Kr- 75. RbonnemtiitS'Bedfnsunsen: AkonnemenlS■ Preis pränumerando t Biertcljährl. 3�0 Mr.. monatl. 1,10 2HI., wöchentlich 26 Pfg. frei ins HauS. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags. nununer mit Musirierier Sonntags- Beilage.Die Neue Welt" lll Pfo� Pojl» Abonnement: l.lll Marl pro Monat. Eingetragen w die Post-Zeitungs- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Mark, für das übrige Ausland L Marl pro Monat. Postabonnements nehmen an: Belgien. Dänemark, Holland. Italien. Luxemburg, Portugal, nänien, Schweden und die Schweiz. «7. Jahrg. Crfttctot tZgNch außer montags. Berliner VolKsblnlk. Bio Tnicrtions* Gebühr beträgt für die scchsgespaltene Kotonet zeile oder deren Raum 50 Psg., sü: politische und gewcrlschastliche Vereins und VcrsammlungS-Anzeigen L0 Psg. „Alelne Snreigcn", das erste(selt- gedruckte) Wort 20 Pfg., jedes weitere Wort lO Pfg. Stellcngesllchc und Schlaf. ftcllcn-Zlnzcigcn das erste Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über !ö Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Rümmer müssei» bis ä Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist diS 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm» Adresse: „Soaialdonclirat Rcrlint Zentralorgan der rozialdemokrati leben Partei Deutfcbtands. Redaktion: SA. 68, Lindcnstrassc 69* Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Klürdige Kumpane! Bekanntlich ist jetzt zwischen Zentrum und National- liberalen ein Wettrennen um die Gunst der Konservativen entbrannt. Derjenige hofft Prcisgewinner zu werden, der das Wahlrecht am miserabelsten gestaltet. Das Zentrum hat an Wahlrechtsverschlechterung und Volksverrat so Austerordentliches geleistet, dah seine Gunst- lingsschaft bei den Junkern unerschütterlich schien. Nicht nur hatte das Zentrum ja jede generelle Abschwächung des Drei- klassenwahlsystems abgelehnt, wie sie selbst der national- liberale Antrag auf„Minimiernng" des auf jede Klasse entfallenden Prozentsatzes der Wähler darstellte, sondern es hatte ja auch noch die geheime Abstimmung durch Wiederherstellung der indirekten Wahl für das platte Land vollständig unwirksam und wertlos gemacht. Es hatte also faktisch den Anschein, als ob die Niedertracht der ultramon tanen Verschacherung der Volksrechte nicht mehr überboten werden könnte. Bis die Nationalliberalen bei der dritten Lesung allen liberalen Allwandlungen entsagten und ihre Zu stimmung zu dem gerade von ihnen in Grund und Boden kritisierten schandbaren blau-schwarzen Kompromist im wesent lichen davon abhängig machten, dast auch das letzte winzige Bollwerk gegen die totale Volksentrechtung durch das Geldsacks Wahlrecht beseitigt»verde I Die Beseitigung der Steuerdrittelung in den UrWahl» bezirken, die Einführung der Drittelung in ganzen Wahl» kreisen oder Gemeinden— das ist jetzt der springende Punkt für die braven Nationalliberalen! Alles wollen diese wackeren„Liberalen" schlucken, was der Schnapsblock an nichtswürdiger Volksbegaunerung ausgeheckt hat— wenn nur der arbeitenden Bevölkerung der letzte Fetzen ihres Rechtes geraubt wird! Die Drittelung nach UrWahlbezirken war bisher geltendes Recht selbst im elendesten aller Wahlspsteme l Ihm allein ver- dankt es die Sozialdemokratie, dast sie wenigstens ein halbes Dutzend Ankläger in das Junkerparlament entsenden konnte. Wenn es aber nach den Wünschen der Nationalliberalcn geht, soll dem Proletariat durch eine plutokratische Verschiebung der Grenzen zwischen den drei Klassen vollends der Mund ver- schlössen werden, damit nicht einmal mehr die zornigen An- klagen der Vertreter der Entrechteten im Hause des Geldsacks und des politischen Stumpfsinns gehört werden! Wie es nach Erfüllung der nationalliberalen Wünsche mit der Vertretung des Proletariats aussehen würde, mögen einige Zahlen beweisen. Wenn in Berlin an Stelle der Drittelung nach Urwahlbczirken die Drittelung über die Gemeinde eingeführt würde, so würde dann die Klasseneinteilung ein- treten, die für die S t a d t v e r 0 r d n e t e n w a h l e n besteht. Es würde dann die erste Abteilung mit einem Mindeststeuer- betrage von 6450 M. beginnen, und der Zutritt zur ziveiten Klasse wäre abhängig von einer Steuerleistung von 192 M. Das gesamte Proletariat und auch der gröstte Teil des Mittel- ftandes gehörte dann der dritten Klasse an, wäre also zur völligen Ohnmacht verurteilt! Bei den Stadtverordneten- Wahlen ist dem Proletariat ja nur dadurch ein Erfolg möglich, dast die dritte Klasse für sich allein ihre Stadtverordneten wählt. Bei den Landtagswahlen jedoch wählen die drei Klassen zusammen, so dast für die dritte Klasse jede Möglichkeit ausgeschlossen wäre, auch nur einen einzigen Abgeordneten durchzubringcn! Nun würde allerdings die Steuerdrittelung der Ab- teilungen eine gewisse Veränderung erleiden infolge der „Maximierung", d. h. der künftigen Nichtanrechnung der Steuerbeträge über 10 000 Mark hinaus. Allein selbst unter Berücksichtigung dieses Umstandes würde die Steuersumme, die zur Wahl in der zweiten, geschweige denn in der ersten Klasse berechtigt, noch immer so hoch sein, dast das Proletariat und ein groster Teil des kleinen Mittelstandes nirgends in die zweite Klasse aufrückte. Die Sozialdemokratie verlöre mit tödlicher Sicherheit in Berlin ihre sämtlichen fünf Mandate. Die 250000 sozialdemokratischen Landtagswählcr Berlins wären um jede Vertretung gebracht! Damit auch die 1*U Millionen sozialdemokratischer Wähler Preußens über- hanpt I Denn außerhalb Berlins würde erst recht kein Sozial- demokrat gewählt werden I Wie die Drittelung nach UrWahlbezirken bisher gewirkt hat, dafür einige Beispiele. Von den 69 Wahlbezirken des elften Berliner Lantags- Wahlkreises betrug in 28 Bezirken der Mindeststeuersatz der Wäbler der ersten Abteilung weniger als 100 M. In der zweiten Abteilung war nur in drei Bezirken ein Steuersatz von über 100 M. erforderlich. Der neunte Berliner LandtagswahlkreiS wies 103 UrWahl- bezirke auf. In 20 dieser Bezirke brauchte noch nicht ein Steuersatz von 100 M. erreicht zu werden, unr für die erste Abteilung wahlberechtigt zu sein. Nur in drei Bezirken der zweiten Abteilung war ein Steuersatz von über 100 M. er- forderlich. Der elfte und der neunte Berliner Landtagswahlkreis waren die günstigsten für die Sozialdemokratie. Bei einer Dnttelung über die Gemeinde würden auch sie der Sozial- demokratie verloren gehen I Nun hat gerade die liberale Presse die Absurdität des Geldsacksrechts vornehmlich damit zu beweisen versucht, daß Expedition: 8Al. 68, Lindenstrasse 69, Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984. sie auf einzelne Fälle hinwies, wo selbst sehr reiche Leute in der dritten Klasse wählen mußten. So schloß das letzte Mal in den» Wahlbezirk, in dem der damalige Reichskanzler Fürst Bülow wohnte, die erste Klasse mit 30 250 M. Steuern ab, die zweite Klasse mit 15 638 M. Der ersten Abteilung ge- hörten nur ein Bankier und zwei Privatiers, der zweiten Abteilung zwei Kommerzienräte, ein Großkaufmann, ein Fabrik- besitzer und zwei Fürsten an, darunter auch Fürst Bülow. In der dritten Klasse wählten mehrere Minister, darunter auch Herr v. Bethmann Holliveg. War denn das nun etivas so Fürchterliches? Im Gegenteil: es war den Herren ganz gesund, dast nun auch sie einmal den frechen Aberwitz des Geldsackwahlrechts am eigenen Leibe zu spüren bekamen. Wenn so viele Millionen ehrlicher Arbeiter, Handiverker und Beamten der Klasse der Wahlrechtsheloten angehörten, so konnten die Herren v. Bethmann Hollweg, Nieberding und Beseler es sich höchstens als Ehre anrechnen, dast sie nicht in der Klasse wählten, wo so viele Schmarotzer und Drohnen am Volkskörper saßen, sondern in der Klasse der ehrlichen Arbeit, unter denjenigen, deren Tätigkeit alle Kulturgüter erzeugt l Aber dieser Zustand ist ja zudem auch bereits vom Schnapsblock beseitigt worden. Durch die Maximierung, die künftige Nichtanrechnung der Steuern über 10000 M. hinaus, wird ja künftig kein Minister und nicht einmal ein simpler Geheimbderat niehr in die Lage kommen, mit seinem Kutscher oder Schuster zusammen wählen zu müssen. Also dieser Schmach ist das höhere Beamtentum, ist jeder Besitzende künftig entronnen I Durch die Ansmerzung dieses gerade von unseren braven „Liberalen" so schmerzlich empfundenen„Schönheitsfehlers" iväre doch aber auch den Nationalliberalen jeder Vorwand genommen, auch ferner noch auf der Drittelung nach der Gemeinde zu bestehen. Wenn die Friedberg und Schiffer diese Forderung trotzdem noch erheben, ja geradezu als die Vorbedingung für eine Z u st i ni m u n g zu dem schändlichen Wahlrechtsgeköch des Schnapsblocks bezeichnen. so ist damit die Hohlheit der„liberalen" Phrasen dieser Ver- treter des grostindustriellen Geldsacks zur Evidenz erwiesen, die nackte Wahlrechtsfeindschaft dieser schönredncrischen Poseure bis zum Ekel entlarvt! Freilich: das Zentrum hat nicht die geringste Ursache, sich nunmehr sittlich über die Nationalliberalen zu entrüsten! Dazu hat es durch seine Volksverräterei jedes Recht verwirkt! Ja, hätte das Zentrum wenigstens für die nationalliberalen Forderungen der„Minimierung" und der direkten Wahl gestimmt und ihnen dadurch zur Annahme verholfcn, so wäre die Situation jetzt eine ganz andere, so wäre damit jede Gefahr eines konservativ-nationalliberalen Sdhachers abgewendet gewesen! Das Zentrum hat gerade dadurch, dast es mit den Konservativen durch Dick und Dünn ging, die jetzige Situation heraufbeschworen! Zentrum und Nationalliberale— man weiß kaum, wem der Preis schnödester Volksfeindschaft gebührt! 'Würdige Kumpane!__ Opfer des Polizeieifers, die für den 6. M ä r z büßen sollten, standen auch gestern wieder bor dem Amtsgericht Berlin- Mitte. Ein Maurer Chriselius wurde beschuldigt, am Reichs- tagsgcbäude in der Simsonstratze nachmittags gegen �3 bei der Sistierung eines Mannes gegen die Polizei gerufen zu haben: „Pfui! Bluthunde! Nieder mit den Bluthunden l" Das Polizei- Präsidium hatte, weil es darin eine Beleidigung der Polizei sah. Slrasantrag gegen ihn gestellt. Die Klage wurde vor der 139. Ab- teilung des Amtsgerichts Verliu-Mitte verhandelt. Der An- geklagte erklärte, er sei zu der fraglichen Zeit gerade im Begriff gewesen, vom Reich-Ztagsgebäude sich nach Hause zu begeben und habe mit seinen Begleitern darüber ge- sprochen, welchen Weg sie im Hinblick auf die Absperrungen würden wählen müssen. In demselben Augenblick sei ein Mann, der festgenommen worden war, von zwei Berittenen vorbei- transportiert worden, und bei diesem Anblick sei aus der Menge „Bluthunde!" gerufen worden. Plötzlich habe er(Chriselius) einen Stoß ins Genick bekommen und» fei verhaftet worden von einen, Schutzmann, der auf feine erschrockene Flage:„Warum werde ich verhaftet?" ihm geantwortet habe:„Ich werde Ihnen bei Bliit- bund!" Der Vorsitzende belehrte hier den Angeklagten:„Die Polizei steht doch nicht zum Vergnügen der Einwohner da I Durch de» Ruf„Blulhunde" wird doch das Verhältnis zwischen Polizei und Publikum nur noch gespannter. Wenn ein Zivilist zu einem anderen Zivilisten. Bluthund" sagt, so kriegt er doch einen Schlag, daß � er gleich zu Boden stürzt". Wir möchten indes keinem raten—' wenigstens keinen Zivilisten—, auf diese Belehrung hin eS mit dem„zu Boden schlagen" zu versuchen. Schutzmann Puchars ki schilderte, wie bei dem Transport jenes Sistierlen die Menge schreiend auf die Berittenen eingedrungen sei. Er habe sich Chriselius aufs Korn genommen und habe dann ganz genau gesehen und gehört, wie mit den anderen zusammen auch er aus voller Kehle„Piui! Bluthunde! Nieder mit den Bluthunden!" gerufen habe.„Wie ich ihn," so versickerte er.„schon am Kragen hatte, hat er noch sozusagen den Mund aufgehabt und noch gebrüllt." Zeuge sei, als er Chr. wegführte, hart bedrängt worden. Man habe ihm einen Stockhieb über den Kopf gegeben; er zeigte dem Gericht, wo der Hieb den Helm getroffen habe. Ein Herr in Zivil habe mit seinem eigenen Slock den Hieb aufgefangen, so daß Zeuge annahm, eS fei ein Kriminalbeamter. Doch fei der Fremde nachher, als sie in die Nähe einer Schutzmannskette gekommen waren, plötzlich verschwunden. Wahrscheinlich hat dieser Schutzmannsfreund gefürchtet, daß die blind waltende Polizei in irrendem Eifer auch ihn packen würde. Der Verteidiger Rechtsanwalt Dr. Kurt Nosenfeld stellte fest, daß jener Mann, nach dessen Sistierung die Menge in den Ruf „Bluthunde" ausbrach, der Bnchhalier Meper war, der vom Bismarck- denkmal aus eine Ansprache gehalten hatte und inzwischen wegen dieser Freveltat schon abgeurteilt worden ist. Meher hat be- hauptet, daß man ihn geknebelt habe, aber Zeuge Pucharski versicherte, jener Sistierte sei nicht geknebelt worden. Aus der unnötigen Knebelung sollte die Erregung der Menge erklärt werden. Doch schnitt der Vorsitzende die Erörterung dieser Frage ab:„Das gehört nicht hierher." Gegen den einen Polizisten führte die Verteidigung drei Zeugen ins Feld, die in Veglei'ung des Angeklagten oder doch in seiner Nähe gewesen waren nnv nn�s gehört harren. Alle drei schilderten den Hergang ebenso wie er. Zeuge H a a s e war sofort nach Chriselius' Festnahme zu einem Polizeileutnant gegangen, um zu fragen, was denn der getan haben solle. Der Leutnant habe Haase, so bekundete dieser, vor die Brust gestoßen und ihn angeherrscht:„Machen Sie, daß Sie fortkominen, ronst teilen Sie sein' Schicksal l" Zeuge Schutzmann Pucharski blieb dabei, Eh. habe mitgerufen. Als Haase daraufhin erklärte:„Das ist ein Irrtum; wenn der Mann verurteilt wird, so wird er ungerecht ver- urteilt", brauste der Vorsitzende auf. Anchdie Zeugen Lux und Trenner hatten nichts gehört, obwohl sie dicht bei Chr. gejtanden hatten. Ein I 0 u r n a l i st B e r n st e i n schilderte den Transport MeperS: „Die Art der Sistierung regte die Menge auf. Er wurde zwischen zwei Berittenen eskortiert, so daß man den Eindruck gewinnen mußte, er könne von den Pferdehufen getroffen werden". Vors.: Ach! Zeuge: Infolgedessen erhoben sich die Rufe. Vors.: Jnfolgcdesien? Das wissen Sie doch nicht! Zeuge:„Ich habe mit verschiedenen Leuten gesprochen, die sagten mir, hierdurch seien sie erregt worden." Zeuge gab noch an, Berittene seien von allen Seite» ans die Menge eingedrungen, so daß sie hin- und hergetrieben wurde. Vors.:„Ja, das wird immer so sein bei solchen Gelegen- heilen." Auch seien Frauen und Kinder zu Fall gelommen, fügte der Zeuge hinzu. Der Staatsanwalt fand, Chr. fei überführt durch die Aussage de? Schutimauns, der genau beobachtet habe, während den anderen sein Ausruf entgangen sein werde. Er beantragte die harte Strafe von einem Monat Gefängnis mit Rücksicht darauf, daß durch die„Blnthund"-Rnse die Erregung noch gesteigert werde. Der Verteidiger hob hervor, daß bei diesem Strafmaß wieder mal nicht die allgemeine, erst durch die Poiizeiattacken hervorgerufene Erregung als mildernd berücksicktigt worden sei. Er beantragte Freisprechung, weil den drei Zivilzeugcn eine genaue Beobachtung zu- zutrauen sei. Das Urteil lautete auf 190 M. Geldstrafe. Mehr sei einem Schutzmann zu glauben, weil er in solcher Situation„ganz genau aufpasse". Die 113. Abteilniig des Amtsgerichis Berlin-Mitte hatte zu urteilen über einen S ch l 0 f f e r M ü l l e r, der vor dem Haufe Schlesifche Straße 38 dadurch groben ltnfng verübt haben soll, daß er bei der Sistierung eines Mannes forlgesetzt„Pfui! Pfui!" ge« rufe» habe. Der Angeklagte hatte zu seiner Arbeitsstelle fahren wollen, wo er an jenem Sonntag eine Arbeit ausführen sollte. Auf dem Weg zum Bahnhof sah er in der Schlesischen Straße den Transport eines Sisticrten, dem anscheinend sehr übel mitgespielt ivorden war. Als bei diesem Anblick das Publikum in„Pfui"- Rufe ausbrach, wurde Müller festgenommen, obwohl er nickt mit- gerufen hatte. Schutzmann Schulz bekundete, M. habe doch initgerufen und geradezu gebrüllt, und Schutzmann Bandelow sagte aus, M. habe ihm und seinem Kollegen, als sie jenen Mann bei ihm vorbei transportierten, direkt ins Gesicht ge- brüllt. Der Perteidiger Rcchtsanw. Dr. Kurt Roscnfeld forschte, w i e denn jener Mann ausgesehen habe, ob ihm die Krawatte(so behauptete