Dr. 54. RMnnementS'Bcdtogungen: Abonnements. Preis pränumerando} Picrteljährl. 330 Ml., monafl tio Ml., wöchentllch 28 Pfg. frei INS HauS. Einzelne Nummer S Pfg. Sonntag?- nummer mit illuslricrtcr Sonntags- Beilage»Die Neue Welt" 10 Pfg. Posl- tibonnement: 1.10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Posi. Zeitung?- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Mark, für dos übrige Ausland 3 Marl pro Monat. PostabonnementS nehmen an: Belgien, Dänemarl, Holland, Italien, Luxemburg, Portugal, Rumänien. Schweden und die Schweiz, S7. Zaheß. Crffttlnt täglich aaBcr montigt. Vevlinev VolKsblclkk. Die TnfertlenS'GebQfir lelrägt für die scchSgcspaltene Kolon es- gelle oder deren Raum 50 Pfg., für politische und gewerlschafiliche Vereinsund BersammIungS.Anzeigen 30 Psg. „Uleine Rnreigen", da? erste(feit- gedrulltc) Wort 20 Pfg., jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlaf- siellen-Anzeigen das erste Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort 5 Psg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis S Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet, Telegramm- Adresse: „SttlsIlUm»»»« Rirlin", Zentralorgan der fozialdemokrati leben Partei Deutfchlanda. Redaktion: 8M. 68. Lindenstraase 69. Fernsprecher: Amt 1Y, Nr. 1983. Sonnabend, den 23, April 1510. Expedition: 8M. 68, Lindcnatraaoe 69. Fernsprecher: Amt IT, Nr. 1984. ptintvriitnbtt il du Itlittcl p ZchiilSchms Der l|ausSiDC(l)tsparafirap3) angenommen. Die Geschäftsordnungskommission des Abgeordnetenhauses nahm am Freitagabend in zweiter Lesung den berüchtigten Haus- knechtsparagraphen mit 19 gegen 4 Stimmen an. Dagegen stimmten die beiden Nationalliberalen, das freisinnige und das polnische Mitglied der Kommission. Die Verhandlungen nahmen knapp eine Stunde in Anspruch und drehten sich in der Hauptsache um die Darlegung, die— der „Vorwärts" zu dem Attentat gegen die parlamentarischen Rechte der wenigen wirklichen Volksvertreter des Geldsacks- Parlaments gemacht hatte. Gleich der Vorsitzende glaubte sich mit den Auslassungen des„Vorwärts" auseinandersetzen zu muffen, mit der„geschmackvollen Art", wie der„Vorwärts" den neuen Paragraphen„Hausknechtsparagraphen" getaust habe. Schade nur, daß der„Vorwärts" nicht auch durch irgendeinen Geschäfts- ordnungSparagraphen geknebelt werden kann, sondern ungeniert jeden neuen Exzeß der volksfeindlichen Geldsackmehrheit rücksichts- loS brandmarken wird! Auch die Reden der übrigen Kommissionsmitglieder sowohl als auch die beiden Regierungsvertreter bestanden in der Haupt- fache in nichts als einer Polemik gegen— den„V 0 r w ä r t s". Man mühte sich, vor allem das Argument des„Vorwärts" zu entkräften, daß der Ausschluß von Abgeordneten für eine Reihe von Sitzungen schon deshalb rechtlich gar nicht zulässig sei, weil die 8Z 195 und 196 des Strafgesetzbuches das Recht des Ab- geordneten, seine parlamentarische Pflicht auszuüben, sichern und jede Verletzung dieses Rechtes mit Zucht- haus bedrohen. Man berief sich auf den§ 78 der Verfaffung, wonach das Haus seine Geschäftsordnung und Disziplin selbst zu regeln berechtigt sei. Als ob damit gesagt sei. daß zur Durch- führung der Disziplin Mittel angewendet werden können, die das Strafgesetzbuch in der erwähnten Weise der- p ö n t l Auch die Behauptung, daß die beiden Paragraphen des Strafgesetzbuches deshalb gegen den Präsidenten des Hauses und seine Handlanger nicht angewendet werden könnten, weil sich diese in Ausübung einer rechtsgültigen Handlung befänden, schwebt ja völlig in der Luft! Denn sie setzt eben gerade voraus, was erst zu beweisen wäre, aber nicht bewiesen werden kann, daß die Geschäftsordnung trotz der§§ 195 und 196 die Beeinträchtigung der parlamentarischen Rechte der Abgeordneten beschließen könne! Wie kläglich es mit den Argumenten der Verteidiger deS HauS- knechtsparagraphen bestellt ist. bewies so recht der eine Regie- rungsvertreter. Der Herr genierte sich nicht, der„Deut- schen Tageszeitung" den geistreichen Vergleich narhzuschwatzen, daß ja nach der Logik d«S„Vorwärts" sich auch ein Henker deS Mordes strafbar mache, wenn er ein Todesurteil vollstrecke. Dabei haben wir bereits gestern darauf hingewiesen, daß der Henker sein Handwerk auf Grund ausdrücklicher gesetzlicher Vorschriften im Strafgesetzbuch und in der Strafprozeßord- nung straffrei auszuüben vermag, daß aber keine gesetzliche Be- stimmung besteht, die dem Präsidenten des Abgeordnetenhauses den Verstoß gegen die§§ 105 und 106 des Strafgesetzbuchs gestattet! Diese angebliche rechtliche Unterlage soll ja erst geschaffen werden! Sie kann aber rechtlich gar nicht geschaffen werden, weil die Geschäftsordnung reichsgesetzliche Bestim- mungen nicht einfach außer Kraft setzen kann. Auch die nicht minder geistreiche Bemerkung des Regierung?- Vertreters, daß nach der Logik des.Vorwärts" auch Lehrer bestraft werden müßten, wenn sie an Kindern das Züchti- gungSrecht ausüben, daß aber noch nie ein Gericht gegen Lehrer wegen einer Züchtigung eingeschritten sei, die sich in zu- lässigen Grenzen gehalten habe, übersieht vollständig, daß das ZüchtigungSrecht der Lehrer im Allgemeinen Land- recht gleichfalls gesetzlich festgelegt ist! All diese Vergleiche treffen also vollständig daneben! Wenn gleich- wohl unter dem Eindruck solcher Darlegungen der Regierungsver- treter die Kommission den Hausknechtsparagraphen angenommen hat. so beweist das nur. wie schwach eS um ihre juristische Einsicht bestellt ist. Oder aber, wie sehr sie von der Richtigkeit des Satzes durchdrungen sind, daß in Preußen Gewalt vor Recht geht! Ebenso leicht, wie man sich über diese Rechtsfragen hinweg. setzte, setzte man sich auch über die Frage hinweg, wie denn der Präsident sein angemaßtes, gesetzwidriges HauSrecht ausüben soll. Obwohl Herr K r ö ch e r s e l b st die Kommission umAngabeder Mittel gebeten hatte, war man der Ansicht, daß die Wahl der Mittel Sache des Präsidenten selbst sei. Vergebens wies der frei- sinnige Vertreter darauf hin. daß in dem zu beschließenden P a r a- graphen selb st die anzuwendende Exekutiv- gewalt sowohl deS Präsidenten als auch des in Frage kommenden Abgeordneten wegen genau angegeben sein müsse. Die Mehrheit der Kommission lehnte eine solch präzise Formulierung ab und überließ eS damit voll- ständig der Willkür deS Präsidenten, sich der ihm gut- dünkenden Nittel zu bedienen. Wie der HinauSwurf mit Hilfe der Polizei ausgeführt werden könne, hatte Herr von Falkenhavn vorher in anschaulicher Weise geschildert. Der Präsident brauche sich nur telephonisch an den von dem Minister des Innern ein für alle mal zu instru- ierenden Polizeipräsidenten zu wenden, um alsbald die nötige Polizeimannschaft zur Verfügung gestellt zu halten. Ein Po Ii- zeioffizier werde dann mit einer Anzahl geeigneter Beam- ter erscheinen und den sich etwa widersetzenden Abgeordneten m i t Gewalt aus dem Hause Sefärdern. Wegen seiner Widersetzlichkeit könne dem betreffenden Abgeordneten dann noch auf Antrag deS Präsidenten wegen Hausfriedensbruchs und auf Anzeige der Polizei wegen Widerstandes gegen die Staatsgewalt der Prozeß gemacht werden! So wird denn der Hausknechtsparagraph demnächst dem„hohen" Haus unterbreitet werden. Man wird tatsächlich an das Haus die Zumutung stellen, die Schlitzmannschaft gegen oppositionolle Abgeordnete aufzubieten, die sich ihre Rechte durch eine parteiische Geschäftsführung und eine unverschämte Gewalttaktik der Mehr- heit nicht verkümmern lassen wollen! Der Polizcisäbel soll zum Hort und Schirm aller blau- schwarzen Niedertracht werden! Diese direkte Verhöhnung der Volksrechte hatte gerade «och gefehlt! (ZeWcWuvterricht aus höheren Schulen. Wenn der alte Hegel einmal gesagt hat, die Geschichte lehre nur, daß die Menschen noch nie etwas aus ihr gelernt haben, so trifft das auf unsere herrschenden Kreise entschieden zu. Dafür spricht das ganze Verhalten derer, die in Preußen obenauf sind. Dafür spricht auch die Methode, die sie in Anwendung bringen, um ihren Nachwuchs mit den geschichtlichen Tatsachen bekannt zu machen. Der Geschichtsunterricht nämlich, der auf Preußens höheren Schulen erteilt wird, ist daraus berechnet, die unglücklichen Opfer dieser preußischen Pädagogik zur Reserveoffiziergesinnung vorzubereiten, und hat demgemäß mit wirklicher Geschichte gar nichts gemein. Wie der Ge- schichtslehrer seine Fachkenntnisse den Schülern mitteilt, das hängt gar nicht von ihm ab, sondern dafür hat er genaue Direktiven, die ihn an eine bestimmte Richtschnur binden. Diese Direktiven entstammen der Zeit, als Graf Zedlitz- Trützschler Kultus- und Unterrichtsminister war. Das Zedlitzsche Volksschulgesetz fiel zwar ins Wasser, dagegen wurden aber die in seiner Amtszeit beschlossenen neuen Lehr- plane für die höheren Schulen maßgebend und sind, was wenigstens den Geschichtsunterricht angeht, seit 1892/93 in Kraft geblieben. 1991 kamen allerdings wieder neue Lehr- Pläne heraus. Ihre Bestimmungen für Geschichte schufen aber keine neue Grundlage, sondern stellen, von einigen un- wesentlichen Aenderungen abgesehen, bloß eine neue Auflage der Lehrpläne von 1892 dar. Diese schreiben nun dem Ge- schichtslehrer nicht nur vor, welche Zeitabschnitte er auf den einzelnen Klassen zu behandeln hat. sondern auch. unter welchen Gesichtspuntten er den Stoff bettachten soll. Und diese Gesichtspuntte sind derartig, daß ein Historiker, der von seinem Fache wirklich etwas versteht, an höheren Schulen gar nicht unterrichten kann, ohne entweder mit seiner Ueber- zeugung zurückzuhalten oder mit seinen Vorgesetzten in Konflikt zu kommen. Nach den methodischen Bemerkungen der Lehrpläne von 1892 soll zwar der Geschichtslehrer bei der Belehrung über wirtschaftliche und gesellschaftliche Fragen, die er in Unter- sekunda und Oberpttma erteilen soll, jede Tendenz„vermeiden". Das richtige Wort wäre aber verbergen. Soll doch dieser Unterricht dazu dienen, die Schüler„zu einem Urteil über das Verhängnisvolle gewisser sozialer Bestrebungen der Gegen- wart zu befähigen". Zu dem Zweck soll in der Geschichte „der stetige Fortschritt zum Besseren und die Verderblichkeit aller gewaltsamen Versuche der Aenderung sozialer Ordnungen" dargetan werden. Damit wird dem Historiker nun schon zu- gemutet, die Wahrheit über die wichtigsten geschichtlichen Er- eignisfe geradezu auf den Kopf zu stellen. Wenn der Lehrer beispielsweise mit dem Verlauf und der Vorgeschichte der französischen Revolution hinreichend vertraut ist, so muß er sich klar darüber sein, daß die Aufgabe, daran die Verderb- lichkeit aller gewaltsamen Versuche der Aenderung sozialer Ordnungen darzutun, ganz verkehrt gestellt ist; in Wirklichkeit müßte es sich darum handeln, an dem Beispiel nachzuweisen die Verderblichkeit aller Versuche, notwendige Aenderungen sozialer Ordnungen gewaltsam zu verhindern. Kann doch gar nicht zweifelhaft sein, daß die krampfhaften Versuche der herrschenden Klassen Frankreichs, die unver- meidliche Umwälzung des Rades der Geschichte aufzuhalten oder gar rückgängig zu machen, den gewaltsamen Verlauf der Revolution herbeigeführt haben. Es gibt kein lehrreicheres Material zum Studium der Frage, warum so oft im Laufe der Geschichte an die Stelle der Evolutton im Sinne einer schrittweisen friedlichen EntWickelung die Revolution im Sinne der gewaltsamen Umwälzung tritt, als eben die große französische Katastrophe. In dem angedeuteten Sinne zum Unterrichtsgegenstand gemacht, würde die Revolutionsgeschichte allerdings den Besuchern der höheren Schulen außerordentlich helfen. Politisch denken zu lernen; daraus ginge die Erkenntnis hervor, daß unsere regierenden Kreise auf dem Holzwege sind, wenn sie die gesetzliche Bahn zur Herbeiführung anderer Zu- stände verrammeln. Dem Lehrer aber, der diese Lehren der Geschichte seinen Schülern mitteilen wollte, würde böse auf die Finger geklopft werden: er darf bloß Legenden erzählen. Neben der reaktionären Revoluttonslegende ist es natürlich die Hohenzollernlegende, deren Vertretung den Gymnasialhistorikern zugemutet wird. Die Einseitigkeit wird dem Geschichts- lehrer schon insofern zur Pflicht gemacht, als er von der neueren Geschichte, was wenigstens Obertertia und Unter- sekunda anlangt, also die Klassen, nach deren Besuch die Mehr- zahl der Schüler abgeht, nur deutsche,„insbesondere branden- burgisch-preußische Geschichte" behandeln soll:„Die außer- deutsche Geschichte ist nur so weit heranzuziehen, vis sie für die deutsche und die brandenburgisch-preußische Geschichte zum Verständnis notwendig ist." Auf Prima soll etwas mehr über die großen weltgeschichtlichen Vorgänge gesagt, aber auch hier„insbesondere" die alleinseligmachende brandcnburgisch- preußische Geschichte gelehrt werden. Es ist nun sicher schon schlimm genug, wenn der Umfang, in dem dieser Gegenstand unterrichtet wird, im umgekehrten Verhältnis zu seiner Ivelt» geschichtlichen Bedeutung steht. Dazu kommt nun die rcaktio- näre Tendenz, die den Erteilern dieses Unterrichts zur Pflicht gemacht wird. Es sollen da die Lebensbilder der betreffenden Herrscher in den Mittelpunkt der Betrachtung gerückt werden: natürlich; denn nach offizieller Lesart haben diese hohen Herren die Geschichte gemacht. Im Anschluß an diese Lebensbilder hat also der Lehrer unsere gesellschaftliche und wirtschaftliche Eni- Wickelung vorzuführen„unter Hervorhebung der Verdienste der Hohenzollern insbesondere um die Hebung des Bauern-, Bürger- und Arbeiterstandes". So heißt es in der Abgrenzung der Lehraufgaben für Untersekunda und wieder für Oberprima; damit der Lehrer diese seine wichtigste Pflicht auch ja nicht vergesse, wird er in den methodischen Bemerkungen nochmals „zur Darstellung der Verdienste unseres Herrscherhauses auf diesem Gebiete", nämlich dem sozialpolitischen, angehalten. Interessant ist nun, was bei den Lehraufgaben für Oberprima über diese„zusammenfassenden Belehrungen wie in IIB" gesagt wird; sie sollen nämlich erfolgen„im An- schluß an die Lebensbilder des großen Kurfürsten. Friedrich Wilhelms I., Friedrichs des Großen, Friedrich Wik» Helms Iii. und Kaiser Wilhelms I." Ein jeder vermißt natürlich sofort Friedrich I., Friedrich Wilhelm den Dicken und Friedrich Wilhelm IV. Jeder merkt auch die Absicht: diese unbequemen Gestalten sollen mit einem stillen Trommelschlag abgetan werden. Dieser Fingerzeig ist dann überhaupt sehr brauchbar; auch sonst läßt sich totschweigen, was absolut nicht zur Ruhmes- tat gemacht werden kann. Verlangt werden eben Lobreden, keine Geschichte. Die Aufgabe des Geschichtslehrers ist aber damit noch nicht erschöpft. Er soll nicht bloß nachweisen, daß wir es durch die weise Lenkung der Hohenzollern so herrlich weit gebracht, sondern auch noch, daß alles durch göttlichen Rat- schluß so gekommen ist; er hat das Verständnis für„ein höheres Walten in der Geschichte" zu wecken. Das fehlte ja auch noch; ohne die Wendungen durch Gottes Fügung geht es im Lande der Gottesfurcht und frommen Sitte nun mal nicht, und so hat der Geschichtslehrer sie nachzuweisen, und wenn er zehnmal von seinen Studien die Ueberzeugung mit- gebracht hat, daß die Teleologie mit der Geschichtswissenschaft nichts zu schaffen hat. Was von ihm verlangt wird, ist eben keine Geschichtswissenschaft, sondern eine konventionelle Fabel nach dem Sinne der herrschenden Gewalten. Da kann man sich denn nicht wundern, wenn der sogenannten gebildeten Jugend der geschichtliche Sinn und das politische Verständnis fehlt._ Oer Friede Im ksugemrde Berlins lit gesichert. Gestern teilten wir mit, daß die in Betracht kommenden Arbeiterorganisationen dem für das Baugewerbe Berlins vom Einigungsamt gefällten Schiedsspruch zuge- stimmt haben. Die Organisation der Unter- nehm er hat gestern abend in ihrer Generalversammlung den Schiedsspruch ebenfalls angenommen. Damit ist die Einigung tatsächlich vollzogen. Der Friede ist gesichert. Berlin scheidet aus dem Kampfe aus. Bis zum letzten Augenblick haben die Scharfmacher ge- bohrt und gewühlt, um die Einigung zu hintertreiben und die Berliner Unternehmer in den Kampf zu hetzen. ES ist ihnen nicht gelungen. Im Lager der Unternehmer hat die bessere Einsicht, die Erkenntnis der tatsächlichen Verhält- nisse gesiegt iibec die blinde Wut kurzsichtiger Feinde der Arbeiterorganisation. Die d r ü ck e n d e F e s s e l, welche die Scharfmacher den organisierten Arbeitern in der Gestalt ihres Tarifmusters anzulegen versuchten, ist ge- sprengt. Die Macht der Arbeiterorganisationen, ihr ein- mutig kundgegebener Wille, ihre Gleichberechtigung unter allen Umständen zu wahren, hat die Berliner Unternehmer bewogen, von dem tollkühnen Versuch der Arbeiterknebelung Abstand zu nehmen und auf der Basis des bisherigen Ver- träges unter Gewährung einer allerdings recht mäßigen Lohnerhöhung sich mit den Arbeltern zu verständigen. Nicht die Lohnfrage ist das wesentliche bei dieser Emi- gnng, sondern der Umstand, daß die Dresdener Beschlüsse der Unternehmer durchbrochen und die Absichten der Scharf- macher vereitelt sind. H a in b u r g und Berlin nehmen n i ch t a m K a m p f e t e i l. Damit hat der Kampf für das übrige Deutschland eine entscheidende Wendung genommen, denn die Pläne der Scharfmacher haben zur Voraussetzung, daß der Angriff gegen die Arbeiter auf der ganzen Linie er- folgt. Dieser Plan ist durchkreuzt. Die Arbeiter der beiden großen Lohngebiete, auf die sich der Kampf nicht erstreckt, können und werden ihren Arbeitsbrüdern im Reiche tat- kräftige Hilfe leisten. Auch die moralische Wirkung der Einigilng in Berlin ist nicht zu unterschätzen. Alles das berechtigt zu der Erwartung, daß auch in den Teilen Deutschlands, wo die Unternehmer die Aussperrung ins Werk gesetzt haben, der Kampf zugunsten der Arbeiter ent- schieden wird. Der Opfermut der Arbeitenden wird die kämpfenden Arbeitsbrüder stärken, daß sie den aussperrungs- wütigen Unternehmern das berüchtigte Tarifmuster zerrissen vor die Füße werfen und sich ihre Gleichberechtigung erzwingen werden. .» Weitere FriedenSmeldungen. Bochum, 22. April.(Privatdepesche des„Vorwärts".) Für den Ortsverband Gladbeck ist heute eine Einigung mit den Bau- Unternehmern zufiandegekommen. Es ist eine Lohnerhöhung von K Pf. zugestanden worden. Gladbeck ist ein Ort von 30 OM Einwohnern mit einer ziemlich entwickelten Industrie. In Frage kommen einige hundert Bauarbeiter. Gießen, 22. April. Die Bauunternehmer von Gießen und Umgegend haben die Aussperrung aufgehoben, so daß alle Arbeiter die Arbeit wieder aufnehmen. Durch Vermittelung soll vereinbart werden, unter welchen Bedingungen für die nächsten Jahre der Frieden erhalten bleiben könne. völkerlchlclilsl und lßoMttigeo. Petersburg, 19. April.(Eig. 53er.) Nach dem Eifer, den die „Patrioten" bei der Borbereitung und bei der ersten Lesung des Gesetzentwurfes über Finnland gezeigt hatten, erscheint es etwas sonderbar, daß der Entwurf in der Reichsdumakommission gar nicht vom Fleck rückt. Auch auf administrativem Wege wird trotz der offenbar„revolutionären" Haltung des finnländifchen Landtages nichts unternommen. Die Antwort des Landtages ist der russischen Regierung zwar noch nicht offiziell zugegangen, aber die „Patrioten" wissen sehr wohl, daß sie eine entschiedene Zurückweisung aller Ansprüche der Stolypinschen Regierung enthält, nebst einer ausführlichen rechtlichen Widerlegung aller in der Borlage und bei deren Beratung in der Duma an- geführten Gründe sowohl vom Standpunkt der finnischen Verfaffung als von dem der russischen Grundgesetze. Die Antwort soll der Re- gierung erst Ende April eingereicht werden; trotz ihres Inhalts läßt man die LandtagSkommisfion ruhig die Redaktionsarbeit zu Ende führen und das Dokument ins Russische übersetzen. Inzwischen voll- zieht sich alles in Finnland recht verfaffungsmätzig. BerfassungS- mätzig unterbreitet der finnische Senat„alleruntertänigst" dem Zaren die vom Landtage angenommenen Gesetzentwürfe, ver- faffungsmätzig werden sie vom Zaren bestätigt und die AuSfÜhrungS- regeln bestimmt. So ist u. a. vor einigen Tagen vom Zaren ein Gesetz über den Ausfuhrzoll auf Holz bestätigt worden, das für das wirtschaftliche Leben Finnlands von erheblicher Bedeutung sein wird. Die Regierung verrät sogar augenblicklich keine Lust, sich in die Erledigung der„Militärvorlage" einzumischen, die schon so viele Konflikte zwischen der russischen Regierung und dem finnischen Land- tage und Senat hervorgerufen hat. So verblüfft auch die„patriotische" Presse und die„patriotischen" Dumaredner über die geänderte Haltung der Regierung sind, er- lauben sie sich doch keine besonderen Proteste. Man weiß nämlich noch nicht, was dahinter steckt. Die„Nowoje Wremja" spricht zwar von Intrigen gegen Stolypin, bedauert die schwierige Lage, in die der Premierminister geraten sei. indem er die alleinige Berant- wortung für die„Reform" in Finnland übernommen habe.„Die Intrige ist leider keine freie Erfindung der Zeitungsmänner", schreibt die„Nowoje Wremja",„sie ist Tatsache, sie reicht viel weiter und viel höher, als man es denkt." Eine hohe und sehr einflutzreiche Person sei entschieden gegen die Stolypinsche Politik in Finnland, und diese Person finde Unterstützung bei dem„weitblickenden und talentvollen Finanzminister". Wer die geheimnisvolle„hohe Person" ist, bleibt unbekannt.