»*♦106. iltennementS'Redlngungen: SffionnemcntS> Preis pränumerando j ZZierleljShrl� 3,30 Mi., monald l,10 Mk. wöchentlich W Pfg. frei ins HauS. einzelne Nummer 5 Pfg Sonntags. nummer mit illustrierter Sonntags, Beilage»Die Neue Welt" lll Pig. Posl- Nbonnemenl: l.lll Mark pro Monat. Eingetragen in die Post.ZeitungS. Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich> Ungarn Mark, für das Übrige Ausland lZ Mark pro Monat. PostabonnemcntS nehmen an: Belgien, Dänemark, Holland, Italien, Luxemburg. Ponugal, " nänien, Schweden und die Schweiz, S7. Jahrg. CrMieint tZgllch außtr montigs. Berliner Volksblntt. Ott TnfertlonS'GeMIbr Bettagt für die fechsgespaltcne Kolonek- geile oder deren Raum bo Pfg, für politische und gewerkschaftliche Vereins« And VersammlungS-Anzeigen L0 Pfg. „Uletne Snreigen", das erste(fett- pedrulltc) Wort 20 Pfg, jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlaf« st-llea-Anzeigen das e«"» Wort lv Pfg. jedes weitere Wort K Pfg. Worte über lb Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis K Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet, Zelegramni-Adresfe: „Stzlaldmolirat Berlin" Zentralorgan der Ibzialdcmohratifcben parte» DeutfcMands. Redaktion t 831. 68, Lindcnstrasac 69» Fernsprecher: Amt lV» Nr. 1S8S. Sonntag, den 8. Mai 1010. Expedition: 831. 68» Undcnatraaee 69» Fernsprecher: Amt IT, Nr. 1984. Eduard VII. London, 7. Mai. König Eduard VII. ist Freitag«acht um II Uhr 15 Min. gestorben. Der Tod Eduards VH. erfolgt in einem Augenblick, in dem das englische Königtum nach einer längeren Periode der Einflutzlosigkeit, der Beschränkung auf rein repräsentative Funktionen, wieder zu einer Stellung von politischer Be- deutung und Gewicht geworden ist. Kein Wunder, daß die meisten zu der einfachen Erklärung greifen, daß dieser Wandel, der gerade in England, dieser Republik mit einem lebenslang- lichen Präsidenten an der Spitze, so auffallend ist, der überragenden Persönlichkeit des Herrschers geschuldet sei. Das staatsmännische Geschick, der>velt männische Takt des Königs habe die Erhöhung seiner Stellung bewirkt und den gewonnenen Einfluß zum Nutzen des großen Reiches klug zu verwerten verstanden. Und wie ein leiser Unterton des Neides klingt es durch die Nachrufe der deutschen Presse vornehmlich, daß die Führung des eigenen Landes nicht in gleich klugen und leisen Händen gelegen, daß mancher Erfolg dem englischen König nur geglückt, weil er bloß Fehler eines anderen auszunützen brauchte. Eduard VH. mag eine bedeutende Persönlichkeit gewesen sein und den Psychologen mag es locken, bei der Betrachtung zu verweilen, wie eine allzu lange Wartezeit den politisch Interessierten und Begabten dazu führte, ein König im Reiche der Mode zu werden, als Stern am Himmel der Lebewelt zu glänzen, bis dann dem Sechzigjährigen erst das Feld der Be tätigung sich eröffnete, auf dem die lang zurückgehaltene Leidenschaft für politische Arbeit und Leistung nachzuholen versuchte, was diesem Leben so lange versagt geblieben. Aber das Urteil über die Persönlichkeit eines Königs hat mit zu viel Unbekanntem zu rechnen, als daß es als gesichert gelten könnte. Wenn es das Unglück der Könige sein soll, daß sie die Wahrheit nicht hören wollen, so mögen diejenigen. die alles geschichtliche Geschehen auf einzelne Persönlichkeiten zurückführen zu können wähnen, es als Unglück beklagen, daß auch die Wahrheit über die Könige den Zeitgenossen der schwindet hinter der künstlichen Mache, die das Bild der Könige den Zwecken der Herrschaftsinstitution gemäß zu formen weiß, in der Gegenwart, wo das Bürgertum so königsfromm geworden, mehr und leichter als jemals. Uns aber, die wir bei der Betrachtung politisch wirkender Personen gewohnt sind, nach den sozialen Zusammenhängen zu fragen, in denen ihr Wirken steht, nach den Motiven ihres Handelns und den Interessen, in deren Dienst sich ihr Wirken stellt, uns will es scheinen, daß Eduard VII. nur in die Scheuer gebracht, was reif geworden war und nur die Gunst von Verhältnissen ge nossen, die ohne ihn und sein Zutun geworden. Deshalb soll sein politisches Geschick nicht geleugnet, sondern nur sein persönlicher Anteil auf das allein richtige Maß zurückgeführt werden. Denn nicht leugnen will die Rolle der Persönlichkeit die materialistische Geschichtsauffassung, sondern sie nur aus den sozialen Verhältnissen, aus den Klassenkämpfen der Zeit begreifen und sie so verstehen lernen und begrenzen. Eduard VII. kam im Frühjahr 1901 zur Regierung, und das Jahrzehnt, das seitdem verflossen, ist gerade für England eine Zeit bedeutungsvollster Wandlung seiner inneren und äußeren Politik. Der Gegensatz zwischen den beiden großen bürgerlichen Parteien Englands, der unter der Königin Viktoria allmählich sich zu verwischen schien, hatte neuen In halt erhalten. Der Sieg des Schutzzollsystems auf dem Kon tinent und den Vereinigten Staaten, insbesondere aber die fortwährende Erhöhung der Schutzzollmauer seit dem Ablauf der Caprivischen Handelsvertragsära erweckten in England eine rasch wachsende Opposition gegen die eigene Freihandelspolitik. Hatte das Aufstreben Deutschlands und deq Vereinigten Staaten das einstige kommerzielle und industrielle Weltmarkts Monopol Englands längst gebrochen, so war jetzt auch die Sorge nicht mehr abzuweisen, daß die durch die Schutzzoll� Politik geförderte Kartellierung und Trustierung die englische Industrie, der der Freihandel die neuen Organisationsformen der Industrie erschwert, immer mehr vom Weltmarkt ab- drängen werde. Je mehr sich aber der freie Markt für Eng- land verengte, desto wichtiger mußten ihm die Kolonien werden. Eine aktivere und aggressivere Kolonialpolitik begann, und zugleich erwuchs das Streben, die Kolonien mit dem Mutter- lande zu einem Weltreich zu verbinden, das sich im wesentlichen selbst genügen konnte, wo die Kolonien für die englische Industrie das draußen verlorene Gebiet ersetzen und ihr die nötigen Rohmaterialien zuführen sollten, während diese englische Welt vor fremdem Mitbewerb durch einen Reichszoll geschützt werden sollte. Und diese Politik erschien um so dringender, als auch der deutsche Kapitalismus sich mit aller Macht auf die Wcltpolitik geworfen, der Kampf um die Teilung der Welt begonnen, der Drang nach kolonialer Expansion bei allen großen kapitalistischen Staaten sich ver- stärkt hatte und im Zusammenhang damit das wichtigste Machtmittel der Weltpolitik, die Kriegsflotte. Die Flotte aber war einst das Monopol Englands gewesen wie Handel und Industrie. Die Flotte der anderen Staaten empfand das Jnselreich als mittelbare Bedrohung. Hatte es früher im Bewußtsein seiner Stärke und im Gefühl seiner Sicherheit eine Politik der Unabhängigkeit, der„glänzenden Isolierung" getrieben, gewiß, in allen sein Geschick betreffenden Fragender �Schiedsrichter der Welt zu sein, so mußte diese Politik jetzt verlassen, Bündnisse und Ententen gesucht werden. Wie in der Industrie, so hörte auch England in der Politik auf, mehr zu sein als Erster unter Gleichen. In den Dienst der imperialistischen Politik hatte sich die konservative Partei Englands gestellt. Aber das handeis- politische Mittel, durch einen Reichszoll die neue Interessen- gemeinschaft zwischen Mutterland und Kolonien zu begründen. mußte auf den Widerstand der starken freihändlerischen Interessen der Exportindustrie, eines Teiles des Handelskapitals, der auf festes Einkommen gestellten Mittelschichten und der Arbeitermassen stoßen. Diese vertrat die liberale Partei, die ebenso die aggressive Kolonial- und übertriebene Rüstungspolitik ablehnte. Der Gegensatz zwischen der liberalen und konservativen Partei war aber zu- nächst nur ein Gegensatz in der Handelspolitik. Im Ziel der auswärtigen Politik, der Sicherung des Reiches durch ein System politischer Bündnisse und der Herstellung inniger Bc Ziehungen zu den Kolonien, waren beide Parteien oder wenigstens die führenden, kapitalistisch und imperialistisch öe cinflußten Schichten beider Parteien einig. Die auswärtige Politik des konservativen Lord Lansdowne und die des liberalen Sir Edward Grey war in allem wesentlichen die gleiche. Das mußte aber einem Herrscher, der sich in den Dienst dieser Politik, die, von dem innerpolitischen Gegensatz unberührt ihren bestimmten, klar gerichteten Weg ging, die Möglichkeit großen Einflusses geben. War er doch der Bleibende, während die Minister wechselten, und daher durch die Kontinuität seines Amtes in der Lage, stetig und ununterbrochen den Gang der Ereignisse zu verfolgen. Schon die Natur der auswärtigen Politik, die so oft eine Politik auf lange Sicht ist, bringt die Notwendigkeit einer größeren Beständigkeit ihrer obersten Leitung mit sich und dies besonders in Zeiten, wo neue Pläne. neue Unternehmungen zu verwirklichen sind. Selbst in der französischen Republik mit ihren rasch wechselnden Ministerien ist dem Minister des Aeußeren gewöhnlich— und dies wieder insbesondere in der jüngsten Zeit— viel längere Lebensdauer gewährt. In England, wo das Zweiparteiensystem auch' den Wechsel der Minister des Auswärtigen mit sich bringt, gibt dies dem König Gelegenheit, seine dauernde Geschäfts erfahnmg geltend zu machen. Eduard VH. hat diese Gelegenheit klug benutzt; er konnte eS aber nur. weil die Gegensätze zwischen der liberalen und der konservativen Partei, die einst auch auf diesem Gebiet be standen hatten, völlig aufgehört hatten und die Richtung der auswärttgen Polittk durch die weltpolittschen Verhältnisse objektiv gegeben war. Eduard VII. konnte gar nicht liberale oder konservative Polittk treiben, was ihn sofort in Gegensatz zur einen oder anderen Partei gebracht und deren Bestreben geweckt hätte, das Königstum auf seine alten Grenzen zu beschränken; eS gab nur eine auswärtige Politik des englischen Bürgertums, die von dem Wechsel der regierenden Parteien unberührt blieb. So konnten beide Eduard VII. gern und frei gewähren lassen und die persönlichen Beziehungen des weit- und Personen kundigen Herrschers, der mit fast allen Höfen verwandt, mit vielen Staatsmännern bekannt war, in den Dienst der Bündnis polittk stellen. Die auswärttge Polittk Englands aber ist bestimmt durch das Streben nach Sicherung seines Kolonialreiches. Als Eduard VII. zur Regierung kam, bald darauf der Burenkrieg beendet, die Herrschaft Englands in Südafrika gesichtet war. schien gerade die wichttgste Kolonie Indien durch das Bor dringen Rußlands in Zentralasien bedroht, während das ge- räuschvolle Auftreten Deutschlands in Ostasien auch in dieser Macht eine künfttge Gefahr erblicken ließ. So mußte Eng> land zum Bundesgenossen Japans werden, und Japans Sieg befreite England von seinem gefährlichsten Rivalen, der, durch die Revolutton gelähmt, nach Vernichtung von Heer und Flotte nur mehr als weltpolittsche Schachfigur Englands im politischen Spiel zurückblieb. Von dieser Gefahr befreit, konnte England nunmehr mit überlegener Kraft der deutschen Weltpoltttk entgegentreten: die Etnkreisungspolitik begann, die durch die Fehler der deutschen auswärttgen Polittk erleichtert, deren Gelingen aber in der politischen Konstellatton begründet war. Das Streben Deutschlands nach kolonialer Expansion trieb die anderen Kolonialmächte auf Seite Eng- lands, Frankreich wurde sein Bundesgenosse, Rußland, macht- los, auf England in Zentralasien angewiesen, folgte. Spanien und Portugal sind handelspolittsch, finanziell und militärisch völlig in englischer Abhängigkeit, Italien ist durch den Gegensatz zu Oesterreich, durch seine eographische Lage auf ein Freundschaftsverhältnis mit Frankreich und England angewiesen, Deutschland ist beschränkt auf den Bund mit Oesterreich— es ist eine Situation, wie sie diplomatisch günstiger nicht gedacht werden kann. Herbeigeführt durch die Logik der Tatsachen, erscheint sie allzuleicht als Werk der Staatsmänner, und der Schein wird um so leichter und bereitwilliger fiir Wirklichkeit genommen, Ivenn dieser Staatsmann ein König ist, der, was ja nicht zu schwer, über dem Durchschnitt seiner Kollegen steht. Aber nicht nur die Verhältnisse der auswärttgen Politik haben die Stellung des englischen Königs gehoben. Auch die innere Polittk hat gerade in jüngster Zeit seinen Einfluß ge- steigert. Das selbständige Auftreten der