Mr. 83. Abonnements-Bedingungen: WonnemenlZ. Preis pränumerando: Liertcljährl. S�0 Mk., monatl. 1,10 Mk., wöchentlich 28 Pfg. frei inS Hau». Einzelne Nummer ö Pfg. Eonnlag?. Eingetragen in die Poft-Zeliungs- VreiAifle. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich, Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland Z Marl pro Monat. Postabonncmcnts nehmen an: Belgien, Dänemarl, Holland. Italien, Luxemburg, Portugal, Äumänicn, Schweden und die Schweiz. 27. Jahrg. Crlthcint täglich außer Msntag». )Ä � Vevltnev VolksblÄlt. Die Tnlertions- Gebühr Beträgt für die scchsgespallenc Kolonel- zellc oder deren Raum 50 Psg.. für politische und gewcrlschaftNche Vereins- und Vcrsammliings.Anzeigcn 30 Pfg. „Aleine Znrcigcn", das erste(fett- gedruckie) Wort 20 Pfg., jedes weitere Wort 10 Psg. Stellengesuche und Tchlas- stellen-Anzeigcn das erste Wort l0 Pfg., jedes weitere Wort 5 Psg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Numnier müssen bis 6 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ijt bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm-Adresse: „SozIaltUmolirat Btrlin". Zentralorgan der fozialdcmokratifchen parte» Deutfchlands. Rcdahtion: 8Äl. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IT, Nr. 1983. Sonntag, den 10. Zlpril 1010. expeditton: 8Ll. 68. Undcnstraeee 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1981. Unser Demonstrntwnstag. Friedrichshain. Treptower Park Parteigenossen! Heute demonstriert die arbeitende Bevölkerung gL?gleich Herr b. Jagow. als«c di� Abhaltung öffentlichem Massenversammlungen genehmigte� lediglich in je n c in S i n n e verfuhr, in dem der§ 7 beä Reichsvcreinsgcsetzes bei den Beratungen im Reichstage interpretiert wurde, erhebt natürlich die reaktionäre Presse vom Schlage der»Deutschen Tageszeitung", der»Kreuz- zeitung" und der»Post" gegen den Berliner Polizeipräsidenten die schärfsten Vorwürfe. Das finden wir durchaus begreiflich, denn noch bis bor kurzem haben diese Blätter die g e s e tz w i d r i gc Per- fagung der Genehmigung für die am 6. März geplante VolkSvcr- sammlung im Treptower Park als eine höchst anerkennenswerte Leistung preußischer Siaatökunst gepriesen und durch allerlei juri- stische Spitzfindigkeiten nachzuweisen versucht, daß der Berliner Polizeipräsident gar nicht anders handeln könne und dürfe. Sich fo gründlich dementiert zu sehen, ist natürlich für jene Preß- organe recht bitter. Man darf deshalb ihre Angriffe, die mit reich- lichen Jnvektivcn gegen die Sozialdemokratie gespickt sind, nicht tragisch nehmen. Es liegt nun einmal in der Natur mancher Exemplare der Gattung Mensch, daß sie, wenn sie unterlegen sind, ihre Zuflucht zum Schimpfen nehmen, und wir billigen ihnen daher. tolerant wie wir sind, dieses alte Gewohnheitsrecht in weitestem Matze zu. Anders fätzt, wie es scheint, Herr v. Jagow die An- rempelung der Junkerpreffe aus. Er fühlt das Bedürfnis sich zu verteidigen und veröffentlicht durch hiesige Korrespondenzbureaus mehrere Tarstellungen, durch die er fein Verhalten zu rechtfertigen sucht. In der einen Darstellung, die von dem»Lokalanzeiger" hereitwilligst abgedruckt wird, heitzt eö: ..Die Situation ist jetzt wesentlich anders als früher. Die Sozialdemokraten hatten bekanntlich am 13. Februar, ohne die behördliche Genehmigung erhalten zu haben, Aufzüge auf den Stratzen veranstaltet und damit gegen das Gesetz verstoßen. Sie stellten dann für den S. März den einheitlichen Antrag auf Ver- anstaltung von Aufzügen und Abhaltung von Versammlungen unter freiem Himmel. Tie Genehmigung wurde nickst erteilt, weil cS sich einerseits um die Veranstaltung von öffentlichen Aufzügen handelte und weil andererseits die Sozialdemokratie «in 13. Februar gegen das Gesetz verstoßen hatte und deshalb die Gefahr, daß sie es wieder tun würde, sehr nahe lag. Daß die öffentliche Sicherheit durch Aufzüge, namentlich in einer Weltstadt wie Berlin, gefährdet wird, kaim doch nicht von der Hand gewiesen werden. Jetzt aber handelt es sich bei der So- zialdemokratie nur um Versammlungen unter freiem Himmel, von Aufzügen ist keine Rede, eine Störung des Verkehrs und eine Gefahr für die öffentliche Sicherheit sind also nicht zu be- sorgen: Versamnilnugen unter freiem Himmel können allerdings auch gefährlich werden, wenn durch sie allzu große Menschen- aufammlungcn veranlaßt werden. Deshalb mußte das Polizei- Präsidium sich dafür interessieren, auf wieviele Menschen die Veranstalter eines solchen Meetings ivohl rechnen. Nachdem die demokratische Vereinigung erklärt hatte, daß sie bei weitem nicht die zuerst angegebene Teilnehmerzahl von 50= bis 60 000 Personen erwarte, lag kein Grund mehr vor, die Abhaltung dieses Meetings zu untersagen. Aehnlich liegt es bei der sozialdemo- kratischcn Versammlung im Friedrichshain. Die Veranstalter rechnen hier auf 20 000 Menschen. Sie haben ferner angegeben. daß sie durch Ordner für die öffentliche Sicherheit sorgen werden. Di« so veränderte Sachlage hat selbstverständlich auch die Stellung des Polizeipräsidenten zu den Meetings beeinflussen müssen.' Aehnlich lautet eine, überflüssige Rechtfertigung der Korr«- spondcnz»Berl. Ncuigk." in der nachzuweisen versucht wird, daß die jetzige Genehmigung mit der früheren Versagung absolut nicht im Widerspruch steht: „Damals verlmigte die sozialdemokratische Partei für den 6. März die Veranstaltung von Aufzügen und die Abhaltung einer Versammlung unter freiem Himmel. Die Veranstaltung von Aufzügen wurde als verkehrshindernd nicht zugelassen. Gegen die Abhaltung von Versammlungen unter freiein Himmel ist dagegen an sich nichts einzuwenden, solange die Teilnehmer- zahl mit den Platzverhälinissen in Einklang steht und das Hin und Her der Besucher den Verkehr nicht hindert. Nach wie vor sind Aufzüge nach und von den Versammlungen nicht zulässig. Da diesmal die sozialdemokratische Partei und die demokratische Bereinigung nur die Genehmigung von Versammlungen unter freiem Himmel nachgesucht und hinreichend große Plätze ge- wählt haben, fo hat ihnen die Polizei diesmal keine Schwierig- kciten gemacht. Die Verantwortung für die Ruhe und Sicherheit auf der Straße liegt nach wie vor in den Händen der Polizei. Wenn zugelassen ist, daß die Sozialdemokratie inner- halb ihrer Blassen Ordner bestellt, so hat das mit der Verant- ivortung der Polizei nichts zu tun. Diese Ordner sind nur inner- halb der Parteikreise für die Aufrechteryaltung der Ordnung und haben keinerlei polizeiliche Funktionen der Allgemeinheit gegen- über. Die Sorge für Aufrechterhaltung der Ruhe, Ordnung und Sicherheit vor und nach den Versammlungeil liegt nach wie vor der Polizei ob. Aufzüge durch die Straßen Berlins sind nach wie vor als verkehrsstörend nicht zugelassen. Die Polizei steht auf dem Standpunkt, daß Versammlungen unter freiem Himmel so zu behandeln sind wie Versammlungen in Lokalen, ebenso der Zu- und Abgang zu den Versammlungen." ES dünkt uns überflüssig, gegen diese Darstellungen zu polemi- siercn und UNS in den häuslichen Streit zwischen den Junker- organen und dem Polizeipräsidenten zu mischen. Uns genügt es, daß die Polizeileitung Berlins sich genötigt ge« sehen hat, ihren Widerstand fallen zu lassen und nachzugeben. Unbegreiflich erscheint uns nur, daß wieder alle für heute, den Sonntag, erteilten militärischen Beurlaubungen zurückgezogen worden sind und das gesamte Militär Order erhalten hat. bis abends 7 Uhr in den Kasernen zu bleiben. Warum denn? Warum mutz den Soldaten der freie Sonntag entzogen werden? Vielleicht gelangt bald die Militärbehörde zur gleichen Einsicht wie die Polizei. ver Aahlrechttltampf. Noch ein zurnckgenommenes Verbot. Dortmund, 9. April. (Privotdepesche des„Vorwärts".) Die von der hiesigen Parteileitung für den ganzen Wahlkreis Dortmund- Hörde für Sonntag geplante Demonstrationsversammlung unter freiem Himmel war zunächst verboten worden unter der Begründung, sie solle, wie alle Demonstrationsversamm- Immen im Lande, der Verhetzung dienen. Person- liche Vorstellungen beim Oberbürgermeister, dem Ehef der Dortmunder Polizei« verliefen zunächst fruchtlos, er sagte, er diskutiere nicht. Freitagabend hat er kapituliert. Die Polizei teilte plötzlich mit, daß die Versamtnllung unter freiem Himmel gc- n e h m i g t sei. Es worden sich an dieser außer den Sozialdemokraten»och die Demokraten, Fortschrittlcr und der Bund für Fr auenstimm recht beteiligen. Polizeilicher als die Polizei! Kiek, 9. April. (Privatdepesche des„Vorwärts".) Die Kieler Polizeibehörde hat heute entgegen ihrer bisherigen Gepflogenheit die Geiiehmtgung für eine am Sonntag auf dem Jugendspielplatz abzuhaltende Versammlung unter freiem Himmel erteilt unter der Bedingung, daß nicht mehr als 25 000 Personen daran teilnehmen, von den Versammluiigs- teilnebmern keine Straßelldemonstratione» nach der Versammlung abgehalten werden und die Leitung der sozialdemokratischen Partei die Aufrechterhaltung der Ordnung durch eigene an bestimmten Ab- zeichen keimtliche Ordner übernimint. Die Polizei werde dann ihre Beamten möglichst zurückhalten. Die Veraiistaltmig der Versammlung scheitert jedoch an dem Widerstand des Bürgermeisters Lindemanu. Er hatte dein Stadt« verordneten Genossen Rindfleisch auf dessen Gesuch, den Jugend- spielplatz für eine sozialdemokratische Versammlung freizugeben, ge- antwortet, daß er allein nicht darüber entscheiden könne, er müsse er st einen Beschluß des Magistrats herbeiführen, ob der Spielplatz für politische Versammlungen her- gegebe» werben soll. Genosse Rindfleisch erbot sich, mit einem Zirkular des Bürgermeisters bei den einzelnen Mitgliedern des Magistrats herumzugehen und ihre Meinung einzuholen. Der Bürgermeister lehnte das aber ab. Der Beschluß werde i n der nächsten ordentlichen Sitzung des Magistrats herbeigeführt werden. Diese findet aber erst am lt. April statt I Nach der reaktionären Haltung der bürgerlichen Stadtverordneten zu dem sozialdemokratischen WahlrechtSantrage sowohl wie nach der Verteidigung der Polizeibrutalitäten durch den Bürgermeister Linde- niann in der letzte» städtischen Kollegiensitzung und der parteiischen Handhabung der Geschäftsordnung bei dieser Gelegenheit ist wohl die Annahme begründet, daß nicht sachliche Gründe oder Gründe der Zuständigkeit den Bürgermeister geleitet haben, sondern die feindliche Stellung gegen �en Kampf um da? freie Wahlrechtl# Noch ein Verbot. Itzehoe, 9. April. Eine Wahlrechtsdemonstrationsversammlung der Sozialdemokratie unter freiem Himmel ist von der Polizei ver- boten vordeu._ fluch ein Dernonitraflonsprozeß. Dia Ueberempfindlichkeit der Polizei hat sich beim Wahlrechtsspaziergang vom 6. März in all ihrer Gefährlichkeit gezeigt. Aus ihr erklären sich nicht nur die sinnlosen Säbelattacken, die friedliche Passanten in schwerste Gefahr brachten, sondern auch die große Zahl von Sistierungen und eil- fertigen Anzeigen, über die jetzt die Gerichte zu entscheiden haben. Zu der Hast, mit der die Polizei zugegriffen und ihre An- zeigen geschrieben hatte, gesellte sich die ganz ungewöhnliche Eile» init der diesmal auch die Gerichte arbeiten zu sollen glaubten. Den Opfern des Polizeieifers, die sich so geschwind auf die Anklagebank gebracht sahen, wurde es hierdurch ganz außerordentlich erschwert, zu ihrer Verteidigung die geeigneten Biaßnahmen zu treffen. Gestern kam es vor dem Landgericht II(Strafkammer 3 unter dem Vorsitz des Landgerichtsdirektors Oertel) zu einer scharfen Auseinandersetzung über das Bedenkliche solcher Schnelljustiz. Verhandelt wurde gegen einen Arbeiter Sommer, der am 6. März in Treptow die Polizei beleidigt und ihr Widerstand ge- leistet haben sollte. Ein erster Termin, den man übereilig angesetzt hatte, war ver- tagt worden, weil dem Angeklagten nicht die Möglichkeit ab- geschnitten werden durfte, noch einen Zeugen zu laden. Auch in dem zweiten Termin, der gleichfalls ganz plötzlich angesetzt wurde, erhob der Verteidiger Rechtsanwalt Dr. Ruhm Einspruch dagegen, daß verhandelt werde. Ein im ersten Termin gestellter Antrag, die Sache in das Vorverfahre» zurückzuverweisen und die Frist zur Erklärung auf die Anklage zu verlängern, war ohne Er- folg geblieben. lieber eine Beschwerde hiergegen habe, so führte gestern der Verteidiger aus, das Kammergericht zu entscheiden, darum beantrage er nunmehr, die Akten dorthin abzugeben. Eine ErklärungSfrist von 2i Stunden» wie man sie in der ersten Eile dem Angeklagten gestellt habe, sei so kurz, daß sie als Frist im Sinne des Gesetzes nicht gelten könne. In 24 Stunden sei es nicht möglich, alle erforderlichen Schritte zu tun, sich einen Verteidiger zu nehmen, den Sachverhalt mit ihm zu besprechen, durch ihn die Alten einsehen zu lassen usw. Wenn man so die Erfüllung der gesetzlichen Vorschrift zu einer bloßen Formsache werden lasse, wo sei da die Grenze! Ebenso gut könne man die Frist auf zwölf Stunden, auf sechs Stunden, ja, schließlich auf eine einzige Stunde bemessen. Bei vernünftiger Auslegung der Vorschrift müsse man die Grenze da setzen, wo es dem Angeklagten noch möglich sei, alle zur Verteidigung notwendigen Maßregeln zu treffen. Eine solche Frist sei dem Angeklagten Sommer nicht gesetzt worden, mithin ergebe sich die Nichtigkeit des Eröfsnungsbeschlusses. Staats- anwalt Kühne wendete ein, diese Taktik ziele offensichtlich darauf ab, eine Berschteppung herbeizuführen. In anderen Pro- zessen, die durch die Vorgänge vom 6. März veranlaßt worden seien, habe man noch schneller gearbeitet, ja. man habe(so sagte der Herr Staatsanwalt)«kaum die LadungSfrist gewahrt", und den- »och hätten die Angeklagten sich hinreichend verteidigen können. Der Verteidiger antwortete, er verbitte sich ganz energisch den Vorwurf, daß seine Anträge darauf abzielen, die Sache zu verschleppen. Es sei und bleibe ein ungewöhnliches Verfahren, eine Erklärung binnen 24 Stunden zu fordern. Schon aus prinzipiellen Gründen müsse die Verteidigung sich hiergegen wenden, damit nicht derartiges einreiße. Das Gericht beschloß, wiederum in die Verhandlung einzutreten. Der Anklage liegt ein Borgang zugrunde, der nichtig bis zur Lächerlichkeit ist. Aber die überempfindliche iPolizei witterte wieder einmal eine Beleidigung, schritt unverzüglich zur Sistierung des Verächters der Polizeiautoriiät und provozierte ihn dadurch zu einer Handlung, die als Widerstand angesehen wurde. Die Be- l c i d i g u n g wurde darin erblickt, daß Sommer aus dem am Bahnhos Treptow gelegenen Gartenlokal»Neues GesellschaftShaus" gegen die anstürmenden Schutzleute den Ruf„Hannefatzken l" geschleudert habe, und der Widerstand darin, daß er bei seiner Sistierung sich an einem Pfahl festzuhalten versucht habe. Der Angeklagte erklärte, er habe von Rixdorf aus, wo er wohnt, nach Lichtenberg zu einem Verwandten gehen wollen, um an einer Einsegnuiigsfeicr teilzunehmen. Am Bahnhof Treptow habe er. als die Polizei eine ihrer Attacke» exekutierte, in dem Biergarten Schutz gesucht. Während draußen Polizisten das Publikum be- drängten, habe er die Tür des Gartens schließen wollen, damit nicht Polizisteil auch in den Garten gelangten. Einem Freunde, der in seiner Begleitung war und der Tür näher stand, habe er üxgevlickj und erregt zugerufetz:„Mach doch die Tür zu» T» Hahncsatzle!� Schließlich habe cr selber die Tür zugemacht. Ein ganzer Trupp Schutzleute sei nunmehr cingedrungen, weil irrtüm- lich sie den Ruf auf sich bezogen hatten. Man habe ihn gepackt, ihn förmlich in die Höhe gehoben und hinausgeschlcppt, und hierbei habe cr dann, den Boden unter den Füßen verlierend, unwillkürlich nach einem Halt gesucht. In der Beweiserhebung konnten selbst die von der Anklagebehörde gegen ihn ins Feld geführten Belastungszeugen, die drei wchutzlcute Nagel, Schulz, Wachtel, bezüg- lich des„Widerstandes" nichts Schlünmeres vorbringen. Sie bezweifelten zwar, daß Sommer in die Höhe gehoben worden sei, im übrigen aber wußten sie nur zu bekunden, daß cr sich lediglich an einen Pfahl festgehalten habe, so daß er mit Gewalt losgerissen werden mußte. Bezüglich der„Beleidigung" sagten die Zeugen, der Ruf habe wohl»Ihr Hannefatzkenl" oder«Sie Hannefatzken!" gelautet und könne nur der Polizei gegolten haben. Auf die Frage, ob nicht sonst noch jemand in Sommers Nähe an der Tür gestanden habe, antwortete Nagel:„Keiner, nur ein Beamter!" aber nachher Schulz:„Ja. der ganze Garten war ja voll!" Tie von der Verteidigung geladenen Zeugen versicherten über- einstimmend, der Ruf habe nicht der Polizei gegolten. Arbeiter Plauz sagte aus, er fei in Sommers Begleitung im Garten gewesen, als die Polizei anstürmte, und ihm habe der Ruf„Tu Hannefatzke!" gegolten. Daß S. nach seiner Sistierung sich an einem Pfahl festgehalten habe, wisse cr nicht. Mau rer Sommer, ein Bruder des Angeklagten, bekundete, S. sei hoch- gehoben worden, sei dann„nach irgendwo gegengeflogen", habe sich aber nicht festhalten können. Auch Frau v. Rieden, eine Schwester des Angeklagten, bestätigte, daß der Ruf dem Zeugen Pl. gegolten habe, und daß S. von den Schutzleuten gepackt und förmlich hinausgetragen worden sei. Der Staatsanwalt sah jeden Irrtum der Schutzleute als„ausgeschlossen" an, da gerade sie geübt seien, bei Aufläufen ihre Wahrnehmung zu machen. Tor Ruf»Hannefatzken" habe sehr ausreizend wirken müssen, darum könne von mildernden Um« ständen keine Siede sein. Die Beleidigung sei mit 3 Wochen Gc» sängnis, der Widerstand mit 2 Wochen Gefängnis zu sühnen; beide Strafen seien zusammenzuziehen in 1 Monat Gefängnis. Ter Verteidiger beantragte Freisprechung. Gerade die Schutzleute seien in solcher Situation sehr wenig geeignet, sichere Wahrnehmungen zu machen. In begreiflicher Nervosität seien sie rasch bereit, auf sich zu beziehen, was ihnen gar nicht gelte, und im übrigen aus jeder Mücke einen Elefanten zu machen. Der Ruf„tzannefatzle!" habe erwiesenermaßen keinem Schutzmann ge- gölten. Slber auch Widerstand sei nicht geleistet worden. mindestens sei S. sich nicht bewußt gewesen, daß er„Widerstand" leistete, wenn er bei der Sistierung, die ja etwas stürmisch vor sich gegangen zu sein schien, nach einem Halt suchte. Das Urteil lautete: S. wird freigesprochen von der An- klage der Beleidigung, weil die Sache nicht aufgeklärt ist. verurteilt wegen Widerstandes, weil er gegen die Schutzleute, die in gutem Glauben handelten und somit in berechtigter Ausübung ihres Amtes waren, sich durch Festhalten gewehrt hat. Unter Zubilligung mildernder Umstände wurde auf 20 M. Geldstrafe erkannt. Ein preußischer Bürger muß sich also nach der Anschauung des Gerichts regungslos verhaften lassen. Er hüte sich, wenn er das Gleichgewicht zu verlieren fürchtet, von instinktivem An- klammern an irgendwelche Gegenstända. Fällt er und verletzt er sich dabei, so hat er doch die befriedigende Gewißheit, daß er seine Staatsbürgerpflicht getreulich erfüllt hat! poUtifcbe deberficbt. Berlin, den 9. April 1910. Der Wahlausfall in Posen. Die gestrige Reichstagsersatzwahl in Posen I hatte folgendes Resultat: Oberbürgermeister Dr. WilmS, gemeinsamer deutscher Kandidat, erhielt 12579. SosinSki. offizieller polnischer Kandidat, 6964. Nowicki, polnischer Demokrat, 11 487, MatuSzeloSki, Sozialdemokrat, 2241 Stimmen. Es hat also Stichwahl zwischen WilmS und Nowicki statt« zufinden. Das Ergebnis ist für unsere Partei ein recht günstiges, denn die sozialdemokratischen Stimmen sind um 864. von 1377 auf 2211, gestiegen. Auch der gemeinsame Kandidat der deutschen bürgerlichen Parteien hat 514 Stimmen mehr erhalten, als bei der letzten Wahl. Dagegen haben die Polen 2780 Stimmen verloren. und was das Bemerkenswerteste ist, die Hauptmasse dieser polnischen Stimmen hat nicht der"offizielle Kandidat der polnischen Partei, Herr Sosinski, erhalten, sondern der Kandidat des demokratischen Flügels der Polen, der Arbeitersekretär Nowicki. obgleich dieser vor einigen Tagen erklärt hat, daher auf die Kandidatur verzichte. Die Tatsache, daß er trotzdem fast doppelt so diele Stimmen erhalten hat als der Kandidat der polnischen„Hofpartei", beweist deutlich, wie scharf die Gegensätze im polnischen Lager sich ge- staltet haben. Tressuranstalten für staatserhaltende Gesinnung. Das Abgeordnetenhaus widmete sich am Tontt- abend der parlamentarischen Kleinarbeit. Nach Erledigung des Etats der Bauverwaltung und der ersten Lesung des Gesetzentwurfs betr. die Vermeidung von Doppelbesteuerung bei Heranzichung zu direkten Konimunalsteuern in verschiedenen Bundesstaaten des Deut- scheit Reichs trat das HanS in die erste Beratung des bereits vom Herrenhause verabschiedeten Gesetzentwurfes betr. die Verpflichtung zum Besuche läudlicherFortbildungs- schulen iil der Provinz Schlesien. Obwohl jedem politisch nicht ganz unwissenden Menschen bekannt sein dürfte, daß gerade die Sozialdemokratie die Vorkämpserin für den obligatorischen Fortbildungsschulunterricht ist, hielt es ein Zentrumsredner, Abg. Geißler, doch für angebracht, bei dieser Gelegenheit tveidlich gegen die Sozialdemokratie zu Felde zu ziehen, deren Jugendorganisationen dem frommen Herrn ein Dorn im Auge sind. Für uns bedeutet der Grguß des Zentrumsvertreters lediglich ein Geständnis der Furcht vor den sozialdemokratischen Erfolgen und eine Aufmunterung, auf dem bisherigen Wege fortzufahren. Eine Erwiderung hielten unsere Genossen nicht für nötig, sänitliche Mitglieder der Fraktion waren eben im Begriff, in die Domänen des Zentrums zu fahren und dort die Massen über diese Judas- Partei aufzuklären. Das ist jedenfalls wichtiger, als sich vor leeren Bänken in der Prinz Albrechtstraße mit Herrn Geißler herumzuzanken. Im librigen bewies die Beratung, die mit der Ucberweisung des Entwurfs cm die Gemeindekommission endete, wieder einmal deutlich, daß die preußische Regierung in den Fortbildungsschulen nur Dressuran stalten für„staats- erhaltende" Gesmnung erblickt. Landtagsprogramm. Die Etatsberatungen im Llbgeordnetenhause sollen so gefördert werden, daß die zlveite Beratung spätestens bis Himmelfahrt, die dritte Beratung vor Pfingsten beendet wird. Man hofft,»ach Erledigung der Wahlrechtsvorlage den Eisenbahn- etat bis 21. April zu verabschieden und vom 21. April bis i. Mai den KultuS- und Ansiedelungs etat zu beraten. Zwischen- durch wird daS E i f e n b a h n a n l e i h e g e f e tz in erster Beratung erledigt werden und das Reisekosten- und G e r i ch ts k o st e n« g e s e tz verabschiedet werden. DaS Herrenhaus wird die Wahlrechtsvorlage am IK. und 27. April beraten und vom 21. Mai ab den Etat zur Beratungstellen und die Schlutzabstimmung zur Wahl- rechtSvorlage vornehmen. Prinz-Referendar. Prinz August Wilhelm von Preußen scheint von dem Ehrgeiz beseelt zu sein, preußischer Landrat werden zu wollen. Die byzan- tinische Presse meldet: „Prinz Dr. August Wilhelm von Preußen wird demnächst das Referendorexamen ablegen. Gegenwärtig werden ihm staats- und kirchenrechtliche Borlesungen gehalten. Zu diesem Zwecke hat sich Dr. Rudolf Smend, Professor der Rechte in Greifswald, nach Potsdam begeben, wo er bis Ende des Monats bei dem Prinzen verweilen wird." Anders als sonst bei Menschenkindern laufen in diesem Fall die Dinge. Der Prinz läßt sich seinen Lehrer kommen, und dieser Professor hat allein die Verantwortung zu trage», wenn der Prinz beim Examen durchrasseln würde. Eine Gefahr, die allerdings kaum im Bereiche der Möglichkeit liegt. Zentrum und Wahlreform. Die in vorletzter Nummer bereits telegraphisch mitgeteilte Ttettungnahme der Stadtverordnetenversammlung in Köln zur preußischen WahlrechtSftage hat eine eigenartige Ge- schichte. Die Ursache zu dieser Kundgebung ist ein Antrag des Sozialdemokratischen Berein ö, der eine Petition an die StaatSregierung und daS Abgeordnetenhaus verlangte, worin das allgemeine, gleiche, geheime und direkte Wahlrecht für Preußen und eine Reueinteilung der Landtagswahlkreise gefordert wird. Die liberale Fraktion brachte darauf einen Antrag ein, der lediglich den Oberbürgermeister ersuchte,.in seiner Eigen- schaft als Herren Haus Mitgliedes!) dahin zu wirken, daß bei der Neuordnung des Wahlrechts im Interesse der Stadt Köln die geheime und direkte Wahl eingeführt und eine andere Wahlkreiseinteilung geschaffen werde. In der Sitzung schwächten sie tzenAntrag noch mehr ab. indem sie nur noch„d i e Hoffnung" aussprachen, daß es dem Oberbürgermeister„ m ö g- l i ch sein" werde, im Herrenhaus für die genannten drei Dinge ein- zutreten. DaS geschah, weil Oberbürgermeister Wallraf eine Be- einflussung als Parlamentsmitglied prinzipiell ablehnte. Der Fraktionsredner der Liberalen erklärte, daß man aus Rücksicht aw die Zentrumsfraktion die Form der Petition nicht wähle, da man dem Zentrum nicht zumuten könne, durch eine solche Petition seinen Abgeordneten in Berlin Verlegenheiten zu bereiten. Die Zentrums in ehrheit stellte sich zunächst auf den Standpunkt, daß eine Petition aus Zuständigkeitsgründen nicht abzusenden sei. und so verfaßte man eine gewundene.Erklärung", in der der Standpunkt der Klerikalen zum Ausdruck gebracht wurde. In allerletzter Stunde aber änderte das Zentrum die Erklärung zu einem Antrag um, der der Regierung, dem Abgeordneten- und dem Hcrrenhauie„zur Kenntnisnahme" unterbreitet werden sollte. Als der Oberbürgermeister erwiderte, daß ihm dieS nur in der Form einer Petition möglich erscheine, er eine solche aber auf Grund deS ZuständigkeitSgefetzeS beanstande, da erklärten sich die Zentrums- leute mit der Forni der Petition einverstanden, obwohl sie ursprünglich eine solche prinzipiell als unzulässig bezeichnet hatten. Dieser von der Zentrumsfraktion aufgeführte Eiertanz ist dem Anhalte der zu unterbreitenden Erklärung würdig. Denn die Erklärung gleicht der sagenhaften Schlange, die sich selbst ausfrißt. DaS Machwerk beginnt mit der allen ähnlichen Aeußerungen von Zentrumsseite eigenen heuchlerischen Versicherung, daß da» geheime, direkte und gleiche Wahlrecht für Preußen das»zu erstrebende Ziel" sei: im selben Atemzuge aber lehnt die Erklärung die neue Wahlkreiseinteilung nach den Grundsätzen der Gleichheit ab. Ferner heißt die Erklärung angesichts der „entgegenstehenden Anschauungen der StaatSregierung, des Herren- hauies und mächtiger Parteien des Abgeordnetenhauses" die»auf praktische Erfolge gerichtete Politik" des Zentrums gut. Bekanntlich hat aber die„StaatSregierung" das direkte Wahlrecht zugestanden; und eine der„mächtigen Parteien", die das geheime Wahlrecht für die Abgeordnetenwahl verhinderte, eS an die Junker verschacherte, war gerade daS Zentrum. Die ZenirumSerklärung wurde mit allen Stimmen der klerikalen Fraktion angenommen, worauf der Oberbürgermeister zu Protokoll gab. daß er den Beschluß beanstande, weil die Stadt- verordnetenversammlung zu einem solchen, soweit er sich mit all- gemeinen Fragen des Wahlrechts befasse, nicht zuständig sei. Die Liberalen hatten ihrem Antrag inzwischen auch die Form der Petition an Regierung und Landtag gegeben: die Abstimmung er- übrigte sich aber infolge der Annahme deS Zentrumsantrags. Fuistenautomobile auf Koste» des Volkes. Wie die„Rheinisch-Westsälische Zeitung" von militärischer Seite erfahrt, ist eine große Vermehrung des Antomobilparks der Heeresverwaltung vorgesehen, da 13 neue Wagen zu dem biöberigen Bestände zukommen. ES handelt sich dabei erstens um den Ankauf der 12 Fürsten automobile, die im vorigen Jahre dem Hofmarschallamt zur Beförderung der Fürsten und der Gäste deS Kaisers auf das Manöverfeld zur Verfügung gestellt waren. Die Automobile werden im Kaisermanöver dieses Jahres dieselben Dienste tun, wie im vorigen Jahre. Wir wisien bestimmt, daß der Reichstag für Fürstenautomobile keinen Pfennig bewilligt hat, und wenn diese vermutlich ganz be- sonders luxuriös ausgestatteten Automobile tatsächlich angekauft werden sollten, dann läge darin eine Verletzung des Budgetrechts. DaS fehlte noch, daß auf Kosten der Steuerzahler LuxuSautomovile für Fürstlichkeiten angeschafft werden. Zur Peusionsverficherung der Pridataugestellten. Das Rcichsamt des Innern hatte zum Sonnabend eine Kon- ferenz einberufen, zu der die Vertreter der freien Vereinigung für die soziale Versicherung der Privatangestellien, des HauptauS- schusses und des Verbandes Hirsch-Dunckerscher Gvlverkvcreine Ein- ladungen erhalten hatten. Das ReichSamt selbst war dabei durch die Geh. Obcrregierungsräte Dr. Beckmann und Koch ver- treten, die gleich zu Beginn erklärten, daß die Regierung den Gesetzentwurf über die Pensionsversichcrung der Privatangestellten auf der Grundlag« der zweiten amtlichen Denkschrift ausarbeite; es könne deshalb nicht über den Ausbau der Invalidenversicherung innerhalb der RcichSversicherungsordnung. sondern nur über die Pensionsversichcrung in Gestalt einer Sonderversicherung beraten werden. Da eö den Vertretern des Ausbaugedankcns unter diesen Umständen nicht möglich war, ihren grundsätzlichen Stqnd- Punkt ausführlich darzulegen, drehte sich die Debatte zum über- wiegenden Teile um verschiedene Einzelheiten der Son- dcrversicherung. Einen breiten Raum nahm dabei die Er- örterung der Frage ein, ob Ersatzinstitute zugelassen werden sollten. Die Vertreter der Regierung erklärten, daß sich die Re- gicrung darüber selbst noch nicht klar geworden sei. Auch bezüglich der Selbstverwaltung vermochten die Regierungsvcrtretcr noch keine näheren Angaben zu machen. Die Vertreter der H i r s ch- D u n ck e r schen Gewerkvercine wiesen unter anderem daraufhin, daß die Schaffung einer Sonder- Versicherung in der Arbeiterschaft berechtigte E'ntrüstung her- vorrufen werde und sie die Gelegenheit der ReichsvcrsicherungS- Ordnung benutzen würden, um für den notwendigen Ausbau der Invalidenversicherung in eine intensive Propaganda einzutreten. Ter Vorsitzende der Sicbencrkommission des Hauptausschusses glaubte für diesen Fall die Herausnahme aller Privatangestellten aus der Invalidenversicherung in Aussicht stellen zu müssen. Die Vertreter der freien Vereinigung präzisierten am Schluß das Ergebnis der Verhandlungen für sich dahin, daß sie durch den Verlauf der Debatte in ihren Grundanschauungen nicht erschüttert feien. Sobald der Gesetzentwurf vorliegen werde, wür- den sie positive Vcrbcsserungsvorschläge machen. Borläufig aber hätten sie keine Veranlassung, den Gedanken des Ausbaues fallen zu lassen._ Ter badische Finanzminister Dr. Hansell ist wegen Krankheit von seinem Amte zurückgetreten. Honsell stand seit einigen Jahren an der Spitze des badischen Finanzministeriums und vertrat hier den Standpunkt strengen SparenL, sowohl was sachliche, wie persönliche Ausgaben anlangt. Er stieß mit dieser Politik wiederholt auf scharfen Widerspruch, zumal sich seine Spar- theorie auch auf die Staatsarbeiter erstrecken sollte, denen er Be- gehrlichkeit vorwarf. Honsell war vor Uebernahme des Finanz- Ministeriums Wasserbautechniker. Sein Nachfolger ist Dr. Göller, bisheriger Direktor der Staatsschuldenverwaltung. Die„Unentwegten". Die Nationalliberalen der Provinz Brandenburg hielten gestern in Berlin einen Parteitag ab. Abg. Schiffer sprach über die Wahlrechtsvorlage und erklärte, daß die Nationalliberalen der Vor- tags in ihrer jetzigen Form unter keinen Umständen zustimmen werden. Eine in diesem Sinne gehaltene Resolution fand einstimmig Annahme. Nicht in der„jetzigen Form" 1 Aber wenn ihnen einige kleine Zugeständnisse gemacht werden, find die Nationcilliberalen zum Um- fall bereit._ Zuviel Sozialpolitik. Als die sächsischen Herrenhäusler am Freitag die Novelle zum Berggesetz berieten, die die Einführung von Sicherheitsmännern aus dem Arboiterstande in den Bergwerken bringt, nahm der Präsident der Leipziger Handelskammer, Kommerzienrat Zweiniger das Wort und führte aus, er habe zwar in der Deputation für den Gesetzentwurf ge- stimmt, halte ihn aber nicht für ersprießlich und für ganz überflüssig. Industrie. Handel und Gewerbe seien mit sozialpolitischen gewerblichen Gesetzen nnd den damit verbundenen Leistungen bereit» so beschwert, daß es notwendig erscheine, in der Gesetzgebung auf diesem Gebiete eine Pause eintreten und das Erwerbsleben zur Ruhe kommen zu lassen. Diese Warnung vor weiterer Sozialpolitik wurde von den Herren- häuölern mit lebhaftem Beifall aufgenommen und der Minister v. Riiger erklärte, daß er ganz derselben Meinung sei. Das Echo aus Schlesien. Bereits in Nr. 71 des„Vorwärts" vom 23. März konnten wir von einer erfreulich großen Anzahl schlesischer Gemeindewahl« siege berichten. Inzwischen sind die Gemeindewahlen abgeschlossen und daS Resultat ist wieder ein äußerst erfreuliches für uns. Zu den bereit» damals genannten Orten gewannen wir noch zwei Man- date in KunnerSdorf bei Kirschberg, zwei in Thomaswaldau bei Striegau, zwei in Heincrsdorf bei Grünberg, zwei in Stabil- witz bei Deutsch-Lissa, zwei in Gräben bei Striegau, drei in Ebersdorf bei Neurode, zlvei in Köbeln bei MnSkau. 