flbonnementS'Redingungen: Biorniemcntä- PreiZ prünmnerands 5 Lierteljährl. ZL0 Mk., monall.!.I0 m., lvöch entlich 28 Pfg. frei WS HauS. Einzelne Nununer 5 Pfg. Sonntags« »mnmcr mit illustrierter SonntagS- Bcilage.Die Neue Welt' 10 Pfg. Post« Abonnement: 1.10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Posl-ZeitungS- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland 3 Marl pro Monat. PostabounementS nehmen an: Belgien, Dänemark, Holland. Italien, Luxemburg. Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. vlchelnt tZzllld auütr montags. Devlinev Volksblntt. Sie TnlertionS'Get)äf)r kclrägt für die sechsgespaltene Kolonel» zcile oder deren Raum 50 Pfg., für politische und gcwerlschastliche Vereins- und VcrlammIungs.Anzeigen 30 Pfg. „Kleine Hnreigcn", das erste(fett- gedruckte) Wort 20 Pfg., jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlaf- stellen-Anzclgen das erste Wort 10 Pfg., jcdeS weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate sür die nächste Nummer müssen bis SUhrnachinittags Inder Expedition abgegeben werden. Die Expedition ift bis 7 Uhr abends geöffnet. Tclegranlin- Adresse: „Sozialdemokrat ßerrm". Zentmlorgnn der rozialdcmokrat» fchen parte» Deutfchlands. Nr. 98. 87. Jahrg. Redaktton: SM. 68» Lindenstrasse 69. Nerusprecher: Amt IT, Nr. 1983. Donuerstag. den 88. Zlpril ID10. Die erblichen gegen die enterbten. Am Donnerstag wird die Welt abermals das seltsame Schau- spiel erleben, wie die Erblichen der preußischen Pairslammer über die Bemessung der Bürgerrechte der Enterbten verhandeln werden. Eine Tragikomödie sondergleichen! Verjährtes, verstocktes Unrecht soll gesühnt, der Masse der Heloten endlich das allzulange vor- enthaltene Bürgerrecht eingeräumt werden. Da» wenigstens versteht das Volk unter einer Wahlresorm I Und nun geben nicht nur im Abgeordnetenhause gerade diejenigen über das Maß der Bürgerrechte den Ausschlag, deren unerhörte Vorrechte durch eine Wahlreform bedroht find, sondern die im Abgeordnetenhause zusammengebraute Spottgeburt hat obendrein auch noch das Plazet des Herrenhauses zu erhalten, einer Körperschaft, die überhaupt kein Parlament ist. sondern nichts als die unverhüllteste Verkörperung des fürstlichen und junkerlichen Absolutismus. Wer zum ersten Male den Bericht einer Herrenhausverhandlung in die Hand bekommt, wird staunen über die wahrhaft Mittelalter- lichen Auffassungen moderner Probleme. Aber kann man denn etwas anderes erwarten als krasseste VerständniSlosigkeit für die Rechte und Interessen der breiten Volksmassen, wenn man sich die Zusammensetzung dieses politischen Raritätenkabinetts vergegen- wältigt? Schon das Dreiklaffenhaus ist das an Absurdität nicht zu übertreffende Zerrbild eines Parlaments. Statt der Erwählten des Volkes sitzen in ihm die von einer Handvoll von Privilegierten- Wählern ernannten Geschäftsträger des Junkertums und der Schlot- barone. Aber diese Vertretung ist doch wenigstens auö Wahlen hervorgegangen. Im Herrenhause sitzen jedoch entweder erbliche. g eborene Gesetzgeber oder von derKrone ernannte Gesetz- geber für Lebenszeit! Daß dabei die Agrarier nicht zu kurz kommen, versteht sich in Preußen von selbst. Im Oktober 1999 zählte das Herrenhaus 317 Mitglieder. Davon waren außer 79 Gesetzgebern infolge erblicher Belastung— nämlich 13 Häuptern der vormals reichsständischen Häuser, 31 Fürsten, Grafen und Herren und 35 durch besondere königliche Verordnung berufenen Standesherren— nicht weniger als 113 Vertreter des alteingesessenen und befestigten Grundbesitzes! Wobei die Junker noch gar nicht mitgezählt sind, die sich unter den 6S«aus allerhöchstem Vertrauen" auf Lebenszeit berufenen Herrenhäuslern befinden. Neben diesen zahllosen Fürsten, Grafen und Junkern nehmen sich die 46 Vertreter der Städte und die 10 Verweter der Landesuniversitäten schon der Zahl nach überaus kümmerlich aus. Kümmerlicher freilich noch infolge der nur aller- untertänigst sich hervorwagenden Bekundung eines bis zur Unkennt- lichkeit verblaßten Liberalismus. Und eine solche Körperschaft soll am Donnerstag allergnädigst darüber befinden, was aus dem Wahlrecht des preußischen Volkes wird. Von dem Gutdünken der paar hundert Standesherren. die in dem Preußen des 29. Jahrhunderts in der Gesetzgebung noch den Ausschlag geben, soll eS abhängen, ob die acht Millionen preußischer Wähler mit dem Wechselbalg deS blau-schwarzen Blocks abgespeist werden sollen oder ob die Wahlreform einstweilen überhaupt vcr- tagt wird l Daß jeder derartige Beschluß unS als Waffer auf die Mühlen deS WahlrechtSkampfcS hochwillkommen ist, haben wir erst gestern auseinandergesetzt. Aber daß eine Handvoll«erlauchter und edler Herren" eine große Kulturnation an der Strippe halten, daß sie den vielen Millionen der Bürger nach Willkür Rechte spenden oder vor- enthalten darf, ist eine Ungeheuerlichkeit, die auch den Gleichgültigsten aufpeitschen und auch dem Blindesten klarmachen muß, welche eine Unmaffe des verrottetstcn reaktionären Wustes durch den Wahlrechts- stürm des Volkes hinwegzufegen ist! Sie französischen Wahlen. Paris, 26. April.(Eig. Ber.) Die reaktionären Oppo- sitionellen Und die Rcgierungsradikalen rechnen sich gleicher- »laßen das Ergebnis des ersten Wahltages als Sieg an. Die ersten, weil sie ihre Stellung im großen und ganzen behauptet und ihre Verluste durch Gewinne auf anderer Seite zum Teil ausgeglichen, die zweiten, weil sie einige Hunderttausend Stimmen auf Kosten ihrer reaktionären Gegner gewonnen haben. Merkwürdigerweise haben nun beide Parteien recht, nämlich je nachdem man die Deputierten oder ihre politische Etikette betrachtet. Ein Stimmengewinn der Rcgicrnngs- Parteien will an sich wenig besagen. Unter der Herrschaft des Bezirksskrutiniums wäre es wirklich verwunderlich, wenn nicht viele, politisch nicht allzustark interessierte Wähler ihre Stimme dem Kandidaten gäben, der bei der Regierung am besten angeschrieben ist. Dazu kommt die Abneigung der besitzenden Klassen gegen jeglichen Umsturz, die zu einer Milderung der oppositionellen Tonart führt und die selbst- verständliche Verstärkung der sozialkonscrvativen Tendenzen der regierenden Partei, so daß schließlich ein Ordnun�s- Politiker trivialer Sorte, ohne Aergernis zu erwecken, sich „Radikaler" oder„Radikalsozialist" nennen kann. Auch in der Politik herrscht das Gesetz von der Erhaltung der Kraft. In einer noch so stark von kleinbürgerlichen Interessen er- füllten Gesellschaft wie der französischen können diese nicht von ideologischen Nebeln einfach verschluckt werden. Scheinen sie an der einen Stelle zu verschwinden, tauchen sie an der anderen wieder enipor. Aber auch abgesehen von dieser offenbaren Durchsickerung der radikalen Partei mit konservativen Elementen, hat sich die konservativ-liberale und die progressistische Opposition ohne erhebliche Verluste verteidigt. In Paris besonders hat sie in ihren alten Wahlkreisen ihre Stimmenzahl noch ver- mehrt. Sie ist da durch die Wahlkreiseinteilung sehr be- günstigt, aber es ist nicht zu leugnen, daß die reaktionäre Stimmung der vornehmen und der kleinbürgerlichen Hnnen- bezirke eher noch.zunimmt und daß— vorläufig wenigstens — ihr keine genügende sozialistische Strömung in den Außen- bezirken entgegenwirkt. � Die Wahlergebnisse in den Pariser Arbeiterbezirken sind nicht besonders erfreulich. Auf die Grunde dieser Erscheinung wollen wir noch zurückkommen. Jni ganzen aber hat die g e e i n i g t e Partei Gruiid, mit dem Resultat des ersten Wahlganges zufrieden zu sein. Sie hätte zweifellos bei besseren Organisationsverhältnissen in der durch den politischen Bankrott der radikalen Partei geschaffenen Situation größere Erfolge erzielen können, aber das Erreichte ist ein untrüglicher Beweis von dem wachsenden Ansehen, das sie sich im ganzen Lande trotz der Verleuindungen der radikaln Presse und trotz der Demagogie der AntiParlamentarier errungen hat. Ihre Stimmenzahl hat die Million überschritten— der Zuwachs beträgt gegen eine Viertelmillion— und sie verzeichnet einen Mandatgewinn, der die erlittenen Verluste reichlich auf- wiegt. Ihre Situation im zweiten Wahlgang macht eine wenn auch nicht bedeutende Verstärkung der sozialistischen Fraktion wahrscheinlich. Gewählt sind folgende Genossen: Sembat. Rozier, Dycante, Veillant in Paris. Willm in Levallois-CIichy, dem Zentrum der Pariser Auto- mobilinduftric, und Boilin im neugeschaffenen, gleichfalls groß- industriellen Vorortlvahlkreis Puteaux. Brizon in Mvulins(Tep. Allicr). Die Partei gewann über 5999 Stimmen und nahm das Mandat den Radikalen ab. Poulain und Dr.- Toizy in Mezieres(Ardennen). Der jetzt geteilte Wahlkreis war früher von Poulain vertreten. Eadenot im 2. Wahlkreis von Marseille. Breton in Bourges. Eompere-Morel in UzeS und Rouger in NimcL. Dieses letztere Atandat ist mit einem Stimmenzuwachs von fast 7999 neugewonnen. Rouger ist Bürgermeister von Nimes. In Uzes gewann Compere Morel gegen die Nachwahl von 1999, wo er zum erstenmal durchge- drungen war, 2999 Stimmen. Man sieht daran die Lächerlichkeit der Behauptung, daß er sein Mandat den Klerikalen zu verdanken habe. Vielmehr ist dieser Erfolg der Lohn einer fortgesetzten Agi. tation. Auch sonst hat die Föderation des Gard sehr gut abge- schnitten. Faure in TourS mit 19 999 Stimmen(gewonnenes Mandat, Zuwachs 5999). Barthe in Beizers mit fast 19 999 Stimmen(gewonnenes Mandat, Zuwachs 8999! Hier sind wohl noch die Nachwehen der Winzerrevolte zu spüren). Goniaux in Toui, Guesbe in Roubaix. Guesde erhielt 12 394. Stimmen(1999 mehr als 1996), ein Progressist 9812, ein Radikal- sozialist 1781, ein Plebiszitär 323; Solle in Valencicnnes. Das Departement Nord, wo diese Wahlkreise liegen, hat überhaupt sehr günstige Resultate. BaSly undLamandin in Bethune(Pas de Calais). Nognon im 4. Kreis von Lyon(Rhone). Bouveri in Chalon und Saöne(Saöne-et-Loire). Er hat fast 14 999 Stimmen, über 2999 mehr als 1996 und über die Hälfte der cingeschriclbencn Wähler. De la Porte in Niort(Deux-Sevres) mit 6551 gegen 3759 im Jahre 1996. TaS Mandat gehörte den Radikalen. Lecointe im 1. Wahlkreis von Amiens(Somme). Bigne in Brignol(Bar). Betonlle in Limogcs(Haute Vienne). Lagrosilliöre auf Martinique(gewonnenes Mandat). Die Verlustliste weist vier Namen auf: Carlier (Marseille). Francis de Pressenss(Lyon), F i 6 v e t lNord), V a r e n n e(Puy de Dome). In Pressensä verliert die Fraktion einen Spezialisten für auswärtige Politik. Varenne war neben Breton einer der extreinsten Reforniisten, vertrat aber im Gegensatz zu diesem mit Eifer den Proporz. Von den Stichwahlen erregt namentlich die im Tarn Interesse, wo Jaurds 5597 Stimmen erhalten hat. Sein alter Gegner, der Marquis de Solagcs, kandidierte diesmal nicht, sondern protegierte zunächst einen Radikalen. Da aber viele katholische Wähler für diesen nicht zu haben waren, wurde vier Tage vor der Wahl ein Progressist auf- gestellt, der 3355 Stimmen bekam. Der Radikale zählt 2946. Die Wahl Jaurds ist ziemlich sicher. In 43 Stichwahlen stehen geeinigte Sozialisten an erster Stelle. Manche davon werden allerdings kaum zu ihren Gunsten ausfallen, andererseits werden ihnen zweifellos Mandate in Kreisen zufallen, wo sie an zweiter Stelle stehen. In Paris ist Rouanets Wiederwahl sehr wahrschein- lich. Er bekam 5289 Stimnien, ein Liberaler 5929, ein„un- abhängiger Sozialist" 2618, ein anderer 314, ein Radikaler 1724, ein Royalist 869. Weniger aussichtsvoll ist die Situation Allemanes im zweiten Arrondissement(3684 gegen 2298 linksrepublikanische, 2282 radikalsozialistische und 1629 liberale Stimmen). Auch Dubais im 19. Arron- dissement ist gefährdet(6749 gegen 5641 linksrepublikanische und 4568„unabhängig-sozialistische" Stimmen). B r o u s s e im 17. Arrondissement wird verniutlich sein Mandat be- haupten können, desgleichen G r o u s s i e r, ein für die Fraktion sehr wertvoller Fachmann für. Gewerbe- Expedition: 8M. 68, Lindenstrasae 69» Fernsprecher: Amt IT, Nr. 1981. Budgetfragen, im 19. Arrondissement. Er hat 5627, ein Liberaler 4297, ein Radikalsozialist 3592, ein Linksrepubli- kaner 875 Stimmen. In der Pariser Umgebung ist Nec- toux der Wiederwahl sicher, weniger gut steht Walter in St. Denis, schlecht Beb er und besonders Dr. Meslier. Von bekannteren Genossen, die in der Provinz ihre Mandate in der Stichwahl zu verteidigen haben, ist D e l 0 r y- in Cille gesichert. Auch Paul C 0 n st a n s durfte in Moni- lu?on durchdringen, zweifelhaft stehen unter anderem A l l a r d in Toulon und B e d 0 u c e in Toulouse. Sie Hnträge bei Interpellationen. Die verstärkte GeschäftSordnungSkom Mission deS Reichstages trat am Mittwoch, 27. April, in die zweite Lesung der bisher in erster Lesung angenommenen Anträge auf Abänderung der Geschäftsordnung ein. Im wesentlichen ist eS bei den Beschlüssen erster Lesung geblieben; nur in einem Hauptpunkte kam eS nach einer sehr eingehenden Debatte zu einer neuen Fassung derjenigen Bestimmung, die von dem Recht auf Anträge bei Jnter« pellationen handelt. Wie in früheren Berichten erwähnt wurde, ist gegenwärtig die Stellung von Anträgen bei Interpellationen über« Haupt verboten. In der vorigen Session war es nicht gelungen, eine Aenderung dieses Zustandes herbeizuführen. Bei der ersten Lesung in diesem Jahre hatte infolge eines ZcntruinsantragS der betreffende§ 33» eine Form erhalten, die im Prinzip zwar die Stellung von Anträgen bei Interpellationen, und zwar nur Billigung oder Mißbilligung des Verhaltens deS Reichskanzlers zuläßt, die Ausübung dieses Rechts aber von dem vorherigen Erlaß eines ReichSkanzlerverantwortlichkeitSgesetzeS ab- hängig macht. Hierzu lagen diesmal zwei A bä n der ungSan träge auf neue Fassung des§ 33a vor: Antrag Müller- Meiningcn(Fortschr. Vp.): ß 33». Bei der Besprechung von Jnterpellntionen dürfen An- träge gestellt werden, die dahin gehen, daß der Reichstag sich über die Billigung des Verhaltens des Reichskanzlers aussprechen möge. Diese Anträge müssen von mindestens 39 Mitgliedern unter- zeichnet sein. Antrag Roeren, Kirsch(Z.): 8 33». Bei der Besprechung von Interpellationen über die Tätigkeit des Reichskanzlers, für welche dieser dem Reichs- tage verfassungsrechtlich verantwortlich ist, können Anträge gestellt werden, die dahin gehen, daß der Reichs- tag sich über die Billigung des Verhaltens deS Reichskanzlers auS- sprechen möge.— Diese Anträge müssen von mindestens 39 Mit- gliedern unterzeichnet sein. Der wesentliche Unterschied zwischen beiden Anträgen liegt in dem gesperrten Satze des Antrags Roeren. Damit hatte das Zentrum zwar die unmögliche Bedingung aufgegeben, daß die Ans- tührung einer Geschäftsordnungsbestimmung von einer etwaigen VerfasiungSändcrung, also von der Zustimmung von Reichskanzler und Bundesrat abhängig gemacht wird, aber es fragte sich nun, lo i e denn der fragliche Satz im Z e n tr ums antr a g zu ver- stehen ist. Die Antragsteller, die zunächst zur Aufklärung darüber berufen gewesen wären, hielten sich auffällig zurück. Die Interpretationen der Vertreter der übrigen Parteien gingen weit auseinander. Herr Junck(natl.) und M ü l l e r- Meiningen glaubten den Satz so auffassen zu dürfen, daß damit nur die politische Verantwort- lichkeit des Reichskanzlers gemeint sei; Herr K r e t h(k.) und Herr Schulz(Rp.) faßten den Satz indes nur als eine Verschleierung für die früher festgesetzte Vorbedingung eines vorherigen Er- lasseS eines ReichskanzlerverantwortlichkeitSgesetzes auf. Sie be» hauptetcn, ehe ein solches Gesetz nicht erlassen sei, wäre der Reichs« kanzler für seine Handlungen auch nicht verfassungsrechtlich verantwort- lich, es sei denn im Sinne des§ 17 der Reichsverfassung, der nur von einer Verantwortlichkeit des Kanzlers für die kaiserlichen Anordnungen und Verfügungen im Namen des Reiches handelt. Auf wiederholtes Drängen hin ergriff Herr Roeren das Wort zu einer Er« läuterung, drückte sich aber so vieldeutig auS, daß, wie Ledebour(Soz.) betonte, seine Auslegung in jedem Falle der Einbringung eines Mißbillignngsvotums bei Interpellationen die Aufrollung einer GeschäftSordnungsdebatte provoziere, ob ein solcher Antrag auf Grund des 8 33a(nach der Fassung Roeren) überhaupt zulässig sein würde oder nicht. Die Sozialdemokratie sei der Auffassung, daß jetzt schon in Initiativanträgen oder Resolutionen die Einbringung von MißtranenSvoten zulässig sei wegen aller politischen Handlungen deS Reichs- kanzlers. ES dürfe sich jetzt nur um die Frqge handeln, ob dieses Recht anzuwenden sei auch bei der Einbringung von Interpellationen. Die Kommission dürfe keine Beschlüsse fassen, die solche Unklarheiten, wie sie im Antrage Roeren enthalten seien, enthielten. Die Debatte schleppte sich dann einige Stunden hin. ES gab längere staatsrechtliche Auseinandersetzungen über den Begriff der Kanzlerverantwortlichkeit, aber keine klare Interpretation deS An« träges Roeren. Selbst der Zentrumsabgeordnete Kohl erklärte, daß die gegenwärtige Fassung zu Streitigkeiten Veranlassung geben müsse. Zum Ueberfluß beantragte noch der Abg. Kreth(l.), an die Spitze des Antrages Roeren die Worte zu stellen: Die Stellung von Anträgen bei Interpellationen ist unzulässig. aber eS können... Das sollte eine einleitende„Prinzipienerklärung" sein. Ledebour bekämpfte diesen Antrag mit dem Hinweis darauf. eS sei völlig widersinnig, die Zulassung von Anträgen in bestimmten Fallen einzuleiten mit der prinzipiellen Erklärung, daß Aisträge nicht zulässig feieir, und dann die Zulassung als Ausnahine- bestinunung daran zu hängen. Der Antrag Kreth erhielt sogar die Befürwortung des fortschrittlichen Abg. Neumann- Hofer. Bei der Abstimmung ivurde zunächst der Antrag Müller- Meiningen gegen die Stimmen der Nationalliberalen, F o r t s ch r i t t l e r, Polen und Sozialdemokraten ab- gelehnt. Dann wurde das Amendement Ledebour, im Antrag Roeren die Worte zu st r e i ch e»: für welches dieser dem Reichstag verfassungsrechtlich der- antwortlich ist, gleichfalls gegen die obige Minderheit und einige ZentrumZleute (Kohl, Oppersdorf) gleichfalls abgelehnt. Angenommen wurden dagegen mit großer Mehrheit die Einleitungsworte des Herrn Slrcth gegen die Sozialdemokrat e ir rr n d den Polen. Der so modifizierte Antrag Roeren wurde dann mit 1ö (Zentrum, Liberale und Polen) gegen 13 Stimmen(Rechts und Sozialdemokraten) angenommen, Die Sozialdemokraten stimmten gegen die Fassung, da sie eS nicht verantworten können, dem Plenum des Reichstages eine GeschäftSordnungsbesttmmung zu unterbreiten, die so unllar und deutungSsähiz ist, daß sie bei jedem Versuch der Anwendung zu Streitigkeiten über die AnwendungSmöglichkeit Anlaß geben kann._ Den 10. flpril verschlafen. Die Vorortgemeinde Treptow bei Berlin ist in den letzten Monaten zur vielgenannten historischen Stätte geworden. Einmal durch das Verbot einer Demonstration am 6. März. das zweite Mal durch das Tagen der Riesenklmdgebung vom IE. April. Nun macht der Ort aufs neue von sich reden, diesmal wieder durch ein Verbot. Es ist nicht von der Bedeutung wie das der geplanten Kundgebung vom 6. März, es bezieht sich nicht auf eine Veranstaltung des ganzen Berliner Proletariats, sondern auf einen Maiuinzug, den die Arbeiterschaft der Gemeinde Treptow-Baumschulenweg machen wollte. Das Verbot unterscheidet sich nicht wesentlich von den vielen, die wir in diesen Tagen in der Rubrik„Aus der Partei" verzeichneten. Wenn wir es trotzdem hier besonders hervorheben, so geschieht es, weil sein Inhalt in einem geradezu schrciend-komischen Gegensatz zu der Tatsache steht, daß ani IE. April eine Demonstration von weit über hunderttausend Menschen stattgefunden hat, daß stundenlang Massenzüge von Berliner Sozialdemokraten das Treptower Gebiet durchzogen, ohne daß ein Mensch, eine Katze oder auch nur eine Fenster- scheide zu Schaden gekommen ist. Der Bürgermeister von Treptow, Herr Schablow, der die große Kundgebung des IE. April genehmigte und, wie der Verlauf zeigte, damit das tat, was nach dem Vereinsgesetz seine Pflicht>var. der Herr Bürgermeister hat diesmal, wo es sich um eine ivcsentlich kleinere Veranstaltung handelt, ein ganzes Bündel von Befürchtungen. In dem Schreiben, worin er die Gc- nehmigung verweigert, heißt es: „Kundgebungen dieser Art beeinflussen wegen der Größe der Teiluehmerzohl die allgemeinen Verkehrsverhält- Nisse in empfindlicher Weise i sie sind geeignet, aus alle der Sozialdemolratie abgeneigten BevölkerungSkreste beunruhigend und erregend zu wirken. Bor allem aber hat es sich in jüngster Zeit mehrfach gezeigt, daß ein großer Teil der Be- völlerungslreise, in denen der Sozialdemokratische Wahlverein seine Mitglieder findet, zu Ueb er griffen, ja Beleidigungen gegen- über Andersdenkenden neigt und sich Widersetzlichkeiten gegen die Staatsgelvakt zuschulden koinmen läßt, iucim polizeiliche Maßnahmen irgendwelcher Art ergriffen werden müssen." Es wird dann in dem Schreiben behauptet, daß am 6. März— dem Tag des verbotenen WahlrechtSspazicrganges — ein Kriegerverein belästigt und Schutzleute beschimpft iv o r d e n seien, woraus die Nutzanwendung gezogen lvird: „Alle diese Fälle legten die Befürchtung nahe, daß die Teil- nehmer deS am Sonntag geplanten Aufzuges sich Verletzrnige» dritter oder der staatlichen Organe zuschulden kommen lassen. Die öffentliche Sicherheit ist darum durch die Veranstaltung des Aufzuges gefährdet." Die Erfahrungen des IE. April existieren für Herrn Bürgermeister Schablolv nicht! Erkennt nur die des 6. März, Ivo durch ein ungerechtfertigtes Verbot und durch das sinnlos„schneidige" Vorgehen der Polizei und Gen- dannerie eine Erregung geschaffen wurde, die sich in den schrecklichen Taten, die Herr Schablow in seinem Ent- scheid anzuführen weiß, Lust machte. Daß die Art und Weise, in der einzelne aus der Menge gegen das blindwütige Vorgehen der„Sicherheitsorgane" protestierten, nichts für das Verhalten organisierter Sozialdemokraten bei einem geordneten Aufzuge beweist, daß dagegen die musterhafte Ordnung und Verkehrssicherung, welche die Teilnehmer an der Riesendemonstration am IE. April zu erhalten wußten, die beste Gewähr für die Sicherheit der Einwohner Treptows bei einem Umzug der Treptower Sozialdemokraten am 1. Mai bietet, das sollte eigentlich auch Herr Bürgermeister Schablow erkennen. Aber es scheint, daß preußische Polizeibehörden sich ilur allmählich an die geringe Ausdehnung des Ver- sammlungSrcchts. die das Reichsvereinsgefetz bringt, gewöhnen können. Mit Versammlungen unter freiem Himmel haben sie sich in Groß-Berlin abgefunden— Umzüge aber erscheinen ihnen an- scheinend noch als etwas ganz Unerhörtes und Schreckliches. Indes auch daran werden sie sich schließlich gewöhnen müssen. denn das Reichsvereinsgefetz gibt den Staatsbürgern nun einmal das Recht auf solche Umzüge, wenn keine Gefährdung der öffentlichen Sicherheit von ihnen zu gewärtigen ist. Und daß solche Gefährdung zu befürchten sei, das wird der Oeffcntlichkeit nach den Ersahrungen des 10. April nicht gut mehr eingeredet werden können. Weshalb denn auch der Herr Bürgermeister von Treptow dem 10. April so sorgsam ouL dem Wege geht und sich an den 6. März klammert! Aber die Stütze wird ihm vor unparteiischer Instanz nicht viel nützen I Denn nicht alle Leute habe den IE. April verschlafen. ver Bericht Uber den Hausknechts- Paragraphen und die Sorgen des Herrn v. Kröcher. Dem Plenum des Abgeordnetenhauses ist am Mittwoch in vor- gerückter Abendstunde der schriftliche Bericht des Zentrumsabge- ordneten Dr. Zimmer zugegangen über die Verhandlungen der Ge. schäftsordnungskom Mission zu dem sogenannten „Hausknechtsparagraphen". Der Bericht bietet eine Fülle höchst interessanter, für den Geist, der die Kommission beherrschte, aber gpch höchst bezeichnender Einzelheiten. Die Kommission, der ein Mitglied der sozialdemokratischen Fraktion nicht angehört, hatte bekanntlich die Einsetzung einer Subkommission beschlossen, um die einzelnen zu treffenden Bestimmungen herauszutüfteln. Im Schweiße ihres Angesichts mühte» sich die fünf dafür auserkorenen Abgeordneten ab. um dem in Frage kommenden§ 64 der Geschäftsordnung eine Fassung zu geben, die die Möglichkeit gibt. ..renilente Abgeordnete auö dem Saal und Gebände zu entfernen". Herr v. Kr och er sah in dieser von der Geschäftsordnungstom- Mission mit 10 gegen 4 Stimmen beschlossenen Verschärfung jedoch nur eine halbe Maßregel und fragte deshalb die Kommission, was sie zu tun gedenke, um nun auch für die Durchführung ihres Be- schlufies zu sorgen. Das war aber leichter gedacht, wie getan. Von dem Nächstliegenden, die Diener des Hauses mit dieser Auf- gäbe zu betrauen, wollte Herr v. Kröcher selbst nichts wissen, da er auch eine Untergrabung der Autorität seiner Junkcrgenosseu bei den Angestellten deS Abgeordnetenhauses befürchtet, wenn sie das Recht haben sollen, eigentlich doch gleichberechtigte sozialdemo- kratische Abgeordnete handgreiflich aus dem Saale zu entfernen. Herr v. Kröcher dachte deshalb weiter nach, und da siel ihm die Anstellung besonderer Beamter für diese unwürdige Aufgabe ein. Aber wenn es solche Angestellten auch bei größeren Geschäften gibt, um unangenehme Ztcisende dem Chef vom Halse zu halten, so haben sie dort deshalb schon eine gewisse Existenzberechtigung, weil sie ja verhältnismäßig häufig ihres Amtes zu walten Ge- legenheit haben. Das ist im Abgeordnetenhaus aber nicht der Fall, wenigstens hofft es Herr v. Kröcher. Er warf deshalb sofort die Frage ans, was diese Beamten sonst zu tun hätten. Sie an große Geschäfte zu verleihen, geht wohl nicht gut an, weil sie doch immerhin Beamtencharakter tragen sollen. Daher werden sie, wie sich Herr v. Kröcher wörtlich ausdrückt,„höchst wahrscheinlich Iväh» rend der ganzen Zeit ihrer Anstellung nichts zu tun haben und so nur ein Anlaß zur Unzufriedenheit der anderen Beamten sein". Nachdem er auf diese Weise für die Aufrechterhaltung einer staatserhaltenden Gesinnung ssiner Angestellten gesorgt und dem Eindringen der Sozialdemokratie, die natürlich nur von der Un- Zufriedenheit lebt, einen Riegel vorgeschoben hatte, war sein Latein zu Ende und gab anHeim, sich bei der Regierung Rat zu holen. Für solche löblichen Zwecke stellt eine preußische Regierung natür- lich gern einige Räte zur Verfügung, und so erschien' für den Justizminister der Geh. Oberjustizrat Dr. F r e n k c n und für den Polizeiminister der geistige Vater der Wahlrechtsvorlage. Geh. OberregierungSrat v. Falkenhayn. Dr. Frenken hatte die schwere Aufgabe, die gewaltsame Entfernung von Abgeordneten aus dem Sitzungssaal in Einklang zu bringen mit den 8s 103 und 106 St.-G.-B- die dieses Verbrechen mit Zuchthaus bestrafen. In einer kurzen Erklärung gab er seine juristische Weisheit zum Besten. Sie ging dahin, daß eine aus Grund der Geschäftsordnung erfolgte Ausweisung rechtlich zulässtg sei. weil zum Tatbestand jedes Verbrechens ein widerrechtliches Handeln erforderlich sei. Davon könne aber bei dieser Handlung,„rein äußerlich betrachtet", nicht die Rede sein. Weshalb dann das Haus nicht da» Recht haben soll, auf Grund der Geschäftsordnung sozialdemokratische Abgeord- acte für die ganze Legislaturperiode aus dem Saale zu weisen, ist nicht einzusehen, wenn es für 12 Sitzungstage zulässig sein soll. Herr v. Falkenhayn machte es sich noch leichter und stellte kurzer- Hand das zuständige Polizeirevier zur Verfügung. Das Bewachen der Eingänge des Sitzungssaals, um ein widerrechtliches Ein- dringen zu verhüten, will er jedoch lieber den Dienern des Hauses überlassen, weil es sich doch wohl empfehlen dürste, Polizeibeamte immer nur kurze Zeit im Hause zu haben. So ein ganz klein wenig Schamgefühl für diese mehr als beschämenden Vorschläge scheint also bei der Regierung noch vorhanden zu sein. Nun bleibt abzuwarten, was das Plenum beschließen wird. Nach einer Meldung soll das Zentrum nun doch nicht ge- willt sein, auch bei diesem schamlosen Junkerdicnst den Handlanger zu spielen. Die Verhandlung im Abgeordnetenhause selbst, die am nächsten Montag stattfinden soll, wird ja Aufschluß darüber geben. Die UlablprOfunssitoinödie im Spiegel der bürgerlichen IPreiie. Das überraschende Ergebnis der vom Reichstag vorgc- nommenen Wahlprüsungen hat selbst in einem erheblichen Teil der bürgerlichen Presse Mißvergüngen ausgelöst. Das „Berliner Tageblatt" meint: „Von den 17 Mandaten, die zur Erörterung standen, sollten sieben für ungültig erklärt werden, und zwar drei k o n- servatibe, drei nationalliberale und e i n Zentrums man dat. Da zeigte sich nun die ganz merk- würdige Erscheinung, daß sich all lloc offenbar ein„schwarz- blau-nationalliberalerWahlprüfungSblock"ge- bildet hatte, der grundsätzlich bei allen diesen Wahlen das Gegenteil von dem beschloß, was die Kommission vor- geschlagen hatte, diese Kommission also— und wohl zum ersten Male seit dem Bestehen des Reichstage?