Nr. 136. Erscheint täglich außer Montagß, Preis pränuNieraudo: vieriel» tährlich».so Mark, monailich t.lv Ml. wöchentlich 38 Psg frei tn'S Haus. Stnjelne Nummer 6 Psg. Sonntags- Nummer mit tlluiir. Sonntags- Beilage.Neue Welt" iv Pfg. Poft-Adonnemenr: »,Z0 Mt.vro Quartal. Unter Kreu»» band: Deutschland u. Oesterreich» Ungarn 3 Mt., für das uorige ölusland Z Mt.vr.Monar. Eingeir. in der Post-Zeitungs- Preisliste sür iss» unter Nr. slo». Berliner Vo 10. Jahrg. InserllonZ-Sebübr beträgt sür die sünfgesvaliene Petitzeile oder deren Raum 40 Psg., für Vereins- UN» Versammlungs- Anzeigen 30 Pfg Inserate für die nächste Nummer muffen bis 4 Uhr Nachmittags in de? Trvedition abgegeben werden. Die Exvediliost ist an Wochen- tagen bis � Ubr Abends, an Sonn- und Festtagen bis s Uhr Vormittags geöffnet. Fernsprecher! Amt s. 4l8S. Telegramm- Adresse: «KölialdemoKrat Ferii,»!' Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands. AedaKtion: 8V. 19. Beutö-Straße 2. An die sozialdemokratischen Partei-W ahlkomitees. Um eine möglichst rasche und glatte Uebersicht über die Er- gebnisse der Hauptwahl zu gewinnen und um andererseits unsere Genossen in der Provinz möglichst rasch von dem Gesammt- aussall der Wahl in Kenntrnß setzen zu können, haben wir für den Wahltag-Abend eine Zentralstelle für Telegramme eingerichtet, an welche alle Telegramme und Wahlnachrichten von auswärts zu richten sind und von wo aus auch den Genossen in der Provinz, welche dies wünschen, die Berliner Wahlresultate telegraphisch zugesandt werden. Als Telegramm-Adresse ist mit der Telegraphen- Verwaltung vereinbart Dringend Sozialdemokrat Berlin Diese Adresse genügt vollständig. In dieser Weise als„dringend' aufgegebene Telegramme werden als bevorzugt befördert, kosten deshalb aber auch das Dreifache der gewöhnlichen Taxe. Depeschen, welche bei der Beförderung nicht bevorzugt werden sollen, be- dürfen des Wortes„dringend' nicht. Die Genossen werden ersucht, genau auf die Adresse zu achten und nur diese zu benutzen. Selbstverständlich werden die recht- zeitig«ingehenden Telcgramm-Nachrichten von der Redaltion des „Vorwärts' in die Freitags-Numiner aufgenommen. Besondere Telegramme an den„Vorwärts' erübrigen sich also, sobald die Telegramni- Adresse: Dringend Sozialdemokrat Berli» benutzt wird. Ebenso verfehlen Telegramme an das Partei- bureau, Katzbachstr. 9, oder an einzelne Borstandsmitglieder ihren Zweck. Es ist ausnahinelos sür alle Telegramme am Wahltag und mit Wahlnachrichten nur die vorstehende Adresse zu be- nutzen. Für die Berliner Parteigenossen sei bemerkt, daß die Zentralstelle für Telegramme am Wahltag Abend in den Parterre-Lokalitäten der„Buchhandlung des Vorwärts', Beuthstr.2, eingerichtet wird�dorthin also alle durch besondere Boten zu übersendende Nachrichten zu besorgen sind. Von dort aus werden auch an die einzelnen Komitees, Ver- sammlungen ic. die von auswärts und von Berlin und Umgegend «ingehenden Nachrichten gesandt werden. Die Wahlkreise, deren Kandidaten in die engere Wahl ge- langen, wollen im Auge behalten, daß die engeren Wahlen vor- aussichtlich alle auf ein und denselben Tag und zwar vermuthlich auf den 23. oder 24. Juni an- beraumtwerden. Es ist also ungesäumt nach Bekannt- werden des Wahlresultats die Agitation wieder aufzunehmen. Die Parteipresse wird um Abdruck dieser Aufforderung ge- beten. B e r li n, den S. Juni 1893. Der Parteivorstand. Feulllctoll. NachdruS Bittolia.)_[2 Es müsse» doch schöne Erinnernnge» sein!.. Von Bertha von Suttner. Ich benützte diese Wendung: „Nun also, wenn dies Ihre Absicht ist, so treten Sie aus bei.'.. Jetzt aber kehrten sie den überlegenen Skeptizismus wieder vor. Das Zweifeln nimmt sich so gewissermaßen geistig schärfer und vornehmer aus als das vertrauensselige Glauben... und wenn uns Einer sagt:„Ich wollte ja gern Ihre Hoffnungen theilen, aber ich bin etwas pessimistisch angehaucht.... ich habe eine sehr skeptische Natur," so wird er sich einer gewissen Verstandesüberlegenhelt bewußt und glaubt sich jedenfalls vor dem Verdachte der Naivetät gefeit. Aber sieht man denn nicht ein, daß die Sache sich eigenllich umgekehrt verhält? Die Ketzer, die Zweifler sind wir... und jene sind die Blindgläubigen. Jene wagen es nicht— nicht einmal in Gedanken— an dem tausendjährigen Dogma von der Unvermeidlichkeit des Krieges zu rütteln, s i e nehmen fraglos hin, was die überkommenen Institutionen, die offiziellen Reden und Schulbücher hier- über verkünden; wir hingegen sind es, die von dem finsteren Glaubenssatz, daß der Mensch ewig wild und ewig grausam und ewig elend zu bleiben habe, mit trotzigem Zweiselmuthe sagen:„Das glauben wir nicht!" Dienstag, den 13. Juni 1893. PiUtarismns und Fortdildnngs- mesen Huden und driiden. London, 7. Juni 1893. In der Broschüre„Die Thätigkcit des Deutschen Reichs- tages von 1890 bis 1393" ist darauf hingeiviesen worden, daß eine der schlimmsten Wirkungen der steigenden Militär- lasten in Deutschland die Vernachlässigung des Schul- und Fortbildungswesens ist, und die Thatsachen, d'ie dort als Beleg für diese Behauptung angeführt werden, können nicht oft und nicht energisch gemeg dem Publikum zum Bewußtsein gebracht werden. Und" hinzugefügt muß werden, daß da mehr ans dem Spiel steht als nur etwa die allgemeine geistige Hebung des Volkes, so sehr diese als Selbstzweck durchaus genügend ist, die Aufwendung aller für stetige Vervollkommnung der Volksschulen erforderlichen Mittel zu rechtfertigen. Aber die Frage ist zugleich in hohem Grade eine wirthschaftliche Frage, eine Frage der Ausrüstung der heranwachsenden Generation für ihre wirthschaftlichcn Aufgaben, der Hebung ihrer quali- tativcn Leistungsfähigkeit in Industrie und Gewerbe. Da der Arbeiter als Produzent k. nicht für eigene Rechnung thätig ist, so ist die bester« geistige Ausrüstung desselben für den industriellen Wcttkanipf fast mehr noch eine Frage des Unternehmerthmns als des Proletariats, aber dasselbe wird doch hinlänglich in Mitleidenschaft gezogen, um«uch an der wirthschaftlichcn Seite des Unterrichtswesens in hohem Grade intcressirt zu sein. Sündigt die deutsche Bourgeoisie oder ein wesentlicher Bruchthcil derselben in diesem Punkte gegen das eigene Interesse, so ist es daher an der deutschen Arbeiterklasse, hier wie in anderen Dingen die Sache selbst in die Hand zu nehmen und um so energischer die Pflichten von Staat und Gesellschaft mit bezng auf die Entivickelung des Unterrichtswesens geltend zu machen. Es ist nicht zu viel gesagt, wenn man behauptet, daß der Vorsmmng, den Deulschland einst im Schulwesen vor anderen Kulturländern hatte, fast ganz verschwunoen ist, daß es sogar gegen viele Länder im entschiedenen Nachtrab sich befindet, von ihnen bedeutend überholt ist. Man lasse sich nicht durch das täuschen, was hier und da in den Städten geschieht. Auf die Masse, auf den Durchschnitt der Gesammt- leistungen kommt es an. Während Deutschland in dieser Hinsicht fast stationär ist, während in Preußen selbst die Elementarschule noch so unzureichend versorgt ist, daß 1892 nach amtlichen Feststellungen nahezu zwei Millionen Schulkinder in übers ttllten Schul- klaffen sich befanden, hat z. B. England, das noch vor 20 Jahren fast gar keine staatlichen oder munizipalen Volks- schulen hatte, jetzt den allgemeinen unentgeltlichen Volks- schulunterricht durchgeführt, und daneben nimmt die Ein- richtung von Fortbildungsschulen aller Art den großartigsten Aufschwung. Volksbibliotheken mit prächtigen Lesesäten, technische Schulen sür Arbeiter ec. werden jährlich in großer Zahl errichtet, und auch sonst wird, sei es aus Staats- Das nächste Argument, mit welchem meine Gäste sich der Werbung widersetzten, war dieses: „Aber, Verchrtcste, waS nützte denn unser Beitritt? Was kann denn der Einzelne mit seinem frommen Wunsch, was können denn ein paar vereinigte hundert, selbst ein paar Tausend machtloser Privatleute! Es wäre ja wunder- schön, aber man stößt an so viele Schwierigkeiten und Miß- Helligkeiten... es ist aussichtslos, aussichtslos.. „Sie meinen wohl auch, daß es ein eitles Beginnen wäre, wollten einige Haidekräutlein einen Felsen bekleiden?" „Ganz richtig, der Vergleich ist gut; unabsehbar lange braucht es, bis ein Felsen bekleidet wird, und da müssen auch andere, mächtigere Pflanzen, ein paar hochwüchsige Tannen mitthun.' „So hören Sie, was Björnstjerne Björnson sagt, der- selbe Björnson, der auch einer von den Unfern geivorden ist, der kürzlich im Konzertpalais von Kopenhagen vor einer ihm zujubelnden Menge,(sein Vaterland vergöttert ihn) worunter das KönigSpaar von Dänemark sich befand, in glühender Rede sür die Abschaffung des Krieges ein- getreten ist. In seinem Märchenbuche„Arne* erzählt uns der nor- wegische Dichter von eben diesem Fall, daß Haidekraut, Wachholder, Eiche, Föhre und Birke sich entschließen, den nackten Felsen, der vor ihnen liegt, zu bekleiden. Die Per- suche mißlingen lange. Es ist deutlich genug, der Felsen will nicht bekleidet werden; so oft die Bäume sich ein wenig empor gearbeitet haben, kommt ein Bach, der zum Strom wächst und alles hinunter wirft. Sie fangen aber immer wieder von neuem an. So war der Tag endlich gekommen, wo das Haide- kraut mit einem Auae über die Felfenkante hinwegsehen ßTpedition: LV. 19. Aeuth-Straße 3. sei es ans Gemeindemitteln dem Drang der Arbeiter zur Weiterbildung immer mehr Förderung zu thcil. „Der Etat für die Fortbildungsschulen wurde(1392 in Preußen) um 10 pCt., um 44 000 M. gekürzt*— lese ich in der genannten Broschüre. Gekürzt, weil—„das Geld fehlte". Dagegen hat in diesen Tagen das Unterrichts- departement im Ministerium des britischen Reiches ein Reskript erlassen, das das englische Fortbildungs-Schul- wesen von Grund aus zu reformiren bestimmt und man darf auch hinzufügen, geeignet ist. Die bisherigen Reglements für die englischen Abendschulen datiren noch aus der Zeit, wo die Abendschule mehr Ersatz als Fortsetzung der Elementarschule war, wo sie denen, die die Letztere nicht besuchen konnten, „die Möglichkeit bieten sollte, das in der Jugend Ver- säumte später nachzuholen. Aus diesem Grunde erklärten die Reglements denn auch Lesen, Schreiben und Rechnen obligatorisch für den Besuch dieser Schulen. Jetzt hat das Bedürfniß für Nachhilfe-Uuterricht in diesen Fächern dank der Ausbreitung der Volksschule aufgehört oder ist doch so weit in deii Hintergrund getreten, daß von 1870 bis 1891, trotz einer Bevölkerungszunahme von 30 Prozent, die Zahl der Besucher der Abendschulen in England und Wales von 77 000 aus öl 000 zurückgegangen ist. Das ist also ein Rückgang, der einen Fortschritt bedeutet— der Abendschüler von vor dreißig Jahren, erklärt der Senior der englischen Schulinspektoren, Herr Sharpe, findet heutzutage kein Gegenstück mehr. „Da könnte man also das Geld für diese Schulen sparen", würde es im Staat der Intelligenz heißen. Nein, erklärt Herr Acland Dyks, der gegenwärtige englische Uiiterrichtsminister, da ist der Moment gekommen, das Niveau dieser Schulen ein gutes Stück zu erhöhen, mehr Geld für sie auszugeben. Das neue Reglement zeichnet sich nach zwei Richtungen hin aus. Erstens, daß es mit einer Reihe zopfiger Vor- schriften in bezng auf die Organisation und Leitung der Abendschulen bricht— wie es ein Londoner Blatt ausdrückt, die S t ü ck a r b e i t in denselben abschafft. Früher wurden die Staatsunterstütznngen nach der Zahl der Be- s u ch e r und den erzielten Nummern bei den Prüfungen durch die Schnlbehörden bemessen— was zur rein mechanischen Dressur in verhältnißmäßig unter- geordneten Fächern anreizte. Bon jetzt ab aber werden sie lediglich nach der Zahl der Stunden und der Zahl und Natur der U n t e r r i ch t s g e g e n st ä n d e bemessen, d. h. die Ausdehnung und Hebung des Unter- richts prämiirt werden. Die Prüfungen an vorher festgesetzten Tagen werden ganz abgeschafft, die Schulinspektoren sollen wie die Fabrikinspektore» un- angemeldet sich von der Art, wie der Unterricht ertheilt wird, überzeugen. Als Gegenstück des Unterrichts sind u. A. bezeichnet: Französisch, Deutsch, Welsch(für Schulen in Wales) Lateinisch, Mathematik, Naturivissenschaften(Physik, Chemie, Mechanik, Physiologie des Menschen, Botanik, Ackerbau, konnte.„O jeh, o jeh, o jeh!* sagte das Haidekraut und weg war es.„Lieber, ist's, daS das Haioekraut sieht," sagte der Wachholder und kam so weit, daß er hinüber- gucken konnte:„O jeh, o jeh!" schrie er und war weg. Als endlich Föhre und Birke sich hinauf gearbeitet haben und den Kopf über den Felsen enipor kriegen, rufen sie: „O jeh! steht nicht ein großer Wald aus Föhren und Haidekraut und Wachholder und Birken in der Ebene dort und erwarten uns?"— Sie begegnen der Arbeit, die auf der anderen Seite gemacht worden ist, um den Felsen zu bekleiden. „Ja, so ist es, wenn man vorwärts strebt,* sagte der Wachholder. Im Salon herrschte eine kurze Stille, nachdem das letzte Wort des Märchens verklungen war. Dann aber erhob sich einer zum Gehen und damit war das Zeichen zum allgemeinen Aufbruch gegeben. Auch Herr von X. wollte sich mit den anderen entfernen, wir aber, mein Mann und ich, hielten ihn zurück. Und nachdem wir allein geblieben: „Jetzt erzählen Sie, Sie haben uns versprochen, jene Erinnerung.. „Wohlan," sagte er,„es wird das erstemal sein, daß ich das Ding erzähle, Vielleicht benützen Sie es gelegent- lich..." „Dürfte ich Ihren Namen nennen?* „Das werden Sie nicht thun wollen, denn es würde mir sicherlich Verdruß zuziehen." „Dann werde ich Sie allerdings nicht nennen. Sprechen Sie." Er lehnte sich eine Weile schweigend und mit ge« Es silld mit heute nur noch zwei Tage bis Zur Wahl! Agitirt � mit Eurer ganzen Kraft für die Wahl unserer Kandidaten. Uebergeht beim Austragen der Flugblätter und Stimmzettel kein Saus, keine Wohnnng. Ohno FleLH fcinu Vrois! Gartenbau k,), Buchführung, Stenographie, Leben und Pflichten des Bürgers:c.«. Der letztgenannte Gegenstand ist etwas ominös und wüche in einem ganz- oder halbabsolntistischcn Polizeistaat den Schülern mehr schaden als nützen. Aber in cicnm Lande, wo der Schwerpunkt des Regierungssystems im Volke liegt, überwiegt, wenn der Unterricht objektiv ertheilt wird— und dessen kann man in England so ziemlich sicher sein — entschieden der Nutzen. In dem detaillirten Unterrichts- plan für die einzelnen Fächer sind z. B. bei dein hier in Frage kommenden Gegenstand als zu erörternde Punkte u. a. bezeichnet: Geschichte und Gründe unserer lokalen und nationalen Einrichtungen, Regierung durch die Volks- Vertretung, Industrielles und soziale? Leben, und die ans demselben erwachsenden Pflichten, bei welch letzterem Punkt wieder als Unter-Rnbrik steht:„Arbeitervereine* (Trade Union?, ihre Geschichte und Leistungen? Arbeits- konflilte und Streiks; Schiedsgerichte und Vermittelung: Koopcrativ-Eenosscnschaften, ihre Werke in bezng auf Pro- duktion und Verlheilnng; Friendly Societies it.). Es fehlt natürlich auch das Sparen und die Selbst- Hilfe nicht im Programm, aber das ist von einem bürgcr- lichcn Atinistcrinm nicht anders zu erwarten. Was würde dagegen in Preußen einem Lehrer geschehen, der au einer vom Staat fundirtcn Fortbildnngs- schule seinen zumeist der Arbeiterklasse angehören- den Schüler» den Werth und die Bedeutung von Ge- werkschaften klarlegen wollte. Und hier wird eS offiziell dem Programm der Schulen einverleibt. Das beiläufig, um den Geist des Reskriptes zu kenn- zeichnen. Aber von der Frage der Tendenz des Unterrichts ganz abgesehen, so zeigt dies eine Beispiel, und es ist nur eines unter vielen, wofür man trotz flauen Geschäftsganges ander- wärtS immer noch Geld hat, während man in Preußen der Schule den Brotkorb höher hängt. Aber haben wir nicht dafür in dem obligatorischen Militärdienst einen Ersatz? Hst nicht, wie uns die Offiziösen erzählen, die Dienstzeit im Heere auch eine Art Ergänzungsschnle? O gewiß, selbstverständlich ist sie das. Aber fragt nur nicht, wofür. Fragt nicht, ivie es um die Entwickelung der geistigen Selbständigkeit, um die Förderung des industriellen Wissens und Könnens in dieser „Ergänzungsschule* steht, fragt den Kunsthandivcrker, den Industriearbeiter, den Landarbeiter nicht, um wie viel diese Schule sie für ihren Beruf tauglicher macht, um wie viel sie ihre Aussichten im Leben verbessert. Bisher war wenigstens die Ausbildung der jugendlichen Arbeiter in Deutschland ein« vielseitigere als in England. Mit dem Umsichgreifen der Spczialindnstrien, der Fabrikation von Theilprodukten hört das jedoch immer mehr ans. Und statt dafür die Fortbildungsschulen zu vermehren, massenhaft technische Anstalten den Arbeitern zu eröffnen, wie ander- wärts, vermehrt man das stehende Heer, steigert man das Militärbudget auf Kosten des Unterrichtsbudgets. Es giebt Leute, die da meinen, eine wunderbare Weis- heit zum Besten zu geben, wenn sie sagen, man solle den Militarismus nur gewähren lassen. Je mehr die Lasten für denselben gesteigert werden, um so schneller werde der Zusammenbruch eintreten. Diese klugen Leute vergessen, daß es sich um mehr handelt als um ein bestimmtes Re- gieruugSsystem. Es handelt sich in noch höherein Grade um die Interessen der Arbeiterklasse, um die wirthschaftlichen Lebensbedingungen des arbeitenden Volkes in Deutschland. Ganz abgesehen davon, daß die Spekulation auf den Bankrott die aller verkehrteste von der Welt ist, wovon die Russen ein Wort zu singen wissen. Die englischen Arbeiter haben manche Fehler, und oft schon gaben sie Veranlassung, ihnen Mangel an theoretischem Sinn vorzuwerfen. Es ist in