Mr.«. Bbonnem«n(S'Bcdin§ung«n; Monnement»- Preis driinumerando i «lertcljiihrl. 3,30 SRt, monalL 1,10 ÜJJf, wöchentlich 28 Pfg, frei ins Hau'. Einzelne Swnuncr S Psg, EonntagZ- nummer mit illustrierter Sonntags- Beilage„Di- Neue Welt- 10 Psg. Post. Olbonnement: 1,10 Mark vro Monat. Eingetragen in die Posi-Zeitungs- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich, Ungarn 2 Mark, für das übrige ilusland 3 Mark pro Monat. Postabonnements »chnien an: Belgien, Dänemark. Holland. Italien. Luxemburg. PorUigal, Aumänien, Schweden und die Schweiz. 37. Jahrg. CrtchtlRt»glich außer mentag». Vevlinev VolKsblstt. Sit TnierfionS'Gtbüijr beträgt für die scchsgcspaliene Kolons?« geile oder deren Raum b0 Psg., süc politische und gewerlschastliche BcrcüiS« und Bersammlung-Z-Anzeigen 30 Psg. „leieine Anreizen", das erste(seil- gedruckte) Wort 20 Psg.. jedes weitere Wort 10 Psg. Stellengesuche und Schlaf- slellcnÄnzcigen das erste Wort 10 Psg., jedes weitere Wort B Pfg. Worte über lb Buchstabe» zählen für zwei Worte. Inserate sür die nächste Nummer müssen bis S Uhr uachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bi- 7 Uhr abends geöffnet, Xelegramm- Adresse: „Sozlaldcmclirat Rcriia'*. Zentrahrgan der fozialdeinohrati fdien Partei Deutfcblands. Rcdahtion; SM. 68, I-tndenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1083. Freitag, den 8. April 1910. Expedition: SM. 68, Lindcnstpassc 69» Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1081. Live Schivenkung der Kerliaer k'oiiielvewsltung. Die Polizeileitung Berlins hat ihre Stellungnahme zu den Wahlrechtsdemonstrationeil geändert. Sie scheint ein gesehen zu haben, dah ihre bisherige Taktik verfehlt gewesen ist. und sie mit dem Aufgebot ihrer ganzen Macht die öffent- lichen Kundgebungen der werktätigen Berliner Bevölkerung gegen die aus der Schacherei der Koilservativen mit dem Zentrum hervorgegangene Wahlrechtsvorlage nicht zu ver hindern vermag. Sie nimmt deshalb ihre Ver böte öffentlicher Massenversammlungen unter freiem Himmel zurück und gibt diese Ver- sammlungen unter der Bedingung frei, daß der Verkehr nicht gestört wird. Wie wir in der Mittwochsnummer mitteilten, hatte der Berliner Polizeipräsident das Gesuch des Vorstandes des Temokratischen Verbandes von Berlin, am Sonntag im Huniboldthain eine Massenversammlung abhalten zu dürfen, kurzweg mit der Motivierung abgelehnt, daß eine solche Ver- sammlung eine„Gefahr für die öffentliche Sicherheit" bedeute. Vorgestern abend ließ plötzlich Herr v. Jagow jenes Vorstandsmitglied des Demokratischen Verbandes, das ihm das Gesuch unterbreitet hatte, den Kaufmann Ludwig Schemel, zu sich bitten, um nochmals mit ihm über die Angelegenheit Rücksprache zu nehmen. In dieser Kon- fcrenz erklärte Herr v. Jagow, daß er keineswegs seinen Brief als ein definitives Verbot aufgefaßt wissen wolle. Wenn tatsächlich der zu erwartende Besuch der Versammlung nicht auf mehr als 23 000 Personen einzuschätzen sei, sielen die in seinem Schreiben geäußerten Bedenken fort. Der Polizeipräsident und Herr Schemel nahmen darauf eine gemeinschaftliche Besichtigung des Rasenspielplatzes im Humboldthaiu vor, und nachdem festgestellt worden war, daß der Platz für 25 000— 30 000 Menschen ausreiche, erklärte Herr v. Jagow, daß er die Genehmigung gebe, wenn ihm der Vorstand deS Denwkratischm Verbandes bestätige, daß er nur mit ungefähr 25 000 Besuchern rechne. Herr Schemel erwiderte, daß sehr wahrscheinlich der Besuch kanin stärker sein werde, doch könne er natürlich eine Garantie nicht über- nehmen. Auch der Gesanitvorstand des Verbandes erklärte nach abgehaltener Beratung, daß er eine bestiminte Garantie nicht zu bieten vermöge: um aber dem Polizeipräsideuten die Möglichkeit zu nehmen, auf Grund der Nichterfüllung dieser formalen Forderung die Nichtgenehmigung aufrechtzu- erhalten, beschloß der Vorstand die Absendung folgenden Schreibens: An das königliche Polizeipräsidium zu Händen de? Prä- sldenten Herrn v. Jagow. Höflichst Bezug nehmend auf die heute mit dem unter- zeichneten Borstandsmitgliede gehabte Unterredung, bitten wir Sie nochmals um die Genehmigung zur Abhaltung einer öffent- lichen Versammlung sür Sonntag, den 10. April, mittags 1 Uhr. Wir glauben annehmen zu können, daß die Zahl von 20 000 bis 60 000 Besuchern nicht entfernt erreicht wird. und werden in jedem Falle durch Ordner aus unseren eigenen Reihen für unbedingte Auf- rechter Haltung der öffentlichen Sicherheit Sorge tragen. Demokratischer Verband Groß-Berlin. Der Vorstand. I.A.: Ludwig Schemel, dIO. 43, Mcherbeerstr. 13." Daraufhin ist gestern vormittag vom Polizeipräsidenten dem Vorstand des Demokratischen Verbandes die Genehmigung zur Abhaltung einer Vlassenprotestvcrsammlung im Humboldthain am nächsten Sonntag, mittags 1 Uhr, erteilt worden. Kaum hatten unsere Genossen E r n st und Borg- mann von dieser Zurücknahme des Verbots erfahren, als sie beschlossen, auch ihrerseits unter Berufung auf den Satz der Verfassung:„Alle Preußen sind vor denl Gesetz gleich" die Genehmigung zu einer Massenkundgebung unter freiem Himmel zu fordern. Beide gingen zunächst zum Oberbürgermeister, um ihn zu ersuchen, den Friedrichs- Hain und den Treptower Park für die geplanten Versammlungen zur Verfügung zu stellen. Herr Oberbürgermeister K i r s ch n e r erklärte ihnen, daß er die Hergabe der städtischen Parks glaube in Aussicht st e l l e n zu können. Alsdann begaben sich die beiden Genossen zum Polizei- Präsidenten. Tie Unterredung, die unsere Genossen E r n st und Borg- mann mit Herrn v. Jagow hatten, verlief gngefähr folgendermaßen.:' j Herr Präsident, Sie haben den Demokraten die Ver- sammlung im Humboldthain genehmigt. Wir sind hier, um Sie zu ersuchen, uns, d. h. der sozialdemokratischen Parteileitung Berlins, ebenfalls die Genehmigung zu Versammlungen unter freiem Himmel zu gebe». Ter Polizeipräsident: Den Demokraten habe ich für den einzelnen Fall allerdings die Genehmigung erteilt, da ja deren Zahl geringer ist und so die Befürchtung nicht zutrifft, daß Un- glücksfälle und andere Dinge eintreten, die bei den Sozialdemo- kraten der größeren Zahl wegen möglich sind. Bei den Demo- kraten kommen vielleicht 20 000 Personen in Betracht, bei Ihnen aber muß man 100 000 erwarte». Selbstverständlich ver- weigere ich Ihnen nicht prinzipiell die Ge nehmt- gung. Es kommt auf den einzelnen Fall an. Wo wollen Sie denn die Versammlungen abhalten? Ten Humboldhain haben schon die Demokraten, und der Friedrichshain ist für Sie doch viel zu klein. Wir würden, wenn Sie den Treptower Park für ge- eignet halten, ganz gern in den Treptower Park gehen, aber dazu haben Sie uns ja vor einigen Wochen die Genehmigung verweigert. Polizeipräsident: Das ist ein Irrtum, daß ich dafür die Ge- nehmigung verweigert habe. Für den Treptower Park bin ich nicht z u st ä n d i g. Da müßten Sie sich an den Amts- Vorsteher und Bürgermeister von Treptow wenden. Herr Präsident, würden Sie uns, wenn wir in Treptow die Versammlung genehmigt erhalten, Schwierigkeiten ivegen des An- und Abmarsches machen? Polizeipräsident: Prinzipiell nicht. Der Verkehr darf aber nicht gehemmt werden. Geschlossene Züge können nicht gestattet werden. Wir würden uns in kleinen Gruppen zum Versammlungsort begeben. Jeder Bezirk von seiner Zahlstelle aus. unter Leitung des Bezirksführers und der Ordner, etwa in der Stärke von 50 bis 100 Mann. Unsere Bezirtsführer und Ordner werden dafür sorgen, daß der Ver- kehr nicht gehemmt wird. Unsere Genossen sind nach der Richtung hin so„gut preußisch" erzogen, daß die Anordnungen bestimmt befolgt werden. Jedenfalls würden wir alles tun, daß der Verkehr nicht gehemmt wird. Polizeipräsident: Wen» so verfahren wird, Habeichnichts dagegen einzuwenden. Ich würde dem Zu- und Abmarsch nichts in den Weg legen. Und wie würden Sie sich zu einer Versammlung im Friedrichshain stellen? Polizeipräsident: Der würde ich rbrnfallS keine Schwirrig- kciten bereiten. Tie Genossen Ernst und Borgmann fuhren darauf zum B ü r g e r m e i st e r und A m t s v 0 r st e h e r von Treptow, wo sie auch sogleich vorgelassen wurden. Sie berichteten dort, daß den Demokraten in Berlin eine Versammlung im Humboldthain für Sonntag genehmigt sei und daß der Polizeipräsident ihnen erklärt habe, daß er dem Zu- und Abmarsch zu einer Versammlung im Treptower Park keine Schwierigkeiten in den Weg legen werde. Aber über den Treptower Park habe er nicht zu verfügen, dort habe der Herr Amtsvorsteher und Bürgermeister von Treptow die Genehmigung zu erteilen, um die sie hiermit ersuchten. Der Bürgermeister: Wie wollen Sie denn die Veranstaltung treffen? Genosse Ernst: Unsere Genossen würden bezirksweise hin- marschieren unter Leitung ihrer Bezirksführer. Wir würden etwa 10 Rednertribünen errichten und für die genügende Anzahl von Ordnern sorgen. Außerdem würden wir Vorsorge treffen, daß dieArbeitersamariterkolonneamOrteist, so daß bei etwaigen Ohnmachtsanfällen und dergl. Hilfe zur Stelle wäre. Bc- fürchtungen, daß die Ordnung nicht aufrecht erhalten werde, haben wir nicht. Um ungefähr 1 Uhr würden unsere Genossen anmar- schieren, um �3 Uhr würde der Abmarsch beginnen. Bürgermeister: Und wer übernimmt die Verantwortung da- für, daß keine Störung der Ordnung vorkommt? Genosse Ernst: Die übernehme ich als der Vor- sitzende der Organisation der Berliner Sozial» d e m 0 k r a t i e. Bürgermeister: Sie übernehmen damit eine schwere Verantwortung! Genosse Ernst: Gewißl Wir erkennen sehr wohl den Ernst des Augenblicks. Wir wissen, wenn wirklich etwas Ordnungs- widriges passiert, daß Sie und andere Behörden sich später darauf berufen würden, wenn wir wieder die Genehmigung zu ähnlichen Veranstaltungen nachsuchen sollten. Wir wissen, daß Sie sie uns mit Rücksicht auf diese Vorkommnisse verweigern würden. W ir sind aber von der Disziplin unserer Partei- genossen so fest überzeugt, daß wir die Verant- wortung ruhigüber nehmen. Wir sind sicher, daß unsere Parteigenossen sich auch der Verantwortung der Ge- samtpartei gegenüber bewußt sind und daher jeder Provokation, die von Außenstehenden erfolgen könnte, sofort energisch entgegentreten würden, so daß wir jede Verant- wortung ruhigen Herzens tragen können. Bürgermeister: Ich kann Ihnen erst morgen definitiven Be- scheid geben. Ich glaubeaberbestimmt, daß ich Ihnen eine zustimmende ZlntWort Eer�e getzeg kggneu. Nach diesen Zusagen kann unseres Erachtens die Polizei die Genehmigung zur Abhaltung öffentlicher Masfcnvcr- sammlungen im Friedrichshain und Treptower Park nicht mehr versagen: denn sie hat mit ihren eigenen Aeußc- rungen anerkannt, daß von einer Gefährdung der öffentlichen Sicherheit nicht die Rede sein kann. Es ist demnach mit einer gewissen Sicherheit darauf zu rechnen, daß heute noch die polizeiliche Genehmigung erfolgt, und daS Volk von Berlin am nächsten Sonntag öffentlich und ungehindert Massenprotcst gegen die schmähliche Ver- hunzung der versprochenen Wahlrcform erhebt. Ein bedeut- samcr Schritt vorwärts im Kampf um die Erringung de? allgeineinen, gleichen, direkten und geheimen Landtags- Wahlrechts! Ueber die Einzelheiten der geplanten Massenkundgebungen berichten wir in nächster Nummer. ver Ashlrechtsliawpf. Polizeiattacke in Bremen. Bremen, 6. April. Nim ist es auch hier, wo die Polizei sich ursprünglich zu den Wahlrechtsdemonstrationeil vernünftig verhielt, zu Attacke» der Polizei auf friedliche Demonstranten gekommen. Die Wahlrechts« demonstration vom Sonntag hatte der Bremer Polizei bekanntlich Anlaß gegeben, vor Demonstralionen zu warnen. Sie befürchtete offenbar, daß die heutige Versammlung, in der Genossin Rosa Luxemburg sprach, einen DemonstrationSzng zeitigen werde. Demonstrationen aber sollen ja nach der Erklärung de» Senators Dr. Dreher, des Stellvertreters des erkrankten PolizeiscnatorS, nicht mehr geduldet werden. Aus einer Unterredung deS ParteivorstandcS mit dem Senator und dem Polizeihauptmann geht hervor, daß die Haltung der Polizei im E i n v e r st ä n d n i s mit dem Senat erfolgt ist. Die Antwort auf diese„republikanische" Maßregel wird die bremische Arbeiterschaft am Sonntag in sechs Volksversammlungen geben. Das Kasino war heute abend von zirka 4000 Personen besucht und vollständig überfüllt; cS herrschte ungeheuere Begeisterung. Genossin Luxemburg erklärte in ihrem Referat über die Lehren deS preußischen WahlrechtSkampfcS ironisch, daß sie sich in Bremen beim Anblick der Warnung gleich wie in Berlin gefühlt habe. Mit dem Rufe:„Die Schanze wird genommen!" schloß die Refcrentin unter jubelndem Beifall. Mit einem Hoch auf die Sozial« demokratie und das freie Wahlrecht erfolgle Schluß der Bersaminlung. Die Aufforderung, ruhig nach Hause zu gehen und alles, was als Demonstration aufgefaßt werden könnte, zu vermeiden, wurde streng befolgt. Trotz« dem kam es durch das Borgehen der Polizei zu Zusammenstößen. Die Arbeiter wollten ruhig nach Hause; sie wurden aber von der Polizei attackiert, in Seitengassen abgebrängt und dann von den Polizisten mit Fäusten, Stöcken und Säbeln bearbeitet Dabei wurden zumeist völlig unbeteiligte Personen das Opfer der Polizeitaten. Namentlich auf dem Domhof und dem Markt, auf der Obernstraße, AnLgariikirchhof und Kaiferstraße wurden, völlig grundlos, viele Personen mit dem Säbel be» arbeitet, zu Boden gestoßen und oft noch verhaftet- Ein Herr, der an der Llaiserstraße in die Straßenbahn umsteigen wollte, wurde von einem Schutzmann vom Trottoir ge-> stoßen, so daß er sich eine stark blutende Kopfvcr- letzung zuzog. Ein Arbeiter, der mit seiner Frau aus einem Restaurant kam, fragte am Licbfraucnrirchhof die Schutzleute, ob dort abgesperrt sei. Ehe er der Aufforderung weiterzugehen, nach« kommen konnte, wurde er von einigen Schutzleuten gepackt und z i» Boden geworfen; seine Versuche, sich aufzurichten, wurden mit Püffen beantwortet. Er erlitt Verletzungen, die ihn zwan» gen, ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen. Ein Geschäftsreisender» der vom Bahnhof kam. wurde vor dem„Cafe Palais" von einem Schutzmann gegen die Beine getreten, daß er in den Rinnstein fiel: als er sich aufgerichtet hatte, bekam er n 0 ch e i n e n Stoß, so daß er gegen die Tür des Cafes fiel. Von verschiedenen Leuten, die uns durchaus fernstehen, wird übereinstimmend mitgeteilt, daß die Schutzleute in der Nähe de? AnsgariikirchhofS in ganzen Trupps wie besessen auf der Straße herumgerast seien. Das Publikum wußte tatsächlich nicht, was los war: niemand demonstrierte, ja selbst der Fußgängerverkehr war nicht viel stärker als gewöhnlich. Wahllos griffen die Ordnungsmänner zu; wer ihnen unter die Finger kam, wurde mißhandelt. Der 6. Ap5il ist für das liberale Bremen kein Ruhmcstag.,- Bremen, 7. April.'(Privatdcpesche deS„Vorwärts".)! Dick Polizei ist mit den„Lorbeeren", die sie gestern geerntct hat, noch nicht zufrieden. Sie sucht aufs neue und auf neue Weise dem Wahlrechtskampf Schwierigkeiten zu bereiten. Die für Sonntag angekündigten Wahlrechts- und Protest Versammlungen werden v e r b 0 t e 11 l Es ist der Polizei auf einmal eingefallen, daß an Sonntagvormittagcn überhaupt keine Versammlungen stattfinden dür- f e n. Und zwar beruft sie sich auf eine alte verschimmelte Ver« ordnung, die bisher nie Anwendung fand. Einem findigen Kanz» listen ist es gelungen, eine aus dem Jahre 17 0 7 stammends irchenvcrordnung aufzustöbern, die erlassen wurde, um der gähnenden Leere in den Kirchen entgegenzuwirken. Von Ver« sackmlungen ist in der ganzciiz über 100 Jahre alten Verordnung mit keinem Woxte bis Bcde. Eine MassettrMtdgeüung tut Betgischeu Land. Am lommcubcn Sonntag veranstalten die drei ReichStagZWahl- kreise Elberfcld-B armen. Solingen und Remscheid eine gemeinsame Wahlrcchtsknndgebung. lieber 20 Städte des Beigischen Landes nehmen au dieser Niesenlundgebung teil, die am Eingang zmn Gelpetal ans Elberfelder Gebiet auf einem großen Wiesenltoiiiplex stattfindet. Zunächst mar die Versammlung auf Croncnbergcr Gebiet geplant gewesen; der dortige Bürger- m e i st e r und sein vorgesetzter L a n d r a t in Vohwinkel hatten aber auf schriftlichen Antrag und persönlich erhobene Vorstellungen die Genehmigung veriveigert, und so inußte die Versammlung auf Elberfelder Gebiet verlegt werden, wozu die Geuehmi- g u n g erteilt worden ist. Noch immer Verbote! Der Polizeipräsident von B o ch u m hat den für Sonntag geplanten Demonstrationszug der Teilnehmer des auf dem Schützenhof geplanten Wahlrcchtsmeetings durch die Hauptstraßen der Stadt bis zuni Moltkeplatz verboten. Die Abhaltung des Meetings unter freiem Himmel ist indes erlaubt worden. In Dortmund wurde sowohl der Umzug wie die Versa m m l u n g unter freiem Himmel verboten. Wer sitid die Ruhestörer? Die Genossen in S t o l p in Pommern beabsichtigten am Sonn- tag. den 10. April, auf dem dortigen StephauSplatze eine öffentliche Versammlung unter freiem Himmel abzuhalten und nahmen an, daß ihnen die Genehmigung und die Bemitzuug des Platzes erlaubt würde, zumal erst kürzlich der dortige evangelische Arbeiterverein seine Fahnenlveihe auf dem Platze abhielt. Am 6. April schickte nun die dortige Polizeivcrwaltling folgenden köstlichen Brief: »Polizeiverloaltung des Stadtkreises Stolp. Auf Ihr Gesuch vom 2. April 1910 um Erteilung der Ge- nehmigung zur Abhaltung einer Versammlung unter freiem Hiinmcl auf dem hiesigen Stephansplatz« erhalten Sic zum Be- scheide, daß die nachgesuchte Genehmigung im Interesse der ösfentlichen Sicherheit versagt werden muß. Der Charakter der Versammlung und der voraussichtliche Inhalt des zu erörternden VerhaudluiigSstoffeS bringen eS mit sich, daß bei der hiesigen königs- und vaterlandstreu gesinnten Einwohnerschaft Unwillen über ei n e solche V e r- a n st a l t u n g erregt und der ruhigeVerlanf der Versammlung in Frage g e st e l l t werden würde. Zielfc." Also klipp und klar erklärt hier der Bürgermeister, daß die Urheber der Radauszenen die Vaterlands- und königStreu gesinnte Einwohnerschaft ist! lWan müßte dem Herrn für diese Feststellung dankbar sein, bedeutete sie nicht zugleich eine ungesetzliche Einschränkmig des Vereinsrechtcs der Arbeiter. Köln für das gleiche Wahlrecht. Köln, 7. April.(Privatdepesche des„Vorwärts".) Die Kölner Stadtverordneten beschlossen eine Erklärimg, die sich prinzipiell für das gleiche, geheime und direkte Wahrecht zum Preußischen Landtag ausspricht. Der Beschluß soll der Negierung, dem Abgeordnetenhanse und dem Herrenhause zur Kenntnis gebracht werden. Der Ober- bürgermeister bean st anbete den Beschluß ivegen angeblicher Unzuständigkeit der Stadtverordneten- Versammlung. Ein„freisinniger" Magistrat. Königsberg i. Pr., 7. April. Wie die„Königsberger Volks- Seiiung" mitteilt, hat der Magistrat das Ansuchen des sozialdemokratischen Vereins für eine für den 10. April geplante öffentliche politische Versa mm- l u n g unter freiem Himmel einen st ä d t i s ch e n Platz zur Verfügung zu stellen, mit der Begründung die Zu- ft i m m u n g versagt, daß der Magistrat es grundsätzlich ablehne, städtische Plätze für öffentliche poli- tische Versammlungen zur Verfügung zustellen. Dieser„freisinnige" Magistrat ist also schlimmer als Herr b. Jagow._ Die fadasrolle des Zentrums. * Die„S ch l e s i s ch e Zeitung" veröffentlicht die Z u- schrift eines konservativen Landtagsabge- ordneten, die in mehr als einer Beziehung außerordentlich interessant ist. Zunächst wird in der Zuschrift dargelegt, daß das Zentrum deshalb der gegebene Verbündete für die Konser- vativen war, weil das Zentrum tatsächlich den National- liberalen im Entgegenkommen gegen die r e a k- t i o n ä r e n Wünsche den Rang abgelaufen hat! In der Zuschrift des konservativen Abgeordneten heißt es wörtlich: ..Als die neue Vorlage im Februar d. I. kam, waren viele Politiker der Ansicht, daß dieselbe geradezu den National- liberalen„auf den Lcib gearbeitet sei". Umsomehr über- raschte es. als der Abg. Dr. Schiffer für die Nationallibcralen kategorisch gleich bei der ersten Lesung am 10. Februar 1910 «rklärtc; „Wir treten ein für die Beseitigung der indirekten Wahl, für die Beseitigung der D r i t t e l u n g in den Urwahl- bezirken, für die Beseitigung der öffentlichen Stimmen- abgäbe und für die Revision der W a h l k r e i s e i n tc i l u n g." Und an dieser radikalen Stellungnahme haben die National- liberalen während des weiteren Verlaufes der Verhandlungen festgehalten! Tie Magdeburger Beschlüsse:„direkte und geheime Wahl"— sollen für das Verhalten der nationalliberalen Partei auch weiterhin entscheidend bleiben! Wie konnte da die Basis für ein Zusammengehen mit den Nationallibcralen seitens der Konservativen gefunden werden? Dabei ergab es sich nun, daß das Zentrum lange nicht so weit und so radikal vorgehe» wollte als wie die Nationallibcralen. Das Zentrum gab sich mit der geheimen Wahl bei den UrWahlen zufrieden und konzedierte die drei den Konservativen äußerst wichtig erscheinende Punkte, nämlich: 1. Die unveränderte Aufrechtcrhaltung der Drei- klassenwahl— während die Regierungsvorlage durch die Zu- sammenrecknung der Abstimmungsprozents der drei Abteilungen die eigentliche Dreiklaffenwahl fast völlig verwischte. 2. die indirekte Wahl, welche besonders geeignet ist, «ine wüste Wahlagitation zu verhindern. 3. die öffentliche Wahl der Abgeordneten durch die Wahlmänner? Was wäre nun geschehen, wenn die Konservativen hierbei sich schmollend abseits gestellt und sich nicht an dem sogenannten Kom- promiß beteiligt hätten? Dann wäre auch das Zentrum für die direkte und für die volle geheime Wahl eingetreten, und die Konservativen wären mit ihren Anträgen für die Beibehaltung der öffentlichen und der indirekten Wahl einfach überstimmt und„an die Wand gedrückt worden." Hier wird also alles bestätigt, tvas die sozial- demokratische Partei dem Zeiitrunl vorgeworfen hat: daß das Zentrum in seinen Forderungen zuauusten der Wahl- reform lang« nicht is weit gegangen ist, als sogar! öiü N a t r o n a l li b e r a l e ik, daß das Zentrum durch sein Kompromiß mit den Konservativen der junkerlichen Reaktion die w e r t v o l l st e n D i c n st e geleistet hat, daß endlich die Konservativen, wenn sie nicht die rettende Hand des Zentrums ergriffen hätten, außerordentlich viel schlechter abgeschnitten hätten, weil sie einfach über- st i m in t und an die Wand gedrückt worden wären! Tie konservative Zuschrift an das konservative Blatt b e- st ä t i g t also bis aufs Tipfclchen über dem i, und origineller- weise sogar mit fast den gleichen Worte», alles das, was von d e n R e d n e rn d e r S o z i a l d e m o k r a t i e im Abgeordnetenhause gegen den infamen Z e n t r u m S v e r r a t gesagt worden i st! Aber auch der Teil der Zuschrift des konservativen�tbge- ordneten, der sich auf die Haltung des Zentrums in Sachen der Dritt elung bezieht, beweist, daß unsere Annahme durchaus richtig war, daß das Zentrum nicht einmal in dieser Frage den frcikonservativ-nationalliberalen Wünschen gegenüber unbedingten Widerstand geleistet hat. Wenn jetzt auch die Zentrumsprefse—„Kölnische Volkszeitung".„Germania" und„Schlesische Volkszeitung"— emphatisch behaupten, daß das Zentrum an der Trittelung nach Urwahl- bezirken u n b e d i ng t f e st h a l t e n werde, so wird dadurch keineswegs die von uns bereits festgenagelte Tatsache aus der Welt geschafft, daß das Zentrum eine Zeitlang, nämlich zwischen der dritten und vierten Lesung der Wahlrcchtsvorlage faktisch bereit war, die Volksrechte auch in diesem Punkte schmählich zu verraten! Sagt doch der konservative Abgeordnete in seiner Zuschrift an die „Schlesische Zeitung": „Und was die D r i t t c l u n g in den u r w a h l b e z i r k e» respektive in den Gemeinden anlangk, so ist das Beschreiten eines M i t t e l w c ge s— welchen zu finden, konservative Abgeord- netc sich sogar noch am 16. März während der langen Rede des Abgeordneten Liebknecht die größte Mühe gegeben haben— gerade an der schroffen Stellungnahme srcikonscrvativer Führer gescheitert. Dieselben wollten in großen Städten Urlvahibezirke mit mindestens 10 000 Einwohnern, während der konservative„Unterhändler" bis zu S000 Einwohnern zu gehen bereit und auch Vertreter des Zentrums einem erheblichen Eni- gegenkommen gar nicht ganz abgeneigt waren." Also nicht die Festigkeit des Zentrums, sondern nur die übergroße freikonservative Begehrlichkeit trug Schuld daran. daß das Zentrum nicht auch in diesem Punkte zum Judas an den Volksrechten wurde! politische(leberlicht. Berlin, den 7. April 1910. Nach der Osterpausc. Das Abgeordnetenhaus hat am Donnerstag seine Arbeiten wieder aufgenommen: es ist früher als der Reichs- tag zusammengetreten. Allerdings hat es auch allen Grund dazu, denn es ist mit dem Etat, der am 1. April fertiggestellt sein müßte, noch soweit im Rückstände, daß es zweifelhaft ist, ob der Etat auch nur zu Pfingsten verabschiedet sein wird. Auf der Tagesordnung stand zunächst die erste Lesung der Novelle zum Gesetzentlvurf betr. das Staatsschuldbuch. Die Vorlage, die bereits im Herrenhause erledigt ist, wurde nach kurzer Debatte der Budgetkommission überwiesen. Vor Beginn der Beratung des Bauet ats, die den zweiten Punkt der Tagesordnung bildete, gab der Minister v. B r e i t e n b a ch eine Schilderung der Ursachen des Eisen- b a h n u ii g l ü ck 2 in Mülheim, ohne indes etwas zu sagen, was nicht durch die Presse bekannt geworden ist. Es handelte sich auch weniger um eine Darstellung der Kala- strophe an sich, als um eine von rein menschlichen Empfinden diktierte Beileidserklärung, der, wie Präsident v. Kröcher er- klärte, das Haus mit tiefer Bewegung und inniger Teilnahme zustimmte. Die eigentliche Etotsberatung begann mit einer Rede des Abg. Pappen heim(kons.), der sich für die Schiff- fahrtsabgaben und für das Schleppmonopol aussprach und die Regierung aufforderte, für die Beschäftigung der Arbeiter bei den Kanalbauten die Grundsätze des verstorbenen Pastors v. Bodelschwingh gelten zu lassen. Wir wünschen im Gegenteil, daß die Regierung das nicht tut, da bekanntlich die Bodelschwinghschen Grundsätze zu den Anschauungen der modernen Arbeiterbewegung in direktem Widerspruch stehen. Eins beherzigenswerte Anregung gab der Abgeordnete v. B ü l o w- Homburg, der die Notwendigkeit eines einheitlichen Bebauungsplans für Groß-Berlin und die Erhaltung der Wälder um Berlin anregte. Gewiß hat der national liberale Redner recht, wenn er die schlechten Wohnungs- Verhältnisse der Berliner Arbeiterbevölkerung hervorhebt, aber solange er nicht die ihm nahestehenden Kreise und die Regierung zur Beseitigung des Hausbesitzerprivilegs bewegt, ist seinen Klagen irgendwelche Bedeutung nicht beizulegen. Am Freitag wird die Beratung fortgesetzt. Eine neue Reichsfinanzreform in Sicht. Trotz der vorjährigen Neubelastung des deutschen Volkes mit mehr als 400 Millionen Mark neuer Steuern steht daS Deutsche Reich bereits wieder vor einem beträchtlichen Finanz- defizit. Deutlich läßt sich bereits erkennen, daß wenn die setzige Schuldenwirtschaft fortdauert, schon in zwei drei Jahren eine erneute Reform der Reichsfinanzen nötig sein wird, das heißt die Regierung wiederum die Forderung stellen wird, der Reichstag möchte einige hundert Millionen Mark neu er Steuern bewilligen. Tie Finanzministerkonferenz ist nur die erste Einleitung zu diesem Akt. Herr Wermuth will lediglich seine Kollegen aus den bundesstaatlichen Finanzministerien auf das Kommende vorbereiten. Dieseni Zwecke dient auch das folgende von den„Berl. Pol. Nachr." verbreitete schöne Kontersei der jetzigen Reichs- finanzlagc: „Daß die Balanzicrung der nächstjährigen RcichshaushaltS- etats trotz der neuesten Steuerreform Schwierigkeiten machen wird, war bekannt. Noch bei der dritten Lesung des Etats für 1910 machte der Vorsitzende der Budgctkommission des Reichs- tageS im Plenum darauf aufmerksam. Hauptsächlich liegen die Schwierigkeiten in den als Konsequenzen früherer Beschlüsse sich darstellenden Ausgabe st eigerungen. Die Verpflichtung zur Ansetzung eines höheren Ausgabepostcns für die Reichs- schuldentilgung ergibt sich aus dem letzten Reichsfinanz- gcsctze. Das Flottengesetz macht noch aus«ine Reihe von Jahren eine beträchtliche AuSgaveerhöhung für die Marine not- wendig. Der Reichsinvalidenfonds ist infolge ver- schicdencr in den letzten Jahrzehnten erlassener Gesetze früher aufgebraucht worden, als bei seiner Durchführung angenommen worden war. Im Jahre 1911 dürfte sein Bestand zu Ende gehen. Msa wird genötigt jciNt die Ausggbkv von einigen 29 Milliollcy Mar?, die bisher auf ihn entfielen, auf den allgemeinen Reichs- haushattsctat als Ncuau-gabe zu übernehmen. Eine Neubelastung des Reiches steht infolge der Hinterblicbencnvcrsorgung in Aus- ficht. Was der Ablauf der letzten Friedenspräseus- g e s e tz e S bringen wird, muß abgewartet werden. Jedenfalls er- gibt sich schon aus dieser Zusammenstellung die Größe der zu er- wartenden Ausgabcsteigerungen für die Reichsetats ob 1911. Dazu kommt ober noch die Abbürdmig der gestundeten Matrikularbeiträgc, wie sie im neuesten Finanzgesetz: für die drei Jahre ab 191t vorgeschrieben ist. ES ist ja zu er- warten, daß sie sich in Wirtlichkeit nicht auf die nahezu L'.b H u n d e r t c Millionen Mark belaufen wird, die in den ?!achtragsetat für 1909 dafür eingestellt sind. Das letztverflossen: Etatsjahr dürfte einen Ileberschuß an Einnahme und eine Ersparnis an Ausgaben ausweisen, die auf diese Summe mildernd wirken werden. Trotzdem wird von den gestundeten