Kr. 77. BboniKmfnts-BedtoguiigcBt Abonnements> Preis pränumerando i Sicrleljährl. 3P0 Ml>, moiiatl. 1,10 Mk., wöchentlich 2» Pig, frei ins HauS. Einzeln« Nummer k Pfg, Sonntags- iruuimer mit illufiriertcr Sonntags- Vellage„Die Neue Weit" 10 Pfg, Post- elbonnement: 1,1» Marl pro Monat. Eingetragen in die Post-Zeitungs- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich» Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland S Marl pro Monat. Poflabonnenienls nehmen an: Belgien, Dänemark Holland, Italien, Luxemburg, Portugal, Kumänien, Schweden und die Schweis 27. Jahrg. Crididiit»glich auücr montags, * Ws Verltnev Volksblnkt. vi« snstMsni'Ltdilh« leiriigt für die fechsgespaltene Kolonel- gelle oder deren Raum 50 Psg, für politische und gcwcrlschaslliche Vereins- und Bersammlungs-Anzeigen Ai Psg, �Aleln« Rnrelgen", daS erste(seit- gedrullte) Wort so Pfg, jedes weitere Wort 10 Pfg, Stellcngcfuchc und Schlaf- stellen-Anzcigen das erste Wort 10 Psg, jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nunuuer müssen bis S Mir nachmittags in der Erveditioii abgegeben werden. Die Expedition ist pts 7 Uhr abends geöffnet, Telegramm- Adreff-t „Sojialdenlollrat B(rlioU. Zcntmlorgnn der rozialdemokratifchen partei Deutfcblands. Redaktion: 8Cd. 68, Lindcnstrassc 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Sxpcdition: 8Äl. 68, Lindenstrassc 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984. Der IKrieg im Baugewerbe. Am 4. April trelen die Verbaudstage der vier bau» gewerblichen Arbeiterverbände Maurer-, Zimmerer-, Bau- Hilfsarbeiter- und christlicher Verband— in Verlin zusammen, um zu den Beschlüssen der Dresdener Generalver- sammlung des Untcrnehmerbundes Stellung zu nehmen. Wie die Entschließungen der Arbeiter ausfallen werden, ist nicht zweifelhaft: sie werden in Konsequenz der bisherigen Haltung der Arbeiter dahin lauten, daß die Bedingungen des Unternehmerbundes als eine brauchbare Grundlage neuer Verträge nicht gelten können. Wenn die Verbandstage diese Entscheidung getroffen haben, werden sie die Nomen für tue Führung des bevorstehenden Abwehrkampfes festlegen, t>. h. die Unterstützung, die Beitragsleistung und andere Fragen der Praxis regeln. Tie ganze Arbeit dürfte in zwei bis drei Tagen getan sein. Am 9. April wird dann der Bundesvorstand der Unternehmer zusammentreten, um „die erforderlich werdenden Maßnahmen zu treffen", wie es ihm die Generalversammlung ausgetragen hat. Als der Bundesvorstand die Dresdener Beschlüsse publi- zierte, hatte es den Anschein, als ob man eine Anzahl der von den Arbeitern bestrittenen Anträge aufgegeben hätte. Die Fassung der Resolution war so verschwommen, daß ihr Sinn der breiteren Qeffentlichkeit, die nicht über den Inhalt der Unternehmeranträge und den Gang der Verhandlungen unterrichtet war, dunkel bleiben mußte. Es ist darum zu begrüßen, daß der Unternehmerbund selbst die für einige Tage verloren gegangene Sprache wiederfindet und in einer offiziellen Publikation feststellt, was er nun eigentlich will. Diese Publikation besteht in dem Entwurf eines Tarifver- tragsmusters, der die Ergebnisse der zentralen VerHand- hingen und die Dresdener Beschlüsse berücksichtigt, und in einer ebenso oberflächlichen wie bösartigen Begründung oder Rechtfertigung der Haltung des Bundes. Der Bund sagt von diesem Entwurf, daß er„als ein Ganzes" anzusehen sei, daß er also„gerade die Bestimmungen, welche weitgehende Konzessionen gegenüber seiner früheren Stellungnahme ent- halten, nur in Geltung treten lassen wird, wenn diejenigen Bestimmungen, zu denen seitens der Arbeitnehmerorganisa- tionen bis jetzt noch keine Zustimmung gegeben worden ist, gleichzeitig von letzteren angenonimen werden". ** ♦ Sehen wir von den weniger bedeutsamen Streitpunkten tn diesem neuen Wunschzettel des Arbeitgeberbundes ab, so ergeben sich folgende Differenzen: Die Unternehmer fordern den zentralen Abschluß aller Verträge, die Arbeiter wollen die Verträge wie bisher durch die örtlichen Organisationen abgeschlossen wissen. Der Arbeitgeberbund führt für seine Forderung ins Feld, daß der Abschluß durch die Zentralorganisationen für die strenge Durchführung der Verträge unentbehrlich sei. Die örtlichen Organisationen seien zu schwach und zu ver- gänglich, um den sicheren Bestand eines ruhigen Arbeits- Verhältnisses zu verbürgen. Dieser Schluß übersieht völlig die Praxis. Es gibt natürlich örtliche Organisationen, die zur Durchführung des Vortrages zu schwach sind, wie z. B. der Arbeitgeberverband für das Baugewerbe im Siegerland, der im vorigen Jahre nicht vermochte, seine Mitglieder zur Beachtung des Vertrages zu bestimmen. Solche Fälle können vorkommen. Es fragt sich aber nur, ob der zentrale Abschluß ihnen vorbeugt. Das tut er eben nicht und kann er nicht: denn keine Zentralorganisation hat das Recht oder die Macht, einer widerstrebenden Minderheit ihren Willen aufzuzwingen, wenn diese Minderheit aus der Organisation ausscheidet. Dagegen liegt die Gefahr des Versagens der örtlichen Organisationen bei der Durchführung des Ver- träges um so näher, wenn der Vertrag nicht aus den ort- lichen Bedürfnissen entstanden ist, sondern von einer Zentral- stelle verordnet worden ist. Wenn örtliche Organisationen aus sich heraus zu Verträgen kommen, dann sind sie auch so weit entwickelt, daß sie die Gewähr für deren Durchführung bieten. Bei den Vertragsabschlüssen der letzten Jahre ist es mehrfach vorgekommen, daß Orte Tarifverträge erhielten, wo den Organisationen noch jede Vorbedingung dazu fehlte. Das war die Folge des summarischen Verfahrens, wo an einer Stelle füb hundert und mehr Orte verhandelt wurde. Gerade bei einem solchen Verfahren läuft man Gefahr, Ver- träge zu bekommen, deren Durchführung sehr fraglich ist. Die Gründe der Unternehmer halten also nicht stand, sobald man sie an der Hand der Praxis prüft. Die Arbeiter for- llern den örtlichen Vertragsabschluß, weil es Las natürlichste ist, wenn d i e Organisationen Träger des Verträges sind, denen die praktische Durchführung obliegt. Die Unternehmer fordern die Vereinbarung von Durch- fchnitts- und Staffellöhucn. die Arbeiter wollen an der b i s- h e r i g e n Form der Lohnnormierung, am Mindestlohn, festhalten. Es hieße Worte verschwenden, wollte man nach- weisen, warum die Arbeiter Mindestlöhne fordern müssen. Sie widerstreben all diesen Forderungen der Unternehmer, mögen sie nun auf Durchschnitts- und Staffellöhne oder auf die Einfügung solch relativer Begriffe wie„tüchtig" und' „geübt" gerichtet sein, weil dahinter nichts anderes steckt, als die Absicht, die Lohnfestsetzung der Willkür des Unter- nehmers zu überantworten. Was den Tarifvertrag der Arbeiterschaft synipathisch macht, ist gerade die Sicherung des Lohnes vor der Willkür des Unternehmers: verliert der Tarifvertrag diese Eigenschaft, so werden die Arbeiter gern auf das ganze Vertragswesen verzichten, denn dann hätte es keine andere Bedeutung als die einer Knebelung der Ar- beiterorganisationen. Die. Löhne der Erd» und„ungeübten" Hilfs- a r b e i k e r wollen die Unternehmer der freien Verein- barung überlassen. Diese Forderung ist nur noch der Rest der früheren, die außerdem bestimmen wollte, daß die Löhne dieser Arbeiter dort, wo sie höher seien als die der übrigen Hilfsarbeiter, herabgesetzt werden müßten. Aber auch dieser Rest fordert den stärksten Widerstand der Arbeiter heraus: denn heute bestehen. für die Erdarbeiter bereits in sehr vielen Orton Tarife oder es enthalten viele Tarife besondere Bestimmungen für die Erdarbeiter. Hier zeigt' sich die ge- rühmte Tarisfreundschast der Unternehmer darin, daß einer großen Arbeitergruppe die vertragliche Lohn- regelung genommen werden soll. Das ist aber gleichbedeutend mit einer Lohnreduzierung: denn Wenn die Unternehmer die Aenderung des'heutigen Zustandes an- streben, so'tun sie es sicher nicht, um die Löhne der Erd- arbciter zu erhöhen. Die Unternehmer wollen die Akkordarbeit der- gestalt„regeln", daß den Gewerkschaften verboten werden soll, ihre Mitglieder über die Schäden dieses Lohnsystems aufzuklären, und daß den Gewerkschaften jeder Einfluß auf die Akkordlöhne genommen wird. Die Gmeingefährlichkeit dieser Forderung liegt auf der Hand. Bei dem Charakter unseres Unternehinertums bestände bei einer solchen Ver- tragsbestimmung sofort die Gefahr, daß man von den Ar- beitern in ausgedehntestem Maße Akkordarbeit verlangte. Tie Organisationen könnten gar nichts dagegen tun. denn sie hätten sich laut Vertrag„jeder hindernden Einflußnahme zu enthalten". Die Löhne unterlägen nach dtzm Vertrage der„freien Vereinbarung". Man müßte sich nicht denken können, wie diese„freie Vereinbarung" in einer Zeit Wirt- schaftlichen Niedergangs aussehen würde. Die Unternehmer würden die Akkordlöhne nach ihrem Gusto festsetzen und für die Arbeiter hieße es:„Friß. Vogel, oder stirb!" Kämen dann die Arbeiter klagend zu ihrer Organisation, so müßte diese achselzuckend erklären: Euch ist nicht zu helfen, die Or- ganisation darf keinerlei Einfluß auf die Akkordpreise aus- üben, das ist ihr durch Vertrag verboten. Die Unternehmer hätten es in der Hand, auf dem Wege der Akkordarbeit den ganzen Lohntarif illusorisch zu machen, trotz Vertrag nach ihrer Willkür zu verfahren. Das möchte den Herren so ge- fallen, wenn sich die Gewerkschaften einen solchen Strick um den Hals legten. Es besteht bei den Unternehmern dabei auch noch der Hintergedanke, auf diesem Wege die Akkord- arbeiter von der Organisation loszureißen, was nicht schwer fallen könnte, da die Organisation nichts für diese Arbeiter zu tun vermöchte. Die von den Unternehmern geforderte Einsetzung eines obersten Tarifschiedsgerichts wird von den Arbei- tern nicht prinzipiell verweigert, nur mit der vorgeschlagenen Form sind sie nicht einverstanden. Es ist sicher, daß sich bald ein Bedürfnis für eine solche Stelle anmelden wird, und die Arbeiter wollen' selbswerständlich gern dabei helfen, sie zu schaffen. Aber dann muß man sich erst über die Form des Schiedsgerichts verständigen. Die Belästigungsklausel, die der Unter- nehmerbund jetzt fordert, ist gleichfalls nur noch der Rest eines früheren Antrages, nach dem die Agitation auf der Baustelle auch während der Pausen verboten sein sollte. Dies obskure Verlangen haben die Unternehmer heute nicht mehr, sie wollen aber noch eine Definition der„Belästigung" und ein Verbot für Unbefugte, den Arbeitsplatz zu betreten. Die Arbeiter sind der Meinung, daß solche Dinge nicht in den Vertrag hineingehörcn, und lehnen darum ihre Auf- nähme ab. In den bibm Vertrage beigefügten„Protokollarischen Erklärungen" verlangen die Unternehmer dann noch die Aufnahme folgender zwei Bestimmungen: Die Nntervcrbände deö ArbeitgcberliuiidrS sind u. a. Hinsicht- lich der Arbeitszeit gebunden, dah eine Verkürzung der Arbeits- zeit unter 19 Stunden nicht gestattet ist; wo die Arbeitszeit de- reits kürzer ist, darf sie nicht weiter gekürzt werden. Die Arbeitnehmer sind wahrend der BertragSdauer nicht ve- rechtigt, die von den Arbeitgebern eingerichteten oder einzurich- tenden ArbeitSnachweiSanstallen in irgend einer Weise zu störe«. Sie charakterisieren sich als zwei starke Zumutungen, Wenn die Unternehmer auf ihrer Generalversammlung Be- schlüsse fassen, so können die Arbciter nichts dagegen run: aber wenn die Unternehmer verlangen, daß die Arbeiter solche Beschlüsse, die sich direkt gegen die Arbeiterinteresseu wenden, durch den Vertrag sanktionieren, sie gewissermaßen als berechtigt anerkennen sollen, so ist das eine Unverschämt- heit, die ihresgleichen sucht. In diesen Zunnitungen offenbart sich so recht der antisoziale und reaktionäre Geist der Unternehmer. Selbstverständlich werden die Arbeiter diese Zumutung nie erfüllen. *« » Es kann nicht im geringsten zweifelhaft sein, welche Stellung die Verbaudstage der baugewerblichen Arbeiterverbände einnehmen werden. Sie werden das neue Tarifvertrags- muster mit derselben Entschiedenheit zurückweisen, wie sie das alte zurückgewiesen haben. Etwas anderes werden auch die Unternehmer kaum erwarten. Was werden diese dann tun? Selbstverständlich werden sie zur Aussperrung, oder wie sie es schonend nennen, zur Schließung der Ve- triebe schreiten. Es ist nach der augenscheinlichen Lage einfach ausgeschlossen, daß es noch etwas anderes geben kann. Im Kreise der bürgerlichen Sozialpolitiker erwägt man zwar noch immer, ob nicht ein vermittelndes Eingreifen noch in letzter Stunde mit Aussicht auf Erfolg möglich sei. Der dringliche Appell der„Sozialen Praxis" an die Regie- rung scheint keinen Erfolg zu haben. Was schert diese Regierung ein solcher Kampf! Sie wird, wenn sie daran denkt, jedenfalls nur erwägen, welche polizistischen Pflichten ihr daraus erwachsen und wie sie diesen genügen kann! Fürwahr, armseliger hat sich die Regierung noch nicht benommen als in dieser Sache. Auch die bürgerlichen Sozialpolitiker werden kaum zu einem Eingreifen kommeu. Soweit sie die Entwicklung des Konflikts genau beobachtet haben, müssen sie wissen, daß sich hier Gegensätze aufgetan haben, die nicht zu vermitteln sind. Hier stehen sich zwei grundverschiedene Anschauungen gegenüber. Die Arbeiter stellen sich auf den Boden der Tarifidee, deren unverrück- bares Fundament die Gleichberechtigung der vertragschließenden Faktoren ist. Sie sehen in den Tarifverträgen den modus vivondi, eine Grundlage, auf der die beiden gegensätzlichen Interessenten miteinander leben können, die allerdings in ihrer jeweiligen Form immer nur eine vorübergehende Grundlage sein kann, die sich in Intervallen den gewandelten Verhält- nissen anzupassen hat. Anders die Unternehmer: Für sie ist in diesem Falle der Tarifvertrag nur ein Mittel zur voll» kommneren Unterdrückung der Arbeiter. Sie sind nur darum Tarifsreunde, oder genauer Vertragsfanatiker, geworden, weil sie hoffen, den Tarifvertrag zur Knebelung der Gewerk- schaften benutzen zu können. Sie akzeptieren den Vorteil des Tarifvertrags, daß er eine Periode ruhiger Arbeit verbürgt, aber sie wollen diesen Vorteil nicht mit Zugeständnissen an die berechtigten Ansprüche der Arbeiter erkaufen: die Arbeiter sollen Ruhe halten und sich bescheiden. Das ist der Gedanke, der dem ganzen Vorgehen der Unternehmer zugrunde liegt. So etwas Unerhörtes, wie die Anträge zur Akkordarbeit, zur Arbeitszeitverkürzung und zum Arbeitsnachweis is�in der Geschichte der deutschen Tarifbewegungen überhaupt noch nicht dagewesen. Was der Arbeitgebcrbund für das Bau- gewerbe anstrebt, ist kein Tarifvertragsverhältnis mehr, sondern die reine Diktatur: nicht Tarifgemeinschaft, sondern Tarif k n e ch t s ch a f t ist das Ziel des Unternehmer- bundes. Diese Ueberzeugung ist selbst in Unternehmerkreisen zu finden. Auf der Dresdener Hauptversammlung des Arbeit- geberbundes sagte der Vertreter aus Magdeburg. Herr Ganzlin:„So scharf darf man doch nicht vor- gehen! Wir müssen auch verhandeln und nicht einfach diktieren! Die Arbeiter find auch Menschen, und man kann es begreifen, wenn sie sich mit allen Mitteln gegen diese Dil- tat urwenden. Wir sind mit den altenBe» stimmungen des Vertrages ganz gut aus- g e k 0 m m c n." Natürlich blieb das auf die Generalversammlung, auf der man wahre Orgien der Scharfmacherei feierte, ohne Eindruck. Die Mehrzahl war von der wüsten Hetze der Feller- meier, Lüscher und Konsorten einfach fortgerissen. Allerdings, in die Einigkeit des Bundes ist eine gewaltige Bresche gelegt worden. Das wichtige Vierstädtegebiet Hamburg— Altona— Harburg— Wandsbeck hat feinen Frieden mit den Arbeitern geschlossen, mehrere kleinere norddeutsche Orte sind dem ge- folgt. In Oberschlesien ist man ebenfalls einig, den Tarif nach den Bestimmungen des alten Vertrages mit Lohn- crhöhung zu erneuerm Magdeburg und Bremen sind von der Aussperrung keineswegs erbaut und werden es sich jedenfalls noch reiflich überlegen, ob sie mitmachen werden. In Berlin wird man noch einmal verhandeln, auch hier ist die Einigung nicht ausgeschlossen. Das sind wichtige Positionen für die Arbeiter. Aber der Bund, der führerlose Bund, läßt sich nicht beirren, er stürmt den alten Weg weiter— wohin?— Die Arbeiter werden nun ihre Pflicht tun. Sie werden die letzten Vorbereitungn treffen. Unter ihnen herrscht eine gewaltige Begeisterung. Sie wissen, was für sie, man kann sagen: was für die deutschen Gewerkschaften aus dem Spiele steht, um was es bei diesem Kampfe geht. Sie werden sich der hohen und schweren Ausgabe gewachsen zeigen. Und sie rönnen den Kampf, dem sie nicht ausweichen können, mit gutem Gewissen wagen. Sie haben das ihre getan. Sie haben' den Arbeitgebern goldene Brücken genug gebaut: sie waren bereit, mit den Arbeitgebern gemeinsam den Arbeits- Nachweis einzurichten, sie haben in der strage der Akkord- arbeit Entgegenkommen gezeigt, indem sie sich bereit er- klarten, örtlich darüber zu verhandeln und die strittigen Punkte zu regeln: nur gegen die Willkür, die der Bund er- strebte, wendeten sie sich mit aller Entschiedenheit: es hat nichts genützt, der Bund sprach sein:„So will ich, so be° fehle ichl". � So muh denn der Kampf entscheiden. Die Arveiter kämpfm unter einer guten Parole: für wahre Tarifverträge, fiir die Gleichberechtigung, gegen Willkür und Diktaturl •» Die ReitntOdte dee Clnteniefimcj'-Vcrtraga- cntwurf es 1 Immer klarer ist in der letzten Zeit geworden, bah die Unter- «elsmerverbände hinfichtlich der Tarifvertragsfrage auf ein be- fiimmtes Ziel steuern. Durch die Klage gegen die Zahlstelle Ham- bürg des HolzarbciterverbandeS und die Verurteilung desn einer solchen.Geschäftsordnung' zur Schikanierung von Arbeitern untergebracht werden können. Der Arbeiter mutz sich bedingungslos ihnen unterwerfen. Jeder Verstoss oder jede Um- gehung hinsichtlich der Vertragsbestimmungen sind ja seitens der vertragschließenden Parteien nachdrücklichst zu bekämpfen. Wahr. lich, die guten Leute im Unternehmerlager müssen eine merk- würdige Ansicht von den Organisationen de? Baugewerbes haben. wenn sie glauben konnten, ein Vertrag mit solchen Aussichten könne Gegenliebe finden. Und diese Gesellschaft entblödet sich nicht, von Verhetzung der Massen zu schreiben, wenn ihnen ihr Wisch vor die Füsse geworfen wird. Für wie dumm mutzte Herr Heuer di« Arbeiterführer halten, wenn«r bei den ersten zentralen Der» Handlungen meinte, daß man hoffentlich zu einer Einigung kommen werde. Das vorstehend Dargelegte dürfte bereit» jedem Gelegenheit geben, der mit kritischem Blick den Mustervertrag duräigeht, noch massenhaft ähnliche Bestimmungen zu finden. Sie liegen wie Fussangeln uk jedem Satz versteckt. Man könnte trotzdem über ste zur Tagesordnung übergehen, wenn eben nicht die Möglichkeit be- stände, eine � b u ch st a b e n g e m ä ss e Jnnehaltung deS Vertrages gerichtlich zu erzwingen. Gerade weil aber das der Fall ist, sind derartige Heimtücken für die vertragfchliessende Arbeiterschaft ge- jährlich. Eine solche Bestimmung ist besonders das Wort.tüchtig' und wird ,s bleiben, da es d-m subjektiven Empfinden deS Unter- nehmers überlassen bleibt, die Tüchtigkeit festzustellon. Man weih, was dabei oft genug herausgekommen ist, besonders im Bau- gewerbe, wo nicht selten Richtfachleute Dauunternehmor werden. DaS Wort.tüchtig' hat man ja inzwischen fallen gelassen und glaubt damit wunder welche Konzessionen gemacht zu haben. In Wirklichkeit gab man gar nichts preis, denn die Streichung soll ja nur erfolgen, wenn der Akkordparagraph unverändert bleibt. Dieser bestimmt aber, daß die Organisationen sich jeder hindernden Einflussnahme auf die Akkordarbeit zu enthalten haben. Damit, wird den Gewerkschaften einfach das selbstverständliche Recht verweigert, eine Arbeitsmethode als gut oder schlecht zu bezeichnen. Man will aber noch mehr. An anderer Stelle heißt es ausdrücklich:„Die vertragschließend«, Organi- sationen derpslichte« sich ausdrücklich, bor und bei Ver- einbarung der Akkordpreise keinerlei Einfluß auf ihre Mitglieder auszuüben. Damit mutet man den Gewerkschaften zu, ihren Einfluß aüf das Niveau der Löhne einfach preiszugeben. WaS in einzelnen Tarifen geradezu den Inhalt ausmacht, die Fixierung der Akkord- Positionen im Schuhmacher-, im Schneidergewerbe, in der Holz- iudustrie, das soll im Baugewerbe ausdrücklich dem Einfluß der Gewerkschaften entzogen jverden. Es würde einfach bedeuten, Selbstmord zu begehen, wollten sich die Arbeiterverbände auf solche Bestimmungen einlassen. Das kann doch nur ein gelungener Witz sein, den man in solcher ernsten Zeit im Unternehmerlager machen wollte. Stellt man den Arbeiter ohne Rückhalt dem Unternehmer gegenüber, bo- sonders in Krisenzeiwn, dann weiss doch männiglich, WaS dabei herauskommen muß. Wir verstehen, daß man unter solchen Um- ständen auf da? Wort.tüchtig' verzichten konnte. Es stellte eben lodiglich die doppelte Naht dar, die ja bekanntlich besser hält. WaS indessen nicht zu verstehen ist, das ist der Umstand, daß die„Soziale Praxis' von den in Gegensätzen festgefahrenen Parteien reden konnte.-Will sie etwa den Arbeitern zumuten, solche Vertragsbestimmungen anzunehmen! Die Hoffnung, daß eS geschehen könnte, dürfte gänzlich aussichtslos sein. Dre Arbeiterschaft muß jeden Vertrag mit derartigen hinter- listigen Bestimmungen ablehnen, will sie sich nicht selbst das Grab graben. Jeder Versuch in dieser Richtung, die Organisationen einzuseifen, muß und wird mit der größten Entschiedenheit zurück- gelviesen werden. Das Unternehmertum soll sich den Gedanken aus dem Kopfe schlagen, Verträge zu erhalten, in denen derartige Bestimmungen, die zu einseitiger Bindung der Arbeiter führsn, eine Rolle spielen. DaS wird freilich nie geschehen, und loollen deshalb die Unternehmer den Krieg, dann sollen sie ihn haben. Die Bauarbeiterschaft weiss, daß der Kampf dann um die Existenz geht. Existenzkämpfe aber sind solche ganz eigener Art; ste sind Notaltionen, bei denen der Zweck die Kampfmittel heiligt. Frei- willig dürfton sich die deutschen Bauarbeiter nicht knebeln lassen. lieue Provobation der Entrechteten! Wir haben vorgestern bereits an einigen Zahlen nach- gewiesen, daß jede Veränderung der gegenwärtigen Art der Drittelung nach Urwahlbezirken eine neue schamlose Ent- rechtung der breiten Volksmassen bedeuten würde. Um aber den ganzen Grad der Schamlosigkeit zu kennzeichnen, der in einer solchen Maßnahme seinen Ausdruck fände, wollen wir heute noch einige Zahlen über den 11. und 9. Berliner Landtagswahlkreis nachtragen, die beweisen, daß auch in diesen Wahlkreisen, wo der Einfluß der besitzlosen Massen noch am größten ist. selbst heute bei der Drittelung nach Urwahlbezirken die Borherrschaft deS GeldsackS noch unerträglich ist! Nach der letzten amtlichen WahlrechtSstasifttk stellte sich daS Einkommen des ersten Wählers der 2. resp. 3. Klasse folgendermaßen: 11. Wahlkreis. S.«lasse: In 1 Urwahlvczirk über 30 500 M. . 7 Urwahlbezirken» SSOO„ . 16.'„ 6000, ,86 j,. 3 000. . 20,. 2 400. Insgesamt SS Urwahlvezirle 3. Klaffe: In 0 UrWahlbezirken über 3000 M. . IS.. 2400 „31.„ 1 800„ . 81., 1500„ Insgesamt SO Urwahibeznke 2. Klaffe: 3« 9. Wahlkreis. 1 UrWahlbezirk über 30 500 M. 20 Urwahlbezirken, 9 500, 16.. 6 000. 58... 3 000. 11 1 Wahlbezirk 1 JnSgejaml 103 Wahlbezirke 3. Klaffe: In 2 Urwahlbezirken „ 19 . 18 . 48 . 23 2400 1800 1 600 über 6 000 0 000 2 400 1800 1500 M. .8„. 1 200. Jiiegeiainl 108 Urivahlbezirke MS diesen Zahlen ergibt sich also, daß selbst in diesen beiden Wahlkreisen nur in 11 von 197 Urwahlbezirken ein Einkommen von 2400 M. zur Wahl in der 1. Klasse be- rechtigte! Ferner, daß eS auch in der 2. Klaffe eine große Zahl von Urwahlbezirken gab, zn denen nur Wähler mit mehr als 2400. 3000, ja 6000 M. Zutritt hatten; da- gegen auch nichteinen einzigen Wahlbezirk, in dem ein Wähler wahlberechtigt gewesen wäre, der nicht ein Einkommen von mehr als 1200 M. versteuerte! Der Klasse der Wahlrechtsheloten gehörten also nicht nur alle Wähler mit einem Einkomnien bis zu 1200 M. an, sondern auch zahlreiche Wähler mit 1300, 2400, 3000 und mehr Mark Einkommen! Ein solch erbärmsicheS und perfideS Geldsackwahlrecht noch verschlechtern wollen ist denn doch der Gipfel aller Unverschämtheit!_ Ein Zeitungs-Iublläm Die„Kölnische Volkszeitung' hat am 1. April 1910 daS Fest ihres fünfzigjährigen Bestehens feiern können. Der Ver» lag hat aus diesem Anlaß neben einer umfangreichen Festnummer mit Beiträgen vieler ultramontaner Politiker, Gelehrten und Schriftsteller auch eine Festschrift:„Fünfzig Jahre Köl- nische Volkszeitung' au? der Feder des früheren Haupt- redakteurS deS Blattes, Dr. CardaunS. erscheinen lassen. Man erfährt bei dieser Gelegenheit manches Interessante aus der Ge- schichte des HauseS Bachem, dessen Glieder von jeher einen regen Geschäftssinn mit einer großen AnpassungSsähigkeit au die je. weiligen Umstände verbanden. Lambert Bachem, der Bruder deS früh verstorbenen Firmengründers I. P. Bachem, kaufte anfangs der dreißiger Jahre des vorigen Jahrhunderts die in Aachen erscheinenden „Rheinischen Provinzialblätter', die er 1834 nach Köln verlegte. DaS Blatt stand während der Kölner Wirren der Kirchenpolitik deS Bischofs feindlich gegenüber, nannte den Haupt- Wortführer der erzbischöflichen Richtung, Joseph Gör res,«inen „Großinquisitor' und„faulen Schwätzer"; nebenbei vertrieb der Verlag aber im Geheimen die den Erzbischof verteidigenden Schriften und Flugblätter. Lamberts Sohn, Joseph Bachem, gründete 1848 die »Rheinische Volks halle", der ein Jahr darauf die „Deutsche Volkshalle" folgte. Im Munde der Kölner hießen die Blätter, die sich um die Sache der Reaktion große Ver- dienste erworben haben,„Volksfalle": als Geldgeber standen hinter dem Unternehmen der rheinisch-westfälische Adel. Anfangs in ab- solutistischen Bahnen wandelnd, war die„Deutsche Volkshalle', als die katholische Fraktion im preußischen Abgeordnctenhause ihre Tätigkeit entsaftete, ein„entschieden konstitutionelles Blatt"; sie wurde Mitte 1855 von her Regierung suspendiert und am Ende des JahreS endgültig unterdrückt. Am 31. März 1860 traten die„Kölnischen Blätter', dkd Vorläufer der„Kölnischen VolkSzeitung' ins Leben. In ihrem Programm versprach die neue Zeitung zu sein: katholisch, konservativ und patriotisch. Der Leitartikel der ersten Nummer enthielt den Satz:„Wir stehen im Dienste keiner Person und keiner Partei." Die Verpflichtung auf den Konservativismus ist deshalb nicht im parteipolitischen Sinne zu verstehen; sie wurde erläutert als„Betätigung der Achtung vor dem rechtskräftig Be- stehenden" und„Verteidigung des Rechtes eines jeden gegen Um- stürz und Despotismus". Mit dem 1. Januar 1869 nahmen die„Kölnischen Blätter' den Namen„Kölnische VolkSzeitung" an, und als dann Ende 1870 im Abgeordnetenhause und Anfang 1871 im Reichstage das Zentrum ins Leben trat, da gab das Blatt seine bisherige Parteilosigkcit auf, trat in den Dienst der Zentrumspartei und schloß damit ein Verhältnis, das sich für beide Teile gelohnt' hat. Die„Kölnische VolkSzeitung" hat dem Zentrum namentlich in dem umstrittenen und gefährdeten industriellen Westen wertvolle Dienste geleistet, und die Arbeit für daS Zentrum ist für die„Kölnische VolkSzeitung" um so lohnender geworden, je mehr die Partei an politischem Einfluß gewann,»oas sich insbesondere in den großen Gemeinden am Rhein bemerkbar machte. Die Firma I. P. Bachem ist heute eine wirtschaftliche und poli- tische Macht, deren Ehrgeiz, dem Hause der„Kölnischen Zeitung" zuvorzukommen, der sicheren Erfüllung entgegensehen darf. Und waS die„Kölnische VolkSzeitung" betrifft, so wäre es ungerecht zn verkennen, daß sie in der deutschen Presse eines der vom ZeitungS- standpunkte aus besten Blätter und in der ZentrumSpressx jeden- falls daS beste und interessanteste Blatt ist— ein Erfolg, an dem neben dem geschäftlichen Geschick des Gründers, Joseph Bacbem, und seiner Söhne, der jetzigen Firmeninhabcr, vor allem beteiligt sind der Better der Familie, Dr. Julius Bachem, der seit mehr als vier Jahrzehnten die Redaktion leitet, und Dr. CardaunS, der sich mit ihm länger als drei Jahrzehnte in der Leitung teilte. Die„Kölnische VolkSzeitung' gilt auch als„vornehmes" Blatt, und sie selber hört sich gern so nennen. ES mag auch von unserer Seite zugestanden werden, daß bei aller sachlichen Entschiedenheit in der Polemik die Sozialdemokratie in der Form leidlich an, ständig behandelt wird. Aber die„Vornehmheit" der„Kölnischen VolkSzeitung" hat ihre Gründe: sie wird vom„besseren" Publikum gehalten, daS Wert auf„guten Ton" legt. Im übrigen hält der Verlag sein minderes Publikum schadlos durch den örtlichen Ab- leger des Hauptblattes, den„Kölner Lokal»Anzeig«r', der an Verlogenheit, Gehässigkeit und Gassenbüberei den hinter- wäldlerischen ZentrumSblättchen ein leuchtendes Vorbild sein könnte. DaS Hauö Bachem, daS auf moderner Grundlage Wirt» schaftet hat auch im Kanipf für die.heilige' Sache des Zentrums die AroeitStetlung eingeführt: für daS bessere Publikum die„Vor» nehmheit" der„Kölnischen VolkSzeitung", für den ukkramontanen Mob den Gassenton des„Kölner Lokal-AnzeigerS". Diese hier erwähnten Verdienste der Firma I. P. Bachem um die Hebung des guten ToneS in der Politik liegen etwas abseits von dem Wirken der jubilierenden„Kölnischen VolkSzeitung". und de?