Ar. 90. NdsimementZ-vecklngllWN: BSonnemcntS, Preis prSnumcranba i viericljährl. 3fi0 TOf, monatl. 1,10 Mr., wöchentlich 28 Pfg. frei ins HauS. Einzelne Nummer S P-g. Sonntags- Nummer mit illustrierter Sonntags- Beilage»Die Neue Welt' 10 Pfg. Post- Abonnement: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Poft-Zeitungs- Brerslistc. Unter Kreuzband siir Deutschland und Oesterreich< Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland 8 Marl pro Monat. Postabonnements nehmen an: Belgien, Dänemark, Holland, Italien, Luxemburg, Portugal, Äumänien, Schweden und die Schweiz. 27. Jahrg. Crfchdiit IZgNch laBtr MslitZ«. Verlinev VolksblAkk. vle InwlisnZ'ecdilhr kciriigt für die sechsgespallene Kololl e?« geile oder deren Raum 80 Psg., für politische und gewerkschaftliche Vereins- und Versammlungs-Anzeigen M Psg. „Kleine Hnzeigen", das erste ssctt- gedruikte) Wort 20 Pfg.. jedes weitere Wort 10 Psg. Stellengesuche und Schlaf- sicllcn-Anzeigcn das erste Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort 6 Psg. Worte über »Z Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Numnicr müssen bis s Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm.- Adresse: „Soziiililemelint Rsrliu". Zentralorgan der rozialdemokratifchen parte» Deutfchlands. Redaktion: 658. 68. Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 19S3. Dienstag, den 19. April 1910. Expedition: 8M. 68, Lindenstraaoc 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984* Die historische„Berechtigung" der geistlichen Schulaufsicht. Für den konservativen Durchschnittsmenschen ist etwas „berechtigt" lediglich dadurch, daß es existiert. Für den ge. wohnlichen Fortschrittsmann hat jede Neuerung recht, eben dadurch, daß sie— neu ist. Beiden fehlt es an einem Mast stabe zur Beurteilung dessen, was im letzten Grunde eigenb lich Recht ist. Als im Jahre 1907 das damals noch sozialistenreine preußische Abgeordnetenhaus über das Schulgesetz und im Zusammenhange damit auch über die Frage der geistlichen Schulaufsicht beriet, erklärte ein solcher konservativer Durch schnittsmann, er wolle die geistliche Schulaufsicht, d i e etwas geschichtlich Gewordenes und darum Berechtigtes sei, nicht abgeschafft wissen. Selbst wenn das so wäre, d. h. wenn mit der Einrichtung von Schulen von Anfang an und immer die geistliche Schulaufsicht im heutigen Sinne verbunden gewesen wäre, könnte dem Manne unschwer klar gemacht werden, daß es nichts„Berechtigteres" gäbe, als die sofortige Abschaffung dieses Hemmklotzes an der End Wickelung unseres Schulwesens.� Aber hinter der Berufung auf das„historische" Recht verbirgt sich schr oft nichts weiter als krasseste Rückwärtspolitik. Und die Vergangenheit, auf die man sich beruft, ist oft viel besser gewesen, als reaktionäre Geschichtsklitterung sie machen will. Das Bild von der Schule, die eigentlich zur Kirche gehört, weil sie von Anfang an nichts als Teil der Kirche war und sich erst allmählich von der Kirche als ihrer Mutter losgelöst hat, dieses Bild ist uns durch jahrelange Unterweisung ganz geläufig geworden und scheint auf den ersten Blick auch zu stimmen. In Wirk- lichkeit ist unsere Volksschule ein selb st än- diges Gewächs, das sich unabhängig von der Kirche, ja gegen sie entwickelt hat. Und»vie mit der Volksschule im allgemeinen, so steht eS bei näherer Be trachtung auch mit der Schulaufsicht. Wenn es so etwas wie historisches Recht wirklich gäbe, dann hätte die Volksschule kein besser gegründetes Recht als dasjenige auf Befreiung von der geistlichen Schulaufsicht. Die Geschichte des letzten Jahrhunderts ist wie in vieler, so auch in dieser Beziehung eine Geschichte der Reaktion.*) Daß die Volksschule kein Ableger der lateinischen Ge- kehrtenschule, sondern ein mit der Loslösung der bürgerlichen Geldwirtschaft von der mittelalterlichen Naturalwirtschaft notwendig entstandener selbständiger Organismus ist, setzen wir als bekannt voraus. Die Stadtschule, für die Kinder der Begüterten bestimmt, war gegründet von der Bürgerschaft, aus den Bedürfnissen des bürgerlichen Lebens heraus. Von Anfang an war ihr ein scharfer Gegensatz gegen die Geistlichkeit mitgegeben. Denn von Anfang an verlangten einige Domherren das Aufsichtsrecht über die Stadtschulen, nicht nur um klerikaler Tendenzen willen, sondern hauptsäch lich auch, um das reichliche Schulgeld, das in diesen Stadt- schulen bezahlt wurde, zu erhalten. Erst nach und nach wurden diese Stadtschulen rein städtisch verwaltet. Die Auf- ficht übertrug der Rat oder der Magistrat der Städte entweder Natsmitgliedern oder auch Geistlichen. Neben diesen Stadtschulen gab es Schulen für die Kinder der Hand w e r k e r und Kleinbürger. Ihr Arbeitsplan umfaßte meist nur Schreiben. Lesen, Rechnen und etwas Deutsch. Diese sogenannten Schriefscholen sind die eigent- lichen Vorgänger der modernen Volksschulen. Während für Universitäten, Gelehrtenschulen und Stadtschulen sehr viel getan wurde, fristeten die Schriefscholen von Anfang an ein kümmerliches Dasein. Sie waren der geistlichen Auf- ficht am meisten entzogen. Aber trotzdem war ihr geistiges Niveau erschreckend niedrig: die Lehrer waren zumeist Hand werker, wie Schneider, Schuhmacher, Leineweber usw. Äie Bedeutung der sogenannten Reformation für die Entwickelung der Volksschule und der geistlichen Schulaufsicht ist zweischneidig. Einmal kann nicht geleugnet werden, daß Luther in seinem„Sermon, daß man solle die Kinder zur Schule halten" die Wichtigkeit der Schule für das Gesamt- leben des Volkes klarer und weitblickend ettasü hatte. Wir denken da besonders an die Stelle, in der er die allgemeine Schulpflicht und die allgemeine Wehrpflicht in Parallele stellt. Andererseits befestigte gerade er die Grundlagen der kirchlichen Weltanschauung nur um so mehr. Es ist tat- sächlich so, daß für Luther die gesamte Volksbildung nichts weiter als Mittel zum Zweck war: Um der Kirche willen hat Luther der Gründung von Volksschulen das Wort geredet. Unter diesem Gesichtspunkts nimmt es nicht wunder, daß nach der Reformation die Abhängigkeit der Schulen von der Kirche für eine Zeitlang viel drückender wurde als vorher. Was früher fast selbstverständlich und darum ohne besondere Betonung vor sich ging, das wurde jetzt zu einem Ausdruck planmäßiger Schulpolitik. So heißt es z. B. in der„Instruktion für die Lokalvisitation der lutherischen Schulen", die *) Heber die geistliche Schulaussicht ist im Volkserzieherverlag «in Spezialbüchlein von Wilhelm Paul erschienen. In seinem theoretischen Teile etwas romantisch verschwommen, verdient cS doch wegen seiner lebendigen Tendenz warme Anerkennung. Friedrich Wilhelm I. am 5. März 1715 ausgehen ließ, daß bei den königlichen Visitationen„die Patrone, Pastoren und Gemeinden wegen der Schulmeister befragt werden sollen, ob diese zu ihrem Amte tüchtig, in der Unterweisung der Jugend fleißig und in ihrem Leben und Wandel unsträflich seien. Der Visitator solle besonders den P f a r r e r anweisen, die Schule fleißig und wenigstens einmal zu besuchen und auf des Schulmeisters Führung und Fleiß ein wachsames Auge zu haben." Hierbei ist freilich zu bedenken, daß die Lehrer immer noch nicht fachlich ausgebildet, sondern, wie oben er- wähnt, im Hauptberuf Handwerker waren. Sie wurden aus- gebildet durch„geschickte Schulkollegen oder fromme Stu- diosen".(Was es mit den frommen Studiosen jener Zeit auf sich hat, ist freilich zur Genüge bekannt.) Im Jahre 1739 wurde z. B. der Unterricht in der Berliner Dreifaltig- keitskirche erteilt von einem unvermögenden betagten Ein- wohner, einer ebensolchen Frau und einem U n t e r 0 f f i- zier vom Garnisonregiment. Und auch das vielgelobte Generallandschulreglement, das Friedrich II. 1763 veröffent- lichte, rechnete damit, daß bei der Besetzung von Schulstellen Invaliden zu berücksichtigen seien, die lesen, rechnen und schreiben können. In einer Hinsicht aber ist dieses Reglement und seine Wirkung auf die Geistlichen interessant. Das Ziel, das der König seiner schulreformatorischen Tätigkeit gesteckt hatte, war dies:„Es soll der höchst schädlichen und dem Christen- tum unanständigen Unwissenheit vorgebeugt und abgeholfen werden, um auf die folgende Zeit in den Schulen geschicktere und bessere Untertanen bilden und erziehen zu können." Hier wird also— man mag dies Ziel im speziellen tadeln wie man will— ausdrücklich betont, daß die Schule durch die Steigerung der Volksbildung in erster Linie den Interessen des Staates, nicht der Kirche dienen soll. Die lutherisch- reformatorischc Ansicht ist also prinzipiell aufgegeben. Wie reagierte die Kirche hierauf? Die Geistlichen zeigten plötzlich so wenig Neigung zur Mitwirkung an der ihnen gestellten Aufgabe, daß ihnen mit hohen Strafen und sogar Amtsentsetz- ung gedroht werden mußte. Nichts ist für das wahre Interesse der Kirche an der Schule charakteristischer als dieser Frontwechsel. Die Gründung von Seminaren mit rein fachlicher Aus- bildung, die in eben diesen Zeiten begann, ließ die antikirch- lichen Tendenzen, die freilich während der ganzen lutherischen Periode nie ganz geschlummert hatten, von neuem mächtig emporwachsen. Tatsächlich waren die Geistlichen nichts als Beauftragte des Staates. Und indem für die Visitatoren in methodischer Hinsicht verbindliche Vorschriften erlassen wur- den, bekam die Tätigkeit der Geistlichen selber eine ange- messene Schranke. Welches waren die Gründe für die Verbindung von Kirche und Volksschule bis dahin gewesen? Entstanden war die Volksschule unabhängig von der Kirche. E r st d i e u n- selige enge Verbindung von Staat und Kirche, die mit der Reformation aufkam, hat diese Verquickung recht eigentlich geschaffen. Wie lose aber dieser Zusammenhang eigentlich war, zeigt das Beispiel Friedrichs II., unter dem sich die Tätigkeit der Kirche rein auf eine gesetzlich umrissene fachliche Kontrolle beschränkte. Diese aber muß vom Standpunkt der ganzen damaligen Lage beurteilt werden: schließlich war es doch besser, ein Pfarrer kontrollierte die Unteroffiziere als gar niemand. Das wurde aber total anders, indem von Jahr zu Jahr die Zahl der für Fachausbildung von Lehrern bestimmten Seminare stieg und so ein Stand heranwuchs, der nicht nur vor den ehemaligen Unteroffizieren, sondern auch vor den Geistlichen selber den Vorzug wirklicher Sachkenntnis hatte. Die Periode, in der dies geschah, ist die unter Friedrich Wil- Helm III., der freilich selber sehr wenig an dieser Entwicke- lung Schuld hat. Will man einen Namen nennen, so ist es Pestalozzi, der durch seinen gewaltigen Einfluß erreicht hat, daß die Machtsphäre der Kirche auf eine Zeitlang ziemlich ein- geschränkt wurde. Wenn man von einer Blüte der Volksschule in Preußen überhaupt reden kann, so ist es in dieser Zeit ge- Wesen, wo eine große Anzahl der tüchtigsten Volksschulpäda- gog-en, die bei Pestalozzi persönlich ausgebildet waren, an der Spitze des preußischen Volksschulwesens standen. Es war die Zeit des Freiherrn vom Stein. In 13 Jahren wur- den 14 selbständige Seminare gegründet. Eine eigene Wissen- schaft der Pädagogik kam auf. Und auch nach außen zeigte sich die Veränderung: Die prinzipielle Abhängigkeit der Schule vom Staate und nicht von der Kirche wurde weiter befestigt, 1808 ward die Leitung und Beaufsichtigung des niederen Volksschulwesens den königlichen Regierungen über- tragen, 1811 wurden die städtischen Schuldeputationen, 1812 auf dem Lande die Schulvorstände eingerichtet. 1817 wurde das Schulwesen, das bisher dein Ministerium des Innern unterstand, einem eigenen Ministerium unterstellt. Freilich wurden noch immer viele Geistliche, besonders auf dem Lande, als Schulinspektoren benutzt. Aber darüber ist kein Zweifel: der fabelhafte Aufschwung, den das Volksschulwesen in der damaligen Zeit genommen und der den französischen Unter- richtsminister Cousin zu dem Ausspruch hinriß: Preußen ist das klassische Land der Schulen, dieser Aufschwung ist g e g e n die Kirche und trotz der Kirche zustande gekommen. Er ist vor allen Dingen jenen Pestalozzischülern zu danken, die in dieser kurzen, aber glänzenden Zeit in leitende Stellen des Volksschulwesens gelangten. Die„historische Berechti- gung" der geistlichen Schulaufsicht wird durch die Geschichte der Volksschule in Preußen bündig widerlegt. War das Volksschulwesen in dieser Zeit einem üppigen Saatfeld zu vergleichen, so war die Reaktion unter Friedrich Wilhelm IV. wie ein Frostreif, der iiber Nacht Blüten und Keime befiel. Die Reaktion arbeitete mit den auch jetzt noch bekannten und beliebten Mitteln: Man sagte, daß die vorgeschrittene Volksschule„verbildete Halbwisser" erzeuge, die ihr„halbes und verkehrtes Wissen" dann„nach eigenem Zutun" gestalten könnten. Auch geriete das Volk durch eine solche Schule auf eine„schiefe Richtung". Das erste Opfer dieser Reaktion war der tüchtige Schulmann Diesterweg. der seiner freien religiösen Richtung wegen aus dem Amte ent- lassen wurde; die Namen Eichhorn und Stiehl sind mit dieser Reaktion auf ewig schmählich verknüpft. Den offiziellen Ausdruck der neuen Reaktion findet man jedoch erst in dem berüchtigten§ 24 der preußischen Ver- fassungsurkunde vom Jahre 1850. Dieser besagt, daß„den religiösen Unterricht in der Volksschule die betreffenden Religionsgesellsch asten selber leite n". Die Kirche wußte, daß es sich bei diesem Paragraphen um ihre fernere Herrschaft über die Schule handelte. Daher warfen sich die orthodox-konservativcn Parteien mit ihrer ganzen Wucht auf die Durchsetzung dieses Paragraphen. Die Fort- schrittspartei ist nicht von dem Vorwurf freizusprechen, daß nur dank ihrer Uneinigkeit und Unkenntnis dieser Paragraph Gesetz wurde. Dieser Paragraph aber ist ein Rückschritt gegen die Pestalozziperiode. Mit demselben„historischen Rechte" wie die Knebelung- kann auch die Freiheit unserer Volksschule verlangt werden. Was seitdem geschah, ist noch in frischer Erinnerung. Das Schulaufsichtsgesetz von 1872 und das Schulunterhaltungs- gesetz von 1907 ergänzen sich beide zu einer völligen Unterwerfung-der Schule unter die Kirche. Eins aber ist interessant und muß noch hervorgehoben werden als ein Zeichen dafür, wie dieselben Herren, die mit der „historischen Berechtigung" alles beweisen, gegebenenfalls, d. h. wenn diese Historie ihnen nicht in ihren Kram paßt, die ganze historische Berechtigung über den Haufen werfen. Das Schulaufsichtsgesetz von 1872 entstand im Kampfe mit der katholischen Kirche. Trotz allem geschickten Interpretieren wollte es nicht gelingen, diesen antikirchlichen Dorn aus dem Gesetz zu entfernen. Das Schulunterhaltungsgesetz von 1907 ist nun der Versuch, die Kirche mit den damals zu stark betonten Staatsrücksichten auszusöhnen. Wie verhielten sich nun die Konservativen und Ltlerikalen? Es ist ganz allgemein gewordene Weisheit, daß die Auslegung, mit der im Jahre 1907 sowohl der damalige Kultusminister �wie auch die reak- tionären Abgeordneten das Gesetz von 1872 bedachten, total unhistorisch und sophistisch ist. Das damalige� Gesetz hatte, wie gesagt, eine antiklerikale Tendenz. Lediglich aus Rück- sichten auf die evangelische Kirche, die die Regierung damals im Kulturkampf brauchte, ist die Bestimmung aufrecht er- halten, daß die Regierung„Geistliche zuziehen könne, sofern dies in jedem einzelnen Falle dem Gedeihen der Schule und des Staates förderlich wäre". Mit dieser Bestimmung aber wagten es die Männer der Regierung, folgenden Zustand zu verteidigen und historisch zu rechtfertigen: Im März 1907 waren von etwa 1238 Kreisschulinspek- toren etwa 963 Geistliche. Wenn irgend etwas historisch unberechtigt ist, das heißt unberechtigt im Sinne des Gesetzes, auf das man sich beruft, so ist es dieser Zustand, der sich übrigens bis heute in fast gar nichts gebessert hat. Eine an festen Prinzipien orientierte Politik entnimmt ihre politischen Ziele und ihre Begründungen nicht irgend- welcher Historie. Die Politik kann die Berechtigung ihrer Ziele nur durch den Hinweis auf Machtverhältnisse begründen und rechtfertigen. So kann auch das Recht des Volkes auf eine Schule ohne geistliche Aufsicht nur gegründet werden aus die tatsächliche Macht eines aufgeklärten, dem geistlichen Gängelbande definitiv entwachsenen Volkes. yeireuhmis und Ashlrekorm. Wenn die Wahlrechtshasser des DreiNassenparlamentS ihre Hoff« nung auf das Herrenhaus gesetzt hatten, so haben sie das nicht ohne Grund getan. Denn wie sich jetzt herausstellt, will daS Mumienkabinett zwar der sogenannten Wahlreform deS Schnaps- blocks nichts Wesentliches in den Weg legen, wohl aber dafür sorgen. daß die Dreiklassenschmach derartig mumifiziert wird, daß die Er- setzung dieses PetrcfaktS durch ein modernes Wahlrecht für abseh- bare Zeit so gut wie ausgeschlossen scheint. Die Kommission deS Herrenhauses hat nämlich dem Artikel I deS Gesetzes eine Be- stimmuug hinzugefügt, wonach jede Abänderung des Wahlgesetzes künftig einer Zweidrittelmehrheit der beiden Häuser deS Landtages bedürfen soll. Jetzt bedarf eS bekanntlich nur der ein- fachen Majorität und zweier.Abstimmungen, zwischen denen ein Zeit« räum von wenigstens 21 Tagen liegen muß. Die Absichten der edlen und erlauchten Herren sind mir zu klar. Sie haben begriffen, daß mit dem Wechsclbalg des Schnapsblocks selbst dann die Wahlreform nicht zum Abschluß gebracht sein wird, wenn eS durch einige weitere reaktionäre Berschandclungen gelingen sollte, auch die Nationalliberalen für die Spottgeburt zu gewinnen. Sie wissen, daß die Dreiklassenschmach nicht lange mehr zu kon« servieren ist, und versuchen deshalb jeder späteren Verfassungsänderung unüBctfteiflBare formale Hemmnisse entgegeuzuturmen. Eiit Versuch, der freilich reichlich so naiv wie unverfroren ist I Denn dcih sich trotz eines Blattes Papier politische Notwendig- leiten durchzusetzen wissen, sollte die Geschichte selbst so alt- fränkischen Herren klargemacht haben, wie sie in dieser reaktionären Ltumpelkainmer ihr spukhaftes Dasein führen! Trotzdem halten ivir es natürlich für ganz ausgeschlossen, daß dieser Beschluß der HerrenhauSkoniiilissilln im Wgeordnetenhause die Zustimmung deS Zentrums oder der Nationalliberalen finden könnte! Wir halten es vielmehr für selbstverständlich, daß jede Wahlrechtsvorlage, die mit einer solche» Bestimmung ver- koppelt werden sollte, für jede dieser beiden Parteien absolut un diskutabel wäre. Erklärt doch übrigens auch die „Köln. Bolksztg.' wiederum mit aller Bestimmtheit, daß für das Zentrum daS Gesetz bereits durch jede Aenderung des bisherigen Drittelungsverfahrens unannehmbar werde. Verschiedene Blätter rechnen denn auch bereits mit dem Fall des ganzen Gesetzes. Wir unsererseits können allerdings einstweilen nicht glauben, daß daS Herrenhaus eS wirklich auf ein Scheitern der Wahlreform ankomme,» lassen könnte. Denn eine Vertagung der Wahlreform würde ja nur eine Verschlimmerung der Lage der Reaktion bedeuten! Das Osboroe-llrteil. London, 14. April.(Gig. 50er.) Die erste parlamentarische Debatte über ine Folgen des Osborne-Urteilö wurde gestern, nachts, im Unterhause vorgenommen. Der Arbeiterabgeordnete Taylor begründete im Namen der Fraktion folgend« Resolution: „Das Haus ist der Ansicht, daß das Recht der Trade-Unions, Vertreter in das Parlament, in die Munizipalitäten und in andere Verwaltungskörperschaften zu schicken und finanzielle Vor- sorge für deren Wahlen und Erhaltung zu tresfen,— ein Recht, das die Trade-Unions seit 40 Jahren genossen, aber ihnen durch das Urteil der Lords in Sachen OSborne gegen den Verband der Eisenbahner genommen wurde, wiederhergestellt werden müßte." Taylor sagte, dieses Urteil beweise, daß die Verfolgungen, denen die Tvade-Nnions so lange ausgesetzt lvarcn, noch nicht zum Abschluß gekommen seien. Die Mehrheit der Trade-Unions er- blicken in dem Urteile einen weiteren Beweis, daß Armut rechtlos macht. Sein Hauptargument bestand in folgendem: Das ganze öffentliche Leben Englands beruht auf Mehrheitsbeschlüssen, denen sich die Minderheit fügen muß. Der Anschluß der Trat«-Umons an die Arbeiterpartei erfolgte auf den Beschluß der Mehrheit der Mitglieder! die Minderheit hat also kein Recht, sich von der Zah- lung der Beiträge fiir politische Zwecke zu befreien. Bleibt aber tmS LordSurteil bestehen, so wird die Trade-Union-Welt den un- verantivortlichen Minderheiten ausgeliefert. Hinzu kommt noch die Tatsache, daß die Tvade-Unions seit 40 Jahren politisch tätig sind und die Kosten dieser Tätigkeit kollektiv trägem Unterstützt wurde die Resolution vom Arbeiterabgeordnekn H a r v e y, der das Urteil für unertäglich hielt. Zu dieser Resolution lagen zwei negierende Zusatzanträgs bor. Ein Zusatzantrag, den der liberale Abgeordnete Pringle- Lanarkshire begründete, verlangle die Aufrechberhaltung des Urteils, aber die Kosten der Wahlen und die Diäten an d»e Abgeordneten sollten von, Staate getragen werden, um auf diese Weise den Arbeitern die parlamentarische Tätigkeit zu ermöglichen. 2)aS LordSurteil enthalte das richtige Prinzip der persönlichen Freiheit in allen politischen Fragen. Man könne einen liberalen oder konservativen Arbeiter nicht zwingen, einen Geldbeitrag für einen sozialistischen Kandidaten oder Ab- geordneten zu leisten. Und die Arbeiterpartei sei sozialistisch. Aehnlich sprach der liberale Abgeordnete V i v i a n. der den Zusatzantvag begründete, daß es den mit der Politik der Arbeiter- Partei nicht übereinstimnienden Gewerkschaftlern gestattet sein soll, den politischen Beitrag zu verweigern. Im selben Sinne sprach der liberale Abgeordnete S h e r w e l l. Sodann sprach der Unter- staatSsekretär Sir W. Robson und nahm vermittelnde Stellung«in. Er meinte, das Urteil der Lordrichter gehe in manchen Punkten zu weit, indem es dem Begriffe Trade-Union einen rein wirtschaftlichen Charakter gebe. Um diesen Mängeln abzuhelfen, dürfte eine gesetzliche Maßnahme nötig sein. Was «der die Beiträge für die Arbeiterpartei betreffe, so sei zu be- denken, daß die Arbeiterpartei über den Rahmen des Trade- Unionismus hinausgehe und für den Sozialismus eintrete. Man könne aber nichtsozialistische Arbeiter nicht zwingen, ihren Ueber- zeugungen Gewalt anzutun und Geldbeiträge für den Sozialismus zu leisten. Der beste Ausweg sei die U e b e r n a h m« der Ab- geordnetendiäten durch den Staat. Der letzte Redner war der Abgeordnete Shackleton, der in lebhaften Worten für die Resolution eintrat und die Ansichten des Lordkanzlers(liberal) und des Rechtsanwalts Sir E. Clarke (konservativ) wiedergab, die zugunsten der Legalität der Zlvangs- beitrage sind. Shackleton fragte die Liberalen, warum sie schwiegen, als eine Minderheit von konservativen Arbeitern jähre- bang gezwungen wurde, Geldbeiträge für liberale Arbeitevabge- ordnete zu leisten! Erst jetzt kämen sie plötzlich zur Ueberzeügung, daß eine politische Minderheit nicht gezwungen werden dürfe, sich der Mehrheit zu fiigen, da diese Mehrheit sich von der liberalen Partei losgesagt habe und selbständige Politik treiben«olle. Die Arbeiterpartei bestehe auf der Resolution, denn das LordSurteU liefere die Trade-UnionS unverantwortlichen Diinderheiten aus. w Zu einer Abstimmung ist eS nicht gekommen. ** Die Debatte hinterließ d«n Eindruck, daß die Arbeiterpartei «inen schweren Kampf haben wird, ehe sie die Resolution durchsetzt. Es gibt indes 200 liberale Abgeordnete, die bereit sind. für die Resolution zu stimmen. Die Iren sind ebenfalls für die Resolution. s'"'' politische Ücbcrficht. Berlin, den 18. April 1910. Die Reichsverficherungsordnnng im Reichstage. Aus dem Reichstage. 