diesem Punkte unbestreitbar in neuerer Zeit viel besser geworden, aber wir wollen an- nehmen, sie seien im großen und ganzen noch immer theoretisch hinter ihren festländischen Kollegen zurück. Dafür sind sie aber erfahrene Praktiker, und ein Apostel, der ihnen predigte, man müsse ein bekämpfenswerthes Institut fördern helfen, um es zu beseitigen, würde von ihnen mit Höllen- gelächter heimgeschickt werden. schlossenen Augen in den Fauteuil zurück und wieder durch- lief es ihn, wie vorhin, mit einem Schauer. Dann richtete er sich auf und begann „Es war nach der Schlacht von Orleans.. Doch ehe ich in der Erzählung meines Freundes fortfahre, möchte ich ein Wort voraus senden. Für das, was folgt, bleibt mein Gewährsmann ungenannt— ich bin meines Zeichens Schriftstellerin; der Vervacht liegt nahe, daß die dem Er- zähler geliehenen Ansichten, oder gar die ganze Erzählung eitel Erfindung sei. So stehe ich denn mit meinem per- söiilichen Ehrenworte dafür ein, daß ich nur wiederhole, was der einstige Offizier mir niitgetheilt hat. Den Wort- laut natürlich verbürge ich nicht. Die Ausführung des Bildes mag einige Striche und Abschattungen aufweisen, die ich dazu gethan, aber der Grundriß, das Erlebniß nämlich, ist echt; und ebenso echt die Grundfarbe, d. h. das Weh, welches das Herz des Erzählers noch während des Erzählens durchzitterte. „Es war nach der Schlacht von Orleans, Tage lang war um den endlichen Sieg gerungen worden. Jetzt wurden wir als vorgeschobene Posten nach einer Nemen Ortschaft— der Name soll auch nicht genannt sein— ein paar Stunden über Orleans hinaus dirigirt. Wir ritten dahin, erschöpft, durchnäßt seit acht- undvierzig Stunden regnete es— und hungrig. Das sind drei Zustände, glauben Sie mir, die, wenn sie zusammen- trcffcu, und seit Wochen und Monden sich oft wiederholt haben, gar dcprimirend auf die Kriegsbegeisterung tpirken, denn der böse Gedanke:„Warum? Warum denn pflegt da öfter auszusteigen. (Fortsetzung folgt.) Uoil 1884 bis 1893. III. Es kam das Jahr 1699 und brachte uns 35 Mandate, 20 im ersten Wahlgang und 15 Stichwahlsiege. Bei diesem Wahl- ergebnih haben wir zunächst die 20 im ersten Mahlgang eroberten Mandate zu belrachlen. Sind diese 20 Wahlkreise unserer Partei sicher, so das ein Rückschlag wie der von 1367 nicht mehr ge- fürchtet zu werde» braucht? Die Geschichte der einzelnen Wahlkreise, um welche die Sozialdemokratie seit 137 l ernstlich gcruugeii hat, bietet überhanpt großes Interesse dar. Schon nach der' Wahlschlacht von 1873 glaubte die Berliner„Freie Presse* eine ganze Reihe von Wahl- kreisen ansiihrei« zu können, die für uns als sicher gelten konnten, darunter in erster Linie Glauchau und Stolberg- Schneeberg, serner Berlin IV und andere mehr. Sie hatte dabei nicht das kommende Ausnahmegesetz in Rechnung gezogen, unter dessen' brutalem Drucke uns alle die von ihr genannten Kreise, auch Glauchau, verloren hingen. Es giebt keinen einzigen Wahlkreis, der ununterbrochen von 1873 bis jetzt uns zugehört hätte. Bon 1834 an aber sind eine Anzahl Wahlkreise stets im ersten Wohl- gang uns zugefallen, nämlich Berlin tV, Altona, Hamburg I und U, zu denen von 1837 her noch hlnzukamen: Berlin VI und Nürnberg, welche übrigens auch schon I3S4 fast im ersten Wahlgang erobert worden wäre». Und zwar haben diese Wahlkreise ein derartig stetiges WachSlhum unserer Stimmen, sowohl absolut, als auch prozentual, aufzuweisen, daß sie wirklich als unsere Domänen betrachtet werden können. Aber auch Magdeburg, Elberseld, Solingen, München II und Hamburg III haben eine solche Regelmäßigkeit des Wachsthums zu verzeichnen, so daß dasselbe wohl auch weiter anhalten wird. Die Gegner haben hier überall schon ihren letzten Mann aufgeboten. Besondere Betrachtung verdienen die 6 Wahlkreise des König- reichs Sachsen, welche 1390 im ersten Wahlgang genommen wurden. Es wurden Stimmen abgegeben Es hat also, wie wir schon oben bemerkten, in allen diesen Kreisen eine bedeutende Steigerung der Wahlbetheiligung 1387 gegen 1884 stattgefunden, der jedoch eine iveitere im Jahre 1890 tvlgte. Und auf grund dieser erhöhten Wahlbetheiligung sind die Kreise zurückerobert worden. Ja, in Leipzig Land, Chemnitz, Glauchau und Zwickau habe» wir sogar 1890 weit mehr Stimmen erhalten, als die Gegner 1837. Die Zurückeroberrnch der Wahlkreise ist also nicht dadurch erfolgt, daß sich der Zuitand von 1334 wieder einstellte, daß die Gegner wieder in ihren, alten Schlendrian zurückfielen, nein, überall hatten sie ihr Bestes gethan, und ihr Stimmeurückgang ist dadurch zu erklären, daß sie diese Stimme» wirklich an uns ver- loren. Und überhaupt, wen» die Wahlbetheilignng 1890 gegen die von 1887 im allgemeinen zurückging, so bezieht sich dies nicht auf die Wahlkreise, in welchen die Sozialdemokraten ernstlich in Betracht kamen. In diese» machte sich durchschnittlich noch eine Stetgerung der Betheiligung bemerklich. Und das ist die Haupt- bedentnng der 20 Siege des ersten Wahlganges, daß sie bei voller Krastcntfaltung und trotz der größten Anstrengungen der Gegner erfochten worden sind. Dasselbe gilt von den 15 Stichwahlsiegen, welche uns noch aus den 53 Stichwahlen zufielen. 15 von 58, etwas über ein Viertel, ist das nicht ein schönes Verhältnis? 1334 waren es 15 unter 24, 1390 dagegen 15 unter 53, das ist ein sprechendes für die blasse Furcht vor uns. Die Stichwahlen ver- theilen sich auf die gegnerischen Parteien: Freisinn 14, Zentrum 7. Nationaliiberale 22, Reichspartei 3, Konservative 12, davon ver- liesen für uns günstig: Freisinn 1, Zentrum 1, National- liberale 10, Reichspartei 2, Konservative 1. Die richtige Be- deutung hiervon erhält man erst, wenn man unsere Prozent- zahle» vom ersten Wahlgang in Betracht zieht. Wir hatten über 45 pEt. bei 13 Siichivahlen, davon verliefen günstig für uns 5. von 40 bis 45 pEt. bei 11, davon verliefen günstig 3, so daß nur zwei günstig verlaufende unter 40 pEt. übrig bleiben, nämlich Mannheim, wo wir mit Hilfe der Volkspartei siegle» und München I, wogegen wir 1834 nicht weniger als 7 Stichwahlsiege mit weniger als 40 pEt. in der Hauptwahl halten, darunter sogar München II mit 25 pEt. Und was 1334 nicht der Fall war, alle diese Stichwahlsiege hatten wir ohne jede fremde Partei-Uuterstützung(mit Ausnahme von Mannheim) er- sachten und die meisten unter ihnen überhaupt der eigenen Kraft zu verdanken, indem von uns noch neue Mannschaft herangeführt wurde. Jedenfalls stimmten diesmal die Kartellparteicn ge- schlössen für Freisinn und Zentrum, und bei dem einzigen Wahl- kreise, dem wir den Freisinnigen abgewannen, vereinigte deren Kandidat, säinmtliche Stimmen der Gegner auf sich. Es waren dort nur unsere Truppen, mit denen wir den Sieg erfochten. Tiigege» unterlagen wir in Berlin lll, in Breslau-West und in Gotha, trotz unserer großen Stinimenzahl. Wenn sich das Ver- hältniß bei den Nationalliberalen und der Neichspartei günstiger gestaltete, so lag dies nicht etwa an der Parteileitung des Frei- sinns und des Zentrums, sondern weil die freisinnigen und Uerikalen Arbeiter der grobe» Städte zum großen Theil schon im Begriff sind, zu unö abzumarschlren und dies bei der Stichwahl mit rechts- stehenden Parteien zur Geltung kommt; jedenfalls hätten uns ohne die direkt gegen unö ausgegebene Parole der freisinnigen Parteileitung Wahlkreise wie Kirchverg-Aucrbach, Kassel, Schwerin, Hanau und Naumburg nicht entgehen können. Hier, wo die großen Städte fehlen, wurde der Befehl der Partei besser aus- geführt,«»d so siegten wir denn auch gegen die Konservativen nur in Breslau I, der einzigen Großstadt, wo wir ihnen gegen- überstanden, in den anderen ländlichen Wahlkreisen, wo wir mit ihnen zur Stichwahl standen, verhalj ihnen der Freisinn»um Siege. Das Schlußergebniß ist: Der Wahlerfolg von 1890 ist genau auf der Grundlage des Wahlkampfs von 1337 ersochten worden. ja. die Parteiverhältnisse haben in ihm noch an Reinheit ge- wonnen. Mit verschwindenden Ausnahmen haben wir unsere Wahlerfolge nur der eigenen Kraft zuzuschreiben; an Rührigkeil und Ewigkeit habe» unser« Gegner es noch weniger als 1387 uns gegen- über fehle» lassen, so daß, wenn nur unser« eigene Kraft zugenommen ha», ein ähnlicher Rückschlag, wie er 1337 erfolgte, uninög- lich ist. Zum Schluß noch eine kleine Betrachtung, welche Aussichten uns die 1890 eroberte Position für 1393 gewährt im Verhältnis von 1387 zu 1390. Die 20 Siege im ersten Wahlgang von 1890 vertheilen sich so, daß 6 auf Kreise, die 1387 über 50 pEt. hatten, kommen, 9 auf solche, welche zwischen 40 und 50. 4 auf solche, welche zwischen 80 und 40 pEt. hatten. Einer, Mülhausen, hatte 2,3 pCt. und ist eine Ausnahme, die nicht in Rechnung gezogen werden kann. Ueberhaupt hatten über 50 pCt. 3, zwischen 40 und 50 pCt. 10 und zwischen 30 und 40 pCt. 20 Wahlkreise. Dagegen hatten im Jahre 1390 über 50 pCt. 20, zwischen 40 und 50 pCt. 23 und zwischen 30 und 40 pCt. 33 Wahlkreise. Dies ist die Grund- läge, auf welcher das Wahlergebniß von 1893 aufgebaut werden soll. Wie weit günstiger ist sie, als die Grundlage für 1390. Und ganz entsprechend verhält es sich mit der Vergleichung für die zu erwartenden Stichwahlen und Stichwahlsiege. Und wirk- lich endlich hat diesmal zum ersten Mal unsere Partei auf sämmt- licke Wahlkreise Arrest gelegt, für alle ist schon der sozialdemo- kratiiche Gerichtsvollzieher ernannt worden. llloch nie waren die Aussichten so günstig. Und die Genossen werden ihre Pflicht thun, auf daß daS sozialdemokratische Gericht bald vollzogen werde. Volttisih- TtebovNrltk. Berlin, den 12. Juni. Die Eröffnung deS neuen Reichstages soll, wie das freilich recht unzuverlässige„Kleine Journal* erfahren haben will, nicht schon, wie früher gemeldet worden war, am 4. Juli, sondern erst am 11. Juli stattfinden. Außer der Militärvorlage soll ihm voraussichtlich noch das Reichs- Seuchengesetz zugehen, so daß auch diese erste Session länger dauern dürfte, als man ursprünglich annahm.— Vom Bundesrath. In der heutigen Plenarsitzung deS Bundesraths wurde die Borlage, betreffend den Ent- wurs eines Gebührcntarifs für die Strecke Holtenau- Rendsburg des Nord-Ostsee-KanalS, dem Ausschuß für Handel und Verkehr, für das Seewesen und für Rechnung»- wcseu übeivicsen.— Das Zentrum spielt sich nun wieder einmal als Ver- treterin der Arbeiterschutz-Forderungen auf.„Germania*, „Kölnische Volks-Zeituug"«. brachten in den letzten Tagen Leitartikel über die Leistungen des Zentrums auf sozial- politischem Gebiete, um in letzter Stunde noch um Arbelter- stimmen zu betteln. Die Arbeiter haben aber die treue Gefolgschaft der Hitze und Konsorten bei den Ver- schlechterungsanträgen der Gutfleisch, Stumm und Hart- mann gelegentlich der Berathung des Arbeiterschiitz- Gesctzentivurfes nicht vergessen, sie erinnern sich noch auf's genaueste, wie die Zentrumspartei trotz ihrer auf dem Papier stehenden Forderung des Normalarbeitstages die bezüglichen sozialdemokratischen Au- träge niederstimmte. Die Arbeiter ließen sich auch nicht durch die Haltung des Zentrums bei der Berathung der Berg- gesctz- Novelle im preußischen Landtage täuschen, denn der Hitze, der im Reichstage an der Verböserung des Arbeiter» schutzgejetz- Entwurfes wacker mitgearbeitet hat, kann nicht ernst genommen werden bei seinen Berbeflerungsanträgen im Landtage. Im Reichstage hätte ein entschiedenes Auf- treten des Zentrums viel nützen können, darum unterblieb es, im Landtage waren die Berbessernngsvorschläge der Das- bach und Hitze von vornberein gänzlich aussichtslos, darum hat die gesalbte Bourgeoispartei den Mund recht voll ge- nommen. Sämmtliche Zentrumsblätter könne» diese Tbat- fachen nicht aus der Welt schaffen und deshalb wird daS ultramontane Werben von Arbeiterstimmen sehr wenig Er- folg haben.— „DaS hanSliche Glück," das famose Kochbuch zur Erzielung der Zufriedenheit der Arbeiter und zur Herbei« führuikg des sozialen Friedens, da? im Auftrage der„Sozial- Politiker* des Zentrums verfaßt und von den Fabrikanten an die Arbeiter schon in 300 000 Exemplaren verthcilt wurde, scheint dem Zentrum in der Wahlbewegung als einzige soziale That, auf die es überdies gar keinen Anlaß hat, stolz zu sein, recht oft unter die Nase gerieben worden zu sein. Herr Hitze sieht sich deshalb gezwungen, in der „Germania" eine spaltenlange Erklärung los zu lasten, die er kürzer in den Satz hätte zusammenfassen können:„Ein Kochbuch ist. keine soziale That." Wenn Herr Hitze be- hauptet, daß die Verbreitung des Kochbuches in 300000 Exem- plaren ein Beweis dafür ist, daß dem Verfaffer der auf- richtige Dank der deutschen Arbeiter gebühre, so ist dies wohl ebenso ein D r u ck f e h l e r, wie der, daß der„Vor- wärt»" sich in Nr. 257 vom 9. November 1890 mit diesem Mach- werke beschäftigt habe, was nicht der Fall war. Herr Hitze hat wohl geschrieben, daß sich der Verein Arbeiterwohl den auf- richtigen Dank der oeutschen Fabrik ante» verdient habe. Diese haben das Buch verbreitet, in deren Interesse liegt es, die Arbeiter bedürfnißloS zu erhalten, damit sie sich auch die elendeste Entlohnung gefallen lassen, bei der man eben nur„Bouillon* aus Schweineknochen, das Pfund zu 4 Pfennigen kochen kann.„Das häusliche Glück* ist recht charakteristisch für die Sozialpolitik des Zentrums, die den Satz nicht begreifen will, daß eine körperliche, geistige und moralische Hebung der Arbeiterklasse nur möglich ist, wenn die Bedürfnisse der Arbeiter steigen und in der Arbeiterklasse das Streben allgemein wiro, diese Bedürfnisse zu befriedigen und vor allem die Vorbedingungen hierfür zu erkämpfen durch Erringung angemessener Arbeitslöhne und einer AArbeitszeit, welche Ruhe, Genuß und Aus- bildung ermöglicht, die Bedürsnißlosigkeitder Arbeiter hin- gegen ist da» Ideal der Feinde der Arbeiterklaffe, des Unternehmerthums und seiner Schleppenträger, unter denen daS Zentrum und seine„Sozialpolitiker* nicht die letzten sind.— Agrarisches Taschenspieler• Kunststück. Man ist viel gewohnt bei den Wortführern des Agrarierthums, wenn eS ihnen gilt, die Ausbeutung des Volkes durch künst- liche Erhöhung der Kosten für die nochwendigen Nahrung»- mitte! zu rechtfertigen; aber was an solchen Phantasie- dednktionen der konservativ-agrarische Kanvidat für Teltow- Becskow-Storkow, der Amtmann Ring-Düppel, fertig gebracht hat, das übersteigt denn doch das Maß dessen, was wir sonst wohl ini Wahlkampfe gewohnt gewesen waren, um ein Erkleckliches. In einem Flugblatte mit der Kandidatenrede dieses Herrn vom L9. Mai stoßen wir auf folgenden genialen Versuch, die Brotvertheuerung durch die Kornzölle hinwegzuschwindeln: „Der Toppelzeniner Roggen kostet seht an der Grenze 14 M. Wenn nun der Russe seinen Roggen herüberbringt, so muß er zunächst von diesen 14 M. den Zoll von ö M. abziehen, dann bleiben S M. Diese 9 M. sind aber bei dem Stande des russischen Rubels zu 2M. 4V2 Rubel. Da der Rubel im russischen Reiche 3,20 M. toerth ist, so bekonnut der russische Bauer sür seinen Doppelzculner Roggen tbatsächlich 14,20 M. Er hat also noch eine Exportprämie be- kommen von 40 Pf., und je theurer der Preis wird, desto höher wird die Exportprämie. Würde der Zoll aber heule wegfallen, so erhielte der russisck)e Bauer für den Doppelzentner Roggen volle 14 M., 7 Rubel a 3 M. 20 Pf. gleich 22 M. 40 Ps., also eine Exportprämie bei dem Stande der heutigen Valuta von 8 M. 40 Pf.! Nur eine absichtliche JSl» schuug dieser Thatsachen legt dem verflossenen Freisinn und de» Sozialdcmotralen die Lüge von der Brotverthenerung durch die Zolle in den Mund. Die Heuligen Schutzzölle auf Getreide reichen gerade noch aus, um die Baluta- Dissereuz ariszu» gleichen." Zunächst muß man dem Herrn Ring entgegeuhalten' Wenn das Korn nicht vcrtheucrt wird durch den Zoll, wes- halb verlangt Ihr denn.im Interesse der Landivirth- schaft", b. h. im Interesse der Korn produzirendeu Grojz- oruudbesitzer, die Aufrechterhaltmig dieses Zolls? Ihr fordert ihn doch wohl nur, weil Ihr sonst Euer eigenes Korn um 5 Mark billiger verkaufen müßtet. Daß Herr- Ring den Blick von dieser offenkundigen Thatsache durch das Taschenspielerkunststück mit der Valuta des russischen Rubels abztilenken versucht, das ist eine wirklich unerhörte Dreistigkeit. Der russische Papierrubel(Silber und Gold »irkulirt nämlich gar nicht mehr in Rußland) hat wie jede-? Papiergeld im Inland« stets den nämlichen Kurs, d. h. die nämliche Kaufkraft wie im Auslände. Der Kurs steigt und fällt gleichmäßig in der ganzen Welt. Das ist eine so allgemein bekannte Thatsache, daß es das Denkvermögen eines Menschen beleidigen heißt, wenn man ihm das Gegentheil zu beweisen versucht. Um das Ungeheuerliche der Ring'schen Beweisführung an einem Beispiel klar zu machen, denke man sich einmal, es märe wirklich so wie er sagt: Der Papierrubel sei in Teutschland 2 M., in Rußland aber 3,20 M. werth. Da könnte sich jemand sofort ein Vermögen verdienen, wenn er sämmt- liche Rubel im Auslände aufkaufte und über die russische Grenze schaffte. Im Handumdrehen hätte er an jedem Rubel«ine Mark zwanzig Pfennige, unter Um- stäuben also mehrere Millionen verdient. Weit ein jeder Geschäftsmann das weiß, deshalb regulirt sich der Kurs eines Papiergeldes je nach der Kreditwürdigkeit des dieses Papier- geld ausgebenden Landes einheitlich über die ganze Welt. Der russische Rubel ist stets eben so viel werth in London, Paris oder Berlin wie in Petersburg oder Moskau. Das sollte füglich ein Reichstagskandidat wissen und wäre es selbst ein militärfrommer Agrarier.