Arbeiterpartei, das größte Ereignis dieses Dezenniums, hat das alte Wechselspiel der bürgerlichen Parteien von Grund aus geändert. Die liberale Partei, deren Reihen die zum Imperialismus bekehrten Schichten verließen. mußte um so mehr darauf be- dacht sein, die Arbeiter an ihre Fahnen zu feffeln. Daher ihre Reformpolitik, die aber den Widerstand der Besitzenden wachrufen mußte. Das Oberhaus gewann neue Bedeutung als konservatives Bollwerk. Die- selbe konservative Strömung aber mußte auch dem König- tum zugute kommen. Die Wahlniederlage der liberalen Partei vollends ließ beide Parteien gleich stark erscheinen, so daß sie sich gegenseitig das Gleichgewicht halten, eine politische Situation, die in die Hand des Königtums die Entscheidung legen konnte. Denn formell entschied der König über die Zusammensetzung des Oberhauses und diese formelle Entscheidung wurde jetzt von größter materieller Bedeutung. Das Königtum, das so lange nur die Firma war, unter der die Führer der Parteien ihre Macht ausübten, war plötzlich wieder zu einem politischen Faktor geworden. In diesem Augenblick ist Eduard VII. gestorben. Auf welcher Seite Eduards VII. Sympathien in diesem Kampfe gestanden hätten, unterliegt keinem Zweifel. Eduard VII. war ein König der modernen Bourgeoisie und ihrer Polittk, des Imperialismus. Diese Politik vertritt die konservative Partei rücksichtsloser und konsequenter als die liberale. Ihre Politik war die dieses Königs, der so restlos ein König der Londoner City gewesen ist und deshalb freilich seinesgleichen ebenso überlegen tvar wie die Herren der City ihren ausländischen Kollegen. Aber das glänzende Bild, das die politische Situation Englands bei dem Scheiden Eduards VII. darbietet, läßt deutlich auch die Schattenseiten erkennen. Im Innern wachsen die sozialen Gegensätze, die Arbeiter lösen sich aus der Ge- folgschaft der Bourgeoisie, der Klassenkampf verschärft sich und die neue Arbeiterpartei erweist sich als Todfeindin der Politik, die die des toten Königs war. In dein gewaltigen Weltreich aber, das über so viele ungezählte Millionen Unterworfener und Geknechteter er» richtet ist, herrscht dumpfes Grollen. Japans Sieg mag Eduard VII. als großen Glücksfall empfunden haben. Und doch war er ein Sieg auch über den englischen Imperialismus. Asien ist erwacht, die Türkei und Pcrsien revolutioniert, m Indien und Aegypten läßt sich der Gedanke der Freiheit und Unabhängigkeit nicht mehr unterdxücken. Mag auch die Entwickelung für unsere Ungeduld noch allzu sehr zögern, sie ist unaufhaltsam, und auch das größte Reich, das die Ge- schichte gesehen, das der Kapitalismus errichtet, ist nicht für die Ewigkeit geschaffen.� � Die Krankheit des König?. Uever den Verlauf der Krankheit und die letzten LebenZstunden des Königs wird gemeldet, daß der König sich den ganzen Abend über in schlafartigem Zustande befand, nur zwischen 9 und 19 Uhr trat ein leichtes Erwachen ein, darauf wurde der König bewußtlos. Die Krankheit war eine asthmatische Herzaffektion. Die erste ärztliche Untersuchung ergab eine mögliche Komplikation in der Kehle. Man fürchtete, eine Operation sei notwendig. Doch Professor Thomson, der als Spezialarzt fiir Halslranlheiten hinzugezogen worden war. erklärte eine Operation für unnötig. Der König hatte im Laufe des gestrigen TageS zweimal Ohnmachts- anfälle. ES wurde festgestellt, daß der beständige Husten und die Atembeschwerden die linke Herzkammer so angegriffen hatten, datz diese nicht mehr funktionierte. Luch Sauer- stoff schaffte leine Erleichterung. Während im Buckingham-Palast der Sterbende mit dem Lll- bezwinger Tod kämpfte, hatte sich vor dem Schlöffe eine große Menschenmenge angesammelt, die mit Spannung Nachrichten über den Verlauf der Krankheit erwartete. Kurz nach 12 Uhr wurde der harrenden Menge Kunde von dem Ableben König Eduards gegeben. Der Tod trat nach der offiziellen Meldung um 11 Uhr 45 Min. ein, also nach Berliner Zeit knapp nach 1 Uhr. König Eduards Lebenslauf. König Eduard ist der älteste Sohn der Königin Viktoria und des Prinzgemahls Albert gewesen; es ist am S. November 1841 im Buckingham-Palast geboren, in dem er jetzt sein Leben beschlossen hat. Der Prinz erhielt eine sorgfältige Erziehung und studierte auf den Universitäten Edinburg, Oxford und Cambridge. Am 19. März 1863 vermählte er sich mit der Prinzessin Alexandra von Dänemark, der Tochter des Königs Christian und der Schwester, der jetzigen Zarin-Witwe. Der Ehe König Eduards waren fünf Kinder entsprossen, von denen der älteste Sohn, der Herzog von Clarence, bereits vor zwölf Jahren verstarb. Der nunmehrige König Georg ist also der zwei'- Sohn König �huardS. Den Thron bestieg König Eduard am 22. Januar 1991, tags darauf beschwor er die Verfassung des Reiches und verkündete, daß er, der bisher den Namen Albert Eduard getragen, als König den Namen Eduard VIl. führen werde. Ein Jahr später, im Juni 1992, erkrankte der König plötzlich schwer, an einer Blind» darmentzündung; er erholte sich dann aber so rasch wieder, daß am 9. August desselben JahreS die feierliche Königskrönung vor sich gehen konnte. In den letzten Jahren suchte der König regelmäßig im Frühjahr in Biarritz, im Sommer in Marienbad Erholung und Kräftigung. Der Nachfolger. Der bisherige Prinz von Males, auf den die Krone übergeht« StzÄs am s. JÄu IM«bvleo und steht«ithin n» 4ö. Lchens« faljte, Ter neue König, Set vermutlich Seit Namen Georg V. annehmen wird— Georg IV. regierte von 1820 bis 1830 und war ein Oheim der Königin Victoria ist feit dem 6. Juli 1893 mit i>er Prinzessin Mary von Teck, vermählt, die vorher mit seinem «m 14. Januar 1892 verstorbenen älteren Bruder, dem Herzog von Clarencc, verlobt gewesen war. Ltönig Georg besitzt 5 Söhne und eine Tochter; der Kronprinz Eduard Albert ist am 23. Juni 1894 geboren, steht also im 13. Lebensjahre. Die bürgerliche Presse Englands. Die„T i m e ä" schreibt: Er war nicht nur in hohem Maße König, sondern jeder Zoll ein englischer König und ein englischer Gentleman. Der Verlust eines so erfahrenen, so scharssinnigen, bei den Staatsmännern beider Parteien wie bei der Nation so be� liebten, so vorsichtigen, mutigen und in den schwersten heimischen Krisen so taktvollen Königs bedeutet in der Tat ein öffentliches Unglück. .,D a i l h N e w S" sagt: Der König galt allen in seinem Wesen, seinem Geschmack und seinen Jnteresten als typischer Engländer. „Mornrng Post" führt aus: Der König ist im Zenith seines Ruhmes plötzlich dahingerafft worden. Seine Thron- besteigung bedeutete den Beginn einer neuen Epoche. Bei Beginn seiner Regierung war England in Europa isoliert; er hinterläßt England und das Reich glücklicher, stärker und einiger. Das Blatt fährt fort: Niemand wünschte aufrichtiger und erstrebte ernstlicher als er. die Beziehungen zu Deutschland zu verbessern. „Daily Ehronicle" sagt: Das Bemerkenswerteste seiner Regierung ist die Stellung, die die Krone in der auswärtigen Politik einnahm; der Einfluß der Königin Viktoria blieb größten- teils verborgen. König Eduard hat seinen Einfluß direkt und offen, aber stets konstitutionell ausgeübt. Zusammentritt des Parlaments. London, 7. Mai. Der Tod des Königs macht den alsbaldigen Zusammentritt des Parlaments notwendig, das bis zum 26. Mai vertagt ist, aber jetzt ohne besondere Einberufung zusammentritt. Der Sprecher ist augenblicklich zum Besuch seines Bruders, des Botschafters Lowther, in Konstantinopel und wird in einigen Tagen zurückerwartet. für Finnland. Das Internationale sozialistische Bureau zu Brüssel erläßt folgende Kundgebung: An die Arbeiter aller Länder! �' Am 27. März dieses Jahres hat Nikolaus II., der Zar von Rußland, Großfiirft von Finnland, ein Manifest veröffentlicht, Weichs, ohne Rücksicht auf seine feierlich übernommenen Verpflich- tungen, die finnländische Verfassung vernichtet hat. Es ist dies das zweite Mal, daß die russische Regierung aus die finnländische Verfassung einen verbrecherischen Angriff wagt, der in diie ganzen Kulturlvelt allgemeine Zurückweisung erfahren hat. Ganz besonders hat das sozialistische Proletariat dem sinn- ländischen Volke bereits früher seine wärmste Sympathie aus- gedrückt und gibt ihr heute nochmals durch das gegenwärtige Mani- fest Ausdruck, da es sehr Wohl weiß, daß Finnland in einen hart- näckigen Kampf gegen den russischen Despotismus einzutreten gezwungen ist. Es wird nach Maßgabe der zur Verfügung stehen- den Machtmittel eingreifen, um Finnland gegen seine Feinde zu verteidigen, da das gute Reicht auf Seiten des unterdrückten Volkes ist und nicht aus der deS meineidigen Herrschers. Die organisierte Arbeiterschaft zweifelt keinen Augenblick an dem glücklichen Aus- gange des Streites. Das finnländische Volk hat sich wie ein Mann erhoben! Nach einer fünfstündigen Debatte hat sich der Landtag einstimmig in dem Beschlüsse zusammengefunden, das Manifest Nikolaus II. der Verfassungskommission zu überweisen, welche zufolge der Anschauung der angesehensten Rechtsgelehrten aller £cr,bct nicht die geringste Mühe haben wird, die Ungesetzlichkeit ftjsseS brutalen und unerhörten Vorgehens darzutun. ' Wenn es noch nötig ist zu beweisen, daß das gute Recht auf Seiten Finnlands ist, so genügt es. daran zu erinnern, unter toelcheu Bedingungen der finnländische Staat an Rußland an- gegliedert woroen ist, ohne einen Augenblick aufzuhören, feine Unabhängigkeit zu bewahrem Während des ganzen 13. Jahrhunderts war Finnland der Schauplatz blutiger Konflikte zwischen Nußland und Schweden. ober im Jahre 1809, am 27. März, machte es den Zaren Alexander I. zu seinem Großfürsten, nachdem er bereits am Tage vorher die Bürgschaftsurkmide für die Grundrechte unterzeichnet hatte; und, am 29. März erneuerte der neue Herrscher, in Gegenwart des Landtages� seine Verpflichtung�», indem er feierlich die Uuverletz- lichkeit der finnländischen Verfassung verkündete. Diese Erklärung wurde am 4. April in einem Manifeste an die Bevölkerung wieder- holt und von allen Nachfolgern Alexanders l. gutgeheißen und ganz besonder bestätigt durch Alexander ll. im Jahre 1863. Der ständische Landtag wurde von neuein zusammenberufen und blieb ohne Unterbrechung in Tätigkeit, als Ausfluß eines selbständigen Staates', der namentlich eine eigene Gerichtsorganisation und ein eigenes Münzsystem besaß, der für seine inneren Angelegen- heiten, ohne Dazwischentreten irgend eines Faktors, die Gesetz- gebungSgewalt ausübte, und welcher Beschlüsse faßte, die durch die Sanktion des Großfürsten Gesetzeskraft erlangten. Dieser ständische Landtag arbeitete im Jahre 1878 ein Gesetz über den Kriegsdienst aus» das besagte, daß die Finnländer nur in ihrem eigenen Lande zum Kriegsdienst verpflichtet sind, und das Recht, eine solche Maß- nähme zu beschließen, wurde ihm keinen Augenblick streitig gemacht. Diese Unabhängigkeit ist während des 9� und letzten Jahrzehnts des vergangenen Jahrhunderts Gmen stand unaufhörlicher Angriffe von Seiten der moÄowitischen Reaktion gewesen, deren Gipfel- Punkt da» Manifest Nikolaus II. vom 3./15. Februar 1899 gebildet hat, durch welches der Zar-Großfürst die Neichsgesetzgebung Ruß- lands auf Finnland ausdehnen Wollte. Um jeden Widerstand zu brechen, setzte er als Diktator Bobrikow unseligen Angedenkens ein. Im Jahre 1991 verstand er, eigenmächtig die bestehende Mtlitärgesetzgebung zu beseitigen» und versuchte, dem Lande auf dem Verwaltungswege feine freiheitsmörderischen Anschamingen aufzuidrängen. Das finnländische Volk leistete hartnäckigen Wider- stand. Die zum Dienst auSgehobenen ZNannschaften streikten, und die Gärung nahm noch zu. als der russisch-japanische Krieg ausbrach. Der Zarismus wurde gezwungen, sich in seinen Ansprüchen »u mäßigen und schließlich nachzugeben. Während der Oktobertage IVOS schloß sich die Arbeiterklasse Finnlands dem Proletariat Rußlands an und verkündete den Generalstreik. Die Diktatur brach zusammen, dir Ukase wurden zurückgezogen, die russischen Beamten verschwanden, und daS Manifest vom 22. Oktober/4. No- vember 1905 verkündete die Rückkehr zur„gesetzlichen Ordnung". Der ständische Landtag kapttulierte ebenfalls, und das Ergebnis dieses Kampfts war die Eroberung deS allgemeinen Stimmrechts für Männer und Frauen, die Ver. hältniswahl. das demokratische