Matrikular- Umlagen immer nach eine so große Zahl von Millionen übrig bleiben, daß ihre Plazierung in den nächsten drei Etats große Schwierigkeiten verursachen wird." Samoa. Die deutschen Kaufleute in Samoa, der deutschen Kolonie im Stillen Ozean, haben eine Petition an den Reichstag gesandt, in der um die Gewährung von Selbstverwaltung für Samoa ersucht wird. Die Petition geht vom Handelsverein, der Vereinigung der auf Samoa ansässigen deutschen Kanfleute aus, und eS ist deshalb selbstverständlich, daß sie in erster Linie die Interessen der Kaufmannschast verficht. Der jetzige Zustand in der Kolonie wird als geradezu beschämend bezeichnet. Die Angesessenen müssen zwar die Gelder aufbringen, eS ist ihnen aber jede Möglichkeit genommen, in die Verwendung der Gelder hineinzureden. Der GouvernementSrat besteht außer den amtlichen Mitgliedern aus 7 Pflanzern und einem Kaufmann, der nicht einmal die deutsche Sprache beherrscht. Einfluß hat der GouvernementSrat nicht, denn er hat' lediglich eine beratende Stimme. Der Handclsverein verlangt nun. daß der Gouvernementsrat periodenweise von den weißen Bewohnern des Schutzgebietes gewählt werde und mit beschließender Stimme in öffentlichen Sitzungen beraten soll. In Eingeborenensachen soll dieser GouvernementSrat nur beratende Stimme haben. Die Petenten versprechen sich von der Selbstverwaltung eine spar- saniere Wirtschaft. DaS Schutzgebiet hat jetzt bei einer 485 Köpfe zählenden weißen Bevölkerung, außer den Postbeamten, 33 weiße Gouvernementsbeamte. Für Beamtengehälter werdennahezu 260 0V0M.. nahezu die Hälfte der ganzen Ausgaben aufgewendet. Verschiedene untergeordnete Stellen, die heute von gutbezahlten Beamten ver- sehen' werden, könnte man mit Leuten aus dem Schutzgebiete besetzen, die zunächst die größere Kenntnis des Landes für sich hätten und außerdem erheblich billiger wären. Die Bureaustundest der Beamten, die heute etwa 4— S Stunden betragen, könnten ruhig etwas vermehrt werden. Außerdem müßten die Dienstperioden von 3 auf 5 Jahre verlängert werden. Jetzt ist die Sache so, daß von den 33 Beamten stets der vierte Teil auf Urlaub ist, wodurch besonders erhebliche Neisespesen entstehen, abgesehen davon, daß durch die fast alljährlichen langen llrlaubsreisen des Gouverneurs die laufenden Verwaltungsgelegenheiten, zum Nachteil des Landes, vielfach eine Verzögerung erleiden. In Samoa besteht unter der Firma:„Deutsche Handels- und Plantageu-Gcsellschaft der Südsee-Jnseln zu Hamburg" eine Land- gesellschaft. die sich der größten Bevorzugung erfreut. Die Land- Verordnung bestimmt nämlich, daß die Eingeborenen nur an Ein- gesessene Land verkaufen dürfen, sodaß neuzuzichende Ansiedler ge- nötigt sind. Grund und Boden von der Landgesellschaft zu er- werben. Ueber den großen Aufwand für die jetzige Verwaltung wird lebhaft geklagt. Ein Regierungsgebäudc, das angeblich bau- fällig war, ist an Privatpersonen verkauft worden, die es noch Jahr» zehnte hindurch benutzen können. Anstatt, daß dieses Gebäude für die Regierung umgebaut worden wäre, hat man eine Holzvilla für 150 000 M. als Gouverncurswohnung hergestellt. Für eine voll- ständig überflüssige Truppe werden einschließlich ihrcS weißen Führers jährlich 40 000 M. aufgewendet. Die Aufgabe dieser Truppe besteht darin, Posten zu stehen, Dienstleistungen bei Beamten zu verrichten und die Botengänge zu besorgen. Daß diese Truppe nicht als Schutztruppe betrachtet werden kann, geht daraus hervor, daß der Gouverneur es bei den im Vorjahre stattgefundenen Unruhen für nötig befand, aus den Gewehren dieser Truppe die Schlagbolzen entfernen und die Gewehre dadurch unbrauchbar machen zu lassen. Die Petenten üben zugleich Kritik an den hohen Steuertk, die in Form von Lizenzen in Samoa erhoben werden. Aus dem Tarif entnehmen wir folgende Positionen: Es ist zu zahlen für den Betrieb einer Gastwirtschaft 800 M., einer Brauerei oder Brennerei< 300 M., einer Eisfabrik 200 M., des Fleischer- oder BäckergewerbcS 50 M. Zahnärzte müssen bezahlen 250 M.. Rechtsanwälte ebenso, praktische Aerzte 200 M. usw. Von angesessenen Geschäftsrcisen- den oder Einläufern werden an Lizenzgebühr 500 M. erhoben» Menschenhandel. Der„StaatSbürger-Zeitung" wird— wahrscheinlich auS christlich- sozialen GewerlschastSlreisen— geschrieben: „Oberhausen, den 6. April 1910. Heute morgen trafen wir in Oberhausen einen Trupp Arbeiter, die auf dem Bahnhofe gerade den Zug verlassen hatten. Eine Zählung ergab 24 Mann, vier Frauen und drei Kinder. Aus Befragen erzählte» sie folgendes: Wir find am Sonn- abend, den 2. April, des Abends in L o e b e u in O b e r st e i e r- m a r k nach hier abgereist und sollen von der Zeche Deutscher Kaiser hier am Bahnhof abgeholt werden. Der Agent, der uns für die Zeche Deutscher Kaiser angeworben, hat unsere Papiere direkt nach der Zeche gesandt. Nun ist niemand hier. der uns abholt, und viele von uns haben kein Geld mehr! Nachdem wir uns Namen und bisherigen Wohnort der Leute aufgeschrieben batten. fragten wir sie. ob sie denn nicht wüßten, daß hier im Ruhrrevicr die Lage der Bergarbeiter rechr ungünstig fei. Sie sagien. der Agent Skowsza, der sie angeworben, Hab: ihnen erklärt, sie verdienten auf Deutscher Kaiser S— 7 M. pro Schicht. Als ihnen bedeutet wurde, daß sei wohl ein Irrtum, sahen sie uns ganz verwundert!an und beteuerten nochmals die Wahrheit des von ihnen Gesagten. Sie erzählten dann weiter: Der Skowsza wohne in Loebcn und ziehe von dort durch die Gegend, um Leute anzuwerben. Manchmal sende er auch schon lleinere Kolonnen von 4—10 Mann ab." Der Berichterstatter der„StaatSbürger-Zeitung" teilt noch mit. daß einheimische Bergarbeiter bis zu 4 Feierschichten monatlich machen müssen, während sich die Zechen billige Arbeiter vom AuS- lande konmien lassen._ Zentrum und Wahlrechtskampf. Köln, 0. April. Die„große" Versammlung der ZeiitruinZpartci von Köln und Umgegend, mit der der»Vorwärts" sich am Dienstag befaßte, hat inzwischen stattgefunden. Sie war schon einige Wochen vorher an- gekündigt worden als große Zentrumsverfammlung. die Sl» Pen „wichtigsten politischen Tagesfragen" Stellung nehme» sollte. Zwei ReichStagZabgeordnete waren ol-Z Redner angekündigt. Eine grosse Plakat- und ZeitnngSrekkame wurde für sie gemacht. An«mein massenhaft«' Besuch hatte niemand gezweifelt. Tatsächlich aber hat die Kölner ZAitrumspartei seit Jahre» keine so schlecht besuchte Versammlung gehabt. DieArbeiter fehlten fa st voll- st ä n d i g. Der erste Redner war der neue NeichStag-Zabgeordneie für Miil- heun-LZippersurth. Obcrlandesgcrichtsrat Marx. Da cS in den An- zeigen bieg. daß die Redner sich mit den„Ivichtigstcn" politischen TagcSfragen befassen würden, so hatte jedermann erwartet, datz die AZahIreforin den Mittelpunkt der Marxschen Ausführungen bilden werde. Tatsächlich aber sprach Herr Marx fünf Viertelstunden lang über die ,.S ch»i l f r a g e*. Er gab sich die erdenklichste Mühe, die Seele deZ katholischen Volkes zu», Kochen zu bringen und malte die Schrecken eines„Kulturkampfes" in grellsten Farben ans. „Ein Krcuzzug um unsere Schule muß geführt werde»!" rief er. Mit der WahlrcchtSfrage befaßte sich Herr Marx nur 20 Minuten lang. Seine Ausführungen deckten sich mit dem unehrlichen Geschreibsel der AentrnmSpresse. Gegen die Sozialdemokratie, die die Verrätereien des Zentrums aufgedeckt hat, tobte Herr Marx in de» heftigsten Ausdrücken. Der zweite Redner, ReichZtagSavgeordneter Sittart fAachen), erwähnte die Wahlrechtöfrage überhaupt nicht; er sprach über reichs- politische Dinge, wobei er die Reichs sinanzreforni in einein einzigen Satze abtat. Das Beschämendste an der ganzen Versammlung ober war. daß nicht ein einziger Wähler sich zur Debatte meldete. Die stumpfsinnige Korona lieh die Reden ruhig über sich ergehen und beschränkte sich darauf, bei einigen kulturkämpfrrische» Redensarten.begeistert" Beifall zu spenden. Wieder eine sozialpolitische Tat des Zentrums. München, S. April. Die erste Tat der Mehrheitspartei im Bayerischen Landtage nach den Osterfericn war die Ablehnung des sozialdemokratischen Antrages auf Arbeitslofenverfiche- r u n g. Nachdem durch das Zentrum, besonders durch die christ- lichen Arbeiterleiretäre im Landtage viele schöne Reden über die notwendige Fürsorge für die Arbeitslosen gehalten wurden, ist der erste Versuch. Staatsmittel für diesen Zweck flüssig zu machen, ge- scheitert. Von unserer Seite begründete Genosse Dorn den Antrag, toOOOO M. ins Budget einzusetzen als Unterstützung für diejenigen Gemeinden, welche eine Arbeitslosenversicherung einführen. Er be- dauert den Standpunkt der Aegierung, die leider viele gute Rat- schlage, aber kein Geld für soziale Reformen habe. Der jungliberale Abgeordnete Hübsch tritt für den Antrag ein. um endlich einmal einen Schritt vorwärts zu kommen auf diesem Gebiete und verweist auf England, Ivo jetzt von Staats wegen ein« Zwangsarbeitslosen» Versicherung für einzelne Berufs zur Einführung komme. Die christlichen Arbeiterselretäre und Abgeordneten König- b a n e r und Oswald sprechen gegen den StaatSzuschuh von ISO OOO M. Sie sind der Anschauung, daß eS in erster Lim« Sache der Gemeinden wäre, für die Arbeitslosen zu sorgen. Wenn einmal die Städte wirklich entsprechende Einrichtungen getroffen hätten, dann könnte man über einen StaatSzuschuh reden. Aber die von Sozialdemokraten und Liberalen regierten Städte hätten auf dem Gebiete der Arbeitslosenversicherung bisher nichts getan. Die Genossen S i m o n und Timm trete» diesen Ausführungen scharf entgegen. Die christlichen Arbeitervertreter innerhalb der Zentrumspartei wären bisher mit Erfolg bemüht gewesen, praktische Arbeit auf dem Gebiete der Sozialpolitik zu verhindern. Die in den christlichen Gewerkschaften organisierten Arbeiter würden von ihren Führern Rechenschaft verlangen. Der lW i n i st e r des Innern spricht sich wegen der un- günstigen finanziellen Lage gegen den StaatSzuschuh aus. Er hätte nicht die Bedenken der� christlichen Arbcitervertreter und würde bei guten Finanzen den StaatSzuschuh gewähren, trotzdem die Städte die gewünschten Einrichtungen noch nicht getrosseu hätten. Der Antrag wird gegen die Stimmen der Sozialdemokraten und Liberalen abgelehnt._ Ein militärischer.,Aufruhr".Prozest. Das Kriegsgericht der 17. Diviston(Lübeck) beschäftigte sich im Oktober IVOS in mehr als zehnstündiger Sitzung mit dem Lager- krawall, der sich am 14. und 15. Juli 190V auf dem grohen Truppen- Übungsplatz bei Itzehoe(Lockstedt« Lager) abgespielt haben soll und der gegen die Reservisten St ein satt, Schümann und Matern eine Anklage wegen militärischen Aufruhr«, Beleidigung von Vorgesetzten und Achtungsverletzung nach sich gezogen hat. Im Lockstedter Lager übte ein aus Reservisten zusammen- gesetztes Regiment, das an, 15. Juli anfgelöst wurde. Unter den Reservisten machte sich eine starke Erregung bc- merkbar über das Verhalten des königlich preuhifchen Reserve- Unteroffiziers und kaiserlich- deutschen Postboten G a l o w S k y, der einem Reservisten iviichels zu drei Tagen Kasten verholfen hatte. Die drei Angeklagten sollen in bezug auf Galowsky beleidigende und bc- drohende Aeuherungen fallen gelassen haben. Wie G. behauptet, sollen die Angeklagten ihm die Worte„Schweinhund",„Schweinigel", „Krüppel" und„Ra, in Lübeck sehen wir uns wieder I" usw. zu- gerufen haben. Am 15. Juli, als die Reservisten die mili- tärischeHüllc abgestreifthatten und zwecks Entgegennahme des Reisegeldes zum Appell angetreten waren, soll der llntcrosfizicr G. umringt, mit Sand geworfen und mit einigen Stöhen und Fuhtritten regaliert worden sein. In der Verhandlung in Lübeck b e st r i t t Steinfatt, der des „Aufruhrs" beschuldigt wird, sich irgendwie beteiligt zu haben, denn er habe sich mindestens zehn Schritte von GalowSkh entfernt gehalten. Auch die beiden anderen Angeklagten erklärten ihre Un- schuld, wie auch der große Zeugcnapparat gegen Steinfatt gar nichts und gegen die Mitangeklagten wenig Belastendes— sie sollen einige Redensarten gebraucht haben— vorzubringen vermochte. Der Ankläger stützte sich daher in der Hauptsache auf die Angaben des — Unteroffiziers G. Um im Interesse der Disziplin ein Exempel zu statuieren, beantragte der Vertreter der Anklage gegen Stein- fatt nicht weniger als fünf Jahre und einen Monat Zuchthaus, gegen Schümann fünfzehn und gegen Matern acht Monate Gefängnis. Mit Rücksicht auf die divergierenden Zeugenaussage» wurde Steinfatt freigesprochen, während Schümann zu sechs und Matern zu vier Monaten Gefängnis vcr- urteilt wurden. Schümann trat seine Strafe an. Gegen das frei- sprechende Urteil legte der Gerichtsherr, gegen feine Verurteilung Matern Berufung ein, weshalb die Sache das OberkriegSgericht des 9. Armeekorps beschäftigte. Zu der neuen Verhandlung ist ein ' großer Zeugenapparat geladen. Die Angeklagten Steinfatt und Matern bestritten ent- schieden, sich irgendwie strafbar gemacht zu haben; es seien wohl beleidigende Aeußerungen gegen Galowsky gefallen, auch sei dieser umringt worden, aber von anderen Reservisten. Mehr als 20 Zeugen, darunter auch ein Reserveunteroffizier, bekundeten, daß beide Angeklagte sich völlig passiv verhalten hätten, dagegen be- hauptete Galowsky nach wie vor, beide Angeklagte hätten sich in der genannten Richtung vergangen, obwohl mehr als ein Dnticnd Reservisten unter Eid aussagen, Steinfatt habe sich während dcS Tumults in ihrer Nähe aufgehalten. Der Zeuge Galowsky entwickelte eine Schneidigkeit, die im umgekehrten Verhältnis zu seinem Beruf sieht. Wie aus dem zur Verlesung gelangten Urteil erster Instanz hervorgeht, hat Steinfatt drei Monate und 14 Tage in Untersuchungshaft zugebracht. I Der Ankläger läßt die Anklage wegen Aufruhr fallen, beanirogt jedoch gegen Steinfatt wegen Angriffs auf einen Vorgesetzten drei Jahre, gegen Matern Verwerfung der Berufimg. DaS Oberkriegsgericht nimmt bei Steinfatt einen minder s ch w e r e n F a I l an, erkennt aber trotzdem aus neunzehn Monate Gefängnis! Matern wurde wegen Beleidigung zu vier Monaten verurteilt! Dein einen Reserveunterofflzier wurde, also mehr Glauben gescheult als zwanzig anderen Zeugen! Verbotener Maifeierumzug. Der Vorstand des sozialdemokratischen Verein? Kiel- Gaarden hatte die Genehmigung zu eine», Umzüge am 1. Mai vom Vinetaplatz nach dem Lokal Walvwiese nachgesucht. Die Ge- nehmigung wurde versagt. In der Begründung heißt cS: „Die geplante Veranstaltung bedeutet mit Rücksicht auf den für sie geplanten Tag eine Demonstration gegen die heutige staat- liche und wirtschaftliche Ordnung. Eine derartige Aeconstaltuiig ist geeignet, in allen der Sozialdemolratie abgeneigten Kreisen Widerspruch herauszufordern und Unruhe und Erbitterung heruor- zurufen. Die aus diesen Gegensätzen sich ergebenden Zuständo legen in Verbindung mit der durch die Wahlrechtsdemonstration am hiesigen Orte erzeugten allgemeinen Erregung und den ge- sammelten Ersahrungen die Befürchtung nahe, daß der geplante Umzug zu AiiSschrcilungen Veranlassung geben wird, wodurch die öffentliche Sicherheit gestört würde." Oesterreick. Eine Anklage gegen Wahrmund. Prag, 7. April. Die Staatsanwaltschaft hat gegen Prosessor Wahrmund wegen seines kürzlichen Vortrages über den Klerikalismus auf Grund der Paragraphen 300 und 302 des Strafgesetzbuches(Aufwiegelung und Aufreizung zu Feind- seligkeiten gegen Neligionsgenosscnsckiaften), ein Straf- verfahren eingeleitet. Diese Anklage stellt einen schmählichen Liebesdienst.für die österreichischen Klerikalen dar, denen der froidenkende Professor, den sie von der Jnnsbrucker Universität verdrängt haben, aufs äußerste verhaßt ist.— franhveich. Ter Kougrcgationsskandal. Paris, 6. April. Das Gericht hat bei einer Madame Martin G a u t h i e r zwölf Schriftstücke beschlagnahmt, die sich auf dte Liquidation der Kongregationen in der Provinz beziehen, ferner zahlreiche Schriftstücke, aus denen hervorgeht, daß sich eine richtige Bande organisiert hat, um Grundstück e. die früher den Kongrcganisten gehört hatten, an sich zu reißen.— Gin Erfolg der Sozialisten. Paris, 5. April.(Eig. Bcr.) Die Obstruktion der sozialistischen Fraktion in der Ucnza-Affärei hat den Räuberhauptleuten der Industrie einen dicken Strich durch die Rechnung gemacht. In der nächsten Gesetzgebungsperiode werden sie freilich ein neues Exemplar präsentieren und B r i a n d hat ihnen seine Dienste als Eintreibe zugesagt. Die Kampfbediiigungen werden dann für die sozialistischen Deputierten unleugbar weniger günstig sein als diesmal, wo unsere Genossen außer mit ihren guten Argu- menten und mit ihrer rednerischen Ausdauer vor allem mit der unerbittlich begrenzten Lebensfrist des Parlaments rechnen konnten. Sicher aber darf die sozialistische Partei die gelungene Vereitelung des Ucnza-ProjektS als eine der nicht eben sehr zahl- reichen parlamentarischen Aktionen buchen, deren Verlauf sie unter dem Gesichtspunkt des organisierten Zusammenwirkens mit ungemischter Befriedigung erfüllen kann. Dieses Resultat ist wohl nicht zum wenigsten dein Umstand zu danken, daß die gegen die geplante Verschleuderung ungeheurer Staatsgüter an eine privat- kapitalistische Unternehmung gerichtete Aktion in offenbarem Einklang mit dem sozialistischen Prinzip stand. Darum mag die heute in der„Humanite" ausgesprochene Meinung, daß solche„realistische, objektive Kampagnen für die sozialistische Organisation und das har- monische Einvernehmen aller Revolutionäre mehr leisten als alle Kongresse und doktrinären Beschlüsse" zweifelhaft erscheinen. Selbstverständlich ist der nunmehr angekündigte Kampf gegen den Marine-Kapitalismus von außer- ordentlicher Wichtigkeit, aber daß sich die Ausgabe der Partei darin erschöpfe, permanente Skandale aufzudecken und den kapitalistischen„Schlamm aufzurühren", sck)eint durch die Er- fahrungen, die das französische Proletariat mit der bloß empirischen Politik gemacht hat. nicht bestätigt zu werden. Es stimmt auch nicht ganz, wenn man durch die Enthüllung der„Dessous" des heutigen Regimes schon das„Funktionieren des kapitalistischen Systems" zu erklären glaubt. Die Korruption gehört ja not- wendig zum Kapitalismus, sie ist ein sich stets erneuernder Schimmelpilz an seinem Stamm, aber mit der über die„Doktrin" hocherhabenen Politik der Skandalenthüllungen koinmt man zu allem möglichen, nur gerade nicht zur Aufklärung des Proletariats über das Grundwesen des kapitalistischen Profits, die normale Ausbeutung in der Werkstatt. Die„realistischen, objektiven" Kampagnen schlagen dann sehr leicht in ideologische und subjektive um, wie man es beim Kampf gegen Elemenceau gesehen hat. der von manchen Parteigenossen nicht wie ein schneidiger Funktionär einer sich bedroht fühlenden Bourgeoisie, sondern eher wie ein aus Lust wütender schwarzer Böselvicht angesehen wurde. Der Ruf„Weniger Theorie!" ist gerade in der französischen Arbeiter- bcwegung nicht besonders dringend.— Dänemark. Tie radikale Lerfassuug. Kopenhagen, 6. April.(Eig. Ber.) Das Folkething hat am Dienstag die von der Regierung übernommenen Ver- fassungsänderungsvorschläge der Radikalen in zweiter Lesung angenommen. Die dritte Lesung steht noch bevor. Die Nor- schlüge sind im wesentlichen die folgenden: Das all- gemeine und gleiche Neichstagstv ahlrecht tvird ans die Frauen und auf das bis jetzt Wahlrechts- lose Gesinde ausgedehnt; das Wahlrechtsalter wird vom 30. auf das 23. Lebensjahr herabgesetzt; den außer Landes weilenden Seeleuten wird Gelegenheit gegeben, durch Voll- macht ihr Stimmrecht auszuüben, und—>vas besonders wichtig ist— das zum Landsthing bestehende Zweiklassen- Wahlrecht wird beseitigt, und auch die 12 Landsthingsmänner. die nach der geltenden Verfassung vom König ernannt werden. sollen, wie die übrigen 44, auf Grundlage des allgemeinen, gleichen Wahlrechts gewählt werden. Für die Landsthingswahlen, die Wahlen zur Ersten Kammer des Reichstages, ist jedoch ein indirektes System vorgesehen. Verfassungsänderungen und Gesetzentwürfe, die vom Reichstage angenommen sind. werden, wenn inindesteus 50000 Wähler es verlangen, der V o l k s a b st i m m u n g nntcrlvorfen. In Verbindung mit dieser Verfassungsreform wurde ein provisorisches Gesetz zur Ncueinteilung der Folkethingswahlkreise vor- genommen, durch das die Zahl der Wahlkreise wie die der Abgeordneten von 114 auf 129 erhöht wird und eine gerechte WahlkrciLeinteilung geschaffen wird. Unsere! Parteigenossen und die Radikalen hatten den Antrag gestellt. daß dieses Gesetz sofort in Kraft treten sollte, aber die Konservativen, die Gemäßigten und die Reformparteiler setzten einen Gegenantrag durch, wonach die neue Wahlkrcisordnung nur dann bei den bevorstehenden Wahlen gelten soll, wenn gleichzeitig eine Verfassungsänderung angenommen wird— was für eine sie wollen, das haben die ReaktionSparteien nicht vor« raten. Ihr Zweck ist natürlich kein anderer, als die ganzen Reformen, soweit es nur möglich ist, zu hintertreiben. Die Dclegations- Parteien, wie sich jetzt die unter Leitung der ehemaligen Ministerpräsidenten Christensien und Neergaard stehenden Reformparteiler und Gemäßigten nennen, hatten schon einmal im Laufe der Debatte, die vier Tage dauerte, ver- sucht, die ganze Sache durch Aertaguug auf unbestimmte Zeit hinauszuschieben. Dieser Antrag ivurde jedoch abgelehnt. Ein Teil der Konservativen stimmte mit den Sozialdemokraten Ulld Radikalen dagegen, so daß der Antrag mit 49 gegen 43 Stimmen fiel. Die Verfassungsreform sowie die neue Wahlkreisordnunz stehen nun vor der dritten Lesmig. Das Ziel, die Demo- kratisierung der gesetzgebenden Körperschaften Dänemarks, ist ja vorläufig noch nicht erreicht. Aber die Macht der real« tionären Parteien reicht nicht mehr allzuweit und schwindet immer mehr dahin. Der 5. April 1910 ist für die politische EntWickelung Dänemarks ein Tag von historischer Bedeutung. Es war seit dem Jahre 1806 das erste Mal, daß ein Entwurf zu einer grundlegenden Verfassungsreform angenommen wurde. In jenem Jahre wurde die unter den revolutionären Strömungen zustande gekommene Verfassung vom 5. Juni 1849 in reaktio- närem Smne abgeändert. Die neue Reform aber will das Staatsgrundgesctz von 1849 nicht nur wiederherstellen, sondern auch, namentlich durch die Einführung des FraueiNvahlrechts, der EntWickelung Rechnung tragen, die sich im Laufe der 61 Jahre vollzogen hat. Türkei. Der Ausstand in Albanien. Sitloiiiki, 7. April. Die Regierung hat in Prischtina an- gesichts des weiter um sich greifenden Aufruhrs den Belage- rungszustand proklamieren lassen und weitere umfas» sende militärische Maßregeln getroffen, IL Bataillone sind in Prischtina konzentriert. Huö der Partei. Für dc» Wahlrechtskampf. Als Material für den WahlrcchtSlampf ist von der preußischen Landeskommission ein Heft herausgegeben worden betitelt Aussprüche der WahlrechtSfeinde. Auf 80 Seiten enthält die Broschüre die wichtigsten Aussprüche der WahlrechtSfeinde, vor- nehmlich die, welche in den Verhandlungen des AbgcordiietenhanscS über die Wahlrechtsvorlage gefallen sind, nach' Parteien geordnet. Zum Schluß sind die Abstimmungen über die wichtigsten Anträge angeführt. Ein alphabetisches Inhaltsverzeichnis erleichtert die Be- Nutzung._ Gemeindewahlerfolge. Gute Erfolge sind bei den Genielnderatswahle» im Regie« rungSbezirk Merseburg von unseren Geliosse» erzielt worden. Inden Landgemeinden sind genau 100 neue Mandate er- rungen. Iii einigen Orten ist noch gegen die Wahlen von Bürger- lichen Prolest erhoben, hier sind einige weitere Erfolge nicht aus- geschlossen. Von den zur Wiederwahl stehenden, bisher in unserem Besitz befindlichen Mandaten ist kein einziges verloren gegangen; sie wurden mit erhöhter Stimmenzahl gehalten. Die neuen Mandate verteilen sich auf die einzelneu Wahlkreise wie folgt: SaallreiS 17. Naumburg-Zeitz 39, Merseburg 8, Delitzsch 7, Torgau 8, Wittenberg 2, Saugerhauten 1 und ManSfeld 18. Insgesamt sind im Bezirk jetzt in 1 0 9 L a n d g e ni e i n d e n 230 Arbeitervertreter vorhanden. Für die erste Abteilung 3, für die zweite 18 und für die dritte 209. In zlvei Orte». Langen- bcrg und Kleinlcipisch. haben wir die Mehrheit, in zwei anderen Orte» ist je ein sozialdemokratischer Schöffe vor« Händen. Außerdem fanden in Anna bürg Stadtverordnetenwahren statt, die uns zwei neue Sitze brachten. Es sind jetzt in zwanzig Städte ndeSBezirkSLOsozialdemokratischeStadt- verordnete vorhanden. Nach den Wahle» 1907 waren es in sechs Städten 18. Der Wahlkaiiipf war in diesem Jahre in allen Orten e i n überaus scharfer. Mit allen Mitteln versuchte man die Ar- beiterschaft niederzuhalten. Vergeblich. Der ganze behördliche Apparat wurde für die Gegner in Bewegung gesetzt, AmtSdiener und ähnliche Staatsstützen trieben emsig Agitation, rissen unsere Wahlplakate ab und ivarcn als Schlepper tätig. Die Geistlichkeit beteiligte sich ebenfalls am Wahlkampse. Die Einsichtnabine in die Wählerlisten wurde mehrfach verhindert. Beim Wahlalt wurden unsere Genossen gezwungen, da« Wahllokal zu verlassen, während Ntchtwähler bürgerlichen Standes darin blieben. Die gesetzlichen Bestimmungen waren manchem Vorsteher völlig imbekannt. So erklärte einer von ihnen die L a n d g e in e i» d e o r d n n ,t g für seinen Ort einfach für ungültig! Ein anderer tvar damit einverstanden, daß sich ein Fabrikbesitzer als alleiniger Wähler der ersten Abteilung per Telegramm selbst wählte. Besonders niederträchtig wurde der Kamps von den Gegnern im M a n S- selber Revier geführt. Die berüchtigte Mansfelder Gewerk- schaft suchte loiederum unter allen Umständen ihre Kandidaten durchzudrücken. Sämtliche Beamten hatte» an den Wahltagen Dienst in den Wahllokalen. Sie umlagerten die Wahltische»nd notierte», wer gegen die Gewerlschastskondidaten stimmte. Außerdem waren zahlreiche Spitzel und Denunzianten tätig. Vollmachten vom Jahre 1903 wurden nochmals benutzt. In W a n z I e b e n maßregelte mau sieben Arbeiter der Geiverk- schaftSziegelei. mehrere andere wurden„strafversetzt". Und dabei hatten diese Arbeiter nicht einmal einen Sozial- dcmokraten getvählt— wir hatten keinen Kandidaten auf- gestellt sondern einen liberalen Rentier! Trotzdem wurden im Mansfeldischen 18 Arbeitervertreter gewählt, davon einer in der erste», zwei in der zweiten Aoteiluiig. So können wir mit den erzielten Erfolgen vollauf zufrieden sein. Die Partei ist in jeder Hinsicht gefestigt miS den Wahlkämpfen hervorgegangen und die Tätigkeit unserer Genossen in den Stadt- »nd Gemeindeparlamenten wird für weiter« Aufklärung sorgen und neue Erfolgs vorbereiten. Im Hamburger Landgebiet, in Bergedorf, wurden bei der Bürgervertreterwahl von fünf Sitzen drei von der Sozial- demokratie erobert trotz eines Zensus von 1500 Mark! Jugendbewegung. WaS allcö politisch ist. In Breslau wurde Genosse Redakteur S ch i l l c r zu 8V M. Geldstrafe verurteilt, weil er eine politische Ler- sammlung nicht angemeldet habe. Die Versammlung war eine öffentliche Jugendversammlung, in der Genosse Müller über„Ziele und Wesen der Arbeiter-Jugeiidbewegung" sprach. Dabei hat er nach der Bekundung eines Wachtmeisters auch die Mängel der Schule berührt— die Schule aber sei eine staatliche Ein- richtmig und deshalb glaube er— so sagte der Wachtmeister, daß die Versammlung eine politische gewesen sei. Das Gericht glaubte das auch und verurteilte deshalb, obgleich der Referent lediglich Sesagt hatte, daß die jungen Leute die'Mängel ihrer Schulbildung durch lwcitcrung ihres Wissen» außerhalb der Schule beseitigen sollten. Gewerhlcbaftlicbea. Das Rcicbsamt cles Innern als Vermittler im Baugewerbe. Den widersprechenden Meldungen der bürgerlichen Presse gegenüber können wir aus unterrichteter Quelle melden, daß das Reichsamt des Innern an die Zentralvorstände der vier bei den bevorstehenden 5lämpfen in Betracht kommenden Bauarbeiterorganisationen eine Einladung zu einer Sitzuiig gerichtet hat. Diese Sitzung Wird ain Freitag, vormittag 10 Uhr. stattfinden. Ihr Zweck ist, eine Vermittelung zwischen dm streikenden Parteien zu versuchen. In M ü n ch e il proklamieren die Unternehmer bereits den Krieg. Der Verband der Arbeitgeber für das Baugewerbe in München und Umgebung verschickt an seine Mitglieder ein Zirkular, in dem erklärt wird, daß die Schließung der Geschäfte am 15. April unvermeidlich sei-, die Arbeitgeber werden ersucht, sich auf den Kriegszustand vorzubereiten. � In den Kreisen der B e r l i n e r Unternehmer scheint die Stimmung für ein scharfmacherisches Draufgehen nicht be- sonders groß zu sein. Andererseits wird aber auch wieder versucht, Stimmung zu machen für die Annahme der Unter- nehmerforderungen, unter Hinweis darauf, daß die Situation für die Arbeiter diesmal besonders ungünstig sein soll. Die Absicht ist nur zu durchsichtig. In der„Moraenpost" nimmt ein Unternehmer das Wort. Er glaubt, daß die Donnerstag in Berlin stattfindende Vorstandssitzung des deutschen Bau- arbcitgebcrbundes die allgemeine Aussperrung nicht dekretieren werde, insbesondere aus Rücksicht auf die Sonderverhältnisse in Hamburg und Berlin. In Berlin sei eine Einigung mit den Arbeitern möglich, aber nur auf der Basis eines auf drei Jahre abgeschlossenes Tarifes. Auf kürzere Perioden könnten sich die Arbeitgeber nicht ein- lassen. Die Situation sei für die Arbeiter jetzt viel schlechter als vor drei Jähren. Damals habe man eine zehnprozentige Lohnerhöhung schon zugesagt, heute liege die Bautätigkeit fast �sanz danieder, und es könnte höchstens in eine staffel- förmige Lohnerhöhung für die nächsten Jahre gewilligt werden. Natürlich versuchen sich die Oberscharsmacher bei dieser Situation wieder im Schleifsteindrehen. Für sie ist es ja undenkbar, daß die Regierung vermittelnd eingreifen wird. In einem Leitartikel:„Die Machtprobe iin Baugewerbe" kalkuliert die„Post" heraus, daß es die 22 000 Unternehmer länger im Kampfe aushalten werden, als die 400 000 Arbeiter. Bei der hierzu angestellten Rechnung läßt das Scharfmacher- orgail bereits die vorhandenen gewaltigen Summen für Unterstützungszwecke auffliegen. Ihre Wut über die Einigkeit der Arbeiter kommt in einer Schimpferei über die Christlichen zum Ausdruck. Die„Post" wendet sich dann gegen eine Ver- Mittelung der Regierung, die gar keine Ursache habe, die Geschäfte der Sozialdemokratie zu besorgen. Und dann sagt sie: „Ten übermütigsten aller organisierten Arbeiter wird mit gebührender Entschiedenheit entgegengetreten werden, und sollte der äußerste Fall eintreten, daß die Arbeitgeber im Bau- gewerbe allein den Kampf nicht mehr durchhalten könnten, dann wird ihnen voraussichtlich von anderen Arbeitgeberorganisationen Hilfe geleistet werden. Es handelt sich um das Ansehen der gesamten deutschen Arbeitgeberschaft." Auch die ihr verhaßten Kathedersozialisten bekommen ihr Teil ab. Ihnen soll angesichts der entschlossenen Haltung der Arbeitgeber das Herz in die Hosen gefalle» sein und sie schreien jetzt ängstlich nach der Regierung. Daß in diesem Artikel auch eine Gemeinheit gegen die Arbeiter enthalten ist, versteht sich am Rande. Es heißt da: „Die Gewertschaftskassen, an die ungeheure Uuterstützungs- ansprüche— wöchentlich gegen 5 Millionen— gestellt werden dürften, iverden diesen Anforderungen nicht lange gerecht werden. Allerdings pflegt ja die Sozialdemokratie die fähigsten ihrer Simulanten an die Krankenkassen abzukommandieren, um so die Gcwerkschaftskassen etwas zu erleichtern. Aber weder mit diesem noch mit anderen Mitteln werden sie etwas anderes als Galgenfristen erreichen." Tun wir es zu dem übrigen. Die überschäumende Wut dieser Schlcifsteindreher wird schon noch besänftigt Werde». Auf einen ähnlichen Ton ist ein Artikel der„Kölnischen Zeitung" gestimint. In ihm»Verden die von B ö in e l b u r g verführten Arbeiter bemitleidet. Auch sie berechnet, daß die 8—0 Millionen Streikgelder bald»verdcn verbraucht sein. Wenn bei dem Streit Mäßigung geübt worden sei, so wäre das von den Unternehmern geschehen. Die Arbeiter»näßten sich mäßigrn, lvenn sie lücht den Schaden tragen wollten. Doch verlangt die Kölnische schließlich eine Vermittelung der Unter- nehmer.