N». 84. Abonnements-Bedingungen: tüonncmenls- PrciZ pränumerando i Vicrlcljährl. 330 Mk, monaü. 1,10 Ml, wöchcntlich 2b Pfg, frei ins Hau?. Einzelne Nummer K Pfg, Sonntag?» nummcr mil Mustriertcr Sonntag?» Beilage»Die Neue Welt" lO Pfg, Post. kiSonnement: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post. Zeitung?. Prelslisle. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn L Marl, für das übrige Ausland 8 Marl pro Monat. Postabonneinentz nehmen an: Belgien, Däncmarl, Holland. Italien, Luxemburg, Pzrtugal, Numänien. Schweden und die Schweiz, S7. Jahrg. Crtdjcint szaiich außer montags. Vevlinev VolksblAlt. Die Inketions-Gebüfir vekägt für die fcchsgespaltcne Kolon ei- geile oder deren Raum 60 Psg,, für politische und gewerlschastlichc Vereins- und Verfamnilungs-Anzeigen 80 Psg. „kleine»nreig-n-ü das erste(seit- gedruckte) Wort 20 Psg,, jedes weitere Wort 10 Psg. Etcllcngeiuche und Schlas- flellcn-Anzeigen das erste Wort 10 Pfg,. jedes weitere Wort E Psg, Worte über 15 Buchstaben zählen sür zwei Worte. Inserate sür die nächste Nummer müsse» bis SUhrnachmillagsinder Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends gcössnet, Tclegramin- Adresse: „SozialiKtnolirat BtrU»'*» Zentralorgan cUr fosialdcmokratifcbcn Partei Dcutfchlande. (Udahtion: 8 Cd. 68, Linden Strasse 69* Fernsprecher: Slnit IV, Nr. 1983. expeditions SM. 68, Lindcnstrassc 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr, 1984. Werden sie es«tagen? Am Sonntag gab das preußische Volk seinen Wahlrechts- willen kund— am heutigen Dienstag soll das preußische Treiklassenparlament sein letztes Wort über die Wahlresorm sprechen. Wird man es wagen, trotz des letzten gewaltigen Protestes der entrechteten Diassen die traurige Spottgeburt unverändert anzunehmen, die der blau-schwarze Block in der dritten Lesung zustande gebracht hat? Wird das Zentrum nicht noch in letzter Stunde aus Furcht vor der unausbleib- lichen Abrechnung von dem schmachvollen Handel zurücktreten? Werden nicht die Nationalliberalen wenigstens noch einen energischen Versuch machen, außer der geheimen auch noch die direkte Wahl zu sichern? Die Wetterzeichen in den eigenen Reihen sollten Zentrum und Nationalliberale warnen! Schon sieht sich die Zentrums- leitung genötigt, die Empörung seiner eignen Angehörigen zu beschwichtigen, schon bricht auch unter den Anhängern der Nationalliberalm der Unwillen über die schmachvoll schlappe, illiberale Haltung der nationalliberalen Fraktion durch. Und wie vereinzelte erste Windstöße zum Gewittersturm anwachsen, so wird auch das Grollen der Wählermassen zum Orkan an- schwellen, der den verrotteten Bau des Dreiklassenwahlrechts trotz allen morschen Gebälks, durch den man ihn zu stützen sucht, über den Haufm werfen, nicht minder aber auch das innerste Gefüge der Parteien erschüttern wird, die trotz aller Mahnungen und Warnungen die Rechte des Volkes der- schachern und verraten! Selbst die Nationalliberalen sollten sich nicht in dem Wahne wiegen, daß sie ungestraft den letzten Schein des Liberalismus preisgeben und sich völlig als Schutztruppe der Schlotjunker gebärden könnten. In den Wer Jahren war der Nationalliberalismus durch eine solche Politik bereits völlig auf den Hund gekommen, und daß er im Jahre 1307 noch einmal so günstig abschnitt, war nur dem Taumel der Hotten- tottenwahlen zu danken. Die holde Illusion der Blockpolitik, die visionären Ankündigungen einer neuen liberalm Aera ließen die Segel des Liberalisinus schwellen. Hilft jetzt der s'dationalliberalismus selbst diese liberalen Illusionen zer- stören, so wird er wieder so unpopulär und verachtet tverden, wie nur je. Vollends aber das Zentrum hat Hunderttausende und Aberhundcrttausende rein proletarischer Wähler zu verlieren. Bleibt es dem Block zur Vereitelung der Wahlreform treu, so kann es getrost vom 12. April ab den Zerfall seiner Macht, die Zerbröckelung seines stolzen Turmes datierm! Roch einmal hat das deutsche Proletariat in wuchtiger Zusammenfassung seiner Kräfte durch eine machtvolle Kund- gebung seinen unerschütterlichen Willen zu erkennen gegeben. Viele Hunderttausende haben erneut das Gelöbnis abgelegt, nicht zu ruhen und zu rasten, bis die preußische Junkerfeste geschleift ist. Und das klassenbewußte Proletariat wird sein Gelöbnis einzulösen wissen. Schon jetzt darf es sagen, daß Hunderttausende durch die Wahlrechts- stürme der letzten Monate sür die ferneren Wahlrechts» kämpfe gewonnen sind. DaS beste Zeichen dafür ist, daß selbst das Bürgertum mit in den Kampf hineingerissen wird. Schon beginnt der Freisinn, sich an den gemein- famen Wahlrechtsdemonstrationen zu beteiligen. Er merkt, daß cS höchste Zeit ist für alle Parteien, die sich nicht auf brutalen Terror, auf schmachvolle Volks- cntrechtung, sondern auf das Vertrauen der Wähler stützen wollen, an dem Ringen um die VolkSrechte tätigen Anteil zu nehmen. Wer nicht mit politischer Blindheit geschlagen ist oder wer nicht das gleiche Wahlrecht haßt und fürchtet, wie 5krautjunker oder scharfmacherische Industrie- feudale, der muß sich sagen, daß die preußische Wahlrechts- frage zum Angelpunkt nicht nur der preußischen, sondern auch der ganzen ReichSpolitik geworden ist. Hier scheiden sich die Wege, hier Hilst kein Drehen und Wenden, hier versagt auf die Dauer selbst die gerissenste Demagogie, hier heißt es, durch die Tat den Ernst der WahlrechtSfreundschast zu beweisen! Trotz alledem wollen, wie es heißt, Zentrum und Natio- nalliberale am Dienstag nicht einmal mehr neue Anträge ein- bringen, sondern den Wechselbalg nach kurzer Generaldebatte dem Herrenhaus überantworten. Das Zentrum in der Erwartung, daß die konservative Mehrheit der preußischen Peerskammer die blauschwarze Wahlrechtsprellcrei gutheißen wird: die Nationalliberalen in der Hoffnung, daß die edlen und er- lauchten Herren als sicherster Hort der Reaktion das Geld- sackswahlrecht noch plutokratischer gestalten werden! Mögen Zentrum und Nationalliberale so verfahren! Mögen sie das Maß der Erbitterung und Verachtung gegen sie, das sich durch ihre jämmerlichen Vcrrätereien in den Herzen des Vol- kes angesammelt hat, zum Ueberfließcn bringen! Die Massen sind auf den weiteren Kamvf gerüstet. Sie sind zum Aus- harren entschlossen! Sie wissen,'daß selbst nach der endgül- tigcn Verabschiedung des Gesetzes der Kampf nicht zu Ende geht, sondern nur in ein neues Stadium eintritt. Sie wissen, daß es gilt, die Massen aufzuklären, aufzurütteln, auf daf>- auch sie sich in Reih und Glied einfügen und die Stoßkraft des Sturmblocks vermehren, der unablässig Mauern und Tore der preußischen Zwingburg berennen wird! Nicht zum letzten Male ist am Sonntag das Volk auf dem Plane erschienen. Es wird wieder und wieder kommen, immer massenhafter, immer unwiderstehlicher! Und wie es sein Versammlungsrecht erobert hat, so wird es auch sein volles, ungeschmälertes Bürgerrecht erzwingen! Die Preife über den Berliner fiiafienproteit. Die gewaltigen Wahlrechtsversammlungen des letzten Sonntags werden in der linksliberalcn Presse als ein großer Erfolg der Berliner Sozialdemokratie, als„Triumph des Rechts- und Ordnungssinnes" und als„ B e- iveis der politischen Reife und Selbstzucht" der Volksmassen bezeichnet, während die konservativen und klerikalen Blätter ihre Wut über das Gelingen der Riesen demonstration hinter allerlei faden Witzeleien, Verkleinerungen der Anzahl der Wahlrechtsdemonstranten und schnodderigen Redensarten über die angebliche politische Zwecklosigkcit solcher„Exerzitien" zu verbergen suchen. Sie alle müssen jedoch zugestehen, daß die Massenversamm langen in größter Ordnung verlaufen sind. Da dieser Verlauf mit ihren schönen Prophezeiungen in grellstem Widerspruch steht, so helfen sie sich zum Teil damit, daß sie versichern, nur diesmal sei es so ordnungsmäßig hergegangen; das nächste Mal werde es ganz anders kommen. Beginnen wir mit der agrarkonservativen Presse: „Deutsche Tageszeitung": Die gestern von der Sozialdemokratie und der Demokratischen Vereinigung in Berlin veranstalteten Massenkundgebungen unter freiem Himmel sind ohne Llusschreitungen verlaufen. Das war zu erwarten. Die Sozialdemokratie, die sich als Herrin der Lage fühlt, mutzte beweisen, datz sie Ordnung zu halten vermag. Wer sich aber nunmehr für die Zukunft beruhigen wollte, der würde eine beklagenswerte Kurzsichtigkeit beweisen. WaS gestern in Berlin und anderwärts getan wurde, das war nur Vorbereitung, nur ein Einexerzieren der Massen... Ucber den Gang und den Verlauf der Versammlungen eingehend hier zu berichten, lobnt sich nicht. Ein Stimmungsbild aus der Feder eines Augenzeugen vringen wir an anderer Stelle. Die Versammlungen begannen nach dem vollendeten Aufmarsche gleichzeitig. Von den Reden wurde wenig gehört. Diejenigen, welche nichts vernahmen, haben auch gewitz nicht viel verloren. Die Größen der Partei waren unter den Rednern nur spärlich vertreten, von den Reichstags- abgeordneten nur die Genossen Fischer, Heine, Stadthagen und Zw beil. LV e S b a lb Ledebour fehlte, wissen wir nicht.(!) Fast alle übrigen Redner waren Götter geringeren Grades. Den bekannten Zehngebote-Hoffmann hatte man in die Versammlung ge schickt, die mit den Demokraten gemeinsam veranstaltet war. Von diesen Herren sprachen u. a. Breitscheid und v. Gerlach. Sie be- mühten sich, und zwar mit leidlichem Erfolge, die Tonart der Ge Nossen zu übertrumpfen. „Kreuzzeitung": Die zum ersten Male vom Berliner Polizeipräsidenten erlaubten Massenversammlungen unter freiem Himmel haben gestern statt- gefunden und sind selbstverständlich ruhig verlaufen. Nach allen vorausgegangenen Ereignissen hat jeder, der einigermaßen mit sozialdemokratischer Taktik vertraut ist, dies voraussehen können. Denn das Interesse, das die politischen Theaterleiter an einer guten Aufnahme der„ersten Aufführung" haben, ist zu stark, als daß es anders zu erwarten gewesen wäre. Das Paradeprogramm war denn auch aus die weitesten Kreise berechnet mit dem Bestreben, datz eS allerseits freundliche Aufnahme finden möge. Spätere Pro- grammänderungen hat die Direktion sich vor- behalten.... In Treptow war die größte Zahl von Genossen versammelt, der Riesenspielplatz bot aber durchaus noch Platz. Die Genossen und Genossinnen gruppierten sich dicht um zehn Rednertribünen: da- zwischen ging man spazieren, jagten die Kinder sich, wurden Post- karten, rote Abzeichen, Pseffermünzplätzchen und dergleichen verkauft. Massenhaft loaren die Pbotographen erschienen. Da« ganze Bild glich eigentlich mehr einein Jahrmarkt mit Ausschreiern; denn auch die Redner hörte man sich gegenseitig überschreien. Die Leute liefen dann zu denen, die an, lautesten brüllten. Die Reden boten nichts Besonderes. Man hörte immer dieselben Phrasen, flammender Protest. Klassenschmach, Schande, Entrechtung, Volk mündig, hoch! hoch I hoch I Die Genossen arbeiteten nicht nur mit dem Munde, sondern ebenso mit den Armen, was vielen sichtlich Spatz machte. „Reichsbote": Die Sozialdemokratie steht auf dem Gipfel ihrer Macht. Millionen von Arbeitern folgen ihren Anord- nungen und Befehlen; auf ihr Kommando wurden gestern in allen Grotzstädten Demonstrationsversammlungen zur Einführung des Reichsiagswahlrechts für die preußischen Landtagswahlen ge- halten. Sie ist mit ihrer alle Verhältnisse umfassenden Organisation ein Staat im Staate geworden, und die Staatsgewalt fängt an. wie der Vorgang des Berliner Polizeipräsidenten zeigt, vor ihrer agitatorischen Macht den Rückzug anzutreten. Was bleibt ihr auch anders übrig, wenn sie keinen zuverlässigen Rückhalt an den bürger- lichen Parteien findet, die sich wie Hund und Katze einander bekämpfen. beißen und kratzen, aus ihrer linken Seite selbst imnier mehr an die Seite der Sozialdemokratie rücken und einen Großolock mit ihr und den liberalen Parteien erstrebe; stehen doch in den gestrigen Demonstrationsversammlungen schon Demokraten vom Schlage des Herrn v. Gerlach und des„Berliner Tageblatts" Schulter an Schulter mit den Sozialdemokraten. Wer die Volks»lassen beherrscht und sie organisiert wie die Sozial- demokratie, der hat die Macht, und bei der Uneinigkeit der bürgerlichen Parteien ist, wenn nicht unerwartete Ereignisse ein- treten, bei den nächsten ReichStagSwahlen auf eine große Vermehrung der Sozialdemokratie und auch auf eine erheblicheBer- mehrung derselben bei den Landtagswahlen zu rechnen. Dann stehen wir vor dem revolutionären Konflikt: denn die Sozialdemokratie, die nicht bloß eine politische, sondern auch eine wirtschaftliche Partei ist, wird dann, wenn sie die Mehr- Heit im Reichstage hat, ihre revolutionären Pläne durchzuführen suchen." „Germania": Vielleicht wäre die gestrige Kundgebung nicht so ruhig ver« laufen, wenn nicht das frühere Verbot der Versammlungen unter freiem Himmel und der.Wahlrechtsspaziergänge', sowie die Zwischen- fälle vom 6. März voraufgegangen waren. Denn jetzt nahmen sich die Genosien ganz besonders zusammen und boten alles auf, Zwischen« fälle zu verhüten. Es wäre sehr„peinlich" für sie gewesen, wenn sie nachträglich dem Polizeipräsidenten und der„reaktionären" Presse recht gegeben hätten. Vielleicht hatte der Polizei- Präsident mit seinem damaligen Verbote auch recht; denn eS ist fraglich, ob die Genossen sich damals schon so zusammengenoininen hätten, wie jetzt, wo ihre Ehre auf dem Spiel stand. Wie dem auch sei, einmal ist noch nicht immer. Die einznalige Gesiattung einer salchen Kundgebung beweist noch nicht, daß die Genosien nun, so oft eS ihnen beliebe, über die städtischen Parks für öffentliche Versammlungen verfügen und einen wesentlichen Teil ihrer Agitation unter freien Himmel verlegen könnten. Schließlich sind die Parks doch keine Versammlungslokale, sondern Erholungsstätten für die Großstädter, die »ach des Tages und der Woche Arbeit im Grünen Luft schöpfen wollen. Also solche Versammlungen müssen von vornherein als Ans- «ahme betrachtet werden. „Tägliche Rundschau": Die Haltung der Menge ist musterhast, imponierend. Niemand, auch der ihrer Sache fremdeste Beobachter nicht, kann sich wohl ganz der Suggestion entziehen, die diese Hunderttausend durch ihre Haltung ausübe». Wa? die einzelnen Redner reden»nd das komödiantische Jonglieren de? PhraseurS Ledebour ist nichts. Aber diese Masse ist etwas. Die Organisation, die sie hierher geführt hat, die sie hier beisammen- hält und nachher wieder ruhig auflöst, die i st etwa«, ein gewaltige« Werkzeug zum Guten und zum Bösen. Mit Schmerz fast bedenkt man, wieviel Gewalt über dieses Werk- zeug in die Hände von Leuten wie Ledebour und Zubeil doch gelcyt ist, wieviel Gewalt gerade zur Entfesselung der gefährlichsten Instinkte, die in diesen Massen leben. „Freisinnige Zeitung": Wie zu erwarten war, ist es bei den SonntagSversammstingen unter freiem Himmel im Hnniboldthain, Friedrichshain und im Treptower Park zu keinerlei Störungen der Ordnung gekommen. Der „Vorw." konstatiert lediglich OhnmachtSanfälle in erheblichem Um- fange, von denen nur einige ernster Natur waren. Aus dem Marsche zum Friedrichshain starb außerdem ein Sozialdemokrat, der von einem Herzschlag getroffen wurde. Der„Vorw." gab am Montag morgen eine anderthalb Bogen starke Extraausgabe aus, die mit lö mehr oder minder schlechten Bildern von den Versainmlnnge» verziert ist. „Bossische Zeitung": Der„Vorwärts" kennzeichnet die gestrigen Berliner Wahlrechts- kundgebungen als„die überwältigendste Demonstration, die Deutsch- land gesehen hat". Tatsächlich hat die Sozialdemokratie— das mutz auch der Gegner anerkennen— gestern einen neuen Ve- weis der Disziplin ihrer Anhänger erbracht, der für sie von hohem agitatorischen Werte ist. Andererseits aber mutz die Sozialdemokratie, wenn sie nickit die Tatsachen auf den Kopf stellen will, zugeben, datz sich in diesen Tagen das neue ReichSvereinSgesctz für sie als recht vorteilhaft erwiesen hat. Es ist sehr fraglich, ob es ihr unter der Geltung des alten preußischen Versammlungsrechts überhaupt möglich gewesen wäre, solche Massen- kundgebungen zu veranstalten. „Zeit mn Montag': Der gestrige Tag brachte den Anhängern der Wahlrechtsreform einen vollen Erfolg. Der Verlauf der Versammlungen übertraf selbst die kühnsten Erwartungen. Schon auf dem Wege zu den RendezvouSplätzen betätigten die Riesenmassen, welche ein Gedanke in Bewegung gesetzt hatte, eine geradezu bewundernswerte Disziplin. Das gleiche war während der Dauer der Versammlungen»nd auf dem Nachhausewege der Fall. Fortan ist niemand mehr bc- rechtigt. der Befürchtung Worte zu verleihen, datz durcki die politisch aufgeklärte Bevölkerung der Reichshauplstadt, wenn sie in großen Mengen in die Straßen hinabsteige, die Ruhe und Ordnung bedroht werden könne. «Welt am Montag": Wenn es nach den vorausgegangenen, trotz polizeilicher Störung glänzend verlaufenen Demonstrationen noch eines Beweises für die politische Reife der Arbeiterschaft bedurfte, so haben ihn die Berliner Arbeiter gestern in wahrhaft imposanter Weise erbracht An 800 000 Männer und Frauen sind unter freiem ........'°sck----------- durch die Straßen gezogen,— und keine Ruhestörung, kciiteVerkehrSstörung, kein Zwischenfall irgend welcher Art ist zu verzeichnen! „Berliner Vollszeitung": Der gestrige Ruhmestag der Berliner Bevölkerung enthält eine Lehre für Herrn v. Bethmann-Hollweg. Sollte er aus den Zeitungen oder durch die Mitteilung eines seiner Beamten von den gestrigen großartigen Demonstrationen etwas erfahren, so mag er daraus schließen, wie das Volk über seine Wahlreform denkt. Das Volk läßt sich mit diesem Machwerk nicht ab» speisen. Das Volk läßt sich sein gutes Recht nicht verlümmcrn und zertreten. Auch in dieser Beziehung ist der gestrige Tag ein Ruhmestag für das preußische Volk. Die ungeheure Beteiligung der Bevölkerung Berlins an den gestrigen Demonstrationen hat diesen eine imjponiercnde Wucht gegeben, die zu verkennen nur der fähig ist, der sie entweder absichtlich verkennen will, oder der in unheilbarer„philosophischer" Weltstemdheit politisch nicht bin- reichend begabt ist, diese Wucht zu verstehen und ans ihr die nötigen Konsequenzen zu ziehen. „Berliner Tageblatt":/ Morgenausgabe vom Montag:: Die drei polizeilich genehmigten Massenversammlungen itn Treptower Park, im Kitmboldthain und im Friedrichshain find tu Ijif!. würdig UTib höchst eind'rvchsvvst bTtidUffli, und hlrpnb'S ist es zu eincr»Störung der öffentlickicn Ordnung" gekommen oder «uch nur zu einem unerfreulichen Zivischenfall. Ob nun im Trcp- towcr Park nur 80C!Z0 Manifestanten erschienen waren, wie die Polizeibehörde schätzt, oder 180 000, wie, anscheinend mit erheblich mehr Recht, die sozialdemokratische Parteileitung erklärt, und ob •im stricdrichShain sich 15� oder 25 000 Teilnehmer und im Hum- boldthain 50 000 oder mehr bewegten in jedem Falle must kon» statiert werden, dah die Beteiligung ganz enorm war und alles bisher bei solchen Kundgebungen<Äe- s e h e n e übertraf. Abendausgabe vom Montag'. Die Reaktion tut so, als seien die gestrigen und die ihnen vorangegangenen Wadlrechtskundgebungen ohne Bedeutung. Sie hat selbst ein schlechtes Gewissen dabei. Wen will sie eigen t- lich täuschen? Sich selbst oder die ihr so dienstwillige Regie- rung? Den» das Boll kann sie doch nicht wieder einlullen wollen. Das Wort von der angeblichen Bedeutungslosigkeit der Wahlrechts- Demonstrationen ist die dümmste Phrase, die man sich denken kann. Masienkundgebungen haben immer gewirkt, auch in Zeiten, in denen sich das Volk nur von dunklen Gefühlen leiten liest. Wie- viel mehr müssen sie heute wirken, wo wenigstens die meisten der Teilnehmer solcher Demonstrationen durchaus wissen» waS sie »vollen. Die T-.'monstrationen sind mit einer bewundcrungs- würdigen Ruhe verlaufen. Und gerade in der Selbstzucht der Teilnehmer liegt ihre elementare Kraft. So wenig die Polizei dem Aetna oerbieten kann, Feuer und Lava zu speien, so ivcnig sie dem Halleyschen Kometen eine neue Bahn vorschreiben kann, so wenig lästt sich der Wille ein es grosten und mündigen BolkeS durch Polizeimahregeln nie- d e r z w i n g e n. Das hat sich bereits bei der Durchsetzung der Ver- sannnlungen unter freiem Himmel gezeigt; es wird sich auch bei der Durchfetzung eines freie» Wahlrechts in Preußen zeigen. Sie DemonUration. Der gewaltige Eindruck, den die Riesenkundgebung Börlins überall gemacht hat. spiegelt sich auch im Polizeibericht wider. Er spart nicht mit der Anerkennung der prachtvollen Disziplin, die die Vierwlmillioil der Demonstranten gezeigt hat. Also äußert sich die Polizei: Trinen musterhaften Verlauf nahmen gestern nachmittag die Versammlungen unter freiem Himmel und der An- und Abmarsch nach und von den Bersaimnlungsplätzcn. Die TruppS, die von den Zahlstellen anSgingen. waren erst seltener und kleiner und wurden später gröster und häufiger. Einige hatten nur einen, andere zwei biö dre» Ordner. Wo mehrere auf dem Marsche sich trafen, hielten sie, wohl diszipliniert, genügend Abstand, und alle gingen jeder» mann aus den, Wege, so daß Verkehrs st örungen nirgends entstanden. Auf den VersammlungSplätzcn hielt «in Teil der Beiucher gleich die Nachbarschaft besetzt, während andere sich hin und her bewegten. Di« Ordner sahen auch in der Nachbarschaft der Plätze in den Anlagen nach dem Rechten. Sie liegen nicht» zn, waö verboten ist. Hielten auch die Kinder, die die Neugier anlockte, von de» Rasenplätzen und den Einfasiungen mit Sorgfalt fern. Die offiziellen Parkwächter hatten einen guten Tag. Sie brauchten nur zusehen und sparten sich jeden Acrgrr, den sie sonst mit den Kniderscharen zu Haben pflegen. Kurz vor 1 Uhr häuften sich die Anmärsche und% nach X Uhr begänne» überall die Versammlungen auf ein weithin schallendes Trompetenzeichen mit einem Hoch auf das allgemeine Wahlrecht. Leichte Hagelschauer wechselten ab mit Sonnenschein. Ein starker Wind war den Rednern sehr hinderlich. Um die Tribünen Herum stand alles dicht gedrängt. Aber doch ging manchem Besucher jedes Wort verloren. Die Versammlungen waren nicht so stark besucht, daß die Plätze nicht noch mehr Teilnehmer hätten fassen können. Nach Schätzungen waren im Humboldthain etwa 14 000, im Friedrichshain gegen 24000 und im Treptower Park wohl an 70000 Menschen versammelt. Auch der Abmarsch vollzog sich überall in grötzter Ordnung. Alles verlief glatt und ohne Unfall. Die Samariter waren gerüstet zur Stelle, hatten aber nichts zn tun. Rur ein erschütternder Zwischenfall ist zu melden. I» einein Trupp, der vom Norden tiertam und an der Elbinger und Arnswalder Straße im Begriffs stand, in den Fricdrichshain einzumarschieren, brach plötzlich der 53 Jahr« Stellmacher H e i n r i ch G r a a ck auS der Stargarder Straße 13 vom Herzschlag getroffen zusammen und verschied auf der Stelle. Die Leiche wurde zunächst in der Nachbarschaft geborgen. Ein Zufall brachte auch den Polizeipräsidenten v. Jagow mit den Persaminlungöteilnehrnern im Friedrichs Hain zusammen. In der«lbinger Siraste siel cS auf. daß die Häuser Flaggenschmuck ungelegt hatten. DaS galt aber nicht der Wahlrechtöversammlimg. sondern der Grimdstemlegmlg für die Adventslirche aus dem Grundstück Elb inger Str. 24 An dieser Feier nahm auch der Polizeipräsident teil. Er hatte bei seiner Ankunft sein Automobil nach dem Lands bergerplatz ge- schickt. Als die Grundsteinlegung z» Ende war. ging er zn Fust durch den Park. Viele Versa»«,, lungSteimcHmer erkannten ihn, und einzelne trieb auch die Neugier zu dem Versuche, vom Abmarsch zurückzu- bleiben. Das licsten aber die Ordner in keinem Falle zu und s o kam auch der Polizeipräsident ganz unbehelligt nach dem Landsberger Platze, wo er zur Rück-- fahrt sein Auto bestieg. Die Gast- und Schanktvirtschaftrn in der Umgebung der Der« sainmlmtgSplätze waren nach Schluß der Versammlungen stark besucht und die Wirte haben ivchl reichlichen Ersatz für den Ausfall vorn Dcmonstrationssoimtag gehabt. Das Polizeipräsidium erkennt also in aller Form an, daß die 250000 Demonstranten musterhafte Ordnung gehalten haben. Damit können wir zufrieden sein. Freilich, die Zahl der Teilnehmer schätzt der Polizeibericht weit niedriger als wir— nur 104 000 will er zugestehen. Das ist uns zu wenig, braucht uns aber nicht weiter anzufechten. Denn die Zahlen, die»vir angegeben haben, beruhen auf sehr eingehenden Ermittelungen. Die Methode, die dabei angewendet xvurde, ist die folgende: Die Wiese im Treptower Park ist 30 Morgen groß, l Morgen----- 180 O-Ruten. Die D-Rute hat 14,2 D-Meter. Also enthält die Fläche, auf der die De- nronstration in Treptow stattfand 14 X 180 X 30<=- 75 600 D-Mcter. Memand, der die Demonstration in Treptow mit eigenen Augen gesehen, d.h. die ganze Versammlung gesehen hat. von verschiedenen Standpunkten aus, von dcrHöhe der Tribunen, von der Mitte des Platzes, von den umgebenden Wegen aus gesehen hat. wird es als Uebertreibung bezeichnen können, wenn wir pro Quadratmeter drei Blenschen annehmen. Damit kämen wir schon auf rund 225 000 Demonstranten. Aber lvir rechnen die mit Bäumen und Gebüschen bestandenen Teile und die Flächen in der Mitte ab, wo die Menschen weniger dicht standen, wo noch kleine freie Plätzchen blieben— was zu einem erheblichen Teile allerdings wieder dadurch ausgeglichen wird, daß im weiten Umkreis um den Tribünen die Menschen Schulter an Schulter standen. Indes selbst wenn wir nur 60 000 Quadratmeter rechnen, so bleiben immer »roch 180 000 Demonstranten. Das ist die Zahl, die wir für die Treptower Wiese angenommen haben und die»vir als keineswegs zu hoch gegriffen vor jedermann vertreten können. In ähnlicher Weise haben wir die Zahlen für den F r i e d r i chs Hain(30 000) und den H u m b o l d t h a i n (50 000) ermittelt. Beim letzteren Platz hat die Schätzmigs- kunst der Polizei besonders kläglich versagt; jeder, der die beiden Berfmnmlungen nacheinander gesehen hat, kann ohne lixeitci'cS bezeugen, daß die Masse im Humboldthain erheblich größer war als die im Friedrichshaiu. ES bleibt also schon bei der Liertelinillion! Tclegraphische Grüße. Treptow. Tribüne 4. war ein Telegramm adressiert. Es lautete:' Müllrose, 10. April. Herzlichs Sympatbiegrüße als Protest gegen den Wahlrechts- fchachcr senden die Genossen der Heilstätte Müllrose. Ein zweites Telegramm, das dem Genossen Ernst am Montag zuging, lautet: BeclitzMark, Heilstätte, 11. April. Die Parteigenossen des Sanatoriums Beelitz senden zum würdigen Verlauf der WahlrcchtSdemonsiration ihre herzlichsten Glückwünsche. *•* Von Demonstrationen in den Provinzen werden uns noch gemeldet: Brandenburg. Eberswaldo(2500 Personen auf dein städtischen Turnplatz, darauf Zug zum Restanraiit zur Mühle, wo»och eine Versammlung stattfand). Epremberg(1000 Personen im GesellschaftshauS. dann ein D e m o n st r a t i o n S z u g), Lands- ber g a. W.