Mr. 8S. nbonnemcntS'Bdingungen: AlionnementS. PrciS prSnumerando i Bi-llelj-ihrl. S,Z0 m.. mona«. 1,10 Mü. wöchenllich� 28 Pfg. frei inä Hau?. Einzelne Nuimner 6 Pfg. SomitagS- nnmmer mit illustrierter Sonntag?« Beilage.Die Neue Welt" 10 Pfg. Post- Mtonnement: 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Post. Zeitung?« Vreislisie. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Mark, für das übrige Allsland 8 Mark pro Monat. PostabonnementS nehmen an: Belgien. Dänemark, Holland. Italien, Luxemburg. Portugal, Numuiiicn, Schweden und die Schweiz, 27. Jahrg. ftMel»! IZgNch außer montigi. 55 5 Vevlinev Volksblettk. Sie Tniertions- Gebühr kielrägt für die fechsgespaltenc Kolonek« geile oder deren Raum K> Pfg., für poNtische und gewcrlschastlichc BerrlnZ« und PersammIungS-Anzeigen M Psg. „Kleine?n--lg-n". das erste fielt. gedruckte) Wort 20 Pfg., jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlaf- sicllenÄnzcigen das erste Wort 10 Pfg.. jedes weitere Wort ll Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate sür die nächste Nummer müssen bis s Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition tjt bis 7 Uhr abend- geöffnet, Telegramm. Adresse: „Soilaldtnekrat Btrim". Zcntralorgan der fozialdemohrati fchen parte» Deutfchtands, Kcdahtion: SM. S8, Lindcnstraase 69» Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Sonnabend, den 9. April 1910. expeditiom SM. 68, Lindenatraaat 69. Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1981. fDartcfgenoffcn! Nachdem die Polizeileitung Berlins ihren Widerstand gegen die Mhalwng öffentlicher Massenversammlungen aufgegeben hat, finden am Sonntag, 10. April, mittags 1 Uhr, als Protest gegen die von den reaktionären Parteien des preußischen Abgeordnetenhauses im Einverständnis mit der Regierung beschlossene niederträchtige Wahlrechtsreform. auf dem großen Spielplatz im Treptower Park und dem freien Platz im neuen Teil des Friedrichshains öffentliche Wahlrechts-Mafsenversammlungen der sozialdemokratischen Partei Groß-Berlins statt. Auch die bürgerlichen Demokraten veranstalten auf dem großen Spiel- platz des Hnmboldthains eine Protestversammlung. Parteigenossen I Zum ersten Male erhielten ivir die zur Abhaltung öffentlicher Volks- Versammlungen unter freiem Himmel leider noch immer notwendige polizeiliche Genehmigung. Wir sind sicher, daß unsere Parteigenossen auch diesmal durch ihre Disziplin alle Vorwände und Befürchtungen, die in letz�r Zeit unsere Gegner gegen unsere Wahlrechtsdemonstration erhoben haben, als haltlos und lächerlich erweisen werden. Weder wird der Verkehr ge- hemmt werden, noch dürfen irgend welche anderen Unregelmäßigkeiten vorkommen! I Als Der Aufmarsch zu den Versammlungen geschieht in folgender Weise: Jeder Bezirk versammelt sich vorher in dem dafür bestimmten Lokal und marschiert von dort unter Führung seines Bezirksführers respektive der hierzu ernannten Ordner so früh- zeitig ab, daß er pünktlich um 1 Uhr am Versammlungsplatz eintrifft. Punkt tl£ Uhr wird von allen Tribünen über die Resolution abgestimmt. Dann marschieren die Bezirke wieder in gleicher Weise unter Führung ihrer Ordner zurück. Die Ordner sind an einer roten Armbinde kenntlich. Diese Binde ist um 3 Uhr abzunehmen. Damit ist Schluß der Demonstration. Alle weiteren Aktionen einzelner Parteigenossen,'besonders das Umherziehen kleinerer Trupps durch'die Straßen Berlins, müssen unterbleiben. Versammlnngsplähe sind bestimmt: 1. Ls? UumbolMsiN für Moabit, Pankow, Nieder-Schön- hausen. Reinickendorf, Borsigwalde, Tegel und Wilhelmsruh. 2. Der 7risllriobslls!n für die Schönhauser Vorstadt, den fünften Kreis und Weißensee. 3. Der Vreptower?srk für alle anderen Bezirke und Vor- orte. Parteigenossen! Jetzt kurz vor der cutscheidenden Abstimmung über die schmähliche Wahlrechtsvorlage ist es ein unbedingtes Gebot der Selbstachtung des preußischen Proletariats- der Regierung und den herrschenden Klassen zu zeigen, eine wie tiefgehende Empörung sie durch ihre Verhöhnung des arbeitenden Volkes in dessen Reihen entfacht haben. Darum. Ihr Entrechteten, Männer wie Frauen, erscheint sämtlich am Sonntag in den Versammlungen! Zeigt Euren unerschütterlichen Willen, nicht nachzulassen im Kampf um das allgemeine, gleiche, direkte und geheime Wahlrecht für alle Staatsbürger über 20 Jahre. Männer und Frauen l Auf zur Demonstration I Tretet ein für Eure staatsbürgerliche Gleichberechtigung! Die Regierung und die VolkLvcrräter im preußischen Abgeordnetenhause müssen am Sonntag den entschlossenen Willen Hunderttansendcr erkennen. Sie müssen zu der Ueberzeugung kommen, daß es gärt und grollt in den Massen des preußischen Volkes. Deshalb ist es die Pflicht jedes Arbeiters, jeder Arbeiterin, jedes freiheitlich fühlenden Staats- bürgers, sich am Sonntag an der Demonstration zu beteiligen! Mit Parteigrutz Der Zentralvorstand Grotz-Berlibts. I. A.: Eugen Ernst. (Nähere Mitteilungen erfolgen in der SonntagS-Nummer des„Vorwärts".) von Ltappe zu Etappe. Das Recht auf Versammlungen unter freiem Himmel ist erkämpft! Die Berliner Polizeiverwaltung, die noch vor wenigen Wochen mit der Anwendung schärfster Mittel gegen die Wahlrechtsdemonstrationen der Berliner Arbeiterschaft drohte, gibt ihren Widerstand gegen die Abhaltung Lffent- sicher Massenversanimlungen in den Berliner Parks auf. Sie scheint erkannt zu haben, daß sie die über.die Wahlrechts- Vorlage und ihre perfide Ausgestaltung durch die konservativ- klerikale Koalition erbitterte werktätige Bevölkerung Berlins von der öffentlichen Kundgebung ihres Willens und ihrer Meinung über den im Preußischen Abgeordnetenhause ge- planten Volksverrat nicht mehr zu hindern vermag— so fügt sie sich in das Unvermeidliche und nimmt ihre Verfügungen zurück!* Nachdem gestern schon der Polizeipräsident Berlins er- klärt hatte, er würde einer öffentlichen Massenversammlung im Friedrichshain. wenn die Zusicherung strenger Aufrecht- crhaltung der Verkehrsordnung gegeben werde, keine Schwierigkeiten mehr bereiten, ist heute die Genehmigung der für den nächsten Sonntagmittag auf dem großen� Spiel- platz im neuen Teil des Friedrichshain geplanten Wahlrechts- Versammlung ohne weitere Formalien erfolgt. Und fast zu gleicher Zeit erhielten die Genossen Borgmann und Ernst folgende Mitteilung des Treptower Bürgermeisters und Amtsvorstehers: Der Amtsvorsteher. A. 3102. H. 10. Treptow Bei Berlin, den 7. April 1010. Auf Ihren mündlichen Antrag und auf Grund der von Jhpen gegebenen mündlichen Zusicherungen, erteile ich Ihnen hiermit gemäß Z 7 des Reichsvereinsgcsetzes vom 10. April 1003 die Genehmigung, am Sonntag, den 10. April 1010. von 1— 3 Uhr nachmittags im hiesigen Treptower Park eine öffentliche Ver- sammlung unter freiem Himmel zu veranstalten. Die Genehmigung erfolgt unter nachstehenden Bedingungen: 1. Sie übernehmen die Gewähr dafür, daß die öffentliche Sicherheit und der öffentliche Verkehr vor, während und nach der Versammlung nicht gestört wird; 2. Fahnen und sonstige demonstrative Abzeichen dürfen nicht mitgeführt und nicht entfaltet werden; 3. Die Genehmigung der Stadtgemeinde Berlin als der Eigentümerin des Treptower Parkes ist rechtzeitig vorher einzuholen. S.)J gez. Schablolo Bürgermeister. So wird denn am nächsten Sonntag Berlins arbeitendes Volk nicht nur im H u m b 0 l d t h a i n, nicht nur M T r c p- towerPark, zu dem ihm noch vor fünf Wochen der Zutritt durch ein riesiges Aufgebot von Gendarmen und mit neuesten Revolvern ausgestatteten Schutzmannschaften verwehrt wurde, offen und frei für ein freiheitliches Wahlrecht demonstrieren, sondern auch im Friedrichshain, dem alte» historischen Boden, in dem die Märzgefallenen ruhen, der heiligen Stätte, zu der alljährlich im März Zehntausende ihre Schritte lenken. Ein entschiedener Erfolg! Es geht vorwärts trotz alledem! Und der errungene Erfolg bietet die Gewähr, daß dem ersten Schritt weitere folgen werden. Noch ist zwar die volle Versammlungsfreiheit nicht erkämpft; aber verläuft der nächste Sonntag ohne Ruhe- und Verkehrsstörungen— und darauf ist bei der anerkannten Besonnenheit der Berliner Arbeiterschaft mit Sicherheit zu rechnen—, dann gehört fortan die Abhaltung öffentlicher Versammlungen unter freiem Himmel zu den auch Polizei- licherseits gestatteten Waffen im politischen Kampf. Und was Berlin, der Hauptstadt und dem Zentralsitz der Regierung freisteht, das kann auf die Dauer auch den anderen großen Städten Preußens nicht versagt werden.' Doch das freie Versammlungs- und Demonstrationsrecht ist nur ein Mittel im Kampf um die volle politische und soziale Gleichberechtigung. Wichtiger ist. daß die elende Wahlvorlage, die die preußische Regierung im preußischen Abgeordnetenhause eingebracht hat, fällt und an ihre Stelle ein Wahlgesetz tritt, das mit der Drciklassenteilung aufräumt. Dafür muß die ganze Kraft eingesetzt werden, beharrlich und ständig; denn schließlich führt doch die Bc- harrlichkeit zum Ziel. Keine Regierung kann auf die Dauer gegen den energischen Willen eines mündig gewordenen, zur vollen politischen Reife erwachten Volkes regieren. Vor allem dann nicht, wenn infolge der wirtschaftlichen Entwickelung der entrechtete Volksteil zu einem für den Staat immer wichtiger werdenden, bedeutsameren Faktor des gesamten sozialen und nationalen Lebens wird!> Aber die weiteren Schritte im Kampfe für ein Freiheit- liches preußisches Landtagswahlrecht werden sich finden. Zu- nächst gilt es, den Reaktionären in Preußen durch eine riesige Massenbeteiligung an den Protesiver- samnilungen des nächsten Sonntags zu zeigen, wie das Volk über sie und ihren perfiden Verrat der Volksinteresscn denkt. Keiner, der sich als Sohn des Volkes fühlt, mit ihm lebt und denkt, darf sich durch kleinliche Bedenken und Alltags- geschäfte abhalten lassen, an den Demonstrationen tcilzu- nehmen. Daß diese ohne Verkehrs- und Ordnungsstörungen verlaufen werden, deß sind wir sicher. Hat bei den bisherigen Demonstrationen trotz aller Provokationen, Bedrohungen und Beschimpfungen die Berliner Arbeiterschaft ihre ruhige, kalt- blütige Entschlossenheit bewahrt, so wird sie diese am Sonn» tag sicherlich erst recht nicht vermissen lassen. Willig folge man den Anordnungen der Ordner, und wenn sich gewisse. nicht zum arbeitenden Proletariat gehörende großstädtische Elemente tatsächlich verleiten lassen sollten, die Gelegenheit für ihre Zwecke auszunutzen, weise man sie energisch zurück! In allen Versammlungen soll von den sozialdemokrati- schcn Rednern folgende vom Zentralvorstand der sozialdemo- kratischcn Partei Groß-Berlins beschlossene Resolution. verlesen und zur Abstimmung gebracht werden: Die am Sonntag, den 10. April, versammelten Männer und Frauen Berlins protestieren voll Empörung gegen die von der Regierung vorgeschlagene Wahlrechtsvorlage, die von dem fchwarz-blauen Block weiter verschlechtert wurde. Die Versammelten geloben, den Kampf gegen diese Ent» rechtung der arbeitenden Bevölkerung mit aller Energie sortzu» setzen. Sie werden nicht eher ruhen, bis auch in Preußen diy volle Gleichberechtigung aller Staatsbürger errungen ist., Daher verpflichten sich alle Anwesenden, der politischen Or» ganisation der Sozialdemokratie, den sozialdemokratischen Wahl» vereinen, als Mitglied beizutreten, weil dies die beste Gewähr ist, den Kampf siegreich zu Ende zu führen. ver Nshlrechtzdampf. Umschwung in Bremen. Bremen, 8. April. (Privatdepesche des„Vorwärts".) Die Bremer Polizei, die gestern noch gewillt schien, gegen Wahlrechtsdemonsttationen„mit allen Mitteln" bletchwütig vorzugehen, hat sich erfreulicherweise heute eines Besseren be> sonnen. Soeben kommt die überraschende Meldung, daß zn den für Sonntag vormittag verbotenen sechs Wahlrechts- Versammlungen, die nun am Nachmittag stattfinden sollen. ei n Demo n st ratio nszug genehm igt worden ist und daß die Polizei auch darin eingewilligt hat, daß diesem Zuge die Fahne des Sozialdemokratischen Der» eins vorangetragen wird! Weitere rote Fahnen sollen allerdings nicht geduldet werden. Ob die Schwenkung der Berliner Polizei Wirkungen in die Ferne gehabt hat? In Halle wird weiter verboten! Halle a. S., 3. April.(Privatdepesche des„Vorwärts".) Die Parteigenossen in Halle hatten an die Polizeibehörde das Ersuchen um Genehmigung einer öffentlichen Versammlung unter freiem Himmel zum 10. April gerichtet. Zu der Demonstrgtios war der Roßplgtzi IN Osten der EtM. gllzersehcn, Mf Sein sonst JahMärkte, Paraden usw. djgdjaltdn werden. Pier Rednertribrinen gedachte man zu errichten; das; die Parteileitung für die öffentliche Ordnung einstehen würde, war selbswerständlich. In Halle aber bleibt die Polizei unter Leitung des bekannten Ober- tnspettorS Weltdemann auf ihrem verkehrten und auch gesetzwidrigen Standpunkt. Heute früh, zur selben Zeit, da die Berliner Polizei eine Massendemonstration genehmigte, traf der ablehnende Bescheid ein. Das charakteristische Schriftstück lautet: ..Die unter dem 6. d. M. nachgesuchte Genehmigung zur Abhaltung einer Versammlung unter freiem Himmel am Sonn- tag, den Itl. April ct., vormittags ll'/i Uhr, wird versagt. Gelegentlich der in den letzten Monaten stattgefundenen gc s etz iv id r i gr n Strastendemonstrati onen(!) sind grolv Ausschreitungen vorgekommen, deren Wiederholung im Interesse der öffentlichen Sicherheit vorgebeugt(!) werden mutz.(Z 7 Neichsvcreinögesetz.) Im Auftrage: Wehdemann." Gegen das gesetzwidrige Verbot wird Beschwerde eingelegt. Der Halleschen Polizei muh die Lohre erteilt werden, dah sie nichts vorzubeugen, sondern einfach die Gesetze zu erfüllen hat. Die Parteileitung beruft nun zum Montagabend mit Arbeits- schlutz grotze Prote st Versammlungen ein. Versammlungen unter freiem Himmel sind zum 10. April genehmigt worden in Brandenburg, Köln und Lüneburg. AuS Köln wird uns tele- gr aphiert: Die Kölner Polizeidirektion erteilte der sozialdemokratische!, Partei erneut die Genehmigung zur Abhaltung einer großen WahlrechtSkundgebung unter freiem Himmel, die nächsten Sonntag im Stadtteile Köln-Deutz stattfindet und in der LieichstagZabgeordneter Hilde nbrandt- Stuttgart über das Thema„Preußen und Reich" sprechen wird. Der Parteileitung ist zur Pflicht gemacht, für Aufrechterhaltung der Ruhe und weiter dafür zu sorgen, dah die Massen nicht in geschlossenem Zuge in die Altstadt zurückkommen. Krkegskosten. Nach einer Aufstellung, die keineswegs Anspruch auf V o l l st ä n d i g k e i t erheben kann, sind von preußischen Ge- richten bis jetzt 116 Personen wegen angeblicher Ver- gehen verurteilt worden, die mit den WahlrechtSdemon« strati onen in Verbindung standen. Hiervon wurden nur acht Personen freigesprochen. Gegen 70 Personen wurde auf zusammen fünf Jahre Gefängnis erkannt, zehn Personen erhielten zusammen 142 Tage Haft, 20 zusammen 1236 M. Geldstrafe. Eine erhebliche Anzahl Anklagen sind noch in der Schwebe. Sirafvefchle gegen den Wahlrechtskampf. Auch in Elberfeld sind jetzt Strafbefehle gegen Demonstranten ergangen. Ein Geuofie soll 50 Mark blechen, weil er am 13. Februar„Leiter eines Zuges" gewesen sei. Einem zweiten Genossen hat man außer der Geldbuße noch eine Woche Haft zugedacht. well er an dem gleichen Tage in der Kaiserstraße durch übermäßig lcniteS Rufen, insbesondere der Worte:„Nieder mit dem elenden Wahlrechts sy st e in I"„Hoch die Sozialdemokratie!", sowie durch Nichtbefolgung der wieder- holten Aufforderung der Polizeibeamten, sich zu entfernen, ungebühr- licherweise ruhestörenden Lärm erregt bezw. groben Unfug verübt habe. Selbstverständlich ist gegen beide Strafbefehle Einspruch erhoben worden._ fudas Zentrum. Die neuerlichen Auslassungen eines konservativen Ab- geordneten in der„Schlesischen Zeitung", von denen wir gestern Notiz nahmen, sind dem Zentrum natürlich äußerst unbequem. Tie«Germania" versucht deshalb in einer Polemik gegen den „Vorwärts" diese Darstellung von konservativer, also dem Zentrum doch so innig befreundeter Seite nach Möglichkeit abzuschwächen. Was die„Germania" vorzubringen vermag, sind freilich nur klägliche Ausflüchte. So ineint die„Germania", der Konservative, der bestätigt hatte, daß sogar die National liberalen in ihren Forderungen viel radikaler waren als das„demokratische" Zentrum, habe doch vom konservativen Standpunkt aus gesprochen und die Forderungen der Nationalliberaleir nur des- halb als so radikale empfunden, weil sie zum Nachteil der Konservatiben ausgeschlagen wären. Das ist natürlich Unsinn. Denn die Nationalliberalen forderten eine Neu- eiuteilung der Wahlkreise, außer dem geheimen auch daS direkte Wahlrecht und eine A b s ch w ä ch u n g des plutokratischen Charakters des Wahlrechts durch den oft erwähnten Zehntelungsantrag, der wollte, daß überall in der ersten und zweiten Klasse mindestens drei Zehntel der Wähler vertreten seien. Gegen alle diese Forderungen, die eine Erweiterung der Volksrechte bedeuteten, stimmte das Zentrum, teils, um den Agrariern Hausknechtsdienste zu leisten, teils, um auf Kosten der Volksrechte die Interessen der ZcntrumSfraktion wahrzunehmen Wir brauchen nach dieser Fest- fiellung wohl die alberne Frage der«Germania", ob der„Vor- wärts" auch die nationalliberale Forderung der Drittelung nach Gemeinden für eine radikale halte, nicht noch der Ehre einer Ant- wort zu würdigen. Auch die weitere Frage der„Germania", ob jemand glaube, daß ein Kompromiß zwischen Konservativen und Nationalliberalen ein günstigeres Wahlrecht für die große Masse der Wähler gebracht hätte, ist von ü b e r a u s g e- künstelter Naivität. Das Zentrum hätte ja nur für die Aeueintötkung det Wahlkreise, daS direkte Wahlrecht und die Zehntelung zu stimmen brauchen, um die Nationalliberalen derartig festzulegen, daß von einem konservativ-national- liberalen Kompromiß keine Rede mehr hätte sein können. Die Konservativen wären dann überhaupt ausgeschaltet und an die Wand gedrückt worden, wie ja der konservative Ab» geordnete in der„Schlesischen Zeitung" selbst ganz richtig aus, geführt hat. Wenn aber das Zentrum sich wieder damit heraus- zureden versucht, daß das Herrenhaus dann höchstwahrscheinlich eine Vorlage, hinter der nur eine knappe Mehrheit gestanden hätte. nicht akzeptiert haben würde, oder aber, daß, wenn auch das Herrenhaus der Vorlage seine Zustimmung wirklich gegeben hätte, wenigstens die Regierung dm Konservativen schwer- lich etwas Derartiges angetan hätte, so ist darauf ja schon mehr als einmal die Antwort gegeben worden, daß das Zentrum das ruhig hätte abwarten mögen! Selbst für den Fall, daß diesmal die Wahlrechtsvorlage nicht zustande gekommen wäre, wäre doch ein im Zeichen de« WahlrechtSkampseS gewählter neuer Landtag sicherlich so zusammengesetzt gewesen, daß die Regierung ihren Widerstand hätte aufgeben und wahrscheinlich eine noch weitergehende Reform hätte gewähren müssen! Das ist alles so klar, daß es natürlich auch den Zentrums- abgeordneten durchaus einleuchtend gewesen fem dürfte. Aber gerade weil das Zentrum keine Stärkung der Linken und keine Schwächung der Rechten wollte, weil es durch«in demokratischeres Wahlrecht eine Schwächung der auf die Schuld ertzfaffung und Volks verdummungs- bestrebungen hinauslaufenden reaktionären Tendenzen befürchtete, deshalb tat es alles, um die Wahlreform möglichst zu verhunzen, auf daß die ultra- montan-konservative Majorität in der bisherigen Stärke er- halten bliebe! Sie prelle rur Schwenkung des Polizei- Präsidiums. Der große Eindruck, den die veränderte Stellung der Berliner Polizeileitnng in der Oeffcntlichkeit hervorruft, spiegelt sich in' der Presse der Rcichshauptstadt. Die reinreaktionären Blätter sind offensichtlich aufs höchste betreten und choquiert. Bei einigen äußert sich das in einer auffallenden Wortkarg- hcit— die Nolle des vornehmen staatserhaltendcn Organs ist ihnen eben vorerst noch sehr hinderlich bei der Aussprache ihrer Gefühle. Nicht so bedenklich ist die robustere „Deutsche Tageszeitung". Sie verschießt gleich einen ganzen Leitartikel, überschrieben: Nachgiebigkeit oder Unsicherheit!, gegen den Polizeipräsidenten. Nachdem darin wieder und ivioder dem Polizeipräsidenten und dem Treptower Bürger- meister drohend Vorgehalien wird, daß sie und sie allein die B e r a n t w o r t u n g für etwaige Unruhen tragen, heißt es weiter: Wir wissen nickit, was den Bürgermeister von Treptow und den Berliner Polizeipräsidenten veranlaßt hat, den Massenversammlungen unter freiem Himmel gegenüber eine andere Haltung einzunehmen. Wir machen aber kein Hebl daraus, daß wir diesen Haltmigswechsel nicht verstehe» und für sehr bedenklich erachten. Ob irgendwelche Anweisungen von höherer Stelle erfolgt sind, die zu dem Haltungs- Wechsel geführt haben, entzieht sich unserer Kenntnis. Dadurch würde die Angelegenheit nur noch einen peinlicheren Beigeschmack bekommen. Wenn der Polizeipräsident die Massenversammlungen ge- nehmigt, so trägt er die Verantworwng nicht nur hauptsächlich, sondern allein. Daran ändert auch eine etwaige Anweisung von oben nichts. Wir sind nun überzeugt, daß der Polizeipräsident in diesen» Falle die Verantwortung tragen zu können meint. Wir haben ihn in der kurzen Zeit seiner Amtsführung als einen seiner Verantwortung be- wußten, ernsten und gewissenhaften Beamten kennen und schätzen gelernt. Möge er sich übermorgen nicht täuschen und möge er nicht etwa aus einen, ruhigen Verlaufe der De- monstrationen schließen, daß dadurch seine Vor- antwortung für künftige Fälle leichter»verde! DaS aber glauben wir heute schon sagen zu sollen, die Genehmigung der Massenversammlung bedeutet j einen starke» Triumph der Sozial- drmokratcn und ihrer'Hclsershrlfcr. Das ist auS der sozialdemo- kratischcn, der demokratischen und der linksliberalen Presse deutlich zu ersehen. Die veränderte Haltung der Polizeibehörden macht fast den Eindruck einer gelvissen Nachgiebigkeit oder doch einer Unsicher- heit, die in diesen Dingen schlimmer ist als ein Mißgriff. Berlin ivird also das Vergnügen haben, daß am nächsten Sonntage sowohl im Humboldthaine als auch in» Treptower Park Borexcrzitie» für die Revolution abgehalten werden. Die Demo- traten können niit einige»» Rechte den Ruhm, der Sozialdemokratie diese Vorexerzitien ermöglicht zu haben, für sich in Anspruch nehmen. DaS Vorgehen der beiden wähl- und seelenverwandten Parteien macht beinahe den Eindruck eines abgekarteten Spieles. Weit stiller ist die „Kre«z-Zeitu«g". Sie ringt ihrem gepreßten Herzen nur die folgenden Sätze ab: Wir glauben, uns der Kritik der veränderten Stellungnahme deZ Polizeipräsidenten enthalten zu sollen. Wir geben zu, daß, nach« dem die Demokratische Vereinigung die sozialdemokratlsche Sache zu der ihrigen geinacht hatte, die Entscheidung über die Zulassung dieser Massendemonstration unter freiem Himmel eine schwierige war. Zweifellos wird nun die Sozialdemokratie über den angeblichen Er- folg ihres AuSharrenS triumphiere»,. Der„VorivärtS"(Nr. 81) schreibt schon, die„Schlventung der Berliner Polizeiverwaltung" sei ein bedeutsamer Schritt vorivärtS im Kampf um die Erriugimg des allgcineinen, gleichen, direkten und geheimen Landtagslvahlrechts. Der Erreichung dieses Zieles aber stehen noch andere, weil kräftigere Widerstände entgegen als Nichtgenehiniguitgen von Demonstrationen. In sozialdeinokratischei» Massenversammlungen wird über daS Land- tagswahlrecht nicht entschiedet». Dom frommen „RcichSboteu" hat der Vorfall die Sprache noch»nehr verschlagen als seiner Base mit dem Kreuz an der Stirn. Er bringt es nur zu einen» kritischen Satz und selbst den bringt er nur stammelnd heraus, so daß ihm die Worte also durcheinander purzeln: ... Das Verhalten des Präsidenten ist schwer nach seine»» Verbote im März verständlich.... Außerordentlich komisch ist die „Norddeutsche Allgemeine Zeitung". Das Blatt des Ministeriums hat keine Verbindung»nit dem Polizeipräsidium und der Bürgemeisterei von Treptow. Es entnimmt das, was eb über die Affäre mitzuteilen für gut befindet, den»«Vorwärts" und berichtet die Genehmigung der Treptower Versammlung mit der Wendung:«Wie ver- lautet..." Am wildesten gcberden sich die Scharsmacherorgane. Die ..Post" brachte tn der FreitagS-Morgennummer noch die Zuschrift eines„Juristen aus dem Reiche", der»»ach ihrer Meinung „unwiderlegbar" beweist, daß der Polizeipräsident die Ver- sammlungen unbedingt verbieten mußtc. Daran wurde dann die Meldung von der Schwe>lku>»g der Polizei gehängt und zum Schluß der drohende Hinlveis angefügt: Selbstvelsiändlich werden die vorstehenden Darleg»lilge» der rechtlichen Sachlage durch den Entschluß Herrn v. Jagoivö keines- Wegs berührt. Trotz der Bereiiivilligkeit des Demokratischen Vereins, für Ordnung zu sorgen, wird Herr v. Jagow sich wohl darüber klar sein, daß er gm»z allein die Verantwortung nicht nur für etwaige Ausschreitungen am nächsten Sonntag trägt, sondern auch für alle politischen Folgen, die durch sein widerspruchsvolles ver- halten in der Frage der Straßendemonstrationen entstehen werden. Dabei hatte daS Blatt nur die demokratische Versamm- lung im Auge. Im Abendblatt, in dem es die ganze Größe des Malheurs übersieht, ist eS fast sprachlos geworden. Müh- sain ringt es sich die Frage ab: ES wäre nun interessant, zu Wissen, ob daS Polizeipräsidili»» über Umzüge in der inneren Stadt noch derselben Meinung ist wie vor einigen Wochen. Der geistige Kumpan der„Post", die „Berliner Neueste Nachrichten" gehen noch schärfer als Oertel inS Zeug. Die ganze Regierung wird in Grund und Boden verdonirert. Unter dem Titel „Vorgetan und nach bedacht" schreibt dies Blatt: Herr v. Jagotv setzt u»»S in Erstaunen. Innerhalb zweimal vierundzwanzig Stunden macht er aus Nein Ja.... Den Grund für die Rücknahme des Verbotes gibt der Polizeipräsident nicht an. Eine trockene Mitteilung des halbamtlichen Tlenstcs, das ist alles. Keiner der klassisch lapidaren Tagesbefehle des Sprcepräfekten koinint uns zu Hilfe. ... War es nötig, den Staat dem peinlichen Anschein eines Rückzuges auszusetzen, der um nichts besser»vird, wenn man noch die praktisch gar nicht durchzuführende und in der Tat von den Ver- anstalter», auch abgelehnte Beschränkung auf eine bestimmte Teil- nehmerzahl zur schlechten Maskierung des Rückzuges verwendet? Vielleicht