Einkammer- system, die B er sammlungS-, Vereins» und Preß. r e i h ei t. Alle dies« Verfassungsgesetz« und Bürgschaften wurden »rch den Zaren Nikolaus II. bestätigt durch die feierliche Urkunde vom Juli 1906. Die Sozialdemokratie hat sich nicht wie die Bourgeoisie mit diesen Reformen zufrieden gegeben. Si-e versuchte in wirkungS. «oller Weise, die Lage der Land- und der Industriearbeiter zu verbessern, aber ihre Bemühungen scheiterten an der Beschränktheit und an der Selbstsucht der herrschenden Klassen. Auf ihre Ver- «nlassnng wurden namentlich während der Session 1907/09 be- schlössen und sanktioniert das Grs cd über dieBäckereien. welches die Arbeitszeit auf ein Maximum von48Stunden pro Woche festsetzte und die N a ch t a r b e i t verbot, das Gesetz zum Schutze der landwirtschaftlichen Ar- bester sowie der Kleinpächtep, ein Gesetz zur Förderung desSchulwescns. Der Landtag hat auH eine Reihe anderer Gesetze nngenomuren. Nämlich«hn Kommunal Wahlgesetz, das trotz einiger Beschränkungen auf dem allgemeinen Stimmrechtbeid er Geschlechter beruht, ein Arbeiter- s ch u tz ge s e tz, welches die wöchentliche Arbeitszeit auf höchstens 60 Stunden fcsssetzte, die Kinderarbeit untersagte und die Nachtarbeit sowie die Frauen- arbeit beschränkte— aber diese Gesetze warten noch immer auf die Sanktion durch den Großfürsten. Die sozialistische Fraktion des Landtages hat auch keinen Augenblick gezögert, sich der von der Bourgeoisie befolgten Politik der Schwäche zu widersetzen, welche sich einbildete, ihre Ruhe durch einige Konzessionen erkaufen zu können. Die Reaktion in St. Petersburg wollte die Vernichtung des finnländischen Staates, aber, wo cs galt, sich diesen Absichten entgegenzustellen, hielt die ganze Nation wie ein Mann zusammen. Dreimal hat der Zar die Auflösung des Land- tageL verkündet mit der Absicht, daS Parlament in Miß- achtung zu bringen, den Widerstand des Volkes zu untergraben und de» Sozialismus zurückzudrängen. Er wollte nicht, daß der SozialiSnms sich vor den Toren St. Petersburg entwickle; er wollte sich nicht dazu verstehen, als Großfürst zu dulden, was er als Zar unterdrückte. Aber bei jeder Neuwahl wuchs der Sozialismus. Er eroberte 80 Sitze im Jahre 1906, 83 im Jahre 1008, 84 im Jahre 1909, und bei den letzten Wahlen vom 1. Februar 1910 erhielten die sozialistischen Kandidaten 314 931 Stimmen» d. h. 40 Proz. der Gesamtheit, die der Partei 86 Sitze von 200 brachten. Die russische Regierung sah, daß sie durch die wiederholten Parlamentsauslösungen nichts erreichen konnte, und versuchte dann, das Volk zu unüberlegten Handlungen zu provo- zieren durch kleinliche Schikanen, durch willkürliche Maßnahmen. und schreckte auch vor Drohungen nicht zurück. Aber das Volk bewahrte seine Besonnenheit und gab den russischen Gewalthabern Iveder Gelegenheit noch Vorwand, mit Waffengewalt einzuschreiten. Auf diese Weise wurde dieser nichtswürdige reaktionäre Plan vereitelt. Es blieb also der zaristischen Regierung nichts anderes übrig, als den Weg des offenen Rechtsbruches zu beschreiten. Der erste Ansturm war das Manifest vom 24. September/7. Oktober 1909, in welchem die finnländische Militärfrage grundsätzlich entschieden wurde und welches die Zahlung einer jährlichen Beisteuer zu Heereszwecken von 10— 20 Millionen finnische Mark aus finnländischen Staatsmitteln anordnete. Der allzeit unterwürfige und nachgiebige bürgerliche Senat konnte diesen rechtswidrigen Schritt doch nicht billigen, und der Zar-Großfürst berief darauf russische Militärbeamte in den sinn- ländischen Senat, welche dieses ungesetzmäßigc Manifest amtlich kundgeben sollten Der Landtag verweigerte die geforderte Bei- steuer zu den Heereslasten und gab zur Antwort, daß die finnländische Militärfrage auf gesetzlichem Wege geregelt werden müsse, mit anderen Worten, eine neue Militärordnung könne nur durch die gesetzmäßige Zustimmung der finnländischen Volksvertretung Gesetzkraft erlangen. Der Landtag wurde darauf zum dritten Male aufgelöst, und der russisch-fmnländische Senat nahm eigew mächtig die von Rußland geforderten Millionen aus dem finnländischen Staatsschatze. Diese neuerliche Brutalität der zarischen Regierung rief tiefe Entrüstung in> der ganzen Kulturwelt hervor. Die öffentliche Meinung Europas und vor allem der sozialistischen Internationale stellt sich auf die Seite Finnlands, die hervorragendsten europäischen Rechtsgclehrten sprachen sich zugunsten der staatlichen Autonomie Finnlands aus. Aber gerade der einmütige feste Wille des sinn- ländischen Volkes und die Sympathie, welche sein Verfassungs- kämpf in der ganzen zivilisierten Welt hervorrief, reizte die Wut der russischen Reaktion. Die persönlichen Feinde des finnländischen Volkes, oie mit Schimpf und Schande verjagten Handlanger des Bobrikowschen Systems(Deutlich, Korewkä, Mzasojedow und andere), arbeiteten einen sogenannten Gesetzentwnrs der russischen Reichsgesetzgebung für Finnland aus, und Stolypin und der Zar Nikolaus setzten unter dieses verfassungswidrige Machwerk ihre Unterschrift. Das zaristische Manifest vom 14./27. März 1910 bedeutete nichts mehr und nicht? weniger als eine voll- ständige Vernichtung der finnländischen Ver- fassung. Es wivd darin ausgesprochen, daß in allen auf Finnland bezüglichen Fragen die russischen Staatsbehörden zu- ständig find, und der finnländische Landtag wird darin zu einem bedeutungslosen P r o v i n z i a l- V e r° waltungsorgan herabgodrückt. Die staatliche Selbständigkeit Finnlands ist nur nock, ein leeres Wort. An den finnländischen Landtag wird die höhnische Zumutung gerichtet, im Laufe eines Monats ein„Gutachten" über diesen Vorschlag der russischen Regierung auszuarbeiten. Wohlgemerkt, ein„Gutachten", keinen Beschluß mit Gesetzeskraft, obwohl die vom Zaren Nikolaus 1906 bestätigte Geschäftsordnung des Landtages in zwei Paragraphen (8 60 und 8 60) klar und deutlich besagt, daß Grundgesetze des Landes nur auf Antrag des Monarchen und unter Zustimmung des finnländischen Landtages geändert werden können. Aber das kümmert die zarische Regierung nicht im geringsten, und sie schickt sich jetzt an. ihren Staatsstreich durch die Autorität der dritten Duma decken zu lassen. Di« Mehrheit dieser Du»na hat bereits die Henkerpolitik Sholypins gutgeheißen, hat der Erwürgung der russischen VolkSrcchte zugejubelt und wird auch bereitwillig dem Vernichtungswerke an Finnland ihren Arm leihen. Der russisch« Adelskongreh hat bereits einen„militärischen Spaziergang durch Finnland" in Aussicht gestellt, und Wie die Verhältnisse jetzt liegen» können diese blutdürstigen Pläne für Finn- land furchtbarer Ernst werden, denn Finnlands staatliche Unab- hängigkeit und seine demokratische Freiheit ist den russischen Reaktionären ein Dorn im Auge, und sie werden nicht ruhim,' bis sie dem finnländischen Volke die vcrfassungSgemäßen Bürg- schaften entrissen haben, und Galgen und Knute auch in Finnland herrschen Werden. Der finnländische Landtag wird den russi- schen Regierungsvorschlag einstimmig zurück- weisen und das Volk zur Verteidigung seiner Rechte aufrufen. Eine Zeit schwerer Kämpfe für das finnlandische Volk und vor allem für das klassenbewußte Pro- letariat wird dann hereinbrechen. Wir wissen ganz genau, welche Opfer und Verluste bevorstehen, aber die finnländische Sozialdemo- kratie muh diesen Kampf aufnehme� weil«s sich hier um Leben und Freiheit des finnländischen Volkes handelt. Die Unabhängig! ett Finnlands ist für unsere Genossen kein leerer RecbtStitel, sie bedeutet für das finnländische Volk daS freie Selbstbestimmungsrecht; sie bedeutet den Fortschritt der Kultur und des Sozialismus. Di« russische Reichsgesetzgebung über Finnland heißt für uns Unterjochung und Versklavung sowohl auf poli« tischem Wie auf kulturellem Gebiet, blutig« Unter- drückungsmaßregeln und namenloses Elend für das ganze finnländische Volk. AuS allen diesen Gründen nehmen die Finnländer ruhig und ohne Zögern den Kampf auf. Sie vertrauen in erster Linie auf ihre eigene Kraft, auf den Mut und die Energie der finnländischen Avbetterschast; sie wissen sich aber eins mit dem russischen klassenbewußten Proletariat, ja mit dem ganzen russischen Volke, welches um seine Freiheit ringt, und zwnfeln nicht an dem schließlich siegreichen Ausgang« der russischen Revolution. In dieser schweren Stunde wenden sich unsere finn» ländischen Parteigenossen an die sozialistische Internationale und cm alle den. okraiisch und freiheitlich gesinnten Elemente der zivili» sierten Welt, um hoffen» daß sie ihren politischen und moralischen Einfluß für die demokmtische Verfassung Finnlands und gegen die russische Regierung, gegen den Zarismus und seine Gewaltpolitik in die Wagfchale werfen mögen. D i e sozialt ssf schen Abgeordneten aller Länder haben die moralische Pflicht, den von Rußland an dem sinn- ländischen Volk begangenen Verfassungsbruch in ihrem Parlament zur Sprach« zu bringen und gegen die berbreiherische Politik bon St. Pekershurg mit Entschiedenheft auf- zutreten. Die sozialistischen Parteien aller Länder Haber bereits in ihrer Presse und in öffentlichen Versammlungen den Kampf unterstützt und Werden ihn weiterhin muterstutzcn. Ein Sturm der Entrüstung muß sich gegen den Zarismus erheben. Die finnländische Sozialdemokratie, die auf vorgeschobenem Posten gegen einen übermächtigen Feind kämpft, ist die Hüterin unseres völkerbefreienden Banners und beauftragt uns, dem internationalen sozialistischen Proletariat ihren brüderlichen Gruß zu übermitteln. Das Exekutivkomitee des Internationalen Sozialistischen Bureaus (Belgien): Eduard A n s e e l e- Emil Vandervelde, Lgon Furnemont, Camille HuhsmanS. politische Qeberficht. Berlin, den 7. Mai 1910. Wohtmngsgeldzuschuft. Das preußische Abgeordnetenhaus beriet am Sonnabend in erster Lesung den Gesetzentwurf zur Abänderung der Vorschriften über die Wohnungsgeldzuschüsse und Mietsent» schädigungeir. Die Vorlage, die im allgemeinen eine Gleich- stellung des Reichs mit Preußen bezweckt, fand auf keiner Seite des Hauses unbedingte Zustimmung, jeder einzelne Redner machte »nehr oder minder wichdige Bedenken geltend. Wie bereits im Vor- jähre gelegentlich der Beamtenbesoldungsvorlage, vertrat auch dies- mal wieder unsere Fraktion, in deren Namen S t r ö b e l das Wort ergriff, vor allem die Interessen der unteren Beamten, die — wie S t r ö b e l zahlenmäßig nachwies— wieder einmal stiefmütterlich behandelt sind. Mit gutem Geschick polemisierte unser Wortführer gegen die bürgerlichen Parteien, die, sobald cs sich um ihre eigenen Angelegenheiten handelt, der Regierung opponieren und Minister stürzen, aber, wenn die Interessen der Beamten auf dem Spiel stehen, sich vor dem Willen der Regierung beugen. Dem Finanzminister war bei den Ausführungen Ströbels nicht wohl zumute. Da er aber dessen Zahlen nicht zu wider- legen vermochte, suchte er sich nach bekannter Manier aus der Affäre zu ziehen. Unter dem jubelnden Beifall der konservativ- klerikalen Mehrheit tat er der Welt kund und zu wissen, daß wir noch nicht im Zukunftsstaat leben, und nicht gerade geschickt fügte er hinzu, in der heutigen Gesellschaftsordnung werde es immer so bleiben, daß die unteren Beamten gegenüber den höheren benach- teiligt werde»». Das ist also das Eingeständnis, daß wir mit unseren Behauptungen im Recht sind. Wir sind Herrn v. Rhein- baben dafür aufrichtig dankbar und werden uns bei Gelegenheit des Agitationsmaterials, daS er uns dadurch geboten hat, bedienen. Nachdem der Entwurf einer Kommission überwiesen warz, be- gann die Beratung der Sekundärbahnvorlage, die den Rest der Sitzungen bis Pfingsten ausfüllen soll. Eine„sehr schwere Entscheidung". jDie Konservativen befinden sich in einer argen Klemme. Sie sollen in einigen Wochen im Abgeordnetenhause ent- scheiden, ob sie dein Zentrum treu bleiben und die Ver» schlechterungsanträge des Herrenhauses ablehnen oder dem Zentrum die Treue brechen und mit Freikonservativen und einem Teile der Nattonallibcralen die von den erblich belasteten Gesetzgebern beschlossenen Verschandelungen des Wcchselbalges akzepttercn sollen. Wenn die Junker nicht auf das Zentrum Rücksicht zu nehmen hätten, würden sie natürlich die vom Herrenhaus be- schlossenen Verschlechterungen mit