3 in Walditz bei Neurode,— ja, sogar in OstroSnitz, Oberschlesiens schwärzestem Nest, gewannen wir 2 Mandate! Ferner gewannen wir neue Mandate in Klein-Tschantsch bei Breslau. Marschwitz(Kr. Neumarkt), Lugknitz bei MnSkau, Neudorf bei Neurode,»It-Lässig(Kr. Waldenburg), Steindorf bei Ohlau, Seiten- dorf bei Waldenburg, Rausse bei Nenmarkt, Oelse bei Freiburg, Ober-Herinsdors<11. und III. Klasse einstimmig!) Freiwaldau, Weißkeisel,(II. und III. Klasse!) Arnsdorf bei Reichenbach, Keula <3 Mandate in der II. und III. Klasse!) Klein-Gandau bei Breslau, Märzdorf bei Ohlau. Ströbel am Zobten, Hockenau Kr. Liegnitz. Poischwitz bei Jaucr, Tschirnitz bei Jauer, GinterS- dorf bei Striegau, Conradswaldau, Saarau bei KönigSzelt, Tiefenfnrt bei Bunzlau, Tiefenfurt bei Görlitz<2 Mandate), Schott« witz bei Breslau. Tillendorf hei Bunzlau(II. und III. Klasse!), Ober-, Mittel-Peilau, Herrnprotsch bei Breslau, Töppendorf(Kreis Strehlen). Im Kreise Waldenburg siegien unsere Genossen ferner in folgenden Orten: Altwasser(2 Mandate), Fellhaminer(Li, tartan(2), KonradSthal, Neusalzbruim, Ober-AdelSbach(3), olSnitz(2), WüstegierSdorf(2) und Weißstein(2). Dort haben wir jetzt viernial soviel Vertreter als vor zwei Jahren I In Klein- Leubusch bei Brieg ist die seit zwei Jahren bestehende. sozialdemo- kratische Mehrheil in der Gemeindevertretung durch neue Siege dauernd gefestigt worden. Dort fanden die Wahlen an einem Sonntag statt, wobei unsere Genossen in allen drei Klassen siegten. Dort haben nunmehr unsere Genossen von den 12 Sitzen neun inne, und von den übrigbleibenden drei Vertretern sind auch noch zwei mit unserer Hilfe gewählt worden I Ein durch und durch rotes Dorf also, wie man es weit und breit so leicht nicht wieder findet. Und es liegt fern von der Stadt, fast zwei Stunden ist es bis Brieg! Gegner erhalten dort fast gar keine Stimme mehr. Wer unsere Kandidaten nicht wählen will, bleibt der Wahl fern. Seit zehn Jahren sind dort unsere Genossen im Gemeindeparlamrut tätig, und Landrat. Amtsvorsteher, Lehrer und Geistliche haben nicht vermocht, das Vertrauen der Einwohner zur roten Mehrheit zu er- schüttern. Auch in Tillendorf bei Bunzlau sind von den zwölf Ber- tretcrn bereits sechs Sozialdemokraten. In Steindorf erhielt der bisherige gegnerische Vertreter ganze sieben Stimmen, unser Kandidat dagegen 11. Der Mann hatte sich ober in all den Jahren mir das Vertrauen von sieben seiner Freunde erworben! Und in Gräben erschienen die Gegner � überhaupt nicht mehr zur Wahl, wohl wissend, daß die Gemeindeangelegenheiten bei unseren Genossen in besten Händen sind.— jJm ganzen wurden in Schlesien bei den diesjährigen Gemeindewahlen über 50 neue Mandate er-hert und weitere 20 glänzend behauptet. DaS ist die einstweilige Antwort auf die Finanzreform und Bethmannsche AolkScntrcchnmg und die Ouvertüre zu der rotzen Generalabrechnung bei den nächsten ieichstagS wählen.— Demnächst finden in allen Bezirken Schlesiens Zusammenkünfte oller Gemeindevertreter auS Stadl und Land statt, in welchen die neuen Kräfte„einexerziert" und die wichtigsten Aufgaben eines sozialdemokratischen GemeindevertreterL besprochen werden sollen. Und zur selben Zeit, kaum daß die Wahlen geschlossen, beginnen die Genossen von Breslau bereits mit den Arbeiten zur Stadtverordnetenwahl, die im Herbst stattfindet und unserer Partei mindestens vier bis fünf neue Mandate bringen wird.. Verurteilte Borufseu. Die Leide» Mitglieder des Bonner Korps Borussia Gras Fink zu ginkeustein und Werner v. Ouistorp wurden wegen gemeinschaftlichen Hausfriedensbruchs zu je 11 Tagen Ge- fängnis verurteilt. ES handelt sich um den nächtlichen Einbruch bei dem Unter- offizier Feith._ Herabsevung des Brotpreiscs durch Anfhebnng des Oktrois. AuS Mannheim wird uns geschrieben: Der„Vorwärts" berichtete in seiner Mittwochnummer, daß die Aufhebung deS Oktrois unter anderem auch in Mannheim die Herabsetzung des Brotpreises um 2 Pf. auf den Laib zur Folge gehabt habe. Das ist ein Irrtum Ihres Korrespondenten, denn Mannheim hat seinen Oktroi aus Brot und Fleisch auf energisches Be- treiben unserer Rathausfraktion, die ein Drittel der Sitze inne Hat, bereits im Jahre 1896 aufgehoben. Wir hatten hier die durch den Oktroi bewirkte Preissteigerung also schon beseitigt, ehe die künstliche Ber- teuerung durch den neuen Zolltarif in Kraft trat und die Aufhebung durch Reichsgesetz für die anderen Städte nnSgefprochen wurde. Das Problem, auch ohne städtische Steuer auf notwendige Lebensmittel die kommunalen Einnahmen mit den notwendigen Ausgaben in Ein- klang zu bringen, Hot die Stadtverwaltung Mannheim schon vor 11 Jahren gelöst. Und daß wir dabei nicht schlecht gefahren sind, zeigt die Entwickelung unseres Gemeindewesens. Schweiz. „Schweizer zurücktreten!" Ans Zürich wird uns geschrieben: Von den in der Schwerz lebenden 106 000 Ausländern waren im Jahre 1900 268 131 Reichsdeutsche, von denen ein großer Teil hier geboren und aufgewachsen, aber nicht eingebürgert ist, so daß die jungen Leute sich bei erreichtem 20. Lebensjahre in einem deutschen Grenzorte zur Rekrutierung stellen müssen. ES ist nun bekannt, daß die deutsche Militärverwaltung die in der Republik aufgewachsenen jungen Deutschen, die von dem ganzen monarchischen Kram nichts wissen, mit schelen Augen betrachtet und von ihnen eine bedenkliche antimonarchisch- republikanische Jnfizierung der als „monarchische Untertanen" erzogenen und gedrillten Soldaten be- fürchtet. Zur Abwehr dieser großen, für Kaiser und Reich bedenl- lichen Gefahr wird bei der Rekrutierung nach der Parole verfahren: „Schweizer zurücktreten!" Kommen sie schließlich doch an die Reihe, so werden sie zunächst gefragt, wie lange sie schon in der Schweiz sind und wer schon zehn oder noch mehr Jahre hier weilte, also da aufgewachsen ist, der wird ohne weitere Untersuchung und Fomialität vom deutschen Militärdienst befreit. „ES scheint fast, meint dazu die katholische„Gchaffhauser Zeit.", als wollten die deutschen Militärbehörden den Schweizerbehürdcu einen Wink geben mit dem Zaunpfahl, damit sie diese jungen Leute, die in der Schweizerluft groß und stark geworden und Schweizerart und-Geist angenommen, doch endlich ohne viel Umstände einbürgere." Over war eS vielleicht die Furcht der AuShebungSoffiziere, die „Schweizer'-Rekruten könnten zu stark vom Sozialismus angesteckt sein? Wenn daS der Fall wäre, so wäre für die deutschen Rekruten ein sicheres Mittel gefunden, auf die„Annehmlichkeiten" des Königs Rock zu verzichten. Da aber trotzdem die deutsche Armee Hunderttausende Soldaten zählt, die von ihren sozialdemokratischen Eltern in republikanischem Geiste erzogen wurden, so wird die Vorsicht der deutschen Militär- behörden wohl nicht allzuviel nutzen. Frankreich. Schluß der Parlamentssession. Paris, 8. April. Nachdem Kammer und Senat sich in der Nachtsitzung über das Budget einig geworden waren, vertagten sie sich bis zum 1. Juni,. an welchem Tage die neugewählto Kammer zusammentreten wird. Cngiancl. Eine Sozlalreforwvorlage der Arbeitcrfraktion. London, 7. April.(Eig. Ber.) Der vor einem Jahre an dieser Stelle besprochene Minderheitsbericht der Kommission über Armen- gesetzgebnng wurde zur Grundlage einer Reformvorlage gemacht, die am 8. d. M. zur zweiten Lesung im Unterbause kommt. Der Titel der Vorlage ist:„I'rovontion ot vostitution Bill"(Vorlage betreffend Vorbeugung der Not). Sie enthält in juristischer Form die Reformvorschläge, die die Minderheit der Kommission in ihrem Berichte gemacht hat. Die Bill, die 16 Folioseiten stark ist, zerfällt in vier Teile: Der erste Teil enthält die Maßregeln zur Schaffung eines Arbeits- Ministeriums; der zweite Teil-- die Behandlung der hilfsbedürftigen Arbeitsunfähigen, also der armen Kinder, Greise, Kranken; der dritte Teil— die Behandlung der Arbeitslosen; der vierte Teil— die Anwendung auf Schottland. Die Bill bezweckt die Abschaffung der Armenräte, der Arbeits- Häuser und der ganzen Armenverwaltung, wie sie die Armengesetz- gebung vom Jahre 1331 geschaffen hat. Sie überträgt die Funktionen der Armenräte an die Gemeinderäte, deren Aufgabe eö ist, der Not vorzubeugen, aber nicht die Not zu brandmarken. Dann schafft sie ein Arbeitsministerium mit sechs Abteilungen, denen die staatliche Arbeits- losensürsorge, die Regelung der AlbeitSbedingungen und eines Teiles des ArbeitSinarkteS untersteht. Das von der Bill vorgesehene Arbeits- Ministerium erscheint als daS wichtigste administrative Werkzeug für die Umgestaltung deS gegenwärtigen Staates in einem von sozialen Gesichtspunkten geleiteten demokratischen Staat. Die Bill wurde von der Arbeiterfraktion vor einigen Wochen im Untcrhause eingebracht und gelangt jetzt in die zweite Beratungsstufe. Es ist indes sicher, daß sie in der laufenden Session keine Aussicht auf Fortschritt hat. Die Einbringung der Vorlage hat vorläufig nur eine agitatorische Bedeutung. Ciirhei. Der Aufstand in Albanien. Saloniki, 9. April. Der Ministerrat hat verfügt, daß nun mit Unterstützung der 23 Bataillone starken Truppe»macht die nötigen Reformen in Oberalbanien in kürzester Frist mit aller Energie durchgeführt und eine Volkszählung sowie eine Aufnahme des Besitzstandes vorgenommen werden sollen. Die Rädelsführer des gegenwärtigen AufstandcS sollen vor ein Kriegsgericht gestellt, daS Volk aber soll geschont werden. ?ZbeMnien. Niederlage der Partei der Kaiserin. Köln, 9. April. Der„Kölnischen Zeitung" wird auS Addis Abeba von heute telegraphiert: Ras Michael verhinderte einen Versuch des BruderS der Kaiserin, Ras Wolie, nach Addis Abeba durchzubrechen. Die nördlichen Provinzen verweigern NaS Wolie die Hceresfolge. Dadurch ist der Friede gesichert. Amerika. Marinebauten. Ncw Uork, 9. April. Das Repräsentantenhaus nahm daS Marine- Programm, das zwei Schlachtschiffe für je 11 Millionen Dollar vorsieht, an. Der Vorschlag, nur eins zu bauen, wurde mit 60 Stimmen Mehrheit verworfen, ebenso die Anträge, drei bezw. vier Schisse zu bauen. Gewerkfcbaftlicbee. Cin Kongreß der gewerhfcbaftUdi organisierten Hrbeiter und Angestellten l)eutsd?lands. Der dein Reichstage kurz vor den Osterferien zugegangene Entwurf einer Reichsversicherungsordnung bringt neben einigen notwendigen und seit Jahren erwarteten Reformen derart erhebliche V e r s ch l e ch t e r u n g e n für die versicherte Arbeitcrsckiast, daß derselbe den einmütigen Protest der ge- samten Arbeiterschaft herausfordert. Bereits der vorjährige, zur öffentlichen Diskussion gestellte Vorentwurf begegnete in den Kreisen der Versicherten und Arbeitgeber einhelliger Zurückweisung. Ter neue Entwurf hält im wesentlichen an den reaktionären Plänen der Reichsrcgierung gegen die Selbstverwaltung der Versicherten fest und es bedarf der tat- kräftigsten Agitation der Arbeiterschaft aller Organisations- richtungen, um rechtzeitig auf die Beratungen des Entwurfs iin Reichstage Einfluß zu gewinnen. Es war anzunehnren, daß die erste Beratung im Reichs- tage kurz vor der Vertagung des letzteren stattfinden und der Entwurf einer Kommission zugewiesen würde, die während des Sommers tagen sollte. Nunmehr berichtet die Tages- presse indes, daß beabsichtigt sei, die Vorlage jchon in der ersten Woche nach dem Zusammentritt des Reichstages, also in der Zeit vom 12. bis 16. April, in erster Beratung zu erledigen und eine Verständigung in der Kommission über die neuen Grundzüge der Reform noch vor der Vertagung des Reichstages herbeizuführen. Die letztere ist bereits für die erste Woche im Mai vorgesehen. Dieses beschleunigte Tempo der Verabschiedung eines so umfangreichen Gesetzeswerkes zwingt die Arbeiterschaft, s o- fort Stellung zu dem Entwurf zu nehmen und ihre Forderungen geltend zu machen, denn jede Aktion der Arbeiter- schaft, mn auf die Gestaltung des Gesetzes einzuwirken, würde vergeblich sein, lvenn die Grundzüge des Gesetzes bereits in der Kommission festgelegt sind. Die Gcneralko in Mission der GeWerk- schaften Deutschlands hat die Veranstaltung eines Allgemeinen Kongresses aller gewerkschaftlich organisierten Arbeiter und Angestellten Deutschlands zum 23. April d. I. in Berlin in Aussicht genommen. Zu diesem Kongreß sollen alle Organisationen gewerkschaftlichen Charak- ters zugelassen werden, und es sind bereits die ent- sprechenden Einladungen an die Zentralverbände, sowie an die Zentralen der Hirsch-Dunckersche» Gewcrkvereine, Christ- lichen Gewerkschaften und die Polnische Bcrufsvereinigung ergangen. Auch die sonst bestehenden Organisationen gewerk- schaftlichcn Charakters von Arbeitern und Angestellten, die keiner Zentrale angehören, können an diesem Kongresse teilnehmen und wollen sich diesbezüglich mit der unterzeichneten Generalkommission in Verbindung setzen. Das Tagungslokal sowie die Tagesordnung und die Referenten des Kongresses werden bekannt gegeben, sobald ein Einverständnis darüber mit den übrigen Gewerkschafts- zentralen erzielt ist. Wir bitten alle Gewerkschaften Deutschlands, ungesäumt zu diesem Kongreß Stellung zu nehmen und hoffen, daß die Beteiligung an demselben der Bedeutung der notwendigen Abwehraktion entspricht. Außerordentliche Umstände sind es, die ein rasches Handeln bedingen. Die deutsche Arbeiter- schaft wkkd zeigen, daß sie ihre Rechte und Interessen wohl zu wahren weiß. Die Generalkommission der Gewerkschaften Deutschlands. C. Legten, Berlin 60. 16, Engelufer 14/13. Bcrtin und Omgegend. Die Krisis im Baugewerbe. Der„Verband der Baugeschäfte von Berlin und den Vororten" hat aus Anlaß der gestrigen Abstimmung über die Schließung der Baugeschäfte folgendes Rundschreiben an seine Mitglieder «rlasten: „Dia gestrige Besprechung zwischen dem Vorstand des Deutschen Arbeitgeberbundcs für das Baugewerbe und den Hauptvorständen der deutschen Bauarbeiterorganisationen, die auf Veranlassung der Regierung stattfand, hat zu keiner Ver- ständigung geführt. Die Verhandlungen über cin neues Tarif- vertragsmustcr für ganz Deutschland sind demgemäß als«nd- gültig gescheitert anzusehen. Infolgedessen hat der Vorstand des Deutschen Arbeitgcbcrbundes für das Baugewerbe gestern abend beschloffen, daß alle Baubetriebe der dem Deutschen Arbeit- geberbund angeschlossenen Verbände am 15. April abends ge- schloffen werden. Damit sind die Würfel gefallen. Was den Bezirk unseres Berliner Verbandes anlangt, so habe» wir Ihnen ja bereits mitgeteilt, daß wir mit Wissen des Deutschen Arbeitgeberbundes für das Baugewerbe noch weitere Verhandlungen mit den hiesigen Organisationen der Arbeit- nehmcr führen werden und das? bis zum Abschluß dieser Ber- Handlungen die Tarifverträge in Geltung bleiben. Wir bitten Sie daher nichts zu unternehme», sondern ruhig weiterarbeiten zu lassen, bis Ihnen weitere Mitteilungen durch uns zugehen. Wir setzen als selbstverständlich voraus, daß die Anordnungen des Verbandsvorstandes von jedem unserer Kollegen genauestens befolgt werden. Die weiteren Verhandlungen mit den hiesigen Arbeitnehmerverbänden finden in der kommenden Woche statt." ' Die Berliner Zimmerer hielten am Freitag abend eine Ge« neralvcrsammlung ab, in der sie sich einstimmig mit den Beschlüssen der Delegierten auf der Generalversammlung einverstanden «rtlärtcn. ». In einer stark besuchten Bauvertraucnsmänner-Versammliing, die der Zentralvcrband der Töpfer zum Freitag abend nach dem Gcwerkschaftshnuse einberufen hatte, wurde die gegenwärtige Lage im Baugewerbe besprochen. Segawe erklärte unter der Zu- stimmung der Versammelten, daß den Bauarbeitern in ihrem Kampfe die volle Sympathie und die Unterstützung der Töpfer sicher sei. Obgleich die Töpfer gegenwärtig nichts zu befürchten hätten, so müsse doch damit gerechnet Werden, daß ein Erfolg bei den Bauarbeitern die Angriffslust der Unternehmer auch bei den übrigen Gruppen im Baugewerbe weckt. Im Bauarbcitgeberkartell sind auch die Töpfermeister vertrete», und wenn im Baugewerbe irgendwo ein Kampf ausbricht, müssen die Töpfer auf der Hut sein. Bei dem bevorstehenden Kampf werden sie natürlich stark in Mitleidenschaft gezogen und da gilt es beizeiten, entsprechende Maß- nahmen zu treffen. Die Organisation muß gestärkt wordene, gute Fonds müssen da sein. Der Vorstand empfiehlt, daß nach Ausbruch des offenen Kampfes die jungen Leute und die Ledigen sofort Berlin verlassen und sich auf dem Lande Arbeit suchen. Wenn die Arbeit dort auch nicht so lohnend ist, so müssen solche Opfer doch im In- tercsse des Gesamtwohls gebracht werden. Von einer Besserung der Lage im Töpferbcruf hatte man sich für die nächste Zeit in Berlin recht viel versprochen. Gegenwärtig sind W Bauten iii Arbeit und auf dem Arbeitsnachweis liegen noch 453 Arbeitslose: aber dieser Zustand ist hauptsächlich auf den zur- zcit vorherrschenden AÄangel an Kachelzeug zurückzuführen. Für die nächste Woche schon rechnete man darauf, alle Arbeitslosen unterzubringen.__ Berantw. Redalt,: NscherV Barth, Kerlin. Inseratenteil veraptw, Am Laufe der Versammlung würde das negative Resultat der Verhandlungen zwischen den Parteien im Baugewerbe unter Vermittelung der Regierung bekannt, und die Ueberzeugung herrschte vor, daß nunmehr der Krieg unvermeidlich sei. Segawe machte noch einige Mitteilungen, den Töpfcrtarif be- treffend, über den hier und da noch manche Unklarheit herrscht: er gab auch bekannt, daß in den Orten an der Ostbahn, bis Straus- berg, der Tarif gekündigt worden sei, weil sich dort eine Neurege- lung der Dinge, die in einer Versammlung am 8. Mai in Mahls- darf besprochen werden soll, notwendig machte. Ferner erwähnte er, daß für Fliescnarbeit, die Töpfer auszuführen hätten, ein bc- stimmter Tarif noch festzulegen sei. Die Unternehmer verlangen, daß die Töpfer nicht mehr berechnen wie die Fliesenleger. Holzbildhauer! In Rabenau stehen 65 Kollegen in Streik. Da vermutet wird, daß Streikarbeiten hier in Berlin gefertigt werden, machen wir die Kollegen darauf aufmerksam. Sie wollen die ihnen vorgegebenen Arbeiten auf ihren UrsprungSort hin prüfen und even- tuell zurückweisen. AllcS Nähere in unserem Bureau Engelnfer 14 IV, Zinnner 83. Es handelt sich um Stuhl- und Möbelarbcit in besserer Ausführung. Zentralverein der Bildhauer Deutschlands. Die Branchenkommission. Achtung, Fleischer! In der Wurstfabrik von Karl Kisch, Linden- straße 165, sind Sonnabend sämtliche organisierte Kollegen wegen Lohnstreitigkeiten entlassen worden. Vor Zuzug wird hiermit dringend gewarnt. Verband der Fleischer, OrtSverwaliung Berlin. Oeutfebeo Reich. Die Erfolge der Tarifbewegung in der Holzindustrie lassen sich erst jetzt, nun die Bewegung ihrem Ende zuneigt, in vollem Umfange übersehen. Es wurde erreicht an Arbeitszeitverkürzung: In 2 Städten mit 1900 Arbeitern 3 Stunden pro Woche , 8.. 2120 2... . 20.. 10970„ 1... Lohnerhöhung: In 2 Orten mit 400 Arbeiten! 3 Pf. pro Stunde .5„„ 16 000, 3-/2..„ . 19„„ 13740 4.„ „16„„5 170„ 5„„„ „ 2„„ 1 250» 0««„ Auch in den Orten, in denen zunächst eine Verständigung zwischen Parteien nicht zustande kam, gelingt es dem Bemühen der beiderseitigen Zentralvorständc, nach und nach eine Einigung herbei« zuführen. Bisher ist cS nur in einem Falle, bei der Firma Hey mann in Essen«Krah zum Ausstand gekommen, weil die Firma sich hartnäckig weigert, den getroffenen Vereinbarungen zu entsprechen. Die Holzarbeiter hoffen, den Herrn Heymann binnen kurzem zur Anerkennung deS TarifeS zu bringen. Eine Tarifbewegung der Flöfter. Für die Flößer der Drage von Zuchow-Mühle nieder- wärts bis Stettin ist durch die Organisation ein Tarif an die Expeditionsgeschäfte eingereicht worden. Eine Antwort der Unter- nehmer wird zum 12. April er. erwartet. Erst im letzte» Jahre hat in dieser weltabgeschiedenen Gegend die Organisation Eingang gefunden. Es ist dies daher die erste Forderung, die die Flößer stellen. Mer Wahrscheinlichkeit nach wird es zum Streik kommen._ Einen Tarifvertrag für die Dauer von drei Jahren haben die organisierten Sckuhmachergehilfen in Solingen mit der Zwangs- innung der Schuhmachermeister abgeschlossen. Der Tarif tritt am 1. Mai in Kraft und bringt den Arbeitern eine Lohnerhöhung von 5 bis 15 Prozent. Ein Antrag der Gehilfen, in den Tarifvertrag die Bestimmung auszunehmen, den 1. Mai als gesetzlichen Feiertag zu erklären, glaubten die Innung?- meister nicht annehmen zu können: sie gaben jedoch die Erklärung ab, daß Maßregelungen von Arbeitern, die den 1. Mai seiern, nicht vorkommen sollten._ Die Maschinenfabrik Augsburg im Kampfe gegen die Techniker. Wie seinerzeit berichtet, hatte die Maschinenfabrik Augsburg den Ingenieur Scheid vom Bunde der technisch-industriellen Beamten wegen seiner Zugehörigkeit zur Organisation gemaßregelt und ihm den Zuttitt zur Fabrik verweigert, jedoch weder den fälligen Gehalt ausbezahlt, noch ein Zeugnis ausgestellt. Auf erfolgte Klage wurde die Maschinenfabrik Augsburg vom Land- gericht Augsburg verurteilt, dem Kläger Scheid 1000 Mk. Gehalt nebst Zinsen zuzuschicken und ihm ein Zeugnis auszustellen. Gegen dieses Urteil hatte die verurteilte Firma Berufung zum Oberlandes- gericht eingelegt. In dieser Sache war zuni 7. April Termin an- gesetzt. Die Maschinenfabrik hat es nun in Voraussicht einer neuen Niederlage vorgezogen, den Anspruch der gegnerische» Partei voll zu erfüllen und zum Termin nicht zu erscheinen. Die Streitsache hat damit ihre endgültige Erledigung zugunsten des Klägers Scheid ge- funden. Das scharfmacherische Vorgehen der Maschinenfabrik Augs- bürg gegen die Mitglieder des Bundes technisch-iudustrieller Beamten ist kläglich inS Wasser gefallen._ Die Differenzen in der Luxuspapierfabrik von Beger u. Röckl in München sind durch Verhandlungen ausgeglichen worden. Es handelte sich darum, daß die Firma eine neue Arbeitsordnung zum Aushang brachte, durch deren Bestimmungen die bisher übliche Be> zahlung der Feiertage in Wegfall kommen und auch der tariflich zu- gesicherte Minimallohn eine Einschränkung erfahren sollte. Nachdem Vertreter des Buchbinderverbandes bei der Firma vorstellig geworden waren, ließ diese sich bereit finden, die beanstandeten Bestimmungen zurückzunehmen. Husfond. Die Maflenaussperrung in Dänemark, die ja. nachdem sie eine Woche hinausgeschoben worden war. gestern durchgeführt werden sollte, ist»ach den jetzt vorliegenden Mitteilungen glücklich abgewehrt. Die Verhandlungen, die in der verflosseiicii Woche zwischen den Borständen der Hauptorganisationen der Arbeiter und der Arbeit- gebcr und in nicht weniger als 11 UnterauSschüffen gepflogen wurden, haben zu einer Einigung geführt, durch die der allgemeine Kampf, den die leitenden Personen der Arbeitgcbcrvereinigung heraufbeschwören wollten, vermieden wird. Hus der frauenbewegung. Die Arbeitcrinneubewegung in Steiermark. Die österreichische Arbeiterinnenentwickclung entwickelt sich von Provinz zu Provinz. Zuerst wurden die industriereichcn Länder: Böhmen, Niederösterreich, Mähren und Schlesien mit einem Netz von Fraucnorganisationen umzogen. Frauenkonferenzen wurden überall abgehalten, Landeskomitees der Frauen eingesetzt und eine systema- tische Agitaiionsarbeit unternommen. Nachdem dies geschehen. kamen die Agrarländer an die Reihe: Obcröstcrrcich, dann Salzburg, und am Sonntag, den 3. A p r i l, hatte Steiermark die erste F r a u en- Lan d e s k o n fe re n z. Die Gcnossimicn der viel besungenen Steiermark können stolz sein auf die bisher vollbrachte Arbeit und auf ihre Tagung. Nicht erst grundlegende Arbeit hatte hier die Frauenkonferenz zu leisten; sie konnte weiterbauen. Durch die Energie und den rastlosen Fleiß einiger Grazer Genossinnen wurde in der Landeshauptstadt vor einem Jahre die erste politische Jraucnorganisation mit 57 Mit- Utz. Glocke. Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr.u. Verlagsanstalt gliedern gegründet. Der Konferenz konnte schon über 500 politisch organisierte Frauen berichtet werden und in vielen Orten ist die Gründung vorbereitet. Die Konferenz verlief so glänzend, sie löste eine so begeisternde Wirkung aus. daß sich die Früchte bald zeigen werden. Ter„Arbeiterwillc", das Tageblatt der Steiermärkischen Sozialdemokratie, schrieb nach der Konferenz:„Wir wünschen, daß alle Tagungen von Männern auf solcher Höhe stehe» würden, wie die der Frauen." Aus sechzehn Orten waren dreißig Delegierte gekommen. Von Jndustriearbeiterinnen waren nur einige aus der Tabakindustrie anwesend, die anderen waren aus den Gebieten, wo die Männer in der Eisen- und Montanindustrie arbeiten oder im Eiscnbahndienst beschäftigt sind. Bei diesen Frauen siel der sozial« demokratische Gedanke auf fruchtbaren Boden und bei der Konferenz sah und hörte man Arbeiterfrauen, denen'die Sozialdemokratie Lcbcnsnotivendigkeit geworden ist. Der Kapitalismus mag sie von Ort zu Ort Hetzen, unwandelbar bleibt ihre sozialistische lieber- zeugung.— Die Genossinnen, die aus den verschiedensten Orten Stciermarks gekommen waren, der berühmte Kurort Aussee war ebenso vertreten wie Krieg lach, die Heimat Rosseggers, Mürz- Zuschlag, Marburg. Leoben, Knittclfeld und alle die kleineren Orte des MürztaleS hatten auch manche Klage vorzubringen, Klagen, die nirgends fremd sind, wo die Arbeitermnenbewcgung in der Entwickelung begriffen ist. Unverständnis und Gegnerschaft von Seite der Genossen. Das ist zwar das Bitterste, das den Genossinnen widerfahren kann, aber schon auf der Konferenz wurde darauf hin« gewiesen von Genossen Dr. Schacher l, daß die Anschauungen und Meinungen der herrschenden Klassen im Staate lange Zeit hin- durch die Anschauung und Meinung auch der unterdrückten Klasse bildeten. Da die Frau seit uralten Zeiten als die Minderwertige gilt und schon in der Religion als das„Gefäß der Sünde", als die „Verführerin zum Bösen" hingestellt wird, so ist es kein Wunder, wenn auch die Männer der Arbeiterklasse lange Zeit über die Stellung der Frau befangen sind und schwere Mühe haben, sich davon zu befreien. Die Männer haben zu wählen, ob sie die Frauen als Mitkämpferinnen oder als Gegnerinnen haben wollen, meinte Genosse Schacherl, und wir zweifeln nicht, daß alle, die heute noch mißbilligend auf die Organisations- bestrebungen der Frauen blicken, richtig wählen werden, wenn sie erkennen, wie gefährlich die unaufgeklärte Arbeiterin als Kon- kurrcntin und wie schädigend die indifferente Arbeiterfrau als Werkzeug der Reaktionäre mit und ohne Kutte ist. Haben doch die Steiermärkischen Genossinnen auch berichtet, wie sie von den Ge- nossen unterstützt werden und von den Vertrauensmännern jede Hilfe finden. Die Konferenz hat ein Landesstatut beschlossen, das sich jenem der anderen Länder anpaßt. Ein Lmrdesftaucnkomitce wurde zur Leitung der Agitation eingesetzt und die Landcspartci- Vertretung überläßt dem Komitee von den Parteibeiträgen der weiblichen Mitglieder je 2 Heller zur Bestreitung der Auslagen. Eine besoldete Genossin— Marie Koch— steht an der Spitze des Komitees und ist unermüdlich tätig, die Frauen der Partei zu- zuführen, sie zu bilden und aufzuklären. Die Konferenz nahm auch einen Antrag an, in allernächster Zeit in allen Orten Stciermarks eine Aktion für die Beseitigung des§ 30 de» Vereinsgesetzes zu veranstalten. Das ist der Paragraph, der die Frauen von poli« tischen Vereinen ausschließt und der es notwendig macht, daß sich die Frauen außerhalb der sozialdemokratischen Parteivereiiie organi. siercn. Da diese Aktion für ganz Oesterreich vorbereitet ist, so kann man erwarten, daß eine große Anzahl bisher indifferenter Frauen aufgerüttelt und für die Frauenorganisation gewonnen werden. Moloch Kapital. Eine amerikanische Zeitschrist stellt fest, daß die Kinderschutz- gesetze im Lande des Dollars einfach verlacht werden. Kinder jeden Alters können arbeiten so viel sie wollen. Wohl werden die ge- werblichen Betriebe amtlich inspiziert, aber die Inspektoren be- kommen diese Kinder nie zu sehen. Man bringt sie, wenn„Gefahr droht", in versteckten Abteilungen unter. Schweizerische Arbeiteriuueubcwcgttiig. Der in Winterthur domizilierende Zentralvorstand dos Schwei- zerischen Arbeiterinnenverbandes veröffentlicht in der letzten Nummer seines Organs, der„Vorkämpferin", den Jahresbericht für 1909/10, dem zu entnehmen ist, daß sich der Verband in der Be- richtsperiode behauptet und in einzelnen Sektionen wohl auch weitere Fortschritte gemacht hat. Die Einnahmen betrugen 958,36 Frank, die Ausgaben 488,28 Frank, der Vermögensbestand bcläuft sich auf 375,02 Frank. Der Preßfonds beträgt 372,55 Frank. Von den Sektionen veröffentlichen nur einige Jahresberichte, aus denen hervorgeht, daß zum Teil eine recht rege Tätigkeit, namentlich durch die Abhaltung von Vorträgen, entfaltet wurde. Daneben wurden verschiedene praktische Kurse in der Kochkunst usw. veranstaltet und durch Ausflüge, Abendunterhaltungen, Ehrist- baumfeiern das gesellige Leben gepflegt. In mehreren Vereinen wurden die Kinder der Mitglieder zu Weihnachten beschert. An den Veranstaltungen der gesamten Aroeiterschaft, wie z. B. der Mai. feier, beteiligen sich ausnahmslos alle Arbeiterinnenvereine, wie sie auch bei Streiks, Wahlen und anderen Anlässen ihre Solidarität betätigen. In Winterthur und Basel wird von den Frauen auch der Gesang gepflegt. Am 22. Mai d. I. hält der Verband in Zürich seine Delegierten» Versammlung ab._ In der Baumwollindustrie von Lancashire werden 250000 Männer und 400 000 meist unorganisierte Frauen beschäftigt, unter denen sich nicht weniger als 80 000 verheiratete Frauen be« finden. Im Zeitalter des Kapitalismus bedeutet dieser„Siegeszug der Frauenarbeit" Unterbietung der Männerlöhnc, Arbeitslosigkeit der Männer, Vernachlässigung der Kinder. Raubbau an der Kraft der Frau und— damit unvermeidlich verbunden— allgemeine Ber, armung und Degeneration der Rasse. l�et2te IVacbncbten und Depefcben. Gelinde Strafen für Soldatenschinder. Halle a. S., 9. April.(W. T. B.) Das Kriegsgericht der 8. Division verurteilte heute nach dreitägiger Verhandlung, in der 42 Zeugen vernommen wurden, den Rittmeister Seubert vom 7. Kürassierregiment in Halberftadt wegen Nichtweitergabe einer Meldung über Mißhandlung eines Untergebenen zu 7 Tagen Stuben- arrest, Leutnant Wuthenau wegen vorschriftswidriger Behand- lung Untergebener in zwei Fällen zu drei Tagen Stubenarrest. zwei Sergeanten und zwei Unteroffiziere wegen zahlreicher Körperverletzungen und vorschriftswidriger Behandlung Untergebener zu je sechs bezw. fünf Wochen Mittelarrest und einenGefreitenzu fünf Tagen Mittelarrest. Zwei Angeklagte wurden freigesprochen. Schweres Automobilunglück. Wien, 9. April.(W. T. B.) Heute nachmittag ereignete sich in H u e t t e l d o r f bei Wien ein Automobilunglück. Der Chauffeur des Automobils hatte d r e i K e l l u e r i n n c n zur Fahrt eingeladen, außerdem machte derBerlinerMecha- uiker Harrdtl die Fahrt mit. Man vermutet, daß der Chauffeur eine Kurve zu scharf genommen und an eine Barriere angefahren ist. Die Insassen wurden herauSgc« schleudert, ausgenommen der Chauffeur. Zwei Personen wurde» getötet» zwei schwer verletzt, darunter der Mechaniker Haerdtl. Der Chauffeur blieb anscheinend unversehrt: er wurde verhaftet. Das Automobil ist fast vollständig zertrümmert. Der Besitzer deS Automobils ist der B e r l i n e r F a b r i, kant Rühling.______________ Paul Gingcr fi: Eo,, Berlin SW,' Hierzu 5 Beilagen, Nr. 83. 27. Jahrgang. 1. KcilM Ks Joritärts" ßttliutt WlksM Sonntag. 10. April 1910. Hbgeordnetenbaus« 44. Sitzung am Sonnabend, den 9. April, vormittags 11 Uhr. Am Ministertisch: v. Breitenbach. Die zweite Beratung des Bauetats wird fortgesetzt. Zur Erweiterung des Schutzhafens bei Hameln Verden 50 000 M. als erste Rate bewilligt. Für den Umbau im Saal und Bureaugeschotz des Geschäftsgebäudes!für das Abgeordnetenhaus werden 49 000 M. verlangt. Die Budgetkommission hat diese Forderung gestrichen. Die Abgg. Graf Spee(Z.) u.Gen. beantragen die Wiederher- stellung des Titels mit Rücksicht auf die Notwendigkeit einer geeigneten räumlichen Verbindung der Bibliothek mit den Lese- sälen und dem Plenarsaal. Abg. Frhr. v. Maltian(k.) bittet mit Rücksicht auf die Finanz- läge, diesen Umbau noch zu vertagen. Abg. Dr. Wagner(fk.): Der Aufenthalt in der Bibliothek ist für uns Abgeordnete sehr unbehaglich. Neben den jungen Herren, die da ihre Examenarbeiten machen, fühlt man sich sozusagen nur geduldet.(Heiterkeit.) Sparsamkeit ist sehr schön, aber Spar- samkeit am eigenen Leibe ist gefährlich.(Heiterkeit.) Der Leib des HauseS ist das Geschäftsgebäude und die Bibliothek ist das Gehirn des Hauses.(Heiterkeit.) Für dies edelste Organ wollen wir nicht sparen.