aber ist es nicht gerecht, diese Fragen an die Adresse des Polizeipräsidenten zu richten. Schwerlich wird er den Rückzug, wohl kaum auch vorher den Vorstoß auf eigene Rechnung und Ge- fahr unternommen haben. Wir können nicht einil»al glauben, daß der Minister des Innern in dieser Frage allein vorgehen sollte. So gänzlich»verde»» doch die Klammern staatlicher Zusamme>»häl»ge noch nicht gelockert sein, daß solche grundsätzlich bedeutenden Fragen „ressortmäßig" abgetrennt behandelt werde»». Dann sind»vir bei der Staatsregierung angelangt. Hat sie etwa Anspruch aus den Ruhm dieses„Vorgetan und nachbedacht"? Wir haben in diesem Winter viel erlebt, was diese Befürchtung mindestens nicht verringert: die Schwäche gegenüber dem Aus- lande, die Schiväche gegenüber den Reichslanden, die Schlväche oder vielmehr das Versinken und Verschivinden der preußischen Re- gicrung im preußischen Parlament. Es geht so weiter.... Tie„Tägliche Rundschau" »nacht ihren Beklemmungen also Lust: ... Ter Uiufall des Berliner Polizeipräsideuten hat nicht nur für Berlii». er hat für alle Städte eine ganz>»eue Situation geschaffen. Was gestern»nit Polizeiattacken niedergehalten lvurde. ,st heute erlaubt. Die Bahn für den lange zurückgedäimnten Strom demokratischen und sozialdeinokratischei» Kundgebungsbedürfnisses ist»nit einmal frei, und es ist nur zu hoffen, daß die unerwartet und unvermutet plötzliche Oeffnui»g der Schleuse nicht einmal Schleuseirbruch zur Folge hat. Die erste Folge der Sinnesänderung Herrn v. Jagows, die man z. B. in Abgeordnetenkreifen auf den Einfluß des Ministers des Innern glaubt zurückführen zu dürfen, ist die, daß am nächsten Sonntag in Berlin sich alles Luft machen »vird, was bis jetzt an DemonjtratioiiSgelüste»» hier sich unterdrückt fühlte.... Das Zentrumsorgan, die „Gmnania" ist mit der Schwenkung einverstanden. Sie überschreibt ihren Artikel:„Warum geht's denn jetzt?", führt aus, daß die Verbote und die Polizeiattacken der Sozialdemokratie nur genützt haben und sagt zum Schluß: Daß man dies endlich,»venn auch recht spät, eingesehen hat, ist erfreulich. Ein Teil der Presse hegt»»un die Besorgnis, es könne min am Sonntag ein allzu großer Andrang zu den Versamin- lungen stattfinden, wobei Ausschreitungen schwer zu vermeiden sein würden. Wir sind überzeugt, die Sozialdemokraten»Verden alles aufbieten, um die Ordnung aufrecht zu erhalten, schon uln den Gegnern nicht die Genugtuung zu bereiten, daß die früheren Verbote nachträglich als gerechtfertigt erscheinen, und um sich die Gunst der Polizei und des Publikums für die Zukunft nicht zu verscherzen. Die früheren Vorgänge haben ihnen die Aufgabe ober ohne Zweifel erschwert. Sollten sie am Sonntage nicht Herr über die Masse bleiben und Ausschreitungen verhüten können, dann haben sie das Recht verscherzt, sich in Zukunft über Vorkehrungs-Maßrcgeln der Poliei zu beklagen. Die fortschrittliche Preffe spricht sich natürlich an- erkennend übep die Aenderung der polizeilichen Taktik aus. Die „Bossische Zeitung" kann sich allerdings nicht enthalten, zwischendurch zu bemerken: ... Der Erfolg der Sozialdemokratie würde weit weniger bedeutungsvoll sein, wenn die Schwenkung des Berliner Polizei- Präsidenten gegenüber Versa, nmlungen unter freiem Hiinmel sich nicht so plötzlich vollzogen hätte. Der Polizeipräsident hat sich jetzt mit seinem ablehnenden Bescheid von Anfang März selbst ins Un- recht versetzt... . Indes sagt sie immerhin zum Schluß: ... Die Führer der Berliner Sozialdemokratie haben die schwere Verantwortung für den friedlichen Verlauf der Kund- gedungen am Sonntag übernommen. Es ist nicht daran hu jjtoeifcli?, daß sie nach Kräften bemüht sein werden, ihr dem Polizeipräsidenten gegebenes Versprechen einzulösen. Der» radikalen Elementen aus der Rechten und auf der Linken(!) ist die Verständigung zwischen der Berliner Polizei und den Führern der Sozialdemokratie gleich unbequein. Der Ausgang der Kundgebungen am Sonntag aber wird sicher lehren, daß den Interessen der Allgemeinheit der jetzt erzielte Ausgleich weit förderlicher ist als der vergebliche Versuch, den Strom der Wahlrechtskundgebungen gewaltsein einzudämmen. Was zuttifft bis auf die dumm-boshafte Beharwtung. daß de»» radikalen Elementen auf der Linken die Berständi- gung unbequem sei. sagt: Das„Berliner Tageblatt" Das Recht auf Bersainmlungen unter freiem Himmel ist er- kämpft»rorden. Man wird allerdings Herrn v. Jagow zugestehe» müssen, daß er don Anfang an wenigstens in der Theorie die Ver- sammlungen unter freiem Himmel als berechtigt anerkannt hat. Ja. er übersandte sogar der Presse ein Zirkular, in dem er aus- einandcrsetzte, daß das Versammlungsrecht bei uns eigentlich viel Iveiter gehe als in England. Aber in der Praxis haperte eS. Durch den Protest gegen die kläglichen Vorschlage der preußischen Regierung und gegen das volksverräterische konservatid-klerikalc Kompromiß»verden die Massenversammlungen gerechtfertigt. Deshalb muß unter allen Uinftänden der Kampf gegen die reaktionären Wahlrechtsschiebungen im Vordergrunde stehen. Jlnmerhin ist das eine im Wahlrechtskampf bereits erreicht, daß die zlocideutige Aus- legung des Versammlungsrechts als abgetan gelten muß. Dieser Erfolg beweist, daß,»venn die öffentliche Meinung und ihre Vertreter, zu denen mit in erster Reihe die Press« gehört, mi! Entschiedenheit wollen und wirklich ihre ganze Energie einsetzen, auch in Preußen dem Machtgebot der Reaktion Einhalt getan werden kann. Die„Berliner Morgenpost" schreibt: ... Die Ansicht, daß es nur seinem eigenen Ansehen schaben würde,»venu er andauernd gegen den Geist deS BereinSgesetzeS handelt, ist dem Herrn Polizeipräsidenten spat gekommen, aber daß sie ihm überhaupt gekommen ist, das ist erfreulich. Wie sagt doch der alte Kernspruch l„Die durch Irrtum zur Wahrheit reise»», das sind die Weise»».— Die im Irrtum verharren, das sind die Narren."— politische(lebersicbt. Verlin. den 8. April lSIO. Ruhe vor dem Sturm. In» Meorbnetenhause herrscht augenblicklich die öde Langeweile, die das charakteristische Merkmal des Dreiklaffen- parlaments ist. Nur zwei bis drei Dutzend Abgeordnete sind anwesend, alle übrigen ziehen es vor. ihre Osterferiei» noch nach dein offiziellen Ablaufstermin zu genießen. Möglich auch, daß sie neue Kräfte für den bevorstehenden Wahl- rcchtskampf sanmieft». Die Beratung des Etats der Bauverwaltung, die am Freitag fortgeführt wurde, benutzte der konservative Abg. Hammer zu einer seiner bekannten Neichsverba»»ds- reden: er sdjloätzte allerhand törichtes Zeug über„sozial- demokratische Mißwirtschaft" in den Gemeinden, und als dann Gcnosis B o r g m a n n ihm widnlegen wollte, da schnitt die Mehrheit in gewohntem Anstand unseren! Redner wieder einmal das Wort ab. Tast die Ausführungen Hammers mit dem Etat in gar keinem Zusammenhang stehen, tut nichts 5ur Sache, er m u ß eben reden. Auf die Qualität kommt cS bei ihm nicht an. Am Sonnabend soll der Etat der Bauverwaltung zu Ende beraten werden. Dann folgt die zweite Lesung des Eisen- bahnctats._ Die Kosten der preustischeu Eutcignungspolitik. Die Nmiahmen der Ausiedelung-komimssion für Posen und Westprcuhe« betrugen seit ihrem Bestehen(1886) bis Ende 1308 noch einer dem Landtage zugegangenen Zusammenstellung 166 804 650 Dd, die Ausgaben 558 563 004 M., so daß 3 S 8 2 5 9 2 5 4 M. Unter- bilanz verblieben. Für GrnndstiiclSerwerbnng lvurden fast 337 Millionen ausgegeben, für Bauten 52 Millionen, für Gewährung staatlicher Darlehen 13 Diillioncn Mark. Aus dem badischen Landtage. Die Kommission dcS Dadischen Landtages, in der die Reform dtt Städte- rnrd Gcsindeordnung beraten wird, hat Donnerstag den Antrag, das Fraucnstimmrccht in der Gemeinde einzuführen, mit 10 gegen 5 Stimmen abgelehnt. Ter weitere Antrag, das Frauenstimmrecht nur in den Städten der Städteordnung cinzu- führen, wurde ebenfalls abgelehnt, und zwar mit 8 gegen 7 Stirn- men. Dagegen wurde die weitere Bestimmung, nach welcher Frauen in die Kommission für Armen-, Unterrichts- und GesundheitS- Wesen gewählt werden können, dahin abgeändert, dah künstig Frauen gewählt werden müssen. Dieser Antrag wurde mit 8 gegen 7 Stim- men angenommen. Zentrumwahlkontrolle. Wie sehr die katholischen Geistlichen ihre seelsorgerische Tätigkeit als eine politische auffassen, lehrt von neuem eine am S. April in Radolfzell am Bodensce stattgefundcne Gerichtsverhandlung. Bei der letzten LandtagSwahl hat das Zentrum seinen alten Kreis Engen-Konstanz-Land an die Nationalliberalen verloren, was die Herren um so schmerzlicher empfanden, als dadurch einer ihrer höchsten Führer, der Mannheimer Amtsgerichtödirektor Gießler, aus dem Landtag hinausflog. Das muhte gerochen tverden. Sie suchten deshalb festzustellen, wer von den Katholiken so pflichtver» gessen gehandelt und den Feind der Kirche gewälstt hatte. An dieser Tätigkeit, das Wahlgeheimnis trotz Jsolierraum und Wahlkuverts zu lüften, beteiligte sich auch der Vitar Sälinger in Singen in der Weise, dag er im Religionsunterricht, anstatt die Schüler mit den Geheimnissen der Lehre von der Unfehlbarkeit vertraut zu machen, sie einem eingehenden Verhör unterzog, um zu erfahren, wie ihre Vater gewählt hatten. Das veranlagte den Redakteur der liberalen „Singener Nachrichten" zu einer scharfen Kritik. Darauf wurde vom Vikar eine Klage angestrengt. Aber auch hier hatte der Böse Leine Hand im Spiele, denn der Redakteur Becher— Gott sei seiner armen Seele gnädig— wurde freigesprochen, da das Gericht den angetretenen Wahrheitsbeweis als geführt und den Schutz de? 8 ISSa als gegeben erachtete. Tie neuen Steuern ruiniere« Handel und Gewerbe. So klagt in ihrem Jahresbericht die Schweidnitzer Handelskammer. Sie schreibt: ,,Jn eine überaus bedrückte Lage ist die s ch l e s i s ch e Z ü n d- h o l z i n d u st r i'e nach der Einführung der Zündholz- st e u e r gekommen. Nach den hierüber getroffenen Erhebungen ist der Verbrauch in Deutschland gleich Null ge- worden: es wurden noch alte laufende Schlüsse zu billigen Preisen abgefordert, zu den neuen Preisen war nichts mehr von Belang zu verkaufen. Die meiste Ware ging zu sehr billigen Preisen nach Oesterreich, um nur die Arbeiter beschäftigen zu können, und trotzdem krnrnte nur bis höchstens vier Tage in der Woche ge» arbeitet werden, während sonst um diese Zeit die Fabriken vollauf beschäftig! waren und oft mit Ueberstunden arbeiten mutzten. Die Fabrikanten sehen sich jetzt aber zu noch weiteren Ar- beitsein schränk nn gen gezwungen, da zum Sommer der Absatz erfahrungsgemäß noch flauer wird." Auch im Kleinhandel machen sich, wie die gleiche Kammer feststellte, die Stcuerauffchläge empfindlich bemerkbar. Arbeitersöhne und höheres Studium. In der Zentrumspresse, der gctvcrkschaftlichen sowohl wie der politischen TageSpresse, wird der Gedanke propagiert, möglichst viel Söhnen unbemittelter Eltern Zutritt zu dem akademischen Studium zu verschaffen. Als Zweck dieser Bestrebungen wird eine„A u S« gleichungderAlassenuntcrschiede" offen zugestanden. Man denkt sich die Sache so, datz sowohl Stiftungen als auch mög- lichertveise Eewerkschastsfonds selbst begabten Arbeitersöhnen die Möglichleit des Besuchs der höheren Schulen und der llniversstät sichern sollen. Es gehört allerdings ein großes Stück Naivität dazu, mit solchen Mittelchen die Klassengegensätze überbrücken zu wollen. Denn selbst wenn es gelänge. 10 Proz. der höheren Schulen mit Hilfe von allerlei Stipendien mit Arbeitersöhnen zu besetzen, so würde doch erst in ganz seltenen Fällen auf eine Ar- bciterfamilie ein akademisch Gebildeter entfallen. Da man schon jetzt gerade in akademischen Kreisen über eine Ilcberproduk- tion von Gebildeten klagt und das gelehrte Prole- tar tat als Gefahr für den Staat bezeichnet, ist es klar, datz die Zahl der Proletarierkinder, die in einem der akademischen Be- rufe untergebracht werden könnten, nur eine ganz minimale wäre. Von solchen Ausnahmefällen eine Annäherung der Klassen zu erwarten, wäre deshalb eine geradezu aben teuer» siche Idee, wenn nicht die Herren Klerikalen auf gewisse psycho- logische Momente rechneten. Da cS daö Zentrum bisher verstanden hat. daS Klassenbelvuhtsein des christlichen Proletariats damit ein- zulull-n. datz cd einigen Gewerkschaftsführern zu Parlaments Mandaten verholfen hat, so hofft eö auch, das Klassenbewutztsein der Arbeiter dadurch noch mehr zu ersticken, daß «S mit einer Anzahl Renommierakademiker von prole» tarischer Herkunft aufwarten kann. Die Spekulation darauf, mit Hilfe von Geistlichen oder sonsti- gen Akademikern von proletarischer Herkunft das Klassenbewußtsein des Proletariats vollends daniederhalten zu können, wäre auch ziveifellos höchst pfiffig, wenn nicht die s o z i a l d e>n o° kra tische Aufklärung für die Erkenntnis sorgte, daß die En t» rechtung der Arbeiterklasse nicht dadurch beseitigt wird, daß man einige Ltenommierarbeiter zu Abgeordneten oder Geist- lichen macht!__ Die Arbeitsvermittelung in der bayerischen Kammer. München, 6. April. Im sozialen Ausschuß wurden Anträge des Zentrums und der Sozialdemokraten angenommen, welche die reichsgesetzliche Regelung der Arbeitsver mitte- lung verlangen. Sie stehen heute im Plenum der Kaminer zur Diskussion. Im allgemeinen herrscht über dieses außerordentlich wichtige soziale Problem Uebereinstimmung der Parteien. Alle verlangen Beseitigung der gewerbsmäßigen Stellen» Sermittelung und der Jnterefsenten-Arbeit»- nachweise. In diesem Sinne sprachen vom Zentrum der Abg. Schwarz, von den Liberalen der Abg. Hübsch und von der Sozialdemokratie die Genossen Timm und Körner. Genosse Timm erblickt in den Arbcitsnachlveisen der Arbeitgeber- verbände eine starke Beeinträchtigung des Koalitionsrechtes für die Arbeiter und verlangt darum Schutz der wirtschaftlich Schwachen gegen die ivirtschastlich Starken. Er sagt erbitterte Kämpfe voraus für den Fall, daß die Regierungen nicht für die Einführung der öffentlichen paritätischen Arbeits n ach lv eise ein- treten würden. ES scheine, daß andere Staaten, wie Ungarn und England, aus diesem Teilgebiet der Sozialpolitik Deutschland über- fliigel» werden. In England sei ein Gesetz bereits in Kraft, das 200 staatliche Arbeitsnachweisstellen mit einem Schlage schaffe, und 2—3 Millionen Mark für diesen Zweck zur Verfügung stelle. Genosse Körner spricht über die großen Schäden der gewerblichen Stellenvermittelung besonders für Dienstmädchen und Bäckergehilfen und der Arbeitgeberiiachweise in Mannheim-LudlvigS- Hafen. Er konstatiert eine große Empörung unter den Arbeitern gegen di-ie Systeme der Arbeitsvermittelung. Die StaalSregierung hält die paritätischen Arbeitsnachweise der Gemeinden und des Staates heute noch nicht für ausreichend, um Angebot und Nachfrage auf dem Arbeitsmarkt zu regeln. Auch würden die gewünschten Maßnahmen eine Spitze gegen die Unter- nehmer enthatten. Die StaatSrcgierung habe in Berlin die Vor- schlage der Reichsrcgierung unterstützt, ivelche die Einführung der öffentlichen paritätischen Arbeitsnachweise wenigstens vorbereitet. Der Ministerpräsident glaubt nicht, daß die Kämpfe um den Arbeitsnachweis zu größeren Erschütterungen unseres WirtschaftS- lebenS führen werden. Der Vertreter des Ministers des Innern hält ein Monopol der Gemeinden und deS Staates auf diesem Ge- biete geradezu sür schädlich. Resultat: Eiustiminige Annahme der Anträge de? sozialen Aus- schusieS. In der Praxis lvird aber alles beim alten bleiben und die Arbeiter werden nach wie vor auf Gnade und Ungnade der Willkür der Unternehmer ausgeliefert sein. Eiu Maiumzug behördlich erlaubt! In Mannheim Hot das Bezirksamt die Erlaubnis dazu er- teilt. daß am 1. Mai Partei und Gewerkschaften einen De- monstra tion Szug mitten durch die Stadt nach den Sport- Plätzen im Luisenpark unternehmen. Sämtliche Organisationen, sowie Radfahrer-, Gesang- und Turnvereine aus dem 11. badischen ReichStagSwahlkreiv werden sich zu diesem Aufzuge in der Stadt Mamiheim zusammenstnden._ Sie kanus nun mal nicht lassen. Bei der fürchterlichen Gasexplosion in Breslau, bei der. wie der.Vorwärts" berichtet, drei Menschen den Tod fanden und viele schwer verunglückten, hat sich die Polizei einen Streich geleistet, der registriert zu werden verdient: Von einem Nachbar- hause auS konnte man bequem und ohne jede Gefahr die Unglücks- stätte besichtigen. Da der Andrang der Neugierigen sehr groß war, erhoben die Besitzer des Grundstücks 10 Pf. EintrrtSgeld und auf einem großen Plakats wurde bekanntgegeben, daß der Ertrag den Verunglückten zngure kommen solle. Tatsächlich kamen auf diese Weise in l'/a Tagen über 300 M. zus am men, die die erste Rot der meist armen Leute etwas linderten. Da auf einmal befahl die Polizei die F o r t n a h m e des Plakats und die E i n st e l l u n g der menschen- freundlichen Sanrmlungl Weshalb? Wozu? Kein Mensch weiß es. Sie wollte jedenfalls nun nial wieder ihre Allmacht illustrieren. Auf diese Weise verscherzt sich die b e i u n s hinreichend diskreditierte Polizei auch bei einem großen Teils des Bürgertums jede Sympathie._ franhmeb. Die Marseillaise der radikalen Republik. Barls, 7. April.(Eig. Bor.) Herr C h e r o n, der Unterstaaks- selretär der Marine, war, mit Zuckerbrot und Peitsche ausgerüstet, »ach Marseille gefahren, um die streikenden Seeleute wieder in die Arbeit zurückzuführen. Das Zuckerbrot blieb wirkungslos und nun schwingt er die Peitsche mit Kosakenkraft. Die dienstverlveigernden Seeleute werden als„Deserteure" in den Arrest geschleppt und flink verurteilt. Mit der Gewerkschaft zu verhandeln, lehnt der Per» treter der Regierung ab. Ja, er setzt gegen ihre Beamten den Staatsanwalt in Bewegung. Das Koalitionsrecht ist mit einein Schlag konfisziert. Der berühmte demokratische Soldatenonkel spricht wie ein preußischer Landrat: J&'mz Regierung diskutiert nicht mit Unruhestiftern. Ich will nur zwischen den Führern und den von ihnen Terrorisierten einen Unterschied machen. Wenn ich die erstcren unschädlich gemacht haben werde, werde ich die zweiten zu ihrer Pflicht zurückzuführen suchen..." Die großkapitalistische Presse applaudiert und begrüßt die gepanzerte Faust, die auf die Arbeiterschaft nicderfährt. Aber auch die Organe des kleinbürger- lichen Radikalismus, die sonst gerne in resormsozialistisch getönter Solidaritätsethik machen, sind einverstanden. Sie sehen jetzt alle Begebenheiten im Weltraum nur noch unter dem Gesichtspunkt der Wahlen und fürchten, daß die Verschärfung des Klassenkampfes den extremen Parteien von rechts und links auf Kosten der Vulgär» demokratie zugute kommen könnte. Clemenccau hätte in dieser Situation sein„Komplott" bei der Hand gehabt. Natürlich wird in den nächsten Tagen in der radikalen Presse das alberne Märchen von den klerikalen und monarchistischen Anstiftern des AuSstands und dem schürenden„Ausland" in allerhand Gestalten wiederaufer. stehen. Auch Herr Cheron hat sein Instrument schon auf diesen Ton gestimmt:„Wir befinden uns einer revo- lutionären Bewegung gegenüber," sagte er einem Interviewer. „nicht einem Arbeitskonflikt l Wir werden die notwendige Eni- schiedenheit und Energie haben, sie unverzüglich zu unterdrücken." Mit dem„unverzüglich" scheint eS allerdings nicht recht zu stimmen. trotzdem die Kriegsmarine in weit«» Ausmatz zum Streikbruch kommandirrt ist. Natürlich ist von einem„revolutionären Streik" nicht die Rede. In seiner ebenso großbrodigen wie leichtfertigen Art spricht wohl Herve in der„Guerre Sociale" von einem„schönen" Streik. Diese von Aesthcten abgelegte Redensart, die nur dazu taugt, die Entstellungen der Bourgeoispreffe und der Regierung zu unterstützen. paßt jnst auf diesen Streik wie die Faust aufs Auge. Vielmehr ist dieser nur die Explosion eines Unmuts, den eine Kette von Provokationen der scharfmacherischen Reeder angehäuft hat. An dem Unterneymerhochmut aber ivar die Mangelhaftigkeit der Or» ganisation und ihrer Aktion nicht ohne Schuld. Einer der bekann- testen syndikalistischen Führer hat erst unlängst gerade auf Mar» stille hingewiesen, um die Gefahren der Kräfteverzettelung in allzu leicht unternommenen, ungenügend vorbereiteten Beivegnngen zu zeigen. Der derart gesteigerte Machtdünkel der Reeder äußerte sich schließlich sogar in dem Abbruch ihres Verkehrs mit dem Unter- staatssekretär, der daS Funktionieren der zur Entscheidung von Konflikten eingesetzten gemischten Kommission betreiben wollte. Derselbe Herr Eheron, den die Unternehmer abblitzen ließen, stellt ihnen jetzt alle Machtmittel dcS bürgerlichen Staates zur Ver- fügung— eine deutliche Lehre für diejenigen, die noch immer den Glauben an eine über den Klassen schwebende Demokratrie hegen. Unzweifelhaft ist der Streik in Marseille auch unter dem Gesichtspunkt der allgemeinen Volkswirtschaft eine ernste Sache. Nicht nur wird die Ausfuhr Algeriens gehemmt und diese Kolonie in eine kritische Lage gebracht, sondern eS ist auch richtig, daß andere Häfen, speziell Genua, aus ihm gZrsfit ziehen können, Die Eniwickclung Marseilles hat ja auch schon in normalen Zeiten gegenüber den ausländischen Häfen ein träges Tempo. Aber daran trägt neben der geringeren Siühriglcit der Rheder auch ihr scharf- nmcherischer Charakter Schuld, der einem loyalen Verhältnis zur Gewerkschaft der Seeleute widerstrebt und eben dadurch die häu- figen Konslilte erzeugt. Statt einer großzügigen Organisation der Schiffahrt betreibt Marseille eine wilde Spekulation und für die Langsamkeit des Fortschritts sucht man sich durch Niederhalten der Arbeiterschaft schadlos zu halte». Am liebsten möchte man die Auf- Hebung der gesetzlichen Vorschriften, die bestimmen, datz mindestens drei Viertel der auf Schiffen der Handelsmarine Beschäftigten Franzosen sein müssen. Um die Einhaltung dieser Vorschriften, die immerhin der Lohndrückerei einen Tamm entgegensetzen, müssen die Seeleute fortwährend Kämpfe führen. Die Reeder sind bestrebt, immer mehr Neger als Heizer einzustellen, und die Seeleute sind begreiflicherweise nicht geneigt, den aus den verkommensten Ele- mcntcn afrikanischer Häfen rekrutierten Somalis Platz zu machen, auch wenn sie ihnen als„Franzosen" präsentiert werden. Um diese Frage dreht sich der jetzige Konflikt. Die BourgeoiSprcsse ist zynisch genug, die Seeleute, die ihren Kameraden nicht das Brot wegnehmen lassen wollen, des Rassenhasses zu beschuldigen und die schwarzen Lohndrücker im Namen der Gleichheit alles dessen, was Menschenantlitz trägt, in Schutz zu nehmen. DaS ist bürgerliche Logik: Der Bourgeois hat das Recht,„im Namen der Kultur" ticferstehende Nassen zu unterjochen und zu enteignen, der Prole» tarier aber die Pflicht, im Namen des CleichheitsidealS einer neuen Sklavcnzucht gefügig zuzusehen. X Snglancl. Die Vetorcsolntionen. London, 7. April. DaS Unterhaus hat die erste Resolution betreffend das Vetorecht der Lords, nach welcher den Mitgliedern deS Oberhauses durch Gesetz untersagt werden soll, Finanz» maßnahmen zu verwerfen oder mit Zusätzen zu versehen, mit 339 gegen 237 Stimmen angenommen. Die Nationalisten stimmten mit der Regierung. ftnnland. Zur Lage. GelsiugforS, 5. April.(Eig. Ver.) Das zarische Manifest hat, wie ja nicht anders zu erwarten war. die tiefste Erbitterung in allen Volksschichten hervorgerufen. Es herrscht nur eine Meinung im finnischen Landtage und im finnischen Volke, daß der russische Rcgierungsvorschlag in fester Entschlossenheit zurückzuweisen ist und datz Finnland seine Siechte und Freiheiten bis aufs äußerste zu verteidigen hat. Wie man in Finnland über die Vcrfaffungs- frage denkt, das geht auS den Worten hervor, mit denen die nach- giebigste und allzeit zum Kompromiß bereite altfinnische Partei ihre Petition schließt:«Wenn dem finnischen Volke Gewalt angetan wird und seine Grundrechte verletzt werden, so mutz eine Genera- tion der anderen die angetane Schmach zum Bewußtsein bringen, das finnische Volk muß ewig an das verpfändete Wort des Mon- archen, an das Gewissen des edelmütigen russischen Volkes und an daS Ehrgefühl eines großen Reichs appellieren." Also auch für die Altfinnen gibt cS eine Grenze, über die sie nicht mehr hinaus können l Der RegicrungSvorschlag wird vom Landtag an die Kommission der Grundgesetze überwiesen werden. Hier wird man dem Proteste die nötige Fassung geben und so wird die Lage auf finnländischer Seite schon nach drei Wochen vollständig Aar sein. Man braucht wohl nicht erst zu bemerken, daß das finnische Proletariat sich kein: Illusionen über die nächste Zukunft macht: eine Zeit von schweren Kämpfen und Wirren wird jetzt hereinbrechen und das finnische Volk wird wohl das Maß brutalster Vergewaltigung und Erniedri- gung bis zur Neige auskosten. Aber ebenso fest und unerschütterlich bleibt der Gedanke an das Wiederaufleben einer revo- lutionären Volksbewegung in Rußland und an den schließlichen Sieg der eigenen Sache. Und wie dem auch sei:„Eine Niederlage nach hartnäckigem Kampfe ist eine Tat» fache von ebenso revolutionärer Bedeutung, wie ein leicht gc- wonnener Sieg", das hat einst schon Marx gelehrt.— Man kann Wohl sagen, daß der zarische Gewaltakt hier ziemlich unerwartet kam. Gewiß, der reaktionäre Feldzug gegen Finnland dauert schon einige Jahre und man war schon auf alle Maßnahmen gefaßt, aber daß der Vorstoß der russischen Regierung in einer solchen Form erfolgen wird, die aller Rechtslage und allem Rechts. bewußtsein Hohn spricht, das hat wirklich hier manchen überrascht. Man braucht ja nur darauf hinzuweisen, daß so skrupellose Leute wie zum Beispiel der russische Finanzminister Kokowzew und der frühere Gcneralgouverneur v. Böckmann gegen eine der- artige Lösung deü finnländischen Konflikts ihr Bedenken erhoben haben. Aber die Feinde Finnlands, die früheren Helfershelfer Bobrikows, die im Jahre 1905 mit Schimpf und Schande aus Finn- land verjagt wurden, haben unablässig geschürt und gewühlt, bis ihrem Willen nachgegeben wurde. Und da der große russische „Staatsmann" S t o l h p i n nach der Unterdrückung der Revolution recht überflüssig geworden ist, so schob er den Konflikt mit Finn- land in den Vordergrund, um als Unterdrücker Finnlands sich un- entbehrlich zu machen. Und das war ja nicht zu bezweifeln, daß die dritte Duma zu diesem Gewaltstreich gern ihren Arm leihen wird. Daß die Duma vollständig inkompetent ist. über die Ver» fassung Finnlands zu entscheiden, das kümmert die Herren der dritten Duma nicht im geringsten, und wenn Stolypin ihnen dos nur befehlen sollte, so würden sie ebenso eifrig eine Aenderung der Staatsverfassung in— Frankreich beschließen. Und nun gar Finn» land, das als Hort der demokratischen Freiheit den russischen Re» aktionären tödlich verhaßt ist! Man braucht ja nur die Berichte deS eben in Petersburg stattgefundenen russischen AdelSkongresseL zu lesen, wie die versammelten Junker dem Untergang Finnlands kannibalisch zugejauchzt haben, und wie sie die elenden Handlanger Bobrikows als„russische Geisteshcroen" gefeiert haben. Und da die Stolypinsche Regierung nur den Willen des russischen reoktio- nären Landadels zu vollstrecken hat, so ist eben der Untergang Finn- lands eine beschlossene Sache.,«.