?». 7S- 27' BbonnementS'Bedlngnnfltii* j4L\ a x HB f Ole TnT(rt)ons*GtbQbr M°nnem-n,s. Preis> tönumcrmS o: Hl H V�Sr) HBf Wl Ms"�Ulf laT � W Ma � Biertcljährl. SL0 Mk. nwnatl l.>0 Mü. WS W»«>I NW»W W N» IWs I«cl'c Db" beten!l,,?""„,®? �J8"' ,1? wöchentlich 2» Pfg. frei ins Haus.. �WW gW W ZW(L jgH»W fgf BM H UN /T/ W H politische und gewerlschastliche Vereins. Einzelne Nummer k Psg. Sonntags- k�MM H 1W DD VI Kg WD DD Hm 6E3 H||/ HS wH r-— // und Bersammlungs. Anzeigen 30 Psg. nunmier mit illustrierter Sonntags. MBWD b>?HWD H DD>»'~y H DD KK DD M W) BS Dl //„Kleine Anzeigen", das erste ssett- Beilage.Tie Neue äSelt" 10 Psa. Post.{ hSG WW B DD RH WD Bj Wj �9 HB fM Bfäl I A»w gedrucktes Wort 20 Psg.. jedes weitere Abonnement: 1,10 Marl pro Monat. ��D SS �Sn SS DHE DDI SS Liiart 10 Pia Stellenaeiuche und Schlas. t&r H B■■ Jlk ftSJrlr� ß, H �Ä��trÄörno'ifgi Teutschland und Ceslcnrcicf)■ Ungarn H JH // B jede» weitere Wort 3 Psg. Worte über 2 Marl, für das übrige Ausland DD �WV �T/ 1/~S �Krs �WUx /' DD I 15 Buchstaben zlihlcn für zwei Worte. g Marl pro Monat. PostabonnemcntS WS� s // MH\ Inserate für die nächste Nummer müssen nehmen an: Belgien. Tänemarr, S O � � ▼/ �DSWK?� bis 5Uhrnachmitlags in der Expedition »ÄÄVäiai Ä y•""syu'.aa'"* Vevlinev VOlltsl>lel5k. SÄ». Tentralorgan äer fosialäemokratifcden Partei Veuttcklanäs. l�ectaktioni 8 AI. 68, Ltndcnstrassc 69* Fernsprecher: Amt IT, Nr. 1983. !n Kampfbereitschaft! Gestern nachmittag zwischen 4 und 5 Uhr sind die Eni- scheidungen auf allen vier Verbandstagcn der baugewerblichen Arbeiter gefallen. Den Wortlaut der angenommenen Re- solutionen finden die Leser in den Berichten. Wie diese Be- richte zeigen, haben die Anträge der Unternehmer auf der ganzen Linie ein st immige Zlirückiveisung erfahren. Auf der Generalversaminlung des Unternehmerbundes zu Dresden, wo zum Schrecken so manchen Teilnehniers alles auseinanderstrebte, tröstete ein Unternehmer sich und die Seinen mit der Versicherung, dast es mit der Einigkeit im anderen Lager auch nicht weit her sei. Vielleicht hat er einige gefunden, die ihm glaubten. Aber alle solche Illusionen sind durch die Ereignisse der letzten zwei Tage zur Freude aller derer, die in dieser Sache mit der Arbeiterschaft sympathisieren, grausam zerstört worden. Hoch über den auseinandergehenden Ansichten und Meinungen innerhalb der einzelnen Organi- sationen in Fragen der Weltanschauung oder der Organisations- form stand allen Teilnehmern an den Tagungen der bau- gewerblichen Arbeiterverbände die geschlossene Einmütigkeit in diesem Kanipse gegen Unternehmerübermut und-Unverschämt- heit.„Wir wollen sein ein einig Volk von Brüdern, in keiner Not uns trennen und Gefahr 1" rief Bömelburg mit Herr- licher Zuversicht der begeisterten Menge der Delegierten des Maurer- und Bauhilfsarbeiterverbandes zu. und jubelnder Beifall aMamiertedies Gelöbnis. Wahrlich, wenn die Unternehmer wirklich töricht genug gewesen sein sollten, sich Hoffnungen auf eine Zersplitterung der Arbeiter zu machen, so müssen sie diese Hoffnungen nun wohl begraben. In diesem Kampfe stehen Maurer, Zimmerer und Bauhilfsarbeiter, stehen„sozialdemo- kratische" und„christliche" Gewerkschafter einmütig in opferfreudiger Abwehr zusammen. Aber sie stehen auch gerüstet. Alle vier Tagungen be- schloffen mit prächtiger Einmütigkeit, die Karenzzeit für die Unterstützung der Ausgesperrten auf zwei Wochen zu ver- längern. Ebenso einniütig beschlossen sie eine Reduzierung der Einheitssätze für die Unterstützungen, eine Erhöhung der Leistungen der Arbeitenden während der Bewegung und besondere Leistungen der Beamten, die von diesen selbst gefordert waren. So steht die Bauarbeiterschaft in klirrender Rüstung bereit, den Ansturm der vom Machtkitzel geblendeten Unternehmer zu empfangen. Wie sieht es aber bei diesen aus? Die beiden größten Arbeitsgebiete gehen ihre eigenen Wege. Vielleicht findet ihr Beispiel Nachahmung. In den hauptsächlichsten Streitpunkten sind sie sich ebenfalls nicht einig. Der Landesverband der württembergischen Unternehmer er- klärt in einem vertraulichen und darum auch den Arbeitern bekannt gewordenen Rundschreiben, daß für sein Gebiet die Frage der Akkordarbeit und der Arbeitsnachweis keine Schivierigkeiten bereiten könnten, für beides können sich die Schwaben nicht begeistern. In Nürnberg haben sich die Unter- nehmer über die Beschlüsse ihrer Generalversammlung hinweg- gesetzt, indem sie entgegen den getroffenen und von beiden Parteien genehmigten Vereinbarungen schon am 4. April die Maurer und Bauarbeiter aussperrten. So strebt bei den Unternehmern alles auseinander. Verwunderlich ist das nicht, denn jeder Unternehmer mit halbwegs nornmler Ueberlegung muß doch allmählich erkennen, daß die vom Bund gewünschten Trauben doch allzu hoch hängen. Beides, die Geschlossenheit m den Reihen der Arbeiter und die Zerfahrenheit im eigenen Lager sollte dem Arbeit- geberbund Veranlassung sein, sich seine Stellungnahme noch einmal gründlich zu überlegen. Jetzt gibt es nur noch einen Weg zum Frieden: der Arbeitgeberbund muß auf die beau- tragten Aenderungen des Vertragsmusters verzichten, er muß seinen Unterverbänden die Fessel des Verbots der Ver- kürzung der Arbeitszeit unter zehn Stunden abnehmen. Diese Verkürzung der Arbeitszeit ist reif, überreif für Städte wie Köln, Frankfurt a. M.. München und andere. In diesen gewaltig angewachsenen Stadtgebieten haben die Bauarbeiter keine zehnstündige Arbeitszeit, sie sind in ihrer überwiegenden Mehrzahl 14 und 15 Stunden täglich von ihrer Familie fort. Und er muß weiter den unglaublichen Standpunkt aufgeben. Lohnerhöhungen nicht zu gewähren. Alle Kenner der einschlägigen Verhältnisse sind sich darin einig, daß eine Verteuerung der Lebensmittel eingetreten ist, wie wir sie seit Jahrzehnten nicht kennen gelernt haben. Was da die junkerliche Wirtschaftspolitik nicht getan hat, ist aufs Konto der neuen Steuern zu setzen. Und gleichwohl dekretiert der Arbeitgeberbund: eine allgemeine Lohnerhöh. ung giörs nicht I Wie kann man mit solchen Grundsätzen Verträge schließen wollen? Dieser Standpunkt kommt in allen beschlossenen Resolu- tionen zum Ausdruck, die, obgleich nicht uniform im Wort- laut, doch in diesen Forderungen gipfeln. Seinen klaren und unzweideutigen Ausdruck fand er in der Erklärung, die Bömelburg an die Adresse der vermittelungslustigen Personen richtete: „Sollten jene Menschenfreunde," sagte Bömelburg, „Verhandlungen anzubahnen versuchen, so werden wir ihnen erklären, daß wir als echte Tariffreunde bereit sind, daran teilzunehmen, daß wir aber nicht eher an eine Erfolgsmöglich- keit glauben können, bis die Unternehmer diese Forderungen haben fallen lassen. Jede Verhandlung über die Vergewalti- Mittwoch, den 6. April gungsanträge der Unternehmer ist zwecklos, wir machen keine mehr mit; denn Komödie ist nun genug gespielt worden." : Jede Arbeit für die Erhaltung des Friedens muß darum zunächst in der Beeinflussung der Unternehmer bestehen. Ob eine solche Erfolg hat, ist allerdings nicht zu sagen. Die Unternehmer haben sich durch ihre wiederholten Beschlüsse so sehr im Dickicht schlimmster Scharfmacherei verloren, daß sie den Weg zu einer ehrlichen Verständigung mit den Arbeitern nur schwer wieder finden können. Und sie sind ihn doch so oft gewandelt und nicht zu ihrem Schaden. Sehen die Unternehmer denn nicht ein, daß es ein nutzloser Kräfteauf- wand wäre, zu versuchen, den Arbeitern solche Verträge aufzuzwingen, wie es jetzt geschehen soll? Die deutschen Bau- arbeiter sind doch nicht von gestern. Sie haben alte und fest- gefügte Organisationen, die auf eine lange und ersprießliche Tätigkeit zurückblicken können. Die Unternehmer können im Ernst doch nicht glauben, daß ihnen ihr Vorhaben gelingen könnte oder daß sie gar auf diesem Wege in eine Zeit nähr- samen Friedens kämen. Das ist doch völlig ausgeschlossen. Was sie erveichen könnten, wäre die Zertrümmerung des heutigen Tarifvertragswesens im Baugewerbe; aber ist das ein Ziel, das die Unternehmer locken, sie gar veranlassen könnte, die Schäden eines Riesenkampfes auf sich zu nehmen? Das ist es doch wohl nicht, und nach den eigenen Erklärun- gen der Vertreter des Arbeitgeberbundes darf es das auch nicht sein: denn die besagen doch ebenfalls, daß den Unter- nehmern als Ziel ein tariflich gesicherter Frieden vorschwebte. Nimmt der Arbeitgeberbund nicht noch in letzter Stunde Vernunft an, entschließt er sich nicht zur Zurückziehung seiner Vergewaltigungsanträge, so führt er einen Kampf herauf, für den es ihm sehr schwer fallen wird, die Verantwortung auf sich zu nehmen. Der in vollem Umfange ausbrechende Kampf müßte die zaghafte AufwärtSbewcgung unseres Wirt- schaftslcbens zum Stillstand bringen. Nicht nur das gesamte Bauwesen, sondern auch die Ziegeleien, die Zementfabriken, der Güterverkehr. die Trägeriverke, die Beleuchtungsindustrie und viele andere Erwerbszweigc würden bald ganz empfindlich getroffen werden. Hat der Arbeitgeberbund wirklich gar kein Empfinden für das Unmaß des Unheils, das er durch seinen reaktionären Starrsinn heraufbeschwört? Er verrechnet sich, wenn er hofft, in wenigen Wochen mit den Bauarbeitern fertig zu sein. Seine Sekretäre haben ausgerechnet, daß der Kampf nach vier bis fünf Wochen durch die Erschöpfung der Gewerkschastskassen beendet sein würde. Rechnet der Bund wirklich so, dann wird ihm eine schwere Enttäuschung zuteil werden. Die Beschlüsse der vier Verbandstage werden ihm doch zeigen, mit wem er es zu tun hat. Welche Verblendung ist es. eine» solchen Kampf mit dem Maßstabe eines Rechen- excmpels zu messen! Was der Bauarbeiterschaft zugemutet wird, ist die Preisgabe der fundamentalsten Grundsätze aller gewerkschaftlichen Tätigkeit: die Bauarbeiter kämpfen für ihr Menschenrecht, für ihre Organisationsehre! Und dann: sie sind die Preisfechter der ganzen deutschen Arbeiterschaft und diese weiß ganz genau, was die Glocke geschlagen hätte, wenn man den Bauarbeitern solche Fesseln anlegen könnte. Wir wünschen, die unterdrllckungslustigen Unternehmer hätten gehört und gesehen, wie auf dem gemeinsamen Ver- baudstage der Maurer und Bauarbeiter die Abstimmung über die Resolution und die besonderen Bestimmungen für den bevorstehenden Kampf vor sich ging. � Sie würden mit uns der Meinung sein: eine solche Arbeiterschaft läßt sich nicht knebeln. Doch mag der Arbeitgeberbund nun entscheiden. Wll er den Kampf, so muß er eben geführt werden, dann ist er auch notwendig. Aber das ist heute jedem klar: dieser Kampf kann nie und nimmer anders als mit dem Zu- sammenbruch der Scharsmacherci enden. Drum möge er kommen: er wird ein reinigendes Gewitter sein! Herr v. lagew als üemütsmeM. Die Demokratische Vereinigung beabsichtigte am nächsten Sonntag im Humboldthain eine große öffentliche WahlrechtSversammlung unter freiem Himmel abzuhalten. Der Magistrat von Berlin stellte bereitwillig den Platz zur Verfügung; aber Herr v. Jagow, Berlins genialer Polizeipräsident, fand auf das GenehmigungSgesuch zunächst keine Antwort. Wie die„Berliner Volkszeitung" gestern be« richtete, erklärte er, er müsse erst Mesiungen anstellen lassen über den zur Verfügung stehenden betretbaren Raum, um sich zu vergewissern, ob für den zu erwartenden An» drang genügend Platz vorhanden sei. Tatsächlich hat Herr v. Jagow solche Messungen bornehmen lasten, und er ist nach längeren polizeilichen Erwägungen zu der weisen Erkenntnis gekommen, daß der Rasenspielplatz im Humboldt« Hain für die zu erwartende Massendemonstration zu klein sei— folglich daS Gesuch abgelehnt werden müsse. Dem Vorstande deS Demokratischen Verbandes ist nämlich folgendes stilvolle Schreiben zugegangen: „Berlin 0. 2v, Alexanderstraße S/S. Der Polizeipräsident. Tagebuch Nr. 756, VII. O. Zum Antrag vom ö. d. M. Der Rasenspielplatz im Humboldthain hat einen Flächeninhalt von 1 Iia 77 ar gm--- 17744 gm. Bxpeditiom 8M. 68, Lindcnatraeee 69. Fernsprecher: Amt IT. Nr. 1984. Nach Ihrer mündlichen Angabe rechnen Sie auf einen Be« such von 50 000 bis 60000 Menschen. Wenn nicht für jeden Versammlungsteilnehmer etwa '/s Ouadratineter zur Verfügung stehen, so ist Gedränge und dadurch Gefahr für die öffentliche Sicherheit— Reichsvereinsgesetz§ 7 Absatz 2— zu befürchten. Es kommt hinzu, daß die Zugangs- und AbgangSberhältnisse zum Berso-imiilungsplatz ungünstig liegen: auch daß die Wege des Humboldlhams fast durchweg mit ziemlich hohem Fußgäugcrgitter versehen sind, lieber dieses können bei etwa eutsteheuder Panik Menschen fallen und dadurch in die Gefahr des Zertreten- werden» geraten. Bei Gedränge würden auch Beschädigungen der in der Nähe des Versanimluugsplatzes belegeneu wertvollen gärtnerischen An« lagen des HumboldthainS unausbleiblich sein. Ich muß unter diesen Umständen die Genehmigung zur Ab- Haltung einer Bersanimluna unter freiem Himmel aus dem Rasen» sptelplat�e des Hninboldthains am 10. d. Mts. versagen An den Vorstand des Demokratischen Verbandes Grotz-Verlin, z. H. des Herrn Ludwig Schemel, hier, HO. 43." Herr v. Jagow ist, wie man fleht, ein sehr gewissenhafter Mann, der um das Wohl der Berliner Wahlrechtsdemonstranten viel besorgter ist, als man nach den wilden Attacken seiner Unter» gebenen auf friedliche Spaziergänger bisher annehmen zu dürfen glaubte. Er ist ein Gemütsmensch, der, wenn auch sein Scharfsimn etwas in der Entwickelung zurückgeblieben ist, doch dafür als Ersatz ein sehr empfindsames Herz besitzt, so daß es ihn tief schmerzt, wenn sich im Humboldthain die Wahlrechtsdemonstranten drängen und schieben lassen müssen. Freilich, selbst wenn man diese humane Fürsorglichkeit des Herrn v. Jagow geziemend anerkennt, bleibt es unverständlich, daß die Polizeigeometer so lange Zeit zur Berechnung gebraucht haben, denn die Großcnverhälwisse deö HumboldhainS sind genau bekannt. Wir meinten deshalb auch schon in unserer Ueberschätzung deS.Herrn v. Jagow, daß er, um die Demonstranten vor der Ein» atmung schlechter Luft zu bewahren, zugleich ausrechnen lasse, ob der Luftraum den hygienischen Anforderungen entspräche. Aber so wert reicht, wie wir sehen, die gütige Vorsorge und Gründlichkeit' deS Bciliner Polizeipräsidenten doch nicht. Leider ist trotz der Länge der Zeit, die die Flächenberechnung des Rasenplatzes im Humboldthain erfordert hat, die Lösung nicht richtig. Denn erstens kommt nicht nur der Rasenspielplatz allein für die Versammlung in Betracht, sondern auch die angrenzenden Wege und Alleen deS 37 Hektar großen Parks, und zweitens ist die Schätzung, daß sich 50— 60 000 Menschen dort einfinden würden, reichlich hoch gegriffen, wie denn auch der Vorstand deS Demokratischen Verbandes bestreitet, den Besuch so hoch eingeschätzt zu haben. Wie Herr von Jagow zu dieser Ziffer kommt, ist deshalb etwas verwunderlich; denn selbst an der großen Demonstration des 6. März im Tiergarten haben sich doch nach offizieller Polizei» licher Angabe höchstens 30000 Menschen beteiligt: eine Zahl, die schließlich sogar aus 7500 zusammenschmolz. Entweder muß also Herr v. Jagow selbst die Angaben der hoch» wohllöblichcn Polizei für unglaubwürdig halten, oder er mutz annehmen, daß sich die Masse der Wahlrechts» demonstranten infolge der niederträchtigen Praktiken seiner Partei und der vorgekommenen Polizeibrutalitäten enorm erhöht hat. Und selbst, Ivenn sich 50 000—60000 Menschen im Humboldthain einfinden, ist damit noch nicht gesagt, daß die„öffentliche Sicherheit" gefährdet würde; hat doch bereits am 13. Februar in diesem Park eine sozialdemokratische Wahlrechtskundgebung stattgefunden, an der damals weit über 50 000 Personen teilnahmen, ohne daß irgend» welche Ordnungsstörungen vorgekommen sind. Zeigt sich aber das Polizeipräsidium in der Rechnung mit un« bekannten Größen schlecht bewandert, so noch mehr in der AuS» legung deS Z 7 des ReichsvcreinSgesetzeS. Was heißt denn:„Gefahr für die össentliche Sicherheit"? Gesetzt, der Platz erwiese sich in der Tat als etwas zu klein: eS entstände zeitweilig ein gewisieS Ge» dränge, einige Personen würden auf die Hühneraugen getreten und eS fielen sogar— obgleich daS mehr als unwahrscheinlich ist— einige Kurzsichtige über die«Fußgäligergitter": würde dadurch die öffentliche Sicherheit gefährdet? Keineswegs! Höchstenfalls würde dadurch eine Unordnung hervorgerufen. Eine Unordnung ist aber noch keine Gefährdung der öffentlichen Sicher- heit! Tatsächlich hieß eS denn auch in der Regierungsvorlage de» ReichSvereinSgesetzeS ausdrücklich, daß die Genehmigung zur Abhaltung einer öffentlichen Versammlung unter freiem Himmel dann versagt werden dürfe, wenn eine Gefahr für die.öffent» liche Ordnung" oder für die„öffentliche Sicherheit" zu befürchten sei: eine Znsammenstellung, die ganz sinnlos ist, wenn„öffentliche Ordnung" und„öffentliche Sicherheit' dasselbe wären. Weil aber die den RcgierungSentwurf beratende Kommission nicht wollte, daß schon wegen Befürchtung einer Störung der„öffent- lichen Ordnung" die Genehmigung zur BersammlungSabhaltung ver» sagt werden dürfe, strich fir die Wörter„öffentliche Ordnung", und das Reichstagsplenum akzeptierte(auch Herr vonBethmann Hollweg erklärte sich damit«in« verstanden) diese Senderung. TS ist also ganz zweifellos, Herr von Jagow legt in völliger Unkenntnis der Beratung des Re i ch S v erein s- g e s e tz e S den Z 7 ganz unrichtig ans. Hoffentlich wendet sich der Vorstand des Demokratischen Verbandes an das Oberverwaltungs- gericht. Will dieses nicht die klare Auffasiung des Reichstags und der Regierung dementieren, muß sie Herrn von JagowS Jnter- pretation als verfehlt bezeichnen— und solcher Nasenstüber kann den« weichen Gemüt des Berliner Polizeipräsidenten nicht schaden. Der Kampf gegen das Oberhaus. Das englische Unterhaus hat Montag nachts mit 357 gegen 251 Stimmen den Antrag des Ministerpräsidenten Asqnith angenommen und sich als Komitee zur Beratung der Resolutionen konstituiert. Die Resolutionen erklären, daß das Unterhaus allein das Recht hat, in finanziellen Fragen eine Entscheidung zu treffen. Was eine finanzielle Frage, also ein Bestandteil des Budgets sei, das solle in Zukunst der Sprecher entscheiden. Ausserdem soll dem Oberhaus das absolute Veto genommen werden. Wenn daS Unterhaus einem Gesetz dreimal seine Zu- stimmung gegeben, so tritt es in Kraft, auch wenn das Oberhaus seine Annabme verweigert. Nur muß die erste Beratung des Gesetzes im Unterhaus mindestens zwei Jahre vor Schluß der Legislaturperiode be- gönnen haben. Die Legislaturperiode selbst soll in Zukunft nicht niehr sieben, sondern fünf Jahre dauern. Die Komiteeberatuna der Resolutionen w-ird etwa bis Mitte April währen. Am 18. April soll die Beratung des letzten Budgets beginnen und bis Ende des Monats ab- geschlossen werden. Das Oberhaus wird die Vetoresolutionen erst nach Pfingsten in Beratung ziehen und sie sicherlich vcr- werfen. Damit wird die chronische Krise wieder akut werden und neuerlich der Appell an das Land erfolgen. Die Neuwahlen werden wahrscheinlich im Juni erssolgen. Trug schon die Debatte über die Selbstreform im Ober- Hause einen unwirklichen, akademischen Charakter, f,o war das nicht minder der Fall bei dem Redekampfe im plnterhause. Die Argumente waren dieselben, die man vor vier Monaten gehört hat, nur daß das Volk jetzt den liberale» Bebeuerungen mit größerer Skepsis gegenübersteht. Die EinleÄungsrede des Premierministers war stilistisch, wie immer, muster- gültig und gut durchdacht. ein Genuß für den Aesthetiker, der an solcher geistigen Gymnastik Ge° fallen findet. Sie war wie die wunderbare Technik eines Paderewski auf einer tonlosen Klaviatu«: Die mächtigen Akkorde fehlten. Die Tasten bewegen sich. aber daS siegesfrohe Kainpflied, das sie im Herzen deS Volkes anschlagen sollen, blieb auS. Die englischen Liberalen haben, um mit Shakespeare zu reden, die Flut verpaßt. Sie wollen eine Revolutiom vom Armstuhl aus machen, eine Revolution ohne NevolufJ'onäre. Sie glauben, daß sie mit ihren lauten Trompeten die Mauern Von Jericho umblasen können. Einige Linksliberale denken allerdings noch daran, eine wirkliche Volksbewegung ins Leben zu rufen, um den großen Reden im Parlament einen realen Inhalt zu geben, sie finden aber bei der großen Mehrheit ihrer Parteigenossen, deren ganzes Sinnen und Trachten auf die Vorbereitungen zu einer neuen Parlamentswahl gerichtet ist, taube Ohren. Die Liberalen fürchten sich vor einer mächtigen Volksbewegung; das ist deS Pudels Kern. Sie hriben Angst, daß sie die Geister, die sie heraufbeschwören würden. nicht mehr loS werden, daß sie nach dem konstitutionellen A auch daS sozialpolitische B sagen müssen. Sie setzen ihre Hoffnung auf Neuwahlen, die doch nicht viel' an dem Kräfteverhältnis ändern können. Hätte die Regierung Mut, so brauchte sie nicht zur Auflösung zu schreiten, es würde sich die Majorität von 120 Mann als genügend starke Waffe erweisen, um den Widerstand der Lords gegen die Forderungen der Demokratie zu brechen. Sie brauchte nur ds?m Führer der Jrländer die Sicherheit geben, daß er nicht mit leeren Händen vor seine Landsleute treten werde; sie brauchte nur. anstatt Vorbereitungen für Neuwahlen zu treffen, ihvc Lloyd George und Churchill ins Land zu schicken, um dhe Bestrebungen der Demokratie, die jetzt Gefahr laufen, durch das ultrarespektable Gebaren der Regierungsmänner erstickt zu werden, wach und lebendig zu halten, und die Krone würde sich wohl hüten, dem von einer mächtigen Volkse bewegung unterstiitzten Premierminister die Ausübung ihres Prärogativs, von dem jetzt alles abhängt, abzuschlagen. Man kann keine Omelette machen, ohne Eier zu zer- brechen. DaS sollten die englischen Liberalen von ihren Vor- fahren gelernt haben. Das Studium des Präzedenzfalles vom Jahre 1832 sollte ihnen den Wegweiser in einer Lage ab- geben, in der sie anscheinend kopflos und auf das gute Glück vertrauend in die Zukunft steuern. Die politische Lage Eng- lands zur Zeit der Reform bill ist in vielen Punkten mit der bestehenden identisch. Die Reformbill des Jahres 1831 wurde in den Commons bei der zweiten Lesung mit nur einer Stimme Majorität angenommen. Es folgte eine allgemeine Parlamentswahl, ans der die Freunds der Resormbill als Sieger hervorgingen. Die Bill wurde das zweite Mal mit einer Mehrheit von 136 Stimmen an- genommen. Ein paar Tage später verwarfen sie.. die Lords mit einer Majorität von 41 Stimmen. DaS Parlament vertagte sich bis zum 6. November. Dann brachte Lord John Russell die Vorlage wieder ein. Sie wurde wiederum mit einer Mehrheit von 162 Stimmen angenommen. m Januar deS folgenden Jahres gaben ihr die Lords den odesstoß. Hier gewinnt die politische Lage eine große Aehntichkeit nut der jetzigen; denn auch damals standen die Minister vor der Alternative, entweder abzudanken oder die Erlaubnis des Königs zu erlangen, eine genügende An- zahl Lords zu ernennen, um die Reformbill im Oberhause durchzudrücken. Wilhelm IV. wollte von dieser Maßregel aber nichts hören. DaS Ministerium dankte ab. Der Herzog von Wellington wurde darauf mit der Bildung eines Kabinetts beauftragt, brachte eS aber nicht zustande, und so war denn der König genötigt, den Earl G r e y wieder zurück- zuberufen. Dann folgte die historische Szene zwischen dem König und dem Premiermiriistcr. der vom Lord Kanzler Brougham begleitet war. Der König erlaubte, daß das Ministeriuin soviel PeerS ernenne, als nötig seien, um die Resormbill durch das Oberhaus zu bugsieren. Dann fragte er die noch zögernden Minister:„Wünschen Sie sonst noch etwas?"— „Sire," sagte darauf Lord Brougham,„ich habe noch ein Ansuchen vorzubringen."—„Was," rief Wilhelm ans, „habe ich denn noch nicht genug zugestanden?"—„Ja," erwiderte der Kanzler, dem wohl daS Goethesche Wort einfallen mochte,»ich wünsche keine neuen Zugeständnisse von Ihrer Majestät, sondern ersuche nur, unS das Versprechen, das Sie uns gemacht, schriftlich zu geben." Der König zögerte einen Augenblick; dann nahm er ein kleines Stück Papier und schrieb die folgende Erklärung, die er Lord Brougham Ubergab. Sie lautete:„Der König gibt dem Earl Grey und seinem Kanzler Lord Brougham die Er- laubnis, eine solche Anzahl Peers zu ernennen, als genügt, um die Annahme der Resormbill zu sichern; in erster Hinsicht sollen bei der Ernennung die ältesten Söhne der Peers in Betracht kommen.