Müller) hcruntergchaugen habe, usw. Da nicht der Vorsitzende sofort Einhalt gebot, so wehrteBandelow ab:„Das gehört ja gar nicht hierher". Der Zeuge hat schon in einem der früheren Prozesse vom 6. März mitzuwirken gehabt. Man sieht, er hat daraus gelernt und weiß, woraus es ankonimt. Von den Zeugen der Verteidigung wurden nur zwei veruommcn; die anderen lehnte das Gericht als überflüssig ab. Metall- a r b e i t e r Müller und Fräser Mücke sagten aus. der Angeklagte habe bestimmt nicht mitgerufen, er sei heraus- gegriffen worden von einem Schutzmann, der erst bei den Rufe» sich umgedreht habe und zurückgekommen sei. Nunmehr sei Mücke, so bekundete dieser, vorgesprungen:„Sie irren sich, der Mann hat nicht gerufen!" Ihm sei schroff geantwortet worden: „Gehen Sie zurück!" Er sei dann zurückgedrängt worden, doch habe er später sich dem Verhafteten nach dessen Entlassung von der Wache zur Verfügung gestellt. Auch hier behauptete der Staats» a nw alt, daß die Schutzleute es seien, denen man eine genaue Be- obachtung zutrauen dürfe. Mit drei Tagen Haft seien die„Pkui"» Rufe zu sühnen, da durch sie nur nock mehr Erregung bewirkt werde. Der Verteidiger bestritt, daß in so erregter Situation die mit dem Transport eines Mannes beschäftigten Schutzleute ruhig und sicher beobachtet haben könnten, schon deshalb sei Freisprechung ge- boten. Im übrigen sei das„Pfui" kein grober Unfug, weil hier nicht das Publikum, das ja allgemein so gerufen habe, in seiner Allgemeinheit beunruhigt worden sein könne. Das Urteil lautete diesmal auf Freisprechung, iveil diesem Gericht eS doch nicht als ausgemacht galt, daß Schutzleute iuimer unfehlbar sind. Vor derselben Abteilung stand ein Tischler K l e i n s ch m i d r, der dadurch groben Unfug verübt haben soll, daß er in der Breiten Siraße nm lUi Uhr durch Schimpfen über die Absperrung einen Auslanf erregt und die Aufforderung, ruhig zu sein und weiterzugehen, nicht befolgt habe. Der Angeklagte hatte an jenem Tage von der Waldemarstraße ans mit schweren Paketen nach Bahnhos Friedrich- straße gehen müssen. Da in der Breiten Straße durch die Ab» sperrungslinie manche Passanten hindurchgelassen wurde», er aber znrückgciviesen wurde, so fragte er ärgerlich den Leutnant, warum man nicht auch ihn durchlasse, er müsse doch nach dem Bahnhof. Polizeileutnant KniSpel bekundete. nur Bewohner der Breiten Straße seien hindurchgelaffen worden. Da Kl. nicht weitergegangen sei und über die Absperrung laut „geschimpft" habe, so daß das Publikum auf ihn aufmerksam wurde. so sei er festgenommen worden. Wirkliche Schimpsworte hatte Kl. nicht gebraucht, der Staatsanwalt fand aber, daß schon die allznlante Aenßerung des Verdrusses über die Absperrung aufreizen könne und 30 Mark Geldstrafe wert sei. Demgegenüber führte der Verteidiger Nechtsanwalt Dr. Kurt Rosenfeld ans. der Leumant habe es nicht mal für nötig gehalten, dem sich de» schwerenden Kl. zu sage», warum einzelne Passanten durchgehen durften und er nicht. Kl. sei freizusprechen. DaS Publikum sei durch Kl. nicht beunruhigt worden, Unfug liegt also nicht 1or. Auch Auflauf sei nicht erregt worden, da ja das Publikum >hnedieS umherstmid. Das Urteil lautete: weder grober Unfug noch Auflauferrcguug liege vor, wohl aber Nichtbefolgung einer polizeilichen Aufforderung. Ueber den Nörgler, der es als lästig empfunden batte, dah die Polizei in der Tat„nicht zn« Brr- gütigen der Einwohner" da ist, wurde eine Geldstrafe von 16 Mark verhängt. Man sieht, die Polizei versteht es, sich„Freunde" zu erwerben und die Gerichte Helsen ihr dabei. Diese neuesten Fälle sind nicht mal die einzigen des gestrigen Tages. Gestern wurden auszer den angesührten Fällen noch aus Anlasi der Vorgänge vom(3. März verurteilt: ein Gürtler T r e c z i n s l i zu 1<> Tagen Gefängnis (wegen Versuchs der Gesangenenbesreiung und Widerstandes gegen die Staatsgewalt), ferner ein Arbeiter Born zu 4 Tage» Haft, ein Schlosser O b d a m zu 10 M. Geldstrafe, während ein Reisender Dobrin freigesprochen wurde. ?ur Lage in lliazedonien. Konstantinopcl, Ende März. tEig. Ber.) Die ntazcdomsche Frage verschärft sich wieder. Außer d'en Leuten, die der Sache wirklich ergeben und aufrichtig überzeugt sind, daß die Volksinteressen die Mederherstellung der ehemaligen Tätigkeit verlangen,„arbeiten" in Maze- dornen und außerhalb seiner Grenzen auch Personen, welche in« revolutionären Getümmel ihre Zwecke, die mit den Jnter- essen der mazedonischen Bulgaren nichts gemein haben, zu verwirklichen hoffen. So geht das Gerücht, Ende März werde in der bulgarischen Stadt Küstendil der Komgretz der bulgaro- mazedonischen Banden führer statt- finden, um die Frage zu erörtern, ob es nicht zweckmäßig wäre, die Tätigkeit der Banden wieder aufzunehmen. Zieht man die Persönlichkeiten der Teilnehmer in Betracht, so er- kennt man. daß die Frage im positiven Sinne entschieden werdeil wird. Ueber diese Frage habe ich neulich mit einem Mitglied der bulgarischen diploinatischen Mission in Konstantinopel ge- sprachen. Die Gerückste über den Kongreß hat der bulgarische Diplomat als absurd charakterisiert.„Diejenigen," sagte er, die solche Gerüchte verbreiten, solleil an sich nur eine Frage stellen: warum kommt der bulgarische König nach der Haupt- stadt der Türkei, wenn er gleichseitig in Bulgarien einem Kongreß gegen die Türkei zu veranstalten erlaubt." Troß dieser kategorischen Widerlegung gibt es Kreise, die die Gerüchte nicht für Unsinn halten. Und die Türken, die der Ruhe so bedürftig sind, werden immer nervöser und verfallen auf den unglückseligen Gedanken, Gleiches mit Gleichem zu vergelten. In Saloniki, zum Beispiel, sagte mir ein sehr gebildeter und überzeugter Anhänger des neuen Regimes, wenn die Bulgaren ihr Unwesen wieder aufnehmen, so würden die Türken dasselbe m Bulgarien tun. Türkische Banden in Bulgarien I Es klingt vielleicht ein wenig sonder- bar. aber unmöglich ist es nicht. Augenblicklich ist die Lage in Mazedonien sehr verwirrt. Aber der Umstand, daß die Gefahr noch keine bestimmten Formen angenommen hat, beweist noch nicht, daß überhaupt keine Gefahr existiert. Und die allgemeine Nervosität zeigt nur, daß die Atmosphäre mit Elektrizität geschwängert ist. ,.Das einzige, was man jetzt mit einer gewissen Wahr- scheinlichkeit sagen kann, ist, daß die bulgarisch-mazedonische Bewegung nach der Konstitution einen ganz anderen Cha- rakter haben wird als die vor der Konstitution. Demi die Bevölkerung Mazedoniens, die durch die chronischen Unordnungen und Wirren gänzlich ruiniert worden ist, greift jetzt nach der Konstitution als dem einzigen Mittel, das ihre Lage verbessern kann. Es ist zwar wahr. daß man unter dem neuen Regime nicht alles erreicht hat. tvas man erwartete. Aber auch das Wenige, was man bis- lang bekommen hat, wird von der Bevölkerung höher geschätzt als die Versprechungen der nationalen Parteien. Daher muß die erneuerte Bewegung, da sie keine Popularität ge- meßt und keine Unterstützung der Volksmassen haben wird, andere Wege suchen. Der andere Faktor, der die Physiognomie der mazedo- nischen Bewegung und vielleicht auch der ganzen mazedo- Nischen Frage zu ändern berufen ist. ist die neue Gruppierung der politischen Parteien und die Veränderungen, die an ihren Programmen und ihrer Taktik stattgefunden haben. Diese Frage verdient sehr ernste Aufmerksamkeit, weil es von ihr obhängt, ob auf dem Balkan Ruhe sein wird oder nicht. politische(Übersicht. Berlin, den 31. März 1910. Die Ehrengabe an die Berliner Schutzmannschaft. ES war vorauszusehen, daß die schöne Anregung des preußischen Geheimrats und LandeSdirektors v. Manteuffel, die Berliner Schutzmannschast für ihre unsinnigen Attacken auf friedliche Wahlrechtsdemonstranten durch ein Ehrengeschenk zu delohnen, bei den industriellen Scharfmachern und der von diesen ausgehaltenen Presse auf wohlwollendes Entgegen- kommen stoßen würde. Nur eins haben die Herren Industrie- bannte gegen den Vorschlag einzuwenden. Nämlich, daß sie selbst aus eigener Tasche zu der sogenannten Ehrengabe beitragen sollen. Sie folgern einfach: wir sind eigentlich der Staat: was demnach in unserem Interesse geschieht, das geschieht zugleich im Staatsinteresse; folglich hat auch der Staat oder die Kommune die Mittel für die Ehrengabe auf- zubringen. Man erhöhe einfach die Polizistengehälter, und die Schutzmannschaft wird noch„pflichtgetreuer" auf- treten als bisher. So lasten sich beispielsweise die„Berliner Neuesten Nachr." aus Polizeikreisen schreiben: Man steht soeben im Begriff, zu einer Ehrengabe für die Berliner Schutzmannschaft zu sammeln. Man will ihr damit gleichsam die Anerkennung für den aufopfernden Dienst aus« drücken, den sie namentlich in den letzten vier Jahren versehen mußte. Gerade bei der vorjährigen Gehaltsaufbesserung haben die unteren Beamten der Schutzmannschast nicht sonderlich abgeschnitten, und eine geldliche Beihilfe wird ihnen nicht unerwünscht kommen. Es fragt sich aber, da man doch einmal dem Gedanken, für die Berliner Schutzmannschaft etwas besonderes zu tun, näher tritt, ob es sich nicht empfehlen dürfte, diese Ehrengabe ihr in Form einer allgemeinen Rang- «rhöhung zu verleihen. ES ist kein bloßer Zufall, daß gerade hie Zahl der vakanten Stellen in der Berliner Schutzmannschast eine besonders hohe ist. und baß zahlreiche Probisten die Stellung bei der Schutzmannschast nur als DnrchgangSposten benutzen. Daran mag einmal die notorische Schwere des Der- liner Polizeidienstes schuld sein, ganz besonders bildet aber der i Grund hierfür die äußerlich wenig gehobene Stellung b'> Schutzmannes. Während die gleichzeitig mit ihm von der Truppe ausscheidenden Kameraden, die zu anderen Behörden übertreten, bald den Rang von Subalternbeamten erreichen, hleibt er als Schutzmann und Wachtmeister immer Unterbeamter. Das schreckt staglos eine große Anzahl von Beamten vor längerem Bleiben in der Polizeitruppe zurück. Würde man dagegen den in die Berliner Schutzmannschaft eintretenden Beamten gleich oder nach abgelegter Probezeit Rang und Gehalt der Polizeiwachtmeister verleihen und sie dann zu Polizeiobcrwachtmeistent mit dem Range als Subalternbeamten aufrücken lassen, so würde man nicht nur einem langgehegten Wunsche der Polizeiunterbeamten entsprechen, sondern auch eine erheblichere Beständigkeit innerhalb der Polizeitruppe erzielen. An letzterer kann aber nur allen be- teiligten Kreisen, namentlich aber dem Publikum, gelegen sein, und sicher wäre ein solches Geschenk für die Schutzmannschaft im wahrsten Sinne des Wortes eine Ehrengabe. Der russische Offiziosns über den Wahlrechtskampf in Preußen. Der Berliner Korrespondent des Organs StolypinS, der„Rossija" zu Petersburg, verbreitet sich in einem ziemlich gut orientierten Artikel über den WahlrechtSkampf der So» zialdemokratie in Preußen.„Es ist schwer"— schreibt er—„sich in allem zurechtzufinden, was in diesen Wochen in Deutschland vor- geht. Eines ist klar,— alle diese Massenversammlungen, Umzüge, Straßendemonstrationen legen Zeugnis ab bon einer solchen Volks st inimung, bei der eine Explosion nicht mehr fern ist und durch einen zufälligen Funken her- vorgerufen werden kann. Und nach den mehr als einmal gemeldeten blutigen Znsammenstößen zu urteilen, kann man befürchten, daß die Nervosität oder der übermäßige Eifer der Polizei zum Teil dieser Funke sein könnte.... Im allgemeinen gewinnt man den Eindruck, daß die Demonstrationen ruhig und würdig verliefen, wo sich die Polizei Zurückhaltung auferlegte." Zn einer Schilderung der Demonstrationen im ganzen Staate übergehend, bemerkt der Korrespondent voll Besorgnis:„In der Tat nehmen diese Demonstrationen und Maffeimmzlige an Umfang und Zahl immer mehr zu. Jeder Tag bringt Nachrichten über Dutzende von ihnen, und man staunt nur, woher alle diese Taufende, Zehn« tausende. Hunderttausende von Menschen kommen. 3000, 2000, 1000— kleinere Zahlen findet man nicht auch wenn nur von kleinen Städten oder gar Städtchen die Rede ist." Und melancholisch bemerkt der Korrespondent zum Schluß:„Offenbar ist in dem so gut fundierten Deutschland irgendetwas nicht in O r d n u n g." Diese Würdigung erhält dadurch besonders Bedeutung, daß sie in einem russisch-osfiziösen, erzreaktionären Blatt erscheint._ Demokratische WahlrechtSdemoustration in Berlin. Der Berliner Verband der Demokratischen Vereinigung hat beim Magistrat von Berlin die Freigabe des HumboldthaineS zu einer P e r s a rn in l u n g unter freiem Himmel beantragt. Die Versammlung soll sich mit der Wahlreform beschäftigen. Die Entscheidung des Magistrats ist noch niwt gefällt, ebenso wenig ist bekannt, ob die Polizei versuchen wird, dieser Demonstration Schwierigleiten zu bereiten. Die Militärbehörde und der Kampf des Volkes um Freiheit und Recht. Km Mittwochabend fand im größten Lokale Hamburgs, in Sagebiels Etablissement, eine von 10000 Personen besuchte Volks- Versammlung statt, deren Tagesordnung lautete:»Der Kainpf des Volkes um Freiheit und Recht", Die Militärbehörde hatte zu dieser Versammlung eine Riesenreklame gemacht, indem sie am ersten Ostertage daS Ansinnen an die Verwaltung deS Lokals stellte, die„angekündigte sozialdemokratische Volks- Versammlung durch Entziehung deS SanleS zu verhindern". Die Verwaltung, die erst vor wenigen Monaten Frieden mit der Ham- burger Sozialdemokratie geschlossen hat und jetzt ihre Räume jeder Partei zur Verfügung stellt, bot dem Militärterror die Spitze, worauf über das Lokal der Milltärboykott verhängt wurde. Der Referent Reichstagsabgeordneter Ledebour nahm diesen Versuch der Militärbehörde, die staatsbürgerlichen Rechte durch Drangsalierung von Lokalinhabern zu eskamotieren, sarkastisch unter die Lupe und schilderte ihn als einen Ansfluß des in Preußen- Deutschland herrschenden Bevormundungsgeistes, gegen den energisch sich aufzulehnen Pflicht aller freiheitlich gesinnten Männer und Frauen sein müssei Der Redner erntete donnernden Beifall. Die verpuffte„OrdnungS"-Aktton der Militärbehörde hat fich wieder einmal als die Kraft erwiesen, die das Böse wollte, aber daS Gute schaffte. In der Versammlung waren sicher viele Personen, die die terroristische Maßnahme in diese Versammlung getrieben hatte und die nun von der verpönten Frucht genossen haben, die nach weiterem Genuß reizt. Nur ein einziges Hamburger Blatt, die„Neue Hamb. Zeitung", schlägt gegen den Militärterror einige energische Töne an. indem eS u. a. schreibt:„Wir wissen, daß die(Militär-) Behörde damit einer ministeriellen Vorschrift Folge leiste« und deshalb also auf höhere Weisung gehandelt hat. Dieses Beispiel zeigt uns aber, wohin eS führt, wenn fich die Militärbehörde als politische Ober- aufsichtS» und Ma ß r eg e lu n g Sste lle für Wirte und Saalbesitzer aufspielt." Weiter bezeichnet diese» freisinnige Organ das Vorgehen der Militärbehörde als eine wirtschaftliche Vergewaltigung. Ein Mitstrebender JagowS. Der Ruhm des Herrn v. I a g o w läßt seinen Kollegen in Breslau nicht schlafen. Der dortige Polizeipräsident war. wie unS von dort geschrieben wird, während der Berliner Straßendemonstrationen in Berlin Gast des Herrn von Jagow. Und wie dieser sich räuspert und wie er spuckt, das hat er ihm treulich abgeguckt. Zunächst bewies er das durch die Art. wie er plötzlich nach Jagowschem Muster Versammlungen unter freiem Himmel vor» bot. Dann durch die Art der Absperrungen der Stadt während der Demonstrationen. Den Gipfel des Jagowschen Ruhmes aber erblickte Herr v. Oppen in der schneidigen Art, mit der Herr V. Jagow in dem„VorwärtS"-Redak. teur den„Veranstalter" deS Wahlrechtsspazierganges erblickte. DaS war doch eiwaS l Ganz Europa hat zwar darüber gelacht— aber es war doch etwas I Und so setzte sich denn auch Herr v. Oppen hin und diktierte seinem Sekretär eine Anzeige gegen den Parlcisekretär Neukirch und den Redakteur Löbe von der „Volksmacht" in die Feder. Eine Anzeige wegen— nichtgenehmigler Veranstaltung eines Umzuges I Diese beiden Genossen sind natürlich ebens oioenig wie der„Vorwärts" und Genosse Ernst in Berlin Veranstalter eines Umzuges— schon weil der Unizug gar nicht stattgefunden hat, sondern bis heute nur in der Phantasie der Polizei besteht. Die beiden Genossen haben lediglich das Verbrechen begangen, einen P o l i z e i k o m m i s s a r Schmidt, der einige Hundert VersaminlnngS- besuch« partout nicht in ihre Wohnungen hineinlassen wollte, der gerade die Straßen, in welchen die Leute nachweislich wohnten, absperren und gegen alle nach Hause Gehende blank ziehen ließ, zur Rede zu stellen. Weil man nach dem Einspruch dieser beide» Stadtberordneten da? Publikum in Ruhe lasten mußte, macht die Polizei flugs aus diesen in zerstreuten Gruppen heim- kehrenden Leuten einen„Umzug" und auS den zwei Mahnern, die das Publikum gegen die„Schntz"leute in Schutz zu nehmen sich erdreisteten, zwei„Veranstalter" deS Umzuges! Was soll nun Europa tun? Und wird sichs Herr v. Jagow ruhig gefallen lassen, daß ihm hier sein strebsamer Kollege die Butter vom Brote nimmt? Wird er dies Heldenstück nicht zu über- trumpfen riskieren?