Dr. 91. RbonnementS'Redingungen: Abonnements- Preis pränumerando i Kierteljährl. Z,Z0 Ntk., monall. I.IV Mb. wöchentlich 28 Pfg. frei ins HauS. Einzelne illummer 5 Pfg. Sonntags- nummer mit illustrierter Sonntags- Beilage.Die Neue Welt" lv Pfg. Post. iitbonncment: I.lll Mark pro Monat. Eingetragen in die Post-ZeitungS- Preisliste. Unter Kreuzband für DeMschland und Oesterreich- Ungarn 2 Mark, für dos übrige Ausland L Mark pro Monat. Postabonnements nehmen an: Belgien, Dänemark, Holland. Italien, Luxemburg. Portugal, Kumänien, Schweden und die Schweiz, 27. Jahr«. vlchkllit täglich äilliek fflontägs. Berliner Volksblnlt. Die TnSertions» Gebühr ksträgt für die sechsgespaltene Kolonel- geile oder deren Raum W Pfg., für politische und gewerkschaftliche Vereins- und VsrsammIilngS-Anzeigcn SO Pfg. „Kleine Hnrelgen", das erste sfett- pedruiktel Wort 20 Pfg., jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlaf- Pcllen-Anzcigcn das erste Wort 10 Psg., jedes weitere Wort 6 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwet Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis SUhrnachmittagsinder Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet, Telegramm-Adresse: „?oÄ»>iltli>ol!M ncrlia". Zentratorgan der Ibzialdemohrati leben parte» Deutfebtands. Redaktion j SM. 68, Linden Strasse 69» Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Mittwoch, den£0. April 1910. Expedition: SM. 68, Lindcnstrassc 69» Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1981. Stille Nahlev. Paris, 17. April.(Gig. Ber.) Es war vorauszusehen, daß die diesjährigen Kammer Wahlen keine starken Leidenschaften aufrühren würden. Die günstige wirtschaftliche Konjunktur, namentlich einige gute Jahre in der Agrikultur wirken politischen Erregungen in den Massen der kleinen Besitzer entgegen. Auch wirkt die Macht des Bestehenden zu sehr, als daß der Kampf gegen die republikanische Staatsform, mag er auch in neuerer Zeit von einer seltsamen Gruppe von feudalen Skandalbrüdern und anmaßenden Literaten in einem heftigen Stil betrieben werden, in normalen Zeitläuften eine Aussicht haben sollte. Auf der anderen Seite schließt die Zerfahrenheit der franzö fischen Arbeiterbewegung einen alle Klassen aufrüttelnden Ansturm des Proletariats zur Eroberung der politischen Macht aus. Aber dennoch— die vollständige Teilnahmlosig keit, die das Kennzeichen dieser Wahlperiode ist, übertrifft alle Vermutungen. Am nächsten Sonntag soll Frankreich seine Gesetzgeber wählen, aber jede Moritat aus der„Gesell schaft", die die Sensationsblätter zu melden wissen, scheint die Bürger mehr zu interessieren. Und diese Stumpfheit der Wähler ist nicht nur auf das oberflächliche, nach neuen Nervenaufpeitschungen gierige Paris beschränkt. Auch aus der Provinz hört man es bestätigt, daß die Wählerversamm lungen nicht so zahlreich wie sonst, daß sie nicht stark besucht und daß sie stimmungslos sind. Es fehlt nicht etwa an Kan didaten. Besonders der Beschluß der Radikalen, überall nur einen Kandidaten aufzustellen, scheint wenig Befolgung ge funden zu haben. Jedoch von einem Kampf, worin politische Ideen zunt Ausdruck kommen und entscheiden würden, ist nicht die Rede. Wo liegen die Ursachen dieser unter der dritten Repu- blik noch nicht gesehenen Apathie? Sicher nicht in einer massenhaften Abkehr von der Republik selbst. Wenn die Leute der„Action Franeaise" die voraussichtlichen zahlreichen Wahlenthaltungen als Protest gegen das allgemeine Stimm- recht und gegen die auf dieses gegründete Staatsform buchen wollen, so ist das ein ebenso willkürliches Verfahren, wie wenn sich die revolutionären AntiParlamentarier, die jetzt den Wahlkampf der Partei in einigen Wahlkreisen böswillig er- schweren, vorbereiten, die Zahl der Enthaltungen als ihren Erfolg auszuschreien. Wohl aber drückt die Gleichgültigkeit der Wähler die Erkenntnis aus, daß der bürgerliche Parlamentarismus fertig ist, daß er seine Fähig- keit, den Staatsapparat im Interesse der Bourgeoisie zu handhaben, eingebüßt hat und seine Regentenrolle in der immer heftiger vom Klassenkampf erschütterten Gesellschaft an besser angepaßte, geschmeidigere und gewalttätigere Fak- toren abgeben muß. Dieser Auflösungsprozeß ist in der verflossenen Legis- laturperiode eingeschlossen. Sie hat das Parlament nicht nur in seiner Unfähigkeit, Gesetze zu machen, gezeigt, sondern auch die Sinnlosigkeit der alten Parteiformationen offenbart. Sie hat endlich an die Stelle der parlamentarischen Majori- tätsregierungen Regierungen gesetzt, die keine Auslese aus der Majorität mehr waren und die sich wechselnde Gelegen- heitsmehrheiten zu schaffen wußten. Die Wahlen von 1906 hatten der radikalen Partei die absolute Mehrheit verschafft und sie war vor die Aufgabe gestellt, ihr umfassendes Reformprogramm, das ungefähr mit den„Gegenwartsforderungen" der sozialistischen Parteien übereinstimmt, auszuführen. Aber die innere Schwäche der neuen Majorität zeigte sich sofort. Das Wahlresultat hatte ein Sieg des„Combismus" über den„Clemencismus" ge- schienen, aber die durch die Achtstundenbewegung der Arbeits- konföderation erzeugte Panik genügte, um die bürgerliche Diktatur Clemenceaus der Unterstützung aller Radikalen mit Ausnahme des Flügels Pelletans zu versichern.„Gesell- schaftsrettung" war dann die Aufgabe, die die Ministerien Clemenceau und Briand in den Vordergrund stellten und mit unerhörten Blutopfern, mit der Konfiskation von Bürgerrechten und mit dem Ausbau des Polizeiabsolutismus besorgten. Der Reformkarren blieb tief im Dreck stecken. Tie alten radikalen Forderungen wurden entweder auf ein totes Glis geschoben oder von der Regierung ganz offen preisgegeben, wie z. B. die Abschaffung der Todesstrafe. Das einzige wirtschaftliche Gesetz von Bedeutung, die Verstaat- lichung der Westbahn, war unter der Hand zu einer unge- heuren Liebesgabe an die Aktionäre geworden, die einzige sozialpolitische Leistung, die Altersversicherung, ist die be- denkenlose Verpfuschung des von der vorletzten Kammer be- schlossenen Gesetzes. Auf der Strecke blieben die Reform der Kriegsgerichte wie die Einkommensteuer, das Beamten- statut und selbst das Gesetz zum Schutze der Laienschule. Der parlamentarische Apparat geriet in eine immerzu wachsende Desorganisation und fing erst unter den Aengsten der letzten Stunde zu laufen an. Nicht einmal so viel Klugheit haben die Deputierten besessen, der durch die Erhöhung der In- demnität provozierten Demagogie durch die Abschaffung der Bezirkswahl oder auch nur durch die Durchsetzung des Gesetzes gegen die Wahlkorruption entgegenzuwiri�n. Die Vermischung aller bürgerlichen Parteien bei den wichtigsten Abstimmungen hat den Wählern gezeigt, daß es im Grunde gleichgültig ist, welche politische Etikette bei den Wahlen den Sieg davon trägt. Und die jetzige Wahlagitation kann diese Meinung nur bestätigen. Die Wahlaufrufe der Radikalen und der— mehr rechts sitzenden— Demokraten sind kaum auseinanderzuhalten. Der einzige bemerkenswerte Unterschied, die Stellung zu den Sozialisten— die„Demo f loten" sind deren unbedingte Gegner, die Radikalen wollen nur die„AntiPatrioten" aus der republikanischen Familie ausschließen— läuft nur auf eine verschiedene Stichwahl Parole hinaus. Die Kandidaten der demokratischen Allianz lassen die„soziale Republik" ebenso hochleben wie die Radi- kalen die„Utopien" verdammen und die Verteidigung des Eigentums versprechen. Und die Programme der zahlreichen „unabhängigen", sämtlich eigentums- und ordnungsfreund- lichen,„wahrhast republikanischen", wahrhaft liberalen, wahr Haft sozialreformatorischen Kandidaten bilden einen ganz sachten Uebergang zu den Prinzipien der Progressisten, die nur noch Republikaner aus Konservatismus, Liberale aus Klerikalismus sind. Was Wunder, wenn die Wähler sich um keiner Partei- couleur willen mehr aufregen wollen und sofern sie vom Kandidaten keine persönliche Gefälligkeit zu erwirken haben, meinen, es laufe doch auf eins hinaus, wie der Herr heißt, der in der Kammer für die Vertrauensvoten stimmt. Der Tiefstand des politischen Interesses in diesem Wahlkampf zeigt sich in der Rolle, die die Frage der 15 000 Frank in den Wählerversammlungen spielt und in dem geringen Erfolg der von Angehörigen aller Parteien mit beredtem Eifer ein geleiteten Agitation für den Proporz. Das Bürgertum will vom Staate einen energischen Schutz seiner Profitinteressen und sieht diese bei einer starken realpolitischen Anpassungs- regierung besser gewahrt als bei einer souveränen Parka- mentsmehrheit, deren Angehörige teils aus Gründen des Wahlinteresses, teils aus ideologischen Motiven einen Hang zu sozialer Sentimentalität bewahren. Sie erwarten die direkte Aktion von oben, die man anders das per- sönliche Regiment nennt. Sicherlich ist das nicht die Stimmung des ganzen Landes. Besonders im Süden hat sich im Bauerntum eine demokratische Kerntruppe behauptet, die noch immer den Glauben an die Möglichkeit einer gegen den Klerikalismus wie gegen das Großkapital gerichteten radikalen Parlaments- Politik festhält. Aber es ist natürlich, daß der politische Nihilismus der kleinbürgerlichen Massen dort am stärksten ist, wo die Klassenbewegnng des Proletariats ihre heftigsten Formen angenommen hat. So hat die Wahlaktion der ge- einigten sozialistischen Partei diesmal mit gesteigerten Schwierigkeiten zu rechnen. Der kommende Sonntag wird zeigen, welche Kraft die Partei gegen sie und gegen andere, aus Desorganisationstendenzen innerhalb der Arbeiterklasse selbst geborene Hindernisse aufbieten kann. Die Minister können uns Sonft was! Wie wir bereits mitteilten, beschloß die Herrenhauskonimission, in da? Wahlgesetz die Bestimmung hineinzubringen, daß künftige Wahlreformen von den beiden Häusern des Landtags nur noch mit Zweidrittelmehrheit beschlossen werden können. Dazu wird heute noch die interessante Mitteilung gemacht, daß Herr v. Bethmann Hollweg selbst in der Kommission vor einem solchen Beschluß mit aller Entschiedenheit gewarnt habe. Die erlauchten und edlen Herren schlugen die Warnung jedoch in den Wind. Daß der preußische Ministerpräsident sich so lebhaft gegen diese neue reaktionäre Provokation wendete, erklärt sich schon auS seinem Wunsche, unter allen Umständen ein Wahlgesetz zustande zu bringen. Daß aber ein Gesetz, das mit der von der HerrenhauSkommisston beschlosienen Bestimmung verkoppelt wäre, im Abgeordnetenhause unniöglich auf Annahme rechnen könnte, darüber ist sich auch der Philosoph der gottgewollten Abhängigkeiten nicht einen Augenblick im Zweifell Die geborenen Gesetzgeber nahmen freilich auf die staatsmännischen Erwägungen des Ministerpräsidenten nicht die ge- ringste Rücksicht, sie verfuhren nach dem junkerlichen Motto deS Herrn Diest-Daber: Die Minister können uns sonst tvaS l Und nicht nur in diesem Punkte. Um den Nationalliberaken die blau-schwarze Bettelsuppe genießbar zu machen, bat Herr v. Beth- mann Hollweg darum, die Drittelungsbezirke recht groß zu machen. Die Kommission beließ es jedoch bei dem bereits im Abgeordneten- hause von den Konservativen angebotenen Kompromiß: sie beschloß, in Orten von 10 000— 20 000 Einwohnern die Drittelungsbezirke auf 1749— 3499; in Orten von mehr als 20 000 Einwohnern auf 3499—6249 Personen zu bemessen. DaS dürfte für das Zentrum zu viel und für die Nationalliberalen zu wenig sein! Schließlich beschloß die Kommission noch m Sachen der Maxi» mierung das folgende: „Uebersteigt die StaatSeinkommcnstener eines Wähler? die Summe von 3000 Mark(in den Beschliisien des Abgeordneten- Hauses war die Summe auf 6000 M. festgesetzt), in Gemeinden mit mehr als 20 000 Einwohnern die Summe von 6000 Mark (das Abgeordnetenhaus hatte 10 000 M. festgesetzt), so werden die überschießenden Staatssteuerbeträge nicht angerechnet." Wenn das Herrenhaus diesen Beschlüssen der Kommission beitritt, erscheint die Wahlreform allerdings aufs äußerste gefährdet. Polkei-fluskagen. AuS den Verhandlungen des Prozesses wider den Kutscher Lange und den Tischler Z y t t k 0 W S k i vor der achten Straf« kammer deS Landgerichts Berlin I, über den wir gestern schon summarisch berichteten, tragen wir heute noch das Folgende nach: Nach der Darstellung, die Polizeileutnant Altrogge als Zeuge gab, sind seine Beamten und er selbst in der ruhigsten und maßvollsten Weise gegen die aus einer Ferrer-Protest- Versammlung bei Keller kommende, durch die Adalbertstraße ziehende Menge vorgegangen. In der Presse sei behauptet worden, die Schutzleute seien mit hoch erhobenen Säbeln gegen die Menge vorgegangen. Das sei nicht wahr. Bon seinen Beamten habe nur ein einziger, der Schutzmann Müller, den Säbel gezogen, den er aber auf Befehl des Leutnants wieder habe einstecken müssen. Die Menge habe zum großen Teil aus Janhagel bestanden, es fei gejohlt und geschimpft worden, noch ehe die Polizei vorging, es seien auch— doch das weiß der Zeuge nur vom Hörensagen— Steine, Bierflaschen und andere Gegenstände aus den Fenstern nach deu Schutzleuten geworfen worden. Er selbst sei tätlich bedrängt worden. Ein Menschenknäuel habe ihn in die Mitte genommen und eine drohende Haltung gegen ihn eingenommen. Durch Arbeiter, die ibm auS dem Gcwerkschaftshause bekannt seien, sei er aus der bedrohlichen Situation befteit worden. Ein junger Bursche habe die Frechheit gehabt, ihm„Bluthund" ins Gesicht zu rufen. Den habe er dann ergriffen, geohrfeigt, wie in der Presse gesagt worden sei, habe er niemand. Sechs Beamte seien durch Steinwiirfe der- letzt worden, einer sei infolgedessen mehrere Wochen krank gewesen. Einiges von den Angaben des PolizeileuwantS Altrogge wurde auch von anderen Zeugen bestätigt. So will ein Zeuge K 0 I b e r g am Fenster seiner Wohnung in der Adalbcrtstraße gesehen haben, wie Polizeilcutnant Altrogge von einem Menschenlnäucl bedrängt wurde.— Flcischbeschauer Glöckner sagte: Die Beamten hätten mit Ruhe die Leute zurückgedrängt. Als ein Mann abgeführt wurde, sei aus der Menge gerufen worden: Haut die Schufte, die Blut- Hunde, stecht sie über den Haufen! Eine Reihe anderer Zeugen gab dagegen ein wesentlich anderes Bild von dem Verhalten der Polizeibeamten. S a s s e n b a ch be« kündete, daß die Polizei den Hof des Gewerkschaftshauses, der ein Teil des Restaurationskokals ist, räumen wollte. Er fragte den Polizeileutnant Altrogge, ob er denn das Recht zu haben glaube, gegen den Wille» des Hausverwalters so vorzugehen. Polizeilcutnant Altrogge habe das bejaht, habe aber doch von der Räumung Abstand genommen. Die Frage: ob Polizeileutnant Altrogge ruhig imd kalt- blutig gewesen sei, beantwortete S a s s e n b a ch mit den Worten: Ich kenne den Herrn Polizeileuinant seit vielen Jahren als taktvollen Beamten. Bei dieser Gelegenheit aber war er so aufgeregt, wie ich ihn noch nie gesehen habe. Zeuge Joseph stand an einer Haltestelle der Straßenbahn. Ein Schutzmann forderte ihn auf, fortzugehen. Als er einwandte, er warte auf die Straßenbahn, habe ihn der Schutzmann fortgezerrt. Ein Polizeileutnant habe ihn an die Brust gepackt und derart ge- schüttelt, daß dem Zeugen die Knöpfe vom Rock sprangen. Danach habe er noch einen Stoß bekommen. Zeuge T r ii b k e r bekundet, als er in der Tür seines Grünkram- kellers stand, sei er von einem Beamten— von welchem weiß er nicht— gestoßen worden, so daß er rückwärts die Treppe hinunterfiel. Fabrikbesitzer Arndt sah in der Köpenicker Straße auf dem Damm einen Schutzmann mit wutverzerrtem Gesicht stehen, der mit dem Säbel fuchtelte, dann auf eine etwa 30 Schritt entfernte, fliehende Person losstürzte und einen wuchtige» Hieb nach der Person führte. Die Person wich aus und der Schutzmann wurde infolge- dessen durch die Wucht deSHicbes noch einige Schritte vorwärts getrieben. Zeuge Fischer hat gesehen, daß berittene Schutzleute die Menge attackierten und Leute, die vor ihnen geflohen waren, auS den Häusern holten. DieS Urteil, das wir gestern schon mitteilten und das die Strafe der Vorinstanz erheblich verschärfte, stützt sich, wie viele andere. lediglich auf die mit großer Sicherheit abgegebenen Aussagen von Polizeibeamten. Und doch hat dieser Prozeß bewiesen, daß nian aus der Sicherheit, mit der Polizeibeamte in der Regel ihre Aus« sagen zu machen pflegen, keineswegs die objektive Wahrheit solcher Aussagen für erwiesen ansehen darf. Das hat uns in diesem Falle die ebenfalls mir sehr großer Bestimmtheit abgegebene AuS- sage des Polizeileutnants Altrogge bewiesen. Wir zweifeln keinen Augenblick, daß er seine Aussage in gutem Glauben gemacht hat. Dennoch ist sie in mehreren wesentlichen Punkten objektiv unwahr. Ueber die hier in Rede stehenden Vorgänge in der Adalbertstraße haben wir am 19. Oktober v. I. einen ausführlichen Bericht auf Grund eigener Beobachtung gebracht. Polizeileutnant Altrogge irrt, wenn er behauptet, nur einer von feinen Schutzleuten hat den Säbel gezogen. Wir haben gesehen, daß die Menge, zum Auseinandergehen aufgefordert, zurückwich. Als zwischen ihr und der Schutzmannskette schon ein Raum von der Breite mehrerer Säuserfronten war, rannten 6—8 Schutzleute zu Fuß mit gezogenen äbcln hinter der Menge her. Die Schutzleute hieben mit Fäusten und Säbelgriffrn von hinten auf die Fliehenden und warfen einige zu Boden. Daß diese Tatsache dem Polizeileutnant Altrogge entgangen ist, zeugt nicht dafür, daß er imstande wäre, zutreffende Beobachtungen qu machen. Wenn Polizeileutnant Altrogge behaupttt, er habe niemand geschlagen, so hat ihn sein Gedächtnis hier vi äg im Stich gelassen. Wir haben gesehen, daß er einem Mann, der 4» der Bordschwelle stand— weshalb wissen wir nicht— zwei kräftige Schläge an den Kopf versetzte. Daß Herr Altrogge sich auf wenige Augenblicke in einem Menschenknäuel befand, ist richtig. Daß diese Menschen ihn anzugreifen Miene machten, ist dagegen ein Irrtum. ES war nach dem eben erwähnten Vorfall, als einige Leute den Polizeileutnant umringten und auf ihn einredeten. Der Menfchenknänel teilte sich aber und ließ den Polizeilcutnant un» gehindert durch, sobald dieser den Versuch machte, weiterzugehen.— Wenn schon die gewiß in gutem Glauben gemachten Angaben eines Polizeileutnants den objektiven Tatsachen so sehr widersprechen, waS kann man dann auf die Beobachtungen und Bekundungen einsacher Schutzleute geben._ Der Polizeipräsident vor dem(Bezirks- SllSikhllK. Gestern verhandelte der Bezirksausschuß dc? Stadtkreises Verlin die Klage, welche Genosse Ernst gegen die Verfügung des Polizeipräsidenten angestrengt hat, durch welche die nachgesuchte Genehmigung zur Abhaltung von Versammlungen unter freiem Kimtyel und öffentlichen Nufzuge« am 6. Mär» versagt worden ist. Die AeriiandluNg drehte sich lediglich um die Nechtsfragc: Steht die angesochtcne Verfügung des Polizeipräsidenten ,mt dem § 7 des Reichsdereinsgesetzes in Einllang? Dieser bestimmt, daß die Äcnehmignug zur Abhaltung von Versammlungen unier freiem Himmel nur dann versagt werden darf,„wenn aus der Ab. Haltung der Versammlung oder der Veranstaltung des Aufzuges Gefahr für die öffentliche Sicherheit zu be- fürchten ist". Rechtsanwalt Dr. Heinemann, der den Kläger bertrat, führte unter andereni aus: Der Polizeipräsident habe die Versagung der Genehmigung nur durch allgemeine Sentiments zu begründen versucht. Tatsachen, welche feine Annahme, die ösfentlicfy: Sicherheit könne gefährdet werden, rechtfertigen könnten, lägen nicht vor. Der Polizeipräsident verweise darauf, daß am lg. Februar öffentliche Aufzüge ohne seine Genehmigung statt- gefunden haben. Das möge ein Grund sein, die Veranstalter dieser Aufzüge wegen Uebertretung des Vereinsgesehes zur Rechenschaft zu ziehen, aber ein Grund, die Abhaltung von Versammlungen unter freiem Himmel am 6. März zu untersagen, sei es nicht. Man könne doch nicht folgern, die Leute, welche vielleicht am 13. Februar das Vereinsgesetz übertreten haben, würden am V. März die öffentliche Sicherheit gefährden. Ter Polizeipräsident habe auch behauptet, bei dem Zuge nach dem Humboldthain am >13. Februar seien Gewalttätigkeiten vorgekommen. Das sei nicht richtig. Allerdings habe an jenem Tage, lange nach Schluß der Demonstration im Huinboldthain ein Zusammenstoß einer Menschen- menge mit Schutzleuten in der Karlstraße stattgefunden. Gewalt- tätigkeiten habe die Menge aber nicht verübt, sondern nur ge- schimpft. Tie Personen, welche an diesem Vorkommnis beteiligt waren, hätten außerdem nicht zu den Demonstranten gehört. Der Kläger sei der Meinung, daß diese Personen unter dem Einfluß von Polizeiagenten gehandelt haben. Daß diese Annahme begründet sei, das beweise ein Urteil des Landgerichts vom Januar 1S03, worin yesagt wird, die Angeklagten hätten behauptet, daß sich Kriminalbeamte im Zuge befanden und die Menge zu Gewalt- tätigkeiten aufreizten. Manches spreche für! diese Behauptung der Angeklagten, doch sei sie nicht'schlüssig erwiesen. Anstatt der nicht genehmigten Versammlung habe am '6. März die Demonstratio» im Tiergarten statt- gefunden. Diese sowohl wie auch die Züge nach dem Tiergarten seien ohne jede Störung der öffentlichen Sicherheit durch die Demonstranten verlaufen. Das sei bedeutungsvoll um deswegen, weil diefe Demonstration die Antwort gewesen sei auf das zu Un- recht erfolgte Verbot der Versammlungen unter freiem Himmel. Selbst die gänzlich unmotivierte scharfe Attacke, welche die Schutz- >leute i»i Tiergarten gegen die Demonstranten ritten, habe diese nicht so in Erregung gebracht, daß sie die ösfentliche Sicherheit zu gefährden geneigt gewesen wären. Auch bei den mit Polizei« kicher Genehmigung am 1 0. A p r i l veranstalteten Demonstrationen sei alles in größter Ordnung verlaufen. Wenn man das alles be° rücksichtige, inüsie man sagen, daß keine Tatsachen vorlagen, aus denen der Polizeipräsident hätte folgern können, daß am(5. März die öffentliche Sicherheit durch Versammlungen unter freiem Himmel gefährdet gewesen sei.— Nachdem nun der Polizeipräsident die Versammlungen am 13. April genehmigt habe, könne nicht mehr gesagt werden, daß sein früheres Verhalten dem Gesetz cnt- sprachen habe. Der Vertreter des Polizeipräsidenten, Negierungsrat Markgraf, bestritt, daß der Polizeiprädent .seine Verfügung nur mit Sentiments begründet habe. Auch sei es nicht richtig, daß der Polizeipräsident bei Nachsuchung der Genehmigung zum 6. März erklärt habe, er werde grundsätzlich solche Veranstaltungen nicht ge- nehmigen. Weder unter dem preußischen noch unter dein Reichs« Vereinsgesetz sei bis dahin eine Genehmigung zur Abhaltung von Versammlungen unter freiem Himmel und Aufzügen nachgesucht worden. Es sei ein Novum gewesen, als der Kläger mit seinem Gesuch an den Polizeipräsidenten herantrat. Es habe also sehr überlegt werden müssen, ob die Genehinigung zu erteilen sei. Schon die bloße Ansammlung von großen Menichenmassen bringe Gefahr mit sich. Der Vertreter berief sich in dieser Hinsicht auf einige sehr weit zurückliegende Vorgänge, die mit dem Vereins- gesetz nichts zu tun haben. Er griff zurück bis zu einem Vorfall im Jahre 18/2, wo bei der D r e i ka i s e r- Z u sa m m e n k u n f t in der schaulustigen Menge bor dem Schlosse einige Personen er- drückt wurden. Ferner verwies er auf Ausschreitungen, die in den Jahren 1891 und 1893 nach Arbeitslosenversammlungen vorkamen und schließlich zog er die bekannten Vorgänge am Tage beS Einzuges deS Königs von England im Jahre 1997 heran, wo Arbeitslose in den Straßen einige Ausschreitungen begingen, die damals zwar von der Polizei stark ausgebansckt, vor Gericht aber als nicht sehr erheblich festgestellt �ourden. EL scheint, daß dies die Tatsachen sein sollen, die dew Polizeipräsidenten Anlaß zu der Befürchtung �aben, es könne die öLentliche Sicherheit gestört werden, wenn die Sozialdemokratie am v. Mörz 1910 Ver« sammlungcn unter freiem Himmel abhalten dürfe. Schließlich bc- hauptcte der Vertreter deS Polizeipräsidenten noch, vor dem 0. März sei es nicht so ruhig gewesen, daß die nachgesuchte Genehmigung hätte erteilt werden können. Damals hätte es nur eines kleinen Anreizes bedurft, um Exzesse zu veranlassen. NechtSanivalt Heinemann erwiderte: Die vom Vertreter des Polizeipräsidenten angeführten früheren Vorgänge seien für den vorliegenden Fall bedeutungslos. Weder die Vorfälle bei einem Hoffest, noch die Ereignisse nach den Arbeitslosenversammlungen km Jahre 1894. die von einem Manne einberufen wurden, der, wie nachgewiesen, mit der Polizei in Verbindung st and. könnten von Bedeutung sein für die Beurteilung dessen, was sich anläßlich einer sozialdemokratischen Versamlmung im Jahre 1919 zutrogen würde. DaS Urteil des Bezirksausschusses erging dahin: Die angefochtene Verfügung des Polizeipräsidenten verstößt nicht gegen ß 7 des ReichSvercins- gesetzeS. Die tatsächlichen Verhältnisse, welche vor dem 6. März bestanden, rechtfertigten die Verfügung. Die Klage wird deshalb auf Kosten des Klägers abgewiesen.