« halb sind sie auch in der Festschrift wohl nicht erwähnt worden. Wir glauben aber ein Gebot der historischen Gerechtigkeit zu er- füllen, wenn wir diese Striche an dem glanzvollen Bilde, in dem di« Jubelfirma an der Marzellenstrasse in Köln gegenwärtig er» strahlt, hiermit nachholen und damit der Naturtreue ein wenig nachhelfen. politifcke(leberkicdt. Berlin, den 2. April 1910. Ter manteuffelische Korruptionsfonds. Die sinnige Anregung deS brandenburgischen LandeS» direktors, die Berliner Schntzmannschaft für ihre schneidigen Attacken auf den„inneren Feind" durch ein schönes Ehren- geschenk zu belohnen, stößt selbst in den Kreisen der Gemäßigt» Liberalen auf scharfen Widerspruch. Diese geniale Manteuffelei des Herrn Landesdirektors sieht denn doch einer direkten An- spornung der Berliner Polizei zn weiteren Heldentaten gegen ein friedliebendes Publikum allzu ähnlich, als daß nicht selbst mattliberalen Gemütern der A erger aussteigt. Bc- liebt ist ja selbst in wohlhabenden bürgerlichen Kreisen die Berliner Polizei nie gewesen; da ihr anmaßendes Auftreten, ihr plnmp-militärischer Drill und ihr geistiges Niveau gar oft auch dem„guteu" Bürger unangenehm aufgestoßen sind. Instinktiv sah man in der Berliner Schntzniannschaft eine vom engst-fcudalen Polizei- geist beseelte, bürgerfeindliche Truppe. Aber seit unter Herrn v. Fagows talentvoller Führung die Berliner Schutzmannschaft nicht ihre eigentliche Aufgabe darin findet, für die Aufrechterhalfimg der Straßenordnung zu sorgen. sondern im Dienste deS mit dem KlerikaliSmns Verbündeten ostelbischen Junkertums friedliche Wahlrechtsdemonstranten niederzureiten und zu brutalisieren, hat diese Abneigung gegen die Berliner Polizei sich noch wesentlich gesteigert, zumal daS, was die Berliner Polizei gegen das ZlchäftcrtllM, das Diebs- und Mordgesindcl leistet, recht mininial ist. So schreibt z. B. der nichts weniger als radikale„Börsen- Courier": Denn dieses System führt folgerichtig zu einer immer grösseren Abneigung der Bevölkerung gegen die Polizei, dje ihr nicht mehr als eine Schutzmacht. so»den, als eine Trutzmacht erscheint. Und das kann nur zu verhängnisvollen Verhältnissen führen. Das widerspricht so dem Wesen deS modernen Staates, der kein Polizei- staat mehr fein will und soll, wie er in den Tagen der absoluten Monarchie war, daß dieses Verhältnis unerträglich werden muß.... Und wenn noch irgend etwa» gefehlt hat, um die Unerträg« lichkeit dieses Verhältnisses zu charakterisieren, so hat dies da? vertrauliche Schreiben des Herrn v. Manteuffel getan. Wenn in solche» Zeiten wachsender Unzufriedenheit mit dem Verhaften der Polizei ein Mann, über dessen politisch-reaktionäre Gesiminug kein Kind in Deutschland im unklaren sein kann, zu Hessen Familientraditionen geradezu der politische Rückschritt ge» hört— der Schntzmannschaft noch besondere Veldgaben spenden will, die doch im besten Fall einfach ihre Pflicht tat» als sie Herrn b. JagowS Befehle ausführte— dann zeigt sich diese ganze Polizeihmsckmft nicht mehr nur als AuSflud übertriebener nervöser Fürsorge für die Ordnung des Gemeinwesens, sondern im Licht spezifisch konservativ-reoltionärer Parteiherr ichaft. Auf diele Parteiherrschaft wird deshalb auch voll die Ver- antwortung dafür zurückfallen, wenn unter dem Polizeipräsidium des Herrn v. Jagow die Gegensätzlichkeit zwischen Polizei und Bevölkerung immer gröber wird. Es ist Geist vom Geist deS Herrn v. Manteuffel, in dem Herr b. Jagow polizeilich regiert. Das mag den Herrn Minister deS Innern v. Moltke abhalten, dieser Art von Polizeiregiment etil« gegenzutreten. Sonst könnte wohl Herr v. Poppenhcim wieder auf da» Rednerpult des Abgeordnetenhauses schlagen. Das mag auch den Ministerpräsidenten veranlassenem philosophischer Ruhe Herrn v. Jagow zuzusehen. Aber daS verpflichtet umsomehr daS liberale Bürgertum, seine Bedenken gegen ein Polizeiregiment laut werden zu laflen. das die an sich wünschenswerte Autorität der Polizei gerade dadurch erschüttert, dab es diese Autorität zu über- spannen und in konservativen Dienst zu stellen sucht. Schärfer noch schreibt das„Berl. Tagcbl.": .Wer beim Schutzmann den schablonenmähigen Drill nach und nach durch eine verständige, den Bedürfniflen der GroWadt angepable Erziehung ersetzen wollte, der mützte natürlich den umgekehrten Weg einschlagen, den der mit politischer Kurz« sichligkeit erblich belastete Herr v. Manteuffel empfiehlt. Der miibte auf Belobnungen denken für die Schutzleute, die, ohne Kavallerieattacken und blutige Köpfe auf dem Gewissen zu haben, die Ordnung aufrecht und den Berkehr frei halten. Nicht auf Belohnungen in bar natürlich. Es war bis- her in Preußen nicht Sitte, Beamten, die ihre Pflicht tun, da- für Extravergütungen auszuzahlen. Einem unserer HochtorieS, die sonst für daö stramme Altpreuhentum schwärmen, blieb es vorbehalten. für einen KorruptionSfonds den Klingelbeutel herumzureichen; hoffentlich findet er, wenn er ihn umstülpt, vorwiegend Hosenkuöpfe darin!" Der manteuffelische Plan soll denn auch, wie verlautet, in solchen konservativen Kreisen, die sich etwas bester aus die Psyche der bürgerlichen Bevölkerung verstehen, als der nicht an Ueberflufi geistigen Scharfsinns leidende brandenburgische Landesdirektor, bereits auf einen gewissen Widerstand stoßen. Selbst der Minister des Innern, Herr v. Moltke, soll den Frhrn. v. Manteuffel davon verständigt haben, daß ihm�der Plan, der Zusammenbettelung einer Ehrengabe für die Berliner Schutzmannschaft nicht angebracht erscheine. Mag sein! Aber wenn Freiherr v. Manteuffel bei seinem Plan beharrt, wird Herr v. Moltke sich geduldig in das Unvermeidliche fügen; denn in Anbetracht seiner recht unsicheren Stellung wird er kaum wagen, es nochmals zu riskieren, daß Herr v. Pappenheim auf das Pult schlägt und ihn behandelt, als wäre er ein zur Aushilfe angestellter Gutsschreiber. Wider das NeichstagSwahlrecht. Herr Dr. Georg Oertcl, der Chefredakteur der „Deutschen Tageszeitung", leistet sich wieder in seinem Blatt unter dem für ihn und seinen Geist charakterischen Zeichen der bekannten Kognakmarke eine wunderschöne Sonntags- epistel gegen die vaterlandsfeindlichen»mstürzlerischen Elements. Mit großer Umstandliclsteit beweist er, daß die erste Staatspflicht die Pflicht der.Selbsterhaltung ist. und diese in rücksichtslosester Bekämpfung der Sozialdemokraten besteht. Doch der Rotkoller Oertels ist so alt und so gleichgültig, daß darüber kein Wort verloren, toorden soll. Wir erwähnen den Artikel nur, weil sich darin der folgende Borstoß gegen das ReichstagSwahlrecht befindet: „Was zunächst das ReichStagSwahlrecht anlangt, so kann eö keinem Zweifel unterliegen, daß dieses Wahlrecht so ungerecht und so unvernünftig ist wie nur möglich. Nur dann würde eö den Forderungen der Billigkeit und der Wer- nunft entsprechen, wenn die wahlmündigen Männer sämtlich die gleiche Einsicht, das gleiche Verantwortungsgefühl und die gleiche StaatSgesinnung hätten. Aber wir muffen uns vorläufig mit dem ReichstagSwahlrechte abfinden. DaS Reich wurde neu geschaffen, das Wahlrecht war ein Versuch. Nur als einen solchen hat ei Fürst Bismarck, der Schöpfer des Reiches, betrach- tet. UebrigcnS darf niemals vergessen werden, daß Fürst Bismarck ni-ht daS geheime, sonbetn das öffentliche Wahlrecht wollte und sich nur schwer dazu verstand, die geheime Wahl schließlich zu billigen. Bisher ist eS möglich gewesen, mit dem ReichstagSwahlrechte schlecht und recht auszukommen. ES hat vorläufig keine erhebliche Gefährdung deS ersten StaatSzweckeS herbeigeführt. Wie lange das noch der Fall sein wird, steht dahin. Wir fürchten, die Zeit wird bald genug kommen, in der die Gefährdung der Staatserhalwng durch daö ReichStagSwahlrecht so stark wird, daß man im Jnter- effe der staatlichen Selbsterhaltung eine Aenderung vor» nehmen muß. die dann das kleinere Uebel unter allen Um. ständen sein würde. Diese Möglichkeit näher zu erörtern, ist jetzt weder nützlich, noch geboten." Dieser Ausfall gegen das Reichstagswahlrecht � wird Herrn Oertel nicht hindern, vielleicht schon in der nächsten Nummer seines Blattes wieder zu behaupten, die Agrarkon- servativen dächten gar nicht daran, das Reichstagswahlrecht abzilschasfen oder einzuschränken. Mit der Ehrlichkeit nimmt num eS in Bündlerkreisen nicht so gonau. Pastor v. Bodelschwingh gestorben. Pastor Friedrich von Bodelschwingh ist in Bielefeld im ??. Lebenöjabre verstorben. Er wurde bekannt durch seine Tätig- kcit für eine Reibe von Anstalten für Epileptische und Arbeitslose. Eine Reihe von Jahren gehörte Bodelschwingh auch dem Abgeord. netenhause an. Seme Jungfernrede, die er im Mai 1904 hielt, erregte durch ihre volkstumliche Drastik ein gewisses Aussehen. Bodelschwinghs Bestrebungen entsprangen sicherlich ehrlicher Nächstenliebe und dem warmherzigen Drang, den Opfern unserer sozialen Verhältnisse zu helfen. Zu einem tieferen Verständnis der Ursachen der sozialen Gebrechen ist er indessen niemals g«° langt._ Herabgestimmt. Die ehrsame„Kreuzzeitung", die sonst so unverschämt im For- dern ist. wenn«s gilt, auf Ko�en des Volkes den Großgrundbesitzern Liebesgaben zu verschaffen, kann, wie sie in letzter Nummer be» weist, auch bescheiden sein. Sie. die in den letzten Wochen unab- lässig Staatsanwaltschaft und Polizei gegen die WahlrechiSdemon. stranten aufzuhetzen bestrebt war. bemerkt zu dem DemonstrationL- Prozeß gegen den„Vorwärts": „Wie sich auch der Vorwärts", seine Niederlage bemäntelnd, gebärden mag, so wird er nimmermehr weiß in schwarz ver» wandeln können. Es ist nachgewiesen, daß die Sozialdemokratie Gesetz und Ordnung verhöhnt uird zum Ungehorsam ausgefordert hat. Es steht fest, daß ein«Recht auf die Straße" zu sozialdemo« kratischen Manifestationen nicht besteht. Und es ist ein lehr- reicher Anfang gemacht, dem gesetzwidrigen Verhalten auch der sozialdemokratischen Presse entgegenzutreten. Dasgenügt uns vor der Hand." Wahlrechtskämpfe in Anhalt. Die PetitionSkommiision deS anhaltischen Landtages verhandelte dieser Tage über mehrere Wahlreck>töanträge. die von der sozial- demokratischen Landesorganisation und der freisinnigen Partei ein- gereicht worden waren. Der sozialdemokratische Antrag auf Ein- sührung des allgemeinen gleichen, geheimen und direkten Wahlrechts wurde gegen die Stimmen de? einzigen im Landrage sitzenden Sozialdemokraten Voigt und der freisinnigen Verireter abgelehnt. Die National- liberalen ließen erklären, sie seien für keine Wahl- rechtSänderung zn haben, welche der Sozial dem o- kratie Vorteile brächte I Die Vertreter der Junker, die die Mehrheit im Landtage besitzen, kämpfen hartnäckig für die Beibehaltung deS gegenwärtige» reaktionären Wahlsystems. Sie beschränkten sich in der Kominission auf die an die Regierung ge- richtete Ausforderung, auf die W a h l r e ch t S d e m o n st r a n t e n, die sich neuerdings auch in Anhalt zeigten, ein scharfes Augenmerk zu richten. Angenommen wurde zwar ein Antrag, in den Slädlen die direkte Wahl einzuführen, doch wird auch dieser Antrag im Plenum keine Annahme finden._ Hoch das allgemeine, gleiche Wahlrecht. Der S. März brachte gestern den Arbeiter Jsemeier auf die Anklagebank des Schöffengerichts. Der Angeklagte hatte einen Strafbefehl über drei Tage Haft erhalten, weil er am ö. März nachmittags an der Spitze eines kleinen Trupps durch die Friedrichstraße gezogen sei und in der Nähe des Bahnhofs Friedrich- straße durch übermäßig lautes Schreien die Aufmerksamkeit des Publikums auf sich gelenkt und eine Verkehrsstörung hervor- gerufen habe. Der Angeklagte gab zu. an dem fraglichen Tage in Be« gleitung mehrerer Personen durch die Friedrichstraße gezogen zu >eili mid mehrmals Hochrufe auf das allgemeine, gleiche Wahlrecht ausgebracht zu haben. Zeuge Scdutzmann Bartel sagt aus, daß er am Nach- mittag deS 6. März an der Kreuzung der Friedrich- und Georgen- straße gestanden habe. Er habe einen etwa dreißig Man» starken Trupp, der sich in nördlicher Richtung durch die Frsedrichstraße be« wegie, schon längere Zeit beobachtet, das Hochrufen dieser Demon- slranien sei mehrere Straßen weit zu hören gewesen. Als der Zug am Bahnhof Friedrichstraße angelangt war, habe er sBartel) ein- schreiten müssen, da er in dem Rufen groben Unfug erblickt habe und da außerdem der Zug ein Verkehrshindernis darstellte. C-r habe deshalb den Angeklagten Jsemeier, der am lautesten schrie, sistiert. Der Staatsanwalt beantragte gegen den Angeklagten eine H a f t st r a f e von drei Tagen, da in dem laucen Rufen des Angeklagten grober Unfug zu erblicken fei. Durch das auffällige Gebaren des Angeklagten feien viele Personen stehen geblieben, so daß in der belebten Friedrichstraße eine Verkehrsstörung eingetreten sei, Der Verteidiger R.-A. Dr. Kurt Rosen« feld beantragte Freisprechung. Sei» Mandant habe sich wie viele Taufende von Perionen am 6. März in erregter Stimmung befunden. Auch sei in dem Ausbringen von Hochrufen auf das Wohrecht durch- aus kein grober Unfug zu erblicken, wie das Kämmergericht am S. Oktober 1909 erklärt habe und in letzter Zeit mehrmals festgestellt worden ist. Schließlich könne man auch nicht von einer Verkehrs- störnng reden, da bei zahlreichen Gelegenheiten, zum Beispiel beim Vorübersahren des Kaisers, sich weit größere Menschenmassen auf einem Platze versammeln, die auch Hoch riefen. Wenn jeder, der- aus einem ähnlichen Anlaß einmal Hoch gerufen habe, dafür ins Gefängnis kommen sollte, so würde Berlin bald entvölkert sein. Nach kurzer Beratung verkündete AmtSgerichtSrat Werk, Werth die Freisprechung deS Angeklagten. Es sei anzunehmen, daß Jsemeier siib zwar in erregter Stimmung befunden, aber groben Unfug nicht beabsichtigt habe. Auch sei nicht als sicher anzunehmen, daß durch den kleinen Trupp der Verkehr ernstlich gestört wurde. Der Angeklagte sei deshalb freizusprechen, die Kosten feien der Staatskasse aufzuerlegen. Repräsentationskosten der studentischen Korps. Die feudalen Korps lassen sich daö Studium etwas kosten. Sie machen ganz ansehnliche Aufwendungen, um auch bei ihren Kollegen von anderen Verbindungen etwas zu gelten. Daß dabei häufig des guten zu viel getan werden kann, zeigt ein Rundschreiben, daß zwei alte Korpsstudenten, der AmtSgerichtSrat Dr. Bind seil in Halle a. S. und der LandgerichtSdirekior S t r a n z in Fürth an die „Alien Herren" bei Kösener Verbandes richten und worin auf- gefordert wird, gemeinsam gegen den überhandnehmenden Aufwand in den Korps vorzugehen. Die Genannten wenden sich nur gegen „einige augenfällige Auswüchse", die sie in folgendem erblicken: Wenn die Mitglieder eines Korps ein anderes Korps auf besten Universität besuchen, so genießen sie volle und zwar sehr prunkvolle Gastfreundschaft. Sie werden nicht nur auf der Kneipe bewirtet, sondern in den ersten Hoteis einlogiert, wo sie leben können, wie's ihnen gefällt. DaS zwingt natürlich zu Gegenleistungen. Bei gewöhn- lichen Besuchen kann man sich durch noble Trinkgelder revanchieren, dessen glücklicher Empfänger— außer den Hotelbediensteten— der Korpsdiener ist. Dieser erhält ein Trinkgeld, das nicht weniger als 20 M.. vielfach aber mehr als 50 M. beträgt. Hat man aber auf Waffen des Korps gefachten, so erhält dies für«gewährten Waffenschutz" eine opulente Dedikation, deren Höchstwert vor Jahren einmal auf 100 M.„herabgesetzt" wurde, woran sich aber niemand gekehrt hat. Wenn beispielsweise zwei Jenenser Studenten in Heidelberg fechten, so kostet da« ihren Korps etwa 500 M. und das besuchte Korps trägt die Kosten der Gastfreundschaft Mit ganz ungewöhnlicher Pracht werden die großen Stistungsfesle gefeiert. Ali vor einigen Jahren ein süddeutsches Korps sein hundertjähriges Jubiläum feierte, kostete das Fest 100 000 Mark, und eine Burfcheufchaft soll bei einem ähnlichen Fest« diese Summe noch übertrumpft haben. Die Fachargane der übrigen studentischen Verbände gestehen resigniert zu, daß bei ihnen die Sache nicht viel anders liegt. . Wenn schon die Herren Söhne der Besitzenden während der verhätlnismäßig kurzen Zeit des Studiums durch derartige Auö- gaben die Taschen ihrer Väter brandschatzen— wozu dann noch die gleichen oder größeren Ausgaben für andere Dinge kommen— dann braucht man sich wirklich nickt mehr darüber zu wundern, daß die Arbeitor immer mehr ausgebeutet werben sollen I Einer von den Vielen. Ueber einen interessanten Fall agrarischer Steuerhinterziehung berichtet auf Grund gerichtlicher Feststellung die„Oppelner Ztg.": „Der RittergulSbesitzer Kraffczyk aus Skrzidlowitz gab für 1904 ein stenerpflichiigeS Einkommen von 4317 M. an. zeigte aber nach- träglich dem Landrat des Kreises Lubltuitz schriftlich an, daß er au§ Irrtum 606 M. Einkommen zu wenig deklariert habe, woraus er zu 104 M. Steuer veranlagt wurde. In Wirklichkeit betrug sein steuerpflichtiges Einkommen in dem angetührten Jahre 19 973,43 M., wofür der Steuersatz 600 M. beträgt, so daß der Staat um 496 M. Steuer verkürzt i wurde. Im Jahre 1905 deklarierte er 4817 M. Eiukommen. der Steuersatz betrug 118 M., während K. seinem wirklichen Ein» kommen entsprechend 415 M. hätte zahlen müssen, so baß dem Staqt 297 M. Steuer entzogen wurden. Im folgenden Jahre betrug die hinterzogene Summe 565 M., so daß K. in den drei Steuerjahren 1904—1906 insgesamt den Staat um 1358 M. geschädigt hat. Der Angeklagte gab rückhaltslos die Steuerhinter« zichnngen zu und entschuldigte sich damit, daß ihn mißliche Ertrags» Verhältnisse seines eiwa im Jahre 1903 erivorbencn und damals durchaus devaslierten Gutes sowie die hohen Kosten für die Erziehung seiner sieben Kinder zu dem Geschebenen verleitet hätte». Der Gerichtshof ließ Milde walten und belegte ihn mir der fünffachen Summe der hinterzogene» Steuer, nämlich mit 6790 Mark Strafe, für die eventuell für je 5 Mark ein Tag Haft tritt. Herr Krassczhk hat Pech gehabt. Er bat sich fassen lassen. Wie manche der Herren Agrarier treiben es noch weit ärger und gelten doch als patriotische Stützen des preußischen KntturstaatS. Amtlicher Eingriff in die Posener Wahl. Die günstige Position, in der unsere Parteigenossen sich im Poftner Wahlkampfe befinden, läßt die behördlichen Organe nicht ruhen. Sie suchen nach Kräften der Agitation unserer Genossen Schwierigkeiten zu bereiten. Vor vierzehn Tage» konfiszierte bereits der Gendarmeriewachtmeisicr in Rosenhagen bei Posen einigen Rad« fahrern eine Anzahl Wahlflugblätter, worüber er folgende Quittung ausstellte: Rosenhagen. 20. IU 1910. 7 Kilogramm Flugblätter sind heute Hierselbst beschlagnahmt worden. Eckert, Gend.-Wachtmeister. Auf Beschwerde unserer Parteileitung um Herausgabe der Flug» blätter erfolgte folgender Bescheid: Der König l. Landrat des Kreises Pofen-West. Posen, den 29. März 1910. Auf Ihr Sckreiben vom 21. März teile ich Ihnen mit. daß ich in der Angelegenheit betreffend die Freigabe von beschlag- nabniten Druckschriften nichts veranlaffc, da die Königl. Staats- anwaltschaft in der Angelegenheit bereits Ermittelungen angestellt hat. Sie werden daher das Ergebnis abzuwarten haben. I. B.: Kretschmar, Kreissekretär. Am 3. April ist bereits die Wahl, doch unsere Genossen sollen mit dem FUigblattverleilen warten, bis da?„Ergebnis" der staatS- auwaltlichen Ermittelungen heraus ist. Pantomimische Schutzmannsbeleidigung. Daß sich die Hobe Polizei auch durch„Mundbewegnngen" be» leidigt fühlen kann, mußte in Furth ein Soldat deS 14. Jnranterie« Regiments aus Nürnberg erfahren. Wegen LärmenS zur Rede ge« stellt, sprang er auf einen Straßenbalmwagen und soll dabei von den Schutzleuten mit der bekannten Redensart, die durch Götz v. Berlichingen berühmt geworden ist, Abschied genommen haben. In der Verhandlung vor dem KriegSgerichl konnte niemand sagen, daß solche Aeußerung gefallen sei, auch die Schutzleute haben sie nicht gehört, nur au« der„Mundbewegung" des Soldaten hoben sie entnommen, daß er sie auf die Kirchweih lud. DaS Gericht traute jedoch der vantomimistischen Sachkenntnis der Polizisten nicht und erkannte auf Freisprechung._ Parteitag der Demokratischen Vereinigung. Der Zcnttalvorstand der Demokratischen Vereinigung beruft den zweiten Parteitag ein. Er soll in der Zeit vom lö. bis 17. Mai in Köln a. Rh. statlfinden. Auf der vorläufigen Tagesordnung stehen neben verschiedene» Berichten über geschäftliche Angelegenheiten ein politischer Jahresbericht(Dr. Breitscheid), ein Referat Über den Programmcmwurstigen zutreten sollen: über 16 Jahre alte gegen einen Jahresverdienst von in der Regel 2666 M. nicht übersteigenden Jahresarbeitsverdienst beschäftigte Gehilfen und Lehrlinge in Apotheken, Bühnen- und Orche st ermitglieder ohne Rücksicht auf den Wert ihrer Kunstleistungen, sowie An- gestellte, die berufsmäßig, wenn auch nicht in einem Haupt- beruf, als solche beschäftigt werden. Der Kreis der Jnvalidenver- sicherungspflichtigen soll also auch in Zukunft dem der Krankender- sicherungspflicht unterstellten Personen nicht gleichen. Insbesondere wären zwar kranken», aber nicht invalidenversicherungspflichtig: 1. alle ihrer Beschäftigungsart nach Versicherten, die das 16. Lebens- jähr nicht vollendet haben; 2. die Ha u s g e w e r b e t r e i b e n- den; diese sollen nach wie vor nur durch Beschlutz des Bundesrats versicherungspflichtig gemacht werden können. Von dieser Befugnis hat bekanntlich der Bundesrat nur rücksichtlich der Hausgewerbe- treibenden der Tabakfabrikation und des größten Teils der Textil- fabrikation Gebrauch gemacht. Nach wie vor sollen bei Deutschen im Auslande beschäftigte Personen nur dann versicherungspflickitig Sein, wenn der Betrieb im Aus'ande als Teil, Zubehör oder Aus- trahlung eines inländischen Betriebes zu betrachten ist. Eine nach ihrer Veranlassung und Begrenzung nicht recht verständliche Aus- nähme ist dahin gemacht, daß künftig auch Deutsche versicherungs- pflichtig sein sollen, die bei einer amtlichen Vertretung des Reichs oder eines Bundesstaats im Auslände, oder bei deren Leitern oder Mitgliedern beschäftigt sind. Die Ermächtigung des Bundesrats, die Versiche- rungspflicht auf Gewerbetreibende und sonstige Be, triebsunternehmer zu erstrecken,„welche nicht regelmäßig wenigstens einen Lohnarbeiter beschäftigen", ist dahin etwas er- weitert, daß diese Erstreckung sich auf solche Gewerbetreibende und andere Betriebsunternehmer beziehen soll,„die regelmäßig keine oder höchstens zwei Bersichcrungspslickitige beschäftigen". Gebrauch gemacht hat von der bestehenden Befugnis der Bundesrat nicht. Sie würde wohl auch künftig eine wertlose Folge des Svstems sein. das die Fürsorgepflicht für einen Kreis von Personen theoretisch anerkennt, die Pflicht aber nicht erfüllt, sondern das gesehgebcrische Gewissen durch Abschiebung der Aufgabe auf den Bundesrat be- ruhigen will. Diesem System ist auch die Unterlassung der Einbeziehung der Privatan gestellten in den Kreis der Versicherten zuzuschreiben. Wird die„Reform" jetzt in Angriff genommen, so ist es dringend erforderlich, allen Teilen der Versiche- rung die Privatangestellten zu unterwerfen. Es zeigt sich jedem Unvoreingenommenen immer klarer, daß auf diesem Gebiet der Weg der ricbtige ist, den die Sozialdemokraten bereits bei Beratung der ersten Versicherungsgesetze im Jahre 1882 beschritten hatten: unter Beseitigung all der Katalogisierungen der zu versickernden Personen und der Ermächtigungen des Bundesrats die Versiche- rungspflicht lediglich von dem Einkommen abhängig zu machen. Warum soll die Versicherungspflicht nicht auf alle Personen. die ein Jahreseinkommen von unter 6000 M. haben, wie es der Parteitag in Leipzig verlangt hat, ausgedehnt werden? Die Motive verraten über die Gründe nichts. Die Privat- angestellten, nicht minder die kleinen Gewerbetreiben- den und Handwerker, haben ein Recht darauf, daß statt all der schönen Redensarten, mit denen Regierungen und bürgerliche Parteien sie einzufangen suchen. Taten erfolgen. Würde dies Ver° langen in der Reichsversicherungsordnung endlich erfüllt, so würde ein Haufen Paragraphen aus dem schon infolge seiner Dickleibigkeit in seinen Einzelheiten schwer übersehbaren Entwurf herausfallen. Es würde ferner eine ganz erhebliche Entlastung des Reichsver- sicherungsamts und anderer behördlichen Organe eintreten, die eine Unsumme von Zeit und Arbeitskraft auf Tüfteleien darüber ver- wenden müssen, ob eine Person auck versickerungSpflicktig ist. Das Recht der Empfänger reichSgesetzlichcr Unfallrenten und der Siebzigjährigen, sich von der Versicherungspflicht befreien zu lassen, ist gestrichen, weil auch diese Aermsten, denen durch den Zolltarif und die neuen Steuern 26 Prozent ihres Lebensunterhalts genommen ist, künstig zur Ver- sicherung der Witwen und Waisen in Gestalt einer„Versicherung" beitragen sollen. Neu ist die freiwillige Zusatzversichcrung. Danach können versicherungspflichtige und versicherungsberech- ltigte Personen zum Zwecke der Versicherung von Zusatzrenten zu jeder Zeit und in beliebiger Zahl Zusatzmarken(in Höhe von 1 M) in die Quittungskarte einkleben. Durch Einkleben der Zusatzmarke wird ein Anspruch auf Zusatzrente für den Jnvaliditätsfall er- worben. Für jede Zufatzmarke wird der Betrag von 2 Pf. als Jahresbetrag der Zusatzrente sovielmal gewährt, als beim Ein- tritt der Invalidität Jahre seit Verwendung der Zusatzmarke ver- flössen sind. Danach würde ein Versicherter, der in 31 Jahren monatlich einen Zusatzbeitrag von 1 M. entrichtet, beim Eintritt der Invalidität eine Zusatzrente von 119 M. erhalten. Beträgt die Zusatzrente, was die Regel sein wird, höchstens 66 M. jährlich, so ist der Versicherte berechtigt, statt der Zusatzrente eine ein- malige Abfindung in Höhe des Kapitalwertes der Zusatzrente zu verlangen. Die Begründung hebt hervor, daß diese freiwillige Zusatz- Versicherung wesentlich im Interesse des Mittelstandes und des Handwerkerstandes geschaffen ist, um diese zu veranlassen, mehr wie bisher von dem Rechte freiwilliger Versicherung Gebrauch zu machen.— Die Zusatzversicherung ist ein völlig unzureichendes Mittel an Stelle einer Erweiterung der Lohnilassen und Ein- heziehung aller mit einem Einkommen bis S(X>0 M. in die Ver- sicherung. Die Beiträge � der Versicherten und der Arbeitgeber sind um 15, 29, 25. 26?h, 27V». im Durchschnitt um 25 Proz. erhöht. Es betragen die Bei- träge für heute 14 Pf. 20 ,. 21, 30. 38. nach dem Entwurf 16 Pf. 24„ 80 88 46 Lohnklasse I(bis 350 M. einschließlich).. „ n(mehr als 350 bis zu 650 M.) „ HI(.„ 550.„ 850,) IV(„„ 850.. 1150„) V(„„ 1150 M.).... Diese Beiträge sollen zunächst bis zum 31. Dezember 1920 gelten und dann immer für weitere 10 Jahre festgesetzt werden. Die Organisation der Versicherungsanstalt soll zuungunsten der Arbeiter und Arbeit- gcber, zugunsten der Bureaukratie insofern verschlechtert werden, als künftig dem Ausschuß der Invalidenversicherung die Befugnis genommen werden soll(8 1339), die Geschäftsführung des Vor- standes zu überwachen. Der Entwurf meint zu dieser erheblichen Verschlechterung der Selbstverwaltung und der Möglichkeit einer sozialen Handhabung des Gesetzes kurz: Die Ueberwachungsbefug- nis hat sich nicht bewährt. Denn sie steht entweder nur auf dem Papier oder führt zu unerwünschten Schwierigkeiten im Verkehr zwischen Vorstand und Ausschuß. Sie ist aber auch entbehrlich, weil die wirksame und sachkundige Ueberwachung durch das Reichs- versicherungsamt(Landesversicherungsamt) völlig ausreicht." Im Ausschuß sitzen nur Laien(Arbeitgeber und Arbeiter zu gleicher Zahl), im Vorstand kann der Beamte überwiegen, im Reichsver- sicherungsamt ist allein der Beamte maßgebend. Der Entwurf i wünscht die Aenderung in Wahrheit, weil ihm jede Selbstverwal- tung, mit Ausnahme der von Mitgliedern des Bundes der deutschen Industriellen geführte, verhaßt, und weil ein Hauptzweck des Ent- wurfs auf Bureaukratisierung gerichtet ist. Tie Bocaussetzungrn für die Erlangung einer Alters- oder Invalidenrente sind nicht verbessert, sondern noch verschlechtert. Statt mit der K l e b e r e i endlich tabula rasa zu machen. hält der Entwurf an dieser Einrichtung mit ihrem großen Be- amtenapparat und den überflüssigen Kartenhäusern fest. Nach wie vor soll nur Anspruch auf Invalidenrente erheben können, für den mindestens 209 Wochen(bei Selbstversicherern 500 Wochen), und Anspruch auf Altersrente, für den mindestens(abgesehen von der Uebergangszeii) 1290 Wochen hindurch geklebt ist.'Achtlos geht der Entwurf an dem so dringend der Abhilfe bedürftigen Zustand vorbei, daß durch Bummelei des Arbeitgebers der kleines feuitteton. Eln WahlrechtSgesiich ans MaratS„BolkSfreund". Pauk Marat trat vom Beginn der französischen Revolution an für allgemeines Stimmrecht ein. Sobald die Nationalversammlimg daran ging. durch Einschränkung des Wahlrechts auf den Teil der Bevölkerung, der eine direkte Steuer in Höhe des Lohnes für wenigstens drei Arbeitstage entrichtete. Millionen von Franzoien zu entrechten, trat Marat dieser Unterdrückung energisch entgegen. In seinem Blatt, dem„Volksfreund", bekämpfte er nachdrücklich die Unterscheidung von Aktivbürgern mit dem Wahlrecht und Passiv- bürgern ohne das politische Grundrecht. Er gab auch Stimmen aus dem Volke Raum, die sich gegen das von der Nationalversammlung beschlossene Geldiackswahlrecht richteten. Wiederholt druckte der„Vollsfrennd" proletarische Kundgebungen ab. in denen das allgemeine Stimmrecht gefordert wurde. Besonders interessant ist ein„Gesuch der Passivbürger", das sich in dem„Volksfrennd" vom 39. Juni 1790 findet. Die Bittsteller gehen zur Begrüiidnng ihres Verlangens nach der Gleichberechtigmig mit den bester sitnierten Kreise» von der Talsache aus. daß die Revolution der Erhebuiig des armen Volkes, daß speziell die Einnahme der Basblle 10 000 Arbeitern der Vorstadt St. Antoine zu verdanken gewesen sei. Was haben sie nun durch die Veriiichnmg der Herrschast des GcbiirtSadclS gewonnen, wenn die Herrschaft des Geldadels an die Stelle treten soll? Weiter warnte die Petition die Nationalversamnilimg als die Wortführer der besitzenden Klasien vor den gefährltchen Fbkgkn, die sich aus der Wahl- entrechtung für sie ergeben könnten. Hier zeigt sich, daß kam- munistit'che Gedanken dem Pariser Proletariat doch nicht mehr ganz fremd waren, freilich auch noch nicht seine lleberzeugung darstellten. Um nämlich ihre Mäßigung zu bekunden, erklären die Bittsteller: „Wir verlangen heute nicht von euch, eure Besitzungen zu teilen, diese Güter, die der Himmel den Menschen zum Geincinvesitz ge- geben hat." Die Besitzenden sollen aber in ihrem eigenen Jnier- esse die Gefahren bedenken,„daß, wenn ihr uns das Bürger- recht verweigert auf Grund unserer Armut, wir eS wiedererlangen. indem wir euch das Ueberflüssige nehmen." Eine schreckliche Revolution könnte die Folge sei», wenn die Armen durch ihre Rechtlosigkeit zur Verzweiflung getrieben werden und ihnen kein anderer Entschluß mehr übrig bleibt, als sich an den besitzenden Unter- drückern zu rächen. Dabei könnte eS nach Ansicht der Perenten dahin kommen, daß sie sich jeder Art von Exzesien überlicßeii. oder aber dahin, daß sie die Besitzende» sich selber überließen. Wie dies nun in kurze» Worten dargelegt ist, das ist der inleresfanteste Teil dieser WahlrecktSkundgebiing von 1790; denn eS zeigt, daß rbre Urheber die Möglichkeit ahnten, mittels allgemeiner Arbeitseinstellung auf die herrschenden Klassen einen Druck auszuüben.