— nach allen Regeln desavouierte." Selbst der lammfromme„Lokalan zeig er" wagt die Bemerkung: „Wie sind die unerwarteten Beschlüsse zustande gekommen? War es ein Kuhhandel, wie man außerhalb des Hohen Hauses zu sagen pflegt? Niemand weiß es, aber jeder muß dem Redner beistimmen, der da meinte, daß, wenn Abmachungen unter den Parteien nicht getroffen waren, die Maschinerie wunderbar klappte." Auch die antisomitische«Staatsbürger-Zt g." findet, daß man den Eindruck gewinnen müßte, als wenn ein stillschweigendes Ei»Verständnis unter den großen Parteien herbeigeführt worden sei, und fährt dann fort: „Die jetzige Art der Erledigung der Wahlproteste, d. h. deren vierjährige Hinschleppung durch die Wahlprüfungs- kominission und die endliche Durchpeitschung in vier bis fünf Stunden, kann absolut nickt unseren Bei- fall finden. Eine derartige Form der Rechtsprechung in Wahlsachc» ist geeignet, das Vertrauen des Volkes zu erschüttern." Die alldeutsche„Tägliche Rundschau" benützt die erbärmliche Haltung der Mehrheit des Reichstages dazu, ihre alte Forderung wieder aufzustellen, dem Reichstag die Prä- fnng der Mandate abzunehmen und sie einem Gerichtshof zu übertragen. Schließlich urteilt das Blatt: „Die Neuwahlen rücken näher schon. Man will für die kurze Zeit kein unnützes Geld verpulvern. Das drückt man wohlklingender aus:„man will nicht unnütz die Kreise" in die Aufregungen eines Wahlkampfes stürzen." Ja, sogar die freikonservative„Post" kommt zu einem absprechenden Urteil, indein sie hervorhebt: „So gewährten sich im Austausch die Parteien eine bisher noch nicht dagewesene gegenseitige Unterstützung. Bei der Be» urtcilung der Anfechtungsgründe war das Maß von christlicher Liebe und Duldsamkeit in der gestrigen Verhandlung geradezu ideal. Vielleicht aber sind dadurch bedenkliche Vor- entscheidungen getroffen worden, die bei späteren Wahl- Prüfungen ihre Rechtsfolgen ausüben werden." In der Tat, diese Art, Wahlprüfungen vorzunehmen, ist ein Skandal ganz ungeheuerlicher Art. DaS Verhalten der Mehrheit des Deutschen Reichstages am Diens» tag kann man getrost in Parallele stellen mit dem nieder- trächtigen Bruch der Geschäftsordnung bei der Holltarif- debatte. Alle Grundsätze, die der Reichstag bisher in bezug auf die Handhabung des Wahlgesetzes aufgestellt hat, sind mit Hohn und Spott über den Haufen geworfen worden. Die Wahlzelle soll dem Wähler die Möglichkeit gebest, dollig unbeachtet seinen Stimmzettel in das Kuvert zu stecken. Im Fall des Abg. Spindler(Z.) war die Wahlzelle nach der Seite zu o f f e n, an welcher der W a h l v o r st a n d s e i u e n Tisch aufgestellt hatte. Das Zentrum und mit ihm die Mehrheit des Reichstages erblickte darin keinen Verstoß, denn der Wahlvorstand habe angeblich in diese Wahl- zclle nicht hineinsehen können. Wenn die Nationalliberalcu bei den koinmendcn Wahlen im Saargebiet und im rheinisch- westfälischen Jndustriebzirk solche Wahlzellen aufbauen lassen, dann ist das Zentrum geliefert, und es kann nicht einmal etwas dagegen unternehmen, denn es hat ja ausdrücklich erklärt, daß solche offenen Wahlzellen den Vorschriften genügen I Im Falle Mayer- Pfarrkirchen faß in einem Ort der Polizeidiener sogar in der Wahlzelle drin; das Zentrum fand auch dies berechtigt, weil der Polizeidiener den strengsten Auftrag gehabt habe, sofort zum Fenster hinauszusehen, sobald ein Wähler die Wahlzelle betrat. Die anderen bürger- lichcn Parteien können unter diesen Umständen künftig ini Einverständnis mit dem Wahlvorstand irgendeinen ihrer Vertrauensleute in die Wahlzelle stecken mit dem Auftrag. nicht hinzusehen, wenn der Wähler den Zettel in das Kuvert stecke. Damit wird das Wahlgeheimnis völlig über den Haufen geworfen. Im Falle des Abg. Henning(k.) hat der Bürger- meister der Stadt Finsterwalde zwar vier Wahllokale für die Stadt bestimmt, aber die Wähler nach dem Alphabet in vier Abteilungen eingeteilt, so daß ein Wähler, der an einem Ende der Stadt wohnt, schließlich an das andere Ende der Stadt gehen mußte, um dort seine Stimme abzugeben. Dieser grobe Verstoß gegen das Wahlgesetz wurde vom Reichstage als nicht erheblich angcnonimen. Die ungeheuerliche Art der Agitation der Kriegervereine wurde selbst Von den Freisinnigen gut geheißen. Hier stand das Zentrum in der Opposition lediglich deshalb, weil bei den letzten Wahlen die Kriegcrvereine auch gegen das Zcntruin mobil gemacht worden sind. Zuerst verschleppen die Anhänger der bürgerlichen Parteien, die in der Wahlprüfungskommission sitzen, die Prüfung der Wahlen. Einmal fehlt der Referent, dann fehlt der Korreferent, dann sind die Herren wieder nicht genügend in- formiert, dann klappt es mit der Beweisaufnahme nicht, und wenn schon die Wahlprüfung spruchreif ist, dann stellt schnell einer der Herren den Antrag, über eine ganz überflüssige Sache noch einmal Beweis zu erheben, und die Entscheidung über die Wahl ist damit wieder um ein oder zwei Jahre hinausgeschoben. Rasche Arbeit wird nur dann ge- niacht, wenn es sich um die Wahl eines Sozialdemo- k r a t e n handelt. Unter diesen Umständen hält es an sich schon schwer, in der Wahlprüfungskommission die Ungültigkeitserklärung einer Wahl herbeizuführen. Künftig wird das noch viel mehr erschwert, aber auch vollständig überflüssig sein, denn unter Bruch von Recht und Gesetz ist diese Reichstagsmehrheit zu jeder Erbärmlichkeit bereit, sobald es sich darum handelt, für die bürgerlichen Parteien ein Mandat zu retten. Der Aus- fall der letzten Ersatzwahlen zum Reichstag hat die bürger- lichen Parteien derart in Angst und Schrecken versetzt, daß sie weitere Ersatzwahlen um jeden Preis verhüten wollen, selbst um den Preis, das Recht mit Füßen zu treten. Bei den im nächsten Jahre stattfindenden Neuwahlen werden die Wähler dieser skrupellosen Gesellschaft auch für diese Leistungen die einzig richtige Antwort zu geben haben! politifcde(leberllckt. Berlin, den 27. April 1910. Der Reichstag einmütig für die Veteranen. A u s d e m R e i ch s t a g, 27. April. Eine der seltenen Erscheinungen voller Einmütigkeit des Reichstags für eine Forderung ergaben die heutigen kurzen Verhandlungen des Reichstags. Nachdem eine Anzahl kleiner Vorlagen nach un- wesentlicher Debatte erledigt waren, kam die Veteranen- b e i h i l f e in dritter Lesung zur Verhandlung. Nachdem einmal in zweiter Lesung die Extrabeihilfe auf 120 M. festgesetzt war, wurde über ihre Höhe nicht mehr gestritten. Eine Auseinandersetzung gab es nur über die DcckungSfrage. Der Schatzsekretär W e r m n t h be- gründete seine abwartende Haltung mit dem Hinweis darauf. daß er als Hüter der Finanzen vor allem niemals Ausgaben zu- stimmen dürfe, ehe nicht die Mittel dafür bereit seien. Er erfand dabei zur Erläuterung seiner Stellung das Wort: „Ein Schatzsekretär darf niemals populär sein!" Schließlich warf er einen Köder für schleunige Fertigstellung der Wert- zuwachs st euer aus, indem er meinte, wenn diese Vor- läge bald fertiggestellt würde, so werde sich aus deren Er- trägen wahrscheinlich auch die Deteranenbeihilfe decken lassen. Die Wchrsteuerpatrioten(Rechte und Nationalliberale) lamentierten indes wieder ein Erkleckliches darüber, daß die Mehrheit sich nicht dazu bringen lasse, die Wehrsteuer aus den Taschen der Väter mit dienstuntauglichen Söhne zu bewilligen. Besonders.Herr v. L i e b e r t wußte zu erzählen, daß in:„Volke" Entrüstung über die Ablehnung der Wehr- steucr herrsche. Die Genossen Lehmann und S ch ö p f l i n traten diesem Gerede scharf entgegen. S ch ö p f l i n wies darauf hin, daß die bürgerlichen Parteien bereits im Jahre 1893 die Veteranenbeihilfe in die Wege hätten leiten können, wenn sie den damaligen Antrag der Sozialdemokraten, durch den jährlichen Etat die mangelnden Gelder beschaffen zu lassen, angenommen hätten. Den deutschen Steuerzahler, der sich über die Nichtauflcgung der Wehrsteuer beklagt, müßte man sich doch erst einmal ansehen. Schließlich wurde dann die Vcteranenbeihilfe in dritter Lesung einstimmig an- genommen. Es kommt nun auf die Reichsregierung an, ob sie die Hand zur Durchführung dieses Beschlusses bieten wird. Der Donnerstag soll den Kommissionssitzungen vorbehalten bleiben. Am Freitag wird unter anderen Vor- lagen auch die zweite Lesung der Kriegskostenergänzung für S ü d w e st a f r i k a auf der Tagesordnung stehen. Höhere Schulen— Klassenschulen. Daß in einem Klassenstaat auch die Schulen naturnotwendig Klassenschulen sein muffen, ist eine Wahrheit, die uns Sozialdemo- k raten längst in Fleisch und Blut übergegangen ist. Im preußi- schen Junkerparlament hat man sich um diese Tatsache bisher nicht den Kopf zerbrochen, und als Genosse Ströbel bei der Beratung des Kultusetats zum erstenmal Gelegenheit nahm, ein so inter- essantes und wichtiges Thema zu besprechen, da begegnete er der lebhaftesten Opposition auf allen Seiten des HauseS. Von Hehde- brand bis Caffel waren sich alle darüber einig, daß c» sich auch htex wieder u« unberechtigte sozialdenwkratische Kritik handele, Am Mitiwoch schnitt Ströbel bei der Beratung des Ka- pitcls„Höhere Lehranstalten" diese Frage von neuem an, und er konnte sich diesmal dem Avg. Cassel gegenüber zum Beweis für die Richtigkeit seiner Behauptungen auf Zeugnisse von liberalen Fachleuten stützen, die genau so scharf, wie es der Sozialdemo- kratie möglich ist, den Charakter der Schulen als Klassenschulen ge- kennzeichnet haben. Das gilt besonders von den höheren Lehr- anftalten, die, wie S t r ö b u l zahlenmäßig belegte, sich einer ganz besonderen Bevorzugung durch die Regierung erfreuen und denen gegenüber die Volksschule eine äußerst traurige Rolle spielt. Die Konstatierung dieser Tatsache war namentlich der Rechten und dem Zentrum höchst unangenehm, aber noch unangenehmer wurde ihnen zumute, als S t r ö b e l ihnen Aussprüche ihrer Führer ins Ge- dächtnis rief, die ganz unzweideutig dartun, daß diesen Parteien die jchlechtesten Schulen gerade gut genug für das Volk sind, wäh- rend sie für die höheren Schulen Aufwendungen über Aufwcndun- gen machen. Nach Erläuterung unseres grundsätzlichen Stand- Punktes beschäftigte sich Genosse Ströbel dann noch mit dem Lehrplan der höheren Schulen, er tadelte es. daß den Schülern der Kopf mit leerem Gedächtniskram vollgepfropft wird und kritisierte besonders scharf die Art, wie Geschichte bei uns zu Lande gelehrt wird. Der Präsident v. K r ö ch e r, der wohl der Meinung war, daß Abgeordnete, die den Eid auf die Verfassung geleistet haben, verpflichtet sind, die Geschichte zur Verherrlichung der Hohenzollern zu fälschen, suchte unser» Redner zwar wiederholt zu unterbrechen, aber ohne Erfolg. Ströbel führte seine Rede zu Ende, ohne der präsidialen Guillotine zu verfallen. Der Minister glaubte, die Ausführungen unseres Genossen damit„widerlegen" zu können, daß er ihn als einen weltfremden Theoretiker hinstellte. Das ist die leichteste und bequemste Methode, aber neu ist sie nicht. Mit Rücksicht'darauf, daß die Etatsücratung so langsam fort- schreitet, wurde die Debatte auf den Abend vertagt. Die gestrengen Herren. DaS muß man den edlen und erlauchten Herren der Ersten Kammer des Preußischen Landtages, diesen„geborenen" Gesetzgebern lassen: mit peinlichster Sorgsalt achten sie darauf, daß die Formen innegehalten werden, und mit größter Strenge gehen sie gegen die vor, die sich irgend einen formalen Verstoß zuschulden kommen lassen. Dabei machen sie natürlich— ausgehend von dem Grund- satz, daß vor dem Gesetze alle gleich sind— keinerlei Unterschied. Mag nun ein gewöhnlicher Sterblicher oder mag eine Körperschaft diese Todsünde begangen haben, Pardon wird nicht gewährt. In dem naiven Glauben, daß der Artikel 32 der Verfassung. der allen Preußen das Petitionsrecht gibt und auch Behörden und Korporationen davon nicht ausnimmt, nicht nur auf dem Papier steht, hatten sich fünf Magistrate bezw. Stadt- verordnetenversainmlungen— Königsberg, Chorlottenburg, Elberfeld, Barmen und Schöncberg— erdreistet, beim Herrenhause um Einführung des ReichstagSwahlrechis für Preußen bezw. um Ersatz der öffentlichen Stimmabgabe durch die geheime und um eine neue WahlkreiSeinteilung zu petitionieren. Wie aus dem Bericht der Kommission über die Wablrechtsvorlage hervorgeht, schlug der Berichterstatter Gras v. Behr-Behrenhoff kurzerhand vor. diese Petitionen als zur Erörterung im Plenum nicht geeignet zu bezeichnen, da die städtischen Körperschaften ihre Zuständigkeit über- schritten hätten. Wenn das auch im Bericht nicht ausdrücklich gesagt ist, so wird man doch nicht fehlgehen in der Annahme, daß Herr v. B e h r sich dabei auf die bekannte Verfügung der Regierung vom Jahre 1863 stützt, wonach Gemeindevertretungen nicht das Recht zu- stehe, Petitionen in betreff ollgemeiner SlaatSverfassungsangelegen- heiten anzubringen. Zwar hat sich daS Abgeordnetenhaus bereits in den Jahren 1860 und 186S im entgegengesetzten Sinne ans- gesprochen und auch jetzt wieder bei Beratung der Wahlrechts« Vorlage stillschweigend die Zulässigkeit solcher Petitionen erklärt, aber was will daS besagen? DaS Abgeordnetenhaus ist ja ein Pnr- lament, das aus Wahlen, wenn auch auf Grund eines ganz erbärmlichen Wahlrechts, hervorgegangen ist, und auf ein solches Parlament blickt natürlich ein Gebilde wie daS Preußische Herrenhaus, in dem die Erbweisheit vereinigt ist, mit Verachtung herab. Die„geborenen" Gesetzgeber sind die einzigen, die wissen, was in Preußen Rechtens ist, und so trat denn die Kommission mit großer Mehrheit dem An- trage des Berichterstatters bei. Allerdings so ganz unwidersprochen ist die Auffassung des Referenten auch in der Kommission nicht geblieben. Unter Bezug- nähme auf die Rechtsprechung de? Oberverwaltungsgerichts, wonach die Stadtverwaltungen sich mit allgemeinen Landesangelegenheiten nur dann befassen dürfen, wenn zugleich lokale Interessen in Frage stehen, machte ein Redner— wahrscheinlich so einer von der äußersten „Linken", die ja immer widersprechen muß— den schüchternen Ver- such, den Berichterstatter zu veranlassen, er möge doch erst einmal den Inhalt der Petitionen im einzelnen vortragen, damit man prüfen könne, ob vielleicht lokale Interessen in Frage kommen. Aber da kam er schön an. Man berief sich einfach auf den Z 135 der Städteordnung, aber nicht etwa auf seinen Wortlaut, sondern aus feine reaktionäre Auslegung durch daS Oberverwaltungsgericht, das bekanntlich seinerzeit die Petition der Stadt Berlin gegen die Umsturzvorlage und den Beschluß der Reichs- Hauptstadt, auf den Gräbern der Märzgefallenen einen Kranz niederzulegen, als unzulässig bezeichnet hat, und auch der Minister des Innern eilte dem Berichterstatter zu Hilfe. Er wiederholte das von einem KommissionSmitglied geprägte Wort, es sei sehr leicht, Petitionen so zu fassen, daß sie den Anschein erweckte», als ob in ihren besondere lokale Interessen vertreten werden, und befürwortete den unerhörlen Antrag deS Referenten. Also nicht nur die Stimme deS Volkes, sondern auch die Wünsche von sogenannten SelbstverwaltungSkürpern verhallen ungehört. Der preußische Landtag wirft ihre Petitionen einfach in den Papierkorb, er verhöhnt alle, die anderer Meinung sind als er, und tritt das SelbstverwaltungSrecht mit Füßen. Ein Hoch aufs freie Wahlrecht— Verhöhnung der Polizei! Noch such die Wahlrcchtsprozessr vor dem Schöffengericht zu Frankfurt a. M. nicht beendet und schon arbeitet die Be- r u f u n g s i n st a n z, vor der eine große Zahl der Prozesse wieder- kehren dürften. Die Frankfurter Strafkammer hob dieser Tage das einzig vernünftige Urteil des Schöffengerichts in den Wahl- rcchtsprozessen auf. Einen Angeklagten, der ein H o ch a u f das freie Wahlrecht ausbrachte, hatte das Schöffengericht frei- gesprochen. Uich zwar mit der richtigen Begründung, daß nach den bisherigen Erfahrungen mit Demonstrationsumzügen in solchem Hochruf eineBelästigungdesPublikumsnicht zu erblicken sei. Die Straflammer hob die Frei» fprechung auf und verurteilte den Angeklagten wegen „groben Unfugs" zu 30 M. Geldstrafe. Der Angeklagte habe lediglich demonstriert, um die Maßnahme der Polizei zu vereiteln. Sein Verhalten sei mit der öffent- lichen Ordnung nicht vereinbar und für das Publikum belästigend! Nach der Frankfurter und auch der GerichtspraxiS anderer Orte ist ein Hochruf aus das freie Wahlrecht immer„ordnungs- störend". Mit ihm Mollen die Demonstxanten— fo hieß es in allen Urteilsbegründungen in Frankfurt a. M.— nicht einer politischen Meinung Ausdruck geben, sondern nur die Polizei ver» höhnen— natürlich auch dann, wenn diese gerade nicht da ist. Es entsteht nun die Preisfrage, wie man ein Hoch ausbringen kann, ohne dabei die Polizei zu verhöhnen!!——— * Anders urteilt das Schöffengericht in Herne i. Wests. Die Polizeiverwaltung zu Bochum hatte drei Genossen wegen groben Unfugs, angeblich verübt durch Hochrufe und wegen Nicht- befolgung polizeilicher Anordnungen mit Strafmandaten bis zu 30 Mark bedacht. Vor dem Schöffengericht stellte sich in zwei Fällen heraus, daß die als Zeugen vernommenen Schutz- leute und Geheimpolizisten nur aussagen konnten, die Betreffenden hätten den Hut gelüftet. Die zwei Angeklagten wurden deshalb freigesprochen. Aber auch im dritten Falle, in ivelchem das Hochrufen ais erwiesen angesehen wuvde, erklärte das Gericht, daß es der Auffassung der Schutzleute und des Vertreters der Staatsanwaltschaft, daß durch das Hochrufen die öffent- liche Ordnung gestört werde, nicht beitreten kömre. Es erfolgte deshalb auch in diesem Falle Freisprechung. Auch wegen angeblicher Nichtbefolgung polizeilicher Anordnungen wurden die Angeklagten freigesprochen, weil die Schutzleute nicht behaupten konnten, daß sie die Angeklagten überhaupt aufgefordert hatten, weiter zu gehen. Russischer Galgen und preußische Polizei. Vor wenigen Tagen haben wir berichten können, daß wieder eine Anzahl Beamter der politischen Abteilung des Berliner Polizeipräsidiums mit russischen Kreuzen und Medaillen ge- schmückt worden ist„Wenn der Papst Geld braucht, bevölkert er den Himmel mit Heiligen," sagt Luther; und wenn Väterchen Zar Futter für seine Galgen braucht? Unsere Leser erinnern sich des Falles MirSki. Zweimal hat er das Schwurgericht beschäftigt, beide Male konnte gegen den Ange- klagten nicht verhandelt werden, weil er nach den übereinstimmen- den Gutachten der Gerichtsärzte Dr. Leppmann und Dr. Hoff- mami geisteskrank war. Schließlich hat dies auch ein sehr ausfuhr- licheS Gutachten der städtischen Irrenanstalt Buch nach monate- langer Beobachtung ausgesprochen, und daraufhin hat der Staats- anwalt das Verfahren gegen den Angeklagten einstellen und den Haftbefehl aufheben lassen. Nun war doch der Kranke frei, sollte man meinen, und konnte hingehen und sich auskurieren lassen, wohin ihn seine Angehörigen und sein Vormund gehen lassen wollten! Die hilfreiche Polizei wußte es besser. Sie ließ den Geisteskranken nicht eher aus den Händen, als bis siedierussische Polizei von dem„guten Fang" benachrichtigt und ihn ihr an der russischen Grenze überliefert hatte. Jetzt kommt auS Tiflis, aus dem fernen Kaukasus, die Nachricht, daß Mirski, oder dielmehr Simeon Arschakoff Terpetrosow, wie sein richtiger Itame ist, vor das Kriegsgericht gestellt wird. Am ö. Mai findet die Verhandlung statt, und dem Angeklagten droht der Tod am Galgen. Das also ist die neueste Blüte preußischer Polizeikultur: An- gesehene deutsche Aerzte erklären einen Ausländer für unfähig, einer gerichtlichen Verhandlung zu folgen und eine Freiheitsstrafe zu überstehen. Ein deutsches Gericht entläßt darauf den Kran- ken als freien Mann. Die Berliner Polizei ergreift den Geistes- kranken und liefert ihn in„gottgewollter Abhängigkeit" von den Henker des Zaren dem russischen Kriegsgericht aus. Die preu- ßische Polizei als Zutreiberin des russischen Galgens l Und die Beamten, die den traurigen Transport ausführen, sonnen sich im Glänze russischer Ordenssterne. Es Wäre zum Lachen, wenn es nicht um Menschenleben ginge. Hat unsere Polizei nicht genug mit der Blutschuld, die sie gegenüber den Wahlrechtskämpfern auf sich lädt?__ Preußische„Dreier"-Juriften. Der preußische Justizminister will, dem Beispiel Baherns fol- gcnd, die auf Anstellung im Staatsdienst rechnenden Juristen klassi- fizieren. In Klasse A kommen die ganz hervorragenden, in Klasse L die weniger guten, die sich«rber noch über den Durchschnitt erheben, in Klasse C endlich alle diejenigen, die auf eine Anstellung nicht zu rechnen haben. In letzter Zeit soll bereits einer größeren Anzahl von Assessoren eröffnet worden sein, daß für sie keine Aussicht aus Anstellung bestehe. In juristischen Kreisen wird bezlveifelt, daß dieses Vorgehen mit dem Gerichtsverfassungsgesetz in Einklang zu bringen ist, denn dort wird die Befähigung zum Richteramt ledig- lich von der Ableguug ztveier Mristischer Prüfungen abhängig ge- macht._ Mandatsverzicht. Der Präsident des Reichstages, Graf von Schwerin. Lö- tv i tz beabsichtigt, wie die N. G. C. hört, nach Beendigung der dies- jährigen Session des preußischen Abgeordnetenhauses, also nach Erledigung der Wahlvorlage, sein Mandat für die preußische Zweite Kammer wegen Ueberbürdung niederzulegen. Graf Schwerin vertritt im Abgeordnetenhause seit lööö den Wahlkreis Stettin 1(Anklani-Demmin-Usedoui-Wollin). Dem Reichstage gehört er seit 1803 an._ Scharfmacher im Reichsamt für Sozialreform: Die„Köln. Volkszeitung" bringt eine Mitteilung, die Bände über die Aussichten der Sozialreforin unter dem Staatssekretär Delbrück spricht! Den„Münch. N. N." war jüngst auS Berlin gemeldet worden:„Im Zusammenhange mit verschiedenen anderen Tatsachen, die dafür sprechen, daß gegenwärtig in amtliche» Kreisen der Wille zu einer entschlossenen Sozialreforin abgeflaut habe, wird die Berufung zweier Geschäfts- führer großer Unternehinerorganisationen in den Reichsdienst viel besprochen. RegierungSrat B a r t e l S. der Beamter des Zentralverbandes deutscher Industrieller war, ist als Hilfsarbeiter in das ReichSversicherungSamt berufen worden, und Assessor v. Bodenstein, Beamter deS Bergbaulichen Vereins in Essen, soll im Kaiserlichen Statistischen Amt angestellt werden. Man will auch hierin ein Zeichen für den starken Einfluß sehen, den die Großindustrie im Reichsamt des Inner» besitzt, seitdem Staatssekretär Delbrück und UnterstaatSsekretär Richter die Geschäfte führen." Die„Deutsche Tageszeitung" hielt die Befürchtung des Münchener Blattes für„lächerlich wirkende Hellhörigkeit", weil nicht einzusehen sei, wie die beiden Herren, der eine im ReichSversicherungS- amt und der andere im Statistischen daS„Abflauen der Sozialreform" bewirken könnten. Dazu bemerkt nun die„Köln. Volksztg": „Wir geben jedoch der„Deutschen Tageszeitung" zu bedenken. daß zurzeit im Reichsamt des Inner» keine Vakanz»st. Was würde sie dazu sagen, wenn etlva die beiden genannten Herren— nach unserer Information handelt eS sich übrigens auch noch um eine dritte Persönlichkeit aus ähnlicher Stellung— demnächst in das ReichSamt deS Innern übersiedeln würden? Wir haben Grund anzunehmen, daß sie nur unter dieser Bedingung in den Reichsdieust übergetreten sind und daß sie entsprechende Zusicherungen erhalten haben. Es ist unleugbar, daß daS ReichSamt des Innern seit den. Aus- scheiden des Grafen Posadowsky von dem guten sozialpolitischen Geiste immer mehr verlassen worden ist." DaS Zentrumsblatt weiß natürlich genau Bescheid. Es werden also demnächst drei Herren, die Beamte der arbeiterfeindlichsten Unternehmerorganisationen Deutschlands waren, im ReichSamt dkS Innern die Sozialreform betreuen. Das wird gut werden! Der wertvolle Name. Graf v. P o s a d o w s k y- W eh n e r, der frühere Staats- minister, ist, wie der„Reichsbote" mitteilt, in den Aussichtsrat der Preußischen Lebensvcrsicherungs-Aktiengesellsckmft in Berlin ein- getreten. Der Graf scheint danach jede Üiückkehr in eine hohe amt- liche Stellung als ausgeschlossen zu betrachten. Christliche Gewerkschaften und die Postverwaltuug. Eine Interpellation wird, wie die„Köln. Volksztg." hört, von den den christlichen Gewerkschaften nahe- st ehe n den Reichstagsabgeordneten vorbereitet. Es handelt sich um folgenden Tatbestand. Der Reichstag hat im E t a t der Post- und Telegraphenverwaltung einige Millionen gestrichen, Die Postverwaltung will dies nun ausweinend mit der E n t l a s s ll n g von einigen tausend A r b e r t e r n beantworten. AuS Düsseldors wird gemeldet, daß dort bereits etwa 100 Telegraph enarbeiter, die dein christlichen Ler- bände angehören, entlassen worden sind. Die Interpellation will den Grund der Entlassung feststellen. Bei dieser Ge- legenheit soll auch die ganze Haltung, welche die Postverwaltung gegenüber den, christlichen Verbände einnimmt, einer Kritik unterzogen werden._ Schweiz. Gemeiudewahlcn. Zürich, 25. April.(Eig. Bei.) In der Stadt Zürich fanden gestern die städtischen Wahlen in der seit Jahren üblichen Weise statt. Im Kreise III Husiand. Der Streik der französischen Seeleute. Wie aus Marseille gemeldet wird, hat das Syndikat der einge- schriebenen Seeleute dem Präfekten ein Schriftstück überreicht, in welchem die Forderungen der eingeschriebenen Seeleute für die Wiederaufnahme der Arbeit bekanntgegeben werden. Danach soll die Frage der Beschäftigung von Schwarzen auf Schiffen, die nicht nach Ostasien fahren, ein für allemal geregelt werden. Ferner soll den eingeschriebenen Seeleuten das Recht zum Streik bestätigt und ihnen die Wiederanstellung an Bord der von ihnen verlassenen Schiffe zugesichert werden. Wie der„Eclair" behauptet, unterhandelt man gegenwärtig mit dem Syndikat der eingeschriebenen Seeleute, um sie zur Zu- .ückziehung der sozialistischen Kammerkandidatur zu bewegen und dadurch die Wiederwahl des in Stichwahl gelangenden Kammer- Präsidenten zu ermöglichen. Die eingeschriebenen Seeleute hätten die Bedingung gestellt, daß die Regierung die vom Ilnterstaats- sekretär Cherou während des Streiks beobachtete Haltung offen mißbillige._ Letzte lyadmchtcn und Dcpefchen. Keine Bauarbeiterausspcrrung in Bremen. Bremen, 27. April.(Privatdepesche des„Vorwärts".) In der heutigen Versammlung der Baugewerksmeister wurde erneut über die Aussperrung beschlossen. In der anderthalbstündigen sehr erregten Debatte kam auch ein Schreiben des Vereins deutscher Arbeitgeberverbände vom 20. April zur Verlesung, in welchem gesagt wird,„daß der Ausschuß in seiner Sitzung vom 19. April beschlossen habe, den Kampf mit allen Kräften zu unterstützen. Eine Niederlage oder ein ungerechtfertigtes Nachgeben der Bau- Unternehmer würde das übrige Unternehmertum schwer schädigen(!) und die Macht der Arbeiterorganisationen ungebühr- lich stärken". In der Debatte betonten die Sckiarfmacher, wenn die Aussperrung abgelehnt würde, heiße es. die Bremer haben keine Courage und man würde der Verachtung anheimfallen. Weshalb organisieren wir uns denn, wenn wir jetzt unsere Kol- legen im Stich lassen. Gegner der Aussperrung führten dagegen an. daß überhaupt kein Grund da sei und man nur unnützerweise namenloses Elend über viele Familien brächte. Schließlich wurde die Aussperrung mit 118 gegen 91 Stimmen abgelehnt. Weiter wurde beschlossen, auf Grund des am IS. April abgelaufenen Tarifs sofort mit dcn Arbeitern zu verhandrln. Zur Bremer Lehrerhatz. Bremen, 27. April.(Privatdepesche des„Vorwärts".) Die Lehrermaßregclungen in Bremen gehen weiter. Gestern und heute wurden wiederum einige Lehrer neu vernommen. Ersatzwahl im zweite« hessischen Reichstagswahlkreis. Tarmstadt, 27. April. Die Ersatzwahl im zweiten hesfi» chen Reichstagswahlkreise Friedberg-Büdingen ist nach einer amtlichen Mitteilung auf Mittwoch, den K. Juli, festgesetzt worden._ Wortbrüchig. Magdeburg, 27. April.(B. H.) DaS königliche Polizeiprä- idium zog die bereits erteilte Genehmigung zum Umzüge am Mai neuerdings wieder zurück mit der Begründung, daß bei der unbestimmten großen Zahl der Teilnehmer doch Gefahr für die öffentliche Sicherheit zu befürchten wäre, und der Umzug in den größeren und weiteren Bevölkerungskreisen Aufregung hervor- rufen könnte. Der Magistrat hatte schon früher die Benutzung der tädtischen Anlagen für Umzüge versagt: die Anlagen seien für das Publikum und nicht für Demonstrationen politischer Partei- leidenschaften!!! Vom eigenen Sohn erstochen. Köln, 27. April.(Privatdepesche des„Vorwärts".)' In dem eingemeindeten Vororte Kalk erstach ein 19jähriger Bursche seine» Bater nach voraufgegangenem geringfügigen Wortwechsel. Der Mörder entfloh, wurde aber später verhaftet. Betrügerischer Wachtmeister. Paris, 27. April. Tos Schwurgericht berurteilte den Gendarmerielvachtmeister Parva u x, der im Juni 1909 einen von Frankfurt nach Lissabon bestimmten Wertbrief, der über ISO 000 Mark lautete, unterschlagen hatte, zu 7 Jahren Zwangsarbeit. Berantw. Redakt.: Richard Barth. Berlin. Inseratenteil verantw.t Utz. Glocke. Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr.u.verIag»anftaU PaulSingerL- Co.. Berlin SW. Hierzu 3 Beilagen«.Unterhaltung»»!. it. 98. 27. Zahtynz. 1. KeilM Ks Jotinäils" Kkilim Psllislilstt. Donnerstag. 28. April(910. Reichstag 74. Sitzung vom Mittwoch, den 27. Spril, nachmittags 2 Uhr. Am BundeSratStiich: Wermuth, LiSco, v. Schoen. Auf der Tagesordnung steht zunächst die dritte Beratung der Vereinbarung über die Verlängerung des dentsch-schwedischen Handelsvertrages bis zum T. Dezember 491.1. Abg. Graf Könitz(k.): Angesichts der schwedischen Zollerhöhungen, welche unsere Industrie schwer schädigen, müssen unsere Unterhändler bei Abschluß des neuen Vertrages mit Energie die deutschen Interessen vertreten Die Vereinbarung wird angenommen. Es folgt die dritte Beratung des Gesetzentwurfs über die Haftung des Reiches für seine Beamten. Abg. Hein«(Soz.): Namens meiner Freunde habe ich zu er- klären, daß wir uns mit den Aenderungen, die der Entwurf in der zweiten Lesung erhalten hat, nicht einverstanden erklären können! ebenso können wir die Ausnahme der farbigen Beamten von der Haftung nicht anerkennen; im übrigen werden wir dem Gesetz zustimmen. Damit schließt die Diskussion; der Entwurf wird mit einer von den Abgg. SchultzK und die Uebersichlen der Einnahmen und Ausgaben des TchutzgcdieteS Kiautschon für 1904 und 1995 an- genommen. Es folgt die dritte Bcrawng deS von mehreren Parteien ein- gebrachten Gesetzentwurfes über die Gewährung von Beihilfen an Kriegsteilnehmer. Abg. Prinz zu Schönaich-Carolath fnatl.): Leider herrschen über die DeckimgSfrage so starke Mei»uiigsvcrichiedenheiten, daß die Ber- kündeten Regierungen auf den Mangel an Deckung verweisen können, wenn sie dem Entwurf nicht zustimmen. Meine politischen Freunde ersuchen daher den Reichsschatzsekrelär, auf dem Wege der freien Konferenzen mit Mitgliedern der verschiedenen Parteien über die Deckung zu beraten. Reichsschatzsekrelär Wermuth: Mehrfach wurde vom Schatz. sekretär verlangt, er solle die Initiative zur Ausarbeitung einer Wehrsteucr ergreifen. Nun. im Reichsschatzamt sind sechs Ent- würfe einer Wehr st euer ausgearbeitet. Unsere Diskrepanz fZwiespalt) liegt darin, daß Sie einen fertigen Gesetzentwurs uns unterbreiten und für die Deckung nur einen Ge- danken anregen. Daraus kann sich ein Schatzsekretär, der sich seiner Pflicht bewußt ist, nicht einlassen. Ich habe die Hoffnung gehegt und hege sie noch, daß von der Reichswertzuwachs st euer ein mäßiger Betrag sich für die Veteranen wird flüssig machen lassen. Dabei kommt aber alles aus die Gestaltung und die Zeit der Ber« abschiedung des Gesetzes an. Abg. GröberGroße Heiterkeit.) Redner ergeht sich im Kriegervereinston in Lobpreisungen der Veteranen und der Wehrsteuer.