— Die Begründung des Urteils schließt sich im wesentlichen den Ausführungen des Vertreters des Polizeipräsidenten an und betont, daß Vorgänge, die sich nach dem 6. März abgespielt haben, nicht zur Begründung der Klage geltend gemacht werden können. Nur was vor dem 6. März geschehen sei, könne als Begründung in Frage kommen. »* • Vor dem OberverwaltimgSgericht kann dies Urteil unmöglich standhalten. Von einer Gefahr für die öffentliche Sicherheit kann nicht die Rede sein. DaS ergibt sich ja schon aus den Darlegungen deS Negierungsrats Markgraf, der allerlei mit dem Wahlrechtskampf in keinerlei Beziehungen stehende Dinge anS einem Menschenalter rückwärts zusammensuchte, um der Verweigerung der Genehmigung den Schein «iner Berechtigung zu geben. Der feinste objektive Beobachter dürfte irgend einen Zusammenhang der GenehmigungSversagung für die sozialdemokratische Demonstration mit dem Erdrücktwerden von Hurrapatrioten bei Gelegenheit der Dreikaiserzusammenkunft und mit den anderen Dingen, die rückwärts bis zum Jahre 1872 an- geführt wurden, schwerlich herausfinden können. Heiter mutet eS an, daß die Polizei zu ihrer Rechtfertigung gar auf die Unruhen hin- gewiesen hat, die aus Anlaß der Arbeitslosenversammlung im Jahre 1894 durch die Polizei hervorgerufen sind. Mit Polizeigeld rief damals Brand, ein im Dienste der Polizei stehendes In- dividuum, die Versammlung ein. Und unter die Menge wurden Polizeibeamte in schlechter Zivilkleidung gemischt, die aus harmlose Leute loShleben, um, wie gerichtlich festgestellt wurde, Verwirrung hervorzurufen. Dabei trafen die ftriminalschutzleute auch manchen ihrer Kollegen— schade um jeden Hiev, der da vorbeiging—, weil sie sie nicht erkamilen. Und daS wird zur Begründung deZ b. Jagow- Erlasses angeführt! Unter dem alt-preußischen Vereinsgesetz war eine öffentliche Ver- sammlung in der Residenz und ihrer nächsten Umgebung überhaupt unmöglich. Die Veränderung der Rechtsverhältnisse mag für Beamte, die sich von Altein gelobtem nicht lossagen können, etwas schwierig sein, aber verlangt werden muß doch, daß der Respekt vor einem Reichsgesetz so weit geht, daß es seinem Wortlaut und In- halt nach angewendet wird. Der Reichstag hat ausdrücklich ge- strichen, daß schon die Befürchtung einer Gefahr für die öffentliche Ordnung zur Versagung der Genehmigung berechtigen solle. Und nichts darüber Hinausgehendes ist im Urteil angeführt. Nach dem Gesetz aber muß eine Gefahr für die öffentliche Sicher- h e i t aus der Veranstaltung des Aufzuges oder aus der Abhaltung der Versammlung zu befürchten sein, salls die Genehmigung versagt werden darf. Diese Furcht muß durch Tatsachen begründet werden. An Stelle dessen hat der Bezirksausschuß die gesamte politische Situation, also die aus ihr gefolgerte Furcht der Konservativen gesetzt. Oeffentliche Sicherheit und Konservative sind doch keineswegs identisch. Eine Gefahr für die Konservativen bedeutet nichts weniger als eine Gefahr für die öffentliche Sicherheit. Nichtig ist, daß die Konservatiben eine Gefahr für sie anS den Wahlrechts» kundgebungen befürchteten. Diese Furcht beruht auf dem bösen Ge- wissen der Konservativen. Der Rechtsweg im Vereinsgesetz ist aber nicht gegeben, um diese in Schutz zu nehmen, sondern um den Weg für die frei zu geben, die auf Beseitigung der Ursachen hinzielen, welche daS böse Gewissen der Konservativen hervorrufen. Die Be- gründung des Bezirksausschusses enthält lediglich politische Er- wägimgen. die einem Gerichtsurteil fern bleiben sollten. poUtifebe OcbcrHcbt. Berlin, den 19. April 1910. Fortsetzung der Reichsversicherungsdebatte. A u s d e m R e i ch s t a g. 19. April. Die Debatte über die Reichsversicherungsordnung wurde fortgesetzt. Für die Polen erklärte Herr K u l e r s k i, daß seine Partei gleichfalls keinen Grund für die Einführung der Halbierung der Beiträge und der Verwaltung der Krankenkassen zwischen Arbeitern und Unternehmern entdecken könne. Er wies auch darauf hin, daß sogar viele Unternehmer sich gegen eine solche Vorkehrung ausgesprochen haben. Auch der Zentrumsabgeordnete Becker- Arnsberg, einer der christ- lichen Gewerkschaftsführer, betonte schärfer als sein Partei- Senosse Spahn, daß er für die geplante Entrechtung der Ar- ekker in den Krankenkassen nicht zu haben sei. Dann glaubte Herr Becker aber auch noch die Molkenbuhrsche Kritik an der Witwen- und Waisenpolitik des Zentrums entkräften zu können. Dabei entfuhr ihm dann das Eingeständnis, daß seine Partei ganz ohne Rücksicht auf das Schicksal der Witwen- und Waisen- Versicherung oder der sogenannten Lex Trimborn dennoch für die Zollgesetze des Jahres 1902 ein- getreten sein würde, weil sie diese Zoll- Politik an sich für eine wirtschaftliche Notwendigkeit halte. Damit ist denn endgültig der auch von Herrn Mugdan wieder ausgesprochenen Legende ein Ende gemacht. als ob durch Ablehnung der Lex Trimborn durch die Sozialdemokratie das Zentrum zur Ablehnung des ganzen Zolltarifs hätte ver- anlaßt werden können. Der nationalliberale Dr. Arning, von Beruf selber Arzt, ließ sich in seiner Rede dann besonders die Verteidigung der freien Arztwahl bei den Krankenkassen angelegen sein, bei welcher Gelegenheit er mit großem Eifer für das Koalitionsrecht der Aerzte sich ins Zeug legte. Schade nur. daß seine Partei für das Koalitionsrecht der Arbeiter keineswegs sich erwärmt. Um 6 Uhr wurde die Debatte auf Mittwoch vertagt._ Zahlenjongleure. Der zahlenmäßige Nachweis, wie stieftnütterlich das Schulwesen in Preußen im Vergleich zur Kirche behandelt wird, den unser Genosse Hoffmann im Abgeordnetenhause erbracht hat. ist der Re- gierung und den herrschenden Parteien höchst unangenehm. Da sie aber die Richtigkeit der Zahlen selbst nicht bestreiten können, suchen sie durch allerhand Joiigleurkunststücke daS Volk über die Wahrheit zu täuschen. Den Anfang damit machte in der Sitzung deS Abgeordnetenhauses am Dienstag der konservative Abgeordnete Winckler, der sich mit einigen witzig sein sollenden Rede« Wendungen über die Zahlen hinwegsetzte. Ihm folgte der KnltuS- minister v. Trott zu Solz, der getreu dem Grundsatz:»Eins, zwei, drei, Geschwindigkeit ist keine Hexerei" von den Ausgaben für die hohe Geistlichkeit die nahezu IS Millionen für Besoldungsverbesserungen abzieht und in dem Gefühl ministerieller Selbst- Herrlichkeit und in dem Bewußtsein eines Zauberkünstlers sieges- bewußt fragt, wo denn die Steigerung der Ausgaben für die Kirche ist. DaS Publikum, die konservativ-klerikale Landtagsmehrheit, brüllt ihm Beifall und macht sich lustig über den sozialdemo« kratischen Redner, der scheinbar eine Niederlage erlitten, aber in Wirklichleit recht behalten hat. Mit solchenMittelnglaubt man dic sozial- demokratischen Anklagen widerlegen zu können. Anne Regierung! Armer schwarzblauer Block! WeS' Geistes Kind insbesondere der neue Kultusminister ist, zeigt seine Bemerkung, daß gerade diejenigen Klassen, die hauptsächlich ihre Kinder in die Volksschulen schicken, nichts oder nur sehr wenig zu den direkten Steuern beitragen. Eine Erividernng an dieser Stelle erübrigt sich, dazu wird sich wo anders besser Gelegenheit bieten. Im übrigen bewegte sich die Generaldebatte zum KultuSetat ganz in den alten, abgetretenen Gleisen. Konservative und Zentrum betonten einmal über daS andere, daß für sie der Religionsunter» richt die Hauptsache bleibt, der Minister pflichtete ihnen natürlich bei. Zwischendurch brachte der Däne Nissen leider nur allzu berechtigte Beschwerden auS der Nordmark zur Sprache, wo die Erteilung des Religionsunterrichts in dänischer Sprache verboten ist; der Minister wies die Klagen natürlich zurück. So wiederholt sich Jahr für Jahr dasselbe Trauerspiel, und es wird auch nicht anders werden, bevor nicht die konservativ-klerikale Herrschaft gebrochen ist. Bemerkenswert ist die Mitteilung des Ministers, daß jetzt endlich die Medizinalabteilung vom Kultusministerium abgetrennt und dem Ministerium deS Innern angegliedert werden fall. Zum Schluß begann das Haus noch die Beratung deS Kapitels ,Elementar-Unterrichtswesen",> vertagte aber die Debatte schon kurz nach ihrer Eröffnung._ Die Reichstagsdispofitionen. Im heutigen Seniorenkonvent berichtete der Reichstags- Präsident von seinen Besprechungen mit dem Reichskanzler über die großen Sommerferien des Reichstages und die Gesetzentwürfe, die vor Eintritt der großen Ferien noch erledigt werden sollen. Der Reichölanzler ist offenbar sehr wenig davon erbaut, daß der Reichstag einmütig den Eintritt der großen Ferien vom HimmelfahrtLtag an wünscht,« findet, daß das Pensum der Gesetzentwürfe, da» un- erledigt bleibe, ein zu großes sei. Bor allen Dingen wünscht er. daß der Reichstag noch den Kaligesetzentwurf, die Entwürfe über die Zuwachssteuer, die Berner Konvention, den schwedischen Handelsvertrag, die Abänderung des Reichs schuldbucheS, die Ausgaben für Süd- We st- Afrika und den Entwurf zur Entlastung des Reichsgerichts erledige. Im Seniorenkonvent war man ein- st i m m i g der Ansicht, daß der letztere Gesetzentwurf in Anbetracht der großen Bedenken, die gegen denselben vorhanden seien, kaum vor dem Herbst erledigt werden könne. Die übrigen Gesetz- entwürfe glaubte man noch durchberaten zu können, falls die Kommissionen rechtzeitig mit ihren Arbeiten fertig würden. Um den Kommissionen ihre Arbeit zu erleichtern, sollen nach Beendigung der ersten Lesung der Reichsversicherungsordnung die Plenarverhandlungen wieder um 1 Uhr statt wie bisher um 12 Uhr beginnen. Weiter hofft man noch das Stellenvermittelungsgesetz und einige andere Gesetzentiollrfe bis zum Eintritt der Ferien fertigstellen zu können. Der Reichskanzler ist damit einverstanden, daß die Kommissionen für die Reichsversicherungsordnung und für die Justizgesetze den Sommer über tagen und daß eine Vorlage wegen Ersatz der Unkosten der Kommissionsmitglieder ein- gebracht werde. Nach Abschluß der ersten Lesung der Reichsversicherungsordnung sollen die Wahlprüfungen und der Initiativantrag über die Veteranenbeihilfe erledigt werden. Der Reichskanzler ist bereit, den Reichstag zum S. November wieder einzuberufen._ Suche nach einem geborenen Verbrecher. Die Nclusschmeißkommisfion des preußischen Ab- geordnetenhauses erregt mit ihrem wunderlichen Bc- schluß, nach dem es zulässig sein soll, einen Landtagsabgeord- neten auf 6 bis 12 Tage aus den Sitzungen auszuschließen, ihn gewaltsam aus dem Sitzungssaal zu entfernen und den Eintritt in den Sitzungssaal gewaltsam zu hindern, nicht nur Heiterkeit. Der Beschluß kennzeichnet vielmehr die Herren, die ihn gefaßt haben, tiefer als die schärfste Kritik es könnte. Die Geschäftsordnung des Abgeordnetenhauses ist Sache des Hauses selbst. Sie darf aber nach übereinstimmender Ansicht auch der konservativsten Staatsrechtslehrer mit keiner preu- ßischen oder deutschen Rechtsnorm in Widerspruch stehen. Insbesondere darf sie gegen kein St rafgc- s e tz v e r st o ß e n.§ 105 des Strafgesetzbuchs bedroht mit Zuchthaus nicht unter 5 Jahren oder mit FestungS- hast von gleicher Dauer den, der es unternimmt. Mitglieder einer gesetzgebenden Versammlung des Reichs oder eines Bundesstaates aus der Versammlung gewaltsam zu entfernen. Bei mildernden Umständen läßt das Gc- setz Festungshaft nicht unter einem Jahre zu. ß 106 des Strafgesetzbuchs bedroht die gewaltsame Behinde- rung eines Mitgliedes einer gesetzgebenden Versammlung an der Ausübung seines Stimmrechts mit Zuchthaus bis zu 5 Jahren oder mit Festungshaft von gleicher Dauer. Bei mildernden Umständen kann auf Festungshaft bis zu 2 Jahren erkannt werden. Die Kam- Mission des Abgeordnetenhauses mutet ihrem Präsiden- ten also zu, um das Abgeordnetenhaus sozialistenrcin zu halten, Verbrechen gegen ßß 105 oder 106 des Strafgesetz- buchs zu begehen. Dem Herrn Kröcher mag allerlei zuge- mutet werden, aber die Zumutung, Verbrechen, die mit Zuchthaus bedroht sind, zu begehen, würden wir uns nicht getrauen an ihn zu stellen. Bekanntlich ist während der Zolltarifkämpfe von der Brotzollmehrheit bei der Niedertrampelung der Geschäfts- ordnung unter anderem auch in die Geschäftsordnung des Reichstags eine Bestimmung eingeführt, die die Verweisung eines Abgeordneten aus dem Sitzungssaal zuläßt. Die Rechtswidrigkeit dieses Beschlusses betonten wir bereits bei Erlaß dieser Bestimmung. Und in der Tat hat sich dann auch gezeigt, daß diese Bestimmung lediglich auf dem Papier stehen kann. Einmal— am 4. Dezember 1902— wurde versucht, von der Bestimmung Gebrauch zu machen. Genosse Singer hatte um das Wort zur Geschäftsordnung ge- beten. Der Präsident Graf Ballestrem vereinbarte mit ihm, er solle das Wort nach Abschluß der Debatte über eine be- stimmte Zolltarifnummer erhalten. Inzwischen hatte Graf Stolberg das Präsidentenamt übernommen. Er gab dem Genossen Singer das Wort zur Geschäftsordnung nicht, miß- achtete das wiederholte Verlangen nach Wortertcilung zur Geschäftsordnung und verstieg sich gar dazu, von dem neuen Geschäftsordnungsparagraphen gegen den Genossen Singer- Gebrauch zu machen. Er verwies ihm die Sitzllng. Genosse Singer blieb trotz des wütenden Getobes der Brotwucher- lcute im Saal. Der Präsident vertagte die Verhandlung auf eine halbe Stunde. Selbstverständlich erschien auch Ge- nosse Singer nach der Vertagung im Sitzungssaal. Der Präsident mußte zugeben, daß ihm ein Mißverständnis zur Last falle, wollte seine ungerechte Maßregel aber nicht zurück- nehmen, gab aber zu, daß ihm irgendein Mittel, den Gc- nosscn Singer auS dem Saale zu entfernen, nicht zu Ge- böte stehe. Aus dem Beschluß der Geschäftsordnunyskommission deS Abgeordnetenhauses geht hervor, daß diese nun einen dummen und starken, aber auch verbrecherischen Präsidenten sucht, der die kleineu Zuchthausverbrcchcn auf sich nimmt. Oder glaubt sie wirklich, daß der jetzige Präsident versuchen wird, Hausknechtsdienste zu leisten oder zu diesen andere an- zustiftcn, wenn die Vornahme der RauSschmeißerei und die Anstiftung dazu als zuchthauswürdiges Verbrechen im Straf- gesetzbuch bezeichnet wird?_ Das Kaligesetz. Zwischen dem Zentrum und den Konservativen ist eine Verständigung über die Grundlagen des Kaligesetzes zustande gekommen. Die Verständigung steht eine Kontingentierung mit be- stimmten Quoten vor. Dieser Vorschlag»vurde einer inter» fraktionellen Besprechung unterbreitet, die am Dienstag im Reichs- tage stattfand. Die übrigen Parteien haben sich nicht für die vorgelegten Vorschläge erklärt, sondern haben AbänderungS- antrüge zum Teil ticfeinschneidender Natur in Aussicht gestellt. Die Rationalliberalen sind in der Beurteilung der konservativ-klerikalen Vorschläge geteilt. Ein nationalliberaler Redner erklärte, er könne sich mit der beabsichtigten Annullienrng rechtsgültig abgeschlossener Verträge sSchmidtmann- Gruppe) nicht einverstanden erklären, während ein anderer Redner der national- liberalen Partei den entgegengesetzten Standpunkt einnahm. Uebrigen» sagten beide nationalliberalen Redner, daß sie für ihre Person sprechen. Ihre Fraltion habe noch keine Stellung zu den vorliegenden Vorschlägen genommen. Die Sozialdemokraten sprachen sich g e g e n die Vorschläge au» und kündigten die Wieder- einbringung ihrer bekannten Anträge an(Verstaatlichung oder Reichshandelsmonopol). Weiter kündigten die Sozial« demokraten an, daß sie, wenn ihre Anträge abgelehnt würden, dann verbesserungSanträge zu den konservativ-klerikalen Lorschläge» ein- bringen würden und zwar in folgender Richtung: 1. Eine Bevorzugung der Staatswerke bei der Zu« teilung der Absatzmengen, i. eine Sicherung der Gemeinden, der Arbeiter und Beamten gegen die Folgen von Quotenübertragung, 8. Borschristen für den Abschluß von Tarifverträgen mit den Kaliarbeitern, 4. Vorschläge zur Verhinderung der bisher von dem Kali- syndikat geübten Liebesgabenpolitik gegenüber dem Bund der Landwirte, L. Verstärkung des Einflusses des Reichstages auf die Ausführung dieses Gesetzes. Nur wenn diese Vorschläge in diesem Gesetze berücksichtigt würden, könnten die Sozialdemokraten in eine nähere Beratung der Vorschläge eintreten. Der Vertreter der Fortschrittlichen Volkspartei erklärte sich strikte gegen jede gesetzliche Regelung der Zustände in der Kaliindustrie wie schon in den vorherigen KomnnssionSsitzungen. Nach diesem darf wohl gesagt werden, dag. wenn von einer ge- sicherten Annahme der konservativ-Kerikalen Vorschläge die Rede sein kann, ein Gesetz zustande kommen kann, das nur von dem fchwarz-blauen Block Zustimmung erfährt. Veteranenunterstützung. Noch vor der Vertagung des Reichstages soll das Gesetz über die Unterstützung der Veteranen erledigt werden. Die Unterstützung soll 120 M. jährlich betragen. Da schon 1909 ein solches Gesetz vom Reichstage beschlossen, aber vom Bundesrat nicht verabschiedet worden war, will ein Antrag dem Gesetz rückwirkende Kraft vom 1. April dieses Jahres geben. Die Regierung will jedoch nicht darauf eingehen, sondern die Beihilfen erst vom 1. Oktober ab ge- währen. Als Deckungsnntlel werden vorgeschlagen eine Wehrsteuer und eine Verminderung der Branntweinliebcsgaben. Der Bundesrat steht, wie es heißt, beiden Vorschlägen nicht sympathisch gegenüber. Nochmals der„Germqnia"-Schwindel. Genosse Dr. Karl Liebknecht schreibt unS: Zu den Angriffen der.Germania" gegen die Zuverlässigkeit des.Vorwärt§"«Berichts über die Landtagsverhandlnng vom 12. April bitte ich, folgendes be- merken zu dürfen: Es war gerade Herr I t s ch e r t. der mich, als ich die fragliche Geschästsordnungsbeincrkuna ge- machr hatte, darauf hinwies, daß»ch ihn unrichtigerweise be- zichtigt hätte, er habe eine schriftliche Wortmeldung für über- flüssig erklärt. Ich entgegnete Herrn Jtschert, daß ich ihn nicht ge- nannl und auch nicht gemeint hätte, gab aber sofort zu, daß die Fassung meiner Erklärung zu dem Mißverständnis wohl Anlaß hätte neben können. Auf Wunsch des Herrn Jtschert veranlaßte ich demnächst Herrn Schulze-Pclkum, klarzustellen, daß er der von n,ir gemeinte Schriftführer gewesen fei. Aus alledem ergibt sich, daß Herr Jtschert meine Worte genau ebenso aufgefaßt hatte, wie der Berichterstatter deö.Vorwärts" und daß der Bericht des.Vorwärts", wenn er tatsächlich zu einer unrichtigen Fassung gelangte, durch die miß verständliche Fassung meiner Worte dazu veranlaßt war. Es kann also in diesem Fall nicht der geringste Vorwurf der Unzuverlässig- keit gegen den.VorwärtS'bericht erhoben werden. Zoll-Bureaukratie. .. Die Mannheimer Zollbehörde begnügt sich nicht damit, Zoll von Weizen und anderen Körnerfrüchten zu erheben, sie ver- langt auch die Verzollung des Getreid-e-StaubeS. Wenn die Mit- teilung über diese erstaunliche bureaukratische Maßnahme einer hohen Zollbehörde nicht einer durchaus zuverlässigen Quelle ent- stammte, würde man sie für einen schlechten Witz halten. In dem soeben erschienenen„Jahresbericht der badischen Fabrikinspektion für 1909" befindet sich jedoch auf Seite 62 unter dem Rubrum..Gesundheitsschädliche Einflüsse" folgende verblüffende Stelle: „In Mannheimer Großmühlen wurde beim Ausladen des Weizens aus dem Schiff beobachtet, daß an der Stelle, wo der Weizen aus dem Elevator auf das Transportband fällt, und ebenso dort, tvo er vom Transportband auf die Wage fällt, starke Staubwolken entstehen. An beiden Stellen sind Arbeiter be- fchäftigs. Eine vorhandene Absaugun�Svor�ichtfung wurde nicht benutzt, da die Zollbehörde die Verzollung des gesammelten StaubeS verlangt, während der frei wegfliegende Staub unberücksichtigt bleibt. Au» zolltechmschen Gründen toar eine Aenderung dieser Bestimmung nicht»nöglich. Im Interesse der Arbeiter mußte darauf bestanden werden, daß die Entstäubui»gsanlagen wieder in Tätigkeit gesetzt wurden, zunial die durch Verzollung des Staubes eiilsteheiiCei» Mehrkosten verhältnismäßig gering sind." Soweit der Bericht. Er kennzeichnet»nit dieser kurzen Schil- derung des Sachverhaltes die miglaublich bureaukratische Kurz- sichtigkeit der Zollbehörde, die den frei herumfliegenden Staub, den die Arbeiter zum Teil einatmen, unverzollt lassen muß, die aber sofort im Interesse dcS Fiskus die Hand darauf legt, sobald der Staub,«venu auch aus hygienischen Gründen, gesammelt und dadurch meß. und wägbar für die Verzollung wird. Gleichzeitig kennzeichnet dieser Vorgang auch die Unternehmer: Wenn ihnen der Fiskus an den Geldbeutel kommt, remonstrieren sie nicht etwa gegen diesen unsinnigen Eingriff der Zollbehörde, sondern lassen den Starib einfach wieder frei umherfliegen. Das gute Einver- nehmen mit einer hochvwgendcn Zollbehörde steht den Herren höher als der Arbcitcrfchutz._ Die Wahlrechtsjustiz. AuS Anlaß der Straßendcmonstrationcn in Breslau hat die Staatsanwaltschaft gegen Genossen N e u k i r ch An klage wegen Aufruhrs(!) erhoben. Genosse Neukirch soll als Teilnehmer einer Dcinonstrationsvcrsammlung am 20. Februar. wobei es auf dem Nückivcge zu einem Zusainmenstotz mit der Polizei kam, als einziger unter 13000 Menschen sich dcb Aufruhrs schuldig gemacht haben. Dabei ist Neukirch persönlich»nit der Polizei überhaupt in keine Berührung ge- kommen. Ferner schwebt gegen Nellkirch noch eine weitere Anklage wegen Aufreizung zuGewalttättgkeitcn. Diese Aufreizung wird darin erblickt, daß auf dem Pro- gramm des Stiftungsfestes des Sozialdemo- kratischen Vereins das Lied abgedruckt war:»Wer schafft das Gold zu Tage". Die Breslaucr Staatsanwaltschaft scheint äußerst nervös geworden zu sein; sonst könnte sie insbesondere nicht auf den höchst sonderbaren Gedanken kommen, daß die Verbreitung des allbekannten Herwcghschen Liedes, das seit Jahrzehnten unbeanstandt gedruckt und gesungen wird, eine Aufreizung zu Gewalttätigkeiten darstelle._ Immer neue Anklagen. In E s s e n ist anläßlich der W a h l r e ch t S d e rn o n st r a t i o n vom 13. Februar gegen 38 Personen Aullage erhoben worden. Zwei Genossen sollen als Veranstalter, vier andere als Leiter der De- monstration gefaßt werden. 