Ar. 80. flbontiemcntS'ßcdlitgungen: Ubonnements- Preis pränumeranda i Vicrlcljährl. 3£0 MI, monatl. 1,10 MI., wöchentlich 26 Pfg.(rot in? Hau?. Einzelne Nummer 5 Pfg, Sonntag?. nununer mit illustrierter Sonntag?. lScilage.Die Neue Welt" 10 Pfg. Post. tlbonnement: 1.10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post-Zeitung?. Preisliste. Unter Kreuzdand für Deutschland und Oesterreich- Ungar» 2 Marl, für da? übrige Ausland 3 Marl pro Monat. Postabonnemcnt? nehmen an: Belgien. Dänemark, Holland. Italien, Luxemburg. Portugal, RtMiänicn, Schweden und die Schweiz. 37. Jahrg. VUelBt(äglid) außer montags. Vevlinev DolKsblntt. Die Tnfertlons- Gebühr SehSgt für die fechsgespaltene Kolonel- geile oder deren Raum 60 Psg., für politische und gewerlschastliche Bercin?- und Persammlungs-Anzeigen 80 Psg. „Meine Anreigen". da? erste sselt- gedruckte) Wort 20 Psg., jede? weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlaf. stellen-Anzcigen das erste Wort 10 Pfg., jede? weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis SUhrnachmittags inder Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöfsnet. Telegramm- Adresse: „Sozialdcmolirat Berlin". Zcntratorgan der rozialdemokratircben Partei Deutfchlands. Redaktion: SAl. 68, Lindenstrassc 69. Fernsprecher- Amt IT, Nr. 1983. Donnerstag, den 7. April 1910, Expedition: 8Äl. 68, Lindenatrasac 69. Fernsprecher: Amt IT, Nr. 1981. Uns Meer geworfen! Aus Frankreich kommt die Nachricht, dah die Marineverwaltung beabsichtigt, keine neuen Torpedoboote mehr bauen zu lassen, da sie ja doch demnächst aus der Marine verschivinden würden. An Stelle der Torpedoboote sollen Torpedobootszerstörer, vor allem aber Unter- seeboote gebaut werden. Für denjenigen, der die Flottcnbaupolitik aufmerksamer verfolgt hat, enthält diese Mitteilung durchaus nichts Ueberraslbendes. Geht doch das Streben der Kriegsmarine aller Staaten bereits seit Jahren dahin, die Torpedoboote durch Torpedo- bootszerstörer, das heiht durch Torpedoboote von erheb- lich größerem Deplacement zu ersetzen. Während in den 8v eisen»verde. Der Agrarier K a l l i o betonte in starken Ausdrücken, die Vorlage »verde in Finnland niemals Gesetz»verden, es sei eine Verhöhnung des Landtages, von ihm ein Gutachten in einer Frage zu verlangen, die von Rußland entschieden werde. ■ CürM. Der Ausstand in Albanien. Konstantinopel, 6. April. Wie die Blätter melden, hat die Re- aierung beschlossen, außer den vom 3. Armeekorps bereits nach I p e k entsandten sechs Bataillonen»veitcre acht Bataillone von Konstantinopel dorthin zu schicken. Hus der Partei. Die Wirkung des SchnaPSboykottS. In der soeben erschienenen Tätigkeitsübersicht deS Vereins Berliner Kauflente und Industrieller für daS Jahr 1909 heitzt es im III Teil des Berichts über die Tätigkeit des Zentralausschusses Berliner kauf» män nischer, ge»verblicher und industrieller Ver» eine unter den Jahresberichten über die wirtschaftliche Lage der einzelnen ErwerbSziveige im Jahre 1909 im Abschnitt Spirituosen- brauche: Naturgemäß ist der Umsatz vor Eintritt der Steuer(der Brannüveinsteuererhöhung) grotz geivesen, und dann kam der Rückschlag. Unsere ganze Branche liegt danieder und der Konsumrückgang, der bei einer Steuererhöhung von 70 Mark ' im Jahre 1887 30 Proz. betragen hatle, belief sich im Jahre 1909 auf zirka 40 Proz. Bor allem hat der Boijkoit seitens der sozial- demokratische» Partei enorme Schädigungen zugefügt. Das Privatmonopol der Branntweinbrenner ist durch die neue Gesetzgebung gestärkt worden, und es ist daher bei dem Konsumrückgang stets mit hohen Rohstoffpreisen zu rechnen. Ein gewisser Ausgleich ist für unsere Branche im vergangenen Jahre dadurch erzielt worden, datz der K o n s u m a n Frucht- säften und F r u cht fa b rik a t e n bedeutend zu- genommen hat. Die Entwickelnng des Geschäfts in den beiden ersten Monaten 1910 war für die Spirituosenbranche wenig er- sreulich. Es hat sich nicht nur die erhöhte Branntweinsteuer und der seitens der Sozialdemokratie proklamierte Spirituosenboykott weiter geltend gemacht, auch der milde Winter hat das seinige dazu getan, den Verbrauch an Spirituosen in sehr engen Grenzen zu halten.... Dieses Zeugnis wird den Genossen jedenfalls ein Ansporn sein, den Echnapsboykott mit Nachdruck weiterzuführen. Zur Maifeier hat unsere Lübecker Parteiorganisation am Montag beschlossen, das Internationale Sozialistische Bureau in Brüssel zu ersuchen, die Maifeier noch auf die Tagesordnung des diesjährigen internationalen Kongresses zu setzen, dannt in Kopenhagen endlich einmal Klarheit in dieser Frage geschaffen wird. Ferner beschlossen die Lübecker Genossen, am 1. Mai auf einem öffentlichen Platze vor der Stadt eine grotze Dem on st ratio nS- Versammlung abznhalten, an die sich ein Festzug an- schließen soll.' Personalien. Am 1. April ist Genosse A p e l auS der Redaktion der.Nordhäuser Volkszeitung" geschieden und hat den Posten deS Parteisekretärs für den Agitationsbezirk Er« furt zu Erfurt übernommen. Die Redaktion der„Nordhäuser VolkSzeitung" über- nimmt zum I.Mai Genosse Kleinsp eh n aus Erfurt. BiS dahin haben die Genossen Wiehls und P a b st die Stellvertretung übernommen. Der in Bremen gematzregekte frühere Lehrer, Genosse C. Döring, tritt zu Anfang April als Volontär in die Redaktion des„Hamburger Echo" ein. poUreiUches, Ccricbtlichca ukw. Eine angebliche Richtcrbcleidigung. Wegen Beleidigung eines Offenbacher Richters stand dieser Tage Genosse Klug vom„O f f e n b a ch e r Abendblatt" vor der Strafkammer. Im Hessischen Landtag hatte seinerzeit der Ge- nosse Ulrich gesagt, daß die gesellschaftlichen Verhaltnisse die Richter in Osfenbach korrumpieren, so daß in politischen Prozessen gegen Sozialdemokraten Falschurteile zustande kommen. Der Amts- richter Meyer zu Offenbach fühlte sich getroffen und schrieb in hcf- tiger Weise an Genossen Ulrich. Nachdem mehrfache Schreiben gewechselt waren,'brach Herr Meyer die Korrespondenz brüsk ab. Genosse Ulrich unterbreitete das Verhalten des Herrn Richters dem Urteil der Oeffentlichkeit in einem offenen Briese im„Osfenbachcr Abendblatt". Dabei wurde die Korrespondenz veröffentlicht. Das nahm ein bürgerliches Blatt Offenbachs zum Anlaß, das„Abend- blatt" anzugreifen, das in einigen Artikeln erwiderte. Durch die Veröffentlichung der Korrespondenz und die Artikel des„Abend- blatt' fühlte sich Amtsrichter Meyer beleidigt. Die Verhandlung förderte mancherlei Interessantes zutage. So wurde festgestellt, baß der Amtsgerichtsrat Seibert, der als Registerrichter bei der Staatsamvaltschaft ein Verfahren gegen die Leitung des Offen. bachcr Konsumvereins angeregt hatte— die Untersuchung ist negativ verlaufen, da nichts Strafbares vorgekommen ist—, nach der Bekundung des Amtsanlvalts Nr. Aull, ein„Angewöhnlich per» sönliches Interesse" an der Verfolgung der Konsumvereinsleitung gezeigt hat und sogar durch ein personliches Schreiben in dieser Sache auf den Amtsanwalt einzuwirken gesucht bat. Weiter wurde festgestellt, daß Amtsrichter Meyer in einer Klage ziveier sozialdemokratischer Stadtverordneter gegen einen nationalliberalen Politiker, der sie des Eigennutzes beschuldigt hatte, in der Urteils- bcgründung sehr scharfe Wendungen gegen die Kläger gebraucht und in durchaus einseitiger Weise alle Momente, die für ihre Klage sprachen, unterdrückte. Derselbe Richter hatte gegen den RÄ>akteur Genossen Hirsch vom„Abendblatt" eine» Strafantrag gestellt, hielt sich aber kurz darauf für„unbefangen" genug, um einen Prozeß gegen Hirsch zu leiten. Auch ergab sich, daß kurzvordenLand. tags Wahlen die Termine für politische Prozesse sich auffällig häuften. Trotz oller dieser und anderer gravierender Tatsachen erkannte das Gericht gegen den Genossen Klug auf 500 M a r k G c l d st r a s c. Es hielt nichts für eriviesen und außerdem die Richter für sormal bcleidigt. Nebenbei wurde der Kläger Meyer wegen Ungebühr, die er durch eine Beleidigung des Verteidigers Dr. Katz verübt hatte, zu 10 Nil Geldstrafe verurteilt._ Soziales- (Siehe auch 1, Beilage.) Streik ber Kinder am Theater. Im Zittauer Stadttheater haben kürzlich schulpflichtige Kinder, die in Theatervorstellungen mitlvirken, die Arbert»vegen Lohndiffe, renzen eingestellt. In der bekannten Operette„Tie geschiedene Frau" wird ein holländischer Tanz vom ganzen Chorpersonal aus» geführt, worunter auch 10— 15 Kinder jeglichen Alters nntwirken. Vor einigen Tagen wurde die Operette zum 10. Male gegeben; doch plötzlich streikten die Kinder und lvollten nicht mehr tanzen. Sie verlangten vom Direktor Grcincr pro Kopf 4 M. für das Tanzen. das die Kinder auch redlich verdienen. Auf die einzelne Vor- stellung entfielen 25 Pf. für ein Kind; ferner opfern die Kinder die halbe Nacht dabei. Bisher hatten die Kinder für ihre Mit» Wirkung in der Theatervorstellung nichts erhalten. Theaterdirektor Greiner verhandelte bis zu ihrem Austreten mit den Kindern, und als er sah, datz die„Streikenden" von ihrer Forderung nicht ab- gingen, sondern vom Kleinsten bis zum Größten treu und fest zusammenhielten, gab der Direktor nach. Dann erst gingen die jugendlichen Streiter wieder an ihre Arbeit.— Wurden die Er» »vachsencn am Theater ebenso entschlossen zusammenhalten, wie hier die Kinder« so würden bald manche Theatermißstände beseitigt werden Gcwerkrcbaftliche«. 150000 JVIttgUcder im fabnharbcitcmrband I Nun kann auch der Fabrikarbeiterverband nach dem Zurückgehen der industriellen Kise von einer flotten organisatorischen Vorwärts- bewegung berichten. Die beiden ersten Monate dieses Jahres brachten dem Verbände einen Zuwachs von rund S000 Mitgliederu der Monat März allein dieselbe Zahl. Am Schluß des ersten Jahr- fünft seit Gründung des Verbandes waren erst wenig über SvlX) Mitglieder gewonnen, am Schlüsse des zweiten waren es schon fast 25 000. am Schlüsse des dritten mehr als 50 000 und heute, kurz vor Slbichluß des vierten Jahrfünfts zählt die Organisation 150 000 Kämpfer und Kämpferinnen. Doch ein großes, unbcackertes Feld bietet sich dem Verbände noch zu organisatorischer Auflockerung Waren doch nach der letzten Volkszählung in Ziegeleien, Zement«, Gips- und Kalkfabriken 28Z 500 Hilfsarbeiter beschäftigt; in der chemischen Industrie, einschließlich der Seifen- und Oelfabriken 102 022, in Papierfabriken 80 874, in Zuckerfabriken 20 000 und in Gummi- und Linoleumfabriken 23 210 Arbeiter beschäftigt. Das sind rund 000 000 Arbeiter in den Industriezweigen, aus denen sich die Mitglieder des Verbandes hauptsächlich rekru- tieren. Die reguläre Auflage des Verbandsorgans beträgt nur 150 000 Exemplare. Diese Zahl deckt sich mit der Zahl der Mitglieder, da der Verband„och die„Gleichheit" an die weiblichen Mitglieder und das polnische und italienische Ge> werkschaftSblatt an männliche Mitglieder abgibt, insgesamt 7000 Exemplare. AuS Anlaß dieser nun erreichten hohen Mitgliederzahl erscheint„Der Proletarier" in doppelter Auflage als AgitationS- nummer ausgestattet. Möge sie gute Wirkung haben und die meist unter besonders schlechten Arbeitsverhältnisien ausgebeuteten Fabrik- arbeiter in noch größerer Anzahl unter die Fahne der Organisation rufen, um die Mitgliederzahl von 200000 baldigst voll zu machen. LerUn uncl Qm gegen ck. Das ReichSamt des Innern vpd der Kampf im Baugewerbe. Wie das„Berliner Tageblatt" erfährt, hat der Staats- sekretär des Reichsamts des Innern für Freitag eine Konferenz von Vertretern der Arbeitgeber und der Arbeiter zusammen- berufen, in der versucht werden soll, eine Einigung der streitenden Parteien herbeizuführen. Man hofft bestimmt, daß diese Einigungsbestrebungen wenigstens für Berlin von Er- folg begleitet sein werden._ Achtung, Schuhmacher! In der Schuhfabrik von Spiegel, Greifswalder Straße 224, sind wegen Lohnabzüge Differenzen ent- standen. Wir ersuchen dieses zu beachten. Schuhmachcrverband. Ortsvertvaltung Berlin. Achtung, Maler! lieber die Firma A. H. D i r k s e n- Hannover welche im Neubau des königlichen Polizei- Präsidiums in Charlottenburg, Sophie-Charlotte-Platz, die Malerarbeiten ausführt, ist wegen Nichtbezahlung der tarifmäßigen Löhne seitens des Ortstarifamtes für das Maler- gewerbe zu Berlin die Sperre verhängt worden. Da die Firma D i r k s e n auch außerhalb Berlins gegenwärtig größere Arbeiten ausführt, wird die arbeiterfreundliche Presse um Abdruck dieser Bekanntmachung gebeten. Kruse, Obmann der Arbeitgeberbeisitzer. Klotz, Obmann der Arbeitnehmerbeisitzer. Achtung, Metallarbeiter! Der Streik bei B e l t e r u. S ch n e e- vogel in Reinickendorf-West ist durch Verhandlungen beigelegt. Tie Sperre ist hiermit aufgehoben. Deutscher Metallarbeiterverband. Ortsvertvaltung Berlin. Oeutkcbeo Reich. Lohnbewegungen im Töpfergewerbe. Die Streiks in 2 i e g n i tz und Hof dauern unverändert Wetter. Streikbrecher sind so gut wie gar nicht vorhanden. In elfterem Orte sind erneute Verhandlungen eingeleitet worden. In Forst, Nürnberg und teilweise auch in Guben sind die Töpfer aus- gesperrt worden. Jedoch sind in allen drei Orten durch die Or- ganisationen neue Verhandlungen angebahnt worden.— In München wurde ein neuer Ofensetztarif vereinbart. Die Mord- löhne wurden um 5 bis 10 Proz. erhöht, die Stundenlöhne die früher 45 bis 75 Pf. betrugen, auf 00 bis 80 Pf. normiert. Die tägliche Arbeitszeit wurde auf 8% Stunden festgesetzt. Eine Lohnbewegung der Rostock er Ofensetzer brachte eine Reihe von Aufschlägen der Mkorbpositionen, sowie 2 Pf. Aufschlag pro Stunde bei Lohnarbeit.— In Magdeburg brachten Tarif- Verhandlungen Erhöhungen des Akkordtarifes um 5 bis 7 Proz., sowie Verbesserungen einer Reihe von Nebenpositionen. Die Stundenlöhne wurden in der Weise verbessert, daß für die Dauer des Tarifes innerhalb drei Jahren eine progressive Aufbesserung von 10 Pf. eintritt.— In N e u st a d t, Oppeln und B r i e g in Oberschlesien wurden verbesserte Lohntarife geschaffen. In erfterem Orte betragen die erreichten Lohnerhöhungen 5 bis 8 Proz., in Oppeln 3 bis 25 Proz. und in Brieg 8 bis 12 Proz. 150 Schlepper vom Delbrückschacht in M a k 0 s ch a u sind in den Ausstand getreten. Bei der gestrigen Frühschicht fehlten 200 Mann, und die Arbeitswilligen wurden an der Aufnahme der Arbeit gehindert. Der Grund zu dem Ausstand ist Unzufriedenheit mit den neuen Arbeitsbedingungen, durch die sich die Bergleute benachteiligt fühlen. Die Maler von Hoyerswerda stehen in einer Lohn. bewegung. Es werden von feiten der Meister überall Arbeiter gesucht. Zuzug ist fernzuhalten. 130 Transportarbeiter sind in Wilhelmshaven zwecks Lohnerhöhung in den Ausstand getreten. Mehrere Firmen haben bereits betvilligt. Einem Unternehmer ist bereits Militär zur Verfügung gestellt worden. Der Arbeitgeberverband, dem die Fuhrherren angehören, droht mit einer Aussperrung der noch Arbeitenden, falls nicht sofort die Arbeit wieder aufgenommen wird._ August Scherls Tariftreue. August Scherl hat vor Jahren auch den Verlag von Ernst Keil in Leipzig sGartenlaube) übernommen. Als nun die Leipziger Buch- und Steindruckerei-HilfSarbeiter und Arbeiterinnen im Herbst ISOO in einer Tarifbewegung standen, schlössen sie am 22. November 1900 vor dem Abschluß des für ganz Leipzig geltenden, am 1. Januar 1907 in Kraft tretenden Tarifvertrages, einen Sondervertrag mit der Firma August Scherl(Ernst Keil Nachfolger in Leipzig) ab, der bis um zwei Mark höhere Lohnsätze vorsah alS der allgemeine Tarif. In diesem war aber unter anderem auch bestimmt, daß be- siehende bessere Lohn- und Arbeitsbedingungen nicht verschlechtert werden dürfen. Als aber iin Februar 1903 zwischen dem Hilfs- arbeiterverbande und der Firma August Scherl einige Meinungs- Verschiedenheiten ausbrachen, setzte die Firma August Scherl am Ib. Februar den Sondervertrog, also bis bestehenden besseren Lohn- und Arbeitsbedingungen einfach außer Kraft. Sie fühlte sich dazu berechtigt auf Grund einer Erklärung(I) eines Schiedsgerichts- Vertreters der Prinzipale(!), daß mit dem 1. Januar 1907 der Sondervertrag außer Kraft getreten sei; außerdem berief sie sich darauf, daß der(inzwischen verstorbene) Oberfaktor Müller, der den Sondervertrag mit dem Hilfsarbeiterverbande unterzeichnet hatte, « zum Abschluß des Vertrags nicht bevollmächtigt gewesen sei. Trotzdem hat aber der Sondervertrag 1>/« Jahre lang im Betriebe von Aug. Scherl in Leipzig Geltung gehabt. Das durch den Tarifvertrag vom 1. Januar 1907 geschaffene Tarifschiedsgericht ist nun Scherl zu Hilfe gekommen. Es entschied zwar. daß der Abschluß des Tarifvertrages durch den Oberfaktor Müller nach z 54 des H. G. B. rechtsgültig erfolgt sei, auch, daß trotz des allgemeinen Leipziger Tarifs die Sonderabmachungen Geltung hätten, aber da der Hilfsarbeiterverband erst im März 1910 das Schiedsgericht angerufen habe— das nach Behauptungen des Verbandes aus mehreren Gründen nicht früher angerufen werden konnte— sei dies zweijährige Schweigen als Zustimmung zur Außerkraftsetzung des Sondervertrages vom 23. November 1900 zu deuten. Auf diese Weise— die Entscheidung des Schiedsgerichts fiel durch die Stimme des Vorsitzendel»— ist Scherl formell ins Rechl gesetzt worden, wo er materiell vollständig im Unrecht ist. Die Firma Scherl hat in Leipzig durch die Aufhebung des Sonder- Vertrages nach den Berechnungen des HilfSarbeitcrvcrbandes in den beiden Jahren etwa 4—5000 M.