— wahrscheinlich einer von den Trotz- sürsten. Interessant aber ist die Preisgabe des„weitblickenden und talentvollen Finanzministers" Kokowzew, was nicht ohne Genehmigung StolypinS geschehen konnte. Kokowzew ist gegen die Stolypinsche Politik, seit Jahren gilt er auch als Kandidat für den Premier- urimsterposten; nun sucht Stolypin durch die„Nowoje Wremja" den gefährlichen Konkurrenten in den Augen der Patrioten zu kompro- mittieren. Kokowzew sucht seinerseits seinen persönlichen Einflutz auf den Zaren gegen Stolypin auszunutzen. Und nur der Kamps beider Staatsmänner ermöglicht es Finnland, noch eine kurze Zeit verfassungsmäßig regiert zu werden. Denn wer die Oberhand im Kampfe auch gewinnen mag— ob Stolypin oder Kolowzew— für das Schicksal Finnlands bleibt es dasselbe. Kokowzew hat die Unterstützung der reaktionären Presse und der reaktionären Parlamentsmitglieder ebenso nötig wie Stolypin. Die realtionären Führer aber verlangen unbedingt die Unterjochung Finnlands: ihre Popularität unter den Chuliganmaffen beruht ja auf ihrem„Nationalismus", und den können sie am besten durch UnterdrückungSmatzregeln gegen andere Nationalitäten erweisen. In erster Linie natürlich— gegen die Juden und die Finnen. Gegen die Judenverfolgungen hat Kokowzew auch gegenwärtig nichts em« zuwenden, um so weniger als auch der g a r selbst entschiedener Judenfeind ist, auch können die Judenverfolgungen— trotzdem sie einen sogar inRutzland unerhörtenUmfang angenommen haben im Auslande keine Komplilationen zeitigen. Anders die finn- ländische Frage. So lange gegen die Vergewaltigung Finnlands im Suslande Proteste nur auS den demokratischen und Gelehrtenlreisen ergingen, konnte Kokowzew keine Beranlassung haben, bei dem Zaren über die finnländifchen Angelegenheiten Vorstellungen zu er- heben. In der letzten Zeit aber fangen auch die Finanzkreise im Auslände an, gegen den LerfaffungSbruch in Finnland energisch zu protestieren. Besonders die Handelskammern in England. Kokowzew steht vor einer neuen auswärtigen Anleihe und rechnet auch auf die englischen Finanzkrcise. Der „weitblickende" Minister, der der Protestbewegung der euro- päischen Demokraten und Gelehrten gegenüber gleichgültig blieb, hat sofort die Gefahr der Bewegung in den Geldkreisen er- sehen und dieS auch dem Zaren klargemacht. Daß der„Weit- blickende" diese Gelegenheit ausgenutzt hat, um gegen Stolypin zu intrigieren, ist selbstverständlich. Stolypin aber hat keine Lust, den Platz Kokowzew zu räumen. Er wird vielmehr die Durchführung der finnländifchen Reform bis zur Berwirklichung der Anleihe ver- schieben und dann mit doppelter Energie vorgehen. So er- klärt sich der Stillstand, der in der Bekämpfung Finnlands eingetreten ist. Voraussichtlich wird er bis zur Realisierung der neuen Anleihe fortdauern. Der Zar gegen Finnland. PeterSiurg, 22. April. Die Meldungen von einer für Finnland günstigeren Wendung in den höchsten russischen Kreisen bestätigt sich nicht. Bei der gestrigen Audienz G u t s ch k o w S im ZarSkoje Selo äußerte vielmehr der Zar den Wunsch, die Reichsduina möge die finnländische Vorlage noch in dieser Session erledigen und wenn es notwendig sein sollte, die Session dieserhalb ver- längern._ politische Qcberficbt. Berlin, den 22. April 1910. Das Mülheimcr Eisenbahnunglück. Aus demReichstag, 22. April. Der Zusammenstoß eines Luxuszugs mit einem vollbesetzten Militärzuge bei Mülheim hatte zu einer von den Nationalliberalen eingereichten Interpellation Anlaß gegeben, die heute im Reichstage zur Verhandlung kam. In der Wandelhalle des Reichstages hatte eine Hamburger Firma das Modell einer Bahnanlage aufstellen lassen, um die Wirkung automatischerBrems- Vorrichtungen zu erläutern und in der Debatte wurde denn auch darauf Bezug genommen. Der preußische Eisenbahnminister v. Breitenbach, der bisher nur auf dem Gebiete der Bekämpfung der Arbeiterorganisationen ungewöhnliche Leistungen fertiggebracht hat, glänzte bei dieser Gelegenheit durch Abwesenheit. Stand ihm doch auch selbst bei den regierungstreuesten Parteien keine Anerkennung in Aussicht. Er ließ die unangenehme Sache durch den Präsidenten des Reichseisenbahnamtes Herrn Wackerzapp ausbaden, der keinerlei Berwaltungs- befugnisse hat und dem kaum mehr als das Recht, gute Ratschläge zu geben, der preußischen Eisenbahnverivaltung gegenüber zusteht. Seine Antwort hielt sich übrigens völlig innerhalb der Grenzen, der für solche Fälle beliebten bureaukratischen Schablone. Nachdem Herr Semler die Interpellation begründet hatte, erklärte Herr Wacker- zapp unter den selbstverständlichen Bezeugungen tiefsten Mitgefühls für die Opfer des Unglücks: Schuld daran trage einzig der Lokomotivführer des Luxuszuges, der die Haltesignale übersehen habe. Von mechanischen Bremsvor- richtungen hält Herr Wackerzapp nicht viel, weil sie unter Umständen die Gefahr von Zusammenstößen erhöhten. Was Herr Wackerzapp unterlassen hatte, wurde in der Debatte nachgeholt. Es drängte sich doch in den Reden fast aller Ver- treter der Parteien die Ueberzeugung hervor, daß auch in den Betriebseinrichtungen etivas faul sein muß, wenn das Ver- sehen eines einzigen Mannes ein solch ungeheures Unglück herbeiführen kann. Besonders Genosse Hengsbach legte in einer gründlichen Untersuchung den Finger in die offenen Wunden. So wies er darauf hin. daß der Luxuszug zwar große leistungsfähige Wagen gehabt habe, der Milttärzug aber mit dem brüchigsten Wagenmaterial versehen gewesen sei. Jene morschen Kasten hätten dem Anprall keinen Widerstand leisten können. Das System fiskalischer Sparsamkeit trage überhaupt die Hauptschuld an dem Unglück. Neuerdings sei mehr und mehr der Unfug eingerissen, daß die Zugführer zu Schaffner- funktionen herangezogen würden, so daß sie während der ahrt einer ihrer Hauptaufgaben, zur Verhütung von nglücksfällen die Kontrolle der Zugleitung auszuüben, nicht nachkommen könnten. Es müsse unbedingt dafür gesorgt werden, daß nicht eine, sondern mehrere Personen mit der Aufgabe betraut würden, im Falle drohender Gefahr die Bremsvorrichtungen in Kraft zu setzen, oder sonst einzugreifen. Hengsbach kritisierte dann auch scharf die mangelhafte, kurvenreiche Gleisanlage bei dem Bahnhof Mülheim und schloß seine Ausführungen mit der Forderung, daß die Hinterbliebenen der Opfer und die zu Krüppeln ge- fahrenen Soldaten reichlich entschädigt werden möchten. Die Vorbringung solcher Wünsche war leider das einzige Resultat auch dieser Jnterpellationsdebatte. Der Vertreter irgend einer Verwaltungsbehörde, der ihn: Berücksichtigung zusagen konnte, war überhaupt nicht zur Stelle. Beschlüsse kann der Reichstag bei Interpellationen überhaupt nicht fassen. Ehe das nicht geändert ist, gehen sie stets aus wie das Hornberger Schießen. Für Sonnabend ist die V e t e r a n c n b e i h i l f e auf die Tagesordnung gesetzt.__ Trott in Nöten. Eine wohlverdiente Niederlage bereitete am Freitag unser Ge- nosse Liebknecht im Abgeordnetenhause dem Kultusminister Trott zu Solz. Der sozialdemokratiscke Redner lenkte bei dem Kapitel „Schulaufficht" die Aufmerksamkeit des Hauses noch einmal auf die Behandlung der sozialdemokratischen Turnvereine. Zwar machte der Prsident v. K r ö ch e r wiederholt den Versuch, ihm das Wort zu entziehen, da das nach seiner Meinung nicht zum Thema gehörte, aber eS gelang Liebknecht, wenn er sich dabei auch einige OrdnungS« rufe zuzog, die präsidiale Klippe geschickt zu umschiffen und seine Ausführungen zu beenden. Der Minister wird daran wenig Freude gehabt haben, denn unser Genosse holte das, was er am Tage vorher nicht sagen konnte, gründlich nach, er bewies schlagend, datz die Arbciterturnvereine zur Abwehr der von' den hurrapatriotischen Vereinen unternommenen Versuche, die Arbeiter- jugend der Sozialdemolratie zu entfremden, gegründet sind, er schilderte daS Verhalten der sogenannten nationalen Turnvereine, warf der SchulaufsichtSbehörde— gestützt auf gerichtliche Erkennt- niffe— bewußten Mißbrauch des Gesetzes vor und tadelte die Re« gierung, daß sie sich um die anderen Turnvereine nicht kümmert, obwohl gerade sie sehr der Aufsicht bedürfen. Zwischen dem Minister, der eine kurze Erwiderung stammelte, und Liebknecht entspann sich ein lebhaftes Rededuell, daS schließlich damit endete, daß Trott zu Solz in den Sand gestreckt wurde. Um wenigstens äußerlich seine Niederlage zu bemänteln, suchte der Minister die Tat- fachen auf den Kopf zu stellen, indem er behauptete, die Regierung befinde sich bei ihrem Vorgehen gegen die sozialdemokratischen Turnvereine in der Abwehr. Tatsächlich ist es bekanntlich gerade umgelehrt. Die weitere Debatte, die sich völlig in Einzelheiten verlor und am Sonnabend fortgesetzt wird, war ohne allgemeines Interesse. Ein bezeichnender Zwischenruf i Zu den vielen Kundgebungen der letzten Monats und Wochen, die dem deutschen Proletariat wieder einmal die giftige Feindschaft der Junker und Scharf- macher gegen das Reichstagswahlrecht in frische Erinnerung gebracht haben, ist bei Gelegenheit der Wahlrechtsberatungen im Herrenhause noch eine neue gekommen. Bei der Verhandlung im Plenum am Freitag voriger Woche fiel ein äußerst bezeichnender Zwischenruf bei der Rede des Oberbürgermeisters Kirschner, der leider in den Berichten der Presse nicht wiedergegeben worden ist. Herr Kirschner hatte gegen die junkerliche Behauptung pole- misiert, daß eine Reform des Wahlrechts nicht nötig sei, weil in Preußen alles zum besten bestellt sei. Seine freisinnige Wohlanständigkeit und sein preußischer Patriotismus er- laubten ihm nicht, die Lügenhaftigkeit dieser Behauptung nachzuweisen. So stimmte er ihr lieber stillschweigend zu und erklärte, daß die Entwickelung des Staates nicht bloß vom Wahlrecht abhängig sei. Die größten Fortschritte, so meinte er, habe Preußen unter dem Absolutis- mus gemacht. Stürmischer Beifall der Feudalen. „Aber." fuhr Herr Kirschner nun fort,„würden Sie deshalb zu in Absolutismus zurückkehren wolle n?" Er hatte wohl eine Verneinung erwartet. Aber es kam anders. Ein lautes mehrstimmiges„Ja, jawohl!" scholl ihm von den Bänken der Feudalen entgegen und keine Lippe regte sich zum Widerspruchs Die Herrenhausjunker haben in diesem Rufe ihre wahre Gesinnung gezeigt. Sie sind noch heute Feinde jeg- l i ch e r Verfassung, sie würden noch heute, wo der Par- lamentarismus selbst schon den Orient ergreift, gern zum Ab- solutismus zurückkehren. Allerdings ist dafür gesorgt, daß ihre reaktionären Träume nie wieder Wirklichkeit werden können. Daß aber bei solcher Gesinnung der Junker das gleiche Wahlrecht im Reich sofort erwürgt werden würde, sobald die Herren die Macht dazu hätten, das liegt auf der Hand. In Verbindung mit den Januschauereien, den unverschämten Herausforderungen des freikonservativen Scharfmachers v. Zedlitz und den Absagen der Nationallibe- ralen an das Reichstagswahlrecht— angeblich nur für Preußen, in Wahrheit auch für das Reich— gewinnt dieser freche Zwischenruf der Herrenhäusler seine ernste Bedeutung. Die deutsche Arbeiterklasse muß sich bewußt sein, daß sie über Nacht vor die Aufgabe gestellt werden kann, ihr wichtigstes Staatsbllrgerrecht mit den äußersten Mitteln zu verteidigen. „Keine Wahlrechtsreform in diesem Jahre". Also überschreibt daS Berliner Zentrumsblatt, die„Märkische VolkSzeitung" ihren Artikel, worin sie den Abschluß der Be- ratungen in der Herrenhaus-WahlrechtSkommisston meldet. Sie be« zeichnet die Beschlüsse über die Drittelung und die„Kulturträger" als erhebliche Verschlechterungen der Vorlage des Abgeordneten- Hauses und schließt daran die Drohung, daß daS Z entrum vom Kompromiß zurücktreteln werde, so daß eine ganz neue Mehrheit mit den Nationalliberalen gebildet werden müsse. Sogleich aber wird dem Zentrumsorgan vor seiner eigenen Drohung bange und deshalb macht es die, so eS angeht, darauf aufmerksam, Konservative und Nationalliberale seien jetzt derart verärgert,„daß ein Zusammengehen kaum möglich sein wird". Aber im folgenden Satze heißt eS dann schon wieder, daß, da die Nationallibe- ralen„aber sicher um dieses großen Vorteils willen entschlossen ihr ohnehin sehr leichtes Bündel Prinzipien steudig über Bord werfen werden", ein solches Zusammengehen schließlich nicht un- möglich wäre,„zumalviele Konservativeunter dem Druck derRegierung stehen." Dann aber wäre die Verabschiedung der Wahlreform in diesem Sommer wohl kaum noch durchführbar.„Denn das würde ganz neue Verhandlungen im Abgeordnetenhause voraussetzen, bei denen wir sehr kräftige Neuauflagen der letzten Debatten erleben würden." Nach diesem Hin- und Herschwanlen zwischen„kaum möglich", „sicher",„nicht unmöglich" verfällt das Blatt plötzlich in den Ton absoluter Gewißheit und erklärt kategorisch:„Unter diesen Umständen erscheint es als sicher, daß wir in diesemJahrekeine Wahlrechtsreform bekommen werden." Die heillose Konfusion dieser Ausführungen ist ein Spiegelbild der inneren Unsicherheit des Zentrums. ES möchte das Herrenhaus durch die Drohung mit dem Rücktritt vom Kompromiß zur Aufgabe der in der Kommission beschlossenen Slenderungen zwingen. eS bebt aber auch vor der Eventualität zurück, durch solche Drohung den Zusammenschluß der Konservativen mit den Nationalliberalen erst herbeizuführen. Es hat diese unbehagliche Lage durch seinen Wahlrechtsverrat sicherlich hundertfach verdient. Bei der Beurteilung der Situation ist also nicht zu vergessen, daß die Versicherung des Zentrumsblattes, eS werde die Wahlrechtsvorlage in diesem Jahre nicht mehr zustande kommen, nichts als ein taktisches Manöver ist. » Die„Korrespondenz Woth' meldet, daß die Regierung mit der Arbeit der HerrenhauSkommission zufrieden ist. Die Regierung be- finde sich indes in einem schweren Irrtum, wenn sie jetzt die breitere Basis gefunden zu haben glaube, die nötig war. um die Mittel« Parteien zur Zustimmung geneigt zu machen. dieS sei nicht der Fall, die Freikonservativen und Rationalliberaleu würden auch in der HerrenhauSfassung dem Wahlgesetz nicht zu- stimmen. Beide Parteien hätten daS bereits am Donnerstag« nachmittag im Sbgeordnetenhause offen erklärt. Das Ergebnis der Posener Reichstagsersatzwahl« Bei der gestrigen ReichstagSstichwahl im Posener Reichstags- Wahlkreise hat der polnische Kandidat mit großer Mehrhett gesiegt. Im ganzen wurden 34309 gültige Stimmen abgegeben. Davon erhielten Nowicki(Pole) 20 OSO, Oberbürgermeister Dr. WilmS(natl.) 14 2S0 Stimmen. Es ergibt sich daraus, daß die Wähler der polni- scheu„Hofpartei" fast sämtlich der Aufforderung des Vorstandes ihrer Partei, in der Stichwahl für Nowicki zu stimmen, nachgekommen sind; denn bei der Hauptwahl haben Nowicki 11487, Sosinski 6966 Stimmen erhalte». Fraglich ist jedoch, ob jetzt Nowicki der ihm von dem Parteivorstand auferlegten und von ihm halbanerlannten Pflicht nachkommen und sein Mandat niederlegen wird, um die Wahl SosinskiS oder eines anderen Kandidaten der gemäßigten gutbürgerlichen Polenpartei zu ermöglichen. Nowicki hat nur halb zugesagt, daß er zurücktreten will. Vielleicht findet er jetzt, daß ihn sein Wort nicht bindet und er sich besser zum Vertreter de» Wahl- kreise» eignet als Sosinski._ Die Dispositionen des Reichstags. Der Seniorenkonvent hielt am Freitag eine Sitzung ab, in der sich Unwille darüber kundgab, daß die RegierungS- kommiffare in den Kommissionen zu schärferer Arbeit anzutreiben suchen. Da die Vertagung des Reichstags vor Pfingsten in Aus- ficht genommen ist. so wird von der Regierung der Versuch ge- macht, einige Gesetze noch vorher durchzupeitschen, so das Kali- gesetz. das Gesetz über die Entlastung de» Reich»- gerichttz Md dis Beichswertzutdachsfteuer. Im Konvent wurde erklärt. eS sei Sache des Reichstags, wie er seine Arbeiten betreiben wolle, darein habe die Regierung sich nicht Zu mischen. Es ist beschlossen worden, dajs am Sonnabend die nicht erledigten Punkte der Tagesordnung vom Freitag verhandelt werden sollen(Kricgsteilnehmerbeihilfcn u. a.), am Montag sollen dann kleinere Vorlagen, wie das Gesetz über die 'leinen Aktien, über den Konsulargerichtshof und die Konsulargebühren, ferner Petitionsberichte und die Verminderung der Drucksachen auf die Tagesordnung gestellt werden. Am Dienstag wird mit den Wahlprüfungen begonnen werden, die zwei Tage in An- spruch nehmen. Donnerstag, Freitag und Sonn- abend soll die Börner Konvention, das Stellen» ver mittelungsgesetz, die Aufstandsausgaben für Südwestafrika und eventuell die Strafgesetzbuch- Novelle beraten Iverden. Dann will man sehen, ob in der folgenden Woche noch die Entlastung des Reichsgerichts und die Zuwachs st euer erledigt werden können. Damit die Kommissionen längere Zeit arbeiten können, werden die Plenar- sitzungen um 2 Uhr beginnen und am kommenden Donnerstag wird die Plenarsitzung ausfallen. Ende nächster Woche wird der Seniorenkonvent noch einmal zusammentreten und über die Geschäftslage dcS Hauses beraten. Die Zeugnisfolter in der Bremer Lehrerhatz. Wir haben schon vor einigen Tagen gemeldet, daß sich der Bremer SmtSliberaliSniuS bei der Lehrerverfolgung auch der Zeugniszwangsschraube bedient. Am Donnerstag hat er sie noch fester angezogen. An diesem Tage nahm man den Buchhalter F r e u t h a l, der zufällig bei der Abfassung des Bebel-Tele- g r a m m S anwesend war, in Zwangshaft, weil er sich weigerte, einige Lehrer, die nach Ansicht der Behörde.mitschuldig* sind, namhaft zu machen. Freuthal wurde wegen derselben Weigerung schon vor einiger Zeit zu 200 Mark G e l d st r a f e. die später in 20 Tage Haft umgewandelt sind, verurteilt. Diese neueste, brutalste aller bisherigen Mahnahmen wird selbst in der bürgerlichen Presse, die im übrigen die Einleitung deS Disziplinarverfahrens verteidigte, aufs schärfste verurteilt. Eine Privatdepesche meldet uns noch: Dem Buchhalter Freuthal ist bei weiterer Weigerung Gefängnis st rafe an- gedroht worden. Seine Frau, die bei der Sache gar nicht beteiligt war und von nichts weih, hat zu Sonnabend nachmittag Vorladung erhalten. Freuthal hat die Zumutung, Angaben zu machen, mit der Bemerkung abgelehnt:„Ich weih etwas, aber Euch sage ich nichts!"_ Das staatsgefährliche Lied. Der Gesamtvorstand des Sozialdemokratischen Ver» ein? Breslau wurde am Donnerstag von der Polrzei darüber vernommen, wie das Lied„Wer schafft das Gold zuTage" auf das Programm des Stiftungsfestes gekommen ist. Bekanntlich ist gegen den Vorsitzenden ein Verfahren wegen Aus- reiz un g in der gleichen Sngelegenhett im Gange. Bei dem Drucker des Programms, der auch schon eine Vernehmung hatte, wurde auherdem die Belegmappe einer genauen Durchsicht durch Kriminalbeamte unterzogen. Allem Anschein nach will man einen Masseu'Sufreizungsprozeh inszenieren. Der betrogene Militärfiskus. Wegen fortgesetzter militärischer Unterschleife hatte sich gestern der Sergeant Tetzlaff vor dem Oberkriegsgericht des III. Armeekorps zu verantworten. Der Angeklagte war im Laufe der Jahre ISO? und 1908 Küchenunterofftzier für das 3. Bataillon deS Füfilier-Regiments Prinz Heinrich von Preußen zu Brandenburg. Er hatte als solcher für die Bataillonsküche die Einkäufe und Bestellungen zu erledigen. Der Lieferant für das dritte Bataillon war der Kolonialwaren- und Mehlhändler Schröder aus Brandenburg. Die Warenlieferungen gingen in folgender Weise von statten: Die in der Küche zur Verwendung kommenden Waren wurden postenweise in ein Bestellbuch eingetragen. Eine Ordon- nanz bringt dann dieses Buch nach dem Schröderschen Geschäft «tid dort wurden die aufgezeichneten Waren verpackt und durch einen Hausdiener stets nach der Kaserne geschafft. Die Eintra- gungen in das Bestellbuch besorgte der Küchenunteroffizier. Dem seinerzeit bei Schröder tätig gewesenen Handlungsgehilfen Henze war es nun aufgefallen, daß zahlreiche Posten in dem Bestellbuch gar nicht in die Kaserne geliefert, dagegen aber verrechnet wurden. Alle diese Posten waren in dem Buch mit einem Kreuz versehen. Kam das Buch in dem Schröderschen Geschäft an. so versah Sch. die mit einem Kreuz versehenen Posten sofort mit einem Haken, ein Zeichen da» für, daß sie angeblich als geliefert anzusehen waren. Nach er- folgter Lieferung wurden dann die Eintragungen des Bestell- buches in das Küchenverwaltungsbuch übertragen. Auf Grund der Bücher wurde ermittelt, daß beispielsweise statt 88 Kilogramm Kartoffelmehl nur 82 Kilogramm, statt 22 Kilogramm Zucker nur 10 Kilogramm, statt 18 Kilogramm Butter nur ein Kilogramm usw. geliefert wurden. Auch Posten größerer Warenlieferungen, die im Bestellbuch angekreuzt waren, sahen die Kaserne über- Haupt nicht. Das Bataillon hatte 4—800 Mannschaften zu verköstigen und auf soviel Portionen verteilte sich dos tägliche Manko der zu wenig gelieferten Waren. Das Oberkriegsgericht kam nach längerer Verhandlung zu einem Vertagungsbeschlutz. Es sollen für die nächste Verhandlung mehrere Sachverständige über die Zubereitung der MannschaftSefsen sowie die Kochfrau geladen und die Menagebücher eines hiesigen Regiments zur Stelle geschafft werden._ Christlichsoziale Reichstagskandidatureu. Die Cbristlichsozialen haben bereits ihre Kandidaten für die nächste R-ichStagswahl aufgestellt— in Anbetracht der wenigen Wahltreise, die für sie in Betracht kommen, freilich keine besonders sibwierige Arbeit. In Wetzlar-Altenkirchen kandidiert Franz Behrens- Essen-Ruhr: in Dillenburg-Westerwald Dr.xBurckhardt-GodeSberg (beide gehören jetzt als Vertreter dieser Kreise dem Reichsrage an): in Sieaen-Wittgenstein-Bi-denkopf Lic. R-Mumm-Berlin; in Herford- Halle Generalsekretär Wilhelm Walbaum-Bielefeld und in Erbach- BenSheim Stadtverordneter Otto Rippel-Hagen i. W. Vom Zentrums-Terrorismus. Bei der badischen Landtagswahl hielt die sozialdemokratische Partei eine Wahlversammlung in dem nachher so berühmt ge- wordenen Gengenbach ab. An diesem Sitze des jetzigen Zcntrumsabgeordneten Seubert gibt der Buchdruckereibesitzer Oechslein den unparteiischen„Kinzigboten" heraus. Die sozialdemokratische Einladung zur Versammlung wurde darin inse- riert; als Thema war angegeben:„Der Volksverrat des Zentrums." Ein zweitesmal durfte die Anzeige mit dieser Bezeichnung der Tagesordnung nicht erscheinen, weil der Verleger mitkeilte, daß ihm geschäftlicher Schaden in Aussicht gc- stellt worden ist. Anläßlich dcS vielgenannten A st l o ch- P r o- zcsses teilten nun die als Zeugen vernommenen Herren Oechs- lein, Vater und Sohn, mit, daß der dortige Führer der Zentrums- Partei, der jetzige Abgeordnete Seubert, im Geschäft erschien und die Beseitigung dieses Inserats wünschte, mit der Andeutung, daß viele Abonnenten das Blatt abbestellen würden, falls die auf daS Zentrum bezüglichen Worte im Inserat stehen blieben. Herr Seubert setzte dann dem Verleger eine Erklärung auf. die in der Zeitung erscheinen und besagen sollte, daß jenes sozialdemokratische Inserat nur aus Versehen aufgenommen wurde. Drese Sünde SeubertS ist schlimmer als daS Astlochgucken jn das ArauSidad. Auö dem sächsischen Landtage. Am Dienstag wurde über den sozialdemokratisSen Antrag verhandelt, wonach alle V o l k ö s ch u l l a st e n der G e- ,n e i n d e n, die mehr als 2S Proz. des Staatseinkommensteuersolls der Gemeinden betragen, vom Staate übernommen werden sollen. Die Genossen Lange und R i tz s ch e be- gründeten den Antrag und betonten, daß er für die armen Gemeinden eine wahre Erlösung ouS schlimmen finanziellen Nöten und eine Wiedergeburt der Volksschule in diesen Gemeinden bringen werde. Außerdem forderten unsere Redner die Beseitigung des Schulgelds. Die nationalliberalen und konservativen Redner sprachen sich gegen den Antrag aus, weil er eine Erhöhung der StaatSsteuer zur Folge habe. Teilweise auS denselben Gründen wandte sich auch der Kultusminister dagegen. Obwohl von sozial- demokratiscker Seite betont wurde, daß der Antrag keine neue Lasten, sondern nur eine gerechte Verteilung der Lasten anstrebe, wurde der sozialdemokratische Reformversuch gegen die Stimmen unserer Ge- nassen und der Freisinnigen abgelehnt. Ocftemidvangarn. Lucgers Nachfolger. Wien, 22. April. Der Gemeinderat wählte den erstell Vizcbitrgermeister Neu mayer mit 123 von 116 zum Bürgermeister. Dr. Neumayer, ein 6Sjähriger, müder Mann ohne Ver- waltungstalent ist nur der Platzhalter für den gegenwärtigen christlichsozialen Handelsminister Dr. Weiskirchner. Eine Bauerndemonstration gegen die Getreidezölle. Die größte Kunst der agrarischen Agitation besteht in der Ver- deckung der zwischen den Landwirren verschiedener Landesteile und Betriebsgrößen bestehenden Jnteresiengegensätze, der Mobilmachung auch der ganz entgegengesetzt interessierten Bauern zugunsten der maßgebenden großen Getreideproduzenten. Die viehzüchtenden Ge- birgöbauern sind besonders auf billige Futtermittel wie auf niedrigen Brotprei» angewiesen. So lassen die Gegensätze, die auch in der Haltung der bayrischen Alvenbauern gegen den Bund der Land- Wirte schon zutage getreten sind, sich nicht dauernd niederhalten. Eine starke Kundgebung dieser Art fand am 17. April in der st e i r i s ch e n Stadt Schladming statt, wo die GebirgSbauern dem zur Verteidigung der Getreidezölle eingetroffenen Agrarierführer, ReichSratsabgeordnelen v. Hohenblum, einen heißen Empfang bereiteten. Wie die„Wiener Arbeiter-Zeitung" meldet, wurde Hohenblum auf dem Marktplatz von den Bauern mit Pfuirufen empfangen. Seine Versammlung wurde sofort gesprengt und er zum Rückzug in ein Nebenzimmer genötigt. Scharf trat ein bäuerlicher Abgeordneter. Pantz, gegen die Getreidezölle auf, die er eine Plünderung der GebirgSbauern zugunsten weniger böhmischer und ungarischer Groß- grundbesitzer nannte. Wie könne die Alpenwirtschaft den Sprung deS Zolles von 1 Krone 80 Heller auf ö Kronen 80 Heller für den Doppel- zentner ertrogen? Prof. Dr. Hoffmeister teilte mit, er habe im Auf- trage eines früheren Ackerbauministers Erhebungen veranstaltet, die eine solche Schädigung der GebirgSbauern durch die Getreidezölle beut- lich erwiesen. Freilich sei es gelungen, die Veröffentlichung seiner Feststellungen bisher zu verhindern. Bei der Abfahrt mußten Hohen- blum und sein Anhang nochmals stürmische.Vertrauenskundgebungen" ihrer bäuerlichen Schützlinge über sich ergehen lasten. Der Wurm sitzt also im Innern des agrarischen Gebäudes. Da auch die Protestbewegung der städtischen Arbeiterschaft immer schärfer wird und selbst die geduldigen Schäfchen der christlichsozialen Partei der Städte gegen die endlose Begünsttgung der Großgrundbesitzer auf Konsumentenkosten aufzumucken beginnen, so scheint es. als sollten auch in Oesterreich die agrarischen Bäume doch nicht in den Himmel wachsen. Nahe genug sind sie freilich schon.