wertbegriffen der Menschheit im allge- meinen, die diesen Swell-Naturen keinerlei Respekt aufnötigen:— alles dies und noch anderes führt Wilde in der krausen Handlung seiner„trivialen Komödie für seriöse Leute" vorüber. So zweifel« hast der Genuß für den mit solcherlei englischen Dingen nicht ver- trauten Zuschauer auch sein mag:— er wird doch einigen Gewinn mit nach Hause nehmen. Dies um so zuversichtlicher, als er durch eine in jeder Richtung ausgezeichneten Aufführung des Stückes«nt- werden. Die Ausbildungstätigkeit liegt außerhalb derjenigen Bs» rufstätigkeit, welche die ärztliche Standesordnung für Honorar- pflichtig erklärt. Die Annahme einer Bezahlung würde die aus- bildenden Aerzte zu den ehrenamtlich tätigen Mitgliedern ihrer Kolonne in eine ihr Ansehen schmälernde Stellung bringen und sie bei den Mitglieder ihrer von ihnen jetzt eingenommenen Ver« trauensstcllung berauben. Es folgen dann die Situationsberichte der einzelnen Kolonnen. Hackelbusch- Berlin berichtet über die Polizeiattacken im Tier- garten. Von Schöneberg und Lichtenberg sind der Kolonne Zu« Wendungen von 100 und 500 Mk. gemacht worden, während der Magistrat von Berlin auf ein Gesuch erklärte, daß er für Wohl- fahrtseinrichtungen in seinem Etat nichts eingestellt habe. Das sei für eine Zweimillionenstadt sehr beschämend. Von allgemeinem Interesse sind die Berichte der Dresdener Kolonne. Hier hat das Direktorium des Landesvereins vom Roten Kreuz beim Rate Beschwerde gegen das rote Kreuz an der Mütze der Samariter geführt und verlangt, daß das gesetzwidrige Abzeichen entfernt würde. Die Wohlfahrtspolizci verbot dann in einem Schreiben unter Bezugnahme auf die Beschwerde das fernere Tragen der Ab- zeichen mit Rücksicht auf die Möglichkeit einer Verwechselung mit dem Roten Kreuz der Genfer Konvention, obwohl sich bei den Arbeitersamaritern das Abzeichen auf gelbem statt auf weißem Grunde befindet. Gegen dieses Verbot ist Beschwerde erhoben worden. Süß- Meißen kann von einer regen Tätigkeit der Meißener Kolonne berichten, die trotz der großen wirtschaftlichen Kämpfe auf ihrer Höhe geblieben sei. Die Kolonne hat in 769 Unfällen Hilfe geleistet. Braun- Hamburg erkennt die Unterstützung der Hamburger Kolonne durch unsere dortigen Parteiorgane an. Die Ortskranken- kasse in Hamburg gewährt der Kolonne eine Rückvergütung für das verbrauchte Verbandszeug usw. Die Hamburger Kolonne hat mit dem Hamburger Schwimmverein ein Abkommen dahin getroffen, daß gegenseitig ein Austausch der Lernenden stattfindet.— Einen längeren Bericht erstattet Brodel- Nürnberg über die Schwierig- ketten bei der Gründung der Nürnberger Kolonne. In Nürnberg bestehe eine bürgerliche Sanitätskolonne, der zu neunzehntel Arbeiter angehören— Partei- und Gewerkschaftsgenossen. Die Partei und die Gewerkschaften unterstützen diesen bürgerlichen Verein sowohl moralisch wie auch finanziell. Partei- und Gewerkschaftsleitungen sowie auch das Parteiorgan taten ihr Möglichstes, um die Grün- dung der Kolonne zu hintertreiben und dieser das Leben schwer zu machen, obwohl sich die Genosten in der bürgerlichen Kolonne zu allem patriotischen Klimbim mißbrauchen lassen müssen. Eine Unterstützung durch die Parteipresse, die Partei- und Gewerkschafts- leitungen sei aber unbedingt notwendig. Sobald diese Kreise etwas mehr aufgeklärt wären über die Zwecke und Ziele der Arbeitersamariter, würden auch die Arbeiter der Organisation bei- treten, zu der sie gehören. Diese Ausführungen rufen bei dem Kongreß lebhaste Cnt- rüstungsäutzerungen gegen die Nürnberger Partei- und Gewerk» schaftsleitungen hervor. Ein von Berlin gestellter Antrag, beim Parteivorstand, wie auch bei der Generalkommission der Gewerk- schaften Beschwerde zu führen gegen das Verhalten der Nürnberger Partei-und Gewerkschaftsleitungen, wird einstimmig angenomnren. Neu-CLIn hebt besonders die Schwierigkeiten hervor, die ihnen in der Gewinnung von Aerzten als Lehrern entgegentreten. Die Aerzte erklären, sie dürften nicht in der Arbeiter-Samariter« kolonne tätig sein, weil Dr. med. Oppenheimer in der Archeiter- Samariterkolonne tätig sei, der aber als Streikbrecher anzu« sehen sei. Strunk- Magdeburg kann berichten, daß die dortigen Sama» riter seit der letzten Wahlrechtsdcmonstration großes Entgegen» kommen bei der Partei finden. Die Bestrebungen werden auch von der Parteipresse unterstützt, vom Polizeipräsidenten aber bekämpft. Viel könne dieser ja nicht ausrichten.— Nach dem Berichte von Pietschmann- Bautzen arbeite gegen die dortige Kolonne nicht nur die Stadtverwaltung, sondern auch das Bezirkskommando. Die Kurse wurden vor Gründung einer Kolonne vom Arbeiterradfahrer- verein eingerichtet. Die Kurse fanden im Gewerkschaftshause statt. Dem Arzte wurde dann vom Bezirkskommando verboten, einem sozialdemokratischen Verein Unterricht zu erteilen und im Gewerk» schaftshause zu verkehren. Der betreffende Arzt ist preußischer Offizier und hat als solcher die Entscheidung des Ehrengerichts- Hofes angerufen. Die Frage ist noch nicht entschieden, die Kolonne ist aber inzwischen gegründet worden. Das Direktorium des Landesvereins vom Roten Kreuz hat auch hier die Samariter- kolonne als Sozialdemokraten denunziert, die sich die Aufgabe ge» stellt hätten, nur Sozialdemokraten zu helfen. Dem Verlangen des Roten Kreuzes entsprechend, verbot der Stadtrat das Tragen der Mütze und Armbinde mit rotem Kreuz. Die Berliner Delegierten waren dafür, daß die Arbeitersama» riter bei Wahlrechtsdemonstrationen keine Mütze und Armbinde schädigt wird, was sowohl die Inszenierung als besonder« die un- gewöhnlich charakleristiscke und durchaus fein abgewogene Darstellung betrifft. AuS diesem Grunde dürfen wir uns daS Singehen auf Einzelleistungen— daS Personalverzeichnis war. wohl infolge eineS Druckerversehens, unvollständig— hier versagen.«, t Humor und Satire. Monarchenzufammenkunft, In dem Petersburger Schlosse Den Besucher furchtbeflisien Fragte Nikolaus:„Wer bist du. Fremder König? Laß mich's wissen N Listig lächelnd sprach der König, Ganz mobil war er geworden: „Herr, ich bin vom Stamme jener, Die zum Zweck der Krönung morden/ _ Und der andere, froh erschrocken, Rief:„DaS ist ein gutes Zeichen! Sei willkommen; morden, sagst du? Gruß und Kuß! Ich tu' desgleichen. Den Rivalen auf dem Throne Ließest du. ganz recht, erdolchen; Ich beftei' auf diese Weise Mich von Nihilistenstrolchen. An mein Herz, geliebter Bruder! Nie darf unsre Glut erkalten. Herrscher, die sich so verstehen. Müssen fest zusammenhalten." Sich ans Herz, das schuldbelad'ne, Sanken Nikolaus und Percr, Zwei erles'ne, auserwählte GotteSgnadentum-Vertreter.... _ Wichet Notizen. ,—Kolonne-f. Der französische Musiker Colonne ist Montag. abend rn Paris gestorbm. Colonne war in Paris der populärste Orchesterleiter und der energische Vorkämpfer modern«, besonders auch deutscher Musik. Die von ihn, geleiteten Konzerte, die im Chatelet-Tbeater stattfanden, haben um so größere Kulturbedentung. als große künstlerischen Zwecken dienende Orchesterkonzerte in Paris (und überhaupt in romanischen Ländern) selten sind. Das von Colonne gebildete und dirigierte Orchester war daS beste in Paris. Colonne rst 72 Jahre alt geworden. kragen sollten. Anderer Ansicht ist der Obmann deS BundeSauL- schujseS, Richter- Dresden, der bei diesem Anlaß die Wahlrechts- demonstrationen in Dresden streifte. Die Polizei haue einfach drauf los und schone auch die Samariter nicht, wie man gesehen habe. Der seinerzeit in Dresden verletzte Samariter ist heute noch nicht arbeitsfähig. Wir dürfen uns dadurch nicht von der Er- füllung unserer Pflicht abhalten lasten, wenn die Polizei auch aus der Aiuoescnhcit der Arbeitersamariter schlußfolgere, daß von vor«. herein mit einem Zusammenstoß gerechnet wäre. Die Samariter müßten sich aber allgemein kenntlich machen, damit man sie jederzeit zur Hilfe in Anspruch nehmen könne. Uebereinstimmcnd sprachen sich die Delegierten dahin aus, daß die Arbeitersamariter der All- gemeinheit im wahrsten Sinne des Wortes zur Verfügung stehen müßten. Sowohl Gemeinden wie bürgerlichen Vereinen stellten sie sich zur Verfügung, nur lehnten sie es ab, sich bei hurrapatriotischen Gelegenheiten usw. mißbrauchen zu lassin. Die Arbeitersamariter müßten unpolitisch sein zum Unterschiede von dem Roten Kreuz, aus dem schon Mitglieder ausgeschlossen wurden, die nur dem Arbeiter-Turnerbunde angehörten, sonst aber nicht politisch und gewerkschaftlich organisiert waren. Wenn die weiße Binde mit rotem Kreuz verboten würde, dann kounte man ja vollständig rote Binden mit weißem Kreuz tragen. ES wurden dann zahlreiche Anträge auf Abänderung der Sta- tuten beraten. Ein Einheitsstatut wurde vorläufig abgelehnt. Hervorzuheben ist ein Abänderungsantrag zu§ 4 des Statuts, wonach die Bestimmung in Wegfall kommen soll, daß die Kolonnen nur unter der Leitung eines praktischen Arztes stehen sollen. Der Dresdener Arzt Dr. Kretschmann war für Beibehaltung dieser Be- stimmung, sonst könnte es möglich. sein, daß der Bczirksvercin Schwierigkeiten mache und die Kolonnen ihre sämtlichen Aerzte verlieren. Der Abänderungsantrag wurde abgelehnt. Von Wichtigkeit waren noch die Anträge auf Schaffung eines eigenen Bundesorgans. Der Verband der Gemeindearbeiter braucht den Platz in der von ihm für das organisierte Pflegerpersonal herausgegebenen„Sanitätswarte". Außerdem kommt der Bund nach seinen Berechnungen mit einem eigenen, monatlich erscheinen- den Organ billiger weg. In erster Linie ist für die Schaffung eines eigenen Organs aber maßgebend, daß die Kolonnen dann ein Agi- tationsorgan haben, auf dessen Ausgestaltung ihr ganzer Einfluß geltend gemacht werden kann. Ein solcher Einfluß ist auf ein ander.s Organ niemals möglich. Nach einer längeren Debatte wurde der Antrag auf Schaffung eines eigenen Organs an- genommen, ebenso der Antrag B r a u e r- Hamburg, wonach mit dem„Gesundheitslehrer" auch fernerhin ein gutes Einvernehmen angestrebt und für Verbreitung deS„Gesundheitslehrers" in de» Kolonnen gesorgt werden soll. Die Annahme dieses Antrages er- folgte einstimmig. Im Prinzip wurde dann der Antrag auf Schaffung eines eigenen Lehrbuches angenommen. Die Ausführung wurde dem Bundesvorstand überwiesen. Der Bundeskongreß spricht sich dann einstimmig dahin aus. daß der Arbeitersamariterbund bemüht sein will, mit der Jugend- organisation in Verbindung zu treten, in ihnen aufklärende Vor- träge zu halten, der Jugend die Teilnahme an Kursen unentgeltlich zu gewähren usw. Der nächst« Bundestag(1912) findet in Hamburg statt. Der bisherig« Bundesvorstand wurde einstimmig wiedergewählt. Zum Redakteur des eigenen Bundesorgans wurde der Bundes- Vorsitzende bestimmt. Der Bundesausschuß bleibt wieder in Dresden._ Konferm der Mmelltitter Deutschlands. Leipzig, 27. März 1910. Am ersten Osterfeiertage wurde in Leipzig eine Konferenz der km Deutschen Textilarbeiterverband organisierten Posamentierer abgehalten. Während die letzte derartige Konferenz 1905 noch von Delegierten aus Deutschland, Oesterreich und Ungarn besucht war, bezieht sich diese nur aus das Deutsche Reich. In seinem Geschäftsbericht wies der Reichsvertrauens- mann P f i tz n e r- Berlin besonders darauf hin, daß die Bewegung der Posamentierer seit dem verlorenen Streik in Berlin 1997 nicht vorwärts gegangen ist. In Berlin selbst ging die Zahl der Beschäf- tigten um 59 Proz. herab. Zu einem neuen Vorstoß ist Material in einer Statistik über die Arbeitsbedingungen und Organisations- Verhältnisse gesammelt worden. Leider beteiligten sich daran nur SS Orte. Danach waren beschäftigt und organisiert in der: Männer Frauen beschäftigt organisiert beschäftigt organisiert Möbelbranche.. 17ö2 822 1476 56 Militäresfektenbr. 181 82 339 66 Konfektion... 83 31 683 7 Zusammen 4395 Beschäftigte und 1969 Organisierte. Danach sind also etwa 2S Proz. der Arbeiter organisiert. In der Tat ist das Verhältnis noch viel ungünstiger, weil die Sta- tiftik nicht die ganze Branche erfaßt. Besonders die kleinen Orte und das Erzgebirge, aber auch Städte wie Leipzig, Dresden, Magde- bürg haben eine schlechte Organisation. Die Arbeitszeit ist am besten in Berlin, am schlechtesten in Sachsen, wo noch bis zu 72 Stunden wöchentlich gearbeitet wird. Im Erzgebirge finden sich noch große Betriebe, wo wöchentlich 72 Stunden ohne Frühstücks- und Vefperpaufe gearbeitet wird. Dasselbe Verhältnis zeigt sich bei den Arbeitslöhnen. Zwei Drittel der Männer begnügen sich in Sachsen mit Löhnen von 29 bis 25 Pf. pro Stunde. Die Löhne der Arbeiterinnen sind entsprechend geringer. Im letzten Jahrzehnt haben sich die Unternehmer organisiert. Ihr Zusammenhalt zeigte sich beim Berliner Streik, als überall Streikarbeit geliefert wurde, ohne daß es möglich gewesen wäe, dies zu kontrollieren. Lohn- bewegungen hat es in den letzten Jahren noch verschiedentlich ge- geben, zu ernsten Kämpfen kam es aber nicht. Indessen streiken jetzt die Posamentierer in Cöln, wo die Verhältnisse ganz außer- ordentlich schlecht sind. Obwohl die Forderungen ganz niedrig ge« halten sind, haben die Kollegen bei den Unternehmern nicht das ge- xiingste Entgegenkommen gefunden. In der Debatte wurden eine Reihe Einzelheiten vorgebracht, die die traurigen Verhältnisse im Beruf kennzeichnen. Die Dele- gierten sind aber der Meinung, daß sie Organisation nicht so schlecht sei, als aus der Statistik zu schließen ist, da die gelernten Posamentierer tatsächlich gut organisiert seien. Die Konferenz drücke dem Kollegen Pfitzner für die Leitung der Geschäfte ihr Vertrauen aus und ersucht die Zentralleitung, ihn mehr als bisher bei den Entscheidungen über Lohnbewegungen fuzuziehen. Ein Antrag, der eine neue Organisationsgliederung orderte, wurde zurückgezogen. Eine Anzahl Delogierte waren der Meinung, daß die Arbeits- Verhältnisse durch einen Generalstreik der Posamentierer um Ein- führung eines Reichstarifs wenigsten? in den großen Städten ge- bessert werden könnten. Nach einem Referat des Kollegen Daus- Bremen über Tariffrayen erklärten aber einige Delegierte schon, daß sie die Schwierigkeiten dazu unterschätzt hätten. Es wurde dann auch folgende Resolution einstimmig angenommen: „Die Konferenz spricht sich erneut für den Abschluß von Tarifverträgen aus. Mit der zunek>menden Stärkung der Orga- nisation wird sich eine größere Einheitlichkeit der Lohn- und Arbeitsbedingungen der Posamentenarbeiter und-arbeiterinnen von selbst ergeben. Infolge dieser größeren Einheitlichkeit werden dann auch Tarifverträge über größere Bezirke abgeschlossen werden können. Welche Taktik für die nächste Zukunft zu üben ist, ist von Fall zu Fall zu entscheiden. Dies steht selbstverständlich dem Vorstande zu. Die speziellen Branchenfragen sind bei der Agita- tion ein Zweck, die Organisation noch wirksamer als bisher zu fördern. Die bestehenden Tarifverträge sind zu sammeln und den Ortsverwaltungcn zuzustellen. In den drei größeren Distrikten: Berlin, Elberfeld-Barmen, Erzgebirge, ist eine um- fassende Agitation innerhalb neun Monaten einzuleiten." Weiterhin wird beschlossen, überall den paritätischen Arbeits- Nachweis anzustreben. Den kämpfenden Kollegen in Cöln spricht die Konferenz ihre Sympathie aus. Zum Reichsvertrauensmann wird Mfitzner-Berlin wiedergewählt.• Jugendbewegung. Starke Entwickelnng der sozialdemokratische» Jugenborganisatio» Dänemarks. Am Gründonnerstag und Karfreitag hielt der Sozialdemo- kratifche Jugendverband Dänemarks zu Kolding in Jütland seinen vierten Verbandskongreß ab. Es waren dort 33 Ortsvereine durch 69 Delegierte vertreten. Als Vertreter der sozialdemokratischen Partei nahm der Parteivorsitzende F o l k e- thingsmann Stauning an dem Kongreß teil. Er sagte in seine» Begrüßungsworten, die Partei könne mit Freude und Stolz auf die Jugendbewegung blicken, denn die Jugend leiste große und gute Arbeit für die Sozialdemokratie.— Aus dem Jahresbericht, den der Verbandsvorsitzende Jens Knudfen gab. ist zu entnehmen, daß der Jugendverband jetzt SO Ortsabteilungen mit zusammen 6999 Mitgliedern zählt, gegenüber 16 Abkeilungen mit 1922 Mitgliedern im vorigen Jahre. Der Verband besitzt eine reichhaltige Wanderbibliothek, die hauptsächlich aus sozialdemokrati- scher und anderer wissenschaftlicher Literatur besteht und in Aus- wahlsendungen von 59 Bänden von einer Ortsabteilung zur andern wandert. Ferner hat der Verband, der in Wort und Schrift einen erfolgreichen Kanipf gegen die verdummende und verrohende Lektüre führt, mit der allerlei Spekulanten den Markt überschwemmen, eine Reihe von Broschüren und Flugschriften sowie ein Liederbuch für die Jugend herausgegeben, und ebenso wirkt das bisher monatlich ericheinende Verbandsorgan„Fremad"(„Vorwärts") tatkräftig für die Aufklärung und allgemeine Bildung der Arbeiterjugend. Die Mit- glieder deS Verbandes haben sich mit Eifer an der Agitation für die kommunalen und polisischen Wahlen beteiligt und ebenso für die weitere Ausbreitung der sozialdemokratischen Presse gesorgt. Der Kongreß beschloß unter anderm, daß das Verbandsorgan „Fremad" von jetzt ab 14tSgig erscheinen soll. Ferner beschäftigte man sich eifrig mit der Frage der Errichtung einer Arbeiterhoch- schule. In der Erkenntnis, daß die Lösung dieser Frage die Kräfte deS Jugendverbandes übersteigt, richtet der Kongreß an die sozialdemokra- tische Partei die dringende Aufforderung, dafür zu sorgen, daß der Gedanke einer wirklichen Arbeiterhochschule sobald wie möglich in die Tal umgesetzt wird. Auch mit der A l k o h o l f r a g e beschäftigte sich der Kongreß und nahm hierzu eine Resolution an, die besagt, daß man nur auf dem Wege der Aufklärung dem Alkoholismus ein Ende machen kann, und daß die Ausklärung über die Schädlichkeit des Alkoholgenusses eine der Aufgaben sein mutz, mit denen sich der Verband zu befassen hat.— Als Vcrbandsvorsitzender wurde an Stelle Jens KnudsenS, der die Wiederwahl ablehnte, Typograph t. Jensen gewählt. Der Sitz des Verbandsvorstandes bleibt in openhogen. Der Kongreß wurde mit kräftigen Hochrufen auf die sozialdemokratische Jugendbewegung geschlossen. Hirn Industrie und ftandcl. Lebensmittelverteuerung. Dank der agrarischen Wirtschaftspolitik des konservativ-klerikalen SchnapSblockS schnellen die Lebensmittelpreise in Deutschland fast ununterbrochen hinauf. Wie sich bei einigen wichtigen Waren die Preise deS vergangenen Jahres zu denen im Jahre 1993 verhalten, zeigt die folgende Uebersicht. (Mark pro Doppelzentner): Es betrugen die Großhandelspreise Danzig Roggen Weizen....„ Hafer....., Gerste....., Rindfleisch,.. Berlin Schweinefleisch..„ Kalbfleisch.«.„ Hammelfleisch..„ Kartoffeln...., Roggenmehl... Danzig Weizenmehl... Heringe.... Stetttn Kaffee..... Bremen Rohtabak.... Rohzucker.... Köln DaS find teilweise ganz enorme Steigerungen. 1993 125,1 156.6 123,4 126,9 129,9 99,7 139.6 132.9 2.63 17.9 21.4 39.5 64.9 65.2 19.5 1990 171,8 228,8 168,7 166,7 131.5 133,3 156,7 141.5 3.18 22.3 30.3 36,9 89.9 72,1 22,9 Steigerung in Proz. 37.3 46.1 36,7 31,3 2.0 33,7 12,2 6.4 29.9 21.6 41,6 21,0 24.6 19,6 17.4 Allerdings, den Junkern genügen sie immer noch nicht. Sie möchten Deutsche land jetzt gern in Zollkriege verwickeln. Diese würden die Einfuhr landwirtschaftlicher Erzeugnisse noch weiter erschweren, und dann könnten die Agrarier ihren Brot- und Fleischwuchergelüsten noch mehr die Zügel schießen lassen. Das Volk darf dabei nicht ver- gessen, daß die volksfeindlich- agrarische Wirtschaftspolitik nur mit Hilfe des Zentrums möglich war wid ist. Fideikommisse. Ueber den Anteil der Fideikommisse in Preußen an der Zahl und Fläche der landwirtschaftlichen Betriebe macht Dr. Lenz nach den Ergebnissen der beiden letzten BetriebSzShlungen in den Jahr büchern für Nationalökonomie und Statistik(39. Band drittes Heft) folgende Zusammenstellungen: Zahl Fläche in Hektar 1895 1997 1895 1997 Landwirtsch. Betriebe 3308126 3 400144 28 479 739 28 512 874 Fideikommisse... 1045 1 195 2 121 412 2 299 797 Die Zahl der Fideikon, misse ging von"/wo auf 4/ioo aller land wirtschaftlichen Betriebe hinauf, gleichzeitig stieg ihr Flächenanteil von 7,45 auf 8,97 Proz. Mit der geringen Zahl umfassen die Fideikommisse jetzt 6,6 Proz. der Gesamtfläche des preußischen Staates. gegen erst 6,03 Proz. bei der Zählung im Jahre 1895. Ein genaueres Bild von der Bedeutung der Fideikommisse gibt die folgende Zusammenstellung, in der sie, soweit ihre Fläche 199 Hektar und mehr beträgt— 99,89 Proz. der Gesamtzahl— in Beziehung gesetzt sind zu den anderen Betrieben derselben Größenklasse. Zahl Fläche in Hektar 1895 1907 1395 1997 Betriebe von 190 flu und mehr..... 20 390 19117 9 331 621 8 291 936 Fideikommisse von 100 ha und mehr... 951 1 078 2 117 263 2 205 089 Hier ergibt sich ein prozentuales Wachstum der Fideikommisse, der Zahl nach von 4,66 aus 5,64 Proz,, der Fläche nach von 22,69 auf 27.68 Proz. Ein Zwanzigstel der Betriebe und ein Viertel der Fläche der Großbetriebe ist jetzt ftdeikommissarisch gebunden. Das ist eine geradezu beängstigende, nach Vergesellschaftung schreiende EntWickelung des Latifundienbesitzes. Erweiterung des Hamburger Hafens. Die Hamburger Bürgerschaft hat zwecks Erweiterung des Hamburger Hafens eine Summe von 45 199 999 M. bereitgestellt. Weitere große Anforderungen an den Staatssäckel ergeben sich aus dem in Preußen abgeschlossenen sogenannten Köhlbrandvertrage. Die genannte Summe soll für die Verbreiterung deS RoßhafenT auf 259 Meter, den Ausbau des jetzigen Kohlenhafens zu einem Seeschiffhafen und die Herstellung eines Petroleumhafcns ver- wendet werden. Ferner sollen vier neue Hafeneinschnitte gemacht und die Einfahrt von der Elbe aus um 499 Meter verbreitert werden. Die vier neuen Einschnitte sind bestimmt zu einem Hafen für große Seeschiffe, einem Hafen für mitllere Schiffe, einem Hafen für Oberländer Jahrzeuge und einem Schutcn-(Leichter-) Hafen. Nach Fertigstellung des neuen Petroleumhafcns soll der alte, bisher diesem Zwecke dienende Hafen zu einem Seeschiff- Hafen ausgebaut werden. Diese Riesenarbeiten werden eine Bau- zeit von fünf Jahren beanspruchen. f Kohlenwucher in Oesterreich. Wie Hohn mutet eS an, daß jetzt, bei einem Kohlendetailpreis von fast 2 Kronen(1,79 M.) pro Zentner, die Kohlenförderung wegen Absatzmangel eingeschränkt wird. In den Kohlengruben des Reviers Mährisch-Ostrau-Karwin wird jetzt, wegen gänzlicher Anfiillnng der Halden mit Vorräten und Er- schöpfung allen vorhandenen Platzes für Lagervorräte je eine ganz- tägige Wochenlagsfeierschicht eingeschoben! Die Kohlen- barone in Oesterreich haben von unseren Shndikatsherren gelernt, geradeso wie die österreichischen Agrarier von unseren Junkern. Tie Genossenschaftsbewegung in Grosibritannie».. Vor kurzem hat das englische Handelsministerium eine Zu- sammenstellung der Ziffern über die Entwickelung der Einkaufs- und Produktionsgenossenschaften der Arbeiter in Großbritannien und Irland veröffentlicht. Im Jahre 1998 bestanden 1573 Produktions- und Einkaufs- genossenschaften, deren Mitgliedschaft(2 446 696) 9.6 Proz. der Zahl der Einwohner über 29 Jahre ausmachte. Ihr Kapitel belief sich auf 1 129 356 999 Kronen wovon 149 129 816 Kronen Anleihen waren. Gegen das Jahr 1997 vermehrte sich die Mitgliedschaft um 3,6 Proz. und das Kapitel um 4,1 Proz., die Zahl der ein- zelncn Genossenschaften ging hingegen um 22 zurück, was dartut, daß sich auch innerhalb der Genossenschaftsbetdegunz die Tendenz der kapitalistischen Wirtschaft nach Konzentration bemerkbar macht. Der Gesamtumsatz aller Genossenschaften belief sich im Jahre 1998 auf 3 999 937 728 Kronen und der Gewinn auf 289 155 128 Kronen oder 35.5 Proz. des Gesamtkapitels; im Jahre 1997 betrug der Gewinn 37,6 Proz. Die Zahl der von den 1573 Genossenschaften direkt beschäftigten Personen war im Jahre 1903 116 602 und war gegen das Jahr 1997 um 3,1 Proz. gestiegen. Interessant ist es, die Entwicklung der drei Zweige der Ge» nossenschaftsbeweaung, das heißt der Produktions-, Großeinkaufs- und DetaildistributionSgenosscnschaften während der letzten elf Jahre zu verfolgen. Die stärkste Entwicklung weisen die Pro« duktionsgenossenschaften auf, die in diesem Zeitraum ihre Pro- duktion um nicht weniger als 149.1 Proz. steigerten; dann folgen die beiden Grotzeinkaussgenossenschaften(Englands und Schott- lands) mit einer Vermehrung des Umsatzes um 87V Proz. und schließlich die Konsumgenossenschaften mit 63,9 Proz. Alle Ge- nossenschaften zusammengenommen weisen in den 11 Jahren eine Steigerung des Umsatzes von 89,3 Proz. auf. Von dem erwähnten Gesamtumsatz des Jahres 1998 in der Höhe von 3 999 937 728 Kr»- nen entfielen 319 929 342 Kronen auf die Produklionsgenossen- schaft, 364 995 369 Kronen aus die Großeinkaufs- und 792 949 889 Kronen auf die Konsumgenossenschaften. Hier sei noch darauf hingewiesen, daß bei der Vergleichung der hier für die Produk- tionsgenossenschaften angegebenen Zifpern nicht vergessen werden darf, daß es sich nicht nur um die reinen Produktionsgeirvssenschaf» ten, sondern auch— und zwar in erster Linie— um die Produktionszweige der Großeinkaufs- und Konsumgenossenschaften handelt; auch sei noch erwähnt, daß ein Teil der Steigerung der Produktionsziffern darauf zurückzuführen ist, daß in den letzten Jahren eine viel größere Anzahl der Konsumgenossenschaften Angaben über Schlachtungen gemacht haben. Was zunächst die Produktion anlangt, so beteiligten sich daran im Jahre 1993 zwei Großeinkaufs-, 947 Konsumgenossenschaften, 7 Kornmühlen und 149 andere Produktionsgenossenschaften: im ganzen 1096 Gesellschaften. Sie beschäftigten insgesamt 59143 Arbeitskräfte, denen sie an Lohn 67 815 528 Kronen zahlten. Außer den Mühlenbetrieben weisen alle Genossenschaften in den letzten 11 Jahren eine Steigerung der Produktionsmenge auf; aber auch die ersteren scheinen sich in den letzten Jahren wieder zu erholen. An der Gesamtprodultionszisser(319 929 432 Kronen) sind die reinen Produktionsgenossenschaften mit nur 77 599 956 Kronen beteiligt. Die Lebens- und Genußmittelbranchen nehmen natürlich den Löwenanteil(über 79 Proz.) der Produktion in An- spruch; dann folgen: die Bekleidungsindustrie(etwa 14 Proz.); Baufach. Steinbrüche. Holzindustrie; Seifen-, Kerzen- und Stärke- fabrikation; Textilindustrie, Druckereien; Metallindustrie und kleinere Gewerbe. Gegen das Jahr 1997 weist die Produktion des Jahres 1998 eine Zunahm« um 17, s Proz. auf. Von den 50143 in der Produktion beschäftigten Arbeiterkräf- ten entfielen allein 24 396 auf die Bekleidungsbranche; i». der Lebens- und Genußmittelindustrie wurden 12 777 Arbeitskräfte beschäftigt. 