„gespart". Dieses neueste..System Scherl" erweist sich also ebenso profitabel wie die übrigen Scherlschen „Systeme" I_ Lohnbewegungen in den Leipziger Lederwarenfabriken. Die Arbeiter der Weltfirma MoritzMädler in Leipzig. Lindenau, Lederwarenfabrik, stehen in einer Lohnbewegung. Nach jahrelangen Bemühungen ist es endlich gelungen, die Organi- sation in diesem Betriebe zu befestigen. Nur einige— die alten Jubilare— stehen ihrer Berufsorganisation noch fern. In den letzten Tagen haben wiederholt Verhandlungen mit Herrn M ä d I e r stattgefunden, die zu einem befriedigenden Resultate noch nicht geführt haben. Eine gutbesuchte Betriebsversammlung nahm eine Resolution an, in der der Erwartung Ausdruck gegeben wird, daß Herr Mädler die Forderungen der Arbeiter, insbesondere in bezug auf die Verkürzung der Arbeitszeit, Erhöhung der Akkord- löhne und Bildung eines Arbeiterausschusses berücksichtigen möge. Die endgültige Entscheidung behalten sich die Arbeiter noch vor. In der Lederwarenindustrie Leipzigs stehen sämtliche Ar- beiter der Firmen Bleich, beide K l e e in a n ns, I. C. Richter, Regenhagen, Saxonia und Winter st ein im Ausstand. Die Arbeitgeber suchen unter Versprechungen hoher Stundenlöhne Arbeiter in allen Großstädten. Bei dein Stand der Organisation unter den Reiseartikelsattlern und Portefeuillern dürften diese Anstrengungen vergeblich sein. Da auch die Geschirrsattler und Treibriemenarbciter in der Lohnbewegung stehen, so ist aller Zuzug von Sattlern und Portefeuillern von Leipzig streng fernzuhalten. Die Gelben werden rebellisch. Die Protektoren der gelben Arbeitervereine in Augsburg erleben an ihren Gründungen keine rechte Freude. Die zuneh- wende Teuerung der Lebensmittel und Gebrauchsgegenstände, die uiNvürdige Behandlung der Arbeiter in den Fabriken und die fort- währenden Lohnabzüge rufen von Tag zu Tag größere Unzufrieden- heit unter den gelben Mitgliedern hervor und kein Beschwichtigungs- versuch will mehr verfangen. Besonders heftig macht sich die Erregung unter den Textil- arbeitern geltend, die man ebenfalls zum größten Teile in die gelben Vereine gepreßt hat. In der Weberei Rosenau, einer Abteilung der" Mechanischen Baumwollspinnerei und-Weberei Augsburg ist es bereits zu einer Arbeitsniederlegung der Gelben gekommen. Infolge einpfindlicher Abzüge, die den Leuten gemacht worden sind, stellten sie einmütig die Arbeit ein, und erst nach einigen Stunden, als die Direktion die Erfüllung der Wünsche in Aussicht gestellt hatte, ließen sie ihre Maschinen wieder anlaufen. In einer am Montagabend stattgefundenen, vom Deutschen Textil- arbeiterverband einberufenen Versammlung konnte nur ein Teil der Erschienenen Platz finden und fanden die Ausführungen der Redner vom Textilarbeiterverband stürmischen Beifall. Die Ar- beiter Augsburgs haben eben die gelben Vertröstungen gründlich satt bekommen._ Bestrafter Unternehwerübermut. Die interessante Massenklage der 310 Arbeiter und Arbeiterinnen der Wolfram-Lampen-Aktiengesellschaft in Lech- Hausen kam nunmehr vor dem Gewerbegericht in Lechhausen zur Entscheidung. Die Arbeiter und Arbeiterinnen dieser Fabrik klagten auf Zahlung einer Entschädigung in der Gesainthöhe von 0210 M.. weil die Firma infolge eine« in einer Abteilung ausgebrochenen Streiks die Arbeitszeit im gesamten Betriebe ganz erheblich verkürzt hatte, ohne den davon betroffenen Arbeitern vorher Mitteilung da- von zu machen oder sie für den Lohnausfall zu entschädigen. Die Klage hatte schon einmal das Gewerbegericht Lechhausen beschäftigt. ES wurde damals festgestellt, daß der Streik der Arbeiter in der einen Abteilung durch die Firma selbst verschuldet worden war, ein Streik auch kein Elementarereignis ist, wie es im§ 15 des B.G.-B. vorgesehen. In Anerkennung dieser Feststellung verurteilte daS Gericht denn auch die beklagte Firma zur Zahlung von 6210 M. Entschädigung einschließlich 4 Proz. Verzugszinsen ab 1. Januar 1910 an die 310 Kläger. Die Einrede der beklagten Firma wurde als nicht stichhaltig zurückgewiesen. Die Vertretung der Kläger hatte der Arbeitersekretär Genosse Karl Schmidt in Augsburg über- nommen._ Bustand* In Marseille droht die Gefahr eines Generalstreiks. Die eingeschriebenen Seeleute forderten die Arbeiter der Ver- bandsorganisationen, so die Stauer, Dockarbeiter und Fuhrleute auf, sie zu unterstützen. Das Syndikat der eingeschriebnen Seeleute billigt die Be- wegung in Marseille und erklärt, gegebenenfalls mit allen ein- geschriebenen Seeleuten solidarisch vorzugehen. Ein Teil der Mannschaft des Pakotbootes„Meise" verließ in dem Augenblick, als das Schiff nach Tunis in See gehen sollte, den Dienst. Vier Matrosen wurden verhaftet und ins Gefängnis gebracht. In der Geschäftswelt herrscht große Besorgnis, daß der Aus- stand der Mannschaften der Handelsmarine längere Zeit dauern und ähnliche schlimme Folgen haben könnte, wie der Ausstand vor einigen Jahren. Auf den Hafenkais liegen bereits massenhaft Waren angehäuft, darunter viele, die infolge des Regenwetters zu ver�dvrben drohen. Im Hauptpost- gebäude sind alle Räume mit Briefsäcken angefüllt, die nicht befördert werden können. Die Porgänge auf dem Post- Kämpfer„Moise", die zur Verhaftung von vier Matrosen führten, waren veranlaßt durch den von der Compagnie transatlantique auf Drängen des Untverstaatssekretärs Cheron unternommenen Ver- such, den Dampfer mit neu angeworbenem Personal abfahren zu lassen. Um Mannschaft und Passagiere vor jeder Be- helligung durch die Ausständigen zu schützen, hatte Cheron an- geordnet, daß alle verfügbaren Polizeibeamten im Hafen bereit gehalten würden. Als um 1 Uhr nachts die Anker gelichtet wurden, erklärte die Mannschaft, daß sie sich den Ausständigen anschließe. Als Cheron drohte, die Leute sofort verhaften zu lassen, taten sie zunächst, als ob sie gehorchten, dann aber erklärte der Kapitän, die Mannschaft würde keine Arbeir anrühren. Da daS Erlöschen der Kesselfeuer befürchtet wurde und die Passagiere angesichts der Haltung der Mannschaften große Furcht äußerten, wurde der Abgang des Dampfers auf Befehl Cherons in- hibiert und das Marineministerium telegraphisch um Bereitstellung von Matrosen der Kriegsmarine ersucht. Aus Dünkirchen wird gemeldet, daß die dortigen Seeleute sich vorbereiten, aus Solidarität mit ihren Marseille! Kameraden den Ausstand zu proklamieren. In Algier hat die Marseiller Streikbewegung große Auf« regung verursacht. Alle Körperschaften wandten sich an die Re» gierung mit der Bitte um energische Matznahmen zur Bekämpfung der für Algier so verhängnisvollen Folgen des Ausstandes. Sechs Torpedobootszerstörer sind von Toulon nach Marseille abgegangen, wo sie wahrscheinlich zur Aufrechterhaltung des Postdicnstes zwischen Frankreich und Algier Verwendung finden werden. Eine Anzahl Marinesoldaten sind nach Marseille beordert worden, um die Besatzung der Postdampfer, falls es nötig ist, noch im Augenblick der Abfahrt zu vervollständigen. Marseille, 0. April. Der Torpedobootszerstörer„Orislamme" ist heute mittag mit den Postsachen in See gegangen. Maurerstreik in Mailand. Rom, 4. April.(Eig. Ber.) Am 4. April sind die Maurer Mailands in den Ausstand getreten, da die Unternehmer die Be- willigung ihrer Lohnforderung abgelehnt haben. Die Zahl der Streikenden beträgt ungefähr 15 000. Englische Gewerkschaftskongresse. Während der Osterfeiertage hielten zwei englische GeWerk- schaftsverbände, die Föderation der Po st ange st eilten und der Handlungsgehilfenverband, ihre Jahres- kongresse ab. Beide Kongresse zeigten einen erfreulichen Fort- schritt in der EntWickelung dieser Arbeiterkategorien, deren An- gehörige sich»n manchen Ländern vielfach noch für„besser als Arbeiter" halten, zum Bewußtsein ihrer proletarischen Klassen- Zugehörigkeit. Der Kongreß der Postangestellten tagte in Bradford und sah etwa 50 Delegierte, die 0875 Mitglieder vertraten, zusainmen. Eine lange Diskussion wurde über eine Resolution geführt, die die völlige politische Gleichberechtigung der Postangestellten mit ihren Klassengenossen im Dienst des Privatkapitals und das Recht der Gewerkschaft, als selbständige Rechtsperson ihre einzelnen Mitglieder den vorgesetzten Behörden gegenüber zu vertreten, forderte. Die reaktionären Bestrebungen der jetzigen sogenannten liberalen Regierung, die noch vor einem Monat einen Post- angestellten aus dem Dienst entließ, weil er in einer Versammlung zur Gründung eines sozialistischen Vereins als Vorsitzender fungiert hatte, wurde von zahlreichen Delegierten scharf kritisiert. Schließlich wurde die Resolution einstimmig angenommen. Kurz darauf erschien der Postminister Samuel im Saale. Er hielt eine große Rede, in der er versprach, die in der Resolution nieder- gelegten Wünsche zu berücksichtigen. Er sei, so führte er aus, von der Notwendigkeit der gewerkschaftlichen Organisation auch für die Staatsange st eilten f e st ü b e r z e u g t. Es sei Zeit, daß der kollektive Arbeitskontrakt an die Stelle des individuellen Kontraktes trete. Das Bestehen von Gewerkschaften erleichtere die Arbeit der Ver- w a l t u n g und ermögliche es, viele Reibungen und Konflikte zu vermeiden, deswegen sei er für die völlige Anerkennung der Gewerkschaftsorganisation durch die Verwaltung. Diese schönen Worte hielten indessen die Postangestellten nicht davon ab, weiter an dem Ausbau ihrer Kampfesorganisation zu arbeiten. Sie nahmen eine Resolution an zugunsten der Ver- schmelzung der vier bestehenden Verbände der Angestellten und Arbeiter im Postdienst zu einer großen Organisation, die dann über 50 000 Mitglieder zählen würde. Nach längerer Tis- kussion wurde auch zum ersten Male ein Antrag angenommen, der die Exekutive der Föderation beauftragt, einen Bericht über die Tätigkeit der Arbeiterpartei zu redigieren, damit der nächste Kongreß über den Anschluß an die Arbeiterpartei beschließen könne. Ein Antrag, den„Fonds für die parlamenta- rische Vertretung", der zurzeit 40 000 M. enthält, dem Urteile der Lordskainmer in der O s b 0 r n e- Angelegenheit gemäß auf- z u l ö s e n, wurde unter großer Begeisterung der Delegierten zurückgezogen. Der Kongreß des HandlungSgehilfenverbandeS, der der Ar« beiterpartei angeschlossen ist, beschloß ebenfalls, den Verbands- fonds für die parlamentarische Vertretung aufrechtzuerhalten. Im übrigen erledigte er fast nur Berufs- und Organisations- angelegenheiten. In das Programm der Verbandsforderungen wurden jedoch auch die politischen Forderungen der Arbeiterpartei in bezug auf das Wahlrecht, die Arbeiterversicherung usw. auf- genommen._ Englischer Streikbrecher-Export. England scheint sich mehr und mehr zum Streikbrecher-Erport- land zu entwickeln. Man erinnert sich noch der Hafenarbeiterstreiks in Antwerpen, Hamburg und Göteborg, die man mit Hilfe von aus England importierter Streikbrecher niederzuwerfen versuchte, wobei die Unternehmer stets auf die Unwissenheit englischer Arbeiter in internationalen Angelegenheiten spekulierten. Jetzt werden die Kohlenreviere von Northumberland und Durham, wo die Bergarbeiter sich noch immer im Streik befinden, von Agenten der kanadischen Kohlen- und Eisengesellschaft in Nova Scotia überflutet, um für ihre kanadischen Werke Streikbrecher zu werben. Wie verlautet, sind bereits mehrere tausend englische Bergarbeiter in ihrer Unkenntnis der Sachlage nach Kanada abgegangen Jetzt hat die Bergarbeiterorganisation von Northumberland eine Warnung erlassen. Letzte Nachrichten und Depelchen. Lucgers Nachfolger! Wuu, 6. April.(W. T. B.) Der christlich-soziale Bürgerklub hat in seiner heutigen Sitzung mit allen gegen vier Stimmen Bize- bürgermeisier Dr. Neumayer als Kandidaten für die am 22. April stattfindende Bürgermeistcrwahl aufgestellt. Drei Arbeiter ertrunken. Stettin, 6. April.(W. T. B.) Auf dem Dammschen See er- eignete sich ein schwerer Bootsunfall. Drei städtische Bau» arbeiter begaben sich nachts 12 Uhr in einem Boot über den See nach dem Dorfe L ü b z i n, uin dort am Nachmittag an einer Kontrollversammlung teilzunehmen. Mitten auf dem See kenterte das Boot und alle drei Arbeiter ertranken. Von den Leichen ist bis, her noch keine geborgen._ Eine schwere Explosion. Epinal, 6. April.(B. H.) Eine Kiste, worin sich S p r e n g- k ö r p e r befanden, explodierte auf dem Speicher eines hiesigen Ge- treidehändlers. wobei zwei Knaben im Alter von 14 und 10 Jahren tödlich verletzt wurden. Beide starben kurz darauf unter furcht- baren Schmerzen._ Neue Zusammenstöße in Albanien. Konstantinopel, 6. April.(W. T. B.) Heute bei der Pforte aus dem Aufstandsgebiet in Albanien eingelaufene Nachrichten lassen die Lage ernst erscheinen. Zwischen den Truppen und den Aufttändischen haben überaus heftige Zusammenstöße statt- gefunden. Es verlautet, daß sich die Aufständischen im Besitz mehrerer Geschütze befinden. Morgen werden von hier mehrere Truppentransporte nach dem Aufjtandsgebiete abgehen. «erantw. flichßröB-mh, Berlin. Inseratenteil veranttv.: Th.Ulockc,'Berlin. Druck u. Verlag l Vorwärts Buchdr. u. BirlagSanftaV Gaul Singer Lc Co., Berlin LW. HierzuZBeilage««.llntcrhaltungsbl. 8, 80 27. lalitjunj. 1. Ktllllgt dtS Lsmärts" Kttlilltt Wlksdlött.?-°'»-,-,.7.z,n,.SlO. es muß auch solche Käuze geben! In der„Deutschen Arbeitgeberzeitung" nimmt Felix Kuh, der Philosophaster, allwöchemlich das Mögliche und Unmögliche unter sein kritisches Messer und haut mit grimmiger Wut, viel lateinischen und griechischen Zitaten und weniger Erfolg auf die vermaledeite Sozialdemokratie loS. Felix Kuh geht es dabei oft genug wie dem Zauberkünstler, der unter grotzem Aufwände von windigen Redens- arten das unterste zu oberst kehrt. In der Nr. 14 der„Arbeitgeber-Ztg." nimmt Felix Kuh die aüttliche Erhebung über die Gesundheitszustände der Krankenkassenmitglieder in Leipzig zum Ausgangspunkt höchst„scharssinniger" Ausführungen. Zu- nächst macht dem Philosophen des Kapitalismus große Sorge, daß die amtliche Untersuchung„eine Reihe bemerkenswerter Ergebnisse ge- fördert hat. von denen aber gewiß wieder einige dazu Verwendung finden werden, als neues Anklageniaterial gegen die Industrie zu dienen". Felix Kuh paßt die Feststellung nicht,„daß der Kräfte- verbrauch der gewerblichen Arbeiter und Arbeiterinnemim Verhältnis zur Gesamtheit der Bevölkerung ein auffallend großer ist".„Mau hat wiederum bestimmte Schädigungen gewisser Gewerbezweige er- mittelt, man ist auf eine sehr hohe Unfallziffer, die nichts weniger als 15,5 Proz. aller Krankheitstage ausmacht, gekommen, kurz und gut, man folgert aus dieser Statistik von neuem die Mahnung, alles zu tun, damit sich die gesundheitlichen Zustände innerhalb der größten Schicht der deutschen Staatsbürger mehr und mehr bessern." Diese Mahnung soll nach Felix Kuh auch in bezug auf das Unternehmertum„nicht ungehört verhallen".„Mit erprobtem und unausgesetztem Eifer" werde es der Aufgabe nachkommen. Wie„er- probt" dieser Eifer bisher war, lehren ja gerade aufs neue die Er- gebnisse der Leipziger Krankenkassenstatistik. Wie„unausgesetzt" der Eifer hinfort sein soll, dafür liefert Felix Kuh in seinen weiteren Expektorationen geradezu klassische, köstliche Proben. In seinem philosophischen Schwarzkünstler-Eifer schiebt der gewandte Mann den— Arbeitern die Schuld zu an den schlechten Gesundheits- verhältnisien. Felix Kuh kehrt den Spruch:„Ein gesunder Geist kann nur in einem gesunden Körper wohnen"«bis zu einem gewissen Grade" um und»nacht dann ein„gelehrtes" Wischiwaschi über den „Einfluß seelischer Stimmungen und Gemütsbewegungen auf das körperliche Befinden und auf die Verhütung und den Verlauf von Krankheiten". Nach dem Urteile eines berühmten Forschers seien „Seelenruhe, Heiterkeit und Zufriedenheit die Grundlagen nicht nur alles Glücks, sondern ebenso aller Gesundheit und des langen LebenS". Nun. meint Felix Kuh, solle man sich den„modernen, zielbewußten und unentwegten Arbeiter" vorstellen, dem ja jeder Rest von Lebensfreude und Behaglichkeit aus seinem Herzen vertilgt werde. Und zwar sollen dies nicht etwa die Kapi- taliften, sondern die bösen Sozialdemokraten besorgen. Auch das große Ziel, das gerade die Sozialdemokratie den Arbeitern gibt, könne wohl die„trunkene Phantasie aufgestachelter VersammlnngS- besucher erhitzen, aber nie und nimmer dem menschlichen Leben einen befriedigenden und harmonischen Inhalt geben". Felix Kuh spinnt das für ihn so behagliche Thema breit weiter. Geradezu blendend aber ist der letzte GeisteStrumpf, den der große Philosoph gegen die verhaßte Arbeiterbewegung ausspielt. Geben wir den Blödsinn getreu wieder: „Lässig und unwillig wird die Arbeit verrichtet. Nicht allein auS Gründen der allgemeinen Unzufriedenheit, sondern weil das Losungswort Ca.'canny, das Kommando zu möglichst geringer Leistung, ausgegeben ist. Noch hat kein Psychologe unter- sucht, wie groß der Anteil an körperlicher Schädigung, an Unfällen und Verletzungen ist, der auf diese Parole zurückgeführt werden muß. Indessen weiß jeder, der im Beruf, im Sport oder bei sonstiger Gelegenheit an gefährliche Sitliationen gewöhnt ist, wie rasch man derselbe Herr wird, wenn man frisch und freudig den Stier an den Hörnern packt. Wer dagegen zögernd, mißmutig, ver drossen etwaiger Gefahr entgegentritt, der ist schon von vornherein mit Kopf und Kragen verloren." Diese halsbrechende Logik widerspricht zwar aller Erfahrung— Wer sich in Gefahr begibt, der kommt darin um—, entspricht aber dafür dem Interesse des Kapitalismus. Wie das Kapital bei Kleines feuiUeron. Urheberrecht nach 130 Jahren. Die Entdeckung von Goethes „ U r- M e i st e r' hat höchst knifflige Fragen des Urheberrechts aufgeworfen, die Stoff zu Dutzende» von juristischen Doklorurteilen geben könnten, obwohl das Problem, unter der Entscheidung der Bernunft, sehr einfach aufzulösen wäre. Der Besitzer der Abschrift deS Ur-MeisterS hat das Abdrucksrecht des Manuskripts für 18 000 Fr. an einen Verleger verkauft. Ist die Arbeit Goethes nicht gegen Nochdruck geschützt, so hätte der Ver- leger sich arg verspekuliert: denn innerhälb weniger Tage könnte dann jeder andere Verleger den Ur-Me>ster honorarfrei auf den Markt werfen. Darf man nun den Ur-Meister nachdrucken? Das Gesetz be- stimmt: Nach§ 29 deS UrheberschntzgesetzeS endet das Urheberrecht. wenn seit dem Tode des Urhebers 30 Jahre und außerdem seit der er st en Veröffentlichung des Werkes zehn I a b r e abgelaufen sind. Der Ur-Meister ist vor 130 Jahren geschrieben, sein Dichter seit 75 Jahren tot. aber dieses Werk ist noch nicht veröffentlicht worden, wäre also noch 10 Jahre nach der jetzigen Veröffentlichung geschützt, wenn man die Urform für ein selbständiges Werk und nicdt etwa nur für eine besondere Bearbeitung der längst nachdrncksfreie» „Lehrjahre" hält: im letztere» Falle wäre auch der Nachdruck deS Ur-MeisterS gestattet, doch handelt eö sich offenbar um ein selb- ständiges Werk. Sonach wäre der Ur-Meister gegen Nachdruck geschützt. Indessen nun beginnt die eigentliche Schwierigkeit: Wem steht das Urheberrecht zu? Berechtigte Erben Goethes sind schwerlich vorhanden. Es tritt also die„Vermutung" des Urheberrechts ein: „Ist die Veröffentlichung bis zum Ablauf von 30 Jahren seit dem Tode des Urhebers nicht erfolgt, so wird vermutet, daß daö Urheber- recht dem Eigentlliner deS Werkes zustehe." Aber wer ist Eigentnnier des Werkes? Der Besitzer der Ab- schrifl— Dr. renzler-Zürich— ist doch nicht Besitzer deS Werkes. Das scheint uns die Frage endgültig zu entscheiden. Das zufällige Eigentum an der Abschrift eines Werkes ist nicht Besitz deS Werkes im Sinne des Gesetzes. Das läßt sich leicht einsehen: die gegen- teilige Annahme würde zur Absurdität, zu unauflösbaren Rechts- konflckten führen. Goethe hat von„Wilhelm Meisters theatralischer Sendung" mehrere Abschriften herstellen lassen und verschickt, die nur bisher nicht auffindbar sind. Die Eigentümer dieser von Goethe autorisierten Abschriften hätten nun sicher ein größeres Anrecht auf den Besitz des Werkes als die Rechtsnachfolger der Züricher Bäbe Swultheß, die das ihr übersandte Manuskript Goethes mit Unter- stützung der Tochter selbst abgeschrieben hat. Tauchen jetzt die anderen Abschriften auf, so würden deren Besitzer ebenfalls— und mit besseren Gründen— das Eigentumsrecht beanspruchen. 