_ Nationalliberale Erkenntnis. In einem Artikel über den jüngst in Berlin abgehaltenen .Kulturtag" warnt die„Kölnische Zeitung" den Liberalismus davor, sich mit derartigen gegen die katholische Kirche gerichteten Bestrebungen zu identifizieren, da sonst daS Zentrum darin den will- kommenen Anlaß erblicken werde, über Kulmrkämpferei zu schreien- Weiter heißt es: „Der UltramontaniSmuS aber ist eine um so gefährlichere politische Macht, weil er es meisterlich verstanden hat, einen tadel- los arbeitenden kirchlichen Apparat seinen Zwecken dienstbar zu machen; er widersetzt sich jedem Kultursortschritt, weil er davon eine Schwächung seines Einflüsse» auf die Massen fürchtet. Dieser UltramontaniSmuS muß vor allem a u f P o l i t i s ch e m und wirtschaftlichem Wege niedergekämpft werden, und die Stelle, wo er sterblich ist, ist die A r b e i t e r w ä h l e r s ch a f t des Zentrums. Sie muß über die politischen und Wirtschaft- licken Pläne des Zentrums aufgeklärt werden." Die Nationalliberalen haben in dieser Beziehung doch etwas gelernt, indem sie das Törichte ihrer Kulturkämpferei in den siebziger Jahren eingesehen haben. Auch haben sie mit Recht erkannt, daß die Bekämpfung des UltramomaniSmus vor asten Dingen auf politi- schein Gebiete, d. h. dadurch zu erfolgen hat, daß man dem Zentrum Abbruch tut. Leider aber folgt dieser Erkenntnis nicht die Ausführpng, wie der Wahlkampf in Mülheim-Wippersürlh-Gum- merSbach gezeigt hat, indem dort die Nationolliberälen in der Stich- ivahl, wo das Zentrum geworfen werden konnte, schmählich der- sagten. Und wenn weiter das nationalliberale Blatt bemerkt,� daß es vor allen Dingen darauf ankomme, die katholische Arbeiterwähler- schaft aufzuklären, dann sollte es den Nationalliberalen empfehlen, der Sozialdemokratie freien Spielraum zu lasse», denn diese ist zur Aufklärung der katholischen Arbeiter durch ihre politische und gewerk- schaftliche Tätigkeit jedenfalls eher berufen als nationalliberale Kommerzieuräte und Professoren. Wahlrechtskampf in Anhalt. Im Herzogtum Ankialt, wo ein kompliziertes Wahlunrecht die Arbeiterschaft und das Bürgertum entrechtet, leitet die Sozialdemo« kratie in Verbindung mit der Demolratischen Bereinigung einen Wahlrechtsfeldzug ein, der am Sonntag nut großen Versammlungen unter freiem Himmel zu Dessau und Bernburg einsetzen soll. Auch die neue Fortschriftliche Bolkspartei ist durch die Demokratische Vereinigung zur Teilnahme an der Kundgebung aufgefordert worden, ist aber so„fortschrittlich" gewesen, abzulehnen, weil sie— durch die Kritik an den Blockheldentaten und ähnlichem zu sehr 6t» leidigt worden seil_ Tagungen des Bundes der Industrielle». Der Bund der Industriellen hält in den nächsten Tagen in Berlin verschiedene Sitzungen ab, i» denen er unter anderm Stellung nehmen wird zu den neuen Geietzesvorlagen im Reichstag. Am 4. April wird nach der Entgegennahme des Geschäftsberichts für das verflossene Jahr Fabrikbesitzer Luboldt-Gera über die neue Reichs- verficherungSordnung referieren. Reichstagsabgeordneter Slresemann spricht über: Die gegenwärtigen Aufgaben der Handelspolitik und die Znsammensetznng des wirtschaftlichen Ausschusses und Syndikus Dr. Schneider-Berliu über das Arbeitskammergesetz und die Novelle zur Gewerbeordnung. Einen weiteren Punkt der Tagesordnung bilden die Anregungen des Vereins deutscher Arbeitgeberverbände, betreffend StreikentschädigungSgesellschaft und Arbeitsnachweis. Im Anschluß hieran findet dann am b. April im ReichStagsgebäude eine Besprechung mit Reichstagsabgeordneten und RegierungSvertretern über das Heimarbeitergesetz statt. Am 18. April wird eine außer- ordentliche Generalversammlung des Bundes der Industriellen m Berlin folgen._ Tuberknlinimpfung. Die„Allgem. Fleischerztg." fordert aus Anlaß der Tatsache, daß ein großer Teil der auS Dänemark eingeführten Rinder in den schleswig-holsteinischen Ouarantäneanstalten von den Tierärzten für tuberkulös erklärt worden ist, eine erneute wisienschastliche Prüfung, ob die Reaktion auf die Tuberknlinimpfung überhaupt ein zuver- lässiges Mittel zur Feststellung der Tuberkulose ist. Solange wie die Tuberkulinimpfung besteht, ist sie von den Sachverständigen an» gefochten worden als ein Experiment von höchst zweifelhaftem Werte. Dafür spricht mit größter Beweiskraft die Tatsache, daß Rinder, die auf die Impfung reagierten, nach der Schlachtung sich als gesund ergaben und umgekehrt. DaS gleiche ergeben die ungeheuren Schwankungen in der Zahl der auf Jmpsimg tuberkulös befundenen Rinder. Nun findet urplötzlich eine ganz ungeheuer vermehrte Fest- stellung von Tuberkulose bei den geimpften Rindern statt. Ja. wie geht das zu? Hat sich das importierte Material über Nacht so verschlechtert? Viel näher liegt doch der Gedanke, daß dieses Ergebnis auf die Art der Impfung selbst zurück» zuführen ist. WaS soll man aber von einer Methode halten, die in der Hand deS einen Beamten dieses Resultat hat. von einem anderen angewandt, zu dem entgegengesetzten Resultat führt? Gewiß, der beamtete Tierarzt konnte nicht anders nach den nun einmal geltenden Bestimmungen, als die auf die Impfung reagierenden Tiere zurück- weifen. Aber daS Vorkommnis der so plötzlich vermehrten Reaktion muß die alten Zweifel an dem Wert der Tuberkulinimpfung nur um so mehr verschärfen. Bei den großen wirtschaftlichen Werten, die hier in Frage stehen und der Wichtigkeit der Sache für die Fleischveisorgung ist deshalb�dringend notwendig, daß sofort eine erneute gründliche Prüfung der Tuberkulinimpfung veranlaßt wird. In den Tod getrieben! (Das Martyrium eines Rekruten.) Erst vor kurzem fanden 200 Soldatenmißhandlungen, die beim Ulanenregiment Nr. l? in Oschatz vorgekommen waren, ihre Sühne, und jetzt waren schon wieder Mißhandlungen und Schikanen bei demselben Regiment Gegenstand einer umfangreichen Verhandlung vor dem Kriegsgericht in Dresden. Diese Mißhandlungen m'w. haben aber ein junges, blühendes Menscheulebeu zur Ber- zweiflung und in den Tod getrieben! Am 22. Februar d. IS. wurde im Oschatz« Stadtpark der Rekrut Herrmann erhängt aufgefunden. Die sofort angestellten Erörterungen über die Ursache zum Selbstmord ergaben, daß schwere Mißhandlungen voran gegang e n waren. Als der Schinder wurde derGefreiteTreutzfche von der 4. Eskadron deS genannten Regiments in Hast genommen und hatte sich jetzt wegen Ungehorsams, ivodurch ein erheblicher Nachteil, nämlich der Selbstmord eines Soldaten, herbeigeführt worden ist und wegen Anmaßung von Befehls« befugnissen zu verantworten. Da der Angeklagte die Miß- Handlungen nicht als Vorgesetzter begangen hat, war zur Straf- Verfolgung wegen einfacher Körperverletzung Strafantrag der Rekruten notwendig. Diese lehnten es aber aus Furcht vor dm „alten Leuten" ab, Strafantrag zu stellen» weshalb die Miß- Handlungen uligesühut bleiben!! Wie der Angeklagte die Rekruten geschunden, gequält und schikaniert hat,«gibt sich auS folgendem: Der Rekrut Herr« mann wurde bei zirka 20 verschiedenen Gelegenheiten geschlagen und geohrseigt.»Ich Hab'» bald satt, denn mir geht'S am schlechtesten von Euch allen", sagte eineö TageS Herrmann. Die Mißhandlungen gingen aber immer weiier. Einige Tage vor dem Selbstmorde wurde er mit der Klopfpeitschen»d dem Lanzenriemen geschlagen, auch mit einemRohrstock traktiert. Mißhandlungen, die sich am Selbstmordtage früh abspielten, schlugen dem Faß den Boden aus. An diesem Tage wurde er nochmals geohrfeigt, mit Lanzenriemen und Klopfpeitsche geschlagen und„Schwein" genannt. Bald danack entfernte sich der Gewiß- handelte und beging auf dem Wege nach dem Reitplatz Selbst- m o r d durch Erhangen. Der Rekrut Hoffmann wurde in IS Fällen geichlagen und geohrfeigt. Einige andere wurden ebenfalls in i t Rohrstock. Lanzenriemen und Klopspeitsche ge- schlagen. Mehrfach mußten die Rekruten bis Mitternacht putzen! Auf Befehl des Gefreiten mußten zwei Rekruten nachts 2 Uhr st!) mit geputztem Sattelzeug an das Bett des Angeklagten treten!! In vielen Fällen wurden die Rekruten vom Essen gejagt! Der unglückliche Herrinann wurde eines Tages mit der Klopfpeitsche vom Eßtisch gejagt und in den Stall getrieben!! Tagelang wurde Herrmann vom Angeklagten ain Essen gehindert. Eine ganze Anzahl weiterer Quälereien stehen iutter Anklage, werden aber alle nur als Ungehorsam aufgefaßt! In der Verhandlung wurden die Schindereien einwandfrei festgestellt. Von einigen Zeugen wurde der Ueber- zeuguug Ausdruck gegeben, daß die Mißhandlungen die Veranlassung zum Selftmord wäre n.� Während der Ritt m e i st e r früher derselben Ansicht war, erllärte er in der Verhandlung auf Befragen nach einigem Schweigen, daß Herr- mann keine Lust zum Dienst gehabt habe!! Den Gefreiten schilderte er als einen sehr„diensteifrigen" Vor- gesetzten! Der Angeklagte gab zu,„einigemal" geschlagen zu haben, erhöbe aber nur die Rekruten„richtig erziehen" wollen! Nach seiner Meinung habe sich Herrmann aus Furcht bar Strafe das Leben genommen!„Ich glaube bestimmt, daß sich Herrwann das Leben genommen hat, weil er täglich geschlagen wordeu ist," erklärte einer der Zeugen! DgS Kriegsgericht verurteilte den Angeklagten zu 4 Monaten Gefängnis! ES hat als erwiesen angenommen, daß die fortgesetzten Mißhandlungen in Herrmann das Motiv zum Selbstmord ge- wescn sind und mit Rücksicht darauf, daß durch die Quälereien weitere derartige Gefahren hätten herbeigeführt werden können, auf obige Strafe erkannt. Beantragt waren 6 Monate Gefängnis I .. Breslauer Richter und Schutzleute. Weil er einen nach Meinung einiger Passanten angetrunkenen Schutzmann, der wild mit dem Säbel um sich gehauen und Vor- übergehende mit«Vagabunden" usw. tituliert hatte, kritisierte, erhielt Genosse Wichard. Schiller als früherer perantwortlicher Redakteur der Breslauer„Volkswacht" 3 Monate Gefäng- n i s l Der Staatsanwalt hatte nur 2 Monate beantragt. Ein Stroßendemonstrant wurde am Sonnabend zu IS M. Geldstrafe verurteilt, weil er angeblich mit seinem Rade nicht schnell genug vorwärts gegangen war, als ein Schutzmann das verlaugte. Der Schutzmann hatte den Alann ohne jeden Grund (er konnte im Gedränge mit seinem Rode gar nicht vorwärts) den Rücken mit seinen Fäusten bearbeitet. Herr v. Ger lach-Berlin war Zeuge des Vorfalles, teilte seine Wahr- nehmungen much dem Präsidenten mit, der sie der Staatsanwalt- schaft übergab. Der Staatsanwalt aber, der bekanntlich nur die eine Aufgabe kennt, die„Wahrheit zu ermitteln", lud Herrn v. G. nicht als Zeugen, sondern lieh den mißhandelten Arbeiter eiligst verdonnern.. In der Berufungsverhandlung wird er nun gefragt werden, weshalb er diesen der Polizei unangenehmen Zeugen und eine ebensolche Zeugin nicht geladen hat. Aber: Nur ein Barr wartet auf Antwort!_ franhmcb. Das NterSvcrsorgungsgesetz angenommen. Paris, 31. März.(W. T. B.) Die Deputiertenkam- mer hat allen Artikeln deS AltersverforgungsgescheS in der vom Senat beschlossenen Fassung zugestimmt und darauf mit SM gegen 4 Stimmen das Gesetz im ganzen angenommen. Italien. DaS neue Kabinett. Ro«, Sl. März. DIe.Agenzia Stefani" veröffentlicht die Liste des neuen Kabinetts, die mit der gestern gemeldeten übereinstimmt. Das Ministerium für Landwirtschaft ubernimmt Raineri. Englancl. Die Beto-Resolntioneu. Lonbap, 31. März. Unterhaus. Premierminister ASquith kündigte an. er hoffe, daß die allgemeine vorläufige Diskussion der das Vetorecht der LordS betreffenden Resolutionen am 4. April beendet sein werde. Die Regierung werde am S. April einen Borschlag vorlegen, für die Bemessung der Zeit zur Dis- kusfion der Veto-Resolutionen, sowie die Veto-Resolutionen an- genommen seien. werde die Regierung eine Resolution vor- schlagen, welche die auf die Diskussion deS Budgets 1900/1910 zu verwendende Zeit regele. Dann begann die Debatte über das von der Opposition beantragte offizielle Amendement. Rußland. Der Todesstoß gegen Finnlands Freiheit. Der Zar hat in seinem am Ostersonntag unterzeichneten Manifest den Schlußstein zu dem Werke gelegt, Finnland im Bunde mit seinen Helfershelfern in eine russische Provinz zu ver- wandeln. Die Vorschläge der russischen Mitglieder der russisch- sinnischen Kommission, die von einem ihrer Autoren durch den Hinweis begründet wurden, die Staaten seien nicht durch Worte, sondern durch Blut und Eisen begründet worden, sollen nun mit geringen Aendcrungen in einem Gesetzentwurf der Duma und dem Reichsrat vorgelegt werden. Bei der ultrareaktionären Zusammensetzung der vom Staatsstreich geborenen Duma ist die Einbringung eines solchen Gesetzentwurfes natürlich die reinste Farce. Ebensowenig Bedeutung hat der Passus des Zaren- manifestes, daß es dem finnischen Landtag gestattet sei, inner- halb eines Monats ein Gutachten über den Inhalt des Gesetz- entwurfes abzugeben. Diese Aeüßerlichkeiten können niemand über die Tatsachen hinwegtäuschen, daß die Eroberung Finnlands durch den russischen Gendarmen die völlige Vernichtung der vom Zaren beschworenen Verfassung, die Etablierung der russischen Knutenpolitik in Finnland schon jetzt beschlossene Sache ist. Für die EntWickelung Rußlands in den Jahren nach der Niederwerfung der Revolution kommt dieser Gewaltstreich keines- Wegs unerwartet. Auch die Konterrevolution hat ihre innere Logik, die die siegreiche Reaktion zu einer steten Gefahr für den Frieden, für die Kultur macht. Das Volk soll-über die trostlose Lage im Innern durch äußere Erfolge hinweggetäuscht werden. Bei den» völligen Niedergange der äußeren Macht Rußlands blieb den russischen Expanstonöpglitikern nur Finnland, um zu den „Siegen" über das eigene Volk einen neuen glorreichen Sieg über da« unter russischer Oberhoheit stehende finnische Volk zu fügen. Daß Nikolaus II., unterstützt von den herrschende».Parteien, einen Schritt gewagt hat, bor dem all seine Vorgänger seit Alexander I.. die gleich ihm die Sonderrechte Finnlands feierlich beschworen hatten, zurückgeschreckt sind, ist für die„konstitutionelle" Eni- Wickelung des heutigen Rußlands ebenso charakteristisch, wie die Unverfrorenheit, mit der der Zar internationale Verträge um- stößt und auf die öffentliche Meinung Europas pfeift. Offiziöse Soldschreiber sind nun eifrig an der Arbeit, um den Rechtsbruch des Zaren durch fadenscheinige juristische Gründe zu rechtfertigen. Aber nach den Darlegungen der finnischen Mit- glieder der rujsisch-finnischen Kommission, den Erklärungen der Parteien im finnischen Landtage, den Deklarationen der deutschen, österreichischen und holländischen Gelehrten und dem internationalen Gutachten über die finnische Frage, die eine Reihe der namhaftesten Völkerrechtslehrer kürzlich in London fällte, erübrigt es sich, auf die rechtliche Seite der Frage einzugehen. Sie alle stellen fest. daß die Autonomie Finnlands kein vorübergehendes Privileg, sondern ein gesetzliches Recht sei, und daß die Kompetenz des finnischen Landtages nur mit seiner Einwilligung geändert werden dürfe. Nur daß hierin nicht der Schwerpunkt der Frage liegt. Obgleich die europäischen Mächte den finnischen Ver- fassungskämpfen ein größeres Interesse entgegenbringen als den russischen, weil die Russifizierung und Militarisierung Finnlands bei seiner strategischen Lage eine Kräfteverschiebung zu- gunsten Rußlands bedeutet, so ist doch auf eine Unter- ftützung Europas nicht zu rechnen. Das wissen natürlich auch unsere sinnischen Genössen, denen die Führung im Kampfe gegen den Zarismus zufällt. Sie begrüßen mit Genugtuung das Ein- treten der europäischen Gelehrtenwelt für die Rechte Finnlands, das dem Zarismus die Möglichkeit raubt, seinen Gewaltakt durch quasi wissenschaftliche und historische Gründe zu rechtfertigen und ihn zwingt, seine Blut- und Eisenpolitik offen vor aller Welt zu proklamieren. Aber im übrigen sehen sie ihr Heil nicht in ver- gilbten Akten und papierenen Verträgen, sonder» appellieren an das sinnische Proletariat, sein Recht im hartnäckigen Kampfe zu behaupten.