— Iin übrigen mögen die Warner sich trösten: Bange machen gilt nicht, auch bei den Bauarbeitern nicht. Tagegen bringt die„Frankfurter Zeitung" einen sehr objektiv gehaltenen Artikel, der an die Vernunft der Unter- nehmer appelliert und das Vertragsmuster des Arbeitgeber- Verbandes in seinen einzelnen Positionen zerzaust und nach- weist, daß es für die Arbeiter unannehnibar ist. Treffend beißt es in dem Artikel, in dem auch eine Vermittelung der Regierung verlangt wird. u. a.: „Aber wenn überhaupt verhandelt werden soll, dann muß dach immerhin die Bahn frei sein, und es darf nicht von vorn- herein durch Beschlüsse über diese Kardinalpunkte die Ver- Handlungsmöglichkeit völlig eingeschränkt sein. Und so zeigt sich denn auch hier wieder, daß der Arbeitgeberbund die ganze Sache gar nicht auf Verhandlung und Verständigung angelegt hat. Es soll gekämpft werden, die Gewerkschaften sollen Hiebe bekommen, damit sie einsähen, daß sie die Schwächeren seien. Das ist der Kern der Sache. Wer die Verhandlungen der Gewerkschaften gelesen hat, wird nicht bestreiten können, daß sie einen guten Eindruck machen und der Wunsch nach Frieden darin offen zum Aus- druck kam. Ausdrücklich ist auch gesagt Ivorden, daß die Ge- »verkschaften, wenn dritte Personen an sie zur Vermittelung heranträten, unter annehmbaren Bedingungen für Unterhand- lungen immer zu haben seien. Es»nuß aber von allem Anfang an beachtet werden, daß dies ein Kampf sein wird, den der Arbeitgeberbund gelvollt hat, den er provoziert hat, um den Geiverkschaften einen empfind- lichen, wenn möglich einen vernichtenden Schlag zu versetzen. Das ist der entscheidende Gesichtspunkt für die Beurteilung der ganzen Sache: es ist der Gesichtspunkt, unter dem sich die öffentliche Meinung,»venu sie gerecht sein tvill, zu dem Kampfe stellen muß. Wie eS aber auch kommen mag, die Ocffentlichkeit wird wissen, wer ihn heraufbeschworen hat." So und nicht anders ist die Situation von jedem rechtlich henkenden Menschen zu betrachten, selbst lvenn er nicht zu den um ihr Arbeiterrecht kämpfenden Bauarbeitern gehört. Lerlln und Umgegend. Wie die königlichen Betriebe in Spandau Arbeits- willige vermitteln. In den Spandaucr Betrieben der Herresverwaltung ist am 7 d. M. folgende Bekanntmachung angeschlagen:_ Vergntw. Liedakt.: Richard Barth, Berlin. Inseratenteil verantw.: Ein Verireier der Allgemeinen EiellnzitüiZ-Gesellschast wird heute nachmittag hier eintreffen, uin sich bei den Arbeitern zwecks Einstellung über ihre Fertigkeiten zn unterrichten. Sämtliche gekündigten Arbeiter haben sich von 2 Uhr ab bereit zu halten. Vorstellung erfolgt gewerkslveise im Sitzungszimmer. Spandau, 7. April 1910. gez. Kühler, Oberst und Direktor. Den Arbeitern ist nicht nur verschwiegen worden, daß sie als ArbeitSivillige ihren streikenden Kollegen in der A. E. G. in den Rücken fallen sollte»», es ist ihnen sogar der Wahrheit zuwider gesagt worden, cS sei kein Streik. Wir erlaube» uirS hiermit öffentlich anzufragen: Gehört eZ zu den Aufgaben der Staatsbetriebe, der A. E. G. derariige Raus- reißerdienste zu leisten? Erfolgt für diese besondere Tätigkeit be- sondere Honoriermig oder geht es auf allgeineines Konto? Um Antivort»vird gebeten! Unsere Kollegen in den Betrieben der Heeresverwaltung er- suche»»vir dringend: Laßt Euch nicht znm Streikbruch das ist zun» Verrat verleiten! Wenn Ihr die Staats« betriebe verläßt, könnt Ihr wieder offen Euere wahre Gesinnung bekunden. Zeigt den Herrei», die Euch verleiten»vollen Arbeits- lvilligendienste zu verrichte»», daß die Tätigkeit in den Staatsbetrieben Euch nicht zu Mamelucken gemacht hat. Uebt Solidarität I Ihr werdet sie bald genug von auderen Kollegen fordern müssen. De»ltscher Metallarbeiterverband. Ortsverwaltung Berlin. Die Konjunktur im Puberberuf wird veranschaulicht durch die Ergebnisse einer am 22. März vorgenommenen Bautenkontrolle, welche am Mittivoch in einer Versammlung der Putzersektion des Maurerverbandes bekanntgegeben lvurdc. Am Tage der Kontrolle arbeiteten auf 2S8 Bauten 9589 Putzer, davon 1113 außen und 1279 innen. Die Arbeit dauert auf 72 Bauten 1 Woche, auf 193 Bauten 2 Wochen, auf 82 Bauten 3 Wochen, auf 64 Bauten 4 Wochen, auf 39 Bauten 5 Woche»», auf 21 Bauten 6 Wochen, auf 11 Bauten länger als 6 Wochen. Außerdem wurden 315 Rohbauten ermittelt, die zum Putzen fertig sind und zwar kann die Arbeit begonnen werden auf 62 Bauten in 1 Woche, auf 74 Bauten in 2 Wochen, auf 63 Bauten in 3 Wochen, auf 51 Bauten in 4 Wochen, auf 23 Bauten in 5 Wochen, auf 42 Bauten in 6 Wochen. Ferner sind 62 Bauten vorhanden, die erst gerichtet worden sind. Die Arbeitsgelegenheit kann nach diesen» Ergebnis als eine recht günstige angesehen werden. Die Verhältnisse haben sich aber seit dem 22. März noch günstiger gestellt, denn, wie der Vorsitzende Neu mann mitteilte, ist zurzeit die Nachfrage nach Putzern so stark, daß der Arbeits- nachweis den Bedarf nicht gai»z decken konnte.— Von den sonstigen Ergebnissen der Bautenkontrolle ist noch zu erwähnen, daß nur auf 195 Bauten gute Baubuden vorhanden waren. Aus 115 Bauten waren sie mangelhaft.— Von den bei der Kontrolle ermittelten 2589 Putzern gehören 1792 dem Maurerverband, 16? andere»» Or- ganisationen und 563 keiner Organisation an. DeutfeKes Reich. Streiks in Banmschulbetrieben. Die Gehilfen und Arbeiter der Baumschulgärtnereien waren bisher unter allen Gärtnerbranchen noch am»venigsten der gewcrk- schaftlichen Organisation zugänglich. Das hat aber nicht gehindert. daß sie an mehreren Plätzen denn noch schon mehrmals in Streik getreten sind. Es lvaren immer wilde Streiks. Die miserablen Lohnverhältnisse drängten da jedesmal in der Hochkonjunktur des Jahres zur plötzliche u Katastrophe. Der Allgemeine Deutsche Gärtuervcrein sprang den Ausständigen immer hlifreich zur Seite, und so gelang es auch in fast jedem Falle,»venigstens etlvas heraus- zuholen. Auch das gegenlvärtige Frühjahr hat schon wieder zwei solcher Ausbrüche gezeitigt. Der erste spielte sich in dem Großbau»»- schulbetrieb voi» L. Späth in Bauinschuleniveg bei Berlin ob. Hier sind die Arbeiter schon feit einigen Jahren bestrebt, die elf- sründige Arbeitszeit auf eine zehnstündige herabzusetzen. Da cnt- sprechende Vorstellungen bei der Firma fruchtlos blieben, so ver- legten sich die Arbeiter zunächst auf die passive Resistenz, sie gingen nach zehnstündiger Arbeitszeit einfach nach Hause. Da aber die Gefahr bestand, daß nach einem energischen Eingriff von seilen der Firma die Mehrzahl abschnappen könnte, so beschloß man den Aus- stand. Von 159. die sich dafür erklärt hatten, folgten indes nur 30 dem Beschlüsse. Damit war der Streik mißglückt. Die Hälfte der Streikenden stellte die Firma wieder ein. die andoren, die „Hetzer" wurden gematzregelt. Ter Streikbeschluß»vor von Un- organisierten gefaßt Ivorden. Der Organisation fielen nur die Opfer zu.— Sehnlich vollzog sich ein Ausstand in Tolkewitz bei Dresden. Dort legten bei der Firma Paul Hauber sämtliche 36 Gehilfen die Arbeit nieder. Der Streik ist ergebnislos verlaufen, und die Firma stellt die Streitenden nicht tvieder ein. Auch hier muß die Organisation helfend eingreife» und den mittellose» Gc- Hilfen zu neuen Stellungen verhelfen. Streik der Tapezierer in Görlitz. In Görlitz habe» die Tapezierergehilfen die Arbeit eingestellt, nachdem die Verhandlungen mit den Arbeitgebern wegen Abschluß eines TarifeS sich zerschlagen hatten. Die Innung hat beschlossen, daß diejenigen Meister eine Strafe von 29 M. zu zahlen haben, die die aufgestellten Forde- ruiigen der Gehilfen durch Unterschrift anerkenner». Die Tapezierer« gehilfen in anderen Orte» werden ersucht, Görlitz bis auf weiteres streng zu meiden. Die Transportariciter in Hirschverg setzten nach 2'/, tagigem Streik eine allgemeine Erhöhung des Lohnes durch. Erfolgreicher Töpferstreik in Lieguitz. Der Streik der Töpfer in L i e g n i tz ist beendet. Die Arbeiter, die 19 Proz. Loynaufschlag auf den Aktordtaris beanspruchten, mußten, da die Unternehmer nur ganz winzige Erhöhungen an- boten, die sie noch obendrein durch Abzüge auf andere Positionen des Akkordtarifs zu kompensieren suchten, zur Durchführung ihrer Forderungen zum Streik greifen. Durch Eingreis'ei» beider OrganisationSleitungeii ist nunmehr am 6. April eine Einigung er- folgt. Es wurde eine sofortige allgemeine Lohnerhöhung von 5 Proz., nach Ablauf eines JahreS weitere 4 Proz. auf den Gesamr- tarif erreicht. Außerdem wurden noch verschiedene besondere Positionen deS AkkordtarifeS aufgebessert._ Sklavengesinttung. Bekanntlich ist jüngst in der Kulmbacher Spinnerei, die unter der Direktion des ber— ühmten Direktors Horns chuch steht, ein Streik der Spinnereiarbeitcr ausgebrochen. 69 Man»» blieben als Arbeitswillige stehen. Von den» inanl»hasteil Charakter dieser nützlichen Elemente gibt ein Inserat Kenntnis, das dieser Tage in einem bürgerlichen Blatte zu lesen war und das wie folgt lautet: Oeffentlicher Dank. Wir fühlen uns verpflichtet, unserem geehrten Herrn Di- rektor Hornschuch für die an dem Geschäft treugebliebenen Ar- beiter heute ausbezahlte Gratifikation von 699 M.(60 Arbeiter je 10 M.) sowie für die volle Sonntagsentlohnung, die durch Still- stand der Fabrik infolge Ausstandes eines Teiles der Arbeiter zum Ausfall gekommen wäre, unseren herzinnigsten Tank hiermit zum öffentlichen Ausdruck zu bringen. Diese Leute werden wohl auch ihrem verehrten Herrn Direktor noch„herzinnigst" danken, wem, sie nach dem Zuckervrot wieder die Peitsche bekommen. IZusland. Die belgische Gewerkschaftsbewegung im Jahre 1.008. DaS Krisenjahr 1908 hat auch der belgischen Gewerkschafts« bewegung schwere Verluste gebracht. Der offizielle Bericht der Ih.Glockr» Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u. Verlagsänjtäll Gejvcrkschaftskommission der belgischen Arbeiterpartei Verzeichnet am Schlüsse des Jahres 1993 noch 196 521 angeschlossene Gelverk« schaftsmüglicder, gegen 138 763 am Schluß des Vorjahres. Schwere Opfer erforderte die ungeheuere Arbeitslosigkeit. Trotz dieser An» forderungen haben sich die Finanzen infolge der Beitragserhöhung wie auch der langsam sich durchringenden Zentralisation bedeutend gebessert. Das Verband-verinögen bcrug pro Mitglied am Ende des Jahres 1993(in Klammern der durchschnittliche monatliche Beitrag): Nahrungsmittelindustrie 7,31(9,85) Fr., Baugewerde 4,57:1.48) Fr.. Holzindustrie 19,53(1,36) Fr., Wagenbau 21,83 (2,57) Fr., Schuhindustrie 7,65(1,40) Fr., Häute-, Leder- und Hand» schuhindustric 15,94(1,52) Fr.. Metallindustrie 7,62(2,95) Fr., Berg- bau 44,44(t,69) Fr., gemischte Berufe 3,29(1,19) Fr., Stein- »ndustrie 21,51(1,03) Fr., Buchdruckgewerbe 34,34(2,94) Fr.. Tabakindustrie 7.17(2,91) Fr., Textilindustrie 29.72(2,93) Fr., Transportgewerbe 21,52(1,69) Fr., Glasindustrie 4,12(1,49) Fr., Beileidungsindustrie 65,91(2,69) Fr. Versammlungen. Eine vom sozialdmolratischen Wahlverein für den vierten Berliner Neichstagswahlkreis einberufene öffentliche Versammlung im Konzerthaus„Sanssouci", die am Dienstag den großen Saal bis zum letzten Platz füllte, hörte einen Vortrag des Genossen Adolf Hoffmann über:„Ist Religion Privatsache?" Man brauche nur. führte Redner aus, sich den Etat der preußischen Duina ansehen, um darüber klar zu sein, daß Religion nichts weniger als Privatsache sei. Sie würde als Staatssachc. als Herrschaftssache betrachtet. Trotz des ctvigcn Defizits und der wachsenden Staatsschulden stehe der Kultusetat in gar keinem Verhältnis zu der sonst gepriesenen Sparsamkeit, soweit es sich um Ausgaben für die Kirche handele. Anders liege eS bei den Ausgaben für Kulturzwecke. Redner belegt das mit Ziffern des Etats und zeigt, daß die Ausgaben für die evangelische Kirche und Geistlichkeit mit einem Ruck um das Elffache(von 2 999 999 M. rund auf 23 359 999 M. rund) und die Ausgaben für die katholische Kirche ulid Geistlichkeit un» das Sechsfache(von 1399999 M. rund auf 7 499 999 M. rund) in die Höhe geschnellt seien. Tagegen seien die Ausgaben für Schulen, Blinden-, Waisen« anstalten und ähnliche Anstalten noch nicht um ein Fünftel gestiegen. Wo solle man deiin auch anders sparen, als bei de» Kulturausgaben! Das sei der Standpunkt auch der preußischen Duma. Als Betvcis dafür, daß die Religion zur Herrschaftssache, ja zur Geschäftssache geworden sei, verlas Genosse Hoffmann den Bettelbrief eines Kirchenvorstandes mit dem Herrn Pfarrer an der Spitze, in dem die Forderung nach Geld den Besitzenden schmackhaft zu»nachei» versucht wird"durch die Worte, daß die Erhallung der Religion in» Interesse eines jeden Besitzenden liege. Die Religion sei also tatsächlich nicht Privatsache� Das werde auch nicht, wie Gegner oft behaupteten, von der Sozialdemokratie gesagt. Sondern die Sozialdemokratie wünsche und fordere nur in ihrem Pro- gramm von der heutigen Gesellschaft die Er« k l ä r u n g der Religion zur Privatsache, im Gegensatz zum bc« stehenden Zustand. Redner beleuchtete dann unter'häufige»» Bei« fallsäußerungen der Versammelten in seiirer satirischen Weise den GewiffenSzlvang, den Aberglauben und die Bigotterie, die heute herrschen. Er schloß: Wir wünschen, daß die Religion zur Privat« fache werde, zur Sache jedes einzelnen, daß der Mißbrauch der Religion ausgeschlossen werde und wirkliche Gewissensfreiheit zur Geltung komme. Aber wir verlangten auch das Recht einer ge« sicherten Existenz und gleiches politisches Recht. Wir wollen poli« tisch nicht als mindertvertig angesehen»Verden. Keine Ruhe, bi» wir in Preußen die Rechte erlangt haben, die wir fordern! Ilnscre Feinde muß zermalmen der Geist der Zeit, den sie empört!(Stür- Mischer Beifall.) Der Vorsitzende empfabl dann den Anschluß an die Organisation, die die Kämpfe führe gegen die geschilderten Mißstände und zur Erreichung gleicher Rechte.— Stach turzer Tis« kussion im Sinne des Referenten und einem begeisternden Schluß« wort Hoffmanns sprach noch eine Genossin zu den zahlreich ver« tretenen Frauen.> Deutscher Transportarbeiterverband. Zu einer außerordent. lichen Generalversammlung waren die Mitglieder aus allen Branchen und Distrikten am Donnerstagabend nach FreyerS Festsälen, Koppenstraße, eingeladen. Der Zusammenschluß der Ver« bände der Hafenarbeiter, der Seeniänmsch:» Arbeiter und der Transportarbeiter stand als erster Punkt der Tagesordnung zur Beratung. Werner referierte. Er erinnerte daran, daß schon 1995 ein Kartellvcrtrag mit den Hafenarbeitern und Arbeitern ver« wandter Berufe abgeschlossen lvurdc, der als Vorläufer des jetzigen Zusammenschlilsses zu betrachten ist. Im vorigen Jahre erwartete man vom Verbandstage in München, daß er die Einheitlichkeit in der Orgaiiisation, soweit noch die Transportarbeiter auf dem Wasser und in den Häfen in Frage kommen, besiegeln»verde, aber es ent« wickelten sich Uneinigkeiten, und neue Verhandlungen mußten ein» geleitet»verde», die auch Erfolg hatten, so daß am 1. Juli d. I, der Zusammenschluß perfekt werden wird. Die Vereinigung erfolgt« auf der Grundlage des Statuts des Deutschen Transportarbeiter- Verbandes, von geringfügigen Aenderungen abgesehen. Das Pudli« kationsorgan der Seeleute soll bestehe»» bleibe»», dagegen wird das der Hafenarbeiter mit dem„Courier" verschmolzen werden. Di« Beiträge sollen aber für die Mitglieder des Deutschen Transport. arbeitervcrbandes eine Erhöhung um 19 Pf. erfahren, also 59, 45 und 49 Pf. betragen. Darüber entspann sich in der Versammlung eine längere Distussion: der Erhöhung wurde schließlich zugestimmt. Dagegen wurde die gleichfalls vorgeschlagene Erhöhung der Eintrittsgelder abgelehnt.— Nachdem noch einige Anträge für den außerordentlichen Vcrbandstag. der im Mai in Hamburg stattfinden soll, erledigt hwren, stellte die Versammlung 59 Kandidaten auf zur Wahl von 25 Delegierten zu dein Verbandstag. Ein Mitglied, Ernst Welzin, der Spitzeldienste verrichtet hak, wurde ausgeschlossen. Sein Bildnis ist im„Straßenbahner" ver- ösfentlicht worden._ Letzte IVacbrichtcn und vepeleben. Tie Bewegung i»« Baugewerbe. Magdeburg, 7. April.(Privatdepesche des„Vorwärts".) In einer von über 2000 Maurern, Zimmerern und Bau- arbeitern besuchten V e r s a in in l u n g erstatteten die Tele- gierten Bericht über die Vcrbandötage in Berlin. Die Ver« sanimlung nah»»» e i»» st i in m i g eine Resolution an. in der die Beschlüsse der Verbandstage rückhaltlos gutgeheißen und den Leitungen der Organisationen uneingeschränktes Ver« trauen für ihre Maßnahmen ausgesproclim wurde. Sympathiestreik in Bo»la. Marseille» 7. April.(W. T. B.) Wie die streikenden ein- geschriebenen Seeleute erfahren, hat das Syndikat der einge- schriebenen Seeleute und Dockarbeiter in Bona den Sympathie- streik beschlossen. Streikbrecher an der Arbeit. Marseille, 7. April.(W. T. B.) Heute nachmittag sind vier Pakctdampfer mit vollständiger(!) Besatzung beziehungsweise mit einer aus eingeschriebenen Seeleuten und Marinesoldateu zu- sammengcscytcn Besatzung nach Algier und Australien in See gegangen._ Duellunfug. Paris, 7. April.(W. T. B.) Aus Algier wird gemeldet: Zwei Kainmerkandidaten, der Generalrat H o u b e und der Bürgermeister von Orleansville Robert, duellierten sich aus Pistolen infolge eines Zwistes während der Wahlvewegung. R ob ort wurde getötet. ßäulSing« L:Eo., Berlin SW, Hierzu 3 Brilogev u.AptcrhaltunLZbl. Nr. 81. 37. Jahrgang. t KtlllP In Lmsrls" Kcrlim lolUIntt. lreiiag. 8. April 1910. HbgcordmtenbaiJö« 42. Sitzung. Donnerstag, den 7. April 1910, vormittags 11 Uhr. Am Ministertisch: Frhr. v. Rhcinbaöen. Ans der Tagesordnung steht zunächst eine Novelle zum Gesetz betreffend daS S t a atss ch uld bu ch, die bereits das Herrenhaus passiert hat. Abg. Dr. Arendt(fk.) begrüßt die Vorlage, die vom Herren- bau? verbessert sei, und beantragt ihre Ucberweisnng an die Budget- komniission. Finanzminister v. RheinSabcn: DaS StaatSschnIdbnch ist die beste Anlage für Vermögensbestände derjenigen Leute, die, wie man gesagt hat, einen ruhigen Schlaf einem guten Diner vorziehen, d. h. also, die ihre Papiere absolut sicher anlegen wollen und mehr Werl ans die Siwerheit als aus eine besondere gute Verzinsung legen. Wenn das Gesetz angenommen worden ist, wird alles geschehen, um erneut die Bevölkerung aus den Nutzen der Anlegung von Vermögens- beständen im StaatSschnldbuch hinzuweisen. Nach weiteren Bemerkungen der Abgg. König sZ.), Schröder- Kastel snatl.) und Winckler(k.) wird die Vorloge an die Budget- kommission verwiesen. ES folgt die zweite Lesung deS Etats der Bau- Verwaltung. Eisenbahnminister v. Breitcnbach: Nicht als Chef der Bauverwaltung, sondern auL rein menschlichen Empfindungen niöchte ich mich hier über das Mülheimcr Eisenbahilungliick am 80. März ausspreche», daS 19 Tote und 23 Verletzte brachte. Unter den Verletzten sollen nach den mir gewordenen Mitteilungen größtenteils leicht Verletzte sein. Blühende Menschenleben wurden dahingerafft oder in ihrer Gesundheit schwer becinträchiigt, junge kräftige Männer,>die ihrer Wehrpflicht genügten und mit ihnen Staats- eisenbahnbeamte in Ausübung ihres Dienstes. Ihrer aller und ihrer schwer getroffenen Angehörigen gedenke ich mit tiefer Trauer. Dieses schwere Unglück vollzog sich innerhalb einer Betriebsanlage, die vor kaum Jahresfrist fertiggestellt und dem Betrieb übergeben war und die von Sachverständigen als eine vollkommene Anlage charakterisiert wurde, in der alle Erfahrungen moderner Technik verwertet waren. Die Blätter haben im wesentlichen den Tatbestand darlegen können auf Grund der ihnen zugegangenen Mitteilungen. Ich rekapituliere kurz den Hergang. Der später verunglückte Zug mit Urlaubern be- fand sich ans der Fahrt von Düsseldorf nach Mlllhsiin a. Rh., um von dort weiter nach Metz zu fahren. Im Bahnhof Mülheim sind drei Signale. Diese drei Signale befanden sich in gegenseitiger elektrischer Abhängigkeit. Der Urlauberzug, der als Nachzug im Fahrplan ein- getragen ist, gelangte bei Fahrtstellung der beiden ersten Signale bor das dritte Signal und fand hier Halt stellung, kam also vor diesem Signal zum Hallen. Der nachfolgende Lloydexpreßzug, der ebenfalls fahrplanmäßig fuhr, fand das erste isignal in F a h r t st e l l u n g, das zweite Signal nach den Feststellungen aus Halt gestellt, um den Lokomotiv führer zu unterrichten, daß das Hauptsignal Haltstellung zeigt und ihn dazu zu veranlassen, so vorsichtig zu fahren, daß er vor diesem Signal zum Halten kommt. Er überfuhr das Haltsignal, fuhr an dem Stellwerk vorbei, nahm offenbar nicht wahr, daß vor dem Stellwerk ihm dringende Mahnungen durch ein laures Signalhorn zugingen und stieß auf den Urlauberzug. Ob der Führer des Lloydznges daS Einfahrtsignal, daS dem Urlauberzug galt, auf sich bezogen hat, kann dahin- gestellt bleiben. Der Lokomotivführer und der Heizer behaupten, daß daS zweite Signal Fahrt stellung gezeigt habe, ebenso wie das Vorsignal. Demgegenüber stehen die Aussagen des Stell« Werkspersonals und eines unbeteiligten Beamten, die behaupten, daß das Signal auf Halt gestanden habe. Ans dem objektiven Befunde ergibt sich, daß eine Entblockung nicht stattgefunden hat. Der Führer des LlohdzugeS hat seit Jahren Schnellzüge gefahren. Die Katastrophe war furchtbar. Hilfe ist in außerordentlichem Maße geleistet worden, wofür die Verwaltung zu großem Danke verpflichtet ist. Ich erwarte nun die Anfrage, was geschehen kann, um solche Katastrophen zu verhindern, die immer wieder mit unheim- licher Gewalt über uns hereinbrechen. Es beruhigt nicht angesichts einer solchen Katastrophe, daß wir darauf hinweisen können, daß die Unfälle in starker Progression zurückgingen. Ich darf ohne Ueber- Hebung für die preußischen StaatSeisenbahnen in Anspruch nehmen, daß sie auf dem Gebiete der Sicherung des Verkehrs im Interesse der ihr anvertrauten Reisenden ihr Möglichstes tun. Die Hauptfrage ist Kleines feuilleton. Ein Kapitel literarischer Kritik. Wir erhalten folgende Zuschrift: In der„Schaubühne" des Herrn Siegfried Jacobsohn hatte Theodor Lessing eine antisemitelnde Satire über Samuel Lublinski geschrieben. Daraus entwickelte sich ein amüsanter Federkrieg, von dem die Ocfsentlichkeit allerdings nicht viel spürte. Unter anderen Zeitschriften hatte auch die„Hilfe" sehr kräftig Stellung gegen Lessing ge- Nammen, und in ihrer letzten Nummer veröffentlichte sie hochbefriedigt 83 Namen von Schriftstellern, die alle bedauern, daß es Herrn Leffings wegen kein Ehrengericht für Journalisten gibt. DaS ist doch mal ein Manneswort in diesem tintespritzendcn Gefecht I Vielleicht etabliert man ein Ehrengericht, ähnlich wie eS die Slechtsanwälte haben. Wer sich mißliebig gemacht hat. fliegt und darf feine Schreibgewandtheit höchstens noch als Adrestenschreiber erproben. Herr Lcsfing nimmt die Sache anscheinend sehr heiter, denn er quittiert in der»Schau- bühne" mit einem Gedicht, besten letzte Strophe lautet: Der eine Esel, den ich fing, Galt meiner Würde zu gering. Und hocherfreut willkommen heiß' ich Den Zuwachs weiterer dreiunddreißig. Mich aber erinnerte die Geschichte an einige Briefe, die ich seit einem Jahre in meiner Schatulle habe. Der Verleger meiner Gcdichtbände hatte eine Mahnkarte an die Redaktionen gesandt, die meine letzte Sammlung„Neue Fahrt" zur Rezension erhalten hatten. Darauf lief bei ihm u. a. auch folgendes Schreiben ein:„Auf die gefl. Zirkularanfrage. welche ain 7. d. M. hier einlief, erwidern«vir Ihnen ergebenst, daß wir das bei Ihnen erschienene Buch von Krille „Neue Fahrt"... zu besprechen vorhaben. Aber die Zahl der zur Besprechung hier einlausenden VcrlagSwerke von mindestens gleicher Bedeuis-imkeit. ist so außerordentlich groß, daß wir schon eine groge Reihe Manuskripte von Besprechungen hier vorzulegen haben und noch mehr von unseren Herren Rezensenten aus früher erteilten Aufträgen her zu erwarten haben. Bei den, großen Andrang müssen wir eine gewiste Reihenfolge imichnlten und danach kann immerhin noch einige Zeit verstreichen, ehe wir die Besprechung deS Krilleschen BucheS veröffentlichen können. Andererseits können wir verstehen, daß sie die... Leser alS- bald möchten über Ihr Buch informiert ivisten. Deshalb wird eS vielleicht in Ihrem Interesse liegen. daS Buch vorerst durch I n s e« rate anzukündigen. Die Anzeigenabteilung... wird ein solches Inserat jeder Zeit gern aufnehmen und hat unS das angefügte Preiszirkular vorgelegt, woraus Sie das Nähere über den Kosten- Punkt ersehen werden... usw."| Da der billige Preis des BucheS nicht mehr als die notwendigsten Jnseratenkosten erlaubte, reagierte der Verleger auf diesen plumpen Wink, der jedem Anreiß-Bazar Ehre machen würde, nicht. Darauf ereilte ihn bald ein anderes Schreiben des Verlages, in dem eL- immer wieder, ob die Sicherung des Dienstes unabhängig ge- macht werden kann von menschlichen Fehlern und menschlichen Schwächen. Leider nmß ich bekennen, daß das heute noch nicht möglich ist. Mit allen mitteleuropäischen Eisenbahnverwaltungen lehnen wir die Einführung der automatischen Bremse, die unabhängig von, Willen dcö Lokomotivführers arbeitet, ab, weil wir befürchten, daß sie die Aufmerksamkeit des Führers für die Strecke mindern wird. Wir wisten auch, daß die automatische Bremse allen mög- l i ch e n Einflüssen ausgesetzt i st und nicht unter allen Umständen wirkt. Was wir auf diesem Gebiete nach dem heutigen Stand der Technik erreichen können, wäre die Ein- führung eines akustischen Signals auf der Maschine, das gleichfalls nicht abhängig ist von dem Willen irgend eines Menschen. Nach dieser Richtung sind umfassende Arbeiten im Gange. Aber auch hier wird eS sehr schwer sein, einen wirklichen Fortschritt zu erzielen, weil man auf der anderen Seite immer damil rechnen nmß, daß alle diese Hilfsmittel dazu führen, die Alifmerkiamkeit des. Führers auf die Strecke und die Signale zu vermindern. Die StaalSeisenbahnvcrwaltung wird weiter alles mn, um die Sicher- heit des Betriebes zu gewährleisten. Sie fährt fort darin, daß sie entschcidcndenden Wert aus die Auswahl und Heranbildung des im Betriebe tätigen Personals legt. DaS hohe Haus kann versichert sei», daß die StaatSbahnverwalumg alles tnn wird, um solch schwere Katastrophen, die die öffentliche Meinimg in außerordentlicher Weise erregen, wenn auch nicht auszuschließen, so doch wesentlich zu ver- mindern.(Beifall.) Präsident v. Kröchcr: Ich stelle fest, daß daS Haus die Ans fübrungcn deS Ministers mit tiefer Bewegung und inniger Teilnahme für die beklagenswerten Opfer der Mülheimer Katastrophe entgegengenommen hat.