— Zum Briefe des Prinzen Albrecht. Wie ein Ber- liucr Korrespondent der„Leipziger Sieuesteu Nachrichten� von .vertrauenswerther Seite" erfahren haben will, hat auf der Liste der zu der Görlitzer Denkmalsfeier Einzuladenden, wie sie dem Hofmarschallamte vorgelegt wurde, der Name des Fürsten Bismarck gestanden, ist aber durch das Hof- marschallamt gestrichen worden. Dann hat Herr Harden im Dienste seines Herrn Bis- marck in der„Zukunft" wieder einmal geflunkert, als er behauptete, Bismarck sei eingeladen worden, habe aber die Einladung abgelehnt. Der Brief des Prinzen Albrccht ge- winnt durch die MiUheUuug des Leipziger Blattes erhöhte Bedeutung.— Militarismus tttib Cisenbahnetr. Der alte Kirch- mann sagte einmal im Reichstag, wer auf der Landstraße aus Sachsen nach Preußen fahre, merke sofort, wenn er 'nach Preußen komme— dann rumple und schüttle der Wagen, weil die preußischen Straßen nichts taugen. Aehnlich verhält es sich jetzt mit den deutschen Eisen- bahnen. Wer aus dem Ausland: ans der Schweiz, Frank- reich, Belgien und Holland nach Deutschland fährt, merkt sofort am Rumpeln und Schütteln des Wagens, wenn er in Deutsch- land ist. Die deutschen Eisenbahnen sind so schlecht gebaut, daß trotz der theiliveise besseren Wagen, die Fahrt wie über«inen Knüppeldamm geht, während man ' un Ausland viel geräuschloser fährt und so gut wie nicht geschüttelt wird. Der Grund? Derselbe wie für die schlechten preußischen Landstraßen: der M i l i t tt- r i s m u s, den Herr von Caprivi nicht sieht.„Wir" brauchen all„unser" Geld für Soldaten und Kasernen, und müssen deshalb an den Eisenbahn-Schicnen und-Schwellen sparen. Auch daß wir nicht genug Eisenbahn wagen haben — ein Mangel den jeder Reisende bitter empsiudet�— ist dem theueren Mititarismus geschuldet, der alles sür sich braucht.— Herrn Dr. Böcke! ist. wie der„Frankfurter Zeit, mg" ans Gießen geschrieben wird, ein kleines Malheur pastirt. In Klein-Gemünden, wo er eine Wahlrede für seinen Ge- nassen Zimmermann hielt, war ein Nationalliberaler und Freund der Kandidatur deS Professor Backhaus so neu- gierig, Herrn Böckel zu fragen, ob es wahr sei, daß er von je hundert Mark, die für Waarenbezüge seuies Mtttel- ocutschcu Bauernvcreins den Großhändlern, Fabrikanten:e. gezahlt würden, zwei Mark erhalte? Herr Dr. Böckel war entrüstet:„Das ist eine infame Lüge!"— Der neugtcrlge Frager zieht hierauf einen Brief aus der Tasche, unter- zeichnet vom Vorsitzenden des Mitteldeutschen Bauernvereins, und verliest ihn. Der Inhalt ist kurz folgender: Der Adressat, ein Großlieferant, wird aufgefordert, m einen Rechnungen für die Ortsgruppen zu dem Preise einer Waaren 2 pCt. auszuschlagen, diese also mehr u erheben und den Betrag der Zentralstelle emzu- enden. Der unentwegte Kämpe für deutsche Wahrheit, Frei- heit und Recht glaubt, daß der Brief gefälscht ist. Sofort erhebt sich ein Großhändler, irren wir nicht, der Adressat des Brüses, und erklärt, er sei bereit, zeugeneidlich vor Gericht ,u erhärten, daß er 2 pCt. Aufschlag auf den Preis seiner Lieferungen für den Verein habe machen und diese dem Vorstande des Mitteldeutschen Bauernvereins zuwenden müssen. Das Li feciati, uega war nun freilich Herrn Böckel unmöglich geworden, aber als echt„deutscher" Mann mit gewandten, ja sehr gewandten Manieren, wußte er sich in diesem kleinen Unfälle zu helfen: Die Gelder flössen in die Parteikasse. Bei einem Umsatz von mindestens 800 000 M. — womit man sich rühmt— niacht das ein hübsches Pöstchen für die Partei des Herrn Böckel. Außer dieser indirekten Steuer haben die mit den Böckel'schen Wohl- fahrtseinrichtungen Beglückten statutenmäßig bekanntlich auch eine direkte in Höhe von einer Mark pro Kopf der„juden- reinen" Bevölkerung zu zahlen. Wie beglückt, Gründer... wenn auch nur von Bauernvereiüen zu sein! Ans den Ferienkolonien. Zu der von uns gemel- deten Magenerkrankung in dem in München garnisonirenden Lcibrcgimente, erklärte der Bürgermeister von München, daß die Ursache der Erkrankungen beim Lcibregiment ledig- lich in den Verpflegungsverhältnissen dieses Regiments zu suchen sei, was besonders daraus erhelle, daß Angehörige dieses Regiments, welche eine andere Verpflegung genossen haben, von der Krankheit nicht er- griffen wurden. Die Stimmung sür die Militärvorlage iviro durch solche Erscheinungen natürlich zu geradezu phänomaler Begeisterung gesteigert.— „Coutmuuc" ist der Titel eines neuen Blattes, das seit einigen Tagen von sechs sozialistischen Gemeinderäthen in Paris herausgegeben wird.— Gefälligkeiten an Nnstland selbst unter Einbuße ihrer Ehre sind bei der französischen Regierung an der Tages- ordnung. Unlängst beschloß sie, hinterlassene Papiere Sawicki's, eines politischen Flüchtlings, der russischen Re- gierung auszuliefern. Zwei Studenten versuchten aus dem anitlich ver- siegelten Hotelzimmer, welches der verstorbene Pole Sawicki bewohnt hatte, die Papiere zu entwenden und wurden, nachdem sie dieselben vernichtet hatten, verhaftet.' Daß die französischen Arbeiter mit der Liebedienerei der Lakaien des Zaren— pardon der französischen Minister nicht einverstanden sind, bewies eine am Sonnabend in Paris abgehaltene Versammlung, in der etwa 2000 Sozia- listen gegen das Vorgehen der französischen Regierung pro- testirten. Die Versammlung nahm unter Hefligen Ausfällen gegen den Zaren eine Tagesordnung an, die das französisch-russische Bündniß verwirst. Die englische sozialdemokratische Federation und die deutschen Reichstagöwahlen. Wie unser Londoner Korrespondent schon früher erwähnte, hat sogar die„Justice", das Organ der sozialdemokratischen Federation, die sonst gern sür die deutschen„Unabhängigen" eine Lanze einlegt, sich entschieden für die Wahlagitation der deutschen Sozial- demokratie ausgesprochen. In ihrer letzten Nummer geht sie noch iveiter, und indem sie ihr Bedauern ausdrückt, daß der Geldmangel ihrer Organisation und dringende eigene Anforderungen sie verhindert, eine offizielle Sammlung für den deutschen Wahlfonds zu eröffnen, fordert sie diejenigen ihrer Leser, die dazu in der Lage sind, auf, Beiträge zu gunsten dieses Fonds einzusenden, um wenigstens einen Bciveis der Sympathie abzulegen. Der gesunde Menschen- verstand und die sozialistische Ueberzengung waren eben stärker als die persönlichen Rankünen. Und allen„prinzi- pirllen" Erl iärnngen. zum Trotz, kann nur kleinliche Ranküne jemand, der sich Sozialist nennt, veranlassen, der Sozial- demokratie iu diesem Wahtkampf entgegenzutreten.— Die Deichstagswaillett. Zur Statistik der sozialistischen Stimmen im Jahre 1800. Bei den letzten allgemeinen Wahlen war das Prozent- verhältnib der soziaUsiische» Slimmen das folgende. In einem Wahlkreise(Berlin lv) hatten wir 72,43 pCt., in 8 Wahlkreisen hatten wir 00—70 pTt., in 11 Wahlkreisen DO— CO pCl. der abgegebenen Stimmen, in 20 Wahlkreisen entfielen auf unsere Kandidaten 40— DOpEt., in 30 Kreisen 30— 40p(£t., in 42 Kreise» 20—30 p(5t, in 61 Kreisen 10—20 pCtt, in 156 Kreisen weniger als 10 pCt. der abgegebene» Stimmen und in 54 Kreisen gar keine Stimmen, außer etwa solche, die als zersplittert gezählt wurden. 19,75 pEt. sämmtlicher im Deutschen Reiche abgegebenen Stimmen fielen im Jahre 1890 aus unsere Kandidaten. In 125 Wahlkreisen bekamen wir mehr Stimmen, als diesem Durch- schnitte entsprechen würden. Günstiger als die Verhältnisse im ganzen Reichs lagen die Verhältnisse unserer Partei in den Hansastädten, Berlin, de» preuhischen Provinzen bez-Regierungsbezirken Schleswig- Holstein. Magdeburg, Potsdam, Wiesbaden. Düsseldorf, Erfurt, Merseburg, Breslau, Kassel uud Hannover, dann in Bayern, in Mittelfranken und Oberbayern, im Königreich Sachsen, in Hessen, Mecklenburg-Schwerin. Braunschweig, Anhalt. Sachsen-Meiningen, Sachsen-Altenburg, Sachsen-Coburg-Gotha.Schwarzburg-Sonders- Hausen und den beiden Reuß. Theilen wir Deutschland in drei Gebiete, in das von Main und Elbe begrenzte Westdeutschland, in Ostdeutschland(östlich der Elbe) und in Süddeutschland(südlich des Mains), so zeigt sich uns folgendes Bild. In Westdeutschland kamen 25,28 pEt., i» Ostdeutschland 16,60 pCt. und in Süddeutschland 12,99 pCt. sämmtlicher Stimmen auf Kandidaten der Sozialdemokratie. Wir haben allen Grund zu hoffen, daß die Nächsten Wahlen uns ein noch weit günstigeres Bild der Verbreitung der Sozialdemo- kratie bescheeren werden. Eine Büberei gegen Landarbeiter, die zn« Himmel schreit, muß das„Kreisblatt von Czaruikau" melden. Unterm 3. Mai steht dort zu lesen: „Am Montag Mittag kam es ans dem Hofe des Ritter- gu ts D. zu einer sehr betrüblichen Szene. Der Vorgang wird uns wie folgt geschildert: Herr Rittergutsbesitzer fl. hatte von auswärts eine Anzahl verheiratheter Arbeiter g«. dnngen, denen er ihren Lohn zum größten Theil einbehalten haben soll, so daß die Leute kaum sür ihren Lebensunterhalt sorgen konnten, und, da ihre Forderungen unbeachtet bliebe», am Montag nicht allein den Lohn r ü ck st a n d, sondern auch ihren Entkassungs- schein forderten. Beides sei ihnen verweckg e-r t. wor-. den. Am Montag Morgen seien sie beim hiesigen Sandrathsamt vorstellig geworden, und bei ihrer Rückkehr auf den Gutshoj kam es dann zu heftigen Auftritten gegen Herrn K., der annahm, man wolle ihm zu Leibe gehen, woraus er einen Revolver er- griff und auf die Arbeiter feuerte. Ein Schuß lras einen derselben durch die Lunge. Der Mann lebt zwar noch, doch ist es zweifelhaft, ob er am Leben bleiben wird. Der Vorgang wird zweifellos zu gerichtlicher Beurtheiluna kommen." Landarbeiter und Bauern! Erinnert Euch am Wahltage dieser entsetzlichen Handlung eines Rittergutsbesitzers, dessen Namen das Kreisblatt auch noch verschweigt, während es seine Pflicht wäre, den Bösewicht jedermann namhaft zu machen, da- mit man sich vor ihm schützen ka-» Wählt sozialdemokratisch, das schafft Wandel! Oder seid dzhc auch der Meinung, daß es gar nicht so viel zu bedeuten hat, wenn ein Rittergutsbesitzer einen Arbeiter wegschießt wie einen Hirsch? Sind wcr wirkttch schon so weit, daß amtliche Kreisblätter solche gefährliche Menschen auch noch schonen? Landarbeiter und Bauer, er- wacht! Es ist die höchste Zeit, wenn nicht wieder Zustände ein- reißen sollen, wie sie iii srüheren Jahrhunderten etwas Gewöhn- liches waren. SHcS dem Wahlkreise Landsberg-Soldi« schreibt man uns:„Juden und Sozialdemokraten ist der Eintritt verboten." So endigen für gewöhnlich die Versammlungsanzeigen der Anti- semiten im Wahlkreise Landsberg-Soldin. Für die am Freilag, den 2. Juni, in Vietz einberufene Versammlung hatten sie jedoch davon Abstand genommen und fand daher Genosse Hoffmann aus Berlin Gelegenheit, dem Reichstags-Kandidaten Pickcnbach nach dessen I'/fftiindiger Rede entgegenzutreten. Indessen kaum hatte er eine Viertelstunde gesprochen, so zeigte sich die Ver- sannnlung dem sozialdemokratischen Gift so zugänglich, daß der antisemitische Vorsitzende ihm das Wort entzog mit der pracht- vollen Begründung, der Redner habe die Adligen Ausbeuter genaniit, das könne er nicht dulden. Natürlich brachte diese Ver- gewaltigung der Redefreiheit den Antisemiten kein Glück. Denn als nach mehrfachem stürmischen Verlangen der Versammlung, unseren Genossen weiterreden zu lassen, endlich Herr Pickenbach das Schlußwort erhielt, wurde die Unruhe derart groß, daß der Vorsitzende mitten in einem Satz des Redners die Versamm- lung.. schloß, welche dann mit einem brausenden Hoch auf die Sozialdemokratie endete, während das antisemitische Hoch ganz vereinzelt blieb. Der Erfolg in dieser Versammlung i>t sür uns uni so mehr werth, da kein Saal sür uns in Vietz zu haben ist. Auch sonst ist die Stimmung in diesem Kreise eine vorzügliche. In Bernstein sprach Genosse Hoffmann am 3. Juni vor etwa 300 Personen, in Lippehne am 4. Juni vor 500. In Bernstein hatten die Gegner einen Theil der Arbeiter durch Freibier und Schnaps gegen uns aufgehetzt, trotzdem war der Erfolg bei den nüchtern gebliebenen ein durchschlagender, wie die verschiedenen nachträglichen Zustimmungen, welche der Redner erhielt, bewiesen. Wahrhaft glänzend aber verlief die Lippehner Versammlung, welche dem zweistündigen Vortrag bis zu Ende mit gespanntester Aufmerksamkeit folgte. In diesem Wahlkreis, welcher 1890 nur 232 Stimmen für uns aufbrachte, werden wir dieSmal jedenfalls eine» sehr großen Stimmenzuwachs zu verzeichnen haben und liegt selbst eine Stich- wähl nicht außer dem Bereich der Möglichkeit. In München haben eine ganze Reihe Fabrikbesitzer das Gesuch unserer Parteigenossen bewilligt, ihren Arbeitern den Wahltag entweder ganz oder theilweise frei zu geben. Vcrrkeinkrcktvtlktken: Die Wahlthätiakeit der deutsche» Sozialdemokratie findet bei den Partelgenossen des Auslandes die höchste An- erkennung. So schreibt die Wiener„Arbeiter-Zeitung" darüber: Wenn man die deutsche Presse, und zwar nicht nur die sozial- demokratische, sondern auch, und zwar vor allem die bürgerliche Presse verfolgt, muß man vor dem, was unsere Parteigenossen leisten, den allergrößten Respekt haben. In Deutschland giebt es 397. Wahlkreise, und in 391 stellen die Sozialdemokraten eigene Kandidaten auf. Wie wenige eigenllich bloße Zählkandidaturen sind, ergiebt sich aus der Thätsache. daß die Fälle, in welchen ein Kandidat in mehreren Wahlkreisen auftritt, verhältnißmäßig wenig sind..,.. Die Zahl der Versammlungen und noch aiehr die Masse der Flugschristen, welche verbreitet werden, ist geradezu sabelhast. Dabei ist es nützlich, zu kon- staliren, daß djpse-.Flugschriften durchaus nicht Oppor» ttinWtS- Politik treiben, etwa in dem Sinne, aus den Slimnienfang bei den Mtttelklasscn auszugehen, um die Prinzipien, der Partei aus Opportunitätspolitik zu verleugnen... Die deutsche Sozialdemokratie hat«s glänzend verstanden, über dem Kamps um die Mititärvorlage das deutsche Volk daran nicht vergessen zu lassen, daß es auch noch andere und ein- schneidendere Leide» als den Militarismus, noch weitergehende Hoffnungen als die Ablehnung jener Vorlagen hat. Die.Ge- legenheit, wie sie einzig und allem eine solche Wahl auf grund des allgemeinen Stimmrechtes giebt, die sozialdemokratischen Prinzipien zu verbreiten, wird in der glänzendsten Weise aus- genützt. Man kann nicht anders als darüber zu lächeln, wenn täglich dieselben Blätter, welche vor wenigen Wochen darüber jubelten, daß die Richter und Bachem die Sozialdemokratie durch ihren Zukunftsstaatschwefel zu Tode geschwätzt hätten, heute traurig und beklommen eingestehen, daß die einzige Partei, welche geschlossen und sieges- bewußt aus dem Plan steht, dieselbe todtgeschlagene Sozialdemo- kratie sei. Ueber den Ausfall der Wahlen zu prophezeien, ist ein ebenso billiges als wenig nützliches Vergnügen. Ob di« Sozial- demokraten zwei Millionen Stimmen und sechszig Mandate er- langen werden, wie sehr viele der Gegner wehklagend vorhersagen, werden wir bald erfahren. Aber aus jeden Fall ist das politische Gewicht, welches das klassenbewußte Proletariat heute in Deutsch» land bereits erlangt hat, ein so großes, daß es in der nächsten eit noch niehr wie bisher die eigentlicke politisch« Frage in entschland bilden wird. Wir Sozialdemokraten in allen anderen Länder» und insbesondere Oesterreich müssen der deutschen Sozialdemokratie Dank und Anerkennung wissen, daß sie diesen Wahlkampf in so durchaus proletarischem Geiste führt, und daß sie dem Versuche widersteht, Politik zu machen mit den Politikern. Das Resultat der Wahlen in Deutschland wird nicht allein Auf- schluß geben, in wieweit im deutschen Volk Freunde oder Gegner des Miltrarismus sind, es wird auch, und vor allem„der Grad- mcsser der Reife der Arbeiterklasse" sein. In Oesterreich fehlt dieser Gradmesser, fehlt dqs allgemeine Stimmrecht, von welchem Engels an der zitirten Stelle sagt:„An dem Tag, wo das Thermometer des allgemeinen Stimmrechts den Siedepunkt bei den Arbeitern anzeigt, wissen sie sowohl wie die Kapitalisten, woran sie sind." In Oesterreich meint man, daß wenn man nur kein Thermometer aufstellt, auch die Temperatur nicht steige. Aber die Herren täuschen sich. Das Thermometer in Deutsch- land zeigt getreu den Wärniegrad auch sür Oesterreich, und das Thermometer steigt. � Die sozialdemokratischeii' Wahlkomitees aller Wahl- kreise ersuchen wir, an den Parteivorstand, z.H. des Genossen Alwin Gerisch, Berlin LäV., Katzbachstr. 9, zwei oder drei Exemplars eines jeden Wahlflugblattes zu senden, das von unserer Partei oder den gegnerischen- Parteien ver- breitet wurde. Ebenso sind Exemplare aller der Zeitungen erwünscht, in denen Wahlaufrufe veröffeut- licht sind. �»•... Polizeiliches. Gerichtliches IC. „Der verantwortliche Redakteur des„Hamburger Echos", Gustav. Stengel«, hat eine achtwöchentliche Gesängnißstrase angetreten. Strasaufschub wurde ihm abgs- schlagen. — D�r„Beamtenbeleidigung" soll sich in einer im vorigen Perbst in Wandsbeck abgehaltenen Volksversammlung der Harteigenosse F r o h m e aus Hamburg dadurch schuldig geinackit haben, daß er den überwachenden Polizeikommiffar rektifizirte, als dieser die durch das Geschwätz eines Antisemiten unruhig gewordene Versammlung mit der Auflösung bedroht hatte. — In Halberstadt wurde die letzt« Nummer der „Sonntags-Zeitung" wegen Beleidigung des Haupt- manns Placke konfiszirt, weshalb eine neue Auflage veranstaltet werden mußte. Für deu Inhalt der Inserate über- nimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung Theater. Dienstag, den 13. Juni. Gpernhauo. Oavallsri» rusticarm (Bauern-Ehre). Der Barbier von Sevilla. Zleneo Theater. Basantasena. berliner Theater. Der Veilchen- fresser. Deutsches Theater. Der Talisman. Lriedrich-Dvilbelmltädi. Tbrater. Nngot, die Tochter der Halle. SroU'o Theater. Der Perlenfischer. iKtoria-Theater. Frau Venns. National- Theater. Das Käthchen von Heilbronn. Adolf«rnst-Theater. Der Schmie- gerpapa. Aleranderplatz-Theater. Die Diret- trice. Winter-Garten. Spezialitäten-Vor« siellung. Apollo- Theater. Spezialitäten- Vorstellung. Theater der Deichshallen. Spezialitäten-Vorstellung. Kaufmann'» D aristo. Spezialitäten- Vorstellung. Gebrüder Richter'» Uaristä. Spe- zialitäten-Vorstellung. �aiionsl»'i'kesten. Gr. Frantfurterstr. 