— fratihreicb. Ein Wahlmanöver. Paris, 22. April. Aus Angers wird gemeldet: T«r gemäßigt republikanische Kammerkandidat Monbrofit erzählte in einer Wählerversammlung, daß ihm unter dem Ministerium CombeS ein Abgesandter der Regierung die Ehrenlegion versprach, wenn er 80 000 Frank für regierungsfreundliche Zeitungen hergebe. Da Monbrofit durch diese Enthüllung äugen- scheinlich die radikale Partei bloßstellen wollte» hat sein radikaler Gegner Barot an den Großkanzler der Ehrenlegion die Anzeige wegen Bestechung und OrdknSschacherS gerichtet, um die Angelegenheit aufzuklären. Etiglatick. Sturmszenen. London, 21. April. Unterhaus. Eine Szene wildester Aufregung ereignete sich heute während einer Debatte über das Verhalten Sir Robert Andersons, des früheren Chefs der Geheimpolizei, dessen kürzlich im„London Magazine" erschienene Artikel über das Thema„ParnelliLmus und Verbrechen" Aufsehen erregten. Der Unionist Campbell machte im Verlauf seiner Rede eine Bemerkung, die dahin gedeutet wurde, als sei es trotz der Entscheidung der Parnell-Kommission noch eine offene Frage, ob P-rnell mit den berüchtigten Phönixpark. Mördern in Verbindung gestanden habe. Die Nationalisten und Ministe- riellen forderten augenblicklich die Zurücknahme dieser Ver- dächtigung. Campbell erklärte sich zu einer bedingten Zurücknahme bereit. wasgesteigerteUnruhe hervorrief. Der leitende Chairman, dessen Intervention angerufen wurde, er- klärte, Campbell habe nichts gesagt, das zurückzunehmen er ge» zwungen werden könnte, aber nach seiner Meinung sei er aller- dingS unnötig aggressiv gewesen. Mit Rücksicht auf ihre in diesem Punkt empfindlichen Gefühle lehnten die Nationalisten es ab, sich mit weniger als einem vollständigen Widerruf zufrieden zu geben und verlangten, man solle nach dem Sprecher schicken. Hierauf erklärte sich Campbell bereit, den Befund der Parnell-Kommission zu akzeptieren, aber die Nationalisten wollten diese Erklärung nicht annehmen und der Lärm dauerte fort. Von dem. was Campbell weiter sprach, war kein Wort zu verstehen. Der Lärm dauerte auch an, als der Chairman, der sich getveigert hatte, nach dem Sprecher zu schicken, das Haus ersuchte, Campbell zu Worte kommen zu lassen. Die Nationalisten verlangten, der Chairman solle Campbell hinausweisen lasten, der Chairman erklärte aber, ein Hinweis auf den toten Parnell sei für kein anwesendes Mit- glied des Unterhauses eine Beleidigung. Die Nationalisten wider- sprachen und Redmond rief leidenschaftlich:„Wir halten c» für eine Beleidigung!"(Beifall bei den Nationalisten.) Hierauf wurde ein Antrag Churchills, die Debatte zu schließen und der Szene ein Ende zu machen, angenommen und die Sitzung vertagt. RiilUanä. Schulausgaben. Petersburg, 22. April. Die R e i ch s d u m a hat heute ohne Debatte die Vorlage angenommen, welche 10 Millionen für daS Elemeutarfchulwefen bewilligt, außer den für diesen Zweck im Etat dcS Ministeriums für BolkSaufklärung eingestellten 4 Rilllvmti« ngchdcw der Referent dgrggf hingewiesen hatte, dsb im Jahre 1920 der Plan der allgemeinen Volksbil- dung Verwirklichung finden werde. Hierauf vertagte, sich das Haus bis zum S. Mai. Cürhei. Der Aufstand in Albanien. Konstantinopel, 19. April.(Eig. Ber.) Der Aufstand in Albanien trägt lokalen Charakter. Die Grundursache, warum das albanische Volk so leicht auflodert, ist seine Armut. Die Regierung hat dem Volke neue Steuern auferlegt— zum Beispiel für die Bc- Nutzung der Wege und der Märkte—, weil solche Steuern auch in Europa existieren. Aber in Europa gibt es wirklich Wege und wohlgeordnete Städte, von denen in Albanien keine Spur zu sehen ist. Wenn die Regierung, anstatt Tausend e von Soldaten nach Albanien zu schicken und ungeheure Geldsummen dafür auszugeben. diese Mittel für Organisierung öffentlicher Arbeiten ver- tuende t hätte, so unterliegt es keinem Zweifel, daß die Albaner, die dann bei sich zu Hause Arbeit hätten, vollständig ruhig und friedlich wären. Tausende von Albanern legen viele Hunderte von Kilo- meiern zu Fuß zurück, um in Griechenland Arbeit zu suchen. Und sie arbeiteten dort meist für 1 Krone 20 Heller Taglohn. Die türkische Regierung hat seit der Einführung der Konstitution für die Besserung der Lage der Bevölkerung weder in Albanien noch in einem anderen Orte etwas getan. Sie ist nur damit beschäftigt, die„Autorität der Regierungsgewalt" zu b: festigen. Dagegen kann man bei türkischen Verhältnissen gewiß nichts haben. Aber leider handelt es sich darum, daß die Regierung die„Autorität der Ge- lvalt" als Selbstzweck betrachtet und nicht als etwas, das im Jnter- effe deS Volkes notwendig wäre. Die Regierung hat beschlosten, in bezug auf die Albaner schonungslos zu sein, Weil sie geneigt ist, in der gegenwärtigen Bc- wegung nur nationalistische Tendenzen zu sehen. Jn der Tat aber hegen die Albaner keine separatistischen Bestrebungen und die neue Regierung hat sich leider die Verdochtsriecherei der Regierung des alten Regiments angeeignet und auch ihre Manier, überall„Ränke gegen die bestehende Ordnung" zu sehen. Es wird auch vermutet, daß in der albanischen Bewegung„fremde Einflüsse" eine große Rolle spielen: man spricht sogar von„Intrigen Oester- reichs". Andererseits werden Gerüchte verbreitet, als ob die AI- baner, verhätschelt von Hamid, sich nicht mit dem neuen Regime versöhnen könnten. DaS ist Unsinnl ES waren nur sehr wenige Leute in dem Falle, von Hamid verhätschelt zu werden, und sie haben auf die Bevölkerung keinen Einfluß. Alle diese Erzählungen werden nur mit der Absicht verbreitet, um den wahren.Charakter der Bewegung und die Absichten der Regierung zu verdunkeln. Diese ist beunruhigt über die Tatsache, daß die Albaner bewaffnet sind, und sucht Vorwände, um sie entwaffnen zu können. Aber dieser Wunsch der Regierung ist lveder gerecht noch zweckmäßig. Die Albaner haben sich im Laufe ihrer ganzen Geschichte nie von ihren Waffen getrennt. Außerdem sind alle ihre Nachbarnationen bewaffnet und die Entwaffnung irgendeiner dieser Nationalitäten hätte ihren Untergang bedeutet. Hirnriha. Der Sieg in Milwaukee. New Aork, 11. April.(Eig. Ber.) Der Sieg unserer Genosten bei den am 8. d.M. in Milwauleq, Wis.. abgehaltenen städtischen Wahlen ist über Erwarten glänzend. Sie brachten ihre 5iandidaten für die wichtigsten Aemter der Stadtverwaltung durch, errangen die Mehrheit im Common Council(Stadtrat) und besetzten die drei vakant werdenden Richterstellen mit den sozialistischen Be- Werbern. Die Genoffen Emil Seidel. Karl P. Dietz und Charles Wh ithall treten als Mayor(Oberbürgermeister), als Comptroller(Chef des Finanzwesens) und als Schatzmeister an die Spitze der städtischen Verwaltung. Wie bei fast allen amerikanischen Wahlen entschied auch gestern in Milwaukee die relative Mehrheit. Eine absolute Mehrheit ist nicht erforderlich. Das vermindert die Bedeutung des gestrigen Erfolges nicht. Während des Jahrzehnts von 1898 bis 1908 stieg die sozialistische Stimmenzahl für den Maporskandidaten von 2414 auf 20 887. Von Wahl zu Wahl war eine Zunahme zu verzeichnen. Bei einem gleichen Wachstum war heuer aus einen Sieg unserer Genossen zu rechnen. Aber daß Genosse Seidel 27 622 Stimmen erhalten und damit den Demokraten V. I. Schoenecker, der 20 813 Stimmen ephielt, um über 7000 und den Republikaner Dr. John M. Beffel mit dessen 11262 Stimmen gar um über 16 000 Stimmen überflügeln und bis auf einige tausend Stimmen der absoluten Mehrheit nahekommen würde, überraschte selbst unsere Genossen und wirkt im ganzen bürgerlichen Lager niederschmetternd Bon den 23 Stadtratssitzen fielen den Sozialisten 14 zu, so daß sie jetzt die Majorität im Stadtparlament Milwaukees haben. Selbst die Koalition der Demokraten und Republikaner in ver» schiedenen Bezirken vermache den Sieg der Sozialisten nicht aufzu- halten. Sämtliche sieben neuerwählten Aldermen at large gehören der sozialistischen Partei an.(Während die Aldermen in Bezirks» Wahlen erkoren werden, erfolgt die Wahl der Aldermen at large durch die Stimmberechtigten der ganzen Stadt.) Einer der Alder. men at large ist der den Berliner Genossen bekannte Gen. Victor Berg er. Auch der Board of Supervisors(Aufsichtsbehörde)! ist jetzt in seiner Mehrheit sozialistisch; 11 seiner Mitglieder sind Sozialisten 3 Republikaner und 2 Demokraten. Ter neuerwählte Stadtanwalt ist ebenfalls cm Sozialist, und bei der Reorganisation der Polizei, der Sanitätsbehörden, Kommissäre für öffentliche Ar- beiten und so weiter werden die bisherigen AemterinHaber der höheren Stellen fähigeren und ehrlicheren Anwärtern weichen müssen. Erzielt wurde dieser großartige Erfolg durch eine geschickte Preßkampagne unserer beiden Milwaukecr Wochenblätter(ein deutsches und ein englisches), durch eine zielbewußte uyd groß- zügige Wahlagitation, die um so wirkungsvoller sich gestaltete, als sie auf die auch von den ehrlichen� Gegnern anerkannte Tätigkeit der bisherigen sozialistischen Minderheit im Stadtrat verweisen konnte. Die sozialistischen Stadträte hatten sich als unbestechliche Sachwalter der arbeitenden Bevölkerung und entschiedene Gegner jeder Korruption und Verschwendung, als wackere Förderer aller sozialen Fortschritte und echter Kulturbestrebungen, im besonderen des Volksschulwesens, betätigt. An der ehernen Macht dieser Tat- fache prallten die Verleumdungen der Gegner ab, die sich nicht entblödeten, sogar gegen die Frau des künftigen MayorS ihre ver- gifteten Pfeile abzuschnellen. Gegenüber dem AnschauungS- Unterricht der Erfahrung versagten indessen selbst die Agitations- Methoden der Geschorenen und Gescheitelten, die woebenlang allsonntäglich von den Kanzeln gegen die„roten Teufel' wetterten. Jn ihrer großen Mehrzahl sind die Amerikaner Erfolgs- anbeter. Darum darf man erwarten, daß der Ausfall der gestrigen Wahl in Milwaukee, einer Stadt von 889000 Einwohnern, auch in anderen Teilen der Vereinigten Staaten eine günstige Wirkung ausübt. Genosse Seidel, der ncucrwählte Oberbürgermeister, sieht im 48. Lebensjahre. In Pennshlvanien geboren, kam er im Alter von 13 Jahren bei einem Holzbildhauer in die. Lehre. Anfang? der achtziger Jahre arbeitete er in Berlin. Jn der deutschen Reichshauptstadt wurde er Sozialdemokrat. Gegenwärtig ist et in Milwaukee als Modellschreiner tätig. Dem Stadtrat gehört er schon seit einer Reihe von Jahren an. Seiner Tätigkeit zollte der Republikaner S. M. Becker, der in der Periode 1000 bis 1908 Oberbürgermeister von Milwaukee war, nach dem Bekannt» werden des Wahlresultats gestern hohes Lob. Er sagte:„Seidel war schon während meiner Amtszeit als Mcchor Mitglied dcS Stadt» ratS. Er entwickelte eine segensreiche Tätigkeit. Unter seiner Verwaltung gibt es keine Durchstechereien.'' GewerMcbaftUcbee. Hbwebrftrcik BerUncr ftädtifcbcr Garten» arbeitermnen. Tie botanische Abteilung der Berliner städtischen Garten- und Pariverwaltung ist von, Humboldthain nach Blankenfelde verlegt worden. In dieser Abteilung sind eine Anzahl Arbeiterinnen be- schäftigt. Der Lohn für Parkarbeiterinnen beträgt seit Jahresfrist 2,2ö M. pro Tag. Diesen Lohn erhielten ursprünglich auch die in der botanischen Abteilung in Blankenfelde beschäftigten Frauen. Kürzlich wurde ihnen angekündigt, daß ihr Lohn um av Pf. pro Tag auf 1,75 M. herabgesetzt werde! Diese Maß- nähme soll darauf zurückzuführen sein, daß die Gärtner und Bauern in Blankenfelde Beschwerde bei der Verwaltung geführt haben über die angeblich zu hohen Löhne der Arbeiterinnen. Der Lohn, den diese Herren ihren Arbeiterinnen zahlen, beträgt nämlich nur 1,75 M. Um nun zu verhüten, daß ihre Arbeiterinnen, aufgestachelt durch die höheren Löhne der städtischen Arbeiterinnen, ebenfalls eine höhere Entlohnung fordern, verlangten diese Herren einfach, daß die Verwaltung die Löhne herabsetze. Das beschämendste bei der Sache ist aber, daß die Verwaltung sofort auf dies Verlangen einging! Die Verwaltung hatte jedoch die Rechnung ohne die Frauen ge- macht. Diese weigerte» sich, zu den herabgesetzten Löhnen zu ar- beiten. Wohl oder übel wurde die Verwaltung dadurch gezwungen, die bisherigen Löhne beizubehalten. Die Frauen haben den Versuch der Verwaltung durch ihr einiges Zusammenhalten abgewehrt. Berlin und llmgegend. Achtung, Metallarbeiter! Eine geradezu unerhörte Arbeitszeit glaubte Herr Ernst Machnow, Fahrradgeschäft cngros, Wein- meifterstr. 11, seinen Schlossern und Drehern bieten zu können. Wurde doch von Herrn Machnow verlangt, daß bis abends 8 Uhr und länger gearbeitet werden sollte. Ebenso wurde Sonntags- arbeit verlangt. Ob Herr Machnow hierzu die Einwilligung der Polizei hat,, ist uns nicht bekannt. Ein Vertreter unserer Organi- sation, welcher von den Schlossern und Drehern beauftragt wurde, mit Herrn Machnow zwecks Abstellung dieser Zustände zu ver- handeln, wurde von Herrn Machnow in grober Weise angefahren, er möge seine Streikbrüder, von denen er ja lebe, gleich mitnehmen. Eigentümliche Gründe gibt Herr Machnow für die lange Arbeits- zeit an. Erstens, daß seine Kundschaft erst abends komme, und zweitens, datz die Preise für alle Fahrradzubehörteile so niedrige icien. Dabei ist es gerade Herr Machnow, der jede Konkurrenz, die sich bemerkbar macht, in allen Preisen unterbietet und jedes anders Geschäft in dieser Branche unmöglich zu machen versucht. Die Arbeiter sind zu dem Entgegenkommen bereit, täglich eine Ucbcrstunde zu machen; allerdings gegen einen Aufschlag von 25 Proz., welchen jedoch Herr Machnow verweigerte. Der Betrieb ist für alle Metallarbeiter bis auf weiteres gesperrt. Deutscher Metallarbeiter-Verband. Ortsverwaltung Berlin. Der Vertrag der Steinbildhaner Berlins wurde nach vorauf- gegangenen Verhandlungen mit niehreren Verbesserungen, darunter eine Lohnzulage von 50 Pf. pro Tag am 1. April 1911, neu ab geschlossen und läuft bis 31. März 1913 bei dreimonatiger Kündigung mit je einjähriger Verlängerung bei Nickitkündigung. Erfolgreicher Abschluß des Streiks der Fensterputzer bei Staehr u. Co. Gestern fanden vor den, Einigungsamt des Berliner Gewerbe» gerichts unter Vorsitz des Magistratsrats v. Sckmlz die Einigungs Verhandlungen zwischen der Firma Staehr u. Co. und den Ver> tretern der streikenden Fensterputzer sowie ihrer Organisation statt. Sie dauerten von morgens 11 Uhr bis nachmittags Uhr und endeten mit dem Abschluß eines Tarifvertrages, der einen schönen Erfolg für die Streikenden bedeutet und die volle Anerkennung ihrer Organisation in sich schließt. Die gestellten Forderungen sind mit kleinen Abstrichen bewilligt. Die Streikenden hatten sich gestern nachmittag im Saale von Wegener in der Seydelstraße vollzählig versammelt, um den Be richt über das Ergebnis der Verhandlungen zu hören und über die Annahme oder Ablehnung zu entscheiden. Sie erklärten sich nach kurzer Debatte einstimmig mit dem Tarif- vertrag, über den, wie über die Verhandlungen der Ver bandsvertreler Lambrecht ausführlich berichtet hatte, einver- standen. Die Firma hat sich bereit erklärt, alle Streikenden, mit Ausnahme von zwei, wieder� einzustellen. Die zwei Arbeiter ver- zichteten auf die Arbeit bei Staehr u. Co. Mit Hochrufen auf den Verband und den glücklich beendeten Lohnkampf schloß die Ver- sammlung._ Die im Zentralverbanb der Steinarbeiter organisierten Stein mcben der Grabsteinbranche Groß-Berlins beschlossen in einer am LI. April abgehaltenen Versammlung, in sämtlichen Grabstein geschäften, in denen nicht nach dem Tarif bezahlt wird, Stellung zur Durchführung desselben zu nehmen in der Art, daß überall dort, wo die Mehrheit der beschäftigten Kollegen für die Durch- führung des Tarifes ist. diese unverzüglich zum Austrag gebracht wird, notwendigenfalls durch den Streik. Zum Streik der Leitergerüstbauer, Kutscher und Platzarbeiter der Allgemeinen Leitergerüstbau, und Leihanstalt L. A l t m a n n A.-G., Charlottenburg, ist zu berichten, daß die Firma heute früh zunächst ihre streikenden Arbeiter durch große, rote Plakate an den Charlottenburger Anschlagssäulen aufforderte, bis Freitag» mittag 12 Uhr die Arbeit wieder aufzunehmen. Falls dies nicht geschehe, seien sämtliche am Streik Beteiligte als entlassen zu betrachten. Durch diesen Einschüchterungsversuch lockt Herr Alt- mann aber keinen einzigen der Streikenden zu seinen Fleisch. topfen zurück. Auch durch den weiteren Umstand, daß es Herrn Altmann gelungen ist, im Laufe des gestrigen Tages aus allen möglichen Arbeitsnachweisen einige Kolonnen Arbeitswillige an» zuwerben(alles ungeübte Leute�, die der Arbeit nicht im entfern» testen gewachsen sind), hat sich keiner von den Streikenden verleiten lassen, die Arbeit wieder aufzunehmen. Die Streikenden waren gestern nachmittag wieder vollzählig im Charlottenburger Volks- haus versammelt, um den Bericht über den Stand ihrer Bewegung entgegen zu nehmen. Unter den Streikenden herrscht nach wie bor Begeisterung und Kampfesmut. Besonders erfreulich ist, daß die polnisch sprechenden Kollegen, welche am Streik beteiligt sind, Schulter an Schulter mit den übrigen um bessere Lohn- und Arbeitsbedingungen kämpfen. Das nach der Gewerbeordnung§ 153 erlaubte Streikpostenstehen wird dadurch illusorisch gemacht, daß die Streikposten, die ruhig und anständig die Straße auf- und ab- gehen, einfach von der Straße weg verhaftet wurden, um dann nach stundenlanger Inhaftierung wieder laufen gelassen zu werden. Wenn des Abends die Arbeitswilligen von dem Logerplatz Span- dauer Straße nach Hause begleitet werden, entsteht immer ein großer Menschenauflauf, der ja auch begründet ist, denn die Neu- gierigen kommen da auf ihre Rechnung. Die Streikbrecher immer 2 und 2 in Reih und Glied und hinterher die Beschützerin des Kapitalismus, die liebe Polizei, 6 Mann hoch, den Browning umgeschnallt, darauf noch zwei Berittene. So werden die Streit. brecher bis zu ihrer Wohnung geleitet. Die Firma hat gestern 112 Streikbrecher von auswärts bekommen. Die Leute wurden in Extrawagen der Straßenbahn nach ReTWcken- darf gebracht, wo man sie zunächst Uebungen im Leitergerüstbau machen ließ. Dann wurden sie von Reinickendorf nach Westend übergeführt. In Reinickendorf ist für die Leute ein Streikbrecher- Logis im Schützenhaus. Scharmvebcrstr. 4— 7, eingerichtet. Wir richten hiermit an die gesamte Arbeiterschaft die dringende Bitte, uns durch Solidarität zu unterstützen. Zuzug ist nach wie vor fernzuhalten. Alle arheiterfreundlichen Blätter werden um Abdruck gebeten. Deutscher Transportarbeiterverband. Bezirk Groß-Berlin. Ein Bertrag zwischen den.Hausindustriellen und der Arbeiterschaft des Kürschnergewerbes. Zwischen den Vertretern der beiden Vereine der Selbständigen der Pelz- und Mützenbranche Berlins und der hiesigen Filiale des Kürschnerverbandes ist bekanntlich seit einiger Zeit über den Abschluß eines Vertrages verhandelt worden, durch den ein ge- ineinsames Vorgehen bei Lohnbewegungen möglich gemacht werden soll. Das Ergebnis dieser Verhandlungen lag einer zahlreich be- suchten Generalversammlung des Kürschnerverbandes zur Prüfung vor, die am Mittwoch den großen Saal des Alten Schützenhauses füllte. Die den Anwesenden gedruckt zur Verfügung gestellte Grundlage des Vertrages, über die sich die Vertreter beider Parteien im allgemeinen— mit Ausnahme weniger Punkte— geeinigt hatten, enthält in der Hauptsache folgende Bestimmungen: Eine gegenseitige Bekämpfung der vertragschließenden Organi- sationen darf nicht stattfinden; jedoch wird die prinzipielle Stellungnahme des Kürschnerverbandes gegenüber der Haus- industrie und Heimarbeit durch diese Bestimmung nicht berührt. Die beiden Vereine der Selbständigen verpflichten ihre Mitglieder, in den Werkstätten nur Verbandsmitglieder zu beschäftigen. während der Verband seine Mitglieder verpflichtet, nur bei organisierten Selbständigen zu arbeiten. Als Uebergangszeit zur Erfüllung dieser Vereinbarung gilt die Zeit bis zum 1. Oktober 1919, so daß, wenn sie bis dahin nicht erfüllt ist, es den Parteien freisteht, vom Vertrage zurückzutreten. Der Arbeitsnachweis soll paritätisch sein, die Verwaltung bleibt jedoch in Händen des Ter- bandes. Die Selbständigen lösen ihre Arbeitsnachweise zugunsten des paritätischen auf. Sie verpflichten sich, ihre Arbeitskräfte nur von diesem Nachweis zu beziehen, können sich jedoch anderweitig Arbeitskräfte verschaffen, wenn sie innerhalb drei Tagen keine vermittelt erhalten. Zur Ueberwachung des paritätischen Arbeits- Nachweises soll eine Kommission von neun Mitgliedern, drei Ver- tretern von jeder Organisation, eingesetzt werden, die aus ihrer Mitte ihren Vorsitzenden wählt, der ein Selbständiger sein muß. Bei einer Lohnbewegung fordert der Verband hauptsächlich: Ver- kürzung der Arbeitszeit, Erhöhung der Minimallöhne. Bezahlung der gesetzlichen Feiertage und Anerkennung des 1. Mai. Die Forderungen werden bewilligt, wenn sie allgemein gestellt werden. Sie müssen vier Monate vorher den Vereinen der Selbständigen bekanntgegeben iverden. Die Selbständigen können während dieser Zeit dementsprechende Forderungen an die Fabrikanten aus- arbeiten, sie zu gleicher Zeit mit den Forderungen des Vorbandes einreichen und gemeinsam zur Durchführung bringen. Bei Aus- sperrungen und Abwehrstreiks unterstützen sich die vortragl schließenden Organisationen gegenseitig, wenn eine genaue Prüfung durch die gemeinsame Kommission ergeben hat, daß der Kampf be- rechtigt ist. Tritt der Verband in Streik bei einer Firma, die bisher keine Selbständigen beschäftigte, so haben die Selbständigen dort jede angebotene Arbeit zurückzuweisen und auf Verlangen die Firma als gesperrt zu veröffentlichen. Treten die Selb- ständigen in Streik bei einer Firma, die bisher keine Betriebswerk- stätte hatte, so dürfen, wenn eine Werkstätte eingerichtet wird, keine Verbandsmitglieder dort Arbeit annehmen, und über die Firma ist ebenfalls auf Verlangen die Sperre zu verhängen. Zur Schlichtung aller Differenzen auf dem Vertragsverhältnis wird eine Kommission von 12 Mitgliedern, 6 Selbständigen und 6 Ver- bandsvertretern, eingesetzt, die sich einen unparteiischen Vorsitzenden zu wählen hat. Die Bestimmungen über die Organisationspflicht und den Arbeitsnachweis sind in den Werkstätten sichtbar aus- zuhängen. Der Vertrag wurde nach gründlicher Diskussion mit einigen Abänderungen oder Ergänzungen von der Generalversammlung einstimmig gutgeheißen. Bei den Bestimmungen über die Haupt- forderungen des Verbandes ist einzufügen: Akkordarbeit auf den Werkstätten ist unzulässig. Ferner wurde zu den Bestimmungen über die gegenseitige Unterstützung bei Aussperrungen und Streiks ein Zusatz beschlossen, der besagt, daß in Betrieben, die nicht zum Arbeitgeberverband gehören, die gegenseitige Unterstützung jeder- zeit erfolgen soll.