„Brauchen wir dock, um uns an eure Stelle zu setzen, bloß mit gekreuzten Annen stehen zu bleiben. Alsdann würdet ihr, darauf zurückgeführt. euch eurer Hände zu bedienen und eure Aecker zu bestellen, wieder unseres Gleichen werden; aber, weniger zahlreich als wir, werdet ibr sicher fein, die Frucht eurer Arbeit zu sammeln?" Darum Anspruch auf Jnvaliditäts- und Altersrente verloren gehen kann, wiewohl dem Arbeiter jahraus, jähr« i ein die auf ihn entfallenden Beiträge abgezogen waren. Ter Ent« ' wurf begünstigt die Bummelei inÄesondere von Groß» gnindbesitzern noch dadurch, daß er, im Gegensatz zum bestehende» Gesetz(Z 182) Arbeitgeber, die Arbeitergrofchen dadurch unter« schlagen, daß sie die vom Lobn abgezogenen oder von den Be« schäftigten erhaltenen Beitragstelle nicht für die Versicherung ver» wenden, nur dann bestraft wissen will, wenn die Handlung vor« s ä tz I i ch begangen ist(§ 1479). Die Selbst- und Weiterbersicherung schädigt der Regierungsentwurf in empfindlicher Weise. Nach dem geltenden Gesetz kommt zwar die Anwartschaft aus der Versicherung in Ford- fall, wenn innerhalb zwei Jahren bei Selbswersicherern nicht min« bestens 40, bei Weiterversicherern nicht mindestens 20 Marken ge» klebt sind. Aber die Anwartschaft auf Renten lebt doch wieder auf, sobald durch Eintritt in eine versicherungspflichtige Beschäf« tigung oder durch freiwillige Beitragsleistung das Versicherungs« Verhältnis erneuert und danach eine Wartefrist von 200 Wochen ist(§§ 14 und 46 des bestehenden Gesetzes).� Die öglichkeit des Wiederauflebens eines verjährten Anspruchs st r e i ch t der Entwurf(§§ 1228, 1229). Mag zehn oder dreißig Jahre hindurch ordnungsmäßig geklebt, aber dann durch wirtschaftlich widrige Verhältnisse oder durch Nachlässigkeit des Versicherten die Klcberei unterlassen sein, so soll der Ver« sicherte aller Ansprüche verlustig gehen— eine Vorschrift, die in ähnlicher Härte auf dem VerstcherungSgebiet sich fönst nur bei Schwindelkassen vorfindet. Für die Berechnung der Wartezeit ist nur die eine ziemlich belanglose Vorschrift des bestehenden Gesetzes in Wegfall gebracht� nach der die Tauer einer Krankheit als Beitragszeit nicht in An« rechnung zu bringen ist, wenn der Beteiligte sich die Krankheit durch Trunkfälligkeit zugezogen hat. Die Motive meinen: Tie„vielfachen Zweifel, die sich bei der Anwendung dieser Vor» schrift seither ergeben haben, lassen es ratsam und unbedenklich erscheinen, auf sie ganz zu verzichten". Ms Boraussetzung für die Altersrente soll nach wie vor die Erreichung des 70. Lebensjahres gelten. Auf das 60. oder wenigstens das 65. Lebensjahr zurückzugehen, lehnt der Ent« wurf ab. Für die I n b a l i d e n r e n t e ist die Vorschrift, daß der An« spruchsberechtigte nicht nur invalide im Simie des gewöhnlichen Sprachgebrauchs, sondern invalide im Sinne des Jnvalidenversiche» rungsgesetzes sein soll, geblieben und verschärft. Die bereits im Jahre 1539 von den Sozialdemokraten ausgestellte Begriffs« bestimmung, nach der als invalide stets zu gelten hat, wer in seinem Beruf nicht mehr die Hälfte von dem erwerben kann. was er sonst verdient hat, hat nicht nur keine Aufnahme gesunden, sondern es ist— Ivas man für kaum möglich halten sollte, wenn man es nicht schwarz auf weiß vor sich hätte— noch eine Ber« schlcchteruna des Begriffs Invalidität im Sinne des JnvalioenversicherungsgesetzeS borgeschlagen. Durch die Novelle des Jahres 1900 erhielt dieser Begriff eine kleine, freilich völlig unzulängliche Ausdehnung gegenüber dem Gesetz von 1890. Für die heutige Festsetzung ist für die Frage, wer invalide ist?§ 6 Absatz 9 maßgebend. Dieser lautet: „Der Versicherungspflicht unterliegen endlich nicht diejenigen Per- sonen, deren Erwerbsfähigkeit infolge von Alter,.Krankheit oder anderen Gebrechen dauernd auf weniger als ein Drittel herabgesetzt ist. Dies ist dann anzunehmen, wenn sie nicht mehr imstande find, durch eine ihren Kräften und Fähigkeiten cntspreckende Tätigkeit die ihnen unter billiger Berücksichtigung ihrer Ausbildung und ihres bisherigen Berufes zugemutet werden kann, ein Drittel desjenigen zu erwerben, was körperlich und geistig gesunde Personen derselben Art mit ähnlicher Ausbildung in derselben Gegend durch Arbeit zu verdienen pflegen." Infolge dieser Vorschrift, die ihre jetzige j Fassung in der Reichstagskommission erhalten hatte, damit auch auf die Berufsinvalidität wenigstens etwas Rücksicht genommen werden könne, stieg die Zahl der Jnvalidenrenter etwas. Im Jahre 1903 erreichte sie die Zahl von 152 882. Das erschien dem Reichsamt des ' Innern furchtbar. Es ordnete eine Bereisung der Bezirke durch !„Vertrauensärzte" an, die prüfen sollten, ob rncht die Erwerbs» unfähigen durch Verschlechterung des Begriffs der Invalidität wieder erwerbsfähig geschrieben werden konnten. Ter Erfolg dieser amtlich angeordneten und seitdem jährlich wiederholten auf Entziehung der erhaltenen Invalidenrente und auf erhebliche mögen die Besitzenden zur Gerechtigkeit zurückkehren und dadurch— so sagt eS dieser WahlrechtSruf don 1790— die Revolution ver- hindern, die sonst die Verzweiflung der Rechtlosen unfehlbar herbei führen würde. Menschenopfer als religiöse Institution. In der Pariser Akademie der Jnickriflen bielr dieser Tage der Professor Dr. Capitan einen Vortrag über„Menschenopfer und rituelle Anthropophagie im alten Amerika". Er wies zuerst darauf hin. daß im alten Amerika Menschenopfer etwas Alltägliches waren. Man erkennt das schon daraus, daß zahlreiche peruanische Gefäße auS der vorinkasifchen Zeit mit Abbildungen abgeschnittener Köpfe geschmückt sind. Die meisten Menschenopfer brachte man den Götzen aber in Mexiko. Warum man Menschen opferte, darüber ist man sich noch nicht recht klar. Man kann zunächst annehmen, daß die Gottheit aus Menschenfleisch Hunger hatte, und daß man sie deshalb füttern mußte; weniger primitiv ist die Auffassung, daß man Menschenopfer für etwas Höheres, Würdigeres hielt als Tieropfer, und daß man daher die Tieropfer durch Menschenopfer ersetzte; nach einer dritten Version opferten die Ureinwohner von Mexiko deshalb Menschen, weil nach einem alten Mythus die Heroen, die Söhne des höchsten Gottes, um neue Menschen zu bilden, sich ihres eigenen BlnleS be> dient hatten. Die Opferung der Menschen geschah in Mexiko in der Weise, daß man dem Opfer mittels eines steinernen Messers ein Loch in die Magengrube bohrte und diese Oeffnung so erweiterte, daß das Herz heranSgeriffen werten konnte. Als der große Tempel in Mexiko eingeweiht wurde, wurden in den anderen Tempeln Mexikos auf diese Weise vier Tage lang täglich 8000 Menschen geopfert. Manch mal wurde der Körper desOpierS gekocht ün> von den Gläubigen gel gessen, nachdem man da? Herz der Gottheit dargebracht hatte. Man aß das Menschenfleisch jedoch nicht deshalb, weil mai, Geschmack daran fand. Der Mexikaner suchte sich vielmehr das Menschenopfer dadurch, daß er es aufaß, vollständig einzuverleibeu, weil nach den religiösen Vorstellungen das Opfer mit der Gottheit, der man es opferte, identifiziert wurde. DaS hatte zur Folge, daß das Opfer manchmal sogar die Tracht und den Namen der Gottheit annahm. Dadurch, dgß man daS„vergötllichte" Opfer verzehrte, glaubte man sich also ganz mit der Gottheit zu vereinen. Kurz, eS handelt sich bei der Mnsckenfresierei im alten Amerika fast ausschließlich um rituelle und fetischistische Gebräuche. „GeseireS". Zu den mancherlei Ausdrücken der jüdischen Jargon- spräche, die ihren Eingang in die Umgangssprache deö täglichen Lebens gefunden haben, gehört der Ausdruck„GeseireS", der sich sogar in Parlamentsreden findet. DaS Wcigandsche Wörter- buch der deutschen Sprache erklärt ihn wie folgt:„unnützes Ge- rede, scheltendes Geschrei, Wirrwarr von Stimmen. Aus dem Judendcuisch von Gebr. Gezera. Behauptung,(erregte) Disputation." Diese Ableitung ist jedoch unrichtig, wie eine kleine Studie von Dr. Spanier in der„Allgem. Ztg. d. Judentums" dar- legt. DaS Wort ist vielmehr der Plural von der Einzahl gsssiro, was eigentlich„Abgeschnittenes", im übertragenen Simie Ber- hängnis oder Unglück bedeutet. Die deutsche Volksetymologie hat sich jedoch durch den Klang des Wortes und die Vorsilbe„Ge-" zu einem Bedeutungswandel bestimmen lassen und aus der Ursache, nämlich da? darüber ent» wird denn auch Gerede, Gezeter, Ge« Friedrich- Vom Ensemble wurde Wilhelm Heidelberg' d. h. dem Unglück, die Wirkung gemacht. sprechende Sckireien oder Klagen. Statt vielfach gesagt„das Geseire", wie man von jammer, Getue und dergleichen spricht. Tbeater. ilhelm städtisches Schauspielhaus: des Neuen Schauspielhauses am Nollendorfplatz Mcyer-Försters unverwüstliches»Alt« gegeben, mit Harry Waiden als Karl Heinz. DieS Faktum verübte natürlich auch auf Berlin 17. feine Wunder» Wirkung; denn der Theaterraum war bis auf den letzten Platz gefüllt» und eS hatte den Anschein, als ob viele Enthusiastinnen wieder abziehen mußten, weil wahrscheinlich kein Billett mehr zu haben war. WaS die Leute an diesem Karl Heinz gefressen haben, bleibt rätiel» hafi. Sckauipielcrische Heldentaten hat er nicht zu vollführen. Ein bißchen studentische Laune, eine rührsame Liebesgeschichte nach Charlotte Birch-Pseiffers Rezept mit der Kellnerin Kathi, die von Käthe Ehren lustig-enipfindsani mit Schsagsahne gemimi itntrd� dam, der junge Fürst in Uniform, seine„Leutseligkeit" bei dem Wiedersehen mit Kellermann, der Fritz K l e i n k e Ge- legenhcit verschaffte, sich Hand in Hand mit Harry Molden in die Ebren des AbcndS zu teilen, endlich die Abschiedsszene zwischen Karl Heinz und Kathi— das ist alles. Wenn eS aber darauf ankommt, zu sagen: wer eigentlich die beste schauspielerische Cbaraiterleismng gibt, so darf Artur R e tz b a ch als Kammerdiener Letz mit Auszeichnung genannt werden. Ferner noch HanS S i e b e r t (Dr. Jüttner) und Karl M a ch h o l d. weniger jedoch, weil er einen jungen Grafen, als einen flotten Studenten zu geben verstand. Die Bor« ftellung zog sich bis gegen 12 Uhr hin; sie entwickelte eine uu« erträgliche Siedehitze im Haufe, infolgedessen einen gewaltigen Bier« konsilin in den Restaiiral>onsräumen— und nicht endenwollende« Applaus. Die Weiblichkeit, junge und angejahrte, war stark ver» treten; daher eine entzückende Laune und Schnatterhaftigkeit. * k. Humor und Satire. Das Urteil vom 1. Aprtk Das Gericht hat nun gerochen, jene große Moritat. so die Polizei verbrochen Sonntags in dem Parke hat. DaS Gericht war lieb und zärtlich, denn es ging uns um den Barth; und vor aller Augen Närt sich. wann sich Blut und Hund gepaart. Such zwei bcss're Redakteure deponierte» ihren Spruch, aß man nur noch sicher wäre n dem Demonstrantenzug. aS Gericht hat drum gesprochtU (weil e« uns behüte» wrll), daß der Schutzmann uns 4 WochM -infperr'n soll. April! April! oex I Herabsetzung der Zabl der Jnvalidenrentner gerichteten Maßregel blieb nicht aus. Die Erwerbsunfähigen wurden freilich duUch die ärztliche Untersuchung und Trangsalwrung. zu der sich leider zahlreiche Aerzte gegen hohe Bezahlung hergaben, nicht er-- werbSfähig. In einer Reihe von solchen Füllen wurde festgestellt, daß den vergeblich um eine Invalidenrente Äümpsenden der Bescheid, daß ihnen die Rente nicht zugebilligt werden könnte, weil sie noch zu viel verdienen könnten, w e n n sie Arbeit hätten, zuging, als sie eben infolge von Entkräftung verstorben waren. Tie Zahl der Jnvalidcnrentnsr wurde durch diese un- soziale, grausame Einengung des Jnvaltditütsbegrisss außerordent- licki herabgedrückt. Im Jahre ISA) wurden nur 1 10 969, im Jahre 1907: 112220, im Jahre 1908: 116 802, im Jahre 1309: 11626-1 Personen neue Rente bewilligt. Die Motive suchen diese Renten- quetscherei zu rechtfertigen. Ter Entwurf bestrebt sich, sie auch in Zukunft aufrechtzuerhalten. J}ur Rechtfertigung dieses Be-- frebens nimmt die Begründung(Seite 893) darauf Bezug, daß ie Motive zu dem Gesetzentwurf von 1599 den Begriff der Er- werbsunfähigkei! nicht verbessern,„das Gesetz nicht zu einer Ber- sicherung gegen Berussinvalidität" machen wollte, verschweigt aber unter Brüskierung des Reichstages, daß der Reichstag in feiner Kommission und in seinem Plenum entgegen den Motiven des Regierungsentwurfs nach Ablehnung weitergehender Anträge die jetzige Fassung wählte, um wenigstens in etwaZ der Berufsinvalidität Rechnung zu tragen. Mit dieser Verherrlichung der Renten- quetscherei ist der Regierung noch nicht Genüge geschehen. Der Entwurf scheidet ausdrücklich die Beeinträchtigung der Erwerbsföhigkeit aus, die infolge„von Alter" eintritt. Für diese erhebliche Verschlechterung selbst des ersten, 1890 in Kraft getretenen Gesetzes führen die Motive an:„Tie Erfahrungen, die Kommissare des Reichsamts des Innern, des Reichsversickierungsamts und der Landesregierungen bei der Bereisung der Bezirke einer Reihe von Vesicherungsanstalten gemacht haben, zeigen, daß manche Fest- pellungsorgane geneigt waren, allein beim Vorliegen eines vor- gerückten Alters die Voraussetzungen für die Invalidenrente als gegeben anzusehen, ohne zu bedenken, daß nicht das Alter schlecht- hin, sondern nur dir dadurch herbeigeführte Beeinträcbtigung der Erwerbsfähigkeit zur Gewährung der Invalidenrente führen durste. Das Alter kann aus der Begriffsbestimmung um so unbedenklicher ausscheiden, als auch reine Alterserscheimmgen sich als Krankheit oder als andere Gebrechen darstellen werden." Leistungen. Dia Renten sollen ihre almosenhafte Niedrigkeit behalten! Und das, wiewohl die Kaufkraft der Rente seit 1890 um mindestens 20 Proz. gesunken ist, dir Renten also tat- sächlich niedriger sind als sie im Jahre 1890 waren. Bei den wesentlich durch Belastung der Arbeiter erfolgten Erhöhungen der Beamten gchälter und Beamtenpenfioncn ist der Teuerung teilweise Rechnung getragen. Aber der so dringenden Erhöhung der Arbeiterrenten steht der Entwurf o h n v ein W o r t der Begründung ablehnend gegenüber. Er der- schlechtcrt sogar die Lage der Arbeiter, die ein Recht auf Rente erworben haben, nach drei Richtungen: 1. Der Anspruch auf Z u r ü ck er st a tt un g ge» leisteter Beiträge im Falle der S e i r a t einer Versicherten, ferner im Falle des Todes des Versickerten(zu- gunsten seines Ehegatten und seiner Kinder) sowie für den Fall der Erlangung einer Unfallrente für dauernde Er» werbSunfähigkeit soll ohne irgendeine Entschädigung der- jenigen, die den Anspruch durch Beitragsleistungen erworben haben, gestrichen werden. Eine Expropriation der Aermsten ohne Entschädigungt 2. Tritt in den Verhältnissen des Rentenempfängers eine Veränderung ein, welche ihn nicht mehr als erwerbsunfähig er- scheinen läßt, so konnte ihm bisher die Rente entzogen werden. Ter Entwurf(§ 1292) verlangt, daß in Zukunft der Stenteiientzug eintreten muß. Auch daS ist eine ganz erhebliche Verschlechterung gegenüber dem heutigen Zustand. Renten- quetscherei soll oberste Aufgabe der Versicherungsanstalt und der dielen Tausenden von neuen Beamten werden, die der Entwurf vorsieht. Die Einleitung des Heilverfahrens für den Empfänger einer Invalidenrente soll nach wie vor von dem Belieben der VerficherungSanstalt abhängig gemacht werden, ohne daß der Rontenempfänger cm Recht auf Einleitung deö Heil- Verfahrens hat. 8. Hinterbliebene eines Ausländers, die sich zur Zeit seines Todes nicht gewöhnlich im Inlands aufhalten, sollen keinerlei Anspruch auf„Fürsorge" haben. fivalsacks Linie. HelfiogforS, 80. März.(Eig. Ber.) Der Schlag, der Finnlands staatsrechtliche Autonomie, seine demokratischen Institutionen, seine Freiheit und Kultur vernichten soll, ist nicht mehr abzuwenden I Es hat also nichts geholfen: weder die hundertjährige Verfassung Fmulandö mit ihren verbrieften und auch vom Zaren Nikolaus feierlich be- schworen«! Rechten, noch der einmütige, feste Wille des filmischen Volkes, wie cr zu wiederholten Malen in den Landtagsbeschlüssen sich bekundet hat. noch die Sympathien der europäischen Kulturwelt, noch die Proteste der angesehensten Rechtsgelehrten. Das zarische Manifest vom 27.(14.) März verkündet ganz trocken, daß Finnlands staatsrecht- llcher Sonderstellung ein Ende gemacht wird und daß Finnland fortan eine russische Provinz mit erweiterter kommunaler Selbst- Verwaltung werden soll! Das zarische Manifest beruft sich auf das Prinzip der „Reichssouveränität", wonach der russischen NegierungSgewalt das Recht zustehen solle, ihre gesetzgeberische Macht auch über Finnland auszustrecken. Wir wollen hier nicht historische Dokumente aufrollen, die alle insgesamt Finnlands staatS- rechtliche Autonomie bezeugen, sondern auf die einfache Tat- fache hinweisen, daß faktisch im Laufe der 100 Jahre, wo Finnland unter russischer Botmäßigkeit gewesen ist, diese Auto- nomie bestanden hat und Finnland, was dessen wirtschaftliche und politische Enttvickelung. lokale Gesetzgebung, kulturelle Tätigkeit usw. anbetrifft, immer selbständig, immer von Rußland getrennt gewesen ist. Es wurde ja seinerzeit unterBobrikoff der Versuch gemacht, die Autonomie Finnlands zu zertrümmern und schon damals proklamierte das berüchtigte zarische Mani- fest vom 3. Februar 1899 dieselbe„Rcichssouveränität". Darauf folgten schwere Wirren und jahrelange Kämpfe, bis in den Oktobertagen 1905 die russische Staatsmacht kapitulieren mußte und wieder ein Zarenmanifest vom 4. November 1905 die„Rückkehr zur gesetzmäßigen Ordnung" in Finnland hoch und heilig versprach. Und diese„gesetzmäßige Ordnung" soll nun eben umgestoßen und Finnlands demokratisch-freiheitliche Institutionen, die von jeher den russischen reaktionären Macht- habern ein Dorn im Auge gewesen sind, sollen der Erde gleichgemacht werden. Die jesuitischen Phrasen des Manifcsts, daß Finnland seine lokale Selbstverwaltung nicht verlieren soll und daß nur Fragen der„allgemeinen Gesetzgebung" in den russischen Reichsinslitutwncn verhandelt werden sollen, siitd weiter nichts als freche Lügen. Das ausgearbeitete Ge�'tzesprojckt ist weiter nichts als eine genaue Kopie von den Beschlüssen der Russisch-finnländtschen Kommission, deren destimmende Mehr- heil aus Handlangern des Bobrikoffschen Regime bestand und die den Plan zur Aufhebung der Verfassungsrechte Finn- landS ausarbeiten sollte. Es genügt darauf hinzuweisen, daß unter diese„allgemein staatliche Fragen" nicht nur die Teilnahme Finnlands an den allgemeinen Reichsausgaben, Wehrpflichts- fragen, Eisenbahnwesen, Post und Telegraph, Zolltarif usw. fallen, sondern auch z. B. die Volksaufklärung und deren Be- aufsichtigung, kriminelle Gesetzgebung, Gerichtswesen! Dem finnischen Landtag soll das Recht einer„beratenden Institution" zugestanden werden, ab und zu kann es sogar aufgefordert werden, ein„Gutachten" auszufertigen, aber die Eni- scheidung liegt einzig und allein in der russischen Reichsduma, im russische» Reichsrat und beim Zaren von Richland. Und wie Hohn klingt die Aufforderung, daß Finnland fortan einen Vertreter in den Reichsrat und vier Deputierte in die Reichsduma entsenden soll, die bei dem Zerslötungswerke der finnischen Verfassung assistieren sollen. Und damit ja nur die Interessen der russischen Sommer- frischler und Krämer in der Provinz Wiborg nicht übervorteilt werden, soll noch extra ein Deputierter die russischen Reichs- angehörigen repräsentieren. Das ganze Gesetzesprojekt sieht nach einer Karikatur auf russische Staatsweisheit aus. aber— wie die Verhältnisse letzt liegen-- kann es in Finnland eine traurige historische Realität werden. Der finnische Landtag wird höchst- wahrscheinlich das Ansinnen, einen Selbstmord zu begehen, einmütig zurückiveisen, die finnischen Volksvertreter werden in dem Äerfassimgskamps cm das Volk appellieren und seine volle Unterstützung finden—, aber gerade der bekundete feste Entschluß des finnischen Volkes wird nur die Maßnahmen des russischen Despotismus beschleunigen. Die Majorität der russischen Reichsduma— mit den Oktobristen an der Spitze— wird dem Vernichtungskampf Finnlands zujubeln und sich beeilen, mit ihrer gesetzlichen„Autorität" den VerfassungS- brach zu decken, wie sie schon so oft Stolypins Henkerpolitik sanktioniert hat. Und so bleibt das finnische Volk— vor allem sein klassenbewußtes Proletariat— allein auf dem Kampsplatze, da ja die revolutionäre Bewegung in Rußland noch immer daniederliegt. Es muß aber den Kampf aufnehmen, wenn es auch die schwersten Opfer und Niederlagen erleiden sollte, denn das heiligste Gut des Volkes— seine demokratische Freiheit— steht hier auf dem Spiele! Die finnländiiche Verfassung ist kein verrotteter, feudaler„Landesstaat", für den einst in den Ostseeprovinzen die baltischen Junker ihr Feld- aeschrei erhoben, in Finnland handelt es sich jetzt um keinen Sprachenkampf wie in den Provinzen Oesterreichs, sondern es gilt die eroberten demokratischen Institutionen, das allgemeine Wahlrecht, das freie Wort und das freie Versammlungsrecht. mit einem Worte— den Fortschritt der Kultur und des Sozialismus gegen den Ansturm der russischen Reaktion zu verteidigen!_ Em der Partei. Aus verdächtiger Quelle stammt vermutlich ein bedruckter Zettel, der jetzt von un- bekannter Seite in Parteigenössischen Kreisen Berlins zu der- breiten versucht wird. Bedruckt ist er mit einer Art Re- s o l u t i o n, die nach scharfer und nicht unzutreffender Kennzeichnung des brutalen Vorgehens der Polizei gegen die WohlrechtSdemonstranten den Parteidorstand ersucht, Maßnahmen zu treffe», die eZ der breiten Masse der Bevötlerung ermöglichen sollen, ihre Empfindung angesichts dieser Erfahrungen— der Zettel charakterisiert die Empfindung in sehr scharfen AuSdritcken— den„unteren Organen der Schutzmannschaft" auszudrücken. Die Beamten hätten nicht nur als Werkzeuge ihrer Borgesetzten in der gekennzeichneten Weise gehaust, sondern auch aus eigenem Willen, weshalb sie gesellschaftlich boykottiert werden sollten. Im zweiten Absatz folgt eine Verwahrung gegen die Angriffe der reaktionären Blätter auf„unsere Führer", denen ein Vertrauensvotum ausgestellt wird. Der Text deS Zettels stammt entweder von politischen Wirr- köpfen oder, was uns wahrscheinlicher ist, aus der Feder von Spitzeln! Jedeiifalls seien unsere Genossen davor ge- warnt, die Zettel weiter zu geben. Nicht nur, weil sie fich wegen der starken Ausdrücke, womit die Yolizeiorgane belegt werden,«ine Anklage Wege» Beleidigung zuziehen könnten, sondern auch, weil jeder Anschein vermieden werden muß, als hätte die Partei mit der Verbreitung dieser Zettel etwas zu tun. Denn die Möglichkeit liegt nahe, daß die Polizei es gerne sehen würde, wenn solcher Anschein erweckt würde. ES ist deshalb auch zu empfehle», daß Parteigenoffen, denen diese Zettel übergeben werderr, die Persönlichkeit der Verbreiter und womöglich auch ihrer Hinter- männer festzustellen versuchen und von dem Ergebnis den Organisationöleitern sofort Mitteilung machen. Ein Zugeständnis. Der„Reichsbote" ereifert sich gegen den Pfarrer Knote aus Augsburg, weil er auf dem kirchlich sozialdemokratischen Kongreß zu Hannover versucht hat, der Sozialdemokratie einigermaßen gerecht zu werden. Daß das konservative Organ die Sozialdemo- kraiie aus diesem Anlaß mit einer Flut von Beschimpfungen überschüttet, nimmt nicht wunder. Aber da? Blatt kann bei aller Ge« hässigkeit dock nicht umhin, das folgende, die Erfolge der Sozial- demokrrnie bestätigende Bekenntnis zu machen: „Gewiß, die Losung der sozialdemokratischen Führer heißt: Schutz dein wirtschaftlich Schwachen I Und diese Losung hat auch durch zielbewußte Organisationen auf der einen und tatenlose Gleich- gültigkeit auf der anderen Seite im Laiife der Jahrzehnte manchen praktischen Erfolg zu verzeichnen gehabt. Die ganze soziale und wirtswafrliche Lage der arbeitenden Klaffen hat sich durch die sozialdemokratische Organisation ganz unzweifelhaft wesentlich ge- hoben."_ Gemeiiidcwahlsicgc. In Dom Brandenburg, der Landgemeinde bei Branden« bnrg. die der Sitz der Ritterakadcmie ist, beteiligte sich die Sozial- demokratte zum e r st c n M a l e in der dritten Abteilung an der Wahl. Der Erfolg war die Wahl zweier Sozialdemo- k r a t e n. Unsere Genossen hielten die Absicht der Wahlbeteiligung bis zum letzten Momeut geheim, so daß die Bürgerlichen überrumpelt wurden. Sie waren geivöhnt, immer nur ein halbes Dutzend Bürger bei der Wahl zu sehen. In K l e i n- B a r t« l s e e, einem Vorort von Bromberg, wurde zum ersten Male ein Sozialdemokrat in den Gemeinde- rat gewählt._. Die Maifeier in Dresden wirb durch einen großen Umzug, der von der Polizei genehmigt worden ist, sowie durch ein Massenmeeting auf einem von der Stadt zur Verfügung gestellten freien Platz begangen werden. Ein Jubiläum in der Parteipresse. Am 1. April waren 20 Jahre verflossen» seitdem die erste Stummer deS„Volksblatt für Halle" erschien. Unser Parteiorgan an der Saale, das es in diesem Zeitraum von S800 auf 42 850 Abonnenten gebracht hat. beging den Tag mit der Heraus- gäbe einer Jubiläumsnummer, die mehrers interessante Rückblicke auf die Geschichte deS Blatts und der Parteibewegung in Halle enthält._ Bo» der Wiener Sozialdemokratie. Zwei von den 21 Bezirken Wiens, der 10.(Favoriten'im Süden) und der 16.(Ottakring im Westen) sind die ältesten und stärksten Besten der Wiener Arbeiterbewegung. Sie sind in den Verttetungskörpern. wo es das Wahlsystem nur ermöglicht, sozial- demokraistch vertreten. Favoriten im ReicbZrat durch Viktor Adler und Jakob Reumann, im Landlag durch August Sigl und Pötzer, im Gemeinderat durch Reumann, Ottakring im Reichsparlament durch Schuhmeier und Anton David, im Landrat durch die organi- taloriichen Leiter des Bezirks Sever und Volkert,«n Gemeinderat durch Schuhmeier. Beide Bezirke, deren jeder über 150 000 Einwohner und großindustriellen, Ottakring auch stark Haus- lndustriellen Charakter hat, besitzen großariige Arbeiterheime, ins- besondere das Oltakringer ist eines der prächligsten Gebäude Wiens und sckiließl seinen größlen Saal ein. Im XVI. Bezirk waren im Jahre 1909 nach den Angaben des BezirtSsekretariatS gewerk- schnttlich organisiert 12 442 Arbeiter, und zwar 933S mäimlickie und 3057 weiblickie. Die BildungSvereine zählen 265 Männer und 220 Weib- liche Mitglieder. Tie Jugeiidorgaiiisation hatte 265 Mitglieder, leider ist ein Verlust von 53 gegen 1903 zu verzeichnen. 146 Arbeiter und 65 Arbeiterinnen wirken in den Gesangvereinen. Der durch die Anzeigepflicht der polnischen Vereine bedingte eigenartige Ausbau der politischen Organisation Wiens als eines Verbandes von— Zeitungsabnehmern, in deren Wochenobolus die Parleisteuer ein- begriffe» ist, äußert sich darin, daß der sozialdemokratische Wahl- verein im Bezirke— 279 Mitglieder, die politische Frauenorgani- sation 116 Mitglieder hat. Dagegen zahlten die Partei- st e u e r durch Bezug deS Wochenblattes, Volkstribüne" 8946 bis 8491 Personen, in den 52 Wochen des JahreS 1910 ist ein Aufstieg der politischen Organisation zu bemerken. 449 402 Exemplare der .Volkstribüne" wurden als.Quittung" abgegeben. Die segensreiche EinrichUmg der Arbeitersekretariate ist in Oester- reich noch in den Kinderschuhen. Ottakring bat aber eine Rechts- schütz- und-AuSkuiisiSstelle errichtet, die an 634 Parteien Auskunft gab. Die Gesamtstarke aller sozialdemokratischen Organisationen«m Bezirke ist 11 453 männliche, 3734 weibliche, zusammen 15 237 Mit- glieder. Rühmend zu erwähnen ist der Kinderchor der Oltak- ringer Arbeiter mit 75 Schülern und Schülerinnen. Ferner besteht eine Jugendbibliothek von 519 Bänden, sie wird sehr stark benutzt._ Gerichts- Zeitung* WahlrechtSspaziergang und Polizeiantorität. Bei der Wiedergabe der gegen unseren Genoffen Barth am Freitag geführten Verhandlung hat sich in der Zeugen- aussage des Polizeiwachtmeisters Marquardt eine Null herausgeschlichen. Der Zeuge hat nicht erklärt:„Am Großen Stern seien es schon 5000 bis 6000 gewesen", soudem er hat die Zahl auf 50000 bis 60000 angegeben. Lauscher tmd Spanner. Als sogenannte„Lauscher und Spanner� wurden die drei Angeklagten angesehen, die sich gestern vor der zweiten Straf- kammer des Landgerichts III auf die Anklage der Nötigung zu ber- antworten hatten.„Lauscher und Spanner" nennt man in der Kriminalistik die dunklen Gestalten, welche im Grunewald, in der Jungsernbeide oder an irgend welchen anderen Orten plötzlich auf der Bildfläche erscheinen, wenn sich nächtlicherweile Liebespärchen seitwärts in die Büsche schlagen, um sich an verschwiegener Stelle, wo sie vor Lauschern sicher zu sein vermeinen. Beweise ihrer Zu» neigung zu geben. Auf solche Pärchen haben es die Lauscher und Spanner abgesehen; sie„ertappen" sie. drohen mit dem Gendarmen und schüchtern die aus ihren schönsten Liebes« träumereien Gerissenen so ein, daß diese froh sind, sich mit einer kleineren oder größeren Summe loskaufen zu können. Eine ganze Zeitlang trieben derartige Erpreffer in der Nähe des Bahnhofs Grüne- wald ihr Wesen. Der Boden ist ihnen dort zu heiß geworden, nach dem es gelungen war, durch extra zu diesem Zweck polizeilich be- auftragte angebliche LiebeSpärchen einige dieser Sorte der Bestrafung zuzuführen. Zu den Teilnehmern dieser Genossenschast gehörten unter anderem der„elektrische Max", die„Tapete",„Schuster-Franz" und andere. Neuerdings sind mehrfach Anzeigen über das gefähr- liche Treiben der_ Lauscher und Spanner aus der Jungsernbeide bei Plötzensee erstattet worden. Die angestellten Nachforschungen haben zur Festnahme der jetzigen Angeklagteii. Kutscher Karl Rocbow, genannt„Roll-Karl", des Arbeiters Karl Ruthsatz, genannt„Kohlen- Paul" und deS Schuhmachers Gustav Kleiner geführt. Sie wurden überführt, in zwei Fällen geineinschaftlich in der angedeuteten Weise von LiebeSpärchen. die in der Jungfernheide im Dunkel der Nacht an abgelegenen Plätzchen Küsse tauschten, Gelder eiugeheinist oder einzuheimsen versucht zu haben. Das Gericht verurteilte Rochow zu 9 Monaten. Ruthsatz zu 7 Monaten. Kleiner gleichfalls zu 7 Monaten Gefängnis und Anrechnung eines Teils der erlilteuen Untersuchungshaft. Wegen Bcrdreitting unzüchtiger Abbildungen verhandelte gestern die sechste Strafkammer des Landgerichts I unter Vorsitz deö LandgerichtsdirekiorS G o e b e l gegen den Kauf« mann Josef M a a ß. Der Augeklagte betreibt ein größeres Ge- schüft in Gummiwaren und gewissen„französischen Neuheiten". In seinen Katalogen bot er u. a. auch pikant und„nur für Herren" be- stimmte Lektüre und Pariser Photos an. Auf Grund eines Inserats des Angeklagten ließ sich der Kaplan Bernhard Pottgen eine derartige Preisliste kommen, da er als einer der eifrigsten Kämpfer gegen den Schmutz in Wort und Bild aus den ver- steckten Andeutungen in den Inseraten zu der Ueber- zeugung gekommen war. daß eS sich hier um einen Ber- trieb von pornographischen Schriften handelte. Er bestellte nach de», Kataloge eine Kollektion„Pariser Photos", die feine Vermutung auch bestätigten. Die Bilder wurden von dem Kaplan sofort der Staatsanwaltschaft überreicht, die das jetzige Strafverfahren gegen den Angeklagten einleitete.