(Bravo!) Nachdem noch die Abgg. Peltasohn(Fortschr. Vp.) und Winckler (!.) für den Antrag Spee, der Abg. Schrödcr-Kafsel dagegen ge- sprachen hat, schließt die Debatte. Der Titel wird gemäß dem Antrage Spee bewilligt. Der Rest des Etats wird debattelos genehmigt. Es folgt die erste Beratung des Gesetzentwurfs betr. die Ber- mcidung von Doppclbesirnerungen bei Heranziehung zu direkten Komninnalsteuern in verschiedenen Bundesstaaten. Nachdem sich die Abgg. v. Schmcling(k.), Dr. Wendlandt(natl.). Kirsch(Z.) und Dr. Arendt(fk.) für die Vorlage erklärt haben, schließt die Debatte. Es folgt die erste Lesung des Gesetzentwurfs betr. die Ber- Pflicht» ng zum Besuch ländlicher Fortbildungsschulen in der Pro- vinz Schlesien. Abg. v. Prittwib(k.) beantragt die Ueberweisung der Vorlage on die Gemeindekommission. Abg. Geisler(Z.) begrüßt die Vorlage. Die FortbildungS- schulen hätten auch die wichtige Aufgabe, den Bestrebungen der Sozialdemokratie auf Erziehung der Jugend in ihrem Geiste entgegenzuwirken. Redner beantragt die Ueberweisung der Vor- läge an eine besondere Kommission. Landwirtschaslsminister v. Arnim betont, daß der KreiSauS- schuß durch die Vorlage nur das Recht erhalte, die bestehenden Fortbildungsschulen obligatorisch zu gestalten, nicht aber gegen den Willen der Gemeinde FortbildungSschlilen einzuführen. Abg. Witzmann(natl.) erklärt daS Einverständnis seiner Freunde mit der Vorlage. Abg. Hoff(Fortschr. Vp.): Wir stimmen der Vorlage zu und wünschen nur, daß solche Bestimmungen für die ganze Monarchie getroffen würden. Warnen möchte ich davor, politische Momente in die ländlichen Fortbildungsschulen hineinzutragen, wie das Herr Geisler wollte. Nichts ist mehr geeignet, das Vertrauen der Be- völkerung in diese Schulen zu erschüttern. Von einer zunehmenden Zucktlosigkeit auf dem Lande, wovon die Begründung der Vorlage spricht, habe ich nichts bemerken können, sondern eher das Gegen- teil. Sehr wichtig ist eine angemessene Bezahlung der Lehrkräfte an diesen Schulen. Den im Herrenhause vorgeschlagenen Weg der Schaffung besonderer Seminare für Stadt- und Landschulen wird die Regierung hoffentlich nicht betreten. Ebensowenig wird sie wohl dem Vorschlage des Herrn v. Bissing im Herrenhause folgen, verabschiedete Offiziere zu Lehrern in den Fortbildungsschulen zu machen... �. Abg. Winckler(I.) wünscht Einführung ahnlicher Maßnahmen für Pommern und Westfalen. Die Aeußerung über die zunehmende Z u ch t l o si gleit der Jugend trifft durchaus zu. Das ist freilich in den Städten genau so wie auf dem Lande. Landwirtschastsminister». Arnim erwidert dem Vorredner. kleines feuilleton. Welch eine Wenclung durch— lagows fllgung. Kreßstimmen zum freien Recht auf die Straße. „Deutsche Tageszeitung":„Die Wsedereinführung der Prügelstrafe gegen nachgiebige Polizeipräsidenten ist ein dri>n- gendes Erfordernis der Zeitlage. Wohin soll die Landwirtschast geraten, wenn schließlich jeder Mistjunge, dem zufällig die Stall- aufsicht anvertraut worden ist, sich untersteht, eigenmächtige An- ordnungen treffen? DaS ist Revolte! Das ist Anarchie! Ja mehr, das ist beinahe ZukunstsstaatI Es bedeutet eine beisviellose Unsicherheit des öffentlichen Verkehrs, wenn Hunderttausende auf einfaches Hochheben eines mit einer Binde versehenen, nicht am Leibe eines Polizisten angewachsenen Arms derart reagieren, daß sie selbst jedem Kinderwägelchen oder Hofautomobil ungehemmt freie Passage lassen. Landwirte I Hierauf gibt es nur eine Ant- wort: Die Bastonade für den Schuldigen! Wenn nicht, so ver- kaufen wir unsere Güterkomplexe zu 8 Groschen den Hektar an unsere Polacken als Laubengelände und wandern nach Hereroland aus. Nachher kann der Polizeipräsident zusehen, wo er seinen Bedarf an Butter, Karbonaden und Kartoffelschnaps herbekommt!" „Die Post":„Unerhört! Selbst der verstockteste„Post"-Esel kapiert nachgerade, was ein Zickzackkurs ist. Wir möchten doch eine psychiatrische Beobachtung empfehlen; denn nur ein nnheil- bares Delirium pflegt solche Abweichungen von der geradlinigen Bewegung hervorzurufen. Die Sehnsucht nach Sinnesgemeinschaft mit den Ballonmützenbrüdern aus der Lindenstr. 89(dritter Hinter- Hof vier Treppen l) ist schon für sich ein Zeichen pathologischer Degeneration bei einem Manne, dem man bedauerlicherweise eine Beletage nach vorn heraus als Dienstwohnung eingeräumt hat." „L o k a l- A n z e i g e r":.Die gespannteste Aufmerksamkeit der ganzen Welt ist auf diese sensationelle Meldung konzentriert. In den Wandelgängen der Parlamente der ganzen Welt gibt es zurzeit kein anderes Gesprächsthema. Unsere Spezialkorrespon- denten in der ganzen Welt kabeln unserem Weltblatt unausgesetzt die kostspieligsten Funksprüche über die fabelhaften Wettsummen, die an allen Börsen auf den glücklichen Ausgang des Ereignisses gesetzt werden, weshalb wir allen übrigen Text aus den Welt- berühmten Spalten unseres Blattes wieder ausbrechen mußten, um uns zur politischen Aufklärung der Leser einzig mit dem zu beschäftigen, was das Herz jedes echten Deutschen höher schlagen macht. Ein außerordentlicher Staatsrat ist einberufen und berät seit 3 Uhr 14 Minuten nachts, wie wir schon im Extrablatt(un- entgeltlich in beliebiger Anzahl!) mitteilten, über Mittel und Wege, in Zukunft die„freie Passage" verfassungsmäßig zu garantieren. Am Königlichen Hofe trafen von allen Potentaten der Welt landesväterlich mitempfundene Telegramme ein, die wir nunmehr in ihrem vollen und ganzen Wortlaut folgen lassen usw. usw."(Es handelt sich einzig um eine versetzte Blähung Ihrer k. k. Hoheit der Prinzessin Mariechen in und zu Little Popo bei Westafrika.) daß ähnliche Bestimmungen wahrscheinlich noch in dieser Session vorgeschlagen werden sollen für die Provinz Sachsen. Pommern. Westfalen. Rheinprovinz und wahrschein- lich auch B.r a n d e n b u r g. Abg. Frhr. v. Zedlitz(fk.): Wenn die Auslegung des Ministers über die Befugnisse der Kreisausschüsse zutrifft, wird die Vorlage gerade für die national gemischten Provinzen ein Schlag ins Wasser sein, denn dort werden vielfach die Gemeinden nicht geneigt sein. Fortbildungsschulen einzurichten. Die Vorlage wird daher noch in der Richtung zu ergänzen sein, daß die Kreisausschüsse das Recht erhalten, auch gegen den Willen der Gemeinde die Er- richtung von Fortbildungsschulen anzuordnen. Die Hauptaufgabe der Fortbildungsschulen ist vaterländische und königstreue Ge- sinnung in der ländlichen Jugend zu pflegen. Damit schließt die Debatte, der Entwurf wird der Gemeinde- kommission überwiesen. Eine schon vom Herrenhause beratene Novelle zum Gesetz von 1900 betr. das Ruhegehalt der Organisten, Kan- to ren und Küster und die Fürsorge für ihre Hinterbliebenen in der evangelischen Landeskirche wird in erster Lesung erledigt. Die zweite Lesung wird ohne Kommissionsberatung im Plenum stattfinden. Hierauf vertagt sich das HauS. Nächste Sitzung Montag 11 Uhr: Eisenbahnetat. Schluß 314 Uhr._______ Airtichsstllcher Nochendericht. Berlin. 9. März 1910. Einfuhrscheinsystem.— Eine Denkschrift.— Geschichtliche Ent- Wickelung des Einfuhrscheinwesens.— Wirkungen der Aufhebung des Identitätsnachweises.— Keine Wahrnehmung der Volks- intercssen. Die Bezeichnung„Einfuhrscheine" deckt eine besondere Ein- richtung im System der agrarischen Liebesgabenpolitik. Für die Masse der Konsumenten hat diese ein hervorragend wirtschaftliches Interesse. Die Einrichtung der Einfuhrscheine bildet gewisser- maßen den Schlußring in der Kette der Lebensmittelverteuerung. Die Einrichtung in ihrer anfänglichen Form bezweckte, den Ver- edelungsverkehr mit Getreide, der durch die Einführung von Ge- treidezöllen gefährdet wurde, lebensfähig zu erhalten. Unter Ver- edelungsverkehr ist hier zu verstehen, die Einfuhr von Getreide zu dem Zwecke, es im Inlands zu vermählen und dann als Mehl wieder auszuführen. Vielfach wird dabei in- und ausländisches Getreide vermischt, um ein besseres Backprodukt zu erzielen. Die Einführung der Getreidezölle stellte den ganzen Veredelungs- verkehr in Frage. Angenommen, der Müller, der ausländisches Getreide vermählen wollte, hätte für dieses den sogenannten Schutzzoll aufbringen sollen, dann wäre ihm daS AuSlandSgetreide so teuer geworden wie das inländische infolge deS Zolles, und dann war eine Wiederausfuhr unmöglich. Um daher den Ver- edelungsverkehr lebensfähig zu erhalten, sollte der Zoll auf auS» ländisches Getreide zurückvergütet werden, soweit dieses wieder zum Export gelangte. Auch das Getreide, daS nur im Durchgangs- verkehr das Inland passiert«, hier nicht dem Konsum zugeführt wurde, fiel unter diese Ausnahmebestimmung. Der technischen Durchführung dienten die„Einfuhrscheine". Wurde bei der Ausfuhr von Mehl oder Getreide der Nachweis erbracht, daß es sich um ausländische Ware handle, dann fertigte die Zollbehörde dem Exporteur eine entsprechende Bescheinigung darüber aus, mit der er dann eine der Ausfuhr gleich große Menge ausländisches Ge- treide zollfrei einführen konnte. Die Zollrückvergütung geschah demnach durch den bei der Ausfuhr von Getreide ausgestellten Ein- fuhrschein. Vorbedingung der Erlangung eines solchen Scheines war aber der Identitätsnachweis. Der Exporteur mußte nach- weisen, daß die Ausfuhr ganz oder zum Teil aus eingeführtem Getreide bestand. Soweit es sich um Mischungen handelte, wurde nur die Menge des darin enthaltenen ausländischen Getreides bei der Ausstellung eines Einfuhrscheines berücksichtigt. Der Identitätsnachweis follte verhindern, aus der Zollrückvergütung eine Ausfuhrprämie zu machen, indem man, um in den Besitz von Einfuhrscheinen zu gelangen, einheimisches Getreide exportierte. Aber im Wandel der Zeiten haben die Slgrarier und die bei dem Geschäft interessierten Exporteure die damals nicht beabsichtigte Ausfuhrprämie erobert. Nicht nur ist der Identitätsnachweis ge- „Der Reichsbote":„Sodom und Gomorrha! Die Sünbe triumphiert. Wie hat doch schon Hochwürden sel. der Ober- Hofprediger Stöcker gesagt?„Es werden sein Zeichen und Wunder im Jahre des Kometen." Nun stinket zum Himmel die sträfliche Verblendung der Obrigkeit. Die Rotte Korah wird losgelassen werden am Tage des Herrn, und die leeren Kirchen werden wider- hallen von den Hochrufen der Gottlosen auf der Straße. DaS tausendjährige Reich ist nahe. Wir sagen gar nichts mehr."(Die Redaktion des„Reichsboten" ist inzwischen mitsamt ihren 234 Abonnenten der Sicherheit wegen in die Kasematte» von Spandau übergesiedelt.) „Germania":„Wenn wir neulich schrieben: Nieder mit den Demonstranten! so meinten wir natürlich: Hoch die Demon- stranten! Ueberhaupt haben wir es gleich gesagt, daß das all- gemeine, gleiche, direkte und geheime Wahlrecht nebst dem Trep- tower Park dem Volke gehört. Wir werden auch in Zukunft nicksts anderes, als höchstens das Gegenteil behaupten. Wir Katholiken wissen stets, was wir wollen, und unsere Abgeordneten versprechen immer so viel, daß sie es nicht mal halten können. Unser Herz ist weit, und der Magen der alleinseligmachenden Kirche durchaus eng, und wenn das Reichstagswahlrecht mal abgeschafft ist. werden wir mannhaft auftreten und sprechen: Bis hierher und nicht weiter!" „Morgen post':„Daß wir sozialistischer sind als der „Vorwärts" haben unsere Leser hoffentlich schon lange gemerkt. Denn wir erscheinen sogar Montags und sind Kartenlegerinnen und herzlicher Massage nicht abgeneigt. Man muß leben und leben lassen. Wie erinnerlich, hatten wir bei den Demonstrationen am 13. Februar und 8. März eine Illumination unseres Geschäfts- Palais projektiert, sowie das Aushängen einer roten Riesenfahne mit der Jnfchrist: Nieder mit dem Volksverräter Jagow! Sollten unfere Leser nichts davon gesehen haben, so haben sie sich eben nur in der Hausnummer geirrt. Jedenfalls ist der jetzige Um- fchwung der Ansichten auf dem Alexanderplatz nur dem Umstände zuzuschreiben, daß wir in der besagten Art energisch für die Volks- rechte eingetreten sind. Es scheint uns deshalb zeitgemäß, den Jnseratentarif ab heute um nur lumpige 33 Proz. zu erhöhen. Dafür bringen wir auch den spannenden VolkSroman: Das Kät- chen von Treptow oder Vom Ballon überfahren! Wird später dramatisiert." „Die Browning Pistole", Berufsorgan der Berliner Schutzmannschaft:„Kameraden! Die soziale Frage tritt mit der gezückten Sabelschärfe des Hungers an uns heran. Wir werden überflüssig. Schon heute versehen Parteiordner mit hoher Ge- nehmigung unseren Dienst, und der Verkehr wickelt sich so sprachlos glatt ab, wie wir es trotz Gratifikationen und Studienreisen nach London niemals fertig brachten. Kameraden, wir sind überflüssig! Die? ist nicht mal mehr eine Frage der Zeit, es ist vollendete Tat- fache. Was nun? Das graue Elend starrt uns an. Werden unsere Eingeweide minder ruhestörend knurren, auch wenn wir den Pistolenriemen täglich um ein Loch enger schnallen? Sollen wir wirklich unsere gut gepflegten Bäuche wie Margarine an der Sonne dahinschmelzen sehen? Nein, und abermals nein! Kameraden, dem Mutigen gehört die Welt und nur der erste Schritt kostet fallen, die Einfuhrscheine! gelten heute auch als Zahlungsmittel bei einer Reihe anderer Erzeugnisse als Getreide: Hülsenfrüchte, Petroleum, Kaffee. Erhöhten Anreiz, das System der Einfuhrscheine als Mittel zur Erlangung von Ausfuhrprämien zu benutzen, schuf das letzte Zolltarisgesetz. Seit Inkrafttreten der neuen Handelsverträge und Zollsätze ist die Verwendung von Einfuhrscheinen in munterem Aufschwünge begriffen. Die Zollbegleichung mittels Einfuhr- scheine machte folgende Beträge auS: 56 Millionen Marl im Rechnungsjahr 1906, im nächsten Jahre 54 Millionen Mark und 99 Millionen Mark im Jahre 1908. Die von den offenbaren Schäden dieser EntWickelung ausgelöste öffentliche Kritik ver- anlaßte den Reichstag schon wiederbolt, sich mit der Materie zu beschäftigen. In pflichtgemäßer Würdigung ihrer gottgewollten Abhängigkeit von den Junkern, lehnte die Regierung stets einen Angriff auf das Einfuhrscheinunwesen ab. Doch erklärte sie sich vor dreiviertel Jahren bereit, einem Beschlüsse des Reichstages entsprechend, alsbald eine Denkschrift über die Wirkung und den Umfang des Einfuhrscheinsysteins vorzulegen. Dw Denkschrift liegt nun vor. In der geschichtlichen Darstellung bemerkt sie, das Verlangen auf Beseitigung des Identitätsnachweises sei von den Handels- kreisen einiger Ostseeplätze ausgegangen und habe sich die Forde- rung zunächst nur auf die Transitlager bezogen. Nach und nach seien dafür auch die Landwirte des Ostens und der Getreidehandel des Westens und Südens eingetreten. Die Regierung habe diesen Wünschen Rechnung getragen, als bei der Beratung des russischen Handelsvertrages überzeugend nachgewiesen worden sei» daß durch die Beseitigung des Identitätsnachweises eine Linde- rung der Notlage der Landwirtschaft des Ostens erreicht werden konnte. Bei der damaligen Beratung dieser Frage im Reichstag sei die Meinung hervorgetreten, daß ein Ueberwiegen der Aus- fuhr über die Einfuhr als unzulässig anzusehen wäre, daß aber ein solcher Fall unwahrscheinlich sei. Seit 1894 bis zum 1. März 1906 seien grundsätzliche Bedenken gegen das Einfuhrscheinwesen von keiner Seite laut geworden. Erst nach Inkrafttreten des neuen Zolltarifes erfolgten heftige Angriffe gegen dieses System. Die Antwort auf die Frage, ob daS Einfuhrscheinsystem zu verwerfen sei. verneint die Denkschrift durch die ganze Art ihrer Argumentation. Die Begründung macht sie sich sehr leicht. Sie unterstellt nämlich als Zweck deS Systems: Hochhaltung resp. Hebung der Getreidepreise, und da dieser Zweck in Wünschens- werter Weise erfüllt werde, ergibt sich die Konsequenz— für die Regierung von selbst. In der Frage über die Wirkung ocs Einfuhrscheinwesens sind wir demnach mit der Regierung im Prinzip einig; in dem Urteil über die Bedeutung der Wirkung gehen die Ansichten weit auseinander, stehen sich diametral gegen- über. Was der zentrümlich-konservative Schnapsblock und die Re- gierung als Vorteil und erfreulich ansehen, die künstliche Ver- teuerung der Lebensmittel, taxieren und bekämpfen wir als ein großes Üebel. Bei der Regierung hat nur ein Bedenken Raum: nämlich das, ob das Einfuhrscheinsystem vielleicht die Einnahmen der Reichskasie schädige. Nach der Denkschrift könne man sogar zu der Ansicht gelangen, auf diesen einen Punkt konzentriere sich die gan�e Streitfrage. Für die unter der Last der wucherischen Brotpreise seufzenden Konsumenten ist es von untergeordneter Bedeutung, ob die Reichskasse etwas mehr oder weniger Ein- nahmen erzielt, wenn so oder so die Brotkäufer Hunderte don Millionen an die Junker zahlen müssen. Mag die Reichskasse durch das Einfuhrscheinwesen keinen Schaden haben, die Konsumenten müssen es teuer bezahlen. Aber, obwohl die Eingabe bei der Untersuchung der Frage, ob die Reichskasse geschädigt werde, äußerst tolerant urteilt, muß sie sich doch zu einigen bejahenden Zugestandnissen bequemen. Wie die Nachweisung für Roggen zeigt, überragt hier die AuS- fuhr gegen Einfuhrscheine im Erntejahr 1903/1909 die Einfuhr um 800 000 Tonnen und in der Zeit von Juli 1909 bis Februar 1919 um 208 727 Tonnen. Der Ausfuhrüberschuß verursacht, wenn auch noch die Ausfuhr von Roggenmehl hinzugerechnet wird, der Reichs- kasse einen Ausfall von 37 Millionen Mark an Zollwerten. Trotz- dem, die amtliche Darlegung rettet auch dieser Tatsache gegenüber daS Interesse der Brotverteuerer. Summarisch bestreitet sie, daß der Ausfuhrüberschuß eine Beeinträchtigung der Volksernährung und Zolleinnahmen bedeute. Sie beruft sich dabei auf die vorauf- gegangenen guten Ernten von Brotgetreide. Die amtlichen Me„ nungSmacher haben dann aber wohl selbst daS Gefühl, ihr logischer Ueberwindung. Raffen wir unS auf, werden wir ehrliche Arbeiter, wie die anderen auch. Schließen wir uns gleich heute den Ver- sammlungSbesuchern an und rufen wir mit auS vollem Herzen; DaS freieste Wahlrecht, es lebe hoch!!" Der Wochenbeschauer. Theater. Lust spielhaus.„DaS Leutnants- Mündel". Schwank von Walter Stein. Wenn deutschen Schwank- und Lustspieldichtern partout nichts einfällt, bleibt als letztes, hoffnungS- reiches Aushilfsmittel noch immer der Leutnant und der Backfisch in jener marktgängig bunten Spielzeugauflackierung übrig, in der das Dioskurenpaar schon zu des saligen Moser Zeiten das zahlungsfähige Publikum erfreute. Wenn er, der Uniform» geschmückte, schwerenötert, und sie, das liebe und verliebte Kind, vor lauter Herzensunschuld mit den verfänglichsten Sottisen paradiert— wer sollte dabei kalten Sinnes bleiben und sich nicht im voraus schon der glücklichen Verlobung freuen? Hecr Stein macht den obligaten Backfisch, um für holdselige Naivitäten einen noch erweiterten Spielraum zu gewinnen, zu einer Peruanerin. Das Dämchen ward mit einem kolossalen Scheckbuch und unter Einsetzung des üblichen Leutnants als Vormund vom Vater nach Berlin geschickt. Exotisch wie Herkunft und Vermögen ist auch ihre Unschuld. Sie möchte sich am liebsten in der Junggesellen- Wohnung ihres Beschützers einquartieren, zahlt hinter feinem Rücken seine Wechsel und bestellt gleich hundert Flaschen Champagner als Extrapräsent. Die zweite heiratsfähige Dame, obschon nur aus Ostelbien gebürtig, befleißigt sich, wenn schon in anderer Richtung, nicht geringerer Extravaganzen. Ihr Erzeuger fungiert als Amüsieronkel aus der Probinz. Er und der jüdische Agent. von Impekoven und Arnold höchst drastisch dargestellt, waren die einzigen mit drolligen Wendungen reichlicher ausgestalteten Figuren. Aber auch die banale Breite des übrigen schien, wie» der Autor spekuliert hatte, den Zuschauern wohl zu munden. Das tcmperamentvoll-flotte Spiel des Fräulein Poldi Müller und Herrn Schindler in den beiden Hauptrollen half über manche der schlimmsten Fährlichkeiten fort.«It. Musik. Otto Ziebach ist als Komponist eine einsame Größe. Für ihn bedeutet das gesamte Musikschaffen der letzten zwei oder noch mehr Jahrhunderte trotz aller Verdienste doch ein« Verirrung, eine Uebertretung der von'den Alten aufgestellten Kompositions- gesetza. Wie haben wir uns die mehrstimmige Musik zu denken? Als mehrere Stimmen oder als Akkorde? Der„Kontrapunkt" will ersteres, die„Harmonielohre" letzteres. Die Alten und Ziebach denken von den Ton folgen aus. die Neueren von den Ton zusammenklängen aus; die einen stellen den Kontra. punkt voran und zuvörderst den zweistimmigen, die anderen die Harmonielehre und sodann den vierstimmigen Kontrapunkt. Ferner: Gebundenheit oder Ungebundenheit im Nacheinander und im Nebeneinander? Gezähmte oder wilde Dissonanzen? Dort die Konservativen, hier die Fortschrittler. Oder ist'S nicht eher um- gekehrt? Wie Ziebach daS alles lehrend, schreibend, bortragend aus- einandergesetzt hat; wie er es in Opernkompositionen ausprägt, Saltomortale muffe als elwa'S kühn erscheinen. Sie uvlernehmen !daher noch eine eingehendere Beweisführung— die daneben haut. DaS Einfuhrkontingent an Weizen wird der UeberauSfuhr an Roggen gegenübergestellt. Der Mangel der Beweisichlüssigkeit ergibt kich dabei schon daraus, dast die Weizeneinfuhr der in Be- tracht kommenden Zeit den Durchschnitt nicht überragt. Ja. in den beigsfügten Tabellen wird in einer Zusammenstellung der Mengen des Jnlandsverbrauchs an Brotgetreide das Gegenteil der amtlichen Ansicht bewiesen. Ganz einwandfrei ergeben das jedoch Aerbrauchsbercchnungen des kaiserlichen Statistischen Amts im Statistischen Jahrbuch für daS Deutsche Reich(190g). In den ziemlich umfangreichen Nachweisungen der Denkschrift fehlen, wohl bersehentlich. die Verbrauchsangaben. Wir setzen sie hierher, uin den Fehlschluß der Denkschrift darzutun. Nach Abzug der AuS- saat und Ausfuhr, und unter Zusatz der Einfuhr, der Mühlenlager- Verzollung sowie unter Mitberücksichtigung der auf Getreide um- gerechneten Mengen an Mehl und Malz, resultierten pro Kopf der Bevölkerung folgende Verbrauchsmengen: Weizen und Spelz Kilogramm 100.1 93,2 93.4 99,8 94.4 SO, 7 Roggen Kilogramm 1902/08.. 158,3 1903/04.. 154,8 1904 05.. 147,0 1905/06.. 149,0 1906 07.. 143,5 1907/08.. 142,4 Trotz der guten Jnlandsernte hat das Jahr 1907/1908 seit 1902/1908 die niedrigste VerbrauchSziffer. Die Ursache dafür findet man in den hohen Preisen, die die ärmere Bevölkerung zwangen. vielfach an Stelle des BroteS minderwertige Surrogate zu konsu- mieren. Die Einschränkung deS Brotverbrauches bedeutet ganz selbstverständlich aber auch eine Schmälerung der Zolleinnahmen für die Reichskasse. Macht die Denkschrift bei Brotgetreide noch den vergeblichen Versuch, eine Mindereinnahme aus Zöllen, infolge forcierter Aus- fuhr, zu leugnen, sieht sie sich jedoch gezwungen, eine solche Schädigung als Folge enorni gesteigerten Exportes von Hafer zuzugeben. Im Erntejahr 1907/1908 sind nämlich 223 332 Tonnen Hafer mehr aus- als eingeführt worden. Das bedeutet eine Verminderung des Zollaufkommens um rund 11 Mib lionen Mark. Die Denkschrift sucht in der anwachsenden Gerstem einfuhr, hie als Ersatzsutter für Hafer in Betracht kommen könnte, Trost. Aber mit süßsaurer Miene muh sie eingestehen, daß selbst dann, wenn an die Stelle der ausgeführten Hafermengen gleich große Mengen von Futtergerste einwanderten, der Zollwert der Hafer-MehrauSfuhr doch nur in der Höhe deS Gerstenzolls aus» geglichen würde. Ein besonders wunder Punkt wird hiermit be rührt. Der vertragsmäßige Haferzoll beträgt jetzt etwa daS Vierfache deS Zolles auf Futtergerste. Wer eine Tonne Hafer gegen Einfuhrschein ausführt, ist in der Lage, für die Verminde» rung seines Futtervorrats durch zollfreie Einfuhr einer Tonne Futtergerste annähernd Ersatz zu schaffen und kann außerdem noch Getreide, Kaffee oder Petroleum im Zollwert von 37 M. zollfrei einführen. Einen solchen Zusammenhang von Hafer und Gerste, als von den Interessenten geschaffen, bestreitet die amtliche Quelle. Gegen die Gefahr einer künstlichen Steigerung de? Haferanbaues zu Ausfuhrzwccken sprechen, nach Meinung deS amtlichen Bericht erstatterS, die vielen Gründe, die einen willkürlichen Uebergang von Hafer- zum Gerstenbau als unmöglich erscheinen lassen. Zum Schluß heißt eS:.Immerhin kann die Gefahr, daß zum Nachteil der Zolleinnahmen sich beim Hafer Ausfuhrüberschüsse wiederholen, nicht'» Abrede gestellt werden." Trotz diesev„Gefahr", die gegenüber der oben geschilderten Schädigung der Volksinteressen weniger bedeutungsvoll ist. denkt man natürlich nicht an eine Beseitigung der Ausfuhrprämie; ja, nicht einmal einer Reform des Systems ist die Regierung geneigt, Auf die wirklichen Gründe dafür lassen Auslassungen in der Denk» schrtft schließen. So heißt es da u. a.:„Die Verhandlungen des Reichstages(1803) über den Vertrag mit Rußland haben mit be. sonderer Deutlichkeit die Notlage der deutschen Landwirtschaft, namentlich derjenigen des Ostens, erkennen lassen. Als eines der Mittel, die geeignet erschienen, hier die dringend gebotene Hilfe zu schaffen, wurde die Beseitigung des Identitätsnachweises an- gesehen." Die Begründung, die dem damaligen Entwurf der Re» gierung gegeben wurde, bewegt sich in folgenden Gedankengängen: „Infolge der durch die Einführung und Erhöhung der Getreidezölle bewirkten Steigerung der Inlandspreise über den Weltmarktpreis liefere dir Absatz von Getreide nach dem Auslande in der Regel die geduldig auf Erlösung aus Direktorspulten warten; wie das Ganze nicht auf alten Zopf, sondern auf blühendes Leben hinaus- kommt: wie die Vorsicht gegen die Dissonanzen zu einer Milde führt, sie zugleich hohe Kraft zuläßt und dadurch eine der größten aller Kunstforderuiigen erfüllt: darüber ist ebenso schwierig zu reden, wie es leicht ist, seinem Schaffen als Hörer Zeugnis zu geben. Sein„Madrigal-Hymnus" für Chor, Soli und Orchester- „Die neun Musen", wurde am Freitag in der Sing akademie aufgeführt. Griechische und römische Lyriker gaben die Texte; Jiebachs Musik gab als Unterschicht etwas, das an die Wucht des antiken Schicksals erinnert, als Oberschicht die Leicht- füßigkeit des lieblichen Liedes, als Mittelschicht eine Fülle von Virtuosität der Stimmführung im Orchester und ganz besonders im Sologuartett. Kalte Zurückhaltung nach der ersten, warme Freude nach der Schlußhälfte war die Haltung des Publikums. Zum Erfolge half in erster Linie Max Batke. Vor Jahren sprachen wir von ihm öfter, als wir seine Jugendkonzerte mit manchem Zweifel batrachteten. Inzwischen hat er in seinem„M o z a r t- C h o r" ein überraschend durchgebildetes Organ geschaffen, für das die Vorführung Fiebachscher Tonkunst allein schon ein Eigenverdienst bedeutet. er. Humor und Satire. Manteuffelö„Vertraukiche Sammlung". Die Beiträge fließen nicht so zahlreich, als erwartet wurde. Deshalb hat man den Umfang der Ehrengabe immer mehr ver. ringern müssen. Der Plan der Ehrengabe ist nach und nach, wie folgt, geändert worden: 1. Ursprünglich sollten auS den Zinsen des gesammelten Kapitals vierteljahrliche Reit- und Arretierprämien an sämtliche Schutzleute verteilt werden und zlvar je nach der Qualität ihrer Leistungen. Zur Prüfung der letzteren seilte quartaliter ein Probe-Publikumüberreiten und ein Probe-Publikuinarretiercn veranstaltet werden. 2. Dann sollte am Rande des Tiergartens auf der Stelle des Goethedenkmals, das man nach Hamburg verkaufen wollte, das Rtesendenkmal eines reitenden Schutzmanns errichtet werden. g. Dann wollte man für sämtliche Schuhleute alljährlich«in Festessen von drei Gängen mit Wein. Musik und festlicher Beleuch- tung veranstalten. 4. Dann hatte man folgenden Plan: Dasselbe Festessen mit Bier, ohne Musik und Beleuchtung, bestehend nur aus Pökelfleisch, Erbsen und Sauerkohl. 5. Dann wollte man eine künstlerisch ausgeführte Dankadresse stiften. 0. Dann ein Danltelegramm. 7. Zuletzt beschränkte sich die Ehrengabe auf das Recht der Schutzleute, vor dem Präsidenten des Herrenhauses strammzu- stehen. f., Jugend".) Rotize», — Die Venus von Velasquez. die nach James Greig die Initialen de» Schwiegersohnes von Velasquez aufweisen soll ist in der Londoner Nationalgalerie von acht Auroritäten untersucht worden. Sie haben indes in den Sprüngen und Rissen kein Monogramm erkennen können. Damit ist freilich die Herlunkt des Bilde» von Velasquez keineswegs erwiesen. keine lohnenden Erträgnisse mehr,"— Der ausgesprochene Zweck der Zollerhöhungen und der Aufhebung des Identitätsnachweises war demnach: Steigerung der Inlandspreise durch Erschwerung der Einfuhr und durch Gewährung von indirekten Ausfuhrprämien, Und schon im Herbst des JahreL 1894 konstatierte die Kaufmannschaft in Königsberg,„daß der Preisunterschied zwischen inländischem und unverzolltem russischen Brotgetreide infolge des Gesetzes fast durchweg höher als der Zoll gewesen sei". Am 7. Februar 1896 erklärte der Staatssekretär des Reichsschatzamtes, das Gesetz betreffend Aufhebung des Identitätsnachweises habe sich„aus- gezeichnet bewährt".