— Wilhelm Ii." Bekanntlich brauchte die Ernennung der Peers gar nicht stattzufinden; die bloße An- drohung der Radikalkur genügte, uni den Lords das Rückgrat zu brechen. Was steht der Wiederholung dieser Ereignisse im Wege? Das englische Volk ist heute demokratischer gesinnt, politisch gebildeter und sähiger als seine Vorfahren vom Jahre 1832 und wartet nur auf die ehrliche und zielbewußte Führung. um die Oligarchie, die in diesem entscheidenden Moment der Geschichte Englands wieder kühn ihr Haupt erhebt. zu Boden zu strecken. Wird sich der englische Liberalismus noch aufraffen können, um die Fehler der letzten Wochen wieder gut zu machen und seine Reden im Parlament in Taten umzuwandeln? Dazu ist kaum noch Hoffnung vorhanden. Augenblicklich hat er den Blick auf die Neuivahlen gerichtet, als wenn ihm die helfen könnten, als wenn die Politik der Parlameiitsauflösung Gladstone und Rosebery ge- Holsen hätte. Die liberale Partei ist wie Hans im Glück, der ja auch seine harten Taler für etwas hergab, deren Wert sehr problematisch war, bis er am Ende wie ein armer Bettler dastand._ politische Clcbcrficbt. Berlin, den 5, April 1910 Wer fälscht? Die„Kölnische VolkS-Zeitung' hat die Stirn, dem .Vorwärts"«ine Fälschung vorzuwerfen. Der„Vorwärts" habe sich zu Unrecht auf ein Zitat der„Köln. Volks-Ztg." berufen, aus dem er die Geneigtheit des Zentrums, in der Frage der Steuer- drittelung den Freikonservativen und Nationalliberalen Konzcssionen zu machen, abgeleitet habe. Das fei dem„Vorwärts" nur dadurch möglich gewesen, daß er von dem Zitat aus der„Köln. Volks-Ztg." »ur die Stelle wiedergegeben habe, in der die Bereitwilligkeit des Zentrums ausgesprochen werde, den Nationalliberalen.noch etwas entgegenzukommen". Diesem PassuS aber habe sich unmittelbar eine Stelle angeschloffen, in der die nationalliberale Forderung der Drittelung in den Gemeinden für unannehmbar erklärt werde. Die„Köln. BolkS-Zeitung" sollte bei ihren Beschuldigungen gegen den.Vorwärts" etwas weniger Eifer und etwa? mehr Gcwiffenhaftigkeit an den Tag legen! Für den.Vorwärts" lag uichl die geringste Beranlaffung vor, auch diese letztere Stelle zu zitieren, weil eS ihm in dem fraglichen Artikel ja gar nicht ein- gefallen war. dem Zentrum die Absicht zu unterschiebe», evenl in eine Drittelung nach Gemeinden zu willigen I Daß das Zentrum die nationalliberale Forderung„in ihrem vollen ll m- fange' erfülle, hatte der„Vorwärts" vielmehr ausdrücklich für „ausgeschlossen" erklärt I Was der„Vorwärts" für nlcht unmöglich erklärte, war ledig- lich ein Eingehen des Zentrums auf die neuerlichen L e r- Mittelungsvorschläge des biederen WahlrechtSmaklerS F r e i h e r r n v. Zedlitz, die auf eine Vergrößerung der Drittelungsbezirke auf 10—20 000 Einwohner hinausliefen I Und gegen diese Vermutung beweist auch der von dem„Vorwärts" nicht zitierte Satz der«Köln. Volks-Ztg." nicht das geringste! Die„Köln. Volks-Ztg." ist allerdings so unvorsichtig, auch daS folgende zu erklären: „Aus der Begründung aber, mit der wir die Drittelung in den Gemeinden verwarfen, hätte der„Vorwärts" entnehmen können und annehmen müssen, daß wir jeden anderen Vorschlag, der dasselbe bezweckt wie die Drittelung durch die anz« Geinernde, mithin eine sichere plutokratische Wir- u n g haben würde, unbedingt ablehnen werden.' Wenn die„Köln. VolkS-Ztg." etwa behaupten wollte, daß das die Auffassung de» Zentrums sei, so würde s i« daS begehen, was sie zu Unrecht dem.Vorwärts' vorwirft: eine Fälsch ungl Denn wie wir gestern bereits nach der. R h e t n.- W e st f. g t g.' mitteilen konnten, war ja da» Zentrum tatsächlich bereit, auf Konzessionen in der Drittelungsfrage einzugehen, wie sie Herr V. Zedlitz vorschlägt I Nicht an dem prinzipiellen Widerstand de» gentrums scheiterte nach der.Rhein.-Wests. Ztg.' daS Kompromiß, sondern an den weitergehenden Forderungen der Nationalliberalenl Daß die Mitteilungen der.Rhein.-Westf. Ztg." aber der Wahrheit entsprechen, beweisen ga die Erklärungen der Konservativen in der Sitzung des Abgeordnetenhauses vom 16. März 1 Denn die Konservativen dürften sicherlich den Nationalliberalen nicht Konzessionen in der PrittelungSfrage angeboten haben, ohne sich vorher der qventuellen Zustimmung deS Zentrums versichert zu haben. Gegen das Abiturientenprivileg. Wie die„Märkische V o l k S z t g.' mitteilt, nahm«ine am 30r März abgehaltene stark besuchte Vertrauensinännerversammlung der ZentrumSpartei des KreiseS Aachen-Land gegen die Be- vorzugung der Abiturienten Stellung. Dieses Privileg wurde mit AinSnahme eine» Redners von allen Vertrauensleuten in der schärfsten Wejse als eine ganz unbegründete Bevorzugung der akademisch Gebildelen vor dem Mittelstand und der Arbeiterklaffc verurteilt. Seine Aufrechterhaltung könne nur zu einer un- liebftamen Verstimmung weiter Kreise beitragen. Da» Zentrum hätte also alle Ursache, nunmehr auf B e- s e i t i g u n g deS AbiturientenprivilegS hi»zuarb«iten. das die ZentrumSfraktion bei der dritten Lesung angenommen hat, obwoftl sie sich vorher in entschiedener Weise gegen die Bevor- zugung einzelner Berufe und Stände ausgesprochen hatte! Fiskalische Renommisterei. „Die Lrbeiterfürsorge der preußischen Berg« verw altung' lautet die Stichmark« eines Waschzettels, der zur« zeit durch die„ordnungsfreundliche' Preffe geht. In dieser Neklam>enotiz werden die Aufwendungen aufgezählt, die die Berg- Verwaltung für die Arbeiterfürsorge mache. Wenn man die Summen etwa» näher ansieht, findet man, daß die gepriesene Arbeiter- sürsorg« gm» guten Teil sehr zweiselhaster Natur ist. Wenn zum Beispiel darauf hingewiesen wird, daß für die Ansiedelung der Arbeiter in der Nähe der Werl« Bau- Prämien und unverzinsliche Baudarlehen in emer Höhe von einer halben Million geleistet worden seien, so daß die Summe der bis- her für Hausdarlehne zur Verfügung gestellten Mittel auf mehr als sieben Millionen Mark angewachsen sei, so ist dabei zu beriicsi'ichtigen, daß die S e ß h a ft m a ch u n g der Ar- bester selbst von einsichtigen bürgerlichen Sozial« politilern stets als ein Mittel zur Knebelung der Arbeit« bezeichnet worden ist. Statt Mietöwohnungm herzustellen und diese den Arbeitern zu einem mäßigen Preise zur Ver- fügung zu stellen, sucht man die Arbester an die Scholle zu fesseln und dadurch dem Arbeitgeber Staat aus Gnade und Ungnade auszuliefern! Wenn weiterhin mit einem Zuschuß von 166 000 M. renommiert wird, den die Arbeiter der Oberharzer Werke für den Groß- einkauf von Brolkorn erhalten hätten, so sollte man doch auch nicht unberücksichtigt lassen, daß der Staat durch seine Brotwucherpolitik die Getreidcpreise selbst erst so gewaltig in die Höhe getrieben hat! Außerdem sind bekanntlich die Löhne gerade der Oberharzer Berg- leute so niedrige, daß diese Subvention von 46,20 M. pro Kopf im Grunde nichts darstellt, als einen minimalen Zuschuß zu den unzulänglichen Löhnenl Wenn schließlich noch ein Wesen davon gemacht wird, daß für Fortgewährnng des Lohnes während des Urlaubs der Arbeiter 93 090 M. ausgegeben seien, so ist dazu nur zu bemerken, daß auch jeder halbwegs anständig« Privatbetrieb heutzutage seinen Arbeitern Ferienurlaub gewährt. Und zwar selbstverständlich unter Fortzahlung des Lohnes. Eine Erhöhung der Löhne der StaatSarbeiter wäre also entschieden verdienstlicher als eine.Fürsorge' der charalteri- sierten Art l_ Gegen das Wettrüste«. Einer der größten Schiffsbauunternehmer Englands, Sir Christopher Furneß. zugleich ein einflußreiches Mitglied der liberalen Partei, macht in einem, Briefe an die.Times' neuerlich den Vorschlag, dem Wettrüsten zwischen Deutschland und England ei» Ende zu machen. Der Vorschlag stimmt ganz mit dem unserer ReichStagSsiaktion überein. England müsse, so führt der Brief- s-breiber au«, dos Seebeuterecht abschaffen und so die Ursache für das deutsche Flottenprogramm entfernen, was dem Wettstreit im Kriegsbau beseitigen würde, der beide Völker zu erschöpfen droht. Die Initiative müffe diesmal von Deutschland kommen, der Reichskanzler solle England sondieren. Sir Edward Grey würde ein Anerbieten zur Einschränkung der Rüstungen nicht ablehnen können. Ganz abgesehen von dem Steuerdruck könne das Weltrüsten schon deswegen nicht streng genug verurteilt werden, weil der dadurch hervorgerufene feindselige Geist ein mächtiges Hindernis für Handel und Geschäft mit einem großen Lande sei, mit dem England berufen sei. noch ausgedehntere Geschäflsbeziehungm zu pflegen als bisher. Dieser Vorschlag verdient die ernste Beachtung unseres Auswärtigen Amtes und unsere Fraktion wird sicher nicht »nterlaflen, bei nächster Gelegenbeit Herrn v. Bethmann Hollweg im Reichstag zu frage», ob er diese Gelegenheit, uiisere Beziehungen zu England zu verbeffern und dem Rüstungswahnsnm Einhalt zu tun, benützt hat._ Jagow in Bremen. Die imposante WahlrechtSdemonstralion der Bremer Arbeiterschaft am vergangene» Sonntag hat der bremische» Polizei an- scheinend die bisher bewahrte Besonnenheit geraubt. Der stell- vertretende Polizeisenator D r a y e r eröffnete am Dienstag dem Vorsitzenden deS sozialdemokratischen Vereins. daß er den Demonstrationszug vom Sonntag für einen Umzug halte. Wenn künftig sich wieder solche Demonstrationen abspielten, werde die Polizei mit aller RücksichtS- losigkeit vorgehen. Das werde auch am Mitt- woch, den 6. April geschehen, falls eS auS Anlaß der geplanten Wahlrechtsversammlung, in der Genossin Luxemburg spricht, zu Demonstrationen kommen sollte. Eine solche Drohung wagt die Bremer Polizei auszusprechen, trotzdem selbst die bürgerliche Preffe daS musterhafte Verhalten der Demonstranten nur zu loben vermochte. Die bremische Arbeiter,- schaft wird sich selbstverständlich auch durch solche Drohung nicht im geringsten abhalten lassen, den WahlrechtSkampf in der ihr geeignet erscheinenden Weise fortzuführen. Lebensmittelwncher. Seit einigen Tagen sind die städtischen Abgaben(Oktrois) auf Lebensmittel, die bisher in manchen deutschen Gegenden noch immer erhoben wurde, gefallen. Trotzdem wehren sich meist die Händler, die Preise für diese Lebensmittel herabzusetzen. AuS einigen Orten, so au« Freiburg i. Br. sowie auS Mannheim und H e i d e l- b e r g wird zwar gemeldet, daß der Brotpreis mit dem 1. April herabgesetzt wurde. Die Fleischer dagegen wollen auch in diesen Orten de» Preis mit der Begründung halten, daß sie, wäre daS Oktroi nicht aufgehoben worden, mit dem 1. April eine Vertenerung hätten eintreten lassen. Au« Bayern und Schlesien wird gleichfalls gemeldet, daß trotz der Aufhebung des Oktrois die Preise nicht herabgesetzt worden sind. DaS hat in einzelnen Ortschaften dazu ge- führt, daß die Konsumenten mit dem Boykott jener Händler drohen, die aus der Beseitigung einer drückenden indirekten Steuer Extraprofite herausschlagen möchten. Das Ende eines königlichen Distriktskommissars. Vor einer Woche berichteten wir über eine Gerichtsverhandlung in Polen, in der erwähnt wurde, daß der königliche Distrikts- kommisiar Rittmeister a. D. von Keller aus Moschin der wiederholten Bestechlichkeit zugänglich war. Wie die„Pos. Neuesten Nachr." melden, ist dieser edle Kulturkämpfer gegen Polen seitdem spurlos verfchiounden. Alle Nachforschungen waren bisher vergeblich. Sein Dienstpferd hat er kurz vor seinem Weggange an die Gutsverwaltung Rogalin verkauft. Regiernngöschutz vor der Erhöhung direkter Tteuer». Einen Eingriff in die kommunale Selbstverwaltung hat das Ministerium für Ell'aß-Lothringen vorgenommen, indem es dem Be- schluß de» GemcinderateS der Stadt Geb Weiler auf gänzliche Abschaffung deS Oktrois die auf Grund der Gemcindeordnung er» forderliche Genehmigung verweigerte. Der Beschluß wurde am 10. März gesaßt, am 31. März aber, als tags darauf der Beschluß in Kraft treten sollte, bekam die Gemeinde erst auf telephonische Suirage beim Ministerium den Bescheid, dessen schriftliche Be- gründung, falls eine solche überhaupt erfolgt, noch aussteht. In de» Nachbarstädten Thann und A l t ki r ch sind die dort ebenfalls gefaßten gleichlautenden Beschlüsse voin Bezirkspräsidenten genehmigt worden, so daß dort die ganze Oktroieinrichtung mit dem 1. April dieses Jahres aufgehört hat._ Absolution oder gewerkschaftliche Organisation. Wir haben dieser Tage auf daS Geschreibsel der„West- deutschen Arbeiter-Zeitung' hingewiesen, die in ihrer stammen Osterbeilage den Arbeitern, wenn sie de» Leben» Last gar zu hart drückt, nicht den Kampf gegen ihre Unterdrücker, sondem den Gang zum Beichtvater empfiehlt— als ob die Absolution die Organisation ersetzen könnte! ES gibt jedoch unter den christlichen Arbeitern auch solche, die in weniger andächtigen Stunden in der Lage find, die Gründe ihres Elends und die Mittel zu seiner AbHilst zu erkennen. So schrieb vor kurzem da« BerbandSblatt der christlichen Holz- «rbeiter in einer Auseinandersetzung mit den katholischen Fach- abteilern, daß diejenigen auf dem Holzwege seien, die„Lustschlösser bauen auf einer nie dagewesenen Macht der Kirche', d. h. die Lösung der sozialen Frage allein von der Kirche erwarten. DaS Blatt führte dazu auS: „Die Kirch» verfügt in unserem Vaterlands weder über die Anhängerschaft der gesamten Bevölkerung,«och bestimmt ste die MrtschaftSpolitil de» Staate», noch ist sie in der Lage, auf die in ibrer übergroßen Mehrzahl nichtkatholischen Arbeitgeber be- züglich der Arbeit?» und Lohnverhältnisse einen Einfluß auszuüben. Und wenn da Phantasten vom Schlage der Fachabteiler komme» und das Evangelium der Entsagung predigen durch die Preisgabe der ohnehin kargen Hilfsmittel der Arbeiter» bewegung, dann ist das eine Versündigung an der darbenden Lohnarbeiterschaft.... Auch die katholischen Arbeiter haben einen Magen, der zu gelegener Zeit knurrt; auch sie haben vielfach eine Znmilie zu ernähren, aus deren Fortkommen sie bedacht sein müssen. AlS einzige Einnahme» quelle kommt der Arbeitslohn in Betracht, und diese Einnahme» quelle zu vermehren und zu verbessern ist nur möglich durch die Geschlossenheit aller Arbeiter und die Anerkeniiung des gewerkschaftlichen Prinzips. Wer dem Arbeiter sagt, daß er als Arbeiter auf andere Weise zu besseren Daseinsbedinglmgen gelange, wird den Tatsachen nicht gerecht. Nicht Theorien können dem Arbeiter helfen, sondern die Tat, die Selbsthilfe!" In diesen Sätzen liegt gewiß eine gesündere und wirk» samere Auffassung von der Bedeutung des Daseins und den Pflichten der Arbeiter, als in der frommen Osterpredigt des M.-Gladbacher Blattes. Im einzelnen ist natürlich auch an den Ausführungen des christlichen Gewcrkschaftsblattes viele» auszusetzen. So liegt die Untätigkeit und Unfähigkeit der katholischen Kirche in der sozialen Frage nicht daran, daß sie nur in der Minderheit ist. Da, wo die Kirche die große Mehrheil der Bevölkerung zu Anhängern hat, sieht es bezüglich der Lage der Arbeiter nicht bester, sondern so- gar schlimmer au»._ Klerikaler Abonnentenfang. Nicht nur die Kirche, sondern auch die meisten ihrer geistlichen Diener haben einen guten Magen und verstehen sich vorzüglich auf profitable Geschäfte und auf eine wirkungsvolle Geschäftsreklame. Das Organ des katholischen Geistlichen, Reichs- und Landtags- abgeordneten Liborius Gerstenberger, da»„Frank. Volksblatt" in Wvrzburg, erläßt folgende drastische Abonnementseinladung: „Der Komet, durch dessen Schwanz in der Zeit zwischen ll>. April und 19. Mai unsere Erde fliegen soll, ist bereits ae- sichtet. WaS wird er uns bringen! Darüber möchten wohl me werten Leserinnen und Leser auf dem Laufenden bleiben. Ei, dann bestellt sofort das„Fränkische Volksblatt", wenigstens für den Monat April! 40 Pf. kann jeder dran wagen. Geht im April die Welt unter, braucht keiner mehr für den Monat Mai zu bestellen. Wer Courage hat, der bestellt das Voltsblatt gleich fürs nächste Quartal. Geht alle» verloren, kommtS auf die 60 Pf. vom 16. Mai bis 1. �uli auch nicht mehr an. Ihr babt aber dann wenigstens noch ein gutes Werk mehr getan, denn die katho- tische Press« zu fördern, gehsirt heutigentags ebenso zu den Pflich» ten eines treuen Katholiken, wie Misstonen zu unterstützen, Kirchen bauen oder sonst auf eine Weise dem Volke den Glauben erhalten zu helfen." Herr Liborius Gerstenberger hat zweifellos seinen wahren Beruf verfehlt. Er hätte Reklamechef für Ausverkaufshäuser werden sollen._ Polizeihunde im Dienste der Gendarmerie. Die Verwendung von Polizeihunden wird immer mehr aus- gedehnt. Jetzt werden auch Gendarmen diese neue Ausrüstung er- halten. Vorläufig sind erst die Fußgendarmeriewachtineister in Aussicht genommen, die einen KuriuS für Dressur und Führung hon Polizeibuuden durchgemacht habe». Da für derartige Kurse bisher kein« Mittel im SiaatShauShaltSetat vorgesehen sind, wurden privat« Mittel flüssig gemacht. Der Miiuster deS Innern hat die Regierungspräsidenten ersucht, sich mit den Land- raten in Verbindung zu setzen, für de» Fall, daß ein Bedürfnis nach Verwendung von Diensthunden bei der Gendarmerie hervortreten sollte. Dabei soll darauf geachtet werden, daß den Gendarmen die Führung ihnen eigentümlich ge- hörender Hunde nicht gestattet wird, da es vermieden werden muß, daß die Gendarmen zum Nachteil deS Dienstes im eigenen Interesse Hundezucht und-Dressur betreiben und damit in Streitigkeiten der kynologischen Vereine hineingezogen werden. Josef Peukert gestorben. In der Wiener„Arbeiterzeitung" lesen wir: Ein längst Ver- schollener, der einst in der österreichischen Arbeiterbewegung eine große Rolle spielte, ist fern von der Heimat dahingegangen. Joses Peukert wurde in Nordböhmen im Jahre 1856 geboren, reichbewegt war sein Leben. Eine große Begabung, journaltstische Fähigkeit und rednerischer Schwung waren diesem Manne eigen. Niemand. der ihm begegnete, ohne ihn gekannt zu haben, hätte in dem schönen, eleganten Manne den Sprößling einer nur kinderreichen, aber sonst das armseligste Dasein führenden Familie vermutet. AlS er in den achtziger Jahren auS dem Ausland heimkehrte, war er der gewandte Apostel des Anarchismus, der eifrigste Agitator. Er war Redakteur der .Zukuust", er war der leitende Geist in der anarchistischen Bewegung. Auf seine Anregung wurden die anarchistischen Taten eines Stell- macher, eines Kämmerer, die als Anlaß zur Berhäugung des Ausnahmezustandes über Wien und Wiener-Neustadt ausgegeben wurden, ausgeführt. Offen sprach er es auS, daß man für die Ent- festelung aller wilden Instinkte im Volke arbeiten müsse. Merk- würdig war e», daß gerade Peukert von der Polizei unbehelligt blieb, daß er knapp vor Verhängung des Ausnahmezustandes Wien verlassen konnte. So kam er in den Ruf, daß er ein Agent der Polizei, ein Provokateur der anarchistischen Taten ge- worden sei. Selbst unter den Anarchisten stieß Peukert aus lebhafte» Mißtranen. Auf seine Intervention haben Anarchisten die Auslieferung ibreS Genossen Rede an bie deutschen Polizei- behörben zurückgeführt. Niemals tonnte er sich von diesem Verdacht reinigen. Wohl gibt es ein kleines Grüppchen Anarchisten, bie heute noch in Peukerl einen selbstlosen Kämpfer verehren. ES gibt aber kaum unter seinen früheren Freunden auch nur einen, der nicht überzeugt wäre, daß seine Wirksamkeit der österreichischen Arbeiter- bewegung den größten Schaden zugefügt hätte. Nun, wo der Streit über ihn längst emichieben ist, ist er dahingegangen. Ein Jahr lag er krank an Arterienverkalkung im deutschen Hospital in Thicago. Nun hat sein wechselreiches Leben ein Ende gefunden. CtigUnci. Die Forderunge» der Iren. London, 4. April. Der Führer der irischen Nationalisten R e d m o n d hielt gestern in Tipperary eine Rede, in der er erklärte, für die irische Partei bedeute die Frage der Konzessionen an Irland mit Bezug auf da« Budget nichts im Vergleich zu der Frage der Abschaffung des Vetorechts der LordS. Dies sei die Hauptbedingung für Homerule. Redmond zählte sodann die Bedingungen auf, unter denen allein die Nationalisten geneigt seien, da» Budget zu unterstützen, auch in abgeänderter Form. Zunächst müsse bie Regierung die Zusicherung geben, baß baS Budget nicht eher im Unter« hause verabschiebet werbe, als bis die Entscheidung der Lord« über die Resolutionen deS Vetorechts bekannt fei, und ferner müsse die Regierung die Zusicherung geben, daß sie, wenn die Lords die Resolutionen verwürfen, nicht im Amte bleiben werde, wenn sie nicht die Garantie erhalte, daß der König gewillt sei, wenn nöng neue PeexS zu ernennen, um die Entscheidung der Lords umzustoßen. Der Abscheu vor Preußen. Ein charakteristischer Zwischenfall spielte sich in einer der letzten Sitzungen des englischen Unterhauses ab. Als der Kronanwalt fto&fon in seiner Rede die Bemerkung machte, eine unverantwort- llche Kammer mit gleichen Vorrechten, wie das Oberhaus sie besitze, sei in keinem anderen Lande der Welt zu finden, machte der konser- vative Lord H u g h C e c i l den Zwischenruf:„Preußen!" Der Minister fertigte den Zwischenrufer unter stürmischem Beifäll der Liberalen und der Arbeiterpartei ab, indem er sagte:„Wir pflegen nicht im Ausland Vorbilder für unser Verhalten zu suchen, die Regierung des freien England hat es nicht nötig, zu diesem Zweck nach Preußen zu gehen." Die„Daily News" schreiben darüber:„Mso daS ist Lord Hughs Ideal! England soll sich in seinen inneren Einrichtungen de» unfrciesten Staat Westeuropas zuin Muster nehmen. England koll vom preußischen Staate borgen und zwar nicht, WaS das beste an ihm ist, die Tüchtigkeit seiner Beamtenschaft und seines ErziehungS- systeinS, sondern seinen Kastengeist, seine soziale Ex- k l u s i v i t ä t. seine Verneinung der Demokratie. Ein neuer Bright oder Gladstone wäre nötig, um auf eine solche Zunmiung gebührend zu antworten und den Massen deS eng- tischen Volkes zu zeigen, wie viel Unenglisches, wie viel Un- bildung und Unanständigkeit in einer derartigen Zumutung liegt." Der Zwischenruf Lord Hugh Cecils kann der konservativen Partei bei den wahrscheinlich bevorstehenden abermaligen Neuwahlen leichc ein paar Mandate kosten._ Rußtand. Finnland und die ReichSduma. Au» Petersburg wird unS geschrieben: Am SO. März wurde der ReichSduma der Gesetzentwurf über Finnland zur Be- ratung vorgelegt. Eine Gruppe der Rechten und Oktabristen stellte noch vor Beginn der Beratungen den Antrag, den Entwurf einer Kommission zu überweisen, ein Manöver, das die Dumamehrheit anzuwenden pflegt, wenn sie bestrebt ist, die Generaldebatte über einen zweifelhaften Entwurf oder über eine unangenehme Inte» pellation zu vermeiden oder wenigstens zu verschieben. Nach der DumageschäftSordnung muß in einem solchen Falle ausschließlich über den Antrag, nicht aber über den Entwurf selbst verhandelt werden. Diesmal ist jedoch da« Manöver nicht gelungen, obschon sich G u t s ch k o w als Präsident redlich Mühe gab, die Debatte in den Grenzen deS UeberweisungsantragS zu halten. Die Redner der Opposition fanden trotzdem Gelegenheit, rhre Meinung über den Entwurf selbst zum Ausdruck zu bringen. Ihre ablehnende Haltung begründeten sie damit, daß dieser Entwurf ein Verstoß gegen die Grundgesetze sowohl deS Finnischen Fürstentums lvie gegen die deS Russischen Reiches sei. Die russischen gesetz- geberischen Körperschaften, also auch die Reichsduma, seien nicht kompetent, über bie Schicksale der finnländischen Verfassung zu entscheiden. Deshalb sei die Opposition gegen jede Verhandlung deS Entwurfes. Es wurden dabei alle entsprechenden Bcstim« mungen der finnischen wie der russischen Grundgesetze zitiert, die BerfassungSakten beider Länder und die eidlichen Versprechungen der russischen Kaiser von Alexander l. bis auf Nikolaus II. ES wurde ein abschreckendes Bild der Eidbrüche der russischen Kaiser und deS rechtswidrigen Vorgehens der russischen Regierung in Finnland entrollt. Die Vernich- tung der finnischen Verfassung habe die Regierung stets durch rohe Gewalt durchzuführen versucht. Selbst während der Revolutions- zeit habe in Petersburg eine Regierungskommission getagt, um Unterdrückungsmaßregeln gegen Finnland auszuarbeiten. Anfang 1906 erklärte jedoch diese Kommission, daß die Maßregeln, die sie ausgearbeitet habe,„zu einer neuen Gärung" in Finnland führen würde,„die bei der gegenwärtigen Lage(im Jahre 1906) im höchsten Grade unerwünscht wäre". Aus diesen Gründen schlug die Kom- Mission vor,„einstweilen diese wichtige Frage nicht zu entrollen, sondern ihre Entscheidung bis zur Wiederkehr günstigerer Bedin- gungen zu verschieben". WaS zur Zeit der revolutionären Be. wegung in Rußland„im höchsten Grade unerwünscht", erscheint als sehr wünschenswert zur Zeit de» Stolypinschen konstitutionellen Regimes. WaS Graf Witte nicht wagte, das wagt S t o l y p i n. Interessant aber ist, daß auch Witt«, der..Schöpfer der russischen Konstitution", die UnterdrückungSpläne Finnland gegenüber nicht aufgeben, sondern nur derschieben wollt«. Die Kadetten und die Arbeitsgruppe sprachen gegen die Ueberweisung de? Gesehentwurfes an eine Kommission. Der sozialdemokratische Redner, Genosse Grigetschkore, machte den Vorschlag, nicht nur den Ueberweisungsantrag, sondern auch den Entwurf selb st gleich als gesetzwidrig abzulehnen. Prä- sibent Gutschkow unterbrach den Redner durch die Bemerkung. eine solche Ablehnung wäre«in Verstoß gegen die Geschäftsordnung der Reichsduma. Grigetschkore erwiderte:„Es erscheint mir einfach lächerlich, um die Aufrechterhaltung der DumageschäftS» Ordnung zu sorgen in einem Moment, wo eS sich um die Nieder- tretung der Grundgesetze eines ganzen Landes handelt." In seinen weiteren Ausführungen brandmarkte Gegetsch- kow ebenso die Regierung wie besonder? die dritte ReichSduma. „Keine der früheren Regierungen hat gewagt, einen derartigen Schritt offen vorzunehmen. Erst jetzt will man der finnländischen Verfassung den Todesstoß versetzen. Jetzt vereinigt sich zu diesem Zwecke die Regierung mit der Duma, deren Mehrheit die Rechte von Volksvertretern usurpiert hat.