18. April. Das große sozial- politische Werk der Kodifizierung der Reichsversichernngsgesetze. das angeblich alle Kräfte vereinigen, alle Interessengegensätze ausgleichen soll, ist heute im Reichstage zur Verhandlung ge- kommen. Drei Tage sind für die erste Lesung in Aussicht genommen. Aber kaum in dieser Zeit wird es möglich sein, die Vorlage mit all der Gründlichkeit zu besprechen, die eine solche" wichtige Angelegenheit erforderlich macht. Denn bei aller Anerkennung fiir den guten Willen der Verfasser, ist ihre Absicht doch in keiner Weise erreicht. Es protestieren gegen den Entwurf die Aerzte, es protestieren dagegen vor allem auch die»ersicherxngöpsiichtigen Arbeiter. So ist es er- Närlich, daß auch seitens der Parteien im Reichstag die Redner dem Entwurf in seiner gegenwärtigen Fassung wenig Gogenliebe entgegenbrachten. Wesentlich wohlwollend sprachen sich eigentlich mw der Vertreter der Konservativen Herr Schiefert und der nationalliberale Herr Horn-Reuß, beide teils aus bureaukratischer Kollegialität, teils»veil in ihren Parteien das Unternehmerinteresse, und zwar in der loit' serbatiden Parke! das der agrarischen, in der nationalliberalen Partei das der industriellen Unternehmer am ungetrübtesten zum Ausdruck kommt. Schnapsjunker wie Schlotjunker sind aber gleicherweise damit einverstanden, daß die amtierende Burcaukratie bei der Abfassung des Gesetzentwurfes im Banne der„gottgewollten Abhängigkeit" von den Unternehmern ge- standen hat. Die sonstigen Redner standen dem Entwurf in wesent- licheu Punkten ablehnend gegenüber. Selbst Herr Spahn erklärte sich namens des Zentrums gegen die Halbienrng der Krankenkassenvorstände zwischen Unternehmern und Arbeitern. Herr M n g d a n, der für die Fortschrittliche Volkspartei sprach, gab der Unzufriedenheit der Aerzte Ausdruck. Er konnte es sich natürlich auch nicht verkneifen, mit der Sozial- demokratie anzubinden, indem er den alten ranzig gewordenen Ladenhüter wieder auskramte, die Sozialdemokratie habe die Annahme des Zolltarifs von 1902 verschuldet, weil sie durch ihre Zustimmung zu dem§ 15 wegen der Witwen- und Waisenvcrsicherung dem Zentrum es ermöglicht habe, mit diesem Paradestück die volksfeindliche Schutzzöllirerei zu beschönigen. Dieses oft widerlegte freisinnige Agitationsmärchcn zer- pflückte Genosse Molkenbuhr, indem er aus der agrari- scheu Grundstimmung der Zentrumspartei den Beweis er- brachte, daß sie aus der Ablehnung ihres Antrages auf Angliedcrung der Hinterbliebenenversicherung an das Zollgesetz keinesfalls den Anlaß zur Ablehnung des ganzen Gesetzes ge- nommen hätte. Vielinehr wäre mit Sicherheit zu erwarten gewesen, daß der Schutzzolltarif doch zustande gekoinnien und dabei der Zentrumspartei der Vorwand gegeben wäre, sich als alleinige und wahrhaftige Vertreterin der Witwen- und Waisen- Versorgung aufzuspielen. Im Anschluß an diese Ausfuhrungen erläuterte Molkenbuhr dann noch, wie kläglich der Gedanke der Hinterbliebcnenversicherung durch die Regierung verhunzt worden ist. Als Hauptgrund für die Ablehnung des vor- liegenden Gesetzes in seiner gegenwärtigen Fassung durch die Sozialdemokratie führte Molkenbuhr dann die Organisations- änderung der Ortskrankenkassen a»i, durch die den Unter- nehinern in der Verwaltung eine gleiche Anzahl von Ver- tretern wie den Arbeitern gegeben und die Entscheidung in die Hand eines Vorsitzenden Bureaukraten gegeben werden soll. Mit einer solchen Entrechtung konnten die Arbeiter sich nie einverstanden erklären. Es sei ein vergebliches Bemühen, wenn man hoffe, sie durch die Verminderung ihrer Beiträge von zwei Drittel!» auf die Hälfte kirre zu machen. Dann wurde die Verhandlung auf Dienstag ver- tagt._ Der neue Herr im Kultusministertnm. In der am Montag im Abgeordnetenhause fortgesetzten Generaldebatte zum KultuSctat hat endlich auch Herr Trott zu Solz, der augenblicklich an der Spitze des Kultusministeriums steht, daS Wort ergriffen. Ein Programm zu entwickeln, hielt er nicht füv nötig. Wozu auch? Weiß doch jedes Kind, daß ein preußischer Minister ein Programm nicht haben darf, sonder»» daß er sich nach den jeweils in gewissen Kreisen herrschenden An- schauungen richten muß, wenn anders ihm sein Arnt lieb ist. Der neue Kultusminister erhebt sich, nach seinem Debüt zu urteilen, nicht über den Durchschnitt seiner Kollegen» Mit einer zur Schiu getragenen Wichtigkeit trägt er die plattesten Selbst- Verständlichkeiten vor; nicht einem einzigen originelle»» Gedanken vermag er Ausdruck zu verleihen» Zwar suchte er den Anschein zu erwecken, als trete er den allzu dreisten Forderungen des Zentrums entgegen, aber im stillen Kännnerlein werden die frommen Zcntrumsleute schon anerkennen, daß Herr Trott ein 5v!ann nach ihrem Herzen ist. Von einer Trennung des Unier- richtöministeriuins vom Kulttisminisierium will er nichts wissen, den Religionsunterricht will er unter allen Umständen der Schule erhalten sehen, auf das Zusammenarbeiten des Unterrichtsministers »nit der Kirche legt er das größte Gewicht, dem Gewissensztvang, der gegen Kinder von Dissidenten ausgeübt wird, erteilt er feinen Segen. Das Zentrum kann sich beruhigen, solange Herr Trott zu Solz Kultusminister ist, wird sein Weizen blühen. Darüber, daß der Minister in beziig auf die polnische Frage von den Ansichten des Zentrums abweicht und genau so wie sein Vorgänger in Hakatismus macht, werden sich die fronunen Herren ja nicht allzu- sehr grämen, mit ihrem Widerstand gegen die unheilvolle Polen- Politik der preußischen Regierung ist es ihnen ja sowieso niemals so recht ernst gewesen. Von Mitgliedern des Hauses kamen nur zu Worte der Wg. Cassel(Fortschr. Vp.). der für die Simultanschulen eintrat und sich im Gegensatz zu dem nationalliberalen Redner vom Sonnabend mit großer Verve für die Beibehaltung des Religionsunterrichts in den Schulen aus- sprach, der Abg. Stychel(Pole), der ein anschauliches Bild über die Drangsalierung der polnischen Staatsbürger gab. und endlich Genosse A d o l f H o s f m a n n, der die erste Gelegenheit seines Auftretens»mch seiner Neuwohl zu einer grimdlichen Ab- rechnung mit den Dunkeln»äi»nern und Finsterlingen bcimtzte, die im preußischen Landtage die Macht haben. In groß angelegter Rede gab Hofstnann ein übersichtliches Bild des sogenannten Kulturftaates Preußen. Seine Gegenüberstellung der staatlichen Ausgaben für die Geistlichkeit mit denen für die Schule, seine Schilderung der unglaubliche»» Schulzustände, namentlich im Osten, seine Darstellung der überhandnehmenden Verpfaffung der Volks- schule weckten die Aufmerksainkeit auf allen Seiten dc3 Hauses, ja sogar die Vertreter der Regierung lauschten gespannt seinen Ausführungen. Besonders interessant gestaltete sich die Abrechnung. die er mit dem Junkertum hielt. In richtiger Erkenntnis der Situation legte er dar, daß das Zentrum nur allzugern die Ge- fahr eines Kulturkampfes an die Wand malen möchte, um seine Anhänger, die infolge seines fortgesetzten Verrats von ihm ab- zufallen drohen, zusammenzuhalten. Ob wohl die Liberalen politische Einsicht genug besitzen, um der Warnung HoffinannS zu folgen und dem Zentrum den billigen Vorwand, an dem ihm so viel gelegen ist. zu nehmen? Warten wir es ab! Am Dienstag wird die Beratung fortgesetzt. Der Hanfabund als Wahlmacher. Der Hansabund hält sich für so weit gerüstet, um in nächster Zell die Wahlmache en gros betreiben zu können. In einer in Olderrbiu'g abgehaltenen Versammlung dieser Vereinigung be- schäftigte sich der Direktor deS Bundes, Oberbürgermeister c. D. Knobloch mit der Meldung, der Hansabund wolle bei der bevor- stehenden Wahl in Ueckermünde-Usedom-Wollin eingreife»» und Wahlmache treiben. Nach den„Hann. Tgs.-Nachr." erklärte Herr Knobloch, der Hansabund greife in lokale Wahlkämpfe nicht ein. Er verhandle nur mit den Führern der in ihm vertretenen Parteien und suche Einfluß auf die Wahlen zu gewinnen. ES werde aber hinfort keine Wahl erfolgen, bei der der Hansabmrd nicht seine Hand im Spiele habe und seine Gegner aüfs nachdrücklichste bekämpfe. In einer Hin- W serds der gqpfehunfc rücksichtslos vpigchen, iritan« sich nämlich Bei den ReichstagSSahlen mit elementarer Gewalt ckvf die Gegner des Hansabundes werfen wird, nicht mit Reden, sondern aus dem Entscheidungsfelde der Wahlschlacht. Ter letzte Satz ist etwas dunkel. Allem Anschein«ach will der Kansabund das Geld für die Wahllosten liefern. Sie schwindeln aus Prinzip! Die„Germania" macht erfolgreiche Anstrengungen, dem dümmsten Blatte, der„Freisinnigen Zeitung", den Rang abzulaufen. — Der„Vorwärts" hatte eine Richtigstellung seines Berichts über die Tienstagsitzung des Abgeordnetenhauses gebracht. Nach dem .,Vorwärts"bericht sollte Genosse Liebknecht gesagt haben, der als Schriftführer fungierende Wgcordnete I t s ch e r t habe ihm erklärt. daß eine schriftliche Meldung unnötig sei, da er ihn auf Grund seiner mündlichen Meldung in die Rednerliste eintragen werde. Nach Ausweis des Stenogramms jedoch hatte Liebknecht nur von „dem Schriftführer" schlechthin gesprochen und damit den anderen Schriftführer Schulze-Pelkum gemeint. Diese Berichtigung war für die Oeffentlichkeit völlig gleichgültig; nur der Zentrums- abgeordnete Ftschert selbst hatte daran ein Interesse, da ja gerade er in der Dienstagsitzung bemerkt hatte, daß eigentlich auch die mündliche Wortmeldung geschäftSordnungswidrig sei. Und»vas folgert nun die„Germania" aus diesem L o h a l i- tätsakt des„Vorwärts" einem Z en t ru m sab ge o rdn e t en gegenüber? Daß die Berichte des„Vorwärts" Mangel- hast seien und daß deshalb Genosse Ströbel un» so weniger Ver» anlassung gehabt habe, sich am Freitag in der Geschäftsordnungs- debatte über die präsidiale Provokation auf den„Vorwärts" als das durch seinen Bericht am besten informierende Blatt zu beziehen! Man weiß faktisch nicht, worüber man mehr staunen soll: über die Unverfrorenheit oder die Dummheit der«Ger- mania"! Daß die Berichte des„Vorwärts" so wenig wie die irgendeines anderen Blattes auf stenographische Treue Anspruch machen können, versteht sich ganz von selbst. Daß die Parlaments- berichte jedes Blattes jeden Tag kleinere oder größere Un- richtigkeiten enthalten und enthalten müssen, weiß jeder, der auch nur die blasseste Ahnung von journalistischen Dingen hat! Es konnte deshalb den» Genossen Sttöbel auch nicht im Traume ein- fallen, den.,Vorwärts"bericht im a l l g c»n e i n e n als absolut zuverlässig hinzustellen. Einzig und allein für den k o n» kreten Fall der Darstellung des Zwischenfall«? am Donnerstag behauptete Ströbel die Richtigkeit des „Vorwärts"berichts. Dabei erwähnte er auch sofort, weS- halb die übrige Presse nicht genau informiert sein könne: weil die Journalisten die nur halblauten Bemerkungen, die den Anlaß zur Entrüstungskomödie des Schnapsblocks gaben, gar nichtge- hört hatten! Der„VorwärtS"bericht dagegen»var nach den Mit- teilungen der beteiligten sozialdemokratischen Abgeordl»etcn er- g ä n z t worden. Im Grunde handelte es sich also gar nicht um den„Vorwärts"- bericht, sondern um die Darstellung der sozialdemo- kratischenAbgeordneten.die Darstellung, die Str öbe l in der Debatte eingehend wiederholte, ohne daß ihm auch nur von einem Ohrenzeugen die geringste Unrichtigkeit nachgewiesen werden konnte! Daß Herr Brust, statt StröbelS Darstellung auch nur in einem Punkte zu entkräften, immer wieder von dem Bericht des„V o r w ä r t S" sprach, der doch sicher zu. gunsten der Sozialdemokratie gefärbt sei,»var eine so unehrliche und abgeschmackte Verlegenheitsausrede, daß unsere Genossen dies einfältige Geschwätz zuletzt gar nicht mehr einer Entgegnung für wert hielten. Und nun plappert die„G e r m a n i a" Herrn Brust seinen jämmerlichen Uirsinn nach! Nun stellt sie es— zweifellos widerbessereSWissenl— fo dar, als habe Ströbel sich auf den„Vorwärts" als eine Informationsquelle berufen, während doch der Blindeste kapieren mußte, daß gerade umgekehrt der„Vorwärts" von den sozialdeinokratischen Abgeordneten in» formiert worden war! Es wäre naiv, von einem Zentrumsblatt Ehrlichkeit zu er- warten. Aber wenn für die„Germania" das Schwindeln schon zum täglichen Handwerk gehört, sollte sie wenigstens nicht gar so dumm und durchsichtig schwindeln! Nationalliberale Würde. Die„Krcuz-Zeitung" ist über den Wählausfall in Oletzko-Lhck sehr verschnupft und in ihrem Aerger plaudert sie«ine allerliebst-: Bettelei der nationalliberalen Reichstagsfraktion aus, die aufs neue beweist, bis auf welches Niveau der Nationalliberalismus bereits herabgesunken ist. DaS Junkerblatt berichtet: Persönlich wollen sie nicht abdanken. Dafür bot ein Vor- ganaim Reichstage ein amüsantes Beispiel. ES hairdelte sich um die Wahl eines Schriftführers an Stelle des verstorbenen fort. schrittlichen Abgeordneten Dr. Her m e S. Die Konservativen halten es für selbstverständlich, daß die fortschrittliche Volkspartei den Ersatzmann zu bestimmen hat. Die Nationalliberalen aber möchten gern bei dieser Gelegenheit wieder einen zweiten Schrift- führer stellen und ersuchten die Konservativen, ihnen dazu zu verhelfen. Da s naive Ansinnen erregt viel Heiter- k e i t; man kann es aber vielleicht schon als tragische Ver» Blendung auffassen. Nach den Vorgängen bei der Finanzreformagitation und bei der SSahl in Oletzko-Lyck noch zu verlangen, daß die Konservativen einem Nationalliberalen vor dem Fortschrittlichen den Vorzug geben sollten, beweist ein. auf- fallendes Maß von Selbstüberschätzung. Man kann es dem Junkertum kaum verdenken, wenn es über diese Spezies von LeberaliSmus lacht und witzelt, Wahlrechtsdemottstrattouett. Frankfurt a. M., 17. April. Die hiesige Polizei hatte sich bei den zwei letzten Demo»»- stralionen einigermaßen vernünftig verhalten. Am heutigen Sonntag schlug sie wieder einmal eine andere Taktik ein, sie jagte in einem ungeheuren Aufgebot durch die Straßen und versperrte den aus der Versammlung heimwärts Ziehenden den Weg. Wenn es dabei zu leinen Zusammenstöße» kam, so ist die? der Ruhe und Besonnenheit der Deinonsttanten zu verdanken. Im Zirkus Schumann am Bah»»- hofplatz sprach um die Mittagsstunde vor ungefähr 7—8000 Männern und grauen die Genossin Rosa Luxemburg über den Wahlrechtskampf und feine Lehren unter stürmischem Beifall der Zuhörer. Mit Hochrufen auf daS freie Wahlrecht, die sich draußen noch fortsetzten, verließen die Massen die Versammlung. Ein Demonstrationszug war nicht geplant, wie da« auch in der Versammlung ausgesprochen wurde. Indessen bildete sich der Zug von selbst, da ja eine große Zahl der VersanrmlungS- teilnehmer denselben Weg in die Stadt hatte. Sie zogen mit der Genossin Luxemburg in losen Trupp» unter Hochrufen>md Singen der Marseillaise vom Bahnhof die Kaiserstrab« entlang nach der Zeil zu. Als der Zug ans BiSmarckdcnkmal kam, war schon ein großes SufgeSot von Schutzleuten zur„Beschützimg" aufgezogen. Die Massen gingen ruhig vorbei, und die Polizei folgte teilweife in der Elektrischen— dem Zuge nach. Kurz bevor er auf die Zeil kam, wurde die Kaiserstraße am Rotzmarkt abgesperrt und der Zug in die Altstadt abgelenkt. WS der Haupttnlpp vorbei war. hob man die Absperrung wieder auf. Auf der Zeil wurde unterdegen die Schutzmannschaft herumgesagt. sie mutzten sämtliche Zugänge von der Altstadt zur Zeil besetzen, um ein Durchdringen des Zuges zu verhindern. Dieser nahm unterdessen ungehindert seinen Weg durch den Hirschgraben nach dem Gewerkschaftshause, wo er sich auflöste. Und hinter ihm drein konnte man SchutzmannSpatrouiNen erblicken. Gegen'/a3 Uhr— die Versammlung war um 2 Uhr zu Ende— konzentrierten sich die riefigen Aufgebote der Schutzleute um die Konstablerwache; und von hier aus durchschwärmten sie, die Schuppen- ketten herunter, den Feind suchend, in einzelnen Trupps die Stratzen in der Richtung zum Gewerkschaftshaus. In nervöser Hast eilten sie da und dorthin, aber nirgends gab eS für sie etwas zu tun. So erweckte ihre Geschäftigkeit überall nur Heiterkeit. Gegen 3 Uhr wurden die Polizeimannfchaften ins Präsidium zurückgezogen. ••* In Guben fand zum erstemual eine Versammlung unter freiem Himmel statt, die von 5000 Personen besucht war. »» Am Sonnabend fand in der Mittagsstunde eine Straßen- demonstration in Schweidnitz statt. Um 12 Uhr füllte sich der Ring mit Demonstranten. Die herbeigerufene Polizei nahm zwei Verhaftungen vor. *•* Infolge einer Mystifikation erwartete die Polizei im Waiden- burger Kohlenrevier für Sonntag eine Wahlrechts- demonstration und ließ angesichts der Vorkommnisse am letzen Sonntag, auZ Schweidnitz eine Kompapnie Soldaten des 10. In- fantcrieregimentS herbeirufen. DaS vollständig ausgerüstete Militär besetzte die Straßen von Waldenburg und Gottesberg. Da sich der Feind aber nicht blicken ließ, mutzte das Militär abends wieder zurückgezogen werden.— Am Sonnabendabend ließ die Polizei- behörde Plakate anschlagen, in denen unter Hinweis auf die strafgesetzlichen Bestimmungen über de» Aufruhr, vor Aus- fchreitmigen gewarnt wurdet In Blumenthal(Provinz Hannover) hatte die Parteileitung zum Protest gegen Gewalttätigkeiten, die die Gendarmerie am 10. April gegen die Wahlrechtsdemonstranten verübte, für Sonntag zu einer WahlrechtSverfammlung mit DemonstrationSzug aufgefordert. Die Demonstration, an welcher sich 2000 Personen be- teiligten, verlief ohne Zivischenfälle, da die Gendarmerie, durch die Erfahrungen der letzten Zeit gewitzigt, zu Hause blieb. Graf Oriola f. In der Sonnabendnacht ist der rechtsnationalliberale Reichs» tagsabgeordncte Graf Waldemar v. Oriola an den Folgen eines vor einigen Tagen erlittenen Straßenbahnunfalls gestorben. Ob» gleich er eigentlich weit mehr konservativ als liberal war und ihn mit den Bestrebungen dcS Bundes der Landwirte die innigste Sympathie verband, hat er doch als Nationalliberaler 16 Jahre lang den zweiten hessischen ReichstagSwahlkreiS, Friedberg- Büdingen, im Reichstage vertreten, bis er im vorigen Jahre bei dem parlamentarischeil Kampf um die RcichSfinanzrcform ent- deckte, daß die Erbschaftssteuer eine zu große Last für die Neichen sei und zusammen mit den nationalliberalen Abgeordneten Hehl zu Herrnsheim und Lehmann aus der nationalliberalen Fraktion ausschied. Im Reichstage war cr besonders dadurch bekannt, daß er stets auf«inen wohlgepflegten Bart, eine gute Haarfrisur und feines Parfüm hielt, wie denn auch auf feine Anregung die Ein» richtung einer Friseurstube im Reichstage zurückzuführen ist. Durch seinen Tod wird eine Ersatzwahl im Kreise Jriedberg- Büdingen nötig. Bei der letzten ReichstagSwahl erhielt er im ersten Wahlganoe 8492 gegen 7432 sozialdemokratische Stimmen. Reformer und Freisinnige erhielten 1472 und 8299 Stimmen. In der Stichwahl siegte Oriola mit 11 200 über 8S00 sozialdemo- Iratische Stimmen._ Das Hoch am Bismarck-Denkmal in Frankfurt a. M. Frankfurt a. M., 18. April.(Privatdepesche des„Vorwärts".) Mit sechs Wochen Haft soll Genosse Redakteur Her- mann Wendel die von ihm bei der Demonstration am 13. Februar am Bismarckdcnkmal ausgebrachten Hochrufe büßen. So will es das Schöffengricht, das Wendel heule zu jener außer- ordentlich hohen Strafe verurteilte. Nach der Anklage soll Ge- nosse Wendel groben Unfug dadurch verübt haben, daß er„an- gcsichts einer erregten und zu weiteren Aus- schreitungen geneigten Volksmenge sich auf dos Bismarckdcnkmal hinaufschwang und mit lauter Stimme nach der Menge hin rief: Auf, alle hierher! Hoch lebe das freie Wahl- recht!, so daß die Menge erneut in Aufregung geriet, sich dem Bismarckdcnkmal zuwendete und durch ihre auf die a u f- reizenden Rufe des Beschuldigten zurückzuführende e r- regte Stimmung und Haltung die öffentliche Ordnung und Sicherheit auf den öffentlichen Straßen erheblich gefährdete". Wegen dieser Misse- tat bekam Wendel einen Strafbcfehl von drei Wochen Host, gegen den er natürlich Einspruch erhob. Bei der heutigen Verhandlung ließ die Polizei 14 Belastungszeugen aufmarschieren. Wendel gab ohne weiteres zu, daß er ein Hoch ausbrachte, bestritt aber die Worte:»Auf, alle hicrhier" und„Pfui!" gerufen zu haben. In striktem Gegensatz zu den Aussagen der Schutzleute standen die zweier Journalisten, des Genossen Kirchner und eines bürgerlichen Redakteurs. An einen Kommissar richtete Wendel die Frage: Sind Sie überzeugt, daß. wenn die Polizei nicht eingeschritten wäre, alles ruhig verlaufen wäre? Der Kom- missar erklärt�, ohwcl Erlaubiris des Polßgei» Präsidenten könne er eine derartige Frage nicht beantworten. Der Vorsitzende ließ dann die Frage Nicht weiter zu. Wendel beantragte nunmehr, Privatzcugen darüber zu vernehmen, daß die Erregung der Masse durch das bru- tale Vorgehen der Polizei hervorgerufen wurde. Das Gericht lehnte dir.sen Beweisantrag ab. Der Staatsanwalt beantragt« drei Wochen Haft.— Wendel betonte in seiner Verteidigungsrede, das Recht auf die Straße stehe dem Volke ebensogut zu. wie da« R«cht auf die Lust. Er stehe nicht ars zerknirischtcr Sünder da, fondern er werde das Hoch wiederholen, wann und wo es ihm passe, denn Hochrufe seien nicht strafbar. Wende! plädierte auf Frei» fprcchung. Wenn aber das Gericht der Meinung sei, daß er ein» strafbare Handlung begangen habe, dann verzichte er auf mildernde Umstände. DaS Gericht ging über das vom Staatsanwalt beantragte Strafmaß noch hinaus und ver- urteilte Wendel zu der Höchststrafe von sechs Wochen Haft. Gegen das Urteil wird Genosse Wendel natürlich Be. rufung einlegen. Von zwei weiteren Angeklagten wurde der eine wegen Nicht- folgeleistung zu 20 M. Geldstrafe und der andere wegen Nichtfolgelesstung und Beleidigung(Pfui-Ruf) zu zwei Wochen Gefängnis verurteilt._ Dem Verdienste seine 5kro»e. Eine Anzahl Polizeibeamter, die sich bei den letzten Straßen» demonftrationen ganz besonders hervorgetan haben, find mit Aus» Zeichnungen bedacht worden. Die höheren Beamten erhielten den Kronrnorden 4. Klasse, eine Anzahl unterer Beamter dürfen sich mit dem„Allgemeinen Ehrenzeichen" schmücken. Die Auszeich- nungen werden sicherlich dazu beitragen, daß sich der Eiser der Polizei noch erhöht, denn«S dürfte auch noch andere Polizei- beamte geben, die sich gerne mit einem blitzende» Stern sehen lassen mochten. Wieder ein Berliuer Dewonstrationsprozetz. Die 8. Strafkammer des Landgerichts Berlin verhandelte am Montag als Berufungsinstanz gegen den Kutscher Lange und den Tischler ZyttkowSki, die am 17. Ok- tober v.J. nach einer Protcstversammlung im Gewerkschaftshause i» der Adalbertstraße bei einer Polizeiattacke auf die abziehenden Versammlungsbesucher nach polizeilicher Angabe den Ruf„Blut- Hunde" gegen die Polizei ausgestoßen haben sollen. Die erste Instanz hatte wegen„groben Unfugs" gegen Lange auf 30 Mark, gegen ZyttkowSki auf 10 Mark Geldstrafe er- kannt. DaS Berufungsgericht erhöhte nach längerer Verhandlung, in der sich die Bekundungen der— vornehmlich polizeilichen Be- lastungs- und Entlastungszeugen über das Lorgehen der Polizei schroff gegenüberstanden, die Strafe für Lange auf zwei Wochen Haft» für ZyttkowSki auf 50 Mark Geldstrafe. Wir komme» auf die interessante Beweisaufnahme zurück. Wahlrechtsversauimlung in Schöneberg. Gestern mittag fand im Garten der„Schloßbrauerei" in Schöneberg eine von den demokratischen Vereinen Schönebergs, Friedenau und Wilmersdorf einberufene Lsfentliche Wahlrechts- Versammlung unter freiem Himmel statt. Es sprachen der frühere Oberst G a c d k e, Pastor a. D. K ö t s ch k c, Frau Regina Deutsch und der frühere sozialdemokratische Reichstagsabgeordnete Eduard Bernstein. Auf Antrag des Stadtverordneten Moll- Wilmersdorf gelangte folgender Beschluß zur Annahme: „Die in der„Schloßbrauerei in Schöneberg aiif Einladung der Demokratischen Vereinigung versammelten Bürger uird Bürgerinnen von Schöneberg und Wilmersdorf erheben einmütig Protest gegen die von den preußischen Dunkelkammern auf- geführte Wahlrechtskomödie. Sie erkennen die Erwählten des Treiklassenwahlrechts und die Junker des Herrenhauses nicht als Vertretung deZ preußischen Volkes an und lehnen das Gnaden- brot, daS diese rückständigen Elemente dem Volke statt seines Rechts anbieten, mit Entrüstung ab. Die Versammelten geloben, nun erst recht und mit verdoppelter Energie für die Erkämpfung des allgemeinen, gleichen, direkten und geheimen Wahlrechts für Männer und Frauen wirken zu wollen. Sie erklären als die vornehmste Pflicht aller gleichgesinnten Volksgenossen, sich an diesem Kampfe durch Eintritt in die das Reichstagswahlrecht fordernden politischen Parteien zu beteiligen." Darauf wurde die Versammlung mit einem dreifachen Hoch auf das gleiche Wahlrecht geschlossen.