(700 Personen, dann D e»> o n st r a t i o n L zu g), Rheintzberg(Versammlung unter freiem Himmel), O r a n i e II- b u r g(250 Personen. Umzug durch die Stadt), Velten (600 Personen) und Marwitz bei Velten. In Hannover fanden noch Kundgebungen statt in Lüneburg(2500 Personen auf dem Lainbertiplatz), Hameln(1800 Personen auf städtischen» Platz), Ha» nov.- Münden(300 Personen), Lautcrberg a. Harz(500), Ricklingon(500 Personen), Osterode a. H. (200), Peine(300), K i r ch r o d e und Nienburg. •• # In SchleSIo ig- Holstein fanden im 0., 8. nnd 10. Wahl- kreise an 20 Orten große Versammlungen, teils unter freiem Himmel statt. In F l e n S b ü r g tagte zum ersten Male eine B e r s a m in l u n g unter freiem Hinmiel, die 4000 Besucher aufwies. Sie veranstalteten hinterher einen Zugdur chdieStadt. Aus Pommern wurde uock berichtet: Bergen(Insel Rügen). Auch bis auf die Insel Rügen ist die WahlrechtSdemonstration vorgedrungen. In Bergen demcw- strierten in einer Versammlung untev freiem Himmel 500 Personen für das freie Wahlrecht. JnPeterSwaldattinSSlesieii fand ein DcmonstrationS« zug mit 400 und eine Versamiitlung mit S0O Teilnehmern statt. AuS der Provinz Sachsen ist noch eine große Ver- sammlung in Nietleben(GaalelreiS) zu melden, zu der die Besucher von vier benachbarten Ortschaften heranzogen. Zwei große Kundgebungen sind noch aus Westfalen nach« zutragen: Recklinghansen. Die Versammlung im Garten des GrulbadeS war von 3000 Personen besucht. Sie verlief auf das schönste. Hagen. Die großartige Versammlung war aus dem Familien- platz. Etwa 10 000 Personen nahmen daran teil. AuS dem Rheinland gehen uns noch Berichte aus Aachen (1200 Personen, vor und nach der Versammlung Demonstrationen), Bonn(überfüllte R i e s e n V e r s a in in l n n g in der städtischen Beethovinhalle) und M.- Gladbach zu(Versammlung unter freiem Himmel, zwei Rednertribünen, 3000 Teil« nehmer). In Hanau(Hessen-Nassau) war die Wahlrecht«- Versammlung unter freiem Himmel von 5000 Personen besucht. Nach der Versammlung zog der Demonstrationszug durch die Straßen der Stadt. Die Polizei hatte den Marktplatz abgesperrt.__ politxfcbe CUbcrficbt. Berlin, den 11. April 1910. Eisenbahnfinanzen. Das Abgeordnetenhaus begann am Montag die zweite Lesung beö Etats der E i s e n b a h n v e r w a l t u n g. Der Umstand, daß die Eiscnbahnerträge daS Rückgrat der preußischen Finanzen bil- den. hat der Budgeikommission Veranlassung gegeben, die fincmz- technische Seite, die zunächst zur Debatte stand, eincr eingehenden Vorberatung zu unterziehen. DaS Ergebnis derselben ist in einer Reihe von Resolutionen niedergelegt, die bestimmte Grundsätze für die Gestaltung des Etats enthalten und insbesondere die Ausgaben angeben, die auf daS Ordinarium und die auf das Extraordina- rium zu übernehmen sind. Es soll auf diese Weise endlich einmal Ordnung in die Eisenbahnfinanzen und damit auch in die Staats- finanzen gebracht werden. Ebenso wie die Redner der übrigen Parteien, erklärte auch der sozialdemokratische Wortführer, Genosse Borgmann, im wesentlichen sein Einverständnis mit den Vorschlägen der Kam- Mission. Wer die Motive, von denen sich die Sozialdemokraten leiten lassen, unterscheiden sich wesentlich von denen der anderen Parteien. Während z. B. die Nationalliberalen aus den Eisen- bahnen möglichst hohe Ueberschüsse herauswirtschaften möchten, um die besitzenden Klassen von den direkten Steuern zu entlasten, be- tonte unser Redner nachdrücklichst die Notwendigkeit der völligen Trennung der Eisenbahnfinanzcn von den allgemeinen Staats- finanzen» damit die Eisenbahnen ihrem eigentlichen Zwecke, den Verkehrsinteressen zu dienen, nicht noch mehr entfremdet werden. Genosse Borg mann begnügte sich nicht mit der Erörterung der rein finanztechnischen Frage, sondern er holte zu einer wuchtigen Kritik des ganzen Verwaltungssystcmö der preußischen Staats- bahnen auS, er schilderte daS Streben der Junker, die, obwohl sie das nicht so offen aussprechen wie ihr Schreckenskind v. Olden- bürg es einmal getan hat, tatsächlich danach trachten, den Bun- desstaaten die Hoheitsrechte zu nehmen und mit den deutschen Bundesstaaten spielen wie der Wolf mit dem Lamm. Auch die unhaltbaren Zustände im Verkehrswesen, die Sparsamkeit am unrechten Ort, die unsinnige Art, wie auf Kosten der Fahrgäste der unteren Klassen ein übermäßiger Komfort in der ersten und zweiten Klasse getrieben wird, kurz und gut, all die verkehrten Maßnahmen, an denen unser Eisenbahnwesen so ungemein krankt, fanden in unserm Genossen einen unerbittlichen Kritiker. In recht geschickter Weise verstand cS der sozialdemokratische Redner, auch die Helfersdienste in seiner Rede mit einzuslechten, die die Eiscnbahnverwaltung dem Berliner Polizeipräsidenten anläßlich des verbotenen Spaziergangs nach Treptow dadurch geleistet hat, daß sie die Züge in Treptow nicht halten ließ. Ebenso geißelte er die Abhängigkeit der Eisenbahnverwaltung von den Agrariern, die darin zum Ausdruck kommt, daß, einem Wunsche der Ostelbier ent- sprechend, Arbeiterwochenkarten in immer geringerer Zahl ausge- geben werden. Mit Recht betonte er, daß das nicht nur eine Be- lastuiig des Budgets der Arbeiter bedeutet, die gezwungen sind, die Woche über in der. Großstadt zu arbeiten, vor allem der Bau» arbeiter, sondern daß dadurch auch das Familienleben der Arbeiter gestört tvird. Der Minissee begnügte sich damit, einige vermeintliche Irr» iümer Borgmanns richtigzustellen und zu erklären, daß in Prcu» ßcn an den vier verschiedenen Wagenklassen festgehalten werden soll. Bon der Schließung des Bahnhofs Treptow am Wahlrechts- sciintage weiß er überhaupt nichts. Auf die übrigen ollgeincincn Fragen ging er nicht ein. Das will er später tun, vorausgesetzt, daß er es nicht vergißt. Am Dienstag wird die Etatsberatung durch die nochmalige Abstimmung über die Wahlrcchtsvorlage unterbrochen. Herr v. Jagow und der Kaiser- Einen Teil der reaktionären Presse quält die Frage, welche Einflüsse es gewesen sein mögen, die den Berliner Polizei- präsidenteu dazu bewogen haben, vor der Sozialdemokratie den Rückzug anzutreten und„genau das Gegenteil von dem zu tun. was er gestern noch im staatserhaltenden Interesse für selbstverständlich befunden hatte". Einige der Blätter, darunter die„Königsbcrger Allgemeine Ztg.", sprechen von einem Wink des Reichskanzlers; andere, darunter die „Rhemisch-Westf. Ztg." und die„Hambg. Nachr." behaupten, der Kaiser selbst habe eingegriffen und Herrn v. Jagow Nachgiebig- keit empfohlen: eine Ansicht, die wir auch in der englischen Presse ausgesprochen finden. Daran wird von einigen Blättern mehr oder minder deutlich die Meinung geknüpft, der Polizei- präfckt hätte sich solcheni Ansinnen in keinem Falle fügen dürfen, sondern er hätte sofort seinen Abschied nehmen müssen. Besonders deutlich vertreten diese Auffassung die„Hamburger Nachrichten". „Unsere Ansicht, daß der Berliner Polizeipräsident Herr von Jagow nur auf eine Order von oben her umgefallen sein I a n». wird auch anderwärts geteilt. Im preußischen Abgcordnetciihause soll man der Meinung sein, daß die Sinnes- änderung des EhefS der Berliner Polizeiverwaltung auf direkte Einwirkung von höherer Stelle zurückzuführen sei. Man habe dort offenbar gefürchtet, daß ein erneutes Verbot sozial- demokratischer Versammlungen im Freien zu„unliebsamen und spöttischen Vcincrkungen namentlich in der ausländischen Presse" führen werde. Danach wäre also die innere Politik im Reiche wie in Preußen am besten so einzurichten, daß sie auf den Beifall der uns so überaus wohlwollenden auswärtigen Presse zu rechnen hat. Dann würde sich eigentlich empfehle». an die Stelle de» Herrn V. Bethmann Hollwcg und des preußischen Ministers des Innern Herrn v. Moltke ein Kuratorium von leitenden Redakteuren der auswärtigen Presse zn setzen, denen ja der Rang kommandierender Generäle nicht mehr ausdrücklich erteilt zu werden brauchte. Nur hätte das den Nachteil, daß diese ausländischen Herren den niinisteriollen Hauptbesä higungönachweiS de« Kadavergehorsams erst erbringen müßten. Aber IvelcheS auch das Motiv de« Befehl« fein mag, daß Herr v. Jagow über Nacht fein schroffes Nein in ein ebenso fteundlicheS Ja zu verwandeln hat: Herr von Jagow hätte diese Zumutung ablehnen und den Abschied nehmen müsse n. DaS wäre die richtige Antwort auf die Zumutung gewesen, sich innerhalb 24 Stunden dreimal zu verleugnen. Aber der Berliner Polizeipräsident hat vielleicht nicht einsehen können. warum gerade er ein Beispiel persönlicher UeberzeugungS- treue und Charakterfestigkeit zu bringen habe, wenn die ihm übergeordneten Herren, der Ministerpräsident und der Minister des Innern, gar nicht daran denken, irgendwelche Konsequenzen zu ziehen. Herr v. Jagow ist. ohne mit der Wimper zu zucken. auf höheren Befehl aus einem SauluS ein Paulus geworden, und in der neuen Rolle hat er sich allem Anschein nach sofort so wohl gefühlt, daß er mit den„Genossen" in liebenswürdigster Gefällig- keit verhandelt und sich sogar bemüht hat, ihnen die Berant- wortung aufzubürden, die einzig und allein er für die Aufrecht» erhaltung der Ordnung zu tragen hat/ Die Aeußcrung zeigt aufs neue, in welchem Maße die „nach Bildung und Besitz maßgebendem" Kreise die Minister und sonstigen höheren Verwaltungsbeamten als ihre Kommis betrachten._ Eine neue Entschuldigung Herrn v. Jagows. Herr v. Jagow besitzt eine eigenartige Vorliebe für Er- lasse. Obgleich sein Verhalten gegenüber dem Gesuch der Genossen Ernst und Borgmann lediglich zeigt, daß cr den Sinn des§ 7 des ReichsvereinSgesetzes endlich erkannt hat, hält er es immer wieder für nötig, mit langen Erklärungen auf die Anrempclungeu agrarkonservativcr und großindustrieller Blätter zu antworten. Die neueste dieser Mitteilungen, die sich vornehmlich gegen die„Nhein.-Wcstf. Ztg." richtet, hat folgenden Wortlaut: „Dem Polizeipräsidenten wird von einem Teile der Presse Ge« fährdung der StaatSautorität durch„Umfall" borgeworfen, von dem anderen Teile nachgerühmt, daß cr den„Weg nach Damaskus" gegangen sei. Der Tatbestand ist folgender: Zum S. März war einheitlich für Aufzüge auf öffentlichen Straßen und öffentliche Bersamm« lungen unter freiem Himmel die polizeiliche Genehmigung nach- gesucht worden. Der Polizeipräsident befürchtete aus den Auf» zügen Gefahr für die öffentlichs Sicherheit und versagte daher die Genehmigung überhaupt. Zum 10. April wurde lediglich die Genehmigung für öffent» liche Versammlungen unter freiem Himmel nachgesucht. ES war dies für Berlin der erste derart ausschließliche Antrag seit Be- stehen deS ReichSvereinSgesetzeS vom 19. April 1903. Nach dessen § 7 darf die Genehmigung mir dann versagt werden, wenn auS der Abhaltung der Versammlung„Gefahr für die öffentliche Sicherheit zu befürchten ist". Der Polizeipräsident stellte sich auf Standpunkt, daß zunächst Gefahr nur auS etwaigem Gedränge zu befürchten sei. Wenn die Demokratisch« Vereinigung für den Humboldthain anfangs die Zahl 50 bis 50000 nannte, eine Zahl, welche dem Polizeipräsidenten von vorn herein reichlich hoch erschien, aber von ihm nicht nach oben, sondern nur nach unten nachzuprüfen war—, so ergab sich daraus nach Feststellung der Größen- berhälwiffe des von der Stadt zur Verfügung gestellten Spiel- Platzes Gedrängegefahr. Ging dann der zweite Anirag von einer weit niedrigen Zahl au» und war der Polizeipräsident von der Richtigkeit letzterer überzeugt, so lag für ihn kein Grund vor, die Genehmigung zu versagen. Daher wurde die Genehmigung erteilt. » Daß dies polizeilich richtig war, hat der Sonntag erwiesen, denn es blieben noch so große Flächen deS Spielplatzes im Humboldthain verfammlungSftei, daß man Kinder darauf Reifen spielen sah. Hiernach kann iveder von„Umfall" noch von „Weg nach Damaskus" die Rede fein, sondern es hat einfach das Reichsvereinsgesetz im genauesten Sinne des Gesetzgebers An- Wendung gefunden« Im übrigen mögen diesenigen, welche Gefährdimg der Staats« autorität behaupten, nicht außer acht lassen, daß die Aufhebung rittet ZZKsaguug im Wege dcS TnwaliUllgSslttitvctfahrenS ganz gcwitz nicht der Mehrung der Staat5aulorität gedient hätte." Es ist. tvie aits den RcichStagöhcnchtcn nachgewiesen wcrdcit kann, durchaus richtig, dah die Genehmigung der gestern slattgefundcneil Massenversammlungen genau dem Linne des Rctchsvcrcinsgcsetzcs cntsprick)t. Ist das aber der �all. dann war die Genehniigungsversagung der für den ü. März geplanten Massenversammlung im Treptower Park gesetzwidrig. Wie es scheint, rechnet denn auch der Herr Polizeipräsident selbst mit der Aufhebung seiner Versag» ng im VertvaltttngLstreitverfahren. Ter Entwurf eines Reichöwertzuwachssteuergesetzcs ist heute vom Bundesrat angenommen worden und soll bereits morgen dem Reichstage zugehen, da bis GesctzeSvorlage. tvenn möglich. noch vor der Vertagung deö Reichstages zur Verabschiedung gelangen soll. Der Entwurf sieht nur eine Besteuerung des Wertzuwachses von Immobilien vor, während von der Besteuerung dcS Wertzuwachses bei Wertpapieren abgesehen ist. Die neue Steuer wird nach der Schätzung de» Entwurfs für das Reich einen Reinertrag von Lv Millionen Mark abwerfen. Die WertzuwachSsteucr soll beim Verkauf der Grundstücke von den Kommunen erhoben werde», die sechs Prozent der Steuer an das Reich abführen. Für gewisie Fälle ist Steuerfreiheit vorgesehen, so zum Beispiel wenn Immobiliarbesitz auf Deszendenten übergeht behufs Fortführung des Gewerbes. Die Steuersätze sind nach der Besitzzeit abgestuft. Versteuert soll nur der unverdiente Gewinn lverden, der Gewinn also, der nicht aus der Arbeit eines einzelnen, sondern aus Einrichtungen der Kommunen und dcS Staates erzielt wirb. LluS diesem Grunde sollen auch beide Faktoren am Gewinn teilnehmen. Ein gewisser Prozentsatz der Wertsteigerung soll indes von der Besteuerung freibleiben. Während im allgememm das Recht der Steuererhebung den Kommunen vorbehalten bleibt, sind für das platte Land Sonder- brsiimmungen vorgesehen lind hier als Erhebungsstellen die Kreise gedacht, die schon heute nach dem Kommunalabgabengesetz berechtigt find, die WertzuwachSsteucr als KreiSkomnuinalabgabe einzuführen. Nach der �sufion. Die nkue Fortschrittliche Volkspartci Badens hielt am Sonn- tag in Karlsruhe ihren ersten Parteitag ab. Der bisherige dcniotratische Führer Hciinburger wurde zum Vorsitzenden der vereinigten Partei gewählt._ Ei» zurückgezogenes Verbot. In Dortmund hatte der Oberbürgermeister und Polizeichef Schmieding bekanntlich ursprünglich die zum Sonntag geplante WahlrechtSversammlungandcrHobertSburg verboten. DaS Verbot hatte den folgenden anfreizendcn Wortlaut: Auf den Antrag vom ö. d. M. wird Ihnen hiermit eröffnet, baß zu der am Sonnlag, den 10. d. M.< nachmittags V Uhr, in den »nlagen der HobcrtSbnrg und der dazu gsharigen Wieke geplanten öffentlichen Versammlung unter freiem Himmel und zu dem im An- schlnsse an die Versammlung beabsichtigte» öffentlichen Umzüge die Genehmigung nicht erteilt>oird. Hierbei ist die Erwägung mah- gebend, das} eS sich um Beraiistaltmiitcn handelt, wie sie zurzeit über- all im Lande zum Zwecke politischer Bcrhcvung systematisch bctricven werden. Auch die an den verschiedenen Orten der Monarchie vor- gekommenen schivcren AltSschreiiimgen gelegentlich solcher De- monstralionen lassen schon eine Gefährdung der öffenNichen Sicher- heit befürchten. Schmieding. Die„Arbeiterzeitung" bemerkt zu dieser Begründung:„Dieses Verbot charakterisierte sich als«in Schlag ins Gesicht der gesamten Dortmunder Bürgerschaft! Die sogenannte„Begründung" ist so fademcheimg wie nur möglich. Weder die angebliche„politische Vcr- hctzung", noch die in ander«« preußischen Städten nur seitens der Polizei begangenen Ausschreitungen sind ein gesetz- licher Verbotsgrund. Gegen den Schmiedingscheu UkaS wurde selbst- verständlich auf der Stell« bei dem RcgicrungSpräsidcn- tcn in Arnsberg, dem Oberpräsidentcn in Münster und dem MiilisterdcöJnncrntclegraphischBcschwerde eingelegt. Kaum waren diese telcgraphischen Beschwerden abgesandt, da ereignete sich hier in Dortmund dasselbe, was sich in Berlin ereignet hatte: die Behärde kapitulierte! Die eben erst vcr- botene Versammlung wurde nunmehr in nicht minder unerwarteter Weise plötzlich wieder gestattet! Offenbar sagte man sich in letzter Stunde auf dem Dortmunder Stadthaus« doch noch mit Recht, daß es einfach ein Ding der Unmöglichkeit sei, viele Zehn- tauscndc Männer und Frauen unseres Wahlkreises durch einen einfachen Federstrich au der Bekundung ihres entschlossenen politischen Willens zu hindern.... Versehen oder Abficht? In Breslau wird einer der Straßenbemonstranten seit dem 20. Februar, also seit beinahe acht Wochen, in Unter- suchungShaft festgehalten! Alle anderen, auf freiem Fuße ge- bliebenen Demonstranten sind bereits seit Wochen abgeurteilt worden. Dieser eine aber bleibt nach wie vor in Haft! ES heißt, daß er im Verdacht stehe, einen Spitzel, der initten in der Menge mit dem Revolver gedroht, vom Rade gerissen zu haben. Mehrere Zeugen keimen den Sachverhalt. Von Verdunkelungsversuchen kann gar keine Rede sein. Zu untersuchen gibt'S rein gar nicht«. Und doch die lange Untersuchungshaft. Wie geht da? zu? Und wissen die oberen Justizbehörden davon? Will man»ein Exempel statuieren"? Liegt Breslau wirklich zu dicht an Rußland? ..Alte" und„Jmige" in der«ationalliberalen Partei. Zwischen den»alten Herren" der nationallibcralcn Partei und den Junglibcralen herrscht seit einiger Zeit wieder ein recht ge- spanntcd Verhältnis, da den„Alten" manche der von den„Jungen" beichlosienen Resolutionen höchst unbeguem sind. Die parteiofsizielle „Nationallib. Korresp." erteilt deshalb den Jungllberalen wieder mal eine scharfe Rüge: „Recht hat die.Krenz-Zeitung" darin, daß jungliberale Vcr- eine sich häufig darin gefaflen, durch unzeitigc und unzweckmäßige Resolutionen ii« die schwebenden parlamentarischen Verhandlunge» einzugreifen und daß sie dadurch de» Anschein erwecken, als ob sie den Fraktionen Direktive» geben wollten. Die Ausnutzung dieses Vorgehens durch die„Kreuz- Zeitung" wird diesen Vereinen ausS neue klar machen, wie unangebracht derartig« Vorstöße find und wie wenig sie dem Jnleresio der Partei entsprechen. Di« be- treffenden Vereine werden sich deshalb auch nicht wundern dürfen. wenn gerade aus diesen Gründen ihre Beschlüsse die gewünschte Wirkung bei den parlamentarischen Fraktionen verfrhlen." Stichwahl in Posen. Tie Stichwahl im Wahlkreise Posen zwischen dem deutschen Kandidaten Oberbürgermeister Dr. WilmS und dem polnischen Demo» kllUen Rotvicki ist aus den 21. April festgesetzt worden. Zur Nachwahl i» UeckaMuude-Usedom-Wollitt« Am Sonntag tagte in Sloinemunde eine Konferenz der liberalen VertraucnSmäiwcr des Kreises, die sich mit der Aufstellung cineS Kandidaten für den durch den Tod deS Abgeordneten Dr. Delbrück frei gewordenen Kreis bcschästigte. In geheimer Abstimmung wurde Justizrat Herren dvrfer- Ewineinünde einstimmig alS Kandidat nominiert. Herrendvrfer nahm die Kandidatur an. Auf Befehl des Ln»drats gemahregelt. Bei dem Gemeindevorsteher und Schlossermeister Julius Ilorsch in GremSdorf, KreiS Bunzlau, arbeitete seit 1'/z Jahren der Schlosiergeselle Paul Döring auS Greulich. Florich war mit D. sehr zufrieden. Ansaug März d. I. forderte er aber Döring, der in seiner Gewerkschaft den Posten eines Unter- kassier«? bekleidete, auf, aus der GeiverksSaft auszutreten. D. versprach, baS zu tun und ließ sich vom Vorstand feines Verbandes in Bunzlau seinen Austritt bescheinigen. Herr Fletsch aber hatte wegen der Angelegenheit eine Vernehmung auf dem Landratsamt, Ivo man ihm mitteilic, er könne den Gesellen behalten, wenn besten Austritt aus der Organisation der Wahrheit entspreche. Florsch glaubte, nun sei alles gut und er köime seinen brauckibaren Gesellen behalten. Um so erstaunter war er, als er eines schönen TageS den Befehl vom LandratSamt erhielt, Döring zu entlassen. Der Handwerksmeister war darüber so auf» geregt, daß er am liebsten sein Amt als Gemeindevorsteher nieder- gelegt hätte. Schließlich entließ er aber doch, dem Zwangs ge- horchend, den Gesellen, zeigte ihm aber den Brief vom Landrats- amt. Der Entlassens ging nun auf das LandratSamt und stellte den anwesenden Beamten. Kretssekretär Riedel, wegen dcS Briefes zur Rede. Dieser bestritt zunächst, daß ein Schreiben an Florsch abgeschickt worden sei. LlS ihm aber Döring vorhielt, daß er(Döring) den Brief ja sewst gesehen habe, gab der Beamte eS zu. Aus die Frage Dörings, wie man dazu komme, arbeitswillige Leute auf die Landstraße zu setzen, antwortete der Beamte: Daö sei Amtsgeheimnis. Weiter meinte er. Florsch dürfe als Ge- meindevorsteher solche Leute nicht beschäftigen; am allerwenigsten durfte er den Brief zeigen. Daß das LandratSamt nicht zum ersten Male den Scharsmachern solche Dienste geleistet hat, geht auS dem Umstände hervor, daß die MaßregrlungSschreiben gedruckt sind. Auf der Rückseite muß der Empfänger sein Einverständnis bescheinigen und den Brief an das LandratSamt retour senden. fpanhmeb. Kuubsiebungen gegen den Ministerpräs, denten. St. Chamond(Departement Loire). 10. April. Auf einem hier zu Ehren Briands veranstalteten Bankett hielt der Minister eine Rede, in der er als Programm der nächsten GesetzgebungS- Periode die Schaffung eines Statuts, durch das die Rechte und Pflichten der Beamtenschast genau bestimmt werden; Umgestaltung der Steuern, wodurch der Staat in den Stand gesetzt werden solle, auf leichtere und einfacher« Weise als bisher die erforderlichen Mittel zu erhalten; eine Verwaltungs- w a h l r e f o r m, bei welch letzterer jedoch das für jeden Demo- k raten uiwerrückbare MehrhoitSprinzip getvahrt werden müsse; ferner Organisierung des ArbeiterkreditS, Beteiligung der Arbeiter am Unteruehmergewinu in Form von Ar- beiteranteilscheinen, sowie Festsetzung eines gemeinsamen Arbeits- Vertrages bezeichnete. Briand schloß mit der Erklärung, daß keine Regierung den Grundsatz der Autorität erschüttern lassen dürfe, wenn sie die ihr anvertrauten großen Interessen nicht gefährden wolle. Ein Eindringen des Antimilitarismus in die Arbeiterkreise befürchte er nicht, da die Sozialisten wohl wüßten, daß sie in der Verteidigung des Landes mit allen anderen Bürgern zusammenstehen müßten. Während der Rede kam cs draußen zu einer stürmischen regierungsfeindlichen 5kundgebung. Die Fenster- scheiden des FestsaalcS wurden eingeworfen. Briand unterbrach feine Rede, zündete in aller Ruhe eine Zigarette an und wartete das Ende des Tumultes ab. Di« Teilnehmer am Bankett spendeten Briand lauten Beifall. DieTumultuanten wurden von der herbeigerufenen Gendarmerie zurückgedrängt. Berhaftun- gen wurden nicht vorgenommen. Als Briand nach Beendigung des Banketts auf der Straße erschien, kam es zu einer neuen Kundgebung der dort ver- sammelten Anarchisten, die nach Briand und seiner Begleitung mit Steinen warfen und auch einige Revolver- sch ü s s c in die Lust abfeuerten. Als der Mnistcrpräsident, der bei dem ganzen Vorgang völlig kaltes Blut bewahrte, schließlich im Automobil abfuhr, bereitete ihm daS über das Benehmen der Anarchisten aufgebrachte Publikum verfchiedentlichc BeifallSkund» gebungen. Kkach feiner Abfahrt kam es zwischen der Polizei und den Manifestanten zu einem Zusammenstoß, wobei einige Polizeibcamte verwundet und mehrere Verhaftungen vorgenommen wurden. Am Abend war die Ruhe wieder hergestellt. Gin Mann, der ohne Eintrittskarte sich zu dem Bankett Ein- laß verschaffen wollte, wurde von der Polizei verhaftet. Er soll ein spanischer Anarchist sein. Bei der Untersuchung fand man bei ihm einen Revolver. Ein unredlicher Offizier. Paris, 10 April. In Toulon wurde der VerwaltungS« offizier des S. Artillerie.Kolonialregiments Robert verhaftet unter der Beschuldigung, daß er mit Hilfe eines Liefe- rantcn zahlreiche für einen Kasernenbau bestimmte Materia» lieu entwendet und sich damit ein Haus gebaut habe. Cnglanck. Die Preveutiou of Destitniion Bill. London. 0. April.(Eig. Bcr.) Die Debatte über die Vorlage betreffend Armen- und ArbeitSlosenreform hat vor- läufig, wie zu erwarten»var. zu keinem greifbaren Ergebnis ge« führt, aber sie hat die öffentliche Diskussion über den MinderheitS- bericht in Fluß gebracht. Und dnS war auch der Zweck der Ein- brlnger der Vorlage. Im Rainen der Arbeiterstaktion sprach der sozialistische Arbeitcrabgeordnete Roberts(Buchdrucker), der die Hinwegsegung der alten Armengelctze befürwortete. Der Zweck der Armengesetzgebung vom Jahre I8S4 war. die in Rot geratenen Personen in degradierender Weise zu unterstützen; das Ziel des MinderheitS- berichte« ist, der Rot vorzubeugen. Die Kommission vom Jahre 1SS4 zielt« auf eine Unterdrückung der Wirkungen ab. die Minderheitsmitglieder der neuen Kommission bezwecken eine Be- seitigung der Ursachen der Rot. DaS Massenelend ist eine soziale Erscheinung und eS muß von sozialen Gesichtspunkten behandelt werden. Zur ArbeitZlostgkeit übergehend, sagte Roberts: „Arbeitslosigkeit ist nicht immer die Folge persönlicher Untüchtig- kelt oder sittlicher Fehler der Leute. Viele tüchtige Arbeiter finden sich oft außer Beschäftigung. LlS GewerkschaftSbeamter habe ich sogar die Erfahrung gemacht, daß.ie charaktervoller der Arbeitslose, desto schwieriger wird tt ihm, Beschäftigung zu sinden. Ein großer Teil b5r Arkeiülosigkeit ist den technischen Revolutionen geschuldet. Die industrielle ProduktionSsähigkeit und die Zahl der Bevölkerung nehmen rascher zu als die Zahl der industriellen Arbeiter. Eine der dringendsten Aufgaben unserer Zeit besteht nicht nur darin, den Einzelmcnschen zu einem besseren Warenproduzenten, sondern ihn zu einem stärkeren Konsumenten zu macheu. Die Lorlage, über die jetzt diskutiert wird, bietet eine wissenschaftliche Behandlung de? Problems der Armut. Sie beruht auf einer sorgfälligen Analyse der verschiedenen Ursachen der Armut und bietet die Mittel, sie zu beseitigen. Ihre Durchführung würde dazu beitragen, daS britische Volk zu einem sozialpolitischen Muster für alle Nationen der Welt zu machen." Tie Annexion BoSnienö im Uutcrhause. London, lt. April. In der heutigen Sitzung d'S Unierhausc» fragte Lincoln, ob die Bedingungen für die englische An- c r l e n n u n g der Annexion B o s n i e r. s und der Herzegowina, die am 12. September 1008 von Aequith bekannt ge« geben tvorden tvaren, erfüllt seien, und, wenn dies der Fall iväre, wann alle interessierten Parteien niit Einschluß von Serbien und Montenegro die Erklärung der Zustimmung zu der Augliedennig unterzeichnet hätten. In der von Lincoln gestelltcir Frage ivurde Iveiter angeregt, daß, wemr diese Bedingungen nicht erfüllt seien, die Regierung sich darüber schlüssig machen solle, ob es ratsam sei, eine jronferenz einzuberufen, um de» eingetretenen Veränderungen internationale Gültigkeit zu verleihen, alle anderen Fragen zu regeln und auf diese Weise ernste Ursachen zu Konflikten untvr den Mächten aus der Welt zu schassen. Ter Parlaments-Untcr- sekretär McKinnon Wood erwiderte, was die Türkei anbetreffe, so seien die in Asquiths Mitteilung angezeigten Bedinguir- gen erfüllt worden. Serbien habe in einer Note an die öster- rcichisck�ungariiche Regierung erklärt, seinen Protest gegen die Annexion Bosniens und der Herzegowina aufjtvben zu wellen, und Serbien und Montenegro hätten die Erklärung abgc. geben, sie würden sich bei der Entscheidung der Vcrtragsmächie über den Artikel 22 des Berliner Vertrages beruhigen. Soweit Artikel 23 in Betracht komme, hätten die Abänderungen bereits mternationale Gültigkeit erlangt durch die Zustimmung der Signatarmächte. Daher läge für die Einberufung einer Konfc- renz zu diesem Zwecke keine Notwendigkeit vor und cS sei auch keine Konferenz erforderlich zur Beseitigung von Konflikten zwischen diesen Mächten, da solche zurzeit glücklicherweise nicht bc- ständen» Cfirhel Neue Ränke. Kenstantinopel, S. April.