132. Uolks-NorlteUung in bedeutend ermäßigten Rrrifeu. Ii» MPtil m« Hnlbrm. Romantisches Ritterschauspiel in 5 Akten nnd 1 Vorspiel v. H. v. Kleist. Regie: Max Samst. Kassenöffnung SVz Uhr.— Anfang der Vorstellung 71/2 Uhr. Ii» Garten: Er. Konzert u. Spezialitüten-Vorstellung ersten Ranges. Größtes Spezialitäten-Programm der Residenz. Auftreten von Chansonetten, Sänge- rinnen, Tänzerinnen, Clowns, Soubrett., Komikern ic. k. Morgen: Einmaliges Gastspiel der Frau Larolta-Uottmano. Einmalige Aussührnng: „vi« CaaoolieiMlmMe", Castan's Panopticum. Neu: Der Tod als Erlöser. Neu: Die Tll>rt>kt» iitä Meeres. Baueni-Aufstand! IUustonist. UorsteUungen. Irrgarten.— Lobrselcouslrammor. ?S55Sgö- DauoptiLllw. N/s Uhr. Entrce IG Pf. jlllf« Sonntags 6 Uhr. Entree ZG Pf. Zlneckunt gute Ache. KB Siile ES für Festlichkeiten und Versammlungen. Carl Koch. 0Ltdalul-?Ark am Küstriner Platz, (Hermann Jmbs) Sfidersdorferstr. 71, am Ostbahnhof Täglich: Tw«. Zpejinlitäteil- Vgrstelluüg. Pantomimisten-Truppe Garetton, urkom. Taxameter-Dros chkenfahrt, Mr. ve Volts, Neger-Exentric:c. Volksbelustig. jeder Art. 4 Kegel- bahnen zur Verfügung. Montz- EtaWissemeiit wo* Buggenliagen. via*- Täglich: Inttrumental-Konsert. Großer LriihllnM»- u. Wittag«- tisch. Spezial-Ausschank von ZIaben- hofer Lagerbicr, hell und dunkel. kRi?" An Sonn- und Festtage» findet das Konzerl in den oberen Sälen statt. Entree Wochen:. 10 Pf. Sonnt. 25 Pf. Säle für Versammlungen, Kommerje, Festlichkeiten_ Stehbierhalle SO., 371b alte Kundsch., w. Todesfall bill. zu verk.. a. Theilz. Simon, Manteuffelstr. 83. Kindertvage», größtes Lager, bestes Fabrikat, auch Theilzahlung, nur allein Oranienstr. 3 im Kordgeschäft. Orts-Kraukenkasse der Steindrucker und Lithographen zu Berlin. Am 10. Juni er. verstarb unser Mit- glied, der Steindrucker Herr Johannes Krüger. Die Beerdigung findet am Dienstag, den 13. Juni, Nachmittags 5 Uhr, voin Tranerhause, Hermannstr. 151, Rixdorf, nach dem Jakobi-Kirchhofe daselbst statt. Um zahlreiche Betheiligung bittet 376b Der Porstand. DaukLaguug. Für die wohlthuenden Beleids- bezeugungen, die mir bei dem Hin- scheiden meines inniggeliebten Mannes, des Schriftsetzers Lnnst Albrecht von allen Seiten zu theil geworden find, spreche ich den herzlichsten Dank aus. Clara Albrecht» 877b geb. Schultze. Die Genossen von Brie- drichsberg, welche im Besitz von Lammellisteii sind, werden aufgefordert, dieselben so schnell wie möglich abzu- liefern. 337/19 Oer Vertrauensmann. Nck-KraukeMe der Kürschner und verwandter Gewerbe zu iJeril». Die Verhaltnngsregeln der erkrankten Mitglieder, welche tirankengeld beziehen, nach Beschluß der Generalversammlung vom 2. Mai er., sind von der Gewerbedeputation des Magistrats genehmigt worden. 375V Per Vorstand. C. Dobronz, Vorsitzender. Den Gesangvereinen Nord, Felsenbarg, Vineta und Kürschner, welche am 19. Juni bei dem Stiftungsfest des Verbandes der in der Kürschner- brauche beschäftigten Arbeiter und Ar- beiterinnen mitwirken, wird hiermit bekannt gegebern daß die Generalprobe wegen der Wahl nicht am Mittwoch. sondern Freitag, Abends 8v> Uhr, bei Seefsldt, Grenadierstr. 33, stattfindet. 190/13 Moabiter Gesellschaf ishaus* Alt-Moabit 80 und 81. Täglich, Theater- iniD WalWen- Vorstellung, sowie Concerl. Ansang 4 Uhr. Entree 30 Pf., reservirlcr Platz 50 Pf. 41271.' Helmuth Peters. •Reste Sophastoff In Nipo, Damast, CrSpr, Fantaste, Gobelin, Plüsch und bunte» Morqueta spottbillig! Vrobe» franko!* Emil Lefevre, 158. Empfehle mein Geschäft in triscaen Blumen und Kränzen. 3528 L Robert Meyer, Nr 2. Mariannenstraße Nr. 2. NB. Um häufigen Jrrthum zu ver- meiden, bitte ich meine Freunde und Genossen, genau auf meine Adresse zu achten. Meimsno's Volksgarten, Badstrasse 56. Gesundbrunnen. Pankstrasse 25. Heute: Großer Ninkbampf des Schlächters und Ringkämpfers Dogat mit dem Ringlämpier Forster vom Hippodrom. Bedeutende Wetten sind enirnt. Opiiz-Concert, Kolossalmensch Löther, Korn. Köhler, Menagerie ClermonL Sommernachtsball. Die Herren vom Viehhof sind speziell eingeladen. Mittwoch: Kindersreudensest u. Sommersest der Barbierherren vis Nordens. Donnerstag: Sommernachtsfest. 378b Sonnabend: Durch! Durch! Verein ehem. Husaren der deutschen Armee. Grts-Krankeukasse der Schneider zu Berlin. Die Vertreter der Orts-Krankenkafie der Schneider zu Berlin werden ,u der am St. Juni 1803, Abends 8 Uhr, in Kaitz' Salon, Alte Jakob- traße 75, stattfindenden außerordentlichen Generalversammlung ergebenst eingeladen. Tagesordnung: I. Beschluß des Bezirksausschusses betreffs Erhöhung der Beiträge. 2. Verschiedenes. Her Korstanb. 363b Ferd. Mathls, Vorfitzender, An der Jerusalemerkirche 2. Charlottenburg. Mittwoch, de» 14. Juni. Abend» 8V2 Uhr, in BismarckshShe, Kismarckestrahe 80: 343/18 Große öffentl. Wählerversammlung für Männer und Frauen. Tagesordnung: 1. Die bevorstehende Reichstagsivahl. Referent: Genosse Mattutat. 2. Diskussion. Um zahlreiches Erscheinen ersucht Da« Fokal-Mahlkomitee. für den 2. Kreis: für den 3. Kreis: Oeffeutlichc Wähler-Nersammlnngett Mittwoch, den 14. Juni, Abends 8 Uhr, in folgenden Lokalen: für den I. Kreis: Bolta(früher Feuerstein), Alte Jakobstraße 75, Scheffer's Salon, Jnselstraße 10, Berliner Bockbrauerei, Tempelhofer Berg, Berliner Ressource, Kommandantenstraße 57, Buggenhagen, Moritzplatz, für den 4. Kreis(LG.): Sanssouci, Kottduserstraße 4a, Urania, Wrangelstraße 9—10, Concordia, Andreasstraße 64, für dm 4. Krei«(0.): Böhmisches Brauhaus, Landsberger Allee, Brauerei Friedrichshain(früher Lips), für den 5. Krei«: Philipp, Rosenthalerstraße 33, Bötzow, Prenzlauer Thor. 418/14* Tages-Ordnung: Die bevorstehende Deichstagswahl. Diskussto». Um zahlreiches Erscheinen ersuchen Die Einberufer. E. WahBkpeiSs Große öffentl. Bolks-Bersammliing am Dienstag, den 13. Juni, Abends 8'/2 Dhr, im Swinemönder Geseilschaftshaus, Fwinemunderstraße 35. Tagesordnung: 1. Die bevorstehenden Reichstagswahlen. Ref.:&1. Liebknecht. 2. Diskussion. 413/15 Die Tcrtrauansperson. I 6. Wahlkreis(Moabit). Große öffentliche AGug! Uoiks Uersammlnag am Mittwoch, den 14. Juni, Abends 8V2 Uhr, im Taale der Älrcud'schen Brauerei, Thurmstrasie 20127, Tages-Ordnung: 1. Die Reichstagswahl. Referent: Wilhelm Liebstuecht. 2. Diskussion. Zahlreiches Erscheinen erwünscht. 353/13* Kie Nertraucnsperson. J. Pfarr. Gauierein Berliner Bildhauer. D toustag, de« 13. d. 01., Ersatzwahl des zweiten Norsttzevde» (Kteinbildhaner-Abend). Zugleich weisen wir auf unser Sonnabend, den 24. Jnnl, in Keller'» Hofjäger, Hasenhaide, stattfindendes Sommerfest hin. Großes Eoucert und Aufführung von:„Eil! SklllveWllrkt ill Tunis." Anfang des Eoneerts: Nachmittags 4 Uhr. Billets vorher k 30 Uf. bei den Kollegen G. Keyer, Strelitzerslr. 28, C. Stötzer, Lausitzer Platz 17, im Bereinslokal, Annenstr. 16, und in den mit Plakaten belegten Handlungen. Au der Kasse 50 Vf. 117/14 Oer Vorstand. Genossenschaftsbäckerei für Berlin u. Umgeg. (E. V. m. b. H.) Am 25..luni er. 10 Uhr Morgens findet in dem Saale der BötsEOw'sohen Brauerei, Prenzlauer Allee, eine Außerord. GeKeral-Versammlung statt, zu welcher die Mitglieder hiermit ergebenst eingeladen werden. Tages-Ordnung: I. Statutenänderung. 2. Festsetzung der Händlerprovifion. ver �utsiobtsruth. Der Vorstand. O. Baer, Freytag, Grashold, 97/1 Vorsitzender. Geschäftsführer. Kassirer.f kpioitaiokskas)ona Große öffentl. Wahlerimsamilimg am Mittwoch» den 11. Juni, Abends 8'/?!ltzr» im Lollalr des Herrn C. Conrad, Friedrichstrahe 134. Tagesordnung: 1. Vortrag: Die Stellung der Parteien zur Reichstagsivahl. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. 337/20 Das Watzlbnreau befindet sich am Wahltage im Restaurant A. Blanke, Frirdrichstraße 58. Das so»laldemo!:rnlische Mahlltomitee. kummo�sdunga Oeffentl. Uersammwng Donnerstag, den 15. Juni, Abends 9 Uhr, im Lokale des Herrn iSorchmsun, Hauptstraße 83. Tagesordnung: 837/18 Nrrbnndigung de» Mahlresultats aus dem Kreise ziiederbaruim. Um zahlreiches Erscheinen ersucht Da» Mahlbamite». SoKÄNSßlOI'ga Große öffentl. Wählerversammlimg Mittwoch, den 14. Juni, Abends 8 Uhr, im Saale der Lehloss-Lrauere!, Hauptstraße 80—63. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Schriftstellers G. Adler. 2. Diskussion. Zur Deckung der Unkosten wird ein Entree von 10 Pf. erhoben. 419/10 Bas Wahlkomitee. Verein znr Regelung her geuierbl. Verhultniiie der'kopier Perlinck nnd Umgegend. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß am Tage der Reichstagswahl (15. Juni) das Bureau des Arbeitsnachweises nur bis 9 Uhr Vormittags geöffnet ist, ebenso ersuchen wir die Kollege», wenn irgend möglich, sich am Donnerstag der Partei zur Verfügung zu stellen. Gleichzeitig fordern wir die Mitglieder auf, soweit sie noch mit Bei» trägen restiren, diese sehr bald zn bezahlen, damit wir den Beschlüssen der letzten Versammlungen nachkommen können. 324/13 Der Uorstand. I. A.: Kichard Topf. Verantwortlicher Redakteur: Wilhelm Schröder in Berlin. Druck und Verlag von Max Babing in Berlin, SW. Beulhsrraße 2. Hierzu zwei Beilagen 1. Beilage zum„Vorwärts" Berliner Volksblatt. Ar. 136. Dienstag, den 13. Juni 1893. 16. Jahrg. Wiihlt die Kllltdidllttk der Sozillldeiilokraiie! I. Wahlkreis: Schneidermeister August Täferow« II. Wahlkreis: Schriftsetzer Richard Fischer. III. Wahlkreis: Stadtverordneter Ewald Vogtherr. IV. Wahlkreis: Stadtverordneter Paul Singer. V. Wahlkreis: Klavierarbeiter Robert Schmidt. VI. Wahlkreis: Schriftsteller Wilhelm Liebknecht. Uieder-Karnim: Stadtverordneter Arthur Stadthagen. Teltow-Keeskom-Charlottenknrg: Gastwirth Fritz Zubeil. Anch solche Stiminzette!» aus denen der aufgedruckte Name eines Kandidaten durchstrichen und der Name eines anderen Kandidaten darüber oder darunter geschrieben ist, sind giltig. Nur muß die Zeile, die den Namen des Kandidaten enthält, den man nicht wühlen will, beut- l i ch durchstrichen sein und es muß Vor- und Familien- name, Beruf und Wohnort des Kandidaten, den man wählen will, in deutlicher Schrift auf dem Wahlzettel enthalten sein. Die Deichstagswahlen. Ueber Vebel'S AgitatiouStour wird uns weiter berichtet: Die Versammlungen in Bremen, Elmshorn, Lübeck uud Hamburg, in denen Bebel sprach, waren sammt und sonders überfüllt. In Bremen waren zirka KOOll Zuhörer, in Elmshorn 2000, in Lübeck an 5000, in Hamburg in zwei Ver- sammlungen 7—8000 Personen versammelt. In Bremen traten ein Führer der Nationalliberalen und ein Antisemit, in Lübeck der Gegenkandidat von Schivartz, ein Dr. Görtz, der besonders eingeladen war, und ein Zünftler als Opponenten auf. Die Opposition trug nur zur Erhöhung des Erfolges bei. Die Stimmung unter den Parteigenossen ist überall die vorzüglichste. Bebel wird noch Montag in Kiel. Dienstag in Neumünster und Mittwoch im 2. Berliner Wahlkreis sprechen. Einen NuSzng ans seinen Irrlehren läßt Eugen der Drachentödter des Sozialismus als Flugblatt„gegen die Sozial- demokratie" verbreiten. Einer Widerlegung ist das Machwerk mit seinen alten Prophezeiungen, Verdrehungen. Entstellungen. absichtlichen und unbeabsichtigten Mißverständnissen nicht werlh. ES wird uns sicherlich ebenso wenig eine Stimme abwendig machen, als die vielen Sparagneseleien, durch welche der Gegen- wartsstaat gegen dir Zukunstsgesellschast vertheidigt werden soll. sollten. Zu der freisinnige» Versammlung in Pankow am 7. Juni, in welcher sich der freifinnig« Kandidat Herr Arnold Perls seinen Wählern vorstellte, waren auch die Sozialdemokraten unter Zusicherung vollster Redefreiheit«ingeladen worden. Als aber in der Diskussion Genosse Hofsmann aus Berlin(er wohnt noch dazu nur ö Minuten von Pankow entfert) um das Wort bat, wurde ihm vom Vorsitzenden May bemerkt, nur Wähler aus Pankow erhielten das Wort. Herr Perls in seiner Freisinnigkeit verbessert« dies in„Wühler aus Nicderbarnim", erklärte sich also hierdurch mit dem Verhallen des Vorsitzenden einverstanden. Das Schönste war, daß den„Freisinnigen" ihre Unduldsamkeit nichts half, denn sie wurden von den Panlower Genossen ge nügend abgeführt. Das Arbeiter-Wahlkomitee von Nenbrandeuburg er klärt auf die uns von dort gemachte Miltheilung, wonach weder sozialdemokratische Fwgdlätter vertheilt noch Versammlungen abgehallen worden seien, daß im Gegentheil bereits zwei Flug- blätter und anch Stimmzettel ausgetragen worden sind. Die Ab- Haltung von Versammlungen sei durch die bekannten Chikanen der Gegner absolut unmöglich. Wir hatten die Mitlheilung bekanntlich nur unter Reserve wiedergegeben. In Grosi-Kreutz, Kreis Jüterbogk-Bilzig, hielten am 8. Juni die Freisinnigen eine Versammlung ab. in der der Kandidat dieser Partei, Stadtverordneter Rentier Fändrich aus Berlin sprach. In dieser Versammlung waren auch viele An- Hänger unserer Partei, darunter der Vertrauensmann Trauschke aus Luckenwalde und Genosse Schneider aus Brandenburg, so- wie unser Kandidat Gerischer anwesend. Letzterer unterzog die Versprechungen und Handlungen der freisinnigen Partei einer so wirksamen Kritik, daß den Freisinnigen, unter denen sich auch ,n Groß-Kreuh die größten Ausbeuter der Arbeiter befinden, schwül zu Muthe wurde und sie die Versammlung vorzeitig schlössen. Mit einem donnernden Hoch aus unsere Parte» und»nit dem Gesänge der Arbeitermarseillaise traten die Genossen den Heim- weg an. In Mecklenburg wird von den„Ordnungs"partei«n«ine löseilige Broschüre„Eigenthum, Ehe und Familie, Gott, Bibel und Himmel nach Schriften und Reden sozialdeinokratischer Führer zum Nutz und Frommen des mecklenburgischen Volles", ein Auszug des berüchtigten Schuster'schen Machiverkes, verbreitet. Mit aus dem Zusaininenhange gerissenen Sätzen aus Schriften und Reden aus den siebziger Jahren, soivie Zitaten aus Most's Freiheit und Hasselmann'schen Leitartikeln wird das Zeug zu- sammengekleistert, das Abscheu vor der Sozialdemokratie erwecken soll. Unsere Gegner sind järnmerlich schlvach in der Bekäinpfung unserer Beivegung, sie leiden an einer fürchterlichen Jdeenarmuth, wenn sie mit solche»» Zeug die Sozialdeinokratie»virksam zu be- kämpfen verineinei». AuS Elbiug berichtet der Telegraph: In einer Wahl- Versaminlung in der Kolonie Pangritz bei Elbing, in welcher der konservative Kandidat v. Puttkamer-Plauth eine Wahlrede hielt, verursachten etiva 200 Sozialdcinokraten einen heftigen Exzeß, sodaß die Versammlung aufgelöst»vurde. Der Saal vrnirde von der Gendarmerie geräumt. Beim Verlassen des Saales wurden, »vie die„Elbinger Zeitung"»neldet, v. Puttkamer und seine Be- gleitung thätlich angegriffen; v. Puttkainer erhielt einen Faust- schlag� ins Gesicht und wurde von einem Stein in den Rücken getroffen. Die Gendarmerie machte mit blanker Waffe den» Handgemenge ein Ende. Hierbei wurden mehrere Personen ver- »vundet.�— Die Elbinger Parteigenossen werden hoffentlich um- gehend über die Angelegenheit Aufklärung geben. Uns erscheint die ganze Mittheilung lediglich als ein Wahlinanöver der Kon- servaliven. AuS Beruste»« im Kreise Soldin wird uns noch mit- gethcilt, daß einige besser situirte Konservative Leute mit Bier und Schnaps gedungen hatten. um de» sozialdemokratischen Referenten Hoffmann in der Versammlung»vährend seiner Rede zu stören und ihn ivomöglich hinauszuiverfen. Das ist nun zwar höchst bübisch, aber bei den Konservativen nichts Seltenes. Man kennt diese„Ordnungs"partei. Die Nationalliberalcu in Lehrte scheinen bei der Be- schasfung von Unterschristen für ihren Wahlaufruf nichts ivcniger als redlich vorgegangen zu sein. Im„Lehrter Beobachter" erklärt der Landwirth Karl Bödecker, daß gegen seinen Wille» sein Name auf den zu aunsten des nationalliberalen Kandidaten Rolhbart erlassenen Ansnif gekommen sei. Er gäbe nach»vie vor dein Welsen v. d. Dcckcn-Rutenitein seine Stimme. Naniensiuißbrauch gehört jedenfalls zum stärksten,»vas man einer politischen Partei vorwerfen kann. Die Sozialdemokratie würde sich einer solchen Handlung schäinen. Schmalkalden. Seit Montag voriger Woche hält in hiesiger Gegend unser Kandidat Huhn aus Kassel Versammlitngen ab, so in Brotterode, Herges- Bogtey, Seligenthal und Floh. Eine Versammlung, welche Dienstag in Oberschönau stattsinden sollte, »vurde dadurch vereitelt, daß der Besitzer des Lokals, der Brauerei- besitzer Zeitz in Meiiiiiigeii, den Pächter telegraphisch anlvies, das Lokal nicht herzugeben, in» anderen Falle bedeute die Depesche die Kündigung. Diese Saalabtrciberci ist aus Anregung eines „freisinnigen" Kaufmanns in Oberschönau zurückzusührcn. Sämmtliche Versammlungen waren sehr stark besucht»lud dürsten sehr dazu beigetragen habe», daß sich unsere Stiinnien gegen früher bedeutend vermehren. Huhn wird voraussichtlich in die Stichivahl konnnen, zuina! die Autisemiten einen Kandidaten aufgestellt haben, der dein sreikonservaliv- uationallibcralen von Christen manche Stinune»vegfangen»vird. Ter Freisinn aber hat hier abgeivirthjchaftet. Die Stimmung ist für uns sehr gut und»vird durch die noch abzuhaltenden Versammlungen ziveifettos noch besser»Verden. AuS Köln»vird unlerm 12. Juni telcgraphirt: Gestern und an den vorhergehende» beiden Tagen fanden hier Versa»»»»»- ltlngen der reichstreuen Parteien, der liberalen, ultrainontanen, sozialistischen, der freisinnigen Vereinigung, der freisinnige» Volkspartei uud der antisemitischen Partei statt. Jedenfalls »vird der Wahlkanips Hierselbst ein sehr hitziger werden. In der Versammlung der rcichstreuen Wähler»nachte»nan sich dahin schlüssig, für den Fall, daß die 5iandidatur des Eisenbahn- Direttious-Präsidenten Rennen nicht durchgehe, eine Beivegung zu schassen, uin die einzelnen Abgeordneten zu besiinimen, für die Militärvorlage ihre Stimme abzugeben.