100 Proz.„positiv waghalsig" wird und bei 200 Proz.„alle Gesetze unter seine Füße stampft", so verlangt das Kapital auch voi» den Arbeitern, daß sie„frisch und freudig", nicht„mißmutig" durch fehlende Schutzvorschriften ihre Knochen dem Götzen Baal opfern. Felix Kuh„beweist" also mit all' dem Hokuspokus, daß die vielen Unfälle nicht wegen der allzu großen ArbeitShatz passieren, sondern im Gegenteil, weil die Arbeiter— zu langsam arbeiten! I Wie kann ein verständiger Mensch ohne Absicht bewußter Irreführung so einen hahnebüchenen Unsinn verzapfen? Felix Kuh schließt seine grandiose„Beweisführung" mit dem Satz,„wie irrig die Meinung derer ist, die da glauben, man könne allein durch staatliche Gesundheitspflege, durch Gesetze und Vor- schriften das höchste Ziel erreichen".„Zunächst müssen die feindlichen Mächte bezwungen werden." Also, deutscher Arbeiter, wenn Du mißgestimmt und seelisch ge- drückt bist über die kapitalistisch versklavte Arbeit, über Unfall- gefahren und hohe Krankheitsziffern, setze nur eine vergnügte Miene auf; wenn der Mund lächelt, flieht zugleich die Schwindsucht aus Deinem wunden Körper und Du strotzest vor Gesundheit, wirst auch sicher bald die voluminösen Formen des gut genährten Unter- nehmers annehmen. Felix Kuh ist wahrhaftig noch klüger als wie der berühmte Schiffschirurgus Doktor van der Smissen: „Durch eig'ne Schuld Sind viele Sckiwarzen gestorben; Ihr schlechter Odem hat die Luft Im Schiffsraum so sehr verdorben. Auch starben viele durch Melancholie." Nächstens kommt der Hausphilosoph des Berliner Unternehmer- blattes sicher auch dahinter, daß man, wie der„Superkargo Myuheer van Kock" Heines zur Verminderung der Unfallgefahren und der Krankheitstage die Arbeitssklaven zur Freudigkeit zwingen muß: „Der Präsident der Sozietät Der Tulpenveredlung in Delfte Ist sehr gescheit, doch hat er nicht Von Euren, Verstände die Hälfte. Musik! Musik! Die Schwarzen sollen Hier auf dem Verdecke tanzen, Und wer sich beim Hopsen nicht amüsiert, Den soll die Peitsche kuranzen." Gaukouferen; des Deutscheu Holzarbeitelverbandes für den 4. Gau. Am 3. und 4. April hielt der Deutsche Holzarbeiterverband'im Lokale von A. Böker, Weberstr. 17, eine Konferenz für den 4. Gau(Brandenburg und Teile der Provinzen Schlesien und Posen) ab. Von den 96 Zahlstellen des Gaues waren 87 Orte durch 139 Delegierte vertreten. Dann waren anwesend 7 Mitglieder des Gauvorstandes, ein Mitglied des Haupworstandes, ein Vertreter des Zentralverbandes der Bildhauer und ein Vertreter des Ver- bandcs der Glaser. Der Gauvorsteher Stusche erstattete eiyen Teil des Geschäftsberichtes. Ganz abgesehen von Berlin, wo die Zahl der arbeitslosen Verbandsmitglieder bis auf 4600 gestiegen tvar, hatten alle Zahl- stellen des Gaues mit einer außergewöhnlichen Arbeitslosigkeit zu rechnen. Die Krise drückte der ganzen Organisationstätigkeit ihren Stempel auf. Die in der Berichtsperiode stattgefundenen Lohn- bewegungen mußten größtenteils geführt werden, um Verschlechte- rungen der Lohn- und Arbeitsbedingungen abzuwehren. Bei mehreren der geführten Streiks sind von Agenten in Berlin größere Transporte Arbeitswilliger angeworben worden, so bei dem Streik von Luckenwalde. Nicht in allen Fällen konnte recht- zeitig die Zureise dieser aus den zweifelhaftesten Elementen zu- sammengesetzten Rausreißertruppe nach den Streikorten verhindert werden. Trotz der Krise sind die Mehrzahl der Lohnkämpfe von Erfolg gewesen. Neben einer Reihe von Lohnbewegungen, die durch Verhand- lungen beigelegt worden sind, wurden in der Berichtsperiode im 4. Gau 41 Angriffsstreiks, 92 Abwehrstreiks geführt; ferner waren Die Entscheidung steht demnach so: Der Ur-Meister ist zwar nur zehn Jahre nach der ersten Veröffentlichung gegen Nachdruck ge- schützt, da aber niemand mehr das Urheberrecht zusteht, ist das Werk Goethes— mangels eines Berechtigten— frei. Und mit diesem Urteil der juristischen Logik stimmt auch das allgemeine Interesse überein, das sich dagegen wenden muß, einen kulturellen Gemeinbesitz der Menschheit gänzlich unberechtigten Verleger- spekulationen auszuliefern. Ein neucS JllustrationSverfahren. Eine Erfindung, die im ge- samten Buch- und Zeilungswesen tiefgreifende Umwälzungen hervor« zurufen geeignet ist, ist dem in Fachkreisen seit langem bekannten Reproduktiou'stechniker Dr. Eduard Mertens in Freiburg im Breisgau geglückt. Durch den sogenannten Rotationstiefdruck ist es von jetzt an möglich, Photogravüren mit allen feinsten Einzelheiten direkt auf gewöhnliches Zeitungspapier zu drucken, io daß sie fast wie photographische Originale wirken. Dr. Mertens hat sein neueS Verfahren dieser Tage zum erstenmal in einer Sondernummer der. Freiburger Zeitung" der Oeffentlichkeit vor- geführt, und der Eindruck dieser Illustrationen, die bisher nur auf besonders präpariertem Kunstdruckpapier reproduziert werden konnten, ist schlechthin verblüffend. Die Tageszeitung kommt damit in die Lage, illustrativ dasselbe zu leisten, wie die auf satiniertes Papier gedruckten illustrierten Zeitschriften, und die ästhetisch bisher noch ziemlich inangelhaft wirkende ZeitungSilluslration erfährt dadurch gleichzeitig eine ungemeine Verbesserung wie eine Erweite- rung ihrer Leistungsmöglichkeiten. Auch für das Jnseratenwesen dürfte das neue Verfahren von einschneidender Bedeutung werden, imd in welchem Grade der Buch-Jllustralion durch diese technische Vereinfachung neue Wege erschlossen werden, läßt sich vorläufig noch gar nicht übersehen. Dr. Mertens hat, wie wir einer Mit- teilung der„Graphischen Welt" entnehmen, als langjähriger Direktor eines bedeutenden graphischen Unternehmens Gelegenheit gehabt, alle graphischen Verfahren eingehend zu studieren und sich zur Aufgabe gemacht, daö schönste aller Bilddruckverfahren, den Kupfer- druck, für die Allgemeinheit brauchbar zu machen, insbesondere für den Zeitungsdruck. Ein mehr als zehnjähriges Studium führte den Erfinder im Jahre 1903 zuerst zur Ausbildung der Tcxtilivalzen- Photogravüre. Um diese zu erproben, verlegte Dr. Mertens leine Versuchsanstalt von Berlin nach dem Elsaß, der Wiege der deutschen Textilindustrie. Auf dem Wege vieler Versuche kam er so zu dem nunmehr vollendeten Verfahren deS ZeitungS- KupferdruckS. Damit ist ein von vielen graphischen Technikern seit langem erstrebtes Ziel erreicht. Der neue Bilderdruck kann auf das geringste holzhaltige und rauhe Papier und in jeder beliebigen Farbe angewendet werden, ohne daß die Schnelligkeit des Zeitungs- Rotationsdruckes dadurch irgendwie beeinträchtigt wird. Für die Verwertung des Verfahrens hat sich die„Deutsche Mertensgesell- schafl" in Freiburg i. B. gebildet. Aehnliche Tiefdruckverfahren kannte man wohl schon seit einiger Zeit unter anderem Namen wie„Mezzotint"(Bruckmann. München).„Heliotint"(Meisenbach 15 Aussperrungen zu verzeichnen. 77 dieser Kämpfe verliefen erfolgreich, 9 hatten einen teilweisen Erfolg und 54 gingen ver- loren. Nachdem in der zweiten Hälfte des Vorjahres eine bessere Konjunktur einsetzte, gingen die Kollegen in verschiedenen Orten heran, um ihre Verhältnisse aufzubessern. Der Erfolg dieser Be- locgungen war meist der Abschluß von Verträgen, die den Ar- beitern Verbesserungen brachten. Trotzdem zurzeit die Krise noch nicht ganz überlvunden ist, haben eine Reihe tveitcrer Orte die Absicht angemeldet, in eine Bewegung zwecks Aufbesserung der Verhältnisse einzutreten. Ten Ausführungen S t u s ch e s schloß sich in der weiteren Erstattung des Geschäftsberichtes der Gauvotsteher E x n e r an. Während der letzten zivei Jahre wurden im Gau 8 neue Zahlstellen gegründet, 5 Zahlstellen gingen eii». In mehreren Orten, wo Betriebe der Holzindustrie vorhanden sind, war es trotz der größten Anstrengungen nicht möglich, festen Fuß zu fassen. Die Unternehmer wandten dort die brutalsten Mittel an» um die Organisation von ihren Betrieben fernzuhalten. In mehreren Orten Posens wird jeder Fortschritt dadurch ge- hemmt, daß dank der Germanifierungspolitit der Regierung die Arbeiter allem was deutsch heißt den größten Haß entgegenbringen. In vielen Orten ist es den Verbandsmitgliedern bis heute noch nicht möglich gewesen, ein Lokal zu Versammlungen zu bekommen. Der Mitgliederbestand im Gau, der während der Krise zurück- gegangen war, hat sich bis zum Schluß 1909 soweit gehoben, daß er den Höchststand von 1907 überschritten hat. Er beträgt 33 334. Zur Entfaltung einer gemeinsamen Agitation ist der Gau- vorstand mehrfach mit anderen Zentralverbänden sowie mit den Parteileitungen in Verbindung getreten. Die an den Gauvorstand gestellten Anforderungen auf Stellung von Referenten konnten in vollem Maße erfüllt werden. Eine Anzahl Kassenrevisionen mußte der Gauvorstand vornehmen, da in mehreren vorwiegend kleineren Orten die Kassenführung keine korrekte und ordnungsgemäße war. In einer Anzahl Fälle mußte der Gauvorstand Vertretungen vor Gericht übernehmen. Dem Bericht Exners schloß sich der Kassenbericht an, den Richard Leopold gab. An dem gesamten Geschäftsbericht hatten die Delegierten nichts auszusetzen. Tann erhielt Verbandsvorsitzender L e i p a r t das Wort zum Bericht über die Tarifbewegung und Stellungnahme zur Erhöhung des Berbandsbeitrages. Wenn es uns gelungen sei, die jetzige große Tarifbewegung zu einem erfolgreichen Ende zu führen, so hat der Umstand nicht wenig dazu beigetragen, daß die Mitglieder überall gern und willig die Extrabetträge gezahlt haben, die in Aussicht auf den eventuellen Ausbruch eines Kampfes erhoben Iverdcn muhten. Doch sei der Verband durchaus nicht über alle Schwierigkeiten hinweg, da neue Kämpfe bevorstehen, die erneut hohe Anforderungen an die Verbandskasse stellen. Da eine Einschränkung der Lohnbewe- gungen von den Mitgliedern durchaus verworfen wird, ist eine Stärkung der Verbandskasse unabweisbar. Wenn die Finanz- gcbarung des Verbandes auf eine sichere und gesundere Basis ge- stellt werden soll, mutz eine dauernde Erhöhung des Verbands- beitrages um wöchentlich 10 Pf. erfolgen. L e i p a r t wendet sich dann gegen die irrige Auffassung einer Anzahl Kollegen, durch Einführung von Klassenbeiträgen eine gerechtere Verteilung der Lasten und Pflichten der Mitglieder herbeizuführen. Bei der großen Unterschiedlichkeit der Lohnhöhen, wie sie bei den Mit- gliedern einer Jndustricorganisation anzutreffen ist, sind Staffel- beitrüge nicht durchführbar. Auch würden die technischen Schwierige keiten schier unüberwindliche sein. Die Verhältnisse der Holzarbeiter in den Elendsdistrikten sollen bei einer Erhöhung des Berbandsbeitrages berücksichtigt werden. An das Referat Leiparts schloß sich eine ausgedehnte Diskussion an, die erst am Vormittag des zweiten Verhandlungstages ihr Ende fand. Verschiedene Diskussionsredner, vorwiegend aus Orten mit schlechten Lohnverhältnissen, erhoben Bedenken gegen eine Er» höhung der Beiträge, da dadurch unzweifelhaft die Agitation sehr erschwert werde. Gleichzeitig halten diese Redner größtenteils die Einführung von Staffelbeiträgen für möglich und erstrebenswert. Die meisten anderen Redner sprechen sich für Erhöhung des Verbandsbeitrages aus. Es wird mehrfach darauf hingewiesen. und Riffarth, Berlin), doch waren sie auf ZeitungSpapier nicht anwendbar. Humor und Satire. Diebeiden Grafcnkinder. (AuS einem Grimmschen Märchen.) Et waS mol en Graf west, de hieß Graf Pfeil, un de sah en lütt Mäken, de was hübsch, un do seggt he zu ehr:„Willst du min leiwe Gräfin wer«?' Do seggt se:„Io, bat wollt i wull," un do war de Hochtid angericht, un de Musikanten blusen, un et was vel Freide im ganzen Grafenpaläh. Und wie nu de Hochtid tau Enn was, do nehm de gande Graf sin leiwe Gräfin bi de Hand un föhrte ehr in bat Schlapgemach un hadde ehr lieb, un küßte ehr. un schmiß ehr ne Waschschüssel an'» Kopp un vcrbimste ehr un ver» kachelte ehr»n versohlte ehr un vertobakte ehr un vertöpperte ehr un verwichste ehr un verwalkte ehr un kalaschte ehr un verhaute ehr un vekloppte ehr un versiinste ehr un verwamste ehr, un wenn se nich geschieden wärn, do lebten hei noch heute bisamm. Treptow. Herr v. Jagow(au der Spitze einer Schutzmanns« brigade zu einem einzelnen Herrn): Herr, gehen Sie auseinander, oder ich lasse cinhauen! Die Straße dient lediglich dem Verkehrt _(„Lustige Blätter.") Notizen. — Vorträge. Deutsche naturwissenschaftliche Gesellschaft, Ortsgruppe Berlin. Besonderer Umstände halber mußte der für heute festgesetzte Vortrag auf den 12. April verschoben werden. Beginn 8l/t Uhr, Rathaus, Zimmer 109. Gäste haben unentgeltlich Zutritt. — Musikchronik. Fräulein Frieda Hempel wird am 14. d. M. die„Regimentstochter" singen. Die vom Verein„Berliner Presse" veranstaltete Vorstellung findet im Neuen kgl. Operntheater (Kroll) statt. — B i l d e r st u r n». In der M ii n ch e n e r alten Pinakothek stürzte infolge eines Sturmes ein Oberlichtfenster in einen der Säle und beschädigte die berühmte„Grablegung Christi" van Dycks. (Der unsägliche„Lok.