— Man sah auf dem weiten Terrain in einiger Entfernung nur einen Polizeioffizier und einige Schutzleute, die sich vollständig passiv verhielten. Die Bersammlung verlief in größter Ruhe._ Landräte als Bücherkolporteure./ Die Bücherkolportage scheint die neueste Nebenbeschäftigung preußischer Landräle zu sein. In seinem amtlichen PublikationS- organ, dem„Ohlauer Kreis- nnd Stadtblatt", macht der Landrat des Kreises Ohlau Herr v. Hcrzberg auf ein vor einiger Zeit er- schienenes Buch:„Der innere Feind" aufmerksam und empfiehlt eS allen Arbeitgebern zur Anschaffung. Dabei wird, nach alter Geschäftsroutine selbstverständlich auch auf den Rabatt bei dem Bezug von größeren Posten hingewiesen. Der �entrumsabgeorduete als Astlochgucker. Die Straslammer in Offenburg verhandelte am Sonnabend über die Berufungsklage des badischen ZentrumSabg. Seubert, dem vom ehemaligen„Offenburger Bolksblatt" vor- geworfen worden war, daß er mehrmals zu der Zeit als Frauen badeten, durch ein Astloch in die Badeanstalt seines Wohnortes Gengenbach hineingesehen hat. Wegen dieses Artikels war Genosse Adolf G e ck in erster Instanz zu einer Geldstrafe von 40 M. ver- urteilt worden. Das BernsimgSaericht erhöhte die Strafe auf lbv M. Der zweite Beklagte, Genosse Haberer, erhielt als Redakteur des„BolkSblatteS" 40 M. Geldstrafe. Beide Kläger ivurden zu drei Viertel der Kosten, der Wiederbeklagte Seubert zu einem Viertel verurteilt. DaS Gericht erkennt an, daß der Wahrheits- beweis dafür erbracht worden fei, daß Seubert auf seinen Spazier- gängen da» Frauenbad aufsuchte, um in.1 ll st e r n e r N e u g i e r d e" die badenden Frauen durchs Astloch zu beobachten. Herr Seubert ist trotz der Prüderie uild Sittlichkeitssorge der Zertrumspartei noch heute Mitglied der ZentrumSfraltion des badischen Landtags._ BnglancL TaS Budget. London,>18. April. Unter stau?. Asquith brachte in dicht besetztem Hause seine Guillotine-Nesolution ein, ivelche die Debatte über das vorjährige Budget auf fünf Tage beschränkt. Er erklärte, daß die einzubringende Finanzbill im wesentlichen dieselbe sei, wie diejenige des vorigen Jahres und eine rückwirkende Kraft besitzen würde, wie wenn sie im vorigen Jahre angenommen worden wäre. Einige Amendements von technischem Charakter würden hin- zugefügt werden, welche die Absichten der Negierung bezüglich gewisser Punkte klar machen sollten. Die Iren und das Budget. London, 18. April. In einer Versarmnlung der iri- schen Partei wurde beschlossen, die Budgetvorlage der Regierung in allen Lesungen zu unterstützen. vänemsrk. Liberaler Verrat an der Verfassiingsreforur. Kopenhagen, 17. April.(Eig. Ber.) DaS Follething hat am Freitag die dritte Lesung der großen Verfassungs- und Wahlrechts- reform beendet und die radikalen Vorschläge, die sich auch auf daS LandSthing erstreckten, mit 40 gegen 66«stimmen abgelehnt. Die Konservativen hatten sich bei der ersten Lesung bereit erklärt, hinsichtlich der Einführung des allgemeinen gleichen Wahlrechts zum LandSthing Konzessionen zu machen unter der Bedingung, daß zum Follething daS Proport ionalwahlthstem eingeführt würde. Bei der dritten Lesung aber stellten sie den Antrag, daß die ganze Verfassungsrcform auf die Einführung deS ProportionalsystemS für daS Follething beschränkt werden, daS Landsthing aber unver- ändert fortbestehen sollte. Ebenso wenig wie sie wollten die Dele- gationsparteien unter Führung der ehemaligen Ministerpräsidenten Christensen und Neergaard von der Abschaffung des Zweiklassenwahlrccht zum LandSthing wissen, jedoch beantragen sie dieAusdehnungdeSFolkcthingswahlrechtsaufdie Frauen, daS Gesinde und die jungen Leute vom 25. Lebensjahre ab samt dem Proportionalsystem. Dieser Antrag wurde mit 60 gegen 40 Stimmen angenommen, und für die in solcher Weise verstümmelte Verfassungsreform wurden schließlich in namentlicher Abstimmung 60 Stimmen abgegeben, während 46 Abgeordnete sich der Stimme enthielten und ein Konservativer mit Nein antwortete. DaS ganze war-ein abgekartetes Spiel zwischen den DelegationSparteicn und den Konservativen, um eine gründliche Demokratisierung der gesetzgebenden Körperschaften zu hintertreiben. Die Konservativen, als Vertreter des Mittelstandes, hatten eigentlich ein parteipolitisches Interesse an der Beseitigung deS privilegierten Wahlrechts zum LandSthing, da dieses Thing bei dem gegenwärtigen System erzagrarisch ist und die 1100 Guts- besitzer als LandSthingSwähler ebenso viel Einfluß haben wie die gesamte Stadtbevölkeruna Dänemarks. Es wäre also im Folkc- thing ein Beschluß über die Umgestaltung deS LandLthings möglich gewesen, wenn die Konservativen ihr vordem gegebenes Versprechen gehalten und die Rcformparteiler nicht wieder einmal ihr altes demokratisches Parteiprogramm schmählich verraten hätten. Der S.Sävs iss SkMfr&itn, Lettsack Ö* feu bei fesaa fite» koinmetk, da? vorher mit Lest Konserbatiöetk über die AbstimMück� getroffen worden war, den Unterhändler gemacht hatte.„Er. sagte Genosse Borgbjerg in der Debatte,„ist mit verantwort» lich für den Kampf, der nun kommt, und wir sind klar zum Kampf! In England kämpft man denselben Kampf unter der Losung: Nieder mit dem Oberhause! In Preußen kämpft man denselben Kampf unter der Losung: Hoch das gleiche und allgemeine Wahl» recht! Er wird zum Siege führen im Süden und im Westen und hier zu Lande, wie überall in der Welt.". Daö Follething hat am Sonnabend seine dieSfährige Session beendet. Es wird wohl in seiner jetzigen Zusammensetzung nicht mehr zusammentreten, denn die Regierung ist entschlossen, eS auf- zulosen und Neuwahlen auszuschreiben. Neuwahlen. Kopenhagen, 18. April. Durch königliches Dekret wird die A u f l ö s u n g deS F o l k e t h i n g für den 19. Mai Ver- fügt. Die N e u w a h l e n sind auf den 29. Mai festgesetzt Türkei. Die Lage in Albanien. Konstantinopel, 18. April. Nach amtlichen Meldungen aus P r i s ch t i n a ist die Ruhe dort wiederhergestellt. Das K r i e g s g e r i ch t hat seine Tätigkeit begonnen. Der Ober- kommandant ist in Prischtina eingetroffen. Der Ministerrat beschloß,»o eitere Beruhigungs maßnahmen und Reformen einzuführen, darunter das Verbot des Waffen- tragens, die Eröffnung von Schulen und die Schaffung von Gerichten. Clrins. Aufstand in der Provinz Chnvea- London, 17. April. Das Reutersche Bureau meldet aus T s ch a n g s ch a: Der Gouverneur und sein Sohn sollen getötet sein, der Namen ist zerstört worden. 24 000 Plüit derer suchen die Stadt heun, die in Brand steht. Die norwegische und die katholischen Missionen sind verbrannt, die übrigen zerstört. Eine allgemeine Vernichtung fremden Eigentums, darunter des japanischen Konsulates, folgte.— Alle den Ausländern gehörigen Gebäude in Tschangscha sind in Brand gesteckt worden, ausgenommen das englische Kon» sulat. Wenn auch das Gerücht geht, der Gouverneur sei er» mordet worden, sc» glaubt man doch, daß er sich verborgen hält. Die Truppen schritten nicht gegen die Aufstmtdischeu ein. Es ist Befehl ergangen, die Missionen dev ganzen Pro- vinz zu räumen, da die Beamten einen allgemeinen Aufstand fürchten und sich außerstande erklärten, die Fremden zu schlitzen. Der Vizekönig hat Truppen in Stärke von zwei» tausend Mann abgesandt.— Eine zur Nachtzeit ohne Lichter fahrende Dschunke wurde von dem nach Tschangscha eilenden englischen Kanonenboot„Thistle" überrannt. Drei Ameri- kaner werden vennißt und sind diese möglicherweise mit der Dschunke untergegangen._ Die Ruhe wiederhergestellt? London, 18. April. Wie das Reutersche Bureau aus Hankau mÄdet, herrscht nunmehr in Tschangs ch aRuhe. Der Schatzmeister der Provinz übernahm die Leitung der Gc- Mste,_ Bluq der Partei. Wahlrechtszeitung. Im Laufe dieser Woche gelangt vom Berlage der Buch» Handlung Vorwärts eine Wuhlrechtszeitung zur Ausgabe. Sie bringt u. a. Bilder aus den verschiedenen Städten. in denen Demonstrationen unter freiem Himmel stattgefunden haben. Der Preis der 20 Seite» starken Nummer wird 20 Pf. betragen._ Zur Maifeier. In Görlitz genehmigte die Polizei einen Straßen» umzug unter der Bedingung, daß keine Kinder und keine roten Fahnen sich im Zuge befinden dürfen. *** Dem Gewerkschaftskartell Spandau ging auf ein Gesuch um Genehmigung eines Umzuges der folgende salomonische Bescheid zu: Auf das Gesuch vom 5. April 1910 ergeht zum Bescheide, daß die Genehmigung zur Veranstaltung deS Austilge» am 1. Mai 1910 versagt wird, weil au» der V-ranstaltuitg Gefahr für die öffent» liche Sicherheit zu befürchten ist. Der 1. Mar ist von den Sozialdemokraten als„Weltseiertag" verkündet worden und wird daher auch in Spandau von ihnen gefeiert werden. Nun fällt der 1. Mai 1910 auf einen Sonntag. Es ist daher anzuilehmen, daß die Feiernden in noch größerer Zahl auftreten werden als an Wochentagen. Dazu kommt, daß der Sonntagsverlehr in Spandau ohnehin sehr starl ist. ES er- scheint deshalb nicht ausgeschlossen, daß der von dem GewerkschastS« kartell Spandau beabsichtigte Aufzug einerseits mit den feiernden Sozialdemokraten und andererseits mit dem Sonntagspubliknm aus Spandau und Umgegend(Berlin) in Konflikt gerät und dadurch die öffentliche Sicherheit gefährdet. Koeltze. Die Polizeiverwaltung von Spandau hat absonderliche Be» fürchtungen. Wieso der Aufzug zu Zusammenstößen mit dein SonntagSpublikum fuhren sollte, ist schon nicht einzusehen, wie er aber gar mit den Sozialdemokraten in Konflikt geraten sollte, das ist absolutes Geheimnis der Spandauer Polizei. Wahrscheinlich hat sie ja sagen wollen, daß es bei dem Aufzug zwischen den Sozialdemokraten und dem Sonntags- Publikum zu Konflikten kommen kö»nte— richtiger wird die Sache dadurch allerdings auch nicht. Zur Beleuchtung der Rechtsgleichheit in Spandau ist darauf hingewiesen, daß im ver- gangenen Jahre der bürgerliche Sängerbund ein'Wettsingen ver» anstaltete, woran sich am Umzug ungefähr 10 000 Personen beteiligten. Bei der Grundsteinlegung der katholischen Kirche am Himmelfahrts» tage beteiligten sich die sämtlichen katholischen Arbeitervereine der Provinz Brandenburg am Umzüge. Da war natürlich keine Gefahr für daS SonntagSpublikum zu befürchten. Gegen den Bescheid wird Beschwerde eingelegt. m m m Gegen den Entscheid der Lübecker Polizeibehörde, der unseren Genoffen zur Abhaltung einer Versammlung unter stetem Himmel am 1. Mai die Genehmigung versagt, protestierten am Mittwoch mehr als 2000 Arbeiter. Es wurde eine scharfe Resolution an» genommen, in der daS Vorgehen der Behörde als Messen mit zweierlei Maß charakterisiert wird. Den Festzug nach dem benach« harten Orte Moisling hat daS Polizeiamt nunmehr gestattet, jedoch seine Notscheu dadurch bekmidet, daß eS das Mitnehmen der Fahnen und Abzeichen untersagte. « u,» Der vom Sozialdemokratischen Verein in Kiel zum 1. Mai nachgesuchte Umzug vom Exerzierplatz nach dem Lokal.Waldwiese" ist verboten. Begründet wird da? Verbot damit, daß es ebenso zu A Ii S s ch r e i t u li g c n kommen köimte, wie am 15. März. In Suetersen wurde der Maifcstzug ebenfalls verboten wegen Ge» fährdung der öffentlichen Sicherheit. Jeder versuch, einen Umzug zu veranstalten, solle mit Gewalt verhindert werden. GewerfcfcbaftUcbca« Zum Kampf im Baugewerbe. Erst in den nächsten Tagen werden wir eine Uebersicht über die Aussperrungen und bestimmte Zahlen über die von der Aussperrung betroffenen Bauarbeiter geben können. Noch wogt alles durch einander und die Angaben der einzelnen Korrespondenten sind wider sprechend. Absolut zuverlässige Angaben können begreiflicherweise nur die Organisationen machen. So viel sieht man aber schon Die Meldungen in bürgerlichen Zeitungen über den Umfang der Aussperrungen sind vielfach übertrieben. Sicher ist aber, daß trotze dem noch große Zahlen der von der Aussperrung Betroffenen auf. marschieren werden, was bei der großen Zahl der im Bauberuf Be> schäftigten nicht wundernehmen kann. Soviel steht jedoch jetzt schon fest, daß die Aussperrung lange nicht den Umfang angenommen hat, den die Scharfmacher unter den Bauunternehmern wünschten. Aus dem Süden des Reiches wehte ein besonders scharfer Wind. Von dort her wurde die Aussperrung am stärlsten propagiert. Da ist eS denn intereffant zu wissen, daß der Vorsitzende des Württem bergischen ArbeitgeberbundeS Herr Gustav Busch, nicht auSgesperrt.hat. So zeigt sich schon recht deutlich, daß doch recht viele verständige Unternehmer den Scharfmachern nicht unbedingt Heeresfolge leisten. '.' Im Frankfurter Wirtschaftsgebiet« ist die Aussperrung lange nicht in dem Maße erfolgt wie erwartet wurde. Mehrere organisierte Unternehmer sind dem Rufe der Scharfmacher gar nicht gefolgt, andere haben nur einen Teil der bei ihnen beschäftigten Arbeiter ausgesperrt. Und schon kommt auch die Kunde, daß Unternehmer wie die Firma Hanke in Frankfurt a. M die Arbeit am Montag wieder aufnehmen lassen. Von anderen Bauunternehmern wird berichtet, daß sie Bauarbeiten nicht aussperrenden Arbeitgebern übertragen haben, und diese die ausgesperrten Arbeiter wieder einstellen wollen. Während aber auf der einen Seite die Arbeiter den ihnen aufgezwungenen Kampf ruhig und siegeSzuversichtlich aufnahmen, scheint der Kampf bei den Arbeitgebern mit sehr gemischten Gefühlen aufgenommen worden sein. Die Zahl der im ZweigvereinSgebiet F r a n k f u r t a. M. des Maurerverbandes ausgesperrten Maurer beträgt nach den Feststellungen der Verbands leitung 1S6S. Die Ausgesperrten verteilen sich auf folgende Orte: Frankfurt a. M. 1300, Offenbach a. M. 260, Hanau 270. HöchstLS, Taunusgebiet 110. In diesen Orten find 3671 Maurer, Rabitzer und Zementarbeiter beschäftigt, und zwar bei organisierten Unternehmern allein 2619. Ein Drittel der bei den organisierten Arbeitgebern beschäftigten Arbeiter wurden also nicht ausgesperrt. Bei den Zimmerern wurde nur ungefähr die Hälfte der bei organisierten Unternehmern Beschäftigten ausgesperrt. Im Zweigvereinsgebiet Frankfurt a. M. wurden von 71 Unter» nehmern 607 Zimmerer ausgesperrt, und zwar in Frankfurt a. M. 379, in Offenbach a. Di. 57, in Hanau 57, in Höchst 17, Homburg 30 und in Friedberg 5. Insgesamt sind in diesen Orten 1600 Zimmerer beschäftigt und davon bei organisierten Unternehmern zirka 1100. Von den Bauhilfsarbeitern wurden verhältnismäßig weniger ausgesperrt als von den Maurern. Eine große Anzahl Hilfsarbeiter wurde zu Aufräumungsarbeiten usw. zurückbehalten Im ZweigvereinSgebiet Frankfurt a. M. wurden bisher rund 500 Aus- gesperrte gezählt. Die Zahl der Ausgesperrten sämtlicher Arbeitsgruppen kann sich jeden Tag nach oben oder nach unten verschieben. In den Kreise» der Arbeiter herrscht die Hoffnung, daß sie sich reduziert. Und diese Anficht ist durch daS Verhalten der Arbeitgeber auch begründet. « In Mainz wurden 305 Maurer und 107 Hilfsarbeiter aus gesperrt. In Marburg beträgt die Zahl der Ausgesperrten: 102 Maurer und 35 Hilfsarbeiter. In Solingen, Wald, Ohligs, HSHscheid und Gräfrath wurden am Freitagabend die Bauarbeiter ausgesperrt. Es kommen 600 Arbeiter in Frage. Ueber diejenigen Unternehmer, die sich der Aussperrung nicht anschließen, soll die Material sperre der- hängt werden. In Remscheid wurden von fast allen Unternehmern die Arbeiter am Freitagabend ausgesperrt. Den Arbeitern wurden die Papiere eingehändigt und das Arbeitsverhältnis als aufgelöst bezeichnet- ES kommen mehrere Hundert Arbeiter in Betracht. In Lennep(KreiS Remscheid) kehren sich fünf Firmen an die Beschlüsse der Bauunternehmer nicht und lassen weiter arbeiten. Im Kreise Herne-Recklinzhausen sind nach einer uns zugehenden Privatdepesche 823 Maurer und 541 Bauhilfsarbeiter ausgesperrt. Nicht ausgesperrt sind 239 Maurer und 115 Bauhilfsarbeiter. Die Zechen haben nicht aus- gesperrt. In Gelsenkirchen find ausgesperrt 335 Maurer und 168 Bau- Hilfsarbeiter, nicht ausgesperrt 230 Maurer und 175 BauhtlfS- arbeiter. In Bochum find 646 Maurer und 244 Bauhilfsarbeiter aus- gesperrt. ES arbeiten weiter 669 Maurer und 533 Bauhilfsarbeiter. In Duisburg ist die Aussperrung bisher nicht annähernd in dem Umfange erfolgt, als dies in der vom Unternehmertum direkt oder indirekt inspirierten Presse angekündigt wurde. Von den an- gekündigten 3000 sl) Aussperrungen, die am Freitagabend erfolgen sollten, waren trotz wiederholter Aufforderung zur sofortigen Meldung am Sonnabendabend erst 244 bei den OrganisationS- vorständen der freien Gewerkschaften für die Aussperrungsliste ein- gezeichnet, nämlich 115 Maurer, 59 Bauhilfsarbeiter und 70 Zimmerer. Die Zahl der aus den„christlichen� Organisationen Ausgesperrten ist noch nicht bekannt. Da die christlichen Organisationen im Bauberufr nicht halb so stark find wie die frei organisierten, so ist anzunehmen, daß bei gleichem Prozentsatze bis jetzt etwa 360 Bauarbeiter in Duisburg ausgesperrt sind. DaS ist etwa ein Drittel der Bauarbeiter Duisburg?. Doch wird eS dabei nicht bleiben, denn die Scharfmacher aus der Großindustrie terrorisieren diejenigen Bau- geschäfte, die den Gewalt st reich nicht mitmachen möchten oder noch zögern! von verschiedenen industriellen Werken sollten am Sonnabend die von den Baugeschäften AuS- gesperrten in eigener Regie beschäftigt werden. Noch im Laufe des TageS wurde das inhibiert. Einen direkten Beweis von dem Hand-in-Hand-arbeiten der Jndustriemagnaten mit den Scharfmachern im Baugewerbe lieferte die in Arbeiterkreisen berüchtigte Z ech e Neu- mühl. Für diese hat eine Firma Braun stein er eine größere Anzahl Koloniehäuser in Arbeit. Die Firma Braunsteiner hatte— jeden- falls, um einen Ueberblick über den Umfang der Aussperrung zu gewinnen— erst zum 20. April gekündigt. ES wurde also am Sonnabend an den Koloniebautcn flott weiter gearbeitet. Da kam nun der Zechendirektor hinzu. Und mit den Worten:„Auf Zeche Neumühl dürfe kein Stein mehr vermauert werden", jagte er! die Bauarbeiter der Firma Braunsteiner vom Bauplatze! � Ostpreuß«. In der Provinzhaupistadt Königsberg find nind 600 Arbeiter ausgesperrt, davon gehören zirka 450 Mann den Zentralverbänden an und 150„schwören" zur christlichen Fahne. Die Zenttal- verbände der Bauarbeiter weisen aber in Königsberg zirka 1800 Mit- glieder auf, die Stoßkraft der Unternehmer hat also kaum aus- gereicht, ein volles Viertel der Freiorganisierten auszusperren. Aehnlich liegt die Sache in der Provinz. In Allenstein sind von 800 Bauarbeitern zirka 300 ausgesperrt. Hier sind die Christlichen mehr von der Sperre bettoffen ward», als die freien Gewerkschaften, weil die Arbeitgeber, die dem Schutz- verbände angehören, zumeist nur Christliche zu beschäftigen pflegen. Fast ebenso liegt es in Schorn. Auch dort gehen die Unter- nehmer mit der Aussperrung sehr zaghaft bor und es liegen Zeichen vor, daß eS in dieser Stadt bald zur Einigung kommen wird. Zur Aussperrung ist es ferner gekommen in Heilsverg, Warten- bürg und Rastenburg, aber auch in diesen Städten ist nur etwa die Hälfte aller Bauarbeiter der„Kampfeslust" der Unternehmer zum Opfer gefallen. Dagegen scheint eS in Mcmel und Tilsit schärfer zugehen zu wollen, vornehmlich in Tilsit wollen die edlen Scharfmacher die Organisationen Izum Weißbluten bringen, zahlenmäßiges Material über den Umfang der Aussperrung liegt aber noch nicht vor. Jeden- falls wird aber in beiden Städten das Solidaritätsgefühl der Arbeiter dafür Sorge ttagen, die Herremnoral der Baulöwen gehörig einzuschränken. In Westpreußen geht eS allerdings etwas lebhafter zu. Im ganzen Probinzgebiet sollen angeblich mehrere Tausend ausgesperrt sein. Von Danzig wird die Zahl der Ausgesperrten auf 2000 angegeben. Dirschau meldet 500 Arbeiter als ausgesperrt. In Diarienburg ist eS einst- weilen nur auf dem Kasernenneubau zur Aussperrung gekommen. Betroffen sind 140 Personen. Dagegen weist Marienwerder bei- nahe ein halbes Tausend Ausgesperrte auf, nur die Poliere un» Lehrlinge blieben auf den Bauten zurück, eS dürfte aber kaum möglich fein, durch diese Kräfte den Staat retten zu können. Klein wieder dagegen ist die Zahl der Ausgesperrten in Graudenz, nur 90 Bauarbeiter wurden aufs Straßenpflaster gesetzt. Hier liegen die Dinge so, daß die meisten Unternehmer nicht im Schutzverbande organisiert sind und darum flott weiter arbeiten lassen können. Es bleibt nun abzuwarten, ob mit Anfang dieser Woche in den beiden östlichen Provinzen des Reiches die Aussperrungswut der Unternehmer noch größere Dimensionen annehmen wird. .," In Wilhelmshaven-Rüstringe» ist eS nicht zur Aussperrung gekommem Die dortigen Arbeit- geber haben sich vom Bundesvorstand Dispens erteilen lassen, weil durch die Verlegung des Geschwaders nach Wilhelmshaven dort eine anormale Lage geschaffen ist. Der Bundesvorstand erkennt an, daß die Fertigstellung der Hafenanlagen, Kasernenneubauten und anderer staatlicher Dienst- und Privatgebäude, die zur Aufnahme des nach dort verlegten Militärs dienen, notwendig ist und ist daher mit der Verlängerung des alten Vertrages bis auf weiteres einverstanden, verpflichtete jedoch die Arbeitgeber, keine auswärtigen Bauten zu übernehmen und keine auswärts stteikenden oder aus- gesperrten Arbeiter zu beschäftigen.— Die Arbeitnehmer haben über die veränderte Sachlage noch nicht beraten. Berlin und Umgegend. Achtung, Metallarbeiter! Bei der am Sonutag, den 17. d. M., stattgefundenen Wahl der 3 Revisoren sind 9155 Stimmen ab- gegeben. Davon Waren 129 ungültig, somit verblieben 9026 gülttge Stimmen. Albert D r ä g e r erhielt 7498. Hermann Gries 6470. Otto Vollmer 6412, Karl P r i e f e r t 5273 Stimme». Demnach sind die Kollegen D r ä g e r, G r i e s und V o l l m e r als Revisoren gewählt. Gleichzeitig fand auch die Wahl der Delegierten zum außer- ordentlichen Gewerkschaftskongreß statt. Hierbei wurden 9165 Stimmen abgegeben. Davon waren 250 ungültig und verblieben somit 8915 gültigte Stimmen. Davon erhielt: Wilhelm Richter 6268, Wilhelm Völkel 5789, Kurt Selbrich 5646, Adolf Röbbel 5214. Hermann Gries 5103. Paul Robinson 4966, Arthur Kaßner 4960, Otto Habicht 4869, Max Behrend 4673 und Karl W ü cke 3764 Stimnren. Demnach sind die Kollegen Richter. Völkel. Sellrich, Röbbel, Gries und Robinson gewählt. Deutscher Metallarbeiterverband. Ortsvcrwaltung Berlin. Die in den Deutschen Waffen, und Munitionsfabriken Wittenau beschäftigten Arbeiterinnen und Arbeiter kamen � am Sonntagdormittag zu einer Besprechung in den Germaniasälen, Chaujseestratze, zusammen. Es handelte sich in erster Linie um die Verhältnisse der Hilfsarbeiter. Robinson vom Deutschen Metallarbeiterverband legte dar, wie dringend notwendig eine Regelung dieser Verhältnisse geworden ist. 2Ban hatte sich schon in einigen vorhergegangenen Versammlungen damit beschästtgt und eine bestimmte Lohnskala für die 170 Hilfsarbeiter verlangt, denn die Entlohnung schien ganz willkürlich und war äußerst gering. Als Minimallohn wurden 23 Pf. pro Stunde gezahlt. Der Verband stellte fest, daß durchschnittlich ein Mann, der 27� Jahre alt ist, nach einer Beschäftigungsdauer von 11 Monaten nur 42,5 Pf. pro Stunde verdient. Die Leute suchten durch Ueberswnden ihren Wochenverdienst zu erhöhen, aber sie machten auch Anstrengungen, durch gemeinsames Vorgehen eine Regelung der Lohnverhaltnisse zu erzielen. Sie glaubten sich dazu um so mehr berechtigt, als in anderen großen Werken der Minimallohn für die Hilfsarbeiter 40 Pf. beträgt. Außerdem waren viele Ar» beiter der Meinung, daß die Generaldireltion keine Kenntnis davon hätte, wie schlecht die Hilfsarbeiter gestellt sind. Man wählte e»ne Kommission, die bei der Direktion in Wittenau vor- stellig wurde. Die Kommission machte geltend, daß bei der herrschenden Teuerung die Hilfsarbeiter mit den gezahlten Löhnen unmöglich auskommen könnten, und sie wünscht- vor allen Dingen die Aufstellung einer bestimmten Lohnskala. Die Direktion kam dem Wunsche nach und legte eine solche Skala vor. Danach sollte den Hilfsarbeitern gezahlt werden: Als Anfangslohn 36 Pf., nach 4 Wochen 38 Pf., nach 3 Monaten 40 Pf., nach 1 Jahr 42 Pf., nach 2 Jahren 44 Pf., nach 3 Jahren 46 Pf., nach 4 Jahren 43 Pf. Wenn jetzt die Hilfsarbeiter endlich genau wissen, nach welcher Regel sie bezahlt werden, so können sie doch mit den Sätzen dieser Regel noch nicht zufrieden sein; der Minimallohn ist immer noch geringer als in den anderen Werken; darum werden die Arbeiter die Agitation um Erhöhung der Löhne fortsetzen müssen. Die Versammlung beschäftigte sich noch mit mancherlei Miß- ständen im Betriebe. Es wurden Klagen laut über yroße Staub- entWickelung in der Schleiferei, wo es an der Einrichtung eine? geeigneten Staubabzuges fehlt.