19 Personen sind angeblich den zur Lufrechterhaltung der Ruhe und Ordnung erlassenen Aufforderungen der Polizei nicht gefolgt, 7 sollen sich wegen Beleidigung von Polizei- beamten verantworten und 2 Personen wird z»u: Last gelegt, sich tätlich an Polizeibcamten vergriffen zu haben. Eine Anzahl der Angeklagten sind Leute, die nur zufällig in den Strudel der De- monstration geraten sind. Am Tage nach der Demonstration hatte unser Essener Partei- blatt eine ganze Reihe von Uebergriffen der Polizei« beamten festgestellt, die Polizei dieserhalb scharf angegriffen und I republikanischer Gewerkschaften, die neben die syndikalistischen, verlangt, die Polizeidirektion möge Klage anstrengen. DaS Essener Zentrumsblatt erklärte darauf, einer Klage gegen diese Behauptungen der„Arbeiterzeitung" könne die Polizeidircktion nicht aus dem Wege gehen. Wie man sieht, hat die Polizeidireltion aus andere Weise versucht, sich zu rehabilitieren._ Eine»» eigenartigen Fleischer-Boykott führten jüngst die Breslauer Genossen durch. Die Aufhebung der städtischen Schlacht st euer in Höhe von 2 Millionen Mark wirft oen Fleischern eine jährliche Mehreinnahme von durchschnittlich 3599 M. in den Schoß. Diese 3309 M. wollten die Fleischer allein schlucken; dock, unsere Genossen haben ihnen das Geschäft verdorben: am Z a h l a b e n d des März wurde an alle Genossen ein« Liste ausgegeben, auf welcher die Preise für die verschiedenen Fleisch. sorten von möglichst vielen Fleischern notiert Iverden sollten. Nach Prüfung ergaben sich Unterschiede von 19— 50 Pf. pro Pfund bei gleicher Qualität. Darauf wurden in der„Bolkswacht" die Fleisch- preise der verschiedenen Fleischer veröffentlicht, so daß r>ie Hausfrauen sich die billigsten Fleischer aussuchen konnten. Die Folge war. daß die Fleischer mit den unverschämt hohen Preisen streng gemieden wurden— und siehe da: schon nach zwei Tagen setzten viele Fleischer die Preise etwas herab. Dann griff die Innung ein und beschloß, den Preis pro Pfund um 4 Pf. herab- zusetzen. Unsere Genossen gaben sich jedoch damit nicht zufrieden. Sw rechneten aus, daß die bisherige Schlachisteuer das Pfund um 19 Pf. verteuert hatte, und um soviel verlangten sie das Fleisch billiger. Nach kurzer Zeit, in weniger als einer Woche, kapitulierten die Fleischer und setzten trotz des JnnungSbeschlusses die Preise fast überall um 19 Pf. herab! Das Verfahren hat also famos ge- wirlt und soll deshalb öfters wiederholt werden. Kontrolle über den Bndgetvollzttg. München, 16. April. In der heutigen Plenarsitzung kam eine Sache von prinzipieller Wichtigkeit für das Verfassungsleben zur Sprache: die Kontrolle über den richtigen oder un- richtigen Bollzug des Budgets. Für die Rechnungsprüfung existiert in Badern seit dem Jahre 1826 eine mit besonderen Konchetenzen ausgestattete Behörde, der Oberste Rechnungshof. Die verliehenen Kompetenzen machten denselben von der Regierung vollständig frei und unabhängig. Nun üble aber seit einer.Reihe von Jahren der Oberste Rechnungshof die ihm zustehenden Kompetenzen gar nicht aus; er war vielmehr ein gefügiges Werkzeug, ein gefälliger Handlanger des jeweiligen Finanz- Ministers geworden. Erst der jetzige Finanzminister hal im Jahre 1997 durch einen Erlaß die alten Befugnisse deL Obersten RechnungS- Hofes wieder aufleben lassen. Alle Parteien äußerten ihre Ansicht dahin, daß der Oberste Rechnungshof gegenüber der Regierung in der Rechnungsprüfung und Budgetkontrolle vollständig selbständig und unabhängig sein müsse. Der Landtag behält natürlich gegenüber den Erinnerungen und Aus- stellungen des Obersten Rechnungshofes ein völlig freies Ent- scheidungsrecht. Einig war das Haus auch in der Forderung, daß die ganze Einrichtung des Obersten Rechnungshofes auf g e s e tz- l i ch e Bast» gestellt Iverden müsse. Jetzt, da die Einrichtung nur auf einer kgl. Verordnung beruht, fehlt jede Gewähr, daß für die Zukunft die Unabhängigkeit der Kontrollbehörde unangetastet bleibt. Der Finanzminister steht durchaus auf dein Boden der For- derungen des Hause» und stellt einen Gesetzentwurf in baloige Aussicht._ Vermögenssteuer in Südlvcftafrika. Abg. Erzberger(Z.) hat in der Budgetkommission de» Reichs- tageö einen Antrag eingebracht, der darauf hinausläuft, Einzel- Personen und Gesellschaften in Südwestasrika, deren Vermögen nach Abzug der Schulden 399999 Mark übersteigt, zur Deckung der Kricgskosten heranzuziehen. Soweit diese Personen oder Gesell- schaften zurzeit Steuerfreiheit genießen, soll die Steucrleistung mit dem Tage beginnen, an dem da» Privileg abläuft. Um den Vermögenswert der Land- und Bergrechte zu ermitteln, soll die Rein- einnähme des Jahres 1909 mit einem Zuschlag von 199 Proz. an- genommen und diese Summe»nit 29 multtpllziert iverden. Den Wert des Sperrgebietes für Diamanten berechnet Abg. Erzberger»nit 899 Millionen Mark. Die Steuer soll progressiv steigen und bei 399 999 M. mit 1 Proz. beginnen. Den Steuerpflichtigen soll ge- stattet werden, an Stelle baren Geldes Land- oder Bergrechte an den Fiskus abzutreten. Außerdem soll für da» ganze Schutzgebiet vom 1. Oktober 1919 ab die Bergverordnung dahin Gültigkeit erlangen, daß nur allein dem LandesfiökuS die Berghoheit und das Recht Bcrgwerksabgaben zu erheben, zusteht. Landkonzessionen und Bergwerksrechte sollen künftig nur»nit Zustimmung deö Bundesrats und des Reichstags verliehen werden. Der Antragsteller berechnet aus dieser außerordentlichen Steuer einen Reingewinn von 31 Mill. Mark. Die Verhandlung des Antrages war an» Dienstag deshalb nicht möglich, weil Staatssekretär Dernberg verhindert war, an der Sitzung teilzunehmen._ OefteiTdcb. Da» KoalitionSrccht der Beamte». Wien, 19. April. Abgeordnetenhaus. In der hentigen Sitzung wurde die erste Lesung des Gesetzeiitw»lrfS über die Dienst- Pragmatik fortgesetzt. Der Minister deS Innern Freiherr v. Haerdtl betonte, die Staatsgefchäste könnten ohne Disziplin in der Beamtenschaft»»icht geführt iverden. Der Regierung sei es niemals eingefallen, das Koalition S- und Organisationsrecht der Beamten zu behindern, die Beamten müßte,» sich jedoch»nit ihren Wünschen»»nd Beschwerden direkt an die Vorgesetzten wenden und dürsten nicht im Wege der Organisation einen Druck auf Vorgesetzte auS« z u ü b e n versuchen. Der Gesetzentwurf sei weder reaktionär noch unmodern. frankmcb. Gegen Millerand. Paris, 19. April. Minister Mill er and hatte für gestern abend eine Wahlversammlung einbenifen, in der er hatte sprechen wollen. Die Versammlung wurde jedoch durch feindliche Demonstrationen gestört und der Versammlungssaal von außen mit Steinen bombardiert, so daß Millerand sich zurückziehen mußte, ohne zu Worte gekommen zu sein. Italien. Wandlungen der Nrpublikaner. Rom, 14. April.(Eig. Ber.). Die republikanische Partei Italiens hat soeben in Florenz ihren 19. Kongreß abgehalten, der in mancher Hinsicht einen entscheidenden Bruch mit den Traditionen dieser Partei bedeutet. Einmal ist eine Tagesordnung Bar- zilai, die für eine, freilich bedingte, Bewilligung der Militärausgaben eintrat, mit bede»Nei»der Mehrheit zurückgewiesen worden und eine Tagesordnung R e angenommen, die sich für die Bildung von Nationalgarden ftmrione arrnata) und Verweigerung aller neuen Kriegslasten ausspricht. In dieser Tagesordnung ka,»n man eine Niederlage der irre- dcntistischen Tendenz der Republikaner sehe»», die dieser Partei als historisches Ueberbleibsel auS früherer Zeit anhaftete. Bemerkens- wert ist weiter der Beschluß, eroe Landeszentrale für gewerkschaftliche und genossenschaftliche Organi- s a t i o n zu gründen, wobei eS sich offensichtlich um ein Kon- lurrcnzunternehmen gegen die sozialistische Partei handelt. Die Republikaner haben außer in der Romagna keinen Anhang in den Mas sc i», ursprünglich hatten sie auch, wenn man von der kleinen Fraktion der Mazzinianer absieht, kein wirtschaftliche», sondern nur ein politisches Programnr. Wenn dieser Kongretzbeschluß nicht j auf dem Papier bleiben jollte, so würde gleichfalls die Gründung die klerikalen und die freien(unter sozialistischem Einfluß stehen- den) treten würden, recht angenehme Zustände schassen. In bczug auf die Wahltaktik sprach sich der Kongreß für Wahl b Und« nisse mit Soziali st en und Radikalen aus, tiKts so ziemlich der Praxis der letzten Jahre entspricht. Es kann keine»»» Zweifel unterliegen, daß die Republikaner, die sich als rein republi« kanische Parte» überlebt haben und aufgerieben werden, wie jenes Kleinbürgertum, dessen politischer Ausdruck sie sind, heute danach streben, sich durch ein soziales Program»n und eine proletarische Basis neue Lebenskräfte zuzuführe»». Sie finden nun aber die politisch-wirtschafiliche Funktion, der sie sich so spät zuwenden. schon von einer anderen Partei erfüllt und werden so durch die Macht der Tatsachen bor die Alternative gedrängt, entweder in dieser jüngeren aber stärkereen Partei aufzugehen, oder mit ihr um den Vorrang und schließlich um die Existenz zu kämpfen. Lelgien. Zu den Kammerwahlen. Brüssel, 17. April.(Eig. Ber.) Die diesmalige Wahl- bewegung zeigt ein nicht gewöhnliches Wahlfieber. Geht doch diesmal der Kampf um nichts Geringeres, als um Sein oder Nichtsein der klerikalen Macht... Nur vier Sitze braucht der Klerikalismus einzubüßen und die klerikale Maja- rität ist gewesen! Miau begreift die Spannung hüben wie drüben: das Fieber der einen, die sechsundzwanzig Jahre an der Macht waren und nun von der Gefahr um- droht sind, sie über Nacht zu verlieren; das Fieber der anderen, die gegen diese Macht mchr als zwei Jahrzehnte angekämpft und jetzt auf den Sieg zuzumarschieren hoffen. Diese politische Psychologie gibt denn auch dem Wahlkampf sein charakteri« stisches Gepräge und alle anderen Gegensätze der Parteien übertönt diesmal der Schlachtruf: Für oder gegen den Kleri- kalismus! Die belgische Kammer wählt bekanntlich in zwei Abtei- lungcn. Diesmal gelangen zur Wahl folgende Provinzen: B r a b a n t mit 31 Deputierten; Antwerpen mit 20, W e st f l a n d e r n mit 20, N a m u r mit 9 und der Luxe m» bürg mit 3 Deputierten. Unter den 83 ausscheidenden, die größere Hälfte der Kammer bildenden Abgeordneten, gehören 17 den progressistischen und 6 den gemäßigt Liberalen, 12 der sozialistischen Fraktion und 30 der Rechten an. Im Jahre 1900, wo zum ersten Mple nach dem Propor- tionalsystem gewählt wurde, verfügte die Negierung über 20 Stimmen Majorität....Seither sank sie von einer Wahl zur anderen: im Jahre 1906 auf 12 Stimnien und bei der letzten Wahl 1908 auf acht Stimmen! Es gilt sonach, wie er- wähnt, der Regierung vier Sitze zu entreißen. Nur vier Sitze! Das ist wenig und viel zugleich, denn die Erringung eines Sitzes unter dem Proportionalsystcin setzt die Errin- gung taufender neuer Stimmen voraus. Aller Kraftanstren- gnng der antiklerikalen Parteien steht aber überdies gegen- über der Schwindel des P l u r a l v o t u m s, der rück- sichtslos geübte Terrorismus der Kirche, die Erprcssertaktik der klerikalen Machthaber und— nicht zuletzt— die kürzlich bewilligte Million, die„Wahlmillion" der Kongrega- tionen... Und alle diese Mittel werden diesmal, da es um Tod und Leben geht, mit der kühnsten, brutalsten Skrupel- losigkeit in Anwendung kommen. Gäbe das gegenwärtige Wahlsystem ein wirkliches Bild der Stärke der Parteien, und wären die politischen Kräfte ohne Hemniung wirksam, das Resultat könnte nicht einen Augenblick zweifelhaft sein. Denn wie neulich in der Kammer Vandervelde von den Bänken der Sozialisten, der radikale Deputierte B u y l von der libe. rälen Linken, in machtvollen, die Sünden und Gefahren des Klerikalisinus eindrucksvoll betonenden Reden mit dem Kriegs- ruf Massen:„A das la calotte!"„Nieder mit den Pfaffen I", so tönt nun überall, tvo der Wahlkampf tobt, im ganzen Lande, wo die Gewissen sich reffen, in Versammlungen, aus Flugschristen und im Lied:„Nieder mit den P fassen l „A bös la calotte!" Ein erhabener klerikaler Herr erklärte freilich im Parla- ment:„A bas la calotte" sei kein Programm.... In der Tat: Liberale tvie Sozialisten, werden, tvenn der Klerikalis- mus einmal hinweggefegt sein wird, wieder zu ihrem eigeuen Progranm» zurückkehren, an ihre eigenen Ziele schreiten. Wenn beide Parteien heute den gemeinsamen Kriegsruf gegen den einen Feind haben, so bleibt jeder bei seinem Programm. dessen einer Punkt im Augenblick seine erweiterte und aktuelle Bedeutung hat: den Kampf gegen die Feinde eines unver» fälschten, gerechten Wahlrechtes, des obliga- torischen Unterrichts, gegm die Bedrücker der Gewissens- freiheit. Snglancl. DaS Budget und die Iren. London, 18. April. Unterhaus. R e d in o n d trat unter dein lallten Beifall der Ministeriellen und der Nationalisten für die Re- gierung ein und führte aus, von de» Nationalisten würden zwar alle Budgets als für Irland ungerecht angesehen, diesen finanziellen Ungerech- tigkeiten aber könnte nur durchj H o in e r u l e abgeholfen iverden und diese« würde erlangt werden durch Abschaffung d e S Vetorechts dcS Oberhauses. Er sehe die Erklärung des Premier- riiinisterS vom 14. d. M. als eine genügende Garantie dafür an, daß die Homernle-Bewegung jetzt schnell vorwärts gehen werde, und die Nationalisten würden deshalb die Politik der Regierung mit Begeisterung unterstützen. Er bestreite, daß zwischen der Regierung und ihm irgend ein Handel statt- gefunden habe. B a I f o u r erklärte, die Regierung habe die Unterstützung der Iren mit der Preisgabe von Traditionen bezahlt, deren Wahrung ihre Pflicht gewesen wäre. Die Regierung habe den Namen des Herrschers in einer Weise in den politischen Streit gezoge»», wie cS seit Generationen nicht geschehen sei. Niemals habe eine englische Negierung sich in emcr Lage be« funden, wie die sei. in die Redmond die jetzige Regierung hinein- gedrängt habe,»ind er hoffe, daß niemals wieder eine englische Regierung sich in einer solchen Lage befinden werde. Premier« minister A S q u i t h bestritt hierauf in bestimmtester Weise, daß»rgeild ein Handel stattgefunden habe, und stellte fest, daß seine Erklär»lng vom 14. April vom Kabinett festgesetzt worden sei, ohne daß man Nedmond zu Rate gezogen oder befragt habe. Diese Er- klärung stelle die wohlüberlegte, unabhäirgige Ansicht deS Kabinetts dar. und ob Redinond ihr zustimmte oder nicht, er— ASquith— würde genau dieselbe Meinung hegen. Die von ASquith ein« gebrachte Guillotine-Resolution wurde schließlich mit 343 gegen 232 Stimmen angenommen. Serbien. Der Führer der Verschwörer. Nelgrad, IS. April. Oberst M a s ch i n. der an der Ver« s ch w ö r u n g gegen König Alexander und die Königin D r a g a »m Jahre 1998 hervorragenden Anteil genommen hatte, ist ge» starben. HurtraUcn. Rücktritt de» Kabinetts. Melbourne, IS. April. Das BundeSkabinett ist infolge des Ausfalls der Wahlen zurückgetreten. GewerkfcbaftUcbee. Die Aussperrung der Bauarbeiter. Noch immer läht sich leider kein genauer Gesamtüberblick über das Kampffeld geben. Nur so viel stellt sich immer mehr heraus, baß die von den Depeschenbureaus am Somwbend verbreiteten, und— wo nicht eigene Nachrichten vorlagen— auch von uns wieder- gegebenen Ziffern nach jeder Richtung hin ü b e r t r ie b c n waren. Einer unserer Korrespondenten schreibt uns über eine derartige Meldung in einem Privatbriefe:„So viel Bauarbeiter gibt es ja hier gar nicht!"— Das ist Wohl charakteristisch für jene von Unternehinerscite inspirierten Mitteilungen. Die Aussperrung im Gau Berlin ergibt bis Montag abend folgendes Bild: Der Gau umfaßt die Provinz Brandenburg, einen Teil der Provinz Posen, einen Teil der Provinz Sachsen und einen Teil des Großherzogtums Meck- lenburg-Strelitz. Der Verband der Maurer hat in diesem Gebiet l7S Zweigvereine mit 24 000 Mitgliedern. Bis jetzt sind in 3? Zweigvereinsbezirken die Bauarbeiter ausgesperrt. In diesen Zweigvereinen hat der Maurerverband 4800 Mitglieder. Von den- selben sind zirka% an der Aussperrung beteiligt. Bekanntlich haben die Arbeitgeberorganisationen von Groß-Berlin und der nächsten Umgebung sich nicht an der Aussperrung beteiligt, in dem übrigen Teil des Gaues ist eine Aussperrung bisher nicht erfolgt. Aber abgesehen von dem Umfang der Aussperrung in den ein- zelnen Orten zeigt es sich auch, daß ganze Gruppen der Unternehmer einfach nicht mitmachen. So meldet Wolsss Telegraphenbureau: Oldenburg, 19. April. Die Maurer- und Zimmer» meister der Gemeinde Westerstede haben einstimmig eine Resolution angenommen, in der sie erklären, die Ausdehnung der Aussperrung auf den dortigen Bezirk vorläufig nicht für er- forderlich zu erachten und eine kleine Lohnerhöhung unter den bisherigen Bedingungen für angebracht zu halten. Das Bureau Herold meldet: Osnabrück, 19. April. Die Organisation der Arbeitgeber im Baugewerbe beschloß, vorbehaltlich der Genehmigung des Deutschen Arbeitgeberbundes, eine Einigung anzustreben. Wie man besonders hervorhebt, sind beide Teile, Arbeitgeber sowohl als auch Arbeitnehmer, bestrebt, eine friedliche Lösung der un- haltbaren Zustände herbeizuführen. Bückeburg, 19. April. Die Arbeitgeber des Baugewerbes in Schaumburg-Lippe beschlossen, endgültig von der Aussperrung ab- zusehen, da hier noch ein bis 1911 laufender Tarifvertrag besteht. Freilich stehen nicht alle Arbeitgeber auf diesem korrekten Standpunkt. Der Arbeitgeberverband für das Baugewerbe der Neumark, Sitz Landsbcrg a. Warthe leitet die Bewegung ganz offen- kundig durch einen eklatanten Vertragsbruch ein. Für das Ver- tragsgebiet Landsberg besteht ein Tarifvertrag. Der§ 7 dieses Dokumentes, das am 10. Juni 1907 von den Vorständen der obigen Arbeitgeberorganisation und den örtlichen Vorständen der Maurer- und Zimmererverbände sowie von allen Gauleitern unter- zeichnet ist, lautet: „Dieser Vertrag hat Gültigkeit vom 1. Juli 1907 bis zum 31. März 1910. Soll ein neuer Arbeitsvertrag eingeführt werden, so muß der vorstehende 4 Monate vor Ablauf gekündigt sein. Anderenfalls verlängert sich derselbe von Jahr zu Jahr weiter." Eine Kündigung ist von keiner Seite erfolgt. Nach dem Wortlaut des Vertrages und dem Grundsatz von Treu und Glauben bleibt derselbe deshalb ein weiteres Jahr in Gültigkeit. Dieser Auffassung sind aber die Mitglieder des Landsberger Arbeit- geberverbandes augenscheinlich nicht. Seit Beginn der Aussperrung im Baugewerbe sind bereits 150 Maurer entlassen worden und zwar unter dem Hinweis, daß sie„aussetzen" sollen. Es sind nur noch 80 Maurer in Arbeit und dies« werden in wenigen Tagen ebenfalls auf die Straße gesetzt sein. Auf diese frivole Weise er- reichen die Arbeitgeber auch das gesteckte Ziel, nämlich daß sie t r o tz Vertrag die gesamte Bauarbeiterschaft aussperren. Den Arbeit- gebern, die ihre Bauten weiterführen wollen, wird bereits die Eni- ziehung der Baumaterialien angedroht. Dieser Vorgong zeigt die Absichten des Deutschen Arbeitgeberbundes in eigenartiger Beleuch- tung und die deutschen Bauarbeiter können daraus ersehen, was fie bei diesen Terroristen zu erwarten haben. In der Provinz Posen verlangten viele Unternehmer von den Bauarbeitern den Austritt aus der Organisation und versprachen, sie dann nicht auszusperren. Die Arbeiter lehnten dieses An- sinnen überall einmütig ab. Der polnische Gewerkschaftsverband gibt die Zahl seiner ausgesperrten Mitglieder auf 1200 an. In Gncsen sind die Unorganisierten nicht ausgesperrt worden. Einen ganz verlogenen Appell richtet der Arbeitgeberbund für das Baugewerbe der Provinz Posen an die städtischen Behörden und daL bauende Publikum. Es heißt in diesem Lügenragout: „Unsere Bemühungen, mit den Vertretern der Bauarbeiter auf friedlichem Wege zu einem neuen Tarifabschluß zu gelangen, sind trotz unseres Entgegenkommens gescheitert. Das Streben der Gewerkschaftsführer geht dahin, die Autorität des Unternehmers auf der Baustelle zu untergraben. So lange wir für die Sicher- heit der Menschenleben haften, können wir unter keinen Um- ständen den Arbeitern volle Parität zugestehen. Außerdem wird trov stetiger Erhöhung des Arbeitslohnes eine weitgehende Bcr- kürzung der Arbeitszeit gefordert» was wir unter allen Umständen ablehnen müssen, nicht allein in unserem Interesse, sondern aus Rücksicht auf die gesamte deutsche Industrie und Landwirtschaft. Da die Gewerkschaften erklärt haben, unter allen Umständen an ihren Forderungen festzuhalten, haben wir zur Aussperrung ge- griffen. Wir wenden uns an die Behörden und das bauende Publikum mit der Bitte, uns in dem Kampfe zu unterstützen und in der Fertigstellung der Bauten Nachsicht zu üben. Nur dann können wir hoffen, den uns aufgezwungenen Kampf(!) baldigst zu beenden und dos deutsche Wirtschaftsleben vor schweren Erschütterungen zu bewahren." Unterzeichnet ist dieser famose Aufruf von dem Vorsitzenden Ä or t m a n n und dem Syndikus Dr. Adler. Toller als hier ist die Oeffentlichkeit wohl selten angesckstvindelt worden. D i e P o s e- ner Bauarbeiter haben weder eine Erhöhung des Stundenlohnes noch eine Verkürzung der Ar- beitszeit gefordert, folglich haben sie überhaupt keine Forderungen gestellt. Am köstlichsten ist die Phrase von dem„aufgezwungenen Kampf", den die Unternehmer doch nur frivol vom Zaune gebrochen haben. Die Aussperrung in Kiel hat erfreulicherweise nicht den Umfang angenommen, wie bisher nach vorläufiger Schützung angenommen wurde. Die Zimmerer hatten bis Montag vorinittag 340 A»S- gesperrte zu verzeichnen, bei einer Mitgliederzahl von 042. Die übrigen sind in anderen Berufen resp. außerhalb beschäftigt. Etwa 100 arbeiten noch in Kiel. Bei den Bauarbeitern beträgt die Zahl der Ausgesperrten 442 von 793 Mitgliedern. Von den 442 gehören 82 anderen Verbänden an, sie stehen aber unter Kontrolle des Bauarbeiterverbandes. Auch bei den Bauarbeitern arbeiten viele außerhalb, besonders in Hamburg, und sind somit von der Aussperrung nicht betroffen. Die Maurer konnten bis heute eine genaue Zahl der Ausgesperrten nicht feststellen. Die Berbandsleiwng rechnet aber mit 750. Die Gesamtzahl der Aus- gesperrten beträgt dann also rund 1550. In Neumünster und Bordesholm ist nicht ausgesperrt. Hier ist mit dem 15. April eine Lohnerhöhung von 2 Pf. pro Stunde ein» getreten. Die Bauunternehmer in Neumünster gehören der Gruppe .Unterelbe" des LrbeitgeberverbandeS nicht an. In Xondern ist am Sonnabend ebenfalls ausgesperrt. Die Arbeitgeber wollten sich hier eine Sonderstellung sichern und nicht anssprrre», deshalb sandten sie eine Delegation zum Vorstand nach Kiel. Dieser Versuch scheiterte jedoch an dem Widerstände des Bor- standeS des Arbeitgeberverbandes. DieKielerllnternehmer kontrollierten sämtliche Bauten, und versuchen dort, wo noch gearbeitet wird, die Lerantw. Redakt.: Richard Barth» Berlin. Inseratenteil verantw.: Unternehmer zur Aussperrung zu bewegen. Der Vorstand beS Arbeitgeberverbandes läßt durch die bürgerliche Presse mitteilen, daß sie zur Aussperrung„gezwungen" sind und fleht die Behörden und Interessenten um Nachsicht an. In Aachen hat die Aussperrung der Bauarbeiter nur einen sehr geringen Umfang. Bei den Organisationen meldeten sich Aus- gesperrte nur spärlich, und von den Unternehmern sind Zahlen nicht zu erhalten. Diese fügen sich dem Aussperrungsbeschluß offensichtlich nur sehr widerwillig. Im Gau Dresden sind bei den Maurern von 8250 Mitgliedern nur 3200 ausgesperrt. *•* Bei dieser Aussperrung zeigen sich auch wieder einmal die schärfsten Feinde der Arbeiterschaft, das organisierte Unternehmertum. als gute Förderer der Eiuigungsbestrcbungcn der Arbeiter auf wirtschaftlichem und politischem Gebiete, wenn auch wider Willen. Auf dem Hunsrück und in der Eifel, in diesen dunklen Gegenden Deutschlands, waren am letzten Sonnabend, abends und nachmittags, fast alle Eisenbahnwagen vierter Klasse in den Zügen mit aus- gesperrten Bauarbeitern, die mit ihrem Werkzeug in ihre Heimats- orte zurückkehrten, voll besetzt. Insbesondere aber die Züge aus den Städte Saarbrücken und Trier wiesen eine starke Frequenz auf. Und unter den Ausgesperrten, die aus Anhängern der freien und christ- lichen Gewerkschaften bestanden— auch Fachabteiler befanden sich darunter— fand eine sehr lebhafte Diskussion über die Aus- sperrung statt, an der sich auch die von der Arbeit zurückkehrenden Bergarbeiter in zustimmendem Sinne beteiligten, so daß die ganzen Erörterungen unter den Fahrgästen in jedem Wagen- abteil fast einer Versammlung gleichkamen. Ueberall herrschte auch nur die eine Meinung, daß diese von den Scharfmachern im Baugewerbe vom Zaun gebrochene Aussperrung die gesamten Bau- orbeiterorganisationen— gleichgültig welcher Richtung— in eine Organisation zus am menschweißen werde. Denn wie bei den Unternehmern im Baugewerbe das religiöse Moment auch keine Scheidungsgründe in der Organisation bilde, so dürfe das in der Zukunft bei den Arbeitern in, Baugelverbe auch nicht mehr trennend für die Organisationsbestrebungen sein. Gar lebhast wurde auch von den Ausgesperrten aller Richtungen betont, daß sie ja»un in ihren Heimatsortcn Zeit hätten, kräftig für die Verbreitung des Organisationsgedankens zu arbeiten. Daß dabei auch manches kräftige Urteil über die Zollpolitik der Schwarzblauen und über die WahlrechtSschande in Preußen von den Ausgesperrten geäußert wurde, das versteht sich ain Rande, wie auch der nun wieder be- ginnenden EinseifungSpolitik der schwarzen Gendarmen des Zentrums gedacht wurde. Atso, wo sonst in den weltavgelegenen Dörfern deS HunZrllckS und der Eifel jede freiere Regung der Arbeiter von ben Schwarzen uziterdrückt wurde, da werden nun die Ausgesperrten in ihrer Ver- bitterung den schwarzen Herrschaften gegenüber andere und kräftigere Töne anschlagen. Und daß das geschehen kann, dafür haben die Scharfmacher im Baugewerbe gesorgt. Berlin und vlmgegend. Die Stukkateure Berlins nahmen am Montag in einer stark besuchten öffentlichen Versammlung Stellung zu dem Kampf im Baugewerbe und der Lage im eigenen Beruf. Ter Referent WengelS verwies darauf, daß gegenwärtig 4000 Stukkateure in Deutschland wegen ihres eigenen Tarifs im Kampfe stehen und daß auch die arbeitenden Stukkateure durch den Kampf im Bau- gewerbe nicht unberührt bleiben werden. An den Bestrebungen, welche die Bauunternehmer jetzt durchzusetzen suchen, könne man sehen, wohin die Unternehmer mit dem Abschluß von Tarifver- trägen nach ihrem Sinne zielen. Obgleich die Arbeitsverhältnisse der Stukkateure Berlins durch einen Tarifvertrag geregelt seien, kämen zahlreiche Verstöße gegen den Tarif vor. In den Jahren der Krise seien die Lohn- und Arbeitsverhältnisse wesentlich ver- schlechtert worden, ohne daß sich die Kollegen dagegen gewehrt hätten. Der Redner trug das Ergebnis einer kürzlich veran- stalteten Baukontrolle vor. Daraus ergibt sich, daß von den Werk- stattarbeitern 42 Proz. niedrigere Löhne erhalten als der Tarif vorschreibt. Von den auf Bauten arbeitenden Stukkateuren er- halten 50 Proz. Zeitlohn. Die Lohnarbeit hat seit 1900 beständig zugenommen und der Lohn sinkt immer mehr auf die Minimal- grenze hinab. Die meisten Lohnarbeiter erhalten 7— 8 M. Tagelohn, einige noch weniger. Von den Akkordarbeitern erhält der dritte Teil Löhne die niedriger sind als die Tarifsätze. Auch die hygienischen Bestimmungen des Tarifvertrages werden in vielen Fällen nicht beachtet. Der durchschnittliche Jahresverdienst der Stukkateure ist seit 1900 um 400 M. gesunken. Der Redner be- merkte mit Bedauern, daß selbst organisierte Kollegen die gekenn- zeichneten Mißstände hinnehmen, ohne sich dagegen zu wehren. Die Zustände, welche jetzt herrschen, dürften nicht weiter bestehen bleiben, die Kollegen müßten für strikte Jnnehaltung des Tarifes eintreten, um so mehr, als nach dem Ergebnis der Bautenkontrolle die Arbeitsgelegenheit für die nächste Zeit günstig sei. Nach einer längeren Diskussion wurde eine Resolution ein- stimmig angenommen, worin gesagt wird: Die Versammlung spricht den gegen die einseitige Festsetzung der Arbeitsbedingungen durch die Unternehmer kämpfenden Bau- arbeitern aller Berufe die volle Sympathie der Stukkateure aus.