— Sodann wurden die Wahlen zu den im Ver- trag vorgesehenen Kommissionen vollzogen. In die Arbeits- nachweiskommission wurden gewählt: Raschka, Unterbusch und Güttner; in die Schlichtungskommission: Fräulein Köhler. Fräulein Schirrwage sowie Regge, Fritze, D i t t m a n n und M e r t i n s. Außerdem war ein Mitglied zur Sekretariatskommission zu wählen. Gewählt wurde für dieses Amt Jäckel. Im übrigen lag der Versammlung die Abrechnung vom 1. Quartal 1910 bor. Sie schließt für die Hauptkasse mit der Bilanzsumme von 3164,66 M. An die Hauptkasse abgeliefert wurden 2690 M.; lsie Krankenunterstützung erforderte 218,70 M., die Sterbeunterstützung 40 M. In der Filialtasse schließt die Abrechnung mit der Bilanzsumme von 4858,57 M. ab. Ihr Kassen- bestand war zu Anfang des Quartals 135 M., am Quartalsschluß 1059,43 M. Der Mitgliederbestand ist im Laufe des Quartals von 410 männlichen und 537 weiblichen auf 453 männliche und 630 weibliche Mitglieder gestiegen. Dem Bericht über die Tätigkeit des Arbeitsnachweises, den der Vorsitzende Fritze gab, ist zu ent- nehmen, daß in der Mützenbranche im verflossenen Vierteljahr die Nachfrage nach Arbeitskräften das Angebot überstieg, während in der Pelzbranche, namentlich für die männlichen Arbeiter, großer Mangel an Arbeit herrschte. Es meldeten sich in der Pelzbranche 71 männliche Arbeitslose, während 29 Arbeitskräfte verlangt wurden, und 58 weiblich« Arbeitslose, für die 55 Stellen einliefen. Der Vorsitzende forderte die Mitglieder auf, im Falle der Arbeits- losigkeit sich streng an die Bestimmungen des Arbeitsnachweises zu halten und es stets pflichtgemäß zu melden, ob sie eine angebotene Stelle angenommen oder anderweitig Arbeit erhalten haben. Schließlich berichtete der Vorsitzende noch über verschiedene Vor- gänge im Berufe. Die Bewegung der Zurichter hat mit dem Er- folg geendet, daß ihre Forderungen voll zur Anerkennung gebracht sind. Bei der Firma Herpich u. Söhne, die bislang dem Verbände feindselig gegenüberstand, ist es kürzlich infolge Maß» regelung eines Gehilfen zur Arbeitsniederlegung gekommen. Die Firma fand sich dann zu Verhandlungen bereit, die damit endeten, daß der Gcmaßregeltc wieder eingestellt und die Organisation in dem Betriebe anerkannt wurde, so daß unter anderem auch die Versammlungen durch Anschlag im Betriebe bekannt gemacht werden können. Bei der Firma G. H. Hoffmann, die früher erklärt hatte, daß, wenn nicht mehr Akkord gearbeitet werden sollte, sie den Betrieb schließen werde, ist es durch die Einmütig- keit der Arbeiterschaft gelungen, das Wochenlohnsystem zur An- erlennung zu bringen, das nun nach den getroffenen Verein- barungen am 2. Mai dieses Jahres durchgeführt werden soll. Deutsches Kelch. Die Lohnbewegungen im Tapezierergewerbe. Bis auf die Orte Halle, Stuttgart, Würzburg und Amberg sind nunmehr die zahlreichen Lohnbewegungen im Tapezierergewerbe beendet. ES wurden bis jetzt 15 Tarife, zum Teil neu, zum Teil verbessert für insgesamt 3630 Arbeiter ab- geschlossen. In Dresden, Bremen, Köln, Essen, Hamburg- Altona, Nürnberg. Fürth, Augsburg, Pforzheim, H i l d e S h e i m und Wilhelmshaven kam es zu Tarifab- Schlüssen für das gesamte Gewerbe, in München und Solingen wurden für die Akkordbetriebe verbesserte Tarife durchgeführt. In Itzehoe und Reichenhall gelang es, ohne zu festen Tarifen zu kommen, wesentliche Lohnverbesserungen zu erzielen. In Hannover, wo die Unternehmer durch Aussperrung die Organisation zur Anerkennung eines unannehmbaren Tarifes und des städtischen Arbeitsnachweises zwingen wollten, brach die Aussperrung nach 10 Tagen erfolglos zusammen. Die AuZg« sperrten traten nach sofortiger Lohnerhöhung in ihre Stellungen zurück. Die gleichen Lohnerhöhungen sowie die Anerkennung de? Gehilsennachweises wurden dann nach sechstägigem Streik auch! von den anderen Arbeitgebern zugestanden. Zu einem Tarifab- schluß konnte es nicht kommen, da durch die verunglückte Aus- sperrung die Unternehmer auseinander liefen. Nach den bisherigen Erfolgen ist die Absicht der Unternehmer durchkreuzt. Nach den Beschlüssen des Schutzverbandes sollten die diesjährigen Lohnbewegungen als Vorarbeiten zu einem Reichs- tarif im Tapezierergewerbe dienen. Im vorigen Jahre stellte mau in München einen Einheitstarif als Muster aus und bestimmte� daß die Ablaufstermine einheitlich sein sollten. Beschlossen wurde ferner, daß kein Tarif Anerkennung finden solle, der nicht von den beiden Zentralvorständcn gezeichnet sei. Diese drei grundlegenden Forderungen sind bei allen Tarifabschlüsscn fallen gelassen. Der Versuch, die Tarifabschlüssc in eine ungünstige Zeit zu verlegen, ist abgeschlagen.— Bei den 15 Tarisabschlüssen wurde erreicht: Arbeitszeitverkürzung: 3 Städte mit 1050 Arbeitern eine Stunde pro Woche 3„„ 220„ drei Stunden., Lohnerhöhung; 1 Stadt mit 850 Arbeitern 2 Pf. pro Stunde 4 Städte„ 1140„ 3„„„ 3„„ 1240„ 4„„ ■v 6„„ 935 ,. 5„„„ Der Mindestlohn wurde erhöht in 12 Städten mit 2445 Arbeitern um 3 bis 6 Pf. Die Lohnbewegung in Görlitz mußte nach zirka zweiwöchent» licher Dauer infolge Verrats des Hirsch-Dunckerschen Verbandes abgebrochen werden. Görlitz ist die einzige Stadt, in der für das Tapezierergewerbe eine Hirsch-Dunckersche Organisation besteht, und zwar als Gruppe im Hirsch-Dunckerschen«schneiderverband. Seit je hat diese Gruppe hemmend gewirkt und verschuldet, daß die Arbeitsbedingungen, verglichen mit anderen Orten, außer- ordentlich rückständig blieben. Der Versuch, gemeinsam mit den Gewerkvereinlern endlich eine Verbesserung und feste tarifliche Regelung der Löhne herbeizuführen, scheiterte am Verhalten der Gewerkvereinler. Zunächst blieb von vornherein über die Hälfte der Mitglieder des Gewerkvereins als Streikbrecher stehen. Hätten aber die streikenden Gewerkvereinler zusammen mit den Ver- bändlern im Streik ausgehalten, so war trotz der Streikbrecher die Situation günstig. Da aber die Unternehmer nicht schon in den ersten Tagen annehmbare Zugeständnisse machten, war das Selbst- vertrauen geschwunden, und die Leitung der Gewerkvereinler drang darauf, um jeden Preis abzuschließen. Angeblich konnte der Hirsch- Dunckersche Schneiderverband die Kosten nicht tragen. Da der Verband die geringen Zugeständnisse der Unternehmer nicht akzep- tieren konnte, der Arbcitermangel diesen aber schon auf den Nägeln brannte, traten die Gewerkvereinler hinter dem Rücken des Verbandes mit den Unternehmern in Unterhandlungen und schlössen sofort einen dreijährigen Tarif ab. Sie verpflichteten sich obendrein, die notwendigen Streikbrecher heranzuschaffen. Unter diesen Umständen mußte der Kampf abgebrochen werden. Trotzdem ist es dem Verband gelungen, in einigen Betrieben die Arbeitszeit auf 54 Stunden zu reduzieren und Lohnerhöhungen durchzudrücken._ Die Mitglieberzahl beS Zentralverbandes der SandlungS- gehilfen und-gehilfinnen, die am 31. Dezember 1909 9870 betrug, ist bis zum 31. März um 824 auf 19 694 gestiegen. Die Maler in AscherSleben haben die Arbeit ewgestellt, nachdem Verhandlungen über den Abschluß eines Tarifvertrages ergebnislos verlaufen waren. Die Schuhmacher in Bautzen und in Z i t t a u i. S. haben am 20. April die Kündigung eingereicht. Die Verhandlungen sollen während der Kündigungsfrist weitergeführt werden. Auch in Rade- b e r g haben die Schuhmackier die Arbeit niedergelegt; die Meister lehnten es ab, in Unterhandlungen einzutreten. Die Gemüsegärtnereiarbeiter in Hellbroo! bei Hamburg waren in den letzten Monaten in größerer Anzahl dem Allgemeinen Deutschen Gärtnerverein beigetreten. Das erregte den Unwillen der Unternehmer, die jetzt von ihren Arbeitern die Unterzeichnung eines Reverses verlangen, nach dem sie sich verpflichten, keiner Organisation angehören zu wollen,„die sich mit Lohnfragen be- schäftigt". Das lehnten die organisierten Arbeiter einmütig ab und so wurden sie, 50 an der Zahl, am 16. April ausgesperrt. Zwei Tage später erklärten sich mit den Ausgesperrten noch 25 bis dahin unorganisierte Frauen solidarisch und stellten die Arbeit ein. Auch die zurzeit noch tätigen unorganisierten Arbeiter werden sich jedenfalls gegen die Gewaltmaßrcgel der Unternehmer auflehnen._ Letzte Nachrichten und Depeschen. Das Zentrum gegen das Streikrecht. München, 22. April.(B. H.) Nach stürmifcherDebatte wurde in der heutigen Sitzung der Abgeordnetenkammer folgende vom Zentrum vorgeschlagene Resolution angenommen: In Erwägung, daß Staatsregierung und Landtag zur Berbesserung der Lage der Berkehrsarbeiter eine so weitgehende Fürsorge be» tätigen, als es nur immer nach der Finanzlage möglich ist, und in der Erwägung, daß ein Ausstand der Eisenbahner eine schwere Ge. fährdung des öffentlichen Wohles und der Staatsinteressen zur Folge hätte, wolle die Kammer beschließen:„Wir achten die Aus- Übung de? Streitrechtes im Berkehrsbetriebe für unzuläsfig und! ersuchen die Regierung, mit aller Entschiedenheit solchen Streit» bestrebungen entgegenzutreten." In der namentlichen Abstimmung wurde diese Resolution mit 89 gegen 35 Stimmen angenommen. Sozialdemokraten und Liberale stimmten dagegen. Der Verkehrsminister erklärte, daß die Eisenbahner kein Streik- recht haben und daß jeder Arbeiter, der auch nur theoretisch für den Streik spricht, sofort entlassen würde. Ein neuer Beweis für die„Arbeiterfreundlichkeit" beb Ze«- trnmS._ Keine vierte Wagenklasse in Baden. Karlsruhe, 22. April.(W. T. B.) Die Budgettommission der Zweiten Kammer hat einstimmig die Forderung von 159 999 M. für die Umwandlung von Eisenbahnwagen dritter in solche vierter Klasse abgelehnt. Dhnamitexplosion-»-> Arbeiterausstand. Ramur, 22. April.(B. H.) In BuvelaiS explodierte eine D h- namitpatrone. welche in der Zeche San Rochus lag, und richtete großen Schaden an. Die Fördereinrichtungen«urden«er, stört.- Die Lage in den Grubenbezirken von Lllttich und Möns ist unverändert. In der Nähe von JemappeS sind die Arbeiter in zwei Zechen in den Ausstand getreten. Sie verlangen eine Lohnerhöhung. Es streiken augenblicklich zirka 3999 Bergleute. Furchtbare Grubenexplosion. New Jork, 22. April.(W. T. B.) In einer Kohlen- mine bei Amsterdam(Ohio) sind durch eine Explosion 18 Ar- beiter getötet worden; 6 Leichen sind bereits geborgen. Soldaten als Streikbrecher. Gijon(Prov. Oviedo), 22. April.(W. T. 23.) Die Bäcker sind in den Ausstand getreten. Zu ihrem Ersatz sind Militärbäcker beordert worden.• fecrönt®. Redakt..: Richard North, Berlin. Inseratenteil verantw.;rh,GIockc, Berlin, Drucku, Verlag: Verwarte Buchdr, u. verlagSanstaltPaul Singer 6- Co., Berlin 5W. Hierzn 4 Beijogry v, vatrrhaltvngtbl. |li.94. 27. Jahrgang. 1. Keilme des Jormts" Kerlim WsblM Sonnckend. 23. April l'M. Reichstag. 70. Sitzung vom Freitag, den 22. April, mittags I llhr. Am Bundesratstisch: Wackerzapp. Mermuth. Der erste Gegenstand der Tagesordnung ist die Jnter» pellation Bassermann u. Gen. snatl.) betreffend das Eisenbahnunglück bei Mülheim a. Rhein. Sie hat folgenden Wortlaut: „Was gedenkt der Herr Reichskanzler zu tun. um die Wiederkehr von Eisenbahnunfällen, wie dasjenige bei Mülheim »in Rdein zu verhüten und die Opfer desselben oder ihre Familien zu entschädigen Zu ihrer Begründung erhält das Wort Abg. Dr. Semler snatl.): Bei einer Mobilmachung sind die Eisenbahnen von Militärzügen überlastet; man denke sich in einer solchen Zeit ein Versagen der Eisenbahn und das Eintreten ähnlicher Unglücksfälle wie das Mülheimer, und man erkennt sofort, dah der Reichstag a» diesem Unglück nicht vorübergehen kann. Der preußische Eisenbabitminister, den wir heute ja nicht hier sehen, hat in dankenswerter Weise bei der ersten sich bietenden Gelegenheit über das Unglück geäußert und dabei den Talbestand dargelegt. Danach galt die Anlage, auf welcher das Unglück erfolgte, als technisch vollkommen, und der Führer des Lloyd-Expreßzuges, der auf den Militärzug auffuhr, hatte erst S1/* Stunden Dienst getan. Aber es ist nicht aufgeklärt, warum der Militärzug mehrmals auf der Strecke hielt und ob die Zeitfolge beider Züge— man spricht von 7 Minuten— nicht zu kurz war. Also nach den Ausführungen des preußischen Eisenbahnministers war die Anlage tadellos, der Lokomotivführer des Llohd-Expreß ein erfahrener Beamter, der auch ausgeruht war. Trotzdem überfuhr er die Signale. Was hat also versagt? Der Minister hat hier der Untersuchung nicht vorgreifen wollen. Ich frage nun, ob diese Frage inzwischen geklärt ist. Dann wandte sich der preußische Eisenbahnminister der Frage der Verhütung solcher Unfälle zu. Hier aber war er wenig überzeugend, als er sich gegen eine automatische Bremse wandte und ausführte, er werde fortfahren, den entscheidenden Wert auf die Heranbildung eines tüchtigen LokomotivperionalS und Förderung ihrer moralischen Oualitäten zu legen. Mit den Worten des Ministers, die moralische Qualifikation der Lokomotivführer solle erhöht werden, ist gar nichts anzufangen. Man muß doch fragen, ob 3>/z Stunden für den Führer eines Schnellzuges nicht zu viel Dienstzeit ist. um ihn frisch zu erhalten; fragen muß man auch, warum mit dem ver- hängnisvollen System der Kilometergelder nicht ge- brachen wird. Vielleicht ist eS auch möglich, auf den belasteten Strecken für die Schnellzüge eigene Geleise anzulegen. Auch will es mir nicht einleuchten, daß akustische Signale und automa- tische Bremsung nicht technisch sicher funktionierend möglich sein soll. In bezug auf die Entschädigung wünschen wir, daß man in Zweifelssällen den Verunglückten und ihren Angehörigen, so weit es gesetzlich möglich ist, entgegenkommt. sBravo I bel den National- liberalen.) Präsident des ReichSeisenbahnamteS Wackerzapp: Zunächst habe ich dem Gefühle wärm st er Anteilnahme der Verbündeten Regierungen für die Verunglückten Ausdruck zu geben, die Ver- bündeten Regierungen beklagen anf das tieffte den tragischen Verlust so vieler blühenden Menschenleben, und bei so vielen anderen die schwere Schädigung ihrer Gesundheit und Erwerbs- fähigkeit.— DaS Reichseisenbahnamt hat Kommissare sofort an Ort und Stelle de« Unfalls gesandt, um unabhängig von der preußischen Eisenbahnverwallung den Tatbestand festzustellen und zu prüfen, ob die Bahnhofsanlagc in Mülheim und die Sicherungen ausreichend waren oder der Ergänzung bedürfen, und weiter zu prüfen, ob abgesehen von dem Mülheimer Unglücksfall es nicht möglich sein würde, Vorkehrungen zu einer erhöhten Verkehrssicher- heit zu schaffen. Die Feststellungen unserer Kommissare stimmen mit denen der preußischen Eisenbahnverwaltung: der Bahnhof Mülheim ist eine im wahren Sinne des Wortes vollkommeneAnlage. Die Ursache des Unfalls kann ich als bekannt voraussetzen; bemerken will ich auf die diesbezügliche Frage des Abg. Semler, daß die Zwischenzeit beider Züge 10 Minuten betrug. Der Führer des Llohd-Expreßzuges hat dos für ihn gestellte Haltsignal überfahren, sreili» behauptet er im Widerspruch mit den andern Aussagen und dem Befund, das Signal habe für ihn auf„Freie Fahrt' gestanden. Zu seiner Enlastung wird angeführt, die Gleise an der Unfallstelle lagen in einer Krümmung; doch ist das unrichtig, vor dem Haltsignal befindet sich eine über 1 Kilometer lange, gerade Strecke. Auch die mehr- fach angeführte Behauptung, die Strecke Düsseldorf- Mülheim sei mit Signalen so stark versehen, daß die Aufmerksamkeit des Loko- Rleines fcuillcton. Mark Twain t» Wenn wir uns amerikanischen Humor vorstellen wollen, so muffen wir an Mark Twain denken, des einzigen amerikanischen Humoristen, der auch in Europa, besonders in Deutich- land Geltung gewonnen hat. Es hat vor ihm und neben ihm ameri- kanische Humoristen gegeben. Aber wir kennen sie nicht. Er repräsentierte für uns die ganze Gattung. Seien wir offen: seine Abenteuerlichkeiten. Humoresken und Schnurren imponierten zumeist durch ihre Urwüchsigkeit, durch die ebenso grotesken wie scheinbar selbstverständlichen Uebertreibungen. Es war literarisches Mld- und Ur- land, das er bestellte. In all' den Clownspäßen und den exzentrischen Tricks, die wir in anderer Weise bei den amerikanischen Artisten wiederfanden, aber glaubten wir, den wilden Westen durch- zufühlen: daS Maßlose, durch keine Kultur und Konvention Geformte. das triebhaft Werdende einer ungebändigten Rasse.... In seinen Schriften hat Mark Twain in der humorvollen Um- kleidung ein Bild seines eigenen Lebens gegeben, das typisch ame- rikaniich war für eine Zeit, da noch mancher Tramp glauben mochte, ein Stück Amerika für sich erobern zu können. Samuel L. Clemens— so hieß der spätere Schriftsteller mit seinem angestammten Namen— war am 30. November 1835 in der kleinen Stadt Florida im gleichnamigen Staate der Union geboren. Der Vater starb früh, und der mittellose jknabe mußte für sich selber sorgen. Er wurde Buchdrucker. Mit 17 Jahren sattelte er um und wurde nun Lotse auf dem Mississippi, den er zwischen St. Louis und New Orleans besuhr. Seine Erlebnisse während dieser Zeit hat er fpäter sehr anschaulich geschildert(wie die Lotsen sich organi- fierten, Hot er darin u. a. berichtet). Aus dieser Lotsentätigkeit stammt auch fein Schriflstellernome. Beim Loten wurde die ge- fundene Tiefe ausgerufen; mark tvain(statt two) heißt nichts anderes als markiere zwei(Faden). Der Bürgerkrieg warf ihn aus dem schon gewohnten Gleise. Er wird Soldat, dann Sekretär seines Bruders, der Vizegouverneur von Nevada war, hierauf Goldgräber. Schließlich findet er Unterschlupf als Reporter und Redakteur in Virginia City. 1334 ist er schon in San Fraucisco, wo er sich einen Namen als Humorist nracht. Er geht nach den Sandwichiuseln und später nach Europa und schildert seine Reisen (als die eines„Harmlosen", der sich selber zum Opfer seiner Abenteuer macht). Von da ab ist er ein gemachter Mann, der sich auf seine Gefchäfte und die Reklame wie nur einer versteht. Vor- träge und Reisen folgen einander. Die Leser der Klatschpresse werden mit zum Teil erfundenen Zwischenfällen und Anekdoten regaliert wie bei den bedeutenden regierenden Zeitgenossen. Mark Twain spielt schließlich als Bankettredner auch öffentlich die Rolle eines Humoristen, die manchmal an die eines Hanswursten erinnert. Da sein Privatleben proper bleibt und seine Erzählungen sich im motivführerS erlahmen muß, ist unrichtig; ebensowenig ist die Strecke mit Zügen überlastet. Auch kann bei dem Unfall eine lieber- bürdung des Lokomotivführers nicht in Frage kommen, da er erst 4 Stunden 40 Minuten im Dienst war, davon 3'/z Stunden auf der Maschine, und zwar nach einer Ruhepause von 13'/, Stunden. Beruht der Unfall lediglich auf einem bedauerlichen Versehen des Loko- moliviührers, so ist zu fragen, ob nicht neue Einrichtungen eingeführt werden sollten, die ihn bei dem unbedingten Festhalten an seiner eigenen Aufmerksamkeit unterstützen können. In dieser Richtung sind schon seit einem Jahrzehnt Versuche angestellt, ohne daß man zu einem befriedigenden Ergebnis gekommen ist. Bereits im Jahre 1901 wurde unter Vorsitz des Reichseisenbahnamts von der preußischen, bayerischen, sächsischen Staatsbahnverwallung eine Kommission gebildet, um alle neuen Erfindungen aus ihre praktische Brauchbarkeil zu prüfen. Alle seither gemachten Vorschläge haben sich nicht als zuverlässig erwiesen, die unbedingte Zuver- lässigkeit ist aber das erste Erfordernis. Trotzdem hat das Reichs- eisenbahnamt die Angelegenheit nicht fallen lassen, sondern sich im Jahre 1907 mit dem preußischen Eisenbahnminister wiederum ins Benehmen gesetzt, und es ist nochmals eine Kommission ein- gesetzt, um alle Vorschläge zur Erhöhung der Betriebssicherheit zu prüfen. Schon jetzt kann ich Herrn Semler sagen, daß Sparsamkeits- erwägungen nicht ausschlaggebend sein werden, die Eisenbahnverwal- tungen sind von der Bedeutsamkeit der Erhöhung der Betriebs- sicherheit zu sehr durchdrungen. Aber diese Betriebssicherheit kann nicht allein durch mechanische und elektrische Einrichtungen gewahrt werden, die Zuverlässigkeit des Personals und seine völlige Vertrautheit mit dem Dienst bleibt immer die Hauptsache. Daß der Dienst und die Ruhezeit so geregelt werden, daß keine Uebermüdung eintritt, daraus ist, das kann ich aus lang- jähriger Erfahrung bestätigen, die unablässige Sorge aller Eisenbahnverwaltungen gerichtet.(Zuruf bei den Sozialdemokraten: Nein!) Tatsächlich ist auch die Betriebssicherheit auf den deutschen Bahnen immer größer geworden und hält den Vergleich mit allen außerdeutschen Bahnen aus. Was den zweiten Teil der Interpellation angeht, die Entschädigungs- Pflicht, so ist diese Sache der preußischen Eisenbahn- Verwaltung. Und von dieser ist die Eisenbahndirektion in Köln angewiesen, die Entschädigungen aus Anlaß dieses Unfalls mit tun- lichstcm Entgegenkommen zu zahlen.