(Lärm auf den Bänken der Rechten.) Diese Duma, diefe Mißgeburt des Gesetze» vom 3. Juni 1907, da» das Manifest vom 17. Oktober abgeschafft hat, diese Duma wird auch dem Entwurf Beifall klatschen, der da» Manifest über Finnland vom 22. Oktober 1905 abschaffen will. In diesem Augenblick kann die russische Sozialdemokratie gegen diese Gewalttat nur protestieren. Die sozialdemokratische Fraktion ist überzeugt, daß ihr Protest Zustimmung in den Herzen des russischen Volke» finden wird, und im Namen deS russischen Volkes sendet die Fraktion dem finnischen Volk brüderlichen Gruß... Nicht da» russische Volk, sondern diejenigen, die gegen die Freiheit des russischen Volkes kämpfen, sind die Urheber dcS Gewaltaktes über Finnland." Gegen die Stimmen der Sozialdemokratie, der Arbeitsgruppe und der Kadetten ist der Gesetzentwurf nach einer ebenso schwachen wie schimpflichen Verteidigung durch die Oktobristen einer Kom- Mission überwiesen worden. CtlrUei. Der Aufruhr in Albanien. Saloniki, 6. April. In Oberalbanien, insbesondere im Bezirk Prischtina, werden wegen der kritischen Lage umfassende militärische Operationen unter dem Befehl S ch e f k e t Paschas, des Nachfolger« von Dschavid Pascha, eingeleitet. Der Arnautenstamm der Hassis, der in vollem Aufruhr sich be- findet, hat alle festen Gehöfte besetzt und richtet sich zur Verteidigung ein. Die Truppen sind bereits mit den Arnaulen in Kampf geraten, wobei die Artillerie Verwendung fand. Von Saloniki. Serres und Monastir sind sechs Bataillone zur Ver- ftärkung nach Oberaldanien abgegangen. Es wird beabsichtigt, den Belagerungszustand auch über Prischtina zu verhängen. Hrneriha. Bergarbeiter und Sozialismus. Die Mitglieder derWest»rn Federation o f Miner». die jetzt durch ihren hartnäckigen passiven Widerstand i« Spokane einen glänzenden Sieg über die Willkür der reaktionären Stadt« Verwaltung davongetragen haben, haben auch auf politischem Ge- biete Einsicht und Energie bewiesen. In den Erzgruben des Zeitungsmillionärs H e a r st im Lead-Gebiete(Süd-Dakota) stehen die Bergleute in einem langwierigen Lohnkampfe, bei dem natürlich alle dort beliebten Einschüchterungsmcthoden durch bewaffnete Kapitalsöldlinge ihre Rolle spielen. Jetzt haben die Arbeiter sich als politische Partei an den Gemeindewahlen beteiligt. In Terry haben sie ein s o z i a l i st i s ch e S„Ticket" aufgestellt und ihre Liste auch durchgebracht. Auch in der Bezirksstadt L e a d wurde eine so- zialistische Liste aufgestellt, über deren Erfolg noch kein Bericht vor- liegt. Die Aussichten sollten gut sein. Peru. Ein Konflikt mit Ecuador. London, 6. April. DaS Reutersche Bureau meldet auS Lima, daß die Regierung beschloß, von Ecuador sofortige Genug« l u u n g für den am Sonnlag durch den Pöbel aus die peruanische Gesandtschaft in Quito verübte» Angriff zu fordern. Wenn Ecuador sich weigere, dieser Forderung nachzukommen, würden Truppen gegen Ecuador gesandt und der Guayas River blockiert werden. Die peruanischen Reserven seien bereit» ein« berufen worden. In Lima hat die Bevölkerung gestern das Schild von dem Konsulat von Ecuador entfernt. JIiis der Partei* Der Sozialdemokratische Verein für den Rcichstagswahlkrei» Reuß j. L. hielt am 3. April eine außerordentliche Generalver» sammlung in UntermhauL bei Gera ab, die vornehmlich der Vorbereitung für die kommenden LandtagSwahlen diente. Vertreten waren 25 OrtSvereine durch 97 Vertreter.— Der Land- tagsabgeordnete Redakteur Genosse Leven berichtete über die Tätigkeit der sozialdemokratischen Landtags- abgeordneten in der letzten Session, wobei die reaktionäre Politik der Bürgerlichen die verdiente Kritik erfuhr. Fast alle An- träge und Anregungen der drei sozialdemokratischen Abgeordneten wurden von der einen reaktionären Masse des kapitalistischen Klüngels einschließlich der sogenannten„Liberalen" und„Freisinnigen" abgelehnt. So wurde eine Petition des ZentralverbandeS der Hanvlungs- gehilfen und Gehilfinnen aus Einführung einer allgemeinen Arbeits« losenversichermig trotz energischer Befürwortung durch unsere Ge» Nossen vom Landtage mit allen Stimmen gegen die unserer Ge« nassen und eines bürgerlichen Abgeordneten abgelehnt. Das neue Ein« lommensteuergesctz brachte schwere Verschlechterungen für die Arbeiter. In der Diskussion regle Genosse K a h n t an, baß unsere Abgeord« neten dahin wirkten, daß statt der Etatsberatungen für den Zeitraum von drei Jahren einjährige Etatsberatungen eingeführt werden; daß ferner in den thüringischen Staaten ein gemeinsames VerwaltungS- streiwerfahren geschaffen wird und daß, wie es der Antrag unserer Abgeordneien i» Schwarzburg-Rudolstadt fordert, bie acht thüringi« schen Staaten sich zu einem Staatenbunde mit einer gemeinsamen Regierung zusammenschließen. Schließlich verlangte der Redner ein« neue Einteilung der Landtagswahlkreise.— Parteisekretär Genosse Leber- Jena erklärte dazu, daß der weimarische Minister des Innern erklärt habe, daß die Vorarbeiten zur Schassung eines Ver- waltungsgerichtsbofe« für Thüringen abgeschlossen seien. Der Bildung eines Thüringer Staatenbundes müsse eine Acnderung der Reichsverfassung vorausgehen.— Hierauf wurden die sieben Kandidaten für die LandtagSwahlen aufgestellt. AlS Vertreter deS Kreises auf dem internationalen Kongreß in Kopenhagen wurde der ReichStagSlanbidat Genosse Emanuel Wurm gewählt. Den Vereinbarungen der BczirkSkonferenz der drei Reichstags« Wahlkreise Reuß j. L.. Reuß ä. L. und Weimar III, betreffend die Unter st ützung der MaiauSgesperrten, stimmt« die Generalversammlung zu._ Gemeindewahlerfolge. Erfreuliche Erfolge bei den Gemeindevertreterwahlen im März errang die Sozialdemokratie im Regierungsbezirk Magde» bürg. Es wurden insgesamt 37 sozialdemokratische Gemeindevertreter gewählt; rund 20 Sitze davon sind neu erobert. In zehn Gemeinden zieht zum erstenmal ein Sozialdemokrat in das Dorfparlament ein. Die Stimmenzahlen, die unsere Genossen erreichten, waren überall hoch- befriedigend. In einer Reihe von Orten machten die Bürgerlichen gar nicht erst den Versuch, den Sozialdemokraten den Sieg streitig zu machen. Interessant ivar die Wahl in P r e tz i n. Dort beteiligten sich unsere Genossen zum ersten Male und eroberten gleich z w e i S i tz e mit 44 gegen 6 Stimmen. Dabei besteht in dem Orte noch nicht einmal ein sozialdemokratischer Verein; nur einige Genossen gehören einem Wahlverein in einem benachbarten Orte an. In einer ganzen Reihe von Orten haben unsere Genossen natürlich infolge der zahlreichen Wahlsiege die ganze dritte Ab- teilung im Besitz. Stellenweise wurden auch in der zweiten Klasse Sozialdemokraten gewählt. Jnter- essant war die Beobachtung, baß in zahlreichen Fälle gelbe Arbeiter sozialdemokratisch stimmten. Sin der deutschen Bewegung in Ungar«. DaS in Preßburg erscheinende Parteiblatt.Westungarische Volksstimme" erscheint nunmehr breimal wöchentlich. ES wird bom Genossen Heinrich G. Kaiman geleitet. Deutsche Organisation in Italien. An alle nach Italien kommenden Arbeiter richtet der Deutsche Arbeiter-Bilbungsverein Mailand die Bitte. sich ibm anzuschließen. Auskunst über bie Verhältnisse in Mailand wirb gern erteilt. Anfragen(denen Rückporto beizulegen ist) sind zu richten an Deutscher Arbeiter-Bildungsverein Mailand(Italien), Via Alfonso Lamarmona Nr. 44. pollzetUches, OeHchtilche« ufw. Mißhandlung deS BereinSgesetzeS. DaS Maifesttomttee zu Harburg hat folgenden Bs« scheid von der Polizeidirektion bekommen: „Die Genehmigung der Veranstaltung eines FestzugeS am 1. Mai b. I. wirb versagt. Der Festzug stellt ftch alS eine Demonstration gegen bie heutige ftaat- liche und wirtschaftliche Ordnung dar, die geeignet ist(famoser grammatikalischer Schnitzer I>. in den der Sozial- demokratie abgeneigten Kreisen der Bevölkerung erheblichen Anstoß zu erregen. Es liegt die Möglichkeit nahe, daß es infolge des Festzuges zu Ausschreitungen kommt. Aus der Ver« anstaltung dcS Aufzuges ist daher Gefahr für die öffentliche Sicherheit zu befürchten. Demgemäß muß die Genehmigung ver« sag« werden. Denicke." In Soltau, einem Jndustriestädtchen in der Lüneburg«» Heide, ist der Maifestzug dagegen genehmigt worden. Jugendbewegung. Literatur. Im Verlag der Wiener Volksbuchhandlung Jgnaz Brand u. Co., Wien VI, erschien: Em Wort au die Arbeiterjugend. Von Karl Kreibichc Preis 10 Heller. Die kleine Schrift legt in frischer, allgemeinverständlicher Weise die Notwendigkeit der Jugendbewegung und Jugendorganisation dar. Natürlicherweise beziehen sich ihre Ausführungen zumeist auf öfter« reichffche Verhältnisse, doch wird auch der in der deuffchen Jugend« bewegung Tätige sie mit Gewinn lesen. GcwerhrchaftUcbe� Qeber„rozialdemohrarircbe Cariftreue". •» soll heißen Tarifuntreue— entrüsten sich wieder einmal die „Post" und andere Unternehmerblätter. Das„Schiedsgericht und Tarifamt" des Schneidergewerbes für Steglitz hat den Blättern eine Zuschrift gesandt, in der behauptet wird, daß die Schneider- gesellen oder der Schneidertierband in Steglitz, Friedenau und einem Teile Schönebergs leichtfertig einen Streik vom Zaune gebrochen, und einen Tarifvertrag, der, weil nicht gekündigt, noch bis zum 2g. April löll habe gelten sollen, gebrochen hätten. Der„Vorwärts" bat den wirklichen Sachverhalt kürzlich schon im Bericht über die Lohnbewegungen der Schneider in Berlin und den Vororten kurz mitgeteilt. Im Jahre 1907 wurde zwischen einer Kommission der Schneidernleister und der Gehilfen ein Tarifvertrag abgeschlossen, der am 2g. April desselben Jahres in Kraft trat. Ueber die Dauer des Vertrages ist nichts festgesetzt und ebenso wenig ist irgend welche Kündigungsfrist vereinbart worden. Wohl ist in der Kom- Mission über eine Kündigungsfrist geredet worden, aber, wie das Protokoll der Verhandlungen ausweist, ohne daß in dieser Hinficht irgend ein Ergebnis erzielt wurde. Auch ist damals gar nicht ein- mal festgestellt, welche Firmen den Tarif als bindend anerkannt hatten. ES liegen eben seitens der Arbeitgeber nur die Unter« schriftcn der Kommissionsvcrtreter bor, im übrigen aber ist nicht einmal ein Verzeichnis der Vertragsfirmen aufgestellt worden. Die Zwangsinnung, der übrigens auch Heimarbeiter angehören, die nebenbei Mitglieder des Schneiderverbandes sind, konnte natürlich als Tarifkontrahent nicht in Betracht kommen. Als nun in diesem Jahre die Gehilfenschaft die Meister ersuchte, den Ber- liner Tarif anzuerkennen, erhielten sie von dem stellvertretenden Obermeister Vogt eine ablehnende Antwort. Es wurde dann versucht, mit den einzelnen Arbeitgebern zu verhandeln; da aber auch das nichts fruchtete, wurde in einer Mitgliederversammlung die Arbeitsniederlegung beschlossen. Die Meister erkundigten sich dann zunächst bei dem Vorsitzenden des Gewerbe» gerichts in Steglitz, ob hier nicht ein Tarifbruch vorliege. erhielten aber die Antwort, daß die Sache zweifelhast sei, und daß sie sich lieber einigen sollten. Damit nicht zufrieden, holten sie bald darauf den Kreissekretär Lind- ner heran, und der erklärte nach Prüfung der Rechtslage, daß der Schneiderverband im Rechte sei und den Tarif nicht zu kündigen brauchte. Es ist also von Leuten, die doch etwas von den Dingen verstehen, festgestellt, daß ein Tarif- bruch nicht vorliegt, oder daß es mindestens zweifelhaft ist. Der Streik hatte den Erfolg, daß alle Arbeitgeber bis auf 0, über deren Betriebe die Sperre verhängt wurde, den neuen Tarif- vertrag anerkannten. Der Vorsitzende der Meisterkorporationen hat nun nach der Zuschrift„erfreulicherweise sofort erwirkt, daß dem Verband der Schneider und Schneiderinnen durch«ine schleunige Verfügung bei einer fiskalischen Strafe von SlWO M. für jeden Fall verboten wird, mündlich oder schriftlich oder sonst durch die Presse zu verkünden, daß hier ein Streik bestehe und die Werk- stätten der Schneidermeister gesperrt seien". Tatsächlich ist eine Verfügung ergangen, aber es handelt sich natürlich nicht um 5000, sondern um 1500 M., und der Schneiderverband hat selbstverständ- lich gegen die Verfügung Einspruch erhoben, wie er überhaupt auch den weiteren Klagen der Schneidermeister in aller Ruhe entgegen- steht. Die Herren haben übrigens gar keinen Grund, sich also aufs hohe Pferd zu setzen. Der Jnnungsvorstand hat ein von dem stell- vertretenden Obermeister Vo g t und dem Schriftführer S ch ö n e r t unterzeichnetes Schriftstück an die Mitglieder der Innung ver- sandt, worin sie unter Strafandrohung aufgefordert werden, den neuen Tarifvertrag sofort wieder zu kündigen, so daß er am I. Juli d. I. ablaufen sollte. Ganz abgesehen davon, daß dieses Verfahren der gesetzlichen Pflicht der Innung, für ein gedeihliches Verhältnis zwischen Meistern und Gesellen zu sorgen, widerspricht, liegt in dieser ebenso gesetzwidrigen Strafandrohung auch ganz offenbar ein Vergehen gegen§ 153 der Gewerbeordnung und gegen § 241 des Strafgesetzbuches. Die Herren werden jedenfalls nicht umhin können, sich wegen Nötigung usw. zu verantworten, wie sie sich auch auf eine Schadenersatzklage gefaßt machen können, wenn ihr gesetzwidriges Verfahren die Folgen haben sollte, daß Schneider- gehilfen in Steglitz vom 1. Juli ab zu einem niedrigeren Tarif arbeiten müssen und so in ihrem Erwerb geschädigt werden. Aller- dings find eS nur 4 Firmen, die töricht genug waren, sich zur Kündigung des Tarifs nötigen und verleiten zu lassen, und die Zahl derer, die den Tarif anerkannt haben, ist 14. In ihrer Zuschrift bedenken die Herren überdies noch einen ihrer Kollegen, den Schneidermeister Asche, der das größte Ge- schäft am Orte hat, mit einer Verrufserklärung. Sie schreiben von ihm, daß er„trotz ehren wörtlichen Versprechen? die ungerechtfertigten Forderungen der Arbeitnehmer bewilligt und auch sozialdemokratische Arbeiter, die von den Schneidermeistern ausgesperrt waren, in seinem Betriebe anstellte". Asche habe be- reits die Konsequenzen aus seinem Verhalten ziehen müssen und sein Amt als Kassierer der Schneiderinnung niedergelegt. Tatsächlich liegt die Sache so, daß Herr Asche, als er den neuen Tarifvertrag anerkannte, nur das tat, wozu sich die anderen Meister schon bereiterklärt hatten, daß er also derjenige war, der den Anfang machte. Auch steht die Sache so, daß er gar nicht ge- zwungen worden ist, sein Kassiereramt niederzulegen, und daß es nicht sein Verhalten, sondern das Verhalten des Jnnungsvorstandes war, was ihm zur Amtsniederlegung Veranlassung gab. Wenn Arbeiter so gegen einen anderen Arbeiter vorgehen würden, wie hier die Jnnungsscharfmacher gegen ihren Vorstandskollegen Asche, ha würde sicherlich der Staatsanwalt sie bald zu packen kriegen. Schließlich sei noch bemerkt, daß in der Zuschrift von 40 bis 50 Proz. Lohnerhöhung die Rede ist, die die Arbeiter gefordert haben sollen. Es sind in Wirklichkeit rund 10 Proz. Lohnerhöhung, die die Firmen zu zahlen haben, die sich mit dem Schneiderverband einigten, und daß der Berliner Tarif für einen so naheliegenden Vorort wie Steglitz gelten soll, ist ja auch an sich schon kein un- Killiges Verlangen._ Berlin und llmgegend. Die Kistenmacher hatten sich am Montag in einer stark be- juchten Versammlung nach einem Bortrag des Kollegen Lang- > a m m e r mit dem Streik bei P s l u g r a d t zu beschäftigen. Schon im Winter brachen in diesem Betriebe Differenzen aus wegen zahlreicher Entlassungen. Der eine Inhaber hat nämlich das Bestreben, in seiner Werkstube die gelbe Gewerkschaft einzu- nisten. Doch wird es wohl bei diesem Bestreben bleiben, da die Verhältnisse in diesem Betriebe keinen günstigen Boden für eine gelb« Gründung bilden. Der Herr will nun versuchen, mit den einzelnen Arbeitern Sonderverträge abzuschließen. Eine weitere Ursache des Streiks ist in dem Verhalten einiger Auchkollegen zu suchen, aus dem sich Differenzen ergaben, die die jetzige Situatiorl herbei- führten. Diese 4 Mann blieben in der Werkstätte, zu denen sich noch nachträglich andere Arbeitswillige gesellten. Wie in der Debatte zum Ausdruck kam, hatte die Firma schon immer versucht, ihren Betrieb.verbandsrein" zu machen. Zwei der Arbeitswilligen sollen mit Revolvern ausgerüstet sein. Die Polizei läßt der Firma ausgiebigen„Schutz" zuteil werden. Streikposten werden sistiert. verantw. Redakt.: Richard Barth. Berlin. Inseratenteil verantw. Der eine Inhaber, der sonst aus den Gruß seiner Arbeiter nicht einmal zu danken geruht, begleitet jetzt in höchsteigener Person die „Stützen" seines Betriebes auf dem Wege hin und von der Werk- stube. In Anbetracht der ganzen Sachlage beschloß die Versamm- tung, den Streik abzubrechen. Achtung, Sattler! Die Differenzen in der Treibriemenfabrik von Ernst Schulz, Luckauer Straße 11, konnten durch Ver- gleichsverhandlungen beigelegt werden. Der Streik bei genannter Firma ist damit aufgehoben. Gesperrt sind dagegen noch immer die Betriebe von Schwarz u. Co., Witte, Göhlert u. Co., Franz Diesener und Aug. Pick. Die Ortsverwaltung Berlin des Verbandes der Sattler und Portefeuiller. Achtung, Maler! Ueber die Bauten der Firma Peter-Friedenau. Wies- badener Straße 9, Berlin, Uferstr. 3a, und Reinickendorf, Thuner, Ecke Holländer Straße, ist wegen Lohndifferenzen die Sperre verhängt. Verband der Maler, Lackierer, Anstreicher usw., Filiale Berlin. veuvlcbes KeicK. Die Böttcher in Guben haben an die Unternehmer Forde- Inhaber der Gubener Export-Apfelweinkelterei E. Poetko in Firma Ferd. Poetko lehnte das Verlangen der Arbeiter, die Firma Ferd. P o e k o lehnte das Verlangen der Arbeiter, die bisher sehr geringen Löhne von 16,50 M. bis 17 M. auf 20 M. auf- zubessern, ab. und er hielt das Anschreiben der Organisation für einen Eingriff in seine Betriebsverhältnisse. Einem bei ihm seit Jahren beschäftigten Böttcher schickte er per Eilbrief seine Entlassung, in der es hieß: „Um Ihren Lohnverbesserungsbestrebungen nicht im Wege zu stehen, verzichte ich auf Ihre ferneren Dienste und überreiche Ihnen einliegend Ihre Jnvalidenkarte, Krankenkarte und Ent- lassung."_ Vorpostengefechte! Eine große Anzahl Baugeschäfte der Städte Bochum, Gelsen- kirchen, Witten, Wattenscheid und einiger anderer Orte haben ihre Bauarbeiter— nicht die Poliere— auf den 15. resp. den 16. April gekündigt. In Heidelberg ist den Maurern, Hilfsarbeitern und Gipsern die Kündigung zugestellt. Betroffen sind von der Kündi- gung zirka 700 Mann. In den Unterweserorten ist den Maurern. Zimmerern und Bauarbeitern am Sonnabend, den 2. April, auf den 15. ge- kündigt worden._, Ein neues Sudelflugblatt. Gegen den Vorstand des Bergarbeiterverbandes ist jetzt Wieder ein neues Sudelflugblatt von den zwei ausgeschlossenen Mit- gliedern herausgegeben worden. Der HaupWorwurf richtet sich dagegen, daß einige Mädchen in gesegneten Umständen in der Druckerei und Buchbinderei des Verbandes beschäftigt gewesen sind. Ferner sollen Schwiegersöhne der Vorstandsmitglieder sowie Töchter derselben bei Arbeitsgelegenheiten bevorzugt worden sein. Die Tatsache, daß Zechcnbeamte zuerst das Flugblatt im Besitz hatten, käßt tief blicken. Hergestellt ist es in einer christlichen Druckerei. Wer die Drucktosten gezahlt hat— die beiden Herausgeber sind bettelarm—, darüber schweigt des Sängers Höflichkeit. Die Bildhauer der Firma Kopka in Herford haben am Sonnabend wegen Nichteinhaltens des vor 14 Tagen abgeschlossenen Tarifs die Arbeit niedergelegt. Die Bildhauer bei Husemann-Herford, Lette u. Potthoff- Bielefeld und Stenzel-Minden erklärten sich mit ihren Kollegen solidarisch und legten Montag ebenfalls die Arbeit nieder, da die Firma Kopka Arbeit an diese Meister abgegeben hat. Zuzug von Bildhauern nach diesen Orten ist zu vermeiden. Der Hilfsarbeiterstrrik in den Porzellanfabriken zu Meißen ist beendet._ Schutz den Arbeitswillige«. Vom Schöffengericht in M e i ße n wurden Freitag drei Streik- sünder und der Geschäftsführer des Fabrikarbeiterverbandes Grohmann wegen Arbeitswilligen-Belästigung verurteilt. Sie sollen während des Streiks der Töpferei-Hilfsarbeiter Arbeits» willige bedroht haben. Grohmann und ein Streikender wurden zu je 14 Tagen Gefängnis, die anderen beiden zu je 6 Tagen Ge» fängnis verurteilt._ Die Gipser und Stukkateure in Mülhause« i. E. haben am Montagvormittag die Arbeit eingestellt, da die Unternehmer seit Monaten hartnäckig jedes Entgegenkommen in den schwebenoen Lohntarifverhandlungen verweigerten und letzte Woche sogar mit Aussperrung drohten. Der Streikbeschluß wurde einstimmig in zwei Versammlungen sowohl von den frei- wie den christlich- organisierten Arbeitern der Branche gefaßt. Im Ausstand stehen zirka 100 Mann. In Karlsruhe sind am Sonnabend die Gipser und Stukkateure ausgesperrt worden, weil sie auf die Forderungen der Unternehmer nicht eingingen. ES dürften 40 bis 50 in Frage kommen. Der irrende Staatsanwalt. Zwischen zwei im Deutschen Maurerverband organisierten Maurern und einem christlich Organisierten kam es in Augsburg vor einiger Zeit zu einem Streite, der auf dem Heimwege zu Tätlichkeiten ausartete. Der christliche Maurer, der die beiden anderen durch Ausdrücke wie„Schandkerle" schwer gereizt hatte. erhielt dabei eine unbedeutende Verletzung im Gesicht. Auf er- statteie Anzeige hin wurde auch der eine der Täter zu 14 Tagen, der andere zu der hohe.. Strafe von zwei Monaten drei Tagen Gefängnis verurteilt. In der Berufungsinstanz vor dem Landgericht Augsburg gab sich nun der Staatsanwalt die größte Mühe, dem an sich unbedeu- tenden Vorfall einen politischen Hintergrund zu geben, obwohl nicht die geringste Veranlassung hierzu vorlog. Dabei verstieg sich der Staatsanwalt zu der Ansicht, daß der Ausdruck„Schandkerle", den der Christliche den beiden organisierten Maurern gegenüber gebraucht hatte, nach dem Vorausgegangenen.vollauf berechtigt" ge- wefen sei. Daß ein Staatsanwalt eine strafbare Handlung— als eine solche, als eine Beleidigung ist der Ausdruck unter allen Um- ständen zu betrachten— als„vollauf berechtigt" erklärt, ist ein Beweis, daß auch ein berufsmäßig„objektiver Beurteiler" nicht immer die ruhige Besonnenheit bewahrt, wenn es sich, wenn auch nur vermeintlich, um politische Gegensätze handelt. Die Berufung der Angeklagten wurde verworfen. Die Schneider in Mülhausen i. E. find ia«ine Lohn- bewegung eingetreten. Zuzug ist fernzuhalten. ZZuslnnd. Streik der französischen Seeleute. Aus Marseille wird gemeldet: Infolge eines vom Syndikat der eingeschriebenen Seeleute erlassenen Streik- aufrufeS haben die Mannschaften der Fahrzeuge sämtlicher Dampfergesellschaften die Schiffe verlassen. Der Aufruf des Syndi- kats ermahnt die Seeleute, solange im Streik zu verharren, als die Maßnahmen gegen die H e i z e r der„Muluja" aufrechterhalten bleiben. Da das Auslaufen keines Dampfers sichergestellt werden kann, beginnt die Compagni: Transatlantique, die Ueberfahrts- preis? zurückzuzahlen._ Uh. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u. VerlagSanftall ! Der Streik und feine Ursache kam auch im französischen Senat zur Sprache. In der Debatte über das Marinebudget äußerte F l a i s s i e r e s sein Bedauern über die in Marseille gestern er- folgte Verhaftung von 12 H e i z e r n des Dampfers„Muluja" Unterstaatssekretär C h e r o n erwiderte, er sei entschlossen, der Disziplin in der Handelsmarine Geltung zu verschaffen. Die Heizer der„Muluja" hätten im Augenblick der Abfahrt des Schiffes ihre Arbeit verlassen. Eine solche Handlungsweise könne nicht ge- duldet werden. Sie seien deshalb dem Gesetz entsprechend verfolgt worden. Die eingeschriebenen Seeleute hätten darauf einen Aus- st and von 24 Stunden verkündet und erklärt, daß man zum Generalstreik übergehen werde, wenn gegen die Heizer vor- gegangen würde. Die Regierung habe nicht nachgeben können und die Heizer verhaften lassen. Der Untcrstaatssekretär erklärte schließlich, er werde sich nach Marseille begeben, um zu verhindern, daß d:e ordentlichen Elemente einigen Rädelsführern folgten. DaS Gesetz werde Anwendung finden. Miiilslerpräsident B r i a» d, Marineminister B o u ö de Lapehröre und der Unterstaatssekretäc im Marineministerium C h ö r o n traten zu einer Konferenz zusammen, in der sie über Maßnahmen berieten, um den öffentlichen Dienst, die Beförderung von leichtverderblichen Waren und vo» Passagieren sicher zu stellen. Sie beschlossen, gegebenenfalls die schärfsten Maßnahmen in An- wendnng zu bringen, um dem Konflikt ein Ende zu machen. Ge- plant ist u. a. die Indienststellung von Kriegsschiffen. Unterstaats- sekretär Cböron ist nach Marseille abgereist. Wie aus Marseille gemeldet wird, haben die ein» geschriebenen Seeleute die Fortsetzung des Ausstaildes beschlossen, bis die verhafteten Seeleute der„Muluja" in Freiheit gesetzt, die ungesetzliche» Klagen der Kapitäne zurückgezogen und die bei einzelnen Gesellschaften beschäftigten farbigen Malrosen entlassen würden.