— Die Verhandlung, welche unter Ausschluß der Oeffcntlichkeit stattfand, endete mit der Ber- urteilung des Angeklagten. Mit Rücksicht darauf, daß es sich um die allerschlimmslen Erzeugnisse der Schmutzliteratur handelte, hielt eS das Gericht für angebracht, auf eine exemplarische Strafe zu erkennen. Das Urteil lautete auf drei Monate Gefängnis und 600 M. Geldstrafe._ Der beleidigte Arbeitgeberbund. Vor dem Frankfurter Schöffengericht hatte sich am Freitag der Gauleiter des Deutschen TransportarbeiterverbandeS, Lehmann- Frankfurt a. M.. wegen Beleidigung des ehemaligen Vorsitzenden deS Südwestdeutschen ArbeitgeberverbandeS für daS Transport- gewerbe, Krayert-Heidelberg, sowie seines Bruders zu verant- Worten. Die Beleidigung soll in einem Flugblatt begangen worden sein, das zur Abwehr einiger Angriffe des ArbeitgeberverbandeS gegen die Transportarbeiter im Juni vergangenen JahreS vom Gau 15 des Deutschen TransportarbeiterverbandeS herausgegeben wurde. DaS Gericht verurteilte Lehmann zu einer Geldstrafe von 209 M. oder 20 Tagen Haft._ Gelsenkirchener Köpcnickiade. Der Urheber der Gelsenkirchener Köpenickiade, eheinaliger Student Reiland, der bekanntlich eine Zeitlang als„Assessor" auf dem dortigen Bürgermeisteramt tätig war, ist vom Gelsenkirchener Schöffengericht wegen Betruges zu 4 Monaten Gefängnis verurteilt worden. An diesem Schild sind die Läden erkennbar, in denen nur SINGER Nähmaschinen verkauft werden. Mustergültig in Konstruktion und Ausführung, gleich vorzüglich für Hausgebrauch und Industrie. Singer Co. Rähmaschinen Act. Ges. BERLIN, Leipziger Straße 92. LSden in den verschiedenen Stadtteilen. für«5 Pf.„R. la. 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Mtr. vzrantwortlicher Redakteur Richard Barth, Berlin. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u. Berlag:Lorwärl» Luchdruckerei u. LerlagLanstalt Paul Singer Sc Zo., Berlin 5W, Nr. 77. 27. Jahrgang. 2. Wip in.. Saüiilag, 3. Jptil 1910. veMhostlonsIe Verleumdung sm Pranger. MS im September vorigen Jahres die Triolenasfare Wilhelm Schocks publik wurde und einen für die Deutschnationalen sehr blamablen Ausgang nahm, begrüßte die anlisemiiische und cmtisemitelnde Presse mit Inbrunst eine freche Lüge über den Ge- nassen Hengsbach, Reichsiagsabgeordneten für Duisburg-Ober- hanien, als Ablenkung. Sie wurde eifrig kolportiert und zu mächtigen Artikeln ausgeschlachtet; der sehr ehrenwerten„Staatsbürger- Zeitung" gefiel sie dermaßen, daß sie sich absolut nicht zur Er- füllung der elementarsten Anstandepflicht entschließen konnte, ein Schreiben des Genossen Hengsbach zu veröffentlichen, worin die Lüge als Lüge gekennzeichnet wurde. Zuerst war sie von einem Deutschnationalen in einer Versamm- lung produziert worden, die der Zentralverband der Handlung?- gehilfen Deutichlands am 22. September in Elberfeld abhielt. Von dem Reserenlen, Gen. Lange, der über die Reichssiuanzreform sprach, wurde nebenbei der aktuelle Fall Schack erwähnt. In einer Resolution wurde übrigen? zum Ausdruck gebracht, daß man für die sittlichen Verfehlungen SchackS den deutschnationalen Verband niwl verantwortlich niawe, obwohl dieser Verband Schack Vertrauenskund- gedungen dargebracht hatte. Die Deutschnationalen waren zur Aer- sammlung zahlreich erschienen und in der Diskussion nahm der Vor- sitzende der Elberfelder Ortsgruppe des deutschnationalen Handlungsgehilfenverbandes, Friedrich Wiegershaus, das Wort, um„den Sozialdemokraten jetzt mal zu zeige», welch moralisch verlumptes Gesindel in ihren Reihen führende Rollen einnehme". Er verlas darauf den Brief eines Gesinnungsfreundes, der unter der Beteuerung von tausend heiligen Eiden von dem Genossen Klemens Hengsbach- Köln, Reichstagsabgeordneten für den Wahlkreis Duisburg-Mülhcim. ein Charakterbild entwarf. In dem Briefe hieß es wörtlich: „Hengsbach lebte mit seiner beule von ihn, in Hörath bei Wermelskirchen getrennt lebenden Ehefrau in der denkbar Unglück- lichsten Ehe. Nach Aussage der letzteren ist es des öfteren vor- gekommen, daß er nachts Frauenzimmer mit nach Hause brachte, während sie. nachdem sie noch obendrein mit Prügeln rcgaliert worden war. die Nacht auf der Treppe zubringen mußte. Was aber aller Unmoralität dieses Weltverbesserers die Krone auf- setzt, ist. daß er s. Zt. mit einem solchen Francuzimmcr eine Reise nach der Schweiz unternahm und dazu seinen IS- bis lüjährigen Sohn als Reisebegleiter mitnahm. Das, was diese Angelegenheit für uns Deutschsoziale zu einer interessanten macht, ist, daß der Parteileitung der sozialdemokratischen Partei da? Vorleben ihres Parteigenossen bekannt ist, ohne daß sie Vcr- anlasiung nahm, die Konsequenzen daraus zu ziehen. Beweis dafür die Aussage deS sozialdemokratischen Abgeordneten Sevcring, mit welchem ich am 28. Februar 1W8 mit dem Zuge 12.30 Uhr mittags von Köln nach München-Gladbach fuhr. Als ich mit diesem Abgeordneten unterwegs eine für beide Teile sehr inter- essante polltische Unterhaltung pflog, drückte ich ihm kurz vor unserem gemeinschaftlichen Ziele, München-Gladbach. meine Vcr- wunderung darüber aus, daß man einen» solchen Mann ein Reichstagömandat angetragen hätte, und daß man seitens der Parteileitung� selbst wenn man es später in Erfahrung gebracht hätte, ihn ntcht wieder sofort eliminierte. Darauf erwiderte S., ich glaube mich wörtlich darauf besinnen zu können: Die An- gelegenheit mit H. ist in der Fraktion zur Sprache gekommen; Bebel habe aber gemeint, daß eine Mandatsniederlegunz nicht in frage komme, weil 1. das eheliche Verhältnis einer gerichtlichen larstellung, wie es ein Ehescheidungsprozeß ist. entbehrt; und 2. daß die Sache noch zu wenig bekannt sei, so daß noch nicht einmal der Druck einer bürgerlichen Presse vorläge. Vor- stehendes bekräftige ich als unbescholtener Mann durch meinen heiligsten Eid." Als Verfasser deS Briefes wurde der Kaufmann Richter aus Köln ermittelt. Genosse Hengsbach brandmarkte gleich am nächsten Tage die Sache als Verleumdung und kündigte gerichtliche Klage am Genosse S e v e r i n g erklärte zu gleicher Zeit, daß, soweit er dabei in Be- tracht koinme, die Sache von A— Z erlogen sei. Der Partei- vorstand erließ eine gleiche Erklärung. Troydem hielt Wiegershaus seine Behauptungen aufrecht und kündigte an, sie vor Gericht beweisen zu wollen. Die bürger- liche Presse druckte diese Gegenerklärung mit Vergnügen ab. Das gerichtliche Verfahren nahm nun langsam seinen Fort- gang, da sich der Mitangeklagte Kaufmann Richter in Köln immer geschickt zu drücken verstand. Nachdem der Termin verschiedentlich verschoben»vorden war. fand endlich am Freitag, den 1. April. vor dem Elberfelder Schöffengericht die Berhand- lung statt. Zu Anfang wollte das Gericht wegen„Gefährdung der Sittlich. keit" die Oeffentlichkeit ausschließen. Die Verteidigung Hengsbachs lvaudte sich gegen diese Maßnahme, da Genosse Hengsbach als im öffentlichen Leben stehender Mann ein großes Interesse daran habe, die jeder Unterlage entbehrenden Ver- leumdungen in vollster Oeffentlichkeit klargestellt zu sehen. Als auch die gegnerische Seite nicht anders konnte, wurde eS bei der Oeffent- lichkeit der Verhandlung belasten. Der Ausgang der Verhandlung war für die Beklagten ein h ö ch st blamabler. Sie suchten sich dainit herauszureden, daß sie nur das behauptet hätten, was ihnen die Frau Hengsbach erzählt hätte und was R ich t e r von dem Reichslagsabgeordneten Severing erfahren habe. Sie selber könnten aus eigener Erfahrung nichts sagen. Als erste Zeugin wurde dann Frau Hengsbach ver- nominen. Sie sagte aus, daß nichts von den Hengsbach gemachten Vorwürfen zutreffe. ES sei insbesondere nicht wahr, daß ihr Manu sie jemals geschlagen habe, er habe sie auch niemals vor die Tür gesetzt. A»lch habe er keine Frauenzimmer mit nach Hause gehrocht. Als die Verteidigung der Beklagten so ihre Sache zusammen- brechen sah. versuchte sie eS von der anderen Seite und richtete an die Frau die Frage, ob Hengsbach jemals init anderen Frauen Ver- kehr gepflogen habe, um so irgend einen dunklen Punkt aus Hengö- bachs ganzer Vergangenheit aufzustöbern. Mit Recht wies das Gericht diese Frage als unerheblich ab. Dann kam die Angelegenheit zur Sprache, daß Hengsbach so schamlos gewesen sei, mit einem„Frauenzimmer" und seinem ISjährigen Sohne eine Vergnügungsreise nach der Schweiz zu machen. Das war vor etwa zehn Jahren. Es wurde festgestellt, daß dies„Frauenzimmer" die 13 lährige Tochter deö Parteisekretärs Hofrichter in Köln. Hengsbachs Freund, gewesen sei, wie durch vorgelegte Photographien und den Zeugen Stüwe-Köln, der auch mit an der Reise teilnahm, bewiesen wurde. Geradezu tragikomisch aber wurde die Situation, als Reichstags- abgeordneter Genosse Severing dann als Zeuge auftrat. Er habe jede Sitzung der Fraktion besucht, aber ihm sei nicht be- kannt. daß irgendwie jemals über den„Fall Hengsbach" gesprochen worden sei. Luch sei er an dem betreffenden Tage in Berlin ge- Wesen, was eine Bescheinigung des ReickSlagsdirektorS ausweise und sei auch niemals auf der bezeichneten Eisenbahuftrecke gefahren. Da plötzlich fiel es Herrn Richter ein, daß dieser Zeuge Severing ja gar nicht der angebliche Reichstagsabgeordnete Severing. sein Reisebegleiter, gewesen fei. Er sei das„Opfer einer Mifftifikatiou" geworden. Davon überzeugte sich Herr Richter erst jetzt nach mehr als einem halben Jahre nach der Einleitung des Verfahrens, Sonder- bar, höchst sonderbar! Unter diesen Umständen konnte natürlich auf die übrigen Zeugen verzichtet werden. Genosse Hengsbach erklärte dann noch, daß ihm an der strengen Bestrafung der Beklagten nichts gelegen fei. Er habe nur die Verleumdungen richtigstelle» wollen. Das sei jetzt in vollem Umfange geschehen. Er bitte um möglichst geringe Strafen für die Beklagten. Der Vorsitzende regte einen Vergleich an. Unter der Bedingung, daß die Beklagten alle Behauptungen rückhaltlos mit dein Ausdrucke des Bedauerns zurücknähmen. Die Beklagien gingen auf alles ein»md so ivurde dann folgender Vergleich geschlossen: „Wir haben uns durch das Ergebnis der Verhandlung davon überzeugt, daß wir das Opfer einer Irreführung geworden und die von uns gegen den Rcichstagsabgeordneten Hengsbach erhobenen Vorwürfe unhaltbar sind. Wir nehmen diese Vorwürfe mit dem Ausdrucke des Bedauerns als unwahr zurück und tragen die Kosten des Verfahrens." Diemr Vergleich soll in folgenden Blättern veröffentlicht werden: „Vorwärts"- Berlin,„Staatsbürger- Zeitung"- Berlin,„Niederrheinische Arbeiterzeitug"- Duisburg und„Handels wacht"- Hamburg. In der„Staats- bürge r-Zeitung" namentlich deshalb, weil dieses Blatt so ilnanständig ivar,»vohl die Angriffe der Verleumder, nicht aber die Berichtigung Hengsbachs aufzunehmen. Der Ausgang des Prozesses ist eine Brandmarkung der schmutzigen antisemitischen Kampfesweise. Eine schone Figur, dieser Kaiifmann Richter, der von einein Unbekannte»», der sich für den RcichstagSabgeorduelen Severing ausgegeben hat. mystifiziert worden sein ivill. Ueber die Glaubwürdigkeit dieser Historie brauchen wir kein Wort weiter zu verlieren. Nicht minder bloßgestellt»st bei der Affäre die edle„Siaatsbürger-Zeiiung", die nun verdientermaßen doch noch ihren Lesern mitteile» muß, daß der Genosse Hengsbach völlig gerechifertigt aus der Affäre hervorgegangen ist. Da sie die Pflichten eines anständigen Blattes nicht erfüllt, wird sie gerichtlich gezloungen. die Tatsache zu veröffentlichen. Eine Brandmarkung, »vie sie schimpflicher etiler Zeiiung nicht passieren kann. Soziales* Immer noch 10 Proz. erwerbsfähig! Die Arbeiterin R. erlitt am 31. Januar 1907 dadurch einen Unfall, daß sie nach Beendigung der Frühstückspause, als sie nach einer Uhr sehen wollte, und sich zu diesem Zweck aus dem Fenster der 2. Etage lehnte, kopfüber abstürzte. Der Unfall hatte schwere innere Verletzungein sowie einen Bruch deS Beckens und Verletzungen der Wirbelsäule zur Folge.— Die BekleidungSindustrie- Berufsgenossenschaft lehnte eS ab, für die Verletzte einzutreten, weil der Unfall sich während der Frühstückspause ereignet habe und Verrichtungen während derselben nicht der Entschädigungs- Pflicht unterliegen. Vom Schiedsgericht für Arbeiterversichening, Stadtkreis Berlin, wurde die dagegen eingelegte Berufung zurück- gewiesen. Auf den Rekurs der Verletzten hob das RcichSversiche- rungsamt die Entscheidung auf und erkannte das Vorliegen eines Betriebsunfalles an. Die Bcrussgenossenschaft setzte für die Verletzte zunächst die Bollrente fest und bewilligte ihr dann vom 9. März 1909 ab eine Rente von 75 Proz. Hiergegen wurde abermals Berufung ein- gelegt und geltend gemacht, daß durch den Unfall wesentliche Ver» änderungen zurückgeblieben seien. Insbesondere sei die Trag- fähigkeit der Wirbelsäule zu gering, um die R. in aufrechter Stellung zu halten, es liege des weiteren eine erhebliche Kürzung deS rechten Beines vor. Das Schiedsgericht wies wiederum die gegen die Höhe von 75 Proz. eingelegte Berufung zurück. Das Reichsversicherungöamt erkannte, daß die Klägerin dauernde Arbeiten, selbst im Sitzen, nicht verrichten könne. Mit Rücksicht hierauf wurde der R. eine Rente von 90 Proz. zugesprochen. Unverständlich ist, weshalb das Reichsversicherungsamt nicht die Vollrente zubilligte. Zuungunsten der Versicherten hat es die Praxis eingeführt, Renten unter 10 Proz. nicht zu bewilligen, weil eine so geringe Einbuße der Erwerbsfahigkeit für den Ar- beitsmarkt unerheblich sei. Eine eigenartige Konsequenz dieses unbilligen Satzes ist es, statt Vollrente nur 90 Proz. zuzubilligen. Diese erst sei Fortgang BödikerS ausgebaute Praxis des Reichs- versicherungsamtes spricht so Recht, als ob eS im Gesetze nicht Boll- rente und Teilrente, sondern 90 Proz. der Vollrente und Teil- rente von 10 Proz. ab hieße. Es wird erforderlich sein, in der Reichsversicherungsordnung dieser gesetzwidrigen Minderung der schmalen Rechte der Arbeiter einen Riegel vorzuschieben. Die WohniingSzustSndr in Fcstungöfindten. Außer den allgeincinen gesundheitlichen Gefährdungen der Städte zeigen sich bei vielen noch besondere örtliche. In den einen ist eS die Nähe von Hochöfen oder anderen viel lästigen Rauch ent- wickelnden Etablissements, andere wieder leiden durch die große Staubeutwickeluug der in ihnen stark vertretenen Industrien. Andere wieder leiden»inter dem Zlvange deS ZusainmendrängenS auf einen engen Raum: das sind namentlich die F e st n n g S st ä d t e. Der Bericht deS städtischen Wohnungsamtes in Straßburg für die Zeit vom 1. April 1906 bis 1. April 1909 und der Verwallungsberrcht der Stadt Metz für l907 geben ein anschauliches Bild von den durch die engen Festungsbailien entstandenen schlechten WohnungSverhält- »rissen dieser zwei Städte. Der Straßburger Bericht erstreckt sich auf die WohnungS- inipeklion, die Sanierung der Alistadt, die Fürsorge für die Be- schaffung neuer Wohnungen, die Rechtsauskunft in Mietsangelegen« heiten und den WohirungönachweiS. Schon seit 1697 ist in Straß- bürg eine städtische Wohnungskommission tätig, und auf ihre Veranlassung sind von da bis 1906 bereits eine Reihe dringender Verbcsieningsarbeiten ausgeführt Ivorde», im ganzen 9813. Die am l. April 1906 eingesetzte städtische W o h n u n g s i n s p e kt i o n be- steht aus im Hanplamt angestellten zwei Wohnungsinspektoren, einem Wohnungskontrolleur»nd 22 ehrenamtlich angestellten Mitgliedern. Die Inspektionen derselben erstrecken sich nicht nur auf die Größe der Zimmer, die Fenster, die Lage deö SchlafranmeS, die Aborte und die Kanaliiationsanlagen. sondern auch auf die Befolgung der in betreff der Schlafgänger und sonst aus moralischen Gründen erlassenen Vorschriften. 1905 wurden ll 357 Wohnungen inspiziert, 1906: 12 169, 1907: 5l47 und 1908 6115, von denen in diesen vier Jahren 23l9, 1641, 666 und 914 beanstandet werden mußten. In den beiden letzten Jahren hat die Zahl der Wohimngsiiispektioncn wcsent- sich abgenommen, weil die Wohnungsinipeltoren bei der Bearbeitung des SlraßendurchbruchentwnrfcS anderweitig in Anspruch genommen wurden. Besonders eingehend besichtigten die Wohnungsnispektoren die Metzgereien und Wurstlereien, im ganzen 220. Von diesen fanden sie nur 106 in einem einwandfreien Zustande, während sie i» 114 bei dieser Gelegenheit zum Teil recht schlimme Zustände aufdeckten, die die Inspektion zu«nein Gesuch an die Behörde um den Erlaß einer diesbezüglich� Polizeiverordnnng veranlaßten. Auch in den in der Stadt und den Vororten befindlichen Lumpen- lagern deckten sie �erhebliche gesundheitliche Schädigungen ans. Betreffs des in gesundheitlicher Hinsicht in den letzten 3 Jahren für nötig erachteten ZivaiigsbeschlusieS des Magistrats wegen Um- baues von 181 Häusern kamen in 138 Fällen die betreffenden Eigen- tümer diesen Beichlüffen bald nach, aber in 34 Fällen mußte erst ge« richtliche Bestrasung erfolgen. Die Hanptklage war meist»nangelnder Anschluß der Aborte an die Kanalisation. Diese ist nun behoben; aber die starke Ueberfiilluiig der besichtigten Wohnungen ist dies infolge deS Mangels an geeigneten Wohnungen nur zum Teil. Seit 1909 besichtigen die WohnungSinspektoren a»lch die Wohnungen der Lung e>i kranken und teilen dann biege- machten Beobachtungen der Fürsorgestelle für Lungenkranke zur Ab- Hilfe mit. Von diesen Wohnungen waren 20 Proz. dunkel, 7 Proz. feucht, 13 Proz. überfüllt»md in 44 Proz. teilte der Lungenkranke das Bett mit den An» gehörigen.„Die durch die Fürsorgestellen geleistete Hilfe ist in keiner Weise dafür ausreichend»md ans diesem Gebiete un- endlich viel zu tun, wozu in erster Linie größere Geldmittel nötig sind."(In Berlin haben bekannilich die Feststellungen der Orts- kranlenkasse der Kaufleute seit einer Reihe von Jahren ähnliche schlimme Zustände festgestellt.) Die 1900 in Angriff genommene Sanierung der Mtstadt nötigte den Gemeinderat zur Erhebung besonderer Steuerzuschläge, die zur Zeit pro Jahr 125 000 M. betragen. Es wurden bis jetzt im ganzen 36 alte Häuser abgebrochen, dafür 896 000 M. veraus- gabt und dadurch eine Anzahl der allerschlechtesten Wohnungen beseitigt. Indes auch hierdurch wurde noch keine gründliche Ver- besserung des dichtesten Teils der Altstadt erreicht. Die Stadt hat deshalb einen Entwurf ausarbeiten laßen, der einen großen 18 Meter breiten Straßendurchbruch bezweckt und zur Beseitigung von 139 der schlimmsten Häuser, vieler engen Gäßchen und Schlupfe führt. Hierfür hat der Gemeinderat 12 Millionen M. bewilligt. Für die abgebrocbenen Wohiumgcn wurden bis jetzt 473 neue Wohnungen für Minderbemittelte mit Unterstützung öffentlicher Mittel errichtet, auch wird die Erbauung von 350 weiteren Woh« nungen in Kleinhäusern mit großen Gärten am Stadtiaume, serner die Errichtung eines Ledigenheims mit 200 Betten be» absichtigt. Die seit Ende 1903 für Unbemittelte eröffnete unentgeltliche RechlsallskunftSstello in Mieterangelegenheiten wuroe bis zum 1. April 1909 von 154 Personen in Anspruch ge- nommen. Bei dem am 4. April 1903 eingeführten WohnungSnach- weis findet eine rege Nachfrage nach kleinen Wohnungen statt, auch konnten vielfach obdachlose Familien n»it großer Kinderschar untergebracht werden. Jetzt werden nur kleine Wohnungen von ein bis zu drei Zimmern und 550 M. Mietswert nachgewiesen. Nachkrage bestand in 4522 Fällen, denen gegenüber nur 4090 WohnungSangebote vorlagen. In Metz herrschen zum Teil noch schlimmere WohnungS« Verhältnisse als in Siraßburg, bedingt ebenfalls durch das enge Zu- smnmei»dräiigen der Wohnungen durch einen engen FestungÄwall. Auch hier hat man feit dem 1. Oktober 1905 eine WohnungS- i i» s p e k t i o n eingerichtet, durch die bis zum 1. April 1908 1834 Häuser mit 7764 Wohnungen, etwa zwei Drittel der vor- handenen, in Metz ausschließlich der Vororte inspiziert wurden. Von diesen inspizierten Häusern mußten 93,4 Proz. b e a n st a n d e t werden. Im ganzen gab eS 11815 Beanftandtlngen. Ganz be« sonders schlecht zeigten sich die Abortverhälmisse. Bei diesen mußten allein 3280 Neuanlagen und Verbesserungen vorgenommen werden. Sie betrafen mehr als ein Drittel aller Beanstandungen. 414 Woh- nungen und Zintmer mußte» geräumt werde», in 364 mußte die Fenchtigkeil beseitigt, in 1009 Licht- und Luftzutritt geschaffen werden. Dabei mußte hierin möglichst milde verfahren werden, da es für viele eigentlich zu räumende Wohnungen momentan an einen Ersatz fehlt. Durch Ankauf von Häusern zum Abbruch zur Verbesserung der Licht- und Luftverhältnisse wurde von feiten der Stadt beigetragen und bis jetzt im ganzen 1 130 000 M. verwendet. Auch die Errichtung eines kommunalen WohnungönachweiseS und der Erlaß einer Polizeiverordnung bezüglich deS Schlaf« und Kostgängerwesens wurde beschlossen. So hat der Militarismus die Bewohner der Städte, die er sich zu Stützpunkten für sein Schalten und Walten auserkoren, noch speziell mit gesundheitlichen und kulturellen Schädigungei, heim- gesucht, die die Bevölkerung trotz aller Opfer bisher nur sehr un« vollkommen hat beseitigen können. Aehnliche schlimme Zustände bestehen bekanntlich in und bei den FestungSstädtei» Alt-De»ttschlands ebenfalls. Man denke nur an Danzia, Mainz. Köln und Koblenz._ L-Ykottprozeß. In Stiepel be! Bochum hatten die dortigen Genossen den Boy» kott über eine Wirtschaft verhängt und Posten ausgestellt. Fünf Wochen lang sah die Polizei dem Postenstehen ruhig zu. Als dann in der bürgerlichen Presse Lärm geschlagen wurde, bedachte die Polizei sechs Genossen mit einem Strafmandat von je 30 M. Das Delikt:„den zur Erhaltung der Sicherheit, Ordnung und Bequem» lichkeit des Verkehrs auf öffentlichen Straßen getroffenen Anord» nungen eines polizeilichen Aufsichtsbeamten nicht Folge geleistet zu haben." Auf die hiergegen eingelegte richterliche Entscheidung erkannte das Bochumer SchSffengericht auf eine Geldstrafe von je 60 M. Interessant war eS, daß der Amtsanwalt erklärte, die Polizei habe sich mit einer Anfrage an die Staatsanwaltschaft gewandt; von dieser sei ihr angeraten worden, wegen Verstoßes gegen die Oberpräsidialverordnung vom Jahre 1908 vorzugehen. In der Urteilsbegründung führte der Richter aus, daß der Wirt durch das Postenstehen sehr gekränkt worden sei. Aber was hat das mit der Sicherheit, Ordnung und Bequemlichkeit des Verkehrs zu tun? KnappschaftSivahlsirge deS Verbandes. Bei den getätigten Knappschaftsältestenwahlen in Aalen und Ruhrort siegten, ohne daß Christen sich mit einer Kandidatur herausgewagt hätten, die Kandidaten des Verbandes. Prüfungsausschüsse für Fabriklehrlinge. Bekanntlich ist in unseren kapitalistischen Großbetrieben heut- zutage eine gediegene Ausbildung der Lehrlinge schwer. Der Fa» brikant sieht im Lehrling nicht mehr den lernbegierigen jungen Menschen, der zu seinem Fortkommen etwas Tüchtiges lernen will, sondern nur das AuSbeutungSobjekt. Daß die Unternchmcr so denken und demgemäß handeln, zeigt eine Tatsache, die sich dieser Tage vor der Posener Handelskammer zutrug. Dort war von einer Seite der Antrag gestellt worden, Prüfungsausschüsse für Fabrik- lehrlinge einzurichten. Die Kammer ging über diesen Punkt zur Tagesordnung über, da sie dafür kein Bedürfnis anerkenne. «Mtltcher Marktbertch» der ftädtilchen MarNbanen-DireMon über den Mrotzbandel in den Zeniral-Marktballen. UNarkilage: F l« I l ch» Anfuhr schivach, Nelchäft still, Preise unverändert. Wild- gufubr lehr tnapp, Gelchäsl ruhig, Prell« gut. M e s l ü g e l: Aujuhr genügend, Geschäst lebhast, Preise gut. Fisch«: Zufuhr mäßig, in Secsischen genügend, vie. ichSit ruhig, Preise wenig verändert. Bulter und Kaie: Keschäst ruhig, Preise unverändeit. Gemüse, Obst und Südfrüchte: Ausubr reichlich, besonders in holländischem Spinat, Gurken und Salat, Geschalt lebhajt, Preis« gedrückt. «Yasserftauds-Nackivlchteu Wasserstand M e m e I. Tilftt P r e g e l. Jnfterburg Weichsel, Tbom Oder, Ratibor » Krassen . Frankfurt Warthe. Schramm , LandSberg Netze, Bordamm Elbe, LetNncritz . Dresden , Barbq , Magdeburg Wasserstand Saal«, Grochlltz Havel, Spandau>) , Rathenow>) Spree, Svrenwerg') , veeSlow Weser, Münden , Minden Rhein, WaximllianSau , Kaub Köln Neckar, Hellbrona Main, Werl heim M o> e l, Trier ?-st bedeutet Wuchs,»» Fall.—•) Nnierpegel. □DOl Thealer und Vergnügungen una GÖO □□□ KW (Siehe Wochen- Spielplan.) Sonntag, den 3, April, nachmittegs 3 Uhr: »preie Volksduhne. Lessing-Theatcr. 7. Abteilung s, b, c, d: fjannelc. ÄeucS Schauspielhaus. 4. Abteilung a, b, c. d e: ßunbnrjr.(Ernst(ein.) Thalia-Theater. 9. Abteilung c, d, e und 10. Abteilung a, b, o, d: Der Darstyrann. Ziefidenz-Thcater. 13. Abteilung v: Musotte. Montag, den 4. Aprll, 8 Uhr: 11.(l.) Abcndabteilung im Neuen Schauspielhaus: Der Herr Vcr- leidiger. Freitag, den 8. A p r I l: 8 Uhr abends: 15.(II) Abcndabteilung im Neuen Schauspielhaus: Der Herr Verteidiger. Sonntag, den 3. April: Neue Krete Boltsbiihne. Nach, mittags 2'l, Uhr. im Deutschen Theater: Kabale und Liebe. Kammerspielhaus: Major Barbara. Nachm. 3 Uhr: Neues Theater: Mütter. Neues Operetten» Theater: Der Zigeunerbaron. Frtedr.-WilhclmstSdt. Schauspielhaus: Die Jungsrau von Orleans. Schiller- Theater O.! Viel Lärm um Nichts. Metropol-Theater: Drei Paar Schuhe. Berliner Theater: Pension Schöllcr. Hebbel-Theater: Hanna Lagert. Schiller- Theater Charlottcnburg: Der Melncidbaucr. Kleines Theater: Moral._ Urania. Wissenschaftliches Theater. Abends 8 Ul;r: Im Flrnenelaiiifi/, Uhr: Der fidele Bauer. Heute und folgende Tage« Uhr: Die grfdiirdruc I7rau. ltiene» 0p«retteii-Dl»ei»ter. Heute und solgende Tage 8 Uhr: Der Graf von Luxemburg. Sonntag nachm. 3 Uhr zu ermäßigten Preisen: vor Äivunerbaroo. Residenz-Her Direlilon: Richard Alexander. Abends 3 Uhr: Das Nachtlicht. Schwant in 3 Akten v. M. ZamacolS. Morgen und folgend- Tage: DaS Nachtlicht._ Luisen-Her. Nachmittag 3 Uhr: Gib m i ch frei« Schauspiel in füns Akten von Ernst Rstterseldt. AbendS 6 Uhr: Die Hoffmtug auf Segen. Ein Seestück in 4 Alien von H. HeijermanS. Montag:" Der Klapperstorch der Königin. Dienstag, Mittwoch. Donnerstag: WaS Gott zusammeiisügi. Friedriclt-Wilbeiinstädtlscties Schauspielhaus. Sonntag, den 3. April, abends 8 Uhr: Sastspiel des Neuen Schauspielhauses: M-Deidelbsrg mit Harry Walde». Nachm. 3 Uhr: Dir Jnngfran von Orleans. Montag: Alt- Heidelberg._ OSE=THEATE Grone granlsurter Str. 132. Nachmittag 3 Uhr: Der Aerschtutudtr. Li WendS 8 Uhr: Prezlosa. Schatlspicl mit Gesang und Tanz In 4 Alten v. Wulst. Musil von Weber. Morgen u. solgende Tage: Preziosa. Ii»«»»«». Hilzmarltstrahe 72. »ollständia neues Programm. Elsa peanodo— volliaa u. Lc Man — Mstr. Fred— Erich Laste»!— Mstr. Rejo usw. Franz Soonnskl. Zur rechten Zeit. BoUSstück mit Gesang in 1 Alt ����vonW�eunerl��� berliner Musrilim Unter den Linden 68a Eingang Sohadow-StraßeNo.14 Heute Sonntag Eintrittspreis 50 Pf.-f&i Keichhaltigste Ausstellung der Welt an lebenden Sooticien, Reptilien eto,_ 41/16 ScIiSHer- Schlller-Theator 0.(Wallncr-Theat.). Sonntag, nachm. 3 U b r: Viel I-tl, ,»«»«»»»lebt«. Lustspiel in 5 Allen v W. Shakespeare. Ende 5'/, Uhr. Sonntag, abends 8 Uhr: Egniont. Ein Trauerspiel in fünf Auszügen von Goeibe. Ende 11% Uhr. Montag, abends 8 Uhr: II»»» I.snxpv. DlenStag, abends 8 Uhr: t!oIdII«chc. Theater. Schüler-Theater(Charlottenburg), Sonntag, nachm. 3 Uhr: Oer lvlelnv!db»nor. Volksslück in 3 Akten von Ludwig Anzengruber. Ende S'/j Uhr. Sonntag, abends 3Uhr: Ovldllsobe. Lustspiel in 4 Slllcn von Franz von Schönlhan und Gustav Kadelburg. Ende 10% Uhr. Montag, abends 8 Uhr: Kcne Ja{;'c»d. Dienstag, abends 3 Uhr: Hans Lansc._ Passage-Panopiüni Während der Osterferien bis inkl. Dienstag, 5. April: Volkstage! Erwachsene i Kind frei! '""erhäT" ein Geschenk! Alles ohne Extra-Entree. Eintritt 50 Pf., Kinder, Soldat. 25 Pf. Ib AiTk A A Passage-Theater. Heute Senntag; 2 Vorstellungen.| Nachm. 3—7 Uhr kleine Preise. 1 Abends 8 Uhr: Ayoe# die dänisoheVortragsdiva #GaudBanius Altdeutsche Studentenscens rJ große April-Progranint!! ( Trianon-Theater. Abend» 8 Uhr: Theodore& Cie. Metrcpol-Theater Heute nachmitsg 3 Uhr: Drei Paar Schuhe. Abends 8 Uhr: iiaito nr Die große Revue! Ranche» übci-all sestattet. Nachm. 3% Uhr: Halbe Preise! Lebte gr. Fainilien-Borstellung. Ab. 3 Uhr: Daö vollständig neue Programm. <50 erstklassige Künstler! 9 Uhr: In den Lasterhöhlen von San Francisco. Amerilanischc SensationS-PanIomlme. IL Uhr: HaleyS Royal Iuveniles, 30 englische Bark fische. Ju»g-E»gland i» Berlin. IVcnes Programm! 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Eintrittskarten a 30 Pfennige sind zu haben in den Zigarrengeschäften von Mersch, Engel» ufor 15 und Charitestr. 3; G. Schulz, Kottbuser Tor; E. Schulz, Mittenwalder Str. 2; K. Bielefeld, Gräfes tr. 35; Bdttger, SkalitzerStr. t07u. Zossener Str. 30; Max Kämmerer, Elisabethufer 37; Anna Köhler, ürbanstr. 29; W. Kolbin, Bülowstr. 56: K. Mock, Grünauorstr Str. 21; Parske, Büsching- straße 2; Albert Rensky, Choriner Str. 28- Willi Seidel, Bergmanns tr. 59; A. Vf. Meyer, Schöneberg, Kolonnenstraße, Ecke Krimhüdstraße. ans ■ o a■ Mittwoch, den C. April: Tchlust der Satsou! AG7- Heute letzter Sonntag: 2 eroße Vorstellansen. Nachmittags 3'/, Uhr hat jeder Besucher ein Kind frei, weitere Kinder unter IL Jahren zahlen halbe Preise, ausier Galerie. In jeder Vorstellung, nachm. und abends, ungekürzt: Die drei Avalen oder DaS mpsteriöse Schloft in der Siormandie. Der Lappländer Mr. A. Lilius mit seinen dressierten Renntieren und Lapphunden. Geschw. Lobe, Rettkünstlerinnen. , Wunderschimpanse. 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Morgen Montag: HcHmanns Norddeutsche Sänger. Tanz. Voigt-Theater Gesundbrunnen, Badstr. 58. Sonntag, den 3. April 1010, abendS 7 Uhr: Verlorene Ehre. Montag, den 4. April 1010: Die Maiköttigiu. Heinrich Bach als Gast. Bürgltieater-Kinematograph denn. Groterjan, Jnhab.: Rud. Marz, Lchiiiihnnser Allee 129. Tel. 3, 9353. Die ledenile Pliotogi'apliie. Vornehm- Cgaef_ nengebaute■ t3S 4■ OidilB für Hochzeiten und andere Festlichkeiten mit SmPsangSzlmmer.— Bitte meine Räume zu besichtigen. Menü- Vorschläge in jeder Preislage z. Verfüg. Heute, Senntag, den 3. April: 2 Dr. Gala-MIluiigeD 2 nachm. 3% Uhr u. abends 7'/, Uhr. Um 3'/, Uhr zahlen Kinder unter zehn Jahren aul allen Sitzplätzenhalbe Preise.(Galerie volle Preise.) In beiden Vorstellungen: Die ross. Sensaf.-Paatomlme MMar|a" DM- angekürzt."MW In beiden Vorstellnngen: Dompteur Uenrlckzen mit seinen io wilden Tigern. Vülllg unerreichte konkurreulote Dressur. In beiden Vorstellungen: Max Grlx-Qrigory-Trnppe. Schul-, Preiheits- n. 