— Bei den trefflichen Aus- sichten unseres Kandidaten Lücke kann diese„Beivegung"»»icht ernst genovime» werden. AuS Metz»vird gemeldet, daß der dortige Bürgermeister Geheimer Regierungsraih Halin die Hergabe des städtischen Saales zu einersWählerversammlung abgelehnt habe,»veil die Gesuchsteller der sozialdemokratischen Partei augehöre» und nian es nicht für augcmeffen erachte, dieser Partei städtische Räuinlich- keilen zur Vcranstaltilng von Versammlungen zur Verfügung zu stellen. Ter Bürgermeister und Geheime Rath wird am 15. Juni erleben, daß man durch das Saalveriveigern noch nicht regieulngs- sreundliche Wahlen herbeiführen kann, sondern daß ganz ent- gegengefetzte Wirkungen mit solch' kleinlichen Mittelchen erzielt »verde». Sächsische Wahlgemiithlichkeit. In Grobpötzschau (13. Reichstags-Wahlkreis) schickte, wie der Wühler berichtet, der Gemeindcvorsland Heileinann seinen Sohn in das Dorf, um die angeklebten Plakate iviedcr abzureißen.— In Thierbach (14. Reichstags-Wahlkreis) ereignete es sich, daß der Ätachtivächter im Dorfe herumging mit einem Zettel und Unterschriften sammelte für den jionservativen Dr. v. Frege mit dem Be- merken: Wer nicht unterschreibt, kommt aus der Arbeit. Wer den betreffenden Nachtwächter geschickt hat, ist natürlich„nicht bekannt" geworden. Die südbayerischen Bauern und die Sozialdemokratie. In einer Münchener Korrespondenz der„Frankfurter Zeitung" über die südbayerische Bauern beivegung findet sich folgende A»ls- führung,»velche die Erfolge unserer Agitation auf dem Lande trefflich beleuchtet: „Wenn das Zentrum geniale Leute hätte, dann könnte c? die Bauern vielleicht wieder einsangen. Aber diese geniale» Leule hat es nicht. Wie die Liberalen, kvlnmen auch die Klerikalen aus dem ausgefahrenen Geleise nicht heraus und haben auch die wirklich volksbcgeisterten, persönlich interesselosen Männer nicht, denn die klerikale Partei ist eine rein geistliche Herrenpartei, in der Bürgerliche nur Staffage sind. Da fällt nun die wieder enttäuschte Bauernschaft unfehlbar den Sozial- demokraten in die Hände. Man wird das nicht glauben »vollen bei uns, wie man auch darüber gespottet hat, als vor zwei Jahren in der„Franksilrter Zeitung" ausgeführt wurde, daß die Sozialdemokratie langsain, aber sicher auf dem Lande vordringen werde. Die Klerikalen meinten, die Autorität des Geistliche»», der Druck des Zeitungsverbots, des Saalabtreibens genügten, die„Uinstlirzparte»" fernzuhalten. Und wie steht es heute? Der 15. Juni wird den Herren groß die Augen öffnen; sie haben auch schon eine Ahi»u»g davon, wie es steht." Der Bund der Laudtvirthe verweigerte ähnlich wie im 12. badischen Wahlkreise nun auch im 11.(Mannheim Stadt und Land) dem nationalliberalen Kandidaten Rechtsanwalt Bassermann die Unterstützung, obivohl sich derselbe schriftlich bereit erklärt, für das Programm des Bundes einzutreten. Der Bund der Landlvirthe unterstützt dafür einen antisemitischen Zähl- landidaten, gemeinsain mit den Konservativen. Der deutsch-soziale-antisemitische Proviuzialverbaud hat folgende Kreise in Bearbeitung genommen: Friedeberg- Arnswalde: Kandidat Rektor Ahlwardt; Landsberg- Soldin: Kandidat Wilhelin Pickenbach; Osthavelland: Kandidat Pfarrer Rödenbeck; Teltow- Beeskow- Storkow: Kandidat Professor Dr. Förster; Nieder- Barnim: Kandidat Dr. Otto Bachler; Neustetlin: Kandidat Rektor Ahlwardt; Sternberg: Kandidat Wilhelm Pickenbach. Die Rationalliberaleu haben in 123 Wahlkreisen Kan- didaten aufgestellt. Eine Zählkandidatur beabsichtigt auch noch der„Demo- kratische Verein" in Berlin aufzustelle». In einer öffentlichen Wählerversanin»lu»g kam es dieserhalb Sonnabend Avends in den Arminhallen(tiommandantenstraße) zu sehr stürmischen Aus- einandersetzungen. Herr Rechtsanwalt C. Melos-Leipzig erörterte die Stellungnahme der Demokraten zur Militärvorlage ui»d äußerte dann: Die Fusion der Freisinnigen mit der Süd- deutschen Volkspartei se» iiur eine Wahlinache. Die„Freisinnige Volkspartei" habe das Zugeständniß einer Erhöhung der Präsenz- ziffer um 23000 Mann gemacht, für die„Freisinnige Volksparlei" einzutreten, sei ein Verbrechen an der Nation. Man dürfe Herrn Richter auch nicht die Genuglhuuiig geben, daß die Demokraten das Feld räumten. Lokrsles. An die Parteigenossen Berlins! Die diesmaligen Reichstagsivahlen sind für die innere Entwickelung Deutschlands von vielleicht entscheide>»der Wichtigkett. Jedenfalls müssen die arbeitenden Klassen ihre gal»ze Kraft daran setzen, damit das Ergebniß der Wahl die Hoffnung der Reaktion vernichtet, durch eine ihr gefügige Mehrheit das Wahlrecht verschlechtern zu können. I» fast allen Wahlkreisen Deutschlands hat unsere Partei Kandidaten aufgestellt, und überall agitiren unsere Ge> noflei, seit Wochen in Stadt und Land aufs allerfleißigste, um der Partei einen Zuivachs an Mandaten zu verschaffen»»nd die Zahl unserer Stimmen zu vergrößern. Diese Agitation,»vie sie so großartig bei keiner andern Partei anzutreffen ist, erfordert naturgemäß auch ungeheuere Opfer. Um diese aufzubringen, ist es dringend nothivendig, daß jeder Anhänger unserer Partei nach Kräften Beiträge zu den Wahlkosten zahlt. Wir appelliren vor allein an die schon so oft glänzend bewährte Opferwilligkeit der Berliner Arbeiter! Und»vir»vissen, daß sie wie i min er so auch diesmal ihre Schuldigkeit im vollsten Maße thun »verde». Weiter bitten wir alle diejenigen Parteigenossen Berlins, die es irgend ermöglichen können, sich au, Wahltage von der Arbeit frei zu machen und sich zur Besorgung der Wahl- arbeiten Donnerstag, den 13. Jnni, früh 7 Uhr, in folgenden Lokalen uns zur Verfügung zu stellen. 1. Wahlkreis: Trieschlnann, Jüdenstr. 55. 2. Wahlkreis: Bockbrauerei, Tempelhofer Berg. 3. Wahlkreis: Gründe!, Dresdenerstr. 116. 4. Wahlkreis: Henke, Blumenstr. 33. 5. Wahlkreis: Pyrtek, Gipsstr. 3. 6. Wahlkreis: Germania-Festsäle. Chausseestr. 103. Die Vertrauenspersone» Berlins. •« Die Advesseu der Vertraileuspersoite»» der sechs Berliner Wahlkreise sind: 1. Wahlkreis: Aug. Täteroiv, Ziinmerstr. 95/06, H. 8 Tr. I. Timm, bei Butzke, Friedrichstr. 39, H. 3 Tr. 2. Wahlkreis: H. Werner, Bülowstr. 59, Restauration. 3. Wahlkreis: St. Fritz. Fürstenstr. 11, 4 Tr. W. Börner, Ritterstr. 103, Laden. 4. Wahlkreis SO: W. Erbe. Görlitzerstr. 57, 3 Tr. F. Zubeil, Naunynstr. 86, Restauration. 4. Wahlkreis 0: Rod. Wcngels, Fruchtstr. 30, Qugb. 3 Tr. H. Baitm garten, Posenerstr. 4, v. 3 Tr. 5. Wahlkreis: L. Möller, Sophienstr. 12, v. 3 Tr. Fr. Krüger, Hirtenstr. 10, Restauration, 6. Wahlkreis: E. Bing au, Zionskirchstr. 7, H. part. W i h e l, Ackerstr. 29, lltestauration. W. M a r t e n. Ackerstr. 44. 2 Tr. P f a r r, Wilsnackerstr. 49. Parteigenossen und Gcuossinnen deS zweiten Berliner NrichStagS-WahlkreiseS. Am Dienstag, den 13. Juni, findet im zweiten Wahlkreis abermals eine Flugblattvertheilung statt. Ge- nosseii, welche gewillt sind, hierbei»nitzuhelfen, werden ersucht, sich am Dienstag Abend 7>/s Uhr in folgenden Lokalen«inzu- finden: Hermann Werner, Bülowstr. 59. Restauration. Ww. L a e g e, Fürbringerstr. 22, Siestauration. Saß. Markgrafenstr. 102, Restauration. Leopold, Ntarkgrafeilstr. 39, Restauration. W i l h. Grube, Mariendorfer- n. Soln»sstr.-Ecke, Restaur. Otto Klein, Schönleinstr. 6, Restauration. Jul. Rauniann. Kulmstr. 36, Restauration. Alle diejenigen, die au» Tage der Wahl ihre Kräfte der Partei ztir Versügung stelle»»vollen, können sich in nachfolgenden Lokalen melden: Zentral-Wahlbureau Bockbrauerei, Teinpelhofer Berg. 1. Wahlbureau bei Werner, Büloivstr. 59. 2.„„Leopold, Markgrafenstr. 89. 3.„„ K res che. Fichteftr. 29. Das Wahlkomitee. Parteigenossen und Genossinue» deS 4. Berliner Reichstags» Wahlkreises,! Alle diejenigen, die am Tage der Wahl ihre Kräfte der Partei zur Verfügung stellen»vollen, können sich in nachsolgeuden Lokalen»nelden: Für den Osten: Lange, Elisabeth-»md Waßmann- straße-Ecke; W. Lock, FricdrichSbergerstr. 11; Zippke, Mar- kusstr. 14, Ecke Grüner Weg; Spieker mann, Markusstr. 6; Zabel. Franksurter Allee 90, Ecke Möglinerstraße; E. Böhl. Frankfurter Allee 72; Krause, Landsberger Allee 153; R a d t k e, Krailtstrape 43; A. B ö h l, Rüdersdorserstraße 8, Wagner, Königsbergerstr. 33; G. T e m p e l, Langestr. 65; Ungering, Breslanerstr. 27. und bei den Vertrauenspersonen R. Wenzels, Frucht- straße 30, Hos II, H. B a u m g a r t e n, Posenerstr. 4, III. Für den Südosten: Fr. Z>»beil, Naunynstr. 36- Rohr, Naunynstr. 73. T o l k d o r f, Görlitzerstr. 53, Schate r- Neichcnbergerstr. 54. Sp i n d l er, Reichenbergecstr.113. Stab er, nack. Pücklerstr. 49 und bei der Vertra»le>»sperso>, Erbe, Gör. litzerstr. 57. Auch alle diejenigen Mitglieder des Wahloereins. soivie Genossen und Genossinnen, die ein Interesse daran haben. daß am 15. Juni der 4. Berliner Reichstagswahlkreis an der Spitze aller Wahlkreise steht, ersuchen wir, am Dienstag Abend 71/* Uhr sich in denselben obengenannten Lokalen zur Flugblätter- vertheilung zu melden. Das Wahlkomitee. F» dem am borredte» Tonittaa veröffentlichten Tablea» der berliner RrichStastS- Wahlbezirke ist ein Drncksehlcr enthalten. Zum 2ä0. Wahlbezirke gehören die Häuser Nr. l5—»S der Blumen st raße, nicht nur die Häuser Nr. IS— 16. Ausruf. Ti-j-nigen Genossen deS 4. Berliner ReichStagZ- Wahlkreisei-, Südost, welche gewillt sind und Lust haben, am Donnerstag, den lä. Juni im Kreise Teltow-Beeskow- Storkow-Charlottenburg am Tage der Wahl thatig zu sein, werden gebeten, ihre Adressen spätestens bis Mittwoch. de» 14. Juni, bei dem Genossen Stuü Zu beil. Nauuynstr. 86, abzugeben. Kür diejeuige» Wähler de« 0. Wahlkreises, welche am Sonntag, de» IS. Juni, aus Versehen kein Flugblatt erhalten haben, sind an nachfolgende» Stellen noch welche zu haben: Hermerschmidt, Perlcbergerstr. LS; Ä a h r, Ge- richtstr. IS; Wihel. Elisabethlirchstraße IS; Lietzke. Schwcdterstr. 33. Gleichzeitig ersuchen wir die Genossen, welche aui Tage der Wahl, am 15. Juni, Zeit haben, sich Morgens ö Uhr an den bekannten Stelle» zn nielden. D i e Vertrauenspersonen. Frauen und Mädchen, Parteigcuossiunen l Es bedarf wohl nicht mehr einer längere» und breiten Ausführnng über die Wichtigkeit der diesmaligen Reichstaaswahl. Älufruse. Flug- blätter und Versammlungen habe» nach Möglichkeit versucht Euch vor Augen zu führen, daß es gilt, die von der Regierung ge- forderte Mehreinstellung von SO 000 Soldaten und die bierzu eriorderlichen jährlichen Kosten im Betrage von 60—70 Millionen Mark vom Volke abzuwenden. Ihr werdet nach Kräften die Erkenntniß, die Belehrungen, die Ihr empsangen habt, weiteren Kreisen mitgetheilt haben. D o n» e r st a g, den 15. Juni, an dem Tage der Entscheidung, heißt es— und das erwarten wir von jeder Frau, von jedem Mädchen auZ dein Volke— mit aller Kraft zu arbeiten, zu agitiren, daü keine Stnnme der wahren und reine» Volkspartei, der Sozialdemokratie verlöre» geht. Deshalb, Genossinen, in letzter Stunde noch: sorgt, soweit Ihr Fabrikarbeiterinnen seid, daß Euere Kollegen zur Wahlurne gehen! Unterstützt sie den Wahltag zum Feierlag zu machen. Laßt selbst die Arbeit ruhe» und stellt Euch im Dienste der sozialdemokratischen Partei! Mahnt die Säumigen zur Pflicht, vertheilt Stimmzettel. Wir erwarten, Parteigeuossinne», daß diese letzte Aufforderung keine nutzlos« sei. Gehl in die von de» Genossen errichteten Wahlbureaus, stellt Euci, dort zur Verfügung, arbeitet mit den Geiiossen Hand in Hand. Bedenkt, der Sieg der Sozialdemokratie bedeutet auch unsere Freiheit. Des- halb: Vorwärts! Mit sozialdemokratischem Gruß dieFrauen-Agitationskom missio«. Achtung, Schöueberg! Am Dienstag Abend findet hier die lehre Jlugblatlvertheilung stall, wozu sich hillbereite Genossen in nachdenanuten Lokale» um 6 Uhr melde» mögen: t o s f m a n n, Sedanstraße 10. i e g l er, Goltzstraße 43. Pinzer, Nolleudorfstraße IS. Schütze, Helm- und Erdmannstraßen-Ecke. Ferner fordern wir die Parteigenossen, iuebesoudere die noch nicht wahlberechtigten auf, am Donnerstag, den 15. Ju»i, bei der Wahlarbeit thätig zu sein, zn welchem Zweck sich dieselben um 8 Uhr jrüh an demselben Tage bei Siegler, Goltzstraße 43»inzu- siuden habe», woselbst auch das Wahldurcau für den Wahltag eiugerichlet ist. Am Donnerstag, den 15. Juni, siudel nach Schlug der Wahl(um V Uhr) die Rejultaiverlündigung in der Schloß- brauerei statt. Das Wahlkomitee. Achtung für de», Kreis Niederbariiim! Alle Parlcigenoffe» des Kreises, welche am Tage der Wahl Helsen wollen, werden ersucht, sich bei den Bertrauenspcrsonen ihres Ortes zn melden. Letzlere dagegen weiden ersucht, die Adressen der sich Meldenden an den Obmann des Wahl-Komitee'», Anton Kopp. Friedrichsberg. Bozhagencrstr. LO, gelangen zu lassen. Teltow- BceSkow-Storkow- Charlottenburger Wahl- kreiS. Alle Parleigeuoffeu des KreiseS. welche am Tage der Wahl helfen wollen, werden ersucht, sich bei den Vertrauens- persoueu ihres Ortes zu melden; letztere dagegen werden ersucht, die Adressen der sich Meldenden an den Obmann des Wahl- komitees, Genossen Hermann W ernicke in Charlottenburg, Krummestr. IS. gelangen zu lassen.— Tie Berliner Genossen, welche am Tage dcrWahl in unserem Wahlkreise Helsen wollen, haben ihre Adressen beim Genossen Fritz Zubeil, Siauniznstr. öS, abzugeben. D a s Z e n t r a l- W a h l k o in i t e e. Zur Flugblatt Vertheilung wird unS aus dem LS4. Stadt- bezirk(Händel-, Lessing-, Alto, aer-, Cuxhavenerstraße bis zur Klopsivctstraß«) mitgeiheilt, daß dort noch kein einziges sozial- demokratisches Flugblatt zur Vertheilung gelangt sei. während die Gegner bereits kräftig für Verbreitung ihrer Elimmzettel und Fluablätler gesorgt hätten. Wir können selbstredend nicht für die Richtigkeit dieser Mittheilung einstehen, immerhiii bitten wir aber die betheiligten Genossen, der Sache näher zu treten. Gleichartigkeit der Stimmzettel. Im dritten Berliner Wahlkreise haben sich unsere Genossen mit dem Komitee der Frei- sinnigen über die Wahl des gleichen Papiers und gleicher Größe der Stiinmjettel geewigt. Das Papier wird von demselben Lieferaiiteii vezogen. Auch die Rcichstrenen hätten sich der Ab- machung angeschlosse», wenn dieselben ihre SttuiuizeUel nicht schon in Steglitz beim Drucker bestellt hätten. Bebel ist erkannt k In einer Versammlung am letzten Sonntag erklärte, wie die»Volks- Zeitung" berichtet, ein Unab- häiiaiger", daß Bebel als Mitarbeiter der»Aosstschen Zeitung" ei» Jahresaehalt von 15 000 M. erhalte. Für einen richtigen ,, Unabhängigen" bedarf es nicht eiuinal der Hnndtagshitze, uin tollivüthig zu werden. Auch die Berliner Hausbesitzer werden mobil gemacht zum Kampfe gegen die Sozialdemokratie. Das Organ des Bundes der Berliner Grundbesitzer- Vereine, das„Grund- eigeiilhu»»". bringt einen Wahlansrus. der in folgender de- zeichnender Weise beginnt:„Hausbesitzer! In wenigen Tagen stehen»vir vor der Wahlurne, und da heißt es. klug die ge- gebene» Verhältniff« benutze», um für den Berliner HauSbesitz zu rette», was zu retten ist." Der eigenartige Typus der kapitalistischen Spielart, des„Berliner Hausbesitzers" zeigt sich hier;>vas kümmert ihn jedes andere Jiiteresie, welches die Menschheit bewegen könnte, er kennt nur das des Hausbesitzers, und selbst in dieser Wahlbewegung sucht er ein besonderes Pro- pichen für sich. Ebenso bezeichnend wie der Ansang ist auch der Schluß des Wahlaujruses, ivelcher also lautet:„Unser Bund, der Bund der Berliner Hausbesitzer, hat von vornherein daraus verzichtet, einen besonderen Kandidaten aufzustellen, da dies voltlo»n»in aussichtslos wäre und nur dazu führen könnte, die Reihen der staatserhaltenden Wählerschaften noch mehr zu schwächen, als dies leider ohnehin schon der Fall ist. Wähle daher im ersten Wahlgange jeder nach seiner politischen Ueberzengung. wir kennen nur eine Losimg: gegen die Sozialdemokratie. Aber wähle auch wirtlich ein Jeder! Kein Hauebesitzer sollte seine Stimmabgabe am Wahltage versäume». da er sonst nur den Sieg der Sozialdemokraten erleichtert und mit dazu beiträgt, daß vielleicht die Vertretung unserer Reicks- Hauptstadt im Reichstage eine überwiegend sozialdemokratische >vird."