— In T o u l o n haben die eingeschriebenen Seeleute ebenfalls den Ausstand verkündet._ Der Generalstreik in Philadelphia hat zum Siege geführt. Nach langwierigen Verhandlungen, in denen der Bermiitler, der republikanische Bundessenator P e n r o se, seine ganze Energie für eine Beilegung des Streites zwischen der Straße Ii bah n gesellschaft und ihrem Fahrperional einsetzte, gab die Gesellschaft auf der ganzen Linie nach. Die Organisation wurde anerkannt und ein Beschwerdekomitee zugestanden: zwei Punkte, die vorher„grundsätzlich" abgelehnt worden waren. Die Lohn- erhöhung(23 Cts. Stundenlohn jetzt, 23>/z vom 1. Juni an, statt 22 bezw. 23 Cts.) wurde bewilligt. Ueber die Wiedereinstelluiig der vor Ausbruch des Streiks entlassenen Angestellten entscheidet ein Schiedsgericht. Die Ausständigen werden bis spätestens in zwei Monaten wieder eingestellt und erhalten bis dahin zwei Dollar Tagegeld. Damit ist der geplante Generalausstand für den ganzen Staat Pennsylvanien gegenstandslos geworden. Der Eifer deS republikanischen Senators entsprang politischen Befürchtungen. Der Anschauungsunterricht über das Wesen des Kapitalismus und seiner Behörden, insbesondere das Eingreifen der „Kosaken", einer aus den verwegensten Elementen zusammengesetzten bewaffneten Garde, die mit furchtbarster Brutalität gegen die Streikenden und die mit ihnen sympatbisierenden Arbeitermasien vorging, trug überaus viel bei zur Auiklärung der organisierten Arbeiter, die ohnehin durch die Schlag auf Schlag folgenden Ereig- nisse aus ihrer Lethargie aufgerüttelt werden. Ueberall erscholl der Ruf nach Arbeiterpolitik. Am 19. März, dem Tage vor Beendigung des Kampfes, sprach Genosse D e b S in einer Riesen- Versammlung von 8000 Personen. Er erzählte, daß man ihn für den Fall der„Aufreizung" mit Wortentziehung bedroht habe, übte aber dennoch schärffte Kritik an dem Vorgehen des Mayors, des Polizeichefs, und des„anderen RaubgefindelS der Stadt". Seine Aiifforderung, bis zur Entscheidung im Sympathiestreik zu verharren, wurde enthusiastisch aufgenommen. Böses Blut unter den deutschen Gewerkschaften, die den Streik mit aller Kraft geführt haben, hat das Verhalten des Brauer» Verbandes gemacht, der aus Rücksicht auf ihren geltenden Tarifvertrag eS ablehnte, sich an dem Generalstreik zu beteiligen. Man warf ihnen vor, daß sie mit Hilfe der übrigen Arbeiter ihre Lage Verbeffert hätten, nun aber sich weigerten. Gegendienste zu leisten. Sie erklären demgegenüber, daß ihr Eingreifen nutzlos gewesen wäre, ihnen aber viel Schaden gebracht haben würde. Der Generalstreik sei unüberlegt und für einen politischen Zweck verhängt worden. DaS ist der konselvative Umonsstandpunkt in Reinkultur, leider durch eine deutsche Organisation vertreten. Die Verbandsleitung hat sogar Polizeihilfe in Anspruch genommen. um eine Frau Therese Ouittano, Mitglied der sozialistischen Partei und Vertreterin des sozialdemokratischen FrauenvereinS und der vereinigten deutschen Gewerkschaften auS einer Versammlung ent» fernen zu laffen._ Letzte Nachrichten und Depefchen. Vom Wettrüste«. Paris, 5. April.(W. T. B.) Im Senat führte bei der De. ratung des Gesetzentwurfs, durch den die Regierung ermächtigt wird, in diesem Jahre zwei Panzerschiffe auf Stapel zu legen. DestournelleS de Constant aus, es sei nicht weise, sich in eine Operation einzulassen, die das Budget noch weiter belasten würde, ohne daß man die Gewißheit habe, daß die gebrachten Opfer nützlicher seien, als die seit 40 Jahren veraus- gabten Milliarden. Der Marinemini st er erwiderte, es handele sich gegenwärtig nicht um das Flottenprogramm, eS handele sich augenblicklich darum, der Marine die Mittel zu geben für den Ersatz der beiden ältesten Panzerschiffe. Fjankreich habe nur 16 Panzerschiffe, von denen S veraltet seien. DaS genüge nicht für die Sicherheit des Landes. In Wirklichkeit müßten nicht zwei, sondern drei oder vier Panzerschisse angefordert werden.(Beifall.) Im Namen der Finanzkommission ersuchte Monis, dem Gesetzentwurs zuzustimmen. Die geplanten Schisse seien beinahe allen ausländischen überlegen. Hieraus sprachen noch einige Redner für den Gesetzentwurf, und nachdem F l a i s s i e r e s den Wunsch ausgesprochen hatte. Frankreich möge die Initiative zur Abrüstung ergreifen, wurde der Gesetzentwurf einstimmig angenommen. Die Gehalitssrage deö französische« Bahnpersonals. Pari», 5. April.(W. T. B.) Die Deputierten kam wer. die heute die Debatte über die Interpellation betreffend die Lage per Eisenbahnbeamten fortsetzte, nahm eine Tagesordnung an, in der der Regierung das Vertrauen ausgesprochen wird, daß sie dem Bahnpersonal! die hinsichtlich der Regelung der Arbeitsver- Hältnisse, der Gehälter und der Pensionen geforderte« Berbcsse- rnngen verschaffen werde._ Die Tätigkeit des Aetna. Catania, 5. April.(W. T. B.) Letzte Nacht erfolgte ein heftiges Anwachsen der EruptionScrscheinungen am Aetna.' Einer der auS- geworfenen Lavaströme bewegt sich mit 10 Meter Stunden- geschwindigkeit vorwärts und ist nur noch 250 Meter von der Straße nach Borrello und Ricolosi entfernt. Andere Lavaströme rücken mit geringerer Geschwindigkeit vorwärts. Zum Aufruhr in Albanien. Saloniki, 5. April.(W. T. B.) Wie von amtlicher Seite mit» geteilt wird, haben sich die A r n a u t e n von P r i s ch t i n a dahin geeinigt, keine Steuern zu entrichten und sich bei P e l a v a>n der Nähe von Prischtina konzentriert. Schefket Pascha besitzt alle Boll- machten zu energischem Borgehen. Die Regierung ist gesonnen, äußerste Strenge anzuwenden.___ ßaul Singer LcCo., Berlin LVV. Hierzu 3 Beilagen u.Unterhaltungsbl, It. 79. 27. Jahrgang. filjjf des Joriüirls" Miwolh. 6 April l91y. ver Mmarich«Zer deutschen Bauarbeiter. Der gemmsame Derbandstag der Maurer und Kauhiissarbeiter. Testern vormittag versammelten sich die Delegierten der Maurer und der Bauhilfsarbeiter im großen Saale des Gcwcrk- schaflshauses, um auf einem gemeinsame» Verbandsrage weiter über die Lage zu beraten und die erforderlichen vef-blüffe zu fassen. DaS Bureau des Verbandstages bilden dieselben Personen, die den ge- meinsamen Verbandslag in Leipzig leiteten, der bekanntlich über die Verichntelzung der beiden Verbände beschloß. Das Referat hält Bömelburg: Er bespricht den Enttvurf der Unternehmer und führt dann ans: Man wird in den nächsten Tagen die Frage aufwerfen, wer schuld ist, daß der Kamps ein- brannte, und die Arbeitgeber werden iagen, die Arbeiter haben den Krieg vom Zaun gebrochen; die bürgerliche reaktionäre Presse wird dasselbe sagen. Demgegenüber muß festgestellt werden, daß die Arbeiter nicht einen einzigen Antrag gestellt haben, der zum Kriege führen muß. Die strittigen Punkte bestehen lediglich in den An- trägen der Arbeitgeber. Wenn die Unternehmer sagen, die Arbeiter seien schuld an dem Kampfe, so handeln sie nach der Moral der Wegelagerer:„Hättest du mir deine Börse gegeben, so hätte ich dich nickt totgeschlagen!"— Wir werden den Kampf aufnehmen, sagte der Redner zum Schluß, müssen ihn aufnehmen, und ivcil es die Unternehmer so wollen, werden wir sagen: Pardon wird nicht gc- geben. Auf der Basis werden wir den Kampf führen, um unsere Interessen, um die Interessen des arbeitenden Volke» zu schützen. Die Ausführungen des Referenten wurden von dem Verbands- tage mit allgemeinen lebhaften Beifallsäußerungen begrüßt. Noch einer kurzen Frühstückspause wurde ein Telegramm bekannt- gegeben, wonach in Nürnberg 900 Bauarbeiter, darunter 300 Maurer, plötzlich entlassen find. Der Nürnberger Arbeitgeberverband hat es also so eilig mit seiner Aussperrung gehabt, daß er deswegen Tarif- bruch beging. Wie schon im Laufe deS Referats immer wieder in Zwischen- rufen und Beisallsänßerungen spontan hervorgetreten war, so bewies auch die Diskussion, die nun einsetzte, in ihrem ganzen Verlauf, daß die Bauarbeiterschaft Deutschlands nirgendwo gesonnen ist, sich den unverschämten Anträgen des Unternehmertums zu fügen. Aus allen Gauen des Reiches, aus Nord-, aus Süd-, aus Ost- und Wcstdeuischland meldeten die Delegierten, sowohl die Maurer als auch die Hilfsarbeiter, wie die ganze Bauarbeiterickaft einmütig und mit Entrüstung die Zumutungen des Uniernehmertunis zurückweist und bereit ist, den unvermeidlichen Kampf mit voller Kraft auf- zunehmen und bis an» Ende durchzuführen. Dieser Gedanke bc- herrschte die ganze Diskussion, die sich bis in die Nachmittags- sitzung'/zb Uhr erstreckte. Danach wurde einstimmig folgende Resolution an- genommen: Die VerbandStage der Zentralverbände der Maurer und bau- gewerblichen Hilfsarbeiter Deutschlands dokumentieren aufs neue und in vollster Einniüiigkeit mit der Gesamtheit der Mitglieder. daß sie unverrückbar festhalten an der Regelung der Lohn- und Arbeitsbedingungen durch Tarifvertrag. Die Zentralverbände be- kennen sich damit zu wiederholten Malen zu friedlich-schicdlichen Verhandlungen mit den Organisationen der baugewerblichen Unternehmer, um auf dem Boden unbeeinträchtigter Parität einen gereckten Ausgleich zwischen den berechtigten Interessen der Arbeiter und Unternehmer herbeiführen zu helfen. Unbeschadet dieser grundsätzlichen Erklänmg müssen die VerbandStage eS jedoch ablehnen, auf Giund der vorliegenden Anträge des Deutschen ArbeitgeberbundeS für das Baugewerbe weiter zu verhandeln, da es ein völlig unfruchtbares Beginnen wäre. Tarifverträge durchzuführen, die daS VerlragSmuster des ArbeitgeberbundeS als Grundlage haben. Insbesondere lehnen cS die VerbandStage ab. daß die Tarif- vertrage abgeschlossen werden zwischen den Zentralvorständen der Orgamsationen. Träger der Tarife müssen wie bisher die örtlichen Organisationen sein, denn diese sind es, die den Benrag in allen Stücken und in erster Linie durchzuführen ?aben. Den Zentralvorständen bleibt die Aufgabe, die Durch- ührung der Tarife zu überwachen, Konflikten, die sich aus dem Vertragsverhältnis ergeben, vorzubeugen und die verbleibenden Differenzpunkte letzten Endes zu schlichten. Ebenfalls müssen die VerbandStage eS ablehnen, in einem BertrogSmusier Durchschnitts- oder Staffellöh nc fest- zulegen. Völlig unannehmbar für die Zentralverbände ist auch jede einschränkende Bestimmung bei der Lohnfest- setzung, soweit nicht alte, invalide und jugendliche Arbeiter in Bettacht kommen. Völlig undiskutierbar sind für die VerbandStage die Forde- rungen des ArbeitgeberbundeS betreffend Akkordarbeit-und Arbeitsnachweis. Die VerbandStage legen Wert darauf, festzustellen, daß sie in der Frage der Akkordarbeit keine Aenderungen deS gegenwärtigen ZustandeS anstreben, ihre Regelung vielmehr den örtlichen Organi- sationen zuweisen. Dagegen werden die Zentralverbände niemals einer Regelung der Akkordarbeit in dem Sinne zustimmen, wie sie der Arbeitgeberbund fordert, wonach den Arbeiterorganisationen jeder Einfluß aus die Akkordarbeit, insbesondere auch auf die zu zahlenden Löhne, genommen werden soll. Der Zweck der von dem Arbeitgeberblmd geforderten Arbeits- nachweise ist durch die Führer des Bundes selbst so klar gekenn- zeichnet, daß sie auck ohne die praktische Erfahrung der Arbeiter- schaft als MaßregelniigsbureauS bekannt sind. Die Zentral- verbände haben längst erkannt, daß mindestens in den Grönstädten die Arbeitsvermittelung einer Regelung bedarf. Dies kann jedoch nur auf dem Boden vollster Parität geschehen, und die Zentral- verbände erklären sich zu wiederholen Malen bereit, genieinsam mit den Unrernehmerorganisalionen an die Lösung dieser Aufgabe heranziilreren. Schließlich muffen die VerbandStage unter allen Umständen daraus bestehen, daß der Arbeitgeberbund seine zwar außerhalb des BerlragsttlnsterS, aber damit im Zusaminenhang stehenden Beschlüsse über Lohnhöhe und Arbeitszeit aufhebt. Den Zeniralverbändcn der Maurer und Vauhil'Sarbeiter ist eS un« möglich, Beiträge einzugehen oder überhaupt über ein Vertrags- muster zu verhandeln, wenn nickt zuvor die Bahn frei gemacht ist für die Verkürzung der Arbeitszeit unter zehn Stunden, zunächst in den großstädtischen Arbeitsgebieten, wo eS eine un- abweisbare Notwendigkeil ist, und wen» ferner nickt eine vor- herige Verständigung darüber erzielt wird, daß die Löhne den teuren LedenSverhältnisseii cnispiechend aufgebeffert werde» sollen. Die VerbandStage der Maurer und baugewerblicken Hilss- arbe't-r Deulscklands wiederholen, daß sie gern bereit sind, einen vertraglichen Zustand herbeizuführen und für den Frieden im Bau- gewerbe eine dauerhafte Grundlage schaffen zu helfen, sie können daS aber nur, wenn der Deutsche Arbeitgeberbund für das Bau- gewerbe seine der Parität hart i»S Gesicht schlagenden Forde- rungen falle» läßt und sich wie die Zentralverbände zu der Tarifidee bekennt, die eine notwendige Vorbedingung für Tarif- Verträge ist. Als der Vorsitzende die Einstimmigkeit dieses Beschlusses feststellte, erschallten laute Bravorufe. Inzwischen wurden die Delegiertcnwahlcn zum außerordentlichen Gewerkschaftskongreß, der boranssichtlich am 25. April zusammentritt, voll- zogen, nachdem man sich damit einveistanden erklärt hatte, daß dies ausnahmsweise auf dem VerbandStage geschehen sollte, um mit Rücksicht auf die große Lohnbewegung, die alle ver- fügbare Zeit und Kraft in Anspruch nehmen wird, die Zahlstellen nicht damit zu belasten. Hierauf kommen die außergewöhnlichen Maßnahmen für die Lohnbewegung zur Abstimmung. Die gedruckte Vorlage wird ohne Diskussion ein- stimmig angenommen. Sie enthält zunächst Vorschriften über Mit- gliederlegitimaiion und Mitgliederverzeichnis, dann über die Bei- tragsleistung usiv. Alle Mitglieder des Verbandes, die während der Lohnbewegung im Baugewerbe arbeiten, sind verpflichtet, neben dem regelmäßigen Verbandsbeitrag und den örtliche» Zuschlägen einen besonderen Slreilbcitrag zu leiste», der pro Tag je»ach der Höhe des Stundenlohnes 10 Pf. bis zu 1 M. beträgt. Für die Streikunter- stützung, die nur an Mitglieder, aber auch an solche gezahlt wird, die erst während der Bewegung dem Verbände beitreten und bis zum 1. April ihre Beiträge nachzahlen, ist eine lttägige Karenzzeit festgesetzt. Für die ersten Ii Tage des Kampfes wird also keine Unterstützung gezahlt, auch nicht aus örtlichen Mitteln. Nach Erledigung dieses Punkles wird belaimtgegeben, daß die Beamten beider Verbände sämtlich für die erste» 14 Tage auf ihr Gehalt verzichte» und für die weitere Dauer des Kampfes 25 Proz. ihres Lohnes als Streikbeitrag zahlen. Sodann ivird auf Vorschlag des„Grundstein'-Redakteurs W i n>i i g einstimmig eine Resolution angenomnien, die eS den Mitgliedern beider Verbände nicht nur zur Pflicht macht, sich gemäß den Bxschlüffen des Leipziger Parteitags deS Schnapsgenusses zu enthalten, sondern auch während der ganzen Lohnbewegung über- Haupt keine alkoholischen Getränke zu sich zu nehmen. In den Lokalen, wo die Mitglieder sich zur Kontrolle zu melden haben, soll allerorts dafür gesorgt werden, daß keinerlei Trinkzwang besteht. Bömelburg gibt bekannt, daß die Vorstände aller vier in Bettacht kommenden Verbände beschlosien haben, daß während der Bewegung keinerlei Ucdcrttitte von der einen Organisation in die andere zulässig sind.— Es wird von allen übrigen Verbänden, die Bauarbeiter in ihrer Milte haben, erwartet, daß sie diese in beziig auf Unterstützung und Karenzzeit ebenso behandeln, wie es hier be- schloffen ist; und ebenso wird erwartet, daß diese Verbände keine Mitglieder aus den Bauarbeiterverbäiiden anstlehmen, es sei denn, daß tatsächlich Berufswechsel vorliegt. Der Redner erllärt ferner, daß wenn nun, wie vielleicht vorauszusehen ist. von dritter Seite Verhandlungen angebahnt werden, die Arbeiterorganisationen nur unter der Bedingung darauf eingeben lömien. daß vorher die Unternehnier erklären, daß sie ihre Anträge zurückziehen. Die Unlernehmer sind die Angreifer und sie haben desbakb auch die Verpflichtung, zu sorgen, daß eS möglich wird, den Frieden im Baugeiverbe wieder herzustellen. Wen» wir u»S aber in einem Orte auf für uns annehmbarer Grund- luge einigen köinien, werden wir dazu bereit sein. Die Einmütigkeil, wie sie bei uns auf dem BerbandStag zutage trat, sagt der Redner in seinem Schlußwort, herrscht ebenso auch bei den anderen Organisationen. Wir können konstatieren, daß eS uns gelungen ist, die vier Organisationen einmütig zusanimen- zubringen. Auch unter den Vorständen herrscht darüber nur eine Meinung, daß es ein Zurück in diesem Kampfe für uns nicht geben kann. Für die gesamte Bauarbeitcrschaft muß nun der Rütli- schwur gelten: Wir wollen sein ein einig Volk von Brüdern, In keiner Not uns trei�icn und Gefahr. Mit begeisterten Hochrufen auf die Bewegung und auf die Ein- mütigkeit der Bauarbeilerschaft wurde der Verbandstag um 6 Uhr geschloffen. Der Gesang der Arbeitermarseillaise durchbrauste den Saal, be- vor man voneiiiander Abschied nahm. Drrbandstag der Znilmerer. Nachdem für die Verhandlungen die Oeffentlichkeit wieder her- gestellt war, gab der Verbandsvorsitzeiide Schräder- Haniburg eine ziisamiiieiifaffende Darstellung dessen, was in der nicht öffent- lichen Sitzung beraten und festgestellt worden ist. Er sagte unter anderem: Es herrschte vollkommene Einstimmigkeit darüber, daß die Zllniutungen der Untcriiehmer mit aller Entschiedenheit zurück- gewiesen werden müssen. Der Bund der Arbeitgeber hat u»S seine Dresdener Beschlüsse mitgeteilt. Als Antwort darauf schlagen wir eine Resolution vor und erwarten, daß sie von der General- Versammlung einstimmig angenommen wird. Wir werden dafür sorgen, daß unser Kampf dann erst recht beginnt, wenn die Unternehmer glauben, unsere Mittel seien zu Ende. Wir schlagen deshalb eine Reibe außerordentlicher Maßnahmen vor. welche an Stelle des Streikreglemeiits treten sollen. Wenn diese Vor- ichläge angenommen werden, dann sind wir in der Lage, den Kampf nickt nur Wochen, sondern Monate aus- zuhalten. Die Aiigrsti'llten unseres Verbandes haben beschloffen, für die Zeit dcö Kampfes die Hälfte ihres GchaltS an die Berbands- kasse zitrückzuzahlen. Wenn auch dadurch keine große Stärkung des Kampsfonds eintritt, so haben die Betreffenden doch zum Ausdruck gebracht, daß sie nach Kräften Opfer für den Kampf bringen wollen. sBravo.) Es wird erwartet, daß unsere Mitglieder, welche nicht im Verbände, sondern anderweitig angestellt sind, sich ebenso opferwillig zeigen wie die BerbandSangestellten. Nack Schräder sprach noch K l o s o w s k i- Berlm. Dann wurde einstimmig beschlossen, auf jede weitere Diskussion zu ver- zichtc» u»d den Unternehmern die Antwort aus ihre Herausforderung der Arbeiter zu erteilen. Einstiinmig wurde die von Schräder vorgeschlagene Resolution und ebenso einstimmig wurde» die„außerordeiillichen Maßnahmeil' angenommen Lebhafter Beifall begrüßte das AbstliniilmigsergebiliS. Die Resolution laulet: � Die am 4. und 5. April in Berlin tagende außerordentliche Generalversammlung deS ZenttalverbandeS der Zimmerer und verwandten Berufsgenossen DeuischlandS nimmt von der offiziellen Mitteilung de» ArbeitgeberbundeS für das Baugeiverbe, die Tarif- bewegung betreffend. KcmtliiiS. Die Generalbersammlung erklärt hierzu, daß die Zimmerer Demschlands nach wie vor auf dem Boden der Tarifidee stehen und auch geneigt sind, für die Zukunft Tarifverträge abzuschließen, wenn die hierzu erforderlichen Vorbedingungen erfüllt sind und die bisherigen Grundlagen des Tarifvertrages beibehalten werden, das sind: 1. Volle Parität in allen Fragen, die der tariflichen Verein- barung zwischen Arbeitgeber- und Arbeitnehmerorganisation linlerliegen. 2. Uneingeschränktes SelbstbestinimungSrecht der örtlichen Organi- sationen über Inhalt, Annahme und Ablehnung der Tarif- Verträge. Nach den Beschlüffen, die der Arbeitgeberbund für daS deutsche Baugewerbe aus seiner außerordentlichen Generalversammlung in Dresden gefaß Hai, will derselbe die Grundlagen der Tarifverträge berlasfeii und sie gewaltsam in andere Bahnen drängen, um sich für alle Znknnfi die unbedingte Herrschaft über die Arbeiter und deren Organisationen zusichern. Zu diesem Zwecke fordert derselbe: 1. Den Abschluß der Tarifverträge für alle in Frage kommenden Orte durch die Zentralvoritände. 2. Die Einführung von Staffel« und Durchschnittslöhnen. 3. Die Anerlennung und Sicherung der Akkordarbeit durch die Arbeituehmerorgaiiifatione», unter einseiliger Festsetzung der Akkordprcise durch die Unternehmer. 4. Beschränkung der persönlichen Freiheit der Arbeiter auf den Bau- und Arbeitsstellen. 5. Jegliche Verzichtleistnng der Arbeitnehmer auf_ eine Verkürzung der Arbeitszeit, auch dort, wo die Verhältnisse eine solche bedingen. 0. Anerlennung der von den Arbeitgebervereinigungen einseitig eingerichteten und noch einzurichtenden Arbeitsnachweise. Diese» Bestrebungen des ArbeitgeberbundeS für daS deutsche Baugewerbe«nüsscit und werde» die Zimmerer Deiitschlands den schärssten Widcrsland entgegensetzen, um so vichr, als das Borgchcn des ArbeitgeberbundeS in letzter Linie darauf hinausläuft, Hinsicht- lich der LebcnShaltuitg der Arbeiter nicht nur jeden Fortschritt zu unterbinden, sondern sie in ihren(fListcnzbedingmigcn herab- zudrücken. Die Generalversammlung des ZenttalverbandeS der Zimmerer DentschlandS lehnt deshalb das Ansinnen deS ArbcitgebrrbundrS sö das deutsche Baugewerbe mit aller Entschiedenheit ad. Der haupisächlichste Inhalt der beschlossenen außerordentlichen Maßnahmen ist folgender: Die statutarischen Bestimmungen deS Streikreglements werden während der bevorstehenden Bewegung außer Kraft gesetzt. Jedes Mitglied, ohne Ausnahme, erhält eine Streikkonttollkarte, die zum Einkleben der Extramarken und in Verbindung mit dem Mitglieds- buch für das Jahr 19l0 als Legitimation dient. Für die bevor- stehende Bewegung gilt in allen Fällen eine Karenzzeit von zwei Wochen. Während dieser Zeit wird Unterstützung weder aus drr Zcntralkassc noch aus lokalen Mitteln gewährt. Unterstützung, auch Reiseunterstützung, wird erst vom dreizehnten Wochentage an ge- zahlt. Ihre Höhe richtet sich(wie schon das Streikreglement deS Statuts bestimmt) nach dem Stande der Kasse aus der Zahl der zu Unterstützenden. Auch nach dem Ablauf der Karenzzeit dürfen Zu- schüsie aus lokalen Mitteln zu den aus der Zentrallasse geleisteten Unterstützungen ein Fünftel der ftatuiarischen Unter- stützungssätze nicht übersteigen. Ledige Mitglieder, die nur fiir� ihren eigenen Unterhalt zu sorge» haben, erhalten eine um 30 Pf. pro Tag geringere Unterstützung wie verheiratete. Die Familien der verheiratete» Mitglieder, die den AllssperrnngSort verlassen und an einem aiideren Orte arbeiten, wo der Loh» nicht höher ist als am Orte der Ausspemliig, erhalten die im Slreikreglement vorgesehene Faimliemmterstiitzung. Mitglieder, die während der Bewegung neu eintreten, haben die regelniätzigen VerbandSbeiträge sowie auch alle Extrabeiträge vom 1. April ab»achzuzahlen. Sie erbalien in allen BeiiragSklassen nur drei Viertel der scftgeietzten Unterstützung. Nur an solche Mitglieder, deren Mitgliedsbuch und Sireikkarte volliländig in Ordnung sind, wird Unterstützung gezahlt. Lausende Beiträge sind von der Unterstützung in Abzug zu bringen. Vom 18. April ab haben alle in Arbeit stehenden Mitglieder einen Extrabritrag zu leisten, der durch Marlen quittiert wird. Die Höhe desselben richtet sich nach dem Lohnsatz. Sie ist in einer Tabelle festgesetzt, ivelche mit einem Exlrabeitrag von l0 Pf. pro Tag bei einem Stundenlohn von 30 Pf. beginnt. Der Extrabeilrag steigt progressiv mit dem Lohn lind beträgt in der höchsten Klasse 1 M. pro Tag bei einem Stundenlohn von 71 Pf. und darüber. Damit sind die Verhandlungen des VerbandStageS erledigt. Der Vorsitzende Schräder erinnerte in seiner Schlußrede an die Einmültgkctt, welche die Beratungen iiud Beschlüsse der Generalversammlung beherrschte, und schloß mit einem Hoch auf den Ver« band und die erfolgreiche Durchführung des bevorstehenden Kampfes. Derbandstag der christlillien Kanardeiter. Am Dienstagnachmittag trat der Kongreß wieder in die öffent» liche Verhandlung ein. Wiedeberg- Berlin berichtete über die geschlosseneii Sitzungen und begründete die inzwischen ausgearbeitete Resolution. Die Resolution soll zum Ausdruck bringen, daß der Verband nach wie vor auf dem Boden der Tarifverträge steht und schließt sich in der Krilik des Unlernehinerentwurss so eng an die Resolution der freigewerkschaftlichen Organisationen der Maurer und Bauarbeiter an, daß wir glauben, auf ihre wörtliche Wiedergabe verzichten zu können. Nach Begründung dieser Resolulio» schloß der Redner:„Kollegen I In dieser Stunde fassen die anderen Verbände dieselben Beschlüsse wie wir. Wollen die Herren den Kampf, gut, wir sind bereit!"(Stürmischer Beifall.) Der nächste Redner aus Bochum stellt mit Genugtuung fest, daß Wiedeberg mit Nachdruck den Standpunkt der Tarif- Verträge vertreten habe. Damit sei einem besonders im Westen des Reiches Verbreitelen Gerücht, daß der Verband keinen Tarif»volle, der Boden einzogen. Redner spricht sich dann unter lebhafter Zustimmung im Simie des Referenten ans. Sämtliche Diskussionsredner vertraten den Standpunkt, daß die Unternehme» forderungen glattiveg abzulehiicii seien. ES sei kein Werk von „Hetzern", wenn die Arbeiter sich dagegen zur Wehre setzen, sondern die eiiimütige Willeilskimdgebung aller Arbeiter. Sämtliche Dele» gierten haben von ihren Mandatgebern die strikte Weisung, Maß- »ahmen zu treffen, um den tückischen Schlag des Unternehmertums wirksam abzuwehren. Bei der Abstiinmung wird die von der Kommission vorgelegte Resolution einstimmig angenommen. Schmidt-Berlin sprach in seinen Schlußworten die Ve» mutung aus, daß die Unteruehnier das Ultimatum in der Erwartung deS eben gefallenen ResultaiS gestellt haben. Sie wollte» also den Kampf, sie sollen ihn haben. Außergewöhnliche Zeiten erfordern außergewöhnliche Mittel. Eine solche Zeit ist jetzt herein- gebrochen. Deshalb sind auch neue Maßregeln getroffen worden, und ist das Statut für die Dauer des Kampfes ausgeschaltet. Die Maßnahmen sind in einem Formular enthalten, daS den Delegierte» gedruckt vorliegt. Ein neucS Kontrollsystem ist vor« gesehen. Anch bezüglich der Abreise von Mitgliedern nach anderen Orten bezw. ihrer Heimat sind neue Bestimmungen festgesetzt. Beitragszahlung und UnterstlltzmigSwesen sind von Grund aus ge- ändert. Für den Bezug der Slreikimterstützung gilt eine 14 tag ige Kaienzzeit. Die Beamten deS Verbandes haben freiwillig bc- schlösse», von ihrem Gehalt pro Monat 100, 00. beziehungsweise 75 Mark in die Streikkasse abzulicfer«.