— Sie erklärt es für die Pflicht aller im Beruf Tätigen, den in letzter Zeit mehr und mehr zunehmenden Mißständen entgegenzutreten. Da eine Abstellung der Mißstände nur durch die Einigkeit aller Kollegen zu erzielen ist, so verpflichten sich die Versammelten, für die Ausbreitung der Organisation tätig zu sein. Der Streik der Lcitcrgerüstbanrr, Kutscher und Platzarveiter der Allgemeinen Leitergerüstbau- und Leihanstalt(L. Altmann) A.-G. Charlottcnburg dauert fort. Neue Streikbrecher haben sich bis jetzt noch nicht gefunden. Es arbeiten immer noch die getreuen Poliere und einige Platzarbeiter. Am Montag wurde wieder unter der Aufsicht der Polizei gearbeitet. Die Arbeitswilligen wurden wieder unter deren Obhut von einer Arbeitsstelle zur anderen gebracht. Zwei der Streikbrecher haben von Herrn Altmann Revolver(!) bekommen, um damit, wenn sie von den Streikenden angefaßt werden, sofort zu schießen. Hieraus erklärt es sich auch, daß die Streik- brecher versuchen, die Streikenden zu Gewalttätigkeiten zu reizen, indem sie sagen:„Kommt nur. wenn Ihr wollt!" Die Streik- brecher schlafen nicht mehr in ihrer Wohnung, sondern immer mehrere zusammen in einer Wohnung und werden des Morgens von einem Polizeibeamten nach der Arbeitsstelle gebracht. Wir richten nun an alle Arbeiter Berlins und besonders an die Dachdecker, Maler und Anstreicher die dringende Bitte, uns durch Solidarität zu unter- stützen. Leider ist festgestellt worden, daß sich einige Maler, Dach- decker und auch Maurer dazu bereit erklärt haben, Streikarbeit zu verrichten. Es sind in dieser Aktiengesellschaft 30 Firmen vereinigt und bitten wir alle Anfragen an das Streikbureau, Amt Charlotten- bürg 8323, zu richten. Zuzug ist nach wie vor fernzuhalten. Deutscher Transportarbeiter-Verband, Bezirk Gr.-Berlin. Deutlchcs Reich. Nchtimg» Maler! In Fin st erwalde haben die Unternehmer auf die von den Arbeitern eingereichten Forderungen jede Verhandlung kurz abgelehnt. Die Arbeit wurde daher am 18. d. M. einmütig eingestellt. Einen vollständige» Sieg nach dreitägigem Streik errangen in Stolp i. Pom. die im Zentralverband der Töpfer organisierten Arbeiter. Die Tarifpreise wurden um 4 bis 40 Proz. erhöht und eine Arbeitsverkürzung von 1 Stunde pro Tag erzielt. Ein Streik der Eisenbahnarbeiter. Tie Streckenarbeiter der Bielefelder Kleinbahnen traten am 14. März an die Direktion und an den Kreisausschuß mit einer IH, Glocke, Berlin, Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u. VerwgZanstaü von allen beteiligten 20 Mann unterzeichneten Eingabe heran, W der sie um ein« Lohnerhöhung nachsuchten. Ter Tagslohn dieser Arbeiter beträgt 2,50 M. und im Winter, bei verkürzter Arbeitszeit, 2,30 M. Die tägliche Arbeitszeit beträgt 10 Stunden. In der Eingabe war ein Tagelohn von 3 M. gefordert, der auch während der Wintermonate den festen Arbeitern gezahlt werden sollte. Als am 5. April mittags weder vom Kreisausschuß noch von dem Direktor eine Antwort auf die Eingabe eingegangen war» legten die Arbeiter die Arbeit nieder. Sofort schickte der Direktor, um die älteren Arbeiter holen zu lassen und ihnen zu erklären, daß der Lohn von 3 M. bewilligt sei. Wer wieder anfangen Ivolle, könne anfangen zu arbeiten. Wenn der Kreisausschuß seine Zustimmung gebe, solle der Lohn das ganze Jahr hindurch gezahlt Iverden. Darauf wurde die Arbeit sofort wieder aufgenommen, die Arbeiter hofften, daß der Kreisausschuß seine Zustimmung zn den Zusagen des Direktors geben werde. Das ist jedoch nicht geschehen. Am 15. April wurden die Arbeiter einer Strecke zum Verkehrsinspektor Paul gerufen, wo man von ihnen verlangte. sich durch Unterschrift zu erklären, daß sie mit dem Lohne von 2,50 M. pro Tag zufrieden seien. Die Arbeiter verweigerten die Unterschrist und erhielten am Abend ihre Entlassung. Am folgenden Tage sollten Arbeiter von zwei anderen Strecken dort die Arbeit verrichten, wo man ihre Kollegen entlassen hatte. Diese Arbeit wurde verweigert und es stellten mittags sämtliche noch nicht ent- lassenen Arbeiter die Arbeit ein. Die Tarifbeweguug der Leipziger Kürschner geht einem guten Ende entgegen. Bis jetzt haben 48 Firmen bewilligt und zwar die maßgebendsten am Orte. Die wenigen Arbeitswilligen können den Unternehmern die Ausständigen nicht ersetzen. Wenn der Zuzug weiter so ferngehalten wird wie bisher, muß die Bewegung mit einem vollen Erfolge enden. Ausland. Die außerordentliche Arbeitslosenhilfe in Dänemark. Unsere Parteigenossen im dänischen Folkething Hassien beantragt, daß die Notgesetze von 1909, wonach den Arbeitslosen- lassen sowie den Notstandsunterstützung gewährenden Hilfskassen außerordentliche Zuschüsse, und ferner den ausgesteuerten Arbeits- losen aus der Gemeindekasse weitere Unterstützung gezahlt wurde, so lange tu Geltung bleiben sollten, wie die außerordentliche Ar- beitslosigleit andauert. Die Notgesetze sind jedoch am 1. April abgelaufen, ohne daß die Verlängerung zustande gekommen war. Das lag lediglich am LandStHing, denn das Folkething hatte den sozialdemokratischen Antrag einstimmig angenommen. Am Donnerstag der verflossenen Woche hielten die Arbeitslosen von Kopenhagen eine Massenversammlung ab und begaben sich darauf m einem 3000 Mann starken Temonstrationszuge nach den» Reichstagshause. Eine Deputation wurde zu dem Präsidenten des Landsthings gesandt, um ihn über das Schicksal der Notgesetze zu befragen. Der verwies die Deputation an den Vorsitzenden des Landsthingsausschusses, dem die Angelegenheit zur Prüfling vor- lag. Terweile warteten die Massen der Arbeitslosen auf der Straße. Tie Antwort, die ihnen die Deputation überbrachte, lies darauf hinaus, daß die Sache so schnell wie möglich auf die Tagesordnung gesetzt und entschieden werden sollte. Diesem Ver- sprechen ist das Landsthing dann auch nachgekomnien. Es hat am Sonnabend, kurz vor Schluß der Reichötagssession, den Antrag, das Gesetz über die außerordentlichen Zuschüsse zu den Arbeitslosen, und den Hilfskassen zu verlängern, einstimmig an- genommen. Ucber den zweiten Antrag, das Gesetz über die unter- stützung der Ausgesteuerten betreffend, hatte der Laudsthings- ausschuß kein Gutachten abgegeben, und so scheiterte die Bcr- längerung dieses Gesetzes an dem Widerstand der auf dem Zwei- klassenwahlrecht beruhenden Ersten Kammer des dänischen Reichs- tages._ Letzte JVacbncbten und vepelcben. Die Vetoresolution im Oberhaus. London, 19. April.(W. T. B.) Auf eine Anfrage des Lord Lansdowne in der heutigen Sitzung des Oberhauses er. klärte Lord C r e w e. die Regierung fei bereit, die Betorefolution sofort vorzunehmen, aber er höre, daß es bequemer sein würde. wenn die Debatte nach der FrühjahrSpause ungefähr am 24. Mar stattfinden würde. Die auf den Vetoresolutionen basierte Ge, setzvorlage werde vor dem Beginn der Debatte ver. öffentlichtwerden. Das Budget werde am 23. d. M. im Oberhause zur Debatte gebracht. Er könne keine Angabe machen, wann Roseberys Re so r m re so l u t io n zur Debatte gelangen würde, aber er meine, es sei vielleicht praktisch, sie vor der vorgeschlagenen Vertagung am 29. d. M. zu diskutieren. Die Budgetdebatte im Unterhaus. London, 19. April.(W. T. B.) Bei der Einbringung des alten Budgets für 1909/10 erklärte Lloyd George, obfchon ein tatsächliches Defizit von 20 248 000 Pfund Sterling vorhanden sei. würde dies durch die Erhebung der noch rückständigen Staatsein, nahmen mehr als ausgeglichen werden und sogar ein Ueberschich von 2 900 000 Pfund Sterling vorhanden sein. Wenn die Lords nicht das Budget verworfen hätten, Ivas zu einem Verlust deS Schatzamtes durch Nichtbezahlung von Einkommensteuern, Stempel» steuern, Zöllen und anderen Beträgen geführt habe, so würde der llrberschuß für 1909 4 200 000 Pfund betragen haben. Während deo Dauer von vier Monaten hätten sich die Finanzen des Landes iitz einem Zustande der Verwirrung befunden, und doch habe die Re» gierung drei Millionen Pfund aus den Staatseinkünften des Jahres znr Berminderung der öffentlichen Schuld verwendet und einen vebcrfchuß von 2 900 000 Pfund erzielt, welcher ebenfalls für die Verminderung der Schulden oder zu jedem anderen Zwecke, den das Haus wählen möge, verwendet werden könne. Er glaube dah kein anderes Land dies fertig bekommen hätte.(Beifall bei den Ministeriellen.)_ Ein blutiger Grenzzwischenfall. Konstantinopel, 19. April.(W. T. B.) Nach einer hier ein» getroffenen. Depesche hat«in Offizier eines französische« Postens in Kawara an der Grenze des Sudangebiete» eine türkische Karawane anhalten und über zwanzig Kameltreiber. die dem räuberischen Stamme der Tibu angehörten, töten lassen. Die Pforte hat ihren Botschafter in Paris beauftragt, wegen desj Zwischenfalles Vorstellung in Paris zu erheben. Vom Wahnsinn befalle». Mainz, 19. April.(W.T.B.) In Klleinwinternheim schlug heute der Landwirt Alois Büchner seine fünf Kinder und feine Fran mit einem Beil nieder. Die Kinder mußten nach Mainz ins Spital gebracht werden. Der Mann erschoß sich darauf mit seinem Jagdgewehr. Großfeuer. Linbenberg(Allgäu). 19. April.(B. H.) In W e i l e r ist die Strohhutfabrik infolge Kurzschlusses niedergebrannt. Drei Stock. werke des Fabrikgebäudes uno der größte Teil de? Warenlagers iiq Werl« von 100 000 M. sind vernichtet. �aul Singer Sc Co., Berlin L1V. Hierzu 3 Beilagen u.UnterhaltungSbl, |t. 91. 27. Illhtgavg. 1. Icilaof w.Amärls" Lnliin Nalksdlall. WMch> 20. Jpril 1910. Reichstag. ö7. Sitzung vom Dienstag, den IS. April. mittags 12 Uhr. Am SZundeSratstisch: Kommissare. Auf der Tagesordnung steht die Fortsetzung der ersten Beratung deS Entwurfs einer Reichsverficherungsordnung. Abg. Frhr. v. Gamp(Rp.): Der Abg. Molkenbuhr sollte doch nicht immer mit seinen alten Ladenhütern gegen die Agrarier kommen. Ferner hat er unsere ganze sozialpolitisckie Gesetzgebung herunter- gerissen i dabei wenden wir, wenn sie ganz durchgeführt ist, jährlich 1000 Millionen Mark, täglich also fast drei Millionen Mark für Arbeiterfürsorge ans.v e r d e n wir nicht z u st i in m e n. Sollen die Behörden in der Versicherung segensreich wirken, so müssen sie von anderen B e- Hörden unabhängig sein, das ist bei der gegenwärtigen Praxis des Reichsamts des Innern auch bei dem R eichs v-'- fi ch erun gs amt nicht d e r F a I l.— Die Zentralisation bei; Krankenkassen kann auch zu weit getrieben werden; nachdem alle gleichwertig sein sollen, ist eine übertriebene Zentralisation um so weniger notwendig.— Daß die Herren von der Rechten und die Nalionalliberalen sich für die H a l b i e r u n g der Krankenkassen- beitrüge ausgesprochen haben, wundert uns nicht; mehr hat uns gewundert, daß der Abg. Mugdan sich dagegen ausgesprochen hat. Wäre die Parteikonftellation noch ebenso wie vor einem Jahre, so wäre das wohl kaum ge» s ch e h e n.(Heiterkeit.) Die sozialde in akratischen Ge» werkschaften mißbrauchen gewiß die Kassen zu politischen Zwecken; aber die Herren, die deshalb die Halbierung der Beiträge fordern, sollen doch auch den Mißbrauch bekämpfen, der in dei, Berufsgenossenschaften getrieben ivird, wo nur konservative und nationalliberale Herren in leitende Stellen berufen werden, und den politischen Mitzbra u ch der Handelskammern, wo nur Liberale als Syndici angestellt werden. Wenn die Industrie so leistungsfähig ist, ohne weiteres 66 Millionen mehr zu den Krankenkassen bei- zutragen, so soll sie mit diesem Geld die Versicherung ausbauen, und nicht darüber klagen, wie der Zentralverband deutscher Industrieller, daß die soziale Gesetzgebung die Industrie zu sehr belastet.(Sehr gut I im Zentrum.) In der Ilnfallversicherung weist der Entwurf in den Renten auf Zeit eine Verschlechterung gegenüber dem bestehenden Zustand auf.— Daß die Heimarbeiter in die Invalidenversicherung einbezogen werden sollen, ist er» freulich.— Herr Mugdan irrte, als er behauptete, das Zentrum habe den Zolltarif vor dem Volke mit der Lex Trimborn(Hinter- bliebenenversicherung) gerechtfertigt; so beschränkt sind unsere Wähler nicht(Große Heiterkeit links), sie billigen unsere Wirtschaftspolitik, weil sie heilsam für das Reich und das Volk ist.(Zustimmung im Zentrum, Lachen links.) Wir vertreten unsere Politik vor unseren Wählern und gewähren den Sozial- demokraten in unseren Versammlungen Redefreiheit(Lachen und Widerspruch links); aber sie kommen nicht mehr, jedenfalls, weil sie zu schlecht abgeschnitten haben.(Heiterkeit bei den Sozialdemokraten.) Herr Molkenbuhr warf dem Zentrum vor, es hätte gegen das In- validengesetz gestimmt und gegen die Einbeziehung der landwirt- schastlichen Arbeiter in das Krankenkassengesetz. Sollte das ein Fehler gewesen sein, so ändert das daran nichts, daß die Sozial- Politik des Zentrums vorbildlich ist; bei uns sind eben Fehler etwas Seltenes, bei Ihnen(zu den Sozialdemokraten) ist das Gute etwas Seltenes, so Ihre Zustimmung zu der Novelle zmn Unfall- und Jnvalidenversicherungsgesetz im Jahre 1890, und damals geschah es nur, lvie Bebel auf dem Dresdener Parteitag erklärt, weil in der Fraktionssitzung eine Zufallsmehrheit von Revisionisten vorhanden war. Reden Sie(zu den Sozialdemokraten) nur ruhig weiter über die Sozialpolitik des Zentrums, wir wollen ruhig abwarten, ob Sie bei der Schlußabstimmung wagen tverden, gegen die Witwen- und Waisenversicherung zu stimmen.(Sehr gut! im Zentrum.) Die übrigen Parteien bitte ich, mit Wohlwollen in die Kommission zu kommen, damit ein Werk zustande kommt, das nicht der Wer» ärgerung dient, sondern dem sozialen Frieden.(Bravo I im Zentrum.) Abg. Pauli-PotSdam(k.): Gegen die Versicherungsämter haben wir große Bedenken; wir fürchten, sie werden ein zu teurer Unterbau für unser Versicherungswesen sein.— Die Ausdehnung der Versichernngspflicht auf die Land- und HauSarbeiter begrüßen meine politischen Freunde mit Freude. Dagegen können wir nicht der Beschränkung der Betriebskrankenkassen zugunsten der Orts- krankenkasscn zustimmen; die Betriebskranken lassen haben in jeder Hinsicht mehr geleistet als die Ortskrankenkassen.— Gegen die Halbierung bestehen in unserer Fraktion fchwere Bedenken, weil sie neue Lasten für die Unternehmer, speziell für den Mittelstand bringt. Andererseits ist die mit der Halbierung der Beiträge verbundene Halbierung der Vertreterstimmen geeignet, dem Mißbrauch der Kassenverwaltung zu Parteizwecken zu steuern. Aber die Bedenken sind so schwer, daß sie sich kaum überwinden lasten werden.— Die Krankenkassenvorstände los. Max Bruch, der mehr als Siebzigjährige, komponiert einfach, oft nur in auseinandergelegten Dreiklängen. mit merklichem Hervortreten des Ouintintervalls; er spart mit den Mitteln; er ist innig melodiös. Das geht wider die Mode. Er ivird manchmal einförmig breit, legt einen Schleier des Sentimentalen über das Ganze und erinnert gelegentlich durch Marsch und Trab an die„Liedertafel". Das geht wider die Ewigkeit. Er ist er» greifend in seiner Charakteristik äußerer und innerer Vorgänge; er packt mit der elenientarcn Wucht antiker Größe. Das macht ihn vom Gestern und vom Morgen unabhängig. Die Gattung des„weltlichen Oratoriums' besitzt an Bruchs „Szenen aus der Odyssee sür Chor, Solostimmen und Orchester" feit 37 Jahren einen Schatz, den kaum eine andere derartige Kom- Position übertrifft, und der gleichsam jedesmal neu zu heben ist. Das Werk„singt sich leicht"— d. h. Ivenn man so gut singen kann, wie's bei den Rixdorfern und ihren Solisten(Bariton H.Weißen- b o r n als Odysseus, und andere) im ganzen der Fall ist— ein- schließlich des Chores der Kinder, die bei der Erscheinung der Schatten in der Unterwelt verläßlich mithielten, nachdem sie einen kleinen Unfall auf der Tribüne mit sorgloser Unbefangenheit über» standen halten._ b& Notizen. — Theaterchronik.„K o n k u r r e n t e n", Kaufmanns- tragödie in drei Akten mit einem Vorspiel„In der Pension", ist der Titel eines Schauspiels, das der„Be rein zur Förde» rung der K u n st" am 26. April im H e b b el- T h ea t e r mit dessen Ensemble zur Aufführung bringen läßt. — Ein Berliner Salon der Zurückgewiesenen? Aus Künstlerkreisen wird uns geschrieben:„ES haben sich durch die umfassende Ablehnung seitens der Jury der Sezession eine Anzahl Künstler zusammengeschlossen, um dem Berliner Publikum die ab- gelehnten Werke vorzuführen. Das unterzeichnete Bureau bittet die ihm noch unbekannten Künstler, die Werke diskutabler Form eingesandt haben, um Adressenangabe. Bureau der Röfusös der Sezession 1910, Eisenacher Str. 103 III." — Berliner A r b e i t erb i b l i o t h e k e n. Zu unserem Artikel in Nr. 73 des Unterhaltungs-Blattes über Berliner Arbeiter- bibliothekswescn teilt uns der Verein der Schriftgießer niit, daß er deshalb keine eigene Bibliothek besitzt, weil er eine Nebcnorganisation des Vereins Berliner �Buchdrucker und Schrift« gießer ist und dessen Bibliothek benutzt. — Eine gemeinverständliche Schrift über den Halleyschen Kometen und über Kometen überhaupt ist soeben im Verlage von Kaden u. Komp. in Dresden erschienen. Sie trägt den Titel: Kometen— Wissenschaft und Aberglaube— ist mit nicht weniger als 28 astronomischen und kulturgeschichtlich bemerkenswerten Bildern und zwei feinen Bildnissen geschmückt und von Fritz Düvell unv Franz D i e d e r i ch gemeinsam verfaßt. Das Kometenbuch, das 120 Seiten stark ist, kostet 1 Mark. und ihre Beamten sind Agitatoren der Sozialdemokratie.(Lachen bei den Sozialdemokraten.) Dagegen treffen die Behauptungen der Abgg. Molkenbuhr und Becker nicht zu, daß die Berufsgenoffenschaften ihre Beamten nach ParteirLcksichten wählen.(Lachen bei den Sozial- demokraten.)— In der A e r z t e f r a g e mutz versucht werden, einen billigen Ausgleich der widerstreitenden Jntereffen zu schaffen.— Was die Hinterbliebenen Versicherung, betrifft, so werden die jetzigen, in der Tat ja nicht sehr hohen Sätze sicherlich nicht aus- reichen. Man loird also über kurz oder lang die Sätze erhöhen. Das bedeutet eine neue Belastung des Handwerks. Wohin soll das führen? Der deutsche Gewerbefleitz mutz konkurrenzfähig bleiben gegenüber dem Auslande, das nicht so schwere sozial- politische Lasten auf sich genommen hat wie Deutschland.(Bravo I rechts.) Abg. Dr. Arniug(natl.): Im Jahre 1885 fielen zirka sechs Millionen Erwerbsfähiger unter die Krankenversicherung; jetzt sind eS mindestens 13 Millionen, die ihr unterstehen, und nach der Vor- läge werden es 20 Millionen sein. Durch Angehörige usw. steigt diese Zahl auf mindestens 30 Millionen. Also die Hälfte der deutschen Bevölkerung— wenn nicht mehr— genießt ärztliche Be- Handlung und bezieht Heilmittel zu Kassenpreisen. Da kann man sich nicht wundern, daß sich der Aerzte, Zahnärzte, Apotheker, Drogisten eine gewisse Erregung bemächtigt hat. Den Apothekern geht es k e i n e s w e g s s o gut, wie man allgemein denkt, und wenn man den Ausdruck„Apothekerpreise� gebraucht, um hohe Preise zu bezeichne», so ist das nicht gerecht. Der Redner lritt des weiteren unter Berufung auf die Beschlüffe des außerordentlichen Aerztetages für die Forderungen der Aerzte ein. Ebenso wünscht er eine stärkere Berücksichtigung der Wünsche der Zahnärzte gegenüber denen der Zahntechniker. Direktor im Reichsamt des Innern, Geheimrat Casper: Wenn man, wie gestern auch Herr Mugdan, wünscht, datz für das Reich durch gesetzliche Regelung eingeführt wird, was in Württemberg durch freie Vereinbarung geschaffen ist, so übersieht man doch die Berschiedenartigkeit der Verhältnisse. Hierauf vertagt das Haus die Weiterberatung auf Mittwoch 12 Uhr.(Außerdem Fernsprechgebührenordnung.) Schlutz Va7 Uhr._ Hbgeordnetenbaus» 62. Sitzung vom Dienstag, den 10. April, vormittags 11 Uhr. Am Ministertisch:v. Trottzu Solz. Die zweite Lesung des Kultusetats wird fortgesetzt. � Abg. Wincklcr(k.): Es mutz ein Stolz sein für den Herrn Minister, einen Etat vorzulegen, der solche Summen für die Kultur- zwecke, für die edelsten Güter des Volkes vorsieht. Professor Hille- brand hat im Herrenhause mit Recht gesagt:„Ich bitte, mir den Staat zu zeigen, der auch nur entfernt in dieser Beziehung mit Preutzen verglichen werden kann." Das war das Urteil eines Sachverständigen. Solche Reden, wie wir sie gestern zum Schlüsse gehört haben, haben ihre heiteren und ihre ernsten Seiten. Wir müssen lächeln, wenn Herr Hoffmann die großen Summen für die Geistlichen hervorhob. Sind sie doch nichts, als die etatS- mätzigen Konsequenzen der Beamtenbesoldungserhöhungen. Wir müssen auch lächeln, wenn wir so schiefe Vergleiche sehen, wie die Berechnmrg dessen, was dem Staat ein Volksschüler und ein höherer Schüler kostet, wobei ungeachtet gelassen wird, datz für die Volks- schulen die Gemeinden große Kosten aufbringen. Aber eine solche Rede hat auch ihre sehr ernste und lehrreiche Seite. Wir sehen daraus so recht, wie einem großen Teile unseres Volkes die wichtigsten Vorgänge im Staatsleben dargestellt werden. Die Reden der Sozialdemokraten werden den Volksgenossen In vxtonso wiedergegeben, was wir antworten, wird hingestellt als lächerlicher Versuch, die Angabenjder Sozialdemokraten zu widerlegen. Sie erfahren nichts davon, welche Opfer der Staat anderen Volks- kreisen, wie den Gutsbesitzern, zur Unterhaltung der Volksschulen auf- erlegt usw. Wir sehen, aus welchein Material die Mauer gebaut wird, die einen grotzen Teil unserer Volksgenossen von uns ab- schließt, abschließt von der Treue an dem Staat, derfür sie sorgt wie kein anderer Staat auf der Welt(Bravo I rechts), und in dem zu leben, für jeden, der ihn wirklich kennt, eine Freude fein sollte.(Bravo I rechts.) Der Antwort des Herrn Ministers an den Herrn Abg. Dittrich stimmen wir durchaus zu. Auch wir legen grotzen Wert auf de» Idealismus unserer Volksschullehrer. Wir halten fest daran, datz der Religionsunterricht in den Volksschulen von den Lehrern erteilt wird. Nur so können die Lehrer den Weg zum Herzen ihrer Schüler finden. Auf die Frage des Religionsunterrichts der Dissidenten- linder werde ich heute nicht eingehen, sie wird uns bei Ge- legenheit der Besprechung einer Petition noch beschäftigen. Zuzugeben ist, datz es fich um eine zarte Gewissensfrage handelt. Der Erlaß der Srnsberger Regierung, wodurch mit einem Schlage 200 Schulen von der Ortsschulinspektion losgelöst werden, hat auch bei meinen Freunden Bedenken erregt.