— Ranada. Auf dem Wege zum Imperialismus. Ottawa» 31. März. Finanzminister Fielding erklärte im Hause der Geineinen, ein Ergebnis deS Zollabkommens mit den Vereinigten Staaten sei die Anerkennung des Rechts der englischen Kolonien, s ich Vorzugszölle einzuräumen. Kaiwda habe es abgelehnt, den Vereinigten Staaten für die ganze Reihe der im Zollvertrag mit Frankreich ent- holtenen Artikel ermäßigte Zollsätze einzuräumen, und sich das Recht vorbehalten� Gegenseitigkeitsverträge mit anderen Ländern ohne Be- rückstchtigung der amerikanischen Zollgesetze abzuschließen. Präsident Taft habe den dringenden Wunsch ausgedrückt. Verhandlungen zum Zwecke weiterer gegenseitiger Handels- abmochungen zu eröffnen und versprochen, dem Kongreß diese Politik zu empfehlen. In der Tat ist die Anerkennung der Vorzugszölle ein sehr wichtiger Erfolg nicht nur Kanadas, sondern der englischen imperialistischen Politik. Beruht doch der Plan ChamberlainS auf der Möglichkeit, England und feine Kolonien dadurch zu eineni riesigen einheitlichen Wirtschaftsgebiet zusammenzufassen, daß daL britisch«-Weltreich sich gegen das Auülaud mit einer Schutzzollmauer umgibt, während innerhalb des Reiches die einzelnen Teile stark ermäßigte Zollsätze genießen. Die Anerkennung der Vorzugstarife durch Amerika wird den englischen Imperialisten als wichtiges Ar- gument gegen die Einwände der Freihändler dienen. Em der parte!* Parteiliteratur. Im Verlag von J. H. W. Dietz Nachf. in Stuttgart ist soeben erschienen: Theorien über de» Mehrwert. Aus dem nachgelaffeuen Manuskript„Zur Kritik der politischen Oekonomie" von Karl Marx. Herausgegeben von Karl Kautsty. Band III (Schlußband). Der dritte Band enthält: Von Ricardo zur Vulgär- ö k o n o m i e. XVI und 602 Seiten. Preis broschiert 7,50 ge- bunden in Leinen 8 M., in Halbfranzband 9 M. Bereits erschienen sind: Erster Band. Die Anfänge der Theorie vom Mehrwert bis Adam Smith. Zweite Auflage. XX und 430 Seiten. Preis broschiert 5,50, in Leinen gebunden 6 M.. in Halbfranzband 7 M. Zweiter Band. Erster Teil. David Ricardo. Zweite Auflage. XU und 344 Seiten. Preis broschiert 4,S0 M.. in Leinen gebunden 5 M„ in Halbfranzband 6 M. Zweiter Band. Zweiter Teil. David Ricardo. Zweite Auflage. VI und 884 Seiten. Preis broschiert 5 M., in Leinen gebunden S,S0 M., in Halbfranzband 6,S0 M. Im Verlage der Buchhandlung Vorwärts, Berlin, erschien: Die Wahlrechtsvorlage. Verhandlungen deS preußi» schen Abgeordnetenhauses nachdem amtlichen Steno- g r a m m der Sitzungen vom 10. bis 12. Februar 1910. Heraus- gegeben von der Landesko in Mission der preußischen Sozialdemokratie. Preis 60 Pf. Die Broschüre, die u.a. auch die„großzügige" Rede deS preußischen Ministerpräsidenten von Bethmann Hollweg und seine Be- gründung der Wahlrechtsmißgeburt enthält, dürfte unseren Genossen im Kampfe für das allgemeine, gleiche, geheime und direkte Wahl- recht gute Dienste leisten. Führer durch das preußische Einkommensteuergesetz. Von Arbeiter- sekretär Rudols W i s s e l l. Zweite ergänzte Auflage. Preis 30 Pf. Biblische Geschichten. Von Max Maurenbrecher. Heft 6: Die Propheten. Skizze der Entwickelung der israelitischen Religion. Jedes Heft ist für sich abgeschlossen und kostet 1 M, Volks- ausgäbe 40 Pf. Im Verlag von B i r k u. C o., G. m. b. H.. München, er- schien: Handbuch der sozialdemokratische» Parteitage 1868—1909. Von Wilh. Schröder. Heft 7 und 8. Es werden darin behandelt: Gewerkichaflsbewegung—„Gleichheit"(Frauenzeitschrist)— Handels- Hilfsarbeiter— Hausindustrie— Impfzwang— Inserate— guter- nationale Beziehungen der Partei— Jugendbewegung— Kalender — Karlelle— Kausmannsgerichte— Kinderschutz— Kohlennot— Kolonialpolitik— Kommunalpolitik— Kompromisse mit bürgcr- lichen Parteien— Kontrollschutzmarke— Krankenversicherung— Landarbeiterfrage._ Ein sozialdemokratischer Standesbeamter. Di« Regierung der Pfalz hatte, wie toir seinerzeit meldeten. die Anstellung eines dritten Adjunkten als Standesbeamten in Kaiserslautern nicht genehmigt unter der Begründung, daß hierfür kein Bedürfnis vorliege. Auf die Beschwerde de» Stadtrates an das S t a a t s m i n i st e r i u m ist nunmehr der Beschluß der Regierung verworfen und Genosse Schmaller nls Standesbeamter bestätigt worden. Personalien. Für dle„FrSnkischeTag«Spost"tnNürn- b e r g wird zum 1. Juli ein Chefredakteur gesucht. Genosse Kurt Et s n e r legt die Chefredaktion am I. Juli nieder. Unsere Tote«. In München ist Genosse Karl Götzenberg er im Mer von S4 Jahren auS dem Leben geschieden. Er gehörte der Partei seit ihrem Besteben an. Unter dem Ausnahmegesetz sowohl als später hat er stets in den vordersten Reihen der Partei gekämpft und iyr manchen wertvollen Dienst geleistet. Der Klassenstaat wertete einmal diese seine„mnstürzlerische Tätigkeit" mit sechs Monaten Gefängnis, die Götzenberger in Laufen verbüßen mußte. Er war einer der Gründer des alten Maurerbundes, als dessen Kassierer er mit der Polizei manchils Tänzchen zu bestehen hatte. Nach der Umwandlung der Lokalorganisation in eine Zahlstelle des Zentral- Verbandes der Maurer Deutschlands übernahm er den Borsitz der Zahlstelle, bis er als Baukontrolleur Anstellung fand. In Götzen- berger verliert die Arbeiterbewegung einen selbstlosen, wackeren Streiter- polizeiliches, gerichtliches ulv» Eine Freisprechung. DaS„Hamburger Echo" hatte seinerzeit ein Urteil deS Oberkriegsgerichts deS IX. Armeekorps ein„Entsetzen er« regendes" genannt. Darauf wurde Genosse K ö p k e wegen Bei e i d i g u n g des O b e r kr i e g s g eri ch t s angellagt. Das kritisierte Urleil hatte folgende Geschichte: Am 20. Januar 1909 wurde der Husar Henke vom Kriegsgericht der 36. Division wegen Simulation und wissentlich falscher Anschuldigung in Verbindung mit verleumderischer Beleidigung Vorgesetzter zu vier Monaten Ge- fängnis verurteilt- Das Gericht hatte ihn schuldig erachtet, Geistes- krankheit simuliert und Umeroffiziere fälschlich der Mißhandlung Untergeb»ner beschuldigt zu haben. Gegen dieses Urteil legte der Kriegsherr Berufung ein. weil ihm die Strafe nicht hoch genug er- schien. Das Oberkriegsgericht des IX. Armeekorps hob das Urteil in der Tat auf und erkannte entgegen dem auf zehn Monate lautenden Antrage des Anklagevertreters auf drei Jahre sechs Monate Gefängnis, die später in der Revisionsinstanz aus drei Jahre herabgesetzt wurden. Am 3V. März wurde die Anklage gegen den Genossen Köpke vor dem Landgericht in Hamburg verhandelt. Gonosse Köpke erklärte, datz er gegen die Stichmarke kein Bedenken gehabt habe, er habe es subjektiv als Entsetze» erregend empfunden, daß ein nach dem Sachverstäiidigeugutachten des Professors Dr. Buchholz geistig minderwertiger Mensch zu einer so schweren Strafe verurteilt worden sei, nachdem die erste Instanz eine Ge- sängniöstrafc von vier Monaten für eine ausreichende Sühne er- achter hatte. Das Urteil des Obcrkriegsgerichls einschließlich der Sachverständigengmachken deS Professors Dr. Buchholz und dreier anderer ärztlicher Sachverständiger wurde verlesen. Nach dieser Verlesung erklärte der Staatsanwalt Dr. Schön, daß er die Anklage nicht aufrecht zu erhalten vermöge, da er eine strafbare Beleidigung weder in dem durchaus ob- jektiv gehalteneu Bericht noch in der Ueberschrift zu erblicken vermöge, er beantragte daher Freisprechung. Nach ganz kurzer Beratung erkannte das Gericht ans Freisprechung und dem Antrage des Verteidigers gemäß Uebernahme sämtlicher Kosten, einschließlich der notwendigen Auslagen deS Angeklagten, auf die Staatskasse. Ao�iales. Betrügerische Lieferungen seitens Innungen. Der Armenrat in Nürnberg hatte die gesamte Brot« lieferung für städtische Anstalien der Nürnberger Bäckermeister» Innung übertragen. In letzter Zeir mußten wiederholt einzelnen Meistern' die Lieferungen öntzogen werden, weil die Herren U N- aenießbar es Brot ablieferten. Nachdem das beirügerische Treiben dann von anderen Meistern der Innung fortgesetzt worden war, beschloß nun der Armenrat, alle J'nnungS- meiste» von den städtischen Lieferungen auS- zuschließe» und gegen einen, der sich nicht damit begnügt hatte, minderwertige Ware zu liesern, sondern die Stadt auch noch im Gewicht betrogen,(bei 1 Kilo« gramm Brot gleich 130 Gramm Mindergewicht l!) Strafautrag wegen Betruges zu stellen. Bezeichnenderweise gaben die Bäcker- nieffter nur an die Armen anstatt minderwerügcS Brot, während die Lieferungen für andere Institute der Stadt nicht zu beanstanden waren. Jetzt klagen die Freunde der unreellen Jimungsbrüder'ber Unfreundlichkeit der Stadt gegenüber dem--— Mittelstand Unentgeltliche Beerdigung in der Schweiz. Im Kanton Thurgau kostete im Jahre 1909 die unentgeltliche' Beerdigung insgesamt 68 270 Fr., wovon 31 377 Fr. der Staat und 36 898 Fr. die Gemeinden trugen. Da der Kanton Thurgau zirka 120 000 Einwohner zählt, so belastet diese ichätzenswerte soziale Ein- richtung jeden im Durchschnitt- mit nur rund 50 Cts. Wie groß ist aber die Erleichterung, die die uneutgeliliche Beerdigung bei einem Todesfälle in einer Arbeiterfamilie gewährt. Typhus der Tunnelarveitcr. In Goppenstei» an» südlichen Teil des LötschbergtunnelS(Kanton Bern) herrscht unter der zahlreichen Arbeiterschaft, die mit ihren Angehörigen«ine Kolonie von zirka 2000 Personen zäblt, der Typhus, der durch schlechtes Wasser wie durch die elenden UmerkmiflSverhält- niffe der Arbeiterbevölkennig verursacht sein soll. Die Tunnel» Unternehmung soll zur Erstellung von Baracken angehalten werden. Klus der frauenbewegung. Sozialdemokratische FrauenklubS in Holland. Leeuwarden, 26. März 1910. Im Lokale der Arbeiter» genossenschaft„Excelsior" z» Leeuwarden wurde am Sonnabend vor dem Parteitage der S. D. A. P. die zweite I a h r e§ v e r- s a m m l u n g des Verbandes Sozialdemokratischer FrauenklubS ab- gehalten. Die Vorsitzende Frau Wibaut-Amsterdam teilte mit, daß neun KlubS vertreten seien; zwei andere, die sich ebenfalls demnächst dem Verbände anschließen wollen, hätten gleichfalls Delegierte gesandt. AuS finanzieller Schwäche konnten sieben weitere Klubs sich nicht vertreten lassen. Zwei Klubs gingen aus Mangel an leitenden Kräften verloren, wie sich überhaupt der Mangel an Rednerinnen und organisatorischen Kräften fühl- bar macht. DaS Organ„De Proletarische Vrouw" machte ans- gezeichnete Propaganda; eS zählt 1648 Abonnenten und hat eine Auflage von 3200 Exemplaren. Leider kümmerten sich selbst voran- stehende Parteigenossen nur sehr wenig um die Arbeit der Klubs. Der sozialdcmolratische Abgeordnete zur Zweiten Kammer, Genosse DuhS. habe sich selbst in der Kammer dahin ausgesprochen, daß er die Frau in den Haushalt zurückwünsche, waS in direktem Wider- spruch mit dem sozialdemokraliichen Prinzip stehe. Auch die Rc- daktion deS Parteiorgans„Het Volk" zeige ganz verkehrte Begriffe über das Bestreben deS FrauenklubS. Eine Vertretung auf den Parteitagen wünschen die Klubs ans organisatorischen Gründen, um in enger Fühlung mit der Partei zu bleiben und unter deren Kontrolle ihre spezielle Aufgabe zu erfüllen. Ein Resultat des Wirkens der Franenklubs sei, daß in dem E»t- wurf zur Aenderung der Verfassung mit Bezug auf daS allgemeine Wahlrecht die Forderung des allgemeinen Fraiienwahlrechts, das in dem ursprünglichen Entwurse fehlte, nachträglich aufgenommen worden ist. Auch sei dem Kampfprogramm der Partei die Forde- rung der MutterschastSversichcrung infolge dieses Wirkens hinzu- gefügt. Genossin Fräulein H. Ankersmit referierte über„die Arbeit der Frau in der internationalen Bewegung" und Genossin Frau Wibaut über„sozialistische Erziehung". Alle Vorstandsmitglieder wurden wiedergewählt und zum Schlüsse spornte die Vorsitzende die Frauen an, ihre besondere Aufmerksamkeit zu widmen demallgemeineu Frauenwahlrecht. {SewerkfcbaftUche� Das Kartell der(ftettknecber! ffm ersten Osterfeiertag wurde in Berlin ein Kartell„Vater kindischer Staatsarbeiter" gegründet. ES geschah dies gelegentlich der Abhaltung des dritten Bundestages des Bundes Deutscher Telegraphenarbeiter, Vorarbeiter und Handwerker, Schafe im Januar 136,25 M.(1909: 116,77 M.). im Februar 134,25 M.(118,25 M.) und im März 132,66 M.(118,22 M.), Schweine im Januar 136,75 M.(1909: 130,22 M.), im Februar 134,6214 M.(130,12 M.) und im März 130,44 M.(125.33 M.)._ Die Arbeitslosigkeit im Tabakgewerbe wird mit jedem neuen Monat umfangreicher. Als im August 1909 der Andrang am Ar- beitsmarkt der Tabakindustrie plötzlich von 100 auf 400 hinaufging, nahm man zuerst an. daß. dies nur die Reaktion auf die über- mäßig flotte Tätigkeit vor der neuen Steuer sein würde, die sich bald wieder verlieren würde. Nun hat sich aber der Andrang am Arbeitsmarkt nicht allein während der zweiten Hälfte 1909 gar nicht abgeschwächt, so daß das laufende Jahr schon mit einem Andrang von durchschnittlich 860 Arbeitsuchenden auf je 100 offene Stellen begann, während der Andrang im Januar vorigen Jahres nur 205,24 betragen hatte. Und während von Januar auf Februar gewöhnlich eine Abnahme des Andranges einzutreten pflegt, ging er in diesem Jahre trotz der außerordentlichen Höhe im Januar im Februar noch weiter hinauf und erreichte einen Umfang von nicht weniger als 1364,49. Im Februar 1909 hatte der Andrang dagegen 192,79 betragen; er ist demnach in diesem Jahre fast siebenmal so groß wie voriges Jähr. Vor allem ist die Arbeitslosigkeit in der hamburgischen Tabakindustrie rapid ge» wachsen; das Angebot Arbeitsuchender geht über das vorjährige um da» Dreifache hinaus. Zugleich ist aber auch die Zahl der offenen Stellen empfindlich zurückgegangen. Nicht viel besser steht eS in den anderen Bezirken der Tabakindustrie aus. So ragen Westfalen, die Provinz Sachsen, ferner die Königreiche Sachsen und Württemberg mit einem außergewöhnlich hohen Andrang hervor. Elektrische Hoch-«nd Untergrundbahn. Wie der Geschäftsbericht der Gesellschaft für das vergangene Jahr ausweist, stellt sich die Einnahme auf 7 1 36 541 M. (5 763 397 M.) Beickäftigl wurden 1559(t. 8. 1422) Angestellte. Nach Absetzung von 67 630 M. für Abschreibungen, ergibt sich ein Reingewinn von 2 270 264 M.(1 851 256 M.). der wie folgt Ver- Wendung findet: Reservefonds 100 180 M./, Uhr.) Srbbrl. Keilen.(Ans. S>/« Uhr.) Voltsoper. Der PosttMon von Lonjumeau.(Ansang S'<, Uhr.) Luisen. Hossnung aus Segen. lltoir. Prectosa. Luftiptelhau». Die goldene Frei- heit verlöhnungSsest Me»-v»ol. Halloh II— Die große Revue. Sulirs Caprice. Herr Wasserkrops. Der Lustturner.(Ans. 81/» Uhr.) Caftno. Berlin bei Nacht. Vedr. Herrnfeld. Die beiden BtndelbandS.— Die Original- KladriaSpartie. Skoack. Wach- und Schließgesellschasl. Ap-ao. In den Lasterhöhlen von San Francisco. Spezialitäten Pai.age. Spezialitäten Wintergarten. Spezialitäten. »ieichsbaNen. Steltiner Sänger. Palast. Spezialiläten. Karl Haverland. Spezialitäten. Walhalla. Svezialitäien Buggenhage». Spezialitäten(An- Urania. Z'»»i>e»ftrns»e tUiit». Rachmittag« 4 Uhr- Rom und die llampagna. Abend» 8 Uhr: In den Dolomiten. Gtenni'une, g»oalid«»str. 67—62 Lessing-Theater. 8 Uhr- DaS Konzert. Sonnabend, 8 Uhr: Da» Konzert. Sonntag, 8 Uhr: Da» Konzert. berliner Tkeatei*. Heute 8 Uhr i TAiflllln Morgen: Taifun._ Neues Theater. Abends 8 Uhr- Die goldene Ritterzeit. Morgen und folgende Tag«: Nie goldeut KitterM. 