(Wiederholtes ironisches Bravo I links und in der Milte.) Abg. Dr. Arendt(Rp.): Alle Parteien sind einig darin, daß etwas für die Veteranen geschehen soll; daher wird man auch über den Weg dazu einig werden müssen.(Bravo I rechts.) Reichsschatzsekrelär Wermuth erklärt, den angeregten Gedanken einer Konferenz keineswegs von der Hand weisen zu wollen. Abg. Lehmann-Wiesbaden(Soz.): Es macht doch einen eigentümlichen Eindruck, daß bei der Beratung über die Veteranenbeihilfen immer darauf hingewiesen wird, daß wir kein Geld haben. Es sollen doch nicht bestimmte Steuern zu bessimmten Zwecken bewilligt werden, sondern die Steuern werden allgemein aufgebracht. Wenn wir die Ausgaben für die Veteranen für notwendig halten und der Bundesrat zustimmt, so werden wir auch die notwendigen Mittel bewilligen.(Zustimmung bei den Sozialdemokraten.)— Herr Bindewald versucht es so darzustellen, als ob das Gesetz deshalb scheitern wird, weil im vorigen Jahre ein Wehrsteuerentwurf nicht eingebracht war. ES war aber un vorigen Jahre«ine Wehrsteuer beantragt, die mit der Erbschaftssteuer verbunden war.(Sehr richtig I links.) Aber gerade die Herren rechts haben diese Steuer abgelehnt.(Lebhafte Zustimmung links.) Abg. Prinz Schönaich-Carolath(notl.) und Dr. Gemler(natl.) fragen den Staatssekretär, wie sich daS Verhältnis der Jsteinnahme (wirklichen Einnahme) zu der Solleinnahme(Veranschlagung) auS den neuen Steuern stelle. Echaysekrelär Wermuth: Ueber die Frage habe ich mich bereits in der Budgetkommission ausgesprochen. Vielleicht erinnert stch Herr Dr. Semler, wenn er zufällig anwesend gewesen ist(Große Heiter- keit) meiner Ausführungen über diese Frage. Ich habe dort aus- geführt, daß naturgemäß abschließende Ergebnisse noch nicht vorliegen, daß aber die bisherigen Erträge im Durchschnitt mindestens der Veranschlagung entsprechen. Die Diskussion schließt. Die drei Anträge werden tu bloc einstimmig angenommen.(Leb- hafte« allseitiges Bravo!) Damit ist die Tagesordnung erschöpft. Hieraus vertagt stch das Haus auf Freitag 2 N h r.(Handels- vertrag mit Aegypten, Nachtragsetats, Ausgaben für Südwestafrika (Lex Erzberger), Stellenvermittelungsgesetz.) Schluß 4V4 Uhr._ Raum gebietet natürlich Belgien. da» vor allem ein Bild seiner Arbeit und seiner Kunst gibt, das ausführlichere Würdi« gung verdient, mit eingeschlossen jener Pavillon, der die Zeugnisse des heimischen FrauenfleißeS und de» Frauenelends enthält. In einem vornehm einfachen architektonischen Gewände präsentiert sich die deutsche A u S st« l l u n g, an der Künstler wie S e i d l, Bruno Paul, Peter Behrens u. a. mitgearbeitet haben. Sie bietet in einem vollendet künstlerischen Rahmen eine erhebende Schaustellung deutschen Arbeitsgeistes. Das Gebäude ist innen und außen m heiteres Weiß gekleidet und in seiner anmutigen, schlichten Gticderung, mit den gewellten Dächern, der modern gehaltenen GlaStäfelung, den Hannonisch angefügten Seitenflügeln, übt es, durch Kontrastwirkungen der Umgebung noch gehoben, einen ein- dringlichen, ästhetischen Zauber. Vollends die Jnnenräume in ihrer stimmungsvollen Anordnung, immer in harmonischer Wirkung mit dem Sinn und Zweck der ausgestellten Gegenstände, find voll zarten und intimen Reizes. Wie ein Symbol des modernen Deutsch- land wirkt die mächtige Maschinenhalle mit ihren blinkenden Un- getümcn in Eisen, aus deren Leib eine schreckliche und geheimnisvolle Macht zu drohen scheint.— Ein flüchtiger Gang durch die Räume der deutschei, Abteilung zeigte uns noch eine minutiös- detaillierte UnterrichtsauSstellung moderner Kunstgewerbe und eine Bilderausstellung. Die deutsche Ausstellung hat auch den Ruhm, daß sie sich am Eröffnungstage fast in fertiger Toilette präsentierte, was nicht gerade allen Sektionen nachgesagt werden kann... Deutsche Pünktlichkeit I— Es sieht sogar— aber bei welcher Weltausstellung wäre das anders?— noch zienilich wüst aus. Gerüste da und dort, halb- fertige Gebäude, in deren öden Fensterhöhlen noch das Grauen wohnt.... Am pünktlichsten funktionieren natürlich die verschiedenen Etabliffements zur Stillung des Durstes, der sich bei AuSstellungS- besuchern noch in erhöhlerem Maße einzustellen scheint, denn nach der langen ermüdenden Wanderung ist eS uns nicht geglückt, im Pavillon deS „Maison du Peuple' trotz seines so freundlich ansprechenden „Welkom" auch nur ein Eckchen zu finden. Nicht minder umlagert war die Bäckerei deS sozialistischen VolkShauseS, wo das duftende Gebäck vor den Augen des Publikums zubereitet und gebacken wird. Auch der König will da, wie eS heißt, nächstens einkehren. Der Eröffnungstag selbst vollzog sich mit all dem umständlichen, aber immer so pittoresken Pomp, den die Belgier all ihren Festen zu geben verstehen: daS sozialistische Proletariat ebenso wie daS vergniigungSsclige Kleinbürgertum oder die»oberen Zehntausend'. Daß der König in seinem Dank an die Schöpfer der AuS- st e l I u n g auch den an die Arbeiter einschloß, mag, schon weil daS nicht aller Monarchen und hoher Herren Gewohnheit ist, ver- merkt werden. Auch der Präsident deS Exekutivkomitees Baron Janffens sprach in seiner Eröffnungsrede von»allen Arbeitern, den»niedrigsten' wie den»höchsten'; und an einer anderen Stelle MgeordnetenKaiis. 69. Sitzung vom Mittwoch, den 27. April» vormittags 10 Uhr. Am Ministertisch: v. TrottzuSolz. Die zweite Beratung de« Kultusetats wird fortgesetzt beim Kapitel»Höhere Lehranstalten�. Abg. Eickhoff(Fortschr. Vp.) begründet die Erhöhung der Ans« Wendungen für die höheren Lehranstalten, erörtert das Verhältnis der Kuratorien zu den Oberlehrern und die neue Dienstordnung für Direktoren und Oberlehrer. In der sexuellen Belehrung ist die größte Zurückhaltung notwendig. Sie wird am besten den Familien überlasten. Dringend geboten ist die staatsbürgerliche Erziehung unserer Jugend, werden doch vielfach die sogenannten gebildeten Kreise in dieser Beziehimg von den Arbeitern übertrosfen. Viel- fach fehlt es noch an geeigneten Lehrkräften für diesen Unterricht. Daher ist es erfreulich, daß versuchsweise an den Universitäten Lehraufträge für Bürgerkunde erteilt werden sollen. Erwünscht wäre eine Mitteilung des Ministers über die Erfolge des biologischen Unterrichts. Die Zahl der Reformschulen ist in erfreu- lichcr Zunahme begriffen. Zu begrüßen ist auch die Vermehrung der Realgymnasien und Oberrealschulen. Angesichts dieser Fort« schritte verlohnt eS sich nicht, auf das Gerede exaltierter Pädagogen wie Gurlitt einzugehen. Es geht durch unser Schulwel'en ein frischer, moderner Zug. Abg. Ströbcl(Soz.): Als ich im vorigen Jahre nachwies, daß auch die höheren Schulen Klastenanstalten seien, fand ich lebhaften Widerspruch auch bei Herr» Cassel. Ein liberaler Pädagoge aber wie T e w S schreibt am 14. April 1910 genau daS, was ich im vorigen Jahre ausgeführt habe, daß in preußische Volksschulen 6>/g Millionen Schüler gingen, in höhere Lehranstalten Iknaben 180 000, Mädchen 70 000, zusammen 250 000. Daraus folgert er mit Recht, daß die höheren Schulen Standcsschulen, Klasscnschulen seien. Er sagt sehr richtig, den 3 Millionen sei ein Uebertritt ans höhere Schulen nicht möglich, eS werde nicht gefragt, ob bei ihnen das Bedürfnis zur AnSbildung in höheren Lehranstalten vor- handen sei. Herr Caffel suchte mich dadurch zu widerlegen, daß er auf die 10 Prozent Freistellen in Berlin hinwies. Schon diese Zahl sei ja außerordentlich gering und schafft die Tatsache nicht aus der Welt, daß die höheren Lehranstalten besonders begünstigt werden. Ein Beweis dafür ist auch, daß auf den Kopf des Volks- schülers in Preußen 46 M. Ausgaben überhaupt entfallen, auf den Schüler höherer Schulen 300 M. und an den Universitäten auf den Kops mehr als 700 M., der staatliche Zuschuß bettägt hier allein 540 M. Die kommunalen Ausgaben sind bei dieser Berechnung von 46 M. pro Volksschüler natürlich mit eingeschlossen, auch werden ja für höhere Schulen kommunale Ausgaben in hohem Maße gemacht. Sie sehen also, wie die höheren Schulen begünstigt werden, weil die Schüler Angehörige der besitzenden Klassen sind. Ans diesen Zahlen geht hervor, wie außerordentlich traurig eS um unsere eigentliche Volksbildung steht. Es mühte die Möglichkeit für jeden normalen Schüler geboten sein, auch eine höhere Schule zu besuchen. Mit Herrn Tcws stehen wir auf dem Standpunkt, daß mindestens ein gemeinsamer Ausbau für die Volksschulen und die höheren Schulen vorhanden sein müßte. Die Freistellen kommen, wie gesagt, auch numerrsch fast gar nicht in Betracht, dazu kommt, daß sie vielfach zu Gesinnungsschnüffelei führen. Im übrigen ist ja auch die Ausbildung, ganz abgesehen von dem Unterricht auf den höheren Sckmlen, so teuer, daß ein Proletarier dieselbe seinen Kindern nicht gewähren kann. Die Statistik beweist, daß nur ein ziemlich geringer Prozentsatz von Söhnen bester gestellter Arbeiter auf höheren Schulen oder Universitäten stch findet. ES befanden sich im Jahre 1900 unter fast 13099 lluivcrsitätSschülcro nur 12 Arbeltersöhne. (Hört I hört! bei den Soziaidemokraten.) Nun wollen allerdings die bürgerlichen Parteien gar nicht, daß das Privileg. daS die befitzenden Klassen aus die höheren Schulen haben, durchbrochen wird und daß die große Masse des Volkes der höheren Bildung teilhaftig wird. Ich erinnere an Aeußerungen eines Professors in der»Berliner akademischen Wochenschrift', wo eS heißt, daß bei den Philologen sich ein zu starker Prozentsatz von Söhnen der nichtbesitzenden Klassen eindränge. Er beruft sich auf Paulien dafür, daß das Unglück des Standes der Zuzug aus arinen und ungebildeten Familien sei, von den»Künstlern, Ingenieuren, Unternehmern wie von der Armee der unbekannten Arbeiter, derenHände die Paläste aufgebaut haben!' Anders freilich sprach sich ein Gärtner aus, ber mit den anderen Arbeitern für die Zeit des EröffnungSrummels verabschiedet worden war.»Eo geht'S m der Welt', sagte er.»Wir haben die Paläste gebaut, sie sind fast fertig. Man hat unS nicht mehr nötig und verabschiedet uns.... Und wenn wir keine Arbeit haben, werden wir nicht einmal daS Eintrittsgeld haben, um uns das anzuschauen, was wir geschaffen haben....' Abend wird'S. Licht um Licht erglüht. Die sechsspännigen Hofwagen mit den rotbcfrackten Lakaien sind längst in die Paläste zurückgekehrt— der Erösfiiungsrummel neigt seinem Ende. Von der Vergnügungsplaine herüber klingt der dump fmelancholischeTrommel- schlag aus dem»Dorf der Seiiegalneger", die, obwohl sie von so weit her kamen, auf Pünktlichkeit hielten.... Aus dem Thomasbräu erschallt der frische Gesang bajuvarischer .Dirndln'. Am grauen Abendhimmcl lagert ein greller, zitronen- gelber Schein und flimmert über das.RubenShauS', das die Stadt Antwerpen in Nachbildung des echten Antwerpener Palastes errichtet hat. Die im bläulichen Licht stäubende Fontäne singt eine zarte Melodie. Von den Blumenterrasten steigt der betäubende Dust der Hyazimhenselder auf, der den müden Ausstellungöbummler bis zum Ausgang geleitet. Nicht alle kehren da beim; mancher steigt noch die Steintreppe nach»Alt-Brüffel' hinauf, das unter dem vielsagenden Titel.Bruxelles-Kcrmesse' den Einheimischen und den Fremden lockt. Zweifellos: Die Ausstellung verspricht einen Triumph und ihr Inhalt und ihre Ausschmückung wird Hunderttausende mit Recht begeistern. Ihr Ruhm wird aber vor allem sein, daß sie eine Schaustellung der mächtigen, alles umfassenden menschlichett Arbeit ist._ Kleined fcinllcton. Seltsaiiie Bücher. Von den wunderlichen Fragen, über die in früheren Jahrhunderten Bücher verfaßt wurden, und von denen wir neulich eine Probe gaben, hat auch Jean Paul in seinem»OuintuS Fixlein' eine Reihe mitgeteilt. In dem Helden dieser Idylle ver- spottet Jean Paul die philologische Schnüffelei. Er läßt ihn an einer Sammlung der Druckfehler in deutschen Schriften arbeiten. wobei die Druckfehler untereinander verglichen werden. Fixlein zeigt, welche am meisten vorkommen, bemerkt, daß daraus wichtige Resultate zu ziehen seien, und rät dem Leser,— sie zu ziehen. Jean Paul läßt den Fixlein auch für eine Statistik der Buchstaben in der Bibel eintreten. Er fragt:«Ist es genau untersucht, welches in ihr das mittelste Wort oder der mittelste Buchstabe fei, welcher Vokal am wenigsten vorkomme und wie oft jeder?— Tausend Bibel- freunde gehen auS der Welt, ohne zu erfahren, daß das deutsche ll S23 015 mal... in ihrer Bibel stehe.' Diese Zahl hatte die eine recht dürftige wissenschaftliche Bildung Hütten. DaZ ist natürlich Unsinn, denn sie müssen ja dieselben Examina machen wie die anderen. Der Professor spricht aber auch weiter von einer un- gulänglichen gesellschaftlichen Bildung, die diese Studierenden mit brächten und wodurch sie den ganzen Stand blosstelltcn. Daraus spricht ein ganz unerhörter Standesdünkel.(Sehr wahr l bei den Sozialdemokraten.) Dah die Herren der Rechten und des Zentrums der Meinung sind, daß für das gewöhnliche Volk die schlechteste Volksschule noch gerade gut genug ist, dafür liefern viele Aeußerungen hervor- ragender Politiker aus diesen Kreisen den Beweis. So sagte Herr v. Hammer st ein 1896:»Die Kindep sollen lesen, schreiben nni rechnet lernen; für weitergehende Kenntnisse sehe ich kein Bedürfnis." Frhr. v. G a m p sagte 1899:.ES empfehle sich, daS schulpflichtige Alter um ein Jahr zu vermindern, um der Landwirtschaft mehr jugendliche Arbeiter zuzuführen." (Hört I hört! bei den Sozialdemokraten.) Und Herr Peter Steichensperger vom Zentrum meinte 1893:.Bat er ländische Geschichte. Geographie, Naturkunde und Zeichnen— daS sind alles recht schöne Dinge, aber nach meiner Ueberzeugung 'ein überflüssiger falscher LnxnS." (Hört! hört l bei den Sozialdemokraten.) Die besitzenden Klassen betrachten eben die höhere Bildung nur unter dem Gesichtswinkel der Standes« und Berufsbildung als Vorbedingung für eine Au stellung. Interessant ist in dieser Richtung auch, datz auf dem dritten Hochschullehrertag in Leipzig im vorigen Jahre eine Resolution deS Professors Kröpelin, der eine kräftige materielle Unterstützung für begabte Mittelschüler verlangte, damit sie die akademische Laufbahn beschreiten können, abgelehnt wurde(Hört I hört I bei den Sozialdemokraten), und daS waren nicht einmal preußische, sondern süddeutsche Professoren. Als Begründung führte man an, eS gäbe kein Mittel, die hervorragende Begabung aus der Schule überhaupt mit einiger Sicherheit festzustellen. Pro fessor Lujo Brentano betonte z. B., daß die meisten Schüler des Maximilianeums in Bayern, in welches die ausgezeichneten Schüler oller Gymnasien entsandt würden, später im ersten Examen durchfielen. Er sagte:.TS find aus den, Maximilianeum ausgezeichnete Beamte hervorgegangen. Menschen, die alle Paragraphen kennen- die ausgezeichnetsten bayerischen Univerfitätsprofessoren sind nicht auS dem Maximilianeum hervorgegangen." Professor B i n d i n g auS Leipzig betonte, daß Schüler, die auf der Schule als kodderig gegolten hätten, ganz hervorragende Menschen geworden seien. Professor Wach führte an, daß der hervor- ragende Astronom Besse! seinem Rektor oft gesagt habe, daß die Schule alle verderbe. Das beweist eben, was ich im vorigen Jahre schon sagte, daß unsere höheren Schulen in Formalismus und Pedanterie erstarrt sind, daß zu viel leerer Gedächtniskram ge- trieben, zu wenig lebendiges Wissen gelehrt wird. Diese Behaup- tung, die damals die Herren Cassel und Maurer als maßlose Uebertreibung bezeichneten, wird durch diese Aeußerungen hervor« ragender Hochschullehrer bestätigt. Daß Schüler tatsächlich zu sehr vollgepfropft werden mit leerem Gedächtniskram, der für das spätere Leben unfruchtbar ist. beweisen die Lehrpläne der Gymnasien. So entfallen in der Sexta auf Latein allein 8 Stunden, auf Religion 3, in den 3—4 Stunden Deutsch Ivird auch sehr viel Grammatik getrieben. Auf die organischen lebendigen Lebenskräfte in den Kindern wird keine Rücksicht ge- nommeu. Wenn so in die Kinder ein ganz bestimmtes Pensum von Fonneln und Gedächtniskram hineingepfropft wird, ist es kein Wunder, daß ihnen der Unterricht nicht besonders erquicklich ist, daß sie allerlei Allotria treiben, sich Schülerverbindungen anschließen, um ein Gegengewicht gegen den ö d e n D r i l l zu haben, und daß ihnen Jndianergeschichten von Karl May und die Sherlock HolmeS- Geschichten die Lieblingslektüren find, zumal ja auch an diesen dramatisierten Sherlock HolmrS-Geschichten sehr hohe Personen außer- ordentliches Juteresse genommen haben.(Hörtl hört! bei den Sozialdemokraten.) Wir schätzen die klassische Bildung und haben gar nichts gegen das humanistische Gymnasium. Aber man soll die Schüler nicht, wie daS heute geschieht, gewissermaßen geistig verkrüppeln lassen. Der deutsche Unterricht verdient viel mehr Berückfichtigung und vor allem müßte mehr Geschichte gelehrt werden, allerdings nicht Geschichte in Form von öden Datensammlungen oder in Forin einer Geschichte der Kriegshändel von Königen oder Feldherren, sondern in Fonn der Kulturgeschichte, der Geschichte sozialer Zusammenhänge. Aber solche Kulturgeschichte kann man bei uns nickt gebrauchen, weil sie nicht erzieht zum BqzantiniS- mus und zum beschrankten Untertaneusinn.(Sehr wahrl b. d.Soz.) Der freisinnige ehemalige Bürgermeister Lothar Schücking schreibt sehr richtig über den Geschichtsunterricht auf unseren höheren Lehr- anstalten:.Bor allen Dingen soll nach dem anttlichen Lehrplan auch auf die Verwerflichkeit aller gewaltsamen Per« die Erlanaer Bibelanstalt ermittelt, nachdem Jean Paul in der ersten Auflage seines Romans durch Fixlein nur 116 3V1 hatte zählen lassen, mit dem Hinzufügen:.Ich wünschte, daß Blbelforscher unter den Rezensenten es öffentlich anzeigten, wenn fie diese Zahl nach einer genauen Nachzählung unrichtig befänden." Ouintus Fixlein befitzt auch ein»alphabetisches Lexikon von deutschen Bücherpränumeranten".»Am liebsten gebar er Entwürfe zu Büchern. Daher nähete er ein starkes Werk, tvorin er blas den Gelehrten rieth, was sie zu schreiben hätten in der Gelehrten- geschichte." OuintuS Fixlein kann sich bei solchen Arbeiten aus eine Menge bekannter Vorbilder berufen, von denen Jean Paul, ein eifriger Sammler solcher Kuriositäten, folgende anführt. Ein gewisser H o m m e l hatte einst»ein Register von Ju- risten gegeben, die Hurenkinder gewesen, von anderen, die Heilige geworden". B a i l e t zählte die Gelehrten zusammen, die etwas hatten schreiben wollen. Ancillon die, die gar nichts geschrieben. Der Lübecker Superintendent Götze schrieb über die Gelehrten, die Schuster waren, und über.die, die ersoffen". Endlich schrieb„Bernhard von Gelehrten, deren Fata und Lebenslauf im Mutterleibe erheblich waren". Nun schlägt Jean Pauls Fixlein ähnliche Schriften vor:»z. B. von Gelehrten, die ungelehrt waren — von ganz boshaften— von solchen, die ihr eigene» Haar ge- tragen... von Gelehrten, die eine noch abscheulichere Hand als andere Gelehrte schrieben— oder von Gelehrten, die einander in keine Haare gerieten als in die am Kinn"(wovon keine als nur PhilelphuS und ThimotheuS bekannt sind). Diese beiden stritten über das Maß einer Gilbe; der Preis war der Bart deS Besiegten, und ThimotheuS büßte seinen ein. Notizen. — Vorträge. Dr. G. Wegener wird am Sonnabend, den 30., abends 8 Uhr in der Urania über:»Mein Besuch der Provinz Hunan und der Stadt Tschangscha" unter Vorführung eigener photographischer Aufnahmen sprechen.(Diese im Herzen Chinas ge- legene Landschaft ist zurzeit der Herd gefährlicher fremdenfeindlicher Unruhen.) Insbesondere wird er seine Wanderungen durch die Hauptstadt Tschangscha schildern, die eine der reichsten und glänzendsten Städte Chinas, bis vor wenia mehr als einem Jahr- zehnt den Europäern vollkommen unzugänglich war. ■— B j ö r n s o n ist Dienstagabend in Paris gestorben. Eine Seitlang schien es, als ob der Bärenstarke trotz seiner 77 Jahre der rankheit, die ihn seit Monaten in Paris fesselte, noch einmal Herr werden könnte. Nun ist er, von seiner Familie umgeben, ihr doch erlegen— ohne Todeskampf. Die Leiche wird nach Kopenhagen übergeführt und von dort auf einem norwegischen Kriegsschiff nach Kristiania gebracht werden. Im Storthing hielt Mittwoch vormittag der Präfident eine Gedächtnisrede auf Björnson. Der Storthing beschloß, die Ueberführung der Leiche und das Begräbnis des Dichters auf Staatskosten zu bewirke». Darauf wurde die Sitzung zum Zeichen der Trauer aufgehoben. Sämtliche Theater haben ihre Bor- stellungen abgesagt. suche der Uenderung sozialer Ordnungen' und»die Verdienste unseres Herrscherhauses um die Förderung des Volks Wohls" hingewiesen werden, desgleichen auf.daS Ver- häuguisvolle unberechtigter sozialer Bestrebungen der Gegenwart"..Der Jugend soll die Ueberzeugung ver- schafft werden, daß die Lehren der Sozialdemokratie nicht nur de» göttlichen Geboren und der christlichen Sittenlehre wider- sprechen, sondern in der Wirklichkeit unausführbar und in ibren Konsequenzen dem Einzelnen und dem Ganzen gleich verderblich sind." So heißt es wörtlich ln dem amtlichen Lehrplan. Schückuig fährt fort:„Diese Anweisungen in dem Lehrplan bilden ein durch dachtcS reaktionäres Programm. Bon preußischer Verfaffungs geschichte ist nicht die Rede. Dagegen soll den Schülern ein Abscheu vor der Revolution und Verachtung für die Sozialdemokratie eingeprägt werden.(Hört I hört l bei den Sozialdemokraten.) Wie können wir uns da noch über den mangelnden politischen Sinn der Jugend wundern, wenn wir die Existenz deS StaatSgrundgesetzeS bis zum Abgang zur Universität verschweigen?! Wie können wir unS wundern, daß das Bürgertum so ungern mit den Sozialisten gegen die Junker Front macht, wenn die Sozialistenverachtung auf allen höheren Schulen Preußens planmäßig betrieben wird." Bei solchen An- Weisungen ist ein obsektiver Geschichtsunterricht auf den höheren Schulen gar nicht möglich. Wenn Herr Kirschner im Herren- hause gesagt hat, daß Preußen unter dem Absolutismus das höchste geleistet habe, so ist das ein« ganz falsche byzantinische GeschichtS auffassung.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) WaS an Reformen bis 1848 durchgesetzt wurde, ist gewissermaßen erzwungen worden durch die ftauzösische Revolution, die danach folgenden Kriege und den Zusammenbruch deS alten preußischen Systems im Jahre 1807. Wie die Junker z. B. gegen die Frhr. v. Steinsche Bauernbefreiung waren, beweist die Aeußerung eines Junkers: Lieber dreimal noch ein Auerstädt, als eine solche Reform.(Hörtl hörtl bei den Sozialdem.) Soweit Preußen über Haupt ein Kulturstaat ist, ist seine Borwärtsentwickelung nicht auf die preußischen Herrscher zurückzuführen, sondern auf du sozialen und ökonomischen Triebkräfte und den Drang der BolkSmassen nach EntWickelung.(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Preußen ist militärisch groß geworden, weil es kulturell rückständig war. Wie der Große Kurfürst den Adel für sich gewann, indem er den Junkern die Bauern preisgab, wird in unseren Schulen nicht gelehrt, auch nicht, wie die preußischen Könige nach den Befteiungskriegen ihr gegebenes Wort nicht erfüllten, wie man 1848 die Revolution pro- dozierte usw.(Sehr wahrl bei den Sozialdemokraten.) Gegen einen Geschichtsunterricht, wie er nach dem Lcbrplan gegeben werden soll, wie er der Wahrheit und den Tatsachen nicht ent- spricht, müssen wir den schär fsten Protest erheben und müssen einen objektiven Geschichtsunterricht verlangen.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Statt die Legende der Ver- derblichkeit aller gewaltsamen Versuche zur Aenderung der sozialen Ordnung auf der Schule zu lehren, sollte man lehren, was Goethe gesagt hat, daß an allen Revolutionen iinmer dir Herrschenden die Schuld getragen haben.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Daß wir nicht für die Revolution schwärmen. sondern eine organische Entwickelung der Verhältnisse wünschen, wissen Sie. Am besten würde man Revolutionen vermeiden, wenn man lehren würde, warum Revolutionen gekommen sind und kommen mußten, daß sie nur die natürliche Folge unerträglicher Zustände waren.(Sehr wahr! bei den Sozialdemo- kraten.) In der Schweiz ist im Kanton Zürich ein GeschichtS- lehrbuch geschaffen worden, in dem über die Ursache der Revolu- tionen sehr vernünftige Ausführungen gemacht sind. In knapper, überfichtlicher Form wird da die EntWickelung des absolutistischen Herrschaftssystems geschildert mit allen seinen Begleiterschei- nungen: AuSpressung der ärmeren Bevölkerung durch indirekte Steuern, Blutsteuern usw. In ihrer ganzen furchtbaren Größe werden die Leiden, die Not des arbeitenden Volkes geschildert: »Im Jahre 1789 fand man in der Normandie 4009 Arbeiter ohne Nahrung, und in der einen Vorstadt St. Antoine zu Paris deren 39 909. Die Sterblichkeit war außerordentlich groß. Der Hunger besonders würgte die Menschen massenweise dahin. Im Jahre 1715 erlagen ihm in Frankreich 5 Millionen, und in jenem Jahre, da man zur Hochzeit Ludwigs VXI. in einer einzigen Feuergarbe 39999 Franken verpuffte, streckte er in zwei kleinen Provinzen im Süden Frankreichs 49999 Men- schen auf die Bahre."(Hört! hörtl bei den Sozialdeino- kraten.) So lehrt man die Schüler die Revolutionen wirklich be- greifen, während man durch einen gefälschten byzantinischen Ge- schichtsunterricht gerade die Gefahr von gewaltsamen Zusammen- stöhen heraufbeschwört. Wir sind, wie gesagt, nicht die Vertreter einer Gewaltpolitik, sondern die anderen Parteien, die sogar in daS Parlament HauSknechtSgebrLuch»_ einführen wollen.(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Herr S i e b e r t sprach neulich davon, daß nach dem„Vorwärts" die materialistische Geschichtsauffassung in der Schule gelehrt werden soll. Für ihn ist offenbar Materialismus gleichbedeutend mit Un- zucht, Fressen und Sauft», um ein Wort von Engels zu zitieren. In der Tat will die materialistische GeschichtSausfaffung nichts anderes, als die sozialen Zusammenhänge erkennen lehren.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Sie weist nach, daß nicht einzelne Personen die Geschichte gemacht haben, sondern daß die Entwickelung von den ökono- mischen Verhältnissen und auch von dem Mafsenwillen und der Masseneinsicht abhangig ist. DaS Wesen der Kultur besteht nicht darin, daß einzeln« Klassen der Bevölkerung emporsteigen können, sondern von einem wirklichen Kulturstaat wird man erst dann reden können, wenn die ganze große Masse der Bevölkerung die Möglichkeit deS Aufstieg» zu der höheren Kultur hat.(Bravo! bei den Sozialdemokraten.) Abg. Bell(Z.) erörtert die Frage, ob die Lehrer an nichtstaat- lichen höheren Lehranstalten mitelbare oder unmittelbare Staats- beamte seien. Kultusminister Trott z« Solz: Durch die Ausführungen des Herrn Ströbel ging ein so rein theoretischer, ich möchte sagen weltfremder Zug, daß er wohl niemand zu seiner Ueberzeugung bekehrt haben wird, der nicht gewillt ist, in verda magistri(auf die Worte de» Meisters) zu schwören.(Sehr richtig! rechts.) Bei seiner Gegenüberstellung der Ausgaben für Volks- schulen und höheren Schulen hat er ganz vergessen, daß die höheren BildungSanstalten ganz andere Zwecke verfolgen, daß sie die wissenschaftlich« Forschung fördern sollen, daß ver Staat in der Schaffung dieser Einrichtung sich sein Beamtentum heranzieht, die Persönlichkeiten, die den Staat verwalten und später Lehrer werden sollen. Bei der Beurteilung der Leistun« gen des absoluten Königtums in Preußen hat er unterlassen zu erwähnen, daß damals die allgemeine Schulpflicht und die allge- meine Wehrpflicht eingeführt worden ist. Einen Geschichtslehrer mit so schiefen geschichtlichen Auffassungen möchte ich in unserer Schule nicht sehe«.