— Nun. die Sozialdemokratie in ihrem Giegeslause halten auch die Berliner Hausbesitzer nicht auf. - I;' Vorsicht ist bei der Ausgabe von F l u a b l ä t t e r n ge- boten, da sich verschiedentlich Personen zum Verrheilen derselben gemeldet haben, von denen anzunehmen war, daß sie das ihnen übergebene Material einfach unterschlagen würden. Mögen die betheiligten Geiiossen also sich ihre Leute genau ansehen! Mit welcher Sorgfalt die unteren Postbeamten vor dem„sozialdemokratischen Gift" bewahrt werden sollen, beweist folgender Vorfall. Am Montag Mittag vertheilte einer llnserer Genossen vor dein Haupt- Telegraphenamt in der Französischen- straße an die Postbeamten die Freilagsnummer des„Vorwärts", in welcher sich bekanntlich zwei Artikel befinde», die sich mit der Lage der Postbeamten beschäftigen. Diese Nummern wurden begreiflicherweise gern von den Beamten genomnien. Selbst- verständlich»>ag dieses Vorkommniß nun einzelnen höheren Beamten nicht lieb gewesen sein, und ein junger Postbeamter in Zivil versuchte nun. unserem Genossen die letzien vier Exemplare ans der Straße zu entreißen, uin sich vielleicht durch diese Helden- that die Zuneiguiig seiner Vorgesetzten zu sichern. Leider»lißlang das Unternehmen dieses jungen ordnungseisrigen Beamten dadurch, daß ihm unser Genosse doch wohl körperlich ge- wachsen war. Es mag ja sein, daß den höheren Beamten diese Artikel des „Vorwärts" nicht angeiiehm in den Ohren klingen, aber das ändert an de» Thatsachen der Artikel nichts. Wenn ein- zelne faiialische Stephansiünger sich Liebeskind machen wollen, so werde» sie einfach energisch zunickgewiesen, und derartige Yortommnifse erhöhen nur das Interesse für das»sozial- demokratische Eist". In der Maschinenfabrik von Ludwig Löwe, Hollmann- straße. ist den Arbeitern durch Anschlag bekannt gegeben, daß am Wahltage der Arbeitsschluß um 4 Uhr staüsindet. Da der Donnerstag zugleich Lohntag ist und die Arbeiter durch Be- gleichung ihrer Schulden beim Budiker ,c. erfahrungsgemäß noch längere Zeit nach Feierabend aufgehalten werden, so ist es namentlich den auperhalb Berlins wohnenden Arbeitern unmöglich, ihr Wahlrecht noch auszuüben. In früheren Zeiten wurde am Wahltage die Fabrik bereits um Mittag geschlossen: ist die Durchführimg dieser löblichen Maßregel mit einem Male un- möglich geworden i Im Wahlkampf regnet es von Flugblättern aller Parteien und erhält man auch von den verschiedensten Parteien Auf- sordernngcn zu Beiträgen. Auch der Arbeiter muß«S sich gefallen lassen, wenn an ihn von den entschiedenste» Gegnern Zunillthuiigen gestellt werden. Tie Flugblätter nimmt man höflich an. Beiträge für feindliche Bestrebungen zu zahle», lehnt nian selbstverständlich ab. Das ist so selbstverständlich, daß es jeder leicht begreisen müßte. Aber gerade bei den„Gebildeten" sieht liian bei dieser Gelegenheil gerade die größte Rohheil. Es ist nichts Seltenes, daß Gegner möglichst ostennbel und schroff das ihnen angeboleue Flugblatt vor den Auge» des Ueberbriugers zerreißen und mit Füße» treten und ihm selbst barsch die Thüre »eisen. Selbst Geschästslcute, die sonst wohl wissen, was die Rücksicht auf ihre Kunden erfordert, glauben ihrer eigene» Ar- beilerkniidschaft geaeiniber jeden Anstand vergessen zu dürfen. Ei» Fall für viele möge dies illuslrire». In den Laden des Schlächter- lueistcrS Heider, Grünauerstr. 31, tritt eine Kundin derselbe» und legte der Frau des Schlächlermeisters eine sozialdemokratische Sammelliste vor. Tieselbe zeichnete 50 Pf. darauf. Als ihr Mann dieses bemerkte, strich er den Name» und Betrag aus mit de», Bemerken:„Für solches Gesindel gebe ich nichts!" Daß er von diesem„Gcsindel" lebt, wird er merlen, wen» das„Gesindel" in Znlimst von seinem Laden sich ser» hält. RIxdorf. In der letzten Sitzung der Gemeiude-Vertretung theilte der Vorsitzende, Gemeindevorßehcr B o d d i n, mit, daß das Gesuch der Geincinde um Verleihung städtischer Rechte von der Regierung mit viücksichl ans die schwebende Einverlei blings- frage abgelehnt ist.(Die sozialdemvkralischen Vertreter hatten von vornherein gegen diese Vorlage, welche eine große Mehr- bclastung der»»bellenden Bevölkerung im Gefolge gehabt hätte, gestiilimt.)— Ter Kretsausschuß hat sür die hiesige Fortbildungs- schule für das lausend« Jahr eine Beihilfe von 200 M. bewilligt.— Tie Aerhandluiigeii wegen Ankaufs von Terrain zu Spielplätzen haben sich leider zerschellt und müssen daher vorläufig die be- treffende» Projekte unausgeführt bleiben.— Geuiciiidc.Verordueter Bärkner berichtet sodann über die erfolgte Untersuchung des Leitungswassers. Tie Chemiker Dr. Bischofs und Tr. Lohma»» in Berlin haben mehrsach Proben des Wassers ans verschiedenen Ortbtheileu entuoiinnen und untersucht. Stach de» abgegebenen Gutachten ist das Wasser zwar ost trübe und unappetitlich, aber nicht direkt gesuiibheitsschädlich. Die Gemeinde- Vertretung ist jedoch der Ansicht, daß das trübe, schlaminige Wasser zu Wirth- schasts- und Genußziveckeu nicht verwendbar und daher auch nicht dem Verlrage entspricht, den die Gemeinde mit den Char- lotlenburger Wasserwerken abgeschlossen hat. Es soll da- her in nächster Sitzung an der Hand des Vertrages darüber Beschluß geioßt werden, welche Schritte die Gemeinde den Wafferwerken gegenüber zu thun hat.— Als ständige Kraukeiianslalts-Koiiiniisston werden die Verordneten Johanns en, Münch«berg, Oerttel, Genosse Schulze und der Gemeindevorsteher gewählt.— Ein Vertrag mit der Ober-Postdirektion zu Berlin, betreffend den telephonischen An- schluß der Krankenaiistaltsärzle mit dem Krankenhans und dein Amtkbureau, wird geiiehmigt.— Bisher besteht in Rixdorf noch die postalische Einrichtung, daß die Beförderung der Packet« im Orte mittels Handwagen geschieht, der von einem Postboten ge- schoben werden nniß. Es»st ost empörend, wenn man sieht, wie ein alter, abgearbeiteter Postbote mit dem schwerbeladenen Wage» die steilen Nebenstraße» im Schiveiße seines ülngesichis hinaufkeucht und oft vor Erschöpsung fast liege» bleibt. Bisher sind alle Anregungen aus dem Publikum, diese» haarsträubenden Zn- ständen ein Ende zu»iachen, bei der Postbchörde ungehört ver- hallt. Die Gemeindevertretung sah sich daher veranlaßt, die An- gelegenheil ei»mal zu besprechen und wurde beschlossen, bei der Ober-Posldirektio» dahin zu petilioniren, daß die Packetbeförde- rung im hiesigen Orte in Zukunst durch Fuhriverk erfolgen soll. Nach de»» Beschlüssen der städtischen Behörde« sollen in Zukunst Geisteskranke in dringenden Fälle», in denen von den polizeilichen Organe» oder von den Aerzte» ein sofortiger Transport nach Dalldorf oder Herzberg« als unthunlich erklärt wird, vorlänsig in den Krankenhäuseri» am Urban und im Friedrichshain Aufnahme finde». In dem Krankenhause im Frictrichehain solle» demnächst die erforderlichen Räume zur Unterbringung tobsüchtiger Geisteskranker eingerichtet»verde». Flüchtig ist der Bankier Klemens August Sternberg. der als Direktor der Weimarischen Bank Potsdamerstraße 125 wohnte. Ihm wird schwere Kuppelei zur Last gelegt. Schon vor Jahre» war er wegen SittlichkeitSverbrechens verhaftet. Er ist 41 Jahr alt und verheirathet. Zu seinen Gründungen ge- hören Oelheim, die Kasseler Straßenbahn, die Skaskaer Kohlen- werk« und der hessisch-rheinische Bergbauverein. Wer weiß, wie lange noch diese Zierde der Fliianzwett, dessen Gründungen das Publikum um Millionen beraubt hat, sein Wesen Hütte treiben können, ohne wegeu seiner schivindelhaften Geschästspraktiken be- lnstigt zu werde», wenn er nicht endlich wegen eines BerbrechenS, das auf aiiderem Gebiete der Bourgeois-Moral liegt, hätte flüchtig werden müffen. AuS der Charit«« werden unS wieder«in paar Bettel- zettel für den Glöcker'schen Predigersaal eingesandt. Ein Leser unseres Blattes, deffn, Frau in der Eharitee liegt, beklagt sich darüber, daß die Patienten mit solchen Lettelzetteln belästigt werden. Ei» SchiffSzusammenstost ist am Sonntag auf der Havel bei W a n n s e e vorgekommen. Gegen 3 Uhr Nachmittags fuhr ein Schleppdampfer mit solcher Gewalt gegen eine mit Steinen beladen« Zille, daß deren linke Seite zertrümmert wurde und das Fahrzeug sank. Ter Untergang erfolgte in so kurzer Zeit, daß sich die aus sechs Personen bestehende Bemannung nur mit genauer Noth zu retten vermochte. Der Dampfer hat keine Be- schädigung erlitten. Im Friedt'iÄSHai« gefleddert wurden zwei Personen in der Nacht zum Montag. Dem Viehtreiber Schneider, Peters- burgerstr. 30, wurden, während er auf einer Bank eingeschlafen war, eine goldene Anker- Remontoiruhr und eine schwarzlederne Geldtasche mit LI M. entwendet. In derselben Weise ist in derselben Nacht und an demselben Orte der Markusftraße 37 wohnende Gelbgießer Gerlach um eine silberne Ankeruhr ge- konimen. Beide Personen haben keine Ahnung bezüglich der Thäter. Auö Furcht vor dem Schnhmann sind zwei Mädchen aus dem Fenster gesprungen. Sonntag Morgen hatte ein 23 Jahre alles Mädchen, dessen Name bisher nicht festgestellt ist, aus der Wohnung eines Kutschers in der Königin-Augustaftr. 16 etwa 80 M. entwendet und damit die Flucht ergriffen. Der Vcstohlene bracht« das Mädchen nach seiner Wohnung zurück. Da er aber das Geld nicht finden konnte, schloß er die Diebin, ein, suchte auf der Straß« nach seinem Eigenthum und fand auch seine Ersparinffe wieder, die das Mädchen sortgeworsen hatte. Ein Schutzmann wurde herbeigerufen; als dieser die Diebin fest- nehmen wollte, sprang sie aus einem Fenster des im 1. Stock belegenen Zimmers auf de» gepflasterten Hof hinab und zog sich eine Verstauchung beider Beine zu. Ein ganz ähnlicher Fall creigiicle sich geiurn Morgen in dem Hause Bergstraße 2. Die 21 Jahre alle Marie Raddatz, die dort im 1. Stock des Seiten- flügels wohnte, sollte wegen ihres Vorlebens aus Berlin ausgewiesen werven, hatte aber der zu dem Zwecke an sie ergangenen polizeilichen Vorladung nicht Folge geleistet. Als nun gestern früh ein Schutzmann zu ihrer Borsührung vor der Wohnung er- schien, wurde»hm nicht geöffnet. Als er schließlich mit gewalt- samer Oeffnung drohte, stürzte sich die Raddatz aus dem Fenster aus den Hof hinab. Auch sie trug eine Verstauchung beider Beine davon. Ter AmtSvorsteher von Treptow hat der hiesige» Polizei angezeigt, daß gestern Morgen unweit der Stralauer Ueberfahrls- stelle die Leiche eines blonden jungen Mannes im Alter von 17 bis 20 Jahren in der Spree aufgefunden ivorden ist. Tie Leiche war mit einem blauen Jackettanzug de- kleidet und in einer Tasche fand man ein mit U. gezeichnetes Taschentuch. Durch einen im schuellsteu Tempo fahrenden Wagen des Schlächtermeisters Kiesewetler in der Liebigstrabe wurde Somiabend die siebenjährige Klara Schubert in der Wrangel- straße übersahren und sofort getödtet. Der zwanzigjährige Diener deS Staatssekretärs Frei- Herrn von Malliahu-Gültz, Wilhelin Mineldorf, ist am Sonn- abend um die Mulagostunde im Gebäude des Reichsschatz-Amtes, Wilhelmstraße 61, erhängt aufgefunden worden. Welche Um- stände den Mann veranlaßt haben, in den Tod zu gehen, ist unbekannt. Marktpreise in Berlin am 10. Juni, nach Ermitte- lungeu des Polizeipräsidiums. Weizen per 100 Kg. guter von 16,40—16,10 M., mittlerer von 16,00—15,70 M., geringer von 15,60—15,30 M. Roggen per 100 Kg. guter von 14,80— 14,60 M., mittlerer von 14,50—14,30 M., geringerer von 14,20—14,00 M. Gerste per 100 Kg. gute von 17,00—16,00 M., mittlere von 15,90— 15,00 M., geringe von 14,90— 14,00 M. Haser per 100 Kg. guter von 17,40— 16,90 M., mittlerer von 16,80—16,40 M., geringer vo» 16,30—15,80 M. Stroh, Nicht- per 100 Kg. von 6,08—4,84 M. Heu per lOOKilogr. von 9,00— 5,60 M. Erbsen, gelbe zum Koche» per 100 Kg. von 40,00—24.00 M. Speisebohnen,»veiße per 100 Kg. von 50,00—20.00 M. Linsen per 100 Kg. von 80,00 bis 30,00 M. Kartoffeln per 100 Kg. von 6,00— 4,00 M. Rind- fleisch von der Keule per 1 Kg. von 1,60—1,20 M. Bauchfleisch per 1 Kg. von 1,30—0,90 M. Schweinefleisch per 1 Kg. von 1,60—1,10 M. Kalbfleisch per 1 Kg. von 1,60—0,80 M. Hammel- fleisch per 1 Kg. von 1,50—0,30 M. Butter per 1 Kg. von 2,30 bis 1,80 M. Eier per 60 Stück von 4.00—2,00 M. Fische per 1 Kg.: Karpfen von 2,40—1,00 M. Aale von 3,00—1,20 M. Zander von 2,40—1,00 M. Hechte von 2,00—1,00 M. Barsche von 2,00—0,60 M. Schleie von 2,40—1,00 M. Bleie vo» 1,40 bis 0,80 M. Krebse per 60 Stück von 12,00—1,50 M. Polizribericht. Am 10. d. Mts. Vormittags wurde im Keller eines Hauses in der Elisabethstraße eine Frau erhängt vorgefunden.— In der Neuen Friedrichstraße, an der Ecke der Königstraße, wurde«ine Frau von dem Pserde eines Schlächter- fuhrwerks umgestoßen und am Arm und Fuß verletzt, so daß fle nach der Eharitee gebracht werden mußte.— vor dein Hause Wrangelnraße 12 wurde«in sechsjähriges Mädchen durch einen Fleisch-Transportivaaen überfahren und anscheinend innerlich so schwer verletzt, daß seine Uebersührung nach dem Kraiikeuhause Beihanien ersslgen mußte.— Auf dem Neubau Danzigerstr. 88 fiel Nachmittags ein Maurer aus dem 4. in das 3. Stockwerk hinab und erlitt eine Verletzung des Rückgrats, so daß seine Uebersührung nach dem Krankenhause am Friedrichshain er- forderlich wurde.— Slbends versucht« ein Mann hinter dem Grundstück Müllerstr. 75 sich an einem Kirschbaum zu erhänge», er wurde jedoch noch rechtzeitig losgeschnitten und nach der Eharitee gebracht.— Am II. d. MlS. Morgens sprang eine Fraueuspeison auS dem ersten Stock eines Hauses in der «ünigin Augusiaftraße auf den Hos hinab und erlitt eine Ver- stauchung des Rückgrats. Sie hatte dem Woh»u»gSi»haber Gelv gestohlen und durch den Sprung aus dem Fenster sich der Fest- nähme zn entziehen versucht. Sie wurde nach der Eharitee ge- bracht.— Am Engel-User gingen NachniittngS die Pferde eines Lcicheiiivagens durch, der Kutscher wurde von seinem Sitze ge- schleudert und erlitt einen Bruch des Oberschenkels. Er würbe nach dem Kraulenbnuse Bethanien gebracht.— Im Lause des TageS jaude» süuj tleme Brände statt. Gerickks-Äsikung. Eine DiebeSbente von ca. 30000 M. war drei„schiveren Jungen" in die Hände gefallen, welche gestern in den Personen des Arbeiters Rodert N i t s ch k e, des Kellners Albert Schack und deS Schneiders Johann Mild berg vor der dritten Straf- kammer hiesigen Landgerichts I standen. Die Angeklagten ge- höre» zu den gefährlichsten Einbrechern Berlins, sie sind schon verschiedene Jahre hindurch im Zuchthause zu Sonnenbura ge- wese» und s!a»den in einem gewissen geistigen Abhängigkeils- Verhältnis zn einem äußerst gewandten und energischen Ein- brecher Namens Kerl, der inzwischen unsichtbar geivorden ist. Diesen bezeichnete gestern der Kriininalkommiffarius Braun als den größten Verbrecher Berlins, zu dessen Klientel ganz Sonnenburg gehöre.— Am Sonntag. 10. Juli v. I., Abends S Uhr, wurde in der im Hause Wilhelmstr. 10 belegenen Wohnung de» Generalagenten Haas ein bedeutender Einbruchs- diebstahl ausgeführt. Das Haas'sche Ehepaar hatte gegen 6 Uhr die Wohnung verlassen, die 5lorridorthiir sowohl, als auch einige Zimmerthüre» doppelt verschlossen. Als die Herrschast Nachts wieder nach Haus« kam, zeigte ihnen der Umstand, daß die Thüren nur noch einmal verschloffen waren, sofort an, daß in ihrer Abwesenheit«tivas Ungewöhnliches sich ereignet Tlöbe. Es zeigte sich denn auch, daß in dem Schlaf. zimmer das Bett durchwühlt, eiue Kommode und zim Schreibtische erbrochen worden waren. Aus der Kommode halten die Diebe eine Kassette entwendet, welche 5000 M. Konsols, 6600 M. baar, einen Rentenversicherungs-Schein über 50 000 M. und verschiedene Brillant-Armbänder und sonstige Gold- und Schmucksachen enthielt. Der Diebstahl ist zugegebener Maßen unter Leitung des Kerl von den Angeklagten Nitsche und S ch a ck ausgeführt worden. Kerl scheint seine Kumpane auch noch um einen Thcil ihrer Diebesbeute geprellt zu haben, denn er hat ihnen nur einen Anthcil von je 2200 M. baar zugesprochen, die werthvollsten Goldsachen für sich behalten und auch die Konsols später in London für eigene Rechnung versilbert. Die Kassette mit� dem nicht umzusetzenden Renten- Versicherungsschein haben die Spitzbuben in den Landwehr- Kanal beim Hamburger Bahnhof geworfen, und dort ist sie später im Wasser aufgesunden worden. Reben diesem großen Einbruch lief noch ein Ein bruchsdiebstahl in der Wohnung des Rechtsanwalts Hahn am Schloßplatz nebenher, an welchem die drei Angeklagten'betheiligt waren. Hier war den Einbrechern nur eine Summe von 94 Pf. in die Hände gefallen, der ffall hat aber durch die Diebesjagd, die sich dabei entwickelte, einiges Interesse. Die drei Angeklagten hatten am 27. November sich zu einem Sonntag- Nachmittags Einbruch verabredet und drangen in die Wohnung des Rechts auwalts Hahn. Sie hatten erst 94 Pf. erbeutst, als sie durch Schritte auf der Treppe gestört wurden. Sie zogen es vor, schleunigst die Wohnung zu verlassen, stürmten auf der Treppe an einem jungen Mädchen vorbei und suchten nach verschiedenen Richtungen hin zu entkommen. Das Mädchen begriff sofort die Situation, und seine Hilferufe veranlaßten die Verfolgung der Einbrecher. Zwei derselben waren schon entkommen. Hinter Nitschke entwickelte sich eine wilde Jagd; er stürmte in die Brüderstraße und stürzte sich, als er nicht weiter konnte, in den Mühlgraben. Er wurde aus dem Wasser geholt und zunächst zur Charitee be fördert. Dort blieb er vier Tage, dann gelang es ihm, zu enlspringen und sich fast vier Wochen verborgen zu halten. Der Handelsmann N e u m a n n hatte ihm in der Wollinerstr. 69 eine Wohnung gemicthet, die er vier Wochen lang nicht verließ. Für Speise und Trank sorgte in dieser Zeit seine in demselben Hause wohnende Braut, die unverehelichte Fischer, welche inzwischen im Gefängniß den Ehebund mit Nitschke geschlossen hat. Schließ- lich gelang es der Polizei doch, den Ausenthalt des Verbrechers zu entdecken. Neumann und die Fischer saßen nun unter der Anklage der Begünstigung mit auf der Anklagebant. Die Fischer wurde sreitzesprochen, weil sie eine„Angehörige" des N. im gesetzlichen Srnne war, bezüglich des Neumann wurde die Ver- Handlung zwecks weiterer Aufklärung vertagt. Im Uebrigen beantragte Staatsanwalt Dr. B e n e d i x gegen N i t s ch k e z c h n Jahre, gegen Schock und Mild berg je acht Jahre Zuchthaus.