(Eig. ver.) Während die Regierung in Konstantinopel mit dem Empfang verschiedener Balkankönige be« schäftigt ist, benützen die Feinde des neuen Regimes die Zeit, um ihre dunklen Geschäfte zu fördern. Oft schon wurde in der europäischen Presse die Existenz von Organisationen erwähnt, die außerhalb der europäischen Türkei gegen die junge Konstitution wirken. Aber meistens hatte man nicht die Namen der Personen genannt, die an der Spitze dieser Bc« wegung standen, und nie wurden ihre wahren Absichten klargelegt. Die wichtigste dieser reaktionären Organisationen ist die ägyp» tische. Ihr Führer ist der berüchtigte Jzzet Pascha, der be» liebteste Sekretär Abdul Hamids. Er ist Araber und genießt unter mehreren arabischen Stämmen große Volkstümlichkeit. Er flüchtete nach der Proklamierung der Konstitution aus Konstantinopel und nahm seine ungeheuren Reichtümer mit, die aus 30 Millionen geschätzt werden' Sein Geld benutzt er für eine ausgebreitete Agitation gegen die türkische Regierung. Dafür bat er auch daS bcrbreitetste arabische Blatt„El-Moajat" angekauft, das in 20000 Exemplaren gedruckt wird. Die nächsten Helfershelfer Jzzetö sind Leute, die nicht weniger „bekannt" sind als er selbst. So der ehemalige türkische Botschafter in Parts, M ü n i r Pascha, der seil drei Monaten in Aegypten lebt, der Liebling Hamids, F a y k Bey, der auck über große Geldmittel ver» fügt, der ehemalige Staatssekretär des Innern F u a d Bey; der Re» dakteur der Zeitung„Ueni Serbesti" Adam Essendi; der ehemalige Bstrolog de« gestürzten Sultans Hassan Bey usw. Diese Personen und ihre Anhänger veranstalten in Kairo Versammlungen und bc» absichtigen, in der Türkei innere Verwickelungen hervorzurufen, um der Konstitution den Todesstoß zu versetzen. Dazu wollen sie die unter den Arabern herrschende Gärung benutzen: sie hoffen, den halbwilden Stämmen einreden zu können, der türkische Sultan habe die der arabischen Ration gehörenden Rechte deS Kalifats usurpiert, und auf diese Weise einen allgemeinen Ausstand ans» lodern zu lassen. Deshalb haben sie zu ihrem Hauptquartier Kairo gewählt, als einen Ort, der Arabien nahe liegt. Die ägyptische Regierung, deren Aufmerksamkeit von der nationalen Bewegung der Eingeborenen und von den mit der Ermordung B u t r o s Pascha« in Zusammenhang stehenden Angelegenheiten völlig in Anspruch genommen war. sah der Tätigkeit der Reaktionäre durch die Finger. BiS jetzt haben die Feinde der Konstitution sich allerdings sehr vorsichtig benommen. Jetzt aber, wo die wahren Bestrebungen der„Jzzetisten" allmählich anS Licht kommen, verlaßt die ägyptische Regierung die Rolle deS passiven AnschauerS. Was die türkische Regierung anbetrifft, so ist sie der Sache, wie gewöhnlich, sehr wenig gewachsen. ES wiederholen sich also- die Ereignisse, die bor dem IS. April stattfanden. Die Regierung, die nach der Einführung der Konstitution so vorsichtig war. wurde gleich darauf so sorglos, daß sie die Konterrevolution ignorierte, die man vor ihren Augen be» rettete. Dasselbe findet auch gegenwärtig statt. Ter Aufstand in Albamen. Konstantinopel, 10. April. Drei albanische Deputierte sind aus Verstimmimg über die Haltung der Regierung aus der jungtürkischen Partei ausgetreten. Die Rcgicrnngskreise sind jetzt überzeugt, daß die Bewegung i n P r i s ch t r n a weder einen reaktionären»och nationalen Charakter trägt, sondern nur gegen die Gemeindesteuern gerichtet ist. Nach einem amtlichen Commnniquü haben die Behörden in Prischtina den ihnen von den UlemaS und Nolabcln gemachten Borschlag, nochmals durch Ratschlage eine Beruhigung zu bersiichen. abgelehnt, dagegen eingewilligt, daß die Rotabeln und UlemaS selbst die Vennittelung übernehmen. Die Vermittler haben die Führer der Rebellen zur Unterwerfung bereit gefunden, nur haben diese um Aufschub der militärischen Opera» t i o n e n gebeten, bis sie eine definitive Antwort erteile» könnten. Die Behörden haben unter dem Vorbehalt, daß die Rädels» führerbe st rast werden, de» Aufschub bewilligt. DaS Communiquö besagt zum Schluß, daß die Bewegung die Folge einer Aufwiegelung durch einige einflußreiche Personen sei, weiche eigene Interessen verfolgten. Beendkgtmsi des AufstandeK? Konstaniinopel, 11. April. Das Ministerium des Innern er- hielt heut« nacht eine Depesche aus Prischtina,»in der gemeldet wird, daß die Rebellen sich infolge der ihnen von. den Behörden erteilten Ratschläge zerstreut hätten. Die Führer würden sich heute unterwe rfen. Die Entsendung von Truppen nach der Gcgeud von Prischtina dauert fort. Gcmrk fcbaftUcbc� Zum Kampf im Baugewerbe« Am Mittwoch und Donnerstag haben die Bauunternehmer des Solinger Bezirks den Maurern und Bauhilfs- arbeitern zum 15. d. M. gekündigt, obwohl eine K ü n d i- gungSfrist hier allgemein in, Baugewerbe nicht üblich ist. In dem Kündigungsschreiben heifjt es, daß die Kündigung zurück- genommen gelten soll, wenn die Verhandlungen wegen des Ab- schlusses eines neuen Tarifs bis zum 15. d. M. zu einem Ergebnis führen sollten. In den Kreisen der Baunternehmer des Solinger Jndustriebezirks hofft man noch immer auf eine Verständigung� verschiedene kleinere Unternehmer wollen sich der A u s s p e r r u n g nicht anschließen; diesen ist aber bereits mit der Material- sperre gedroht worden. Eine in Düsseldorf abgehaltene Versammlung der Ar- beitgeberverbände für Rheinland-Westfalen hat sich einstimmig für die Aussperrung zum 15. d. M. erklärt. Die Aussperrung dürfte ein Fiasko werden, weil bereits mit einer großen Anzahl dem Verbände nicht angehöriger Unternehmer eine Einigung stattge- funden hat. In Danzig will der Arbeitgeberbund am 15. d. M. etwa 2000 organisierte Bauarbeiter aussperren. Streiks dezw. Aus- sperrungen sollen weiter in Mannheim, Pyrmont, Sande an der Elbe, Wilsnack. Burg auf Fehmarn erfolgt sein. Aus- sperrungen für den 15. d. M. haben angekündigt der Arbeitgeber- verband für das Herzogtum Braunschweig, ferner für die beiden mecklenburgischen Großherzogtümer sowie für Mitteldeutschland. DaS Stukkateurgswerbe und das Dachdeckergewerbe sind bereits in mehreren Orten in Mitleiden- schaft gezogen. In Bayern hat die Regierung Verhandlungen an- gebahnt. Der Arbeitgeberschutzverband für das Baugewerbe für L e i p- zig und Um g e g e n d hat am Montag mittag in einer zahl- reich besuchten Versammlung beschlossen, am 15. April die Ge- schäfte für die organisierten Bauarbeiter zu schließen. Die 183 in Frage kommenden Baugeschäfte beschäftigen zwischen 6003 bis 8000 Maurer, Zimmerer und Bauhilfsarbeiter. In Frankfurt a. M. kommen für die Aussperrung 5500 Bauarbeiter in Frage. Die Unternehmer haben die Aussperrung ebenfalls für den 15. April angedroht, doch kommen nicht alle in Betracht, da ein Teil nicht dem Arbeitgeberverband angehört. In Landau tagte am Sonntag eine Versammlung des Kreisverbandes pfälzischer Baugewerbe. Es wurde einstimmig beschlossen, am 15. April sämtliche Maurer und Bauhilfsarbeiter in der Pfalz auszusperren, ganz gleich, ob sie freigewerkschaftlich oder christlich organisiert sind oder nicht. Ausgenommen von der Aussperrung sind nur Germersheim, das keinen Tarif hat, und Edenkoben und Speyer, deren Tarife noch ein weite- res Fahr Gültigkeit haben. *«* Die bayerische Regierung hat Vermittelungsversuche ange» bahnt. Auf Veranlassung des Ministers v. PodewilS wurden die Vertreter der bayerischen Bauorganisationen zu einer Bc- sprechung nach dem Ministerium eingeladen, in der sich die Regie- rung über die Möglichkeit eines Vergleiches informieren wollte. Die OrganisationSvertreter erklärten sich bereit, bei den Vergleichs- Verhandlungen mitzuwirken, wenn sie auf der Basis des bisherigen Vertrages geführt werden. Der Vertreter der Regierung will sich mit dem Unternehmerverbande in Verbindung setzen. Am Diens- tag soll dann eine weitere Sitzung stattsinden, in der die Regie- rung den Bescheid des UnternehmevverbandcS mitteilen will. Lerlin und Umgegend. Die vom Metallarbeitcrverbaud veranstalteten Vorträge des Genossen Lauterbach- Stuttgart, die wie wir berichteten, durch interessante Lichtbilder illustriert werden, haben auch die Aufmerksamkeit der Behörden wachgerufen. Dem Vortrage, der im Gewerkschaftshause stattfand, wohnte als Vertreter der Berliner Gewerbeinspektion Herr Gewerberat Schmidt bei. Der Herr Gewerberat hat ans den Darlegungen eines Fachmannes sicher manches herausgehört, was für die Gewerbeinspektion im Jnter- esse der Arbeiterschaft mit Vorteil verwendet werden kann. Berliner Gantag der technisch- industriellen Beamte». Am gestrigen Sonntag tagte in Berlin der Gautag Grotz-Berkin der technisch-industriellen Beamten. Nach Erledigung der geschäft- lichen Angelegenheiten, wobei festgestellt wurde, daß der Gau jetzt 8900 Mitglieder zählt, erstattete Herr Ingenieur A h r e n S ein Referat über die vom Bundestage beschlossenen Mindestgehälter. Zu dem Tagesordnungspunkt..Standesarbeit in den Kommunen" wurden nach drei Referaten, welche sich mit der„Städteordnung", den„Anstellungsverhältnissen der städtischen Techniker" und„der allgemeinen Kommunalpolitik" befaßten, folgende drei Resolutionen einstimmig angenommen: I. Die Generalversammlung der Ortsgruppe Verl in er- klärt in Gcmäßheit des Beschlusses des dritten ordentlichen Bundestages, daß die Betätigung der technischen Angestellten im kommunalen Leben eine dringende Notwendigkeit ist. 1. Weil der gegenwärtige Umfang und die voraussichtliche Ausdehnung der Aufgaben der Gemeinden auf technischem Gebiete die Mitwirkung von Sachverständigen notwendig erfordert. 2. Weil die Angestellten als Konsumenten und Mieter in den von Unternehmern und Hausbesitzern beherrschten Gemeindever- tretungcn nicht genügend berücksichtigt werden. 3. Weil die kommunalpolitische Tätigkeit belebend und för- dcrnd auf die Berufsorganisation einwirkt. Die Generalversammlung richtet deshalb an die Mitglieder der Ortsgruppe die dringende Bitte, sich an dem kommunalen Leben in den Gemeinden Groß-Berlins eifrig zu beteiligen. II. Die Besonderheiten des technischen Berufes bringen es mit sich, daß die technischen Angestellten sehr oft außerhalb ihres Heimatlandes ihre Beschäftigung oder ihren Wohnsitz haben. Die Generalversammlung erklärt es deshalb für wünschenswert, daß die Bestimmung der Landgemeindeordnung, wonach alle An- gehörigen des Deutschen Reiches, die ein Jahr im Gemeinde- bezirk wohnen, das Gemeinderccht besitzen, auch auf die Städte- ordnung ausgedehnt wird. Die Generalversammlung bittet deshalb den Vorstand, zweck- dienliche Anträge an die gesetzgebenden Körperschaften zu richten. III. Zu einer erfolgreichen Betätigung der technisch- industriellen Beamten in den Kommunen ist eine Aenderung der gegenwärtigen Gemcindeverfassung notwendig. Die Generalversammlung fordert deshalb, daß das überlebte Hausbefitzerprivileg beseitigt und ferner das kommunale Wahl- recht seines plutokratischen Charakters entkleidet wird. Alsoann wurden die Lage und die Arbeitsverhältnisse der t e ch- Nischen?cnge st eilten im Baugewerbe m einem längeren Referat eines Berliner Architekten behandelt. In der Diskussion kam der Wille der Versammlung zum Ausdruck, in eine energische Agitation unter den Bautechnikern einzutreten, damit ihre wirtschaftlichen, sozialen und beruflichen Verhältnisse gebessert würden. Zum Schluß berichtete Redakteur Sohlich über die am V. d. Mts. mit dem Reichsamia des Innern gepflogenen Unter- Handlungen über das kommende Pcnsionsvcrsicherungsgcsetz für die Privatangestelltcn. Die Delegierten sprachen sich einstimmig dafür Verantv. Redalt.: Richatv Barth, Berlin. Inseratenteil vrrantw.-: aus, daß alle Mittel und Wege versucht werden müßten, um die An- gestellten vor der Sonderkasse und ihren unheilvollen Folgen zu be- wahren._ Achtung, Schuhmacher! Die Differenzen bei der Firma Spiegel, Greifswaldcr Straße 224, sind beigelegt. Schuhmacherverband Berlin. Deutsches Kelch. Der Tarifkampf im Baugewerbe und das Steinsetzer- gewerbe. Das Sieinsetzergewerbe wird naturgemäß durch die Vorgänge im Baugewerbe stark beeinflußt, gehören doch die Unternehmer im Steinsetzergewerbe vielfach dem Arbeitgeberbund für das Bau- gewerbe an und sind somit dem Diktum der Leitung desselben unterworfen. So haben die Unternehmer in Wilhelmshoven der Arbeiterschaft den„Mustedarif" bereits zur Annahme unter- breitet, an dessen Annahme natürlich auch hier nicht zu denken ist. Der sächsisch-thüringische Arbeitgeberver- band für das Stcinsetzgewerbe folgt ebenfalls den Spuren der Scharfmacher im Baugewerbe und hat im Falle der Ablehnung des von ihm aufgestellten Tarifes für Plauen, Altenburg und E i s e n b e r g die Aussperrung in diesen Städten zum 8. April angekündigt, der sich die weitere Aussperrung im ganzen Tarif- gebiet am 16. April anschließen soll, falls bis dahin die Arbeiter nicht zu Kreuze gekrochen sind. Bemerkenswert ist dabei die Un- gcniertheit. mit der die Unternehmerorganisation hier den Tarifbruch für ein ganz großes Gebiet ankündigt, wenn der von ihnen vorgeschlagene Teilvertrag nicht angenommen werden sollte; denn in allen anderen Ortcn/in denen ausgesperrt werden soll, läuft der Tarif noch bis 1911! In anderen Lohngcbieten haben die Unternehmer ebenfalls schon durchblicken lassen, daß sie sich ihren„großen Brüdern" im Baugewerbe am liebsten anschließen möchten. In Rheinland-Westfalen haben dagegen die Unter- nehmer„aus Entgegenkommen" auf die Einbringung des Muster- Vertrages verzichtet; es ist der alte Tarif auf ein Jahr verlängert worden. Fast wäre es auch hier zum Kampfe gekommen, obwohl die Arbeiter keinerlei Forderungen gestellt hatten; die Unter- nehmer beharrten ursprünglich hartnäckig auf einer zweijährigen Verlängerung des Tarifs. In München ist ein neuer Tarif abgeschlossen worden, mit einer Lohnerhöhung von 6— 8 Proz. In Schwei nfurt be- willigten die Unternehmer eine kleine Verbesserung für die Jung- gesellen. In B r o m b e r g ist ebenfalls ein Tarif abgeschlossen worden, der den Steinsetzern 3 Pf., den Rammern 3 Pf. Lohnzu- läge pro Stunde brachte. Ein Tarifabschluß in Stolp i. P. brachte Steinsetzern und Rammern je 3'/� Pf. Lohnzulage pro Stunde. In G r o ß- B e r l i n, ioo der neue Arbeitgeberverband den Tarif gänzlich beseitigen wollte, ist es ebenfalls zum Abschluß eines neuen Tarifes gekommen. Zwar mußte die im alten Tarif vor- gesehene Verkürzung der Arbeitszeit auf 84- Stunden daran ge- geben werden, und zwar geschah daS lediglich in Rücksicht auf die allgemeine Situation im Baugewerbe, dagegen ist die im alten Tarif festgesetzte Lohnerhöhung von 5 Pf. pro Stunde fast voll- ständig gerettet worden. Am 1. April ist eine Erhöhung um 4 Pf. eingetreten, und am 1. April nächsten Jahre? wird ein weiterer Pfennig gewährt. Durch den Wegfall der Arbeitszeitverkürzung kommt die Lohnerhöhung den Arbeitern voll zugute; freilich haben die Arbeiter trotzdem nur ungern auf die Arbeitszeitverkürzung verzichtet. Der Groß-Berlincr Tarifbezirk umfaßt einen Um- kreis von zirka 10 Meilen._ Der Streik der Färber in Elberfeld ist nun nach mehr als zwei- monatiger Dauer beendet. Am Montag, den 11. April, ist die Arbeit auf Grund eines zwischen den beiderseitigen Organisa- turnen vereinbarten Abkommens wiederaufgenommen worden. Die Arbeiter über 21 Jahre erhalten 25 Mk. Wochen- lohn, das bedeutet eine Lohnerhöhung von 1 Mk.; ebenfalls ist die Arbeitszeit auf 58 Stunden wöchentlich festgelegt worden, was eine Arbeitszeitverkürzung von 1 bis 2 Stunden wöchentlich bedeutet. DicOrganisation der Arbeiter ist anerkannt worden. Maßrege- lungcn dürfen nicht stattfinden. Eine am letzten Sonn- abend stattgefundene Versammlung der Färber hat mit großer Mehr- heit dem vereinbarten Abkommen zwischen den beiden beteiligten Organisationen zugestimmt. Der Tarif für daS Stuckgewerbe im rheinifch-westfälischen Jn- dustrierebier war am 1. April abgelaufen. Am Mittwoch fanden in Bochum erneute Verhandlungen statt, die endgültig gescheitert sind. Die Gehilfen forderten eine Lohnzulage von 4 Pf., von den Arbeit- gebern wurde 1 Pf. zugestanden. In Dortmund haben die Gehilfen bereits die Kündigung beschlossen. Die Gehilfen in den übrigen Orten werden Sonnabend und Sonntag Stellung dazu nehmen. Durch Abschluß eines dreijährigen Tarifvertrages ist die Lohn- bewegung im Tapezier- und Polstergewerbe im rhei- nifch-westfälifchen Industriegebiet beendet. Mit dem 1. Januar spätestens 1913 tritt eine Verkürzung der Arbeitszeit von 54 auf 53 Stunden in Kraft. Die Löhne werden sämtlich sofort um 2 Pf., am 1. April 1911 um weitere 2 Pf. pro Stunde erhöht. Am 1. April 1912 tritt mindestens eine Erhöhung von 1 Pf. ein. Der Mindeftlohn für Gehilfen im ersten Gescllenjahr steigt von 40 auf 42 Pf. und im zweiten Gesellenjahr von 45 auf 48 Pf. ab 1. April 1911. Für einzelne Arbeiten wird ein besonderer Zuschlag von 10 Pf. pro Stunde gezahlt. Der Vertrag endet am 15. Februar 1913. Gipscraussperrnng in Mannheim. Am 9. April wurden die im Zentralverbande und die christlich organisierten Gipser, 250 an der Zahl, ausgesperrt, weil sie nicht in eine Lohnkürzung von 8 Pf. pro Stunde einwilligten. Die Nichtorganisierten dürfen weiter arbeiten. Husland. Von der schweizerischen Gewerkschaftsbewegung. Das Jahr 1909 hat mehreren schweizerischen Gewerkschaften einen kleinen Rückgang, anderen dagegen eine weitere Erstarkung gebracht, so daß sich im ganzen die Gewerkschaftsbewegung auf der Höhe von 1998 behauptet hat. Zurückgegangen ist die Mitglieder- zahl des ZimmererverbandcS von 1498 auf 1342 im Jahresdurch- schnitt, aber der Verband konnte trotzdem zahlreiche Lohnkämpfe erfolgreich durchführen und den durchschnittlichen Stundenlohn von 55,9 Cts. in 1908 auf 69,1 Cts., also um 4,2 Cts. erhöhen. Bei 29 481 Franks Einnahmen und 18909 Franks Ausgaben stieg sein Vermögen auf 31 507 Franks. Auch der Tcxtilarbeitcrvcrband ging von 7323 Mitgliedern auf 7214 zurück, wovon 4573 männliche und 2636 weibliche, ferner 4460 Fabrik- und 2754 Heimarbeiter sind. Die vorgekommenen 31 Lohnbewegungen führte er größten- teils erfolgreich durch und erkämpfte er für die beteiligten Ar- bester 64 500 Stunden Arbeitszeitverkürzung und 68 000 Franks Lohnerhöhung pro Jahr. Zurückgegangen ist ebenfalls die Mit- gliederzahl des Leben?- und GenutzmittelarbeiterverbandeS. Da- gegen erhöhte der Lithographenbnnd feine Mitgliedcrzahl von 632 auf 060 und fein Vermögen um 13352 auf 120 697 Franks. Der Lederarbeitervcrband verzeichnet eine Zunahme von 1204 auf 1315 Mitglieder, und ebenso stieg auch in den Verbänden der Handels- und Transportarbeiter sowie der Gemeinde- und Staats- arbeiter die Mitglicderzahl. Im allgemeinen hat also die schweize- rische Gewerkschaftsbewegung das Jahr 1909 gut überstanden. Niederlage der Aussperrungstaktik des dänischen Unternehmertmns. Die dänische Arbeitgcbervcreinignng hat mit ihren MasscnauS- sperrungsbcfchlüsscn eine schwere Niederlage erlisten, was zuzu- geben auch die Unlernehmerpresse sich genötigt ficht. So schreibt z. B. ein arbeiterfeindliches Blatt wie„Dmrebrog", daß die EfcGwcke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchbr. u. Dertagsanstal» Massenallssperrung nur mit bedeutenden Opfern auf feiten der Arbeitgeber vermieden wurde. Das ist Tatsache. Schon gegen Ende vorigen Jahres hatte die Arbeitgebervereinigung erklärt, daß wegen der traurigen Wirtschaftslage in keinem Beruf und für keine Gruppe von Arbeitern irgend ivelche Lohnerhöhung zugegeben werden sollte. Ilm dies durchzusetzen, hatte die Leitung des llnternehmcrverbandes alle zwischen ihren Mitgliedern und den Arbeitern vorliegenden Diffc- rcnzen aus dem ganzen Lande zusammengesucht, hatte selbst Hand- werksmeister, die gern durch kleine Lohnerhöhungen und andere Zu- geständnijse den Frieden in ihrem Gewerbe sichern wollten, ge- zwungen, sich nicht mit ihren Arbeitern zu einigen, und erklärte dann, daß wenn nicht sämtliche Konflikte zur Zufriedenheit der Arbeitgeber beigelegt würden, eine die ungelernten Arbeiter aller Berufe umfassende Aussperrung folgen sollte. Begonnen hatte man mit der Aussperrung schon Anfang März, als die Arbeiter aller Zementfabriken auf hie Straße geworfen wurden. Aber die Ver- Handlungen, die in der verflossenen Woche gepflogen wurden und Tage und Nächte in Anspruch nahmen, haben für fast alle bc- tciligten Gewerbe und Gruppen Lohncrhöhun- gen ergeben, und zwar in höherem Maße, als wahrscheinlich bei örtlichen oder provinzialen Verhandlungen möglich gewesen wäre. Es sind neue Tarifverträge für nicht weniger alls 16 Gewerbe und Arbeitergruppen abgeschlossen worden. Die Löhne der Maurer- arbcitsleute in der Provinz, deren Tarifverträge von den Arbeit» gebern gekündigt worden waren, sind erhöht worden,.ebenso die der Maler in allen Provinzorten: den Sattlern in Kopenhagen sind Lohnerhöhungen zugestanden usw. Selbst die Zementarbeiter, die gar keine Forderungen gestellt hatten, haben ihre Stundenlöhne erhöht bekommen, um 2 Oere, ein kleines Entgelt dafür, daß sie ohne jeden Grund sechs Wochen lang ausgesperrt waren. Die Verhandlungen sind erst am Freitagmorgen 6 Uhr zum Abschluß gekommen. Die letzte Sitzung hatte von Donnerstag- morgen 10 Uhr mit nur zweistündiger Unterbrechung Tsig und Nacht in Anspruch genommen. Das für die Scharfmacher in der Arbeit- gebervereinigung niederschlagende Ergebnis ihres großen Kriegs» Plans wird jedenfalls zur Folge haben, daß das dänische Unter» nehmertum in Zukunft mit seinen Kriegserklärungen etwas mehr zurückhält. Ucbrigens ist ja die dänische Arbcitgebervereinigung eine der ältesten Kampfesorganisationen des internationalen Unter- nehmertums. Hat sie doch schon im Jahre 1899 einmal eine General- aussperrung über das ganze Land veranstaltet, die allerdings auch zugunsten der Arbeiter endete und auf Jahre hinaus die Kriegs- tust der Unternehmer dämpfte. Bus der frauenbenegung. Vom Kampfe«m das Frauenstimmrecht in England. Eine interessante Debatte fand kürzlich zwischen Führern und Führcrinnen der für das beschränkte Frauenwahlrecht eintretenden IVomon's brsgäom I�ssAus(Liga für Frauenfreiheit und der Adult Suffrage Society(Vereinigung für das Wahlrecht aller Großjährigen) statt. Auf beiden Seiten wurden zunächst die bekannten Arguments für die Taktik der beiden Richtungen vorgebracht. Miß Hicks von der Frecdoin League gab zu, daß sie im Prinzip für das Wahlrecht aller Großjährigen fei. daß sie aber glaube, der beste und schnellste Weg zur Erreichung dieses Zieles fei, den Frauen erst das Wahlrecht auf Grund einer Eigenilimsgualifikation zu erobern. Unsere Genossin Mrs. Montefiore wies nach, daß die Erweiterung deS Wahlrechts auf Grund der Befitzgualifikation nur geeignet fei. den Tag des allgemeinen, gleichen Wahlrechts für die Frau bis inS Un- endliche hinauszuschieben. Da beide Häuser des Parlaments ohnehin jede Befreiung der Frau als eine Art Revolution betrachteten, so wäre eS eine weit bessere Taktik, der Revolution kühn ins Auge zu sehen und im Vertrauen ans den demokratischen Impuls, der den Männern daS allgemeine gleiche Wahlrecht erringen würde, die Frauen von der- selben Woge erfassen zu lassen und aus diesem vollkommen logischen Wege das ganze Wahlrechtssystem zu demokratisieren. MrS. Monte- fiore erinnerte die Versammlung ferner daran, daß die Frauen in keinem Lande und in keiner Kolonie befreit worden wären, wenn die Männer nicht erst das volle Wahlrecht für sich errungen oder wie es in Finnland der Fall gewesen— beide Geschlechter die Be« freinng zusammen errungen hätten. Letzte IVacbncbten und vepekben. Die Hallenser Polizei provoziert weiter. Halle, 11. April._(Privatdepesche des„Vorwärts".) Hier fand heute eine prächtige Demonstration gegen die Wahlrechts« Verhunzung statt. Vier Versammlungen, in denen die Pro« testresolution ein st immig angenommen wurde, waren von über 800(1 Personen besucht. Nach Schluß der Versammlungen kam es zu einem Zusammcnstoß mit der im höchsten Grade nervösen Polizei, die mehrere Verhaftungen vornahm._ Sieben Personen getötet— siebzehn verletzt. Czernowitz(Bukowina), 11. April.(W. T. B.) Als bei dem Dorfe T a u t r y ungefähr 39 junge Leute in der Nähe der dortigen Steinbrüche spielten, stürzten plötzlich mehrere schwere Steinblöcke ab. Sieben Personen wurden getötet, neun sehr schwer verletzt, acht erlitten leichte Verletzungen. Eine Schiffskollision. Ostende, 11. April.(W. T. B.) Ein Lotsenfahrzeug ist mit einem auf der Fahrt von Antwerpen nach Dover befindlichen Dampfer zusammengestoßen und gesunken. Nenn Mann seiner Be- satzung sind ertrunken._ Von„seinen Fronen" vergiftet. Paris, 11. April.(W. T. B.) Nach Meldungen aus FeS sollen die d r e i Frauen des Grotzwcsir El G l a u i versucht haben, ihn durch Gift beiseite zu schaffen. Man weiß nicht, ob er mit dem Leben davon kommen wird. Ausdehnung des Streiks in Marseille. Marseille, 11. April.