(Bravo I rechts.) Aus Antrag des Abg. Bassermann wird in die Besprechung der Interpellation eingetreten. Abg. Dr. Becker-Köln/, Uhr, bei Kuschte, Mcinmger Straße 8. TageS-Ordnung: 1. Kassenbericht vom 4. Quartal 1909. 2. Wahl der OrtSverwaltung inklusive Beitraglammler. 3. Kassenbericht vom 1. Quartal 1910. 4. Ver- 'chiedeneS und Kassenangelegenheiten. 184/4 - Mitgliedsbuch legitimiert.- Um zahlreiches und pünktliches Erscheinen ersuchen Die Drtn'vervaltnngen. „Segler-Schloß"- Hankels Ablage. Bahnstation Zeuthen. Besitzer- W. Heinrich. Zur bevorstehenden Sommersaison halte ich mich weiten Vereinen, Fabnlen, Schulen usw. bei Zusicherung ausmerlsamster Bedienung bestens empjohlen.— 3 neue Säle und Hallen.— Schöne Spielplätze.— Badeanstalt.— Boote und Belustigungen aller Art. 4544L"_ IV. Heinrich. „Bellevue" Voltersdorfer Schleuse am Flakensee gelegen. □ □ □ □ □ Großer Parkettfaßboden-Saal. □ □ □ Q □ _ Vereins- nnd Geselluchafta• Lokal. 16516 Kerren- Sommer- anzöge in großer Auswahl find gut und billig zu haben Srimnenstr. 18«,«S2r,Äe,,"Ä. verantwortlicher Redakteur Richard Barth. Berlin. Für deugnseratenteil verantw: Th. Glocke. Berlin. Druck».Verlag-Vorwärt« Buchdruckern u. VerlaaSanftalt Paul Singer» Co. Berlin S«. Zr. 94. 27. Jehrgavg. 2. KcilM des Jmiüttf Kerlm IMIitt. Zoullabeud, 23. April IM. Em der Partei. Zur Maifeier. Verbote von Maifeierum zügon. deren Begründungen im allgemeinen den schon mitgeteilten entsprechen, sind noch er- gangen in Königsberg i. Hr., D a n z i g, Erfurt. B a r b l, o. Elbe. WilhelmSburg, Lüneburg, Zehlcndorf bei Berlin und G e n t h i n. In Danzig erfolgt das Verbot, weil ein Maiumzug eine politische Demonstration ist, die die öffentliche Sicherheit gefährden könne. Unsere Genossen wollten die Garantie für die Ordnung übernehmen, aber die Polizei ist der Ansicht, weil am 10. April 150 Versammlungsteilnehmer vor der Wohnung des Re- glerungZpräsrdenten einHoch aufdasWahlrecht ausgebracht haben, seien die Genossen nicht in der Lage, für Ruhe und Ordnung zu sorgen. In Erfurt behauptet der Bescheid, daß bei der durch die fort- gesetzten Agitationen erregten öffentlichen Stimmung A u s s ch r e i- t u n g e n um so eher zu besorgen sind, als auch die Teilnehmer der am IZ. Februar, 6. und 14. März sowie 10. April stattgefundenen Protestversammlungen sich von solchen nicht überall haben zurückhalten lassen und daher die Annahme gerechtfertigt ist, daß bei dem für den 1. Mai geplanten öffentlichen Umzug er- neut Ausschreitungen eintreten werden! Die„Ausschreitungen" an den betreffenden Tagen bestanden darin, daß die Wahlrechts- demonstranten in den Straßen spazieren gingen und Hochrufe auf das freie Wahlrecht ausbrachten.— Der Bürger- meister von Zehlendorf versagt die Genehmigung,„da aus dem sozialen Gegensatz, der in der Veranstaltung des Aufzuges feinen Ausdruck findet, und dem an Sonntagen am hiesigen Ort sehr stark auftretenden Fremdenverkehr Gefahr einer Kollision zu befürchten ist." Der Gedankengana ist nicht neu, die Ausdrucks- weise einigermaßen originell, freilich auf Kosten der deutschen Sprache. Besonders originell ist die Begründung, die die Polizeiverwal. tung von G e nt h i n gibt. Es heißt in den, polizeilichen Schreiben- u. a.:„Erst vor kurzem sind in einer Nachbarstadt bei den Wahl- rechtSdemonstrationSumzügen aus den Häusern Töpfe, Teller, Schüsseln usw. auf die Demonstranten in den Straßen ?e w o r f e n worden, ivodurch nicht nur die Demonstranten selbst, andern auch sämtliche Fuß- und Fahrwegpassanten gefährdet wurden. Ein gleiches Verhalten der hiesigen loyalen Bürger- schaft steht eventuell zu erwarten, und dürfte eS in Ihrem eigenenJnteresse liegen und um Ihrer eigenen Sicher- hei t willen angebracht erscheinen, daß dieser Umzug nicht gestatter wird." Ein hübsches Zeugnis, das die Genthiner Polizei der »loyalen" Bürgerschaft ausstellt! In Potsdam hat die königliche Polizeidirektion die für vor- mittags 8— VAQ Uhr geplante Maiversammlung verboten. Nach einer Verordnung des Konsistoriums sollen öffentliche Versamm- lungen nicht vor der Kirchzeit(V610— V412 Uhr) abgehalten werden. Genehmigung zu Umzügen werden aus Bremer- Häven, Geestemünde, Brandenburg und Rathenow gemeldet. In der letzteren Stadt findet im Anschluß an den Umzug eine Versammlung unter freiem Himmel auf einem in den städti- schen Anlagen gelegenen Platz statt. Im Zuge dürfen Fahnen und Plakate nicht geführt werden. Außerdem werden Genehmigungen gemeldet aus Hanau. Meerane, Mittweida und Oberlungwitz (Sachsen)._ Strafkonto der Arbeiterpresse. Wegen Beleidigung des freisinnigen MagistratSratS Heim in Nürnberg wurde Genosse Schlegel von der„Fränki- schen Tagespost' zu 350 Mark Strafe verurteilt. Bei einer Aussperrung der Müller benutzte der Privatkläger eine vcr- logene Notiz des freisinnigen ,,Fr. Kurier" über eine angebliche Massenansammlung Ausgesperrter mit den obligaten SluS- schreitungen, um im Magistrat eine Interpellation einzubringen und scharfe Polizeimaßnahmen zu verlangen. Die „Fränkische Tagespost" hatte die Lügennotiz und das Vorgehen Heim» scharf kritisiert, worauf Heim in öffentlicher Sitzung die Behauptung von Ausschreitungen aufrcchthiclt und die„Tagespost" des Doppelspiels und der böswillig en Verleumdung beschuldigte. Die„Tagespost" blieb ihm natürlich die Antwort nicht schuldig. Bald darauf ging er wiederholt im Magistrat gegen den Konsumverein vor. der eben eine neue große Bäckerei eröffnet hatte, die vielen Leuten in Nürnberg sehr unbequem war. Weil durch in undicht gewordenes Leitungsrohr Wasser in den Vorraum des Kellers eingedrungen war. sprach Heim von gesundheitlichen Mißständen usw. und hielt diese Behauptungen auch»och aufrecht, nachdem die beiden Bürgermeister erklärt hatten, daß die Zustände im Konsumverein durchaus mustergültig feien. Auch wegen dieses Vorgehens wurde Heim scharf von der„Tagespost" angegriffen. Trotzdem auch das Gericht feststellte, daß Heim keinen Anlaß ?u seiner Interpellation hatte, und daß die Verhältnisse im Kon- umverein als mustergültige zu betrachten sind, kam eS zu der enorm hohen Strafe. Die Ergebnisse der diesjährigen Gemeindewahlen. Abermals kann die Sozialdemokratie der Kreise Niedcribarnim und Teltow-BeeSkow auf stattliche Erfolge zurückblicken. Neben dem preußischen WalrechtSkampf, den sie mit den Entrechteten ganz Preußens geführt, hat die Arbeiterschaft der Berliner Nachbarkreise einen zähen Kampf mit den Gegnern jeglichen kulturellen Fort- schrittS in den Gemeinden auögefoch-ten. Und sie hat in diesem Kampfe in fast allen Gemeinden den Gegnern Terrain abgerungen, soweit bei dem auch hier geltenden elenden Dreiklassenwahlrecht die Möglichkeit vorhanden war. Ohne Zweifel ist die gegenwärtige allgemeine politische Situation von Einfluß auf den Ausgang des Kampfes gewesen, denn eS sind in diesem Frühjahr in einer Reihe Orte sozialdemokratisch« Vertreter gewählt worden, in denen man vor zwei Jahren noch nicht damit gerechnet hatte. Außerdem aber darf nicht verkannt werden, daß die von einer kleinen Clique in den Gemeinden betriebene Jnteressenpolitik immer weiteren Kreisen zum Bewußtsein kommt. Je mehr die Sozialdemokratie die Schäden aufdeckt, die eine solche egoistische Politik verursachen, desto größere Kreise werden für die kommunal- politischen Fragen interessiert. Von dieser regen Anteilnahme der Bevölkerung an der kommunalen Politik wissen die Bevorrechteten, »veShalb sie besonder» heikle Dinge dem Forum der Oeffentlichkeit entziehen und in der geheimen Sitzung zur Verhandlung bringen. Ihr schlechtes Gewissen fürchtet die Oeffentlichkeit. Noch denken die in den Gemeinden sitzenden„Schieber" und Spekulanten an die trauliche Vergangenheit, alllvo sie in gemächlicher Ruhe, ohne sich erst von einem Gegner bloßstellen lassen zu müssen, ihr Schäfchen tn» Trockene bringen konnten. So leicht haben sie es jetzt nicht mehr. Kein Wunder, wenn unsere Gegner mit allen Mitteln, die ihnen zu Gebote stehen, ein weiteres Eindringen sozialdcmpkra- ' tischer Vertreter in die Gemeinde zu hindern trachten. Das von unk bereits früher kritisierte Verfahren, die Wahlhandlung in eine ! für die meist außerhalb des OrteS beschäftigten Arbeiterwählcr rungünstige Zeit zu verlegen, hat, wenn auch nicht mehr in dem früheren Umfange, so doch immer noch vereinzelt Anwendung ge- fundcn. Nicht Mangel an Verständnis und Einsicht, sondern das Bestreben, die Arbeiterschaft von der Vertretung fernzuhalten, ist es, das die Gemeindebehörden zur ungünstigen Festsetzung der Wahlzeit bestimmt. So sind z. B. in Mühlenbeck, wo für die dritte Abteilung die Wahlzeil auf 2—4 Uhr nachmittags festgesetzt war, unsere beiden Vertreter diesmal den Bürgerlichen unterlegen. Trotz alledem haben uns die diesjährigen Gemeindewahlen, wie aus nachstehender Tabelle ersichtlich ist, einen erfreulichen Fortschritt gebracht. Gemeinde Adlershof.... Bergfelde.... Biesdorf..... Birkenlverder... Bohnsdorf.... Borsigwalde-Wittenau Britz...... Buckow..... Cablow..... Dabendorf.... Drewitz..... Erkner..... Franz-Buckiholz.. Fredersdorf... Friedenau.... Friedrichsfelde... Friedrickshagenl).. FricdrichSthal... Germcndorf... Glienicke..... Groß-Besten... Groß-Lichterfelde�). Grünau..... HermSdorf.... Herzfelde.... Hohen- Neuendorf. Hohen-Schöiihausen. Johannisthal... KanlSdorf.... Ketschendorf... Klein-Besten... K-Schönebeck-Fichtenau Klosterfelde.... Königs-Wusterhausen KrauSnick.... Langewahl Lankwitz..... Lichtenow.... Lichtenrade.... Mahlsdors.... Mariendorf-Tüdende Marienfelde�).. MarkgrafpieSke.. Mühlenbeck..... Neuenhagen... Niederlehme...> Nieder-Schöneweide.> Nieder-Schönhausen.> Ober-Schöneweide.> Pankow�).... PeterShagen... Rauen Reinickendorf..., Röntgental-Zepernlck Ruhlsdorf..... RummelSburg..., Schenkendorf 6. KvnigS- Wusterhaufen... Schenkendorf bei Groß- Besten..... Schmargendorf... Schönerlinde... Schönwalde.'.., Senzig Steglitz, 1. Bezirk.. » 2.».. Ersatzw,, t. Bez. Tegels...... Tempelhof�).... Treptow-Dciumschulenw. Wannsee...... Weißensee..... WaidinannSlnst... Wildau- Hoherlehme Wilhelmsruh- Rosenthal Zehlendorf..... Zernsdorf..... Zeuthen...... Zahl der fozialdemokr. Vertreter ISOS-lSOsilSlO II2 42 i] 8 3 6 8 3 3 2 Sozialdemokratische Stimmen 1903 1903 1910 Stimmen der Gegner 1910 84 l 13 93 94 50 432 439 60 30 17 51 165 III 22 595 425 445 ? 37 27 25 332 159 188 120 80 99 265 53 106 18 8 92 ? 158 37 17 18 18 372 ? 114 169 664 177 14 13 67 62 117 212 691 1348 1653 41 34 14 1066 64 29 1642 89 16 22 217 71 60 18 53 9 1113 687 1081 1034 558 707 90 1780 157 175 368 532 38 53 12 72 162 26 102 165 55 4 28 34 244 80 82 564 3 73 ? 4 6 21 375 160 103 35 130 60 88 70 63 0 6 80 ? 199 17 12 1 395 ? 63 140 72 154 5 2 80 43 4 243 652 114 1354 40 11 10 91 56 9 6 10 10 147 53 11 12 1087 851 1024 410 500 319 146 107 185 97 116 897 16 83 >) In Friedrichshagen hatten wir nur ein Mandat zu verteidigen, daher die gegen vor zwe) Jahren niedrigere Stimmenzahl. s) Auch in Groß-Lichterfelde stand diesmal nur ein Bezirk zur s) Vorgestern hat die Marienfelder Gemeindevertretung die Wahl unserer beiden Genossen für ungültig erklärt, weil der Wahl- vorstand unbeglaubigte Foreuseustimmen zurückgewiesen hat— übrigens ein Verfahren, das auch die Billigung der Beschwerde- instanz finden muß. 4) In Pankow gelang es den Gegnern unter Führung des Reich«- Verbandes, uns infolge deS PartcistreiteS vor zwei Jahren vier Mandate zu entreißen. Drei davon haben unsere Genossen diesmal wieder erobert. e) In Tegel hat der Gemeindevorsteher als Borsitzender deS Wahlvorstandes die Wahl deS Genossen Arendsee, weil derselbe nicht Nngesessener im Sinne der Landgemeindeordmmg sein soll, für nichtig erklärt und eigenmächtig eine Reuwahl angeordnet. Auch hiergegen ist der Klageweg beschritten. ") In Tempelhof sind inzwischen die sozialdemokratischen Mandate von der Gemeindevertretung für ungültig erklärt worden. Unsere Genossen haben, da sie die angeführten Gründe für stichhaltig er- achten, den Klageweg beschritten. Die Zahl der Vertreter ist nach der Aufstellung von 74 im Jahre 1906 auf 128 im Jahre 1903 und auf 182 in diesem Jahre gestiegen. Erfreulich ist der in einigen Orten zu verzeichnende außerordentliche Stimmenzuwachs unserer Partei. Wenn es in einigen Orten trotzdem nicht gelang, unsere Kandidaten durchzu- bringen, so trägt nicht zum mindesten Schuld daran die nach den Bestimmungen der Landgemeindeordnung oft unzulässige Anwen- dung des Forensenstimmrechts. Je mehr sich die Gegner in ihrer bisherigen Position bedroht fühle», desto mehr suchen sie dir Stimmen derjenigen zu ergattern und gegen die Sozialdemokratie auszuspielen, die im Orte ein Grundstück besitzen, aber außerhalb desselben wohnen. Oft sind das solche Besitzer, denen nach dein klaren Wortlaut der Landgemeindeordnung ein Recht zu wählen nicht zusteht. Doch unsere Amtsvorsteher kümmert das herzlich wenig; sie nehmen diese Art Forcnsen einfach in die Wählerliste auf, wird doch mit einem solchen Papiersturm die Gemeinde vor dem Umsturz gerettet. So hatten wir z. B. in N i e d e r- S ch ö n- Hausen mit 238 Forensenstimmen zu rechneu. In Wannsee wurden 133 solcher Stimmen abgegeben; iil Birkenwerder befanden sich unter den gesamten 162 bürgerlichen Stimmen allein 98 Fovensen; in Erkner 77, in Schöneiche 39 usw. In verschiedenen Orten haben unsere Genossen gegen diese Art der Listenaufstellung, die selbstverständlich stets die Zustimmung der arbeiterfeindlichen Gemeindevertretungen finden, den Klageweg beschritten. In einigen Orten mußten wir in Ermangelung geeigneter an- sässiger Kandidaten das Mandat kampflos dem Gegner abgeben. Ein Schauspiel, das zugleich einen Hohn auf die Landgemeinde- ordmmg darstellt, bot sich in S t r a l a u. Dort wurden bei der Wahl auf den sozialdemokratischen Kandidaten 225 Stimmen ab- gcgeocn. Da jedoch ein Angesessener zu wählen war, unser Kan- didat diese Eigenschaft aber nicht besaß und unsere Genossen einen solchen Glücklichen auch nicht finden konnten, muhte eine noch- malige Wahl stattfinden. Nun übten von 690 eingeschriebenen Wählern nur 17 ihr Wahlrecht aus, wovon 13 Stimmen auf den bürgerlichen Kandidaten entfielen, der nunmehr als gewählt in die Gemeindevertretung einzieht. Dieses Beispiel zeigt die Rück- ständigkeit, ja Lächerlichkeit der Landgemeindeordnung in benga- lischer Beleuchtung, in ihm kommt der Geist der„geborenen Gesetz- geber" sowie der durch ein Privilegicnwahlrccht gewählten Vcr- treter zum preußischen Landtag zum Ausdruck. Neu ist in dem verflossenen Gemeindewahlkampf, daß in Steglitz und Marienfelde die Stichwahl am Sonntag stattfand. Dieser Umstand, durch den wir in beiden Orten den Sieg errangen, haben wir der starken Besetzung dcS Wahlvorstandcs durch unsere Genossen zu verdanken. Es zeigte sich hier an der weit zahlreicheren Wahlbeteiligung, wie gerechtfertigt unsere Forde- rung ist, die Wahlen an gesetzlichen Feiertagen stattfinden zu lckssen. In den Orten, in denen unsere Bewegung noch zu schwach war, um mit den Bürgerlichen den Kampf mit Erfolg zu bestehen, gehen unsere Genossen mit doppeltem Eifer an den Ausbau der Organisation sowie die Verbreitung unserer Ideen. So besteht denn auch kein Hweifel darüber, daß uns die nächsten Wahlen bei intensiver agitatorischer Tätigkeit weitere erfreuliche Fortschritte bringen müssen._ Hu9 der frauenbeivegung. Bund für Mutterschutz. Eine un« zugegangene, von Adele Schreiber unterzeichnete Zuschrift beschäftigt sich mit unserer objektiven Auslassung über die tieferen Ursachen der Krise im Bunde für Mutterschutz� Zum Teil beschäftigt sich die Polemik mit per- sönlichen Fragen, teils zieht sie Auslassungen von dritter Seite, von denen wir gar keine Notiz nahmen, in den Kreis der Erörterung. Darauf jetzt einzugehen, fühlen wir keine Veranlassung, da wir die rein persönlichen Fragen auch bisher schon streng ausgeschaltet haben. Ein Teil der Polemik ist sodann a»S preßaesetzlichen Gründen ausgeschieden worden. Was wir au« der Zuschrift glauben mitteilen zu sollen, sind folgende Behauptungen von Frau Adele Schreiber:. Der Kampf verdanke seine Enistehung keineStvegS persönlichen Gründen. Ebensowenig sei die gegenwärtige Krise auS einem Kampf zwischen radikalen oder konservativen Anschauungen hervorgegangen. sie sei vielmehr au» der Tatsache erwachsen, daß für annähernd fünf Jahre Bundeseinnahmen und-ausgaben keine klare, befriedigende Uebersicht zn erlangen gewesen fei. Wörtlich heißt eS dann weiter: „Der Bund hat bisher weder Mitgliederliften noch Kassenberichte versandt. Selbst Vorstands« und Ausschuß- Mitgliedern ist der Einblick in die Mitgliederliste verweigert worden, selbst dem Vorstand war eS somit unmöglich, Zahl und Beitragsleistung der Mitglieder zn kontrollieren." „Ich stelle fest, daß eS mir und meiner„Richtung" auf folgendes ankommt: korrekte Geschäftsführung durch eine b e- foldete. selbständige Kraft unter K o n t r o I l e eines ehren- amtlichen Vorstandes, genaue st e Rechnungslegung für jeden Pfennig anvertrauten Geldes, ein richtiges Verhältnis zwischen festen Einnahmen und VcrwaltungSkosten, genaueste Befolgung der Statuten, Wahrheit»nd Klarheit in allen Dingen, Ausschaltung jedes persönlichen Regiments und jedes Systems. Der Verdächtigungen und Ehrcnlränkungeii, nentrale Vorstands- «lfammensetzung, neutrale, allen zugängliche Lage der Bureaus, (nicht in der Privattvohnuna bestimmter Vorstandsmitglieder!) hierdurch auch die Möglichkeit für den übrigen Vorstand, jederzeit in die VcrcinSpapiere Einsicht zu nehmen, Prüfung der Kassenverhältnisse durch einen vereidigten Sachver- ständigen.! Eine in Halle im Vertrauen auf zwei kaufmännisch gebildete Revisoren gefaßte Resolution besagte, die Finanzangclegen- heiten seien geprüft und in Ordnung befunden. Die nähere Durchsicht aber der in Halle verteilten Abrechnung, der ersten, die den Mitgliedern jemals in die Hände gegeben wurde, zeigt so viele F e h l e r. Unrichtigkeiten und Widersprüche, daß sie dringend einer Aufklärung und unanfechtbaren Ueberprüfung bedarf."_ Prostitution und Kapital. Auf eine Anregung des Internationalen AbolitionistenbundeS hin findet in St. Petersburg unter den Prostituierten zurzeit eine Enquete über die Ursachen, die sie der Prostitution zuführten, statt. Mit furchtbarer Deutlichkeit erkennt man in den größten- teils knappen und einfachen Antworten den innige» Zusammen- hang zwischen dem kapitalistischen Wirtschaftssystem und einer seiner unmittelbaren Folgen: der Prostitution. Ob Fabrikanten oder Dienstherren, Kuppler oder Lebemänner, stets sind es die wirtschaftlich Mächtigeren, stets sind es die Folgen der heutigen Produktlonswcise, die die wirtschaftlich Abhängigen niederzwingen, die Tausende und aber Tausende von Frauen und Mädchen der Prostitution zutreiben. Unter dem bis jetzt gesammelten reichen Material erwecken besonderes Jntcrcsie die Antworten auf Punkt 12 des Fragebogens:„Was hat Sie der Pro- ftitution zugeführt?" „Das Leben der Arbeiterin ist zu schtvcr", antwortet eine ehemalige Gärtnerin, die sich mit dem 18. Lebensjahre zu pro- stituieren begann.„Die Arbeitszeit währt von 5 Uhr morgens bi» tz Uhr adendsi der Lohn schwankt zwischen 30—80 Kopeken pr» Tag."— Eine andere ehemalige Arbeiterin-schreibt:„Ich mutzte einmal von der Arbeit ausruhen. Zu Anfang verdiente ich mir nur etwas hinzu, bald aber zwang die Polizei mich, ein Billett zu lösen, i Gleichbedeutend mit Sittcnkontrolle.) Da ließ ich denn die Arbeit ganz fahren."— Sehr charalteristisch ist auch die Antwort einer früheren Weitznäherin:„Ich brauchte mehr Geld für meine Kinder; aber dann starben sie und da war es mir schon ganz gleich, wie ich lebte."— Eine ehemalige Gouvernante schreibt:„Ter Bater meiner Schülerinnen verführte mich. Da-- nach wagte ich schon nicht mehr, Gouvernante zu sein."— Viele Antworten lauten lakonisch:„Ein Student verführte mich; er mietete mich ein und so ging es dann weiter."—„Mein Dienstherr steckte mich mit Syphilis an, dann verlor ich die Stelle..." Auf der Mehrzahl der Fragebogen steht einfach zu lesen:„Aus Not",„Aus Armut",„Verlor die Stelle",„War drei Monate arbeitslos",„Ich diente in einem Restaurant; da bringt es das Geschäft mit sich",„Verkuppelt",„Verschleppt" usw. Aus den weiteren Antworten geht hervor, daß der Uebergang zur Prostitution im Durchschnitt in das 18. bis 20. Lebensjahr fällt. Deutlich tritt auch hier wiederum die Wirkung der Arbeits- Bedingungen zutage: so prostituierte sich ein Mädchen, das bei einer Arbeitszeit von l! Uhr früh bis 0 Uhr abends einen Tage- lohn von 40 Kopeken erhielt, bereits mit dem 16. Lebensjahre. In demselben Alter verfiel der Prostitution ein Mädchen, dvs seit dem 12. Lebensjahre in einer Jahrmarkts-Schaubude tätig war. Die traurigen Lohn- und Lebensverhältnisse der umherziehenden Schausteller ist ja zur Genüge bekannt. Eine Anzahl anderer Frauen fallen der Prostitution erst gegen das 2ö. Lebensjahr anHeim. So eine verheiratete Köchin, die in einer Baukantine tätig war. Um die fragliche Zeit stirbt ihr Mann und die Sorge um den Unterhalt der Kinder fällt ihr allein zu. Sie tut die Kinder in Pflege aufs Land und zahlt noch jetzt in regelmäßigen Zwischenräumen das Pflegegeld.— So verschieden diese Fälle an sich sein mögen, in ihnen allen lätzt sich doch mittelbar oder unmittelbar die gemeinsame Ursache erkennen: die brutale Herrschaft des Kapitals. Erdrückend lange Arbeitszeiten, menschenunwürdige Löhne, Mißbrauch des Ab- hängigkeitsverhältnisses und in vielen Fällen einfach Arbeitslosig- keit. Noch ein anderer sehr bedeutsamer Zug aber ist ihnen ge- mein: sämtliche Frauen, um die es sich handelt, waren nichr organisiert. Daraus sollen wir wiederum lernen. In einer Zeit, da der Kapitalismus seine wildesten Orgien feierr, da— wie wir es jetzt wieder im Baugewerbe erleben— Hunderttausende von Arbeitern, wenn sie nur ihr einfaches Recht ver- langen, kurzweg auf die Straße fliegen, ist der einzelne hilf- und inachtlos. Nur vereint kann das Proletariat siegen. Alle Männer und Frauen----- vornehmlich aber an die Frauen sind diese Warle gerichtet!