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Im Restaurant täglich musikalische Unterhaltung. Vorzügliche Küche, ss.Biere u. Weine, Billard».Kegelbahn /Uhambra Wallner-Theateislrabe 15. Jeden Sonntag: Großer Bali GrobeS Orchester. Ansang Sonntags 5 Uhr. A. Zaincitat. Für den Inhalt der Inserate übernimm» die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Vernniwortnng. Berliner Ms-Chor Dirigent: Dr. E. Zander. j, den 11. April er. abends 81;, Uhr, Mslain am Friedrichshain 16—23 Dienstag, den 12. April er. in der«ilSUVN Welt,-.�Uhr, Szenen ans Richard Wagrncr: Hasenheide 108—114 „Die Meistersinger von Dürnberg" Soll: Fran Hedwig Marek, Frl. Cäcilie Simsen, Herr königl. Hot- opemsanger Rud. Jäger(Leipzig). Herr Dr. Alfr. Guttmann, Herr königl. Hofopemsänger Friedr. Plaschke(Dresden) Das verstärkte Blüthner-Örchestcr _ Orgel: Waltsr Fischer I Der Berliner Volks-Chor. KassenUfriinnsr 7'/, Uhr. __ Ahendkassc 1 51k. ProBrammbuch mit Wagners Bild, Text nnd Erläuterungen Am Sonntag, den 10. April, abends 7 Uhr, findet im großen Saal des Gewrerksohaftshanses, Engelnfer 15, ein Slnfülirniigs- Abend statt. Tortrag; Herr Prof. Dr. Stomfeld. Soll: Frl. Arndt, Frl. Simsen, Herr Dr. Alfr. Guttmann, Herr Lederor-Prina, Herr Wäschke u. a..Der Berliner Volks-Ohor". Eintritt 25 Pf. Der Besuch dieses Abends wird den Konzert- besuchrm dringend empfohlen. Einlaßkarten im Vorverkauf i 75 Pf. inkl. Garderobe bei; BT.: Brehmer, Weißenburgor Str. 9, Rotoff, Wörther Str. 31, Rietz, Kopenhagener Str. 2, Swinemünder Str. 86, Vogel, Lortzingstr. 37, Thomas, Gartenstr. 71, Tietz, Xnvalidenstr. 124, Fischer, Veteranenstr. 6, Beyer, Veteranenstr. 11,»lasen, Gipsstr. 27, Sommerfeld& Co., Kosenthaler Straße 51, Selffert, Gr. Hamburgerstr. 18/10, Kriedemann, Stargarder Straße 74, Konsum-Genossenschaft, Torfstr. 28 a, Antwerpener Str. 4, Wüldenowstr. 30, Maxstr. 13a, Prinzen- Allee 85, Swinemünder Str. 44, Hussitenstr. 53, Gartenstr. 3, Greifenhagener Str. 84, Schi velb einer Straße 9. O.: Vogel, Koppenstr. 82, Liebecke, Romintener Str. 18, Rietz, Kopemikusstr. 11, Petersburger Str. 6, Thaerstr. 18, Dahn, Petersburger Str. 34, Wedemeyer, Weidenweg 80, Nlemoyer, Weber- Straße 19, Sch rolle, Landwohrstr. 3, Teichort, Am Friedrichshain 34, Reul, Bamimstr. 42, Konsum-Genossenschaft, Markusstr. 37, Zomdorfer Straße 61, Liebigstr. 7, Kopemikusstr. 33, Bötzows tr. 34, Wins- straße 63, Koohhannstraße 14, Büschingstraße 12..Vorwärts'- Spedition Zucht, Lmmanuelkirolistraße 12. 8.: Ihm, Wrangel- Btraßo 58; Heinrich, Wränge letr. 107, Neidhardt, Qörlitzer Str. 58, BSttger, Skalitzer Str. 107, Zossener St. 80, Stangenberg, Köpenicker Straße 20a, Harsch, Engelufer 15, Fischer, Manteufielstr. 110, Francke, Mariannen str. 26b, Menzel, Mnskauer Str. 1, Schulz, Admiralstr. 40a, Zindel, Eeichenberger Str. 40/41, Teichert, Reichenberger Str. 98, Zehrend, Hasenheide 9, Kuhring. Jahnetr. 1, Bielefeld, Gr&festr. 35, Gressel, Qrimmstr. 30, Meyer, Scnleiennacherstr. 8, Röhl, Bergmann- straßo 10, WelB, Großbeerens tr. 68, Schulz, Blücberstr 30, Schwodhelm, Planufer 1, Rühle, Moritzplatz, Brinkmeyer. Alexandrinenstr. 25, Botasien, Kommaudantenstr. 62, rrlegent, Belle-Allianoestr. 75, Konsum-Genossenschaft, Arndts tr. 5, Zimmers tr. 22, Oräfestr. 65a, Alte Jakobstr. 57/59, Weises tr. 52, Emser Str. 83, Wildenbruchstr. 61/62, Friedelstr. 15, Böhmische Str. 47, Forster Str. 20, Miohaelkirchplatz 4, Heinrich, Münchener Str. 19, Liebe, Herrn annstr. 68, Weber. Hermannetr. 100, Larisch, Herrn annstr. 223, SchnStke, Bichardstr. IIS, Friedrieh, Her- mannstr. 177. C.: Weihnacht, Grünstr. 21, Ramm, Stralauer Str 8—6, Zander, Friedricbstr. 223. NW.: Rietz, Fehmarnstr. 8, Koch, Luisenstraße 30, Voigt, Charitdstr. 3, Konsumgenossenschaft: Exasmusstr. 5, Bostocker Str. 35, Emdener Str. 60, Stendaler Str. 6. 284/13 WörMs-M §% Extra-Rabatt auf die bekannt billigen Preise selbst bei Gelegenheitskäufen. Teppielt-Thomas Aeltestea nnd vertranenttsvUrdigste« SPEZI AL- HAUS«. Teppiche Vorleger (Gardinen Portleren > Steppdecken Seblnfdecken Reisedecken Felle Tischdecken Diwandecken I. Geschäft: II. Geschäft; Oraniensfr. 120 Oranienstr. 160 gegenüber d. Waldeck-Park. am Oranien platz. SM" Mariendorf. Jleilniimnt Georg Löwenhagen, SS' (früher Hermann Rclchardt). 4524L* Möbel auf TeilzahUing bei allerklelnster An» u. Abzahlung. dürößte Rücksiclit in Krankheitsfällen und Arbeitslosigkeit ItTa�'ä E. Cohn, Cf. Franldnrterslp. 58. In der letzten Woche ging die Nachricht durch die Zeitungen, daß die erhöhten Butterpreise durch Spekulation und künstliches Zurück» halten von Butter in den Kühlhäusern veranlaßt seien. Wir. die unterzeichneten Vereine, in denen der gesamte Berliner Butterhandel vertreten ist, erklären demgegenüber: i. Diese Nachricht entspricht nicht den Tat- fachen. Wir fügen folgende Mitteilungen der hiesigen Kühlhausgesellschaften als Bestätigung bei: a) Hierdurch feilen wir Ihnen mit, daß In unserem Kühlhaus augenbllMch kein Faß Butter lagert. Kühl- und GefricrhanS Zentrum. b) Stuf Ohr Geehrtes vom 31. v. M. erwidern wir Ihnen erg., daß w unsere» Kühlhäusern an Butter lagern: ia Rummelsburg... keine, Köpenicker Str. 100 Fässer. Norddeutsche Eiswerke A.-G. c) Aus Ihre gesl. Anfrage vom 31. v. M. teilen wir Ihnen hierdurch höflichst mit. daß sich z. Zt. in unseren Kühlräumen feine Butter befindet. Gesellschaft für Markt- und Kühlhalle«. 2. Die herrschenden Preise find tatsächlich die marktgängigen. Um jedoch dem Einwand zu entgehen, daß der Handel selbst eben diese Preise festsetze, verweisen wir auf die Resultate der Auktionen, die zur Umgehung des Zwischenhandels und zwecks„Preisbildung" von der Landwirtschast in Berlin und Hamburg wöchentlich abgehalten werden. Diese erreichten im März d. I. einen Preis von 147 M. in Berlin und lölVa M. in Hamburg, bei sofortiger Kassazahlung in ganzen Zentnern. 3. Butter hat einen Weltmarktpreis, der nicht durch einseitige Maßnahmen des Handels— ganz abgesehen von der leichten Verderb- lichkeit des Artikels— beeinflußt werden kann. Die erhöhten Butter- preise existieren vielmehr auf der ganzen Welt, haben ihre Itt'sachc in größerem Konsum, letztjähriger schlechter Futterernte, Mangel an jeg- lichen Vorräten und endlich den gestiegenen Viehpreiseu, durch die sich nicht nur Butter, sondern auch sämtliche ander»» Fettsorteu— und manche in wesentlich größerem Maße— verteuert haben. Berlin. 2. April 1910.«3/5 ümiiiipnjj Kttlim KiitteMMMer. 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Die Mitgliedschaften Hamhurg und Leipzig verlangen sogar eine Beitragserhöhung um 10 Pfennig. Die Filialen Bielefeld, Chemnitz, Eßlingen, Frankfurt a. M., Fürsten. lvalde, Halle, Ma:nz und Stuttgart beantragen dagegen, den wöchentlichen Beitrag wie bisher auf 60 Pf. zu belassen. Die Statutenberatungskommission stimmte dem Antrag auf Erhöhung um S Pf. zu, und beantragte ferner, für die Lehrlinge den wöchentlichen Beitrag auf 20 Pf. festzusetzen. Die Mehrzahl der Redner tritt für die Kommissionsvorschläge ein. Bei der A b st i m m u n g wurde der Antrag auf Erhöhung des wöchentlichen Beitrags um 10 Pf. mit allen gegen 4 Stimmen abgelehnt, der wöchentliche Beitrag für Lehrlinge einstimmig auf 20 Pf. festgesetzt und der Antrag auf Erhöhung des Beitrags von 60 auf 65 Pf. mit 36 gegen 8 Stimmen ange- n o m m e n. Bei der Beratung der Erwerbslosenunterstützung wird die Reiseunterstützung nach den Vorschlägen der Kommission folgendermaßen festgesetzt: Bei S2wöchentlicher Beitragsleistung 1 M. pro Tag bis zu 60 M., bei 156wöchentlicher Beitragsleistung 1 M. pro Tag bis zu 90 M., bei 260wöchentlicher Beitragsleistung 1 M. pro Tag bis zu 120 M.. bei S20wöchentlicher Beitragsleistung 1 M. pro Tag bis zu ISO M. Die Kollegen, die innerhalb vier Wochen nach beendeter Lehrzeit in den Verband eintreten, erhalten schon nach 13wöchentlicher Beitragsleistung Unterstützung nach der ersten Klasse. Innerhalb einer Unterstützungsperiode ist ein Auf- rücken in eine höhere Untcrstühungsklasse nicht zulässig. Die Ortsunter st ützung beträgt künftig je nach der Dauer der Mitgliedschaft 1 M., 1,25 M., 1,50 M. und 2 M. pro Tag, und zwar nach einjähriger Mitgliedschaft bis zu einer Höhe von 60 M. und bei 10jähriger Mitgliedschaft bis zu 150 M. Die Unterstützung beginnt mit dem achten Tage nach der Anmeldung beim Kassierer. Bei der Jnvalidenunter st ützung wird auf Vorschlag deS Zentralvorstandes beschlossen, daß diese erst nach zehn- jähriger Mitgliedschaft— bisher schon nach fünfjähriger— gewährt wird. Zu dem§ 10, Streik- und Gemaßregelten- Unterstützung, liegen Anträge auf Reduzierung und Er- höhung der bisherigen Unterstützungssätze vor. Schließlich wurde der Antrag des Vorstandes und Ausschusses, der von vier Filialen unterstützt war und eine Herabsetzung der bisherigen Sätze vornimmt, angenommen. Die Unterstützung beträgt nun: Bei b2wöchentlicher Beitragsleistung 14 M. pro Woche, bei 26- bis 52wöchentlicher Beitragsleistüng 10 M. pro Woche, bei 13- bis 26w5chentlicher Beitragsleistung 9 M. pro Woche, bei weniger als 13wöchentlicher Beitragsleistung 6 M. pro Woche. Verheiratete Mitglieder erhalten außerdem ohne Rücksicht auf die Steuerzeit k ür jedes Kind ohne Unterschied des Alters bis zur Entlassung aus der Schule 1 M. pro Woche. Die Unterstützung beginnt vom ersten Tage ab gerechnet. Zur Inanspruchnahme der U m z u g s u n t e r st ü tz u n g ist der gemeinsame Wechsel von Wohn- und Arbeitsort erforderlich. Die Unterstützung, die nicht geändert wurde, wird künftig nur bei einer Entfernung von 25 Kilometer ab(bisher ohne bestimmte Grenze) bezahlt, und zwar bis zu dem Höchstbetrage von 80 M. Die Verhandlungen werden vertagt. • Berichtigung: Genosse Saupe bittet richtigzustellen, daß er in seinem Bericht vom Gcwerksck>aftskongreß nicht gesagt habe, die Leitung des Kongresses sei parteiisch, sondern sie sei nicht einwandsfrei gewesen. Hus der Frauenbewegung. Ter erste Schlag gegen das Schwitzsystem in England. DaS Gesetz über die LohnsckiiedsgeriÄte, das seit Beginn dieses Jahres in Kraft steht, hat im Falle der weiblichen Ketten- schmiede von Cradley Heath seine erste Anwendung er- fahren. Dort besteht neben der Kellenindustrie im Großbetrieb noch eine Hausindustrie gleicher Art mit weiblichen Arbeitskräften, deren Löhne bis aus S'/z Shilling, weniger als die Hälfte der Fabrik- arbeiter, herabgehen. Jetzt hat das erste auf Grund des neuen Gesetzes berufene Lohnschiedsgericht getagt. Unter dem Borsitz eines Un- beteiligten, den das Arbcilsministerium ernannte, gehörten ihm je fünf Vertreter der beide» Jnteresfentengruppcn an. Dabei gestattet dos Gesetz, auch die Vertreter der Berufsorganisationen als Beisitzer zu wählen. So gehörten dem Schiedsgericht neben drei Kettenschmieden der Sekretär der Ketlenmacherorganisation, Thomas Sitch, und die Sekretärin der Frauengewerkichafls-Liga, Mary Macarthur an. Das Ergebnis ist ein großer Erfolg für mehrere hundert Frauen, die dabei in Betracht kommen. Der M i n d e st l o h n wurde auf 12 Shilling für die Woche festgesetzt, was eine Erhöhung bis zu 140 Proz. bedeutet I Es ist allerdings eine Uebergangszeit für das Inkrafttreten der neuen Lohnsätze vorgesehen, aber die Betriebe, die für den Staat liefern, werden sofort die höheren Löhne zu zahlen haben. Diese neue Art der Lohnregelung ist durch das Gesetz auch für die Konfektionsindustrie, die Spitzenzurichtung und die Kartonuage- fabrikation vorgesehen, für die bald ähnliche Regelungen erfolgen dürften. Es ist englische Art, solche neuen Grundsätze nicht mit eincmmal allgemein einzuführen, sondern sie erst dem dringendsten Bedarf entsprechend versuchsweise anzuwenden und dann stückweise auszudehnen, bis schließlich nach geraumer Zeit ein zusammen- fassendes Gesetz den Grundsatz allgemein zur Geltung bringt. Vom Kampfe um das Frauenstimmrecht iu England. Der vierte Jahresbericht der Womens Social and Political Union ist erschienen und legt Zeugnis ab von der Rührigkeit und dem Wachstum der für das beschränkte Frauenwahlrecht kämpfenden Organisation der Suffragettes. Mehr als 31 000 Pfund Sterling(620 000 M.) sind allein im letzten Geschäftsjahre von den Mitgliedern aufgebracht worden. Darunter befinden sich Einzel- betrüge von 50 Pf. bis zu 20 000 M. Die kleinen Beiträge über- wiegen indessen. Das offizielle Organ der Union hat seine Auflage verdoppelt. Mehr als 20 000 Versammlungen sind allein im letzten Jahre abgehalten worden. Andererseits haben in demselben Zeit- räum 249 Frauen insgesamt acht Jahre Gefängnisstrafen abbüßen müssen. An dem Hungerstreik der eingekerkerten Suffragettes be- leiligten sich 110 Frauen; in 36 Fällen wandte die Regierung die Zwangsfütierung von Streikenden an. In Zukunft will die Re- gierung von solchen Zwangsmaßregeln Abstand nehmen und die inhaftierten Stimmrechtlerinnen als politische Gefangene behandeln. Eine Frauenkonfcrcnz für das Land Salzburg wurde Öfter« sonntag abgehalten. Salzburg ist ein industriearmes Land, vor allem ein Land ohne industrielle Frauenarbeit. Nur in H a l l e i n gibt es eine Tabaifabrik und eine Zelluloidfabrik wo Arbeiterinnen be- schäftigt werden. Dennoch gibt es auch in diesem Lande eine sozial- demokratische Frauenbewegung. Besonders die Frauen der zahlreichen Eisenbahnbedieusteten arbeite» mit regem Eifer für die Organisation. Die Konferenz war von 10 Orlen durch 36 Delegierte vertreten. Es wurde ein Statut für die politisch organisierten Frauen beschlossen und ein Agilationskomitee eingesetzt, das die Agitation im Lande zu leiten hat. Die„Arbeilcriunen-Zeitung" ist auch hier obligatoiisch eingeführt. Eine Genossin des Landeskomitees ist auch Mitglied der. Laudesparteileiiung. Die Lchrcrinncn in New Aork erheben schon seit Jahren die Forderung, mit den Lehrern in bezug auf die Gehälter gleichgestellt zu werde». Dem New Yorker Schulrat lag jüngst wieder der An- trag vor. für gleiche Leiiiungen den gleichen Lohn zu zahlen. Der Antrag wurde mit 23 gegen 16 Stimmcn abgelehnt. Im Schulrat sitzen auch vier weibliche Mitglieder, von diesen stimmten drei gegen den Antrag. Eine Petition des Vereins der Lehrerinnen, für die der Verein 1000 Unterschriften von steuer- zahlenden Bürgern gesammelt hatte, fand keine Berücksichtigung. Ein Lehrer erhält in New Dork nach 13 Dienstjahren daS Höchst- geholt von 2100 Dollar(8800 M.); eine Lehrerin erhält nach 17 Jahren das Höchstgehalt von nur 1250 Dollar(5200 M.). Daß sogar die weiblichen Mitglieder des Schulrats gegen die Lehrerinnen Partei nahmen, hat unter diesen natürlich die größte Entrüstung hervorgerufen. Leseabcnde. Spandau. Dienstag, den 5. April, 8'/z Uhr, bei Fritz Böhle, Havel« straße 20. Allgemeine Familien-Sterbekasse. Heute Sonntag von 3—6 Uhr Zahltag bei Wcrnicke, Ackerstr. 123. bei Neumann, Marianne» str. 42. Kaufmännische Kranken- und Sterbckafse von 1883.(E. H. 71.) Dienstag, den 5. April, abends 9 Uhr, im Restaurant A. Landrs, Stralauer Str. 36/37: Sitzung. »itteninflsiiberftrtit vom 8. April morgens 8 Ilhr. Wetterprognose für Sonntag, den 3. April>»1«. Etwas wärmer, zunächst vorwiegend heiter bei ziemlich lebhaften süd« östlichen Winden, spater zunehmende Bewölkung ohne erhebliche Nieder- schlage. Berliner Wctterbureau. » t V : 6 : 1 : ö i ! i t ö I 1 ö 1 Säte Jerusalemer Str. 38-39 Friedrich-Strasse 75 Potsdamer Strasse 2 Tauentzien-Strasse 19a König-Strasse 25-26 Zentrale und Versand: Jerusalemer Str. 38-39 Neu eröffnet! Schöneberg Haupt-Str. 146 nahe Kaiser- Wilhelm-Platz Der reich illustrierte Haupt- Katalog wird kostenfrei versandt Preiswerte Sommer-Schuhwaren Nur erstklassige Fabrikate □□ Konkurrenzlos in Qualität und Passform Für Damen: Bozealf- ond Ch evreau-S chnür s tie f el mit und ohne Lackkappen, auch Derbyschnitt Braun und schwarz Chevreau-Schnür- u. Knopfstiefel in neuen modernen Fassons mit hohen od. niedrig. Absätzen, Rand gedoppelt Braun und schwarz Chevreau- Schnür- u. Knopfstiefel mit oder ohne Derby-Schaftschnitt, a. m. Lackkappen, in ganz neuen Fassons, m. hohen od. niedrigen Absätzen, Goodyear Welt Braun und schwarz Chevreau- Schnür- u. Knopfstiefel mit od. ohne Derby-Schaftschn., auch mit Lackkappen in den allerneuest. Fassons, feinste Qualität und Ausführung, Goodyear Welt 8i5 105° 12=° 155° Für Herren: Bozealf- Schnürstiefel, Fasson............. moderne breite Bozealf- Schnürstiefel in modemer Form, sehr haltbar, Rand gestoppt........... 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Sandalen° Sportschuhe° Hausschuhe Moderne Damen- Halbschuhe 8"50 10'50 und 12 50 Sozialdemokratischer Wahlverein für den IV. Berliner Reiehstagsvahlkreis. UpjjT Dienstag, den 5. April 1910, abends S*/» Uhr,"MW im �onzertkSUS Lsnssouoi, Kottbuser Straße 6: � VelssniUeke Verssmmluns. � ZIS/IS�» Tagtl-Ordnung: 1. Vortrag des Stadtverordneten Genossen A.» Hoffllianii über: Religion Privatsache? 2. Diskussion. o«» IwttS�str. us. Zweigverein Berlin. rin Sektion der Putzer I Sozialdemokratischer Wahlverem des VI. Seriiner Reiehstap-Wahlkrelses. Das Bureau des Wahlvereins befindet fich jetzt Mvoch, e. April, abeuds i) Nhr, in Drasels Fkstslilk», NkUt Fritdrichßr. 85: MitKlieaer-Versammluns. Tages-Ordnungz t. Bekanntgabe des Resultats der Bautenkontrolle vom 22. März 1010. 2. VereinSangelegen- heiten und Verschiedenes.— Um zahlreiches und pünktliches Erscheinen ersucht 133/6 Die Ertliche Verwaltnng. Gemeinsame Orts- Krankenkasse sllr Nowawes and Umgegend. Am Montag, de» I«. April er.» abends S Uhr, findet im Restaurant de» Herrn Slneer, Priesterstratze 31, die Ordentl. Oeneral-Yersammlung statt, zu welcher die Mitglieder der- elden hiermit ergebenst eingeladen werden. Tagesordnung- 1. Rechnungslegung sür daS KeschästS» jähr 1909 und Jahresbericht. S. Stalulenberatung. 3. Genehmigung von Verträgen. 4. Verschiedene». 272/17 Rowawe». den 30. März 1S10. Ter Vorstand: 1. 0.: gez. W. Kerften, Borfitzender. I>i. 39, Neue Hochstratz am Hochplatz. e 3» Fernsprecher: Amt III HTo. ,8187. vureanzeir von 9—1 und �—8 Uhr. 926/13 Der Vorstaad. Stukkateure! Stukkateure! Montag, de« 1. April, abendS 8 Uhr. im.GewerkschaftShanS-z General- Versammlung. TageS-Ordnung: 1. Vortrag de» Ä-noflen 0ll«oll über: �iapiial und Arbeit». S. DiS- lusfion. S.«ewerlscha/Uiches. danrnter die Ferien der Angestellte». Yahlreiche» und piinltvche» Erscheinen llberau» notwendig._ 173/3 Orts-Krankenkaffe sür Ober- Schöneweide. Am Dienstag, den 12. April 1910. findet im Restaurant Warnckc, Wilhelmenhofstr. 18, eine Ersaix'lNaM der Vertreter der Arbeitgeber und der Kassenmitglieder statt. Die Vertreter der Arbeitgeber werden von diesen in ungeteilter Wahlversammlung in der Zeit von VI, bis 8 Uhr nachmittags gewählt. Zu wählen find 11 Vertreter. Die Wahl der Vertreter der Kasten- Mitglieder ersolgt ebensallS in un- geteilter Wabloersammlmig in der Zeit von d>/, bis 7'/, Mr nach- mittag«. Zu wählen. sind 17 Ber- treter. Die Wahl geschieht mittel» Stimm- zettel und sind soviel Namen aus- »uschreibeii, al» Vertreter zu wählen sind. Wahlberechtigt und wählbar ist jede» grogjährige und im Besitze der bärgerlichen Ehrenrechte fich befind- Ilche Mitglied. Als Legitimation ist da» Mitglied»- buch oderMitgliedSlarte mitzubringen. Am Dienstag, den 20. April 1910, nachmittag» 51/, Uhr, findet tm Restaurant Warncke, Wil- helmineuhofstr. 18. die eM. General-Yei.ammlung der Vertreter der Arbeitgeber und der Kafsenmttglieder statt. Tagesordnung: 1. Jahresbericht. 2. Bericht der Revisoren. 3. Eventuelle Anträge und Verschiedenes. AIS Legitimation gilt die Ein- ladungskarte. 272/18 Ober-Schöneweide, 30. März 1S10. Der Vorstand. F. Sommerfeld, H. Rodenbuseh, 1. Vorsitzender. Schrislsührer Zntnutgs-Xrankenkasse der Tisehler-Snnnng. Ordentliche General-Versammlung der Vertreter der Kassen- Mitglieder und der Jnuungs- Mitglieder am Donnerstag, d. 14. April 1919, abends 8 Nhr, i« GewerkschaftS- Hanse, Engrlufer 15. TageS-Ordnung: 1. vericht de» Borstandes. 2. Ab- nähme der JahleSabrechnung pro 1S0S und Bericht der Revisoren. 3. Wahl von 2 Angestellten. 4. Ber- schtedeneS. 272/13 Der Borstand. Achiung! Branereiarbeiter. tcdlWg! Sonntag, den 3. April, nachmittags 1 Uhr: Große ösfentliche Versammlung aller in den., Fogerbierbrnnertitli, MnOdrilltn«. Kjcrnicderlngen btslhnstigicn Arbeiinehnier im Palast-Theater sFeenpalast), Burgstraße, Ecke Wolfgangstraße. Tages. Ordnung: Bericht iiber den Stand der Lohnbewegung !e hochwichtige Tagesordnung macht es Euch zur strengsten Pflicht, in diese Kollegen 1 Die 42/3» dieser Versammlung zu erscheinen. Kollege«! vrauerciarbetter 1 Erscheint t« Masten l VI« Lobnkomigissioo der Branereiarbeiter Berlins and Umgegend. Zoblstelle Berlin Mittwoch, den 6. April 1910, abends 8', Uhr. in den ,,R e s i d e u z s ii l e n", Landsberger Strafte 91: General- Uersammlnug. TageS-Ordnung: 1. Stellungnahm« zur®aufon(cieitj und Ge neralvers a mmlung.(Fort- setzung der Statutenberatung.) 2. VerbandSangeleaenhelten. Die Ortsvern�aitnnDj. Zur Beachtung l Wir ersuchen, die Mitgliedsbücher und Karten zweck» Kontrolle im Bureau vorzulegen.— Ferner ersuchen wir. die statistischen Lohnkarten auSgesüllt abzuliesern._ Verband dar Sattler und Portefeuiller. Ortsvenualtnng Berlin. Die nächsten Branchen Versammlungen finden an nachsoigendm Tagen statt: '* Donnerstag, den 7. April, abend» 3'/, Uhr, im Englischen Hof, Neue Roßstr. 3, v-ttrseailir«.». Neisiattidkibrnche:"SÄ 1?! � bei Granmann, Nmmhnstr. 27. Militär-Krauche: Mltw-ch. de» s. vpra.-»««»» 5 uhr. im Englische» Garte«, illexanderstr. 27 o. li»«Iri>«lrM n. DppichMn:"'"AX'Sf bei tVelbnacht, Grünstr. 21. MugkN-Skliilcht: Mittwoch, den S. April, abends S'/, Uhr, im GewerkschaftShaufe, Engeluser 14/ ld. Eiskumödtl- u. Fedtchuhlpotsttter: de! Paul Walter, Adawerlstr. 62. Sflltiflll(fijnrlflttfllburg: MUlwoch. 6. Aprll, abend» 8V, Uhr, im BolkShanse, Rosincnstr. 3. Zahlreichen Besuch dieser Versammlungen erwarte« 160/11 Dt» BranobealeltaiiffeB. ttr U» ArdeltsnaMweiS: Hos 1. Amt S. 1233. BrrwaltunaSitclle Berlin. Hauvtdurean: Cdseittilr»»« 9. Hos m. Amt 3. 1937. Jkür die gesamte Verwaltungsstelle Berlin finden in nachsolgenden en 113/18 Uersammlnngen mtt Lichtbildern statt: Montag, den 4. April, abends 8 Uhr» in den Germania- säle«, Shanfseestr. 119. TienStag, de« 5. April, abends 8 Uhr, in den Pracht- sälen des Ostens, Frankfurter Allee 1S1. Donnerstag, den 7. April, abends 8 Uhr, im GeWerk- > schaftshaus, Engclufer IS, grosser Saal. Freitag, den 8. April, abends 8 Uhr, in der Kronen- Brauerei, Alt-Moabit 47/48. Sonnabend, den 9. April» abends 8 Uhr, im Lokal von Hoppe, Rixdorf, Hermannstr. 49. Vortrag des Kollegen Lanterbaoh- Stuttgart über: Die hMlMen». sanitären IstlfUtändc in der llietalünduttrle. Kollegen I Wir emvsehlen den Besuch dieser äußerst lehrreichen Vor. träge aus» wärmste und halten eS für unbedingt erforderlich, daß jeder Kollege diese Gelegenheit zur Jnsormation und Bereicherung seine» Wissens benutzt. Die OrtsrerrvaUnnU. und Schulen. Säle von 3000 Perl, fassend. Jeden an der Grotzen Krampe, gegenüber hon Schmöckwitz, romanlischen Lage Vereine, Fabriken Sonntag: Damplor-Ottretalirton der Reederei Noblllng. Abs.[ich 9, nachm. 2'/, Uhr ab Jannowitzbrücke. Hochachtend Verein für grauen u. fllMchcn «ler Arbeiterklasse. Mittwoch, den k. April, abends 8ss, Uhr. im.Rene« Klubhans«, Kommandantenftr. 72: Vortrag des Herrn vr. Alsrtta Weyl übttt 45/6.Ernährung und Nahrungsmittel«. Gäste herzlich willkommen. Der Borstand. Ärbeiter-Bildungssehnle. Tonntag, den 3. April 1910, abendS 7 Uhr, im Köuigstadt-Kastuo, Holzmarktswatze 72: Vorfrag der Genossin Luise Zietz über: Die Stell mig der Frau eiust und Eintritt 20 Pf. 6,10» Garderobe frei. Nachdem: tSemtitllcbes Beisammensein and Tan«. Sonntag, den 3. April, abends 7 Uhr, im grossen Saale des Gewcrkschaftshauses, Engeluser IS: große 884/9» Ünoend-Versammlnng auS Anlatz der Tchnlentlastung. Vortrag Nach dem Vortrage geselliges Beisammensei«. Die schulentlassene Jugend ist zu dieser Versammlung sreundlichst eingeladen Eintritt frei. Garderobe 10 Pf. Deutsclrer Holzarbeiter-Verband. Verwaltnns Berlin. Kistenmacher! Montag, den 4. April, abends 8Y. Uhr. im.«ewerkschaftshanS«, Engelufer 14/15: Oeffentliche Versammlung. TageS-Ordnung: 1. Vortrog de» Kollegen llangdemmer über:.Arbetttverträgi». 2. D« Streik bei pllugrath. 3. Verband sänge legen Helten. Mittwoch, den S. April. abendS 8'/, Nhr» VsrtrausnLmännsr-Vsrssmmlungsn in ollen Bezirken«nd Branchen. 61/19 ttr = Zahlstelle Rixdorf.-- Donnerstag, den 14. April, im Lokal de» Herrn Hopp», Hermannstr. 49: Kenersl-Verssmmwng. TageS-Ordnung: 1. Abrechnung vom 1. Quartal. 2. Bericht vom Gautag. 3. Auf» stellung der Kandidaten zum VerbandStag. 4. Anträge zum BerbandStag. S. verbandSangciegeuhetten. 81/9» Die OrtSTerwaltnnc» NnbiiilddtrM«ltt,Liill!imr,Anstrtilhkr-c. Melchiorstr. 28, Part. Filiale Berlin. Tel.: Amt IV, 4787. Donnerstag, de« 7. April, abends 8'/s Uhr: SektionsversammliiDg Lackierer im Gewerkschaftshause, Engelufer IS. TageS-Ordnung: 1. GelchästSbericht und Neuwahl der SestionSleitung. 2. Neuwahl der AgltattonSbezirkSsührer. 3. Verelnsangelegenheiten. Mitgliedsbuch legitimiert.......» Wir erwarten, daß die Kollegen vollzählig zur Stelle find. 127/3 Die Sektionsleitung. Berliner Schneiderei- Genossenschaft B. O. m. b. H. Zwischen Rosenthaler QwMHHAtieb- 4 OR Zwischen RosentHaler Tor u. Invalidenstr. ölUUllBHSir. löö Tor u. Invalldenstr. 1 Gegr.{.Februar 1906 v. organisiert. Sohneidergehilfen Berlins, Empfiehlt eicb allen und Arbeitern, Parteigenossen@ liiitburgern � Herren-iknabengarderolie SGroOes Lager fertiger Herren-, Knaben- u.Kinder-AnzQge. GroOe Ansvrahl in Sotumer-Paletots, Ulster, Radlabranztigen n. Fant.-VesteD in allen CröOen und Preislagen sowie Arbeiter« Beruf s- Kleidung. Die llcrstcllong unserer Fabrikate erfolgt in eigenen BctfiObSWCrkSt ättCÜ anter den von unserer Organisation festgelegten Bedingungen. Lieferanten 103/1» der Ronsnm-Genossenschatt Berlin n. Umgegend, des Charlottenburger Konsum-Vereins sowie des Arbciter-Kadfahrerbundes. KB. Wir weisen besonders darauf hin, daß wir nur für l eigenen Bedarf fabrizieren und unsere Waren in keinem' anderen Geschüft zu haben sind. Arbeiter-Bildungsscliule Berlin. Sehullokal: Grenadierstr. 37, Hof geradeaa I. Lehrplan für das II. Quartal 1910. Montag: Geoetxeaknnde. deutschen Staaten.) (Die Verfassungen der außer* 2. Entwickeltmg und in England. 3. Das alte 1. Das Staatesystem des Mittelalters. gegenwärtiger Stand der Verfassung in tngianrt. u. JJos alte Staatswesen und die Revolution in!• rankreion. 4. Die Schweiz. 8. Oesterreich und Ungarn. 6. Belgien, die Niederlande, Luxemburg. 7. Die skandinavischen Staaten. 8. Rußland und Finn- lani 9. Italien, Spanien, Portugal. 10. Die Balkanstaaten. 11. Der Orient. 12. Die amerikanischen Republiken. 13. Der soziale Untergrund der Verfassungen. Vortragendem: Simon Kataenstein. Mittwoch: Elnfnhrung In den wissenaehaftlleheB Sociallsmas. Die Entstehungsgründe der modernen Sozialdemokratie.— Die ökonomischen Grundlagen des wissenschaftlichen Sozialismus.— Das Wesen der kapitalistischen Produktion.— Utopischer und wissenschaftlicher Sozialismus.— Die histo- risonen Grundlagen des wissenschaftlichen Sozialismua.— Der Klassenkampf als Triebfeder der sozialen Umwälzungen,— Die sozialistische Taktik.— Der„Zukunftsstaat". Nach jedem Vortrag wird Gelegenheit zu freier Diskussion gegeben. Vortragender: Julian Borehardt. Donnerstag: Bednerschnle. 1. Die Bedeutung und Notwendigkeit der freien Rede. Die Grenzen der natürlichen Beredsamkeit Die Redekunst. Die Rede nach Form und Inhalt Dispoaitionslehre.— 2. Tech' nische Hilfsmittel: Dae Manuskript Die Registratur. Die Nachsehlage-Bibliothek.— 8. Dae Vereins- und Ve: wosen. Die Geschäftsordnung.— 4. Praktische Reden und Diskutieren. Vortragender: Max Grunwald. Bonnabend; deMlüchte.(Das Zeitalter des 80jShrig«n Krieges.) 1. Deutschland an der Schwelle des 30jährigen Krieges.— 2. Die protestantische Opposition in Oesterreich.— 3. Der Krieg in Norddeutschlanc. Wallensteins Erfolge und Pläne— sein erster Sturz.— 4. Schwedens Eintritt in den Krieg.— 6. Die Feldzüge und Pläne Gustav Adolfs. Wiederberufune Wallensteins.— 0. Die schwedische Politik und Gustav Adolfs Tod. Wallensteins Pläne gegen den Kaiser. Seine Ermordung, »- 7. Die Rolle Frankreichs im Kriege.— 8. Friedensschluß. Die politischen Ergebnisse, die wirtsohaftlieben und sozialen Schäden des Krieges.— S. Die englische Revolution.— 10. Frankreich. Befestigung der Königsmacht. Die letzten Zuckungen der colvinistisohon und der Adels-Opposition. Vortragender: Hans Block. Sonntag; NatlonalObonomle.(Die Grundbegriffe der theoretischen Nationalökonomie. IL Teil.) 1. Wiederholung des l Teils: Kapitalistisehe Wirtechafte- ordnnng. Ware. Gesellschaftliche Arbeit. Wert. Geld. Preis. Kapital. Mehrwert 2. Mehrwertsrate. 3. Arbeitskraft Arbeitslohn. 4. Akkumulation und Konzentration des Kapitale, ö. Die Grundrente. 6. Die Entwickelungsten dena der kapitalistischen Wirtschaftsordnung. Vortragender i M ex Ornnweld. Der Unterrieht beginnt in Gesetaeokiiade> Montag, den lt. April; in Einftthranc des wtosenachaftllchen bioxlaliemnu: Mittwoch, den 20. April; Rednerscbale: Donnerstag, den 14. April; Geaohlebt«: Sonnabend, den IS. April; AatJonalOkouunile: Sonntag, den 17. April. Jeder Kursus erstreckt sich auf zehn Abende und beginnt 10 IThr. Der von V'lr-S'l, Ehr geöffnet. Der Mitgliedsbeitrag beträgt pro Monat 25 PI.: das Unterrichtsgeld für jedes Fach pro Kursus 1 Mark und ist spätesten* am zweiten Abend in zahlen. Die Aufnahme neuer Mitglieder und Schüler erfolgt am besten bei Beginn jedes Kursus im Schullokal Grenadiermtr 87, Hot xeradesu 1 Trepp«, und in_ nachstehenden Zahlstellen: Gottfr. Schnla, Ädmiralstr. Lortzingstr. 87; ilufer IE .. 40a; Renl, Barnim ste. 43' Vogel, W. Kacxorowekl, Raven Äste. S; Hontcb, Engel' Alle Zuschriften sind an den Torsi tnenden Hermann Eamniö, Berlln-Rixdorf, StelnmetentraSe 51 UI, Geldsendungen an den Kassierer H. KOnlgn, Berlin S. 59, Rasen- beide 53, zu senden. Der Vorstand. S. Ksliski r Baby Ja«»wem sröftten OptjlalSen« ka»!»» Et»*«I med btllia. meint fln» nicht»n ife«»trclt(n. 1. Tsneatiltaatr. 5. 2, Bn*a«n«tr. 17t, Ecke ßaMlIbtsä». 8. CkaaaaMMtT. m, n Mr Ptsmfti. 4. RruBorattr. 9t, in Da Kfl«cnn etn&t. 5. Pranfclirt«» Str. IIA. tn dir IsttcHttt & Pnaktnrt«» Alto* 7t. an btr ttstilz 7. Oranlenatr. 1*. an t(t Hechwts. & Belle-AUiana*-Str. 4. 9 Bsaaialatr, 18, an der tsnrh. 10. Cksrlottenbars, ectamaftr. 1 II. Blidart.