„Aus der Statistik ergebe sich, daß der in der Gesetzgebung von 1879 beabsichtigte Zollschutz erst jetzt voll erreicht sei, da die Preise für Jnlandsbrotgetreide in Königsberg, Danzig und Mannheim um den Betrag des Zolles oder mehr über den der Transitware gestanden hätten." Im Gegensatz zu der üblichen agrarischen Behauptung, es handle sich bei allen Maßnahmen nur um die Erschwerung der Einfuhr ausländischen Getreides, bemerkt die Denkschrift:„Der Entwurf zum neuen Zolltarifgesetze— 1902 — sah die Erteilung von Einfuhrscheinen für die Erzeugnisse der Oelmüllerei und für Buchweizen vor. letzteres, um den Anbau dieser Fruchtart, der gegen früher zugenommen hatte, durch Erleichterung der Ausfuhr noch weiter zu fördern.. Und an anderer Stelle heißt es:„Je weniger aber die Verwendbarkeit der Scheine be- schränkt ist, um so mehr wird die Ausfuhr erleichtert, zumal wenn, wie feit dem 1. März 1906, infolge der Erhöhung der Zölle der in Betracht kommenden Waren auch die Einfuhrscheine im Werte steigen." Wenn auch in der Schlußbemerkung der Denkschrift er- klärt wird, es sei„jedes Eingehen auf die Frage vermieden worden, ob und in welcher Richtung etwa Abänderungen des geltenden Rechtszustandes erforderlich erscheinen", so ergibt die beliebte Argumentation und die Materialienzusammenstellung doch ganz unzweideutig die Ansicht der Regierung: Gerade weil das Einfuhr- schcinsystem als indirekte Ausfuhrprämie die Preise für Brot- getreide scharf in die Höhe treibt, darum soll es erhalten bleiben! __ D, ßutterboyhott,„Vorwärts" and „stoalamgeiioNelischsklliche Kandfctzaa" Die„Konsumgenossenschaftliche Rundschau" beschäftigt sich in ihrer Nummer 15 auch mit dem von den Hirsch-Duncker'schcn im szenierten Butterboykott. Dabei wird auch die Stellungnahme des„Vorwärts" erwähnt. Die„Konsumgenossenschaftliche Rund- schau" stimmt dem„Vorwärts" bei,„daß die Boykottbewegung der Gewerkvereinler recht wenig Aussichten bietet, den Butterkonsumen ten dauernd zu billigen Preisen zu verhelfen". Aber merkwürdig, meint die„Rundschau", berühre doch der Fatalismus, mit dem der „Vorwärts" verkünde: Eine Macht, die etwas ausrichten kann, fehle. Das sei doch nicht die Stimmung, die sonst im sozialdemo- kratischen Lager herrsche. Ein Hinweis auf die Konsumvereine sei da angebracht gewesen. Dazu bemerken wir, daß jedermann auS der Satzverbindung der Notiz im„Vorwärts" entnehmen konnte, daß die Macht, die fehle, bei dem Häuflein Hirsch-Duncker- scher mangelt. In seiner gloriosen Strategie hat der Eickelenz ja richtig herausgefunden, daß eS den Hirschen an Aktivität gebricht, daß aber wegen ihrer zahlenmäßigen Unbedeutenheit die Hirsch Dunckcr'schen verdammt bleiben, immer die Aktivität der sozial' demokratischen Organisation unterstützen zu müssen, wenn sie über Haupt ein wenig nützen wollen, das begreift der Stratege immer noch nicht. Die Wichtigkeit der Konsumgenossenschaftsbewegung hat der „Vorwärts" besonders noch in letzter Zeit des öfteren betont. Und der Satz auS der Vorwärtsnotiz:„nirgends entrinnt man der Au» beutung durch Reich und Staat", den die„Rundschau" gesperrt wiedergibt, bleibt auch vor der Konsumgenossenschaft wahr. Die „Rundschau" meint, daß in der Beziehung der Betonung der orga nisterten Konsumvereinsmacht selbst reaktionäre Blätter zukunstS- freudiger feien wie der„Vorwärts". Wenn die„Rundschau" in ihrer Zukunftsfreudigkeit meint, daß etwas hinter den gelegent- liehen Worten der Blätter vom Schlage der„Post",„Hamburger Nachrichten" usw. stecke, so wird ihr Glaube za schon bald in die Brüche gehen. Geradezu naiv aber ist eS, wenn die„Rundschau" so oft sträsi liche Lässigkeit bestimmter sozialdemokratischer Blätter in bezug auf die Forderung der Konsumgenossenschaftsbewegung konstatieren zu müssen glaubt, und wenn dann diese„Konsumgenoffenschaftliche 'Rundschau" selbst keinen Finger rührte, alS eS bei der Finanz reform galt, einen 500 Millionen-Raubzug auf die Taschen dcß Konsumenten abzuwehren. Wenn die„Rundschau" sich das kindische Vergnügen macht, in der Frage der Wertung der Konsumgenossenschaftsbewegung reaktionäre Blätter gegen den„Vorwärts" auszuspielen, so wollen wir demgegenübcr-erwahnen, daß ein Blatt der Hirsch-Duncker'schen Gewerkvereine,„Der Regulator", der am Kopfe als Organ deS Gwcrkvereins der Maschinenbau- und Metallarbeiter den Vermerk trägt:„Einzige wirklich neutrale Berufsorganisation aller Metall- arbeiter", in einem Artikel über den Butterboykott am Schlüsse ausführt: „Es gibt nur zwei Mittel, dieser Ungerechtigkeit(Ent- lastung der großen, B e lastung der kleinen Vermögen. Red.) ent- gegenzutretcn: Boykott solcher unnatürlich hoch versteuerter Lebens- mittel und bei politischen Wahlen: Weg mit jedem Lebensmittel- verteuern! Weg mit solchen Parlamentariern! DaS Volk hat es bei der Reichstagwahl in der Hand." Die Organe beb Zentralverbandes deutscher Konsumvereine aber sahen sch seinerzeit nicht einmal veranlaßt, zu der enormen Konsumentenbelastung durch die Finanzreform bestimmter Parteien überhaupt Stellung zu nehmen. Das Kritteln und Nörgeln an bestimmten sozialdemokratischen Zeitungen aber hört nicht auf. Der„Vorwärts" steht wie die sozial- demokratische Presse überhaupt auf dem Standpunkt, daß die Ar- beiter alle Möglichkeiten der Emanzipation und der Loslösung aus den Fesseln des Kapitals benutzen sollen, die„Konsumgen. Rund- schau" propagiert selbst dann die politische Abstinenz, wenn es die Masse der mittellosen Konsumenten schwer schädigt. Vor hat da Grund zur Kritik? Wenn der„Vorwärts" zu recht häufigen Darlegungen der Konsumgenossenschaftlichen Rundschau" und anderen Auslassungen don Konsumgenossenschaftsorganen geschiegen hat, die der all- gemeinen Bewegung der Arbeiterklasse und der speziellen Konsum- genossenschaftsbewemlng nichts weniger als förderlich waren, so geichah es aus Rücksicht darauf, daß auch ohne besondere Kritik der- artiger uberneutraler und nichts-alS-genossenschaftlicher Luftblasen » Organen der GcnossenschaftSbeweguny die übergroße Zahl der Koiisumgeiiossenschaftsmitglieder die Hohlheit der in genossenschaft- lichen Organen verzapften Ungereimtheiten erkennt. ES geschah ferner deshalb, weil der„Vorwärts" ohne zwingenden Grund eine Polemik gegen Verkehrtheiten in Genossenschaftsblättern nicht führt. WWWW___ zu einer ge- Unsere Leser möchten wir aber drin- gend bitten, sich durch derartige, leider recht häufige Entgleisungen in Genossenschaftsblättern von dem Eintritt in die Genosse, ischafien nicht abhalten zu lassen. Im Gegenteil, wer wünscht, daß die Genossenschafte» entsprechend dem Wunsch der übergroßen Mehr- heit der Genossenschaftsmitglieder mit sozialdemokratischem Geist erfüllt und als Glied der großen Arbeiterbewegung geleitet wer- den. hat die doppelte und dreifache Pflicht, den Genossenschaften beizutreten: nicht nur die Rücksicht auf seine eigenen Sausinteressen. sondern auch die auf eine gedeihliche Führung der Genossenschafs- bewegung zu einheitlichem Wirken Mit Gewerkschaft und Partei drängt dahin. In Berlin ist, nicht zuletzt infolge des fortdauernden Hin- weise» im„Vorwärts" auf die Notwendigkeit einer Vereinheit- lichung, auch der genossenschaftlichen Bewegung in Berlin die Ver- schmelzustg der Berliner. Konsumvereine seit April IVOS in die Wege geleitet und im großen unv ganzen jetzt durchgeführt. Die ge« nossenschaftliche Bewegung ist dadurch von etwa 15 000 auf über 29 000 Mitglieder emporgeschnellt und in erfreulichem Ausstieg von Tag zu Tag. Mögen unsere Berliner Genossen sich durch An- rempelungen aus„genossenschaftlicher" Druckerschwärze die Freude an dem Fortschritt der Berliner Genossenschaftsbewegung nicht ver- gällen lassen und dafür sorgen, das? die Berliner Genossenschafts- bewegung auch in diesem Jahre auf das doppelte seiner Mick- gliederzahl steigt. Der Umstand, daß bislang die Berliner Ge- nossenschaftler in sozialdemokratischem Geist und mit mühevoller Kleinarbeit die Verwaltung ihrer Konsumvereine führten, hat zu dem erfreulichen Aufschwung geführt und hat bewirkt, daß der gewaltige Gebäudekomplex in Lichtenberg hat er warben und vor- aussichtlos noch in diesem Jahre seiner Bestimmung auch der Pro- duktion zu dienen, cntgegengeführt werden kann. Da heißt es, die Unterminicrer des Genossenschaftswesens, auch wenn sie aus den eigenen Reihen der Genossenschaft von auswärts aus ihre genossen- schaftsfeindlichc Tätigkeit betreiben, in die Schranken zu weisen und die gute Sache sich durch sie nicht verekeln lassen. Wer in die Konsumvereine eintritt, verrichtet einen Teil dcS Kampfes des Volkes NM Freiheit und Recht. Darum: Hinein in die Kumfumvereine! parlamentarisches. Eingegangen ist die Uebersicht der Einnahmen und Ausgaben der afrikanischen Schutzgebiete, des Schutzgebietes Neu» Guinea, der Verwaltung der Karolinen«. P a l a u Marianen» und Marschall-Jnseln, sowie des Schutz» gebieteS S a m o a für das Rechnungsjahr 1907. Hus cler Partei. Die Maifeier in Leipzig. Eine Parteiversammlung des 12. und 18. sächsischen Reichstags» Wahlkreises(Leipzig-Stadt und Land) beschloß am 8. April im Volkshause, die diesjährige Maidemonstration in der Weise zu begehen, daß nach einer größeren Anzahl von Mittags« Versammlungen die Teilnehmer gemeinsam nach dem großen Brauereigarten in Stötteritz spazieren. Dort werden fünf Massenversammlungen(vier unter freiem Himmel, eine im großen Saale) abgehalten, in denen unter anderem die Genossen D i t t m a n n auS Solingen und D i ß m a n n aus Hanau sprechen werden. Ferner beschloß die Versammlung, für den SgitationSbczirk Leipzig(11., 12., 13. und 14. sächsischen ReichStagSwahlkreiS) einen Bezirksfonds für Unterstützung von Mai» ausgesperrten zu errichten, dem jeder gewerkschaftlich oder politisch Organisierte gemäß de» Beschlüssen des Leipziger Partei« mgeS und des Hamburger GewerlschaftSkoiigresseS im April jeden Jahres einen eimnaligen Beitrag zu leisten hat. der für männliche Mitglieder 20 Pf. und für weibliche Mitglieder 10 Pf. betragen soll. Der gemäß den Beschlüssen des Parteitages in Nürnberg (Antrag 90) von den einzelnen Angestellten abzuführende TageS» verdienst sowie freiwillige Zuwendungen sind dem Fonds zuzuführen. Maiausgesperrte erhalten aus diesem Fonds Unterstützung, soweit sie nicht Anrecht auS lokalen oder zentralen Kassen der Gewerkschaften haben. Die Gewerkschaften erhalten dann aus dem Fonds die ge- zahlten Unterstützungen zurück. Die Höhe und Dauer der Unter- stiitzung wird noch zwischen der Partei und den Gewerkschaften ver- einvart. Die Beschliisse über die Errichtung des UnterstützungSfondS sollen sofort in Kraft treten, sobald das GewerkschaftSlartell ihnen zugestimmt hat. ES werden dann schon für dieses Jahr Beiträge für den Fond« erhoben. Erwähnt möge hier noch Werden, daß auch diese geschlossene Parteiversammlung trotz des.liberalen" Reichsvereinsgesetzes polizeilich überwacht wurde._ Personalien. Am 1. April ist der feit 1. Februar in der Redaktion des„Stettiner Volksboten" tätig gewesene Genosse Böttcher wieder ausgetreten, und Genosse Heise aus Barmen an feine Stelle getreten._ Außerordentlicher Parteitag in Dänemmark. Der Vorstand der dänischen Sozialdemokratie hat auf den 21. April d. I. einen außerordentlichen Parteikongreß einberufen, der in Kopenhagen im alten VerjammlungShause in der Römers- gade 22 statlfinden und sich mit de» bevorstehenden FolkethingS» wählen beschäftigen wird._ Bon der schweizerischen Sozialdemokratie. In der letzten in Biel abgehaltenen Sitzung de» sozialdemokratischen Parteikomitees wurde be- richtet, daß sich die sozialdemokratische Partei de» KantonS Tessin nach fünsjährigcm„Streik" mit 200 Mitgliedern der schweizerischen sozialdemokratischen Partei angeschlossen hat. Bei der Maifeier sollen allerorten zur Stärkung der Parteikasse Geldiammlungen vor» genommen werden. Auch die Beschickung des Jnter» nationalen Sozialistenkongresses in Kopen» a g e n. für den der Schweiz 10 Delegierte eingeräumt sind, wurde eschlossen. Zu den poliiischen Tagesfragen wurde ebenfalls Stellung genommen. Gegen das neue Maulkorbgesetz soll sofort das Referendum ergriffen werden, sobald eS parlamentarisch er» ledigt ist.__ Hus Inckultrie und Handel. StinneS abgeblitzt. Als im Jahre 1904 die ZechenstillegungSaktion im Ruhrrevier einsetzte, gelang eS dem Grubenmagnaten SlinneS,«ine ganze Reihe Gruben für einen verhältnismäßig niedrigen Preis zu erworben. Zunächst war allgemein die Ansicht verbrettet, StinneS werde vor wie nach sämtliche Gruben stillegen und die Beteiligungsziffer auf seine im nördlichen Kohlenrevier belegenen Gruben übernehmen. Dieser Plan, der auch wohl anfänglich bei StinneS bestand, ist indes»llr auf Zeche.Marianne-Steinbank" zur Ausführung gelangt. Die übrigen damals von StinneS erworbenen Zechen.Hasenwinkel', Baakor-Miilde",„Friedl. Nachbar".„Prinz-Regent", die Dannenbaum» schächte und.JuliuS-Philipp" find nicht stillgelegt worden. StinneS hat durch Zusammenlegung der einzelnen Felder recht leistungsfähige Grubenbetriebe erstehen lassen. So beschäftigt z. B. die Zeche .Baaker Mulde", die früher kaum 500 Mann beschäftigte, jetzt etwa 2500 Arbeiter. Die Förderung ist ganz gewaltig gestiegen. Auch die übrigen Gruben haben bedeutende Leistungssteigerungen auf» zuweisen. Allerdings seit Uebernahme der Gruben durch Stinne» weisen sie auch eine beängstigende Zunahme der tödlichen Unglücksfälle auf. Die genannten Gruben liegen sämtlich im engeren Ruhrbecken und dazu auf einer von Westen»ach Osten führenden Linie, so daß die Gruben miteinander.durchschlägig" sind und die Kohlen von einem Betriebspunkte zum andern transportiert werden können. Einzelne Schächte, u. a.„Prinz Regent"..Baaker-Mulde". sind auf da« modernste als Hauptförderschächte ausgebaut, während die alten Schächte im allgemeinen nur der Leute- und Materialförderung, nur wenig der Kohlenförderung dienen. StinneS beabsichtigte nun auf dieser Linie weiter zu gehen. Ihm eignet bereits in Langen- dreer die Zeche„Druchstraße". ferner die auf derselben Lini» liegenden Zechen.Luise-Tiefbau" und„Wiendalsbank" in Barop. Sein Bestreben ging nun offensichtlich dahin, auch die Zechen»Kaiser Friedrich' und.Borussia' zu«werden. Bei.Borussia' wurde der- sucht, die Gewerkenversammlung zu überrumpeln durch einen An» trag, der die Berminderung der zum rechtsgültigen Verkauf der Zeche erforderlichen Mehrheit zum Ziele hatte. Der Antrag ist jedoch abgelehnt worden. Die GeWerke hatten Wind bekommen. Weiter ist Stinnes mit seinem Plane,.Kaiser Friedrich' zu er- werben, abgeblitzt. Die vor einigen Tagen in Köln tagende Gc- wertenversammlung lehnte mit 237 gegen 641 Stimmen den Verkauf ab. Es waren für 2 Kuxe„Kaiser Friedrich' die Aktien von .Deutsch-Luxemburg' angeboten. Ferner sollten 236 M. Barvergütung pro Stück an die Kuxenbesitzer gezahlt werden, die sich bis zum 13. April zum Umtausch bereit erklärten. Dem weiteren Vordringen StinneS ist nun vorläufig wohl ein Riegel vorgeschoben. Die„Produktion" im Jahre 1909. Ein Beweis für die Widerstandsfähigkeit der genossenschaft- lichen Organisation bildet der Fortschritt, den die Hamburger Kon- sumgenossenschaft„Produktion" im letzten Jahre gemacht hat. Das Krisenjahr 1909, das fast allen anderen wirtschaftlichen Organi- jationen Rückgang oder doch Stillstand gebracht hat, brachte ihr einen Mitgliederzuwachs von 33 698 auf 41 875, also um 6777 Per- sonen und eine Zunahme des Umsatzes von 8 641 733 auf 16 439 936 oder um 2 664 181 Mk. Der Notfonds, der durch Aufsamm- lung der Rückvergütung jedes Mitgliedes bis zur Höhe von 166 M. gebildet wird, hatte Ende 1969 die Gesamthöhe von 314 173 M. bei 13 456 beteiligten Mitgliedern erreicht. Das letzte Jahr brachte naturgemäß eine besonders starke Inanspruchnahme des Notfonds: während 1968 nur 4368 Mitglieder insgesamt 112 764 M. erhoben, entnahmen im letzten Jahre 6642 Mitglieder insgesamt 176 943 M. Der erzielte Reingewinn betrug im Berichtsjahre 594 813 Mark gegen 396 399 im Jahre 1963, d. i. ein Mehr von 32 Proz., rm Vergleich zu einer Zunahme des Umsatzes um nur 23 Proz. Die Zahl der Genossenschaftsläden wuchs von 71 am Anfang auf 76 am Schlüsse des Geschäftsjahres. Davon waren 66 allgemeine Verkaufsstellen, 12 Schlächter-, 3 Brot- und 1 Grün- warenladen. Die Bäckerei hatte im Berichtsjahre einen Umsatz von 1336 699 M. Die Schlächterei setzte für 2 664 149 M. Waren um. Sie verarbeitete 12 687 Schweine, 963 Ochsen und 498 Kälber eigener Schlachtung, dazu noch für fast eine halbe Million Mark zugekauftes Fleisch. Därme usw. Die Genossenschaft betreibt außerdem noch eine Tischlerei, eine Klempnerei und eine Schlosserei und hat im vergangenen Jahre eine eigene Anlage für die Herstellung von Mineralwässern und anderen Getränken errichtet. In der Bauabteilung der ..Produltion" wurde im Berichtsjahre eine Erweiterung der Schlächterei vorgenommen; ferner wurde ein großes Stall-, Auw- mobil- und Werkstellengebäude sowie ein neues Wohngebäude er. richtet und auf dem Zentralgrundstück der Genossenschaft der Bau eines neuen, 7 Stockwerke hohen Speichers begonnen. Die„Pro- duktion' besitzt nunmehr 16 Grundstücke mit 36 Gebäuden, zum größten Teil Wohngebäudcn, deren Wohnungen an die Mitglieder zu erheblich billigeren als den sonst in Hamburg üblichen Preisen vermietet sind. Alles in allem beschäftigt die Hamburger Genossenschaft ein Personal von 766 Köpfen, davon 31 in der Verwaltung, 211 in der Warenproduktion, 424 in der Warenverteilung und 86 für die Reinigung der Läden usw. Endlich seien aus der Bilanz der Ge» nossenschast noch einige Zahlen mitgeteilt. Die Mitgliederguthaben (Geschäftsanteiles hatten am 31. Dezember 1969 die Höhe von 618 341 M. erreicht, die Sparaelder die von 4 361 686 M., die ver- schiedenen Fonds die von 3 128 669 M. Die Grundstücke der Ge- nossenschast stehen mit 4 642 681 M. zu Buche; sie sind nur mit 1 787 666 M. Hypotheken belastet, denen übrigens auch noch eigene Hypothekenanlagen der Genossenschast in Höhe von 1 368 656 M. gegenüberstehen._ Gründung eines industrielle» ZentralvcrbaudeS in Schweden. Die lebhaste industrielle Entwickelung, deren sich Schweden jetzt erfreut, darf als die Hauptursache des steigenden ProteklionisinuS bezeichnet werden. Einen lräftigen Stütz- und Sammelpunkt dürsten die Sckmtzzöllner in dem neuerdings gegründeten Zenlralverein schwedischer Industrieller finden. Der Handelsvertrags- verein erfährt aus Stockholm folgende Einzelheiten über die neue Organisation. Die Konstituierung des neuen„SberigeS Jndustrieförbund' erfolgte am 8. und 9. März d. I. im Saal des Technologischen Vereins zu Stockholm unter Vorsitz des Justizrats Hellner. Die Aufgaben der neuen Organisation sollen, wie behauptet wird, nichi sozialpolitische sein, für welche ja ein besonderer Arbeitgeberverband be- reitS existiert, sondern im wesentlichen wirtschafts- und Handels- politische. Die Notwendigkeit de? neue» Vereins wurde damit be- gründet, daß die schnelle Entwickelung Schwedens zum Industrie- staat und die wachsend« Konkurrenz mit den übrigen Industrie- staaten auf dem Weltmarkt euren organisatorischen Zusammenschluß der gesamten Großindustrie notwendig mache. Die neue Vereinigung würde deshalb in erster Linie auf die schwedische Handels- und Zollpolitik Einfluß zu gewinnen suchen. Daneben solle die öffentliche Meinung über die Bedeutung einer weiteren in- dustriellen Entwickelung des Lande? aufgeklart werden. Weiler werden Eisenbahn- und Schiffahrtsfragen, die ein- schlägigen Rechtsfragen, z. B. der gegenwärtig de», Reichstage vorliegende Entwurf betr. Aenderung des Rechtes der Aktiengesellschaften, die Ordnung des t e ch n i s ch e n U n t e r r i ch t S, die Schaffung eines besonderen Industrie- und Handels- d e p a r t e m e ir t S in der Regierung u. Vgl. mehr als Aufgaben der neuen Vereinigung bezeichnet._ Verstaatlichung des Kohlenbergbaus in Australien. Die Regierung dcS Staate» Victoria hat beschlossen, kerne neuen Gerechtsame für den Kohlenbergbau mehr zu verleihen. Der Bedarf des Staates an Kohlen bewägt 1236 666 Tonnen jährlich; davon verbrauchen die Eisenbahnen allein 336 666 Tonnen. Der Premier- minister Murrax erklärte in einer Unterredmrg, immer mehr breche sich die Eüisichl Bahn, daß Kohle zu den unbedingten Lebens- bedürfnissen in einem zivilisierten Gemeinwesen gehöre. Die Re- gierung werde beim Parlament die Genehmigung beantragen, für häusliche und'ndustrielle Zwecke Kohle direkt an die Verbraucher abzugeben. Die Regierung wolle natürlich nicht auf die Erzielung von Uebcrschüsscn hinarbertcn, sondern nur auf die üblich« Ver- zinsung und die Schaffung eines AmortisationSsondS bedacht sein. Die schweizerisch« Industrie hat in den letzten beiden Jahren trotz der Wirtschaftskrise eine weitere Ausdehnung erfahreu, So ist die Zahl der unter dem Fabrikgcsetz stehenden Betriebe von 7278 im Jahne 1967 u», 344 auf 7682 in 1969 und die Arbciterzahl von 367 128 um 3217 auf 316 348 gestiegen. Gewinne des Stahltrusts. Der amerikanische Stahltrust veröffentlichte kürzlich seinen Ge- schäftsberlcht. Danach stellten sich die Gesaniteinnahmen auf rund 646 Millionen Dollar, das heißt auf 160 Millionen mehr als«n Vorjahre. Der Reingewinn betrug 131 491 413 Dollar, 39 643<03 Dollar mehr als 1968. Au Dividende» wurden ausgezahlt auf Vorzugsaktien 23 219 677 Dollar, auf Stammaktien 26 832100 Dollar; dem Tilgungsfonds wurden 29 247 836 Dollar überwiesen; 18 266 666 Dollar wurdeu für Neubauten uilv. beiseite gelegt und dann blieb noch«in Ueberschuß von 15 354 528 Dollar. Diese Riesenprostte erzielte der Stahltrust, während er seine Werke nur mit 73 Proz. ihrer Leistungsfähigkeit in Anspruch nahm und seine Ware zu_ herabgesetzten Preisen verkaufte. Im inländischen Geschäft blieben die Durchschniltsvreise des Berichtsjahres um 14,3 Proz. hinter denen des Boriahres zurück, im Auslands- geschäft um 7.8 Proz. Und die Stahlbarone brauchen auch sür die nächste Zukunft nicht zu besorgen, daß«S ihnen schlecht gehe. Am Schluß des BerrchtZiahreS waren in den Büchern des Trusts neue Bestellungen auf Stahlwaren im Gewicht von über 6 Millionen Tonnen vorzeichnet; das ist mehr, als im ganzen Jahre 1894 im Gcsamtgebiet der Vereinigten Staaten an Rohstahl produziert wurde. Das kapitalistische„Vertrauen in den Markt" ist wiedergekehrt. Und die Regierung wird es schwerlich unternehmen, den„Hunnen" zu- liebe, wie die aus Osteuropa eingewanderten Proletarier von der „echtamerikanischen" Presse genannt werden, die Prosperität des StahltrnstS zu gefährden._ Soziales* Kleine Ursachen— große Wirkungen, Wie notwendig es ist, daß im Betriebe Verletzte auch bei den leichtesten Verletzungen sofort Mitarbeitern und bei der Konsultation dem Arzt Kenntnis von dem Unfall geben, wenn sie nicht ihrer an sich schon so schmalen Rechte verlustig gehen wollen, illustriert nach- stehender Fall. Der Maurer Karl M. hatte sich am 13. April 1968 während der Arbeitszeit beim Transport eines Kalkkastens eine Verletzung des rechten Armes zugezogen. Einen Augenzeugen für das tat- sächliche Vorliegen eines Unfalles hatte M. nicht. Er arbeitete zu- nächst, wenn auch mit Beschwerden, weiter. Indessen am 27. April mußte M. den Arzt konsultieren, weil die Beschwerden außer- ordentlich heftig waren. Der Kassenarzt Dr. H. konnte mir eine Schwelluirg des rechten Schultergelenks feststellen und schrieb M. als„an Rheumatismus" krank. Am 11. Mai 1968 wurde M. dem Krankenhaus Moabit überwiesen. Hier wurde eine Schultergelenk- entzündung und zunächst eine geringere, dann eine stärker« Ent- zllndung des rechte» Ellenbogengelenks festgestellt. Trotz Anwen- dung aller Heilmethoden konnte ein wesentlicher Erfolg nicht erzielt werden. M. wurde am 17. März 1969 zur ambulanten Behandlung entlassen. Indessen bereits am 28. April 1969 mutzte die Wieder» aufnahm« zur stationären Behandlung erfolgen. Am 7. Mai 1969 mußte der recht Arm im Ellenbogengelenk abgenommen werden. M. ist darauf noch monatelang ärztlich behandelt worden. M. hatte bei der Nordöstlichen Baugewerks-Bernfsginossenschaft den Antrag auf Rentengewährurrg gestellt. Die Berufsgenossen- schaft wies den Antrag ab, weil: der Unfall nicht erwiesen sei. Die vom Kläger beim Schiedsgericht eingelegte Berufung teilte das gleiche Schicksal. Nach dem Akteninhalt vermochte das Schieds- gcricht das Vorliegen eines Betriebsunfalls nicht als dargetan anzusehen. Zu dieser lleberzeugung gelangte es, ohne auch nur den Versuch einer weiteren Beweiserhebung gemacht zu haben. Gegen dies Urteil wurde Rekurs beim Ncichsvcrsicherungsamt eingelegt. Das Rerchsvcrsicherungsamt beschloß Beweiserhebung. Es wurde der behandelnde Arzt Dr. H. gehört. Ferner wurde der Maurer W. darüber befragt. waS ihm M. auf dem Nachhausewege am Unfalltage über den Unfall erzählt hat. Endlich wurde ein ärztliches Obergutachten von dem Geh. Med.-Rat Prof. Dr. S. vom Krankenhaus Moabit eingeholt. Auf Grund des Ergebnisses der Beweisaufnahme wurde die Berufsgenoffenschaft verurteilt. dem Kläger eine Rente von 66 Prozent zu zahlen. Aus dem Urteil sei hervorgehoben:„... Nach der Bekundung des Zeugen W., auf dessen Beeidigung die Parteien verzichtet haben und der einen glaubhaften Eindruck gemacht hat, muß der Unfall als erwiesen gelten. Denn diesem Zerrgen hat der Kläger eines Abends im April 1968 erzählt, daß ihm der Arm schmerze, weil er sich daran gestoßen habe, und er hat dabei auch von einem Kalk- kästen gesprochen. Diese Angaben des Zeugen machen die Dar- stellung des Unfalls durch den Kläger durchaus wahrscheinlich, zumal er damals noch nicht wissen konnte, ob der Unfall überhaupt Folgen haben werde. Demgegenüber konnte der Umstand, daß der Kläger dem Dr. H., der ihn vom 27. April 1963 ab 14 Tage lang an dem rechten Arm behandelt hat, nichts von dem Uüsall mit- geteilt hat, nicht ins Gewicht fallen. Dies um so weniger, als aus der Darstellung des Zeugen W. hervorgeht, daß der Kläger dem Unfall seinerzeit kein« erheblick>: Bedeutung beigelegt hat, und deshalb anzunehmen ist, daß er zunächst die Erkrankung des Armes auf jenen Unfall gar nicht zurückgeführt hat, sondern erst durch die Fragen der Aerzte im Krankenhaus Moabit auf den Gedanken gebracht worden ist, sein Armleiden könne mit dem Unfälle ur- sächlich zusammenhängen. Ter Senat hat aber auch auf Grund des Obergutachtens des Geh. Med.-Rat Dr. S. die lleberzeugung erlangt, daß der jetzige Zustand des rechten Armes des Klägers zwar nicht durch den Unfall hervorgerufen, wohl aber durch den- selben wesentlich verschlimmert worden ist. Allerdings hat die chronische Erkrankung des rechten Oberarmknochens und der benach- karten Gelenke, deren Charakter mit Sicherheit nicht hat festgestellt werden können, schon vor dem Unfall bestanden, und es muß des- halb zugegeben werden, daß dieses Leiden auch ohne den Unfall aller Wahrscheinlichkeit nach fortgeschritten wäre und schließlich die GcbrauchSfähigkeit des Armes beeinträchtigt haben würde. Allein die Annahm« des Obergutachters, daß durch den erheblichen Stoß gegen den Arm, den der Kalkkasten hervorgerufen hat. Verände- rungen im Knochen(Blutungen) verursacht worden sind und infolge- dessen die Verschlimmerung wesentlich beschleunigt worden ist, wird erheblich dadurch unterstützt, daß nach der Bescheinigung des früheren Arbeitgebers Hans B. der Kläger vom Jahre 1963 bis kurz vor dem Unfall regelmäßig gearbeitet und tüchtiges geleistet hat. Denn hieraus ergibt sich, daß das Leiden am Obcrarmknochen den Kläger bis zum Unfall nicht nennenswert beeinträchtigt haben kann, also verhältnismäßig unbedeutend gewesen sein muß. Die über- wiegende Wahrscheinlichkeit spricht somit dafür, daß der Unfall die Entwickelung des Leidens in erheblichem Maße ungünstig beeinflußt hat. Damit ist aber der ursächliche Zusammenhang zwischen dem jetzigen Zustand des Armes und den, Unfall dargctan." Hätte im vorliegenden Falle sich der Zeuge W. nicht noch des Gespräches von dem Unfall erinnern können, dann wäre M., eben weil der Unfall nicht erwiesen war, mit seinen Ansprüchen ab» gewiesen worden._ Kann ein Streikführer die Kassenmitaliebschaft für die Streikenden fortsetzen? Wir haben wiederholt darauf hingewiesen, daß bei Streiks und Aussperrungen die Arbeiterschaft ein großes Interesse daran hat, die Mitgliedschaft bei der zugehörigen Krankeniasse freiwillig fort- zusetzen. Neuerdings wird dies in den Streikversaininlungeir be- schlössen und aus praktischen Gründen die Streikleitung beauftragt, oie Meldungen der Krankenkasse zu überbringen. Dies setzt aber voraus, daß dann auch alle Streikenden sich fügen und ihre Bei- träge zahlen. Weigert sich aber ein einzelner, so wird die Aus- srchtsbehörde zu entscheiden haben, wie uns folgender Fall zeigt. Bei der Firma Günther u. Kleinmond zu Rödelheim traten im Vorjahre 82 Retallardeiter in den Ausstand ein, und wurde der Leiter des Metallarbciterverbandes von der Versammlung der Streikenden ersucht, die Mitgliedschaft der Streikenden bei der Ortskrairkeiikgsse Rödelheim freiwillig fortzusetzen, damit den Streikenden im Krankheitsfalle höhere Ansprüche gewährt würden. Der Beauftragte W. erledigte sich dieses Auftrages, indem er eine Liste der streikenden Metallarbeiter der Krankenkasse eistreichte. Die Anmeldung war in der vorgeschriebenen Frist von einer Woche erfolgt und der zur Entgegennahme derartiger Meldungen autori- sierte Rechnungsführer der Krankenkasse, welchem W. persönlich bekannt war, nahm die Anmeldung auch anstandslos entgegen. Alle angemeldeten Arbeiter zahlten denn auch später ihr« Kassen» beitrage. Nur der Schleifer F. W. weigerte sich, da er selbst seine Mitgliedschaft nicht fortgesetzt und auch keinem Dritten hierzu Auftrag erteilt habe. Ja, der organisierte Arbeiter erhob noch Beschwerde bei der Aufsichtsbehörde, dem Polizeipräsidenten von Frankfurt a. M., und erklärte diesem auch, daß der Streikführer gar keinen Auftrag gehabt habe, für die Streikenden die Kassen» Mitgliedschaft fortzusetzen, diese Meldung der Krankentasse weiter zu geben. Wenn eine ööeschlußsassung über diese Frage in einer Versammlung wirklich stattgefunden habe, so hätte diese nur Gültigkeit, wenn jeder einzelne jchristlich seine Zustimmung erteilt hatte. Die Polizeibehörde mußte deshalb eine Reihe Zeugen ver- nehmen, welche der fraglichen Versammlung beigewohnt hatten. Einzelne Zeugen erklärten nun, daß der Beschwerdeführer die Sach- läge richtig angegeben habe. Die Mehrzahl der Zeugen gab zu Protokoll, daß der Vorsitzende der Versammlung damals ausdrücklich diese für alle Arbeiter so wichtige Frage angeschnitten und sich bereiterklärt habe, die Anmeldung zu besorgen.„Der Vorschlag des Vorsitzenden erfolgte daher lediglich im Interesse der Streikenden, und auf die Frage, ob die Versammlung mit diesem Vorschlage einverstanden, sei kein Widerspruch erhoben worden, weshalb der Vorschlag nach den beim Verbände geltenden und üblichen Ge- pflogenheiten als stillschweigend angenommen und zum Beschluß erhoben galt". Die Aufsichtsbehörde fällte nun folgende Entscheidung: „Die Beschwerde des Schleifers W. zu Rödelheim ist unbe- gründet. Denn wenn auch in§ 27, Abs. 1, des Krankenversicherungsgesetzes bestimmte Vorschriften darüber nicht enthalten sind» in welcher Weise die Anmeldung zur freiwilligen Fortsetzung des Vcrsicherungsverhältnisses zu erfolgen hat und daher eine bloß formlose Anzeige, durch welche jedoch die Absicht, sich die Wohltat des Z 27, Abs. 1, in zweifellos freier Weise sich zu erhalten, zum Ausdruck kommt, als genügend angesehen werden kann(vergl. Hahn Anmerkung 1, la KBG.), so ist doch bei der Anmeldung durch einen Dritten immerhin dessen Ermächtigung durch die anzumeldende Person als erforderlich zu bezeichnen. Daß W. aber als zur An- meldung ermächtigt zu gelten hatte ist bereits früher ausgeführt worden. Einer schriftlichen oder ausdrücklichen Ermächtigung be- durften weder der Beschluß an sich noch der Austrag, der Vorsitzende K. M. und daö Verbandsmitglied D. W. hatten mindestens als stillschweigend ermächtigt zu gelten(vergl.§ 1£fk BGB.). Gegen Treu und Glauben(§ 137 GGB.) würde es auch verstoßen, wenn diejenigen Mitglieder, welche seinerzeit keinen Widerspruch gegen den Vorschlag des Leiters der Verbandsversammlung kundgaben, nachträglich geltend machen wollten, sie hätten nicht ausdrücklich zugestimmt. Die Fortsetzung der Mitgliedschaft sei auch in zweifelsfreier Weise kundegetan worden, da die Krankenkassenverwaltuny die Mel- dung unbeanstandet entgegengenommen und nicht erst ernen Aus- weis von dem Beauftragten verlangt habe, wozu sie an sich berechtigt gewesen sei. Der Beschwerdeführer sei daher auch zur Beitrags- leistung verpflichtet."_ Zur FeuerbestattnngSfrage. Der preußische Landtag wird sich demnächst mit der Frage der Zulassung der Feuerbestattung in Preußen zu beschäftigen haben. Aus diesem Anlasse hat der Vorstand des„Verbandes der Feuerbestattungsvereine deutscher Sprache" an den König von Preußen eine Immediateingabe gerichtet, in der folgende Angaben über die Geschichte und den gegenwärtigen Stand der Feuer- bestattung in Teutschland gemacht werden. 1878 wurde in Gotha das erste deutsche Krematorium dem Betriebe übergeben, dem 13 Jahre später das zweite in Heidelberg folgte. 1892 bekam Ham- bürg, 6 Jahre später Jena ein Krematorium, Seit 1899 wurden dann in rascher Folge die Krematorien in Offenbach, Mannheim, Eiscnach, Mainz, Karlsruhe. Heilbronn. Ulm, Chemnitz, Bremen. Stuttgart. Koburg, Pößneck. Zittau, Baden-Beden, Zwickau und Leipzig erricksiet. Als 21. und 22. Krematorium werden in diesem Jahre hinzukommev die in Dessau und Lübeck; im Bau begrissen ist ferner da? Krematorium in Dresden. Es haben nunmehr von den deutschen Staaten 12 die Feuer- bestattung zugelassen, nämlich: Sachsen-Koburg-Gotha, Baden, Württemberg. Hessen, Hamburg, Sachsen-Weimar-Eisenach, Sachsen- Meiningen, Königreich Sachsen, Bremen, Lübeck, Anhalt-Dessau und Reuß j. L. Es bestehen gegenwärtig in Deutschland 196 Vereine für Feuerbestattung mit zirka 66666 Mitgliedern. Die Zahl der Einäscherungen betrug 1961... 662 1963... 1768 1963... 1674 1967... 2977 1969... 4779 In Preußen— das nach maßgebender Ansicht in der Welt voran sein soll— ist die Leichenverbrennung bis heute noch nicht gestattet, obwohl die meisten größeren preußischen Städte nur auf die gesetzliche Befugnis warten, um Krematorien zu errichten, ja in einer westfälischen Stadt bereits seit 21� Jahren ein Krematorium betriebsfertig dasteht, aber nicht benutzt werden kann, weil die Polizeiverwaltung auf Anlaß des Ministers die Benutzung untersagt. Die Eingabe spricht daher die Erwartung aus, daß die Zahl der Krematorien in kurzer Zeit auf das Doppelte steigen werde, sobald die fakultative Leichenverbrennung in Preußen ein« geführt sein werde._ Ein Steuerstreit der LanbeSverficherungsanstalt der Rhcinprovrnz. Die«Rheinische Volksheilstätte für Nervenkranke" in Lcich» liirgen, die von den Ministern als milde Stiftung anerkannt ist, war von der LandeSverstckierungsanstalt der Rheinprovinz für 1266666 M. erworben worden. Der Gemeindevorstand zu Leich» lingen hatte darauf die Landesversicherungsanstalt(Sitz Düssel- dorf) mit 12 666 M. zur Umsatzsteuer herangezogen. Die Landes. versich e-rungsan st alt erhob Einspruch und ver. langte die Herabsetzung der Steuer auf 6666 M� also auf die Hälfte. Sie berief sich auf die Steuerbefreiungsvor- schriften der Leichlinger Steuerordnung in Verbindung mit dem Stempelsteuergesetz, indem sie die Eigenschaft der erworbenen Volksheilstätte als einer milden Stiftung betonte. Di« Steuer- ordnung bestimmt, daß nur die Hälfte der Umsatzsteuer zu erheben ist. wenn bei einer Grundstücksveräußerung der eine der Kontra- henten von der Steuer frei zu lassen wäre. Und hinsichtlich der persönlichen und sachlichen Steuerbefreiungen und.Ermäßigungen sollen nach der Steuerordnung die Bestimmungen der Landesgesetze über den Urkundenstempcl maßgebend sein. Nach 8 56 dcS Stempelsteuergesctzes sind nun von der Entrichtung der Stempel. stcuer unter anderem Stiftungen befreit, die als„milde Stif. tungen" ausdrücklich anerkannt sind. Darauf berief sich die Lande»-, Versicherungsanstalt. Der Gemeindevorsteher lehnte die Ermäßigung der Steuer ab. Er machte geltend, die Gesellschaft„Rheinische Volksheilstätte für Nervenkranke" sei zwar als milde Stiftung gedacht gewesen und anerkannt worden, sie habe aber ihre Ziele als milde Stiftung nicht erreichen können. Eine milde Stiftung liege nur vor, wenn die bezweckte Hilfe in der Hauptsache oder überhaupt unentgeltlich geleistet werde. Die Gesellschaft habe ihre Ziele zuletzt so ver. folgt, daß sie danach zur Zeit der Veräußerung nicht mehr als milde Stiftung in dem Sinne anerkannt werden konnte. Auf die Klage der Landesversicherungsanstalt erkairiite der Bezirksrnisschus' zu Düsseldorf dahin, daß die Steuer auf«660 M. zu ermäßigen sei. Die zitierten Vorschriften fänden hier Anwen. dung. Entscheidend sei die frühere ministerielle Anerkennung der Volksheilstätte als einer mildem Stiftung. Das Oberverwaltungsgericht bestätigte jetzt dieses Urteil mit folgender Begründung: Mit Recht sei der Bezirksausschuß davon ausgegangen, daß die Volksheilstätte als milde Stiftung ausdrück. lich anerkannt sei. Eine solche Vergünstigung bleibe in Kraft, bis sie widerrufen werde. Ein solcher Widerruf durch die zuständigen Minister sei nicht erfolgt. Demgegenüber sei es unerheblich, ob die Voltshcilstättengcsellschaft zuletzt eine ihrer Anerkennung als milder Stiftung entsprechende Tätigkeit ausgeübt hat oder nicht. Wegen der Anerkennung rechtfertige sich die Steuerermäßigung. «mtliclier Marktbericht der städtilchen Marktballen-DIrekllon über den Großbandel in den Zenwal-M-irktballen. Marktlage: F l e i I ch: Zufuhr schivach, Gclchäit ruhig. Preise unverändert. Wild: gufirbr sehr knapp. Geschäft ruhig, Preise seit. G«1 1 ü g e I: Zusuhr genügend, Gcschäst lebhast, Preise besriedtgend. Fische! Znsnhr genügcnd, Geichäst ruliig, Preise wenig verändert. Butter und Käse: Geschäft ruhig, Preise unverändert. Gemüse. Obst und Südsrüchte: Zufuhr genügend, Geschäft anfangs still, später lebhafter, Preise mehrfach verändert. unter freiem Himmel am Sonntag,<<«„ 10. April, den mittags I Uhr im und Treptower fark, Triedrielishaiii Kumbolilthatti. Tagesordnung: Jer Wahlreehtskamiif Referenten in Treptow und im Friedbriehshaln: Die Genossen Bahn, Barth, Dr. Alfred Bernstein, Bd. Bernstein, Buhler, Dittmer, Richard Fischer, Theodor Fischer, Glocke, ff ackelbusch, Heine, Hetzschold, Kloth, Metzke, Paetzel, Poetzsch, Dr. Rosenfeld, Wermuth, Dr. Wey], Sassenbach, Robert Schmidt, Schumann, Stadthagen, Ucko, Zubeil und Herr Dr. Breitpcheid. Referenten im Hnmboldthaln: Die Genossen Dr. Oskar Cohn und Adolf Hoffmann sowie die Herren v. Gerlach und Lüdemann. Kein Anhänner des freien Wahlrechts darf fehlen! Agitiert für den Massenbesuch der Versammlungen und organisiert den würdigen Verlauf. Der Zentralrorstond. I. A.; Lugen Lrnst» Wöhlertstr. 