(Bravo I«cht».) Abg. Biereck(fl.) begrüßt den modernen Geist in den höheren Lehranstalten und wünscht obligatorische Einführung deS Englischen auf den Gymnasien. Abg. Gottschalk(natl.) wünscht eine Statistik darüber, in wie- vielen Fällen von der Möglichkeit Gebrauch gemacht worden ist, das Einjährigenzeugnis auf Grund besonderer Leistungen auf praktischem Gebiet zu erteilen. Abg. Cassel(Fortschr. Bp.) hebt in längeren Ausführungen die Vorzuge der humanistischen Gymnasien hervor. Hierauf wird ein Schlußantrag angenommen. Nach weiterer unerheblicher Spezialdebatte über da» Kapitel „Höhere Lehranstalten" vertagt daS Hgzzs die Weiterberatung de» Kapitel» auf abend» VA Uhr. i Schluß 434 Uhr. parlamentanfcbeö* Budgetkommisfion. Die zweitägige Auseinandersetzung über die Politik hi unserer südwestafrikanischen Kolonie endete in der Sitzung am Mittwoch mit der widerspruchslosen Annahme einer allgemeinen VersöhnungS« r e s o l u r i o n, die die eingesetzte Subkommisston am Abend vorher formuliert halte. Sie hat folgenden Wortlaut: Der Reichstag wolle beschließen, den Herrn ReichSkanzlor zu ersuchen: I. in Erwägung zu nehmen, ob und in welchem Umfange» im Hinblick auf die neuere Entwickelung in den Kolonien, eine Abänderung des SchutzgebielsgesetzeS in die Wege zu leiten ist, insbesondere auch eine Abänderung der bergrechtlichen Be« sttmmungen in der Richtung zu erwägen, a) ob die früher verliehenen, etwa Dritten noch zustehenden Hoheitsrechte(Privilegien), nötigenfalls gegen Entschädigung, aufgehoben werden können, b) wie durch eine Revision der Kaiserlichen Verordnung vom 8. August 1995 über die Ausübung des Bergrechts die Rechte und Pflichten der Schürfer und der Grundeigentümer abgegrenzt und sichergestellt werden können, o) ob ein besonderes Gesetz über die Gewinnung und den Absatz von Edelsteinen unter Wahrung wohlerworbener Rechte Dritter zu erlassen ist; U. einen Gesetzentwurf vorzulegen, durch den in dem Schutz- gebiet Südwestasrika vor Ausbruch des dortigen Aufstandes domizilierte, leistungsfähige Personen und Gesellschaften zur Eni- lastung des ReichsfiskuS herangezogen werden; III. dem Reichstag eine Denkschrift über die Frage vor« zulegen, unter welchen Boraussetznngen und in welchem Umfang ein Schutzgebiet durch direkte Besteuerung zur Deckung von Kosten heranzuziehen ist, die aus Krisgsmaßnahmen in diesem Schutz« gebiet erwachsen sind. Die Petition der Bergbaugesellschaft Stäup, die Diamaittenregiegesellschast betreffend, und die P e t i t i o n deS Bürgermeisters K r e p l i n in Lüderitzbucht über die Berhält» nisse im Diamantgebiet wurden zum Teil der Regierung zur Be« rücksichtigung und Erwägung überwiesen, zum Teil durch Ucbergang zur Tagesordnung erledigt. Die Petition des Handels» Vereins in Apia wegen Schaffung einer Selbstverwaltung auf Samoa wurde zurückgestellt. Ein Nachtragsetat zum Haushallsetat für die Schutzgebiete in 1919 wird mit einer unwesentlichen Abänderung angenommen; gleichfalls Annahme findet ein Nachtragsetat zum Reichshaus« haltSetat für 1919. Hierauf trat die Kommission in die Beratung deS Eni« Wurfes eines Kolonialbeamtengesetzes ein und erledigte 88 1—3 ohne grundlegende Aenderungen der Vorlage. Nur in einigen Punkten wurden die vorgesehenen Rechte des Reichs« kanzlerS zugunsten der Gesetzgebung beschränkt. Nächste Sitzung Donnerstag. Kaligescy.Kommisston. Die Kalikommission beschäftigte sich in ihrer Mittwochsitzung mft den zum 8 23 gestellten sozialdemokratischen Anträgen, die verlangen, daß bei der Verteilung der BeteiligungSziffern der Zuwachs des Absatzes so lange allein den rein fiskalischen und denjenigen Werken, die sich zu mindestens 51 Prozent im Besitze eine» Bundes st aates befinden, zugeteilt werde, bis diese Werke ihre volle Leistungsfähigkeit ausnützen können. Abg. Gothein, der gegen die BerstaatlichungSanträge im früheren Stadium der Ver» Handlung gestimml hatte, beantragt, diese Vergünstigung nur den dem Reiche gehörenden Werken zuteil werden zu lassen, wahrscheinlich des- halb, weil das Reich keine Werke besitzt. Die sozialdemokratischen Kom« misstonSnntglieder begründen ihren Antrag mit den amtlichen Mit» teilungen, daß die fiskalischen Werke nur 29 Proz. ihrer Förderfähigkeit auszunützen in der Lage find, so daß zuungunsten der bundesstaotlichen Steuerzahler diese Förderungseinschränkung die Budgets ungünstig beeinflußt Im Interesse der Steuerzahler fei e« gelegen, wenn eine volle AuSnüyung der fiskalischen Werke herbeigeführt werde. Kein bürgerlicher Abgeordneter sprach für den Antrag, bei der Abstimmung erhob außer den Sozialdemokraten nur der Ver« treter der Polen zaghaft seine Hand dafür. Bei 8 24 kommen die reinen Profitverteilungsgrundsätze zur Erledigung; wunderbar ist eS, wie auf einmal die sonst schweig» samen bürgerlichen Abgeordneten redselig werden. Durch einen 8 24a, der durch den Abg. v. Brockhausen«ingebracht ist, aber alle charakteristischen Merkmale eines RegierungSantrageS trägt. sollen die gester» abgelehnten sozialdemolratischen Anträge ersetzt werden. Ein Zusatzantrag Müller« Fulda will die Tarisverträge in empfehlende Erinnerung bringen. Bon sozialdemo- k r a t i s ch e r Seite wird dieser Antrag einer vernichtenden Kritik unterzogen und nachgewiesen, daß er den Arbeitern gar keinen Bar» teil bringt. Nach einer Verteidigung deS Antrages durw r»ne« Regierungsvertreter wird die Debatte um 2 Uhr abgebrochen und auf Donnerstag vertagt._ Kommission für die Zuwachssteuer. Die letzten beiden Sitzungen der Kommisston brachten abermals Abschwächungen der Regierungsvorlage durch Anträge der bürger« lichen Kommissionsmitglieder. Während die RegierungSvorlafle im § 15 Absatz 4 bestimmt, daß von den Veräußerungspreisen in Abzug zu bringen sind vier vom Hundert von dem Erwerbs« preise unbebauter Grundstücke, die vom Veränßerer vor der Veräußerung bebaut worden find, für einen Zeitraum von nicht mehr als sechs Jahren vor der bchörd« lichen GebrauchSabnahme, will ein nationalliberaler Antrag zwar auch 4 vom Hundert bestehen lassen aber ohne einen Zeitraum festzusetzen. Die Konservativen beantragen statt vier vom Hundert drei vom Hundert zu setzen. Sin Z e u« trumSredner begründet einen Antrag, daß drei vom Hun» dert von dem Erwerbspreis vom Tage deS Erwerbes an abgezogen werden können, jedoch nicht länger als 15 Jahre zurückliegend. Der sozialdemokratische Redner betont, daß daS Gesetz kaum noch in dieser Tagung zu erledigen sei. da nur schwer der verdiente und unverdiente Wertzuwachs festgestellt werde» könne. Man müsse auch den bestehenden Landes» gesehen Rechnung tragen; die Regierungsvorlage treffe noch die besten Bestimmungen. Nach langer Debatte wird der konservative Antrag abgelehnt, der Antrag des Zentrums angenommen. In der weiteren Debatte wird die Vorlage mit einigen kleinen Aenderungen bis zum 8 12 erledigt; die Beschlußfassung über den ß 17 wird noch zurückgestellt.__ Der Gpitzclparagraph in der Juftizkommifttou. Nach 8 53 der Strafprozeßordnung darf ein öffentlicher Be- amter über Tatsachen, aus die sich seine amtliche Pflicht zur Per- 'chwiegcnheit bezieht, nur mit Genehmigung der vorgesetzten Be- orden vernommen werden. Die Genehmigung darf nur versagt werden, wenn die Vernehmung dem Wohle des Reichs oder eine» Bundesstaates Nachteil bereiten würde. Dieselbe Borschrist wieder« holt Z 43 des Entwurfs der Strafprozeßordnung. Die Vorschrift ist bielfach mißbraucht, um in BeleidigungS« Prozessen gegen Redakteure und Arbeiter den Wahrheitsbeweis da- durch zu unterbinden, daß den Beamten die Genehmigung zur Ausfrage versagt ist. Noch schlimmer ist der Mißbrauch, der mit dem 8 �2 dadurch getrieben wird, daß den Beamten die Geneh- migung zur Bekundung von Tatsachen versagt wird, die auf das Wirken von Spitzeln und Lockspitzeln sich beziehen. Unzählig« Unschuldige sind verurteilt, weil Beamte eS ablehnten, ihre.Vertrauensleute(Spitzel) zu benennen. Der 8 b3 ist auch überflüssig, weil seit 1887 ein Ausschluß der Oefftntlichkcit mit Schweigegebot möglich ist. Gestern beantragten die Genossen Frohme, Stadt» Hagen, Zietsch in der Strafjustizkommission die Streichung deS unveränderten, wieder vorgeschlagenen Spitzelparagraphen. Evenkuell sollte, einem Antrage des Berliner AnwaltSvereinS ent- sprechend, die NichtVernehmung von öffentlichen Beamten nur dann nicht erfolgen, wenn die Vernehmung von der vorgesetzten Behörde für den Einzelfall verboten wird. Das Verbot soll nur erfolgen dürfen, wenn die Ablegung des Zeugnisses der Wehrkraft des Reiches oder eines Bundesstaates oder den Beziehungen zum Auslande oder den Bundesstaaten untereinander Nachteile bereiten würde. Ueber die Berechtigung der Zeugnisverweigerung solle endlich jedenfalls das Gericht entscheiden. Auch das Zentrum griff den Spitzelparagraph an. Es wünschte festgesetzt zu wisien:„Die Genehmigung darf nur von der vorgesetzten obersten Behörde des Reichs oder des Bundes- staats versagt werden, wenn die Vernehmung dem Reich oder Bundesstaat in seine eBziehungen zu ausländischen Staaten oder zu Bundesstaaten Nachteil bereiten würde. Gleichzeitig mit der Ladung des Beamten soll die vorgesetzte Behörde von der Ladung bcnach- richtigt werden mit dem Ersuchen um Erklärung über die Gc- nehmigung." Ferner solle der Beamte in Beleidigungsprozefsen Auskunft geben müssen. In der gegen 4 Stunden dauernden Beratung wurden die Spitzelschäden an der Hand praktischer Beispiele bis zu den jüngsten Demonstrationsprozessen hin biosgelegt. Die Regierung sträubte sich mit Händen und Füssen gegen eine Aenderung, die K o n s e r- va t iv en und Nationalliberalen stellten sich auf denselbe" Standpunkt. Die Fortschrittliche Volkspartei nahm eine eigenartige Stellung ein. Anerkannt wurde, dass Schäden bestehen. Die Fassung der vorgeschlagenen Aenderungen Passte den Herren aber nicht. Abg. H e ck s ch e r zog daraus die Folgerung, in der ersten Lesung für die Zentrumsanträge stimmen zu müssen. Als Heckscher in eine andere Kommission abgerufen war, erklärte Abg. Gyssling, sie würden in dieser Lesung gegen die Verbesserungsanträge, aber für die Regierungsvorlage stimmen. wiewohl ihnen auch diese nicht gefalle! Die A b st i m m u n g ergab Fall der Ve�besserungSanträgc und Annahme des Spitzel- Paragraphen mit 14 gegen 12 Stimmen. Die Fortschrittliche Volks- Partei:(Ghssling, Müller(Meiningen) und Müller(Jser- lohn) sind also Schuld an der Aufrechterhaltung des Spitzelparagraphen. Der verstorben« Abg. Munckel hatte seinerzeit für Aufhebung dieses zu den schmachvollsten Zuständen führenden Paragraphen gestimmt. Hus der Partei. Zur Maifeier. In der Provinz Brandenburg wechseln Umzugs Verbote und-Genehmigungen bunt miteinander ab. Jede Behörde handelt nach ihrem Kopf— von einer gemeinsamen Richtschnur ,st keine Rede. So ist in Nauen der Umzug genehmigt worden mit folgender Begründung: Gemäss§ 7 des Reichsvereinsgesetzes vom IS. April 1908 wird dem Gewerkschaststartell die Erlaubnis erteilt, am Sonn- tag, den 1. Mai 1910, nachmittags um 2% Uhr, gelegentlich der Abhaltung eines Gewertschaftsfestes dieStrahen hiesiger Stadt mit Musik zu durchziehen, doch ist es v er- boten, Lieder zu singen. Fahnen zu entfalten. oder sonst in irgendwelcher Weise zu demon- st r i e r e n. In D r i e f e n dagegen hat der Bürgermeister grosse Befürch- tungen für die öffentliche Sicherheit gehabt und deshalb folgendes Verbot erlassen: Die am 14. d. M. für den t. Mai d. I. beantragte Genehmi. gung eines Aufzuges auf den Strassen und Plätzen des dies- fettigen Polizeibezirkes wird versagt, weil es nicht unwahr- s che i n l i ch ist, dass eS infolge der zurzeit im Baugewerbe Herr- schenden Spannung zu Ausschreitungen kommen kann, mithin eine Gefahr für die öffentliche Sicherheit zu befürchten ist. Der Landrat zu Friedeberg, an den sich das Gewerkschasts- tortell beschwerdeführend wandte, wobei es darlegte, dass es in »rieselt noch gar nicht zur BauarbeiterauSsperrung gekommen ist, WieS die Beschwerde mit folgender Begründung ab: Schon die bisherigen Erfahrungen sprechen dafür, dass in der gegenwärtigen, politisch stark bewegten Zeit gelegentlich eines derartigen Umzuges auch Strassenlundgebungen veranstaltet »erden würden, bei deren Unterdrückung die öffentliche Sicherheit ernstlich gefährdet werden könnte. Der Hinweis darauf, dass in Driefen seitens der Bauunternehmer bis jetzt keine Aussper- rungen vorgenommen wurden, Differenzen am Orte also gar nicht bestehen, ist nicht geeignet, jene Befürchtung zu beseitigen. Wenngleich Aussperrungen dort nicht stattgefunden haben, so liegt doch die Wahrscheinlichkeit vor, daß die Teilnehmer durch den Hinweis auf die Konflikte im Baugewerbe an anderen Orten und auch durch die Wahlrechtsverhandlungen im Landtage auf- gereizt werden und dass es infolgedessen zu Ausschreitungen kommt. Mit dieser Gefahr ist um so mehr zu rechnen, als eS erfahrungSgemätz schwer ist. politisch erregte Massen im Zaume zu halten und als sie dann den Anweisungen der Führer nicht mehr gehorchen. Im vorliegenden Falle kommt noch hinzu, dass der Umzug cm einem Sonntag abgehalten werden soll, an dem mit einer, grossen Beteiligung gerechnet werden muh und an dem die Strassen von harmlosen und friedlichen Passanten ohnehin belebt sind. Es ist daher zu befürchten, dag bei einem eventuellen Ein» schreiten gegen die Demonstranten auch unbeteiligte Passanten zu schaden kommen könnten. Die.bisherigen Erfahrungen' beweisen genau das Gegenteil dessen, was der Landrat annimmt, sie zeigen jedem, der sehen will. dass ein solcher Umzug ohne jede Gefahr für die öffentliche Sicher. heit verläuft, wenn die Polizei sich vernünftig verhält. Die Be- sorgniS, dass der Umzug Strassenkundgebungen veranlassen könne, worunter wohl Rufe und Lieder verstanden werden sollen, ist übri- gens sehr bezeichnend. Man sollte meinen, dass der preußische Staat das noch aushalten könnte. Oder doch nicht? • Die preussische Gemeinde Steilshoop wird vor der In- vasion der roten Hamburger bewahrt bleiben. Wie wir vor kurzem berichteten, hat der Amtsvorsteher des preussischen Be- zirks Poppenbüttel die Ueberleitung des Hamburger Mai. festzugeS auf preußisches Gebiet und die Abhaltung einer Ver- f a m m I u n g unter freiem Himmel verboten,„weil er durch die Ansammlung der zu erwartenden grossen Menschen. massen in der kleinen Gemeinde Steilshoop eine Gefahr für die öffentliche Sicherheit erblickt.' Obwohl die kleine Gemeinde Steils. hoop eine Viertelstunde Weges von dem in Aussicht genommenen und völlig isoliert liegenden Lokal..Forsthof' entfernt ist, hat sich der Land rat und freikonservative Landtagsabgeordnete für den Kreis Stormarn von Bon in dieser klassischen VeribotSbegrün- dung voll angeschlossen. Der besagte preussische Bezirk bleibt also am 1. Mai von der hamburgischen Invasion und damit die kleine Gemeinde Steilshoop von einer schweren Gefahr verschont. Die in Betracht kommenden preussischen Lokalinhaber sind wenig erbaut von der staatsretterischen Tätigkeit ihrer Kreisbehörden. Die Hamburger Genossen werden nun in ihrem engeren Vater- lande demonstrieren und den Festzug nach den Lokalen.Mühlen- kamp' und.Schützenhof' leiten. � In Helmstedt(Braunschweig) wurde unterm 23. März ein Maiumzug von der StadtpolizeibekKrde genehmigt; jetzt aber wurde im Auftrage der herzoglichen Kreisdirektwn die Geneh» migung wieder zurückgezogen. Die nachträgliche Ver- sagung der Genehmigung charakterisiert sich als die Rache für die Wahlrechtsdemonstrationen. Es wird ausdrücklich ausgeführt, dass die sozialdemokratische Partei ohne polizeiliche Genehmigung einen Etrassenumzug und Protestkundgebungen veranstaltet habe, die von der Mehrheit der Bevölkerung missbilligt wür- den. weshalb der jetzige Umzug zu versagen sei. Genehmigt wurde ein Umzug in N e u st a d Mn— Ober» schlcsien! In Wiesbaden ist die Genehmigung zu einem U m- zuge erteilt worden, obgleich, wie die bürgerliche Presse erschauernd hervorhebt, am 1. Mai nachmittags die Ankunft des KaiserpaareS erfolgt._ Die Rechtsgleichheit in Hesse». Zum zweiten Male nacheinander haben jetzt KreisauSlchuss und ProvmzialauSschutz dem Genossen Peter Erkrath III die Be- jtätigung zum Beigeordneten in Mühlheim a. M. verweigert. Genosse v. Vellmar ist von der Lungenentzündung, die ihn be- fallen hatte, erfreulich schnell genesen. Am Montag erschien er schon wieder in der Sitzung des bayerischen Landtages und wurde von dm Genossen lebhast begrüßt. Ein neues Parteisekretariat. Der Sozialdemokratische Verein Stuttgart hat ein Sekretariat errichtet. Die Adresse lautet: H. Bullmer, Stuttgart, Poststratze IS II._ poUzctltches, OcncbtUcbeo ukw. Strafkonto der Presse. Wegen Beleidigung eines gegen die sozialdemokratische Presse in terroristischer Weise kampfenden Pfarrers wurde Genosse G r u b e r von der„Münchener Po st" vom Schöffengericht Mallersdorf zu 60 M. Geldstrafe verurteilt. Sozialea. Der Hansabund zur Reichsversicherungsordnung. In dem grossen Ausschuß des Hansabundes für die Reichs- Versicherungsordnung war man bei Beratung der Frage der Kosten der neugeschaffenen Versicherungsämter einstimmig der Ansicht, daß die vom Regierungsamt des Innern mit 6 760 000 M.„über- schläglich" berechneten Aufwendungen offenbar vicf zu niedrig angesetzt sind. Nach dm Erfahrungen im Betriebe ähnlicher In- stitutionen, etwa der Handwerkskammern, wird vielmehr, wie von Sachverständigen festgestellt worden ist, ein durchschnittlicher Kostenauswand von 25 000 M. pro Amt nicht zu hoch gegrifsen sein, und davon dürften etwa vier Fünftel auf Mehrkosten gegen- über den jetzigen Verhältniffen entfallen. Die toten Kosten der Sozialversicherung würden also bei tausend Aemtern um rund 20 Millionen Mark vermehrt werden, so dass gegm diesen Punkt der Vorlage im Interesse von Gewerbe, Handel und Industrie, der Arbeitgeber wie der Angestellten� nach Ansicht des Hansabundes energisch Widerspruch erhoben werden mutz. Seinerzeit hatten wir dargelegt, dass auch 20 Millionen die Höhe der Kosten der Versicherungsämter und Oberversicherungs- ämter noch lange nicht erreichm. Die Anträge des ZeatralverbandeS deutscher Konsumvereine zum 7. ordentliche» KonsumgenossenschaftStag. Die„Konsumgcnossenfchaftliche Rundschau" veröffentlicht in ihrer Nr. 17 vom 23. April den Text von fünf gemeinschaftlichen Anträgen dcS Borstaudcs und Ausschusses des Zentralvcrbandes deutscher Konsumvereine, die mit der Gencralkoulmission der Ge- werkschasten vereinbart sind und dem GenossenschaftStag in München, der vom 13. bis zum 16. Juni dieses Jahres tagen soll, unterbreitet werden sollen. An grosse, wichtige, aber auch teil- weise recht schwierige Aufgaben wagen sich die Organisationen heran. Durch den ersten Antrag wird eine Regelung bezw. Be- einflussung der Heimarbeit und HauSindustrie bezweckt. Nach Aufzählung der Gefahren dieser Industrie für die Arbeiter und die Bevölkerung heißt es: „Im Interesse aller Beteiligten erscheint e» daher geboten, der Heimarbeit möglichst den Boden zu entziehen und ihren Ueber- gang zur geregelten Betriebsarbeit in gesunden Arbeitsstätten zu fördern. Soweit der genossenschaftliche Zusammenschluß der Heimarbeiter und Hausindustriellen diesen Erfolg verspricht, ist er zu unterstützen. Soweit die Herstellung der Nahrungs- und Genußmittel durch die Hausindustrie in Frage kommt, sind generell dir hausindustriellen Produkte von der Bedarfsbefriedigung der organisierten Konsumenten auszuschließen. Im übrigen ist über geeignete Massnahmen zur Abhilfe von Mißständen und zur Reform der Heimarbeit von Fall zu Fall zu beschließen.' Der zweite Antrag behandelt zunächst die Schäden der Straf- anstaltsarbcit für Arbeiter und Konsumenten und erklärt dann: „Daher erscheint die Ausschaltung solcher Strafanstalts- erzeugnisse vom freien Wettbewerbe und der Ucbergang der Pro- duktion in Strafanstalten zur Herstellung des Bedarfs öffentlicher Anstalten und konimunaler oder staatlicher Verwaltungen in eigener Regie sowohl im Interesse der freien Arbeiter als auch deS organisierten Konsums dringend geboten.... Die Boestände der Konsumvereine werden ersucht, bei ihren Wareneinkäufen und Bestellungen keine Artikel zu kaufen, die ganz oder teilweise in Strafanstalten angefertigt sind, und Firmen, die in solchen An- stalten herstellen lassen oder Strafanstaltserzeugnisse in Vertrieb bringen, bei Einkäufen oder Bestellungen nicht mehr zu berück- sichtigen.... Die gewerkschaftlich organisierte Arbeiterschaft und die Mitglieder der Konsumvereine werden in ihrem eigenen Interesse dringend ersucht, bei allen Einkäufen, wo es auch sei, Strafanftaltserzeugnisse stets zurückzuweisen." Ein dritter Antrag behandelt die Anerkennung der Gewerk- schaften und deren mit Unternehmerorganisationen vereinbarten Tarifen. Bei Lieferungsaufträgen und Werkverträgen sollen Vertragsklauseln die Anerkennung der Gewerkschaften und der von diesen mit den Unternehmern abgeschlossenen Tarife und Vereinbarungen sichern. Der vierte Antrag handelt von den genossenschaftlichen Pflichten der Gewerkschaftsmitglieder. Eigentlich wäre ja ein Gewerkschafts- kongress der Ort, wo diese Frage zu erledigen ist, und wo sie ja auch schon früher behandelt wurde. In dem vierten Antrag heißt eS unter anderem: „Der Kongreß erachtet die Gewerkschaften für verpflichtet, durch genossenschaftlich aufklärende Borträge in den Filialen und durch geeignete Artikel und Hinweise in ihrer Fachpresse sowie durch Druckanscbläge in ihren Bureaus und Sitzungsräumen die Werbetätigkeit der Konsumvereine nachhaltigst zu unterstützen. Auf Antrag der Konsumvereine ihres Bezirks sind die örtlichen Gewerkschaftskartelle verpflichtet, aus Gewerkschaftern und von den Konsumvereinen bestimmten Genossenschaftern zu gleichen Teilen bestehende Kommissionen einzusehen, die geeignete Mass- nahmen zur Förderung der genossenschaftlichen Propaganda m die Wege zu leiten haben." Der Antrag klingt sympathisch. Freilich dürfte auch für eine moralische Verpflichtung der Gewerkschaften nur ein Gewerkschafts- kongress bestimmen können. Gemeint sollen wohl selbstredend nur die Konsumvereine des ZentralvcrbandcS sein. Klar ausgesprochen ist es ja nicht. Die Gewerkschaften haben natürlich weder Anlaß noch Lust, etwa„Bcamten'konsumvereine oder abgesplitterte „Christliche' zu päppeln. Der letzte sehr wichtige Antrag betrifft die Errichtung in- dustrieller Arbeitögcnossenschaften(Produftlvgenossenscbaften). In dem Antrage wird festgelegt, daß die über den örtlichen Rahmen hinausgehende Eigenproduktion für die Konsumvereine eine Auf- gäbe der zentralen Grosseinkaufsgenossens�aft ist. „Die Errichtung besonderer Produktwgenossenschaften kann daher nur gutgeheißen werden, wenn eS sich handelt: 1. um Vereinigungen von Genossenschaften eines Bezirkes zur gemeinsamen Produktion bezw. zur Umwandlung einer Ar- beitSgenossenschaft in eine Produktivgenossenschaft, deren Mit- glieder die Genossenschaften find; 2. um industrielle Arbeitsgenossenfchaften(sogenannte Ar» beiterprodnktivgenoffenschastenX durch eine Gruppe von gewerl» schaftlich organisierten Arbeitern, Eft solche häufig«ach erfotgkof« Streiks vorkomnien; und wenn deren Errichtung im Einverständnis mit de« Bor« stand des Zentralverbandes deutscher Konsumvereine und der Großcinkaussgesellschast deutscher Konsumvereine sowie der zu« ständigen Gewerkschaftsleitung erfolgt." Es ist sicher im Interesse der Arbeiter gelegen, wenn in Zu« kunft auf dem beregten Gebiet keine.wilden' Gründungen auf eigene Faust mehr erfolgen, sondern von den in Frage kommenden Instanzen erst die Vorbedingungen und Unterlagen geprüft werden. Mit dem mächtigen Erstarken der Konsumgenossenschasts- bewegung haben ja auch die bestehenden Arbeiterproduktivgenossen- schaften durch den gesicherten Absatz erst ein festes Rückgrat be- kommen. Es ist nur gut, wenn die Organisation noch geschlossener wird. In dem Antrag heißt es weiter: „Arbeiterproduktivgenostenschaften, die ohne diese? Ein- Verständnis gegründet werden, sind lediglich als Privatunter- nehmungen zu erachten und können keinen Anspruch auf geschäft- liche Verbindung mit den Konsumvereinen des Zentralverbandes erheben. Die Generalkommission und die zuständigen Gewerk- schaftsvorstände verpflichten sich, ihre Mitglieder darüber auf- zuklären, dass die Errichtung von industriellen Arbeitsgenossen- schaften eine grosse wirtschaftliche Gefahr für die beteiligten Ar- beiter bringen kann, und nur dann einige Aussicht auf Erfolg ge- währt, wenn alle hierfür notwendigen Voraussetzungen erfüllt sind, d. h. wenn einerseits für eine fachmännische Leitung und ausreichendes Betriebskapital gesorgt und andererseits der An- schluß an den organisierten Konsum gesichert ist." Die Gewerkschaften und Genossenschaften strotzen von Be» tätigungsdrang. Sie watzen sich an Aufgaben, die dem Staat und seinen Organen schon viel Kopfzerbrechen verursacht haben, ob- schon der selbstverwaltenden Tätigkeit unter der Zwangsherrschaft des Staates nur ein enjjer Rahmen gelassen ist. Anstatt diesen Nahmen zu erweitern, sinnt die Negierung im Gegenteil auf Mittel, die Selbstverwaltung und das Prinzip der gegenseitigen Hilfeleistung immer mehr einzuschnüren— aus„Staatsraison". Bersagung der Rente bei selbstverschuldeter Invalidität. Der Parkarbeiter S. unternahm am 4. September 1908 einen Selbstmordversuch, indem er sich vor die Eisenbahn warf; längere Krankheit und mißliche Familienverhältnisse trieben S. zu diesem Schritt. Infolge dieses Selbstmordversuchs verlor S. den linken Unterschenkel und trug eine Verstümmelung der linken Hand davon, wodurch er vollständig erwerbsunfähig wurde.— Der von ihm bei der LandeS-Versichcrungsanstalt Berlin erhobene Anspruch auf Ge- Währung der Invalidenrente wurde abgewiesen, weil nach§ l7 des JnvalidcnversicheruiigsgesetzcS dem Versicherten ein Anspruch auf Rente nicht zusteht, ivenn die Erwerbsunfähigkeit vorsätzlich herbei- geführt worden ist. Gegen diesen Bescheid wurde Berufung bei dem Schiedsgericht für Arbciterversicherung für den Stadtlreis Berlin eingelegt, von demselben jedoch zurückgewiesen, und zwar weil an« genommen wurde, daß S. den Selbstmordversuch im Vollbewußtsein und bei voller Verfügungsfähigkeit über seine Handlungsweise auS rein äußerlichen Gründen den Entschluß faßte, sich das Leben zu nehmen. Angenommen muß werden, daß S., indem er sich vor- sätzlich das Leben nehmen wollte, auch indirekt sich der möglichen Folgen des Eintritts der Invalidität bewußt sein mußte.(?) Die Selbstverstümmelung ist daher als vorsätzlich anzusehen. S. habe nach allgemeinen Rechtsbegriffen eine unerlaubte Handlung gegen seine eigene Person unternommen. Die Entstehung eines Rechts- anspruches ist dadurch nicht zu rechtfertigen. Mit dem Rechtsmittel der Revision wurde diese Entscheidung beim Reichs-Vcrsicherungsamt angefochten. Aber auch diese wurde zurückgewiesen, indem das Reichs-Verstcherungsamt auf eine bereit? früher ergangene Revisionsentscheidung aus dem Jahre 1899 sich stützte. In der RevisionSschrist wurde geltend gemacht, dass S. den Selbstmordversuch nicht bei vollem Bewußtsein unternahm und inS- besondere nicht die Absicht bestanden habe, Invalidität herbeizu- führen. Der Zweck des Selbstmordversuches, nicht die Folgen seien in Betracht zu ziehen. Demgegenüber erklärte das ReichS-Versiche- rungsamt, daß das Schiedsgericht in durchaus unanfechtbarer Weise festgestellt hat, daß der Kläger die Schäden, die seine Erwerbsfähig- keit herabsetzten, durch Selbstmordversuch, den er nicht im Zustande der Willensbeschränkung begangen hat, sich selbst zuzog. Im Vorentwurf zum Deutschen Strafgesetzbuch wird im ß 59 bestinimt:„Vorsätzlich handelt, wer die Tat mit Wissen und Willen ausführt. Wissen und Willen deS Täters liegen auch dann vor» wenn er alle zum gesetzlichen Tatbestande der strafbaren Hand- lungen gehörigen tatsächlichen Umstände als nicht unwahrscheinlich vorhanden, und soweit zu dem gesetzlichen Tatbestand ein bestimmter Erfolg gehört, diesen als nicht unwahrscheinlich eintretend ansieht." Das Reichs-Versicherungsamt hält es nicht für erforderlich, daß der Wille desjenigen, der den Selbstmordversuch unternimmt, un- mittelbar auf Herbeiführung der Erwerbsunfähigkeit sich richtet. Es genügt, daß der Vorsatz der Selbstverletzung im allgemeinen vorhanden war. In dem Standpunkt des ReichS-VersicherungSamteS liegt unseres Erachtens eine große Härte, denn der, der durch Verzweif- lung getrieben, Hand an sich legt, handelt in diesem Augenblick wohl immer in einem Zustande, wo die freie Willensbestimmung ausgeschlossen ist.__ Hm Inckurtrie und fiandd. Rührende agrarische Selbstlosigkeit. Die Einfuhr von Butter tn Deutschland unterliegt einem Zoll, während Rahm zollfrei eingeführt werden kann. Deshalb wird in steigendem Masse aus ausländischem Rahm in Deutschland Butter produziert. Die Agrarierpreffe nennt solche Betriebe auS reinem Nationalismus Butterzollumgehungsstätten. Dass ihnen die hohen Butterpreise entgehen, das schmerzt die Agrarier natürlich nicht, aber dass der Staat um den Zoll geprellt wird, da« macht fie tieftraurig und konzentriert ihre Aufmerksamkeit ans Abhilfe. Die „Deutsche Tageszeitung" bemerkt in einer Notiz, dass der Zoll» ausfall infolge des Betriebes der Butterzollumgehungsstätten sich auf„2l/z bis 3 Millionen Mark beziffern dürste". Da» trifft die Junker ins nationale Herz. Sie begnügen sich jedoch nicht mit rat- und tatenlosen Klagen, dem Staate soll geholfen werden. Aber wie? Agrarpfifstgkeit weiss den rettenden Weg zu finden. Die Zolllücke muh ausgefüllt, ein Rahmzoll eingeführt werden. Doch halt, das genügte nicht; im Interesse des Vaterlande» wird auch ein Milchzoll verlangt. Wenn die Junker das Ziel erreichen, dann ärgert sie keine Konkurrenz mehr und die Preise können noch weiter hinausgesetzt werden. Und daS ist der Zweck der Junker» Übung. Sollten wir uns darin irren, dann werden die Agrarier hoffentlich nun auch energisch da» System der Ausfuhrprämie bei der Getreideausfuhr bekämpfen. Bcstenerung des industriellen Grundbesitzes. Eine Reihe Gemeinden im rheinisch-westfälischen Industriegebiete muss weit über 109 Proz., bis zu 490Proz. Kommunalsteuerzuschlag erheben, um die Etats balanzieren zu können. Trotzdem steht e» in vielen Fällen mit den öffentlich sanitären und den Schulverhältnissen nicht gerade musterhast aus. Mit der schnellen industriellen Ent- Wickelung wachsen die Ausgaben für Schulen, Strassenbauten usw. mit solcher Plötzlichkeit und in solchem Ausmasse, dass nur durch hohe Kommunalsteuerzuschläge die dringendsten Bedürfnisse befriedigt werden können. Die industriellen Werke entziehen sich der an und für sich unzureichenden Steuerpflicht vielfach noch in erheblichem Masse, indem sie ihren Einflutz in den Gemeindeverwaltungen dazu benutzen, ihre Steuerleistung pauschalieren zu lassen. Da« geschieht selbstverständlich stets auf Kosten der Gemeinden, daS Pausch- quantum bleibt Vinter der Steuerpflicht naS dem Einkommen zurück. So müssen die armen Arbeiter schließlich auch noch die Steuern für die reichen WertSbesitzer zahlen. Aus Anlaß der Frage der ReichSwertziiwachssteuer hat nun der HauS- und Grundbesitzerverein im rheinisch-westfälischen Kohlenrevier in einer Bittschrift an den Reichstag u. a. einen Vorschlag gemacht, der in seiner Tendenz wohl akzeptiert werden könnte und der geeignet wäre, viele Geineinden in ihren Finanznöten etwas zu unterstützen. Es wird nämlich vor« geschlagen, eine Besteuerung deS Grundbesitzes der Bergwerks- und Aktiengesellschaften eintreten zu lasien und zwar in der Weise, daß dieser Grundbesitz einer regelmäßig wiederkehrenden, in Abständen von zehn Jahren zur Hebung gelangenden Reichsgrundwertsteuer unterworfen würde, mit der Maßgabe, diese Abgabe bei einer zu- künftigen Veräußerung an der dann zur Hebung gelangenden Wert- zuwachssicuer ganz oder teilweise in Abzug zu bringen. AllcS ist teurer geworden. Ein interesianteS Geständnis entschlüpft der„Rh.