— ob Fabrik- oder Landarbeiterinnen, Heimarbeiterinnen oder Hausangestellte, sie alle gehören deshalb in die Organisationen, die ihnen nicht nur mit Rat und Tat zur Seite stehen, sondern auch allein imstande sind, den großen Kampf erfolgreich zu führen, den Kampf nur die Menschenrechte des Proletariats gegen den gemein- samen Feind— den Moloch Kapitalismus. Leseabende. Köpenick. Montag, den 25. April, 8'/, Uhr, im Lokal Albert Stippe« kohl, Schönerlinder Str. 5. Zentral-Kranken- und BegrSbuiskasse der Sattler und Berufs» geuonrn Deutschlands,„Hoffnung", E. H. 61. Verwaltungs- st e U e Berlin. Heute Sonnabend, den 23. April, abends 9 Uhr, im„Gewerkschastshause", Engeluser 15: Außerordentliche Mitgliederversammlung. Freirrtigiöse Gemeinde. Sonntag, den 2s. April, vormittags 9 Uhr, Pavpel-Allee 15—17: Freireligiöse Vorlesung. Bmmittags 11 Uhr: Kleine Franksurter Straße 6: Vortrag von Herrn Dr. B. Wille: „Das Verbrechen. II. Seine Bekämpsung.» Damen und Herren als Gäste sehr willkommen. Thealer und Vergnügungen Sonnabend, den 23. April. Ansang VI, Uhr. Königl. Opernhaus. Pols. König!. Schauspielhaus. Julius Cäsar. Deutsches. Die Braut von Mesfina. Kammerspiele. Gnwan. Neues königl. Opern-Theater. Geschloffen. Ansang 8 Ubr. Neues S-liaiispielhaus. Hochzeit der Sobelde. Wie er ihren Mann belog. Komische Oper. Zigeunerlleb«. Pessing. Das Konzert. Kleines. Luxuszug. Berliner. Taisun. Neues. Die goldene Nitterzeit. Weste». Die geschiedene Frau. Neues Operetten. Der Gras von Luxemburg. Drianon. Theodore u. Cie. Residenz. Das Nachtlicht. Thalia. Die Dollarprinzessin. Hebbel. Der Frosch. DaS Nest- Häkchen.(Anfang 8'/, Uhr.) Schiller O. Wullnei. Tveaier.) Die Katakomben. «ch,lu-> Charlottenburg. Goldene Herzen. Krtedrich- WilbelmftädtischeS. Alt-Heidelberg. Bolksopcr. Die Zauderflöte. An- sang 8'/, Uhr. Luisen. Der Veilchenfreffer. Rote. Prcciosa. Nachm. 3 Uhr: Wilhelm Tel!. Lnstipieldaus. Das Leutnants- mündet. Meteovul. Hollah ll— Die große Revue. Nolles Caprice. Ein verschwiegenes Atelier. Eine gründliche Kur. Gasino. Berlin bei Nacht. Gebr. Herrnfeld. Wenn zwei das- selbe tun. Das starke Siück. Endlich allein. Die letzt« Ehre. Apollo. In den Lasterhöhlen von San Francisco. Spezialitäten. Boigt. Geschloffen. Noack. W-Heidelberg, du sein«. Banage. Svezialitäten Wintergarten. Spezialitäten. Rcichsbalien. Steitiner Sänger. Palast. Spezialitäten. Karl Haverland. Spezialitäten. Walhalla. Spezialitäten Buggenhogen. Spezialitäten.(An- TU Uhr). Urania.?a»be»i«rnffe Abends 8 Uhr; In den Dolomiten. Rachm. 1 Uhr: Rom und die Cam- pagna. Strrnioarte. Jnvaltdenstr. 57—62. Ijeaai n g-Th cater. Sonnabend, 8 Uhr; Das Konzert. Sonntag, 3 Uhr: Roieumontag, S Uhr: JbsenzhkluS, 2. Vorstellung: Die Stühe» der Gesellschaft. öerüner Tkester. Heute 8 Uhr: TT 2lif Uli« Morgen: Datfun._ Heues Theater. Abends 8 Uhr: Die goldene Ritterzeit. Morgen und folgende Tage: Die goldene Merzeit. Theater des Westens. Heute und folgende Tage 8 Uhr- Die geschiedene Frau. Sonnt, a1!, Uhr: Ein Walzertraum. Tolksoper. BW., Belle-Awance-Straße Nr. 7/8. Abends ff ,9 Uhr: vis Zauberflöte. Henea Operetten-Theater. Heute und folgende Tage 8 Uhr: Der Graf von Luxemburg. Sonntag nachm. 3 Uhr zu ermäßigten Preisen: vor aigoimerdaron. friBdrich-Wilhelinstedtisiities Schauspielhaus. Sonnabend, 23. April, abends 8 Uhr: Enj.-Gastsp. d. Neuen Schauspielhauses Mt-Hetdetberz mit Karl Heinz.. Harry Walde». Sonntag nachm. 3 Uhr: Die Jung« > von Orleans. Abend» S Uhr- -Heidelberg. L.ias-ts|)«vllisus. AbendS 8 Uhr: Das Leutnantsmündel Residenz-Theater Direktion: Richard Alexander. Abends 8 Uhr: Bas Nachtlicht. (Le Gigolo.) Schwank in 3 Akten v. M. ZamacolS. Morgen und solgende Tage: Dieselbe Vorstellung._ Luisen-Theater. Abends 8 Uhr: Der Veilchenfresser. Lustspiel in 4 Akten von G. v. Moser. Sonntag nachm. 3 Uhr: WaS Gott zusammensügt. Abends 8 Uhr: Das Gesetz des Herzens. Montag: DaS Gesetz deS Herzens. Dienstag: Das Gesetz deS Herzens. OK-THHUTC 1 ranksurter Str. 132. Nachmittag 3 Uhr: Schüler« Vorstellung: Wilhalm Teil. AbendS 8 Uhr: Preztosa. Schauspiel m. Ges. in 3 Akt. v. Wolff. Sonntag nachm. 3 Uhr: Wilhelm Dell. Abends 8 Uhr: Der Pfarrer von Kirchfeld._ Metropol-Thealer Hallo!:: Die große Revue! In 8 Bildern von JoL Frennd. Musik v. Paul Lincke. In Szene gesetzt vom Dir. Rieh. Schultz. Anfang 8 Uhr. Rauchen gestattet. Sonntag 3 Uhr: Drei Paar Schuhe Ab. 8 Uhr: Das vollständig neue Programm. «0 erstklassige Artisten S Uhr: Horan nnd Wl.er, Sensation. Jongleure mit Hüten. 10 Uhr: HalcyS Iuveniles, 39 engtische Kackßsche 29 Jung-England in Berlin. Einzig existier. Ensemble dieser Art. ü le He. öiegwart Gentes in seinem Sketch; „Eine Opernprobe". Rostna CasselU mit ihrem Miniatur-Wunder- hündohen. paul Conchas der Armee-Herkules in seiner Szene:„Im Feldlager" und das buntweohselndo April-Programm! Folies Caprice Eine gründliche Kur. Neuer bunter Dell. Ein verschwiegenes Atelier. Ansang 8'/« Uhr. Vorverkauf 11-2 Uhr. Basinv-Theater Lothringer Straße 37. Täglich 8 Uhr. Trotz deS sensationellen Ersolges nur noch bis zum 13. Mai: Bertin bei Nacht. Ab 14. Mai aus allgemeinen Wunsch: Familie Augnat Knoche. Sonst. 4 U. t Trudchen* StmmerrelN. Zehnter Schiller-Theater 0.(Wallner-Theat.) Sonnabend, abends 6Uhr: Hie Katahomben. Lnstspiel in 4 Akten v. Gustav Davis. End- 10ff2 Uhr. Sonntag, nachm. 3 Uhr: Viel I,armen um nicht*. Sonntag, abends 8 Uhr: Hie Katakomben. Montag, abends 8 Uhr: Ooldfisebe. Theater. Schiller-Theater(Charlottenburg). Sonnabend, abends 8 ll hr: Goldene Herzen. Volksftück in 4 Akten d. C. Karlweis. Ende lOffj Uhr. Sonntag, nachm. 3 Uhr: Her Helneldbaner. Sonntag, abends 8 Uhr: Goldene Herzen. Montag, abends 8 Uhr: Goldene Herzen. Voigts Krampenburg, an der Großen Krampe, eignet sich infolge seiner ein- amen, romantischen Lage ganz besonders zu Auslliigen für Vereine, Fabriken und Schulen. Wfp' Säle von 100-3000 Personen saffend."IH Jeden Sonntag: Dampfer-Extrafahrteu der Reederei Nobiling. Abfahrt früh 9 Uhr, nachmittags 2ff. Uhr ab Jannowitzbrücke. 52022_ Hochachtend K. Volst.— Amt Köpenick 227. Zur Baumblüte nach Werder. Tom S4. April 1010 ab tUgrllch Ab Weidendammer Brücke(Frledrichsw.)('3'°) 9°° Uhr , Bahnhof Bellrvue(Cafe Gärtner)(*8W) 9™ , Charlottenburg(Schloßbrückc)....(*9,l>) 9=° , Spandau(Chat lottendrücke).....(*9") 11°° («nur Sonntags) . Potsdam(Eisenbahn-Hotel) 10°°, 12«». 2«°, 8««, 4°°, 5°°, 6»° Uhr. Rttcktahrt: Ab Werder(Bismarckhöhe) 5" nach Spandau-Berlin, stündlich bis 7°° nach Potsdam. Sonntags IM., hin u. zurück 1.50 M. Werktags hin u. zurück 1 M. 6°« Zur Täglich oamplcrlahMen von Sonntag, d. 24. Zlpril, ab nach" Werden a.H. < < i------------------ 1 Abfahrt 9 Uhr morg. von Sertin, a. d. Weidendammer Brllche t ](gegenüber der Prinz-Lvuis-Ferdin i ndstraße). Rückfahrt 6 Uhr abends. Fahrpreis: Sonntags hin u zurück 1,50 M., einfach 1 M. Wochentags:! , hin u. zur. 1 M., eins. 75 Pf. Reederei Kahnt u. Hertzer. Tel. Amt VII 2062. : Artuskol: ♦Perleberger Straße ÄO.J J Jeden Sonntag: J ; Jaul$ Springers ♦ Kabarett- and Possen-Gesellschaft- Anf. Konz. 6 Uhr., Vorst. 7 Uhr. Tanz. Karl haverland Anfang Theater, präz. 8 U. 77/79 Kommandantcnstraße 77/79. Jptil-JJtCBt. Liliputaner-Truppe Prolongiert._ Urania. Wissenschaftliches Theater Nachmittags 4 Uhr: Rom und die Campagna. Abends 8 Uhr: In den Dolomiten. UfEEPIÜ Kommandanten ftr. 57. T. 51. 4, 6083. Heute Präzise 8 Uhr; Premiere der Novitäten Mtnn Mtl dasstlbe tun. Eine Konkurrenz-Komödie in 2 Slkten von Anton und Donat Herrnfeld mit den Autoren 1 d. Hauptrollen u. Das starke Stück. Schwank In 1 Akt von Julius Horst. Sonntag nachm. 4 Uhr: lieber- gangsehe. Rettungsmittel. AU-Hoabit 47/48. Sonntag, den 24. April 1910: Die Ehre. Schauspiel in 4 Aufz. von Hermann Sudcrmann. Gras Traft- Saarberg: Hans Reitz. Passage-Theater.' Abends 8 Uhr: i# Gussy Holl 4 die reizende Parodistia 1 Ayoe#| _ I die dänische Vortragsdiv» l( j Georg Kaiser II d und 14 erstklassige L m alhallä- Variete-Thealer { Weinbergsweg 19-20, Rosenth.Tor.| — Ansang 8 Uhr.— Spezialitäten-Programm. | Tunnel: Die allergröfft.Kanone I Theaterbesucher freien Eintritt. Trinnon-Theater. Abends 8 Uhr: Theodore& Cie. Sanssouci, ItZTl Direktton Wilhelm Reimer. Morgen Sonntag: Sonnt.Leg. 2, wochent. 8U. «m Ragenbeck* größte Raubtier-Dressur- Schau der Erde Bülow-Platz KaisersWilhelmaStraße, Ecke Linienstraße, riäbc Rlexanderplatz. Heute abend 8 Uhr: t» Art] Vorverkauf bei A. Wertheim, Leipziger Straße, und an der Tageskasse auf dem Schaustellungsplatz, wochentags von 10— 12 und ab 3 Uhr nachmittags. Tel.-Amt HI 9446. ScJiluB der Saison 28. 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Allen Verwandten, Freunden, Kollegen und Bekannten meine« ver- storbcncn Sohnes sowie den be- teiligten Vereinen sür dt« herzliche Teilnahme und herrlichen Kränze meinen herzlichsten Dank. 523lK Der Pater A. Ilnrdt im Namen der Hinterbliebenen. Danksagung. ür die Beweise herzlicher bei der Mannes Teil. eerdigung meines Gustsv Fürle allen, insbesondere dem �enwalverband der ZivilberusSmusiker meinm besten Dank. lS13b Anna Fürle. sage ich Ze' ,1% iineren und Am 21. d. M., abends 7>/, Uhr, verichicd nach langen, Leiden unser lieber So! Bruder Walter Beaoit im 16. Lebensjahre. Dies zeigen tiesbeirübt an die Hinterbiicbenen lS12b I.oni* Benoit und Frau, Luckauer Sir. 6. Die Beerdigung findet am Sonn- tag, den 24. April, um 4 Uhr von der Leichenhalle de« neuen Luiien- KirchhoseS, tzermaniistratze, ans statt. Todes-Anzeiig;«. Am 19. April verstarb unser Kollege, der Monteur August Klose. Ehre seinem Aiidcukenk Die Beerdigung findet beute nachmittag 5'/, Uhr von der Halle des Hciligkrcuz-FriedhoscS ans statt. 1810b Die Kollegen der Firma Biedermann u. Ezarnikow. ciiarlolteuburg. Am 21. d. M. ist meine liebe Frau, unsere berzenSgute Mutter und Großmutter nach langem, schwerem Leiden verstorben. Die Beerdigung findet am Sonnlag, den 24. d. M., nachm. 5°/, Ubr, aus dem Luisen-Kirchhos am Fürsteubrunner Weg statt. Erwarten rege Beteiligung. dnlln» Kcilinann(Putzer) nebst Kindern, Enfclkindern und verwandten. 5232L Arbeiter-Wanderxereln „Berlin". Der Flugblattverteilung wegen wird die Tour Buch— Oranienburg aus Stolpe— Oranienburg verkürzt, tzlbsahrt 10" vom Stettiner Vorortbahnhos. Neue Tourenpläne find in folgenden Zahlstellen zu haben: F. Wähliich» Skalitzer Str. 22: H. Kriedemann, Stargarder Str. 74; G. Weihnacht. Grünstr. 21. IßO Warnung! sind in letzter Zeit{ Kautabakes in Trotz wiederholten Hinweises 1 Nachahmungen meines Kapitün 1 Umlauf. 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Wir bitten alle Mitglieder der Organi- sation, sich vollzählig an dieser so wichtigen Werbearbeit zu beteiligen. Mit Gruß Der Verband sozialdemokratischer Wahlvereine Berlins und Umgegend. f das Prinzip der gemeinsamen Erziehung der Geschlechter durch- j geführt. 1 Die Hilfsschulen werden in der Regel in einem Gemeinde- schulhause untergebracht und sind selbständige Abteilungen der Ge-- meindeschule. lieber die Zurückversetzung aus der Hilfsschule in die Normal- schule steht dem Schulinspektor unter Mitwirkung des Hilfsschul- leiters und des Rektors der Gemeindeschule, in deren Räumen die Hilfsschule untergebracht ist. und endlich des Schularztes die Eni- schcidung zu. Bei dieser Entscheidung ist zu berücksichtigen, daß «ine Zurückversetzung in die unteren Gemeindeschulklassen für be ältere Kinder sich nicht empfiehlt. Eine sozialdeulokratische Gemeiudevertreter-Konferenz des Wahlkreises Nicder-Barnim findet am Sonntag, den 24. April er., vonnittags 10 Uhr, im Cafä Bellevue in Rummelsburg statt. Auf der Tagesordnung steht: 1. Die Aufgaben der sozialdemokratischen Gemeindevertreter. Referent: Jul. Grunow- Ober-Echöneweide. 2. Finanz- und Steuerwescn. Referent: Wilh. Düwell- Lichtenberg. Zur Teilnahme sind verpflichtet: Die Stadtverordneten, Ge- mcindevertreter, Bezirksleiter und die Vorstandsmitglieder. Die Parteimitglieder, die den Verhandlungen als Gäste bei- wohnen wollen, haben alsLegitiination ihrMitgliedL- buch vorzuzeigen._ Der Kreisvorstand. Steglitz. Sonntag friih: Flugblattverbreitung in allen Bestrken. Montagabend 8'/z Uhr: Oeffentlickie Frauenversammlung bei Schell- Hase. Dienstag Mitgliederversammlung. Ober-Schöncwcide. Luch für den hiesigen Ort findet am Sonn- tag früh 8 Uhr von den Bezirkslolalen aus eine Flugblatt- Verbreitung statt. Der Vorstand. Johannisthal. Sonntag, den 24. April, vormittag? 8 Uhr, findet im Ort Flugblattverbreitung statt. Treffpunkt bei Albert Gobin, Roonstr. 2. Dienstag, den 28. April, abends 3 Uhr, Mitgliederversammlung bei Otto Senftleben, Friedrichstr. 48. Der Vorstand. Erkner.'Heute abend gemeinschaftlicher Spaziergang nach Woltersdorf zur Volksversammlung. Abmarsch von Degebrodt abends 77z Uhr.— Morgen Sonntag, den 24. April, früh 8 Uhr: Flugblattverbreitung. Karlshorst. Sonntag, dm 24. April, vormittags Vz8 Uhr: Flugblattverbreitung. Die Bezirksleitung. Biesdorf. Am 26. April, abends 8'/, Uhr: Zahlabend bei Gustav Berlin, Marzahner Straße. Rüdersdorf-Kalkberge. Am Sonntag, den 24. April, nachmittags L Uhr, findet im.Gasthaus zur Linde" sJnh. Rich. Roll), Heinitz- stratze IS, eine Volksversammlung statt. Tagesordnung: 1.„Volks- verrat und Volksverhöhnung". Referent: Landtagsabgeordneter Adolf Hoffmann- Berlin. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Die Bezirksleitung. Niederschönhausen-Nordend. Am Sonntag, den 24. April, früh 8 Uhr. von folgenden Lokalen aus Flugblattverbreitung: 1. Bezirk: Reuß, Platanenstraße, Ecke Kaiserweg; 2. Bezirk: Gappe, Eichen-, Ecke Waldstraße; 3. Bezirk: Babst, Beuth-, Ecke Waldemarstraße: Nordend: Schüßler, Blankenfelder Straße. Die Bezirksleitung. Reinickendorf- West. Sonntag vormittag 8 Uhr: Flugblatt- Verbreitung von den bekannten Lokalen aus. Die Bezirksleitung. Französisch- Buchholz. Sonntag vormittag 10 Uhr bei Kähne. Berliner Str. 33: Flugblattverbreitnng. Bezirk WaidmannSlust. Sonntag, den 24. d. M., morgens 8 Uhr, findet in allen Orten unseres Bezirks von den bekannten Lokalen aus eine Flugblattverbreitung statt. Die Flugblätter sind heute Sonnabendabend von den AbteilungSführern bei Genossen Eichberg, WaidmannSlust. Waidmannstr. 1, abzuholen. Die Bezirksleitung. Buch(Bezirk Französisch- Buchholz). Sonntag vormittag 8 Uhr bei Starke: Flugblattverbreitung. Wilhelmsruh-Niederschönbausm-West. Sonntag, den 24. April, früh 8 Uhr: Flugblattverbreitung von den bekannten Bezirkslokalen aus. Die Bezirksleitung. HmnSdorf. Morgen Sonntag, den 24. April, früh 8 Uhr, findet vom Forsthaus Heidenreich eine Flugblattverbreitung statt. Der Bezirkssührer. berliner JVacbricbtciio Die Hilfsschulen stellen Abteilungen der öffentlichen Volksschulen dar und sind für Kinder aller Religionsgemeinschaften bestimmt, bei denen wegen geistiger oder körperlicher Hemmnisse der lehrplanmäßige Unter- richt der Normalschule erfolglos bleibt. Die Kinder sollen so ge- fördert werden, daß sie entweder in die Rormalschule zurückgehen oder in der Hilfsschule die ihnen erreichbare Vorbildung für das spätere Leben erhalten. Es kommen natürlich nur solche Kinder in Frage, welche unterrichtsfähig erscheinen. Idiotische Kinder sollen nicht der Hilfsschule, sondern der Jdiotenanstalt überwiesen werden. Solche Kinder, die beim regelmäßigen Schulbesuch mindestens 1 Jahr lang die unterste Klasse der Normalschule ohne Erfolg besucht baben und in der unteren Abteilung dieser Klasse würden zurückbleiben müssen, können in eine mit einer Gemeindeschule organisch verbundene Vorklasse für den Unterricht schwachbefähigter Kinder aufgenommen werden. Ueber die Aufnahme entscheidet nach Anhörung des Lehrers und Rektors der Schulinspektor. Die Kin- der, die nach einjährigem Besuch der Vorklasse die Reife für die vorletzte Klasse der Normalschule erreicht haben oder doch solche Fortschritte gemacht haben, daß ihre Förderung in der Normal- schule wahrscheinlich ist, kehren in diese zurück. Die nach einjährigem Besuch der Vorklasse nicht oder nur wenig beförderten Kinder werden nunmehr genau geprüft, ob sie in die Hilfsschule übergeführt werden müssen. Länger als zwei Jahre ver- bleibt kein Kind in der Vorklasse. Die Entscheidung liegt hier wieder beim Schulinspcktor, gegebenen Falles nach Anhörung des Schularztes. Schwerhörige Kinder, die ihres organischen Fehlers wegen in der. Normalschule zurückbleiben, werden einer Hilfsschulabteilung für Schwerhörige direkt überwiesen. Die Organisation der Hilfsschule ist so gedacht, baß die be- stehenden Nebenklassen, wo irgend angängig, zu einer Hilfsschule mit fünf aufsteigenden Klassen vereinigt werden. Die Hilfsschul- abteilnng für Schwerhörige sind möglichst so zu organisieren, daß fic wenigstens drei aufsteigende Klassen erhalten. 18 bis 22 Kinder Soll als Normalfrequenz für die Klasse festgesetzt werden, für die klaffe der Schwerhörigen 12 Kinder. In den Ncbenklassen wird reitS Zur Lohnfragc der städtischen Arbeiter verbreitet das Nachrichienamt des Magistrats folgende Mitteilung: , Entgegen der in der Ocffcntlichkeit verbreiteten gegen- teiligen Behauptung sind im Etat des laufenden Rechnungsjahres bereits Beträge für eine mäßige Erhöhung der städtischen Arbeiterlöhne ausgeworfen. ES war eine Magistratskommission mit der Einzclberatung beauftragt worden, die jetzt dem Magt- ftrat berichtet hat. Der Magistrat hat nach ihren Vorschlägen beschlossen. Die Lohnerhöhung wird mit der ersten Lohnperiode nach dem 1. Mai in Kraft treten." Aus dieser Mitteilung erhellt nicht, was denn eigentlich die Magistratskommission beraten und was der Magistrat beschlossen hat. Das wäre aber notivendig zu wissen, um mit ihm zu rechten. Was den Hinweis betrifft, daß im Etat des laufenden Etatsjahres Beträge für eine mäßige Erhöhung der städtischen Arbciterlöhnc ausgeworfen sind, so ist das in dieser Allgemeinheit nicht richtig. Im Etat sind 100 000 M. eingestellt für beabsichtigte Lohnauf- bcsscrungen des in der städtischen Stratzenreinigung be- schäftigten Betriebs Personals�, für die der Magistrat zugesagt hat, der Stadtverordnetenversammlung noch eine besondere Vorlage zu machen. Diese Vorlage ist aber bis heute noch nicht erschienen, obwohl die Straßenreinigungsdeputation bereits im Oktober be- schloffen hat, Lohnerhöhungen zu empfehlen. Außerdem sind im Etat der Wasserwerke„mit Rücksicht auf die Einführung des Neunstundentages bei den Werkstattarbeitcrn sowie auf etwaige Aenderungcn der Lohnordnung" 30 000 M. mehr als im Vorjahre eingestellt. In den übrigen Etats der Werke aber. in denen dergrößte Teil der städtischen Arbeiter beschäftigt ist, stehen keine Summen für Lohn- änderungen zur Verfügung. Vollkommen leer sind die Arbeiter ausgegangen, obwohl sie rechtzeitig mit ihren Wünschen auf Lohnerhöhungen an die einzelnen Verwaltungen herangetreten sind und obwohl gerade durch die. im Vorjahre in Kraft getretene Reichsfinanzreform die Arbeiter am stärksten belastet wurden und ein Ausgleich durch eine Lohnerhöhung dringend erforderlich war. Bei dem Bestreben, den städtischen Arbeitern ja nicht entgegen- zukommen, leistete der Kämmerer Steiniger hervorragendes. Ihm waren die Löhne sckion jetzt viel zu hoch und er appellierte noch an die bürgerlichen Vertreter, ihm in seiner Rücksichtslosigkeit gegen die Arbeiter zur Seite zu stehen und dafür zu sorgen, daß die hohen Löhne nicht noch höher werden. Dazwischen wurde aber auch auf eine Magistratskommisswn hingewiesen, die sich mit der Lohn- frage der städtischen Arbeiter beschäftige. Es ist notwendig, daß klar mitgeteilt wird, waS die Magistratskommission in dieser Sache ausgebrütet und was der Magistrat gutgeheißen hat. Oder ist das so winzig, daß selbst der Magistrat sich schämt, es der Oeffentlichkeit mitzuteilen? In der SäuglingSfürsorgestelle I, Blumenstr. 78, findet im Monat Mai je einmal wöchentlich Unterricht in der Säuglings- pflege mit praktischen Uebungen statt. Meldungen hierzu schriftlich oder mündlich: Bureau des Kiuderhauses, Blumenstr. 78, vorn links parterre, wochentäglich von 2— 4 Uhr. Das Notenblatt auf dem Dampfer. Man schreibt unS: Auf Spree und Havel haben wieder die Vergnügungsfahrten begonnen. Dabei befindet sich auf vielen Dampfern der Stern-Gesellschaft und anderer Reedereien eine Musikkapelle, die beim Verlassen des Berliner Weichbildes ihre blechernen Weisen erschallen läßt. Sonderlich schön ist die Blechtuterei gerade nicht, aber man nimmt sie mit in den Kauf, veil nian sich daran gewöhnt hat. Als ein unwürdiger Zustand wird es jedoch vielfach empfunden, daß der Anführer dieser meist aus vier Mann bestehenden Kapelle sowohl auf der Hinfahrt als aus der Rückfahrt bei den Passagieren mit dem Notenblatt„ständeln" geht. Die Musikanten selbst empfinden ihr Sammeln als peinlich, aber sie sind darauf angewiesen, weil sie von den Reedern wenig oder gar keine bare Vergütung er- halten und noch froh sein müssen, daß sie überhaupt spielen dürfen und nicht anderen Konkurrenten vorgezogen werden. Es wird sogar erzählt, daß manche Musikanten noch Prozente an andere Personen, die zu den Dampfergesellschaften Beziehungen haben, abgeben müssen. Rechnet man dann noch die Kosten für Nestau- rierung an den Endstellen ab, so ist der Reinverdienst nur sehr bescheiden. Aus diesem Grunde kann man es auch verstehen, wenn die Dampfermusikanten beim Präsentieren des Notenblattes sich mitunter etwas aufdringlich zeigen, sodaß man wohl oder übel in die Tasche greifen muß. Die Dampfergesellschaften kündigen ausdrücklich„Fahrt mit Musik" an. Sie sollten daher auch die Verpflichtung haben, die Musik aus der eigenen Tasche zu bezahlen, anstatt auf die Tasche ihrer Fahrgäste zu spekulieren. Das können sie sehr wohl ohne jegliche Erhöhung des Fahrpreises, denn sämtliche Dampfergesell- schaften in und bei Berlin machen ein Bombengeschäft schon des- halb, weil eS ihnen sehr häufig garnicht darauf ankommt, die Dampfer des Profites wegen dedeutend zu überladen. Znsammenstoß auf Bahnhof Frankfurter Allee. Anscheinend durch durch das versehen eines jungen Weichenstellers ereignete sich Donnerstagabend auf dem Gütergleis zwischen den Stationen Frank- furter Allee und Zentralviehhof ein Zusammenstoß zweier Güter- ziige, bei dem Menschenleben glücklicherweise nicht zu beklagen sind. Nach dem amtlichen Bericht fuhr gegen 3 llhr 50 Minute» der Gütcrlcerzug 3526 durch irrtümliche Freigabe auf den im Bahnhof Frankfurter Allee auf Gleis IVb haltenden Güterzug 8874 auf. Hierbei entgleisten acht beladene Wagen und der Packwagen und wurden teilweise beschädigt. Ein Zugschaffner erlitt einen Armbruch. Der verursachte Materialschaden beläust sich auf über 5000 M. Die vcrleguug des ersten Garde-Dragoner-RegimentS von Berlin nach Spandau ist beschlossen, es werden aber einige Jahre vergehen. bis das Regiment die in der Belleallianeestraße belegene Kaserne verlassen und nach Spandau übersiedeln kann. DaS Opernhaus soll der Stadt Berlin aufgehalst werden. Der Minister des königlichen Hauses und der Finanzminister haben an die Stadtgemeinde die Frage gerichtet, ob sie das Opernhaus erwerben wolle, das seiner bisherigen Bestimmung dauernd nicht mehr gewidmet werden könne. Der Magistrat hat darauf beschlossen, über den Kauf des„geschichtlichen und künstlerischen Baudenkmals" in Verhandlungen mit Krone und Fiskus zu treten. Unseres Erachtcns ist das Opernhaus so verbaut, daß eS schon seit langer Zeit Gegenstand des Spottes weiter Kreise, nicht zuletzt vieler Fremden geworden ist. Der Herausgeber der„Wahrheit" Herr Bruhn und die Rechts- anwälte Dr. Wcrthauer und Dr. Puppe, Verteidiger im