Freuden annehmen. Die Verhunzung der Maximierung, durch die der Geldfack wieder in sein volles Recht eingeführt tvird, und die Drittelung nach größeren Bezirken, durch die das edle Ziel der Geldsacks- Übermacht vollendet wird, nützen zwar den Konservativen selbst nichts, sind ihnen aber als Mittel zur Niederknüppc- lung des Proletariats von vornherein ungemein sympathisch. Jedes Mittel, das die Arbeiterklasse entrechtet, ist ja den Junkern recht! Und wenn auch nicht die Konservativen selbst, sondern der mehr oder minder unentschiedene Liberalismus den Vorteil davon hätte: zehn- mal lieber als ein sozialdemokratischer Vertreter der Arbeiter- klaffe ist auch dem reaktionärsten Junker solch ein Liberalerl Leider uur hindert die Bundcsfreundschaft des Zentrums. hindern die den Konservativen vom Zentrum geleisteten Liebesdienste die Junker, der Verschlechterung freudig zu- zustimmen. Denn der blauschwarze Block müßte dabei elend in die Brüche gehen. Könnte das Zentrum doch nur unter Preisgabe seiner eigensten Interessen in die herrcnhäuslerischcn Zumutungen Nsilligen, wobei cs sich zu- dem mit all seinen bisherigen Erklärungen über die Stcuerdrittelung»md die Maximierung in den un- gehcuerlichsten Widerspruch setzen würde. Ohne vollends Selbstmord zu begehen, kann also daS Zentrum nicht für die HerronhauSbeschlüsfe stimmen, und die Junker stehen deshalb vor dem schweren Gewissenskonflikt, ob sie es lieber mit dem Zentrum oder mit den Nationallibcralcn halten sollen. Eine Einmütigkeit scheint denn auch unter den Kon- servativen keineswegs zu herrschen. Die.Kreuzzeitung" beginnt eine Artikelserie, worin sie die HerrenhauSbeschlüsse zu rechtfertigen versucht. Auch die„Deutsche TaaeSztg." ver- öffentlicht eine Zilschrift deS Herrn v. Wcdel-PicSdorf, die für diese Beschlüsse Sttminimg macht. Die Redaktion deS Bündlerorgans ihrerseits erklärt im Anschluß an diese Zuschrift, daß für die Konservativen deS Abgeordnetenhauses die Situation eine so schwere sei, daß sie auf das Erteilen von Rat- schlügen verzichte! Herr Oertel begnügt sich mit der Be- merkung, daß er für seine'Person nicht wisse, wie die kon- servative Fraktion des Abgeordnetenhauses den Uebcrgang zu den Beschlüssen des Herrenhauses begründen solle,„ohne sich im Widerspruch mit sich selb st zu be- finden". Nach unverbrüchlicherTreue demZentrum gegenüber sieht daS nicht gerade aus. Vielmehr getvinnt man den Eindruck, als ob sdie Konservativen dein Zentrum zum mindesten einige Zugeständnisse in der Richtung derHerrenhauSbeschlüsse ab- zuringen suchten!_ Die Lex Hcinze-Männer auf dem Kriegspfad. Auf Einladung einiger Mitglieder deS preußischen Abgeordneten« SmiseS hatten sich am Freitagabend mehrer« Dutzend Mitglieder de« Abgeordnetenhauses und des Reichstag» im Festsaal de» Ab- geordnetenYauseS eingefunden, um der Eröffnung eine» neuen Feld- zugs um die Lex Hemze beizuwohnen. Luch der Leiter des Reichs« jusiizamt» war erschiene»». Die Einladung hatte auch von einer»Ausstellung zur Jllustrierung der Art und de» UmfangeS der Schund- und Schmutz-Druckerzeugnisle" gesprochen. Aber die Erwartungen in diese„Ausstellung" wurden ein wenig getäuscht. Was dort ausgestellt wurde, waren eine Anzahl von Titelbildern der bekannten»Nie Carter".Hefte. ein Verzeichnis von Berlagöfirmen. die in dergleichen.Literatur" machen, und— oIS Clou der Schaustellung— daZ„Kleine Witzblatt". Daß wurde dann auch am meisten betrachtet. Im übrigen hatten viele der Besucher wohl„etwas ganz anderes" erwartet. Der Abg. Henning aus Kalau leitete die Verhandlungen ein. Er knüpfte an die Lex Heinze an und gestand in resigniertem Ton ein. dab damals, als man mit der Lex Heinz« alles Unsittliche der- »richten wollte, von den Sittlichkeitskäuzen zu stark über die Schnur gehauen worden sei. so daß gar nichts erreicht worden sei. Jetzt »verde man vorsichtiger sein und sich in den Grenzen des Erreichbaren halten. Und dann kam Herr Lizentiat Bohn, der jedesmal, wenn von dem Leiter der Veranstaltung sein Name genannt wurde, zu einer Verbeugung zusammenklappte, an die Reihe. So weit ist auch er gekommen, datz er an eine Bllheilkraft einer neuen Lex Heinze« Bestimmung nicht mehr glaubt. Auch sei nicht jede Unsittlichkeil durch Gesetze zu treffen. Vor allen Dingen solle künftig die Munst un- geschoren bleiben. 23aS bot allen Dingen bckämpfr werden mühte, sei die Schmutzliteratur, die heute in Massen unter der Jugend verbreitet wird. Dagegen trete die Notwendigkeit der Einschränkung der Verbreitung von unzüchtigen Schriften und Abbildungen für die Erwachsenen zurück. Für die Jugend geschähe noch zu wenig. Dafür langte der § des Str.-G.-B. noch nicht aus. Man müsse denselben vielmehr in der Form erweitern, daß Schriften, Abbildungen und Dar- stellungen, welche, ohne unzüchtig zu sein, das Schamgefühl gröblich verletzen, auch nicht mehr in öffentlichen Auslagen ausgestellt werden dürfen. Das allein garantiere eine wirksame Bekämpfung der Jugend-Schundliteratur. Darin stimnste ein anderer Redner dem Herrn Lizentiaten bei, indem derselbe aus Herford erzählte, doh man dort einem Buchbinder, der unter keiner Bedingung die Nie Carter-Schmöker abschaffen wollte, für ein Jahr die städtischen Buchbinderarbeiten unter der Bedingung über- tragen habe, daß dieser Buchbinder sich verpflichtete, in den nächsten vier Jahren derartige Schriften nicht auslegen und nicht verkaufen zu wollen. Ein unfehlbares Mittel, um der Ausbreitung der Nie Carter« Schwarten und ähnlicher„literarischer" Erzeugnisse die Wege zu ebnen! Denn da in den mittleren und kleinen Städten der Kampf um die Erlangung städtischer Arbeiten immer ein sehr heftiger ist, wird man dieses neue Mittel, die Arbeiten zu erhalten, gern benutzen. Im übrigen wollte eine Diskussion nicht recht in Fluß kommen. Und nachdem der Herr Lizentiat in einer Schluhbemerkung einige seiner vorherigen Ausführungen wiederholt hatte, dabei noch der „welschen" Kunst deS„Simplicissimus" gedachte, schloß er mit einem hurrapatriotischen Phrasendrusch den recht dürftigen„Gedanken- austausch". Alles in ollem: Die Stimmung war mieS und die ausgelegten EinzeichnungSlisten für irgend einen evangelischen SitllichkeitSverein blieben leer und unbenutzt._ Regierung und Großindustrie. Die Großindustriellen haben es der Regienmg übel- genommen, daß die Vertreter des Reichsamts des Innern und deS preußischen Handelsministeriums in der Kali- kommission des Reichstages den Antrag Brockhausen bezüglich der Arbeitcrlöhne in der Kaliindustrie für annehmbar bezeichnet haben. Der Regierung, die zurzeit wieder sehr viel auf ein gutes Einvernehmen mit den Jndustricmagnaten hält, ist diese Verstimmung der Herren Schlotbarone recht un- angenehm. Ehrerbietigst läßt sie deshalb in der„Köln. Ztg." verkünden, daß ein derartiges Verhalten der Regicrungs- Vertreter nicht als Präzedenzfall zu betrachten ist und künftig nicht wieder vorkommen soll. Die«Köln. Ztg." bringt nämlich in ihrer gestrigen Mittagsnummer folgende telegraphische Meldung über die Auffassung an der sogenannten„zuständigen" Stelle: „Demgegenüber meint man an zuständiger Stelle, daß man die Tragweite des Antrages Brockhausen nicht richtig einschätze. Die Regierung habe sich gegenüber dem Antrage Gothen, von vornherein anlehnend verhalten; wenn fie aber im Antrage Brock- hausen Bestimmungen über die Gestaltung des Arbeiterlohnes an- genonnnen habe, so sei das unter ganz besonderen Voraussetzungen ge- schehen. Für Kali besäße Deutschland daS Monopol, uud die jetzt be- trieben« Gesetzgebung gehe darauf hinaus, eine Siegelung zu treffen. diedieProduzenten vor einem schädlichen Wettbewerb sichere. Darin liege ohne Zweifel ein großer Vorteil für die Kaliindustrie, ebenso wie auch in den gesicherten Absatzpreisen. Wenn diese auch um etwa 10 Prozent herabgesetzt werden sollten, so stände dieser Einbuße doch die Abwehr der Konkurrenz und die Sicherheit eines einen leidlichen Nutzen lajfeuden Verkaufspreises gegenüber. Auf diese Weise käme die Kaliindustrie in eine recht günstige Lage und es sei daher nur eine Frage der Gerechtigkeit, auch den Arbeit- nehmern Borteile zuzuwenden und sie wenigstens davor zu schützen, daß nach der neuen gesetzlichen für die Kaliwerke vor- teilhasten Regelung für sie eine Minderung ihrer Einnahmen ent- stände. Tatsächlich habe eS den Anschein gehabt, als ob in Unternebinerkreisc» die Absicht Vesta„den habe, den aus der zehnprozentigen Preisherabsetzung sich ergebenden Verlust durch entsprechende Herabsetzung der Löhne auszugleichen. Solchen Versuchen habe man vorbeugend entgegentreten wollen. Ganz und gar unzutreffend sei es, wenn man aus diesem Verfahren bei der Kaliindustrie den ganz unberech- tigten Schluß ziehe, daß nun auch andere Industrien Gefahr liefen, mit ähnlichen Vor- schriften über die Lrbeiterlöhn« beglückt zu werden. Davon könne gar keine Rede sein, denn das Kali nehme als ein Monopolartikel eine ganz andere Stellung ein als alle anderen Produkte. Diese ständen andauernd unter internationalem Wettbewerb, den man nicht so, wie beim Kali, zu- guusten unserer Werke ausschalten könne. Da diese nur beim Kali vorhandene Voraussetzung bei anderen Produkten wegfalle, so könne e» auch nicht in Betracht kommen, bei anderen Betrieben bestimmte Lohnsätze fest- zulegen oder ein Hinuntergehen unter die augenblicklichenDurchschnittSlöhne durch gefetz- liche Maßregeln zu verhindern."' Zur Ersatzwahl in Friedberg- Büdingen. Nachdem die Nationalliberalen deS Wahlkreises Friedberg- Büdingen von dein Bunde der Landwirte höhnisch abgewiesen worden sind, haben fie sich mit ihren Kandidotenschnierzen an die Frei- finnigen gewandt, und diese haben sich zur Aufstellung eineS gemein« samen„liberalen" Kandidaten bereit finden lassen. In der gestern abend in Friedberg abgehaltenen Versammlung von Vertrauens- männern der Nationnlliberalen und der Fortschrittlichen Volkspartei wurde Professor v. Calker-Straßburg als gemeinsamer Kandidat für die ReichStagSersotzwahl aufgestellt. Ein prügelnder Schutzman». Wegen Körperverletzung im Amte in zwei Fällen wurde am Freitag der ehemalige„Schutzmann" Alb. Behren» auS Har- bürg von der S t a d e r Strafkammer zu einem Jahr Gefängnis verurteilt. Der Angeklagte hat am 0. März d. I. auf einer Polizeiwache in Harburg zwei sistierte Arbeiter wiederholt in empörender Weise mißhandelt, den einen mit Fäusten und einem Ochsenziemer geschlagen und mit Fußtritten regaliert. von der An- klage der Freiheitsberaubung wurde dieser Must-rschutzman» frei- gesprochen. Der Staatsanwalt hatte zwei Jahre Gefängnis beantragt. Eine Wahlrechtsdemoustratiou am Himmelfahrtstage. Am Donnerstag iHimmelfahrtStagi fand in Haan lKreiS Rem- scheid-Lennep-Mett>nann> eine Wahlrechtskundgebung für die Orte Haan Hilden. Benrath. Hochdahl, Gruiten. Mett- mann, Vohwinkel. Sonnborn, Cronenberg, Gräs- rath, Leichlingen. Landwehr usw. unter freiem Himmel statt, die von zirla lSVOV Personen besucht war. ReichStagSabg. N 0 S k e- Chemnitz und Genosse König- Dortmund referierten über „Die Gewaltpolitik in Preußen-Deutschland". Vor und nach der Versammlung fanden Straßende man- st r a t i o n e n statt. In den Zügen, die aus den einzelnen Orten zum Versammlungsplatze kamen, wurden rote Fahnen getragen. DaS 8000 Einwohner zählende Landstädtchen hat noch niemals so ungeheuere Menschenmassen in seinen Mauern gesehen. AuS dem benachbarten Kreise Solingen waren ebenfalls zahlreiche Ver- sammlungsbesucher erschienen. Die Polizei und Gendarmerie ver- hielt sich äußerst reserviert._ Amerikauisches Schweinefleisch. Nach einer Mitteilung der Berliner amerikanischen Handels- kammer hat das Deutsche Reich der Regierung der Vereinigten Staaten erklären lassen, daß sie bei der Einfuhr von Schweine- fleisch aus den Vereinigten Staaten aus die zweite, in Deutschland vorzunehmende Untersuchung verzichte und sich mit der amerilanischen Untersuchungsbescheinigung begnügen werde. Bayerische Elektrizitäts-Ueberlandzentralen. München, 3. Mai. DaS Thema Ueberlandzentraleu wird zurzeit in Bahern sehr eifrig diskutiert in der Presse, den Gemeinden und jetzt auch wieder im Parlament. ES waren An- träge nach dieser Richtung gestellt von der sozialdemokratischen Fraktion und der Zentrumspartei. Den Anstoß