— Mit einigen neuen Anordnungen, die Betriebsuhren betreffend, war man sehr zufrieden. Man wünschte auch eine Verlängerung der Badezeit. Ueber die Be- triebskrankenkasse hatte man mancherlei zu klagen. Die Kom- Mission, die dazu eingesetzt ist, die Klagen der Arbeiter an der geeigneten Stelle vorzubringen, erhielt noch verschiedene An- Weisungen._ Der Streit der Leitergerüstbaver. Di« Leitergerüstbauer, Platzarbeiter und Kutscher der Aktien- gcsellschaft Berliner Leitergerüslbau- und Leihanstalten(L. Alt- mann) stehen nun seit Dienstag voriger Woche im Streik. Sie hatten Forderungen auf Abschluß eines Tarifvertrages zur Ver- besserung ihrer Lohn- und Arbeitsverhältnisse gestellt, aber der Direkkor der Firma lehnte jegliche Verhandlung über die Forde- rungen ab. Er hatte wohl vor acht Tagen den Vertreter der Organisation zu einer Besprechung geladen, redete dabei jedoch über alles mögliche, nur nicht über das. was notwendig war, und erklärte, daß keinerlei Mißstände in seinem Betriebe herrschten und daß er auch nicht die geringsten Zugeständnisse machen werde. So blieb de» Arbeitern kein anderes Mittel übrig als die Arbeits- niederlegung, um zum Ziele zu gelangen. Der Herr hatte er- wartet, daß ein großer Teil seiner Arbeiter, namentlich die Polen und die älteren Leute, im Betriebe bleiben würde, hat sich aber tarin sehr getäuscht. Wohl blieben am ersten Tage des Streiks »och 28 oder 30 Mann in Arbeit, aber nun ist die Zahl der Ar- beitswilligen auf 14— 8 Poliere und 6 Gerüstbauer— zurückgegangen, während über 250 Mann im Streik stehen. Die Forderungen sind, zumal mit Rücksicht auf die ansttengende und gefahrvolle Arbeit, sehr bescheiden. Die Arbeitszeit soll 9 Stunden betragen, für die Poliere werden 85 Pf., für die Gerüstbauer 75 Pf. und für die Platzarbeiter 55 Pf. Stundenlohn verlangt. für die Kuffcher 32 M. Wochenlohn. Für Ueberstunden werden entsprechende Zuschläge verlangt, ebenso für Nachtarbeit. Da die Gerüstbauer bisher mit nur zweimal einer halben Stunde Pause von morgens 7 Uhr bis 7, 8, 9, ja 10 Uhr abends arbeiten, und die Kutscher manchmal sogar noch länger tätig sein mußten, scheint eine Beschränkung der Ueberzeitarbeit ganz besonders notwendig. Die Kutscher hatten bisher einen Durchschnittslohn von 26 M. die Woche; die Gerüstbauer erhielten nach dem Tarifvertrag von 1903 65 Pf. Stundenlohn, die Platzarbeiter gar nur 45 Pf. Auch sonst herrschten in dem Betriebe noch mancherlei Mißstände, und die Tatsache, daß die große Masse der Arbeiter so einmütig in den Stteik ttat, beweist ja schon hinreichend, daß Grund genug zur Unzufriedenheit vorhanden ist. Herr Altmann soll gesagt haben, wenn„die paar Hammels aus der Rosinenstraße" streikten, so würden sich die übrigen dadurch nicht von der Arbeit abhalten lassen. Er wird nun wohl schon eingesehen hzben, daß es nur ein paar Leutchen sind, die ihm Rausreitzerdienste legten, mit denen er aber seinen Betrieb unmöglich aufrechterhalten kann. Am Sonntag beschäftigte sich eine zahlreich besuchte Versamm- lung der Leitergerüstbaucr aus allen Betrieben Berlins und der Umgegend mit dem Streik. Sie füllte den großen Saal des Volks» Hauses in Charlottenburg. Der Referent S i e b e r t berichtete über die gegenwärtige Lage, die ja bei der Einmütigkeit, mit der die Streikenden im Kampfe ausharren, als sehr günstig bezeichnet werden mutz. Dem Vortrage folgte eine sehr rege Diskussion. die bewies, daß die Streikenden gar nicht daran denken, den Kampf aufzugeben, und daß alle übrigen Leitergerüstbauer Groß-BerlinS sich mit ihnen solidarisch fühlen und bereit sind, auch ihrerseits alle im Interesse des KompfeS notwendigen Opfer zu bringen. Namentlich werden sie darauf achten, daß von keiner Firma Stteik- arbeit für L. A l t m a n n ausgeführt wird. Um den Jung- organisierten und noch Unorganisierten unter den Stteikenden einen Zuschuß zu der vom Transportarbeiterverband geleisteten Unter- stützung zukommen zu lassen, beschlossen die Berliner Leitergerüst- bauer einstimmig, vom Sonnabend dieser Woche ab einen besonderen Streikbeitrag zu zahlen, der für die Poliere 5 M., für die Gerüstbauer 3 M. betragen soll, und nahmen ferner folgend« Resolution an: „Die versammelten Leitcrgerüstbauer Berlins schließen sich den streikenden Kollegen der Firma L. Altmann, AUG.. mit voller Sympathie an. Sie versprechen ferner, finanzielle und materielle Opfer zu bringen, bis den Gerüstbauern, Polieren, Kutschern und Platzarbeitern der Firma besseris Lohn- und Arbeitsbedingungen zugestanden werden." Achtung, Schuhmacher! In der Schuhfabrik von St. Krüger, Palisadenstt. 96, sind Differenzen ausgebrochen. Die Ortsverwaltung. Ocutrchcs Reich. Achtung, Maler! In Finsterwalde haben die Arbeit» geber auf die von uns eingereichten Forderungen jede Verhandlung abgelehnt. Die Arbeit wurde daher einmüttg eingestellt. Zuzug ist streng fernzuhalten. Die Bezirksleitung des Verbandes der Maler usw.(Sitz Hamburg), Achtung, Fabrikarbeiter! In der Dexttinfvbrik Neudanra» von R. Arndt Haben die Arbeiter Lohnforderungen gestellte Sie verlangen eine Erhöhung des jetzt 17 M. betragenden WochenlohneS um 2 M. Da der Chef der Firma diese Forderung ablehnte, kündigten 44 von 45 im Betriebe beschäftigten Arbeitern. Die Arbetter gehören vollzählig den Organisationen der Fabrikarbeiter und Heizer und Maschinisten an. Susland. Achtung, Marmorarbeiter! Die Firma Haertsch u. Cie, in Rheineck sucht in deutschen Zeitungen Marmoristcn und Poli» seure. Wir warnen vor jedem Zuzug, da die dort Arbeitenden alle auf den 23. d. M. ihr Anstellungsverhältnis gekündigt haben und von da ab sich im Streit befinden werden. Sekretariat des SteinarbeitewerbcmdeS de» Schweiz. Letzte INtachricbten und Depefeben. Gegen das Protzentum im Baugewerbe. Heilbronn, 18. April.(Privatdepesche des„Vorwärts".) Die Heilbronncr Gesamtarbeiterschaft protestierte heute Abend in drei überfüllten Versammlungen gegen die Gewaltwirt, schaft der Bauherren. Im Anschluß daran fand ein Demon, strationszug durch die Hauptstraßen der Stadt statt, an dem annähernd 4006 Personen teilnahmen. Die Polizei verhielt sich untätig, so daß der Zug in bester Ordnung verlief und sich ruhig auf dem Marktplatze auflöste. Besonders zu be- merken ist. daß der Vorübermarsch an dem Versammlungslokal der Unternehmer großen Eindruck machte. Bom Kriegsschauplatz im Baugewerbe. Kiel, 18. April.(Privatdepesche des„Vorwärts".) Die AuS, sperrung im Baugewerbe hat hier nicht den Umfang ange. nommen, wie bisher gemeldet. Bis Montag mittag waren als ausgesperrt gemeldet: 340 Zimmerer, 750 Maurer und 442 Bau- arbeiter. Die Zahl der Ausgesperrten beträgt also rund 1500. In Neumünster und BordeShalm ist nicht ausgesperrt. — Der Vorstand des ArbeitgeberbundeS hat den Mut und teilt der bürgerlichen Presse mit, daß sie zur Aussperrung„gezwungen" seien. » Köln, 18. April.(Privatdepesche d«S.Vorwärts'.) Im Kölner Bezirk sind nicht 4000 Bauarbeiter ausgesperrt, wie die bürgerliche Presse berichtet, sondern bis Montag mittag nur 1720, nämlich 720 organisierte Maurer und 615 Bauhilfsarbeiter. 385 gehören dem christlichen Verband an. •15 Frauen ertrunken. Satoralia.vjhely(Ungarn), 18. April.(W. T. B.) Steb, zehn Frauen aus den Ortschaften Felsoeberecki und Karos wollten sich zum Jahrmarkt hierher begeben. Als sie auf einer Fähre über den Bodrog fuhren, schlug diese um und 15 Frauen ertranken. Der Aufstand iu Chuuea. Shanghai, 18. April.(W. T. B.) Die chinesischen Truppen- Verstärkungen sind in Tschangscha eingetroffen. Der Aufruhr hat nachgelassen, die Zollämter sind zerstört. Die drei Euro, päer, die bei dem Zusammenstos) einer Dschunke mit dem eng» tischen Kanonenboot„Thistle" ertrunken sind, waren spanische Augustinermönche, unter ihnen der Bischof Perez von Nordhunan. Verantw. Neda».: Richard Barth, Berlin. Inseratenteil verantw.tUH.GIockc.Berliu. Druck u.verlag:Borwärt»Buchdr.u.VerIaL»anstallVaulSingerLcCo..BerlinL�V. Hierzu 3 Leilageu«.Unterhaltungsbl, »»" 1.{idlnjc Ks.Awiirls" Dnliin Diellstag. 19. April 1919. Quittung. Im Monat März gingen bei dem Unterzeichneten folgende Parteibeiträge ein: Altona, sozialdemolr. Verein des 3. und 10. schleStvig» bolst Wahlkreises, 4. Quartal 09 2244,62. Berlin- Groß, a konto seiner acht Wahlkreise 16666 2 Meter weit zurückflog, mit einem Schrei auf das Pflaster fiel und stöhnend liegen blieb. Z. sei weitergefahren, ohne sich noch um D. zu kümmern, von anderen Personen sei D. nach dem Krankenhaus gebracht worden, wo man eine Brustquetschung festgestellt, ihn aber nach Hause entlassen habe. Auch der Schutzmann Heider, der die Persönlichkeit Zachs festgestellt hatte, bekundete, daß Z. mit dem Fuß gestoßen habe. Er erklärte das daraus, daß Z. beide Hände an der Kurbel gehabt habe. Er wiederholte:„Mit den Händen konnte er nichts machen, also hat er mit dem Faß gestoßen." Dem Amtsanwalt schien dieses„also" nicht sehr plausibel zu sein, er beantragte 50 M. Geldstrafe. Der Verteidiger, Rechtsanwalt Schwarz, beantragte Freisprechung. Z. habe das Recht gehabt, D. zu hindern, daß er den Wagen besteige. Er habe von D. einen Angriff, wenn nicht auf seine Person, so auf die Betriebssicherheit seines Wagens be- fürchtet, und den habe er in der Notwehr abgewehrt. Sei er zu weit gegangen, so wolle man bedenken, daß er durch die Kritik der Fahrgäste gereizt worden war. Das Urteil verhängte über Z. eine Geldstrafe von 50 M., weil die Vorsätzlichkeit erwiesen sei. Aner- kannt wurde, daß das Amt eines Straßenbahnfahrers schwer ist und er sich in Erregung befand. Andererseits wurde ihm aber als erschwerend angerechnet, daß die Fahrgäste, als sie seine Hand- lungswcise tadelten, sich offenbar sehr ruhig und anständig be- nommen hätten._ Unlauterer Wettbewerb bei Nachdruck von Inseraten. Der Zeitungsverleger Otto Schultz in Berlin klagt gegen die Firma N. von DeckerS Verlag daselbst neben anderem auf Unter- lassung des Nachdrucks von Inseraten, in denen Stevenailsschrer« bungen von Behörden und Privaten bekanntgemacht werden. Prozeßgeschichtlich ist von Interesse, daß beide Parteien Heraus- geber von mehreren Vakanzenzeitungen sind. ES sind Zeitschriften, für Staats- und Gemeindebcamte, die ähnliche Titel führen. Der Kläger behauptet, daß die beklagte Firma mit ihrem„Vakanzen- Anzeiger für Reichs-, Staats-, Gemeinde- und Privatbehörden" unlauteren Wettbewerb betreibe. Der Vakanzen-Anzeiger sei nichts weiter als ein planmäßiger Abdruck seiner Vakanzenzeitung. So seien bei 63 Ausschreibungen von Behörden nur 3 Originale vorhanden, das andere seien Nachdrucke. Das Landgericht und das Kammergericht Berlin verurteilte die Beklagte, in dem von ihr herausgegebenen Vakanzen-Anzeiger den Nachdruck von Inseraten zu unterlassen, in welchem Stellen- ausschreibungen von Behörden und Privaten bekanntgemacht weroen, sowie die Behauptung zu unterlassen, der Vakanzen-An- zeiger sei Beiblatt der Monatsschrift für deutsche Beamte und er sei das alleinige Organ des 170 000 Mitglieder zählenden Ver- bandes deutscher Beamtenvereine. Das Kammcrgericht erklärt. es sei als erwiesen anzusehen, daß die Behauptungen des Klägers über die Nachdrucke im wesentlichen tatsächlich richtig sind. Diese Annahme aber führe zu dem Ergebnis, daß das fortgesetzte, plan- mäßige Nachdrucken einer großen Anzahl von Stellenausschreibungs- Inseraten, welche die Beklagte für ihren Vakanzenanzeiger auS der klägerischen Vakanzenzeitung entnommen hat, sich als eine Zuwiderhandlung gegen 8 1 des Gesetzes zur Bekämpfung dcS un- lauteren Wettbewerbs darstellt. Denn bei den Lesern werde durch die abgedruckten Inserate der Glaube erweckt, es handle sich um ein von Behörden viel gesuchtes Blatt und eine auch vom Publikum vielgelesene Zeitung. waS bei einer Zeitung mit wenige Inseraten nicht anzunehmen sei. Gegen das Urteil deS Kammergerichts hatte die Beklagte Revision beim Reichsgericht eingelegt. Der zweite Zivilsenat er- kannte jedoch im wesentlichen auf Zurückweisung der Revision. Nur insofern billigte er eine Maßgabe zu, als der Nachdruck von Füllannoncen dann nicht weiter untersagt sein soll, wenn die Be- klagte die Füllannoncen als solche kenntlich macht. Ein gefährlicher Jugendverderber mutzte sich gestern in der Person deS angeblichen„Redakteurs" Otto Teich unter der Anklage der tätlichen Beleidigung vor der 5. Strafkammer des Landgerichts I verantworten.— Der jetzt in der Rheinprovinz wohnhafte Angeklagte hielt sich Anfangs d. Js. in Berlin auf. Am Neujahrstage telephonierte er an eine Filiale der Messenger-Boys-Gesellschaft und ließ sich einen Boten nach seiner Wohnung in der Stallschreiberstrahe senden, um diesem an- geblich wichtige Bestellungen zu übergeben. Als der Botq, der 14 jährige jetzige Bäckerlehrling V. in der Wohnung des Angeklagten eintraf, wurde er von diesem mit starkem Grog und schweren Likören traktiert, so daß der junge Bursche sich bald dem Willen des Lüstlings gefügig zeigte. Angeblich um ihn zu zeichnen, ließ der Angeklagte den jungen Menschen sich entkleiden und verging sich dann an dem durch den Alkohol fast Willenlosen in einer Weise, die hart an ein Vergehen gegen den 8 1�5 grenzt. Der Vierzehnjährige machte aus Scham seinem Vater, einem Malermeister, von dem Vorfall keinerlei Mitteilung. Durch einen Zufall erhielt jedoch die Direktion der Messenger-Boys-Gesellschaft von dem Vorgang Kenntnis, die dem Vater hiervon Mitteilung machte.— Das Schöffengericht Berlin-Mitte sah die schweren sittlichen Verfehlungen des Angeklagten sehr milde an und verurteilte ihn nur zu 50 M. Geldstrafe. Hiergegen legte die Staatsanwaltschaft Berufung ein. In der gestrigen Verhandlung beantragte StaatSanw->Assessor LammerS mit Rücksicht darauf, saß es sich um einen recht gefähr- lichen Jugendverführer handele, eine Gefängnisstrafe von zwei Monaten. Das Gericht erkannte unter Aufhebung deS ersten Urteils auf einen Monat Gefängnis. ssbltur? des Ballons„vellftlch". Die vier Insassen tot. Eine schwere Ballonkatastrophe hat sich während deS Gewitter» in der Nacht zum Sonntag bei Reichensachsen, einem Dorfe im Regierungsbezirk Kassel, ereignet. Der Ballon„Delitzsch", der am Sonnabendabend 0 Uhr 15 Minuten in Bitterfeld auf- gestiegen war, geriet in das Gewitter, der Ballon wurde zerstört und die vier Insassen deS Ballons stürzten auS sehr be- trächtlicher Höhe auf die Erde hernieder. Alle vier Herren waren sofort tot. Ueber die Katastrophe erhalten wir folgende Depeschen: Eschwege, 17. April. Die Hülle deS Ballons„Delitzsch", der gestern von Bitterfeld aufgestiegen war, wurde hente bei Rrichrnsachsen aufgefunden. Der Ballon ist anscheinend während deS Gewitters vom Blitz getroffen worden. Alle vier Insassen find tot. Bitterfrld, 17. April. Die vier Insassen de» Ballons „Delitzsch" waren der Kaufmann Karl Luft auS Bitterfrld als Führer, der feine 25. Fahrt unternahm, Herr L r u ch f r n- ring von der Luftfahrzeug-Gcfrllschaft, der den Münchener Ballon der Gesellschaft führen sollte, und die Herren Hoecker und Graupuer aus Leipzig. Der Ballon ist gestern abend S Uhr 15 Minuten am Werte Elektron II aufgestiegen. Er gehört dem Bitterfeldrr Berein. Der Aufstieg ging sehr glatt von Patten. Es herrschte fast völlige Windstille und der Ballon zog in laugsamer Fahrt in westlicher Siichtung davon. Eschwcgc, 17. April. Die Fahrt deS verunglückten Ballons „Delitzsch" ging über Halle, Delitzsch. Niedereichstädt. Kölleda und Sömmerda. Um 12 Uhr nachts passierte der Ballon in 440 Meter Höhe Eisenach. Um diese Zeit scheint er in einen Gewittersturm geraten und nach Westen getrieben worden zu sein. Ueber dem Dorfe Reichensachsen ist er vom Blitz getroffen worden und mit großer Geschwindigkeit zur Erde gestürzt. Die Gondel ist wahr- scheinlich mit furchtbarer Gewalt aufgestoßen, denn die Leichen weisen gräßliche Verletzungen auf. Zwei Leichen waren herausgeschleudert, während sich zwei in der Gondel befanden. Nach einer weiteren Meldung hatte am UnglückSorte der Be- fltzer eines Grundstückes gegen 1 Uhr nachts ein eigentümlich sausendes und krachendes Geräusch wahrgenommen, wegen deS tobenden Gewitters demselben jedoch keine besondere Bedeutung beigelegt. So wurden die Leichen der Verunglückten erst am Sonntagmorgen gegen 6 Uhr aufgefunden. Der Ballonkorb war auf einen alten Obstbaum niedergestürzt, den er unter sich begrub. die Hülle hatte sich losgerissen und war noch etwa einen Kilometer weitcrgetragen worden. Der Befund der Leichen läßt erkennen, daß die Verunglückten einen schrecklichen Tod gefunden haben. Zwei der Verletzten sind mit dem Kopf auf die Erde aufgeschlagen und haben s o schwere Verstümmelungen erlitten, daß sie ganz unkenntlich gelvorden waren. Die zwei anderen hatten sich krampfhaft an den Tauen der Gondel festgehalten und ihr Tod muß nach Ansicht der Aerzte durch schwere innere Verletzungen, Zerreißung der Därme. Quetschung der Lunge und Leber, Reißen der Herzadern, sofort nach dem Aufschlagen eingetreten sein. Diese beiden zeigen keine sonstigen Verstümmelungen im Gesicht und doch bieten gerade ihre Totenmaske» einen entsetzlichen Anblick. Ihr Antlitz ist grauenvoll verzerrt und die Todesangst malt sich in ihnen in so furchtbarer Weise, daß die Aerzte übereinstimmend erklärten, einen derartig erschütternden und unverwischbaren Eindruck beim Anblick von Toten noch niemals gehabt zu haben. Die erprobte Krankenschwester, die den Aerzten Beistand leisten wollte, verfiel beim Anblick dieser beiden Getöteten in Schreikrämpfe und war lange Zeit be- wußtlos. ».» Wie ist das Unglück entstanden? Die Untersuchung der Hülle des verunglückten Ballons«Delitzsch", welche gestern in Neichensachsen eingetroffene Herren vom Verein für Luftschiffahrt- Bitterfeld vorgenommen haben, läßt mit Sicher« heit erkennen, daß das Unglück nicht durch Blitzschlag herbei- geführt wurde. Der Ballon ist infolge der in der Nacht zum Sonntag im Werratal herrschenden Gewitter in eine starke Luftströmung ge- raten und nach unten gedrückt worden. Seine Jasaffen haben durch Auswerfen von Ballast versucht, auS dem Bereich deS Ge- witters zu kommen, dem starken Widerstand der Luftströmungen aber hat der Ballon anscheinend nicht standgehalten und ist geplatzt. Für diese Annahme scheint auch das Fehlen eines Ventildeckels zu sprechen. Erst wenn dieser gefunden ist, glaubt man die genaue Ursache deS Unglücks feststellen zu können. Als die Katastrophe eintrat, befand sich der Ballon nach Aufzeichnungen des in der Gondel aufgefundenen Apparates in 2600 Meter Höhe. Die Hülle soll heute nochmals untersucht werden. Die Leichen sind zur Bestattung fteigegeben worden. DaS im Ballonkorbe aufgefundene Fahrtbuch gibt ausführliche Auskunft über Wind-, Zeit- und Höhenverhältnisse. Um S Uhr 30 Min. abends wurde bei 160 Meter Höhe Halle gesichtet, um 8 Uhr 15 Min. bei 180 Meter Niedereichstädt bei Erfurt. Dann stieg der Ballon langsam weiter hoch und erreichte bei Kölleda eine Höhe von 250 Metern. Um 12 Uhr nachtS wurde Eisenach mit der Wartburg in 443 Meter Höhe passiert. Das ist die letzte Ein- tragung. Die Katastrophe muß sich also gegen 1 Uhr ereignet haben. Wie ein hiesiges Blatt zu melden weiß, ist der Witwe des bei dem Absturz verunglückten Herrn Hoecker auS Leipzig der Tod ihres Gatten durch ein Beerdigungsinstitut gemeldet worden, daS sich um die Beerdigung bewarb. In Leipzig hat diese unerhörte Bummelei der zur Benachrichtigung Verpflichteten sehr berechtigte Entrüstung hervorgerufen._ Noch ein Ballonnnfall. Der am Sonntagvormittag in A r n st a d t aufgestiegene Ballon „Erfurt" hatte am Nachmittage bei seiner Landung in der Nähe von Bitterfeld einen bedauerlichen Unfall. Zwei Jnsaffen des Ballons wurden bei dem Aufprall auS der Gondel geschleudert, erlitten jedoch keine erheblichen Verletzungen. Der Führer des Ballons, Direktor Hermann aus Erfurt, zog fich bei der Landung einen doppelten Beinbruch zu. Vermiscdres. Ein neuer Flugrckord. Der Aviasiker Henri Farm an unternahm am Sonntagabend mit seinem Zweiflächer in Begleitung eines PaffagierS einen Flug von Etampeö nach Orleans und zurück. Er legte die etwa 50 Kilo- meter lange Strecke in ungefähr 40 Minuten zurück und hat damit einen neuen Weltrekord für direkten Flug zu Zweien ge« schaffen. Unwetter in England. Wie ein Telegramm aus London meldet, ging auch in Eng- land in der Nacht zum Sonntag ein heftiges Gewitter nieder. In London wurden viele Straßen überschwemmt, der Straßenbahnverkehr ist an mehreren Stellen unterbrochen und verschiedene Per« sonen wurden verletzt. Der Blitz schlug an mehreren Stellen ein, zündete aber nur in einem Falle. Auch in der Provinz hat nach den vorliegenden Meldungen der Swrin arg gehaust; in Marlborongh wurde ein Schäfer vom Blitz erschlagen. Eigenartige Neierrcichung einer Petition. Die Bewohner von Villeneuve-le-RoiS bei Paris, die feit Jahren vergeblich die Errichtung eines Bahnhofes fordern, ver- anstalteten am Sonntag unter Führung des Deputierten ArgeliöS eine Kundgebung, indem sie das BahugleiS besetzten und zwei Schnellzüge durch Schwenken roter Fahnen zum Anhalten zwangen. Sie überreichten sodann den Lokomotiv- sührern Schriftstücke, in denen die Forderung auf Errichtung eines Bahnhofes begründet wird, und ersuchten sie, die Petitionen dem Direktor der OrläanSbahnen zu übergeben._ Kleine Notizen. In Posen erschoß ein 20 Jahre alter Arbeiter Bessert seine 17 Jahre alte Geliebte. Nach Berübung der Tat beging der junge Mann Selbstmord.— Vom Blitz erschlagen wurde am Sonntag ftüh bei einem über Jarchau, Regierungsbezirk Magdeburg. niedergegangenen Gewitter der Schlächter Holz und seine Frau. Die Leiche des Mannes war bis zur Unkenntlichkeit entstellt.— Bei dem Einstürze einer Eilen- gießerei in Valencia wurde ein junges Mädchen getötet; 30 Personen wurden verletzt.— In der Ortschaft F e I s ö f a l v a in Ungarn brannten infolge Unvorsichtigkeit spielender Kinder 182 Häuser samt den Nebengebäuden ab.— Der Postdampfer , M i n n e h a h a" ist auf der Fahrt von New Jork nach London bei den Scilly-Jnseln gestrandet. Die Passagiere wurden an Land gesetzt. Verantwortlicher Redakteur Richard Barth, Berlin. Für den Inseratenteil verantw.: Tb. Glocke, Berlin. Druck u. vertag: Vorwärt» Buchdruckerei u. veriagöanstait Paul Singer& So. Berlin SW, Ii. 90. 27. Aahlgang. ritae in Jjtiiiitte" Zitüstag, 19. Apri! 1910. Hbgeordnetenbaiiö. 