-Wests. Ztg.' im Eifer ihres Eintretens für die Kapitalisten. Sie meint, man dürfe den Rentenschluckern das Leben nicht sauer machen, eS ihnen nicht erschweren, mehr als 4 Proz. Zinsen aus ihrem Vermögen zu ziehen, denn:„Jm Leben ist alles teurer geworden, Kleidung. Nahrung, Wohnung, Steuern. Genuß- mittel'. Wenn es heißt, gegen die Arbeiter scharf machen, dann hört man nichts von solcher Klage. WnS den Gemeinden entgeht. Das Wasierwerk für das nörd- liche Wcstialen in Geilenkirchen erzielte laut Geschäftsbericht im Jahre ISVl), nach Absetzung von l l)ö0 0SS M. für Abschreibungen, einen Reingewinn von 2 604 585 M. gegen 2 440 691 M. bei 1 057 524 M. Abschreibungen im Jahre vorher. Aus dem Rein- gewinn werden 10 Prozent Dividende ausgeschüttet, 156 042 M. komnien als Tantieme zur Verteilung. Hätten die Kommunen das Wasserwerk i» Eigeniegie, ständen ihnen ziemlich erhebliche Mittel für soziale und kulturelle Einrichtungen zur Verfügung. Aber trotz der glänzenden Rentabilität der meisten Wasserwerke strebt man nicht danach, diese zu übernehmen, ja. vielfach werden auch heute noch dem Privatkapital Konzessionen auf Errichtung neuer Werke erteilt. „Gutes" Pulver. Der AufsichtSrot der Vereinigten Köln-Rott« Weiler Pulverfabriken hat beschlossen, die Verteilung einer Dividende von 16 Proz(12 Proz. im Vorjahre) vorzuschlagen, bei reichlichen Abschreibungen und einem Vortrag auf neue Rechnung von 460 554,38 M. DaS Pulver ist gut— für die Aktionäre. Internationaler Gaatenftandsbericht. Nach den bei dem inter- nationalen landwirtschaftlichen Institut in Rom eingelaufenen Be- 1 richten war der Saalenstand von Winterweizen unter Zugnuide- i legimg de? zehnjährigen DnrchschnittSertrageS in Belgien SO, Bulgarien 118, Dänemark 97, Ungarn 110, Luxemburg 90, Nieder- lande 110, Rumänien 105, Schweden 100, Schweiz 96, Kanada 92, Vereinigte Staaten 92,9, Japan 98, Tunis 100 Prozent. Die Anbau- fläche von Weizen in Prozenten des im Vorjahre abgeernteten Areal« betrug in Ungarn 103.3, Luxemburg 105,0, Rumänien 115,9, Schweden 107,0, Schweiz 100,0, Kanada 113.0, Vereinigte Staaten 107,9, Indien 107,1, Japan 100,0, Tunis 103,0 Prozent. Abschluß deS Stahltrustes. Die Gesamteinnahmen der United States Steel Corporation betrugen im ersten Quartal 1910 37 617 000 Dollars gegen 40 971 000 Dollar? im vierten Quartal 1909, die Reineinnahmen 31503000 Dollars gegen 34 400 000 Doli. im vierten Quartal 1909. Der Auftragsbestand am Ende März 1910 beltef sich auf 5 403 000 Tonnen gegen 5 927 000 Tonnen am Ende Dezember 1909. Für die Slammaktlen wurde eine Quartalsdividende von l1/« Proz. erklärt. Im ganzen vorigen Jahre betrug die Gesamtdivldende inklusive der Extradividenden 4 Proz. Verlammiungen. Der Zentralverband der Töpfer(Filiale Berlin) hielt am Freitag eine Generalversammlung im Gcwerkschaftshause ab. Der Vorsitzende Segawe erstattete den Geschäftsbericht für das erste Quartal. Wenn man geglaubt habe, nach Erledigung der Fensterfrage würden die Arbeitslosen vom Nachweis verschwinden, so habe man sich getäuscht. Vielfach habe Mangel an Material geherrscht. Immerhin sei die Arbeitsgelegenheit im ersten Quartal dieses Jahres günstiger gewesen wie zur gleichen Zeit im Vorjahr. Redner gab eine Uebersicht über den Verlauf der Sperren und Streiks und rügt«, daß von einzelnen Firmen das Kachelnabladen nicht so bezahlt werde, wie eS notwendig sei. Dem müsse entgegen- getreten werden. Manchmal liege die Schuld aber auch mit an den Kollegen. Sie stürzten gleich an den Kachelwagen heran, an- statt eine Aufforderung zum Abladen abzuwarten.— Warm emp- fahl Redner den Anschluß an die politische Organisation, zu dem Flugblätter anregten, die im Saal verteilt wurden.— Eine Stellungnahme zur Situation im Baugewerbe, die beabsichtigt war, mutzte unterbleiben, da ein Entscheid der Berliner Unter- nehmer noch nicht vorlag.— Der Kassierer Bohmhammel erstattete darauf den Kassenbericht für das erste Quartal. Die Zentralkasse balanzierte in Einnahme und Ausgabe mit 13 055,37 Mark. In der Ausgabe befindet sich ein Beitrag von 5000 M. an die Hauptkasse. Es ist das als erfreulich hervorzuheben, denn im ersten Quartal 1909 konnte kein Beitrag an die Hauptkasse abgeliefert werden. Die Einnahmen haben sich im Verhältnis zum ersten Quartal 1909 erheblich vermehrt.— Die Lokalkasse hatte eine Gesamteinnahme von 10 221,26 M. Ihr stand gegenüber eine Gesamtausgabe von 7777,09 M. Es verblieb also ein Kassen- bestand von 2444,17 M. Zu den Ausgaben der Lokalikasse ist zu bemerken, daß bei der Deutschen Bank aus den Einnahmen deS ersten Quartals 3176,90 M. eingelegt wurden.— Am Schlüsse des ersten Quartals hatte die Filiale 2073 Mitglieder.— Die Versammlung erteilte dem Gesamtvorstande Decharge.— Darauf wurden die Ausschlüsse einiger Mitglieder vollzogen, welche sich gegen die Solidarität vergangen haftten. Bei den kürzlich erfolgten Telegiertenwahlen zum Verbandstag in Dresden war ein Mitglied als in der Stichwahl gewählt bezeichnet worden, das nicht die absolute Majorität erlangt hatte. Auf Antrag aus der Versammlung wurde die Stichwahl hinsichtlich des einen Delegierten nochmal vorgenommen. Es wurde gewählt zwischen Wolf und Kemnitz. Als gewählt ging Wolf aus der Wahl hervor. Zum allgemeinen Gewerkschaftskongreß, der am 25. und 26. stattfindet, delegierte die Versammlung die Kollegen, welche den Verband in Hamburg vertreten haben, nämlich Drunsel, Segawe, Beier und Artur Schmidt, sowie außerdem Julius Fräßdorf aus Dresden, weil dieser auf dem Gebiete der Arbeitervcrsicherung ganz besonders bewandert ist. Am 1. Mai versammeln sich die Töpfer im GewerkschastshauS. Keiner darf fehlen. Der Zentralverband der Handlungsgehilfen und-Gehilfinnen, Bezirk Grotz-Berlin, hielt am Donnerstag in den..Arminhallen' eine Mitgliederversammlung ab, die zunächst den Kassen- und Ge- 'tsbericht über das verflossene Vierteljahr entgegennahm. Der assenabschluh ist als ein durchaus guter zu bezeichnen, und die Mitgliederzahl bewegt sich in langsamem, aber sicherem Aufstieg. Das Verbandsleben des letzten Vierteljahres äußerte sich in 9 Sitzungen der Ortsverwaltung, 5 Mitgliederversammlungen, 3 öffentlichen Versammlungen, 2 Besprechungen unserer Kauf- Mannsgerichtsbeisitzer und 39 Bezirkssitzungen. Eingaben an die ge- sctzgebenden Körperschaften wurden gemacht betreffend Stellenvermittelung, sowie betreffend Arbeitskammern und Pensionsversiche- rung der Privatangestellten. Durch 12 000 Flugblätter, die sich mit der Pensionsversichcrung und mit der Stellenvermittelung im HandelSjjewerbe befaßten, wurden die Berufskollegen aufgerüttelt. — Die Kaufmannsgerichtswahlen, die noch im Laufe dieses Jahres bezw. zu Anfang deS nächsten JahreS zu erwarten sind, werden unseren Verband schlagfertig und gerüstet vorfinden. Zum Schluß beschäftigte sich die Versammlung mit dem Pfingsten dieses Jahres in Hamburg stattfindenden Berbandstage. Cmgegangene Druck fckrifren. Der Mensch und die Erde. Lieferung SS u. 100. Herausgegeben von Ö Kraciner. 120 Licserungen a 60 Pf Bong u Co., Berlin W. 57. Die wichtigsten Bestiiiiuiungen im Güterverkehr von H. Eber- hard. 50 Ps. M. chöze. Oelsnttz i. V Unserem Genossen 1921b i Wilhelm ZeiiSEtouebstBraiil I M s die herzlichsten Glückwünsche A t® zur Vermählung. Die f-enousen» de« lOO. Itealrk«._ »SSSSSS Sozialdemokratischer Wahlvereln iBr den 4. Berliner Reichstags-Wahlkrels. Landsberger Viertel. (Bezirt Nr. 367.) Den Mitgliedern zur Nachricht. daß unser Genosse, der Schneider Karl Muschack gestorben ist. Ehre seinem Andenken 1 Die Beerdigung findet heute Donnerstag, nachmittags 3 Uhr, von der Halle des Zenlral-Fried- hoscS in FrtedrichSselde aus statt. 217/12 Der vorstand Deuisciier ! Holzarbeiter- Verband Den Mitgliedern zur Nachricht, i datz unser Kollege, der Maschinen- I arbeiter ItrsK« \ am 25. April gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am j Donnerstag, den 28. April, nach. ! mittags 5 Uhr, von der Halle de« [ TbomaS- Kirchhofes in Rixdors. | Hermannstraße aus statt. 182/15 Die Ortsverwaltung. Osutschss iMetallarbeitar-Yerband Verwaltungsstelle verlt«. Tode«• Anzeige. Den Kollegen zur Nachricht, daß j unser Mitglied, der Schlosser .Julius Tbenelt | am 26. d. Mt». an Herzschlag j gestorben ist. 114/18 Ehre seinem Audenkeu 1 Die Beerdigung findet am i Sonnabend, den 30. April, nach- mittags 3 Uhr, von der Leichen- halle des Wilmersdorser Ge> . meinde-Friedhoss, Berliner Straße, | aus statt. Rege Beteiligung erwartet Die Ortsverwaltnng. cden Freund und Kol- Schristfetzer Nachruf. Ein tragisches Geschick hat UNS unseren lieber legen, den Otto Hörster an« unserer Mitte geu.mmen. Ein ehrendes Andenken wird ihm dewahren Da» Personal der Firma Rob. Wlnckelmann. reitagnachnrittag lle des alten Rixdors. 1927b Beerdigung: 5 Uhr von der Kape! ThomaS- FriethoseS in Hcrmannstraße. Dankfagnug. Allen Verwandten, Freunden und Kollegen sowie dem Quarlelt deS Gesangvereins.Frohsinn- für die herzliche und rege Teilnahme bei der Beerdigung meiner lieben Frau. unserer Mutter t924b Emilie«Talin unfem tiesgesühUesten Dans. llugo Jahn nebst Kindern. Danksagung. Allen Freunden und Bekannten für die liebevollen Beweise der Teilnahme und überaus zahlreichen Ki anzspenden bei der Beerdigung unserer geliebten Tochter 1925d Küthe sagen wir Hiermit unseren aufrichtig- sten Dank Frau«. Brannachwelg. NN die liebevolle Teilnahme und reichen Kranzspenden bei der Beerdi- gung unseres Entschlafenen sagen wir allen, insbesondere dem Deutschen Transportarbeiter-Verband sowie den Kollegen der Firma Ludwig Löwe (Deutsche Massen- und MunitionS- sabriy und dem Kollegen Gebert für seine trostreichen! Worte am Sarge unseren Herzlichsten Dank. S279L Frau Klara Baabe und Sohn, Spandau._ Danksagung. Allen Freunden und Bekannten für die innige Teilnahme bei der Beerdigung meiner lieben Frau Vkitdotmln« llasovil» geb. HauSmann, meinen herzlichsten Dank. 52802 Jalin« Radecke. Danksagung. e zahlreiche Tetlni Für die zahlreiche Teilnahme an- läßlich der Beerdigung meine» lieben ManneS, des SremdruckerS �rtur Wenzlow sage ich allen Verwandten. Freunden und Bekannten, insbesondere dem Wahlverein des 4. Berliner Wahl- lreiseS, dem Lolterieverew.Pech', dem Seneselder-Bund sowie den Kollegen und Kolleginnen der Firma A. Wertheimer meinen herzlichsten Dank. Witwe Marie Wenzlow. Dr. Schünemann Spezlalarzt für Haut- und Harnleiden, Frauenkrankheiten,* Friedrlchstr. 203. Ecke Schützenstr. Wochentags 1V— 2, Soeben ersehienen: von Robert Schmidt M. d. 1t Preis IS Pf. Maizeitung 1910 Frei« 10 PI. Expedition des„Vorwärts" Berlin SW. 68 Lindenstr. 69, Laden. Zentral-Krankenliasse der Maurer, Gipseri« OrnndHtein enr Einigkeit (E. H. Nr. 7) Verwaltungsstelle Lichtenberg. Freitag, den 29. April 1910, abend« 81/, Uhr. im Lokal von Emil Pickenhagen, Scharnweberstr.üO: General- Versammlung. Tage». Ordnung: 1. Abrechnung vom 1. Quartal 1910. 2. Bericht au» der Geschästskommisfion. 3. Verschiedenes. 149/6 Mitgliedsbuch legitimiert Oer Vorstand. A rbeiter-Wanderbund „Die Naturtreunde". Sonntag, den I. Mai, werden deS WeltseicrtageS wegen keine Wanderfahrten veranstaltet. DicnStag, den 3. Mai, abends 81/, llhr. im Oewerknchnftshanie« Engeluser 15; Lichtbilder-Vortrag über: PflngHtwandernngen. -------- Eintritt 20 Ps.■■ Gäste willlommen. HimmelsahrtS. Wanderungen werden am �nmiina bekanniaeaeben tili Sl mst gutes Wohnhaus mit 5 Zimmern, gr. Stall, für den billigen Preis von 11 000 M zu verknusen. Boden eignet sich für Konservenbau, Obst-, Beeren- ansage, da da» Grundstück nur 40 km von Berlin u. 10 Min. vom Bahnhos isoliert liegt. Otto Flacher, Ballrnftedt(Harz). 1926b ItiMmvn 30 Jahre t mit verkauf, bestehend, umständehalber billigst verkäuflich. Oft. st. 6107 bes. Daude& Co., Jerusalemer Str. 53/54. vu Klaoß aiau uicui.adj) aeme SoOlat In Hann Zcti lerrtsscn find. Da tzwgfi nicht Ubn na® fOSc, Vit Ilm du folge davon find. Ca sparst DU manche SchnupsenstliM Und manchen Calci andrcrfcia wenn Da»esdlgfi. was ich Ott läge, „Oft)' hin, und kauft Soblcnoear— Das« zs Pfd.> Doaa« paitfral so Pfd. (auch BrlnfmarK»)».d. SabUadnix« fabrtK Karl Hach.Barlla-PHaiaaa«. Strwi Bester Schuh-Putz Ueberau zu haben le Dasae 10 1. 20 P<|. Fabrik: lahaijuk;« Co., tarlla NO. Bilanz per 30. September 1909. Aktiva M. An Betitebs-Konto... 6 145.54 , Bäcker.-Utenstlicn-Konto 4 2uO,— , GaS-KauttonS Konio 110,— , GerichlSkosten-Vorschuß. Konto..... 80,— , Wechselgeld- Bestand- kasse-Konto.... 500,— , Beri Spar- und Bau- verein-Anteil-Konto. 152,45 , West. Spar- und Wirt- �In>eil-Konto... 10,— » Gewinn- und Verlust- Konto...... 590.42 11 738,41 Per Geschäsisanteil- Konto der Genossen.., , DarlehnS-Konto.. , Kredttoren-Konte.. , RescroesondS-Konto. , HUISreservefondS-Kont Im Laufe de» Ges 1880,- 3 640,- 4 123,31 1 586,2« 508,81 11 738,41 ist infolge AblebenS 1 Genosse zum 30. September i909 ausgeschieden, welcher 4 GeschäslSanteile gezeichnet bnttc. 4 neue Genossen mit 5 Ge- Ichästsanteilen traten ein. Am Jahresschluß gehörten der Ge. nosscnlchast 181 Mitglieder an, deren Hastsumme 1885 Mark betrug. Das Geschästsgulhaben hat fich im MeschästSjahr nicht verändert, die Hasisuminc um 5 Mark vermehrt. Berlin. 25 April 1910. Bäckereigenossenschaft BolkSbrok elngetr.Genossensch m.beschr.Haltpfl Der Vorstand Rosmehl MSIzner. A. Flelitz Kohllahn H, Hygienische auissruuoi. l«ouobi. iv.uaiojf pfehl viel Aente u Prot, grat.ach) Unser,«smmlvarenfahrik i NW- Friedrichatraa«. 9119 Möbel auf Kredit in bester Auslührung. 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Königstr. 34-36. Auch zu haben in«imttichen Lotterie- und Zigarrengeschiftea. Verantwortlicher Redakteur Richard Barth, Berlin. Für den gnjeratenteit verantw.: kh. Glocke, Berlin. Druck«.BerlagtVorwärtA Buchdruckerei u. Verlagsanftalt Paul Singer& Co« Berlin SW. Nr. 98. 27. Jahrgang. 2. KtilU des Jonüärtü" Kcrlim WIKsM Zsnnerstag. 28. April l9LY. NoräprozeK Zünemsnn. Vor dem Schwurgericht des Landgerichts I begann gestern die erneute Verhandlung gegen dien Friseur Hans Jünemann. Er ist beschuldigt, in der Nacht zum 20. Oktober 1909 seine Geliebte, die 22jährige Verkäuferin Alice Rakowski, die die Bäckereisiliale Weberstrahe 40 leitete, ermordet und beraubt zu haben. Alice Rakowski ist am Morgen des 20. Oktober zwischen dem Laden und dem Schlafzimmer in einer Blutlache als Leiche vorgefunden worden. Alles deutete darauf hin, dah das Mädchen in dem Augenblick erstochen worden ist, als. es sich ankleiden wollte, um zu einem Abendvergnügen zu gehen. Jünemann war sofort der Tat verdächtig, als man ihn verhaften wollte, war er verschwunden. In seiner Stube fand man das offenbar zur Tat benutzte Messer und seine blutbefleckten Kleider. Es wurde ferner ermittelt, daß in der Ladenkasse der Rakowski 03 Mk. fehlten. Drei Tage nach der Tat ist Jünemann im Grunewald nach einer veröffentlichten Photographie erkannt und verfolgt worden. Als Jünemann sah, daß er verfolgt wurde, gab er zwei Revolverschüsse auf sich ab, durch, die er aber nicht tödlich verletzt wurde. Er wurde dann fest- genommen und in das Krankenhaus Westend übergeführt. Jüne- mann stand wegen dieser Bluttat in den Tagen vom 1l. bis 13. Januar vor den Geschworenen. Er behauptete, daß er die R. auf deren ausdrückliches Verlangen getötet habe. Sie hätten beide be- schlössen, gemeinsam aus dem Leben zu scheiden und sich zu diesem Behufe in den„Winzerstuben" am 14. Oktober abends durch Sekt Mut antrinken wollen. Er habe damals über eingesehen, daß der Doppelselbstmord Unsinn wäre und aus der Tat sei nichts geworden. Die Rakowski habe aber von dem Plan nicht abgehen wollen und so habe er dann am 10. abends in furchtbarer Aufregung ihrer dringlichen Bitte entsprochen und ihr das Messer in das Herz ge- stoßen. Als er gesehen, daß sie sofort tot war, habe ibm der Mut sich, selbst zu erstechen, gefhelt.— Das Schwurgericht hat ihm diese Erzählung nicht geglaubt..Die Geschworenen sprachen ihn am 13. Januar d. I. des Mordes und des Diebstahls schuldig und das Gericht verurteilte ihn zum Tode und zu 0 Monaten Gefängnis. Wegen eines Formfehlers hat das Reichsgericht das Urteil auf- gehoben.— So ist das Schwurgericht zum zweiten Male mit dieser Sache beschäftigt. Den Vorsitz im Gerichtshofe führt Landgerichtsrat Dr. Claude, die Anklage wird vom Staatsanwalt Müller vertreten, die Verteidi- gung führt, wie in der ersten Verhandlung, Rechtsanwalt Dr. Als- berg. Wie der Vorsitzende mitteilt, sind infolge der sehr anstrengen- den Sitzungen im Prozeß Drechsler-Kavser so viele Dispensationen von Geschworenen eingegangen, daß es notwendig war, Hilfs- geschworene einzuberufen.— Ter Verhandlung wohnt der Kammer- gcrichtspräsident Heinroth sowie Landgerichispräsident Geh. Ober- justizrat Fabricius bei. Auf dem Zeugentisch ist neben verschiedenen Flaschen und Kleidungsstücken auch ein Modell des Tatortes auf- gestellt. Es sind 31 Zeugen geladen, außerdem als Sachverständige Geh. Medizinalrat Dr. Strgßmann, Gerichtsarzt Dr. Strauch und Arzt Dr. Krahmer. Da für die Verhandlung drei Sitzungstage anberaumt sind, werden zwei Ersatzgeschworene ausgelost. Der Angeklagte Jünemann macht in seiner schicken Kleidung und in seiner unbefangenen Art, in welcher er die an ihn gerichteten Fragen beantwortet, nicht den Eindruck eines Menschen, der schon mit einem gegen ihn ergangenen Todesurteil belastet ist. Er vcr- folgt an der Hand der Geschworenenliste sehr aufmerksam die Bil- dung der Geschworenenbank und kreuzt die Namen derjenigen Herren an, die über ihn zu Gericht zu sitzen haben. Sein Ersuchen, den hinter ihm im Anklageraum sitzenden Schutzmann zu entfernen, da ihm dessen Nähe irritiere, wird vom Vorsitzenden abgelehnt. Aus der Vernehmung des Aügeklagtcn geht hervor, daß Jünemann 1888 in Hamburg als uneheliches Kind geboren ist. Seine Mutter betreibt in Hamburg ein Friseurgeschäft. Er ist unbestraft. Im Wer von 14 Jahren ist er bei seinem Stief- vater als Friseurlehrling in die Lehre getreten. Er lvar dann in Offenbach, Stuttgart und München in Stellung und kam im Som- mer 1003 nach Berlin, wo er die Rakowski kennen lernte, die Leiterin einer Filiale der Bäckerei„Nordstern" tvar. Er behauptet, daß die Rakowski das„Verhältnis" seines Kollegen Hoffmann ge- weseN sei und als dieser nach außerhalb ging, mit ihm in intimen Berkehr getreten sei. Er ist dann zeitweise ganz von der Rakowski ferngeblieben und behauptet, daß er im Jahre 1007 durch die Ra- kowski ganz heruntergebracht und in Schulden gestürzt worden sei. ErHabe damals auch einen Selbstmordversuch gemacht und sich eine Kugel in die Brust geschossen. Die Kugel stecke noch i» der Brust. Er habe damals keinen Arzt zugezogen; er habe gehofft, daß Blut- Vergiftung eintreten würde, dies sei aber nicht geschehen und doch sei die Narbe der Verwundung noch heute zu sehen. Nach seiner weiteren Darstellung hat er sich im Winter 1008/1009 mit der R. erzürnt gehabt und nach der Frobenstraße zu einem Ehevaar Freudenreich gezogen. Er hatte dort monatlich 35 M. zu bezahlen. Er trat bald mit der unehelichen Tochter der Wirtin, Frl. Stragier, in Verkehr. Er hatte sich dort als Kaufmann und Teilhaber eines Rennstalls eingeführt. Er behauptet auch jetzt, daß er finanziell mit 200 Pfd. Sterl. an einem Rennstall beteiligt gewesen sei. Das Geld will er teils aus seinem Erbteil, teils aus Ersparnissen gehabt haben. Näheres über den Rennstall kann er aber nicht angeben. Als das Ehepaar Freudenreich sich auf eine Tournee nach Amerika begab, blieb die Stragies allein in der Wohnung und der Ange- klagte, der bei letzterer wohnen blieb, trat nun mit ihr in sehr nahen Verkehr. Er hat sich dann auch wieder mit der Rakowski abgegeben und eine Zeitlang Verkehr mit beiden Mädcben unterhalten, be- hauptet aber, daß er der Rakowski nie die Ehe versprochen habe. Beide wußten von dem doppelten Verhältnis und es scheint so, als ob beide in ihn drangen, von der anderen abzulassen. Ins- besondere forderte ihn Ende Dezember Frl. Stragies energisch auf, endgültig zwischen ihr und der Rakowski zu wählen. Am 11. Ok- tober teilte ihm die R. mit, daß sie sich in andern Umständen be- finde, sich schonen und deshalb Geld haben müsse. Am 13. Oktober bekam er von der R. zwei Rohrpostbricfe, die ziemlick dringend aussahen, nach Jünemanns Behauptung aber unwesentliche Dinge enthielten. Am 14. Oktober drang die Stragies wieder energisch in ihn, nun endlich mit der R. zu brechen. Er hatte damals kein Geld war der Stragies schon zwei Monate Kost und Miete schuldig und wurde von dieser um Begleichung der Schuld gedrängt. Er behauptet, daß er gute Aussicht gehabt habe, von einem Buchmacher, den er aber nickt nennen will, so viel Geld zu bekommen, daß er nicht nur die Schuld bei Frl. Stragies begleichen, sondern auch die Rakowski mit Subsistenzmitetln versehen konnte. Der An- geklagte versvrack der Stragies den Bruch mit der R. und begab sich am 14. Oktober zu dieser. An diesem Tage ging er mit der Rakowski nach den„Winzerstuben". Nach seiner Behauptung hatte das Mädchen schon wie�rholt Selbstmordgedanken geäußert, die nun am 14. sehr eindringlich gewesen seien. Sie habe den Bor- schlag gemacht, nock einen vergnügten Abend in de»„Winzer- stuben" gemeinschaftlich zu verleben und dann gemeinschaftlich zu sterben. Während sich die R. anzog, soll der Angeklagte einen kühnen Griff in die Ladcnkasse getan und sich 60 M. angeeignet haben. Beide sind dann wirklich in die„Winzerstuben" gegangen, wo sie eine Flasche Wein und zwei Flaschen Sekt verzehrten. An- geblich war verabredet, den Selbstmord nachher in einem Hotel und wenn kein Platz sein sollte, in der Wohnung der Stragies. die jetzt Güntzelstr. 36 wohnte, zu begehen. Angeblich wollten sich beide er- hängen. Er will der R. schließlich die schlimmen Gedanken aus- geredet haben und hat sich dann ohne Abschied plötzlich entfernt. Er ließ das Mädchen einfach sitzen, ohne einen Pfennig zu bezahlen. Am 16. Oktober machte ihm die R. Vorwürfe über den Weggang in den„Winzerstuben" und forderte ihn auf, zu ihr zu kommen. Er ging auch zu ihr. In seiner Abwesenheit war der Kellner aus den„Winzerstuben" in seiner Wohnung erschienen und hatte Be- zahlung für die Zeche verlangt. Am 16. will er sich mit der R. über die Kosten unterhalten haben, die ihre demnächstige Niederkunft erfordern würde. Am 10. Oktober forderte ihn die Stragies noch- mals auf, endlich mit der Rakowskh abzubrechen. Während eine Zeugin ihn schon am Mittag des 19. im Laden der R. gesehen haben will, behauptet Jünemann, daß er erst um 8 Uhr dorthin gekommen sei. Er habe sich mit ihr niedergesetzt und Kaffee getrunken. Als er wieder über seine schlechte finanzielle Lage geklagt, sei die Alice Rakowskh, die in letzter Zeit sehr melancholisch gewesen, wieder auf die Selbstmordgedanken zurückgekommen und es sei ihr gelungen, ihn zu überreden. Er habe sich einmal ein Schlächtermesser gekauft gehabt, um sich die Pulsadern zu öffnen, dies Messer habe er wohl einmal in seiner Ueberziehertasche gehabt, die R. habe es dort herausgenommen und in einem Schubfach verwahrt. Jetzt dachte sie angeblich an dieses Messer und bestimmte ihn, ihr damit einen Stich ins Herz zu geben. Danach sollte er sich selbst erstechen. Alice R. habe sich noch entblößen wollen, er habe ihr aber gesagt, das sei nicht nötig, da sie ja kein Korsett trage. Sie habe dann die Stelle des Herzen gezeigt und während sie ihm einen Kuß gegeben, babe er zugestoßen. De Tat ist in dem engen Gange zwischen dem Laden und dem Schlafzimmer der Rakowskh vollbracht worden. Er behauptet, daß die R. weder geweint noch geschrien habe. Als er zugestochen, sei sie sofort tot gewesen. Er babe sie langsam zur Erde gleiten lassen und ihr Gesicht mit dem Jackett bedeckt. Wie der Hut der R. neben die Leiche gekommen, will er nicht wissen. Nach der Tat sei er bei dem schrecklichen Anblick der Leiche zur Be- sinnung gekommen und die Idee zum Erstechen sei bei ihm verblaßt. Er habe sich vorgenommen, sich doch lieber zu erschießen. Er hat sich dann die blutigen Hände abgewaschen, aus einem Beutel in der Ladenkasse 73 M. zu sich gesteckt und den Ort der Tat verlassen. Er habe sich dann eine Autodroschke genommen und sei nach Hause gefahren. Richtig sei es, daß er schon eine Strecke vor seinem Hause ausgestiegen sei. Als er gegen 2 Uhr nach Hause gekommen, sei Frl. Stragies wach geworden cknd habe ihn gefragt, ob mit der R. nun alles in Ordnung sei? Er hat es bejaht durch Ehrenwort und Handschlag. Als die Stragies eine Blutspur an seinem Rocke be- merkte, antwortete er, daß er unterwegs eine Frau, die sich vcr- wundet hatte, nach der Unfallstation gebracht habe und das Blut wohl daher stamme. Von seinem Gclde gab er der Stragies 30 M. für sich und 25 M zur Begleichung der Rechnung des Kellliers aus den„Wlinzerswben". Der Angeklagte schildert dann, wie er plan- los im Grunewald, wo er sich habe töten wollen, umhergeirrt sei und schließlich dort festgenommen ist. Ztach der länger als zweistündigen Vernehmung weist der Staatsanwalt auf vermeintliche Widersprüche zwischen der vorigen und jetzigen Vernehmung hin. Der Angeklagte gibt noch an, die Rakowskh habe ihn einmal aufgefordert, sein Zimmer recht schon auszuschmücken und dann mit ihr„in Schönheit zu sterben". Landgerichtspräsident Dr. Claude hielt dem Angeklagten ferner vor, daß die Leiche mehrere Verletzungen an den Händen und eine von stumpfer Gewalt herrührende Wunde im Gesicht aufgewiesen habe. Jünemann erklärte dies damit, daß die Rakowskh im Augenblick des Stiches dielleicht in das Messer hineingefaßt habe. Der Vor- sitzende betonte, daß es doch eigentlich sehr auffällig sei, daß die R. in das Messer hineingegriffen habe, wenn sie sich töten lassen wollte. Zur Sprache kam noch, daß Jünemann angeblich seinen „Anteil an einem Rennstall in Höhe von 4000 Mark" ausgezahlt erhalten haben wollte und damit in amerikanischen Montanpapieren spekuliert habe. Das Geld habe er bei einem ihm bekannten Bankier namens Schmollcr angelegt, der sich jetzt irgend wo im Auslande aufhalte. Irgend welche nähere Angaben, welche die Richtigkeit dieser Angaben bestätigen könnten, konnte der Angeklagte nicht machen.— Als der Gerichtsarzt Dr. Strauch an den Ange. klagten eine Frage richten wollte, kam eS zu einem Zwischenfall. Der Verteidiger stellte den Antrag, den Dr. Strauch wegen Be sorgnis der Befangenheit abzulehnen mit Rücksicht darauf, daß Dr. Strauch i». dieser Sache als„Beamter der Polizei" tätig gewesen sei.— Auf Ersuchen des Gerichts gaben Dr. Strauch und Geh. Mcdizinalrat Dr. Stratzmann folgende Erklärung über die Au- stelluug und Tätigkeit der Gerichtsärzte ab: Bei Kapitalverbrechen trete sofort nach Entdeckung die sogenannte Mordkommission zu- sammen, die sich aus mebreren Kriminalkommissaren und einem Arzt zusammensetzt. Zwischen den Gcrichtsärzten Med.-Rat Dr. Hoffmann, Dr. Störmer und ferner Dr. Strauch und Privatdozent Dr. Frankel und dem Polizeipräsidium bestehe ein Privatvertrag, nach welchem die genannten Aerzte gegen ein bestimmtes Honorar verpflichtet sind, sich zu jeder Tagesstunde der Kriminalpolizei bei Kapitalverbrechen zur Verfügung zu stellen.— Staatsanwalt Dr. Müller: Wenn das Gericht die als Gerichtsärzte bekannten Aerzte. die bei der Entdeckung von Verbrechen unbedingt hinzugezogen werden müssen, ablehnen würde, so würde ja die Hinzuziehung in Zukunft überhaupt unmöglich gemacht werden und es wäre der Verteidigung möglich, jeden ihr unbequemen Sachverständigen un. schädlich zu machen.— Rechtsanwalt Dr. Alsberg: Von einem„Un- schädlichmachen" kann hier überhaupt nicht die Rede sein, hier kommt lediglich das Gesetz in Frage und da heißt es in der Straf. Prozeßordnung, daß jemand, der in einer Untersuchungssache als Polizeibeamtcr tätig gewesen ist, später nicht als Sachverständiger in derselben Sache tätig sein darf. Das Gericht beschließt den Ablehnungsantrag abzulehnen, da die Gerichtsärzte in keinem Beamtenverhältnis zu der Polizei ständen und außerdem die Stellung des Dr. Strauch nach keiner Richtung hin zu der Besorgnis der Befangenheit Anlaß gibt. Die Beweisaufnahme förderte bislang dasselbe Ergebnis wie die letzte Verhandlung, über die wir ausführlich berichtet hatten. Heute'um 9'/h Uhr wird die Verhandlung fortgesetzt. Sie gelbe llgteknehwekschutÄnippe. Die vollständige Abhängigkeit der gelben Arbeitervereine von den Unternehmern tritt wohl in keinem Beruf so unverhüllt zutage wie im B ä ck e r g e w e r b e. Einzelne Tatsachen, welche dies Ver- hältnis illustrieren, sind bei verschiedenen Gelegenheiten öfter von unS angeführt worden. Eine lückenlose Zusammenstellung deS gesamten Tatsachenmaterials, welches beweist, daß die gelbe Bäcker- gesellcnorganisation nichts anderes als eine Interessenvertretung der Bäckermeister ist, wurde dieser Tage vom Genossen Karl Lieb- k n e ch t in seiner Eigenschaft als Verteidiger vor Gericht vor- getragen. Das geschah in der Verhandlung einer Beleidigungs- klage, die W i s ch n ö w s k i, der Vorsitzende der gelben Bäcker. gegen den Genossen Max T h i e m e, der Redakteur des Organs der Berliner Mitgliedschaft des Bäckerverbandes ist. angestrengt hatte. Die eingehenden Darlegungen des Genossen Liebknecht zeigten das Gesicht der gelben Bäckervereine ohne Maske und Schminke. Der Verteidiger beantragte Beweiserhebung über fol» gende Tatsachen: Die Berliner Bäckermeister vertreten ihre Interessen, soweit es nicht in der Innung möglich ist, durch mehrere Bäckermeister» Bezirksvereine. Diese Meistervereine gründeten im Jahre 1808 Gesellenvereine, um mit deren Hilfe der vom Bäckerverbande ein» geleiteten Lohnbewegung entgegenzutreten. Da die Lohnbewegung im Sande verlief, so konnten die Meister-Gesellenvereine die ihnen zugedachte Wirksamkeit nicht entfalten. 