— Die Rechtsanwälte Dr. Bank und W r o n- k e r mußten sich bei der Sachlage darauf beschränke», mildere Strafen zu beantragen. Der Gerichtshof setzte dieselbe bei Nitschke auf 6 Jahre Zuchthaus, bei Schack und M i l d o e r g auf je 3 Jahre Zuchthaus fest. Soziale Tteborfirtzk. stln die Stnckatenre Berlins und Umgegend! Kollegen, nochmals erinnern wir Euch daran, am 1ö. Juni, dem Tage des Enlscheidungskampfes, voll und ganz Eurer Pflicht als Ge- »ossen und Arbeiter nachzukommen! Dieses thut Ihr, wenn Ihr am Tage der Wahl die Arbeit ruhen laßt und E.-ch unserer Partei für diesen Tag zur Verfügung stellt. Ein jeder melde sich in seinem Wahltreis bei dem betreffenden Vertrauensmann; die Adressen sind in der Sonntagsnummer des„Vorwärts" be- kannt gegeben! Ferner richten wir die Bitte an Eoch. den Auf- ruf der Vertrauensleute Berlins zu beachten. Möge«in jeder so viel wie möglich zum Wahlfonds beisteuern! Mit kollegialem Gruß Der Vertrauensmann. Achtung, Korbmacher! Am Donnerstag, den 15. Juni. ist der Tag, wo ein großer Theil von uns seine Stimme ab- zugeben hat, und da wird sich wohl jeder fragen: welche Partei ril wohl für mich die beste? Kollegen! Kaum in einer andere» Branche sind die bestehenden llebelstände so groß als in der Korbmacherei. Ucbcrlange Arbeitszeit,(14—16 Stunden pro Tag) jämmerliche Arbciteräume,(meist Keller) und wahre Hungerlöhue, das ist es, was dem Korbmacher bescheert ist. Es fragt sich nun: welche Partei ist fest entschlossen, hierin Abhilfe zu schassen? Welche Partei will die Einführung des Normalarbeilstages,«ine allgemeine Sonntagsruhe und eine Gleichberechtigung des Arbeiters überhaupt? Die Antwort kann nur lauten: Die Sozialdemokratie. Deshalb, wahlberechtigte Kollegen, tretet Mann für Mann am 15. Juni ein für die Kandidaten der Sozialdemolratie, ihr helfet dadurch eure eigene Lag» und die der Gesammtheit verbessern. I.A.: Paul Brückner, Prinzenstr. Iii. Arbeiter-Turnerbund Teutschlands! Laut Beschluß des in Gera stattgejundene» Arbeiter-Turntages wurde Unterzeichneter vom Bundesvorstand beauftraat,„eine Aolks-Buchhandlung zur Herausgabe eine? Liederbuches für Turner zu veranlassen, resp. mit einer solchen in Verbindung zu treten." Jedoch ist eine rege Mitarbeit unserer Turngenossen selbst wünschenswerlh. Dies» bezügliche Arbeiten wolle man gefälligst bis 15. August d. I. an mich einsenden. DeS ferneren ersuche ich alle Kreisverlreter resp. Vereinsvorslände. Bestellungen aus die monatlich einmal zum Preise von 10 Pfg. pro Nummer erscheinende„Arbciter-Turn- zsilung" bis zum 25. Juni d. I. an mich gelangen zu lassen. Bei Bestellungen von mehr als 10 Nummern werden 10 pEt. Rabatt gewährt. Sämintliche Mitglieder des Vorstandes und der Kontrollkommission werden ersucht, mir ungesäumt ihre Adressen mitzutheilen. Mit turnerischem Gruß Der Bundesvorstand Moriy Fromm, Vorsitzender, Leipzig-Neuschöneseld, Klarastraße 19. Arbeiterfreundliche Zeitungen werden um Abdruck gebeten. Der Streik der Bergleute FünfkirchenS dauert fort. Di« Vermilletung der Behörden ist erfolglos gewesen. Sie wird wohl auch fast» und kraftlos genug gewesen sein. Der Telegrvph bringt bereirs, wie üblich, unwahrscheinlich« Schauernachrichlen, wonach dt« Streikenden sich Ausschreitungen hätten zu schulde» kommen lassen, die daS Militär gezwungen hätten, mit der „blanken Waffe" einzugreifen. Man kennt den„Zwang" schon. Ueber den Streik berichtet die in Budapest erscheinende„Arbeiter- presse" noch: In den Bergwerken der Donau-Dampsschiffsahrts. Gesellschaft bei Fünskirchen haben 2504 Bergleute die Arbeit niedergelegt. Wie uns dieselben persönlich mit- theilen, ist ihre Lage eine aller Menschlichkeit Hohn- sprechende. Die Arbeitslöhne pro Schicht bewegen sich zwischen 50 und 90 Kreuzer, sehr seltene Ausnahmen bis l fl. oder einige Kreuzer darüber. Nebstbei ist die BeHandlungsweise, deren sie theilhaftig werden, eine empörende. Wir richten an alle Ge- «offen und besonders die Bergarbeiter des In- und Auslandes die Aufforderung, möglichst rasch Geldmittel für diese Aermsten der Armen aufzubringen, die mit Weib und Kind dem Hunger überantwortet sind. Genossen, ein jeder Kreuzer giebt einen, hungernden Kind ein Stück Brot. Sammelt also rasch! Der schnell giebt, giebt doppelt. LS00 wackere Proletarier sammt K Milien sind dem Elend« preisgegeben. Unterstützungen sind an R«dattion d«r„Arbeiterpresse" und„Nöpszava" zu richten, und n>«rd«n an dies« Stell» quittirt. Wie uns aus Bares gemeldet wird, soll der Stadthauptmann von Fünskirchen die ftreikenden Bergleute mit Abschiebungen be- droht haben, ivvzu bekanntlich kein Verstand, sondern nur eine gehörige Portion Brutalität gehört. Mit derartigen Mittelchen kann jeder beliebige Esel Stadlhauptmann spielen. Die Bergleute Oesterreich-Ungarns lassen sich durch Gewalt- alte nicht so leicht aus der Faoon bringen. Es gährt überall wieder gewaltig unter ihnen. So streikte im Kladnoer Revier eine grobe Zahl von Bergleuten verschiedener Schächte. Schleunigst hat man Militär hingesandt, weil einige Ausschreitungen vorgekommen sein sollen. Wahrscheinlich ist gar nichts Strafbares geschehen und das Militär von den feigen Zechenverwaltungen nur unter erlogenen Angaben verlangt worden. In Brünn sind in der Emailge schirrfabrik der Brüder Bartelmus, Löffelaasse, wegen einer angekündigten Lohnreduzirung zwischen den Firmeninhabern und dem Maler- personal Differenzen ausgebrochen. Die Firma hat seit kurzer Zeit zu wiederholten Malen bedeutend« Lohnherabsetzungen vor- genomnien. Zuzug ist streng fernzuhalten. Ueber eine schier unglaubliche Handlung des Bürger- meistcrS von Uetersen berichtet die„Schleswig-Holsteinische Volks-Zeitung". Die unverheiratheten Arbeiter bei der Alsen'schen Portland-Zementsabrik müssen in der Arbeiterkaserne logiren. Die Aufsicht über sie und ihre Bewirthung ist einem sogenannten „Oekonomen" übergeben, der natürlich auch Schnaps und Bier verschänkt. Dabei bleibt es nicht aus, daß der eine oder der andere Arbeiter Schulden macht. Wenn nun ein solcher Arbeiter entlassen wird, so läßt der Oekonom die Schulden sofort vom Lohn abziehen, was ungesetzlich ist. Neulich wurde wieder ein derartiger Arbeiter entlassen, dem wiederum die Schuld vom Lohne abgezogen werden sollte. Er wollte sich dies aber aber nicht gefallen lassen, und die Fabrikverwaltung, die schon einmal mit einer Klage hereingefallen war, wollte auch das Geld an den Arbeiter auszahle». Hierauf ging der Oekonom zu dem Bürgermeister in Uetersen, und dieser gab ihm eine B e- s ch e i n i g u n g, daß dem Arbeiter das Schuldkonto vom Lohne abgezogen werden könnte, was denn auch geschah. Der Arbeiter hat gegen den Lohnabzug Klage beim Gewerbegericht erhoben und wird die Verwaltung der Zementfabrik natürlich, wie schon einmal vorher, verurtheilt werde», den Abzug aus- zuzahlen. Wenn der Bürgermeister dem Arbeiter die durch die Lauferei zum Gericht diesem entstandenen Koste» ersetzen mußte, wäre es nur angebracht. Arbeiter und Ardeiteriniieu werden oft selbst dann hart bestraft, wenn sie gegen die Gesetze aus purer Un- kenntniß verstoßen. VerlÄ>»»nlu>taen; I» einer Versammlung für den 3. Wahlkreis, welche am Sonntag in den Bürgersälen abgehalten wurde, sprach der ZteichSlags- Kandidat Vogtherr über die bevorstehenden Reichstagsivahlen und erntete reichen Beifall. In der Diskussion sang ein Herr Hein, er das Lob des in einem trauten Winkel hockenden demokratischen Vereins, wo die Wasserstiefelei an, aller» energischsten betrieben werde. Einige Parteigenossen unternahmen es, zu zeigen, wie wackelig es mit der Demokratie in diesem Ver- eiuche» bestellt ist. Als dort kürzlich Sozialdemokraten an der Debatte theilnehnren wollten, sei ihnen vielfach bedeutet worden, daß sie das Lokal zu verlassen hätten. Nachdem Herr Henner ab- gefertigt worden war, nahm die Versammlung eine Resolution zu gunsten der Kandidatur des Genossen Vogtherr an. Mit einem Hoch aus die Sozialdemokratie gingen die Parteigenossen darauf auseinander. In Schöneberg sprach am Sonntag Vormittag Schrissteller Ledebour in der Schloßbrauerei vor einer zahlreich besuchten Versammlung über die bevorstehenden Reichstagswahlen. Eingeladen waren die Gegner Dr. Förster und Müller- C-chöneberg. Beide waren ausgeblieben, ersterer mit, letzterer ohne Entschuldigung- Die in der Versammlung an- sangs anwesenden Anhänger bürgerlicher Parteien verschwanden im Laufe des mit großem Beifall« ausgenommene» Lortrages bis auf den letzten, ohne ein Wort zu äußern. So sprachen zur Diskussion nur die Genoffen Schmidt. Maciejewski und grau Gubela. Die Versammelte» verpflichteten sich wiedernm, alles daran zu setze», daß Fritz Zubeil-Berlin gleich im ersten Wahlgange Sieger bleibe. Hilfskräfte für die Wahl- arbeit mögen fich melden bei Ziegler. Goltzstraße 43. Vor der Wahl findet noch eine FlugblaUvertheiluna statt, ebenso am Mitt- woch Abend noch eine Versammlung in der Schloßbrauerei, die Verkündigung des Wahlresultates geschieht ebendaselbst, am Donnernag. Die Wahllokale werden von dem Wahltomit« an den Anschlagssäulen besonders bekannt gegeben werden, worauf zu achten ist. Mit einem Hoch auf den bevorstehenden Wahlsieg der deutschen Sozialdemokratie schloß die Versammlung. Zwei öffentliche Versammlungen der Maurer nahmen am Sonntag den Bericht über den Stand ihrer Lohnbewegung entgegen. In H e n s e l's Saal, Jnvalidenslr. 1a, war Blau- rock, in den Konkordiasälen L e g e l e r Referent. Von 16 Bauten mit 432 Gesellen, wo die Arbeit eingestellt wurde, hdben ll Bauten mit 236 Gesellen nach etwa dreistündigem Siuhenlassen der Arbeit ihren Lohn von 50 Pfg. aus b2V, und 55 Pfg. er- höht bekommen. Bei den übrigen 5 Bauten mit 196 Gesellen wurde durch die Arbettsniederlegung nichts erreicht. Auf 6 Baute» mit 173 Gesellen wurde die Lohnerhöhung auf 52>/, und 55 Pfg. pro Stunde ohne Arbeilseinstellung bewilligt. Jnsgesammt haben 605 Maurer an 21 Unternehmer Forderungen geilcllt, von denen 409 Kollegen einen Erfolg erzulte», während 196 einen solchen nicht zu verzetchnen haben und theilS anderweitig Arbeit nahmen, theils noch ausständig sind. Folgende Resolution gelangte nach längerer Diskussion des Berichtes in beiden Versauimluiigen zur eiiistiniiiligen Amiahme: „Die öffentliche Versammlung der Maurer Berlins und Um- gegend ist in anbelracht der zur Zeit nothwendigen Agitation für die Reichstagswahl und der hierdurch erzeugten doppelten An- strengungei, der Kollegen mit dem bisherigen lliesultat der Lohn- bewegung zufrieden gestellt, erwartet jedoch von de» Kollegen, daß dieselben die Agitation für Verbesserung ihrer Erwerbsver- hältniffe und hauptsächlich für die Festhält ung respektive Wieder- eroberung des Stnudtnlohnes von 55 Pf. unter keinen Umstäiide» ruhe» lassen. Diejenigen Kollegen, welche wegen Atinderloh» oder unwürdiger Behandlung auf einem Bau geschlosseu die Arbeit niederlegen, haben stch nach wie vor im Bureau Andreas» straße 26 bei Wille zu melden, um dort weitere Verhaltungs- maßregeln in Empfang zu nehmen." Mit einem Hoch aus die Arbeiterbewegung wurden die Ver- sammlungen geschlossen. Eine öffentliche Wählerversammlung sollte am Sonn- tag Nachmittag in Siuhlsdorf bei Teltow in einer Scheune ab- iehalien werden. Der AmtSvorsteher verbot jedoch die Wer- ämmlung mit der Motivirung, daß eine Scheune kein zu Ber- aniinluiigcn paffender Ort sei. Beschwerde gegen das Verbot dieser Versammlung ist bereits vom Einberufer eingelegt. Die zahlreich Erschienenen mußten also, ohne be» Lieserente» gehört zu haben, auseinander gehen; jedoch viele der Dörfler wunderten sich über diesen Grund des Versa», mlungsverbvl» und erklärten, nun erst recht sozialdemokratisch wählen zu wollen. Aed-ttee-Kilduaaakchul«. DtenNaa Menb«on Uhr. Sud- Schule, Mariendorferstrabe 6(bei(Stube): Deutsch(mittel.). Südost» Schule, Reichenderserstraße ISZ: EcsegeSkunde und Deutsch(mtt). Ost- Schule, MarkuSstrabe Sl: Deutsch sunt.). Nord-Schule, Müllerstrabe l/Sa: Rechnen. Korrespondenz und Seschichle(alte). In allen Fächern, mit Aus nähme Mathemallt und Buchsühruna. können noch Schüler und Schülerinnen auch jetzt im Lause des Semesters, eintreten. zeit- und D!«k»t>rlll»b». Dienstag.„Empor", Abend» sz Uhr, bei S. Behrend, Blumenthalstr.«. Arbeiter-Sängerbund Berlins und Umgegend. Alls Aenderunzen im lvereinskalender sind zu richten an yriedr. Kortum, Manleusfelstr. 70. Dienstag, Adds.» Uhr, Uebungsstunde. Aufnahmeneuer Mitglieder.— Freund s chast i, bei OSw-Ud Berliner, Brunnenstr. m.— Olympia, Adalbertstr. s bei Sauermann.— Schildhorn, Usedomstr. ss bei Miele.— Allegro, Wrangelstr. Ui.bei Schmidt.— Alpe n g l o st e, Grüner Weg es, bei Saeger.— Bruderherz, Andreasstr.»« bei Wille— Jhn'scher Humor, Straub- bergerstrabe» bei Birk.— llnverzagjt 3, Moabit, Kronen-Brauerei.— Hoffnung 2, Deutsch- Wilmersdorf, Brandenburgstrabe bei lürätz.— Waldlapelle, Reichenbergerstr. 19 bei Roscher.— Ar better-Wai- b u«», RowaweS, Wallstrab» bei«Srtner.— Eängerlett«, Kottbuser Dammes bei A. Hille.—«reuzberg, Lichterselderftr. 7— s bei Winter.— Alte Linde, Retchenbergerstrabe SS bei Fürstenau.— Vorwärts«, Rathenow, Restaurant Zur Erholung bei W. Friesecke.— Einigkeit 2, Landsbergerstr.»t bei Musehold.— Eesangoerein der Böttcher Stein- eiche, Jüdenstr. ss bei Trielchmann.— vorwärts», Marwitz, bei Wilhelm Rölte.— Hilaria, Blumenflrab««» bei Wenk. W tederhall, Eisendahnstr. 30 bei Siegmund.— Johanni, Ostbahnhof 7 bei Schulz.— Vorwärts», Friedrichsfelde, Wilhelmstr. io bei Mombcr.— Sesangveretn Roth» Nelke 2, bei Rabe, Rupptner- und Schönholzerstraben- Este.— Schneeglöstchen t, Rixdors, Berliner- straße l»o bei Kummer.— Gesangverein Eintracht, Nieder-Schönweido, Restaurant Hinz.— Mohr'sches Doppelquartett, Friedrichsderaerstr. 19. - Gesangveretn Frohsinn in Stralau, Wräsl. Reischachffche Brauerei. — Deutsche Liedertafel, Brüner Weg 2» bei Säger.— Sauge rg ruß, Frtedrtchshagen, Blanl's Restaurant.— Vorwärts 7, Rummelsburg, bei Borgmann.— Epheu, Asterftr. 12» bei Slümle.— Wesangvereln „F r« t h e 1 1 j", Bülvwstr.«s bei Richter.— Gesangverein„Echo 2" 9 Uhr Abends Uebungsstunde bei Reimann, tzllle Schönhauserstr.«».— Gesangverein GerechUgkett Westen, Bülowstraße 56 bei Werner.— Arbeiter- Männergesangveretn„S ä n g e r k r e t s" Wetbensee, Köntgs-Ehaufsee«s, bei Brennert.— Gesang- und Theaterverein„Acacie"(gemisch. Chor). Stnlitzerstr. s«, bei St. Henle.— Arbeiter-Gesangverein Freiheit 2, Adlers- hos, Restaurant Kuhle.— Fr e l e S L i e d i, Friedrichsberg, Frledrich-Karl- stiaße It bei Heineste.— W a ch t a u f Wörlher- und Rykestraben- Ecke bei Schmidt.—„Lustig» Bänger" in Potsdam, Brandenburger Kommuni- tation I«.—„B l u m e n l e s e", Sebasttanstr.», bei M»ier.— Frethett 3 Bernau, im Schützenhaus.— Freie Glocken, Wariannenftrah«»t—»2 bei Doberstein.— Seneselder, Landsbergerstr. st bei Teehausen.— „Berglbmeinnlchl" bei(Bünte, Schul- und Ererzierstraben-Ecke.— Doppel- Quartett„Dämmerlicht", Franlsurter Allee m bei P. Beyer.— Echo», Zehlcndorf, Karlstrabe bei Regler. Kund der grirUigen Arbeit, ruerein» Kerlin««nd Nmgegrnd. All« Zuschriften, den Bund betreffend, slnd zu richten an P.Henkel, Bergmannflrob« 2l, Hof z Tr. Dienstag. Slalllub Kreuz-Solo bei Ratke, Andreasstr. is.— Thealerverein B lumen l es e bei Sommer, Stall- schreiberstr. ss.— Geselliger Verein H o fs n un g bei Fröhlich, Raunynstr.«S, alle l« Tage.— Tainbourveretn Wirbel, bei Müller, Gartenstrab«»2.— Louisenstädtischer Theaterveretn F r o h s i n n bei Möhring, Admiralstr. tsc.— Tambouroereiii Deutsche Eiche bei Riederschuh, Furbringerstrabe 7.— Tambour- Verein Borussia bei Scholz, Weidenwea, Ecke Mögltnerstraßc. — Bergnügungsverein Klimbim bei Bredlow, Bülowstr. od.— Tambour- verein Ruf bei Sperling, Znselstr. l.— Vergnügungsverein Amor II bei Bergemann, Prinien-Alle« iv.— Musttverein Hoffnung, bei Dreßler, Etsenbahnstr. o.— Geselliger Verein M e h r Li ch t bei Goltz, Gr. Franl- furterstrab« t3».— Geselliger Musitdilettaiiten-Verein Münster mann, bei Wille, Höchste,»sa. Uebungsstunde und Aufnahme neuer Mitglieder.— Schüsenverein Freilugel, Skaliyeriir. s« bei Henle.— Theaterverein 'reundlchast, Abends 9 Uhr beim Anhaltiner, Tempelhofer Ufer.— auchtlnb Elvira, Abends» Uhr Friedrichsseldersir. 2« bei Lehmann. «besang-, Gurn- und gesrUtge Kerrin». Dienstag, Gesangver»in Analr eon, Abends«— tt Uhr, bei Keßner, AnnenftraKe IS.— Musttverein Nord«j(— U Uhr, Wriezenerstr.», bei Sendle. Turnverein Gesundbrunnen. Die t. Männer-Abiheilung turnt vvn »1— lol Uhr in der Turnhalle des Lcsstna-Gymnastums. Pantstraße«— to.— Berliner Turngenossenfchasl. Die». Mannerablheilung turnt jeden Dienstag und Freitag in der Genieindeschule, Biumenstr. osa. Theater- Berein Othello 2 Abends»Uhr, dei TäflerS. Garlenslr. 13-1«. — Prirat-Theater-Grselllchast Berliner Humor, Abends 9 Uhr, Köpnlcker- straße ts3 bei Buchs.— Privatlhealerverein Erescend» Abends, bei Nicolay, Eliiabeihlirchstr. 1«.— Theaiervereln Bullania bei Tager, Gartenstrabe>3— I».— Thealerverein Vuita nig ll Abends»z Uhr Aster- straße u« Borstäditsche«»aslno. m VergnügungSverew Ami-ilia,«X Uhr, bei Schönnagel, Barntmstr.«7. — Veranügungsverein Reichskrone, AbendS o Uhr, in Reichert s Fest- sälen, Miillerslr. 7.— Gelelliger veretii Brüderschaft, im RestaurMil Deutscher Reichsadler. Bensselstr. 9.— Bergnügungsoerein Saturnalia, heute Abend» Uhr, Ranpachstr.».— Vergnügungsverein Fidelio. Alle Ttenstag Abends g Uhr Sitzung mit Damen bei Seifert, Oranie»- straße 2t.— Geselliger Aerein„Mehr Li cht"'- Abends» Uhr, Grobe Franksurterstr. m bei Golds.— Touristcnklud„30 an der last", Abends»Uhr, Franlestlstr. und SchL>ihaus«r-Alle»-Ecke.— Geselliger Arbeiterverein Hoffnung Vereins lvlai(Süddeulscher Brauerei- Ausschank) Reichenbergerstr. 