(W. T. B.) Ein Aufruf der Ver- einigungder Shndikatskammern hat bewirkt, daß in mehreren Fabriken und auf verschiedenen Arbeitsplätzen Arbeit?- niederlegungen erfolgt sind. Insbesondere haben viele Kupfer» schmiede ihre Arbeitsstellen verlassen. Die Vereinigung der Syndikatskammcrn hat sich als Komitee für den General- streik konstituiert._ Dschawid Pascha ein blutgieriges Raubtier. Konstantinopek, 11. April.(W. T. B.) In der Sitzung der Dcputicrtenkammcr kamen die Ereignisse in Albanien zur Sprache, die von den albanischen Deputierten als eine Folge der schlechten Verwaltung und deS willkürlichen Borgehens der Veamtcnschaft bezeichnet wurden. Der Albanese Mufid tadelte auf das heftigste die vorjährige Expedition Dschawid PaschaS, den er ein blutgieriges Raubtier nannte. Die Minister deS Innern und des Krieges protestierten gegen die Be- lcidigung des Generals, worauf unbeschreiblicher Lärm entstand. Der Groß Wesir rühmte hierauf die guten Eigenschaften der Albaneseu. Die Regierung müsse die Ruhe in Albanien sichern, weil davon die Sicherung Vtz Lage der europäischen Türkei und das Wohlergehen der albanischen Bevölkerung abhänge. VaulSmgerLCo., Berlin L1V. Hierzu 3 Beilagen u.UnterhqttongbbU Nr. 84. 27. Jahrgang. 1. KeilU in Aieilstag, 12. April 1910. Mgeoränetendaus. irtl, 46. Sitzung vom Montag, den 11. vormittags 11 Uhr. Am Ministertische: v. Breiten dach, v. Rheinbaben. Auf der Tagesordnung steht die zweite Lesung des Eisenvahnetats. ES findet zunächst eine allgemeine Besprechung über die finanz- technische Seite des Etats statt. Die Kommission hat dazu eine Reihe von Grundsätzen beantragt, loonach z. B. die Kosten für Anlage zweiter und weiterer Gleise, für Vermehrung des Fuhrparks, für den Ausbau von Nebenbahnen zu Hauptbahnen, für den Ausbau und die erstmalige Ausrüstling der Bahnanlagen beim Nebergang zu anderer Betriebsweise auf die Eisenbahnanleihegesetze zu übernehmen sind. Ferner beantragt die Vudgelkommission. durch eine Nesolntion die Regierung zu ersuchen, dem nächsten Etat eine Denkschrift über die Grundsätze beizufligen, nach denen bei Ausstellung des Betriebs- etats usw. verfahren wird, und ferner de» Eisenbahnerat unabhängig und uubeeiuflustt von den Rücksichten auf den gesamten Staats- Haushalt allein den wirklichen Verhältnissen enlsprechcnd aufzu- stellen. Der Berichterstatter Abg. Schmieding(natl.) kommt auch ans das Mülheimcr Eisenbahnunglück zu sprechen und betont, das; die Unglücksfälle in den letzten zehn Jahre» ständig znrückgegangeii seien. Es kämen auf eine Million Reisender O,ol Verunglückte, also ein Reisender auf zwei Millionen. In England fei die betreffende Zahl 2,18, in Frankreich 0,98. Anzuerkennen sei, das; die Vcr- waltung alles tue, um eine Herabmiuderung der Unglücksfälle herbei- zuführen. Eifenvahnminister v. Brcitenbach: Nach den bishcrigcir Fest- stelllingen betragen die Mehreinnahmen gegen das Vorjahr 105 Millionen, gegen den Etatsansatz 04 Millionen. Die Betriebs- ausgabemiberfchrcilung beträgt gegenüber dem Vorjahr 10 Millionen. gegenüber den, Etatsansatz 4 Millionen mehr. Der Betriebsübcr- schütz, der auf 532 Millionen veranschlagt war. lvird zirka 000 Millionen betragen. sBravo!) Der Betriebskoesfizient ist von 74,0 Proz. auf 70.22 Proz. gesunken.(Bravo l) Wenn die Aus- gaben im allgemeinen trotz der stark gestiegenen Einnahmen sich nicht gesteigert haben, so liegt das an der fortschreitenden Vervoll- komntnung unseres Betriebsapparates. In einigen Jahren wird jedenfalls der Zweck, auf den die Kommission mit ihren Anträgen hinzielt, zu erreichen sein.(Bravo I) Abg. v. d. Grorbcn(k.) begrützt den Versuch, Ordnung in die Eisenbahnen und damit in die Staalsfinanzen zu bringen. Abg. v. Dewitzi S in i t t e l v e r h ä l t- n r s s e wird die Verordnung besonders hart empfunden. Die Wirkung der Verordnung ist nun nicht gewesen, daff die Arbeiter nicht mehr nach Berlin zur Arbeit fahren, und sich etwa dem Rrbeilsverhältnis der Gutsbesitzer unterworfen hätten, sondern sie fahre» stall alle acht Tage, nur»och alle 14 Tage in ihre Heimat. Dadurch wird das Familienlcüc» noch mehr gestört, als cS sowieso schon durch die Ber- Hältnisse, hier fern von der Familie zu arbeite», der Fall ist. Zu einer solchen Maßnahme sollte die Eisenbahnverwaltiing, die Millionen aus Arbeiter herausholt, sich nicht hergeben. Wenn die Negiermig der I u n k e r k a st e in Preußen immer willig ihr Ohr leiht, iveiiu es sich darum hanvelt, die Arbeiterklaffe zu schädigen, da»» darf sie sich nicht wundorn, wenn die Arbeiterklasse jedes Bertraucn zur Rcgierimg verliert. Es werde» solche Maß- nahmen getroffen ohne Rücksicht auf die Ardeiteriiitereffen, lediglich im Interesse der besitzenden Klasse, nainentlich der Großgrundbesitzer. Gerade unserr Verpflichtung ist eZ, zu zeigen, wie ungerecht die besitzlosen Klaffen durch die StaatSeisenbahirverwallung be- handelt werden. Wenn ich daS zum Ausdruck gebracht habe, so habe ich die Hoffnung, daß auch Ihnen eines TageS d a S Gewissen schlagen wird und Sie sich sagen werden: so gehen die Dinge in Preußen doch nicht weiter. sBravo I bei den Sozial- demokraten.) Eisendahnminister». Breitenbnch bestreitet gegenüber dem Vor- redner, daß die MiilderauKgaben auf eine unaugeinessene Ausbeulung der Angestellte» zurückzuführen sei. Damit schließt die Generaldebatte. Die Resolutionen der Budgetkommission werden an- genommen. Es folgt die allgemeine Besprechung über die Wirtschaft- lich e Seile des Etats. Abg. v. Hcnnigö-Techlin ein Angeklagter belehrt, daß eö mitunter doch fein Gnies hat, vor anstürmender Polizei nicht auszureißen— fei es auch auf die Gefahr hin, nieder- geschlagen oder niedergeritten zu werden. Angc-kiagt war ein Arbeiter Jahn auS Nixdorf, der am l>. März, dem Tage de» Wahlrechtsspazierganges, in Treptow durch tätlichen Angriff gegen einen Schutzmann mittelst SteinwurfeS sich deS Widerstandes gegen die Staatsgewalt und der vorsätzlichen gefährlichen Körperverletzung schuldig gemacht haben sollte. Nach all den mehr oder minder harmlosen Dingen, gegen die aus Anlaß des WahlrcchtSspazierganges die Gerichte mobil gemacht worden sind, hatte man eS hier mal mit einem schwereren Vergehen zu tun. Der Angeklagte bestritt aber, einen Stein geworfen zu haben. Ein Schutzmann habe an der Ecke der Kiefbolz. und Treptower Straße, auf dem Bürgersteig reitend, da» Publikum zurückgetrieben. Da fei mit anderen auch er weggelaufen, weil er fürchtete, niedergeritten zu werde»«. Als er dann plötzlich tierhaftet wurde, hätten zwei ihm völlig unbekannte Personen, die den Voryang mitangesehen hatten, sich alS Zeugen für ihn angc- boten. Den Angeklagten belastete der berittene Schutzmann R ü ck e r t. Dieser bekundete, dreimal sei er mit Steinen geworfen worden, und zwar das drittemal von Jahn, da» habe er genau gesehen. Der Stein habe ihn am Unterschenkel— er zeigt« da- bei auf seinen Kanonenstiefel— getroffen, ohne ihn zu verwunden. Jahn sei, als er verfolgt wurde, davongelaufen, und erst in einer Entfernung von 200 Meter habe er festgenommen werden können. Zur Entlastung Jahn» berief sich der Verteidiger RechtSan. ivalt Dr. Hugo Heine mann auf jene beiden Personen, die zufällig bei den, SteiiUvurf zugegen gewesen wären. Eine Frau Stengel sagte aus, sie habe vor einem unbebauten Grundstück nahe dem Zaun gestanden, da sei ein Berittener in daö Publikum hineingeritten, so daß mit der Menge auch sie samt einein Kinde sich flüihten mußte. Danach sei von dem Grundstück auS über den Zaun»in Stein geflogen, der habe aber, meinte sie gesehen zu haben, den Schutzmann nicht getroffen. Als dann Jahn eingeholt worden war und bei ihr vorbeigeführt wurde, habe sie zu einem der Umstehenden gesagt, es fei doch ein Unrecht, diesen Mann zu verhaften, er habe doch gar nicht geworfen. Darauf seien ein Wachtmeister und ein Schutzmann auf sie zu gekommen, die hätten sie vor dir Brust gestofjcii und sie angeschrien, sie solle„die Fresse halten" und„sich nach Hause scheren". Zeuge Kaufmann Z i b i n S k i schilderte in gleicher Weise die Attacke des Schutz- manns gegen das Publikum. Als der Stein geflogen kam, der be- ■stimmt nicht von Jahn geivorfen worden sei und auch gar nicht getroffen habe, sei der Schutzmann von neuem in das Publikum hineingeritten. Während alle? auSeilianderstob. sei er Jahn nach- gejagt, der auf eine weite Strecke hin vor ihm floh und schließlich eingeholt wurde.„Warum floh er denn?" fragte der Vorsitzende. Der Zeuge an'wortete:„Nun, wahrscheinlich hatte er Angst vor dem Pferd." Vorsitzender:„Warum hatten nicht auch die anderen Angst?" Zeuge:„Das Pferd ging ja gerade auf ihn los." AIS der Staatsanwalt forschte, ob der Zeuge Mitglied eineS sozialdemokratischen Wahlvcreins sei, wehrte der Verteidiger ab, diese Fragerei habe doch wirklich nichts mit der Sache zu tun. Nach dieser Beweisaufnahme fand der Staatsanwalt, Jahn sei überführt. Von Frau Stengel und Herrn ZibinSki sei gar nicht der Steimvurf gesehen, um den es sich handle, sie hätten ja auch selber gesagt, daß der Stein nicht getroffen habe. Die Ge- fahr, in der der Schutzmann gegenüber der Menge sich befunden habe, sei noch gesteigert worden durch den Steinwurf. Darum sei Jahn unter Lersagung mildernder Umstände zu i Monaten Gefängnis zu verurteilen. Der Verteidiger legte dar, eZ fei durchaus glaubhaft, daß die Zeugen doch den Steiuwurf beob- achtet hatten, der in Frage komme. Daß er nicht getroffen habe, fei nur ihre Annahme, die man nicht zuungunsten de» Angeklagten ohne weiteres als wahr hinstellen dürfe. Rückerts Bekundung, daß. Jahn der Werfer gewesen sei, müsse mit Vorsicht aufgenommen werden, weil der Schutzmann in der Erregung nicht sicher beobachtet haben werde. Wenn Jahn sich vor dem ihm nachsetzenden Vc- rittencn zn retten suchte, so spreche doch das nicht für ein„Schuld- bcwußtsein". Aber selbst wenn daS Gericht ihn als schuldig an» sehen wolle, so könne cS in Anbetracht der Begleitumstände un- möglich auf die harte Strafe von 4 Monaten erkennen. Der Staatsanwalt habe mit feiner Frage nach der Parteizugehörigkeit des Zeugen Z. sich auf das Gebiet der Politik begeben, obwohl im Gerichtssaal ohne Ansehen der Partei gcurtri.'t werden müsse. Werde aber auf diese Dinge Gewicht gelegt, so sei gerade hier zu bedenken, daß der Widerstand, den man dem Wahlrechtskampf be- reitet habe, und im besonderen das Verbot einer Bersavimlung im Treptower Park zu einer allgemeinen Erregung geführt habe, die durch die Polizeiattacke vom 6. März nur noch gesteigert worden sei. Die Behauptung einer besonderen„Gefährlichkeit der Situa» tion" für die Polizei sei ja inzwischen bereit? widerlegt worden, widerlegt durch den Verlauf der Wahlrechtskundgrbung vom 10. April, von der dieselbe Polizei sich ferngehalten habe, die in die Kundgebung vom 6. März so rücksichtslos eingriff und dadurch die Bevölkerung erregte. Das Urteil sprach den Angeklagten schuldig und verhängte über ihn eine Gefängnisstrafe von 1 Monat. Daß er schuldig sei, habe er selber durch seine Flucht bewies««. Warum sei denn ge- rade er weggelaufen, und woher habe er denn gewußt, daß gerade ihn daS Pferd suchte. In Uebereinstimmung mit dem Antrag des Verteidigers wurden dem Angeklagten mildernde Umstände be- willigt, wiewohl anderseits als erfchwereich berücksichtigt wurde, daß er— so behauptete die Urteilsbegründung— aus politischen Gründen gehandelt und durch sei»' Verhalten Erregung in die Volksmenge hineingetragen habe. Daß die Klassenjustiz in vollster Blüte ist, werden die Richter, die solches Urteil gefällt haben, nicht glauben,— wohl aber Unparteiische, die von solchem Urteil Kenntnis nehmen. ein frommer Spekulant. Einen interessanten Beitrag zu dem Kapitel vom Reichwerdcn und von dem heiligen Eigentum lieferl die„Wiener N. F. P." in einem interessanten Artikel über die Riesenspekulationen deS Herrn Santa Maria. „Herr Santa Maria ist ein großer Industrieller in Chile. Er kommt häufig nach Paris, wie so viele seiner südamerikanischen Landsleute, aber dennoch nicht wie diese... denn Herr Santa Maria ist kein sogenannter Rastaquouere, kein„Rasia, wie man auf den Boulevards. Er wirft nicht mit dem Gelde um sich, kauft keine Porlenfchnür« nach dem Meter, er geht niemals ins Theater, noch besucht er die feinen Restaurants. Der Millionen- reiche Chilchie lebt wie ein ganz armer Mensch. In der Avenue de l'Opera bewhnt er ein klein«», möbliertes Zimmer im fünften Stockwerk«, er hat keine Bedienung und richtet sich das Zimmer selber her, sein« Einkäufe für Mittag und Abend besorgt er allein, und er bereitet sich seine sehr bescheidenen Mahlzeiten mit eigener Hand, um selbst die Unterstützung setner Hausbesorgerin möglichst selten in Anspruch zu nehmen. Wenn ein Besucher kommt, ein Agent, der seine Dienste anbietet, oder eine Person, welche ihn kennen lernen will, dann öffnet er selbst die WohnungStüre und gibt selbst die Auskunft: Herr Santa Maria ist nicht zu Haufe. Dieser Santa Maria ist einer der reichsten Menschen der Welt und einer der größten Spekulanten an den Börsen von New ZZork und Paris. UeberdieS besitzt er große und sehr ergiebige Salpeter» felder in Chile. Vor etwa vier Jahren hat sich die kommerzielle Welt bereits mit Herrn Santa Maria beschäftigt. Man hörte plötzlich, daß Santa Maria enorme Quantitäten Zucker auf den großen Märkten von Paris Hamburg, Magdeburg verkauft, und daß er dabei etwa fünfzig Millionen Franks gewonnen habe. Santa Maria hatte verkauft, er war in die Kontermiuc gegangen, während alle Welt, die großen Spekulanten und die kleinsten Ballettratten Zuckermengcn angekauft hatten. Santa Maria hatte recht be* halten. In unterrichteten geschäftlichen Kreisen wurde damals er- zählt, auf welche Weife Herr Santa Maria dazu gekommen ist, Millionen Säcke Zucker auf den internationalen Märkien zu ver- kaufen, natürlich Zucker, welchen, er gar nicht besessen. Herr Santa Maria war im Herbst lüflö auS Europa nach Chile zurückgekehrt. Er hatte sich in Paris«rufgehalten und sich wenig um den Zucker gekümmert. In Chile machte er die Wahrnehmung, daß bei seinem Salpeterhause und bei anderen Häusern, welche Düngemittel nach Europa ausführen, enorme Bestellungen an Salpeter für die fran- zösischen Rübenproduzenten gemacht wurden. Daraus schloß Santa Maria auf eine erhöhte Zuckerernte, deren Ergebnis bei oen bereits hochgestiegenen Zuckerpreisen ein Herabsinken des Zuckerpretfes her- vorbringen müsse. Santa Maria fuhr nach Europa zurück und verkaufte Millionen Sack Zucker. In Frankreich hatte Jaluzot, der damalige Besitzer des großen Warenhauses„PrintempS enorme Mengen Zucker angekauft mit dem Gelde der Sparkasse, wcllhc in Verbindung mit dem„PrintempS" stand, und mit den Millionen der geistlichen Kongregationen, deren Vermögen er verwaltete. Außer ihm hatte Herr Cronier, welcher als Vormund der Kinder von Henri Sah hundert Millionen verwaltete, riesige Zuckcrfpeku- lationcn unternommen. Er und Jaluzot hatten den ganzen vor- handcnen Zucker angekauft. Die Zuckerproduktion ergab ein sehr großes Erträgnis, es war mehr Zucker auf dem Markte, als ver- braucht werden konnte, der Zuckerpreis ftel von 40 Franks auf LS oder Lv Frank«, und Herr Santa Maria, welcher auf allen Märkten den Zucker verkaust hatte, welchen Dronicr und Jaluzot kauften, stellte so die Konterinine dieser beiden großen Zuckersfwkulanten dar. Jaluzot kam ins Gefängnis, Cronier schied freiwillig auS dem Leben und ließ die Witwe Tay und ihre Söhne in der be- fchränktesten Lage zurück. Herr Santa Maria aber, der Sieger auf oem Schlachtfelde der Zuckerspekulation, liquidierte seine Baisse- Position mit einem Gewinn« von etwa fünfzig Millionen. Das Geld der geistlichen Kongregationen war durch Jaluzot, die Milli- onen der Erben von Henri Sah waren durch Cronier in seine Tasche geflossen. Das war im Jahre 1900. In den folgenden Jahren halte Santa Maria nichts mehr mit Zuckcrgeschästen zu tun. Er wandte dem amerikanischen Geld- markte sein Augenmerk zu. Amerika war im Jahre 1900 von einer schweren GeldkrisiS heimgesucht. Die Kurse der besten Papiere warn im November 1900 auf dem Tiefpunkte angelangt. Santa Maria sagte sich, daß die zukunftsreichen Union Stcelaktien, welche auf einen Kurs von 22 bis 20 Dollars(110 oder 100 Franks) herabgestiegen waren, nicht immer diesen Tiefstand behalten können. Er kaufte diese Aktien in einem nach Hunderttausendcn zu be- rechnenden Ausmaße, und kaum zwei Jahre später verkaufte er diese Steelaktion um mehr als 90 Dollars, das ist per Stück um WO Frank» höher, als er eingekauft hatte. Man kann diese Opera- tion keine gewöhnliche Differenzspekulation nennen, da Santa Maria die gekauften Aktien bezogen hatte und in den zwei Jahren sehr schöne Dividenden einstrich, welche seinen Gewinn noch ver» mehrten. Nachdem diese Operation geglückt, wandte sich Herr Santa Maria einem anderen Gebiet zu: er sah die Preissteigerung der Baumwolle voraus und kaufte Baumwolle. Hunderttausende von Ballen... die Baumwolle stieg enorm, und Herr Santa Maria hatte wieder recht behalten. Sein Vermögen stieg tnS Ungemessene. Er setzte sein sparsames Leben fort, er blieb in seinem kleinen Zimmer in der Avenue de l'Opöra, er verkehrte mit niemandem. Sein einziges Vergnügen blieb der Kirchenbesuch. Im vorigen Jahre, zur Zeit der Zuckerkompagne, wandt« sich Herr Santa Maria wieder dem Zuckermarkte zu. Der Zucker- preis war feit der Jaluzot- und Cronier-Krise auf dem Niveau von SS und SO Frank» geblieben. Dieser Preis schien Herrn Santa Maria günstig zu sein für eine Haussespekulation. Er machte diese i im größten Stil: Santa Maria kaufte allen Zucker auf, der zu haben war. Man schätzt seine Zuckerengagements auf mehrere Millionen Sack. Der Zucker stieg im Preise, der Rohzucker, weleber in Terminen spekulativ gehandelt wird, auf 43 Franks und Raffi- nade auf 73 Franks 00 Centimes. Die Vorgänge auf dem Zucker» markte haben den Zuckerpreis im Detailhandel erhöht, und der Konsument muß jetzt ein Kilo statt mit 00 Centimes mit 80 Cen- timcS bezahlen." Mit dieser Manipulation hat der fromme Mann seinem Ver» mögen wiederum diverse Millionen zugeführt. Nach kapitalistischen Begriffen bedeutet diese Art ReichtumSerraffung kein Diebstahl; als des Staates oberste Ausgabe gilt es, das„ersparte" Kapital zu schützen, diese Ordnung zu erhalten. Göttlich-kapitalistische Welt- ordnung!__ Hus der Partei. Zur Maifeier stellte in W ü r z b u r g der dortige Stadtmagistrat die st ä d t i s ch e Ludwigshalle zur Verfügung. Der Bürgermeister meinte, man könne zwar über Zweck und Bedeutung der Maifeier verschie» bener Meinung fein, aber die Saalverweigrrung sei da? unge- eignetsie Mittel, um dagegen anzukämpfen. Für die lleberlassung der Halle ist eine Gebühr von 20 M. zu bezahlen, weil eS sich nicht um ein„öffentliches Interesse" oder ein gemeinnütziges Unter- nehmen handle. Gleichzeitig wurde auch die Veranstaltung eines öffentlichen Aufzuges am 1. Mai genehmigt. In Chemnitz hat der Rat wie im Vorjahre für die Mai« frier wieder einen städtischen Platz für die Vormittagsver» sammlung zur Verfügung gestellt. Die Teilnehmer sammeln sich in allen Teilen der Stadt und marschieren nach dem Ver- sammlungSplatz. der am Zeistgwald« liegt. Dort werden von einer Anzahl Redner Ansprachen gehalten. Parteiliteratur. Im Verlag der Buchhandlung Vorwärts erschien: Führer durch die Strafprozeßordnung. Rechte deS Angeklagten vor Strafgericht und Polizei. Von Dr. Hugo Heinemann. Zweite erweiterte und gänzlich umgearbeitete Auflage. Di« Broschüre gibt eine Uebersicht der wichtigsten Recht«, welche dem zustehen, der in ein Dirafverfahren vor den Gerichten, der Staatsanwaltschaft und der Polizei verwickelt ist. Da gerade orga- nisierte Arbeiter— infolge der„Aufmerksamkeit" der Behörden— leich! Gefahr laufen, bei Flugblaitvcrbreitungen, Abhalten von Versammlungen usw. mit Polizei und Gerichten in Konflikt zu ge« raten, so wird daS Büchlein ein Bedürfnis erfüllen. Weiter erschien im selben Verlag: Biblische Geschichten. Beiträge zum geschichtlichen Verständnis der Religion von Max Maurenbrecher. Heft 7:„Die Ent- stehung deS Judentums". Jedes Heft ist für sich abgeschlossen und kostet 1 M.. Volks- auSgabe 40 Pf.__ Soziales. VerbandSverfammlung des Verbandes deutscher Gewerbe- und Kauf- menuSgerichte. Der Verband deutscher Gewerbe- und KaufmannSaerichte hält am Ib., 10. und 17. September seine diesjährige VerbandSversamm» lung, und zwar in Köln ab. Auf der borläufigen Tagesordnung steht: 1. a) Rechnungslegung des Vorsitzenden; d) Geschäftsbericht über die Tätigkeit des Verbandes; c) Mitteilungen über die nächste Verbandsversammlung; 6) Wahlen. 2. Die Gesetzgebung über den Arbeitsvertrag feit dem letzten BerbandStage.(Referent: Gewerbegerichtsdirektor Dr. Prennrr- München.) 3. Di» Literatur über den Arbeitsvertrag seit dem letzten BerbandStage.(Referent: Rechtsanwalt Dr. Baum-Berlin, Archivar deS Verbandes.) 4. Die gesetzliche Regelung der Akkordarbeit.(Referenten: MagistratSrat Wölbling-Berlin; Baugewerksmeister Hoemann- Köln(Ag. B. des GG. Köln) und ein noch zu bestimmender Arbeitervertreter.) 0. Die gesetzliche Regelung der Tarifverträge.(Referenten: Rechtsanwalt Dr. Sinzheimer-Frankfurt a. M.: ein noch zu be, stimmender Ag.-Vertreter, E. Töblin, Mitglied des TcrrifamtS der Deutschen Buchdrucker.) 0. Di« Ausgestaltung der NrchtSmittelinftanz.(Referent: Richter Dr. Sterngrefe-Bremen.) 7. Ausdehnung der Gewcrbegerichte zu Arbeitsgerichte«. (Referenten: Stadtrat Dr. Flesch-Frantfurt a. M. und noch z« bestimmende Vertreter aus Jntereisentenkreisen.) 8. Die Rechtsverhältnisse der WerkpensionSkasse«.(Rechts- anwalt Dr. Sauer, stellvertretender Vorsitzender des GG. Köln; Fritz Mantel, Vorstandsmitglied des Verbandes Deutscher Hand- lungSgehtlfen-Leipzig; ReichStagSabgeordneter Severins; Ar- beitersetoetär Hirtsiefer-Essen a. d. Ruhr und ein noch zu be» nennender Aa.-Vertreter.) 9. DaS Recht der Tantiemen und Gratifikationen.(Refe- renten: Mag.-Aff. Dr. Landsberger, Vorsitzender des GG. und KG. Charlvttenburg: Rechtsanwalt und Notar Damman, Vor» sitzender des GG. Oberhausen.) 10. Die Statuten der Gewerbe- und Kaufmannsgerichte. (Refercul Herr Stadtrat Dr. Glücksmanu-Rixdorf.) DaS englische ArbeitSnachweiSgrsetz, da» bekanntlich am 1. Februar d. I. in Wirksamkeit getreten ist, hat durch die AuSsührungsbestimmungen de« HandelSministerS Er» gänzungen gefunden, die bei der Wichtigleit der Frage auch bei un« bekannt zu werden verdienen. Bezüglich der Löhne und der sonstigen Arbeitsbedingungen übernimmt die NachweiSstelle keine Verantwortung, nur daß den Stellesuchenden oder den Unternehmern die gewünschte Auskunft über die geforderte bezw. die angeboten« Lohnhöhe gegeben wird. Aber die Beamten sind durch emig« Bestimmungen doch indirekt verpflichtet, da« Bestreben nach Hochhaltmig der Löhne zu unterstützen. So erhalten die Slellesuchenden, wenn ste Arbeit nach auswärts gefunden, unter gewissen Voraussetzungen Vorschüsse für die Eisenbahnfahrt. Ein Vorschuß darf aber nicht bewilligt werden, wenn der leitende Beamte annehmen kann. daß es sich um eine Stelle handle, die der Arbeitsuchende wegen Bestehens einer ArbeitSstreilig- keit oder wegen zu geringen Lohnes ablehnen kann. So werden Arbeitswillige und Lohndrücker gleichermaßen etwas abgeschreckt, durch Annabme jedweder Arbeit allzu leichtfertig ihren Arbeitsbrüderu in den Rücken zu fallen. Die Ausfuhr von Streikbrechern nach dem Aus» lande soll durch folgende Vorschriften verhütet werden: Vor der Vermittelung von Arbeitern nach Orten außerhalb der Vereinigten Königreiche und Irland muß sich der leitende Beamte mit dem Zentral-Arbeitsnachweis in London beraten. Unternehmer- und Arbeiterorganisationen sind berechtigt, eine Darstellung über den Stand eines Streiks oder einer Aussperrung dem Arbeitsnachweis einzureichen. Der Beamte ist alsdann verpflichtet, Arbeitsuchendr, die sich um eine durch Streik oder Aussperrung freigewordcne Arbeltsstelle bewerben, von der Tatsache des Konflikts in Kenntnis zu setzen. In Gebieten, wo es geeignet erscheint, können bei den Arbeits- nachweisstellen beratende GewerbeauSschüsse gebildet werden. Diese sind paritätisch zusammenzusetzen und von einem utiparieiischen Vorfitzenden geleitet. Die Ausschüsse haben auch über die Unterbringung von vemnen(Gewerkschaften usw.) in den Ge- bäuden der Arbeitsämter zu entscheiden. Mit der Zeit sollen be- kanntsich diese Arbeitsämter alle für die Arbeiter geschaffenen bezw. zu schaffenden Jnstiwtionen, WohlfahrtSeinrichtungen in ihren Räumen vereinen. Bei Inkrafttreten de? Gesetzes sind sofort Über 80 öffeni- liche sta atliche Arbeitsnacknveise in Tätigkeit getreten, die in Haupt- und Nebenstelleii eingeteilt sind. So viel auch an diesen Einrichtungen noch zu bessern ist, so haben wir es doch hier mit einer gesetzgeberischen Arbeit zu tun. die sich sehr vorteilhaft von der weihen Salbe unterscheidet, die die preuhisch-dentiche Regierung als.Stellender mittlergesetz" dem Reichstage vorgelegt hat. Em Indurtnc und FtandeL Flcischverteuernng. Gegenüber dem Vorjahre sind die Preise aller Fleischarten. mit Ausnahme von Rindfleisch, wiederum in die Höhe geschnellt. Es kostete zum Beispiel nach dem Durchschnitt von SO deutschen Slädlen im März 1 Kilogramm Pfennige: 1909 1910 Kalbfleisch...... 171 176 Rindfleisch...... 154 154 Hammelfleisch..... 163 168 Schweinefleisch.... 155 164 Rohfleisch...... 71 74 ger. Schweinespeck... ISO ISS Bei Schlveinefleisch macht die Steigerung fast 6 Proz. aus. Im einzelnen stellen sich in der Berichrszeit die Einheitspreise am höchsteil für Rindfleisch in Potsdam mit 171—176. in Magdeburg mit 175, in Altona mit 173 Pf.; für Kalbfleisch in Altona mii 218—222, in Potsdam mit 199—212, in Stade mit 204 Pf.; für Hammelfleisch in Potsdam mit 188—192, in Altona mit 180— ISS in Rodlenz mit 192 Pf.; für Schweinefleisch in Frankfurt a. M. mit 200—201, in Hanau mit 199 Pf. Die niedrigsten Einheitspreise findet man bei allen vier Fleisch- sorten in Memel, wo sie sich für Rindfleisch auf 118—125, für Kalb- fleisch aus 122. für Hammelfleisch auf 124—126 und für Schweine- fleisch aus 136—139 Pf. stellen. Hinsichtlich des RohfleischeS zeigt Mtona wie bisher mit 130 Pf. den höchsten, Königsberg hingegen mit SO Pf. den niedrigsten Preis._ StahlwerkSverband und Kohlcnfyndikat. Die Frage der Erneuerung der beiden großen Verbände ist schon wieder lebendig geworden, obwohl der Stahlwerlsverband noch bis 1912 und das Kohlensyndikat bis 1915 gesichert ist. In letzterem ist es hauptsächlich der Kampf der.reinen' Zechen mii den „gemischten Werken', der den Fortbestand deS Syndikats gefährdet. Beim StahlwerkSverband ist eS das Streben nach Ver- trustung bei einzelnen Riesengesellschaften, denen der Verband hinderlich wird. An der Spitze der über das Syndikat hinausstürmenden Gesellschaften steht die Gelsenkirchener BergwerkSgesellschast. 