7be»ler lies Westens. Heut« und solaende Tage 8 Uhr: Di««rschirdene Fran. Sonnt. g>/, Uhr- Der sidele Bauer. Mslltit-WilttiltititSlHIilittu Schauspielhaus. Freitag, dm 1. April, abends 8 Uhr- Gastspiel de» Neuen Schauspielhauses- Alt-Heidelberg mit Harry Waiden. Sonnabend: Alt- Heldelberg. Sonntag nachm. s llhr! Die Jung- stau von Ltastspielhaus. Abend« 8 Uhr: Die golden« Freiheit. Hieraus: DaS Bersöh nnngsfeft. Ope-�e-tte-n.'I'ttsntv»-. Heute und solgende Tage 8 Uhr: Der Gras von Luxemburg. Sonntag nachm. 3 Uhr zu ermäßigten Preisen: vor Zllgauoordaron. ResidenzTheater Direktion: Richard Alexander. Abend» 8 Uhr: Das Nachtlicht. Schwank in 3 Akten v. M. ZamacolS. Belle-Alliance-Straße Str. 7/8. Abends>/,? Uhr: ver poslillioa von Lonjumeau._ Luisen-Theater. Premiere: Hoffmmg auf Segev. Sonnabend: Der Klapperslorch der Königin. Sonntag nachm. 3 Uhr- Gib mich frei. Abends 8 llhr- Hoffnung auf Emen. Montag: Der Klapperstorch der Königin._ Schiller-Theater. Schiller-Theater 0.(Wallner-Theat.) Freitag, abend« 8 U h r- Walienntein* Tod. Et» Trauerspiel In S Auszügen Von Friedrich Schiller. Ende h Uhr. Sonnabend, abend« 8llhr: Man« Lange. Sonntag, nachm. 3 U h r: Vtal Lärmen um nicht«. Sonntag, abends 8 Uhr: _ Eurmont._ Brauerei Friedrichshain am Königstor. GrSstter Konzertsaal Berlins. Bom 27. März bis zum 3. April: Tnnl Llncke-Woche Panl Lineke. Schiller- Theater(Charlettenhiirg). Freitag, abend» 3 Uhr: tZoIdiinchc. Lustspiel in 4 Sitten von Franz von Schönthan und Gustav Kadelourg. Ende>0'/, Uhr. Sonnabend, abend» VUHr: Oolditaclic. Sonntag, nachm. 3 Uhr: ver netncidbancr. Sonntag, abend« 8 Uhr: Ooldflache. ren Komponisten Anfang an Sonn« und Festtagen 6'/, Uhr, wochentags 8'/, Uhr. Entree ISO Ps., reservierter Platz 7iS Ps. Rlllett« im Vorverkauf zu ermäßigten Preisen(40 resp. SO Ps.) bei Zucht, JinmanueUlrchstr. iL. Hahutsch. Auguststr. SO, und Mann, Petersburger Platz 4.___ Urania. WiBsenschaitliches Theater. Nachmittage 4 Uhr: Rom und die Campagna. Abends 8 Ohr: In den Dolomiten. OSE=TliEATE Große Fraiitluricr Str. 132. Zum erstenmal: �reslasa. Schauspiel mit Gesang und Tan 4 Akten v. Wulff. Musik von We Ans.* Uhr. End« Ii Uhr. Morgen u. solgende Tage: Prcziosa. Sonnlag 3U.: Der Verschwender. Laslspiei-Iireaier. Abend» S1/, Uhr: MI«« Dudclaaek. Tägi. bis Mitle Aprll: Dies. Vorst- Hetropol-Tbealer Hallo!!! Die groiSe Revue! In 8 Bildern von Jul. Freund. Musik v. Panl Linoke. In Szene gesetzt vom Dir. Rieh. Schultz. Anfang 8 Uhr. stauchen geetattet Ab 6 Uhr: Da» vollständig neue Programm. «0 erstNassig« Künstler! 9 Uhr: In den Lasterhöhlen von San Francisco. Amerika« neueste, grüßte SensationS» Pantomime. 10 Uhr: Haleps Juvenile», 80 eng« tische Backfische. Jung-V»gla»d i» Berlin. IMI Hol, marktstraße 72. Vollständig neu«» Programm. lllsa Francha— Collina u. La Man — Mstr. Fred— Erich Caitelli— Mstr. Rejo usw. Fran« Hobamtkl. Zur rechten Zeit. BollSstück mit Gesang in 1 Akt _ von W. fleuntri_ sowie linier Palast-Theater. Burgftraß« 24. vtS-a-vt» der Börse. Ringkampf- Konkurrenz um den„Goldpokal von Berlin- und 0000 M. in bar. Freitag, den L April er. ringen: Beruh. Paaeon gegen Janas HArvath Amerika Ungarn Arth. Barhowskl gegen Hans Schwarz Berlin Weltmstr.(Bayern) Siogteied Adam gegen Frank 8rcokl>n d. Konig d. Riesen Transvaal. Beginn der Ringkämpfe: S'/, Uhr. Preise: O.SO M. bi» S M. Ehren- u. Vorzugskarien an Woihcn- tagen zu halben Kassenpreisen gültig. PSOOSgO-ItlOSlOI. Mo Premiere! Ayoe# die dänische Vortragsdiva # Gaudeamus Altdeutsche Studanfcenscene and das i nrwe irkUN-W»-mi Sarrasani alter Botanischer Garten. Freltae, 1. April 1010, abends 8 Uhr: Herausforderungs- Kampf: Cazeauz de Bastieui der Schrecken seiner Ueimat gegen Michailoff SS, freien Ringkampf :toh os catch can-Stil) AM- jeder Orifk ist erlaubt um den gegenseitigen Einsatz von je 30O Fr. Um zu vermeiden, doli die Kingkämpfer in der Hitze des Kampfes den Manegenrnnd Überschreiten, findet dieser Ringkampf w Löwenkäfig statt, der für diesen Kampf eatra aufgestellt wird. Aufier- im Passage-Panoptikum Während der Osterlerlen bis inkl. Dienstag, 5. April: Volksfage! Erwachsene i Kiltd f l*Oi 1 ,eerhw.,nd ein Geschenk I Alles ohne Extra-Entree. Eintritt 60 Pf., Kinder, Soldat. 25 Pf. W.ftoacks Theatsr Onnmenstr. 16, am Rosentbaler Tor. Größter Lachersolg BcrlinSI Wach- n. Schließgesrllschast. Schwank In 3 Akten. Sonnabend: Sensation»- Novität: Dir Waffen nieder. Sensattoneve» Schauspiel in 4 Sitten v. B. v. Suttner. SM aihaila THfsiler Weinbergsweg 19-20, Rosenth.Tor. — Ansang 8 Uhr.— Neues SpemliMrografflm. Tunnel-Die allergrößteKanone Theaterbesucher freien Eintritt. Mittwoch, den 0. April: Tchlust der Saison! Freitag, den 1. April 1910, abends 7'/, Udr: (Vala-Zport-Vorstellung. Frl. Dora Schumann aus Dewett Hannos. Hengst. SO ckrcunicrt« Tauben der _ HiB Sylva Loyal._ DM- Obergauner,-H» geritten von H. Heß. Oese Kienes, mllitär scher Sielt- oft der drei Gebr. Houeke. Uir. Albert Schumann« neue und moderne Dressuren. Um S'/, Uhr Ende 11 Uhr Das uitiktnöst Schloß in der Normandir oder: Die drei Rivalen. Sonntag: 2 Vorstellungen. Nachmittag«in Kind frei. «nM Konunoudantenflr. 67. T. A. 4, 5083. Herrnseld-Zyllu» 3. Serie: Die beiden Bindelbands. Die Original- Klabrias• Partie mit Anton und Donat Herrnscld. Ans. 8 Uhr. vornerkaus 11—2 Uhr Sonntag nachm. 4 Uhr: Ei« N.ttungSmittel und Eine Nebergangs-Ehe. Ait-.Noablt 47/4». Sonntag, den 3. April 1910: Die Ehre. Schauspiel in 4 Akten o. Sudermann. Cssino-Theater Lothringer Straße 37. Täglich 8 Uhr. Berlin bei Nacht. Posse in 3 Akten von G. Schäßltl Pörasint. Sonnt. 4U.: Ein dsiilsoh. Frauenherz. T rianon-Theater. «bendS S Uhr: Theodore& Cie. Tonbild-Theater Heute vollständig neue» Programm! Jede« Bilo ein Schlager. von 5—11 Uhr. 3 Vorstellung> aj Enir. Erwachs. _ Kinder 30Pf.) 10../ ohne Nachzahl. Zirkus Busch. Heute, Freitag, den I. April, abends 7'/, ührpräz.: Gr. euSerordentlleher Gala-Abend. Itebut! Dehnt! Max Crlgopy-Truppe. Dompteur HenrlckMcna konkurrenzlose Tigerdretsur I Hr. E. Schumann, Neudross. Gigerlclown Alfred Daniels. Therese Fillls, James Leon Fillis jun., Heinrich Fillis, in ihren Produktionen d. hohen Schule. 9'/. Dhr ca. Ende 10*/4ühr: Die ruts. Sensations-Pantomime Marja! Polles Caprice Heute und folgende Tage: vor Luf iturner« Neuer bunter Teil. Rcrr Wasserkropf. Ansang 6'/, Uhr, voroerkaus ll-8Uhr. Karl haverland Ansang Theater, präz. 8 U. 77/79 Kommandantenstraße 77/79. jptü.jitjjt, Liiiputaner-Truppe _ prolongiert._ Jlrtushof ♦ ►Perleberuer StraQe TO.* Jeden Sonntag; 7 Jaul$ Springers; Kabarett, and Possen-Qesellschaft. Anf. Konz. 5 Uhr., Vorst 7 Uhr. Tanz. Voigt-Theater Gesundbrunnen, vadstr. 68. Freitag, den 1. April 1910 t Verlorene Ehre. Schauspiel in 3 Akten v. Bohrmann- Riegen. Freitag, den 8. April: Benestz- Vorstellung sür HanS KniSPel: Da» lrtste Wort. Sanssouci, IZ",",: Dtreition Wilhelm Reimer. Sonntag, Montag und Donnerstag: Noikmsnns und Tanzkränzchen. Eonnt.Beg. K, wochent. 8 U. Stet« nein:», hoch- moderue» Programm! Aktuelle Dchkager! Rciedsdcllcll-flicslci'. Sfsfflrtor Sänger (Meyiel, Britten, Schräder usw.) Ansang; Wochentags 8 Uhr Sonntag» 7 Uhr. ffllr den Inhalt der Inserate «vernimm« die Redaktion dem Publikum gegeuuber keinerlei Verantwortung. des g. Beri. Reichstags- ff atilkreises. Todes- Anselge. Am 29. Mär» verstarb unser Mitglied, der Former Wilhelm Haupt Dolberg« Str. 23. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 2. April, nach» mittags i Uhr. von der Leichen- dalle des Dantes- Kirchhofs, Reinickendors-West, aus statt. Uni rege Beteiligung ersucht 226/11 Der Vorstand. Towarzysto Socyalistow Polskich w Berlinie. Wponiedziateb dma28 Marca podtngoletnich cierpieniaoh umart nasz stary i szczery towarzysz Franciszek Wonner. Czesc jego p amisei i Pogrzeb odbedzie vis nacmünuirzu Friedricbsiolde daia 2. ogodzinie 4. Zarzad. Deutscher Holzarbeiter- Verband Zahlstelle Ober-Schcineweide. Am 29. Mörz verstarb nach langem Leiden im Ätlter von 28 Jahren unser Mitglied, der Tischler Wilhelm Schirmacher Ehre seinem Andenken l Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 2. April, nach« mittags 4 Uhr, von der Leichen« Halle de« hiesigen Gemeinde« Friedhofes ans statt. Dt« Kollegen werden ersucht. sich zahlreich zu beteiligen. 81/6 01» Lokalverwaltung. Verband deutscher Gastwlrtsgebilfen (Ortsverwaltung Berlin I.) Am SS. MSrz starb in Aus- führung seines Berufs plötzlich am Herzfchtag unser Mitglied DrusT Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Freitag, den t. April, noch« mittags 81/, Uhr, von der Halle des Friedvoss der Simeon-Ke- meinde In Britz. Tempelhoser Weg, Ecke Marlendorser Weg. aus statt. Um zahlreich« Beteiligung ersucht 284/12 Der Vorstand. Deutscher Iranspcrtarbeiter- Verband. Bezirktverwaltung Groll-Berlin. Xachrnf. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Rollkutscher «Julius Scheffel am 26. März Im Alter von 73 Jabren verstorben ist Ehre seinem Andenken l Die Beerdigung hat bereits stattgesunden. 68/3 Tie Beztrksverwaltung. Zentral-Kranken- u. Sterbekasse der deutschen Wagenbauer. Filiale Berlin III. Nachruf. Den Mitgliedcrm zur Nachricht, daß unser langjährige« Mitglied �uxust Beutel am 25. März verstorben ist. Ehre seinem Andenken Z 14766 Die OrtSverwaltnng. Danksagung. 5 Cr die vielen Beweise »ahme und die zahlreichen Kranz- spenden bei der Beerdigung meines sieben ManneS, unseres guten Vaters August Thiem sagen wir allen Verwandten, Freunden und Bekannten, insbesondere dem Wahlverein de« VI. Kreise« sowie dem Musikvercin.Nordische Klänge" unseren tiefgesühltesten Dank. 147Sb Die trauernden Hinterbliebenen. Da »nksagnng. überaus zahlreich« ür die überaus zahlreich« Teil« nahm« und reichen Kranzspenden bei der Beerdigung unserer innigst« geliebten Tochicr arie sagen wir allen Freunden, Bekannten, Kollegen und Genossen unsere» aus- richtigsten Dank. 1466b Familie Bonlfz, 5..��«.«?. Hygienische'Äfr Drogerie Zaremba, Danksagung. Für die zahlreiche Beieiligung und die liebevolle Spendung bei der Be- erdigung meine« lieben ManneS sage allen, insbesondere den Kollegen vom Stettiner und Anhalter Bahnhos meinen herzlichsten Dank. 1467B Agnes Richter. „Berliner Ärbeiler- Radfahrer-Iferer Mitglied des Arbeiter» Radsahrer-Bundes .Solidarttat-. Touren zum Sonntag, den it. Apritz. 1. Slbt.: 1 Ubr: Alt«(»limiiSe (Sulz). Start: Bülowstr. 58. 2. Abt.: 7 Uhr: Hoppegarten («ilder Mann), l Uhr: Kaulsdors (Götze). Start: Fontane.Promenao« 18 3. Abt.: 7 Uhr: Picheiswerder (Freund). 12 Uhr: Arbeite,«Wohl- sabrts- Ausstellung Charlottenburg, nachdem„VolkShauS». Siosinenstr. 3. s. Abt.: 1 Uhr: Besuch der Krankenhäuser Frredrichshain. Bctha- nie», nachdem Baumschulenweg (Speer). Start: Oderbergerslr. 28. 7. Abt.: 1 Uhr: Johannisthal (Schulz). Start: Köslmerstr. 8. S. Abt.: 1 Uhr: Zehlendors(Mick). Start:«aldstr. 8. 10/10 9. Abt.: 1'/, Uhr: Glienicke bei HcrmSdors. Stait: Schillingstr. 15. Gemehisamen Ortskrankenkasse zu Adlershoi für das Rechnungsjahr ISvS. a) Einnahmen. I. Kassenrechnung. 1. Kastei?bestand für den R. Ansang 3. RechnungS. jahreS 2. Zinsen von Kapitalien 3. Eintrittsgelder,.« 4. Gcwintbeiträge... 5. Zusatzbelträge für Fa- milienunteistützung. S. Ersatzleistungen für ge. währte Krankemmte» 2 977,60 5 237,17 4 654,90 206 954,52 slützung Ersatzleistungen von Berussgenossevschasten, Unternehmern, Ber. sichcr-ungSanstalten für gewährte KrankenfÜr« lasienelniägen, Ent« nahmen aus dem Re» servesonds..... 9. Durchlausende Posten 10. Sonstige Einnahmen. 8972,47 2763.27 24 847,65 705,41 706,79 11. Summe d. Einnahmen 252 Hlbjb b) Anncaben. 1. Für arztl. Behandlung 33 220,51 88908.44 80 322,48 2769.- 6 264,30 4012,03 81 494,25 3 794,32 508.47 14 237,17 831,14 2. Für Arznei u. sonstige Heilmittel..... 3. Krankengelder: a) an Mitglieder.. b) an Angehörige der Mitglieder... 4. Unterstützungen an Wöchnerinnen.,, 5. Sterbegelder.... 6. Kur« u. VerpflegungS» kosten an Kranken» an stalten..... 7. Fürsorge für Rekon« valeszenten.... 8. Ersatzleistungen sür gewährte Krankenuntcr« slützung..... 0. ZurückgezahlteBelträge und Millritlsaelder. 10. Für Kapitalanlagen (Sparkasse, Zufühnin« gen zumReservesonds) 11. Durchlausende Posten 12. Verwaltungsausgaben: a) persönliche... 14 625,95 b) sächliche.... 4 093,94 18. Sonstig« Ausgaben. 17 522,20 14. Summe der Ausgaben 217 504,20 c) AbschluD. Summe d. Einnahmen (Ziffer a) U)... 252819,78 Summe dcrAusgaben (Ziffer- b) 14).. 217 504,20 Kassenbestand 5 316,58 II. Vermsganssutweis sür dm Schluh des Rechnung«» jahreS 1909. Da« Gesamtvermögen der setzt sich wie folg! zusammen: 1. Attivai a) der Bestand sür den Schlus, des Rechnungsjahres 1909 It. vorstehend. Abschluß 6 315,68 b) Sparkassenbuch.. 178 527,38 SUMM« 183 812,96 2. Passiva......— 8. Ueberschuß der Aktiv» 183 842,96 Nach dem vorjährigen Slbschlusi bcirilg der Ucberschuh d. Akiiva llt5 ,46 Ergibt gegen daS Vor-' jähr a» Ueberschnsj der Aktiva weniger 8 272,60 Zum Reservesond» gehören nach den statt- gesunde»«» Ueber« weis.(Entziehungen) 178 527,38 Nach dem vorsährigen Adschluh betrug der Reservesond».- Ergibt gegen da» Bor» jahranReservesondS weniger.... 10616,48 M« BctrlebSsonds ver- blelben der Kasse. 5 315,58 Adl-rShof, den 30. Mär, 1910. Kasse Tischlermein. t. h, 89. Sonnabend, den 2. April, abend» 8'/j Uhr, Mrlchlorstr. 15: Versammlung. Borkag. verelusangelcgenheileii. 198/8 Ter Äorstand. Freireligiöse Am Montag, 4. April, abends 8 Uhr, bei I. Meier, Sebastianstr. 33: DM" Beschließende Versammlung.-Wz TageS-Ordnung: 1. Bericht des Vorstandes. 2. ff LUV? Ahl dk8 VOrStaDdCS« 3. Gemeindeangelegenheiten. Da die Versammlung die wichtigste beS ganzen Jahres ist, werden die Mtglieder dringend ersucht, zu erscheinen. 57/5 Dor Vorstund. irbeiter-Biiduogssehule. Sonntag, den 3. April 1910, abends 7 Uhr. im KSnigftadt-Kafino. Holzmarklstraße 72: VortrsZ der Genossin Luise Zietz über: Die Stellung der Frnu einst und jetzt. Eintritt 89 Pf. eno» Garderobe frei. Nachdem:««mtttllcbv. Bclsamm enaeln und Tann. Deutscher Arbeiter-Sängerbund. Qaa Berlin and ümseeena. Köpenick. Montag, den 4. April er., abends 8Vs Uhr, im Kaiserhof: (öffentliche Sängervers ammlung. Reieient: Reichstagsabgeordneter lülvlibarn: ny Was will der Deutsche Ardeiter-Gitngerdund?-Mg Arbettsnattiweis: Hos l. Amt 3, 1239. PerwatenngSstelle Berlin. Hauptdureau: OdarltöstraSo 3. Hos III. Amt 3. 1987. Sonntag, den 3. April, vormittags 10 Uhr: M Allgemeine Versammlung der Rohrleger und Helfer Berlins und Umgegend in KellerS„Neue Philharmonie", Köpenicker Straße 36/97. Tages-Ordnung: 1. Können sich die Rohrleger und Helfer«tt de« von den Arbeitgebern bewilligten Tarif einverstanden erklären? Kollege Haadte. 2. Diskussion. Kollegen! Mit Rückficht aus die gegenwörttg« Sttuatton ist es not- wendig, dah ew jeder von Euch sür«inen zahlreichen Versammlungsbesuch agittert, denn tn dieser Versammlung mutz den Arbeitgebern bewiesen werden, datz die Tarisfrage sür die Mehrheit der Rohrleger und Heiser BertlnS und Umgegend noch nicht erledigt ist. Deshalb erscheint Mar für Mann! Die Versammlung wird pünttltch eröffnet. 113/15 Die OrtsverwaUnnjE. Orts- Kraukenkasse der Mechaniker, Optiker and verwandten Gewerbe zu Berlin. Vom«. April d. I. ab befindet sich das Kassenlokal teniler M M „Huckeachcr Hot" «. Hof. Ausgang 5, 1 Treppe. ■MT«m 1. und 2. April bleibt das Kassenlokal de» Umzugs wegen '"»offen. 272)11* crliu. dm 39. Mär, 1910. Der Borstand. Gemäß Nr. 7 der Anweisung vom 10. Jnli 1892 zur Aussührimg de» Krankenverficherungsgesetzes setze ich w Abänderung des Erlasses vom 21. Mai 1907— O. P. 9846— den durchschnittlichen Togclohn sür die Mttglicder der OrtS-Kranlenkasse der Uhrmacher zu Berlin und zwar: a) sür männliche Mitglieder über 16 Jahre ausschlietz» lich der Lehrlinge aus. 3,60 M. d) sür weibliche Mitglieder über 16 Jahre auf.. 2,20# c) für männliche Mitglieder unter lS Jahren und sür Lehrlinge aus... 1,80# d) für weibliche Mitglieder unter 16 Jahren aus. 1,40, hierdurch fest. Der Oberprästdent. Vorstchendc Abänderung bringe» hierdurch zur Kenntnis. Der Vorstand der Ort?- Krankcntassc der Uhrmacher 1471b Berlin. L. Itztsob, Vorsitzender. H.pkau,fttiillagist ®cT Dircksenslraße 20 zwischen Bahnhof Alerandcrplatz und Polizeipräsidium.