(Allseitige Zustimmung.) Abg. v. Pappcuheim(k.): Die Frage der SchiffahrtSabgabe» scheint ihrer Lösung in einer Weise ciitaegenzngehen, die auch wir freudig begrüßen. Wir wünschen, daß auch mit außerdcutschen Staaten eine Einigung stattfinde, die die gegenseitigen Interessen schützt. An den Grundsätzen aber, die wir seinerzeit sestgel haben, müsten wir s e st h a l l e n; Abmachungen, die diesen Grund- sähen widersprechen, würden wir nicht zustimmen. Vor allem halten wir auch an dem S ch lep p m o n o p ol fest Redner fragt nach dem Stande der Moselkanallsierung. Minister v. Nreitrnvich: Eine Kanalisierung der Mosel und Saar hält die Regierung zurzeit noch nicht für angebracht, einmal mit Rücksicht aus die Schwierigkeiten zwischen der Eisenindustrie des Nordwestens und Südwestens, und dann mit Rücksicht auf den AuS fall an Eiscnbahneinnahmen. Abg. Faßbender Besonders schlecht sind die Wohnungsverhältniste für die Arbeiter- bevölkerung. die 92 Proz. der Einwohner ausmacht. Die Regierung möge dieser Frage ihre ernste Aufmerlsamkeit widmen.(Bravo!) Minister v. Breitcnbach erwidert, daß im Jahre 1907 eine Bebauungsordnung für die Vororte Berlins unter Hinzuziehung erster Sachverständiger erlassen worden sei, deren Wirkung erst ab- gewartet werden müsse. 22 099 Hektar seien in Groß-Berlin nur vorgesehen für die geschlossene Bauweise, dagegen 96 999 Hektar für die offene Bauweise, wie sie der Vorredner wünschte. Abg. Dr. v. Woyna(sk.) begrüßt die Förderung der elektrischen Ueberlandzcntrale durch die Bauverwaltung. Der Fürsorge für die Arbeiter wird durch die Beamten der Kanalverwaltung die größte Aufmerksamkeit geschenkt. Abg. Lippmann(Fortschr. Vp.): ES freut mich, daß sich Herr v. Pappenheim heute als Freund der Wasserstraßen bezeichnet hat. Wenn man aber den Verkehr auf den Wasserstraßen will, muß man ihm eine gewisse Freiheit lassen. DeZhakv sind wir gegen dn§ Schleppmonopol. Eine Verpachtung dieses Monopols würde dem Staate größere Einnahmen verschaffen als die Selbstverwaltung. Gegen SchiffahrtSabgabcn an sich ist vielleicht nichts ein zuwenden, aber im Volke besteht das berechtigte Mißtrauen, daß die praktische Handhabung solcher Abgaben unter dem Einfluß der Agrarier zur Beschränkung und nicht zu einer Ausdehnung des Verkehrs auf den Wafferstraßen führen werde. Die Oderschiff fahrt ivürde jedenfalls durch die Einführung der Schiffahrtsabgaben einen schweren Schlag erleiden. Redner führt des weitere» Beschwerde über Benachteiligung Stettins gegenüber Hamburg. heißt:„Wir erlauben»nS heute ergebenst anzufragen, wann Ivir denJnseratenauftrag erwarten können." Als auch dieses Schreiben seinen Zweck verfehlte, lief ein drittes ein, in dem es kategorisch hieß:„Unter höfl. Bezugnahme auf die Anregung zum Annoncieren des bei Ihnen erschienenen BucheS von Krille„Neue Fahrt".. erlauben wir unS Sie heute ergebenst zu ersuchen, uns den Text Ihres eventuellen Inserates nunmehr recht bald gefl. zusenden zu wolle n." Da der Text des Inserates nicht kam, unterblieb auch die Be sprechung. Ich beobachtete des Humorö wegen die Rezensionen deS Blattes. Natürlich erschienen sie nicht nach der Reihenfolge deS BücheremlanfeS. Das könnte man im Ernst auch keiner Redaktion jmmuten. Hegt aber wohl jemand einen Zweifel, daß bei Aimoncierung deS BucheS bald eine Besprechung erschienen wäre? DaS Blatt, in dem der Zusammenhang zwischen Kritik und Annonce so innig ist, heißt„Die Hilfe". Wenn daS gleiche Blatt das Kapitel deö journalistischen Anstandes abhandelt, sollte eS füglich auch diesen Beitrag berücksichtigen. Otto Krille. Ein Kontraktbruchgesetz aus dem Jafire 1721. In der Vierteljahresschrift für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte wird ein inter- essanteS Gesetz aus dem Herzogtum Lothringen wieder ans Licht ge- zogen. Es handelt sich um ein Bergarbettergesetz aus dem Jahre 1721. In den südlichen Vogesen besaß der Herzog von Lothringen wertvolle Erzgruben. 1721 ivurden die Bergwerke, den damaligen nationalwirtschaftlichen Grundsätzen enffprechcnd, an eine Handelsgesellschaft zur Ausbeutung überwiesen. Die Gesellschaft erhielt die Verpflichtung auferlegt, die gewonnenen Metalle in die herzogliche Münze abznliefeni. Da die Handelsgesellschaften, wie alle ihre Mitgescllschaften, die Arbeiter gehörig ausbeuteten, wuchs die Unzufriedenheit unter den Bergarbeitern ständig. Darauf kam es zu dem Gesetz. Der lothringische Staatsrat erließ eine Verordnung für die in den Gruben von La Croix beschäftigten Bergarbeiter, die sich gegen das unbotmäßige Verhalten und den willkurlicven Bruch des Arbeits- verhällnisieS durch die Arbeiter aussprach. ES wird deS weiteren in der Schrift darüber Klage geführt, baß verschiedene„unruhige lind übelgesinnte Geister" die Arbeiter aufwiegeln— eS gab demnach damals auch schon„sozialdemokratische Hetzer"— und versuchen, von ihren Pflichten abwendig zu machen. Deswegen wurde dies Reglement am zweiten Sonntage im März 1721 von den Kanzeln der Kirchen verlese». Zuwiderhandlung sollte mit einer e x e m- plarischen körperlichen Strafe geahndet werden. Um eine genaue Uebersicht und Kontrolle über die beschäftigten Arbeiter zu haben, wurden die Bergarbeiter in vier Brigaden eingeteilt, jeder stand ein Brigadier vor, der über seine Untergebenen genau Liste führte. In ihr wurde genau notiert, für wie lange sich jeder ver« düngen hatte. Bei Vorliegen ivichtiger Gründe konnte den Arbeitern Urlaub gewährt werden, verließen sie widerrechtlich die Arbeitsstelle, dann würde die Angelegenheit der Landespolizeibehörde übergeben. Also ganz wie heute noch; nur der eine Unterschied besteht, daß die Möglichkeit der exemplarischen körperlichen Züchtigung weggefallen Minister v. BrcitenSach betont, daß von den Ostseehäfen für Stettin «m meisten geschehen sei. Abg. Frhr. v. Maltzau(k.) widerspricht dem, die Hafenabgaben für Stettin müssen ermäßigt werden. Hierauf vertagt das Haus die Weiterberatung auf Freitag 11 Uhr. Schluß l'/e Uhr._ Die KeichsverilcherulZgzoränuog. IV. Aufbringung der Koften für die Hinterbliebenenrenten. Die ReichSversicherimgSordnung nimmt den Hinterbliebenen das wenige, was§ 15 des Zolltarifgesetzes ihnen versprach. Um das Ungeheuerlilbe dieses neuen Raubzuges gegen die Taschen der Arbeiter, ihrer Witwen und Waisen voll zu würdigen, ist eS zweck- mäßig, einen Rückblick auf die Entstehung deS 8 15 deS ZolltarifgcsctzcS zu werfen. Bei der ersten Lesung des ZolltarifgesetzeS im Jahre 1992 ließ daS Zentrum, offensichtlich um die über die drohende künstliche Ver- teuerung der Lebensmittel erregten ZentnnnSarbeiter zu besänftigen, durch den Abgeordneten Herold erklären: Wir haben fest und bestimmt erklärt, daß die Mehr ein» nahmen auS den agrarischen Zöllen siir soziale Zwecke verwendet werden sollen und in erster Linie ist hier die Witwen- und Waisenfürsorge ins Auge gesagt. Die agrarischen Zölle sind"in dem ersten 213 Nummern um- fastenden Abschnitt des Zolltarifs, überschrieben„Erzeugnisse der Land- und Forstwirtschaft und andere tierische und pflanzliche Natur- erzeiignisse: NahningS« und Genußmittcl" zusammengefaßt. In der Zolltarif kommission brach das Zentrum dieses feierlich im Plenum abgegebene Versprechen. Der in der Verwässerung und Verschlechterung sozialer Anregungen anderer außerordentlich be- währte ZentrmnSabgcordnete Trimborn begründete diesen ersten VersprcchenSbrnch. Er bearündcte einen Antrag, nach dem ans den 218 agrarischen Tarifstellen nur 14 herausgenommen werden sollten. Fortgelassen wurden insbesondere die Posillonen, die Hülsenfrüchte, Grieß, Graupen, Obst, Gemüse betrafen. Der Mehrertrag, den diese Zollvositionen abwerfen würden, sollte zum Aufbau einer Hinterblicbenenversscherung verwendet werden. Trimborn schätzte den JahreSerlrag auf 91 Millionen, der Staatssekretär v. Thielemann auf 32 Millionen. Diese Beträge sollten bis zum 1. Januar 1919 zurückbehalten und zur Erleichterung der Witwen- und Waisenversichcrung, die spätestens am 1. Januar 1919 in Kraft zu treten habe, verwendet werden. Bis zum Inkrafttreten eines solchen Gesetzes sollten die Mehrerträge für Rechnung des Reichs a n g e f a m m e l t u n d verzinslich angelegt werden. Wenn das Gesetz bis zum 1. Januar 1919 nicht in Kraft treten würde, so sollten von da ab die Zinsen der angesammelten Mehrerträge sowie die ein» gehenden Mehrerträge selbst den einzelnen In» validen Versicherungsanstalten nach Maßgabe der von ihnen im vorhergehenden Jahre auf- gebrachten Versicherungsbeiträge zum Zwecke der Witwen» und Waifenversorguug der bei ihnen Versicherten zu überweisen. Die Unter- stützung sollte auf Grund eines vom Reichsverficherungsamt zn genehmigenden Statuts erfolgen. Diesem Antrage wurden von konservativer Seite zwei Gegenanträge gegenübergestellt. Nach den: einen sollten die Mehreinnahmen zur Ermäßigung der JnvalidenversicherungSbeiträge verwendet werden. Der zweite Antrag suchte den Antrag Trimborn in eine Resolution umzuwandeln. Von sozialdemokratischer Seite wurde ausgeführt, das zweckdienlichste fei, eine Witwen- und Waisenversicheriing ohne Erhöhung der Zölle a»f Levens« mittel einzuführen. Wenn die Renten, wie Trimborn aus- geführt hatte, nur 190 M. für die Witwe, 33'/? M. für die Waisen betragen sollten, so enthalte der Antrag ja keine Hinterbliedenenversicherung. Zumal schon jetzt von vielen Gemeinden weit mehr als diese Betrage verwendet werden müßten, stelle der Antrag nur eine Entlastung der kommunalen Armenkassen dar. Die Berechnungen deS Antragstellers feien auch falsch; nicht 91 oder, wie der Staatssekretär meinte, 82 Millionen, sondern etwa 49 Millionen würde der Mehrcrtrag jährlich ausmachen. I» einigen, vielleicht den meisten Jahren würden die Ueber- ist. Sicher nicht nur zum Leidwesen des bekanten OertelblatteS. Wichtig bleibt dabei, daß die Sorte Scharfmacher ebm zwei« hundertJahrezuspät geboren worden ist. Humor und Satire. Frau Toselli. Als Genned'ne und Verpönte, In der Brust der Liebe Brand, Irrt herum die ungekrönte Königin von Sachsenland. Neuerdings als Frau Toselli Treibt sie'S wieder gar zu frei. Welch' ein duft'aer casus belli Für Philisters Hohngeschreil Ja, das ist so recht die Sphäre, Die deö Spießers Ideal. Eine fürstliche Hetäre, Durchgebrannt zum dritten Mal l Jntzner dreister ioird's und netter, Immer toller mit Madam!— Alle bürgerlichen Blätter Halten Ohr und Nase stramm. Und sie horchen und sie schnüffeln Unermüdlich, niemals schlapp. Und sie suchen, wie nach Trüffeln, Das verlass'ne Eh'bett ab. Findige Berichterstatter Schwärmen ein und schwärmen auS, Und ihr Eifer wird nicht matter, Schmeißt man sie zum Tempel raus. _ Michel. Notizen. — Vortlage. Die Humboldt-Akademie hat in ihr oeben erschienenes neues Vorlesungsverzeichnis die Eroberung der Luft aufgenommen. Als Dozent für die an, 11. April beginnenden theoretischen Flngkurse ist der Bruder und Mitarbeiter des als Opfer einer Flugversuche so jäh aus dem Leben geschiedenen FluglünstlerS Lilienthal gewonnen. — Eoldatenseinschönl In: vergangenen Jahre erschien in unserem Feuilleton eine Sammlung von packenden, lebenswahren Schilderungen aus dem Soldatenleben unter dem Titel: Soldaten sein schön I von Karl Fischer. Der Verfasser, ein als Schriftsteller bisher Unbekannter, hat in Form einer Erzählung das ganze Milieu des Kasernenhofes, des militärische» Drills, der unbedingten Subordination meisterhaft gezeichnet. Die„Bilder aus Kaserne und Lazarett" wurden denn auch überall mit größtem Interesse gelesen, vor allen Dingen von denen, die selbst Soldat loaren. Jetzt hat der Verlag der Leipziger Buchdruckerei A.-G. eine Buchausgabe veranstaltet. Bei guter Ausstattung und klarem Druck kostet das 141 Seiten starte Werlchen nur 1 M. broschiert, gebunden 1,69 M. schlisse noch geringer sein, vielleicht völlig ausfallen. DaS Gesetz müsse auch zugleich mit dem Zolltarifgesetz in Kraft treten. Wenn ferner das Zentrum sein im Plenum abgegebenes Versprechen »venigstens soweit ersüllen wolle, als cS sich um Lebensmittel handle, mühten die jetzt herausgegriffenen 14 Zollpositionen um mindestens zwölf sBuchweizen, Hirse, Malz, Küchengewächse, Obst, Graupen) vermehrt iverden. Das Zentrum st i in m t e gegen die sozialdemokratischen Anträge, auch gegen die, die nur den Wortbruch der HentrumSleute ver- minderten. Die Sozialdemokraten stimmten trotz der Unzuläng- lichkeit des Zentrumsvorschlages für denselben, um so wenigstens einige Millionen besserer Verwendung als der für Militär- und Marinerüstungen zuzuführen. ?in Plenum(am 21. November 1902) erfolgte ein weiterer all des Zentrums zuilnglinsten der Arbeiter. Es verlangte eine Verschlechterung seines eigenen von der Kommission angenommenen Antrages. ES strich nämlich aus dem zum Beschluh erhobenen Antrage die Positionen ftic Gerste, Hafer, Butter, Eier und Käse und wollte nicht den Zolldurchschnittsertrag der Jahre 1893 bis 1902, sondern den von 1898 bis 1903 zugrunde legen. Durch die später erfolgte Annahme dieser Verböserung wurden dein Fonds etwa 25 Millionen jährlich entzogen. Der Abg. Trimborn hob in seiner Rede hervor, dah sei» in der Kommission gemachter Vorschlag, die ferner für eine Witwen- und Waisenversichcrung erforderlichen Mittel durch Beitrüge der Arbeiter und Arbeitgeber auf- zubringen, sein p e r s ö n li ch e r unverbindlicher Vorschlag gewesen sei, seine Freunde hätten lebhafte Bedenken,„die Landwirtschast und das Handwerk mit neuen Beiträgen zu belasten'. Ueber die Belastung der Arbeiter durch neue Beiträge hatten die Zen- trumsleute sich offenbar keine Kopfschmerzen gemacht. Trimborn sprach dann namens des Zentrums die Hoffnung aus, dah auch ohne Beitragsleistung b l o h durch die Ansammlung der- jenigen Mittel, die der neue— dann Gesetz gewordene— Antrag verlangte, recht fühlbare U n t e r st ü tz u n g e n für die Witwen und Waisen sich erzielen lassen würden. Der Staatssekretär des NeichSschatzamtS v. Thielemann legte dar, der von der Koni- Mission angenommene Antrag würde ungefähr 82 Millionen jährlich, in 7 Jahren eine halbe Milliarde, der abgeschwächte Antrag des Zentrums in 7 Jahren etwa eine drittel Milliarde einbringen. 100 bis 120 Mark jährlich könnten als eine aus- könimliche Zuwendung nicht angesehen werden. ES seien voraussichtlich mehr Mittel erforderlich, man solle sich mit der von den Konservativen beantragten Resolution begnügen lassen. Bekanntlich schlägt die Regierung jetzt lediglich für die invaliden Witwen eine Beihilfe vor, die n o ch g e r i n g e r ist, als die vom Staatssekretär als unzulänglich bezeichnete. Bon sozialdemokratischer Seite wurde durch Genoffen Molkenbuhr der ZentrmnStnig in die richtige Beleuchtung gestellt. Wolle man einen Grundstock für die Witwen- und Waisen- Versicherung aus den Zöllen entnehmen, so solle nian die sämt- lichen Nahrungsmittelzölle hierfür verwenden und den dann noch erforderlichen �ufchuh durch eine Neichseinkommen- steuer auf die Vermögen derer legen, die durch die Zollgesetz- gebung enorme Vorteile auf Kosten der Arbeiter, insbesondere auch der Witwen und Waisen erlangen. Die von Trimborn, aber auch die von der Regierung aufgestellte Berechnung sei noch viel zu rosig. Lege man das Ergebnis für Weizen und Roggen für 1900 zugrunde, so würden bei den durch das Zentrum bewilligten Nahrungsmittel- zöllen unter Voraussetzung der Annahme des Zentrumsantrages: 63 Millionen dem Reich, 41 Millionen den Witwen und Waisen und 376 Millionen den Grundbesitzern bewilligt. Das heiht also: von je 100 Mark, um die der deutsche Brot- esser sein Brot infolge der Zollgesetzgebung teurer bezahlen muh als im Auslande, erhalten die Grundbesitzer 78.20 M., das Reich 13,21 M. und die Witwen und Waisen 8,59 M. Diese Zentrumspolitik, die dem Brotesser 100 M. abnimmt, um der Witwe 8.59 M. zu versprechen, sei für jeden Arbeiter zu durchsichtig, um die arbeiterfeindliche Politik des Zentrums verhüllen zu können. Selbst- verständlich stimmten schliehlich die Sozialdemokraten nach Ab- lehnung ihrer eigenen Anträge für den Zentrumsantrag, um wenigstens einige Millionen dem Militär- und Marinemoloch zu entrerhen. Der so Gesetz gewordene 8 16 des Zolltarifgesetzes lautet wörtlich: „Der auf den Kopf der Bevölkerung des Deutschen Reiches entfallende Nettozollertrag der nach den Tarifstellen 1, 2, 102, 103, 105, 107, 107a. und 190 des Zolltarifs 1) zu verzollenden Waren. welcher den nach dem Durchschnitte der Rechnungsjahre 1893 bis 1903 auf den Kopf der Bevölkerung entfallenden Nettozollertrag der selben Waren übersteigt, ist zur Erleichterung der Durchführung einer Witwen- und Waisenversorgung zu verwenden. Ueber diese Versicherung ist durch ein besonderes Gesetz Be- stimmung zu- treffen. Bis zum Inkrafttreten dieses Gesetzes find diese Mehrerträge für Rechnung des Reichs anzusammeln und verzinslich anzulegen. Tritt dieses Gesetz bis zum 1. Januar 1910 nicht in Kraft, so sind von da ab die Zinsen der angesammelten Mehrerträge sowie die Mehrerträge selbst den einzelnen Jnvalidenversicherungs- anstalten nach Mahgabe der von ihnen im vorhergehenden Jahre aufgebrachten Versicherungsbeiträge zum Zwecke der Witwen- und Waisenversorgung der bei ihnen Versicherten zu überweisen. Die Unterstützung erfolgt auf Grund eines vom Reichs- versicherungsamte zu genehmigenden Statuts.' Weitere Verschlechterung deS Z 16 des Zolltarifgesetzes. Im Dezember 1909 legte die Regierung einen Gesetzentwurf vor, der verlangt, an Stelle des Datums„1. Januar 1910" zu setzen:.1. April 1911". Die Beratung im Reichstag fand am 3. und 4. Dezember statt. Die Verkürzung der Rechte der Witwen und Waisen wurde gegen die Stimmen der Sozialdemokraten an- genommen. Bei der Beratung erklärte der Staatssekretär Dr. Delbrück ani 3. Dezember, die Frage, ob uftd inwieweit der Hinterbliebenenversicherung rück iv irkende Kraft gegeben werden könne, sei noch nicht gelöst. Er für seine Person werde gern bereit sein, im gegebenen Zeitpunkt mit dem Reichstag über etwaige diesbezügliche Vorschläge in Beratung zu treten, und er hoffe, dazu des Einverständnisses der Verbündeten Regierungen sicher zu sein. JmGegensatzzu dieser Erklärung des Staatssekretärs lehnt der von iljm vorgelegte Entwurf ab, der Hinter« bliebenenversicherung rückwirkende Kraft für die Zeit bis zum 1. Januar 1910 zu geben. Der rückwirkenden Ein- führung der Hinterbliebenenversicherung ständen, heiht es in der Begründung des Entwurfs, versicherungstechnische, finanzielle und verwaltungsinähige Schwierigkeiten entgegen. Der Haufen nach der Bersicherungsordnung neu einzustellender Beamten wäre nicht im- stände, die Feststellung der Hinterbliebenenbezüge für zurückliegende Jahre nachzuholen.(®. 365, Motive.) Durch§ 15 des Zolltarif- gesetzeS seien allerdings zweifellos Hoffnungen auf die tat- sächliche Fristung von Hintcrbliebenenbezügen für die Zeit vom 1. Januar 1910 an erweckt worden. Aber ein gesetzlicher oder auch nur billiger Anspruch der einzelnen Witwen und Waisen auf Gewährung der Fürsorge von da an könne daraus nicht abgeleitet werden, denn im Gesetze sei ja nur gesagt, dah die Zinsen den Versicherungsanstalten überwiesen werden, nicht dah auch den Witwen und Waise» vom 1. Januar 1910 ab Unterstützungen zu leisten seien I Im Zolltarifgesetz sei auch nicht gesagt,„welche Witwen und Waisen, ob auch die etwa bereits vorhandenen, an den Unterstützungen beteiligt werden sollen". Eine ärgere Verdrehung klarer Rechtsansprüche könnte sich schwerlich der ausgekochteste Winkelkonsulent leisten als hier die Motive. Klipp und klar besagt % 15 deS ZolltarifgesctzeS, dah die nach diesem Paragraphen an- zusammelnden Gelder„zur Erleichterung der Durch- führung einer Witwen- und Waisen Versorgung zu ver« wenden" sind. Die Motive begründen� den Vorstoß des Gesetz« seberS gegen die Grundsätze von Treu und Glaube» noch durch olgende Sätze: „Sodann können die geringfügigen Beträge, die nach§ 15 überhaupt hätten in Frage kommen können, mit den Leistungen der ReichsversicherungSordnung nicht auf gleiche Stnfe gestellt werden, so dah die unsichere Hoffnung auf etwaige Erlangung jener unter keinen Umständen einen auch nur moralischen Anspruch auf diese begründen kann. Wie das Statut ausgefallen iväre und unter welchen Voraussetzungen den Hinterbliebenen darin eine Unterstützung zugebilligt worden wäre, läßt sich nicht feststellen. Aller Voraussicht nach hätte sich die Unterstützung in der vom Zolltarifgesetz als Ersatzmahnahme gcdachlen Weise überhaupt nicht durchführen lassen. Endlich ist der Termin deS§ 15 durch das Rcichsgesetz vom 11. Dezember 1909, betreffend die Abänderung des§ 15 des Zolltarif- gesetzes usw.(Reichsgesctzbl. S. 973), auf den 1. April 1911 ver- legt und damit jeder Anspruch, selbst wenn ein solcher bestanden hätte, endgültig beseitigt worden. Was übrig bleibt, sind nur noch Erwägungen des Wohlwollens, die aber init Rücksicht auf die Finanzlage und die übrigen oben angeführten zwingenden Gründe zurückstehen niüssen." Also die Witwen und Waisen haben nicht einmal einen moralischen Anspruch auf Erfüllung der durch das Gesetz bei ihnen erweckten Hoffnungen. Es sind ja nur Arbeiterwitwen und -Kinder. Würde ein Reichsgesetz den Beamtenhiiiterbliebenen ähn- licheS versprochen und dann nicht erfüllt haben, mit Recht würde eine Empörung über die doppelte Verhöhimng der Witwen und Waisen losgebrochen sein. Die Rcichsversicheruiigsordnung nimmt unter Bruch deS gesetz« lichen feierlichen Versprechens den Witioen und Waisen der Arbeiter das, was ihnen auf Grund des Gesetzes gebührt. Die Reichs- Versicherungsordnung will das vom Zentrum bereits im Jahre 1902 gegebene Versprechen, die Mehreinnahmen aus agrarischen Zöllen für soziale Zwecke zu verwenden, völlig aufheben und die für die Witwen- und Waisen angesammelten Beträge dem allgemeinen Reichsetat, also im wesentlichen militärischen Zwecken, überweisen! Wieviel ist für die Witwen und Waisen aus den Zollerträge« gesammelt? Die Berechnungen der Sozialdemokraten find im Gegensatz zu denen des Zentrums und der Regierung voll eingetroffen: die Mehr- einnahmen, die auf Grund des ß 15 des Zolllarifgesetzes ftir eine Witiven- und Waisenverficherung zurückzulegen sind, betrugen: im Jahre 1906: 0,00 Pf. „ 1907: 42 382 427 M. 32 Pf. .. 1908: 0,00 Pf. „„ 1908: voraussichtlich 0,00 Pf.(veranschlagt: 40 Millionen) „, 1910: 0,90 Pf.(bereits nach dem Etatsentwurf). Also ganze 42 Millionen— noch nicht den 12. Teil der halben Milliarde, die Trimborn, und noch nicht den 3. Teil der drittel Milliarde, die der Schatzsekretär herausgerechnet hatte. In der- selben Zeit fielen den Großgrundbesitzen, aus den Taschen der Arbeiter, einschliehlich der Witwen und Waisen, infolge der Brot- Verteuerung durch den Zoll rund 1500 Millionen in den Schoß. Soll Treu und Glauben auch Arbeitern gegenüber vom Gesetzgeber ge- halten werden, so wäre das Reich verpflichtet, für die Witwen und Waisen jährlich vom Jahre 1905 ab gerechnet 91 Millionen nach« träglich zu bewilligen. Was war denn den Witwen und Waisen im Zolltarif nach den Behauptungen deS Abg. Trimborn und des Schatzsekretärs versprochen? Jährlich 91 oder 80 Millionen. Es ist eitel Schaumschlägerei, wenn die Herren, die während der Reichstags- wähl 1907 mit der Erfüllung dieses Versprechens krebsen gingen, sich jetzt hinter den Wortlaut des§ 15 des Zolltarifs verstecke». Wenn im Privatleben jemand sich in ähnlicher Weise auf den Wortlaut eines Vertrages, der dem mündlich gegebenen Versprechen entgegensteht, zurückzieht, so nennt man den einen Be- trüger oder im besten Fall einen Worttüftler und Rabulisten und kein Gericht der Erde würde säumen, ein so hinter dem B u ch st a b e n des Vertrages sich Verkriechenden, dem Sinne des Vertrages entsprechend zu verurteilen. Das Reichsamt des Innern verlangt ein anderes Ergebnis: der Wortbrüchige soll belohnt, die den Witwen und Waisen vorenthaltenen. durch die Verteuerung der Lebensmittel entstandenen Beträge sollen dem Reich und den Reichen zufliehen. Kein Wort davon, dah etwa durch Aushebung deS Identitätsnachweises, dieser Liebesgabe für Grohgrundbesttzer. den Witwen und Waisen gegen- über vollzogene Rechtsbeugung beseitigt werde. Aber der Entwurf schlägt doch Beiträge für die sogenannte Witwen« und Waisen-.Rente" vor? Sehen wir, wie es sich damit verhält. Beiträge des Reichs zu den Hinterblicdenenrenten. Nach dem Entwurf soll ein ReichSzuschuh von ganzen 50 Mark für jede Witwe und gar nur 25 M. für jede Waise treten. Dadurch gewinnt das Reich an den jährlich in Höhe von 80 viS 91 Millionen Mark für die Hinterbliebenen versprochene» Geldern jährlich etwa 72 bis 83 Millionen! Das zeigt folgende Rechnung. Die Motive enthalten zwar S. 534 bis 556 lange Rechen- exempcl. Aber ihre gesamte Rechnerei ist ebenso windig wie die seinerzeit gegebene amtliche Begründung, in der mehr Witwen von Seeleuten mit einem Anspruch auf Hinterbliebenenunterstützung aus« gerechnet wurden als es überhaupt Seemannswitwen gab. Die Berechnung der Motive ist so unübersichtlich wie möglich. Soweit aus dem Wust von Zahlen, Ziffern und Annahmen ersichtlich, scheint die Regierung den jährlichen ReichSzuschuh auf 27 Millionen zu schätzen. Stimmt dies, so heißt daS: 53 bis 64 Millionen aus den verheißenen 80 bis 91 Millionen werden den Hinterbliebenen jährlich entzogen. In Wahrheit ist die entzogene Summe noch erheblich höher. DaS ergibt solgende un- gefähre Schätzung, die wir bereits vor einem Jahre ausstellten und gegen die Bedenken nicht geltend gemacht sind. Bei der Invalidenversicherung sind zurzeit rund 14 Millionen Personen(QlU Millionen Männer und 4� Millionen Frauen) versichert. Der Reichszuschutz für die Invaliden- und Altersrente be- trägt 50 M. Zur Bestreitung hierfür sind in den Etat rund 50 Millionen als ausreichend eingestellt. Die am 1. Dezember 1900 aufgenommene Volkszählung wies 2 413 659 Witwen auf. Von diesen mag die Hälfte als solche anzusprechen sein, deren Männer der Invalidenversicherung unterstellt waren. Diese Schätzung ist noch eine erheblich höhere. Denn nach der Berufsstatistik vom 14. Juni 1895 waren nur 4 167 440 verheiratete männliche und 849 492 verheiratete weibliche Personen vorhanden, die eine ver- sicherungSpflichtige Beschäftigung ausüben. Demnach würden 1 106 829 Witwen im Deutschen Reiche in Betracht kommen, die bis zu einer Wiederverheiratung auf eine Hinterbliebenenversicherung Anspruch hätten, falls sie invalide in, Sinne der ReichsversicherungSordnung würden. Rechnet man nach den erfahrungSmähigen Ergebnissen auf durchschnittlich je eine Witwe 1.7 Kind, so kämen insgesamt 2 988 433 Personen (1 106 829 Witwen und 1 881 609 Kinder), also rund 3Millionen Personen als eventuell fürsorgeberechtigt in Betracht, d. i. etwa ein Fünftel des heute für die Invaliden- und Altersversicherung in Betracht kommenden Teils. Es würde deninach der Reichs- z u s ch n h für die Hinterbliebenen mit 50 bis 25 M. das Reich jährlich mit kaum 8 Millionen belasten. 