(Lebhaftes Bravo und Händeklatschen.) Die Vorschläge werden unter stürmischem Jubel einstimmig an- genommen. Wiedeberg erklärt, daß der Verbandstag nur vertagt, nicht geschlosien wird und»ach Bedarf im Laufe des' Kampfes fortgesetzt werde« kann. Die Versammlung stimmt dem z». Die christlichen Brudervereins der anderen Berufe Befltze», wie Etneralsekretär Stegerwald berichtet, einen Fonds in der Höhe von S Miilionen und sie sind bereit, ihren kämpfenden Kameraden unter die Arme zu greifen. Die Unternehmer hassen die christlichen Verbände mehr als die freien, weil sie glauben, wenn die christlichen beseitigt wäre», die freien um so leichter mit Staatsmitteln erdrosselt werden können. Kollegen I Wir gehen schweren Stunden entgegen. Haltet Disziplin, auch wenn ihr die Matznahmen de§ Vorstandes nicht immer versteht. Im Kriege kann der Feldherr nicht feine Pläne offen auf den Markt legen. Kollegen, seid auf der Hut, datz der große Moment ein großes Geschlecht findet.(Stürmischer Beifall.) H119 acr frauenbcwegung* Polizeipraxis. Da® allgemeine Wahlrecht bat dem alten Oesterreich einen modernen Anstrich gegeben. Trotzdem,„entprentzt' hat es sich doch noch nicht! Unsere hervorragendste Kulrnrblüte, die Jagowsche PolizcipraxiS, wird dort mit Eifer kultiviert. Besonders die sozialdemokratischen FrauenklubS sind der Polizei in verschiedenen Bezirkshauptmannschasten ein Dorn im Auge, Versammlungen werden Verbote» oder sonstwie verhindert— nach berühmtem Muster. Die Preutzen-PolizeipraxiS erfreut sich demnach nicht nur bei den Man- teuffetn und Trarbachs, sondern aucv bei österreichischen Behörden entsprechender Sympathie. Auch ein Trost! Frauen im Arbeitsbeirat. Vor einigen Jahren wurde vom Parlament und dem Handels- Ministerium in Oesterreich eine Institution geschaffen, die alle sozialpolitischen Gesetze, welche dem Abgeordnetenhaus vorgelegt Werden sollen, einer Vorberatung unterzieht. Auch neue Gesetze tonnen in Anregung gebracht werden. Die Regierung ernennt die Mitglieder aus Vertretern der Arbeiterschaft, der Arbeitgeber, der Regierung und der Wissenschaft. Dieser wichtige Ausschuß hat selbstverständlich auch alle sozialpolitischen Fragen zu beraten, welche die Arbeiterinnen berühren. So die Arbeitszeit, die Kinderarbeit, den Wöchnerinnenschutz und alle anderen Probleme des Arbeite- rinnenschutzes. Trotzdem gehört dieser Institution keine einzige Frau an. Die wichtigsten Fragen der Frauenbewegung werden verhandelt, ohne datz es den Arbeiterinnen möglich wäre, auch nur durch eine einzige Delegierte dazu Stellung zu nehmen. Unser« Genossinnen propagieren nun energisch die Forderung an die Re- �ierung, auch Frauen in den Arbeiterbeirat zu berufen. Es sind za auch unter den organisierten Arbeiterinnen genügend Frauen vorhanden, die ein derartiges Amt ausüben können, und es wird nur an der Einsicht der Leiter des Handelsministeriums liegen, ob diese Delegation noch lange auf sich warten lassen wird. Die Wirkungen des Frauenstimmrechtes in Neuseeland. Die PoeplS Federation(Volkswahlrechtsvereinigung), die für das allgemeine und gleiche Wahlrecht eintritt, hat kürzlich ein Flugblatt herausgegeben, in welchem sie ausführlich über den Stand und die Wirkungen des Frauenwahlrechtes in Neuseeland spricht. dem ersten Staate, welcher das Frauenwahlrecht eingefiihrt hat. Sie beruft sich dabei auf Lady Stout, eine geborene Neuseeländerin, welche sert 30 Jahren im öffentlichen Leben des Landes steht. Ihr Zeugnis widerlegt die Behauptung, die Frauen benützten das Stimmrecht nicht. Bei der ersten Wahl stimmten 85,18 Proz. der Frauen. Von da ab stieg die Wahlbeteiligung beider Geschlechter; ein Beweis dafür, datz das Frauenwahlrecht eine allgemein an- feuernde Wirkung ausübt. Das interessanteste Ergebnis ist die gute Wirkung, die daS sich entwickelnde VerantwortlichkeitSgefühl der Frauen für die all- gemeine Wohlfahrt hatte. ES bildeten sich Vereine zur Förderung der Gesundheit der Frauen und Kinder, zum Schutze der Säug- linge, zur Erziehung der Frauen für eine gute Ausübung des Mutterberufes. Mit Stolz kann Lady Stout ausrufen: Wir können die höchste Eheschliehungsrate irgend eines europäischen oder englisch sprechenden Landes, mit Ausnahme Ungarns, aufweisen; eine Geburtcnrate, die nur von Italien, den Niederlanden und zwei australischen Staaten übertroffen wird. Die niedrigste Zahl unehelicher Geburten, England, die Niederlande und Irland aus- genommen, ist bei uns zu finden, und die n i e d r i g st e K i n d e r- sterblichkeit der Welt! Diese Feststellungen sind die beste Empfehlung der politischen Gleichberechtigung der Frau. Soziales. Russische Saisonarbeiter. Der Andrang der russischen Saisonarbeiter ist, wie aus Pieschen gemeldet wird, in diesem Jahre ein ungeheuer starker. Die dortige Zentrale, durch welche die Arbeiter nach den verschiedenen Teilen Deutschland» verschickt werden, wird an manchen Tagen von 2000 Russen passiert. An der Grenze lagert zurzeit ein Arbeiterheer von 0000 Mann, das infolge deS großen Andranges nicht abgefertigt werden kann. Während im Vorjahre von Pieschen auS 13000 Mann nach dem Westen befördert wurden, sind eS in diesem Jahre bereits 20000 Arbeiter. Die ausländischen Arbeiter sind durch einen Haufen Agenten über die Grenzen gelockt. Die Agenten haben zu- meist andere Gegenden wie früher aussuchen müssen, weil ein Ausländer, der die Rechtlosigkeit ausländischer Arbeiter in Preußen kennen gelernt hat, ablehnt, nach Preußen zurück- zukehren._ Reue Fürsorgegreuel. DaS katholisch« FürsorgeerziehungSheim Sankt gosephS-Stift in Klein-Zinimern bei Darmstadt mißbraucht, wie die neueste Stummer deS FabrikarbeiterorganS feststellt, die dort erzogenen jungen Menschen in scheußlicher Weise. Die der»Für- sorge" deS Stifts Anvertrauten werden ständig zum Einpacken von giftigen Farbstoffen benutzt. Nach dem Rezept der spanischen katholischen Erziehungsanstalten ist das Institut zu einer Art Fabrik oder Fabriifiliale umgewandelt. DaS ganze Jahr hindurch werden Büchse» und Dosen für daS C h e m i k a l i e n w e r k G r i e» h e i m am Main fabriziert, dazwischen für den MilitSrfiSkuS einige taufend Dosen. Der hessische Staat leistet für jeden Zögling, der in dieser Fürsorgefabrik drei Jahre gelernt hat. an das Institut SM M. Seit Jahresfrist ist man dazu übergegangen, die Dosen gleich im Stift des heiligen Joseph mit der giftigen Fuchsin- färbe zu füllenl! Das Werk sendet Farbe und Anzüge für die Zöglinge. So werden wöchentlich IM bis 120 Zentner Fuchsin »erwogen, gefüllt und verpackt. In dem Institut sind IM Zöglinge. zum Teil noch unter 14, Jahren untergebracht. davon gelten>30 Zöglinge als Lehrlinge anderer Gewerbe- abteilungen der Fürforgefabrik. Der Arzt stellte schon auf Grund der giftigen Arbeit erfolgte Erkrankungssälle fest, er mußte sogar für einen Zögling das Beschäfligungsverbot aussprechen. Es half diesem nur nichts, er mutzte auch weiterhin die für ihn verderbliche Arbeit ver- richten. Da» Institut ist rein katholisch, die Srztehungsbrüder werden extra aus Frankreich verschrieben. Hoffentlich macht nun. wo die Ding« endlich einmal an die Oeffentlichkeit kommen, die hessische Gewerbeinspektion der unglaublichen GeschäflSroheit dieser frommen Brüder ein schnelle» Ende. ES ist die Ausbeutung der Fürsorgezöglinge ein zum Himmel schreiendes Unrecht, daS besonders ab- stoßend und empörend wirkt, wenn e» unter fronunem Deckmantel de» Ruf.Lasset die Kindleia zu mir kommen' in widerlichst« Weise verhöhnt. Städtisch« ArkeitSkosenverfichcrung. In der Bürgerausschutzsitzung der Stadt Freiburg(Baden) ge- langte nach dreteinhalbstündiger, zum Teil recht lebhafter und scharfer Debatte die Einführung der städtischen Arbeitslosenunler- stützung durch Stichentscheid des Oberbürgermeisters zur Annahme. Der Oberbürgermeister entschied sich für die Vorlage. Freiburg ist die erste badische Stadt, welche die Arbeitslosenunterstützung einführt._ Gefangene als Lohndrücker. In einer gut besuchten Versammlung, die der Genosse Fritz nbeil am 2. d. M. in Flatow in Wesjpreutzen abhielt, brachte ei» ischlermeister Schlichtbolz eine Angelegenheit zur Sprache, die von der Ausnutzung der Not der Arbeiter in jener Gegend beredtes Zeugnis ablegt. Im Februar dieses Jahres wandten sich elf arbeitslose Arbeiter in ihrer Not mit folgendem Gesuch an den dortigen Magistrat: Flatow. den l6. Februar 1910. Da die Arbeitslosigkeit auch in diesem Winter einen großen Umfang angenommen bat und infolge dessen eine gröbere Anzahl der Einwohner der Stadt ohne Beschäftigung sind, bitten die Unterzeichneten, sie doch bei den Arbeiten an der atten Jastrower Strotze«inzustellen. Darauf erhielten die Arbeiter vom Stadtrat Bütow unter dem 13. Februar folgende Antwort: Die Arbeiten an der alten Jastrower Strotze sind des eingetretenen Frostwett-rs vorläufig beendet, sollten dieselben im Frühjahr wieder aufgenommen werden, so bin ich sehr dafür, datz die unterzeichneten Arbeiter zu diesen Arbeiten herangezogen werden, wenn dieselben für das Tagelohn, welches die G e- fangen«» erhalten, arbeilen wollen. Flatow d. 18/11 1910 Bütow. Hier wird also gegen gewerbliche Arbeiter in die Praxis um- gesetzt, was der freikonservative Abgeordnete Gainp— jetzt von Gamp— vor einigen Jabren im Landtag gegen ländliche Arbeiter verlangte: den Arbeitern als Lohn nur daS zu zahlen, was für die Ueberlassung der Arbeitskraft an Gefangenen zu entrichten ist: die Gefangenen als Lohndrücker. Diese empörende Verhöhnung freier Arbeiter durch Gleichstellung mit Gefangenen löste in der Per- sammlung eine lebhafte Entrüstung aus. Der Appell, durch Zu- sammenschlutz in gewerkschaftlichen und politischen Organisationen dem frechen Uebermut der Unterdrücker ein Ende zu bereiten, fiel auch in dem zurückgebliebenen westpreutzischen Städtchen auf frucht- baren Boden. Gerichts- Leitung. Rezitation von Gedichten— politische Reden. Gelegentlich der Hundertjahrfeier des polnischen Dichters Slovacki veranstaltete der Verein junger Kaufleute in S a m t e r eine Feier mit Deklamationen und Gesangsvorträgen. Dazu waren auch die Mitglieder von vier anderen polnischen Vereinen des OrteS geladen. Der Bürgermeister erachtete diese Feier nachträglich als öffentliche anmelde- Pflichtige Versammlung, worauf auf Antrag des- selben— er ist gleichzeitig Amtsanwalt— das Amtsgericht den Handlungsgehilfen Cisielzhk mit einem Strafmandat von 30 Mark, die Pröpste Balkraski und Objezierze und den Geschäftsführer Nowak mit je 20 M a r k b e d a ch te, da sie als Leiter der„Versammlung" in Frage kamen. Auf ihren Einspruch sprach sie jedoch das Schöffengericht in S a m t e r frei. Auf B e r u f u n g der Staatsanwaltschaft hatte sich jetzt die Strafkammer in Posen mit der Sache zu befassen. Der Verteidiger der Angeklagten betonte, daß einmal die Veranstalter alle Mitglieder der in Frage kommenden Vereine deS kleinen Ortes genau kennen und daß zum anderen das Vortragen von Gedichten nicht als Reden angesehen werden könne. Staatsanwalt und Kammer waren anderer Meinung. Letztere entschied, daß„das Vor- tragen von Gedichten als Reden anzusehen sei", worauf über die Angeklagten das niedrigste Strafmaß verhängt wurde. nämlich auf den erstgenannten 10 Mark, aus die übrigen drei je 3 Mark Geldstrafe. Wäre das Urteil zutreffend, so eröffnen sich wieder un- geahnte Perspektiven zur völligen Vernichtung des Vereins- rechts durch Auslegungen, die dem Sprachgefühl ins Gesicht schlagen._ Das Angeld för einen nur schriftlichen Grundstückskauf ist zurück- zuzahlen. Der Erblasser der Kläger hatte von dem Beklagten ein Grund. stück nebst Inventar für 121000 M. gekauft und 10 000 M. an- gezahlt. Nach dem Tode des Käufers fochten die Kläger den Kauf an und verlangten Rückgabe der 10 000 M. Sie führten an, datz der Vertrag infolge des Mangel» der notariellen oder gericht. lichen Form, die für Grundstücksverkäufe vorgeschrieben ist, nichtig sei, und verlangten Rückzahlung der 10 000 M. DaS Landgericht und Oberlandesgericht Kiel erkannten gemäh dem Antrage der Kläger. DaS Urteil des OberlandeSgcrichtS Kiel ist jetzt vom Reichsgericht bestätigt worden. Und zwar führt die» in seinen Entscheidungsgründen auS:»Der Beklagte hatte aber weiter gegenüber der Nichtigkeit des Vertrages geltend gemacht, die Kläger hätten in fraudulöier Weise den formgültigen Abschluß deS Vertrages verhindert, uns er hat sich in dieser Hinsicht auf ß 815 des Mrgerlichen Gesetzbuchs bezogen. Das Oberlandes- gericht erachtet indessen diese Bestimmung im vorliegenden Falle nicht für anwendbar, und dem ist beizupflichten. ES ist davon auszugeben, baß derjenige, der einen formwidrigen und daher nach den Bestimmungen des Bürgerlichen Gesetzbuchs nichtigen Bertrag abschließt, sich die Geltendmachung dieser Richtigkeit seitens des Brrtragsgegner« gefallen lassen muß. Das entspricht der rechtlichen Sachlage, in welche er sich mit Wissen und Willen hineinbegeben hat. Der Vertragsgegner, der sich auf die Nichtigkeit beruft, macht lediglich von seinem Rechte Gebrauch; wenn er das tut, verstößt er nicht gegen Treu und Glauben; ob er die Rechtslage durch Abschluß des formgerechten Vertrages ändern will, ist lediglich Sache seiner Erwägung und Entscheidung. Danach kann gegenüber der formellen Nichtigkeit eines Akte» mit Erfolg nicht geltend ge- macht werden, es verstoße gegen Treu und Glauben, eine Nichtig. kcit geltend zu machen, welche durch Mitwirkung bei der Aufnahme eines formell gültigen Aktes gegeben werden könnte.(Vergl. Eni- scheidungen des Reichsgerichts in Zivilsachen, Band 52, Seite 5.) Dadurch wird nicht ausgeschlossen, daß, wenn die Voraussetzungen des§ 826 gegeben sind, eine andere Beurteilung eintreten kann. Das Oberlandesgericht hat das aber im vorliegenden Falle be- denkenfrei verneint; eS liegt weiter nichts vor, als daß die Kläger unter Geltendmachung der Nichtigkeit sich von dem Vertrage, der nicht von ihnen, sondern tpn ihrem Erblasser abgeschlossen war. losgesagt haben. Inwieweit hierin ein Verstoß gegen§ 826 liegen könnte, ist nicht abzusehen. Der Beklagte kann sich daher auf§ Llö deS Bürgerlichen Gesetzbuchs mit Erfolg nicht berufen." Ein kleiner„Kieler Wcrftprozeß", der aber nur auf dem Gebiete der Beleidigung liegt und in seinen Anfangsstadien bis zum Jahre 1902 zurückreicht, stand vor der S. Strafkammer des Landgericht« l Termin zur Hauptverhandkung an. Wegen Beleidigung des kaiserlichen Admiralitätsrats uns Unlversitätsprofessors Dr. Stoehr in Kiel hatte sich der Chemiker und Verleger Dr. Werner Esch in Hamburg zu verantworten. Er wurde beschuldigt, im Jahre 1906 und 1907 durch mehrere selb. ständige Handlungen den Prof. Dr. Stoehr im Sinne der S§ 188 und 186 beleidigt zu haben. Der Angeklagte war seinerzeit Assistent in dem Torpedobovt-Laboratorium unter Prof. Stoehr gewesen. und zwar zusammen mit einem Dr. Usener, der seine Stellung kündigte und in einem Bericht an die vorgesetzte Behörde behauptete, eS würde erzählt, daß Prof. Stoehr zugunsten einer von ihm auf- gestellten Theorie willkürlich Zahlen in Berechnungstabellen ein- gesetzt habe. Gegen Pros. Stoehr wurde daraufhin cm Jahre 1902 ein Disziplinarverfahren eingeleitet. Das Reichsmarineamt stellte aber das Verfahren ein, weil es die Behauptung der Analysen- sälschung als widerlegt erachtete. In diesem Disziplinarverfahren ist auch Dr. Esch vernommen worden und hat eine dem Admirali- tätsrat Prof. Stoehr ungünstige Aussage gemacht. J.n Jahre 1907 wurde gegen den Angeklagten alsdann ein ehrengerichtliches Ver- fahren in seiner Eigenschaft als Leutnant der Reserve der Marine- infanterie eingeleitet. Gegenstand des Verfahrens ist derselbe, wie bei der jetzigen Anklagesache. Das Verfahren ist bis nach Erledigung dieser Anklage sistiert worden. Durch letztere wird Dr. Esch be- schuldigt, gegenüber dem Großindustriellen Dr. Majert und dessen Sohn, sowie gegenüber dem früheren Direktor Dr. Senger in Rauxel behauptet zu haben, Admiralitätsrat Dr. Stoehr habe Ana- lysen gefälscht und sich nicht gescheut, dieses Vorgehen ihm, dem Dr. Esch in die Schuhe zu schieben. Es hat in dieser Strafsache — wie unseren Lesern erinnerlich— schon einmal Termin an- gestanden, der damit endete, daß der Angeklagte in dem Falle des Dr. Majert jr. freigesprochen und die Verhandlung der übrigen Fälle vertagt wurde. In der erneuten Verhandlung bestritt der Angeklagte, Aeutze- rungen in der beleidigenden Form, wie sie ihm zur Last gelegt werden, über den Admiralitätsrat Prof. Stoehr gemacht zu haben und behauptete, datz er in gelegentlichen Gesprächen lediglich über Tatsachen referiert habe. Im übrigen trat der Angeklagte für die von ihm behauptete Analysenfälschung den Beweis der Wahrheit an, indem er ausführte, daß der als Nebenkläger zugelassene Prof. Stoehr in einem Bericht an die Torpedodivision die Zahl 0,016 willkürlich für Silicium eingesetzt hätte, während die richtige Zahl 0,018 hätte lauten müssen. ES kam in mehrstündiger Verhandlung unter Vorsitz deS Landgerichtsdirektors Goebel zu eingehenden, teils wisscnsch-fftlichen, teils tatsächlichen Auseinandersetzungen, in denen die Ausführungen des Angeklagten vom Nebenkläger und seinem Rechtsbeistand Dr. Becherer lebhaft bekämpft wurden. Da der Verteidiger deS Angeklagten schließlich noch eine Reihe von Beweis- antragen zur Aufklärung des Sachverhalts stellte, denen der Ge- richtshof entsprechen zu müssen glaubte, so mußte die Sache vertagt werden. Ein umfangreicher KautivnSschwinbelprozeß begann gestern unter Vorsitz des LandgerichtSdirektorS Geier vor der 4. Strafkammer des Landgerichts I. Angeklagt wegen Betruges sind: der Kaufmann Paul Rubel, der Kaufmann Max Hermann, der Kaufmann Willi Thal, der Architekt Otto Hermann, der Agent Fritz Seifert und der Schlossermeister Hermann Liehr. Die Ver- tcidigung der Angeklagten führen die Rechtsanwälte Muözkat und Broh. Gegen den Angeklagten Rubel mußt« das Verfahren abgetrennt werden, da er es vorzog, den„wilden Mann" zu spielen, so daß er zurzeit in der Irrenanstalt Dalldorf auf seinen Geistes- zustand untersucht werden mutz. Ter Angeklagte Rubel, der als Haupttäter in Frage kommt, betrieb in der Stralauer Straße 13 14 ein Jnkassobureau. Außerdem unterhielt er in der Magazinstraße in Nixdorf eine Filiale. Ihm zur Seite stand der schon mehrfach wegen Diebstahls, Betruges und Unterschlagung vorbestrafte An- geklagte Biax Hermann. Obwohl sie beide über keinerlei Bar» mittel verfügten und schon den Offenbarungseid geleistet hatten, gründeten sie die Baugenossenschaft„Adler" in Form einer G. m. b. H. Die Firma wurde jedoch nie eingetragen, die beiden»Ge- sellschafter leisteten nie eine Einlage, von einem Geschäftsbetrieb war nie die Rede. Wie die Anklag« behauptet, soll diese Gesell- schaft lediglich zu dem Zwecke gegründet worden sein, um unrrfah. renen Leuten das Geld in Form von Kantionen abzunehmen. Um den Betrieb zu vergrößern, wurde in der Magazinstr. 16a eine ähnliche Firma gegründet, die sich stolz„Max Hermann, Hoch- und Tiefbaugesellschaft", nannte. Durch Inserate in Berliner und aus- wärtigen bürgerlichen Zeitungen wurden nun Materialienver- Walter, Kassierer, Buchhalter usw. gesucht, die sämtlich Kaution stellen mußten. Wenn die sich Meldenden Wertpapiere oder Spar- kassenbücher anboten, wurde ihnen von den Angeklagten bedeutet, daß die„AuffichtSräte" der Gesellschaft Barkautionen forderten. Auf diese Weise wurden u. a. ein Kaufmann Bendix um 3000 M., ein Kaufmann Wendler um 2000 M., mehrere Leute um 1500 und 1200 M. usw. geschädigt. Nebenher verschafften sich die An- geklagten außerdem noch die gesamten Kontormöbel, eine Smith- Premierschreibmaschine, Goldsachen und andere Waren auf Kredit, ohne jedoch an das Bezahlen zu denken. Die recht erheblichen Einkünft« aus diesem Geschäftsbetrieb wurden durch Zechgelage und kostspielige Automobilfahrten in die Seebäder an den Mann gebracht.— Die Angeklagten bestreiten zum Teil, sich strafbar ge» macht zu haben. Da zu der Verhandlung weit über 40 Zeugen geladen sind, so sind zwei Sitzungstage in Aussicht genommen. Wir werden das Urteil mitteilen. � Wie man wohlbestallter Hausbesitzer«erden kann» ohne einen Pfennig Geld zu besitzen, zeigte eine Verhandlung, mit welcher sich gestern unter Vorsitz des LandgerichtSdirektorS Dr. Liepmann die 2. Strafkammer des Land- gerichts II zu beschäftigen hatte. Angeklagt wegen Betruges bezw. Abgabe einer falschen eidesstattlichen Versicherung waren der Portier Wilhelm Filter, dessen Ehefrau Adelheid F. und die Iran Ottilie RadczewSki. Der schon wegen ähnlicher Betrügereien vor- bestrafte Angeklagte Filter hat eine aus Stube und Küche bestehende Wohnung in der Prinzenallee inne. Trotzdem nicht einmal die darin befindlichen Möbel ihm, sondern seinem Schwiegervater ge» hörten, bekam er eS fertig, in kurzer Zeit wohlbestallter Besitzer eines Hauses in der Nollendorfstraße zu sein. Der Angeklagte wandte sich an den Verkäufer des betreffenden Grundstücks und gab u. a. an, daß er Besitzer einer Hypothek von 34 000 M. auf ein Grundstück in Wien sei. Der Kauf wurde schließlich perfekt, wöbet der Angeklagte außer jener Hypothek für 2630 M. Wechsel als Anzahlung hergab. Zum großen Leidwesen deS Verkäufers stellte eS sich bald heraus, daß eS sich um eine Schwindelhypothek handelte. da das betreffende Grundstück überhaupt nicht bebaut war. Die Wechsel waren sogenannte Kellerwechsel, über die der Angeklagte nicht einmal verfugen durfte und die außerdem nicht eingelöst wurden. Bei diesem betrügerischen Vorgehen wurde Filter durch mehrere falsche eidesstattliche Versicherungen unterstützt, die von seiner Ehefrau und der Mitangeklagten RadczeweSki herrührten.— DaS Gericht kam nach längerer Verhandlung nur zu einer Ver» urteilung der Eheleute Filter, während die Mitangeklagte R. frei- gesprochen wurde. Mit Rücksicht auf daS gemeingefährliche Vor- §ehen des Ehemannes F. erkannte das Gericht gegen ihn auf ein lahr und gegen die Ehefrau F. auf 6 Wochen Gefängnis. Ein umfangreicher Prozeß wegen Verbreitung unzüchtiger Abbildungen und Schriften begann vorgestern vor der 1. Strafkammer des Landgerichts I unter Vorsitz des LandgerichtSdirektorS Blankmeister. Angeklagt wegen Vergehens gegen den§ 184 deS Strafgesetzbuchs sind die Buch- Händler Otto und Johannes Gcricke. Die beiden Angeklagten be» treiben in der Friedrichstraße in der Nähe des Bahnhofs eine Buch» Handlung. Eines Tages erschienen hier mehrere Kriminalbeamte und nahmen eine Haussuchung vor, bei welcher mehrere Hundert Bände einer gewissen erotischen Literatur i la Sacher-Musoch beschlagnahmt wurden. Außer zahlreichen Büchern in deuffcher Sprache befanden sich auch eine große Anzahl solcher französischen Ursprung» lowie eine Unmenge von Aktstudien darunter. Die Folge war die Erhebung der jetzigen Anklage gegen die beiden Inhaber. Zur Anklage stehen u. a. Bücher mit den Titeln»Unter der Rute des WeibeS",„Die Wonnen der Grausamkeit" usw. � Beschlagnahmt wurde seinerzeit auch ein von Dr. Hammer verfaßtes Wert»Die Körperstrafe vom ärztlichen Standpunkt".— Da die sämtlichen inkriminierten Bücher, die nach Hunderten sohlen, zur vkrlesung gebracht werden müssen, wird die Verhandlung einen kolossalen Umfang annehmen und schwerlich vor Sonnabend enden. Wir werden das Urteil mitteilen. Sozialdemokratischer Lese« und �DiskiitierNub»Heinrich Pelue�. Heute abend 81;, Uhr: Sitzung bei Bolze, Rodenbcrgstratze 8. Gäste willkommen Lese- und Tiskutierklub»Süd-Ost». Heule Miitwoch, abend? 8% Uhr, bei Ncidbardt. Görlitzer Straße 58: Generalversammlung. Gäste willkommen. Lese, und DiSkutierklub»Karl Marx". Sovbienstr. 5: Sitzung. - Abstincntcnbund. Ortsgruppe Berlin. Mittwoch, 6. April, abends 8'ls Uhr, im Aemeckschaslshausc. Engclufer 15: Vortrag de? Herrn Dr. zur. Eggers- Bleuten:»GaslhauSresorm". Gäste willkomme». Lese- und DiSkutierklub Bgumschuleuweg. Heule(Miitwoch) abends S Uhr im Lokale von GörgenS, Baumschulenstraße 27: Vortrag über»KonlumgenossenschasiSbewegung". Gäste willkommen. Brieffcarten der Redahtion. 11« inrtftisch« Svrcit, stunde lliide» Lindenktrahe Nr. Si>, dorn dier Tr-Vdcn— leadrstudt—. woaicutägltg, von S>/, vis>8 Udc ab-iids stall. Aeder Ausrag? is« ein Buchiiabe n»d eine-jadt als ivterkzcichen beizufügen,«rlettichr Ailttuor» wird uichl«rletlt. ffiillge Arageu trage man in der Lvrechstullde vor. R. M. 100. NichtPreußen haben kein Wahlrecht.— A. St. 52. Der von Ihnen bezeichnete Schade lann nicht oerlangt werden, ebensowenig kann Angabe de? Rülktr-iltsgiundc? erzwungen werden. Dagegen können die etwaigen Geschenke zurilckgeiorderl und Ersatz desjenigen beansprucht werden, was etwa in Erwartung der Ehe ausgewendet ist— Zl. B» Baumschnlentveg. Nein. Lichtenberg kann sogar die Ailsnahme in die Gemeinde ablehnen.— C. K. 15. Nein.— O. W. 100. Neklamaiion wird keinen Erfolg haben. Nnterhaltsbelräge, welche an die Schwiegcr» mutier geleistet werden, find nicht abzugssähia.— P. K. 3/4. Ja. an der Mündung der Ruhr in den Rhein.— TS. I. 78. 1. Eltern und Ehegatte je zur HZItte. S. ssh». S Im Führer. Gett« SZ8 und 2ZS — S. S4. Nein. Wartezeit ist Mcht erfüllt— tk. X. S. I- wenn da? Ocfinen vorsätzilch nicht etwa versehentlich erfolgt ist— T. 27. Di« Armendirektlon kann nach dem Tode Ihrer Mutier deren Nachlaß zur Deckung der geleisteten Unterstützungen beschlagnahmen— F- 1 lt Tage nach Kündigung Klage iil bcun Anitszcrichl zu erheben— W, L. 1. Ihr Brief vom 23. März ist erst am 2 Apcit elnzeganaen Nach erfolgter Kündigung muß angemefiene Zeil zum Aussuchen eines neuen Dienstes gelassen werden. 