(Sehr richtig l rechts.) Wir nehmen aber mit Befriedigung von der Mitteilung des Herrn Ministers Kenntnis, daß es sich hier nicht um eine grundsätzliche Aenderung handelt. Mit der beabsichtigten Abtrennung der Medizinalabteilung sind wir grundsätzlich einverstanden, nicht aber mit einer Isolierung des Unterrichtsministeriums. Das Ministerium ist doch nicht eine Artischocke, von der man ein Blatt nach dem andern abnehmen kann.(Heiterkeit.) Wir wünschen, datz auch ferner Kirche und Schule, soweit es fich um die höchste Staatsverwaltung handelt, in einer Hand bleiben.(Bravo! rechts.) Den Dezentrali- sationSbestrebunge» in der Berwaktung stimmen wir zu. Kultusminister v. Trott zu Solz: Ich danke Herrn Winckler, datz er die Angriffe zurückgewiesen hat, die gestern gegen die Re- gierung erhoben worden sind, datz sie auf dem Gebiete der Kultur, insbesondere für die Volksschule, nicht genug tue. Es ist ja die beste Widerlegung im Etat selbst zu finden, wenn man die Summen steht, die insbesondere für die Zwecke der Volksschule dort gefordert werden. Allerdings mutz man die Zahlen richtig auffassen und den Etat studieren, wenn man hier über den Etat sprechen will.(Sehr richtig I rechts.) Das ist von dem Herrn Redner, der die Angriffe gegen die Regierung gerichtet hat, offenbar nicht geschehen, wenn ich nicht etwa annehmen will, daß er absichtlich falsche Zahlen mitgeteilt hat. Er hat insbesondere behauptet, datz für Kirche und Geistliche die Millionen nur so flössen, datz aber für die Schule nichts geschehe. Das veranlaßt mich denn doch, Ihnen einige Zahlen mitzuteilen, aus denen eklatant hervorgeht, daß diese Ausführungen direkt den Tatsachen wider- sprechen. Herr H o f fm a n n hat z. B. zum Kapitel 113 evangelische Geistliche und Kirchen de» Schluß gezogen, daß 21 Millionen gegen das Vorjahr mehr eingesetzt seien. Er übersieht dabei, datz in diesem Mehr enthalten sind 10 Millionen, die im Interesse der Vereinfachung des Etats vom Kapitel 12t übernommen worden sind und rund 10 Millionen, welche zur Neuregelung der Gehälter durch das Gesetz vom 26. Mai 1009 vom 1. April 1908 ab bewilligt sind, aver erst je?r im Etat in die Erscheinung treten. Nach Abzug oleler 20 Millionen beträgt das Mehr für evangelische Geistliche etwa 16 000 M.(Heiterkeit und hört I hört I rechts.) Bei dem Mehr für katholische Geistliche und Kirchen gehen von den von Herrn Hoffmann angeführten 6 Millionen 3 638 000 M. ab, die von einem anderen Kapitel übertragen find, und 2 380 000 M., die ebenfalls schon vom 1. April 1908 ab gezahlt werden, so datz da» Mehr nur 160» M. beträgt.(Große Heiterkeit und Hört I hört I recht».) Nun zu den Ausführungen de» Herrn Hoff- mann über die Vernachlässigung der Volksschule durch den preußischen Staat. Die Bolksschnlstatistik beweist eine» ständigen Rückgang in der Ueberfüllung der Klassen. Wegen Ueberfüllung konnten nicht Aufnahme finden in den Volksschule» im Jahre 1900: 0,5 Proz., im Jahre 1906: 0,1 Proz.(Heiterkeit rechts.) Wenn man diesen autzerordentlich geringen Prozentsatz auch noch verbindet mit der Schwierigkeit, die für die Schulen in der fluktuierenden Bevölkerung zu finden find, so ergibt sich hier ein geradezu glänzendes Bild.(Sehr richtig! rechts.) Der Prozentsatz der in normalen Klassen unterrichteten Kinder ist von 73,45 Proz. im Jahre 1896 auf 77,85 Proz. im Jahre 1901 und 83,29 Proz. im Jahre 1906 gestiegen. Auf eine voll beschäftigte Lehrkraft kamen in denselben Jahren 66, 63 und 60 Kinder und zwar in den Städten 59, 56 und 53, auf dem Lande 70, 68 und 65 Kinder. Was die Aufwendungen des Staates für das Volksschulwesen an- belangt, so betrug das Ordinarium des Etats für das Elementarunter- richtswesen, Art. 121 im Jahre 1890 rund 55,82 Millionen, im Jahre 1900 rund 82,07 Millionen, und im Jahre 1910 beträgt es 161,58 Millionen.(Hört! hört! rechts.) Die Steigerung beträgt also 105.7 Millionen gleich 190 Proz. Das tut ein Staat, dessen Steuersystem nicht auf indirekten, sondern auf direkten Steuern be- ruht, zu denen die Klassen, die hauptsächlich ihre Kinder in die Volksschule schicken, nichts oder nur wenig beizutragen haben.(Sehr wahr! rechts.) Das sind die Zahlen, die ich gegenüber Herrn Hoffmann anführen wollte, wenn ich auch geringe Hoff- nu ng habe, daß sie nun in den Kreisen bekannt werden, für die ich sie allerdings hauptsächlich ausgesprochen habe.(Sehr richtig I rechts.) Die Abtrennung der Medizinalabteilung kann ich nunmehr mit aller Bestimmtheit für den nächsten Etat voraussagen. Natürlich bleibt alles, was mit der wissenschaftlichen Ausbildung und Tätig-' keit der Aerzte zusammenhängt, beim Kultusministerium. Es würde ja auch niemand daran denken, z. B. die juristischen Profefforen dem Herrn Justizminister zu unterstellen.(Bravo I rechts.) Abg. Nissen(Däne) führt Beschwerde über daS Verbot der Erteilung des Religionsunterrichts in dänischer Sprache in der Nord- mark und über einen Erlaß des Ministers, der den Geistlichen ver- bietet, dänische Vereinshäuser zu besuchen. Kultusminister v. Trott zu Solz: Mein Erlaß bezweckt, daß die Geistlichen sich von jeder politischen Agitation fernhalten. Die dänischen Bereiushäuser sind erfahrungsgemäß der Hort des DänentumS. Abg. Ernst(Fortschr. Vp.): Durch den neuen Dirigenten für das Volksschulwesen sind erfreulicherweise die Fäden zwischen der Lehrerschaft und dem Ministerium wieder enger genüpst worden. Von der geistlichen Schulaufsicht wollen vielfach die Geistlichen selbst nichts mehr wissen. Die Entfernung des Religionsunterrichts au» der Volksschule wird von den preußischen.Volksschullehrern durchaus nicht gewünscht. Die Versammlungen des Deutschen Lehrervereins beweisen, datz von einer ReligionSfeindschaft der Lehrer keine Rede ist. Aber die Dissidentenkinder gehören nicht in den Religionsunterricht der Schule. Redner spricht sich für Zulassung der Volksschullehrer zum Universitätsstudium aus und führt Beschwerde darüber, daß in Bromberg 18 Lehrer entlassen worden sind, weil sie ihre zweite Prüfung nicht rechtzeitig gemacht hatten. Ministerialdirektor Dr. Schwartzkopff: In Bromberg kommen überhaupt nur 15 solche Lehrer in Betracht, und von diesen sind nur vier entlassen worden. Es ist also gerade mit weitgehender Milde in Bromberg verfahren worden. Abg. Heckcnroth Friedhofes in Britz, Chaussecstraße, aus statt. 2«itungz-8poilition„Vorwärts" W. Eberhardt» Co. Filiale R i x d o r f. fleutselier Brauerei-Äiiieiter. Zahlstelle Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß am 17. April unser Kollege, der Flaschen-Kellerarbeiter Wilhelm Stahl (Böhmisches Brauhaus) nach schwerer Krankheit ver- starben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung erfolgt heute, nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle des Dorotheenstädti- schen Kirchhofes, Scharrnwebcr- straße 1, Neinickendors-West, aus statt. Rege Beteiligung erwartet 12/10 via Ortsverwaltung, Am 17. April verstarb nach langem, schwerem Leiden meine gute Frau, unsere herzensgute Mutter, Tochter, Schwester, Schwägerin und Tante Urise Gröschel geb. liienlz» im Alter von 32 Jahren. Um stilles Beileid im Namen der Hinterbliebenen bittet J. Gröschel. Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 21. April, nach- mittags 4'/, Uhr, von der Halle des Nixdorser Gemeinde-Fried- hofeS, Mariendorfer Weg, aus statt. veutselier Mbinder- Verband. Zahlstelle Berlin. Unseren Mitgliedern zur Nach- richt, daß nach langem Leiden unser Mitglied Frau l�irise Gröschel) am 17. d. M. verstorben ist. Ehre ihrem Andenke«! Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 21. April, nach« mittags Vj, Uhr, von der Halle des Rixdorfer Gemeinde- Friedhofs, Mariendorfer Weg, aus statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht 23/1S Die Ortsverwaltung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und die zahlreichen Kranz- spenden bei der Beerdigung unserer unvergeßlichen lieben Tochter sagen wir aus diesem Wege allen Teil- nehmen» unseren herzlichsten Dank. lmi Familie Bommer. Danksagung. Für die liebevolle und zahlreich« Teilnahme bei der Beerdigung meines unvergeßlichen Mannes, unseres guten Baters und BruderS sagen wir allen Vereinen und Kollegen unseren ttesgesühlten Dank. 52042 Witwe Marie Voggenreiter nebst Kindern und Brüdern. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme sowie die zahlreichen Kranz- spenden bei der Beerdigung meiner mir unvergeßlichen Frau, unserer herzensguten, treu sorgenden Mutter Frau �»lesha Rentner sagen wir allen Verwandten, Freunden und Bekannten, sowie allen Vereinen, welche der Entschlasenen die letzte Ehrung gebracht haben, aus diesem Wege unseren tiefgesühllen Dank. Ernst Rentner nebst Kindern. Danksagung. Für die Beweise herzlicher Teil- nähme bei der Beerdigung meines lieben Mannes, unseres guten Vaters unseren herzlichsten Dank. Frau Rlock nebst Kindern, 5203U Berliner Str. 125. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und die überaus.reichen Kranzspenden bei der Beerdigung meines lieben Mannes und unseres guten Vaters sprechen wir allen Be- teiligten, insbesondere auch Herrn Manasse sltr den dem Verstorbenen gewidmeten Nachruj unseren herz- lichsten Dank aus. 1781b Frau Witwe W. Graack nebst Kindern. (Haben Sie Stoff? /ck fertige davon Anzug od. Paletot nach Mass, schick, dauerh. Zutaten, ron20 Markau. Moritz Laband, _ Neue Piomenadet.II. iSldtb.BBrse). Am 14. April entschliek unser lieber Kollege und Vertrauensmann, der Schriftsetzer Arthur Bötzow nach langem schweren Leiden in Genf, wo er vergeblich Heilung suchte, im Alter von 32 Jahren. Wir werden das Andenken dieses treuen und lieben Kollegen stets in Khren halten. 1738b Die Kollegen der„Deutschen Tageszeitung", Berlin. Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 21. d. M., nachmittags 51/, Uhr, von der Leichenhalle des alten Luisenkirchhofes, Bergmannstraße, aus statt zu Berlin. Ordentliche Generalversammlung am Donnerstag, den 28. April l.S1v, abends pünktlich 81/, Uhr, im großen Saale der Arminhallen, Kommaudanteostr. 53—59. Tages-Ordnung: 1. Rechnungslegung für das Jahr 1SV9 durch den Rendanten. 2. Bericht des Rechnungsausschusses bezw. Dechargeerteilung. 3. Besprechung über die Neichsversicherungsordnung. 4. Verschiedenes. 274/13 DM- Die Mitglieder der Generalversammlung werden ersucht, über die Angelegenheiten, welche sie eventuell zur Sprache bringen wollen, der Kasscnverwaltung bis 26. April ISIO Mitteilung zu machen, damit das ein- schlägige Material zur Stelle geschafit werden kann.— Bis zu diesem Tage nicht gemeldete Angelegenheiten können nicht verhandelt werden(§ 50 letzter Zlbsatz deS Kassenstatuts).- De? Tortsand. I. B l« n z, Vorsitzender._ O, W o n i tz ki, Schristsührer. Arbeitsnachweis: Hos l. Am« 3. 1235). BerwaltungSitelle Berlin. Hauptbureau: CharitistraBe 3. Hof Hl. Amt 3. 1987. Donnerstag, den 21. April, abends 8 Uhr: r-fniig lur Will in den Andreas-Festsälen, Andreasstr. 21. Tages-Ordnung: 1. Vortrag deS Kollegen Otto GlUckner über:„Gewerkschaftskämpfe einst und jetzt.« 2. Diskussion. 3. Branchenangelegenheiten. Da unter Branchenangelegenheiten wichtige Beschlüsse gesatzt werden, erwarten wir, daß auch der letzte Mann unbedingt erscheint. Die Kollegen von Kunnert u. Co. und Peters Nächst, find hiermit de- sonderS eingeladen. , Mitgliedsbuch legitimiert!. Donnerstag, den 21. April, abends 8'/, Uhr: Dkchmmlmig dnFormtril.Kkrilfsg. im großen Saale der Borusfia-Säle, Ackerstr. 6/7. TageS-Ordnung: 1. Abrechnung vom FormersondS. 2. VerbandSangelegenheiten. Der Antrag vom 15. Dezember 1909. 3. Branchenangelegenheiten. 114/13 Blitgltedsbnch legitimiert Zahlreichen Besuch erwartet Dt« Grtsvorwaltnng. Zentralverband der Schmiede Zahlstelle Berlin. Bureau und Arbeitsnachweis: Linienstr. 73. Telephon: Amt Hl, 9319. Donnerstag, den 21. April, abends 8'/, Uhr, in den„Mufiker-Sälen", Kaiser-Wilhelm-Straße 18m: Außnirdeiitlicht Gcilcrlil-Ncrsiiiililillllig. TageS-Ordnung: 1. Stellungnahme zu den als Delegierte vorgeschlagenen Kandidaten. 2. Punkt 9'/, Uhr: Wahl der Delegierten zum Verbandstag. 3. Abrechnung vom 1. Quartal. 4. Antrüge und Verschiedenes. WtF" Mitgliedsbuch legitimiert. Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt."MG Kollegen! Der Zentralvorstand hat aus Antrag die am 23. März stattgehabte Wahl für ungültig erklärt und zugleich die obige Neuwahl an- geordnet. Wir ersuchen um recht zahlreichen Besuch dieser Versammlung. Kein Mitglied dars schien l 176/8 Gleichzeitig teilen wir mit, daß am Montag, den 25. April, abends 8'/, Uhr, in demselben Lokal eine weitere Versammlung stattfindet. Die Tagesordnung dieser Versammlmig wird noch im.Vorwärts» bekanntgegeben.— Auch zu dieser Versammlung ist zahlreicher Besuch ersorderlich. Dl« Ortsvcrwaltiing. (Zahlstelle Berlin.) Donnerstag, den 21. April, abends 8>/, Uhr, im„Englischen Garten", Alexanderstr. 27c: Versammlung für die Tischbranche. TageS-Ordnung: 1. Besprechimg der gegenwärtigen Situation. 2. VerbandSangelegenheiten. 82/9______ Die Ortsvorwaltn ng. v-xr t&A ga M. Vorteiiliafl kaufen Sie ;anze Wohnungs- Einrichtungen sowie einzelne Aöbelstücke— auch auf Kredit— zu billigsten Preisen. Zurückgesetzte Möbel stets am Lager. Möbeikaufhaus Veinmeisterstr. 1, 1. Ecke Bosenthaler Straße. Et. Geschäft: Große Franklurter Straße 104, L am Strausberger Platz.• Bureau: Engelufer lö. DL ZweigVCreill Berlin. Telephon: Amt 17, 4093. Sektion der ITlanrer. Heute, Mittwoch, den 20. April d. I., abends 8V» Uhr, finden in allen Bezirken und Zahlstelle« statt. Miitstlieder- Versammlungen Oranienburger Vorstadt in den Bornsfia-Sälen, Ackerstr. 6/7. Osten I bei Litfin, Memeler Str. 67. Osten II im Elysimn. Landsberger Allee 41/42. Nord-Ost in den Luna-Festsäleu, Neue Königstr. 7. Südosten bei Böhm, Naunynstr. 6. Westen im KönigShof, Bülowstr. 37—40. Südwesten bei Habel, Bergmannstr. 6/7. Süden im„Märkischen Hof", Admiralstr. 18o. Wedding im„Reuen KlnbhauS", Schulstr. 29, großer Saal. Moabit bei Kirschkowski, Beusselstr. 9. Norden I und II bei Puhlmann, Schönhauser Allee 143. Charlottenburg im„Bolkshaus", Rosinenstr. 3. Rixdorf bei Wolff, Kirchhofstr. 41. Schöneberg in den Reuen Rathans-Sälen, Meininger Str. 8. Gr. Lichterfelde im Kaiserhof, Kranoldplatz. Steglitz bei Rohmann, Schloßstr. 117. Lichtenberg im„Schwarzen Adler", Frankfurter Chaussee 5. Köpenick bei Joch, Grünauer Straße. Friedrichshagen bei Lerche, Friedrichstr. 112. Reinickendorf bei Anders, Hauptstr. 51. Pankow bei Jtteritz, Florastr. 90. Wilmersdorf bei Käseler, Lauenburger Straße 21. Adlershof bei W. Baschin, Metzer Straße 1. Alt-Glienicke bei Witte, Köpenicker Straße 6. Zehlendorf bei Mickley, Potsdamer Straße 25. Friedrichsfelde bei Sommerfeld, Miquelstr. 70. Mahlsdorf bei Dräger, Bahnhofstr. 10. Tempelhof bei Müller, Berliner Straße 41/42. Martendorf bei Löwenhage«, Chausseestr. 27. Teltow bei Kubsch, Hoher Steinweg 10. Weistensee bei Penkert, Königchaussee 33. am Donnerstag, den 21. April. 8elltilm öer Gips- und Zementbraneiie. Betonbanbranche. Zementierer, Einschaler und Hilfsarbeiter bei Jaunaschk, Jnselstraße 10. Tagesordnung t« allen Berfammlunge«: Bericht und Abstimmung über das Resultat der Vertragsverhandlungen im Lohngebiet Groß-Berlin. >> Mitgliedsbuch legitimiert, ohne dasselbe kein Eintritt. � Das Bureau d. Verbandsleitung ist am Mittwoch, d.2D. d., von I Uhr an geschloffen. 137/12_ Die V crbandelettnng._ Verband der Maler, Baekierer, Ansireicher Mrlchiorftraß» 28, Part. Male Berlin. nsm. Fernsprecher Amt IV Kr. 4787. Dodnerstag, den 21. April 1910, abends 8V2 Uhr: Mitglieder sVersammluns im Gewerknchaftwhaase, Engeluser 15(großer Saal). TageS-Ordnung: 1. Wahl eweS Delegierten zum außerordentlichen GewerkschastSkongrefi. 2. Bericht und Neuwahl der Ortsverwaltung. 3. VerbandSangelegenheiten. mtglledsbach legitimiert. Die Orts Verwaltung. Mittwoch, den 20. April 1910, abends 8l/z Uhr: Versammlung der Kücheitmöbelbranche im„Rngllseliei» Garten", Alexanderstraße 27c. TageS-Ordnung: 1. Bericht über die Verhandlungen vor dem EinigungSamt. 2. DiSkusfion. Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt.■ 129/4* Die Branohcnlcitnng. Zur Beachtung! Die gedruckten Jahresberichte liegen in den Zahlstellen aus. Vom einfachsten bis zum elegantesten Genre! FUr Jede Figur passend: FrOhjahrS'UeHochsommerKenfekilon! Kostüme, Mäntel, franz. Kleider Paletots, Röcke, Kimonos in Baet, Leinen, Seide. Tnels, Cheviot etc. tllr Strasse, Sport, Reise, Gesellschaft bis 550/0 unten Opiginalpreisen■ o.zwsr m M. 9,- II,- 13,- 18,- 20,- 24.-«I.- 87'/, 46.- usw. bis 220.- frllh. z.T. M.20,- 25,- 30,- 36,- 46,-52,-67'/18ü,- 100,- usw. bis 450,- Westmann Mohreu-Str. 37a nahe Jerusalemerstr, Gr. Frank furierstr. 115 nahe Andreasstr. Z'/a in Stott zn einem Roch gretit Ä Trauer-Westmann Trsnerkleidar, Blasen, Bitte, Bebleter, Handsohahe ete. Verantwortlicher Redakteur Richard Barth. Berlin. Für dengnseratenteil verantw.: Th. Glocke. Berlin. Druck».Verlag«Vorwärts Buchdruckerei u. Lerlagsanftalt Paul Singer sc Co» Berlin SW, Nr. 91. 27. Iahrgavz. 2. KeilM des Jmiärls" Snliin RaibmordprozcB Culenburg. Ter räuberische Uebersall auf den Geldbriefträger Friedrich fsulcuburg, welcher seinerzeit groszcs Aufsehen erregt hatte, bildet den Gegenstand eines recht umfangreichen Prozesses, der gestern vor dem Schwurgericht des Landgerichts I begann. Aus der Strafhaft wurden der Schneidergeselle Emil Drechsler und der Handlungsgehilfe Wilhelm jlahfer vorgeführt, um sich wegen vcr- suchten schweren Raubes in Jdealkonkurrenz mit versuchtem Mord bezw. Anstiftung zu verantworten.— Den Vorsitzt im Gericht führt Landgerichtsrat Dr. Claude. Zu der Verhandlung sind über 70 Zeugen geladen.— Aach Auslosung der Geschworenen be- antragt Rechtsanwalt Beradt� daß dem Anyellagtpn Drechsler Gelegenheit gegeben würde, seine Zuchthauskleidung mit den- jcnigen Kleidungsstücken zu vertauschen, die er seinerzeit getragen hatte. Der Verteidiger begründet diesen Antrag damit, daß die Geschworenen durch die Zuchthausuniform möglicherweise un- günstig beeinflußt würden und außerdem die Zeugen, die ihn rekognoszieren sollen, irritiert werden könnten.— Das Gericht hält die von der Verteidigung nochmals vorgebrachten Gründe nicht für stichhaltig und lehnt deshalb den Antrag ab. Bei dem Zeugenausruf, der fast eine halbe Stunde in Anspruch nimmt, stellt sich heraus, daß mehrere Zeugen, darunter der Vater des Angeklagten Drechsler, der Vergolder Drechsler, fehlen. Mit Ausnahme des Gcldbriefträgers Eulenburg, der Kriminal- deamten und einiger anderer Zeugen, die noch heute vernommen werden sollen, werden die übrigen Zeugen bis auf morgen ent- lassen. Vernehmung der Angeklagten über ihre persünlichen Verhältnisse. Bei seiner Vernehmung macht der Angeklagte Drechsler folgende Angaben: Er ist a>n 7. Mai 1386 in Berlin geboren. Sein Vater ist Vergoldermeister und Eigentwuer eines Grund- stückS in AdahlSdorf. Er lvar erst Schreiber bei einem Rechts- anwalt und hat dann das Schneiderhandwerk erlernt. In seiner Jugend ist er einmal von einem Radfahrer überfahren worden. Rachdem er als Schneider ausgelernt hatte, ist er auf die Wandcr- schaft gegangen und hat das Rheinland, Mecklenburg und Sachsen durchwandert. In Düsseldorf und später in München-Gladbach war Drechsler einige Zeit als kaufmännischer Reisender beschäftigt. Anfang 1665 kam er nach Berlin zurück, wo er erst bei seinen Eltern wohnte, dann aber in Schlafstelle zog, da er noch fünf jüngere Geschwister, zwei Brüder und drei Schwestern, hat und die räumlichen Verhältnisse im Elternhause zu beschränkt waren. Im Alter von 15 Jahren wurde Drechsler das erstemal bestrast, weil er fünf Spazierstöcke aus einem Laden gestohlen hatte. Er erhielt damals einen Verweis. Er wurde dann in Wittenburg wegen Bettelns mit drei Tagen Haft, dann wegen Diebstahls mit einer Woche Gefängnis bestraft, weil er einen jüngeren Bruder angestiftet hatte, seinem Dienstherrn Silbersachen im Werte von 136 M. zn stehlen. Im Jahre 1965 erfolgte dann die erste schwere Strafe, Drechsler wurde wegen verschiedener Fahrvaddiebstähle» Einbrüche und wegen Beilegung falschen Namens zu drei Jahren Gefängnis und Ncbenstrafen verurteilt. Am 16. Februar v. I. kam er aus dem Gefängnis heraus und wohnte zunächst wieder bei seinen Eltern in der Schönhauser Allee 52, wobei er sich durch Handel ernährte. Im Mai v. I. verübte Drechsler schon wieder neue Einbruchs- biebstähle, wegen der er am 5. August zu 2% Jahren Zuchthaus verurteilt wurde, die er zurzeit in der Strafanstalt Brandenburg verbüßt. Wegen eines am 12. Mai in das Handschuhgeschäft von Bartholome in der Potsdamer Straße verübten Einbnichsdiebstahls, bei dem er erst die Täterschaft bestritt und erst im Juli ein Ge- ständnis ablegte, wurde er dann zu zwei Jahren Zuchthaus ver- urteilt. Die Vernehmung des Angeklagte» Kayser ergibt folgendes: Kahssr ist am 27. April 1835 in Bernau als Sohn eines Kom- Missionärs geboren und in Bernau zur Schule gegangen. Er war dann ein Jahr bei seinem Vater in dem Ladengeschäft tätig und kam 1966 zu einem Kaufmann in die Lehre. Er war dann in Potsdam und später in Charlottenburg bei einer Firma Voß als Filialleiter tätig. Im Oktober 1965 wurde er zum Militär eingezogen und diente in Frankfurt a. O. bei dem Feldartillerie- Regiment Nr. 18, wo er mit drei Tagen Mittelarrest disziplinarisch bestraft wurde. Nach seiner Entlassung im Jahre 1967 war Kayser in verschiedenen Stellungen- in Schönhausen, Halensee und bei der Firma Klawe tätig. Von 1969 an hatte K. eine Stellung bei der Firma Kaufmann als Filialleiter in der Burgstraße inne, aus der heraus er verhaftet wurde. Vorbestraft ist Kayser wegen des bekannten versuchten Raubanfalles auf den Lehrling Palme, den e. ii Gemeinschaft mit dem Handlungsgehilfen Emil Kuhlbrodt «..uo» hatte. Kayser wurde seinerzeit wegen Aufforderung zur Begehung eines Verbrechens und versuchten Diebstahls zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt. Nach Verlesung des Eröffnungsbeschlusses gibt der Vorsitzende eine kurze Darestellung deS Sachverhalts, Bekanntlich wurde der jetzt K9jährige Geldbriefträger Friedrich Eulenburg, der auf dem Postamt 48 in der Friedrichstraße beschäf- tigt war, am frühen Morgen des 2. April v. I. auf der Treppe des Hauses Besselstr. 