„ Ctfrfcei. Der Anfstaud in Manie». Konstantinopel, 7. April. Der Ministerrat hat beschlossen. die nach Prtschtina entsandten Truppe» des dritten Korps auf 10 Bataillone zu erhöhen und autzerdem noch 18 Bataillone des ersten Korps nachzusenden. Ferner wurde beschlossen, dem Kommandeur der 21. Division das Oberkommando zu übertragen und den Belagern ngozustund aus den ganzen Gandschak Prischtina auszudehnen, sowie sofort Kriegs» geeichte einzusetzen. Der Oberkoinmandiercnde wurde beauftragt. die Aufständischen durch Waffe ngeiv alt zu zer» streuen und die Rädelsführer zuvorhaften. Fcmcr wurde beschlossen, auch in A l b a n i e» eine Volkszählung und Katastrierung durchzuführen, Militärdienst ein» zuführen und allgemeine Steuern einzutreiben. Nach Depeschen dcS Mutsssaris au» Prischtina hatten die Truppen in dem vorgestrigenKampse bej Bessins vier Tote und sieben Ver- wundete. Weiteren Nachrichten zufolge sollen die A u f st ä n d isch en eine Kanone erbeutet haben. Gewerfefcbaftlichee« Die Einigung im Baugewerbe endgültig gescheitert. Ter Versuch, den die Reichsregieruug machte, vermittelnd zwischen den Parteien im Baugewerbe einzugreifen, ist an dem Widerstand der Arbeitgeber gescheitert. Unter Vorsitz des Geheimrats Wiedcfeldt aus dein Rcichsamt des Innern, traten Freitag die Vertreter beider Parteien im Reichstage zu vertraulichen Verhandlungen zusammen. Von den Arbeitgebern toarcii 36 Herren anwesend. Die freien Gewerkschaften der Zimmerer, Maurer und Bauhilfsarbeiter warcir durch ihre Vorsitzenden Schräder, Bömelburg und B e h r e n d, die christlichen Gewerkschaften gleichfalls durch drei Vorstandsmitglieder vertreten. Geheimrat Wiedefeldt betonte eingangs, dasi die Regierung nicht etwa beabsichtige, sich in' alle wirtschaftlichen Kämpfe zu mischen; hier aber liege ein Ausnahmefall vor, da durch den Kampf eine gewaltige wirtschaftliche Schädigung eintreten werde. Er sei deshalb von dem Staatssekretär beauftragt, zunächst einmal die Parteien zu fragen, ob sie bereit seien, unter dem Vorsitz von drei Unparteiischen zu verhandeln. Nach kurzer Beratung erklärten sich die Vertreter der Arbeitnehmer damit einverstanden, sie fügten aller- dings hinzu, daß sie nur für ihre Personen sprechen und daß sie die Zustimmung ihrer Vorstandskollegen einholen müßten, doch Würden sie diese Zustimmung ohne Zweifel erhalten. Im Gegensatz dazu lehnten die Arbeitgeber de» Vorschlag der Regierung rnndwcg ohne jede Motivierung ab. Nunmehr schlug Gehcimrat W i e d e f e l dt vor, die vier oder fünf Hauptstreitpunkte zu besprechen, um zu sehen, ob man auf diese Weise zu Vereinbarungen komme. Die Arbeitgeber erklärten sich grundsätzlich zu Verhandlungen bereit, forderten aber zuvor, daß die zentralen Verbände der Arbeiter ihre Resolutionen, die sie am 6. April gesaßt haben, wieder auf- heben. Auch der Wortführer der Arbeiter, Bömelburg, erklärte seine Geneigtheit zu Verhandlungen, setzte aber vor- aus. daß die Arbestgeber zuvor bereit seien, über die Beschlüsse ihrer Dresdener Generalversammlung mit sich reden zu lassen. Geheimrat Wiedefeldt richtete an die Parteien nochmals die Frage, ob die strittigen Punkte beraten werden sollen oder nicht. Die Vertreter der beiden Parteien zogen sich hierauf zu Sonderberatungen Zurück. Das Ergebnis ist folgendes? Die Arbeitgeber wollen in die Besprechung eintreten; sie fordern aber, daß zunächst die Frage der Arbeitszeit besprochen wirb. Bekanntlich haben die Arbeitgeber im Jahre Igst? in Köln beschlossen, daß die Arbeitszeit nicht unter Ist Stunden verkürzt werden dürfe. Die Herren verlangen nun, daß, bevor weiter verhandelt wird, die Arbeiter sich diesem Diktum einfach fügen. Sie erklärten ausdrücklich, au dem Kölner Beschluß würde» sie nichts ändern! Bömelburg erwiderte hierauf, daß die Arbeiter bereit seien, alle strittigen Punkte zu besprechen; aber es fti notwendig, daß auch in der Frage der Arbeitszeit die Bahn frei gemacht werde, d. h. die Arbeitgeber müßten auch über diese Frage der- handeln, sich aber nicht strikte an ihren Kölner Beschluß binden. Da die Arbeitgeber sahen, daß die Arbeiter ihre Forde- rungen nicht ohne lvesteres akzeptierten, beantragten sie, die Verhandlungen abzubrechen. Geheimrat Wiedefeldt be- mühte sich zwar, neue Ausgleichsvorschläge zu machen, aber die Arbeitgeber erklärte» rundheraus, daß sie überhaupt nicht bereit seien, neue Vorschläge auch nur entgegenzunehmen. Aus den Verhandlungen geht klar hervor, daß die Arbeit- geber den Krieg wollen? hätten sie diese Absicht nicht, dann hätten sie sich bereit erklären müssen, unter dem Vorsitz von Unparteiischen zu verhandeln. » Zur Situativ». Unmittelbar nach den Verhandlungen im Reichstagsgebäude trat der Hauptvorftand des Arbeitgeberbundes für das Baugewerbe im Architektenhause zu einer Beschlußfaffung zusammen. Nachdem über die Erfolglosigkeit der Verhandlungen rm Reichstagögebäude kurz Bericht erstattet war, wurde beschlossen, daß alle Mitglieder des Bundes ihre Geschäfte am IS. April d. F. zu schließen haben. Der Bundesvorstand soll in den nächsten Tagen eine Tarstellung der bisherigen Verhandlungen mit den Arbeiter- organisationcn veröffentlichen. Die Veröffentlichung dieser Dar- stellung soll offenbar den Scharfmachern die ihnen sehlende Sym- vathie der Oeffentlichkeit zuwenden. Nach ihrem Verhalten dem Vermittelungsversnch der Regierung gegenüber dürfte aber auch dieser Versuch mißlingen. « Eine Maurerversammlung in Dresden, die von 2000 Personen besucht war, hat die Verbandsbeschlüsse einstimmig angenommen. In Oldesloe(Holstein) ist eS zu einer Einigung gekommen. Die Unternehmerorganisation wollte pon dem Vertragsmuster des Arbeitgeberbundes nichts wissen, infolgedessen war die Verständi- oung verhältnismäßig leicht. Der vereinbarte Tarif sieht folgende Lohnsteigerungen vor: am 1. Mai 1910 um 2 Pf., am 1. Sep- tember um 3 Pf. und am 1. Mai 1912 um weitere 2 Pf. Der Stundenlohn erböht sich dadurch für Maurer und Zimmerer von k>3 auf 60 Pf., für Bauhilfsarbeiter von 43 auf SO Pf. Der Tarif gilt bis zum 1. Mai 1913. In Reinbeck(Holstein) gehören die Unternehmer dem Arbeit- gcberbunde an, lassen sich aber doch nicht mit dem Vertragsmuster einseifen, sondern haben die Arbeiterorganisationen um Verhand- lungcn gebeten. Da durch daS Fehlen der Vcrgcwaltigungsanträge die größten Schwierigkeiten behoben sind, so dürfte auch hier eine Einigung erzielt werden. Aus der Zementfabrik„Saturn" bei Brunsbllttelkoop ist eine arößere Anzahl Maurer beschäftigt, die den sonst am Orte gezahlten Lohn von 60 Pf. nicht erhielten. Nach einigem Sträuben sah sich die Direktion aber doch genötigt, dem Verlangen der Organisation zu genügen und den Lohn von S2 auf 60 Pf. zu erhöhen. In Jauer(Schlesien) wurde ani Sonnabend allen Maurern, Zimmerern, Bauarbeitern, inklusive Polieren, gekündigt. Auch die Unorganisierten blieben von der Kündigung nicht verschont. LerNn und Umgegend. Achtung, Lackierer! Die Abteilung K. F. der A. E. G., Brunnen- straße, ist für Lackierer bis auf weiteres gesperrt! Verband der Maler, Lackierer. Anstreicher usw., Ortsverwaltung Berlin. Achtung, Musiker! Die Differenzen bei L u d w i a in Treptow, Köpenicker Landstraße, sind beigelegt. Der Tarif wird bezahlt und die Organisation ist anerkannt. Wir erklären die Sperre für aufgehoben. Zcntcalverband der Musiker. H. Jrrgang. Vorsitzender der _ Ortsvcrwaltung Berlin.___ ""(Birantto. Nedäk"N:chard Barth, Berlin. Inseratenteil verantw. Deutfebes Reich. Seift„Segen" der Reichsfinanzreform. Bei der Firma Barthel U. Naetcr, Zigarrenfabrik in H a l l e a. S., sind die Tabakarbeiter ausständig getvorden. weil ihnen eine Arbeitsordnung aufoktroyiert werden sollte, die nahe Verwandtschaft mit einer Zuchthausordnung besitzt. Dieses Vorgehen der Firma bedeutete den Bruch eines T a r i f e s, der erst im Anfang des Jahres zwischen ihr und der Organisation abgeschlossen worden war. Zwischen den tarif- brüchigen Fabrikanten und der Zollbehörde scheint nun ein naher Zusammenhang zu bestehen. Die Behörde forderte arbeitslose und unterstützungsberechtigte Tabakarbeiter auf, bei der Firma Streikbrecherdienste zu übernehmen. Und das, trotzdem ihr doch mindestens bekannt sein muß, daß nach den Bundesratsbestim- mungen zur Unterstützung der infolge der Reichsfinanzrcform beschäftigungslos gewordenen Tabakarbeiter niemand gezwungen werden kann, Streikarbeit zu verrichten. Auch in der näheren und weiteren Umgebung von Halle suchen die Zollbeamten für die Firma Arbeitswillige zu werben. Ein Verfahren staatlicher Bc- börden, gegen welches im Namen der ohnehin schwer betroffenen Tabakarbeiter nicht energisch genug protestiert werden kann. Zur Lohnbewegung im TranSportgewerbe Wilhelmshavens ist zu melden, daß die von den Arbeitgebern angedrohte Aussperrung nur in geringem Maße ausgeführt wurde. Verhandlungen mit der Lohnkommission der?lrbeitnehmer führten dazu, daß die Arbeit- geber sich bereit erklärten, aus die im Jahre 1905 festgesetzten Löhne einen Aufschlag von 25 Pf. pro Tag zu bezahlen. Damals wurden festgelegt: Anfangslohn für Arbeiter 3,75 M. pro Tag, nach einem halben Jahre 4 M.. für Fuhrleute pro Woche 23.50, nach einem halben Jahre 25 M. Da jetzt bereits in den meisten Bc- trieben höhere Löhne gezahlt werden, als sie der Vorschlag der Arbeitgeber vorsieht, lehnten die Streikenden diesen ab und beauf- tragten die Lohnkommission mit Weiteren Verhandlungen. Der Streik macht sich speziell im Abfuhrivesen schon jetzt recht unliebsam bemerkbar, da auf dem Güterbahnhof wenig gearbeitet wird, ebenso warten viele mit Baumaterialien beladene Eisenbahnwaggons und einige Schiffe im Hafen der Entladung. Der Streik der stürschnereihilfsarbeiter in Rötha bei Leipzig ist beendet. Die Forderungen der 200 Ausständigen— für Hilss- arbeiter 3 M.. für Arbeiterinnen 1,50 M. Lohnerhöhung und statt der bisher elfstündigen die zehnstündige Arbeitszeit— wurden bewilligt. Ein Trupp eingetroffener Arbeitswilliger war, als er von den miserablen Arbeitsbedingungen erfuhr, schleunigst wieder um» gekehrt._ Tarisbeweguug im Schuhmachergewerbe. Die Schuhmacher in R o s e njj e im i. B. sind in eine Tarif- belvegung eingetreten. Der vor vier Jahren durch die christliche Gewerkschaft abgeschlossene Tarif bat sich als unhaltbar und unzu- länglich erwiesen. Gemäß eines Beschlusses der Freiorganisierten und der christlichen Schuhmacher wurden der Innung die Forde- rungen der Gehilfen unterbreitet, die eine 20— 2Sprozentige Lohn- erhöhung, zehnstündige Arbeitszeit, Freigabe der Fournituren, so- wie Abschluß eines Tarifvertrages auf die Dauer von 4 Jahren enthalten. Die Entscheidung, ob es gelingt, in Güte einen Aus- gleich zu schaffen, dürfte am 16. April getroffen werden. In Kaufbeuren stehen die Schuhmacher ebenfalls in einer Lohnbewegung. Auch hier gehen beide Organisationen gemeinsam vor und dürfte eine Verständigung zwischen Meister und Gehilfen nicht ausgeschlossen sein. HusUnd. Ein erfolgreicher Streik der Tunilelarbeiter in St. Gallen. In der Stadt St. Gallen wird gegenwärtig der Rosenberg durch- bohrt und stellten die Arbeiter die Arbeit ein, als die von ihnen zur Verbesserung der Arbeits- und Lohnbedingungen gestellten Forderungen nicht bewilligt wurden. Der Streik brachte ihnen nun nach 14tägigem Ausharren folgende Erfolge: Vom 1. Juli ab Achtstundenschicht bei ununterbrochenein Betrieb, Lohnerhöhung von 20 Cts., für d>e Mineure von 30 Cts. pro Schicht, Errichtung einer Sanitütsbaracke beim Tunnel. Die Arbeit wurde wieder auf- genommen. Die niederösterreichische Land- und Waldarbeiterorganisation schreitet vor. Sie hat 394 Mitglieder, um 100 mehr als im Vorjahr. Da die niederösterreichischen Waldarbeiter ganz berpfafst sind, ist da» Arbeiten der Organisation ein sehr erschwertes. Auch üben die staatlichen Forswerwalter großen Terrorismus. Der dieser Tage abgehalten- Verbandstag erhöhte den Wochenbeitrag auf 25 Heller. Es bestehen noch die Verbände für die Alpenländer in Stainach-Jrdning und der Gablonzer Verband, der als Reichs- verband gegründet wurde, die aber nur das in Gablonz erscheinende Monatsblatt, den„Landboten", gemeinsam haben. Die Lage im englische» Bergbau. London» 5. April. Eine in Cardiff abgehaltene Konferenz der s ü d w a l i s i s ch c n Bergarbeiter, aus der 156 499 organisierte Arbeiter durch 315 Delegierte vertreten waren, beschäftigte sich mit den Einigungsvorschlägen der Unternehmer, über die demnächst eine Urabstimmung entscheiden soll. Heftige Diskussionen fanden über eine gegen die Verbandsbevollmächtigten gerichtete Mißtrauens- resolution statt, die schließlich mit überwältigender Mehrheit ab» gelehnt wurde. Die Konferenz beschloß jedoch, den Arbeitern weder die Annahme, noch die Ablehnung der Einigungsvorschläge zu empfehlen, und beschränkte sich darauf, eine Resolution anzu- nehmen, die davon abrät, vor dem Bekanntwerden des Resultats der Urabstimmung in den Streik zu treten. Nichtsdestoweniger verharren etwa 20 090 Bergarbeiter im Ausstände. Auch in D u r h a m und Northumberland wird die Lage immer kritischer, da die provokatorische Taktik der Unter- nehmer die Arbeiter zu stets zahlreicher werdenden partiellen Streiks treibt. Ein Beamter des Handelsministeriums hält sich hier auf und versucht ununterbrochen, zwischen den Grubenherren und den Arbeitern zu vermitteln. Es verlautet, daß der Schiffs- verkehr auf der Tyne infolge der geringeren Kohlenproduktion völlig desorganisiert ist. London, 8. April. Die Ergebnisse der Abstimmung über das Einigungöabkommen im Kohlenbergbau von Süd- Wales sind nunmehr fast sämtlich bekannt. Danach sind bis jetzt 97 273 Stimmen für und 34 963 Stimmen gegen die Annahme des Abkommens abgegeben, was eine Entscheidung gegen den Aus- stand bedeutet._ Versammlungen. Verband der Lederarbeiter. Die Filiale Berlin I tagte am Sonntag. Die Frage, in welchem Lokal die Maifeier abgehalten iverdcn soll, wurde zuerst erledigt, und zwar in der Weise, daß die Versamnilung beschloß, das vorgesehene Lokal von S i I b e r st e i n, Badstraße, abzubestellen, und dafür das Lokal von Schmidt, Prinzenallee, zu nehmen. Eine längere Debatte löste die bis dahin geltende Bestimmung aus, nach der solche Mitglieder, die in einem anderen Beruf Arbeit erhalten, auf Wunsch noch sechs Wochen in den Listen des Arbeitsnachweises des Verbandes geführt werden. Hiergegen wandten sich mehrere Redner, die diese Be- stimmung beseitigt sehen wollten, jedoch fand sich bei der Abstimmung eine Majorität dagegen. Es wurde aber beschlossen, eine Kam- Mission einzusetzen, die über die strittigen Fragen betreffs der Arbeitsvermittelung beraten und dementsprechende Vorschläge aus- arbeiten soll. Das Mitglied Robert Schneider wurde aus- geschlossen. Ter Zcntralverband der Schuhmacher(Zahlstelle Ber- l in) setzte am Mittwoch die Generalversammlung fort, die am 24. März wegen vorgerückter Zeit vertagt worden war. Vor Eintritt in die eigentliche Tagesordnung teilte der Borsitzende H e r r m a n n mit, daß der zum besoldeten Bevollmächtigten für Berlin gewählte Kollege Nowak(Erfurt), der sein Amt bereits : rh.Glocke, Berlin. Druck u. Verlag:VorwärtSBuchdr.u.VerIagSanjtal am 15. April abtreten sollte, die Annähme des Amtes wieder zurück- gezogen hat. Die Ortsverwaltung werde sich über die notwendigen Schritte bis zur nächsten Versammlung schlüssig werden. Redner und Kollege Hildebrandt würden bis zur Erledigung der An- gelegenheit ihre Aemter fortführen. Nach kurzer Diskussion ging die Versammlung zur Tagesordnung über. Man fuhr fort in der Beratung der Anträge zur nach- st e n V e r b a n d s g e n e r a l v e r s Nach kurzer Debatte erfolgte die Annahme des Antrag?. I Schließlich nahm man noch einen Antrag an, wonach der Ver- bandsvorstand beauftragt werden soll, ein Jahrbuch herauszugeben, enthaltend die Materialien, welche geeignet sind, die Agitation in den Zahlstellen zu fördern. Letzte Nacbncbtcn und Depelcben. Die Reichstagsersatzwahl in Posen. Posen, 8. April. Wie uns eine Privatdepesche meldet, endete die heute im Wahlkreise Posen 1 stattgefundene Reichstagsersatzwahl mit einer Stichwahl zwischen W i l m s (kons.) und N o w i ck i(Pole). Das bis abends 16 Uhr vor- liegende Ergebnis der Wahl ist folgendes: Oberbürgermeister Dr. Wilms(kons.) erhielt 11797 Stimmen, Sosinski (offizieller polnischer Kandidat) 6776, Nowicki(polnischer Demokrat) 9766, M a t u s ch e w s k i(Sozialdemokrat) 2363 Stimmen._ t Em drakonisches Kriegsgerichtsurteil. Thorn, 8. April.(Privatdepesche des„Vorwärts".) Das O b e r k r i e g s g e r i ch t des 17. A r m e e k o r p s verurteilte lieute auf die Berufung des Gerichtsherrn den Gefreite» Neumaua und die Musketiere Bach und Berger von dcv zweiten Kompagnie des 176. Infanterieregiments wegen„militärischen Aufruhrs" mit Ausübung von Gewalt- tätigkeiten gegen einen Vorgesetzten(einen Pioniersergeanten), unerlaubter Entfernung, Ungehorsam. Achtungsverletzung. Beleidigung und Verübung ruhestörenedn Lärms jeden zu fünf Jahre» einen Tag Gefängnis und drei Tageu Haft, Das Kriegsgericht hatte diese in angetrunkenem Zu, stände verübten Exzesse mit zwei Jahren Gesang, nis bestraft._ Die französischen Parlamentskonflikte. Pari?, 8. April.(28. T. 33.) Infolge der Differenz, die zwischen der Teputiertenkammer und dem Senat in bezug aus mehrere Punkte bestand, wurde das Budget im Senat noch einmal und in der Kammer noch zweimal beraten Nachdem in den beiden Körperschaften in einigen Punkten ein Ein- Verständnis erzielt war, blieben noch zwei strittige Punkte, die heute in Nachtsitzungen erledigt werden sollen. Die Arbeiter sollen blute». Londan» 8. April.(2N. T. B.) Eine Versammlung der Ver- einigung der Baumwollspinner in Manchester hat entschieden, daß die Lage der Baumwollindustrie eine Herabsetzung der Löhne um 5 Prozent rechtfertigt, und die Arbeiter infolgedessen zu einer Be- sprechung eingeladen._ Friede im Bergbau von Südwales. London, 8. April.(W. T. B.) Infolge der Abstimmung der Bergarbeiter, welche eine große Mehrheit gegen einen Streik ergeben hat, haben die Vertreter der Äohlengrubenbesitzer und Ar- biter von SüdwaleS heute ein neues Abkommen unterzeichnet. Damit ist die Gefahr eines Streiks von kolossalem Umfang endgültig abgewendet. Aus der russischen Duma. Petersburg, 8. April.(W. T. B.) Die R e i ch s d u m a begann in ihrer heutigen Abendsitzung die Verhandlung der von 32 Sozial- demo/raten und Mitgliedern der Arbeitsgruppe eingebrachten Interpellationen an den Ministerpräsidenten über das Reglement vom 6. September 1909, nach welchem der unmittelbaren Sanktion des Kaisers als des obersten Kriegsherrn alle legislativen Fragen hinsichtlich der Organisation der Land- und Seestreitkräfte, der Landesverteidigung sowie der Armee- und Flottenverwaltung unterliegen. Zur Ausgabe dieses Reglements hatte ein allerhöchstes Reskript Anlaß gegeben, worin der Kaiser mit Rücksicht darauf. daß er es nicht für möglich befände, den Gesetzentwurf über den Etat des Marinegeneralstabes zu sanktionieren, den Ministerpräsidenten Stolhpin beauftragte, gemeinsam mit dem Kriegs- und Marineminister Regeln über die Anwendung des tz 96 der Grundgesetze innerhalb der Grenzen der Grundgesetze auszu- arbeiten. Die Jntcrpellationskom Mission schlägt vor. die Jnterpellationem abzulehnen, da das Reglement die Bedeutung eines allerhöchsten UkaseS habe. Ein Grenzgefecht. Saloniki, 8. April.(W. T. B.) Türkische Soldaten wurden gestern zwischen Bunar und Karabulak von einer bulgarischen Grenzwache beschossen.� Ein Mann wurde verwundet. Das Feuergefecht dauerte zwei Stunden, bis Offiziere das Feuer zum schweigen brachten, PaulSingcrZ!Co.,Berl>nSzV,"Hicrzu 1 Belagen u.UnttrhaltungSHH |t. 82. 27. Iahtgavz. 1. KeilGt bw Jotrttls" Kerlim Polbblitt. Hbcfcordnetenbaus» 42. Sitzung. Freitag, den 8. April ISIO. vormittags 11 Uhr. Am Ministertisch: v. Breitenbach. Präsident v. KrSchcr teilt mit, bah der Kriegsminister die M- geordneten zur Besichtigung der Einrichtungen des Luftschiffer- batoillons und dessen lenkbarer Luftschiffe in Tegel zu Donnerstag, den 14. April, eingeladen habe. Damit recht viele Abgeordnete an dem Besuch teilnehmen könnten, werde er vorschlagen, die Sitzung an diesem Tage ausfallen zu laffen.(Bravo I) Die zweite Lesung des Etats der Bauverwaltung wir fort« gesetzt. Abg. Fürbringer(natl.) tritt für besieren Dünenschutz und für eine Verbesserung der Fahrstraßen in der Nordsee ein. Redner führt des weiteren Beschwerde über zu hohe Tarife auf dem Dort- mund-Ems-Kanal. Minister v. Breitrnbach erwidert, daß diese Tarife zurzeit noch nicht ermäßigt werden könnten, da der Staat noch immer einen Zuschuß leisten müffe. Abg. Hammer(k.): Herr v. Bülow-Homburg hat gestern Berlin mit vollen Händen überschüttet, aber er bat als geschickter Taktiker die praktischen Schwierigkeiten der Ausführung seiner Pläne gar nicht berührt. Die Ausführung des mit dem ersten Preis bedachten Planes von Jansen würde, ganz abgesehen von den vorgesehenen Bahnen, eine halbe Milliarde kosten. Die Belastung mit Steuern in den Vororte» ist aber schon eine sehr große. Der größte Fehler der Vorort-Bau- ordnung ist, daß man die Kellerwohnungen gestattet hat. Wie stellt sich Herr v. Bülow die Verteilung der Lasten vor? Die Gemeinden gegen ihren Willen zu zwingen, halten wir mit der Selbstverwaltung nicht für vereinbar. Aufgabe der Regierung ist eS. nicht solchen Projekten nachzugeben, sondern dahin zu wirken, daß die Bevölkerung nickt noch mehr nach den Großstädten hinzieht. Mit der Politik der Städte kann man nickt immer einverstanden sein, da sie häufig auch sozialdemokratische Mehrheiten im Stadwarlament haben.(Lachen bei den Sozialdemokraten.) Ich erinnere Sie an die Erfahrungen, die Bürgermeister Düllo in Offenbach gemacht hat. Redner wendet sich des weiteren gegen die Beteiligung von Beamten an Beamten- tonsumvereincn und wünscht Maßnahmen gegen die FeuerSgefahr in Warenhäusern dadurch, daß nur immer eine bestimmte Höchstzahl von Personen in die Warenhäuser gelasien werden. Abg. Frhr. v. Zedlitz(fk.) bringt Beschwerden der Anlieger des Nordost, eekanalS und Beamtenwünsche vor. Miltister v. Breitenbach erwidert dem Abg. Hammer, daß gegen die FeuerSgefahr in den Warenhäusern genügend geschehen sei. Abg. v. Stockhausrn(k.) wünscht, daß bei Vorberawng eines Wasserstraßengeseyes auch Sachverständige aus der Landwirtschaft hinzugezogen werden. Hierauf wird ein Schlußantrag angenommen. Abg. Borgmann(Soz): Ich stelle fest, daß ich durch den Schluß der Debatte verhindert worden bin, der durchaus schiefen Darstelluug des Herrn Abg. Hammer über die sozialdemokratische Gemeinde- Politik in Offenbach entgegenzutreten. Nach unwesentlicher Spezialdebatte werden die Ausgaben und ein Teil der Einnahmen bewilligt. Eine Petition betreffend Lösung de?' Oderproblems durch Stau- seen beantragt die Kommission durch die ablehnende Erklärung der Regierung für erledigt zu erklären. Abg. v. Strosser(k.) betont die Notwendigkeit der Schaffung von Staubecken in Schlesien zur Verhütung von Hochwassern. Abg. Wagner(fk.) befürwortet die Lösung des Oderproblems durch Schaffung von Stauseen. Ein RegicrongSkommiffar erklärt, der Wasserstraßenbeirat habe die Lösung des Oderproblems durch Stauseen für ungeeignet erklärt. Abg. Dr. Hager(Z.) beantragt Ueberweisung der Petition an eine Kommission von 14 Mitgliedern. Abg. Lippmann(fortschr. Vp.) wünscht, daß die Kommission schnell arbeiten möge, da die Frage dringend der Lösung bedürfe. Der Antrag Hager wird angenommen.