-Anz." vergißt nicht anzudeuten, daß der ihm verhaßte Herr v. Tschndi indirekt dafür die Verantwortung trage.) — Das teuerste Grund st ück. Dieser Tage ist im Zentrum von New Dork, ganz in der Nähe des Morganschen Ge- schäftShauses und der Börse, ein Grundstück verkauft worden, dessen Preis einen Weltrekord auf diesem Gebiete darstellt. ES wurden für eine Gesamtfläche von 835 Quadratsuß nicht weniger als 3'/» Millionen Mark bezahlt so daß also der einzelne Ouadratfuß auf 4242 Mark kommt. Um sich einen Begriff von der Höhe deS Käufpreises zu machen, muß man sich vorstellen, daß damit jedes Fleckchen von der Größe einer Briefmarke mit etwa 16 Mark be- zahlt ist. Auf diesem Terrain stand bis jetzt ein vor etwa zwölf Jahren erbautes HauS mit 19 Stockwerlen. Dieses wird jetzt einem anderen Wolkenkratzer Platz machen, der 32 Etagen«nt» halten soll. Latz Ben MikglleBert» mit nteBrigen Göfincn biel mehr damit gedient ist, durch Stärkung der Verbandskasse die Organisation kämpf. fähiger zu machen, als sie in der Ansicht zu bestarken, daß für sie die Erhöhung des Beitrages um 10 Pf. pro Woche unerschwing- lich sei. Ueber die Einführung von Klassenbeiträgen erfolgt nament- liche Abstimmung. Sie wurde mit 12ö Stimmen gegen 14 Stimmen abgelehnt. Angenommen dagegen wurde gleichfalls in namentlicher Abstimmung eine Erhöhung des Berbandsbeitrages von 50 auf 60 Pfennig mit 118 gegen 21 Stimmen. Es wird dann in die Beratung der vorliegenden 51 Anträge eingetreten, die größtenteils dem bevorstehenden Verbandstag in München unterbreitet werden sollen und vorwiegend die Aende- rung statutarischer Bestimmungen von untergeordneter Bedeutung bezioecken. Tann wird noch ein Antrag angenommen, durch geeignete Maßnahmen genau festzustellen, welche Orte und Betriebe regel- mäßig oder zeitweise Bautischlerarbeiten für Gro�-Berlin an» fertigen. Nach einem kurzen Schlußtvort durch den Vorsitzenden Moaß wird die Konferenz mit einem Hoch auf den Deutschen Holzarbeiter- verband geschlossen. Tins Induftne und Handel Die Zollschraube. Nachdem aus die Revision des amerikanischen Zolltarifs die französische Regierung mit einer gleichen Maßnahme folgte, ist der Stein in« Rollen gekommen. Eine ganze Reihe von Ländern be» schäftigt sich augenblicklich mit der Revision ihrer Zolltarife, das heißt, mit einer Heraufsetzung ihrer Zollsätze. Die Maßnahme des einen Landes wird immer eine Gegenmaßregel von feiten eines anderen nach sich ziehen. In Belgien plant die Regierung nun, zur Vergeltung der französischen Zollerhöhungen, die aus Frankreich ein- geführten Waren etwas höher zu belasten. Sie kann eS aber nicht Verbindern, daß gleichzeitig auch die Einfuhr aus Deutschland be- troffen wird, wenn sie dies überhaupt verhindern wollte. Ferner beschäftigen sich noch Holland und Schweden mit Maßnahmen zur Erhöhung ihrer Zoll'ätze—„zum Schutze der heimischen Pro- duktion'. Nicht in alle» Ländern finden diese Bestrebungen jedoch eine» freudigen Widerhall. So sträuben sich in Holland die In- dustriellen, die geschützt werden sollen, gegen den erhöhten Schutz. Sie befürchten davon eine größere Nachfrage nach Arbeitern. Dann würde es mit den niedrigen Löhnen vorbei sein, die jetzt gezahlt werden. Preissteigerung in Aussicht. ES gibt kaum noch irgend einen Konsumartikel, der nicht von der Preistreiberei erfaßt worden wäre. Teils durch Verbrauchs- steigerung, die vielfach eine Folge technischer Entwickelung ist, teils durch Organisation der Produzenten und Händler gefördert, schnellen die Preise mancher Artikel scharf in die Höhe. Zurzeit steht wieder mal der Häute- und Ledermarkt im Zeichen der Hausse. Mit der Ausdehnung des Reiseverkehrs, der eine bedeutende Lederkoffer- und Toschenindustrie groß zog, serner die EntWickelung im Automobilbau und die wachsende Benutzung des Autos als Verkehrsmittel hatten eine starke Steigerung der Nachfrage am Ledermarkte im Gefolge. DaS trieb die Preise hinauf. Natürlich beeinflußte das die Ver- konfSpreise aller Erzeugnisse aus Leder, wie z. B. auch die Hand- und Fußbekleidungen aus diesem Material. Nach einer kurzen Periode etwas abschwächender Tendenz, der eine kräftige Hausse voraufgegangen war, macht sich auf den, Nohmaterialienmarkte nun- mehr eine erneute Preissteigerung bemerkbar. Bei den letzten Häute- Versteigerungen in Paris, Hamburg, London mußten wieder Auf- schlüge bezahlt werden. Die Lederhändler, die in der letzten Zeit bereits einige Male Preiserhöhungen eintreten ließen, planen natür- lick auch wieder durch PreiSaufichläge nicht nur die Mehrkosten zu decken, sondern, wie das so üblich ist, die Verteuerung des Roh- Materials als Mittel zu gebrauchen, ihren Gewinn zu steigern. Die Swuhsabrike» folgen selbstverständlich nach, schlagen noch wieder etwas mehr auf als die Händler. So muß schließlich immer der Konsument der Massenartikel am meisten leiden. Erhöhung de? KokspreifcS. In der Kohlenindustrie rechnet man schon wieder mit— Preisaufschlägen. Angeblich soll der Preis für Kols demnächst um 2 M. pro Tonne hinaufgesetzt werde». Ent- ziehung der Ausfuhrprämie und Preiserhöhung auf Rohmaterial, dos sind sicherlich ausgezeichnete Mittel, der Weiterverarbeitung in der Eisenindustrie das Leben— schwer zu machen. Vielleicht er- wartet das Syndikat, seine Ankündigung werde eine sofortige Steigerung der Nachfrage im Gefolge haben, so daß nur eine Stimmungsmache vorliegt. Baumwollstatistik. Die vom„Internationalen Verband der Bonniwollspinner- und Wcbervereinigungeit* veranlaßte und am 1. März abgeschlossene Statistik ergibt, daß bei einer abgeschätzten Totalzahl von 183421004 Spindeln, von denen 110 154 411 Spindeln der Welt berichteten, der Total-Baumwollvorrat in Ballen 4 180 638 betrug. Von den berichtenden Spindeln entfallen allein 48 818 234 auf Großbritannien und 28 000 Millionen auf Nordamerika. Aus Deutschland haben 0 801 450 und aus Oesterreich 4 303 048 Spindeln berichtet. Versand dcS StahlwerkSverbandcS. Nach vorläufigen Ermitte- lungen stellt sich der Versand an Produkten im Monat März auf zirka 588 000 Tonnen gegen 520 800 Tonnen im März 1000. Dem» »ach ergibt sich eine ziemlich erhebliche Versandsteigerung. Industrielle Konzentration. Einen interessanten Ueberblick über die Konzentration im rheinisch-westfälischen Kohlenbergbau gewährt eine Zusammenstellung in der Zeitschrift.Glückauf". Danach hat sich in den letzten 60 Jahren die Zahl der Werke um 44. d. i. fast ein Viertel, vermindert, während die Förderung gleichzeitig aus beinahe da« Fünfzigfache gestiegen ist. sodaß auf da« einzelne Werk in 1000 eine beinahe 65 mal so große Fördermenge und eine etwa 35 mal so große Belegschafi wie in 1850 kommt. Viel weiter als die betriebstechnische, geht noch die wirtschaftliche Zusammenfassung. In vielen Fällen ist eine ganze Reihe dieser betriebstechnischen Einheiten zu einer Gesellschaft vereinigt. Von den 164 im Jahre 1000 betriebenen Steinkohlenbergwerken des OberbergannSbezirkS Dortmund sind fast immer mehrere— bis zu 1?— zu einem Unternehmen vereinigt. So zählt die größte Gesellschaft des Bezirks, die Gelsenkirchener Bergwerks-A.-G., 11 Steinkohleuzechen. die Harxener Bergbau-A.-G, umfaßt sogar 17, die Deutsch-Lnxeniburgische Bergwerks- und Hütten-A,-G. 0, die Gesellschaft Hibernia 7, die A.-G. Phönix 5. Diesen großen Aktien- Gesellschaften treten zur Seite die in den Händtzn einer Familie (Haniel, Slinnes, Krupp) vereinigten Zechen. Die Statistik des Königlichen ObervergamtS zu Dortmund zählt für 1000 154 in Förderung stehende Werke; das Kohlensyndikat, dessen Förderung sich mit der des Bezirks fast deckt, hatte nach dem Stande vom 1. Januar 1010 einschließlich dir im Oberbergamtsbezirk Bonn gelegenen Zeche Rheinpreußen aber nur 70 Mitglieder. Die Familienzechen sind zum Teil als einzelne Mitglieder gezählt. Bei einer Gcsamtförde- rung der im Syndikat vereinigten Werke von rund 81 Millionen Tonnen entfiel auf jedes Mitglied eine durchschnittliche Produktion von mehr als 1 Million Tonnen. Im Jahre 1000 brachten die sieben größten Unternehmungen mehr als zwei Fünstel der Gesamt- förderung auf. Zudem find noch viele Kohlenbergwerke mit Eisen- Hütten vereinigt. Im Jahre 1000 entfiel auf die mit Eisenwerken verbundenen Zechen seinschließlich der ursprünglichen Gelsenkirchener BergwerkS-A.-G) mehr als ein Drittel der Gesamtförderung des Bezirkes._ Ueder die Verhältnisse in der rheinisch-westfälischen Großindustrie Wird berichtet, daß sich die aus eine gute Frühjahrsbelebung gründenden Hoffnungen nicht verwirklichen. Am Kohlenmarkt warte man vergeblich auf eine kräftige Steigerung der Nachfrage. Der Abiatz halte sich in zu engen Grenzen. Ein bedenkliches Anwachsen der Feierschichten und erhebliche Lohnermäßigunaen sei die Folge. Auch die Lage auf dem Eisen- und Stahlmarkt ist noch immer nicht so günstig, infolgedessen die Beschäftigung der Werke schwankend.» � Ein starker Rückgang im Absatz zeige sich auch sin Braugewerbe. Die Brauereien sind zu erheblicher Einschränkung der Erzeugung genötigt. Einen Ausschwung hat schon im vorigen Jahre das Bau- gewerbe genommen. was zum großen Teil auf die bei der Be- fchaffung billiger Baugelder eingetretene Erleichterung zurückgeführt wird. Die private Bautätigkeit wird sich, aller Voraussicht nach, auch in diesem Jahre fast im ganzen Gewerbebezirk äußerst rege aestalten. Die Arbeitslöhne sind gefallen, obwohl die Preise für fast sämtliche Lebensmittel noch weiter gestiegen sind. Die Lage der Arbeiter hat sich demnach verschlechtert. Es ist daher zu erwarten, daß mit Beginn einer flotteren Produktion die Arbeiter Forderungen erhebelt werden._ Ein Trust. Ein trustartiges Gebilde ist die Deutsche Petroleum-Akt.-Ges,, dem neben Aktien der Steana Romano Beteiligungen an der Euro- päischen Petroleum-Union. der Deutschen Mineralöl-Jndustrie, dem Kasbek Syndicote in Grosny und der Schodnica Akt.-Gef. für Petroleumindustrie, Wien, eignen. Die Deutsche Petroleum-Akt.-Ges. konzentriert die Petroleumintereffen eines internationalen Konsortiums, dem die Deutsche Bank und der Wiener Bankverein angehören. Die beiden letztgenannten Institute spielen auch eine führende Rolle bei der Steana Romana. Die letztere Gesellschaft, die in Bukarest domiziliert, will ihr Aktienkapital von 30 000 000 Lei durch Ausgabe von 20 000 000 Lei mit 50 Proz. einzuzahlenden Aktien auf nominal 50 000 000 Lei. und effektiv 40000000 Lei erhöhen. Absatzmangcl. In der diesjährigen ersten Versammlung der Ziegeleidesitzer Kölns wurde mngeteilt, daß im letzten Jahre nur an 25 Proz. der ErzeugungSfähigkeit der Werke abgesetzt werden konnten. Soziales. Die Krankenkassenvertreter zur ReichsversichrrungSordnung. Wie uns von zuständiger Seite nachträglich mitgeteilt wird. tagt: am Sonntag eine ReichÄonferenz der Krankenkassenvertreter in Berlin, um zu den Vorschlägen der Reichsversicherungsordnung zur Krankenversicherung Stellung zu nehmen. Auf der Konserenz waren 48 Krankenkassenvereinigungen vertreten, die gegen 5 Mil- lionen Versicherte repräsentierten. Die Referenten des im Mai vorigen Jahres in Berlin abgehaltenen allgemeinen Krankenkassen. kongresses erstatteten Bericht über die in dem vom Bundesrat ge» nehmigten Entwurf der Reichsversicherungsordnung gegenüber dem Vorentwurf enthaltenen Aenderungen. In der daran anschließenden eingehenden Aussprache trat allgemein eine heftige Empörung darüber zutage, daß die Regierung alle versicherungsfeindlicheu Wünsche der Berufsgcnossenschaften in weitgehendstem Maße be» rücksichtigt, die Wünsche der Krankenkassen bezw. der'Millionen Versicherten aber einfach ignoriert hat, obgleich auch die in den Ortskrankenkassen tätigen Arbeitgeber fast ohne Ausnahme diese Wünsche unterstützt hatten. Die Berufsgcnossenschaften sollen von dem kostspieligen gemeinsamen Unterbau befreit, ihre Machtvoll- kommenheit bei der Rentenfestsetzung gesteigert werden, während die Krankenkassen ihres bisherigen SelbswerwaltungSrcchtS beraubt und der Bureaukratie ausgeliefert werden sollen. Auch den aus einseitiger Jnteressenpolitik diktierten Forderungen des Wirtschaft- lichen Leipziger Aerzteverbandes habe die Regierung die weit- gehendsten Konzessionen gemacht, desgleichen den Apothekern. Bei all diesen Bestimmungen komme überaus deutlich die „gottgewollte Abhäiigigleit" der Regierung gegenüber gewissen ein- flußreichen Unternehmerorganisationen zum Ausdruck. Die Ver- treter der Versicherten sotvohl wie der Unternehmer waren einmütig der Meinung, daß alle Anstrengungen gemacht werden müßten, um die Bevölkerung über die reaktionäre, versicherungsfeindliche Ten- denz der Regierungsvorlage aufzuklären und den Reichstag für die von dem 5. allgemeinen Krankenkassenkongreß aufgestellten Forde- rungen zu gewinnen. Von der Einberufung eines neuen allgemeinen Krankenkassen. kongresses wurde Abstand genommen und die folgende Resolution einstimmig beschlossen: „Die am 3. April 1010 zu Berlin tagende Reickjskonferenz Deutscher Krankenkassen beauftragt die vom 5. Allgemeinen Krankenkassenkongreß gewählte Kommission, auf schnellstem Wege eine Petition an den Reichstag zu richten, in welcher die grund- sätzlichen Forderungen, welche der letzte Kongreß aufgestellt hat. von neuem vertreten werden. Dieser Petition sollen sich die Kassen und Kassenverbände anschließen. Des weiteren wird die Kommission beauftragt, dem Reichstag eine eingehende Stellungnahme zum Entwurf einer Reichsverfiche- rungsordnung, soweit die Krankenversicherung in Frage kommt, zugehen zu lassen. Die Reichskonferenz ersucht die Kasscnvertreter aller Art, gegen die rückschrittlichen Bestimmungen des Entwurfs zur Reichsversiche- rungsordnung im ganzen Reiche mit allem Nachdruck einzutreten." Gerichts-Leitung. 400 000 Mark unterschlagen. Vor der 8. Strafkammer des Landgerichts I begann gestern die Verhandlung gegen den Defraudanten Fritz Kluge, der die Firma Arthur Koppel A.»G. um den Betrag von zirka 400 000 M. geschädigt hat. Die Verhandlung leitet Landgerichtsdirektor Lieber. Aus der Vernehmung des Angeklagten über seine persönlichen Ver. Hältnisse ergibt sich folgendes: Der Angeklagte, welcher sich seit dem 26. November 1008 in Untersuchungshaft befindet, ist am 18. Oktober 1876 in Berlin geboren, unverheiratet und bisher un. bestraft. Er hat die hiesige 1. Realschule besucht. Als er im Jahre 1895 diese verließ, trat er sofort bei der Firma Arthur Koppel als Lehrling ein. Nach 2�jähriger Lehrzeit wurde er bei der Firma Reisender und wurde u. a. auch mit der Leitung einer Filiale in Paris betraut. Er blieb dort bis zum Jahre 1905 und kam dann nach Berlin zurück in die Stellung, in der er sich die zur Anklage stehenden Straftaten zuschulden kommen ließ.— Der Eröffnungs. beschluß beschuldigt den Angeklagten der Unterschlagung und der Urkundenfälschung.— Auf Befragen des Vorsitzenden bestätigt Kluge, daß er neben zwei anderen Angestellten Leiter der Filiale Berlin gewesen sei und diese Stellung seit 1905 innegehabt habe. Die Filiale Berlin erstreckte ihren Wirkungskreis über die Provinzen Ost. und Wcstpreußen, Pommern, Posen, Brandenburg, Schlesien, Sachsen und einem Teil der Thüringischen Staaten. Für die anderen Teile Deutschlands sowie für das Ausland sind beson» dere Filialleiter angestellt. Seit 1900 hatten die Filialleiter da? sogenannte Mietsgeschäft in die Höhe gebracht. Von Tiefbauunter- nehmern, die mit ibren Arbeiten fertig waren, wurde daS Klein- bahnmatcrial zum Kaufe angeboten. Die Firma Koppel bemühte sich, es wieder zu verkaufen oder aber zu vermieten. Diese Praxis hat sich der Angeklagte, der sich des größten Vertrauens erfreute und gerade in diesem Vermietungsgeschäft sehr tüchtig war, zu Nutze gemacht und eine große Reihe Geschäfte abgeschlossen, die sämtlich fingiert waren. Er verfuhr in der Weise, daß er eine Verkaufsofferte an die Firma Koppel u. Co. sandte. Wenn dann die Firma den Beschluß faßte, der Offerte näher zu treten, wurde der Angeklagte, weil er in solchen Geschäften sehr bewandert war, mit der Erledigung der Sache betraut. Um sich das Material an- zusehen, reiste er dann nach dem betreffenden Ort ab. wurde auch gleichzeitig mit dem nötigen Gelde zur Anzahlung ausgerüstet. Ueber die angeblich erfolgte Zahlung stellte er eine geschäftliche Quittung auS. Um zu verhindern, daß diese Machenschaften von der Firma gemerkt werden, hat der Angeklagte auf der anderen Seite wieder fingierte Mietsberträge angefertigt; diese betrafen Firmen, die gar nicht existierten und an diese wurde das Material, das gar nicht vorhanden war, vermietet. Die von diesen fingierten Firmen zu zahlenden Mietsbeträge leistete der Angeklagte aus den von ihm veruntreuten Geldern, teilweise gab er auch gefälschte Wechsel in Zahlung.— Der Angeklagte, der einen sehr leidenden Eindruck macht, gibt mit schwacher Stimme zu, daß die Dinge sich so abgespielt haben, wie der Vorsitzende dargestellt hat. Da er so leise spricht, daß er nicht zu verstehen ist, muß er aus dem Anklage- räume heraustreten und auf einem Stuhl vor dem Richtertische Platz nehmen. Als der Vorsitzende den Angeklagten aufforderte, zu erzählen, wie er zu den Unterschlagungen gekommen und wozu er das Geld haben wollte, vermag der Angeklagte nicht zu ant- Worten. Sein Gesicht wird durch Zuckungen entstellt, er beginnt zu Schluchzen und fällt unter Weinen in den Stuhl zurück. Der Borsitzende muß eine Pause eintreten lassen, während denen sich die anwesenden Aerzte eifrig um den Angeklagten bemühen und ihn durch Darreichung von Wasser und Tropfen langsam wieder soweit bringen, daß die Verhandlung wieder aufgenommen werden kann. In seiner Vernehmung erklärte der Angeklagte auf eine Frage des LandgerichtSdirekwrs Lieber, was er mit dem Gelde gemacht habe, daß er, nachdem er sich mit einem Fräulein Sieale verlobt hatte, gehofft hatte, durch das Spiel in den Besitz großer Summen zu gelangen, um dann heiraten zu können. Er habe den Ehrgeiz gehabt in das Koppel'sche Geschäft als Teilhaber einzutreten und habe deshalb. beabsichtigt, eine möglichst große Anzahl von Aktien zu erwerben. Der Vorsitzende geht nunmehr auf die einzelnen Fälle der Anklage ein, in denen der Angeklagte schon vor oem Untersuchungsrichter geständig gewesen war. Kluge wiederholte mit leiser, vielfach unverständlicher Stimme dieses Geständnis. Als er es für bedenklich hielt, die durch seine betrügerischen Manipulationen erlangten hohen Geldbeträge bei der Firma selbst abzuholen, habe er hiermit den Agenten Wiluner beauftragt. Dieser habe das Geld abgehoben, sich seine Provision abgezogen und den Rest an ihn ab- geliefert. Wiluner habe jedoch angenommen, daß er(Kluge) das Geld an die Firma abliefere. Wiluner habe dieses Geld stets auf daS Konto eines„Dr. Lasker" eingezahlt.