zu der Diskussion im Abgeordnetenbause gab die Frage der Errichtung einer Ucber- landzentrale in der Rheinpfalz. Dort hat die StaalSregierung mit den„Rheinischen Schuckertwerken" einen Bertrag abgeschlossen, wonach dieser Gesellschaft ein BczuaZmonopol für den Kohlcnpreis der staatlichen Grube Mittelbexbach zugesichert wird. Diese Ab- iallkohle soll als Energiequelle für elektrische Krast Verwendung finden. ES ist bezeichnend für unsere StaatLregierung, daß sie alles getan hat, um die Interessen jener Aktiengesellschaft zu fördern, ohne anfangs viel Rücksicht auf die Allgemeininteressen, besonders die Interessen der Gemeinden, zu nehmen. Die Freundschaft mit den Privatunternehmern ging soweit, daß die Regierung durch ihre untergeordneten Organe die Gemeinden geradezu drängte, mit der Schuckcrtgesellschaft Verträge auf außerordentlich lange Zeit abzuschließen. Aehnlich liegen die Verhältnisse in anderen Kreisen, wo als Energiequelle die Wasserkraft in Frage steht. Der Landtag hat früher reiche Mittel bewilligt für Ausarbeitung von Projekten zur besten Ausnützung der reichlich vorhandenen Wasserkräfte. Die Volksvertretung ließ keinen Zweifel darüber, daß sie wünsche, daß diese Wasserkräfte in erster Linie zum Vorteil der Allgemeinheit vom Staate ausgenutzt werden sollen. Nun geht aber die Staats- regierung daran, eine Reihe solcher Wasserkräfte Aktiengesellschaften zur Verfügung zu stellen, oie durch Errichtung von Ueberland- zentralen große Gebiete mit Elektrizität versorgen wollen. ES ist zwar eine Kapitalbeteiligung der Gemeinden bis zu 50 Proz. borgesehen. Das ändert aber nichts an der Tatsache, daß das Unternehmen in der Hauptsache ein kapitalistisches bleibt und die Vorteile der Ueberlandzentraleu zum wesentlichen Teil der Allgemeinheit entzogen würden. Es ist selbstverständlich, daß die sozialdemokratische Fraktion durch ihre Redner für die Ausführung dieser Werke durch den Staat und die Gemeinden eintrat und scharse Kritik an oem Vorgehen der Negierung übte, wenn auch der Antrag in der Schlichtungs- kommission, weil aussichtslos, zurückgezogen wurde, verlangt wer- den müsse, daß in gemeinsamer Sitzung mit den Arbeitgebern ver- einbart wird, was Frauen, und was Gehilfenarbeit ist. Der Redner führte ferner auS. daß die Durchführung deS Achtftundensonnabends für die Arbeiterinnen, wie ihn die Gewerbeordnung seit dem 1. Januar 1910 vorschreibt, große Schwierigkeiten bereitet hat. In vielen Werkstätten mußte verhandelt werden, um überhaupt erst einmal das Gesetz zur Geltung zu bringen, und dann entstanden Differenzen wegen Bezahlung der ausfallenden Arbeitsstunden. In einzelnen Werkstätten suchten die Arbeitgeber die ausfallende Ar- beitszett auf vier Wochentage zu verteilen, was jedoch, da eS gegen die tariflich festgelegte neunstündige Arbeitszeit verstößt, Wieoer aufgehoben werden mußte. Dann zogen die Arbeitgeber prompt die Stunde vom Lohn ab. Auch mit dieser Frage hatte sich die Schlichtungskommission zu befassen und zwar in einer Klage gegen die Firma Kirchner u. Schwedhelm. Die Klage wurde damit be- gründet, daß der Tarifvertrag ausdrücklich bestimmt, daß der Ar- beitstag als Einheit zu gelten hat, und ferner damit, daß eS doch nicht die Anficht deS Gesetzgebers war, den Arbeitern die Kosten für die Arbeiterschutzbestimmung aufzuerlegen. Im übrigen ver- stoße der Lohnabzug auch gegen die Bestimmung deS geltenden Tarifvertrags, daß bestehende bessere Arbeitsbedingungen nicht ver» schlechtert werden dürfen.— Das auS Mitgliedern der Schlich- tungSkommisston gebildete Schiedsgericht unter Vorsitz des MagistratSratS von Schulz hat jedoch die Klage zurückgewiesen und zwar mit der Begründung, daß noch der Arbeitsordnung der beklagten Firma alle Lohnarbeiten nur in Stundenlohn ausgeführt und berechnet werden. Der Tarifvertrag besagt: Die regelmäßige Arbeitszeit darf icht mehr als 64 Stunden betragen, und demnach fei es berechtigt, wenn da? Gesetz eS vorschreibe, die wöchentliche Arbeitszeit auf S3 Stunden herabzusetzen. Mit der Bestimmung des Tarifvertrags, daß Verschlechterungen der Arbeitsbedingungen nicht eintreten dürfen, seien nur sglche Verschlechterungen gemeint, die vom Arbeitgeber hervorgerufen werden. Die klägerischen An- sprüche könnten somit nicht anerkannt werden. Jedoch solle der beklagten Firma«mheimgegebcn werden, zu prüfen, ob es nicht an- gebracht sei, einen Ausgleich ftür die Lohnausfälle zu finden, die die Arbeiter infolge der gesetzlichen Schutzbestimmungen erleiden. Wie der Redner mit Recht hervorhob, läßt dieses Urteil des Schiedsgerichts jedes soziale Verständnis vermissen, wie denn über. Haupt das ganze Verhalten der Arbeitgeber in der Schlichtungs- kommission bewiesen hat, daß sie mit im voraus gefaßten Be- schlüssen zu den Sitzungen kommen, so daß von einem wirklichen Verhandeln nicht mehr die Rede sein kann. Es hat sich gezeigt, daß die Arbeiterschaft lediglich auf ihre eigene Kraft angewiesen ist. DaS wurde sowohl vom Referenten, wie in der Diskusskon ganz besonders betont. Die Versammlung nahm schließlich eine Resolu- tion an, in der die Branchenleitung beauftragt wird, mit der Ar- beitgebervereinigung zu verhandeln, um eine Ergänzung des Tarifvertrags zu schaffen, die eine weitere Ausdehnung der Frauen- arbeit zum Schaden der Gehilfen, sowie die Ausbreitung der Heim- arbeit nach Möglichkeit verhindern soll. Deurlcstes Retcfi. Der Streik in den Lahmeycrwerke» wurde für beendet erklärt- Die Arbeiter erzielten eine Arbeitszeitverkürzung von 1'/, Stunden pro Woche. Eonnäbends endet die Arbeitszeit um 2 Uhr mittags. Die Lohnerhöhungen betragen bei den am schlechtesten gestellten Arbeitern 18—21 Proz., bei den anderen durchschnittlich 5 Proz. ES darf nicht mehr- länger als ö7 Stunden in der Woche gearbeitet werden. Auf die weitergehende Forderung auf Einführung der ölstundigen Arbeitswoche haben die Arbeiter verzichtet, dafür wurde ihnen eine Erweiterung der Rechte des ArbeiterausschusieS zugestanden. Die Arbeit wird Dienstag wieder aufgenommen. Die Arbeiter wollen geschlossen wieder in die Fabrik hineingehen, ebenso wie sie geschlossen die Arbeit verlassen haben._ Zur Aussperrung der Schlächtergesellen in Hamburg. Der Terrorismus des JnnungsvorstandeS scheint keine Grenzen zu kennen. Die Gesellen, welche den„Revers", der geradezu er- presserisch gehalten ist, nicht unterschreiben, sollen nicht nur allein im Hamburger Gebiet, sondern in ganz Deutschland keine Arbeit erhalten. DaS geht aus folgendem Schreiben des Jnnungsvor- standes hervor, daß dieser an die„säumigen" Schlächtermeister versandte: „Geehrter Herr Kollegel Da von verschiedenen Kollegen die ihnen zugestellten Reverse noch nicht zurückgesandt wurden, die Namen der auszusperrenden Gesellen den auswärtigen Innungen aber tunlich st aufgegeben werden müssen, um deren anderweitige Einstellung zu inhibieren, bitten wir Sie dringend, gelegentlich der heurigen Versammlung bei den Mitgliedern Ihres Bezirks dahin wirken zu wollen, daß dieselben nunmehr die Reverse nach vollzogener Unterschrist an unser Bureau zurücksenden und dabei auch die Namen der aus» zusperrenden Gesellen aufgeben. t Mit kollegialem Gruß I. V.: I. H. Schuhmacher. 1. Borsitzender. Durch„Aufrufe" werden bereits Streikbrecher nach Hamburg gesucht. Wir bitten dringend, jeden Zuzug von Hamburg fern- zuhalten. Zentralverband der Fleischer. Hauptvorstand. Achtung. Schmiede, Schlosser! In einigen bürgerlichen Blättern werden Schmiede und Sivlosier durch Inserate nach Bassum (Eisenwerk) gesucht. Da sich die Arbeiter dieses Betriebe? im Streik befinden, ist der Zuzug streng fernzuhalten. Die Gärtnergehilfen und Gärtnereiarbeiter in Bremen strei- ken jetzt bereits in der fünften Woche. Alle Bemühungen um eine Beilegung des Kampfes durch einen Vergleich sind gescheitert. Auch die Anrufung des Eewerbegerichts führte zu keinem Erfolge, da die Unternehmer jegliche Verhandlung abgelehnt haben. Die Unternehmer hofften auf Zuzug von Arbeitswilligen am 1. Mai. Von den Erwarteten sind aber nur wenige eingetroffen, und diese wurden fast alle von den Streikposten abgefangen. Am Orte selbst sind von den Streikenden bisher noch keine abgefallen. Zu neuen Bedingungen arbeiten jetzt etwa 90 Mann. Im Streik stehen noch zirka 120, und sie sind entschlossen, auch weiterhin auszuharren. Die Unternehmer scheinen zu glauben, sie könnten die Streikenden aushungern, darin täuschen sie sich aber. Aus Mangel an Finanz, Mitteln wird der Streik auf keinen Fall abgebrochen werden. Bleibt auch weiterhin der Zuzug von außerhalb fern, dann darß auf den Sieg gerechnet werden. HusUnd, Anerkennung des Koalitionsrechtes der Staats» angestellten in Dänemark. Bis zum Jahre 1901, unter den konservativen Regierungen, war in Dänemark eine Anerkennung der Organisationen der Staats, angestellten ausgeschlossen. Wer irgendwie hervorragend für die Ziele der Organisation tätig war, mußte damit rechnen, strafver- setzt oder sonstwie gemaßregelt zu werden. Als dann das erste Linkenministerium ans Ruder kam, wurde das Vereinigungsrechtz der StaatSangestellten zwar anerkannt, aber in Wirklich nur fort, mell, denn verhandeln wollte man mit den Organisationsvertretern nicht. So ist es auch unter den folgenden sogenannten Linken, oder Koalitionsministerien geblieben. Die jetzige radikale Regierung will jedoch das Siecht der Organisationen, über die Lohn- und Ar» beitsbedingungen mit den Zentralministrationen zu verhandeln, in vollem Maße anerkennen. Seit einiger Zeit sind zwischen den Vertretern der verschiedenen Organisationen der StaatSangestellten und den Ministern Beratungen gepflogen worden, deren Ergebnis ein Regulativ für Verhandlungen über die Lohn- undArbeitSvehältniffe der Angestellten und Beamten des Staates ist. Das Regulativ besagt in seinen wichtigsten Sätzen: Alle Gesetzesvorschläge, die die Pflichten und Rechte der Staats» angestellten berühren, sowie Instruktionen und Regulative von all, gemeinem Charakter werden zum Gegenstand von Verhandlungen mit den Angestelltem gemacht. Jede der Organisationen kann sich in allen fachlichen, nichttechnischen Fragen, die sämtliche Angestellte des betreffenden Etats oder Gruppen oder nur einzelne Angestellte angehen, an die Zentraladministration wenden. Die VerHand- langen werden mit einem Verhandlungsausschuß gepftogen, dessen Mitglieder in dem betreffenden Etat angestellt fem sollen, jedoch sind die Vertreter der Organisation berechtigt, an den VerHand, langen teilzunehmen, auch wenn sie nicht in dem Etat angestellt sind, also auch wenn sie nicht im Staatsdienst tätig sind.— Di« Anerkennung des Verhandlungsrechts und das den Gnrichl, sätzen der Gewerkschaften entsprechend« Verhandlungsregulativ»Kr- den von den dänischen StaatSangestellten als ein bedeutender Fort, schritt angesehen, und sicherlich auch mit Recht. Di« Organisationevl der StaatSangestellten haben am Mittwoch und Donneritag Extra« nummern ihrer Verbandsorgane herausgegeben, worin das ver- einbarte Regulativ abgedruckt ist, mit den Unterschriften der Orga« nisationSvertreter._ Die Londoner Schutzleute haben Vach jahrelanger Ugitatwn den wöchentlichen Ruhetag erhalten. Dadurch wird die Einstellung von etwa 1500 neuen Schutzleuten notwendig. Letzte IVachricbten und Dcpelcbcn. Generalstreik der belgischen Bergarbeiter. Brüssel. 7. Mai.(B. H.) Die Delegierten de« Ler« bände« der Bergarbtilersyndtkate beschlossen im Bolkshause zu Hornu den Generalausstand der Bergarbeiter für Montag morgen. Die Delegierten vertraten insgesamt 20 000 Gruben- arbetter. Man befürchtet Zwischenfälle. Gegen die russische Vergewaltigung. Helsingfors, 7. Mar.(Privatdepesche deS„Vorwärts".)' Im finnländifchen Landtag stand heute der ruf- fische Entrechtungsvorschlag zur Debatte. Die Re- solution, in der erklärt wird, der finnische LandtaZ könne seine konstitutionellen Rechte nicht aufgeben, er halle an der Verfassung fest und lehne daS von der Negierung geforderte Gutachten ab, wurde einstimmig angenommen. Die Lage in Albanien. Saloniki, 7. Mai.