158 Genossenschaften zahlten ihren 14 664 Arbeitern einen Anteil am Reingewinn in der Höhe von 831498 Kronen oder etwas über 56 Kronen das Jahr, was 4,4 Proz der bezahlten Löhne ausmacht. Die zwei Großeinkatzfsgenossenschaften sind Verbände der 1414 Konsumgenossenschaften. Von ihrem Kapital(217 177 416 Kronen) verwendeten sie über ein Drittel zur Produktion. Was schließlich die Konsumgenossenschaften anlangt, so be» schäftigten sie im Jahre 1998 69 394 Personen, 2 Proz. mehr als im Vorjahr. 199 dieser Genossenschaften gaben ihren 14 917 An- gestellten einen Anteil am Jahresgewinn in der Höhe von 993 972 Kronen oder 5 Proz.. der gezahlten Löhne. Soziales. Gemeingefährliche Kampfesweise deS Leipziger Verbandes. Die„Deutsche Medizinische Presse" berichtet über folgenden die Kampfesweise des Leipziger Aerzteverbandcs kennzeichnenden Vorgang: „In einem bekannten Badeorte Westdeutschlands wurden die zur Kur nach dort geschickten Angehörigen der LandesversicherungS- Anstalten und ähnlicher Institute schon seit langen Jahren von 5 der älteren ansässigen Aerzte behandelt und zwar so, daß die Pa- tienten gleichmäßig unter dieselben verteilt wurden, und diese Methode war für alle Beteiligten zufriedenstellend. Dann ließen sich in 1 bis 2 Jahren etwa 5 neue Aerzte in dem Bade nieder und verlangten nun in gleicher Weise an den Kassen beteiligt zu werden, wie die bisher angestellten Aerzte. Diese lehnten das ab, stellten aber frei, sich um die Kassen auch zu bewerben. Die Kranken. kasscn-Bezirkskommission ebenso wie die Aerztekammer sahen sich nicht veranlaßt respektive waren nicht befugt, die gewünschte Aen- derung einzuführen. Da fühlte sich der Leipziger Verband berufen einzugreifen. Die älteren Aerzte widersetzten sich diesen ungebc- tenen Eingriffen in ihre Wirksamkeit und nun setzte ei» Kampf ein, der wohl einzig in seiner Art dasteht. Die sanften Weisen der „Entschließungen": jedoch niemals gegen deren Willen usw. ließ man bald fahren und fuhr dagegen gröberes Geschütze auf. Die Beschwerden der betroffenen Aerzte beim Vorstande des Leipziger Verbandes gegen das Vorgehen und Verhalten des Provinzial- Verbandes und der betreffenden Ortsgruppe blieben einfach un- beantworte. Tns Vorgehen wurde also von Leipzig aus gebilligt. Erst wird den betreffenden Aerzten gegenüber versucht, die Sache schmackhafter zu machen durch Hinweis auf eine dann später möglicheErhöhung des Honorars. Die Beteiligten lehnen trotzdem ab mit dem Bemerken, daß sie mit dem Honorar absolut zufrieden seien. Tann geht es aber schon mit Drohungen loS:„Die Kam- mervertragskommission hat sich mit der Angelegenheit beschäftigt, fühlte sich aber nicht kompetent. Der Leipziger Verband ist mächtig und stark genug, eine Regelung herbeizuführen." Also offene Drohung mit der Macht des Verbandes. Es sollte aber noch besser kommen. Als auch die Macht des L. V. den beteiligten Aerzten, die übrigens alle selbst Mitglieder des L. B. waren, nicht imponierte, wurde sogar mit einer Publi- kation gegen den Kurort selbst gedroht. Die betreffenden Aerzte schrieben daraufhin an den Vorsitzenden in Leipzig: „Gehen wir auf die Vorschläge des L. W. V. ein. so ist alles schön und gut und X. bleibt nach wie vor der rühmlicht bekannte Kurort, weigern wir uns aber, so wird gegen unfern Kurort, also damit zugleich gegen uns und unsere Existensbedingungen mit der T'schen Schrift gearbeitet. Ein�derartig motiviertes Vorgehen gegen einen Kurort von ärztlicher Seite aus ist sicherlich ein völliges Novum. Wir aber erblicken in dieser Drohung eine Bcrhandlungö- Methode, wie sie bisher unter Aerzten nicht üblich war und ein Ar« heften Wit nnhonorige» Mitteln," Märstag. Wie In noch viel schärferem Tone, als in dieser Anklage geschehen, furz vorher in dem Geschäft gekauft worden waren. Das| Gottfried Seller. Der hellige Tag. Von Paul Enderling. wiesen die in ihrer Gristenz bedrohten Aerzte die Agitationsmethode Schöffengericht wie auch die Straffammer als Berufungsinstanz Von Detlev v. Liliencron. des 2. V. zurück. Aber selbst Ausdrücke wie: absichtliche Entstellung, famen zu einer Berurteilung des Angeklagten. Beide Gerichte einem alten stirchturm. Von ed. Für unsere Kinder: Frühling. Bon P. Schanz.( Gedicht.)- Auf beabsichtigte Leberrumpelung, Mangel an Tatt, absichtliche Ver- nahmen an, daß der Angeklagte nur insoweit als Kaufmann anDer verborgene Garten. Von Brand. schleierung von Informationen, heimliches Intrigieren usw. wur- zu sehen ist, als sich seine Tätigkeit auf den Verkauf der von ihm Osterhase. Von Else Belli. Handwerksbursch und Böglein. Von Georg Julius.( Gedicht.) Der den ruhig eingesteckt. Hinaus! Bon M. F.( Gedicht.) geführten Waren beschränkt. Das Abändern der bei ihm gekauften Eulenspiegel in Prag vor den Studenten bestand. Büppchen auf Reisen. Ein Referat des Leipziger Vertrauensmannes wurde, ohne daß waren durch besondere Angestellte sei jedoch als ein Werkstätten- Bon Emma Dölz.( Gedicht.) Widerspruch erfolgte, mit groben Unwahrheiten und Verleum betrieb anzusehen und somit unter die Gewerbeordnung fallend. Die Gleichheit" erscheint alle 14 Tage einmal. Preis der Nummer dungen" bezeichnet. Die Entscheidung focht der Angeklagte durch die Revision an. 10 Pf., durch die Post bezogen beträgt der Abonnementspreis vierteljährlich Das Reichsgericht verwarf die Revision mit folgender Begründung: ohne Bestellgeld 55 Pf. unter Kreuzband 85 Pf. Jahresabonnement Der Vorderrichter habe mit vollem Recht in der Umänderung 2,60 Mart. fertiggekaufter Kleidungsstücke die Ausübung eines neben dem Bom Wahren Jacob" ist soeben die 7. Nummer des 27. Jahrs Handelsgewerbe einhergehenden handwerksmäßigen Betriebes ge- ganges, 16 Seiten start, erschienen. Aus ihrem Inhalt heben wir hervor: sehen. Der Hinweis der Revision, daß es zu den Gepflogenheiten Mißglüdt. Von R. Grosse. Bilder: Das volksfreundliche Zentrum. Von Erich Schilling. im Konfektionshandel gehöre, das Umändern eines Kleidungsstüdes. M. Mramet. Der Stanzler im Zweifel Herr v. Jagom auf dem Striegspfade. Bon Von dem Abteilungsvorsitzenden des 2. V. wurde seitens der. felben Aerzte eine Ehrenerklärung verlangt mit den Worten:„ Sollten Sie diese Erklärung nicht abgeben, so sehen wir uns zu der Annahme gezh ungen, daß Sie zur Erreichung Ihrer Zwecke,( die durch keine Beschlüsse des Aerztetages oder des 2. W. V. gerecht fertigt sind, jo denselben sogar widersprechen) absichtlich mit un lauteren Mitteln arbeiten. Den Beweis für die Wahrheit dieser Annahme hoffen wir vor den öffentlichen Gerichten bringen zu fönnen, da wir nicht die Absicht haben, Ihre anhaltenden Versuche, uns in unserer Stellung zu schädigen und in unserem Ansehen herabzuwürdigen, weiterhin stillschweigend hinzunehmen." Eine Antwort auf diese doch wohl recht deutlichen Säße hat ber Herr Borsigende nicht gegeben. Um Schuh vor weiteren Agitationen der L. Verbändler zu finden, wurde von den betreffenden Aerzten auch das Ehrengericht der zuständigen Aerztekammer angerufen, welches aber die Gine leitung eines Verfahrens ablehnte!! Die wilden Agitationen und Vergewaltigungsversuche des 2. B. können also weiter gehen. Wehe dem Arzt, der sich ihnen widersetzt; er ristiert seine Existenz und muß obendrein noch fürchten, an den Pranger gestellt und durch den Schmuk gezogen zu werden. Die Ziele des 2. V. waren zweifellos von Haus aus gute, und kein Arzt wird die in den ersten Perioden seiner Tätigkeit bon ihm errungenen Erfolge leugnen wollen. um es für die Figur der Käuferin passend zu machen, nur als Bon E. Erk. ein Moment des Kaufgeschäftes" zu betrachten, gehe völlig fehl. Die Anschauung der beteiligten Unternehmerkreise tönne nicht entscheiden; maßgebend könne nur die objektive Beschaffenheit der Dienste sein, welche die zu solchen Arbeitsverrichtungen von dem Angeklagten Angestellten zu betätigen haben. Diese Dienstleistungen hätten jedoch mit dem kaufmännischen Teil des Geschäfts gar nichts zu tun. Sie dienen nicht unmittelbar dem Abfake oder Inverkehrbringen, sondern nur dazu, die Ware für den Käufer abnahmefähig zu machen, d. h. erst für den Absah fertigzustellen. Darin sei jedoch ein Teil der Herstellung zu erblicken und die damit beauftragten Personen seien als Gewerbegehilfen anzusehen, deren Arbeitszeit nach den Bestimmungen der Gewerbeordnung zu regeln set. Milde gegen Dienstherren. Berständige, von einem Schöffengericht gegen Roheiten erlassene Urteile halten vor der gelehrten Berufungskammer nicht stand. Das zeigte wieder mal ein von der Hannoverschen StrafAllmählich aber hat sich die Situation gründlich verändert: tammer gefälltes Urteil. Der Vollmeier Louis Munzel in HemmenDer Verband ist denen, die an seiner Macht und seiner finanziellen dorf hatte am 11. Oktober v. J. das Pech, daß ihm ein mit RübenLeistungsfähigkeit persönlich interessiert sind, nicht mehr Mittel blättern beladener Wagen im naffen Aderlande festgeriet. Festzum Zwed geblieben, sondern Selbstzwed geworden. Alle anderen gefahren hatte ihn der jugendliche Knecht Heine, der augenscheinRüdsichten werden seitdem ohne weiteres beiseite geschoben, lich sehr beschränkt ist. Bei den Versuchen, den Wagen loswenn es gilt, die Tyrannei des Verbandes zu befestigen. Ja, zubringen, stand Heine dem Munzel im Wege; im Aerger hierüber wie obiges Beispiel zeigt, soll eventuell selbst das öffentliche Wohl schlug Munzel dem Heine mit der flachen Hand an den Hinterdiesen Machtgelüften zum Opfer gebracht werden. Drohte doch kopf und sagte dabei:" Mach, daß Du wegkommst!" Das Schöffen= der Verband, den fraglichen Badeort, wo jährlich viele Tausende gericht Koppenbrügge verurteilte am 4. Januar d. J. den Munzel von Kranken Heilung suchen, in Verruf zu bringen, wenn die dort wegen dieser Ohrfeige zu 1000 M. Geldstrafe eventuell 100 Tagen praktizierenden Aerzte sich seinen Befehlen nicht beugten. Gefängnis. In der Begründung dieses Urteils wurde unter anderem folgendes wörtlich ausgeführt: Solche Auswüchse einer zügellosen Bergewaltigungspolitit fbempeln in der Tat den 2. V. zu einer öffentlichen Gefahr. Und diesem selbst von angesehenen Aerzten als gemeingefährlich bezeichneten Verband will die Reichsversicherungsordnung die Krantentassen gebunden ausliefern! 2. Internationaler Kongreß für Gewerbekrankheiten. Vom 10.- 14. September findet in Brüssel der zweite internationale Kongreß für Gewerbekrankheiten statt. Als Beratungsgegenstände sind in Aussicht genommen: 1. Die Frage der Scheidung bon Gewerbekrankheiten und Gewerbeunfällen. 2. Das ärztliche Rüstzeug der Bergiverke, Fabriken, Werkstätten usw. 3. Gegenwärtiger Stand des Kampfes gegen die Wurmfrankheit. 4. Auge und Geficht in ihren Beziehungen zu Gewerbekrankheiten. 5. Arbeit in komprimierter Luft. 6. Gewerbliche Vergiftungen. Außer den offiziellen Referaten können zum Kongres Mitteilungen ange meldet werden. Ferner sind Vorträge aus dem ganzen Gebiete der Gewerbefrankheiten zulässig. Drucklegung findet, wie das Arbeits tomitee uns mitteilt, nur statt, wenn die Manuskripte bis zum 31. Mai 1910 beim Organisationsfomitee eingereicht find. Zur Teilnahme ist berechtigt, wer fich für Gewerbefrankheiten interessiert. der Mitgliedsbeitrag beträgt 20 Frank. Anmeldungen sollen bis zum 1. September erfolgen. um Bei Ges Graf Der Kanzler im Zweifel Von R. Grosse. Zur Kritik 1 Friedensstörer. Bon Rudolf Wolf. Schuß für Schuhe leute. Von Rich. Nost. Aus Bayern. Von H. G. Jentsch. Strotus blüte am Bavelstein. Von A. F. Müller. Bilder aus dem glorreichen Stampf der Berliner Schußmannschaft am 6. März. Von M. Vanselow. Einsicht. Bon A. Fiebiger. Zentrumsehrgeiz. Bon R. Gricß. beinirats. Bon P. Thefing. gedanken. Von T. Tegt: Ein schön neu Lied. Von Mar Hoffmann. Wahlrechts. burg, an Wadimir Jwanowitsch Zumpinsky, Spizel in Berlin. Dimitri Difipowitsch Ruppsadom, Spitel in Peters Bosa. Bon P. E. Jagow, wo bist du? Lieber Jacob! Bon Jotthilf Naufe. Der Berliner Polizeipräsident in Nöten. Von Tobias. Der Ruhmestag des Herrn v. Jagom oder: Die Lösung des großen Rätsels. Regierungsferien. Von J. S. Spiritus. Sachs'sches Glagelied. Schlechtes Gewissen. Von H. Fl. Das Schema F. Bon T. Auf dem Kriminalbureau. Polizeiinstruktion in China. Regierungskunst. Bon Balduin. Dftern. Bon Alfred Scholz. Konfirmandenstunde. Bon R. Franz. Und Nationalliberales Wahlrechtstampflied. Bon Tobias. Roeren sprach. Bon Balduin. Usm. Der Preis der Nummer ist 10 Pf. Probenummern sind jederzeit durch ben Berlag Paul Singer in Stuttgart sowie durch alle Buchhandlungen und Kolporteure zu beziehen. Witterungsübersicht vom 29. März 1910. morgens 8 libr. Stationen swinembe 768 pamburg Berlin 771 NN 767 NNW Franff.a M 771 923 München Wien Better Il Stationen Bindstärke Better Lemp. n. G. HoP 3.9 balb bd.- 11 -1 2 Schnee 2 tollig 4 twolkig 3Regen 4 Haparanda 771 Still 3 Petersburg 762 9 3 Scilly 774 DND 1 halb bd. 10 1 molfig 6 berbeen 4 wollig 4 Baris 774 Still 777 R heiter 3 bedeckt 2 7 770 23 766 2 Regen Wetterprognose für Mittwoch, den 30. März 1910. aber veränderlich bei mäßigen nordwestlichen Winden; teine erheblichen Nachts sehr fühl, am Tage wieder etwas wärmer, zeitweise heiter, Niederschläge. Berliner Wetterbureau. Möbel in jeder Preislage. Verkauf im Fabrikgebäude, fein Laben. 45742* Bernauer Sozialdemokratischer Wahlverein für Tempelhof. Am 28. März verstarb unser. treues Mitglied, Frau Hedwig Barth Boruffiaftr. Sa im Alter von 38 Jahren. Ehre ihrem Andenken! Die Beerdigung findet morgen, mittags 5 Uhr, von der Leichen halle des Tempelhofer GemeindeFriedhofes, Germaniastraße, aus statt. " Dem Angeklagten Munzel sei gelegentlich einer anderen Verurteilung wegen Körperverlegung auf das eindringlichste vom Gericht vorgehalten, wie gemeingefährlich solche Mißhandlung des Dienstgefindes fei, da sie die leider schon bestehende tiefe Kluft zwischen Herrschaft und Gesinde zu vertiefen geeignet sei und so unberechenbaren Schaden nach sich ziehe. Es ist ihm auch bedeutet, daß seine Tat um so verwerflicher sei, als er selbst Schöffe sei und als Richter einen besonders strengen Maßstab an seinem Lebenswandel anlegen müsse, schon im Interesse des Ansehens der Juftig. Der Angeklagte hat diese Vorhaltungen wirkungslos an fich abprallen lassen, hat sie in den Wind geschlagen. Wenige Tage später hat er seinem Jähzorn wieder freie Bahn gelassen, seine and wieder gegen fein Gesinde erhoben. Damit hat er geradezu Gefängnisstrafe wäre daher wohl angezeigt gewesen, unt dem Andas Urteil des Schöffengerichts verhöhnt. Gine exemplarische Thomas, Tischlerei, tr. 79. geklagten den nötigen Ernst der Lage begreiflich zu machen, Lieferant der Konsumgenossenschaft. zumal auch die Art seiner Verteidigung keine Spur von Scham allen diesen für Abmessung einer Gefängnisstrafe sprechenden oder gar Reue über fein unbegreifliches Berhalten zeigte. TroßH.Pfau, Bandagist Gründen glaubte das Gericht auch unter schweren Bedenken noch Berlin Direksenstraße 20 Donnerstag, den 31. März, nach einmal zum letztenmal zu dürfen. Was nun die Höhe der demgemäß festzusetzendenischen Bahnhof Alexanderplat und von einer Freiheitsstrafe absehen Bolizeipräsidium.- VII, 13799. Geldstrafe anlangt, so war von vornherein klar, daß nur eine erFür Damen Frauen- Bedienung.* hebliche Geldstrafe in Frage kommen konnte. Um den Charakter Lieferant für alle Krankenkassen. Der 7. ordentliche Genossenschaftstag des Zentralverbandes einer wirklichen Strafe zu erhalten, muß für ihn eine Geldstrafe deutscher Konsumvereine findet am 13.- 15. Juni in München statt. mindestens den Betrag von 1000 m. erreichen. Auf der Tagesordnung steht, abgesehen von den Berichten des VorDie so straferschwerend erwähnte Verurteilung des Munzel ftandes, des Generalsekretärs und des Ausschusses ein Referat des betraf eine Mißhandlung eines 15jährigen Mädchens. Justizrat Dr. Schünemann Rechtsanwalts Dr. Reinhold Riehn( Altona) über: Genossenschaft Benzberg betonte vor der Strafkammer, daß diese Verurteilung Spezialarzt für Haut- und Harnleiden, liche Zeit- und Streitfragen, ein Bericht über die Tätigkeit des feines Erachtens völlig zu Unrecht geschehen sei, weil Munzel Tarifamts von Heinrich Lorenz( Hamburg) und ein Referat von lediglich sein Züchtigungsrecht ausgeübt habe. Es sei bedauerns- Friedrichstr. 203. Ede Schüßenstr. A. v. Elm über: Vereinbarungen zwischen dem Zentralvorstand wert, daß gegen die Verurteilung nicht Berufung eingelegt sei. deutscher Konsumbereine und der Generalfommission der Gewerk- In der Berufungsrechtfertigung gegen die Verurteilung des schaften betreffend: a) Hausindustrie und Heimarbeit, b) den Ver- Munzel zu 1000 M. unterzog der Verteidiger das Urteil des trieb von Strafanstaltserzeugnissen, c) die Anerkennung der Ge- Schöffengerichts Stoppenbrügge einer sehr scharfen Kritit, Gs werkschaften und deren Tarife, d) die genossenschaftlichen Pflichten fei unter allen Umständen wegen des erkannten Strafmaßes eine der harmlosesten der Gewerkschaftsmitglieder, e) die Errichtung von industriellen Ara haltlos. Es handle fich doch nur um beitsgenossenschaften. Körperverlegungen, die überhaupt zur Verfolgung fämen. Das Landgericht Hannover brachte zum Ausdruck, daß es sich im vorliegenden Fall um eine ganz minimale Sache handle, die mit einer ganz geringen Strafe zu fühnen fei. Es hob das Tausendmarkurteil insoweit auf, daß es den Angeklagten am Donnerstag alle Bruchbänder mit elastischen Be3u 50 M. Geldstrafe verurteilte. Genossenschaftstag. Kinderarbeit in Amerika. Bur Bekämpfung der im wirtschaftlichen Leben der Union eine verhängnisvolle Rolle spielenden Ausbeutung der Jugend besteht ein nationales Rinderarbeit- Komitee, das durch seinen Sekretär Clopper eine Reihe Schriften über diese Frage herausgibt. Die Letzte behandelt die Kinderarbeit in Indiana, einem Staat des näheren Westens, und West- Virginia, einem der nördlichsten Südstaaten. Die New Yorker Volkszeitung" teilt aus den Feststellungen eine Reihe fennzeichnender Tatsachen mit. Die Ansicht des Justizrats, dem Prügelnden habe ein Züchtigungsrecht zugestanden, ist ebenso verkehrt, wie die Milderungsgründe der Strafkammer. Ein Züchtigungsrecht steht dem Dienstherrn seit dem 1. Januar 1900 nicht mehr zu.( Art. 95 des Einführungsgesezes zum Bürgerlichen Gesetzbuch.) Die Mißhandlung In Indiana ist in Fabriken, Bergwerten, Wäschereien u. a. eines Gefindes ist mit Recht vom Schöffengericht als besonders die Arbeit der Knaben unter 16, der Mädchen unter 18 Jahren auf ahndungsbedürftig erachtet. Wer Menschen schlägt, die in einem 10 Stunden beschränkt. Dagegen ist in einer Reihe nicht ausdrüd- Abhängigkeitsverhältnis zu ihm stehen, handelt feige und roh und lich benannter Industrien, namentlich in der Hausindustrie, teine ist deshalb, insbesondere wenn er Kinder prügelt, höher als andere Beschränkung vorgeschrieben. So wird berichtet, daß namentlich in au bestrafen, die Gleichstehenden gegenüber sich vergessen. Biel. Glasbläsereien ein schlimmer Raubbau an Kindern betrieben wird. Leicht hätten der Juſtiarat und die Straflammerrichter ein minder Ein Schulvorsteher gab 14 Knaben an, die nachts in Schichten von verfümmertes Rechtsgefühl, wenn sie selbst Gesindedienste verKoch 4 bis 4% Stunden viermal in der Woche und von Freitag auf richtet hätten. Einer der besten preußischen Juristen Sonnabend 6 bis 7 Stunden arbeiten. Sie sind nervös abgespannt war in seiner Jugend Gänsehirt. So gröblicher Rechtsschnitzer und bleiben in der Schule weit zurück. Defter findet man Stachel- und Gefühlsverirrungen wie seine Hannoverschen Kollegen hätte drahtzäune, zu deren Begründung ein Fabrikleiter anführte, daß er sich wohl nie schuldig gemacht. fie das Entlaufen ermüdeter Knaben verhindern sollen. Wir halten auch einen Aufseher mit einer Bulldogge, so daß die Knaben nicht gut entlaufen können." So im Lande der Menschenrechte". " Hus der Frauenbewegung. In West- Virginia werden Knaben von 12, ja von 10 und 8 Jahren in Kohlenbergwerken beim Oeffnen und Schließen der zur Fortschrittliche Volkspartei und Frauenrechte. Ventilation dienenden Türen berivendet: eine nicht anstrengende Arbeit, die aber die Kinder 10 Stunden in der finsteren Tiefe feft- Anschluß an die neue Volkspartei. Bei der Vorstandswahl wurde Dieser Tage vollzog der Freifinnige Verein in Bosen seinen hält und allen Gefahren des Betriebs aussetzt. Sie sind alle mager, pon einem Mitgliede gewünscht, auch eine Frau in den Vorstand zu unentwidelt und bleichfüchtig. Lungenentzündung und Schwind- wählen. Gegen diesen Gedanken wandte sich mit großer Schärfe sucht grassieren furchtbar in ihren Reihen." In beiden Staaten der freifinnige Stadtverordnete Asmus, indem er unter dem Beifall werden Kinder in Fabriken und Bergwerken viermal so häufig als der Anwesenden erklärte:" Die Frau gehört ins Haus!" Der AnErwachsene durch Betriebsunfälle verstümmelt und getötet! Solche Tatsachen beleuchten die verbrecherische Gleichgültigkeit trag wurde denn auch mit großer Mehrheit abgelehnt. Ob unter dieser oder jener Firma, Philister bleiben sie doch! jener Sorte Auch- Gewerkvereinsbewegung, die um engster Zunfte borteile willen sich mit dem raubgierigsten Kapitalismus verträgt und erst durch die schwersten Schläge allmählich aus seiner feigen und faulen Behaglichkeit aufgescheucht wird. Gerichts- Zeitung. Eingegangene Druckschriften. Von der Gleichheit", Zeitschrift für die Interessen der Arbeiterinnen ( Stuttgart, Berlag von Baul Singer), ist uns soeben Nr. 18 des 20. Jahr. ganges zugegangen. Sie hat folgenden Inhalt: Ums Frauenwahlrecht. Bon Luise Bieg. Die Wahlreformlüge des Schnapsblods. Von H. B. Zur Wahlrechtsbewegung in Preußen. Von Berta Thalheimer Bur Sind Umänderungen gewerbliche Arbeiten? Frauenkonferenz. I. Von E. Unger. II. Von Elisabeth Schulze. Das Eine für die deutsche Konfektion wichtige Frage, die auch die Rechtsverhältnis zwischen der Mutter und dem ehelichen Kinde. II. Bon hiejigen Gerichte wiederholt beschäftigt hat, ist nunmehr vom Bon a. n. Ernst Oberholzer. Ein Erlebnis aus der Lehrzeit meines Sohnes. zweiten Straffenat des Reichsgerichts in Leipzig endgültig ent- Genoffinnen in Mannheim und Meißen. Aus der Bewegung: Stellungnahme zur Frauenkonferenz der Bon der Agitation. schieden worden. Es handelt sich um die alte Streitfrage, in- Situationsbericht aus Mecklenburg. Politische Rundichau. Bon. H. B. wieweit das Umändern eines gekauften Kleidungsstückes im Be- Gewerkschaftliche Rundschau. Aus der Textilarbeiterbewegung. Bon bj. triebe des Konfektionshandels unter die Bestimmungen der Ge- Der Deutsche Holzarbeiterverband. Bon fk. Notizenteil: Dienstboten werbeordnung fällt. Gegen den Inhaber eines großen Kon- frage. Soziale Gesetzgebung. Frauenstimmrecht. Sozialistische fektionsgeschäfts war von der Gewerbepolizei ein Strafverfahren Frauenbewegung im Ausland. Die Frau in öffentlichen Aemtern. wegen Hebertretung des§ 138 der Reichsgewerbeordnung ein- Fürsorge für Schultinder. Berschiedenes. geleitet worden, weil er in einem Nebenraum seines Geschäfts Bon Otto Erich Hartleben. Für unsere Mütter und Hausfrauen: Moderne Ode. an Sonnabendabenden nach 6 Uhr mehrere weibliche Angestellte Kinder. Bon E. B. W. Ueber unsere Straft. IV. Lejewütige Das Wesen des Krebses. Von Dr. Bettina mit dem Umändern von Kleidungsstüden beschäftigt hatte, die Steininger. Für die Hausfrau.