1909 erhöhte fie ihr Aktien- kapital um 26 Millionen auf 156 Millionen Mark. Durch die Angliederung deS Schalk« Gruben- und Hüttenvereins und des Aachener HüttenvereinS Rote Erde entstand Groh-Gelsen- kircken. Jetzt werden die Anlagen von Gclsenlirchen weiter ver- gröhert; ein Stahl- und Eisenwerk entsteht in Luxemburg. Die ErzeugungSmenge wird auf 400—500 000 Tonnen Rohstahl pro Jahr geschätzt. Die Gesamtproduktion deS Stahlwerksverbandes be- trägt rund 12,2 Millionen Tonnen; Gelsenkirchen erhöhl durch den Reubau seine ZnkmlftSansprüche beim Verband um rund 100 Proz. Im Kohlensyndikat lautet sein« Beteiligungsquote heute auf 8,7 Millionen Tonnen Kohle und 1.7 Millionen Tonnen Koks. Und die Großen wachsen immer weiter; hinter ihnen stehen die Banken. So werden die großen ProduktionZverbände zertrümmert, aus ihnen wachsen Gesellschaststruste heran». Der Kohlenmarkt steht immer noch im Zeichen der Schwäch«. Ueber die Absatz- Verhältnisie im März berichtet daS„Efleuer Glückauf': ES zeigt sich immer deutlicher, daß der«hoffte Aufschwung der ganzen gewerblichen Tätigkeit nicht in dem erwarteten Umfange eingetreten ist; dazu übte auch die milde Witterung während deS ganzen Winters nicht nur auf den Verbrauch von HauSbrandsorten. sondern auch von Jndustriekohle einen ungünstigen Einfluß aus. Da im Berichtsmonat der Abruf in keiner Weise der Lieferungs- fähigkeit der Zechen entsprach, mußte die Zahl der Feierschichten noch eine Zunahme gegen den Vormonat erfahren. Wie die amtlichen statistischen Nachweise«geben, sind die Kohlen- bezüge der deutschen Großstädte im laufenden Jahre vorgenommen. In den beiden ersten Monaten blieb die Kohlenversorgung der deutschen Großstädte wieder merklich hinter der vorjährigen zurück. Dieser Ausfall ist um so empfindlicher, alS bereits im Jahre 1909 die beiden ersten Monate eine Einschränkung gebracht hattew Die Äohleiizufuhr zu zwanzig deutschen Städten über deren Versorgung regelmäßig berichtet wiifr belief sich nämlich tn den Monaten Januar und Februar der nachstehenden Jahre auf 1000 Tonnen: 1907 1008 1909 1910 2809 2970 2785 2616 Diese EntWickelung der Kohlenbezüge der deutschen Großstädte muß aus den Kohlenmarft ungünstig einwirken, da bereits der Bedarf der berücksichiigien zwanzig Städte zirka 10 Proz. der deutschen Kohlenförderung ausmacht._ Eisenbahunnfträge. Da? Eisenbahnzentralamt in Verlin hat wegen Uebernahme der Herstellung von weiteren 1006 Personen- wagen, 299 Gepäckivogen und 8628 Güterwagen verschiedener Gattung für die preußisch-hesiischen StaatSeisenbähnen sowie von 25 Pcrsoitenwageii, 21 Gepäckwagen und 739 Güterwagen für die Reichseisenbadncn mit den in Betracht koinmenden Wagenban- anstnlren Verhandlunge» aufgenommen. Die Lieferung muß bis 31. März 1911 beendet sein. Rückgang deS Brau»kohlcnv«sandcS. Von den in den m'�leren Braunkohlenbezirken an die Strecken der tgl. Eisenbahndireknonen in Eifurt, Halle und Magdeburg anschlteßende» Brauiikoblcngriiben wxrden vom 16. bis 31. März 1910 aus den ÄrbeitStag 480 Wagen wenig« und im ganzen 15 187 Wagen oder 22,92 Proz. weniger zum Versand gebracht alS im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Gerichts-Leitung. DaS böswillige Alarmirren der Feuerwehr mußte gestern der Kellner Benno D o ß mit einer empfindlichen Strafe büßen. Wegen vorsätzlicher Beschädigung einer dem öffent- lichen Nutzen dienenden Einrichiung und wegen groben UiifugS mußte sich D. vor der fünften Strafkammer deS Landgerichts I ver- antworten. Am Abend de» 2. August v. I. hatte der Angeklagte in Ge- meinschast mit einem gewissen Goesche eine Bierreise unternommen. Als sich dann beide in der Nacht in stark angetriliikenem Zustande auf dem Heimwege befanden, kam Dotz aus die Idee, sich einen kleinen.Spaß' zu leisten. Dieser Spaß bestand darin, daß er den an der Ecke der Wilsnacker» und Dreysestraße befindliche» Feuer- meider in Tätigkeit setzte, nachdem er die daran befindliche Scheibe zertrümmert hatte. Der Angeklagte hatte jedoch hierbei nicht damit gerechnet, daß die nahegelegene Fetierwache in der Turmstraße mit Antomobilfahrzeugeu ausgerüstet ist, die in wenigen Minuten an Ort und Stelle war. Doß und sein Begleiter halten sich, um die Wirkung des.Ulks' zu beobachren. in der Nähe aufgestellt, wo sie dann von den Feuerwehrleuten sestgenommen wurden. Doß behauptete in der Trunkenheit gegen den Feuermelder gefallen zu sein und dabei die Scheibe zertrümmert zu haben.— Vor Gericht bar RechtSanivalt A s ch h e i m von der Berhängung ein« Gefängnis- strafe Abstand zu nehmen, da der Angeklagte sich infolge seines damaligen ZustandeS gar nicht der Schwere seine« Vergehens richtig klar geweien sei. DaS Gericht erkannte auf eine Geldstrafe von 800 M.. so daß eS sich für den Angeklagten immerhin noch um einen recht teuren Spaß handelt. Haftung eines BergnügungSetablissementS. Dieser Tage hat das Reichsgericht anläßlich deS Leipziger „Palmengarteli"-Prozesses interessante, der Wiedergabe werte Ausführungen über die Hastung eines EtablissementsinhaberS für Schäden gemacht, die Besucher treffen. Am 15. Oktober 1901 sind während eineS Konzert» im „Palmengarten' zu Leipzig mehrere Besucher durch einen Decken- einsturz geschädigt und eine junge Dame getötet worden. Das OberlandeSgericht Dresden hatte die Klage sowohl gegen den .Palmcngarten', als auch gegen die Architekten abgewiesen. Run- mehr hat daS Reichsgericht das oberlandesgerichtliche Urteil soweit aufgehoben, als die Klage auch gegen die Architekten als Erbauer abgewiesen worden ist. Die Abweisung der gegen den„Palmen- garten" erhobenen Ansprüche ist vom Reichsgericht bestätigt worden. Es nimmt an, aus den Vorschriften über Miete sei der Etablisse- mentsinhab« nicht verantwortlich. Aus den Entschcidungsgründcn interessieren die Besitzer großer Etablissements wie auch die Besucher solcher Anlagen folgende Rechtsgrundsätze:„Aber auch darin ist dem Berufungsrichter bei- zustimmen, daß eine Haftung des..Palmengartens" aus§ 538 des Bürgerlichen Gesetzbuches, der allerdings Verschulden des Ver- mieters bezüglich eines bei dem Abschlüsse des Vertrages bereits vorhandenen Mangels nickt erfordert, im Streitfalle nicht gegeben ist. Bon vornherein ist nicht unzweifelhaft, ob F 538, indem er den Vermieter zum„Schadensersätze wegen Nichterfüllung" ver- pflichtet, auch einen soiveit gehenden wie den im Streitfall er» hobenen Schadensersatzanspruch rechtfertigen würde. Davon ab- gesehen widerstrebt es schon der natürlichen Rechtsauffassung, da? Verhältnis des Besuchers einer öffentlichen Vergnügungsanlage zu dem Inhaber des Unlernehmcns unter den Gesichtspunkt des Miets- Vertrags zu bringen, gleichviel, ob der Besuch einmalig und vorübergehend, oder auf Grnnd sogenannter Tauerkarten wiederholt und mit einer gewissen Regelmäßigkeit stattfindet. Mag eS mich nicht weniger gezwungen erscheinen, wenn der Bernfungsrichter daS betreffende Rechtsverhältnis als Kauftertrag auffassen will, so ist ihm doch darin beizustimmen, daß bei einem Vertrage der vorliegenden Art, der daS Wesen deS Mietvertrags ausmachende„Gebrauch der vermieteten Sache"(Z 535) wenn nicht gänzlich ausscheidet, so doch nach Zweck und Inhalt des Vertrage» dermaßen in den Hintergrund tritt, daß gewisse dem Mietvertrag eigentümliche Vorschriften des Gesetzes hierauf nicht ohne weite- res übertragen werden können. Mag es der Besucher eines der- artig ausgedehnten und Annehmlichkeiten mannigfaltiger Art bietenden Nnternehmens mehr auf Genüsse sinnlicher oder auf solche geistiger Art abgesehen haben, so besteht doch das eigentliche Wesen der VertragSleistung in der Darbietung eben dieser Ge- nußmöglichkeiten. Der Besucher kann davon nicht Gebrauch machen, ohne sich auf irgendeinem Punkte des Palmengarten- grundstück»(der Sache), im Freien, innerhalb eines Gebäudes, ans einem bestimmten Platze aufzuhalten. Allein dieler Aufenthalt dient nur als Mittel zum Zweck und unterscheidet sich gerade da- durch vom Gruilbstücksmietvcrtrag. der sich in dem Rechte des Ge» brauchs und der Benutzung der Sache selbst, so wie sie ist, er- schöpft. Damit entfällt die Anwendbarkeit de! jj 38, der gemäß k 537 lediglich auf Fehler der Mietsache abstellt, die ihre Taug- lichkeit zum pcrtragSmäßigen Gebrauch durch den Mieter auf- heben oder mindern." Durch die Entscheidung deS Reichsgerichts ist selbstverständlich die Frage nicht verneint, sondern der Prüfung deS Einzelfalls vorbehalten, ob der EtablisiementSinhaber den mit den Besuchern abgeschlossenen Vertrag nicht fahrlässig— z. B. durch Unter- lassung von Schutzmaßregeln— verletzt habe und deshalb schaden- ersatzpflichtig sei._ Da» BerunflaltungSgesetz. Oberhalb von Neuenahr liegt eine weithin sichtbare Waldwiese, in deren Hintergründe das Waldhaus steht. Davor wollte ein Winz« Witsch eine Baulichkcit errichten. Die Bauerlaubnis wurde ihm verweigert, weil die Umgegend erheblich verunstaltet werden würde. Der Bezirksausschuß wies die dagegen gerichtete Klage ab mit Rücksicht auf das Gesetz gegen die Verunstaltung von Ort- schaften und landschaftlich hervorragenden ltzcgrndcn vom 15. Juli 1W7. Er nahm eine gröbliche Verunstaltung des Ortsbildes im Sinne des 8 1 dieses Gesetzes an.— Der neunte Senat des Ober- vcrwaltungSgerichtS hob das Urteil auf und setzte die Versagung der Bauerlaubnis außer Kraft. Begründend wurde ausgeführt: Zu Unrecht erachte der Bezirksausschuß den Begriff des OrtsbildeS für gleichbedeutend mit dem deö Landschaftsbildes im Sinne des Gesetzes. Der 8 l des genannten Gesetzes, der u. a. auch von der Verunstaltung des Ortsbildes handele, sei nur anwendbar bei Bauten in der bebauten OrtSlage oder im unmittelbaren Anschluß daran, nicht aber bei Bauten außerhalb der Ortslage. Hier bandele eS sich um einen Platz außerhalb der bebauten Ortslage Neuen- ahrS. Nun könnte in Frage kommen, ob nicht das Waldhaus an sich ein Ortsbild abgebe. Es sei aber nur ein einzelnes Gebäude, kein Gcbäudekomplex, und solches Einzclgebäude könne kein Orisbild abgeben. Somit sei die Verfügung, durch die die Baugenehmigung aus ästhetischen Gründen versagt wurde, außer Kraft zu setzen, denn der 8 8 des angezogenen Gesetzes, der dem Schutze des allgemeinen Landschaftsbildes gewidmet sei, wäre auch nicht anwendbar. Er setze eine Bekanntmachung des Regierungspräsidenten voraus, und eine solche fehle hier. MILKA Tafel»Margad»® ■ mua xv iiaiikvii lese Verkauisetelle ist durch obige» Plakat gekennzeichnet, üm anoh solche Kunden, die den 33 Tafel-Margarine, Pfund ISISl Pf. ncch nioht probiert haben, zu einem Versuch zu veranlassen, verabfolgen wir jflltlwocli den 13., Donnerstag den 14. und Freitag den 15. 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Kahe Hochbahn Kott- bnser Tor: Wilhelm Bohrend, Britzers tr. 47. Arnold Bollwin, Mariannenst 48. P. Borgwald, Kottbnser Ufer 58. Karl Lange, WaJdemarstr. 40. Gust Müller, Kottbuserdamm 31. Otto Rusohke, Forsterstr. 4 Cnxt WalhReichenborgerstr. 126. Eranz Wittenbeck, Adrairalst.40a Franz Wittenbeck, Reichen* bergorstr. 165. Make Hochbahn Oranlon* straBc: Rud.Brinckmann, Lübbenerst.95 Wilhelm Grabe, Wrangelstr. 81. Wilhelm Grabe, Wrangelstr. 65. Franz Nickel, Ouvrystr. 45. Herrn. Timm, ManteuSelstr. 106. Paul Vetter, ManteuSelstr. 71. Habe Bahnta. Jannowltz- brücke: Adolf Bodtldnde� Köpenioker- Straße 68. Fuchs& Zdrodo, Annenstr. 11. Qlodde& Domschoidb, Schmid- atraße 40. Mahe Boritaplatz: Otto Friesel Nach«., Inhaber Thomas, Koramandantenstr.39. Joh. Grebo, Stallsohreiberatr. 4. Carl Hanf, Sebastianstr. 20, Fritz Meier, Prinz esainnenatr. 12. kabo Kronzborg: Albert Gaulke, Oneisenaustr. 85. Gustav Jopp, Katzbachstr. 7. Gustav Jopp, Friodrichstr. 18. Georg Müller, Pidioinstr. 32. Otto Fahl, Bergmannstr. 25. Otto Pähl, Johannitorstr. 13. Willy Hohne, Möokernstr. 84». Willy Bohne, Kronzborgstr. 36. Heinr. Schenermann, Zoeseuer- etraße 38. W. Schreier, Belle Allianostr. 61. Make Kaiser-Friedrich« platz: Georg Bombaoh, Jahnstr. 19. Th. Graßhof, Blüchers tr. 32. Max Siebert, Urbanstr. 81. Fritz Pollähn, Grüfestr. 30. Otto Sohwurtzo. Urbanstr. 110, Ecke Scbünleinstraße. Wabe Görlitzer Babnbof: Fritz Parangnick, Ratiborstr. 21. Carl Wollsohlüger. Treptow, Qraetzstr. 4. Banmzchnlcntvcg: Hermann Froiberger, Baum- schulenstr. 18. P. Vottor, Baumschulenstr. lA. rauchen Fehlfarben der 7 Vo Pf•- Clgarro N O• 1 00 10 Stück 60 Pf. 6 Pf. Clgarre No. 46 10 Stück 50 Pf. �Keumasm Cigarrca-Fabriken, Berlin«.• Begründet 1850. In no Niederlagen gleiche Qualitäten unter :: gleichen Nummern mu gleichen Preisen:: Brei Tropfen Y 6 aÄ flüssige Metall-Politur machen das schmutzigste Metall spiegelblank in Flaschen von 10 VI« 50 Pfennig Ueberall zu haben. Fabr.: LubizyasM& Co., Berlin NO. 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Dessertteller 20, Kompotteller 1 5 Pf. Bratenschüsseln o»ai 45 rf. bis 4.40 Bratenschüsseln nmd 1.15, 1.40 Beilagschalen 50 Pf. Kartoffelnäpfe rund 1.60 Salzgefässe 35. Senfgefässe 90 Pf. Saucieren 75.Pf., 1.15, Terrinen 3.80 Kompottieren 30 Pf. die 1.15 Speiseteller mit Golddekoration, tief oder flach 38 pr Dessertteller 22 pr. Kompotteller 18 pr. Kaffee- u. Teetassen U. d!k!rkrt: 23, mit breitem OS\ Goldrand.£i\J Pf. Tafel- and Kaffeegeschirr„Rosea", zartes Rosenmaster Speiseteller tur oder flach 65 pt. Dessertteller 35, Kompotteller 25 er. Kartoffelnäpfe 3,20 Kompottieren 90 pc, 1.45 Bratenschüsseln ovai 1.50 bis 5 Mk. Bratenschüsseln rund 2.15 Saucieren 1.90, Beilagschalen 1 Salzgefässe 55 Pf., Senfgefässe 1 mh. Terrinen 4.75, 5.85 Kaffeekannen 1.75, 2.65, 2.95 Teekannen 1.85, 2.10, 2.30 Milchtöpfe 55, 72, 90 Pf. Zuckerdosen 1.10, 1.25 Kaffee- od. Teetassen 35, dünn 57 Pf. T afelservices hieraus zu»amm«nz«»<«Uf 30 teilig 60 teilig 78 teilig GLASWAREN Pressglas Bierbecher giatt 6, 7,«nd0ld 7, 10 pr. Bierbecher Bodenrkem 1 3, rand0'4" 1 8 pf. Wassergläser 5, 6, 7 pt Butterdosen 25, Käseglocken 35 pr. Honigdosen 15, 20pc Kompott-od, Salatschalen 10, 20pr. Kompotteller dazu passend 4 Pfl Presskristall, Steinschliff- Imitation mit grünen Steinen Kompott- od. Salatschalen geschweift, rund und eckig 22 bis 90 Pf. Kompotteller 14pf. Kuchenteller 1.10, 1.20, 1.65 Vasen rund35 Pf. bis 1.10, eckig 50, 95 PC Zuckepstpeuepweis.75,buni95 pt Schleifglas Bierkannen 52, 63, 95 pf. Biertulpen 27 pc Fruchtschalen 1.15 Käseglocken 50, 90 pc, 1,10, 1.25 Sturzflaschen gi« 40, 50, fBrbiK 45 Pf. Likörgläser �m'°' 1 5. �oh'm 30 Pf. Wasserflaschen 45, 50 pt Kompottschalen 27 bis95,-teller20 pf. Weingarnitar„Elektro", Kelch mit moderner RandVerrierang Rot- u. Weissweinkelche 45 Pt Madeirakelche 40 pc Likörkelche 35, Bowlenkelche 65 pc Sekt-Kelche 55 pc-Schalen 60 pc Biertulpen60 pc Was8erbecher32 pc Selterbecher 32 pt. Weingarnitar„Pola" hoher Stiel, mit Goldrand Rotwein- od. Weissweingläser 35 pt Madeiragläser 32 pc Likörgläser 30 p� Bowlengläser 40 pt Sekt-Kelche 40 pr,-Schalen 50 pf. Bierbecher 30 pr Selterbecher25 pt Weingarnitar„Juliane", glatter Kelch, geschliffener Stiel Rot- und Weissweingläser 38 pc Madeiragläser 35 pc Likörgläser 30 pf. Bowlengläser 40 pt Sekt-Kelche 40 pr.-Schalen 48 pc Biertulpen 40 pr. Ein Posten Rotweinkelche otz. 1.50 für 6 Per». Neuheit 1 24 Mk. iz' Pen. 48 Mk. 69 Mk. Frühstück-Services für 12 Per»., 48 teil. 20 Mk.,„Flora- 25 Mk. Majolika-Blumenkübel......... 27pf.bi.4.75 Waschgarnituren steine weis, 1.30, bunt 1.75, 2.75 STEINGUT Speiseteller 5 pc Dessertteller 3 pr. Tassen 5 pc Wasserkannen 20 pc Blumentöpfe 30 pc Kaffeebecher wei«« 7, 9, 10, 12 pc Kaffeebecher«au 9, 10, 12 PC T assen wau 1 3 pf. 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Z KtilM des LonüW Ktllim gollisMdli w-w.ts SJfUisi) uj de»! er einen Unfall cpliften hat. als Kleinbetrieb oder als Großbetrieb oder als kaufmännisches Unternehmen oder loie sonst klassifiziert wird. Die fortwährende Flickarbeit, die die Regierung hier vorschlägt, ist wahrlich über- flüssig. Man raffe sich endlich dazu auf, alle in den Betrieben der Industrie und Landwirtschaft sowie des Handels und der Haus- Wirtschaft vorkommenden Unfälle einer verständigen Versicherung zu unterwerfen. Daß das möglich ist, zeigt der im Jahre 1894 vom Reichsamt des Innern vorgelegte Entwurf und zeigt auch der Um- stand, daß das nicht gewerbsmäßige Halten von Reittieren, Auto- mobilen und dergleichen nunmehr dem Gesetze unterstellt werden soll.— Für die Versicherung der Tätigkeit bei nichtgewerbs- mäßigem Halten von Reittieren und Fahrzeugen und für die Ver- sicherung von nichtgewerbsmäßigcn Bauarbeiten sollen Zweig- a n st a l t e n bei der Fuhrwerks, der Binnenschiffahrts- und der Baugenossenschaft errichtet werden. Die Beiträge sollen nach dem Prämieiwerfahren ausgebracht werden. Der sogenannte Unfallzuschuß, der von Beginn der 5. bis zur 13. Woche nach dem Unfall vom Unternehmer zu zahlen ist, und der m der Differenz besteht, die zwischen dem Krankengeld und zwei Drittel des nachstehenden Grundbetrages liegt, soll künftig von der Berufsgenossenschaft getragen werden, falls der Verletzte eine Entschädigung über die 13. Woche hinaus, also eine Unfallrente, zu verlangen hat. In den anderen Fällen, in denen die Erwerbsfähigkeit bereits vor Ab- lauf der 13. Woche nach dem Unfall wiedererlangt ist. soll die Be- rufSgenossenschaft den Unfallzuschuß statt des Unternehmers über- nehmen können. Neu und nicht unbedenklich ist für die Zeit- dauer der ersten 13 Wochen nach dem Unfall die Bestimmung des § 669, nach der die Berufsgenossenschaft schon für dies« Zeit auch gegen den Willen dcS Verletzten ein Heilverfahren anordnen kann. Für diese Zeit soll die Berufsgenossenschaft keine An- gehörige nrente zahlen müssen, aber den dem Verletzten cnt- gehenden Verdienst erstatten. Die ländlichen Arbeiter sollen nach wie bor keinen U n f a I l z u s ch u ß erhalten! Die Aufbürdung der Fürsorge für Unfallverletzte während der ersten 13 Wochen auf die Krankenkassen ist unverändert geblieben, damit also die Abwälzung von etwa 75— 80 Prozent aller Unfälle von den Schultern der Unternehmer in voller Höhe auf die Krankenkasse aufrechterhalten. In den Motiven wird mit keinem Worte erwähnt, weshalb die Entlastung der Krankenkassen nicht erfolgen soll, und das. wiewohl die Reichstagskommission 1897 diese Karenzzeit auf 4 Wochen herabgemindert wissen wollte. Auch der Begriff der Erwerbsunfähigkeit soll mit allen seinen Mängeln so bleiben, wie er bisher ausgelegt ist. Ohne ein Wort der Begründung sehen die Motive davon ab, darzulegen, iveshalb nicht endlich die sogenannten Gewerbe- oder Berufskrankheiten als Unfälle betrachtet werden und weshalb der Einengung des Begriffs Betriebsunfalles nicht durch das Gesetz entgegengetreten werden soll. Der Begriff der Erwerbsunfähigkeit dürfte sogar durch eine Reihe von Bestim- mungen, die sick auf Verschlechterungen des Rechts des Renten- empfängers beziehen, und auf die wir bei der Besprechung der Höhe der Renten noch einzugehen haben, noch verschlechtert sein. Anlaß zur Verschlechterung kann auch der Wortlaut des 8 581 geben. Nach dem geltenden 8 9, Abs. 4, kann die Berufsgenossenschaft auf Zeit die Teilrente bis zur Bollrente erhöhen, solange der Verletzte „aus Anlaß" des Unfalls unversckuldct arbeitslos ist. Der§ 581 will die Worte„aus Anlaß" durch„infolge" ersetzen. Diese neue Fassung kann noch mehr als heute schon Anlaß geben, zu b e- st reit en, daß jemand, der infolge des Unfalles arbeitslos ist, völlig erwerbsunfähig ist. Höhe der Renten. Nach wie bor soll die Unfallrente höchstens zwei Drittel deö wirklichen Schadens betragen. In allen Fällen, in denen nach dem Bürgerlichen Gesetzbuch oder nach anderen Gesetzen eine Person An- spruch aus Ersatz dos Schadens hat, der ihr durch Körperverletzung zugefügt ist, ist nicht nur ein Teil des wirtschaftlichen durch den Unfall erlittenen Schadens, sondem der Schaden voll zu ersetzen. Die auLnahmerechtliche Minderung deS Schaden- ersatzaniprnches des Arbeiters im Unfallgesetz steht mit den Grundsätzen des Bürgerlichen Gesetzbuches, des Eisenbahngesetzes des Hafipflichtgesetzes„nd deS in neuerer Zeit ergangenen Auto- Mobilgesetzes im Widerspruch. Aber nicht einmal zwei Drittel des wirtschaftliche» Schadens billigt der Entwurf dem durch einen Unfall verletzten Arbeiter zu. Denn die Berechnung der„Renten" des Arbeiters soll nach einem fingierten Jahreöarbeits- verdienst erfolgen, der i» den übermeisten Fällen keineswegs der durch den Unfall herbeigeführten Minderung der ErwcrbSfähigkeit entspricht. Wird nach den für die Berechnung des JahreSarbeitsvcrdiensteS aufgestellten Regeln ein Jahresarbeitsverdienst über 1590 M. ermittelt, so soll der 1599 M. überschießende Teil nach wie vor um weitere zwei Drittel gekürzt werden: er soll nur mit einem Drittel zur An- r e ch n u n g kommen. Zu Staats- und Gemeindesteuern wird der Arbeiter mit seinem vollen Arbeitsverdienst und darüber hinaus herangezogen. Aber wenn e? gilt, ihm Ersatz für den Schaden zu leisten, den er im Betriebe durch Unfall erlitten hat, so muß er im-Gegensatz zu allen anderen Bürgern eine weit niedrigere Summe als Grundlage der Berechnung des ihm zugefügten Schadens gelten lassen! Der Entwurf nimmt ebensowenig wie das bestehende Gesetz Rücksicht darauf, daß ein Arbeiter etwa während de» Unfalles bedeutend schlechtere Arbeit angenommen hatte, als er in der Regel verrichtete; der Jahres- arbeilsvcrdicnst in dem Betriebe, in dem er verunglückt ist, soll, falls die Entlohnung nicht etwa noch unter den ortsüblichen Tageölohn herabgeht, maßgebend bleibet:. lieber das bestehende Gesetz hinaus schlägt der Entwurf im § 589 vor t Wenn jemand nur st u n d e tt w e i s e in etilem Betriebe beschäftigt war, soll unter keinen Umständen der JahreSarbeitövcrdicnst dcS nur stundenweise beschäftigten Ar- bciters höher bemessen Ivcrden, als der durchschnittliche Verdienst eineS gleichaltrigen Arbeiter» beträgt, der während deS ganzen Arbeitstages beschäftigt war. Ferner soll nach 8 586 der JahrcS- arbeitsverdienst eines vermindert erwerbsfähigen Arbeiters, der einen„Verhältnismäßig hohen Lohn" bezog, nicht nach seinem Verdienst, sondern nach dem durchschnittlichen Verdienst berechnet werden, den Versicherte„derselben Art und Erwerbs- fähigkeit" in gleichartigen Betrieben bezogen haben. Also ein möglichst niedriger Lohn soll in noch stärkcrem Maße als heute bei der Berechnung des JahreSarbeitSverdicnstcS zwecks Senkung der Rente in Betracht kommen. Während bei der Berücksichtigung der Erwerbsunfähigkeit nicht darauf Rücksicht genommen werden soll, daß der Verletzte nichts verdient, sondern nur darauf, was der Verletzte verdienen könnte, w e n n er Arbeit hätte, wird umgekehrt bei Festsetzung deS Jahres- arbeitSvcrdicnslcs dent Grundsatz verstärkt Rechnung getragen: dem Arbeiter ist nicht zu ersetzen, wa» er verdienen könnte, sondern höchstens das, wa» er zur Zeit des Unfall» verdient hat, unter Abstrich dessen, was der Gesetzgeber noch vom JahrcsarbeitSverdienst genommen tvifsen will. Aber mit der Verschlechterung deS JahreSarbeitSverdiensteS für einige Fälle ist dem Entwurf noch niebt Genüge geschehen. Ist durch die angegebenen Vorschriften die Vollrente deS Unfallverletzten bereits auf weit unter zwei Drittel des wirkliche» Schadens herabgesetzt, so benutzt der Entwurf auf der anderen Seite die Niedrigkeit der Neiite, dem Wunsche einiger Großgrundbesitzer und Industrieller eittgegeiilomuteiid. zu einer weiteren Senkung der kleineren Renten. Belgimtlich hat das Reichsversiche- rungsamt, insbesondere seit dem Scheiden des Dr. Vödiker aus dem Amt, in imnier zahlreicheren Fällen behauptet, eine Einbuße der Erwerbsfähigkeit unter 10 Proz. sei für den wirtschaftlichen Wettbewerb unbedeutend und bat deshalb entgegen dem klaren Wortlaut des Gesetzes das Zuerkennen einer Rente bis zehn Prozent abgelehnt. Dieser, die Arbeiter schwer schädigenden Praxis wird im Entwurf kein Riegel vorgeschoben. Vielmehr schlägt der Entwurf noch eine erhebliche Verschlechterung gegen die Arbeiter vor, die etiteUnfallrentettiir bis 20 Prozent zu beanspruchen haben. ES soll nämlich bei Renten bis 20 Prozent die Rente für eine im voraus bestimmte Zeit gewährt werden können. Wird von dieser Befugnis Gebrauch gemacht, so stehen dem Unfall- verletzten Rechtsmittel gegen die zeitliche Be« s ch r ä n ku n g n i ch t z u. Durch diele neue Maßnahme wird der Rentengnetscherei und dem Versuch, eine höhere Rente auf 29 Proz. herabzudrücken, mehr wie bislang Vorschub geleistet. Außerdem kann hierdurch die Erledigung deS Rechtsanspruchs des_ Unfall» verletzten außerordentlich verschleppt werden. Die zeitliche Be- schränkung der kleinen Renten soll nicht nur bei der ersten Renten- festste llung, sondern auch bei neuen Feststellungen nach Aenderuttg der Verhältnisse zulässig sein! Die im Vorentwurf ferner vorgeschlagenen Verschlechterungen, nach denen das Recht auf Rente ruhen sollte,«so lange und so weit das Entgelt, das der Verletzte erhält, zusammen mit der Rente den Betrag übersteigt, den er ohne den Unfall bezogen haben würde" und ferner,„so lange der Verletzte von einer angemessenen Arbeits« gelegenheit, die ihm die Berufsgenossenschaft geboten hat, ohne triftigen Grund keinen Gebrauch macht" sind nicht aufrecht erhalten. Der Berufsgenossenschaft ist nur daS Recht gegeben, Arbeitsgelegenheit einzurichten(§ 342). Die Teil- nähme an i'olcher Einrichtung ist jedoch durchaus freiwillig. Macht ein Verletzter von einer Arbeitsgelegenheit, die ihm die Berufs« genvssenschaft anbietet, keinen Gebrauch, so darf seine Rente deshalb nicht gekürzt werden. Indessen auch dieser abgeminderte Vorschlag hat etwas Bedenkliches, weil ihm ein R e ch t des Unfallverletzten auf Gewährung von Arbeit nicht gegenübersteht. Der Rentcnqurtscherei ist die Unsallnovelle von 1999 im 8 83 etwas entgegen getreten. Früher konnte die Berufsgenossenschaft jederzeit ohne irgend eine Fristbestimmuiig die Rente herabsetzen. Dadurch wurden viele Arbeiter geschädigt, ja in den Tod