— Amt VII, 13799. tstlr Damen Frauen-Bedienung.» Lieferant für alle Nrantentassen. Heute Freitag, abdS. 8'/z Uhr, im Grwerkschaftshause, Engeluker 14/1S Saal 4(Arbeitsloscnsaal): Sitzung der Ortsverwaltung« Zentralverband der Lederarbeiter. Filiale 1 Berlin. Toantag, den 8. April, vormittags pünktlich IQ Uhr: Mitglieder- Versammlung im Lokal des Herrn Schmidt, Prinzen» Allee Nr. 33. Tages-Ordnung: 1. Stellungnahme zum 1. Mai. 2. Bericht de» Arbeitsnachweis« Kuratoriums über die weitere Gestaltung des Arbeitsnachweises. 3. Verein«- angelegenheiten und Verschiedenes. NB. Vom Monat Mal ab finden, wenn nicht besondere Umstände ob« walten. unsere Versammlungen regelmätzig jeden Donnerstag nach dem 1. statt. 144/4 Der vorstand. eindeitoprel«,,, dl. 12.59 Luxus- Ausfübrnog M. 16,50 Form es, Ausführung, Begsns, Haltbarkelt«PS Freit der Saltmanderotlelsl entsprechen den ▼erwöbntesten Ansprüchen. Fordere SU Musterbuch. v Salamander Scbuhges. m, b. H. Bertin W,8 Friedrich-Strasse 18J C. König-Strasse 47 SW. Friedrich- StraaM 321 0. Roaenthaler Tor W. Potsdamer Strasse 5 NW. Wilsnacker Strasse Eckt Turic.Strane 0- W. Tauentzien-Strasse 16 N« Btd-Slrtsie 20 Spandau, Breite Strass« 80 ÖtogUtz�ohlofl�StraßeSft���� Engelhardt aramel-Bier Alkoholarmes Spezialbräu. 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Die geschlossene Sitzung über Streiks und Lohnbewegungen zeitigte folgenden Besckilub: „Bei Lohnbewegungen, Streiks oder Aussperrungen, die jetzt durch die Taknk der Unternehmer eine immer grötzere Ausdehnung annehmen, soll, wenn irgend tunlich, nicht der Zentralvorstand oder die Gauleitung die Beendigung usw. entscheiden, sondern die Mehrheit der den Verhandlungen beiwohnenden Delegierten." Drei weitere Beschlüsse lauten: t.„Mitglieder, die während eines SweikeS innerhalb des Streikgebietes a) zu den geforderten resp. vereinbarten Bedingungen oder d) bei Abwehrstreiks, Aussperrungen und Sympathiestreiks zu den alte» Bedingungen oder o) bei Angriffsstreiks auf Grund von Versammlungsbeschlüssen von der Beteiligung am Streik ausgeschlossen sind und eben- falls z» den alten Bedingungen arbeiten. haben für jeden Arbeitstag während des AusstandeS einen Extra« deitrag in Höhe eines halben Stundenlohnes zu zahlen." 2.„Der Zentralvorstand erhält die Ermächtigung, im Falle umfangreicher Kämpfe für die an den Kämpfen nicht direkt beteiligten Mitglieder obligatorische Extrabeiträge in Höhe eines Stundenlohnes pro Woche auszuschreiben." 3.„Im Falle eines außergewöhnlichen Abwehrkampfes oder einer Aussperrung verpflichten sich die Filialen, ihre sämtlichen Kassenbestände leihweise zur Verfügung zu stellen." Bei der Statutenberatung werden alle Anträge, die sich auf Einführung der Arbeits- zosenunterstutzung beziehen, abgelehnt. Bei der Krankenunter st ützung werden nur redaktionelle Aenderungen vorgenommen, sonst bleibt das alte Regulativ be- stehen. Vier Anträge zur R e i s e u n t e r st ü tz u n g, welche die Ab- schafsung der Reiseunterstützung für die Wintennonate und für die übrigen Monate ihre Erhöhung auf t.bv M. pro Tag bezw. ihre Auszahlung nach Kilometern verlangen, werden dem Verbandsbeirat überwiesen. Der Eitz des verbände» bleibt verlin; die alten Verbandsbeamten werden wiedergewählt. Knoll wird als Delegierter zum internationalen Kongreß in Kopenhagen gewählt. Die nächste Generalversammlung soll in Berlin stattfinden. Damit sind die Arbeiten der Generalversammlung erledigt. Partei- TJngelegenkeiteii. 1. Krei». Die Mitgliederversammlung findet am Dienstag, den v. April, abends S'/z Uhr, in DräselS Festsälsn(Saal H) statt. Die Tagesordnung ist: Gemeinsame Aussprache über unsere Kreisorganisation. Mitgliedsbuch legitimiert. Zu zahlreichem Besuch ladet ein Der Vorstand. Scheukrndorf bei Königs-Wusterhausen. Am Sonnabend, den 2. April, abends 8 Uhr, findet bei P ätsch die Wahlvereins- Versammlung statt. Der Vorstand. Berliner I�acbrickten. Ueber die hohen Bntterpreise wird allgemein lebhaste Klage geführt. Für die breiten Massen der Bevölkerung ist der Genutz guter Butter ein Luxus geworden, den sie sich nur bei besonderer Gelegenheit leistet. Preise von 1,40, 1.50 und 1.60 Mark für das Pfund Butter sind für die meisten Arbeiterfamilien unerschwinglich. Da wo zwei. drei, vier oder aar noch mehr Kinder vorhanden sind. sind die Eltern beim besten Willen gar nicht in der Lage, die vielen Stullen, die verzehrt werden, mit guter Butter bestreichen zu können. Rechnen wir daS Pfund Butter nur zu 1,40 und nehmen wir an. datz pro Tag ein halbes Pfund verwendet wird, so würde eine Ausgabe von 5 Mar! pro Woche allein für Butter notwendig sein. Dieser Betrag ist aber noch sehr gering be- messen und hat ein sparsames Umgehen mit der Butter zur Voraussetzung. Er wird erheblich höher sein. wenn die Kinder vierzehn, fünfzehn Jahre alt sind und sich in dieser Zeit der körperlichen EntWickelung als starke Esser betätigen. Diese unerschwinglich hohen Preise für Butter haben die arbeitende Bevölkerung schon lange gezwungen, sich Ersatzfetten zuzuwenden. Margarine. Schmalz und andere Fettarten sind die Butter des armen Mannes geworden. Und je mehr die arbeitende Bevölkerung zu diesen Surrogaten greifen mutzte, desto mehr stiegen auch die Preise für diese Ersatzmittel. Auch sie stehen heute im Preise erheblich höher als vor Jahren, wo man sich noch in Arbeiterkreisen scheute. Margarine zu essen. Welcher Mittel man sich auch der Ernährung bedienen mag, mrgends entrinnt man der Aus- beutung durch Reich und Staat und soweit es sich um die notwendigsten Lebensmittel handelt. ist man auch der Beutegier der Agrarier ausgesetzt. Dieser Tage ging eine Notiz durch die Presse. nach der der Hirsch- Dunckersche Ortsverein der Berliner Maschinenbauer be- schlössen haben soll, einen mchrmonatlichen Butterboykott zu verhängen, und es wurde weiter berichtet, datz auch die steien Geiverkschaften beabsichtigten, sich diesem Vorgehen an- zuschlietzen. Uns ist von letzterer Absicht nichts bekannt. Und was den Beschlutz der Hirsch-Dunckerschcn anbetrifft, so wird er wirkungslos bleiben schon der Handvoll Leute wegen, die so beschlossen haben. Eine Macht, die etivas ausrichten kann. fehlt. Zudem aber wird der Butterboykott keinen nachhaltigen Etnflutz ausüben, weil, wie schon gesagt, die grotze Masse der Bevölkerung durch die hohen Butterpreise dem Buttergenutz ganz voit selbst mehr und mehr entsagen mutz. „Gerechtdcnkcnde Bürger." Der Landesdirektor Freiherr v. Manteuffel hat dieser Tage in einem vertraulichen Rundschreiben angeregt,„vorurteilslose und gerecht denkende Bürger" möchten sich zu einer Ehrengabe für die Schutz- Mannschaft als Sympathiekundgebung für diese pflichttreuen Beamten zusammenfinden. Die Pflichttreue der Beamten im Sinne der feudalen Freiherrn kann nur in ihrem standalösen Vorgehen in den letzten Wochen gegen die für ihre politischen Rechte kämpfende Arbeiterschaft gefunden werden. Der erste.gerechtdenkende Bürger" hat schon vor Erscheinen der Manteuffelei dem Polizeipräsidenten 300 M. für die Berliner Schutzmannschaft zur Verfügung gestellt. Dieser„vorurteilslose und gerechtdenkende Bürger" war der Besitzer deS Weinhauses Trarbach in der Französischenstraße, Herr Kreßmann. Dieser Herr ist wegen seiner Vorurteilslosigkeit und Gerechtigkeit den Kellnern gegenüber, deren er etwa 30 beschäftigen soll, eine sehr geschätzte Persönlichkeit. Im„Gastwirtsgehilfen" wurde seinerzeit berichtet, daß die Kellner wohl den fürstlichen Lohn von monatlich 16 M. erhielten, daß sie aber an die Firma jeden Tag 30 Pf. für die von ihr vorgeschriebene und gelieferte Uniform und 10 Pf. für den GlSierspüler zahlen mußten. Außerdem müffe'/«Prozent von der Gesamteinnahme ab- gegeben werden. Dieser Betrag gilt für Gläserbruch. Die Gäste brauchen hier, wie in den meisten anderen Geschäften, wenn sie das Unglück haben, Gläser zu zerbrechen, nicht zu bezahlen. Als die Weltfinna Trarbach im Jahre 1908 in Berlin ihre Weinstuben er- richtete, wurde in einer öffentlichen Gastwirtsgehilfenverfammlung folgendes berichtet: Das ganze Personal für das HauS Trarbach hat der Stellen- Vermittler Ruthenberg zu vermitteln, der zwar keine Gebühren verlangt, bei dem aber die Vermittelten desto größere Zechen machen müssen, da er Gastwirt ist. Schon seit Oktober— der Bau war noch lange ein Rohbau— halte der Herr Ruthenberg den Auftrag und hängte in seinem Lokale ein diesbezügliches Plakat aus, sodaß er den ganzen Winter reichlichen Zulauf stellungsuchender Gastwirtsgehilfen hatte. Wieviel Trarbacher Wein mag bei Rulhenberg von diesen getrunken worden sein? Und warum gerade Ruthenberg, warum war die Weltfirma Trarbach gerade auf ihn versessen? Nun, Ruthenberg war Ab- nehmer von Wein und suchte neben Kellnern und anderem gast- wirtschaftlichen Personal in den Gastwirtschaften auch Wein zu verschachern und zwar Wein von der Firma Trarbach. Aus Dankbarkeit hierfür wurde ihm die Lieferung von Kellnern für das neue Geschäft übertragen. DaS Haus Trarbach hat auch, um einige Pfennige zu sparen, sein gesamtes Personal bei der Krankenkasse der Berliner Gastwirte- innung versichert, deren Leistungen um Bedeutendes hinter denen der Ortskrankenkasse Berliner Gastwirte zurückbleiben. Solche.gerechtdenkende Bürger" wie der Besitzer des Hauses Trarbach einer ist, wird es in Berlin sicher noch mehr geben. Das interessanteste bei der geplanten Sympathiekundgebung ist der Um- stand, daß sie in klingender Münze erfolgen soll. Der Schutzmannschaft wird das natürlich sehr angenehm sein, um so angenehmer, je höher der Betrag ist, der ihnen zugewiesen werden wird. Natürlich wird sicherlich die Höhe der zu erwartenden Geldsumme nicht Einfluß auf daS Recht der Säbelhauerei bei zukünftigen Gelegenheiten ausüben, sonst würde eS schließlich gar nicht abzusehen sein, bis zu welchem Grade die„treue Pflichterfüllung der Beamten", um mit Herrn von Manteuffel zu reden, noch gehen soll. Wie wäre es übrigens, wenn die Beamten ihre Pflicht er- füllten, ohne wie besessen auf harmlos dahergehende Berliner Bürger einzuhauen? Hätte auch in diesem Falle der Landesdirektor der Provinz Brandenburg die gerechtdenkenden Bürger zu einer Sympathiekundgebung aufgefordert? »Zur Aufrrchterhaltung der öffentlichen Ordnung." Von einem seiner Leser erhält das„Berliner Tageblatt' das nachstehende, ebenso amüsante wie lehrreiche Schreiben: Sehr geehrte Redaktion! Sollte Ihnen das Thema„Wahlrechtsdemonstration und ihre Folgen" noch nicht übermäßig eingehend behandelt erscheinen, so möchte ich Sie bitten, folgendes in Ihrem geschätzten Blatte zu veröffentlichen: Wie kann der Staatsbürger gegen Polizeimaß- nahmen protestieren? 1. Er läßt sich zu überlauten, uiworsich- tigen Aeußerungen hinreißen; die Folgen find Geld- oder Frei» heitsstrafen. 2. Er klagt selbst gegen die Polizei; dann gelangt er. auf den nicht immer rosigen und mitunter etwas langen Instanzen- weg. 3. Er schreibt eigenhändig an die Polizei; dann kann er vor Staunen krank werden. Fall 1 und 2 sind wohl die häufigsten und hinreichend bekannten; zu Fall 3 möchte ich mir erlauben. das Folgende mitzuteilen: Ich schrieb an den Polizeipräsidenten von Berlin, Herrn v. Jagow: „Ew. Hochwohlgeboren erlaube ich mir, folgende Beschwerde zu unterbreiten: Ich hatte gestern, Sonntag, den 6. März, mit meinem Bruder in Charlottenburg gegen Vi3 Uhr nachmittags einen Wagen der Straßenbahnlinie„Charlottenburg— Kupfergraben" bestiegen, um, unbehelligt von den Wahlrechtsdemonstranten, nach der Dorotheenstraße gelangen zu können. Am Branden- burger Tor wurden wir mit sämtlichen Insassen von Schutz- leuten in dem manchen Unterbeamten mitunter eigenen groben Ton gezwungen, den Wagen zu verlassen und mitten in die Demonstrationsbewegung hineinzugeraten. Ich protestiere gegen eine derartige Maßnahme, die mich hindert, mein Geld abzu- fahren, und mich friedlichen Bürger in die Gefahr bringt, mit Demonstranten überritten zu werden. Wir konnten uns nur im angestrengten Laufschritt aus dem Bereich der auf dem Königsplatz umhersprengenden Beamten bringen, während wir im Schutze des Straßenbahnwagens, der übrigens durch völlig freie Straßen leer weiterfuhr, vollständig sicher ans Ziel gekom- men wären. Ich frage nun den Herrn Polizeipräsidenten: Aus welchen Gründen und welchen Veranlassungen wurden hier gleich. gültige, ruhige Bürger in die Demonstrationsbewegung gedrängt. und wie will es die Polizei verantworten, wenn diese friedlichen Leute nach dem bekannten Satze:..Mitgefangen, mitgehangen" unschuldigerweise, von der Menge eingekeilt, vor die flachen Klingen der Schutzleute geraten? Hochachtungsvoll K. Donath, Niederschönhausen. Uhlandstraße 13." Zweck dieses Schreibens war: den Polizeibehörden aus prak- tischer Erfahrung heraus anzudeuten, daß es angebracht sei, nicht jedermann aus der Menge nach einem Schema zu behandeln, und ich glaubte in meinem naiven Gemüt, so etwas wie Dankbarkeit verdient zu haben für meine Anregung. Ich erhielt folgende, von Herrn v. Jagow eigenhändig unterzeichnete Antwort: „Auf die Beschwerde vom 7. d. M. Die am 6. März d. I. am Brandenburger Tor getroffenen polizeilichen Maßnahmen waren zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung erforderlich. gez. Jagow." Ich las und staunte, meine Gedanken verwirrten sich, und während des Tages ging mir nur immer im Kopfe herum:„AuS dem Straßenbahnlvagen herausbefördcrt zur Aufrechter. Haltung der öffentlichen Ordnung,— über den Königsplatz gejagt zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung!" Hochachtungsvoll K. Donath. Einen nicht minder originellen Bescheid erhielt ein Arbeiter aus Baumschulenweg, der sich an den Landrat des Tel- rower Kreises gewandt hatte. IlnS wird hierüber geschrieben: „Am 6. März, als man den Treptower Park absperrte, kam ich mit meiner Frau von einem Ausflug. Als wir schon nahe an Banmschulenweg waren, stießen wir auf eine Anzahl Gendarmen, welche uns den Durchgang verwehrten. Zufälligeytveise hatte ich einen Steuerzettel bei mir. und daraufhin konnten wir nach unserer Wohnung gelangen. Mer diese Belästigung friedlicher Bürger rief in uns eine Empörung hervor, und so hielt ich eS für nötig, an den Landrat des Kreises Teltow folgendes Schreiben zu senden: „Als Bürger von Baumschulenweg habe ich am Sonntag, den 6. März, zu meinem Erstaunen erfahren, welche Zumutung von der Polizei Hierselbst dem friedlichen Bürger entgegen- gebracht wird. Als ich am Sonntag, den 6. März, mittags um 2 Uhr, von einem Ausflug zurückkehrte, und zwar von Niederschöneweide kommend, wurde mir am Uebergang des Stichkanals von den daselbst aufgestellten Gendarmen der Durchgang verwehrt. Glück- licherweise konnte ich mich legitimieren, daß ich Bürger von Baumschulenweg war. Wäre ich andernfalls nicht im Besitze einer Legitimation gewesen, wäre mir nichts weiter übrig ge- blieben, als den Weg nach Niederschöneweide zurückzugehen, um per Stadtbahn nach meinem Orte zu fahren. Auch beim Ver- lassen des Bahnhofs Hierselbst(Baumschulenweg), war es un. möglich, Durchgang zu bekommen, da man hier in gleicher Weise die Absperrung nach mde der Spree zu gelegenen Ortsteil vor- nahm. Also es wäre mir ohne Ausweis unmöglich gewesen. nach meiner Wohnung zu kommen. Als friedlicher Bürger hat man soviel Anspruch darauf, auch ohne Ausweis nach seiner Wohnung zu gelangen. Es wäre wünschenswert, daß man die Absperrung in der Weise handhabt, daß der im Orte Wohnende nicht mit derlei Dingen belästigt wird. Man weiß überhaupt nicht, was man dazu sagen soll." Hierauf erhielt ich folgende Antwort: „Aus Ihrer Zuschrift vom 8. d. M. freue ich mich, ersehen zu können, daß die Absperrung am vergangenen Sonntage s o rücksichtsvoll gehandhabt wurde, daß es Ihnen ohne Schwierigkeit gelungen ist, Ihre Wohnung zu erreichen, was bei ähnlichen Vorkommnissen leider nicht immer gewährleistet wer- den kann." (Unterschrift des Landrats unleferlich.) Diese Antwort deS Landrats ist keine sachgemäße; sie ver- höhnt den Beschwerdeführer noch. Die Folgen einer solchen Be- Handlung werden sich bei den nächsten Wahlen zeigen. Der Magistrat hat jetzt im Einverständnis mit der Stadt- verordnetenverjammlung gestattet, daß die Zahlung der Dienst- Pensionen, Witwen- und Waisengelder einschließlich der laufenden Unterstützungen und der Erziehungsgelder sowie der Bezüge an Ruhegeld usw. im Postanweisungsverkehr nicht nur bis zu 800 M., sondern in jeder Höhe ohne Einzelquiltung und versuchsweise auch durch Ueberweisung im Girowege erfolgen darf. Die Zahlung geschieht wie bisher auf schriftlichen Antrag, für welchen Vordrucke in der Stadthauptkasse ohne Entgelt erhältlich sind. Eine LiebeStragödie hat sich gestern nachmittag in der Jungfernheid« abgespielt. Dort schoß ein junger Mann im Alter von etwa 18 Jahren einem jungen Mädchen von 16 Jahren eine Kugel in den Kopf und sich selbst in die Schläfe. Der von der Polizei gerufene Arzt Dr. Böttcher vom Nonnendamm ließ die beiden Schwerverletzten in einem Krankenwagen der SiemenS-Swuckert-Werke nach dem Kranken- haus Westend schaffen. Beide hatten Schußwunden in der rechten Schläfe; bei dem Mann war die Kugel am Knochen abgeprallt und etwas oberhalb der Schußwunde wieder herausgetreten. Dem Mädchen war die Kugel ins Gehirn gedrungen, von wo sie noch nicht entfernt werden konnte. Es fehlt jeder Anhalt, wer das Paar ist. In der Westentasche des Manne« fand man einen Zettel mit der Aufschrift:„Paul» Wolter, Pölitz, Schützenstr. 