1004 kam es zu einem Lohn. kämpf, der mit einer völligen Niederlage der Bäckermeister endete. Um den Erfolg dieses Lohukampfes: Die Beseitigung des Kost- und Logisumvesens zu vereiteln, gingen die Bäckermeister-Bczirksvereine aufs neue mit der Gründung von Gesellenvereinen vor. Diese wurden den Meistervereinen in der Weise angegliedert, daß die. oberste Leitung und die Kassenverwaltung der Gesellenvereine durch solche Meister ausgeübt wurden, die dem Vorstande des betreffenden Meistervereins angehörten. Auch durch den Namen der Gesellen- vereine wurde ihre vollständige Abhängigkeit von den Meister- vereinen ausgedrückt. Sie nannten sich„Geselleuverein des Meistervereins". Auch in den Statuten der Gesellenvereine kommt unverhüllt zum Ausdruck, daß sie nichts sind als Anhängsel der Meistervereine. Da wird bestimmt, daß regelmäßige Versammlungen unter Leitung eines Vorsitzenden des Meistervereins stattzufinden haben, daß die Beiträge auf Kosteil des Meistervercins durch dessen Boten eingezogen werden, daß der Mcisterverein die Kosten für Druck und Porto der Einladungen zu den Versammlungen des Gesellenvereins übernimmt. Daß auch die sonstigen Kosten vom Meistervereiu getragen werden ist zwar nicht ausdrücklich bestimmt, aber zur ständigen Praxis geworden. Anläßlich der Lohnbewegung des Jahres 1006 schlössen sich die Meister-Gesellenvereine zu einer Zentralisation zusammen unter dem Namen„Verband der Berliner Vereine der Bäckergesellen". Bei der Gründung dieses gelben Verbandes waren die Obermeister der Bäckerinnungen und der Präsident des Germania-Jnnungsverbandes, Herr B e r n a r d. zugegen. Der neugegründete gelbe Verband suchte nun die Lobnbewegung des(roten) Bäckerverbandes zu vereiteln, indem er Forderungen aufstellte, die weit hinter denen des(roten) Vcr» bandes zurückblieben. Nachdem 1006 der Vertrag abgeschlossen war, gründete Buch- druckereibesitzer Hart mann eine Zeitung als Organ der Gelben. Die Hauptaufgabe dieser Zeitung war die Bekämpfung des(roten) Verbandes. Dies Blatt ist von den Innungen mit größeren Geldbeträgen unterstützt worden.— Nach der Gründung des Blattes wurden von den Gelben mit Zustimmung und auf Anregung der Vorstände der Meister-BezirkSvereine Sonderarbeitsnachweise eingerichtet, mit deren Hilfe die Arbeitsnachweise der Innungen die Gelben zum Nachteil der(roten) Verbandsmitglieder bei der Arbeitsvermittc- hing bevorzugten. Der Vorsitzende eines der gelben Vereine, Wilhelm D o v i d e i t, machte öffentlich bekannt, daß die Gelben von den Arbeitsvermittlern der Innung bevorzugt würden. Dies Treiben war«in offenbarer Verstoß gegen den Tarifvertrag, welcher nach der Lohnbewegung im Niai 1906 zwischen dem Bäckerverband und den Innungen abgeschlossen wurde. ES hat dazu geführt, daß 1007 wieder ein Lohnkampf ausbrach. Im September 1006 fand in Berlin ein Kongreß der Gelben statt, zwecks Gründung eines Bundes über ganz Deutschland. An diesem Kongreß beteiligten sich sämtliche Bäckerinnungen Berlins und der Vororte. Die Kosten des Kongresscs wurden von Meistern gedeckt. Der gelbe Bund der Bäckergesellen wurde gegründet. Zu feinem Hauptkassierer wurde der Sohn des Vorsitzenden eines Bäckermeister-Bczirksvereins ernannt. Dieser Herr, Hermann Wolf, der schon längst als Bäckermeister das Geschäft seines Vaters übernommen hat, bekleidet noch heut im gelben Bunde der Gesellen das Amt des Hauptkassierers. Der„Präsident" des Bundes, Herr W i s ch n ö w s k i, durste bis zum April 1009 mit den einzelnen Vereinen seines Bundes nur durch Vermittelung der Bäckerinnungs-Obermeister verkehren.— Das von Hartmann herausgegebene Organ des gelben Bundes, sowie Agitationsflug- blätter desselben lourden wiederholt an die Obermeister versandt mit der Bitte, die Blättere unter die Gesellen zu verteilen. Hartmann traf auch eine Vereinbarung mit den Berliner Bäckerinirnngen dahingehend, daß er das gelbe Bundesblatt allen Bäckermeistern Berlins unaufgefordert ein ganzes Jahr hindurch zusandte und den Abonnementsbetrag, soweit ihn die einzelnen Meister nicht zahlten, von den Innungen erhielt. Tatsächlich hatten die Innungen dafür 2500 Mark an Hartman» zu zahlen. Trotzdem kam das BundeÄssatt in finanzielle Schwierigkeiten, die auch dadurch nicht beseitigt wurden, daß Bäckermeister G a e d e dem Herausgeber 13 000 M. vorschoß. Im Jahre 1809 übernahm der Bund das Blatt von H a r t m a n n gegen Zahlung von 11000 M. Der Kaufpreis wurde zum großen Teil, vielleicht sogar ganz, durch den Bater des Bundes-Hauptkassierers, den Bor- sitzenden des Bäckermeister-BezirkSvereins Moabit, Herrn Klemens Wolf, vorgeschossen. ■ Es ist selbstverständlich, daß angesichts der vollständigen finanziellen Abhängigkeit der Gelben von den Meistern auch nur die leiseste Regung einer Vertretung von Arbeiter, nter- essen durch die Gelben ausgeschlossen ist, und daß der gelbe Bund tun muß, was die Meister wollen. Das haben denn auch die Handlungen des. gelben Bundes bestätigt.— Als 1908 der Verband bei den gesetzgebenden Körperschaften petitionierte, um die gesetz- liche Festlegung eines wöchentlichen Ruhetages von 36 Stunden zu erlangen, trat der Vorsitzende des gelben Bundes mit einen Petition auf den Plan, die den Reichstag ersuchte, die Forderung der großen Mehrheit der Bäckergesellen Deutschlands abzulehnen und keine Beschränkung der wöchentlichen 7 Schichten zu je 12 Stunden betragenden Arbeitszeit zu gelvähre».— Im Jahre 1900 beschloß der Bundestag der Gelben, eine Sonntagsruhe von 22 Stunden zu fordern. Als dieser Beschluß den Meistern bekannt wurde, mißbilligten sie ihn. Darauf erklärte der Bundesvorsitzende Wischnöwski, der Beschluß sei ja nicht böse gemeint. Der Bund werde nur dann die 22stündige Sonntagsruhe verlangen» wenn die Innungen nichts dagegen hätten.— Neuerdings hat nun der Bund der Gelben seine Meistertreue dadurch beweisen wollen, daß er gemeinsam mit den Innungen eine Petition an den Reichstag richtete, welche einen weitgehenden Schutz der Arbeitswilligen durch Beschränkung des Koalitionsrechts und ausgiebigen gesetzlichen Schutz gegen den Boykott fordert. Diese Petition hat T h i e m e in dem von ihm redigierten Weckruf" besprochen und dabei mit scharfen, aber sachlich zu» treffenden Worten den gelben Bund gekennzeichnet als eine Or- ganisation, die vorgibt, Arbeiterinteressen zu vertreten, in Wirklich- keit aber die Interessen der Arbeitgeber vertritt und die Arbeiter schädigt. W i s ch n ö lv s k i und der gesamte Bundesvorstand der Gelbe» hat deshalb Klage erhoben. Den beantragten Wahrheit»- beweis hat das Gericht abgelehnt, weil er, da es sich lediglich um formale Beleidigung handele, nur auf das Strafmaß Einfluß haben könnte, die Strafe aber ohnedies so niedrig bemessen werden müsse, daß der Wahrheitsbeweis daran nichts ändern könne. Thieme wurde zu 30 Mark Geldstrafe verurteilt. «>i»»erungsnverNld» vom 87. April lUlO, moraens£ Uvr. Ciaftmcn mmcmve Hamburg tzerlw jjrnnkf.a K. München Wien II if 769 53 761 WSW 761 W 764 SW 65 NW « Willer 3 ivoMg 4 bedeckt 3 halb bd. 4 wolkig 3 bciter 762 NNW 3 bedeckt ttK dü #'! c? GtlM-nen 28 ■=8 2g a— II 8f £ Weller i> II Haparanda 764 sSW Lbedeckt Petersburg 761 SsOf 1 wolkig Sclllh llderdeen Paris 763 SW>3 heiter 767 WSW Iwoltcul 766 S I I woikcnl ** c- »» Mi Wetterprognose für Donnerstag, de» 88. April litlu. Zunächst vielsach heiter, nachts ziemlich kühl, am Tage wärmer bei mäßigen südlichen Wmdeu: später wieder zunehmende Bewölkung und etwa» Rege». Berliner Wetterdureau. der sozialdemokratisehen Wahlvereine am Sonntag, den 1. Mai 1910. Nachmittags und Abend Ueranstattungen. Tagesordnung aller Versammlungen: Die Bedeutung des 1. IM Sertin. Soek-Sranevef, Tempelhofer Berg. KUems Testsäle, Hasenheide 13—15. Neue ntelt» Hasenheide 108—114. gewerkseksftsksus, Engel-Ufer 15. Lsusseuei» Kottbuser Str. 6. Ludwig» Treptow, Köpenicker Landstraße. Leeterrasse, Lichtenberg. Kellers Testsäle, Koppenstr. 29. Sranerei Lipps, Am Friedrichshain. Setaweizer-Garteu, Am Königstor. Ttfibels Allerlei-Theater, Schönhauser Allee Nr. 148. Erster- Theater, Kastanien-Allee 7—9. Obiglos Testsäle» Schwedter Str. 23—24. Witkes Testsäle» Brunnenstr. 188. Sallsehmieders Stablissemeuf» Badstr. 16. Jos. Trankes Testsäle, Badstr. 19. Martenbad» Badstr. 35—36. Voigts Theater» Badstr. 58. Soek-Srauerei(Abt. II), Chausseestr. 64. TkantS'Säle, Müllerstr. 142. Brauerei Tatzenkofer» Turmstr. 25—26. Stadt-Theater» Alt-Moabit 47—49. Idoabiter Qesellschajtshaus, Wiclesstr. 24. Referenten' Ottilie Baader— Bauer— Ed. Bernstein— Bühler— Dr. Conrady— Richard Fischer— Giebel— Grunwald— Heine ' Hetzschold— Poetzsch— Sllller— Roh. Schmidt— Heinr. Schulz— Ströbel— Stühmer— Umbreit— Hans Weber Wermutb— Dr. Wey!— Woldt— Wutzky. Wahlkreis Teltow-Beeskoui- Storkow- Charlottenburg. Kaumschulenweg.»-ftsSle. vaumscholeustr. 78. Dt'Mj, nachm. ä1 3 Uhr, 611 1B*d�Äffecfrtofje 39. Charlottenbnrg..v-lishaus«.»«fmenfi«. s. Eichwalde sttwm«. Friedenau,„meimw", Rhewstr. so. bei Wfthpcndorf,«Äestr. SS. und im„Jtotferfjof", Krauoldpla,.'. Groß- it. Klein-Kesten bei Schmidt. Johannisthal 8t! Senftleben, Sriedrtq«r. 18. Königs-Wnsterhansen bei Wedhorn. Lankwitz, nachm. Ä Uhr, unter freiem Himmel, yrobe». und Ziethenstraften-Ede. Markgrafpieske m Ketucnch. Uteder-�choneweide. Hasselwerder, Hafselwerderstr. 10. Uowawes, nachm. 2 Uhr, tü' s-M? Nauen, nachm. 3 Uhr..Zu de« Markgrafenfteiaen.« Reichenwalde, nachm. 2 Uhr, eoh,°°u Bascun. .«arlsyartcn-.«arlSgartenftr. 11. Nieoors. Boreinsbrauerei. Hermannstr. Sli/S19 nopp«, Hermannstr. 4S/S0. Feld tu. Elsenftr. 75. Schenkendorf, nachm. 2 Uhr» m ou. Schmargendorf, ante« Schüdenhau», Hundelehlenstr. 80. Schonederg. Schloftbraueret, Hauptftr. 132/134. Teltow, nachmittags 3 Uhr, nuter freiem HiMMel, Potsdamer,«de«ugnststraste. Tempelhof..Wirhelmsgarten-, verliuer Str. 9. Treptow..«-nkordia-SSle- bei VatuiIUr. Wilmersdorf bei Da»«, Wilhelmlaue US. Zernsdorf bei«ao». Referenten: Dr' Oskar Cohn— Conrad— Exner— Puchs— Gebert— Hartmann— Heinig— Adolf Hoffmann— Otto Hoffmann Kallski— Klar— Kütcr— Nltschke— Strasser— Thlelcke— Ucko— Mathilde Wurm— Zeuner— Luise Zletz— Zubeil. Wahlkreis Uiederbamim. Dernauroscht«ututfcher kommen im BerfammlungSIokal zusammen. I»»tQi>Iiaa»»ItaNnnil Gruppenversammlung mittag« 12 Uhr bei Schmidt. Prwzen-Allee SS. ZckVUVi UV»i SvNUllU. Referent: Paul Barthel. Lohgerber. Beißgerber. Lederzurichter. Ledersärber und Handschuhmacher gehen direkt in die Gruppe». Versammlung. Babnugs-«et fieeoliiBitlel-fiewerte. 12" Treffpunkt-: Gastwirtsgehilfen und EafS Augestellten z Bormittag» 11 Uhr im Verband»lokal Gros''......'..........-•-»..--•- Schli, Betriebslokalen_____________ w_ arbeiter und-Arbeiterinnen und Ztgarrensortierer gehen direkt w die Versammlung. 8chnell!er nn«! Schneiderinnen, Wäsche- und Krawaftenarbelterlnnen und Zuschneider. rinnen und ispbalieure ued Pappdachdecker Bäcker«od Kondlloren.'�äWÄSl'"' Bauarteiter."MÄ'ÄSf. Boll-, Stele-«od Gips-Bildhaeer and lodelleare. Rcser-nt: G. Link. Blumen- und Federnarbeiter und-Arbeiterinnen. KÄf HZm-Mr?� Referentin: Frau Emma Ihrer.- DAAfohanap Mittag» 12 Uhr im RrbeitSnachweiSl-kal. Stralauer Me« 17». nooisoauer. R«i-rcnt: 3-««» v«ttAl,AA treffen sich vormittag« 10 Uhr im Restaurant de» GewerNchaftShause» und gehe» in die vonener verfammluug der Holzarbeiter nach Reue Welt. Brauerei arteller.**"'"ÄS 40,u- Buckblmler u. Büdiblnderel-ArbelliiliM, Elul- u. LtdugaluMe-Arbilltr o.-AibtMuiM. Mittags 12 Uhr Im Restaurant Sanssouci. Kottbuser Str. 6. Referenten: E. Brückner und E.«kloth. T'.cfsvunkt 1v Uhr s Album- und Galanteriebranche: Wöhlisch, Skalider Str. 22: Goldschuittmacher: S. Manzey, R-tchenderger Str. l6: Kartonbranche(v Uhr vorm.): P. Dietrich, Marfiliusstr. 11. Bareaeaegettelllen. lua■ Dachdecker. � Fabrik-«od Billaarteller.«*"" Reserenten:«. Hetzschold und Zimmermann. SeieeiBdearteiler. Baienarteiler(Brellerlräger), a'Ä1 Bolzarbeller.!""a" 12 m' taÄÄ loe-IU- Butmacber. Mittag« 12 Uhr in Obigl-S&tw' S(lilrlFa(pni>A II Cinen ipRpr Mittag» 12 Uhr, Keller, Köpenick« Str. 96/97. Ref.: P. Pawlowttfch. V U- U 1(10�1 vllcr. Die Mitglieder treffen fich um 11 Uhr in dm Zahlstellen de« Verbände». Tapezierer. Mittag» 12 Uhr bei Mendt, vmlhftraß« 21. Refermt: A. Zitzewitz. Textilarbeiter. Mittag« 12 Uhr, Patria.Fests»le. Große Franksurt« Straße 31. Refermt: W. Röffek. Täpier. Mittag« 12 Uhr, GewcrkschaftShauS, Engeluf« IS(groß« Saal). ResttMt: Emil Wtchktz. Zimmerer. Rittag» 12 Uhr. Brauerei Köuigftadt, Schönhauser Allee 10. Resermt: Dr. Da» id. Alle ia verliBB stattfindenden Versammlungen gelten durch diese« Inserat als genügend angemeldet. Außerdem finden in Groß-Berlm noch folgende Versammlunge« statt: �.(Uofreiliotr» Mittag« 12 Uhr bei R. Beyer. BiSmarckckstr. 10. Resermt I. Hartman». .tUlt-CprAjUMtAchv. Mittag, 1 Uhr bei Haberecht. Resermt: Ewald tr. jBd'imile Vormittag« 11 Uhr im SchützenhauS. Refermt: Theodor Fischer. Drei Bersammlnngm mittag» 12 Uhr im BolkShanse. Rostnenstr. 3. R�KK«!. Z.tzIWDw?IKnIl»t K,» Garten, großer und lleiner Saal. Referenten: Frau Martha Tie st. Dr.«. Roseufeld, W. Sieriug. V»hvIA«ähue. Berlinerftr. SS. Ref.: Mark. Meyer. A�I'AvÄI'IGhsLvRÄv. Mtttag» 12 Uhr bei Bude. Vrwzm-Me« 30. Referent: Jeferich. Oroß-Iilchterfelde. Vornttttag» II Uhr bei«Vahrendorf, Bäkeftr. Refermt:«Noll. «K'hlAaN-BOhNSdoi'L'. 1° Uhr Straße 72. flL SlillttdOl'f Mittag« 12 Uhr in Hamann» SeftllichaftShanS, granlfurter Chauffee. Referent: KSnlgs-Wnaterhaiisen. J�LÖpCliick. Mittag« 12 Uhr ttn Stadt-Thealer Inhaber H. Llto), Friedrich straffe. Refermt: lilelitenberg-Frledrlcligberg. SÄ&jf WS: f&. Ilnnuf AvinlAvr Mittag« 1 Uhr bei Preutz, Kurfürftenstr. 44. Referml: Barth. Siach der Ber« KU�ARur»»»» fammlung: Umzug. ZöllPldlfdd©# Mittag« 12 Uhr bei Berger, Berliner Str. 114. Referent: H. Späte. JUiUllQllbCCk» Mittags 12 Uhr bei Baerfch,»Zur Sonne-. Resermt: Wendel. Nleder-Schönhansen. mtaa9 12 Nieder-, Ober-Sehöneweide-Johaimlstbal« Mittag« 12 Uhr im Restaurant Haffelwerder. Referent: R. Dieftng. Ora»ie»barg. mtaäS 13 � tei 9ttmattfc'u Pankow* Mittag« 12 Uhr In RoczickyS GesellschaftShauS. Krmzstr. 3—4. Resermt:«.Weller. Fkelnielreittlorl'. Dal und«est.'-"°z,'..!ZS.5L!!/UL.xMK-' Referent:«. Domnick. UR S-va Ame Bier Berfammlunge» mittag» 12 Uhr. Die Sektionen de» Maurerverbande» versammeln sich bei Felsch, Knesebeckstr. 48/42. Maler und TranSportardeiter bei Wolf, Kirchhofstr. 41. Alle übrige»: 1. bei Fritz Hoppe, Hermannftr. 42, und 2. im Karl» garten, KarlSgartenftr. 6/12. Referenten: Ottilie Baader. O. Handtke, O. Langnttfchke und H. Ströbel. �en?-Lg» Mittag« 1'/, Uhr bei Kurt. Referent: Schumann. StH-alau-Aummelsdur«. Alle«. Siefcrcnten:(£. Hübsch. H. Müller, G. Schmidt. f8ebimeberg. 37!Utflaä 12 öabetöui?äIen''rfl5er Mewwg«©f.& Mnnii<1»H Vormittag« 8 Uhr im BoltSheim(Jnh. Böhl«), Havelstraße 20. k-RHW«»» Ua u* Referent: Dr. Liebknecht. Tegel. Mittag« 13 Uhr in Trapp» Festfälen. Bahnhofftr. 1. Relerent: E. Schubert. Tempelhot. 13®ctlteei®tt- 114 Trebbin. Vormittag» 2 Uhr in Plantage Elieftow. Referent! Rlbrecht. Wannsee. vormittag» U Uhr im Fürstenhof. Referent: Ulm. Weißensee. � 18U5r 2 Wilmersdorf. miaaa 12 imz- Die Anmeldung der Versammlungeu der Vororte habe« die Funktionäre der einzelnen Orte in der ortsübliche« Weise zu bewirke«. Die Bureaus der Bersammlimgen werde» beaustragt, über die Zahl der BersammlungSbesuchcr der Redaktion deS„Vorwärts". Lindenstr. 69. schristliche Mitteilung zu mache«. Der AvSschust der Berliner GewerkschastSkommisfio». Der Verband der sozialdemokratischen Wahlvereiue Berlins vnd Umgegend. gc» t Ad. Bitter, Sngelufer 13, 1 L. Llopmnnn, Lindmfk. 62. IV. 42 eigene Fischdampfer. In dieser Woche besonders preiswert folgende prachtvollen großen fast grätenlosen Fische: IT. fetten Soclach». „ ,, liadelja«. „„ Sedelirtsot» im �nsoimitt! x. 20 Pf. » n n n 2 t»„ »»»»» NO„ „Nordsee" GrOSto Hochseeflschevel Deutschlands Hauptgeschäft; Berlin C.(Bahnhot Börse) Tf A�t™ pg4 Verkaufsstellen: O., Bahnhof Börse, Bogen 9—10. N., Invalidenstr. 181. NO, Landsberger Str. 52/53. O, Große Frankfurter Str. 85. O, Madaistraße Bogen 8—9, Fruchtstraße gegenüber. S„ Prinzenstr, 94. NW., Tumstr. 73. Charlottenbnrg: Wilmersdorfer Str. III. Augsbnrger Str. 18. Schttneberg: Akazienstr. 31. Steglitz: Schloßstr. 121. ZeMendorr: bei Karl Schön, Grunewald- Allee 2, Fernsprecher 1179. Tegel: Treskowstr. 14. WelOenace: Langhansstr. 148 Seefisch■ Kochrezepte gratis. J.(Soldfnrb gegründet 1839. Mac russe a priser. gout de Kowna. a'0-04K>QOn'D-0'a'n'DCH>CM343 9S Prawdeiwa tabaka do|9| zazywania„Kownoer? j] chO*a'D'aH343�'043«aooo{>a'w MOM)Q0 selbsttätiges Dichtungsmittel für FahrradsLuftschläuctae. Garantie* Schädigung des Gummis ausgeschlossen. Preis pro Füllung, für 1 Schlauch ausreichend, M. 1,25. Porto M.—,20 extra. Exnfülltriohter M.— ,05, bei 2 Füllungen ein Trichter gratis.— Vertreter an allen Orten gesucht. � Äntilädin- Gesollschaft m. b. Frankfurt a. M. 76. Theater und Vergnügungen DonInerStag, den 23. April. Anfang 7'/, Uhr. Zlönigl. OpernhnnS. Die Huge» noltc». König!. Tchaufpielhnus. Wie die Alien sungen. Deutsches. Sumurün. Kammerspiele. Der gute König Dagobert.(Ansang 8 Uhr.l «ene» königl. Opern-Thearrr. Geschloffen. Ansang 8 Uhr. Neues Schauspielhaus. Faust. 1. Teil. Komische Oper. PellcaS und Meli» fände.(Ansang 7'/, Uhr.) Lessing. Gespenster. Kleines. Luxuszug. Berliner. Taisun. Neues. Die goldene RiilerzeU. Westen. Die geschiedene Frau. Nene« Operetten. Der Gras von Luxemburg. idrianon. Theodor« u. Tie. Residenz. DaS Nachtlicht. Der selige Octave. Thalia. Die Dorskomteffe. Hebbel. Konkurrenten.(Anfang S'l, Uhr.) Schiller o.««allner« Theater.) Die Katakombe». Schüller Charlottenburg. Goldene Herzen. Friedrich. Wilhelmstädiischeö. Ali-Heidelberg. Bollsoper. Die Zauberflöte.(Ans. 8',- Uhr. Luisen. Die Schule de? Lebens. Noie. Adelaide. Elzevir. Dienst- Solen. Luftspielhaus. DaS LeulnantS. mündcl. Metrouol. Hallohll— Die groß« Revue. FolieS Caprice. Ein verschwiegenes Atelier. Eine gründliche Kur. (Ans. 8-,« Uhr.) Cajino. Berlin bei Nacht. Gebr. Herrnfeld. Wenn zwei daS- selbe tun. DaS starke Stück. Apollo. In den Lasterhöhlen von San Francisco. Spezialitäten. Boigt. Äusgewtcsen. Noack. Die Blinde von Paris. lvaliage. Spezialitäten. Wintergarten. Spezialitäten. Neichshatlen. Stcltiner Sänger. Palast. Spezialitäten. Karl Haverland. Spezialitäten. Walballa. Spezialitäten Buggcnhagcn. Spezialitäten.(An- 77. Uhr). Jlranra. ronbeiistraste«K/40. Abends 8 Uhr: Im Firnenglanz des Ober-Engadm. Grernzoorie. iinoatidenstr. 57— 62. £ Theaterbesuchen: freier Eintritt.| Casino-Theater Lothringer Strohe 87. Täglich 8 Uhr. Trotz des sensationellen ErjolgeS nur noch bis zum 13. Mai: Eterim bei Nacht. Ab 14. Mai aus allgemeinen Wunsch: Familie Aneuat Knoche. Sonnt. 4 Uhr: Mutter Gräber!. Karl Hsverisnd Ansang Theater, präz. 8 U. 77/79 Kommandan!en striche 77/79. nr"" Ml-Pr-zr. Liliputiiner-Tmppe _ prolongiert._ Voigt-Theater Gastspiel im„Artushof", Moabit, Perleberger Straße 25. Donnerstag, den 28. April 1910: Abaehledavorstcllnng, Ausgewiesen. Drama in �Auszügen v. K. Böttcher. Kaffenöffnung 7 Uhr. Ansang 8 Uhr. W.Tfoaobs Theater Brunn eustr. 16, am Rosenthaler Tor. Zum letzten Male: Die Klivde von Paris. Schauspiel in 4 Alten. Freitag zum letztenmal: Att-Htidtlderg du ftiae. Polles Luprice Line gründliche Kur. Neuer bunter Teil. Hn verschwiegenes Atelier. Anfang 8'/, Uhr. Vorverkauf 11-2 Uhr. Sanssouci, Kottbuicr . Strato 6. Direktion Wilhelm Reimer. Heute, Donnerstag: Neues Progr. kill«.!, Im ,Ä. von Großer Erfolg des neue« Soiree-Programm«! Der stumme Muftker. Humoristische Gcrichtsszene Sei« Zwilling. Lustspiel in t Akt. Sonnt.Beg. fi, wochen t. 8 U. Kfiiiigatadt-Kaaino. Hölzmarktstraße 72. Täglich: llanrer«, Theater and SnerleliMtenvoret. Um S Uhr: m Segeo Int m oheo. Ländl. Singspiel v. M. Hohcnsels. Neu! The 3 Albertos, Phänomen. Krastatrobatcn X Mstr. Ottokar, Trapez voulans X Erich Castelli. Franu Sobanakl naw. Horgen, Freitag abenda 87, Uhr, im Gewerkschaftshause: Oeneral-Versammlung. Tagesordnung: Vortrag des Eeichstagsabgoordneten Dr. Sttdeknm über: Staat- Städte und dramatische Kunst, Geschäfts- und Kassenbericht des Vorstandes vom dritten Quartal. Bericht der Revisoren, Diskussion und Verschiedenes. 1 Der Eintritt ist nur Mitgliedern gegen Vorzeigung der| Mitgliedskarte gestattet. Nächste Vorstellungen: Neues Schauspielhaus Ernst sein. Thalia-Theater: Der Oorflyrann. Thalia-Theater: Die Pariserin. Residenz-Theater; Alnsotte. Einige Karten zu den Nacbmlttags. and Abend- Abteilongen können bei den Obleuten and in den Zahlstellen bestellt werden. , 240/17 Der Torstand. I. V.: G. W i n k 1 e r. Wilhelm größte Raubtier- Dressur-Schau der Erde Sülow-flatz Kalser-Wllhelm-Sfraße Ecke Linlen-SlraDc Nähe Alexanderplatz. TSglleh abends 8 Uhr: Große Vorstellung. Mittwoch, Sonnabend o. Sonntag; 2 Vorstellungen nachmittags 4 Uhr u abends 8 Uhr. Tägl. vorm. von 10—127, Uhr: Besichtigung, Probe o. Fütterung. T rianon-Theater. «d-ndS 8 Uhr: Theodore& Cie. Städtebau-Ausstellung I. Mal bis 16. Juni. Einlrlti I M. Königl. Akademische Hocbscbole Hardenbergstr, 33. Waldgürtel Sport- u. Spielplätze. Kunst a. d. Str. Verkehrssysteme. Innenstadt Vororte. Gartenstädte. Arbeitersiedlungen. GroB-Berlin. 2. Mai: Vortrag, 8 Uhr: Laudosbaurat Prof. Goecke:„Welche Erwartungen dürfen wir an das Ergebnis des Wettbewerbs GroB-Berlin knüpfe»?"(tilehtbllder.) liCtate Torotellnng! Ad Zirkus Busch, i Hmita nnnnoretan«(an OO AnwII Heute, Donnerstag, den 28. April, abends 71/. Uhr präz.: «r. Oala-Vorstcllun Um 77, Uhr mg. Uhi Um VI. Marja! Herrn Henrlcksen nilde Tiger(völlig unerreichte konkurrenzlose Dressur). Die der. Max Grix-Grigory-Truppe. Hr. E. Schumann, Meisterdress. Keiterfamilie Proserpi. Herr Heinrich Fillisj, Schul- roiter auf Corollaire 1904 von St. Damiens a. d. Oorollo u. das groBe Gala-Programm. 7rankes?estsäle| i Dad.tratie Heute lO. ?su!$ Springers ♦ Kabarett- and Possen-Gesellschaft. Anfang 8'/, Uhr. Nachdem: Tanz. Reiebshalleo-Tiieater. Stettiner Sanger Tenoristen-Boael. EinKünftlerblldo. Meysel Ansang: Wochentags 8 Uhr. Sonntags 7 Uhr. Burgtheater- Kinematograph vorm. Groterjan, Jnhab.: Rud. Merz, Schönhauser Allee 129. Sei. 3, 9353. Lebende Photographien. Wochenl. 30 u. 40 Ps. Ansang 7 Uhr. Sonnt. 30, 49 u. 8» Ps. Am. 4 Ubr. Vorrugskarton nur Wochentags gültig. 2ä Pf. auf allen Blähen. Stets wechselndes Programm. Jeden Sonntag im Obersaal: 8W Künstler-Konzert. Entree 15 Pf. N. d. Konzert: Garderobe 19 Ps. Familien-Kränzchen. Lerantwortlicher Redaiteur Richard Barth. Berlin, gut benßnferataUeil verantw.:»».«lAle, Berlin. Druck». B«tag:vorwSrt« Buchdruckern u. Verlagsanstalt Paul Singer Sr Co. Berlin SW.' Nr. 98. 27. Jahrgang. 5 Knlttt Ks Lmüls" Knlim AMsblsII. Donnerstag, 88. Zprtl lSW. Partei- TlugdegenKeiteti. Stralau. Die diesjährige vom Wahlverein veranstaltete Mai» feier findet am Sonnlag im Etablissement Alte Taverne, Alt» Stralau 26, statt. Außer Jnstrumenlalkonzert der Kapelle de? Herrn Maximilian Fischer wirken mit Gesangverein Vorwärrs-Frohsinn, Stralau(M. d. A.-S.-B.s, Kraftturnvercin Südost und die Zentral- riege des Arbeiter-RadfahrerbnndeS Solidarität. Bolksbelustigungen aller Art. Die Kaffeekiiche ist von 2 Uhr an geöffnet. BillettS 20 Pf. Eröffnung 2 Uhr, Anfang des Konzerts S Uhr. Maricndorf. Der Mainmzng mit Musik ist dem Wahlverein gestattet worden. Der Abmarsch findet nach der Bersammlnng von Preuß, Kurfürstenstraße, auS statt. Der Borstand. Tempelhof. Freitag abend von den bekannten Bezirkslokalen aus: Flugblattverbreitung. Potsdam. Zur Maifeier finden um V,l2 Uhr bei Glaser und im Viktoriagarten zwei Versammlungen statt.— Um 3 Uhr beginnt in, Liktoriagarten Konzert und Vorstellung unter Mit- Wirkung der drei Arbeitergesaiigvereine, Vtadsahrer« und Turnvereine. Abends ist in beiden Lokalen Tanz. Eintrittskarten(20 Pf.) sind bei sämtlichen GewerkschaflSvorständen zu entnehmen. GewerkschaftSkortell. Wahlverein. Berliner jVaebriebteno Wozu sie die Fortbildungsschule misjbranchen möchten! Die Parteien der Junker und der Pfaffen geben sich�tlle Mühe, die Fortbildungsschule in den Dienst der Jugend verdummung zu stellen. Dieser Gedanke beschäftigt sie jetzt mehr als je, und es war daher durchaus Keitgeinafi. d ein Verein der Konservativen am Montag dieser Woche in einer öffentlichen Versammlung das Thema„Jugend- erziehung und Fortbildungsschule" erörterte. Referent war ein Ingenieur Kuhn, der wohl selber im �ortbildungsschulwesen Berlins als Lehrer mitmacht. Aus einem Zeitungsbericht ersehen wir, das? er gesagt haben soll, „der Lehrplan der Fortbildungsschule müsse als Vor» erziehung zur K r i e g s t ü ch t i g k e i t des Volkes einge- richtet sein". Andere Leute waren allerdings bisher der Mei- nung gewesen, die Fortbildungsschule habe die Aufgabe, dem Nachwuchs des Volkes die Berufstüchtigkeit zu steigern. Herrn Kuhn kommt'S, immer nach dem ZeitungS- bericht, vor allem darauf an, dah daS Volk„sich den kriege- fischen Geist erhält", daß die Fortbildungsschule„den patno- tischen Sinn hegt", daß sie durch Geschichtslehre„die Jugend erhebt und begeistert", indem der Lehrer„ein Heldenbild heralisineisielt". Recht hat Kuhn, wenn er sagt, die Person des Lehrers spiele in der Fortbildungsschule die Haupt- rolle. Aber deshalb ist es geradezu ein Lebensinteresse der Fortbildungsschule, daß Lehrer der Art, wie e r sie der Fort- bildungsschule wünscht, ihr fernbleiben. In den Fort- bildungsschulen Berlins begegnen wir zahlreichen Gemeinde- schullehrern, die im Nebenamt als Fortbildungsschullehrer tätig sind. Dein Herrn Kuhn behagen die meisten dieser Herren nicht, weil sie ihm nicht nach Wunsch„den patriotischen Sinn hegen", nicht genug„Heldenbilder herausmeisieln", und so weiter. Er klagt:„Eine große Menge der Volksschullehrer sympathisiert lebhaft mit dem Linksliberalismus und der De�nokiatie. Mit dem Lesen des„Berliner Tageblatts" und des„Vorwärts" beginnt's und in der Fortbildungsschule sigrbf's ab.... Man muß energisch dagegen protestieren, daß ''wldemokratische und freisinnige Schwätzer schon die Fort- siungsschuljugend mit Phrasen von„Junker und Pfaffen", atwucher" und sonstigem unbewiesenen Unsinn aufhetzen." fällt hier jener Gemeindeschullehrer Holtz ein, der im vorigen Jahre seines Amtes als Fortbildungs- schullehrer enthoben wurde. Ter Stadtverordnetenversamm- hing war von unserem Genossen Adolf Hoffmann das Auf- sahheft eines Holtzschen FortbildungsschlllerS vorgelegt wor- «M!>- � �— P-f Die tliotteniiurser. In der Möbelfabrik von Schulze ist Frühstückspause. Die „Hobeloffizicre" sitzen auf ihren Hobelbänken und lassen eS sich schmecken. Nachdem der erste Heißhunger gestillt ist. kommt die Unterhaltung in Fluß. Sie dreht sich um alles mögliche, gerät aber bald in das Fahrwasser der Politik. „Haste Worte?' sagte der dicke Heinz und schlug mit der Emaille-Kaffeekanne auf die Hobelbank, während er in der anderen Hand mit dem„Vorwärts' umherfuchtelte.„Jetzt woll'n die Mucker mit die Fuselbrenner zusammen in det Komödiantenhaus in der Prinz-Albrecht-Siraße'ne nei« Geschäftsordnung machen, um unsere Genossen bis uf zwölf Tage rauSzuschmeißen. solche Rassel-". „Reg' Dir man nich uff,' meinte Wilhelm, der auf der Neben. dank saß und an einem sogenannten Stück Speck herumzerrte,.die find so zähe, wie diese Speckschwarte!' „Donnerwetter." mischte sich ein Dritter ein. indem er sein Taschenmesser abwischte und noch einen prüfenden Blick in die leere Bierslasche warf,„det kann'n feinet Theater wer'n; Ringkampf in' Kröcher-ZirkuSI Ick sehe im Jeist« schon den Adolf mit dem roten Gustav, den Ströbel mit dem Pappenheimer.. „Und Borgmann mit dem Arnim-Spisedumm." rief ein Vierter mit lachendem Gesicht dazwischen. „Nee, nee," widersprach der dicke Heinz.„Adolf langt sich 'nen feisten Pfaffen aus det Zentrum, die Brüder hat er in fein Herz geschlossen; und der Karl rollt sich mit dem SeeHandetS» Präsidenten von dunnemalS." „Denn bleibt nur noch der kleene Leinert und der Hirsch,' meinte Wilhelm,„na, die knöppen sich so'nen Talmi-Renommier- arbeiter aus det Zentrum vor!' „Damit kommen wir auch nicht weiter,' rief aus der ent- «gengesetzten Seite der.Bude' einer, der auch eine Zeitung in der Hand hielt. „Nee, det stimmt,' mischte sich der jüngste Lehrling August ein.„wir müssen noch een Dutzend mehr wählen, damit die unsrigen Hilfe kriegen." „Na ja, laß man," meinte Wilhelm,„wenn Du, August, erst wahlberechtigt bist, sieht et in der Landratskammer und in die Ahnengalerie, Herrenhaus genannt, anders aus. Det iS det zu» fammengewachsen« Geschwistcrpaar, die jetzt beede Geburtswehen ha'm, aber selbst mit alle Wendurmen und Zangen det Wechsel» ibalg von Wahlvorlage nicht zur Welt bringen können.' „Na, iS denn det een Wunder, wenn et immer noch solche Wchlamassel gibt, wie die da," sagt« Heinz und deutete mit dem Finger nach der entgegengesetzten Seite, von wo auS sich vorhin die Stimme vernehmen ließ.