51. Sitzung vom Montag, den 18. April, vormittags 11 Uhr. Am Ministertisch: Eisenbahnminister v. Breitenbach. Finanz- minister v. Rheinbaben. Auf der Tagesordnung steht zunächst der Nachtragsetat, der für den Umbau des Opernhauses 851 500 M. fordert. Die Kosten sollen durch eine Anleihe gedeckt werden. Abg. v. Arnim(k.): Wir werden uns der Bewilligung der Forderung kaum entziehen können, wenn sie uns auch etwas über- raschend kommt. Wir können das bei dieser Gelegenheit ein- geschlagene Verfahren nicht ganz billigen. Auf einen Neubau des Opernhauses zu drängen haben wir bei der Finanzlage des Staates keine Veranlassung. Abg. Schmcdding sZ.) betont, daß seine Freunde in der Kommisston die Äl/twendigkeit der Forderung genau prüfen würden. Abg. Graf Moltkc(fk.) austert sich in demselben Sinne, bleibt aber im einzelnen auf der Tribüne ganz unverständlich. Minister v. Breitenbach erörtert die Schwierigkeiten, denen der Neubau eines neuen Opernhauses begegnet. Vor allem kommt die Platzfrage in Betracht. Der Umbau iei dringend notwendig. Abg. Fritsch(natl.): Für die Frage des Neubaues des Opern- Hauses behalten wir uns völlig freie Hand vorz dieser Vorlage werden wir, wenn die Notwendigkeit nachgewiesen wird, zustimmen. Abg. Dr. Pachnicke(Fortschr. Vp.): Meine Freunde schließen sich dieser Erklärung an. Bei dieser Gelegenheit weise ich auch darauf hin, daß die Theaterpreise in Berlin inS Unerträg- l i ch e wachsen. sSehr richtig.) Zum mindesten sollten auch Vor- stellungen zu volkstümlichen Preisen von der Oper veranstaltet werden. Damit schließt die Debatte. Die Vorlage geht an die Budget- k o m m i s s i o n. Hierauf wird die zweite Lesung des Kultusetats fortgesetzt. Kultusminister v. Trott zu Solz: Es ist von einer Abtrennung des Unterrichtsministeriums die Rede gewesen. Eine solche Ab- trennung wäre eine Erschwerung für die Erfüllung der Aufgaben des Kultusministers. Der Religionsuntcrrichi soll doch unter alle» Umständen der Schule erhalte» bleiben. Dann aber muß der Unter- richtsminister zu sanimen wirken mit der Kirche. Herr Dittrich hat angedeutet, daß in unseren Seminaren nicht der rechte christliche Geist herrsche und daß die jungen angehenden Lehrer dort nicht in ausreichender Weise sittlich-religiös erzogen würden. Ich erkenne an, daß auf eine solche Erziehung der Lehrer der größte Wert zu legen ist? auch fehlt keineswegs der Kirche der ihr zukommende Einfluß auf die Bedeutung des Unterrichts, wie schon daraus hervor- geht, daß bei der Abgangsprüfung ein Vertreter der Kirche an- wesend ist. Beschwerden von diesen Geistlichen sind bisher nicht an mich gelangt.— Von anderer Seile ist gesagt worden, unsere jungen Seminaristen würden in spanische Stiefel gesteckt.(Sehr richtig I links.) Das wäre sehr falsch, wenn es geschehen würde. Wir wollen keineswegs auf unseren Seminaren Duckmäuser erziehen. sondern frische, lebensfrohe junge Leute mit dem nötigen Ernst und V-rantwortlichkeitsgefühl. die mit Liebe und Lust für ihren schönen Berus und mit frohem Gemüt ins Leben treten. Gewiß erregen einzelne Erscheinungen innerhalb der Lehrerschaft ernste Sorge, aber ich kann mir nicht denken, daß es diesen radikalen Heißspornen, von denen man ja immer mehr hört als von den ruhigen Leuten, gelingen sollte, unsere treue und gottessürchtige Lehrerschaft in beträcht- licher Zahl umzustimmen.— WaS die Frage des 'lieligionSunterrichts an Dissidentenkinder anbelangt, so ist auch bei der früheren Erörterung dieser Frage nicht bestritten, daß die Unterrichtsverwaltung sich auf dein Boden des bestehenden Rechts besindet, aber es läßt sich nicht leugnen, daß es sich hier um eine äußerst zarte Frage handelt, um ein Gebiet, das in das Gewissen eingreift, sowohl �desjenigen, der fordert, wie desjenigen, der der Forderung nachgibt. Die Verwaltung muß grundsätzlich an ihrem Standpunkt festhalten. Wenn wir die religiöse Erziehung in den Mittelpunkt der Aufgaben der Schule stellen, dann weiß nicht wie eS sich damit vereinigen läßt, ein der Schule anvertrautes Kind ohne diesen Unterricht oder einen entsprechenden Ersatz zu lassen.(Sehr richtig l rechts.) Kirche und S ch u l e sind berufen, erzieherisch em- zuwirke» auf unsere heranwachsende Jugend; fie sollen dabei Hand in Hand gehen, Hand in Hand auch mit der Gemeinde und der Familie.«Bravo I rechts.) Abg. Cassel(Fortschr. Vp.): Zu der Abtrennung der Medizinal- abteilung von dem Unterrichtsministerium hat sich auch der Kultus- minister leider nicht geäußert.— Ueber die Stellung der Kirche zur Schule werden wir uns mit Herrn Dittrich nicht einigen. Die Schule ist seit langem in Preußen lediglich eine Einrichtung des Staates, und daher müssen wir ver- langen, daß sie auch allein der Aufsicht des Staates und seiner Organe untersteht.(Sehr richtig I links.) Den Angriffen der Herren im Zentrum wird es hoffentlich nicht gelingen, die Simultanschule zu beseitigen. In dieser Schule muß jedes Kind eine Unterweisung tn seinem Glauben erhalten. Ich bin nicht der Anschauung des Herrn Maurer, die ja auch von einzelnen Liberalen geteilt wird, daß der Religionsunterricht aus der Schule entfernt und den ReligionSgesellschaften überlassen werden soll. (Bravo I rechts.) Die Erklärung über den Religionsunterricht an Dissidentenkinder hat uns nicht befriedigt. Die Ausübung eines Zwanges auf solche Kinder, dem Religionsunterricht eines anderen Bekenntnisses beizuwohnen, halten wir für einen unerträglichen Eingriff in die verfassungsmäßig gewährte Glaubens- und Gewissens- freiheit.(Bravo I links.) Das ist früher auch von den Konser- vativen Jahrzehnte hindurch anerkanut worden. Leider hat sich im Lanke der Jabre die Rechtsprechung des Kammergerichts geändert; es HS/' jetzt einen solchen Zwang für berechtigt. Die Interessen der Religion werden durch diesen Zwang sicher nicht gefördert. Der Herr Abg. Hoffmann schickte seine Kinder nicht in den ReligionS- Unterricht. Er wurde angeklagt uud zuerst freigesprochen. Dann kam der Wechsel in der Judikatur des Kammergerichts und er wurde verurteilt. Er fragte dann den Präsidenten des Kammer- aerichts, in welchen Religionsunterricht er denn nun seine Kinder schicken solle, und erhielt die Antwort:.In den Unterricht einer der drei anerkannteil Religionsgemeinschaften." Auf Grund dieser Ant- wort und seiner sonstigen Tendenz sah er sich veranlaßt, seine Kinder in den jüdischen Religionsunterricht zu schicken. Ich glaube, daß da- mit weder den Kindern noch der Religion genutzt sein kann.— Den Gemeinden muß ein großer Einfluß auf die Erhaltung und das Wesen der Schule, für die sie zu zahlen haben/ eingeräumt werden. Lebhaft entgegentreten müssen wir den Bestrebungen auf dem Lande und in den kleinen Städten, den Landrat zum Herrscher tn der Schule zu machen.(Bravo! links.) Abg. Stychel(Pole): Unsere polnischen Mitbürger in den Ost- marken sind>o e h r l o s e Objekte der Germanisierungs- und Protestantisierungspolitik der preußischen Regierung. Lediglich aus politischen Rücksichten ist der Erzbischofstuhl in Gnesen noch immer verwaist. Man nimmt uns unser heiligstes Recht, das Recht auf unsere Muttersprache. Das System der Schulpolitik in den Ostmarken hat eine gewiffe Stetigkeit in den Geheimräten des Kultusministeriums.(Heiterkeit.) Möge die Regierung mit starker Hand die Schäden, die durch diese Politik der Kirche und Schule in den Ostmarken erwachsen, beseitigen.(Bravo! bei den Polen.) Kultiisminister v. Trott zu Solz: Es ist nicht richtig, daß polnische Wünsche bei der Regierung ungehört verhallen, sie werden vielmehr objektiv und eingehend geprüft.(Bravo I rechts.) Die Hauptsache ist, daß auch in den Schulen der polnischen Provinzen deutscher Geist verbreitet wird, daran ist festzuhalten.(Bravo! rechts.) Abg. Hoffmann(Soz.): Unsere prinzipielle Stellung zum Kultusetat habe ich im borigen Jahre Gelegenheit gehabt, hier klarzulegen. Unsere prinzipielle Stellung zur Teilung des Kultusetats kennen Sie auch. Wir wünschen nicht nur Ab trennung der Medizinalabteilung, sondern auch die Trennung der Unterrichts- und geistlichen An- gelegenheiten. Wollen Sie schon nicht Kirche und Schule überhaupt trennen, so sollten mindestens diese beiden Fächer auseinandergehalten werden, damit wir zu einer vernünftige» und zeitgemäßen Fortentwickclnng kommen. Die Trennung der Medizinal- angelcgenheiten wird ja dem Anschein nach jetzt endlich durchgeführt werden, die Zustände zwingen dazu. Mit dem Medizinalwesen ist es bei uns nicht so glänzend bestellt, wie man nach außen hin den Anschein zu erwecken sucht. Wir haben im borigen Jahre 4 757 095 M. dafür im Etat gehabt und sind in diesem Jahre nur auf 5 386 055 M. gestiegen. Vor kurzem ist eine amtliche Publikation über die Gesund- heitSvcrhältniffe der deutsche» Arbeiter erschienen, besonders über die Herkunft der deutschen Soldaten und über die Lebenshaltung minder bemittelter Familien in Deutschland aus dem kaiserlich statistischen Amt. Dieses umfangreiche Werk über das Krankheits- und Slerb- lichkeitsverhältnis der deutschen Arbeiter und Arbeiterinnen lehrt uns vor allem, daß 70 Proz. aller Krankheitstage, so weit sie mit der Krankenkasse in Verbindung stehen, durch Er- krankungen hervorgerufen sind, die ganz oder in sehr er- heblicher Anzahl hätte» vermieden werden können. Diese Statistik beweist gerade, wie notwendig die Abtrennung der Medizinal- abteilung ist. Natürlich wehren Sie sich mit Händen und Füßen gegen die Trennung der geistlichen und Unterrichtsangelegenheiten. Das ist ja begreiflich. Denn hier liegen die Saugwurzeln des schwarz-blauen Blocks.(Heiterkeit.) Agrarier und Zentrum haben das gemeinsame Interesse, die Bildungsstätten des Volkes in der erstarrenden Umklammerung der Kirche zu halten; sie haben ein besonderes Interesse daran, dafür zu sorgen, daß die Bildungsstätten nicht über das Niveau hinauswachsen, das sie belieben dem Volke zu gönnen. Je mehr ihnen das ge- lingt, je besser blüht der Weizen für den Junker, für die Kirche und besonders für das Zentrum. Daher die Einmütigkeit und daher auch die Freigebigkeit für die geistlichen- Angelegenheiten, trotz des Geschreis nach Sparsamkeit.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.)»Natürlich, wo anders sollen wir sparen, als an Kulturaufgaben"— so sagte der Kämmerer der Stadt Berlin— und dieses Wort könnte auch als Motto über dem Kultusetat stehen. Den Berliner Kämmerer sollten Sie sich mal ansehen, der Mann ist zu empfehlen.(Heiterkeit.) Sparsamkeit ist gewiß bei uns notwendig, denn die Parole„Preußen in Deutschland voran" trifft zu in bezug auf das Schulden- machen.(Heiterkeit bei den Sozialdemokraten.) Dabei haben sick> die laufenden Ausgaben für evangelische G e i st l i ch e und Kirchen gegen das Vorjahr nm das Elffache vermehrt, die Aus- gaben für Volksschule, Waisen-, Blinden- und ä h n- liche Anstalten dagegen nur um etwa ein Fünftel. Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Für die Errichtung neuer Pfarrerstellen ist die Summe im Etat um das Doppelte erhöht, für neue Lehrer st eilen nur um ein Drittel. Dabei gibt es in Preußen noch eine große Anzahl Kinder, die wegen Platzmangels nicht in die Schule aufgenommen werden können, gibt es noch 13 000 überfüllte Klassen und haben noch 310 795 Schulkinder einen Weg von über T'/s Kilometer zur Schule zurückzulegen.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Die vom Lehrerverein herausgegebene Deutsche Schulstatistik veröffentlicht noch eine Reihe anderer Zahlen, die zum Nachdenken Veranlassung geben sollten. Danach fehlen rund 16 000 Klassenzimmer in Preußen, davon 15 000 allein auf dem Lande.(Hört! hört I bei den Sozialdemokraten.) Für 18 000 Klassen fehlen die Lehrer; die jährlichen Ausgaben betragen im Durchschnitt in Preußen für eine» Schüler der Volksschule 53 M., der höheren Mädchenschule 172 M., der Mittelschule 109 M., der höheren Schulen 279 M. Wie diese lleberbürdung der Lehrer wirkt, dafür nur ein Beispiel. Von der Posener Straskammer wurde in diesem Jahre ein Volksschullehrer wegen Ueberschreitung des Züchtigungs- rechts bestrast, er hatte 144 Kinder in zwei Abteilungen vor- und nachmittags zu unterrichten. Der eine seiner Vorgänger war infolge Ucbcrarbeituiig schwindsüchtig, der andere uu- heilbar geisteskrank geworden.(Hört I hört I bei den Sozialdemokraten.) Trotz der Ueberlastung der Lehrer mutet nian ihnen innner noch neue Arbeiten zu. Auf dem Brandenburgischen Provinziallandtag forderte der Rittergutsbesitzer v. Klitzing staatlichen Zwang für Volksschullehrer, den Fortbildungsunterricht unentgeltlich zu erleilen. (Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Dabei gibt es selbst in Brandenburg noch 43 Schulen, wo 120 Kinder nur eine n Lehrer haben. Ich erinnere ferner an den HalbtagSschulskandal. 606 770 Schul- kinder haben in Preußen nur einen beschränkten Schulunterricht. Gerade in Posen gibt es noch 681 Halbtagsschulen für 65 456 Kinder. DaS beweist, wie wenig man daran denkt, in vernünftiger Weise zu germanisieren. Nach den amtlichen Bestimmungen sollen solche Schulen gebildet werden, wenn die Zahl 80 überstiegen wird und andere Umstände eS nötig erscheinen lassen. Diese„anderen Umstände" werden in einem Ministerialreskript von 1874 näher als wirtschaftliche Verhältnisse bezeichnet, d. h. also, diese Halbtagsschulen sollen eingerichtet werden zur Ausnutzung der Kinder für die Land- Wirtschaft.(Sehr wahr I bei den Sozialdemokraten.) Vom Re- gierungStisch ist einmal das richtige Urteil über diese Halbtags- schulen gefallen. Ein Ministerialdirektor erklärte im Jahre 1899,„den diesen Auch-Schulen zugewiesenen Kindern würde nur das Notwendig st e beigebracht".(Hört I hört I bei den Sozial- demokraten.) An Stipendien und Unterstützungen für würdige und bedürftige Schüler, Gymnasien und Realgymnasien stehen im Etat mit 18 025,60 Mark, das macht pro Schule 25 Mark. DaS ist bei- nahe eine Verhöhnung des bildungsbedürftige» Volkes. (Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Wir stehen ja nicht aus dem Standpunkt, daß befähigteren Kindern Wohltaten eriviesen werden, wenn sie für„würdig" befunden werden, sondern wir ver- langen freie Schule bis zur Universität für jeden dazu Befähigten. Das halten wir für eine Aufgabe der Gesellschaft.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Auch in bezug auf das Bibliothekswesen hinkt Preußen hinter allen deutschen Staaten hinterher, wie die Untersuchungen des Bonner Universitäts- Bibliothekars Dr. W. Ehrmann und die Artikel des Dr. Karl Enders im„Berliner Tageblatt" bewiesen haben. Die Mittel für K u n st und Wissenschaft sind gegen das Vorjahr nur um ein Zehntel erhöht worden, die für evangelischeGei st liche, wie gesagt, um das Elffache.(Hört! hört! bei den Sozialdemo- kratcn.) Dabei verlangt man noch eine uniformierte Kunst. Wenn das Kultusministerium 80 Millionen an die Kirche zahlt, dann könnte man doch mindestens verlangen, daß es sich auch tülnmert um die unglaublichen Zustände in manchen Kirchcnkassen und Kirchenbüchern. Wenn diese auch nur annähernd in Ordnung ge- halten würden, könnte eS nicht vorkommen, daß Leute, die zehn, zwanzig Jahre long aus der Kirche ausgeschieden sind, immer wieder mit der Kirchensteuerveranlagung belästigt werden.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Man schätzt Juden zur katholischen Kirchensteuer ein, Katholiken zur e b a n- gelischen Steuer und umgekehrt. Wie jede Kontrolle bei diesen Büchern fehlen muß, beweisen die Vorgänge in der hiesigen Naznrclhgemcinde, wo durch den Rendanteil 128 000 M. Kirchengcldcr unterschlagen worden sind. Er hat erklärt, er sei zu den Veruntreuungen ge« kommen durch seine Beschäftigung im preußischen Finanzministerium. (Heiterkeit.) Bei der Revision sei es so lüdcrlich zugegangen, daß er jahrelang diese llntrrschlagiingc» habe ausführe» können. Die Millionen, die der Kirche zugesührt weiden, wären dringend nötig für Schulbauten.(Sehr richtig I links.) Von dem, was ich im vorigen Jahre darüber vorgebracht habe, ist nichts widerlegt worden. Die Zahl unserer„Schulpaläste" vermehrt sich von Jahr zu Jahr. Wir werden auf diesem Wege nicht eher etwas erreichen, als bis die Trennung von Schule und Kirche, überhaupt von Kirche und Staat durchgeführt ist. Das kommt für Preußen, so sehr man sich auch dagegen wehrt. Die„Kölnische Bolkszeitung" schrieb in einem Artikel darüber:„Gewiß werden sich diese Dinge nicht von heute auf morgen ändern, aber je klarer man sich auf beiden Seiten in die kommende Veränderung hineindenkt, desto schmerzloser und friedlicher wird sie sich vollziehen, wenn sie eines Tages kommt." Selbst im Lager der Geistlichen findet man sich schon ab mit dem Gedanken der Trennung von Kirche und Staat. In Hamburg ist man wenigstens zur Trennung von Schule und Kirche gekommen. Der Druck der Kirche auf die Schule wird selbst für die fügsamsten Lehrer immer unerträglicher, die Kirchengewaltigen werden immer anmaßender. Ich erinnere an den Konflikt in Elsaß-Lothringen. Wir wünschten, daß es auch in Preußen Regierungsbeamte gäbe, die sich so der Rechte der Lehrer annähmen. Aber bei uns ist Zentrum Trumpf.(Lachen im Zentrum. Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) DaS Versprechen des Ministers Holle, daß mehr Volksschul« lehrer Schulinspektoren werden sollten, ist leider nicht zur Tat geworden, denn seit dem Augenblick, wo Herr Holle ausschied, war— nehmen Sie eS mir nicht übel— der Ministerialdirektor Schwartzkopff wieder Trumpf.(Heiterkeit.) Von 908 nebenamtlichen Jnspektionsstellen werden nur 85 von Fach» leuten verwallet, alle anderen von Geistlichen. Neue fachliche KreiSschulinspektorcn sind in diesem Etat nur 10 vorgesehen. Merkwürdig ist, daß die Entschädigung für die von Geistlichen versehenen nebenamtlichen OrtsschulinspektionSstellen dieselben ge» blieben sind. Herr Dittrich hat ja in recht„bescheidener" Weise den gebührenden Einfluß der Kirche ans die Schule verlangt. In der Tat kann man angesichts der geschilderten Verhältnisse nur von ungebührlichen Forderungen der Kirche sprechen.(Sehr wahr I bei den Sozialdemokraten.) Hier klang die Rede deS Herrn Dittrich nach sanften Friedensschalmeien, nach lockendem Sirenen» gesang.(Heiterkeit.) Draußen im Lande ist der Ton anders, da spricht man von maßloser Erbitterung in den katholischen Kreisen. In Versammlungen mit der Tagesordnung„Die gegenwärtige politische Lage" oder die„Reichsfinanzreform" kommt mau auf das kulturkämpferische Thema und beschließt Resolutionen, durch die starke Vermehrung der Religion s» stunden gefordert wird, und wo eS heißt:„Die Versammlung erhebt lebhaften Einspruch gegen die Vereinigung der Geschlechter." Man sucht so das Volk abzulenken von den Dingen, die dem Zentrum heute sehr unbequem sind. Der nicht genügende Religionsunterricht soll die Verwahrlosung der Jugend zur Folge haben. Nun, damit ist es wirklich nicht so schlimm. Die angebliche Verwahrlosung wird nur als Wau-Wau gebraucht, um eine Vermehrung der Religionsstunden zu begründen. Mehr Kenntnisse, vor allem eine Beseitigung der Kriegsgeschichte, wie sie heute dem Volke gelehrt wird, würde mehr vor Verwahrlosung schützen. Auch sollte man nicht unsere Bestrebungen zur Jugendbildung verhindern. (Sehr richtig! bei den Soziald.) Wenn man von Verwahrlosung der Jugend spricht, so erinnere ich an die Borgänge im Bonner Studcntcnkorps.(Sehr gut I bei den Sozialdemokraten.) Herr Dittrich protestierte gegen die Aeußerung des Herrn Hamm im Herrenhause, daß im Zentrum auch Sozialisten wären. Wie sollten sie auch wohl da hineingeraten sein? Und wenn schon, ich habe die Ucberzeugung, in 24 Stunden wären sie wieder draußen oder so lammfromm geworden, daß selbst Professor Koch den roten Bazillus nicht mehr bei ihnen entdecken könnte.(Heiterkeit.) Herr v. Zedlitz sprach daS große Wort aus, die Religionsfreiheit sei bei uns in vollem Maße gewahrt. Wer daS behauptet, muß von Freiheit einen sonderbaren Begriff haben.(Sehr wahr I bei den Sozialdemokraten.) Die Gewissensfreiheit ist ein schöner Traum aus dem Falkschen liberalen „Tausend und eine Nacht".(Heiterkeit.) Maßregelungen gegen anders Denkende, gegen Dissidentenlinder sind bei uns an der Tagesordnung. Der Herr Kultusininister meinte, er stände den Dissidenten gegenüber auf dem Boden des bestehenden Rechts. WaS ist denn das bestehende Recht? Auf Grund deS bestehenden Rechts bin ich 1890 vom Kammergericht freigesprochen im Hinblick auf die Falkschen Erlasse; zehn Jahre lang habe ich meine Kinder— und die Zahl ist ziemlich ansehnlich gewesen(Heiterkeit.)— ohne Religion in die Schule gehen lassen. Nach zehn Jahren hat mich dann das Kammergericht auf Grund desselben bestehenden Rechts verurteilt. Inzwischen hatte eS sich am Ministertisch aller» dings bedeutend geändert. Ich wurde verurteilt, weil ich dem höchsten Gerichtshöfe in Preußen geglaubt hatte; na, das soll mir ja so rasch nicht wieder vorkommen.(Heiterkeit.) Der Minister sprach von dem Ersatznnterricht. Darum dreht es sich ja hier gerade. In Berlin hat man Dr. Bruno Wille, der in der Literatur einen be- kannten Namen hät, und Fräulein Ida A l t m a n n einfach den Lehrschein nicht erteilt und es uns so unmöglich gemacht, unseren Kindern einen Ersatzunterricht— auch auf sittlich» religiöser Grundlage— zu geben, der unseren Anschauungen entspricht, indem man einfach erklärte, diese beiden Personen glauben nicht an den persönlichen Gott. So wird den Dissidenten die Gewissens- und Re« ligionSfreiheit in Preußen genommen. Mag der Kultusminister heißen, wie er will, so lange Herr Schwartzkopff auf der Minister« dank sitzt, ist ein Wandel in Preuße» ausgeschlossen.(Heiterkeit; Sehr wahr l bei den Sozialdemokraten.) Der Erfolg dieser Politik ist nur, daß man die Eltern aufS äußerste verbittert und fie zu Sozialdemokraten macht. Ins kleinliche geht diese Politik, wenn man freireligiösen Gemeinschaften die Annahme von Erb- schalten verbietet.(Sehr wahr I bei den Sozialdemokraten.) Durch das Vorgehen gegen Dissidenten wird der Gegensatz zwischen Schule und Haus nur verstärkt. 1859 wandte sich ein preußischer Minister gegen diesen Zwang. Er hieß Bethmann Holl- weg— ich glaube, die Linie ist ausgestorben.(Große Heitrrkeit.) Durch lleberbürdung mit Religion, durch Zwang der Dissidenten» kinder hoffen sie das morsch gewordene Gefügc ihrer Herrschaft wieder zu festigen. DaS wird ihnen sicher nicht gelingen. Mit den vorgestrige» Ausführungen des Abgeordneten Maurer bin ich ganz einverstanden, der sagte, wir betrachten die Schule als eine reine Staatsanstalt. Daß das d e m Zentrum das nicht paßt, ist selbst- verständlich. Sie(zum Zentrum) möchten sie als reine kirchliche Anstalt haben. Sie würden am liebsten Bildung und Wissenschaft wieder hinter den Kirchenmauern vergraben, wenn eS möglich wäre.