80—91 Millionen sollte der für die Hinterbliebenen zurückbehaltende Mehrertrag aus den Zöllen ausmachen. Mithin erhält das Reich durch die Hinterbliebenenversicherung jäbrlich 72 bis 83 Millionen neue Einnahmen. Eine köstliche soziale Fürsorge! Könnten Reichsmittel in zulänglichem Maße flüssig gemacht werden? Die Einnahmen aus Z 15 deS Zolltarifgesetzes find s ch w a n- k e n d e r Natur. Solch' schwankende Mehreinnahmen auS den Zöllen allein würden eine unzulängliche Grundlage für zu« reichende Leistungen an Hinterbliebene bilden. Warum aber sollte der Reichsbeitrag nicht von vornherein als ein z u m m i n- besten dem jährlichen Mehrertrag aus Zöllen zu enssprechender z» bemessen sein? Sind 80 bis 91 Millionen jährlich vom Reich ver- sprochen, so hat das Reich, falls die von ihm erhofften Einnahme- quellen als unzulänglich sich erweisen, weil die sozialdemokratischen Prophezeiungen eingetroffen sind, die Mittel aus anderen Quellen bereitzustellen. Weshalb ist man dem Gedanken nicht näher getreten, alle Mehreinnahmen aus den agrarischen Zöllen zugunsten der Witwen und Waisen zu verwenden? Weshalb ist man nicht einer Aufhebung des Identitätsnachweises näher getreten, die allein wohl rund 27 Millionen jährlich bringen würde? Die Motive besagen darüber nichts. Und wenn auch— was keineswegs der Fall— die Mehreinnahmen aus allen Zöllen unter Aufhebung eines Teiles der Liebesgaben für reiche Großgrundbesitzer nicht ausreichen, um auch nur die almosenartig niedrigen in der Reichsversicherungsordnung vorgeschlagenen„Renten",„Witwengelder" und„WaiscnauSsteuern" zu bezahlen, so müßte daS Reich in anderer Weise die Kosten auf- bringen. In erster Reihe käme da eine Rcichscinkoiiimenstcner auf hohe Einkommen in Betracht, etwa auf Einkommen von 6000 M. jährlich ab. Die Vorlage geht diesen Weg nicht. Die Motive schweigen sich über die Gründe hierfür aus. Wohl aber schlägt der Entwurf eine Reichsciiikcmiiienstcilcr ans niedrige Einkommen vor: jedes Einkommen auch unter 350 M. jährlich bis zu der Höhe, wo die Versicherungspflicht und das Recht zur ftei- willigen Versicherung aufhört, also bis 2000 oder 3000 M. soll mit einer Einkommensteuer belegt werden, sofern der zu Belastende ein Arbeiter ist und deshalb der Versicherungspflicht unterliegt. Wie bereits hervorgehoben, sollen nämlich die Beiträge zur Invalidenversicherung um etwa ein Viertel erhöht werden. Wer bis 350 M. Jahreseinkommen hat, soll statt einer 14-Pfennig-Marke eine 16-Pfennig-Marke einkleben lassen, bei Einkommen von 350 bis 550 M. jährlich soll die Marlenhöhe von 20 aus 24, bei einem Ein- kommen von 550 bis 850 M. von 24 auf 30, bei einem Einkommen von 850 bis 1150 M. von 30 auf 38, bei einem Einkommen über 1150 M. von 36 auf 46 Pf. wöchentlich steigen, das heiht also die niedrigen Einkommen mit rund 1 Proz. Reichs- einkommensteuer zu belegen. Die absolute Umkehr einer gerechten Steuer I So soll infolge desselben Gesetzes, das mit Zentrumshilfe rund 376 Millionen aus den Taschen der Arbeiter den Großgrundbesitzern, weil sie besitzen und nicht arbeiten, jährlich in den Schoß wirft, den Witwen und Waisen 72 bis 83 Millionen Mark jährlich genommen und den Arbeitern, weil sie arbeiten und nichts besitzen, abermals eine Einkommensteuer von 1 Proz. auferlegt werden I DaS ist Sozialpolitik der Regierung. Die Motive geben, gerade als ob sie beim Zentrum in die Schule gegangen wären, auch ethische, sittliche Gründe. Es heiht in den Motiven:„Ueberliehe man die Fürsorge für die Hinterbliebenen lediglich öffentlichen Einrichtungen, so würde sie auS dem Begriffe der Versicherung herausfallend, einen der Armenpflege verwandten Charakter der Unterstützung annehmen und es würde zugleich die eigene Verantwortlichkeit des Familienoberhauptes für die Zukunft seiner Hinterbliebenen geschwächt werden. Daraus ergibt sich die Notwendigkeit, die an der geplanten Versicherung beteiligten Arbeitnehmer zu den Kosten mit heranzuziehen." Ignatius Loyola macht Schule. Warum werden nicht die Gemeinden zur Tragung der Kosten herangezogen? Weil dann auch Richtarbeiter, wie bisher an den Armenlasten, partizipieren mühten? Oder weil dann einzelne Grohgrundbesttzer, insbesondere jene, deren selbständige Guts- bezirke in Preuhen der Gemeinde gleichgestellt sind, keine neuen Liebesgaben erhalten würden? Bewahre I Die Motive geben folgende Gründe an: .Allerding« ist auch der Gedanke erwogen worden, ob nicht etwa wegen deS voraussichtlichen Sinkens der Armenlasten nach Einführung der Hinterbliebenenverficherung die Gemeinden zur Deckung der Kosten heranzuziehen wären. Zwar stehen allgemeine, Geschlecht, Alter und Familienstand der Unterstützung sowie die Kosten der Armenpflege im Reiche umfassende statrstische Er- Hebungen nicht zur Verfügung. Indessen ergibt sich aus den be» rufsstatistischcn Erhebungen, daß unter den von Unterstützung lebenden Personen sowie unter den Insassen von Armen- oder Jnvalidenhäusern usw. die weiblichen, und unter diesen wieder die Witwen, vorherrschen. ES ist deshalb nicht zweifelhaft, dah der Armenpflege aus der Unterstützung der Witwen und Waisen zurzeit grohe Opfer erwachsen, und daß sie durch die Hinter- bliebenenversicherung nicht unwesentlich entlastet werden wird. Die Heranziehung der Gemeinden liehe sich hiernach rechtfertigen. ES stehen ihr aber, was schon bei Einführung der Invaliden» Versicherung hervorgehoben worden ist, überwiegende praktische Schwierigkeiten entgegen. Insbesondere würde sich ein gerechter und praktisch verwendbarer Maßstab für die anteilige Belastung der einzelnen Gemeinden kaum feststellen lassen. Das Staats- oder das Gemeindesteuersoll ist nicht brauchbar, weil die Verhältnisse in den einzelnen Gemeinden und Bundes- staaten zu verschieden liegen. Auch die Zahl der Versicherten oder der Empfänger von Hinterbliebenenrenten gibt keinen annehm- baren Maßstab ab, weil er die ärmeren Gemeinden, in denen diese Zahlen in der Regel höher sein werden, als in den reicheren, überlasten und weil er überdies zu umständlichen binnen kurzer Frist zu wiederholenden Erhebungen nötigen würde. Bon der Heranziehung der Gemeinden wird au» diesen Gründen ab- gesehen werden müssen." Etwas kürzer wäre der Inhalt der Motive dahin zu fassen ge- Wesen: weil der Zweck des Gesetzes ist, einen weiteren Teil der Armenlasten von den starken Schultern der wohlhabenderen Schichten der Bs» völkerung aus die schwachen der Arbeiter zulegen. Stalltverorckneten- vessgmmlung. 13. Sitzung vom Donnerstag, den 7. April 1910, nachmittags 5 Uhr. Der Vorsteher Michelet eröffnet die Sitzung nach 5'ch Uhr mit einem Nachruf für den am 31. März plötzlich verstorbenen Stadt- rat T o u r b i e. Das sogenannte Aufmarschgelände am Biktoria-Park soll für den Betrag von 6,3 Millionen Mark dem MilitärfiskuS für städtische Zwecke abgekauft werden. Bürgermeister Dr. Reicke: Ich bitte Sie, die Vorlage, wenn irgend möglich, ohne Ausschußberatung anzunehmen. Für Berlin ist es ja gleichgültig, ob wir das Gelände jetzt oder nach ein paar Wochen kaufen. Der Militärfiskus aber hat das dringendste Jnter- esse, über das Geschäft schleunigst Klarheit zu erhalten, da die An- gelegenheit noch daS Reichsschatzamt und als Nachtragsetat den Reichstag passieren muh, dieser aber nach den neuesten Nachrichten sich noch vor Himmelfahrt vertagen will. Eine schleunigere Vor- legung war nicht zu ermöglichen, da wir mit dem Fiskus zugleich über den Ankauf von Teilen des Tempelhofer Feldes verhandelten, womit wir bei allem Eifer bisher nicht zu Rande gekommen sind. Die Vorlage ist daher zunächst auf das Aufmarschgelände beschränkt worden. Der Süden ist mit dem nur 8 Hektar großen Viktoria- park recht stiefmütterlich bedacht; der Park ist im Sommer über- füllt und gestattet einen ruhigen Spaziergang kaum noch, er ist für Berliner Verhältnisse zu klein. Der Preis ist ja kein niedri» ger, aber nicht höher als etwa der von uns für den Botanischen Garten angelegte. Schon 1888, als der Park angelegt wurde, sind übrigens unsererseits die Verhandlungen wegen Ankaufs oder Pachtung des Geländes betrieben worden. Wir wollen seine größere Hälfte dem Park zuweisen, die andere Hälfte, den südlichen Teil, der Bebauung erschließen. Stadtv. Dove(A. L.): Meine Fraktion wird dem Wunsche de? Würgermeisters entsprechen, Luristische Sjchwierigkeiten liegen {fi dem Vertrage nicht Mehr vor. Vor allem hoffen wir, daß die Vorlage der erste Schritt nach der Richtung hin sein wird, unsere Grenzen auszudehnen. fBeifall.) Stadtv. Borgmann(Soz.): Wenn man Herrn Dove hört, wird inan an das Dichterwort erinnert:„Vor Tische las man's ander s." Ich denke dabei an die Schönhauser Allee, wo man den Bewohnern einfach eine bestehende Anlage wegnimmt, während hier, wo es sich um den Südwesten handelt, ganz anders borge- gangen werden soll. Wenn man das Projekt annehmen soll, mutz man sich doch auch finanziell über seine Tragweite klar sein. Das ist hier aber nicht der Fall, denn ein Plan für die Anlegung des Parks selbst ist uns nicht mitgeteilt. Ich behaupte, es werden dafür noch etwa 2% Millionen erforderlich sein, und das ist doch für die Steuerzahler nicht gleichgültig. Die Frage der Erwerbung des Tcmpelhofer Feldes ist seinerzeit durch unseren Bürgermeister angeregt worden. Damals hat der Provinzialausschutz die Ein- gcmeindung in Erörterung genommen und der frühere Oberprasi- dent bon Trott zu Solz erklärte damals, die Regierung denke gar nicht daran, das Tempelhofer Feld nach Berlin eingemeinden zu lassen. Bei einem solchen Widerstand gegen die Bestrebungen Berlins geht doch das Ansinnen, dort den Spekulanten mit einem nicht zu Berlin gehörigen Gelände auf Kosten Berlins eine große Parkanlage zu schaffen, entschieden zu weit. Wir können nur zustimmen, wenn uns ganz bestimmte Erklärungen abgegeben werden können, daß nicht derart den Spekulationen der Provinzial- Verwaltung ein ganz unberechtigter Vorteil zugeschanzt wird. Er- halten wir keine bessere Aufklärung, so müssen wir mindestens Aus- schutzberatung verlangen, denn wir müssen uns über die Verhält- niffe gründlich informieren können. Stadtv. Kyllmann sFr. Fr.): Wir haben doch zur Genüge ge- hört, weshalb es notwendig ist, heute schon ein glattes Ja oder Nein zu sagen. Meine Freunde werden die Borlage glatt annehmen. Daß kein Plan vorgelegt ist, zeugt nur für das diplomatische Ge- schick, womit die Angelegenheit bis jetzt behandelt worden ist, denn im Hintergrunde der Vorlage steht doch die Möglichkeit, auf die Er- Werbung des westlichen Teils des Tempelhofer Feldes zurückzu- kommen. Stadtv. Dove: Daß die Schönhauser Allee nochmals auferstehen würde, hatte ich nicht erwartet. Es liegt hier kein richtiges Moment vor. Ich finde in der heutigen Ausführung des Kollegen Borgmann eine gewisse Engherzigkeit. Immerhin hat Herr Borg» mann sich heute auch der Steuerzahler angenommen. Bürgermeister Dr. Reicke: Es ist nicht richtig, von schwebenden Verhandlungen zu viel zu sprechen. Vielleicht genügt es Herrn Borgmann, wenn ich erkläre, wir sind in der Richtung seiner Wünsche tätig. Stadtv. Borgmann: Wir haben schon des öfteren an die Steuer- zahler gedacht, öfter als Sie(lebhafter Widerspruch): in dieser Be- ziehung lassen wir uns von Ihnen nicht den leisesten Borwurf machen(Gelächter). Ich habe darauf hingewiesen, daß es für die Spekulanten, die das Tempelhofer Feld ausbeuten wollen, ein außerordentlicher Nutzen ist, wenn der Viktoriapark derart aus- gebaut wird, also die Stadt Berlin für diese Spekulanten den Wert des anstoßenden Terrains in die Höhe treibt. Das KriegSministe- rium geht doch damit um, diesen Teil des Feldes zur Bebauung zu verkaufen, also der Banspekulation auszuliefern. Seinerzeit hat Schöneberg für die Erwerbung des Botanischen Gartens einen Bei- trag zu liefern abgelehnt. Ebenso liegt es doch hier, wo nun Berlin den Junkerinteressen entgegenkommen will, die auch bei der Bebauung des Tempelhofer Feldes auf ihre Rechnung kommen wollen. Stadtv. Ladewig(N. L.): Wir werden die Vorlage ohne Aus- schutzberatung annehmen. Stadtv. Cassel(A. L.): Bauspekulanten und Junker wollen auch wir nicht begünstigen. Vom Preise können wir nichts mehr herunter- handeln; darum wollen wir mit der Vorlage reinen Tisch machen. Auch ich bedaure die Erklärung des früheren Oberpräsidenten und jetzigen Kultusministers: wenn wir aber die Vorlage ablehnen, der- scherzen wir überhaupt jede Aussicht, auf das Schicksal des Tempel- hofer Feldes Einfluß zu gewinnen. Der Antrag auf Ausschutzberatung wird abgelehnt und die Borlage in zweiter Beratung mit großer Mehrheit angenommen. Die Vorlage wegen Ankaufs eine? Schulgrundstücks an der Schönfließcr Straße hatte der eingesetzte Ausschutz abgelehnt. Der Referent, Stadv. Gronewaldt(A. L.) berichtet, daß der Ausschutz eine Lokalbesichtlgung vorgenommen habe, und datz die Mehrheit die Fundamentierungsverhältnisse als nicht besonders günstige ansah. Außerdem hätten die Verkäufer die Wertzuwachssteuer von 65(XXI M. zu tragen sich gelveigert. Nachdem sie sich nachträglich dazu bereiterklärt, sei der Ausschutz heute vor der Sitzung noch- mals zusammengetreten, und nun habe sich eine Mehrheit für die Vorlage gefunden. Stadtv. Borgmann hält dieses Verfahren für geschäftS- ordnungswidrig und wird darin von den Stadtvv. Cassel und Kyllmann unterstützt, während Stadtv. Ullsteim(soz.-fortschr.) ent- gegengesetzter Meinung ist. Die Vorlage wird an den Ausschutz zurückverwiesen. Die Vorlage betr. die Auswahl der im Rechnungsjahre 1910 neu- und nmzupflasternden Straßen und Plätze hat der PflasterauSschutz mit geringen Modifikationen genehmigt. Stadtv. Ewald(Soz.) wünscht eine Erklärung des Magistrats, ob die Travemünder Straße, wenn die Ufermauer später hergestellt wird, wieder aufgerissen werden mutz. Baurat Gottheiner: Die Straße wird dann schlimmstenfalls teilweise gesperrt, aber der Verkehr nicht behindert werden: auch wird man den Bürgersteig einstweilen nur in einer geringeren Breite anlegen. Die Ausschutzvorschläge gelangen zur Annahme. Die Ausschutzberatung des neuen Vertragsentwurfs über die Schnee- und Kchrichtabfuhr hat zu einer Abänderung der von sozialdemokratischer Seite bcan. standeten Bestimumngen in keinem Punkte geführt. Die Mehrheit will, in Uebereinstimmung mit dem Magistrat, zurzeit von der Uebernahme in die städtische Regie ebenso wenig etwas wissen, wie überhaupt von einer Garantie tarifmäßiger Lohn- und Arbeits- bcdingungen für die Kutscher. Mit 11 gegen 3 Stimmen wird die Verlängerung des mit Tabbert und Genossen abgeschlossenen Ver- träges um 3 Jahre, bis zum 31. März 1915 unter den von jenen angebotenen Ermäßigungen empfohlen. Stadtv. Dr. Nosenfeld(Soz.): Für uns ist die Vorlage nur dann annehmbar, wenn den Kutschern und Arbeitern, die bei Tabbert und Genossen angestellt sind, mindestens die tarifmäßige» Lohn- und Arbeitsbedingungen zuteil werden. Wir rechnen darauf, daß man dieser unserer Bescheidenheit Rechnung trägt und dem entsprechenden Antrag AronS zustimmen wird. In der Geschäfts- anweisung für die Hoch- und Tiefbaudeputation hat der Magistrat eine gleichartige Bestimumng selbst aufgenommen, und es ist kein Grund erfindlich, warum sie nicht anch für die Schnee- und Kehrichtabfuhr gelten soll. Diese Minimalforderung müssen Sie bewilligen, wenn Sie im Ernst behaupten wollen, datz Sie für die Forderungen der Arbeiter ein warmeS Herz haben. Auf eine Preisermäßigung, die lediglich auf der übermäßigen Ausnutzung der Arbeiter und Kutscher beruht, verzichten wir; ein solcher Stand. Punkt ist der Stadt Berlin n i ch t w ü r d i g; die Mehrheit der Ver- sammlung kann einen so arbeiterfeindlichen Standpunkt nicht ein- nehmen. Die Entlassung der alten Leute, womit man uns im Ausschutz hatte schrecken ivollen, braucht gar nicht die Folge der Annahme unseres Antrages zu sein. Auch ist die Zahl solcher alten Leute, welche die Herren Tabbert und Genossen beschäftigen, ganz verschwindend. Meine Angaben über die übermäßig lange Arbeits« zeit und die schlechte Bezahlung hat man nicht bestreiten können; man bestritt nur, datz die Löhne in Gastwirtschaften ausgezahlt werden. Feststellungen darüber scheinen nicht gemacht zu sein. Ich habe meinerseits festgestellt, datz in der Gastwirtschaft von Schulz in der Christburger Stratze seitens eines der Unternehmer tatsächlich so verfahren worden ist, und zwar bis zum 3. März. Wo ich das hier vorbrachte. Vom 5. März ab ist der Lohn plötzlich t» Kontor ausgezahlt Morde». Der andere Kompagnon von Tgb- berk. Herr N i e h o f f, aber verstößt nach wie bor in dieser Weise gegen die Gewerbeordnung. Hier haben Sie auch eine Gelegenheit die Antjalkoholbewegung zu fördern; machen Sie davon Gebrauch! Wird unser Antrag angenommen, so sind wir nicht abgeneigt, der Vorlage zuzustimmen. Aber wir müssen dabei bleiben, datz es sich hier nur um ein Uebergangsstadium zur Bcrstadtlichung handeln kann. Wir beantragen ferner, datz wenigstens nach Ablauf der Verträge die Kommunalisierung vom Magistrat so schnell wie möglich durchgeführt werden soll. Stadtv. Rcttig(A. L.) empfiehlt die Vorlage zur Annahme, durch die die Stadt 200 000 M. gewinne. Redner richtet an den Magistrat die Frage, ob er nicht endlich dem Unwesen der sozial- demokratischen Stadtverordneten steuern werde.(Große Un- ruhe und Erregung bei den Sozialdemokraten; andauernde Zwischenrufe), die in Arbeiterversammlungen tagtäglich An- griffe gegen die Stadtverwaltung richteten, wie auch der„Vor- wärS" täglich die städtischen Anstalten, insbesondere die Kranken- Häuser, verunglimpfe. Die Begründung eines Kartells stadt- getreuer Arbeiter würde mit Freuden zu begrüßen sein. Die Politik der Sozialdemokraten sei keine Sozial-, sondern eine Skandalpolitik.(Wachsender Lärm.) Dies sei Terrorismus der Sozialdemokratie genug. Der Magistrat solle den„Vorwärts" aus den städtischen Betrieben und Anstalten hinausweisen. Stadtv. Ewald fragt den Vorsteher, ob er die Aeutzerung von dem Unwesen der sozialdemokratischen Stadtverordneten durchlassen wolle. Vorsteher: Darüber, ob Mitglieder der Versammlung in Ar- beiterversammlungen gehen dürfen, brauchen wir uns wohl nicht zu streiten. Stadtv. Dr. Nosenfeld: Die Stadt darf nicht nur darauf sehen, Geld zu sparen, sondern sie mutz auch prüfen, wie es gespart wird. Hier wird es dadurch gespart, datz die Arbeiter übermäßig aus- gebeutet werden.(Widerspruch der Mehrheit.) Das sind durchaus Wahrheiten.(Stürmische Rufe: Nein!) Ja, warum haben Sie sich denn im Ausschutz dazu still verhalten? Die zu lange Arbeits- zeit und di« zu geringen Löhne hat man nicht bestreiten können; jetzt kommen Sie damit, weil es anfängt, Ihnen unbequem zu werden.(Zuruf: Etatsausschutz!) Da ist darüber nicht der- handelt worden, sondern in dem Sonderausschutz, in dem ich ge- sessen habe. Der Borredner forderte den Magistrat auf, einzuschreiten gegen das„Unwesen der sozialdemokratischen Stadtverordneten", die sich um die Verhältnisse der Arbeiter kümmern und in die Versamm- lungen geben. Wir halten es für ein Unwesen» wenn es Stadtver- ordnete gibt, di� nicht in solche Versammlungen gehen; wir halten es für die Pflicht der Stadtverordneten, aus eigener Anschauung darüber ein Bild zu gewinne». Ich habe lediglich meine Pflicht erfüllt, als ich in die Gastwirtschaft ging, wo der Lohn ausgezahlt wurde, und aus demselben Grunde ist der Kollege M a n a s s e in die Arbeiterversammlung am letzten Montag gegangen. Auch ohne die Sozialdemokratie können die Interessen der Arbeiter hier genügend vertreten werden, meint Herr Rettig. Wer vertritt dann hier die Interessen der Arbeiter? (Stürmische Zurufe: Wir alle!) Ich habe immer gefunden, datz, wenn jemand hier über die ungünstigen Arbeitsverhältnisse sprach, es immer ein Sozialdemokrat war. Gerade in der vorliegenden Angelegenheit haben wir allein die Erörterung dieser Frage be- trieben. Ich hoffe, der Magistrat wird die Erklärung des Kollegen R e t t i g in den Papierkorb werfen, wo sie sicherlich am besten aufgehoben ist. Der Magistrat soll gegen den„Vorwärts" einschreiten. Damit fordert ja Herr Rettig den Magistrat zum TerroriS- mus auf, den er den Sozialdemokraten vorwirft. Eine Rüge haben feine Aeutzerungen nicht erhalten; sie sind aber so haltlos, datz eS sich nicht verlohnt, darauf einzugehen; sonst müßte ich die Geschichte der Tätigkeit der Sozialdemokratie in der Kommune in den letzten 25 Jahren vortragen,— die lesen Sie besser in dem Buche von Paul Hirsch nach. Stimmen Sie für unfere Anträge, dann werden Sie auch einmal für die Arbeiter etwas getan haben. Stadtv. Manasse(Soz.): Wenn Herr Rettig sich dagegen wendet, datz ich eine Versammlung besuchte, so fehlt ihm dazu jeder Schein der Berechtigung. Der Verband der städtischen Arbeiter hat auch gar nicht unsere Fraktion nötig; die Fraktion war nicht einmal eingeladen; ich bin aus Interesse an der Sache zu der Versammlung gegangen. Das Wort„Skandalpolitik statt Sozial- Politik" ist gerade durch diese Versammlung aä absuräum geführt worden. Als ich dort z. B. hörte, daß ein Arbeiterausschuß 1� Jahre auf Bescheid gewartet hat, habe auch ich begreifen können, datz diese 3V Männer zu der Ueberzeugung kommen konnten, die Arbeiterausschüsse seien machtlos. Ich wünschte, datz in jeder Versammlung die Ruhe, Würde und Andacht vor- 5«nden wäre, wie sie in dieser Versammlung vorhanden war. ES am mir beinahe vor, als wenn Herr Kollege Rettig geladen war wie ein Akkumulator; er hat wohl selbst das Kopfschütteln seiner eigenen Freunde erregt. Man ist in Preußen manches ge- wohnt; aber datz der Magistrat einem sozialdemokratische» Stadt- verordneten verbieten will, in eine Versammlung zu gehen, ist selbst in Preußen neu.(Heierkeit.) Die Stadt Berlin würde in ihren Betrieben lahmgelegt, wenn die Sozialdemokraten heraus- gewiesen werden. Stadtv. Goldschmidt(N. L.): Selbstverständlich mutz es das Recht eines Stadtverordneten sein, auch in Arbeiterversammlungen zu gehn; es kommt aber darauf an, ob man da auch den nötigen Takt zu bewahren weih, ob man nicht die Versammlung benutzt, um Stimmung gegen die liberale Stadtverwaltung zu machen. Was wäre aus den Wünschen der städtischen Arbeiter geworden, wenn nicht unsere Mehrheit zustimmte? Der„Vorwärts" mutz ja schon aus Parieiinteresse alles übertreiben, die stärksten Farben auf- tragen; das wurde ja auch auf dem Parteitage in Leipzig fest- gestellt. Der Bertrag, den wir heute verlängern wollen, ist ge- schloffen worden zu einer Zeit, wo wir die erwähnte, für die Sub. Missionen geltende Vorschrift noch nicht hatten. Ich bin daher per» sönlich für Ablehnung des Vertrages. Damit schließt die Diskussion. Im Schlußwort behauptet der Referent Stadtv. Barth(A. L.), datz der Standpunkt des Kollegen Rofenfeld im Ausschutz micht einmal von seinem Parteigenossen Pfannkuch geteilt worden sei. Persönlich bemerkt Pfannkuch(Soz.), datz zwischen ihm und dem Kollegen Nosenfeld nicht ein prinzipieller, sondern nur ein Gegensatz der Anschauungen über die Ausführung besteht. Die Anträge AronS werden abgelehnt; die Vorlage ge- langt zur Annahme. Zur Leitung des Erziehungswesens im Bereiche der städtifchcn Waisendeputation soll ein erfahrener Pädagoge berufen werden, dem insbesondere die Individualisierung der Fürsorgezöglinge, sodann die Oberaufsicht über die städtischen Erziehungsinspektoren und die von der Waisen- Verwaltung belegten fremden Anstalten obliegen soll. Für diese Persönlichkeit, die der Verwaltung auch allgemein als begutachtende und beratende Instanz zur Seite stehen soll, ist das Gehalt eines Stadtschulinspektors und 1000 M. Stellenzulage in Aussicht ge- nommcn. Die Vorlage wird ohne Debatte genehmigt. Für die städtische Lagerhalle am Humboldthafen soll in An- betracht der sehr günstigen EntWickelung des Unternehmens ein dritter elektrischer Krahn» und zwar mit längerem(13 Meter langem) Ausleger aufgestellt werden. Die Kosten von 10 500 M. schlägt der Magistrat vor. auS dem Vorschußkonto zu entnehmen. Die Versammlung genehmigt den Magistratsantrag ohne ScBtittB, lieber die V o r l a g e, welche behufs rationeller Bewirtschaftung der städtischen Riesclgiiter den Bau zweier Feldbahnen und eine Reihe«»derer Baulichkeiten vorschlägt, hat ei» Sonderausschuß in fünf Sitzungen beraten. Der„Wirtschaftsplan" des landwirtschast- lichen Direktors Schröder hat lebhafte Befürwortung und noch leb- haftere Anfeindung erfahren, die die hitzige Debatte um das Sägewerk und seine Erweiterung bei der Etatberatung wieder- spiegelte. Schließlich ist alles in der Vorlage Geforderte lediglich mit Ausnahme der 43 000 M. für„Erweiterung des Sägewerks in Hobrcchtsfelde, Herstellung einer Holztrockenanlage und Aufstellung von Tischlercimaschincn" bewilligt worden. Auch die Ablehnung der 43 000 M. erfolgte nur mit 6 gegen 6 Stimmen, wobei der Vor- sitzende den Ausschlag gab. Referent des Ausschusses ist Stadtv. Deutsch(soz.-fortschr.). Stadtv. Goeroldt(Fr. Fr.) begründet einen Antrag, die Be- ratung der Vorlage zu vertagen, bis die Versammlung vom Magistrat eingehenden Aufschluß über die Pläne des Magistrats bezw. des Güterdirektors erhalten hat. Die Pläne des letzteren be- deuteten eine Gesamtausgabe von 20 Millionen. Man habe alle Ursache, den Gesamtplan kennen zu lernen. Stadtrat Marggraff: Die Vorlage dieses Jahres hat eigentlich nichts Neues gebracht, sondern lediglich einen Ausbau der im vorigen Jahre erfolgten Bewilligungen. Die Stadt soll ihre Güter und ihre Produkte möglichst so verwenden, datz ihre Bedürfnisse aus ihren Betrieben gedeckt werden können. Immer neue Betriebe zu schaffen, ist nicht die Aufgabe der Kanalisationsdeputation. Das will auch der Magistrat nicht; aber für ewige Zeiten irgendeinen Betrieb aus- zuschließen, kann auch der Magistrat nicht versprechen. Eine Zurück- stellung der Anlagen würde uns direkt schädigen. Stadtv. Borgmann spricht gegen die Vertagung. Die Frage sei spruchreif. Die Gründe der Gegner wurzelten in der Ab- Neigung dagegen, die Verwaltung der Rieselgüter mit den Hilfs- mittel» auszustatten, wie sie die anderen städtischen Verwaltungen längst besäßen. Unter den beantragten Anlagen und Arbeiten seien eine Reihe unaufschiebbar. Die jetzig« Unterbringung des Viehes in Buch sei absolut nicht länger haltbar; für die Ar- beitskräfte müsse Wohngelegenheit geschaffen werden. Eine Fleischerei und eine Wurstfabrik sei für die Stadt nichts Neues; das Moabiter Krankenhaus und andere städtische An- stalten besäßen sie bereits. Die Durchführung der Verwaltungs- tätigkeit durch eine solche Vertagung zu unterbinden, habe die Ver- sammlung kein Recht; es bedeute das eine schwere Schädigung der Vertvaltung, der Anstaltsinsassen und der Arbeiter. Stadtv. Cassel hält den Antrag für geschäftsordnungSmätzig unzulässig. Weitere Meldungen zur Geschäftsordnung läßt der Vorsteher nicht zu. Der Vertagungsantrag wird angenommen. Stadtv. Borgmann protestiert dagegen, datz ihm das Wort zur Geschäftsordnung verweigert worden sei, da er die Beschlutz- fähigkeit der Versammlung habe bezweifeln wollen. Der Borsteher mutz nach Informierung durch die Beisitzer kon- statieren, datz bei der Abstimmung über den Antrag auf Vertagung die Zahl der Anwesenden zur Beschlutzfähigkeit nicht genügt hat. Die Verhandlungen müssen daher gegen �10 Uhr abgebrochen werden._ Hub der fraucnbcweguiiö� Zur Krise im Bund für Mutterschutz. Erneut und heftiger als je ist der Kampf im Bund für Mutter- schütz ausgebrochen. Die alten Gegensätze zwischen den Radikalen und Gemätzigten, die einst zur Ablösung der jetzt vom Bund un- abhängigen Ortsgruppe München führten, sind nun so scharf und deutlich zutage getreten, datz wir die Frage aufwerfen dürfen: welches wird das Schicksal des Bundes sein? J?n Bund selbst sind die heterogensten Elemente vereinigt. Männer und Frauen, die selbst in Beziehungen stehen, die von der offiziellen Gesellschaftssitte verfemt werden, sie suchen morali- schen und freundschaftlichen Rückhalt bei Gleichhandelnden, Gleich- denkenden. Andere, die theoretisch die„neue Ethik" mitzudenken wagen, sie finden ihre Wünsche und Triebe, die sie sich selbst klar auszusprechen scheuten, erkannt und benannt, so datz sie selbst scheu mitrufen. Und schließlich jene große Zahl, die von neuen sexuellen Forderungen nichts oder wenig wissen wollen, die sich aber herab- beugen, um ihren„armen gefallenen Mitschwestern" zu helfen, die allenfalls auch ihre Stimme geben, um durch gesetzliche Rege- lung(rechtliche Gleichstellung der unehelichen Kinder, staatliche Mutterschaftsversicherung) die„Sünde der Schwachen" zu beseiti- gen. Da die Gründung von Vertretern der beiden ersten Gruppen ausging, fühlte sich zunächst die letzte Gruppe etwas beklommen im Bund. Sie tatete mit und schwieg über die„extravaganten- Worte der anderen. Je breiter aber die Bewegung wurde, werden muhte, um die Geldmittel für die wachsenden Ausgaben aufzu- bringen, desto breiter machte sich auch die letzte Richtung. Nu» scheint sie die herrschende zu werden. Anlatz zu diesem Shstemwechsel gaben„persönliche- Diferenzen zwischen der Gründerin und bisher dauernden Leiterin der Bewegung, Dr. Helene Stöcker, mit einigen anderen einflutzxeichen Personen im Bunde. Da die Vorwürfe, die sich gegen Helene Stöckers Kassenführung richteten, als un- berechtigt erwiesen und auch gerichtlich geahndet werden sollen, bleiben nur die, welche sich auf ihre persönliche Führung beziehen. Der Widersinn und die Komik, die sich daraus ergibt, datz der Bund seine Leiterin wegen nicht rechtlicher Beziehungen mit einem Manne angreift, der Bund, der satzungsgemätz für eine Wandlung der Beurteilung solcher Beziehungen im„modernen" Sinne ein- tritt, ist von Helene Stöcker selbst kürzlich') treffend gezeichnet worden. Wir hätten keine Ursache, auf diese Differenzen einzugehen, wenn sie nicht geradezu ein Schulbeispiel für die EntWickelung bürgerlicher Reformbestrebungen in unserer Zeit wären. Es ist natürlich nichts falscher als in diesen Streitigkeiten rein Person- liche zu sehen. Ob Helene Stöcker oder irgendeine andere Frau entsprechend ihrer Lehre lebte, sie mutzt« von dem Teil der Bundesmitglieder angegriffen werden, den nur die„praktische- Arbeit des Bundes anzieht. Innerhalb der bürgerlich-kapitalisti- schen Welt kann nicht auf die Dauer eine Strömung bestehen. die sich mit Teilein der herrschenden sozialen„Ordnung" in be- wußten Widerspruch setzt. Vereinzelte Köpfe mögen in eigener Unklarheit eS tun; eine Organisation wird durch den Kampf um ihre Existenz zur Stellungnahme gegenüber dem Sozialismus und dem bürgerlichen Individualismus gezwungen. Auch wenn vereinzelte, unklare Köpfe sich zusammenfinden, die ein Hüben und Drüben zu vereinigen vermögen, gibt da? noch keine Organi, sation. Anschauungen, wie sie Helene Stöcker u. a. vertreten, können einmal in der kapitalistischen Welt nicht zahlreiche. An- Hänger erlangen, viel weniger realisiert werden. Es wird zwar un jenen aufgeklärten Kreisen darauf hingewiesen, datz Tausende das gleiche Ungemach, die gleichen Widersprüche des sexuellen LebanS fühlen. Die kapitalistische Welt gebiert überall Wider- sprüche; aber eS ist ihr Gesetz, datz nicht einzelne gelöst werden können, ohne daS ganze Gebäude anzugreifen; und datz, wer den Grundriß lassen will, auch die Umrisse nicht ändern kann. Die„Bund für Mutterschutz"-Bewegung hatte einige? vom Sozialismus aufgenommen. Sie berührte sich mit ihm in der Methode zur Douiunjj sexueller Verhältnisse in ihren geschichtlichen Wandlungen, auch ,n einzelnen praktischen Forderungen und Arbeiten. Aber auch hier ist schon ein Rückgang zu verzeichnen. Professor Dr. Flesch-Frankfurt-) z. B. sucht rein naturwissenschaftlich die Priorität der Monogamie zu begründen, und sieht in den ver- schiedensten Formen des Sexuallebens nur Abirrungen von der Urform. Da Flesch auch in den Ortsgruppen des Bundes, überall >)„Die neue Generation"(März-Hest 1910). Vgl. Festschrift der Deutschen anthropologischen Gesellschaft. gewidmet von der Frankfurter anthropologischen Gesellschaft (Frankfurt a. M.). W. Bölsche vertritt nach mündlichen Nach- richten die gleiche Anschauung; sein �Liebeslcben" spricht sie nicht so scharf aus wie FleschS Bortrag. uttlet sskößeitt SeTfaTT, feTtTB Uüffüsfting tftTI�feiTi!jaf, fefrS fTS wohl später sogar offiziell akzeptiert werden. Auch sonst arbeitet überall in den Ortsgruppen') die Reaktion, soweit sie nicht von vornherein herrschend war. In Berlin allem finden sich noch die radikaleren Elemente unter Stöckers Führung zusammen. Dort hat sich auch ein gewisses Nebeneinanderwirken mit der sozial« demokratischen Partei und Presse ermöglichen lassen. In den Provinz- städten hat der Bund nur eine ganz geringe Mitgliederzahl. Die Leiterinnen bezw. Leiter sind meist gebunden durch persönliche Rücksichten und Furcht vor den Behörden, auf deren Unterstützung sie angewiesen sind. Nach den neuesten Vorgängen hat sich diese Vorsicht noch mehr gesteigert und es ist zu erwarten, dasi eine voll- kommene Spaltung nach dem Beispiel von München und Liegnitz eintritt, oder— was wahrscheinlicher— der ganze Bund ein gemäßigteres Ansehen erhält und sich auf bloße Wohltätigkeit be- schränkt, um der bürgerlichen Welt die beruhigende Meinung zu geben, es geschähe doch viel in ihr zur Linderung sozialen Elends. Wir können mit diesem Ausgang nur zufrieden sein, denn es klärt die Situation. Auch diese„Kulturbewegung" hat dann ausgespielt. _ Ernst Link. Soziales. KautisftSklagcn aus dem GastwirtSgcwerbe. Zwei Büfettiers klagten gestern vor der Kammer 3 deS Ge- werbcgerichts gegen den Gastwirt Karl ManSki auf Rückzahlung restlicher Kautionsbeträge. 