(W. T. B.) Die militärischen Vorkehrungen in Oberalbanicn werden fortgesetzt und die Truppentransporte dauern an. AuS Wutschitra werden neue Wirren gemeldet. Mehrere Treffen mit den Aufständischen haben östlich von Katschanik stattgefunden. Radowina und Korbulik wurden bombardiert. Der Paß von Conaljewo wurde von vier Bataillonen ohne Widerstand von feiten der Arnauten besetzt. Uesküb, 7. Mai. fuhren beide aus Berlin fort. Jckert unterhielt mit der 15 Jahre alten Frida Auersch ein Liebesverhältnis, von dem jedoch die beiderseitigen Eltern nichts wußten. Als die Pflegemutter des Jckert sich die Liebelei verbat, verließ I., dem das Verstoßen aus dem Hause angedroht worden ist, das Haus seiner Mutter. In Berlin taufte er einen Revolver. Der Plan, gemeinsam aus dem Leben zu scheiden, wurde von dem Liebespaar reiflich besprochen. Von Wildpark gingen die beiden noch Ald-Gelww zu. Unterwegs fehlte dem Jckert die Kräfte sich und seine Geliebte zu töten. Sie gingen weiter und richteten je eine Abschiedskarte an die Eltern mit der Bitte, gemeinsam beerdigt zu werden.— Bors.: Wollten Sie die Auersch töten. I.: Ja, mte ihrem Einverständnis! Wir hatten ein Liebesverhältnis und wollten uns heiraten I Vors.: Das Ver- hältnis fand weder die Billigung ihrer eigenen noch der Eltern de-r A.? I.: Ja! Die Eltern wußten nichts davon!— Jckert schilderte nun die Szenen bei den Schüssen: Wir kamen zuerst zu einer kleinen Hütte. Ich sagte, hier ist Gelegenheit dazu. Die Frida aber wollte ein bißchen weiter laufen. Wir gingen dann in eine Laube. Ich fragte, ob sie einverstanden sei. Frida sagte, Ja Max, ziel aber gut aufs Herz; sie öffnete das Jackett und zeigte die Herzstelle. Ich wollte zuerst sie erschießen. Der Revolver funktionierte nicht richtig. Ich schoß dann ab und Frieda sank getroffen hin. Sie rief mir zu: Du hast mich schlecht getroffenl Dann feuerte ich einen Schuß auf mich. Ich hörte nur, wie sie noch sagte: Max, richte mich nochmal hoch! Dann verlor ich das Bewußtsein, bis ich in der Laube aufgerüttelt wurde. Die Zeugin Auersch bestätigte die Angaben des Jckert, ohne ihn anzusehen und gab zu, dah sie ihn aufgefordert habe, sie zu töten, weil sie ohne einatider mcht leben konnten. Während Jckert bewußtlos dalag, erwachte sie. Sie erhob sich unter großen Schmerzen und ging zu den Bauern, um Hilfe zu holen, weil sie glaubte, ihr Schatz sei tot. Die Bauern schickten sie zum Gemeindevorsteher. Der veranlaßte dann ihren Transport nach Potsdam. Die Auersch hatte Schußwunden in der Brust, Jckert in der Herzgegend. Die Kugel prallte an einer Rippe ab. Am Schluß der Beweisaufnahme gab Direktor Barchewitz als Vorsitzender den beiden väterliche Ermahnungen. Es ist unerhörtz, so mit dem Leben zu spielen. Man geht doch nicht wegen einer solchen Dummheit aus dem Leben. Der Staatsanwalt beantragte einen Monat Gefängnis. Vors.: Sie können doch nicht straffrei rumgehcn, sonst knallen Sie in Berlin und hier iminerfo-rt herum. Wenn Ihnen eine fünfzehn- jährige Göhr« sagt, schieß mich wt, so hauen Sie ihr eine Anter die Ochrcn, dos ist die richtige Antwort. Mit dem Leben spielt man nicht! Das Gericht verurteilte den Angeklagten wegen ge- fährlicher Körperverletzung zu 50 M. Geldstrafe. Vors.: Aber nun lassen Sie die Sachen und gehen Sie in sich. Unterschlagung eines Bureauassistenten. Unter der Anklage des Amtsverbrcchens stand gestern der Bureauassistent Otto Boehlke vor dem Schwurgericht des Land- gerichts II. Der Angeklagte ist aus dem Militäranwärterstande im Jahre 1905 beim Schönebcrger Magistrat als Bureauassistent angestellt worden. Als solcher wurde er gegen Ende v. Js. damit betraut, beim städtischen Krankenhause in Schöneberg die Ein- Zahlungen in Empfang zu nehmen, die nach Schluß der Bureau- stunden geleistet wurden. Von diesen an ihn bezahlten Summen hat er in 17 Fällen Beträge in Höhe von 885 M. nicht an die Kasse abgeliefert, sondern für sich verwandt und die Registereintragungen entsprechend gefälscht.— Er war vollkommen geständig. Da er in einer gewissen Notlage sich befunden, verurteilte ihn das Gericht nur zu 9 Monaten Gefängnis. Zuhälterei. Einer jener gemeingefährlichen Menschen, die junge nner- fahren? Mädchen erst auf den Weg des Lasters bringen, um sie dann bis aufs Blut zu peinigen und auszunutzen, wurde gestern vor der 4. Strafkammer des Landgerichts I auf längere Zeit un° schädlich gemacht. Aus der Untersuchungshast wurde der„Schlaf- ser' Richard Koschmann vorgeführt, um sich wegen qualifizierter Zuhälterei zu verantworten.— Der Angeklagte lernte vor einiger Zeit die jetzt 18jährige Verkäuferin W. kennen. Zwischen beiden entwickelte sich ein Liebesverhältnis. Als ihm die W. eines Tages eine kleine Unredlichkeit eingestand, die sie begangen hatte, ließ der Angeklagte die Maske fallen und erging sich in allen möglichen Drohungen, bis er das Mädchen vollkommen seinem Willen unter» tan gemacht hatte. Unter Schlägen und Drohungen jagte er die W. anf die Straße hinaus, wo sie mit Männern Bekanntschaften anknüpfen mußte. Er selbst folgte dann auf der anderen Straßen- feite und spielte die Rolle des„Beschützers". Den Schandlohn, den die W. empfing, mutzte sie auf Heller und Pfennig abliefern. Wenn ihm der Betrag nicht hoch genug war, fiel der Angeklagte über das Mädchen her und mißhandelte es in der rohesten Weise. Als endlich von Hausbewohnern, die dieses Treiben beobachtet hatten, Anzeige erstattet wurde und der Angeklagte von dem 5Tri- minalwachtrneister Sommerfeld verhaftet wurde, hatte die W. dick- geschwollene blauverfäribte Augen, die von den Mißhandlungen her- rührten.-— Das Gericht hielt mit Rücksicht auf das schändliche Treiben des Angeklagten eine exemplarische Strafe für geboten und erkannte auf 1 Jahre Gefängnis und 3 Jahre Ehrverlust. Außerdem wurde die Ucberwcisung an das Arbeitshaus über den Angeklagten verhängt._ Ein„Kinberfrennd". Der Pensionär Hermann Grllper hatte sich gestern unter der Anklage des Sittlichkcrtsvcrbcchens vor der 3. Strafkammer des Landgerichts I zu verantworten. Der Angeklagte, welcher bisher völlig unbescholten ist, hat 14 Jahre bei der Marine gedient und bezieht jetzt eine Jnvalidenpension. Eines Tages hatte der An- geklagte in einem Lokal in der Nähe der Oranienstraße stark ge- kneipt. In seinem angetrunkenen Zustande sprach er ein vier- jähriges Mädchen an und lockte es unter dem Versprechen, ihr Bonbons zu schenken auf die Bodentreppe. Gerade in dem Augen- blick, als sich der gefahrliche Kinderfreund an dem Mädchen ver- gehen wollte, wurde er von einer hinzukommenden Frau gestört, sodaß das Kind vor jedem Schaden bewahrt blieb.— Der Staat?» anwalt beantragte eine Zuchthausstrafe von 3 Jahren. Das Ge- richt ging über den Antrag hinaus und erkannte mit Rücksicht darauf daß gegen derartige gemeingefährliche„Kindersteunde" mit aller Schärfe des Gesetzes vorgegangen werden müsse, um ab- schreckend zu wirken, auf eine Zuchthausstrafe von 4 Jahren. Verfarrnnhingen. Transpvrtarbeiterverband. In der am Montag abgehaltenen Generalversammlung der Verwaltung Groß-Berlin erstattete Werner den Geschäftsbericht für das erste Quartal. Er hob hervor, daß die günstigere Gestaltung der Konjunktur eine leb- hafterc Agitationsarbeit ermöglichte, deren Erfolg sich dadurch zeigte, daß im Laufe des Quartals 3524 Neuaufnahmen gemacht wurden. Auch die Lohnbewegungen waren infolge der besseren Konjunktur zahlreicher als im vorigen Quartal. In verschiedenen Betrieben und Branchen wurden ohne Streik für 640 Arbeiter Lohnerhöhungen von 1—2,50 M. pro Woche erzielt. In vier Be- trieben wurden durch Streiks Vereinbarungen herbeigeführt, welche Verkürzungen der Arbeitszeit und Erhöhungen des Lohnes brach. ten. Drei Abwehrstreiks hatten beabsichtigten Erfolg. Ein Ab- wehrstrei! blieb ohne Erfolg.— Der vom Kassierer St ein icke erstattete Kassenbericht zeigt eine Einnahme von 164 542,72 M. (darunter 52163,72 M. alter Bestand), die Ausgabe beträgt 163 586,82 M., bleibt ein Bestand vön 53 169,62 M. Für Unter- stützungszwecke wurden ausgegeben an Arbeitslose 20 940 M., an Reisende 109 M., an Kranke 36 275 M., an Streikende 7806 M., an Gemaßregelte 3251 M., Beerdigungsbeihilfe 6462 M., Extra- Unterstützung 1510 M.— Der Mitgliederbestand betrug am 1. Januar 30495 männliche, 1459 weibliche, 775 jugendliche. Am 1. April 31 004 männliche, 1427 weibliche, 897 jugendliche.— Auf dem Arbeitsnachweis ließen sich 3130 Arbeitsuchende eintragen. Gemeldet wurden 2065 feste und 2725 Aushilfsstellen, besetzt wur- den 1306 feste und 2612 Aushilfsstellen.— Die Berichte gaben keinen Anlaß zu erheblichen Ausstellungen. An einem Zitat aus einer der letzten Nummern der„Berliner Morgenpost" wurde von mehreren Rednern gezeigt, wie das ge- nannte, sich manchmal arbeiterfreundlich geberdende Blatt in Wirk- lichkeit über Arbeiter denkt. In einer Plauderei, welche Bezug nimmt auf die bekannte unwahre Preßnotiz von einem angeb. lichen Ueberfall streikender Gerüstbauer der Firma A l t m a n auf Arbeitswillige, werden die solchergestalt verleumdeten strei- kenden Arbeiter als grüne Jungens und Lümmels bezeichnet. Diese dreiste Verhöhnung von Arbeitern durch die„Morgenpost" wurde in der Versammlung mit berechtigter Entrüstung cntgcgenge- nommen. Die Arbeiter, welche Leser der„Morgenpost" sind, wurden aufgefordert, aus diesem Verhalten des Blattes ihre Kon» sequenzen zu ziehen und unter Berufung auf die Anpöbelung Streikender das Blatt abzubestellen und den„Vorwärts" zu abonnieren. 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Sin«» A go� Kerlig gt-m 27.Z.W-. 2, Ktilllgt des Jorniörts" Kerliver UcksdlM. �«. s.«.w. Lievei'ktfebaftlieke kunckkekau. Wenn wir auch unsere gewerkschaftliche Rundschau vornehm- nch der Besprechung der Literatur über die Gewerkschaften und insbesondere der von den Gewerkschaften stammenden Literatur widmen, müssen wir doch an die Spitze unserer Rundschau diesmal die so bedeutungsvolle wie erfreuliche Tatsache stellen, daß trotz der Fortdauer der wirtschaftlichen Krise ihre Folgen von den Gewerkschaften überwunden sind. Tas bedeutungsvollste Zeichen für diese Tatsache sehen wir in der Auflage der„Metallarbeiter-Zcitung", dke tn ihrer vorletzten Märznummer die Zahl 40t> 000 erreicht hatte. Bleibt auch hinter dieser auch zeitungstechnisch bedeutsamen Riesen- aufläge die Mitgliederzahl ein wenig zurück, so betrug sie doch Ende des Jahres 190S 373 349; sie wird nun mit Riesenschritten der Voll- endung des vierten Hunderttausend entgegengeben. Das Jahr 1908 blieb— ganz unbedeutend— mit seiner Mitgliedcrzahl hinter der des Jahres 1907 zurück. Sonst zeigt der Metallarbeiter- verband auch in den Jahren der Krise ein Steigen der Mit- gliederzahl und damit kräftige Gesundheit, die den wirtschaftlichen Krankheitserregern gewachsen ist, sie zu überwinden befähigt. Tie letzte Märznummer der„Metallarbeiter-Zeitung" ist nicht bloß wegen der hohen Auflageziffer ein wichtiges Dokument für die EntWickelung der Gewerkschaftsbewegung im Deutschen Reiche; die ganze Nummer wird uns wertvoll bleiben durch die Jahres- abrechnung der Organisation für das Jahr 1909. Wir sehen aus dem Vergleich der Jahre 1908 und 1909 eine Mitgliederzunahme bei den männlichen, bei den jugendlichen Arbeitern und auch bei den Arbeiterinnen. Am schwächsten war die Zunahme bei den Arbeiterinnen, prozentual am bedeutungsvollsten bei den jugendlichen Arbeitern, absolut am kräftigsten bei den männlichen Ar- beitern. Aus der Statistik über die Mitgliederbetoegung nach Be- rufen, die die Metallarbeiter in 31 Gruppen teilt, ersehen wir, daß eine Mitgliederabnabme nur b�i den Gelb-, Rot-, Glocken- und Metallgießern, bei den Goldarbeitern, in der optischen Industrie, bc: den Schmieden und Werkarbeitern festzustellen war. Berlin zeigt von 1907 bis 1909 eine, wenn auch sehr langsame, Zunahme der Mitgliederzahl. Ein sehr interessanter Beweis für die Kraft der Organisation während der Krise ist die Steigerung der Reineinnahmen der Verbandskasse, die im Jahre 1909 größer als im Fahre 1908 und hier wieder die des Jahres 1907 überstieg. 