- Feuilleton: Sonnenaufgang. Bon + Frauenkrankheiten, Wochentags 10-2, 5-7. Bruch- Pollmann empfiehlt sein Lager in Bruchbandagen, Leibbinden, Geradehaltern, Spritzen, Suspensorien fowie sämtliche Artikel zur Krankenpflege. Eigene Werkstatt. Lieferant für Orts- und Hilfs- Krankenkassen. Berlin N., jett Lothringer Straße 60. loten, angenehm u. weich am Körper. Legehühner 1909 Frühbrut, schon fleißig legende, belieb. Farbe, garant. leb. Ankunft, 18 St. 33 m., 12 St. 22 m., 6 St. 12 M., alles m. Hahn. Schneier, Myslowit D.-S. 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Berantwortlicher Redakteur Richard Barth, Berlin. Für den Inseratenteil berantw.: Th. Glode, Berlin. Drud u. Verlag: Vorwärts Buchdruderei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW. Kr.7Z. 27. htäm 2. KeilM des Jonrtttf Knlim MM Mtw-ch. 30. Will m. Vom hütteilsrbeiterichut?. I. Lange Jahre hindurch wußte die breite Oeffentlichkeit von den Arbeits- und Lebensverhältnissen der Hütten- und Walzweris- arbeiter kaum mehr, als was aus den Feuilletonschilderungen über Idylle vom Kohlenmeiler und von lustigem Geplapper der Häm- mer im einsamen Bergwald herausklang. Abgeschlossen aber von allem Verkehr durch hohe Mauern und feste eiserne Tore, einge spannt inS schwere, kapitalistische Joch unmenschlich harter Arbeits fron, unglaublich langer Arbeitsschichten und regelmäßiger Sonn tagSarbeit. verlebte der Hüttenmann seine Tage in den Riesen- werken der Grotzeisenindustrie. Bleiern schwer, ohne jede Hoff. nung, flössen die Tage hin,„gewürzt" durch Schnaps. Kriegervereine und Frömmigkeit. Denn die Hüttenarbeiterbezirke in Rheinland- Westfalen, an der Saar, in Schlesien, hatten allgemein ultramon- tane oder nationalliberale..Vertreter" in den Parlamenten, die als Vertreter der kapitalistischen Weltordnung wichtigeres zu tun hatten, als sich um die Interessen einer zahlreichen, für die Volks Wirtschaft äußerst wichtigen Arbeiterschicht auch nur irgendwie zu kümmern. So blieb die Schar der Hüttenleute in ihrem rückständigen Milieu. Draußen in der Welt wogte der Klassenkampf, eine Arbeitergruppe nach der anderen schuf sich eine günstigere Position im Produktionsprozeß, die Hüttenarbeiter hinter ihren Mauern blieben fast unberührt. Ungeheure Profitsummen wurden bei der ständig steigenden Produktivität der Arbeit herauSgewirtschaftet, die Arbeiter gerieten in nur noch größere Abhängigkeit. Im Betriebe waren Späher verteilt, die jede freie Willens regung der Arbeiter ausbaldowerten und den Sklavenhaltern mel- beten. Und wer geächtet wurde, konnte zusehen, wo er blieb. Miteinander standen die Werke in Verbindung, und das berüch- tigte System der„Ueberweisungsscheine" und schwarzen Listen sorgte dafür, daß der getroffene Arbeiter entweder mürbe wurde, sich in eine andere Berufsarbeit rettete oder zugrunde ging. So herrschte eine stickige, muffige Luft in den Betrieben, die„Borge- setzten" schalteten und walteten unumschränkt, und die nieder- trächtigste, uMvürdigste Behandlung ließen sich die Arbeiter, skla- visch duldend und duckend, gefallen. Neidisch wurde wohl auf den Kollegen gesehen, der eine hübsche Frau hatte und deshalb an Ansehen bei den Werkskrcaturen gewann, wenn seine Frau ihre Reize entsprechend zu verwerten wußte. Solch ein Prachtarbeiter durfte Ueberstunden machen bis in die Puppen und durfte sie auch gut anschreiben!— Noch heute gibt es Hüttenwerke genug, wo die Arbeiter diejenigen Vorgesetzten sich gegenseitig bezeichnen, bei denen auf die bezeichnete Art„noch etwas zu verdienen" ist. Indessen— unmerklich und allmählich reichte der Wellen schlag des sozialen Kampfes auch durch die dicken Mauern bis zu den Hüttenarbeitern. Einige Bezirke mit Berg- und Hüttenarbeiter- bcvölkerung wählten Sozialdemokraten in den Reichstag und bald änderte sich die Sachlage. Die Sozialdemokraten nahmen sich der so lange Gedrückten warm an. Als vor wenigen Jahren Genosse Hue im Reichstag die schmachvollen Arbeits- und Lebcnsverhält- nisse der Hüttenleute besprach, erklärten sogar die von den Land- arbeitern doch an derbe Realistik gewöhnten konservativen Junker, die Dinge käme» ihnen doch etwas spanisch vor. Als alle Welt staunte, war es vorerst der verstorbene Renommierarbeiter des Zentrums. Stützcl, der im Reichstage unserm Genossen Hue cnt- gegentrat und unter anderem erklärte, die Achtstunöenschicht ein- zuführen, sei»nicht angängig". Später war es der Uniernehnier- sckretär Beniner, der dreist und unverfroren all« von Hue bc- haupteten Mißstände abstritt und unter anderem erklärte, jes herrsche peinliche Sauberkeit in den Walzwerken". Dann sprang noch Eyr-N-Swcker in die Schranken und erklärte, von jölchsn „Schauermärchen", wie sie Hue vorgetragen habe, wisse er nichts aus seinem Wahlkreise. Stöcker wurde rasch geholfen. Hue und der B-zirksführer Spiegel vom Deutschen Metallarbeiterverband wiesen bald nach, daß im Siegen-Nassauer Bezirk, der früheren Doutäne Stöckers, die Zustände noch viel schlimmer waren als in Rheinland-Westfalen. Stöcker fand die Sprache nicht wieder. Aber sein Paladin, Dr. Burckhardt, meinte später, in die Enge ge- trieben, es sei nicht Aufgabe der Abgeordneten,„in den Betrieben herumzuschnüffeln". Auf daS immer wiederholt« Drängen der Sozialdemokratie hin wurde schließlich vom Reichstag eine„amt- liche Untersuchung" beschlossen. Da die Regierung sich aber nicht bequemte, dem Verlangen nachzukommen, veranstaltete der Deutsche Metallarbeiterverband selbst eine Untersuchung, die über die elende Lage der Hüttenarbeiter wertvolles Material betbrachte. Die Ar» beit der sozialdemokratischen Organisationen zwang den christlichen Metallarbeiterverband und die Hirsch-Dunckerschen Gewerkverein- lcr zu ähnlichen„Erhebungen", deren Resultate die bisherige so- zialdemokratische Kritik noch bekräftigten. Auch die Zentrums- abgeordneten im Reichstag mußten stch der Forderung der Sozial- deuwkraten einigermaßen anschließen. Das Resultat der jahrelangen Arbeit der Sozialdemokratie im Parlament und Gewerkschaft war dann schließlich der Entwurf einer Schntzverordnuug für dre Arbeiter der Großeisenindustrie, der mit unwesentlichen Abänderungen am 1. April 1909 in Kraft trat. Nach dieser„Schutz"verordnung, die bei ihrem Erscheinen von uns und von allen gewerkschaftlichen Organisationen einmütig als völlig unzureichend golennzeichnet wurde, blieben die berüchtigten 24stündigen Wechselschichten bestehen, ja, die im Entwurf festge- legte Höchstgrenze von 24 Stunden wurde sogar in der fertigen Verordnung wieder falle» gelassen. Es soll eine Mindestruhezeit zwischen zwei Schichten von acht Stunden gewährt werden, so daß also eine— löstündige Ausbeutungsmöglichkeit bleibtl Sechzehn Stunden bei der mörderischen Arbeit in afrikanischer Hitze an Walzen und Oese»! Die Pausen während der Schicht müssen zwei Stunden betragen, wovon eine Stunde als Hauptmittags- pause in Betracht zu kommen hat, die innerhalb bestimmter Stun« den fallen muß. Wenn aber im Betrieb viele kleine Pausen vor- kommen, auch unter einer Viertelstunde, so kann seitens der Ijühe- ren Verwaltungsbehörde die Anrechnung und Summierung solcher kleinen Pausen gestattet werden, indes muß dann die Haupt» Mittagspause doch— eine halbe Stunde betragen. Weiter müssen die geleisteten Ueberstunden in ein Verzeichnis eingetragen wer» den, da« der Behörde zur Einsichtnahme zur Verfügung steht. MS die sozialdemokratische Presse derzeit das dürftige Ergeb- niS der„Schutz"verordnung scharf unter die Lupe nahm, wiesen andere Blätter darauf hin. daß nach den vom Minister erlassenen AuSführungSbestimmungen der eigentliche Schutz erst noch kommen solle. Die Verordnung solle vor allem über den Umfang der Ueberstunden und Ueberschichten Material sammeln, auf dem dann weitergedaut werden könne. Das waren Verlegenheitsausflüchte. Ueber die Handhabung der Verordnung selbst sind auch noch von den Arbeitern mancherlei Beschwerden gekommen. Anstatt eine Verb-sseruna deS Arbeiterloses zu bringen, wurde die Ber- ordnung zum Anlaß genommen, um die Wut an den Arbeitern auszulassen und ihnen Lohnherabsetzungen aufzuzwingen. Wenn die Arbeiter gegen solche willkürliche Maßnahmen protestierten. wurde ihnen erklärt, das hätten sie«der Sozialdemokratie zu ver- danken". Es waren das freilich vollkommen untaugliche Mittel, auf diese Art die Arbeiter gegen die Sozialdemokratie aufzuhetzen, sintemalen die Redensart ja ein Lob wider Willen enthielk. Jetzt ist noch kein Jahr inS Land gegangen und mit allen Mitteln versuchen die Hüttsnherren, die Schutzverordnung wieder umzurennen oder doch ihre Wirkungen vollends aufzuheben. Im Herbst wareil es die Unternehmerzeitungen. so die„Post", die „Deutsche Arbeitgeber-Zeitung". die Zeitschrift„Stahl und Eisen", ixrlche die Eturmversuche de» Hüttenkapitals ankündigten. Am 23. November 1909 fand eine Generalversammlung des«Vereins deutscher Eisen- und Stahlindustrieller" statt, die hauptsächlich sich mit der Schutzverordnung beschäftigte und alle möglichen Schlvic- rigkeiten bei der Durchführung der Schutzbestimmungen heraus- fand. Der„Ruin der Industrie"— wie so oft— wurde in Aussicht gestellt. Auch die Arbeiter sogar wurden von Geschützten zu Leidtragenden und Geschädigten gestempelt— nach alten Mustern. Vor kurzem veröffentlichte nun der„Verein deutscher Eisen- und Stahlindustrieller" im Heft 4 der Zeitschrift„Stahl und Eisen" den Text einer bandwurmlangen Eingabe an den Minister, worin die Sturmversuche auf die Schutzverordnung für die Ar- beiter der Großeisenindustrie mit allen denkbaren Mitteln fort- gesetzt werden. Bei der Wichiigkeit der Sache firr die Arbeiter wollen wir in dem zweiten Teil unseres Artikels die in der Ein- gäbe beigebrachten Argumente prüfen. II. Zwei Momente machen den Hüttenherren vor allem Sorge. Zuerst das Verzeichnis der Ueberstunden und Ueberschichten. Früher hieß es zwar aus dem Munde der Unternehmer, daß in den Werken alles zum besten bestellt sei und daß die Herren eine amtliche Untersuchung der Hüttenarbeiterverhältnisse„nicht zu scheuen" brauchten. Nun scheint die Herren doch schon ein Grauen zu be- schleichen, wenn sie an die Tatsache denken, daß das Verzeichnis der Ueberstunden später dem Reichstage unterbreitet wird. Der kluge Mann baut also vor. Aber recht unverfroren originell ist das Mittel, das dem Kapital zur Herabminderung der Mehrarbeit dienen soll. Am 19. Dezember 1908 wurde die Hüttenarbaiterschutzverord- nung bekannt gemacht. Am 19. Januar 1909 folgten die Aus- führungsbestimmungen. In diesen hieß es bezüglich der Ueber- arbeit: „Als Ueberarbeit im Sinne dieser Bestimmungen gilt jede Ueberschreitung der durch die Arbeitsordnung gemäß§ 134 b, Ab- satz 1, Nummer 1 der Gewerbeordnung festgesetzten Arbeitszeit und jede Sonntagsarbeit, die nicht einen Bestandteil der regelmäßigen Wcchselschichten bildet." Demnach wird also die 24stündige Wechselschicht in dem Ber- zeichnis gar nicht mal als Ueberarbeit gebucht, trotzdem durch diese Einrichtung die betreffenden Arbeiter genau so viel Schichten ver- fahren, als Tage in der Woche, im Monat oder im Jahre vor- Händen sind. Bitter notwendig wäre es gewesen, für diese Arbeiter einen Ersatzruhetag in der Woche zwangsweise anzuordnen. Aber das Sehnen der Hüttcnunternehmer geht nach ganz anderer Rich- tung. Sie wollen Ueberarbeit wie bisher, aber ins Verzeichnis soll nur ein Teil derselben eingetragen werden. Verlangt wird dies auf Grund willkürlicher Konstruktionen. So soll nur solche Mehrarbeit als„Ueberarbeit" gelten, die sich an eine geleistete Vollschicht von 12 Stunden direkt anschließt. Wenn etwa ein Arbeiter(ausschließlich der Wechselschichten) des Sonntags von früh 0 bis abends 6 Uhr arbeitet, so soll das nicht als Ueberarbeit gelten! Man beachte wohl: 10 Stunden hindurch können die Arbeiter Tag um Tag im Werk behalten werden, da nur eine Maximalruhe- zeit von 8 Stunden durch die„Schutzverordnung" verlangt wird. und wenn dann der Arbeiter auch noch am Sonntag den halben oder ganzen Tag arbeiten soll, dann wollen die Hüttenunternehmer es noch nicht einmal als Ueberarbeit ansehen und demgemäß nicht in die Kontrollisten eintragen. Dabei sollte doch als ganz selbst- verständlich gelten, daß alle Arbeit die die 12 Stundenschicht über- schreitet, auch als Mehr- oder Ueberarbeit angeschen und gebucht wird. Wer mit den idyllischen Verhältnissen in Walz, und Hütten werken bekannt ist, wird ja die Besorgnis der Unternehmer bezüg- lich der Ueberstnndenlisten verstehen. Das Ergebnis der Listen- führung deckt sich so gar nicht mit den früheren Angaben der UnternehuOr und ihrer parlamentarische»» und journalistische» Helfer und Werkzeuge. „Infolgedessen(der angeblich irrtümlichen Bezeichnung aller Mehrarbeit als Ueberarbeit)", so heißt es in der Eingabe des In- dustriellcnvereins an den Minister,„werden später in der dem Reichstag zu unterbreitenden Denkschrift unrichtige, und zwar zu hohe Zahlen der Ueberstunden in diesen Betrieben erscheinen, die den tatsächlichen Verhältnissen nicht entsprechen." Den tatsächlichen Verhältnissen entsprechen die Angaben schon; eher könnte verlangt werden, daß auch die Wechselschicht am Sonn- tag, die 24 Stunden dauert, da ja keine Ersatzfeierschicht gewährt tvird, als Ueberarbeit verzeichnet wird. Aber die Unternehmer wollen durch ihre famosen Konstrukionen die Zustände in den Walz- und Hüttenwerken als weniger schlimm erscheinen lassen als sie tatsächlich sind und dementsprechend auch die Ueberstundenlisten „oegulieren", um einer ungünstigen ReichstagSkritik möglichst vor- zujbeugen! Das ist des Pudels Kern, und dazu soll die Regierung helfen. Die Regierung soll der gekünstelten Formulierung der Unternehmer zusüimmen und dementsprechend die Ausführungsbestimmungen ab- ändern, damit weniger Ueberarbeit gebucht wird als tatsächlich vor- kommt. Zum Zweiten verlangen die Unternehmer allgemein die AuS« nahn�: zur Regel postuliert, insoweit sogenannte„natürliche" Pausen auch unter einer Viertelstunde auf die Gesamtpausa an« gerechnet werden können. Gleicherweise soll die Höchstpause nur eine halbe Stunde betragen dürfen anstatt einer Stunde. In der Schutztterordnung selbst sind diese Fälle nur als Ausnahme vor- gesehen; während als Regel die Hauptpause mindestens eine Stunde betragen soll und Pausen von weniger als einer Viertelstunde nicht zur Anrechnung kommen sollen. Di« Eingabe des Vereins Deutscher Eisen- und Stahl- industrieller beklagt sich darüber, daß angeblich nur drei Regie- runqSprclisidenten(Westfalen? Red.) die Ausnahmen bezüglich der Pausen den Unternehmern zugestanden haben, und verlangt vom Minister, daß in allen Bezirken die für die Kapitalisten günstigere Handhabumg angeordnet werde. Die ungleichmäßige Ausführung der Bekanntmachung richte unter den Arbeitern der verschiedenen Werke Verwirrung an, beeinträchtige die technische Sicherheit der Betriebe, habe unter Umständen Gefahren für Gesundheit und Leben der Arbeiter im Gefolge und schädige„somit" nicht allein die wirtschaftlichen Interessen der Arbeitgeber, sondern auch die der Arbeitnehmer sehr erheblich. DaS ist ja eine recht alte, abgeleierte Melodie, die mit solchen Tönen angestimmt wird. Den Sack schlägt man und den Esel meint man. Die Arbeiter schiebt man vor. wenn die Profitsumme in Gefahr ist. Wenn die Schutzverordnung derart verschieden ge- handhabt wird, so ist allerdings eine einheitliche Judikatur an- gebracht, die aber keineswegs durch eine allgemeine Verschlechte- rung der Sckiutzwirkungen herbeigeführt werden darf. Vielmehr ist aufs energischste zu verlangen, daß die Regierung auch den drei in Betrachit kommende« Regierungspräsidenten eine sinngemäße Ausführung der Verordnung aufträgt. Die Mindestpause von einer Stunde wird man doch wahrhaftig den schwer schuftenden Walzwerks- u«d Hüttenarbeitern nicht dauernd vorenthalten wollen. Nun holen ja die Unternehmer alle nur denkbaren Gründe, und seien sie noch so fadenscheinig, heran, um bei der heutigen Hand- habung der Veoordnung alle möglichen Gefahren zu entdecken. Trotzdem muß dir Denkschrift mit süßsaurer Miene zugeben, daß! verschiedene Betriebe„freiwillig" die einstündige Mittagspause 1 eingeführt haben. Aber da konstruiert die Eingabe wieder einen völlig unmotivierten«großen Unterschied" zwischen der„frei-> willigen" Mittagspause und der zwangsweise eingeführten. Kein> vernünftiger Mensch wird die Gründe anerkennen. Der Schluß dcT Eingabe der Werksbejitzer richtet sich gegen' die Achtstundenschichit, die unmöglich einzufahren sei. DaS ganze, Nationalvermögen soll in Gefahr geraten, wenn in den Feuer»> betrieben der Walzwerke die Achtstundenschicht eingeführt wird. Auch wenn andere Länder, Belgien, Frankreich, England, Amerika, die Achtstundenschicht einführten, könnten eS die deutschen Unter« nehmer immer noch nicht! So sucht die Eingabe alle Tore fest zu verschließen, wo nur irgendwie der Hebel zur Durchführung eines besseren Hütten- arbeiterschutzes angesetzt werden könnte. Dabei ist ja gut bekannt, daß eine Herabsetzung der Arbeits» zeit keineswegs eine Einschränkung der Arbeitsleistung im Gefolge haben muß. Die Unternehmer würden auch im eigenen Interesse einer weiteren Herabsetzung allgemein schon zustimmen, wenn sie nicht die ideellen Vorteile für die Arbeiter fürchteten. Unter anderen gab ja auch der bekannte Jalousiefabrilant Frcese offen zu, daß er den Ach tstu irden tag aus nüchterner Berechnung eingeführt hat und sich gut dabei steht. Hat ja auch einmal vor Jahren ein Fabrikinspektor einen Fall berichtet, wo der Direktor eines großen Hüttenwerkes das Drcischichtsystcm und die Achtstundcn- schickst in dem Werk eingeführt hatte. Das Werk stand sich gut dabei, die Profite ivaren nicht gefallen. Dem Direktor wurde aber aufgegeben, die Achtstundenschicht trotzdem wieder abzuschaffen, da man dem Bestreben der Arbeiter nach Berkürzung der Arbeitszeit keinen Borschub leisten dürfe. So stehen die Dinge in Wirklichkeit. Fast ein halb dutzendmal versucht die Eingabe, mit der Sozial- demokrate graulich zu machen. Die Pausen sollen von den Ge- werkschaften nicht zum Schutz der Arbeiter, sondern aus taktischen Gründen gefordert werden, damit die während der Pausen cnt- stehenden größeren Ansammlungen der Arbeiter zur Agitation aus- genutzt werden können! Wahrlich, cs muß eine faule Sache sein, die so verteidigt wird. Auch wird dem Minister der kapitalistische Jdealarbeiter vor die Füße geschleppt, der bestraft werden mußte, weil die unglücklichen Unternehmer den Mann nicht mehr so lange arbeiten lassen dursten, ES ist wirklich rührend zu lesen: „Einzelne Werke haben gerade in dem letzteren Punkts schon dadurch sehr unangenehme Erfahrungen inachen müssen, daß sie gezwungen waren, die Leute zu bestrafen, die trotz mehrfacher War- nung immer wieder zu früh kamen und überhaupt nicht einsahen, warum sie so lange von der Arbeit wegbleiben sollten." Genug von dem Brei. Die Hüttonleute wissen, woran sie sind. Die Verhandlungen über den Zechcn-Zwangsnachweis haben ein inniges Verhältnis zwischen Regierung und Großkapital enthüllt. Wird die Regierung auch den Hüttönherren erneut nachgeben und sich mit der brutalsten Kapitalistengruppe offen versippt und verschwägert zeigen? Die Hüttenarbeiter werden zu zeigen haben, da die Furcht , vor einem sozialen Massenkampf keinen genügenden Druck auf Kapital und Regierung ausüben kann, daß sie gewillt sind, mehr wie bisher geschlossen in den Reihen der sozialdemokratischen Klassenkämpfer zu arbeiten und sich einen genügenden Schutz zu e r st r e i t e n. Mit den Bergleuten zusammen bilden die Hüttenarbeiter ein« der wichtigsten Jndustriegruppen, die erst die Vorbedingung aller weiteren industriellen Betätigung ist. Um so notwendiger ist, daß das elende bißchen Verordnungsschutz den Hüttensklaven gesichert bleibt und erweitert wird. Nimmermehr aber darf cs dem Groß- kapital gelingen, aus unmenschlicher Goldgier die ersten Ansätze zu einem Schutz jetzt schon wieder brutal zu zertrampeln. Hus der frauenbewegimg. Gleichberechtigung! Gleichberechtigung dem weiblichen Geschlecht! Gewiß, im Prinzip ist sie anerkannt. Kaum ein Genosse wird sie grundsätzlich bekämpfen. In der Theorie findet sie keinen Widerspruch. Sia gehört ja auch, zu unseren programmatischen Forderungen DaS findet sogar im Organisationsstatut Berücksichtigung. In unserer Organisation dürfe man gar keine Unterscheidung machen, den Frauen nicht als solche gewisse Rechte extra zuerkennen. Ganz streng nach der Theorie ist das richtig! Aber aus der Praxis weiß man doch: ohne die ausdrückliche Bestimmung, daß den Von standskörpern auch Frauen angehören müssen, würde man es im ollgemeinen bei dem alten, nach den früheren vereinsgesetzlichen Bestimmungen gebotenen Modus belassen, nur männlichen Ge- »offen Aemter als Parteifunktionäre übertragen! Und es muß auch anerkannt werden, daß die noch stark zurückgebliebene Schulung der Frau vielfach ein Hindernis bildet, sie mit Vertrauensämtern in der Parte, zu betrauen. Das ist ein Manko, das mit der Zeit ausgemerzt wird. Der angeführte Umstand erklärt, warum in der Organisation die Gleichberechtigung der Geschlechter noch nicht voll in die Erscheinung tritt. Eine nicht berechtigte Ver- letzung des Prinzips der Gleichberechtigung kann man aber noch vielfach im privaten Leben konstatieren. Mancher Genosse, dem es gar nicht in den Sinn kommt, die programmatische Forderung der Gleichberechtigung anzugreifen, der für diese vielleicht mit Wärme und Ueberzeugung eintritt, vergißt das, sobald er sich als Privatmann und Familienoberhaupt fühlt. Da steckt er noch in den bürgerlichen Vorurteilen und kapitalistischen Ueberlieferungen. Er betrachtet nach alter, lieber, bequemer Gewohnheit die Frau als seine Dienerin, die in ihm den Herrn respektieren soll, von der er Gehorsam verlangt. Mit kühler Gelassenheit, oder auch in stolzer Ueberhebung spricht er es aus: Ich ernähre meine Frau! Und weil er so fühlt und denkt, glaubt er, sie müsse willen- los sich allen seinen Launen und Wünschen fügen, seine körperliche und geistige Sklavin sein. Er denkt nicht daran, daß seine Voraussetzungen falsch sind und darum auch seine instinktiven Schlußfolgerungen. ES ist nicht wahr, daß der Mann die Frau ernähre. Die proletarische Hausfrau und Mutter ernährt sich selbst! Oder ist etwa die Hausarbeit, die sie leistet, die Be- sorgung der Wirtschaft, die Erziehung der Kinder gar nichts wert? Bei nur einiger Ueberlegung muß sich jeder Mann und Vater sagen: speziell die Kinderwartung und-Erziehung ist die aller- wichtigste Arbeit! Der Mann bezahlt sie nur nicht als Lohn- arbeit, wie feine Tätigkeit vom Unternehmer entlohnt wird. Dieser Umstand läßt in den Köpfen vieler Arbeiter, die über das Verhältnis von Lohn und Arbeit nicht nachdenken, die Meinung bestehen, sie seien in Wirklichkeit die Ernährer ihrer grauen. Ja, solche Anficht ist so stark geworden, daß manche Männer die Vorstellung von der Sklavinnenrolle ber Frau selbst dann noch nicht überwinden können, wenn sie neben ihrer HauS» arbeit auch noch eine gewerbliche Tätigkeit ausübt AuS der tief, gcwurzelten Mißachtung der weiblichen Arbeit resultiert die Ueberhebung. die das Weib zur Dienerin deS Mannes stempelt und auS der heraus eS so schwer wird, die theoretisch akzeptierte Forderung der Gleichberechtigung nicht nur im politischen, sondern auch im privaten Leben praktisch zu betätigen. Der Parteigenosse aber muß sich frei machen von der rückständigen Spießer- auffassung, der Mann sei der von Natur aus bestimmte Gebieter des Weibes. Die theoretisch anerkannte Gleichberechtigung darf in der Praxis nirgends verneint werden. Leseabende. Charlottenvurg. Mittwoch, den 20. März, avends S Uhr. im.Volkshause". Sozialdemokrat. Wahlverein Adlershof. Todes- Anzeige. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Genosse, der Bauarbeiter Wilhelm Nelte Hoffmannstr. 15 nach schweren Leiden verstorben ist. Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 30. März, nachm. 5 Uhr, von der Leichenhalle des Gemeindefriedhofes aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 202/14 Der Vorstand. Verband d. baugewerblichen Hilfsarbeiter Deutschlands. Zweigverein Berlin u. Umgegend. ( Bezirk Adlershof/ Alt- Glienicke. Am Sonntag, den 27. März, verstarb unser langjähriger Kollege Wilhelm Nelte. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Wittwoch, den 30. März, nachmittags 5 Uhr, von der Leichenhalle des Kirchhofes in Adlershof aus statt. 29/11 Um recht rege Beteiligung er fucht Der Zweigvereinsvorstand. Zentral- Kranken- Unterstützungsverein der Schmiede und verwandten Gewerbe Deutschlands. Berlin 4. Nachruf. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Mitglied Franz Kopischke am Donnerstag, den 24. März, verstorben ist. Ehre seinem Andenken! 14325 Die Ortsverwaltung. Deutscher Transportarbeiter- Verband. Bezirksverwaltung Groß- Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Arbeiter Gottfried Joost am 27. März im Alter von 59 Jahren verstorben ist. der Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 31. d. Mts., nachmittags 4 1hr von Leichenhalle der Friedrichshagener Friedhofes aus ftatt. 67/20 Die Bezirksverwaltung. Deutscher Transportarbeiter- Verband. Bezirksverwaltung Groß- Berlin. Nachruf. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Bretterträger Ernst Stöckel am 19. März im Alter von 23 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung hat bereits stattgefunden. 68/1 Die Bezirksverwaltung. Deutscher Transportarbeiter- Verband. Bezirksverwaltung Groß- Berlin. Nachruf. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Fahrstuhl führer Franz Töpfer am 10. März im Alter von 68/2 53 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung hat bereits stattgefunden. Die Bezirksverwaltung. Gesangverein Kaiserscher Männerchor. Am Sonnabend, den 26. b. M., verschted unser Gangesbruder • Karl Marzillier. Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 31. d. M., nachmittags 4 Uhr, von der Halle des Freireligiösen Friedhofes, Pappel- Allee, aus ftatt. 14346 Der Vorstand. Allen Berwandten, Freunden und Bekannten sowie den Kollegen der Firma Franz Morgau und den Herren des Stammtisches Bolander Allen Verwandten, Freunden und Bekannten die traurige Nach richt, daß am 28. März plöglich mein lieber Mann, unser treus forgender Vater, Sohn, Bruder, Schwager u. Dnkel, der Steinmet Otto Loepke sanft entschlafen ist. 14436 Um, stille Teilnahme bitten Die trauernde Witwe Marie Loepke und Kinder. Die Beerdigung findet Donnerstag nachmittags 4 Uhr von der Leichenhalle des Nirdorfer Friedhofes, Mariendorfer Weg, aus statt. Zentral- Verband der Steinarbeiter. Filiale Berlin. Am 28. März starb unser Kollege Otto Löpke im Alter von 38 Jahren an Gehirnschlag. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet morgen Donnerstag, nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des Nirdorfer Gemeindefriedhofes, Mariendorfer Weg, aus statt. 171/5 Bahlreiche Beteiligung erwartet Die Ortsverwaltung. Beutscher Metallarbeiter- Verband. Arbeitsnachweis: Hof 1. Amt 3, 1239. Verwaltungsstelle Berlin. Hauptbureau: Hof III. Amt 3, 1987 Charitéstraße 3. Donnerstag, den 31. März 1910, abends 8½ Uhr: Versammlung der Schwarzblechschlosser Zeugschmiede und im Gewerkschaftshause, Engelufer 15, Saal 8. Tages- Ordnung: 1. Bericht über den Verlauf der Tarifbewegung. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Pflicht eines jeden Kollegen ist es, in dieser Versammlung zu erscheinen. Donnerstag, den 31. März 1910, abends 8% Uhr: Branchen- Versammlung der Elektromonteure und Helfer Berlins und Umgegend im Gewerkschaftshause, Engelufer 15, Saal 7. Zages Ordnung: 1. Vortrag des Kollegen Priefert. 2. Diskussion. 3. Bericht der Branchenkommission. 4. Neuwahl des Branchenleiters und der Kommission. Mitgliedsbuch legitimiert. 113/13 Die Ortsverwaltung. Bahlreichen Besuch erwartet Artistenverein Einigkeit". Deutscher Holzarbeiter- Verband. Den Mitgliedern sowie allen Freunden nnd Bekannten des Vereins die traurige Nachricht, daß unser langjähriges Mitglied und Staffierer, Herr Otto Löpke am 28. März 1910 nach furzem schweren Strantenlager ber: storben ist. Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 31. März, nachmittags 4 Uhr, von der Leichen balle des Rirdorfer Friedhofes ( Mariendorfer Weg) aus statt. Ehre seinem Andenken! Am Sonnabend, den 26. März entschlief nach schwerem Leiden mein inniggeliebter Mann Karl Marzillier im 51. Lebensjahre. 14265 am Dies zeigt tiefbetrübt an Auguste Marzillier geb. Marschall Gleimstr. 4. Die Beerdigung findet Donnerstag, den 31. März, nachm. 4 Uhr, von der Leichenhalle des Friedhofes der Freireligiösen Ge meinde, Bappelallee, aus statt. Am 28. März, nachts 3, Uhr, wurde mir meine innigftgeliebte Frau und Mutter ( Zahlstelle Charlottenburg.) Donnerstag, den 31. März 1910, abends 8, Uhr, im Volkshause, Rosinenstraße 3: Mitglieder- Versammlung. Tages- Ordnung: 1. Beratung der Anträge zum Gautage. 2. Aufstellung des Kandidaten zum Verbandstage. 3. Verbandsangelegenheiten. 4. Gewerkschaftliches und Verschiedenes. 81/5 Die Ortsverwaltung. Zentralverband der Zimmerer. Zahlstelle Berlin und Umgegend. Donnertag, den 31. d. M., abbs. 81%, Uhr, im Gewerkschaftshause, Engelufer 15( Saal 1): Zahlitellen- Versammlung. Tages Ordnung: 1. Bericht von der Berliner Gewerkschaftskommission. 2. Die Zariffrage und unsere weitere Stellungnahme. Orts- Krankenkasse Orts Krankenkasse der Schuhmacher zu Berlin. der Mechaniker, General- Versammlung der Vertreter am Mittwoch, den 30. März, abends 82 Uhr, im Lokale Weberstraße 17. Zagesordnung: 1. Abnahme der Jahresrechnung pro 1909. 2. Statutenänderungen. 3. Verschiedene Kaffenangelegenheiten. Berlin, den 29. März 1910. 1425b A. Bendig, Borsigender. + Westmanns Trauermagazin Extra- Abteilung 1. Gesch.: Berlin W., MohrenStraße 37a( 2. Haus von der Jerusalemer Straße). II. Gesch.: Berlin NO., Große Frankfurt. Str. 115( 2. Haus von der Andreasstraße). Sehr gr. Ausw.fert. Kleider, Hüte, Handschuhe, Schleier etc. v. einfachsten bis zum hochelegant. Genre z. äußerst niedrigen Preisen. Sonder- Abteilung: Maßanfertigung in 10 bis 12 Stunden. Optifer und verwandten Gewerbe zu Berlin. Vom 4. April d. J. ab befindet sich das Staffenlofal Rosenthaler Straße 40-41 99 , Hackescher Hof" 2. Hof, Aufgang 5, 1 Treppe. De Am 1. und 2. April bleibt das Kaffenlofal des Umzugs toegen geschlossen. 272/ 11* Berlin, den 29. März 1910. Der Vorstand. Verkaufsstelle bon 39/1 Saneta Manzara Medizinal- Kraft- Rotwein zu Driginalpreisen bei Willy Kerker Rolonialwaren- und Weinhandlung Berlin NW., Rathenower Str. 34. Haben Sie Stoff? Ich fertige davon Anzug od. Paletot nach Mass, schick, dauerh. Zutaten, von 20 Mark an. Moritz Laband, Neue Promenade8, II.( Stdtb.Börse). Kochen Sie Schellfisch 15 Minuten in Salzwasser, geben Sie dazu Senfsauce, Senfbutter oder braune Butter. Unsere Dampferflotte brachte große Fänge Seefische in hervorragend schöner Qualität an. Daher von heute ab billige Preise! ff. fetten Kabeljau.. im Anschnitt p. Pfund 20 Pf. 99 99 99 99 99 99 Seelachs Schellfisch Bratflundern " 9 " n 20 30 " . 37 " 27 29 " 30 39 " " 39 37 Deutsche Dampffischereigesellschaft Nordsee" دوو Größte Hochseefischerei Deutschlands Hauptgeschäft: Berlin C.( Bahnhof Borse) Tel. Amt III 8804 sowie bekannte Verkaufsstellen. 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Danksagung. am Für die liebevolle Teilnahme und zahlreichen Kranzspenden bei dem Hinscheiden unseres lieben Sohnes, Bruders, Schwagers und Dntels Emil Königsberg fagen wir auf diesem Wege allen Verwandten und Bekannten, feinen Freunden, dem Personal der Schrift gießerei W. Woellmer. dem Berein Lages Ordnung: 1. Bericht über den Stand der Verschmelzungsfrage mit dem Berliner Berein. 104/6 2. Beschlußfaffung über die Liquidation des Bereins, Stebe§ 32 des Statuts. 3. Halbjahresbericht. 4. Ergänzungswahlen zum Vorstand und Aufsichtsrat. Zur Wahl stehen vom Vorstand der Geschäftsführer Genoffe Binter, bom Aufsichtsrat die Genossen Gicza, Griese, Fladrich, Flemming und Lodahl. 5. Anträge der Verwaltung.( Diejenigen Mitglieder von 1500-2200, welche ihren Verpflichtungen nicht nachgekommen find, auszuschließen.) 6. Anträge der Mitglieder.( Dieselben müssen 5 Tage vor der Ver fammlung in Händen der Verwaltung sein.) Der Eintritt sowie die Abstimmung fann nur durch Vorzeigen ber Legitimationsfarte gestattet werden. Der wichtigen Tagesordnung halber ist ein zahlreiches Erscheinen der Mitglieder erwünscht. Der Vorstand: A. Winter. Der Aufsichtsrat: Dtto Storch. Steinarbeiter. der Schriftgießerei- Arbeiter und-Ar- Donnerstag, den 31. März, abends 8 Uhr, in den Arminhallen, Kommandantenftr. 58: Ohne Zweifel die bequemste u. wirksamste Hilfe. Der Schmerz ist in 5 Min. fort. Das Hühnerauge felbft in 3 Tagen.( Enthält Salicylsäure u. indischen Hanfertrakt.) Dr. H. Unger in Würzburg. In Berlin( 20 Bi.): Salomon- Apotheke, Charlottenstraße 54. Apotheke, Barnimstraße 33. München: Schützen- Apotheke. gart: Hirsch- Apotheke. Breslau: Victoria- Apotheke... Fruchtweine kräftig und abgelagert sind billiger, wohlschmeckender und nahrhafter als Branntwein! 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Die Frühlingssonue meinte es aber noch nicht allzu gut. Nur am ersten Feier- tage brach sie auf kurze Viertelstunden schüchtern durch, ohne recht zu wärmen, und am Abend standen schwere, schwarze Wolken am Himmel. Auch die von den Wetterpropheten für den zweiten Feiertag angekündigte stärkere Erwärmung blieb aus, zeitweilig herrschte sogar empfindliche Kälte, zu der die spazierengeführtcn Frühjahrstoiletten schlecht paßten. Der Stadt- verkehr war, wie immer ansolchenTagen.sehrlebhaft. Zugrößeren Ausflügen zeigten die Berliner noch nicht den rechten Schneid. Frühkonzert fand nirgends statt, doch wurde von Vorwitzigen schon im Freien nach altem Brauch Kaffee gekocht. Lange hielt man es freilich in den Gärten, die noch nicht die Sommer- garnitur angelegt hatten, nicht aus. Nach Treptow fand ein ungewöhnlich starker Verkehr statt, als ob man die dortigen Restaurateure für den durch die Polizei verursachten Schaden einigermaßen entschädigen wollte. Die da draußen zahlreich postierten Gendarmen wurden vom Publikum mit sehr ge- mischten Gefühlen betrachtet. Wie der Berliner Stadtfreisinn über Wahlrechtsspazier- gänge denkt, das wurde in der letzten Stadtverordnetensitzung von dem Stadtverordneten Cassel in vorsichtigen Wendungen gesagt, offener aber und rückhaltloser von dem Stadtver- ordneten Sonnenfeld, der die Aufforderung, nach dem Verbot einer Versammlung im Treptower Park nun einen Spaziergang nach dem Treptower Park zu veranstalte� geradezu als„Ungesetzlichkeit" bezeichnete. Die„Frei sinnige Ztg." klagt jetzt, daß in der Presse Herr Sonnenfeld wegen seiner Aeußerungen angegriffen worden sei. In den Zeitungsberichten über die Stadtverordnetensitzung und imbeson deren über Herrn Sonnenfelds Rede sei zwar die Unruhe erwähnt worden und die Zivischenrufe, mit denen die sozialdemokratische Fraktion ihn unterbrach, nicht aber auch der laute Bei- fall, durch den die Freisinnigen ihm ihre Zustimmung aus drückten. Dadurch, daß nur von den Kundgebungen des Miß sallens berichtet wurde, habe„in dem Publikum die Meinung erweckt werden müssen, daß die Majorität der Stadtverordneten den Redner durch Stillschweigen desavouiert habe, gleichsam als wenn sie mit seinem„Schwachmut", wie ein Blatt sich ausdrückte, nichts zu tun haben wollte". Das Freisinnsorgan tut, tvie wenn es Wert darauf legte, die Zustimmung der Majorität nachträglich noch vor aller Oeffentlichkeit zu konstatieren. In Wirklichkeit soll aber wohl nur der peinliche Eindruck abgeschwächt werden, der außerhalb der Stadtverordnetenversammlung auch in Freisiunskreisen durch die Ausführungen Sonnenfelds hervor gerufen worden ist. Das Blatt schreibt: „Die Auffassung des Redners war die, es sei sehr bedauerlich daß der Polizeipräsident die Versammlung im Treptower Park verboten habe; aber die Aufforderung des Spaziergang sei gleichfalls zu mißbilligen". Und zum Schluß wird versichert: „Die weit überwiegende Mehrheit der verordneten teilt den von dem Stadtv. Cassel Schlußwort von dem Stadtv. Sonnenfeld punkt, daß das Verbot des Wahlrechtsspazierganges nicht gerecht! fertigt war, daß aber andererseits öffentliche Versammlungen unter freiem Himmel und öffentliche Aufzüge auf Straßen und Plätzen der Genehmigung der Polizei bedürfen." Gewiß, es mag Herrn Sonnenfelds und seiner Freunde Wunsch sein, daß er sich so geäußert hätte. Gesagt hat er aber tatsächlich etwas ganz anderes, und es kennzeichnet die Verlegenheit der„Freis. Ztg.", daß sie jetzt das Wort „Ungesetzlichkeit" wegeskamottercn möchte. Gesagt hat er, daß, ivenu eine Versammlung im Treptower Park nicht genehmigt worden ist, eine Aufforderung zu einem Spaziergang nach dem Treptower Park ungesetzlich sei. Zu diesem Zweck mußte er freilich besagten Spaziergang in einen öffentlichen Aufzug umfälschen, der eben nicht ohne Genehmigung zulässig sei. Der Stadtfreisinn ist dem von unseren Genossen be antragten Protest gegen Jagolvsche Polizeiwillkiir nicht bei getreten, sondern hat nur einen nichtssagenden Antrag be schlössen, der dem Magisttat empfiehlt, durch Petttionen an die Staatsregierung darauf hinzuwirken, daß in Berlin die Polizei öffentliche Versammlungen unter freiem Himmel und Aufzüge auf öffentlichen Straßen usw. nicht hindert, ivenn da von eine Gefahr für die öffentliche Sicherheit— nach Herrn v. Jagows maßgeblicher Meinung, versteht sich— nicht zu befürchten ist. Das Wort von der „Ungesetzlichkeit" der Aufforderung zu einem Spaziergang war ein freundlicher Katzbuckel des Berliner Stadt- freisinns vor dem Polizeipräsidenten samt den höheren Instanzen. Durch solche Katzbuckelei kann dem Herrn v. Jagow nur Mut gemacht werden, in ähnlichen Fällen die Bevölkerung Berlins noch schlimmer zu terronsieren, als er es am 6. März getan hat. „Vorwärts" zu dem bürgerlichen Stadt! und später in den» vertretenen Stand Die juristische Sprechstunde muff heute ausfallen. Dem Würdigsten? Die Schuljugend hat das Winterhalbjahr glücklich hinter sich. Am Mittwoch haben die Ferien begonnen— Ferien, denen wir wünschen, daß sie vom freundlichsten Frühlingswetter begünstigt sein mögen. So ein Halbjahresschluß bedeutet immer wieder ein Ereignis in dem Leben eines Schulkindes, und auch manche Familie steht unter dem Eindruck der starken Wirkung, die er auf sie ausübt. Denn der Schluß des Halbjahres bringt die Halbjahreszensur, die mit ihrem guten oder schlechten Ergebnis nicht nur die Stimmung deö Kindes beeinflußt, sondern Freude oder Verdruß auch in eine ganze Familie hineintragen kann. Ach ja, diese Zensuren! Es gibt Lehrer, denen gar nicht wohl zu Mute ist, wenn sie sie schreiben sollen. Welcher Lehrer wird von sich sagen dürfen, daß er dabei mit seinem Urteil immer das Richtige treffe? Und wer wird behaupten wollen, daß eine Schulzcnsur überhaupt ein richtiges Urteil sein kann? Verzagt nicht sogleich, ihr Eltern, wenn euer Kind euch eine schlechte Zensur nach Hause gebracht hat! Schon mancher, der in der Schule bei den Schlechtesten saß, errang im Leben sich bei den Tüchtigsten seinen Platz. Hütet euch vor stolzer Ueberhebung, ihr Eltern, wenn euer Kind mit einer guten Zensur, mit der besten vielleicht und einer Prämie gar, vor euch hin tritt! Schon mancher, der in der Schule der Erste war, sank im Leben nur zu bald zu den Letzten hinab. Wonach schreibt denn ein Lehrer seine Zensuren? Wonach muß er sie schreiben, wenn er nicht von der Einfalt seiner Zöglinge und leider auch mancher Eltern den Vorwurf der„Ungerechtigkeit" ernten will? Im wesentlichen läuft doch die ganze Zensuren- schreiberei auf ein kaltes Rechenexempel hinaus, auf ein Addieren von Fehlerzahlen und Urteilsnummern und ein Divi- dieren durch die Zahl der gelieferten Arbeiten und abgefragten Leistungen. Das Mehr oder Weniger des Gelingens ist es, das in der Schule über den Wert einer Leistung entscheidet. Was an Mühe und Fleiß, an starkem Wollen und heißem Ringen selbst in einer geringeren, ja in einer schlechten Leistung stecken kann, das läßt sich nicht zählen und messen. Und das darf daher auch kein Lehrer, wenn er Zensuren schreibt, nach vollem Wert in Rechnung stellen. Immer könnte ihm ja unter die Nase gerieben werden, daß ein Blick in die sauber geschriebenen Tabellen seines eigenen Notizbuches ihn darüber belehren werde, wie mangelhaft der Er folg alles Wollens und Ringens gewesen sei. Muß die Zensurenschreiberei zur Ungerechtigkeit führen— zur Ungerechtigkeit in ganz anderem Sinne, als die Schulkinder und oft auch die Eltern es meinen—, so ist die Unsitte der P r ä m i en Verteilung geradezu ein Frevel. Wem wird denn die Prämie zuteil? Dem Würdigsten etwa? Dem Ersten, ja, und günstigstenfalls auch noch dem Zweiten, falls die paar Mark, die da zur Verfügung stehen, soweit reichen. Sind denn aber die Ersten immer die Würdigsten. Kann das Gelingen, das vielleicht nur einer glücklichen Begabung und günstigen äußeren Umständen, z. geordneten Familienverhältnissen, einem guten Gesundheitszustand usw., zu danken ist, ein richtiger Maßstab sein für die Beurteilung der Würdigkeit? Ist es überhaupt gerecht, den Werdenden nach dem Gelingen zu beurteilen? Und soll uns die Schule nicht mehr gelten als ein Rennplatz, auf dem gezählt und gemessen wird, wer Erster wurde und sich den Preis verdiente? Jene Pädagogen, die weder ohne Strafe noch ohne Belohnung zu erziehen vermögen, werden spöttisch lächeln:„Wahrscheinlich wieder mal so ein verärgerter Vater, dem der Junge immer unter den Letzten saß und niemals ein Prämie heimbrachte!" Zufällig stimmt es diesmal nicht. Dem Schreiber dieser Zeilen hat— er sagt's nicht, um zu rühmen— sein Junge so manche recht hübsche Zensur und auch manche Prämie heimgebracht. Das hat ihn aber nicht beirrt, sondern nur noch bestärkt in der Ueberzeugung, daß die Zensurschreiberei nicht ohne Ungerechtigkeit abgeht und die Prämienverteilung ein frevelhafter Unfug ist. «Dreckige Woche" beim Reichsverband. Die Gewohnheit mancher großer Geschäftshäuser, besondere „Wochen" zu veranstalten,„Weiße Woche".„Bunte Woche", scheint den Reichsverband gegen die Sozialdemokratie veranlaßt zu haben, eine ähnliche Einrichtung zu treffen. Weil er aber keine reinen Sachen am Lager hat, hat er eine„Dreckige Woche" ver- anstaltet. In den westlichen Vororten sind massenhaft Briefe zu- gestellt worden, deren Inhalt sich als Reichsverbandsflugblätter ältester Garnitur erwies. Selbst sozialdemokratische Reichstagsabgeordnete sind mit derartigen Sendungen „erfreut" worden. Offenbar will der Reichsverband mit seinen dreckigen Lagerbe st änden aufräumen, und weil sich keine andere Verwendung dafür findet, wird das Publikum mit diesem Mist überschwemmt, wohl in der Voraussicht, daß dort die reichs- verbändlerischen Geistesprodukte ihrem eigentlichen Zweck zugeführt werden. Neben altem Trödelkram sind in den Sendungen auch zwei neue Flugblätter enthalten gewesen. Auf dem einen ist die Wahlrechtsrede des echten Junkers Moltke, auf dem andern die Wahlrechts-Jnterpellationsrede deS gelernten Junkers v. D i r ck s e n abgedruckt. Der Reichsverband läßt offenbar jetzt von seinen parlamentarischen Mitgliedern ausgesprochen zu dem Zwecke Reden halten, damit diese„Geistesblüten" unter die Massen verteilt werden können. Kürzlich hat der Reichsverband ein Rund- schreiben versendet, in dem er Geld erbettelte, um das Porto für diese Sendungen bezahlen zu können. Die„gütigen Spender" werden ganz gewiß nicht besonders davon erbaut sein, daß der Reichsver- band das Geld in dieser Weise verpulvert. Früher hat der Reichsverband seine Flugblätter in Massen ver- kauft, jetzt muß er sie schon verschenken, und nicht einmal umsonst wollen Leute, die auf politische Reinlichkeit halten, diese verlogenen Pamphlete annehmen. Die Erhaltung der Berliner Wälder. In der Frage der Erkaltung des Waldbestandes um Berlin haben die auf Einladung des Oberbürgermeisters Kirschner zusammen! getretenen leitenden Persönlichkeiten der Städte Berlin, Charlotten bürg, Schöneberg, Wilmersdorf, Rixdorf und Lichtenberg und der Kreis Nieder- Barnim und Teltow, wie berichtet, beschlossen, sich mit einer Denkschrift an die zuständigen Herren Minister zu wenden. Die Denkschrift ist jetzt der Staatsregierung überreicht worden. Sie weist auf diejenigen Forsten hin, deren Erhaltung im Interesse von Groß- Berlin am dringendsten zu forden, wäre und bezeichnet hier die in einem Umkreis von 25 Kilometer von der Weichbildgrenze Berlins liegenden Staatsforsten. Hier kommen in Betracht: 2S00 Hektar der Oberförsterei Tegel, 3100 Hektar der Ober- försterei Oranienburg, die Falkenhagener Heide und der Briselang mit 3300 Hektar. 