1. Der Büfettier G. hatte von der gestellten Kaution von flOO M. noch einen Restbetrag von 670 M. zu erhalten. Da er durch die Einbehaltung dieses Betrages kautionsunfähig geworden ist und deshalb eine ähnliche Stellung nicht erhalten konnte, ver- langte er noch 20g M. als Schadensersatz. Der Beklagte wendete ein, daß der in Rede stehende Betrag von 670 M.. den zu schulden er anerkannte, nicht als Kaution, sondern als Geschäftseinlage ge- zahlt worden ist, da der. Kläger am 15. Januar als Geschäftsteilhaber eingetreten sei. Demgegenüber behauptete der Kläger, daß er vom 16. Januar bis zur Lösung des Arbeitsverhältnisses am 16. Februar nicht Teilhaber, sondern Geschäftsführer war. und aus dieser Zeit noch einen Gehaltsanspruch von 180 M. an den Be- klagten habe. Auf diesen verzichte er aber, da von letzterem kaum noch etwas zu holen sein dürste. Die in Rede stehende Summe sei überdies, was inzwischen auch der Beklagte zugibt, schon im No- vcmber beim Eintritt des Klägers als Büfettier gezahlt worden. Er legt ein vom Beklagten ausgestelltes Zeugnis vor, in dem ihm dieser bescheinigt, daß er vom November bis 15. Januar als Büfettier und von da ab als Geschäftsführer tätig war. Das Ge- richt trat der Ansicht des Klägers bei, daß die fragliche Sumnie als Kaution gestellt worden ist. Ilm möglichst schnell wieder zu seinem Gelde zu gelangen, ließ der Kläger den Mehranspruch fallen. Die Parteien schlössen darauf einen Vergleich, wonach der Beklagte dem Kläger die 670 Vi. sofort zahlen soll. 2. Dem Büfettier Sch. ist Dcanski von der Kaution, die 7000 Mark betrug, noch 50 M. schuldig geblieben. Er will den Betrag gegen einen angeblichen sich auf 800 M. belaufenden Schaden aufrechnen, den der Kläger dadurch verursacht habe, daß er gelegentlich der Kaiser-Geburtstagsfeier eines KriegervercinS beim Bieraus- schank stark geschnitten habe, so daß 3 bis 4 Tonnen Bier weniger ausgeschenkt seien wie in früheren Jahren, und der Krieaerverein als Kunde verloren ging. Er, Beklagter, selbst habe das Schneiden des Klägers während jener Nacht beohachtet. gibt aber auf Befragen zu, nichts dagegen gesagt zu haben. Ein vom Kläger vorgelegter Schuldschein des Beklagten ist von diesem erst einige Monate nach diesem angeblichen Schnibtfall ausgestellt. Das Gericht hielt des- halb eine Beweisaufnahme für entbehrlich, da in dieser Ausstellung «in Verzicht des Beklagten auf etwaigen Schadensersatz liegt, und verurteilte den Beklagten antragsgemäß. Tob im Betriebe. Wie naiiven'blg die Anstellung von Ärbelkerkontrolleuren zur Verhütung von Unglücksfällen ist, zeigt eine gräßliche Todesart, die den Arbeiter Albert Mücke am Mittwoch in der Maricnmühle -in Breslau ereilte. Die„Breslauer Volkswacht" berichtet darüber: „Im Magazin der Marienmühle lagern 1Ä— 15 000 Zentner Weizen lose in vier Etagen von je 3% Meter Höhe. M. hatte nun das Getreide aus diesem Lager durch eine automatische Wage zur Mühle zu geben. Damit nun das Getreide gemischt werde, sollen die Körner aus allen Etagen laufen. Zu diesem Zwecke mußte der Arbeiter Mücke in jeder Etage einen Schieber an der Decke ziehen. Dazu gehörte, daß er auf den Körnern in Höhe von 3 Metern „auf allen Vieren" kriecht. Nun hatte er unten zuerst aufgezogen, dann von Etage zu Etage weiter. Durch diese Trichter laufen in der Minute etwa 10 Zentner Körner. Dem verunglückten M. ist nun das Getreide unter seinen Füßen weggelaufen, und da er den Schieber über sich zugezogen hatte, versank er in den Körnern und ward alsbald verschüttet. Ein Mitarbeiter hatte zwar seine Hilfe- rufe noch gehört, konnte aber nicht unterscheiden, aus welcher Etage die Rufe kamen, und so kam es denn, zumal man den Arbeitern nicht gestattete, den Vermißten zu suchen, daß M. erst nach sechs Stunden als Leiche gefunden wurde. Der Direktor war der Situa- tion nicht gewachsen, denn er gab den Leuten, die die Körner ab- laufen lassen wollten, auf den nächsten Boden, zur Antwort:„Hier kann er nicht sein, er wird wohl in die Oder gefallen sein"! Tat- sächlich meldete man alsbald dem Kommissariat, daß man jemanden schicken sollte, es gelte, eine Wasserleiche zu bergen! l" Wie kann die Ursache des Unglücks klar ermittelt werden, wenn man sogar den Arbeitern danach verbot, dem Verunglückten zu helfen? Wäre das Verbot nicht ergangen, insbesondere aber: wären Arbeiter als Arbeiterkontrolleure zur Ueberwachung des Betriebs zugelassen— schwerlich hätte der Verschüttete den Tod gefunden. Wann endlich wird das Reichsamt des Innern einen Gesetz- entwurf vorlegen, der den Arbeitern ermöglicht. Unglücksfälle ab- zuwenden? Die Reichsversicherungsordnung gibt Gelegenheit, die dringend notwendige Einrichtung von Arbeiterkontrolleströn zu erfüllen. (5tricbts- Zeitung. Rituelles Schächten Tietqüiilttei? Den Bestrebungen jener Leute, die unier dem Vorlssaud, Tier» quälereien entgegentreten zu wollen, ein Verbot des Sdhächtens zwecks GewissenSquälerei frommer Juden zu erwirken suchen, ist, wie unseren Lesern erinnerlich, in der Justizkommission des Reichs- tages'ein Riegel durch die von der Mehrheit der Kammission an- genommenen Vorschrift vorgeschoben, daß solche Verbote unzulässig sein sollen. Die Vorschrift ist noch nicht Gesetz geworden. Wie leichtfertig die in der Regel übrigens für Todesstrafe und allerlei Brutalitäten Menschen gegenüber schwärmenden an- geblichen Tierfreunde mit ihrer Beschuldigung, Sck>ächten sei eine Tierquälerei, vorgehen, zeigte ein gestern vor dem Amtsgericht ver» handcltcr Fall. Das rituelle Schächten der für die jüdische Gemeinde bestimmten Schlachttiere bildete den Gegenstand längerer Erörterungen in einer Verhandlung, welche unter Vorsitz des AmtSgerichtSratö Scligsohn die 141 Abteilung des Amtsgerichts Berlin-Mitte beschäftigte. Angeklagt wegen Tierquälerei war der Schächter Sobotki. Der Angeklägke ist von der hiesigen fudlschen Gemeinde als Schächter angestellt und befindet sich seit über 20 Jahren in diesem Amte, welches er zumeist auf dem städtischen Schlachthofe ausübt. Die Anklage wirft ihm vor, am 20. Januar d. I. in dem Schlachthause des Schlächlermeisters Oberländer in ärgcrniSerregender Weise ein Tier öffentlich und in böswilliger Absicht dadurch gequält zu haben, daß er einen nach jüdischem RiiuS zu schlachtenden Ochsen nur leicht anschnitt, sodann davonging und das Tier einem lang- samen, qualvollen Tode überließ. Dieser Anzeige lag folgender Sachverhalt zugrunde. Am 20. Januar d. I. hatte der Angeklagte von dem Schlächtermeister Selmar Kaufmann den Auftrag er- halten, in dem Schlachthause des Oberländer zwei Ochsen nack> jüdischem RituS zu schlachten. Dies geschieht nach den Vorschriften der jüdischen Religion in der Weise, daß der Schächter mit einem scharfen Messer durch einen einzigen Schnitt die Luft- und Speise- röhre sowie die beiden Hauptschlagadern am Halse des Tieres durch- schneidet. Durch einen ordnungsmäßigen Schächtschnitt tritt fast sofort eine Mutleere dcL Gehirns und damit völlige Empfindungs- losigkeit des Tieres ein. Durch zwei bei dieser Exekution anwesende Schlächtergesellen muß dann dafür Sorge getragen werden, daß das Tier völlig ausblutet und keinesfalls das Blut gerinnt, da das Tier sonst nach den Anschauungen der jüdischen Religion zum Ge- nusse ungeeignet, d. h. nicht„koscher" ist. Vor Gexicht bestritt der Angeklagte ganz energisch eine Tier- ouälerei begangen zu haben. Ihm sei in dem fraglichen Falle, was auch bei jeder anderen Schlachtmcthode vorkommen könne, der Schächtschnitt mißglückt. Da ihm ein nochmaliges Ansetzen des Messers nach seiner Religion verboten ist, habe er den anlvesenden Tchlächtergcscllen Häusler und Groch die Anweisung gegeben. weiterzuschneidcn. Hiermit habe er seiner Pflicht Genüge getan. — Tatsächlich ist das Tier auch dann sofort von dem Schlächter- gesellen Häusler getötet worden. Der mitanlvesende Groch erzählte diesen Vorgang seinem Vater. Dieser setzte sich mit dem Tierschutz- verein in Verbindung. Von ihm wnrde die vorliegende Anzeige erstattet. Der im Zuhörerrauin anwesende Rabbiner Dr. Münk bat, um jeden Mißverständnissen vorzubeugen, als Zeuge ver- nommen zu werden. Er erklärte, nachdem er den Zeugen- und Sachvcrständigeneid geleistet hatte, daß er doppeltes Interesse an der Aufklärung des Falles habe, da er nicht nur die Ehre der be, amteten Schächter der jüdischen Gemeinde, sondern auch die Ehre der jüdischen Religion in diesem Falle zu verteidigen habe. Ein Schlachttier sei, so erklärte der Zeuge, nur dann für die jüdische Gemeinde brauchbar, wenn der Schächtschniit in einem Zuge und ohne Pause angewendet und das Tier vollständig ausgeblutet sei. Ein Mißlingen sei bei jeder Schlachtmethode möglich. So habe er selbst gesehen, daß ein Tier 4— 5mal mit den Schlagtstimmer ge schlagen sei, ohne das- eine Betäubung eintrat. Wenn der Schächt schnitt mißlinge, so habe der Schächter allerdings die Pflicht, wenn nicht andere zugegen seien, das Tier durch einen zweiten Schnitt zu töten. Das Tier dürfe dann eben nicht mehr zum rituellen Gebrauch verwendet werden. Es sei schon durch die Religion selbst verboten, ein Tier nur anzuschneiden und dann Unnütz sich zu Tode quälen zu lassen. Da die beiden Schlächtergescllen anwesend waren, konnte und mußte der Angeklagte damit rechnen, daß diese die völlige Tötung vornehmen, wie dicS auch auf dem städtischen Schlachthofe allgemein üblich sei.— Der vom Gericht als Sachvcr- stänbigrr geladene Schlächtermeister Heyne begutachtete, dah in dem Verhalten des Angeklagten keinesfalls eine Tierquälerei zu er- blicken sei. Die Schlächtergesellen hätten die Pflicht, falls der Schächtschniit mißglückt sei, sofort nachzuschneiden, da sie zu diesem Zweck ja überhaupt anweiend wären. Amtsanwalt Hoffmann ielt selbst die Freisprechung des Angeklagten für geboten. Das »eriSit erkannte auf kostenlose Freisprechung des Angeklagten. Wie der Vorsitzende ausführte, sei die offenbar von gehässiger Seite erfolgte Anzeige gegen den seit mehr als 20 Jahren pflichttreuen Angesagten völlig zu Unrecht ersolgt. Dieser habe seine Pflicht vollauf getan; cS fei vielmehr eine Nachlässigkeit der beteiligten Schlächtergesellen zu konstatieren. Das Gericht habe deshalb auch beschlossen, die Auslagen des Angeklagten und die Kosten der Ber teldigung der Staatskasse anfzorrlrgrn. Seine Majestät ber Gendarm auch km ManSfcldischen. Der Bergarbeiter Dodziak sollte die Verordnung deS Ober Präsidenten der Provinz Sachsen vom 24. April 1007 übertreten haben, welche den mit Strafe bedroht, der einer zur Erhaltung der Leichtigkeit, Sicherheit und Ordnung des Verkehrs auf öffentlichen Wegen und Straßen ergehenden polizeilichen Anordnung nicht un- bedingt Folge leistet. D. stand während des AusstandeS der Ar- beiter der NlanSfrldifchc» Gewerkschaft �on der Haltestelle der elek- krischen Kleinbahn in Bcndorf Streikposten. Trotz der Aufforde- rung eines Gendarmen, fortzugehen, blieb er stehen. Daraufhin wurde er vom Schäffongericht in EiSleven wegen Uebertretung der Verordnung des Oberpräsidenten zu einer Geldstrafe von 20 Mark verurteilt. Die Strafkammer ermäßigte die Strafe auf 5 Mark und führte aus: Durch das Zeugnis des GendarmeriewachtmeisterS sei erwiesen, daß D. der Aufforderung des Gendarmen keine Folge geleistet habe. Die Anordnung sei vom Gendarm zum Schutze der Leichtigkeit und Sicherheit des Verkehrs getroffen worden. Der Angeklagte habe Streikposten gestanden. Nun seien ja Landes- strafgesetze gegen das Streikpostenstehen als solche ungültig. So habe das Reichsgericht ausgesprochen. Es habe aber offengelassen, ob nicht anderweitig der Gefährduikß, die durch Streikposten ent- stehe, entgegengetreten werden könne. Die Verordnung des Ober. Präsidenten, die sich im Rahmen des PolizcnverwaltungsgesctzeS halte, ermögliche nun ein solches Einschreiten. ES könne sich nur fragen, ob die Anordnung, der Kläger zuwider gehandelt habe, nach Ansicht des Gendarmen eine solche zur Erhaltung der Leichtigkeit und Sicherheit des Verkehrs gewesen sei, ob sie ihm dazu notwendig erschienen sei und ob er sie zu dem Zwecke erlassen habe. Es wäre gleichgültig, ob die vorgesetzte Behörde die allgmeine Anweisung erteilt hatte, das Stehen der Streikposten nicht zu dulden. Das brauche nicht erwiesen werden, wenn nur das andere festgestellt sei. Es sei aber festgestellt, daß die Anordnung zum Schutze der Leichtig- keit und Sicherheit des Verkehrs von dem Gendarm erlassen sei. Er habe bekundet, daß das seine Absicht gewesen fei. Damit recht- fertige sich die Verurteilung deS Angeklagten.— Der Angeklagte legte Revision ein und machte folgendes geltend: Die Gendarmen seien angewiesen gewesen von ihrer vorgesetzten Behörde, das Stehenbleiben aller Streikposten zu verPindern. Aus die ent- sprechenden Beweisanträge hätte eingegangen werden müssen. Denn wenn eine solche Anweisung vorlag, seien die Gendarmen ja gar nicht in der Lage gewesen, zu prüfen, ob die Streikposten zur Ver- Hinderung von Verkehrsstörungen wcgzuweisen seien, da sie ja blindlings hätten gehorchen müssen. Es sei klar, daß die Gendarmen nur jener Anweisung gefolgt seien. Dann aber sei die Anordnung rechtswidrig» da sie sich so gegen das Streikpostenstehen an sich richtete. Das Kammcrgcricht verwarf am Montag die Revision» indem eS sich an die sogenannten tatsächlichen Feststellungen klammerte. Zwar steht das Kammergericht auf dem Standpunkt, daß ein nur ans Anweisung der höheren Behörde ergangenes Gebot der Exe- lutivbeamten nicht zur Bestrafung führen kann, wenn es nicht beachtet werde. Wenn jedoch trotz einer allgemeinen Anwcssung der höheren Behörde der Exekutivbeamte noch selber die Situation ,-prüfe" und sich sage, er müsse hier im Interesse des Verkehrs ein- greifen, so sei die Verordnung anzuwenden. Das sei hier der Fall. Sache ver Justizkommtssion dcö Reichstags muß eS sein, dem einen Riegel vorzuschieben, daß des Schutzmanns Majestät dem Gericht, wie in Streikpostenprozessen Üblich geworden, die selb- ständige Prüfung entzieht, ob der Verkehr in der Tat gestört ivar. Tie Beseitigung eines Teiles des KoalitionSrcchtes durch Vor- schicken verkehrspolizeilicher Rücksichten nimmt der Arbeiterklasse eines ihrer wichtigsten, mühsam errungenen Rechte und setzt den Schutzmgnn über Richter und Gesetz. ») Die Lieanitzer Ortsgruppe zUtn Beispiel ist alls dem Bund ausgetreten und will mit München und anderen Vereinen einen neuen Bund bilden, der nur„humanitäre, soziale(!) Arbeit" tveflen will; auf gut dentfch: bürgerliche Wohlfahrt._ ' Lerantwortlicher Redakteur Richard Barth, Berlin. Für den LnseratenteilveranW.: TH.Gleckc, B-rlii,. Truckv.PerIag:Vc>märiö PuchdruSerei u. PnlgLsc;nstalt Paul Singer& Co., Berlin SW. Kommunales, Die Stadtiierordnetenvcrsammlutsg erleble gestern eine Brandrede gegen die Sozial- d e m o k r a t l e, an der jeder Reichsverbändler seine helle Freude haben mußte. Den Anlaß dazu bot der Ausschuß- bericht zu dem Magistratsantrag, den Vertrag über die Kehricht- und Schneeabfuhr zu verlängern bezw. neuzugestalten. Ter Ausschuß hatte alle von unseren Genossen gegebenen Anregungen verworfen und empfahl der Versamm» hing, glatt anzunehmen, was der Magistrat ihr zumutete. Gestern wiederholte die sozialdemokratische Fraktion ihre Arv- träge, die auf Gewährleistung bessererLohn-und Ar- beitsbedingungen für die Arbeiter und Kutscher sowie auf die Anbahnung einer Verstaatlichung der Kehricht- und Schneeabfuhr hinausliefen. Genosse Dr. Rosenfeld, der diese Forderungen begründete, schilderte noch einmal die Zustände, die in den Betrieben der betreffenden Unternehmer herrsckien. Die Mehrheit mußte diese Ausführungen hin» nehmen, ohne daß sie sachliche Einwendungen dagegen machen konnte. Dafür wurde sie entschädigt durch die Rede eines ihrer Wortführer, des Stadtv. Rettig, der in dieser Rolle sich immer mehr zur komischen Figur auswächst. Herr Rettig sprach nicht über Kehricht- und Schneeabfuhr, sondern über das—„Unwesen" der sozialdemokratischen Stadtverordneten, die in die Versammlungen der Ar- beiter, zumal der Gemeindearbeiter, hineingehen, um dort d e n St a d t f r e i s i n n schlecht zu machen. Erschreck- liches wußte er zu erzählen über die Sozialdemokraten, die in den Betrieben und Anstalten der Stadt jeden Andersdenkcn- den terrorisieren. Erschreckliches auchüberden„V orwärtS", der an den Einrichtungen unserer Gemeinde immer wieder was zu tadeln hat. Raus mit dem„Vorwärts", raus mit den Sozialdemokraten— das war der Schlachtruf, mit dem dieser„Gegner des Terrorismus" sein wütendes Gezeter schloß. Genosse Ewald versuchte, den Vorsteher gegen ihn mobil zu machen, aber für das Geschimpfe auf die sozialdemokratischen Stadtverordneten hatte der kein Ohr gehabt. Die gebührende Antwort wurde dann dem Herrn Rettig von unserem Genossen R o s e n f e l d gegeben, und auch Genosse Ma nasse, den er persönlich angerempelt hatte, beteiligte sich erfolgreich an der Abfertigung. Der wichtigtuerische Schwatz, mit dem schließlich noch Herr Gold» s ch m i d t sich als Sozialistcnvernichter in empfehlende Er- innerung zu bringen suchte, wurde keiner Antwort weiter gewürdigt. In der Abstimmung wurden mit erdrückender Mehrheit die Anträge unserer Genossen abge» lehnt und die Magistratsvorlage unverändert angenommen. eingegangene Drucksekriften. Die Laienpredlgt über Wotzltätigkeit von Dr. A. v. Schwerin. 0,50 M..Bodenresorm,» Berlin, Lcssingstr 11. Handbuch der sozialdemokratiichen Parteitage 1909, bearbeitet von 23. Schröder. 18 Lieferungen a 30 Pf. Verlag G. Birk u. Co. m. b. H., München. Tie Kunst der Rede von M. Wittich. IM., geb. 1.50 M. R. LiPInZki, Leipzig. Mustergültige Enttvürfe für ländliche Arbeiterwohnungen. Herausgegeben im Zlufttage der LandesversicherungSanstaN. Westdeutsche VerlagSgefellschast, Wiesbaden. Brutus. Trauerspiel von S. Flesch. 121 Seiten. R. Etzold, München. Zlranbcs MärNscheS Wanderbuch von Dr. legentlich der EtatSberatung im Rathause und im.Lokak-Auj." kein Denkmal gesetzt hat. Gegenüber diesen Versuchen, die Arbeiter vor der Oeffentlich keit inS Unrecht zu setzen und gleichsam als eine irregeleitete Herde hinzustellen, mögen wenigstens einige Tatsachen inS Treffen geführt werden. Die Einflußkosigkeit der ArbeiterauSschüsse und die häufig hervortretende nichtachtende Behandlung derselben hält schon seit Jahr und Tag eine Gärung unter den Arbeitern gegen diese In stitutionen im Gange. Schon öfter haben Ausschußmitglieder infolgedessen sofort die Mandate hinwerfen wollen, wenn nicht die OrganisationSleiwng immer wieder zum Ausharren gemahnt hätte, was gerade im Dezernat des Stadtrat NamSlau, der Gaswerks Verwaltung, erst vor Weihnachten der Fall war. Wie berechtigt die Empörung der Arbeiter und wie verständlich die Unlust der AuL- schußmitglieder bei ihrer Tätigkeit war, mag an ein paar Beispielen erwiesen werden. Im Wafferiverk Müggelsee in FriedrichShogen, deffen Betriebs dirigent A n k l a m ganz besonderes an Widerstand gegen den Aul schuß leistet und sich selbst in anderen Werken bereits eingeführte DeputationSbeschlüsse erst abringen läßt, erhielten die Arbeiter bei der Sandwäsche einen so niedrigen Akkordlohn, daß trotz angestrengtester Arbeit der übliche Tagelohn nicht er- reicht werden konnte. Mit dem im September 1S08 unter nommenen Versuch, die betroffenen Kollegen zu ihrem Recht zu verhelfen, hatte der Arbeiterausschuß kein Glück. Ohne eine Sitzung einzuberufen(Herr Namslau bc- hauptet, eine solche wird stets sofort veranlaßt!), lehnte der Direktor der Wafferwerke E g g e r t alles ab, indem er dem Ausschüsse mitteilte, dieser sei„falsch unterrichtet"; im übrigen wolle er„ununtersucht lassen, wieweit Ungeschicklichkeit oder Absicht(I) an dem schlechten Arbeitsergebnis schuld gewesen sind". Diesen ungeheuerlichen Vorwurf, daß die Arbeiter auS„Absicht" gar sich den Schmachtriemen enger schnallen wollten, ließ der Ausschuß natürlich nicht stecken. Am 3. November 1S03 wandte er si?h an die Deputation. Nach geschlagenen drei Monaten resp. fünf Monaten vom Tage der ersten Eingabe an— am 6. Februar 1903— kam endlich die Antwort, daß„nach der von Herrn Direktor Eggert angestellten eingehenden Untersuchung kein Anlaß zur Aende- rung der getroffenen Entscheidung" vorliegt. Die„ein- gehende Untersuchung" sah so aus: Der Direktor erschien eines TageS im Werk Müggelsee und befragte im Bei- sein aller Vorgesetzten einige Arbeiter(nicht etwa den Ausschuß!); als letztere trotzdem fest blieben und die Angaben des AnsschusseS bestätigten, da bezeichnete der Aufseher Vaunigarten diese selbstverständliche Haltung mit den Worten:»Da sehen Sie, Herr Direktor, es ist alles eine abgekartete Sache!" So sieht die„wohlwollende B e h a n d-l u n g" der Arbeiter- ausschüffe aus. Der Ausschuß der Markthallenarveiter reichte wie alle anderen ArbeiterauSschüsse anfangs September 1309 seine Anträge zum neuen Etat für 1910/11 ein. Auf die Einberufung der beantragten Sitzung wartete er vergeblich, bis plötzlich in der Presse ein Bericht erschien, nach welchem die Marklhallendeputation die Lohnaufbesserung und alles andere abgelehnt habe. Am L9. Sep- tember bestätigte ein Schreiben, gezeichnet vom Stadtrat Venzky, das in lakonischer Kürze mit zwei Sätzen. Nebenher lief in der- selben Verwaltung ein sehr wichtiger Antrag auf Wcchselung der Arbeiter in den verschiedenen Arbeitszweigen. Auch hierzu wurde keine Sitzung einberufen. sondern die Direktion dekretierte einfach: der Antrag wird abgelehnt, und fügte hinzu:„Eine Sitzung deS ArbeiterausschusseS erübrigt sich hiernach". Erst nachdem der Ausschuß am Sä. November 1909 unter Berufung auf Z 8 seines Reglements eine Sitzung verlangte, wurde endlich Ende Dezember eine solche berufen und in derselben auch— nach 3 Va Monaten— die Lohnanträge zum Etat auf die Tagesordnung gesetzt. Angesichts solcher Dinge zu behaupten. die ArbeiterauSschüsse finden ein Entgegenkommen, das nicht mehr übertroffen werden kann, ist— nun, sagen wir: kühn! Erkämpfen mußte es sich der MarkthallenauSschuß erst, daß er nur„gehört" wurde, was, wie Stadtrat NamSlau der Oeffentlichkeit glauben machen will, stets ohne weiteres ge- schieht. Eine Erregung ohnegleichen ergriff die Gasarbeiter, als im Juni 1909 den Ausschüssen aller Werke der Entwurf einer neuen Arbeits- ordnung unterbreitet wurde, in dem die Regelung der Arbeitszeit»nid vieles andere völlig geändert und eine Bestimmung aufgenommen ivorden loar,»velche zugleich ein Attentat gegen daS Koalitionsrecht und eine Unterbindung der Arbeiterausschußtätigkeit insofern enthielt, als Kassieren von Beiträgen»md Verteilen von Versammlungs- einladungen nunmehr auch in den Pausen verboten wurde. Inner- halb acht Tagen sollten sich die Ausschüsse über den»nnfangreichen Entwurf äußern. Das war natürlich nicht nröglich und so reichten diese ain 10. Juli 1909 die in Versaunnlungen der Arbeiter be- schlossene« AbänderungSanträge ein, die»nit wenigen Worten in den darauf folgenden Sitzungen von den Betriebs- dirigenten cntgegengenominen wurde»». Monat mn Monat verging; nichts verlautete über das Schicksal der Anträge. Keine Antwort lain darauf; aber wenige Tage vor Weih- »achten hatten die Arbeiter die Bescherung: der DirektionSentwurf erschien einfach am Anschlag in den Werken»nit dem Bemerken, daß er ain 1. Januar 1910 in Kraft tritt— er wurde, ohne Rücksicht auf die Wünsche der Arbeiter und ohne die Ausschüsse bis heute ei»»er Antwort zu würdigen, einfach oktroyiert I Das soll die Arbeiter nicht aufregen? I Nicht genug da mit, sprach Herr NamSlau noch in der Stadtverordnetenversan»mlung von„unwesentlichen(!) Aenderungen", nachdem er im EtatauSschuß gehöh,»t hatte:„Ja, was wollen denn die Leute? Wir haben doch keine Anträge verlangt?" Demnach erlvartet nian anscheinend, daß „die Leute", wenn man sie„anzuhören" sich herabläßt. ,>»it möglichst tiefem Bückling stumm alles schlucken. Ein Schildbürgerstückchen ohne gleichen leistete sich dieselbe Gaswerksverwaltung gegenüber dem Bemühen der Arbeiterausschüsje, der Urlaubsordnung de« Magistrats vom L. Mai 1907/26. Juni 1903 auch in diesen Betriebe»» Geltung zu verschaffen. In derselben wird bestimmt, daß„Handwerker"„nach zehnjähriger Dienstzeit bis zehn Tage Son»merurlaub" erhalten sollen, wie er auch in anderen Verwaltungen bereits gewährt wird. Im März 1908 ver- handelten bereits die Ausschüsse in ihren Sitzungen darüber; dann folgte das übliche Hin und Her bis zur Deputation. Am 8. De- zember 1903— nach neu»» Monaten— kam von dieser schließlich ein Bescheid, der allerdings ungeteilte Heiterkeit in die an sich ernste Situation brachte; man erklärte: „Die Arbeitsordnung kennt einen Unterschied zwischen„Handwerkern und„Arbeitern" in den Gaslverken nicht". Natürlich spricht»nai» in einer ArbeitSordming allgemein von„Arbeitern", ohne Branchen zu definiere»». War der Einwand schon an den Haaren herangezogen, so wurde vor allem aber die entscheidende Tatsache„übersehen", daß im Etat alle Handwerkergruppen»nit ihren Löhnen aufgeführt sind und im Verwaltungsbericht gleichfalls von„Handwerker»»" gesprochen lvird. Nur jetzt, wo 3 Tage mehr Urlaub zugestanden»verde» sollten. kannte man einfach keine Handlverker I Selbstverständlich remonstrierten die Ausschüsse gegen solchen Unsinn und wandten sich a,n 22. Januar 1909 an den Magistrat. Dreieinhalb Monate später(am 7. Mai 1909) erinnerten sie durch eine Resolution, die eine Anfrage aus dein Rathause bei der OrtSleitung des Verbandes zrir Folge hatte, aus»velcher hervorging, daß die Anträge voin Januar dem Magistrat gar nicht über- »n i t t e l t worden waren. Und bis heute warten die Ausschüsse auf eine Antwort in dieser Angelegenheit! ZlveckS bcfferer Ausübung ihrer Tätigkeit beantragten eine Reihe von ArbeiterailSschüffen verschiedener Betriebe die Aushändigung von Protokollabschriften aus den Sitzungen und schriftliche Be- händigung der Bescheide auf ihre Anträge— eine selbstverständliche und zweckentsprechende Forderung, die in einigen anderen Ber- waltungen auch bereits verwirklicht war. Die Zeit vom 20. März 1903 bis zum 27. November 1903, also ein Jahr und acht Monate waren notivendig, bis vom Magistrat herauskam, daß nicht all qdM» die betreffenden Anträge abge- wiesen, sondern die gewünschten Abschriften auch den bisher da, nit versehenen Ausschüssen ent- zogen»verden. Auslegen tvill man sie nur noch und gestatten, daß ein Ausschußmitglied außerhalb der Arbeitszeit(wie ausdrücklich betont wird I) sie abschreibt. Eine Tragikomödie besonderer Art ist der Kainpf der Arbeiter- auSschüsse un» Durchführung der Magistratsverfügung vo»»» 19. Oktober 1903,»vonach Ilebersüinden mit Aufschlag von 2ö bis 50 Proz. bezahlt werden sollen, soweit eS sich nicht„um rcgel- »näßige, aus den» allgemeinen Dienstplan sich ergebende Arbeiten handelt". Unglaublich ist es, wie dieser Satz definiert worden ist, nur um die Arbeiter um die Zuschläge zu prelle»». Die Viehhofs- Direktion bestritt einfach, daß„außerordentliche" Arbeiten vorkommen, und bezablt heute noch keine Ueber- stundenaufschläge, auch Sonntags nicht. Andere Verlvaltnngei» legen wieder anders aus, eventuell auch unter, ganz tvie'S trifft»nd ge- braucht wird.