10 383 503 M. wurden vom Zentralkassierer im Jahre 1909 eingenommen. Die Gesundung zeigt sich auch in dem Rü-ckgang der Ausgaben für Unterstützungen, die im Jahre 1908 mehr wie 2% Millionen größer war wie im Jahre 1907; im Jahre 1909 aber in einem frei- lich noch nicht erheblichen Rückgang begriffen war. Etwas mehr wie eine Drittelmillion wurde im Jahre 1909 weniger verausgabt wie im Jahre 1908. Geringer als im Jahre 1908 waren die Aus- gaben für Reisegeld, Umzugßunterstützung und Krankenunter- siützung, dann auch für Gemaßregeltcnunterstützung. für Unter- ftützungen in besonderen Notfällen und für Rechtsschutz. Für die Vorsickst der Verbandsleitung und für die Berücksichtigung der Ver- Hältnisse spricht die relativ starke Verminderung der Streikunter- siützung. Gestiegen ist, wenn auch nicht erheblich, die Unterstützung der Arbeitslosen am Orte und das Sterbegeld. Es konnte eine Zunahme des Gesamtvermögens des Verbandes auch im der- flossenen Krisenjahre festgestellt werden. Ist das Vermögen des Metallarbciterverbandes auch nicht von imponierender Höhe, so ist es doch nach einer Reihe von strisenjahren noch immer sehr ansehn- lich. ES betrug Ende 1909 mehr als SM Millionen Mark. Bei der Gründung der Jndustrieverbände wurde bielfach die Befürchtung ausgesprochen, die wir ja auch zeitweise hören, wenn eine Branche und Organisation in einen großen Jndustrieverband aufgehen soll, daß die Interessen der Arbeiter kleiner GewerbS- zweige in einem so großen Körper nicht richtig beachtet werden dürften, und daß die Aufmerksamkeit der Zentralleitungen sich auf die großen Berufsgruppen ganz ausschließlich konzentrieren würde. Tic Geschichte des Deutschen Holzarbeiter- und Mctallarbeiterver- bandes, der ältesten und ausgebildetsten Jndustrieverbände, zer- streut glänzend diese Befürchtung. Eine ganze Reibe liebevoller und eindringlicher Untersuchungen über die Verhältnisse der Arbeiter klerner Branchen verdanken wir diesen beiden Jndustrieverbänden. Bor kurzem erschienen Statistische Erhebungen über die Lage der Berufe der Fein- Mechanik, Optik und verwandten Gewerbe. Die schön ausgestattete, hauptsächlich tabellarische Arbeit wurde vom Vorstand des Deutschen Metallarbeiterverbandcs veranstaltet und von ihm herausgegeben. Tie Feinmechanik und Optik, diese Ge- werbe, die unseren Vätern als Musterbeispiel handwerksmäßiger Betriebsart und Kunstfertigkeit erschienen, sind von dem Strome der wirtschaftlichen EntWickelung kraftvoll erfaßt in gewaltige Weltindustrien und Riesenbetriebe zusammengetrieben worden, während an die(Genauigkeit und Feinheit der Instrumente nun Anforderungen gestellt werden, die noch vor wenigen Jahrzehnten theoretisch unmöglich und praktisch undurchführbar erschienen. So sieht man, daß der Gegenstand, den der Metallarbeiterverband zur Statistik der Untersuchung gewählt hat, nicht nur vom gewerkschaft- lichen Standpunkte aus, sondern auch unter allgemein Wissenschaft- lichem Gesichtspunkte sehr bedeutungsvoll ist. Sehr dankenswert ist, daß man die Untersuchungsmcthoden und Zählmaterialien ganz genau kennen lernt, die die Resultate der Arbeit zur Voraussetzung haben; Fragebogen, Zirkulare usw. werden in der Einleitung ver- öffentlicht. Die gewaltige Entwicklung dieser Industrie ersieht man daraus, daß man in dieser Jndustriegruppe im Jahre 189S 4 Betriebe mit über 500 Arbeitern zählte, dagegen im Jahre 1907 25 Betriebe mit über 500 Arbeitern. In diesen größten Betrieben waren im Jahre 1895 6032 Arbeiter beschäftigt, im Jahre 1907 aber 37 314. Ganz neue Industrien sind entstanden: wie der Bau von Phonographen, Grammophonen, andere haben starke Um- Wandlungen erfahren. Nicht ganz 50 Proz. der ermittelten Arbeiter waren organisiert, bloß 1,4 Proz. gehörten dem Hirsch-Duncker- schen Gewerkverein, bloß 0,4 Proz. der christlichen Organisation an. Diese beiden Organisationen hatten zusammen 429, der Deutsche Metallarbeitervcrband dagegen 10 027 Mitglieder, die diesen Bran- chen angehären. Daß dieser Verband der einzige ist, der die Jnter- essen der Arbeiter vertreten und auf die Gestaltung des Arbeits- Verhältnisses wirken kann, geht so mit aller Klarheit hervor. Je 9 Proz. der Arbeiter haben eine tägliche Arbeitszeit von 8 und Slh Stunden, 36,9 Proz. von 9 Stunden; also über die Hälfte ar- betten nicht mehr als 9 Stunden. Hierzu kommen dann 44,6 Proz. mit dVz und 10 Stunden und 0,5 Proz. mit mehr wie 10 Stunden Arbeitszeit. Dabei ist zu bemerken, daß, freilich in einem Jahre allgemeiner wirtschaftlicher Krise, nur 15,4 Proz. der Arbeiter Ucberstunden ausgeführt haben. Charakteristisch für diese Industrie, bei der es auf hohe Genauigkeit, auf sauberste Arbeit ankommt, ist die Feststellung, daß 99 Proz. in Akkord arbeiten. Der durch- schnittliche Stundenlohn der gelernten Arbeiter ist bei den Bohrern mit 46,1 Pf. am niedrigsten, nur ganz ttxmig höher mit 46,3 Pf. bei den Optikern, am höchsten bei den Hoblern mit 51,4 Pfennig und bei den Werkzeugmachern mit 55,5 Pf. Hilfsarbeiter erhalten 39,1, die Arbeiterinnen 28,8 Pf. Stundenlohn. Der Akkord- verdienst pro Stunde ist bei den Arbeiterinnen niedriger als der Zeitlohn. Er ist am höchsten mit 62 Pf. bei den Mechanikern, und mit 60,1 Pf. bei den Hoblern. Bei den übrigen gelernten Arbeitern beträgt er 54,7 bis 59 Pf., bei den ungelernten Arbeitern 46,4 Pf., bei den Arbeiterinnen 27,3 Pf. Seit 1886 ist der Durchschnittslohn in der Berufsgenossenschaft für Feinmechanik um 348,10 M. ge- stiegen, vor allem eine Frucht jahrelanger gewerkschaftlicher Arbeit. Ferien oder Erholungsurlaub gewähren 19 Firmen, der aber zum Teil nicht für alle Arbeiter beziehentlich Angestellte in Betracht kommt. Bei 13 von den 19 Firmen beträgt der Urlaub bloß 1, 2, 4 beziehentlich 6 Tage, bei 3 8 Tage, bei 1 10 Tage und bei 2 14 Tage. Mit diesen Angaben ist natürlich lange nicht er- schöpft, was sich an Aufhellungen über die Lage dieser Arbeits- kategorie feststellen läßt. Wertvolle Angaben über die Arbeitslosig- kcit, über die Hygiene, über die Arbeiterausschüsse, weiteres über Arbeitszeit und Entlohnung, und dann eine größere Anzahl von Tabellen für jeden einzelnen Ort und jede einzelne Arbeiter- kategorie zur genauen Feststellung von Lohn und Akkordverdienst pro Stunde finden wir hier in der fleißigen und wichtigen Arbeit. Ortsberichtc. Behandelt der Mctallarbeiterverband in der eben erwähnten Schrift eine Berufsgruppe von Arbeitern, so bat er auch eine große Anzahl von Veröffentlichungen, die seine Mitglieder an einem Orte betreffen, von denen wir als Beispiel den Geschäftsbericht für das Jahr 1909 der Verwaltungsstelle Nürnberg des Deutschen Metallarbeiterverbandes hervorheben wollen. Die Nürnberger Metallindustrie ist für die gesamte deutsche Gewerkschaftsbewegung als eines der wichtigsten Experimentierfclder der Unternehmer für ihre gelben Organisationen von großer Bedeutung. Deswegen ist es erfreulich, in dem Berichte zu lesen, daß der gelbe Arbeitsnachwcisführer der Siemens- Schuckert-Werke in Nürnberg einem Miiyliede des Metallarbeiterverbandes einmal direkt sagte:„Ich bringe keinen mehr ins Ge- schüft; man hat keinen Dank davon; wenn die Leute eingestellt sind, gehen sie doch zu den Roten!" Die wirtschaftliche Krise lastete schwer auf der Nürnberger Metallindustrie, so daß das Hauptaugenmerk darauf gerichtet werden mußte, die Wirkungen der Krise abzuschwächen, beziehentlich sie auf eine möglichst große Anzahl von Arbeitern zu verteilen, damit sie nicht eine geringere Anzahl mit voller Wucht treffe. Es ist deshalb interessant, aus dem Berichte die nachstehende Stelle zu entnehmen:„In der Maschincnindustrie hat sich ein außerordent- lich unschönes Bild gezeigt. Man ließ die Arbeiter Wochen-, ja monatelang verkürzt arbeiten; wenn dann endlich einmal ein paar Stücke Arbeit vorhanden waren, dann wurden alle Hebel in Be- wegung gesetzt, um die Arbeit so rasch als möglich wieder hinaus- zubringen. Ueberstunden wurden gemacht, die Arbeiter wurden in einer Art angetrieben, die mit den Grundsätzen der Humanität und Hygiene nicht zu vereinbaren war. Es kam vor, daß ein Ar- bester, der an einem Tage Ueberstunden machen mußte, am anderen Tage auf seine Kosten spazieren gehen konnte, weil keine Arbeit vorhanden war." Daß dies ein ganz ungesunder Zustand ist, braucht wohl nicht bewiesen zu werden. Ter ganze Bericht ist ein wichtiges Dokument für die Beurteilung der letzten leider noch nicht abgeschlossenen Krise. Besonders bemerkenswert ist die Betrachtung der Verhältnisse in der Blattgoldindustric, deren EntWickelung in den letzten 20 Jahren als eines der traurigsten Kapitel deutscher WirtschaftSentwickelung geschrieben werden müßte. Trotz all der Schwierigkeiten infolge der Krise gelang es, einige Vereinbarungen mit den Unternehmern abzuschließen und andere zu erneuern. Die wirtschaftliche Krise hat das Wachstum der Organisation nicht zu hemmen vermocht. Freilich ist es un- bedeutend, ober schon die Erhaltung des bestehenden Zustandes ist eine große Leistung in diesen schweren Zeiten. Hauptkasse und Lokalkasse schließen in Einnahmen und Ausgaben mit über 916 000 Mark ab. wobei freilich 70 000 M. sowohl in der Abrechnung der Hauptkasse, als in der der Lokalkasse vprkommen. Trotzdem war eine Abrechnung für diese eine Verwaltungsstelle des Metall- arbeiterverbandeS für kleinere Zentralverbände noch vor nicht vielen Jahren ein erstrebenswerter Jahresumsatz. Der Bericht enthält weiter das eingehende Ortsstatut der Verwaltungsstelle Nürnberg und die besonderen Bestimmungen für die Unterstützung der Strei- kcnden. Eine sehr eingehende Krankenstatistik schließt das Werk- chen ab. Umfangreicher ist der Jahresbericht der Zahlstellen in Nürn- bcrg des Deutschen Holzarbeiterverdandcs für das Jahr 1909. Er ist ein wichtiger Beitrag für die S t r e i k g e s ch i ch t e des ver. flossenen Jahres. In einer sehr umfangreichen, mit Aktenstücken, Statistiken und Reproduktionen von Photographien versehenen Darstellung wird der große Abwehrstrcik in der Zelluloidwaren- fabrik der Gebrüder Wolff dargestellt. Die Solidarität von Stadt- Verwaltung, Polizei, bürgerlicher Presse mit dem Scharfmachertum wird hier in einer frischen und rückhaltslosen Weise bewiesen. Jahrbuch der Bäcker und Konditoren. Weit umfangreicher ist natürlich das Jahrbuch für daS Jahr 1909, das der Verband der Bäcker, Konitoren und verwandten Be- rufsgenossen Deutschlands herausgegeben hat. Wird dieses Buch von den Mitgliedern eifrig gelesen, so kann sein Inhalt zu einer Waffenkammer der gewerkschaftlichen Organisation werden. Was die Arbeiter dieser Berufe angeht, was sich im verflossenen Jahre innerhalb ihres Wirkungskreises ereignet hat, wird hier eingehend dargestellt. Das Buch beginnt charaktcristischerweise niit einer Darstellung der Arbeitslosigkeit, die ihren Höhepunkt in dem 1. Quartal 1909 erreichte, mit 57 287 Arbeitslosentagen gegenüber 47 680 Arbcitsloscntagen im 1. Quartal 1908. Auf jeden Arbeits* losen entfielen in den drei ersten Quartalen 1909 17,2, 17, 16 Ar- beitslosentage. In der entsprechenden Zeit des Jahres 1908 wurden 14,1, 14,8, 16,4 Arbeitslosentage auf einen Beschäftigungslosen ge-' zählt. Dabei war die Arbeitslosenzeit bei den Bäckern noch unter dem Durchschnitt, denn sie betrug in den anderen Berufsorganifa- tionen für jeden Arbeitslosen in den ersten drei Quartalen des Jahres 1909 22,7, 17,8, 18 Arbcitslosentage. Nach eingehenden Auseinandersetzungen über die Arbeitslosigkeit, über die Leistungen der Gewerkschaften und über die Tatenlosigkeit der Regierungen auf dem Gebiete der Arbeitslosenunterstützung behandelt der Bericht die neuen Steuern und ihre Einwirkung auf die Lebens- Haltung der Arbeiter. Ein sehr umfangreiches Kapitel ist dem Petitionskampfe um den llststündigen wöchentlichen Ruhetag ge- widmet. Von großer Wichtigkeit für den Arbeitcrschutz ist die Zu» sammenstellung der zahlreichen Verordnungen über die Sonntags- ruhe, über die Einrichtung der Bäckereien und Konditoreien und über die drei Freinächtc, mit den dazu gehörigen Kommentaren der Organisation. Nachdem die Leser über die Preise der wichtigsten Rohmaterialien informiert worden sind, werden die Tarifverhand- hingen mit dem Zentralverband deutscher Konsumvereine und ihr Ergebnis dargelegt. Hierauf folgen zahlreiche Einzelberichte über Lohn- und Tarisbewegungen, Streiks, die beweisen, daß die Or- ganisation trotz der wirtschaftlichen Krise keinen Tag vergehen ließ, ohne die Interessen ihrer Mitglieder zu wahren. Tie Statistik über die Tarifbewegungen schließt tampfesfreudig und siegesbewußt mit einem Ausblick in die Zukunft. Ueber die innere EntWickelung des Verbandes, über die Arbeitsvermittelung, dann über die Verhand- lungcn der verwandten Organisationen wird manches beigebracht, was für die Kenntnis der Gewerkschaftsbewegung von großem Interesse ist. Hieran schließen sich Berichte über die Statistik, über die Unternehmerorganisationen und über die ihnen verwandten gegnerischen Arbeiterorganisationen. Uebersichten über den Mit- gliederstand, die Kassengebarung, das Untcrstützungswesen in unseren wie auch in den feindlichen Arbeiterorganisationen, Bc- richte der Gauleiter, der Redaktion und des Ausschusses fügen sich an. In den Schlutzbetrachtungen loird noch einmal die beachtens- werte Mitglicderzunahme festgestellt. Der Verbandsvorstand schließt seinen schönen Bericht mit den nachstehenden Sätzen:„Die kommenden Jahre werden Jahre der erbittertsten wirtschaftlichen Kämpfe für uns sein. Es kann also nur eines für sämtliche Mit- glicder gelten: Stellt Eure Person in die Dienste der Organisa- tionl Streut hinaus den Samen der Aufklärung in alle Werk- stätten und Fabriksäle, wo Tausende unserer Berufskollegen unter den Torturen des kapitalistischen Ausbeutungssystems leiden und schmachten müssen. Zeigt ihnen den Weg in die Organisation, dort« wo gemeinsam die Interessen für alle vertreten werden! Sisyphusarbeit. a, Zum Schlüsse unserer gewerkschaftlichen Uebersicht müssen wie ein kleines Schriftchen erwähnen:„Sisyphusarbeit oder positive Erfolge?"