19 mit einem Beil niedergeschlagen und beraubt. Dem Täter fiel der Inhalt der Geldtasche in Höhe von 755 M. 81 Pf. zur Beute. Der Polizeipräsident hatte seinerzeit auf die Ermittelung des Täters eine Belohnung von 1606 M. ausgesetzt. Vernehmung zur Sache. Auf die Frage des Landgerichtsrats Dr. Claude, ob er sich dieser Tat schuldig bekenne, erwidert Drechsler: Ich war es nicht. Ich habe den ganzen Vormittag bei der Frau Heinke geschlafen, weil ich von den Umzugsarbeiten, die ich am 31. März geleistet hatte, -sehr ermüdet war. Am 1. April abends hatte ich bis morgens 5 Uhr gekneipt und dann bei der Frau Heinke, der Schlafstellen- Wirtin eines Freundes genächtigt. Vors.: Am 17. April sind Sie dann wegen der besprochenen Diebstähle verhaftet und im grünen Wagen nach dem Polizeipräsidium geschafft worden. In dem Wagen saßen auch Kayser und Kuhlbrodt. Angckl.: Jawohl. Vors.: Sie haben sich nun mit Kayser im Wagen unterhalten. Sie behaupten doch, daß Sie Kayser bis dahin gar nicht kannten. Angckl.: Es war mir aufgefallen, daß ein Mann namens Maaß im Sistiertenzimmcr sich sehr angelegentlich mit Kayser unterhalten hatte, als ob er ausgehorcht werden sollte von einem„Achtgroschen- jungen". Ich fragte ihn deshalb, weshalb er sich denn so aus- horchen lasse. Vors.: Wie kamen Sie denn aber auf den Fall Eulenburg? Angckl.: Wir haben uns im grünen Wagen über allerlei unterhalten, über Kuhlbrodt, über den Fall Reschke usw. Im Aufbewahrungsraum haben wir dann weitergesprochen. Kayser erzäbltc mir danm er sei verdächtig, den Geldbriefträger Eulenburg überfallen zu haben, er habe aber dem Maaß ein gehöriges Märchen aufgebunden und allerlei erzählt, was nicht wahr sei. Ich sagte ihm: Wie kannst Du bei einer so schweren Tat so etwas machen? Vors.: Weiter nichts? Hat Kayser Ihnen nichts weiter gesagt? «ngckl.: Nein. Vors.: Im Aufbewahrungsraum befand sich noch ein anderer Mann namens Drechsler und da sollen Sie versucht haben, diesen zu bestimmen, daß Sie für ihn entlassen würden. Angekl.: Das war nur ein Scherz. Vors.: Am nächsten Tage sind Sie in die Zelle des Kayser gekommen und als der Gefangenenaufseher Ullmann in die Zelle kam, sollen Sie ihn plötzlich gefragt hoben: Ist denn das Beil gefunden? Angetl.: Tarauf kann ich mich nicht mÄhr besinnen. Vors.: Es ist auffallend, daß Ihr Ge- hächtniS bis zum 17. Mai ganz intakt war und plötzlich am 18. Mai gänzlich aufhört. Entsinnen Sie sich auch nicht wehr, daß Ullmann Sie dann nochmals fragte, was denn das mit dem Beil sei und Sie darauf antworteten: Ich meine das Beil, mit dem Eulenburg niedergeschlagen wurde? Angekl.: Nein, davon weiß ich nichts. Vors.: Schließlich haben Sie dem Aufseher Ullmann auch gesagt: Ich bin es gewesen. Sie sind vor den Untersuchungsrichter geführt worden, haben das Geständnis wiederholt und haben dann noch- mals in aller Ausführlichkeit das Geständnis abgelegt. Sie sind an Ort und Stelle geführt worden und haben hier die Tat bis in die kleinsten Details geschildert. Diese Schilderung dem Kriminal- kommissar Klinghammer gegenüber habe auch ganz genau mit der Tat selbst übsreingestmmt und hiervon wollen Sie nunmehr plötzlich nichts mehr wissen? Angekl.: Ich weiß nichts mehr davon. Vors.: Angeklagter, wollen Sie nicht doch lieber der Wahrheit die Ehre geben und ein Geständnis ablegen. Es ist ja an sich eine bestialische Tat, aber durch ein offenes Geständnis würden Sie sich vielleicht doch die Milde der Geschworenen und des Gerichts sichern. Wollen Sie nicht doch lieber noch jetzt im letzten Augenblick die Wahrheit sagen? Angekl.: Solche bestialische Tat würde ich niemals begehen. Ich habe mir das alles eingebildet, ich bin es nicht gewesen. Vors.: Sie wollen also auch nicht wissen, daß Sie eine einstündige Unterredung mit Ihrem Vater gehabt und diesem gesagt haben: Wenn ich jetzt aussagen würde, ich bin es nicht gewesen, dann würde man mir es doch nicht glauben. Angekl.: Davon Iveitz ich alles nichts.— Der Vorsitzende hält dem Ange- klagten Drechsler dann im einzelnen alle die Daten vor, die der Angeklagte selbst über die Tat selbst, über die Teilung des Raubes mit Kayser, über die Korrespondenz mit Kayser, bei welcher eine hohle Rüster am Goldfischteich im Tiergarten als Briefkasten diente, über die Aufbewahrung seines Anteils durch Vergrabung auf dem Kirchhofe usw. gemacht hat. Der Angeklagte Drechsler bleibt dabei, daß er von all diesen Dingen nichts wissen will. Der Vorsitzende bemerkt, daß der Angeklagte zu gleicher Zeit, wo er sich dieser Tat bezichtigte, den Diebstahl wegen welchem er verur- teilt ist, bestritt und später Anträge auf Wiederaufnahme stellte und damit begründete, daß, wenn er den Diebstahl begangen haben sollte, dies im Dämmerungszustande geschehen sein müsse. Auf Vorhalt des Vorsitzenden, daß er im Gefängnis zu einem Mit- gefangenen Schneider geäußert habe: Noch ein Jahr und dann gehe ich„hopps", erklärt der Angeklagte, daß er damit nur einen Scherz gemacht habe. Auch der Angeklagte Kayser bestreitet jede Schuld. Er be- hauptet, daß er an dem Tage deS Raubanfalles schon zwischen 7 und 3 Uhr morgens die von ihm geleitete Filiale geöffnet habe; er könne daher unmöglich der Täter sein. Der Vorsitzende hielt ihm vor, daß verschiedene Zeugen gesehen haben, daß er erst um %1Ö Uhr in einer Droschke angekommen und das Geschäft geöffnet habe. Der Angeklagte bestreitet die Richtigkeit der Angaben der Zeugen. Er will den Angeklagten Drechsler überhaupt nicht kennen. Aeußerungen, die er zu Personen gemacht haben soll und die auf seine Täterschaft oder Mittäterschaft Schlüsse zulassen, bestreitet er. Er habe sehr viel renommiert und so erklärten sich die etwaigen Aeußerungen. Richtig sei, daß er erzählt habe, daß er falsche Bärte trage. Er habe auch einen falschen Schnurrbart getragen, weil er keinen richtigen hatte. Das sei aber ganz harmlos gewesen; er habe sich da einen Schnurrbart angesetzt, den er von Kuhlbrodt erhalten hatte. Die Beweisaufnahme zieht sich bis zum späten Abend hin. Die Verhandlung wird boraussichtlich 5 Tage in Anspruch nehmen. Wir werden das wesentlichste der Beweisaufnahme nach deren Schluß zusammenfassend darstellen. Eue der Frauenbewegung. Eine Petition zur Kellnerinnenfrage. Eine lange Reihe von Frauenverbänden, Frauenvereinen und Frauen, denen sich auch eine Anzahl von Männern angeschlossen haben, insgesamt ungefähr 125 666 Personen, haben eine von Frau Camilla Jelliuek, der Gattin eines bekannten Heidelberger Rechts- lehrers, verfaßte Petition unterzeichnet, die dem Reichstage zuge- gangen ist. Man verlangt vom Parlament nicht mehr und nicht weniger als ein radikales Verbot der weiblichen Be» dienung in Gast- und Schankwirtschaften. Neu ist diese Forderung der Frau Jellinek und ihrer Mitpetenten nicht. Seit Jahren betreibt die Dame eine eifrige und ziemlich wahllose Propaganda für diese ihre Lieblingsidee. Nicht die offen zu Tage liegenden wirtschaftlichen Mißstände im Kcllnerinnenberufe haben die bürgerliche Frauenrechtlerin auf den Kriegspfad getrieben. sondern— nach ihren eigenen Worten—„die in dem Berufe der Kellnerin liegende sittliche Gefahr für diese selbst mit den aus dieser sittlichen Gefahr, und nicht etwa aus Wirt- schaftlichen Verhältnissen, folgenden gesundheitlichen Schäden." Wenn Frau Jellinek gegen die übel berüchtigten Animier- kneipen mit dieser Begründung mobil machen würde, so ließe sich nichts dagegen einwenden. Wichtiger aber als die Bekämpfung dieser Kuppelstätten ist ihr— wie sie selbst auf Seite 26 der Pe- titionsbroschüre sagt— der Kampf gegen die weibliche Bedienung gerade in den als anständig geltenden Lokalen. Es war Frau Jellinek vorbehalten zu entdecken, daß die vielen Tausende von jüngeren und älteren Frauen, die in Süddeutschland— wo niemand etwas Anstößiges darin findet— in großen und kleinen Merwirt- schaften allgemein den Gästen Speise und Trank reichen— eigentlich mit Protistuierten auf einer Stufe ständen. Nach ihrer Schilderung werden die Kellnerinnen in diesen Wirtschaften von den der höheren sozialen Klasse angehörenden Männern unter dem Einfluß des Alkohols derart mit unsittlichen Zumuiungcn und Tätlichkeiten bedrängt, daß sie in kurzer Zeit ihren sittlichen Halt verlieren. Ein schönes Zeugnis, daß sie der Männerwelt ihrer Kreise ausstellt! Im Grunde handelt es sich hier aber um ganz fürchterliche Uebertreibungen. In diesen Lokalen verkehren doch nicht nur Männer, sondern auch alleinstehende Ehefrauen und Familien. Jeder, der süddeutsche Verhältnisse kennt, weiß, daß man monatelang Tag für Tag in solchen Lokalen mit weiblicher Be- dienung verkehren kann, ohne ettoas Ungehöriges zu entdecken. Gewiß sind die sittlichen Gefahren, die der Kellnerin drohen, nicht gering, aber dieses Schicksal teilt sie mit einer Menge von anderen schlechtentlohnten Frauenberufen, deren Ausrottung darum noch niemand verlangt hat. Warum fordert Frau Jellinek da nicht auch Beseitigung der Frauenarbeit im Hotelbetriebe, wo die Zimmermädchen in viel nähere Berührung mit dem männlichen Reisepublikum kommen, als die Kellnerinnen in öffentlichen Lo- kalen? Und haben nicht auch die Verkäuferinnen in Geschäften Gelegenheit, mit Herren anzubändeln? Und das große Heer der Bühnenkünstlerinnen, das so schlcchtgestellt ist, daß seine Ange- börigen entweder darben oder sich prostituieren müssen? Der Frauenberuf aber, der den höchsten Prozentsatz zur Prostitution liefert, ist bekanntlich der Dienstbotenberuf. Warum ruft Frau Jellinek nicht auch: Fort mit den Dienstboten? Es zeugt wirklich nicht von logischem Denken, geschweige denn von sozialem Tiefblick, wenn sie sich ausschließlich aus die Kellnerinnen kapriziert. Die Kellnerinnen selbst haben die Motivierung, unter der Frau Jellinek ihnen ihren Schutz aufzudrängen suchte, vielfach mit Recht als schwere Beleidigung aufgefaßt. Sie wissest.sylbst am besten, wo sie der Schuh drückt. Sie leiden wie ihre männlichen Berufsgenossen sck'wer unter der Ausbeutung gewissenloser Stellen- Vermittler, vor allem aber unter der ihrer Arbeitgeber. Die Wirte zahlen nicht nur keinen Lohn, sondern wälzen einen Teil der Ge- schäftsunkosten höchst ungeniert auf daS Personal ab. Dieses ist fast allgemein ausschließlich auf Trinkgelder angewiesen, bekannt- lieh die iliuwlLdlgste Art der Elltloboilllg. Loa den ia überlanger OlblllOit. Mmch.M.MlM. Arbeitszeit in rauchigen Lokalen sauer verdienten Groschen müssen die Kellner und Kellnerinnen noch das Personal für Abwaschen des Geschirres entlohnen und für Bruch— d. h. für durch Gäste zer» schlagcnes Porzellan und Glas— bestimmte Prozente entrichten. Dieses raffinierte Ausbeutungssystem wird von den Kellnerinnen immer mehr als unerträglich empfunden. Sie fangen an— wie dies z. B. in München und Nürnberg geschehen— den Boden der modernen gewerkschaftlichen Arbeiterbewegung zu betreten, der Ruf nach Stärkung der jungen Organisation erschallt, man fordert mit dem Verband deutscher Gastwirtsgehllfen zur Abhilfe gemein» samer Beschwerden: Fortfall der Trinkgelderentlohnung und dafür Einführung eines Minimallohnes von 3— 4 M. pro Tag, kürzere Arbeitszeit, wöchentlich einen Ruhetag, kostenlose städtische Stellen» vermittelung usw. Alle diese Forderungen verwirft bezeichnenderweise die Protck« torin der Kellnerinnen. Ein Aufhören der Trinkgeldzahlung erklärt sie kurzerhand für„unmöglich und nicht einmal wünschenswert". Der Ruf nach Organisation ist ihr„verderblich, weil die wahre Sach- läge in schiefes Lcht bringend", außerdem„unmöglich". Kurz, die Dame hat sich in die Idee der Ausrottung des Kellnerinnen- berufs als des angeblich einzigen Heilmittels derart verrannt, daß sie offenbar durch keine Macht der Erde mehr von diesem Hirn» gcspinst abzubringen ist, seit es ihr gelungen, 125 666 Personen von ebenso großer sozialer Kurzsichtigkeit auf ihre Seite zu bringen. Sie hat andererseits nicht nur bei denen, welche die Sache zunächst angeht, bei den Kellnerinnen, die verdiente energische Zurückweisung erfahren, sondern auch bürgerliche Frauenrechtlerinnen haben auf dem sechsten bayerischen Frauentage in München die scheinradikalen auf oberflächliche und einseitige Auffassung gestützten Forderungen der Frau Jellinek einmütig abgelehnt. Auch die proletarische Frauenbewegung kann keinen anderen Standpunkt einnehmen. Sie hat den Zusammenhang zwischen wirtschaftlicher Ausbeutung und Prostitution klar erkannt und den Kellnerinnen seit langem den Weg gewiesen, auf dem allein eine Hebung der wirtschaftlichen und sozialen Lage und damit die Beseitigung der Nötigung zur Prosti» tution zu erringen ist: das ist auf dem Wege des gewerkschaftlichen Zusammenschlusses. Mögen die Kellnerinnen den 125 666 nach Aus» rottung ihres Berufes schreienden Petenten recht bald eine starke Organisation entgegenstellen und damit ihren berechtigten An- sprächen den nötigen Nachdruck verleihen!— Gerid)ts- Leitung. Ein„Hurra" dem freien Wahlrecht! Wenn Patrioten„Hurra" schreien, so wird schwerlich ein Schutzmannsohr das als polizeiwidrig empfinden. Im Gegenteil: je lauter und kräftiger das„Hurra" des Patrioten erklingt, desto mehr erfreut es die Polizei. Wenn aber Wahlrechtsdemonstrantcn „Hurra" schreien, so macht es die Polizei nervös. Und nur zu leicht hört sie dann Worte heraus, durch die sie sich beleidigt fühlt. Auch ein Arbeiter Lüneburg» der am 15. Marz, abends gegen 16 Uhr, nach Schluß einer bei Ballschmieder(Badstraße) abgehal- tenen Versammlung auf eine Gruppe heimgehender und durch die Brunnenstraße ziehender Versammlungsteilnehmer gestoßen war und in ein von ihnen ausgebrachtes Wahlrechtshoch eingestimmt hatte, soll die Polizei beleidigt haben. Gestern hatte er als An- geklagter vor dem Amtsgericht Berlin-Mitte(136. Abteilung) sich zu verantworten: als Verteidiger stand ihm Rechtsanwalt Dr. Heincmann zur Seite. Lüneburg erklärte, er habe, als die Gruppe in die Lortzingstraße abgedrängt wurde, tatsächlich nur in ein Wahl- rechtshoch eingestimmt und sei dann vor dem Hause Lortzingstraße 2� sofort von Schutzleuten gepackt worden. Einer der Schutzleute» die ihn verhaftet hatten, bekundete als Zeuge, die Menge Hab fort» während„Hurra" und„Hoch das Wahlrecht" und„Bluthunde" geschrien. Von Lüneburg aber wußte er nur zu sagen, daß er „Hurra" geschrien habe. Der Vorsitzende meinte, das sei doch keine Beleidigung. Ein andrer Schutzmann, der an der Sistierung teilgenommen hatte, war gleichfalls als Zeuge geladen, war aber ausgeblieben. Dem Gerichte schien es nötig, auch ihn noch zu befragen, damit festgestellt werde, was L. gerufen habe. ES wurde daher Vertagung beschlossen. Theaterdirektor Zickel vor dem Bezirksausschuß. Die Klage des Polizeipräsidiums auf Konzessionsentziehung gegen den Direktor des Lustspiclhanses Dr. Martin Zickel wurde gestern vor dem Bezirksausschuß verhandelt. Sie gründet sich auf Darlegungen, die das Rechtsschutzbureau der Bühnengenossenschaft im Sommer vergangenen Jahres vorgebracht hat. In Versolg der von der Bühnengenossenschaft erhobenen Anschuldigung bean- tragte der Direktor Zickel dann gegen sich selbst die Entziehung der Konzession. Bier Punkte sind es im wesentlichen, auf die die An- klage sich stützt. Erstens habe Zickel jahrelang in einem intimen Verhältnis zu der Schauspielerin Grete Fürst genannt Fels ge- standen, zweitens habe er von Fräulein Fels 36 666 Mark Darlehen erbeten und erhalten, drittens habe er auch zu anderen Schau- spielerinnen in geschlechtlichen Beziehungen gestanden und habe viertens auch auf eine Engagement nachsuchende Dame im Bureau einen unsittlichen Augriff gemacht. Die Damen, mit denen er in Beziehungen gestanden, seien bei Rollenverteilung und de« gleichen von ihm begünstigt. Dr. Zickel behauptet, das Verhältnis mit Fräulein FelS habe aus gegenseitiger Zuneigung bestanden, das Geld habe er auf Drängen der Schauspielerin selbst genommen. Die Schauspiele- rinnen, mit denen er sonst in Beziehimgcn gestanden haben soll, seien nicht glaubwürdig. Aus der Beweisaufnahme, die der Refe- rent borträgt, sei folgendes hervorgehoben: Fräulein FelS hat be- kündet, sie sei in Beziehungen zu Zickel getreten, nachdem ihr dieser zugesichert habe, daß er sie besser beschäftigen würde. Das habe er dann auch lange Zeit hindurch getan. Zickel habe ihr des Oefteren erklärt, er wolle sich von seiner Frau scheiden lassen und sie hei- raten, sie solle jedoch ihre Beziehungen zu einem Dr. Degree lösen. Sie habe in der Hoffnung künftiger Heirat auch eine Trennung mit Dr. Degree herbeigeführt. Dieser hatte ihr eine monatliche Rente von 1666 M. ausgesetzt und ihr notariell 266 666 M. für den Fall seines Ablebens versprochen. Auf all das habe sie verzichtet, dem Dr. Degree auch ibren Schmuck zurückgegeben. Als sie das« Dr. Zickel mitteilte, habe dieser ihr gesagt, daß sie eine große Dummheit gewesen, sie solle den Dr. Degree verklagen. Es sei dann mit Dr. Degree zu einem Vergleich gekommen, in dem diese» ihr den Schmuck herausgab und 56 666 Kronen zahlte. Eine Schau. spielerin Baronin von Höchberg genannt Gernot hat bekundet, sie sei auf die Annäherungen Dr. Zickels eingegangen, wiewohl ihr der Direktor persönlich widerwärtig war, um bessere giollcn zu er- halten. Diese habe sie auch erhalten. Als das Verlsiiltnis auf. hörte, sei sie schlecht beschäftigt worden und habe schließlich ihre Entlassung genommen. Mehrere Schauspielerinnen haben bekundet! daß Dr. Zickel unsittliche Angriffe auf sie in seinem Bureau gemacht habe. Der Bezirksausschuß beschloß zwecks weiterer Beweisauf-, nähme eine Reihe von Zeugen zu vernehmen; die teils zur Be, lastung teils zur Entlastung vorgeschlagen sind.> Fahrlässige Tötung im Krankenhause. Im städtischen Krankenhause zu Nordhausen wurde im Herbst vergangenen JabrcS ein an NiickgratSserkrümmung leidender Knabe, der dreijährige Paul Wahl, in dem 5trankcnhause mittels einer Streckvorrichtung, der sogenannten Glisionschen Schlinge, behandelt. Der Apparat besteht aus einem Gestell, an dessen Spitze io einem kleinen Rais«ia Strick taust; an dem Strick ist eine Schlinge befestigt, diese wird dem Patienten so um den Kopf ga- legt, daß sie am Hinterkopf und dem Kinn eine Stütze findet. An der Schlinge wird der Körper des Kranken in die Höhe gezogen. so daß nur die Fußspitzen die Erde berühren. Am 8. September kiatte man während dieser Prozedur den Kleinen einige Zeit un- beaufsichtigt gelassen und fand ihn alsdann tat in der Schlinge hängend auf. Auf Grund der eingeleiteten gerichtlichen Unter« suchung wurde gegen die Krankenschwester Ida Jüngling und den damaligen Medizinalpraktikanten Dr. Rathenow Anklage wegen fahrlässiger Tötung erhoben. In der Verhandlung, die am Freitag vor der Stordyausener Strafkammer stattfand, förderte die Beweisaufnahme mancherlei Dinge zutage, die auf die im Nordhaufer Krankenhause herrschenden Verqältnisse ein eigentümliches Licht werfen. So sagte der An- geklagte Dr..Rathenow aus, eS seien ihm, als Medizinalprakti- kanten, ganz unzulässigerweise die Funktionen eines Assistenzarztes übertragen worden. Er war derart mit Arbeit überhäuft, daß er sie kaum bewältigen konnte, teilweise war er auch als Armen- arzt(!) tätig. Die eigentliche Schuld mißt er der Oberschwester bei, die in ganz eigenmächtiger Weise Anordnungen getroffen habe. Diese schickte die Schwester Hoffmeistcr, deren Aufsicht die Kinder. station eigentlich unterstand, in die Nähstube und übertrug die Auf- ficht in der Kinderstube dem Dienstmädchen Winskowski, die keinerlei Vorbildung als Krankenpflegerin genossen habe. Den Glissonschen Apparat Hab« die Oberschwester im Borraum zum Abort aufstellen lassen, weil im Kinderzimmer der Fuhboden einige Schrammen durch den Apparat erleiden könnte. Der leitende Arzt des Krankenhauses. Dr. Willccke, erklärte, daß es wegen des andauernden AerztcinangclS schon seit zwei Jahren nicht möglich war, die Stelle eines Assistenzarztes zu be- fetzen, und daß darum Dr. Rathenow die Stelle eines solchen aus- füllen mußte. Dr. Rathenow habe sehr viel zu tun gehabt, sei aber seinen Pflichten sehr gewissenhaft nachgekommen. Der Glissonsche Apparat habe in Fachkreisen bisher nicht als lebensgefährlich gc- gölten und werde ohne Bedenken sogar an Laien abgegeben. Auch der Kreisarzt, Geheimer Medizinalrat Dr. Haebler äußerte sich dahin, daß niemand von den beteiligten Personen den Unfall habe voraussehen können. Auch Professor Dr. Wullstcin-Halle schloß sich dieser Ansicht an. Auf Grund der übereinstimmenden Gutachten der Sachver- ständigen, wonach eine Fahrlässigkeit der Angeklagten nicht vor. liege, beantragte der Staatsanwalt selbst deren Freisprechung, und dementsprechend lautete auch das Urteil auf Freisprechung beider Angeklagten. Dem Dr. Rathenow, so führte der Vorsitzende aus, sei eine Pflichtwidrigkeit nicht vorzuwerfen, da er von der Anord- nung der Oberschwester, wonach das Dienstmädchen statt � der Silvester die Aufsicht im Kinderzimmer hatte, damals noch nichts wußte. Die Angeklagte Schwester Jüngling habe allerdings in- sofern ihre Pflicht verletzt, als sie die Beaufsichtigung des Kindes der Instruktion zuwider außer acht ließ; doch habe sie nicht vor- aussehen können, daß der Tod des Kindes erfolgen könne, wenn es kurze Zeit sich selbst überlassen blieb. So bleibt der Tod des kleinen im Krankenhause Erhängten ungesühnt. Würde der Leiter und die Oberschwester in einer Kur- Pfuscheranstalt unter ähnlichen Umständen auch ohne Anklage ge» blieben sein, wenn ein ihrer Aufsicht anvertrautes Kindi in gleicher Weise das Leben hätte einbüßen müssen? Ein Seitenstück zur Siebeulehner Feuerwehr. AlS ein Seitenstück zu der seinerzeit vielbesprochenen Feuev- wehr von Siebenlehn entpuppte sich in einer Schwurgerichtsver- Handlung des Landgerichts Zweibrücken die von Iggelbach bei Neustadt a. d. Haardt. Wegen Brandstiftung hatte sich der Epe« zereiivarenbändler Asel zu verantworten, der in dem kleinen. kaum SM Einwohner zählenden Dorfe Iggelbach sein Geschäft bc. trieb. Der Flecken war schon seit einigen Jahren dadurch berühmt geworden, daß sich in ihm verhältnismäßig die meisten Brandfalle in der ganzen Pfalz ereigneten. Jedesmal brannte das betreffende Haus bis zum Grunde nieder, und die Zahl der hübschen neuen, vom Golde der Versicherungsgesellschaften erbauten Häuser ist eine ganz stattliche. Die Angehörigen des Angeklagten haben allein eine große Zahl davon inne. Vom Januar bis Oktober wurden elf Häuser vollständig in Schutt und Asche gelegt. Die tiefgehende Wirkung der Brände war in der Hauptsache auf die werktätige Hilse der Feuerwehr zurückzuführen. Nach verschiedenen Zeugen. aussagen erschien die Feuerwehr erst an der Brandstelle, wenn dem Feuer nicht mehr Einhalt getan werde» tonnte. DaS erste Augenmerk der Feuerwehrleute richtete sich darauf, ob auch gruügend Bier vorhanden sei, von welchem Löschmaterial vor jedem Brande ein Wagen voll angefahren worden sein soll. Dann gingen die braven Feuerwehrleute daran, alles lvas nicht vom Feuer zerstört wurde, vollständig niederzureißen. Infolgedessen war es niemals möglich, an Ort und Stelle der Ursache des Brandes nachzugehen. Der Schlauchführer hielt sich ziemlich vom Brandplatze fern oder richtete das Strahlrohr des Schlauches in die entgegengesetzte Aich- tung. Die Jggelbacher waren auch in der glücklichen Lage, einen Brand voraussagen zu können. So wurde drei Tage, bevor dos Haus des Angeklagten Asel und gleichzeitig noch drei Häuser nieder. brannten, von zwei Jggelbacher» mit einem Elmsteiner gewettet, daß innerhalb dreier Tage vier Häuser abbrennen würden. Die Prophezeiung erfüllte sich beinahe bis auf die Stunde. Die vier Häuser brannten zu einem großen Schutthaufen nieder. Der Elmsteiner hatte, wie er trocken bemerkte, die Wette verloren. Dieser Sehergabe kam der Staatsanivaltschaft verdächtig vor, zumal der Angeklagte Asel in der Nacht vor dem Brand« eine ganze Reihe von Sachen aus dem Hause geschafft hatte. Diese Sachen hat Asel dann bei seiner Versicherungsgesellschaft als verbrannt angegeben, um die darauf ruhende Versicherungssumme zu er. halten. Im Laufe der Untersuchung wurde daher die Anklage gegen Asel wegen Brandstiftung auch auf Versicherungsbetrug aus- gedehnt. In der Verhandlung bestritt der Angeklagte jede Schuld. Die Geschworenen hielten die Anklagepunkte nicht in allen Fällen für hinreichend erwiesen und sprachen ihn daher nur des Versiche- rungSbetrugeS schuldig. Das Gericht verurteilt« den Angeklagten darauf zu einem Jahr« Gefängnis. Versammlungen. Lohnbewegung der Schuhmacher. Eine überaus zahlreich besuchte öffentliche Versammlung der Schuhmacher tagte am Montagabend im großen Saal bei DräselS in der Neuen Friedrichstraße, um die Antworten der Arbeitgeber. organisationen auf die eingereichten Lohnforderungen zu hören. Tally erstattete den Bericht. Der Obermeister B i e r b a ch von der Berliner Dchuhmacherinnung schrieb, daß zu Mittwoch. 20. April, eine Sitzung des HauptauSschusseS der Innung, in der über die Lohnforderungen verhandelt werden soll, anberaumt worden sei. Nach den Satzungen der Innung könne nur mit dem Gesellenaus- schuß über die Wünsche der Arbeiter verhandelt werden, jedoch würde gegen die Anwesenheit der Organisationsvertreter nichts eingewendet werden. Im gleichen Sinne hat die Charlottenburger Innung geantwortet. Auch die Innungen von Schöneberg, Steglitz und Groß-Lichterfelde sowie die Freie Vereinigung selbständiger Schuhmacher haben noch für diese Woche Verhandlungen in Aussicht gestellt. Nicht geantwortet hat die Rixdorfer Innung, was woht darin seine Ursach« haben dürfte, daß deren Quartalsversammlung zu spät stattfand. Redner tat dann einen kurzen Rückblick auf den bisherigen Verlauf der Lohnbewegung und schilderte darauf ein» gehend die miserablen Lohn- und Arbeitsverhältnisse der Schuh- machergesellen und gab der Hoffnung Ausdruck, daß in Anbetracht der überaus traurigen Verhältnisse, unter denen die Gesellen ar- heften, die Arbeitgehe rfftreiiftgungen San San bescheidenen und berechtigten Forderungen nichts abzustreichen versuchen werden. Um die Durchführung des Tarifs wirksam zu fördern, müsse die Arbeiterorganisation mehr Einfluß auf die Arbeitsvermittelung im Gewerbe gewinnen. Zu diesem Zwecke wird der Zentralverband der Schuhmacher, der bisher nur eine Arbeitsnachweisstelle in der Blankenfclder Straße 1» unterhielt, noch zwei weitere Nachweis- stellen einrichten, und zwar eine in der Bülowstr. 