getrieben. ES wurde deshalb im 8 88 bestimmt, daß noch Ablauf von zwei Jahren nach rechtskräftiger Feststellung der Rente eine Herabsetzung derselben durch die Berufsgenossenschaft nur in Zeiträumen von mindestens einem Jahre und nach Ablauf von fünf Jahren nur dureb das Schiedsgericht vorgenommen werden kann. Die 88629und 622 des Entwurf» suchen auf Umwegen den durch die allgemeine Erregung weggefegten Mißstand wieder herzustellen. Es soll danach in Zukunft auch nach Schluß eines Heilverfahrens jederzeit die Herabsetzung der Rente vorgenommen werden können. Da die Bernfsgenosseitschaft es in der Hand hat, stets ein Heil» verfahren anzuordnen, so würde durch die Neuerung die beseitigte Drangsalierung wieder hergestellt werden. Und doch wäre es um- gekehrt endlich an der Zeit, die Berufsgenossenschaft für alle Fälle, in denen sie die Herabsetzung einer festgelegten Rente begehrt. wie jeden anderen Beklagten an daS Gericht zu verweisen. Eine Absinditttg sieht daS geltende Gesetz für Renten bis 15 Proz. vor. Der im Entwurf von 1899 gemachte Vorschlag, die Abfindungsmöglichkeit auch für Renten bis 29 Proz. zu gewähren, wurde mit Rücksicht auf die schweren Nachteile, die einem Verletzten entstehen können, abgelehnt. Dennoch sieht wieder der Entlvurf eine AbfindungS Möglichkeit für Renten bis 29 Proz. vor. Eine andere Aendernng des Entwurfs geht dahin, daß der Ausländer, der seinen Wohnsitz nach dem Auslande verlegt, nicht mehr wie bisher mit dem Dreifachen des RentenbetrageS, sondern„mit einem entsprechenden Kapital" ab- gefunden werden kann. Die Ktuderrente» sind in ihrer Schmalheit belassen. Der Kreis, der zum Empfang einer Rente berechtigten Kinder scheint ein klein wenig durch§§ 010 und 611 vergrößert werden zu sollen. Es wird dort hervorgehoben, daß zu den rentenberechtigten Kindern auch die vorehelichen Kinder einer Ehefrau und die Kinder der Ehefratt aus einer früheren Ehe gehören. Aus dem Wortlaut geht aber nicht unzweifelhaft hervor, daß nicht nur für den Fall der Verunglückung der Ehefrau— das ist nach richtiger Auffassung heute schon rechtens—. sondern auch für den Fall der Berunglückung des Ehemannes diese.Kinder, für deren Unierhalt zu sorgen der Verstorbene nicht verpflichtet war, künftig in den KreiS der Rentenberechtigten treten sollen. Unehelichen Kindern ein Recht auf Hinterbliebenenrente für den Fall des Todes ihres Er» zeugers zugeben, lehnt der Entwurf ohne ein Wort der Be» grün dun g ab! Die mangelhaften Unfallvcrhükungsvorschriften sind im wesentlichen tuiverändert geblieben. DaS Recht der Arbeiter, in UnfallverhütuiigSborschriften einzugreifen, ist nicht erweitert. Ein Recht, bei der Ueberwachung der Unfallbcrhütungsvorschristen mit- zuwirken, soll den Arbeitern auch fernerhin verjagt bleiben. Und doch sollte für eine Unfallgesetzaebung, die auch mir einen Hauch sozialen Empfindens in sich trägt, die Hauptsache sein, in erster Reihe die Zahl der Unglücksfälle durch Zu- lassung von Arbeiterkontrolleuren zu vermindern. Völlig bedeutungslos nach dieser Richtung hin ist die Vorschrift, daß die BerufSgenossen» schasten küiistighin nicht nur befugt, sondern auf Verlangen dcS ReichSbcrsichcrmigLainte» auch verpflichtet sein sollen, durch An» stellung technischer Aufsichisbcamter die Befolgung der zur Ver» hütung von Unfällen erlassenen Vorschriften zu überwachen. Denn solches Recht folgt schon heute auS dem Aussichtsrecht deS Reichs» versicherungSamtcs. Hat dies von seinem Recht keinen Gebraiich ge- macht, so liegt daö daran, daß zwar auf dem Papier daS Reichs» versicherungSamt das Aussichtsrecht hat, in der Tat aber allmählich eine von den BerufSgenossenschaften zum mindesten intellektuell ab» hängige Behörde geworden ist. Die Selbswerwaltung der Berufögeuosscnschaftcn soll in vollstem Umfange gewahrt bleiben. Die BerufSgenosseit- schasten sollen aber ebenso wie die Versicherungsanstalten in Zukunft ein Viertel ihres Vermögens in Anleihen des Reiches oder der Bundesstaaten anlegen(§8 713—721). In den 88 741— 744 ist insoweit eine Erleichterung für die Bmiss- gcnosscnschaftcn vorgeschlagen, als die zur Bildung der Rücklagen erforderlichen Rückschläge mehr als bisher in das Ermessen der ein» zebien Berufsgenossenschaft gestellt sind. Die durch die Finanzreform bewilligte Liebesgabe— Ablösung der Vorschußpflichk der Post»» hat eine Reiche sormcllcr Aenderungen im Entwurf veranlaßt. Die Klagen der Benifsgeitosscitschastöveamten über ihre AnstellnngS» und B-soldungSverhältnisse haben den Verfasser keineswegs etwa zu gleichen Eingriffen wie bei den Orts- krankenkassen gebracht. Der Entwurf begnügt sich damit, in den 88 793 bis 796 der GenossenschaftSversammluug vorzuschreiben, die Rechtsverhältnisse und allgemeinen Aitstellmtgsbedingtutgen der Ge« uosseuschastsdeaintc» durch eine Dienstordnung augeiuessen zu regelt:. Die Regelung bedarf der Genehmigung deS Reichs- vetsicherungSamtes. Wird sie versagt«nd kommt in der fest- ?>esetztm Frist eine anders Dienstordimng nicht Alstands oder wird te nicht genehmigt, so erläßt das NeichsvcrfichermigZamt selbst die Dienstordnung Eins Regelung der Aerztcsrage gegenuver den Berufsgenosscnschaften findet sich im Entwurf nicht. Und doch ist gegenüber dem TerroriZmuS der Berufsgenossen- . schuften eine Negelung dringend erforderlich. Lehnt doch eine Anzahl von Aerzten die Abgabe von Gutachten auS Besorgnis vor Bcnach- teiltgungen durch die Vcrussgeuosseiiichaft Arbeiter» gegenüber ab. Es muß endlich dem Arbeiter dasselbe Recht zugestanden werden, daS jeder verletzte Nichtarbeiter hat: aufKosten dcS zur Zahlung des Schadens Verpflichteten, hier also der BernfSgenofienschaft, sich au einen Arzt zu wenden, zu dem er Venraucn hat, und von ihm die Erstattung eines Gutachtens auf Kosten des Schadenersatzpflichtigen, also der BcrufSgenossenschaft, zu verlangen. DaS B er fahren in UnfallverfichcruugSsacheu, das schon heute zu so vielen vollberechtigte» Klagen Anlaß gibt, will der Entwurf noch erheblich verschlechrern. Nach wie vor soll die BerufSgeuossenschaft Partei und Nichter in einer Person und allmächtig für das gesamte Verfahren bleiben. Sie soll nach wie vor ohne Mitwirkung vop Arbeitern allein al-Z erste Instanz entscheiden. Ihr weitreichender Einfluß den Behörden gegenüber soll nach der Vorlage insofern noch verstärkt werden, als sie b e- r e ch t i g t sein soll.' das V e r s i ch e r u n g S a in t, das nachher als angeblich erste Instanz fungieren soll, um Vornahme von Ermitte- lungen, die sie für wünschenswert hält, zu requirieren. Das V e r- sicherungsam t soll verpflichtet sein, denRequi-- sitionen der BerufSgenossenschaft Folge zu leisten. Hierin liegt eine Verschleppung der Anerkennung deS Anspruchs des Verletzten und eine Erweiterung der Macht der Berufsgenossenschaft. Erst nachdem die Berufsgenossenschaft geruht hat, als wirllich erste Instanz zu entscheiden, ob und in welcher Höhe sie den Anspruch auf Rente anerkennt, soll der Arbeiter sich an daS VersicherungSamt wenden können. Dies ent- scheidet i» der Besetzung durch den VerflcherungSamlmann oder seinen Vertreter und je einen Arbeiter und Arbeitgeber als nunmehr an- und je zwei Beisitzer aus Arbeitgeber- und Arbeiinehmer- krcisen. Gegen dessen Entscheidung soll nicht mehr der Rekurs, sondern lediglich die Revision an das RrichSversiche- rungsamt dem Verletzien zustehen! ES mag nebenbei erwähnt werden, daß auch das ReichSversicheningsamt insofern eine Ver- schlechterung in der Zusammensetzung erfahren soll, als in Zukunft in ihm nicht nur. wie leider schon jetzt in den Svruchsenatcn, sondern auch in dem großen Senat nur je e i n Arbeiter und ein Arbeitgeber Sitz und Stimme haben soll. Bislang waren im großen Ecndt zwei Arbeiter und Arbeitgeber vertreten. Durch bis Beseitigung des RechtSuiittelS deS Rekurses, welches gegenwärtig in Sachen der Unfallversicherung besteht und nach langem Kampf im Jahre!8S9 aufrechterhalten blieb, ist eine ganz erhebliche Verschlechterung des Rechtsweges auf dem Gebiete der Unfallversicherung gegen den Arbeiter geschaffen. Außerdem ist die R e v i s i o n noch in allen Fällen a u S- g e sä, lo s s eu, in denen es sich handelt um 1. freie Kranken- behandlung: 2. bei einer Reute, die für die Dauer vorübergehender Erwerbsunfähigkeit oder einen Renienanteil, der bei dauernder Er- werbsimfähigkeit auf Zeit zu gewähren ist; 3. Sterbegeld: i. Heil- ansialtspflege; ß. Angehörigenrcnte; 6. die neue F e st st e l l u n g der Entschädigung, nach Eintritt einer Aenderung der Verhältnisse; 7. Kapitalabfindung bei Renten bis 20 Proz.; 8. Kosten deS Verfahrens. Insbesondere der Ausschluß des Rekurses und der Revision für die Fälle, in denen wegen veränderter Verhältnisse eine Herabsetzung der Reute eingetreten ist, bedeutet eine ganz enorme Verschlechterung des bestehenden Rechtes. Das Rechtsmittel der Revision soll sich nicht auf die Behauptung von Tatsachen stützen lassen, vielmehr soll die Revision nach dem Gesetz nur begründet werden können: a) auf Gesetzeöverletzungen. DaS Gesetz ist verletzt, wenn eine Rechtsnorm nicht oder nicht richtig angewendet worden ist; b) auf einen Verstoß gegen, den klaren Inhalt der Akten. Ein solcher liegt namentlich dann vor, wenn Tat- sacken festgestellt sind, für die sich in den Akten kein genügender Anhalt findet, oder wenn Tatsacken von Bedeutung bei der Entscheidung unbeachtet geblieben sind, die in den Alten fest- gestellt waren; c) auf wesentliche Mängel d eS Verfahrens. Die Tatsachen, welche die Mängel ergeben, müssen festgestellt werden. Durch diese Kürzung des RechtSgangeS für den Versicherten tritt gleichzeitig eine ungeheuere materielle Schädigung des Unfall- verletzten— selbst an dem heutigen bedauernwerte» Staude der Rechtsprechung gemesten— ein. Behördenorganisation, die die ReichSverficheningSordnung mit ihren Versicherung?- und Oberversichcrungsämtern vorschlägt, stellt, wie von uns wiederholt dargelegt ist, einen schwerfälligen, kostspieligen, bureaukratischen Beamtenapparat dar, der nach keiner Richtung der Gerechtigkeit zu dienen imstande wäre, und auch in der Tat nicht diese Wirkung, sondern die Wirkung haben soll, die Rechte der Arbeiter noch mehr zu verkürzen und ihnen den Rest einer Selstverwaltung zu ent- ziehen. die die BerstcherungS« 6 772 670 M. zu bc- Dl'e Begründung sucht die Kostett, am ter ausmachen würden, auf jährlich 6 772 6(0 M. zu ziffern, ganz abgesehen davon, daß auch diese Summe eine ganz ungeheuere wäre, um einen Hanfcn von Beamten hinzustellen, die bei dem Mangel zureichender geistiger Beschäftigung geistiger Ver- blödnng vollends anheimfallen müssen, und lediglich wirlschaftsicks Benachteiligungen der Arbeiter und Erbitterung der Arbeiterklasse beivirken könnten, ist die Berechnung der Begründung durchaus hin.- fällig. Die Motive nehnien an, 1000 LersicherungSämter würden erforderlich. Für jede» Versicherungsamt ist in der Regel ein Bersicherungsamtmann und noch mindestens ein Beamter sowie ein Bureau mit einer Zahl von Bureaubeamlen vorgesehen. Rechnet man auch nur ändert- halb Versickeningsanttleute oder Stellvertreter und drei Beamte auf jedes' VersicherungSamt, so wiesen die V e r s i ch e« rungSämter allein i500 Beamte auf. Rechnet man als Durchschnitt des Gehalts 3000 M.— in Wahrheit würde eS höher sein— so würden also allein an� persönlichen Kosten für die Versicherungsämter über 13 Millione» erwachsen. Rechnet man ferner nur 2000 M. für. sächliche Kosten für jedes Amt, so würde eine Kostensumme von jährlich 10 Willionci. für die Ver- sicherungSämtcr außerordentlich niedrig veranschlagt sein. Hinzu treten die Kosten für die O b e r v e r f i ch c r u n g S ä m t e r. Setzt man hier die Kosten auf weniger als die Hälfte an, so lärns als Min im nur ein Jahresbctrag von 20—20 Millionen für das vorgeschlagene neue Beanilenheer in Betracht. In Wahrheit würde die neue Behördenorganiiatio» vielleicht auch daS Dreifache an Kosten verursachen. Diese Beamtenversorgung auf Kosten der Arbeiter nennt daS ReichSamt: Versicherung der Arbeiter! Di« Reichsversicherungsordnung bringt nach dem Dargelegten ungeheuere Nachteile den Arbeitern. Diese wird sie durch die Masse der Paragraphen, die sie aufführt, nicht täuschen. Gegen dieses Gesetz, däs den Arbeiten! so ungeheuere Nachteile bescheren will, gilt es für die Arbeiter ohne Unterschied der politischen Richtung gemeinsam Front zu machen. Es kann sich nicht nur darum handeln, die vorgeschlagenen Aenderungen abzuwehren, sondern eS ist�Auf- gäbe der Arbeiterklasse, die schon heute möglichen und nötigen Aenderungen auf dem Gebiete des BerstchermigSwesenS durch- zusetzen. Und das sind recht viele. Amtlicher Marktbericht der ftädtklchen Marktballen.Dir-ktlo» üd-r den Großhandel in den Zenwal-Marktballen. Marktlage! Fleisch: Zufuhr stark, Ecschüst rege, Preise für Hammelfleisch anziehend, sonst uu- verändert. Wild: Zufuhr sehr knapp, Gelchäil ruhig, Prefle jcsl. Geflügel: Zufuhr sehr knapp, Geschäjt lebhast, Preise gutHÄ is ch e: Zusuhr mäßig, Geichäit ziemlich lebhast, Preise wenig verändeitAÄ utter und Käs«: Geschäft still. Preise für Käse unverändert, für Butter nachgebend. Gemüse, Obb und Südfrüchte! Zujuhr genügend, Geschäft sehr still, Preise wenig verändert. Dienstag, den ü. April. Anfang Vi, Ahr. Köuigl. Opernhaus. Bohöme. Die Puppenfec. Konigi. Schauspielhaus. Wie die Alten lungen. Neues königl. Opern-Theater. Gefchlosfen. DemiÄeS. Die Braut von Messtna, (Anfang 7 Uhr.) Kammerfptel«. Der gute König Dagobert.(Anfang S Uhr.) Hebbel. Nesthäkchen. Anlang ö Uhr. Lessing. Heirate». St eues Schauspielbaus. DleRampe. Meines. LuxuSzug. Komische Over. Zigeunerliebe. Berliner. Taifun. Stenes. Die goldene Ritlerzeit. Westen. Die geschiedene Frau. Nencs Operetten. Der Graf von Luxemburg. Trlanvn. Thöodore u. Cte. Mrstdrnz. DaS Nachtlicht. Thalia. Die Dorfkomtesfe. Schiller f>.«•nitii«» Tdealer.) WallcnstcinS Tod. Tch»,. Charlotteuburg. Gold- fische. Friedrich> WilhelmstSdiischcs. Mt-Heldelberg. Gastspiel. Miß Dudelsack.(Ansaug 8'/, Uhr.) Bolksoper. Der Freischütz.(Ansang 8',, Uhr.) Luisen. Doppelfelbstinord. Role. Der Verschwender. Lnstspielhans. Das Leutnants- mündel. SJlctrovpi. Halloh II— Die große Revue. Foliev Gaprice. Herr Wasierkropf. Der Luftturner.(Ans. Sfl, Uhr.) Caiino. Berlin bei Nacht. Gebr. Herrnfeld. Meine-Delne Tochter. Die Lriginal-KlabriaS- Partie. Nvack. Die Waffen nieder. Ap»>-. In den Lasterhöhlen von San Francisco. Spezialitäten. Paiiage. Spezialitäten Wintergarten. Spezialiläten. Reichöbi'llrii. Steltwer Sänger. Polast. Spezialiläten. Karl Haverland. Evezialitäte». Walballa. Lvezialitäien. Buggenhagen. Spezialitäten.(An- 7'/. Uhr). Urania, ranbenlirahe tKls«. Abends 8 Uhr: Ueber den Brenner nach Venedig. Sterin, arle,.st-validensir. 57—63 Lessing-Tlieater. 8 ITHe; Heirate». Mltiwoch, 8 Uhr: TaS Konzert. Donnerstag, 8 Uhr: DaS Konzert. IIddöII Theaker und Vergnügungen jsSüLZllOl.' Heues Theater. Abends 8 Uhr: Die goldene RiHerzeit. Mittwoch zum 25. Male: Die goldent Merjett. Theater des Westens. Heute und folgende Tage 8 Uhr: Die acschiedene Fran. Somit. Zst, Uhr: Ein Walzrrtranm. Lusdspivihsu». Abends 8 Uhr! Das Leutnantsmündel fslgllsiLlt-WIliglmzIüMotiöz Sctiauspialtiaas. DienStag, 12. AprU, abends 8 Uhr: Enf.-Gastlp. d. Neuen Schauspielhauses �tt-tlelöetder? mit Karl Heinz.. Harry Bälden. Morgen und folgende Tag«: _ Alt-Heldelbcrg. Residenz-Theater Direktion: Richard Alexander. Abends 8 Uhr: Nss NäsvMSfoKi. (Le Gigolo.) Schwank in 3 Sitten o. M. Morgen und folgende Dieselbe Vorstellung amacoiZ. age: t-nisen-Theater. Abend« 8 Uhr: Doppelselbstmord. Volksstück mit Kesans in 3 Alten von L. Anzengruber. Mittwoch: Gib mich frei. Donnerstag: WaS Gott zusammen« fügt. Freitag Benefiz für Frl. Ström- borg: Da» Gesetz des Herzen». Sonnabend: Klapperstorch der Königin. OSE=THEATE NcliUler Schnier-Theater 0.(Walliier-Theat.). Dienstag, abends 3 Uhr: Doch. Schauspiel in 5 Auszügen von Friedrich Schiller. Mittwoch, adendSSUHr: Zum erstenmal: »Ich Goldene Herzen. Donne rStag, abend» 8 Uhr: __ Egniont._ Theater. Schiller-Theater(VtiarlaNendurg). DtenStag, abend» 8 Uhr Holdttnetie. Lustspiel int Stlten von Franz Schönthan und Gustav Ii adele Ende 10',. Uhr. Mittwock, abend» 8Uhr: «oldKnoke. Donnerstag, abend« 8 Uhr Oiolafloede. von urg. Urania. Wissenschaftliches Theater Ahenda 8 Uhr: Helief des Breimep naeh Ifeneilig. Siegwart Gentes in seinem Sketch: „Eine Opernprobe". Rosina Caeeellt mit ihrem Miniatnr-Wimder- hündchen. paul Conchas der Armeo-Horlralcs in seiner Szene: ,1m Feldlager" und das bnntwechselnde April-Progfamm! Metropol-Theater Hallo!!! Die groüe Revue! In 8 Bildern von JnL Fretmd. Musik v. Paul läncke. In Szene gesetzt vom Dir. Rioh. Schultz. Anfang 8 Uhr. Rauchen gaetattet . a a««eiatx-KÄsarxsTicsrr-r Bertiner Theater. Heute 8 Uhr: Tal�Ull. Morgen: Taifun. Alonon t»p«>-olt«>n-irbo«»t«r. Heute und folgendd Tage 8 Uhr: Der Graf von Luxeinbnrg. Sonntag nachm. 8 Uhr zu ermäßigten Preisen: ller Zlgeuncrbaron. Volksoper. ßW, Belle-AMance-Sttaü« Nr. 7/8. Abend»'/.g Uhr: llvp k'nväsvhLiT. (Tastsptel.) Passago-Theater.[ Große Frankfurter Str. 132 Ans. 3 Uhr. Ende II Uhr. Der Dersthtveuder. Bolksftück mit Gesang und Tanz in drei Alten von Raimund. Mittwoch: Preziosa. Donnerstag Benefiz für Georg John: Der Pfarrer v. Kirchfeld. Ab.» Uhr: DaS vollständig neue Programm. 60 erstklassige Artisten! 9 Uhr: Hornn and Wlsei*, Sensation. Jongleure mit Hüten. IV Uhr: HaletzS Iuveniles, 20 tttglische Sttlllßsche 20 Jnng-England in Berlin. Einzig eMer. EnstmVIe dieser Att. s! 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Elchlerschen[ sreeseUscbftft Nach der> itollung: Tanzkr&nzehen. i kW»» WWW»W«W»WWWWW»W»' Zirkus Busch. Heute, Dienstag, den 12. April, abends 77, Uhr uräz.: Großer Gala-Abend. Henrlck.en. wilde Tlgrergruppo (völlig unerreichte konkurrenzlose Dressur.) Die her. Mar Grlz-Grlgcry-Truppe. Oc.cbw. FHHm in ihren Produktionen d. hohen Schule. Ur. E. Schumann, Meisterdress. Zworgclown Pranooi», Kunstr. Rcitcrfamilie Proserpi. 97. Uhr ca. Ende 10»;. Uhr: Die russ. Seneallons-Pantomlffla MarJaJ ECrauz's Volks-Tlteaferl Kßslinor StrnOo 8.? � Heute eowle jeden Dienstag: J | i�aul$ Springers| Kabarett- and Possen-Qesellschalt. Anfang 87, Uhr. Nachdem: Tanz, Ait-noablt 47/48. Donnerstag. 14. April 1V1V: Auf allgemeinen Wunsch wiederHoll: Heimat. Schauspiel in 4 Alten von Hermann Sudermann. Sanssouci, Ä"* Direllion Wilhelm Reimer. Sonntag, Montag und Donnerstag: NcurS Programm. Ellle-Soiree kränzohea von Hoffmanns SonnLvcg. k!,wocheut.8U Reicbstiallen-Tlieater. Stettiner Sdnger (Mcjrsel, Britton, Schräder usw.) Ansang; Wochentag» 8 Uhr. Sonntag» 7 Uhr. Fitr den Inhalt ver Inserate Upernimun die Redaktion de« Publikum gegeuüdcr keiuertei Verantwortung. ¥1. LiaiadtagswaMbezIrk Dienstag, den IS. April 1910, abends 8>/z Uhr. in Freyers Festsälen, Koppcnstraste S9: Oekkentl. Versammlung. Tagesordnung: I. Selkas deä Stadtverordneten Adolf Hofftaann Uüd VOlkSYCrrat. & Verkündigung des Wahlresultats. Um zahlreiche Beteiligung ersucht 205/8' Da« Wahlhomltee. 3- A.: Cnist Bader, Krohe Franlfurler Str. 3t. Bureau: Engelufer IS, lll. IwelZVereiU kerlill. Telephon: Amt IV.«)SS. Donnerstag, bell 14. April, abends 8% Uhr, im Fobal„Nene Welt", Hasenheide 108—114: Wmdmllicht Emnl-Wmlms aller zum Gklatiihmkipettt« gehSrize« Zefirke mid Zchlstklle« der Sektionen der Maurer. put?er. Lips- unä dement- Branche, Fliesenleger. Backofenmaurer«. BunMteinverletaer. Tagesordnung: i. Die bevorstehende Anssperrung im deutsche» Bau- gewerbe und die hierzu getroffenen Maßnahme« der Arbeiterorganisationen. 2. Diskussion. l!tals�a�n l Die Unternehmer haben zum Teil schon den Beschluß ihrer Organisation durch« iIwIIvljvM. geführt, in mehreren Städten sind Maurer, Zimmerer und Bauhilfsarbeiter aus« gesperrt. Beweist darum durch vollzähliges Erscheinen, daß Ihr Euch eins fühlt mit den Opfern der Aussperrung; daß Ihr Euch einig fühlt in dem Willen, den von den Unternehmern hingeworfenen Fehdehandschuh aufzunehmen und deren Angriff abzuschlagen. 134/7' ' SfiitgUedsbuota legitimiert. Der Zweigvereinsvorstand. Sektion der Gips-- und Zementbranche. Freitag, den 15. April, abends 8V2 Uhr: Zwei große Ililglieder-Yersammlungen. Gipsbailbranche: tiÄ." im Gewerkschastshause, Engclufer 13, großer Saal. Betonbanbranche: 3cTm�rUc bei Jannaschk, Jnsclstraßc 10. Tagesordnung in beiden Versammlungen: 1. Die bevorstehende Lohnbetvegung. 2. Diskussion. UU- Pflicht eines jeden Kollegen ist eS, die Versammlung setner Gruppe zu besuche«."WQ ■ Mitgliedsbuch legitimiert. NB. Am Tonutag. de» R7. April. abendS S'/, Uhr. findet im Gewertfchaftsbanse, Vngeluser IS, großer Saal, der am 27. Februar auSgelallenc LIchtbllder-Bortrag über:»Die vulkanischen Erscheinungen und ihre Ursachen« statt. Dt« bereits zum 27. Februar gelösten Programme haben zu diesem Vortrag Gültig- kctt Programme a Pcrsou 30 Pf. inklusive Tanz sind noch bei den Grimdsleinoerbreitern und im Bureau. Engel« user 1b, zu haben. Alle Kollegen. Freunde und Bekannte sind zu diesem Vortragsabend sreuiidlichtt eingeladen. 137/8* Der Sektioiisvorftaud. Zwelgvercln Berlin nnd Umgegend. Donnerstag, den 14* April 1910, abends 8 Uhr: HußerordentllcheGeneralverfammlund in Allton Boekers Festsälen, Weherstraße 17. Tages-Ordnung: 1. Tie austerordentlichen Mastnahme« des BcrbandStages z« der Aussperrung im deutschen Baugewerbe. 2. Diskussion. Wogen der Wichtigkeit der Tagesordnung erwarten wir. daß die Mitglieder vollzählig erscheinen. Mitgliedsbuch legitimiert, ohne dasselbe kein Einlaß. 29/16'_____ Der ZweigvereinSvorstand. -Sehreibmasehinen, Model! 3, verkaufe ich zu billigem Preise mit voller Garantie, da Modell 4 herausgokommea Vorführung kostenlos.' Frans Kaiser, MohrenatraBe 22/33. Möbel �Teilzahlung liefert auf boqaani bei kleinster Anzahlung In bekannter Güte (mit griüter Rücksicht bei Krankheit und Arbalialoalakell) E.Cohn, Cr. Framrstr. 88. H.Pfau "c."' Direksenslraße 20 »wischen Bahnhos Älcxandcrplatz und PolizeiprSiibiilm.- Amt VII. 18793. für vamen 5raaan-Sei»enuna.* ßieserant für alle Krante»ta,sen. Htlhner, ffib-Ä sofort festützeilde Brutpntcn, Ärilt< eier hochedclstcr Rasscn, empfiehlt unter Garantie sür Reellität Wegner, Berlin SO., Ma» rtannenftrasse St. Steinarbeiter! DieuStag. den 12. April, abendö 8% Uhr in den Armiiihallen, Kommaudantenstrabi: SS/SS: General- Versammlung. TageS-Ordnung: 1. Abrrchimna vom 1, Quartal. 2. Wahl der Delegierten zum VerbandSkage. S. Stellungnahme und endgültige Beschlustfassung in der Tarif- frage der Bau- und Gradsteinbranchc» 4. Verschiedenes. Ä Die Ver>umriilung wird präztse eröffnet.___ i aller Branchen, auch die Marmorarbeiter, werden ersucht, vvllsühtlg zu erscheinen. Lhuc Mitgliedsbuch kein Zutritt» 171/7* Blc Ortsvereralfnng. �wwminwy mow HSchßncftsJdSA-Cl Hamburg und i�lannfieim 1 Engelhardt arantel-Bier Alkonoiarmes Spezialbräu. Aerzllteh empfohlen für NervSse. Bielclisüchtlve, n&hrende Mütter etc. etc. Preis pro Flasche 10 Plg. CabersU käuflich. iiaißfßi Enssl Ecißiliaril} mm. BEHLIN- PANKOW. OrOltta MaUblerbrauerei Deutschlands. Orts- Krankenkasse des Maurergewerbes zu Berlin. Donnerstag, den 11. April. abendS 8 Uhr. im GewerkschaftShause, Sngeliiser 15(Saal Iii): General-Versammlung der Vertreter der Kassen» Mitglieder und der Arbeitgeber« Tagcs-Ordnuug: 1. Vorlegung deS Be'.walwngS» berichte« und Rechnungsabschlusses pro 1909. 2. Bericht der Prüfungskommission nnd Beschlusjsassung über die Abnahme der JahreSrechnung. g. Antrag aus Bewilligung einer Entschädigung sür die Kassenmit» glieder des RechimiigsausschusseL, 4. Wahl eines DoritandsmitglledeS an Stelle deS durch den Tod ausgeschiedenen Mitgliedes Herr» Schönseld sür die Zeit der Amts» datier d. i. bis 31. Dezember>91». 5. Beratung und Beschludsassung über das PensionSregulatw der Kaffenbeamten. Sollte die Tagesordnung am oben genannten Tage nicht erledigt werden, so soll die Forffetzung der General« Versammlung am daraus solgenden Montag, den 15. April, in demselben Lokal stattfinden. 272/20* Berlin. 1, April 1910. Der Vorstand. K. Lehnig, A. Oaehna, Schristsührer. Vorsitzender. Gemeinsame Orts- Krankenkaffe für Nowawes u. Umg. Gemäß ß 51 Abs. 1 des Kassen« swtnts werden hiermit nachstehende, zu der am 18. d. M. stattfindenden (Seneralversammwng eingegangenen Anträge veröffentlicht: 1. Für sämtliche Lohnktaffen hat die Fesffehimg nach Monatsgehälter tu Wegsall zu kommen. L. Bei H 51 deS Statuts Zeile 4 hinter Bekanntmachung im„Vor« wärtS"..Nowaweser Zeitung" und .Potsdamer Jntelligenzblatt" zu setzen. 273/0 Der Borsitzende, gez. Kersten. Neuerschicnen sind: Kiblislhe Gtsiijillste» Beiträge zum geschichtliche» Verständnis der Religio». Von Mx Murenbretbei«. Ums geb. 7,50 M. Auch in 10 Lieferungen a 1,— M. BereinvanSgabe pro Hest M Pf. Eipeü ües Berlin SW.©8 fjlndenstrnOo 69(Daden). Pumpen aller Art für Abesslnler* o. Kesselbrunneo, Jauchepompen usw. in bester Aue- föhrung zu den Kataloge gratia. Paul Crrics, Berlin 80. 16, |=liipefi!ültep Straße M. und elegant sich Heiden will, empsthlen wir große Posten beste Monatsgarderobe. 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Am Mittwochabend 8 Uhr findet anstelle deS ZahlabendS im Wedhormchen Lokale unsere WahlvereinS- Versammlung statt. Tagesordnung: 1. Maifeier. 