« Hieraus vertagt das HauS die Weiterberatung des Etats auf Sonnabend ll Udr. Außerdem kleinere Vorlagen und zweite Lesung deS Eisenbahnetals. Schluß 4'/« Uhr. Kleines feuilleron. Der unechte BelaSquez. Di« Freude der Engländer über die Tatsache, daß sie einen Vertreter deS offiziellen Deutschlands mit einem Werke ihres fast unbekannten Landsmannes Lucas herein» gelegt,«st gerächt worden. Die sogenannte Rokeby-VenuS, die die Nationalgalerie in London als das Werk des großen VelaSquez für 900 000 M. kaufte, soll nach den Angaben des Herrn JameS Greig in der„Morning Post" gar nicht von VelaSquez herrühren. Dieser Herr hat 12 Zoll unter dem linken Fuße der VenuS die Zeichen„J. B. D. M.", die er für die Initialen des Schwieger- fohneS des großen MalerS, des Juan Baptista del Mazo, hält. Als das Bild vor vier Jahren gekauft werden sollte, erhoben sich manche Stimmen, die gegen die gewaltige Ausgabe protestierten. Dann begannen Leute an der Echtheit des VelaSquez zu zweifeln. Sir William B. Richmond äußerte sich noch kürzlich in einem Vortrag, den er vor Studenten der Royal Academy hielt, in bezug auf die dem VelaSquez zugeschriebene Venus, daß er zwei Farbstoffe nennen könne, die für das Bild gebraucht worden seien und die zur Zeit VelaSquez' noch nicht bekannt geivesen. Er schrieb auch:„Nach meiner Ansicht wurde das Bild etwa vor loO Jahren von einem französischen Künstler gemalt. Die Franzosen waren sehr geschickt in dieser Art Arbeit und schufen in jener Periode eine Menge davon. E» ist wohlbekannt, daß VelaSquez eine Skizze von ähnlichem Cha- rakter wie die in Frage kommende Venus verfertigte, und es ist, ?laube ich, sehr gut möglich, daß einer der französischen Farben- ünstler diese Skizze fand und sie vollendete. Es ist daher wahr- scheinlich, daß noch etwas von dem Werke des spanischen Künstlers darunter ist." Der Direktor der Nationalgalerie tröstet sich mit den Worten:„Der Wert des Bildes liegt in ihm selbst, nicht in dem Namen." Das ist ohne Zweifel richtig. Aber die 900 000 M.? wird sich der Steuerzahler fragen. ES scheint, als ob sich das Schicksal gegen die Autoritäten verschworen hat. Der berühmte Admiral Pulido Pareja, der dem englischen Staatssäckel ein schwere» Geld gekostet hat. soll auch nicht von VelaSquez sein. Ein Gesetz, das die Herabwürdigung öffentlicher Autoritäten streng bestraft, wird immer notwendiger. Ein Kometenzusamvieustvß vor acht Jahrhunderten. Es ist nun schon oft genug, sollte man meinen, darauf hingewiesen worden, daß ein Zusammenstoß der Erde mit dem Schweif eines Kometen, wenn er im Laufe dieses Frühjahrs erfolgen sollte, nicht das erste Ereignis dieser Art wäre, das unser Planet seit Menschengedenken durchzumachen hätte. Professor Krebs aus Kiel hat jetzt in der Frankfurter Wochenschrist.Umschau' einen lehrreichen Aufsatz über frühere Durchgänge der Erde durch Kometen- schweife veröffentlicht. Er erinnert daran, daß, so lange e» eine astronomische Wissenschast im höheren Sinne gibt, nur ein einzige» derartiges Ereignis stattgefunden hat und mit vollkommener Sicher- heit festgestellt worden ist. Dies geschah am 26. Juni de» Jahres ISIS. Damals trat nicht das geringste von den Wundern ein, Hus der Partei* Zur Maifeier. Der Stadtmagistrat Hof hat dem Gesuch deS M a i f e st- k o m i t e e s, den H a l l p l a tz sür eine Versammlung unter freiem Himmel am 1. Mai zu überlassen, zugestimmt, dagegen die weitere Bitte, bei schlechtem Wetter die alte Einsteighalle zur Versammlung zur Verfügung zu stellen, abge- lehnt unter Berufung auf die Feuergefährlichkeit. Parteiliteratur. Soeben erschien im Verlag der Hamburger Buchdruckerci«nd Berlagsanstalt Auer u. Co., Hamburg: Hamburg und sein Proletariat im achtzehnten Jahrhundert. Bon Dr. H. L a u f e n b u r g. Eine wirtschaftliche B o r st u d i e zur Geschichte der modernen Arbeiterbewegung im niederelbischen Städte- gebiet. 125 S. Preis 80 Pf. Der Inhalt ist in folgende Abschnitte gegliedert: I. Hamburg. 1. Die Verkehrsrevolution im Zeitalter der Ent- deckungen; 2. Die Verfassung von 1712 und die Anfänge Altonas; 3. Hamburgs Handel im achlzehnten Jahrhundert; 4. Die Hamburg- Altonaer Manufakturen. II. Das Hamburger Proletariat. 1. Wachsende Proletarisierung der Einwohnerschaft; 2. Die soziale Lage des Pro- letariatS; S. Die Gruppen des Proletariats; 4. Die letzten Zunft- kämpfe. Im Vorwort sagt der Verfasser u. a.t Die vorliegende kleine Schrift entsiand im Hinblick aus eine größere Arbeit, welche die wirtschaftlichen mrd politischen Verhält- nisse Hamburg? aus der ersten Hälfte des vorigen JahrhnnderlS zum Ausgangspunkt nimmt, Berhällnisse, die sich nur als Resultat und in Verbindung mit der vorhergehenden Entwickelung begreifen und darstellen lassen. Dem Inhalte nach würde die Schrift vielleicht richtiger den Untertitel tragen: Ein Beilrag zur Kulturgeschichte des achtzehnten Jahrhunderts. Sie läßt jedoch auf jeder Seite die Spuren ihres Ursprungs und die Merkmale einer lediglich vorbereitenden Arbeit erkennen; über manches, das eigentlich breilerer Ausführung bedurft hätte, geht sie kurz und andeutungsweise hinweg. Ich habe daher geglaubt, den Zweck der Selbstorientierung, der sich von Anbeginn mit der Abfassung verband, auch in der Ueberschrift zum Ausdruck bringen zu sollen._ Ein Kölner Parteiveteran. Jn Köln-Ehrenfeld vollendete am 7. April Genosse Franz Rohr sein 70. Lebensjahr. Die.Rhein. Ztg.' schildert den Lebens- gang des FubilarS folgendermaßen: ... Sern Vater, ei» Tabakspinner, war ein eifriger Demokrat, der in seinem Wohnort Trier im Sturmjahre 1848 Barrikaden bauen half. Der achtjährige Franz nahm an dieser Arbeit schon tättgen Anteil. Von 1854 bis 1857 erlernte er in Trier da» Schreinerhandwerk und arbeitete dann noch dort bis 1853. Nach beendigter Lehrzeit trat er dem katholischen Gefellenverein bei, dessen Präses der Kaplan. spätere Generalpräses und Domkapitular Schäffer, war, der Rohr wiederholt ermahnte, politisch nicht in die Fußstapfen des Vaters zu treten. Von 1858 an bereiste Franz Rohr als Handwerksbursche Süddeutschland, 1860 kam er nach Köln und arbeitete längere Zeit bei der Firma Pallenberg. Er wurde Soldat, und kaum war er entlassen, mußte er als Reservist den bunten Rock gleich wieder anziehen zum Kriege gegen Dänemark. Ein Jahr darauf heiratete er jene tapfere Frau, die ihm mehr als drei Jahrzehnte lang in Freud und Leid eine treue Lebensgefährtin gewesen ist, bis sie 1897 die Augen schloß Zweimal noch, sowohl 1866 wie 1870. wurde Franz Rohr zum Kriege eingezogen. Namentlich die Einberusiing zum französischen Kriege fügte ihm schweren materiellen Schaden zu. Er war daran gewesen, sich selbständig zu machen und hatte schon die notwendigsten Mittel da- für ausgebracht, da brach der Krieg au», unser Rohr mußte aber- malS weg. und während der vielen Monate seiner Abwesenheit wurden daheim die Spargroschen notgedrungen aufgezehrt. Mit der Selbständigkeit war es vorbei. Von 1863 bis 1895 arbeitete Rohr, mit der Unterbrechung durch den Feldzug, bei der Firma Prem, von da ab bis 1907 in der Ehrenfelder Waggonfabrik. Im Jahre 1871 wurde Franz Rohr für den Sozialismus gewonnen, und bis zum heutigen Tage ist er ein tapferer und opfer- freudiger Mitkämpfer in der sozialdemokratischen Armee gewesen. die man jetzt teils hofft, teils befürchtet, sondern man merkte gar nichts Besondere«. Dreizehn Jahre darauf, also 1832 ging wieder einmal eine Panik durch die Menichenwell, und zwar glaubte man damals auch, daß ein Komet eine Massen- Vergiftung über die Erde bringen würde. ES braucht nicht gesagt zu werden, daß auch nicht ein einziges Wesen den Gifttod aus diesem Wege gefunden hat. Dann wurde ferner für den 28. oder 29. Juni 186l ein Kometenzusammenstoß berechnet, und diesmal hatten sich die Astronomen geirrt. Professor Krebs aber hat eine SriSgrabung in den alten Ueberlieferungen der Himmelskunde vorgenommen und dadurch festgestellt, daß im Jahre 1106, als der Kaiser Heinrich IV. aus der Höhe seine« Unglücks da« 50. Jahr seiner Regierung hätte seiern sollen, ein Kometenzusammenstoß stattgefunden hat. Diese ge- schichtliche Tatsache verdient heute um so mehr Berücksichtigung, als eS schon damals der Hallcyscke Komet war. der sich m seiner Weise mit der Erde befähle. Ein Chronist auS dem sechzehnten Jahrhundert ConraduS LytosthcneS, hat in einem allerdings etwas fragwürdigen Latein eine Beschreibung dieses Naturvorganges gegeben und durch einige sonderbare Abbildungen zu veranschaulichen gesucht. Am 5. Februar deS Jahres 1106 wurde zum ersten Male bei lichtem Tage ein Komet gesehen, der angeblich eine Elle von der Sonne entfernt war. Am S. Februar wurde aus Italien die höchst merkwürdige Beobachtung gemeldet, daß Sterne am Tage«- Himmel erschienen,.bald als flögen sie miteinander um die Welte, bald als fielen sie zur Erde herab'. Das können selbst- verständlich keine Sterne gewesen sein, sondern wenn die Räch- richt überhaupt als zuverlässig zu betrachten ist, nur Kometenteile, die sich bei der Reibung mit der Lust- hülle der Erde ablösten. Die damalige Erscheinung deS Hallehschen Kometen ist eines der wichtigsten Fakta der Geschichte der Astronomie geworden, weil danach tm Jahre l680 Newton zu allererst eine Be« rechnnng der Bahn«ineS wiederkehrenden Kometen versuchte und gleichzeitig den Astronomen Halley, nach dem der Komet dann später benannt worden ist, dazu veranlaßte. diese Arbeit gründlicher fortzusetzen. UebrigenS blieb der Komet tm Jahr 1106 mehr als zwer Wochen lang in erstaunlichein Glanz am Himmel sichtbar, woraus zu schließen ist, daß auch er durch die Begegnung mit der Erde keinen erheblichen Schaden gelitten hatte. Eine«e« Slleltnng de» Worte»„Berlin" findet sich in den .Mitteilungen de» Fischereivereins für die Provinz Branden- bürg'. Berlin verdankt seine Entstehung bekanntlich seiner Lage an der engsten Stelle de» Spreetals, wo sich verhältnismäßig leicht ein Uebergang vom Teltow nach dem Barnim herstellen ließ. Solche Uebergänge stellte man in alten Zeiten häufig nicht durch Brücken her, sondern durch breite Dämme, die den Fluß überquerten und als Furt, nebenbei auch noch als Fisch- und Mühlenwehr dienten; zum Bei» spiel diente in dieier Weife ftüher der Mühlendamm. Solche Wehr- bmiten hießen nach den dabei verwendeten Baumstämmen(wendisch .bar') auch.Bare'. Fähre, Wuhre, und Burg und Stadtanlage Von 1878 bis 1891, also während der ganzen Dauer deS Ausnahmegesetzes, war er in Ehrenfeld Vertrauensmann unserer Partei. Er hat auf diesem exponierten Posten vieles erdulden müssen, manchen Strauß mit der Polizei auSgefochten, manchmal in Hangen und Bangen geschwebt, ob ein Koup glücken werde oder nicht, und niemals hat unser Genosse den Mut verloren, keine Unbilden haben seine Kampfeslust zu lähmen und seine Begeisterung für die sozialistischen Ideen zu lähmen vermocht. Manchmal ist er mit hinüber gefahren über die belgische Grenze, um den verbotenen„Sozialdemokrat' zu schmuggeln; wiederholt ist auch Haussuchung bei ihm gehalten worden, und einmal, im Jahre 1834, wurde er gelegentlich eines Spazierganges der Partei- genossen zur Mülheimcr Heide als einer der.Anführer' mit noch zwei Dutzend anderen Genossen festgenommen und vier Tage lang in Gewahrsam gehalten. Franz Rohr hat in annähernd vier Jahr- zehnten sür die Arbcilerbewegung sehr viel getan und auch viel gc- litten. Männer wie ihm schuldet die jüngere Generation Dank und Verehrung, und wenn wir heute dem Alten gratulieren und ihm Gesundheit noch auf viele Jahre hinaus wünschen, verbunden mit dem Wunsche nach halbwegs erträglichen materiellen Verhältnissen, so wissen wir uns darin eins mit den gesamten Parteigenossen, und vor allem mit oll denen, die den alten Rohr persönlich kennen und daher hochschätzen. MandatSniederlegung. DaS.Gothaer Volksblatt' brachte unterm 2. April folgende Meldung: Unseren Lesern zur Nachricht, daß Genosse I o o S nach zwanzig- jähriger Tätigkeit aus Gesundheitsrücksichten Ende Mai dieses Jahres aus der Redaktion des„Volksblatt' aus- scheidet. Auch hat er sein LandtagSmandat nieder» gelegt, so daß eine Neuwahl im 10. Wahlbezirk(Gräfenroda, Gera, Crawinkel, Gossel usw.) stattfinden muß. Jubiläum deS„Naprzod". Das Krakauer Tageblatt der polnischen Sozial« demokratie, der.Naprzod'(Vorwärts) feiert fein zehn- jähriges Bestehen als Tageblatt. Das will bei den großen Schwierigkeiten, die sich einer sozialistischen Zeitung in Oesterreich entgegenstellen— nichts ist in Oesterreich schwerer zu erlangen als eine Druckereikonzesston— und schon gar bei der Eittwickelung der polnischen Partei schon etwas heißen. Der„Naprzod' ist auch von den den Schlachtschitzen stet» mttertanen Behörden weidlich verfolgt worden. Ader selbst die 345 Konfiskationen des ersten Jahrzehnts konnten das Blatt nicht umbringen. 58 Schwur» g e r l ch t« p r o z e f f e hat das Blatt in dieser Zeit überstanden, davon kommen vierzig allein auf die Gewaltherrschast, die der seincrzeitige KorpSkommandant Galgotzy in der FestungSstadt Przemysi aufgerichtet hatte. Die leitenden Redakteure deS.Naprzod' sind die Genossen DaSzynSki und Hacker. Ruq der frauenbeivegung. Mangel an Arbeitcrinnenschutz. Gewerbeinspektoren haben des öfteren der Ueberzeugnng den Fabrikanten dahin Ausdruck gegeben, die weibliche Arbeitskrast sei der männlichen darum vorzuziehen, weil die Frau sich williger aus- beuten lasse. Vor allem— das ist längst bekannt— sind die Frauen, besonders die jungen Mädchen, äußerst schwer für die Organisation zu gewinnen. Die Gründe hierfür sind mannig» facher Art; sie wurzeln hauptsächlich in der Erziehung des weib- lichen Geschlechts. Di« Frau mühte nicht nur ihrer körperlitlKN Konstitution wegen in erster Linie geschützt werden, sie, als Trägerin des künftigen Geschlechts, sollte auch der Kinder wegen vor gesund- heitsschadigenden Einflüssen möglichst bewahrt bleiben. Obwohl da die gesetzlichen Bestimmungen durchaus mangelhaft und unge» nügend sind, werden sie in der Praxis doch noch in der gröblichsten Weise mißachtet und übertreten. Ueberall versucht das llntcr- nehmerwm im Interesse des ProfttS die Gesetze zu umgehen und die Arbeiterin, die ihre Rechte zu tvenig kennt, läßt sich daS alles ruhig gefallen. Täglich wird so die an der deutschen Frau viel- gerühmte Demut und Gefügigkeit für die Arbeiterin zu schlimmen Fallstricken, in die sie nicht nur selbst hineingeraten, sondern auch die männliche Arbeiterschaft mit hineinziehen. Dabei muß betont werden, daß leider auch viele Männer die vielgepriesenen„Frauen- lügenden" besitzen. ES gibt noch viele große Betriebe, in denen weder männliche noch weibliche organisierte Arbeiter zu finden sind. Dafür mangelt eS dort dann auch nicht an Mißständen. Bei der Firma Grimm. Berliner Satinieranftalt, z. B. sind in einem mäßig benannten sich dann nach dem kennzeichnenden Wehrbau, dem.Bär'. „to dem Berlin'(d. h.„am Bärlein') wäre demgemäß eine Ver- kleineningsform. die auf einen zweiten, kleineren Dammbau hin» deuten würde. Zu dieser Auslegung würde auch die dialektische Aussprache deS Wortes Berlin stimmen, die im VollSmund der um- liegenden Gegenden wie.Barlin' klingt. Mustk. AuS den Niederlanden bekommen wir neuerdings mancherlei Zuzug von Komponisten und Spielern. Mit„holländischen' Konzerten würde ein Referent gar viel zu tun haben; und einen künstigen Musikhistoriker inag es locken, zwischen der Hochblüte der „komrapunktischen' Musik in den Niederlanden zur Zeit deS ausgehenden Mittelalter« und dem jetzigen Eifer derer mit und ohne „van' Uebergänge zu finden. Sehr langsam aber doch einigermaßen sicher erfährt und erlebt unser Musikpublikum, daß eS anch vor Bach wertvolle Musik gab, deren Zugänglichkeit besonders davon abhängt, daß wir die Maß- stäbe mcht einzig bei unseren Generationen suchen. Die Musik» lehrer sehen ein, daß dem im Unterricht unentbehrlichen Bach ein Sludium seiner Vorgänger vorangehen soll; und sie bereichern die Mnnlliteratur mit zweckmäßigen NenauSgaben. Die Konzertgcber wagen freilich nicht viel. Oeffentlich können sie ernstere Bestrebungen nicht breit genug entfalten. In engeren Kreisen hingegen hat Berthold Knetsch mit seinem„Oolloxium mnsivum. Ver» einigung der Freunde aller Kammermusik'(daS jetzt allmittwochS im Charlottenburger Studentenheim, Schillersir. 5, spielt) einen Lieb» haberkreis geschaffen, der vielleicht noch einmal eine größere historische Rolle spielen wird. Eine altfranzöfische Suite an» der Mitte des 17. Jahrhunderts, eine von jenen Aneinanderreihungen von Tanzstücken, wie sie Meister Bach auS Altväterhänden übernommen, eine Komposition de» I. Ch. de ChambonniöreS, hielten Lilly Kamele und JacqueS van Lier ans dem Klavier und dem Violoncello in ihrem gemeinsamen Konzert vom Dienstag. Der eben Genannte ist der Violoncellist de»„Holändischen TrioS". Seit mehreren Wintern erfreut diese kleine Gesellschaft mit ihren regel» mäßigen Konzerten die sachlicher uiteressierten Nusikhörcr. Der Violinist I. M. van Veen war lang ihr Erster. Als wir am Donnerstag da» sechste und letzte ihrer die?» jährigen Konzerte besuchten, saßen am Geigenpult Prof. Henri Petri und am Klavier Prof. Jame« Kwast— beide ebenfalls Niederländer und längst mit Recht berühmte Jnstrumentalisten. Die Dreie begannen mit einer Feinschmeckern: der zweiten Bearbeitung de» H-cinr-TrioS, das der jugendliche BrahmS mit mancherlei An» stößigem komponiert und der herangereifte BrahmS Anno 1891 zu einer Ausgeglichenheit erhoben hat. die den hier etwas reichere» Innerlichkeiten gut zur Geltung verHilst. .Ausgeglichen' ist auch das Spiel all derer, die wir im vorigen genannt haben; meisterlich gediegen/ unmeistrrlich korrekt, künstlerisch wirkungsvoll. tz, großen Saal 25 Arbeiterinnen beschäftigt. Bei der Arbeit werden verschiedene übelriechende Substanzen verwendet, die die Lust der- Pesten. Im Ardeitssaal müssen auch die Mahlzeiten eingenommen werden, weil kein anderer Raum hierfür vorhanden ist. Während der Arbeitspausen dürfen keine Fenster geöffnet werden, sonst würde das Papier ruiniert. Darauf mutz man mehr Rücksicht nehmen als auf die Gesundheit der Arbeiterinnen. Ein besonders krasser Uebelstand ist der. datz es an Sitzgelegneheit fehlt. So müssen die Arbeiterinnen nicht nur den ganzen Arbeitstag stehend ihre Arbeit verrichten, sie müssen auch ihr Essen im Stehen verzehren. Für die 25 Arbeiterinnen steht auch— ein ganzes Klosett zur Verfügung. Ein Garderobenraum ist vorhanden, der in keiner Weise auch nur annähernd den Bedürfnissen genügt. Kürzlich besichtigten ein PolizeileutnÄßü und ein Schutzmann den Betrieb. Von den Mitz- ständen haben die Beamten anscheinend nichts bemerkt, denn von einer Abstellung derselben ist nichts verspürt worden. Aber es gibt doch eine Gewerbeinspektion l Kommt die niemals in diesen Betrieb.' Fast noch schliinmer sieht es in der Wichsefabrik von Altmann und Dresse! aus. Die hier beschäftigten 10 Arbeiterinnen müssen die Bedürfnisanstalt der Männer passieren, wenn sie das Klosett aufsuchen. Der Garderobenraum ist klein und dunkel und so ge- legen, datz die Mädchen beim Umziehen von autzen beobachtet werden können. Hier dient der Arbeitssaal ebenfalls als Ehcaum. Wollen die Leute mit der Wichse nicht in allzu nahe Berührung kommen, so sind sie gezwungen, ihr Brot auf den Schoh zu legen; auf den Tischen ist kein Platz dazu. Eine besonders„liebevolle" Behand« lung soll hier an der Tagesordnung sein. Ein Fall als Illustration: Eine Frau war auf dem glatten, mit Wichsemnasse überzogenen Fuhboden ausgerutscht, wobei sie Wichsenmasse verschüttete. Mit den Worten: Solche Schlafmützen könne man nicht gebrauchen, wurde die Arbeiterin entlassen! Der Raum, in dem die Frau gestürzt war, ist stets mit einer dicken Schicht Wichse überzogen, die nur alle drei bis vier Tage einmal durch Abkratzen entfernt wird. Mindestens täglich mutzte hier eine Reinigung vorgenommen werden. Aber, das verursacht Unkostenl Bei der Fülle von Arbeit, die der Gewerbeinspektion aufge- bürdet ist, kann man dieser keinen Vorwurf machen, wenn sie nicht übemll hinkommt und Abhilfe schafft. Dringend nötig ist daher eine Erweiterung des Gewcrbeinspcktionsapparates. Die meisten Arbeiterinnen wissen gar nicht, datz sie sich hilfesuchend«n die Ge« wcrbeinspektion wenden können. Immer wieder müssen daher die Arbeiterinnen auf ihre Rechte aufmerksam gemacht werde», Sozialistcutötcrinnen Zur Unterdrückung des Sozialismus und Propagierung der volksfeindlichen Tarifreform hat sich ein Klub vornehmer eng- lischer Damen zusammengetan. Unter den Vizepräsidentinnen be- finden sich eine Herzogin, fünfzehn Gräfinnen, fünf Vikomtessen und siebenundzwanzig Baroninnen. Sie alle haben festgestellt, daß »die gegenwärtige Hochflut des Sozialismus... die Saat der Re« volution ausstreut". Ein wahrhaft grätzliches Phänomen, das die Ladies entdeckt haben! Dem Objekt ihres Schreckens den GarauS zu machen, dürste ihnen nicht ganz leicht fallen. Eine englische Dienstbotenorganisation, die seit langem geplant war, ist am 31. März in London gegründet worden. Sie hat be- schlössen, sich der„National Federation of Women Workers"(nationale Vereinigung der Arbeiterinnen) anzuschlietzen. Orts-Krankenkajse der Klempner zu Kerlin. Sonntag, den 17. AprU 1S10, vormittags lv Uhr, im GewertschaftShanse, Engel- «fer 1l>, Saal 1: General-Versammlung der Vertreter der Kassen- Mitglieder und Arbeitgeber unserer Kasse. Tages-Ordnungi I. Verlesung der Prolokolle. 2. Bericht des RechnungSauSschusseS und Dechargecrteilung. Verschiedenes. 15756 Ter Vorstand. Dr. Simmel Spezial-Arzt* für Haut- und Harnleiden. Prlnzenslr. 41. ÄÄ 10—2, 6— 7. Sonntags 10—12, 2—4. Schuh'Hau* Alezandcrst r. 54. nahe Mflnaetr. 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Ctroflammer des Landgerichts Stuttgart beschäftigte sich am Freitag mit einem Prozeß gegen den verantwortlichen Re- dakteur des„S i m p l i c i s si m u S" Hans Caspar G u l- bransson wegen Beleidigung des Bischofs von Rottenburg Dr. v. Kepler und der Geistlichen der Diözesane Rottenburg. Ter Anklage zugrunde liegt ein vom Bruder des Angeklagten, Olaf Gulbransson, gezeichnetes Bild, das einen Bischof in voller Amts- tracht darstellt, wie er mit der rechte» Hand eine Herde Schweine segnet, die mit Colla und den Knöpfen der Soutane, sowie den Abzeichen der Priester versehen sind. Das Bild trägt die Unter- schrift:„Durch sein Eintreten für den Pfarrer Bauer hat Bischof Kepler von Rottenburg gezeigt, daß er nicht nur über Schafe, sondern auch über Schweine ein guter Hirte ist". Die Ucberschrift des Bildes lautete:„Alles fürs Zentrum." Tie Anklage steht auf dem Standpunkt, daß mit dem Bild und vor allem mit dem Text der „Simplicissimus" zum Ausdruck bringen wollte, Bischof�Kcplcr von Rottenburg sei in einer öffentliche» Versammlung in Schram- berg am 12. Mai 1909 für den Stadtpfarrer Bauer aus Partei- politischen Gründen eingetreten, trotzdem er von dessen sittlichen Verfehlungen Kenntnis hatte. Tie Verhandlung selbst fand unter?lusschluß der Ocffentlichkeit statt. Nach einer umfangreichen Zeugenvernehmung beantragte der Staatsanwalt eine Gefängnisstrafe von drei Mo- n a t e n. Der Verteidiger des Angeklagten beantragte die Frei« sprechung. Das unter Anklage gestellte Bild nebst dem Text kann man nur dann gerecht würdigen, wenn man sich den Sturm der Entrüstung vergegenwärtigt, der durch die deutsche Presse ging, nachdem Bischof von Kepler in der Schramberger Versammlung seine Rede gehalten hatte. Ter allgemeine Eindruck war der, daß hier ein Kirchenfürst mit klug gewählten Worten der Rechtsprechung des weltlichen Gerichts in den Rücken fiel, und daß seine Absicht war, die Wucht des weltlichen Richterspruchs abzuschwächen, ehe er ergangen war. Es war berechtigt, wenn der„Simplicissimus" sich zum Sprachrohr dieser Gefühle machte. Pfarrer Bauer nwr jahrelang ein hervorragendes Mitglied der Zenirumspartei, er war lange ihr Führer in Schramberg, und er war ein erklärter Liebling des Bischofs, der ihn noch wenige Tage vor der Verhandlung im Untersuchungsgefängnis einen Besuch abstattete. Dabei war Pfarrer Bauer ein Wüstling und Sittlichkeitsverbrecher, von dem das Urteil der Rottweiler Strafkammer wörtlich sagt,„das? er jedes Mädchen, ob jung oder älter, seinen Lüsten insoweit dienstbar machte, als sich ihm Gelegenheit dazn bot". Mit nicht weniger als 12 Mädchen hat er unsittliche Handlungen vorgenommen. Seine unsittlichen Handlungen verübte Bauer nicht nur in seiner Woh- nung, sondern auch im Schulzimmer und in der Kirche selbst. Es ist unmöglich, daß das bischöfliche Ordinariat von diesen Vorgängen keine Kenntnis gehabt haben soll. Wenn nun nicht einmal gegen Bauer eine eingehende Untersuchung angestellt wurde, so recht- fertigt das den Verdacht, daß man eben beim bischöflichen Ordina- riat die Wahrheit nicht erfahren wollte, trotzdem Anzeigen aus Rottweil gegen Bauer erstattet waren. Tatsache ist, daß auch nach Einlausen der Anzeigen und nach Eröffnung der Voruntersuchung keine Suspension des Pfarrers Bauer vom Amt verfügt wordeil ist. Er blieb Pfarrer bis zu seiner Verhaftung. Das läßt wiederum einen Schluß darauf zu, daß man unter allen Umständen Bauer schonen wollte, und zwar weniger wegen seiner Persönlichkeit, als aus andere» höheren Rücksichten. Der Angeklagte muß frei- gesprochen werden, weil eine formale Beleidigung nicht vorliegt, und weil er für seine Behauptung den Wahrheitsbeweis führen kann. Das Urteil wird am 13. April d. I. verkündet werden. Soziales. Tie Unternehmer gegen den HauSarbeiterschutz. � Am 3. April wurde eine vom Bund der Industriellen ein- berufene Unternehmerkonferenz zur Verhandlung über den Gesetz- entwurf zum Schutze der Hausarbeiter in Berlin abgehalten. Aus allen Gebieten der Hausindustrie, namentlich aus Sachsen, Thü- ringen und Schlesien hatten sich Vertreter eingefunden. Den Unter- nehmern paßte es nicht, daß sie Lohnlisten oder Lohntabellen ein- führe» sollen. Den Behörden ein Verzeichnis ihrer Heimarbeiten einzureichen, erscheint ihnen lästig. Vor allem wenden sie sich da- gegen, daß Vorschriften über die Werkstätten der Heimarbeiter er- lassen werden sollen. An den Verhandlungen nahmen auch Vcr- treter des Reichsamts des Innern, des preußischen HandelSministe- riums und des sächsischen Ministeriums des Innern teil. Der Hausarbeiter-Gesetzentwurf entspricht auch in der von der! Kommission bislang beschlossenen Fassung keineswegs den im Interesse eines Heimarbeiterschutzes dringend nötigen und durch- sührbaren Forderungen. Insbesondere fehlt die in dem sozialdemo- kratischcn Antrag seit Jahren geforderte Festsetzung eines Mini- mallohns. Und dennoch machen die Unternehmer selbst gegen die Bestimmungen, die noch nicht als Arbeiterschutz, sondern im besten Falle als Vorbereitungen zu einem solchen angesprochen werden könnten, Front. Die Heimarbeiter selbst befinden sich in einer so unsagbar elenden Lage, daß sie den Mut nicht haben, gegen ihre Ausbeuter aufzutreten. Hier ist cs deshalb Pflicht der gesetz- gebenden Körperschaften, schleunigst einzugreifen, und zivar auch dann, wenn die Bequemlichkeit der Unternehmer, etwas gestört werden sollte. Aber die bürgerlichen Parteien sind ja bereits in der Kommission weit hinter das zurückgehupft, was sie selbst bereits im Jahre 1896 als dringend erforderlich und durchführbar be- zeichnet hatten. Dies Zurückweichen hat die Unternehmer zu dem Verlangen auch noch weiterer Rückwärtsrevidierung ermutigt. Wissen sie doch, daß eine einflußreiche Richtung im preußischen Handelsministerium den Gesetzentwurf nur dann angenommen wissen will, wenn er eine Gestalt erhält, die von weitem so auS- sieht«IS geschehe etwas zugunsten der schutzbedürftigen Arbeiter, in Wahrheit aber einen nichtssagenden Inhalt enthält, der das Elend der Heimarbeiter bestehen läßt. Und das, wiewohl das Ausland erhebliche Schritte zur Bekämpfung der schlimmsten Schäden des Schwitzsystems unternommen hat. i Theater und Vergnügungen Sonnabend, den 9. April. Anfang 7'/, Uhr. Königl. Opernhaus. Siegfried iAnsang 7 Ubr.) ttönigl. Schauspielhaus. Die Jung- freu von Orleans. sieucs königl. Opern-Thcatrr. Geschlossen. Lesstug. Heiraten. Deutsches. Judith. Kamm erspielt.