700 Hektar der Oberförsterei Kremmen, die Mühlcnbecker und Wandlitzer Heide mit 2200 Hektar, die Spree-, Königs-, Köllnische-Heide mit 380 Hektar, die Wuhlheide, Krummen- dammer und Woltersdorfer Heide mit 2400 Hektar. 2500 Hektar der Oberförsterei Rüdersdorf, die Oberförsterei Erkner mit 2200 Hektar, die Obersörsterei Friedersdorf mit 1630 Hektar, die Oberforsterei KönigS-Wusterhausen mit 600 Hektar, die Obersörsterei Grunewald mit 4000 Hektar und von der Oberförsterei Potsdam 2400 Hektar.(Die Fahrländer-, Glienicker- und Parforceheide.) Sie bezeichnet von diesem Forstgebiet die Erhaliung folgender Teile als in erster Linie wünschenswert. Etwa 14 000 Morgen des Grunewaldes, etwa 4400 Morgen der Potsdamer Forst nördlich der Potsdamer Bahn. 6000 Morgen der Forst Grünau-Dahme, 1000 Morgen der Kvllnischcn Heide, 8000 Morgen der Forst Köpenick, vorliege. Zu übertriebenen Anlaß vor, aber falsch ist „nach langjähriger Pause" lNebenbeu gesagt: DaS dem auf Charlottenburger Die Genickstarre fordert in 2000 Morgen der Forst Schönwalde, 2000 Morgen der Oranien« burger Forst außerhalb des Gatters, 6000 Morgen der Forst Tegel und 200 Morgen der Jungfernheide, im ganzen also 45400 Morgen. Zur Sicherung dieses Waldbestandes würden die beteiligten Stadt- und Landkreise sich zusainmenzuschließen haben und ver« traglich in einer noch zu vereinbarenden Form unter gemeinschaft« lichcr Aufbringung der erforderlichen Mittel für Kauf oder Pachtung vom Staate das Recht auf dauernde Erhaltung dieses Wald- bestandes zu erwerben haben. Die Denkschrift bittet die Staats- regierung, mit den Antragstellern die Grundlagen dieses Abkommens zu vereinbaren._ An Genickstarre ist, so wird angeirommen, ein 21 jähriger Schlosser Max Krüger erkrankt, der im Hause S i ck i n g e n- straße 57 wohnen soll. Er ist der Charitä zugeführt worden und liegt dort in einer Isolierbaracke; in seiner Wahnung sind von der Sanitätsbehörde die üblichen Maßregeln gegen eine Weitervcrbreitung der gefährlichen Krankheit getroffen worden. Einige Zeitungen, die diese Nachricht bringen, fügen hinzu, die Genickstarre sei„nach lang- jähriger Pause" jetzt zum ersten Male wieder in Berlin aufgetreten, doch handele es sich vorläufig nur um einen vereinzelten Fall, so daß zu Besorgnissen kein Anlaß Besorgnissen liegt in der Tat kein die Meinung, daß dieser Fall wieder der erste in Berlin sei. Haus Sickingenstraße 57 gehött zu Gebiet liegenden Teil dieser Straße.) Berlin Jahr für Jahr mehrere Opfer, und auch im letzten Jahre hat es hier nicht an solchen gefehlt. Das Statistische Amt der Stadt hat für 1909 von 15 Todesfällen berichtet, die durch Genickstarre verursacht worden seien. Es dringt nur über die meisten Fälle von Genickstarre nichts in eine weitere Oeffentlichkeit, darum wird durch diejenigen Erkrankungen und Todesfälle, die zufällig durch die Zeitungen bekannt werden, um so mehr Aufsehen erregt. Mitunter stellt sich übrigens nachträglich noch heraus, daß die An- nähme, es handele sich um Genickstarre, übereilt und irrig war. Die Badeanstalten der Stadt Berlin haben alljährlich ein paar Tage eines ganz ungewöhnlich starken Andranges von Badelnstigen. Es sind Jahr für Jahr immer dieselben Tage, die Sonnabende vor Ostern und vor Pfingsten. An diesen Tagen kann es den Besuchern der Badeanstalten passieren, daß sie 1—2 Stunden warten müssen, che sie zugelassen werden. Uns wird mitgeteilt, daß z. B. in der Badeanstalt an der Bärwald straße am Oster- sonnabend die Wartenden bis auf die Treppe hinaus standen und ans den Stufen umhersaßen. Ein Besucher hat am Nachmittag l'/z Stunden zu warten gehabt, ehe ihm das gewünschte Wannenbad bereitet werden konnte. Warum wird nicht durch Aus- hang an der Kasse bekanntgegeben, daß die Anstalt überfüllt ist und auf stundenlange Wartezeit gerechnet werden mnß? Feudaler Sport. Die EröffnungSrennen auf der Karlshorster Bahn standen unter einem Unstern. Der veranstaltende Verein hatte für den Massenbesuch nicht genügende Vorkehrungen getroffen. An der Kasse des zweiten Platzes insbesondere kam es zu lebensgefährlichem Gedränge, wobei mehrere Personen verletzt wurden. In dem Rennen selbst ereigneten sich weitere Unglücksfälle. Leutn. v. Tresckow stürzte mit Dal-Elf und erlitt eine schwere Ge- Hirnerschütterung und Schndelverletzungen. Leutn. v. Raven und Leutn. v. Moßner kamen mit leichteren Verletzungen davon, ebenso der Lehrling Torke. Zwei Pferde, Balnault und Dal-Elf, blieben auf der Strecke. Ein Eisenbahnunglück, welches sich auf der Linie der Reinicken- darf- Liebenwalder- Schönebecker Eisenbahn ereignete und den Tod eines Fahrgastes im Gefolge hatte, wird Mitte April die Straf- kammer des Landgerichts III Berlin beschäftigen. Es ist dies die- selbe Strecke, auf der sich im Herbst 1909 das große Unglück bei dem Bahnübergang hinter Reinickendorf abgespielt hatte. Die Ge- fährlichkeit und nicht genügende Beleuchtung dieser Strecke ist erst kürzlich bei der Verhandlung der Anklage gegen den Schlächter- meister Maiwald eingehend erörtert worden. Der jetzt der Prüfung des Gerichts unterliegende Fall ereignete sich eines Sonntagsabends Mitte Oktober 1909 auf der Station Wandlitzsee. Eine in Wandlitz wohnende Frau S. hatte mit ihrer Familie einen Berliner Besuch bis nach Wandlitzsee begleitet. Frau S. wollte von dort den abends nach Wandlitz abgehenden Zug zur Rückfahrt benutzen. Als sie mit ihrer Familie den Zug be« steigen wollte, wurde sie und mit ihr zehn andere Fahrgäste von einem Eisenbahnbeamten angewiesen, in den letzten Personenwagen einzusteigen, weil der Zug schon überfüllt sei. Es entstand nun an der Plattform des letzten Personenwagens unter den Fahrgästen ein starkes Gedränge. Frau S. hatte den Zug kaum bestiegen, als auch schon das Abfahrtssignal ertönte und der Zug sich in Bewegung setzte. Frau S. verlor infolge des Anrückens den Halt, fiel von der Plattform herab und wurde von dem dem Zuge angehängten Güterwagen über« fahren und getötet. Die Schuld an dem Unglück wird dem Stationsvorsteher Degener und dem Zugführer Zeitmann zur Last gelegt, und zwar weil D.. ohne sich davon überzeugt zu haben, ob auch alle Fahrgäste untergebracht und die Wagentüren geschlossen waren, dcm Lokomotiv« fllhrer das Abfahrtssignal gegeben habe.— Beide Angeklagten be- streiten jedwede Schuld; sie behaupten, daß sie alles getan haben, was ihnen durch die Dienstvorschrift aufgegeben sei und daß Frau S. allein an dem Unglücksfall die Schuld trage. Rechtsanw. Dr. Schwindt, der die Verteidigung des Stationsvorstehers D. über» nommen hat. hat einen so umfangreichen Beweisantrag eingebracht, daß die Verhandlung einen ganzen Sitzungstag ausfüllen dürfte. Auf dem Flugplatz Johannisthal herrschte an den Feiertagen wieder Leben. Brunhuber, Keidel, Poulain und Ingenieur Dr. Huth unternahmen Flugversuche. Unfälle auf dem Wasser. Der ungewöhnlich starke Ruder- und Seglcrverkehr. der an den beiden Osterfeiertagen auf den Gewässern in der Umgebung Berlins herrschte, hat eine nanze Reihe von Boots- Unfällen gezeitigt. Nicht weniger als sechs Ruderboote und zwei Segler kamen zum Kentern. Aufregende Szenen spielten sich bei einem Bootsunfall auf dem Müggelsee ab. Ein mit fünf Personen, drei Herren und zwei Damen besetztes Fahrzeug, war tief in den ausgedehnten See hinausgerudert. Beim Wechseln der Plätze kenterte das Boot und sämtliche Insassen stürzten in die kalten Fluten. Hilfeschreieild klammerten sie sich au dem Kiel des Bootes an. Die beiden Damen hielten sich an den des SchwimmenS unkundigen Begleitern fest und rissen diese mit in die Tiefe. Im Augenblick der höchsten Gefahr eilten andere Boote hinzu und alle fünf Personen wurden gerettet. Ertrunken ist anscheinend der Insasse eines Einsitzers, der gestern auf der oberen Havel ans Ufer getrieben wurde. Es wird befürchtet, daß der Ruderer ins Wasser gestürzt ist und keine Gelegenheit ge- habt hat, sein Leben in Sicherheit zu bringen. Auf dem Tegeler See kenterte ein Segelboot. Der auf den Vorgang aufmerksam gewordene Kapitän Barkow des Dampfers »Falke" wendete sofort seinen Dampfer, fuhr zu der Unglücksstelle zurück und rettete mit seltener Umsicht die schon fast erstarrten beiden Männer, die sich am Boot festhielten, barg auch das Segel« boot, das er mit nach der Dampferanlegestelle Tegel nahm, während die Geretteten von der Mannschaft des Dampfers mit trockener Kleidung versehen wurden. Aus der Sclbstmordchronik. Durch einen Sprung aus dem Fenster des vierten Stockes hat sich der 36 Jahre alte Fabrikarbeiter Karl Altcudorf in der Graunstr. 7 das Leben genommen. Der Mann war kränklich; A. war sofort tot.— Mt Gas vergiftet hat sich gestern abend der bl Jahre alte Schneidermeister Franz Wonner aus der Leipziger Str. 73, der seit einem Jahre an Rheumatismus und Atemnot litt. Als seine Frau und Töchter von einem Familienabend heimkehrten, fanden sie ihn in der Küche mit dem Schlauch der Kochmaschine im Munde tot auf einem Stuhl sitzen.— Wegen der- schmähter Liebe in den Tod gegangen ist am Ostersonntag die Löjährige Köchin Martha Gabisch, Gotzkowskistr. 27 wohnhaft, die in dem Kasino der Berlin-Anbaltischen Maschinenbau-Aktiengesell- schaft in der Reuchlinstrasie beschäftigt war. Die G. hatte vor längerer Zeit auf einem Vergnügen einen jungen Kaufmann kennen gelernt, zu dem sie eine grofze Zuneigung fastte, die aber< unerwidert blieb. Seitdem trug das Mädchen ein schwermütiges Wesen zur Schau und äußerte wiederholt, sich das Leben nehmen zu wollen. Am Sonntag trank sie in der Küche Salzsäure und erlag den Wirkungen des Giftes, noch ehe der aus der Unfallstation in der Äasmüsstraße herbeigerufene Arzt zur Stelle war. Die Leiche wurde nach dem Schauhause gebracht. Rafsiuicrte Spitzbuben. Ein Leser schreibt uns: Auf ein Inserat nach einer Stelle meldete sich am 1. Osterfeiertag bei mir ein Herr, der angab, mir eine dauernde Stellung verschaffen zu wollen. Erfreut hierüber, kleidete ich mich an und fuhr mit dem fremde» Manne nach der inner» Stadt. Unterwegs erklärte er, noch etwas besorgen zu müssen und wir stiegen aus. Ich wurde gebeten, einen Augenblick auf der Straße zu warten. Nach einer Viertelstunde überzeugte ich mich, daß das Haus noch einen zweiten Ausgang hatte und nahm an, aufs Glatteis geführt worden zu sein. Ich fuhr wieder nach Hause. Am anderen Morgen meldete der bei mir wohnende möblierte Herr, daß ihm ein Paar ganz neue Stiefel fehlten. Der Gauner hatte mich nur aus der Wohnung gelotst, um ungeniert stehlen zu können. Zur Warnung an andere sei dieser Vorgang mitgeteilt. Bon einem Automobil überfahren und getötet wurde Sonntag- nachmittag gegen 4 Uhr die 6jährige Tochter Erna des in der Sebastianstr. 83 wohnhasten Wächters Böhmann. Das Mädchen hatte mit anderen Kindern zusammen vor dem elterlichen Hause gespielt. Als ein Automobil herannahte, flüchteten die Kleinen au den Bürgersteig. Dabei wurde Erna B. von dem Kraftfahrzeug umgerissen und überfahren. Das verunglückte Mädchen erlitt einen komplizierten Schädelbruch und schwere innere Verletzungen und verstarb auf dem Transport zur Unfallstation in der Kommandanten- straße. Als Kautionsschw'mdler festgenommen wurden die 49 und 31 Jahre alten Kaufleute Richard Müncheberg und Paul Hoppe, die Inhaber der.Norddeutschen Lichtzentrale". Die beiden wohnten in der Arndt- und Bergmannstraße in Schlafstelle und hatten seit zwei Monaten in der Fidicinstr. 8 im ersten Stock als Bureau ein Zimmer, an dessen Tür ein Schild mit der Aufschrift„Norddeutsche Lichtzentrale" prangte. Durch Zeitungsanzeigen suchten und fanden sie für ihr„Jnstallationsbnreau" und ihre.Spardüsen" Filialleiter und Reisende mit Bürgschaft. Diese Anzeigen erschienen in allen großen deutschen Zehungen und hatten den Erfolg, daß sich viele Leute meldeten. Um diese sicher zu machen, sandte Hoppe, der immer auf Reisen war, aus Hamburg und anderen deutschen Städten Auf- träge, die sehr verlockend aussahen, aber alle erdichtet waren. Die beiden Schreiber, die die Schwindler beschäftigten, büßten jeder b00 M. ein, ein dänischer Buchdrucker 2300 M., ein Mann ans Königsberg, der seine Frau nachkommen lassen wollte, 500 M. 40 bis 50 Geschädigte haben im Hause schon Nachfrage gehalten. Müncheberg und Hoppe standen gerade im Begriff, einen neuen Schwindel zu unternehmen. Sie suchten jetzt kautionsfähige Leute für„Erdbeerverkaufshalldn", als die Kriminalpolizei ihrem Treiben ein Ende machte. Sportpark Steglitz. An beiden Feiertagen hatten die Freunde des Radreunsports Gelegenheit, ihre Schaulust ßii befriedigen und war das Programm ein sehr reichhaltiges. Besonders die Flieger- rennen boten durch den Start von Fahrern wie Rütt und O. Meier inanchs interessante Kämpfe und scheint es, als olf diese Seite des Reimsports wieder mehr gepflegt werden soll. Jedenfalls bieten diese Darstellungen durch die EntWickelung der eigenen Kraft, Ge- schicklichkeit und Taktik des Fahrers mehr Anreiz als' die Dauer- rennen, die gerade an diesen beiden Tagen jedweden Interesses entbehrten. Theile war in beiden Dauerreunen s7S Kilometer und 1 Stunde) der überlegene Fahrer, der von Anfang an die Spitze behauptete und seine Gegner spielend abfertigte, ohne daß diese auch nur einen Versuch des Widerstandes machten. Einzig Sakzmann und H. Przyrembel hielten sich noch etwas, Ivährend Dickentman, Schipke, Walthour, Demke und Scheuer- mann weit zurück endeten.— Den O st e r- P r e i s der Flieger, der zahlreiche Vorläufe und Zwischenläufe ergab, sah O. Meier siegreich vor Rütt, der mit'/r Radlänge sich geschlagen sah, und Wegeuer, den 1 Länge trennte. Auch im Tandemrennen blieb Meier mit Schür mann als Partner guter Sieger vor Rütt-Stabe, Techmer-Wegener und Rudel-Earapezzi. Das Haupt- fahren gewann Stabe in schöner Weise vor Peter und Pawke. während im gleichen Rennen am Sonntag K. M ü l l e r die drei Hannoveraner Arend, Ostermeier und Echterhoff abfertigte. An diesem Tage gewann auch Rütt als Malmann das Vorgabe- fahren vor Saldow<100) und Techmer(50), während am Montag die drei Außenseiter Saldow(100), Sonntag(110) und Groß- mann(00) den Sieg davontrugen. Das P r ä m i e n f a h r e n ge- wann S ch ü r m a n n vor Rudel, Hamann und Carapezzi.— Der Besuch war an beiden Tagen ein guter. Unfälle ereigneten sich keine. Der am Montag einsetzende Stegen tat dem Nennen keinen Abbruch. Vermißte. Verschwunden ist am 26. d. M., mittags, der 11 Jahre alte Sohn Max deS Portiers Fluder, Voltastr. 4. Derselbe wurde nach der nahe gelegenen Stralmnder Straße zu Bekannten geschickt, um etwas zu holen, und ist nicht mehr wiedergekommen. Da der Knabe den Eltern sehr folgsam war, fo nimmt man an, daß der- selbe verschleppt worden ist. Bekleidet war er mit braunem Jackett- anzug, schwarzen Strümpfen, schwarzen Schnürschuhen, ohne Kopf- bcdeckung und hat im Gesicht etwas Sommersprossen. Vermißt wird ferner seit Donnerstag der Präparandenschüler Neinhold Wenngatz. Er ist an diesem Tage von der elterlichen Wohnung in Wannsee, Friedcnstr. 2, fortgegangen und nicht wieder zurückgekehrt. ES wird vermutet, daß er sich ein Leid angetan hat, weil er sein Examen nicht bestanden hat. Der Verschwundene ist ungefähr 1,60 Meter groß/lhat blondes Haar, hübsches, runde» Ge- ficht, ist 15 Jahre alt, er rrägt einen schwarzen Anzug, braunen Ueberzieher, grünen Hut, schwarze Schnürschuhe. Außerdem hat er das Abgangszeugnis von 1909 aus der Gemeindeschule zu Wannsee in der Tasche. Mitteilungen an die Eltern erbeten. Vorort- JVachncbtetn Stegliv. Die Rechnung aufs Exempel. Ein mehr als lokales Interesse hatten unsere diesjährigen Gemeindewahlen insofern, als die Stichwahlen an einem Sonntag vorgenommen wurden. Iliisere Gegner nannten es ein„interessantes Experiment und einen schlauen Trick der Sozialdemokratie". Auch für uns war es inter- csso.'.l, bot sich doch hier Gelegenheit, Erfahrungen zu sammeln über die Wahlbeteiligung. Der Versuch ist zugunsten der Sonntagswahl ausgefallen. Nicht nur für die Sozial- demokratie, sondern für die Wahlchetejiligung übest:- Haupt. Bei der Hauptwahl am Montag, den 7. März, be- teiligten sich rund 35 Proz. der Wahlberechtigten, bei der Stichwahl am o n ii t a g. den 20. März, stieg der Prozentsatz auf 4t, 5, d. h. es übten 5 8 5 Personen mehr ihr Wahlrecht aus. Von diesen 5S5 Wählern votierten 369 sozialdemokratisch und 216 bürgerlich. Für uns war also die Conntagswahl noch günstiger als für die Bürgerlichen. Bei der Stichwahl am Montag, den 21. März, Wirkte offenbar die Sonntagsstichwahl insofern noch nach, als die P übergroße Mehrzahl der Sonntagswähler nun einmal interessiert und gewissermaßen„im Zuge" war, aber trotzdem machte sich der Wochentag geltend. 95 Personen blieben der Wahl fern, und zwar 32 Sozialdemokraten und 63 Bürgerliche. Hierbei ist noch zu be- rücksichtigen, daß am Sonntag in beiden Bezirken, am Montag nur in einem Bezirk gewählt wurde, andernfalls wäre die Zahl der NichtWähler noch größer gewesen. Auch vom allgemeinen politischen Standpunkt betrachtet, sind die Ziffern unserer Gemeindewahlen interepant. Es tritt unleugbar die Wirkung des Kampfes um das L a ii d t a g s w a h l r e ch t in Erscheinung, auf den in unfern Flugblättern auch stets hingewiesen wurde. Wohl Haupt- sächlich damit ist es zu erklären, daß unsere Stimmenzahl im Ver- gleich zu 1908 um rund 37 Proz. gestiegen ist und zwar von 1132 auf 1800. Prozentual am besten haben wir im 2. Bezirk, in dem wir unterlegen sind, abgeschnitten; dort stiegen unsere Stimmen von 368 im Jahre 1908 auf 687 am letzten Sonntag, also um rund 50 Prozent. Das berechtigt zu der Hoffnung, daß auch dieser Bezirk in einigen Jahren für uns„reif" ist.— Ganz cchgesehen von der Erringung zweier Mandate kann also die Sozialdemokratie mit den diesjährigen Wahlen zufrieden sein. Die Befürchtung des Mietervereins, daß bei den Stichwahlen die rote Fahne auf dem Rathause aufgepflanzt»verde, wenn nicht das gesamte Bürger- tum für seine Kandidaten eintrete, ist zur Wahrheit geworden. Wenn sie auch nicht in natura dort flattert, so ist sie doch am Montag abend nach der Wahl symbolisch gebißt worden. Vom Wahllokal in der Jahnstraße zogen über 590 Männer und Frauen unter Absingen der Marseillaise vor das Rathaus und brachte dort ein Hoch auf das allgemeine Wahlrecht und die Sozialdemokratie aus. Wilmersdorf. Der Stadwerordnetenvorstehcr Professor Dr. Leidig hat sich nicht nur mit seinem Krieg gegen die Zeitungsberichterstatter arg in die Nesseln gesetzt, sondern auch beim Handwerk de» SozialistentötenS ungeschickt daneben gehauen. In der Stadtverordnetensitzung vom 3. März rügte er, daß unser Parteigenosse Küter in Schöneberg es bei der Erörterung des KrankenhauSwesenS für richtig befunden habe, von der sozialpolitischen Rückständigkeit Wilmersdorfs zu sprechen. Wären in der Wilmersdorfer Stadtverordnetenversammlung Schöneberg gegenüber derartige Aeußerungen gefallen, so würde er als Borsteher eS für seine Pflicht gehalten haben, den Redner au die Ilnzulässigkeit einer solchen Kritik hinzuweisen. Jetzt hat Justizrat Reinbacher als Leiter der Verhandlungen in der Schöneberger Stadtverordnetenversammlung seinem Wilmersdorfer Kollegen den stenographischen Bericht über die ertvähnte Sitzung zugesandt, aus dem hervorgeht, daß Küter überhaupt nicht von Wilmersdorf in einer Weise gesprochen hat, die als verletzend zu deuten wäre. Herr Leidig mußte nunmehr seinen Ausfall vom 3. Marz als gegenstandslos erklären: als Entschuldigung gab er an, daß er sich auf eine ZeitungS- notiz gestützt habe. Nixdorf. Das Opfer einer Gasvergiftung ist das 19jährige Dienstmädchen Anna Gudopp, ThomaSstr. 37. geworden. Die Gudopp, die bei dem Bäckermeister Nährig in Stellung war, wurde gestern in leblosem Zustand in ihrem Bett aufgefunden. AuS dem offenstehenden GaS- hahn strömte das Gas heraus, so daß daS ganze Zimmer bereits vollständig damit angefüllt war. In hoffnungslosem Zustand wurde die Gudopp nach dem städtischen 5krankenhauS gebracht. Da für die Annahme, daß hier ein Selbstmord vorliegt, nicht der geringste An- halt vorhanden ist, so wird vermutet, daß der Hahn durch ein Ber- sehen geöffnet wurde. Die Zunge abgebissen. Schreckliche Folgen sollte ein Unfall haben, dem gestern das vierjährige Söhnchen des Schlächtermeisters Bressel. Zietenstr. 81, zum Opfer fiel. Als der Knabe auf die Straße hinuntergehen wollte, glitt er auf der Treppe ab und stürzte hinab. Er fiel so unglücklich mit dem Kopf gegen daS Geländer. daß er sich die Zunge glatr abbiß. Auf der Unsallstalion in der Steinmctzstraße erhielt der Kleine die erste ärztliche Hilfe. Zehlendorf(Wannseebahn). Aus der Gemeindevertretung. Zur Besserung der Sicherheits- Verhältnisse war vor einiger Zeit eine Kommission eingesetzt worden. Dieselbe erstattete in der letzten Sitzung Bericht und schlug vor. einen Polizeikömmissar anzustellen. Nach dessen Antritt in die Stellung sollen zwei Kriminalsergeanten angestellt werden. Die Polizeisergeanten sollen nicht mehr zu Botengängen Berwen- dung finden, sondern ihre Dienstzeit nur für den Polizeidienst ver- wenden. Die Botengänge sollen nur von den Nachtwächtern aus- aeführt werden. Die Nachtwächter sollen zu ihrer Sicherheit Wach- Hunde erhalten. In Schlachtensce soll eine Polizeiwache ein- gerichtet werden. Um die Vorschläge zu realisieren, schlägt die Kommission vor. neben den 10 090 M., die in den Etat eingesetzt sind, zur Verbesserung des Nachtwachwesens noch 5000 M. einzusetzen. Die Vorschläge der Kommission werden angenommen. Die Stelle des Kommissars sM ausgeschrieben werden. Das Gehalt soll 3000 M., steigend in 15 Jahren bis 4800 M.. außerdem 800 M. Wohnungsgeld betragen. Warum man den Polizei- sergeanten die Botengänge nehmen und den Nachtwächtern über- tragen will, läßt sich nur so erklären, daß man schon eingesehen hat. daß die kürzlich beschlossene Besoldung von 1200 M. jährlich zur Existenz nicht ausreicht. Außerdem ist ein Nachtwächter, der bei Tage mit Botengängen beschäftigt wird. Nachts so ermüdet, daß er seinen Dienst nicht mit der nötigen körperlichen Frische aus- führen kann. Die Anregung des Herrn Schütz, ein Luftbad ein- zurichten, um noch mehr zahlungsfähige Leute nach Zehlendorf zu locken, wurde nach längerer Besprechung als verfrüht zurück- gewiesen. Unser so ausgedehnter, von einem zahlreichen Publikum an schönen Tagen besuchte Ort hat bisher noch keine Bedürfnis- anstalt auszuweisen. Jetzt ist die Frage durch Marktverkehr be- wnders brennend geworden. Obwohl man nun schon seit 1896 Iber die Notwendigkeit klar ist, macht der Vorstand auch jetzt noch keine Vorschläge. Da aber die Vertretung in ihrer Mehrheit die Notwendigkeit der endlichen Schaffung einer solchen Anstalt nicht mehr bestreiten kann, einigte man sich schließlich auf einen Antrag Münzer, 4509 M. in den Etat zu diesem Zweck einzustellen. Die erste Anstalt soll dann boraussichtlich an der Vogelfutterstelle in der Nähe des„Kaiserhof" angelegt werden.