4". Da« Mädchen hatte in einer Tasche vier leere KuvcrtS, auf dem einen standen die inhaltsschweren Worte:„Nur nicht nach Hause". Beim Spielen überfahren und getötet wurde gestern mittag der vier Jahre alte Sohn Paul der Arbeiterwitwe Genke aus der Wein» straße Nr. 4. Der Kleine spielte mit seiner sechsjährigen Schwester und anderen Kindern vor dem Hause Höchstestraße Nr. 46„Kriegen". In dem Augenblick, als von der Landsberger Straße her der Wagen einer Weinhandlung die Höchstestraße heraufgefahren kam, gab ihm eine Gespielin im Eiser des Jagens einen so heftigen Stoß, daß er hinfiel. Zum Unglück flog er gerade vor ein Hinterrad des Wagens. Dieses ging über ihn hinweg und drückte ihm den Brust- kästen ein. Die Mutter, die der Kutscher herbeirief, trug den Ver» unglückten auf ihren Armen nach dem Krankenhaase am Friedrichshain. Als sie dort mit ihm ankam, war er schon tot. Die Leiche wurde beschlagnahmt. Eine„Privatgesellschaft" eigener Art wurde vorgestern von der Kriminalpolizei in der Bülowstraße aufgelöst. Im Erdgeschoß des Hauses Nr. 22 bestand seit vierzehn Tagen ein Ausschank, ohne daß die Polizei dafür die Erlaubnis erteilt hatte. Der Wirt ließ auf der Straße Zettel verteilen, deren Inhalt gleich bewies, daß es mit seinem Betriebe«ine eigene Bewandtnis haben mußte. Die Unterschrift lautete:„Ich weiß Bescheid." Nicht jeder er- hielt so einen Zettel. Die Verteiler sahen sich ihre Leute an und gaben sie nur an die, die ihnen„geeignet" erschienen. Anderen nutzte der Zettel auch nichts. Wer für das Stichwort kein Verständnis hatte, der kam böcbstenS in das Vorderzimmer, und auch dort war seines Bleibens nicht lange. Wer dagegen mit einer entsprechenden Handbewegung das Stichwort abgab, der gelangte ungehindert in das Hinterzimmer. Ein Betrieb dieser Art mußte bald auffallen und e§ dauerte auch nicht lange, daß die Kriminal» Polizei auf ihn aufmerksam wurde. Nach einigen Beobachtungen wußte auch sie Bescheid. Vorgestern abend besetzten mehrere Beamte unauffällig die Ausgänge, dann ging einer hinein. Er wurde an- gehalten wie jeder neue Gast, aber das Stichwort öffnete ihm alsbald die Tür zum Hinterzimnier. Dort traf er etwa 30 Mann in einer Lage, die keinen Zweifel daran ließ, mit wem er eS zu tun halte. Nachdem sich jetzt auch die anderen Beamten Einlaß verschafft hatten, wurden alle Gäste festgestellt. ES befanden sich darunter Angehörige der besten Gesellschaftskreise, zum großen Teil auch Leute, die der Kriminalpolizei bereits bekannt waren. Das Lokal wurde ge- schloffen, gegen den Wirt ein Verfahren wegen Duldung der AuS- schweifungen und unerlaubten Ausschenkens eingeleitet. Er be- hauptet, daß es sich nur um eine Privatgesellschaft gehandelt habe. Vorort- l�ackrickten. Weisienfee. Am zweiten Tage der Etatsberatung wurden unseren Ge. nassen wegen ihres Verhaltens bei der Gesamtabstimmung deS Etats von den Bürgerlichen Vorhaltungen gemacht. Herr Teichert wollte der Linken beweisen, daß es in der Hauptsache wieder der Grundbesitz ist. der bluten müsse. Seien es doch allein 82 000 M. Grundwertstcuer, die die Grundbesitzer mehr zahlen müßten. Unsere Genossen wiesen darauf hin, daß dieses Mehr erstanden sei durch die im Jahre errichteten Neubauten und ferner durch den Verkauf des alten RiescllandeS. Gleichzeitig erklärte unser Redner, daß nach all den stattgefundenen Abstrichen usw. die Sozialdemokraten den Gesamtetat ablehnen. Hierüber entspann sich dann eine ausgedehnte Debatte, in der Herr Langsch das lvahre Gesicht der bürgerlichen Herren zeigte. Danach wollen sie eS in Zukunft nicht mehr zulassen, daß die Vertreter der dritten Abtei» lung lange Reden halten, um zum Schluß den Etat doch abzu» lehnen. Hierauf kam es zu heftigen Auseinandersetzungen, in deren Verlauf Herr Langsch zu verstehen gab, daß er es so böse nicht gemeint habe. Gegen den Gcsamtetat stimmten außer unseren Genossen noch Herr Fechner(bürgerlicher Grundbcsitzeropponentj, und Herr Tr. Pape(besoldeter Schösse)'. Ach» Teitteiudeschulciat wurde angeregt, mehr Mittel für Lehr- und Lernmittel an be- dürftige Kinder einzusetzen, bor allem müßte gegen diejenigen Eltern, welche nicht sogleich in der Lage sind, die erforderlichen Bücher usw. anzuschaffen, die größte Nachsicht geübt werden. Beim Etat des Grunderwerbsfonds betonte Herr Könitz, Direktor einer Terraingesellschaft, daß die Gemeinde durch ihren großen Besitz- tum sich um 30 000 M. Grundwertsteuer bringe, diesen Ausfall müßten wiederum die Grundbesitzer aufbringen. Von unseren Genossen bekam auch dieser Gernegroß die gebührende Antwort. Bei den Abgaben an den Kreis forderte Genosse Taubmann die Kreistagsdelcgierten auf, bei der nächsten Krerstagssitzung den Landrat zu interpellieren, aus welchen Gründen er dein Berliner Polizeipräsidenten am 0. März Gendarmen des Kreises Nieder- barnim zur Verfügung gestellt habe, die am genannten Tage iin Treptower Park auf wehrlose Spaziergänger mit blanker Waffe eingeschlagen haben. Wie nicht anders zu erwarten, zeigten die KmStagsabgeordneten hierzu keine Lust; nur Schöffe Rothe er- widerte, daß der Kreistag sich mit Politik nicht beschäftige. Da die Vertreter der Sozialdemokratie absichtlich vom Kreistage fern- gehalten wird, so wird man vom Landrat eine Aufklärung nicht erhalten. Beim Ansatz„Biersteuer" wurde sogleich die neue Bier- steuerordnung mit verhandelt; hier war es Genosse Frentz, der mit aller Schärfe diese Ordnung bekämpfte. Er betonte den schweren Stand der Gashvirte und wartete mit 13 verschiedenen Steucrarten auf, die teils durch die Reichsfinanzreform sowie durch kommunale Belastung die Gastwirte treffen. In nament- licher Abstiinmung wurde dennoch die Biersteuerordnung mit 13 gegen 12 Stimmen angenommen. Ein Fiasko erlitten noch die Gründer des unabhängigen„Weißenseer Tageblatts", diese wollten, daß die amtlichen Bekanntmachungen in ihrem Blatte veröffent- licht und ihnen dafür 200 M. Subvention aus Gemeindemitteln gezahlt Iverdcn. Unsere Genossen beantragte», daß wenn diese Summe bewilligt werde, dann auch dem„Vorwärts" dieselbe Ver- günstjgung zu gewähren sei. Diese Forderung ging den Herren denn doch zu weit; es wurde daher der erste Antrag in nament- licher Abstimmung gegen drei Stimmen abgelehnt. Nach dem Steuersoll beträgt der Zuschlag zur StaatZein- kommensteuer 113 Proz., der Ertrag ist mit 253 000 M. eingesetzt. Für die Einkommen von mehr als OSO bis 000 M. sind bei gleich- falls 113 Proz. 6000 M in Anrechnung gebracht. 113 Proz. Zu- schlag von den Forensen sollen 72 430 M. ergeben. 245 Proz. Gewerbesteuer 118 090 Mk., 30 Proz. Betriebssteuer 1390 M.» Gemeindegrundsteuer 0 M. pro Tausend der unbebauten Grund- stücke 222 000 M.. 3,60 M. pro Tausend der bebauten Grundstücke 304 200 M. Indirekte Steuern: Lustbarkeits- und Billettsteuer 33 000 M., Hundesteuer 32 000 M., Brau- und Bicrsteuer 30 000 Mark, Umsatzsteuer 130 000 M., Wertzuwachssteuer 163 000 M. Insgesamt 1 388 230 M. Hiervon sind an den Kreis abzuführen 114 338,40 M. Nieder-Schönelvcide. Ter vor einigen Tage» gemeldete Ueberfall eines Dienstmädchens in der Berliner Str. 3 soll sich nach polizeilichen Ermittelungen als von den, Mädchen erfunden herausgestellt haben. Rudow. Ei» weiteres größeres Favrikunternrhmen dürste fich demnächst am hiesigen Orte ansiedeln. Die Terrain-Gesellschaft am Teltow- Kaya! Rudow-Johannislhal A.-G. hat von ihrem Jndustriegelände ani Teltow-Kanal mehrere Morgen mit Bahnanschluß und Hafen an ein industrielles Unternehmen(Ebemifche Fabrik) zur sofortigen ÄebaUung verkauft. Die Fabrik ist das achte größere Fabrik- untenlehmen, das sich im Laufe weniger Jahre in Nudow ansiedelt. Strausberg. Eine» schrecklichen Tod fand das fünfjährige Töchterchen des Rottenführers Buchholz, Kaiserstraße 19. Frau B. hatte in Be- S.leitung ihres Kindes eine Freundin aufgesucht, und während ich nun die Frauen im Wohnzimmer aushielten, kletterte daS Kind auf die Balkonbrüstung hinauf und stürzte aus dem dritten Stockwerk auf die Straße hinab. Das Kind war auf der Stelle tot. Oranienburg. Die Maifeier soll in diesem Jahre laut Beschluß der letzten BezirkswahlvereinSversammlung besonders imposant gestaltet werden. Der VormiltagSversanimlung soll ein Umzug durch die Stadt voran« gehen, für nachmittags und abends ist ein Vergnügen geplant. Die ausgelöste Jugendlommission wurde aus der Versammlung durch eine neue ersetzt. Beim Bericht von der Berbands-Genrralversammlung wurde der Beschluß von der Abschaffung der Tätigkeitsmarken be- grüßt._ Wahlergebnisse. Brih-Buckow. Bei der gestrigen Gemeindevertreterwahl wurden 634 Stimmen abgegeben. Hiervon erhielt Genosse Franz H e i n tz e 469 und der Gegenkandidat Gehran 165 Stimmen. Unsere Fraktion in der Gemeindevertretung zählt sonach jetzt 4 Mann. Zehlendorf. Die vorgestern und gestern stattgefundencn Stichwahlen hatten folgendes Resultat: Im I. Bezirk erhielt der sozialdemokratische Kandidat Genosse G o h r e 222 Stimmen, der Kandidat der Beamtenvereinigung Eickrodt 288 Stimmen. Gegenüber der Hauptwahl haben wir einen Stimmenzuwachs von 83 zu verzeichnen. Im II. Bezirk wurden für den sozialdemokratischen Kandidaten Genossen Ulm 193, für den Kandidaten der Beamtenvereinigung Lang 339 Stimmen abgegeben. Hier hatten wir gegenüber der Hauptwahl einen Zuwachs von 20 Stimmen zu verzeichnen. Die Gegner hatten in der Stichwahl etwa 100 Forensenstimmen beigebracht._ Öenebts- Zeitung* Die Geheimnisse einer Wurstfabrik wurden wieder einmal durch eine Anklage wegen Vergehens gegen das NahrungSmittelaefetz enthüllt, die die 3. Strafkammer des Landgerichts III gestern beschäftigte. Der Angeklagte Hermann Sonntag betreibt unter der Firma Metz u. Sonntag in Lichten- berg, Frankfurter Chaussee 140, eine Wurstfabrik, in welcher, wie der Angeklagte erklärte, Wurst„nach koscherem Stil" gemacht wird. Der in dieser Wurstfabrik übliche„koschere Stil" scheint jedoch mit bedenklicher Unsauberkeit gleichbedeurend zu sein, denn die Be- weiSaufnahme ergab wenig erbauliche Dinge. Ein dort beschäftigt gewesener Sclilächtergeselle Hoffmann hat nach seiner Versicherung die Unsauberkeit und die Art, wie daselbst„feine Leberwurst" her- gestellt wurde, nicht mehr ertragen können, seine Stellung aufge- geben und Anzeige erstattet. Nach seiner Darstellung herrschte in dein Fabrikationsraum für Wurst, die in großen Quantitäten an- gefertigt wurde, die größte Schmutzerei. Der Fußboden war fast ständig schmutzig und wurde viel zu selten gerernigt, es wimmelte von Natten, die die Fleischhalter emporkletterten, über die Fleisch- Vorräte herfielen, das Fleisch anfraßen und sich fröhlich mästeten. Weder waren Fallen aufgestellt, noch war sonst etwas getan, um die vielen Natten zu vertilgen; auch die Fleischstücke waren durch keinerlei Vorrichtungen gegen die Attacken der Ratten, die die Träger von allerhand Krankheiten und Unrat sind, zu schützen. Bemerkte man, daß Fleisch von Natten angefressen war, so wurde das angefressene Stück allerdings abgeschnitten und zu Hunde- futter bestimmt; wie oft es aber nicht bemerkt und das Fleisch ruhig verwendet worden ist, ist nicht festzustellen. ES ist auch vor« gekommen, daß Fleischtetle, die von den Gesellen dem Kübel für Hundefutter überwiesen worden waren, vom Angeklagten alS .zu schade" für diesen Ztoeck und geeignet zur Wurstfabrikation erklärt wurden. Die letztere ging i» nicht sehr appetitlicher Weise vor sich. Es wurde minderwertiges Fleisch, welches man sonst zu diesem Zweck nicht verwendet, zu Lebertvurst verarbeitet: Kopf- fleisch, Abfallfleisch, Sehnen, Nackenbände, Augen, Gekröse, etwas Lesse?— alles kam in de» großen Kessel, aus dem dann als Meisterwerk die„feine Leberwurst" entstieg, die zu recht respek- tablem Preise verkauft wurde. Schließlich sollen auch die Geräte in ungenügender Weise gereinigt worden sein. Diesen Be- kundungen des Hauptbelastungszerigen widersprach zwar der An- geklagte energisch, sie fanden jedoch in den Aussagen zweier Schlächtergescllcn, die noch heute bei ihm beschäftigt sind, im wesentlichen ihre Bestätigung.— Als am 13. Januar nach erstatteter Anzeige der Tierarzt Lehmann zur Revision in der Wurst- küche des Angeklagten erschien, fand er unter anderem auch einen Haufen Fleisch vor, welches in einem Kessel aufgebrüht wurde und verdorben war. Aus diesem Grunde wurde die Anklage nicht nur auf Grund des ß 10, sondern auch auf Grund des Z 12 des Nahrungsinittelgesetzes erhoben. Letzteren Punkt hielt der Staats- nnwalt jedoch nicht aufrecht, da es sich um einen Vorbereitungsakt handelte; er beantragte aber auf Grund des§ 10 eine Gefängnis- strafe von�drei Monaten. Das Gericht verkannte nicht, daß ab- scheuliche Schmutzercien festgestellt worden, glaubte aber doch noch von einer Gefängnisstrafe absehen zu könne» und verurteilte den Angeklagten zu 300 M. Geldstrafe eventuell 50 Tagen Gefängnis. Schuh gegen Polizei und Justiz. Polizeibeamte begehen strafbare Handlungen; angeklagt werden die durch dir strafbaren Handlungen geschädigten Zivil- Personen.