«emerftr. SA Ad"«" l2-»»»» Hav-I»» 20 Kinderbettstelle ü — 6.50•n- liMIMlMMIlttZM. IUI- Dil Üllt-BMU Iritis. Slager A 7S.OO■— Vertreter kommt aot Wunsch. MAKA Wil KMeniogen und Betlstellen" m Ehe Sie Ihren Bedart andoiweitig decken, liegt es In Ihren Interesse, eich erst die Riesenliger meiner Möbel-Kredit anzusehen. 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Mlige des„Bsraiärts" Krlim v«»!sb!M Zountag, 3. April Partei- Angelegenheiten. Zur Lokalliste. In Kaulödsrf N.-B. steht das Restaurant Götze, Franlfnrter Chaussee, der Arbeiterschaft nicht mehr zur Verfügung. Es ist nur„Hamanns GesellschaftshauS", Jnh. Kobelt, Frankfurter Chaussee, frei, und bitten wir speziell die Arbeiter- Radfahrer, dies zu beachten. Restauranr„ M ü g g e l s ch l o st" und Restaurant„Raven Kein" am Müggelsee sind frei. Die Lokalkominission. t. Ärcis. Die Mitgliederversammlung findet am Dienstag, den 6. April, abends 8'/z Uhr, in Dräsels Festsälen(Saal Iii statt. Die Tagesordnung ist: Gemeinsame Aussprache über unsere ÄreiSorganisation. Mitgliedsbuch legitimiert. Zu zahlreichem Besuch ladet ein Der Vorstand. Wilmersdorf. Dienstagabend S'/z Uhr hält der Sozial- demokratische Wahlverein im GesellschafiShauie, Wilhelms- aue IIS, seine Mitgliederversammlung ab. Auf der Tagesordnung steht u. a. ein Vortrag des Genosien Georg Schmidt:„Politische Zeilfragen". Der Vorstand. Pankow. Dienstag, den 5. April, abends 8 Uhr, findet von den bekannten Lokalen aus eine Flugblattverbreitung statt. Gleichzeitig machen wir daraus aufmerksam,' dag die Billetts vom letzten Ver- gnügen bis zun, 17. April abgerechnet werden müssen. Nicht abgelieferte Billetts gelten als verkauft. Weißensee. Morgen Montag, den 4. April, abends 8 Uhr, findet im Vereiush.ius, Charlottenburger Str. 150, eine Volksversammlung statt. Genosse Reichsiagsabgeordneter Artur Stadthagen spricht über:„Die Tätigkeit deS Reichstages sowie die Entwickelung der Kommunalpolitik". Die gesamte Bürgerschaft Weitzensees ifi zu dieser Versammlung eingeladen. Die Bezirksleitung. Zeuthen. Montagabend findet um 7l/z Uhr von Lindemann ans eine sehr wichtige Flugblattverbreitung statt. Ein jeder hat sich daran zu beteiligen. Das Wahlkomitee. Biesdorf. Heute, Sonntagnachmittag 2 Uhr: Oeffentliche Ver samnllung in Karl Erbes Lindengarte». Prinzenstr. 45. Referent: Genosse Reichstagsabgeordneter Artur Stadthagen. Genossen, agitiert für regen Besuch. Die Parieigenofien von Karlshorst treffen sich zum gemeinsamen Besuch der Biesdorfer Versammlung bei A. SabrowSki, Treslow-Allee 06. Abmarsch pünktlich 12>/z Uhr. Die Bezirksleitung. Rcinickeudorf-West. Heute früh 8 Uhr Flugblattverbreitung von den bekannten Lokalen. Dienstag, den 5. April, abends 8'/z Uhr: Oeffentliche Versammlung in den Eichbornsälen, Eichbornstr. 00. Referent: Reichst tagsabgeordneter Artur Stadthagen. Agitiert für Masienbesuch. Die Bezirksleitung� Waidmannslust. Dienstag, den 5. April, findet im„Bcrgschloß" abends 8'/-> Uhr eine öffentliche Versammlung statt. Tagesordnung: Unsere Gemeindevertretung und die Kassierung der sozialdemokrati- scheu Gemeindevertretermaudate. Die Genoffen werden ausgefordert, nach Kräften sür den Besuch der Versammlung zu agitieren. Die Bezirksleitung. Alt-Glicnicke. Die angekündigte öffentliche Versammlung zu Dienstag, den 5. April, im Bohnschen Lokal findet umständehalber au diesem Tage nicht statt. Steglitz. Die Versammlung findet Dienstag abend bei Schell� Hase statt. Auf der Tagesordnung steht ein Vortrag über»Die Ur geschichte des Menschen". WilhelmSruh-Nicder-Schönhauscn-West. Dienstag, den 5. April, abends 8 Uhr. findet im Lokal von Kollmann, Krouprinzenstr. 2, die Mitgliederversammluiig statt. Bcvlmcv INacbricbten. Der Rcdaktions-Briefkaftcn. Er gehört heute zu einer niodernen Zeitung wie die Tinte zur Feder. Ein Eckchen Druckerschwärze, das in knappster Ausdrucksform Antwort auf bestimmte Fragen geben soll. Wer täglich den Briefkasten studiert, wird sich gewist schon gewundert haben, dast genau dasselbe Frage- und Autwort- spiel so unendlich oft wiederkehrt. Der„Briefkastenonkel" niust also über eine graste Portion Geduld verfügen. Viele Fragen alljäbrlich könnten gespart werden, wenn die Leser genauer die Antworten verfolgten, weil aus manchen Aus- künften die Frage ersichtlich ist, die früher oder später andere Leser beantivortct haben wollen. Die„Vorwärts"-Leser sind ja namentlich in politischen Dingen weit kundigere Thebauer als andere Zeitungsverdauer. Dennoch kehren gewisse Fragen, die schon hundertmal eine Antlvort gefunden haben, immer wieder, wodurch viel Arbeitszeit und auch der kostbare Platz in der Zeitung verschwendet wird. Manche Leute scheinen auch noch inimer der Meinung zu sein, dast der Redaktionsbriefkastcn eine Klatschecke ist. Dieser Rummel bürgerlicher Zeitungen, der Neugier Vorschub zu leisten und jede beliebige Frage zu beantworten, die gar kein tieferes Interesse hat, machen wir nicht mit. Was gewisse andere Blätter im spaltenlangen Briefkastenteil schreiben, ist oft auf unsinnige Fragen eine ebenso unsinnige oder direkt falsche Antwort. Anstatt irgend eine am Stammtisch aus- geheckte bornierte Neugier zurückzuweisen, wird lieber mit bewustter Fälschung operiert, bloß um sich den Anschein zu geben, dast man„allivissend" ist. Ein prächtiges Beifpiel hierfür ist die direkt betrügerische Art und Weise, wie seit Jahren tagtäglich der umfangreiche Briefkasten der„Deutschen Warte", dieses sich zeitweise „arbeiierfrcundlich" schimpfenden und es trotzdem mit der preußischen Schattenregierung haltenden Blattes zustande- kommt. Eigentlich hätte nian ja nicht nötig, sich mit diesem illustrierten„Weltblatt" ernstlicher zu beschäftigen. Aber die Fälschung ist so dreist und zugleich so plump, dast wir vor einem solchen, noch dazu unter der Leitung eines adeligen Regierungsrats a. D. stehenden Verlage, der den Lesern so etwas zu bieten wagt, jeden Arbeiter eindringlich warnen müssen, selbstverständlich auch vor den in demselben Verlage erscheinenden Nebenblättern, insbesondere vor der alten Klatschbase mit Namen„Berliner Hausfrau". Wer diesen Briefkasten der„Deutschen Warte" liest, könnte zu dem Glauben kommen, dast die dortigen Brief- kästen- Redakreure ganz besonders gediegene Köpfe und in der deutschen Lueratur äusterst beschlagen sind. Es wimmelt hier von Zitaten deutscher Dichter und Schrift- steller, die auf Hunderte von„Anfragen" so merkwürdig genau wie die Faust aufs Auge passen. Und was ist des Rätsels Lösung? Ein harmloser Abreißkalender! Uns liegen aus der„Deutschen Warte" ganze Dutzende von Briefkastenautworten vor, die iveiter nichts sind als der wortgetreue Abklatsch der Rückseite von Kalenderzetteln. Der Schwindel ist sogar ganz syste- l ■ matisch betrieben worden, denn ztvischen dieser in des Wortes Wahrster Bedeutung„erdichteten" Antworten und dem Datum der Kalcuderzettel liegt immer ein Ztvischeuraum von 2 bis 3 Wochen. Es werden also Antworten erteilt an Leute, die überhaupt nicht existieren und deren Namensbuchstaben frei erfunden sind. Dann noch ein paar nichtssagende Worte vorn oder hinten, und der Briefkasten- leimer ist mit seiner Abschreibearbeit, die den Lesern einen großen Abonnentcnkrcis vorspiegeln soll, fertig.»Heister und Schere spielen ja im Leben jener Redakteure, die über wenig oder gar kein eigenes Hirnschmalz verfügen, die Hauptrolle. aber wohl selten ist ein dreisterer Schwindel zusammengekleistert worden. Daneben wird der Bricfkastenteil anderer Tages- zeitungen von den teilweise auf tägliche Kündigung engagierten Redaktionsstützen des„Nedigieriingsrats" a. D. von Stübnitz brühwarm„nachempfunden". Das ist dieselbe Zeitung, die sich an ihrem Kopfe als Vorkämpferin für„Reich und Frei heit" bezeichnet. Eine nette Freiheit, die wissentlich seit Jahren die Wahrheit fälscht und ihre Leser unerhört düpiert! In der Hauptsache soll ein sorgfältig bearbeiteter Re daktions-Briefkasten juristischen Fragen vorbehalten bleiben, was natürlich keineswegs ausschließt, daß auch andere all gemein interessierende wichtige Fragen Berücksichtigung finden. Je präziser die Frage gestellt ist, desto präziser und schneller kann die Antwort erfolgen. Zu langen juristischen Aus' einanderfetzungen ist der Briefkasten nicht da. Wörtliche Wieder gäbe gesetzlicher Bestimmungen kann im Rahmen des juristischen Briefkastens nicht erfolgen. Wer eingehendere Auskunft haben will, muß sich schon in die juristische Sprechstunde bemühen, die von morgen(Montag) ab nicht mehr Lindenstraste 3, sondern im Verlagshause des„Vorwärts", Lindenstraste 69, vorn 4 Treppen(Fahrstuhl), Werktäglich von ilJj Uhr bis 8 Uhr stattfindet. Wer mündliche Auskunft wünscht, tut gut, sich vorher genau zu überlegen, tvas er fragen will. Wenn möglich, bringe jeder Auskunftsuchende immer die zur Sache gehörigen Schriftstücke mit, um sich unnütze Wege zu er- sparen. Jeder schriftlichen Anfrage ist ein Buchstabe und eine Zahl als Merkzeichen beizufügen. Auf schriftliche Be- antwortung kann sich die Redaktion bei der Fülle ihrer Arbeit nicht einlassen. Wer es eilig hat, schreibe nicht erst, sondern komnie unverweilt direkt in die Sprechstunde. Es vergehen, bis die gedruckte Antwort erfolgt, immerhin mehrere Tage. Wer gleichzeitig mehrere schriftliche Fragen stellt, soll dieselben numerieren, damit bei der naturgeniäst gedrängten Antwort, die oft nur in Nein oder Ja besteht, keine unliebsanie Ver- wechselung vorkommt._ Au die ehemalige Festung Berlin erinnern heute bekanntlich nur noch die Namen der Tore, während diese selbst mit der Stadimauer verschwunden sind. Vor etwa zwanzig Jahren gab es indessen in Berlin noch eine Straße, die„Äommunikalion am Neuen Tore", die daran erinnerte, daß Berlin ehemals mit Mauern umgeben war. Diese Kommunikation, die 1891 den Namen„Hannoversche Straße" erhielt, war die letzte ihrer Art in Berlin. Bereits vorher waren 1808 die Anhaltsche, Potsdamer und Brandenburger Kommuni- kationen in dem Namen Königgrätzer Straße verschwunden, 1372 die Kommunikation am Prenzlauer, Neuen Königs-, Landsberger und Frankfurter Tor in den Namen Fricdenstraße. 1839 war schon die ehemals nur„Kommunikation" benannte Straße zwischen Mehlbrücke und BadehauS in„Cantianstraße" umgetauft worden. Ein anderer, ehemals mehrfach in Berlin vertretener Straßenname, der ebenfalls an die Festung erinnert, die ContreScarpe, ist bereits vor zirka 190 Jahren verschwunden gewesen. EL gab in Berlin eine Straße „An der Contrcscarpe", die 1819 den Namen Alexanderstratze erlfielt. Speziell hieß der Teil von der Neuen 5rölligstraße bis zur Münz- straße„Conirescarpe am Stelzenkrng", der jetzige Alexanderplatz ein- fach ContreScarpe, der Teil zwischen Platz und Stralauer Brücke aber ContreScarpe am Stralauer Tor. Bis zun, Jahre 1780 hieß auch die 1740 angelegte„Neue Jalobstraße" schlechtweg„An der Conirescarpe". Während diese Bezeichnungen also gänzlich ge- schwunden sind, erinnern heute noch an die Festungszeit Berlin« die Straße„Am Königsgrabon",»Am Zwirngraben".„Am Festungs- graben", an die älteste Zeit die„Friedrichsgracht", die ursprünglich ein schmaler Gang an der Küllniichen Stadt- mauer war und stellenweise„Hinter der Mauer am Wursthofe, Hinter der Mauer am Äöpenicker Tor und Hinter der Mauer an der Lappstraße" hieß. Verschwunden ist dagegen die be- rüchligte„Kömgsmauer" und die Bezeichnung„Auf dem alten Grapen",„Zwischen Wall und Mauer" und„Zwinger", womit man einzelne Teile der jetzigen Neuen Fricdrichstraßo bezeichnete. Ver- schwunden sind ferner die Bezeichnungen„Wallgasse". Kleine Wall- gaffe und Kleine Wallstraße, sowie Niederlagc-Wallstraße. womit früher die Oberwall-, Rosinarien-, Schadow- und Niederlagstraße bezeichnet waren. Dagegen bezeichnet die jetzige Wallstraße, Niederwall- und Oberwallstraße noch ziemlich genau den Lauf der ehemaligen Befestigung, deren spärliche Ueberreste noch die Kolonnaden in der Mohren- und Leipziger Straße bilden, während auf der anderen Seile mit dem Abbruch der Königökoloimaden jede Erinnerung an die Festung Berlin verschwinden dürfte. Von den Empfangsräumen der Armenpflcgcr. In den Armenkommissionen gibt es Leute, die gegen unfreund- liche Rede sehr empfindlich sind. Immer wieder erlevt man eS daß Arme, die gegenüber Armenpflegern in der Wahl ihrer Worte nicht vorsichtig genug gewesen waren, wegen Beleidigung belangt und zu hohen Strafen verurteilt werden. Der Chef des Armen- Wesens unserer Stadt, Stadtrat Münsterberg, ist der An» ficht, dast die Empfindlichkeit der Armenpfleger ge- 'chont und ihnen der weitestgehende Schutz gewährt werden müsse. Von diesem Standpunkt aus hat er. wie noch in Erinnerung sein wird, vor Jahresfrist sich auch dazu hergegeben, mitzuwirken bei dem Zustandekommen eines Strafantrages gegen einen„Vorwärts"- Redatteur, durch den ein Armeiikommissiollsvorsteher sich beleidigt ühlte. Ueber den Vorsteher war gesagt worden, dast er eine Frau, die ihn als Lehrer— es handelte sich um den Gcmeindeschullehrer Krienclke in der Thaerstratze— halte aufsuchen wollen, grob be- handelt habe, weil er sie für eine Arme gehalten habe.' Es stand tatsächlich kein schlimmeres Wort als„grob" in dem ganzen Artikel. Wie denkt die Armenverwaltung über die Notwendigkeit des Schutzes auch der Armen gegen Armen- Pfleger? Im Vertrauen können wir mitteilen, dast sie mehr- ach erst auS dem„Vorwärts" die ihr nötige Kenntnis davon er- halten hat, wie Armen behandelt worden waren. Erst durch den „Vorwärts" ist die Armenverwaltung und ihr Chef darüber belehrt worden, dast geivissen Armenpflegern das Gefühl dafür fehlte, wie ungehörig eS ist, die zu ihnen kommenden Hilfs» bedürftigen öffentlich in ihren Verkaufsloka- len, ihren Re st au rations räumen usw. obzu- e r t i g c n. Und in jenem Prozest gegen den„Vorwärts" wurde estgestellt, daß der mit Zustinimung Münsterbcrgs sich beleidigt ühlende Armenkommissionsvorsteher Arme auf dem fensterlosen Korridor seiner Wohnung abgefertigt hatte. Die vor Gericht ge- machten Mitteilungen über den Korridor dcs Armen» kom missionSvorstehers Krienelkc sowie die weiteren Ermittelungen deS„Vorwärts" über die eigenartigen Empfangsräume anderer Arulenkommissious- Vorsteher haben die Armenverwaltung und ihren Chef genötigt, sich mehr als bisher darum zu kümmern, in welchen Räumen die Vorsteher die Hilfsbedürftigen, abfertigen. Das ist immerhin ein Fortschritt zum Besseren, der vnS dar« über trösten kann, daß in dem Prozest gegen den„Vorwärts" unser Genosse Weber zu 4 Wochen Gefängnis verurteilt wurde. Ver- urteilt wurde er, nachdem Herr Krienelkc samt Gattin und Tochter beschworen hatten, dast nicht er, sondern, jene Frau grcb geweurir sei, so dast er sie habe hinausvringc» müssen. Der uns zuteil ge- wordene Erfolg, die Aufrüttelung der Armenverwaltung, macht uns Mut, unsere Versuche zur Belehrung der Armen- Verwaltung über M i st st ä n d e in ihrem eigensten Arbeitsgebiet fortzusetzen. Den ArmenkommissionSvor« sichern wird feit langem aus dem Stadtsäckel für ihr eigenes Por- tcmonnaie eine Vergütung von 300 M. pro Jahr gezahlt. Sic wirb angesehen als Entschädigung für Unkosten, auck für„Freihalten eines Zimmers zu amtlichen Angelegenheiten"; so stand es wenig- stens in dem Armenetat eines der letzten Jahre. Die den Armen- kommissionsvorstehern gezahlte Vergütung wird nicht auch den üvrigen Kommisfionsinitglicdcrn zugebilligt, obwohl auch diese in die Lage kommen— z. B. bei der ihnen übertragenen Auszahlung der Monatsalmosen— Arme bei sich zu sehen. Das kann aber kein Grund sein, es zu entschuldigen, wenn solche Kommissions- Mitglieder in ihren Gcschäftslokalen die Armen empfangen, wo sie von jedem Unberufenen beobachtet werden können. Wir machen die Armenverwaltung darauf aufmerksam, dast im Südosten der Stadt, in der 0 0. Kommission(Nachbarschaft des Görlitzcr Bahnhofes), das Kommissionsmitglied Kaufmann Voigt die Auszahlungen in seinem offenen Geschäftslokal, einem im Hause Wiener Strastc 4 7 befindlichen Materialwaren- laden, vornimmt. Nachdem wir durch Zuschrift aus unserem Leserkreise auf diesen Unfug aufmerksam gemacht worden waren. liesten wir am nächsten Zahlungstage, dem 1. April, die nötigen Ermittelungen an Ort und Stelle vornehmen. Es ergab sich, dast der Laden angefüllt war mit wartenden Unterstützungsempfängern und dast gleichzeitig das kaufende Publikum Zutritt zu dem Laden hatte und zwischendurch von Herrn Voigt abgefertigt wurde. Bei diesem Verfahren kann manche Arme in peinlichster Weise bloß- gestellt ivcrden, da ja die Armen und grösttenteils auch die Käufer in demselben Bezirk wohnen. Auch manchen Armen fehlt es nicht an einiger Empfindlichkeit, die geschont wer- den will. Wird die Armenverwaltung es für ihre Pflicht halten die Armen der 00. Kommission vor solcher Behandlung zu schützen? Man sage uns nicht, dast Herr Voigt doch nicht während der Auszahlung seinen Laden schliestcn könne, um die Armen in seiner Wohnung zu empfangen. Wenn er als Geschäftsmann keine Zeit hat. sich den Armen in seiner Wohnung zur Verfügung zu stellen, so soll er die Auszahlungsmühcn anderen Kom- m i s s i o n s m i tgl ie de rn überlassen. Im übrigen ist es ohnedies zu wünschen, dast gerade Geschäftsleute mit offenen Ladengeschäften dieser Art nicht zur Auszahlung mitherangezogcn werden. � Schon wieder Feuerwehrleute beim Umzug? Uns geht die Nachricht zu, dast am 81. März zwei Feuerivehrlcute einem Hauswirt in der Lübecker Straße 13 beim Umzug geholfen haben sollen. Wie stimmt das überein mit der Mitteilung des Magistratsdezernenten der Feuerwehr, dast der Branddirektor an alle Wachen einen Abteilungsbcfchl habe ergehen lassen, nach dem in Zukunft Feuerwehrmann- schaften nicht mehr bei Umzügen verwendet werden sollen. Der Abteilungsbcfchl des Herrn Branddirektors scheint nicht beachtet zu werden._ Um die Bolkstiimlichkcit ringt die Berliner Liedertafel; sie will Volkskonzerie abhalten. Ueber den Zweck dieser Konzerte schreibt der Vorstand: «Die Volkskonzerte der Berliner Liedertafel wollen Personen, die nicht in der Lage sind, zu den sonst stattfindenden Konzerten großer Chorvereinigungen die im allgemeinen nicht ganz wohl- feilen Eintrittskarten zu kaufen, ohne alle Unkosten ein gutes Chorkonzert bieten. In der äußeren Ausstattung des Konzerts, z. B. im Anzüge der Sänger, in den Drucksachen usw., wird alles vermieden, was darauf schliesten lasten könnte, daß der Verein diese Konzerte geringer einschätzt als die Konzerte, die er por einem zahlkräftigen Publikum in der Philharmonie veranstaltet. Daß das Stonzert selbst nicht in der Philharmonie veranstaltet wird, was zunächst beabsichtigt war, liegt daran, dast der Verein einen möglichst großen Zuhörerkreis zu laden wünschte. Deshalb wurde der„Neuen Welt", die fast die doppelte Personenzahl wie die Philharmonie faßt, der Vorzug gegeben. Die Eintrittskarten sind in der Weise verteilt worden, dast neben den von Mitgliedern des Vereins vorgeschlagenen wenig- oder unbemittelten Personen über 2000 Karten an solche Personen versandt sind, die sich auf einen öffentlichen Aufruf hin gemeldet hatten. Ueber 3000 solcher Meldungen mußten wegen Platzmangels dieses Mal unberücksich« tigt bleiben, sollen im nächsten Jahre dafür aber in erster Linie berücksichtigt werden. Eine größere Zahl von Armenkommissions» Vorstehern des Südostens der Stadt erhielt außerdem Karten mit der Bitte zugestellt, sie an Personen ihrer Klientel zu verteilen, bei denen ein Jntereffe an der Sache vorausgesetzt werden kann." „Mangel an Rasscbewußtsein". Unter dieser Ucbe.rschrift lesen wir im„Reich": „Vor dem Passage-Panoptikum in Berlin kam es heute mittags bei der Abreise der Senegalesen, die dort gastiert hatten, zu ungewöhnlichen Abschiedsszcnen. Es war be« kannt geworden, dast die Truppe mittags abfahren werde. Etwa 1500 Personen, darunter Hunderte von jungen Mäd- ch e n, hatten sich vor dem Eingang zum Panoptikum Unter den Linden angesammelt. Acht Schutzleute waren kaum imstande, das Publikum zurückzudrängen und den Verkehr aufrechtzu- erhalten. Als die Droschken vorfuhren, in denen die Nigger nach dem Bahnhof fahren wollten, kam es zu peinlichen Szenen, indem die Mädchen sich an die Schwarzen heran» drängten und zärtlichen Abschied von ihnen nähmen. Vergebens versuchten die Schutzleute, die„Damen" zurückzudrängen; immer wieder stürmten sie auf die Abziehen» den zu, um noch die letzten Grüße zu tauschen. Solchem unverantwortlichen Treiben gegenüber können wir nur immer wieder unser tiefstes Bedauern sowie die Hoffmmg aussprechen, daß es mit der Zeit gelingen möge, dieses perverse Empfinden durch gesunde, nationale Gesinnung zu beseitigen." ES sind, wie aus früheren Anlässen, so noch anlählich der Berliner Gewerbeausstellnng, bekannt geworden ist, Mädchen und auch Frauen gerade aus den besseren Kreisen, die sich der Ab- wechselung wegen an die Schwarzen herandrängen und mit ihnen LicbeStändeleien beginnen, was am aUerdeutlichsten beweist, w o die soviel gerühmte„Moral und Sitte" ihre Stätte hat. Eine aufregende Szene spielte sich am Freitagabend gegen tO Uhr auf dem Bahnhof Friedrickistraße ab. Der Käufmann Otto Böhm aus Rixdorf wollte einen Zug besteigen, rutschte ans und kam so unglücktich unter die Räder, daß ihm beide Beine abgefahren wurden. Von vier Beamten wurde der Verunglückte mittels Trag- korbe« nach der Rettungswache in der Zicgclstraße getragen. Dort lag, wie uns von einem Augenzeugen berichtet wird, der Mann eine Vierlelsiunde bei voller Besinnung im Hausflur der Nettuiigswache und jammerte. Ein Wärter winkte mit den Händen, was so auf- gefaßt wurde, als habe doch alles keinen Zweck mehr. Ein Arzt kam erst später. Wenn diese Mitteilungen richtig sind, und wir haben keinen Zweifel daran, so wäre eS mit dem ärztlichen Dienst auf dieser Wache nicht glänzend bestellt. Lehrling im Anwaltsbureau zu werden ist auch heute noch das Ziel Tausender junger Leute. Nach dem jetzt zu Ende gehenden Tckuljahr werden sich viele Eltern für ihre Kinder um eine solche Lehrstellung im Anwaltsbureau beniühen. Sie seien darauf hin- gewiesen, dasi sie ihre Kinder dann für mindestens sechs Jahre voll- ständig ernähren müssen. Denn früher kommt ei» Anwaltsgehilfe kaum in die Loge sich selbst zu ernähren. Dazu ist die Entlohnung zu gering. Ausserdem ist die Zahl der Lehrlinge und jugeiid- lichen Angestellten der Anwälte so groh, daß ein älterer Angestellter nur selten Beschäftigung findet. Die meisten müssen früher oder später zu einem anderen Beruf über- gehen. Außerdem wird auch die am 1. April in Kraft tretende Reform des Verfahrens vor den Amtsgerichten eine Verminderung des Personals zur Folge haben. Viele werden entlassen werden. Die Zahl der Angestellten wird immer mehr zurückgehen, so dasi niemand weih, ob er in diesem Berufe noch weiter eine Existenz finden wird. Alle Eltern seien daher dringend ge- warnt, ihre Kinder in die Anwaltsbureaus zu geben. Weitere Auskunft erteilt bereitwilligst der Verband der Bureauangestellten, Berlin, Linienstr. 8. Arbciter-Bildungsschule. Heute abend 7 Uhr im Königstadt- Kasino. Holzniarklstr. 72: Vortrag der Genossin Luise Zietz über: »Die Stellung der Frau einst und jetzt". Zahlreicher Besuch wird erwartet. In dieser Woche ist die Bibliothek am Montagabend geöffnet und Donnerstag geschlossen. Geschlossene Krankenkasse. Die Allgemeine deutsche Kranken- und Begräbiiis-Versichcriingsanstalt in Eisenach sEingeschriebene Hilfs- kasse) ist durch Beschluß des Bezirksausschusses des III. Vertvaltungs- bezirks zu Eisenach vom 28. Januar 1910, bestätigt durch Entscheidung grohherzoglich sächsischen Staatsmiiiisteriums zu Weimar vom März 1910, geschlossen worden.(Hiesige Vertreter Friedrich Steppuhn, Katharinenstr. 23, und Tremnann, LandSbergerstr. 1.) Zirkus Albert Schumann rüstet sich zum Abschied. Am Mitt- woch. de» 6. d. Mts., tritt der Zirkus nach der Schlußvorstellung seine Reise nach Wien an. Partcigenosfliincn und Genossen, welche Wütglieder der Freireligiösen Gemeinde sind, werden gebeten, am Montag, den 4. April, abends 3 Uhr. zur beschließenden Versammlung(Borstands- wähl, siehe Freiiagsinserat im„Vorwärts"), Sebastianstr. 89, voll- zählig zu erscheinen. Von der Zusammensetzung des Vorstandes hängt die Eittwickelung der Gemeinde für die idellen und materiellen Interessen der Mitglieder ab. Ein schweres Brandunglück hat sich am Sonnabend früh um 3 Uhr in dem Hause Ackerslr. 47 ereignet. Dort bemerkten um diese Zeit Hausbewohner Rauch aus einer Wohnung dringen. Sie be- nackrichtigten sofort die Feuerwehr. Als diese erschien und in die verschlosiene Wohnung eindrang, fand sie die SSjährige Witwe A. Altenkirch mit schweren Brandwunden bedeckt in ihren, Bell liegend vor. Das Ziinmer war tolal verqualmt. Brandmeister Steiner ließ die bewußtlose Greisin sofort mit einem Tender nach dem nahen Lazarus-Krankenhause in der Bernauer Straße fahren, wo man aber geringe Hoffnung hegt, die Schwerverbrannte am Leben zu er- halten. Ihr Ableben ist stündlich zu erwarten. Wie das Unglück geschehen ist, konnte noch nicht festgestellt werden. Vermutlich der- suchte die kränkliche Frau Licht anzuzünden, wobei die Betten in Brand gerieten. Unfähig, sich zu erheben, erlitt die Frau schwere Brandwunden und fiel dann in Ohiunacht. Zeugen gesucht. Arbeiter, welche an, 17. März d. I., abends zwischen>/z7 und 7 Uhr, im Vollring zwischen den Stationen Treptow und Weißensee den Streit zwischen organisierten Arbeitern und einem Arbeitswilligen mit anhörten, werden ersucht, ihre Adressen an Otto Metzle, Berlin N. 58, EberSwalder Straße 19 einzusenden. Arbeiter-Samariter-Kolonne. Montag abend 9 Uhr: 2. Ab- teilung Brunnenstr. 154. Vortrag über Krankenpflege und praktische Uebungen.— Am Mittwoch: 5. Abteilung; am Donnerstag; 3. und 4. Abteilung. Vorort- l�acd rickten. Eharsottenburg. Eltrrnvereiu für freie Erziehung. Der letzte Wintersplelnach- mittag findet am 6. d. M., nachmittags 3 Uhr, im Volkshause, Rosineustr. 3 statt. Gleichzeitig sei bekannt gegeben, daß am Sonnabend, den v. d. M., im Volkshause. Rosincnstr. 3, abends 8 Uhr, ein geselliges Beisammensein für Mitglieder stattfindet. Kiuder sind von der Veranstaltung ausgeschlossen. Eintritt frei. Der Vorstand. Rixdorf. Behördlicher LeichentrauSport. Gestern mittag wurde in der Saale- straße ein Knabe überfahren. Pasfanten brachten ihn zu dem Sanitätsrat Dr. Braune am Richardplatz, der aber nur noch den Tod feststelle» konnte. Nach einiger Zeit erschien ein Schutzmann bei dem Arzt, um den Tatbestand aufzunehmen. Nach Verlauf von zwei Stunden konnte der Arzt die Leiche nicht mehr in Verwahrung behalten, da seine Sprechstunde begann und es erschienen nun zwei Schutzleute, trugen die Leiche herunter, legten sie auf eine» zweiräderigen Hand- karren, welcher von einem Jungen geschoben wurde und unter Be- gleitung der beiden Schutzleute und einer großen Schar von Frauen und Kinder ging der Transport zur Polizeiwache. Dieser Trans- Port rief laute Empörung des Publikums hervor und allseitig fragte man sich, ob die Polizei keine geeigneteren Transportmittel in solchen Fällen heranschaffe» kann. Für die Arbeiterjugend findet heute Sonntagnachmittag 2 Uhr im Saale de» ,. KarlSgarten", Karlsgartenstraße, eine Versammlung statt. Stadtverordneter Emil K l o t h spricht über da« Thema:„Was harrt der Jugend beim Eintritt ins Leben?" Die schulentlassene Jugend ist mit ihren Vätern und Müttern ganz besonders eingeladen. Der Eintritt ist frei. Am Sonntag, den 10. April, abends S>/s Uhr, veranstaltet der Jugendausschuß der Arbeiterschaft RixdorfS in Hoppes großem Fest- fan'l, Hermannstr. 40, eine Jngend-FrühlingSfeier mit künstlerischem Programm. Eintrittskarten sind für Jugendliche bis zu 18 Jahre» allabendlich von 7— 9'/z Uhr im„Jugendheim". Jdeal-Passage 2, unentgeltlich zu haben. Karten für Erwachsene werden a 80 Pf. in den Rixdorfer Verkaufsstellen der Konsumgenossenschaft ausgegeben. Zur Sonntagsruhe nahm eine am 1. April in den„Bürgerfälen" stattgehabte Versammlung der Handlungsgehilfen Stellung. Nach einen, Referat des Genossen U ck o wurde folgende Resolution be- schlösse»: „Die am 1. April in Rixdorf in den„Bürgersälen". Berg- stroße 147, tagende, vom gentralverband der Handlungsgehilfen und Gehilfinnen Deutschlands einberufene öffentliche Versammlung be- dauert, daß die gesetzgebenden Körperschaften dem so dringenden Wunsche der Handlungsgehilfen, die vollständige Sonntagsruhe ein« zuführen, immer noch nicht nachgekommen sind. Die gesetzliche Einführuiig der vollständigen, unterbrochenen LSstüildigen Sonntagsruhe ist eine kulturelle Notwendigkeit, die durchzuführen um so erforderlicher ist, als gerade die HandlungS- gehilten durch überlange Arbeitszeiten an den Wochentagen nicht mir in ihrer Gesundheit schwer bedroht, sondern auch in ihrer geistigen und beruflichen Weiterbildung gehindert werden. Die vollständige Sonntagsruhe zu verweigern, liegt gar keine Veranlassung vor, da selbst die große Masse der Arbeiterschaft, auf die als Konsumenten angeblich Rücksicht genommen werden muß, stets die Handlungsangeftellten in ihren Forderungen unterstützt und mit der vollständigen Sonntagsruhe im Handelsgewerbe ein- verstanden ist. Die Versammelien erwarten deshalb von den Geschäftsinhabern Rixdorfs, daß sie bis zur gesetzlichen Regelung die berechtigte Forderung der HandelZcmgestellten so weit wie irgend möglich erfüllen und beauftragen den Zentralverband, die notwendigen Schritte zu unternehmen." Die Neuerschienenen erkannten, daß der beste Weg zur Er- reichung von Forderungen der Angestellten der gewerkschaftliche Zu- sammenschluß sei, da sie in großer Zahl dein Verbände beitraten. Britz. Aus der Gemeindevertretung. Die Gemeindekasse weist laut Revision eine Einnahme von 3 016 968,55 M.. eine Ausgabe von 2�819 471.42 M., somit einen Bestand von 197 497,13 M. auf. An Stelle des Herrn Mendt wurde Herr Grau mit 9 gegen 4 Stimmen in den Amtsausschuß gewählt. Alsdann verlas der Vorsitzende den Erlaß einer Ordnung für die Erhebung direkter Gemeinde. steuern. Danach werden in Zukunft für bebaute Grundstücke 3,5 Proz., für unbebaute 5 Proz. erhoben. Ferner sollen die Ein» kommen von weniger als 660 M. von der Gemeindeeinkommen- steuer befreit sein.