(Wann?) Es ist vor- gekommen, daß im Fall eines plötzlichen Gebrauchs die Gespanne •ür die Feuerwehr nicht da waren oder in erintjdetem Zustande >ie Pferds von dem betreffenden Unternehmer gestellt wurden, trotz der täglichen Zahlung von 15 M. pro Gespann, da die Pferde auch zu anderen Arbeiten gebraucht wurden. Um diesem Uebelstand abzuhelfen, wurde eine Kommission eingesetzt, die die Automobil- einrichtungen anderer Gemeinden prüfen und eventuell geeignete Vorschläge zur Beschaffung von Automobilen für die Feuerwehr machen soll. Der Vertrag mit dem Unternehmer zur Stellung der Gespanne soll einstweilen auf ein halbes Jahr verlängert werden. Den Kriegsteilnehmern aus den Kriegen 1864, 1866 und 1870 bis 1871, die ein Einkommen bis zu 1200 M. haben, sollen die Ge- meindesteuern erlassen werden. Einer Anregung, die Einkommen bis zu 660 M. resp. 900 M. ganz allgemein ebenso zu behandeln, ist man nicht gefolgt. Ein Antrag des Vorstandes, den Deik der Potsdamer Chaussee von Dahlem bis Zehlendorf auf die Gemeinde zu übernehmen, wurde angenommen. Die Vorlage ist notwendig geworden, weil sich bei verschiedenen Fragen schon Schwierigkeiten mit der Provinzvertvaltung ergeben haben, insbesondere bei öffentlichen Anlagen. Vor formeller Uebernahme sollen aber die Verträge der privaten Anlieger auf ihren rechtlichen Inhalt von dem Gemeindevorstand einer genauen Prüfung unterzogen werden, um die Gemeinde nicht in unvorhergesehene finanzielle Schwierig» leiten zu stürzen. Ober-Schöuetveide. Gcmeindcvertretcrsitzung. Der Gemeindeborsteher teilte zunächst mit, daß nach einer Auskunft des ObcrverwaltungSgerichts die gegen die Ungültigkeitserklärung der Wahlen unserer Parteigenossen Jacobsen. Liesegang und Muth gerichtete Klage ab« gewiesen wird. Eine Urteilsverkündung ist noch nicht erfolgt. Es haben demgemäß in Kürze für Liesegang und Muth als auch noch für den verzogenen Genossen Dobslaw Neuwahlen staitziifindcn.— In der Angelegenheit der Aufhebung des zusammengesetzten Amts- bezirkes haben sich sowohl der Amtsausschuß als auch der Forst- fiskus als Beteiligter gegen eine Aenderung ausgesprochen. Die Ge- meindevertretung wird diesen Antrag noch solange wiederholen müssen, bis er endlich einmal Zustimmung und so der unlcioliche Zustand ein Ende findet, welcher darin besteht, daß über die Polizei- angelegenheiteu deS Ortes nicht die Vertretung, sondern ein Amts- auSschuß zu bestimmen hat; dies lediglich auS dem Grunde, weil dem Gemeindeamtsbezirk ein kleiner Streifen Forstland angehängt ist. Die Einführung einer Wertzuwachs st euer, welche un Vorjahre abgelehnt wurde, stand erneut zur Beratung, nachdem in einer Konimisfion der Entwurf vorberaten war. Nach längerer Debatte wurde der Entwurf mit neun gegen sieben Stimmen an- genommen. Die Vertreter der Hausbesitzer stimmten dagegen, weil man ihnen angeblich in der Tarifierung nicht cmgegentäm. Es erscheint sonderbar, daß in der kurzen Zeit die Stimmung dergestalt umgeschlagen ist; sollte dies die in Aussicht genommene Erhöhung deS Einkommensteuerzuschlages von 125 auf 130 Proz. bewirft haben? Die beschlossenen Sätze sind sehr mäßig und lehnen sich in der Art der Berechnung an die Berliner Ordnung an. Die Steuer tritt mit dem 1. April 1910 in Kraft. Die Erhöhung des Einkommensteuerzuschlages ist damit abgewendet. Vom Genossen Grunow und dem Vertreter Herwig wurde eine anderweite Regelung der Gemeindegewerbe st euer befürwortet, wonach die in- dustriellen großen Werke stärker herangezogen werden. Dies gab den Anlaß zu einer äußerst interessanten Auseinandersetzung. Die Herren Fabrikdirektoren klagten über zu starke Belastung und glaubten sich mit ihren Werken als absolut unentbehrlich für den Ort hinstellen zu sollen. Die Hausbesitzer wiederum machten den Herren den Vor- wurf, daß sie ihre Beamten und Arbeiter nicht verpflichteten, die Wohnung im Orte zu nehmen. Dein Genossen Grunow war eS ein Leichtes, diese Art KirchturmSpolink zur Hebung eines nicht vor- handenen Mittelstandes ins rechte Licht zu rücken. Derselbe klein- liche Geist zeigte sich auch in dem Beschlüsse, das Schulgeld für auswärtige«ilmler der höheren Schalen um 30 M. zu erhöhen, was den Klassencharakter dieser Sckule noch verschärst, indem Minderbemittefte vollständig ausgeschaltet werden. Desgleichen wurde beschlossen, das Schulgeld für die Unter- und Mittelstufe der höheren Mädchenschule um je 10 M. zu erhöhen. Die Beratung einer neuen Ordnung für die Erhebung der Kanalisationsgeb iihr wurde vertagt, da der Entwurf nicht fertiggestellt war. Genosse Grunow beantragte, die im Etat vorgesehenen Beihilfen an die Kirchen- gemeinde zu streichen, da eS ganz unverantwortlich� sei, das von allen Steuernzahlern aufgebrachte Geld in solcher Weise zu ver- geuden. Bei der Abstimmung trat nur noch der Vertreter Kabelitz dafür ein. In der vorigen Sitzung lehnte die Vertretung einen Antrag unseres Genossen auf Errichtung einer Hilfsschule ab mit der Begründung, daß hierzu die Mittel fehlten; es offenbart sich hier der Geist einer Art von Gcmeindevertretern, welche in keiner Weise ihre Aufgabe begriffen haben. Der Zuschuß für daS Kindergartenunternehmen wurde auf An- regnng unseres Genossen und deS Herrn Peierls von 240 auf 400 M. erhöht. Bemängelt wurde von unserem Genossen, daß der Vertretung ein Bericht über dieses Unternehmen nicht zugehe; es empfehle sich überhaupt, dasselbe auf eine ganz andere Basis zu stellen, als sich hier auf die Privatwohltätigkeit zu verlassen. Ueber verschiedene«pezialetats fand eine Gesamtabstimmung statt; damit ist die Etatsberatung zu Ende geführt. Boxhagen- Rummelsburg. Etatsbcratung. Heute Mittwoch beginnt in der Gemeinde» Vertretung die Spezialberatung des Etats für 1910. Da be- reits in- der Etatskommission, die sich in vier längeren Sitzungen mit der Durchberatung des Voranschlages zu beschäftigen hatte, die Meimmgen sehr auseinandergingen, so ist zu erwarten, daß eS bei der Beschlutzfassimg in der Gemeindevertretung bei den Kapiteln Gemeindeverwaltung(Erhöhung der Beamtengehälter) wie bei dem höheren Schulwesen und ganz besonders bei Festsetzung der Gemeindeeinkommensteuer zu scharfen Auseinandersetzungen kommen wird. Die Sitzung findet im Rathanse, Türrschmidtstr. statt und beginnt um ö Uhr nachmittags. Reinickendorf. Zu welch gehässigen Mitteln die Bourgeoisie gegen die auf» strebende Arbeiterklasse greift und wie wenig sie sich scheut, ihre Macht, die ihnen dank einem ungerechten und die Arbeiter ent- rechtenden Wahlrecht zusteht, tu rücksichtslosester und egoistischer Weise ausnützen, lehrt ein Vorkommnis bei der Etatsberatung in der Gemeindevertretung. In Reinickendorf werden den Gemeindearbeitern noch immer Löhne von 35 und 33 Pf. pro Stunde gezahlt. Wiederholt waren von den Arbeitern selbst, vom Verband der Gemeindearbeiter, dem sich die Mehrzahl der Arbeiter angeschlossen hatte, wie auch von unseren Genossen in der Gemeindevertretung dem Gemeinde- vorstand bestimmte, sehr bescheidene Forderungen unterbreitet worden. Gefordert wurde die Lieferung von Dienstkleidung, Ein» führnng von Wochenlöhncn, die neunstündige Arbeitszeit und ein Arbeiterausschuß, ferner bescheidene Lohnerhöhungen. Der Ge» meindevorstand wurde darauf auch beauftragt. Erhebungen zu veranstalten und der Gemeindevertretung eine bezügliche Vorlage zu unterbreiten. Von den Gemeindearbeitern wurde ihr Antrag zur Etatsberatung wiederholt. Ter Gemeindevorstand hatte in- zwischen eine Aufstellung über die Leistung anderer Vororts» gemeinden angefertigt und sie den Gemeindevertretern zugehen lassen. Sie wies aber leider einige recht bedenkliche Lücken auf und war charakteristisch nicht durch daS, was sie erzählte, sondern durch das, was sie verschwieg. Obwohl auch durch diese Statistik bewiesen wurde, daß die Verhältnisse für die Reinickendorfer Ge- meindearbeiter so ziemlich die schlechtesten sind, wurden die An» träge der Gemeindearbeiter von der Finanzkommission abgelehnt. Bei der Etatsberatung wurden die Anträge von unseren Genossen wieder aufgenommen. Genosse Ohl zog einen Vergleich zwischen der Besoldung und Behandlung der Gemeindearbeiter und der Beamten; würdigte die Arbeit beider Kategorien und Wies nach, daß die Gemeinde nur sehr spät und unvollkommen ihre Pflicht erfülle, wenn sie jetzt endlich den Forderungen der Gemeinde» arbeiter nachkomme. Diese Ansicht wurde zum Teil auch vom Schöffen Reinecke unterstützt, der aber glaubte, die Gelegenheit benützen zu müssen, sich über ein bei der Gemeindevertreterwahl verbreitetes Flugblatt zu entrüsten. Dasselbe habe jedenfalls die Beschlüsse der� Finanzkommission beeinflußt und diese zur Ab» lehnung der Forderungen der Gemeindearbeiter veranlaßt. Er stelle nunmehr den Antrag, den Arbeitern Dienstkleidung zu liefern und den leistungsfähigen Arbeitern einen Lohn von 40. Pf. pro Stunde und allgemein Tagelohn statt des jetzt üblichen Stunden- lohnes zu gewähren. Wie sehr er aus dem Hohlwege war, als er glaubte, das Flugblatt habe die Ablehnung veranlaßt, bewies sofort schlagend der Schöffe Dr. Kühne mann, der das Wort nahm, nachdem unser Genosse Köhn jede Forderung der Ge- meindearbeiter einzeln begründet und befürwortet hatte. Herrn Kühne mann hat da» Flugblatt in seinen Entschlüllen gar nich: tangiert und. wie er fest überzeugt ist, auch die anderen Herren nicht. Nicht deshalb sind die Forderungen abgelehnt worden, auch nicht, weil etwa kein Geld vorhanden sei, denn eS sei eine Kleinigkeit. diese Mittel aufzubringen; nein, weil die Forderungen unberechtigt seien. Die Forderungen sind ja auch gar nicht die Wünsche der zufriedenen Arbeiter, sondern daS Produkt der ver» hetzenden Tätigkeit deS sogenannten..Gemeindevertreterverbandes"» der sich den Arbeitern aufdränge; Verbände von der Art, unter deren Druck die Arbeiter leiden. Tie Einführung der Wochen- löhne demoralisiere die Arbeiter. Er zahle ebenfalls Stunden- löhne und hat dabei die besten Erfahrungen gemacht. An den Montagen kämen die Leute betrunken zur Arbeit, tue er dann einfach nach Hause schicke; jedenfalls hätten sie doch noch zuviel verdient. Er zahle auch nur LS Pf. die Stunde und wagen es die Arbeiter gar nicht, mehr zu fordern. Den guten Arbeitern lege er nach einiger Zeit ganz von selbst zu. Die Verkürzung der Arbeitszeit auf S Stunden sei lvohl bei Akkordarbeitern an- gewandt. Da habe allerdings die Erfahrung gelehrt, das; die Arbeiter bei Herabsetzung der Arbeitszeit von 10 auf 0, ja auf & Stunden dasselbe leisten; aber das liege auch im Interesse der Arbeiter. Bei gewöhnlichen Arbeitern aber trifft das bestimmt nicht zu. diese leisten ebensoviel weniger als die Arbeitszeit ver- kürzt wird. Die Einrichtung von Arbciterausschüssen ist sogar schädlich, insbesondere für die Arbeiter. Vorteil haben davon nur die Verbände; zu deren Wohl bestehen die Ausschüsse. Tie Ar- beiter werden zusammengerufen und dann werden sie von den Verbänden so verhetzt, bis der Arbeiterausschug wieder mit einigen Aufträgen betraut wird und er zeigen kann, dag er auch noch da ist. Wenn die heutigen Forderungen bewilligt würden, folgen bald neue und das Ende sei gar nicht abzusehen. Im übrigen müsse die Stragenreinigerkolonne vollständig reorganisiert werden. Für 3ö Pf. bekomme man soviel Arbeiter als man brauche, und zwar ganz leistungsfähige. So die Ausführungen des Vertreters cines Systems, dem sein Vater den Namen gab. Der Name Kühne- mann ist der Begriff geworden für ein System, das an rücksichts- loser Ausbeutung, an Verachtung jeder sozialen Pflicht nichts zu wünschen übrig läßt. Diese Leute treiben Sport mit der Ver- höhnung der Arbeiter. Ter Bürgermeister machte es sich nach dieser Provokation unserer Genossen und der Gemcindearbeiter sehr leicht. Er verwahrte den Gemeindcvorstand gegen den Vor- Wurf der Fälschung und der Mangelhaftigkeit der Statistik und führte, die Schuld auf die scblechte Beantwortung der Anfragen zurück. Hierauf ereignete sich etwas ganz Unerhörtes. Um unseren Genossen die Gelegenheit zu nehmen, auf die Kühne- mannsche Provokation entsprechend zu antworten, beantragten die bürgerlichen Herren Schlug der Debatte. Auf diesen Beschlutz hatten sich die bürgerlichen Mitglieder der Finanzkommission— so verriet später bei Beratung des Steueretats der Schöffe Lieinecke— schon nach der letzten Kommissionssitzung geeinigt, weil ihnen der„Ton", den unsere Genossen anschlagen, nicht ge- falle. In Wirklichkeit, weil es ihnen peinlich ist, immer und immer wieder an ihre Pflichten gegen die Gemeindearbeiter er- innert zu werden. Und das Fallbeil funktionierte. Obgleich unsere Genossen energisch dagegen protestierten, wurde der Antrag gegen die Stimmen unserer Genossen und des Schöffen gleinecke angenommen. Unsere Genossen verließen hierauf zum Protest den Saal und beteiligten sich an der weiteren Etats- beratung nicht mehr. Daß nuninehr alle Anträge abgelehnt wurden, ist selbstredend, was aber den guten Herrn Reinccke am meisten kränken wird— auch der seinige. Er wird jetzt hoffentlich davon kuriert sein, daß das Flugblatt daran schuld sei;»ein, ihr Klasseninteresse und ihr Klasseninstinkt gebot der Majorität, die Forderungen der Gemeindearbeiter abzulehnen. Die noch abseits stehenden Gcmeindearbeiter dürften inzwischen auch begreifen lernen, daß sie ihre elende Läge der„sozialen Fürsorge" der Kühnemann und Konsorten zu danken haben. Klein-Tchiinebeck-??ichtena». Rund hundert Kirche, laustrittserklärungen in unserer kleinen Gemeinde stnd bis jetzt daS Fazit der. am Donnerstag in Fichtenau stattgefundenen Volksversammlung, in der Genosse Störmer über das Thema:„Wie schützen wir uns gegen die Kirchensteuer?" referiert«. Wie unser Gemcindevertreter, Genosse Tobias, in der Diskussion ausführte, hatte die Gemeinde bis dahin alle Kosten der Kirche getragen. Dieser unhaltbare Zustand, daß sämtliche Einwohner, ob Jude, Katholik oder Dissident, eine Kirchengemcin- schaft, mit der sie nichts gemein haben und nichts gemein haben wollen, durch ihre Steuergroschen lebensfähig erhalten, ist von unseren Gcmeindevertretern von vornherein mit Energie bekämpft worden. Auf wiederholtes Drängen unserer Genossen hatte dann die Gemeindevertretung den Beschlutz gefaßt, lvcitcre Gelder für die Kirchengemeind« nicht mehr in den Etat zu stellen. Die bis jetzt dafür ausgegebenen Summen tonne» für bessere Zwecke für die Gesamtheit der Einwohner verwendet werden; wer die Kirche notwendig brauche, der könne auch die Kosten für diese tragen. Die Folge des Verhaltens der Gemeindevertretung ist nun, daß die Kirche jetzt zum ersten Male von ihren Mitgliedern eine Kirchen- steuer einzieht ein« Maßnahme, die allgemeine Erregung hervor- gerufen hat. Die treffenden Ausführungen des Genossen Störmer, feine Kennzeichnung der Kirche als Werkzeug der herrschenden Klasse gegen die Arbeiterschaft fiele» daher auch auf fruchtbaren Boden; seine Aufforderung, dieser volksfeindlichen Institution die Arbeitcrgroschen zu entziehen, fand lebhasten Beifall. Die Ab- gäbe der ÄuStrittserklärungcn während und nach der Versammlung �staltete sich zu einer imposanten Protestkundgebung gegen die Kirche, ein bedeutsames Zeichen, daß diese der Arbeiterschaft vollständig cütfremdct ist. Tie Abgabe der mündlichen Erklärungen vor dem Amtsgericht in Rüdersdorf wird sich daher zu einem Massenspazicrgang gestalten, wie ihn die Umgebung noch tue gesehen. Bernau. In der letzten Stadtverordnetenversammlung wurde über den Antrag unserer Genossen verhandelt, welcher verlangt, datz diejenigen Personen, die ein städtisches Ehrenamt bekleiden, von städti- scheu Submissionen ausgeschlossen sein sollen. Nach Begründung des Antrages durch de» Genossen Schierz setzte eine sehr erregte Diskussion ein. Ter Bürgermeister sowie der stellvertretende Vor- steher waren der Ansicht, daß man doch die Stadtverordneten nicht noch für ihre aufopfernde Tätigkeit für die Kommune dafür mit Eni- ziehung von Arbeiten bestrafen könne. In der kleinen Kommune Bernau wäre der Kreis derjenigen Personen, welche zu städtischen Acmtern herangezogen werden können, ein so geringer, datz dann fast kein Bernaucr Bürger übrig bliebe, welcher für die Stadt zu arbeiten imstande wäre. Von unseren Genossen Krüger und Hclbig wurde den Bürgerlichen in gebührender Weise heimgeleuchtet. Als Genosse Helbig ausführt«, datz ein Stadtverordneter, der selbst sich als Submittent beteilige, niemals so einwandfrei bei Verausgabung einer Submission an einen anderen Stadtverordneten mitberaten könne, erhob sich bei den Bürgerlichen ein Entrüstungssturm; der stellvertretende Vorsteher rief unseren Genossen sogar zu:„Sie stempeln ja die Stadtverordneten zu Lumpen". Der Antrag wurde mit 13 gegen die 8 Stimmen unserer Genossen abgelehnt.--�Der Besäung und Bepflanzung mit Nadelhölzern der von der Stadt Berlin einzutauschenden Landstreifen an der Wandlitzcr Chaussee tonnt« nicht zugestimmt werden, da besagtes Terrain leider bis jetzt noch nicht von der Stadt Berlin an Bernau aufgelassen wor- den ist. Zum Schluß fand in nichtöffentlicher Sitzung eine Vor- bcsprechung über den Ankauf des Mühlenhaupt'schen Grundstückes statt. Nieder-Tchönsiausen. Mit der Beschaffung von Räumen für die höheren Schulen hatte sich die Gcmemdevertretung in einer Eilsitzung zu beschäftigen. Der Leiter der höheren Schule», Direktor Seelmann, machte die Mitteilung, daß die Anmeldungen neuer Schüler und Schülerinnen für die Mädchenschule 43 und bei der Knabenschule 38 betragen. Die Zahl der Schülerinnen der Mädchenschule betrage 170 in fünf Klassen die der Knabenschule 84. davon entfallen auf die Unter- stufe 30, Mittelstufe 20 und auf die Oberstufe 34 Schüler. Es mache sich nun notwendig, die Knaben kn den Räumen der Mädchen- schule unterzubringen, und für letztere neue Räum« zu mieten. Die Vertretung beschloß, zwei Räume in dem Hammacherschen Hause, gegenüber dem alten Friedhofe zu mieten. Die Miete beträat pro Jahr SSO M. Die von der Regierung gestellten Bedingungen zu der Mit» benutzung der Leid&enhall« deS Echöuholzer Friedhofes, der mit dem neuen Friedhof der hiesigen Gcnicinde eng zusammen liegt. gelangten zur Annahme. Pankow. Die Gemeindevertretersitzung beschäftigte sich mit der Erledi- gmg des Etats für das Fahr mo. Obwohl ursprünglich für die i Beratung des 228 Folioseiten umfassenden Voranschlages zwei Tage in Aussicht genommen waren, wurde derselbe in einer einzigen, allerdings ungewöhnlich ausgedehnten Sitzung verabschiedet. Der G e s a in t e t a t balanziert in Einnahme und Ausgabe mit 8 692 300 M. gegen 6 423 300 M. im Vorjahre. Hiervon entfallen auf: die Hauptverwaltung 4 201000 M.(Ordinarium 2 416 000, Extraordinarium 1 785 000 M.). das Realgymnasium 142 800 M., die Oberrealschule 185 500 M., die Höhere Mädchenschule 120 300 Mark, die Gemcindcschulen 481700 M., die Fortbildungsschule 7150 M., die Krankcnhausverwaltung 192 100 M., die Armenverwaltung 120 000 M., die Bürgerparkvcrwaltung 28 650 M., die Tiefbauverwaltung 358 700M., die Kanalisationsverwaltung 433 800 Mark, das Rittergut Mühlenbcck 199100 M., das Wasserwerk 239 500 M.(Ordinarium 204 500, Extraordinarium 35 000 M.). In seiner die Beratung einleitenden Rede gab der Bürgermeister seiner Befriedigung darüber Ausdruck, datz es trotz der erheblich erhöhten Beamten- und Lehrerbesoldungen möglich gewesen sei, ohne Erhöhung des zurzeit 100 Proz. betragenden Koiumunalsteuerzu- schlagcs den Etat in Einnahme und Ausgabe im Gleichgewicht zu erhalten. Allerdings sei auch erwogen worden, ob nicht die außer- ordentlich hohen Kommunalzuschläge zur staatlichen Grund- und Gebäudesteuer(359,29 Proz.) erniedrigt und dafür der Kommunal- Zuschlag zur Staatseinkommensteuer erhöht»verde» sollte. Es sei aber schließlich hiervon vorläufig abgesehen in Rücksicht auf die eventuell erfolgende Abwanderung infolge des erhöhten Kommunal- steuerzuschlages und die dadaurch auf der anderen Seite zu er- loartendc«chädigung des Grundbesitzes. Für dieJDauer werde sich eine Erhöhung des Kommunalzuschlages zur Staatseinkommen- steuer jedoch nicht vermeiden lassen, sei doch diesmal die Balanzic- rung des Etats nur möglich geworden durch die Einstellung der Unisatz- und Wertzuwachssteuer in der gleichen Höhe wie im Vor- jähre(280 000 bczlv. 150 000 M.), obwohl diese Steuererträge im letzten Rechnungsjahr noch nicht voll eingegangen, was aber vor« aussichtlich noch geschehen dürfte. Aus den vom Bürgermeister ge- gegebenen Erläuterungen zu den wichtigeren, namentlich den neuen Positionen des Etats sei folgendes hervorgehoben: Anläßlich der Beratung der Beamten- und Lchrcrbesoldungsordnung im Dezcm- ber vorigen Jahres war von unseren Genossen auch eine Erhö- hung der Löhne der Gemein dearbeiter gefordert und zugesagt worden. Dem ist nun nachgekommen, indem im vorliegen- den Etat die Löhne der in Frage kommenden Gemcindearbeiter um 5 Proz. erhöht worden sind. Wenig— aber herzlich. Während die Erhöhung der Besoldungen der Beamten und Lehrer, namentlich der höheren, recht annehmbar ausgefallen ist, bedeutet die öprozen- tige Loherhöhung für die Genieindearbeiter angesichts der verteuerten Lebenshaltung einen Tropfen auf einen heißen Stein. Bei der im allgemeinen nicht ungünstigen Finanzlage der Ge- mcinde wäre es sehr wohl möglich gewesen, auch für die Gemeinde» arbciter etwas mehr zu tun und dadurch einen wenigstens einiger- maßen annehmbaren Ausgleich der Löhne mit der allgemeinen Verteuerung der Lebenshaltung anzustreben. Dafür aber hat man einem anderen„dringenderen Bedürfnis" abhelfen zu müssen ge- glaubt, indem Mittel für die Errichtung einer zweiten Polizeiwache in der Kaiser Friedrich st ratze sowie für Anschaffung einer Anzahl von Polizeihun- den für die Nachtwächter in den Etat eingestellt sind. Während für Polizeibeamte im Vorjahre 32 595 M. eingestellt waren, sind es diesmal 45 112 M. 50 Pf. Hatten bisher 12 Polizeibeamte(ein- schließlich der Nachtwächter) für die Bedürfnisse der Gemeinde ge- nügt, so sollen von nun an 25 Hüter des Gesetzes in Pankow ihres Amtes walten.