9. MT Alie Zahlabendleiter müssen für rechtzeitigen Abmarsch sorgen, damit die Genossen um 1 Uhr an den Versammlungssteiien eintreffen. CerantmonTiiec öttdattcuc RHard Vorih, Berlin. Fiic den gnftratcnlei! vcicii:kiv.: TH.EI»ikt»Bersin. Di�ckü.vnläg: Vorwärts LuchdrUSrrO u. BerkgKanstalt Paul Sing»& Berlin SWi am Sonntag, den 10. April. T eltow- Beeskow: Ullttenwalde, Lokal Rin,ma«>»ink. TageS-Orönung: Kein Anhänger der V artet darf fehlen! Nr.8Z. 27. Iahtgavg. 1 ßcilow te JutniäTtü" Sttlintt Zonntllg, 10. April 1910. Die tichechüchen Gewcrhkljafts- aeriplitferer. Seit mehr als zwei Jahren tobt der Kampf um die Einheit der österreichischen Gewerkschaftsbewegung, ein Kampf nicht zwischen Freigewerkschaften, Christlichen und Gelben, sondern zwischen Sozial- demokraten, zwischen modernen Gewerkschaften sellist. Das geschieht. während sich der Klasscnstaatcharakter des einst so gemütlichen Oesterreich in Verwaltung und Justiz immer schärfer ausprägt, während die Untcrnehmerorganisation immer stärker wird und Wöhrend die durch das gleiche Wahlrecht von einer Aera der Sozial- Politik bedrohten Bürgerlichen alle Anstrengungen machen, um den nationalen Chauvinismus in Gestalt gelber Gewerkschaften ihren Profitinteressen dienlich zu machen. Die tschechische Sozialdemokratie steht heute, daran einen Zweifel bestehen zu lassen, wäre töricht, völlig im Lager der Gcwerkschafts- zersplitterer, der Separatisten, die an Stelle der internati- onalen Zentralvcrbände tschechische Sondervcrbände setzen und allenfalls noch eine Förderation der nationalen Gewerkschaften wollen. Man glaubt, die tschechischen„Nationalsozialcn", die Partei der bekannten Parlamcntszerstörer Klofatsch und Chotz aus dem Felde schlagen zu können, indem man selbst in Nationa- lismuS macht. Nun wird man ja von dieser Demagogenpartei doch immer wieder durch eine Nasenlänge geschlagen werden und durch alle Konzessionen nur die eigenen Reihen verwirren, niemals aber die unaufgeklärten oder rückständigen oder gar kleinbürgerlichen Elemente gewinnen, die das raudaulustigc Gefolge der radikal- nationalen Parteien hüben wie drüben, bei Deutschen, wie bei Tschechen bilden. Wie richtig das ist, beweift da? Hauptorgan der Klofatschpartei selbst, das Prager Tagblatt»CeSke Slovo"(Das tschechische Wort), indem es schreibt: „linS habt Ihr(die Sozialdemokraten, Anm. d. Red.) Per- röter der Arbeiter genannt, weil wir an die zentralistischc Or- ganisation der Wiener Internationale nicht glaubten und weil wir Landesgewerksckaftcn gründeten. Nack ll) Jahren seid ihr jetzt zu unserer Anschauung gelangt. Wesivegcn Ihr uns damals „Gelbe" nanntet, das macht Ihr jetzt selbst nicht aus Uebcr- zeugung, sondern um uns Konkurrenz zu machen. Was Ihr jetzt übt, daS sind unsere Kinderschuh, schon vor 10 Jahren waren wir dort, wo Ihr jetzt anfangt!" In der letzten Zeit wurde der Kampf zwischen den Separatisten und den tschechischen Zcntralisten— die deutschen stehen hier ganz abseits— besonders in Mähren geführt. Dort haben sich die Dinge unerträglich zugespitzt, als die Parteileitung der tschechischen Sozialdemokratie offiziell eingriff und als die Pflicht jedes Parteigenossen die Zugehörigkeit zur Separatistenorganisation auf- stellte; die Zentralisten wurden als eine Art immerhin noch ge- duldeter Parteigenossen hingestellt. Das Brünner tschechische Partei- blatt, die täglich erscheinende„Rovnost"(Gleichheit) führt den Kampf unter der Leitung des Redakteurs Tusar in beispiellos gehässiger und perfider Weise. Selbst in der Zeit der ärgsten Parteiiämpsse in den achtziger Jahren ist es nicht ärger zugegangen und in der Organisation werden die Zentralisten überall hintan- gesetzt und wenn eS sein muh selbst unter Bruch der Vereinbarung, eines vorübergehenden Waffenstillstandes. Diese unerträglichen Zustände beschäftigten eine Konferenz der tschechischen Zentralisten, die am 3. und 4. April in Brünn tagte und auf der 28 OM Gewerkschaftsmitglieder durch 200 Delegierte vertreten waren. Die Verhandlungen förderten traurige Details über die Kampfesweise derer um Tusar zutage. Es genügt ja zu erwähnen, dah weder die tschechische Parteileitung, noch irgend einer der mährischen tschcchisch-sozialdemokratischen Abgeordneten erschienen waren: ein in Oesterreich geradezu unerhörter Fall. Die tschechischbürgerlichen„Narodni Listh"(Bolkszeitung) haben denn auch schon als Konsequenz der Zerschlagung der Zentralverbände die Zerschlagung des einheitlichen Verbandes im Abgeordnetenhause bezeichnet! Die Konferenz hat bewiesen, daß die Separatisten doch nicht so leichtes Spiel haben werden. Sie hat in einer Resolution feierlich die Grundsätze des international geschlossen zu führenden Klassen- kampfes verkündet, auf die brennende Notwendigkeit starker, einiger Gewerkschaften gerade beim Herannahen der Hochkonjunktur hin- gewiesen und die erwähnte Resolution der tschechischen Partei als unbegründete und unverdiente Beleidigung gebrandmarlt. Die Konferenz hat aber auch, da die„Rovnost" den Angegriffenen die Entgegnung verweigert, die Herausgabe eines eigenen, zentralistischen GcwerkschaftSblattes in tschechischer Sprache, daS in Brünn wöchentlich erscheinen soll, beschlossen. Auch Vertreter aus Böhmen erklärten, das; die Separatisten noch lange nicht die gesamte freiorganisierte tschechische Arbeiter- schaft in der Tasche haben. Gleichzeitig tagta auch eine Konferenz der Separatisten. Diese wurde von den tschechischen sozialdemokratischen Abgeordneten Nemec, Jarosch und P r o k e s ch feierlich begrüßt. Sie war von 150 Delegierten und III Ortsgruppen besucht; außerdem von 50 Vertrauensmännern der Organisationen. Als Beispiel für die chauvinistische Hetze, die gegen die deutschen und tschechi- schen Sozialdemokraten inszeniert wird, die an der not- wendigen Einheit der Gewerkschaftsbewegung festhalten wollen, geben wir ein paar Stellen aus den Referaten. Ter Abg. Nemec sagte: „Tic„Wiener Arbeiter-Zeitung" greife den Zarismus an, weil er Finnland seiner Selbständigkeit beraube. Wenn eS aber notwendig sei, die Selbständigkeit Finnlands zu vcr- leidigen, so sei es sicher ebenso notwendig, die Selbständig- keit der tschechischen Nation zu vertoidigen.(!) Wenn Marx erklärte:„Proletarier aller Länder, vereinigt Euch!" so hatte er nicht die Wiener Gewerkschaftskommission im Sinne." Also daS Eintreten für die Einheit der Arbeiterbewegung setzt dieser Wortführer der Separatisten gleich dem zarischen Rechtsraub! Noch ärger trieb es der folgende Redner, der Land- tagsabgcordnet V a n e k, der folgendermaßen an die schlimmsten nationalistischen Instinkte appellierte: „Der wesentlichste Charakterzug der Tschechen sei der, daß sie anderen zu dienen verstehen. Es scheint, daß wir seit den Zeiten des fünften Wenzel es für nötig erachten, unseren Tribut den Deutschen zu entrichten. Die Schlacht am Weißen Berge beweist uns, wie die Niederlage der tschechischen Demokratie von jenen verursacht wurde, die gegen das eigene Blut sich mit den Deutschen, dem Adel und Rom verbündeten. Heute scheint es, daß sich unsere Geschichte loiederholt. Die eigenen Brüder verbünden sich gegen uns mit den Fremden und beweisen, daß am besten die zentrale Form der Organisation uns entspreche. Wir brauchen auch eigene Konsumvereine und eigeneProduktivgenossen- s ch a f t e n, sonst werden wir immer nach der Wiener Pfeife tanzen müssen. Der Grundsatz müsse nun sein: „Mähren den Mährern!"" Wir wüßten wirklich nicht, wie die Klosac-Leute anders reden könnten. Tiesem Sozialdemokraten sind die deutschen Genossen „Fremde" und die tschechischen Ausbeuter offenbar das„eigene Blut"! Daß diese Rede mit den Grundsätzen der Internationale in schärfstem Widerspruch steht, braucht wohl nicht noch besonders hervorgehoben zu werden. Aehnlich ivie Vanck sprachen auch die Abgeordneten Jarosch und P r o k e s ch. Nach einer längeren Debatte beantragte Tusar die Schaffung einer mährischen Gewerkschafts- kommission, die ein Teil der Prager tschechischen Gewerk- schaftskommission sein soll. Dieser Antrag wurde a n g e n o mm e n und hierauf die Wahl vorgenommen. So sind denn die nationalistischen Gewerkschaftszersplitterer nicht davor zurückgeschreckt, ihre häßlichen Drohungen zur Tatsache werden zu lassen. Hoffentlich bleibt es der Einsicht u n d d e m Klasseninstinkt der tschechischen Proletarier nicht zulange verborgen, daß ihre Vertrauensmänner, ein- geschüchtert von der in Böhmen und Mähren allerdings besonders argen nationalistischen Demagogie, sie auf Irrwege ver- locken, die weit abführen von den Bahnen, die allein zum Siege führen können. In der Gewerkschaftsbewegung bedeutet jede Zersplitterung der Kräfte Ohnmacht und Verderben. Es ist eine abscheuliche Lüge, daß die deutschen Arbeiter Oesterreichs den tschechischen Klassengenoffen„fremd" sind. Sie sind ihre einzigen Freunde, wie die tschechischen Kapitalisten seine Feinde sind. Nicht im nationalistischen Wetteifer mit den gewissenlosen bürgerlichen Demagogen, sondern nur in schärfster und unverhülltester Herausarbeltung unserer i n t e r- nationalen Grundsätze liegt die Zukunft wie jedes, so auch des tschechischen Proletariats. vom yütteosi'deiterschuts. Der Artikel unter dieser Ueberschrift in der Nummer 73 des „Vorwärts" hat bei einigen Zentrumsorganen Anstoß erregt. Es wird uns„Vergewaltigung der Tatsachen und Geschichtsfälschung" vorgeworfen, weil nach christ-zentrümlicher Darstellung dem christ- lichen Metallarbeiterverband die„Priorität" in der Frage vom Hüttenarbeiterschutz zuzuerkennen sei. Und zwar soll dies der Um- stand belegen, daß ein« Generalversammlung des zentrumSchrist» lichen Melallarbeitervcrdandes im Jahre 1904 schon zur Frage des Hüttenarbeiterschutzes„zuerst" Stellung genommen habe. Die gewissenhaften Zentrumschristen schreien dies mit dem Mute der Verzweiflung immer wieder aus, sie vergessen aber dabei beharrlich, genauer anzugeben, daß die christliche Tagung im September 1904 stattfand, daß aber im März desselben Jahres der Genosse Hne im Reichstage bei Gelegenheit der Besprechung der Arbciterverhältnisse bei Krupp auch speziell die Arbeitsweise der Feucrarbcitcr erwähnte und die Achtstundenschicht forderte, und daß die Sozialdemokraten in der Presse und im Reichstag, so bei der Verfechtung ihrer Ar- beiterschutzgesetzcntwurfe von 1877 bis 1890 und bei der Begründung der Forderung des Achtstundentages auch in den OOer Jahren die Aendcrung dieser Verhältnisse verlangt hatten. Da war das Zentrum dem entgegengetreten, insbesondere bei den Darlegungen Hue's war es der waschechte Zentrumsmann und damalige emzige Zentrumsarbeiter, Stöycl, der Hue entgegentrat und unter an» dcrem erklärte, die Achtstundenschicht einzuführen sei uicht an- gängig! Wenn nun die Zentrumsblätter in ihrer Polemik gegen den „Vorwärts" selbst betonen, daß die christliche Generalversammlung im September 1904 die erste Stellungnahme der Christen zur Frage des Hüttenarbeilerschutzes gewesen ist, so ist ja hiermit allein schon genügend erwiesen, mit welchem Recht sich die Zentrumsleute mit dem PrioritätSmantcl schmücken. Es sei aber daneben auch noch erwähnt, daß der Deutsche Metallarbeiterverband bereits Konferenzen zur Besprechung dcS HüttcnarbciterschutzeL abgehalten hat, als der kleine„christliche" Duisburger Verband noch gar nicht existierte, weil ja, wie der Zentrumsmann Dr. Heim aus einem Katholikentage erklärte, das Zentrum den katholischen Arbeitern die Organisation „zu spät erlaubt" hat, als die Sozialdemokraten das Feld schon ziemlich abgegrast hatten. Lehrten also so„Not und Beispiel" dem zentrumschristlichen Gernegroß„Gehen und Essen", so kann es nur komisch wirken, wenn er jetzt scheinen lassen will, als wolle er „Sterne messen und den Mond herunterziehen". Die„Christen" leben ja aber vom falschen Schein und müssen es, wenn sie nicht vollends einpacken wollen, dies erklärt auch die verlogene zentrumschristliche Prioritätsschreierci. Die Zentrumsblätter schleppen dann— das Duisburger christ- liche Verbnndsblättchcn ging voran— den Gewerberat Dr. Oppcr- mann in Arnsberg als Zeugen für ihre Prioritätsbehauptung her- an. Oppcrmann hat ein Schriftchen herausgegeben, das die Bundes- ratsverordnung zum Schutze der Hüttenarbeiter kommentiert. Ein- leitend sagt der Gewerberat in der Broschüre: „Der christliche Metallarbcitervcrband, dessen Zentrale in einem bedeutenden Mittelpunkt der Großeisenindustrie— Duisburg— liegt, hat wohl am frühesten auf Abkürzung der Arbeitszeit der in den Hüttcnbetricben der Großeisenindustrie beschäftigten Ar- bciter, insbesondere der Fcuerarbeitcr, gedrängt. Sckwn im Jahre 1904 forderte dieser Verband auf seiner Generalversammlung in Offenbach in einer einstimmig angenommenen Resolution für die Arbeiter in Eisen- und Metallindustrie die reichSgesetzliche Einführung eines zehnstündigen Maximalarbeitstagcs unter gleich- zeitiger Festsetzung der Höchstgrenze der in Ausnahmefällen hu- lässigen Ucberstundcn und für die Fcuerbctriebc, bei denen eine 'Unterbrechung des Produktionsprozesses vorab nicht möglich sei, die Einführung der achtstündigen Arbeitszeit." Dies Zitat wird von den Zentrumsblättern wiedergegeben. In zentrumschristlichcr Wahrheitsliebe wird aber wieder vergessen, auch zu bemerken, daß Oppcrmann in einer Fußnote eine Schrift des Vorsitzenden Wicber vom„christlichen" Metallarbeitcrverband als Quelle angibt, eine Schrift, die eine dreiste Gcschichtsklittcrung darstellt, da sie nur die„Schritte" des christlichen Metallarbeiter» Verbandes und des Zentrums herausstreicht und die wichtigen Arf- beiten der sozialdemokratischen Organisationen unterschlägt. Recht bezeichnend ist es schon, daß die„Christen" sich schämten, bei dem Zitat aus der Schrift von Oppermann auch die niitgctcilte Quelle zu erwähnen. Die„Christen" wußten wohl selbst, daß dann daS Zeugnis wertlos wurde. Als seinerzeit in der Metallarbeiter- Zeitung die Schrift Wicbcrs gebührend zerpflückt und unwiderleglich die Reihenfolge der Hüttenarbeiterschuhaktionen dargelegt wurde, da stotterte das Duisburger christliche Blatt, Hue habe nur zum Fenster hinaus geredet, habe Stötzcl zu Fall bringen wollen, habe„vielleicht" selbst Reichstagsabgcordnelcr für Eissen werden wollen usw. Hue sei auch in der Ocffentlichkcit als Führer der Bergarbeiter, nicht der Metallarbeiter bekannt. Solches Verlegen- heitsgcstammcl werden ja die Zcitungschristen selbst nicht ernst nehmen.— Zittern nach einem bekannten Wort seit dem Frcudenopfer nach Entdeckung des Pythagoreischen Lehrsatzes, alle Ochsen, wenn eine neue Wahrheit entdeckt wird, so geraten die Zentrumschristen, die nicht wagen dürfen, zu scheinen, was sie sind, allsmal in Wut, wenn ihnen die Wahrheit gesagt wird. moderne bequeme Sohlenformen stadtbekannte Preis Würdigkeit Gr. n-n a-M«-ig ri-rt„-zz 250 295 ZZ5__ Kinder:* Gr. 25-30 Mädchen: Gr. 31-35 Knaben: Gr. 36-40. Damen: Gr. 36-42, Herren; Gr. 41-46 Boxrind-Stietel Roßleder-Stiefel'"Cr derbe Strapazierstiefel... brann Chevreau-Stiefel mit Ladekappe........ Gr. KM Bozealf-Sehnürstiefel 3�"""•" Boxcaif-Kinder-Stiefel, DerbysAnitt,— Lackkappe, hochmoderne Form Goody.-Welt 7 brann Chevreau- Oesenstiefel, Lackkappe, Goodyear-Welt.... 8�9 brann echt Chevreau Fräulein-Stiefel, bequeme moderne Form........ 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EJerliner Theater. Heute 8 Uhr: Talf Uli. Nachm. 3 Uhr: Pension Schöller. Heues Tbeater. Abends 8 Uhr: Die goldene Ritterzeit. Morgen und folgende Tag«: Dieselbe Vorstellung._ Volks-Oper. BW, Belle-Alliance-Strasie Nr. 7/8. Nachmittags S1/, Uhr: Zar und Zimmermann. Abends 8 Uhr: Das Strumpfband. Montag: Die Jüdin.(Gastspiel.) Idealer des Äeslens. Nachm. 3'/, Uhr: Ein Walzertraum. Heute und folgende Tage 8 Uhr: Die geschiedene Frau. ÜctHet* Öper«:tten-Theater. Heute und folgende Tage 8 Uhr: Der Graf von Luxemburg. Sonntag nachm. 3 Uhr zu ennäsjigten Preisen: llse Zlfleunerbaron._ Residenz-Tlieeter Direktion: Richard Alexander. Abend»» Uhr: tiretcliea. Groteske in 3 Akten von DaviS und Lipschä»._ Luisen-Tiieater. Nachmittag 3 Uhr: WaS Gott znsamnienfügt. Schauspiel in süns Alten von Ernst Ritterseldt. Abends 8 Uhr Premiere: Doppelselbstmord. Volksstück mit Gesang in 3 Alten von L. klnzcngruber. Montag: Klapperstorch d. Königin. 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Lustkpicl in 4 Akten von Franz bon schönlhan und Gustav Kadelburg. Mo n lag, a d- n 0 s 8 Uhr: Ilnns I.angc. Dienstag, abends 8 Uhr: Wallenstelns Tod. Schiller-Theater(Charlottenburg). Sonntag, nachm. 3 U h r: Der Itleineldbaacr. VolkSstück in 3 Akten von Ludwig Anzengruber. Ende 5'/, Uhr. Sonntag, abends SUHr: Hon» I.ange, Schauspiel in 4 Akten v. Paul Hehse. Montag, abends 8 Uhr: Mene Jugend. Dienstag, abends 8 Uhr: Goldflsche. ••••••«••»«OSSÜO Männerchor„Fichte- Georginia 1879" (M. d. A.-S.-B.) Chormeister: P. Welnrlch.■ Sonntag, den 17. April 1010: = Konzert= unter gütiger Mitwirkung der kgl. Hofopemsängerin Frau Knüpter-EgU(Sopran) im Konzert-Etablissement der Ahtlen-Branerel Friedrichshain(am Königstor). Nach dem Konzert; UM" Sali"TS Kassenöftnung 5 Uhr. Anfang präz. 0'/, Uhr. Entre» Inkl. Tanz 50 Pf. Die Saaltflren sind während der Vorträge geschlossen. - Rauchen nicht gestattet I===== Programm und Liedertexte am Saaleingang gratis. 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Beriiner Yolks-Chor Dirigent: Or. E. Zander. Montag, den 11. April er. abends S1/« Uhr, im MuM Frietisii am Friedrichshain 18—23 Dienstag, den 12. April er. in der KSUVN Welt, HaÄde�l'oS-IU Szenen nus Riclinrd Wagner: „Die Meistersinger von Nürnberg" Soll; Frau Hedwig Marek, FrL Cäcilie Simeon, Herr königl. Hofopernsänger Rud. Jäger(Leipzig). Herr Dr. Alfr. Outtmann, Herr königl Mofopernsänger Friedr. Plaschke(Dresden)_ Da« veretttrkte UlUthner-Orchester _ Orgel: Walter Fischer I Der Berliner Volks-Chor. KanMcntiffnung 71/, Uhr. _ Abendkamte 1 Tlk. Programmbuch mit Wagners Bild, Text und Erläuterungen 10 PI. Am Sonntag, den 10. April, abends 7 Uhr, findet im großen Saal des Qewerkschaftshauses, Engelufer 15, ein statt. Tortrag: Herr Prof. Dr. Stemfeld. Soll: Frl. Arndt, Frl Simsen, Herr Dr. Alfr. Guttronnn, Herr Lederer-Prina, Herr Wäschke u. a.„Der Berliner Volks-Chor". Eintritt 25 Pt. Der Besuch dieses Abends wird den Renzert- besuchern dringend empfohlen._ Einlaßkarten im Vorverkauf ä 75 P'. inkl. Garderobe bei: S.: Brehmer, Weißanburger Str. 9, Rololf, Wörther Str. 31, Rietz, ICopen- hngener Str. 2, Swinemünder Str. 86, Vogel, Lortzingstr. 37, Thomas, Ganenstr. 71, Tietz, Invnlidenstr. 124, Fischer, Veteranenstr. 6, Beyer, Veteranenstr. 11, Glasen. Gipsstr. 27, Sommerleid& Co., Rosenthaler Straße 51, Seiffert, Gr. Hamburgerstr. 18/19, Kriedemann, Stargardor ßtraCe 74, Konsum Genossenschaft, Torfstr. 28a, Antwerpener Str. 4, Willdenowstr. 30, Maxstr. 13a, Prinzen- Alle e 85, Swinemünder Str. 44, Hnssitenstr. 53, Gartenstr. 3, Greifenhagener Str. 84, Schivelbeiner Straße 9. O.: Vogel, Koppenstr 82, Liebeeke, Romintener Str. 18, Rietz, Kopemikusstr. 11, Petersburger Str. 6, Thaerstr. 18, Dahn, Petersburger Str. 34, Wedemeyer, Weidenweg 80, Niemeyer, Weber- etraße 19, Schroiie, Landwehrstr. 3, Teichert, Am Friedrichshain 34, Reul, Barnim«er. 42, Konsum-Genossenschaft, Markusstr. 37, Zomdorfer Straße 61, Liebigstr. 7, Kopemikusstr. 33, Bötzows tr. 34, Wins- straßo 63, Kochhannstraße 14, Büschingstraße 12.„Vorwärts■*- Spedition Zucht, Immanuelkirchstraße 12. S.: Ihm, Wrangelstraße 58, Heinrich, Wrangolstr. 107, Neidhardt, Görlitzer Str. 53, BSttger, Skalitzer Str. 107, Zossener St. 30, Stangenberg, Köpenioker Straße 20a, Borsch, Engelufer 15, Fischer, ManteuSelstr, 110, Francke, Mariannenstr. 26b, Monzel, Muskauer Str. 1, Schulz, Admiralstr. 40a, Zindel. Rcichenberger Str. 40/41, Teichert, Roichenberger Str. 98, Zehrend, Hasenheide 9, Kuhring, Jahnstv. 1, Bielefeld, Gräfes tr. 35, Gressel. Grimmstr. 30, Meyer, Schloiermacherstr. 8, Röhl, Bergmann- straße 10, Weiß, Großbeerenstr. 68, Schulz, Blücherstr 30, Schwedheim, Planufer 1, Rühle, Moritzplatz, Brinkmeyerj Alexandrinonstr. 25, Bobsien, Koromandnntenstr. 62, Priegenl, Belle-Alliancestr. 75, Konsum-Genossenschaft. Arndtstr. 6, Zimmerstr 22, Gräfestr 65a, Alte Jakobstr. 57/59, Weisestr. 52, Emser Str. 83, Wildenbrnohstr. 61/62, Friedelstr. 15, Böhmische Str. 47, Forster Str. 20, Michaelkirchplatz 4, Heinrich, Münchener Str. 19, Liebo, Hermannstr. 68, Weber, Hermännstr. 100, Larisch. Hermannstr. 223, Schnötke, Bichardstr, 115, Friedrich, Hermannstr. 177. C.: Weihnacht, Grünstr. 21, Ramm, Stralanor Str 8—6, Zander, Friedrichstr. 223. KW.: Rietz, Fehmamstr. 8, Koch, Luisen- straße 30, Voigt, Charitcstr. 3, Konsumgenossenschaft: Erasmusstr. 5, Hostocker Str. 35, Emdener Str. 60, Stendaler Str. 5. 284/13 Erwiderung des KerUner UolKs-Chors auf die falschen Kehanplungen des Ardeiler-Skngerdnndes. Wenn der Vorstand de? Arbeiter-SängerdundeZ, Gan BerNn, behauptet, dab die Erklärung des Volks-EhorS vom 27. März.von Unwahrheiten und Widersprüchen nur so wimmelt", so kann er dies nur durch neue Unwahrheiten beweisen. 1. Unwahr ist eS, dast unser Vorsitzender Paul Göhre in der Sitzung des Aktionsausschusses am 12. November sich für den An- fchlusi des Chors an den Bund ausgesprochen habe, während unser Dirigent Dr. Zander die Möglichkeit de? Anschlusses als gänzlich ausgeschlossen hingestellt habe. Wahr ist vielmehr, dasi Göhre sich für den Anschlutz erklärte, wenn nicht schwerwiegende Gründe dagegen sprächen, und daß Dr. Zander das Bestehen solcher Gründe erwähnte. Dasi in dieser Frage weder zwischen unserem Vorsitzenden und unserem Dirigenten ein Zwiespalt besteht, wie es nach der Darstellung des Bundes den Anschein hat, noch unter den Chor» Mitgliedern überhaupt, beweist die auf der Generalversammlung des Chors vom 21. Februar mit allen gegen eine Stimme angenommene Resolution gegen den Arbeiter-Sängerbund. 2. Nnwahr ist, dah der Volks-Chor behauptet habe, seine außer- ordentlichen Mitglieder gehören der Arbeiterklasie an. Wahr ist da- gegen, daß von einer kleinen Anzahl bürgerlicher Herren die Rede war(übrigens befinden sich unter den außerordentlichen Mitgliedern auch bekannte Führer der Arbeiterpartei). Die Bestimmung des Statuts, nach welcher der Chor weitere außerordentliche Mitglieder in absehbarer Zeit nicht mehr aufnimmt, verschweigt aber der Arbeiter- Sängerbund wohlweislich I S. Unwahr ist, daß.der Chor, wenn auch nicht aus bürgerlichen Stiftungen,(so doch) von bürgerlicher Seite mit größeren Summen unterstützt worden ist". Jeden Beweis hierfür bleibt der Bund schuldig, eS müßte denn sein, daß er die Jahresbeiträge der 17 außer- ordentlichen Mitglieder von je 20 M. für größere Summen ansieht. 4. Nnwahr ist, daß der Chor behauptet habe,.durch seinen Bei- tritt die Solisten zu verlieren". Wahr ist, daß von Mitgliedern der Hofopern. Hochschulen usw. gesprochen wurde, also gerade den besten Kräften, die der Chor beim Anschluß an den Bund verlieren würde. Daß dies sicher eintreten würde, beweist ja der Bund durch feine Erwiderung selbst. 6. Nnwahr ist, daß in der ErNärung des ChorS gesagt fei, in der Srröbel'schen WahlrechtSrede fei von den Leistungen des Volks- Chors die Rede gewesen. Kein unbefangener Leser kann dieS aus der Erklärung des ChorS herausgelesen haben. S. Ob der Chor durch seinen Beitritt zum Bund ,an guten Sängern sehr gewinnen würde", bezweifeln wir um so mehr, als kleinen gemischten Chöre de« Bunde« da? geringe Gedeihen der durchaus dagegen spricht. 7. Der Chor wäre dem Borstand des Bunde« sehr dankbar für die Mitteilung der Adrefle eines Wirte«, der dem Chor für 5— S Mark pro Abend ohne Trinkzwang einen größeren Saal m zentraler Lage zweimal wöchentlich zur Verfügung stellt. 8. Bon den Bestimmungen, daß gemischte Chöre nicht an den BundeSübungSstunden teilnehmen brauchen und daß keine Organi« sationipflicht der weiblichen Mitglieder besteht, enthält das Bundes« statut nicht da« mindeste! Und da« Statut ist daS einzig maß- gebende! S. Durch die Veröffentlichung de» Bohkottbeschluffe« im „Vorwärts" mußte der Anschein hervorgerufen werden, als solle der Boykott für die ganze organisierte Arbeiterschaft Geltung haben. Hätte der Vorstand deS Bundes von vornherein erklärt, daß der Boykottbeschluß natürlich nur für die Bnndesmitglieder Gülligkeit habe, wie er e« in feiner letzten Erwiderung getan hat. so hätte der VolkS-Chor daS mit Gelassenheit aufgenommen, denn er ver- anstaltet ja seine Konzerte für die ganze Berliner Arbeiterschaft, soweit sie Jntereffe und Verständnis für die Werke unserer großen Meister hat. Da der Aktionsausschuß aus Mangel an Zeit die von de« VolkS-Chor beantragten Einiglingsverhandlungen noch nicht einleiten konnte, andererseits aber zu befürchten war, daß viele organisierte Arbeiter sich durch die falsche Auslegung deS BoykottbeschlusieS von dem Besuch der großen Chorkonzerte am 11. April in der Brauerei Friedrichshain und am 12. April in der Neuen Welt abhalten lasten könnten, so war der Chor genötigt, der Berliner Arbeiterschaft ans- sührlich Aufklärung über die ganze Angelegenheit zu geben. Daß in der Sitzung vom 13. März der geschästssührende Ausschuß vom AktionS- auSschuß beauftragt wurde, eine für beide Teile beftiedigende Einigung zu versuchen, davon ist bisher weder unserem Vorsitzenden noch sonst irgend einem Chormitgliede etwa? mitgeteilt worden. Daher kann den Chor auch in dieser Hinsicht nicht der geringste Tadel treffen. Der VolkS-Chor glaubt deshalb, der Arbeiterschaft Berlin« ge» traft daS Urteil darüber überlasten zu dürfen, ob das Borgehen de» Bundes gegen den VolkS-Chor richtig war. Der Besuch der beiden Konzerte am 11. und 12. April wird ja lehren, auf wessen Seite die Sympathien der Arbeiterschaft Berlins stehen. Auf weitere Angriffe wird der Volks-Chor vor den Einigungverhandlungen nicht mehr öffentlich antworten. Der Berliner Volks-Ehor, Wnsd-rftt K«elgr° ÄßfiSfiittlüi»Glück auf« Säle für 1000 Personen Worten für 1000 Personen, zwei Kegelbahn e, Spiefplay. K->s>rrfüchr, Danipferstofio». O. KOppen. Sopliienslraße 17/18 Querstraße der Rosenthaler Straße— am Ifackeschen Markt* Inhaber: Panl Baatz===== empfiehlt(eine von 60— 2000 Perlonen lassenden Säle zu Versammlungen, Vortrags- u. Kunstabenden usw. Vorzug! Akustik. Kulant. Entgegenkommen. Sophien-Säle Berlin N. 20, Hochstraße 21/24. Amt III, 1608 und 3183. Crstkiasslge Eiere. 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X�ei�VereM öerilll. Telephon: Amt IV. 4033. Donnerstag, de» 14. April, abtiids 8V2 Uhr, im Luiwi„Nene Welt", Haseuheide 108'-114; idit Ccmsl- aller zum GeMmeipttein ocljötipn Acmkc und Zshlstellcn der Sektioueu der in littpenlek, abends 8'/, Uhr.«v.l.ujj vc» >V'.«pokr über: Allerhand Humor aus der neuen deuischen Literatur 2. Verbandsangelegenheiten. 1. Vortrag des Schriftstellers " leratur 114/4' Spandau:»«kies volkskelm, Haveistrafte. abends 8-/, Uhr. Ober'Scböneveide: W?Ärl«i�ho�Ä�a!ds. s»/, uhr. TageS-Ordnung- l.§erichterj!titt«llg von der Generalversammlnvg. - Sttllnngnohme pim anßerord. Gemerkschastskongreß. Mitgliedsbuch legitimiert. Zahlreichen Besuch erwartet_ Die Ortsverwaltung. Steinarbeiter! Dienstag, den 18. April, abends 8'/, Uhr in den Arminhallen. Kommandantenftrahe 58;59: General-Versammlung. TageS-Ordnung: 1.?lbrechnung vom 1. Quartal. 2. Wahl der Delegierten zum Verbandstage. L. Stellungnahme und endgültige Beichluhfaflung in der Doris frage der Bau- und Grabsteinbranche. 4. Verschiedenes. /MT* Die Versammlung wird präzise eräffuct. �WW Die Kollegen aller Branchen, auch die Marmorarbeiter, werden ersucht, vollzählig zu erscheinen. Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt. 171/7*_ Die Ortsverwaltnna. Tel.: Amt IV. 9737. mi m»U h mm Bureau: Sebastianstr. 27—38, H. r. II Herren-Konfektion! Montag, den 11. April Ivlv, abends 8'/, Uhr, im Elysium» Landsberger Allee 41: ebüss Versammlung=== söuiti. Kolltge» und Kollkginuen dkl Kerrrn-Konftktion. TageS-Ordnung: Bericht über den derzeitigen Stand unserer Be- WegUllg. Rcserent: Kollege!4na»e. 182/11 'WM- In dieser Versammlung erfolgt die Ausgabe der Tarije der geregelten Geschäfte. Mit Rücksicht aus die Wichtigkeit der Tagesordnung erwartet voll- zähl ige» und pünltlicheS Erscheinen Der Kommission. Achtung! Mitglieder der Allgeili. Orts-Krsnkeiilisffe zu Knli»! _ Montag, den 11. April 1910, abends 8 Uhr- M BiIikgIivÄ«n»V«n»ammIung ZZ im»Englischen Garten*. Alexanderftr. 87e. TageS-Ordnung: Die neue Reichsverficherunas- Novelle. Reserent: Arbcitcrsekretär Genosse Bauer. Bericht der Dreizehner-Kommission und Neuwahl. Um recht zahlreichen und pünktlichen Besuch ersucht 1S42b Der Obmann. Koflsiini-Proiiiikti?- and SpaiweiD Zelileniiorf und Oiiigepii. Eingetragene Genoeeentchaft mit beschrankter Haftpflicht. Aktiva. Bilanz am 30. September 1909. Passiva. Sparkassen-Konto... Bankeinlagen-Koni o... Swmnieinlagen- G. E. K.- Konto....... Kassa-Konto...... Inventar-Konto.... Waren-Konto...,. Debitoren-Konto.... Kaution-Konto,,.. Giro-Konto...... Kohlen-Konto..... Sa. Mark 3,50 3575,35 416,05 1574,17 1108,60 7361,33 71,31 30,— 3580,35 488,21 X8211,a7 Mark Dividenden-Konlo.,. 13,53 Spareinlagen-Konto.., 2873,15 RcservesondS-Konto.,, 856,50 LIeieranien-Konto.... 4375,18 GeschästSguthaben-Konlo. 3635,98 Sparrabatt-Konto.., 1575,— tauSanteil-Konto... 1370,— parmarken-Konto... 114,50 Noch zu zahlende Unkosten 70,81 Reingewinn...... 3218,70 Die Mitglieder-Bewegung ist folgende: Bestand am 10. Oltober 1903.... 156 Eingetreten........... 50 e«-TsOT Maurer. Putzer, Gips* und Zement- Branche. flieienieger. Backofenmaurer u. IKunftfteinverfetzer. Tagesordnung: i. Die bevorstehende Anssperrnug im deutschen Bau- gewerbe und die hierzu getroffenen Maßnahmen der Arbeiterorganisationen. 2. Diskussion. Die Unternehmer haben zum Teil schon den Beschluß ihrer Organisation durch- geführt, in mehreren Städten sind Diaurer, Zimmerer und Bauhilfsarbeiter aus- gesperrt. Beweist darum durch vollzähliges Erscheinen, daß Ihr Euch eins fühlt mit den Opfern der Aussperrung; daß Ihr Euch einig fühlt in dem Willen, den von den Unternehmern hingeworfenen Fehdehandschuh aufzunehmen und deren Angriff abzuschlagen. 134/7* - MgUsäslmek legitimiert. Kollegen! Der Zweigvereinsvorstand. Deutscher JbkarbeHer-Verliand. = Verwaltung Scrlin.= Der Hauptvorstand des Verbandes hat beschlossen, daß bis zum 23. April eine Urabstimmung in allen Zahlstellen stattfinden soll, ob der Grundbeitrag von 60 auf 60 Pf. erhöht werden kann.