— Es folgte die Etatsberatung für das Jahr 1910. Eingangs der Beratung betonte der Vorfitzende, daß die finanzielle Lage des Ortes nicht günstig sei; da der vorjährige Etat mit einem Defizit abgeschlossen habe, mühten für das Jahr 1910 95 000 M. aus Ersparnissen Verwendung finden. Die Ein- nahmen sowie Ausgaben haben sich im vorliegenden Etat um 140000 M. erhöht. Hierzu beigetragen haben im wesentlichen die Zinsen großer Anleihen, die wegen Erwerb von Grundstücken und Ausbau von Straßen aufgenommen werden mußten, ferner die Aufbesserung der Gehälter der Lehrer, mittleren Beamten und Arbeiter. Jedoch feien die Aussichten auf Besserung der allge» meinen Lage günstig. Zu bewundern sei, daß die Bautätigkeit, trotz lebhafter Nachfrage nach Wohnungen, eine sehr geringe ist. Er befürchte, daß zum Oktober die Nachfrage nach Wohnungen nicht immer befriedigt werden könne. Der Etat der Gemeinde» schulen ist mit 157 000 M.. der Kanalisationsetat mit 83 000 M. in Einnahme und Ausgabe gestellt. Der Voranschlag der Gas- anstatt ist im Ordinarium mit rund 170 000 M. berechnet. Außerdem ist ein Betrag von 250000 M. zur einmaligen Einstellung zivecks Neu- und Umbauten auf dem Gaswerk notwendig. Der Kanalisationsetat sowie der Voranschlag der Gasanstalt wurden ohne Debatte angenommen. Beim Schuletat erinnerte Genosse Kitzing an den seinerzeit auf Anraten der Königl. Regierung ge- faßten Beschluß, eine obligatorische Fortbildungsschule zu errich- ten, zugleich frug Redner an, wann damit begonnen werde. Er be- mängelte weiter die Benutzung des Schulbrausebades in der 2. Ge- meindeschule. Einesteils werde dasselbe zu wenig benutzt, ander- seits aber haben die Kinder zu wenig Zeit, sich anzukleiden. Es müßten die Lehrer angewiesen werden, die Kinder zum Baden zu bewegen. DeS weiteren bemängelte unser Redner die im Ver- gleich zu anderen Orten noch in Britz geltenden geringen Lehrer- gehälter. Auf die Dauer werde durch die niedrigen Gehälter die Arbeitsfreudigkeit der Lehrer herabgemindert und das Wohl der Schule beeinträchtigt. Der Vorsitzende erwiderte, daß die Regie- rung bezüglich der Pflichtfortbildunasschule die Gemeindeverwal- tung bereits zwei bis drei Jahre ohne Antwort lasse. Was die Benutzung des Bades betreffe, bestehe eine von der Regierung vor- geschriebene Badeordnung, welche peinlich gehandhabt werde. Wenn das Bad nicht, wie gewünscht, benutzt werde, so liege das nicht an den Maßnahmen und Einrichtungen der Verwaltung, sondern an den Eltern, die ihre Kinder hauptsächlich am Ende der Woche vom Baden abhalten. Betreffs der Lehreryehälter erkenne auch die Gemeindeverwaltung an, daß sie nicht die Höhe haben, wie ander- orts; da die Besoldungsordnung ebenfalls noch im Schöße der Regierung ruhe, komme die Gemeinde in die unangenehme Lage, die erhöhten Gehälter zum 1. ApRl nicht auszählen zu können. Gleichwohl bitte er die Versammlung, zu beschließen, daß die Zah- lungen nach der neuen Ordnung an die Lehrer erfolgen soll. Es wurde demgemäß beschlossen. Genosse Kitzing gab der Meinung Ausdruck, daß die Gemeindeturnhalle allen Turnern zur Ver- fügung stehen müsse, und er begreife nicht, daß den„Freien Tur- nern" dieselbe bisher verweigert worden ist. Der Vorsitzende be- tonte, daß die Vergebung der Turnhalle ebenfalls der Genehmi- gung der Schuldeputation und der Regierung bedarf. Hierauf wurde der Schuletat angenommen. Genosse Kitzing verlangte fer- ner, daß die dem Strahenbahnhof benachbarten Grundbesitzer, nach Maßgabe ihrer Vorteile, zu einer einmaligen Zahlung von 100000 Mark herangezogen werden sollen. Nach längerer Debatte wurde dieser Antrag abgelehnt. Zum Punkt:„Heranziehung der Nachbar- gemeinden zu den Schulunterhaltungskosten für 1909 gemäß Z 63 des Kommunalabgabengesetzes" wurde beschlossen, Tempelhof mit 66 Kindern zur Zahlung von 3100 M., Nieder-Schöneweide mit 71 Kindern zur Zahlung von 3325 M., und Berlin mit 179 Kin- der» zur Zahlung von 8300 M. zu veranlassen. Das Angebot der Schwebebahngesellschaft, die die vom Gesundbrunnen bis Rixdorf zu errichtende Schnellbahn unter günstigen Bedingungen nach Britz, und zwar vorläufig bis zum Teltowkanal, weiterführen will. wurde sympathisch begrüßt. Es würde hier nur der Einheitspreis von 10 Pf. in Frage kommen. In der am Dienstag, den 29. Mörz, stattgefundenen Ge- meindevertretersitzung wurde der Erlaß einer neuen Friedhofs- Gebührenordnung nochmals beraten. Die Mehreinnahmen sind auf 1700 M. jährlich geschätzt. Genosse Kitzing bemängelte die Einsetzung von Gebühren für die DenkmalSaufftellung. Die Ge- bührenordnung wurde gegen die Stimmen unserer beiden Genossen angenommen und tritt mit dem Tage der Veröffentlichung in Kraft. Der Umbau und Ausbau des Gaswerks wurde der Firma Julius Pintsch zu einem Preise von 220 000 M. übertragen. Lichtenberg-Friedrichsfelde. Bereinigung„Jugendheim". Am Sonntag, den 10. d. M.. findet in den„Prachtsälen des Ostens", Frankfurter Allee 151/152, ein Familienabend statt. Festvortrag: Herr Max Grunwald. Mit- io i r k e n d e: Frl. Wallt Kussel(Prolog), Herr Eduard v. Winter- stein. Mitglied des Deutschen Theaters iResitalion), Frl. Käthe Völkerling(Sopran), Herr Maxim Resnik(Bariton), Herr Leo Kestenberg(am Flügel), Gesangverein.Lichtenberger Männerchor". Saalöffnung 5 Uhr. Ansang pünktlich 6 Uhr. Billetts& 10 Pf. find bei allen Bezirksführern zu haben. Marienfelde. Die Stichwahl der dritten Abteilung findet am heutigen Sonntag von 2—5 Uhr statt. Die Genossen werden ersucht, sich um'/«2 Uhr im Wahllokal von Manntz, Berliner Str. 54, einzufinden. Früh ?>/, Uhr Flugblattverbreitung vom BereinSlokal, Berliner Str. 114. Keiner darf fehlen. Boxhagen- Rummelsburg. Etatsberatung in der Gemeindevertretung. Nachdem die Etatskommission in vier langen Sitzungen den Voranschlag für 1910 in eingehender Weise durchberaten hatte, gelangte derselbe nach mehrmaligen recht heftigen Debatten nach den Vorschlägen der Etatskommission zur Annahme. Die zu erwartenden Gesamt- einnahmen sind auf 3 185 600 M. und die Gesamtausgaben auf 3 303100 M. veranschlagt worden. Der verbleibende Fehlbetrag von 117 500 M-, welcher zur Valancicrung des Etats notwendiger» weise gedeckt werden muh, soll dem Straßenunterhaltungsfonds entnommen werden, da dieser Fonds aber nur noch etwa 13 000 Mark enthält, so müssen sämtliche sonstige noch vorhandenen kleinen Fonds herholten, um den Etat bei einem Gemeindeein- kommensteuerzuschlag von 135 Proz. überhaupt zum Balancieren zu bringen. Leider wird sich die Verwendung auch des letzten Pfennigs aus Fondsmitteln in den nächsten Jahren schwer rächen. Beim Kapitel:„Gemeindeverwaltung" wurden die Gehälter der Gemeindebcamten mit einem Pauschalbetrage von 10 000 M. aufgebessert. Die Fraktion Leppelt-Sttebitz hatte durch den Gemeinde« Vertreter Schüler ihre Getreuen am Abend vorher zu einer ver- traulichen Besprechung zusammenberufen. Die Anwesenden in dieser Sitzung Mißten den Schwur leisten gegen jede Erhöhung der Beamkengehälter wie auch gegen einen höheren Semelnbeeln« kommensteuerzuschlag als 125 Proz. zu stimmen. Trotzdem fest- gestellt worden war. daß die Rummelsburger Gemeindebeamten die am schlechtesten bezahlten Beamten allcr� Berliner Vororte sind, wandte sich ganz besonders der ehemalige Schankwirt Gamper von der Leppelt-Garde in recht schrcsfer Weise gegen jede Mehr« bewilligung. Nachdem unsere Vertreter warm für die Wehrein« stellung von 10 000 M. plädiert hatten, wurde� diese Summe in namentlicher Abstimmung mit 15 gegen 10 Stimmen bewilligt. In einer Sitzung der Etatskommission hatte unser Vertreter John den Gemeindeschoffen Stiebitz dahin interpelliert und Rechenschaft von demselben verlangt, wie er es mit seinen Pflichten als Schöffe vereinbaren könne, fast ständig in den Sitzungen des Gemeinde- Vorstandes wie der Komissionen und der Gemeindevertretung durch Abwesenheit zu glänzen. Da Stiebitz in der Kommissionssitzung in der bei Emporkömmlingen vielfach anzutreffenden hochfahren- den Art, jede Verpflichtung einer Erklärung für sein Tun rund- weg ablehnte, so brachte unser Genosse die Angelegenheit in den Gemeindevertretung zur Sprache. Inzwischen muß dem Herrn Stiebitz aber wohl klar geworden sein, daß seine großmäulige Monier in der Oeffentlichkett wenig Anklang finden könnte, den»» er ließ schon im voraus durch den Mund des Bürgermeisters ver» künden, daß er versprochen habe, sich bessern zu wollen, da eu in Zukunft geschäftlich nicht mehr so sehr behindert sei. Da das- selbe Versprechen von Stiebitz bereits im vorigen Jahre bei der- selben Interpellation abgegeben worden war, ohne daß derselbe dieses Versprechen im geringsten beachtet hätte, so nahm Genosse John Veranlassung, den Wert eines solchen Versprechens von feiten des Herrn Stiebitz näher zu beleuchten und auch gleich- zeitig scharfe Kritik an dem Benohmen desselben in der Etats- kommission zu üben. Der sonst so großsprecherische und schlag- fertige Schöffe Stiebitz konnte in der Erwiderung nur kurz her« vorstammeln, daß er sich verbitte, seinen Worten keinen Glauben beizumessen. Für die Nichterfüllung seines Schöffenamtes zahlt ibm die Gemeinde pro Jahr auch noch 300 M. Beim Kapitel: „Wohlfahrtsamt" wurde nur die Position„Ferienkolonie" von 4000 auf 5000 M. erhöht, alle anderen Anträge unserer Vertreter auf Einsetzung höherer Mittel, z. B. für die Fürsorge für Tuber» kulose. zur Bekämpfung der Kindersterblichkeit, warme Frühstücks« kost an bedürftige Schulkinder und höhere Beträge für freie Lern- mittel, wurden mit dem Hinweise auf die augenblicklich schlechte Finanzlage der Gemeinde abgelehnt. Beim Kapitel:„Gymnasium, höhere Madchenschule, höheres Leherinnenseminar. Knaben-Mittel» schule" wird auf Anregung unserer Vertreter die Aufhellung dev Vorschulklassen wie der Abbau des Lehrerinnenseminars in Er- wägung gezogen. Der Bürgermeister verspricht, m einer der nach- sten Sitzungen eine hierauf bezügliche Vorlage der Gemeindever- tretung zu unterbreiten. Der Gemeindezuschuß zu den höheren Lehranstalten deträgt in diesem Jahre 150 000 M.. im Vorjahre genügten noch 128 000 M. Sämtliche anderen AuSgabekapitel wurden fast ohne jedwede Debatte nach den Vorschlägen der Etats- kommission von der Mehrheit angenommen. Das Kapitel:„Direkte Gemeindesteuern", welches am Schluß der Sitzung verhandelt wurde, sieht bei einem Einkommensteuerzuschlag von 135 Proz. eine Einnahme an Gemeindeeinkommensteuer von 448 900 M. vor, im Vorjahre waren es bei 125 Proz. Zuschlag 387 500 M. Zur Beschlußfassung über den Gemeindeeinkommensteuerzuschlag lagen drei Anträge vor: Rechtsanwalt Bernhardy beantragte 150 Proz., die Etatskommission 135 Proz. und die Fraktion Leppelt-Stiebitz 125 Proz. Gemeindezuschlag zur Staatseinkommensteuer zu er« heben. Die verschiedenen Ansichten über die Höhe des Gemeinde- Zuschlages führten dann auch zu scharfen Auseinandersetzungen. Die Eingeschworenen der Leppelt-Fraktion vertraten den Stand- puntt. daß bei einem Gemeindezuschlag von über 125 Proz. samt« liche besseren Mieter den Rummelsburger Staub von ihren Füßen schütteln würden und damit der Untergang der Hausbesitzer be- siegelt sei Leider versäumten diese Herren aber nachzuweisen, wo der verbleibende Fehlbetrag von fast 150 000 M., der nur zum geringen Teil noch durch die letzten Pfennige aus Fondsmitteln gedeckt werden kann, hergenommen werden soll. Da der Etat ordnungsmäßig überhaupt nur bei einer Erhebung von mindesten» 170 Proz. Gemeindezuschlag zum Balancieren gebracht werden kann, so traten unsere Vertreter für den Antrag auf 150 Proz. ein. Unsere Genossen wiesen nach, daß, wenn der Antrag mit 135 Proz. oder gar mit 125 Proz. Zuschlag zur Annahme kommt. im nächsten Jahre mindestens 150 bis 200 Proz. Gemeindeeinkommensteuer erhoben werden müssen, was für sämtliche Einwohner und für die wettere Entwickelung des Orts von viel größerem Schaden sein würde, als wenn in diesem und einigen wetteren Jahren ein Zuschlag von 150 Proz. erhoben wird. In nament- licher Abstimmung wird der Antrag auf 150 Proz. Zuschlag mit 15 gegen 10 Stimmen abgelehnt. Der Antrag der Etatskommission auf 135 Proz. Zuschlag wird dagegen mit 20 gegen 5 Stimmen angenommen. Die Grundwertsteuer ist für bebaute Grundstücke auf 3%, Promille und für unbebaute Grundstücke auf 7 Promille festgesetzt. Der Betrag aus dieser Steuer soll 529 412,40 M. er« geben, im Vorjahre waren bei 3V* und 6(4 Promille 482 091 M. angesetzt. Der Zuschlag zur staatlich veranlagten Gewerbesteuer soll in diesem Jahre in der 1. bis 8. Klasse 250 Proz. und in dev 4. Klasse 187(4 Proz. betragen. Als Ertrag sind 75 125 M. gegen 56 250 M. im Vorjahre eingesetzt. Von den indirekten Steuern ist die Biersteuer mit 32 000 M., die Hundesteuer 18 000 M., die Umsatzsteuer mit 150 000 M., die Wertzuwachssteuer mit 85 000 Mark und die Rummelplatzlustbarkeitssteuer mit 1500 M. veranschlagt und von der Mehrheit genehmigt worden. Nachdem die Mehrheit noch einer Aenderung der Biersteuerordnung zugestimmt hatte und ebenso der Aenderung des Ortsstatuts über die Auf« bringung der direkten Gemeindesteuern die Genehmigung erteilt hatte, wurde in nichtöffentlicher Sitzung die Pensionierung des seit 19 Jahren in der Gemeinde tätigen ivollziehungsbeamten Krieg bewilligt. Da der Beigeordnete Assessor Köhler in Adlershof als Gemeindevorsteher gewählt worden ist, soll demnächst die AuL« schreibung dieser Stelle erfolgen. Friedrichsfelde. Aus der Gemeindevertretung. Im Brennpunkt der letzten Gemeindevertretersitzong stand die Etatsberatung. Vorher wurden jedoch noch einige wichtige Punkte erledigt. Hiervon fei hervorgehoben, daß die Abänderung des Bebau ungs- planes zwischen der Treskow-Allee und der Kaulsdorfer Ver» bindungsbahn vertagt wurde. Die Aenderung wird notwendig, weil die Absicht besteht, eine große BerlehrSstraße zu schaffen, die. von der Lückstratze in Rummelsburg ausgehend, unseren Ort durch- queren und die südlichen OrtSteile von Biesdorf, Kaulsdorf, Mahlsdorf usw. bis Köpenick verbinden soll. Das Projekt an sich fand allgemein Beifall. Unser Vertreter. Genosse Pinseler, wies aber die Zweckmäßigkeit einer etwas von der geplanten abweichen- den Linienführung nach, weil dadurch nicht allein die bedeutenden Kosten einer zweiten Bahnunterführung neben der Treskow-Allee gespart, sondern zugleich auch für die Gemeindeländereien eine größere Wertsteigerung erzielt würden. Ferner wurde eine Er« höhung der Ortszulage für die Lehrerschaft beschlossen. so daß die Gehälter sich nunmehr auf gleicher Höhe bewegen, wie in den meisten Orten Groß-Berlins. Da jedoch die Aussicht vor- handen ist, daß unser Ort in kurzem schon in eine höhere Servis» klaffe aufrückt, soll in diesem Falle die höhere Mietsentschädigung auf die Ortszulagen angerechnet werden. Von der im Voranschlag zum Haushaltsplan borge« scheuen Ausgabe in Höbe von 1 117 009 M. werden 426 001 M. durch eigene Einnahmen gedeckt, während 690 983 M. durch Steuern aufzubringen sind. Davon sind in Anschlag gebrackit: all Umsatzsteuer 80 090 M.. Wertzuwachs st euer 40 000 M., Hunde st euer 11000 M., Lustbarkeitssteuer 35000 M., Zuschlag zur Einkommensteuer 120 Proz.— 204 000 M-, Grund« und Gebäudesteucr für bebaute Grundstücke 117 000 M., für mibe« baute 160 000 M. usw. In der Diskussion griff Gemeindevertreter Schäfer Re recht wenig spgrsgvlg Aufstellung des Etüts in scharfer Weise gn. De» OpkuniZmuS des Semeindeborste�ers teile er nicht im Hinblick auf die innerpolitischen Verhältnisse, die zweifellos auf die Ge> staltung des Wirtschaftslebens einwirken werden. Darum sei Sparsamkeit doppelt am Platze. Vor allem müsse man den Ver- waltungskörper als bicl zu umfangreich und kostspielig bezeichnen, selbst wenn man die Eigenart unserer in zwei böllig getrennte Teile geteilten Gemeinde in volleni Umfange berücksichtige. Er habe berechnet, dah die Vcrwaltungskosten seit IVW um 280 Proz. gestiegen seien. Datz dieser für die Steuerzahler recht unerquick- liche Zustand auch der Genieindeverwaltüng zum Bewutztsein ge- kommen ist, konnte der Redner durch ein amtliches Schriftstück der Gemeinde Boxhagen-Rummelsburg nachweisen, worin es heißt— es handelt sich um eine Umfrage für statistische Zwecke—: Friedrichsfelde: Auskunft wegen der übergroßen Beamtenzahl verweigert! Der Gemeindevorsteher Un- gewitter antwortete darauf zwar, daß er dienstlich eine solche Ant- wort nicht erteilt habe, ließ aber bezeichnenderweise den Zwischen- ruf des Genossen Pinseler:.Auch nichts davon gewußt?" verlegen unbeantwortet.— Genosse P i n s e l e r welcher nach Herrn Schäfer das Wort ergriff, verlangte vor allem, daß man sich end- lich dazu aufraffen möge, die Einkommen unter 000 Ml gänzlich von der Steuer frei �u lassen. Die endlich auf unser wiederholtes und nachhaltiges Drängen hin im Etat eingestellten Mittel zur Bekämpfung der Tuberkulose und der Kindersterblichkeit sowie zur Verabreichung von Milch an bedürftige Schulkinder stelle wohl einen erfreulichen Fortschritt dar, könne jedoch nur als Anfang betrachtet werden. Man müsse zur Schulkinderspeisung weiter- schreiten und auch die Einrichtung von Kindergärten ins Auge fassen. Die Ausführungen des Vorredners müsse er nachdrück- lichst unterstreichen, würden doch im neuen Etat volle 17 000 M. allein für Hilfskräfte in der Gemeindeverwaltung gefordert. Ein so wenig sparsam aufgestellter Etat könne die Zustimmung der Gemeindevertretung nicht finden, und er beantrage deshalb, ihn an eine siebengliederige Kommission zurückzuverweisen. Nachdem dann noch Herr Metzner die offenbare Mißwirtschaft auf dem Rieselgute Münchehofe in die rechte Beleuchtung gerückt hatte, wurde dem Antrage unseres Vertreters gemäß eine Kommission zur nochmaligen Durchberatung des Etats eingesetzt, der auch Ge- nosse Pinseler angehört. Z�riedrichshagen. In der letzten Mitgliederversammlung unseres WahlvcreinS hielt Genosse Biihler einen Bortrag über„Revolution". Der Bericht der Generalversammlung wurde der vorgeschrittenen Zeit wegen zurück- gesetzt. Dann gab Genosse Sonnenburg scn. den Bericht der Ge- meindevertreter, welchem eine recht lebhafte Debatte folgte. ES handelte sich um eine Meinungsdifferenz über die Stellung der Ge- meindevertreter zu Stenerfragcn. Ein Antrag, umgehend eine Vor- standssitzimg mit den Gemeindevertretern einzuberufen, machte der Polemik ein Ende. Aufnahmen fanden sechs statt. DaS Gewerkschaftskartell veranstaltet Sonnabend, den 9. April, abends 8 Uhr, im Saale der Witwe Lerche, Rundteil, einen L i ck t- Vildervortrag über: Die Revolution von 1818. Vortragender Genosse Grempe. Nach dem Vortrag: Tanz. Billetts zum Preise von 30 Pf. sind bei den Funktionären zu haben. Um zahlreichen Besuch der Parteigenossen wird gebeten. Köpenick. Sängerversammlung. Montag, den 4. April, findet in Köpenick eine vom Arbeiter-Sängerbund, Gau Berlin, einberufene öffentliche Sängerversamntlung statt, zu welcher sämtliche Sänger Köpenicks eingeladen werden. Borfigwalde-Wittenan. In der letzten Gemeinbevertreterfitzung wurde zunächst der Bericht der Schulärzte bekannt gegeben. Nach dem Bericht des Herrn Dr. Kassel-Wittenau war der Gesundheitszustand der Kinder wie folgt: 94 gut, 304 mittel, 38 schlecht; 9.03 Prozent sind tuberkulös. 8,3 Proz. herzkrank. Dr. Misch-Borstgwalde untersuchte 839 Kinder. Der Gesundheitszustand war in 210 Fällen gut, in 071 Fällen mittel, in 03 Fällen schlecht. An Lungentuberkulose wurden 81 Fälle festgestellt, Herzkranke waren 32, Hautkranke 42 vorhan- den, 19 litten an Knochen-, 30 an Augen- und 149 an Drüsen- krankheiten. Genosse Adam regte hierbei an, festzustellen, wieviel Kinder morgens mit hungrigem Magen in die Schule kämen, um Mittel zur Abhilfe hierfür zu bewilligen. Der Bericht des Lehrers Wendland betreffs der Schulgärten hatte ein gutes Resultat. Es wurde zugesagt, dieselben auch in Borsigwalde zur Einführung zu bringen. Eine lebhafte Debatte entspann sich bei Beratung des Ge. meindehauShaltungsetats für 1910, der in Einnahme und Aus. gäbe mit 1 198 900 M. balanciert. Von den Ausgaben entfallen auf die ordentliche Verwaltung 810 000 M., auf die außerordent- liche 300 000 M. und auf Sondervoranschläge 104 400 M. Von den 104 400 M. fallen auf die WvsserversorgungSanlage 40 000 M., auf das Elektrizitätswerk 17 000 M., auf das Gaswerk 20 400 M. Herr Gemeindevertreter Hempel, Direktor der Borfigivaldcr Ter- raingesellfchaft, wollte den Etat ohne jede Debatte ohne weiteres angenommen wissen. Unsere Genossen widersprachen, da man über einen Millionenetat nicht sang- und klanglos hinweggeht. Beim Abschnitt:„Polizeiverwaltung" beantragten unsere Genossen, den geforderten dritten Polizelsergeantenposten zu streichen, da für denselben kein Bedürfnis vorliege. Das paßte vor allem genann- tem Herrn Hempel nicht, der in einem Zwischenruf meinte, die Borfigwalder Einwohner stehlen wie die Raben. Genosse Adam erteilte dem Herrn die verdiente Antwort auf die Unverschämtheit. Im übrigen werde die hiesige Einwohnerschaft Herrn Hempel noch antworten. Zu Titel b:„Schulverwaltung" lag ein Antrag der Rektoren vor, die Amtszulagc von 1000 auf 1200 M. zu erhöhen. Derselbe wurde abgelehnt. Hierbei wurde von unseren Genossen darauf hingewiesen, die Lehrmittel der Kinder unentgeltlich zu liefern. Die bürgerlichen Vertreter hüllten sich in Stillschweigen. Bei Titel 7:„Kirchenverwaltung" stellte Genosse Adam den Antrag, die eingesetzten 4000 M. zu streichen, eventuell eine Kirchensteuer einzufübren für diejenigen, �ie dieselbe benutzen. Wiederum er- folgte Ablehnung. Oldenburgsche Manieren gab der Direktor Hempel zum Besten, indem er unserem Genossen das Wort:„Lüm- melei!" zurief. Anscheinend wollte der Mann seine Bildung zeigen. Die Armenverwaltung erfordert einen Zuschuß von 21 400 Mark. Unsere Genossen wieien auf die Notwendigkeit hin, ein Armenhaus zu bauen. Vom Vorsteher wurde erklärt, daß die jetzigen Zustände nicht abändcrungsbedürftig seien. Zu Titel 12 lag ein Antrag des Gemeindekirchenrats vor, zur Einrichtung eines Kinderheims jährlich 1000 M. Zuschuß zu leisten. Die sozialdemo- kratischen Vertreter verlangten Errichtung eines solchen HeimS durch die Gemeinde. Der Antrag bes Kirchenrats wurde gegen unsere Stimmen angenommen. Spandau. Stadtverordnetenversammlung. Die bereits in der vorigen Stadtverordnetenversammlung ausgesprochene Vermutung, daß der Beschluß, die Walderholungsstätte in den Kisseln an der Radeland- straße zu erbauen, von den Krankenkassen kaum gutgeheißen würde, hat sich bestätigt. Die Ortskrankenkasse der Tischler hat in voriger Woche bereits eine Resolution angenommen, in welcher gegen die Lage der Erholungsstätte protestiert wird und die Er- Ilärung abgegeben wurde, wenn die Walderholungsstätte dort erbaut würde, man auf Zuweisung von Kranken seitens der Kasse nicht zu rechnen habe. Die Ortskrankenkasse der Handwerker be- schästigt sich heute mit derselben Angelegenheit und die allgemeine Oriskrankenkasse wird in nächster Woche sich damit beschäftigen. Von den konservativen Stadtverordneten Schob und Genossen wurde ein Antrag eingebracht, bei Aufstellung des nächstjährigen Etats darauf Rücksicht zu nehmen, daß die Kriegsveteranen, die nur ein Einkommen bis zu 900 M. jährlich haben, vom April 1911 ab von den Kommunalsteuern befreit werden. Der Antrag wird in nächster Sitzung beraten werden.— In voriger Sitzung hatte die Versammlung beschlossen, für die Erweiterung der städtischen Gasanstalt Vertikalöfen zu verwenden. Der Magistrat, welcher sich für Münchener Kammeröfen entschieden hatte, war dem Be- schluß der Versammlung nicht beigetreten, hatte vielmehr nochmals die Vorlage zur Erbauung von Kammeröfen eingebracht und be- antragt, 3100 M. Reisekosten zur Besichtigung von Vertikalöfen in Mariendorf und von Kammeröfen in Leipzig zu bewilligen. Diese erneute Vorlage zeitigte eine sehr ausgedehnte stundenlange De- batte. Zur Durchdrückung derselben Ivar, wie man von verschie- denen Seiten vielleicht nicht mit Unrecht annahm, der Magistrat vollzählig erschienen. Außerdem waren den Stadtverordneten ver- schiedene Rentabilitätsberechnungen und auswärtige Gutachten zugesandt worden. Die Debatte spielte von Anfang an etwas in das persönliche Gebiet über, wurde dann aber sehr stürmisch, als der Stadtrat Dr. Engelhardt etwas sehr ausfällig gegen die Versammlung wurde. Dieser Herr meinte nämlich, die Debatte mache auf ihn den Eindruck, als wenn sich zwei Jungen prügeln und der dritte sehe zu. Ein großer Entrüstungsschrei erhob sich nach diesen Worten und laute Schlutzrufe sowie Rufe zur Ordnung wurden laut. Unglücklicherweise hatte der stellvertretende Stadt- verordneten-Vorsteher Maurermeister H ü l s e b e ck den Vorsitz, welcher der Situation gar nicht gewachsen war. Nicht nur, daß er dein Stadtrat, der so brüsk der Versammlung gegenüber auftrat, keinen Ordnungsruf oder einen Verweis erteilte; nein, er forderte noch obendrein von der Versammlung Ruhe für den Redner. Schließlich lenkte der Stadtrat Dr. Engelhardt selbst wieder ein und bat um Entschuldigung. Damit war der Friede wieder hergestellt. Nach langer, langer Debatte bewilligte die Versamm- lung schließlich die Reisekosten in Höhe von 3150 M. Auffällig war es, daß der GaSdirektor K ü tz i n g, der sich in seiner zur vorigen Sitzung eingereichten Rentabilitätsberechnung für Vertikal- öfen, entgegen der Ansicht des Magistrats, ausgesprochen hatte, nicht ein einziges Mal das Wort ergriff, trotzdem er doch der einzige und alleinige Sachverständige hier ivar.— Es wurden nach dieser Sache noch einige kleine unwesentliche Vorlagen erledigt und ein großer Teil der Tagesordnung wegen vorgerückter Zeit vertagt. Wahlergebniffe. Schmargendorf. Die am Mittwoch Nattgefundene Neuwahl hatte für uns ein negatives Resultat. Unser Genosse Hausbesitzer Albert W e r n i ck e erhielt 210 Stimmen, der Kandidat der vereinigten drei bürgerlichen Parteien, Bäckermeister Fritze, 260 Stimme», darunter 32 Forenscnstimmen. Die bürgerlichen Parteien schleppten alles zum Wabltisch, was sich nur dem Sinne nach Beamter nannte, selbst die sonst nicht mitsprechenden Gemeindcarbeiter. Wir hatten einen Zu- wachs von 23 Stimmen. KrauSnick(Teltow- BeeSkow). Bei der am 31. März statt- gefundenen Gemeindevertreterwahl wurden gewählt: in der dritten Abteilung Genosse Albert Wunderlich mit 87 gegen 17 Stimmen, in der zweiten Abteilung Genosse Karl Zusset mit 17 gegen 12 Stimmen. Der Gemeindevertretung gehören nunmehr 7 Sozialdemokraten an, davon entfallen 4 auf die dritte und 3 auf die zweite Abteilung. Im bürgerlichen Besitz befinden sich nur noch die 4 Mandate der ersten und 1 Mandat der zweiten Abteilung. Jugendveranstaliungen. Freie Jugendorganisation der östlichen Bororte Berlin?(Sitz Lichtenberg». Abteilung 3: Sonntag, 3. April, nachmittags 3'/zUbr, Versammlung bei Gomoll, Friedrtchstr. 60. Tagesordnung: 1. Vortrag über„Georg Herwegh" von Herrn G. Davidsohn. 2. DiSknssioll. 3. Vereinsangelegenheiten.— Hiernach geselliges Beisammensein I (ftocben-8p{elplan der Berliner Cbeater. Königl. OpernbonS. Sonntag: Die Meistersinger von Nürnberg. (Ansang 7 Uhr.) Montag: EIcktra.(Ansang 8 Uhr.) Dienstag- Carmen. Mittwoch: Das Nheingold. Donnerstag: Die Waltüre.(Ansang 7 Uhr.) Freitag- Die FlcdeirnauS. Sonnabend: Siegsried. Soimtag: Der Prophet. Montag: Götterdämmerung.(Ans. 6'/, Uhr.) Königl. Schauspielhaus. Soniitag: Der deutsche König. Montag: Der Famtiientag. Dienstag: Die Rabensteinerin. Mittwoch: Der Familienlag. Donnerstag: Strandkinder. Freitag: Der Widerspenstigen Zähmung. Sonn- abend: Die Jungsrau von Orleans. Sonntag: Strandkinder. Montag: Der deutsche König. Ansang 7ll, Uhr. Neue« königl. Opern-Tbeater. Sonntag: Der eingebildete Kranke. Freitag: Hippolyt. Sonntag, den ll). April: Doktor Klaus. Ansang 8 Udr. Deutsches Theater. Sonntag: Judith. Montag: Faust. Dienstag und Mittwoch: Judith. Donnerstag: Die Räuber. Freitag: Ein Sommer. nachtstraum. Sonnabend und Sonntag: Judith. Montag: Der Kaus- mann von Venedig. Ansang 7>/, Uhr. Deutsches Theater(K a m in e r s p I e l e). Sonntag: Gawün. Montag: Der gute König Dagobert. Dienstag: Gawän. Mittwoch und Donnerstag: Der ante König Dagobert. Freitag. Sonnabend und Sonntag: Gawün. Montag: Der Arzt am Scheideweg. Ansang 8 Uhr. Leffing-Theatcr. Sonntag und Montag: Das Konzert. Dienstag: Tanlris der Narr. Mittwoch. Donnerstag und Freitag: Das Konzert. Sonnabend: Heiraten.»Ansang 7'/, Uhr. Sonntag: Heiraten. Montag: Das Konzert. Ansang 8 Uhr. Bert,»er Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Pension Schöllcr. Abends bis aus weiteres: Taisun. Sonntag, den 10. April, nachmittags 3 Uhr: Pension Schöller. Neues Theater. Sonntag: Die goldene Mterzeit. Montag: Der Philosoph von Sanssouci. Dienstag, Miitwoch und Donnerstag: Die goldene Rittcrzeit. Freitag: Der Philosoph von Sanssouci. Bon Sonn- abend ab: Die goldene Rittcrzeit. Ansang 8 Uhr. Neucö Schauspielhaus. Sonntag: Die Rampe. Montag: Der Herr Verteidiger. Dienstag: Die Frau im Fenster. Mirandolina. Mitt« woch und Donnerstag: Die Rampe. Freitag: Der Herr Pertctdiger. Sonnabend und Soimtag: Die Rampe. Montag: Der Herr Verteidiger. Ansang 8 Uhr. Hebbel- Theater. Allabendlich: Ketten. Anfang 8'/, Uhr. Kvmische Oper. Sonntagiiachnuttag 3 Uhr: Hofsmanns Erzählungen. Abends: Zigeuncrliebe. Montag: Die FlederuiauS. DicnStag: Hofsmann» Erzählungen. Mittivoch: RobinS Ende. Donnerstag: Zigcunerliebe. Freitag: Der Wildschütz. Sonnabend: Zigeunerliebe. SonntognachmtUag 3 Uhr: Die Fledermaus. AbcndS: Ztgeunerliebe. Ansang 8 Uhr. Kleines Theater. Somitognnchmittag 3 Uhr: Moral. Abend» bis auf weiteres: LuxuSzug. Nächsten Sonntagnachmittag 3 Uhr: Moral Ansang abends 8 Uhr. Theater des Westens. Sonntagnachmittag 3'/, Uhr: Ein Walzer- träum. Abends bis aus weiteres: Die geschiedene Frau. Ansang 8 Uhr. Nächsten Sonntagnachmittag 81/, Uhr: Ein Walzcrlraum. Schiller-Theater O. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Viel Lärmen um Nichts. Abends: Egmonl Montag: HanS Lange. Dienstag: Goldfische. Mittwoch: Viel Lärmen um Nichts. Donnerstag: Goldfische. Freitag: HanS Lange. Sonnabend: Egmonl Sonntagnachmittag 3 Uhr: Viel Lärmen um Nichts AbcndS: Goldfische. Wontag: HanS Lange. An- sang 8 Uhr. Schiller- Theater Charlotteubnrg. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Der Mcineidbaucr. Wends: Goldfische. Montag: Neu« Jugend. Dienstag: Hans Lange. Mittwoch r Da» Kälhchen von Heilbronn. Donnerstag: Der Vicineidbrnier. Freitag: Neue Jugend. Sonuabcndnachmittag: Wilhelm Tell. Abends: Goldfische. Sonntagnachmittag 3 lldr: Der Mctncidbauer. Abends: HanS Lange. Montag: Neue Jugend. Anfang 8 Ubr. Frlrdrich-Wilheluistüdtischcs Schauspielhaus. Sonntagnachmittag 8 Uhr: Die Jungsrau von Orleans. Allabendlich: Alt-Heldelberg. Ansang 8 Uhr. Nächsten Sonntagnachmittag 3 Uhr: Die Jungsrau von Orleans. BoltSoPtt. Sonnlagnachmütag 3'/, Uhr: Undin«. WevdS: Da? Strumpfband. Montag: Martha. Dienstag: DaS Strumpsband. Witt. woch: Der Troubadour. DaLsterstag: La Travlata. Freitag: Dal Strumpsband. Sonnabend: Martha. Sonntaguachmtttag 3'/, Uhr: Zar und Zimmennann. Abends: Das Strumpsband. Montag: Dre Jüdin. ' Luiieu-Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Gib mich frei. Abends: Hoffnung aus Segen. Montag: Der Klapperstorch der Königin. Dienstag, Mittwoch und Donnerstag: WaS Gott zusammensügt._ Freitag: Hofsimng aus Segen. Sonnabend: Der Klapperüvrch der Königin. Sonntag mw Montag: Doppelselbstniord. Ansang 8 Uhr._ Neues Operetten- Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Der ftaeunerbaron. Allabendlich: Der Graf von Luxemburg. Ansang 8 Uhr. üchsten Sonntagnachmittag 3 Uhr: Der Z'geunerbaron. Lnstspielhaus. Sonmagnachmittaq 3 Uhr: Los vom Manne. Abends bis Donnerstag: Der dunkle Punkt. Ab Freitag: Das LeutnantSinundel. Anfang 8 Uhr. Nächsten Sonntagnachmittag 3 Uhr: Los vom Manne. Rose-Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Der Verschwender. AbendS und Montag: Preciosa. Dienstag: Der Verschwender. Mittwoch: Precivsa. Donnerstag: Der Verschwender. Freitag: Preciosa. Sonnabend: Der Verschwender. Sonntag: Preciosa. Montag: Der Verschwender. Auf 8 Ubr. NvackS Theater. Sonntagnachmittag 3 Ubr: Wach- und Schlich- gesellschast. Abends und Montag: Kern:. Dienstag und Mittwoch: Wach- und Schlietzgescllschast. Donnerstag und Freitag: Kcan. Sonn- abend: Die Waffen nieder. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Wach- und Schlicffgescllschast. Abends und Montag: Die Waffen nieder. Ans. 8-/, Uhr. Thaiia-Thearer. Allabendlich: Die Dorfkomtesse. Ansang 8 Uhr. Residenz-Theater. Allabendlich: Das Nachtlicht. Anfang 8 Uhr. Triano»- Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Pariser Witwe». Allabendlich: Theodore u. Cie. Ansang 8 Uhr. Gastspicl-Theater. Allabendlich: Witz Dudclsack. Slnsang 8'/« Uhr, Sonntag 8 Uhr.... � Rasino-Thcater. Sonntagnachmittag l Uhr: Em deutsches Frauenherz. Allabendlich: Berlin bei Nacht. Anfang 8 Uhr. lllpollo-Tlieater. Sonntagnachmittag'd1/, Uhr: Spezialitäten. Allabendlich: In den Lasterhöhlen von San Francisco. Spezialitäten. All» sang 8 Uhr. Palast-Theater. Allabendlich: Spezialitäten. Anfang 8 Uhr. Fo lies Gaprice. Allabendlich: Herr Wasscrlrops. Der Lustturner. Anfang S'/t Uhr. Bnggeuhagen. Täglich: Spezialitäten. Anfang 3 Uhr. Moirvoot- Theater. Allabendlich: Hallohl Die große Revue« Ansang 8 Uhr. �. Reickisvalleu- Theater. Allabendlich: Steltiner Sänger. Anfang 8 Uhr. Sonntags 7 Uhr._ Wintergarten. Allabendlich: Spezialitäten. Ansang 8 Uhr. Sonntag- nachmitlagS a'l, Uhr: Spezialitäten. Pasiage- Theater. Allabendlich: Spezialitäten. Ansang 8 Uhr. Sonntagnachmittags 3 Ubr: Spezialitäten. Karl Haverland- Theater. Allabendlich: Spezialitäten. Walhalla< Theater. Allabendlich: Spezialitäten. Ansang 8 Uhr. Sonntagnachmittags 3>/, Uhr: Spezialitäten. Gebr. Herruield-Tlieater. Sonntagnachmittag 4 Uhr: EinRettungS« mittel. Eine UebergangSehe. Allabendlich: Die beiden Btndelbands. Original-KIabriaSpartie. Ansang 8 Uhr. Ilranta-Thearrr. Tmibenstr. 18/49. Soniitag abend? 8 Uhr: Im Firnenglaiiz des Obercngadin. Montag nachmittags 4 Uhr: Rom und die Campagna. Abends 8 Uhr: Im Auto quer durch Afrika. Dienstag »achmittags 4 Uhr: Ucber bell Brenner nach Venedig. Abends 8 Uhr: Sizilien und der Aetna. Mittwoch nachmittags 1 Ubr: Der Kinematograph im Dienste der Wissenschaft und des Unterrichts. Abends 3 Uhr: Sizilien und der Aetna. Domicrötag abends 8 Uhr: In den Dolomiten. Freitag abends 8 Uhr: Nordasrila, Sahara, Marokko. Sonnabend nachm. 4 Uhr: Der Kinematograph im Dienste der Wissenschaft und deS Unterrichts. Abends 8 Uhr: Nordasrika, Sahara, Marokko. Sonntag abends 8 Uhr: Im Firnenglanz de» Obcrengadin. Sternwarte. Jnvalidenstr. 57—62. eingegangene Druchlcbriften. Vom„Kampfä-, der Monatsschrift der deutfch-öster» r e i ch t s ch e n S o z i a l d c in o I r a t i e, ist soeben Hcst 7 des 3. Jahr» ganges erschienen. ES hat solgeiideu Inhalt: Friedrich Austerlitz: Der Niedergang deS Parlaments.— Michael Schacher!: Was machen wir mit dem Landtage?— Jakob Pistlner: Der Weg zum Frieden.— Otto Bauer: WachStumschmerzen.— Rudolf Hilserdtng: Der Wahlrechtstampf in Preußen.— Wladimir LewinSkyj: Das erste Jahrzehnt der ukrainischen Sozialdemokratte in Oesterreich.— Julius Grünwald: Ueber unsere Krast. — Karl Richter: Die Revolution der Kunst und ihr Einfiutz aus daS Gewerbe.— Karl Erik Foersslund: Eine schwedische Volkshochschule.— Bücherschau: Geschichte des Sozialismus; Sozialpolitik; Frauenbewegung; Naturwissenschast. „Die Gegeuwaitt.« Nr. 13. Wochenschrift für Literatur, Kunst und öffentliches Leben. Herausgegeben von H. Hlllger. 40 Pf. H. Hillgcr, Berlin W. 9. Patriotismus— Militarismus— Imperialismus. Von Joh M. Robertson. Uebcrsetzt von K. Hanselmann. 181 Seiten.— E. Pierson, Dresden. Der Staatsbürger. Nr. 1. Halbmonatsschrift. Herausgegeben von Dr. H. Dorn. Einzelheit 10 Pf.— W. Grunow, Leipzig. Der vergnügte Idiot. Ein Neisetagebnch von Wilhelm Crcmer. 3,50 M., geb. 4,51) M.— Dr. F. Ledermann. Berlin V. 50. Handbuch für Heer und Flotte. Lieferung 20— 2l. Enzyklopädie der Kiiegswissenschasteii und verwandten Gebiete, herausgegeben von G. v. Alten, Generalleutnant z. D. Pro Licscrung 2 M.— Deutsches VerlagshanS Bong u. Co., Berlin W. 67. Das Recht auf Liebe. Roman von K. v. Heigel. 2 M., geb. 3 M. — R. Taendler, Berlin IV. 50. Koloniale Zeilschrift. Nr. 6. Herausgeber Oberleutnant a. D. F. Kolbe. Jährlich 21 Nummern. 3 M.— GelchästSslelle Berlin W, 30. Mein blaues Buch. Balladen und Romanzen van H. LönS. 160 Seite». — A. Sponholtz, Hannover. Geschäftsbericht des ZentralvcrbandcS der Fleischer und BerusSgcnosse» Deutschlands. 1907—19)0. 10 Seilen.— Selbstverlag. AuS Natur und Geistesmelt. Bd. 2.— Soziale Bewegung«» »nd Theorien bis zur modcrurn Arbeiterbewegung von G. Maier. 4. Anfi. Bd. 31.— Mensch und Erde von A. Kirchhoff. Bd. 303.— Die Mechanik der festen Körper von A. v. Jhering. Bd. 310.— Rhetorik von E. Gaßler. 1 M. Geb. 1,25 M. jeder Einzelb. B. G. Tcubner, Leipzig. Oster«. PassionSsPiel von A. Strindberg. 2 M. E. Pierson« Dresden._ Briefkasten der Redafctfon. Tie inriftlfAe Cvrcrtiftiuivc fUivei Liudenfteah» Nr. 00, Vor» vier Treppen— Fadrftuhl—,»vvaiciitägllili vo» S'lt bt» 8 ttftr abenb» Halt. Fever Sliilrnge ist ein Puchftabe»nd eine Zadl als Merkzeichen veiziisiiyen.«rieflich- AnNvart wird nichl erteilt. Etltge Fragen trag« mau in der Evrechkiunde vor. Z. 18. Dresden, König-Alberl-Str. 21.— G. E., Banmschulenweg. Dazu sind Sie nicht verpflichtet. Machen Sie dem Gemeindeamt Mit- teilung.— W. 70. 1. Drei Stufen. 2. Ja.—®. 3. Obne den Wortlaut der verletzenden Aeußerung zu kennen, läßt sich die Frage nicht be« antivorten.— A. G. M. 7Ä/73. Die Frau muß sich zwecks Erteilung des ArniuiSzeiignisse» au den Armenloininissionsvorsteher ihre« Bezirkes wenden. Papiere sind zu diesem Gesuch nichl erforderlich. DaS ArmutS- zcugnis ist alsdann an das Landgericht, in dessen Bezirk der Ehemann seinen Wohnfitz hat, mit dem Antrage aus Bewilligung deS Armenrecht» und Beiordnung eines Rechtsanwalts einzureichen. In dem Antrage sind die zur Begründung der Klage dienenden Tatsachen und Beweismittel anzugeben. DaS weitere besorgt der vom Gericht beigeordnete Rechtsanwalt. — H. F.. Laudsbcrgerftr. 1!>. Wenden Sie sich an Wiib. Hinz. Prinzen- straße 6« IV.— At. A. 1803. Jg. bei dem Fahrgeld ist das jedoch zwcisclhast.— R. D. 300. Davon ist nichl» der Pfändung unterworsen. Wir setzen dabei voraus, daß die Nähmaschine seilens der Frau zur Er- werbSiäiigkcit benutzt wird.— 00. Fordern Sie den zuviel gezahlten Bei- trag vom Arbeitgeber; eventuell klagen Sie bei dem Gewerbegericht.— L. R. 4T. Falls die Heirat der Frau mil Einwilligung des gesetzliche» Vertreters er/olgt ist, slehi Jhncii an dem Vermögen der mindei jährigen Frau das Nießbrauchs- und VcrwaltungSrecht zu. Sie können aus Grund dieses Rechts Herausgabe deS Vermögens verlangen, eventuell klagen.— <0. S. t. Wir hallen die Frau für verficherungspflichiig. Llnspruch ist gegen die Krankenrasse zu erbeben, die sich iviederum an den Arbeitgeber hätl— M. F. 44. Fallü auch Ihre Schwiegereltern in Güiergemein- schaff gelebt haben, wie es nach Ihrem Schreibe» den Anschein hatr nein, sonst ja.— Mariendorf 30. 1. und 2. Ja.— R. R. I. New. p- Ziehung lt. u.12. Mai� Lotterie Ärbeils- slätten- Gesamtbetrag der Gev. Mark\r. 50000 »pez 2327 Ge\r. von 5 bis ßOSO Markör 30000 u. ein nnnplgnwlnn Mert». 20000 OriglnaDose a 2.— Mark, Porto u. Liato SO Ff. extra, empfiehlt un'l versendet der General-Debit G. Dischlatis& Co., Bankgeschäft, Berlin C. 2, Könlgstr. 34—36. 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Verantwortlicher Redafteur SUchard Barth, Berlin. Für denSnierateoteil verantw: rh.TU»cke. Berlin. Druck u. Verlag:Lorwürt» lvuchdruckerei u. VerlagSanftaÜ Paul Singerü��ertt�V� Nr. 77. 27. Jahrgang. s. Ktilage ies.Amilck" Knlim N«l!iMl. 5olt!ltllg, 3. April 1910. Euq Induftne und Kandel. Kali-Spesen. Die Bündler spielen sich bekanntlich gern als Vertreter der— Landwirtschaft auf. SDofe sie da? in Wirklichkeit nicht sind, beweist ihr Verhalten in der Kalifrage. Gerade sie mühten gegen die Ver» teuerungspolitik austreten. DaS unterlassen sie nicht nur, nein, sogar die Bündler ziehen eifrig am Strange der Syndikatsmänner. DaS hat seinen— nicht einwandSsreien Grnnd l Im vergangenen Jahre heimste die„Deutsche LandwirtschaflSgesellschaft" vom Kalisyndikat die Kleinigkeit von SOS ovo M. Spesen ein, und der„Bund der Landwirte" erhielt 2S0 000 M. Solche Spesen bedingen natürlich hohe Preise. Damit die Bündler-Agitatoren gute Einnahmequellen haben, müssen die Bauern unverschämt hohe Preise zahlen. Und das nennt sich— Vertretung der Landwirtschaft! Submissionskuriosa. In dem öffentlichen Submissionstermin auf der Königlichen Eisenbahnbetriebsinspektion in Stolp wurden am LS. März be- treffend Herstellung einer Bewässerungs- und Kanalisationsanlage auf dem Rangierbahnhofe Stolp Preise gefordert, die zwischen 24 441,25 M. und 5337,45 M. schwanken. Mithin ist daS Höchst» angebot fast fünfmal so hoch als die Mindestforderung, Ein Trost. Wie in der Generalversammlung der Deutschen Waffen« und Munitionsfabriken mitgeteilt wurde, ist die Gesellschaft gegenwärtig gut beschäftigt,«» sei daher wieder ein beftiedigendeS Resultat zu erhoffen. Augenblicklich lägen Austräge in Höhe von 4S Millionen Mark vor. Für diesmal müssen die Aktionäre mit einer Dividende von nur 22 Proz. zufrieden sein. ES ist ein Trost, daß die Mord- technik glänzende Gewinne abwirft; da wird sich das Volk das Höherhängen des Brotkorbes sicherlich fteudig gefallen laffen. Kohlcnbörse. Infolge des rücksichtslosen Vorgehens des Mitleid eutichen Braun« kohlensyndikats bei Abgabe seiner Lieferbedingungen haben sich die interessierten Händler zu einem„Schntzverbande der Kohlenhändler Mitteldeutschlands" vereinigt. Die Organisation beabsichtigt auch in Magdeburg eine Koblcnbörse. Der Verband beruft die erste Börse zrnn 17. April nach Magdeburg ein. In der Einladung heißt eS u. a.: .Wir laden hierzu alle Interessenten, also kleine, mittlere und Großhändler sowie Werke und Werkvertreter höflichst ein. Wie sich zum Beispiel daS Znckergeschäft in Magdeburg an der I Börse abwickelt, so soll versucht werden, in gleicher Weise daS Kohlengeschäft, von jetzt an in freiere Bahnen zu lenken, in denen der faire Kohlenhandel zur Geltung kommt. Auch hier sollen Angebot und Nachfrage geregelt werden. Auch hier soll ein Tummelplatz der Gedanken, der Wünsche und der Meinungen, die im Gewerbe vorhanden sind, geschaffen werden, wodurch gleichzeitig dem kleineren und mittleren Kohlenhändler Aufklärung und Unterstützung in beruflichen Angelegenheiten zuteil wird."_ Einfuhrscheine. Die ultramontane Presse scheint anders keine Sorgen zu haben als die, unter allen Umständen eine Verbilligung der Lebensmittel zu verhindern. So fühlt die„K. VolkSztg." jetzt das dringende Be« dürfnis— weil die Angelegenheit wahrscheinlich demnächst im Reichstage wieder mal erörtert werden dürfte—, daS Ausfuhrschein- wesen zu verteidigen. Goltessürchtig und keck behauptet sie, wenn dabei von einer Liebesgabe geredet werden könne, dann feien nicht die Junker, sondern die Manchestermänner die Empfänger. Mit reizender Naivität meint daS Zollwucherblatt weiter, die NcichSkaffe werde nicht geschädigt, weil im Verhältnis der Ausfuhr von Getreide ent» sprechend größere Mengen auch wieder eingeführt werden müßten. Sehr gescheut I Die Verteidigerin der Liebesgabenpolitik tanzt um den Kern der Sache herum. Durch die hohen Zölle wird der Inlands- preis hinaufgetrieben. Eine Lbschwächung der preistreibenden Tendenz der Zölle kann eintreten, wenn gute JnlandSernten mit schlechten Wclternten zusammenfallen. Das war in den letzten Jahren der Fall. Um nun trotzdem die Preise im Jnlande weiter über den Preisstand am Weltmarkt zu halten, entlasten die Junker den deutschen Markt durch starke Ausfuhr auf Kosten der Reichskaffe. Aus dieser erhalten die Exporteure indirekt eine AuS« siihrprämie in Höhe der Einfuhrzölle. So wird erreicht, daß der Inlandspreis nicht sinkt, das Volk Wucherpreise bezahlen muß: das ist der springende Punkt I_ Die Kupferprodnktion der Welt stellt sich nach den Angaben der Metallhandelsfirma Merten für daS Jahr ISOS auf 839 000 Tonnen gegen 764 000 Tonnen im Jahre 1903. Diese beträchtliche Zu» nähme entfällt in erster Linie auf die Vereinigten Staaten von Amerika._________ Versammlungen. Der Zeutralverband der Schuhmacher Deutschlands(Zahl» stelle Berlin) hielt am Donnerstag in Boekers Fcstsälen in der Weberstrotze eine Generalversammlung ab. Zu» nächst erfolgte die Wahl der Delegierten zur Ga u i o n fere n z. Gewählt wurden Bendig. Weitzenborn, Burger und K. H e r r m a n w. Die Aufstellung der Kandidaten für die D e l e» giertenwahl zur bevorstehenden Verbands-General» Versammlung betraf der zweite Punkt der Tagesordnung. Nach dem Verbandsstatut können die Wahlen unter gewissen Um» ständen, die für Berlin zutreffen, in Wahllokalen vorgenommen werden. Die Ortsverwaltung und die Vertrauensmänner haben sich dahin verständigt, daß in Verlin von der Befugnis, in Wahl» lokalen zu wählen, Gebrauch gemacht werden soll. Die Wahl selbst wird danach am Sonnabend, den ö. April, in einer Reihe von Wahllokalen vorgenommen werden. Die Zahl und die Per» sonen. der Kandidaten bestimmt jedoch die Versammlung. Fünf Delegierte sind zu wählen. Die Versammlung erachtete die No- mimerung von 10 Kandidaten für ansreichend. Zu Kandidaten wurden bestimmt: Weißen born, Burger, K. Herrmann; Bendig. H. Bussow, Hildebrandt, Ollrich, Hannig, Valerius und M e t t k o w. Zur Verbands- Generalversammlung lagen aus Mitglieder» kreisen eine Anzahl Anträge auf Aenderung des Statuts vor. Prinzipielle Bedeutung hatte der Antrag von den im Statut auf- geführten Zielen zu streichen:„sowie Durchführung von Tarif- vertrügen und-Gemeinschaften". Burger begründet« den An» trag, worauf verschiedene Redner für und andere gegen Tarifver» träge sich aussprachen. Der Antrag wurde angenommen, zumal auch ein Gegner des von Burger vertretenen Standpunktes er- klärt«, es könne nichts schaden, daß sich der Verbandstag einmal eingehend mit der Fraye der Tarifverträge beschäftigte.— Angenommen wurde auch ein Antrag, aus dem Statut die fachgewerb- lich« Fortbildung durch Fachschulen, die ebenfalls als Verbands- zweck bezeichnet ist, zu streichen. Ein« lebhafte Diskussion enb» wickelte sich über den Antrag, eine vierte Beitragskasse mit einem Wochenbciirag von 35 Pfennig zu schaffen, für die die Arbeits- losen, und Krankenunterstützung ausscheiden soll. Der An» traasteller Burger will damit anbahnen, daß wieder mehr der reinere Klassenkampfcharakter in die Gewerkschaft hineinge- bracht werde.— Die meisten Redner bekämpften den Antrag, aus- hend davon, daß die Kranken- und Arbeitslosenunterstützung urchauS nicht geeignet fei. den Klassenkampfcharalter zu beein. trächtigen.— Der Antrag wurde mit kleiner Majorität abge» lehnt.— Andere Anträge, die zur Erledigung kamen, dienten der näheren Regelung von Unterstützungsfragen. Zum Beispiel soll nach einem Beschluß die Arbeitslosenunterstützung in Zukunft für die ersten drei Tage wegfallen.(Der BerbandSvorstand bringt an den Verbandstag einen Antrag, der den Wegfall der Unterstützung für die ersten sechs Tage vorschlägt.) Wegen vorgerückter Zeit wurde die Cileoigung weiterer An» träge zum Verbandstag vertagt.— fi -CIGARETTE 2?& 3t pfo. 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Berl. NckW-VMM. Landsberger Biertel« Bezirk 39sb. Teil II. Den iviitgliedern zur Nachricht, dab uttscr Genesie, der Schuh- wacher l»«»«n'»e«utiM» � Verband d. baugewerbllchen| " Hiltsarbeiter Deutschlands. 1 Zweigverein Berlin o. Umgegend. Bezirk Südosten. Todes• Anzeige. Am Donnerstag, den 31. März. verstarb nach längerer Krankheit unser langjähriger, treuer Kollege Leifliieti Engel. Ehre seinem Atidenken! Die Beerdigung findet am Montag, den 4. April, nachmittags S'l, Uhr, von der Leichen- Halle des Tabor-KirchhoseS in AhrenSjelde aus statt. 29/13 Um recht rege Beteiligung er- sucht Der ZtveigvereinSvorstand. Demscher Holzarbeiter- Verband Ten Mitglledern zur Nachricht. daß unser Kollege, der Tischler Roberl Bernhardt am 31. März verstorben ist. Ehre seinem Andenken t Die Beerdigung findet am Montag, den 4. April, nach- mittags 4 Uhr, von der Leichen- hall- deS Zentral-�riedhoses in FriedrichSselbe aus statt. Um rege Beteiligung ersucht St/lt Ole Ortseerwaliung. — nMtM—IIWI Zentrai-VerhaDii il. Lederarbeiter. Viltale Berlin 1. Todes- Anzeige. Am Mittwoch, den 30. April, verschied unser langjähriges und treues BerbandSmitglico, der Weißgerber Hermann Kobbelt auS Reppen. Ehre seinem Andenke»! Die Beerdigung findet heute. Sonntag, nachniittags 3 Uhr, von d« Halle des neuen Pauls-Ktrch- hoseS, Plötzensee, aus statt. Zahlreiche Beieiligung der Kollegen ist Pflicht und Ehren- lache eines jeden. 144/5 Der Vorstand. LocKa�gebot! Zentrai-Verband der Zimmerer Deutschlands. Zahlstelle Berlin und Umgegend. Den Berussgenossen zur Nach- richt, dag unser Mitglied Paul RüyhB* j am 81. März nach langem, schwerem Leiden plötzlich ver- s starben ist. Ehre seinem Slndenke»! Die Beerdigung findet am Mon- I lag, den 4. April, nachmittags j 5 Uhr, von der Leichenhalle deS Zentral-FriedhoseS in Friedrichs- selbe aus statt. Um rege Beteiligung ersucht ! 234/10 Der Vorstand. Am 1. April 1910 verstarb meine liebe Frau, unsere Herzens. gute Mutter 4SS6L I Berta Wolf geb. Bslesctae nach kurzem schweren Leiden im 25. Lebensjahre. P. Wolf nebst Kinder«. Die Beerdigung findet am Montag, nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des Johannis- KtrchhoseS in Plötzcnsee aus statt. 1. April verlchted nach ! kurzen, schloeren Leiden meine liebe Frau, unsere treusorgende Mutter j und Schwiegermutter Therese Wittig g-b. Pab»t. Um stilles Betleid bittet im Namen der Hinterbliebenen der trauernde Gatte lS12b Theodor Wittig, Koloniestr. 15, Die Beerdigung findet Montag, den 4. April, nächmittags 4 Uhr, von der Halle des neuen Pauls. Kirchhoses, Plötzensee, aus statt. Danksagung. Für die mir allerseits so reich eilt- gegcnbrachte Teilnahme sowie sür die zahliciche Beteiligung und die vielen Kranzlpenden bei der Beerdigung meiner unvergeßlichen Frau sage ich allen Freunden, Bekannten, Genossen und Kollegen meinen ttesgesühlten Dank. linrl Blöder, 15136 Berlin, Koloniestr. 88. Danksagnng. für die vielen Beweise herzlicher nähme und die zahlreichen Kranz« spenden bei der Beerdigung meines lieben, unvergeßlichen ManneS Karl Marzelllcr sage ich allen Verwandten, Freunden und Belaniitcn, der Ocdiierschasl der Freien VolkSbüdne, dem Gesang- verein Kaiscrscher Äännerchor, letz« lerem auch für den Gesang am Grabe sowie Herrn Manasse sur die trostreichen Worte am Grabe meinen innigsten Dank. 498SL Wwe. Angnste Btarzlllicr. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und die zahlreichen Kranz. spenden bei der Beerdigung meines lieben Mannes, unseres guten Vaters und Großvaters Wilhelm Nelte sagen wir allen Verivandlen, Freunden und Parlcigenossen sowie den Kollegen deS Banhilssmvcitcr- Verbandes und dem Sparverein zu AdlerShos Miseren ausrichtigen Dank. Frau Liniso Sielte nebst Kindern. DisSimmei Spczial-Arzt' für Haut- und Harnleiden. Prlnzenstr. 41,«X™. 10— 2, 5— 7. Sonntags 10— 12,2—4. WecklWffWMM Extra- Abteilung 1 1. 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AuS der Zahl der Vertreter der Krankenkasscnmiiglieder in der Gene- ralversammiung sind durch Aufhören der die Witgliedschasi begründeten Bcschäfligung 55 Vertreter aus der Zahl der Arbeitnehmer und 10 Ver- treter aus der Zahl der Arbeitgeber ausgeschieden und haben sür diese nach der Bestimmung im Z bla des Kasscustatuts Ersatzwahlen stattzu- finden. Es sind zu wählen: A. Von den Arbeitnehmern t sür Abteilung Berkreter I. Fabrikbetriede...» 33 II. Baubetriebe.... 5 IV. Transportgewerbe., 2 V. Handelsgewcrbe... 1 VI. Alle Handwerke... 4 VII. Sonstige Betriebe des stehenden Gewerbes. 3 X. Die in Kommunalbe» trieben und im Koin» munaldienst beschäslig» ten Personen.... 8 XII. Freiwillige Mitglieder. 4 Zusammen... 55 � B. Von den Arbeitgebern: 10 Vertreter. Zur Dornahme dieser Wahlen ist zu/olge Vorstandsbeschlusses Wahl- termin im Sadauschen Restaurant, Nesidenzstr. 124, auf Montag, den 18. April 1910, abends von 5—8 Uhr: Abteilung I, Fabrikbelriebe. Dienstag, de« 19. April 1919. abends von 6—8 Uhr: Abteilung Baubetriebe, TranSportgewcrbe, HandelSgewerbe, alle Handwerke, sonstige Betriebe des stehenden Gewerbes, die in Kommunal- betrieben und im Kommunaldienst deichäsliaten Personen und srei» willige Mitglieder. Mitttooch, den 39. April 1919. abends von 8—9 Uhr: Wahl von 10 Verirelern auS der Zahl der Arbeitgeber. Zu diesen angesetzten Wahstermlnen werbe» die wahlberechtigten Kassen- Mitglieder sowie Arbeilgeber der oben genannten Abteilungen mit dem Ersuchen um recht zahlreiches uud pünktliches Erscheinen Hierdurch ein» geladen. Wahlberechtigt und wählbar sind nur solche Personen, die das 21. Lebensjahr überschritten habe» und sich im Besitze der bürgerlichen Ehrenrechte befinden. Die Arbeitgeber sind berechtigt, zu Mitgliedern der aus Vertretern de. stehenden Generalversammlung und des Vorstandes, GcschästSjührer oder Betriebsbcamle der zu Beiträgen verpflichteten Arbeitgeber zu wählen Eine Vertretung der gewählte» Mitglieder der Gencralversamm- lung oder deS Vorstandes findet nicht statt. Sollte die genügende Anzahl von Verirelern auS der Zahl der Arbeit- nehmcr nicht gewählt werden, so muß angenommen werde», daß die Wahl verweigert wird, woraus gemäß S 51a Abs. 3 deS KassensiatutS die Er« neiinung der noch fehlenden Vertrcler durch die AussichtSbchörde erfolgen wird. Wird die Wahl von den Arbeit» gebern verweigert, so ruht deren Ver» lretung tn der Generalversammlung sür die betreffende Mahlzeit. Die wählenden Kassenmilglieder baben zu ihrer Legitimatton dte Kassenbücher mitzubringen. Neinickendors, den 5. April 1919. Cor Vorstand der 9rts- Krankenkasse zu Reinickendorf. 272/19 Garien- sidie: QE?« 20 Ma an in Biesdorf, Stadtbahn. D R, 15 Ma an Seegefeld, am Bahnhos DK. IS»I.°n Bahnh. Sadowa. BieS- darf» Kaulsdorf< Süd. DK. 12 M» an Kaulsdorf, am Bahnhof. D 51• 4 Ma an in Petershagen. Ostbahn. Alelnsfg Anzahlung. VerkausSfiellen an den Bahnhöfe«, BEBIilN, Reue Königstrahe 16. Amt VII 6376, Verleih- Institut: Friedrichsl. 115/1, a.Orabg, 'Tor. Eleg. Frack, Schröck i.öOÄole 1,00, Scste bOPs. Erwiderung des Ardviter-Skngerdundes nnf die falschen Kehanptnnge« des Derliner Dolks Chores. In der am 12. November 1009 stattgcfundcnen Sitzung des MtionSauSschusseS Groß-Berlins. welche sich u. a. mit der Llngelegen- des Arbeiter- Sängerbundes kontra Berliner Volks-Chor beschäftigte, stellte Genosie Stadthagen nach längerer Debatte den Antrag, dem Volks-Chor aufzugeben, sich dem Arbeiter-Säugerbund anznschließen, andernfalls die weitere Verhandlung mit dem Vorstand des Chores abzubrechen. Genosse Göhre als Vorsitzender des Volks-Chorcs er- klärte hierauf, dah er persönlich für eine Angliederung eintreten werde, wogegen der mitonwesende Dirigent Dr. Zander, gleichzeitig Borstandsmitglied, die Möglichkeit des Anschlusses für gänzlich auS- geschlossen hinstellte. Durch diese Aeußerung war die Sache für den AktionsauSschnst erledigt. In der nun nach der Sitzung gehabten persönlichen Aussprache erklärten wir auf die über Pflichten der Bundesvereine gestellten fragen: Daß durch Beschluß unserer Bimdcsdclcgicrtcn gemischte Chöre nicht verpflichtet sind, an den allgemeinen Uebungsftnndcn teilzunehmen und die weiblichen Mitglieder von der Organisations- Pflicht unter Umständen befreit sind. Weiter haben wir crllärt, daß der Volks-Chor als Mitglied des Sängerbundes vollständig unab- hängig seine Oratorien und anderen Chorwerke aufführen könnte. Genosse Göhre versprach hierauf, dieses dem Verein vorznstellen und uns umgehend Bescheid zu geben, da aber der Bescheid ausblieb stellten wir an den Chor offiziell das Gesuch, sich unserem Bunde anzuschließen, worauf vom Genossen Göhre eine ausweichende Antwort einlief. Die Delegierten der am 23. Januar ISlO getagtcn Generalversammlung sahen hierin eine Verschleppungstaktik und stimmten der vom SangcSbruder Zwanzig gestellten Resolution: Den Ber- liner Volk- Chor als bürgerlichen Verein zu betrachten und seine Konzerte so lange zu meiden, bis er sich unserem Bunde angeschlossen hat. zu. Zu ber nun einsetzenden Polemik im.Vorwärts', in der wir die falschen Behauptungen zurückwiesen, brachte die Redaktion am 6. Februar folgenden Hinweis: Da wir allen Beteiligten in der Sache das Wort«erstattet haben, halten wir ein Fortspinncn der Diskussion im„Vorwärts" nicht für opporwn und nehmen deshalb und um im Interesse einer friedlichen Einigung die Kluft uicht zu erweitern, von einer Ber- öffentlichung Abstand. Um eine friedliche Einigung herbeiführen zu können, erklärte sich der Aktionsausschuß bereit, nochmals zu verhandeln, mußte je- dock, da wichtigere Sachen auf der Tagesordnung standen, zurück- gestellt werden." In der Sitzung am 18. März wurde der gcschäftS- führende Ausschuß beauftragt, eine für beide Teile befriedigende Einigung zu versuchen. Trotzdem nun Gen. Göhre dieser Beschluß bekannt war, ließ der Vorstand des Volks- Chor am 27. März eine Erklärung in der Form eines Inserats gegen den Arbciter-Sängerbund los, welche von Un- Wahrheiten und Widersprüchen nur so winrmelt. Auf alle diese Behouprungen erklären wir: Daß sämtliche in der Erklärung angesührten Gründe, dem Sängerbunde nickt beitreten zu können, nur Schcingründe sind, de- rechnet, der Ardeitcrschaft Sand in die Augen zu streuen, denn nicht nur der Volks-Chor hat Bildungsbestrebungen, sondern auch der Arbeiter-Sängcrbnnd erstrebt, wie auch aus seinem Statut zu ersehen ist, neben der Pficge der freien Lieder, mit welchem er bei Arbeiter- fcstlichkeitc», 1. Mai usw., die Massen begeistert, künstlerische Kultur in der Arbeiterschaft zu wecken und zu verbreite», was ja auch der- schiedcne seiner Vereine des öfteren bewiesen haben, unter anderem bei der Jubiläumsfeier dcS Gen. Singer sowie bei der 70. Grburts- tagsfcicr des Gen. Bebel. Auch hat der Bund Zeugnis abgelegt von feinen künstlerischen Bestrebungen bei seinem am 11. Dezember 1909 gehabten Stiftungsfest, an welchem namhafte Solisten, Professoren usw. mitgewirkt haben. Auch sind die Forderungen unseres Statuts sehr gut zu er- füllen, da die gemischten Chöre, wie bereits schon angeführt, nicht verpflichtet sind, an den BundesübungSstunden teilzunehmen, ebensowenig besteht eine zwingende Pflicht der weiblichen Mitglieder, sich zu organisieren Ferner erklären wir: Daß, wenn der Chor durch seinen Beitritt im Arbeiter-Sängerbunde die Aula des Gymnasiums verliere» würde, waS allerdings noch abzuwarten wäre, es für seine weitere EntWickelung nicht nachteilig, sondern agitatorisch wirksam sein würde, denn durch den Veitritt würde er an guten Sängern sehr ge- Winnen. Auch die Behauptung, der Verlust der Aula bedeute eine Mehr- anSgabe von 1000 M. jährlich, trifft nicht zu, denn für 500—000 M., welche man stir Licht, Heizung usw. an die Verwaltung des Gymnasiums zahlt, bekommt man auch anderweitige Räume zur Verfügung gestellt, ohne dabei Gefahr zu laufen, seine Mitglieder dem Alkoholteufel in die Arme zu treiben. Auch trifft eS nicht zu, daß der Chor durch seinen Beitritt die Solisten verlieren würde. denn auch uns stehen Solisten bei unseren Konzerten zur Ver- fügung. die den in der Erklärung angegebenen in keiner Weise etwas nachgeben. Die Namen hier anzuführen, halten wir, um nicht auch deiinnzieren zu müssen, nicht für angebracht. Die Arbeiterschaft braucht also nicht auf die Darbietungen solcher Kräfte zu verzichten. Zum ersten Teil der Erklärung, in welcher der Chor bestreitet ein bürgerlicher Verein zu sein, haben wir noch zu erklären: daß der Chor, wenn auch nicht aus bürgerlichen Stifrungen, von bürgcr- licher Seite mit größeren Summen unterstützt worden ist. Daß laut Statut vom 13. Januar 1009 der Chor außerordentliche Mitglieder aufnimmt, welche einen Jahresbeitrag von 20 M. oder einen einmaligen Beitrag von 250 M. zahlen. Ob diese Mit- glieder auch den Schichten der Arbeiterklasse, wie behauptet wird, angehören, erlauben wir uns zu bezweifeln. Zu den Bemerkungen unter.Allgemeine Gesichtspunkte' erklären wir zu 1, daß sich der Arbeiter-Sängerbund vom Vorstand des Berliner Volks-Chors nicht da» Recht absprechen läßt, Vereine als bürgerliche zu bezeichnen und seine Mitglieder von deren Ver- anstaltungen fern zu halten. Auf 2—4 einzugehen erübrigt sich, weil oben schon widerlegt, nur auf cinS weisen wir noch hin, daß eS unwahr ist, daß Genosse Ströbel anläßlich einer Rede im Abgeordnetenhaus, auf die Leistungen des Volks-Chors hingeioiesen hat. Genosse Ströbel hat laut Sienogramm über die Bildungs- bestrebungen der Arbeiterschaft im allgemeinen gesprochen. Vorstchendcs glauben wir verpflichtet zu sein, der organisierten Arbeiterschaft zu unterbreiten» um sich selbst eiu Urteil bilden zu können. Ter Borstand des Deutschen Slrbeiter- Sängerbundes Gau Berlin und Umgegend._ Dr. med. Faekelmanns spezialaM ißstM far ßelnleiilen: Gielil. Rteia Gramnlaierlellii. Mi. 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