„Die„Mottenburger" sind ja mit Echuld. det et nich schneller vorwärts geht, als et gehen müßte." „Wieso denn?" jrug der aus der Ecke, mit feiner Zeitung näherkommend. den. worin man über„die Verwaltung der Stadt Berlin" die folgenden Sätze laS:„Die Verwaltung der Stadt Berlin ist die denkbar schlechteste. Den Grund haben wir darin zu suchen, daß im Stadtparlament meist Vaterlandsverräter sitzen, welche die Antisemiten nicht zu Worte kommen lassen." Herr Holtz hatte diese Sätze in keiner Weise bemängelt, nur hatte er in dem zweiten Satz das Wort„meist" mit roter Tinte durchstrichen, so daß sogar noch eine Verschärfung herauskam. Und unter dem Aufsatz stand das Urteil„fast gut". Daraufhin verfügte die Fortbildungsschuldeputation die Amtsenthebung dieses Mannes, die in der nächsten Sitzung der Stadtverordneten durch Stadtschulrat Michaelis so begründet wurde:„Wir sind in der Deputation der An- ficht, daß der Lehrer in diesem Verfahren einen solchen Defekt in pädagogischem Wissen und Können bewiesen hat, daß wir ihn fernerhin nicht für geeignet erachten, an einer Fort- bildungsschule zu wirken, wo wir Männer brauchen, die durch- aus die Schlvicrigkeit der Aufgabe verstehen und sich auch der Schwierigkeit der Aufgabe entsprechend zu Verhalten wissen." Dieser Herr Holtz war einer von den Männern nach dem Herzen des Herrn Kuhn. Er warb kräftig für den „Deutschen I u g e n d b u n d", der die Fortbildungsschule jugend vor den Freien Jugendorganisationen „behüten" wollte._ Die stSdtische Tiefbau-Deputatiin beschloß in ihrer gestrigen Sitzung u. a. den Antrag auf Verbreiterung der Lennestraße durch Beseitigung des Reitweaes abzulehnen, da der vorhandene Fahr dämm von mehr als 13 Meter auch für den gesteigerten Automobil verkehr ausreicht. Der Vertrag über die Verpachtung der öffentlichen Anschlagsäulen, die zurzeit von der Firma Nauck u. Hart- mann gegen eine jährliche Abgabe von 433 333 M. aufgestellt und genutzt werden dürfen, läuft am 1. April 1311 ab. Mit der Vor. bereiwng der künftigen Verpachtung des Anschlagwesens wurde eine fünfgliedrige Kommission beauftragt. Der BebauungS- und BepflanzungSvlan des Aufmarsch geländeS am Viktoriapark wurde beraten. Dabei wurde darauf hingewiesen, daß die angeregte Bestimmung deS südlichen Teils des Geländes zu Bebauungszwecken wegen der erforderlichen Abschach. tungSarbeiten unzweckmäßig fei. Eine viel zweckmäßigere Be- bauung und Ausnutzung des Geländes würde eine Rondbebauung ergeben. Dann würde der östliche Teil des Geländes zur Ver- gröherung des Viktoriaparks benutzt werden können, begrenzt durch eine von der Großbeerenstraße ausgehende, geschwungene schmale Wohnstraße, an der Villenbauten möglich sind, während die Rest» grundstücke an der Katzbachstratze so geschnitten werden sollen, daß auf ihnen nur Vorderhäuser errichtet werden können. Ein solcher Plan soll jetzt dem Magistrat vorgelegt werden. DaS Aufmarschgelände, das der Stadtgcmeinde bisher noch nicht aufgelassen werden konnte, weil der zwischen dem MilitärsiSiuS und der Stodtgemeinde geschlossene Kaufvertrag noch nicht die Ge» nehmigung des Reichstaas gefunden hat. ist übrigens gestern auf Anregung der Parkdcputatwn den Berliner Bürgern freigegeben woriden. Der Zaun ist am gestrigen Nachmittag entfernt worden. Die Kirche als Eisenbahnunternehmerin. Wir haben gestern darüber berichtet, daß die Kirche ver- schiedene Eigenbetriebe eingerichtet hat und daß sie nach eigenem Zugeständnis bei der Beförderung nach Ahrensfelde durch eigene Kraftwagen den Ausflüglern böse die Ohren ab schneidet, indem von ihnen die Bezahlung der ganzen Tour gefordert wird, auch wenn die Tour nur zur Hälfte benutzt wird..Ob zu dieser Ausbeutung des Publikums die zu- ständigen Behörden— denn auch letztere haben auf ihrem Grund und Boden noch etwas zu sagen— ihren Segen ge» geben haben, entzieht sich unserer Kenntnis. Außer den gestern genannten Eigenbetrieben will die Stadtsynode sich auch noch eine Eisenbahn zulegen, und zwar einen Anschluß an den Südwestkirchhof in Stahnsdorf. Zu diesem Zwecke ist mit der Eisenbahndirektion ein Vertrag geschlossen über Bau und Betrieb einer normalspurigcn, ein gleisigen Eisenbahn von Wannsee nach dem Südwestkirchhof. Der Bau soll durch den geschäftsführenden Ausschuß der „Na. Du hast ja den Beweis gleich in die Hand," entgegnete Heinz.„Solange et Arbeeter gibt, die so damlich sind, solch Klatschblatt zu halten, wie die„Mottenpost", braucht man sich darüber nich zu wundern." „Du." sagte der Gerüffelte langsam,„erstens iS det Blatt pro Vierteljahr 73 Pfennig billiger, und det rechnet beim Ar» bäeter." „Faule Ausrede,' donnerte der andere los.„Du saufst Vor» und Nachmittag für'n Groschen Fusel, macht im Monat drei Mark. Holt den„vorwärts" und befolg« den von ihm empfohlenen Schnapsboykott und Du hast im Vierteljahr noch 8 Mark 33 Pfen» nig gespart und schonst Dein« Gesundheit und Dein Gehirn, vor» ausgesetzt, det Du noch weichet hast." ..Du, nu hör mal," schrie der andere,�„so wahr ick Gottlieb heeße, wenn Du mit allet recht hast, aber uns kannste doch nicht widerlegen, nämlich, det die„Morgenpost" schärfere Artikel bringt, als der.Vorwärt»". „Nu wird's Dag. jetzt lach' ick mir dod,' pruschte Wilhelm laut lachend. „Jawoll, er hat recht.' fiel Heinz«in,„schärfere als die „Junkerwische' gegen die Sozialdemokratie und gegen uns're Vertreter im Landtag, die den schlimmsten Posten ha'm und den heftigsten Kampf führen müssen. Da fällt dieses, na. ick will det Wort runterschlucken, da fällt Euer Leibblatt, det Organ der„Mottenburger". unfern Leuten, die ganz allein da drin den Kampf gegen die vermuckerte Reaktion und für das Recht des Volkes zu führen haben, und die einzig und allein sich der Rechte de» unterdrückten Volke» annehmen, m der schof» lichsten Art in den Rücken und sucht unsere Vertreter lächerlich zu machen und herabzuwürdigen!' „Du." schrie Gottlieb fuchswild und kirschrot im Gesicht,.da» ist Lüge! Weise mir det nach, nur in eenem Falle und ich. wir alle'— er drehte sich nach jener Seite, wo er hergekommen, um seine Kollegen, die inzwischen auch näher getreten, zur Zustimmung aufzufordern—„sagt, Hab' ich recht oder nicht? Wir haben bis- her an unser, wie man sagt. Leibblatt festgehalten, weil. na. weil et billiger einmal ist und ooch interessanter für die Frauen pls der.Vorwärt»'. „Ahal' warf Heinz ein. „Ahae man so ville Du willst, die Tatsache kannste nich weg. schaffen, daß die Frau im Hause auch ihren Willen hat,' ant- wartete Gottlieb. „Natürlich." entgegnete Heinz,„wenn Ihr die Zeit, die Ihr in die Destillen zubringt, zur Aufklärung Eurer Frauen benutzen würdet, wäre manchet besser." „Donnerwetter," fuhr Gottlieb auf,„jetzt laßt mir mal au». reden, ich gebe Euch hier mein Ehrenwort, daß ick, daß wir alle, die Ihr hier uns die„Mottenburger" nennt, sofort die„Mottenpost" ein für allemal abbestellen, wenn Ihr u»S nur einen Beweis da» für erbringt, daß dies Blatt unseren Kämpfern im Landtag in ua Rücken fällt oder sie beschimpft oder herabwürdigt!' Stadtsynode selbst ausgeführt und die Arbeiten sollen ao einen oder mehrere Unternehmer vergeben werden. Bei der Berliner Feuerwehr stehen Aenderungen bevor, die auch für die Berliner Bürgerschaft von Interesse sind. Am Schiller- Hain wird in der nächsten Zeit eine neue Feuerwache eröffnet. Es ist dies die erste Berliner Feuerwehr, die für Automobilbetrieb gleich von Ansang an projektiert wurde. Alle andern Wachen, auch die neue Zugwache 4 in der Schönlanker Straße, waren ursprünglich für Pferdebetrieb eingerichtet. Diese neue Zngwache wird mit einem noch zu errichtenden Löschzuge, der die Nr. 23 erhält, belegt. Bißher war die Berliner Feuerwehr unter einem Brand- direktor, 2 Ober-Brandinspektoren, 6 Brandinspektoren und 16 Brandmeistern in fünf Kompagnien eingeteilt. In Zukunft wird sie sechs Kompagnien umfassen und um einen Brandinspektor und drei Brandmeister vermehrt werden. Nach Errichtung einer neuen Feuerwehr auf dem Gesundbrunnen und der Lösdjzkige 21 und 22 wird die 6. Kompagnie die drei Automobilziige 21, 22 und 23 umfassen, die in der Pankstraße, am Schillerhain und Gesund- brunnen stationiert sind und diesen Teil des Nordens, sowie einen Teil von Moabit decken sollen. Brandinspektor Rohnstock, lang- jähriger Chef der 6. Kompagnie und der Hauptwache in der Lindenstrahe, hat aus Gesundheitsrücksichten um seine Pensionie- rung nachgesucht. Sein Nachfolger wird der Chef der 1. Köm- vagnie, Brandinspektor Leypold. Die b. Kompagnie wird dann die 1. Kompagnie und die 1. die B. Kompagnie. Der 17. Löschzug wird dann der 1. und der 1. der 17., der 2. der 18. und der 18. dann der 2. Zug. der 13. in der Mauerstraße erhält die Bezeich- nung 3 und der 23. in der Fischerstrahe wird 4. Zug, während die Züge 3 und 4 die Bezeichnung 13 und 23 erhalten. Nach'Abschluß der Organisation wird die Berliner Feuerwehr 6 Kompagnien mit 24 Löschzügen umfassen. 2V Prozent Kirchensteuern werden nach dem Beschlüsse der Berliner Stadtsynode auch in diesem Jahre wieder er- Huben werden, damit der Betrag von 4850000 M. auf» gebracht wird. Ein schwerer Automobilunfall ereignete sich gestern abend gegen Uhr in der Spichernstraße. AIS daS 2Sjährige Frau- lein Otiger aus Paris dort den Fahrdamm überschreiten wollte, wurde sie von der Autodroschke 13473 umgerissen und überfahren. Die Französin erlitt einen Bruch des linken Schlüsselbeins, eine schwere Brustquetschung, eine erhebliche Kopfwunde und Haut» abschürfungen im Gesicht. In besinnungslosem Zustande wurde die Verunglückte nach der Unfallstation am Zoologischen Garten überführt und von dort nach Anlegung von Notverbänden zu ihren in der Spichernstraße 4 wohnenden Verwandten, bei denen die junge Dame auf Besuch weilte, gebracht. Die Zahl der Steuerreklainationen ist in diesem Jahre un» gemein hoch. Bisher sind bereits an 13 333 Stück mehr eingelaufen wie im Vorjahre. Täglich treffen bei dem Vorsitzenden der Ver» anlagungskommission gewaltige Stöße von Reklamationsschreiben ein. Die Mehrzahl der Reklamationen entfällt auf Veranlagungen bi» zu 2333 M. Die hohen Veranlagungen resultieren meist aus dem Umstände, daß bei der Einschätzung die Angaben der Arbeit- geber als Richtschnur genommen werden, ohne zu berücksichtigen. daß viele der Steuerpflichtigen in früheren Beschäftigungsstellen weniger verldienten oder daß sie gar längere Zeit hindurch arbeit?» WS waren. Die Veranwgungskommisiionen sollen in diesem Jahre auch insofern mangelhaft gearbeitet haben, als bei einem großen Teil der Zensiten nicht nach ihren finanziellen Verhältnissen recher- chiert, vielmehr lediglich die JahreSmiete als Maßstab für die Ver» milagung betrachtet worden ist. Ein blutige» Ehcdrama hat sich gestern vormittag auf dem Gesundbrunnen abgespielt. In der Stockholmer Straße wurde die 26 Jahre alte Ehefrau des Arbeiters Noack von ihrem Mann durch mehrere Revolverschüsse lebensgefährlich verletzt. N. hat nach Berübung der Bluttat einen Selbstmordversuch unternommen, indem er in die Panke sprang. Er wurde aber wieder herausgeholt und verhaftet. Frau Noack wohnte von ihrem Manne getrennt in der Lieben» walder Straße 26 und wollte sich gestern morgen nach einer Auf» wartestelle in der Stockholmer Straße begeben. Vor dem Hause Zechliner Straße 2, an der Ecke der Stockholmer Straße, lauerte Noack sie auf. sprach eifrig auf sie ein und versuchte sie zu über» Alle Mottenburger stimmten durch Kopfnicken und Zurufe bei. «Na. den Spaß könnt Ihr gleich in dreifacher Portton ge- nießen," gab Heinz zurück, indem er an seinen Werkzeugschrank ging und einige Zeitungen herausnahm.„Hier habt Ihr die Nummern vom 16., 13. und 23. April. Nun bitte, lest einmal hier die Artikel:„Der gute Ton im Abgeordnetenhause".„Der Umbau des Berliner Opernhauses" und den hier„Aus dem Abgeordneten- hause". In dem ersten wird, statt die unerhörte Provokation de» Kröcher gehörig an den Pranger zu stellen, unseren Genossen geistige Unfähigkeit vorgeworfen und behauptet, sie hätten den An» laß gegeben." „Unerhörtl".„Skandal!",„gemein!" schallte es durcheinander. „Und in dem zweiten," fuhr Heinz fort,„bedauert man ge» radezu, daß unser öiedner keen Ordnungsruf gekriegt hat und er daher„weniger witzig und amüsant gewesen sei", also— überlegt mal— nicht so dumm war. den um Material für ihre neie Hau»» kncchtSordnung verlegenen schwarz-blauen Kujaben solches zu liefern. DaS döllste aber ist in dem letzte» Artikel vorhanden: Nachdem bei dem Kapitel„SchuwufsichtSbehörde" Liebknecht sich in seine Rede zw« Ordnungsrufe geholt hat, meent derselbe Sold- schreiber der„Mottenpost" wörtlich: „Wir können nur wiederholen, wa» wir neulich schon sagten: eS ist im Interesse der Opposition aus daS l e b ha f t e st a zu bedauern, daß die sieben sozialdemokratischen Mandate in Händen von Leuten sind, die zum Kampfe gegen die junkerliche Majorität keine anderen Waffen benutzen, als grobe Redensarten." „Der det geschrieben hat. muß aber«n Genie sin. der weeß ja noch nich mal, det et bloß noch sechse sind." rief der jüngste Lehrling. „DaS ist ja eine bodenlose Frechheit und Dummheit zu- gleich," erklärte Wilhelm,„erst iS et nich richtig, wenn unse Ge» »offen eenen Ordnungsruf kriegen, denn bedauert man wieder, det Adolf kcenen gekriegt hat, und denn iS et wieder nich recht, wenn Karl zwee gekriegt hat. Wer mag denn der Federfuchser sin. der noch nich mal bis sechs« zählen kann?" „Wer soll'S denn sin," erwiderte Heinz.„Gewiß so'n abge» halfterter Auch-Sozialdemokrat. durch den solche„Mottenburger", die nich alle wer'n, als Abonnenten eingefangen wer'n. Wenn denn ccnmal een Mottenfänger«nen radikalen Artikel schreibt, huppen se alle druff, und hinterher sucht man denn unse Sache und unse Genossen wieder lächerlich zu machen. Det iS denn die Rache dafor, det von unsere Seite im Landtag diesem Sold- schreiber gelegentlich seine Wctterfahnenpolitik gehörig ins rechte Licht gerückt hat." ..Wenn Du nun nich überzeugt bist," wandte sich Heinz an Gottlieb,„denn kann Dir keen Doktor helfen!" „Ja, allen? schon in't Lot, hier haste unse Bestellung uff den„Vorwärts", die„Mottenpost" hat sich entpuppt und fliegt jetzt," erklärte Gottlieb unter Zustimmung der Mottenbürgep. Die Frühstückspause war vorüber. Alles ging wieder«m die Arbeit. reden, sich wieder mit ihm zu vereinigen. Sie lehnte das enk- schieden ab und versuchte wiederholt, an ihm vorüberzukommen. Nachdem das Paar durch sein lebhaftes Gebaren bereits aufge- fallen war, zog Noack plötzlich einen Revolver aus der Nocktasche und verwundete seine Frau durch drei Schüsse an den Armen, an den Händen und am Rücken so schwer, daß sie nach der Rettungswache in der Badstraße und von dort nach dem Kranken- hause gebracht werden mußte. Jwei Schüsse prallten an einem Bügeleisen, das die Frau bei sich trug, ab und richteten keinen Schaden an. Noack ergriff die Flucht und stürzte sich in die Panke, um sich zu ertränken, wurde aber von einem Schlächtergesellen, der ihn mit anderen Leuten verfolgte, herausgeholt und zunächst nach der Wache des ll>1. Reviers gebracht. Nach dem Ergebnis der Ermittelungen ist die Tat auf gegenseitige Eifersucht zurückzu- führen. Noack ist 29, seine Frau Amalie 26 Jahre alt. Die Leute sind sieben Jahre verheiratet und haben vier Kinder. Nach anfangs glücklicher Ehe quälten sie sich zuletzt gegenseitig mil Eifersucht. Im Oktober vorigen Jahres trennten sich die Ehe- leute. Dis Frau nahm die beiden jüngsten Kinder, die zwei und drei Jahre alt sind, zu sich. Eines der beiden älteren brachte der Mann nach Eberswalde, das andere zu seinen Eltern in der Wriezener Straße. Noack konnte, wie er sagt, auf die Dauer ohne seine Frau nicht leben und beschloß, weil Aussöhnungsversuche mißlangen, sich und ihr das Leben zu nehmen. Er wollte erst auch die Kinder in den Tod mitnehmen, nahm aber davon Abstand, weil sie zu weit zerstreut wohnten. Gestern morgen stand er schon um acht Uhr vor der Tür seiner Frau, um sie dort zu überraschen. Als er erfuhr, daß sie schon weggegangen war, folgte er ihr nach ihrer Aufwartestelle und lauerte ihr dort auf. In der Sitzung der städtischen Schuldeputation vom 27. April wurde u. a. ein Erlaß des Ministers der geistlichen, Unterrichts- und Medizinalangelegcnheiten mitgeteilt, nach welckzem auf die Gewährung von Urlaub an Lehrer(Gemeindeschullehrer und Lehrer an höheren Schulen) behufs Teilnahme an Bereinstagun- gen während der Schulzeit in Zukunft nicht mehr gerechnet werden darf. Die Direktion der Großen Berliner Straßenbahn schreibt unS: „Zu der Schilderung des Straßenbahnunfalls am Humboldthain in Ihrer Ausgabe vom 26. d. M. bemerken wir ergebenst, daß von unseren Angestellten mit der Uhr in der Hand konstatiert wurde, daß das Kind in sechs Minuten befreit war, was bei der schwierigen Läge als sehr kurz zu bezeichnen ist. Die Angabe Ihres Augenzeugen, der von 15 Minuten spricht, kann nicht stimmen. Das Publikum pflegt bei derartigen Anlässen nicht nach der Uhr zu sehen; da- gegen erscheint ihm die Zeit naturgemäß leicht länger, so daß die Zeitschätzungen meist nicht zuverlässig sind. Im Ucbrigen er. schien die Feuerwehr, als die Befreiung bereits vollendet war. Sie hat bloß den Transport des Kindes nach dem Krankenhause ausgeführt." Was die Direktion über die Zeitschätzungen sagt, ist im allge- meinen richtig; vielfach täuscht sich das Publikum in der Zeit, zu- mal bei Anlässen, wie der vorstehende einer war. Unser Augen- zeuge aber stützt seine Behauptungen im vorliegenden Falle genau auf seine Uhr. Er hat selbst in dem Unglückswagen gesessen. Kurz nach der Haltestelle der Rügenerstvaße halbe der Wagen, der nicht schnell gefahren sei, gestoppt, und es hieß, daß jemand unter dem Wagen liege. Das sei 6 Uhr 55 Minuten gewesen. Mehrfaches Bemühen, den Wagen zu heben, scheiterte an der Schwere des Wagens. Erst nach einigem Warten kamen Schaffner anderer in- zwischen herangekommener Wagen mit Winden, und erst mit Hilfe der Feuerwehr, deren Erscheinen auch eine Zeit dauerte, sei die Befreiung des Kindes gelungen. Damit seien aber tatsächlich 15 Minuten vergangen. Ein schwerer Straßcubahnunfall ereignete sich gestern abend in der Leipziger Straße. Der Werkmeister Wilhelm Träger auS der Spaudauer Straße 26 in Zehlendorf sprang an der Ecke der Mark« grafenstraße von einem in der Fahrt befindlichen Straßenbahnwagen der Linie 73, stürzte und geriet mit beiden Beinen unter den Schutz- rahmen des Anhängcwagens. Zwecks Befreiung des Verunglückren mußte der Waggon mit Hilfe von Passanten angehoben werden. T. erlitt einen Bruch des linken Oberarmes, schwere Quetschung des rechten Armes und eine liefe Wunde am rechten sowie erhebliche Hautabschürfungen im Gesicht und am Kopf. Der Schwerverletzte wurde nach dem Krankenhaus am Urban übergeführt. Arbeitslosigkeit und Vereinsamung haben den 65 Jahre alten Gürtler Alexander Keller aus der Weinstr. 16 zum Selbstmord ver- anlaßt. Keller wurde vor 4 Monaten von einer Lampenfabrik, in der er zwei Jahre gearbeitet hatte, wegen schlechten Geschäftsganges entlassen und konnte bei seinem Alter nirgends wieder ankommen. Als er jetzt leinen Ausweg mehr sah, erhängte er sich in seiner Stube am Spiegelhaken. Mit Leuchtgas vergiftet hat sich das 19 jährige Dienstmädchen Frida Harlmann, Friesenstr. 13. Das junge Mädchen öffnete während der Abwesenheit der Dienstherrschaft sämtliche Gashähne und legte sich sodann nieder. Als die Tat später entdeckt wurde, war die Lebensmüde bereits tot. Ueber die Motive, die die H. in den Tod getrieben, hat die Polizei eine llntcrsuchnng eingeleitet. Die Leiche wurde beschlagnahmt und nach dem Schauhause ge- bracht.» Das Polizeipräsidium teilt mit: Am 25. April, vormittags fl1/« Uhr, wurde im Tiergarten, Ecke Siegesallee— Köirigsplatz.� die Leiche eines in Verwesung übergegangenen neugeborenen Kindes männlichen Geschlechts gefunden. Das Kind hat bei der Geburt gelebt und ist niittels einer Schnur, die bei dem Auffinden der Leiche noch fest um den Hals gewickelt war, erdrosselt worden. Der Tod ist ungefähr vor 14 Tagen eingetreten, doch ist diese Angabe un- bestimmt. Die an der Leiche befindliche Nabelschnur ist sehr lang und hat sich die Mutter beim Abreißen derselben wahrscheinlich ver- letzt, so daß sie eine Beschädignna der inneren Organe erlitten hat. Sie wird wohl daher ärztliche Hilse haben in Anspruch nehmen müssen. Die Leiche war eingewickelt in die riiileren Teile zweier Damen- Hemden von grobem Hcmdentuch und in die Hälfte einer blau- gestreiften baumwollenen Kleiderschürze ohne Aermel, wie sie von Dienstmädchen getragen werden. Das Muster ist eingewebt, nicht gedruckt Die Schürze ist von oben»ach unten durchgerissen worden. Die vorstehend beschriebenen Gegenstände sind im Lichlhofe des 5töinglichen Polizeipräsidiums, Portal V, Dircksenstr. 18, zur Be- sichtigung ausgelegt und werden Mitteilungen von der Kriminal- Polizei, vormittags Zimmer 469, nachmittags Zimmer 86, entgegen- genommen. Schriftliche Angaben werden unter der Tagebuch- nunnner 1766 IV 55 19 erbeten. Arbeiter-Samariter-Kolonne. Heute abend 9 Uhr im DreS- dener Garten Verteilung der Mitglieder zur Maifeier, wozu alle aktiven Mitglieder erwartet werden. Materialausgabe von 3 Uhr an. Am 9/ Mai findet die Prüfung der Kursustcilnchmer durch Herrn Dr. Großmann statt. Diejenigen, welche sich dieser Prü- sung unterziehen wollen, müssen sofort ihren Namen, Stand und Wohnung an den Vorsitzenden einsenden. Die Prüfung der zur aktiven Mannschaft Eintretenden findet später statt. Zeugen gesucht. Personen, welche gesehen haben, wie am Sonn- tag, den 17. d. M., ein Mann in der Alexanderstr. 5 von dem An- hängcwagen der Linie 49 heruntergeschleudert wurde und auf der Straße besinnungslos liegen blieb, werden gebeten, ihre Adresse an Aidolf Krömer, Nixdorf, Kaiser-Friedrichstr. 85, gelangen zu lassen. Gesperrt wird der Große Weg von der Fasanerie-Allee bis zur Charlottenburger Chaussee behufs Umpflasterung vom 29. d. M. ab. Vorort- Nadmcbtem Charlottenburg. Die Stadt plant den Neubau eine? geburtshilflichen Kranken- Hauses in der Sophie-Charlotlen-Straße, in unmittelbarer Nähe des städtischen Bürgerhauses und des Kaiserin-Auguste-Vikloriahauses zur Bekämpfung der Säuglingssterblichkeit, da die geburishilsliche Abteilung des Krankenhauses Kirchstraße seit langem nicht mehr dem bei der Zunahme der Bevölkerung fortgesetzt steigendem Be- dürfnis entspricht. Die Behandlung der die Normalfrequenz über- steigenden Fälle war nur durch möglichste Abkürzung der Be- Handlungsdauer und Einschiebung von Rcservebetten möglich. Besonders dringend ist auch das Bedürfnis nach einer be- sonderen Abteilung für an Kindbettfieber und anderen JnfektionS- krankheiten leidende Gebärende und Wöchnerinnen. Der Magistrat beantragt daher bei der Stadtverordnetenversammlung die Zu- stimmung zum Neubau eines Krankenhauses für Geburtshilfe auf dem 23 999 Quadratmeter großen städtischen Grundstück zwischen dem königl. Schloßgarlen und der Sophie- Charlotten- Straße. Es sollen zunächst im ersten Bauabschnitt Räume für 211 Betten (113 für Frauen und 98 für Säuglinge) erbaut werden. Sobald das BedürsniS eintritt, kann der Erweiterungsbau für weitere 297 Betten errichtet werden, so daß dann insgesamt 418 Betten(222 für Frauen und 196 für Säuglinge) ver- fügbar sein werden. Für die Anlage des ersten Bauabschnitts sind geplant ein Verwaltungsgebäude, ein aseptischer Pavillon, ein EnlbindungSgebäude, ein septischer Pavillon für die Jnfeltionskranken, ein Schwesternhaus, ein Kochküchengebände, ein Waschküchengcbäude, ein Kessel- und Maschinenhaus und ein Leichenhaus; Dampfkessel- und Maschinenanlage werden so groß angelegt, daß sie auch für das benachbarte Bürgerhau» und den im zweiten Bauabschnitt zu errichtenden Erweiterungsbau ausreichen. Die Baukosten für die im ersten Bauabschnitt zu errichtenden Gebäude werden insgesamt 1 867 699 M. betragen, gleich 8351 M. für ein Bett. Die Baukosten der Erweiterung werden 629 159 M. betragen. Das Inventar für den ersten Bauabschnitt wird 113 999 Mark, das für den zweiten Bauabschnitt 79 859 M., also pro Bett für Erwachsene einschließlich für Säuglinge im ersten Bauabschnitt 1999 M., im zweiten Bauabschnitt 659 M. erfordern. Die Kosten des Grundstücks betragen insgesamt 714 499 M. Rixdorf. In großer Lebensgefahr schwebten vorgestern die vier Kinder des in der Weferstr. 295 wohnenden Zeichners Hoffer. Frau H. hatte mittags ihre Kinder, zwei 5- refp. 6jährige Knaben und zwei Mädchen in, Alter von 2 und 3 Jahren allein in der verschlossenen Wohnung zurückgelassen, während fie selbst Einkäufe besorgte. Die beiden Knaben wußten sich zwei Schachteln mit Streich- hölzern zu verschaffen, mit denen sie ein Bett in Brand setzten. Das Feuer griff schnell um sich, und das Zimmer war in wenigen Minuten mit Rauch angefüllt. Auch die Kleider der beiden Jungen wurden von den Flammen erfaßt. Auf das Hilfegeschrei der Kinder eilte der in demselben Hause wohnende Tischler Gcützmann hinzu, der die WohnungStür erbrach und zunächst die beiden lichterloh brennenden Knaben in Sicherheit brachte, indem er durch Aufwerfen von Kleidungsstücken die Flammen erstickte. Dann drang G. nochmals in die brennende Wohnung und holte aus dieser auch die beiden jüngsten Kinder, von denen eins in seinem Bettchen lag und dem Ersticken nahe war. heraus. Die beiden älteren Knaben hatten leichte Brandwunden erlitten, doch ist ihr Zu- stand unbedenklich. Von hinzukommenden Nachbarsleuten konnte das in der Hofferschen Wohnung ausgebrochene Feuer nach läiigerem Be- mühen gelöscht werden. Groft-Lichterfelde. Ein entsetzlicher Unglücksfall hat sich gestern nachmittag auf dem Dahlemer Guishof zugetragen. Dort waren mehrere Kinder beim Spiel und einer der Kleinen, der siebenjährige Sohn des Arbeiters Zieba geriet beim Laufen in einen Haufen glühender Asche, die ioeben abgeschüttet worden war. Ter Knabe stürzte nieder und zog sich schreckliche Brandwunden zu. Ein herbeigerufener Arzt veranlaßte die Uebersührung des schrecklich zugerichteten Knaben nach dem Groß- Lichterfclder KreislranlenhauS. Lankwitz. Die Maifeier erhält dieses Mal durch das Abhalten einer Ver- fammlung unter freiem Himmel einen besonderen Anstrich. Am Nachmittag um 2 Uhr versammelt sich die Lanlwitzer Arbeiterschaft mit Frauen auf dem freien Platze in der Zietenstroße am Ausgang der Derfflingerstraße, woselbst die Freie Turnerschaft sonst ihre Uebungen abhält. Genossin Zieh wird dort die Bedeutung deS TageS würdigen. Nach der Versammlung geht eS in geschlossenem Zuge nach dem Festlolal von Prochatzta in der Vikloriastraße zu Konzert, Tanz und anderer Unterhaltung. Friedenau. Die diesjährige Wohnungsaufnahme ergab folgendes Resultat: Geschäftslokale mit Wohnung 594, ohne Wohnung 549. Wohnungen mit 1 Zimmer 833. davon waren leer 89, 2 Zimmern 2884(223); 3 Zinmiern 2293(24l); 4 Zimmern 1629(151); 5 Zinimern 989(93); 6 Zimmern 495(23); 8 Zimmern 49(—); 9 Zimmern 19(—); 19 Zimmern 7. Von den letzten vier auf- geführten großen Wohnimgeii waren alle bewohnt. Die Mielspreise betragen für Wohmingen mit 1 Zimmer 299 biS p29 M., 2 Zimmern 299— 699 M., 3 Zimmern 359—999 M., 4 Zimmern 759—1299 M., 5 Zimmern 859— 1799 M., 6 Zimmern 1299—2159 M., 7 Zimmern 1659—2499 M., 8 Zimmern 8299 M. Britz. Wie wenig Rücksicht oft darauf genommen wird, daß die kleinen Kinder nicht allzu weite Wege zur Schule zurücklegen müssen, geht aus einer uns übermittclien Zuschrift hervor. Bei der Einschulung am 4. April stellte es sich heraus, daß die Schule in der Hennemamt- straße überfüllt war. Am dritten Tage nach der Einschnlung wurde ein sechsjährige? Mädchen, dessen Mutter in der Cbaiisseestraß« wohnt, nach der Dorfstraße in die alte Schule geschickt. Als die Mutter durch ein andere« Kind hiervon unterrichtet wurde, begab sie sich zu dem Rektor und stellte ihm vor, daß ein so kleines Kind doch unmöglich einen etwa 35 Minuten weiten Weg allein zurücklegen könne. Doch der Rektor bedeutete ihr, daß die Schule überfüllt fei. Die betreffende Mutter teilt uns mit, daß in der Bürger- straße, 19 Minuten von ihrer Wohnung entfernt, sich gleich- falls eine Gemeindeschule befindet, und sie knüpft die Bemerkung daran, daß eS doch möglich sein müßte, gerade die llemsten Kinder in die in der Nähe der elterlichen Wohnung liegenden Schule» unterzubringen. Daduich würden die Kleinen wenigstens nicht so sehr den Gefahren im Straßenverkehr sowie den Unbilden der Witterung ausgesetzt. In diesem Fall muß die um ihre Existenz schwer kämpfende Mutter dem Kinde Fahrgeld mitgeben, wenn fie es bei schlechtem Wetter vor Erlältung schützen will. Bei etwas gutem Willen müßte eS der Schuldeputation doch möglich sein, hierin Wandel zu schaffen. Tempelhof. Laut Beschluß der Gewerkschaftskommisston findet die Maifeier- Versammlung für die gesamten Gewerkschaften Sonntag, mittags 12 Uhr, im„WilhelmSgarten", Berliner Str. 9, statt. Karten für die Slädtebau-Ausstcllung sind bei dem Obmann, Genossen Lentschu, Neue Str. 6/7. anstatt für eine Mark für 39 Pf. zu haben. Klein-Schönebeck-Fichtena«. AuS der Gemeindevertretung. In der letzten Sitzung erfolgte die Einführung der neu- bezw. wiedergewählten Gemeiudevertreler, unter denen sich auch unser wiedergewählter Genosse Klockow befand. AuS der umfangreichen Tagesordnung ist hervorzuheben, daß fetzt ernstlich die Instandsetzung des chaussierten Teiles der Hauptstraße in Fichtenau, deS Schmerzenskindes der Kolonie, in Angriff ge- nominen werden soll. Beschloffen wurde die Anlegung eines Fuß» wegeS vom Birkengestell zum Schulzendienstland unter der Be- dingung. daß die Interessenten die Kosten der Herstellung und der Unterhaltung auf fünf Jahre übernehmen. Abgelehnt wurde ein Antrag der Gemeinde Schöneiche, einen Teil der Kosten zur Be- festigung des Waldweges von Schöneiche nach Bahnhof Rahnsdorf zu übernehmen. Bei dieser Gelegenheit erhielt Herr Heyden von unserem Genossen Tobias eine kurze Abfertigung wegen seiner fort- gesetzten unmotivierten Angriffe ans die Gemeindevertretung Klein» Schönebecks. Den Schluß der Sitzung bildeten zwei Anträge unserer Genossen, die Benutzung der Schulräume durch einen bürgerliche« Gesangverein und die Verwendung von Kommunalbeamten für die Kirchengemeinde betreffend. Bei Erörterung des zweiten Antrages stellte sich die bürgerliche Mehrheit auf den Standpuntt, daß es den Kommunalbeamten unbenommen sein muß, ihr Einkommen, das die Gemeinde zurzeit nicht in genügendem Maße verbessern könne, durch derartige Nebenarbeiten zu erhöhen. Die Anfrage unseres Genossen Tobias, wer dem Gesangverein das Recht gegeben habe, sich die Schulräume zur Abhaltung der Uebungsstunden anzueignen, blieb unbeantwortet. Der Gemeindevorsteher stellte nur aus den Akten fest, daß jetzt eine bedingungsweise Genehmigung zur Benutzung eines Klassenzimmers durch den Landrat erfolgt sei; die in der Gemeindevertretung sitzenden Sangesbrüder schwiegen sich vollständig aus. Es muß also angenommen werden, daß der Gesangverein bis dahin ohne Erlaubnis die Räume benutzt hat; die Kritik unseres Vertreters ließen denn auch die Herren widerspruchslos über sich er- gehen. Genosse Tobias stellt« dabei gleich in Aussicht, daß nachdem die Schulräume den bürgerlichen Gesangvereinen zur Verfügung ge- stellt sind, in nächster Zeit auch der Arbeitergesangverein die Räume benutzen werde. Stralau. Nicht die Gründung eine? Jugendheims, wie eS irrtümlich in dem WahlvereinSbericht heißt, sondern die Gründung eines Jugend- heim-VereinS wurde in der Wahlvereinsversammlung beschlossen. Friedrichsfelde. Aus der Gemeindevertretung. In der letzten Sitzung wurden sämtliche Wahlen für gültig erllärt und die neu- refp. wieder- gewählten Vertreter, darunter die Genossen Pinseler und O e h l e r t eingeführt. Zur Errichtung eines Schutz- g a r t e n s ist die Genieinde bereit, ein Stück Landes und 499 M. herzugeben. Dabei wurde der pädagogische Wert dieser Ein- richtung allgemein anerkannt. Einen erheblichen Konflikts- stoff barg jedoch eine andere Forderung in sich, näm- lich die, 799 Mark zur Ausschmückung der neu« erbauten Kirche in Karlshorst zu bewilligen. Es wurde Antrag auf geheime Beratung gestellt, um der Oeffentlichkeit gegenüber nicht daS erbauliche Bild echt christlicher Auseinandersetzungen zwischen den Mitgliedern der Friedrichssclder und KarlShorster Kircvengcmeinde zu bieten. Trotz des Protestes unseres Genossen Pinseler wurde dem Antrag auf geheime Beratung stattgegeben. In dieser wurde dann die geforderte Summe von 799 M. zwar abgelehnt, dafür aber 499 M. zur Ausschmückung der Straßen bei der Einweihung der Kirche bewilligt, weil die Hoffnung besteht, einen leibhaftigen Prinzen zur Mitwirkung zu gewinnen.