2 Bei Verschulden des Mädchens ja. Z. Ja.— 31.!N. Beuiiclstr. 18. Sie haben keinen Aiistnuch aus Rückerstattung — G. G. 13. 1. Ehefrau und Mutter je zur Halste 2. Nein 3 Wenn die Frau den Vertrag nicht mitunterschrieben hat, konnte feiten? der Erben bis fpätens 3. April Aufkündigung zum 1. Juli erfolgen.— M. 99. Nein eSasferstandS-Nachrlchte» der Landesanstalt für Gewäsierkunde, mitgeteilt vom Berliner Weileibureau. vosierltand M e m« i. Tillll B r e g e l. Jnsterburg Weichsel, Tboru Oder, Ratibor , Kr'ofien , Frantiurt Wa r t h e, Schramm , Landsberg Netze, Vvrdaoim Elbe, Lcitmerttz , Dresden , varbu , Magdeburg >) 4- bedeutet Wuchs,— Fall.—•) Nnlervegel. eingegangene Dmchrd�riftcn. Deutsche Jugeudbüchcrei. Nr. 24: Abenteuerliche Geschichte» von H. Z, chatte und Eh SealSsteid.- Skr. 25: Umzingelt. Der Richtungspunkt. Zwei KriegSnooellen von D. v. LMencron.— Nr. 28: Gullivers Rrtse zu den Zwerge» von I Swift.— Nr 27: GulllverS Reiir zu de» Riesen ro» I. Swift— Nr. 28: Auf der Norchpolsahrt von F. Nanfen.— Einzelnummer 10 Pf. H. Hillger, Berlin W. 9. Amtliche? Marktbericht der städtilchen Marttdallen-DireMon über den Großhandel in den Zeiitral.Marktbavcn. Marktlage: Flei i ch: Zuiubr genügend. Geschält fchlcppcnd. Preise unveränd-rt. Wild: Zufuhr sehr knapp, Geichäst ruhig, Preise fest. Geflügel: Zusiihr knapp, Geichösi still, Preis- fest. Fische: Zufuhr etivaS reichlicher, Geichast ruhig, Preise wenig verändert. Bulter und Käfe: Geschäft rubtg, Preise unverändert. Gemül«, Ob stund Südfrüchte: Zuiuhr zum Teil ungenügend, Geschäft anfangs still, später lebhafter. Prelfe wenig verändert.__ «SltternngSüberstcst» vom 5. April 1910, morgens 8 Udr. B-» ä II 5» bester 1 heiter 5 halb bd. 4 bedeckt 2 wollig -5 2 7 s 2 «Ncttcrprogitofr lür Mitttvoch. de« Nachts etwas tühlcr, am Tage wieder milder veränderlich bei mäßigen lüdöftlichen Winden: tchtäge. v e r l i n e v. April 1910. und zeitweise heiter, aber keine erheblichen Nieder» r Wetterbureau. 9 # Unserem Freund« u. Gcnofien tterwann lileckel nebst Braut die herzlichsten Glückwünschezur Hochzeit I i5I5L 01« lZenozaon vom Lorlric SOS. EtzHOd»«»»istZNAZ Standesamtlich verbunden Otto Grunert Klara Schola. Rixdorf, den 4. April 1910. Bodestraue 23. SozlatdemokratisebefVabivereiii des 6. BerL Reicöstags- Wahlkreises. Tode«• Anzeige. Am 4. April verstarb unser Mttglied, der Stockarbeiter Max Dietze Wallstraße 25. Ehre feinem Andenken! Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 7. April, nach- mittags 4 Uhr, von der Leichen. halle des Städtischen FrtedhojeS, Müllerftraße, Ecke Seestraße, au? statt. Um rege Beteillgung ersucht 228/15 Der Vorstand. Hierdurch die traurig« Mit. temmg, daß mein lieber Mann. unser guter Vater, der Tischler frnst Kallenbach nach fchwerem Leiden gestorben ist. Die Beerdigung findet am Donnerstagnachmiitag 5 Uhr von der Leichenhalle des allenThomas. Kirchhofes au« statt. bOlSL Hie tranemilen Rintertllehenen. Witwe Kalleabacb und Kwder. Deutseber Holzarbeiter- Verband Den MitgUedern zur Nachricht, daß imfer Kollege, der Ttfchler Brnst kalteadacd am 8. April gestorben ist. Ehre feinem Andenken! bei am nach. Leichen» alle des ThomaS-KirchhoieS in " dorf, Hermannstraße, aus statt. Am 4. April starb unser Mit. glied, der Stockarbciter Max Diefze. Ehre seinem Andenken k >s in der Müllerftraße, Ecke ße. statt. riedhv ieestra' Um reg« Beteiligung ersucht 81/13 Ol« Oetsvei-wsliuitg. Verband d. Bureauangcstelltcn and der Verwaltungsbeamten! der Krankenkassen and Bcrufssenossenscbaiten Deutschlands. Ortsgruppe GroQ-Berlln. Den Kollegen zur Nachricht, daß l unser Mitglied ICmil Putzer (Allgemeine Ortskcalilenkasfc) am 2. Apcit an Herzlchlag der» starben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Mittwoch, den 8. Apnl. nachm. 2,/4 Uhr, von der Leichenhalle des Südwest-FriebhofeS in Stahnsdorf au« statt. 45/7 01s Ortsvsrwsltung. Todes»ADzeig-e. Am Sonnabend, den 2. April er.,, \ verstarb unfer lieber Kollege Emil Putzer | nach kurzer Krankheit Infolge eines i " crzichlageS im 59. Lebensjahre. Wir werden lein Andenken stets f in Ehren halten l Di« Beerdigung findet am I Miitwoch, den 8. April er., nach« 1 mittags 2'/, Uhr, von der Leichen- I balle des Südwest-KirchhoseS in ] Stahnsdorf aus statt. Bis Angssteiitsn der Allgem. Orts- Krankenkasse zu Berlin.[273/2 AllgetneiiiB Crls- Krankenkasse zu Berlin. Am Sonnabend, den 2. Aprll er., verschied Plötzlich und unerwartet der Beamte unserer Kasse, Herr Emil Putzer im 59. Lebensjahre. Wir verlieren in dem Dahin. gegangenen einen pflichttreuen Beamten, welcher seit I.Marz 1900 bei diesseitiger Verwaltung tätig war. Sein hingebender Fleiß und edler Tharakler sichern ihm bei uns ein ehrendes Andenken I Der Bor staub. SB. Ptehl, Vorsitzender. Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 8. April er., nach« mittags 2'/, Uhr, von der Kapelle des Südweft-Kirchhose» in Stahna darf au« statt. 273/1 lier Kratoten Berlins. Statt besonderer Anzeige den Mitgliedern zur Kenntnis, daß der Kollege WZ. Putzer Angestellter der Allgem. Orts- Krankenkasse zu Berlin, am Sonn- abend, den 2. April 1210, an Herzschlag verstorben ist. Die Beerdigung findet Mittwoch,! den 8. April 1910, nachmittags 2»/4 Uhr, in Stahnsdorf(Südwest. Kirchhof) statt. Zu erreichen ist der Kirchhof vom Wannseebahn- hos 1 Udr 30 Min.: Charlotten. inirg 1 Uhr 3? Min., dann von Wannsee Adsahrt 2 Uhr 12 Min., Ankunft Südwesl-Kirchhos 2 Uhr 32 Mm. 284/15 Der vorstand. I. A.: E. B a d e r. ZeMeM aller in der iSchnüeöerelhesehältigl Personen Zahlstelle Berlin. j Den Mitgliedern zur Nachricht, | daß unser Miiglled, der Kollege Ems! TZmun am 3. April gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Bccrdigmig findet am Mittwoch, den 8. April, nacb- mittags 4 Uhr, vom Trauerhause Langcitr. 13 au» noch dem Piusttrchhos in WUHelmSberg statt. Rege Beteiligung erwartet 176/7 Die Ortsverwaltung. Lsulseliök »glgüalliöittr-Vgsdanl! Verwaltungsstelle Berlt». Tode«- Anzeige. Den Kollegen und Kolleginnen zur Nachricht, daß unier Mitglied, die Schraubeodreherw Martha Roeseke am 3. d. Mt». an Lungenleiden gestorben ist. Ehre ihrem Andenken l Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 8. April, nach- 3 Uhr, von der Leichenhalle des Rixdorser Gemeinde-FiiedhoseS, Martcndorser Weg, aus statt. Reg« Beteiligung envartct 114/1 Die Ortöverwaltnng. Häven Sie Stoff? Ick fertige davon Anzog od. Pnfetot nach Mass, schick, danerh. Zutaten, eon 20 Mark an. Moritz Labend, Neue Promenaden,!!- 1 Sidti.ßdrset. [I "1 V Deutscher {Transportarbeiter- Verband.| Bezirksverwaltung GroS-Berlln. Den Mitgliedern zur Nachricht. I daß unser Kollege, der Droschfcn. fuhr« 88/8 1 Franz Oößler am L April im Alter von| 70 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Di« Beerdigung findet am s Mittwoch, den 8. April, nach. mittag? 4'/, Uhr, von der Leichen- Halle de» Jerusalemer Kirchhofes,| Hermamistraße, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht Die Vezirksverwaltung. Danksagung. Für die zahlreiche Bcleiiiguna und die Kranzspenden bei der Beerdigung meines lieben Mannes. uniercS guten Vaters, Bruder«, OnteiS, Schwagers, Neffen, EoufinS, Schwieg«, und Großvaters 1533b Rultolf Müller sagen wir allen Verwandten und Be- tannten im besonderen dein Sozial- demokratischen Wabiverein Boxhagcn- RummeiSburg, dem Personal der Vuchdnickerei Berolina, den Texlil- arbeitern, dem Gesangverein Männer- chor und vor allem dem Genossen Herrn Otto John für leine trost- reichen Worte am Grabe deS Eni- schlafencn, unseren aufrichtigsten Dank. Die trauernden Hinterbliebenen. Tanksanuna. Für dl« vielen Beweis« herzlicher Trilnabme bei der Beerdigung meines lieben ManneS Wilhelm»chlr- nmcher jagen wir allen Freunden und Bekannten, insbesondere den Kollegen vom Deutschen Holzarbetter- Verbände unseren innigsten Dank. Frau Hedwig/ Mcliirniacher nebst Mutter und Geschivistern. Außerordentliche General-Versammlung der Bertreter der Herren Arbeitgeber der Orts-Krankenkajse Mafltjinrnbnv- Arbeiter und verwandten Gewerbe zu Her II» am Donnerstag, de» 14. April er., abendS S'/, Uhr. im Berliner Ratskeller, Zimmer Jüdenstraße. TageS- Ordnung! 1. Reuwahl eines Vorstands« Mitgliedes iür die Zeit vom 1. April 1910 bis zum 31. März 1913 für den ausscheidenden Herrn W. Scheel. 2. Ersatzwahl für Herrn Mtlitz für die Zeit vom 1. April 1910 bis 31. März ,912. Die Wahlen sind geheim und finden mittel» Slimmzettel statt. Um recht zahlreiche? mld pünttlicheS Erscheinen wird ersucht. ISiOd Das Mandat legitimiert. Berlin, den 5.'April 1910. Der Borstand. Schaidt, Vorsitzender. Nachruf. Sonntagmittas verstarb unerwartet lUlgeraoin am Herz- oed bei 1532b Am WVMUVV..,.M.VWU»..-------—.—-■----- Bchlae unser allgemein ceacbtoter, gerecutei allen Deliebtor Cnet, der Wagenkabrikont Emil Oiitcnannz Wir werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren. Die Arbeiter der Firma F. 0. DiUmann. ArbettSuaMweis: Hos 1. Ami 3, 1239. BerwaltungSstelle Berlin. Hauvtbureou: CharitestraBe 3. Hof III. Amt 8, 1987. den Donnerstag, den 7. April er., abends 8 Ufjr, in Armlnhallen, Koimnandantenstr. 58/59: CKüc die vielen Beweise herzlicher Ij Teilnabme bei der Beerdigung meine» unvergeßlichen, lieben MaimcS, unseres sehr guten VaterS, Schwieg«. und Großvaters. deS WeißgerberS «ermann Kobbelt sagen wir allen unsere» herzlichsten Dank. i53Sd Die tranernden Hinterbliebenen. Möbel In jeder Berkaut im! kein I VersamimlunA der Mechltnikel» zlhrmachtr, Optibtr fotoie siimtlicher iu den mechllilischtv Kttrikbea beschafttgten Kolltginntn nnd KoKeget!. Tage«. Ordnung: 1. Vortrag deS SchriststellerS Genossen Georg Davidfehn üb«: „Deutscher Humor-. 2. Diskussion. 3. Bericht und Neuwahl der Brauchen. kouimissioii. 4. Verschiedene». Mit Rücksicht aus den tiiiereffanten und lehrreichen Vortrag ersuchen wir die Kolleginnen und Kollegen, die Versammlung zahlreich und pünkiiich zu besuchen._ 113/20 Für die gesamte Verwaltungsstelle Berlin finden In nachfolgenden Lokale« Uersammlnngen mit Kichtbitdern statt, Donnerstag, den?. Slpril, abends 8 Uhr, im GeWerk« schaftSyauS, Engelnfer 15, groster Saal. Freitag, den 8. April, abends 8 Uyr, in der Kronen« Brauerei, Alt-Moabit 47/48. Sonnabend, den 9. April, abends 8 Uhr, im Lokal von Hoppe, Rixdorf, Hermannstr. 49. Bortrag de» Kollegen l-anterbacb. Stuttgart über: Die hxglenlicffeo u. sanitären lißSfände in der IssdalllnduStrie. Vor. jeder ......—------------„ seine» llle Oi'tavcrMaltnng. Wissen» benutzt. sabrikgebäude, laden. 4Z74L* Ibomss, liseblgsg!, s«'.'?»" Lieferant der Kousumgeiwssenschaft. 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Ich erkläre hiermit, daß die von mir verbreiteten Gerüchte über Herrn Wege und Frau, Behringstraße 10, der Wahrheit ent- behren. Ich nehme die auSgesproche- neu Beschuldigungen mit Beoauem zurück und erkläre die Familie alS ehrenhafte Leute. Frau Ziegenhorn, Baumschulcnstraße 65. 1533b Vermietungen. IVobNUNFLN. w Sofort oder per 1. Juli sind meinem neuerbauten Hause Waldersec- straße 75 in Friedrichsseide herrliche 1- und 2-Ziinmerwohnungen mit und ohne Bad sehr preiswert zu ver- mieten. Umzugskosten werden cvent. vergütet. Auskunst erteflt der Ber- Walter Pillokat daselbst» Quer- gebäude L 61051* Mietsgesache. In Frledrichstadt sucht Herr grö- ßcrcs sauberes glurztmnier(Früh- stück, Abendessen), Fenster Garten oder großen Hos, Preis bis 30 Mark. Offerten unter Kid., Postamt 81V. 48. Herr sucht einfach möblierte Schlaf« stelle, allein, zum 15., im Norden. Offerten A. 30, Postamt 39. p50 Stellengesuche. Dirigent(Fachmann) sucht für Donnerstag Slrbeitcr-Gesaiig-Berciit. 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Nach Eröffnungsreden des Parteisekretärs B u ch i n g e r und des Borsitzenden Teszarsz begrüßte als Vertreter der äst erreicht scheu Sozialdemo- k r a t i e Genosse Reichsratsabgeordneter S k a r e t die Delegierten. Er wünschte der ungarischen Sozialdemokratie im Kampfe ums all- gemeine, gleiche Wahlrecht den besten Erfolg. Von der deutschen Sozialdemokratie wurde ein Begrüßungsschreiben verlesen. Vor Eintritt in die Tagesordnung wurde vom Genossen W e l t n e r die Affäre A l p a r i zur Erörterung gebracht. Dem Genossen Alpari wird vorgeworfen, datz er in deutschen Partei- blättern— der„Bremer Bürgerzeitung" und der„Leipziger Volks- zcitung"— die ungarische Sozialdemokratie und Arbeiterschaft verleumdet habe.(Die Artikel tadelten die Parteileitung wegen Beharrens bei veralteten Organisationsformen(Aufbau der Partei auf die Gewerkschaften, Fehlen von Parteivereinens und warfen ihr mangelnde Energie und Unsicherheit in der Füh- rung des Wahlrechtskampfes, Neigung zu Abkommen mit der Re- gierung vor. wofür teilweise persönliche Beweggründe der leitenden Personen verantwortlich gemacht wurden.) Weltner erklärte in seiner Anklagerede, die Parteileitung habe sich über die erlittene Unbill bei der Leitung der sozialdemokratischen Partei Deutschlands beschwert, und diese habe sowohl an die genannten Blätter sich gewendet, als auch der unga- rischen Parteileitung ihr Bedauern ausgedrückt.*) Dies könne aber nicht genügen. Er stelle den Antrag, der Kongreß solle sowohl den genannten Blättern, als auch ihrem Korrespondenten seine ein mütige Entrüstung aussprechen. Genosse Alpari verteidigte sich gegen diese Angriffe. Man hat ihn jedoch nicht ruhig angehört. Ein uns zugegangener aus führlicher Bericht sagt über diesen Teil der Verhandlungen: „Tie Ausführungen Alparis verhallen im grossen Lärm und den lauten Entrüstungsrufen der Delegierten über dessen un- qualifizierbare Beschuldigungen. Präsident Teszarsz bittet die Ge- nossen, ruhig zu verhandeln.(Ausrufe: Das ist eine Komödie, ein Skandal!) Der Präsident erklärt, Alpari nicht ernst nehmen zu können. Nach einer Rede des Genossen Dr. H u n f i gegen Alpari wurde die Diskussion über die Angelegenheit geschlossen und der Antrag Weltners gegen die Stimme AlpariS an- genommen. Sodann erstattet die Parteileitung ihren Geschäfts- bericht. Der Referent Buchinger konnte im allgemeinen auf den gedruckten Bericht verweisen, der eine ausführliche Schilderun der politischen Geschehnisse in Ungarn seit dem letzten Kongrei enthält und detaillierte Angaben über die Parteiarbeit macht. Zu Anfang werden die nichtmagyarischen Sektionen besprochen. Die Bewegung der deutschen, der s l o v a k i s ch e n und r u m ä- nischen Genossen ist vorwärts geschritten; die Abonnentcnzahl ihrer Parteiblätter stieg; das slovakischc, das monatlich erschien. wurde in ein Tageblatt umgewandelt. Schlechter steht es mit der Bewegung der serbischen Genossen, die durch innere Streitig» leiten(Äindikalismus und dergleichen) gehemmt wurde. Letzthin haben sich die serbischen Genossen eine neue Leitung gegeben, die eine bessere EntWickelung anbahnen soll. Die Provinzorganisationen der magyarischen Genossen haben 400 Volksversammlungen, 800 Vorlesungen, an 1000 Demonstra twnen und 1400 Organisationskonferenzcn veranstaltet. Das Parteileben ist danach also rege. Der Bericht klagt indes über mangelhafte Abführung der Parteibeiträge an die Zentralkasse. — An mehr als 40 Orten haben die Genossen an den Ge- meindewahlen teilgenommen. In IS Gemeinden wurden 08 Mandate erobert, inNagyjescaderganzeGemeinde- r a t. Die Einnahmen der Provinzorganisationen beliefen sich auf 87 300 Kronen, die A u s g a b e n auf 82 493 Kronen. *) Die„Leipziger VollSzeitung" hat festgestellt, daß mit ihr der Parteivorstand niemals über die ungarischen Affären Korre- spondenz geführt hat. Die Bezirksorganisationen der Haupt st adt sind noch in der EntWickelung begriffen, da sich die Partei bisher auf den Gewerkschaften aufbaute. Man hat eine Lokalparteisteuer von l2 Heller pro Woche eingeführt, die die Genossen enger an den �Rahmen der Parteiorganisation anschließen soll. 1SS6 Genossen haben diese Lokalsteuer gezahlt, doch anscheinend nicht durch das ganze Jahr, denn es flössen nur 4S2,72 Kronen in die Bezirkskasse und davon 226,36 Kronen in die Kasse des hauptstädtischen Exekutiv- ko mite es. Die BildungSbe.strebungen sind nach dem Verzeichnis der belehrenden Vorträge, die gehalten wurden, ziemlich rege. In B u d a p e st besteht eine Parteischule, die in den Nach- � Mittagsstunden von den Angestellten der Gewerkschaften, in den Abendstunden von sonstigen Funktionären der Fachorganisationen l besucht war. Sie batte zwei Unterrichtsgcgenstände: National- : Ökonomie und Redeübung. Als Vortragende fungierten die Ge- nossen Garami und Tarczai. Die Arbeiterinnen- bewegung steckt noch in den Kinderschuhen; sie hat noch kein Organ. � Die Bewegung der jugendlichen Arbeiter dagegen ver- ! fügt über den„Jugendlichen Arbeiter", der in einer Auflage von 2000 Exemplaren erscheint, wovon 1000 in die Provinz gehen. In Budapest bestehen drei Gruppen Jugendlicher mit 700 Mitgliedern. Die P a r t e i p r e s s e hat sich günstig entwickelt. Die „Nepßava", das magvarische Zentralorgan, hat durch Haus- agitation 878S neue Abonnenten gewonnen. Die Buchdruckerei hat ein eigenes Gebäude bezogen, worin auch die Redaktion, das Parteisckretariat und das Bureau des Gewerkschaftsrats Platz fanden. Die Genossenschaftsbewegung macht gute Fort- schritte. In Budapest ist auch eine Verpflegsgenossenschaft ge« gründet, die den unverheirateten Arbeitern billige und gute Speisen in zwei Speisesälen und einem Restaurationslokal liefert. Sie hatte durchschnittlich 600 Mitglieder. Die gerichtlichen Verfolgungen der Arbeiterbewe- gung waren sehr heftig. Unter der Herrschaft der Koalitionsparteien stiegen die Strafen rapid. 1907/03 wurden verhängt 2S Jahre 1 Monat 6 Tage Freiheitsstrafe und 14 978 Kronen Geldstrafe, 1908/09 3 6 Jahre 5 Monate IS Tage Frei- heitsstrafe und 23 730 Kronen Geldstrafe, und 1909/10 2 7 Jahre 8 Monate und 16 Tage FreiheitS strafe und 11 740 Kronen Geldstrafe. Das Parte isekretariat hatte im Berichtsjahre eine Einnahme von 74 169,60 Kronen, wovon 43 421,97 Kronen aus Parteimarken und 2254,12 Kronen aus Parteiorganisations- steuer. Die Ausgaben betrugen 68 995,95 Kronen. Die Einnahmen haben sich, ebenso wie die der Parteipresse, gehoben. Die Verhandlungen des Sonntags schlössen mit der Debatte über den Bericht der Parteileitung, in der von mehreren Rednern über mangelnde TAigkeit der Leitung für die Provinz und andere Schäden geklagt wurde. Dr. Julius H a y d n forderte ein A g r a r- und ein Kommunalprogramm. Auf dem Parteitag waren vertreten aus Budapest 83 Organi- sationen mit 138 Delegierten, aus der Provinz aus 53 Gemeinden 55 Organisationen durch 71 Delegierte, der Gewerkschastsrat durch 2 Delegierte, das Landesorganisationskomitee der weiblichen Ar- beiter durch 2 Delegierte, 4 Landes-NationalitätenkomiteeS durch 3 Delegierte und einige andere, so daß sich eine Gesamtzahl von 225 Delegierten ergab. Am Montag verteidigte zu Anfang B a l a z S- Budapest den angegriffenen Alpari; der Präsident der SonntagSsitzung, Teszarsz, habe ihn unmotiviert angeschuldigt. Die Gegen- erklärung Teszarsz wurde mit Eljenrufen und Applaus auf genommen. In der Fortsetzung der Debatte über den Parter leitungsbericht gedachte SzabadoS der Demonstrationen, bei welchen die Polizisten Budapests gleich wilden Tieren die wehrlosen Arbeiter von rückwärts anfielen. Er meint, man müßte diese Schwervertvundeten zu Khuen Heb er Vary führen. Wenn die Partei diesem Blutvergießen kein Ende machen könne, so müsse sie ent- weder das Recht auf die Straße aufgeben(Stür- misch« Widersprüche)«der mit der Organisierung der direkten Aktion beginnen.(Stürmische langanhaltende Eljenruse.) Gegen eine Stimme wurde schließlich der Bericht zur Kenntnis genommen. Am Nachmittag hielt Dr. Kunfi ein Referat über:»Die kleines fcuillcton. Die Wünschelrute. Die lebhaften Erörterungen, die sich in Teutschland in den letzten Jahren an die Wünschelrute geknüpft haben, waren durch die Persönlichkeiten, die in« Vordergrunde standen, aus dem Rabmen einer rein wissenschaftlichen Streitfrage herausgehoben. Die Entsendung zweier Matadore im Wasserfindcn nach Deuisch-Südwestafrika hat besonders dazu beigetragen, eine lebhafte Besprechung und einen starken Widerstreit der Meinungen hervorzurufen. Der Umfang und die Heftigkeit des Streits verleiht einer sachlichen zusammenfassenden Darstellung des Gegen standeS doppelten Wert. Bor kurzem hat Dr. Wegner, Privatdozeut an der Universität Münster, einen in der Zeitschrift„Natur und Offen- barung" veröffentlichen Bortrag gehalten, der in vorzüglicher Weise den wahren Kern aus der Fülle des„poetischen" Beiwerks heraus- löst. Die Wünschelruten-Bewegung der letzten Zeit kann man als eins der vielen Beispiele für die„Ewige Wiederkehr des Gleichen" heranziehen, die sich gerode auf dem Gebiete des Mystischen und Phantastischen in großer Anzahl finden. Die geheimnisvolle Rute läßt sich geschichtlich ein Jahrtausend zuruckverfolgen. Sehr wahrscheinlich ist sie noch beträchtlich älter. So oft in der Naturivissenichaft irgendwie von neuen Kräften die Rede war, denen gerade die Seltenheit ihrer Offenbarung den Zauber des Geheimnisvollen verlieh, tauchte sie wieder auf. So war es zu der Zeit, als Newton mit genialem Forscherblick das Wesen der Schwerkraft erspähte, die ja dem seltsamen nach den Schätzen unter der Erde zuckenden Instrument besonders nahe zu sieben schien. Auch damals war es Wasser und Gold, die man aufzuspüren versuchte. Aber man kann die Wünschelrute auch als den allerdings weitaus weniger leistungsfähigen Ahnen des Polizeihundes betrachten, denn man schrieb ihr die Fähigkeit zu, in der Hand geeigneter Personen auch nach Verbrechern zu zucken und so ihre Entdeckung zu ermög- lichen. Auch damals war ihre Leistung vielumsiritten. Die Einen wußten von wunderbaren Erfolgen zu berichten, die anderen leugneten jede Wirkung. Die jüngste Wünschelrutenbewegung hat ihren Sitz namentlich tn Deutschland gehabt. Ihre Vertreter behaupten zum Teil, daß von den unterirdischen Schätzen Strahlungen ausgehen, die ihnen nicht allein erinöglichen. das Vorhandensein von Wasser zu ermitteln, sondern auch die Tiefe, in der es sich unterhalb des Erdbodens befindet. Was nun in allererster Linie an den Leistungen der modernen Rutengänger bedenklich erscheint, ist die Tatsache, daß sie angeblich schmale Wasservorkommen von nur einigen Metern Brette im Erdboden festzustellen vermögen, neben denen sich kein weiteres Wasser befindet. DieS steht mit den tatsächlichen geologischen Verhältnissen Deutschlands in entschiedenem Widerspruch. Es konnte daher nicht fehlen. daß gleich zu Beginn der Wünschelrutenbewegung ihre angeblichen Leistungen von Männern der Wissenschaft in sehr drastischer Weise kritisiert und alS„unfinnig und lächerlich" bezeichnet wurden. Die Geologische Landesanstalt in Berlin hat im Laufe der letzten Jahre Gelegenheit gehabt, eine ganze Reihe schlagender Mißerfolge der hervor- ragendsten Rutengänger festzustellen, denen auch zum Teil ein komischer Beigeschmack nicht fehlte. Wo die Anzeigen der Wünschelrute durch Bohrungen bestätigt wurde», liegt keineswegs etwas Wunderbares vor. Die Rute spielt dabei gar keine Rolle. Es handelt sich vielmehr um Zufälle, die durch die allgemeine Verbreitung von Wasser in den lockeren Bodenschichten, über denen die Versuche stattfanden, ge- nügend erklärt werden. Zudem find manche Wünschelrutengänger in der Lage, aus geologischen und botanischen Merkmalen Schlüsse zu ziehen, die— vielleicht unbewußt— einen Einfluß ausübe» können. Auch reiner Zufall mag in manchen der Fälle vorliegen. Daß unterirdische Wasseradern imstande wären, eine besondere Kraft auszuüben, ist nicht anzunehmen. Bor allem sind wirk- liche„Adern" an sich sehr selten und treten nur im Gebirge auf. Die Rutengänger spüren aber seltsamerweise überall solche Wasseradern auf. Luch die große Unregelmäßigkeit der Leistungen spricht dagegen. Wären geheimnisvolle Kräfte vor- handen. so könnten nicht so zahlreiche Mißerfolge vorkommen. Bei dem Ausschlagen der Rute handelt es sich, sofern nicht absichtliche Täuschung vorliegt, entweder um Autosuggestion oder un, ein unabsichtliches Erschlaffen der Arm- und Hand- nmskulatur. Soweit aber von wirklichen Erfolgen berichtet wird, ist stets daran zu erinnern, datz Bodenbeschaffenheit, PflanzenwuchS, Nebelbildung u. a. sehr wesentliche Anhaltspunkte für daS Vor- haudensein von Wasser zu liefern vermögen, die einem geschärften Blick die Stelle seines Vorkommens anzeigen, ohne daß die Zauberl rute dabei mitzuwirken braucht. Theater. Wiener Theater. Deutsches Volks-Theater:„Talmas Ende", ein tragikomischer Akt von Friedrich Kollmann. Talma, der große Schauspieler, der Stolz Frankreichs, der Mann, von dem ein Napoleon da« Kaiserliche gelernt hatte, liegt im Sterben. Aber der Tod hat keine Schrecken für ihn, erklärt er dem Arzt. Es ist leichter zu sterben als den Tod zu spielen. Aber ist er nicht schon so oft auf der Bühne gestorben? Nur eine? macht dem Mimen Sorge: daß er nicht stillos, daß er mit schöner Miene sterbe. Ein Talma kaim doch nicht hingehen wie ein Zuckerbäcker oder wie der Sohn eines kleinen Advokaten, der zufällig Kaiser geworden istl Er besieht sich im Spiegel und erfaßt mit dem sicheren Gefühl für die Momentforderungen der Szene seine Rolle: Er ist der sterbende TiberiuS. Und Talma erhebt sich vom Loger, die Decke wird ihm zur edel geschwungenen Toga, er läßt sich Kronreif und Szepter reichen, er ist gerüstet. Und er hört den Tod klopfen und spricht mit Würde die Scheideworte und bricht jählings zusammen. Erschreckt stürzt der Arzt auf ihn zu: Nun ist es aus. Talma hat ausgespielt.