— Diese die preußische Polizei und Justiz kennzeichnende Erscheinung wurde wieder einmal dieser Tage vor dem Posener Schöffengericht gerichtlich, ja sogar von der Anklagebehörde selbst festgestellt. Dort hatte sich der Viehhändler Alexander Wronowirz aus Schwersing bei Posen wegen Nuhestörung, Bcamtenbeleidigung, Sachbeschädigung, Widerstand gegen die Staatsgewalt und Arrest- bmchs zu verantworten. Der Angeklagte hatte mit seinem Freunde Schmidt an einem Eisbeinessen in einem Schwersinger Restaurant teilgenommen. Da sich auch der Stadtwachtmeistcr Wache dort auf- hielt, bot ihm W. eine Portion Eisbein an. Der Stadtwacht- meistcr erklärte cS jedoch unter seiner Würde, daS Eisbein anzu- nehmen. Als aber die Gäste eine Zeitlang aus dem Lokal in einen Nebenraum gingen, konnte der Wachtmeister dem Duft des noch auf dem Tische stehenden Eisbeines nicht widerstehen. Er machte sich daran, has billige Essen zu verspeisen. Die in das Zimmer zurückgekehrten Gäste gaben zu verstehen, daß sie dies Polizei- stückchen nicht sehr taktvoll fanden. Im Lokal erschienen bald darauf zwei Polizisten und brachten eine Tafel, die sie einem herrenlos vor der Tür haltenden Fuhrwerk abgenommen hatten, um die Namenstafel zur Bequemlichkeit der Personalfeststellung des Besitzers ihrem Vorgesetzten zu bringen. Die Tafel machte im Lokal die Runde und war plötzlich verschwunden. Der Wacht- uicister war der Meinung, Schmidt habe die Tafel versteckt und erklärte diesen für vcrhafttt. Dagegen protestierten die Gäste. Darauf hob der eisbeineßlustige Wachtmeister die Verhaftung auf. Jetzt zog wieder Freundschaft zwischen Polizei und den Philistern ein: die Gäste, sowie auch die drei Polizeibeamte» aßen und tranken gemeinschaftlich und gemütlich weiter. W. und Schmidt gingen um 2 Uhr nachts nach Hause. Als sie eine Weile friedlich gegangen waren, trat plötzlich der Wachtmeister an sie heran und gebot ihnen Ruhe und zeigte nicht übel Lust, sie zu der- haften. Da die beiden völlig ruhig gegangen waren, protestierten sie gegen Waches Beginnen und letzterer entfernte sich. Um 3 Uhr nachts polterte eS plötzlich an der WohnungStür des angeklagten W. Als die Ehefrau öffnete, stürmten die drei Polizisten trotz des Protestes der nur notdürftig angekleideten Frau an dieser unter dem Vorwandt vorbei, die Wohnung nach Schmidt durch- suchen zu wollen. W. und Sch. schirrten indes auf dem Hofe die Pferde an, um nach Posen zu fahren. Als die Polizeibeamten ihrer ansichtig wurden, fielen sie über Sch. her und verhafteten ihn. W. forderte die Beamten auf, sein Grundstück zu verlassen. Nun ließen die Beamten von Sch. ab und verhafteten W. Da dieser gerade eine Wagcnrunge in der Hand gehabt hatte, ver- hafteten sie auch diese. W. wurde in die Arrestzelle gebracht. Da die Beamten aber das Schließen der Zelle vergesse» hatten,„brach" W. aus, nahm seine im Flur liegende Wagenrunge und hob die Haustür des Arresthauses aus. Er war somit frei und erstattete nun beim Bürgermeister gegen die Beamten Strafanzeige. Der Bürgermeister drehte jedoch den Spieß um. In der Gerichtsverhandlung bestätigten alle Zeugen die Vor- fälle in der geschilderten Art. Hierauf gab der Anklagevertreter seiner Entrüstung über das Treiben der Beamten in scharfen Worten Ausdruck. Er betonte, daß der Wachtmeister und seine Beamten sich in einer ganz beispiellosen Weise des Mißbrauchs der Amtsgewalt, HauSfriedensbrnchS, Freiheitsberaubung, Miß- Handlung und wissentlich falscher Beschuldigung schuldig ge- macht hätten und statt des Angeklagten auf die Anklagebank ge- hörten. ES erfolgte Freisprechung des Angeklagten. In der Be- gründung des Urteils betonte der Borsiyende. daß die VerHand- lu»g ein Bild polizeilicher Willkür und Taktlosigkeit gezeigt habe, wie eS krasser nicht mehr gedacht werden könne. Aber die schuldigen Wachtmeister und Polizeibeamten laufen noch frei und ohne Anklage herum. Wer glaubt, daß ähnliches nur um Posen herum sich ereignet? Vermischtes. Die eifenbabnhataftrophe bei Mibeim a. Rb. Wie jetzt festgestellt worden ist, sind bei der Eisenbahnkatastrophe insgesamt zwanzig Personen getötet worden. Gestern früh ist der Soldat Osterland nachträglich im städtischen Krankenhause zu Mülheim gestorben. gerner sind bei der Katastrophe 33 Personen schwer verletzt worden. Diese liegen in den Hospitälern von Mülheim und Köln. Eine große Anzahl, etwa 30 bis 60 leicht verletzte Personen sind verbunden und wieder entlassen worden. Wen triff» dir Schuld? Ueber die Ursache der furchtbaren Eisenbahnkatastrophe wird folgendes mitgeteilt: Der Bahnhof Mülheim hat in der Richtung von Düsseldorf drei Signalstellen. Diese liegen je ein Kilometer weit von einander entfernt. Der Militärzug Rr. 40 hatte die beiden ersten Signalstellen passiert und hielt vor dem dritten Signal, weil daS Gleis, auf das er dirigiert werden sollte, durch einen Eilgut- wagen besetzt war. Inzwischen hatte der Lloydexpreß Hamburg- Genua aus der Richtung Dllsieldorf kommend die Porstation passiert.. Für ihn wurde das erste der drei genannten Signale sofort auf freie Fahrt gestellt. DaS mittlere Signal war vermöge der bekannten Blockeinrichtung noch nicht aufziehbar, weil die dritte Signalstelle den Militärzug noch nicht hatte einfahren lassen, und(dadurch das mittlere Signal noch unter elektrischem Verschluß gehalten wurde. Gerade in dem Augen- blick, als der Militärzug nunmehr am dritten Signal Ausfahrt er- hielt, fuhr der LuxuSzug mit voller Gewalt auf den letzten Wagen des Militärzuges auf. Die Schuld trifft den Lokomotivführer des ExvreßzngeS, der das zlveite Signal, welches auf Halt stand, nicht beachtet hatte. Wie aus W si l h e i m a. R h. gemeldet wird, ist der Führer des Lnxuszuges verhastet worden. A» der Unglücksstätte. Bei den Rettungsarbeiten haben fich vor allein die Arbeiter des Kabelwerkes Guillaume und Felten ausgezeichnet, die sofort mit allerlei Hilfsgerätschaften und Werkzeugen zur Unglücksstelle eilten und hier ruhige und planmäßige Reltungs- und Aufräumungs« arbeiten leisteten. Sie haben viele Stunden hindurch fast über- menschlich gearbeitet, um an manchen Stellen die Verletzten über» Haupt aus den Trümmern herauszubekommen. Große Arbeit ver- ursachte das Abheben eines Waggondaches mit Winden und Stricken, um in da? Innere zu gelangen und die dort liegenden jammernden schwerverletzten und hilflos eingeklemmte» Soldatc» zu be« freien. In einigen Fällen gelang es zwar, den Ober- körper der Verunglückten zu befreien, ihre Beine aber mutzten stundenlang festgellemmt bleiben, ehe es gelang, die Leute ganz aus den Trümmern zu retten. Die halbbefreiten Soldaten wurden gestützt und hochgehalten und man erleichterte ihnen ihre Lage nach Möglichkeit. Die Aerzte von Mülheim und Köln waren sofort erschienen und leisteten überall Hilfe. Auch die Bevölkerung zeigte während des Unfalles große Hilfsbereitschaft, sie sprang ein, wo eS zu Helsen galt, und kam Verunglückten und Geretteten bereit« willig zu Hilfe. Der leitende Arzt im städtischen Krankeuhause zu Mülheim erklärte, daß eine Anzahl der Schwervcrwundeten nicht mit dem Leben davon kommen dürften. Bei sechs Verletzten habe man alle Hoffnung aufgegeben. Nach den Erzählungen der dem Unheil Entronnenen brach das Verderben mit einer ihnen selbst unbegreiflichen Plötzlich- keit in die singende Schar.„Wir saßen vergnügt im Abteil und er- zählten uns," sagt einer der Geretteten,.da gab eS einen furchtbaren Krach, wir flogen durcheinander und wurden elwaS hochgehoben. Dann hörten wir ringsum fürchterliches Schreien und Weinen. Wir sprangen entsetzt aus dem Wagen und wollten in dem ersten Schrecken davonlaufen. Dann sahen wir aber, was geschehen war, horten die Kameraden, die eingeklemmt waren, schreien und versuchten zu helfen. Aus einer benachbarten Fabrik kamen die Arbeiter hinzugelaufen und rissen die Trümmer aus- einander. Wenn sie nicht so schnell dabei gewesen wären, wäre wohl noch mancher umgekommen. Viele Soldaten waren so ein« geklemmt, daß sie erst nach einigen Stunden herausgeholt werden tonnten. Aus einem Fenster steckten fünf Leute die Köpfe und schrien um Hilfe; sie konnten sich nicht bewegen. Die Opfer der Breölauer Gasexplosion. Bei der vorgestrigen Gasexplosion in der Einbaumstraße wurden, wie vom gestrigen Tage aus Breslau gemeldet wird, drei Personen getötet und neun mehr oder weniger schwer verletzt. Die Toten sind der Lehrer Platzek, sein sechs Monate altes Kind. das heute früh aus den Trümmern geborgen wurde, und der Elektro- techniker Reinberger, der gestern beim Borbeigehen an dem Hause einen schweren Schädelbruch erlitten hatte und seinen Ver- letzungen heute früh im Krankenhause erlegen ist. Die Verletzten sind alle außer Lebensgefahr. Die Explosion ist dadurch herbei- geführt worden, daß aus Gasrohren, von denen die Messingverschluß- muffen gestohlen waren, in einer leerstehenden Wohnung im Parterre Gas ausströmte, das explodierte, als die Wohnung mit einer Laterne betreten wurde._ Eine entsetzliche Bluttat wurde, nach einer Meldung aus Chemnitz, gestern mittag in Mitt- weida verübt. Der Arbeiter Max Mann schnitt in Abwesenheit seiner Frau sciuen beiden Kinder» im Alter von 2 und 4 Jahren mit einem Messer den HalS ab und tötete dann die hinzueilende 14jährige Tochter seiner Wirtin Oehne. AlS deren Mutter gegen 12 Uhr nach Hause kam, wurde sie von dem Mörder überfallen und gleichfalls durch Messerstiche getötet. Der Man» begab sich sodann aus den Dachboden des HaufcS, steckte daS Haus in Brand und unternahm einen Selbstmordversuch durch Erhängen. Er wurde jedoch rechtzeitig abgeschnhten und lebend ins Krankenhaus gebracht. Der Brand wurde gelöscht. Der Beweggrund zu der furchtbaren Bluttat ist unbekannt. Auf dem Tische befanden sich mit Kreide ge» schrieben die Worte:»Ich habe das Leben satt." Drei Kinder veninglückt. Aus Bochum wird gemeldet: Drei Kinder spielten in einrr Lehmgrube nahe bei Bochum. Plötzlich gab eine feucht gewordene Lehmwand nach und begrub die drei Kinder unter sich. Nach längeren verzweifelten Anstrengungen herbeigeholter Arbeiter gelang es, die Verschütteten von den Lehmmaffen zu be» freien. Ein Kind war tot, daS zlveite schwerverletzt, während daS dritte mit leichten Hautabschürfungen davongekommen war. Eine Schlagwetterexplosion im Ruhrrevier. Wie aus Gelsenkirchen gemeldet wird, ereignete sich auf Zeche Dahlbusch in Rotrhausen nachts um 2J/3 Uhr bei Reparaturen eine Schlagwetlerexploston, von der fünf ivlann betroffen wurden. Bis jetzt find ein Toter und zwei Schwerverletzte geborgen. Zwei Schachthauer sind in den Schacht gestürzt und vermutlich z« Tvdr gekommen. Man hofft sie im Laufe des TageS zu bergen. Der Betrieb ist nicht gestört._ Zur Ermordung drs Astronomen Charloiß. Einer Meldung aus Paris zufolge wurde vorgestern in NimeS ein Arzt namens Brenges unter dem Verdacht verhaftet, seinen Schwager, den Astronomen CharloiS in Nizza ennordet zu haben- Bei der Haussuchung fand man in einem Rocke Brenges einen Revolver und«in Blatt blaues Papier, das demjenigen gleicht, deffen sich der Mörder bediente, alS er CharloiS unter der Vorspiegelung, daß ein Telegramm für ihn eingetroffen sei, auf die Straße lockte. Brenges beteuert seine Unschuld. Explosion eines Luftballons. Aus Pari« wird vom gestrigen Tage gemeldet: In Luzarche» bei Pontoise ging gestern ein mit vier Personen bemannter Luft» ballon nieder. Als die Dorfbewohner zur Hitsrleistung herbeieilten, explodierte plötzlich der Ballon, wobei drei Luflichiffrr und vier andere Personen verletzt wurden. Dw Explosion soll durch ein brennendes Streichholz hervorgerufen lein, das ein Radfahrer in böswilliger Absicht gegen den Ballon geschleudert habe. Zur Brandkatastrophe in Octkörito wird noch aus Budapest gemeldet: In Oeikörito herrscht Totenstille. In den letzten zwei Tagen wurden 206 Leichen und viele Leichenreste beerdigt. Bon den Toten waren 238 auS Octköriw, 48 aus der Umgebung. Von den 60 Schwerverletzten sind tiSljer 24 gestorben, viele von den übrigen ringenmitdemTode. Acht Häuser wurden amtlich versiegelt, da deren Insassen sämtlich verbrannt sind. Jetzt wurden die Brunnen untersucht, weil verlautet, daß viele Verletzte, um sich Linderung zu verschaffe», in die Brunnen gesprungen seien. Korrupte Polizei. New Dork, 31. März. Der Bürgermeister G a tz n o r klagt die Polizei an, daß sie Erpressungen gegen die Gastwirte verübt. Er sagt, daß dir New Yorker Polizei mehr als zwei Millionen Dollar aus den Gastwirten herauspresse. Darauf» hin ist ein verbot erlassen worden, daß kein Polizist mehr eme Bar betreten darf, vielmehr angeordnet worden, daß diese Lokale von oufcen zu beaufsichtigen sind. Die Wirte haben zugegeben» die Polizei bestochen zu haben und haben nunmehr versprochen, keine Gelder mehr an die Polizisten auszugeben. ßricffeaften der Redahtioti. H. 8. 1. Ja, wenn Sie die Anrechnung bei der Zuwendung oder durch lehiwillig« Bersägung anordnen. L. Nein, wenn �ie nicht noch anderen Kindern oder sonstigen ixamilienangebbrigcn aus Grund gesetzlicher Vor- pflichiung Unterbait gewähren.— O. Z.«4. Nach der neuen Novelle xnm Eiiilommensteuergesetz ist bei einem Kind« nichts abzugsfähig.— SR. 3t), März. Es ist niemand verpflichtet, darüber AuSkmist zu geben; man erfährt cS am besten durch persönliche Recherchen.— A. T. öO. 1. Der Widerrus kann durch ein neues Testament«riolgen, daS auch die unter- erwähnte Form haben kann. 2. Das neue Testament kann auch odne Mitwirkung eines Gerichts oder Notars durch eigenhändige Niederschrist crsolgcn. Ein soicheS Testameul muh von Anfang bis Ende von der Erblassenn geschrieben, auch datiert sein und ihre eigenhändige Unterschrift tragen. 3, Im Verhältnis zur Mutter hat daS auger- eheliche Kind daSselde gesetzliche Erbrecht a!S ein eheliches Kind. — W. W. 84. Nach Ihrer Darstellung sind Sie im Recht, Klagen Sie zunächst bei der AussichiSbehörde(Magistrat),— C. H. 79. 1. Di- genannte Kaste können wir nicht cmpsehlen. 2. Setze» Sie sich mit Wilh, Hinz, Prinzensir. KK IV, in Verbindung,— EU.. Lichtenberg. Wir halten Sie zur Zahlung nicht sür verpflichtet, da§ 627 des bürgerlichen Gesetzbuchs in Frage kommt, abgesehen davon, daß der Vertrag noch nicht abgeschlossen war. Lehnen Sie daher Zahlung ab.— S. H. 33. Zeugen können vereidigt werden, einen Parieieid lennt daZ Gesetz SA Serarlkgen Verfahren nicht.— Zt. D. 100. Ein Anspruch aus Altersrente gesteht bei JiivalidemeMlicru nicht.— A. G. S1. Am I.April im Lause deS Tages. «»ieeernnaStiberstch, vom 31. Mär, lOlo. moraen» 8 Ilvr. Stationen IW| so§ c r: b? anda 768 SW rSburg Havar> PeterS Scillv .'lberoeen Parts 73 ARO 774 OSO 77!» S 771 NO ■L «Bettet f- Geflügel: Zufuhr genügend, Geschäft rege, Preise hoch. Fische: Zu« suhr etwa« reichlicher, Geichait ziemlich I-Vhaft, Preise tvenig verändert. Vutter und Löse: Geichäst ruhig. Preise gcjallm, Gemüt«. Obst und Südfrüchte: Zusichr genügend. Geschäft ansangs still, später etwas lebhafter, Holl. Spmat fast unverkäuflich. Preise wenig rcräildcit. 2 wolkig! 1 wolkcnl »wolkig> 3 halb bd.l 3 woltenl — 2 •1 6 — 1 Svetterprognoie für Freitag, de« 1. April 1910. Vielfach heiler, Nachtsrost, am Tage wieder etwas wärmer bei frischen nordöstlichen Winden; leine oder unerhebliche Niederfchläge. Berliner Wellerbureatt. «Imtlicher Marktberich« der ftädtiichen Marktballeii-DirekNon übet den Großdandel in den gentr-'i-Martthallen. Markilage: Fl-itch� ukubr stark. Geichäit rege. P>r sür Kalb, und Schweinefleisch anziehend, onst unverändert, Wild: Zusubr sehr schwach, Geichäll still. Preis« s-st. Lvassorftairsd-Stachrtcht?« bft LandeZanstalt für Gewä/ierlunde, uutgeteilt vom Berl!«'�, Wc/ieibureau. Wasserstand M ,e m- 1. Tilflt B r« g e l. Inflerburg 2S t i ch'|« l, Tboru Oder., Ralibor » Krofien , Franflurl Da r t che, Schnmm , LandSberg Netze, Vordamm Elbe, Leittnerttz m Dresden � Baröv � Magdebn/g PfA LS. 3. m n') 1 �0' am 30. 3. om 265 'f 1-6 '-4-2 i-l -)-l 0 ean«r�j ®" 0, Grochlltz K o e 1, Spandau f) _. Nalhciiow') Spree. Spremberg') . BceSkow Weser, Münden Minden k>6 Rhein. M-chimiliaiiSa» 388 . Kaub*r-c' m. Köln Neckar, Heiibronn Vl ain.?«ertbcim Masels Trier am 30 3. cm 123 104 142 70 114 -40 66 108' 209 74 seit 29. 3. cm') —3 —3 0 —7 —3 —5 )+ bodc.ie, Wuchs,- ffall,-»t Unt�veg-I. Verkaal aar im Fabrikgebäude! I s 33 M Sie sparen öeldl'sr g � Engrospreisen? RS i � d6r Möbelfabrik= iH. Walter mrWilliMaaß.Ält S kaufen. Verkauf nur im Fabrikgebäude— nur■ ■ eigenes Fabrikat.— Auf Wunsch Teilzahlung. 35 an Permanente Musterzimmcr-Aussteltung. 35 Ohne jede Anzahlung Mjga a erstklassiges Fabrikat ipi�nAC SiSÄä Z 1 lit■ u S und Stilarten von «■»■smaav-v �.�rharsr TonfuUe. ta(FlUgeltou) gegen klefnemonatlloheTeUzablnng, L, ohne Jeden li'roiKaufsrhlag. 35/3* � Für jedes Instrument gewähre ich 20jähr. scnriftL Garantie. Contad Krause Nchij,, Aach Sonntag« geOATnet. I r Gesundheit ist Reichtum! gy Bade Berlin-Ost"W In»* „Bad Frankfurt" Große Frankfurter Str. 136. 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Legirm: Sonnabend, den 2. April Ende; Sonnabend, den 9. April 3wei besonders wichtige Abschnitte im Leben eines Knaben sind un. bedingt die Einschulung und die Ausschulung. Dieser Mt steht jetzt zu Ostern wieder Tausenden bevor, und mancher kleine Knabe sieht. mit Angst und Bangen dem ersten SchUlglmge entgegen, während Hupp- derte ander« größere Knaben, die vor deni Abgange der Schule stehe«p. kaum die Zeit erwarten können, daß sie ihre Schulränzel in diend die Geschäftshäuser B a e r S 0 h n. Chausseestr. 89-30. Brückenstt. 11, Gr. Frankstlrterftt. 80 und Schöneberg, Hauptstt. 10. verlassen steht. Beadrten Sie das morgige Inserat KUNEfitONA Feinste Pflanzen-Butter-Margarine delikatester, butter Ähnlichster Brotaufstrich. KUNEROL Feinstes Cocosspeisefett zum Braten, Backen. Kochen. 184/20* ERZEUGNISSE der KONEROLVERKE BREMEN. Ueberall zu haben. Bofkottfrel. 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