— Für Kttito findet die Abstimmung statt: Mluitng, dkll Ii. April, S'/i—B Uhr abends (gleich nach Feierabend) in folgenden Lokalen: t. Ziabeis Sraueret, Bergmannstraße 5—7, 2. IRärkischer JCoJ, Admiralstraße 18c, 3. Kaungn-Testsäle, Naunynstraße 6, 4. jteiehenberger Kailen. Reichenberger Straße 147, 5. Andreas-Festsäie» Andreasstraße 21, 6. Litfin, Memeler Straße 67, 7. Sergmann. Boxhagener Straße 26. 8. Arnolds Vestsdie. Frankfurter Chaussee 5—6, 9. SoeUer, Weberstraße 17, 10. Qlisehe. Kopenhagener Straße 74, 11. Mibe. Brunnenstraße 188, 12. Raabe. Kolberger Straße 23, 13. ZKoabiter LeseUsebastsbaus, Wiclefstraßo 24. Die Stimmzettel erhalten die Kollegen in den Abstimniungslorale». 81/15 Jede» Mitglied muh persönlich zur Abstimmung erscheinen und als Legitimation das Mit- gliedSbuch borzeigen. Ohne Mitgliedsbuch wird„iemand zugelassen. Die Abstimmung kam» jeder Kollege in dem Lokal ausüben, welches für ih« am bequemste« zu erreichen ist.'_]_ Die Ortsverwaltnnic._ Krsnhrll- it. Atrbrhafr nllft Merbliihkn Arbkitn für Slhöiltberg und Kcrli». (E. H. K. 115.) Sonntag, den 17. April er., vormittags 9'/3 llhr, in Grossera neuen Rathauosälen, Meininger Str. 8(Tunnel): Außererdentliihe Geuersl- Ucchunuluug. TageS-Ordnung: Vorlegung des revidierten Statuts zur Beschluftfaffung. Verschiedene». Mitgliedsbuch legitimiert. Um zahlreiches und Pünktliche» Erscheine» ersucht 284/17°° I>«r Foi-ataad. A. A.: G. I a e n i ck e. k! M .Zweigverein keriin und Vororte. 284/20 SHT Bureau und Arbeitsnachweis befindet sich jetzt Liuienstr. 73, Telepho» Amt III. Nr.»31». Geöffnet »— 1Ä, 2—4 Uhr. Der Arbeitsnachweis nur von 10— IS Uhr vormittags._ Der Vorstand. Bilanz, a«fgesteMam31�Dezeinbcr 1»»v. .Aktiva. An Bank-Konto..... 508-1,20 SauS-Konto..... 526,68 GaS-KautionS-Konto.. 100,— Kassa-Konto..... 298,40 M. 6009LS. Mitgliederbestand am 1. Januar 206 Ausgeschiedu»........ Bestand am 30. September 1909..... Di« GefchästSgufhaben verminderten sich um,., Die Hajtstimmr vermehrt« sich um. 135 M. 874,83 . 1820,- Pannlva Per Keschästsanteil-Konto. 4836,80 . ReseroejondS-Konto.. 66l,85 . HiliSrcferoefondS- Konto 57,50 . Dividenden-Konto.. 177,92 „ Gewinn: Dividende,. 155,20 Rcservefd..Cto. 100,51 Hilfsressd.-Cto. 20.- 275,71 M. 6009,28 1909: 141 Genossen; ausgeschieden 7 Genossen; neu eingetreten 30 Genossen; mithin IUI Genosse».' Das GeschästSguthaden hat sich im Geschäftsjahr um 1900 M„ die Gesamthast- summe der Genosse» ebenfalls um 1900 M. erhöht. Letztere belies sich am 31. Dezember 1909 aus 9400 M, Stralau, de» 10. Spttl 1910. l5S7b Bau* und Erwerbseenossenschaft„Vorwärts" Eiugetragene Genossenschaft mit beschränkter Hastpflicht. «lUl Lchplsig. Verl Vahrens. Kau! Stiigalniaiar. Mitglieder-Verzeichnis des Verb. d.fr. Gast- u.Schankwirte Deatsehlanda. Zahlstelle Pankow. Veröffentlicht laut Beschluß vom 4.MSrz 1910, da w« Verzeichnis die Zahlstelle Panlow fehlt. 74/16* Müller. Berlmer Str. 86. Wunderlich, M.. Floraftr. 22. Jahnke. Otto. Florastr. 14. �tterih.■©., Florastr. 90. Winter, M.. Heynftr. 2. Pieper, H.. Kaiser-Fnedrich-Str. 70. Abeudroth, K., Muhlenstr. 31. Matthe», H.. Mübleiistr. 33. Glah. St., Wollankstr. 59. Schwarz, H.. Wollankstr. 23. Neumanu. A.. Wollankstr. 69. Suckow, I., Berliner Str. 44. Neuman», W» Wollankstr. 102. Gaftmann. W.. Schmidstr. 19. Schuhmann, Brehmestr. 56. Grtsset, H., Kaiser-Friedrich-Str. 15. Radseck, H.. Nieder- Schönhauscn, Kaiser-Wilhelm-Str. 10. Reust, L., Nieder-Schönhausen, Kaiscrweg 19. Wrtland, H.. Nieder-Schönhausen, Lindcnstr. 43. Schüstler. I.. Nieder-Schönhausen- Nordend, Blanlenselder Str. 19. „8ch«eizerhes" Meierei und Milch-Kuranstalt liefert VollmilclK Kindemiilcl) zu jeder Tageszeit (ret Dana zu den Üblichen Prellen. Lieferant tfer Konsumgenossenschaft Berlin und Umgegend. Besiehtigung der Meierei jeder- mann Sonntags, nachmittags 3 bis 6 Uhr, ges tattet. Jerliner Irlieiler- üMm-VM- Mitglied de» Arbeite» Radiabrer.Bunde» .Solidarität". Die heute angesetzten Touren fallen aus. 10/12_ Der Vorstand. OrtsKrankettkaffe der Weber und verwandte» Gewerbe. General- Versammlung sämilicher Dclegiettcn am Sonntag, den 17. April, vormittags 10'/»� Uhr, in Schmidts großem saal, Frucht- stratze 36a(.Freischütz"). TageS-Ordnung: 1. Vorlage der JahreSrechnung pro 1909. 2. Bericht der Revisoren und Antrag aus Erteilung der Dechargc. 3. Nachwahl eincS ausgclchiedcnen Vorstandsmitgliedes für 1910 und 191t. 4. Wahl eine? Kassierers und dessen Stellvertreters. 5. Virschiedencs. 1573b Der Borftand. Karl R-isimann, Vorsitzender. PauILiepelt, Schrislsührer. Delegiertenkarte legitimiert. Orts- Krankenkasse der Konditorkn, Nftsstrkiilliler und verwandten Gewerbe. Am 15. April 1910, abends 3'/, Uhr: Qrckvatllokv General-Versammluns in den Arminhallen, Rommanhanlensit. 58/59. TageS-Ordmmgi 1. Kassenbericht. 2. Bericht der Revisoren. 3. Definitive Festsetzung de» betten Zutaten n Eosshaar-Verarbeltang . von 38 Mark an. Alles mit Anprobe I : Eleg- Engl. Damenmoden, > Kostüm v. 65 M. Fassens», 40 M. an. 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Der soziale Untergrund der Verfassungen. Vortragender: Simon Ratzenstein. Mittwoch: Kinftthrnng In den wIssenBchattllchcn Sozlallsmns. Die Entstehungsgründa der modernen Sozialdemokratie.— Die ökonomischen Grundlagen des wissenschaftlichen Sozialismus.— Das Wesen der kapitalistischen Produktion.— Utopischer und wissenschaftlicher Sozialismus,— Die historischen Grundlagen des wissenschaftlichen Sozialismus.— Der Klassenkampf als Triebfeder der sozialen Umwälzungen.— Die sozialistische Taktik.— Der„Zukunftsstaat". Nach jedem Vortrag wird Gelegenheit zu freier Diskussion gegeben. Vortragender: Julian Borchardt» Donnerstag: Itcdncrschnle. 1. Die Bedeutung und Notwendigkeit der freien Rede. Die Grenzen der natürlichen Beredsamkeit. Die Redekunst. Die Rede nach Form und Inhalt. Dispositionslehre.— 2. Technische Hilfsmittel: Das Manuskript. Die Registratur. Die Nachschlage-Bibliothek.— 3. Das Vereins- und Versammlungs- wesen. Die Geschäftsordnung.— 4. Praktische Uebungen im Reden und Diskutieren. Vortragender: Max Grunwald. Sonnabend: Ocschlclite.(Das Zeitalter des 30jährigen Krieges.) 1. Deutschland an der Schwelle des 30jährigen Krieges.— 2, Die protestantische Opposition in Oesterreich.— o. Der Krieg in Norddeutschland. Wallens teins Erfolge und Pläne— sein erster Sturz.— 4, Schwedens Eintritt in den Krieg.— 8. Die Feldzüge und Pläne Gustav Adolfs. Wiederberufung Wallensteins.— 0. Die schwedische Politik und Gustav Adolfs Tod. Wallensteins Pläne gegen den Kaiser. Seine Ermordung. — 7. Die Rolle Frankreichs im Kriege.— 8. Friedensschluß. Befestigung der Königsmacht. Zuckungen der calvinistischen und der Adels-Oppositioi Vortragender: Hans Block. Sonntag: NatlonalUkdnoinlc.(Die Grundbegriffe der theoretischen Nationalökonomie. IL Teil.) 1. Wiederholung des I. Teils: Kapitalistische Wirtschaftsordnung. Ware. Gesellschaftliche Arbeit. Wert. Geld. Preis. Kapital. Mehrwert. 2. Mehrwertsrate. 3. Arbeitskraft. Arbeitslohn. 4. Akkumulation und Konzentration des Kapitals. 5. Die Grundrente. 6. Die Entwickelnngstoudonz der kapitalistischen Wirtschaftsordnung. ■ Vortragender: Mas Grunwald. Der Unterricht beginnt in GcBefzcskniitlc: Montag, den 11.' April; in Ein flih rang; dos wlBsonBchaftllchcn Sozialismus: Miitwoch, den 20. April; KcdnorscHVde: Donners tag, den 14. April; Gesclilchtc: Sonnabend, den 16. April; Siatlonalökononile: Sonntag, den 17. April. Jeder Kursus erstreckt sich auf zehn Abende und beginnt günktlich um 8'/, Ehr und endet pünktlich um 10 Ehr. Der onntagskursus beginnt pünktlich um lO Ehr und endet pünktlich um ll'/i Ehr. Die reichhaltige Illbliothck ist an diesen Abenden von 7'li— ä1/j Ehr geöffnet. Der, Mitgliedsbeitrag beträgt pro Monat 25 Pf.; das Ünterriehtsgeld für jedes Fach pro Kursus 1 Mark und ist spätestens am zweiten Abend zu zahlen. Die Aufnahme neuer Mitglieder und Schüler erfolgt am besten bei Beginn jedes Kursus im Schullokal Grenadlercitr 37, Hot {reradezn 1 Treppe, und in nachstehenden Zahlstellen: Gotff'r. Schulz, Admiralstr. 40a; Heul, Barnim str. 42; Vogel, Lortzingstr, 37; W. Kaczorowski, Ravenestr. 6; Ilorsch, Engelufer 15. Alle Zuschriften sind an den Vorsitzenden Hermann Eiammö, Berlln-Hixdorf, StelnmetzstraBe 51 III, Geld. uendungen an den Kassierer H. KUntgs, Berlin S. 59, Hasen- beide 8b, zu senden. Her Vorstand. Herren-, Damen- und Kinder-Garderoben in neuesten Mustern stets vorrätig bei Koppenstr. 4 Ecke Madaistraße am Schlesischen Bahnhof. NSctastes Kreditbans der östlichen Vororte. Kleine An» u. Abzahlungen, ganz nach Wunsch des Käufers. — Lieferung frei Haus,— 46162* Kredit! zu Kassapreisen. Beim Vorzeigen dieset Inserats 4\ Rabatt. 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NowaweS. Mittwoch, den 13. April, abends S'/g Uhr, findet im Lokale des Herni Ernst Schmidt, Withelmsir. 41/43, die Versammlung des Wahlvereins mit folgender Tagesordnung statt: 1. Geschäftliches. 2. Kommunales. Referent: Gemeindeverireter Genoffe Karl Gruhl. 8. Abrechnung vom 1. Quartal. 4. Maifeier. 5. Verschiedenes. Gäste haben Zutritt, auch werden neue Mitglieder aufgenommen. Der Vorstand. Spandau. Heute Sonntag, nachmittags 3 Uhr, im Lokale von Fritz Böhle, Havelstr. 20: Große öffentliche DemonstrationS- Versammlung. Tagesordnung:„Die Wahlrechtsräuber am Schand- Pfahl". Referent: Arbeitersekretär Genosse W. Rössel» Berlin- BerUncr JVacbncbtm Ulmenblüte. Die milden Monate Januar und Februar haben uns einen willkommenen aber unzeitgemäßen Vorfrühling gs- bracht, dem der echte Frühling leider nicht auf dem Fuße gefolgt ist. Von Hasel- und Erlensträuchern, Gänseblümchen und anderen unempfindlichen Gewächsen abgesehen, die die erste beste Gelegenheit zum Aufblühen ohne besondere Rück- ficht auf den Kalender wahrzunehmen Pflegen, hüllte sich der Rest der Vegetation doch in eisiges Abwarten. Erst nach dem allerdings ungewöhnlich früh eintretenden Osterfeste entfalteten sich draußen in den Wäldern zlvischen Spandau und Nauen die weißen und blauen Anemonen und nun erst kann man vom Frühlungsflor sprechen. In den Vorgärten blühen allenthalben Crocns, Meerzwiebeln, Veilchen und Stiefmütterchen; am auffälligsten aber macht sich ein Strauch bemerkbar, von dessen schlanken Aesten massenhaft hochgelbe, glockenförmige Blüten herabhängen, die um so stärker wirken, als keine Spur eines Blattes den Anblick beeinträchtigt. Es ist ein aus dein fernen Osten stammender Zierstrauch (Forsythia), der die Blätter erst nachkommen läßt, nachdem die Blüten das zurzeit noch schivache Sonnenlicht ausgenutzt haben. Die gleiche Arbeitsteilung zwischen Blüten- und Blattcntfalwng zeigt der Berliner.Straßenbaum, die Ulme, deren Aeste jetzt mit unscheinbaren, in Knäueln zusammen- stehenden Blüten besetzt sind, während die Blätter noch völlig fehlen. In Feld und Wald stehen die Gräben bis an den Rand voll Wasser und die seit Wockien aus dem Schlummer er- wachten Frösche haben von ihren Neichen Besitz ergriffen. Schon sieht man die erste neue Generation der Mückenbrut. die uns in diesem Sommer peinigen soll, in schwärzlicheni Gewimmel als Larvenform die stehenden Gewässer erfüllen. Die Krähen, die der Winter in die Nähe menschlicher Be- hausungen bannte, wo noch am ehesten etwas für fhre Schnäbel abfiel, treiben sich»un scharenweise auf den Feldern und besonders auf den frischgepflügten Aeckern umher, die sie einer lohnenden Untersuchung auf Engerlinge und anderes Getier unterziehen. Im Walde rätscht der Eichelhäher, hämmert der Specht, zwitschert die Meise. Frische Holzstöße verbreiten Harzgeruch. Nicht lange mehr und auch der Kuckuck wird seinen Einzug halten. In der neuen Wohnung. Mit Ach und Krach waren wir also in die neue Wohnung eingezogen. Kunterbunt standen die Möbel, Kisten und Koffer in den Stuben durcheinander; nur das Schlafzimmer war noch leer. Das hatte aber auch seinen guten Grund: es sollte nämlich neu tapeziert werden. Und zwar auf Kosten des Hauswirts. Das hatte ich schlauerweise beim Kontrakt- machen durchgesetzt. Froh meines Erfolges, besah ich mir die Wände unseres„Merheiligsten". Böse sahen die aller- dinas aus: gänzlich verschossene Tapeten, überall durch schlecht eingeschlagene Nägel durchlöchert und zerrissen. Deutlich ließen sich die Spuren der niedlichen braunen Insekten er- Kennen, die leider zu den Großstadtwohnungen zu gehören scheinen, wie das Tipfelchen auf dem i. Euch werden wir schon kriegen, dachte ich vergnügt— laßt nur erst den„Kleisterfritzen" kommen. Und hoffnungs- froh begab ich mich zu meiner„besseren" Hälfte. Mit der war aber heut nicht gut Kirschen essen: wutentbrannt besah und befühlte sie die vom Umziehen arg zerschundenen Ecken und Kanten der Möbel. „Liebes Kind," sagte ich sanft,„was will das besagen, wenn man nur endlich nachts ruhig schlafen kann, ohne diese ekelhaften....." „Hör' bloß schon auf," sagte meine Frau. Später kam der Kleisterfritze herangerückt: mit Gehilfen, Gerüsten und Tapetenrollen. Wie die Berserker rissen sie die Tapete von der Wand, und flink ging ihnen die Arbeit von den Händen. Ich sah zu. Der Meister war ein redseliger alter Herr, und wir kamen ins Gespräch. Ueber dies und über das. Unter anderen sprachen wir auch von den hygie- nischen Maßnahmen der Behörden. „Ja," sagte ich,„wir leben doch in einer hochentwickelten Zeit, es ist eine Lust zu leben; Hunderttausende werden jähr- lich zum Wohle des Volkes ausgegeben." Der Meister rührte nur stumm in dem Kleisterwpf. Ich fuhr fort:„Wie gründ- lich wird die Reblaus- und die Raupenplage bekämpft."„Und bei den Schwarzen in Afrika geht man sogar den Moskitos und der Tfe-tsefliege zu Leibe" sagte plötzlich der Meister etwas ironisch.„Und in der Umgebung Berlins will man sogar amtlich die Mücken und ihre Brut ausrotten," antwortete ich triumphierend.— Da fiel mir etwas auf. Ich traute kaum meinen Augen.„Aber, bevor Sie die neue Tapete auskleben, müssen Sie doch er st die Wanzennester vernichten und die Löcher in den Wänden verschmieren," rief ich erstaunt dem Meister zu.„Da hätte ich viel zu tun," sagte der gelassen und klebte den ersten schön gemusterten Streifen der funkelnagelneuen Tapete an die Wand. „Halten Sie ein," rief ich entrüstet und eilte zum Haus- Wirt. Der wollte sich aber bei seinem Schläfchen nicht stören lassen, und ehe ich ihm alles klarmachen konnte, verging die Zeit. Er kam nnt herauf. Als wir ankamen, da war schon fast die halbe Stube tapeziert, und der Meister kleisterte mit größter Seelenruhe emsing weiter. „Aber das ist ja unerhört," schrie ich ihm zu.„Sie wissen doch selber ganz gut. da das ganze Neutapezieren für die Katze ist, wenn nicht vorher das Ungeziefer mit Stumpf und Stiel ausgetilgt wird I"„Ist mir gleich," sagte der Meister.„Uebrigens— das wird überall so gemacht, und für die paar Pfennige, die die Herren Haus- Wirte dafür bezahlen...." Gelassen sah er meinen an. Der zuckte bloß mit den Achseln. Ich mußte mich mit der Sache einstweilen abfinden, so wütend ich auch nach Verlassen der beiden die Türe zuwarf. So ist es aber: Statt um die Mücken im Freien sollte man sich lieber erst umdieManzenundihrege wissen- lose Verkleisterung in den Wohnungen kümmer nl_ Die Wahlmänner im K. Berliner LandtagSwahlbezirke werden noch besonders darauf hingewiesen, daß die Abgeord- netenwahl am kommenden Dienstag, den 12. April, in der Zeit von vormittags 9 bis nachmittags 7 Uhr im großen Saale der Andreasfestsäle, Andreasstr. 21, park., stattfindet. Die Mahlhandlung wird pünktlich um 7 Uhr ge- schlössen und dürfen nach dieser Zeit Wahlmänner, die ihr Stimmrecht noch nicht ausgeübt haben, zur Abstimmung nicht mehr zugelassen werden, auch dann nicht, wenn sie vor Ver- kündigung des Schlusses der Wahl schon im Wahllokale an- wesend waren. Endlich. Der Magistrat beschloß eine Vergrößerung der Ab- fertigungsräume der Steuerannahmestelle in der Tresaowstr. 11. Wir haben schon öfter in unserem Blatt erhebliche Klagen über die unzulänglichen Raum- und Llbfcrtigungsverhältnisse in der ge- nannten Annahmestelle veröffentlicht. Es war schon lange die höchste Zeit, Abhilfe zu schaffen. Die Zerstörungen von Fernsprechleitungen durch Drahtmarder wollen nicht aufhören. In Baumschulenweg haben Drahtdicbe eine ganze Reihe von Drahtleitungen zerschnitten. Die dreisten Burschen kletterten auf die Leitungsstangen. Sie schafften größere Quantitäten Draht fort und entkamen ungehindert mit ihrer Beute. Die enipfindlich geschädigte Postverwaltung hat eine Be- lohnung von 100 Mk. auf die Ergreifung der Täter ausgesetzt.' Schwerer Unfall eines RollschnhläuferS. In der Langhans- straße vergnügten sich gestern nachmittag mehrere Kinder mit Roll- schuhlaufen. Einer der Läufer, der jährige Schüler Ernst Metz, übte sich im Kunstlaufen und dabei hatte er das Unglück, mit solcher Gewalt pegcn die Bordschwelle des Bürgersteiges zu rennen, daß er niederstürzte und besinnungslos liegen blieb. Passanten schafften ihn nach einem Arzt in der Nachbarschaft, der eine Gehirnerschütte- rung sowie einen komplizierten Armbruch bei ihm feststellte. Auf dem Tempelhofer Felde erschossen hat sich gestern nach- mittag der in der Monumentenstr. 20 wohnhaft gewesene Privatier Müller. M.. ein 4Sjähnger Junggeselle, galt als sehr lebenslustig und befand sich in guten VcrmögenSverhältnissen. In letzter Zeit trug der Privatier ein gedrücktes Wesen zur Schau und äußerte zu seinen Bekannten wiederholt Selbstmordgedanken. Gestern Mgte sich Müller vor den Augen vieler Passanten auf dem Tempel- hofer Felde eine Kugel in die rechte Schläfe, die seinen sofortigen Tod herbeiführte. Die Leiche wurde nach dem Schauhause gebracht. — Mit einer Schußwunde in der Schläfe wurde gestern im Grunewald von Spziergängern ein etwa 20jähriger junger Mann aufgefunden, der einen Selbstmordversuch unternommen hatte. Der Schwerverletzte wurde nach dem Krankenhause Westend ge- bracht, wo er in fast hoffnungslosem Zustande daniederliegt. Die Personalien des Lebensmüden konnten bisher nicht ermittelt werden. Der JugendkursuS für Fortgeschrittene soll unier der Leitung des Genossen G r u n w a l d auch im nächsten Quartal weiter- geführt werden. ES werden von jetzt ab im wesentlichen Uebungen im Reden und in schriftlichen Arbeiten über besondere Themata ab- gehalten werden. Neue Teilnehmer, die über eine entsprechende Vorbildung ver- fügen, sind noch willkommen. Der Kursus beginnt am Sonntag, den 17. April(nicht, wie erst beabsichtigt war, am 10. April), vor- mittags Vi12 Uhr, in der Arbeiter-Bildungsschule, Grenadier- straße 37. Die späteren Zusammenkünfte sollen dann nach Ver- einbarung mit den Teilnehmern zu einer frühereu Stunde be- ginnen. Der JagenbkursuS am Montag, bei» U. April, fällt auS. Dampfersonberfahrtcn nach Treptow(Park) veranstaltet die Sprce-Havel-Dampfschiffahrts-Gesellschaft„Stern" heute. Von 11 Uhr vormittags ab liegen an der Jannowitzbrücke Sonderschiffe bereit, die in �stündlicher Aufeinanderfolge bis 12,80 Uhr nach Treptow verkehren und auch am„Schlesischen Tor" anlegen. Rück- fahrt 2,30, 2,45 und 3 Uhr, ab Treptow. Dem Berliner Aquarium gingen in den letzten Tagen durch seine Adria-Station mehrere Sendungen mariner Tiere zu, welche verschiedenen Abteilungen des Instituts wertvolle Bereicherungen brachten. Eine besondere Stellung unter ihresgleichen nimmt eine schöne, rötliche oder orangefarbene Muschel aus dem Adriatischen Meere ein, nämlich als Baukünstlerin, indem sie zur Bergung ihres zarten Körpers in einzig dastehender Weise ein Nest baut; sie fügt zu dem Zweck Sternchen, Sandkörner, Muschel- und Holzstückchen zusammen, umspinnt das Material mit dem von ihr abgesonderten Fäden(Byssus) und stattet dieses Nest dabei innen noch mit einem Byssusgewebe aus; nur die prächtigen, mit Wimpern bedeckten Mantelfädcn ragen aus dem schützenden Bau dieser„Nestmuschel" (Sima) hervor und sorgen für Hcrbeischaffung von Nahrung. Mehr Pracht entfaltet dagegen ein Lebewesen aus der Klaffe der Blumenpolypen, eine Federkoralle, die das Entzücken aller Natur- freunde erregt, sobald sie im Bodengrund festen Fuß gefaßt und sich straff aufgerubtet hat. um nun wie eine rote und weiße Feder zu erscheinen. Der Berliner BolkS-Chor veranstaltet heute abend 7 Uhr im Ge» Werkschaftshause als Vorabend der beiden Wagnerabende ein Ein- führungskonzert unter gütiger Mitwirkung des Herrn Prof. Dr. Steonfeld, zahlreicher Solisten und des Volks-Chors. In den am Montag in der Brauerei Friedrichshain und am Dienstag in der Neuen Welt stattfindenden Aufführung der Meistersinger von Nürnberg wird an Stelle des schwer erkrankten Hofopernsängers Jäger der gefeierte Kammersänder Felix Senius die Partie des Walther Stolzing übernehmen. Die Konzerte beginnen um BVj Uhr pünktlich. Der Lehrplan der Arbeiterbildungsschule für das zweite Quartal 1910 ist im Inseratenteile der heutigen Nummer veröffentlicht, worauf wir besonders verweisen. Die Arbeiterbildungsschule ist bestrebt, bei ganz minimalen Beiträgen das Wissen der Teilnehmer auf den ver- schiedensten Gebieten zu erweitern und zu vertiefen, weshalb jedem Arbeiter und jeder Arbeiterin die Teilnahme an dm Kursen nur empfohlen werden kann. Die Akademischen Unterrichtskurse für Arbeiter werden auch im kommenden Halbjahr ihre gemeinnützige Tätigkeit wieder auf- nehmen. Sie wollen Arbeitern und Arbeiterinnen, insbesondere solchen, welche die Fortbildungsschule nicht mehr besuchen können. Gelegenheit zu einer gründlichen Ausbildung in den Elementar» fächern(Deutsch, Rechnen, Schönschreiben, Geometrie und Geo- graphie) bieten. Der Unterricht wird von Studenten der Berliner Universität erteilt, die hierfür keinerlei Vergütung beziehen; die Hörer haben lediglich einen einmaligen Beitrag von 50 P�. pro Kursus für das ganze Halbjahr zur Deckung der Unkosten zu zahlen. Der Unterricht findet m Berlin C, N. und O. sowie in Rixdorf statt. Anmeldungen für Berlin: 10.— 23. April, abends von 8 bis 10 Uhr, in der Kantine des Zentralarbeitsnachweises, Rücker» straße 0; für Rixdorf auch 15. und 16. April, 8—10 Uhr, im Kaiser- triedrich-Realgymnasium. Programme versendet kostenlos Herr rnst Schmidt, O. 17, Langestr. 60. Ein Protokollbuch des Verbandes der Friseurgehilfen ist ver- loren gegangen bczw. irgendwo liegen geblieben. Der Finder wird um Wgabe im Bureau. Linienstr. 73 l. gebeten. Arbeiter-Samariter-Kolonnc. Montag abend 9 Uhr, 1. W- teilung, Dresdener Straße 45, Vortrag der praktischen Aerztin Frl. Dr. Trofe, über die Grundzüge der Krankenpflege. An» schließend praktische Uebungen. Die Generalversammlung findet am Sonntag, dey 17» April, nachmittags 2% Uhr, im Dresdener Garten, statt, BerkehrSnachricht. Die Mgemeine Berliner OmnibuS-Aktien- Gesellschaft verlängert am Sonnabend, den 16. d. M.. die älteste KraftomnibuSlinie Nr. 4„Chausseestraße(Ecke Liesenstraße)— Halle- 'ches Tor" durch die Blücherstratze bis zur Hasenhcide(Kaiser- Friedrichplatz). Ais Fahrzeit für hie ganze Kirecke beträgt 30 Minuten. Vorort- pfadmcbtem Wilmersdorf. Einen Beitrag zu dem Kapitel der politischen Schnüffelei der Lehrer in den Gemeindeschulcn lieferte in einem Termin vor dem Charlottenburger Schöffengericht die Zeugenaussage des Rektors P. Türke von der 4. Mädchenschule in der Koblenzer Straße zu Wilmersdorf. Unter seinem Eide bekundete Herr T, daß er sich des öfteren bemühe, durch Befragen seiner Schülerinnen zu erfahren, welche Zeitungen in ihrem elterlichen Heim gelesen würden, um fest- zustellen, ob und wo sozialdemokratische Gesinimng bestehe. Er pflege auch häufig seine Schülerinnen zu Hause aufzusuchen und richte bei diesen Besuchen sein Augenmerk ebenfalls auf die vor- handene ZeitungSlektüre. Wie in ähnliche» bereits im„Vorwärts" besprochenen Fällen, in denen Lehrer die politische Schnüffelei pflegten, können wir nur wiederholen, daß der Pädagoge andere Pflichten zu erfüllen hat, als die Kinder mit solchen, die politische Anschauung der Eltern be- treffenden Fragen zu behelligen. Wer eS wirklich ernst meint mit der Heranbildung und Erziehung der Kinder, wird in dem Ausfragen von Schülerinnen und Schüler, wie es Herr Türke beliebt, eine Un« gehvrigkrtt erblicken. In der Mitgliederversammlung des Wahlvereins referierte Ge» nosse Schmidt über:„Politische Tagesfragen". Unter Vereins» angelegenheiten teilte der Vorsitzende mit. daß der Lichlbildervortrag des Genossen Geck verschoben werden müßte, da derselbe nur am 20. April frei wäre, dieser Tag aber mit Rücksicht auf den bevor- stehenden 1. Mai ungeeignet ser. Genosse GoddäuS gab den Kasten» bericht vom ersten Quartal 1010. Einer Einnahme von 607,34 M. steht eine Ausgabe von 687,80 M. gegenüber; es ist somit ein Defizit von 70.06 M. zu verzeichnen. Eharlvttenvurg. Selbstmord einer Schriftstellerin. In ihrer Wohnung, Rosen- heimcrstr. 32, wurde gestern vormittag die 33 Jahre alte Schrift» stellerin �rma Goeringer durch Gas vergiftet aufgefunden. Die Dame, die in guten Verhältnissen lebte, hatte in einem an die Polizei gerichteten Briefe hinterlassen, daß sie wegen unglücklicher Liebe in den Tod gehe. Fräulein Goeringer stammt aus einer an- gesehenen Berliner Familie. Sie heiratete jung, ließ sich aber bald scheiden und war dann als Schriftstellerin tätig. Eine Zeitlang lebte sie in München, wo man sich erzählte, sie habe ihr Herz an einen jungen Kapellmeister verloren, der vor kurzem nach Amerika ging. da er mit pekuniären Sorgen zu kämpfen hatte. Zuerst verössent- lichte sie einen kleinen Roman„Kinder der Seele" und darauf eine Novellensammlung„Die letzte Strophe". Einiges Aufsehen erregt ein Roman der jungen Dame„Schlingpflanzen", der sich in einer durchaus künstlerischen Form mit der gleichgeschlechtlichen Liebe be- faßte. In letzter Zeit war sie auch für eine Versicherungsgesellschaft tätig. Schöneberg. Die Wahl Eduard Bernsteins als Mitglied der Schuldeputatlon nicht genehmigt. Die hiesige Stadtverordnetenversammkung hatte bekanntlich den > Genossen Eduard Bernstein zum Mitglied der Schuldeputation ge- wählt. Jetzt ist bei dem Magistrat von der Regierung in Potsdam folgendes Schreiben eingegangen:„Der Wahl des Schriftstellers Eduard Bernstein dortselbst zum Mitglied der Schuldeputation ver» sagen wir hierdurch die Genehmigung." Die Unterschrist ist uu» leserlich._ Nene BerkehrSverbiiidiingc» SchönevcrgS mit dem Süden und Norden Berlins. Während die Ivestöstliche Verbindung Schönebergs mit Berlin durch eine Reihe von direkten Linien der Großen Berliner und der OmnibuSgefellichaft, später durch die Unter- grundbahn bis auf weiteres gesichert erscheint, lasten die Ver- bindungeu nach Norden und Süden noch viel wünschen übrig. Hier erwiesen, soweit der Belleallianeeplntz in Betracht kommt, besonders die vielen Bahnüberführungen für die großen OinnibnSwagen mit Verdecksitzen sich als ein Hindernis. Diesem Uebelstande soll demnächst abgeholfen werden. Die SIllgeineine Omnibus- Gesellschaft hat kleinere Kraftwagen ohne Verdccksitze konstruiert, die sie nach Zusammenlegung der Linien IL und 17 in solgender Fahr- richtnng laufen zu lasten gedenkt: Mlihlcnstraße— Hnnplstraße— Bahnstraße— Kaiser-Friedrich- Straße— Großgörschen-Bahnhof— Uoik- straße— Hallesches Tor— Dönhosfplatz— Hansvogteiplatz— Andreas« Platz. Der Fahrpreis für die Gesamtstrecke würde lö Pf., für Teil- strecken von je 3 Kilonieter 10 Pf. betragen. Die Schöneberger Verkehrsdeputation hat bereits dem Antrage zugestimmt. Rixdorf. Aus der Mnglstratssltzung. Dem Verein akademischer Unter« richtskurse für Arbeiter werden die zur Abhaltung von Vorträgen erforderlichen Räume im Kaiser-Friedrich-Realghmnasimn auch weiterhin überlassen werden.— Zur Abrundung deSUirzlich von der Stadt- gemcinde am künftigen Schiffahrtskanal erworbenen Grundbesitzes von ungefähr 10 Hekiar Größe soll ein weiteres der Stadtgemeinde angebotenes Grundstück von cttva 1'/» Hektar Größe hinzuerworben werden, ebenso soll eine Grundstücksfläche aus dem Besitz der Stadt- gemeinde Berlin jenseits der Ringbahn auf Grund der mit dem Berliner Magistrat geführten Verhandlungen angekauft werden.— Die Verbreiterung der Saaleslraße zlvischen Kaiser-Fnedrich-Straße und Brusendorfer Straße gegenüber dem künftigen Ringbahnhof„Kaiser- Friedrich-Straße" wird in Aussicht genommen; auf dem angrenzenden tädtischcn Grundbesitz zwischen Brusendorfer und Schudomastraße oll eine Schule nicht errichtet, vielmehr die Verwertung dieses Ge- läiides für WohnhauSzwccke erwogen werden.— Als Zeitpunkt für die Uebernahme der Einziehung der Schiffahrtsgebühren in städtische Regie wird der 1. Mai d. I. festgesetzt. Die Besucher der heute stattfindenden Theatervorstellung werden darauf aufmerksam gemacht, daß wegen der DemonstrationS- Versammlung in Treptow erst präzise 3 Uhr das Theater be- ginnt. Es wird dadurch auch den Versammlungsteilnehmern Ge- legenhcit gegeben, zeitig genug im Theater zu erscheinen. Billetts sind noch in den Lokalen von Hoppe, Hcrmannstr. 40, und Meier, Prinz-Handjerh-Str. 3. erhältlich. Gegeben wird:»Das Tal des LebenS", historischer Schwank von Max Dreher. Der BildungSauSschuß. Zeugen gesucht. Personen, die am 3. April, abends 1t Uhr, in der Herniannstraße, Ecke Steinmetzstraße in Rixdorf gesehen haben, wie ein von einer Radtour zurückkehrende« Radlerpaar von einem Polizeileutnaiit, der von einem Straßenbahnwagen absprang, wegen zweiseitigen Fahrens gestellt und ivie spater der junge Mann von einem Schutzmann sistiert wurde, werden um Abgaben ihrer Adressen an Georg Hofsäß bei Büdeler, Herrfurthstr. 27, gebeten. Steglitz. Die diesjährigen Geiueiudetvahlen fanden in der gestrigen Gemeiiidevcrtretersitzung ihren definitiven Abschluß. Die Wahlen der dritten Klasse wurde» für gültig erklärt und hierauf die Gewählten, darunter unsere Parteigenossen A ß in a n n und Hamburg, eingeführt und verpflichtet. Als ordentlicher Sitzung?- tag wurde wie bisher der erste Freilag im Monat festgesetzt. Die Erbauung eines Gcmeinde-ElektrizitätSwerkeö war der wichtigste Gegenstand der übrigen Tagesordnung. Der Vertrag mit den BorortS-Elektrizitätswerken ist von der Gemeinde vor ungefähr Jahresfrist gekündigt worden. Gleichzeitig wurde ein Ausschuß mit Beratung der Frage beauftragt, ob ein neuer Vertrag abzuschließen oder ein eigenes Elektrizitätsiverk zu errichten sei. Wie der Referent Beigeordneter Fabarius ausführte, haben wiederholte Verhandlungen mit den B. V.-E.-W. stattgefunden, die sich schließlich zu folgenden Vorschlägen der Firma verdichteten: Abschluß eines neuen Vertrages auf 30 Jahre unter Zugrundelegung des Berliner Tarife«. Die Abgaben an unsere Gemeinde sollten dann betragen: bei einem Stromverbrauch von 1 Million Kilowatt» stunden 70 000 M. jährlich; von da ab progressiv steigend auf 140 000 M. bei 2 Millionen Kilowattstunden und 210 000 M. bei 3 Mill. Kilowatlstunden. Eine kürzere Vertragödauer wurde von den Direktoren der B. V.-E.-W. glatt abgelehnt. Der Referent empfahl Ablehnung dieser Vorschläge und Errichtung etneö eigenen Werkes. Nachdem Herr Stadtrat Brüggcmann aus Bielefeld als Gutachter in längeren Auslührungen die Unannehm- barkeit der gemachten Vorschläge dargelegt und im Gegensatz dazu einer Gemeindeanstalr das beste Prognostikon gestellt halte, wurde der Antrag des ilteferenten e i n st i m m i g angenommen und gleichzeitig als erste Baurate die Kumme von 002 000 M. bewilligt. Der übrige Teil der Sitzung war fast ganz der Fürsorge für die höheren Schulen gewidmet. Eine Nachforderung von 15 000 M. zur erstmaligen Einrichtung der physikalischen und chemischen Schülerübungen im R e a l g y m n a s i u in war von einer früheren Versammlung an den Gemeindevorstand zurückverwiesen worden. Erreicht wurde damit nichts. Die in großem Stil be- gonnene BiiSstattung, die schon 30 000 M. verschlungen hat, muß wohl oder übel vollendet werden und deshalb wurden die nach- verlangten 15 000 M. bewilligt. Zum gleichen Zweck wurden der Realschule 5000 M. bewilligt. Ein Autrag deS Gemeinde- Vorstandes forderte die Bewilligung von 1200 M. jährlich als Gemeinde- betrrag zum„Schülerspielplatzverein Grunewald", der von höheren Lehranstalten ins Lebeu gerufen ist und selbstredend in der Hauptsache den höheren Schulen dienen soll. Der Gemeindcvorstand hoffl das Zugeständnis zu erreichen, daß wenigstens an einem Nachmittag und Sonntags der Platz auch unseren Gemeinde- schüler» und den Fortbildnngsschülern überlassen wird. Genosse Aß« mann und die Vertreter des Mieterverein» verlangten Gletchberech- tigung der Gemeinde- und höheren Schüler. Die Linke blieb jedoch bei der Abstimmung in der Minderheit. Zum Schluß wurde der Einbeziehung des Gulsbezirks Dahlem in den Bezirk der gemeinsanien OrrLkranken lasse Steg- litz zugestimmt. Weisteusee. Die letzte Gemeindrvertretmia hatte sich u. a. mit dem Vau- Projekt eine« Ledigenheims zu beschäftigen. Die neue bürgerliche Fraktion hatte am Tage vorher ihre Mitglieder festgelegt, sich gegen da« Projekt zu wenden, trotzdem die Finanzkommiision sich einstinnnig für das Prosekt ausgesprochen hatte. Da voraussichtlich eine Mehrheit nicht zustande kam, wurde der Punkt abgesetzt, es soll nunmehr den Ver- tretern eine Rentabilitätsberechnung zugehen, um dann die Verhandlung nochmals auszunehmen. Trotzdem hat der Grnndbesitzerverein ihre Vertreter wiederum festgelegt, gegen das Projekt zu stimmen.