® attftn, Anfang 8 Uhr. Ansang 8 Uhr. N eues IchauspielvauS. Die Rampe. Kleines. LuxuSzug. Komische Over. Zigeunerlied e. Berliner. Taifun. Neues. Die goldene Z-iiterzeit. Westen. Die geschiedene Frau. Neues Overetten. Der Graf von Luxemburg. Drianon. ThSodor» tt. Ci«. Residenz. Gr eichen. Thalia. Die Dorskomtesse. Schiller O.(lbalinet- Theater.) Egmont. Sch'v" Charlottenborg. Goldfische. Rachm. Z Uhr: Wilhelm Teil. Friedrich- Wilhelmstädttsches. Alt-Heideiberg. Gastspiel. Miß Dudeifack.(Anfang 8'/, Uhr.) aebbel. Keilen.(Ans. 8'/« Uhr.) olksoper. Martha. Luisen. Kiappcrjtorch der Königin. Noie. Der Verschwender. Lustspielhaus. Das Leutnants- mündel. Metr-»oi. Hollah Ii— Die große Revue. FolteS Eaprice. Herr Wasserkropf. Der Lustlurner.(Ans. 8'/« Uhr.) Easino. Berlin bei Nacht. Gebr. Hcrrnfeld. Die beiden BlndelbandS.— Die Original- Klabriaipartie. Roack. Kean oder Leidenschaft und Genie. Apollo. In den Lasterhöhlen von San Francisco. Spezialitäten. Pavogc.«rczialltäten Wintergarten. Spezialitäten. Rrtchsliallrn. SleNiner Sänger. Palast. Spezialitäten. Karl Haverland. Svezlalitäten. Walhalla. Lpezialitäien. Buggeiivagen. Spezialitäten.(An- Vi, Uhr). Urania. randenstrost« iHttt*. Rachut. 4 Uhr: Der Kinematograph im Dienste«er Wissenschasl und des Unterrichts. Abends 8 Uhr: Geheimrat v. Hesse- Wartcgg: Rordasrika, Sahara, Marolko. Gter»»--, rie, Juvalidenslr. 57—62 nun □DD □□□ I-Cftainzr-Thcater. 7'lt Uhr zum erstenmal: Heiraten. Groteske in 3 Alten von B. Shaw. Sonntag. 8 Uhr: Heirate«. Montag, 8 Uhr: Das Konzert. berliner Tkeater. Heute 8 Uhr: XSliftlll« Morgen: Taifun._ frifidricli-WiüieiinstädtiSGties Schauspielhaus. Sonnabend, 9. April, abends 8 Uhr: Snf.-Gastsp. d. Neuen Schauspielhauses M-tieidelbenj mit Karl Heinz.. Harrst Waiden. Sonntag nachm. 3 Uhr: Die Jung- krau von Orleans. Abends 8 Uhr: Stlr-Heidelberg._ Lustspielhaus. AbeudS 8 Uhr: Das Lsutnantsmündel Heues Theater. AbcndZ 8 Uhr- Die goldene Ritterzeit. Morgen und folgende Tage: Dieselbe Borstellung._ Theater des Westens. Heute und folgende Tage 8 Uhr: Die geschiedene Frau. Sonnt. 3l/4 Uhr: Gin Waizrrrranm. Sfenn« Operetten-Theater. Heute und folgende Tage 3 Uhr: Der Gras von Luxemburg. Sonntag nachm. 3 Uhr zu ermäßigten Preisen: Der Zlgeunerbaron. Residenz-Theater Direktion: Richard Alexander. Abends 8 Uhr: (ketdieu. Groteske in 3 Akten von Davis und Lipschüß. folksoper. SW., Belle-Alliance-Straß« Nr. 7/8. AbeudS VjO Uhr: Martha. _(Gastspiel.)_ Luisen-Theater. AbendS 8 Uhr: Klappersturch der Kömgin. Satirische Komödie in 3 Akten von Karl Böttcher. Sonntag nachm.; WaZ Gott zu- sainmenfügt. Abends Premiere: Dovpcl'elbstmord. Montag: Klapperstorch d. Königin. Schiller Schiller-Theater 0.(Wallner-Theat.). Sonnabend, abends 3 Uhr: Eginont. Ein Trauerspiel in fünf Auszügen von Goethe. Ende 11-/, Uhr. Sonntag, nachm. 3 Uhr: Viel liilrincn um nichts. Sonntag. abends 8 Uhr: Ooldflschc. Montag, abend? 8 Uhr: Hans I.anKC. Vhcsttcr. Schiller-Theater(CharlottenburB). S onnabend, rigchnr. 3 Uhr: Wilhelm Teil. Schauspiel In 5 Aufzügen von Friedrich Schiller. Sonnabend, abends 8Uhr: C!o1«l tische. Lustspiel in 4 Akten von Franz von Schönthan und Gustav Kadelburg. Sonntag, nachm. 3Uhri Her IKelneldhauer. Sonntag, abends 8 Uhr: Hans ll-aiixe. Montag, abends 3 Uhr: _ Sfcnc Jugeml. Panopticum Friedriehst. 165, Pscherraal. ! AH Ben Mohamed orientalischer Gaukler. Francois Hugos, mnsionist. I Indische Witwen-VerbrennunE. Täglich Tl, Uhr abends. Sonntags 2 Vorstellungen: Heitere Vortrüge. Erwin Siiltner X Theo Giose j Elly del Veno X Dolly Laukj Lotte Wendt X Alfred Fuchs! Verdier Dun X E- Staegemann| Reederei M!!ng Brückenstraße Cb.— IV, 173 IMescn sowie Jeden htonntag; mit HiiMik"SS® ?,°k' aiiati ier berimer Schweiz Abfahrt: Jannowltzbrticke vor Sehaltheifl u. Spreepalast. 1. Dampfer und Motorboote billigst zu vermieten. Urania. Wissenschaftliches Theater. Nachmittags 4 Uhr: Der Kinematograph Im Dienste des Unterrichts und der Wissenschaft. Abends 8 Uhr: Qeheimrat E. v. Hesse-Wartegg: Nordafrika, Sahara, Marokko. IOSI=THEATE Große Frontjurter Str. 132. eins. 8 Uhr. Ende 1t Uhr. Der Vtlschiveiidtr. 11 Volksstück mit Gesang und Tanz in drei Akten von Raimund. Sonntag nachm. 3 Uhr: Des Meeres und der viebe Welle». Abends 8 Uhr: Preziosa._ Gastspiel-Tiieater. AbeudS 8'/4 Uhr: Slistt Hndeltiack. Tägl. bis 17. April: Dies. Vorst. Metropoi-Theater Hallo!!! Die große Revue! In 8 Bildern von.Tut. Freund. Musik v. Paul Lincke. In Szene gesetzt vom Dir. Rieh. Schultz. Anfang 8 Uhr. Rauchen gestattet._ aihafla Variele-T.ieafer Weinborgsweg 19 20. Rosonth.Tor. — Ansann 8 Ubr.— Heees Spemiiliiteii-Pfßpnim. Tunnel: Die allergröftteKaiione Theaterbesucher freien EinWitt. Bl 316. 8 Uhr: DaS vollständig neue Programm. «0 erftklafssge Künstler! 9 Uhr: Hocaa nnd Wlser, Sensation-Jongleure mit Hüten. 10 Uhr: HaleyS FuvenueS, 20 rngWe AackMe 20 Jniig-Gugland in Berlin. Einzig existier. Ensemble dieser Art. Kommandanlenstr. S7. T- A. 4, SV83. Ans. 8 Uhr. Vorverkauf 11—2 Uhr. Fmhjylilng 4. Senk. Meine-Teine Tochter. Original-Klabriaspartie mit Auton und Donat Herrnscld. IUP Sonntag nachm. 4 Uhr:"OB Eine Nebergangs-Ehe. Ein Rettnngsiniltel. In Vorbereitung: Die Novitäten: Weuu Wtl dllsstllit tun. Eine Koiikurrcnz-Komödie i» 2 Alien von Auio» und Douat Herrnscld. Das starke Stück. Schwank in 1 Akt voll L- Horst. Neues Programm! Cleo d© Merode Siegwart Gentes. Fräser Frires, gymnast. Akt. De Lilo, französische Sängerin. Rosina Casselli mit ihrem Wunder- hündchen. 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KIngVMpl-�Wlkurrel!! um den„Gotdpokal vo» Berlin« und«v<»0 M. in bar. Sonnabend, den 9. April ringen: Leonard! gegen Fred sdarkussen. Jens Petersen gegen Georg Oiltmann. Beruh, Paxon gegen Josef van Dem. Entscbeidungskampf: Leonhard Uelbcr gegen Weltmeister Haa.« Seimarz. Herausforderungskampf im catch- as- catch- can: Frank Crozlcr, Weltmeister im catoh-as-oatoh-oan, gegen Utax Hordel, Ostpreußen. Beginn der Ziingkämpse: 0'/, Uhr. Presse: 0.30 M. bis S M. llhren- u. Vorzugskarten an Wochen- tagen zu halben Kaisenpreisen gültig. Polles Caprice Heute und folgende Tage: Oer Luf Uurner. Steuer bunter Teil. Herr Wasserkropf. Ansang S'/, Uhr. Vorverkauf 11-2 Uhr. Karl Haverland Ansang Theater, präz. 8 II, 77/79 Konimandantenstrasie 77/79. M-nto jpiii.jiKjt. Liliputaner-Truppe _ prolongiert._ | Moabiler Gesellscliaftsliaus\ Wiclefstr. 24. Jeden Donnerstag: Kabarett- Abend, veranstaltet v. d. Elchlerschen SSngergosellschaft. Nach der Vorstellung: Tnnzkränzchen� j -«>»»»»»- | UptMShoj I ♦Pepleberger Straße<80.J I Jeden Sonntag: J $ Springers| Kabarett- and Possen-Oesellschatt Anf. Konz. S Ubr., VortL 7 Uhr. lux. ZiHc us BuscSi. j Heute, Sonnabend, den 9. April, I abends 71/, Uhr präz.: Gr. Gala-Vorgtellnng. Dompteur Henrickwensj (völlig unerreichte konkur- j renzlose Dressur.) Max Grlx-Grlgory-Truppe I Therese Fillls, James Leon Flllls I jun., Heinrich Fillis, in ihren Produktionen d. hohen Schule. Hr.E. Schumann, Meisterdress. Keiterfamilie Proserpi. Zwergclown Francois, Kunatr. I 91/, Uhr ca. Ende iO,/4Uhr:| Die russ. Sensations-Pantomlme! Marja! W.ftoaeks Theater Hrunneilstr. 16, am Rosenthaler Tor- Grosse Extra-Aorftcllnng. Zum t. Male: Die Waffen nieder. Soziales Drama in 4 Akten v. Bert« v. SuItiier-HaiiS Engler. Friedensiiovelpreis. Sonnlag nachm. 3 Uhr: Kean» Abends st ,8111: Die Waffen nieder. Mönigstadt-Kasino. Holzmarktstraße 72. Vollständig neues Programm. Elsa Franche— Collina u Le Man — Mstr. Fred— Erich Castelli— SBistr. Rejo usw. Franz Sobanshl. Zur rechten Zeil. VoikSstiick mit Gesang in 1 Akt von W. Zennert. Vsstius Lothringer Straß« 37. Täglich 8 Uhr. W©i*ILi» bei Nacht. Posse in 3 Akten von G. Schützt«« Pörasiili. Sonnt. 4 U.: Ein deutsch. Frauenherz. Trianon-Theater. Abends 8 Uhr; Theodore& Cie. Reichshallen-Theater. Stettiner Sänger (Meysel, Britton, Schräder usw.) Anfang: Wochentags 8 Uhr. nlirgikeeter-Klnemstegrzp!» vorm. Groterjan, Jnhab.: Rud. Merz, Schönhauser Allee ILO. Tel. 3, 9353. lebende Photographien. Wochent. 30 u. 40 Ps. Ansang 7 Uhr. Sonnt. SO, 40 u. 60 Pf. Ani. 4 Uhr. Vorzugskarten nur Wochentags gültig. Sil» Pf. aus allen Plätzen. Stets wechselndes Programm. Für de» Inhalt»er In, erat« üdernimillt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Perantniortung. unter freiem Himmel am Sonntag,<■«. 10. April, mittags I Uhr m Treptower f ark � TriedrieHshaiti. Tagesordnung: „Oer'WaUrechtskampl" Referenten werden am Sonntag bekannt gemacht. Kein Anhänger des freien .................... Hü............. Wahlrechts darf fehlen! Agitiert für den Massenbesuch der Versammlungen und organisiert den würdigen Verlauf. Der Zentralvorstand. I. A.: Eugen Ernst, Wöhlertstraße 9. py Alle Zahlabendleiter müssen für rechtzeitigen Abmarsch sorgen, damit die Genossen umlUhr an den Versammlungsstellen eintreffen. am Sonntag, den 10. April. T eltow» Beeskonr: Mittenwalde, SOMI Nauman«(Zum Kronprinzen). Nachmittags � Uhr. Referent: Genosse Käming» Xeu-Zittan llurig, bei Gustav Freur. Nachmittags i Uhr. Referent: Genosse lCIar. Xewawes, bei Singer, Priesterstr. 31. 1 Uhr mittags. Referent: Genosse Barthel. Schenkemlorf, bei Patsch. Nachmittags 2 Uhr. Referent: Genosse Becker. Trebbin, GesellschaftShanS. Bahnhofstr. 1. Nachmittags 1 Uhr. Referent: Genosse«fseckel« W annsee, Fürstenhof.«öatgftr. 40. Nachmittags 3 Uhr. Referent: Genosse aOkkmSIin» Zeblenderf,»et«1»,«arlst?. i». Nachmittags S Uhr. Referent: Genosse Stveimer. Zossen, M«rüger, Baruther Str. 10. Nachmittags 2 Uhr. Referent: Genosse Hsrtmaim. Nieder- Barnim: Bernan,<« Glyst««. Nachmittag? 1 Uhr. Referent: Genosse �.aaghammer, Brkner, bei Degebrodt« Nachmittag? 1 Uhr. Referent: Genosse Sonnendurg» ITrleilrlebsbasen, 6et®0Ä'13B7t.let,r<<5' Nachmittags I Uhr. Referent: Genosse Jacobsen. Ober- Schöne weide, an8rS«I»wcn' Nachmittags 1 Uhr. Referent: Genosse Bahn. Oranienburg, bei Liese, Berliner Chaussee LS. Nachmittags 1 Uhr. Referent: Genosse t,ink» Tages-Ordnung! Kein Anljiiuger der Partei darf fvlilen! Wo dies noch nicht geschehen, sind die Bersammlnngen sofort anzumelden."WI vor Zentralvorstand. Bezirk Groß-Berlin* Bureau- Engeluser 14/15. Telephon Amt IV, 4747 u, 2382. NWiedrr ans allen Kranchen der SeDgvkwallnng Gloß-Kerli»! Sonntag, den 10« April, in der Zeit von 9 Uhr vormittags bis Ä Uhr nachmittags Wahl von Delegierten z« dem im Mai d. I. zu Hamburg stattfindenden Außerordentl. Verbandstage. Tie Stimmabgabe erfolgt in de» nachstehend bezeichnete» Lokalen: Zentrum: Friedrich Wegener, Scydelstr. 30. Südwest: Heinrich Stürmer, Wartenburgstr. 16. ALeften: Augnst Wicmer, Bülowstr. 33. Nordwesten: Ernst Stark, Waldstr. 8. „ Burschat, Spenerstr. 23. Wedding: August Marsaud, Sellerstr. 12. „ August Äowalczyk, Dalldorfer Straste 3. Norden: Gottlieb Hossinann, Swinemünder Straße 47. Gesundbrunuen und Reinickendorf O.: Ernst Globig, Koloniestr. 15. Reinickendorf �v.. Tegel u. Borfigwalde: Eichbornsäle, Eichbornstr. 62. Schönhauser Tor: Karl Uhlig, Lychener Straße 2/3. Rosenthaler Vorstadt: Roseuthaler Vereiushauö, Rosen- thaler Straße 57. Nordost: Friedrich Rausch, Winsstr. 12. ,» Emil Panten, Heidenfeldstr. 11. Osten: Robert Mauschle, Blumenstr. 38. Südost u. Treptow: Panl Hoffmann, Oppelner Straße 47. Süden: Ernst Heitmann, Schönleinstr. 6. Rixdorf-Brih: Paul Gellert, Steinmctzstr. 93. Ober-Schöneweide, Baumschulenweg:e.: Friedr. Werneke, Ober-Schöneweide, Wilhelminenhofstr. 18. Rummelsburg, Lichtenberg:c.: Tempel sCafö Bellevue), Rummelsburg, Hauptstr. 2. Schönebcrg, Friedenau: Wieloch, Grunewaldstr. 82. Wilmersdorf, Halensee: Fritz Kaeseler, Lauenburgischestr. 26. Tempelhof, Mariendorf: August Apelt(Tcmpelhof), Berliner Straße 41/42. Charlottcnbnrg: BolkshanS, Rosinenstr. 3. Pankow, Franz.-Buchholz, Schönhausen: Karl Abendroth (Pankow), Mühlenstr. 31. Weistensee: Herm. Dröger>.Zum Prälaten), König-Chausse 42, Ecke Lchderstraße. Steglitz, Gr.-Lichterfelde, Zehlendorf: Friedrich Rohmann (Steglitz). Schloßstr. 117. Köpenick: Stippckohl» Schönerlinder Straße 5. Grüna«: Joh. Franz, Köpenicker Straße 88. Alt-Glienicke: Gast. Joch, Köpenicker Straße 43. Friedrichshagen: Aug. Singnhr, Seestr. 36. Sldlershof: Bcngsch, Scdanstraße. Erkner: Degrbrodt, Friedrichstr. 73. AIS Wahllegitimation dient das Mitgliedsbuch, welches an, Eingang zum Wahllokal vorzuzeigen ist.— Wer länger als 10 Wochen mit sewcn Beiträgen im Rückstände ist, hat kein Rcchl ist geheim und erfolgt per Stimmzettel. . zu wählen. Die Wahl AIS gewählt gelten diejenigen höche Stimmzahl der sür ihre Sektion ab« Stichwahl findet nicht statt. Kandidaten, welche die relativ gegebenen Stimmen aus sich vereinigen. I» Rücksicht auf die seitens der Partei in Aussicht ge. »ommenr» Beranstallungeu. wird die Wahl in allen Lokalen bereits um S Uhr früh eröffnet. ES soll damit jedem Mitglied« Gelegenheit gegeben werde», das Wahlrecht in den Bormittags- stunde» ausüben zn können, damit eS rechtzeitig auch an den Parteiveranstaltnnge» teilnehme» kann. Eine zahlreiche Teil- »ahme erachten wir in jedem Falle für selbstverständlich. Die KcDrksvtilvaltuug Groß-Kerlin. I. A.: 91. Werner. W EinhtUspreis... II. 12.50 Luxus-Ausführung M. 16,60 Fordern Sie Musterbuch � 6* Salamander Schuhge». m. b. H., Berlin. Zentrale: W, 8, Friedrich-Strasse 182 C. K3nig-Strasse 47 SW. Friedrich■ Strasse 221 C. Rosenthaler Tor W. Potsdamer Strasse 5 W. XsuenUlen-Strass« 15 NW, Wllsnacker Strasse Ecke Turm.Straue 9 N. Bad-Strasse 20 Spandau, Breite Strasse 30 Steglitz, Scblou- Strasse 20 ¥1. Laiultagsswalilbezlrk Dienstag, den 158. April 1910, abends 8>/z Uhr, in Freyers Festsälen, �Koppenstrafie 589: Oeffetitl. Versammluns:. Tagesordnung: 1. Vortrag deS Stadtverordneten �ckvlk ZlvkTinnnn über: VoftsveMmmg und Volksyerrat. Verklmdsgisiig des Wahlresuliats. Um zahlreiche Beteiligung ersucht k»»« Wnhlkomitee. 205/9* I. St.: Ernst Bader,(Strohe Frankfurter Sir. 31. deutscher HolzarbeHer-VerbatuL = Verwaltung 3srUn.■ Der Hauptvorstand bc§ Verbmides hat beschlossen, daß bis zum 23. April eine Urabstimmung in allen Zahlstellen stattfinden soll, ob der Grundbeitrag von 56 ans 66 Pf. erhöht werden kann.— Für Ktliin findet die Abstimmung statt: Montag, dtll lt. April, 3'/r— 8 W abtllds (gleich nach Feierabend) in folgenden Lokalen: 1. �sdsls Arsuersi, Bergmcinustraße 5—7. 2. jltärlüsehnr Hof, Admiralstraße 18c, 3. Kaumju-�sstsäle, Naunynstraße G, 4. Beiehenfcerger Hallen, Reichenberger Straße 147, ' 5. Undreas-Tesisäle, Andreasstraße 21, 6. LWn, A!emeler Straße 67, 7. SergmANN. Voxhagener Straße 26, 8. Arnolds �estsäle, Frankfurter Chaussee 5—6, 9. Boeker, Weberstraße 17, 10. Cilische, Kopenhagener Straße 74, 11. Vittlke, Brunnenstraße 188, 12. Hnahe, Kolberger Straße 23, 13. Zftoakiter Gesellschaftshaus, Wiclefstraße 24. Die Stimmzettel erhalten die Kollegen in den Slbitimmungslokalen. 81/15 Jedes Mitglied must persönlich zur Abstimmung erscheinen und als Legitimation daS Mit- gliedsbuch vorzeigen. Ohne Mitgliedsbuch wird niemand zugelassen. Die Abstimmung kann jeder Kollege in dem Lokal ansnbe», welches für ihn am bequemsten z« erreiche» ist._ Die Ortuvepwaltnng._ ttr nli Slrbeitsnacliweis: BerwaltiiiigSstelle Aerlin. Hanvtdureau: Hoj l. Slmt 3, 1239. Charitfestraße 3. Hos III. Amt 3, 1987 Montag, den 11, April 1910: Bezirks- Versammlungen für die gesamte vemaltungzilelle Berlin in folgenden Lokalen: Norden* Pharns-saic, Müllerstr. 142, abends 8'/, Uhr. N0rd6n* jb'f,os''estaäle' Schwedter Strafte 23. abends Norden! rpanke» FestsUle, Badstr. 19, abends 8'/, Uhr. MßftbU* Word-Went, Wiclefstrafte 2-i, abends Westen und Schoneberg: ÄÄfÄXV Osten und Lichtenberg: 1.% Emf,£t Vortrag des Kollege» Wnsclilck. Stralau und Rummelsburg: abends 8'/j Uhr. SDilen und Südost: Äll!*,«?"'«■ Tarial* norsigsvalder Feststtle, norslewalde, Iwljcl. Sp.indaner Strafte, abends«Uhr. Ergänzungswahle» zur Bezirksleitung. kjxdork: Ho??«» Hermannstr. 49, abends 8'/, Uhr. Vortrag des Kollegen Ott« Handle«. CfonlilT* Sclielliaaes FestsUIe, Ahornstrafte IS», OlcyilU. abends(s1/, Uhr. Cbarlottenburg: Rostnenstr. S. abend, 8'/, Uhr. Weitlensee' �ollleopta�livntanK'nnt, Könlg-Chauffec 38, Köpenick u. Friedriebshagen: R®ÄoÄT4ant' m Kiiponlck, abends 8'/» llhr. 1. Vortrag des SchriststellerS Hb'. Spelir über: Allerhand Humor aus der neuen deutschen Literatur. 2. VeibandSangelegcnheiten. 114/4* Blnmea Restaurant« Alt- Boxhagen 50, Spandau: v«»«-» Tolksholm, Havelstrafte, Ober-Schöneweide: abendS 81/, Uhr. Restanrant Wcrnlke, Wilheluiineiihofstr. 18, abdS. 5'/, Uhr. TageS-Ordnung: i. Sm'chterjlMvg von der Gttitrlllvkrsllmmlung. 2. Strilullgllahme zum anßrrotd. Gklvtrksliissftokongrtß. Mitgliedsbuch legitimiert. Zahlreichen Besuch erwartet Die OrtSverwaltung. Kraiilic«- Ii. Zterbklialsk aller griattbliihea Arbcitcr für Sllsäiiebng«»d Kerlia. (E. H. K. IIS.) Sonntag, den 17. April ct., votmittagS 9'/. Nhr. in«Zroasei'si neneu Rathaussalcn, Meininger Str. 8(Tunnel): Ailsicrardeatiillic Grarral-Vtrsaimalaas. Tagcs-Ordnung: Vorlegung des revidierten Statuts zur Beschlußfassung. Verschiedenes. Mitgliedsbuch legitimiert. Um zahlreiches und pünktliches Erscheinen ersucht 284/17' Der Vorntand. 3. 2l.:®. Sa ea Icke. Hierdurch die traurige Mitteilung, daß unser lieber Vater, Großvater, Bruder, Onkel und Schwager, der Fuhrherr EEmst Grimm nach kurzem schweren Leiden am Mittwoch, den S. April, nach- mittag 2'/, Uhr gestorben ist. Um stille Teilnabme bitten vis trauernden Hiulerbliedensn. Die Beerdigung findet am Sonntagnachniittag 3 Uhr von der Leichenhalle des neuen Luisen- Kirchhofs auS statt. 1S89b Danksagung. Für die zahlreiche Beteiligung tmd die liebevollen Kranzlpenden bei der Beerdigung meine» lieben Manne» �iax Dietze sage ich allen Freunden, Kollegen und Genossen, insbesondere dem Chcs Herrn Rehlaff, dem IKontorpersonal, den Kollegen derj Firmen Rctzlafs, Redlich, Brückmann, Noa, Fischer, Schulte, Groß, dem Holzarbeiter- verband, den Stockarbeitern Berlins und den Genossen des S79. und b80. Bezirks meinen herzlichsten Dank. Hedwix Dietze, Witwe, 15806 Watlstr. 25. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und zahlreichen Kranz- spenden bei der Beerdigung meiner iimiggelicbten Frau und guten Mutter Emma Stock SchÄ.er sage ich allen Freunden. Verwandten und Bekannten, den Sängern von Georg Berg, sowie Herrn Rot sür seine trostreichen Worte am Sarge meinen innigsten Dank. bvSIL Franz Stock nebst Kindern. BÄÄAAÄÄÄAÄÄ Unserem Genossen und 33er«| 6 waltungSmitgliede f - Heinricli Grift netst Frau* zur Silbernen Hochzeit die herz- S lichsten Glückwünsche I 184/3» Die Ortsverwaltung Lichtenberg p d. Zentral-Kranken- u. Sterbekasse I « der Tischler(ß. H. 3.1.? 1» VW' WWW» � �misiiieillviiMMr ÄMmio des 1 Berl. Reictetags- Wahlkreises. Todes- Anzeige. Den Genossen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Arbeiter Hermann Giwanskil Gleimstraße 69 verstorben ist. Ehre seinem Andenken 1 Die Beerdigung findet am Sonntag, den 10. April, vormittags 10 Uhr, aus dem Städtr schcn Friedhose in FriedrichSseldc statt. Um rege Beteiligung ersucht 228/16 Rer Vorstand Verband d. baugewerblichen Hilfsarbeiter Deutschlands. Zweigverein Berlin u. Umgegend. Bezirk Rosenthaler Vorstadt. Tode«- Anzeige. Am C, April verstarb unser langjähriger, treuer Kollege Hermann Ghvanski. Ehre seinem Andenken 1 Die Beerdigung findet am Sonntag, den 10. April, vor- mittags 10 Uhr, von der Leichen- balle des Zentral» Friedhofes in FriedrichSsclde aus statt. 27/14 Um rege Beteiligung ersucht Der Zwcigvereinsvorstaiid. Men-OiMiitzyngs- iiiidj BegrübiMreiii der Bau- und Berlin« und Cmgogend. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied Hermsnn Giwanski Fchrbelliner Str. 20 am 6. April gestorben ist. Ehre seinem Andenken 1 Die Beerdigung findet am Sonntag, den 10. April, vor» mittags 10 Uhr von der Halle des Zentral-FriedhojeS in Fried« richSselde aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 37/2 Der Borstand. Oeutscher Transportarbeiter-Verband. Bezirksverwaltung Groß-Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Packer Leopold Leutritz am 7. April im Aller von 33 Jahren verstorben ist. 68/7 Ehre seinem Andenken 1 Die Beerdigung findet am Sonntag, den 10. April,»ach- mittags 4 Uhr, von der Leichen- Halle des KirchhoseS in Marien- dorf, Friedenstraste, aus statt. Die Bezirksverwaltung. Deutscher Metallarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin. Tode«- Anzeige. Den Kollegen zur Nachricht, dast unser Mitglied, der Mechaniker Hermann Einhand am 6. 65. MtS. an Nierenleiden gestorben ist. Ehre seinem Andenken 1 Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 9. April, nach. mittag» 2,/j Uhr, von der Leichen- halle deS Elisabeth-KirchhoseS in der Prinzen-Allee aus statt. Rege Beteiligung erwartet Die Ortsverwaltung. Beerbigungs-Verein Berliner Zimmerlente. Sonntag, de» 17. April, nnchmittagS 5 Uhr, im BercinShause, Sknlifterstr. 126: General- Versammlung. Tages. Ordnung: 1. Abrechnung vom 1. Ouarlal 1910. 2. VerelnSangelegenhcilen. Um regen Besuch ersucht»er Vorstand. Dentscliland«. Zwoigrercln Berlin a. Umgegend. Achtnng!! Achtllng! ___ Die SektionSversammIungeii, welche zu Sonntag, den 10. April, anberaumt sind, fallen wegen der WahIrechtSoersammiungen aus. dieselben finden nunmehr am Sonntag, 17. April, vormittags 10 Nhr, in den bestimMtcn Lolalen statt. Gleichsalls findet die Vertretersitzung nicht am Sonntag, den 10., sondern am Montag, den 11. April, abendS 3'/, Uhr, im GewerkschastShnuIe, Engeluser 15, Saal 11. statt. 29/15 vor ZwelcverelasTorstand. sOo e ooo o oooftOQö ö ooo ö öOö d ooe wsoo o oOoö ooo e oCwo oOo,OöOö» Heute Schlußi Ausnahmepreise, soweit die Vorräte reichen: Knaben-Buckskin- Anzüge Größen i— 6 durchweg H 1 Knab en- W asch- Anzüge Größen i— 6 1.50 n. SOpf» H. 'o Knaben-Hosen.... Größen i-e m. 1.50 n. 65 Hg. Schüler-Hosen Größen 7-12 m. A— bis 2.50 u. 1.50 Knaben-Wasch- Blusen. Größen 1-0 90 n. 50 Hg Schüler-Wasch-Joppen Gräßen 7-12 m. 1.— n. 75 ptg. 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KrilW des Jmritfi" Der!« UalksblM. Zolluabend, 9. April 1919. Partei- Mgelegenkeiten. Zur Lolallifie. Der Rauchklub„Bruderbund" in Zchlen dorf veranstaltet am 16. April im dortigen Lokal„Kaiserhof" Potsdamer Straße, sein 20. Stiftungsfest. Da uns dieses Lokal zu Versammlungen verweigert wird, ersuchen wir alle etwa an« gebotenen BillettS zu obigem Vergnügen entschieden zurückzuweisen. Außerdem weisen wir nochmals darauf hin, daß das Lokal „Joh. Graßls Gesellschaftshaus", Marieudorf, Ehausseestr. SOS. nach wie vor der Arbeiterschaft verweigert und da- her gesperrt ist. Die Lokalkommission. Vaumschnlenweg. Der Turnverein„Jahn" beruft zu heute, Sonnabend, 8',a Uhr, eine öffentliche Versammlung nach dem Lokal von Georg Käding ein. Turngenosse Lieste spricht über: „Warum turnen wir." Zahlreicher Besuch wird erwartet. Obcr-Schöneweide. Die zum Sonntag, den 10. d. M., einberufene Volksversammlung findet nicbt statt. Dafür treffen sich die Teilnehmer an, Sonntag, den 10. d. M., vormittags V3I2 Uhr, in den Bezirkslokalen. Der'Vorstand. Wannsee. Heute Sonnabend, S'/z Uhr abends, im Fürstenhof, Konigstr. 40: Wahlvereiiisversannnlung. Morgen Sonntag, nach- mittags 3 Uhr, ebenfalls im Fürstenhof: Protestversammlung. Der Wahlrechtsschacher im preußischen Landtag. Genossen sorgt für zahl- reichen Besuch. Der Vorstand. Neuenhagcu und Umgegend. Die Genossen aus dem ganzen Bezirk werde» ersucht, am Sonntag, den 10. d. Mts., sich an der Demonstrationsversammlung in Treptow zu beteiligen. KöuigS-Wusterhanse» und Schenkendorf. Zum Protest gegen den Wahlrechtsschacher findet gemeinsam mit den Scheniendorfer Genossen am Sonntag, den 10. April, nachmittags 2 Uhr, im Lokale des Herrn Pätsch, Schenkendorf, eine öffentliche Versammlung statt. Den Parteigenossen machen wir zur Pflicht, für regen Besuch zu agitieren. Der gemeinsame Abmarsch nach Schenkendorf erfolgl für die Wusterhansener Genossen um l'/g Uhr vom Gasthaus zum SiegeSkranz. Storkower Straße. Der Vorstano. Spandau. Sonntag, den 10. April, nachmittags 3 Uhr. im Lokal von Fritz Böhle, Havelstr. 