—„Nein, noch nicht", lächelt Talma. Er hat nur gespielt. Und er will weiter spielen. Heißt nicht Spielen leben? Er will den Tod so gut spielen, daß der beschämt abziehen mag. Der Arzt versteht, wird klug und läßt sich nicht mehr narren. Mag Talma um Leben flehen, zittern, röcheln, zu Boden sinken, der Arzt mahnt nur:„Uebertrciben Sie nicht l" Aber er beugt sich zu einem Toten nieder.— Alfred Polgas und Alfred Friedmann(— Friedrich Kollmann) haben dem Deutschen Theater mit diesem Akt ein feines und sinnvolles Bühnenspiel ge- schenkt. I. L. S. Humor und Satire. Ku-Ku-Kuplet. Genosse Hengsbach, M. d. R., Kam neulich grundlos in Verdacht, politischen Parteien und das Wahlrecht." Er schloß mit einer kräftigen Aufforderung zur energischen Führung des Wahlrechtskampfes.(Langanhaltende Eljenruse.) Die Diskussion wurde, nachdem fünf Redner gesprochen, ab- gebrochen, um zunächst geschäftliche Angelegenheiten zu regeln. Dann folgte der B e r i ch t der A p p e l I a t i o n s k o m m i s s i o n über den Fall Alpari, in deren Namen B. K o n d e r erklärte, daß der Beschluß der Kommission auf Aufhebung der Urteile des Schiedsgerichts und der Kontrollkommission(die auf Mißbilligung erkannt hatten) und auf Ausschluß Alparis aus der Partei laute. Alpari habe die Grenzen der Kritik überschritten und das Parteiintcresse gröblich verletzt. Für seine Behauptungen habe er keine Beweise gehabt.— Bela V a g o sprach gegen den Ausschluß. Alpari habe Fehler gemacht, aber er habe in gutem Glauben gehandelt. Man solle ihn für zwei Jahre für unfähig zur Bekleidung von Parteiämtern erklären. Im Schlußwort wandte sich Konder gegen diese Ausführungen. Unter großem Lärm wurde sodann der Antrag der Kommission mit 101 gegen 56 Stimmen bei 52 Enthaltungen angenommen. Nach der Abstimmung entstand wiederum großer Lärm, so daß die Be- ratungen suspendiert werden mußten. Auf der Galerie wurde stark gelärmt. Bei der folgenden Wahl der Parteileitung wurden gewählt: Desider Bekanyi(200 Stimmen), Emanuel Buchinger(187), Ernst Garami(198), Alexander Garbai (l98), Franz Kl.arik(181), Dr. Sigmund Kunfi(201), Julius Peidl(183), Alexander Rady(197), Ludwig Tarcza (171), Karl TeszarS(196), Jakob Weltner(196); in daS Kontrollkomitee: Stefan F a r k a s(160), Gabriel H o r o- bttz(98), Eugen MatoS(143), Eugen H d r o v i tz(153), Joljann Vanczak(165). Es folgte die Fortsetzung der Debatte über das Referat: „Die politischen Parteien und die Wdhlrechtsfrage." Sie bewogte sich wesentlich im zustimmenden Sinne. Zum Schluß wurde die Resolution des Referenten e i n st i m m i g angenommen. Beim Punkt„Agitation und Presse", über den G a r a m i referierte— er erklärte u. a. die Schaffung von Bezirks» organisationen für notwendig, die die politische Arbeit von den gewerkschaftlichen Organisationen übernehmen müssen, ebenso den Ausbau der deutschen Parteipresse— wurden besonders diese beiden Punkte lebhaft besprochen. Mehrfach wurde das Erscheinen der„Budapester Volksstimme" dreimal wöchentlich gefordert, als Vorstufe zum Tageblatt. Es folgte ein Referat über die Gemeindepolitik, daS Dr. A g o st o n erstattete. Die Resolution, die angenommen wurde, fordert die Lokalorganisationen auf, vorbereitende Beratungen über ein Kommunalprogramm zu pflegen. Den Schluß bildete eine Beileidskundgebung für die von dem grauenhaften Brandunglück in Oekverito Betroffenen. Genosse W e l t n e r, der die Kundgebung anregte, wies darauf hin, daß die miserable Verwaltung an der Katastrophe die Schuld trage._ Huö Induftric und Kandel. Erwerbsgenossenschaften in der Steuerst,' tistik. Die preußische Einkommensteuerveranlagung hat für daS Jahr 1909 insgesamt 8199 Wirtschaftsgenossenschaften als nicht physische Steuerpflichtige erfaßt. Das der Erhebung zugrunde gelegte Kapital beziffert sich auf 10 339 171 625 M. Die Summe der bei der Veranlagung zu berücksichtigenden Ueberschüsse stellt sich auf 1 177 445 378 M. Davon sind als Kapitalrente 954 665 516 M. verteilt worden. Das. steuerpflichtige Einkommen ist mit 815 626 736 M. eingestellt. Für die eigentlichen Erwerbsgesell« schaften ergeben sich die folgenden Resultate: Aktien- Berggewerl- Eingetr. Ge« gesellsckiaften schaften nossenschaften Fensiten...... 2170 149 883 Eingezahltes Kapital. 9 386 850 428 890 801 93S 43 040 712 M. Berückstcht. Ueberschüsse. 1070 532 704 82 918 891 10 2S9S04, Verteilte Kapitalrente. 870 056 930 65 033 257 6 849 270. DaS ergibt eine Kapitalsumme von insgesamt 10 320 Millionen Er hätte(wie ein Lügner schrieb) Triolen-Schäkerei gemacht. Doch solche Scherze treibt nur Schock, Der sich mit Recht das leisten kann: Er ist ein vie-, er ist ein die«, er ist ein Vielgeliebter Mann. Der Stadtrat Fischbeck, oft gerügt von wegen städtischem Asyl, Führt selber die Reporter hin, Färbt alles schön und schwabbelt viel. Er wirft sich mächtig in die Brust, Doch ist trotzdem nicht« mit ihm loS. Er ist ein Wicht«, er ist ein Wicht«, er ist ei« Wichtigtuer bloß. Graf Hochberg, der verlorne Sohn, Beging viel Streiche manche? Jahr. Vom Bater ward er drum enterbt; So sank er rasch zum Proletar. Was ist nun dieser junge Graf In der Enterbten großem Heer? Er ist ein Tropf-, er ist ein Tropf-, er ist ein Tropfen nur im Meer. Zu Januschau im Keller stahl Den ganzen Wein verschmitzt ein Dieb. Entrüstung herrscht im Junkerschloß. Weil nur ein Fläschchen übrig blieb. Laut schimpft der Herr von Oldenburg: „Zu knapp für meinen Durst I" und stöhnt. Er ist ein Ox-, er ist ein Ox-, er ist ein Oxhost Wein gewöhnt. Michel. Notizen. ---Vorträge. Die Berliner Ortsgruppe der Deutschen naturwissenschaftlichen Gesellschaft veranstalte� am Donnerstag, den 7. April, die Fortsetzung und Diskussion de? B a e g e scheu Vortrags über das Problem der Urzeugung. (S'/r Uhr im Zimmer 109 des Berliner Rathauses.) Gäste haben unentgeltlich Zutritt. — Ausstellungen. Die kürglich im Kunstgewerbemuseum veranstaltete Ausstellung dekorativerStickereren und Textil- arbeiten der Frau F. I. Hösel findet am Potsdamerplatz, Bellevue« straße 2l/22, im Atelier eine Fortsetzung. Die eigenartigen Arbeiten sind werktäglich von 19—5, Sonntags von 12—2 Uhr zu besichtigen. — Messels Pläne für die neuen Berliner MuseumSbauten findet man zum erstenmal im Aprilheft der Kunstzeilschrift„Kunst und Künstler" abgebildet. Sie werden von dem Architekten W.C Behrendt interpretiert und ermöglichen, da auch ein Grundriß beigegeben worden ist, eine lebendige Vorstellung davon, wie die Museumsinsel nach Fertigstellung der imposanten Bauten durch Stadtbaurat Hoff- manu aussehen wird.(Hoffentlich wird über die von Bode vor« gesehene Anordnung: deutsche und asiatische Abteilungen rings um den Pergamonhof und die Raumvergcudung für den Pergamonaltar und manches andere noch nicht das letzte Wort gesprochen sein.) Mark, die die Kleinigkeit von 1 163 720 895 M. UeverschM „erarbeitet" haben. Von dieser Summe flössen den Anteilseignern 941 898 507 M. in Gestalt von Dividenden, Ausbeuten usw. zu. Bringt man die Kapitalsrente in Beziehung zum eingezahlten Kapital, dann erhält man die folgenden Resultate: ES verteilten im Durchschnitt Rente: die Altiengesellschaften..... 9,26 Proz. die Berggewcrtschaften..... 7,81„ die eingelr. Genossenschaften... 15,91„ alle Gesellschaften zusammen.. 9,13„ Für ein Kriscnjahr sind daS jedenfalls sehr respektable Aus schüttungen. Rechnet man, daß im Durchschnitt jede Arbeiterfamilie in Preuxen ein Einkommen von rund 1060 M. erzielt, dann ent- spricht die von den Erwerbsgesellschaften abgestoßene KapitalSrente dcm.Einlommen von rund 942 000 Arbeiterfamilien. Viehzähluiigs-Ergebniffe. Nachsiehend stellen wir die Ergcbmsie der außerordentlichen Viehzählung vom 1. Dezember 1909 in Preußen nach der Bearbeitung im Königlich Preußischen Statistischen LandeSamt zusammen. Vergleicht man zunächst den bei der neuesten Kühlung er« mittelten Viehstand mit dem in früheren Jahren festgestellten, so er» gibt sich folgendes: ES waren vorhanden: im Jahre Pferde 1873.. 1883 1892 1897 1900 1902 1901 1906 1907 1908 1009 Bei der Oer 2 282 433 2 417 867 2 658 661 2 808 419 2 928 627 2 927 484 2 964 408 8 018 443 3 046 304 3 062 885 3 078 060 Rinder 8 639 514 8 737 641 9 871 621 10 562 673 10 876 972 10405 769 11 156133 11 646 908 12 011 584 12089 073 11 751 921 ESafe 10 668 794 14 752 323 10 109 594 7 859 096 7 001 518 6 917 693 6 660 629 6 435 053 5 408 867 5 260 238 4 971 813 Schweine 4 294 926 5 819 136 7 726 601 9 390 231 10 966 021 12 749 998 12 663 899 15 355 959 15 095 854 13 422 373 14 140 517 Zeraleichung dieser Zahlen darf nicht übersehen werden, daß die Viehzählungen von 1373 und 1883 am 10. Januar, alle übrigen dagegen am 1. oder 2. Dezember stattfanden, die ersteren also ein Bild de« niedrigsten, die anderen ein solches des mittleren Viehstandes während des ganzen JahreS geben. Im übrigen ist der Biehftand des Herzogtums Lauenburg, da» erst seit dem 1. Juli 1376 zu Preußen gehört, schon für 1873 dem preußischen hinzugerechnet worden. Bei den Pferden ist die Entwickelung am ruhigsten vor sich gegangen; jede Zählperiode, auch die neuest«, hat einen Zuwachs gebracht, der aber niemals bedeutend gewesen ist. Von 1908 auf 1909 war der Zuwachs aber geringer als in jeder anderen Zeit, Unruhiger ist bis Eniwiefelung bei nicht nur aus« abgesehen von 1900 auf 1992. den Rinden?. Im letzten Jahre ist die AufwärtSbewegung geblieben, es ist sogar ein Rückgang zu verzeichnen. Die Schafe haben sich abermals vermindert, und zwar wieder rascher als einige Fahre zuvor. Nach der Zählung von 1906 und noch mehr der von 1907 schien«S so, als ob die bisher stets rück läufige Bewegung in der EntWickelung de» Bestandes an Schafen bald zum Stillstände kommen sollte— eine Vermutung, die irrig gewesen zu sein scheint. DaS Hauptinteresse nimmt gewöhnlich, schon ihrer starken Schwankungen wegen, die EntWickelung des Bestandes an Schweinen in Anspruch. Während sich bis zum Jahre 1902 eine andauernde, allmählich immer rascher werdende Zunahme zeigte, sank die Zahl von 1902 auf 1904 um ein geringes und hob sich dann von 1904 auf 1906 so außerordentlich wie nie zuvor auch nur annähernd (man vergleiche insbesondere die Uebersicht der durchschnittlichen jähr- lichen Bewegung). Von 1906 auf 1907 ging die Zahl der Schweine wieder zurück, eine angesichts der durch hohe Schweinepreise hervor- gerufenen Masienaufzucht deS JahreS 1906 weder bedenkliche oder auch nur verwunderliche Erscheinung. Bon 1907 auf 1908 fiel der Schweinebestand aber weiter, und zwar so stark, daß er den von 1902 nur noch um rund 700 000 Stück überragte. Zwar hat das letzte Jahr wieder eine Zunahme im Bestände gebracht, die giffern der Jahre 1906 und 1907 sind aber noch lange nicht wieder erreicht. Dabei ist die Bevölkerung kräftig gewachsen I Eine Darstellung der Entwickelung in Ver! das folgende Bild. Die prozentuale Zunahme<-H ilgtr nähme(—) betrug: 1873—1883. 1883—1892. 1892—1897. 1897—1900. 1900-1003. 1902—1904. 1904—1906. 1906—1907. 1907—1908. 1908—1909. Pferde -- 6,91 -- 9,77 --6,83 .- 4,10 + 0,13 -.1.26 -- 1,82 --0,92 --0,54 --0,50 hlcn zeit respektive Ar Schafe — 24,99 — 81.47 — 22,26 — 10,91 — 15,48 — 4,85 — 3,98 — 0.48 — 2.75 — 5,43 Schweine + 35,49 -- 32,76 -- 21.55 -- 16,79 + 16,26 — 1,46 + 22,22 — 1,69 — 11,09 + 6,85 Die Verhältnisse des JahreS 1900 mit denen im letzten Jahre in Beziehung gesetzt, ergibt eine über den Bevölkerungszuwachs hinausgehende Zunahme oeS SchweinebestandeS. dagegen ein starkes Zurückbleiben der übrigen Viehbestände. Während die Bevölkerung um rund 16 Proz. zunahm, hob sich der Schweinebestand um rund 28 Proz., der Bestand an Rindern erfuhr eine Zunahme von 3 Proz.; bei den Pferden macht der Zuwachs nur etwas über 5 Proz. aus. und die Zahl der Schafe ist sogar um 29 Proz. zusammengeschmolzen._ Fette Dividende. Die Aktionäre der Elberfelder Farbenfabriken, die im Besitze des DividendenfcheinS pro 1909 find, heimsen damit 43,3 Prozent Dividende ein. Neben der regelmäßigen Dividende von 24 Prozent erhalten sie noch eine Extrazahlung auS dem Ne« servefondS, die 21,8 Prozent ausmacht. Steinkohle und Brannkohle. In dem Wettbewerb zwischen Stein- und Braunkohle scheinen sich die Chancen immer mehr zugunsten der letzteren zu verschieben. Es betrug in Preußen in den beiden letzten Jahren Steinkohle törderung. bsatz... Braunkohle törderung. bsatz... Nicht allein also, 1908 1909 gegen 1908 in Proz. 138 994 140 006+ 0,73 130 484 130 88&+0,31 53 465 56 030 42 639 43 253 daß die Förderung + l,i 4- 1. 03 .44 der Braunkohle stärker gestiegen ist als die der Steinkohle, noch wichtiger ist die Ber- ickiebung des Absatzes. Der Absatz der Steinkohle stieg langsamer als die Förderung, der der Braunkohle schneller als die Förderung. 1908 war der Absatz gegenüber 1907 gestiegen: bei Braunkohle um 3,89 Proz., bei Steinkohle nur um 2,90 Proz. IVO Prozent Dividende, wie im Vorjahre, schüttet für daS letzte Jahr die Berlinische Bodengesellschaft auS. AuS der Linolenmindustrie. Anfang dieses JahreS haben sich die deutschen Linoleumfabrike» zu einer PrciSvereinigung zusammen» geschlossen und bereits ab 26. März eine Preiserhöhung eintreten lasten. Diesmal ist eS das billige Konsumlinoleum, da» von der Verteuerung betroffen wird. Sie beträgt zwischen 5 und 7 Proz. Die belgische Zolltarifrevision beschränkt sich, wie gelegentlich in der Presse schon hervorgehoben worden ist, nicht auf die Erhöhung einer Anzahl von Zollsätzen, sondern sieht auch eine wesentliche Umgestaltung de? Zolltarifgesetzes vor. So sollen Streitigkeiten wischen Exporteur und Zollbehörde künftig einer Kommisfion unter- weitet werden, die zusammengesetzt ist aus einem vom Finanz- Ministerium ernannten Beamten als Obmann und zwei Experten, von deneit einer durch den Exporteur, einer durch die OrlSzollbehörde ernannt wird. DeS weiteren wird eine kürzere Frist für die Entscheidung verlangt. Ein großer Teil der nach Belgien exportierten deutscheu Waren muß von einem Tag zum andern, oft als Eilgut, geliefert werden shauplsächlich Modeartikel, welche keine Verspätung vertragen. wie KonfektionSwaren, Blumen, Bänder, Federn. Posamentierwaren. Seide, Tuche-c.). Mindesten? für diese eiligen Sendungen müßte eine Frist von nicht mehr als 3—4 Tagen für die Erledigung der KommststonSentscheidung angesetzt werden, wahrend der Entwurf zwei Wochen vorsieht. nun DQD □□□ Theater und Vergnügungen Mittwoch, den S. April. Ansang 7'/, Uhr. KSnigl.Opcrnhaus. Das Rheingold. Königl. Schauspielhaus. Der Familientag. Neues königl. Operu-Theater. Geschlossen. Deutsches. Judith. Zt a ni m e r s p t« I e. Der gute König Dagobert.(Ans. S Uhr.) Antano 6 Uhr. Lefsing. DaS Konzert. SienesLchauivielvauS. DleRampe. Kleines. Luxuszug. Kouiiichr Over. RodwS Sud». Berliner. Taisun. Steues. Die goldene Riltrrzeit. Westen. Die gelchiedene grau. Neues Overetle»». Der Gras von Luxembnra. Driano«. THSodore u. Tie. Restden». Da« Nachtlicht. Dhalka. Die Dorskomtesse. Schiller«».>«>»lii,e>- Ueater.) Viel Lärmen um RichiS. «chaelotteiivnrg. Das Käthchen von Hetlbronn. Friedrich> WilheimstädlischeS. Alt-Heidelberg. Gastspiel. Miß Dudelsack.(Ansang W. Uhr.) Hebbel. Ketten.(Ans. S'/, Uhr.) Bolksoprr. Der Troubadour. Luisen. Was Gott' zusammenftigt. Stoie Preciosa. Luftspielhaus. Der dunkle Punkt. Wietruvoi. Halloh II— Die große Revue. FolieS«kaprice. Herr Wasiertrops. Der Lustturner.(Ans. 6llt Uhr.) Castno. Berlin bei Nacht. Gebe. Herrnfeld. Die beiden Bindelbands.— Die Original- KlabriaSpartie. Roack. Wach- und Schlteßgesell- schalt. Np-'»o- In dm Lasterhöhlm von San Francisco, speziakttätm. Vaönge. Spezialitäten Wintergarten. SveziaUtSte». NeichSvotlen. Slclliner Sänger. Palast. Cpezlalitälen. Karl Haverland. Spezialitäten. Walballa. Svezialtläien Buggenhagen. Spezialitäten.(An- Urania.' T»»benitrnste SHiSW. Nachm. 4 Uhr: Der Kimmatograph im Dienste der Wissenschast und deS Unterrichts. Abend« 3 Uhr- Sizilien und der Aetna. Ctemiuorlr, Jnvaltdmstr. 67—62 Losaine-Tbeatep. 8 Uhr: DaS Konzert. Donnerstag, 8 Uhr: DaS Konzert. Freitag. S Uhr: Zum 75. Male: DaS Konzert. Urania. WiBsenschaftliches Theater, Nachmittags 4 Uhr; Der Kinematograpb Im Dienste de« Unterrichts und der Wlssenscbalt. Abends 8 Uhr: SlalHcn und der Aetn». Nenea Operetten- Theater. Heute und folgende Tage 8 Uhr: Der Graf von Luxemburg. Sonntag nachm. 3 Uhr zu ermäßigten Preism: vor Zlgeonerbartm. Nehlller-Theater. Schiller-Theater 0.(Wallner-Theat). Mittwoch, abends 8 Udr: Viel I.Uriiien am nicht«. Lustspiel in 5 Akten D SB. Shakespeare. End, 10'/, Uhr. Donne r« ia Go abends 8 Uhr: ■che. Freitag, abend» Sllhri _ Hans I.angc. Friedrlcti-Wiltielmstädtiscties Schauspielhaus. Mittwoch, dm 6. April, abends 8 Uhr: Sns.-Gaftsp. d. Neuen Schauspielhauses Alt-Heidelberg mit Karl Heinz.. Harry Baldm. Morgen und folgende Tage: Alt- Heidelberg._ Lustspielhaus. Abend» 8 Uhr: Der dunkle Punkt. velle-AMance-Straße Nr. Iß. Abend«>1,9 Uhr: Der Troubadour. �_(Gastspiel.)_ Residenz-Theater Direktton: Richard Alexander. Abend« 8 Uhr: Das Nachtlicht. Schwank in 8 Allen v. M. ZamacolS. Morgen und folgende Tage: DaS Nachtlicht. Luisen-Theater. Abmd« 8 Uhr: Berliner Theater. Heute 8 Uhr. TaifUtl# M orgm: Dastun._ Neues Theater. Mittwoch u. Donnerstag 8 Uhr: Die goldene Ritterzeit. Freitag: Oer Philosoph von Sanssonck. Theater des Westens. Heute und folgende Tage 8 Uhr: Die geschiedene Frau. Sonnt. S'/« Uhr:«t» Walzertranm. Was Colt zusammli. Schauspiel in fünf Akten von Emst Ritterseldl nach freier Benutzung einer Erzählung von Eourths-Mahler. Donnerstag: WaS Gott zusammen- sügt. Gastspiel-Theater. Abend« 8'/. Uhr: an«« Ooilelaack. Tägl. dl« Mitte April: Dies. Vorst. Ab. 8 Uhr: DaS vollftäudig neue Programm. SV erstklassige Künstler! 9 Uhr: Ilaraa and Wiaer, Sensation-Jongleure mit Hüten. 10 Uhr: HaleyS Iuveniles, 20 kltgljsche Kackfische 29 Jung'Gugland in Verlt». »td Einzig existier. Ensemble dieser Art. OSEsTHEATEI Srotze Frankfurter Str. 132 Ans. 8 Uhr. Ende 11 Uhr Preziosa.(!i Schauspiel mit Gesang und Tanz in 4 Akten v. Wulfs. Musik von Weber. Donnerstag, Sonnabend: Der Verschwender. Frcilag, Sonntag: Prenoia. 8ediIIoe-Th«atsr(Ohnrlottondurg). Mittwoch, abends 8 Uhr: VanKttthchSa v. Uellbronn Großes historisches Rilterschauspiel in 5 Akten von Heinrich v. Kleist. Ende ll Uhr. Donnerstag, abend» 8 Uhr: Dar nelneidbauer. Freitag, abends 8 Uhr: Rlaa« Aaitaad. Metropol-Theater Hallo!!! Die grobe Revue! In 8 Bildern von Jul. Prennd. Musik v. Paul linoke. In Szene gesetzt vom Dir. Eich. Schultz. Anfang 8 Uhr. Ranche« getlatteL Neues Programm! Cleo de llerode Siegwart Gentes. Freter Frires, gymnast. Akt De Lilo, französische Sängerin. Rotina Cattelli mit ihrem Wnnder- hündchen. Chantecler-Truppe, engl. Tanz- und Oesongs-Ensemble. Paul Conohat, der Armee-Herkules i. s. Szene: Im Feldlager. Wardla Bekelow, Schulreiterin. Rebla, komischer Jongleur. Dr. Angelos lebendes Ponsellaa. 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April ringen: Franz Trunir, Berlin, gegen DNo Meyer, beliebter Radrennfahrer und Ringcrchampwn. Frank Grorler, Negerchampion und Weltmeister im catch-ao-eatch- can. gegen Hans Schwarz, Wellmeister(Bayern). Loonardl, Italien, gegen Bernhard Paxon, Amerika. Leonhard Reiher, Meisterringer von Tirol, geg. Ms» Bördel, Ostpreußen. Entscheldungskanipl: Fred Markessen, Champion von Dänemark und Schweden, gegm Bm» Germaira, Meifterrwger von Sachsen. Beginn der Ringkämpfe: O'l, Uhr. Preise: O.SO M. bi« 3 M. Ehren- u. Vorzugskarten o» Wochentagen zu halben Kassenpreis en gültig. Tiianou-TTkeater. Abend« 8 Uhr: Theodore& Cie. IM1 Holzmarttftraße 72. Vollständig neues Programm. Elsa Franche— Collina u. Le Man — Mstr. Fred— Erich Castelli— Mstr. Rejo usw. Franis Sobauskl. Zur rechten Zeit. «olliftück mit Gesang tu 1 Akt _ von v. 8 tan tri._ Beute, Hittwoeb, den 6. Jprii, abend* 7'/, Uhr: AM- lllld Neue Welt Hasmheide. Abend» 8 Uhr: Die Maienkönigm. Schauspiel in 7 Bildern. Heinrich»ach al« Gast Rilies Caprice Heute und folgende Tage: Der Luftturner« Neuer bunter Deik. Herr Wassert ropf. Ansang 8'f, Uhr. Boro erkauf 11-2 Uhr. alhalta Vsmle Thrdter I Weinbergs weg 19 20. Rosenlh.Tor.| - Ansang 8 Uhr.— Benes Spezialiiäien-Procra Tunnel: Di« all ergröstteKa»on r I Theaterbesucher freie« Eintritt. Casino-Theater Lothringer Straße 87. Täglich 8 Uhr. Berlin bei Nacht. Posse In 3 Akten von®. Schätzler Pörasmi. Sonnt. 4 U.: Ein deutsch, ftaaenherz. ler Hl Alt-Hoabit 47/48. Donnerstag, de« 7. April 1910: Aus allgemeines Verlange»: Unter Mitwirkung bedeutender &äfu: Der Räuii t WUl«. Zirkus Busch. Heute, Mittwoch, den 6. April, abends 7'(, Uhr prfiz. j GroBer Gala-Abend. Henricksens Tipergrappe! MT lO-WM (völlig unerreichte konkurrenzlose Dressur.) Max Grlx-Grlgary-Truppe t Theresa Fillls, James Leon Fillis iun., Heinrieh Fillis, in ihren Produktionen d. hohen Schule. Hr. E, Schumann, Nendress. 9',. Uhr ca. Erde 10»/tUhr: Die nies. Sensations-Pantomime JgjTJHaria! I �frankes �festsäle| BadstraBe 19.+ Z Hsuta sowie Jeden Mittweeh: 7 | Jaul$ Springers| Kabarett- ond Possen-Gesellscbaft. Anfang 8'/, Uhr. Nachdmr: Tanz. Karl llsverlsncl Ansang Dheator. präz. 8 U. 77/79 Kommandantenstraße 77/79. JlptH.JIjjj, Liliputaner-Truppe _ prolongiert._ Sanssouci, Direktion Wilhelm Reimer. Sonntag, Montag und Donner« lag: Nene» Programm. Elile-Soirea„Än Morgen Donnerstag: ioMziiiis iordd. Änger und Tanzkräuzchcn. Der Weltuntergang. Einakter, Ens., akt. Vortr. SoniU.Beg.plwochmt. 8 U. Reichshallen-Theater. Stettinflr Sänger (Meysel, Britton, Schräder asw.) Ansang: Wochentags 8 Uhr. Sonntag» 7 Uhr. Moabiter Geseilscbaftshaus Wiclefsti Lt. Jeden Donnerstag: i Kabarett- AbendJ | veranstaltet v. d. Eioklorsehen i Sängergesellsnhatt Noch der| i Vorstellung; Tanzkr&nzchen. Kur den Juhatt der Jnierate «tberufmmt die Redaktion de« Publitn» gegenüber triuerlei Verantwortung. 