— In der Beratung nahm, wie alljährlich üblich, als erster Etat-„Redner", Rechnungsrat Balzer, daS Wort, um ein umfangreiches Manuskript abzulesen, aus dem hervorging, datz dieser alte Herr sparen, sparen und wieder sparen wollte, ein ganz löbliches Tun, wenn er es nur am richtigen Orte verlangen würde. Wer erwartet hatte, daß sich Herr Balzer etwa gegen die Verdoppe. lung der Polizei aussprechen-und hier zu sparen versuchen würde, sah sich getäuscht. Dagegen hatten es ihm neben zahlreichen an- deren kleinen und kleinsten Dingen die Ausgaben für gärtnerische Anlagen im Bürgcrpark und im Garten des Krankenhauses an- getan, ferner die eingestellten Summen für Reinigung, Ausbesse- rung und Ergänzung von Wäsche und Kleidungsstücken im Kranken- hause— im sanitären und hygienischen Interesse äußerst wichtige und notwendige Positionen. Weiter waren ihm die Armenver- waltungSkostcn und die Kosten für die Geineindeschulen zu hoch, namentlich bei letzteren wollte er Ersparnisse gemacht wissen, lväh- rend er gegen die Auswendungen für die höheren Schulen nichts einzuwenden hatte. Herr Balzer fiel denn auch durchweg mit seinen zahlreichen Sparanträgen selbst bei seinen bürgerlichen Kollegen glatt ab und mutzte nebenbei wenig schmeichelhafte Ab- fertigungcn einstecken. Gegenüber« der grau in grau gemalten Finanzlage der Gemeinde durch Herrn Balzer wies der Bürger« meister darauf hin, datz nach seiner Kenntnis der Verhältnisse in den Berliner Vorortgemcinden, speziell aber der Gemeinden im Kreise Nicderbarnim Pankow zu denjenigen gezählt werden müsse, die als verhältnismäßig„reiche Gemeinden" gelten können, wie sich aus dein Vermögensnachweis ergäbe(das Vermögen der Ge- ineinde Vankow beträgt zurzeit 23115 792 M. 08 Pf., die Schuldenlast 17 986 265 M. 68 Pf., so datz sich ein Reinvermögen von 5 129 527 M. 30 Pf. ergibt). Im Laufe der weiteren Beratung lvurden die einzelneu Positionen des Etats mit unwesentlichen Aen. derungcn angenommen. Ein Antrag zum Etat der Höheren Mäd- chenschule, wonach die auswärtigen Schülerinnen deS Lehrerinnen- seminars höhere Schulgeldbeiträge entrichten sollten, wurde ab- gelehnt. Schließlich wurde der Gesamtetat in der aufgestellten Höhe gegen die Stimmen unserer Genossen genehmigt. Einbrecher in der Ortskrankenknsse. Schwere Arbeit und wenig Erfolg hatten Geldschrankknacker, die der hiesigen Ortskrankeukasse einen nächtlichen Besuch abstatteten. ES gelang wohl den Tätern, in den in der Breitestratze 31a belegenen Kasienrauin einzudringen, doch beniiibten sie sich vergeblicki, den großen Geldschrank aufzu- brechen. Obwohl die Burschen mit Stichflciiiime, Bohrer und Brecheisen zu Werke gingen, glückte eS ihnen nicht, den Panzerschrank zu sprengen. Oranienburg. ' In der letzte» Stadtverordnetenversammlung beantragten unsere Genossen den Punkt„Acnderung der Biersteuerordnung" zu vertagen und den Mitgliedern die neue Ordnung rechtzeitig zu- zustellen. Die neue Steucrordnung wurde jedoch gegen die Stimmen unserer Genossen angenommen; sie bringt den hiesigen Brauereien eine Erhöhung von 40 Pf. auf 65 Pf. pro Hektoliter. Die Abänderung der Umsatzsteuerordnung, welche eine längere Debatte hervorrief, wurde einer gemischten Kommission über» wiesen, derselben gehört auch Genosse Schumann an. Eine längere Diskussion rief die Verlegung der Landwirtschaftlichen und Gärtner. Lehranstalt hervor. Uni dieselbe am Ort zu behalten, ist die schon im vorigen Jahre eingesetzte Kommission der Land- mirtschaftskamnier in loeitestein Matze entgegengekommen. Die Kammer fordert ein Gelände von 10 Morgen Land. Steuerfreiheit und Beleihung des Baukapitals von 200 000 M. mit LMi Proz. Verzinsung und 1 Proz. Amortisation; alles in alletn fordert die Landwirtschaftskammer einen jährlichen Zuschuß von 10 000 M. Der Vorschlag der Kommission, die 10 Morgen Land herzugeben und einen jährlichen Zuschuß von 1500 M. zu bewilligen, wurde angenommen. Die Unterbringung der Siechen, die sich bis jetzt auf dem KraukenhauSgrinidstück aufhalten und auch von dort be- köstigt und verpflegt wurden, soll anders geregelt werden. Es besteht der Plan, diesen Siechen, die, teilweise Invaliden, aber zu kleinen Gelegenheitsarbeiten noch zu gebrauchen sind, eventuell eine gemeinsame Unterkunft mit den Ortswaisen zu verschaffen. ES würden dadurch die Armenlastcn der Stadt voraussichtlich um ein bedeutendes herabgemindert werden. Genosse Schumann bat, die Siechen und Waisen nicht gemeinsam unterzubringen, weil Sieche im allgemeinen sorgfältiger Pflege bedürfen. Die An- gelegcnheit wurde einer Komüiission überwiesen, welcher auch Genosse Garlipp angehört. Hierauf folgte eine geheime Sitzung. In derselben teilte der Bürgermeister mit, daß da« ReglgymnasinB jedenfalls am 1 Oktober S. I.. spätestens aber am 1 Äpril 191T eröffnet wird._ Die Gemeindewahlbewegung. Zehlcndorf(Wannseebahn). Die Stichwahlen zur Gemeinde- Vertretung finden heute Mittwoch im Südbezirk und morgen Donnerstag im Rordbezirk statt. Kandidat unserer Partei ist heute im Südbezirk Genosse G ö h r e morgen im Nordbezirk Genosse U l m. Arbeiter, Parteigenossen I Wir können siegen, wenn ein jeder seine Schuldigkeit tut. Noch nie ist bei Wahlen so mir Lüge und Verleumdung gearbeitet worden wie es diesmal durch die königs- treue Zehlendorfer Beamtenschaft mit Iluterstützimg der Gemeinde- Verwaltung geschieht. Darum holt den letzren unserer Wähler heran! Klärt die Gemeindearbciter darüber auf, datz sie nicht ver« pflichtet sind, ihre Gegner zu wählen, zeigt ihnen, datz die neue Erhöhung ihres Lohnes in Wirklichkeit keine Lohnaufbesserung ist. Mit der einen Hand haben die bürgerlichen Vertreter den Gemeinde- arbeitcrn so viel genommen, tvas sie ihnen mit der anderen gegeben haben. Beim letzten Weihnachten ist die sonst üblich gewesene Grati» fikation von 60 M. in Wegfall gekomnien. Also hat man diesen Armen über 1 M. pro Woche genommen, um ihnen 50 Pf. dafür wiederzugeben. So zeigt es sich, datz auch diese Arbeiterkategorie daS größte Interesse haben mutz, datz Arbeitcrvertreter in die Ber« tretung gewählt werden. Tue daher jeder seine Pflicht, nur dann ist ein Sieg der sozialdemokratischen Kandidaten möglich. Wer von den Genossen irgend Zeit hat, stelle sich um'/nS Uhr bei Hunger, Wiesenburg, Teltower Strotze, dem Wahlkomitee, zur Beifügung. Schmargendorf. Heute Mittwoch, den 30. März, nachmittags von 4—8 Uhr, findet im Rathause die Neuwahl in der dritten Klasse statt. Bekanntlich waren am V. März die beiden sozialdemokratischen Kandidaten mit einer großen Stimmenmehrheit gewählt. Auf Grund des Hausbesitzerprivilegs wurde eine Wahl für ungültig erklärt. Wähler unserer Partei, setzt auch heute Eure ganze Kraft dafür ein, datz unser Kandidat, der Hauseigentümer Maurer Albert W e r n i ck e, Helgolandstr. 4, gewählt wird.— Zur Besetzung des Wahlbureaus versammeln sich die Genossen, soweit abkömmlich, nachmittags 88/t Uhr im Lokal von Pötscher, Spandauer Straße. Britz-Buckow. Die für den Gemeindevertreter Genossen K. Dorn stattfindende Nachwahl findet morgen nachmittags von 3 bis 7 Uhr im Lokal des Herrn Naddatz, Chausseestr. 39, statt. Unser Kandidat ist der Putzer Franz Heintze, Werderstr. 62. Arbeiter, Parteigenossen I Die Gegner haben bereits damit gerechnet, datz ihnen da« Mandat, da es für uns schwer ivar, einen Angesessenen als Kandidaten zu bekommen, mühelos zufallen würde. Diese Hoffnung ist zuschanden geworden. Sorgt nunmehr auch Ihr dafür, daß unser Kandidat mit einer imposanten Stimmenzahl als gewählt hervorgeht. Gehe jeder rechtzeitig zur Wahl. Räch 7 Uhr darf niemand mehr das Wahllokal betreten. Nieder-Schönhausen. Heute, in der Zeit von 41 Uhr vor- mittags bis 8 Uhr abends, findet im Restaurant Liedemit die Stichwahl statt. Die Wähler, die inzwischen verzogen sind, können ebenfalls ihr Wahlrecht ausüben. Unser Schleppbureau be» findet sich bei Nadseck, Kaiser-Wilhelmstr. 10. Parteigenossen I Kommt zeitig zur Wahl; versehe sich jeder mit Legitimation. Die Genossen haben sich so zeitig wie möglich dem Komitee zur Verfügung zu stellen._ Wahlergebnisse. Lichtenrade. Bei der gestern stattgefimdenen Gemeinde» Vertreter- Stichwahl siegte der sozialdemokratische Kandidat Wöple mit 114 Stimmen über den Bürgervereinler Deter, der 63 Stimmen erhielt. In das hiesige Dorfparlament zieht nunmehr der erste Sozialdemokrat ein._ Jugendveranstaltungen. rempelhof-Maricndorf. Der tttzt« Vortrag des vom Jugend- auSschub veranstalteten Kursus findet heute abend statt. Herr Dr. E. Bab spricht im Lokal von Apelt, Tempelhos, Berliner Str. 40, über das Thema: .Eehim und Seele"._____ Vermischtes. Furchtbare Brandkatastrophe in Ungarn. Von einem entsetzlichen Brandunglück, wobei Hunderte den Menschen ihr Leben ciugrbfißt haben, ist in der Nacht vom Öfter« sonntag zum Ostermontag die ungarische Gemeinde Oekörito heim- gesucht worden. Wie eine Meldung vom 28. März aus MateSzalka (Ungarn) besagt, entstand in der Wagenremise eines Gasthofes, die für eine Festlichkeit alS Ballsaal benutzt wurde, Feuer. Mehrere hundert Teilnehmer, von denen vielen die Kleider brannten, traten einander bei dem Bestreben, inS Freie zu gelangen, nieder. Schließlich stürzte die glühcudc Decke herunter und begrob mehrere hundert Personen nnter sich. Ungefähr 250 Personen nrnrden getötet, mehrere hundert verletzt. Dieser kurzen Meldung folgten am gleichen Tage noch einige Telegramme aus Szatmarnemeti und Budapest, in denen die Zahl der Opfer der Katastrophe noch höher angegeben wird. Die Meldung aus Szatmarnemeti besagt: Die mit Menschen dicht gefüllte Scheune, in der der Ball abgehalten wurde, war noch von einer früheren Festlichkeit mit Fichtenzweigcu geschmückt. Es waren außerdem Lampions mit brennenden Kerzen angebracht worden. Zu Beginn der Unterhaltung wurde die einzige schmale Tür vernagelt, damit niemand ohne Billett eintreten könne. Die Festlichkeit war im Gange, als ein Fichtenzweig in Brand geriet. Das Feuer verbreitete sich mit großer Geschwindigkeit. Es entstand eine furchtbare Panik. In dem Bestreben, sich zu retten. stauten sich die Eingeschlossenen an der Tür und stürzten über» einander. Vielen gelang es schließlich, brennend ins Freie zu entkommen, wo sie zusammenbrachen. Von den Mitgliedern der beiden Musik- kapellen komiten nur drei Man» gerettet werden. DaS Feuer verbreitete sich unaufhaltsam, bis die Scheune einstürzte. Ucbcr 180 Menschen beiderlei Geschlechts und aller Alters- stufen kamen bei der Katastrophe umS Leben, lieber 250 wurden schwer verletzt. Die Uiiglückssiätte gewährt eine» Anblick, der da« Blut erstarren Macht. Verkohlte Leichname liegen haufenweise übereinander. Aus den Trümmern hört man noch die Wehrufe Bcrwundetcr. In der ganzen Umgebung ist kaum eine Ortschaft, die nicht von der Katastrophe betroffen worden ist, da von überall her Leute zu dem Tanzvergnügen zusammengeströmt waren. Bon allen Seiten treffen Lerzte zur Hilseltistung ein. Zur Bestattung der Toten ist Militär aufgeboten worden. 290 Personen verbrannt. Nach einer amtlichen Meldung aus Szatmarnemeti ist die bisher festgestellte Zahl der in Oekörito verbrannten Personen 290. Ein Telegramm aus Budapest vom 28. März, 9 Uhr 30 Min. abends lautet: Der Berichterstatter des Ungarischen Korrespondenz- Bureaus in Oekörito meldet, daß nach den neuesten Schätzungen die Zahl der bei dem Brande ums Leben gekommenen Personen 400, die der verletzten 100 beträgt. Anfangs war das Gerücht verbreitet, das Feuer fei von Burschen, die schöne Sängerin Mariza auf der Bühne ihrer Rolle getreu einen die man an dem Tanze nicht teilnehmen ließ, aus Rache angelegt Schauspieler umarmte und füßte, stürzte der eifersüchtige Liebhaber worden, doch hat sich nach den amtlichen Berichten diese ungeheuer- der Sängerin, der Albanese Hamid, aus dem Zuschauerraum auf die liche Meldung anscheinend nicht bestätigt. Bühne und schoß auf die Geliebte. Mariza flüchtete ins Publikum, Hamid eilte ihr immerfort schießend nach, streckte sie nieder und entfloh. Im Saal entstand eine Panit, zahlreiche Personen erlitten Berlegungen. Die Drtichaft Detörito liegt im Szatmarer Komitat, in der Nähe der Theiß, und ist rein magharisch; die Bevölkerung ist 1827 Einwohner start. Das verhängnisvolle Tanzfest war veranstaltet worden, um Deckung für die Kosten eines Kirchenneubaues zu schaffen. Der Astronom Charlois wurde in der letzten Nacht von einem UnDer Aftronom Charlois ermordet. Aus Nizza wird gemeldet: zu bestellen, auf die Straße gelockt und durch Revolverschüsse er bekannten unter der Vorspiegelung, er habe Telegramme an ihn mordet. Briefkaften der Redaktion. -VO E. R. R. Die not. F. A., Moabit. Noch am 1. April, falls die zweite Küche zum Geschäftsraum rechnet, andernfalls am 2. April. Geschw. Sch. 87. 1. Arbeiter- Wandererklub, Stalizer Str. 22, bei F. Wählisch. 2. Borsitzende wendige Zeitversäumnis ja, gleichgültig, ob Stunden- oder Wochenlohn Frau Stod, Grunewald, Wangenheimstr. 3. vereinbart ist.. 4. 1., 3. t. 5. Nein. 2. Ja. 4. Der wirkliche Vers wir können dienst des letzten Kalenderjahres ist maßgebend. 5. B. 13. 1. Auch auf Grund von Beschwerden die Gesellschaft nicht empfehlen. 2. Wenden Sie sich an E. Simanowski, Engelufer 15. Ein weiteres Telegramm aus Budapest vom gestrigen Tage bort aber ein Anschlußgleis für Kohlentransport befunden haben. J. B. 100. Soweit wir ermittelt haben: Nein; es soll sich lautet: Nach dem amtlichen Bericht des Vizegespan des Szatmarer Scholz, Mirbachstraße. Falls die Pfändung wegen Steuern, die der Komitats an den Minister des Innern beträgt die Zahl der Toten bei der Katastrophe in Deförito 300, die Zahl der Verwundeten 70. in der Nacht zum Montag eine Anzahl Buchhalter des Breslauer erfolgt, geklagt werden. Nächtlicher Ueberfall. Wie aus Breslau gemeldet wird, wurden Ihrer Eigentumsansprüche Freigabe gefordert und, falls Freigabe nicht Ehemann zu zahlen verpflichtet ist, erfolgt, muß unter Glaubhaftmachung Der Zustand sämtlicher Verwundeten ist ernst. Der Minister hat Konsumvereins in dem Lokal" Sängerlust", wo sie nachts von einem Arbeitersekretariat, Engelufer 15, zu wenden. Rente. Wir raten, sich an das Zentral M. 112. Die Staffe den Bizegespan aufgefordert, einen weiteren eingehenden Bericht zu Ausfluge einkehrten, von Ziegeleiarbeitern überfallen und auf das halten wir nicht für empfehlenswert. J. R. 13. 1. Wird die erstatten, ob eine Hilfsaktion des Landes notwendig sei. roheste mißhandelt. Der Buchhalter Schubert wurde getötet. exceptio plurium erwiesen, so fällt der Unterhaltsanspruch. 2. Darüber läßt fich im Brieftast en nichts sagen. 3. Bis zu einer Ueber ein Eisenbahnunglück wird uns aus Gottesberg folgendes Behn Arbeiter wurden verhaftet, die übrigen zwei entfamen. gewissen Grenze ja, insbesondere, wenn es sich um Brüder handelt. berichtet: Am Sonnabend nachmittag fuhr ein Bauzug beim Bau Kriegers Ende. In Bamberg erschoß sich der 80 Jahre Heilmittel. 1. bis 3. Darüber tann Ihnen ein Arzt Auskunft geben. des Schönhüter Tunnels auf einige auf dem Gleise stehengebliebene alte Kriegsinvalide Johann Hoffmann, der zwar im Besiz Segung einer angemessenen Frist zur Fertigstellung der Räume und Be4. Etwa 25 000 M. O. A. 18. Fordern Sie den Vermieter unter Wagen auf. Diese entgleisten und stürzten über die Böschung von mehreren Auszeichnungen für die dem Vaterland geleisteten seitigung der Mängel unter Androbung sofortiger Räumung auf. Leiſtet hinab. Fünf Arbeiter, Deutsche und Kroaten wurden teils schwer hervorragenden Dienste war, jedoch nichts zum Leben hatte. Er der Vermieter der Aufforderung nicht Folge, fo räumen Sie und verlangen teils leichter verletzt. hinterließ einen Brief des Jubalts: Betteln darf ich nicht, Pension Sie Eratz des Schadens. Sie müssen im Falle des Prozesses Ihre Be bekomm ich keine und arbeiten kann ich jetzt mit 80 Jahren gar hauptungen beweisen. nicht mehr! Es bleibt mir nichts anderes übrig als eine wohltätige Stugel." Ein blutiger Hohn auf das Wort Staat, der seine Helden verhungern läßt. Bei der Schießübung getötet. Auf dem amerikanischen Kreuzer Charleston" ist, wie aus Manilla gemeldet wird, bei einer Schießübung ein Geschütz zersprungen. Acht Mann sind getötet oder berlegt worden. Die Eruption des Aetna. Der Ausbruch des Aetna nimmt, wie aus Catania vom 28. März gemeldet wird, wieder größeren Umfang an. Ein Laba strom bewegt sich in der Richtung auf Fra Diavolo, ein anderer gegen Monte Fufara. Eine Meldung aus Nicolosi lautet: Die Lava hat jetzt die äußerste Grenze der Eruption von 1886 erreicht. Der ausgedehnteste der drei Lavaströme hat sich bis auf sieben Kilometer San Leo genähert, der zweite, schwächere, rückt westlich bom Monte Nocilla, drei Kilometer von Nicolosi, vor, und der dritte, schwächste Strom befindet sich drei Kilometer von Borello. Die Bevölkerung ist ruhig. Ein Drama aus dem Leben auf der Bühne. Aus Kawa Ila ( Mazedonien) wird gemeldet: Jm hiesigen Theater des Café Kemal gab es gestern abend ein packendes Drama aus dem Leben. Als Ein mysteriöser Mord. In New York wurde, wie von dort gemeldet wird, ein 18jähriger Deutscher Albert Wolter unter dem dringenden Verdacht verhaftet, ein junges Mädchen Ruth Wheeler, das seit einigen Tagen verschwunden war, ermordet und versucht zu haben, die Leiche im Kamin seiner Wohnung zu verbrennen. Er hatte das Mädchen durch ein Juferat, in dem eine Maschinenschreiberin gesucht wurde, an sich gelockt. Wolter ist aus Dresden gebürtig. Man fand in feinem Koffer 1500 Briefe und Postkarten von Frauen, darunter auch solche aus Deutschland. Wolters Geliebte Katie Miller wurde gleichfalls in polizeilichen Gewahrsam genommen, da man in ihr eine Hauptzeugin gegen Wolter, der hartnädig leugnet, zu finden hofft. Die Obduktion der Leiche der ermordeten Wheeler ergab Erstickung durch Rauch als Todesursache. Sozialdemokratischer Lese: und Diskutierklub Heinrich Heine". Heute abend 8%, Uhr: Sigung bei Bolze, Rodenbergstraße 8. Gäste willkommen. Wasserstands- Nachrichten der Landesanstalt für Gewäfferkunde, mitgeteilt vom Berliner Welterbureau. Bafferstand Memel, Tilfit Bregel, Justerburg Weichsel, Thorn Dder, Ratibor Krossen Frantiurt Landsberg Barthe, Schrimm Neze, Bordamm Elbe, Reitmeriz Dresden Barby Magdeburg . )+ bedeutet Buchs, am feit am feit 28. 3. 27. 3. cm cm) 284 -10 Bafferstand Saale, Grochlit 28. 3. 27. 3. cm cm³) 132+4 -5 -2 106 0 Havel, Spandau) Nathenow³) 106+4 146 0 137 Spree, Spremberg³) 70 113 -1. Beeskow 120 129 -1 Beser, Münden -31 46 Minden 69 0 39 Rhein, Marimiliansau 394 14+2 Kaub 207-10 3 -2 Köln 222 -7 -114 Nedar, Heilbronn 87 165 -2 Main, Wertheim 165 142 +2 Fall. Mosel, Trier 90 +1 3) Unterbegel. +111+ 322 Mittwoch, den 30. März. Anjang 7, Uhr. Königl. Opernhaus. Madama Butterfly. Königl. Schauspielhaus. Näuber.( Anfang 7 Uhr.) Die Neues königl. Opern- Theater. Geschlossen. Deutsches. Judith. Stammerspiele. Gatvân. Anfang 8 Uhr. Leffing. Das Konzert. Neues Schauspielhaus. Rampe. Kleines. Luruszug. Komische Oper. Robins Ende. Berliner. Taifun. Neues. Die goldene Ritterzeit. Westen. Die geschiedene Frau. Neues Overetten. Luxemburg. Theater und Vergnügungen Neues Theater. Abends 8 Uhr: Die goldene Ritterzeit. Morgen und folgende Tage: Die goldene Ritterzeit. Neues Operetten- Theater. Abends 8 Uhr: Der Graf von Luxemburg. Schiller- Theater. Schiller- Theater O.( Wallner- Theat.) Mittwoch, abends 8 11 br: Der Pfarrerv. St. Georgen. Schauspiel in 5 Aufzügen von Heinrich Welder. Ende 10% Uhr. Donnerstag, abends 8 Uhr: Hans Lange. Freitag, abends 8 Uhr: Wallensteins Tod. Schiller- Theater( Charlottenburg). Mittwoch, abends 8 Uhr: Viel Lärmen um nichts. Luftspiel in 5 Aften v. W. Shakespeare. Ende 10%, Uhr. Donnerstag, abend's 8 Uhr: Nene Jugend. Freitag, abends 8 Uhr: Goldfische. Die Sonntag nachm. 3 Uhr zu ermäßigten Brauerei Friedrichshain am Königstor. Der Graf von Trianon. Théodore u. Cie. Residenz. Das Nachtlicht. Thalia. Die Dorffomtesse. Schiller 0.( Wallner Theater.) Der Pfarrer von St. Georgen. Schiller Charlottenburg. Biel Lärmen um nichts. Friedrich Wilhelmstädtisches. Der Strom. Gastspiel. Miß Dudelsack.( Anfang 8 11hr.) Hebbel. Ketten. Volksoper. Die lustigen Weiber Preisen: Der Zigeunerbaron. Lustspielhaus. Abends 8 11hr: Die goldene Freiheit. Hierauf: Das Verföhnungsfest. Residenz- Theater Direktion: Richard Alexander. Abends 8 Uhr: Größter Konzertsaal Berlins. Bom 27. März bis zum 3. April: Paul Lincke- Woche unter persönlicher Leitung Paul Lincke. des populären Stomponisten Anfang an Sonn- und Festtagen 6, Uhr, wochentags 8%, Uhr. Entree 50 Pf., refervierter Play 75 Bf. Billetts im Vorverkauf zu ermäßigten Preisen( 40 resp. 60 f.) bei Zucht, Immanuelfirchstr. 12, Hahnisch, Auguststr. 50, und Mann, Petersburger Blaz 4. Das Nachtlicht. Urania. irkus Schwant in 3 Aften v. M. Zamaco13. Volks- Oper. SW., Belle- Alliance- Straße Nr. 7/8. Abends 29 Uhr: von Windsor.( Anfang 8%, br.) Die lustigen Weiber Luisen. Was Gott zusammenfügt. Moie. Der Verschwender. Lustspielhaus. Die goldene Freiheit. Versöhnungsfest. Metrovol. Halloh!! Revue. Die große Folies Caprice. Herr Wassertropf. Der Luftturner.( Anf. 8, Uhr.) Caflno. Berlin bei Nacht. Gebr. Herrnfeld. Die beiden Die Original Bindelbands. Alabriaspartie. Stadttheater Moabit. Geschlossen. Noack. Geschlossen. Apollo. Der Zechpreller. Spezialitäten. Wanage. Spezialitäten. Wintergarten. Spezialitäten. Meichsballen. Stettiner Sänger. Palait. Spezialitäten. Karl Haverland. Spezialitäten. Walhalla. Svezialitäten. Buggenhagen. Spezialitäten.( An7 Uhr). Urania. Taubenstraße 48/49. Nachm. 4 Uhr: Der Kinematograph im Dienste des Unterrichts und der Wissenschaft. Abends 8 Uhr: Jm Firnenglanz des Ober- Engadin. Sternwarte. Zuvalidenstr. 57-62. Lessing- Theater. 8 Uhr: Das Konzert. Donnerstag, 8 Uhr: Das Konzert. Freitag, 8 Uhr: Das Konzert.. Berliner Theater. Beute 8 ubr: Taifun. Morgen: Taifun. von Windsor. Wissenschaftliches Theater. Nachmittags 4 Uhr: Der Kinematograph im Dienste des Mittwoch, den 6. April: Schluß der Saison! Zirkus Schumann Mittwoch, den 30. März 1910, abends 7 Uhr u. a.: Die vorzüglichen Amerikaner Aerial Shaws Oberganner, Fuchshengst, geritten von H. Heß. Barbarentänze der elf Bers. Ri- Tchaves Truppe. Dir. Albert Schumanns neu moderne Dreſsuren. Clown Adolf und Coco mit ihren neuesten Schlagern. Um 92 Uhr Ende 11 Uhr Bum 167. Male: Die drei Rivalen. Gr. Feerie aus der Hugenottenzeit. Z Sarrasani Neue Welt. alter Botanischer Garten. Unterrichts und der Wissenschaft. Gr. Extra- Vorstellung Im Firnenglanz des OberAbends 8 Uhr: Engadin. Gastspiel des Herrn Oberstallmeisters Mechelev. Kurfürstendammtattersall als Schulreiter Hasenheide. Mittwoch, den 30. März: Verlorene Ehre. Schauspiel in 3 Atten v. BohrmannRiegen. Zirkus Busch. Heute, Mittwoch, den 30. März, abends 7, Uhr präz.: Gr. außerordenti. Galavorstellung. Dompteur Henricksen mit seinen 10 wilden Tigern! Therese Fillis, James Leon Fillis un., Heinrich Fillis, in ihren Produktionen d. hohen Schule. Die Hassans! Hr. E. Schumann, Meisterdres. 9 Uhr ca. Ende 10%, Uhr: Die russ. Sensations- Pantomime Marja! Vorher das große Galaprogram. Walhalla Variete- Theater Weinbergsweg 19-20, Rosenth. Tor. Anfang 8 Uhr. Der Willy- Walde ● u. die übrigen Spezialitäten. Tunnel: Die allergrößteKanone Theaterbesucher freien Eintritt. W. Noacks Theater Brunnenitr. 16, am Rosenthaler Tor. Bum 3. Male: Kaſſenöffnung 7 Uhr. Anfang 8 Uhr. Wach- u. Schließgesellschaft. Luisen- Theater. POLLO Schluß- Ringkämpfe Palast- Theater. Abends 8 Uhr: Was Gott zusammenfügt. Schauspiel in fünf Aften von Ernst Ritterfeldt. Donnerstag: Was Gott zusammen. fügt. Freitag Premiere: Hoffnung auf Segen. DOSE= THEATED Große Frankfurter Str. 132. Anf. 8 Uhr. Ende 11 hr. Der Verschwender. Volksstück mit Gesang und Tanz in drei Aften von Raimund. Donnerstag: Der Verschwender. Freitag n. folgende Tage: Preziosa. Gastspiel- Theater. Abends 8 Uhr: Miss Dudelsack. Tägl. bis Ende April: Dies. Vorft. Metropol- Theater Hallo!!! Die große Revue! In 8 Bildern von Jul. Freund. Theater des Westens. Musik v. Paul Lincke. In Szene Heute und folgende Tage 8 Uhr: Die geschiedene Frau. Sonnt. 3, Uhr: Der fidele Bauer. gesetzt vom Dir. Rich. Schultz. Anfang 8 Uhr. Rauchen gestattet. Friedrich- Wilhelmstadtisches Stadt- Theater Schauspielhaus. Mittwoch, 30. März, abends 8 Uhr: Der Strom. Moabit Alt- Moabit 47/48. Donnerstag, den 31. März 1910: Die Ehre. Freitag: Alt- Heidelberg. Gastspiel Schauspiel in 4 Aften v. Sudermann. Donnerstag: Schuldig. bes Neuen Schauspielhauses. Sonnabend: Alt- Heidelberg. Theater Vorletzter Tag des gr. März Programms mit Konrad Dreher als Der Zechpreller. Freitag, 1. April: Die neuen Attraktionen. Haleys Juveniles, 20 englische Backfische. WINGI BARTEN Vorletzter Tag mit dem *** Dreigestirn. weiblicher Schönheit, Grazie u. Kunst Rosario Guerrero Marie Lafargue Odette Valery und den anderen -Star- Attraktionen. Gebr errnfeld Theater Stommandantenftr. 57. x. 8. 4, 5093 Herrnfeld- Byflus 3. Serie: Die beiden Bindelbands. Die Original- Klabrias- Partie mit Anton und Donat Herrnfeld. Anf. 8 Uhr. Vorverkauf 11-2 Uhr unter d. Hrn. Prof. Reinh. Begas. 2 Entscheidungskämpfe: van den Berg gegen Cazeaux de Bastieux. Michailoff gegen Strenge. Passage- Theater. Abends 8 Uhr: Das gesellschaftliche Ereignis von Berlin Auftreten der schönen Sisters Ridley in ihren historischen Tänzen. Georg Kaiser, Schneider- Duncker und das große Marz- Programm! Passage- Panoptikum Während der Osterferien bis inkl. Dienstag, 5. April: Volkstage! Jeder Erwachsene ein Kind frei! Jedes Kind erhält ein Geschenk! Senegal in Berlin. 50 wilde Weiber, Männer, Kind. Alles ohne Extra- Entree. Eintritt 50 Pf., Kinder, Soldat. 