58 und die andere in Charlottenburg, Krummestr. 43. Nur diese Arbeitsnachweis- stellen dürfen von den Arbeitern benutzt werden. Der Innung-- Nachweis in der Fischerstraße mutz gemieden werden. In der Diskussion wurden die Antworten der Innungen als wenig befriedigend bezeichnet. Daß die eingereichten Lohnforde- rungen in den Jirnungsversainmlungen nicht einmal auf die Tagcs- Ordnung gestanden haben, beweise eben, daß die Wünsche der Ar- beiter von den JnnungSvorständen als recht nebensächlich behandelt werden. Von den zahlreich an der Versammlung teilnehmenden Arbeitgebern forderten mehrere die Arbefter auf, fest zusammen- zuhalten und nichts von den Forderungen abzulassen, denn ein Teil der Arbeitgeber bezahlt schon seit langem die jetzt geforderten Löhne._ Zur Lohnbewegung in der Herrenkonfektion. Bei der Firma S. Reichmann sind Diferenzen über die Durchführung des abgeschlossenen Tarifvertrags entstanden. Die Firma möchte eine Tarifposition, Achselstaffieren und ZKickelauf- setzen, die mit 25 Pf. angesetzt ist, teilen und für das Achselstaffiercn ohne Zwickelaufsetzen nur 1kl Pf. zahlen. Dies widerspricht jedoch dem Tarifvertrag, dessen einzelne Positionen nicht teilbar sind. Ferner will die Firma in jeder Serie Maßsachen anfertigen lassen, während vereinbart ist, daß dies nur in der ersten Serie statthaft sein soll. ES handelt sich hier um einen Preisunterschied von durch- schnittlich 2 M. Außerdem ist festgestellt, daß die Firma für ein. zelne Arbeiten 25 Pf. bis 1 M. unter Tarif zahlt.— Die Kon» fektionSfchneider von Reichmann hielten am Montag eine Sitzung ab, um zu diesen Tarifbrüchen Stellung zu nehmen. Sie sind einmütig der Auffassung, daß, wenn die Firma sich nicht gutwillig bereit findet, den Tarif strikte durchzufuhren, sie kein Interesse daran haben, dort weiterzuarbeiten. ES soll im Laufe dieser Woche nochmals versucht wenden, die Angelegenheit in Güte zu regeln, gelingt daS aber nicht, so werden am nächsten Montag die Kon» fcktionSschneider der Firma wiederum zusammenkommen und be- schließen, was notwendig ist. Uebrigens sind Anzeichen dafür vorhanden, daß auch bei anderen Firmen, die den Tarifvertrag anerkannt haben, Streitigkeiten über die Auslegung des Tarifs entstehen. Die KonfektionSschneidev werden jedoch, bei welcher Firma es auch sein mag. mit allen Mitteln dafür sorgen, daß den Tarifverträgen volle Geltung der- schafft wird. Zu den Firmen, die den Tarifvertrag endgültig abgeschlossen haben, sind Albert Graetz und Kaufmann u. Co. hinzu» gekommen, bei denen der Tarifvertrag am 15. April in Kraft ge- treten ist, sowie die Firma Jean Popper, wo er am 15. Mai in Kraft tritt. Diese Firma zahlt bis dahin einen allgemeinen Lohnaufschlag von 5 Proz. Bei den Firmen Müller u. Leo- p o l d und Philipp U ck o sind die Tarife in Vorbereitung und werden wahrscheinlich in der kommenden Woche eingereicht werde». Amtlicher Marktbericht der stSdttlchen Marktballen-Dtrektton ttder den Großhandel in den Zentral-Maritballen. Wtarktlage: Fleisch: Zufuhr genügend, Geschält lebhast, Preise unverändert. Wild: Zustlbr sehr gering, Geschäst ruhig, Preise gut. Geflügel: Zufuhr genügend, Gejchäst Icdhast, Preise gut. Fische: Zufuhr reichlicher, Geschäst ruhtg, Preis« wenig verändert, für Hechte ausgebessert. Butter und Käse: Geschäft ruhig. Preis« unverändert. Gemüse, Obst und Süd» f r ü ch t«: Zusuhr mäßig, Geschäst schleppend, Preise wenig verändert. Orts-Krankenkasse --- Kürschner und verwandten Gewerbe zu Berlin. Dienstag, de« L«. April ISIv. abends Sst, Uhr, im Alte» Tchüheu- Haufe, Linienstr. 5: Ordentl. Generalversammlung der Delegierten. Tagesordnung: 1. Verlesung des Protokolls. S. Jahresbericht und Bekanntgabe der Restanten. 3. Bericht der Revisoren. 4. Sonstige Kassenangelegenhelten. Um pünktliches Erscheinen wird dringend ersucht. via zugetandt« Einladung legitimiert, onne dieselbe kein Einlas. Der Borpand. C. Fritze, Vorsitzender. 274/12 Orts- Krankenkasse der zu Berlin. Q r«l«>» t I> o I»« veversl-Verssmmlllng am Donnerstag, den ii«. April er., abends S'/, Uhr, im GewerkschaftS- ha»S. Engeluser 1b(Saal Vtll). Tagesordnung: 1. Jahres« und Kassenbericht. 2. Bericht der Revisoren pro 1909 und eventueller Antrag aus Erteilung der Decharge dcS Vorstandes und deS Rendanten. 3. Verschiedenes. Eintritt nur gegen Vorzeigen der Sinkadmig geflaltet. 17i3L Zahlreichen Besuch erwartet Der vorstand. 9, Dannlienscr, Vorsitzender, Alt» Jakobstr. 20/21. Orts- Krankenkasse sür den Gewerbe- betrieb d. Kausleute, Handelslente und Apotheker zn Berlin Die ordentliche General-Versaimnlang findet statt am Freitag, den SS. April er.. abendS 8'/, Uhr, tm oberen Saal« der Arminhallen, Kommandanten- ltraße b8/S9. TageS-Ordnung: 1. Abnahm« der JahreSrechnung pro 1909 und Bericht der Revisoren. 2. Der neue Entwurf einer Reichs- verfichermigSordnung. Referent: Alb. Kehn. 3. BerschiedeneS. 17ft6B Der Vorstand. Richard Nürnberg, Vorsitzender. Jonas Stahl, Schristsührer. Orts-Krankenkasse für das Gewerbe der Tischler und NianofsrttarbeiterznSerliu. Donnerstag, de» 28. April, abendS 8 Uhr: General-Versammlang der Vertreter der Kassenmitglieder und der Arbeltgeber im Gewcrk, schaftshause. Snaeluser IS. Saal 1. TageS-Ordnung: 1. Abnahme der JahreSrechnung pro 1909 nebst Bericht der Re- visoren. 2. Wahl eines BorstandSmitglledet der Arbeitgeber. S. Wahl eines Vorstandsmitgliedes der Arbeitnehmer. 4. Vortrag des Herrn Koblenzer über vi«.RetchSverstcherungS. ordnung'. 17S2b Der Vorstand. Orts- Krankenkasse der Gastwirte und verw. Gewerbe zn Berlin. Bekanntmachung. Mittwoch, den 27. April 1910, nachmittags 3 Uhr, im Lokal« de» Herrn Otto Schilling, Rosenthaler Straße U/12: Ordentl. General-Yersarnrnlung der gewählten Kasseuvertrrter. Tagesordnung: 1. Bericht der RechnungSprüsungS- kommission. 2. Abnahme und Besprechung de» ~'r-Sberichts 1909. Verschiedenes. 274/3 Berlin, den b. April 1910. Der vorstand» lt. Foppe, Vorsitzender. 0. Braun, Schristsührer. Orts-Krankenkasse der Bildhauer, Stukkateure u. verwandter Gewerbe zu Berlin. Mittwoch, de» 27. April er., abends S>/, Uhr: Ordentliche General-Versammlung im Engel- GewerkschaftShauic, uscr 15, Saal 7. TageS-Ordnung: 1. Geschäfts, und Kassenbericht pro 1909, 2. Bericht der Revisoren. 3. Stawteiiäiidcrung.(Streichung des S 28.) 4. GeschästlicheS. 274/10 D> r vorstand. I. A.: Arth Waldeyer. Vors. Orts-Krankenkasse sür das lSarbiergwerbe zn Berlin. Donnerstag, den 28. April er., abendS«>/, Uhr, im„Boaentlialer Hof", Rosenthaler Str. 11/12: General-Versammlang der Delegierten. TageS-Ordnung: 1, Bericht dcS Vorstandes. 2. Abnahme der JahreSrechnung pro 1909. 3. Bericht der Revisoren. 4. Anträge und Kasscn-Angelegen. Helten. 274/14 Zahlreiches Erscheinen erwartet Oer Vorotand. I. 81.: Paul Sehrolle, 1. Vorsitzender. Orts-Krankenkasse -tu- Oeroolder und Bernfsgenosse«. Eünladnng zu der an: Donnerstag, 28. April, abendS 8 Uhr, stattfindenden General-Versammlung im„GewerkschastshauS-, Engel. user IbiTSoal V). TageS-Ordnung: 1. Abnahme der JahreSrechnung 1909. S. Wahl der Krankenbesucher. 3. Stellungnahme zum Aerztcvertrag. 4. Verschiedenes. 274/11 Der vorstand. Allen Freunden und Bekannten> | zur gesäuigen Mitteilung, daß Ich< da» Restaurant d. Herrn Htnksuß[ Rixdo� Wes erstraste£1> käuflich übernommen habe. i! 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Die von der Handwerlerlammer neu erbauten .Kammersäle�, Teltower Str. 1—3, Ecke Bellealliance Strotze, Oekonom Herr Palm, bisheriger Inhaber von.Cafe Ruhwald", Woltersdorfer Schleuse, werden der Arbeiterschaft zur Abhaltung von Versammlungen verweigert, und sind infolgedessen gesperrt. Die.Freiwillige Sanitätskolonne' vom Roten Kreuz feiert am 30. d. MtZ. ihr erstes Stiftungsfest in dem der Arbeiterschaft nicht zur Verfügung stehenden.Gratzl's Ge- sellschaftShauS', Maricndorf. Wir ersuchen daher, alle etwa angebotenen Billetts entschieden zurückzuweisen. Die Lokalkommission. Sechster Wahlkreis. ES wird daran erinnert, datz die Vorträge deS Genossen Grunwald über:„Oekono mische Grund- fragen deS wissenschaftlichen Sozialismus" an folgenden Tagen stattfinden: 20. April, 4. Mai, 18. Mai, 1. Juni und lö. Juni. Zutritt kann nur den Funktionären ge- stattet werden, die mit der üblichen Legitimation versehen sein müssen. Versammlungslokal bei Raabe, Kolberger Str. 23, Anfang pünktlich S'/a Uhr. Der Vorstand. Obcr-Schöneweide. Heute abend findet in MörnerS Blumen- fiarten eine öffentliche Versammlung statt. Auf der Tagesordnung teht:.Der Kampf um Freiheit und Recht." Referent: Genosse Stadthagen. Agitiert für zahlreichen Besuch. Der Vorstand. Zossen. Umständehalber findet unsere Wahlvereinsversammlung nicht Donnerstag, den 21., sondern Donnerstag, den 28. April, statt._ Der Vorstand. Berliner JNfacbricbten. Mastvieh-AnSstellung. SangloS, nicht klanglos, ist gestern früh auf dem Zentralviehhof die 3S. MaftviehauSstellung eröffnet worden. Das Radaukonzert, das sonst unsere Agrarier auf Berliner Pflaster bei der alljährlichen Zirkusparade und in den Parlamenten anstimmen, haben sie für drei Tage dem lieben Vieh überlassen. Eine offizielle Eröffnungs- feier hat nicht stattgefunden, desto patriotischer soll der Schluß werden. Um 10 Uhr vormittags sind es erst knapp ein halbes Tausend Personen, meistens Angestellte, Engrosschlächter und Vieh- Händler, die sich in den beiden weiten Hallen zu Seiten des grotzen Restaurations- und Verwaltungsgebäudes ergehen. Links vom Haupteingange sind die Schafe und Schweine, rechts die Rinder und das industrielle Beiwerk untergebracht. Ein paar hundert Fahnen in preußischen und deutschen Landesfarben, ohne die bei uns eine Ausstellung nicht gut denkbar ist, wallen durch die Riesenräume. Die Preisrichter, durchweg wohlbeleibte, wetiergebräunte Gestalten, denen man auf den ersten Blick die Zugehörigkeit zum platten Lande ansieht, sind schon frühzeitig aufgestanden. Etwa, ein halbes Dutzend reichstreu schleifengeschmückte Kommissionen wandern von einer Box zur anderen. Wer gut aufpaßt, hat bald heraus, wohin die Preise fallen werden. Beim Borstenvieh ist's noch gähnend leer. Eine allzu empfindliche Nase darf man hier nicht haben. Aber das Aushalten im Schweineparfüm wird belohnt durch den Anblick wirklich kapitaler„Bochuner". Man glaubt gar nicht, datz es so riesige Schweine von fast zwei Meter Länge geben kann. Viel bewundert werden die schwarzen Berkshire-Schweine, stämmige Zuchteber und mächtige rosarote Edelsäue. Schneeweiße Lämmchen machen sich wie aus der Spielzeugschachtel genommen, eine stattliche Kollektion Merinoschafe ist der berechtigte Swlz ihrer Züchter, und die Box eines sechsjährigen, bereits auf der Leipziger Ausstellung prämiierten schwarzgrauen, reinblütigen Karakul-Bocks ist von Fach- kcnnern dicht umlagert. Die 160 Lämmer, Hammel, Schafe und 380 Borstentiere füllen nur die Hälfte der Halle. Angenehm fallen die sauberen Strohschüttungen ins Auge. Mancher Tagelöhner in den scheußlichen Wohnlöchern Ostelbiens hat es nicht so gut. Erst kommt ja beim rechten Agrarier das Vieh, dann der weit unter diesem rangierende arbeitende Mensch In köstlicher Faulheit sielt sich die ganze Fettherrlichkeit auf dem weichen Stroh. Noch haben die„Siebenmonatskinder" aus dem Tierreich keine Ahnung, wie bald sich ihr üppiges Nichtstun in leckere Eisbeine und saftige Schinken auflösen wird. Zutraulicher sind die Schafe, die jeden zweibeinigen Besuch mit Hellem Blöken begrüßen. Wenn die Schweine von den mit weißroten Armbinden gekennzeichneten Vieh- Helfern auf den fleischigen Rücken geworfen werden, um sich von den Preisrichtern in die Beißerchen sehen zu lassen, erhebt sich ein ohrenbetäubendes Gequietsche, in das bald die ganze übrige Ge« sellschaft einstimmt. Und entsetzt flüchte ich mich hinüber zu dem erträglicheren lieben Rindvieh. Hier scheint daS Interesse weit größer zu sein. Schon kommt offenbar starker Zuzug. d'e geplante Reichswertzuwachs st euer richtete stch folgender von der Liberalen Fraktion eingebrachter und der Stadtverordnetenversammlung zur Annahme empfohlener Antrag: „Die Stadwerordnetenversammlunjj ist der Ansicht, daß durch die geplante Reichswertzuwachssteuer rn ihrer gegenwärtigen Gestalt die Finanzkraft der Stadt auf das empfindlichste bedroht wird. Neben anderen schwerwiegenden Bedenken, die sich gegen verschiedene Bestimmungen des Gesetzes richten, erhebt die Stadtverordneten- Versammlung insbesondere Einspruch: 1. gegen die Bestimmung, daß Schöneberg nicht der Vergünstigung teilhaftig werden soll, die denjenigen Gemeinden gewährt wird, die vor dem 1. April 1909 die Wertzuwachssteuer eingeführt haben; 2. gegen die exorbitante Höhe des Steuersatzes, die das Reich aus den Erträgnissen dieser Steuer für sich in Anspruch nimmt, da die Versammlung der Ueber- zeugung ist. daß die Wertste?gerung der Immobilien in erster Linie durch die Tätigkeit der Gemeinden herbeigeführt wird. Tie Stadtverordnetenversammlung ersucht den Magistrat, mit demselben Nachdruck und derselben Beschleunigung, mit der er seinerzeit die Einführung der Wertzuwachssteuer in Schöneberg betrieben hat, bei den gesetzgebenden Körperschaften für Beseitigung der die Kommunen so schtver benachteiligenden Bestimmungen vor- stellig zu werden, und die in gleicher Lage befindlichen Nachbar- st ä d t e zu einem gemeinsamen Vorgehen zu veranlassen.' Der Stadtv. H e p n e r erhob gegen die sofortige Beratung dieses Antrages Einspruch. Der Antrag wurde hierauf bis zur nächsten Sitzung vertagt. Hieran schloß sich eine geheime Sitzung. Ober-Schöneweide- Gemeindewahlen. Bei den am Montag, den 18. April, statt- gefundenen Ersatzwahlen der dritten Klaste wurden die Kandidaten unserer Partei Braune, Lehmann, Winkelmann mit 405 beziehungs- weise 443 Stimmen gegen 43 Stimmen, welche auf die Kandidaten der Katholiken fielen, gewählt. Recht auffällig war das Verhalten des Wahlvorstehers im zweiten Wahlbezirk, welcher niemand ohne Legitimation wählen ließ, trotzdem die Betreffenden vielfach von unseren im Wahlbureau sitzenden Genossen als ihnen bekannt be- zeichnet wurden. Der Wahlvorsteher scheint nicht einmal seine Kollegen aus der Gemeindevertretung zu kennen, denn sonst hätte er den Genossen Muth nicht auch abgewiesen. Mit dieser Wahl find nun alle sechs Mandate der dritten Klaffe von unserer Partei besetzt. ffr Gemeinde- und Privatgesellschaften. Bei einer kürzlich durch die GemetndWWkoMmission vorgenommenen erneuten Besichtigung der durch hst�'Terraingesellschaft hergestellten Kleinpflasterstraßen, wurden die Straßen in einem äußerst miserablen Zustande be- funden, tröß�M'jtrst vor kurzem auf Erfordern der Gemeinde eine vollständige Httküsnahme und Umsetzung des Pflasters statt- gefunden hat:''Td zeigt sich hier, wie berechtigt seinerzeit die Opposition unsfper� Genossen bei Abschluß des Vertrages mit der Terraingesellschast war, als die Mehrzahl der übrigen Vertreter die Jnteresien der Gemeinde hintanstellte, indem statt der im Orts- statut der Gemeinde vorgesehenen Reihenpflasterung eine solche mit wesentlich billigeren Kleinsteinen gestattet wurde. Ist die fünfjährige Zeit um, nach welcher die Straßen in die Unterhal- tungspflicht der Gemeinde übergehen, so werden fortdauernde größere Aufwendungen nötig sein. Nichtsdestoweniger dürfte der Terraingesellschaft der seinerzeit so billig erkaufte Vertrag keine große Freude machen, wenn die Gemeinde energisch auf Erfüllung der Vertragsbedingungen besteht. Hier zeigt sich wieder einmal augenfällig, was die Leichtfertigkeit bürgerlicher Vertreter zuwege gebracht hat. Steglitz-Friedenan. In der letzten Sitzmig des hiesigen Gewerkschaftskartells wurde beschlossen, wegen der Errichtung eines Gewerbegerichts nochmals an die Gemeinde Friedenau zu petitionieren, da sich der Mangel einer solchen Einrichtung bei der großen Anzahl der am Orte tätigen Arbeiter und Unternehmer innner fühlbarer macht. Es ist für den .liberalen' Geist der Gemeindevertretung charakteristisch, daß sie die erste Petition mit der Begründung ablehnte, eine �rechtliche Ver- pflichtung zur Schaffung eines Gewerbegerichts bestände erst dann, wenn die nächste Volkszählung mehr als 20000 Einwohner ergäbe. Dabei weiß jedes Kind, geschweige die Drücker der kurulischen Sessel in Friedenau, daß der Ort längst sogar mehr als 30 000 Einwohner hat. Zur Agitation unter den hiesigen Gemeindearbeitern wurde eine Kommiisiou, bestehend aus den Gen offen Hohen, Pöhlmann, Seliger und OkonSky gebildet. Es fehlten die Vertreter der Bau- arberter, Schneider, Schuhmacher. Maschinisten und Heizer. Wilmersdorf-Schmargendorf. Ei» hygienischer Lichtbildervortrag über die chronischen Bein« leiden und ihre soziale Bedeutung, veranstaltet vom Vorstand der Gemeinsamen Ortskrankenkasse. findet heute abend 8'/« Uhr in der Aula des Bismarckgymnasiums, Pfalzburger Str. 30/32, statt. Bortragender ist Herr Dr. Brau n. Da der Eintritt unentgeltlich ist, wird ein reger Besuch erwartet. Rixdorf. Ein bedauerlicher Unglücksfall hat sich gestern nachmittag gegen 5 Uhr in dem Hause Julinsstr. 18 ereignet. Dort wohnt im Keller- geschah der Kutscher Ramm. Als gestern nachmittag Frau 9t. auf kurze Zeit die Wohnung verlassen hatte, wollte ihr fünfjähriger Sohn Otto, der mit anderen Kindern auf der Straße spielte, in den Keller h muntersteigen, um sich ein Spielzeug zu holen. Dabei trat der Kleine fehl und stürzte so unglücklich die steinernen Stufen hinab. daß er besinnungslos und mit einer klaffenden Kopfwunde liegen blieb. Als die ahnungslose Mutter nach wenigen Minuten zurückkam, fand sie ihren Sohn blutüberströmt und nur noch schwache Lebenszeichen von sich gebend, vor der Wohnungstür liegend vor. Das vernnglückte Kind wurde nach der Unfallstation nach der Stein- metzstraße gebracht, wo der anwesende Arzt einen schweren Schädel- brück, feststellte. Nach Anlegung von Notverbänden erfolgte die Uebersührung des schwerverletzten Knaben nach dem Krankenhause in Buckow; er dürfte kaum mit dem Leben davonkommen. Auf dem Wege von der Elsenstraße, Treptow, nach der Pannier» straße, Rixdorf, ist am Sonnabend eine Damenuhr verloren ge- gangen. Da es sich um ein Andenken handelt, wird der Finder der Uhr gebeten, dieselbe bei N. Pauls, Nixdorf, Pannierstr. 5, vorn m, abzugeben. Adlershof. Wir marschieren! In der letzten gutbesuchten Generalversamm- lung wurden 104 Mitglieder neu aufgenommen. Nach dem Vorstands» bericht des Genoffen Ligner haben im ersten Quartal stattgefunden 1 General«, 1 Mitglieder-. 7 öffentliche Versammlungen und 11 Vorstandssitzungen. Ligner erläuterte die rege Agitationsarbeit im Wahlrechtskampfe. Er ersuchte die Genossen, einschließlich der neu aufgenommenen, sich an den Parteiarbeiten fleißig zu beteiligen, um im nächsten Quartal mit ebensoviel nenen Kämpfern antteten zu können. Der Kassenbericht des Genoffen Hitze ergab eine Ein- nähme von 803,80 M., eine Ausgabe von 810,43 M. Der Mitglieder- stand betrug am 31. März 552. Der Speditionsbericht des Ge« noffen Schwarzlose weist eine Einnahme von 2253.90 M., eine Ausgabe von 2151,08 M. auf. Die Zahl der„Vorwärts'leser beträgt 050. Den Bericht vom Bildnngs- und Jugendausschutz gab Genosse Horlitz. Redner teilte mit, daß jeden Mittwoch, nachmittags von 4 bis 5 Uhr im Jugendheim die Kinderbibliothek geöffnet ist. Ge- nosse Poppe gab bekannt, daß unsere diesjährige Maifeier bei Wöllstein abgehalten wird. Die Vormittagsversammlung findet mittags 12 Uhr bei Baier statt. Vor Eintritt in die Tagesordnung ehrte die Versammlung das Andenken der verstorbenen Genossin Hagedorn und des Genossen Nölte in der üblichen Weise. Gleich- zeitig gedachte der Vorsitzende des Hinscheidens unseres nach Berlin verzogenen Genoffen Piontek. Tegel. Die Gemeindevertretung von Tegel hat in ihrer letzten Sitzung die wider alles Recht zustande gekommenen Gemeindevertreterwahlen für gültig erklärt. Bernau. Die letzte Stadtverordnetenversammlung stimmte der Magi- stratsvorlage betreffend den Ankauf eines Teiles des Schniebschen Grundstückes an der kleinen Mühle zum Preise von 4000 M. zwecks Verbreiterung der Bernau-Bucher Chaussee zu. Der Schulhausanbau wurde dem Maurermeister Grupe-Bernau als Mindest- fordernden zum Preise von 63 070,34 M. übertragen. Derselbe ist verpflichtet, bei Vermeidung einer Konventionalstrafe, den Bau bis spätestens 15. Oktober 1910 fertigzustellen. Mit dem Bau eines eigenen Wasserwerkes wird nunmehr in diesem Frühjahr be- gönnen; das Werk soll im November d. I. bereits fertiggestellt sein. Von der Versammlung wurde dem Vorschlage der Wasserleitungs- kommission, die Verausgabung der Lieferungen und Arbeiten für das Wasserwerk in 12 Losen zu vergeben, nach längerer Diskusston zugestimmt. Nowawes. Mit einer für die HauSwcber wichtigen Angelegenheit hatte sich der Vorstand der Gemeinsamen Ortskrankenkaffe für Nowawes und Umgegend zu beschäftigen. Nach dem Statut der letzteren sind auch die Hausinousiriellen verpflichtet, der Kaffe als Mit- glieder anzugehören. Die Mehrzahl der Hausweber gehörte jedoch der Ortskrankenkaffe bisher nicht an, sondern war in der söge- nannten Meisterkasse versichert, welche aber nur den Charakter einer Zuschuhkasse hat. Da diese Kaffe nun den heutigen Ansprüchen nicht mehr genügt und auch ihren statutarischen Verpflichtungen schwerlich noch lange wird nachkommen können, erhielt der Vorstand der Weberinnung auf eine Anftage vom Landrat die Mitteilung, daß sich die hausindustriellen Weber bei der Ortskrankenkasse zu versichern haben; letztere habe jedoch das Recht, von jedem sich Meldenden für zwei Jahre die Beiträge nachzuerheben. Der Vor- stand der Weberinnung-richtete darauf ein Gesuch an die Orts- krankenkaffe, in Verhandlungen einzutreten zwecks Aufnahme sämtlicher Mitglieder der Meisterkasse gegen eine einmalige Eni- schädigung durch eine festzusetzende Pauschalsumme. Dieses Gesuch lehnte der Vorstand der Ortskrankenkasse ab, da sich in der Meister- lasse viele Mitglieder befinden, die nicht in die Ortskrankenkaffe aufgenommen werden können. Angesichts der Tatsache, daß die Weber meist alte Leute sind, welche die Unterstützungseinrichtungen der Ortskrankenkaffe sehr stark in Anspruch nehmen werden, wurde vielmehr beschlossen, von den sich zur Aufnahme meldenden Webern die gesetzmäßige Nachzahlung der Beiträge für die letzten zwei Jahre zu verlangen. Um jedoch unnötige Härten zu vermeiden, ist es den sich Meldenden freigestellt, ihre Verpflichtungen ratenweise zu erfüllen. Die Abhaltung von BezirkSabenden wurde in der letzten Ver- fammlung des Wahlvereins beschlossen; dieselben sollen alle 14 Tage nach den Wahlvereinsversammlungen stattfinden und der Auf- klärung sowie dem besseren Znsammenhalt der Mitglieder dienen. — An Stelle des Genossen Singer, welcher seinen Posten als Schriftführer niedergelegt hat, wurde Genosse Rottstock gewählt.— Für Bibliothekzwecke haben die Maurer 25 M., die Schuhmacher 10 M., die Radfahrer 20 M. und das Gewerkschaftskartell 30 M: abgeliefert, was die Versammlung dankend quittierte.— Der Vorsitzende teilte mit, daß die„Vorwärts"-Abonnenten, welche die Frühzüge benutzen, vom I. Mai ab das Blatt am Bahnhof durch den Spediteur: ausgehändigt erhalten können.