21. Jeden Dienstag, alle u Tage, Abends 3 Uhr. «eselligir Verein Regina Sitzung mit Damen Oranicustr.«33 bei Schon- waider.—. V-rgnügungSverein L u n a. Jeden Dienstag Sitzung bei Haberecht, Groß» Frantfurierstr. ao, Ftdeltta». Musit-DUetlantenveretn„Prezivfa", jeden Dienstag, Abend» SX Uhr, Uebungsstunde in Schcstler'S Restaurant, Retntckendorserstr. 2S. Ausnahme.— MMSm- e �-" Qi-"! völ(4. ijCCUUC/ gtthertlub�„F�reih eitSllänge" jeden Dienstag Slbend Äposielkirche ZUherverein„Einigkeit". Dienstag AbendS» Uhr bei Poll, Adalbert- straße 2t: UedungsiUntde..„.,„, Orientalischer Rauchllud Spar- und Kreditve r»tn. Abend? 3 Uhr, Reiche» berg, istraße u, bei Schröder.— R-uchllub Dammerwoll«. «östhstr. il.- Rauchllub Bruderbund. Abends 9 Uhr, bei Stabernast, Piistlerstr.«».-Rauchllub Zeit gel st. AbendS» Uhr b«t Kaspar. Restaurant i Kerliner Sildhauor. Dienstag, den u. Junt. Barsammlung. Ersatzwahl de» zweUen Vorst, enden und«ieinbildhauer-Adend.(Stehe Annonce.) ___>W_____■{__________ �________ Dienstag dei Wuitle, Graudenzerstr. 2.— Rauchllub Abguß 1. Abends 3X Uhr bei vlawrod Marlusiirabe 23.— Rauchllub„Gruna Lina st e, Dienuaa» Uhr AbendS, Münchebergerür. 2», Mestauralton»chmelst. Rauchllub Eldorado Abends bX Uhr Am Ostbahnhos 7 beim Restauralenr ■Schm». Tainbourveretn Rothe Relle, Dienstag und Freitag, Ab«nd»» Uhr, bei Thiele, Brandenburgstr. s«.- Tambourverein Btllor ta. Uedungchtund- Dienstag und Freitag,'Ausnahme nur geübter MttgUeder. Dtümle 7.� au- rant. Ackerltr. I2S.- KegelNud Ftdello t, Klubhaus Süd-Ost» Falsteirsletn straße«i, jede» Ttenstag 3X Uhr._... Schütze. werein„Freilugel". Jeden Ditnstag vor dem l> und ld. jeden Monats,«dmiralslrabe de, Lalow. SztveckzfÄctl: DI« Redaktion stellt die Benutzung de« Sprechsaal«, sowelt»er Raum dafür abzugeben ist, dem Publtlum zur Besprechung von Angelegenheiten allgememe» Interesses zur versügung: sie wahrt siä>»der glelchzeUig dagegen, mit dem Inhalt desselben tdemtstzlrt zu werden. AndieArbeiterBerlinsl Nachstehendes diene den Arbeitern, speziell den Schuhmachern Berlins, zur Kenntniß. Von Seilen der allen Agitationskontmission ber Schuhmacher Berlins (unabhängige Richtung) zirkuliren schon seit fast einem Jahre Sammelltsten mit der Ausschrist:„Sammelliste zur Ausbringung der Verthetdigllitgskosten unserer inhaftirten Kollegen". Das Wort„inhastirten" ist durchgestrichen. Da diese Sammelei gar kein Ende nimmt und wir überhaupt nicht wissen, wo das Gelb bleibt, warnen wir die Arbeiter hiermit davor, auf diese L i sl e n zu zeichnen. Der Stempel Agitaliouskomniission der Schuhmacher Berlins ist einfach und ohne Kranz. Von unserer Seite, der sogenannten neuen Agitationskvntmission sind auch Listen int Unilauf, jedoch ist daraus vermerkt„Zur Aufbringung der Vertheidigungskosten für die Kollegen Gerlach, Büttner u. Gen." Die Anklagen rühren vom Slreik in der Mauff'schen Schuhfabrik her, der Stempel„Agitationskoinmission der Schuhmacher Berlins" ist, was ausdrücklich bemerkt sei, mit etilem viereckige» Kranz umgeben. Da Unabhängige, welche die allen Listen sühren, denen, ivelche darauf zeichnen, vorreden, das Geld s,i für unsere Kollegen Gerlach und Genossen bestimmt, so erachten wir es als unsere Pflicht dies den Genossen Berlins be- kannt z» geben und sie zu ersuchen, genau acht zu gebe», aus welche Listen sie zeichnen. Im Auftrage: Heinrich Lau. Naunynstr. 72 bei Theodor Metzner. Literarisches. Der Militarismus im Deutschen Reich. Eine Anklage- schrift von einem deutschen Historiker. Stuttgart, Verlag von Robert Lutz. 1893. Preis 60 Pf. Eine wirklich über- zeugende Zusammenfassinig der schweren Schädigungen mate- rieller und sittlicher Natur. welche der Militarismus dem deutschen Volle zusügt, eine Anklageschrift im wahren Sinne des Worts. Obgleich der Verfasser hinsichtlich seiner sonstigen politischen Anschauungen nicht völlig auf dem Boden der sozialistischen Partei steht, kann die Anschaffung der kleinen Schrift doch einem jeden unserer Genossen empfohlen werden, der über die brennende Frage des Militarismus sich unter- richten will und Veranlassung hat, in den zweifellos noch längere Zeit andauernden Meinungskämpfen darüber das Wort zu nehmen. „Es werde Licht!" Von diesen Poesien LeopoldJacoby's, die mit glühender Begeisterung den Enterbten und Unter- drückten den nahenden Tag der Freiheit verkündigen, ist bei M. Ernst in München die vierte Auflage erschienen. Sozialpolitisches Zentralblatt, herausgegeben von Dr. Heinrich Braun(Carl Heymanns Verlag in Berlin, vierteljährlich 2,50 M.). Tie soeben erschienene Nr. 37 hat folgenden Inhalt: Die Rückerstattung gezahlter Renten.— Katholischer Kursus über praktische Sozialpolitik.— Zur Lohnstatistik in Oester- reich.— Die Gewerkschaftsbewegung in Ost- und West- Preußen. Von Br. Poersch.— Armenpflege und Miethzins- zahlung. Von Max May.— Deutscher Verein für Armen- pflege und Wohllhätigkeit.— Elberfeldcr System in Reichenberg.— Almosen und Wahlrecht.— Die Maßregeln gegen die Cholera.— Volksschulbäder in Hanau. Von Handelskammer- Sekretär Nud. Boedicker.— Deutscher Verein für öffentliche Gesundheitspflege.— Arbeitshygienische Untersuchungen in England.— Fürsorge für Genesende.— Preisausschreiben betr. Mäßigkeitsbestrebungen. — Studienreise.— Gewinnbetheilignngs-Projekt in Algier.— Abdruck sämmtlicher Artikel ist Zeitungen und Zeitschriften gestattet, jedoch nur mit Angabe der Quelle. Vertttisrlikes. Ju Graudenz brach in dem Delikateßwaaren-Geschäft des Kaufmanns Albrecht am Sonntag früh Feuer aus, das alsbald das nebenstehende Rathhaus ergriff und vollständig in Asche legte. Auch zwei benachbarte Geschäftshäuser sind gänzlich ausgebrannt. Der Kaufmann Albrecht ist in den Flammen umgekommen. Trotz der durch das Militär geleisteten Hilfe konnte man des Feuers bis Montag früh nicht Herr werden. Man vermuthet. daß Brandstiftung vorliege. Die im Rathhause vorhanden gewesenen Aktenstücke konnten in Sicherheit gebracht werden. Ein Scheusal von einer Mutter wurde, wie die„Frank- furter Zeitung" meldet, im Orte Hölting bei Innsbruck entdeckt. Ihr klerner Sohn hatte sich ein ganz geringfügiges Vergehen zu Schulden kommen lassen. Nachdem sie ihn ordentlich gezüchtigt, führte sie ihn Abends hinauf ins Gebirge. In einem Walde ließ sie ihn unter dem strengen Verbote, ja nicht ins Dorf hinab- zukommen, allein zurück. Die Nacht war sehr rauh und regnerisch, oben auf den Höhen schneite es.... Am Morgen, als der Mehner von Hölting in die Kirche gehen wollte, um zu läuten, fand er am Friedhof auf den Stufen«in erstarrtes Knäblein liegen. Er trug es in seine Wohnung, legte es in'sein Bett und schließlich gelang es. das Kind wieder zum Bewußtsein zu bringen. Furcht und Kälte hatten es wieder hinabgetrieben zum Dorfe, das es nach vielen Kreuz- und Querzügcn durch die Wälder endlich erreichte. Am Friedhof war der Knabe dann zusammengebrochen. I» Gothenburg sind 04 Personen an den Pocken er- krankt. Ein zweites Wikinger-Schiff, dem in dem Grabhügel bei Gokstad gefundenen ähnlich, ist auf dem Felde des Hofes Klanstad in Thädling in Norwegen beim Auswerfen eines Grabens entdeckt. In Montpellier(Siidfrankreich) sind am Sonntag zwei Todesfälle infolge von Cholera vorgekommen. Außerdem sind zahlreiche Fälle von Typhus festgestellt worden. Sechshundert Sträflinge, welche in den Steinbrüchen von Tura bei Kairo arbeiteten, versuchten zu entfliehen. Dreißig wurden hierbei von den Wachmannschaften durch Gewehrschüsse getödtet, elf entkamen, die Uebrigen wurden wieder eingefangcn. In Washington ist am Freitag das Gebäude, wo sich früher die Ford'sche Oper befand, und in dem jetzt Bureaux der Regierung untergebracht sind, eingestürzt. Von den 300 An- gestellten, welche sich in dem Gebäude aushielten, sind, wie bis jetzt festgestellt ist, 25 Personen getödtet und 60 verwundet worden. Man befürchtet, daß noch mehr als 20 Personen unter den Trümmern begraben liegen. Vvieflmlken dvv Vedakkion. RrbS, WeißenfelS. H. ist nicht gekommen. M., Bares. Davon ist uns nichts bekannt. F. Bytomski. Schaaf und Schumacher. P. A. Angekommen. Maßgebenden Personen überwiesen. Gruß. O. K., Kommandautenstr. Da sehen Sie den Annoncen- theil nach. DttiefKafken der Expodikion» In unserer Expedition gingen zum W a h l f o n d s ferner folgende Beträge ein: Kringler 1,—. A. Knoefel und Frau 1,50. 2 Sargtischler aus der Steinmehstraße(L. B., H. E.) I.—. Tischlerei von Zahn 6,55. Gesammelt in der Weberei F. Paatz 15,15. Arbeiter der Rosenberg'schen Maschinenfabrik, 2. Rate 9,40. Gesammelt durch R. Dölling, Hochstraße 1,20. Liste Nr. 0496 durch Gut- knecht abgeliefert 3,50. Freiwillige Beiträge und Bierprozente der Buchdruckerei Janiszewski u. Quitt 9,—. Gesammelt in der Broncewaaren- Fabrik Nielbock u. Heeß 3,50. Pianofabrik I. Pfaff 4,70. E. B. 1.—. Putzerkoloune Fr. Blum und Gen. 10,—. Berlin und Spandauer Agitation. Ueberschuß von Schnaps und Auktion einer Weißen durch Moegelin 3,90. G. S., Hannover I.—. 2 Halbrothe 1.—. Rothe der Friedrichstraße, nahe den Linden 2.20. Gesammelt bei einer Geburtstagsfeier im Rauchllub„Gemüthliche Rauch- wolle" Moabit 2,50. Gesangverein„Deutsche Eiche" 50,—. Arb. d. Stockfabrik v. Retzlaff, Königsbergerstr. 32 5,10. Piano- fabrik Nöske u. Co. 3 Tr. 9,—. Ein Sohn des Volkes 2,—. Aus einer rothen Verlobung, Kleine Andreasstraße 1,65. Bei der Kremserpartie der Ethischen Gesellschaft in Birkenwerder: Ainerik Auktion und Stockumreißen 19,70. F. u. W. Luisenstraße 2,—. Putzerkolonne Schröder 3,50. Putzerkolonne Bau Kaserne Char« lottcnburg 8,20. Böttcher bei Lindner Ripdorf 4,—. Rothe Stecher vom Landsbergerthor 1,50. P. Scr. einem Staats- beamten abgeknöpft—,50. Ges. von der Huckerkolonne v. Neubau Augsburgerstraße, Charlottenburg 3,65. Putzerkolonne Müller, Rammlerstraße 6,—. Malerwerkstatt Baars, Alexandrinen straß e 14,05. Die rothen Schuhmacher aus der Aleranderstraße, Vogler 6.50. Einige Klempner und Sattler 3,40. Bildhauer von Pfaff, mit Ausnahme der 7 aus dem Krankensaal 8,—. Tischlerei Schützenstr. 68 2,50. Am Biertisch, ges. b. W. Thierbach 3,55. Kraft'sche Werkstatt 6,—. Rothe Kegler 1,50. Skatverein 15,— Q. IV 3,—. Max und Moritz. 2. Rate 2,—. Die blauen Schafs- köpfe 1,60. 4 lustige Typengreiser beim Kegeln und Schafskopf 4,—. Von den Möbclpolirern bei Kiehle, Schwedterstr. 5 2,—. Arbeiter- Bildungsschule Südost 11,05. Müller, Kottbuser Damm 4,—. Für Budikerschulden von Müller 1,90. Mehrere Hutmacher 3,10. Ges. Pianofabrik Schütze 5,80. Fechtklub„Nordost" Berlin 30,—. Von einen gemaßregelten von 1878, Weidenweg 11 10.—. Rothes Ehepaar 1,—. Vom geselligen Verein„Jtalia" 6,90. G. K. Str. 4 d. F. Gleinert 5,00. Verspätet von Bau tischlere! Gebr. Schaar durch F. Gleinert 19,50. Von den rothen Athleten „Liberia" 1,50. Vier Gegner der Militärvorlage aus Moabit, darunter 2 Frauen H. H. O. P. 1,50. Die Bauern beim Vieh- hos durch Thieme 3,40. Bildhauer-Werkstatt, Alte Jakobslr. 3 4,00. Personal der H. S. Herrmann'schen Buchdruckerei VI. 19,35. 2 Metallarbeiter L. G. 3,50. Aus der I. C. Psaff'schen Möbel- sabrik: Von 2 Tr. 3,05. Von 4 Tr. 6,15. Von 1 Tr. 4,10. Von den Maschineuarbeitern 1,85. Gotlhilf Naucke 5. Rate 12,30. Von den Steinmetzen- Platz Metzing 14,—. Arbeiter und Arbeiterinnen der Firma Werner u. Schumann 4,25. Tie Rothen Landsbergerstr. 120 2,40. Buchdrucker F. u. M. 1,30. Personal von Otto v. Holten 10,—. Ges. v. d. Proletariern von Jul. Herzfeldt, Alexandrinenstraße 3,—. Arb. d. Zigarren- sabrik Hinge 10,—. C. E. L. 10.—. Putzerkolonne Magazin- straße 17 3,—. A. S. 1,—. Parteigenossen Zionskirchpl. 20,—. Max Goepel 3,—. Ges. von A. G., II. Rate 4,75. Maler- Werkstatt F. Neumann 7,—. Tischler Luisenufer 6,25. Tischlerei G. Zoch, Tresckowslr. 17 5,25. Geburtstagsfeier A. M. 1,—. 2 Moabiter 2,—. Troppauer Genossen, Oesterreich-Schles. 7,25. Steinbildhauer W. L. 7,45. Arbeiter der Möbelfabrik Roggen- sack, U. State 7.85. A. Liebe 9,95, Gesammelt bei einer Ge- burtstagsfeier 4,95. Pianosabrik Jrrgang u. Ko, V. Rate 9,75. Heinrichsplatz 3,—. Summa 590,33 M. Bereits quittirt 7686,30 M.; in Summa 3277,15 M. Sozialist. Uebergeben Sie die Zeitungen doch dem Ver- traucnsmann Ihres Wahlkreises. Leo. Ihre Postanweisung ist allerdings schon im vorigen Monat bei uns eingetroffen, enthielt aber keinen Hinweis für die Verwendung des Geldes. In der heutigen Abrechnung ist der Betrag quillirt. Der Kuhhandel. Zur Wahl 1393. Preis 10 Pf. 32 Seiten illustrirt Zu beziehen durch alle Spediteure u. Kolporteure. sowie vom Verlag: g. Buke, City-Passage.[4263L, v. r. e. m. Gut! Die Maummchsohle! Diese imprägnirto, gesetzlich geschützte Ledersohle ist die, Erfindung der Neuzeit ans dem Gebiete der Lederindustrie! Dreifache Haltbarkeit garantirt! IMt M?" Vollkommen masferdicht k~WKS_ Kei jedem Kchnhwerk verw'-'dbar! TM und Billig! Biiligl Der Preis des Paares für Herrenstiefel 1 Mk. 50 Pf. Für Damen- und Kinderstiefel entsprechend billiger. Die Preise verstehen sich per Kasse oder Nachnahme.— In jedem brffrren Schuh- waaren-, Gummi-, Leder- und Eisenwaaren-Geschäft zu finden. Mr Hchuhmachrr und Händler erhalten Nabatt! MllI Mir»ersenden 1 paar probefohlen fiir L MK. fre. ■ Thatsachen beweisen! M- Man lese«ntenstehrnd» notariell beglaubigte Attest»! Zahlr. Anerkennungsschreiben und andere Atteste stehen zur Verfügung. Gin Versuch Kann nicht« schade« und ist billig. Man beliebe Bestellungen zu richten an die SohiHSuiter& Co- Lothringer-Straffe 88/80. Telephon Amt III 2331. Fillelen: Emdenarstr. 50, Strelitzerstr. 18 III, und Bülowstr. 38. Eigene Besohlungsanstalt. Hierdurch bestätige ich. daß die von Herrn Sel,nsu«l«i> er- fundene imprägnirte Ledersohle gegen die bisherigen guten Kernledersohlen eine-t—4sache Haltbarkeit besthe». Es ist dies dadurch konstatirt, daß ich die Schnauder'schen imprägnirten Leder- sohlen fast ei» ganzes Jahr getragen, während ich früher die bestrn Herusohle» stet» in 8— 10 Wochen durchlaufen hatte. Dies bezeuge ich der Wahrheit gemäß. Würzen, den 10. Mai 1893. Bdurd Döschner, Sergeant i. Kgl. Sachs. 3. Jäger-Bat. Nr. 15. "■äi Herr Ednard Döschner, Sergeant im Königl. Sächs. 3. Jäger- Bataillon Nr. 15 zu Würzen, mir. dem unterzeichneten, in Würzen wohnhasten, Notar von Person bekannt und verfügungsfähig, hat heute vorstehende Urkunde vom 10. Mai 1893«ach Inhalt und seiner Uamenounterschrift anerkannt.(4287L» Würzen, am 18. Wai 1803. Heinrich Eduard Taubert, Königlich Sächsischer Aotar wcan veneoe-oeyenui WnWn-Mil Presskohlen anerkannt beste Heiz- krast, wenig Asche gebd., Marke Centrum 3,30 M., beste Senftenberger Mariekohle 4,50 M. ab Platz, frei Haus Keller 50 Pf., frei Boden 70 Pfg. pro Tausend mehr. Borstehende Preise bis I. Juli. Griacheicen& Co., Kottb. Uler 30. Probekohlen frei ins Haus. f352b ReAii>rmV°»,S straße 130. Gewissenhafter Rath in allen Angelegenheiten. Unbemittelten unent- geltlich. Auch Sonntags. 293 IL" Größtes Lager Berlins »Andreaostr. 83. Hp vis in der ganzen Welt rühmliclist bekannte 4181L* „Helm-Putzpomade" ist nur unser Erzeugniss. Dosen mit anderen Helmen und nicht mit unserer Firma tveise man als werthlose Nachahmungen zurück. Fertige Betten, Unterbett, 2 Kopskiffen, mit gereinigten neuen Federn, 18 Wir. Fertige Inlrt», Bettwäsche. Matratzen, alle Arten Stepp-, Schlaf- u. 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I. als erster Vor- sitzender und Lieferant des Consttm Uereins„Wedbing" fungirte und sein Amt freiwillig niederlegte, erlaubt sich dem geehrten interessirten Publikum Aufklärung über den Grund seines Austritts zugeben. Der Consum-Verern„Utedding", nach dem Muster anderer Cottsum-Kereiue nennt in seinem im April d. I. ausgegebenen Zirkulär den erern eine WchlsahrtseilMlhtttllg für Ks fausevlie Publikm, woraus demselben ilOjlCll entstehen sollen. Es werden aber bei einem angenommenen Umsatz von 4000000 M.pro Jahr, wozu ca. 5000 Mit- glieder mit einem durchschnittlichen Wochenvcrbrauch von 15 M. gehören, drin 1. Uorsiffende« 40tK» M. „ 8. Korfttzrndrn 4000„ „ lUnhnutcn 8000„ „ Aufpchtnrnkh 4000„ fiir Markenverkauf 4000„ „ Keklame«. f.»v. 8000„ Zusammen 86000 M. gezahlt. Eine gewiß ansehnliche Summe, welche von den Mitgliedern getragen werden muß. Zu obigem Umsatz würden 100 Lieferanten genügen, welche monatlich ca. 3400 M. umsetzen, darauf würden dieselben 5 resp. 10 pCt. durchschnittlich 6 pCt. Rabatt zahlen, was für zeden Lieferanten pro Jahr 2400 M. ausmachen würde. Aus eigener Erfahrung weiß ich, was auch jeder andere Geschäftsmann bestätigen wird, daß bei der heutigen Geschäftslage ein Geschäft gut zu nennen ist, wenn es die Unkosteu deckt und es daher unmöglich ist bei reellem Gewicht und Lieferung guter Maare eine so hohe Summe abgeben zu können, deshalb ist jeder Consum-Lieserant gezwungen theurer zu verkaufen oder schlechtere, sogenannte Schleuder-Maare zu liefern, womit dem Käufer doch nicht gedient ist. Da ich es mit meinem Gewissen nicht vereinbaren konnte, als Vorsitzender des Consum-Vereins„Wedding" die Mitglieder auf Vor- theile hinzuweisen, von denen ich selbst nicht überzeugt bin, so habe ich das gewiß recht einträgliche Amt als 1. Vorsitzender dieser Wohlfahrt»- »inrichtung niedergelegt und bin aus dem Verein ausgetreten. 4317L* Cöslinerstr. 10, Ecke Wiesenstraffe. junge, 1 Mark. Schnelle, I" Dr. Hcesch, Homöopath. Arzt wtlllUk/ Skalitzerstr. 132. 43538'' Linienstr. 149. 8-10, 6-7, Sonnt. 8-10 Verantwortlicher Redakteur: Wilhelm Schröder in Berlin. Druck und Verlag von Max Babing in Berlin SW., Seuchstraße 2.