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Da der Vortrag sehr interessant zu werden verspricht, erwarten zahlreiche Beteiligung Dir Abtrilungsfährer. Berliner JNacbrichten. Tiefgreifende Empörung hat sich der städtischen Arbeiter Berlins bemächtigt ob der Behandlung, die ihren Wünschen und Forderungen auf Ver- besserrmg ihrer Lage und ihren Vertretungen, den Arbeiter- ausschiissen, zuteil geworden ist. Wie wir bereits gestern be- richteten, hat eine überaus stark besuchte Versammlung der städtischen Arbeiter und Handiverker beschlossen, als Protest gegen die Nichtachtung, mit der man sie behandelt, die Nieder- legung der Aemter der Arbeiterausschußmitglieder zu voll- ziehen. Die Empörung der Arbeiter ist eine vollkommen bc- rechtigte. Tatsache ist, daß die Arbeiterausschüsse in den städtischen Betrieben nur als Dekoration dienten, eine wirk- liche Bedeutung hatten sie kaum. Dafür sorgten schon die unmittelbaren Vorgesetzten, die im übrigen die Organi- sation der städtischen Arbeiter mit schelcn Augen an- sehen. Wohl wird bei jeder Gelegenheit von den zu- ständigen Dezernenten, vor allem von Magistratsvertretern bestritten, daß das Koalitionsrecht der Arbeiterschaft angetastet werden soll, aber in der Praxis ist gegen die organisierten Arbeiter in den verschiedensten städtischen Betrieben immer das Mittel der Schikane angewendet worden. Das läßt sich hundertfach belegen. Zu der erregten Stimmung unter den städtischen Arbeitern hat außerdem beigetragen, daß man ihre Wünsche bezüglich Lohnaufbesserungen einfach ignorierte. Und dabei haben die Arbeiter im vergangenen Jahre ihre Forderungen so zeitig eingereicht, daß die einzelnen Ver- waltungsdeputationcn reichlich Zeit hatten, sich mit ihnen zu befassen. So gut wie nichts ist in dieser Beziehung geschehen, obwohl die im vorigen Jahre in Wirksamkeit getretene Reichs- finanzreform allein schon dringend Anlaß bot, an eine Er- höhung der Löhne der städtischen Arbeiter zu denken. Wer nicht nur die ArbeiterauSschüsse haben bei ihren Direktionen und bei den Deputationen ihre Wünsche ein- gereicht, sondern der Verband der Gemeinde- arbeit er hat für alle in städtischen Betrieben und An- stalten Beschäftigten den städtischen Behörden eine Lohnskala unterbreitet, und es wäre der einzig richtige Weg gewesen, wenn der Magistrat ganz generell dieser Eingabe deS Verbandes näher getreten wäre und mit dieser Ver- tretung der Arbeiter Unterhandlungen ge- pflogen hätte. Stur auf diesem Wege ist es möglich, zu einem bestimmten Ziele zu kommen. Natürlich gehört dazu, daß beim Magistrat auch der gute Wille vorhanden ist, auch den Arbeitern entgegenzukommen. Bisher hat der Magistrat sich gesträubt, diesen Weg zu betreten, für ihn existiert die Arbeiterorganisation nicht. Hoffen wir, daß aus dem bisherigen Verhalten der städtischen Behörden in Arbeiter- fragen die in den städtischen Betrieben und Anstalten be- schäftigten Arbeiter und Angestellten die Lehre ziehen, mit aller Kraft und Energie die Reihen des Gemeindearbeiter- Verbandes zu stärken und durch die Macht der Organisation den städtischen Behörden die Zugeständnisse abzuzwingen, die ihre Lage wirklich zu verbessern geeignet sind. Dann würden auch die städtischen Behörden der Reichs- Hauptstadt genötigt werden, der Arbeiterorganisation die An- erkennung entgegenzubringen, die heute schon Privatunter- nehmer auf anderen Gebieten den Arbeitern nicht mehr ver- weigern können._ Schutz unseren Wäldern i Der Berliner Zentralausschutz für die Wald- und AnfiedelungS- frage erlätzt einen Aufruf zum Schutz der Wälder und Natur- denkmäler der Reichshauplstadt, der mit zirka 500 Namen der Ver- treter aller Parteien, der Presse, Vertreter der Kunst und Wissenschaft, von Handel und Industrie, Kranlenkafien usw. bedeckt ist. In diesen, Aufruf heitzt es u. a.: „Trotz aller Klagen und Proteste schreitet die Verwüstung der Berliner Wälder unaufhaltsam fort. Nachdem bereits vieles unwiderbringlich dahin ist, droht jetzt die Axt großen Teile» des Grunewaldes. der Jungfemheide und der Wälder in der Gegend der Oberspree und am Müggelsee, ja selbst eine solche Perle der Naturschönheit wie P i ch e l s w e r d e r soll angetastet werden. Dabei sind es gerade die nächstgelegenen und darum für die Bevöllcrung notwendigsten und werlvollsten Wald- gebiete, welche in besonders hohem Grade der Zerstörung anHeini- fallen. Immer weiter, immer kostspieliger wird auf diese Weise der Weg ins Freie. ES gibt heute schon in Berlin hunderttausende Er- tvachsener. die kaum noch einen Heicrtag hinauskommen, es gibt hier Zchntausende von Kindern, die fast nie mehr einen Wald oder ein Komfeld erblicken und deren Lebenshorizont ihr enger Hof und die graue Stratze ist. Eine furchtbare Verantwortung laden diejenige» auf sich, die diese Zerstörung bewirken oder ihr wenigstens nicht wehren. Die Unterzeichneten fühlen diese allgemeine Not als ihre eigene mit. Sie und Hunderttausende»nt ihnen sind bereit, durch ihre Gemeinden Opfer, selbst wesentliche Opfer zu bringen, aber Abhilfe muh geschaffen werden, und zwar schleunigst! Die näher gelegenen noch vorhandenen Wälder und Naturschönheitm müssen unbedingt möglichst in vollem Umfange gerettet, aber auch in weiterer Ent- fernung muh ein für alle Zukunft ausreichender Bestand jetzt schon dauernd gesichert werden. Zu diesem Ende ist folgendes zu fordern: Erstens der ForslfisknS mutz in der Berliner Umgegend mit allen Verläufen, Verpachtungen und dergleichen, durch welche Wälder oder Naturschönheiten geopfert werden, einhalten, bis durch ein grobes planmätziges Ucbereinkounnen mit den beteiligten Gemeinden und Kreisen die dauernde Erhaltung der notwendigen Wälder und Natur- schönheiten gesichert ist. In Zukunft dürfen diese Wälder und Gebiete nur zu eben diesem Zwecke der dauernden Erhaltung vergeben werden, und zwar an die Gemeinden und Kreise und zu Preisen und Bedingungen, die die Erreichung deS vorschwebenden Zieles möglich»rächen. Zweitens die Grotz-Berlincr Gemeinden und Kreise müssen nicht Bm ihren jetzigen Besitz an Wäldern und Naturschönheiten erhalten. fondern auch in grotzem Matzstabe und selbst unter Aufwendung erheblicher Opfer hinzu erwerben. Durch Gründung eines Zweck- Verbandes sind die erforderlichen Lasten in gerechter Weise auf die veleiligten Gemeinden und Kreise zu verteilen. Drittens ist auch der Verwüstung der im Privatbesitz befindlichen Wälder und Naturschönheiten in der Berliner Umgegend schleunig Einhalt zu tun durch Ankäufe der öffentlichen Körperschaften, durch ortsstatutarischo Vorschriften und durch Matzregeln der Gesetzgebung. Mitbürger I Das Wohl des Volles wie die Ehre der Reichs- Hauptstadt verlangen, datz das RettungSwerk endlich zustande kommt, und Sache aller in Betracht kommenden Vereine und Körperschaften ist es, die grotze Sache in Flntz zu hatten und vorwärts zu treiben. WaS jetzt verloren geht, ist für alle Zukunft dahin. Jeder ttie in seinem Kreise, was er kann! Der Kampf um die Berliner Wälder und Naturschönheiten darf nicht zur Ruhe kommen, ehe das Ziel erreicht ist!"_ Die BerkehrSdeputation beschloß in ihrer Sitzung vom 5. April unter Borsitz des Oberbürgermeisters dem Antrage der Großen Berliner Straßenbahn entsprechend zu gestatten, daß die Um. fahrungsweiche vor dem Ausstellungspark in der Straße Alt- Moabit beseitigt werde. Dagegen wurde der Antrag der Großen Straßenbahn auf Entfernung ihrer Bahnanlagen aus der Fasa- nerie-Allee und Lichtenstein-Allee und die Verlegung dieses Stratzenbahnverkehrs nach der Hofjäger-Allec, Friedrich-Wilhelm- straße und Corneliusstraßc aus Verkehrsgründen abgelehnt. Die Kirchlichen im Kampfe wider einander. In der G e t h s e m a n e g e m e i n d e ist jetzt noch eine Kirchen wähl vorzunehmen, weil da§ Ergebnis der dort im November vollzogenen Wahl durch den Vorstand der Krcissynode für ungültig erklärt worden ist. Damals siegten die Liberalen über die Orthodoxe», jetzt aber machen die Orthodoxen die verzweifeltsten Anstrengungen, um die Liberale» aus dem Felde zu schlagen. Ein Flugblatt der Liberale» weist aus diese Gefahr hin und sucht alle zusammenzutrommeln, die nicht länger das Joch der Orthodoxie tragen wollen. Der Aufruf arbeitet mit starken Aus- drücken, beispielsweise heitzt es da: „Seit Wochen ist unsere Gethsemane-Gemeindc wieder das Feld einer unheimlichen Agitation von feiten des positiven Parochial- Vereins. Kein Mittel wird unversucht gelassen, das Gemeindclcben aufs neue unter das Joch einer fanatischen Richtung zu bringen. Mit vierzig Mark pro Woche bezahlte Agitatoren eilen von HanS zu Haus, aufs nachhaltigste durch einen Geistlichen uliter- stützt, der in den orthodoxe» Kreisen Berlins den Ruf eines gewandten Agitators genießt. Man redet den Leuten vor, daß das evangelische Christentum in Gefahr sei. Man schreckt sie durch Aeutzerungen radikaler Gelehrten, die niemand von uns billigt. Man lockt sie durch Hinweis ans ein Begräbnisgeld in den positiven Parochialverein. Man macht Geschäftsleuten, die sich nicht zum Einttitt bereit finden wollen, Anspielungen ans geschäftliche Nachteile. Man ist so positiv, datz man sich nicht scheut, am Karfreitag(!) während der großen Abendmahlsfeier der Gemeinde eine Werbe- versannnlung für Einiragung in die Wählerliste zu veranstalten, be« zeichnenderweise in einer Kleinkinderschule 1" Wir haben keinen Anlaß, uns in den Streit der mehr oder minder strenggläubigen Brüder hineinzumengen. Es genügt, die Charakteristik niedriger zu hängen, die der eine dem anderen widmet.(NE. Die durch Fettdruck hervorgehobenen Ans- drücke sind auch in dem Original des Flugblattes hervorgehoben.) Unterstreichen möchten wir nur noch den Satz:„Man macht Geschäfts- leuten, die sich nicht zum Eintritt bereit finden lassen wollen. Anspielungen aus geschäftliche Nachteile." Die Unter- zeichner des Flugblattes, unter denen sich ein Etadtschnlinspektor so- wie zahlreiche Lehrer und andere Beamte befinden, werden gewiß in der Lage sein, ihre Behaupttingen zu beweisen. Es wäre lehr inter- essant, zu erfahren, wer denn die Frommen sind, die Geschäfts- leute durch Anspielungen auf Nachteile gefügig zu machen suchen, während sonst gerade sie nicht laut genug über.Terrorismus der Sozialdemokratie� schreien können. Wenn Dcutschnationale demonstrieren kräht kein Hahn danach, selbst Herr v. Jagow nicht. Da« zeigte sich in der Stichwahlnacht nach den letzten Reichstagswahlen. Das wurde wieder offenbar dieser Tage anläßlich der Niederlegung eine« Kranzes am Bismarck-Denkmal. Die' Ortsgruppe Berlin des Deutschnationalen HandlungsgehilfenverbandeS hatte in ihrem Vereins- Haus eine Feier veranstaltet. Dann begaben sich die Teilnehmer, wie das„Reich" berichtet,„in geschlossenem Zuge zum Bismarck- Denkmal zur Ricderlcgung eines Kranzes", wo Herr Walz eine kurze Ansprache hielt. Ob die Herren zu diesem Umzüge die Erlaubnis de« Herrn v. Jagow eingeholt und erhalten haben? Gegen Schulschwänzer der Schutzmann! Schulkinder, die unverbesserlich schwänzen und immer wieder „hinter die Schule gehen", können schließlich durch einen Poli- zisten aus ihrer Wohnung abgeholt und dem Schulhause zugeführt werden. Die Stadt Berlin darf selber durch ihren Obcrbürger- meister die Schul Polizei a u s ü b cn, selber die unbegrün- Veten Schnlversäumnisse mit Strafbefehlcn gegen die Eltern ahn- den; wenn aber Zwangs maßregeln angewendet werden sollen, dann fehlen ihr die Machtmittel, und sie muß die„kön i g- liche n" Polizisten zu Hilfe rufen. So kann sie auch die Schulsckavänzer nicht durch eigene Beamte zum Schulhause bringen lassen, sondern muß gegen sie den Schutzmann mobil machen. Wir sind immer der Meinung gewesen und haben das auch mehrfach zum Ausdruck gebracht, daß vielzuschnellnndviel zu oft zu diesem letzten Mittel gegriffen wird. Auch das äußere Drum und Dran solcher Zwangsvorführungen von Schulschwänzern, z. B. die Zulassung des Gebrauches der Handfessel, ist von nnS als ungehörig und dem Er- ziehungszweck schädlich gerügt loorden. Im Rathanse dürfte an zuständiger Stelle kein rechtes Verständnis für derartige Erwägungen und Bedenken zu finden sein. Ebenso scheinen die Schulkommissioncn, die ja bei der Verfolgung der Schulversäum- nisse mitzuwirken haben, im allgemeinen den bestehenden Gebrauch für durchaus ordnungsgemäß zu halten. In der vorletzten Ver- sammlung der S ch u l k o m m i s s i o n s v o r st c h e r wurde sogar angeregt, noch mehr als bisher gegen Schnlschwänzer den Schutz- mann zu verwenden. Es wurde gewünscht, datz auch schul- Pflichtige Kinder, dieaufder Straße sich uniher- treibend betroffen werden, zwangsweise durch Schutzleute nach der Schule gebracht würden. Soll da am Ende jeder Schutzmann, der irgendein ihm verdächtig scheinen- des Kind während der Unterrichtszeit auf der Straße erblickt, ohne weiteres das Kind festhalten, es über Alter und Schulzugehörig. keit ausfragen und dann unverzüglich es womöglich unter An. Wendung der Handfessel dem betreffenden Schnchause zuführen? Der Magistratskommisiar, der an jener Borsteherversammlung teil- nahm, hat inzwischen sich mit dem Polizeipräsidium in Verbindung gesetzt, um zu hören, wie dort über die Mitwirkung des Schutz- manns bei der Verfolgung von Schulversäumnisscn gedacht wirb. In der darauf folgende» Versaminlu-ig der Schulkommissionsvor- sieher hat er dann, wie jetzt bekannt wird, mitteilen können, ihm sei der Bescheid getvorden, daß das Polizeipräsidium die Inanspruchnahme der Polizei durch ZwangSvor» führung von Schulschwänzern ohnedies schon für zu groß hält und sich bereits darüber beschwert hat. Man darf zwar vermuten, daß das Polizeipräsidium nur deS- halb von noch reichlicherer Verwendung des Schutzmanns gegen Schulkinder nichts hören will, weil die Schutzleute jetzt mit ihren Kräften haushalten müssen, um gegebenenfalls in Säbel- a t t a ck e n gegen W a h l r e ch t s d e m o n st r a n t e n sich bc- tätigen zu können. Immerhin kann man aber den übereifrigen Schulpolizistcn der Stadt die Ohrfeige gönnen, die ihnen da von dem„königlichen" Polizeipräsidium appliziert worden ist. Viel- leicht überlegen sie sich's jetzt, ob es sich nicht machen läßt, datz sie künftig überhaupt auf Anrufung des Schutzmanns verzichten. Gegen die sozialdenivwatischen Stadtverordneten wandten sich eine Anzahl Redner in der lctzlcn Sitzung des Hansaplatz-Bezirks- Vereins Moabit am Montag. Der Referent Herr Stadtverordneter Gicse hielt einen Vortrag über den städtischen Etat und betonte, daß bei der Etatsberatnng im Berliner Siadlparlamcnte den samt- lichcn Fraktionen daS harmonische Zusammenarbeiten durch die Taktik der sozialdemokratischen Stadtverordneten in erheblicher Weise erschwert worden sei. Außerdem richteten die Herren Regierungsbanmeistcr Zadel, Sanitätsrat Dr. Freund, Stadtverordneter S ö k e l o n d Angriffe bei der Besprechung deS Hoch- und Tiefbauctats gegen die sozialdemokratischen Stadtverordneten, denen sie ein Hand-in-Hand- arbeiten mit den Pinnen de? Stadtbaurateö H o s f m a n n vor» warfen, dessen„ästhetische" Bauweise die Zweckmäßigkeit und Praxis himanstelle und dem Bürgertum große Stenerlasten aufbürde. ES sei„Wasser aus die Mühle" der Sozialdemokraten, wen» in und um Berlin möglichst viel gebaut wird, aber im Interesse der steuer- zahlenden Bewohner müsse eine derartige„Brüdergcmeinschaft" ver- urteilt werden. Jnstizrat Cassel hob hervor, daß man in gerechter Weise die Verdienste des Stadtbanrats anerkennen müsse, obgleich eS nicht in Abrede gestellt werden könne, datz der Stadtbaurat bei der Durchberatung des Bauetats in auffälliger Art von den Sozial- dcmokraten unterstiitzt werde. Kntzerdem sagte Herr Cassel Unter- suchung der etlvas dunklen Kommisstoiisbesichtigung des Friedrich- Wervcrschen Gyninafiums durch den Stadtbaurat zu, welche von dem Sanitätsrat Dr. Fremid zur Sprache gebrach: worden war. Die Aeutzerungen über die sozialdemokratischen Stadtverordneten sind völlig dcplaziert. Daß die Sozialdemokraten mit den übrigen bürgerlichen Vertretern nicht an einem Strange ziehem ist richtig. Weiin sie das tun, erfüllen sie nur ibre Pflicht, da unsere bürger- ticken Stadtverordneten in der unsozialsten Weise verfahren und die Interessen der Hausagrarier mit de» Interessen der Allgemeinheit nur zu oft identiftzieren. Was das„Hand-in-Handarbciten" mit dem Baurat betrifft, so ist nur richtig, daß die sozialdemokratischen Stadtverordneten bei bestimmten städtischen Bauten eine Bauweise fördern, die von dem früher üblichen Kasernenstil abweicht und in die grotzen Stein- Haufen in den Siratzen Berlins etwas Abwechselung bringt. Unsinn ist die Behauptung, daß diese Bauweise dem Bürgertum große Steuer- lasten aufbürde. Einmal ist das nicht wahr. Wäre es richtig, dann träfe die bürgerlichen Stadtverordneten der schwerste Vorwurß weil sie schließlich den Banprojekten des Banrats erst nach eingehender Nachprüfung ihre Z u st i m in u n g erteilt haben. Neue AuSwciSkarten für die PflichtfortlitldungSschüler. Die AuStveiskarten, die mtsere Pflichifortbilduugsschülcr zu Beginn jedes Halbjahres erhalten, erscheinen in diesem Jahre in etwas ver- änderter Form. Sie enthalten neue Angaben über Scmestcrmtfang und Scmesterschluß und die Ferien des Halbjahres. Diese Karten sind von den Arbeitgebern zum Zeichen der Kenntnisnahme mit der Unterschrift zu verschen. Auf der Rückseite enthalten die Karten einen Auszug aus dem Ortsstawt. Diese Karten dienen den Schülern als Ausweis über die Schulzeit den Arbeitgebern gegen- über, sie sind aber auch infolge der Unterschrift des Arbeitgebers ein Beweis dafür, daß ihm die wichtigsten Bestimmungen des Orts- statutes bekannt geworden sind. ES empfiehlt sich daher, daß sich die Arbeitgeber die Bestimmungen des Ortsstatutes genau durchlesen. Das ist auch aus-dem Grunde erforderlich, weil jetzt alles getan worden ist. um bei unentschuldigter Cchulversäumnis eine Bc- strasung der Schuldigen herbeizuführen. Hierzu gehört besonders die Veröffentlichung des Stundenplanes. Klebcmarkcn für Dienstboten. Da, wie wir wiederholt mitgereilt haben, die ortsüblichen Tage- lohnsätze gewöhnlicher Tagearbeitcr kür Berlin für die Zeit seit dem 1. April auf g.öv M. für erwachsene männliche Personen über lS Jahre und aus 2,20 M. für erwachsene weibliche Personen über 16 Jahre festgesetzt sind, bat sich auch die Höhe des Beitrages für Jitvalidetikarten für die weiblichen Personen geändert. Eö sind für diejenigen weiblichen Personen, die der Jiivalidcnversicherinigspflicht unterliegen und einer Orts-, Betriebs-(Fabrik-), Bau- oder Jnnttngskrankenkasse nicht angehören, wie z. B. weibliche D i e n st boten, Aufwärterinnen, Reinemachefrauen und H a u S r e i n i g e r i n n e n, vom l. April 1910 ab Beitrags- marken III. Lohitktasse zu 24 Pf. statt wie bisher II. Lohnklaffe zu 20 Pf. zu verwenden. Bezüglich der Versicherung männlicher Personen verbleibt eS bei der bisherigen Markenvcrwendnng. Warnung vor einem Schwindler. Es wird vor einem Schwindler gewarnt, der unter Berufung auf Berliner MagistratLmitglieder und Stadtverordnete und unter Vorlegung eines gefälschten Empfehlungsschreibens des Bnreaudirektors Geuder versucht, bei städtischen Ehrenbeamten Geldunterstützungen zu erhalten. Der sich als früheren MagistratSsekretär ausgebende Betrüger wird als ein Mann mit etwas gerötetem Gesicht und einem rötlichen Kinn- bart beschrieben. Er trug einen Ucbcrzieher von Salz- und Psefser- färbe und eine» steifen Hui. Ein neues Warenhaus. Wolf Werthcim hat auf die dem Aktien- bauvercin„Unter den Linden" gehörigen Häuser, Leipziger- straße 75/76(das alte Abgeordnetenhaus) sich das Kaufrecht ge- sichert und wird zunächst in einem großen Teil der Räume vom August d. Js. an ein Warenhaus erösfncn. Ter besorgte Polizeipräsident. Die Jugendorganisation hatte am Sonntag eine Reihe kleiner Versammlungen in Lokalen, die ständig benntzl werden, arrangiert. Vorher erschienen Polizeibcamte und erkundigten sich eingehend nach den Bauverhälttlisie». Vielleicht hatte man die Besorgnis, daß sich die Balken biegen würden, wenn die Referenten die Begrllitdung der Polizeunatzuahmen gegen die etigendorganiscttion dortragen. Die baupolizeiliche Sicherheit der okale konnte aber auch vor dem Spähervlick der Jagowschen GcsundheitS- und Sicherheitspolizei bestehen. ES gab nichts zu ver- bieten. Zwei schwere Strahcnbahuiiiifnlle werden vom Montaanachinittag gemeldet. Beim Aufspringen auf einen in der Fahrt befindlichen Stratzcnbahntvagen der Linie V der Berlin-Charlottenburger Straßen- bahn ist der Arbeiter Hermann Mattern aus der Cauerstraße 25 in Cbarlotlenburg in der Augustastratze in Wilmersdorf schwer zu Schaden gekommen. Er glitt ab und stürzte so unglücklich, datz er einen kom- plizierten Bruch des Fußgelenkes und eine blutende Kopfwunde erlitt. Am Leipziger Platz versuchte ein etwa 70jähriger. anscheinend dem Arbeiterslande angehäriger Mann, dessen Personalien bisher nichc festgestellt werden konnten, vor einem in der Richtung nach Moabit fahrenden Stratzeiibcchnwagen der Linie 9 den Fnhrdainm zu überschreiten. Der Greis wurde jedoch von dein Bahnwagen umgestoßen und blieb besimmngslos liegen. Im Krankenhause am Urban, wohin der Verunglückte gebracht wurde, ivurde festgestellt, datz er«ine schwere Gehirnerschütterung erlitten hatte. Lauft kinem Pfarrer nach! Weitesie Kreise de« Volkes haben längst sich innerlich von der Kirche abgewendet und sich für immer von ihrem Einfluß befreit. Wenn jeder dieser Abtrünnigen den Mut der Ehrlichkeit hätte, auch äußerlich den Bruch mit der Kirche�, vollziehen, wie bald wäre es da mit dem Schein ihrer Herrlichkeit vorbei! Was durch leine Aufklärungsarbeit erreicht werden kann, dos wird manch- mal durch die Kirche selber herbeigeführt, durch die Unerbittliltikeit, >nit der sie ihre Herrschaft ausüben zu dürfen glaubt. Schon mancher, der von der Kirche, so sehr er innerlich ihr ent- fremdet war, äußerlich sich noch iinmer nicht hatte lossagen wollen, vollzog ganz plötzlich ans scheinbar geringem Anlaß den Bruch. Sie selber hatte endlich ihm— wider ihren Willen— die Augen darüber geöffnet, wie töricht er daran getan hatte, immer wieder noch deni Pfarrer nachzulaufen. Auch eine Frau F., die bisher zur katholischen Kirche gehört hatte, ist jetzt durch einen Pfarrer selbst auf de» richtigen Weg ge- drängt worden und will nun mit der Kirche brechen. Sie wohnt in B e r l i n- S ü d o st im Bezirke der L i e b f r a» e ir- G e m e i n d e und dort hatte sie ihre im 14. Lebensjahre stehende Tochter Anna an dem Kommunionunterricht teilnehmen lassen. Anna versäumte mehrfach den Unterricht und auch de» Gottesdienst und zwar unter anderem auch deshalb, weil sie sich in der Entwickelung zur körperlichen Reife befindet und unter den dabei auftretenden Zu- ständen sehr �u leiden hat. Schließlich erklärte der Kaplan Schwarz, die Vorbereitung sei nicht genügend, daher müsse die Zulassung zu der Kommunion und der nachfolgenden Firmung bis auf weiteres verweigert und auf einen späteren Ternun verschoben werden. Dem stimmte auch der Kaplan Müller zu. Als die Mutter diesen über die Gründe der Unterrichtsversäumniffe aufklären wollte, wies er ihre Darstellungen als nicht glaubhaft zurück. Auf ihr Anerbiete». durch ärztliche Untersuchung des Mädchens den Beweis der Wahrheit zu bringen, gab er eine Ant- wort, durch die sie sich bitter gekränkt fühlte. Wir müssen eS uns versagen, die Aeußecungen des Herrn Kaplans hier so wieder- zugeben, wie Frau F. sie uns vorgetragen hat. UnS fehlt jede Möglichkeit, zu untersuchen, wie weit der Herr Kaplan� den Wort- laut bestätigen würde. Nur das wollen wir öffentlich feststellen, daß uns Frau F. noch jetzt in großer Erregung versichert, sie habe die ihr widerfahrene Behandlung als schwer verletzend und beleidigend empfunden. Dennoch vermochte sie und ihre Tochter nicht daran zu glauben, daß wirklich die Zulassung zur Kommunion verweigert werden solle, und immer noch hofften sie, daß der Herr Kaplan im letzten Augenblick sich werde erweichen lasien. Als aber Anna am Sonntag im feierlichen Schmuck, die Myrthe im Haar und die Kerze in der Hand, nach der Liebfrauenkirche in der Wrangelstraße kam, um sich in die Reihe der anderen Mädchen zu stellen, wurde sie tatsächlich zurückgewiesen. Weinend begab sie sich zu ihrer in der Kirche fitzenden Mutter, in schmerzlicher Erregung sahen beide noch die Prozession vorüberziehen— dann Verließen sie das Gotteshaus. Es inag eines Pfarrers Recht und sogar seine Pflicht sein, ein nicht hinreichend vorbereitetes Mädchen noch nicht zur Kommunion zuzulassen. Frau F. hat aber aus dem ganzen Verhalten des Geist- lichen, das sie als Kränkung empfand, die Lehre gezogen, daß eS das beste ist, überhaupt keinem Pfarrer mehr nach» zulaufen. Sie hat sich daher entschlossen, in aller Form ihren Austritt aus der Kirche zu vollziehen. Eine umfangreiche Verkehrsstörung im Straßenbahnbetriebe er- eignete sich gestern nachmittag an der Gotzkowskh-Brücke. Dort sperrte ein beladener Mörtelwagen der Berliner Mortelwerke, dem die Hinterachse gebrochen war, beide Straßenbahugleise. Das Hindernis konnte erst nach angestrengter Tätigkeit durch den Rettungswagen der Straßenbahn beseitigt werden. Während der von t Uhr SO bis 2 Uhr 30 dauernden Störung mußten die Linien Q, QB und V durch die Levetzow-Straße, Charlottenburger Chauffee und Knie abgelenkt werden. Aus der Spree gelandet wurde gestern nachmittag vor dem Grundstück Wikinger Ufer 1 die Leiche eines unbekannten Mannes, der dem Mittelstände angehört zu haben scheint. Der Ertrunkene ist etwa 25 Jahre alt und ziemlich groß, hat dtinkelblondes, kurz geschnittenes Haar und trug einen blauen Jackettanzug und ein schivarz und weiß gestreiftes Hemd. Ausweispapiere wurden in den Taschen nicht gefunden. Einen grausigen Fund machte gestern nachmittag ein Handschuh- macher aus der ZionSkirchstraße, der mit seinem Hunde über den Exerzierplatz an der Schönhauser Allee ging. In der Nähe der einsamen Pappel fing das Tier plötzlich an zu scharren und förderte aus einer kleinen Erdhöhle die Leiche eines neugeborenen Knaben zutage, die in ein Stück Leiucwand, anscheinend von einem Inlett, eingewickelt war. Der Mann übergab seinen Fund der Revierpolizei, die ihn nach dem Schauhause bringen ließ. Arbciter-Samariter-Kolonne. Heute abend 9 Uhr ö. Abteilung in Rixdorf bei Kaufhold, Erkstraße 8. Morgen Donnerstag 3. Ab- teilung in Schöncberg bei Wieloch, Grunewaldstraße 82 und 4. Ab- tcilung in Lichtenberg bei Beckmann Samariterstraße 11. Vortrag über Krankenpflege und praktische Uebungcn. Vorort- JSacbnchtem Schöneberg. Stadtverordneten-Versammlung. Die Sitzung nahm zunächst Kenntnis von dein Wortlaute der Petition des Magistrats in der Wahlrechts- an gelegen hei t. Der Magistrat forderte in seiner Petition � die Bornahme einer neuen WahllreiSeinteilung, wobei die Stadt Scköne- berg das Recht erhält, allein einen Vertreter zum Abgeordnetenhaus zu wählen, sodann die Abänderung der WahlrechtSvorlage dergestalt, daß unter Beseitigimg des DreillasienwahlrechtS das RcichstagSwahl- recht auch für Preußen eingeführt wird. Der Magistrat hatte der Petition eine längere Begründung beigefügt. Gleichzeitig nahm die Ber« fammlung Kenntnis von einer Mitteilung des Abgeordnetenhauses, nach welcher die Petition als erledigt erklärt wurde. Stadtv. B e r n st e i n hielt die Begründung, die der Magistrat der Petition gegeben hat. nicht für ausreichend. In der Petition seien die Interessen des Mittelstandes in den Bordergrimd gestellt, sie erweckt dadurch den Anschein, als ob nur eine Ab- schwächuug der Klasseneinteilung gefordert würde. ES Handel« sich aber um völlige Beseitigung der Klasseneinteilung. Wenn in, Bescheide dcS Abgeordnetenhauses initgeteilt werde, daß die Petition ihre Er- ledigung gefunden habe, so müsse eS unsere Aufgabe sei», daillr zu sorgen, daß die Frage deS preußischen Wahlrechts noch nicht erledigt ist. Dem in einer früheren Sitzung gefaßten Beschluß, dem Bunde für Mutterschutz einen Beitrag von 100 M. zu gewähren, ist der Magistrat nicht beigetreten. Der Oberbürgermeister erNärte. daß der Beitrag nicht gewährt werden könne wegen der letzten Bor- konimnisse' in dem Bunde für Mutterschutz. Stadtv. Bern- stein