(Zustimmung beiV den Sozialdemokraten.) Der Abgeordnete Maurer wandte sich auch gegen den Zwang der Dissidentenkinder, weil der Unterricht bei diesen Kindern doch wert» los sei, da daS Gelernte unmittelbar nachher von den Eltern wieder aufgehoben würde. Das sollte für jeden, der denken will, klar und deutlich sein. Es ist sogar ein gefährliches Experiment in Ihrem Sinne, die Dissidentenkinder zum Religionsunterricht zu zwingen, denn sie werden geradezu dazu aufgereizt, mit den Kindern ihre An» schauungen auszutauschen. Sie zwingen geradezu unsere Kinder. in dieser Weise ihren Schulkollegen gegenüber tätig zu sein. Als ich den Prozeß in dieser Sache hatte, sagte mir eiuiual ein Lehrer: „Herr Hoffmann, Sie glauben nicht, wie unangehm es ist, daß Ihre Kinder dort sitzen. Sie lachen nicht, aber ich habe jetzt jemanden vor mir. dem ich es am Gesicht ansehe, als wollte er agen, das ist ja nicht wahr, was Du da erzählst. DaS ist filr mich ehr peinlich und unangenehm, und wenn sie auf dem Schulweg ind, tauschen sie ihre Meinungen über das aus, was der eine und was der andere weih. Ich komme da in eine außerordentlich Pein- liche Situation." DaS sagte mir der Lehrer. Schon aus Nüclsicht auf die Lehrer sollte man solchen Zwang nicht ausüben. Am 13. Februar 1893 hat der verstorben« Hofprediger S t ö ck e r, den man gewiß nicht Antipathie gegen die Religion oder Feindschaft gegen die Kirche vorwerfen kann, hier im Hause gesagt:„Ich kann zunächst den Standpunkt des Ministers nicht teilen, der sich in einer so wichtigen Frage einfach den Ergebnisten der Rechtsprechung unterwerfen will. Ich finde die Frage viel zu groß und bedeutend. Sie steht weit über dem Niveau des Verwaltungsrechts, auch weit über der tat« sächlichen Rechtsprechung in der Sphäre, welche die tieferen Beziehungen des Menschen und der Fainilie umschließt. Ich haste es von meinem religiösen Standpunkt aus für unmöglich, das Kind eines Atheisten z. B. dazu zu veranlasten, daß es den Katechismus auswendig lernt." Das sind die Worte eines Herrn der Rechten dieses Hauses I Die heutige Schule kann ohne dogmatischen Unterricht auskomme», erziehen Sie nur wirkliche Pädagogen. Damit bin ich ausnahmsweise mit Herrn V. Zedlitz einverstanden, daß die Schule auch gute Patrioten erziehen soll, nur gute Patrioten im anderen Sinne als Herr v. Zedlitz es meint. Wir halten die nicht für gut« Patrioten, die sich a>� Kosten des BolkeS die Tasche füllen, die daS Volt immer mehr in Abhängigkeit und Elend herunterdrücken möchten und die dem Volke nicht dir Rechte geben wollen, die ihnen gebühren, wie sich das bei der Wahlrechts« Vorlage wieder recht deutlich gezeigt hat. Wir halten dagegen die für gute Patrioten, denen das Wohl der Gesamtheit über daS Wohl einzelner kleiner Kasten sieht.(Beifall bei den Sozialdemokraten.) Wir meinen, daß auch jemand ein guter Patriot sein kann, ohne SechandtungSpräsident gewesen zu fem(Heiterkeit), ohne Frauen- zimmerpolitik- Leitartikel geschrieben zil haben.(Heiterkeit.) Die Religion muß aus der Schule entfcrnt werden. Aber der Abg. Cassel will die Religion der Schule erhalten. Es hat mir Ver- gnügen gemacht, au» dem Munde des Führers der Volks« Partei, eine zu dem Nationalliberalen Maurer im Gegensatz stehende Ansicht zu hören. ES ist in der heutigen Zeit angebracht, daß wir daS festnageln. Den Freisinnigeii und den Nationalliberalen möchte ich gern dringend raten, dem Zentrum nicht den Gefallen zu tun, und em bißchen Kulturkampfpauke zu machen. DaS ist etwa», was das Zentrum braucht. Die Finanz- reform, die WahlrechtSinogclrien drS Zentrums hat daS Zentrum so in die Klemme gebracht, daß sie gern ein bißchen Kulturkampf haben möchten, damit sie ihre eigene» Fehler verdecken können. Wir werden schon anS prinzipiellem Standpunkte dem Zentrum damit nicht entgegrnkominen. Wenn die Liberalen darauf nicht reinfallen und dem Zentrum diesen Gefallen nicht tun, dann setzen sie daS Zentrum für bie Reichstags- und Landtagswahl matt. Ich habe zu meiner Freude in Zentrumsdomänen gesehen, wie das Licht dort hineindringt in daS Volk. Nun liegt es aber an den Liberalen, dem Zentrum nicht die Möglichkeit zu geben, daß eS vor seine Wähler tritt mit dem Geschrei: Die Kirche ist in Gefahr! (Sehr gut I bei den Sozialdemokraten.) Der Geschichts» Unterricht muß reformiert und der Wahrheit an- gepaßt werden. Vom neuen Kultusminister erwartet, wie das immer beim neuen Minister ist, jede Partei für sich etwas, nur wir Sozialdemokraten nicht. Zuerst ging die Nachricht durch die ZeiUmgen, daß der neue Minister einen Erlaß über die Einschränkung der Prügel st rase habe ergehen lasten. Ich hielt eS gleich nicht für möglich.(Heiterkeit.) Nachher stellte eS sich auch heraus, daß der Erlaß in Bayern ergangen war.(Heiterkeit.) Hof- Prediger Graue sagte in seiner Abschiedspredigt: Ich wünsche von ganzem Herzen, daß der Teufel endlich einmal alles Pfaffentum mit dem dummen UnfehlbarkeitSdünkel holen wolle! Das ist recht deutlich! Die Jugend soll in der Schule zum Kampf gegen die Rechte deS Volles präpariert werden. Die Jugend gehört eben uns und der Kampf gegen die Jugendorganisationen wird nichts nützen. Mit Ihrer Nadelstichpolitik machen Sie uns unsere Jugend doch nicht abspenstig, im Gegenteil. Sie würzen unsere Bestrebungen erst dadurch, daß Sie unseren Bildungsanstalten mit der Polizei begegnen. Glauben Sie doch nicht, daß Sie mit Ihren sogenannten nationalen und religiösen Jugendvereinen, durch all die Schwartzköpfischen Ausgrabungen etwas erreichen. Sie prallen ab an dem gesunden Sinn und dem guten Geschmack unserer Jugend. Sie können daS Recht wohl beugen, Sie können unsere Jugendorganisation auflösen, aber unsere Jugend- bewegung werden Sie mit derartigen Mitteln nicht unterdrücken. Spottend wird unsere Jugend Ihre Bestrebungen vereiteln, unsere Arbeiterjugend müßten ja Idioten sein, wenn sie nicht einsehen, wie Sie hier mit ungleichen Maßen mesten: wenn in einem nationalen Verein von Weltpolitik gesprochen wird, so ist das keine Politik, aber unsere Bildungsbestrebungen sind Politik Sie erreichen durch Ihr Vorgehen gegen unsere Jugendorganisation nur daS eine, daß man sich im Hause, in der Familie weit intensiver mit der Aufklärung der Jugend brfaffen wird. UnS steht die Presse. uns stehen Millionen Bücher zur Verfügung, und wir werden eS nicht daran fehlen lasten. Unsere Jugend kommt täglich mit älteren Gesellen, Arbeitskollegen und Kolleginnen zusammen, die so erfüllt sind mit sozialistischem Geiste, daß Sie nicht imstande sind, den Kampf dagegen aufzunehmen. Daran wird auch kein Erlaß des Kultusministerium« irgend etwas ändern, die Zeit wird über diese Erlasse zur Tagesordnung über- gehen, das Kultusministerium sollte eS sich genügen lassen, mit der Schlappe, die eS sich bei den Arbeiterturn- vereinen geholt hat. Will sie noch' weitere hinzufügen in der Jugendbewegung, so haben wir nichts dagegen. Sie können mit derartigen Mitteln den Fortschritt nicht aufhalten. Die Jugend des Proletariats ist für Ihre kultur- und bildungsfeindlichen Be- strebungen ein für allemal verloren. Sorgen Sie für Bildung und Freiheit, für Licht und Lust für das Volk, für Volksbildung und Bolksgcfuildheit und damit auch für Bolkswohlfahrt. Das sind die Aufgaben für ein wirkliches Kulwr- Ministerium. Dann muß eS aber befreit sein von allen jenen Schlacken vorsintflutlicher Zelt, die den Weg zum Fortschritt hemmen (mit erhobener Stimme): trotz aller Schanzen, die Sie gegen unS bauen, werden doch an Ihre Stelle einmal andere Männer treten! (Ironische Zurufe: Lauter!) Wiederholen Sie doch nicht immer die« lelben Witze! Ich habe Ihnen schon oft gesagt, daß Sie geistig viel zu schwerhörig sind, als daß lauteres Reden etwas nutzen könnte. — An Ihre Stelle werden andere Männer treten,� die Preußen weiter bringen, vorwärts auf der Bahn zur wirklichen Kultur! (Beifall bei den Sozialdemokraten.) Hierauf vertagt das Haus die Weiterberatung auf Dienstag 11 Uhr. Schluß 4'/< Uhr.___ Bnefhaftcn der Redaktion. Sie juristische Svrrchstundr studc» Lindeuftraste Str. 69, vor» vier Treppen— Kühr stuhl—, wocheuiäglich»ou 4>l, bit S'/z Itdr abends statt. Jeder Aufraa- ist ei» Buchstabe und eiue Zahl als»ierkzeicheu beizufügen. Briefliche Antwort wird nicht ertrilt. Eilige Fragen trag« man in der Edrechstnude bor. A. 18. 1. Wenn Sie den Beweis dafür erbringe,» können: sa. 2. Gegenüber den Kindern sind Sie sür alle Fälle unlcrhaltungSpstichtig. Gegenüber der Frau nur dann, wenn Sie einen Schcidungsgrund nicht beben. 3. Die Dauer des Scheidungsprozesses ist von dem seitens der Parteien vorgebrachten Prozeßmaterial abhangig. Das Erzichungsrecht der Kinder steht Ihnen kraft Gesetzes zu; das BormundschastSgericht kam, aber eine anderweite Anordnung treffen.— E. H. 83. Wir balten Sic zur Eriiattimg der Kosten sür verpflichtet.— L. 36. Ihr Schreiben>st im« verständlich. Kommen Sie in die Sprechstunde.—(£. 20. Die rückständigen Beträge in s Jahren.— P. 82. Rem. nur unter Jnnehaltung der Kündigungssrist.—(£. K. 20. Sie sind an den Vertrag gebunden. — F. R. 10. 1. Wenn die Frau von dem Vorliegen des Abzahlungs- Vertrages bei der Schenkung Kenntnis gehabt hat, kann der Lieferant Herausgab« verlangen. 2. Nein.— O. W., Wrangelftraste. Nein. —(£• S. 88. Sie könnten noch eingezogen werden.— P. 7. Freimaurer- logen sind im wesentlichen Unterslützungsvereinc und geben vor, sich mit Politik nicht zu beschästigen. Bielleicht lesen Sie die Broschüre von Sassen- dach, erhältlich in der Buchhandlung Vorwärts zum Preise von 60 Pj.— N. 7. 1. Die Adresse tönnen wir nicht jeststellen. 2. Wenn die Frau»licht der Erbfchast entsagt hat, hastet auch die Pension. 3. Aus Antrag ja, wenn die Anschuldigung sich aus UrkundensSIschung und Unlcrschlagung bezieh». — Dg. Der Anspruch ist bei der Bcrujsgeiioffenschast anzubringen, wem» dl« den Snffchädigungsansvruch begründende Folge d«S Unfalls erst jetzt bemerkbar geworden ist. Der Unternehmer bastet nur, wenn ihm«in Ver- schulden nachgewiesen werden kann, sür die lausenden und die nicht länger als vier Jahre zurückliegenden Ansprüche.— T. Wilhelmstädtisches. Alt-Heidelberg. Gastspiel. Miß Dudelsack.(Ansang 8',. Uhr.) Bolkaoper. Der Waffenschmied. (Ansang B,, Uhr.) Luise«. Der Kaufmann von Venedig. ittoie. Der Pfarrer von Knchseid. LuftsPieldauS. DaS LeutnanlS- müudel. Mrtroool. Halloh II— Dt« große Revue. FolieS Eaprice. Herr Wafferkrops. Der Lustturner.(Ans. S's, Uhr.) Tastno. Berlin bei Nacht. Gebr. Herrnfeld. UederaangS-Ehe. Endlich allein. Die letzt« Ehr«. Noack. Die Waffen nieder. Voigt. Der Raub der Sabineriimen. Apvilo. In den Lasterhöhlen von San Francisco. Spezialitäten. Batiage. Svezialititen. Wintergarten. Spezialitäten. SietchSballeu. Stetliner Sänger. Palast. Spezialitäten. Karl Havelland. Svezialitätm. Walhalla. Svezialiiärcn Buggenhagen« Spezialitäten.(An- 7-,. Uh'). Urania. Tanbenstraste sttisst. Abends 8 Uhr: Der Hallehfch« Mvmet. Stern»»rte. Jnvalldenfw. 57—63 Berliner Theater. Heute S Uhr: Talfllll. Morgen! Datfun._ Theater des Westens. Heute und solgende Tage S Uhr» Die geschiedene Frau. Sonnt. 3'/4 Uhr: Ein Walzertranm. ifc'oii«» Öperctten-Theatcr, Hellte und folgende Tage 8 Uhr: Der Graf von Luxemburg. Sonntag nachm 3 Uhr zu ermäßigten Preisen: Oer TIgeuaordaro». nzr-'l 8 Uhr- Da» Konzert. Ithsen-ÄtylLtas. *3 Borstellungen. Parkett 50 resp. 40 M.. 2. Rang 25 resv.£0 M.; aus Wunich niub Teil- abonnemenlS ans die erste Hälste von 7, oder die zweite Hälste von 6 Vor- stellungen. Erste Borstellung im Jbsen-Zyklu» Freitag, den 23. April. Der Verkauf ist eröffnet.-MW Frisdrich-Wiibelinstädtisciies Schauspielhaus. DIenStag, 19. April, abend» 8 Uhr: Ens.-Gastsp. d. Reuen Schauspielhauses Xlt-Hektetderx mit Karl Heinz.. Harry Waiden. Morgen und solgende Tage: _ Alt-Heldelberg._ Lustspielhaus. Abilid« 8 Uhr: Das Leutnantsmündel Residenz-Theater Direktion! Richard Alexander. Abend» 8 Uhr: vu» Nachtlicht. (Le Gigolo.) Schwank In 3 Alien o. M. ZamaeoZS. Morgen und folgende Tage: Dieselbe Vorstellung. Volksoper. 8W., Lelle-AManee-Swatze Nr. 7/8. Abend»>/,9 Uhr: Luisen-Theater. Abends 8 Uhr: Einmaliges Gastspiel de? Herrn Rudols Schildkraut; Kaufumnu m Vruedig. Lustspiel in ö Atten v. Shakespeare. Mittwoch: Klapperstorch d. Königin. Donnerstag, Freitag: DaS Gesetz deS Herzen»._ Neues Theater. Abends 8 Uhr: Die oaldane Rierzeit. Morgen und folgende Tag«: Die goldene Kttterzett. OSE=THEATE Große Frankjurter Str. l32. Ans. 8 Uhr. Ende 1t Uhr. I Der Ptarrer tod Held, l i Volksstück mit Gesang in 6 Akten von An, en gruber. Mittwoch: Des Meere» nud der Liebe Wellen. Donnerstag: Preziofa._ T rianon-Theater. Abends 8 Uhr: Theodore& Cie. Schiller Schiller-Theater 0.(Wallner-Theat.) Dienstag, abend» 8 Uhr: 'WalleieetelnG Tod. An Trauerspiel in 3 Auszügen von Friedrich Schiller. Ende 11 Uhr. Mittwoch, abend» 8 Uhr: Goldene llepxcn. Donnerstag, abends 3 Uhr: Die Katakomben. Theater. Schlller-Thealer(Charlottenburg). Dienstag, abend« 8 Uhr: Die Katakomben. Lustspiel in 4 Alten v. Gustav Davli. Ende 10',, Uhr. Mittwoch. abendS8Utzr: Goldflache. Donn« rStag, abends 8 Uhr: _ llanw I.nnge._ Urania. Wissenschaftliches Theater Abends 8 Uhr: Direktor Dr. P. Scbwahn: Der Halleysche Komet Hetropol-Theater Hallo!!! Die große Revue! In 8 Bildern von Jul Freund. Mnsik v. Paul Lstncke. In Szene gesetzt vom Dir. Bich. Schultz. Anfang 8 Uhr. Rauchen gestattet Sonntag 3 Uhr: Drei Paar Schuhe Passage-Theater. Abends 8 Uhr: # Gussy Holl die reizende Farodistin Ayoe# die dänische Vortragsdiva Georg Kaiser und 14 erstklassige Tarletd- Attraktionen. Ab. 8 Uhr: Das vollständig neue Programm. «0 erstklassige Artisten! g Uhr: Hocan and Wlscr, Sensation. Jongleure mit Hüten. 10 Uhr: Haug» Iuvenile», 20»giW AMche 20 Iung-England in Berlin. Einzig existier. Ensemble dieser Art. Stegwart Gentes in seinem Sketch; „Eine Opernprobe". Kosma CassclU mit ihrem Miniatur-Wundor- hiindchen. Paul Conchas der Annee-Herknles in seiher Szene:«Im Feldlager" und das btmtweohselnde April-Projirainm! Karl Haverland Anfang Theater, präz. 8 N. 77/79 Kon»»landantenstraße 77/79. Das wmider. bare " April-Prsgr. Liliputaner-Truppe _ prolongiert._ Passage- Panoptikum. t!! Gebend! I! Prinz Atom der kleinste Mensch der Welt. Buddhas Wandertafel. Kann A||g»S V Schreibt«■■«SS» Alles ohne Eztra-Entree I Uffl'em Kommandamenstr. 57. T. A. 4, 5083. 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FIUIn in ihren Produktionen d. hohen Sohnle. I Hr. G. Schumann, Neudressur. I Clown Franoois, Kunstreiter.| Beiterfamilie Proserpi. 91/, Uhr ca. Endo 10'/, Uhr: gjafT Marja! Wtztz' Vorher das groSe Galapragramm.| Folies Caprice Der Luftturner. Neuer bunter Deil. Rerr(Uaffcrhropf. Anfang 8'/. Uhr. Vorverkaus 11-2 Uhr, Freitag, den 22. Aprtl 161V t Premiere. Kön igatadt- K a.ino. Hotznlntktstraße 72. Täglich: Konzert, Theater und Spezialitätenvorst. Um 9 Uhr: Der Seoeo komt von oheti. Ländl. Singspiel v. M. Hohensels. Ne» I The 8 Albertos, Phänomen. Kraftakrobaten X Mstr. Ottokar, Trapez voulanS X Erich Castelli. Franz Sobaiie>ki umw. Casino-Theater Lothringer Straße 37. Täglich 8 Uht. Trotz des sensationellen ErsolgeZ um noch bis zum 13. Mai: Derlin bei Nacht. Ab 14. Mai auf allgemeinen Wunsch: Famillo Auguut Knoche. Somit. 4 U.: Trudchens Sommerreise. Voigt-Theater GautMpiel In Pnhlmanno Theater, Schönhauser Allee 148. Dienstag, den 19. Aprtl 1910: DttRalid der Aahinmnukll. Poffe in 4 Akten von F. und P. Schönlhan. Kaffenöffnung 7 Uhr. Ansang 8 Uhr. Städtebau-Ausstellung 1. Mai bit 15. Juni. Eintritt 1 M. Königl. Akademische Hochschule Hardenbergstr. 33. Waldgürtel Sport- u. Spielplätze, Knnst a. d. Str. Verkehrssysteme. Innenstadt Vororte. Gartenstädte Arbeitersiedlnngen. GroB-Berlin, 2. Mai: Vortrag;, 8 Uhr: Landes- baurat Prof. Goeoko:„Welche Erwartungen dürfen wir an da* Ergebnis des Wettbewerbs GroB-Berlio knüpfen?»_(Lichtbilder.) Für den Iutzalt der Inserate Übernimmt die Redaktton de« Publikum gegeuuh«(eitterUt Verantwortung. Phänomen Gesellschaft für elektrische Koch- u. Untergrundbahnen in Berlin. Bilanz am 81> Dezember lOOO. Aktiva. nicht elngeforb. Einzahlung von 75•/• a. d. Wim 'Nr. 40 00t bis S0 cmv........... Sau» und Gruiiderwerbs-Konto der Sahnanlag«.... Bau- und GrundertverbS-Konio der Erweiterungslinien. Konto Kraftwerk und Betriebsstätten....... Konto Betriebsmittel.............. Vorrätiges BetriebSmateriai........... 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Man achte genau auf den Namen MAOOI und die Schutzmarke qp VerW der baugenerblielien Müfsarteifer fleebckr Melzarbeiter-Verhnd, Deutschlands.— Zweigverein Berlin und Umgegend. w V9M9»««( Mittwoch, den SO. April, abends 8 Nhr, finden silr ÄerilN nnd Umgegend in folgenden Lokalen IS Werorilentl. Wglieiler-VerzsmmlMgen statt: i. im Lokal von Paul Obiglo, Schwedt» Str. sz/»». 2. iN KlieMs FestsäleN, Hasenheide uns, 3. bei Ewald, Schnlstr. 29(Klubhaus). 4. in Anton Bökers Festsälen, Weberstr. 17. 5. Kronen-Vrauerei, mtmoMt 47,48. e. in Charlottenburg im Volkshaus, R-fineustr. z. 7. in Schöneberg bei Wilhelm Kuschke, Meini««» sw. 8. s. in Friedrichshagen bei Tinius, Wilheimstr.«z. ?. in Köpenick bei Stippekohl, vwnaunhn®tr. s. io. in Groß-Lichterfelde bei Wahrendorf,«aeiestr. ls. ii. in Teltow bei Bonow, Zehund«?-- Str. z. i2. in Alt-Glienicke bei Joch,««?-»««» Str. is. 13. in Mariendorf bei Pieper,»««?». 35. ii. in Zehlendorf bei Miecks,«««.. 12. 15. in Steglitz-Friedenau bei Schönfeld, Friedenau, Rhewstr.»i. Tagesordnung: : Das Ergebnis der Verhandlungen mit den Arbeitgebern. 2. Diskusston. > Mitgliedsbuch legitimiert, ohne dasselbe kein Einlas,.—— Ein jeder Kollege geht in daS Lokal, welches er von seiner Wohnung aus am besten erreichen kann.— Es ist Pflicht eines jeden Kollegen, in diesen Bersammlungen zu erscheinen, fehlen darf keiner. 29/13* _ Der Zweigvereinsdorstand. Zur Keachtlmg! Zur Keachtnng! Am Mittwoch, den 20. April, gelangt in allen Versammlungen ein besonderes Flugblatt über die außerordentlichen Maßnahmen zur Bewegung zur Ausgabe, dieses ist deshalb gut aufzuheben. Die«euen Legittmationskarte» zur Bewegung sind an die Bezirkskassierer versandt; diejenigen arbeitslosen Mitglieder, welche noch nicht im Besitz der Karte sind, werden ersucht, sich ihre Karte von dem zuständigen Bezirkskassierer abzuholen.— Alle übrige» Mitglieder erhalten ihre Legittmationskarten durch die Hauskassierer im Laufe dieser Woche. Die Arbeitslosen müssen sich vom 18. April ab einer täglichen Kontrolle in den bisherigen Verkehrslokalen unterziehen in der festgesetzten Zeit von 8—12 und von 1—4 Uhr. Nur der Kontrollstempel in der Legitimationskarte entbindet von der Zahlung des Extra- streikbeitrages für den Tag.— Der Streikbeitrag beträgt für alle in Arbeit stehenden Mit- glieder des Zweigvereinsgebietes Berlin pro Tag 50 Pfennig. Die Streikbeittäge müssen regelmäßig an die Hanskasfierer jede Woche gezahlt werden. Die Mitglieder werden ersucht, hierüber eine genaue Konttolle auszuüben. Verband der Haler, Saekierer, Attsfreleher Melchiorstraße 28, pari. Filiale Berlin. DSV. Fernsprecher Amt IV Nr. 4787. Donnerstag» den iit. April 1910, abends S'/j Uhr: Mitglieder s Versammlung im GewerkschaftMhanse, Engeinser 15(großer Saal). Soge«. Ordnung: 1. Wahl eines Delegierten zum autzerordmtlicheu GewerkschastSIongreß. 2. Bericht «nd Neuwahl der Ortsverwaltnug. 3. Berbandsangelegenheiteu. —— MItglleilsbach legitimier«.—— Die OrtsTcrwaltung. Mittwoch, den S0. April 1910, abendS«'/, Uhr: Versammlung w Küchenmöbelbranche im„EngUscheii Garten", Alexanderstraße 27c. Tages-Ordnung: 1. Bericht über die Verhandlungen vor dem Einigungsami. 2. DiSkusfion. Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt. t. 129/4* Die Brancnenleltnng. Zur»eachtung J Die gedruckten Jahresberichte liegen in den Zahlstellen aus. Verwalimtg Berlin. Mittwoch, den SO. April, abends 8 Uhr, in Frey ers FeMlen, Koppenstr. S9 (» i ch t im Gewcrkschaftshaus): Deneral-Versammlung. Tages-Ordnung: 1. Stichwahl von zwei Revisoren. 2. Wahl eines Beisitzers zur OrtSoerwaliung. 3. Beratung der Ankräze zum VerbandStage. 4. Slusstellung der Kandidatenliste zur Delegiertenwahl. 5. KerbandSangelegenheiteu. —— Mitgliedsbuch und Delegiertenkarte legitimiert. Mitglieder, die nicht Delegierte sind, können, soweit Raum vorhanden ist, als Gäste an der Versammlunz teilnehmen.— Nichtdelcgierte, die Anträge und Vorschtäge eingereicht haben, können diese.Anträge in der Generalversammlung mündlich begründen. 32/8 Die Ortsverwaltnug. MrtilieriiferMclIils.1 Zweigverein Berlin. Sektion der Maurer. Mittwoch, den 20. April d* I., abends SV« Uhr finden tu alle« Bezirken«nd Zahlstellen statt. Mitglieder- Versammlungen Oranienburger Vorstadt in den Bornssia-Sälen, Ackerstr. 6/7. Osten 1 bei Litfin, Memeler Str. 67. Osten 11 im Elysium. Landsberger Allee 41/42. Nord-Ost in den Lnna-Festsälen, Neue Königstr. 7. Südosten bei Böhm, Naunynstt. 6. Südwesten bei Habel, Bergmannstr. 6/7. Süden im„Märkischen Hof", Admiralstr. 13c. Wedding im„Neuen Klubhaus", Schulstr. 29, großer Saal. Moabit bei Kirschkowski, Beusselstr. 9. Charlottenburg im„Volkshaus", Rosinenstr. 3. Rixdorf bei Wolff, Kirchhofstr. 41. Schöneberg in den Neuen Rathaus-Sälen, Meininiger Str. 8. Gr. Lichterfelde im Kaiserhof, Kranoldplatz. Steglitz bei Rohmann, Schloßstr. 117. Lichtenberg im„Schwarzen Adler", Frankfurter Chaussee 8. Köpenick bei Joch, Grünauer Straße. 8«kttau der Clips- und Zementbranche. Betonbanbranche. Zementierer, Einschaler und Hilfsarbeiter bei Jannaschk, Jnselstr. 16. Die noch sehlenden Lokale werden am Mittwoch an dieser Stelle bekannt gemacht. Tagesordnung tu allen Bersammlungen: Bericht und Abstimmung über das Resultat der Vertragsverhandlungen im Lohngebiet Groß-Berlin. 137/11 Mitgliedsbuch legitimiert, ohne dasselbe kein Eintritt. Die VerdaadBlelttrag. Achtung!"WW WM" Achtung! Portiers und Fahrstuhlführer! Mittwoch, den 20. April 1910, abends 8V2 Nhr, in den„SpleNerasaiei»", Spichernstrafte 3: Große Versammlung aller Portiers«nd Fahrstuhlführer. TageS-Ordnung: Die UHIgM A MEMcrsienispiiai i NM IHsHep. Diskussion.— Verschiedenes, Kollegenl Da die Behandlung dieses Themas sür unsere Berufskollegen ein so äußerst wichtiges ist, mutz ew jeder Kollege eS für seine Pflicht betrachten, in dieser Versammlung zu erscheinen. Deutscher Transportarbeiter-Verband(Branche: Fahrstuhlführer, Portier?). Deutscher Portier-Verband. älüimer, sofort sestfitzende Brutputen, Brut- eier hochedelster Rassen, empfiehlt unter Garantie sür Reellität Wegner, Berlin SO., Ma- riannenstrafte 34. Hygienische'LÄr Drogerie Zareniba, Weinbergsweg 1, dir. a.Rosenthaler Tor. Billigste Bezugsquelle Versuch s. zur dauernden Kundschast! Ohus Ainstilung Teppiche, Gardinen, Stores, Portieren, Bettwäsche, Stepp- decken, Uhren, Bilder, Spiegel ans Teilzahlung. Besuch oder Karte erbeten, natzner, Hufelandstr. 40. Ii. 90. 27. Jahrgang. 3. KeilM Ks Jsmiirts" Snlimr Bollielilult. Diettstag, 19. April 1910. Partei- Hngelcgcnbcitcn. Charlottenburg. Heute Dienstag, den 19. Slpril, abends L'/z Uhr. km Volkshause: Generalversammlung. Tagesordnung: Vortrag des Genossen Max Schütte über: Wilhelm Bracke. Abrechnung vom 1. Quartal. Ausnahme neuer Mitglieder und VereinSangelegcnheiten. Der Vorstand. Friedenau. Heute Dienstag, abends 9 Uhr: Mitgliederversamm« lung bei Mechelke, Handjerystr.(50/61. Tagesordnung: Ausnahme neuer Mitglieder. Gemeindeangelegenheiten usw. Der Vorstand. Tempclhof. Heute, DienStag, abends 8>/z Uhr. bei Apelt, Ber- liner Straste 41, Mitgliederversaunnlung. Mittwoch: Flugblatt- Verbreitung zu der Donnerstag im»WilhclmSgarten", Berliner Str. 9, stattfindenden Protestversammlung gegen den Getvaltstreich im Dorf- Parlament. Lichtenberg. Heute Dienstag, den 19., abends 8V2 Uhr: Mitgliederversammlung des Wahlvereins im Lokal„Schwarzer Adler", Frankfurter Chaussee 5. Tagesordnung: 1. Vortrag des Genossen Paul John:„Die augenblickliche politische Lage". 2. Diskussion. 3. Bericht von der K�eis-Generalversammlung. Treptow'Baumschulcnweg. OrtSteil Baumschulenweg. Heute Dienstag, den 19. April, abends S'/a Uhr, in Speers Fest- sälen: öffentliche Versammlung. Tagesordnung: Die Konsum- genossenschaftsbewegung. Verschiedenes. Ortsteil Treptow. Heute DienStag, den 19. April, abends 8Vz Uhr, im Restaurant Radrennbahn: Mitgliederversammlung deS Wahlvereins. Tagesordnung: Vortrag. VcreinSangelegenheiten und Verschiedenes. Mariendorf. Heute Dienstag, abends 8 Uhr. findet unsere Generalversammlung bei Prcufi, Kurfürstenstrafie statt. Tagesordnung: Bericht des Vorstandes. Diskussion. Beratung eines OrtSstatutS. LereinSangelegenheiten und Verschiedenes. Der Vorstand. Britz- Buckow. Heute'/,9 Uhr abends findet bei Zilz die Generalversammlung statt. Tagesordnung: 1. Bericht deS Vorstandes und der Funktionäre. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Mitglieds- buch legituniert. Der Vorstand. Stralau. Am Mittwoch, den 20. April, abends 8l/3 Uhr. findet bei Steinicke, Alt-Stralau S, die Mitgliederversammlung des Wahl- Vereins statt. Tagesordnung: 1. Vortrag des Genossen Georg Schmidt über:„Die Landarbeiter und der preußische Staat". 