— Auf mehrere Fragen des Rechtsanwalt Dr. Fritz Ehrhardt, die dahingehen, festzustellen, daß Kluge tatsächlich nicht der ungemein befähigte Mensch sei, wie er immer geschildert werde, bekundet der Angeklagte, daß er sich zu dem Einjährigenexamen 50 Aufsätze auswendig gelernt habe. auch habe er sich mitunter von 2 Uhr nachmittags bis 4 Uhr nachts auf das Examen vorbereitet. Rechtsanwalt Dr. Ehrhardt machte ferner darauf aufmerksam, daß der Angeklagte bei seinen sogenann- ten„Spielreisen" nach Paris, hier abends wcggefahren, bis zum nächsten Nachmittage gefahren, in Paris drei Stunden gespielt und dann noch an demselben Abend wieder zurückgefahren sei. Um also drei Stunden in Paris zu spielen, habe Kluge eine Fahrt von 18 Stunden hin und 18 Stunden zurück unternommen. Kluge bc- stätigt dies und bekundet auf eine weitere Frage des Rechtsanwalts Dr. Ehrhardt, daß er sich auf dieser 18stündigen Fahrt mit einer neuen Spielmethode, die er sich selbst ausgerechnet habe, für dos Baccaratspiel beschäftigt habe. Auf einer solchen Reise habe er stets etwa 7 bis 800 solcher Probeabrechnungen seiner Methode ge- macht. Zur Sprache kommt noch, daß Kluge seiner Braut Fräulein Siegle, als diese in Trouville einmal 20 000 Franks gewonnen hatte, verboten hatte, von diesem Spielkapital auch nur einen Pfennig für andere Zwecke auszugeben. Auf weiteres Befragen des Rechtsanwalts Dr. Estrhardt bestätigt der Angellagte, daß er während seiner Tätigkeit vier in Berlin sich fortgesetzt keine Ruhe gönnte und mit kurzer Mittagspause bis in die Nacht arbeitete. um möglichst viel zu schaffen, da er dadurch auch an Tantiemen gewann. Die Hälfte des Monats sei er auf Reisen gewesen und immer nachts gereist. Der Verteidiger bestreitet, daß der An- geklagte ein luxuriöses Leben geführt und weder für sich noch für sein« Braut Fräulein Siegle, Ausgaben machte, die er nicht aus seinem Einkommen hätte bestreiten können. Der Vorsitzende stellt vurch Befragen fest, daß der Angeklagte pro forma bei seinem Bater wohnte, aber für seine Braut Fräulein Siegle eine Wohnung für 3000 M. gemietet hatte. Er bezahlte der jungen Dame außerdem täglich 20 M. Wirtschaftsgeld und in zwei Jahren etwa 7000 M. für Garderobe. Aus den wetteren Festsiellungen des Vorsitzenden gebt hervor, daß daS Jahreseinkommen des Angeklagten auf etwa 22 500 M. zu schätzen war� ohne die Reisespesen. Außer- dem hat der Angeklagte auch noch in Kuxen spekuliert. Der An- geklagte bleibt dabei: er habe Geld bekommen wollen, um spielen und Fräulein Siegle heiraten, außerdem aber, um Teilhaber der Firma Koppel werden zu können, indem er die Mehrheit der Aktien an sich brächte.— Der Verteidiger macht weiter darauf aufmerksam, daß in sämtlichen fingierten Geschäften der Angellagte immer nur mit Sumnien operiert hat, deren Quersummen durch„drei" teilbar sind.— Angeklagter: Ich stehe dabei unter einem gewissen Zwmige, ich muß alles mit 3, 6 und ö multiplizieren.— Präs.: Wie haben Sie bemerkt, daß Sie unter diesem Zwange stehen und wie haben Sie dagegen angekämpft?— Angeklagter: Ich kann nur sage», daß ich weiß, daß ich alles mit 3, 6 und 9 multiplizieren muß.— Präs.: Wenn Sie sich acht Anzüge oder mehrere Stiefeln oder eine Anzahl Krawatten kaufen, so haben Sie doch nicht darauf gesehen, daß die Zahl immer durch 3 teilbar war.— Angekl.: Bei Einkäufen habe ich es nicht gemacht. Es ist schwer zu erklären, wie sich dieser Zwang bei mir geltend macht.— Auf weitere Vorhaltungen des Verteidigers, die auf den Geisteszustand deS Angeklagten Bezug haben, erklärt der Angeklagte, daß er selbst keinen Augenblick zweifelhaft darüber sei, daß er geistig vollkommen gesund sei. Als er 6 Wochen zur Untersuchung seines Geisteszustandes in eine An- statt überführt werden sollte, habe er dagegen protestiert, sei dann aber in die Anstalt gegangen, weil ihm gesagt wurde, daß er sich nur einige Zeit erholen solle.— Der Borsitzende hält dem An, geklagten einige Aeußerungen vor, die er dem Dr. Abraham gegen- über gemacht haben soll. Dieselben sollen darauf gegangen sein. daß er höchstens drei Jahre Gefängnis bekommen könne. Er scheine also es borgezogen zu haben, die drei Jahre abzusitzen als für geisteskrank erklärt zu werden.— Rechtsanwalt Dr. Ehrhordt betont weiter, daß der Angellagte vor seiner Verhaftung lange Jahre ein Gebetbuch bei sich getragen habe.— Präs.: Haben Sie denn auf die rituellen Gebräuche besonderen Wert gelegt?— An- geklagter: Nein, ich bin kein Frömmler nach außen hin, aber ich bin gottessürchtig und habe täglich dreimal gebetet. Die Gebete hatte ich mir aufgeschrieben. Ich habe nicht Theologie studiert, aber ich bin überzeugt, daß ich fromm und gottesfürchtig bin.— Während der Erörterungen über das Verhältnis deS Angeklagten zu dem ffräulein Siegle und seinen sexuellen Neigungen wird die Oeffent» ichkeit ausgeschlossen.— Gelegentlich kommt hur Sprache, daß der Vorsitzende 600 Seiten Gutachten der medizinischen Sachverstän- digen habe durchlesen müssen.— Der Zeuge Ginsberg, ein ent» fernter Verwandter des Angeklagten, schitoert diesen als einen sehr nervösen, hastenden Menschen, der von der Spielwut befallen ivar, seine ganzen Gedanken immer wieder auf das Spiel konzentrierte und mit ungeheuren Summen, die er glaubte verdienen zu können, nur so herumwarf. Die Familie sei stolz auf die kaufmännischen Talente gewesen, die der Angeklagte bekundete. Für geistesgestört habe ihn aber niemand gehalten.— Kriminalkommissar v. Man- teuffel, der sich an der Hand schriftlicher Aufzeichnungen des An- geklagten über die Kunst, beim Baccarat zu gewinnen, sich über dessen Gedankengang unterrichtet hat, bekundet, daß es sich dabei aar nicht um ein ganz unsinniges„System" handle, sondern um eine Reihe von Beobachtungen und guten Ratschlägen des Angeklagten, die ganz verständig seien.— Hierauf wird die Verhandlung auf Donnerstag SV6 Uhr vertagt, da nach der Ansicht der Aerzte dem Angeklagten unmöglich sein würde, der Verhandlung zu folgen. Ueber den Ausgang des Prozesses werden wir berichten. Im Wiederaufnahmeverfahren wurde gestern der Kaufmann Franz Holtzke von schwerer Strafe durch die 4. Strafkammer des Landgerichts II befreit. Der Angeklagte stand vor etwa Jahresfrts. vor derselben Strafkammer, um sich tu Gemeinschaft mit sein« Ehefrau auf die Anklage der ver- , suchten Verleitung zum Meineide zu verantworten. Frau H. war etnlße Zeit vorher Som Schöffengericht zu einer Eefangn�ftrafe verurteilt worden, weil das Gericht sie für überführt hielt, �öie Anaestellte eines Geschäfts zum Diebstahl verleitet zu haoen. svrau H. legte gegen das schöffengcrichtliche Urteil Berufung c?n und wurde nun beschuldigt, teils selbständig, teils in Verbindung mit ihrem Ehemann es unternommen zu haben, die Hcrupt- belastungszeugin zur Abgabe einer ihr günstigen Aussage vor Ge- richt zu bestimmen. Beide Angeklagten hatten seinerzeit ihre Schuld bestritten und sich als das Opfer von Machenschaften einer ihnen feindlichen Clique hingestellt. Die Verhandlung vor der Straf» kammer gestaltete sich auch außerordentlich lebhabt. Ter Gerichts- Hof gewann damals aber auf Grund der Beweisaufnahme die Ueberzeugung von der Schuld des Angeklagten und verurteilte ihn zu 1 Jahr Zuchthaus und 3 Jahren Ehrverlust. Frau H. wurde freigesprochen. Die von dem Verurteilten eingelegte Revision wurde .oÄäi Reichsgericht zurückgewiesen. Nunmehr betrieb Justizrat Leonh. Friedman» für den Angeklagten das Wiederaufnahmcvcr- fahren. Sein Antrag stützte sich auf die Zeugnisse dreier Personen. die mit den Aussagen der Belastungszeugin in direktem Wider- spruch standen, ferner auf Mitteilungen, die die Glauwvurdigkeit der Belastungszeugin anzuzweifeln Gelegenheit gaben. Die Straf- kammer hatte den Antrag zutiachst abgelehnt; däs Kammergericht ordnete auf erhobene Beschwerde das Wiederaufnahmeverfahren an. Die gestrige Verhandlung, die sich wieder sehr lebhaft gestaltete, endete mit der Freisprechung des Angeklagten. Das Gericht hielt zwar eine Wahrscheinlichkeit für vorliegend, daß der Angeklagte sich im Sinne der Anklage vergangen habe, den Beweis der Schuld aber nicht für genügend erbracht. Bon den Praktiken gewisser Militärliefcranten bekam man in einer Verhandlung des Landgerichts Würzburg ein liebliches Bild. Der Grotzfleischer Bauernfreund in Nürnberg hatte sich zum vorjährigen Kaisermanöver durch kolossale Unterbietung die Ochsenlieserung für die 3. Division gesichert; trotz seines niedri- gen Gebots glaubte er noch ein sehr gutes Geschäft machen zu können, indem er den entsetzlichsten Schund zu liefern versuchte. Seine Absicht wurde aber durch die Presse durchkreuzt so daß die Intendantur die Ochsen zurückwies. Bauernfreund hatte nun noch die ungeheure Kühnheit, gegen die Blätter, die sein Treiben auf- deckten und kritisierten, mit Beleidigungsklagen vorzugehen, und zsvar gegen unser Würzburger Parkeiblatt, kann gegen kaS dem»» kratifche„Journal" und die baücrnbündlerifchc„LandcSzeitung". In der seinerzeitigen Verhandlung vor dem Schöffengericht wurde der Beweis erbracht, daß die gelieferte Ware schlecht, teilweise sogar ekelerregend war, aber trotzdem kam das Gericht zu einer Bcr- urteilung, Iveil eine Behauptung: Bauernfreund habe die zurück- gewiesenen wertlosen Ochsen mit einer anderen Lieferung in eine andere Feldschlächterei geschmuggelt, nicht durch Zeugen belegt werden konnte. Die Sache kam nun ans Landgericht, wo der Kläger es-.ren ganz jämmerlichen Reinfall erlebte. Von den Zeugen und Sachverständigen wurde bekundet, daß die gelieferten Ochsen wahre Jammergestalten waren, die nicht mehr für den menschlichen Ge- nuß taugten. Einige der zurückgewiesenen Ochsen, die nach dem Nürnberger Schlachthof kamen und geschlachtet wurden, wurden als ungenießbar erklärt. Es gelang jetzt auch der Nachlveis, daß Bauernfreund drei der zurückgewiesenen Ochsen mit einem anderen Transport an die Feldschlächterei nach Thüngen verladen hatte. Das Gericht hielt nun den Wahrheitsbeweis für voll er- bracht und sprach alle drei Angeklagten frei. risSSSKSSHEOOtzHfte. Unserem Zahlstellenwirt& | OUoPlögernebft Gattin| zu ihrer silbernen Hochzeit die G herzlichsten Glückwünsche. � Die Zimmerer des Zentralverbandes Zahlstelle Berlin o. Umgeg. Berlin I. 50292 »tzHOOEHH» SozialiieniokratischerWaiilvereiii für den 4. ÜBrliner Reidistags-WaWkreis. Frankfurter Viertel. (Bezirk Nr. 287.) Den Mitgliedern zur Nachricht, datz unser Genosse, der Gastwirt Ulbert Atexxer Langcstraße 10 gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Freitag, den 8. April, nach- mittags 3 Uhr, von der Leichen- halle des Zentrul-FriedhoseS in FriedrichSselde aus statt. 217/2 Der Vorstand. SozIaMeiolu'atischerWaiilvereiii für den ♦. Herl. Reiebstais-Mkreis. Landsberger Viertel. Bezirk 373b, Teil III. S c k r u k. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Genosse, der Droschken. kutsch« Emmerich Bollensdorf gestorben ist. Ehre seinem Andenken k 217/3 Der Borstand. Verband deufseber Gastwirtsgehilfen (OrlSverwaltung Berlin I.) Am 5. d?. MtS. verstarb nach längerem Leiden unser alteS Mit« glied und ehemaliger Vorsitzender Max Thomas im Alter von 49 Jahren. Ehre seinem Andenke«! Die Beerdigung findet am Freitag, den 8. April, nach. mittags 4 Uhr, vom Gemeinde- Fricdh of Rummelsburg, Lückstratze, am Bahnhof RummclSburg- Ost, aus statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht 284/18 Der Vorstand. Deutscher Metallarbeiter-Verband Berwattiiiigsstelle Berlin. Todes- Anzeige. Den Kollegen und Kolleginnen zur Nachricht, dah unser Mitglied. die Arbeiterin Hedwig Schlick am 3. d. MtS. an Lungenleiden gestorben ist. Ehre ihrem Andenke«! Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 7. Aprll, nach- mittags 51/, Uhr, von der Leichen- Halle des Sophien-Kirchhofes i» der Frelenwalder Straße aus statt. Rege Beteiligung wird erwartet. Nnelirnk. Den Kollegen zur Nachricht, dah unser Mitglied, der Gürtler �rtur Schule gestorben ist. Ehre seinem Andenken! 114/2 Die Ortsverwaltung. ünnkMagung. Für die zahlreich« Beteiligung und die Kranzspenden bei der Beerdigung meines lieben Mannes, unseres guten Baters, Bruders, Schwagers, Onkel« und CousinS 5030L Otto Kreutzahler sagen wir allen Verwandten und Bekannten, insbesondere den Kollegen und Kolleginnen der A. E.-G., Acker- «raße, den Genossen und Genossinnen des 6. Berliner ReichstagswahlkreiscS und dem Deutschen Transportarbeiter- Verband unseren innigsten Dank. Frau M. Krrutzahlcr und Sohne. Zentral-Verhaiid der Maurer Deutsehlands. Zweigverein Berlin. Den Kollege» zur Nachvicht, daß unser langjähriges Mitglied k�erdlnsnä herkoto am Sonntag, den 3. April, ver- starben ist. Ehre feinem Andenken! Die Beerdigung findet morgen Freitag, den 8. April, mittags 1 Uhr, von der Leichenhalle des Zentral-FriedhoseS in Friedrichs- selbe aus statt. Um rege Beteiligung ersucht Ber Vorstand. Hierdurch die traurige Nachricht, daß mein lieber Mann, unser guter Vater, der Maurer Penlmaiill Berliolz durch Unglücksfall verstorben ist. Beerdigung siehe oben. Die trauernde Witwe und Kinder. Verband der Schneider, Schneiderinnen u. Wäschearbeiter Deutschlands Ffttale Berlin III der Wäsche- und Krawattenbrancbe. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Wäsche- Zuschneider Richard Friedrich verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 7. April, nach- mittags 5 Uhr, von der Leichen- halle des Zentral-FriedhoseS in FriedrichSselde aus statt. Die Drleverwaltung. Zentrai-Verband der Zimmerer Deutschlands. Zahlstelle Berlin und Umgegend. Bezirk 10. Den Berussgenossen zur Nach- rlcht, daß unser Mitglied Hermsim Gaedke am Dienstag, den 5. April, ver- swrben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet morgen Freitag, den 8. Sipril, nachmittags 4'/, Uhr, aus dem Luiscn-Kirch- hos statt. Um rege Beteiligung ersucht 254/11 Der Vorstand. Todes-AiiKeige. Am 2. April vormittags 10 Uhr entriß uns der Tod durch ein Brandunglück unsere herzensgute Mutter, Schwieger- und Großmutter, Witwe Luise iltenkireb. Sie ertrug ihre Schmerzen mit Geduld und ohne zu klagen. Die untröstlichen Kinder. Beerdigung! Freitagnachmittag 4 Uhr aus dem Elisabeth-Kirchhos Ackerstraße. l54Sb Danksagung. Für die mir allerseits so retlb ent- gegengebrachte Teilnahme, sowie für die zahlreiche Beteiligung und die vielen Kranzspenden bei der Beerdi- gung meines lieben Mannes, unseres unvergeßlichen Vater», sagen wir allen Freunden, Bekannten und samt- tichen Bereincn, sowie dem Persoiial der Firma Senger u. Stockwatd unseren tiesgesühltesten Dank. 5028L F. Herzog, Witwe, nebst Kindern, _ Wilhelm-Slolzc-Straße 8, Danksagung. Für die zahlreiche Beteiligung und die liebevollen Kranzspende» bei der Beerdigung meiner lieben Frau, unserer guten Mutter sagen wir allen, insbesondere dem Herrn Neye und Frau und sämtlichen Kollegen unseren herzlichsten Dank. Otto Mehring und Dochter. Danksagung. Für die liebevolle Tellnabme und zahlreichen Kranzspenden bei der Beerdigung meines lieben Mannes sage ich allen Freunden und Kollegen sowie dem Deutschen Holzarbeiter- Verband meinen liesgejühllen Dank. S027L Wwe. Marie Bernhard. Ä 44 eigene Fischdampfer. I fe Von fVlscben Fängen unserer Flotte empfehlen wir in lebendfrischer la. Qualität: p. Pfd. Seekarplen(Goldbarsch). 25 Pf. tt. Kabeljau im Anschn. 20 Pf „ Schelltisch iw Anselm. 02 Lf ..Scbellllsch-�'�zz� .. SChellfiSCh U.. s. Braten 20 Pf „ Knurrhahn Braten 25 h. „ Bratfliindern.... üOpf „Rotzungen iamitteigr.50pf „ AusternlisehKarbonad.Oö h. .. Steinbutte b« sptdig.iso Pf Preise für diese Woche! In allen Verkaufsstellen i*- gleiche Preise!'« Deutsche Dampffischerei-Gesellschaft «Zkorüsee" Hauptgeschäft: Berlin C., Bahnhof Börse. Telephon III, 8804 Verkauf«stellen: C.: Bahnhof Börse, Bog. 9-10. ST.: Invalidenstraßo 131. IVO.: Landsberger Str. 62-53. O.: Gr. Frankfurter Str. 85. 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TageS-Ordnung: Wahl der ErgänzungS-Delegierten für die Penode 1910/11(§§ 51 und 51a des Statuts): n) 38 KasMonmltgUcder; b) 14 Arbeitgeber. Die Wahl findet getrennt für Kastenmilglieder und Arbeitgeber und zwar: für die Kassenmitglieder von VgB bis 8 Uhr abends und für die Arbeitgeber von 8 bis 9 Uhr abends statt. Zu dieser Versammlung werden sämtliche Kassenmitglieder und Arbeit- geber, soweit dieselben großjährig und im Besitz der bürgerlichen Ehrenrechte sind, eingeladen. Die Kassenmitglieder haben sich durch Borlegung ihres vom Arbeit- geber abgestempelten Quittungsb ucheS, die Arbeitgeber, soweit nicht persönlich bekannt, durch Vorlegung der letzten Bettragsnota zu legitimieren. Die statutenmäßige General-Versammlung findet am Montag, den 25. April 1919, im Restaurant Roezycki in Pankow. Kreuzstraße 3—4. statt. Tages-Ordnung: 1. Protokoll. 2. Vorlegung der Iah reSrechnung pro 1909 und Be- richt der Revisoren. 3. Definitive Genehmigung der mit den Beamten abgeschlossenen EngagementSverträge. 4. Desinilive Genehmigung des mit Dr. Seligsohn prolongierten Ver- trageS. 5. ErgänzungSwahI zweier Vorstandsmitglieder(1 Arbeitgeber, 1 Arbeitnehmer). 6. Anträge, welche mindestens fünf Tage vor der Ver- sammlung bei dem Vorsitzenden ein- gereicht sein müssen. 7. BeischtedeneS. Pankow, den 4. Avril 1910. Der Borstand der OrtS-Krankenkasse Pankow. Paul Seilert, Vorsitzender. NB. In dieser Bersammlung sind nur die gewählten Delegierten ein- trilts« und stimmberechtigt. 273/3 AMer-Wanilerbunil «„Die Naturfreunde". Wanderfahrten am Sonntag, den 1«. April: 1. Finkenkrug— Brieselang— Vehle- sanz. Abfahrt: Lehrter Fernbahnhos 6" vorn:, 2. KönIgS-Wusterbausen— Motzen— Zossen. Abfahrt: Görlitzer Bahnhos 6" vorm. Bahnhos Friedrichstraße 6" vorm, Johannisthal umsteigen. 3. FrieorichShagen— Müggelberge— Friedrichshage». Abfahrt: Schlrsijcher Bahnhos 1« nachm. 4. Kindertour: Spandau-Schwanen- krug— Ich önwalde-HenniflSdors. Treffpunkt: 1. Am Schlesischen Bahnhof(Ecke Frucht- und Madaistraße). 2. Am Bahnhos Wedding(Eingang Netlelbeckplatz) 8 Uhr vorm. Gäste willkommen! Freitag, den 8. April er., abends 8>/, Uhr, im»Gewerkschaftshaus-, Engeluser IS(Saal I): General- Versammlung. Hierzu ist unbedingt erforderlich, dag jedes Mitglied mit einer Legitimation— ob gewerkschaftlich oder politisch organisiert— zwecks Kontrolle versehen fit. 1/S Levyö Schnellstrickmaschwelt bieten lohnenden Verdienst. Rundstrlck- Maschinen von 75 M. an. Berliner NSh- u. Strickmasch.-Fabrjk H. Levy. Rene Königs, r. 18. 4673S« Möbel :r Teilzahlung liefert bequei bei kleinster Anzahlung in bekannter GUte (mit gröBter Rücksicht boi Krankheit und Arbeitslosigkeit) E.Colin,Cp.FrankIiirtepstr.§8. f�seu erTebienen: r Von Rud. Wisseil. _ Preis 30 Pf. Die Finanzgeschiclite des Deutschen Reiches. Von Emanuel Wurm. _ Preis 1.- M. 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Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer& 60» Sdetliu Nr. 80. 27. Zahrgaug. 