20: Große öffentliche Demonstrations- Versammlung. Tagesordnung: Die letzte und endgültige Abstimmung über die Wahlrechtsvorloge im preußischen Landtag. Um Massen- besuch wird gebeten. Der Vorstand. Potsdam. Sonntag, den 10. April, nachmittags 2 Uhr, im Viktoriagarten, Alte Luisenstraße: Große Wahlrechtsversammlung. Tagesordnung: DaS neue Landtagswahlgesetz — ein Volksbetrug. Referent: Arbeitersekretär S i e r i n g- Berlin. BcHimr JVacbnchtm Für Arbeiter gut genug? Mehr Hygiene auf Bautenl Jinmer wieder kommt au? den Kreisen der Bauarbeiter diese Forderung. Noch immer herrschen auf Bauten so hygiencwidrige Zustände, daß eine Acnde- rung dringend geboten ist. Beispielsweise sind noch immer die Bauarbeiter an ihren Arbeitsstellen auf Bedürfnisanstalten angewiesen, die so primitiv sind, daß sie wie ein Hohn auf die Vorschriften der modernen Hygiene er- scheinen. Nicht nur auf den Bauten privater Bauherren kann man solchen und ähnlichen Mängeln begegnen, nein, auch Bauten der Behörden lassen nur zu oft im Punkt der Hygiene noch sehr viel zu wünschen übrig. So werden wir daraus auf- merksam gemacht, daß in dem neuen Heim der„Kaiser- W i l h e l m- A k a d e m i e", der bekannten Bildungsanstalt für Militärärzte, die aus der Nachbarschaft des Bahnhofes„Friedrich- straße" nach der Invaliden- und Scharnhorststraße verlegt wird, den Bauarbeitern recht mangelhafte Klosetts zur Verfügung stehen. Das neue Gebäude ist in der Hauptsache fertig und �wird zun, Teil mich schon benutzt, doch sind darin immer noch zahlreiche Arbeiter tätig. Auf einem kleinen Hof, den der an der Invaliden- straße gelegene Gebäudeflügel umschließt, befinden sich für die Arbeiter zwei Klosettbuden, jede mit zwei Sitzen. Den Buden fehlen die Türen, auch sind die Sitze nicht durch Scheidewände voneinander getrennt; das ist ja so üblich bei Klosetts auf Bauten und gilt als«gut genug für Arbeiter". Kot und Urin werden aufgefangen in Tonnen, die von Zeit zu Zeit geleert werden. Als wir uns diese bretternen Luden ansahen, rann aus der einen ein B ä ch l e i n st t n k e n d e r I a u ch e auf den Hof, so daß wir annehmen mußten, eine der Tonnen könne den ihr zuströmenden Segen schon nicht mehr fassen. Klosetteinrichtungen so primitiver Art mögen vielleicht zulässig erscheinen, wenn ein Gebäude erst im Rohbau emporwächst. Warum aber in einem nahezu fertigen Gebäude den Arbeitern noch derartige Zustände zu- gemutet werden, das ist uns unbegreiflich. Fort mit diesen skandalösen Buden und ihren Tonnen! Das Gebäude ist längst an die Kana- lisation angeschlossen, längst könnten in ihn, den Bauarbeitern hygienisch einwandfreie Klosetts mit Wasser« s p ü l u n g zur Verfügung stehen. Wir denken doch, daß sie keinem als„zu gut für Arbeiter' gelten werden. Die Allgemeine Städtebau-Auöstcllung(vom 1. Mai bis 15. Juni in der Akademischen Hochschule für die bildenden Künste) wird von Frankreich nicht nur von dem bekannten Architekten Eugen Honard, solider,, auch vom„Ministerium deS öffentlichen Unterrichts und der schönen Künste" beschickt werden. Zur Ausstellung werden eine größere Reihe von alten Plänen miS dem Besitz des französischen Staates und der Stadt Paris gelangen, die wertvolles Anschauungs- Material zur Erläuterung der historischen Entwickclung von Paris und einigen anderen Städten bilden. Besonders die Stadt Paris besitzt wohl mehr als irgend eine andere Stadt einen außerordent- licheu Reichtum an alten Plänen, die nicht nur vom technischen, sondern oft vielmehr noch vom künstlerischen Standpunkt als Erzeugnisse einer hochstehenden Schwarz-Weiß-Kunst beachtens- wert sind. Für die Städtebauausstellung beschloß der Magistrat vorbehaltlich der Zustimmung der Stadtv-r?rdneten die Uebeniahme einer Garantie bis zum Betrage von 15 000 M. Die Eesamtkosten der Ausstellung werden auf 30000 M. geschätzt. Arbciter-Samariter-Kolonnr. Samtliche aötive Mannschaften haben sich am Sonntag, vormittags 10 Uhr, im Dresdener Garten einzufinden, zwecks Berteilung zu den Massenversammlungen am Sonntag. Ver- bandStasche und Armbinde ist mitzubringen. Diejenigen, welche noch Material brauchen, wollen etwas früher kommen. Bon der Bummelei in unserer Steuerverwaltung haben wir schon oft berichten müssen. Ein neuerer Fall, der den hier üblichen Ge- schästsgang wieder kraß beleuchtet, liegt folgendermaßen: Ein Ar- Heiter, der wegen Krankheit seiner Frau und mißlicher Verdienst- Verhältnisse zurückgekommen war, wandte sich Ende Februar nach Erhalt des MaHnzettelS an die Steuerdeputation des Magistrats um Stundung der Steuer». Ende März— am 30.— erhielt der Antragsteller eine vom 23. März datierte Zahlungsaufforderung zugestellt, [worauf ihm die rückständigen Steuern vom Lohn abgezogen wurden. Zwei Tage daraus, au, 1. März, lief die Autwort auf sein Gesuch Cm, die vom 26. März datiert war und in der dem Gesuch um Stundung nachgegeben war. Diese Antwort war nun wertlos ge- worden, weil bereits die Lohnpfändung vollzogen war. Eine etwas schnellere und gewissenhaftere Erledigung deS Stundungsgesuchs wäre wohl angebracht gewesen. WalderholungSstättei, vom Roten Kreuz. Am letzten Donnerstag hielt die Ableilnng für Erholungsstätten vom Roten Kreuz ihre Früh- jahrsversamnilung ab. Nach dem Bericht des Schriftführers betrug in den vielen von der Abteilung bei Berlin unterhaltenen Anstalten die Zahl der Verpslegungstage über 177 000. Diese entfallen zum weitaus größten Teil auf die Sommermonate; die Kenntnis, daß auch in unseren, Klima gerade die Winterkuren besonders vorteilhaft sind, ist noch nickit genügend Allgemeingut der Bevölkerung geworden. Für den kommenden Sommer sind mehrere Neubauten geplant, man ist bestrebt, die Baracken möglichst durch feste Gebäude zu ersetzen. Auch wird es möglich sein, einige Anstalten an die Kanalisation anzuschließen. Versuchsweise soll eine in Amerika sehr bewährte Einrichtung erprobt werden: tuberkulösen oder gesundheit- lich gefährdeten Personen, die tagsüber arbeiten, die Gelegenheit zu geben, nachts im Freien in der Walderholungsstätte zu schlafen. 40 Brücken über den Großschiffahrtsweg Bcrlin-Stcttin sWasser> straße Berlin-Hohensaaten) haben soeben ihre amtlichen Bezeichnungen erbaltcn. Die ersten beiden Brücken in, Zuge der Seestraße liegen in, Landespolizeibezirke Berlin, weshalb ihre Bezeichnung noch vor- behalten worden ist. Die folgenden 40 Brücken, von denen fünf der Uebersührung von Eisenbahnen dienen, haben ihre Namen meist nach benachbarten Ortschaften,„ach Siraßen, Seen usw. erhalten. Die an Berlin anstoßenden sind: Die Charlottenburger, die Mäckritz, die Tegeler, Saatwinkler, Spandauer Schleusen-Brücke usw. Die Uebersührung des Großschiffahrtsweges über die Staatsbohn Berlin- Siettin, nördlich vom Bahnhof Eberswalde wird den Namen„Ebers- walder Brückenkanal" führen. Mahnung an Rollschuhläufer. Der Polizeipräsident veröffentlicht folgende Mahnung: Ich richte erneut an die Nollschuhläufer die Mahnung, sich diejenigen Beschränkungen aufzuerlegen, welche zur Vermeidung von Störungen des übrigen öffentlichen Verkehrs um umgänglich erforderlich sind. Diese sind folgende: 1. Die Rollschuh läufer müssen sich den Bestimmungen der Straßenordnnng über die Benutzung des Straßendammes seitens der Fuhrwerke anpassen, namentlich die rechte Seite des Straßendammes innehalten. 3. DaS Befahren der Bürgersteige ist zu uuterlassen und verkehrsreiche Straßen und Plätze sind zu meiden. 3. Unzulässig ist die Benutzung der Straße zum Kettenlaufen und Wettlaufen.— Sollte vorstehende Mahnung keine hinreichende Beachtung finden, so würde ich mich genötigt'sehen, das Rollschuhlaufen auf der Straße wesentlichen Be- schränkungen zu unterwerfen. Ein„Polizeihundvereiu", der uns gerade noch fehlte, ist nach einer Mitteilung der„Boss. Ztg." für Berlin und die Provinz Brandenburg unter Vorsitz des königlichen Polizeikommissars Leon- Hardt am Mittwoch im Berliner Monopol-Restaurant begründet worden. Er soll keine Konkurrenz der Züchtervereine sein, sondern Führer und Dresseure, die jetzt zersplittert sind, zusammenfassen, auch eine Verkaufs- und VermittelungSstelle für Behörden wie für Privat- Personen errichten. Natürlich wurden wieder die überschwenglichsten Lobrede» auf den Polizeihund gehalten. Interessant war die Be- merkung, daß der Berliner Polizei jetzt über 50 Polizeihunde zur Verfügung stehen. Die Zahl hat sich also, da derselbe Kommissar vor etwa einem Vierteljahre von 23 Polizeihunden erzählte, in ganz kurzer Zeit gerade verdoppelt! Das kann ja gut werden, wenn eS so weiter geht. Es fehlt nun bloß„och ein„Verein der Berliner Polizeispitzel" unter den, Protektorat deS Ministers v. Moltke, der ja im Parlament erklärt hat, daß er solche Nichtgentlemen zum Regieren für unent- behrlich hält. Pandalen auf dem Brunnenplah. Durch Bubenhände sind in der Nacht auf dem Brunne, iplatz Verwüstungen angerichtet worden. Zerstörungssüchtige Burschen vernichteten in den vor dem Amtsgericht Wedding belegenen Anlagen eine Reihe von Bäumen, indem sie dieselben umknickten. Sie zertrümmerten ferner GaSlaternen und warfen Ruhebänke um. Leider sind die Vorgänge von keinem Menschen beobachtet worden, so daß über die Täler keine Beschreibung gegeben werden kann. Straßenbahn, mfälle. Die schon häufig gerügte Unsitte deS Besteigens fahrender Straßenbahnwagen hat gestern vormittag wiederum einen bedauerlichen Unglücksfall zur Folge gehabt. Vor dem Hause Weinbergsweg 27 versuchte der zwanzigjährige Kellner HanS Gabel- mann aus der Leuthenstraßs 14 in Schöneberg den Motorwaggon Nr. 1504 der Linie III während der Fahrt zu besteigen, kam dabei zu Fall und erlitt außer erheblichen Hautabschürfungen an, Kopf und im Gesicht einen komplizierten Bruch deS linken Oberschenkels. Der Verunglückte wurde nach dem Lazarus-Krankenhause über- geführt. Vor dem elterlichen Hause Birkenstr. 56 wurde der sechsjährige Sohn Max der Witwe Schlack, als er unmittelbar vor einem heran- nahenden Straßenbahnwagen der Linie 7 das Gleis betrat, von dem Vorderwagen erfaßt, umgestoßen und geriet mit dem linken Arm unter den Schutzrahmen. Der Knabe erlitt eine blutende Kopfwunde und Hautabschürfungen im Gesicht und erhielt von einem in der Nähe wohnenden Arzte die erste Hilfe. Eine Kircheiischändiing im Osten der Stadt beschäftigt die Kri- minalpolize». A» der Samariter-Kirche, die auf dem Plätze gleichen Namens liegt, sind die drei großen Fenster, die den Altarrau», ab- schließen, allem Anscheine nach von böswilliger Hand beschädigt lvorden. Vor allen drei Fenstern befindet sich zun, Schutz an der Außenseite ein ziemlich dichtes Maschennetz aus Drahtgeflecht. Dieser Schutz aber hat sich als unwirksam erwiesen. DaS mittlere Fenster, das grüßte, stellt den Barmherzigen Samariter dar, und trug darunter. die Widmung deS Kaisers und der Kaiserin, die das Fenster zur Einweihung der Kirche gestiftet habe». Vorgestern morgen fand man Glassplitter in» Altarraum. Hierdurch aufmerksam gemacht sah man die Fenster genauer nach und entdeckte nun, daß aus dem Mittelfenster mit einer ziemlich langen Stange, vielleicht einer Meßstange, die Widmung durch das Netzwerk herauSgestoßen worden ist. Auch in die beiden Neben- fenster sind Löcher hineingestoßen worden. Man dachte zu- nächst daran, daß die Fenster bei AlisbessekiittgSarbeiten, die an der Kirche vorgenommen werden, ohne böse Absicht durch lln- Vorsichtigkeit entstanden sein könnten. Nach dem Ergebnis der ein« gehenden Prüfung, die die Kriminalpolizei vorgenommen hat. ist das aber nicht gut anzunehmen, liegt vielmehr höchst wahrscheinlich eine böswillige Beschädigung vor, die vielleicht auk Rache zurück» zuführen ist. Es ist deshalb eine Belohnung von 300 M. für den ausgesetzt, der einen Fingerzeig zur Ermittelung des Täters geben kann. Mitteilungen nimmt die Kriminalpolizei, Zimmer Nr. 37, entgegen. Ein tödlicher Straßenbahnunfall hat sich am gestrigen Freitag, nachmittags gegen Uhr an der Ecke der See- und Residenzstraße ereignet. Dort wollten die beiden zehn resp. fünfjährigen Söhne deS Stukkateurs BeherZdorf aus der Aegirstr. 8 in Reinickendorf-Ost das Gleis überschreiten. Während der ältere Knabe diese Absicht auch erreichte, wurde sein kleiner Bruder Fritz von dem Vorderperron eines Motorwagens der Straßenbahn erfaßt und zu Boden gestoßen. DaS Kind geriet mit dem Kopf unter den Schutzrahmc» und wurde so fest eingeklemmt, daß seine Befreiung nur durch Entfernung des Schutzrahmene ermöglicht werde» könnte. Der Knabe war entsetzlich zugerichtet worden, sein Tod muß auf der Stelle eingetreten sein. Dem Kleinen war der Schädel zertrümmert, der untere Kinnbacken gespalten, der Unterleib aufgerissen und ein Finger der linken Hand abgerissen worden, außerdem hatte der Verunglückte schwere innere Verletzungen erlitten. Die Leiche wurde zunächst nach der Unfall- station in der Badstraße und von dort nach dem Scyauhause über« geführt. Eine verhängnisvolle Kesselcxplvston, bei der mehrere Personen verletzt wurden, ereignete sich gestern inittag in der Mützenfabrik von S. Gärtner u. Co. in der MarkuSstr. 50. Dort explodierte plötzlich aus bisher noch nicht ganz aufgeklärten Gründen ein großer mit Wasser gefüllter Keffel, dessen siedender Inhalt sich über den an dem Gefäß beschäftigten 33jährigen Mützenmacher Willy Letter ergoß. Vetter erlitt schwere Brandwunden au der Brust und beiden Beinen. Infolge der Explosion, die unter gewaltiger Detonation erfolgte, entstand unter den zahlreichen in dem Fabrikraume tätigen Arbeiterinnen eine große Panik und die Mädchen stürzten in ihrer Angst nach den Ausgängen, wobei sich ein derartiges Gedränge entwickelte, daß mehrere der Arbeiterirnien zu Boden geworfen und von den über sie hinwegstürmenden Kalle« ginnen mit den Füßen getreten wurden. An, schwersten verletzt war die 21jährige Frida Köhler, die mehrere Wunden im Gesicht davon- trug. Sie sowohl wie der Mützenmacher Vetter wurden nach der Unfallstation am Grünen Weg gebracht, wo ihnen Notverbände an- gelegt wurden, und von dort aus ihren Wunsch nach ihren Wohnungen transportiert. Zur Verhütung von Unglücksfällen durch abirrende Geschosse aus den Schießständen der Hasenheide wird vor dem Betreten der Hasenheide und deS südlich der Hasenheide gelegenen Teiles des Tempel« hofer Feldes gewarnt. Eltern und alle diejenigen, denen die Obhut von Kindern anvertraut ist, werden aufgefordert, diesen das Betreten der genannten Gebiete zu untersagen. Einsam gestorben ist die 62 Jahre alte Arbeiterin Luise Vogt geborene Kieselbach in ibrer Wohnung An, Weidenweg 3t. Die be- tagte Frau, die von Näharbeiten und Almosen lebte, war etwas sonderlich veranlangt und ließ fast niemanden in ihre Wohnung herein. Seit einiger Zeit litt sie stark an Atemnot, war aber nicht zu bewegen, einen Arzt zu Rate zu ziehen, glaubte vielmehr, daß sie sich mit Hausmitteln selbst helfen könne. Als gestern morgen um 7 Uhr der Milchmann klopfte, antwortete sie, kaum hörbar: „Ich kann nicht mehr aufmachen." Der Verwalter ließ nun durch einen Schlosser öffnen, aber ein Arzt, der binnen einer Viertelstunde erschien, konnte nur noch feststellen, daß die Frau, die im Bett lag, tot war. Seine Wiederbelebungsversuche blieben erfolglos. Die Leiche wurde beschlagnahmt, weil der Arzt die Todesursache nicht feststellen konnte. Eine Ausstellung von Gesellenstücken(Prüfungsarbeiten) ver« anstaltet der JnnungsauSschuß der vereinigten Jimungen zu Berlin vom 12. bis 17. April 1910 in, neuerbauten Gebäude der Handwerks« kammer, Teltower Str. 1—4, Ecke Belle-Alliancestraße. Eintrittsgeld wird nicht erhöbe». Die Konsumgenossenschaft Berlins und Umgegend hatte im März dieses Jahres einen Umsatz von 413 360.57 M. gegen 276177,02 M. im März 1900, das sind 137 173,55 M. mehr. Der Dreiviertel- Jahresumsatz betrug 2 875 392,44 M., das sind 69 879,44 M. mehr wie der ganze Jahresumsatz des Vorjahres. Die Mitglicdcrzahl beträgt 29 000. Bo» den Hausanteilen sind 300 000 M. abgesetzt. Die Geschäftsanteile betragen zurzeit 242 090 M. Spargelder sind jetzt über 400000 M. eingezahlt. Auf dem Bau find jetzt etwa 140 Bauhilfsarbeiter und über 50 Maurer tätig, so daß wir bald aus den Fundamenten heraus sein werden. In Lebensgefahr. Bei einen, Brande, der vorgestern abend in einer Wohnung in der Großen Frankfurter Allee 142 ausbrach, schwebten der vierjährige Kurt Bachmann und dessen sechsjährige Schwester Anna in der größten Lebensgefahr. Die Mutter war fortgegangen, um mit Apfelsinen usw. zu handeln und hatte die beiden Kinder allein in der festverschlossenen Wohnung zurückgelassen. DaS Mädchen hatte dann angeblich mit Streichhölzern gespielt, wobei die Betten in Brand gerieten. Das Geschrei der Kinder wurde überhört und die Gefahr, in der die Kleinen schwebten, erst bemerkt, als der Rauch durch die verschlossene Tür der Wohnung drang. Sofort wurde die Feuerwehr benachrichtigt. AIS diese an der Brandstelle anlam, hatte ein beherzter Mann bereits die Tür erbrochen und die bewußtlosen Kinder herausgeholt. Die Wieder- belebungsversuche waren von Erfolg. Die Kinder wurden der Polizei übergeben. Humor beS Auslandes nennt sich ein UntcrhaltungSabend, den die Ortsgruppe Groß-Berlin des Arbeiter-Abstinenten-BundeS am morgigen Sonntag(abends 6'/, Uhr) in der Neuen Philharmonie. Köpenickerstr. 97, abhält. Den Vortrag sowie Vorlesungen hat Genosse Georg Davidsohn übernommen.— Der Eintritts« preis beträgt nur 10 Pf.— Abendkasse findet nicht statt. Gäste können BillettS bei den Mitgliedern: E. Geisler, Kuglerstr. 41 II, W. Pielcke, Luise, istr. 18, R. Adam, Admiralstr. 17. I. Michaelis. Engelufer 19, erhalten.________ Vorort-JVacb Hebten. Spandau. Stadtverorbneken Versammlung. Zunächst wurde Kenntnis ge» nommen von einem Schreiben des Vorstandes der Ortskrankenkaffe der Handwerker, betreffend den Bau der Walderholungsstätte. In dem Schreiben wird bemängelt, daß der in Aussicht genommene Platz zu klein und auch wegen des in der Nähe liegenden UebungS- Platzes der Artillerie zu geräuschvoll sei. Man ersucht um Vergrößerung des Platzes und um Abstellung der geräuschvollen Uebungen. Da dem Magistrat ein gleiches Schreiben zugegangen ist, so soll erst die Entschließung des Magistrais abgewartet werden. — Debattelos erteilte die Versammlung ihre Zustimmung dazu, daß die Ileberschüsse der städtischen Sparkasse aus dem Jahre 1909 in Höhe von 85 000 M. zur Deckung des Etatsbedarfs für Ausgaben an: Pensionen und Unterstützungen, Feuerlöschwesen, Kosten� beitrag an den Verschönerungsverein. Volksschul- und Annen* zwecken verwendet werde».— Folgende Vorschläge werden von» Magistrat über die Verpachtung des Hafens gemacht: 1. Ueber« nähme deS Betriebes in allen Einzelheiten durch städtische Per» wajtungskörper; 2. Verpachtung deS Hafens einschließlich Hafen» bahn als Ganzes, mit Ausnahme einiger Uferstrecken; Verpachtung des Hafens in einzelnen Hauptteilen unter Uebernahme des Hasen- bahnbetricbs durch die Stadt. Wie der Magistrat dazu bemertt, handelt es sich zunächst um'die grundsätzliche Feststellung der vor« geschlagenen Verpachtungsarten, da einmal bei dem Ausbau de» Hafens auf diese VerpachtungSartcn Rücksicht genommen werden muß, und da andererseits die Verpachtung schon bald und mit langer Anbietungssrist ausgeschrieben werden mutz, um den Unter- nehmern Gelegenheit und Zeit zur ausgiebigen Befragung mit» Ueberlegung zu geben, und um ferner die Möglichkeit zu wahren, Baulichkeiten und sonstige Einrichtungen, wenn günstige Vachtangebote dies wünschenswert erscheinen lassen, noch vor Beginn der Neupachtung herzustellen. Die Versammlung stimmte debatte» loZ den Magistratsvorschlägen zu.— Die nächst- Vorlage zeigt« wieder einmal mit aller Deutlichkeit, daß die Mehrheit, der Svan- dauer Stadtverordneten, darunter auch die Vertreter der dritten Sldteilung, die Stadtverordneten Arbeiter Schmidt. Betriebs- schreiber Simon, Maurer Löwe, Schlosser Huth. Mauren Schulz und andere, sich vollständig in den Banden des Reichs- vexbgndcs befinden. Es handelte sich um den Bericht des 7. AuS« schuss-A ußct die Eittgade dtt Freie?» Tlirneeschaft allf Uederlassuttg' der Jubiläumsturnhalle zu turnerischen Uebungen. Wie der Refe- reni, Stadtverordneter Oberlehrer Grube, mitteilte, hat der 7. Ausschutz beschlossen, da die Versammlung kein Recht habe, die Turnhalle zu vergeben, und den Magistrat auch nicht veranlassen könne, solches zu tun, über die Eingabe zur Tagesordnung über- zugehen. Genosse Pieper vertrat mit aller Energie den Stand- Punkt, daß die Versammlung wohl ein Recht habe, über städtische Baulichkeiten, zu welchen die Gelder der Steuerzahler verwendet werden, ein Wort mitzusprechen. Er schilderte in bewegten Worten, wie unrecht man die Freie Turnerschast gegenüber der Deutschen Turnerschaft behandele, und beantragte, das Schreiben dem Magi- strat zur Berücksichtigung zu überweisen. Natürlich war dieser Appell an die Gerechtigkeitsliebe vergebens. Der konservative Stadtverordnete Schob meinte, es sei bedauerlich, datz die Sozial- demokratie einen Keil in das deutsche Volk getrieben. Wenn die Sozialdemokraten sich nicht das Ziel gesteckt hätten, den Waat zu vernichten, dann würden solche Anträge, wie sie der Stadtvcrord- nets Pieper gestellt habe, mit Freuden angenommen werden. Ge- wiß habe die Freie Turnerschast dasselbe Recht, aber da sie Sozial- demokraten sind, müsse es ihnen verweigert werden. Der Vor- sitzende des hiesigen Reichsverbandcs, Stadtverordneter Bender, sprach sich ungefähr in demselben Sinne aus. Vergeblich war daö Bemühen des Genossen Pieper, die Mehrheit der Stadtverordneten für seinen Antrag zu getvinnen. Der rote Lappen hatte sie fast alle scheu gemacht. Der Antrag Piepers wurde abgelehnt. Folgende grössere Summen wurden dann von der Versammlung bewilligt: Wog M. für Auspslasterung der Böschung am Teufelsseekanal: Mg 000 M. für Grunderwerb zur Hcerstrasse: 990 000 M. zum Bau der Hafen-Anschlussbahii und der westlichen Industriebahn; 17 000 M. für Abänderung der Wasserdruckrohrleitung nach dem Ronnendamm; 23 000 M. für Entwässerung der Landesturnanstalt; 67 326 M. für Aufhöhung und Ehaussierung der Niederneucndorfer Landstrasse. Der Antrag bcS Stadtverordneten Schob, den «iriegsveteranen, welch« nur ein Einkommen bis 900 M. jäh''lich ifuutrt, die Genre i ndee inkomm ensteuer zu erlassen, sowie einige hierzu gestellte Anträge, diesen Erlaß auf Invaliden- und Unfall- rentner, sowie auf alle alteren Leute auszudehnen, werden dem EtatsauSschutz überwiesen.— Eine rege Debatte erhob sich bei der Vorlage betreffs Erbauung eines zweiten Wasserturmes. Diese Vorlage wurde sedoch in geheimer Sitzung zu Ende verhandelt. Jugeudveranstaltungen. Rbteklung Pankow-Nleder-Zchönhause». Sonntag, den 10. Schell: AuSfiug nach dem Gorin-See. Treffpunkt der Pankower Teilnehmer um 7 llljr an der Kirche, Treffpunkt der Schönhaufer Teilnehmer um TU Uhr am Heriha-Plah. Lille jugendlicher« Arbeiter und Arbeiterinnen find zu dieser Ver- anftaliunz freundllchst eingeladen. Der Jugend-AuSichutz Segel. Ei» Frühlingsfeft veranstaltet die Freie Jugendorganisation am Sonnabend, den lS. April, irr TrappS Festfälen(Inhaber M. Gamm), Lahiihofstr. 1. DaS Programm fetzt sich folgendermaßen zusammen: Prolog(Kollegin Martha BöKm), Festrede, Rezitationen(Kollege Karl Lupnitz), Liedervorträae(Frl. Margarete Fuchs), Chorgelänge(Gefangverein .Immergrün") und Konzert mit anschließendem Tanzlränzchen. Eintrittskarten sind zum Preise von 25 Pf. in Tegel bei den Kollegen Sehr. Schlieperstr. 74, Otto Krüger, Treskowstr.(5 I, Kollegin Halses, Brunow- straße 23, und in Borsigwalde beim Kollegen Karl Hahn, Ernststr. 3 ETI bei Härder, zu haben. Tie Kollegen und Kolleginnen haben zu dieser Per- anstaltung freien Eintritt. Wir bitten die Arbeiterschaft, unS bei dieser Der« anstaltung nach Kräften zu unterstützen und die Billetts von den genannte» Stellen zu entnehmen, da ein Verlauf an der Kasse nicht stattfindet. Rei»ictcndorf-Lst. Heute Sonnabend, den 9. April, findet bei Sadau, Residenzstr. 124, die Jugendseier statt. Freund« und Gönner sind herzlich enigciadca Der Luzend-Ausschuss. Gerichts-Leitung. Prozeß Kluge. Die Verhandlung im Prozeß gegen den früheren Angestellien der Firma Artur Koppel wegen Unterschlagung von 493 999 M. drehte sich gestern und vorgestern lediglich um die Frage der Zu» rechnungsfähigkeit des Angeklagten Kluge. Eins Reihe von Zeugen bekunoeten, er habe eine leichte Auffassungsgabe, schnelle Dispositionsfähigkeit und grosse Arbeitslust. Durchweg wird be- kündet, dass er sehr aufgeregt und nervös gewesen sei. Ein Zeuge nimmt an, Angeklagter habe an moral mssni«?(Moral-Wahnsinn) gelitten, weil er erzählte, dass seine Geliebte auch mit anderen verkehrte. Andere Zeugen meinen. Kluge sei das. was man im geloöhnlichen menschlichen Leben-meschugge" nennt. Man Habs von ihm gesagt:„Der hat noch etwas vom lützten Frost weg!" Der Barbier, der ihm im Gefängnis die Haare geschnitten hat, teilt mit, der Angeklagte habe ihm viel von seinem Spielsystem erzählt, bei dem er 5 Millionen verdienen könne. Er habe auch bemerkt, der liebe Gott habe ihm gesagt, er solle sich die Haare scheren lassen. Dass der Angeklagte dem Spielteufel ergeben war und häufig Berechnungen darüber machte, wie er unbedingt gewinnen müsse, wird vielfach bekundet. Zur Sprache kommt auch, daß der Angeklagte, um eigenartige Triebe auf sexuellem Gebiet, denen er vergeblich Herr zu werden versuchte, zu überwinden. einen Bertrag mit Gott abschloß, der unterzeichnet war:„Ge- nehmigt. Der liebe Gott." Die ärztlichen Sachverständigen gehen in der Frage, ob Zurechnungsfähigkeit vorliege, auseinander. Dr. Stürmer, Dr. Hoffmaim und Dr. Kortum meinen: Der An- geklagte ist degeneriert, ncurasthenisch und hysterisch. Aus der Hysterie erklärt sich feine Gottesvision; es findet sich in seinem Benehmen eine Menge Auffälliges; er sei geistig minderwertig, ober nicht znrechnungönnfKhig. Der§ bl des Strafgesetzbuches finde also keine Anwendung. Dr. Bernhardt, Dr. Edel und Dr. Ealmsohn haben Zweifel an der Zurechnungsfähigkeit des An- geklagten, gelangen daher nicht zu einem klaren Schluß, sondern sind der Ansicht, es liege ein ncrn liquet(nicht spruchreif) vor. Dr. Abraham hält den Angeklagten für geisteskrank und zu- rechnuagSnn fähig. Ter Staatsanwalt beantragte, den Angeklagten zu vier Jahren Gefängnis zu verurteilen. DaS Urteil erging dahin: das Gericht hielt den Angeklagten, der Spekulant und Spieler sei, für nicht geisteskrank im Sinne des ß S1 und ver- urteilt ihn zu fünf Jahren Gefängnis und fünf Jahren Ehr- Verlust unter Anrechnung von einem Jahr und drei Monaten Untersuchungshaft._ Schmiergelder? Wegen Annahme von Geschenken wurde der Werksiaitem- mristcr B. der Potsdamer Eifenbahnhauptwerkstätte von dem dortigen Gericht zu 499 M. Geldstrafe eventuell 49 Tage Haft verurteilt. B. hat dem Lackfabrikanten v. Unwerth die Gründe der Be- anstandungen des von ihm gelieferten Materials mitgeteilt und dafür in zwei Fällen mehrere„blaue Lappen", so ungefähr 799 bis bOO M., angenommen. Da er in semer amtlichen Eigenschaft die eingehenden Farbenproben zu prüfen hatte, hielt das Gericht ihn nach Z 831 des Strafgesetzbuches für schuldig. Der Staats- anwalt hatte 699 M. Geldstrafe eventuell 60 Tage Haft beantragt. In einem Falle, in welchem er für Mitteilung des Rezeptes für die Herstellung der Farben ebenfalls 709 M, vom Fabrikanten erhalten hatte, erfolgte Freisprechung. DaS Arbeitshaus als Rettung aus sozialen NSten. Ein etwa KS Jahre alter Invalide war vom Schöffengericht Erfurt wegen Bettelnö zu 4 Wochen Haft und Ueverweifong an die LanbcöpolizeiüchSrde verurteilt worden, weil er beim Bettel» er- wischt worden war. Arbeiten konnte der Mann nicht mehr wegen eines schweren BeinleidenS. Die Haftstrafe nahm der Mann an, gegen die Ueberweifnng legte er Berufung ein, zu deren Begrün- dung er am Montag vor der Strafkammer Erfurt ausführte, er sei erst am 14. August 1909 als arbeitsunfähig aus dem Arbeitshause entlassen worden und habe in letzter Zeit wiederholt in den Kranken- Häusern in Stadtilm, Gotha, Eisenach, Weimar und Jena zubringen müssen. Jetzt endlich habe er Aussicht, in ein Jnvalibenheim auf- genommen zu werden. Das Gericht ließ sich durch diese Elends- schilderung nicht erweichen, cS hielt die Acberweisuiig ins Arbeits- hauS aufrecht, weil, wie der Vorsitzende Landgerichtsrai Schettler — eine Leuchte der Ersuvter Konservativen— ausführte, der Gerichtshof die Ucücrzeugung hatte, datz der Angeklagte wohl imstande sei, leichte Arbeiten zu verrichten. Die in dem Urteil zutage tretende vollständige Unlenntnis der heutigen wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse ist wirklich nicht zu überbieten. Was müssen diese weltfremden Richter für einen Begriff von„leichter Arbeit" haben! Dieser Wcltfrcmdheit gegen- über ist doppelt bedauerlich, daß die Justizkommission neulich mit einer Stimme Mehrheit den Antrag unserer Genossen, Betteln aus Not straffrei zu lassen» abgelehnt hat. ErpressnngSversuch eines Landwirts gegen einen Postbeamten. Das Landgericht Stolp hat am 1. Februar den Landwirt Fritz Droop und seine Ehefrau wegen falscher Anschuldigung, Belcidi- gung Und versuchter Erpressung zu 2 Jahren bezw. 3 Monaten Gefängnis verurteilt. Die Frau erhielt eines Tages eine Post- anwcifung über 100 M. vom Landbriefträger K. ausgezahlt. Später behaupteten die Angeklagten, die Postanweisung habe über 400 M. gelautet, und verlangten unter Drohungen von K. respektive der Post noch 309 M. Erwiesen ist, daß die Postanweisung nur über 199 M. lautete, und daß der Angeklagte damals zu einem Zeugen gesagt hat. seine Iran habe nur lumpige 199 M. erhalten.