Dahsel- Prozeß, haben sich vertragen. In der letzten Nummer der«Wahr- heit" wird folgende Erklänmg veröffentlicht: „Herr Wilhelm Bruhn erklärt, daß er die gegen die Herren Dr. Werthauer und Dr. Puppe aufgestellten Behauptungen, die er in der ersten Erregung nach dem Dahsel-Prozeß gemacht hat, ins- besondere den Vorwurf, daß dieselben nicht pflichtgemäß gehandelt haben, zurücknimmt. Die Rechtsanwälte Dr. Werthauer und Dr. Puppe nehmen dem- gemäß die gegen den Abgeordneten Wilhelm Bruhn und seine Re« dakieure gestellten Strasanträge zurück und erklären, daß sie ihrer- seits gegen Herrn Bruhn nichts haben und deshalb die gegen ihn im Prozeß Dahsel und im Anschluß daran aufgestellten Behauptungen persönlich nicht aufrecht erhalten. Die zivischen Herrn Dr. Werthauer und Herrn Wilhelm Bruhn schwebenden Zivilsachen werden hiermit für erledigt erklärt. Herr Bruhn erklär! ferner, daß„Die Wahrheit" in Zukunft keine Angrisse gegen die Herren Dr. Werlhauer und Dr. Puppe bringen wird." Als Bettelschwindler wurde gestern der 40 Fahre alte Hand- lungsgchilfe Max Boder festgenommen, der die Kriminalpolizei schon oft beschäftigt bat. Boder schrieb unter dem Namen eines Sekretärs von Wohltätigkcitsvereinen an mildherzige Leute und empfahl sich selbst zur Unterstützung. Statt eines Briefes benutzte er wohl auch den Fernsprecher. Nach geraumer Zeit erschien er dann bei den Wohltätern, berief sich auf die schriftliche oder tele- phonische Empfehlung des Bereinssekrctärs und erhielt, was er wünschte. Auf diese Weise erschwindelte er sich soviel, daß er herrlich und in Freuden leben konnte. Gestern sah ihn ein Krimi- nalbeamter, der ihn kannte, in dem Erfrischungsraum eines Warenhauses und nahm ihn fest. Der Schwindler wurde gestern dem Untersuchungsrichter vorgeführt. Ermäßigte Eintrittskarten zur Ausstellung der Sezession(25 Pf. statt 1 M.) körnten von den Gewerkscbaitsvorstäudeu im Bureau deZ Ge werlschaftShauseS in Empfang genommen werden. Ein- zelne Karren werden bei Vorzeigung des Mitgliedsbuchs im Zigarrengeschäft von H o r s ch ausgegeben. Ein schweres Brandunglück hat sich gestern nachmittag nach 4 Uhr in der Rathenower Straße 24, gegenüber der Perlebergcr Straße,, zugetragen. Dort wohnt im Hinterhause die Familie des Fabrikarbeiters Schulz im vierten Stock. Als gestern Frau Sch. einen Augenblick die Wohnung verlassen hatte, um einige Be- sorgungen zu machen, kam dort angeblich durch Spielen der Kinder mit Streichhölzern Feuer aus, das gleich eine große Ausdehnung erlangte. Als die Gefahr bemerkt wurde, stand schon die ganze Wohnung in Flammen. Der 15. und 16. Zug der Feuerwehr waren schnell zur Stelle und griffen mit mehreren Schlauchleitungen ein. Als gemeldet wurde, daß sich Menschen in der Wohnung befinden sollten, drang die Feuerwehr gewaltsam durch Sprengen der Tür in die Wohnung ein. Hierbei wurde die achtjährige Berta Schulz am Kopf verletzt. Sic wurde sofort ins Freie geschafft und ver« Kunden. Ein zweijähriges Kind wurde tot in der Wohnung auf- gefunden. Es hatte Brandwunden erlitten, war aber vermutlich nicht an diesen Wunden gestorben, sondern erstickt. Um Luft zu machen, waren Feuerntänner über einen Hakenleitergang und über «ine mechanische Leiter bis zum 4. Stock von außen in die Wohnung eingedrungen, hatten die Fenster eingeschlagen und dem Qualm Abzug verschafft. Die Flammen konnten nach einstündigcr Tätig« keit auf die Wohnung, die ausgebrannt ist, beschränkt werden. Die Leiche des Kindes wurde von der Polizei beschlagnahmt. RowdieS gesucht. DaS Polizeipräsidium teilt mit: In der Nacht zum 7. d. M. ist auf dem Bellealliance-Platz eine in der Erde be» festigte Bank gewalsam herausgerissen und die Sitzbretter stark be- schädigt worden, desgleichen sind dort aufgestellte Papierkörbe von ihrer Befestigung mit Gewalt losgerissen und ebenso ist ein Teil des den Fußweg einfriedigenden Eisengitters von einem Pfahl abgerissen und verbogen worden. Personen, die bezüglich dieser Be« ichädigungen und der Täter, deren es mehrere gewesen sein müssen, Wahrnehmungen gemacht haben, werden ersucht, bei der Kriminal- Polizei, oder im nächsten Polizeirevierbureau zu 1573 IV. 83. 10 Anzeige zu erstatten. Angeschwemmte Leiche. Am 13. April vormittag« wurde an der Stralauer Brücke eine in Zeiwngspopier gewickelte Leiche eines aus- getrageneu KindeS männlichen Geschlechts gelandet. Personen, welche über die Mutter oder sonstwie Angaben machen können, wollen sich im Polizeipräsidium Zimmer 324 oder in einem beliebigen Polizei- revier zu J.-Nc. 1668 IV/5S 10 melden. Vorort-JVacbricbtein Eharlottenburg. Ein Unglücksfall trug sich vorgestern in der Potsdamer Straße zu. Dort wollte der siebenjährige Schüler Richard Piefle, Pots- danter Sir. 37 bei den Eltern wohnhaft, kurz vor einem heran» nahenden Geichäftswagen über den Fahrdamm laufen. Der Kleine wurde umgestoßen und fiel so unglücklich, daß ihm zwei Räder über beide Beine hinweggingen. Richard P. erlitt einen Bruch beider Unterschenkel und wurde nach dem Krankenhause Westend geschafft. Der Deutsche Arbeiter-SSngerbund, Gau Berlin und Umgegend. hält am Sonntag, den 24. April, vormittags 10 Uhr, im Volks- Hause, Rosinenstr. 8, eine Eängervcrsammltlng ab. Die Vereine sowie Sangesfreunde werden ersucht, sich recht zahlreich und pünkt» lich an dieser Versammlung zu beteiligen. Rixdorf. In ihrer Wohnung tot aufgefunden wurde die 8Sjährige Ehefrau Emilie des Schlossers Specht, Bergstr. 81. Ein hinzugerusener Arzt vermochte die Todesursache nicht mit Bestimmtheit festzustellen. Die Polizei hat die Leiche beschlagnahmt und nach dem Schauhause bringen lassen, damit dort durch die Obduktion die genaue Todes- Ursache festgestellt werde. Ein schwere» Straßenvahnunfall ereignete sich vorgestern abend gegen 7 Uhr in der Steinmetzstraße. Dort lief vor dem Hause 118 der dreijährige Sohn Kurt des in dem Hanse Nr. 10 der genannten Straße wohnhaften Sattlers Nenmann unmittelbar vor dem nach Berlin fahrenden Motorwagen 1301 der Linie 55 auf das Gleis, wurde umgestoßen und geriet mit dem linken Bein unter den Schutz- rahmen. Mittels Winden wurde der Wagen angehoben und der Kleine aus seiner entsetzlichen Lage befreit. Er hatte, wie auf der nahen Unfallstation festgestellt wurde, einen komplizierten Bruch des linken Oberschenkels sowie erhebliche Hautabschürfungen im Gesicht und am Kopf erlitten und wurde nach der elterlichen Wohnung gebracht. Auf dem Wege von der Steinmetzstraße bis Fallstraße ist am 7. April ein Trauring mit dem Stempel 0. R. 8. 4. 1301 verloren esiangen. Der ehrliche Finder des Ringes wird gebeten, denselben «l Richter. Steinmetzstr. 88, abzugeben. Mariendorf. I» der Generalversammlung des Wahlvereins erstattete Genosse Jeserich den Vorstandsbericht. Unter anderem bemängelte Redner, daß einzelne Genossen nicht tn gewünschter Weise die Aktionen der Partei unterstützten. In der lebhaften Diskussion wurde besonders scharf das Fernbleiben einzelner Genossen von der Gemeindcwahl verurteilt. Genosse Rosenberg berichtet, daß laut Beschluß der GelverkschaftSkommission jeder gcwerlschaftlich organisierte Arbeiter am 1. Mai die VormittagSversammIung an seinem Wohnort, wo Versammlungen stattfinden, zu besuchen hat. Die Vormittags- Versammlung findet Bei Pceuß, die NachmlttagSversammlung Bei Hermann, Grobbeerenstrabe, statt.— Ain 27. April soll bei Preuh eine öffentliche Versammlung für die Jugendorganisation abgehalten werden. Schöneberg. Ei» Kuriosm» in der Steuerveranlagung. Dah Personen oft über, zuweilen auch unter ihrem Einkommen zur Steuer veranlagt werden, haben wir schon des öfteren mitgeteilt. Uns wird jetzt von einem Fall Kenntnis gegeben, wonach ein ILjähriger Knabe im 7. Bezirk mit einem Einkommen von lSSO bis 1500 M. zur Steuer eingeschätzt ist. Der Knabe soll jährlich 32,50 M. Steuer zahlen. Natürlich mutz, wenn nicht er, so doch sein Vater Berufung gegen diese Veranlagung einlegen. Von be sonderer Gewissenhaftigkeit der Steuerbehörde spricht dieser Fall gerade nicht. Britz-Buckow. Die Generalversammlung deS Wahlvereins ehrte zunächst das Andenken des verstorbenen Genossen Alois Sandmann in der üblichen Weiie. Nach dem Bericht des Vorstandes haben im ersten Viertel- jähre stattgesunden: 3 Vereinsversammlungen, S öffentliche Ber tammlungen<1 in Buckow), 1 Frauenversammlung, 9 Flugblatt- und 4 Handzettelverbreitungen. Die Mitgliederzahl stieg auf 298. Einer Einnahme von 276,03 M. steht eine Ausgabe von 253,72 M. gegen- über. Der Bibliothek wurden 33 Bände entliehen. Nach Erledigung interner BereinSangelegenheiten wies der Vorsitzende noch darauf hin, dah die Versammlung am 1. Mai um l/a3 Uhr bei Raddatz, Chausieestr. 39, mit anschlietzender Maifeier stattfindet. Für den 31. Juli ist eine Dampferpartie nach Ziegenhals(Ober- spree) geplant. Marienfelde. Die Wahl unserer beiden Genosse« als Gemeindevertreter ist in der letzten Gemeindevertretersitzung für ungültig erklärt worden. Grund der Ungültigkeitserklärung soll sein, datz der Wahlvorstand. dem auch unsere Genoffen angehörten, nicht beglaubigte Forensen» stimmen zurückgewiesen habe. Obwohl solche unbeglaubigte Papier- stinunen auch und zwar mit Recht in der zweiten Abteilung zurückgewiesen wurden, erklärte die Vertretung die Gewählten in dieser Abteilung für gültig. DaS Vorgehen der bürgerlichen Ver- treter beweist, datz sie kein Mittel scheuen, die Arbeiterschaft von der Vertretung fernzuhalten. Unsere Genossen werden jedoch dafür sorgen, datz diese Absicht vereitelt wird. Ober-Tchöneweide. Der Turnverein„Oberspree"(M. d. A.-T.-B.) hält am Sonntag- nachmittag auf dem Spielplay an der Köpenicker Chaussee, vor dem Grand Restaurant Sadowa, ei» Schauturnen ab. Um 2 Uhr Ab- marsch mit Musik von der Schul-Turnhalle, Wattstratze. Freunde der Turnerei sind eingeladen.— Die Spieltage finden in diesem Jahre Montags, Donnerstags und Sonntags statt. Zossen. In der Stadtverordnetenversammlung wurde für den ber- storbenen Herrn Meitzner Stadtv. Knöfeld als Schiedsmann und als Stellvertreter Stadtv. Weegs gewählt. Die von der Kirche be- antragten 300 M. für die Kleinkinderschule wurden bewilligt. Genosse RidzewSki sprach die Ansicht aus. datz die Stadt diese Angelegenheit selbst in die Hand nehmen müsse. Hierauf machte Genosse Weitz- mann auf Uebelstände in der Volksbadeanstalt aufmerksam. Nicht nur erweise sich die Anstalt als zu klein, sondern es seien nicht einmal Ankleideräume vorhanden: eine Badegelegenheit für Frauen fehle überhaupt. Der Bürgenncister versprach für Abstellung des vorgebrachten UebelstandeS Sorge tragen zu wollen. Insbesondere wies er darauf hin, datz sich vielleicht in der neuerbauten Gas- anstalt Warmbäder einrichten lietzen. Am Schlüsse der Sitzung machte Genosse RidzewSki noch darauf aufmerksam, dah in der Frei- Bank das bessere Fleisch schon vorher an bessergestellte Leute ab» gegeben werde. Redner ersuchte, für eine bessere Kontrolle Sorge zu tragen. Diesem Wunsche versprach der Bürgermeister nach- zukommen. Tchenkendorf bei Königs-Wusterhansen. Die Freie Turuerschaft von Schenkendors und Um- g e g e n d feiert am Sonntag, den 24. April, im Lokal von Otto Pätsch ihr fünftes Stiftungsfest. Die Parteigenossen werden ge- beten. durch zahlreiches Erscheinen dem Turnverein. der bei allen Festlichkeiten mitwirkt, ihre Unterstützung angedeihen zu lassen. Stralau. Aus der Gemeindevertetung. Tie stattgehabten Wahlen zur Gemeindevertretung wurden sämtlich für gültig erklärt und hier- auf die neu gewählten Vertreter, darunter unser Genosse Wessel, in ihr Amt eingeführt. Für die Einrichtung von Spielstunden für Schulkinder wurden 150 M. verlangt. Die Leitung liegt in Händen deS Herrn Lehrer Franke. Vorgesehen sind 75 Spiel- stunden. Genosse Wessel frug hierbei an, wie der Spielplan auf- gestellt sei. Ihm sei eine Verfügung des Kultusministers bekannt, wonach die Schuljugend kriegerische Spiele üben soll, um dadurch bei ihr die Freude am Saldatenleben zu weckenz das könne nicht der Zweck der Spielstunden sein. Es gebe genügend Volks» und Jugendspiele, die geeignet seien, die Schuljugend zu erfreuen und körperlich zu stärken. Gemeindevorsteher Kracht erwiderte unserm Genossen, datz vom Kultusministerium allerdings eine Mitteilung ergangen sei, aber keine Verfügung. Es sollen allgemeine Spiele geübt werden. Dem Antrage wurde zugestimmt. Ein SchmerzenS- kind bildet feit langen Jahren hie Regelung der Bezirksgrenze zwischen den Gemeinden Stralau und Boxhagen-Rummelsburg. Letztere Gemeinde besitzt auf der Stralauer Seite am See, einen Streifen Land, sogenanntes Schwemmland; sie ist bereit diesen Streifen an Stralau abzutreten, fordert aber dafür die Abtretung der um Stralau liegenden Inseln, eines WiesengrundstückeS und des Grundstücks, auf dem daS Lokal„Neu-Seeland" liegt, neuer- dings auch noch die Grundstücke Markgrafendamm 13, 17, 18, 19 bis zum Bahnhof Rummelsburg. Bei dieser Regelung würde Rummelsburg ein gute« Geschäft machen, von dem Streifen, der an Stralau umgemeindet werden soll, könne im Höchstfälle 2000 M. Steuern erhoben werden, während die Gemeinde Stralau von den Grundstücken die Rummelsburg einverleibt werden sollen, 948 l M. Steuern erhebt. In scharfen Worten'wandte sich der Vorsteher gegen eine derartige Regelung, er schlug vor, jede weite- ren Vergleichsverhandlungen mit Rummelsburg abzulehnen. Unser Genosse betonte, dah Rummelsburg wohl aus taktischen Gründen seine hohen Forderungen gestellt habe, um der Eingemeindunas- frage näher zu kommen, ernstlich aber nicht daran glaubt, datz die Vertretung dem zustimme. Nachdem sich Stralau wiederholt gegen die Eingemeindung nach Rummelsburg erklärt habe, müsse alles versucht werden, die Verhandlungen mit Berlin zu beschleu. nigen. Gemeindevorsteher Kracht teilte darauf mit, datz Einoe- meindungsverhandlungen mit Berlin im Gange sind. Beschlossen wurde, weitere Vergleichsverhandlungen mit Rummelsburg ab- zulehncn. Nieder-Schönhansen. In der letzten Gemeinbevertreterfttzung wurde die Wahl deS Genossen Woschke, da Einsprüche nicht vorlagen, für gültig erklärt. Hierauf folgte die Einführung der neugewählten Vertreter Becker, Noa, Jeratsch, Brcitmann und Woschke in der üblichen Weise. Bei den Wahlen zu den verschiedenen Kommissionen und Ausschüssen wurden hinzugewählt in die Kassenprüfungskommission: Becker» Jeratsch und Genosse Breitmann; Stratzenreinigung: Noa; Bau- kommission: Becker und Genosse Woschke; Wasserwerk: Noa; der Friedhofskommission gebärt Genosse Breitmann an; Kanalisation: Noa; Gesundheitskommission: Noa. Ein Antrag der Säuglings- «rholungsstätte des Vaterländischen Frauenvercins Pankow-Nieder- Gchönhausen um Anschlutz an die Wasserleitung wurde ange- tioimnen. Da zu diesem Zwecke 400 Metex Rohr zu legen sind, so betragen die Kosten 2500 M., die der Verein aus B Jahre zu 4 Proz. verzisen will. Von der in der letzten Sitzung beschlösse- nen Verpachtung des Gemeindegrundstückes in der Vrktoriastratze wurde Abstand genommen, dasselbe soll alz Gemeindebaumschule verwendet werden. Die Einwohnerzahl beträgt 14 844. Um Ver- wechselungen der Dohnastratze und Donnerstratze zu vermeiden, soll in der nächsten Sitzung eine Aenderung vorgenommen werden. Tegel« Die Leiche einer»»bekannten Frau ist vorgestern bei Tegelort aus dem Tegeler See gelandet worden. Die Tote ist zirka 30 Jahre alt und mutz bereits über zwei Wochen im Wasser gelegen haben. Bekleidet war die Verstorbene mit blauem Kostüm, blau- und weiß- gestreifter Bluse, blauem Hut mit schwarzem Band und schwarzer Feder, der die Firmenbezeichnung Joseph Cohn, Brunnenstratze, trug. An der rechten Hand trug die Tote zwei, an der linken Hand drei Ringe, darunter einen glatten Goldreif. Die Wäsche war M. T. gezeichnet. Bei der Leiche wurden keinerlei Ausweispapiere vor- gefunden; es ist bisher noch nicht gelungen, die Personalien der Frau festzustellen. Die Leiche wurde nach der Fnedhofshalle in Heiligensee übergeführt. Die Mitgliederversammlung des Wahlvereins nahm zunächst den Kassenbericht des Genossen Lauer entgegen. Danach war ein Äassenbestand von 501,10 M. zu verzeichnen. Es wurde beschlossen, an den Kreis 150 M. abzuführen. Den Bericht von der Kreis- Generalversammlung gab Genosse Gutschow. Den Bericht über die letzten Gemeindevertreterwahlen erstattete Genosse Majsa, der zunächst die ungesetzliche Handlungsweise de» Gemeindevorstehers Weigert als Wahlleiter bei den Wahlen kennzeichnete. Die Art dieses Mannes als Wahlleiter zu fungieren, habe, so betonte Redner, geradezu die Entrüstung der Einwohnerschaft Tegels auch auf bürgerlicher Seite hervorgerufen. In einem kleinen Lokal muhten die Menschenmassen, fest zusammengepretzt, stundenlang warten, dabei sei nicht einmal ein Ausweg für diejenigen vor- handen gewesen, die bereits ihr Wahlrecht ausgeübt hatten. Erst auf energischen Einspruch habe sich der Bürgermeister veranlatzt gesehen, die Hintere Tür zu öffnen, und so konnten denn die« jenigen, die gewählt hatten, durch die Damentoilette ins Freie gelangen. Nachdem Mass« noch der Vorgänge in der Sitzung ge- dacht hatte, schlotz er. Die Handlungsweise des Gemeindevor» stehers Weigert hat natürlich dazu beigetragen, unsere Orga- nisation am Orte zu stärken; unser Bestreben wird es sein, fleitzig für die Partei tätig zu sein, damit auch in Tegel der herrschenden Clique gezeigt wird, datz die Arbeiterklasse nicht gewillt ist, sich solche Vergewaltigungen gefallen zu lassen. Nach dem SpeditionS- Bericht des Genossen Dietz sind am Orte 717 Vorwärtsabonnenten vorhanden. Genosse Scheidemantel regte an, datz von jetzt ab, zu den Mitgliederversammlungen eine schärfere Türkontrolle aus- geübt werden möge. Das Mitgliedsbuch legitimiert, ebenfalls soll darauf geachtet werden, datz auch die letzte Vorwärtsquittung vor- gelegt wird. Die Maifeierzeitugen sind am 2 7. April vom Genossen Lauer, Berliner Stratze. abzuholen. Am 1. Mai findet vormittags 12 Uhr eine öffentliche Versammlung statt. Die Genossen treffen sich um Iis# Uhr in ihren Bezirken. Klein-Schönebeck-Fichtena«. Den an dem MaffenauStritt a»S der Kirche Beteiligte» ist jetzt vom Amtsgericht Kalkberge ein Schreiben zugegangen, in welchem es zum Schlutz heitzt:„Es empfiehlt sich im Interesse aller der- jenigen in Fichtenau wohnhaften Personen, welche unter dem 1. April d. I. ihren Austritt erklärt haben, datz sie nicht gleichzeitig, sondern in Gruppen von höchstens 20 Personen an GeriStS stelle erscheinen." Da daS Amtsgericht Kalkberge aus eine derartige autzergewöhn- liche Inanspruchnahme anscheinend nicht eingerichtet ist, will die Bezirksleitung des Wahlvereins nach Umfrage die Abgabe der Er- klärungen— soweit dies möglich ist— im gewünschten Umfange regeln. Die Erklärungen müssen in der Zeit vom 19. bis 31. Mai abgegeben werden. Um die abtrünnigen Schäflein wieder zurückzuführen, wird ihnen jetzt erzählt, datz sich die Kirchensteuern in den nächsten Jahren be- deutend verringern werden. Wie dieses Kunststück zustande gebracht werden soll, ist unS vorläufig ein Raffel Spandau. Stadtverordnetenversammlung. Der Kampf um die Art der zu erbauenden Gaserzeugungsöfen ist nun zu Ende. Der Magistrat hatte ursprünglich beantragt. Münchener Kammeröfen zu bauen und war von diesem Antrage auch nicht abgegangen, als die Versammlung sich für Vertikalöfen ausgesprochen hatte. Um diese für Laien sehr schwierige Frage zu klären, war beschloffen worden, datz Magistrat und Stadtveroiänete eine Besichtigung von Vertikalöfen in Mariendorf und eine solche von Münchener Kammeröfen in Leipzig vornehmen sollen. Die Reise ist ja ein bitzchen teuer ge- worden, sie kostete rund 3800 M.. aber sie hat den Vorteil gehabt, datz eine Klärung in dieser Frage eingetreten ist. Die Besichtitzung ist zuungunsten der Münchener Kammeröfen ausgefallen. Der Magistrai hat jetzt selber beantragt, Vertikalöfen zu bauen, welchem Antrage die Versammlung auch debatteloS zustimmte und die Summe von 525 000 M. hierfür bewilligte.— Ein nicht sehr be- liebtes Ehrenamt scheint das der Armenvorsteher, Bezirksvorsteher heitzen die Herren jetzt in Spandau nach der nen eingeführten Armenverwaltung, zu sein. WaS wunder auch, für die satten Herren Bourgeois ist es wahrlich nicht allzu angenehm, einen Ein- blick zu tun in die Not und das Elend, welches durch die kapita- listische Wirtschaftsordnung hervorgerufen ist. Die Herren Bezirks» Vorsteher empfinden es unangenehm, wenn die Aermsten der Armen. die genötigt sind, von der Stadt Almosen zu erbitten, in ihre Woh- nungen kommen, um dort ihr Anliegen vorzubringen. In einem längeren Schreiben haben sich die Mustermenschen beim Magistrat darüber beklagt, datz sie mehrere Stunden am Tage ein Zimmer für die Empfänge der Armen bereithalten mühten. Diese armen Hungerleider schleppten dann Schmutz und Nässe, ja sogar Un- geziefer in die Wohnungen der Herren Bezirksvorsteher. Arme Frauen bringen ihre kleinen Kinder mit. die dann mit ihren schmutzigen Fingern die feinen Sachen in der Wohnung der Herren Bezirksvorsteher anfassen. Der Magistrat fühlte denn auch ein menschliches Rühren und beantragte, datz den BezirkSvorstchern kür die Bezirke 1—10 je 100 M. und für die Bezirke 11 und 13, die nicht so viel zu tun haben, je 50 M. jährliche Pauschalsummen für die Hergabe von Amtszimmern gezahlt werden sollen. Das war den Herren aber noch nicht genügend, einige ihrer Vertreter, so die Stadtverordneten Tornow, Schreiber und Siefert. forderten 150 und 200 M. für jeden Bezirksvorsteher. Der Stadtverordnete Oberpostsekretär Schreiber, der sich seit einiger Zeit in den bürgerlichen Bezirksvereinen sehr wichtig hervortut, begründete seinen Antrag auf 200 M. damit, datz die Armenvorsteher durch eine höhere Pauschalsumme mehr ange- spornt würden, bessere Recherchen vorzunehmen, wodurch denn manchem unwürdigen Armen die Unterstützung entzogen würde, dadurch erspare die Stadt wieder, WaS sie den Armen vor st ehern gebe. Dieser Gemütsmensch erzählte einen Fall von dem Armenvorstther seines, des 10. Bezirks, der auf diese Weise der Stadt monatlich 15 M. rettete, indem er auskunoschaftete, datz die 15 M. an einen unwürdigen Armen gezahlt wurden. Dieser Protzenstandpunkt ging denn selbst dem Oberbürgermeister Költze etwas zu weit. Er meinte, es ginge doch nicht an, den Armenvor- stehern mehr zu geben, damit sie die Armenunterstützungen hcmb- setzen. Der Dezernent des Armenwesens. Stadtrat Stritte, ver. trat den Standpunkt, datz die Sachen sich wirklich so verhalten, wie in dem Schreiben der Armenvorsteher angegeben feien. Es kämen Fälle vor, wo man mit Gefahr für sein eigenes Leben genötigtsei, die Pet ente» hinauszuwerfen. Genosse Pieper kennzeichnete denn auch nach Gebühr das schofle Ver- halten der Armut gegenüber, und beantragte Ablehnung aller An- träge, auch der Magistratsvorlage, unter dem Hinwels, datz die Aemfex dex AWenborsteher doch Ehrenämter feie«. Die Versgmm, lung stimmte in ihrer Mehrheit jedoch der Magistratsvorlage zu. Die Armen können jetzt wenigstens verlangen, datz der Armenvor- sicher sie im Zimmer und nicht schon auf der Treppe abfertigt.