2. KeilGe des Joriiiirts" Pollioliliitt Donnerstag. 7. April l9l0. Partei- Angelegenheiten. Zernsdorf. Sonnabend, den 9. April, abends 8 Uhr, findet im Knorrschen Lokale die Mugliederversammlung des Wahlvereins statt. Tagesordnung: 1. Ausnahme neuer Mitglieder. 2. Die diesjährige Maiseier. 3. Bcrschiedencs. Der Vorstand. Pankow. Heute. Donnerstag, abends 8Vz Uhr, findet bei EbcrS- buch im Kurfürst, Berliner Str. 192, eine Volksversammlung statt, in der Reichslagsabgeordneter Genosse Stadthagen über:.Den Kamps der Arbeiter für Freiheit und Recht" referieren wird. Ge- nassen, agitiert für Massenbesuch. Tegel-Borsigwalde. Am Sonnabend, den 9. April, abends 7 Uhr, findet von den bekannteil Bezirkslokalen aus eine Handzettelverteilung statt. Die Bezirksleitungen. Bernau. Die Parteigenossen werden ersucht, sich heute, Donners- tag, abends 8 Uhr. beim Genossen Herrmann, Wallstraße, zu einer wichtigen Parteiarbeit einzufinden. Sonntag nachmittag 1 Uhr Volksversammlung im„Elysium". Staaken. Am Sonnabend, den 9. April, abends 6 Uhr, findet eine Handzettelverbreitung statt. Am Sonntag, den 19, April, nach- mittags 2'U Uhr, in GnädigS Gasthof: Oeffentliche Versammlung. Die Genossen werden aufgefordert, für die Versamnilung rege Agitation zu treiben. Der Vorstand. Berliner JVachricbten. In der Heimstätte Buch hat nach dem„P a t i e n t e n st r e i k"— dank den Erörterungen, die im„Vorwärts" und in der Stadtverordnetenversammlung an dieses ungetvöhnliche Vorkommnis geknüpft wurden— sich manches ««ändert und gebessert. Wir konnten bereits wenige Tage nachher melden, daß der leitende Arzt Dr. Reuter den Ton, in dem er mit Patienten verkehren zu dürfen geglaubt hatte—„Unter« offizrerston" nannte ihn in der Stadtverordnotenversammlung unser Genosse Dr. Wehl— sofort merklich gedämpft und ver- f e t n e r t habe. Nachträglich wird uns noch mitgeteilt, daß er jetzt bei Konirollbesuchen, die er in den Liegehallen macht, auch nicht versäumt, an jedem dritten oder vierten Bett laut und vernehmlich zu grüßen. Das ist nett von ihm— netter, als man's verlangen kann. Leider müssen wir aber hinzufügen, daß deshalb in der Heimstätte Buch die Klagen doch noch nicht ganz ver- st u mint sind. Geklagt wird jetzt hauptsächlich über die Ober- schwester, und es scheint fast, daß diese Dame um so un° gemütlicher geworden ist, je mehr der Herr Doktor den Ge- uiütlichen zu machen versucht. , Ein Patient R. hatte sich bei der Oberschwester darüber be- schwert, daß an einem Löffel, den er benutzen sollte, Spuren von Putzpomade und zugleich noch Speisenreste gefunden worden seien. Die Oberschwester bestritt das, und am nächsten Tage wurde dann von Dr. Reuter, dem sie ihr Leid geklagt hatte, der Patient ge- rüffelt, weil er der Oberschwester»or allen Patienten und in ungehörigem Ton feine Beschwerde vor- getragen habe.„Das andere wird sich finden", schloß der Herr Doktor,„wenn's noch mal vorkommt, schmeiße ich Sie raus." Nebenbei bemerkt: man ersieht aus der Form dieser Drohung, daß Dr. Reuter auch jetzt noch den„kräftigen" Ton nicht ganz ab- geschworen hat. An demselhen Tage wurde der Patient R. bei der Mittagstafel dadurch überrascht, daß ihm zum Diner stat-t des bisher gelieferten Malzbieres eine Flasche Selterwasser serviert wurde. Er wunderte sich zwar ein bißchen, doch trank er in Demut, was ihm gespendet worden war. Am nächsten Tage sah er neben seinem Teller statt des gewohnten Malzbieres wiederum eine Flasche Selterwasser stehen. Jetzt be- gann er zu argwöhnen, daß das Selterwasser ein Straftrunk jür ihn sein solle. In der Heimstätte Buch liebt man nämlich die �sinnigen" Strafmittel, z. B. die Nachliegestunde für Patienten, nie in der Liegehalle gegen die Vorschriften verstoßen haben, und so manchmal auch das Seltcoivasser für solche, die einer Ueber- tretung der Hausordnung sich schuldig gemacht haben. R. trank auch am zweiten Tage sein Selterwasser, ohne etwas dawider zu sagen. Als aber am dritten Tage ihm wieder Selterwasser auf- getischt worden war, fragte er am folgenden Morgen den Herrn Dr. Reuter nach dem Warum.„Ja, sehen Sic", belehrte ihn freundlich lächelnd der Herr Doktor,„das Selterwasser ist Ihren Nerven dienlicher, Sie regen sich zu sehr auf." Nun wußte er's: kein Straftrunk sollte es fein, sondern ein Labsal für auf- geregte Nerven. Aus einer weiteren Unterredung mit Dr. Reuter ersah dann R., daß die Aufgeregtheit seiner Nerven in seiner Be- fchwcrde über den mit Speiscnresten und Putzpomade behafteten Löffel zutage getreten war. D-r. Reuter entließ ihn mit der ernsten Bermahnung, die Oberschwester„nicht immer so zu ärgern". Das Beruhigungsmittel wirkte übrigens ganz un- gewöhnlich schnell: schon zum Mittagessen desselben Tages bekam R. wieder sein Malzbier. Uebler als ihm erging'es einem Patienten H„ der gleichfalls den Zorn der Oberschwester erregt hatte. Im Speisesaal war von Patienten darüber geklagt worden, daß beim Oeffnen der Fenster ein Luftzug entstehe. Die Oberschwester war anderer Meinung und erklärte, sie wolle doch mal sehen, oh es wirklich ziehe. Zu diesem Zweck öffnete sie ein Fenster und stellte sich in der Nähe auf. Patient H., der wohl nicht wußte, daß da experimentiert werden sollte, ging hin und schloß das Fenster, Als die Oberschwester ihn deshalb zur Rede stellte, erwiderte er. es ziehe ihm zu sehr. „Sie lügen", sagte die Oberschwester,„es zieht nicht."„Nein, dann lügen Sie", antwortete H. Das war ungehörig ohne Zweifel. Richtiger wäre es gölvesen, wenn Patient H. sich damit begnügt hätte, die Oberschwester auf das Beleidigende ihrer Aeuße- rung hinzuweisen. Nachdem er sich dazu hatte hinreißen lassen, die ihm zugefügte Beleidigung auf der Stelle durch eine gleiche Beleidigung zu vergelten, fühlte nunmehr die Oberschwester sich gekränkt und lief zu Dr. Reuter, um wieder mal Schutz zu suchen gegen„Unbotmäßig- k e i t" des Patienten. Und am anderen Morgen hatte H. seine Entlassung. Dr. Reuter hat in den allerletzten Tagen den Patienten in einer Ansprache den Vorwurf gemacht, es komme ihm so vor, wie wenn von ihrer Seite Schikane geübt werde. Geantwortet hat man ihm nichts, nur mit stiller Heiterkeit wurde über diesen Rüffel quittiert. Uns aber haben Patienten gesagt, sie hätten eher die Empfindung, daß s i e schikaniert werden. Fromme unter sich. Dem gestern von uns mit seinen scharfen Ausdrücken teilweise wiedergegebenen Flugblatt der Liberalen in der ewig unruhigen Gethsemanegemeigde, die bei den letzten Kirchenwahlen gesiegt haben, was auch auf das Konto der bekannten Unterschlagungen des flüchtigen und steckbrieflich verfolgten Expastors Werkenthin gesetzt werden muß, ist auf dem Fuße ein Gegenflugblatt der an- gegriffenen Positiven gefolgt. In diesem zweiten Flugblatt heißt «S u. a.: „Wie unwahrhaftig muß der Mann sein, der z. B. schreiben kann, daß wir unseren Vcreinshelfern 49 M. pro Woche bezahlen. Das ist etwa die Summe, welche der Evangelische Verein den. selben Herren geboten hat, um sie uns abspenstig zu machen... Wie unwahrhaftig muß der Mann sein, der ferner behauptet: „Man macht Geschäftsleuten Anspielungen auf geschäftliche Nach- teile.. Der Evangelische Verein gibt daher den Positiven Berlind das traurige Schauspiel, daß er dem sattsam bekannten Berliner Liberalismus in eine bisher unbestritten positive Gemeinde den Einzug verschaffen will... Rief doch einer der Unterzeichner des Flugblattes des Evan- gelischen Vereins in der letzten Versammlung bei dem Hören des Wortes orthodox, das ist rechtgläubig, laut in den Saal: „Ochsen!... Auch heute noch sind es persönliche und nicht religiöse Be- weggründe, welche die Herren des Evangelischen Vereins leiten, denn sie schreiben selbst:„Wie Sie auch üher religiöse Fragen denken mögen..."• Es ist den Herren also der religiöse Stand- Punkt völlig gleichgültig. Nach seinen eigenen Worten ist dem Evangelischen Verein der rechte Glaube ein Joch." Dieses Flugblatt ist vom Wahlausschuß des posi- tivenParochialvereins unterzeichnet, dem neben Gerichts-, Post- und Magistratsbeamten auch nicht wenigeralssieben P o l i z e i b e a m t e, das heißt bloß dem Wahlausschutz, augehören (1 Kriminalwachtmeister, 2 Polizeiwachtmeister, 2 Kriminalschutz- leute, 2 Schutzmänner)! Recht beachtenswert ist auch die Zugehörig- keit eines— Sarghändlers! Angesichts der Zusammensetzung des Parochialvereins wäre es interessant, wenn die Liberalen mit ihren Anklagen über k i r ch- lichen Terrorismus gegen Geschäftsleute etwas deutlicher werden wollten._ Preßgasbeleuchtung soll eingerichtet werden auf dem Hafen- platz, der Schöneberger und Köthener Brücke und in der Schöne- berger, Greifswalder und Schickler-Straße. Gegen die Umgehung der Anzeigepslicht bei ansteckenden Krank- heitcn wendet sich ganz energisch der Regierungspräsident von der Schulenburg in Potsdam. In einer Bekanntmachung führt er aus: Die Aufgabe der Medizinalbeamten, bei der Seuchenbekämpfung den oft dunklen Wegen der Ansteckung nachzugehen, den Zusammen- hang der verschiedenen Fälle zu erforschen und bei Masseneekran- kungen die gemeinsame Ursache zu ermitteln, werde in letzte» Zeit häufig dadurch erschwert, daß der gesetzlichen Anzeigepflicht nicht in richtiger Auffassung und in vollem Maße nachgekommen wird. Die Zahl der Tuberkulose-Todesfälle nach polizeilicher Anzeige bleibe stets erheblich gegenüber der Zahl dieser Sterbefälle nach standesamtlicher Meldung zurück. Im Landespolizeibezirk Potsdam seien im vorigen Jahre Tuberkulose-Todesfälle polizeilich 1933 gemeldet, standesamtlich dagegen jedoch 2619. Bei anderen über- tragbaren Krankheiten seien gleiche Mängel der Anzeigepflicht wahrgenommen worden. Besonders hieraus entstehen, so bemerkt der Regierungspräsident, Krankheitshäufungen, welche bei Befol- gung der Anzeigepslicht auszubleiben pflegen. Schließlich werden die Aerzte, die Haushaltungsvorstände, die Leichenbeschauer usw. auf die Anzeigepslicht aufmerksam gemacht. Bei Unterlassung der Anzeigen soll fortan mit den strengsten Strafen vorgegangen werden._ Wozu Polizeihunde benutzt werden. Ein Leser schreibt unS: Am Dienstag abend gegen'/z8 Uhr ging ich durch die Oudenarder Straße. Von weitein sehe ich,'wie an der Reinickendorfer Straße zwei Schutzleute sich zwischen einer Schar Kinder bewegten, um diese anscheinend zu zerstreuen. Näher- kommend sehe ich, daß der eine Schutzmann einen Hund an der Kette hatte. Während der Schutzmann ohne Hund in würdiger Form die hin und wieder stehenbleibenden Straßenpassanten zum Weitergehen ausforderte, war der hundeführende Schutzmann jedenfalls durch das Bellen des Polizeihundes nervös geworden. Ich hörte, wie er einen zirka 14 bis lö jährigen jungen Menschen zum Weitergehen aufforderte, was dieser auch tat. Dem Schutzmann ging es anscheinend nicht schnell genug, er griff nach dem jungen Mann. Der Köter sprang an ihm empor und der Delinquent ent ging nur durch eine Veränderung seiner Körperhaltung dem Gefaßt- werden. Dann aber faßte der Köter doch den jungen Mann und ich sah. daß ihm beide Hosenbeine offenbar durch die Hundebisse zer fetzt wurden. Um sich vor weiterem Schaden seiner Sachen und seines Körpers zu sichern, lief jetzt der junge Mann davon. Darauf ließ der Schutzmann den Hund los, und dieser stürzte hinter dem Ausreißer her, ihn fortwährend an den Kleidungs» stücken packend, so daß, als der junge Mann hinstürzte, diese vollständig zerfetzt waren. Nunmehr nahm der zum Hund ge hörige Schutzmann den offenbaren„Verbrecher" fest, um ihn unter lautem Protest der sich mittlerweile ongo sammelten Menschenmenge zur Wache zu führen. Das Publikum war empört über die Handlungsweise des Schutzmanns und gab dieser Empörung lauten Ausdruck. Ist es nicht unerhört, wegen einer solchen Kleinigkeit einen Hund auf ein Kind zu hetzen? So weit sind wir schon, daß neben Pferd, Säbel und Revolver der beißende Hund zum Schutzmann gehört I" Es zeigt sich wieder einmal im vorliegenden Falle, daß mit den Polizeihunden ein arger Mißbrauch getrieben wird. Und da sollen wir Aussicht haben, noch mehr solcher— im wahrsten Sinne des Wortes Bluthunde zu bekommen! Eisenbahners Sommerurlaub. Die Eisenbahnwerkstätten arbeiter erhalten seit einer Reihe von Jahren einen kurz bemessenen Sommerurlaub und für die Sommerreise nach außerhalb selbst- verständlich Freifahrt. Ziel und Zeitpunkt der Reise müssen vorher genau bezeichnet werden. Es wird nun darüber geklagt, daß diese Angaben von Jahr zu Jahr für einen früheren Termin eingefordert werden, der beispielsweise in diesem Jahr schon abgelaufen ist. Im März oder noch früher sind aber sehr viele Interessenten noch gar nicht in der Lage, genau anzugeben, wohin und wann sie im Sommer verreisen wollen. Sie verzichten also lieber von vorw herein. Geben sie nämlich eine Zeit an, die nachher infolge irgend welcher Umstände nicht innegehalten werden kann, so fällt die Ver günstigung sür das nächste Jahr überhaupt fort. In Eisenbahner- kreisen kalkuliert man, daß mit dem auffallend frühzeitigen Drängen aus bestimmte Angaben das Sommerreisen überhaupt erschwert werden soll, damit die Eisenbahnverwaltung zu guterletzt sagen kann, es werde von dem Anerbieten so wenig Gebrauch gemacht, daß man die Aufhebung der Freifahrtvergünstigung in die berühmte Erwägung ziehen müsse. Die Aufstellung eines Vertretungs- tableaus für die Beurlaubten kann doch wirklich nicht Monate er- fordern. Es ist also nicht gut einzusehen, weshalb die speziellen Rciscangaben zum Schaden der Urlauber immer frühzeitiger ein- gefordert werden. Betrug beim Viehhandel. Von einem bedenklichen Manöver profitsüchtiger Viehzüchter und Landwirte wurde in einer Ver- sammlung von Fleischermeistern Kenntnis gegeben. Danach herrscht die Unsitte vor, die zur Mast bestimmten weiblichen Schweine vor- her noch belegen zu lassen, damit später beim Verkaufe nach dem Lehendgewich-t die Mutterfrucht mit ins Gewicht fällt. Es ist das keine leere Behauptung, sondern wird bewiesen durch die Fest- stellung der Berliner Schlachtversicherung vereinigter Vieh- kommissionäre. Diese Versicherung entschädigt Schweinetrachten im Gewichte von acht Pfund an. Im Jahre 1999 wurden für diese Schweinetrachtcn Entschädigungen von nicht weniger als 17S999 Mark gezahlt. In den Jahren 1999 und 1991 bezifferte sich diese Summe auf nur 74 999 M., so daß im Verlauf eines Jahrzehnts eine Steigerung von rund 169 Proz. eingetreten ist. Etwa die Hälfte alles gehandelten Viehes wird durch Zwischenhändler ver- mittelt, so daß sich die Herkunft dieser Tiere schwer feststellen läßt. Zahlreiche Züchter, die sich dieses unlauteren Geschäftskniffes be- dienen, konnten indessen ausfindig gemacht werden und erhielten eine Verwarnung. An und für sich ist der gekennzeichnete Kniff nicht strafbar. Da jedoch das Fleisch belegter Saüen als minder- wertig zu betrachten ist, so muß im Interesse der VollSgesundheit die Machenschaft der Viehzüchter als gewissenlos bezeichnet werden. Anzuerkennen ist auf jeden Fall, daß gewissenhafte Viehzüchter und Landwirte ihre Kollegen davor warnen, sich durch solche be- trügerischen Praktiken einen Vorteil zu verschaffen. Aus der Elendsstatistik. Im Berliner Asylverein für Obdach- lose nächtigten im Monat März im Männcrashl IS 269 Personen, wovon 6968 badeten, im Frauenasyl 4293 Personen, wovon 1S84 badeten. Arbeitsnachweis wird erbeten für Männer: Wiesen- stratze SS/S3, für Frauen: Kolberger Straße 39. Am 1. April befanden sich im städtischen Familien- ob dach 283 Personen, und zwar 2S Familien mit zusammen 76 Köpfen(darunter 27 Kinder und 17 Säuglinge) und 298 Einzel- Personen. Der Gcsamtbestand betrug am 1. März 39 Personen mehr. Das nächtliche Obdach wurde während des März von 19S764 Männern und 529 Frauen besucht. Der Tag des geringsten Be- suches war der 17. März mit 3222 Personen, der des stärksten Be- suches der 6. März mit 3676 Personen. Gebadet haben in den Brausebädern täglich durchschnittlich 74? Personen. Wannenbäder wurden während des ganzen Monats an 968 Männer und 691 Frauen verabreicht. Ein blutiges Drama hat sich Dienstag in später Abendstunde in der Kolonie Grunewald abgespielt. Der 26 Jahre alte Schlächter- geselle Karl Michler versuchte seine Braut, die um sechs Jahre jüngere Elfriede Götze, die bei dem Eigentümer R. in der Hubertus- allee 39 in Stellung war, durch mehrere Dolchstiche zu töten. M. hatte vor einer Reihe von Monaten die G. kennen gelernt und mit ihr ein Liebesverhältnis angeknüpft. Er wollte das junge, hübsche Mädchen auch heiraten, doch wollte die G. hiervon nichts wissen. Vor mehreren Tagen brachte der Schlächtergeselle nun in Ersah- rung, daß seine Geliebte mit dem Gedanken umging, sich von ihm loszusagen und einen anderen zu heiraten. Vergeblich versuchte der junge Mensch, die Braut umzustimmen. Auch Drohungen, wonach er die G. und sich selbst umbringen werde, fruchteten nichts. Am Dienstag verschaffte sich M. nach 19 Uhr abends Einlaß in das Haus. Er klingelte an der Wohnungstür. Ahnungslos öffnete ihm das junge Mädchen, das gerade allein zu Hause war, die Tür. Im nächsten Augenblick fiel der Verschmähte mit gezücktem Dolch über die G. her und versetzte ihr mehrere tiefe Stiche in die Brust, in den Rücken und in den Hals. Um Hilfe rufend brach die G. zusammen. Als wenige Minuten später Hausbewohner hinzueilten, war der Täter bereits verschwunden. Die G. lag blutüberströmt vor der Korridortür. Auf Veranlassung eines hinzugerufenen Arztes wurde sie nach dem Krankenhaus Westend gebracht. Ihr Zustand ist hoffnungslos. M. hält sich wahrscheinlich in Berlin versteckt. Die hiesige Kriminalpolizei fahndet nach ihm. Beim Besteige» eines ausfahrenden StadtbahnzugeS ist vor- gestern abend der 39jährige Arbeiter Otto Weiland aus der Dänen- straße 8 schwer verunglückt. W., der in einer Fabrik in der Hoch- straße arbeitete, hatte Ueberstunden gemacht und wollte kurz nach 19 Uhr mit einem Nordringzuge vom Bahnhof Gesundbrunnen nach Hause fahren. Als er auf dem Bahnsteig anlangte, war der Zug gerade im Begriff abzufahren, doch gelang es dem Arbeiter noch, auf das Trittbrett des letzten Wagens aufzuspringen. Er glitt jedoch wieder ab und stürzte mit solcher Wucht auf den Bahnsteig. daß er besinnungslos liegen blieb. Da weiter keine Personen auf dem Bahnsteig anwesend waren, wurde der Unfall erst bemerkt, als ein neuer Zug einfuhr. Der Verunglückte wurde im besinnungs- losen Zustande nach der Unfallstation in der Badstraße gebracht, wo eine schwere Gehirnerschütterung festgestellt wurde, und von dort nach dem Rudolf-Virchow-Krankenhause übergeführt. Opfer der Straße. Ein entsetzlicher Unglücksfall, bei dem ein Kind den Tod fand, ereignete sich am gestrigen Mittwoch gegen 4 Uhr in der Oranienstraße. An der Ecke der Adalbertstraße lief der Sjährige Eduard Przeweznh, Oranienstr. 