2. Parteiangelegen» heilen und BerjchiedeneS. Der Vorstand. Berllmr JSacbnchtem Die Abgeordnetenwahl im 6. Berliner LandtagSwahlbezirk findet heute statt. ES wird hierzu berichtet:„DaS Wahl- koNlitee und die VertraiiensmAnner der Fortschrittlichen VoltS- Partei im 6. Berliner Landtagsivahlkreise haben, wie bei den Wahlmänner-Ersatzwahlen. auch für die Nbgeordnetenwahlen am IS. April beschlossen, sich der Wahl zu enthalten. Die Wahlniliiiner der Fortschrittlichen Volkspartei werden ersucht. der Wahl fernzubleiben." Unsere parteigeiiösstschen WahlmSnner wollen infolge bieseS Beschlusses nicht etwa sich verleiten lassen, weniger zahlreich zur Wahl zu erscheinen, als daS sonst der Fall ist. Jeder Wahlmann niust heute seine Stimme abgeben und den Genossen Adolf Hostmann wählen. Unsere SonntagSdemonstration bildete gestern überall den Gegenstand der Unterhaltung. Schon früh in den Eisenbahnwagen der Stadt- und Vorort- züge, auf der Arbeitsstätte, drehte sich das Gespräch fast auS- schließlich um den imposanten Verlauf der Kundgebung am Sonntag. Freudig begrüßt wurde von den Arbeitern die Extraausgabe des„VorivärtS" mit ihren Illustrationen, die auch im Etraßenhandel lebhast begehrt wurde. Selbst in den ResümrantS, in denen das gute bürgerliche Publikum der- kehrte, unterhielt man sich über den Verlauf der Sonntags- demonstration und selbst verbohrte Gegner ließen sich zu an- erkennender Bewunderung unserer Disziplin herbei. Am meisten mußte die Polizei Spießruten laufen ob ihres früheren Verhaltens gegen die Arbeiter. AuS dieser Stimmung heraus sind auch die nachfolgenden Zeilen geschrieben, die uns ein Parteifreund schickt: »Wo Du nicht bist. Herr Polizist, Kommt nie dos Volt in Röien. Doch, wenn Du stark vertreten bist, Geht alle Ordnung flöten. Ueber ba» Erh»l«ns»helm Lenzheim haben wir wiederholt in unserem Blatte berichten müssen. Anlaß dazu gab der Tod eine» KindcS, dessen Eltern in Stralau wohnen. und da? nach Lenzheim verschickt wurde, obwohl unter den dortigen Ferienkolonisten bereits Scharlach und Masern herrschten. Der Wahlverein Stralau hatte sich der Sache angenommen und war bei dem Gemeindcoberhaupt in Stralau borstcllig geworden. Jetzt hat die Gemeindevertretung von Stralau beschlossen, die Ferienkolonie Lenzheim in Zukunft von Gemeindewegen nicht mehr zu be» nutzen. Die BezirtSIeitung des Wahlvereins— der vom Gemeindevorstand eine diesbezügliche Mitteilung zugegangen— hat sich er- neut mit der Anaelegenhrit beschäftigt und beschlossen, von weiteren Schritten abzusehen, ba die Forderung, nach Lenzheim keine et- bolungSbedürftigen Kinder wegen der dort zutage getretenen Miß- stände zu überweisen, erfüllt ist. Die Freigabe deS FalkplatzeS an der Gleim-, Gaudh. und Schwedtersiraße ist zu einer Hälfte am Sonntag endlich erfolgt. Länger- Zeit hat wohl in Berlin selten die Anlage eines so kleinen Schmuckplatzes erfordert. Hoffentlich nimmt die Fertigstellung der zweiten, nach Osten zu belegenen Hälfte, welche noch weit zurück ist, nicht ebenfalls vier Jahre in Anspruch. Di« Mitte der frei- gegebenen Hälfte geigt einen runden Spielplatz, der aber, wie ein Ordnungspfahl besagt, ohne Erlaubnis Nicht betreten werden darf. Zu der mehrere Meter über dem Straßenniveau belegenen Schmuck« anlage führen zwei breite Granittreppen hinauf. Von den Demonstrationen, die am Sonntag stattfanden, wird die Buchhandlung Vorwärts Ansichtskarten herausgeben, die besonder« interessante Szenen wiedergeben. Die Ausgabe erfolgt Mittwoch mittag. Sine Elsenbahner-SanitätSübung fand am Sonntag vormittag auf dem Anhalter Güterbahnhof an der Möckernstratze statt. Sie wurde von Vertretern der„Genossenschaft freiwilliger Kranken- Pfleger im Kriege vom Roten Kreuz" geleitet. Etwa bg Eisenbahn- bcdienstete der Betrieb»- und Maschincn-Jnspektionen de» Berliner DirektionSbezirkS nahmen an der Uebung teil: die auswärts wob- »enden Beamten hatten Urlaub und freie Fahrt zu diesem Zwecke erhalten. Es wurde ein größere» Eisenbahnunglück markiert, bei dem einige Schwerverletzte, nachdem sie Notverbände erhalten, auf Vahren in den bereitstehenden Krankenwagen transportiert werden mußten. Ei» moderner Sttaoenholter wurde von der Kriminalpolizei un- schädlich gemacht, vor einigen Tagen ivurden einem Herrn auf einem Abenteuer von einer jungen Begleiterin 80 M. und ein Ring gestohlen. Er machte Anzeige und beschrieb das Mädchen so genau, daß die Kriminalpolizei e» ermitteln konnte. DaS»och nicht 16 Jahre alte Mädchen wurde vernommen, räumte den Diebstahl auch ein, wollte aber durchaus nicht sagen, wo Ring und Geld ge« blieben seien. Ihre Eltern teilten dagegen mit, daß sie unier vem Einfluß eine» ihnen nicht bekannten Mannes stehe. der sie von der Arbeitsstelle weggeholt, ihrer Gewalt rnt- zogen und aus Abwege gebracht habe. Dieser Meiisch wurde in der Person de« 26 Jahre alten Handlungsgehilfen Gustav Meyer au« der JablonSkistraße ermittelt, der erst im November vorigen Söhre» wegen Entführung und Verleitung eine» minderjährigen kädchenS drei Jahre Gefängnis verbüßt hatte. Bei ihm fand man auch Briefe, aus denen hervorging, daß er auch mit einem Lljährigen Mädchen au» Stettin und mit einem noch nicht lSjährigen Mädchen au« Köpenick in Verbindung stand. Durch deren Vernehmung kam mm an drn Tag, daß er alle drei Mädchen durch Drohungen und Mißhandlungen der Schande zugeführt hatte und für sich ausbeutete. Jetzt hatte er die Absicht, niit Ihnen nach Amsterdam zu fahren, um sie dort zu verkuppeln. Meyer wurde in Uutelsuchungsbaft genoinmen; der irregeleiteten Mädchen hat sich die Polizei angenommen, um die Eltern mit ihnen auszusöhnen. Wie die Stadt Berlin ihre FürsorgezSglinge behandeln läßt. Die Stadt Berlin benutzt zur Unterbringung ihrer Für- sorgezöglinge auch eine in Potsdam liegende Erziehungsanstalt, die sich, P f i n g st h a u»" nennt. Wer für diese Anstalt und die «n ihr herrschenden Zustände verantwortlich ist, das entzieht sich unserer Kenntnis. Wir nehmen an, daß auch das..Pfingsthaus'", wie die meisten dieser Anstalten, aus einer Stiftung hervorgegangen ist. Die oberste Leitung dürfte dann in den Händen eines Kura- torium» liege», das hauptsächlich aus Pastoren besteht, und daher auf„streng religiöse" Erziehung sieht. Man weiß, wie die Waisenverwaltung Berlin» sich biS- her zu der Erziehungsarbeit solcher Anstalten gestellt hat. Sie mischt sich möglich st wenig hinein, und selbst bei be- stimmten Mißgriffen, die etwa ein AnstattSvorsteher oder ein Er- ziehungsgchilfe sich zuschulden kommen läßt, ist es schwer, unsere Waisenverwaltung zu einem Einschreiten zu bewegen. Ein Fall dieser Art, der uns aus dem„PfingsthauS" mitgeteilt wird, ist so lehrreich, daß er weiteren Kreisen bekannt zu werden verdient. Er liegt schon um reichlich anderthalb Jahre zurück, doch ist er auch jetzt noch der Beachtung wert. Von dem Sachverhalt haben wir leider erst jetzt Kenntnis erhalten. Man hat ihn unS mitgeteilt, nachdem der Knabe, um den eS sich dabei handelt, stch durch Flucht dem„PfingsthauS" entzogen hat und nunmehr von der Waisen- Verwaltung endlich anderswo untergebracht worden ist. Früher hatte die Familie nicht den Mut gehabt, sich an die Oefsentlichkeit zu wenden. Und auch jetzt haben nicht die Eltern, sondern ein Ver- wandter dafür gesorgt, daß wir von der Sache erfuhren und unS bei den Eltern die nötigen Informationen holen konnten. Ein Knabe Alfred I. war im Oktober 1907 als Zwölfjähriger in Fürsorgeerziehung überwiesen und von der Waisenverwaltung Berlin» dem„PfingsthauS" in Potsdam anvertraut worden. Am dritten Tage entfloh er, doch wurde er noch an demselben Tage in Potsdam wiederergriffen und in die Anstalt zurückgebracht. Er blieb dann in ihr ohne Unterbrechung bis Ende Juli 1908. Am 27. Juli entwich er wieder Und flüchtete sich nach Berlin zu seinen Eltern, bei denen er noch am Abend desselben Tage« eintraf. Die Mutter führt« ihn am nächsten Tage zum Bureau der Waisenver« waltung, weil sie Ihn nicht der Fürsorgeerziehung entziehen durfte. Bei der Waisenverwaltung hatte auch schon der Hausvater des „Pfingsthauses", ein Herr Red i Sie, sich eingefunden, um die Verfolgung de« Flüchtling» zu betreiben. Im Bureau war man geneigt, den Jungen dem Berliner Waisenhaus zu Rummelsburg zu übergeben, doch Herr RediSke erklärte, er wolle ihn wieder mit« nehmen, und man willigt« ein. Einige Tage nachher kam von Potsdam ein Brief, durch den der Hausvater RediSke die Eltern Alfred» benachrichtigte, sie möchten einstweilen einen Besuch deS Jungen unterlassen. DaS konnte eine Matzregel sem, durch die er für seine Entweichung bestraft werden sollte. Der Vater aber fuhr jetzt sofort nach Potsdam, verschaffte stch Zutritt zu dem Jungen, besah ihn sich— und fand, was er geargwöhnt hatte. Als er ihn auszog, entdeckte er auf dem Körper zahlreiche Spuren einer an ihm ausgeführten Prügelexekution, die über- aus nachdrücklich gewesen sein mußte. Am nächsten Tage fuhr die Mutter nach Potsdam und forderte, daß ihr der Junge heraus- gegeben werde, damit sie ihn von einem Arzt untersuchen lassen könne. Erst nach langem Hin und Her ließ der Herr HauS» Vater widerstrebend sich dazu herbei, in die Auslieferung Alfreds zu willigen. Frau I. ging dann zu dem KrekSarzt Dr. Hoche in PotS- dam. und dieser nahm eine Untersuchung vor. über die er das folgende Attest ausstellte: „Auf Ansuchen der Ehefrau I.«iuS Berlin untersuchte ich am g. August 1908 in meinem Dienstzimmer den Zögling deS „PfingsthauseS" zu Potsdam, I...., 12 Jahre alt, um die Spuren einer am LS. Juli 1908 erlittenen Züchtigung festzustellen. Ich fand folgendes: Alfred I.... ist 12 Jahre alt, zierlich gebaut, schlecht genährt, schwächlich wohl infolge früher überstandener Rhachitts. Auf dem linken Schulterblatt ist die Haut braungrün verfärbt, in der Gegend der rechten Hüfte blaurot. Auf dem Rücken finden sich vom linken Schulterblatt bis zum rechten Gesäß und der rechten Hüfte zahlreiche schräg ubivrirtS. von link? oben nach rechts unten ziemlich parallel verlaufende Striemen, be- stehend auS je zwei roten Streifen, die in Breite von 2 bis 3 Milli» meiern 5 Zentimeter voneinander verlaufen. � Diejenigen Striemen, die sich auf dem oberen Teil« de» GesäßeS finden, zeigen«um Teil Glanz, all wenn sich hier kürzlich ein Schorf ab- gestoften bSttr. Von den auf dem unteren Teil de» GesäßeS befindlichen Striemen finden sich bei fünf in Länge von 2 bt« V Zentimetern die roten Streifen durch dicke, braunschwarz« Schorfe erseht, deren Ablösung Blutung verursacht. Nach diesem Befunde erscheint die Angabe wahrscheinlilch daß der Knabe I.... am 28. Juli bei ungenügender Bekleidung sehr heftig mittel? eine» Rohrstockes gezüchtigt sei, und daß diese Züchtigung mehrere Tage eine erhebliche Störung seine» Befindens verursacht habe durch die Unmöglichkeit zu fitzen und auf dem Mücken zu liegen." Die fünf /„dicken braunschwarzen Schorfe" lassen darauf schließen, daß unter den Hieben an fünf Stellen die Haut geplatzt war. Gestützt auf dieses Attest, richteten die Eltern gegen RediSke eine Beschwerde an die Waisen. Verwaltung und eine Anzeige an die Staats» a n w a l t s ch a f t. Beide Behörden befragten den Hausvater Re- diske, und dieser gab für die Reichlichkcit seiner Prügelleistung eine Erklärung, die die Eltern Nicht wenig überraschte. St« selber hatten bisher aus Herrn RediskeS Angaben nicht entnommen, daß ihr Dahn so überaus schlecht sei. Aber der Waisenverwaltung und der Staatsanwaltschaft brachte Herr RediSke die Ueberzeugung bei, daß er allen Anlaß gehabt habe, den Jungen mal ganz besonder? hart abzustrafen, und beide Behörden gelangten ungeachtet der Fest- stellungen oeS ihnen vorgelegten ArztattesteS zu dem Ergebnis, daß gegen den HauSvater nicht einzuschreiten sei. Die Staats- anwalischast des Landgerichts Potsdam gab Herrn I. im Ro- vember 1908 drn Bescheid, daß„von Ueberschrettung des Züchtigungsrechts keine Rede" sein könne. RediSke Jabe. so sagte die Begründung, den Knaben mit einem gewöhnlichen whrstock über den mit einem Hemd bekleideten Hintern und später über die mit der Jacke bekleidete Schulter geschlagen, weil er ernS der Anstalt entflohen war und,„von dem Hausvater zur Rede ge- stellt, hartnäckig log". Der Knabe sei schon einmal auS der Anstalt entflohen, habe andere Zöglinge zur Flucht verleiten wollen und auch sonst auf sie einen schlechten Einfluß ausgeübt, so daß ei tu energische Züchtigung geboten schien. Diese sei aber „keine besonders harte" gewesen und habe auch„keine der Gesund- heit nachteilige Folgen" gehabt. So schrieb die Staatsanwaltschaft zur großen Verwunderung der Eltern. Die Watsenverwal« t u n g der Stadt Berlin hatte ihnen schon im September 1903 fol» genbeS geantwortet: „Wie die angestellte Untersuchung ergeben hat, hat Ihr Sohn Alfred wegen fortgesetzt unbotmäßigen und lügnerischen Be- nehmenS ei n e strenge Bestrafung durch den HauSvater des„PfingsthauseS" verdient. Falls die Bestrafung etwas zu hart ausgefallen sein sollte, so ist Porsorge getroffen, daß die» in Zukunft nicht wieder geschieht. An seiner Gesundheit hat Alfred keinen Schaden gelitten." Gegenüber diesen Bescheiden verweisen wir nochmals mif den Wortlaut des Attestes, das ausdrücklich hervorhebt, jene harte Be« strafung sei einem schwächlichen und ichlecht genährien Knaben widerfahren. An die Waisenverwaltung richten wir die Frage, ob sie sich nicht wenigstens darüber einige Gedanken gemacht hat, daß der Junge dem Arzt alS schlecht genährt galt. Alfred befand sich damals seit neun Monaten ununterbrochen in der Anstalt, mithin kann der schlechte Ernährungszustand nicht daraus erklärt werden, daß er etwa außerhalb der Anstalt als Flüchtling längere Entbehrungen habe durchmachen müssen. Er ist jetzt, wie gesagt, nach einem Aufenthalt von weiteren VA Jahren im„PfingsthauS" an eine Anstalt überwiesen worden. Aber auch das hat die Waisenverwaltung nicht freiwillig getan, sondern cS bedurfte dazu erst einer erneuten Flucht des Jungen, durch die er sich endlich für immer dem„PfingsthauS" entzog. Bricht der HauSabbruch den MictSvertrag? Mit dieser in unserer Zeit gesteigerter Bauspekulation grundsätzlich wichtigen Frage hatte sich kürzlich auS Anlaß eines interessanten Spezial- falls da» Königliche Amlsgericht Berlin-Mitte zu beschäftigen. Für einen Bautoniplex im alten Berlin, der jetzt unmittellmr vor dem Abbruch steht, waren noch im vorigen Herbst langfristige MieiS- Verträge abgeschlossen worden, obwohl von dem bevorstehenden Ab- bruch oieser Baulichkeiten schon damals allgemein die Rede war. Ein solcher auf ein volles Jahr abgeschlossener Vertrag enthielt je- doch vie Klausel, daß seitens des Vermieters, falls das Haus ab- gebrochen werden soll, die Kündigung drei Monate vor jedem Quartal erfolgen kann, so daß also der Mietsvertrag, genau ge- nommen, nur ein halbes Jahr lief. Der Mieter unterschrieb diesen für ihn ungünstigen Vertrag, ohne die Klausel zu bemerken. Erst am Tage nach der unterschriftlichen Vollziehung ging er zum Vermieter und protestierte. Der Vermieter beruhigte ihn aber in Gegenwart von Zeugen damit, daß der Abbruch noch in weitem Felde steh« und Mieter voraussichtlich noch weit länger als ein Jahr wohnen bleiben könne. Bald darauf wurde jedoch das Ab- bruchsprojekt doch perfekt, und nun erhielt lurzf vor Jahresschluß auch der in Sicherheit gewiegte Mieter die Kündigung zum l. April 1910. Der Mieter erhob jetzt den Einwand, daß er unter solchen Umständen, wenn sie ihm bekannt gewesen wären, auf die Wohnung von vornherein verzichtet hätte. Ein ihm zur Unterschrift vor» gelegte? Schriftstück, mit dem er no? besonders sein Einverständnis zur Räumung der Wohnung mit dem 1. April erklären sollte, wies er zurück, woraus Vermieter, eine bekannte Grohfirma, die Räu» mungSklage mit dem Zielpunkt zum 1. April anstrengte. DaS Ge- richt stellte sich trotz der Klausel auf die Seite d«S Mieters. Da dieser in Zeugengegenwart damit vertröstet worden war, daß der Abbruch noch nicht so schnell erfolge, könne ihm nicht die Räumung zum Kündigungstermin nach dem Willen des Vermieters zugemutet werden. Andererseits habe der Mieter durch die Unterschreibung etneS nicht genau durchgelesenen Vertrages leichtfertig gehandelt. So wurde dem Mieter gerichtlich gestattet, noch bis zum 1. Juli 1919 wohnen zu bleiben, während der Vermieter sämtliche Kosten de» gerichtlichen Verfahrens tragen muß. Infolge Arbeitslosigkeit schoß stch der 22 Jahre alte Arbeiter Ernst Müller in der Wohnung setner Mutter in der Beusselstraße eine Revolverkugel in die rechte Schläfe. Ein Arzt legte ihm den ersten Verband an und sorgte für seine Ueberfllhrung nach dem Krankenhause Moabit. Die explodierte SpiritnSflasche. Die 63 Jahre alte Arbeiterin Sofie Koinzer. Strelitzer Str. 4 wohnhaft, stellte Sonntagabend in ihrer Küche eine mit Spiritus gefüllte Flasche auf ein Brett über der Kochmaschine. Infolge starten Heizens der Maschine entwickelte sich eine derartige Hitze, daß der Spiritus explodierte. Frau K. drückte die Flammen mit Tüchern au« und zog sich hierbei Brand» wunden an beiden Händen z». Ein Schutzmann geleitete die Ver- unglückte nach dem LazaruS-Krankenbause, wo man ihr Verbände anlegte. Ein Wechselfallenschwindler ist gestern in Schöneberg fest. genommen worden. Es handelt sich um den 26jährigen Friseur S„ der in der Weise operierte, daß er«n kleineren Geschäften, in denen nur eine Person anwesend war, eine Kleinigkeit kaufte und er. klärte, nur mit einem Zwanziamarkstück bezahlen zu können. Wäh° rend der Verkäufer dann da? kleine Geld aufzählte, strich S. dieses ein, gab erst dann das Goldstück in Zahlung und ergriff sofort die Flucht. DaS angebliche Zwanzlgmarkstück, das auf der Vorderseite daS Bildnis Kaiser Friedrichs zeigt, erweist sich als eine wertlose Gedenkmünze. Gestern gelang eS zwei Schutzleute», den Schwindler auf frischer Tat festzunehmen. Die Leiche«ine? unbekannten Manne» ist am Sonntag im Tegeler See gelandet worden. Der Tote ist etwa 20 Jahre alt. l.63 Meter groß, schwächlich gebaut und hat dunkelblondes Haar sowie einen Anflug von Schnurrbart. ES handelt sich zweifellos um einen beim Baden Ertrunkenen. Der Körper des Verstorbenen war vollständig nackt und nur mit zwei Taschentüchern bekleidet, die alS Badehose zusammengeknüpft waren. DaS eine Taschentuch war P. 1 gezeichnet. Neberfahren und getötet. Der 9jährige Sohn Walter der Architekten» witwe Ella Kreide wurde vor dem Hauptportale der Elisabethkirche, nvalidenstr. 3. von einer Kraftdroschke überfahren. DaS rechte orderrod ging ihm Über den Kopf, so daß er schwer verletzt wurde. Ein Passant schasste den Knaben in demselben Auto nach dem Lazarus« Krankenhause, wo nur noch der inzwischen eingetretene Tod fest« gestellt werden konnte. Die Leiche ist dem Schauhause übergebe» worden. Der Knabe ist beim Spiel umhergesprungen und dicht bor einer Kraftdroschke unerwartet zu Fall gekommen. Während der Barstellung vom Tode überrascht wurde vorgestern nachmittag der 76 Jahre alle Sänger Heinrich Polack au» der Mulackstr. 26. der im Zirkus Busch in der Pantomime mitwirkte. Hinter der Bühne brach er plötzlich zusammen und blieb bewußtlos liegen. Der girkuSarzt konnte nur noch den Tod feststellen, den wahrscheinlich ein Herzschlag herbeigeführt hat. Radrennen in Treptow. Die Nennen am Sonntag hatten unter dem kühlen Wetter zu leiden und der Besuch war demgemäß nur ein schwacher. Die beiden Dauerrennen über 26 und 60 Kilometer gewann Hermann Przyrembel. Seine Gegner Hall und Scheuer- mann konnien keine gute Rolle spielen, denn im ersten Lauf war da» Nennen schon nach dem 10. Kilometer entschieden und beide Gegner endeten weit zurück, besonders Scheuermann, dessen Motor versagte und der daher ohne Führung fuhr. Im zweiten Lauf gab es zeit- Iveilig einige Kämpfe zwischen Hall und Scheuermann um den zweiten und dritten Platz, den der letztere zu seinen Gunsten ent- schied. Auch dem Sieger machten die beiden zu Beginn des RennenS zu schaffen, um dann aber mehrmals überrundet zu werden. Die Fliegerrennen hatten wie üblich eine starke Besetzung und wurde ganz nett gefahren. Da» Er st fahren gewann M ü n z n e r vor Finn. Deck und Kulemann. Im Vorgabefahren gelang eS den Mal« leuten nicht, da» Feld zu erreichen; Flamm<70) fiegte vor Weiss <100) und Jahn<90 Meter). Im Tandem-Hauptfahren be« legten Hoffmann-Etellbrink den ersten Platz vor Hamann« Vltlk und Bikkholz-Ricoleizig. Vermiß». DaS Polizeiprafidium teilt mit: Am 2S. März er. hat sich die Frau Anna Liiigel geb. Scheunemann, am S. Mai l87g zu Pankuin geboren, aus ihrer Wohnung. Hufelandstr. 27. entfernt und wird seitdem vermiht. In einem von ihr zurückgelassenen Briefe hat sie die Absicht ausgesprochen. Selbstmord zu begehen. Sie ist mittelgrob, hat dunkelblondes Haar, blasse Gesichtsfarbe, falsches Gebib. Bekleidet war sie mit schwarzem Rock, roter Bluse, Hausschuhen und Unterwäsche gez. A. L. Personen, die über den Verbleib der Vermihten irgendwelche Angaben machen können, werden gebeten, ihre Wahrnehmungen der Kriminalpolizei oder einem Polizeirevier, mündlich oder schnstlich zu den Alten 1243 IV 31. 10 mitzuteilen. Bei der Demonstration am 10. April in Treptow, in der Nähe Tribüne 5, ist ein dunkelbrauner Boa verloren worden. Es wird gebeten, denselben in der Spedition Rixdorf, Neckarstr. 2. abzugeben. Vorort- JSacbncbten. Rixdorf. Unter dem Verdacht de» Sittlichkeitsverbrechens wurde am Sonnabendnachmittag auf Beranlasiung der Staatsanwaltschaft der praktische Arzt Dr. med. Egon Härtung aus der Berliner Str. 42 plötzlich von der Kriminalpolizei festgenommen. Noch am gleichen Tage erfolgte die Uebersührung des Beschuldigten nach dem Moabiter Untersuchungsgefängnis. Dr. Härtung praktiziert seit etwa zwei Jahren in Rixdors und wohnte zunächst in der Berliner Str. 34. Ende vorigen Jahre» zog er acht Häuser weiter, nach der Berliner Strabe 42. Er ist unverheiratet und Spezialist für Chirurgie. Wie behauptet wird, soll sich Dr. Härtung angeblich an jugendlichen Patientinnen und an seiner Empfangsdame vergangen haben. Die Anzeige wurde durch eine Frau Conrad erstattet. Auch andere Zeugen belasten den Arzt. Die Untersuchung ist noch nicht ab- geswlossen. Dr. Härtung stellt alle» in Abrede, wurde aber trotzdem vorläusig in Haft behalten. Auch ein Antrag auf Haftentlassung gegen eine Kaution von 100 000 M. wurde abgelehnt, da Flucht- verdacht vorliegt. Ueber eine KindeSauSsetznng, die zugleich«ine furchtbare An- klage unserer sozialen Zustände bedeutet, wird unS folgendes ge- meldet: Bor dem städtischen SiechenhauS am Mariendorfer Weg wurde ein Kinderwagen herrenlos aufgefunden, der einen etwa ein Jahr alten Knaben enthielt. Bei dem Kind lag ein Zettel mit folgender Aufichrift:„Er helfet Otto Struck, ich weife nicht wohin mit dem Kind. Der Vormund wohnt in Rixdorf, Laubestrafee. Helene Portitz!' Das verlassene Kind wurde einstweilen in dem SiechenhauS untergebracht. Lankwitz. AuS der Gemeindevertretersstzung. Eine neue Baugebühren- ordnung. welche zur Beschlufefasiung vorlag, soll eine Mehreinnahme von 2—8000 M. jährlich einbringen. Im Vorjahre mufete zum Bauamt ein Zuschufe von 13 000 M. geleistet werden. Genosse Teurig beantragte, für statistische Berechnungen anstatt 1 M- für jede Position 2 M. zu erheben, da fast alle Bor- orte«inen höheren Satz haben, Steglitz sogar 3 Mark Der Antrag wurde jedoch abgelehnt. Ein bürgerlicher Antrag, bei Abnahme der Bauten anstatt ein Viertel— ein Fünftel der Prüfungsgebühr zu erheben, wurde mit Stimmengleichheit angenommen. Eine längere Debatte entspann sich über den Rathaus- bau. ES soll das mit dem ersten Preis prämiierte Projekt zur Aus« fübrung gelangen i da jedoch die Stockwerke etwas höher angelegt werden, auch der Turin und der Giebel nach dem Bahnhof etwas künstlerischer ausgestaltet werden sollen, macht sich eine Erhöhung der Bausumme um 40 000 M. notwendig, welche auch bewilligt wurde. Unsere Vertreter stellten den Antrag, den Rathausbau in Einzel- losen zu vergeben und zwar nur an solche Unternehmer, welche die tariflich vereiiibarten Löhne zahlen, auch soll die Streikklausel bei dem Bau ausgeschaltet werden. Dafür war aber keiner von den bürgerlichen Vertretern zu haben; der Gemeindevertreter Wulff be- kämpfte sogar die Zulässigkeit der Anträge.— Ferner wurde die Uebernahme der Desinfektionskosten mit den jetzt nock restierenden Beiträgen auf die Gemeinde beschlossen. Damit haben die bürgerlichen Vertreter einer bereits vor Jahresfrist von unseren Genossen gestellten Forderung zugestimmt. Der Sitzungs« tag der Gemeindevertretung wurde aus den ersten Donnerstag>m Monat verlegt. Für die Gemeindeschule II wurde die Schlufe- abrechnung bekannt gegeben, nach welcher noch 17 142 M. nachzu- bewilligen waren. Die Schule, für welche anfänglich 400 000 M. bewillig» waren, kostet nun 449 187 M. Genosse Radike ftagle an. wie es mit der Tumhalle steht, an welcher nun schon seit einem halben Jahre reparien werde, er könne sich nicht denken, dafe die Kotten der enormen Arbeit alle von dem beteiligten Unternehmer getragen würden. Der Baurat erwiderte, dafe die Turnhalle in der nächsten Woche voraussichtlich wieder benutzt werden könne und dafe „erhebliche" Unkosten für die Gemeinde mcht entstehen werden.— Bei der„Wahl" der ständigen Ausschüsse, welche diesmal in nicht- öffentlicher Sitzung vorgenommen wurde, kam der Gemeindevorstand mit einer fertigen„Vorschlagsliste"; in derselben waren die bürger« lichen Vertreter, auch die in der Sitzung neu eingeführten. 4— S Mal verzeichnet. Für unsere Vertreter war keineKommissioiiSarbeitvorgesehen. Wollte man den„Lankwitzer Nachrichten" vielleicht neuen Stoff ver- schaffen zu der Behauptung, unsere Parteigenossen leisten kein« fiosilive Arbeit? Unsere Genossen protestierten lebhaft gegen eine olche Mifeachlung, sowie auch gegen die RichlöffentlichteU. Der Gemeindevorsteher erwiderte, dafe diese Liste ja nur einen„Vor- schlag" bedeute; im übrigen wären unsere Genossen, welche zwar vor zwei Jahren gewählt sind, erst seit einem halben Jahre in Tätigkeit. Eine sonderbare Logik I Dann würden ja unsere Vertreter überhaupt nicht in die Kommissionen kommen, weil sie durch die Klage des Gemeindevorstehers gegen ihre Wahl ungerechterweise 1'/, Jahre ferngehalten wurden. Die bürgerlichen Vertreter waren edow so grofemütig, unseren Genossen eine Vertretung im AuSschufe ür Srrafeenbeleuchtung und im Ausschuß für Einquartierungsgeschäfte zu übertragen. Groft-Lichterfelde« Ein Brand brach am Sonntagmittag I Uhr tn dem Hause Han«-Sachs-, Ecke Drakestrafee aus, der. begünstig» durch den starken Nordwestwind, sich mit rasender Geschwindigkeit über den ganzen Dochstuhl ausbreitete und die Bewohner der Mansarde in Gefahr brachte. Erst nach stundenlanger Arbeit gelang eS der Feuerwehr, des verheerenden Elementes Herr zu werden. Leider wurde ein Feuerwehrmann durch ein herabfallendes GesimSstück erheblich ver- letzt; er wurde auf Anordnung des herbeigeeilten ArzleS Dr. Leh- mann ins KreiSkrankenhau» transportiert. Köpenick. Au» der Stadtverordnetenversammlung. Die sozialdemokra- tische Fraktion hatte eine Interpellation gegen das Einfahren der Automobile der Allgemeinen ElektrizitatS-Gesellschaft auf der Müggelheimer Chaussee eingebracht. Genosse Nieke wies daraus hin, dafe die auf der Chaussee fahrenden Automobile der A.-E.-G.