„Nur für solche Ueberstundenarbeiten", so sagt die Gaswerksdirektion in ihrem nach sechs Monaten erteilten Be« scheid,„welche mit dem kontinuierlichen GaSanstaltSbetrieb und Vertrieb nicht in unmittelbarem Zusammenhang stehen, wird festgesetzter Lohnzuschlag bezahlt". Diese Auslegung sagt mit etwas mehr Worten dasselbe als diejenige vom Viehhof. ES mag mit dieser Blutenlese genug sein; sie kann ans den Akten der ArbeiterauSschüsse beliebig erlocitert»verde»». Will»nai» angesichts solcher Zustände>»och weiß mache»», daß die Arbeiter von außenstehenden Personen" aufgehetzt worden sind? Wahrlich, dessen bedurste eS nicht! Das war mnsoiveniger notwendig, als die Haltung des Magistrats gegenüber den durchaus berechtigten Anträgen der Arbeiter auf Lohnerhöhung dein Faß den Boden endlich ausschlug. Sie tvieseu in umfangreicher Begründung nach, daß ein Lohn von 8,7ö M. pro Tag bei den gegenivärtigen Verhältnissen nicht entfernt»»ehr ausreicht; sie beriefen sich auf die Vororte, Ivo dieser Lohnsatz längst überholt ist— nichts half. Keinerlei Aenßerung erfolgte an die ArbeiterauSschüsse; dafür dursten sich die Arbeiter vom Stadtkämmerer aber schmähen und sagen lasse»», daß die städtische» Betriebe doch keine Ver sorgungsan st alten für die Arbeiter sind. Ja, glauben del»n die Herren im Berliner Raihause, daß die städtischen Arbeiter Fischblut in ihren Adern haben? Sie sollten sich doch über das Ausreizende ihrer Stellungnahme gegenüber den Arbeitern klar »verden, dann»verden sie erkennen, daß die Niederlegung der AuS- schuß-Mandate die einzig richtige Antwort darauf war. ArbeiterauSschüsse, die Monate und Jahre darauf verwenden müssen, un» nur»nal eine Antwort zu erhalten, müssen die Geschichte jrüher oder später satt kriegen. � � Die rücksichtslose Maßregelung eines ArheiterauSschußmitgliedeS auf dem. städtische»» Schlacht- und Viehhofe brachte in der letzten Sitzung veS Kuratoriums deS genannte»» Betriebes Genosse Hoff- mani» zur Sprache. Der Arbeiter Sch. steht fast zehn Jahre in städtischen Diensten. Er erhielt seine Eutlassuilg»vegen„»»»»bot- mäßigen Verhaltens gegen einen Beamten". Die Unbotmäßigleit bestand darin, daß er einem Aufseher, der ihm»nehrere Arbeiten zu« gleich austrug, antwortete:„Ich kann mich doch nicht vierteilen". Der Ansscher regalierte darauf den Arbeiter»nit:„Halten Sie den Schnabel", und als dieser erklärte, er sei doch den» Aufseher urnner anstündig entgegengekomme», erwiderte der letztere:„Das nenne»» Sie Ivo hl anständig, wenn Sie mir mit der brennenden Zigarre in der Scknauze entgegentreten!"(Der Arbeiter war beim Mistladen, bei»velchen» das Rauchen der üblen Gerüche wegen ge- duldet ist, behauptet aber, als der Aufseher kau», die Zigarre sofort aus dem Munde genommen zu haben.) In größter Erregung und mit der Drohung, Meldung zu niachen, verließ der Aufseher den Arbeiter,»vorauf dieser seine Entlassung belain. Nun gab es natürlich bürgerliche Stadtverordnete im Kuratorium, die„Schnabel" und„ S ck» n a u z e" als Bezeichnung den Arbeiter» gegenüber durchaus für paffend halten und gar den „Bildungsgrad" de» Aufsehers als Entschuldigung gelten lassen wollen,»velche aber von dem Arbeiter Fischblut und einen Bildniigsgrad verlangen, der ihn schon die Aeußernng:„Ich kann mich doch nicht vierteilen" als ein Verbrechen betrachten, das iiiit Entlassung bestraft werden muß. Nun erklärt sich aber die Erregung und Einpfindlichksit de? Aufsehers sowie die prompte und schnelle Entlassung sehr einfach, wenn »vir mitteilen, daß der Arbeiter Sch. Mitglied des Arbeiter- auSschusseS»vor nnd kurz vor Weihnachten als solches gegen eine Schädigung seiner Kollegen(auSnahmStveise mal mit Erfolg) Einspruch erhoben hatte. Seit dieser Zeit behauptet Sch. fortgesetzt schikaniert und pro Tag drei- bis viermal bei seiner Arbeit kon- trolliert worden zu sein, bis es schließlich nach obigem Intermezzo am 25. Jannar zur Entlassung kain. Die Arbeiter u,»d Arbeite- rinnen wurde» zu einer Versammlung einberusen, die Handzettel wurden durch die Aufseher wieder eingesammelt und den Arbeitern gedroht:„Wer in die Versammlung geht, wird entlasten." Ja, es»vurden Arbeiter zu Protokoll vernommen und ihnen Fragen vorgelegt,»vie: Wer Äiitglied de« Verbandes wäre, »ver einen Vertraeusposten bekleidet und»vieviel Mitglieder der Verband ans de»»» Schlacht- und Viebhof habe. Auch der Assistent Glühr»varnte vor dem Besuch der Bersanmiluilg«im Interesse der Familien der Arbeiter." Trotzden» oder deshalb? war die Versammlung außerordentlich gut besucht und nahm einstimniig eine Resolution an, in»velcher sie die Entlassung des Sch. als eine rücksichtslose Maßregelung des ArbeiterauSschußinitgliedeS bezeichnen und vom Küratoriuin die Wiedereinstellung des Gemaßregelten erwarten l Von diesem Lturatorium? Mit Stadtrat Fischbeck als den „richtigen Mann" an der Spitze; mit Mitgliedern, die es für „gerecht" halten, daß Herr Direltor Goltz den Arbeiter entließ. ohne ihn auch nur zu hören oder ihm Gelegenheit zu feiner Verteidigung zu gebe», ein Recht, daö»nan den» gemeinsten Verbrecher gewährt I Nein, die Akten wurden durchstöbert und Dinge wurden siir die Entlassung als»natzgebend angeführt, die 3—5 Jahre zurück- liege». Dabei konnte Genoffe Hoffmann nachweisen, daß dem Ent» lassenen folgendes Zeugnis von der Direktion in die Akten geschrieben »vurde: „Derselbe(Sch.) hat sich während dieser Zeit stets fleißig und als guter Arbeiter gezeigt und seiner Kurzsichtigkeit wegen zu der damals»hin obliegenden Arbeit nicht mehr verwendet werden können. Am Schluß des Zeugnisses heißt es:„und kann Sch. zur Beschäftigung in an» deren Betrieben»»ur auf das wärmste empfohlen werden". Ja selbst in dein letzten Zeugnis bei der Enlaffung wegen „unbotinäßigen Verhaltens" mußte man ihm noch „feine Leistungen" als„im allgemeinen zu- f r i e d e»» st e l l e u d" bescheinigen. „Zur Aufrechterhalt i» ng der Disziplin' blieb eS auf Beschluß des Kuratoriums bei der Entlastung: das einzige, wa» unser Genosse erreichen konnte,»var, daß der Vorsitzends eine Unter» suchuiig zusagte darüber,„ob Sch.»vegen semer Tätigkeit iin Arbeiterausschuß schikaniert fei". Bei der bekannte» Objeklivität des Herrn Stadtrat Fischbeck braucht»nan wohl o»if das Resultat dieser „Untersuchung" nicht allzusehr gespannt sein. Die Sache selbst aber ist ein klassischer Beiveis für den Wert der städtischen SlrbeiterauSschüsse. Wer will eS den Arbeitern verdciikci», wenn sie eine Komödie, bei welcher sie als Puppen„a la Linde an der Strippe" tanzen sollen, nicht»nehr mitmachen wollen? Ihre Selbstachtung zwingt sie dazu, hier Wandel zu schaffe»». LerUner JVacbncbterj. Wie steht es mit den schwebenden BcrkehrSfragen? Die sozialdemokratische Fraktion der Stadtverordnekcn» versamnilung hat folgenden Antrag gestellt: „Die Versammlung ersucht den Magistrat, ihr in einer Vor» luge„Zur Kenntnisnahme" Mitteilung über den Stand der schivobenden BcrkehrSfragen zu machen." Die Ursache gn diesem Antrag ist zu suchen»n der Be- Handlung der bekannten DnrchbrnchSprojekte durch den Magistrat und die dadurch geschaffene Situation. Achtung der Schule vo? dem Elternhaus! Zwischen Schule und Familie sollte stets ein Verhältnis gegenseitiger Achtung bestehen. Ist es nur die Schuld der Familie, wenn eS hieran fehlt? Leider trägt die Schule selber nicht»venig dazu bei. dieses Verhältnis zit stören. Im „Vorwärts" hat nur zu oft die Ungehörigkeit gerügt»verde»» müssen, daß Lehrende vor versammelter Klasse sich über Eltern in verletzender Weise geäußert hatten. Wir erini»crn uns nicht. Kenntnis davon erhalten zu haben, daß jemals g?gen ctnen iaS EliernhauS berungliuipfenden Pädcr flogen nach Gebühr eingeschritten worden wäre. In dasselbe Gebiet gehört der manchen Lehrern als zulässig geltende Unfug. dieLltern ihrer Zöglinge vor einer weiteren Ocffentlichkeit bloßzustellcn durch Belau nt gäbe von schriftlichen Aeußcrungen, von Briefen oder Entschuldigungszetteln, deren Form oder Inhalt ihnen„komisch" erscheint. Auch das ist schon oft genug im„Vorwärts" gerügt und als Ungezogenheit gcbrandmarkt worden, aber immer wieder finden sich Päda gogen. die hiervor nicht zurückschrecken, und bürgerliche Blätter, die die Veröffentlichung besorgen. Wir möchten wohl wissen, ob bisher von den zuständigen Schulbehörden etwas unter nommen worden ist, um diesem Treiben endlich einmal Ein halt zu tun. Auch in einem Sonntagsblättchen. das der„Staats- bürger- Zeitung" und dem„ 31 c i ch" allwöchentlich beigelegt wird, sahen wir am letzten Sonntag unter der Ucbcrschrift:„Aus�der Mappe einer Berliner Lehrerin" eine Santmlung von Entschuldigungs zetteln. Die Allswahl, die da geboten wird, läßt uns vernluten, daß sie zil dem Zweck veröffentlicht worden ist, erheiternd zu wirken. Es ist lvenigstens absolut unerfindlich, welchem anderen Zwecke mit der Veröffentlichung dieser Schrift stücke gedient werden soll. Die Namen der Eltern, von denen die Zettel herrühren, sind ungekürzt wiedergegeben. Aber selbst wenn für die Veröffentlichung andere Namen eingesetzt worden sein sollten, so genügen doch die in den Zetteln ent haltenen Sachangaben, die betreffenden Personen jedem etwa Eingeweihten erkennbar zu machen, illann man es einem Vater oder einer Mutter, die in dieser Weise sich blofr gestellt sehen, übel nehmen, wenn sie die Bekanntgabe solcher Entschuldigungszettel wie eine Verhöhnung empfinden? Das fromme„Reich" und die nicht nnndcr fromme„Staats bürgcr-Zeitung" gehören zu jenen Pastorenblättern, die so oft darüber zetern, daß das Volk sich gegen jede „Autorität" aufzulehnen erdreiste. Wenn zufällig eine Arbeiter frau ihren eigenen Entschuldigungszettel in jener Sammlung fände und nun zu der Lehrerin ginge, um ihr die Wahrheit zu geigen, so wären die Pastorenblätter„Reich" und „StaatSbürger-Zeitung" die ersten, die der Arbeiter- frau den Staatsanwalt auf den Hals wünschten. Zluch die Gemeindeschulverwaltung unserer Stadt würde nicht zögern, eine Bitte der Lehrerin um Ver folgung der Arbeiterfrau zu erfüllen und Strafantrag zu stellen, damit der Lehrerin die gewünschte Genugtuung zuteil werde. Ja, so achtet man daS Elteruhaus 1 So werden Schrift stücke der Eltern, die amtlich zur Kenntnis der Lehrenden gelangen und als vertraulich zu behandeln sind, der Oeffcntlichkeit übergebe nl So leiht die P a st o r e n p r e s s e ihre Dienste und macht durch Verüffenb lichung die Eltern zum Gespött für ihr Lese- Publikum! DaS ist dann ein gefundenes Fressen für die bornierte Ueberhebung jener Sorte von„Gebildeten", die Wunder wie stolz darauf sind, selber in leidlich richtigem Deutsch einen Satz formen und ihn in einwandfreier Orthographie zu Papier bringen zu können. Woran liegt's denn übrigens, daß nicht auch jeder Arbeiter und jede Arbeiterfrau daS können? Lehrer und Lehrerinnen sollten zu allererst sich hüten, noch in die Welt hinauszuposaunen, tv i e w e n i g i n der Volksschule gelernt wird. Und in den Redaktionen der Pastorenblätter sollte man wissen, daß mehr in der Volksschule gelernt werden könnte, wenn eS weniger Religionsunterricht gäbe. Die Straße dient dem verkehr. Auf dem Kursiirstendamm spielte am Mittwoch gegen 1t Uhr vormittag? das Musikkorps des 2. Garde-Regiment» in dem Vor- garten zu dem Hause Nr. 251, in dem der General der Jnfanlerie v. Kessel wohnt, einige Musikstücke. Die Folge war eine größere Menschenansammlung, wodurch die Bürgersteige dicht besetzt wurde». Auch zahlreiche Fuhrwerke hielten zu beiden Seiten der Straße. deren Insassen gleichfalls der Musik lauschten. Andere Fuhrwerke konnten ihre Fahrt nicht fortsetzen, weil ein AuSbiegen der Elektrischen wegen nicht möglich, und mußten längere Zeit warten, wodurch wiederum eine größere Anzahl Wagen sich ansammelten. Der Ver- kehr wurde stark behindert, ein Schutzmann war aber nicht zu sehen An» 6. März dagegen konnten im Tiergarten trotz der Mafien- demonstration Fuhrwerke ungehindert passieren. In einem Hotel erschossen hat sich gestern der 36 Jahre alte Kaufmann Josef Stebler aus Donrath bei Mühlhausen im Elsaß. Der Mann kehrte vorgestern in der Nähe des Anhalter Bahnhofes ein und nahm ein Zimmer, ohne anzugeben, wie lange er bleiben wolle. Als er gestern auch bis Mittag noch nicht zum Borschein ge- kommen war, sah man sich nach ihm um und fand ihn tot i» seinem Zimmer liegen. Mittellosigkeit und Na h rung S sorgen halte» ihn veranlaßt, durch einen Revolverschuß seinem Leben ein Ende zu machen, seitdem er vergeblich versucht hatte, in Berlin Be- schäftigung zu finden. Berr-atene Liebe hat die 34 Jahre alte Zigarettellarbeiterin Ida Jost a»S der Köpeiricknstraße Oa in den Tod getrieben. Sie unter- hielt feit l'/a Jahren mit einem Arbeiter ein Liebesverhältnis, dessen Folgen sich zetzt bemerkbar machten. Bor einigen Wochen verzog ihr Gellebter nach Stettin. Jetzt ließ er sie im Stich und schrieb ihr gestern einen Absagebrief. Verzweifelt trank die Unglückliche gestern abend um 11 Uhr Lysol. Als das aber nicht rasch genug lvirkte, sprang sie bald darauf, nur mit dem Nachthemd bekleidet, aus ihrer im 4. Stock belegenen Stube auf den asphaltierten Hof hinab und war sofort tot. Die Leiche eines neugeborene» ftiadeS wurde in dem Hause Lübecker Str. 4 in einem Abort gefunden. Als die Mutter wurde bald die Aufwärterin Marie Wendland ermittelt, die sich in ein Kranlenhaus begeben hatte. Straßenbahnuilfälle. Bor dem Hause WeinbergSweg 27 versuchte gestern mittag der zwanzigjährige Kellner HanS Gabelinann aus der Leuthenstr. 14 in Schöneberg de» Motorwagen 1Ö94 der Linie III während der Fahrt zu bestergen, kam dabei zu Fall und erlitt außer erheblichen Hautabschürsungen am Kopf und im Besicht einen komplizierten Bruch des linken Oberschenkels. Der Verunglückte wurde nach dem LazaruS-Krankcnhause übergeführt. Vor dem elterlichen Hause, Dirlsenstr. 50 wurde der sechsjährige Sohn Max der Witwe Schlack, als er unmittelbar vor einem heran- nahenden Straßenbahnwagen der Linie 7 das Gleis betrot. von dem Vorderwagen erfaßt, umgestoßen und. geriet mit dem linken Arm unter den Schutzrahmen. Der Knabe erlitt eine blutende Kopf- wunde und Hautabschürfungen im Gesicht und erhielt von einem in der Nähe wohnenden Arzt die erste Hilfe. Eine AuSschußsitzung deS Arbeiter- Sängerbundes(Gau Berlin) fand am Sonntag, den 3. April, in der Brauerei FriedrichShoin statt. Aufgenommen wurde der Verein„Frisch auf"- Rheinsberg. Mit der Erwiderung des Vorstandes auf die Anzeige des„Volkschor" erklärt sich der Ausschuß einverstanden. ES bleibt bei der Resolution der Generalversammlung, den„Volkschor" als bürgerlichen Verein zu betrachten und seine Veranstaltungen dementsprechend zu behandeln. Betreffs der Maifeier werden die Vereine ausgefordert, sich recht zahlreich auch an den Vormittagsversammlungen der Gewerkschaften zu beteiligen.-� DaS Probinzialsäitgersest findet am 11., 12. und 13.Juniin Eberswalde statt. Die Vereine werden gebeten, in der nächsten singe- stunde dazu Stellung zu nehmen und in der nächsten Ansschußsitzung, welche MW 17. April stattfindet, mitzuteilen, in welcher Stärke sie teilnehmen, damit die nötigen Schritte bei der Eiscnbahndirektion getan werden können. DaS Sängersest des Gaues Berlin findet am 17. Juli im Müggelschloß und Strandschloß bei FriedrichShagen statt. ES sollen außer den Mafienchören auch Aufführungen der großen Chöre in beiden Lokalen stattfinden. Die Selzerschen Gesangvereine anS Leipzig wollen Berlin im August besuchen. Der Vorstand des Gaues soll das Nötige in die Wege leiten. Tödlicher Sturz mit dem Fahrrad. Ein bellagcnSwerteS Ende hat der Sohn des Ziegelmeisters Spielberg, der in der Präparanden- anstalt zu Köpenick Zögling war, gefunden. Der junge Mensch war bei einer Partie auf dem Zwcirade, die er nach Berlin unternommen hatte, an einen großen Stein geraten und mit der Maschine zu Fall gekommen. Er zog sich eine Verletzung am linken Unterarm zu und tm Kranlenhause am Fnedrichsham, wo der Verletzte Anfnahnre fand, trat eine Blutvergiftung hinzu, an deren Folgen SP. starb. Nnbekannt verstorben ist ein Greis von etloa 80 Jahren, der am Montag vor dem Hause Leipziger Str. 132/37 von einem Straßenbahnwagen umgestoßen und von einem Schutzmann nach dem Kranlenhause am Urban gebracht wurde. Er erlag einer Gehirn- erschütterung. Oeffcntliche Bibliothek und Lesehalle zu unentgeltlicher Benutzung für jedermann, 80., Adalbertstr. 41. Geöffnet werktäglich von 5Va— 10 Uhr abends, an Sonn- und Feiertagen von 8—1 und 3—0 Uhr. In dem Lesesaal liegen z. B. S43 Zeitungen und Zeit schriften jeder Art und Richtung ans. ArLeltcr-Bilduugsschulc. Zu dem FortschrittSkursuS in Nationalökonomie(Gemeinsame Lektüre von Marx' Mehr- Werttheorien) werden noch etliche Teilnehmer zugelassen. Diese müssen bis zum Mittwoch, den 13. April, eine schristllche Arbeit über „Wert- und Mehr Werttheorie" an H. Lamms, Nix« darf, S t e i n m e tz st r. bl, III, emsenden. Der Kursus beginnt am Donnerstag, den 21. April, abends 9 Uhr, bei L. L i e r, Grenadierstr. 35. Zeugengesuch. Am 18. Dezember v. I., nachmittags etwa 6»/4 Uhr, ist in der Pücklerstraße vor dem VolksspeisehauS Südost ein etwa SOjähriger Mann von einem Schutzmann sistiert worden. Diejenigen, welche hierbei zugegen gewesen sind, insbesondere eine Frau, welche den Sistierten zur Wache begleiten wollte, aber zurück- gewiesen wurde, wollen ihre Adressen schleunigst der Redaltio» mit teilen. Die Thaerpraße von der Eldenaerstraße bis zur Landsberger Chaussee wird behufs Uinpflasterung vom 9. d. M. ab bis auf weiteres für Fuhrwerke und Reiter gesperrt. Vorort- JNtochrichtem Charlottendurg. Der bürgerliche Stadtverordnete Bogel verschwunden. Aufsehen erregt das plötzliche Verschwinden des Hauseigentümers Max Vogel, der im Jahre 1903 mit einer knappen Mehrheit in der Stichwahl gegen den sozialdemokratischen Kandidaten als Stadl verordneter der dritten Abteilung gewählt wurde. Vogel fungierte in der Stadtverordnetenversammlung, in der er in der letzten Zeit nur selten erschien, unter der Bezeichnung„Vogel II", im Gegensatz zu unserem alten Parteigenossen Vogel, der als„Vogel I" galt. Wie berichtet wird, betrieb Vogel in seinem Hause Friedrich- Karl-Platz 3 ein Fahrrad- und Nähmaschinengeschäst, das in der letzten Zeit wenig Umsatz hatte. Am 1. April, so wird weiter gemeldet, kassierte er die Mieten in seinem Hause ein und verstbaffte sich auch Gelder zur Deckung der laufenden Wechsel und Hypothekenzinsen. Dann sagte er seinen Angehörigen, daß er auf zwei Tage in GeschäftSangelegenheiten verreisen müsse. Als er bis vorgestern nicht zurückgekehrt war, wurde der Verdacht, daß V. das Weite gesucht habe, zur Gewißheit. Darauf wurde von den Gläubigern Konkurs angemeldet und An- zeige bei der Staatsanwaltschaft erstattet. Er hat nach Schätzung der Gläubiger etwa 40000 bis 60000 M. mitgenommen. Seine Schuldenlast soll sich auf über 300000 M. belaufen. Wie weiter gemeldet wird, sind auch einige Charlottenburger Stadtverordnete von Vogel geschädigt worden. Sie haben sich, durch sein ruhiges und stilles Wesen getäuscht, verleiten lasse», ihm größere Darlehen anzuvertrauen. Die schwer geschädigten Gläubiger find gestern zusammengetreten und haben beschlossen, eine Summe von vorläufig fünfhundert Marl aus die Ergreisting des Flüchtigen auszusetzen. Die Staats anwaltschaft, der die Angelegenheit übergeben ist, bereitet einen Steckbrief vor, der heute der Ocffentlichkeit übergeben werden dürfte. Dir Gläubiger haben gestern außer den Maßnahmen der Staats- anwaltschaft an sämtliche Eisenbahnlnotenpimlte und alle deutschen Hafenstationen das Signalement Vogels telegraphiert und um Festnahme deS Flüchtigen ersucht. Die veruntreuten Summen dürsten bedeutend höher sein als angenommen wurde. Bis jetzt rechnet man bereits mit weit über eine halbe Million Mark. Die für einen späteren Termin fälligen Wechsel sind spurlos verschwunden. Es wird angenommen, daß Vogel die Wechsel gleichfalls mitgenommen hat und versuchen wird, sie unterwegs zu Geld zu machen. Elternverein für freie Erziehung. Auf daS am Sonnabend, den 9. d. MtS., im VolkShause, Rosinenstr. L, abends 8 Uhr für Mit- glieder und deren Angehörige stattfindende Gemütliche Beisammen- sein wird hierdurch besonders hingewiesen, Kinder sind von der Veranstaltung ausgeschlossen. Eintritt frei. Der Vorstand. Rixdorf. Die Bewerkschaftskommissio» Rixdorf nahm M» ihrer letzten Sitzung zunächst die Abrechnung vom 1. OuartaraUO entgegen. Der Einnahme von 474,03 M. steht«ine Ausgabe von 247,61 M. gegenüber. SS wurden dann die Versammlungen zmn 1. Mai fest« gesetzt; die vier Versammlungen sollen in, ÄarlSgarten, bei Hoppe, et Felsch und bei Wolf stattfinden. Die Sektionen deS Maurer» Verbandes, die seit Jahren bereit? ein Versammlungslokal füllen, treffen sich in diesem Jahre bei Felsch, die Transportarbeiter und Maler versammeln sich bei Wolf. Der Karlsaarten und das Lokal von Hoppe sind für die übrigen Gewerkschaften vorgesehen. All- gemein wurde es von den Delegierten unangenehm ernpfirnden, daß von den Sälen in der Bergstraße uns am 1. Mai nicht einer zur Verfügung stehen kann, da dieselben bereits anderweit be- setzt bezw. vergeben sind. Mitgeteilt wurde, daß gegen die Wahl zweier unserer Kandidaten als Gewerbegerichtöbeisitzer Protest ein- gelegt ist. Die Sitzung verständigte sich, die zuständige Körperschaft zu veranlassen, gegen die event. Entscheidung des Bezirksausschusses fie zulässigen Rechtsmittel in Anwendung zu bringen. Bei dieser Gelegenheit wurde ganz besonders betont, daß bei Vorschlägen zu 'olchen Wahlen die einzelnen Gewerkschaften für die Zukunft die größte Vorsicht beobachten müssen, damit nicht durch irgend welche Unachtsamkeit den Gegnern, die auS eigener Kraft Mandate nicht erringen, Mandate in die Hände gespielt werden. Genosse Schultz brachte die bereits im Februar des Vorjahres angenommeile Resolution, die Förderung des Genossenschaftswesens betreffend, in Erinnerung und ersuchte die Delegierten, gemäß dieser Resolutton in ihren Berufsorganisationen für die Konsumgenossenschasten zu wirken. Genosse Hendrischke betonte in Anbetracht der Zllspitzmig der Gegensätze die Notwendigkeit der Agitation für die politische Organisation auch in dm Gewerkschaften. Jeder Arbeiter müsse in so bewegter Zeit nach jeder Richtung seine Schuldigkeit in». Genosse Schultz ging noch mit einigen Worte» auf die Belvegiing in, Baugewerbe ein: eine alsbald einzuberufellde Sitznng soll sich eingehend mit dieser Bewegung beschäftigen, um möglichst die Funktionäre der Organisationen in den Stand der Bewegung cinzilweihen und sie über die Ursache deS unausbleiblichen Kampfes zu inforini-ren. Wilmersdorf. Der Preffcstreik bereitet der reaktionären Mehrheit in der Stadt« verordlietenversammlimg doch beträchtliche Kopfschmerzen. Am Mitt- ivochabend kam diese mehrfach von uns erwähnte Angelegenheit im Ortsparlament zur Sprache. Der Stadtverordneteilvorsteher Dr. Leidig selbst glaubte als Urheber der Angelegenheit durch � einige Ziigeställdnisse den Zwist auS der Weit schaffen zu können. Er' erklärte beim Beginn der Sitzimg, daß er den in den Preßerörternngen zum Ausdruck gebrachten Wunsch nach Aufenthaltsräumen für Stadtverordnete. Pressevertreter und Publikum als berechtigt anerkennen müsse, uiid daher habe er dafür gesorgt, daß in dem Schulhanse, wo die Sitzungen der«tads- verordneten stattfiiiden, passende Zimmer für die Zeit, wo die Stadt- verordiietenversammlung etwa geheim berate, zur Verfügung ständen. Mit diesem Entgegenkommen erledige sich vielleicht ein voi, den, Stadtverordneten B ü ch t e m a n n und Genossen gestellter Antrag, der die bekannten Zwistigkeiten mit einer Er- klärung deS Bedauerns aus der Welt schaffen und zugleich de» Beschwerden der Pressevertreter abhelfen wolle. In der Erörterung dieser Angelegenheit meinte der Stadtder- ordnete Dr. Edel, daß die Berichterstalter sich zwar durch den Streik inS Unrecht gesetzr hätten; noch großer sei aber die Schuld, die„die Stadtverordnetenversammlung" durch Ent- feinung deS Pressetischos auf sich geladen habe. Stadtverordneter Dr. Wolfs war anderer Ansicht als sein Vorredner. Es sei nicht richtig, daß die Presse etivas begangen habe, was sie ins Unrecht setze. Man hätte die Berichterstatter nicht von den geheimen Beratungen auszuschließen brauchen, sondern sich von ihnen einfach die Versicherung der erforderlichen Diskretion geben lassen sollen. Es sei ungehörig vom Stadtverordneten- Vorsteher, daß er im WirtShauSgespräch sich gerühmt habe, er werde eS der Burschen von der Presse schon besorgen; nicht minder sei eS zu mißbilligen, daß Herr Professor Dr. Leidig den Berichterstattertisch habe aus dem Sitzungssaal entfernen lassen. Eine solche Handlungsweise kom pro mittlere die ganze Stadtverordnetenversammlnng. Nachdem Herr Leidig unter Verwahrung gegen die AliZnutztlug von Privatgesprächcn dem Stadtverordneten Dr. Edel erklärt hatte, daß er die'Verantwortung für das Geschehene ganz allein tragen wolle, zog Herr Dr. Heinitz, der daö Amt des stellvertretenden StadtverordnetcilvorsteherS in Wilmersdorf ausübt, mit kollegialer Unentwegtheit gleichfalls über die Presse loS. Wenn auch die Maß- regel des Herrn Leidig nicht zu billigen sei, so habe die Stadt- verordneteiiversmnmluiig doch Ursache, es sich zu verbitten. daß„Fremde" ihr Borschriften darüber machten(!). ob sie öffentlich oder geheim verhandeln solle. Dein Streit, den die Presse widerrechtlich vom Zaun gebrochen habe, fehle schon um deswillen jede Berechtigung, weil man biS dahin noch niemals mit irgendwelchen Wünschen an das Bureau der Stadl- verordnetenversaimnlung herangetreten sei.— Stadtv. Pumplili, glaubte gleichfalls seinem Unmut gegen die leidigen Zeitungen Lust machen zu müssen. Zum Schluß der Erörterung nahm der Stadtverordnctenvorsteher selbst noch einmal das Wort. Es möge ja sei», daß sein Bcr- halte» zu schroff gewesen sei. Als Stadtverordnetenvorsteher wolle er immerhin die Hand zum Frieden bieten. Mit dieser von der Mehrheit mit demonstrativem Beifall auf- genommenen Erklärung war die Angelegenheit beendigt. Wenigstens, soweit es auf die Wilmersdorfer Stadtverordneten ankam. Ob die Zeitimgsberichterstatter von der mittelalterliche» Pressefeindschast der Wilmersdorfer Lokalpatrioten sonderlich befriedigt sein werden, steht dahin. Am Mittwochabend war der Pressetisch noch demonstrativ gemieden worden. Weiffensee. Neuwahl im alten OrtSteil. Der Protest unserer Genossen gegen die Wahl der bürgerlichen Grnndbesitzerkmtdidaten ist von der Gemeindevertretung anerkannt und die Wahl für un gültig erklärt worden. Der Genosse Block unterlag dem Gegner mit zwei Stimmen, eS ist daher bei der Neuwahl die größte Anstrengung not» wendig, um de» Sitz zurückzuerobern. Bis zur letzten Stunde waren die Gegner ihrer Sache sicher» denn der neugebackene Gemeinde« Vertreter nahm schon an der bürgerlichen FralttonSsitzung teil, er wirkte dort auch bereits im reaktionären Sinne mit. Sorge jeder Genosse dafür, daß es seine erste und letzte Tätigkeit al« Gemeinde- Vertreter war. Die übrigen Wahlen wurden sämtlich für gültig erklärt. „Der Kampf des Volkes um Freiheit und Recht" lautete das Thema, über daS in einer auch von Fraueu gut besuchten Volksversammlung am Montag im WereinShause ReichStagSaögeordneter Genosse A. Stadthagen referierte. Redner kritisierte in demonstrativer Weise die Tätigkeit des schwarz-blauen Blocks un Reichs« sowie Landtage sowie die Blamage der Berliner Polizei und streiste dabei alle aktuellen Fragen. Hierauf gedachte er der Branntwein« liebeSgabe und der Kleider- und NahrungSmittelzölle. Auch die Klassenjustiz habe sich jetzt anläßlich der den Demonstrationen folgenden Prozesse wieder mal im vollen Glänze gezeigt. Die gieichsversicherungsvorlage zeige eine bedeutende Verschlechterung der bestehenden Versicherungsgesetze und sei völlig unbrauchbar. Mit einem Hoch auf die Sozialdemokratie und das allgemeine, gleiche und geheime Wahlrecht wurde die intposante Veriammlung ge- schlössen. Zofsea. I« der WahlvereinSversammlung sprach Genosse Wendorf. der als Bczirkssührer die Genieindcwahl in Dabendorf geleitet hatte, den Wunsch aus, daß die dem hiesigen Wahlvereine angehörenden Dobendorser Genossen einen selbständigen Wahlverein gründen möchten. Man glaubt dadurch eine größere Anzahl Mitglieder für die politische Organisation zu gewinnen und bei der nächsten Genieindevertrcterwahl über die Bürgerlichen in der dritten Ab- teilung den Sieg zu erringen. ?kach längerer Debatte, in der sich eine Anzahl Redner für und gegen die Gründung eines Wahlvereins in Dabendorf aussprachen, wurde der örtliche Vorstand beauftragt, die Angelegenheit dem .entralvorstaud deS Kreises zu unterbreiten und in der nächsten lersammlung über dessen Ansicht Mitteilung zu machen. Den Bericht von der KrciS-Geueralversainmlung erstattete der Vorsitzende Genosse Saupe. In der Diskussion wurde bemängelt, daß die Wahlvereinsberichte aus kleineren Orten zu sehr gelürzt würden. Dem trat Genosse Rahorr entgegen, der auf die Unmöglichkeit, die Berichte in so ausgedehnter Form zu bringen, hinwies.— Zum Punkt Maifeier wurde eine Kon, Mission beaustragt, mit dem GewerksckiastSkartell über von der Versammlung gemachte Vorschläge, wie die Feier begangen werden soll, zu verhandeln.— Unter Verschiedenem wurden dte Genossen ersucht, mehr für die Durchführung des Boykotts über gesperrte Lokale Sorge zu tragen. Spandau. Ein sonderbares Dienstzeugnis vom hiefiaen Polizeiiiispcktor hat kürzlich ein dort in Stellung gewesenes Dienstmädchen erhalten. Am 16. März d. I. trat das in Frage kommende Mädchen bei dem Herrn Polizenuspeltor FranziuS in Stellung. Räch A»«sage deS Mädchens war e» der schweren Arbeit, die eS gegen einen Monats- loh» von 15 M. verrichten sollte, nicht gewachsen; eS bat daher seine Mutter, mit der Dienstherrschaft Rücksprache zu nehmen, damit sie vom Dienst entbimdeu ivcrde. Die Mutter ivurde auch bei der Frau Inspektor vorstellig, von derselben jedoch ersucht, da? Mädchen im Dienst zu belassen, dabei wurde ihr in Aussicht gestellt, daß statt 15 17 M. MonatSlohn gezahlt würde. Mit diesem Vorschlag erklärten sich die Mutter wie auch das Mädchen emderstanden. MS nun das i7jähnge Mädchen mit Bonnern dcS FuhbodenS beschäftigt wurde, fühlte eS. dab ihm diese Arbeit zu schwer wurde. Der Frau Inspektor soll die Arbeit nicht rasch genug gegangen sein. Am dritten Tage nach An- tritt des Dienstes wurde das Mädchen entlassen und erhielt folgendes Zeugnis mit auf den Weg i FranziuS Polizci-Jnspektor. Spandau Dienstmädchen Dienstantritt DiensiauStritt 16. 3. 1310. IS. 3. 1910. Sie geht nach gegenseitiger Uebereinkunst. Sie will nicht arbeiten, ist unfreundlich und bockbeinig. Beglaubigt Spandau, den 10. 