38 wohnhaft, vor einen, in voller Fahrt befindlichen Straßenbahnwagen der Linie 18 auf das Gleis, wurde umgestoßen und geriet unter den Schutzrahmen. Mit Hilfe von Passanten wurde der Waggon angehoben und der verunglückte Knabe befreit. Der Tod des Kindes war aber bereits infolge eines erlittenen Schädelbruches und schwerer innerer Ver» letzungen eingetreten. Die kleine Leiche wurde zunächst nach der Rettungswache in der Adalbertstraße und von dort nach dem Schau- hause übergeführt. Beim Verlassen eines fahrenden Straßenbahnwagens schwer zu Schaden gekommen ist der 36 jährige Arbeiter Karl Voß aus der Sebastianstr. 36. Er hatte zur Nachhoilsefahrt einen Straßenbahn- wagen der Linie 88 benutzt und verließ diesen um V«3 Uhr nachmittags vor dem Hause Alte Jakobstr. 66 während der Fahrt, ob- wohl ihn der Schaffner davor warnte. B. kam zu Fall und geriet unter einen aus entgegengesetzter Richtung kommenden Geschäfts» wagen der Firma Zivinschki, Holzmarktstr. 2, dessen Räder ihm über das linke Bein hiniveggingen. Der Verunglückte erlitt einen kom- plizierten Bruch des linken Unterschenkels und erhebliche Haut« abschürfungen am Gesicht und an den Händen und wurde nach dem Krankenhaus Bethanien übergeführt. Große Aufregung verursachte ein Unglücksfall, der sich gegen 11 Uhr vormittags in der Hauptstraße in Schöneberg ereignete. Als an der Ecke der Eisenacher Straße die in der genannten Straße Nr. 66 wohnhafte KaufmannSfrau mit ihrer dreijährigen Tochter, die sie auf dem Arm trug, einen haltenden Straßenbahnwagen der Linie II verließ, wurde sie von einem von dem Kutscher Wilhelm Schmaltz geführten Mehlwagen zu Boden gerissen ünd geriet unter das Gefährt. Während die Mutter mit ungefährlichen Haut« abschürfungen davon kam, erlitt das Kind einen Wirbelbruch und ivurde nach der Dr. Speyerschen Klinik in der Herbertstraße ge- bracht. Zwei gleichartige Unfälle machten am Dienstagabend der Feuerwehr viel Arbeit. Am Nordhafen war abends ein Wagen mitsamt dem Pferde und Kutscher über die hohe Ufermauer hinweg in den dortigen Schiffahrtskanal gestürzt. Dem Kutscher gelang es noch vor Ankunft der Feuerwehr mit Hilfe von Schisfern wieder aufs Trockene zu kommen. Bewohner des Hauses Nordhafen Nr. 8 nahmen sich des Mannes hilfreich an und versorgten ihn mit Wäsche und Kleidern. Schwieriger war die Rettung des Pferdes und die Bergung des zertrümmerten Wagens. Aber schließlich gelang auch dies durch Mithilfe vom Publikum.— Am Urbanhafen war ein Pferd über die Ufermauer in einen Kahn gestürzt. Auch hier holte die Feuerwehr den Gaul wieder heraus. Ein ungewöhnlicher Vorgang spielte sich gestern früh gegen 8 Uhr in der Brückenstraße an der Ecke der Köpenicker Stratze ab. Als um diese Zeit ein mit Leitern Und Brettern liochbeladener Rüstwagen jene Stelle passierte, brach plötzlich ein Hinterrad. Die Ladung stürzte teilweise über die Bordschwelle auf das Trottoir und traf hierbei den gerade vorübergehenden Buchdruckereibesitzer Wilhelm Wildgrube aus der Küstriner Straße 21 zu Wilmcrs- dorf. Der Mann wurde gegen das Schaufenster eines Kinemato- graphentheaters gedrückt und so festgeklemmt, daß er anfangs nicht befreit werden konnte. Dies gelang erst der herbeigerufenen Feuer» wehr, die dann auch noch das Verkehrshindernis beseitigte. Wild- grübe hatte erhebliche Quetschungen und Schnittwunden davon- getragen und mußte sich in ärztliche Behandlung begeben. Der bei ?em Unfall vom Bock geschleuderte Kutscher erlitt nur leichte Ver- letzungen. Infolge des Radbruches trat eine längere Verkehrs- störung ein. „Sizilien und der Aetna". Die Verwaltung der Urania versteht es vortrefflich, aktuelle Ereignisse gleichsam in greifbare Nähe zu rücken. Neuerdings macht der Aetna auf Sizilien in un- liebsamer Weise von sich reden, und schon hat Direktor Dr. Schwahn«inen vortrefflichen Portrag ausgearbeitet, den eine große Reiße gut gelungener Lichtbilder wirksam unterstützt. Bei Palermo, wo unsere Reise beginnt, besuchen wir die berühmten Katakomben des Kapuzinerklosters: in langen Reihen übereinander stehen hier die mumifizierten Leichen sizilischer Grotzen, die da glaubten, in der Kutte leichter zum Himmel ein- gehen zu können. Die Stadt Palermo selbst vereinigt in sich groß- artige Denkmäler aus den Zeiten der Normannen und der hohen- staustschen Kaiser. Heute pulsiert dort echt italienisches Leben, und zu den bekanntesten Straßentöpen gehören der Obst- und der Thun- fischhändler.— An der Südküste bei G i r g e n t i mit seinen ge- waltigen Tempelresten aus griechischer Zeit liegen die s i z i l i a- nischen Schwefelgruben. Hier ist alle Arbeit auf Men- schcnkräfte gestellt; Maschinen gibt es noch nicht. Von außen her werden Stollen in die Berge gegraben, und abwärts geht es auf steilen, engen Treppen bis zu 390 Meter Tiefe. Es ist ergreifend, zu hören, das; hier besonders die Kinder in schwerer Arbeit und grsundheitmordender Luft dahinsiechen.— Syrakus, die einst größte Stadt des Griechentums, der Schaffensplatz des A r ch i- m e d e s, des Vaters unserer Technik, ist heute ein Provinzstädt- chcn, aber voll von großen Erinnerungen: hier hat einst Dionys geherrscht, und in den Katakomben soll Paulus gewirkt haben. Die Bevölkerung hier hat manchen sonderbaren Brauch: man liebt das Bunte; sogar die Lastkarren tragen grellfarbige Bilder aus der Ritterzeit: sizilianische Bauernehre, cavalleria rusti- rang, schimmert noch durch. Auch die Tiere putzt man, ohne sie etwa zu lieben; um ihnen die Quälereien erträglicher zu machen, führt Man sie einmal alljährlich zum„heiligen Antonio der Tiere" l Und Ostern ist dort unten ein lautes Fest: die Matratzen werden geklopft, und die Weiber rufen dazu:„Heraus, heraus, ihr faulen Wanzen, Christus der Herr ist allmächtig auferstanden!"— Von Catanja aus besteigen wir in langem Ritt den Aetna. Nico- l 0 s i am Bergeshang, das auch heute wieder bedroht ist, hat die gewaltigen Lavaausbrüche von 1633 und 1886 überdauert, weil nach Meinung der Bewohner der Schleier der heiligen Agathe die feurige Flut aufhielt! Ein treffliches Bild zeigt uns, wie fest die Kirche hier im Sattel sitzt. Je höher wir kommen, desto kahler wird der Berg infolge ddr Lava- und Schneemassen. Der Sonnenaufgang am Hauptkrater, der sich übrigens friedlicher verhält als all seine Söhüe und Enkel um ihn herum, macht die Mühen des Aufstiegs vergessen. Die- Lavamassen sind für den Geologen eine überreiche Schatzkammer, wenngleich die Menschheit und die Kultur dort unten ein über das andere Mal durch sie dem Untergange geweiht werden. — Unser Reiseziel ist T a o r m i n a, auch eine Stätte ehrwürdigen Alters.„Weiße Neger" möchte man die Einwohner nennen; denn so deutlich sieht man ihnen an, daß afrikanisches und europäisches Blut in ihren Adern rollt. Von den Ruinen des griechi« schen Theaters aus überblicken wir zum Abschied Land und Meer: Der rauchende Bergriese über uns und die Fluten dort unten geinahnen uns an das ewige Werden und Vergehen in der Natur._ Aus Barietöprogrammen. Das Apollo-Theater bringt im neuen Programm fast ausschließlich ersttlassige Nummern. Borwiegend ist die Tanzkunst vertreten. Eüvas ganz Aparte« auf diesem Gebiete leiste» zwanzig englische Backfische. Ein Barfußtanzquartett wird abgelöst von einem Statuentanz, doim folgt der Sprungseiltanz, der schottische Nationaltanz, der Bändertanz u. a. Prachtvolle Kostüme und effektvolle Beleuchtung heben die Borführung noch be- sonders heraus. Als französische Tänzer stellte sich das Paar Melia. und Doris bor, während La Gitano internationale Tänze bringt. Bon den Artisten begegnen wir dem Kunstpfeifer Gialdini und den komische» Hutjongleurcn Morau und Wisser. Ein. Mimodrama, das in die Lasterhöhlen von San Francisco führen soll, ist eigentlich nur Ktilissendarstellung. Der Humor kommt durch Rudolf Mälzer als sächsischer Komiker zu seinem Recht. Im Wintergarten begegnen wir einer Reihe alter Be- kannter. Da ist die Tänzerin Cleo de Mürode, die sich dies- mal in der Borführung eines griechischen Tanze« versucht, aber auch in diesem Falle nicht so etwas Besondere» leistet, als' daß sie als ein Genie angesprochen werden könnte. Mehr Interesse nötigt schon die russische Tanztruppe SaschoffS ab, die ihre Nationaltänze mit Schick und Leidenscöasl vorführt. Allerliebst sind die drei dressierten Hündchen des Frl. Caselli, die brillante Dressur verraten. Die Kunst kommt durch Dr. Angelos„Lebendes Porzellan" zur Anschauung. Die gestellten Bilder: Am Kamin, Base und andere verraten wirklich künstlerisches Empsinden und rufen bei jedem Kunstfreunde lebhaften Beifall hervor. Paul C o n ch a S, den wir auch wieder einmal hier sehen, spielt noch immer mit Kanonenkugeln und Granaten, als hätte er Spieldälle vor sich. Als Humorist erheitert Siegwart Gentes mit seiner Opernprobe, die er aber auch schon seit Jahren auf seinem Repertoire hat. Aus dem Ptogranrm des P a s s a g e- T h e a t e-r ist das Auftreten der tadellos arbeitenden Gymnastikertruppe. die W e l s o n S/ herauszuheben.' Ueber gute Stimmittel und anmutige Vortragsweise verfügt die dänische VortragSdiva A z o e. Etne Gesangs- truppe, die sich„Gaudeamus" bezeichnet, führte unter ent- sprechender Aufmachung eine altdeutsche Studentenszene vor und brachte, den gut zusammenharmonierenden Sängern starken Applaus ein..'_ Vermißt. Seit dem 16. Februar 1310 wird der Maurer Artur Kusch, am 10; Mai 1892 in Berlin geboren, Oldenburger Str. 22 bei Fischer wohnhaft gewesen, vermißt. Beschreibung: 1,6S— 1,70 groß, Haare blond, Mmid gewöhnlich, gähne gesund, Gesichtsbildung länglich. Gesichtsfarbe gesund, Gestalt schlank, Körperhaltung gerade. Bekleidung: schwarzer steifer Hut, dunkelgestreifter Aiizug, schwarze Schnürstiefel mit Lackkappen, graue wollene Strümpfe, rotgestreistes Barckendhemd, graue Unterhose. Es wird Unglücksfall vermutet. Zweckdienliche Mitteilungen zur Auffindung des Genannten werden sowohl von der Kriminalpolizei als auch bei jedem Polizeirevier z» den Akten 1172 IV 28. 10 schriftlich oder mündlich entgegengenommen. Zwei Dachstuhlbrände beschäftigten gestern früh gleichzeitig die Bcrlnicr Feuerwehr in der Lychener Straße 9 und Badstr. 45/46. Beide Brände kamen früh gegen 7 Uhr zum Ausbruch und befchäf- tigten die Züge 3 und 16 längere Zeit. Die Entstehung wird in beiden Fällen von Hausbewohnern auf Brandstiftung zurück. geführt. Geschädigt sind in der Hauptsache Mieter, denen eine Menge Hausrat und Brennmaterialien usw.- verbrannt sind. Der Dachstuhl des HauseS Lychener Straße 3 ist in großer Ausdehnung vernichtet._ Vorort- JVacbricbtcm Lichtenberg. Stadwcrordnetensitzuug. Zunächst teilte der Magistrat mit, daß die I. Abteilung der beschlossenen 4 proz. Anleihe mit 3 Millionen Mark an die Direktion der Disiontogesellschaft in Berlin in Gemein- schaft mit der Berliner Handelsgesellschaft zum Kurse von 99,75 Proz. begeben worden ist.— Aus eine Anfrage deS Genosien Grauer, wie weit die Angelegenheit betreffend Untersuchung etwaiger Ueber- trelung von Wahlvorschriften bei der Wahl des Genossen A. Becker gediehen ist, antwortete der Vertreter des Magistrats, daß die Unter- suchmig bald abgeschlossen sei. Auf eine wettere Anfrage unseres Redners, warum man die Sitztingen trotz der von allen Seiten an- erkannten Eile der Etatsberatung erst jetzt einberufe, trotzdem die Etatskommisstön ihre mit fliegender Hast erledigten Arbeiten bereit» am 23. März beendet habe, wurde geantwortet, daß sowohl der Magistrat wie auch da» Stadtverordnetenbureau bemüht sein werde, in den nächsten Jahren den Etat vor dem 1. April fertig zu stallen. Im übrigen entschuldigte man sich damit, daß doch eigent- sich noch sehr schnell gearbeitet worden sei, wenn man dem gegenüber die Erledigung de S preußischen Etats stelle. Zur Befestigung des Tristweges von.der Treskow-Allee in Friedrichs- felde bis zu unserem Wasserwerke wurde, da die jetzigen Zustände jeder Beschreibung spotten,«in Beitrag in Höhe von 5000 M. be« schlössen.— Einer sich notwendig machenden Erweiterung des Wasserwerkes wurde zugestimmt und die hierfür erforderliche Smnme von 14 250 M. aus Anleihemitteln bewilligt. Desgleichen wurden für die Erweiterung des Wasserrohrnetzes nach der Herzbergstraße 42 225 M. debattelos bewilligt.— Nunmehr wurde, nachdem die eben erwähnten Punkte mit Windeseile erledigt worden waren, in die Etatsberatung eingetreten. Gleich zu Beginn der Beratung sprach der Vorsteher die Erwartung aus, den gesamten Etat noch in dieser Sitzung zu erledigen. Und daß dies auch die Absicht der bürgerlichen Mehrheit war, ergab sich daraus, daß der Führer der- selben, Herr Rechtsanwalt Schachtel, alsbald anfing zu beantragen, über einzelne Kapitel enbloc abzustimmen. Unser Vorgehen jedoch hinderte die Herren an ihrem Vorhaben, sodatz, trotzdem bis >/z1 Uhr getagt wurde, einige der wichtigsten Kapitel auf den nächsten Tag zurückgestellt werdet! mußten. Charlottenburg. Der Brand in der Technischen Hochschul«» über den wir be- richtete», hat einen Schaden von 15 000 M. verursacht. Der ge- räumige Zeichensaal muß vollständig renoviert werden, da infolge der Hitze von den Wänden und von der Decke der Putz abgefallen ist. Die gesamten notwendig gewordenen Reparaturarbeiten, mit denen unverzüglich begonnen wird, dürften etwa ein Vierteljahr in Anspruch nehmen. Der Feuerschaden ist durch Versicherung nicht ge- deckt. Ueber die Ursache des Feuers konnte auch bisher noch nichts Positives festgestellt werden. Schöneberg. Ein Zusammenstoß dreier Gefährte ereignete sich am gestrigen Mittlvochvornnttag in der Grunewaldstraße. Die Automobildroschke Nr. 10 265 versuchte, aus der Akazienstraße kommend, kurz vor einem Straßenbahnwagen der Linie 52 das Gleis zu kreuzen, wurde jedoch von dem Motorwaggon erfaßt und gegen einen aus entgegengesetzter Richtung kommenden Straßenbahnwagen der Linie 2 geschleudert. Personen sind bei dem dreifachen Zusammenstoß glücklicherweise nicht verletzt worden, die Insassen aller drei Gefährte kamen mit dem bloßen Schrecken davon. An der Autodroschke wurde das Vordergestell zertrümmert, die beiden Straßenbahnwagen aber nur ganz unerheblich beschädigt. Die durch den Zusammenprall ver- ursachte Störung dauerte 13 Mnuten. Steglitz. In der Notwehr niedergeschlagen hat der Portter Meißner einen jungen Menschen, der sich eine unsittliche Handlung hatte zuschulden kommen lassen. M. ging an den Fremden heran und hielt ihm sein unverschämtes Benehmen vor. Im nächsten Augenblick stürzte sich dieser auf ihn und versuchte ihn mit einem stumpfen Instrument, das er unter dem Jackett verborgen hielt, niederzuschlagen. Meißner rettete sich durch einen Seitensprung. Als nun der Bursche noch ein- mal über ihn herfallen und auf ihn einschlagen wollte, ergriff Meißner in der Notwehr einen Hammer, den er gerade bei sich hatte, und versetzte dem Angreifer damit einen wuchtigen Schlag auf den Schädel. Blutüberströmt brach der Schwerverletzte, in dem später der in Berlin wohnhafte Klempnergeselle Otto ermittelt wurde, zu- sammen. Er wurde in besinnungslosem Zustande nach dem Birchow- Krankenhause übergeführt, wo er in bedenklichem Zustande da- niederliegt. Schöneiche(Nieder-Barnim). Herr Heyden, die Oeffentlichkeit und die elektrische Klingelanlage. Zum nicht geringen Leidwesen manches Gemeindevorstehers enthält die Landgemeindeordnung noch immer nicht die generelle Be« sttmmung, daß die Verhandlungen der Gemeindevertretungen hinter verschlossenen Türen ftattfiildcn müssen. Bei dem jetzigen Zustande ist trotz besten Willens nicht zu vermeiden, daß in öffent». sicher Verhandlung Worte fallen und Ansichten geäußert werden, die eigentlich nur in geheimer Sitzung ausgesprochen werden sollten; sie werden dann von den Zuhörern auf- genommen, weitergetragen und von der gesamten Einwohnerschaft nicht gerade immer wohlwollend besprochen. Um diesen» Mißstand zu begegnen, werden oft harmlose Dinge in aller Oeffentlichkeit verhandelt. alles andere in die geschlossene Sitzung verlegt. In der Erkenntnis. daß eine elektrische Klingelanlage im SchulhauS zweifellos auch das Interesse aller Einwohner wachruft, hatte der Geineindevorsteher Herr Heyden geruht, die Besprechung dieser wichtigen Frage als be- sonderen Punkt in der letzten öffentlichen Gemeindevertreterfitzung behandeln zu lassen, die Regelung der Lehrerbesoldung dagegen in die geheime Sitzung verlegt. Nach menschlichem Ermessen mußte nun alles seinen geordneten Gang gehen, aber auch der geschickteste Regisseur kann nicht verhindern, wenn einmal der Donner zu früh einsetzt. Der Strom der Klingelanlage schien plötzlich auf die Gemeindevertreter übergesprungen zu sein und setzte deren Alarm- Werkzeuge in heftige Bewegungen; sie fuhren sich erst gegenseitig und dann Herrn Heyden in die Haare, weil dieser mehrfach die Gemeindevertretung bei Vergebung von Austrägen übergangen haben soll. Das schöne Programm des Gemeindevorstehers war damit zerstört. Wer konnte auch ahnen, daß derartiges in einer öffent- lichen Sitzung vor Zuhörern passieren konnte. Herr Heyden war ganz verzweifelt. Als aber noch ein Gemeindevertreter beantragte, auch die LehrervesoldnngSftage öffentlich zu verhandeln, kreischte er auf. Etwas Derartiges werde er nie und nimmer zulassen. Zu» stände und Debatten, wie fie in de« Nachbargemeinden— wie Klein- Schönebeck— zu finden seien, werde er von Schöneiche fernzuhalten wiffen usw. Selbstverständlich trat dann der rote Lappen in Aktion. Die sozialdemokratische Kritik liegt Herrn Heyden schwer im Magen. Die Abfuhr, die er fich verschiedentlich in Klein- Schönebeck und insbesondere von unseren Parteigenossen geholt, erklärt sein Angstgefühl vor der Oeffentlichkeit. Hätte Schoneiche nur einen einzigen sozialdemokratischen Gemeindevertreter, dann würden derartig zugestutzte Tagesordnungen der Gemeindevertretung bald verschwinden»»d der Einwohnerschaft die Möglichkeit gegeben werden, die Tätigkeit der Gemeindevertretung in weitestem Maße zu kontrollieren. Allerdings würden einige Herren sehr schlecht vor der Oeffentlichkeit bestehen. Borfigwalde-Wittenau. Die Ausgaben für den RathauSneubau beziffern sich einschließ. sich einer weiteren Nachbewilligung von 140 000 M. in der letzten Gemeindevertretersitzung auf 650 000 M. Bei der Landcsversiche- rungsanstalt der Provinz Brandenburg soll eine Anleihe von 500 000 Mark zu einem Zinsfuß von 4 Proz. und 2 Proz. Amortisation auf. genommen werden.