2. Dis- kussion. 3. Bericht von Konferenzen. 4. Verschiedenes. Die Bezirksleitung. Köpenick. Heute abend 8>/„ Uhr Versominlung des Wahlvereins im»Stadttheater', Friedrichstraße. Referent: Genosse Katzenstein. Der Vorstand. Pankow. Heute abend 8% Uhr, findet bei Großkurt. Berliner» straße 27, die Mitgliederversammlung statt. Die Bezirksleitung. Borsigwalde-Wittcna». Heute, Dienstag, abends 8'/, Uhr, findet die Miiglicdervcrsammlung des Wahlvereins iin Lokale von JaschinSti statt. Bortrag des Genofien Ucko. Tegel. Heute Dienstag, den 10. April, abends 8'/- Uhr, findet im Lokal von Julius Klippenstein, Spandauer Str. 4, die Mitglieder- Versammlung statt. Tagesordnung: Kassenbericht, Bericht von den letzten Gemeindevertreterwahlen und von der letzten KreiS-General- Versammlung, Maiseier und Verschiedenes. Die Bezirksleitung. Potsdam. Am Mittwoch, de» 20. April, abends 8'/.2 Uhr, findet in allen Bezirkslolaleit die Bezirkskassierung statt. Berliner JNacbncbten. Sind approbierte ,, Naturärzte" Kurpfuscher? Man schreibt unS: An sämtliche Aerzte von Groß-Berlin hat der bekannte Vorkämpfer für Naturheilverfahren, Alkoholmäfii» gung usw., Dr. med. Winsch in Halensee, zwei Rundschreiben ge- richtet, die auf sachlicher und wissenschaftlicher Grundlage zur Notwehr greifen, um gegen die Bestrebungen gewisser mächtiger Schulmediziner, approbierte Aerzte für Raturhcilverfahrcu als Kurpfuscher zu kennzeichnen, energisch zu protestieren. Die freien, mit der sogenannten orthodoxen Medizin nicht durch dick und dünn gehenden Heilrichtunge» haben in Deutschland, wo auf diesem Gesundheitsboden ungefähr drei Millionen Menschen stehen, doch solchen Umfang angenommen, daß man an dieser Erscheinung nicht ohne weiteres vorübergehen und sie mit Spott oder Ber- l c tz c r u n g abtun kann. Die gewaltigen Errungenschaften der Schulmcdizin während der letzten Jahrzehnte sollen wahrlich nicht verkleinert iverden. Wenn man aber bedenkt, daß auch bei der UnivcrsitätSmedizin— wir brauchen ja nur an die Pstichiatrie zu erinnern>— noch ungeheuerliche und verhängnisvollste Irr- tümer vorkommen und daß auch hier jahrelang Anerkanntes stets von Neuem und angeblich Besserem abgelöst toird, so ist eS nicht zu billigen, daß man alle approbierten Aerzte, die auf dem Boden der Naturhcilkunde stehen, in der Oeffentlichkcit als Kurpfuscher verächtlich zu machen sucht und nach dem ärztlichen Standgericht schreit. Daß auch mit der Naturhcilkunde unter sachverständiger Hand vielfach Gutes geleistet wird, kann gar nicht bestritten wer- den. Warum sollen nicht beide Richtungen friedlich und schiedlich nebeneinander bestehen können? Oder fürchten die orthodoxen Schulmediziner die— Konkurrenz? Eine Zeitlang wurde darauf herumgeritten, daß die Naturheilrichtungen ärztefcindlich seien. Das ist ganz falsch. Heute ist aus der Naturheilbewegung jede ärztefeindliche Tendenz verschwunden. Ja. die Naturheilvereine stehen mit vielen approbierten Aerzten in engster Verbindung. Nach Dr. Winsch ist das geheime Ziel der medizinischen Orthodoxie. sich ein Heil, und Lchrmonopol zu verschaffen und alle Frei- heit auch auf gesundheitlichem Gebiete im Deutschen Reiche abzuwäzzen.„Da« Maß von Auf- klärung, das dem Bolle nottut, bestimmen wir", hat einer dieser modernen medizinischen Dunkelmänner gesagt. Das kommt doch auf wissenschafrlichen Chauvinismus hinaus, auf die Sucht, irgend- eine wissenschaftliche Richtung als alleinseligmachend anzuerkennen und gegenüber dem alles besser wissenden medizinischen Fachmann keine andere Anficht gelten zu lassen. Die Wissenschaft aber ist eine Republik freier, gleichberechtigter Menschen, und Wissenschaft ist nicht allein auf unseren Hochschulen. Sie ist überall da, wo Intelligente Erfahrungen machen, richtig deuten und zu einem System verarbeiten. Dr- Winsch. der sich nicht im mindesten als.Naturapostel" aufspielen will, sondern nur im Sinne von drei Millionen freien Deutschen spricht, schließt sein zweites Rund- schreiben mit folgenden interessanten Sätzen: „Wir befinden uns in einer eigenartigen politischen und sozialen Situation. Die alten Werte, die Jahrhunderte gegolten haben, sind in voller Auflösung begriffen. Neue Keime brängen mit Gewalt nach oben, und da der Staat die gären- den Geister nicht mehr zur Genüge beherrscht, so entstehen überall große Kampforgani- sationen. die sozusagen einen Staat im Staate bilden. Dadurch wird natürlich sehr begünstigt, daß terra- risttsch veranlagte Gemüter an die Spitze kommen. So ist es auch in unserem medizinischen Stande. ES sind handfeste Leute, die sich bei un« als Retter der Zukunft gebärden und denen man anmerkt, daß sie gewohnt sind, mit ihren Mitmenschen kräftig umzuspringen. Daß solche Männer ein Horizöntcheu besitzen, daS über die ödesten Standesfragen nicht hinausgeht, ist von vornherein wahrscheinlich... Möge das Schicksal uns bald edlere Helfer erstehen lassen, die für unseren Stand nicht mit den Waffen der Gewalt und deS HasseS, sondern mit den höheren, der Liebe und deS Geistes fechten." _ Also ganz wie in der hohen Politik. Der zunächst noch Schwächere soll von dem Mächtigeren erdrosselt werden. Hier nicht bloß wirtschaftlich, auch noch moralisch. Der rein wissenschaftliche Streit der Aerzte beider Richtungen soll mal eine Sache für sich bleiben. Doch die Art und Weise, wie der Streit geführt wird, ist geeignet, daß die Oeffentlichkcit Partei nimmt für die Natur- Heilärzte, die man ebensowohl aus wissenschaftlichem Fanatismus als aus kleinlichem Futterneid aus dem Sattel heben möchte. Dir Kirche als„Kientopp". Aus der Feder des Berliner Pastors Conradt ist soeben ein Schriftchen erschienen, das gegen die unsittlichen Vorführungen der Kinematographcntheater Sturm läuft und gleichzeitig den erbau- lichcn Vorschlag macht, in den Kirchen kinematographische Vor- stellungen zu veranstalten, natürlich mit Szenen aus dem Gebiete der Religion. Insbesondere soll den Gläubigen die LicbcSarbeit der inneren Mission, die Deutschlandfahrt englischer Geistlicher und ein Luther-Festspiel im Bilde vorgeführt werden,, aber nicht die hierfür ungeeignete JesuSgestalt. Auch in der Schule will Conradt den Kmematograph eingeführt wrssen, wo— natürlich! — der Patriotismus angefeuert werden soll durch„rührende" Szenen aus dem Familienleben der Hohenzollern, durch das Treiben in der Kaserne(die Rekrutenmißhandlungen werden hoffentlich nicht vergessen!) und das Leben an Bord(mit Arm- Hebung im Winkel von 45 Grad, hinter der Szene Hurrarufen!). In der für alte Betschwestern durchaus empfehlenswerten Schrift wird dam, gewitzelt, daß auf den Films leider daS Abwürgen von Ratten durch Foxterriers noch nicht zu sehen ist. Hiermit verrät der Verfasser eine starke Unkenntnis, denn solche allerdings sehr widerlidöen Films haben wir selbst schon gesehen. Für Pastor Eon- radts Weltfremdheit und verknöcherte Lebensauffassung spricht es auch, daß er selbst Sportszenen und gymnastische Akte aus den Kientöppen verbannt wissen will. Schließlich bliebe also nur noch das übrig, was fiir Staat und Kirche in den reaktionären, Volks- verdummenden Kram paßt. Nach diesen Pastoralen Gedanken- sprängen, für die wohl selbst die polizeiliche Kinenratographen- zcnsur kein Verständnis hat, ist eben alles unsittlich, woran andere, durchaus anständige Menschen nicht den mindesten Anstoß nehmen. Die Kirche soll doch bloß nicht iuuner hinter jener Tür, wo sie selbst so gern steht, die Unmoral suchen. ES gäbe z. B. schr interessante und lustige Films, wenn man auf bex kinematographischen Leinwand die Kirchcnkassenplünderung des mendantcn Voß von Sankt Nazareth. die Schlemmereien des nach Mexiko ausgerückten Schuldenpastors Werkenthin von Gethsemane, die bekannte Miß- Wirtschaft in der Berliner Stadtsynode, wo von Kirchenbeamtcn Hunderttausende unterschlagen worden sind, ferner die famose Ast- lochguckerei katholischer Geistlicher in Baden und selbstverständlich ein paar hundert Prachtexemplare der gefälligen„Pfarrer-KathlL" verewigen wollte._____ Eine nette Snbmisswnsbltite hat die seitens deS königlichen DauamteS in Oderberg erfolgte Ausschreibung der Bauarbeiten für die Errichtung von vier Schleusen bei Niederfinow gezeitigt. Bei Los 1, das 680 000 Kubikmeter Bodenbcwegung, Rmnirrarbeiten und Mauerwerk umfaßt, wurde das niedrigste Gebot mit 897 000 Mark von der Firma Zomak u. Walter in Friedenau, das höchste mit 1820 000 M. von der Firma Nohl u. Schällmann in Berlin abgegeben. Die Differenz zwischen beiden Forderungen beträgt also rund eine Million Mark. Eigenartige Geschäftspraktiken. Vor zwei Wochen, in Nr. 76 des„Vorwärts", haben wir auf einen sonderbaren Geschäftsbetrieb, wie ihn das Pflegestellen- und Adoptionsbureau KoSlowSki, Kaiser-Fricdrich-Straße in Pankow. darstellt, aufmerksam gemacht. Dieser Mann spekuliert auf Leute, die kleine Kinder in Pflege nehmen wollen und weist Pflegestellen nach. In erster Linie kommen für ihn natürlich die Gebühren in Betracht, denn der Nachweis besteht im wesentlichen darin, daß er Adressen aus Zeitungsinseraten übermittelt— eine leichte Art, sein Geld zu verdienen, ivenn auch die Kunden dieses Agenten davon schwerlich befriedigt sein werden. Mit welcher Zähigkeit er aber seinen Gebühvensatz einzutreiben bereit ist, davon weiß eine Frau R. zu erzählen, die er sogar vor daS Gericht forderte, weil sie sich energisch tveigerte, 6 M. für eine Leistung dieses Ver« Mittlers zu bezahlen, von der sie nicht das geringste erfahren hat. Sie meldete sich zu Anfang des Monats Februar auf ein Inserat der..Morgenpost" und erklärte sich zur Annahme eines Pflege- kindcs bereit. Nach zwei Wochen erhielt die Frau ein Schreiben von KoslowSki mit der Einladung, ihn in der Angelegenheit des Pflegekindes zu besuchen. KoSlowski versprach der Frau, die der Einladung gefolgt war, ihr ein Pflegekind zu vermitteln. Er er- kündigte sich über die Verhältnisse der Familie N., schrieb alles nieder, was die Frau ihm erzählte und verlangte dann wohlgemut sechs Mark„für die Auskunft". Die Frau weigerte sich ent- schieden, diese sechs Mark, die sie als Vermittelungsgebühr betrach- tete, zu bezahlen, ehe sie wenigstens mit den Angehörigen des in Pflege zu nehmenden KindcS bekannt gemacht worden sei. Davon wollte aber der Agent nichts hören. Zuerst das Geld, hieß es bei ihm. Nach zwei Wochen kam er sogar in die Wohnung der Frau, um sich das Geld zu holen, und er teilte der Frau mit, daß sie daS Kind in Pflege nehmen könne, sobald er seine sechs Mark habe. Der Frau tvar aber das Gebaren dieses Vermittlers schon so un- angenehm geworden, daß sie nichts mehr mit ihm zu tun haben wollte. Er aber ließ nicht nach und bot seine Dienste brieflich noch einmal an. Die Frau verbat sich darauf jede weitere Be- lästigung, und nun drohte der Agent mit der Klage: er wollte um keinen Preis die sechs Mark fahren lassen. Seine Drohung führte er auch wirklich auS: er ließ einen Zahlungsbefehl ergehen, aber die Frau N. wurde, dadurch nicht eingeschüchtert, wie er wohl er- wartet hatte, sondern sie erhob Widerspruch, und am 14. April kam die Angelegenheit vor dem Amtsgericht Berlin-Wedding zur Vcr« Handlung. Wer sich darüber wunderte, woher dieser Mann den Mut nahm, mit seiner Forderung vor Gericht zu erscheinen, der wurde bald darüber aufgeklärt. Der Kläger legte nämlich sofort dem Richter einen Zettel vor, auf welchem die Frau N. durch ihre Unterschrift anerkannt hatte, daß sie Herrn KoSlowski einen Auf- trag gegeben habe, für dessen Ausführung, die erwähnte„Auskunft" nämlick. KoSlowSki die heiß verfolgten sechs Mark anrechnete. Die Frau N. tvar verblüfft, sie wußte nichts von einem Auftrag oder von einer Unterschrift. Sie behauptete, daß sie nur ihren Namen wegen ihrer Adresse bei KoSlowSki niedergeschrieben habe. Sie war erregt, verteidigte sich sehr ungeschickt und verstand es nicht, dem Richter die Sachlage klar zu schildern. Diesem kam e» nur darauf an, festzusetzen, ob die Unterschrift echt sei. Die Frau wollte nicht beschwören, daß es nicht ihre Unterschrift sei, dagegen erklärte sich der Agent sofort bereit, eidlich zu erhärten, daß Frau N. den Zettel unterschrieben habe. Der Nichter verschob darauf seine Entscheidung auf eine Woche. Wie immer die richterliche Entscheidung ausfallen mag, soviel steht fest, daß da« ganze Geschäftsgebaren dieses Vermittlers die schärfste Verurteilung verdient, und harmlose Leute, die leicht anderen Vertrauen entgegenbringen, sollten sich besonders zur Vor- ficht mahnen lassen und niemal» bei solchen LermittelungS- gefchäften etwa» unterzeichnen, was sie nicht genau zu ihrer Kennt- nis genommen haben, sonst müssen sie gewärtig sein, daß ihre Vertrauensseligkeit so rücksichtslos ausgenützt wird wie hier in diesem Falle. ES wäre wünschenswert, daß die Staatsanwaltschaft die Ge. schaftsgebarung deS Herrn KoSlowSki einer näheren Betrachtung unterzog«. Als ein gemeingefährlicher Gendarmericwachtmeister wurde gestern vor dem Kriegsgericht der Kgl. Landwehrinspektion der Wachtmeister Sainerski bezeichnet. S. n>ar wegen Beleidigung und Mißbrauch der Dienstgewalt angeklagt, deren er sich schuldig ge- macht hatte, als er eines Abends im Grunewald gegen ein Liebes- paar einschritt, das sich geküßt hatte. Sein Verhalten gegen die Dame, die Telephonisttn war, hat dem liebedurstigen Wachtmeister die Anklage eingetragen. Das Urteil lautete auf zwei Monate drei Tage Gefängnis sowie aus Degradation und Entfernung au» der Gendarmerie. Besuch des Hospitals in Buch. Nach einem Beschluß des Zw- ratoriums für die städtischen Hospitäler und Siechenanstalten darf der Besuch des Hospitals Buch nur noch mit Genehmigung des Vorsitzenden des Kuratoriums stattfinden. Die Besuchszeit ist auf Mittwoch von 3—6 Uhr nachmittags festgesetzt. Die Anzahl der Teilnehmer soll 100 nicht überschreiten, auch dürfen Kinder nicht mitgebracht werden. Es werden den Besuchern, solange dies noch möglich ist. unbelegte Häuser gezeigt. ZritungSverbote. Wiederholt hat die Trinlerheilstätte Wald- frieden in Fürstenwalde in der Oeffentlichkeit von sich reden gemacht, zuletzt noch im Vorjahre, wo eS zwischen Herrn Dr. Waldschmidt» Charlottenburg, dem spirttuo rootor der Anstalt, und dem leitenden Arzt in Waldfrieden Dr. Kopfs zu einem öffentlichen Skandal kam und das Ausscheiden KapffS aus der Anstalt zur Folge hatte. Dr. Kapff hatte nicht alle Anordnungen Dr. Waldschmidts befolgt, weil sie seiner Meinung nach nicht im Interesse der Anstalt und der Pfleglinge lagen. Jetzt macht Herr Dr. Waldschmidt erneut von sich reden. UnS wird berichtet, daß kürzlich verschiedenen Patienten, die den„Vorwärts" und die„Morgenpost" lasen, eröffnet worden ist, daß diese Zeitungen in Zukunft nicht mehr gelesen werden dürften. Einein Hausdiener, der sich den„Vorwärts" bestellt habe, sei daS Geld wiedergegeben und das Blatt fortgenommen worden. Diese Maßnahme wirst auf die in der Heilstätte geübten Praktiken ein grelles Schlaglicht und kennzeichnet die Leitung dieser Anstalt. Die Patienten, die der vorgeuannteu Anstalt überwiesen werden, sollen Heilung von ihrem Leiden finden. Die Aerzte, die hier angestellt sind, sollen durch geeignete Maßnahmen den Heilungs- Prozeß nach Möglichkeit fördern. DaS ist ihr Recht und ihre Pflicht. Dazu gehört aber nicht, den Patienten daS Lesen bestimmter Zeitungen zu verbieten. DaS wären ja Zustände, wie sie in Ge- fängniffen üblich sind. Gefangene sind aber die Patienten nicht, sondern Kranke. Und eS muß deshalb gegen die neueste Verfügung der Anstaltsleiter entschieden Einspruch erhoben werden. „Eine Mustereinrichtung" von ArbeiterauSschüssen besitzt un. zweifelhaft die Verwaltung der städtischen Kanalisation, so schreibt uns ein Arbeiter der Rieselfelder aus Anlaß der Llblehnung der von den städtischen Arbeitern aufgestellten Forderungen. Bei der städtischen Kanalisation sind ungefähr 2500 Mann beschäftigt. Von diesen 2500 sind— sage und schreibe— 300 berechtigt, ihr« Anträge von Ausschußmitgliedern vertreten zu lassen; für die anderen 2200 ist ein Ausschuß nach Ansicht der Direktion nicht erforderlich. Aber um so„wohlwollender" Ivar sie gegen die 300 Arbeiter, welche sich auf 6 Inspektionen verteilen. Eine jede Inspektion hat einen Ausschuß: auf kaum je ein halbes Dutzend Arbeiter kommt«in Ausschußmitglied resp. Ersatzmann. Da nun die Lohn, und Ar- bcitSverlhiliuissc auf allen Inspektionen die gleichen sind, so ergibt sich daS Schauspiel, das erstens die Anträge sechsmal eingereicht werden, zweitens sechsmal verhandelt werden und drittens min» bestens immer sechsmal abgelehnt werden. Die Direktion der städtischen Kanalisation spricht den Ausschüssen auch das Recht ab, über Punkte zu sprechen, die unleugbar zu ihren Hauptaufgaben zu rechnen sind, lieber Lohnfragen sind sie nicht zuständig, über Verkürzung der Arbeitszeit haben sie nichts zu sagen, auf die Ar» beitsordnung haben sie gar keinen Einfluß. In der jetzt geltenden Arbeitsordnung stehen Pflichten, aber keine Rechte. Von Verdienst, Urlaub usw. ist keine Rede, ja, die Direktion geht sogar so weit und verbietet den Ausschüssen, unter sich zusammenzukommen. Man höre folgende Verfügung: „Die für die einzelnen BetriebSinspckktionen gebildeten?lr. beitcrauSschüsse sind zusammengetreten und haben gemeinschaftlich den Betrieb im allgemeinen betreffende Anträge gestellt. Daseist unzulässig. Sollte sich der Fall wiederholen, so wird B e» strafung eintreten." Wie reimt sich das mit den kürzlich in der bürgerlichen Press« verbreiteten Ausführungen deS Stadtrats NamSlau zusammen? Um 150 Proz. sollen die Löhne gestiegen sein, hat der Kämmerer behauptet! Hat er da etwa an die Rieselfeldarbeiter gedacht? Diese habe» überhaupt noch keine allgemeine Zulage erhalten, solange die Rieselfelder bestehen. Im Jahre 1905 wurden die Wintertagelöhne von 1 M. auf 1,20 M. festgelegt. Die Sommertagelöhne von 1.80 M. waren schon vor 20 Jahren so; mit Deputat gerechnet haben die Leute noch nicht einmal 000 M. Einkommen. Die Rieselwärter haben immer noch einen Anfangslohn von 2 50 M. Wer von ihnen 10 Jahre ausgehalten hat, kann zu dem Höchstlohn von 3,25 M. kommen bei ununterbrochener 12stündiger Arbeitszeit. Vom Sommerurlaub sind die Arbeiter der Rieselgüter ganz auSge- schlössen, angeblich, weil sie ja immer in„ftischer Luft" seien. Hoffentlich gehen jetzt den Ricselfeldarbeitern endlich die Augen auf und erkennen sie. daß es an der Zeit ist, sich um die Abstellung dieser und vieler anderer Mißstände da draußen auf den Gefilden dcü magistratlichen Gutsbesitzers zu bemühen/ Das Spitzelsystcm der Berliner Omnibusgesellschaft haben wir kürzlich aus Anlaß einer Veröffentlichung des„Straßenbahner" charakterisiert. Der Schaffner Weltzin hatte sich bekanntlich zur Bespitzelung seiner Kollegen hergegeben und durch einen Herrn Wagner Berichte über seine Wahrnehmungen an die Direktion ge- langen lassen. Letztere hat jetzt den genannten Schaffner auf die Automobillinie 8 nach dem Depot Usedomstraße versetzt und ihm eine andere Mützennummer, nämlich 1322, gegeben. Die neueste Nummer de?„Straßenbahner" teilt nun mit, daß ein früherer Inspektor König, jetzt Gastwirt in der Lothringer Straße 41, die gleiche Rolle gespielt hat. Auch er hat der Direktion wiederholt berichtet, ob und welche Leute an Versammlungen teilgenommen haben, die vom TranSportarbeitcrverband einberufen waren. König berichtete, daß bestimmte Angestellte Zettel bezw. Zeitungen ver» teilt hätten, und daß diese Personen nach»~>d nach enriassen worden seien. Der„Straßenbahner" stellt fest, daß verschiedene Angestellte. die von König der Direktion als Mitglieder deS Verbandes de» zeichnet worden seien, gar keine Mitglieder waren. Eine gewisse Befriedigung ruft die Tatsache hervor, daß Herr Inspektor König schließlich selbst aus dem Betriebe entlassen wurde. DaS ist fast immer das Schicksal der Angeber. Auf die Dauer ver- scherzen sich solche Charaktere selbst bei ihren Porgesetzten jede Achtung. Schlimm genug muß es aber um einen Betrieb bestellt sein, der nur durch ein raffiniert ausgeklügeltes Angebersystem auf- rechterhalten werden kann. Die Direktion trägt die Verantwortung dafür, daß immer mehr Personen zu moralisch verächtlichen Jndi» biduen herabsinken. Rcvolverattentat auf einen Passagierdampfcr. Durch einen nichtswürdigen Bubenstreich sind am Sonntag di« Passckgiere eine» Berliner AuSflugSdampferS in Lebensgefahr gebracht und eine Person verletzt worden. Als gegen Vilü Uhr abends der Dampfer „Leopold Wilhelm" der Reederei Nobiling von Zwiebusch abge» fahren war und etwa einen Kilometer zurückgelegt hatte, wurden plötzlich vom Ufer aus zwei Revolverschüsse auf das Fahrzeug ab- gegeben. Während die eine Kugel an der Bordwand des Dampfer» «kprallte, drang das andere Gesckob dem 28jähr!gett Fräulein Elise Reite. Waisenstratze 30 wohnhaft, in den Kopf. Nur dem Um- stände, daß die Wucht der Kugel durch den Hut und die Frisur stark abgeschwächt war. ist es zu danken, datz die N. mit einer nicht erheblichen Verletzung davonkam. Die Verwundete setzte_ die Fahrt nach Berlin fort, erhielt auf der Unfallstation am Grünen Weg die erste ärztliche Hilfe und konnte sich dann nach ihrer Wohnung begeben. Die polizeilichen Nachforschungen nach dem Revolverhelden sind bisher ohne Erfolg gewesen. Ein Bootsunglück ereignete sich am Sonntagnachmittag SM Uhr in der Nähe der Villa Wcitzeniburg bei Sadowa. Das� mit zwei Personen besetzte Segelboot„Martha" kenterte an dieser Stelle, wodurch die Insassen in die Fluten stürzten.«Einer derselben wurde durch den Ruderklub„Helvetia" gerettet, während der andere, ein Herr Giese, noch ehe seine Rettung möglich war, wahr- scheinlich infolge eines Herzschlages versank. Die Leiche konnte bis gestern mittag noch nicht gefunden werden. Straßenunsälle vom Sonntag. Nachmittag gegen%3 Uhr versuchte die vierjährige Martha Busch, Schlotzstr. IIS in Steglitz bei den Eltern wohnhaft, in der Nähe des elterlichen Hauses vor einem herannahenden Straßenbahnwagen der Linie F der Westlichen Berliner Vorortbahn das Gleis zu überschreiten und wurde dabei umgestoßen. Die Kleine geriet mit den Beinen unter den Schutz- rahmen des Vorderperrons und konnte nur durch Anheben des Waggons befreit werden. Das Mädchen erlitt drei blutende Kops- wunden, Quetschung beider Beine und erhebliche Hautabschürfungen im Gesicht. Die Verunglückte erhielt von einem in der Nähe woh- nenden Arzt Notverbände und wurde nach der elterlichen Wohnung übergeführt.— Vor dem Hause Alexanderstr. 5 stürzte der Arbeiter Franz Kremer aus der Kaiser-Friedrich-Straße in Rixdorf beim Befahren der Kurve von dem Vorderperron des Anhängewagens 839 eines Straßenbahnzuges der Linie 49. K. erlitt eine Gehirn- erschütterung und wurde auf seinen Wunsch nach seiner Wohnung gebracht.— Beim Verlaffen eines fahrenden Straßenbahnwagens schwer verunglückt ist gestern die Buchhalterin Agnes Hübner. Camphausenstr. 3 wohnhaft. Fräulein H. sprang am Kaiser- Friedrich-Platz trotz der Warnung des Schaffners von einem in der Anfahrt zur Haltestelle befindlichen Straßenbahnwagen der Ringlinie 3 ab. Sie kam zu Fall und trug eine schwere Gehirn- erschütterung davon, die ihre Ueberführung nach dem Krankenhause am Urban notwendig machte.— Beim Besteigen eines fahrenden Straßenbahnwagens kam in Tegel der Arbeiter Karl Wilhelm von dort schwer zu Schaden. Als er an der Ecke der Tresckow- und Hauptstraße den Vorderperron eines Straßenbahnwagens der Linie 26 besteigen wollte, glitt er ab und schlug im Fallen mit dem Kopf gegen einen Baum. Dadurch geriet er mit dem rechten Fuß unter den Schmierkasten der Vorderachse und wurde etwa 4 Meter mitgeschleift. Der Verunglückte erlitt rechtsseitigen Knöchelbruch, sowie Verletzungen am Kopf und wurde nach dem Paul-Gerhardt- Stift gebracht. Von einem Geschäftswagen überfahren und getötet wurde am Montagnachmittag gegen 6 Uhr an der Ecke Wall- und Roßstraße der dreijährige Sohn Fritz des in der Wallstr. 