25 Pf. Folies Caprice Heute und folgende Tage: Der Luftturner. Neuer bunter Teil. Herr Wasserkropf. Anfang 8, Uhr. Borverlauf 11-2 Uhr. Schwank in 3 Aften. Größter Lacherfolg Berlins! Donnerstag: Wach u. Schlick. Burgstraße 24, am Bahnhof Börse. gesellschaft. Ringkampf- Championat Casino- Theater um die Weltmeisterschaft. Lothringer Straße 37. Täglich 8 Uhr. Protektor: Herr Prof. H. Hundrieser. Mittwoch, den 30. März ringen: 2 Entscheidungskämpfe: Bohl- Abs 11 gegen Vervet. Bahn gegen Pedersen. Ferner ringen: Zipps gegen Herrmann. Beginn der Ringtämpfe: 91%, Uhr. Borher: Die glänzenden Spezialitäten. Karl Haverland Anfang Theater. präz. 8 11. 77/79 Kommandantenstraße 77/79. Nur noch kurze Zeit: Das Schöne März- Programm. Nach der Vorstellung: Ball. Trianon- Theater. Abends 8 Uhr: Theodore& Cie. Tonbild- Theater Reinickendorfer Str. 26-27. Reform Kino Heute vollständig neues Programm! Jedes Bild ein Schlager. Borstellung von 5-11 Uhr. Entr. Erwachs. 30 Bf.) ohne Rinder 10, Rachzahl " Ecke Weddingstraße. Berlin bei Nacht. Boffe in 3 Aften von G. Schäkler Pérafini. Sonnt. 4 11.: Ein deutsch. Frauenherz, Frankes Testsäle Badstraße 19. Heute sowie jeden Mittwoch: Paul& Springers Kabrett- und Possen- Gesellschaft. Anfang 8 Uhr. Frei- Tanz. Reichshallen- Theater. Stettiner Sänger ( Meysel, Britton, Schrader usw.) Anfang: Bochentags 8 Uhr. Sonntags 7 Uhr. Berliner Ik- Trio. UIKFelix Scheuer Schouer Stralsunderstr.1 Für den Inhalt der Inserate übernimmt die Nedattion dem Bublikum gegenüber keinerlei Verantwortung. Verantwortlicher Redakteur Richard Barth, Berlin. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glode, Berlin. Drud u. Verlag: VorwärtsBuchdruderei u. Berlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW. Ar. 73. 27. Iahrgasg. 4. Keiligt des Joriuitfs" Kerlim WsM Wtwch> Zo. Win im Leber die ernährrnigsverhSItniiie von üemeindelchulliinderi» Berlins Kurden in den Jahren 1903 bis 1907 von dem hiesigen Schul arzt Dr. Bernhard Untersuchungen angestellt. Die Ergeb- nisse hat er bereits in Vorträgen bekanntgegeben, und Haupt- zahlen daraus sind auch schon durch einen der Jahresberichte über die Tätigkeit unserer Schulärzte veröffentlicht worden. Inzwischen hat ja auf diesem Gebiet sich einiges geändert, weil in der Stadt- verordnetenversammlung Berlins immer wieder die Vertreter der Sozialdemokratie mehr Fürsorge für hungernde Schulkinder gefor- dcrt hatten. Bernhard meint aber, daß seine Feststellungen auch heute noch Beachtung verdienen, und hat daher die Ergebnisie jetzt als Broschüre veröffentlicht.(Dr. L. Bernhard:„Zur Kenntnis der Ernährungsverhältnisse Berliner Gemeindeschulkinder." Heft 71 der„Beiträge zur Kinderforschung und Heilcrziehung". Langen- salza, 1910.) Die Untersuchungen waren ausgeführt worden zu dem Zweck, diejenigen Kinder zu ermitteln, die etwa einerErnährungs- f ü r s o r g e bedürften, weil ihnen vom Elternhaus Frühstück oder Mittagesien ungenügend oder überhaupt nicht gewährt würde. Was Bernhard vorlegt, bezieht sich nicht auf ganz Berlin, sondern nur auf den einen von ihm selber versorgten Schularzt- bezirk, der damals acht Schulen der Innenstadt umfaßte. Bern- hard hat da in vier Jahren die Ernährungsverhältnisse von 84S1 Kindern geprüft, indem er die Kinder befragte und die etwa zweifelhaft erscheinenden Angaben noch durch Be- fragung der Eltern oder durch eigene Beobachtung bei Kranken- besuchen in den Wohnungen zu kontrollieren suckte. Die Erhebun- gen bezogen sich auf das im Hause einzunehmende erste Frühstück. auf das an die Schule mitzubringende zweite Frühstück und auf das Mittagesien. Es ergab sich, daß 578 Kinder vor dem Gang zur Schule kein Hausfrüh st ück eingenom- men hatten, davon 40 längere Zeit hindurch, daß 186 Kinder kein Schulfrüh st ück mitgebracht hatten, davon 22 längere Zeit hindurch, und daß 533 Kinder in der Mittag- stund�e die Hauptmahlzeit entbehren mußten, sie durch Suppe, Stullen usw. ersetzten und dann erst am Nachmittag oder am Abend ihr„Mittagbrot" atzen. Bezüglich der Ursachen dieser Mängel teilt Bernhard Zahlen mit, die geradezu Verblüffung erregen müsien. Er sieht als festgestellt an, daß bei den 578 Kinder», die ohne Hausfrühstück zur Schule gegangen waren, in 10 Fällen Krankheit der Mutter die Ursache war, in 28 Fällen Armut der Eltern (meist infolge von Arbeitslosigkeit), in 63 Fällen g e- werbliche Arbeit der Kinder(vor dem Unterrichtsbe« ginn), in 108 Fällen nervöse Zustände(Appetitlosigkeit, Ev- brechen am Morgen), in 369 Fällen aber bloße Nachlässigkeit der Eltern oder auch der Kinder. Aehnlich hat er bei den 186 Kin- dern ohne Schulfrühstück als Ursache nur 25mal Armut heraus- gezählt, daneben 17mal nervöse Zustände, aber 144mal Nachlässig- keit. Ueber die Ursachen des Mangels einer Mittagsmehlzeit fehlen bestimmte Angaben. Die Sonderung nach dem Geschlecht in Knaben und Mädchen und nach der Jahreszeit in Sommer und Winter ergibt, daß da Unterschiede, doch keine sehr erheblichen, be. stehen. Die Verhältniffe sind im Sommer kaum besser als im Winter, aber die Ursachen„Armut",„Krankheit", „gewerbliche Arbeit" sind allerdings im Winter merklich zahlreicher als im Sommer vertreten. Bei den Mädchen sehen wir etwas g ü n st i g e r e Zahlen als bei den Knaben, nur muß Bern. hard das daraus erklären, daß gerade eine seiner Knabenschulen von besonders bedürftigen Kindern besucht war. Bemerkenswert ist, daß der Anteil der nervösen Zustände bei den Mädchen wesentlich stärker war, als bei den Knaben. Hinsichtlich des Mangels von Haus- oder Schulfrühstück zeigt bei der Gruppierung nach Wochen- tagen der Montag etwas höhere Ziffern. Aus den Angaben über den Mangel eines Mittagessens sei hier noch mitgeteilt, daß die in Frage kommenden Kinder dann ihre Hauptmahlzeit zum Teil zwischen 3 und 6 Uhr, meist aber zwischen 6 und 8 Uhr ein« nahmen. Manche kamen erst in der neunten Stunde, einige gar erst in der zehnten dazu, und in vier Fällen wurde festgestellt, daß die Kinder überhaupt kein eigentliches„Mittag- b r o t" bekamen. Bernhard versichert, er habe seine Untersuchungen„mit der nötigen Sorgfalt" vorgenommen. Es wurde z. B. durch eindringliche Befragung geprüft, ob Kinder, die nüchtern zur Schule gegangen zu fein behaupteten, nicht doch ein Hausfrühstück genossen hatten. Gefragt wurde etwa so:„Du hast doch heute morgen warmen Kasfee getrunken?" oder:„Aber du hast doch heute mor. gen Milch bekonimen?" Antwortete ein Kind:„Nein, ich habe gar nichts getrunken. Mutter hatte ja nichts eingeholt", oder:„Es war schon zu spät", oder:„Ich kann morgens nie etwas trinken. ich unutz sonst brechen", so— meint Bernhard—„lag kein Zweifel an der Angabe vor". Mit keinem Wort äußert er sich darüber, ob er erwogen hat, doß solche Angaben auch diktiert sein können von dem Wunsch, vor den übrigen Kindern den wahren Grund(z. B. auch Geldknappheit in der Familie) z u verbergen. Die Befragung wurde nämlich in Gegenwart aller Kinder ausgeführt. Die Erfahrung hat aber längst gelehrt, daß Schulkinder bei öffentlicher Befragung selbst über ganz gleich- gültige Dinge ibre Antworten danach einrichten, wie sie etwa auf die zuhörenden Mitschüler wirken werden. Die Frage, ob die Volksschuljugend ausreichend ernährt wird. ist besser als durch solche unzuverlässige Umfragen zu beantworten durch eine Prüfung des Ernährungsergebnisses. Nach Ermittelungen von Rietz, auf die auch Bernhard hinweist, stehen in Berlin die-Gemein deschulkinder während ihrer ganzen Schulzeit an Körperlänge und Körpergewicht im Durchschnitt bedeutend hinter gleichalterigen Schülern und Schülerinnen höherer Lehranstal- t e n zurück. Unter den Knaben der Gemeindeschulen beginnen die Sechsjährigen mit durchschnittlich 113,6 Zentimeter Länge und 20,1 Kilogramm Gewicht und enden die Vierzehnjährigen mit durchschnittlich 146,6 Zentimeter Länge und 37,5 Kilogramm Ge» wicht, dagegen fand Rietz bei Schülern von Gymnasien(und ihren Vorschulen) für die Sechsjährigen durchschnittlich 118,3 Zenlimetcr Länge und 22,3 Kilogramm Gewicht und anderseits für die Vier. zehnjährigen durchschnittlich 156,6 Zentimeter Länge und 41,1 Kilo gramm Gewicht: und ähnliche Unterschiede ergaben sich zwischen den Schülerinnen der Mädchen-Gemeindeschulen und der„höheren Töchterschulen". Diese Zahlen werden ergänzt durch Bernhards eigene Ermittelungen über den Ernährungszustand der Kinder. Er prüfte ihn bei 1780 Knaben und 1920 Mädchen und fand unter den Knaben gut oder befriedigend genährt 42,7 Proz., leidlich 33,7 Prozent, mäßig 14,5 Proz.. schlecht 9,1 Proz., unter den Mädchen gut oder befriedigend genährt 39,1 Proz., leidlich 27,1 Proz,, mäßig 21,9 Proz., schlecht 11,8 Proz. Bernhard hebt freilich hervor, daß schlechter Ernährungs- zustand noch nicht ohne weiteres auf mangelhafte Nah- rung schließen läßt, daß da vielmehr auch Krankheiten. fehlerhafte Ernährung, elende Wohnungsver- Hältnisse, unzureichender Schlaf, Ueberau st ren- gung durch Erwerbsarbeit mitsprechen. Fönster Verbalidstag der Fleischer und Kernfsgensssen. Hannover, 27. März 1910. Anwesend sind 24 Delegierte, von: Hauplvorstand die Kollegen H e n s e l und Krause- Berlin. Bon der Generalkoimnission ist Genosse Bauer- Berlin erschienen, gußerdem nehmen noch eine Reihe anderer Gäste und Interessenten an dem BerbandStag teil. Den gedruckt vorliegenden Geschäftsbericht bespricht der erste Vorsitzende H en s el- Berlin. In recht anschau- licher Weise gab der Redner einen Ueberblick über die schwierige Agitationsderhältnisse im Fleischerhandwerk. Mit welchen Mitteln die Unternehmer gerade hier arbeiten, mit welchen schäbigen Pral- tiken die Vorwärtsbewegung von den eigenen Kollegen, die sich „Bundesgesellen" nennen, hintertrieben wird, und wie der immer tobende Kleinkrieg gegen unlautere Elemente der gelben Richtung zu führen ist, davon gab Kollege Hensel eine packende Schilderung. Gerade bei den Fleischern, wo doch die Berufsverhältnisie die denk- bar ungünstigsten sind, wo Kost- und Logiswesen die Freiheit unterbinden und jämmerliche Löhne gezahlt werden, treffen eine Reihe von ungünstigen Momenten zusammen, die jeder Beschrei- bnng spotten. Daß trotzdem Erfolge erzielt worden sind, ist eine erfreuliche Frucht der Disziplin, der Hilfe der übrigen Arbeiter- schaft, vor allen Dingen der Gewerkschaftskartelle. Was besonders zu Klagen Veranlassung gab, war der Mangel an agitatorisch befähigten Kollegen, so daß oft andere Kräfte geholt werden mußten. Das ist aber eine Folge der brutalen Politik der Meister, die durch Maßregelungen und andere schönen Dinge, durch miserable Wohnungsverhältnisse den Weg zur freien Betätigung versperren. Der Verband hat aber in neuerer Zeit dafür Sorge getragen, daß solche Opfer in ausreichender Weise entweder unter- stützt oder anderweitig untergebracht wurden, so daß das Gegenteil von dem eintrat, was die Unternehmer erhofften. Nun schildert Hensel die Lohnbewegungen und Streiks, die Boykottbewegungen in ausführlicher Weise. Die notwendigsten Zahlen haben wir schon beim Geschäftsbericht wiedergegeben. Einen großen Teil seiner Ausführungen widmet der Referent der V e r s ch m e I zungsfrage, die durch die letzten Vorgänge, so z. B. daß die Mühlenarbeiter Anschluß bei den Brauern suchen, recht verwirrt geworden ist. Von einem Nahrungsmittelindustrisverband sei man auch durch das Verhalten der Brauer nach der Konferenz weiter denn je entfernt. Im Anschluß daran gab Krause- Berlin den Bericht der Hauptkasse, die sich trotz Beitragserhöhung, trotz Arbeitslosen- und Kranken- Unterstützung verdreifacht habe, gerade daran erkenne man die Fortschritte, die erzielt worden sind. In ausführlicher Form geht Redner auf die Einzelheiten der Kasiengebarung ein und bemerkt besonders die nachweislich gute Wirkung der Arbeitslosen- und Krankenunterstützuug auf die Stabilität des Verbandes. Für den Ausschuß berichtet Scheppern- Hamburg, daß die beiden Instanzen immer gemeinsam gearbeitet haben und keine größeren Beschwerden zu prüfen waren. Nachdem dann noch Hensel den Bericht über die Presse gegeben und für Erweiterung der Zeitung bei vierzehntägigem Erscheinen plädiert hatte, wurde der Bericht der Mandatsprüfung entgegengenommen. Dieser gab Veranlassung zu längeren Auseinandersetzungen mit dem Hauptvorstand über die WahlkreiSeinteilung. L. Verhandlungstag, 2 8. März. In der heutigen VormittagSfitzung begann die Diskussion über die gestrigen Berichte der Hauptverwaltung. Im Vordergrund der Debatte steht die Verschmelzungssrage und die OrwerbSlosenunter- stützung. Im allgemeinen kann man von Eimnütigkeit sprechen, soweit sich die Aussprache über das Verhältnis zu den anderen Organisationen nmerhalb deS Berufes dreht. Bergmann- Berlin erklärt sich entschieden gegen die Verschmelzung. Die ganze EntWickelung zeige ihm, daß nicht dem Jndustrieverband, sondern der Berufsorganisation die Zukunft gehöre. Dieser Red- »er polemisiert auch entschieden gegen die Tätigkeit des Zentral- Vorstandes und seine Haltung zur Presse. Gerade die Fleischer- gesellen brauchten ein Organ, daß mehr bringe, als nur geWerk- schaftliche Dinge. Die Herausgabe der Broschüre:„Sysiphus- arbeit oder praktische Erfolge" seitens der Generalkommission sei zu verwerfen. Von den Hamburger Delegierten wird die Haltung deS Zentralvorstandes gegenüber dem Gau getadelt und im übri- gen der Wunsch von mehreren Seiten geäußert, die Zentrale lieber noch um einen Beamten zu vermehren und von dort Agitation zu entfalten. Das achttägige Erscheinen der Presse findet bei dem Ver- bandstag nur schwache Unterstützung, doch sprechen sich verschiedene Delegierte für Vergrößerung des„Fleischer" aus. Sehr geteilter Meinung ist man über die Notwendigkeit von Lokalzuschlägen. Hauptkassierer Krause sieht in den Ortsbeiträgen eine wertvolle Ergänzung zu den 20 Proz. der am Ort verbleibenden Beiträge und hält den Ausbau der örtlichen Zuschläge für sehr erwünscht. Ueber die gewerkschaftlichen Unterrichtskurse gehen die Ansichten gleichfalls sehr weit auseinander. Die dazu vorliegenden Anträge aus Hamburg werden zwar allseitig als berechtigt anerkannt, doch betont Hensel- Berlin, Fiedler- Hamburg, S t r o b e l- Mannheim und andere, daß durch die Schule allein die Kala- mität der Agitatoren nicht behoben werde. Von anderer Seite wird besonders darauf hingewiesen, doch die Kräfte aus anderen Berufen zu nehmen und dafür eine angemessene Entschädigung zu zahlen. So wurde bis spät in den Nachmittag der Geschäftsbericht sehr gründlich diskutiert und dann schließlich einstimmig be- schloffen, der ZentraUeitung Decharge zu erteilen. Im übrigen wurden folgende Anträge angenommen: Vergrößerung der „Fleischerzeitung" von vier auf sechs Seiten. Ferner weitere Ver- Handlungen zu veranlassen, um die Frage der Verschmelzung in einer befriedigenden Weise zu lösen. Abgelehnt wurde ein An- trag, den bestehenden Kartellvertrag aufzuheben, da keine bessere Lösung dadurch zu erwarten sei. Das achttägige Erscheinen und die erforderliche notwendige Anstellung eines Redakteurs wurde gleichfalls abgelehnt, ebenso der Berliner Antrag, eine Preß- kommission zu wählen. In den meisten Verbänden seien ja gerade in den letzten Jahren diese Preßkommissionen allgemein ver- schwunden. In der Frage der Anstellung eines dritten Beamten wurde die Anregung akzeptiert, der Zentralvorstand möge mehr als sonst auf eine Hilfskraft im Zentralbureau Wert legen und so die Klagen wegen nicht genügender Kräfte in der Hauptverw-T- tung allmählich beseitigen. Die Frage, die mehrfach aufgeworfen wurde, wie die Unterstützungssätze zu handhaben sind in solchen Fällen, wo. wie in Genossenschaftsfleischereien, bei Krankheit der Lohn weitergezahlt wird, wurde so geregelt, daß, solange der Lohn zur Auszahlung gelangt, Unterstützung seitens des Verbandes nicht zu zahlen ist. Verschiedene Anträge auf politische Ausge- staltung des Blattes werden alle dem Zentralvorstand überwiesen. Damit ist der Geschäftsbericht erledigt. Die Verhandlungen wer- den vertagt._ Achte Gelltratvechmullullg des Verbandes der Stein- seher, Pflasterer vnd Kernfsgenossen Deutschlands. CSln, 26. März 1910. Es sind 96 Delegierte. Zentralvorstand und Redaktion, ein Ver- tretcr des Ausschusses und 7 Gauleiter anwesend. Vom Ausland sind K r o n o w und Ohlsen-Kopen.hagen und F a n d l e r- Wien erschienen. Der Verband der Gcmeindearbeiter ist durch den Gauleiter Schäfer-Cöln vertreten. Der Vorsitzende K n o l l erstattet den Geschäftsbericht. Er weist hin auf die gedruckten Jahresberichte.(Wir brachten die Ziffern über die Lohnbewegungen in einem Vorbcricht.) Redner schildert seine Eindrücke von der Generalversammlung der italienischen Bruderorganisation und dem Ersten Internationalen Straßenba u-Kongreß in Paris. denen er als Vertreter des Verbandes beiwohnte. Auf die Be» schlüsse der letzteren Institution habe der Verband zwar keinen materiellen Einfluß, aber er ist trotzdem korporatives Mitglied der Internationalen Straßenbau-Vereinigung geworden, da auf deren Kongressen Lebensfragen des Berufes diskutiert werden. Auf dem nächsten internationalen Kongreß in Brüssel will der Vorstand eine Musterbaubude für den Straßenbau ausstellen lassen. Zur Maifeierfrage sagt der Referent, daß alle die- jenigen Filialen, die stark genug dazu sind, den 1. Mai feiern sollen. Wo aber Unterstützungen daraus beansprucht werden, haben die Filialen diese selbst aufzubringen. Erfreulich sei, daß schon viele Filialen die Freigabe des 1. Mai tariflich festgelegt haben. Redner regt an. die Kurse der Generalkommission stärker zu beschicken. Unerfreuliche Vorgänge spielten sich in Berlin ab bei der beabsichtigten Gründung des paritätischen Arbeits» Nachweises. Der Vorstand mußte den Arbeitsnachweis fallen lassen, infolge der Einsichtslosigkeit unter den Berliner Mitgliedern, obwohl noch selten einer Arbeiterorganisation so günstige Bedin- gungen in bezug auf die Organisierung und praktische Handhabung des Arbeitsnachweises geboten worden sind. Redner warnt davor, Leute, die einmal Streikbruch begangen haben, auf Lebenszeit aus den Vcrtrauensstellen der Organisation fernzuhalten. Bei aller prinzipiellen Verurteilung des Streik- bruchs sei diese Praxis unter Umständen falsch. Es würde dadurch mancher gewaltsam zu den Gelben gedrängt, der durch Anmeldung zum Verband den guten Willen zeigt, seine Tat wieder gut zu mache». Zum Punkt Verschmelzungsfrage kommt der Redner zu dem Schluß, daß diese Frage wohl dann spruchreif sei, wenn die Mehrheit der Mitglieder für die Verschmelzung zu haben sind. (Lebhafte Zustimmung.) Zu diesem Bericht liegt ein Antrag der Filiale Leipzig vor, die Verschmelzung mit dem Steinarbeiterver- band in Erwägung zu ziehen und eine Kommission zu den Vor- arbeiten dazu einzusetzen. Ein Antrag Braunschweig will die Verschmelzung mit dem Bauarbeiterverband. Eöln. 27. März 1910. Zweiter Verhandlungstag. Es beginnt die Debatte über den Vorstandsbericht. Da sich die Meinungen über die Verschmelzungsfrage beinahe einheitlich ge- stalten, wird folgende, vom Vorsitzenden Knoll eingebrachte Rcso» lution einstimmig angenommen: «Der 8. Verbandstag erkennt an, daß mit der zunehmenden Konzentration der Unternehmerorganisation und der dadurch be. dingten Verschärfung der wirtschaftlichen Kämpfe der Zu- sammenschlutz mit einer Bruderorganisation zur Notwendigkeit werden kann und wird. Da ein solcher Schritt nicht unternommen werden kann, ohne daß die übergroße Mehrheit der Mitglieder innerlich von der Notwendigkeit desselben vollständig überzeugt ist, es in dieser Hinsicht jedoch durchaus noch an der notwendigen Aufklärung und Klarheit mangelt, so verpflichten sich die Delegierten, die Frage der Verschmelzung bis zum nächsten Verbandstage in den Filialen eingehend zur Diskussion zu bringen. Zugleich erhält der Zentralvorstand den Auftrag, auch seinerseits alle Schritte zu tun, um einem später stattfindenden Zusammenschlüsse die Wege zu ebnen." Der Zentralvorstand wird verpflichtet, jährlich mindesten? zwei Mitglieder, ob besoldet oder nicht, zum Kursus der General. kommission zu senden. Die zu Entsendenden müssen mindestens fünf Jahre ununterbrochen Mitglied fein. Den Kassenbericht des Kassierer? können wir umgehen, da wir die Hauptziffern be- reits in einem Vorbericht brachten. Zwei zum Punkt Fachorgan gestellte Anträge wollen, daß das Fachorgan alle 8 Tage erscheint, und daß 14tägig oder monatlich eine fachwissenschaftliche Beilage beigegeben wird. Redakteur Knoll bekämpft in seinem Bericht das achttägige Erscheinen: der Beilage stimmt er zu, mit der Beschränkung, daß sie alle Vierteljahre erscheinen soll. Die Ausstellungen, die in der Diskussion am Fachorgan ge» macht werden, beziehen sich auf Versammlungsberichtc und aus die Art der Bekämpfung, die der Brcslauer Kollegenschaft in einem bestimmten Fall durch das Fachorgan zuteil geworden. Ausführungen prinzipieller Natur macht Schulze-Dresden, indem er die Tendenz- einiger Artikel:„Wandlungen der Demo» kratie in den Gewerkschaften" bekämpft. Schulze will, daß das Entscheidungsrecht bei der Masse bleibe und nicht bei den Funktionären, wie es die Artikel stark verfolgten. Macht die Masse Fehler, so können auch diese auf die Dauer nur erzieherisch wirken. Glücks. Berlin bekämpft die Mitarbeiterschaft Ealwcr» an der Zeitung. Im Schlußwort wendet sich Knoll gegen Schulze-Dresden und betont, daß in einer persönlichen Besprechung der Artikel auch die Dresdener den darin vertretenen Ansichten zugestimmt haben. Die Mitarbeit Calwers geschieht in Vertretung Schipp eis. Auch die Parteipresse nimmt in bestimmten Fragen von Nicht- genossen Artikel an. Es erschienen z. B. früher Artikel von R. Meyer, heute noch von H. Leuß. Manche Artikel im„Vor. wärts" über Kunstfragen stammen auch von Nichtgenossen. Die Parteizugehörigkeit hat mit rein kunstwissenschaftlichen oder fach. technischen Fragen nichts zu tun. Die in Frage kommenden Artikel C a I w e r s haben seit seinem Austritt aus der Partei an Inhalt und Wert nicht verloren. Die Arbeiter wehren sich mit Recht, wenn die Unternehmer sie wegen ihrer Parteizugehörigkeit schädigen wollen. Dann dürfen wir auch C a l w c r nicht boykot» tieren, weil er durch ein äußeres Vorkommnis aus der Partei aus» schied, obwohl er in seiner Grundanschauung wohl noch dazu gehört. Da außerdem die Cal Wersche Rundschau von der General. kommission gratis geliefert wird, sprechen sowohl prinzipielle wie praktische Gründe gegen den Wegfall der Artikel. Die Generalversammlung überweist die Schaffung der fach- wissenschaftlichen Beilage dem Vorstand zur Berücksichtigung, da? achttägige Erscheinen der Zeitung wird abgelehnt. Der darauf folgende Bericht des VerbandSauS« schusses und ein Referat über das Ga u l e i t e r s y st e m be. treffen interne Verbandsangelcgenhcitcn. die für die Ocffentlichkeit kein Interesse bieten. Es wird anerkannt, daß das Gauleitersy tcm sich bewährt hat. weshalb es ausgebaut werden soll. Das Bureau wird beauftragt, dem Herrn Grav-nhorst- Stade, der vor 25 Jahren das Kleinpflastcr erfand, wodurch seitdem viele Pflasterer Beschäftigung fanden, ein Glückwunschtelegramm zu senden. Die Verhandlungen werden auf Montag vertagt. OmtUtfiet Wtatttberiat der städttschcn Marttdallen-DIrektton übet den Großbandel in den Zentral-Marktballen. Marktlage: �leiick: Znwbr reichlich, Geschäft flau. Preise für fiaEB- und Schweinefleisch nach« gebend, sonst unverändert. Wild: Zusubr sehr mäsch,. Geichs» ruhig, behauptet. Geilügel: Zusuhr genügend, Geschäft ziemlich iev. hast. Breis« fest. Fische: Zusubr gering, Geschäft ruhig. Preise wenig ver. ändert. Butter und Käse: Geschäft ruhig, Preise unverändert. "L" und Südfrüchte: Znjuijv reichlich, besonders u> Holl. Spinat. Geschält ruhig, Preis, gedrückt.' � � 1 Verkäufe. 4,50 prachtvolle Betten, 8,00, daunige Bauernbetten, Aussteuer, Damast bezüge 3,90. 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