— Für die Erhebung einer Biersteuer wurden folgende Sätze in Anschlag gebracht: Ein Hektoliter besseres Bier mit 1?L Proz. Alkoholgehalt 65 Pf., geringeres 30 Pf. Unser« Ge. nassen beantragten Ablehnung dieser ungerechten Steuer; dieselbe wurde jedoch beschlossen. Die Ortszulage der Lehrerinnen wurde von 250 auf 350 M. erhöht. Spandau. Arbeitcr-S amariterkolonne. Heute abend 8Vz Uhr bei Bühle, Havelstr. 20: Uebungsabend. wozu der leitende Arzt Herr Dr. Kallner einen Vortrag über„die inneren Organe des menschlichen Körper»" halten wird. Mitglieder sowie Gäste sind hierzu eingeladen. Potsdam. Unglücksfall eines OffizierSburschen. Der beim Major Haribert v. Spee vom Regiment GardedukorpS dienende Bursche Dennis ist gestern beim Pferdeputzen im Stall durch einen Husschlag vor den Leib verletzt worden. Der Verunglückte wurde nach dem Garnison- lazareit transportiert. Er hat einen Leberrtß erlitten, der sofort operiert worden ist. Ein vorgeschichtliches Kulturdenkmal. Vertreter des Potsdamer Stadtmuseums unterzogen gestern das zwischen Bergholz und Saar- mund gelegene Sierigsche Grundstück, da» sich als wertvolle Fund- stelle erwiesen hatte, einer neuerlichen Vesichtignng. Bei den Visitierungen des Bodens stieß man 51,75 Meter von der Wand des Hauses entfernt auf einem Dünensandhügel in einer Tiefe von 35 Zentimetern unter dem Terrain auf eine sich weit hinziehende Steinpgckung. Sie wurde in der Erwartung, ein Skelettgrab oder einen UrnenvestatwngSplatz bor sich zu haben, borsichtig bloßgelegt. Bei dieser Arbeit kamen Urnenscherben der Lausitzer Keramik mit Rillenornament und Leichenbrandteile zum Vorschein, die teil- weise durch Kupfersalze aus Bronzeresten grün gefärbt waren. Ein gesteigertes Jnn-resse nahm dann die Steinlage in Anspruch. Gleichsam«ach einem gewissen System geordnet mit einem eigenartigen Einschnitt in der Richtung des Sonnenunrer- ganges zog sich eine aus großen Steinen hergestellte Bettung hin. In Größe und Grundriß fcrnr sie vergleichbar mit den schleswigschen Dolmengräbern, den Ganggräbern. Vorderhand entbehrt die auf- gesundeue Steiubettung der sachlichen Erklärung. Die aufgestmdenen Reste waren zu spärlich. Ein Schluß ist nur in Verbindung mit den früheren Funden zulasflg. Damals wurden aus Urnen Bronze- ringlein und eine kniistvolhe Bronzenadel herauSgesuchi. Die Um- gebung war nach den Spure:» im Schöße der Erde in der frühen Bronzezeit bevölkert m»d mit Resten aus dieser Kulturperiode bat man zu rechnen. Parallel mit der Fundstelle war vor Jahresfrist ein sogenanntes Hünengrab aufgedeckt worden, über das sich authentisches aber nicht in Erfahrung bringen läßt. Um wenigstens später ein anscha»lsiches Bild twn dem Fund geben zu könne», hat man die ausgehobenen Steine in gleicher Höhen- und Lageanordnung aneinandergereiht._ Jngendvevanstaltnngen. Rixdorf. Eine F r ü h l i n g S s e i e r für die arbeitende Jugend veranstaltet der Jugendausschuß der At beiterschast Rixdorss am Sonntag, den 15. April, abends 5'/, Uhr, im grogon Festsaal von Hoppe, Herlnarmstr. 49. Das Programm ist cm sehr gutes nreb setzt sich zusammen aus Festrede (Frau Luise Zietz), Rezitationen(Schauspielerin Frl. Toni Willens), Streichquartetts(Mitglieder des Berliner Sinfonie» Orchesters), Chorgejange(Männelgesangverein Rixdorf); ein geselliger Teil mit Tanzkränzchen schließt sich an. Eintrittskarten sind zu haben: sür Jugendliche biS zum 18. Jahre unentgeltlich abends von 7 bis 9'/, Uhr im Jugendheim(Jdealpassage 2), sür E r w a ch s e» e a 30 Pf. in den Geschäften der Konsumgenossenschast Friedelstr. 15, Weiscstr. SS, Wildenbruchstt. 6l/S2. Münchener Str. 39. Böhmische Str. 47, Emscr Str. 33. Der Besuch dieses Festes kann der Rixdorser Arbeiterjugend und deren Eltern nur dringend empfohlen werden. Vermischtes. - Zum Mord im Sprcewald. � Der mysteriöse Mord, der a» 26. März in einem Gasthofe in Schönwalde an einem unbekannte« Manne von einer ihn begleitenden Frau begangen worden ist, so» jetzt aufgeklärt sein. Wie gemeldet wird, ist der Ermordete der Geisteskranke Fritz Waldner aus Fürstenwalde a. d. Spree, der am 18. Mai v. I. aus der Irrenanstalt Grafenberg entwichen ist, die Mörderin eine auS dem Rheinlande stammende Johanna Breitgaff. Der Aufenthalt der letzteren ist noch nicht ermittelt. Es wird mit der Möglichkeit gerechnet, daß die Mörderin nach Holland geflüchtet ist, andererseits ist aber auch wahrscheinlich, daß sie sich noch im Rheinlande aufhält und eine günstige Gelegenheit abwartet, um über die Grenze zu kommen. Auf die Ergreifung der Mörderin ist eine Belohnung von 1000 M. ausgesetzt worden. Auf dem Bahnhof in Luckau löste sie bei der Flucht am Nachmittag eine Fahrkorte nach Berlin und ließ auf dem Bahnhof ein Päckchen zurück, in dein sich u. a. auch die Papiere deS Ermordeten befanden. Auf einer Postkarte, die den Poststernpel.Bahnpost Frankfurt a. M.—•Saar» brücken. Zug 308, 28. 8. 10." trägt, hat sie den Bahnhofsvorstand zu Lucka» ersucht, ihr das Päckchen postlagernd Frankfurt zu senden und die Karte mit Helene Kullmann unterzeichnet. DaS Paket" Ist in Frankfurt a. M. bisher nicht abgefordert worden. Daß I die Mörderin sich zuletzt in der Oberlausitz aufgehalten hat, geht daran» hervor, daß sie von dort aus noch einen Brief an ihre Mutter nach Mülheim-Broich, Kreis Mülheim a. d. Ruhr, wo sie gebürtig ist. geschrieben hat._ Brand des Oeynhausener KurtheaterS. Einer Meldung auS Oeynhausen zufolge ist gestern früh Bei einem Brande deS dorttgen Theaters der Theatersaal den Flammen zum Opfer gefallen, während eS gelang, die Bühne und den Bor- räum zu retten. Soweit bisher festgestellt werden konnte, ist da» Feuer im Obergeschoß eines zweistöckigen Rebengebäudes wahr« scheinlich durch Kurzschluß ausgebrochen. Für die diesjährige Saison soll ein provisorischer Theaterraum geschaffen werden. Da» ab» gebrannte Gebäude. daS in königlichem Besitz stand, ist etwa dreißig Jahre alt._ Der dreifache Raubmord in Genthin. Wie aus Genthin ge« meldet wird, siegt der zwölfjährige Stiefsohn deS AlthändlerS und ftüheren Schneider, neisters Wöhe mit schweren Verletzungen im Genthiner Krankenhause danieder. Da das Gehirn bloßgelegt ist. wird der Knabe nach Ansicht der Aerzte wohl kaum mit dem Leben davonkommen. Die Staatsanwaltschaft aus Magdeburg hat den Tatbestand aufgenommen und auch einen Polizeihmld herangezogen. der jedoch keine Spur aufnehmen konnte. Als Täter kommen wahr- scheinlich Sachsengänger in Betracht, die bei Wöhe alte Kleider kaufen wollten. Ein Kasten mit alten Uhren, die zum Verkauf standen, ist unversehrt. Ueber den Umfang der geraubten Gegen- stünde konnte noch nicht» festgestellt werden. Unfall bei einer Lustballvulandung. Bei Hahndorf-Dannn landete. Osnabrücker Meldung zufolge, ein Luftballon aus Halle a. S., in dessen Korbe sich drei Offiziere befanden. Einer derselben erlitt bei bei der Landung einen Beinbruch. Gerüstkinsturz. Au» Beuthen(Oberschlefien) wird gemeldet: Bei einem Gerüsteinsturz auf dem Tecklenburgschacht verunglückten fünf Maurer. Einer von ihnen war sofort tot. ein anderer starb auf dem Wege zum Krankenhause; die übrigen sind schwer verletzt. Der Hamburger Raubmörder verhaftet. Gestern nacht wurde. wie aus Hamburg gemeldet wird, der zwanzigjährige Gastwirts- gehilfe Paul Magnus verhaftet, der da» Geständnis ablegte, daß er mit einem Komplizen am Sonntag morgen den Mord an dem Uhr- macher Lessau in der Goernestraße verübt habe. Der Mörder hat rmr 11 M. und wertlose Uhrketten erbeutet. Sein Mitschuldiger konnte noch nicht verhaftet werden. Einer späteren Meldung auS Hamburg zufolge wurde gestern nachmittag in Altona der 21 Jahre alte Gelegenheitsarbeiter Otto Burghard verhastet, den nach Angabe des bereit» festgenommenen Mörders Magnus die Hauptschuld an der Ermordung de» Uhr- macherS Lessau treffen soll. Abgestürzt! Wie auS München gemeldet wird, ist gestern nach« mittag 2 Uhr bei Flugversuchen auf dem Obertviesenfeld der Avia- tiker Dr. Alberti bei heftiger westlicher Windströinung, die seinen Apparat von der Seite faßte, mit seinem Apparat aus einer Höhe von acht Metern abgestürzt. Der sinke Flügel des AeroplanS wurde zertrümmert. Der Aviatiker erlitt eine nicht unbedeutende Vor« letzung am Auge. Ein schwerer Bauunfall ereignete sich in München im Neu- bau des Verkehrsministeriums an der Arnulfstraße. Dort brach eine über eine Laufgrube führende hölzerne Laufbrücke, auf der mehrere Rollwagen standen, zusammen. Von acht Erb» arb eitern, die sich in der Grube befanden, wurden von den herabstürzenden Rollwagen einer schwer, drei leicht ver» letzt. Eine blutige Schlägerei. Nach einer Meldung aus München geriet rn einer Gastwirtschaft zu Altötting der Hausicrersohn Bräu» Häuser und der Tagelöhner Eineder in Streit. Dabei wurde Bräu» Häuser so schwer durch Mefferstiche verletzt, daß er öald darauf starb. Nachspiel zum dreifache« Mord im Pfarrdorf RuSwik. Wie uns tclegraphisch auS Luzern gemeldet wird, verurteilte gestern das dortige Kriminalgericht den Landwirt Mathias Muff, der in der Nacht vom 20. zum 21. Dezember vorigen Jahres die Eheleute Bisang und zwei Knechte ermordete und darauf daS Hofgut in Brand steckte, zum Tode. Ein großer Fabrikbrand wird aus Graz gemeldet: Die Papierfabrik Lepkam Josephstal in Zwischenwässern in Krain ist vollständig niedergebrannt. Vier Personen wurden schwer ver- letzt. Der Materialschaden soll über 2 Millionen Kronen betragen. Lese- und Tishttierklub„Johann Jacobp". Heute abend 8'/, Uhr Sitzung bei Bugge, Kastaiiicncillce SSM. Gäste willkommen. Verband der Friseurgehilfen Deutschlands. Zweigverein Berlin. Heute Donnerstag, abends 9 Uhr, Rosenthaler Straße 1!/12: General- Versammlung._ Gillgegangene Druckfchnften. Tie Annäherung zwischen Deutschland und Frankreich. Vortrag von Pierre Masclaux Uebersetzt von I. Jellinek. 1 M. Verlag: Dr. Wede- kind, Berlin._ Briefhaften der Redaktion. Dl» Itttlftlf«. Curtdiftundc»»»-> Liudenftrahe Nr.«». dorn vier Treppen— Fahrstuhl—, wochriitägli« von 5'h bis 8 Ilht abend» statt. Jeder Ausraae ist ein Buchstabe und eine Zahl als«tert, eichen bei»nsSg-u. Bricsltche Antwort wird nicht erteilt. Eilige Fragen trage man in der Evrcchstuude vor. F. ffi. 14. Der§ 1741 des Bürgerlichen Gesetzbuches gestattet nur denjenigen, die keine cbelichen Abkömmlinge baben, die Annahme an KindeS- statt. Aus das Alter der ehelichen Kinder kommt eS nicht an. Sie können daher den Jungen nicht an Kindesstatt annehmen.— Ideal 4444. 1. Der Vertrag ist auch ohne Beglaubigung rechtswirksam. Die Beglaubigungskosten bei einem Notor betragen einschließlich des BeglaubigungSstempelS 4,80 M. 2. Vertrags stewpel ist erforderlich, die Höhe richtet sich nach dem Anlage» vermögen.— Jagow. Bflanzcngattung Hohlzahn. Die Pflanze bildete einen Bestandteil der Liederschen Kräuter, eines srühcren Gebeimmittels gegen AuszeHnrng.— M. I. 33. Fragen Sie bei dem AuS- wärligcn Stint in Berlin an.— X. 100. Uns nicht bekannt. — W. 100. Der Mitspieler geht seines etwaigen Gewinnanteils nicht verluftig. Sie haben Anspruch aus Ersatz des Prämicnanteils.— H. R. 55. Melden Sie ihren Anspruch bei dem Vorstände der Beruss- gcnossenschaft an.— M. E. 35. Die Entscheidung trifft das Vormund- schastSgcricht. Sie könne» gegen einen ablehnenden Entscheid binnen 14 Tagen Beschwerde einlegen.— W. 83. 1. In 5 Jahren. 2. Zuständig das Gericht, in dessen Bezirk der Angeschuldigte seinen Wohnsib hat oder in dessen Bezirk die Straftat verübt ist.— L. L. 3331. Eine Klage hat u. E. Aussicht ans Ersolg.— A. B.(E. 100. Für die Stempclberechnung ist das Kalenderjahr— nicht das Mietsjahr— maßgebend. Wird innerhalb des Kalenderjahres die Wohnung gewechselt, so muß sür beide Verträge Steinpelgebühr gezahlt werden. Der vor dem l. Juli 1309 sür das Jahr 1909 gezahlte Stempel ist aus den späteren erhöhten Stempel anzurechnen — O. B. 43. Die Schulstunden setzt der Magistrat fest. Wir raten, die Sache mit dem Genossen Zietzsch in Charlottenburg, Röntgenstr. 14, zu be- sprechen.—757 SO Setter 2 Regen ij bedeckt 2bedcckt 4 halb bd. 2 wolkig 3 Dunst w« t-� |* Gtatiomn c s a| a davaranba 760 328 Petersburg 769 still Scilly elberdeen Paris 7S79!W 765 SO 757 W Setter c» f- 2 halb bd.-2 Dunst 3 wolkig 2 bedeckt 2 bedeckt l— 1 S 6 5 Wetterprognose kür Donnerstag, den 7. April 1010. Ziemlich milde, zeitweise arisklarend, aber sehr veränderlich mit leichte» Regensällen und meist schwachen wechselnden Winden. Berliner Wetterbureau. Wasserstands-Nachrtchten >) 4- bedeutet Wuchs,— Fall.— 1 Unlerveget. IT An diesem Schild sind die Läden erkennbar, Lt. in denen SINGER Nähmaschinen verkauft werden. 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Der Gras von Luxemburg. Trianon. Thöodor« u. Cie. Residenz. DaS Nachtlicht. Thalia. Die Dorskomtesse. Schiller«».(Waüner. Theater.) Goldfische. Sch>»., Eharlotteuburg. Der Meineidbauer. Friedrich- Wiibelmstädtische«. Zlll-Heidelberg. Gastspiel. Miß Dudelsack.(Ansang Hebdei.� Ketten.(Ans. 8'/. Uhr.) Boltsoper. La Traviata. Luisen. WaS Sott zusammenfügt Ro!e. Der Verschwender. Luftipielhans. Der dunkle Puntt. Metrovoi. Halloh ll— Die groß« Revue. Folie««apriee. Der Lustturner.(Ans. 8'/« Uhr.) Easino. Berlin bei Stacht. Gebr. Herrnfeld. Die beiden Bindelbands.— Die Original- Klabriaspartte. Roack. Kean oder Leidenschaft und Genie... «pavo. In den Lasterhöhleu von San Francisco. Spezialitäten. iUaiiiig,'. Spezialitäten Wintergarten. Spezialitäten. Rrichsl.alleu. Steltmer Sänger. Palast. Spezialitäten. Karl Haverlaud. Spezialitäten. Walhalla Speziatiläien Buggenhagen. Spezialitäten.(An- TL Uhr). Urania. tauveutiraste 48 4». Abends 8 Uhr: In den Dolomllen. Ste>»»arti, Juoaiid.ustr. 57— 62 ' Eessitig-Tbeater. 8 Uhr: Da« Konzert. Freitag. 8 Uhr: Zum 7ö. Male: Da» Konzert. Sonnabend, 7'/, Uhr zum erstenmal: Heiraten._ Berliner Theater. Heute 8 Uhr: T Alf Uli* Morgen: Taifun._ Neues Theater. Ab-ndS 8 Uhr: Die goldene Ritterzeit. Freitag: Oer Philosoph von Sanssonct. Theater des Westens. Heute und folgende Tage 8 Uhr: Die geschiedene Frau. Sonnt. 3'/, Uhr: Ein Walzertraum. I.us'tspiolksu». Abends 8 Uhr: Der dunkle Punkt. fsistlfielt-WIIitölmstSlttiZiiitgs Sctiauspielhaiis. Donnerstag, 7. April, abends 8 Uhr: Ens.-Gastsp. d. Neuen Schauspielhauses Alt-Heidelberg mit Karl H-wz.. Harry Waiden. Morgen und folgende Tag«: Alt- Heidelberg. Sonntag nachm. 3 Uhr: Die Jung- frau von Orleans�_ Yolksoper. BW., Belle-Alliance-Straße Nr. 7/8 AbendS'/,S Uhr: La Traviata. Residenz-Theater Direktion: Richard Alexander. Abends 8 Uhr: Das Nachtlicht. Schwank in 3 Akten v. M. ZamacokS. Morgen und folgende Tage: Da« Nachtlicht._ Luisen-Theater. AbendS 8 Uhr: VIS GOtt»W0IIU Schauspiel in tüns Akten von Ernst Rittersetdt nach sreier Benutzung einer Erzähluno von Courths-Mahler. Freilag: Hoffnung aus Segen. Sonnabend: Klapperswrch der Königin. Sonntag nachm.: WaS Gott zu- sammensügt. Abends Premiere: Doppclselbstmord. Montag! Klapperstorch d. Königin. Sfencs Opercttcn-Thcater. Heute und folgende Tage S Uhr: Der Graf von Luxemburg. Sonntag nachm. 3 Uhr zu ermäßigten Preisen: vor Zigeunerbaron. OSE=THEATE 1 Große Franljurter Str. l32 Ans. 81 Uhr. Enden. 1t Uhr. Der Verschtvtnder. Volksstück mit Gesang und Tanz in drei Akten von Raimund. Freitag. Sonntag: Preziosa. Sonnabend: Der Verschwender. V oigt-Theater Gastspiel im Artushof, Moabit, Perleberger Straße 26. Abends 8 Uhr: Die Maieuköttigm. Schauspiel tu 7 Bilder». Heinrich Bach als Gast. SteMUSr- Schiller-Theater 0.(Wallner-Theat.). Donnerstag, abends 8 Uhr: «o sehe. Lustspiel in 4 Akten von Franz von Schölühan und Gustav Kadiiburg. Ende lO'/j Uhr. 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