- in Abständen von l�b Minuten verkehren. Die Strafee sei für FuhrwevtSbesitzer wie auch für Fufegänger zu dieser Zeit fast unpassierbar. Es sei kein Fahren mehr, sondern ein Rasen. Wenn die Gesellschaft eine Strecke für derartige Zwecke brauche, so müsse sie sich darum bemühen. Bürgermeister Dr. LangerhanS erwiderte. dafe in dieser Sache die Landespolizeibehörde zuständig sei. Be- reitS im Jahre 1008 habe man einschreiten wollen; aber vor dem Erlafe oom 2S. Juni 1907 über den Verkehr mit Kraftfahrzeugen sei dieses nicht möglich gewesen. In den Bestimmungen dieser Verord- nung wird ausdrücklich gesagt, dafe öffentliche Strafeen zum Einsah- ren von Automobilen benutzt werden können. Einer weiteren Ver- »olgung dieser Sache könnten die Interpellanten sicher sein. Nach- dem die Stadtvv. Schneider und Dr. Schulz die Ausführungen des Genossen Nieke als richtig hingestellt hatten, schloß die Besprechung. Die Vorlage betreffend Ankauf des Grundstückes Kietzerstr. 8 sBesitzer Tnll) wird in die geheime Sitzung verlegt; desgleichen die Genehmigung ernes Nachtragsvertrages bezüglich der Strafeen- bahn mit der Gemeinde Mahlsdors. Als Mitglied der Kommission zur Veranlagung der Gemeindeeinkommensteuer wurde Wäscherei- besitzer Wilh. Bock, Charlottenstrafee, gewählt. In der geheimen Sitzung wurde der Ankauf deS Grundstücks Kietzerstrafee 8 zum Preise von 28 000 M. beschlossen. Bei der Ver- Pachtung des Rathauskeller erhielt Restaurateur R. Lehmann, Gutenbergstraße, mit 4200 M. Angebot den Zuschlag. Rahnsdorf. Dickfelligkeiten. In der letzten Gemeindevertretersitzung wurden die neugewählten Vertreter eingeführt. AuS Anlafe der eingegangenen sechs Proteste gegen die Gültigkeit der Wahlen der Herren Rapmund und Braam hielt der Forensenmann Braam, der mit seinen Papierstimmen die ganze Gemeinde mundtot gemacht hatte, der Gemeindevertretung einen belehrenden Vortrag über parlamentarische Gepflogenheiten. Es sei allgemein üblich, so er- klärte er, dafe die gewählten Vertreter, ungeachtet der gegen ihre Wahl erhobenen Einsprüche, ihre Tätigkeit bis zur Erledigung derselben ausübten, besonders Dickfällige beteiligten sich sogar noch an den letzten Formalitäten. Auch die Gemeindevertretung solle daher diesen parlamentarischen Brauch beibehalten und die Ge- wählten ihre Funktionen solange ausüben lassen, bis ein Beschlufe über die Gültigkeit der Wahlen vorliegt. Die Gemeindevertretung erklärte sich hiermit einverstanden und beschlofe, zur Prüfung der Wahlproteste eine Kommission einzusetzen. Zum allgemeinen Er- staunen der Zuhörer schlug Herr Rapmund sofort den Forensen- mann Braam als KommissionSmitglied vor. Dieser erklärte sich auch dazu bereit und wurde— gewählt, trotzdem unser als Zu- Hörer anwesender Genosse Boddin den Gemeindevertretern empört zurief:„Dann wählen Sie ja diesen Herrn zum Richter über sich selbst!" Unseres Erachtens ist die Gemeindevertretung auf halbem Wege stehengeblieben. Sie hätte nur die Herren Rapmund und Braam befragen sollen, ob sie die Einsprüche gegen ihre Wahl als berechtigt anerkennen, und, wenn dies nicht der Fall, einfach die Gültigkeit der Wahlen aussprechen müssen, ganz gleich, wie sich die Einwohnerschaft dazu stellt. Denn diese hat ja sowieso keinen Einflufe auf die Zusammensetzung der Gemeindevertretung. In Rahnsdorf regiert der Geldbeutel und die Papierstimme. Friedrichshagen. Die Gemeindevertretung erklärte in ihrer Sitzung die am 3., 9. und 10. März vollzogenen Gemeindewahlen für gültig. Hierauf erfolgte die Einführung der neugewählten Vertreter durch den Bürgermeister Dr. Stiller. Bei der darauffolgenden Etatsberatung bemerkte der Bürgermeister, dafe die Bilanzierung des diesjährigen Etats be- sondere Schwierigkeiten geboten habe. Der Gemeindevorstand habe vorgeschlagen, die Einkommensteuerzuschläge von 125 auf 135 Proz., die Grundwertsteuer für bebaute Grundstücke von 3 auf 4 pro Tausend und für unbebaute Grundstücke von 3 auf 7 pro Tausend zu erhöhen. Dagegen habe die Etatskommission be» schlössen, den Zuschlag auf die Einkommensteuer auf 145 Proz. und die Grundwertsteuer für bebaute Grundstücke auf 3� pro Tausend festzusetzen, für unbebaute Grundstücke den bisherigen Satz von 6 pro Tausend zu belassen. Da nun die behördliche Ge- nehmigung zu dem von der Vertretung beschlossenen Nachtrag der Grundsteuerordnung, der für u nbebaute Grundstücke statt des doppelten Satzes einen Spielraum bei Festsetzung deS Aufschlags vorsieht, inzwischen versagt ist, empfiehlt der Gemeinde- vorstand, die Einkommensteuer auf 140 Proz., die Grundwertsteuer für bebaute Grundstücke auf 3� pro Tausend und für unbebaute Grundstücke auf 7 pro Tausend festzusetzen. Genosse Sonnenburg beantragte, den Einkommensteuer» Zuschlag von 125 auf nur 135 Prozent zu erhöhen, die Grund- wertsteuer dagegen für bebaute Grundstücke von 3 auf 4 pro Tausend und für unbebaut« Grundstücke von 6 auf 8 pro Tausend festzulegen. Er erblicke in dem Beschlufe der Etatskommission eine Schonung des Grundbesitzes. Der Wert der Grundstücke sei in den letzten Jahren bedeutend gestiegen, die Mieten in die Höhe ge- gangen. Bei den GrundstückSveokäufen trete die Wertsteigerung besonders hervor. Die Wertsteigerung deS Grundbesitzes sei erfolgt, ohne dafe die jeweiligen Besitzer den Finger gerührt haben, sie ist erfolgt durch die EntWickelung der Gemeinde, durch die Einführung der Wasserleitung und Kanalisation, durch Strafeenpflasterung, durch bessere Beleuchtung, die Erbauung deS Gymnasiums, eine bessere Verbindung nach Berlin usw. Darum sei auch die Be- lastung deS Grundbesitzes gerecht, nicht aber durch die Erhöhung der Einkommensteuerzuschläge die Belastung derjenigen Ein- kommen, die 1500 M. und noch weit darunter haben. Diese können bei den gestiegenen Lebensmitteln und dem sonstigen teuren Lebensunterhalt nicht-ine Mark missen. Unbegreiflich aber fei es. dafe die EtatSkommisston an dem Sah von 6 pro Tausend für unbebaute Grundstücke festgehalten habe. Wenn die Kommission bei höheren Sätzen den Einspruch deS FiSkuS befürchtete, so dürfe die Vertretung sich nicht auf denselben Standpunkt stellen. Der FiSkuS sei der rücksichtsloseste Besitzer, darum liege keine Veran- lassung vor. ihn zu schonen. In der Debatte wandten sich alle Redner gegen den Antrag Sonnenburg, derselbe wurde abgelehnt. Beschlossen wurde, den Einkommen st euerzuschlag auf 140 Proz.. die Grundwert st euer für bebaute Grund st ücke auf SM und für unbebaute Grundstücke auf? pro Tau. send festzusetzen. Die Bier st euer im Betrage von 10 000 M. und die Lust- barkeitSsteuer im Betrage von 3000 M. wurde gegen die Stimmen der sozialdemokratischen Vertreter angenommen. Für die Aufbesserung der Gehälter der Gemeindebeamten und Unterbeamten ist ein Mehrbetrag von 9830 M. eingestellt. In der Märzfitzung beantragten die sozialdemokratischen Vertreter. auch die Löhne der Gemeindearbeiter aufziibessern. ES wurde be- siblossen. den AnfnnaSlohn der Wegearbeiter auf 1200 M., den Höchstlohn auf 1600 M.. festzusetzen. Die handwerkSmäfeigen Ar. beiter erhalten eine jährliche Zulage von 120 M. DaS Anfangs- gehakt der Maschinisten in der Pumpstation sneben freier Woh- nung) beträgt 1780 M.. daS Höchstgehalt 2140 M.. da? Anfangs- gebalt der HilfSmafchinisten 1400 M.. daS Höchstgehalt 1800 M. Der Vorarbeiter der Strafeenreinigung erhält«ine jährliche Zulage von 300 M. Der Etat schließt ab in Einnahme und Ausgabe mit 680 800 Mark sim Vorjahre 649 000 M.l. Für die gewerblichen Unter- nehmungen werden vereinnahmt: 64 42l M.. Kanalisation 57 500 M., Kurparkverwaltung 1701 M., Baupolizerverwaltung 1500 M.. auS Kapitalien 1616 M., aus Grundstücken 3960 M., indirekte Steuern 39 200 M.. direkte Steneru 402 395 M. Die A»S. gaben betragen u. a.: für gewerbliche Unternehmungen 49152 M.. Kiirparkverwaltung, Verschönerung de? OrteS und der Umgebung 4703 M.. Strafeenpflasterung. Besprengung und Beleuchtung 53.380 M.. Gemeinde-, Amts- und StandesamtSverwaltung 104 198 Mark. VolkSschulverwaltiing 172 300 M.. höhere Schule 100 800 M.. Armenverwaltung 36 400 M. Die SpezialetatS schließen ab in Einnahme und Ausgabe mit: Wasserleitung 54 200 M., Kanalisation 57 500 M., Realgymnasium 95 300 M. DaS Gemeinde- Vermögen beträgt 2 304 055.50 M., die Gemeindeschulden 1732 015,44 M.. mithin derbleibt ein BermögenSüberschufe von 572 040,06 M. Trebbin(KreiS Teltow). Au» der Sladtferordneten fitzung. Der WaflerwerkSetat, welcher mit 11 500 M. balanziert, wurde mit 17 Stimmen angenommen. Die neue Wassergebübrenordnung, die eine 4'/z prozentige Erbebung der staatlich veranlagten Gebäudesteuer vorsieht' wurde dahin abgeändert, dafe nur 4 Proz. zur Erhebung kommen; die Mindestgebübr beträgt 6 M. Neu eingeführt wurde ein Wassertarif für gewerbliche Zwecke; bis 300 Kubikmeter werden 13 Pf., für weitere 400 Kubikmeter 12 Pf. mid für über 700 Kubikmeter 10 Pf. erHoven. Zu Bau« zwecken sah die Ordnung für den Kubikmeter Banraum 2'/.z Pf. vor. es wurde- aber beschlossen, das Wasser zu Bauzwecken nach dem Tarif für gewerbliche Zwecke zu berechnen. Die Ordnung tritt mit dem 1. April 1910 m Kraft. Zur Aufforderung des RegierungS« Präsidenten, die gewerbliche Fortbildungsschule nicht noch 8 Uhr abends auszudehnen, am Sonntag gar keinen Unterricht abzuhalten und eine diesbezügliche Abänderung deS OrtSstatuts vorzunehmen, schlug der Mogistrat vor, die Verlegung sowie Aenderung ab- zulehnen, weil die Haudwerksmeister behaupten, sie würden jetzt schon durch daS Stattfinden des Unterrichts von 7—9 Uhr schwer geschädigt. Genosse Richter beantragte, die Unterrichtsstunden in die Zeit von 4—6 Uhr zu verlegen; dieser Antrag wurde jedoch mit 7 gegen 11 Stimmen abgelehnt und der Magistratsvorschlag mit 10 Stimmen angenommen. Potsdam. Vom Tanz in de» Tod. Eine jähe Unterbrechung fand am Sonnabend eine Tanzunterhaltung, die in einem Lokal in der Brandenburger Vorstadt stattfand. Während eines TanzeS wurde der in der Waisenstrafee 69 wohnhafte Maurer Joseph Schäfer, ein 54 Jahre aller Mann, von einem Unwohlsein befallen und sank zu Boden. Sofort requirierte man aus dem nahen St. Josephs-- Krankenhause einen Arzt und brachte den Erkrankten an die frische Luft. Unter den Händen deS ArzteS verstarb Sch. jedoch und wurde als Leiche nach dem Krankenhause transportiert. Spandau. Die Vorkommnisse im hiefigeu Feuerwerks-Laboratorium, wo der Direktor Kahler die gekündigten Arbeiter zu Streikbrelberdiensten bei der A. E.-G. in Schöneweide und bei der Siemens- Schuckert« Gesellschaft, Nonnendamm, veranlassen wollte, hatte der hiesige Metallarbeiterverband benutzt, um am Sonnabendabend in den Bismarcksälen in einer von ihm anberaumten öffentlichen Versamm- liing zu den zahlreich erschienenen StaatSarbeilern zu sprechen. Der Einberuker Genosse Richter gab den Inhalt einer an das Kriegsministerium gerichteten Petition bekannt, in welcher um Einstellung der Massenentlassungen, Zurückziehung der schon erfolgten Kündigungen und Verkürzung der Arbeitszeit gebeten wurde. Genosse Bahn- Berlin würdigte in seinem Referat die ungenügende Antwort des KriegsminisleriumS sowie die Machinationen des Direktors, die ge- kündigten Arbeiter zum Streitbruch zu veranlassen, einer abfälligen Kritik. Es gelangte folgende Resolution einstimmig zur Annohme: „Die heute in den Bismarcksälen tagende Versammlung der in den tgl. Staatsbetrieben beschäftigten Arbeiter erklärt sich mit den Ausführungen des Referenten einverstanden und protestiert ganz energisch gegen die Behandlung, welche ihnen vom Kriegs- Ministerium durch die Direktion als Antwort zuteil geworden ist. Desgleichen erblickt sie in der Verschickung zu Streikbrecherdiensten eine krasse Verhöhnung und bedauert, dafe sich dieDireklion eines SlaatS» betriebeS Privalgesellichaflen gegenüber eine solche Handlung zu- schulden kommen läfet; die Anwesenden beauftragen die Leitung der Versammlung, die nötigen Schritte zu unternehmen, dem hohen Reichstag« durch die sozialdemokratische Fraktion in Form einer Interpellation zu unterbreiten." Vermifcbtes. Feuer auf dem Hauptbahnhof Posen. Am Sonntagmlttag ent» zündeten sich, wie amtlich aus Posen gemeldet wird, aus dem Haupt- zahnhos die zwischen Gleis 56 und der Hauptwerlstätle gelegenen Schwellenstapel. ES verbrannten etwa 6000 neue kiefern« Schwellen, ferner sind sechs Güterwagen angebrannt. Der Schaden beträgt 30 000 bis 40 000 M. Die Ursache des BrandeS ist noch nicht fest- gestellt; der Betrieb ist nicht gestört. Aus dem Bahnhof Stralsund fuhr der planmäßig um 2 Uhr 34 Minuten nachmittags eintreffende Personenzug 321 von Paiewalk wahrscheinlich infolge zu später BremSbedieiiung auf den Prellbock des Einfahrgleises. Hierbei entgleiste die Lolomotive mit den drei vorderen Achsen. Dre» Personen wurden leicht verletzt. Panik nach einer Kesselexplvfioa. AuS Königsberg wird vom gestrigen Tage folgende» gemeldet: Gestern abend erfolgte in der Höhe deS Aschhof an Bord deS Motor- booteS„Konkordia" auS Elbing eine Kesselexploflon, die einen Brand verursachte. Die an Bord befindlichen acht Personen sprangen zn» Teil mit brenneirden Kleider» in den Pegel. Sie wurden sämtllch von einem vorüberfahrenden Dampfer gerettet. Abgestürzt. Au« Münster a. St. wird gemeldet: Gestern ist bei der Besteigung deS RvleuselsenS ein Mann abgestürzt und schrecklich verstümmelt worden. Er wurde als Leiche hierher gebracht. Seine Persönlichkeit tonnte bisher nicht festgestellt werden. Ein ExplofionSnnglück in TexaS. Aus New Dort wird gemeldet: Bei Novite tn Texas wurden 14 Erdardeiter durch die vorzeitige Explosion einer Sprengladung bei den AusschachtungSarbetten für einen Bahnbau zerschmettert. Folgenschwerer Felssturz. Infolge eine» Felsstürze« wnrden einer Meidrnig aus Zernowitz zufolge bei Tondry sechs Personea ge- tötet und vier schwer verletzt. ewae&mgen« Druchrchiiften. Von der„Gleichheit», Zeltlchnst für die Interessen der Arbelterlnnen (Stuttgart. Verlag von Paul Singer), ist uns soeben Nr. 14 des SD. Jahrganges zugegangen. Sie hat solgenden Inhalt: Der internationale Kongrefe 1910.— Zur ersten Beratung der ReichsvelsichmriigSor dnung im RcichSlag. Von gh.— Erschließung neuer Frauenbrruse? Von Ii. S.— Zur Frauen. tonserenz. L Von Ottilie Bader, ll. Bon Marie Döring. IN. Von L. Zietz. IV. Von der Redallion der„Gleiihheit".- Eine übeiflüssige Konse- renz. Von Mathilde Wurm.— Dle Arbeiterinnen und die Gesetzgebung in Finnland. Bon Hilja Pärflnen.— Aus der Beu-egung: Von der Agi- tation— AuS dem MonSseldischrn.— Ehiung der oerslo, denen Genossin Slögemann.— Grete Brüggemann ß.— Politische Rundschau. Von N. g. — Gcwerkschastliche Rundschau.— Konsesfionelle Arbkileriiiiienorganisationen In Baden l9i)8. Von mg.— Nottzenteil: Arbeitsbedingungen der Arbeite- rinnen.— Frauenarbeit aus dem Gebiet der Industrie, des Handels- und V ei lehrswesenS.— Frauenslimmrecht.— Sozialistische Franenbewegung im Ausland. Für unsere Mütter und HauSsrauen: Der Granit. Von Villor Schesscl— Ueber unsere Kraft. V.— Die Anfänge de« Pslanzen» baus. Bon Hannah Leivin-Doilch.— Hygiene.— Feuilleton: Wir sind der Sieg. Bon Ludwig r: essen.— Luhi. Von Elohim Sarah. Für unsere Kinder: FrühiingSnacht. Von Ludwig UHland.— Bebe Kathie l Von Max Hossmann.— Lerchenkrtea. Bon Ludwig lldland. (Kedichi)— Von den Barbaren, l. Von od.— Mein erster Sildl. Bon H- Kahmann.— Arno. Bon E. Eeton Thompson.— Grostvater. Bon Emma Döltz.(Gedicht.) Die.Gleichbeif erscheint alle 14 Tage einmal. Preis der Nummer »ll Ps.. durch die Post bezöge» beträgt der AboniieinentsprriS vierteljäbilich ohne Bestellgeld 55 Pj.; unter Kreuzband 85 PI. JahreSabomicurent 2,60 Marl. »In Freien Stunden». Hefte ll und 12 find erschienen. Der In. halt ist folgender:„Die Abendburg" von Bruno W l l l«(Fort- lehmig).—„R o m a n a", Erzählung von Theodor Mügge(Fortsetzung). — ,D erVagabund". Skizze von Octave Mirabeau.—„Wie man den Kleinen das Gurgeln beibringt". Von Dr. von Ancist.— Die» und Jenes. — Der stiegende Frosch.— Wieviel Krankheiten gibt«S.— Ein lustiger Junker.— Die Wirkung der Maschinen.— Ostereier.— Eine spielwütige Köutgin.— Witz und Scherz. „Fn Freien Stunden" erscheint wöchentlich und Ist zum Preise von 1v Pst pro Heft durch alle Buchhandlungen und Kolporieure zu beziehen. „Kommunale Praxis». 10. Jahrgang. Nr. 13 und 14. Da jetzt ew neues Quartal begonnen hat, Ist gegenwärtig der geeignetste Termin zum Abonnieren. Der«bonnemenispreis beträgt vierteljährlich 3 M. Be- stellungen nehmen alle Buchhandlungen, Kolporteure und Postanstallen entgegen. Probenunimern vom Verlag der Buchhandlung Bor- w ä r t S. Berlin SV. SS. „ Hcst t HeiauSgegebm von H. Oswald. 50 Pj. 9. Frolvem, Berlin W 0. Vom„Wahrr« Jacob ist soeben ganges, IS Seilen stark, erschienen. A anderem: Bilder: die 8. Nummer beS 27. Jahr- uS ihrem Inhalt erwähnen wir unter .Schlag zu, Theobald I" Zeichnung von W. Lehmann. nung von A. Mrawek.—.Der geprellte Don Ouixote." Zeichnung von H. G. tzsch.—.Hochwasser.' Zeichnung von I. Shdow.—.Der selbst- lose GoMmann.' Zeichnung von R. Wols..Straßensäuberung bei Wablrechtsdemonstrationen mittels Motorbetrieb.' Zeichnung von A. Fie- biger.—.Vor der Schlacht.' Zeichnung von E. Erl.—.Preuhische Preis« ausgäbe.' Zeichnung von E. Erl.—.Nun ruhen fie aus aus ihren Lor» beeren l' Zeichnung von M. Däumichen.—.Aus Bayern'. Zeichnung von V Lehmann.—.Der Kunslmäzrn.' Zeichnung von I. Kausmann.— »Ostelbische Wohnungsresorm.' Zeichnung von R. Rost.—.Die HochzeitS. reise.'— Zeichnung von Ri Grieß.—.Die Unsiltlichreitsschnüfsler.' Zeich« nung von R. Mayer. Text:.Schnapsblockarbeit.' Von Tobias.—.Der Konservative an die ZiationaUiberalen.' Nach Frelligi ath von J. S.—.Römischer Fortschritt.' Von E.— ,AuS dem Ehrenkodex eines preußischen Osfizicrs.' Von Tobias.—.Staatsexamen.'—»Da« Präsidium.' Von P. E.— .Bassateremtete.' Von H. FL—.Lieber Jacob 1° Von Jotthils Rauke.— .Frühling.' Von Ernst Preczang.—„Moderne Fabeln.'—.Göttliche Weltordnung'. Von Tobias.—.Das alte Recht.' Von A. T.—.Wahl- rechtssimulanten.'—.Die Kreble.' Eine Fabel von P. E.—.Der Duez- skandal.' Von Balduin.—.Frühlingswehen.'—.Für Thron und Altar." Von Tobias.—.An den Herrn Reichstagsabgeordneten Elard v. Olden- bürg."— Von Pocker-EmU.—.Persönliches Pech.'—.Chinas Vorbild.' Von». G.- Usw. Der Preis der Nummer ist toPs. Probenummern find jederzeit durch den Verlag Paul Singer in Stuttgart sowie durch alle Buchhandlungen Und tiolporteure zu beziehen. Wahrnevmuiigeo und Gedanken(1875—1910) von G. Gröber. ».80 M.. geb. 2,50 M. Bericht deS«rbeiter-Rekonvaleszentenheim-Beretn»«nsfig lvvi». 18 Seiten. Selbiloerlaa. Körperliche Erziehung. 1. Hest. Zeitschrift sür reale« Leben. Heran«» gegeben von Dr. V. Pimmcr. Jährl. 4 Kr. Wien XIV/2. Dir Wohlfahrisciurichiungen von Graft- Berlin. Heraus- gegeben von der Zentrale jür private Fürsorge. 3 M. I. Springer, Berlin NW. Bericht des Sozialdemokratischen AgitationskomiteeS für die obere Rheluprovinz über das Jahr 1909. 24 Seilen. Gilsbach u. Co., Köln. Verlöbnis und Ehe. Anfechtung, Nichtigkeit und Scheidung der Ehe. Von Dr. v. Moers. 1,50 M. G. Beck, Berlin, Engeluser Sd. Bom sprachlichen Kniistgewerbe. Märzhest. Monalsbeste, heraus» gegeben von H. Weidenmüller. 25 Ps. Verlag der Werkstatt jür neu« deuts.ve Wortkunst, Leipzig. „Die Deutsche Bühne.» Amtliche« Blatt des Deutschen Bühnen- Vereins, Nr. S. Einzclh. 50 Ps. Oesterheld u. Co., Berlin W. 15. Fünfzig Jahre„Kölnische Boltszeituug». Ein Rückblick sium goldenen Jubiläum der Zeitung von Dr. H. Cardauns. 80 Seiten. I. P. Bachem, Köln. Versuch einer mechanischen Analyse der Veränderungen vitaler Systeme von Dr. A. Cohen-KySper. 1,60 M. G. Thieme, Leipzig. „Die drei Bäter.» Roman von der Tauentzienstrage. von E. Jllss. Illustriert von II. Hajduk. Verlag Eonttnent, Berlin. 3 M., geb. 4 Wir Väter nnd Mütter und deS kommende« Geschlechts Gesundheit und Kraft von Dr. K. Weiß. 1,40 M. Reutz n Jtta, Konstanz. IS. Jahresbericht de« ArbeitersekretariatS Stuttgart. 81 Seiten. Vereinigte Gewerkschaslen, Stuttgart. Dätigkeitsübersicht sür daS Jahr IVOS des verrtnS Berliner Kaufleute und Industrieller. 204 Seilen. Selbstverlag, Berlin W, 56. 4. Bericht des Fürther volkSbildnngSvereinS über das Jahr 1909. 19 Sellen A. Schröder, Fürth. KrUkKasten der Redaktion. Sit IntlftltAt Tvreiyfnnidt findet Linden ftraht Nr. 00, vorn vier Treppen— Fabeftubl—,«ochentSgliA von 4'h bi«?'/, Uvr abends ftatt. Jever tlnfrag- ift ein Buchitabt und eine ZabI als»tertzeichen beirnfiigen. Briefliche«lntworl wir» nicht erteilt. Ellige Fragen trage man in der Svrechftunde vor. M. Sch. 88. Beantragen Sie die Bewilligung des ArmenrechtS und klagen sie.— ffi. F. K. 500. Machen sie ein gemeiiischastliches Tesia- mcnt. das Sie vor einem Notar oder Gericht und auch eigenhändig errichten können. Ein eigenhändig geschriebenes Testament muß datiert und unterschrieben sein.— H. K. 2m!2. Ja.— Ripdorf 27. In vier Jahren i die Forderung ist also noch nicht verjährt.— M. 47. Ja, sojern die Schulden zum Zwecke des Unterhalts gemach» sind. Die andere Frage müssen die Eltern entscheiden.— C. 88. Sie können daS Grundstück während der ganzen Vertragsdauer, selbst wenn der Sohn setzt Eigentümer ist. behalten. Die Grenzzäune müssen Sie aber, wenn sie während der Pachizeil schadhast geworden sind, selber instand setzen, müssen daher auch den Rest der sälligen Pacht zahlen.— W. 16. 1. und 3. Nein. 2. Ja. WitteningSübersicht dorn 11. April 1910, morgens 8 Nbr. (Ii *1= 'Ii Ii SwMemde 764 NW Hamburg i 765 WSW Berlin!765WNW Frants.a M 765 NO München l 766 NO Wien! 764 NW Setter ««« ei» »» h3= 2 wölken! 2 wolkig 2 halb 66. 2 wölken! 3 heiter 3 heiter CtafUnsen c 2 »•=H ja- S 2 ef Settn e* «s aranda 756® 6 bedeckt— 8 eterSburg 762 NO 2 wolkig—4 Scillh 759 SSO 3 halb t>d. 8 tlberdeev j751SSW«hedeckt! 7 Part» j 764 ONO| 1 wollen!! 1 Wetterprognose für Dienstag, de« 12. April 1910. unächst etwas wärmer bei ziemlich lebhasten südwestlichen Winden, zunehmender Bewöllung und leichten Regensällcn: später wieder zeitweise aujliarmd und neue Abkühlung. Berliner Wetterbnreas. WasserftandS-Nnchrichte» der LandeSanstalt sür Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berliner Welterbureau. vasi erstand M- m- l. Tilstt P r« g e l, Jnsterbmg Weichsel. Tborn Oder, Ratibor , krosien , Frantturt Warthe, Schrimm , Landsberg Netz«, Vordamm Elbe, Leitmerttz , Dresden , Barbv , Magdeburg >) 4- bedeutet Wuchs,— Fall.— 1 UnterpeaeL !______—— Unserem Genossen Otto Ttenn nebst Braut die herzlichsten Glück» wünsche zur Hochzeil. lS34b Die Gciiosicn dcS 68Z. Bezirks. f«y- �; grg«ftiXAAÄ; Unserem Mitarbeiter Genossm Prite Wgppler nebst Gattin zu ihrem heutigen 25täb>lgen Ö Ehejublläum die aufrichtigsten G Gtückwünschel« vi»«ageetellwn öo» v. T.-V y Bezirk Broß-Berlin. gp **% und G iattin® beliebtes Mitglied und � 5097L Unser f Genosse pritA IVappIer Bezlrlesührer deS vletlen Wahl- kreiieS. Abteilung l des 175. Be- zirks, seierl heute seine Silberne Hochzell. Wir wünschen von ganzem Herzen, daß derselbe noch fernere 25 Jahre zum Wohle feiner Familie wie der Partei tätig sein wird. 01« Genosssv des 176. Bezirks. Dem Verbandsvorsitzenden Frits Wuppler nebst grau die besten Glückwünsche zur Silbernen Hochzeit ge- JK widmet. Transportarbeiter & der Firma MengerS u. Söhne _�6€€ Kirchdoi in Rixdors, Hermannstraße, statt. Um rege Beteiligung ersucht 81/17 Die Ortseerwaltung Verband der Schneider, Schneiderinnen u. Waschearbeiter OeUtSGhl. Berit*'*). Den Mitgliedern geben wir hier- mit bekannt, daß der Kollege Wilhelm Templin im Alter von 38 Jahren am Sonnabend, dm 9. Aprll, ver- starben ist. Ehre seinem Andenke« I Die Beerdigung findet heute nachmittag 3 Uhr von der Halle des Elisabeth-Kirchhose», Priiii Allee, aus statt. 16! Die Ortseerwaltung alle Verein der Stereotypeure und Galvanoplastiker Berllnte and Umgegend. Den Kollegen zur Nachiicht. vaß unser Mitglied, der Stereo- typeur Friedrich Richter am 9. Ap> tl im Atter von 51 Jahren an der Lungenschwindsucht ver- starben ist. Ehre seinem Andenke«! Die Beerdigung findet morgen. Mittwoch, den 13. April CT., nach. mittag« 4 Uhr. von der Leiche». halle de« AuserslehungS-Kirchhoses in Weißensee, Lichtenderger Weg. au« statt. Um rege Beteiligung erluchl Idee Vorstand. Ain Fleitag. den 8. April, oer- schied insolg« Uns alle» mein lleber Mann IMKeni Teske. Die« zeigt ttesbetrübt au Frau Teste nebst FamUte Die Beerdigung findet heute DlenStag, den 12. April, nach. mittag« 5 Uhr, aus dem neue» Reintckendorser Friedhos statt. Deutscher I�etaliarheiter-Verhand Berwitlttiiigsstellr Berlin. Tode«• Anzeige. Den tlollege» zur Nachricht, daß rrnler Mitglied, der Bohrer Georx Warstat am 8. d Act», an Gehirnschlag gestorben ist. Ehre seinem Andenke«! Die Beerdigung findet heute, Dienstag, den>2 Aprll CT.. nach- mittags 3'lj Uhr, oon der Leichen- Halle deS KirchhoseS w StahirS- dors auS statt. Rege Beteiliming erwartet lt4/7 Die Ortsverwalfung. Dr.Simmel Spezial-Arzt für Haut- und Harnleiden. Prinzenstr. 41,«X?.*, 10—8, 8—7. Sons tags 10—12, 2-4. IkaiiUnugniig. Für die unS allerseits so reich entgegengebrachte Tellnahme so- ivie sür die zahlreiche Beteiligung und die vielen Kranzspenden bei der Beerdigung unser e« lieben Vater« GroßvatcrS.Bruder« U.Schwagers. des Fubrberrn Ei-mst Grimm sagen wir allen Freundm, Be- kannten und Veremm unseren liesgesühltesten Dank.>5906 0ie trauernden Hinterbliebenen IkankNagun� r � Teilnahme und die zahlreichen Kranz agung. Beweise heylicher Für die vieleir rii| spenden bei der Beerdigung meines lieben Mannes, unsere« guten ValerS, des Gastwirts Friedrich Gaule sagen wir allen Verwandten und Be» kannten, namenlltch dem Sozialdemo- tratischen Wahlvcretn de« Vi. Kreise«, dein Verband der freien Gastwirte, sowie dem Verein.Dalle»' unseren innigsten Dank. t629b Wiiwe Ganle nebst Kindern. Danksagung. Für die mir allerseits bewiesene Terlnahme bei dem Verluite meiner lieben unvergeßlichen Frau, in«. besondere den Herren Chcs« sowie dem Gesamtpersonal der Firma Ferd Ashelrn hiermit meinen tief» gefühlten Dank. Berlin, April 1910. 16366 Panl PerB. Von der Reise zurück Dr. Felix Taendler Oranienburger Str. 44. Dr. Schunetnann Spezialarzt fllr Haut- und Harnleiden, Frauenkrankheiten,* Friedrichstr. 203, Ecke schützenstr. «SochentagS 10—2," ! findrtdMtr 23*7$** Beusulstr.öf. i iraanenitf. 95. leipzigenrcäi. ftixdorf. ß&göO: /33* \�/Vd6jt�ß��ßm6 Kinderwagen, KfUll-Eeftstellra. Trlumpfatühle. AU« Roi�warca. ZBSdBBxaUdpfhftrt* lönflcrfdUrstölUe. Stoff-Beste ansrelchend(fir komplette Herren-Anzüge, Hosen, Paletot«, Damen* Kosifim», Kleider, Röcke, Loden-Pelerinen etc. die«leb bei ans In Massen anhäufen, verkaufen wir SPV* bedeutend anter Preist Meter Mk. I.—. Z.—, 3.—, 4.—, 5.—. 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