— Mit der Zahlung der tarifmäßigen Mietsentschädiguna an die Volksschullehrer vom 1. April 1908 ab erklärte sich die Versamm- lung einverstanden und bewilligte die erforderlichen Mittel in Höhe von rund 10 000 M. Es wurden dann noch eine Reihe anderer Vorlagen genehmigt. Nowawes. Mit der Neuregelung des Nachtwachdienstes beschästigte sich die letzte Sitzung der Gemeindevertretung. Das Vertragsverhältnis mit der Berliner Nachtwach, und Schliehgesellschast mutzte be- kanntlich zum 1. Mai d. I. gekündigt werden, da die Angestellten der Gesellschaft von den Aufsichtsbehörden nicht als Beamte be- lrachtet werden können. Die Finanzkommission empfiehlt daher, 5 Nachtwachbeamte zu einem Gehaltssätze von 90 M. monatlich anzunehmen; ferner einen Hilfsbeamten für 75 M. monatlich für den Dienst in der Polizeiwache vorzusehen und diese Regelung als vorläufige, d. h. für das laufende Rechnungsjahr, zu betrachten. Die Nachtwachbeamten sind mit Dienstkleidung zu versehen und später mit einem Kleidergeld auszustatten. Im Etat für das lausende Rechnungsjahr sind für Nachtwachzwecke 5400 M. vor- gesehen. In der Debatte über diesen Antrag erklärte Genosse Hähnchen, daß sich die Sozialdemokraten mit der vorgeschlagenen Gehaltsfest- setzung nicht einverstanden erklären, da 90 M. monatlich eine zu geringe Entlohnung seien, um dafür brauchbare Beamte zu bc- kommen; er beantragte, das Gehalt aus mindestens 100 M. zu er- höhen. Gegen diesen Antrag wandte sich Herr Vobach, welcher 00 M. für genügend hielt, da ja die Beamten sich noch am Tage Nebenverdienst verschaffen könnten. Genosse Gruhl wies diese Zu- mutung energisch zurück, worin er von den Herren Reiff und Obst unterstützt wurde; schlietzlich wurde der Antrag unserer Genossen einstimmig angenommen und daS Gehalt auf 100 M. vorläufig festgesetzt. Der Gastwirt Rosenberger plant bekanntlich auf dem Wiesen- terrain zwischen der Ruthe und dem Wege nach Daheim die Anlage eines grötzeren Vergnügungslokals mit Saal, Garten, Sport- und Spielplätzen. Da das Grundstück an einer unregulierten Stratze liegt, so bedarf er der Erteilung der Bauerlaubncs durch die Ge- meindevertretung, doch wird dieselbe nur unter der Bedingung erteilt, datz der Eigentümer als Sicherstellung von Stratzenregu- lierungskosten anteilig 1200 M. in bar hinterlegt, dagegen der Ge- meinde die Bestimmung des Zeitpunktes der Regulierung der be- treffenden Stratze vorbehalten bleibt. In Anbetracht der beabsichtigten Neuregelung des Müllabfuhr- Wesens beschlotz die Vertretung eine Ergänzung der Stratzenord- nung, dahingehend, datz das Abfahren von Müll und Asche nur in staubdicht verschlossenen Wagen erfolgen darf. Ueber das Halten von Hunden wurde ebenfalls ein« neue Polizeiverordnung beschlossen, welche u. a. verbietet, Hunde auf den Wochenmarkt mitzubringen oder daselbst frei umherlaufen ztt lassen. Die Einführung des Achtuhrladenschlusses wird nunmehr auch in Nowawes erfolgen. Nach einer Verordnung des Regierungs- Präsidenten müssen vom 2. Mai ab die im Orte bestehenden offenen Verkaufsstellen mit Ausnahme der Sonnabende und der von der Polizeibehörde festzusetzenden Ausnahmetage für einen späteren Ladenschlutz täglich um 8 Uhr abends geschlossen werden. Die Zigarren-Spezialgcschäste werden von dieser Maßregel nicht be- troffen. Eine Alarmierung der Feuerwehr erfolgte in der Nacht vom Mittwoch zum Donnerstag, da auf dem Grundstück Kaiser-Wilhelm- Straße ein Pretzkohlenlager in Brand geraten war. der nach kurzer Tätigkeit von der Wehr zum Erlöschen gebracht wurde. Die Alar- mierung ging durch die Benutzung der elektrischen Meldeeinrichtung vollständig geräuschlos vor sich, so datz selbst die Nachbarschaft de» Brandherdes nichts von dem Feuer gewahr wurde. Potsdam. Nach ber Aufhebung der Schlachtsteuer haben die einheimischen Schlächtermeister dieselben Fleischpreise beibehalten, trotzdem sie vorher dem Publikum wiederholt vorgerechnet habei�. datz. dio Steuer von 8 Pf. pro Pfund«ine Verteuerung von 10 Pf. im Kleinhandel verursache. Zahlreiche auswärtige Meister besuchten Anfang April deshalb die hiesigen Märkte. Ihre Ware war bedeutend billiger; sie erzielten denn auch reißenden Absatz. AIS die Wochenmärkte immer mehr Händler von Grotz-Berlin anzogen, die Stände der Einbeimischen aber gemieden ttrnrden, gab endlich die Fleischerinnung die Erklärung ab, datz die Preise in Zukunft pro Pfund 10 Pfennig billiger sein werden. Od sie jetzt alle Kunden wiedergewinnt, erscheint fraglich, da die auswärtige Konkurrenz sich als sehr leistungsfähig erwiesen hat. Die Allgemeine Ortskrankenkasse konnte bei durchschnittlich 7998 Mitglieder Ende 1909 35 453,01 M. dem Reservefonds zu« führen. Die Mitgliederzahl hat gegen das Vorjahr um 201 ab, genommen. Der DenkmalSschänder von Sanssouci ist. wie anderslautende Meldungen besagen, noch nicht ermittelt. Der als Leiche bei Spandau aus der Havel gelandete 18jährige Handlungsgehilfe Fritz Gerschow kgmmt als Täter nicht in Betracht, da die angestellten Er. Mittelungen nicht die geringsten Anhaltspunkte ergeben haben. Die Angehörigen GerschowS bezeichnen es als für vollständig auSge- schlössen, datz der junge Mann, der eine Vorliebe für Kunst und Kunstwerke an den Tag gelegt hatte, sich des erwähnten VandaliS- mus schuldig gemacht haben sollte., Borsigw-ilde-Wittenau. Der gemeinschaftliche Besuch des Museums für Völkerkunde findet am Sonntag, den 24. April, statt. Treffpunkt der Teilnehmer präzise 10'/. Uhr Ernst- und Reuschsttatzen-Ecke beim Genossen gielicke, Nachzügler 11'/« Uhr am Anhalter Bahnhof. _ Der BildungSauischuh. Jugendveranstaltungen. ivonrag ors Houtgen �ccigner<-orrun m>rr:„Was nnu vir iveie yugeno- organtlntlon?" Die erwachsene Arbeiterschaft wird ersucht, die schulentlassenen Söhne und Töchier zum Besuche dieser Bersammlung zu veranlassen und auch selbst zu erscheinen. »«tlicber Marktbericht der ftädttichen Marktballm-Dtrektton über den Großhandel w den Zentral�Narltballen. Marti tage: Fl et ich: Zufuhr reichlich, Gelchäft lebhaft, Preis« unvermidert. Wild: Zufuhr sehr knapp, Ecichäsl ruhig, Preise unverändert. Ä« s l ü g e l: Zusuhr reichlich, Geschäft lebhast. Preise gut. Fische: Zusuhr genügend. G-ichäst ruhig. unverändert. Gemüt«. O b st und Güdsrücht«: stark, Geschäst anfangs still, später reger, Preise sollend. Zusuhr sehr ESasserstands.Stachrtchte» Wasserstand M- m- l. Tilsit B r e g e l, Jnfterbura Weichsel. Thoru Oder, Rattbor , Kreisen , Frantsurt Wa r t h e. Schrimm , LandSberg Netze, Tordamm Elbe, Leitmeritz . Dresden , Larby • Magdeburg Wasserstand Saale, Grochlttz Havel, Svandaul » Rathenow') Spree, Evremberg') » BeeSkow Weser. Münde» 0 Minden Rhein, MaztmilianSau » Kaub Köln Neckar, Heilbron» Mai», Werthein» Mosel, Trier am A. 4. am 104 79 124 74 85 -52 322 197 185 90 110 'eil 20. 4. orn1) +4 +6 —2 0 -1 —1 —78 0 +2 ,-21 Ü ')+ bcdtlltet Vach»,«- Fall,—») Unterpegel AbzahlungsoeschSfte Credit-Haus Moabit TnrmstroBe 55, Ecke Waldstraöe gewäbrt jedem bei spielend ieichtep An- und Abzahlung mehrjährigen Kredit auf Waren und MSbel. ueor. weoer, r«6UG Lubascher,S. --- Credittiaus WBOM Gebr. Weber, Neue Königstr. 58. Spandau�ots- damerstr. 331, koulantestes» FL Fritz Schnicke Gduatr. u. Weber, Herrn., Danrfeerstr. 781. WßiiEi.taiiiÄr' Zalraun&Oo. S oaiSS&.10 best. s. 1887. M5C!l- o. tlmlllcln Warn. �Tikoh����Oetränk«r� Spranz Abraham Hamb. Meeslna- n. RSraertrank-KeU. N 4, Schlegelstr. 9, Fernspr. III, 7727. Dece Brause Ooldtröplclien R. Xeeee, Hill hausener Str. 8.| Ernat Krüger, G.m.b.H., Höchste St. 28. Sinalco(ßilzbrause) Gen.-Vortreter QttO StSPICk 3VO, Landsberger Allee 6/7. - Fernruf VII: 1686 und 1864-- Sttttt alhobolTreict öetränk. _ BerUwO.yudeHttM. ��Arb�te�B�jeWun�J Bohnen 8 loring Sn�lrAs: Landsbg. Allee 148, Rixd., Bergstr.66, f Bäckereien, Konditorelen) $i-$i E i 8 6 n h alt.K raftbr Ot, rieU. prilin. m. Kntl. ernpt. D.E.P,„Feronia"i57307 Extra-Priiant«: BciMFdraoid llKrkMtrhLii je Th. Turban Landbrotbäckarel, Frankfurter- Allee 32, Landsb. Allee 146. Ulbrich SSlr® c Badeanstalten Anstalten vom Admlralsgarten-Bad: | Aiexanderplatz 3. Lulsenufer 22. Reini�kcndorferstr. 9. Lützowstr. 74. Arkonn-Bad, Anklamer-ätr. 34. Aogusta-Bad, Köpenicker Str. 80/81. Diana-Bad, Koppenetr. 83. Bad Frankfurt, Gr. Frkftr. Str. 136. Lieferant sitmtl. Krankonkaseen. Gü.jzels Bade-Anslall, Brunnens tr. 120. Bad Involidcnstr. 16. Landsberger Str. 107. ä-WSlKT-R Gollnowstraße 41. H. Kallsch, Lieferant aller Ksasen. Köpenicker Bad, Köpenickeratr. 176, 5fUnchenerBad.RI.,M0naheneratr.(l, National-Bad, Brunnanstr.>. Neander-Bad, Neanderatr. 12. Bad Ostend Prinzen-Bad Hnas.-röm. Bad, Stepbanstr. 40. Bad Peterabnrgeratr. 64. 1, Prinronstr. 43. __________ lad, Stepnaiutr. i Viktoria-Bad, Kommelili.Pr.Albertst.«. Lange, A. E.. Bninnenstr. 167. Mcver, P, El., Pelzmann, D., Neue KAnigstr. 30, Borllnerstr. 49—50. Panscho w sÄÄ?.' E. Saxe, Kastanien-Allee 39. Tschache, M., Pankow, Breita>tr.S9b, Wende, fl.,"Ä"1 Zimmermann, Rieh., Gr. Frkft. Str. 112. { BccrdlgungaimäirsärgniT� Fucbt, Paul, Frankfurter-Allee 143, Jordan, E., Blrkonstr. 18, Uoab. 3196. Peter-Schley, WUh., Zosseneratr. 11. Rommock, C., Ri., Hermnnnstr. 22. Wegner, F., Ri., Klbeatr. 31. Ad. Winkel, Charl., Spandauerberg 30. ( Bgldiavbt�BSgSNHtäüd«�� Büttner, A-, Dtnzigeratr. 96. nEaßDilörf.O.P..ÄÄÄ9 Schnimraar, II., wÄSSi». Stoß, M., RI., Kaiaer-Frlodrlchatr. 219. c Berufskleidung Bohn,R.,lnYilld-Str. 135, CbJ04se«str,122. Carderobenb. 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Vielleicht stehen bald wieder„vaterländische Interessen" in Deutsch-Ostafrika auf dem Spiele. Teure Rohstoffe. l Nicht nur einzelne Rohstoffe stehen gegenwärtig im Preise überaus hoch, man kann vielmehr sagen, daß am gesamten Markt der gewerblichen Rohstoffe eine für den Stand der all- gemeinen Konjunktur ungewöhnliche Preishöhe festzuswllen ist. Kaum zeigten sich die ersten Ansätze einer wachsenden Nachfrage wieder, und auch schon wurden die Rohstoffe mit einer Schnellig- keit und in Progressionen hinaufgesetzt, die geeignet sind, die Ent- Wickelung der verarbeitenden Industriezweige zu erschweren. Be- sonders wurden das Textilgewcrbe, die Lederindustrie und einige Zweige der Metallverarbeitung von dieser Preisbewegung am Roh- stoffmarkte sehr empfindlich betroffen. Von der Textilindustrie sind es das Baumwoll- und das Wollgewerbe, die mit stark ver- teuertem Rohstoff im laufenden Jahre rechnen müssen. Die Baum- w o l l p r e i s e sind exorbitant hoch, so dah ein weiteres Hinauf- gehen fast als ausgeschlossen erscheint. Ein Preis von 151,64 M. pro Doppclzentner, wie ihn Middling Upland am Bremer Markt Im laufenden Jahre aufweist, wurde in den letzten zehn Jahren überhaupt nicht notiert. Bei den anderen Baumwollsorten ist die Preisgestaltung genau ebenso. Auch die Preiskurve für Roh- wolle kann man die letzten zehn bis zwölf Jahre verfolgen und wird nur vereinzelt einen noch höheren Preisstand als im laufenden Jahre finden. Anfang 1967 kostete norddeutsche Schäferwolle, mittel, in Berlin 355 M. pro Doppelzentner, während sie dieses Jahr 345 M. kostet; Ansang 1900 kostete gewaschene Buenos Aires- Wolle in Bremen 487,50 M., dieses Jahr 440 Mk. lieber alle anderen Jahre aber ragt der diesjährige Preisstand hinaus. Roh- s e i d e ist etwas niedriger im Preise als in früheren Jahren. Hanf ist aber wieder sehr hoch; er kostet pro Doppelzentner 71 M. in Lübeck, während er z. B. im Vorjahre 68, Anfang 1905 aber stehen �ahr höher als in den letzten� Aufschwungsjahren, zum Teil über- Haupt höher als je zuvor. Ein Preis von 149,50 M. pro Doppel- zentner, wie er für OchShäute, Rio Grande, in Hamburg notiert wird, ist in keinem der letzten Jahre zur gleichen Jahreszeit notiert worden. Dasselbe gilt von besten naßgesalzenen Ochshäuten aus Uruguay, die lm laufenden Jahre 178 M. kosten. Noch bei einer Reihe anderer Häute und Felle sind die diesjährigen Preise bisher unerreicht. Ungewöhnlich hoch steht der Preis auch für Kaut- schul. Endlich seien noch einige Metalle erwähnt, deren Preise hoch stehen. Ein Doppelzentner Zink kostet z. B. dieses Jahr 47,25 M., die entsprechenden Vorjahrspreise hatten 43 und 41,50 Mark betragen. Auch bei Zinn ist der Preisstand sehr hoch und wird nur noch von dem der Jahre 1906 und 1907 übertroffen. Von den industriellen Roh- resp. Betriebsstoffen, deren Preise im laufenden Jahre noch nicht so hoch gestiegen sind, seien Tabak, Eisen und Kohle genannt, doch auch hier ist die Differenz zwischen den Preisen der Hochkonjunkturjahre und den diesjährigen ver- schiedentlich nur noch gering._ Geruchlos verduftet. Die Farbenfabrik Gebr. Hehl u. Co., Charlottenburg machte seit Jahresfrist für ein neues geruchloses Desinfektionsmittel eine für deutsche Verhältnisse außerordentliche Reklame. Es handelte sich um die Automorspräparate. Schon vor Monaten wurde darauf hingewiesen, daß. nach wissenschaftlicher Erklärung, der Wert dieses „geruchlosen" Desinfektionsmittels ein recht fragwürdiger sei. Es verlautete auch schon damals, die Firma werde das Werk, sobald es floriert, zu Finanztransaktionen benutzen. Natürlich mit ent- sprechendem Gewinn! Jetzt ist der Betrieb plötzlich eingestellt worden. Der tatsächliche Verlust soll über 400 000 M. betragen. Damit ist das Desinfektionsmittel AutomorS, welches g e r u ch- und geschmacklos sein und jedes andere Präparat dieser Art übertreffen sollte, verschwunden. Die Gesellschaft will allerdings versuchen, durch Abtrennung der Automorsfabrikation und Grün- dung einer besonderen G. m. b. H. für die Produktion der Auto- morspräparate doch noch ein Geschäft zu machen. Eine Riesenpleite in Amerika. In New York ist die große Baumwollfirma Knight, Uancy u. Co. insolvent geworden. Die Passiven werden auf nicht weniger als 2% Millionen Dollar geschätzt. Diesen sollen nur'A Million Dollar an Aktiven gegen- überstehen. ES ist nicht ausgeschlossen, daß sich der Status bei ge- nauer Prüfung noch als ungünstiger herausstellt. Die Milchwirtschaft in Rußland. Bis Ende der 60er Jahre hatte die Milchwirtschast in Rußland nur eine geringe Bedeutung. Die Produktion von Molkereierzeugnissen wie die Ausfuhr hatte nur einen kleinen Umfang. Letztere beschränkte 'ich auf Schmalzbutter und Ziegenkäse, die nach der Türkei und der alkanhalbinsel gingen. Die Einfuhr bestand auS Sahnenbutter aus Finnland und den besseren Käsesorten für die Hauptstädte. Ziffern für die damalige Produktion gibt eS nicht. Da» Buttereigewerbe hat fich hauptsächlich in den Gouvernements Wologda, JaroSlaw, Nowgorod, Twer, Wladimir, Kostroma auS- gebildet. Schon Ende der 80er Jahre yab es in diesen Gou- vernementS nicht weniger als 1000 gewerbliche Molkereien und un» gefähr 500 Buttereien und Käsereien in privaten Landwirtschafts« betrieben. Folgende Tabelle zeigt die Ausfuhr von Butter aus Rußland: Man sieht, daß infolge des japanischen Krieges der Export der« hältniSmäßig nur wenig eingeschränkt wurde und daß er nach desscu Beendigung einen bedeutenden Aufschwung genommen hat. Auch der innerrussische Verbrauch hat sich in dieser Zeit be» deutend vermehrt. Man schätzt die Gesamtproduktion Rußlands an Molkereiproduklen auf Grund der Eisenbahntransporte von solchen auf jährlich ungefähr 120 Millionen Rubel. Das Anwachsen der Bahntransporte ist aus folgender Tabelle ersichtlich: Transporte auf den 1301 1302 1303 1304 1906 Eisenbahnen Butter jeder Art...,. 4 932 Milch und Sahne.... 2510 Uebrige Molkereiprodukte.. 1 433 Zusammen. Menge w tausend Pud 6 806 5 384 6 485 6 489 2 916 8 693 4 190 8 938 1 669 1 698 1 848 1 836 8 930 9 880 10 776 11618 11263 Für Käsereiprodukte ist kein solcher Aufschwung bemerkbar. DaS hat seine Ursache teils darin, daß geringere Nachfrage nach diesen besteht, aber auch technische Gründe(größere Schwierigkeit der Käse« bereitung, Festlegen größeren Kapitals, höheres Risiko) sprechen mit. Zur Zert werden ungefähr Va Millionen Pud Käsereiprodukte im Werte von 3—4 Millionen Rubel in Rußland produziert. Die Ein« fuhr überwiegt nach wie vor die Ausfuhr. «itterungSuderNcht vom SS. April 1910. morgen»» Uhr. tt f« 2 8 10 3 12 «Vetterprognose für Sonnabend, de« SS. April 191«. Kühl bei langsam abnehmenden nordwestlichen Winden und verinder« vcher Bewölkung; geringe Niederschläge. Berliner Wetterbnreau. Gegr. 1867 ooocxxdooocxxdooooococo Schuhwarenhaus oocxsocxjcxxdoooc�oocsoq CARL STILLER Jerusalemer Str. 38-39 Fr Je drich-Strasse 75 Potsdamer Strasse 2 f Zentrale und Versand: Jerusalemer Strasse 38-39 1 Damen- Stiefel Rationelle Kinder- Stiefel Tauenfz/en-Sfrasse 19 a König-Strasse 25-26 Schöneberg, Hauptstr. 148 Herren- Stiefel Boxcalf- und Chevreau-SchnOrstlefel mit q und oh na Lackkappen, auch Derbyschnitt... Q' � Braun u. schwarz Chevreau- Schnür- u. Knopfstiefel In modernen Fassons, mü hohen oder niedrig. Absitzen, Rand gedoppelt i\J n. Braun u. schwarz Chevreau-Schnür- u. Knopfstiefel mit oder ohne Derby-Schalt- schnitt, auch m. Lackkapp.. In ganz neuen Fass., tfy.50 m.hohen oder niedrig. Absitzen. Ooodyear Welt/ u. Braun u. schwarz Chevreau- Schnür- u. 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Ueber den Protest ging die Versammlung zur Tagesordnung über: Daß noch nach 8 Uhr fünf Personen das Wahllotal betreten konnten und sich unter die noch auf ihre Stimmabgabe harrende Menge mischten, haben auch unsere De- nassen beobachtet. Der zweite Protest war gegen die Wahlen der Herren Eikrodt und Lang vom 30. bezw. 31. März, von unseren Genossen eingelegt worden. Er war damit begründet, daß die Wahlzeit von 6—8 Uhr ganz unzureichend war, indem viele Ar- beiterwähler erst nach 8 Uhr nach Zehlendorf von ihrer Arbeits- statte zurückgelangen konnten, dadurch sind etwa 80 Personen um ihr Wahlrecht gebracht worden, wodurch nach Auffassung unserer Genossen die Gegenkandidaten direkt begünstigt worden sind. Außerdem war eine ganz unzulässige Wahlbeeinflussung von der Beamtenvereinigung gegenüber den Forensen geübt worden. Die Deamtenvereinigung hatte den Gesamtforensen, auch denen, die bei der Hauptwahl den bürgerlichen Gegnern ihre Stimme gegeben' hatten, Zuschriften geschickt mit der Bitte um Ueberlassung ihrer l Stimme. In diesen Zuschriften war ganz besonders darauf hin- gewiesen, welche große Gefahr bestände, wenn eventuell die Sozial- demokraten gewählt werden würden. Ten Zuschriften war ein Kuvert beigelegt, mit der aufgedruckten Adreste„Gemeinvorstand Zehlendors'. Es sollte dadurch in den Wählern der Glaube her- vorgerufen werden, daß der Gemeindevorstand ihre Stimmabgabe gegen die Sozialdemokratie erwarte, und daß ihnen Nachteile er- wachsen könnten, wenn sie diesem Willen des Gcmeindevorstandes nicht nachkämen. Der Trick ist auch gelungen, wodurch den Be- amten eine ganze Anzahl von Forensenstimmen zuflössen, die unter anderen Umständen wohl kaum für sie zu haben gewesen wären. Der Gemeindevorstand beantragte, auch diesen Protest zurückzu- weisen. Der Bürgermeister meinte, daß das Vorgehen der Be- amten auf Grund einer Ministerialverfügung vom Jahr ISOS berechtigt sei. Es sollte dadurch eine recht rege Beteiligung der Wähler an der Gemeindewahl hervorgerufen werden. Den Fo- renscn sollte dadurch erleichtert werden, ihr Stimmrecht anSzu- üben, weil sonst zuviel wegen der Stempelkosten davon Abstand nähmen. Das ist eine ganz rabulistische Verdrehung der Tat- fachen. Die Stempelkosten hat bisher immer die Partei getragen, die die Forensenstimmen abgegeben. Außerdem zeigt damit der Gemeindevorstand ganz offen, daß er in der Tat die Beamten- Vereinigung unzulässig begünstigt. Durch dieses Vorgehen werden dem Steuersäckel der Gemeinde ganz erhebliche Summen entzogen. Ganz abgesehen von der Frage, ob die angezogene Ministerialver- ordnung von dem Oberverwaltungsgericht überhaupt aufrecht er- halten werden würde, sind darin nur Forensen aufgeführt, die als Frauen Eigentümerin sind und das Stimmrecht haben, nicht aber Forensen schlechthin.. Das zeigt recht deutlich, wie der hiesige Gemeindevorstand gegen die Arbeiterschaft Stellung nimmt. Selbstverständlich beschloß die Vertretung ohne Debatte Ablehnung auch dieses Protestes. Selbst die Herren, die sich vor einiger Zeit ganz entrüstet über die Forensengeschichte geäußert hatten und versprachen, in der Vertretung dagegen Stellung zu nehmen, ver- harrten in Stillschweigen. Ein Zeichen, welchen unheilvollen Ein- flutz die Bcamtenvereinigung jetzt schon ausübt. Darauf wurden dann die neu gewählten Vertreter eingeführt. Wie mitgeteilt wurde, hat sich der Turnverein über die Angriffe des Gemeinde- Vertreters Thorntou beschwert, wonach ein Mitglie sozialdemokratisch gewählt haben sollte. Herr Thornton benutzte diese Gelegenheit abermals, gegen die Sozialdemokratie scharf zu machen. Dieser Mann, der sich durch seine Rückgratlosigkeit schon so oft ausgezeichnet hat, wollte beweisen, daß sein Angriff berech- tigt war; selbst der Vorsitzende des Turnvereins habe erklärt, er hätte ebenfalls Göhre gewählt, wenn er gewußt hätte, daß dieser solche Chancen hat.„Wir haben bisher gesorgt, daß nur königs- treue Männer in die Vertretung kommen, und tvcrdcn es auch weiter tun" rief Herr Thornton pathetisch. Das ist natürlich kein TerrorismuS. Nur Herr Munzer hatte den Mut, Herrn Thornton zu erwiedern, daß diese Angriffe deplaziert waren. Die anderen Herren waren augenscheinlich auch der Meinung, daß es mutig ist, einen Gegner anzugreifen der sich nicht an Ort und Stelle ver- leidigen kann. Keiner schleuderte Herrn Thornton daS einzig berechtigte Wort„Feigheit" auf diesen Angriff entgegen. Cingegangene DrucKl'dmften. Jahresbericht der Ortskrankenkafsc der Schneider und Schneide« rinnen und verwandter Gewerbe zu Berlin, 1909. 33 Seiten. Selbstverlag, Sebastianitr. 37/38. Dsmeu- Mäntel- Fabrik Rixdorf Reuterstr. 63 an der Kaiser-Friedrich-Straße PAUL LIIVCK %< offeriert Reuterstr. 63 an der Kaiser-Friedrich-StraBa erstklassige, moderne Frühjahrs-Kostüme in sehr sauberer Verarbeitung und tadellosem Sitz; ferner: Moderne Paletots, Jacketts«»d Röcke HaSanfertipng! IQ urch Ersparnis der hohen Ladenmiete sowie sonstiger Geschäftsspesen und infolge eigener Fabrikation sind meine Preise WWMWWMMMMMWMW -» mi«** iiiiv�i�m Mi�>,iiwa• vaas i i■ vmvi vy■• r ne M außerordentlich billig!> ■Trio. Felix Scheuer StralsBDdintr.l Herren-, Damen-, Kinderväsehe PVelgcnci« Fabrikat. Margarete Dietricli Berlin O., ÄUrbachstr.ÄS, Eingang; SamarlterBtraUe. in allen Preislagen. Knte Jülf eidner, ttuhtiaete, Pfi QZCUS(F. 57, Dresdener Str. Fahrgeld wird vergütet. 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