— Auf die Revision der beiden Angeklagten hob am Donnerstag das Reichsgericht das Urteil wegen Beschränkung der Verteidigung auf. Ein Nachspiel zum Hamburger Schützenrummcl. Unter der Anklage der fahrlässigen Tötung stand am Donners- tag der Färbereibesitze: Heinrich August Tankwerth aus Hildes- heim vor vcv Strafkammer I zu Hamburg. Unter den Taufenden zum vorjährigen Bundesschießen in Hamburg erschienenen Schützenbrüdcrn gehörte auch der Angeklagte, der am 16. Juli durch Fahrlässigkeit den Kaufmann Albert Schmidt aus Gebesce bei Erfurt erschossen haben soll. Als D. auf dem Stand 46 einige Schüsse abgegeben hatte und erneut anlegte, wurde ihm Halt! zu- gerufen. Er legte das Gewehr auf die Brüstung, von der cs durch eine Erschütterung zu Boden fiel und sich dann entlud. Der Schuß ging dem am Stand 45 stehenden Schmidt in den Leib und ver- ursachte den Tod des im besten Mannesalter stehenden Sch. Die Angehörigen des Erschossenen haben Zivilprozessc gegen D.. sowie gegen den Deutschen Schützenbund und die Hamburger Schützen- gesellschaft angestrengt. Diese sind bis zur Erledigung deS Strafverfahrens ausgesetzt. Der Angeklagte bestritt, fahrlässig gehandelt zu haben und führte das Unglück auf irgendeinen äußeren Umstand zurück, den abzuwenden nicht in seiner Bkacht gelegen habe. Unter den vielen Zeugen und Sachverständigen befanden sich viele„pro- minente" Personen, darunter auch Kommerzienrat Körting-Han- nover. Die Meinungen der Sachverständigen gingen auseinander. Einige erklären, sie würden ebenso gehandelt haben wie der An- geklagte, andere bezeichnen es als eine Fahrlässigkeit, das geladene Gewehr aus der Hand gelegt zu haben. Der Staatsanwalt führte aus, daß man für den Angeklagten das größte Mitgefühl haben könne, aber doch zu seiner Verurteilung wegen Fahrlässigkeit kommen müsse. Sie bestehe zweifellos darin, daß er das geladene Gewehr aus der Hand gelegt und es nicht in den Augen behalten habe. Der Antrag lautete auf 2 Monate Gefängnis. Das Gericht sprach den Angeklagten frei. Seine Tat grenze wohl nahe an Fahrlässigkeit, doch sei eine solche nicht völlig erwiesen. Nachbildung von Grammophonvlatten ohne Erlaubnis unzulässig. Das Urheberrecht gewährt für die auf einer Grammophon-� platte enthaltenen Musikstücke und Vorträge keinen Schutz; eS schützt nur das persönliche Recht des Autors. Dennoch ist in einem jetzt vom Reichsgericht entschiedenen Prozeß der Anspruch auf Schutz gegen Grammophonplatten gegen Nachbildung mit Erfolg auf Grund der ZI 823 und 826 des Bürgerlichen Gesetzbuches erhoben. Klägerin ist die Deutsche Grammophon-Aktiengesellschaft in Berlin. Sie hat gegen die Beklagten I. in Leipzig und A. in Berlin Klage erhoben, da diese Schallplatten vertreiben, die den von ihr unter vielen Kosten hergestellten nachgebildet werden. Diese Möglichkeit bietet sich durch die Erfindung eines gewissen W., der es versteht, die Platten durch ein Abklatschverfahren genau so her- zustellen, daß sie dem Klange nach sich nur wenig von den echten Platten unterscheiden. Die Klägerin hat deshalb gegen sämtliche Beklagte, die die nachgeahmten Platten in Deutschland und auch in Rußland verbreiten, eine einstweilige Bcrfiigung erwirkt und auch Klage auf Schadloshaltung erhoben. Das Landgericht Leipzig hat in der einen Klage und da» Landgericht I Berlin in zwei weiteren Klagen die einsitveilige Per- fügung, die die Herstellung von Kopien der Grammophonplatten untersagt, bestätigt. Das Oberlanbeögericht Dresden und das Kammergericht Berlin haben die Berufung der Beklagten zurück- gewiesen. In den Entschcibungsgründcn, die im wesentlichen über- einstimmend lauten, wird dargelegt, welche erheblichen Summen die Klägerin auswenden muß. um solche Musik- und Gesangsvor- träge auf die Platten zu bringen. Einzelne Sänger bekommen jährlich 29999, Earuso 39 999 M- Ebenso müsse sie tüchtige Auf. nehmer mit 15—29 999 M. jährlich honorieren. Auch komme es vor. daß viele Aufnahmen mißlingen, so daß die Platten reichlich geistige und körperliche Arbeit und großes Kapital verschlängen. ES verstoße deshalb wider die guten Sitten, wenn die Beklagten diesen Aufwand der Klägerin für sich ausnützen und die Platten kopieren. Es sei mit den guten Sitten im menschlichen Verkehr nicht verträglich, die Arbeitsleistung und Tätigkeit des anderen für den eigenen Vorteil zu verivenden. Das Kammergericht zu Berlin führt in dieser Bezichung besonders aus, dass deshalb der Z 826 des Bürgerlichen Gesetzbuches verletzt sei, weil eS sich um eine Nachahmung unter erschwerenden Umständen handle. Ob auch andere so verfahren, sei unerheblich, da die Ausübung einer ttn- sitte diese nicht zu einer erlaubten mache. Das Reichsgericht ist am Donnerstag diesen Ausführungen der Vorderrichter beigetreten und hat die von den Beklagten ein- gelegten Revisionen zurückgewiesen. Damit ist die gewerbsmässige Nachbildung von Grammophonplatten als verboten anzusehen. Vermiledtes. Ei» Nuslvandererschiss in Brand. Der mit 999 grösstenteils russischen, armenischen und Monte- negriniichen Auswanderern auf der Fahrt nach Portland(Maine) befindliche englische Passagierdampfer»Caimrona" geriet, wie ein Telegramm aus London meldet, im Aermelkanal auf der Höhe von Beachy Head gestern mittag in Brand. Der schwedische Dampfer -Upland" und der Passagierdampfer„Kanawha" nahmen die Reisenden auf und brachten sie nach Dover, wo sie nachts eintrafen. Auch die „Cairnrona" ist in Dover eingetroffen. Ihr Kapitän berichtete, daß daS Feuer sich unter Kontrolle befinde. Ans den Mitteilungen der Passagiere geht herbor, daß eine Explosiou in den Kohlenbunkern die Frauenabteilungen zerstörte, wo- durch ein Kind getötet und mehrere Frauen schwer verletzt wurden. Die bestürzten Auswanderer eilten jammernd und schreiend ans daS Verdeck. Der Schrecken wurde durch die aus dem Innern des Schiffes dringenden dichten Ranchmassen und die fortwährenden Explosionen noch vermehrt, von denen die eine im Maschinenraum stattfand und neun Man» der Besatzung getötet haben soll. Das Uebernehmen der Pasiagierc auf die zur Rettung herbei» geeilten Dampfer gestaltete sich äußerst schwierig, da die Auswanderer infolge ihrer Angst nicht zu regieren waren. Vier von ihnen fielen bei dem wilden Drängen ins Wasser und konnten nur mit Mühe gerettet werden. Viele Männer, die im Getümmel sich mit Gewalt vor die Frauen zu drängen suchten, wurden von den Matrosen zu Boden geschlagen. Die Seeleute von der„Upland" und„Kanawha* sowie die Mannschaft der„Cairnrona", die an Bord blieb, zeigten große Bravour. Etwa 499 Schiffbrüchige sind in London eingetroffen, wo die Vertreter der Dampfergesellschaft für ihre Unterkunft sorgten, während die übrigen in Dover blieben und sich wahrscheinlich an Bord der „Cairnrona" nach London begeben werden. Die Eisenbahnkatastrophe in Mülheim. Am Mitttvoch fand an der Stelle, wo das Eisenbahnunglück sich ereignete, eine Untersuchung statt, wozu auch der verhaftete Lotomotiv- führ« Garbs-Osnabriick hinzugezogen wurde. Dieser beteuert, wie ans Mülheim gemeldet wird, nach wie vor seine Unschuld an dem Unglück. Im Untersuchungsgefängnis hat GarbS einen genauen Plan der fraglichen Eiscnbahnanlagen, Ueberführungen, Gleise usw. entworfen. In dem Kölner Hospital befinden sich zurzeit noch einer der schwerverletzten Soldaten und der schwerverwundete Schaffner. Im städtischen Krankenhause liegen noch 28 Soldaten, die übrigen haben inzwischen Aufnahme im Garnisonlazarett in Köln gesundem Ueber eine Bluttat wird auS Frankfurt o. M. folgendes ge. meldet: Gestern abend drang in die in der Vogclsderger Straße belegene Wohnung des Ehepaares Wellcr der Schreiner Becker ein, der 39jShrige Bruder der Ehefrau. Er flach beide Eheleute nieder und flüchtete dann, wurde jedoch im Hofe verhaftet. Die Eheleute find schwer verletzt, die Frau dürste kaum mit dem Leben davon- kommen. Der Täter behauptet, im hypnotischen Zustande gehandelt zu haben. Die Raubmörderin vom Spreewald verhaftet. DaS geheimniS» volle Dunkel, daS sich bisher über den Mord im Spreewald breitete, ist.jetzt völlig gelichtet worden. Der Polizei ist eS gestern gelungen, die 19 Jahre alte Mörderin Breitgoff festzunehmen. Die Wer« mutung, daß sie sich von Frankfurt a. M. aus nach ihrer Heimat be- geben habe, hat sich bestätigt. Die Polizei ermittelte sie gestern in Saarlouiö und verhaftete sie. Die jugendliche Mörderin wird zur Aburteilung nach KottbuS gebracht werden. Der Hauptmann von Köpenick in Amerika. Wie aus New Dork gemeldet wird, sucht daS EinwanderungSomt den in den letzten Tagen angekommenen Hauptmann von Köpenick, um ihn aus- zuweisen._ Freireligiöse Gemeinde. Sonntag, den 10. April, vormittags 9 Uhr, Pappel-Allee 15—17: Freireligiöse Vorlesung. Vormittags 11 Uhr: Kleine Frankfurter Strasse 6: Vortrag von Frl. I. Altmann:»Vater» landsliebe und inleniationale sreireligivse Bewegung." Damen und Herren als Gäste sehr willkommen. Freie Jugendorganisation. Abteilung XX. Sonntag, den 10. April, nachmittags 3 Uhr, bei Emil Schulze, Förster Str. 17: Versamm- lung.— Abteilung XXll. Sonntag, den 10. Zlpril, nachmittags 3 Uhr, bei Felix Gahn, Lausitzer Platz 12: Berlammlung.— In beiden Bersamvr- lunaen: Bortrag üter»Zwecke uud Ziele der sieien Lugcndorganisation". Gäste willkommen. Bcrein der Freidenker für Fenerbestattnng. Montag, den 11 April, abends s Uhr. im Restaurant PH. Hummel, Sophienstr. b: Mitglieder. Versammlung. Allgemeine Kranken, und Stcrvekaffe der Metallardeiter (E. Q. 23. Hamburg). Filiale Berlin 6. Sonnabend, den g. April, abends Uhr, bei Grunow, Dragoncrstr. 15: Mitgliederversammlung.— Filiale Berlin 7. Sonntag, den 10. April, vormittags 10>/, Uhr, bei Hossmann, Pasewalkcr Str. 3: Mitgliederversammlung. ßnefhaften der Redahtton. Sie jurlftis»« Svrechftnnd« finde» Lindeasteaste Ar. 09, dorn die» Treppen— Fahrftnhl—, wochenlnglich von S>/, btS 7'/,»de abrud» halt. Jeder«nfrage ist et» Buchstabe und eine Zabl alb Merkzeichen beuufiige». Briefliche Antwort wird«ich» erteilt. Eiltge Fraocu trog, man in der Evrechstuud« vor. R. P. St. Anverwandte von HauSbeivohnern haben- da» Recht, da! Hau» zu betreten. Der Portier hat sich, soweit aus Ihrer Sachdarstellung ersichllich, nicht strafbar gemacht. Der Hausbewohner muss sich, falls Hwder» nisse gemacht werden, an den Eigentümer wenden.— H. M., Erasmus» straste S. 1. Nein. 2. DaS hängt vom Ermessen der Stadt ab.— Eöthenn. 9999. 1. Ja, falls Ladung erfolgt. 2. Sosern der Lohn 28,85 M wöchentlich übersteigt. 3. Ja, die Frau die Hülste des Betrages. Sie uud Ihre Frau schützen sich davor, wenn beide aus der Landeskirche ausscheiden. — E. K. 14. Wenden Sie sich an den TranSportarbeitervcrband, Engel» U'er 14/15.— K. H. 74. Der Stand bezw. die Lebenshaltung der Mutter sowie der Ort, an dem das Kind erzogen wird, sind sür die Beurteilung der Höh« der Alimente massgebend. Der DtmfstchnitiSsatz für Berlin ist 20— 2Z M.— Pfeffer 4. Sie können Klage bei dem für den Wohnsitz deS Schlossers zuständigen Amtsgericht auf Herausgabe der Moschine oder Ersatz deS Wertes erbeben.— A. 14. 24 Pf.-Marken.— 8. 24. Die Forderung können Sie ohne Zuhilfenahme eine» Rechtsanwalts ausklagen. Mmtlichcr Marktbericht der städtischen Marktballen-Dtrektion über den Großhandel in den Zentral-Marttballen. Marktlage: Fletsch: Zufuhr genügend, Gefchäfl lebhast, Preis« unverändert. Wild: Zufuhr sehr schwach, Geschäft ruhia, Preise gut. Geilügel: Zufuhr ziemlich reichlich. Geschäft rege, Preise gut. Fische: Zusuhr genügend, Gelchäst ruhig. Preise wenig verändert. Butter und Käse: Geschäft ruhig, Preise unverändert. Gemüse, Obst und Südfrüchte: Zufubr reichlich, Geschäft fehr still. Salat und Gurken fast unverkäuflich, Preise wenig verändert._______ WitterungSnberllckit vom 8. April 1919. morgens» Uhr. Wetterprognose für Sonnabend, den S. April 1919. Ein wenig kühler, zeitweise aufklarend, vorwiegend trübe mit geringe» Niederschlägen und ziemlich frischen nordwestlichen Winden. Berliner Wekterborra» Wafierstan da.Rachrlckiteu der LatideSanstalt sür Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berliner Detterbureau. ')-f«edvNet vuch«.— Fall.—•) UnferpegN. fltozahiunssBeschSfto J Gredit-Haus Moabit TurmstraBe 55, Ecke WaldstraQc geTräiirt jedem bei spielend leichter An- nnd Abznhlang mehrjahrlaen Kredit auf Waren und MSbal. LBbascher,S.i CredUtaaus nsHi Oebr. Weber. JS'eue Köaigetr. 68. Spandau�ots- damerstr. 43 1. koaluiestes> Fl. DrrenhnimRr H Sehönebg�Koionncn- nUiCllucLiicItln.! etr. t am Rinebahnb. Fritz Scönicke Weber, Herrn., Danzigejstr. 781. 'M~ ithaier U Rosenthak Uli. Stra£o 13. Zutraun&Co. LS oÄr10 best.» 1887. MöSs!- ,. aiBUIekt War«!. ��Ikoholtrel�*Betr3nS«e} Frauz Abraiiam Hamb. Ma�fna- u. Röniertrank-Keü. N-«, SeVfbgelstr. 9, Fcrnspr. III, 7727. ftarz, Krz,',««,»ßvinage& Co., •JVje orause Landsberger Str. So. Ooldtröptchen H. Xee»©, Mülhausener Str. S. —— rernrul $!•$! Erasl Kruger, G.m.b.H., Höchste St. 28. Sioalco(Bilzbrause) Gen-Vertreter QttO StEPiCk NO, Landsberger Allee 6/7. Femruf VII. 1666 and 1561-- Bettet aftebetfreiet 6etränk. BerHiiO.,Radolfttr.4 { ApbaHer-BekleldMna j Höhnen EJaring ÄÄ«; Landsbg.AlleeliS, Rixd-.Bergstr. 65. �B�ekereien�ondHorelnn� ElaeahaltKraflbrot,.ieit pna.» imi.«p( J i.s.p.,,Feronla*i�UMk«nkvJ Jfd. Klufer I Brotkorb, bei 100 eine Uroidoee. j Berlin und Tororte ce. 2000 Kiederliceo 1 Uloiuiser Fabrikant: Gebr. Hajen JTachfp J Max Hagen, DalldorferstraBe lg. f * ßslar iaifi's BnüM 8 73 OescHane in allen Stadtteilen Berlin« and in Rixdorf. s Geerttndet 1802. Haukes ßrotbäckerei lab.: Panl Hanke. =2 Ilden in allen Stadtteilen.= Herders, Panl, Amaterdameratr. SS. Utrechterstr. 17. Burgdorfstr. 14. Kunze, Grofs-Bäckerei Berlin N.. Pankow, WeiHonsee. Ens«. Job., Lu&b.Str. 17 Etkcnaniwlr., Pailisadenstr. 28, WtBmannatr. 4,1. Mache, Carl,5!�*�- Bamaritarstr., Ecke Frankfurt. Allee. Proskaucrstr. 31. Voigtatr. 30. Waldeyerstr. 1. Grflnborgeratr. lt. StraBburgerstr. 38. Franseckystr. 16. Peter's Gross-ßackerei In allen Stadtteilen und östlichen Vororten; über 60 eigene Geschtfte. 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(Ohne Gewähr.)(Nachdruck verboten.) »»7 Iii 777 910 1 061 79 120 62 431 83 507 33 786 37 *61 2 027 64 72 99[400] 818 638[400] 64 689 3039 67 233 3« 666 916(400) 97 4039 151 259 307 937 70 5019(400) 39 117[400] 836 431 637 609[400] 83 885 1 083 150 81 31» 638 62 648 8 5 966 82 7lil 298 390 774 84»St 8033 101 223 49 409 840»65»4 8361{4W] 332 63[600)«3 73 480 763 SSO 1050*1 59 652 642»53 11197 62» 49 6« 45 99 761 869 908 95 125!» 46? 574 668»9 93 094 1 3869 59t 621 808 51 917 1 4077 430 539 651 15069 100 42 373 740 16093 862 557 641 711 13 1 7087 97 45» 69 76 824 89 t» 985 1 8130 402 66«»1 919 SS[000] 10161[400) 476 613 83 688 732 963 3O013 47 421 738 956 2 1011»8 215 30»53 446 578 *25 2 2 203 28 315 422 508 688 709 2 30flt 233 69 595 801 24063 141 326 108 628 29«26 48 60 25044 123 323 510 11 17 18 91 639[ 400) 84 963 2 8244 861«64 633 96 636 803 IlOCO) 27205 59 317 468«8 699 775 884[600] 89 917 >4 66 2 8:96 641 934 2 0973 129 UDO) 89 471[400] 671 IM 920«8. 30114 09 513 834 679«16[400) 71 3 1080 205 370 «1» 814 948 32193 33089 207 2« 40« 676 733 3 4327 557 95 617 4 4 814 6 1 78 920[400) 35126 92 292 335 92 500 967 994 3 6069 289 346 84 490 79« 37007[500] 194 313 £1 84 485 686 915 38110 11 488 621 674 3 0093 US 200 6 7 751 9�5 40434 65 702 900 11 41120«18 42284 350 658 78 «54 49[1000) 883«7 988 4 3009 406 627 768 864 4 4066 15« 230 74 93 326 6» 499 670 874 990 4 5288 441 818 61 46133 SS 22 1 76 1 4 7305 63 4«3 4 8023 132 28» 06 463 71 719 63 873 4 0262 809 45 Sil 50572 379 89 91 494 543[400) 74 818 904 511« 8» 260 543 601[500] 830 5 2003 137 470 747 831 939 53018 83 57 184(ICOOl 326 549 679 717«85 90 5 4477 626 767 864 917 28 5 5 440( 500) 767 935 63 5 6039 163 (500) 829 843 5 7027 333 457 74 5<« 624 862«29 47 »»«SO 718 50288 427 58 530 44 687 95 869«02 60032 115 410 691 855 6 1 350 618 33 900 6 2038 TT 471 534 707 6 3 035 116 7 7 6S0 831 43 6 4278 ISO 664 £68 74 6 5430 CVS 7 16 68253 573«3» Sil 93 67009 27 387 53» 731 834 SO 68«B 31 291 569 740 54(300) 67 800 «7 60143 46 400 588 69» 833 70140 57» 984 71110 240 417 81»4«1 791 820 41 14001 970 7 2072 210 91 433 611 84« 73 020 23 237 397 51, «54 7 4019 79 886 478 623 812 7 5077 292 581 459 7 6008 74 192 461 79 95 509 39 53»99 729 915 91 77275 466 743 £8 96[4001 801 34 067 7 8018 171[400) 224 370 43« 568 ■8 719 13[4601 843 005 99 70151 206 46» 80005 167[400) 245 83 9» 99 421 26 698 764 880 «1083 3 26 49 73 88 489 803 637 49 82183[600] 540 6t7 «8 91« 83104 93 438 8«0 84019 1«4 647«05 79 86138 413 504 622 051 86051 178 95 293 324 580«03 814 87123 353 6« 330 540 814 62 88491 533 8 9183 172 900 57 87 •16 751 873 831 00068 265 443 600»0 58 986 O1013 SO 114 24, CS «55 70 483 C74 869[5001 947 9 2038 65 125 7 7 209[400] SOS 15 80 611[5001 929 03111) 7« 303 8» 488 610 707 ffJOOO) 70$03 30 9407« 185 265 425 70 95127<7 366 4i4 48»54 682 899 0G086 26« 790 SSO 07122$1 375[15 000) 43, 91 530«57 819 0 84», 53» 761 00345 481 007 100075 150 221 319 39 45 479 507 38[400] 628 63 «43 1 0 1 615 7 9 645 734 820«31 62 83 1 02194 251 321 «8 73[400) 452 665 83 753 922 1 03079 181 498 511 23 «5«5«35 1 04097 318 21 60» 95 747 1 05155 248 315 647 93«43 100811 43 943 57 1072IN 78 381 583 663 (4001 807 9 108694 1 09 273 410 094 704»10 11O101 10[400) 287 52» 753«25 27 8» 111015 21 4t 140 80 362[4001 45»«45[ 400) 728 90 113504 7«? 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Kl. 222. Kgl. Preuss. Lotterie. Ziehung vom 8. April, nachmittags. -Kilf die Gewinne Uber 192 Mark sind den betreffenden Nummern in Klammem beigefügt. (Ohne Gewähr.)(Nachdruck verboten.) 188 822 79 83 690 794 665 1 033 159[400] 224 47 308 «2 418[ 500] 620 920 81 2015 512 600 73» 99« 327U 335 883 4083 354 659 900 S2>3 607 80 7S? 896 0009 270 301 50 419«5[ 3000] 508 7 355 398 70« 920 8 234 335 59 80 4,8 69 7 2 670 828 37 039 9007 279 319 57 874 723 856 1O033 108 47 54 247 4i6 517 83 656 84 768 801 11108 «3 651 62 649 970 93 1 2275 495 598[400)«38 76» 91 1307« 186 533 63 421 24 63 504 935[400] 38[400) 94 14283[5000) 309 439 813 42 931 15355 42« 544 633[üOO] 741 815 91 16128 245 305 8 45 65 135 54« 17174 622 733 67»00 U 18063 141 73 214[190] 540 663 743 875 19141 492 521 75 617 63 20083 401 21448 72 513«92 733 882 950 91 2 2019 47 691 2 3 361 70 598 751 88 812 914 2 4008 220 891 483 RS 52« 729 837 BS« 25227«60 930 65 2 0392 500 4 731 909 2 7051 76 ,90 147 54« 73 80 624 878 953 2 8006 31 [1000] 433 40«15«3 808 814 2 9038 IT« US 394 504 »42 877 30422«05« 81 744 981 38 31153 353 78 80« 12 28 77 32118 325 407 50 621 96 824 3 3l0« 41[500] 311 704 33 823 4 3 3 4024 171 97 696 803 53»19 3S135 344 95 423 55 933 77 3 6365 428 50 643 776 3 7152 287 523«60 86Ö 3 8046 257 448 610 975 3 9231 40 7 338 94 457 548 65« (63 91 4O07S 76 10» 7 790 930 46 4 1013 567«38 761 819 902 4 2089 147 313 43 65 429 61 598 733 800 89»77 86 43081 162<19 62« 28 824 75 985 4 4011 16 ,11 72 51« 629 877 4 5021 105[1000] 3» 330 492 767 WS 46069 100 21 24»«3 408 650 78 608 42 4 7373 81 88 912[500] 57 48189 343 582 81 87 617 855 60 40 US 349 79 447 683 £65 81 5 0211 662[400] 805 900 5 1037 324 603«97 781 52150 456 658 744 895 953 82 53278 8« 810 430 792 882 5 4090 1«7 206 330 653 73 9 4 809 954 65 5 5 461 695 641 70 799 5601«[500] 570 705(100) 63[WOJ«SS 37015 328 85 661 915 45 5 8067 90 111 46 67 76 205 613[10000] 81 798 962 86«9 5 9067 401 8 10 500 55 704 806 60185 287 419 501 8«46 6 1 37« 490 541[1000] 71» 62135 312 52 544 82«70 916 18 63415 80[500) 655 671 738 7 7 637 47 6 4504 819 24 6 5083 353 689 6 6685 913 73 6 7025 503 795 800 70 900 63 6 8543 636 721[400] 868 «3 75 6 9088 152 221 304 39 41»«84[400] SCO 76163 78 410 2 7 609 7 7 720 85 850 53 900 63 71 7 1 070 182 275 335«42 907 49 7 2538 8-47 950 7 30C0 202 WS 450 «1 570 74103 91 255 432 91[600] 691 611 958 7 5179 393 619 83 523 7 7 878 982 7 6010 181 239[400] 45 375 413 608 829 928 7 7010 196 217 84 534 648 75» 70 866»85 7343, 61 552 799 804 911 7 0019 58 123 74 81 203 13 429 [400] 733 80132 91 398 451 63« 51, 81 021»90 471 607 766 821 82107 68 314 474 550 73«31 83158 265 559 627 00«15 8409« 113[400] 50 482 734 981[400] 85043 207 95 369 471 624 76 92 801,0 271 93 558«50 856 87,34 420 522 29«5 703 893 90-4 70 8 8 435 87 762 80 89S30[400] 90ü82 321[500] 455 533 83 621 751»47 92 91210 [400] 47 751 9 2045 156 242 513 777 800 9 3 293 572 75« 962 9 4011 124 2 7 54« 6C0 703 53 92 834 9 5375 551 63 820 940 9 0048 84(400) 1,0 60[5000] 578 637 41 727[400] 919 97,81 408[400] 97 671 780 4 6 98,41 414 69 537«02 [400] 99111 360 528 03 6,5 752«5 70 95 968 100142 217 320 33 91 431 574 695 717«1« 1O100] 8 150 264 646 736 817 915 48 60 94 1 02 469 702 826 885 85 lOSOCS 283[400] 431 717 40 846 910 104033 89« UOO] 487 621 727 839 42[400] 1O5093 163 619 P94 929 1 00078[ 500] 102 1, 27 298 485 578 911 107559«43 718 1 08018 99 237 58 330 68 95 405 43 562 603 22 845 92 281 109057 297 400 509«3«M 74 9»»47 110944 63 166[400] 99 ,41 354 66» 9«« 111143 744 881 87 112000 37 96 152 61 95 229 674 623 738 818 [400) 17 039 1 13l55 215 402 683[1000] 768 94 804 114010 78 190 93 528 614[400] 874[1000] CS 115068 138 248 320 482 664 761 931 56 110034 205 431 579 723 56 9« 117158 695 714[400] 917 118059 263 439 80 £83 119202 tlOOO) 95 508 03[400] 120163 294<19[ 500] 86 617 78, 121,30 342 453 526 89 833 1 2 2 761 979 1 23103 65 357 64 77 545 855 04 1 24195 894[ 500] 480 638«0[400] 934[ 400] 125052 65 212 32 486 706 826 923 1 20355 SOS 418 70 88 669 762 097 1 2 7 057 230 682 79« 985 1 2 8039 69 812 80 49 436 507[500] 68» 79» 923 1 29124 28« 357 «47 93 130001 177 563 60» 78 15» 868[400] 131001 807 15 441 595 737 1 3 2 319 ,6 722 69 1 3 3 252 812 429«00 26 863 UOO] 998 134024(500] 13« 203 49 433 39 75 87 770 82 515 81 13 5055 190 442 543 703 98« 95 >1300«! 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Für kn gnjeratentejl ctrroteÄ Tif.Alvckt, Berlin. Druck U« VerlSgiWiuivärt« Luchdruckerei u. LeilagSanftalt Paul Singer& Co.. SBtrlin SW. Nr. 82. 27. Jahrgang. 4. KeilU des Jöruirts" Kerlim fliiMiitt. Sonnabend, 9. April l919. �us Industrie uncl Nanclel. Unzuverlässigkeit der Tuberkulinprobe. Zu den jüngsten Vorgängen bei der dänischen Vieheinfuhr ver- öffentlicht das Organ des Deutschen Flcischerverbandes einen Ar- tikel, worin u. a. gesagt wird: Jedes Jahr stellt das Reichs-Gesund- heitsamt fest und weist mit Sperr- und Fettdruck darauf hin, daß von je 100 als der Tuberkulose nicht verdächtig aus den Ouaran- täneanstalten entlassenen Rindern bei der Fleischbeschau in den Schlachthäusern 30 bis 50 Proz. und mehr tuberkulös befunden wird. Umgekehrt haben gleich noch Einführung der Tuberkulinprobe im Jahre 1807 bis zu 75 Proz. der eingeführten Tiere auf die Tuberkulinprobe reagiert, während nur drei bis vier Fünftel der auf die Probe reagierenden Tiere bei der Schlachtung sich als wirk- lich tuberkulös erwiesen. Nach beiden Seiten hat die Tuberkulin- probe also versagt, sowohl bei der strengen Durchführung wie bei der milden Durchführung: einmal reagierten mehr Tiere als tuberkulös waren, das andere Mal nur der 30. Teil der tatsächlich tuberkulösen Tiere. Kann eine Regierung, die auf die Wahrung ihres Ansehens hält, derartige Massnahmen unter dem Vorwande einer Veterinären oder sanitären Prophylaxe vertreten? Niemand Wird hierauf mit„ja" antworten können. Aber es hat eines erneuten Vorfalles bedurft, um diese Binsenwahrheiten nochmals ins Gedächtnis zurückzurufen. Trotz der vom dänischen Ministerium zugestandenen Erleichterung hin- sichtlich der Wiedereinfuhr der in Deutschland zurückgewiesenen Tiere nach Dänemark— die bisher verboten war— läuft die Vieheinfuhr Gefahr, aufgegeben oder doch in andere Bahnen gelenkt zu werden. Die„Verhinderung der dänischen Konkurrenz", wenn wir die Tuberkulinprobe rücksichtslos als solche ansprechen wollen, wird nicht erreicht. ES ist ja nicht verboten, tuberkulöses Fleisch nach Deutschland zu transportieren, es wird bei der Grenzbeschau ledig. lich unter die entsprechenden Kontrollmassnahmen genommen, im übrigen nicht behindert. Warum nun die törichte Idee, die Ein- fuhr von Schlachtvieh, das aus die Tuberkulinprobe reagiert, zu beschränken— zumal eine Uebertragung der Seuche auf in- ländisches Vieh infolge der getroffenen Vorsichtsmaßregeln gänzlich ausgeschlossen ist? Dabei handelt es sich durchaus nicht um Vieh, das in auffälligem Masse tuberkulös ist, sondern um Vieh, das nicht besser und nicht schlechter ist, als unser deutsches Vieh. Der höchste Prozentsatz der tuberkulösen Tiere war im 3. Vierteljahr 1009 34,5. Berücksichtigt man nun, daß die dänische Vieheinfuhr zur Hälfte aus Kühen und nur zu etwa 3 Proz. aus Ochsen besteht, das übrige Jungvieh ist, so wird man dieses Ergebnis nicht tragisch nehmen können. Von den in Berlin geschlachteten Kühen erwiesen sich im Jahne 1907 59,0 Proz. tuberkulös, in Schleswig-Holstein 45,3 Proz., im Königreich Sachsen 44 Proz., während der Reichsdurchschnitt sich für Kühe auf 29,02 Proz. stellte. Für Rindvieh aller Gattungen betrug der Tubcrkuloseprozentsatz im Reich 1907 21,21 Proz., hier- über ragt indessen das Königreich Sachsen mit 38,27 Proz., Berlin mit 34,22 Proz., Schleswig-Holstein mit 34 Proz., Sacbscn-Alten- bürg mit 32 Proz. erheblich heraus. Von den in öffentlichen Schlachthäusern geschlachteten Rindern waren im Jahre 1907 sogar 27,40 Proz. tuberkulös. Es liegt somit nicht der geringste Grund vor, auf den Gesundheitszustand des dänischen Viehes mit Gering- schätzung herabzublicken, sondern es handelt sich um Vieh, das dem unseligen durchaus gleichwertig ist.