3. 1910. Polizeistempel. Wangelin, Polizeikommissar. Das Mädchen war natürlich höchst erstaunt, daß man ihm ein solches Zeugnis ausgestellt hatte. In ihrer ersten Stellung hatte sie beinahe zwei Jahre bei einem Oberleutnant gedient und in ihrem Abgangszeugnis vermerkt be- kommen, das; sie fleißig, ehrlich und ordentlich in jeder Beziehung sei. Und da sie meint, auch jetzt noch diese Eigen- schaften zu besitzen, nimmt sie an, daß der Herr Polizei-Jnspektor ihr ein sie unberechtigt in schlechten Stuf bringendes Zeugnis auS- gestellt hat. Wir können nicht verstehen, wie eine Dienstherrschaft einem Dienstmädchen. daS nur drei Tage im Dienst war und sich bei einer schweren Arbeit ungeeignet erlvies, mit einem solchen Zeugnis ver- sehen kann. Wenn darauf einem Mädchen das Dienen verleidet wird, ist es nur zu begreiflich. Die Herrschaften wundern sich natürlich dann über die Dienstbotennot. ODrtS- _________(Genossen Generalversammlung. Gäste willtoimucn.' Jugeudveranstalimigen. Schöneberg. Am Sonntag, den 10. April, veranstaltet der fügend- auZschuß in Miethcs Festsälen, Hauptstr. 4, eine Frübltngsseier, destehend aus einer Festrede des Genossen öd. Bernstein, Konzert, turnerischen Ausführungen und gemütlichem Beisammensein mit Tanz. Die Panel- genossen ivcrden dringend ersucht, ihre jetzt ouS der Schule entlassenen Kinder aus diese Feier aujmerlsam zu machen. Erwachsene haben ebenfalls Zutritt._____________ Eingegangene Druchfchnften. Paul Singer) ist soeben da? hat salzenden Inhalt: Von der„Neuen Zeit«(Sluttgart, 28. Hest des 28. Jahrgangs erschienen. ES �.. DaS nun? Von ffi. Kaulsky— Der WahIrtchlStanips m Braunschwcig. Von Richard Wagner.— Die Persische Revolution, ihre Ursachen, ihr Charakter und ihre KamPseSmethoden. Von Michel Pawlowitsch(Frei- «villigcr).— Eozlaldemolratie und Oktroi. Von Jean Martin(Mül- Hausen i. C.).— Die Vereinheitlichung des ArbeiterrechtS. Don Friedrich Kleeis(Halle a. S.).— Literarische Rundschau: Dr. Karl Siegt, Die Egerer Zmistordnungen. Von Jul. Deutsch. Die»Neue Zeil" erschein! wöchentlich einmal und ist durch alle Buch- Handlungen, Postaustalten und Kolporteure zum Preise von S.L3 M. pro Ouarlal zu beziehen; jedoch kann dieselbe bei der Post nur pro Quartal abonniert werden. Das einzeln« Hest kostet Sa Ps. Probenummern stehen jederzeit zur Verjügung. DaS Theater. III. Halbmonatsschrift für iiitcruationale Bühnenkunst. Hest 1ö. Verlag: DllmerSdors, Tantener Str. S. Tie«trundstücksanfnahme von(Snde Oktober 1005 sowie die TSohnnngS- und die BedSlkerungSaufnahine vom 1. Dezember 1005 in der Stadt Berlin und 20 benachbarte» Gemrindeu. Heraus- gegeben vom Statistischen Amt der Stadt Berlin. 4 M. Puttkamer u. Mühlbrecht. Berlin W. b7. LourdeS im Lichte deutscher medizinischer Wissenschaft. Bericht über den Münchner LourdeS-Prozeß vom 20. und 22. November 1909. HciauSgegeben von Dr. E. Aigner, München. J. F. Lehmanns Berlag. 1,20 M. Schattenbilder. Von H. Eulcnburg. 315 Seilen. B. Cassircr, Berlin. Moderne Wege znr Bildung für alle die höhere Schule» nicht besuchen konnten. Eine praktische Anleitung von J. Lüdson. 1,80 M., geb. 2,50 M. M. Kupserschmid, München 50. Witterungsüberstcht vom 7. April 101«. morgens s Uhr. Etattoven LwMemde. Hamburg Derlm srantl.a.M. «LS »Lg 82 SZ vi-ft u Ilm Wien e» 758 ONO 758 NNO 757 W 758 NO 757 SW 753 W v-U« >«ri -»!! «l« Scilly Aberdec» Parti 1 bedeckt 2 Rege» 2 bedeckt Obedeckt 5 bedeckt 4 bedeckt Wetterprognose sür Freitag Ziemlich kühl, vorwiegend trübe ode und mäßigen nordwestlichen Winden. Berliner D-tterbureaU. «tattoae» »- i -jatanda 759 N !et«r«burg 759 SSW 759 OSO 768 NNW 760 S i Bettet »!> Ixt 4 wölken!—1 1 wolkig— 0 3 heiter 2bedeckt 1 heiter . den 8. April 1010. oder nebelig mit leichten Negensällc» WassersiandS.Nachrtebten der LandcSansiall jür Gewässerkunde, mitgeteill vom Berliner Wetterbureau. Wasserstand M e m e l, Ttlstt P r e g e l. Jnsterburg Weichsel. Thor» Oder, Rattbor , Krasse» , Frantturt Wa r t h e, Gchrinun , LandSberg Netze, Dordamm Elbe, Lewneritz , Dresden 0 Bardo » Magdeburg Wasserstand Saale, Grochlitz Havel, Svandauft , Ziathonow'1 Spree, Svreinberg') , BeeSlow S e I e r. Münden , Minden Rhein, MaximilianSau . staub , Köln Neckar, Heilbronn Main, Werth est» Mosel, Trier am S. 4. cm 118 SO 140 76 106 -46 41 374 181 179 72 150 73 seit 5. 4. cm1) — 1 —3 0 0 — 1 0 —5 0 —2 — 1 —1 — 1 ')+ bedeulet Wuchs.— Fall.—•) Uulerpegel. Thealer und Vergnügungen nun □ÖD □□□ Freitag, den 8. April. Ansang l'l, Uhr. Räuigl. Opernhaus. Die Fieder. niauS. ttönigl. Schauspielhaus. Wider- spenstiaen Zähmung. Neues könlgl. OPern-Theater. Geschlossen. Tentsches. Ein SommeruachtS. träum. kammerspiele. GawbN.(An- sang 5 Uhr.) Anfang 8 Uhr. Lcssiug. Das Konzert. Neues Schauspielhaus. Der Herr Verteidiger. Kleines. Luruszug. Komische Oper. Der Wildschütz. Berliner. Taifun. Neues. Der Philosoph von SauS- soucs. Westen. Die geschiedene Frau. Steves Operetten. Der Gras von Lukemburg. Triauon. Theodor« u. Tie. Nrsidruz. Da« Nachtlicht. Thalia. Di« Torskomtesse. Schiller<1. tWallner. Theater.) Hanl Lange. Schxx: Sharlottenborg. Reue Jugend. Friedrich- Wilhelmstädtisches. iüli-Heidelbcrg. «aftspiel. Miß Dudelsack.(Ansang 6'l, Ubr.) Hebbel. Kellen.(Ans. S>/. Uhr.) Bolköopcr. Die lustigen Weiber von Awdsor. Luisen. Hossuung aus Segen. Nolc. Preciosa. Lustspielhaus. DaS Leutnant». mündel. Mktrovol. Hollah ll— Die große ZIevue. FolicS Capriee. Herr Wasserkrops. Der Lustlurner.(Ans. S'l, Uhr.) «asiuo. Berlin bei Nacht. Gebr. Herrnseld. Die beiden BindelbandS.— Die Original- KlabriaSpartie. Roack. Kean oder Leidcnschast und Eente. Apollo. In den Lasterhöhlen von San Francisco. Spezialitäten. Vastogr. Spezialitäten Wintergarte». Spezialitäten. RrichSbnllen. Stetlwer Sänger. Palast. Spezlalilätcn. Karl Hoverland. Spezialitäten. Walhalla. SveziaNtälei». Buggenhagen. Epeziaütäten.(An- TL Uhr). zlranta. laudenstraste 48/40. Abend» 8 Uhr: Geheimrat v. Hesse- Warlegg: Nordasrika, Sahara, Marokko. Sternworee, Jnvalidenstr. 57— 62. K.cssiiic-Thentcp. 8 Uhr: Zum 75. Male: Soö Konzert. Sonnabend, 7Vj Uhr zum erstenmal: Heiraten. Sonntag. 8 Uhr: Heiraten. Berliner Theater. Heute 8 Uhr: T£iif Uli» Morgen: Taifun. Neues Theater. Abend» 8 Uhr: Der Philosoph von Sanssouci. Sonnabend; Die seidene Ritterzeit. Theater des Westens. Heute und folgende Tage 8 Uhr: Die geschiedene Frau. Sonnt. 31/, Uhr: Ein Wolzertraum. Volksoper. SW., Belle-Alliance-Straße SW. 7/8. Abend»'/fi Uhr: Die lustigen Weiber von Windsor. Urania. Wissenschaftliches Theater. Abenda 8 Uhr: Geheimrat E. v. Hesso-Wartegg; Nordafrika, Sahara, _ Marokko._ \eDca Operetten-Theater. Heute und folgende Tage 8 Uhr: Der Graf von Luxemburg. Sonntag nachm. 3 Uhr zu ermäßigten Preisen: liee Zigeunerbaron Friedricb-Wilhelmstäiltisches Schauspielhaus. Freitag, den 8. April, abends 8 Uhr: Ens.-Gastsp. d. Neuen Schauspielhauses Alt-Heidelberg mit Karl Heinz.. Harry Waiden. Morgen und folgende Tage: Alt« Heidelberg. Sonntag nachm. 3 Uhr: Die Jung. sran von Orleans._ Residenz-Theater Direktion: Richard Alexander. Abends 8 Uhr: Das Nachtlicht. Schwank in 3 Zlkicn v. M. ZamacolS. Morgen und folgende Tage: DaS Nachtlicht._ Luisen-Theater. AbendS S Uhr: Die Hoffnung auf Segen. Ein Seestück in 4 Akten von H. Hcijermans. Sonnabend: Klapperstorch der Königin. Sonntag nachm.: Was Gott zu« fammensügt. Abends Premiere: Doppcllclbstmord. Montag: Klapperstorch d. Königin. OSE=THEATE Große Franks urter Str. l 1 Kabarett- Abend,! j veranstaltet v. ci Eichlorsohen| ( Sängergosellscholt. Nach der| < Vorstmlung: Tanzkranzche». i Burgtheater- Kinematograph berat. Groterjan, Jnhab.: Rud. Merr, Schönhauser MlleelW. Tel. 3, 9353. !.edenlte phetegraptiien. Wochent. 30 u. 40 Ps. Llnsang 7 Ubr. Sonnt 30, 40 u. 60 Ps. Ani. 4 Ubr. Vorzugakarlen mir Wochentag» gültig. L5 PI. aus allen Plätzen. Stet» wechselndes Programm. Jlrtiishof| Perlebcpger Straße 20. Jeden Monntag: Dsul i Springers Kabarett* and Possea-flesellachaft. Anf. Konz. 8 Uhr., Vorat. 7 ühr. Tanz. den Inhalt der Inserate Ubernimmt die Sic..... FUr Redaktion de« Publik«« gegenüber keinerlei Verantwortung. Verband d. Bureauangesfcllfen und der Verwaltungsbcamtcn der Krankenkassen and Gcrnfsgenossenscbaften Deutschlands. Ortsgruppe Groö-Berlia. Den Kollegen zur Kemiwis, dag unser Mitglied Max Thomas (Gastwiris-Ortjkrankenkassc) am 4. April verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Freitag, nachiniltagS 4 Uhr, von der Leichenhalle des Gemeinde- Friedhoses in Nuinmelsburg-Ost, Lückstrage auZ statt. Zahlreiche Beteiligung wünscht 4Z/8 vis(Jr!zven«altuiig. Todes-Zluzetgc. Am Dienstag, den 5. April er., I verstarb nach längeren Leiden \ unser lieber Kollege Max Thomas. „ Wir werden sein Andenken stets Sin Ehren halten. ' Die Beerdigung findet heute | Freitag, den"8. April er., nach- t mittags 4 Uhr, auf dem Ge- ] meinde-Friedhos, NummelSburg, ; Lückstrage, am Bahnhoj RummeiS- ' vurg statt. ISSIb Vis Boa-ntvn | der Ortskrankenkasse der Gast- jvdrta und verwandten Gewerbe zu Berlin. Todesanzeige. Am 5. April, abends 11 Uhr, enlschlies mein lieber Mann, unser herzensguter Vater, der Tuchmacher Theodor Wolf im 81. Lebensjahre. 1564B Die tieftrauernde Witwe �Volt ncbst Töchtern. Die Beerdigung findet Sonn- abend, den 3. April, nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle deS Zenlral-FriedhosS, FriedrichSselde, auS statt. Am S. APui verschied nach längerem, schwerem Leiden meine irmigstgeliebte Frau, unsere treue, gute Mutter, Schwester, Schwägerin ilnd Tante Eiitmy Pcrß geb. Becker. Die Beerdigung erfolgt am Sonnabendnachmittag 4 Uhr aus dem Friedhof der Kapernaum- Gemeinde, Rcinickendors-West. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen Paul Per». 15656 Danksagung. Für die herzliche Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben Mmrr.eS, unseres guten AaierS Lmmsrieh Sollevsllork sagen wir hiermit alle» unseren herzlichsten Dank. 50312 Die trauernden Hinterbliebenen. Bau-Senossenschaft „Tiijmerlieim". Eingetragene Genossenschast mit beschränkter Haftpflicht. Bgf Freitag, den 15. April, abends präzise 10 Uhr: fa» Hoppes Feftsäle», Nixborf, .Heimannstr. 48/49: Fortsetzuug der General-Versammlung vom S. April. Der Vorstand. 104/10 Ma? Schönberg._ Otto Klein. Jerüfiep Äröeiter- . Raillatirer-fBrein1* Mitglied deS Arbeiten Radsahrer-Bunde» .Solidarität". Touren zum Sonntag, den 10. April. 1. Zlbl.: 7 Uhr: Finkenkrug. 1 Uhr: Vichelswerder. Start: Bülowstr. 58. 2. Abt.: 7 und 12',- Uhr: Nieder- l-hme(SportShnuSZiegenhalS). Start: Fontane.Promenate 18.__ 4. Abi.: 1 Uhr: Zehlendorf(Mick). Start: Küstrmcr Platz. S. und ,0. Abt.: 1 Uhr: Müggel- heim. Start: Elysium. 10. Slbtcil.: Start: Webcrstrafie 6. 6. Abt.: 12 Uhr: NowaweS(Singer). Start: Oderberger Str. 28. 7. Abt.: 2 Uhr: Saatwmkel. Start: KöSlincritr. 8. 8. AM.: 8 Uhr: Kaputh. 1 Uhr: Wannsee(Fürstenhos). Start: Wald- strahc 8. 10/11 >>. Abt.: l1/« Uhr: Eichwalde. Start: Schillingstr. 15._ Heute Freitag 8'/, Uhr == AnßerordcntUctic= General- irersammlung in den Anoreas-Festsälen, LgS AndreaSitr. 21, TL Saal.-HWD □r. Simmel Spezial-Arzt für Haut- und Harnleiden. Prlnzenstr. 41,«j?« . Ä r f o___ io-1_ 4 ArbeitSnactiwris: Verniattuilgsstelle Berlin. Hauptbureau: Hoj 1. Amt 3, 1239. GdsritestraLe 3. Hof III. Amt 3, 1987. Montag, den 11. April 1910: Bezirks- Versammlungen für die gesamte Vmvaltnngsftelle Berlin in solgenden Lolalen: Norden Phama-saic, Miillerstr. 143, abends 8'/a Uhr. NOl'deil* 0t> Fests�10* Schwcdter Strafte 33, abends Frankes Festsäle, Badstr. 19, abends 8'/- Uhr. Praektsiils Aovll-lVest, Wiclefstrafte 34. abends S'l, Uhr. Horden: Moabit: Westen und Sehäneberg: SSSW-SfÄ. Osten und Lichtenberg; R""" Vortrag des Kollegen WVasekiek. Llralau und Nummelaburg: abends 8'l, Uhr. Süden und Südost: SSÄ?"1 15- Tonol* Bttrsigrwalder Festsäle. Borsigwalde, ICJJCI. Spanduurr Strafte, abends<5 Uhr. Ergänzungswahlen zur Bezirtsleituug. Nlldorf l Hoppes Festsäie, Hermannstr. 49, abcndS 8'/, Uhr. Bortrag des Kollsgen Otto Handke. Ciarflii-r* SScholhases Festsäie, Ahornstrafte 13», dlCglllX. abends 8'/2 Uhr. Cbarloltenbury: volltslians,«orlttenstr. s, abends 8'/, Uhr. l!?eißeN8ee* 1&0 bkä�'ur BeBtaarai>t' König Ehaussce 38, Köpenick u. Friedrichsbagen: IN Köpenick, abends 8'/, Uhr. 1. Vortrag des Schriftstellers HF. Spohr über: Allerhand Humor aus der neuen deutsche» Literatur. 2. VerbaiidSangeiegenheiten. 114/3 Spandau Bühles Tolkshelm, Havelstrafte, abends 8'/, Uhr. Ober-Sehöneweide: Ä'ÄÄtTs�Sd». � TageS-Ordnung: Kerichterflattung von der Geiierlilverflimmlung. Mitgliedsbuch legitimiert. Zahlreichen Besuch erwartet Die OrtSverwaltung. Krniillc«-«. Sterbelliifft oller gemerblilheii Arbeiter für Sdjiiiiekrj imÄ Berlin. (E. H. K. 115.) Sonntag, den 17. April er.. vo»niittags 9'/, Uhr. in Qrossers nrneu RathauSsäle», Aieininger Str. 8(Tunnel): Aiißerordenllilhe irnrrol- PetfoiNwInng. TageS-Ordnung: Vorlegung des revidierten Statuts zur Beschlußfassung. Verschiedenes. Mitgliedsbuch legitimiert. Um zahlreiches und pünltlichcs Erscheinen ersucht 284/1?' Bor Vorstand. I. A.: I a e u I ck e. Berrenkleidnng Um mein neues Unternehmen einzuführen, wird s verkauft: Herren-Anzüge.. M, Herren-Paletots.. M. Herren-Hosen.. M. i Posten bunte Westen. 10 12 16 18 bis 42 10 14 16 18 bis 40 1,90 2,50 3 4 bis 12 . M. 1,75 2,50 3 4 enorm ... M. 30 40 ... M. 25 35 festen Preisen Anzug nach Maß. Paletot nach Maß zu streng Huguft pietfeh s.■. t. h, 9 Rosenthaier Straße 9 Bitte genau auf Namen Ecke----- Augusfsfrafle. und Hausnummer zu achten. Ovis- Kraukettkasse Pankow. Freitag, de» 15. April 1910, im Nestaurant Roczycki in Pankow, Kreuzstrage 3— 4: Aligem. Versammlung. TageS-Ordnung: Wahl der ErgänzungS-Dclegierten für die Periode 1910/11(§§ 51 und 51a des Statuts): a) 38 Kasseninitglieder; b) 14 Arbeitgeber. Die Wahl findet gelrennt für Kassenmitglieder und Arbeitgeber und zwar: für die Kassenmitglieder von V26 bis 8 Uhr abcndS und ftir die Arbeitgeber von 8 bis 9 Uhr abends statt. Zu dieser Versammlung werden sämlliche Kassenmitglieder und Arbeitgeber, soweit dieselben grofijährig mid im Besitz der bürgerlichen Ehrenrechte sind, eingeladen. Die Kassenmitglieder haben sich durch Vorlegung ihres vom Arbeit- geber abgestempelten OuittunzSbuches, die Arbeitgeber, soweit nicht persönlich bekannt, durch Vorlegung der letzten Beitragstiota zu legitimieren. Die statntcnmägige Generai-Versammlung findet am Montag, den 25. April 1910, im Ncstaurant Noczpöki in Pankow, Kreuzstraße 3—4. stall TageS-Ordnung: 1. Protokoll. 2. Vorlegung der JahrcSrechnung pro 1909 mid Bericht der Revisoren. 3. Definitive Genehmigung der mit den Beamten abgeschlossenen Eugagemcntsveriräge. 4. Definitive Genehmigung des mit Dr. Scligsohn prolongierten Ver- träges. 5. Erganzungsivahl ziviler Vorstandsmitglieder(1 Arbeitgeber, 1 Arbeitnehmer). 0. Anträge, welche mindestens jünj Tage vor der Ver- sammlung vci den: Vorsitzenden ein- gereicht sein müssen. 7. Verschiedenes. Pankow, den 4. Avril ILIO. Der Vorstand der OrtS-Krankcnlafie Pankow. raul Seifert, Vorsitzender. NB. In dieser Versammlung find nur die gewählten Delegierte» ein- tritiS- und stimmberechtigt. 273/3 Orts-Krankenkaffe des ZimmtrcrgemrbeszilAtckii. Sonntag, de» 47. April, vormittags 10 Uhr, Im Gewerkschastshause, Engckuser 15, Saal 11: Ordßntl. Generai-Yersamnilung. Tagesordnung: 1. Rechnungslegung pro 1909. 2. Bericht des Prüfungsausschusses. 3. Acschluxfassung über die Abnahme der Jahresrechnung und Dech arge- erteilmlg. 4. Verschiedenes. Die in der Wahlversammlung am 17. November 1909 gewählten Ver- ireter werden hierzu eingeladen. ----- Einladungskarte legitimiert.----- Der Vorstood. A. Brunzel, Borsitzender. E, Petermann, Schrijtsiihrer. 15606 Krankea-UDterstiitzoiiis-iiiiil BertniskasseilerLeilerzariclitcr Berlins.(«•. H. Nr. 50.) General-VersammluDg am Sonntag, den 17. April 1910, vormittags 10 Uhr, im Bewerksebaftsbooso, Engcluser 15, Saal 10. Tagesordnung: 1. Rechnungslegung vom 1. Quartal 1910. 2. Geschäftliches. 15596 Der Vorstand. I. St.: Gustav Busse. Obstbaum- u.Hocbvald- PapzeBlen, direkt au der Chaussee und Balmhos gelegen, 1337b' Nassenheide (Nordbahn) von 300 Marl! an inkl. Zaun. Bin täglich zu den Zügen ab Stcliiner Bahfihos 10.14 und 12.40 dort zu treffen. Fahrzeit'/, Stunden. Besitzer« Wolf, Oranienburg, Berliner Str. 52». HygisniscIiG Drogerie Znrcmba, 1 Weinbcrgswegl, dir. a.Nosenthaler ! Tor. Billigste Bezugsquelle I Versuch f. zur dauernden Kundschasi! Vax liegeabalZ. BERLIN NO. 43, Telephon: Amt TU, 3U47. 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Sonntags 10—12, 2----------------------- — jßerontlpottli�et Siedaktenr Richard Barth, Perlin. Sur detl Inseratenteil perantw.: Th. Glocke, Berlin, Krück U.Verlag: BorwärttzBuchdruckerei u, Verlagsanstalt Paul Singer üc Co.. Berlin SW, Dr. 81. 37. Jahrgang. 3. KnlW ks Jtrmittö" ßttlintt WllisblR Freitag, 8. April 1910. Hua Induftrie und Kandel. Eine„Post"-Rcchnung. DaS Si�arfmacherblatt„Die Post" hat sich schon öfter durch anormal geistreiche Ausfälle unsterblich gemacht. Eine neue Leistung dieses Genres finden wir in ihrer Nummer vom 3. April. Das „Post"produkt ist so amüsant„geistreich", dah wir eZ unseren Lesern nicht vorenthalten wollten. Sicherlich wird die„Post"arbeit bei der Agitation gute Hilfe leisten. Ein Gewerlschastsblatt hatte mit Hinweis auf die von der Burbacher Hütte für das Geschäftsjahr 1908/09 ausgeschüttete Dividende von 30 Proz. hervorgehoben, daß dieses Unternehmen die niedrigsten Stundenlöhne zahle. Flugs setzt sich ein„Post"- Redakteur nieder und verbricht folgende Epistel: .... Die Gewerkschastspresse kaim es der Burbacher Hütte nicht genug verdenken, daß sie in dem doch recht schlechten Gc- schäftsjahr 1908/09 an ihre Aktionäre„noch 30 Proz. Dividende" verteilt hat. Diese Zahl an und für sich stimmt ja. Aber ist es damit auch zutreffend, daß die Aktionäre für alle ihre in das Unternehmen hineingesteckten Kapitalien diese zahlenmäßig ganz nette Verzinsung erhalten haben? Wer ehrlich ist und einigermaßen die Verhältnisie kennt, muß diese Frage verneinen. Die' Burbacher Hütte, deren Aktienkapital nur 4 800 000 M. beträgt, repräsentiert in Wirklichkeit ein investiertes Kapital von etwa 60 Millionen Mark.(Eine Schätzung, die vor vier Jahren vorgenommen wurde, spricht von 5S Millionen Mark, während uns von anderer gut unterrichteter Seite 70 Millionen genannt werden. Der von uns angenommene Wert von 60 Millionen wird also eher zu gering als zu hoch sein.) Wenn nun die Aktionäre buchmäßig nur für 4,8 Millionen Mark Aktien besitzen, so müssen die übrigen etwa 33 Millionen Mark doch irgendwo hergekommen sein. Der Betrag wurde derart zusammengebracht, daß jahrelang die Aktionäre auf die ihnen zustehende Dividende verzichteten. Ans diese Weise kam auch bei der Burbacher Hütte im Laufe von fünf Jahrzehnten das Kapital zusammen, das das Werk heute repräsentiert. Wenn nun das Aktienkapital durch vorsichtige Finanzpolitik auf 4.8 Millionen Mark belassen werden konnte und auf diese für daS Geschäftsjahr 1903/09 30 Proz. Dividende ver- teilt worden sind, so haben die Aktionäre in bar 1440 000 M. er- halten bei einem Reingewinn von 2 195 333 M. Beziehen wir diese Zahlen auf daS ganze m die Burbacher Hütte investierte Kapital von ungefähr 60 Millionen Mark, so beträgt prozentual der Rein- gewinn nur 3,66 Proz. und die an die Aktionäre ans- geschüttete Dividende nur 2,4 Proz. Also mit den 30 Proz. Dividende ist'S leider nichts. Wir wollen zugeben, daß diese schlechten Zahlen nicht den Durchschnitt darstellen, es gab für die Burbacher Hütte wesentlich befferc, aber auch schon wesentlich schlechtere Jahre wie dasjenige von 1908/09. Nach unserer Kenntnis der Dinge können wlr jedoch getrost sagen, daß keines der Saarwerke eine so hohe Rente herauswirtschaftet, daß der Satz von 3 Proz. überstiegen wird. Berücksichtigt man, dah ein jeder Hausbesitzer doch mindestens 8 Proz. an Miete aus seinem Hause herauszuwirtschasten versucht, so kann nur der Unverstand von„horrenden Gewinnen" reden." Den genialen Trick, als Resultat strapazierten„Post"-Geistes nämlich, nicht ausgezahlten Kapitalgewinn gar nicht als Profit, sondern nur als eingezahltes Kapital zu berücksichtigen, sollte sich die „Post"-Redaktion patentieren lassen. Auf diese Weise schmilzt die Kapitalsrente schließlich auf Null zusammen, wenn sie in Wirklichkeit 20 und mehr Prozent betragen kann. Unterstellen wir, die Angaben der„Post" seien richtig. waS ergibt sich daraus? Vor 30 Jahren haben Kapitalisten für das Unternehmen 4,8 Millionen Mark her- gegeben. Von dem im Laufe der Jahre herausgewirtschafteten lleberschuß benutzten sie 33,2 Millionen Mark zu Betriebs- erweiterungen usw., so daß daS Unternehmen heute einen Wert von 60 Millionen Mark repräsentiert. Demnach hat sich daS Anlagekapital — abgesehen von den ausgezahlten Dividenden— in 50 Jahren beinahe vcrdrcizrhnfacht. Die Zuwachssumme auf die 30 Jahre ver- teilt, ergibt pro Jahr 1,104 Millionen Mark oder, auf das Anlage- kapital verrechnet, im Durchschnitt rund 24 Proz. DaS ist jedenfalls ein ganz respektabler Unternehmergewinn. Es ist ein Verdienst der „Post", die Gewerkschaften daraus aufmerksam gemacht zu haben, daß ein nach der„Post"-Meinung mit bescheidenem Gewinn ar- beitendes Unternehmen in einem Zeitraum von 30 Jahren durch- schnittlich alle 4 Jahre eine Verdoppelung des ursprünglichen An- lagekapitals herbeiführt. Da kann man die Berechtigung der Forderung auf Zahlung anständiger Stundenlöhne jedenfalls nicht verneinen.'_ Ganze Vermögen als Tantiemen. Die mit 25 Millionen Mark Aktienkapital arbeitende Zell- stofffabrik Waldhof, Mannheim, gehört zu den groß- kapitalistischen Betrieben, die ihren Direktoren und Aufsichtsräten alljährlich ganze Vermögen als Tantiemen zahlen. So erhalten die Aufsichtsräte dieser Gesellschaft nach der Mitteilung eines unzu- friedenen Aktionärs 10 Proz. des Reingewinnes. Für sechs Aufsichts- räte macht das zusammen 3 2 6 7 1 4 M. Die Direktoren sollen sogar 15 Proz. des Reingewinnes erhalten, also rund 46 0 0 00 M.! In dem Geschäftsbericht werden die Tantiemen natürlich nicht angegeben; sie verschwinden dort unter den Geschäftsunkosten. Fünf von den Verwaltungsmitgliedern sind gleichzeitig auch im AussichtS- rat der russischen Tochtergesellschaft. Sie beziehen auch dort Tantiemen. Dazu kommt noch, daß der Gewinn der russischen Gesellschaft als tantiemepflichtig auch in die Abrechnung der deutschen Zellstofffabrik eingestellt wird. Also Riesenvermögen als Tantiemen und den Arbeitern womöglich Hungerlöhne. Terraiuspekulation auf dem Lande. In Hohenneuendorf bei Spandau sind jetzt von einer Berliner Terraingesellschaft dielctzten bäuernlichen Besitzungen angekauft worden. Noch vor einem halben Jahre kostete dort der Morgen Land 1300 M., jetzt werden bereits 6000 M. dafür gezahlt. Roheisenerzeugung. Nach den Ermittelungen des Vereins deutscher Eisen- und Stahlindustrie ller betrug die Roheisenerzeugung in Deutschland und Luxemburg während des Monat März 1910 ins- gesamt 1 250 184 Tonnen gegen 1 091 331 Tonnen im Februar 1910 und 1 073 116 Tonnen im März 1909. Die Erzeugung während der Monate Januar— März 1910 stellte sich auf 3 319 109 Tonnen gegen 3 044 304 Tonnen in dem gleichen Zeitabschnitt des Vorjahres._ Vermiscbtes. Eine Gefchützremife niedergebrannt. Mllnchener Meldung zufolge ist in der vergangenen Nacht eine Geschützremise des 1. Feldartillerie-Rejjiments durch Feuer zerstört worden. Die Geschütze konnten noch rm letzten Augenblick aus der brennenden Remise herausgeschafft werden. Geständnis des Hamburger Raubmörders. Bei der gestrigen Vernehmung des Raubmörders Burghard durch den Altonaer Kriminal- kommissar Behrent kam eS einer Meldung aus Hamburg zufolge zu einem Zwischenfall. Burghard sprang plötzlich hinter den Kommissar und ergriff ein auf dem Tische liegendes Dolchmesser. Der Kommissar, ein sehr kräftiger Mann, faßte ihn sofort an der Kehle und entriß ihm die Waffe. Der Mörder gab sodann an, er habe gegen den Beamten nichts unternehmen, sondern Selbstmord begehen wollen- Im Laufe der fortgesetzten Vernehmung gestand Burghard ein, daß er mit Magnus zusammen den Uhrmacher Leffau ermoroet und be- raubt habe._ Untergang eines griechischen Segelschiffe?. Während der letzten großen Stürme ist, wie aus Saloniki ge- meldet wird, ein großer griechischer Segler in der Nähe Platamona an der griechisch-türkischen Grenze mit Mann und Maus unter- gegangen. Nur ein einziger Mann der Besatzung entkam wie ein Wunder der Katastrophe und wurde von den Wellen lebend nach dem Orte Litschera gespült._ Drei Feuerwehrleute tödlich verunglückt. AuS Innsbruck wird gemeldet: Beim Ausrücken der Feuer« wehr von Kramsach zu einem ausgebrochenen Brande verunglückte der Mannschaftswagen. Hierbei wurden drei Feuerwehrleute tödlich, die übrigen mehr oder minder schwer verletzt. ßriefkafteii der Kedahtton. Sie{iiriftlfritc CDrerfiftituve finde» Llndenftrahe Nr. KS, dorn vier Trevven— tvnlirftiihl—. tnixticntänlid) von 5'/» VIS SUbr abenvS ftnil. Jeder•Hnfrone ift ei« Buchstabe»ud eine Knill alS Merkzeichen beizufügen. Briefliche Slniwort wird nicht erteilt. Eilige Fragen trage man in der Evrechstnnde bor. H. K8. Die Ihnen erteilte Auskunft ist unrichtig. Ihre Frau kann auch an dem jetzigen Wohnort Mitglied bleiben und hat Anspruch aus die Leistungen der Kaste sZ S? des KrankcnversicherungSgesetzcs).— P 3. 1 16. 1. StaatSeinkommensleucr nicht, wohl aber Gemeindceinkommensteucr im Betrage von 4,50 M. jährlich. Im übrigen werden 100 Proz. der Staats- cinkommcnsteucr als Gemeindeeinkommensteuer erhoben. 2. Fragen Sie bei deni Magistrat in Ncu-Ruppin an.— I. M. 663. 1., 2. und 3. Es ist gesetzlich nichts abzugSsähig. 4. und 3. Ja.— R. 14. Wenn Herab- sctzung der Schschärse aus beiden Augen um mehr als die Hülste der nor- malen vorliegt, ja, sonst nicht.— W. B. it. 1. Anmeldung ist notwendig zwecks Prüsung, ob die Räume den bau- und sichcrheitspolizeilichen Vor- schritten genügen. 2. Anmeldung zur Gewerbesteuer.— F. 55. Bei der Charit? erhalten Sic Auskunst.— 1885 F. M. 24. Mai.— L. 1. Ja. — 99 L. Nach Ihrer Darstellung hat die Veranlagung für die niedrigste Stuse— 900 bis 1050 M. zu erfolgen, vorausgesetzt, daß Sie dem in der Lehre befindlichen Sohn Unterhalt gewähren.— Hochstädterstr. 23. Nein; aber der Steuerbehörde sind die Angaben aus Ersordcrn zu machen. — Stempel V99. Der Vertrag ist stempclpflichtig. Den Stempel kassiert jeder Stempelverteilcr, z. B. Fuhrmann dort, Berliner Straße 68/69. — 91. P. Steglitz. Ja.— F. K. Nr. 13. Ja, wenn daS Mädchen ge- kündigt hat, andernsalls nicht.— M. C. 999. Fordern Sie den Ver- Mieter zur Renovierung unter Setzung einer Frist aus. Kommt derselbe der Aufforderung nicht nach, so beauftragen Sie selber einen Handwerker mit der Ausführung und klagen Sie die entstandenen Unkosten, nach vor- heriger Austorderung zur Zahlung, gegen den Vermieter ein.— I. 4. Leider besteht in beide» Fällen kein Anspruch aus AUerSrente. Amtlicher Marktbericht der städtischen Markthallen-Dtrektion über den Großhandel in den Zenwal-Markthallen. Marktlage: Fleisch: Zusubr stark, Geschäst rege, Preise Fresser anziehend, Schwcineficisch nach« gebend, sonst unverändert. Wild: Zufuhr knapp, Geschäft still, Preise sest. G c s I ü g e l: Zufuhr genügend, Geschäst rege, Preise gut. Fische: Zusuhr genügend, Geschäst etwas lebhastcr, Preise für Fluß- und erslllassige Seefische befriedigend, sonst unverändert. Lutter und Käse: Geschäft ruhig, Preiie nachgebend. Gemüse, Obst und Süd» s r ü ch t e: Zusuhr mäßig, GeschSst schleppend, Preise behauptet. JÜ n Li LEIPZIGERSTRASSE Freitag, Sonnabend: ALEXANDERPLATZ Lebensmittel FRANKFURTER ALLEE Soweit Vorrat Gemüse- und Frucht-Konserven '/, Doee Vj Ost* lexir.akvk t20 65pf Riesenbruchspargel..l30 70 Pf. Stangenspargel 75 pt. Vivo,» v,0o,» Kaiserschoten extrafein I20 68 Pf. Leipziger AKeriei fein. 75 Pf. Koflirdtll In Schelb., m. Qrtln 27 Pf Vivo«» Vi Do«» Roie Höben...... 30 Pf. PerlijoliDen.?>..42 26 Pf Dicke Dohnen 60 35pf. VlOotS'1,06*6 Schmorgurken....... 80 Pf. Pariser Karotten.»»*ß035pf. Spinat.,.........-37 pf. t,Oo*»•HDo.» Apfelmus. 55 pt. Melange-Früchte ext«. 1 05 58 p«. Schoten o. Karotten.. 7543 p«. Wirsingkohl ••• Dose 30 Pf. GeHOgel Junge Tauben... I30 Grosse Suppenhühner«ek. 240 260 Junge Gänse.......«... p". I15 Kasseier Rippespeer.. pm. 35 Pf Schneehühner...... stck. 85 pf. Butter und KSse Tischbutter.- p� 13° Tafelbutter....... Pfund I40 Schweizerkäse.;.. piund 85 Pf. Emmenthaler echter.. Pfund I10 Tilsiterkäse....... pfund 57 pf. Fisch- Konserven Hering in Gelee°. 22«■ Bismarck' Od. Bratheringo Dose 3 3 Pf. Delikat.-Heringdoo..7 5oö'u50 Pf. Appetit-Siid 30, 40, 60 pf. Sardinen in Gel d« 3 8, 48, 58,70 pf. Obstu-frischssSemasa Tomaten..... p- 20� Südtiroler Aepfel,>». Pfd. 22pf. Bananen............ Pfd. 2 4 ptJ Gurken � 35 pf.. Rhabarber 15 pi; Kopfsalat Kopf 10 pf., Spinat??<>. 35pr. Murcia- Blutapfelsinen Dutzend 25, 35 p. Messina-Blutapfelsinen U ä 625 s 650 750 «50 St./ Inhalt W Cervelat oder Salami............ pfund t10 TeeWUfSt RDgenwaldef Art»v... J...• Pfund l10 Jagdwurst................... Pfund 8 5 Pf. Feine Leberwurst....»........ pfund 90 pf. Landleberwurst..... � piund 60 Pf LeberWUrSt Hallejche Art......... Pfund 9 5 Pf Oelikatess�fleischwurst. Pfund 35p,. MettWUrSt Braunschwelger Art,«..... Pfund 95 Pf. Mn44i.>ii.>