74/7S wohnenden Schneidermeisters Schädler. Der Kleine spielte mit anderen Kindern auf den Fahrdamm, als aus der Roßstraße kommend ein Geschäfts- wagen in schnellem Trabe um die Ecke bog. Bei dem Versuche, sich in Sicherheit zu bringen, geriet der erschreckte Knabe in das Gespann, wurde umgeriffen und kam unter den Wagen zu liegen. deffen Räder über das Kind hinweggingen. Fritz Sch. erlitt so schwere innere und äußere Verletzungen, daß er wenige Minuten später in den Armen der hinzukommenden Mutter verstarb, noch ehe der aus der Unfallstation am Spittelmarkt herbeigerufene Arzt zur Stelle war. Kindesmird? Im Müllkasten des Hauses Rosenthaler Straße Nr. 66 fanden zwei„Naturforscher" gestern morgen eine große Zigarrenkiste, die ihnen etwas schwer vorkam. Sie öffneten sie und fanden darin die nackte Leiche eines neugeborenen Knaben. Ob das Kind, dessen Mutter noch nicht bekannt ist. ermordet worden ist, kann erst die Obduktion der beschlagnahmten Leiche feststellen. — Ein Kindesmord liegt anscheinend auch einem Leichenfund zu- gründe, der im Nordhafen gemacht wurde. Dicht an der Seller- brücke entdeckten Schiffer auf der Oberfläche des Wassers den nackten Leichnam eines Kindes. Sie schafften ihn ans Land und die benachrichtigte Polizei stellte fest, daß der tote Körper schon einige Zeit im Wasser gelegen hat. ES handelt sich um einen Säugling weiblichen Geschlechts. Festgestellt ist endlich die Person des Mannes, der bor acht Tagen im Treptower Park vergiftet aufgefunden wurde. Der Ver- storbene ist der 35 Jahre alte frühere Schlafwagenkontrolleur Julius Neumann, der seit dem 2ö. März aus seiner Wohnung verschwunden war. Neumann hatte neun Monate keine Arbeit mehr und schuldet schon für ein Vierteljahr die Miete. Er hatte sich deshalb heimlich entfernt, wo er bis zu seinem Tode gewesen ist, weiß man nicht. Aus der Spree gelandet wurde am 16. April unweit der„Eier- Häuser" die Leiche einer unbekannten Frau. Sie ist zirka 29 bis 2S Jahre alt, 1,60 Meter groß, von mittlerer Gestalt, hat dunkel- braunes Haar, hohe Stirn, eingedrückte Nase, rundes, voll.es Gesicht und trug einen grauen Mantel, blaugrünen Rock, schwarze Strümpfe, braune Schnürstiefel, weißes Beinkleid und weiße Wäsche, die nicht gezeichnet war. Diejenigen, die eine solche Person vermissen, werden ersucht, sich an die Polizeiverwaltung in Treptow zu wenden. Radrennen zu Steglitz, 17. April. Ein sehr reichhaltiges Pro« gramm kam am Sonntag bei bestem Wetter und gutem Besuch zur Erledigung. Der größte Teil der Rennen war den„Fliegern", d. h. den Fahrern über die kurze Strecke, vorbehalten. Im Preis von Steglitz über 1999 Meter<159. 100, 75 M.) siegte nach 6 Vor« und 3 Zwischenläufen im Eudlauf O t t o M e y e r in S Minuten 202/5 Sekunden(1) vor Rütt und Wegener. Die drei Fahrer übten sich im Langsamfahren und Stillstandsversuchen, da keiner führen wollte. Etwa 79 Fahrer waren in den Vorläufen.— Die Zweiten und Dritten aus diesem Rennen bestritten den Preis von Friedenau<69, 59, 49 M.): 1. Peter, 2. Schürmann, 3. Stabe. — EntschädigungS fahren, offen für die Zweiten der Vorläufe des Preises von Friedenau<39, 25, 29 Mark): 1. P a w k e, 2. Fr. Hoffmann, 3. Techmer.— Ein Prämienfahren über 3999 Meter<25. 29, 15, 19 M., dem ersten jeder Runde 19 M.). 1. R u d e l, 2. Saldow. 3. Sonntag, 4. Kendelbacher. Prämien gewannen Sterba, Großmann, Rudel, Saldow<2). lieber 59 Fahrer in einem Lauf.— Ein Dauerrennen „Der große Frühjahrs-Preis" über 199 Kilometer <2999, 1299, 1999, 399, 699 M) wurde von dem Berliner Fritz T heile in 1 St. 24 Min. 16% Sek. vor Salzmann<2289 Meter zurück), Rhser<5799 Meter). A. Stellbrin!(6299 Meter) und dem Holländer Dickentmann gewonnen. Theile zeigte sich seinen Gegnern überlegen, vom 19. Kilometer an hatte er die Spitze, er konnte seinen Vor'prung ständig vergrößern. Beim 39. Kilometer kam es für Theile zu einem kritischen Moment. Er war eines Reifen« schadenS wegen gezwungen, sei» Rad zu wechseln, wo- durch er einige Runden verlor; Salzmann rückte dadurch vor? aber nachdem Theile wieder im Rennen war, fuhr er so vorzüglich, daß er den müde gewordenen Salzmann mit über vier Runden Rückstand auf den zweiten Platz verwies. Rvser wechselte wiederholr seine Führung. A. Stellbrink war nicht auf dem Posten, er spielte gar keine Rolle; nicht besser stand es um Dickentmann, der unter Motordefeklen zu leiden hatte und bei dem 94. Kilometer aufgab.— Den Schluß bildeten einige Rennen für Zweisitzer, die sehr spannend verliefen. Das Tandem-Hauptfahren über 2999 Meter<299, 129, 39 M.) gewannen R ü t t« S t a b e vor Meyer-Schürmann und Peter-Schwabe.— Im Tandem-Entschädigungsfohren <69, 59, 49 M.) siegten die Treptower Fr. H o f f m a n n- Fr. Stellbrink bor Techmer-Wegener und Kendelbacher-Ganze« voort. Die Nennen verliefen ohne jeden Unfall. Straßensperrung. Das Tempelhofer Ufer von der Schöne« berger Straße bis zur Luckenwalder Straße wird behufs Um- Pflasterung sofort bis auf weiteres für Fuhrwerke und Reiter ge- sperrt, desgleichen die Scharnhorststraße von der Jnvalidenstraße bis zur Kesselstraße wegen Asphaltierungsarbeiten sofort bis auf weiteres in halber Breite und streckenweise für Fuhrwerke und Neitep,_ Vorort- Nachrichten. Steglitz-Friedenau. Der hiesige BildungSauSschuß veranstaltet am Sonntag, den 24. April, nachmittags 2 Uhr, im Rheinschloß, Friedenau, Rhein straße 69, eine künstlerische Frühlingsfeier. Bei dieser wirke» mit Herr Tobias(Klavier), Herr Heinr. Schulz(Festrede, Rezitation), Frau H. Barwich(Gesang), Männerchor„Friedenau-Steglitz"/zjährige Sohn Rudolf des Portiers Ahrend den Tod fand. Während der Vater schlief und die Mutter in dem Hause einige Besorgungen machte, spielte das kleine Kind im Bett mit Streichhölzern. Plötzlich entzündete sich ein Holz und im nächsten Augenblick stand das Bett in Flammen. Als der erschreckte Vater zu Hilfe eilte, war es schon zu spät Der Körper des kleinen Knaben wies schwere Brandwunden auf, denen er alsbald erlag. Das Feuer wurde von Hausbewohnern erstickt, noch bevor die Feuerwehr eintraf. Ober-Schönelveide. Bei der am 16. April erstmalig stattgcfundcncn Kaufmanns gerichtöwahl für Ober- und Nieder-Schöneweide war das Ergebnis wie folgt: Liste I(Hirsch-Duncker) 55 Stimmen, 1 Beisitzer; Liste II (Deutschnational) 82 Summen, 2 Beisitzer; Liste III(gelbe Werksliste) 90 Stimmen, 2 Beisitzer; Liste IV(Leipz. Verband) 67 Stimmen 2 Beisitzer; Liste V(Zentralverband) 38 Stimmen, 1 Beisitzer. Grüna«. Mit dem Ausfall der Gemeindevertreterwahl beschäftigte sich die Generalversammlung des WahlvercinS. De» Referent Gen. Mitzner suchte die Gründe dafür, daß uns der Sieg nicht zugefallen ist, in dem sonderbaren Berhalten des hiesigen Bürgervereins. In der Diskussion wurde dagegen hervorgehoben, daß die Genossen nicht anderen, sondern sich selbst die Schuld daran beimessen müssen, da noch viel mehr hätte gearbeitet werden können. Bon mehreren nosien wurden taktische Fehler hervorgehoben und Ratschläge zur Abhilfe in künftigen Fällen erteilt. Drei Genossen wurden wegen Nichtbeteiligung an der Wahl aus dem Verein ausgeschlossen. Ausi genommen wurden ebenfalls drei Mitglieder. Kassierer und Spediteur gaben alsdann ihre Abrechnung. Zur Maifeier wurde beschlossen, die Vormittagsversammlung sowie die Nachmittagsfeier beim Ge- nossen Duchoffour abzuhalten. Weihensee. Bei der gestrigen Nachwahl zur Gemeindevertretung im alten OrtSteil siegte trotz der größten Anstrengung der bürgerlichen Partei unser Kandidat Genosse Block mit 164 gegen 147 Stimmen der Gegner. Sogar der Mieterverein machte Propaganda für den Hausbesitzerkandidaten aus Rache dafür, weil wir bei der Haupt- wähl den Mietervereinler nicht unterstützten. Potsdam. AuS der Gtadtverordnetenverfammlung. Der Stadtverordnete Bernhardt hatte in einer Novembersitzung anläßlich einer Rede des Oberbürgermeisters über die Bürgerversammlung bei Heinerici den Zwischenruf„Feige Sekte" gemacht. Dieser Zwischenruf bezog sich auf den Reämungsrat Drömer, der in der Bürgerversammlung einigen Magistratsmiigliedern vorgeworfen hatte, daß sie ihr Amt zu ihrem persönlichen Vorleil benutzt hätten. Die Folge war eine Klage wegen Beleidigung und Stadtverordneter Bernhardt einigte sich vor Gericht mit dem Beleidigten dahin, daß er seinen Zwischen- ruf in öffentlicher Stadtverordnetenversammlung zurücknehme. Dies geschah am Freitag. Dem seinerzeil beschlossenen Orlsstatut betreffend die Gebührenordnung für die Müllabfuhr hat der Bezirksausschuß die Genehmigung versagt, weil es den gesetz- lichen Anforderungen nicht entspricht. Siadtv. Kraemer bedauert, daß die Verwaltungskeimtnisse der juristischen Magistratsmitglieder hinter denen der Mitglieder des Bezirksausschusses zurückstehen. Bürgermeister R o d i g verteidigte seine Magistratskollegen und meinte, die Ausführungen des Stadtv. Kraemer entsprächen seinem bisherigen Verhalten gegen den Magistrat.— Einen Teil des städtischen Grundstücks Neue Luisenstr. 25 will der Prinz Eitel Friedrich kaufen. Da derselbe jedoch recht billig kaufen möchte, wurde die Vorlage zurückgestellt, bis man den Herrn Prinzen zu einem höheren Angebot bewegt hat.— Der Play an der Alten Köuigstraße soll eine lebende Hecke und eine Straßenbahnwartehalle erhalten. Die Kosten in Höhe von 6979 M. wurden bewilligt, nachdem der Magistrat erklärt hatte, den Bau dieser Wartehalle entgegen der in Aussicht genommenen auswärtigen Firma einem hiesigen Gewerbetreibenden zu über- tragen.— Für die Oberrealschule machen sich Neuanschaffungen und bauliche Veränderungen notwendig, wozu man 4399 M. bewilligte.— Für das Realgymnasium wurden 2599 M. für Anschaffung von Lehr- Mitteln ausgeworfen.— Ein Dringlichkeitsantrag verlangt 399 M. als Belohnung für die Ermittelung des Täters im Park Sanssouci; sie wurden bewilligt._ Lese» und Diskutierklub»Osten«. Heuleabend 8'/, Uhr bei Franke tausburgstr. 4, Generalversammlung. Tagesordnung: Berichte, Anwäge, orlrag des Genossen Wieloch über Massenstreik. DiSlu'sion, Ver- IchiedeneS. Versammlungen. Di« Krankenkassenangestellten und die ReichsversicheNingsordnung. Eine stark besuchte Versammlung, von Krankenkassenangestellten aus Berlin und der Provinz Brandenburg, die am Sonntag im Musikersaal in der Kaiser Wilhelmstraße tagte, nahm Stellung zu dem Entwurf der Reichsversicherungsordnung, soweit derselbe in die Verhältnisse der Kasscnangestellten eingreift. Der Referent Giebel kennzeichnete den Entwurf als einen Versuch, die Selbst- Verwaltung der Ortskrankenkassen in weitgehendstem Maße einzu- schränken. Weiter führte der Referent aus, daß die gesetzliche Regelung der Verhältnisse der Angestellten, wie sie der Entwurf vorsieht, durchaus nicht im Interesse der Angestellten liege, und von diesen gar nicht gewünscht werde, denn die zwischen den Kassen- vorständen und den Angestellten abgeschlossene Tarifgemernschast regele die Verhältnisse in zufriedenstellender Weise. Mit Unrecht sage die Begründung des Entwurfs, daß die Angestellten der Will» kür der Vorstände ausgesetzt seien. Früher, als sich die Kassen- Verwaltung in den Händen von Unternehmern und unorganisierten Arbeitern befand, hätten die Angestellten allerdings zu klagen ge- habt. Das Verhältnis sei erst ein befriedigendes geworden, seitdem gewerkschaftlich organisierte Arbeiter in die Verwaltung der Kassen eingezogen seien. Unter dem Vorgeben, die Interessen der Ange- stellten zu schützen, verfolge die Regierung politische Zwecke. Die Bestimmungen des Entwurfes über die Verhältnisse der Beamten und Angestellten seien im wesentlichen so geblieben, wie sie im Voventwurs waren. Ebenso wie im vorigen Jahre, als der Vor- entwurf zur Diskussion stand, lehnen die Kassenangestelltsn die angebliche Fürsorge ab, welche ihnen der jetzige Entwurf zuteil werden lassen wolle. Sie sehen in diesen Bestimmungen eine drückende Zwangsjacke, denn sie sollen in letzter Linie der Willkür der Aufsichtsbehörden ausgeliefert werden. Die Angestellten wollen lieber die weiteste Willkür der Vorstände als die geringste Willkür der Auffichtsbeamten, denn gegen Maßnahmen der Vorstände können die Angcstellten.im Beschwerdewege ihr Recht finden, nicht aber gegen willkürliche Maßnahmn der Aufsichtbehörden. Die Kassenangestellten erwarten vom Reichstage, daß er der im Entwurf borgesehenen Regelung der Verhältnisse der Angestellten in keiner Form zu» stimmt Gemeinsam mit den Versicherten, deren Rechte durch den Entwurf erheblich beeinträchtigt werden;, wollen die Kassen/- angestellten den Kampf gegen den Entwurf der Reichsversicherungs« ordnung führen. Die Versammlung endete mit der debattelosen einstimmigen Annahme nachstehender Resolution: Die am 17. April versammelten Kassenangestellten von Berlin und der Provinz Brandenburg lehnen die im Entwurf der Reichsversicherungsordnung vorgesehene Regelung ihrer An- stellungsverhältnisse entschieden ab. Diese Vorschriften täuschen nur durch die äußere Form eine gesetzgeberische Hilfe vor, ver- folgen aber für die Praxis lediglich den Zweck, die Angestellten unter Entkleidung ihrer staatsbürgerlichen Pechte der Fuchtel des Staates auszuliefern. Die Ueberantwortung der Angestellten der Orts- und Jnnungskrankenkassen an die Disziplinargewalt des Staates ist aus keinem Vorgang der bisherigen Praxis zu rechtfertigen. Die Angestellten erheben deshalb und um so schärfer Einspruch, als außerdem diese Bestimmungen eine Wirt- schaftliche Verbesserung des heutigen ZustandeS praktisch nicht bedeuten. Die Versammelten ersuchen daher den Deutschen Reichstag, die Vorschläge der Bundesregierungen zu verwerfen und eins gesetzliche Regelung, wenn sie erfolgt, nur im Sinne der Kongreß- beschlüsse der Angestellten vom 29. Mai 1999 vorzunehmen, Vermischtes. Wieder einer! Au» N a r n i wird dem„Messaggero" berichtet, daß der dortige Kaplan Mario Balentini in der Sakristei der Kirche von S. Francesco überrascht wurde, während er sich an einem acht» jährigen Knaben geschlechtlich verging. Die Karabinieri hatten Mühe, den Degenerierten bor der BollSwut zu schützen._ Et» gräfliches Schwindlerpaar. In Tours wurden der Graf und die Gräfin Aulvh d« Glatigny verhaftet, weil sie der Amerikanerin Frau Taine für den Preis von ungefähr einer Million Frank wertlos« gefälschte Bilder als Correggio, Tizian und Murillo verlaust haben._ eingegangene DruchFchrlften. Die soeben erschienene Mainummer des.Postillon« enthält an voll- bildern und Illustrationen: Der Sozi glückhafteS Schiff.— Die Himmels» rute,— Aus der Flucht aus Rußland.— Eine alte Fabel In neuem Gewände.— Illustriertes Beiblatt zu der Affäre Manteuffet— Nikolaus der Blutige verbreitet russische Kultur w Finnland; usw. AuS dem Texter- wähnen wir: Maiensonne.— Ueber VersassungSwesen.— Rundschreiben deS Reichskanzlers.— Spitzels Maiseier.— Äomctenjagd.— Klassentamps.— DaS Examen.1,— Der Herr Staatsanwalt.— Das Malgesetz; usw. Der Preis der Nummer ist 10 Ps. Probenummern sind jederzeit durch den Verlag Paul Singer tn Stuttgart, sowie durch alle Buchhandlungen und Kolporteure zu beziehen. Amtlicher Marktbericht der ftädttlchen Marktballen-Dtrektton llder den Großhandel in den Zenwal-Marktballen. Marktlage: Fl ei ich: Zulubr stark. Gclchäst ruhig, Preise sür Fresser, Hammel- und Schweine- fleisch nachgebend, sonst unverändert Witd: Zusuhr sehr gering, Geschäft ruhig. Preise besriedigend. G e s l ü g e l: Zusuhr knapp, Geschäst leb- hast, Preise gut Fische: Zusuhr mäßig, Gelchäst ruhig, Preise wenig verändert. Butter und Käse: Geschäft still, Preise unverändert emüse, Obli und Slldsrüchte: Zusuhr genügend, Geschäft ansangS rege, später abflauend. Preise wenig verändert BSitterungSubersich» vom 18. April 1910. morgens 8 Übe. «tationen SwMemd». Hamburg S-rlw Franks.» M, München Wien we til I? M* Etationen L= »— 4§ c 5 £ e "b «Bettet Haparanda> 764 S Petersburg 767 ONO Sctllh j 762 WSW Aberdee» 756 SSO Parts 763 SSO 2 heiter 1 wölken! SNebei 3 bedeckt Iwolleni t* 2 7 10 6 6 Wetterprognose für DicnStag, den Ig. April Nachts ziemlich kühl, am Tage wieder wärmer, vorwie; lebhaften südlichen Winden; keüie oder unerhebliche Niedersc. , BerlinerWette 1910. end heiter, bei läge. rdureau. BSaflerstands.'ltachrtchte« ber LandeSanstalt für Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berliner Wetterbureau. Wasserstand M e m e 1. Tllflt P r e g e l, Jnsterburg Weichsel. Thorn Oder, Ratibor » Krassen , Franklurt Warthe, Schrimm , Landsberg Rehe, Vordamm Elbe, Leitmeritz » Dresden , Barby , Magdeburg 0+ bedeutet Such».— Fall.— st Unlerpeget Allen Freunden und Betomtten zur Nachricht, daß unser lieber Bruder und Schwager, der Bau- arbeiter Alois Sandmann nach langem schweren Leiden am Sonntag, den 17. April, sansl entschlafen ist. 1749b ruinlllv Sandmanii. Familie Oebel. Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 20. April, nach- mittags 5ll, Uhr, von der Leichen- Halle des Britzer Gemeinde-Fried» Hofes aus statt. SozlaWeniokFaüsclier WaUvereiu Britz. Den Parteigenossen zur Nach- richt, daß unser Mitglied, der Bauarbeiter Alois Sandmann nach längerem Leiden an der Proletaricrkrantdeit am Sonntag, den 17. d. M., nachmittags, im 28. Lebensjahre verstorben ist. Ehre feinem Andenken Z Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 20. April, nachmittags 5'/, Uhr, von der Leichen- Halle des Gemeinde-Friedhoses in Britz, Chausseestrahe, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 202/17 Der Vorstand. Verband d. baugewerblichen Hilfsarbeiter Deutschlands. Zweigverein Berlin u. Umgegend. Bezirk Rixdorf-Brttz. Todcn- Anzeljce. Am Sonntag, den 17. April, verstarb nach langem Leiden unser langjähriges, treues Mitglied, der Kollege 29/19 Alois Sandmann. Ehre feinem Andenken! Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 20. April, nach- mittags 5'/. Uhr, von der Leichen- Halle des Gemeinde-Friedhoses in Britz, Chausseestrahe, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht Der Zweigvereinsvorftand. Arbeiter-Kesangverein Dritt. Am Sonntag, den 17. April, entschlief sanft nach längeren Leiden unser werter SangeSbruder Alois Sandmann im Alter von 28 Jahren. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Mittwoch den 20. April, nachmittags Punkt b'/, Uhr, von der Leichen- Halle des Britzer Gemeinde-Kirch- Hofes, Chausseestrahe, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 1748B Der Vorstand. Bixdorf. Am 16. d. R. verstarb unser MUglied Charlotte Schubert geb. Ooldbach (2. Bezirk). Ehre ihrem Andenke« k Die Beerdigung findet beute nachmittag S Uhr von der Halle des neuen Rixdorfer Friedhofes (Mariendorser Weg) auS statt. Um rege BeteUigung ersucht 234/18 Der Vorstand. Verband deutscher Textilarbeiter. Filiale Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, dah unsere Kollegin, die Stickerin cirarlolle Schubert am 16. April starben ist. Ehre ihrem Audenke«! Die Beerdigung findet am Dienstag, den 19. April, nach- mittags 5 Uhr, von der Leichen- Halle des Nirdorser Friedhofes, Mar«...-dorfer Weg, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 197/6 llle Ortsverwaltung. Zemral-Wand der Maurer Oeotseblaiids. Zweigverein Berlin. Sektion der Putzer. Unseren sowie den Mitgliedern deS Gesangvereins der Putzer hiermit zur Nachricht, daß unser Mitglied Karl Wendland am Sonnabend, den 16. d. MtS., im Alter von 46 Jahren ver- starben ist. Ehreseinem Andenken! Die Beerdigung findet heute (Dienstag) nachnrittagS 5 Uhr, von der Halle des neuen Schöne- berger Friedhofes(Blanke Hölle) aus statt(Fahrt bis Ningbahu- hos Papestrahe.) 133/9 Um rege Beteiligung ersucht Die irtliche Verwaltung. Terhand der Boeli- nDd Steiudruckerei-Hilfsarlieiter u. iriieiterinuen Deutsehiands. Ortsverwaltung Berlin. Am 17. d. MtS. starb nach langen, schweren Leiden unser Mitglied und Kollege Msx Scholz. Ein ehrendes Andenken bewahrt ihm die Zahlstelle Berlin. 27/8 Die Orisverwaltung. Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 20. d. MtS., nachm. 5 Uhr, aus dem Neuen Jakobi- Kirch hos in Rixdors statt. üsarbeiter Deutschlands. Zweigverein Berlin u. Umgegend. (Bezirk Schönhauser Vorstadt.) » o Ii r u k. Am 15. April verstarb unser Mitglied, der Kollege Lrnst Frenzel. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung hat gestern stattgesunden. Ferner verstarb am 15. April unser Kollege Ferdinand Block (Bezirk Wilmersdorf). Ehre seinem Andenke«! Die Beerdigung hat Sonntag, den 17. April, stattgefunden. 29/18 Oer Zweigvereinsvorstand. DsuKsaxuiix. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme nnd die zahlreichen Kranz- spenden bei der Beerdigung meines lieben Mannes und Vaters sagen wir hiermit allen Verwandten und Be» kannten sowie sümlichem Personal der Firma Paul Baschwitz, Seidelstrahe, und den Genossen deS III. Berliner Reichstags- Wahlkreises, Bezirk 253, unseren innigsten Dank. 1739b üna und Willi Gräber. Danksagung. Nur aus diesem Wege ist eS unS möglich, für die un» anläßlich unserer silbernen Hochzeit, sowie der Konfirmation unserer Tochter Ella so zahlreich erwiesenen Aufmerksamkeiten unseren allerherzlichsten Dank auS- zusprechen. 1738b Grünau, den 16 April 1910. Familie Lindenhayn, Gruna». Danksagung. Für die Beweise herzlicher Teil- nähme bei der Beerdigung meines lieben Manne» und unseres guten VaterS unseren herzlichsten Dank. Mftrlö Müller nebst Kindern, _ Jablonskistrabe 11._ Danksagung. Für die vielen Beweise berzlicher Teilnahme, sowie für die zahlreichen Kranzspenden bei der Beerdigung unseres lieben Sohnes und Bruder» Richard Petratz sagen wir allen Freunden und ve- kannten, insbesondere den Mitgliedern deS Deutschen TranSportarbeiler-Ber- bandes sowie dem Personal der Firma Gebr. Weidner unseren herzlichste» Dank. 51942 Hermann Petratz ntSftffii&unb erür die vielen Beweise herzlicher lj Testnahme und Kranzspenden bei der Beerdigung unseres lieben SohneS, BruderS und Bräutigam» Hermann Riemer] sagen wir allen, die ihm die letzte Ehre erwiesen haben, unseren herz- lichsten Dank. 51912 Die trauernden iiinterdliedonen. üt die vielen Beweise herzlicher Teilnahme, die unS beim Heinigange meines lieben ManneS, unseres guten VaterS dargebracht worden sind, sagen wir allen, insbesondere den Herren Kollegen und Beamten der Firma A. Borfig(Tegel), unseren herz- lichsten Dank. Albertine Warstat und Kinder. Dr. Simmei Spezial-Arzt* für Haut- und Harnleiden. Prlnzenslr. 41, mokÄ 10—2, 5— 7. Sonntags 10— 12. 2—4. Husten 5500 not. begl. Zeugnisse über K akpf'e Brost» Caramclien halocl"beweisenden vorzüglich. Erfolg bei Husten, Heiserkeil, Keuchhusten eto. Aerztl. erprobt. Paket 30 Pf. Dafür aus anderen Rücksichten als angeblich, besser" Angebotenes weise energisch zurück. 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Menonterstiitzuiigs- nnd Begrätröereiii geverbl. Melier zu Berlin. Sonnabend, den 23. April, abends 8»/, Uhr, in den Llrminhallen, Kom- mandantenstratze 58/59: General-Versammlung Tagesordnung: 1. Vortrag. 2. Kassenbericht pro I. Quartal 1910. 8. Verschiedene». Einem regen Besuch— auch Gäste— sieht entgegen Der Vorstand. 285/5 I. A.: Friedrich Freudenreich, Vors., _ Wissmannstr, 30, II. Klkmeu- nttb Krambinbkrtl von Roberl Meyer,' not Mariaiiiitll-Zlraße 2. Dr. Schünematin Spezlalarzt für Haut- und Harnleiden, Frauenkrankheiten,* Frtedrichstr. 203. Ecke schützenstr. Wochentags 10—2, 5—7. Schneiderei tdr elegante Herren- u. Knaben- Garderobe. Fertig und Bach Wies.— Garantie ttlr tadellosen Sita und beste Verarbeitung. A.ul Teilmlilw Vroebenrato tos IHK.. J.Knrzberg RossnlhaleisMO direkt am Hacke- ecben Harkt, Im 1. Et Laden n.' Blaee. Lotterie r— Ziehung 11. u,t2. Mai— Berliner Arbeitsstätten- Geiamtbetrag du Qtw. 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