— Sodann hielt Ge- nosse Gruhl einen beifällig aufgenommenen Vortrag über den Ge- meindeetat. Redner erläuterte die einzelnen Positionen desselben und betonte, daß die bureaukratische Gesetzgebung Preußens sich vielfach als Hemmschuh für die EntWickelung der Gemeinden er- weise; ein großer Mißstand sei es, daß sich in der Nähe Berlin? Gemeinden bilden können, die nur aus reichen Leuten bestehen, was durch den Erlaß von Bauordnungen, die die Errichtung von Arbeiterwohnhäusern verbieten, ermöglicht werde, wodurch andere Gemeinden ihre besten Steuerzahler verlieren. Eine Besserung der Verhältnisse sei erst durch«ine andere Zusammensetzung des preußischen Landtages möglich, weshalb eS unsere Pflicht sei, den Wahlrechtskampf mit aller Energie weiter- zuführen. In der Diskussion beleucktete Genosse Hoffmann den Etat von der sozialen Seite und erklärte, daß derselbe sehr viel zu wünschen übrig lasse; die Einrichtungen der Gemeinde, welche im Interesse des, größten Teiles der Einwohnerschaft wirken, seien in sehr rückständiger Verfassung, wie z. B. die Volksschulen; von größeren Aufgaben, wie der Wohnungsfürsorge, sei überhaupt nichts im Etat vorhanden, während die Ausgaben für Zwecke, die den Besitzenden zugute kommen, immer höhere werden. Unseren Ge» meindevertretern biete sich noch ein reiches Feld der Betätigung. welches sie nach Kräften ausnutzen mögen. Genosse Gomoll be- merkte, so schlecht, wie Ver Vorredner es dargestellt habe, sei eS in unserem Orte nicht; wir hätten in den letzten 20 Jahren manche Fortschritte in der Gemeinde gemacht, wofür man der Gemeinde- Vertretung die Anerkennung nicht versagen könne. Man?önne nicht alles auf einmal einführen, das würde die Steuerzahler zu sehr belasten. Genosse Gruhl erklärte, daß er diesen Ausführungen nicht zustimmen könne. Man dürfe sich nicht nach den Gemeinden richten, in denen es noch schlechter aussehe; die Sozialdemokraten hätten die Pflicht, die Mißstände aufzudecken und für Besserung einzu- treten. Genosse Hoffmann äußerte sich in demselben Sinne und betonte, daß die Kosten der Stratzenpflasterungen. Kanalisation zum größten Teil auf die Mieter abgewälzt worden seien,-was durch die ungeheuer gestiegenen Wohnungspreise bewiesen werde.— Hierauf gab Genosse Richter den Kassenbericht vom 1. Quartal, der sich in Einnahme auf 911 M. und in Ausgabe auf 895 M. beläuft, wovon 007 M. an die Kreiskasse abgeliefert sind. Die Mitglicderzahl beläuft sich auf 751 männ- liche und 45 weibliche Genossen. Hierauf wurde die sehr zahl- reich besuchte Versammlung, in der 37 Genossen aufgenommen wurden, geschlossen. Vermischtes. Explosion in einer Streichholzfabrik. 11 Tote, 18 Schwcrvcrwnndete. Eine entsetzliche Katastrophe hat sich gestern vormittag in der Pvalffyschen Streichholzfabrik in Szeged, Ungarn, ereignet. Während der Betrieb in voller Tätigkeit war, erfolgte eine Kessel- explosion; zehn Mädchen und ein Mann wurden dabei g e- tötet, siebzehn Mädchen und ein Mann wurden schwer verletzt. Die Explosion im Kesselhause war so gewaltig, daß da? Ge- bände, in dem das Kesselhaus sich befand, vollständig zer- trüminert wurde. Auch die beiden an das Kesselhaus anstoßenden Gebäude wurden bis auf den Grund nieder- gerissen. Bon dem gewaltigen Luftdruck wurden ferner zwei entfernter liegende Häuser arg beschädigt. In den Mauern zeigen sich große Risse. Der 40 Zentner schwere Kessel wurde durch das Dach hindurch über 20 Meter hoch geschleudert. Sei da Exploflo» spielten sich unbeschreibliche Szenen ab. Rekordflug des AviatikerS Paulhau. Einem Telegramm aus Paris zufolge unternahm Paulh an gestern nachmittag mit seinem Zweidecker eine« Flug von Chevilly bei Orleans nach Pouan bei Nogent für Seine und legte diese 190 Kilometer lange Strecke in ungefähr 3V, Stunden zurück. Während des Fluges hielt Paulhan, der aus Mangel an Benzin landen mußte, beständig eineHöhe» o n 500 b i s 600 Meter inne. Abgestürzte Aviatiker. Mit der EntWickelung der Flugtechnik mehren sich naturgemäß auch die Unglücksfälle, denen die wagehalsigen Eroberer der Luft bei ihren Versuchen ausgesetzt sind. Nicht weniger als drei Abstürze meldete gestern der Telegraph. Auf dem Exerzierplatze bei Minden i. SB. stürzte der Aviatiker Schlüter aus Frankfurt a. M. mit seinem Zweidecker ab. Er erlitt schwere Kopfverletzungen und einen Arm» b r u ch. Der Apparat wurde bei dem Absturz vollständig zer- trümmert. Durch Versagen des Motors stürzte der Flugapparat des AviatikerS B r e g u e t, der in dem Aerodrom in D o u a i Versuchs- fahrten unternahm, aus einer Höhe von 20 Meter ab. Breguet trug schwere Wunden am Kopfe und sonstige Ber- letzungen davon. Bei einem Fluge über dem Meere stürzte bei Nizza der Aviatiker R o u g i e r mit seinem Aeroplan ab. Der Flugkünstler hat dabei Verletzungen im Gesicht davongetragen; der Flugapparat ist verloren._ Ei» bedeutender Zeitgenosse. Die.Saarbrückener Zeitung" teilt ihren Lesern folgende wichtige Nachricht mit:„Viele Landsleute unserer Provinz nehmen auch im Norden Deutschlands bevorzugte Stellungen ein. Ein Sohn unserer Stadt Jakob Lang, ist seit anderthalb Jahren bei der Firma Franz Herchenröder in Kiel als Friseur tätig und ist nur alleinig zur Bedienung des Prinzen Heinrich für Haar- und Bartschneiden WS königliche Schloß befohlen." Hoffentlich tritt bald ein Komitee zusammen, um Herrn Jakob Lang, unter dessen Schere der Prinz Heinrich Haare lassen mußte, ein Denlmal zu setzen!_ Bergsturz. Räch einer Kabelmeldung aus O u e b e ck ging in der Nähe von Bataque ein Bergsturz auf einen Arbeiterzug nieder. 26 Arbeiter wurden getötet._ � Tugrndwächter. Antwerpen, 19. April. Die Polizei drang gestern w da» Moderne Theater ein, wo augenblicklich eine Revue aufgeführt wird. welche reich an sehr freien Ausdrücken und Szenen ist. Der Saal ivar voll gepfropft und der erste Akt hatte bereits sein Ende erreicht. als der Untersuchungsrichter und der Polizei- kommissar mit 20 Polizeiagenten in den Saal eindrangen und drei Schauspielerinnen ver- hafteten. Dieselben wurden einem Verhör unterzogen und wegen Vergehen? gegen die guten Sitten werden sie vor Gericht gestellt werden. Dieser Vorfall hat im Theater große Aufregung hervorgerufen._ Kleine Notizen. In H e g a t sUngarn) ereigneten sich in den letzten Tagen 15 Fälle von G e n i ck st a r r e. von denen zehn tödlich verliefen.— Au» Rache hat der Brauereibesitzer Andreas K n o b l o ch aus Asch in Böhmen seinen Schwager, einen Buchbändler Schmidt, erschossen.— Bei einem Spazierritt in der Umgebung Budapests stürzte der Hauptmann Karl Rajerz am Sonntag früh vom Pferde. Bei dem Sturz erlitt Rajerz eine Gehirnerschütterung. Erst nach 30 Stunden wurde der Ber- unglückte in bewußtlosem Zustande aufgefunden. Verein ebemaliger BeeliNer zur Vekämpfuna der Lunge«. tnberlnlose. Heute Mittwoch, den 20.. abends S Uhr, im.Rosinthaler Hos". Rosentbaler Str. 11/12: Mitaliederversammlung. Gäste willkommen. Lese- und Disrntterklub«oumschulenweg. Heute(Mittwoch) abends 9 Uhr im Lokale von GörgenS, Baumschulenstraße 27: Sitzung. Gäste willkommen. Sozialdemokratischer Lese-««d TtskutierNub»Heinrich Heiue". Heute abend ö'/, Uhr: Sitzung bei Bolz«, Rodenbergstraße 8. Gäste willkommen. Lese- und Tiskuticrklub„Sud, L st'. Heute Mittwoch, abends 8'/, Uhr, bei Neidhardt. Görlitzer Sttaße 58: Mitgliederversammlung. Vortrag de» Genossen Gladosch über: Die NeichSversassuug. Gäste will» kommen. Sozialdemokratischer Lese-«nd Diskutierklub»Karl Marx». Heute abend bei Hummel, Sophienstr. 5: Außerordentliche General- Versammlung.______ BrUfhaftcn der Redaktion. 9t((ntlftlfAc Evrechstliuve finde« Ltndenftrahe Nr. 09, vor» vier Treppen— Üadrftnhl—, woideneäglich von 4a/> dt??>/, Übe abend» ttatl. Jeder Antrage tft et» Buchstabe und ein« Zadl als wtertzeichea betzusügen. Briefliche Antwort wird nicht erteilt. Eilige Kragen«rag» man in der Trrech stunde vor. H. P. Erbitten Sie vom Genossen Sassenbach, Engeluser 15, da» von ihm herausgegebene Verzeichnis.— A. L. LI. 1. Ja. 2. Bteleseld, Müllerstr. 177. 3. 1 M.- H. E. 35. Adventistentapelle, Llnienstr. 197. A. K. 20. I„ 2., 8. und 4. Am zweckmäßigsten bei dem Kaiserlich Deutschen Generalkonsulat in Kanada. 5. Ja.— Körner. 1. Wenn die Adresse des Schuldners durch Nachsragen bei den Einwohnermeldeämtern Berlins und seiner Vororte und durch Nachforschungen bei der Heimat- behörde nicht zu ermitteln und eine Frist nicht vereinbart ist, so kann der Verlaus durch öffentliche Versteigerung fristlos erfolgen. 2. Die Bestimmungen des neuen Vertrages sind maßgebend. 3. und 4. Kleine, aus höchsten« zwei Wohnzimmern und Zubehör bestehende Wohnungen müsicn am ersten OuartalStage— nicht mittags—, mittlere, aus drei bis vier Wohnzimmern und Zubcbör bestehende Wohnungen müssen am zweiten Ouartaistage, mittags 12 Uhr, geräumt sein.— H. L. ReichStagSwahl: 25 Jahre, LandtagSwahl: 24 Jahre.— M. O. 28. Ein solcher Vertrag wäre wegen Jnteresscnkollision nichtig. Sie müßten vorher bei dem VormundschastSgcricht die Bestellung eineS Pflegers beantragen.— P. Ja. — B. Karl, Reinickendorf-West. Auf Grund der vorgeschriebenen, vom RcnIenbezugSberechtigten unterschriebenen und der Unterschrist nach be- glaubigtcn Quittung erfolgt Zahlung auch au die Eltern— M. St. 30. Paritätischer Arbeitsnachweis für die Berliner Holzindustrie, Gormannstr. 13. — W. M. 12. Ja.— August Berberich. Nein.— F. 42. 1. Etwa 4,50 M., sofern es sich um die bloße Beglaubigung handelt. 2. Der Bertraa hat auch Gültiglcit ohne jede Beglaubigung.— A. K. 20. Aus Grund deS§ 185 event. auch des K 185 des ReichSstrafgesetzbucheS strafbar.— F. B. 1. Für den Bezirk des Amtsgerichts Berlin-Mitte„VerteilungSstclle für GerichtSvollziehergelchäste', Neue Friedrichstr. 12—15.— Paul 40« 1. Stellen Sie einen Antrag an da» Nachlaßgericht, das ist da» Amts- gericht, in dessen Bezirk Ihr Vater seinen letzten Wohnfitz ge- habt hat. 2. Von einem Ihrerseits zu wählenden Arzt. — 31. I. 1. An die VcranlagungSkommission. 2. Der Verniieter haftet für den Schaden, wenn die Rcparaturbedürsligkeit nicht durch Ihr Ver- schulden entstanden und wenn nicht etwa im Vertrage bestimmt ist, daß Sie die Reparaturen vornehmen lassen müssen. Sie können auch die Wanne selber reparieren lassen und die Kosten von dem Vermieter erstattet ver- langen.— Pflegekind. Sie können sich noch au die Waiieuhausdcputatio» wenden.-- K. 411. 1. Die Anrechte find infolge Nichwerwertung von Marken über die gesetzlich zulässige Zeit hinaus verloren gegangen. Sie hätten innerhalb je zwei Jahren mindestens 20 Marken selber kleben müssen. 2. Standesamtliche Geburtsurkunde. 3. Nein.— Thale 100. Jeder Erb- ansall unter 150 M. ist steuersrei. Hat der Erbe dem Hausstände de» Erblassers angehört und zu dcinlelben in einem Dienstverhältnis gestanden, so«st der Erbanjall bis zu 900 M. steuersrei. Die Höhe der ErbschastSsteuer ist verschieden, je nach dein Grade des VerwandtschajlsverhältnisseS. Slußcrdem find u. a. bejrcit Ehegatten, eheliche und legitimierte Kinder, un» eheliche Kinder in Ansehung deS Nachlasses der Mutter, Eltern und Großeltern. — Rixdorf 100. Wenn die Belästigung stark bemerkbar ist, halten wir Sie zur Lösung de» Mietsvertrages ohne Einhaltung der verttagttchea Kündigungsfrist für vnechllgt und da» Dermieier zum Ersatz deZ etwa«nt- ftekcnden Schadens für verpflichtet. Fordern Sie aber, bevor Sie aus- ziehen, den Vennieter zur Beseitigung des Mangels unter Setzung einer angemessenen Frist auf.— Gewerbeinspektio» 9. Das ist möglich, da die durch Gesetz sestgelegte Mindestmittagspause von einer Stunde nur ans besonderen Antrag, wenn die Natur des Betriebes oder Rücksichten auf die Arbeiter es erwünlcht erscheinen lassen, von der Behörde gestattet werden darf.— Elisabeth 21. 1 und 2. Beglaubigung und Verwendung eines Stempeis ist nicht erforderlich.— C. B. 4. Der ProvisionSabzug ist unbegründet. Anders wäre die Frage zu beurteilen, wenn Sie bei Entgegennahme der Austräge die im Verlehr übliche Sorgsalt in bezug aus Prüfung der Kreditsäbigkeit der Kunden autzer Acht gelassen hätten. G. 20. H. 100. 1. Das Vormundschastsgericht kann aus Grund deS § 1666 des Bürgerlichen Gesetzbuches dem Vater die elterliche Gewalt cnt- ziehen und zur Äusübung derselben einen Pfleger bestellen. Das Antrags- recht steht auch Ihnen zu. 2. Dadurch, daß Sie dem unehelichen Kinde Ührer Frau, dessen Vater Sie nicht find, Ihren Namen erteilt haben, ist die Vormundschast nicht erloschen. Ihre Bestellung zum Vormund ist zulässig. Es entscheidet das Vormundschastsgericht.— E. 158. Drei Monate besuchsweise, ohne Verpflichtung zur Anmeldung.— Nerven. Ein klagbarer Anspruch aus Durchsühruna des Heilverfahrens besteht nicht. Gegen einen ablehnenden Bescheid der Landesverficherungsanstalt können Sie jedoch Be- fchwerde beim Reichsversicherungsamt führen.— Schweiz 584. 1. Nach deutschen Gesetzen den Namen des ManneS. Die Wiederannahme des Mädchennamens ist nur nach rechtskräftiger Scheidung der Ehe zulässig. 2. Von dem eigenen HeimatSort. OtttcrnnqSilb erficht vom 19. Zip eil 1910, morgens 8 Uhr. Gta&onm ~ 5 2« C O ZwMevlde. II i? Setter 4 Regen 5 Regen S bedeckt 4 Dunst 3 heiter 4 bedeckt »35 Äll i? Wio «tationcn L a ei= o-e C s »H «Z KS I. Haparanda 754 S Petersburg 759 Seilitz Aberdeen Parts till 769 WSW 754 WSW 770 SSW Setter 2 bedeckt Regen 4 bedeckt 3 heiter 2 bedeckt 761 SW 761 WS« 763 SSW Arantf.a M. 767 SW München 771 SW 767 WNW SScttervroguose für Mittwoch, den SO. April 1910. Ziemlich trübe und regnerisch, bei frischen westlichen Winden, etwas wärmerer Nacht und wenig veränderter Tagcstcmperatur. Berliner Wetterbureau. C« wi «affepstattdS-Nachrlchte» der LandeSanstalt für Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berliner Welterbureau. Wasserstand M e m e 1. Tilsit Brezel. Jnsieriurg Weichsel, Thorn Oder, Ratibor » Krofien , Frankfurt Warthe, Schrimm . LandSberg Netze, Dordamm Elbe, Leitmeritz , Dresden » Barbh . Magdeburg + bedeute! Wuchs,— Fall.—') Uni erb eg ei. Angebot für die ILeser des„Vorwärts" Der Haussekretär 1990 Mustern Neues Universal-Uandbucb tSr den gesamten schritt- Heben Verkehr, mit über zum praktischen Gebrauch und zur formvollendeten Anfertigung von Briefen in allen nur denkbaren Familienangelegenheiten, im Freundschafts-, gesellschaftlichen und liebesieben, von Glüonwünsohen, Einladungen, Eingaben an Fürsten, an Regierungs-, Polizei-, Schul-, Gewerbe-, Steuer- und Kemmunalbehörden, Klagen und Schriftsätzen in Kriminal-, Steuer-, Privat-, Konkurs- und allen anderen Rechtssachen, von Testamenten, Kontrakten, Lehr-, Kauf- und Verkaufsverträgen, von Schriftsätzen in Militär-, Bi"~ Schäftsbriefen aller Bruch- und Dezimalzahl, Scheckwesen, vielen Mustern zu Karten, Kartenbriefen, Postkarten, Telegrammen, Inseraten, zu Schriftstücken in den häufigsten Vereinsangelegenheiten sowie einem Wörterbuch der Neuen Deutschen Rechtschreibung und einem Verzeichnis der gebräuchlichsten Fremdwörter. Gesammelt u. herausgegeben unter Mitwirkung namhafter Schriftsteller, Juristen, Handelslehrer und Gewerbetreibenden von Dr. Carl Otto. Das umfangreiche Werk enthält was sein Titel versprich� wer es besitzt, erspart den privaten Sekretär. Zirka 700 Selten Ganzleinener Prachtband, Lexikonformat, Das Werk wird zu dem äufierst billigen Preise von nur 3 Mark an die Leser des„Vorwärts" abgegeben. Bestellungen sind unter Benutzung des nebenstehenden Bestellscheines einzusenden an Wii 1HS Mg Bcriin W. Lützowstraße No. 81. . U D Vv,.tev.MH«. □□□ OÖD □□□ Theater und Vergnügungen Mittwoch, den 20. April. Anfang 7-/, Uht «önigl. Opernhaus. Die Fieber- maus. fCSnigl. Schauspielhaus. Wie die Alten sungen. Deutsches. Judith. Kammerspiel«. Gawün. (Ansang 8 Uhr.) Neues konigl. Opern-Theater. Geschlossen. Anfang 8 Uhr. NeueS Schauspielhaus. Die Loch- zett der Sobeide. Wie er ihren Mann belog. Nachm. 3 Uhr: Die Räuber. Komische Oper. Tiefland. Lesfing. Tantris der Narr. Kleines. Luxuszug. Berliner. Taisun. Neues. Die goldene Ritterzett. Westen. Die geschiedene Frau. NeucS Operette«. Der Graf von Luxemburg. Drianon. Theodore u. Ei«. Residenz. Das Nachtlicht. Thalia. Die Dorslomtesse. Hebbel. Das Nesthäkchen.(Ansang 8',. Uhr.) Schiller 9.«Wallner- Theater.) Goldene Herzen. Sch liier Charlottenbnrg. Gold- fische. Friedrich- Wilhelmftädttsche». Alt-Heidelberg. Bolksoper. Die Zauberflöte..(Ans. Uhrj n. De der Luisen. Der Klapperstorch Königin. Rose. DeS MeereS und der Lieb« Wellen. LnstfPielhauS. DaS Leutnants- mündel. Metro not. Halloh II— Die große Revue. FolieS Eaprice. Herr Wafferkropf. Der Luftturner.(Ans. B'l, Uhr.) Castno. Berlin bei Nacht. Gebr. Herrnfeld. Uedergangs-Ehe. Endlich allein. Die letzt- Ehre. Ap-Uo. In den Lasterhöhlen von San Francisco. Spezialitäten. Voiloge. Spezialitäten. Wintergarten. Spezialitäten. Rcichsballe». Stettiner Sänger. Palast. Spezialitäten. Karl Haverland. Spezialitäten. Walballa. Spezialitäten. Buggenhagen. Spezialitäten.(An- T/t Uhr). Urania.?aiibe»strastr 48/49. AbeudS 3 Uhr: In den Dolomiten. Ster»,»(irie, Anvalldenstr. 67—62 Lieaslng-Theater. S Uhr: Tantris der Narr. DoniicrStag,8 Uhr: Das Konzert. Frettag, 8 Uhr: JbfenzykluS, erste Borstellung, neu einstudiert: Der Bund der Jugend. Lerllner Tlieater. Heute 8 Uhr: Tdifllllo Morgen: Taifun._ Neues Theater. Abends 8 Uhr: Die goldene Ritlerzeit. Morgen und folgende Tage: Die goldene MerM. Theater des Westens. Heute und folgende Tage 8 Uhr: Die geschiedene Frau. Sonnt. 3'/« Uhr: Et» Walzertranm. Urania. Wissenschaftliches Theater Abends 8 ühr: In den Dolomiten. Friedricti-Wilhelmstädtischos Schauspieibaus. Mittwoch, 20. April, abends 8 Uhr: Enf.-Gastfp. b. Neuen Schauspielhauses tUt-Heidetbefx mit Karl Heinz.. Harry Waiden. Morgen und folgende Tage: .Alt-Helckeldert;._ Nene« Operetten-Theater. Heute und folgende Tage 8 Uhr: Der Graf von Luxemburg. Sonntag nachm. 3 Uhr zu ermätzigten Preisen: var Zigeunerbaron. Lusispielhaus« Abends 8 Uhr; Das Leutnantsmündel Residenz-Theater DireMon: Richard Alexander. Abends 8 Uhr: Das Nachtlicht. (Le GigoloJ Schwank in 3 Akten v. M. ZamacoiS. Morgen und folgende Tage: Dieselbe Borstellung. Volksoper. SW., Velle-Alllance-Stratze Nr. 7/8. Abends'1,9 Uhr: Die Zauberflöte. Luisen-Theater. Abends 8 Uhr: Ktapperstoch der Königin. Sattrifche Komödie in 8 Allen von Karl Böttcher. Donnerstag, Freitag: DaS Gesetz des Herzens. Sonnabend: Dctlchenfrefler._ IOSE-THEATE Große Frankfurter Str. 132. Ans. 8 Uhr. Ende 11 Uhr. Des Meeres nnd der Liebe Wellen. Trauerspiel in 6 Akten v. Grillparzer. Donnerstag: Preziofa. Freitag: D. Pfarrer v.Kirchfeld. Sanssouci, Direktion Wilhelm Reimer. Morgen, Donnerstag! Nenes hochatttnelles Programm. . Schluß: Tanzkränzchen. onnt.'Leg. 6, wochent. 8 U. Schiller Schiller-Theater 0.(Wallner-Theat.) Mittwoch, abends 8 Uhr: velckone Herr.«». VolkSflück in 4 Akten v. C. Karlweis. Ende 10'/, Uhr. Donnerstag, abends 8 Uhr: Die Katakomben. Frettag. abends 8 Uhr: Ooldflsche. Theater. Schiller-Theater(Charlottenburg). Mittwoch, abends 8 Uhr: Goldflscho. Lustspiel in 4 Akten von Franz von Schönthan und Gujtao Kadelburg. Ende 10'/, Uhr. Donnerstag, abends 8 Uhr: Kan« I-ange. Frettag, abends 8 Uhr: _ Han« I>nnge._ -tak Voiflts Krampenburg, att j)tr Trotzen Krampe, eignet sich infolge feiner ein- samen, romantischen Lage ganz besonders zu 62022 Ausflügen für Vereine, Fabriken und Schulen. jgajr- Säle von 100—3000 Personen fassend. IM Jeden Sonntag Oampfer-Extrafahrten der Reederei Nohiling. Abfahrt früh 9 Uhr, nachmittags 2'/« Uhr ab Jannowitzbrücke. Hochachtend R» � Ol~ smt Köpenick 227. Metropol-Thealer Hallo!!! Die große Revue! In 8 Bildern von JuL Freund. Musik v. Paul Lincke. In Szene gesetzt vom Dir. Rieh. Schult». Anfang 8 Uhr. Rauchen gestattet. Sonntag 3 Uhr: Drei Paar Schuhe Ab. 8 Uhr: Das vollstündtg neue Programm. SV erstklassige Artisten k 9 Uhr: Bloran and Wlser, Sensation. Jongleur« mit Hüten. 10 Uhr: HalehS Iuveniles, A> nlgllsche Sludfischi 20 Jnng-England in Berlin. Einzig existier. Ensemble dieser Art. Siegrvart Gentes in seinem Sketch: „Elav Opernprobe". Rosina CasselU mit ihrem Miniatur-Wunder- hündohen. Paul Conchae der Armee-Herkules in seiner Szene:„Im Feldlager" nnd das huntwechselnde April-Programm! W.lioacks Theater ttrimneiistr. 16, am RoseniHaler Tor Die Ktinde von Pons. Schauspiel in 6 Alien v. Herrmann. Donnerstag zum letztenmal: Kean. Passage-Theater. Abends 8 Uhr: i# Oussy Holl 4 die reizende Parodistin i Ayoe# 4 die dänische Vortragsdiva löeorg Kaiser l und 14 erstklassige Tarlotö-Attraktionen. Passage- Panoptikum. III liebend III Prinz itiom der kleinste Mensch der Welt. enUas Wnndertafel. Sa: Alles! Schreibt Alles ohne Extra-Entree t Alt-Hoablt 47/48. Donnerstag, ZI, April 1910: Aus Wunsch zum erstenmal wiederholt! Die Ehre. Schauspiel in 4 Ausz. von Hermann Sud ermann. Gras Traft- Saarberg: Han? Reltz. Holzmarktflratze 72. Täglich: Konzert, Theater und SpezIaMtätenvorst. Um 9 Uhr: Der Sepeo komt von oheD. Ländl. Singspiel v. M. Hohensels. Neu I The Z Alherios, Phänomen. Krastakrobaten X Msir. vttokar, Trapez voulan» X Erich vestelll. Tran» Sobanskl nsw. Zirkus Colombo Magazinstr. 6/7, am Alexanderplatz. Täglich abend? 8 Uhr: Mo Vorstellung. 14 Attruktions- Mummern. Fontane n. Qerard, renommierte Reitkünstler. «M!!l Kommandanienstr. 67. T. A. 4, 6033. Anfang 8 Uhr. Endlich allein.-M» Die letzte Ehre. Sonnabend, den ÄS. April: Premiere der Novitäten Mtim zwei dasstlbe tun. Eine Konkurrenz-Komödie in 2 Akten von Anton und Donat Herrnseld. Ein starkes Stück. Schwank von I. Horst. BlllettS zur Premiere bereits zu haben. Eolies Caprice Der Luftturner. Neuer bunter Teil. Rerr CQalTcrhropf. Anfang 8'/. Uhr. Vorverkauf 11-2 Uhr. Freitag, den 32. April 1910: Premlere. | Welnbergsweg 19-20, Rosenth.Tor. 1 — Anfang 8 Uhr.— Spezialitäten-Programm. | Tunnel: Die allergröstt.Kanone\ Theaterbesucher freien Eintritt. Zirkus �uscii. Heute, Mittwoch, den 20. April, abends TU Uhr präz.: Or. Ciala-Vorstcllung. Dompteur Henrickscn m. s. lO wilden Tigern. (völlig nnerreichte konkurrenzlose Dressur.) Dia her. Max Grix-Grigory-Truppe. Genchw. FUlis in ihren Produktionen d. hohen Schule. Hr. E. Schumann, Noudressur. Reiterfamilie Proserpi. Zwergclown Francois, Kunstr. 91/» Uhr ca. Ende lO'/jUhr: WM" Marja!-WU Vorher das groSe Galaprogramm. T rianon-Theater. MendS 8 Uhr: Theodore& Cie. Burgtheater- Kinematograph vorm. Groterjan, Jnhab.: Rud. Merz, Schönhauser Allee 139. Tel 3, 9353. Lebende Photographien. Wochent. 30 u. 40 Pf. Ansang 7 Uhr. Sonnt. 30, 40 u. 60 Pf. Ani. 4 Uhr. Vorzugskarten nur Wochentags gültig. 3» Pf. aus allen Plötzen. Stetö wechselndes Programm. Jeden Sonntag im Obersaal: SÄST Künstler-Konzert. Entree 15 Pf. N. d. Konzert: Garderobe 19 Ps. Famillen-KrInzchen. ketettsttAttell-Itigidef. Stettiner Sänger Tenoristcn-Vosiel. EinKünsllerbUd v. Moysel Anfang: Wochentags 8 Uhr. Sonntags 7 Uhr. vssino-Tkcs�sn Lothringer Straße 37. Täglich 8 Uhr. Trotz des sensationellen Erfolges nur noch bis zum 13. Mai: DeHm bei Nacht. Ab 14. Mai aus allgemeinen Wunsch: Mamille August Knoche. Sonnt. 4 U.: Trudchens Sommerreise. V oigt-TIieatcr Gesundbrunnen Badstr. 68 SV Voranzeige! Uag Freitag, den 22. April 1910: DerKanb der SnHtirriunrtt. Posse in 4 Akten von F. und P. Schönthan. Kassenöflnung 7 Uhr. Anfang 3 Uhr. Karl Tlsverwrid Ansang Theater, präz. 8 U. 77/79 Kommandantenstratze 77/79. nr"" jptibjjvojt. Liliputaner-Truppe _ prolongiert._ frankes �estsäle I BadustraiSc 19. Heute sowie jeden Mittwoch: x | f�aul§ Springers Kabarett- and Possen-Oesellschaft. Anfang 8'U Uhr. Nachdem: Tanz. Städlebau-Ausstellung 1. Mai bis 15. Juni. Eintritt 1 M. König). Akademische Hochschule Hardenbergstr. 33. Waldgürtel Sport- u. Spielplätze, Kunst a. d. Str. Verkehrssysteme. Innenstadt Vororte. Gartenstädte Arbeitersiedlungen. Groß-Bsrlin, 2. Mal; Vortrag, 8 ühr: Lundes- baurat Prof. Goecke:„Welche Erwartungen dürfen wir an das Ergebnis des Wettbewerbs GroB-Berlln knUpfen?"(Lichtbilder.) Für den Inhalt der Inserate übernimmt die Nodaftion de« Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung. Zuerft kommt Palmona, denn fie ift reine "Pflanzen-Butter-Margarlne; crfetjt die unerfchwinglicb teure Kuhbuttec vollliommen und übertrifft Alle anderen Fette an Reinheit und Woblgefchmack. tt. Schlinck& Cie. fl.-O. Rllclnige Produzenten von«Palmin» und «Palmona» m Clgä» eilsn mamen. wenn Ihr Preft Ihrer Dualität entsprechen sollte, eisentlieh teurer terkauft werden. Lediglich Ihr riesiger Absatz und die dadurch bedingte Herstellung in sehr großen Mengen haben es ermöglicht, in Ihnen selbst für den billigen Preis von 2 Pfg. ein in Jeder Beziehung vollkommenes Fabrikat zu bieten. iosetfi iuno m. u. o. M. 10 St 20 Pfg. 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