— Diese Angaben bestätigen, dass es sich bei dem Vorstoß gegen das dänische Vieh um eine agrarische und nicht um eine hygienische Massnahme handelt. Nur scheint das Mittel dem Zwecke nicht zu entsprechen._ Das Ende einer Harmonicillusion. Im vorigen Jahre trat einer der reichsten Schiffsbauunter- nehmcr Englands, der liberale Abgeordnete Sir Christopher Für- netz, mit einem neuen Plane der Gewinnbeteiligung hervor. Damals wurde Furneß nicht nur von der ganzen bürgerlichen Presse als Wohlttäer der Menschheit gefeiert, auch ein großer Teil seiner Arbeiter in den Schiffswerften von Hartlepool begrüßte das neue System. Heute ist dieser Traum ausgeträumt. Eine Urabstimmung, die unter den Arbeitern kürzlich über die Frage vorgenommen wurde, ob das System weiter aufrechterhalten werden solle, ergab eine Mehrheit gegen dessen Fortsetzung. Nach dem Plane sollten von jedem Arbeiter eine Anzahl Anteil- scheine übernommen und durch Lohnabzüge bezahlt werden. Außer den gewöhnlichen Dividenden bekamen die Arbeiter noch 4 Proz. ihres eingezahlten Aktienkapitals als Zins garantiert. Demgegen- über bedang sich Sir Christopher Furneß bloß die Kleinigkeit auS, daß— die Arbeiter unter leinen Umständen streiken dürften. Es wurde ein ArbeftSrat eingesetzt, dem auch die Vertreter der Gewerkschaft angehörten. Alle Streitigkeiten sollten von ihm geschlichtet werden. Zu Fragen der Geschäftsleitung oder des Betriebes hatten natürlich weder der ArbeitSrat, noch die Arbeiteraktionäre ein Wort zu sagen. So hatte sich der pfiffige Sir Christopher den Plan zurechtgelegt, der den Frieden in seine Werften bringen, den Arbeitern einen mächtigen Ansporn zur Anstrengung aller ihrer Kräfte geben, und obendrein noch seinem Unternehmen neues Kapital aus Arbeitergroschcn zuführen sollte. Das Klassen- bewußtsein der englischen Arbeiter läßt manches zu wünschen übrig; die bitteren Erfahrungen eines Jahrhunderts haben ihnen trotzdem längst ein gesundes Mißtrauen gegen Kapitalistengroßmut eingeflößt. Wenn die Schiffbauer von Hartlepool den Vorschlag von Furneß im vorigen Jahre mit Freuden begrüßten, so deshalb. weil er ihnen den Glauben beizubringen wußte, die Garantie gegen das Vorkommen von Streiks werde der Firma viele neue Auftrage und damit den Arbeitern reg cl mäßigere Arbeit verschaffen. Diese Erwartung der Arbeiter hat sich nicht erfüllt. Die Arbeits- losigkcit hat sich nicht vermindert. Trotz der schlauen Pläne Sir Christophers wird der Arbcitsmarkt von denselben Faktoren be» herrscht und bleibt denselben Schwankungen unterworfen wie früher. Die schlechterbezahlten Arbeiter mutzten in Zeiten des Arbeits- mangels hungern, manche von ihnen gar ins Armenhaus gehen, während ihr für Anteilscheine eingezahltes Geld in der Kasse des Unternehmers lag. Außerdem klagen die Arbeiter darüber, daß sie seit der Durchführung des Planes bei der Arbeit übermäßig angetrieben würden. Hinzu kommt noch die offene Feindschaft der Gewerk- aften gegen die Gewinnbeteiligung. Die organisierten rbeiter haben schnell bemerkt, daß diese„Kooperationen" zwischen Arbeiter und Kapitalisten eine Gefahr für die Gewerkschaften sind, weil sie die Arbeiter solcher Betriebe ihren Genossen entfremden, engherzig und kampfunfähig machen. Die prganisierten Schiff- baucr, die noch nicht unter diesem System gearbeitet haben, sprachen sich denn auch jetzt mit überwältigender Mehrheit dagegen aus. Die ärmer. sozialen Friedensapostel sind um eine teuere Illusion OOODOOOOOOOOOX�OOOCXfcCXXSOOOCXyCXJOOOOOOOCXlOOCX�OOOOOCttOOOOOOCXXXDOO�� Chevreau-, schwarz oder braun Damen-Schnürschuhe SV 10 V 12 ).50 M. Jerusalemer Str. 38-39 Friedrich- Strasse 75 Potsdamer Strasse 2 Tauentzien-Strasse 19a König-Strasse 25-26 Schöneberg, Hauptstr. 146 L Zentrale und Versand: Jerusalemer Strasse 38-39\ Boxcaif- oder Chevreau- Herren- Schnürstiefel 12 V 15 .50 u. JDamen- Stiefel Rationell» IZinder- Stiefel Herren- Stiefel JP.75 ••• KJ u. IOi0 Boxcaif- und Chevreau-Schnürstiefei mit und ohne Lackkappen, auch Derbyschnitt Braun u. schwarz Chevreau- Schnür- u. Knopf Stiefel In neuen modern. Fassons, mit hohen oder niedrig. Absätzen, Rand gedoppelt Braun u. schwarz Chevreau-Schnür- u. Knopfstiefel mit oder ohne Derby-Schatt- schnitt. auch m. Lackkapp., m. ganz neuen Fass., ffy.sO hohen oder niedrigen Absätzen, Goodyear Welt Braun u. schwarz Chevreau-Schnür- u. 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Nachdem sich wiederholt wegen dcS Fehlens stenographischer Berichte MißHelligkeiten ergeben hatten, indem die bürgerliche Mehrheit oft schon nach kurz» Fe, t versuchte, die tut sie unangenehmen Situar tonen in der Siadtverordnetenver- sammlung vollständig anders darzustellen, wie sie sich in Wirklichkeit abgespielt hatten, beantragten unsere(Genossen unter„Allgemeine Verwaltung" die Einsetzung von 2000 M. für Aufnahme stenographischer Berichte. Der Antrag unserer Genossen wurde ab- gelehnt. Ein weiterer Antrag von uns verlangte die Erhöhung der Beisitzergebühren für das Gewerbcgericht pro Eitzungstag auf K M., denselben Satz, den Berlin zahlt; auch dieser Antrag wurde abgelehnt. In Anbetracht der außerordentlichen Höhe der Polizei- kosten und des UmstandeS, daß die Stadtverwaltung auf die Polizei keinerlei Einfluß besitzt, beantragten unsere Genossen, den Ma- aistrat zu ersuchen, die erforderlichen Schritte zu unternehmen, um die WohlfahrtSpolizei in städtische Verwaltung zu nehmen. Auch dieser Antrag wurde abgelehnt. Beim Punkt„Bauverwaltung" kamen die Forderungen der städtischen Arbeiter zur Verhandlung. In der Etatskommission war eS unseren Genossen gelungen, eine Mehrheit für die Forderung der Arbeiter auf Winterbeschäfri>;ung zu bekommen. Desgleichen wurde in der Kommission die Zahlblng der Differenz zwischen Lohn- und Krankengeld im Krankheitsfälle sowie Neuregelung des Sommerurlaubs und zwar nach einjähriger Dienstzeit 1 Woche, nach fünfjähriger Dienstzeit 2 Wochen, ange- nommeu. Ein Antrag auf Regelung der Löhne wurde schon in der Kommission durch die beschlossene allgemeine Lohnerhöhung von b Proz. für erledigt erklärt. Bei der Behandlung der Aroeiter- antrage im Plenum jedoch wurden die Kommissionsanträge wieder abgelehnt, trotzdem unsere Genossen wiederholt darauf hinwiesen, daß es nicht mehr wie recht und billig sei, nachdem man vor einigen Monaten den Beamten und Lehrern teilweise ganz bedeutende Auf- besserungen habe zuteil werden lassen, nunmehr auch der jeden Tag von neuem in ihrer Existenz bedrohten Arbeiter zu gedenken. Selbst die sogenannten Beamtenvertreter und Koimnissionsmit- glieder stimmten jetzt geschlossen dagegen. Angenommen wurde dagegen, den Arbeitern im Krankheitsfalle einen Zuschuß zum Krankengeld von Fall zu Fall zu gewähren. Eingesetzt sind hierfür in den Etat sage und schreibe: 10V Mark. Beim Kapitel ..Gemeindeschulen" wurde auf unseren in der Etatskommission ge- stellten Antrag hin den Schulärzten die Entschädigung um je HSV M. erhöht, desgleichen eine Resolution angenommen, welche den Beitritt der Stadt zum„Verein für Schulzahnpflege in Groß-Berlin" wünscht und hierfür 200 M. bereitstellt. Beim Kapitel„Armen- Verwaltung" wurde gleichfalls auf unseren bereits in der Kam- Mission gestellten Antrag hin das Gehalt der Armenärzte um je 200 M. erhöht. Für den„Verein für Ferienkolonien" wurden 3000 M. bewilligt. Hierauf beantragte Stadtv. Schachtel, die an dloc-Abstimumng vorzunehmen. Dadurch wurde der von unseren Genossen eingebrachte Antrag, für Speisung armer Schulkinder statt 1000 M. 2000 M. zu bewilligen, genau wie schon in der Etats- kommission, wo ebenfalls sämtliche Bürgerliche dagegen stimm- ten, zu Fall gebracht. Offenbar schämten sich die Herren, in der Einzelabstimmung über diese Anträge öffentlich ihr Volksfeind- liches Verhalten zu beweisen. Auch beim folgenden Kapitel„Park- Verwaltung" wurde en dloc abgestimmt. Eine von unseren Ge- noffen zu diesem Kapitel eingebrachte und begründete Resolution, welche sich mit den elenden Verhältnissen der Gärtner und Park- arbetter befaßt und deren Besserstellung verlangt, wurde gleich- falls von den gesamten Bürgerlichen abgelehnt. Desgleichen wiesen unsere Genossen bei diesem Kapitel darauf hin, daß die schönsten Partien des Stadtgartens immer noch verpachtet sind; sie ver- langten Abstellung dieses Mißstandes. Beim Kapitel„Friedhofs- Verwaltung" richtete unser Redner an den Magistrat die Anfrage, wie er sich zu der vou uns wiederholt geforderten Verstadtlichung des gesamten BegräbniSlvesens stellt. Aus der Antwort des Magütratsvertreters ging hervor, daß man vor lauter Erwägungen und Erhebungen noch gar nicht dazu gekommen ist, irgend velche Stellung einzunehmen; man hofft jedoch, in einigen Monaten eine Vorlage machen zu können. Eine recht interessante Debatte setzte nunmehr bei den Sonder- etatS„Röckner-Rothcsche Kanalisation" und„Berliner Kanalisation" ein. Hierbei zeigte es sich wieder einmal recht deutlich, daß ein Teil der Bürgerlichen ihr Amt als Stadtverordnete lediglich zur Vertretung der Hausbesitzerinteressen benutzen. Der' Teil außer- halb der Ringbahn ist der Röckner-Rotheschen Kanalisation an- geschlossen, während der innerhalb der Ringbahn gelegene Teil zur Berliner Kanalisation gehört. Nun entspann sich schon in der Kom- Mission ein recht lebhafter Streit zwischen den beiden Interessenten den Herren Stadtv. Rott und Stadrat Thiedtke. Während jener ««schieden für eine Herabsetzung der KvnalisationSabgabe für die Röckner-Rothesche von 3% Proz. auf 3 Proz., zu gleicher Zeit aber für eine Erhöhung der Sätze für die Berliner Kanalisation von IM Proz. auf 2 Proz. eintrat, nahm Stadtrat Thiedtke den ent- gcgengesetzten Standpunkt ein. Bei diesem, von beiden Herren durchaus nur in Jnteresseder Stadt gesührten Kampfe blieb nun das System Röckner-Rothe Sieger. Die Abgaben für die Röckner-Rothesche Kanalisation wurden auf 3 Proz. herabgesetzt und um den dadurch entstandenen Verlust zu decken, wurden 27 000 M. mehr aus dem Ueberschuß der Vorjähre ein- gesefct, während für die Berliner Kanalisation 2 Proz. festgesetzt wurden. Wie seit Jahren schon, mußten auch diesmal die städtischen Werke, insbesondere das Gaswerk, zur Balanzierung des Etats herhalten. Die Einnahmen aus Gas werden sich 1010 voraussichtlich wie folgt stellen: Leuchtgas 3 000 000 Kubikmeter— 480 000 M., ÄochgaS 2 784 000 Kubikmeter= 334 000 M., was gegenüber dem Etatansatz des Vorjahres ein Mehr von insgesamt 123 400 M. ergibt. Um den sogenannten Ueberschuß noch höher zu gestalten, wurde bereits in der Kommission beschlossen, statt 70 269,62 M. abzuschreiben, die Abschreibungen auf die Hälfte zu reduzieren, so daß, wie in der Diskussion treffend ausgeführt wurde, mit ZuHilfe- nähme des sogenannten Gummibandes, man zum Schluß 200 100 Mark als Ueberschuß an die Stadthauptkassc abführen kann. In der sehr langgezogenen Debatte wurde gegenüber allen Ermah- nungen, es durch solche Finanzkunststücke nicht auf die Spitze zu treiben, von den Vertretern der Mehrheit immer und immer wieder erklärt: WirhabeneSnicht nötig, fürdie Zukunftzu sorgen? Demgemäß wurde denn auch in namentlicher Abstim- orung der auf Wiederherstellung der Abschreibungen in Höhe des MagiftratSentwurfS gestellte Antrag abgelehnt nach dem Wahl- spruch: Nach uns die Sintflut! Desgleichen abgelehnt wurden auch alle anderen von uns eingebrachten Anträge, u. a. die Herabsetzung des Kochgaspreises von 12 Pf. auf den früheren Preis von 10 Pf. pro Kubikmeter. Die von unseren Genossen ein- gebrachten Anträge der städtischen Gasanstaltsarbeiter wurden, nachdem die Etatskommission bereits beschlossen hatte, ditt» Anträge dem Magistrat zur Berücksichtigung zu überweisen,' vo» der Stadtverordnetenversammlung dem Magistrat Itdigiich/z u? Erwägung überwiesen. Was dabei für die Arbeiter heraus- kommt, wenn erst der Lichtenberger Magistrat in eiste Erwägung von Arbeiterforderungen eintritt, bcwetst am treffendsten die im letzten Jahre von demselben Magistrat vorgenommene Maßregelung des Arbeiters R c m u S. Beim Etat des Wasserwerkes sowohl wie dem deS ElektrizitätS- Werkes half sich die bürgerliche Mehrheit wieder durch en dloc- Abstimmung über alles Unangenehme hinweg. Speziell bei dem lefeteren Werk haben die Herren es noch mit ihren finanziellen Künsten fertiggebracht, trotz der im Laufe der letzten Jahre ver- pulverten Hunderttausende von Mark, für das laufende Jahr einen Ueberschuß von 67 000 M. herauszucechnen.— Eine recht lebhafte Diskussion entspann sich auch beim Kapitel„Steuervcrwal- tung". Unsere Genossen hatten hierbei beantragt, die Betriebs- steuer mit 0000 M., sowohl wie die Biersteuer mit 57 000 M. zu streichen. In der Begründung wurde ausgeführt, daß speziell der Gastwirtsstand durch die heutige Steuergesetzgebung mit am schwersten geschädigt werde, trotzdem stimmten die Bürgerlichen auch hierbei geschlossen gegen unsere Anträge. Auch der von uns gestellte Antrag, die Grundsteuer, welche für bebaute Grundstücke 2,6 Promille, für unbebaute 5,2 Promille beträgt, zu erhöhen, wurde von sämtlichen Bürgerlichen abgelehnt. Beschlossen wurde, die Ge- meindeinkoiumeusteuer auch in diesem Jahre mit 100 Proz. zu er- heben. Der Gesamtetat der„Ordentlichen Verwaltung" wurde am Schluß der Beratung auf 3 902 600 M. festgesetzt.— Zum Schluß wurde noch bei der sich nochmals notwendig machenden Beratung über„Allgemeine Verwaltung" von unseren Genossen folgender Antrag gestellt:„Mitglieder des Magistrats und des Stadtverord- nctenkollegiums, sowie deren Familienangehörige, dürfen sich an städtischen Arbeiten und Lieferungen weder direkt noch indirekt be- ieiligen." Nachdem unser Redner den Antrag begründet hatte, konnte selbst der Führer der Bürgerlichen, Herr Rechtsanwalt Schachtel, nicht umhin, zuzugestehen, daß der Antrag zweifellos Sympathie verdiene, jedoch seien sie, die Bürgerlichen, bei Durch- führung des Antrages nicht in der Lage, geeignete Kandidaten für diese„Ehrenämter" zu bekommen. Nach Festnagelung dieses Ge. ständnisseS durch unseren Genossen wurde, wie nicht anders zu er» warten, der Antrag gegen unsere Stimmen abgelehnt, Nixdorf. Ein verhängnisvoller Unglücksfall, dein ein Kind zum Opfer fiel, bat sich vorgestern nachmittag in der Berliner Straße 07 zugetragen. Die vierjährige Tochter Grete deS in genanntem Hause wohnhaften Maschinisten BarkowSki hatte sich, während die Mutter in dem Wobn- zimmer beschäftigt war, nach der Küche begeben, deren Fenster offen stand. Das Kind kletterte auf das Fensterbrett und sah nach dem Hof hinab, wo mehrere Kinder spielten. Plötzlich verlor da? Mädchen das Gleichgewicht und stiirzte aus der Höhe de» vierten Stockwerkes kopfüber auf den gepflasterten Hof hinab. wo e« be- sinnungslos liegen blieb. Die Kleine hatte einen Schädelbruch und schwere innere Verletzungen erlitten und starb in den Armen der Mutter, bevor ein Arzt herbeigeholt werden konnte. Tempelhof. Für die Donnerstag anberaumte Gemeiudevertretersitzmlg stand als einziger Punkt auf der Tagesordnung: Einsprüche gegen die am 16. und 17. März stattgefundcnen Gemeindeverlreterwahlen und Beschlußfassung über die Gültigkeit derselben. Die Einsprüche gegen die Gültigkeit der Wahlen unserer Genossen und der Umstand, daß diese außerordentliche Sitzung um eine Stunde später angesetzt worden war, hatte auch Zuhörer auf die„Tribüne" gelockt. Dies- mal war aber nicht die genügende Anzahl der arbeitsfteudigen bürgerlichen Vertreter, die einen Beschluß herbeiführen konnte, zur Stelle. Da das„akademische Viertel" verstrichen war und man auch nicht das Telephon spielen lassen wollte, so blieb dem Gemeinde- Vorsteher weiter nichts übrig, als die Sitzung zu eröffnen und unter Hinweis auf die Beschlußunfähigkeit wieder— zu schließen. Tchöneiche(ZAeder-Barnim). Herr Heyden, die Oeffentlichkcit und der Wahlprotcst. In der Geheimentbindungsanstalt der Gemeindevertretung bat am 3l. v. M. noch ein Balg das Leben erblickt, nachdem die ängstliche Mutter die Zusicherung erhalten, daß der Bericht an die Heimatsbehörde, der nicht zu umgehen ist. nur in einem Umfange gegeben wird, der eine Kompromittierung nicht in sich schließt. Unser Genosse Rühl erhielt nämlich folgendes originelle Schriftstück: Der Gemeindevorsteher. Schöneiche, 1. April 1010. Tgb. Nr. 1646. Die Gemeindevertretung hat in ihrer Sitzung am 31. März 1010 Ihren Einspruch vom 17. März d. I. gegen die Ergänzung.;- wähl der 3. Klasse der Gemeindevertretung von Schöneiche zurückgewiesen und die Wahl als gültig anerkannt. Die von Ihnen angeführten Personen sind ausweislich der summarischen Mutterrolle zur Gebäudcsteuer veranlagt und daher wahlberechttgt. Gegen diesen Bescheid steht Ihnen die Klage bei dem Kreis- ausschuß binnen einer Frist von zwei Wochen, vom Tage der Zustellung dieses Beschlusses an gerechnet, offen. gez. Heyden. Einspruch gegen die Wahl war erhoben worden, erstens, weil durch die unberechtigte Verweigerung der Abschrift und Eninahme von Notizen auS der Wählerliste eine Kontrolle derselben unmöglich gemacht wurde, wegen Aufnahme einer Anzahl nicht wahlbercchligier „Forensen" in die Wühlerliste und drittens wegen unbereckligter Zurückweisung eines Wahlberechtigten, lieber den ersten und dritten Prolestgrund schweigt sich der„Bescheid" vollständig aus. Waren denn diese beiden wichtigen Punkte so heikler Natur, daß sich, nach- dem die Wahl für gültig erklärt war, nicht auch hätte ein„Bescheid" finden lassen? Leider waren wir nicht in der Lage, die Stellung- nähme der Gemeindcvertteter zu dem eingehend begründeten Wahl- Protest kennen zu lernen— weil Herr Heyden partout von der Oeffentlichleit derartiger Verhandlungen nichts wissen will. Zeuthen. Bei der am Mittwoch fiattgefundencn Stichwahl ist unser Genosse KalieS leider mit 72 Stimmen dem bürgerlichen Kandidaten Franke, auf den 76 Stimmen entfielen, unterlegen. Das Mandat hätte er- obert werden können, wenn nicht eine Anzahl Arbeiter der Wahl ferngeblieben wären. Die Gegner arbeiteten mit den schäbigsten Mitteln und sie erfreuten sich beim Schlepperdienst sogar der Mithilfe des Gemeindedieners Notvawes. Die Aufnahme einer Anleihe von 900 000 Bd. beschloß die Ge- meindevertretuirg in ihrer letzten Sitzung. Von dieser Summe sollen 200 000 M. zur Deckung von Vorschüssen und der Rest für den Bau des Gymnasiums, sowie für Pflasterungs-, Kanalisations- und andere Zwecke Verwendung finden. Die Anlage eines Sport-, Spiel- und Veronügungsplatzcs auf dem Wiesengelände zlvischen der Ruthe und dem Wege nach Kolonie Daheim plant der Gastwirt Rosenberger aus Potsdam: er hat zu diesem Zwecke von dem Besitzer deS Terrains einen größeren Platz erworben. Um einen besseren Zugang zu seinem Unternehmen zu erhalten, wünscht Herr Rosenberger zwei Morgen der sogenannten Küster- und Schulwiesen zu erwerben, welche zu gleichen Rechten der politischen und BethlehcmSkirchengemeinde gehören. Das Kauf- angebot lautet auf 6000 M. pro Morgen, also etwa 2,50 M. für den Quadratmeter, welcher Satz als ein ungewöhnlich hoher zu be- zeichnen ist. Die Kirchengemeinde hat sich mit dem Verkauf deö ge- nannten Grundstücks einverstanden erklärt und die Finanzkom- »Hston ebenfalls die Veräußerung befürwortet. In der Debatte diesen Antrag gab Genosse Gruhl dem Wunsche Ausdruck, daß r Gemekndevorstand bei Abschluß dcS Kaufvc-treaes Gelegenheit nehmen, möge, die Kirchengemeinde zu bewegen, ihre TiuesttiitztL. rechte an die Küster- und Schulwiesen gegen eine entsprechende Entschädigung an die politische Gemeinde abzutreten, damit diese freie Verwendung über die Wiesen erhalte. Obwohl Herr Nathan bezweifelte, daß die Kirchengemeinde annehmbare Bedingungen stellen werde, wurde der Gemeindevorstand beauftragt, dem An- trage der Sozialdemokraten zu entsprechen. Des weiteren erklärte sich die Vertretung mit dem Verkauf von zwei Morgen Wiese ein- verstanden unter der Bedingung, daß der Käufer den Kaufpreis am Auflassuugstagc bezahlt und sämtliche Kosten und Steuern übernimmt., Die ortöstatutarische Regelung des Feuerlöschwesens ist be- reits verschiedentlich von der Aufsichtsbehörde gefordert worden. Der Gemeindcvorstand hat nun nochmals darum ersucht, von dem Erlaß derartiger Lorschriften Abstand nehmen zu dürfen, da die Gemeinde wesentliche Verbesserungen des Feuerlöschwesens und Bildung einer 10 Mann starken Berufsfeuerwehr aus den Straßen- arbeitern vorgenommen habe. Der Landrat inacht nun auf eine Kreispolizeiverordnung aufmerksam, nach welcher der Gemeinde- Vorsteher oder in seiner Vertretung die Schöffen die Löschmann- schaften zu führen haben, und hält die Fassung eines Beschlusses für notwendig, nach welchem die Schöffen Befreiung vom Feuer- mannsdienst genießen sollen. Die Vertretung faßte einen dement- sprechenden Beschluß.> Die Schiedsmänner Stationsassistent a. D. Dobberitz, Tischler« meister Hanicke und Kaufmann Rohde, deren Amtszeit abgelaufen ist. wurden von der Vertretung für diese Posten wiedergewählt. Potsdam. Die Müllabfuhrgebühr ebenfalls nicht genehmigt. Der Bezirks« ausschuß hat auch diese Steuer, ebenso wie die Hundesteuer und die Kanalisationsgebühr, die für die aufgehobene Schlachtsteuer Ersatz bieten sollte, nicht genehmigt. Man hatte nur für das Müll von Wohnungen Gebühren festgesetzt und den Abfuhrzwang eingeführt, während man den Gewerbelreibenden die Beseitigung ihrer Ab« gänge selbst überlassen wollte; letzteres hat zur Beanstandung geführt. In der letzten Wahlvcrciiiöversammlung konnte der Vorsitzende über einen erfreuliche» Fortschritt der Bewegung am Orte berichten, wovon zahlreiche Aufnahmen in den Wahlverein und die größere Abonnenienzahl der Presse Zeugnis ablegten. Die Versammlung erklärte sich mit den Beschlüssen des Kartells betreffend Maifeier einverstanden: vormittags zwei Versammlungen und am Nachmittage im„Viktoriagarten" die übliche Veranstaltung. Partei- Speditionen: Zentrum: Albert Hahnisch, Sluguststr. 50, Eingang piaachimstraße. S. HVndlltrel!,, Westen: Gustav Schmidt, Kirchbachstr. 14, Hoch« parterre. , Süden und Südwesten: Hermaim Werner, Gneisenaustr. 72, Laden. 8. Wahlbrel«: St. Fritz, Prinzenstr. 3t, Hof recht? vart. 4. WnhlkrelB: Ost e n: Robert W e n g e l S, Gr. Franlsurterstr. 120. — Wilbelm Mann, Petersburgerplatz 4(Laden). 4. Wahlkrel«, Südosten: Paul Böhm, Lausitzerplatz 14/15 (Lade»). 6. Wahlkreis; Leo Zucht, Jmmanuelkirchstr. 12(Hos). 0. Wahlkreis(Slonhit und UansaTlertel): Karl Ander», Salzwedelerstr. 8, im Laden. Weddia«: Karl Weiße, Razarethkirchstraße 49. Kosenthaler und Oranienburger Vorstadt: Wilhelm B a u m a n n, Bernauerslr. 9, vorn pari. Gcsnndbrnniien: F. Trapp, Stettincrstr. 10. (üelittnhunser Vorstadt: Karl Mars, Lychenerstr. 123. A dlershof: Karl S ch w a r z l o s e, Hosfmannstr. 9. �It-Clllenleke: Wilhelm Dürre, Rndomerstr. 83 II. Itaunntchiilcnwcc: H. Hornig, Maricnlbalcrstr. 13, I. Bernnn, Rünt|;eiitnl. Zepernick, Schönow und Schön- brück: Heinrich Bros«, Hohesteilistr. 74. pari. Bohnsdorf und Falkenberg: Alois Laus, Bohnsdorf, Ge» nosfenschastshauS„Paradies". O'harlo«> cnbnrg: Gustav Scharnderg, Selenheimerstraße 1, Eckt Goethestrnße, Laden. Elehwalde, Zeuthen, Klersdorf und llanhols Ablage: DSlar Mahle, Eichwalde, Stubenrauchstr. 99. Erkner: Ernst H o s s m a» n, Friedrichshagener Chaussee. Frcdcradorf-Petershagen: E. Höjclbarth, PeterShagcn. Friedenau. Steglitz»Südende: H. B e r n j e e, öchloßstr. U9, Hof I. in Sieglitz. Bestellungen ncdnicn entgegen in Stegiits: H. Mohr. Dnvpelstr. 32. und Fr. S ch c l I b a f e. AhoriAr. 15 a. Friedriebshageu: Ernst W« r k m a n n, Köpenickcr Straße 18. Cirttnan: Franz Klein, Lahnhosstr. 6 III. .lohanuisthai: P i e l i cke, Kaifer-Wilhelm-Platz 4. Karlshorst: Richard Stüter. Rödelstr. 9, II. itönigs-W usterhansen: Friedrich B a u m a n N, Bahnhosstr. 13. Köpenick: Emil W i ß I e r, Stictzerstr. 6, Laden. Eiclitcnbcrg, Fricdrlchsfcidc, Wllhelmsbcrg: Otto Seite!. Kronprtnzenftraße 4, I. Kahlsdorr und Kaulsdorf: Hugo Scheibe, Mahlsdorj, Wnlderseestr. 14. Karieudorf: August L ei p, Chausseestr. 296, Hos. Karionreldo: Emil A e i u e r t, Dorsstr. 14. Xieder.Schöacweide: Max P r i e b l e, Britzerstr. 14 II. Newawe*: Wilhelm I ap p«, Friedrichstr. 7. Obcr-Schönoweidc: August HenjeS, Lausen erstr. 2, I. Fankow-Vlederscliönhauscn: Otto R i ß m a n n, Mühlen« straße 30. Neinickeudor?»«st, Wilhelmsruh und Schönhols: P. G u r s ch. Stamclcstr. 12, I. Kisdorf: R. Heinrich, Neckarstraße 2, im Laden. Kummeisbnrg, Itoxhagcn: A. R o s e n t r a n z, Ali-Boxhagen 59. Schmargendorf: Gustav ftaminsf i), Cunostraße 2. Schöneberg: Wilhelm B ä u m l e r, Marlin Lutherjw. 51, im Laden. Spandau: Kopp«», Jagowstr. 9. Tegel, Borsigwalde, Wittenau. Waldmannslnst, Hcrinsdorf und Bcinickendorf- West: Paul Kienast, Borsigwalde, Räufchstrnß« 10. Teltow: Wilhelm B o n o iv, Teltow, Zehlendorfer Str. 4. Tempeihof: Albert Thiel, Friedrich Wtlhelmstr. 20. Treptow: Rod. Gramenz, Klesholzstraße 412, Laden. WeiUensee; K. Fuhrmann, eoedanstr. 105, parterre. Wilmersdorf» Baieusee: Paul Schubert. WihelmSaue 26, Hos parterre. 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