— Der Antrag verschiedener Vorortgeineinden, vor der Ortsbezeichnung den Namen Berlin zu setzen, wurde zurückgestellt, da man annimmt, daß die größeren Gemeinden sich dagegeii aussprechen werden.— Für das Reformrealgynmasium soll, da ein Bedürfnis vorhanden sein soll, außer der Quarta noch die Untertertia eröffnet werden; eö wird jedoch hierfür ein Schulgeld von 180 M. statt 140 M. erhoben, bis die Schülerzahl zwanzig erreicht hat. — Einem Abkommen betreffend die Uebernahme der Bcrlin-Dchlvcdlcr Ehaussee sFallenberger Straße) wurde zugestimmt.— Der östliche Bllrgersteig der Gäblerstraße, von der Röltestraße bis zum Mirbachplatz soll reguliert werden, die hierfür erforderlichen Kosten wurden bewilligt.— In der geheimen Sitzung wurde ein Grundstück in Birkholz zum Verkauf angeboten, während andererseits Wege von Separationsinteresfenten, die von der Gutsverwaltung überackert worden sind, angekauft werden müssen.— Eine weitere Parzelle der Hoffinannschen Gärtnerei in der König- Chaussee wurde für den Preis von 1100 bezw. 1000 M. pro Ouadratrute verkauft. Waidmannslust. Eine gutliefuchte Versammlung beschäftigte sich mit der Kassierung der sozialdemokratischen Gcmeindevertretermandate. Von den ge- ladenen acht bürgerlichen Gemeindevertretern waren nur zwei er- schienen. Genosse Luscher brandmarkte in zirka einstündiger Rede das Verhalten der bürgerlichen Gemeindevertretung, die nach An- hörung des Gemeindevorstehers, welcher die Wahl selbst geleitet hat und die Ungültigkeitserklärung beantragte, demselben zustimmte. Genosse Kestin ging ans die Protestgründe näher ein und wies nach, daß die Mandate z» Unrecht kassiert sind. Es entspann sich hieran eine lebhafte Diskusston. an welcher sich die Gemeindevertreter Seidler und Dietrich und der Häuptling des Grundbesitzervereins, Herr Schellenberg beteiligten. Die Hoffnung der bürgerlichen Vertreter, noch länger unter sich zu bleiben, werden die Arbeiter von Waidmannslust bei der dem- nächst vorzunehmenden Neuwahl gründlich zuschanden machen, indem sie die sozialdemokratischen Kandidaten mit einer»och größeren Stimmenzahl wiederwählen. Spandan. In einer mifierordcntlichen Sitzung der Stadtverordneten fand am Freitag die Einführung des auf Lebenszeit wiedergewählten Oberbürgermeisters K o e l tz e durch den Regierungspräsidenten v. Schulenburg statt. Ansprachen hielten hierbei in der üblichen beweihräuchernden Weise der Stadtverordnetenvorsteher Lüdicke, der Stegieningspräsident und der Bürgermeister Wolf. Nach der Sitzung fand ein Festessen im Schützenhans auf städtische Kosten statt. Unsere Genossen nahmen wohl an der Sitznng, nicht aber an dem Festessen teil. Sie vertraten die Ansicht, daß daS Geld der Steuerzahler nicht für solche Festessen da ist. Potsdam. Aus Verzweiflung über seine ArvcitSkofigkeit hat sich gestern morgen in seiner Wohnung Bcckerstraße der 1873 geborene Schlosser Paul Richter die Pulsadern geöffnet. Hausbewohner kamen noch rechtzeitig dazu und veranlahten die Uebeiführung des Verletzten nach dem städtische» Krankenhause, wo er sich bereits wieder erholt hat. Alle Versuche des Verzweifelten, feste Arbeit zu erhalten, sind fehl- geschlagen._ Jngendveranstaltungen. Die Freie Jugendorgaiiisaiion veranstaltet heute 3'/, Uhr nach« mittags wieder mehrere AgltattonSversammlungen, die in solgeiiden Lokalen stallstndcn: 4. Abtellung im.Fielschütz", Fmchtstr. 3«; 8. und 9. Abteilung im.Moabiter GesellschaftshauS", Wiclesstr. 24; 13. Ab« tellung bei Oblglo, Schwedtcr Str. 23/24; IS. Abteilung im„Markusbof", MarkuSstr. 18! 18. Abteilung bel Knczorowski, Navcnästr. S; 19. Abteilung bei Lang-, Schrcinerstr. 38; 20. Abtellimg bei Emil Schulze, Forster Strahe 17. In allen Berfammlimgen Vortrag:»WaS will dt« Frei« Jugcndorganifation?" Tchöneberg. Am heutigen Sonntag, abends s Uhr, veranstaltet der JugendauSjchuß In Miethcs Festsälen, Hauptstr. 4, eine FrühllngSfeier, be- stehend aus einer Festrede des Genossen Ed. Bern Nein. Konzert, turnerischen AussühruiigeN und gcniülllchein Bclsnmmensein Mit Tanz. Die Parteigenossen werden dringend ersucht, ihre jetzt a»S der Schule cnllafiencn Kinder auf diese Feier aufmerksam zu machen. Erwachsene haben ebenfalls Zutritt. Borhageu-RummelSburg-Stralau. Der JugendauSschuß veranstaltet am Sonnabend, den t«. April. abendS 8 Uhr, in Cafä Bellevue(Tempel), H auptstrabe 2, einen Unterhaltungsabend, verbunden mit Jugendfeier. Das Programm besteht aus einer Ansprache an die SchuIenUaisenen, Konzert, ausgcsührt von Solisten des Neuen Tonlünstler-OrchesterS, Theater- auf iibrung. Billcits für Erwachsene 20 Pf., für Jugendliche 10 Pf., sind im Jugend- heim, All-Boxhagen 56 I, bei Tempel Enfä Bellevue, Hauptstr. 2 und den Lagerhaltern der umliegenden Verkaujsstellen der Konsmugenosscillchast Berlin und Umgegend zu haben. Die vor dem Karfreitag ausgegebenen Billetts haben Gültigkeit. Die Mitglieder des Nicderbarnlmer WahlverelnS und deren Angehörige werden um regen Besuch gebeten. Lichtenberg« Friedrichsfelde. Bereinigung Jugendhelm. Heute abend in den Prachtsälen des Ostens. Frankfurter Allee 161/152: Familtei» abend. Mitwirkende: Frl. Wall! Knfiel(Prolog), Herr Max Grunwald (Vortrag), Herr Eduard von Winterstein(Mitglied des Deutschen Theater», Rezitation), Frl. Kälhe Völkerling(Sopran). Herr Max ReSnlk(Bariton). Herr Leo Koftcnberg(am Flügel), Gefangocrein.Lichtcnberger Männerchor". Saalöffnung 5 Uhr. Ansang Punkt 6 Uhr. Billetts a 10 Pf. sind bei allen BezirkSkasfierern zu haben. Smcbts- Leitung. Der Kampf eines Rechtskonsulenten gegen den„Vorwärts" beschäftigt schon seit Jahr und Tag die Gerichte. Es ist der Rechts- konsulent Fabisch, der sich, bemüht, durch eine Beleidigungsklage gegen den Genossen Weber als verantwortlichen Redakteur des „Vorwärts" sein geschäftliches Renommee wieder herzustellen, welche» er durch eine Bemerkung deS„Vorwärts" über eine bestimmte ge- werbliche Leistung des Herrn Fabisch geschädigt fühlt.— Die Klage dreht sich um einen von uns am 31. März 1900 veröffentlichten Ge- Werbegerichtsbericht, welcher darlegt,, daß ein Arbeiter, der als Kläger für seine minderjährige Tochter auftrat, und sich zu diesem Zweck an da? von Fabisch und Dr. jur. v. Kirchbach betriebene .Rechtswissenschaftliche Institut" gewandt hatte, welches ihm eine weniger als nichts werte Rechtshilfe geleistet und dafür 25 M. ge- fordert und erhalten habe. Im Anschluß an diese Darstellung warnten wir die Arbeiter, derartige„Rechtsinstitute" oder auch Winkelkonsulenten in Anspruch zu nehmen und ersuchten fie, sich an das Berliner Arbeiiersekretariat zu wenden, wo ihnen zu- verlässiger Rat sowie sachgemäße Vertretung unentgeltlich ge- währt wird. Genosse Weber ist sowohl in erster wie in zweiter Instanz freigesprochen. In beiden Instanzen wurde fest- gestellt, daß Fabisch den klagenden Arbeiter anstatt an daS für den betreffenden Fall zuständige KanfmannSgericht an das Gewerbegericht gewiesen hatte, daß ferner der Lehrvertrag, ans den sich- die Klage stützte, zur Zeit der Klageerhebung den gesetzlichen An- forderungen nicht entsprach und daß Fabisch flir seinen irreführenden Rat dem Arbeiter 25 M. abgenommen hatte.— Die Strafkammer kam zu dem freisprechenden Urteil nicht nur deS- halb, weil die im„Vorwärts" behaupteten Totsachen als wahr er- wiesen wurden, sondern auch, weil dem Angeklagten Weber der Schutz des ß 103(Wahrnehmung berechtigter Interessen) zur Seite stehe, zwar nicht in seiner Eigenschaft als Redakteur, sondern als Mitglied des Buchdruckerverbandes, der mit anderen Gewerkschaften zusammen das Berliner Arbeiiersekretariat unterhält und deshalb der Angeklagte ein berechtigtes Interesse habe, vor Winkelkonsulenten zu warnen und zur Benutzung des Arbeitersekretariats aufzufordern. Die vom Kläger eingelegte Revision hatte aber den Erfolg, daß daS Kammergericht die Sache an das Landgericht zurückverwies mit dem Bemerken, eS müsie genau festgestellt werden, in beziig auf welche Behauptungen der Wahrheitsbeweis erbracht sei. Erst wenn der Wahrheitsbeweis als nicht gelungen angesehen würde, käme die Anwendung de»§ 193 in Frage. Die durchaus sinngemäße Auslegung des§ 19S durch die Straf- kammer scheint es hauptsächlich gewesen zu sein, was da» Kammergericht zur Aufhebung des Urteils veranlaßt hat, denn in dem Kammergerichtsurteil wird ausdrücklich gesagt, das Kammergericht stehe hinsichtlich der Anwendung deS§ 193 auf einem anderen Standpunkt als dem. der im Urteil des Landgerichts zum Ausdruck komme. Das Kammergericht sagt, Weber habe nicht— wie es im Landgerichtsurtcil heißt— ein berechtigtes Interesse,„alle Partei- genossen" mit dem Arbeitersekretariat bekannt zu machen. Eine Wahrnehmung berechtigter Interessen könne möglichenfalls dann an- genommen werden, wenn der Angeklagte als Gewerkschaftsmitglied gehandelt und seine Gewerkschaftsgenossen habe schützen wollen. (Eine ausführlichere Begründung der Urteile des Kammergerichts und des Landgerichts haben wir am 2. Februar veröffentlicht.) Gestern fand die erneute Verhandlung vor' der nennten Strafkammer deS Landgerichts I statt. Die durch Ver- lesung der Akten des Gcwcrbegerichts und des Kaufmannsgerichts geführte Beweisaufnahme ergab denselben Sachverhalt, der bereits in den früheren Gerichtsverhandlungen festgestellt worden ist: Es handelte sich um eine Klage um Schadenersatz wegen Aufhebung eines LehrverhältniffeS durch den Arbeitgeber. Fabisch sandle eine Aufforderung zur Fortsetzung des Lehrverhältnisses an den Lehr- Herrn und ließ sich dafür von dem Kläger 6 M. zahlen. Die Aufforderung hatte keinen Erfolg, dann fertigle er eine Klage an da» Gewerbegericht an, setzte den Schadenersatzanspruch weit über seine wirkliche Höhe, auf 369 M, fest und ließ sich sogleich von dem Kläger 20 M. zahlen. Vor dem Gewerbegericht fanden zwei Termine statt. Auf den einen bezieht sich unser Bericht. In diesem Termine sagte der Vorsitzende deS Gelverbegerichts, daß die Klage schon deshalb keine Aussicht habe, weil der vorliegende Lehr- vertrag nicht die Unterschrift deS Vaters des Lehrmädchens trug. Diese Unterschrift wurde später nachgeholt. Das Gewerbegericht wies schließlich die Klage an das zuständige Kaufmannsgericht, wo sie wegen Untauglichkeit des Lehrmädchens zuungunsten des Klägers erledigt wurde. Rechtsanwalt C o ß m a n n. der Vertreter des Klägers, forderte in einer langen, reichlich mit Gefühlsmomenten durchsetzten, aber wenig durch Gründe gestützten Rede die Bestrafung des Angeklagten. Rechtsanwalt Dr. Kurt R o s e n f e l d, der den Genossen Weber verteidigte, wies eingehend nach, daß alle im„Vorwärts" angeführten Tatsachen als wahr erwiesen worden seien, daß der Artikel keine Beleidigungen des Klägers enthalte und daß für den Fall, daß die eine oder andere Bemerkung als beleidigend auf- gefaßt werden sollte, dem Angeklagten als Gewerkschaftsmitglied der Schutz des Z 193 zur Seite stehe. DaS Kammergericht würde das erste Urteil wohl nicht aufgehoben haben, wenn darin nicht die irrtümliche Bemerkung enthalten wäre, Weber habe seine Partei- genossen auf das Arbeiiersekretariat hinweisen wollen. Natürlich solle sich der Hinweis auf die Gewerkschaftsmitglieder beziehen und insofern habe Weber ihn nahe angehende Jntcrcffen vertreten. Aber auch abgesehen hiervon komme der s 193 noch deshalb in Frag«, weil der Artikel ein tadelndes Urteil über eine gewerbliche Leistung deS Klägers darstelle, was ebenfalls unter den Schutz deS § 193 falle. AuZ diesen Gründen müsse der Angeklagte freigesprochen werden. ES könne doch nicht Aufgabe der Gerichte sein, ein Blatt wegen Beleidigung zu bestrafen, welches sich die Warnung vor offen« baren Mißständen zur Aufgabe macht. Weber wies in seinem Schlußwort besonders darauf hin, daß es doch gewiß ein ungebührlich hohes Honorar sei, wenn sich der Angeklagte 25 M. zahlen ließ kür die Anfertigung einer Klage, deren tatsächliches Objekt 100 M. betrug. Im übrigen vertrat Webe, mit Nachdruck den Standpunkt, daß ihm als Gewerkschaftsmitglied der Schutz des Z 193 zugebilligt werden müsse. Das Gericht fällte«in geradezu überraschendes Urteil. Obgleich von den drei Richtern der Kammer zwei im vorigen Termin mitgewirkt hatten, stand daS jetzige Urteil dem früheren in allen Punkten schroff gegenüber.— Weber wurde zu 100 M. Geldstrafe verurteilt und dem Kläger das Recht der Veröffentlichung des Urteils im„Vorwärts" zugesprochen. In der Urteilsbegründung wurde unter anderem gesagt: Wenn der Angeklagte nur Bericht erstatten wollte über eine Gewerbegerichts- Verhandlung, dann wäre der Wahrheitsbeweis als gelungen zu erachten. Diesen Standpunkt, auf dem das Gericht bei der ersten Verhandlung gestanden habe, habe es jetzt verlast«» müssen, denn der Angeklagte habe nicht nur berichtet, sondern er habe das Rechtsinstitut des Klägers in Gegensatz gestellt zu dem Arbeitersekretariat der sozialdemokratischen Gewerkschaften. Dieses in Anspruch zu nehmen, sollten die Arbeiter veranlaßt werden. DaS konnte nur erreicht werden, wenn daS Institut deS Klägers als minderwertig hingestellt wurde. Der Beweis, daß sich der Kläger als uu- zuverlässig erwiesen habe, sei nicht gelungen. Ein gültiger Lehr- vertrag sei vorhanden gewesen. Der ratsuchende Arbeiter sei nicht falsch beraten worden. Die Zuständigkeit deS KaufmannSgertchtS habe sich erst in der Verhandlung vor dem Gewerbegericht heraus- gestellt. DaS Honorar sei ja ziemlich hoch. In dieser Hinsicht sei der Wahrheitsbeweis gelungen, aber im großen ganzen sei er nicht erbracht worden. Daß der Angeklagte Mitglied deS Buchdruckerverbandes ist, das genüge dem Kammergericht nicht zur Anwendung de» 8 193, sondern es müßten konkrete Beziehungen des Angeklagten zu dem vorliegenden Falle vorhanden sein. Solche habe der Angeklagte nicht nachgewiesen. Eine gewisse Kriiik gewerblicher Leistungen liege zwar in dem Artikel, doch sei das nicht sein Zweck. Der Angeklagte habe vielmehr bezweckt, Propaganda für das Arbeiter- sekretariat zu machen. Die Ueberschrift„Habt Acht vor Winkel- kousulenten" sei eine formale Beleidigung, durch die der Kläger ge« troffen werden sollte. Da der Artikel geeignet sei, den Kläger er- heblich zu schädigen, so habe die Strafe eine ziemlich hohe sein müsse». Die Revision dürste diesmal zur Freisprechung führen. Verbreitung unsittlicher Schriften. In dem großen Prozeß wogen Verbrettung unsittlicher Schriften, der die 1. Strafkammer des Landgerichts l unter dem Vorsitz des Landgerichtsdirektors Blancmeister eine volle Woche hindurch beschäftigt hat. wurde gestern das Urteil gegen die Auge- klagten, Buchhändler Otto und Johann Gericke. verlündet. Staatsanwalt Dr. Ehrccke beantragte 800 M. bczw. 200 M. Geldstrafe und Einziehung der meisten in Frage stehenden Bücher und Schrif. ten.— Daö Gericht hielt die Angabe» der Angeklagten zwar zum Teil für durchaus unglaubwürdig, konnte aber trotzdem den Beweis nicht für erbracht erachten, daß die Bücher sämtlich verbreitet worden sind. Aus diesem Grunde konnte insoweit weder eine Ver- urteilung, noch eine Einzehung erfolgen. Dies beziehe sich ins- besondere auf das„Buch der Cäsaren". Das Gericht bezeichnete ein anderes beschlagnahmtes Buch«Die galanten Damen de» 18. Jahrhunderts" sogar als ein größeres ivistenschaftliches Werk, welches nur ernste Ztveck» verfolge. Dasselbe wurde von dem be- schlagnahmten Buche„Die Prügelstrafe" von Dr. Hammer an» genommen. Die übrigen Bücher seien zum Teil als unsittlich an- zusehen. Bei dem Buche„Stock und Peitsche" sei dies zweifelhaft, deshalb sei dies freizugeben. Das Auch«St. Anna" sei einfach erotisch, die Bücher des Leipziger Verlages seien so, daß. wer etwa» suche, darin etwas finden könne. Nach normalem Empfinden, wie es daS Reichsgericht als maßgebend hinstelle, seien diese Bücher aber ebenfalls freizugeben. Es seien dieS:„Fräulein Ober» lehrerin",«Herrin und Sklave".„Die Prügelzucht in der Türkei", „DaS prügelnde Rußland",.Amerika beim Erziehen" usw. Die französischen Bücher seien unsittlich und deshalb einzuziehen. DaS Such..AntropopHyleia' sei eine Zusammenstellung rein unsittlicher Dinge; daß es wissenschaftliche Zweck verfolge, sei nicht der Fall; es sei denn, dah wissenschaftlich Schmutz zusammentragen zulässig sei. Es sei deshalb einzuziehen. Auch die Bilder seien unsittlich und einzuziehen. Es seien deshalb in Uebereinstmmung mit den Anträgen des Vertreters des Leipziger Verlages, Freiherrn von Schlichteproll, die genannten Bücher des Leipziger Verlages frei- zugeben. WaS die Angeklagten Gericke betreffe, so seien diese für ihren Verlag und Vertrieb verantwortlich. Da jedoch sehr wenig von der Anklage übriggeblieben sei, sei in Uebereinstimmung mit dem Antrage des Justizrats Wolff nur auf Geldstrafen von 4(W M. bezw. 100 M. erkannt worden. Außerdem wurde die Einziehung mehrerer Bücher ausgesprochen. Die Kassenführung bcS Bundes für Mutterschutz hat, wie unsere Leser wissen, zu heftigen Streitigkeiten in den Reihen der BundeSmitglicder geführt. Am Sonnabend sollte vor dem Schöffengericht Charlottenburg Klarheit in dieser Angelegenheit verbreitet iverden durch eine Beleidigungsklage, welche Frl. Dr. Helene Stöcker gegen Herrn Dr. Beck eingereicht hatte. Der Bc- klagte soll, wie auch in der Presse mitgeteilt worden ist, die Be- hauptung verbreitet haben, es herrsche Unordnung in der Kasse. die auf Frl. Stöcker zurückzuführen sei. Die Gerichtsverhandlung wurde gleich nach ihrem Beginnen vertagt, weil der Beklagte Zeugen dafür laden will, daß tatsächlich Unordnung in der Kasse geherrscht habe._ Wertheim wider Wertheim. In dem bekannten Prozeß des Herrn Wolf Wertheim gegen die Liquidatoren der Firma A. Wertheim auf Schadenersatz wurde gestern das Urteil verkündet. Das Gericht hat den Anspruch des Herrn Wolf Wertheim, der vorläufig mit einer Million als Teil- detrag eingeklagt war, dem Grunde nach für gerechtfertigt erklärt. I« dem großen Kautionsschwindelprozeß Rubel und Genossen, über dessen Beginn wir am Dienstag uerichtet hatten, wurde gestern des Urteil gefällt. Es lautete gegen den Kaufmann Max Hermann auf 2 Jahre Zuchthaus und" 5 Jahre Ehrverlust, gegen den Kaufmann Willi Thal auf IVi Jahre Zuchthaus und gegen den Architekten Otto Hermann auf 3 Monate und 14 Tage Gefängnis und gegen den Agenten Fritz Seifcrd auf Freisprechung. Der Mitangeklagte Schlossermeister Hermann Liehr, der mit den Kautionsschwindeleien selbst nicht das geringste zu tun hatte, sondern nur wegen unbefugter Entfernung von amtlichen Siegeln angeklagt war, wurde nicht nur kostenlos freigesprochen, sondern es wurden auch noch die ihm erwachsenen notwendigen Auslagen und die Kosten der Verteidigung der Staatskasse auf- erlegt, da sich seine völlige Unschuld ergeben hatte. Gegen den Hauptangeklagten Kaufmann Rubel, der in einer Irrenanstalt interniert ist, wurde daZ Verfahren einstweilen eingestellt. Reinfall eines Theaterdirektors. Als im Juni 1908 das Wiener Operettenensemble im Thalia- Theater zu Hamburg gastierte, verlangte der Direktor Pregcr von der Soubrette Frau Mizzi Wirth, die im„Walzertraum" alS „Franzi" auftrat, sie solle ein Kostüm anziehen, das nach Meinung der Künstlerin durchgeschwitzt und reparaturbedürftig war. Hier« über kam es hinter den Kulissen zu scharfen Auseinandersetzungen, und am Schluß des zweiten Aktes trat„Franzi" vor den Vorhäng und erklärte, sie könne infolge des Verhaltens des Direktors nicht weiterspielen, da sie zu erregt sei. Tags darauf stellte ihr der Direktor das Entlassungsschreiben zu und strengte gegen sie wegen Kontraktbruchs eine Konventionalstrafe von 6000 M. an. Die Zivilkammer VII des Landgerichts Hamburg wies die Klage zurück und verurteilte auf die Widerklage der Künstlerin den Direktor zu einer an diese zu zahlende Entschädigung von 3500 Mark. In der Begründung wird hervorgehoben, daß eine Künstlerin sich derartige Zumutungen nicht gefallen zu lassen brauche, und wenn sie hierbei beleidigende Aeußerungen gegen oen Direktor fallen ge- lassen haben sollte, so liege nur eine Kompensation vor. Versam,n!ungen. Eine Kundgebung für die Privatbramtenversscheruug. In der Frage, wie die gesetzliche Pensionsversicherung der Privatbeamten zu gestalten sei, stehen sich in den Kreisen der Interessenten zwei Richtungen gegenüber. Die eine, vertreten durch die Freie Vereinigung für soziale Versicherung, in der sich eine Anzahl von Privatbeamtenorganisationcn zusammengeschlossen haben, verlangt den Anschluß der Privatbeamtcnversicherung an die Alters- und Invalidenversicherung der Arbeiter. Auf der anderen Seite steht der Deutschnationale Handlungsgehilfen- verband, vertreten durch den..Hauptausschuß" mit der Forderung einer besonderen, von der Arbciterversicherung getrennten Vcr- sicheriing der Privatbeamten. Alter Gewohnheit gemäß suchen die Deutschnationalen ihr Ziel auf Schleichwegen und Hintertreppen in den Häusern maßgebender Personen und Behörden zu erreichen. Am Freitag wollten sie in einer vom Deutschnationalen HandlungS- gehilfenverband nach dem Deutschen Hos in der Luckauerstraßc einberufenen öffentlichen Versammlung ihren Standpunkt ver- treten. Das Thema: Unsere Gegner in der VersicherungS- frage sowie die in der Ankündigung verheißene freie Aussprache hatten natürlich die Mitglieder der»reien Vereinigung veranlaßt, die Versammlung zahlreich zu besuchen. Sie bildeten, wie sich aus den späteren Vorgängen zweifellos ergab, die weitaus größte Mehrheit in dem dicht gefüllten Saal. Als ein Herr aus den Reihen der Dcutschnationalen die Vcr- sammlung eröffnet und die Leitung übernommen hatte, wurde das Wort zur Geschäftsordnung verlangt. Doch der Leiter ging mit souveräner Nichtachtung darüber hinweg und erteilte dem Referenten Thomas das Wort.— Nun erhob sich großer Lärm. Stürmisch, aber vergebens wurde das Wort zur Geschäftsordnung verlangt. Vergebens versuchte der Referent, zu reden, vergeben» waren auch die Versuche des Vorsitzenden,(jegen den auLgesprochc nen Willen der großen Mehrheit seinen eigenen Willen durchzu- setzen. Der Lärm steigerte sich zu wüstem Tumult, an dem sich beide Richtungen beteiligten. Es wurde geschrien, gepfiffen, und schließlich mit papicrncn Bieruntersätzen nach dem VorsiandStisch geworfen. Der Vorsitzende sprach die Schließung der Versammlung auS und verlangte die Räumung des Saales. Dem kam jedoch niemand nach. Fast eine Stunde währte der Tumult. Da erschien ein Polizcilcutnant mit zwei Schutzleuten, auf deren Veranlassung sich der Saal langsam leerte. Bei dieser Gelegenheit wurde die Parole ausgegeben: Die Mitglieder der Freien Vereinigung gehen nach dem BercinShauS. Die Deutschnationalen haben anscheinend später für sich allein die Versammlung abgehalten, doch es kann nur eine Handvoll Teil- nehmer gew-sen sein, denn die große Mehrheit, über 1000 Per- fönen, gingen in losem Zuge nach dem VercinShauS am Köllnischcn Park. Hier war aber kein Saal frei, deshalb zog man weiter nach den Prachtsälcn Alt-Bcrlin in der Blumenstraße, wo die Menge, dicht gedrängt stehend, im großen Saale Unterkunft fand. Hier wurde eine Versammlung improvisiert. Herr Lünemann, der eine führende Stellung in der Freien Vereinigung einnimmt, bezeichnete humoristisch den Zug von der Luckaucr Straße nach hier als die erste Straßendenion- stration für die Versicherung der Privatbeamtcn. Ueber die Ur- fache des Lärmes in der Luckauer Straße sagte Herr Lünemann, er habe sich dort beim Versammlungsleiter persönlich zur Geschäfts- ordnung gemeldet, bevor dem Referenten das Wort erteilt war. Da man nach früheren Erfahrungen von den Deutschnationalen eine unparteiische Leitung der Versammlung nicht erwarten könne, so habe er zur Geschäftsordnung ausführen wollen, daß durch Be- setzuna des Bureaus Garantien für unparteiische Leitung und volle Redefreiheit gegeben werden sollten. Allem parlamentarischen Brauch und Anstand zuwider sei ihm das Wort verweigert worden. Durch diese Vergewaltigung hätten allein die Deutschnationalen den Lärm verschuldet. Herr L ü n e m a n n, sowie nach ihm einige Vertreter der anderen zur Freien Vereinigung gehörenden Organisationen ver- traten dann die Forderung des Anschlusses der Privatbcamten- an die Arbciterversicherung und kritisierten die Haltung der Deutschnationalen als eine Schädigung der Interessen des ganzen Kreises der Versicherten. Eine Resolution wurde einstimmig an- genommen. Sie erklärt sich, da 75 Proz. aller Privatbeamten schon der sozialen Versicherung unterliegen, für einen Ausbau der bestehenden Alters- und Invalidenversicherung. Ferner verweist die Resolution darauf, daß auch der Deutschnationale Handlungs- gehilfenverband früher viele Jahre hindurch diesen Standpunkt vertreten habe. Die Behauptung der Deutschnationalen, daß die Forderung der Freien Vereinigung eine sozialdemokratische sei, wird entschieden zurückgewiesen und schließlich erklärt, daß Herr Bechly, der Vorsitzende des Hauptausschusses nicht mehr berechtigt sei, die Interessen der Privatbeamten zu vertreten. Unfallverhütung und Arbeiterschutz in der Mctallind»,»»,<;. Der Deutsche Metallarbeiterverband veranstaltet eine Reihe von Versammlungen, in denen Vorträge mit Lichtbildern über die hygienischen und sanitären Mißstände in der Metallindustrie und deren Verhütung gehalten werden. Diese Lichtbilder reden ihre eigene und sehr eindringliche Sprache, und in dem Vortragenden L a u t e rba ch-Stuttgart spricht«in Sachkundiger, der selbst als Metallarbeiter tätig war. zu seinen Kollegen und zeigt ihnen die Gefahren, von denen sie bei der Arbeit bedroht werden, zugleich aber schildert er auch, wie diese Gefahren verhütet werden können. In erschreckender Weise sind die Unfallziffern in der deutschen Metall« industrie angewachsen. Diese Industrie hat sich zu einer außer» ordentlichen Höhe entwickelt. Deutschland ist zu einem mächtigen Industriestaat geworden, und die Metallindustrie steht in der vor- dersten Reihe. Auf dem Schlachtfclbe dieser Industrie fallen un« gezählte Tausende, die gerettet werden könnten, wenn der Arbeiter. schütz die gebührende Berücksichtigung erfahren würde. Die Bundes. ratSverordnungen in dieser Beziehung sind unzulänglich und die Inspektion der Betriebe ist'eine zu mangelhafte, wo sie überhaupt stattfindet. Wir haben in Deutschland zwei ständige Ausstellungen für Arbeiterschutzvorrichtungen, die Ausstellung für Arbeiter- Wohlfahrt in Charlottenburg und das bayerische Arbcitermuseum in München. Von dem letzteren zeigte der Redner in seinen Bildern auch manches aus der inneren Einrichtung, z. B. den Saal für Ge. werbchygiene. Sehr interessant waren die Bilder aus der Schwer« eisenindustrie, welche die meisten Unfälle aufweist. Da sehen wir den Arbeiter bei seiner Tätigkeit in den Hütten« und Walzwerken. wie er die großen Maschinen bedient, umgeben von Feuergluten, bei der Gewinnung des Roheisens im Hochofen, dann beim Pud- deln, um Stahl herzustellen. Anzüge von Asls-st. Kappen und Ge« fichtsmasken sind notwendig, um den Arbeiter zu schützen; die strengste Disziplin muß gewahrt bleiben� denn ein kleines Ver- sehen kann die furchtbarsten Folgen auch für die Mitarbeiter haben. Die Bilder zeigen, wie die großen glühenden Klumpen behandelt werden, um bestimmten Zwecken zu dienen. Wir blicken in ein Bessemerstahlwerk, in ein Martinsstahlwerk und sehen, wie eine Bramme gegossen wird, wie Blech ausgewalzt und zum Beschneiden fertiggemacht wird. Weitere Bilder zeigen uns Tiegelstahlschmelz- öfen, den Tiegelstahlguß. das Walzen von Bandagen; wir sehen, wie eine Kurbelwelle aus Nickelstahl hergestellt wird, wie Panzer. platten gewalzt werden. Da sind Dampfhämmer von 1,5 bis 50 Tonnen(also 1000 Zentner) Fallgewicht, da eine hydraulische 5000 Tonnen-Schmicdepresse. Der Vortragende machte überall darauf aufmerksam, wie und wo Schutzvorrichtungen angebracht sind oder sein sollten. Neben den großen offenen Gefahren drohen den Ar- heitern tausend kleinere, die ihn oft um so sicherer treffen. In vielen Betrieben fehlt es an Schutzvorrichtungen an den Drehbänken. Pressen, an Schmirgelscheiben und Schleismaschinen. Manche Ein- richtungen sind nicht so zweckmäßig, wie sie wohl sein könnten, oft fehlt es an der notwendigen Entlüftung und Entstaubung bei der Arbeit, an Rauch- und Staubschutzhauben, an Schutzbrillen und an- deren Mitteln, ja sogar die Wasch- und Badecinrichtungen sind nur in wenigen Betrieben den berechtigten Ansprüchen genügend. Und die Unfallberufsgenosscnschaften sind außerdem noch bestrebt, die Unfallrcntcn der Arbeiter herabzusetzen. Man spricht von einer „Gewöhnung" an Unfallfolgen. Der Redner zeigte im Bilde ver» schiedenc entsetzlich verkrüppelte Hände, von denen behauptet wird, daß sie Vollarbeit zu leisten imstande seien. In dem zweiten Teil deS Vortrags beschäftigte sich der Redner besonders mit den Gcwcrbekrankheiten der Metallarbeiter. Er warnte davor, das Gießfiebcr zu leicht zu nehmen! in den Gießereien sollte überall für«ine gute Absaugung und Ventilation gesorgt wer- den. Dann zeigte er die Gefahren der Bleivergiftung, die besonders die jugendlichen und weiblichen Arbeiter zu fürchten hätten. Sehr zu fürchten fei auch der Staub in der Metallindustrie. In ver» fchiedenen Bildern wurde der Staub mikroskopisch ver- gröhert vorgeführt. Dann konnte man an allerlei Lungen die Wirkung des Staubez erkennen, zum Beispiel an einer Kohlenlunge, die einem Stück Kossle glich, an einer Eisenoxhdlunge, die ganz verrostet aussah, an einer Schleifcrlung« und an einer Steinhauerlunge. Die letztere konnte man für ein Stück Marmor halten. Die Lungentuberkulose ist eine Gcwerbckrankheit auch der Metallarbeiter� und am schädlichsten wirkt bei der Entstehung der Krankheit der/, bis 7';- ttbr„bend» ftalt. Jeder«»Iran- ist et» Bnchfiab« und«tu- Zabi als Merkzeichen betznlügen.«rielltche»lntwort wird»ich« erteilt,(pilige Fragen trag, mau in der Svrechftiindc vor. O. 1. Da» Quecksilber lilstt sich auch ausbcwahrm, ohne dast der Be- hälter liistdicht abgeschlossen ist. Ist cS nicht ganz rein, so bedeckt c» sich allmäblich mit einer Haut, die aber durch Behandlung mit verdünnter Ealpeteisäure entfernt werden kann. Ganz reines Quecksilber erhält sich unverändert.— I. W. Tierschuhverein, Dirksewstrasi-(Stadtbaynbogen Rr. 79/S>).— Drei Wettende. Wetten entschetden wir nicht.— — R.®. 40. 1. Der§ 71 de» Einkommensteuergesetzes handelt von der Bermetdung der Doppelbesteuerung ein«» Steuer Pflichtigen wegen seine» Einkommen» alS Gesellschaster einer Gesellschast mit beschränkter Hastung. Ziffer 4 besagt-.Den auster Hebung zu fetzenden Belraa bestimmt der Vorsitzende der BeranlagungSkommisston, gegen dessen Entscheidung dem Steuerpflichttgen die innerhalb vier Wochen bei dem Vorsitzenden einzulegende Beschwerde an die Regierung offen steht. Gegen die Enscheidung der Re» gicrung ist innerhalb vier Wochen die Beschwerde an den FInanzmtntster zuläifig.' S. Bei Selbftversicherung mindestens 40, bei Weiterverficheruna mindesten» 20 Mw ken innerhalb zweier Jahre. Dies ist auch die Frtfk, binnen welcher der Umtausch der Karte ersotgt sein muh, da sonst Verlust der Anwaltschast aus Rentenbezua eintritt.— granz SO. Fragen Sie beim Genossen Stolpe direkt an.— A. L. 140. 1. bis 4. und 7. Die Miete müssen Sie zahlen. Fordern St« den Etgenlümer unter Setzung einer etwa achttägigen Frist zur Beseitigung der Schäden unter Androhung de» sofortigen Auszuges aus. Wenn der Vermieter Ihrer Aussoederung nicht nachkommt und sie Ihre Behauptungen beweisen können, so räumen Sie und sordern Schadenersatz. 5. Unsere» Erachten» nicht. 0. Ist Ihr Schwiegervater Eigentümer geblieben, so kann er kür den Fall der Psändung intervenieren.— W. W« 1. und L. Rein. — N. F. 102. Erheben Sie Einspruch bei der VeranIagungSkommiislon; St« find unseres Trachtens«in« Stuse zu hoch eingeschätzt. Ihre Rente rechnet allerdings zum steuerpsllchtigen Einkommen.— Nieder- Schön- hausen. Klasse l: Jährlicher Ertrag SO 000 M. oder mehr, der Wert de» Anlage- und BrlrlebSkapiial» i 000000 M. oder mehr. Klasse II: Jährlicher Ertrag von 20 000 bis auSschliefilich SO 000 M. oder Anlage- und Betriebs- kavllal von ISO 000 bis 1 000 000 M. nusschltehlich Klasse III: Jährlicher Ertrag von 4000 bi» ausschliesslich 20 000 M. oder Anlage« und BeirlebS- kapttal von 30 000 bt« ausschliesslich ISO 000 M. Klasse IV: Jährlicher Er- trag von ISOO dl« auSschlicblich 4000 M. oder Anlage- und BeirtcbSkapital von 3000 bis ausschliesslich 30 000 M. Betriebe, bei denen weder der jähr- Itche Sitrag ISOO M. noch da» Anlage» und Betrlebskapttal 3000 M. erreicht, bietben von der Gewerbesteuer besrett.