— Dem Grundwert st euer- AuS schütz hat man auS Zweck» mäßigkeitSgründen auch die Veranlagung zu den sonstigen Gemeinde- abgaben übertragen, weshalb eine Verstärkung notwendig wurde. Neben anderen Herren wurde Genosse Pinseler hinzugewählt.— Die hierauf folgende Fortsetzung der Etatsberatung dehnte sich bis gegen 12 Uhr aus. Wie erinnerlich, wurde in der vorangegangenen Gemeindevertrelersitzung der Erat einer besonderen Kommisston zur nochmaligen Vorberatung überwiesen. Wie notwendig diesa Maßnahme gewesen, konnte man aus der großen Anzahl zum Teil recht schwerwiegender Abänderungsvorschläge der Kommission ent* nehmen. Herr Schäfer, als Berichterstatter, legte die Grundsätze dar, die für die Beratungen der Kommission leitend gewesen sticii; eS wäre erforderlich gewesen, die Steuern zu erhöhen, wenn MMi den Etat hätte auf eine vollkomnien gesunde Basis stellen wvllen. Doch habe man mit Rücksicht auf eine gedeihliche Welterentwickelung des OrteS davon abgesehen und sich beguügt, zu sparen, da, wo. st ohne Schaden anging. Aus der Fülle der beantragten und Jb» schlossenen Senderungen seien folgende hervorgehoben. Bei dqfti Kapitel Steuerverwaltung wurde beschlossen, die Einkommf« von 669 bis 999 M. steuerfrei zu lassen. Ein Erfolg, den unser« Genossen sür sich in Anspruch nehmen dürfen.— VU Neuregelung der Beamtenbesoldung wurde vor- läufig bis nach der Verabschiedung deS Etats zurückgestellt und beantragt, eine besondere Kommission hierfür einzusetzen. Genosse Pinseler sagte in bezug hierauf: So gern er den Beamten ein höheres Einkommen gönne, müsse er seine Ziistimmuna abhängig machen von den Garantien, die man bezüglich einer entsprechenden Lohnaufbessernng der Gemeindearbeiter bieten werde. Gemeindevorsteher Ungewitter erwiderte: Unsere Gemeinde- arbeiter seien günstiger gestellt als in anderen Orlen.(I?) Dies ersehe man auch daraus, daß Beschwerden von Privatunternehmern bei ihm eingelaufen seien und er geradezu mit AnftelltingSgeiuchen bestürmt werde I Herr Ungewitter sollte es wahrhaftig unter seiner Würde halten, sich mit dieser abgebrauchten Phrase lächerlich zu machen.— Der allgemeinen Verwaltung wurden von 16 969 M. 4999 M. gestrichen, um zu größerer Sparsamkeit in der Anstellung von Hilfsarbeitern usw. zu nötigen, da der Ver» waliungSapparat ohnehin entschieden zu groß und teuer sei. Für Neu- beziehungsweise Umpflasterung der ver» wahrlosesten Straßen wurden zliiiächft 26 999 M. bereit gestellt in der Erivartung, daß der nächstjährige Etat einen großzügigen Plan hierfür aufweisen werde. Beim Kapitel.Schulverwaltung* war Genosse Pinseler genötigt, eine ganze Reihe von Beschwerden vorzubringen, die aus die Verweigerung der Turnhallen an Arbeiter- lurner, auf übermäßige Prügelei und mangelnden Schutz gegen An- fteckunaSgefahr Bezug hatten. Sein Antrag, die bereitgestellten Be» träge für unentgeltliche Hergabe von Lernmitteln an Kinder unbepiiltelter Elten» um 129 M. zu erhöhen, weil öfter Gesuche von den Lehrern unter Hinweis auf die sehlenden Mittel zurückgewiesen würden, wurde mit Stiinmengleichheit ab- gelehnt. Die Stimme des Hern» Gemeindevorstehers gab oen Ausschlag. Er war jedenfalls der Ansicht, daß man das Geld zu Prinzenempfängen nötiger brauche. Schließlich sei noch erwähnt, daß man die Beihilfen an die Feuerwehren beider Ortsteile zwar bewilligte, doch so lange für gesperrt erklärte, bis endlich einmal eine genaue Uebersicht über die Verwendniig der bisher gezahlten Beihilfen sowie über die Eigeiilumsverhättniste an den Löschgeräten, zu denen ebenfalls nam» haste Beiträge geleistet werden, gegeben würde. Trebbin(Kreis Teltow). Die diesjährige Maifeier wird am Sonnabendabend durch einen KonunerS, verbunden mit Konzert, Theater, Gesang und Zither- mifführungen, im Schützenhaus eingeleitct. Am Sonntagmorgen 7 Uhr erfolgt vom Gesellschaftshaus aus der AuSmarsch mtl Miffil nach der Plantage Cliestow. Dort Konzert und Festrede. Mittags 12 Uhr: Rückmarsch nach dem GeiellschastShaus. Nachmittags 3 Uhr: Konzerl und GeiangSvorlräge im GesellichaflSbause; abends 7 Uhr dort Ball und Sportaufführungen der Arbeiter-Tum- und Radfahrer- vereine. Herzfelde. Der nachgesuchte Maifestzng ist von dem neuen AmtSdorfieher, Ziegeleibesitzer Herrn Max Behne. mit Bezug auf§ 7 des Vereins- gesetzes untersagt, da durch den Auszug die öffentliche Sicherheit ge- fährdet werden könnte. Reinickendorf. Einbrecher versuchten in der Nacht vom 26. zum 27. April ihr Hell in der Ortskrankenkasse zu Reinickendorf. Sie drangen HB« eine angelHnte Leiter durchs Fenster der Speisekammer in die Räume ein. Doch scheinen es noch Neulinge in ihrem Fach gewesen zu sein. Sie rückten den Geldschrank von der Wand und bohrten die Rückwand an. Die innere Stahlplatte leistete jedoch Widerstand; nicht einmal die Versuche an den Pulten waren von Erfolg. Die Beute war demgemäß recht mager; vom vorhanden gewesenen Gelde fehlt nichts. Potsdam« Mit den fünf unbcsefcten Stadtverordnetenmandaten, für die die konservative Mehrheit bis Ende 1911 keine Ersatzwahl vornehmen lassen will, wird sich Magistrat und Stadtverordnete nun wohl doch noch einmal beschäftigen müssen. Zurzeit bemühen sich zwei liberale Stadtverordnete, eine Ersatzwahl herbeizuführen. Sie sammeln in der Versammlung Unterschriften. Wie sich der offiziöse Magistrats- Nachrichtendienst vernehmen läßt, dürfte die Mehrheit setzt ebenfalls wie im Herbst auch nicht für Ersatzwahlen zu haben sein. Den Stadtvätern liegt daran, daß.die Bürgerschaft nicht erregt wird"; allem Anschein nach brinzt solche Ersatzwahl bei den Stadtvätern selbst am meisten Erregung Da nun der konservative„Neue Wahl- verein' keine Ersatzwahl will, so werden die Stadtverordneten, die Vorstandsmitglieder dieses Vereins sind, ebenso beschließen. Immerhin dient dieser Vorgang wieder zur Kennzeichnung der Kon- servativen. Was schert sie das Wahlrecht der Bürgerschaft, was sragen sie danach, ob der Wille der Bürgerschaft voll nach den gesetz- lichen Bestimmungen vertreien wird, wenn sie nur ihre Ruhe haben. Da in letzter Zeit dazu noch verschiedene wichtige Beschlüsse mit knapper Mehrheit gefaßt worden sind, so dürften die Ersatzwahlen auch noch in anderer Beziehung eine nicht zu unterschätzende Be- deutung haben._______ Geriebtö- Zeitung» Versammlung unter freiem Himmel. DaS Oberverwaltungsgericht hat am 19. dieses Monats bekanntlich entschieden, daß die Genehmigung von Auf- z ü g e n nach§ 7 des Reichsvereinsgesetzes nur dann versagt werden darf, wenn Tatsachen lokaler Natur vorliegen, die nach vernünftigem Ermessen die nahe Möglichkeit einer Störung der öffentlichen Sicherheit befürchten lassen. In dem gleichen Sinne entschied das Oberverwaltungsgericht rücksichtlich der Versagung der Genehmigung zur Abhaltung von Versammlungen unter freiem Himmel. Der Entscheidung lag folgender Sachverhalt zugrunde: Der Arbeitersekretär Genosse Linde aus Königsberg wollte auf dem Kleeacker des Landwirts Hermann Petereit zu Schal- tischledimmen eine Versammlung unter freiem Himmel abhalten. Die gemäß K 7 des Reichsvereinsgesehes nachgemchte Genehmigung versagte der Amtsvorsteher zu Mehlauken mit der Bemerkung, nach Lage der Verhältnisse sei eine Gefahi für die öffentliche Sicherheit zu befürchten. Der Landrat des Kreises Labiau und der Regierungspräsident in Königsberg verwarfen die Beschwerden Lindes. Darauf klagte dieser beim Oberverwaltungsgericht, vor dem ihn am Dienstag Rechtsanwalt Dr. H. Heinemann vertrat. In der Klageerwiderung des Regierungspräsidenten, die der Ge- richsreferent mit vortrug, heißt es unter anderem: Nach seinen Ermittelungen seien die Vorkon. mnisse, die die Behörden zn ihrer Stellungnahme veranlaßt hätten, geeignet eine Störuig, der öffentlichen Sicherheit befurchten zu lassen. Die Tatsachen seien im wesentlichen die folgenden: In Sch. bestehe eine kleine suziul. demokratische Partei, deren Hauptfühver Petereit sei, auf dessen Acker die Versammlung stattfinden sollte Die Partei stehe im Gegensatz zur anderen Bevölkerung sowohl des Dorfes selbst als auch der Einwohner der benachbarten Orte. Auch hätten die sozialdemokratischen Einwohner öfter versucht, behördliche Maß- nahmen auf gewaltsame Weise zu hindern. Und nun kon.mt in dem Schriftwerk deS Regierungspräsidenten die Darstellung einer Geschichte des neuen Friedhofes in Sch., den Petereit und seine Freunde angeblich nicht benutzen wollten, weil das Land vom Ge meindevorsteher gekauft worden sei. Es werden allerlei damit zusammenhängende Schikanen gegen die Behörden erzählt in denen ein Petereit die Hauptrolle spielt. Der Gerichtsreferent stellte jedoch beim Vortrag gleich mit starker Betonung auf Grund eingeforderter Gerichtsakten fest, daß es sich hierbei um einen ganz anderen Petereit handelt, nämlich um August Petereit und nicht um Hermann Petereit, den Besitzer des Ackers und angeb- lichen Parteiführer. Ebenso sei. erklärte der Referent, der vom Regierungspräsidenten im Zusammenhang mit einer Körper- Verletzung erwähnte Petereit nicht Hermann P., sondern auch jener August P., der mit dem Versammlungsplatz gar nichts zu tun hatte.— In der Klagebeantwortung betonte der Regierungs- Präsident, daß das Grundstück auch nur 32 Meter breit sei und «m die Besitzung von nichtsozialdemokratischen Einwohnern stoße. Daraus seien auch Konflikte zu befürchten gewesen. Dann sei das OrtSwirtshaus nur sehr klein, so daß die sich dort etwa bei schlechtem Wetter zusammenfindenden Leute drängen würden. Usw. Rechtsanwalt Dr. Heinemann machte geltend, daß der Ver- sagung der Genehmigung die gesetzlich vorgeschriebene Begründung (Z 7) fehle. Im übrigen seien nur allgemeine Sentiments vor- gebracht und was später an Tatsachen durch den Regierungs- Präsidenten angeführt worden wäre, seien Krähwinkeleien, die noch dazu mit der Abhaltung einer Versammlung und mit dem Besitzer des Ackers nicht das mindeste zu tun hätten. Und die Berufung darauf, daß das Grundstück an Besitzungen nichtsozial- demokratischer Landwirte stoße, hätte doch nur einen Sinn, wenn man den Nichtsozialdemokraten unterschieben wolle, daß sie zu Gewalttätigkeiten neigten. Das wolle doch wohl der Regierungs- Präsident nicht. Der erste Senat des OberverwaltungSgerichts gab der Klage statt und erklärte die Versagung der Genehmigung für nicht be- rechtigt: Es könne dahingestellt bleiben, wie es sich mit der Ver- letzung der Formvorschriften des Gesetzes über die Begründung eines solchen Verbotes hier verhalte. Jedenfalls müsse die Ver- fügung des Amtsvorstehers schon aus materiellen Gründen auf- gehoben werden. Es sei daran festzuhalten, daß Tatsachen lokaler Natur vorliegen müßten, die nach vernünftigem Ermessen die nahe Möglichkeit einer Störung der öffentlichen Sicherheit befürchten ließen. Solche Tatsachen seien nicht dargetan. Weder die an- gebliche Erregung, noch die Größe des Platzes, noch die Unzuläng- lichkeit des Gasthauses seien geeignet, die Verfügung zu recht- fertigen, und zwar um so weniger, als verschiedene Petereits ver- wechselt seien. Bus der frauenbewegung. lieber:„Die Mutterschaftsverstcherung in der neuen Reichs- Versicherungsordnung" sprach am letzten Mittwoch Genosse Wissel im Verein für Frauen und Mädchen der arbeitenden Klasse. Der Redner legte dar. daß die geplante Versicherung den Forderungen des Proletariats in keiner Weise genüge. Es handele sich bei der Lösung dieser Frage einerseits um den Schutz der Mutter vor Kränklichkeit und dauerndem Siechtum, anderseits um die Ver- hütung der Säuglingssterblichkeit. Demnach muß eine Schonzeit vor und nach der Entbindung gefor» dert werden. Leider ist die Arbeiterin infolge der traurigen wirtschaftlichen Verhältnisse gezwungen, häufig bis zum letzten Augenblick zu arbeiten und nur allzufrüh wieder von neuem zu beginnen; die Folgen zeigen sich in den schweren und zahlreichen Frauenleiden, in den erschreckenden Ziffern der Säuglingssterblich» keit, da die Kinder aus Mangel an guter Pflege und' Abwartung zugrunde gehen. Die Zahlen der Statistik reden eine erschreckende Sprache. Ein gewaltiges Menschenmaterial wird jahraus, jähr- ein aus Mangel an Pflege dahingerafft. Diese Zahlen lassen ahnen, welche Unsummen von enttäuschten Hoffnungen, welche Rückwirkungen auf die Ehe, auf das Seekenleben der Frau solche Zustände zur Folge haben müssen. Wurden doch in Deutschland im Jahre 1397 neben 2 069 972 Lebendgeborenen(wovon 179 178 unehelich) 171 999 Totgeborene gezählt. Es starben davon im ersten Lebensjahre bereits 3Sl 046(davon 48 000 uneheliche), im ersten bis 2. Lebensjahre 56 900, im zweiten bis dritten Lebensjahre 20 000, im dritten bis vierten Lebensjahre 12 740. Nun wird häufig gesagt, daß es sich bei den Todesfällen in den ersten Lebensjahren um eine natürliche Auslese handele; dann wäre der Rückschluß wohl gerechtfertigt, daß dort, wo die größte Kindersterblichkeit herrscht, nämlich in den Kreisen des Proletariats, nur die Gesündesten und Kräftigsten heran- wachsen. Leider ist das Gegenteil der Fall. Allzuhäufig tragen auch die Ueberlebenden den Keim der Krankheit in sich, und gerade in Arbeitervierteln ist bekanntlich die Rekrutie- rungsziffer die ungünstigste. Wer will außerdem be- haupten, daß körperlich schwache Menschen nicht imstande gewesen wären, zur EntWickelung der Kultur beizutragen. Die Geschichte lehrt uns, daß Spinoza, Heine und viele andere trotz ihrer ge- ringen Körperkräfte unter schiveren Leiden Unendliches für die Menschheit geleistet haben. So ist das soziale Elend nur ein Mittel zur Vernichtung hoffnungsvoller Kräfte. Betrachtet man die Zahl der Todesfälle im Verhältnis der ehelich Geborenen zu den Unehe- lichen, so wird das Bild noch trauriger. Gegenüber 16,6 Prozenl Todesfällen der Ehelichen stehen 28 Proz. der Unehelichen. Angesichts dieser Tatsachen erübrigt sich die Frage, ob Mutter- schaftsversicherung oder nicht, die Verhältnisse schreien nach einer Fürsorge. Die vorhandene Fürsorge ist aller- dings sehr dürftig. Sie geht von �wei Gesichtspunkten aus, erstens vorbeugende Maßnahmen zu treffen, zweitens Gewährung einer Unterstützung zur Pflicht zu machen. Der Redner beleuchtete nun die in Deutschland und anderen Ländern bereits erlassenen Gesetze zum Schutze der Schwangeren und der Wöchnerin. Er erwähnte dann die von bürgerlicher Seite gemachten Versuche, eine Aus- dehuung der vorhandenen Schutzbestimmungen herbeizuführen durch die Eingaben des Verbandes fortschrittlicher Frauenvereine von Jahre 1905 und des Bundes für Mutterschutz vom Jahre 1906. Er wies schließlich auf die bekannten Forderungen der sozial- demokratischen Frauenkonferenz vom Jahre 1906 hin, die eine Ausdehnung der Schwangerschaft S» unter st ützung auf 8 Wochen, eine Wöchnerinnenunterstützung von 13 Wochen beantragt. Die neue Reichsversicherungsordnung bringt nun wohl unter dem Abschnitt„Wochenhilfe" einige Fürsorgebestimmungen, doch bietet sie gegenüber den bisher bestehenden Vorschriften nur ganz geringe Verbesserungen. Eine Ausdehnung der Wöchnerinnenunterstützuntz von 6 auf 8 Wochen ist alles, waS sie gewährt unter der Begründung, daß für diese Zwecke f i n a n- zielle Mittel nicht vorhanden sein sollen, d. h., mit Rücksicht darauf, daß die Unternehmer einen Teil der Kosten zu tragen haben, meint die Regierung, nicht mehr riskieren zu können Tatsächlich find die aufzubringenden Mittel für die ge- forderte Versicherung nicht geringe; nach der Schätzung deS Bundes für Mutterschutz, der 1 400 000 zu Versichernde annimmt, würde eS sich um eine Jahressumme von 280 Millionen handeln. Molkenbuhr hat in Nr. 13 der„Gleichheit" vom Jahre 1906 aus- gerechnet daß bei einer Fürsorge von je sechs Wochen vor und nach der Entbindung in der Höhe deS vollen Arbeitsverdienstes und freier Geburtshilfe 210 M. pro Entbindung anzunehmen sei, demnach bei 1425 000 Geburten die Summe von 2 99 Millio» neu Mark sich ergäbe� Rechnet man den Kreis der Versicherten mit 20 Millionen, so ergibt sich pro Kopf eine Mehrbelastung von 15 Mark, sicherlich ein Betrag, der aufzubringen wäre. Rimurr man an, daß der Staat doch auch einen Teil der Last truger müßte— hat er doch an der Mehrung des Volksvermögens das größte Interesse— so dürfte es sich für den einzelnen um einen Wochenbeitrag von 20 Pf. handeln, der leicht aufzubringen wäre� Hierzu mangelt es aber an dem W i l l e n der in Frage kommenden Körperschaften. Sicherlich wird ssch die sozial- demokratische Fraktion bemühen, den vorliegenden Entwurf der ReichsverstcherungSordnuna auch im Punkte der MutterschaftS- versicheren!' gesetzgeberisch wirksamer zu gestalten. Allem die Frauen selbst müssen mehr Rührigkeit in dieser Frage entfalten, damit der Reichstag sieht, daß eS sich nicht um ein paar über» spannt« Schwärmer handelt, die solche Forderungen stellen, son- dern daß daS ganze Volk dahinter steht. Es ist daher dringende Notwendigkeit, daß die Frauen selbst den Fragen, die sie am meisten betreffen ein regeres Interesse entgegenbringen; leider ist die Be- teiligung der Frauen an öffentlichen Fragen noch immer eine sehr geringe, wie dies die Wahlen zu den Krankenkassen am auffällig« sten beweisen Es gilt, namentlich die Versicherten der Kranken- kassen in unermüdlicher Kleinarbeit über ihre Rechte aufzuklären, ihnen klar zu machen, daß sie durch Erfüllung allgemeiner Pflichten und Anteilnahme am öffentlichen Leven ihre eigenen Interessen am besten fördern. Den sehr interessanten und fesselnden Ausführungen des Redners folgte eine Aussprache, in der u. a. Frau Ihrer und Frau Panzeram an die Versammelten die Bitte richteten, sich ein- gehend mit den Fragen der neuen Versicherungsordnung zu be- fassen und nimmer zu ermüden in der Aufklärungs- und Organs sationSarbeit der Mütter und Töchter, der Arbeitskollegen und -kolleginnen._ dessen Höhe zu Bestimmen seinem Ermessen vBerlaffen Bleiben soilte. In Ansehung der Tatsache, daß Bargeld lacht, entschied sich der ge» schäststüchtige Amerikaner ohne Zaudern für den Verzicht auf die Braut. Als Ersatz für die gemachten Aufwendungen an Mobiliar und andere durch das Aufgeben des Heiratsprojekts für ihn wertlos gewordene Dinge forderte er in kluger Schätzung der Situation zunächst 600 M., eine Forderung, die er schließlich aber ans 350 M. ermäßigte, von denen 120 M. sofort und der Rest in Wochenraten von 20 M. bezahlt werden sollte. Nachdem der Handel perfekt geworden, fiel Fräulein Founchey, die in begreiflicher Aufregung dem Gang der über ihren zukünftigen Gemahl ent- scheidenden Verhandlungen gefolgt war, ihrem glücklichen Käufer in die Arme...„.._ Auch bei uns soll eS ja Leute geben, die weniger auf die Braut als auf die Mitgift sehen und die gern die Braut abgeben, wenn sie ohne Heirat in den Besitz der Mitgift gelangten. Kleine Notizen. In einem Hotel vergiftet hatte sich in Halle ein unbekannter Fremder mit seiner Tochter. Anscheinend stammen die Verstorbenen auS Königsberg i. Pr. Durch semen Kameraden ermordet wurde ein im Jahre 1907 aus Broniboch verschwundener italienischer Bergarbeiter C a l« v a r e l l i. Jetzt hat sein Freund B e l l i n i eiligestandeu, daß er den C. damals ermordet und beraubt hat. Einen Rekord in Ehescheidungen erreichte der Londoner Richter Deane; 71 Ehescheidungen waren daS Resultat seiner Tätigkeit in einer Sitzung. Vermischtes. Schiffskatastrophe auf hoher See. Nach Meldungen aus Neufundland ist im Atlantischen Ozean ein Dampfer.Aurora' mit einem Eisberge zu- sammenge stoßen. Der Dampfer ist mit der ganzen B e- s a tz u n g untergegangen. Heber die Zahl der bei der Katastrophe umS Lebe» Gekommenen ist bisher nichts genaues festzustellen; nach der einen Meldung soll der untergegangene Dampfer t89Passagiere an Bord gehabt haben, nach einer anderen Nachricht soll eS sich um einen Robbendampfer mit 17 Mann Besatzung handeln. Es läßt sich augenblicklich sehr schwer feststellen, um welchen Dampfer.Aurora' eS sich handelt, da in den Schiffsregistern nicht weniger als 13 Dampfer dieses Namens geführt werden._ Unglücksfahrt im Auto. Ein schweres Atitomobiluiiglück ereignete sich am Mittwoch morgen auf der Staatsstraße zwischen Riedertngelheim und GaualgeSheiin. Das mit drei Aerzten besetzte Automobil des prak- tiicken ArzteS Dr. Marx-Niederiugelheim wollte einem Fuhrwerk ausweichen und geriet iusolge falscher Sleuerung auf den Fußsteig. Dabei erfaßte da« Auto eine Frau und schleuderte diese in den Straßengraben. Die Frau wurde lebensgefährlich verletzt, ebenso die Insassen, die herausgeschleudert wurden.- Die Braut als Handelsobjekt. Von einem seltsamen Kauz, der eS unbeschadet seiner heißen Liebe fertig bekam, die glücklich errungene Braut am Hochzeitstage dem Nebenbuhler zu verkaufen, weiß der„Araldo Jialiano' aus Saint Louis Mount am Ontario-See zu berichten. Hier lebte ein junger Arbeiter, der sich seit fünf Jahren den Bissen vom Munde absparte, um Fräulein Mary Founchey, ein blitzsauberes ungarisches Mädel, das es«hm angetan, heiraten zu können. Der große Tag, der seinen Wünschen Etsüllung bringen sollte, war endlich gekommen, und der Bräutigam harrte sehnsüchtlg der Braut, die aus einer benachbarten Stadt zugereist koiiimen sollte. Sie kam auch glücklich an, leider aber nicht allein, sondern in Begleitung eines langen Landsmannes, und wenn die Reise auch nicht lang gewesen, so hatte sie doch ausgereicht, um zwischen den beiden Reisegefährten innige Liebesbande zu knüpfen. Kaum war Marys Begleiter«in Ort und Stelle angelangt als er auch schon dem Bräutigam den Vorschlag macht«, ihm die Braut gegen ein Reugeld abzutreten, Zentralverband der Friseurgehilfe» Deutschlands. Zweigverein Berlin. Heute Donnerstag, abends 91/, Uhr, Rojenthaler S trotze 11/12 Generaloersammlung, Homöopathischer Berein Hahnemann. Freitagabend 9 Uhr im Vorhädtijchen Kasino, Ackerftr. 144: Vortrag de» homöopathischen ArzteS Herrn Dr. med. v. Oiste. HIV., Bachstr. S, über;»L u n g e n I e t d e n'. Antritt frei._ ßnefhaften der Rcdahtion. DI« inrlftlfitic Svrcchftiiude ftnvet Lindenftrahe Sir. 60, dorn vier Trevvra— Falirdulil—, wochrntägli» vo» 4'!, bis?>/, Ildr»be»v« ->»,«. Jeder Sllitraae tft«in Bnchslabe and«>»- Zalil als Sltert, eichen brirutnaen. Brtesliche Antwort wird nicht erteilt. Eilige Fragen trag» man in der Evrechktunde vor. Nr. 888 81. T. Wenn Si« einer Krankenkasse angehören, nach Vollendung der LS. Woche, sonst von Eintritt der Erwerbsunsähigkeit ab. Die Höhe der Rente richtet sich nach der Anzahl und Höhe der verwendete» Marlen. Sie müssen evcni. bei dem Schiedsgericht klagen.— H. 1. Wir können die Kasse nicht empseblen. Wenden Sie sich an E. Simanowski, Engeluser 15.— K. D. lvv. Sie können die Kinder in einer der von Ihnen bezeichneten Konsesstonen unterrichten lassen. Die Auswahl steht Ihnen und Ihrer Ehefrau gemeinschastlich zu.— W. L. 10. Wir halte» Sie zur Zahlung des Schulgeldes verpflichtet.— H. F. 63. Stellen Sie einen Antrag an das Standesamt.— 10. 3. 65. l. Dix Wiedergabe der bezüglichen Norichristen würde zu grossen Raum einnehmen. Kommen sie in die Sprechstunde oder teilen Sie mit, ob sich der betreffende aus einem untergegangenen Schiff besuuden hat und wie alt er jetzt sein würde. 2. Dasjenige Amtsgericht, in dessen Bezirk der Verschollene den letzten Inländischen Wohnsitz gehabt bat.— O. P. 100. Die Steuer ist begründet, — P 100. Wir halten Ihre Frau sür versicherungspflichtig. Die Bei« träge verjähren in zwei Jahren.— H. 45. Das Wort„Hakatlsten" ist abgeleitet von den Namen der drei Begründer des Deutsche» Ostmarken- verein? Hansemann, Kennemann und Tiedemann.— Mt. 38. Wenn Sie die Unterzeichnung vor, bei oder nach Bertragsschlutz genehmigt haben, hasten auch Ihre Sachen.— A. R. 501. 1. und S. Nein. 2. Ja. — 81. C. 69. 1. Ja. 2. Der sogenannte Fernunterricht ist u. E. dazu nicht geeignet.— W. K. L5. Nein.— I. B. 35. 1. Wenn die Kinder getaust sind: Ja, und zwar der Vater namenS der Kinder.— R. 80., Dresdenerstr. 1. und 2. Nein.— H.$. 38. 1. Der autzerehekiche, nnch wenn er verheiratet ist, ist unterhaltspflichtig. 1. Die Mutter kann schon vor der Geburt des Kindes den Erlah einer einstweiligen Versügung dahingehend, datz der Schwangerer den sür die ersten drei Monate dem Kinde zu gewährenden Unterhalt sowie den gewöhnlichen Beirag der Sechs- Wochenkosten alsbald nach der Geburt zu zahlen und den erforderlichen Be- trag angemessene Zeit vor der Geburt zu hinterlegen hat, bei dem zuständige» Amtsjzericht beantragen. 3. Dann ist der Beweis nur durch Eides- zuschiebung zu jühreiu— Wahlrecht I. St. Richten Sie vor dem Termin ein Gesuch um Abstandnahme von der Verlesung der Vorstrafen ans Gericht. — K. L. 30. Denjenigen, den ein Verschulden trifft. Ob und wer in diesem Falle in Frage kommt, können wir ohne Kenntnis des Sachverhalts nicht sagen.— Z. M. 97. 1. Ja. Es besteht aber das NietzbrauchS» und VerwaltungSrechl deS MauneS. 2., 3. und 4. Dies NietzbrauchS« und Ver» waltuugsrecht kann durch Vertrag, der zu notariellem oder gerichtlichem Protokoll zu erklären ist, ausgeschlossen werden. Zuständig ist jeder im Bezirk deS Kammergerichts amtierende Notar, auch daS dortige Amts- gericht. 5. Die Kosten richten sich nach dem Objekt.— H. B. 50. Ausser der Fürjorgeerziehung, von deien Beantragung wir abraten, gibt eS in diesem Falle kein Zwangsmittel.— Ehelebe». Natürl ch heitzt die Partei derartiges nicht gut. Wir können aber unmöglich eingreifen. Das beste ist eine Verständigung mit dem Manne; auch eine Rücksprache mit dem Be» zirlssührer ist vielleicht am Platze.—<2. 101. Ja, wenn der Betreffende in dem Bezirke deS Gewerbegericht» Wohnung hat. Hat er in dem Bezirk nur seine Beschäsiigung gehabt nur dann, wenn daS Arbeitsverhältnis rechtlich noch nicht gelöst ist. —<8. O. 7. Der Arbeitsnachweis sür Unfallverletzte befindet sich Rotz» strotze 7, Sprechstunden: Montag, Mittwoch und Freitag zwischen 7 und 9 Uhr abends.— F. H. 1. 1. An den AmtsgerichtsprSsidenten. 2. Der Vormund hat daS Bestimmungsrecht Der Vormundschastsrtchter kann aus Beschwerde hin anders versügen.— M. W. 51. Ja. — E. K. 3. Ja.— P. 14. Für die Frau käme die Zentral-Kranken« und Begräbuislasse sür Frauen und Mädchen, Vorsitzender: W. Hinz, Prinzenstr. SS, in Betracht. Im übrigen raten wir, sich bei E. Simanowski,, Engeluser 15, zu erkundigen.— Schnaak 30. Es besteht kein Rück» erstaitungsanspruch.—®. 1. H. 9. 1. Ein solches Psandrecht steht Ihne» sür die alte Forderung nicht zu. 2. Die Frage kann im Rahmen einer Brieikastenaniwort nicht behandelt werden.— Charlotteuburg.Niidinc'. 1. Eine Uebertragung aus Erwachsene erfolgt in seltenen Fällen. 2. Unsere» Trachtens ja. Zu den ansteckenden Krankheiten, bezüglich deren eine An- zeigepslich! besteht, gehört Keuchhusten nicht. 3. Unseres Erachtens der Ge- schästsinhaber. Doch ist die Frage recht zweiselhast.— F.®., Wollt» er 129 78 113 78 79 -21 79 434 394 23? 135 189 99 lest 25. 4. am«) -12 0 0 0 -1 -S —3 -22 -K2 +32 —20 1 -11 »)+ bedeutet Wuchs,— Fall.—*i Unterpege». Dp. Simmel Spezial-Arzt für Haut- und Harnleldetv Prinzenstr. 41, ÄplSz, 10—2, 5—7. Sonntags 10—12, 2—4. Tischler und Zimmerer. Zwecks Gründung einer Gesellschaft »nil beschränkter Haftung suchen wir noch vier ordentliche und verträgliche Tischler und Zimmerer, welche pro Person SOOV Mark als Geschäfts- anteilc einlegen können. Ein groges Fabrikgrundstück mit 20 Maschinen, elektrischem Licht, Dampshcizung und Trocknungsaninge nebst 40 Bänken und volllländigem Zubehör ist vor. Händen. Dauernde Beschäftigung ist gesichert. Personen, welche sich ein jährliches Einkommen bis 4000 Mark sichern wollen, ersahren Näheres per- sönlich beim Tischlermstr.J*. Müller in MnSka», Gm litzer Strafe«, oder bei G. Fischer in Berlin. Grün- thaler Str. 11. 19185 Berlin N. Tel. Amt in. 1412. Bergstr. 22. 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