— ffi. Z. 4L. Beschweren Sie sich' bei dem Magistrat.— 100. 1. Im allgemeinen bt« 11 Uhr. 2. In PoltNlniken.— Zwei Wettende. Wir bttonei, wiederholt, daß Welten von un» nicht entschttden werde». Man versch»ne uns mit der- artigen Anträgen.— E. B. 101. Ein Schuldschein kann ohne Jnanlpruch- nahm« eine« Rechtsanwalts auSgelerttgt werden. Srsorderllch ist die Be- zrlchnung der Schuldsumme, de« Gläubiger«, der ZInS- und Rückzahlung«. dedingunaen, serner dl« Dalierung und die Unterlchrist des Schuldner». Ist der Schuldbelraa Häher al» ISO M., so ist er steuerpfltchtla.— M. M. 85. Einen bestimmten Rechtsanwalt empschlen wir grundsätzlich nicht. — Piutschstr. 14. Einspruch wäre aussichtslos.— SO. I. G. W. Ret». WitterungSuderNivt vom S. April 1010. morgens S Uhr. Swmemd» 7 SSW Hamburg i7SSW Berlw 1767»«28 Frankfa M 759710 München 1 759 23 Bettet Wien 8 Heiter «bedeckt 2 wolkig 1 wolkig «bedeckt >759 WSW l wolkig kim «II Ctctionen Havaranda 741 W Petersburg 765 SSW Seilitz ,76671 « i Aderbeen Bart« 763 719129 762 R 2 bedeckt 1 wolkig 2 halb bd, 2 bedeckt 3 bedeckt —3 0 7 4 4 Wetterprognose kör Sonntag, den 10. April 1010. Etwas lühlcr, zeitweise heiter, jedoch unbeständig mit einzelnen Regen» und Graupelschauern und ziemlich Irischen nordwestlichen Winden. Berliner W e t t e r d u r e a«. Wasserftand»'Nach»tihten der LandeSanstaU sür Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berlin« Wetterbureau. Wasserstand M e m e I. Tllftt Bregel. Jnsterbina Weichsel. Thon, Oder. Ratibor » Krassen » granklur» Warthe. Schrtmm , LandSberg Netze, Vordamm Elb«, Leitmeritz , Dresden , Bardo » Magdeburg Wasserstand Saat«, Grochlttz Havel, Spandau') » Rathenow') Spree, Svrcmberg') , BeeSkow «« l» r, Münde« » Mnden R h« t tt. MaximiliaiiZa» . Kaub , Köln Neckar, Heilbronn Main, Wertheim Mosel, Trier ?+ bedsutet Wucht«-- FoE—•) Unterpegel. Preiswerte Damen-Konfektion in gediegenster Verarbeitung und denkbar größter Auswahl. KATALOG gratis und franko! . M. MAASSEN G. ra. b, H, BERLIN S:: Deutschlands größtes Spezial-Haus für Damen-, Kinder- und Sport-Konfektion:: ORANI EN-PLATZ. J 2. Ziehung 4. Kl. 222. Kgl. Preusj. Lotterie. 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(Ohne Oewiihr.)(Nachdruck verboten.) 14S 299 342[3000] 44 827 947 87 1133 301 14«IS 99 ,(,» 9Z LoiS HZ 263[ 500] 410 21«SO 91 703 099 3 395 421 60 703 013 43 900 4057 197 209 90[400) 431 837 93 930 99 5152 534[1000] 301 85 033 UOnl 701 876 6399 834 7012 405 619 917 8066 189 279 617 090 989 9717 16020 60 135 474 76 728 11102[ 400] 95 373 78 629 T80[1000] 906 37 1 2179 303 668 639 44 708[1000] 930 113224 79 510 608 77 794 819 4 0 67 1 4122 4 7 61 87 300 49 91 93 831 762 833 1 5194 296 527 74 830 37 963 99 16290 333 61 63.1 762[400] 17001 267 399 541, 86 970[500] 18089 230 170 71[400] 653 613 1 0136 341 63 441 835 LlOOOO) 67 933___ 2O140 251 67 458 620 613 863 2 1 310[400] 43 508 WS 911 68 22148 203 408 649 665 94 6 23330 421 671 853 1500] 24030 235 68 889 434 022 914 25075 038 626 35 920 [lOOOl 63 2 6071 186 068 716 59 63 Ol 888 93 27260 884 739 614 971 28027 151 201 87»59 529[5001 199 818 32 29123 61 78 070 951 3 0 026 752 822 3 1 229 413 3 2017 22[400] 96 615«86 8 3 486 41 81 920 37 790 955 70 3 4080 203 658 709 800 24 3 5552 746 887 928 66[ 400] 3 6004 80 137 818 413 606[400] 778 3 7180 233 330 603 44 700 821 951 3 8565 3 9049 4SI «91[100] 703 40338 411 663 708 820 86 4 1 075 817 410 662 798 930 4221«[500] 92 410 41 963 00 43127 43 244 438 70 540 638 764 1 400] 801 082 4 4313 660 866 92 905 35 45070 454(1COO] 565 720 86 4 6117 90 806 481 530[400] «18 712 70 911 38 51 47106 14 225 81 81 651 73 48073 75 172 87 283 775 818 4 9130 64 283»46 401 510 99 626 60 «9 740 71 5O090 328 47 402 537 637 5 1039 4» 89 176 609 2» 735[4001 817 OOS 52095 168 263 310 018 75 5 3028 257 340 407 650 760 874 09 971 54357 77 780 89 5 5211 61 822 405 613 4 3 48 80 724 828 984 60 5 6112 59 410 626 804 5 7022 210 471 574 873 5 8061 226 66[400] 67 800 40 64 645 847 61 5017b S*1-! 0-1 4 60354 505[600] 617 8 1 724 069 6 1 268«17 630 793 62073 131 73 263 384 476 613 14 36[ 400] 63024 71 168 206 457 670«10 79« 64081 206 305 490 808 65 6 502« 34 «8 151 243 70 404 604 733[40 000] 51 66 1«0 440 612 808 17 22 918 6 7057 195 409 90 505 678 751»31 68155 85 668 «72 743 63 825 6 9050 82[ 400] 212 870 431 730 70510 61 620 923 71195 20 t 6»24 450 979 7 2046 W 110 Ii 000] 238 535[500] 813 38 929 7 3 275 337 670 816 «70 7 4022 73 779 636 937 7 5166 237 83 528 53 63 782 76046 lül 2 9 226 804 77135' 206 87 303 460 94 880 7 8209 318 470* 622 715 848 70 7 9166 435 54 7 4 691 921 80CKI" 50 123 554 623 96 8 1037 93 138[400] 293 416 «9 591 82304 21 405 611 875 968 8 3051 106 262[400] «86 628 8 4260 717 824 973 8 5008 102 455[400] 578 715 «99 91t 45 8 6151 64 464 84 617 945 8 7060 81 220 364 616 «39 02 8 8008 7 9 204 433 73[30 000] 502 671 790£44) 89319 623 721 814 90015 147 94' 40» 521 25 65 777 936 91106 222 24 77 00 463 92 614 063 963 9 2251 528 708 9 3 521 666 68 ,[400] 788 SSO 088 9 4285 432 739 95149 354[ 400] 483 602 65 9601« 564 084 886 936 9 7101 25 49 244 710 824 98011 171 61 Sil 4« 524 25 89 755 880 9 9429 542 608 1OOI02 207 629 748 923 101308 456 642 771 806 aO2083[1000] 465 577 0« 758 605 70 1 03022[500] 32 »55 619[3000] 06«58 7« 750 803 60 67 1 04288 319 666 79« 98 971 105173 235 414 632 636 748 884 973 1 0 6082 212 78 321 494 547«92 803 5 1 07019 448 517 790 1 0 8091 1252 388 529 46 Ml 80 1O9201 61 64[400] 330 99 45« 649 ,753 53 099 110503 715 943 111170 260 87 440 564 602 747 933 •7 112045 202 550 623 760 894 113037 213 853 114131 122 405 548[ 400] 60 60 73 849 962 68 115060 103 663 718 3« 73 99[3000] 883 615 60 116222 637 92 746 117135 34« 42,1 591 723 961 89 118181 92 217 87 612 741 806 119-205 033 48 6« 920 120347[400] 453 80 617[400] 623 52 756 65 893 1121500 09« 734[500] 939 89 1 22556 695 773 934 1124001 8 9 2 485 624 663 730[500] 989 1 25107 492 0 4 657 747 808 1 26024 23 57 526 30 602 731 87 926 1 27053 «4 166 325 421 31«18 740 89 1 28255 69 444 55[400]«11 198 858 68 935 1 2 9058 107 250 451[100 000] 613 92 723 *'*130051 62 160 221 81 433 90 551 13 1 002 138 81 »80 567 612[1000] 834 910 68 87 1 3 2057 320 402 11000] 89 752 1 33024 150 255 64[ 400]«00 711 134060 97 1400] 227 367 525[400] 49 990 1 3 5072 832 1 3612 t 213 891 137310[400] 427 7 6 500 605 720 885 1 3 8007 94 129 1400] 310 501 710[1000] 85 951 139332 593 650 770 831 43499125450 140241[400] 51 93 441 51 610 743 860 957 1 4 1 007 »0 341 49 4 545 725[ 400] 959 142083 153 253 484 633 ,4, 80 817 50 959 89 1 4 3 319 508 62 640[500] 73 1 44126 »47 69 827 38 80 1 45001 13 28 114 36 t 606 66 730 812 94 1146061 405 8 18 549 841 747 813 27 95 1 47107 271 478 flOOO) 529 75 61 707 33 859 1 48UI 618 SU). 842 967 »49033 40»'' 150395»07 47! 528 45 4? 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Ziehung 4. Kl. 222. Kgl. Preuss. Lotterie. Ziehung vom 9. April, nachmittag». Kur die Gewinne Uber 192 Mark Bind den betreffen- den Nummern in Klammern beigefügt. (Ohne Gewähr.)(Nachdruck verbeten.) 160 205 370 188 518 84«48[ 4001 728 802 83 1 063 84 117 202 72 550 2098 114 212 95 621 921 70 3 067 177 73 43« 360 862 7 7 991 4043 169 84 345 841 5 168 93[5000] 207 411 6049»2 387 893«78 7079 226 869 443 64 93 99 641 93 627 772 837 8071 110 79[500] 223»72 ISO 9225 351 763 831 50 995 10194 208 800 49 63« 89 11015 188 419 757 851 32146 323 435 544 1 3092 171 276 657 891 14163 275 836 466 95 532 776 1 5028 81[400] 265 67 71 019 827 934 93 1620« 309 96«10 079[400] 17009 157 320«05 40 91 764 70 983 1 8405[400] 565 965 1 9240[ 400] 875 684 86 820 038 89 20319 403 703[100] 21271 42«[500] 811[5000] 55 23078 127 327[1000] 68 81 624 85 06 879 967 2 4 091 197 «85 409 19 61« 624 736 80 876 2 5007 152 392 504[1000] 627 26137 260 882[ 400] 956 27026 1« 214 46 96 400 77 777 979 2 8100 0« 210 303 60 94 627 688 95 763 834 960 2 9324 67 618 50 65 787 3 0870 427 51 52 609 89 3 1 075»13 415 45 32013 263 «9 679[500] 33681«40 82 750 909 52 3 4022 41 87 221 «24 67 599€31 3 6 029 71 07 15, 66 828 75 424 8? 557 69 36873 419«13 702 894 049 3 7020 246 3 8030 116 652 712 055 39824 914 31 40114 7 7 79 262 Tg 567 647 41050 180 280 80 42031 1600] 41 107 4C 81 97 214 71 802 84 99 480 799«65 91» 99 43590 769 950 44001 4« 30«[lOOO] 714 27[ 400] 91 007 8 82 4 5129«37 85 717[400] 827 067[400] 46050 65 273 402 643 663 723 68« 42 67 78 92 953 4 7162 247 [1000] 75 822 79 490 774 4 8117 294 330 53 422 42 523 615 617 979 91�49061 62 210 321 69 535[100] 67[20000] .615[100] 37 5 0032 42 829[8000]«9 607 51198 898«10 52086 [500] 60 459 66 6,0 759 824 71 53121 282 474 627«86 603 54152 80 293 102 615 21 899 5 5075 135 217 414 651 769 «0 7 7 917 5 6505«81 800[400] 5 7052 197 252 88 433 82 670 878 58290«16 94 552 729[400] 81 878 992 59094 190 008 649 605 979 60065 110 SO 221<30 826 963 61194 319 665 741 682 62010 177 211 614 757 819 73 63105 96 254 305 33 517 10 629 983 6 4003 137 62 466 79 669 62« 47 61 650 97 904 87 65016 671 419 889 66057«13 7 2 702 6 7001 66 246 «57 406 8 3 46 5« 962 74 6 8611 728 952 6 9 216 453 707 855 7O072 623 SS? 937 79 71164 253 869 90«95 770 85 72533 821 61 953 73018 94 180 311 51 660 819[400] 74105 366 443 737 888 992 7 5095 126 41 68 35,[400] 404 86 515 753 7 6139 666 96 935 7 721« 63 7« 645 917 78X03 405 87 970 79118 235 92 690 703 823 8O052 100[ 400] 60 60 325 847 66 906 1« 81255 89 «13 73 513 633 753 614 73 8 2026 387 776 851 83014 601 707 912 8 4026 65 166 516 8 5399 612 765 009 8 6072 217 87177 382[ 400] 62 478 82€60 727 68 95 888 8 8015 61 161 65 367[400] 402 624 883 7 9030 833 65 458 644[400] 838 90084 189 93 242 494 561[400] 627 48 710 91150 551 «13 92133 60 98 719 868 9 3010 81 852 511 99 759 871 94133 60 269 519 45 991 9 5065 861 488 96142 288 300 *30 67 663 73 91«30»2 728[400] 852 97167 83 210 40 [100] 816 567 831 78 9 8317«68 61» 99097 204 24 83 810 «9 468[6000] 605 953 lOOllS 202 63 78, 82, 51 10 102««1 160[400] 263 82»75 689 1 02061 89 268«40[500] 571 797 898 985 1 03 75 48, 795 900 69 75 104069 160 81 20, 28 37 72[ 400] 493 674 036 1 05033[400] 99 141 63 254 814 439 577 892 1 06141 56 728 81 86 819[400] 810 107183[400] 811 679 614 26 1 0S24S»25 482 514 96 616 745 910 1 09061 125 240 42»15 404 628 605 U III 13«25 110036 21! 27 30 300 643 608 0» 111096 295 357 061 112083 404 70 606 6? 8««55 735 903 27[400] 60 113068[500] 03 147 218 411 37 583 623 725 5 4 50 875 114G62 112 36 79 605[400] 11 411[1000] 25 71 78 «SO 701 67 619 94 115134 78 340 530 959 05 116112 [400] 87 90[400] 383 512 50[100] 648 703[500] 117425 613 699 972[100] 95 11816«[500] 119037 113 00 »Ol[400] 609 717 957 120922[500] 13« 205 576 759 1 21 020 61 84 ,74 894[500] 35 04 409 710 76 38 067 91 122138 350 63 [500] 499 617. 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Klasse KOnlgl. Preusa. Klaa- •en-Lotteria findet Blatt vom I. Mai bia I. Juni Ul«*'; Verantwortliche, Redakteur Richard Borth, Berlin. Für den Inseratenteil veraniv.: TH.Gl»cke, Berlin, Druck u. Verlag: Vonvärt» Buchdruckerei u, BerlagSanstalt Paul Singer& Co« Berlin SW. 8r. 83. 27. Jahrgang. 5. Ktiiqe iscs jMiüirtf Inlinr NolksM .......... Ii ii............................................... hihi..... im................ Mi Iii hihi im im m i in i Iii Iii h 1 1 i MSMirtnmtf Zanntag, 10. April 1910. CClochen-Spielplan der Berliner Cbeater. Köuigl. cvrrnIiauS. Sonntag: Der Prophet. Montag: Götter- di.vimcrmig.(Ans. 6>/, Uhr.) Dienstag: Die Boheme. Die Puppensce. Mittwoch: Der Prophet. Donnerstag: Madame Butterfly. Freitag i Tann- Häuser. Sonnabend: Don Juan. Sonntag: Der siiegende Holländer. Mo»- tag: FigaroS Hochzeit. Ansang 7'/, Uhr. «ouigl. Tctiauspielhans. Sonntag: StrandNnder. Montag: Der deutsche König. Dienstag: Wie die Alte» sungen. Mittwoch: Die Jour- natijten. Donnerstag: Strandkindcr. Freitag: Der Familientag. Sonn- abend: Hamlet. Sonntag: Strandlinder. Montag: Ataria Stuart. An- sang 7'/, Uhr. Neues köntgl. Lpern-Theater. Sonntag: Doktor Klans. Donners- Die RcgimcntStocher. Coppelia. Sonntag, den 17. Slprll: Die Fledcr- maus. Ansang VU Uhr. Deutsches Dticnler. von Venedig. DtenStag: Donnerstag: Die Braut Sonntag: Judith. Montag: Der Kansmann Die Braut von Messina. MUtwoch: Judith. von Messina. Freitag: Hamlet. Sonnabend und Sonntag: Die Braut von Messina. Montag: Judith. Ansang 7-,. Uhr. Deutsches Theater fK amm er sp i c I e). Sonntag: Gawän. Montag: GvgeS und sein Ring. Dienstag: Der ante König Dagobert. Mittwoch: Gawän. DonnerStaz: Der gute König Dagobert. Freitag, Sonnabend und Soimtag: CBawän. Montag: Der gute König Dagobert. Ansang« Uhr. Lesstug-Thratcr. Sonntag: Heiraten. Montag: Das Konzert. DienS- tag: Heiraicn. Mittwoch: Das Konzert. Donnerstag: Heiraten. Freitag: Das Konzert. Sonnabend und Sonntag: Heiraten. MoiUag: Das Konzert. Ansang 8 Uhr. Berti»?? Theater. Gonntagnnchmillag 3 Uhr: Pension Schöller. Abends bis aus weiteres: Taisu». Ansang 8 Uhr. Neues Theater. Abends bis aus weiteres: Die goldene Ritterzett. Ansang 8 Uhr. Neues Schauspielhaus. Sonntag: Die Ranip«. Montag: Der Herr Bei leidiger. Dienstag: Die Rampe. Mittwoch: Der Herr Vcr- teidiger. Donnerstag: Die Rampe. Freitag: Der Herr Verteidiger. Sonn- abend(Ansang 7'/, Uhr) und Sonntag: Die Hochzeit der Sobeide. Wie er ihreu Mann belog. Montag: Ernst sein. Ansang 8 Uhr. Helibel- Theater. Sonntag und Montag: Kelten. Dienstag(An- ftmg?'/, Ubr) und folgende Tage: Das Nesthäkchen. Anfang 8 Uhr Komi'che Qpcr. Sonntagnachinittag 3 Uhr: Die Fledermaus. Abends: Zigeuncrlitbe. Montag: Tiefland. Dienstag: Zigeuner! lebe. Mitt- woch: Holtmanns Erzählungen. Donnerstag: Die Fledermaus. Freitag: Ligeuneriicbe. Sonnabend: PelloaS und Melisande. Sountagnachmittag ö Uhr: Tiefland. Abends: Zigeunerllebe. Ansang 8 Ubr. Thalia. Theater. Allabendlich: Die Dorskomtesfe. Ansang 8 Uhr. Kleines Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Moral. Abends bis auf weiteres: LuxuSzug. Nächsten Sonntagnachmittag g Uhr: Moral. Ansang abendS 8 Udr. Theaier deS Westen?. Sonntagnachmittag S'l, Uhr: Ein Walzer- trauin. Abends bis aus weiteres: Die geschiedene Frau. Ansang 8 Uhr. Nächsten Sonntagnachmittag 3'/, Ubr: Ein Walzertraum. Schiller-Theater<>>. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Viel Lärmen um Nichts. Abends: Goldsische. Montag: Hans Langt. Dienstag: Wallen- stcins Tod. Mittwoch: Goldene Herzen. Donnerstag: Egmont. Freitag: Goidsische. Sonnabend: Goldene.Herzen. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Viel Lärmen um Nichts Abends: Goldene Herzen. Montag: Viel Lärmen mn Nichts. An-fang 3 Uhr. BrtitUer- Theater Gharlottcnburg. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Der Meincidbaucr. Abends: Hans Lange. Montag: Neue Jugend DienS- tag, Mittwoch und Donnerstag: Goldfische. Freitag: Hans Lange. Sonn« abendnachmittag: Das Käthchen von Heilbronn. Abends: Katakomben. Sonntagnachinillag 3 Udr: Der Meineidbauer. Abends: Katakomben. Montag: Goldene Herzen. Ansang 8 Ubr. Friedrieli-Withelmstädtisches Schauspielhaus. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Die Jungsrau von Orleans. Allabendlich: Alt-Heidelberg. Ansang 8 Uhr. Nächsten Sonntagnachmittag 3 Uhr: Die Jungsrau von Orleans. VolkSoper. Sonntagnachmittag 3'/. Uhr: Zar und Zimmermann. Abends: Das Strumpsband. Montag: Die Jüdin. Dienstag: DaS Strümps- band. Mittwoch und Donnerstag: Martha. Freitag: Die Zauberflöle. Sonnabend: llndine. Sonntagnachmittag 31/, Uhr: Der Troubadour. Abends: Die Zauberflöte. Montag: Martha. Anfang 8'/, Uhr. Luisen-Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Was Gott zusammen- sägt. Abends: Doppclselbstmord. Montag: Der Klappcrstorch der Königin. Dienstag: Doppciselbstmord. Mittwoch: Gib mich srei. Donnerstag: WaS Gott zusammenlügt. Freitag: Das Gesetz des Herzen«. Sonnabend: Der Klappernorch der Königin. Sonntagnachmittag 3 Uhr: WaS Gott zu- sannnensügt. AbendS und Montag: Das Gesetz de« Herze, iS. Ansang 8 Uhr. NeueS Operetten» Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Der Zigeimerbaron. Allabendlich: Der Gras von Luxemburg. Anfang 8 Uhr. Nächsten Sonntagnachmittag 3 Uhr: Der Zigeunerbaron. LnstspielbnuS. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Los vom Manne. All- abendlich: Das LeutnaiitSmündet. Ansang 8 Uhr. Nächsten Sonnlagnach- miltaa 3 Uhr: Im Klubsessel. Nvsc-Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Des Meeres»md der Liebe Wellen. Abends und Montag: Preeiosa. Dienstag: Der Verschwender. Mittwoch: Prcciosa. Donnerstag: Der Pfarrer von Kirchseld. Freitag: Des MeercS und der Liebe Wcllenl Sonnabend, Sonntag und Montag: Der Psarec von Kirchseld. Ansang 8 Uhr. Reiidcuz-Thcatcr. Allabendlich: Grctchen. Anfang 8 Uhr. Noack? Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Kcan. Abends und Montag, DienSIag und Mittwoch: Die Waffen nieder. Donnerstag: Zlobert und Bertram. Freitag: Die Waffen nieder. Sonnabend: Jung- Heidelberg. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Kcan. MendS: Robert und Herlram. Montag: Die Waffen nieder. Anfang 8>/, Uhr. Trimio»- Theater. Sonntagnachmittag 3 Ubr: Buridans Esel.� Allabendlich: Tbcodorc». Cie. Ansang 3 Uhr. Nächsten Sonntagnach mittag 3 Ubr: Pariser Wilwcn. Gastspicl-Thenter. Allabendlich: Misi Dudelsack. Ansang 3'/« Uhr, Sonntag 6 Uhr. Kasino-Theater. Sonntagnachmittag 4 Uhr: Ein deutsches Frauenherz. Allabendlich: Berlin bei Nacht. Ansang 8 Uhr. Gebr. Herrnfeld-Tueater. e-onntagnachmittag 4 Uhr: EInRcttungS« mittel. Eine Ucbergangsche. Allabendlich: Meme-Deme Tochter. Original- KlabriaSPartic. Ansang 8 Uhr. Apoll»>TH«atrr. Sonniagnachmittag 3>/, Uhr: Spezialiläten. All- abendlich: In den Lasterhöhlen von San Francisco. Spezialitäten. An- sang 8 Uhr. Palast-Theater. Allabendlich: Spezialitäten. Anfang 8 Uhr. Nolles Gaprice. Allabendlich: Herr Wasserlrops. Der Lustiurner. Ansang 8'/, Uhr. Buggcuhngen. Täglich: Spezialitäten. Anfang 8 Uhr. Meiropol> Theater. Allabendlich: Hallohl Die große Revue! Anfang 8 Uhr. Reichshallen- Theater. Mabendlich: Stettiner Sänger. Ansang 8 Uhr. Sonntags 7 Uhr. Wintergarten. Allabendlich: Spezialiläten. Ansang 8 Uhr. Sonntag- nachmittags 3st» Uhr: Spezialitäten. Pasiage- Theater. Allabendlich: Spezialitäten. Ansang S Uhr. SonntagnachmittagS 3 Uhr: Spezialitäten. Karl Haverland- Theater. Allabendlich: Spezialitäten. Walhalla. Theater. Allabendlich: Spezialitäten. Ansang 8 Uhr. SonntagnachmittagS 3% Uhr: Spezialiläten. Nrnnta-Thraeer. Taubeustr. 48/4g. Sonntag abend? 8 Uhr: In» Firncnglanz des Oberengadin. Monlag: Sizilien und der Aetna. Dien?- tag: lieber den Brenner nach Venedig. Mittwoch: Der Halleysche Komet. Donnerstag: Im Firncnglanz von Oberengadin. Freilag: Sizilien und der Aetna. Sonnabend: Der Halleysche Komet. Sonntag: Sizilien und der Aetna. Monlag: Unbestimmt. Ansang 8 Uhr. Sternwarte. Jnvatidcnstr. 57—62. Allgemeine Jai»ilie»>?terbckasse. Heule Sonntag von 3—6 Uhr Zahltag bei Wen, icke, Ackerstr. 123. 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Sozialileinßkräiisülier WaMirereln für den i Berl. ieietistags-Walilkreis. Landsberger Aiertel. Bezirk 416. Teil IL Den Mitgliedern zur Slachricht, daß unser Genosse, der Bureau- gehilse Vtto �ritscde gestorben ist. Ehre seinen, Andenken! Die Beerdigung findet am DienSlag. den 12. April, nach- mittags 2 Uhr, von der lieichen- Halle des Varlholomäus-Kirchhoses in Wcigensce a»S statt. Uni rege Beteiligung ersucht 217/5_ Der Ziorstaud. SoziaideDiükraiiselierWatilyereiii! für den 4. Berliner Reiclistags-Waltrcls. Köpenicker Viertel. (Bezirk Nr. 210, Teil I.) Den Mitgliedern zur Nachricht. � dafi unser Genosse, der Gürtler Casemirl Oppelner Str. 81 gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet an, s Montag, den 11. April, nach- mittags 4 Uhr, von der Leichen- Halle des Zenlral-Friedhoses in j FricdrichSfeloe aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 217/4 Der Vorstand OeMei MBtallarbeiter-Verband Verwaltnngssletle Berlin. Todea• Anzeigen. Den Kollegen zur Nachricht, das. unser Mitglied, der Gürtler Max Backhaus am 6. d. illdS. an Herzlähmung gestorben ist. Die Beerdigimg findet am Sonntag, den 10. April er., nach- mittags 4 Uhr, von der Leichen- halle des al cn Michael-Kirchhoses in Nixdors, Hermannstr.. aus statt. Ferner starb unser Mitglied, der Gürtler �ax Lasirnif am 7. d. M. an Lungenlciden. Ehre ihrem Andenken! Die Beerdigung findet am Montag, den 11. April, nachmittags 4 Uhr, von der Leiwcnhalle des Fentral-FricdhsseS in FUedrichs- leide aus statt. 114/6 Rege Beteiligung erwartet Die OrtSverwaltu»a. skockes-iAnzoige. Am 8.?lpril. früh 21/, Uhr. ver schied nach längerem schwerem Leiden meine liebe Frau, uusere gute Mutter Anna Scliönfeld geb. licnschnor. Die Beerdigung findet am Montagnachmittag 8 Ubr von der Leichenhalle der St.'Andreas- genictiide in Wilhclmsbcrg statt Um stille Teilnahme bitten Die trauernden Kinierbliebenen. Soziaiilemokratiscber Wahlverei!) i des 6. Oerl. Reicbstags- Wahlkreises.! Todes- Anzeige. Am 7. April verstarb unser j Mitglied, der Dreher Paul Prinz Koloniestr. 31. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am l Montag, den lt. Zlvril, nach- mittags 3 Uhr, vom Traucrhause aus nach dem städtischen Fried- 1 hos, Seestrabe, Ecke Müllerstrahe stalt. Um rege Betcifigung ersticht 226/17 Ider Vorstand. Hierdurch die traurige Mit- I teilung, daß mein lieber Mann ' unser guter Vater, Bruder und\ 1 Oukel, der Putzer �u�usr �lbreckt > im Alter von 46 Jahren, nach! I langem, schwerem, mit Geduld f ci lragcnem Leiden, am 8. April.! s miitagS 11°/, Uhr, sanft ent-' j schlafe» ist. Die trauernden Hinterbliebenen. I Die Beerdigung findet morgen| ! Montag, den 11. April, nach- ! mittags 3 Uhr. von der Leichen- halle dcS PhilipP-jlpostel-Kirch- Hofes. Müllerstr. 44. aus statt. ! Gtsiingutrem der Putzer.! ! Den Mitgliedern zur Nachricht. J dag unser suugesbrudcr i�uxust �lbreckt am 8. d. M. verstorben ist. Die Beerdigung findet am> Montag, den II. d. MtS,. nachmittags 3 Uhr, von der Halle I des Apostel- Paulus- KirchhojeL, Miillerjirabe. aus statt. Die Sangesbrüder werden er-! sucht, vollzählig und pünktlich zu erscheinen. 16/lb| 6. Kiehmpfnhl. ! Zentral-yerW der Maursr i Qeutseiilanils. Zwelgvereln Berlin. Sektion der Putzer. Unseren sowie den Mitgliedern I ! des Gesangvereins der Putzer j \ hiermit zur Nachricht, daß unser I \ langjährige» Mitglied' �uxust iVlbreckl ! am 8. Zlpril nach langer, schwerer» | Krankheit im Alter von 46 Jahren j ! verstorben ist. I Die Beerdigung findet morgen! Montag, den 11. April, nachm.! ! 3 Ubr, von der Halle des Apostel I PauiuS-KirchhoseS(Müllerstratze) I ans stall 133/8! ! Um recht zahlreiche Beteiligung t i der Kollegen ersucht Die drtliotie Verwaltung Deutscher Transportarbeiter-Verband. Bezirksverwaltung 6ro8-Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Kohlen- arbeiter Osv�ald Henze am 7. d. Mts. im Alter von 46 Jahren verstorben ist. Die Beerdigung stndet am Montag, den 11. d. MtS., nachmittags 4'/, Uhr, von der Leichen- balle des Christus. Kirchhofes, Mariendors, Chausseestrage, aus statt._ Den Mitgliedern zur Nachricht. daß unser Kollege, der Droschken- sührer Karl Timm am 7. d. MiS. im Alter von 66 Jahren verstorben ist. Die Beerdigung findet am Montag, den 11. d. Mts., nach- mittags 3 Uhr, von der Leichen- balle des Virchow-ldrankenhauscs ans nach dem neuen Pauls- Kirchhose in der Secstrabe statt. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Hausdiener Gustav Oppelt am 8. d. Mi«, im Aller von 26 Jahren verstorben ist. N Die Beerdigung findet am Montag, den 11. d. MtS., nach- mittags 5 Uhr, von der Leichen. balle dcS Gclhscmane-Friedhoses, ?ivrdend. aus stalt. Ehre ibrem Andenke»! Um rege Beteiligung ersucht 68/3 Die Bezirksverwattung. Nach langem, schwerem Leiden! I verstarb meine innigstgclicbte Frau z s und ttcuiorgende Mutter /�uxuste Hoppe gen. Menzel ( im 60. Lebensjahre. Die Beerdigung findet am Mon- 1 i tag, den 11. d. M.. nachmittag? ! 2°/. Uhr. von der Leichenhalle des! j Zelilrai-FriedhoseS in Friedrichs- I selbe aus statt. DieS zeigen tiesbettllb! an Oer tieftrauernde Gatte| nebst Sohn. Deutscher TeMuldelter- j Verdnnd. Filiale Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht,| daß unser Kollege huxo Schunack am 9. April an Herzschlag ge- storben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Dienstag, den 12. April, nach- mittags 3 Uhr, von der Halle des Zenlral-FriedhoseS in Friedrichs- aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 197/5 Der Vorstand. Todes-A»zeige. Allen Verwandten, Freunden! ! und Bekannten zur bcionderen I ! Nachricht, dab mein lieber Mann, I unser herzensguter Vater,| | Schwieger- und Grotzoater Carl Rust Oudenardrr Slr 45 am 8. April 3'/, Uhr früh nach! kurzem schweren Leiden ver- 1 storben ist. Um stille Teilnahme bitten Die trauernden Hinterbliebenen. Die Beerdigung findet Montag.! den 11. April, nachmittags 4'/, Uhr. von der Leichenhalle des ftädllschen| Friedhofes, Seeslraxe, Ecke Müller- Itratze aus statt. Beriektigllng. Die Beerdiguiiz des Fuhrherrn! Li-nst Biriie»«» findet nicht wie angegeben um 3 Uhr, sondern um 2'/, llhr statt. Danksagung. Für die vielen Beweise herzllcher Teilnahme und zahlreichen Kranz. spenden bei der Beerdigung meines lieben ManncS, unsc, eS gute« Vaters und Schwiegervaters 5079L Anglist Hemnann sage ich allen Verwandten und Bekannten, dem Zcntralverband der Maurer Deutschlands, Sektion der Putzer, den Mitgliedern des Gesang- Vereins der Putzer, dem Beerdigungs- oerein der Maurer Berlins und Um- gegend und den Kollegen der Kolonne Hermann Sossmann meine» herz- lichsten Dank. Witwe Hnlba Herrmann nebst Tochter und Schwiegersohn. Danksagnng. Für die vielen Beweise herzllcher Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben Mannes. uniereS guten Pater» Hainpich Engel sagen wir allen Freunden, Bekannten und Parteigenossen unseren innigsten Dank. Die trauernden Hinterbliebenen. Danksagnng. Für die liebevolle Teilnahme und zahlreichen Kranzspenden bei der Be- crdigtmg meines lieben ManncS, des RcstauraieurS .Auxust Kulicke sagen wir allen Fretindcn und Be- kannten unseren herzlichsten Dank. Witwe 1«. Kulicke 50783_ nebst Sohn. Danksagnng. Für die liebevolle Teilnahme bei der Beerdigung meines VaterS sagen wir allen Bekannten, Kollegen sowie dem Deutschen Transport- arbciterverband unseren besten Dank. Familie Amelang. Danksagnng. Für die herzliche Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben MauneS Richard Friedrich sage ich hiermit alle» meinen herz- lichsten Dank. Die trauernde Witwe Hulda Friedrich geb. Krüger. Danksagnng. Für die liebevolle� Teilnahme und die zahlreichen Kranzlpenden bei der Beerdigung meines lieben ManneS tage ich den Kollegen der Firma Müller sowie dem Deutschen Holz- arbciterverband und meinen Kalle- ginnen dcrzlichiten Dank. Witwe Knilenbaeb nebst Kindern. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und die reichen Kianz. spenden bei der Beerdigung unserer lieben, guten, unvergeßlichen Mutter Witwe Luise Altenkirch sagen wir allen Verwandten und Be- kannten unseren herzlichen Dank. Die trauernde» Kinder. Artur Joel, Anna Pähl geb Joel. Franziska Mankiwitz geb. Mtenkirch. Danksagung. Für die vielen Beweise herzllcher Teilnahme und die zahlreichen Kranz- spenden bei der Beerdigung unseres lieben, unvergeßlichen» Max Thomas sagen wir allen Bclciligtcn, nament- llch dem Verband deutscher Gast- wirtSgehilsen, besten Kcsangsableilung, dem Voritand und den Beamten der Krankenkasse der Gastwirte, dem. Verband der Bureau- und Kranken- kasscnangcstellten, dem Sozialdemo- kratischen Wahlvercin des 1. Krei'es Miseren innigsten Dank. 1600Ö Familie liUdceike. Für die herzliche Teilnahme bei dem srühenHinschciden des Maurermeisters Xrnolä Wolffsohn können wir allen nur aus diesem Wege unseren iiesgesühtten Dank aussvrechen. 15S2b Im Namen der Hinterbliebenen; Hedwig Wolfisahn geb. Holländer. Dr. Simmel Spezial-Arzt* für Haut- und Harnleiden. Frinzenstr. 41, am 10-2. Morifzplatz, Sonntags 10— 12. 2— 1. Ich habe meine Ü nssen- sprechslimde nach Ziegel- strnüe 26 part. verlegt. Dr. A. Schlesinger, Spezialarzt für Chirurgie. -riiiia iiquci ttiayubifi Extra- Ab teil» ng I. Gesch.: Berlin W, Mohren- StraBe 37a(2 Haus von der| Jerusalemer StraBe). II. Gesch.: Berlin NO., Grabe! Frankfurt. Str. 115(2. Haus j von der AndreasstraSe). Sehrgr. Ausw.fort. Kleider, Hille, Handschuhe, Schleier j etc. v. einfachsten bis zum! hochelegant Genre z. äußerst| niedrigen Preiaen. S on der-Ä b teilung: B aii un Fertigung in 10 bis 12 Stunden. Deutscher Arbeiter-Sängerbund. Gau Berlin und Umgegend. Sonntag, den!7. April 1910, vormittags 11 Uhr, im Saale der Brauerei Friedricbshain: lUebungsSs Stunde. ßj Geübt werden folgende Lieder: Festgesang, Liedeslust, * Frflhlingsstürme, Zum 1. Mai, Arbeiter-Marseillaise. (i ImÄnÄtte":,ch AusschußeSitzung. LTages-Ordnnng: 17/7 1. Aufnahme von Vereinen. 2. Bundesangelegenheiten. Der Vorstand. _____ I>ie reellsten und billigsten Möbel und Polsterwaren auf Teilzahlung zu Kassenpreisen und Zins« Vergütung erhält man in der seit 32 Jahren bestehenden Möbelfabrik unter IQjähriger Garantie Relehenherger med. Karl Ueinhardt's spezialärztl.institutefär Geschlechtskrankheiten, : Haut-, Harnleiden, Schwttche.- Die HarnleideD Ihre Oefabren, Verhütung unk Beseitigung van Dr. med. Seh"per, BERLIN- Preis 1 Mark. B» es Causenh W »er!« H« Richter fronhiurt(Ode»» - Uaxcjimöiii-LuaaMP- ' Bitlwftardkel. Neuect.Katalo3 Eh. ismpfohl.'ricl A urzte u.Prof. grat. a. Ongcr, Giünmiwareniabrii 6erkn NW«. i'Viecirichturausa« 91/9 Garten- Städte: □ e. 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FriodricliHfelde: Caprivi-Ällee 44. im März dieses Jahres einen Umsatz von 413 350,57 M., in den neun Monaten dieses Geschäftsjahres von 2 875 392,44 M. hatten, bei etwa 29000 Mitgliedern und 242 000 M. Geschäftsanteilen. Die Sparsumme der Mitglieder beträgt zurzeit über 400 000 M., die Hausanteile sind bis zu annähernd 300000 M. eingezahlt. Berliner Consumverein i. Liqu. Wir machen unseren Mitgliedern die Mitteilung, daß durch die Uebernahme aller Aktiven und Passiven von der Konsumgenossenschaft Berlin und Umgegend e. G. m. b. H. die Liquidation beendet ist. Die Guthaben derjenigen Mitglieder, die nicht zur Konsumgenossenschaft übergetreten sind, verfallen nach dem 30. Juni d. J. den Reserven. Wir fordern deshalb diese Mitglieder auf, bis zum 30. Juni ihre Guthaben gegen Rückgabe des Mitgliedsbuches in dem Kontor der Konsumgenossenschaft, Grüner Weg 11, vom 1 Treppe, in den Kassenstunden von 9 Uhr früh bis 5 Uhr nachmittags abzuheben. Die Liquidatopon: E. Breuer« P. Dahlsteln. G. Plade. R. Junger« W. Lamm. Gertrud Lodahl. R. Müller« Beste Bezugsquelle Auf Teilzahlung ©suSoCtnti. nnr l Warf Herren- und Camenuhren, etlen.Wand-. nd Stand- j Kren, Gram- mcphone, ithern und alle > usikwaren. Junre&KödiS, W Mi-schnuer Str. 68. Relulckendorfer Str. 101, bfbbenntr. 10. Fast gänzlich schmerzlos Zahnziehen|m. Warum? bestellen Sie Ihre Zähne bei den Reisenden, die von Tür zo Tür gehen und für jeden Auftrag 12 M. tmd mehr Provision erhalten? Warum nehmen Sie Zähne auf Abzahlung, wo Sie 4 M. und mehr dafür bezahlen müssen und jede Woche vom Kassierer belästigt werden, außerdem in alle Munde kommen und jede Diskretion ausgeschlossen ist. Warum brechen solche Zähne mit unechten Stiften schon in der ersten Zeit ab? Weil die Ähzahlungs-Zahnateliers zum größten Teil Zähne verarbeiten, welche mit gar keinem Stift oder mit Eisenstiften versehen sind. I058L* Wer? •Üfülä' Pi—ri 2Pfo.p8rSlück. muß die hohe Provision der Roisenden, die hohe Provision des Einkassierens, die enorm großen Verluste durch das Abzahlungs-System bezahlen? Doch nur der Patient! Es ergeben sich daher für Sie folgende Vorteile: 1. Haben Sie sich keine Schulden aufgebürdet. Vermeiden Sie die Unannehmlichkeiten der n_j n Teilzahlung(kassiert werden etc.). VOrtBllß! 3. Haben Sie ein Gebiß für 1,80 M. pro Zahn mit echten Platinstiften. 4. Haben Sie noch ein schönes Stück Geld gespart und sind Schulden und Laufereien los. Ueberzeugung macht wahr! Zahn-Praxis Carl Rudolph. Friedrichstr. 35. Elsasser Str. 14. Oranienstr. 61. Palisadenstr. 106 Moabit, Huttenstraße 65. 7. Praxis; Charlottenburg, Wilmersdorf er Straße 117. „ Lichtenberg� Frankfurter Allee 169. „ Spandau, Neuen- dorfer Str. 106. Jedes Wort 10 Pfennig. Du erste Wort(fettgedruckt) 20 Pfg. Stellengesuche und Schlafstellen-Anzeigen 3 Ptg.; das erste Wort (fettgedruckt) 10 Pfg. 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