(Beiträge zur Wertschätzung der Tätigkeit der deutschen Gewerkschaften.) Wir finden da fast unverändert Artikel, die das „Correspondenzblatt der Generalkommission der Gewerkschaften" gegen einige Ausführungen Kautskys in seiner Schrift:„Der Weg zur Macht" veröffentlicht hat. Wären auch die Materialien jkautskys dieser Schrift einverleibt worden, so hätte man das ganze Material zusammen und damit ein noch bedeutsameres Dokument über diesen Streit. Freilich wurzelt dieser Streit tiefer. Manches Mißverständnis auf beiden Seiten dürfte später zugestanden wer» den. Manches wird bewiesen, was t�r Gegner eigentlich nicht be» stritten hat. Vielfach liegen die Differenzen mehr in der quantita- tiven Einschätzung der Erfolge der Gewerkschaften, als in ihrer prinzipiellen Wertung. Kautsky ist sicherlich kein Feind der Ge» werkschaften: er hat nie etwas gegen die Gewerkschaften geschrieben, im Gegenteil ihre Bedeutung ganz im Geiste von Marx immer gewürdigt: wohl aber werten die Genossen von der General- kommission die Gewerkschaften ganz anders, höhtr als Kautsky. Daß die Gewerkschaften am bedeutungsvollsten zur Hebung der Klaffenlage der Arbeiter beigetragen Häven, sieht fest, daß die Ge- werksclmftcn in Deutschland mehr zur Hebung der Lage der Ar- beiterklasse als alle Akte der Regierung geleistet haben, und daß sie allein die Lebenshaltung der Arbeiter gegen die prcissteigcnden Tendenzen der Agrarier verteidigt haben, steht für uns fest; eS wird belegt durch die vielen tatsächlichen Feststellungen in diesem Schriftchen. Hierin liegt ihr Wert, aber auch eine sicher nicht ge- wollte Gefahr. Nawe Menschen, unehrliche Unteruehmersekretäre, sonstige Feinde der Arbeiterklasse könnten ans dem Schriftchen berauslefen, daß die Arbeiter zufrieden sein können, oder daß die Arbeiter durch die gewerkschaftlichen Organisationen zu einer Be- friedigung ihrer Wünsche innerhalb der kapitalistischen WirifchaftS» ordnung gelangen könnten. Daß das nicht der Fall ist, nicht der Fall sein kann, das lehrt die Krise und ihre so langsame und ver- zögerte Uebcrwindung, daS lehrt jedes tiefere Eindringen in die bisherige EntWickelung und in die vorauszusehenden Tendenzen der kapitalistischen Gesellschaftsordnung. Die Leistungsfähigkeit der Gewerkschaften hat ihre Grenzen, darüber sind sich Kautsky wie die Verfasser der„Sisyphusarbeit" völlig einig. Freilich, wo diese Grenzen sind, darüber herrscht keine einheitliche Anschauung. Wir alle müssen die Erfolge der Gewerkschaftsbewegung anerkennen, und freudig anerkennen. Aber wir alle müssen auch wissen, daß die Gewerkschaftsbewegung die Existenz der Arbeiter in der kapita- listischen Gefellschaftsordnung nicht zu sichern vermag, daß der Kampf mit allen Waffen gegen die kapitalistische Gcwerkschafts- ordnung uns aufgedrungen wird, weil die Gewerkschaften allein über einen gewissen Punkt hinaus nicht wirken könnten. Gerade jetzt sehen wir stärker als je die Notwendigkeit eines einheitlichen Kämpfes des deutschen Proletariats, und diese Erkenntnis zwingt uns, die in uns allen wohnende Freude an der Polemik einzu- schränken.> Wie immer man über die sachliche Frage denken mag, unver- ständlich wird die Art der Polemik gegen einen Mann wie Kautsky, dessen Werke Hunderttausenden von Gclverksckmstlern und allen Ge- werkschastsführern reichliche Belehrung geschaffen haben. Ihn zu behandeln wie einen Sekretär einer fcharsmacherifchen Unter- nehmerorganisation widerspricht dem Gefühle aller, denen Kautsky ein Lehrer war. Es ist keine Feindschaft gegen die Gewerkschaften, wenn man die Grenzen ihrer Wirksamkeit zu erkennen sucht. Thealer und Vergnügungen (Siehe Wochen- Spielplan.) Sonntag, den 8. Mai, nachmittags 3 Uhr: Freie Volksbühne. Neues Schau- spielhmiS. 10. Abteilung a, b, c, d, e: Bunbuiy(Ernst fein). Thalia-Theater. 2. Abteilung b, o, d und 3. Abteilung a: Der Dorf» thrann. Residenz-Theater. 7. Abteilung b und 8. Abteilung d: Mufotte. Montag, den S.Mai, 8 Uhr: 14.(!) Abendabteilung im Neuen Schauspielhaus: Der Flieger. Sonntag, den 8. Mai: Neue Freie Volksbühne. Nach- mittags 2'lt Uhr, ün Deutschen Theater: Kabale und Liebe. Nachm. 3 Uhr: Neues Theater: Mütter. Neues Operetten< Theater: Der Zigcunerbaron. Hcbbel-Thcater: Hanna Jagert. Berliner Theater: Pension Schöller. Schiller-Thcatcr O.: Viel Lärmen um Nichts. Schiller- Theater Charlottenburg: Der Meincidbauer. Friedr.-Wilhelmstädt. Schauspielhaus: Die Jungfrau von Orleans. Kleines Theater: Moral. Metropol-Theater: Drei Paar Schuhe. l-vSKi» zx- 1' K va.tvi'. Sonntag, 3 Uhr: Die versunkene Glocke. 8 Uhr: Der Biberpelz. Montag, 7'/, Uhr: Jbsenzytlns, 6. Bor> slellung zugunsten der WohlsahrtZ. lasse für deutsche Bühncnmitglieder, zum Ivo. Male: NosmerSholm. berliner Theater. Heute 8 Uhr: Taiftlfl. Nachm. 3 Uhr: Pension Schöller. Neues Theater. AbendS 8 Uhr: Die goldene Ritterzeit. Morgen und folgende Tage: Die goldene Btttcrnelt. Volksoper* 8Wn Belle-Alliancc-Strahe Nr. 7/8. Nachm. 3'/» Uhr bei bedeutend er- mähigten Preisen: KliuUn«. Abends 8 Uhr(Gastspiel Bockmann): Theater des Westens. 8 Uhr: Tanzhusare«. Sonnt, u. Montag nachm. 8'/« Uhr: Die geschiedene Frau. STcneti Operetten-Theater. Heute und folgende Tage 8 Uhr: Der Gras von Luxemburg. Sonntag nachm. 3 Uhr zu ermäßigt. Preisen: vor Zfgeunerbaron._ Residenz-Theater Direktion: Richard Alexander. Abends 8 Uhr: Das Nachtlicht. Schwank in 3 Akten v. M. ZamacoiS. Sterauf: Der«ellxe Oktave. rotisle in 1 Akt von IveS Miraude und Henry Gsroule. Tommerprctse ab 7. Mai. Morgen und folgende Tage: Die- selbe Borstellung bis IS. Mai fSaisonschluß)._ Luisen-Theater. Nachmittags 3 Uhr: Was Gott zusammenfügt. Schauspiel in 5 Akten von Emst RItterseldt. Abends 8 Uhr: Die Veit ohne Männer. Lolksstück in 3 Akten von Alex. Engel und Julius Horst. Montag und folgende Tage: Die Welt ohne Männer._ friedrich-Wiltieimstadtisches Schauspielhaus. Sonntag, 8. Mai, abends 8 Uhr: Kavaliere. Nachmittag 3 Uhr: Die Jungfrau von Orleans. Montag und folg. Tage: Kavaliere. OSE=THEATE Große Frankfurter Str. 132. Nachm. 3 Uhr halbe Preise: Die Schule des LebenS. Schauspiel in 5 Allen von Raupach. Abends 8 Uhr: Des Mädchens Lebenswege. Ausstattungsstück w 4 Allen(12 Bild.) p. W. Melville. Deutsch v. S. V. Lutz. Montag: Des Mädchens Lebens- wege._ Lustspielhaus. Nachm. 3 Uhr: Der dnukle Punkt. Abends 8 Uhr: Das Leutnantsmündel K.ömpk8t»«lt-Iiii«iiKO. Holzmarktstraßc 72. Täglich: Konzert, Theater und Spez/al'tälenvorst. Um 0 Uhr: Der Segen komoit von ohen. Ländl. Singspiel v. M. Hohenfels. Neu! The 3 Albertos, Phänomen. Krastakrobaten X kästr. Ottokar, Trapez voulanZ X Erich Castelli. Tran. Soban.kt ww. Urania. Wissenschaftliches Theater Abends 8 Uhr: Im Lande der Mitters nachtssonne. Montag 8 Ubr: Christian Leden; Die PolarsCskimos u. ihre Musik. kf/* LOCISCHER• GART'EN Heute Sonntag: — Eintritt 50 Pf.— Kinder unier 10 Jahren »,. die Hälfte. Dt Ab nachmittags 4 Uhr: litär-Doppeikonzert. Morgen sowie täglich: Or. Konzert. Castans Panoptikum Friedrichstraße 165(Pschorrpalast). Geöffnet von S Uhr früh bis 10 Uhr abends. Hahu et Jita indischer Fakir und Gauller oder: Der Mann mit der eiserne» Zunge. Täglich 7'/. Uhr abend». Sonntags.2 Vorstellungen. Heitere VortrSxe. Das neue glänzende Programm. Passage-Panoptikum. Die heiligen Fakire in ihren Wunderproduktionen. !! bebend II q m Prinz ddr kleinste Mensch der je gelebt. Buddhas Wundertafel. Alles ohne Extra-Entree I Eintritt 60, Kinder, Soldaten 26 Pf. Passage-Theater. Heute Sonntag: Ä Vorst. I Nachm. 3—7 Uhr kleine Preise. Abends 8 Uhr: I>le Sterne des Humors Ml | Willi Prager#| und da. grolle Variete-Programm! Metropol-Theater Hallo!!! Die große Revue! In 8 Bildern von Jnl. Freund. Musik v. Paul Lincke. In Szene gesetzt vom Dir. Rieh. Schnitz. Anfang 8 Uhr. Rauchen gegtattsi. Neues Programm! tPrinz Lharles der Alle mit Menschenkultnr. Ameta amerik. Spiegelreflex-Tänzerin Schenk Bros. Sensationseqnilibristen und das von Publikum u, Presse glänzend beurteilte Hai-Frogramm. Schiller Schiller-Theater 0.(Wallner-Theat.) Sonntag, nachm. 3 Uhr: Viel I-Hrmen um nichts. Lustspiel in 5 Akten v. W. Shakespeare. Ende 5-/, Uhr. Sonntag, abends 8 Uhr: Hl« Liebe wacht. Lustspiel in 4 Akten v. G. A de Caillavet und Robert de Flers. Ende lO'/j Uhr. Montag, abend? 8 Uhr: Die Katakomben. Dienstag, abends 8 U h r: Hans lkange._ -Theater. Schiller-Theater(Charlottenburg). Sonntag, nachm. 3Uhr: Her Hclneldbaner. Bolls stück in 3 Akten von Ludwig Anzengruber. Ende 5'/a Uhr. Sonntag, abends 8 Uhr: ?!apkenstrelcb. Drama in 4 Auszügen von Franz Adam Beyerlem. Ende IO-/2 Uhr. Montag, abends 8Uhr: Zapfenstrelch. Dienstag, abends 8 Uhr: Hie Katakomben. Große Fach-Ausstellung für das gesamte deutsche Fleischergewerbe:: in den Ansstellnngshallen am Zoo geöffnet von 10—8 Uhr täglich von 4 Uhr ab Konzert Eintritt 1 Mark Musterfabrikation von Wurst im Betriebe, Muster- Stall mit erstklassigem Mastvieh, grolle Kühlräume, fiii ""ong Wurstwaren u. Schinken aus allen G auen Deutschlands. gefüllt mit Pracht-Musterstücken Wurstküche im Betriebe. Kollektiv-Ausstellnn sehen Fleisches, von ZentralverbanddsrHausangestellten Heute Sonntag, den 8. Mai 1910, in den Industrie> Festsäleu, Beuthstr. 20 I, großer Saal: 11. Stiftungsfest err Heinrich Schulz. Rezitation: Herr Emil Kühne cheater. Schleiertanz, ausgeführt von Mitgliedern. Pestrede: vom Residenz Ball. Anfang 6 Uhr. Die Arbeiterschaft diese Veranstaltung zunehmen. Belustigungen und Ueberraschungen == aller Art., Anfang 6 Uhr. ersuchen wir, alle ihr bekannten Dienstboten auf ausmelksam zu machen und auch selbst daran teil- 285/13 Cr. Berliner Kinistausslelluiig I91ß 30. April bis S Oktober. Im Park täglich Toppel-Konzert. Eintritt: 10-6 Uhr 1 M.. v. 6 Uhr ab 50 Pf., Sonntags 50 Pf. Dauert. 6 M. 10— 8 Uhr. Eintritt 1 M. König!. Akademische Hochschule, HardenbergstraBe 33. Waldgürtel. Sport- u. Spielplätze. Kunst a. d. Str. Verkehrssysteme. Innenstadt. Vororte. Gartenstädte. Arbeitersiedlungen. GroO-Berlin. 11. Mai: Prof. Blum, Hannover: „Der Verkehr, die Grundlage des künftigen Groll-Berlin. ra» (Li iohtbilder). Internationale Flug-Woche Berlin> Johannisthal 10. bis 16. Mai(Pfingstwoche) 12 Flieger- 75000 M. Preise. Sonntag, den 8. Mai, 4'/» Uhr nachmittags: iAgollisii . mit dem Luftkünstler Thomik. 57/2» Preise der Platze: M. 0.50, I.— and 3.—. Vemrkaal: M. 0.40, 0.75 and 2.70, bei A. Wertbelm, Invalidendank, Loeser& Wollt. Folies Caprice Eine gründliche Kur. Neuer bunter Teil. Ein verschwiegenes Atelier. Anfang 8'/, Uhr. Vorverkauf 11-2 Uhr. W alhaita- Variele-Thealer 1 Weinbergsweg 19-20, Roaenth.Tor. I |!! Das neue Variete-Programm! l| Die Alfen-Familie Mayeer und die übrigen SpezialitEiten. | Theater! ununterbrochen geöffnet.| Casino-Theater Lothringer Straß« 37. Täglich 8 Uhr. Trotz de? fensationellen Erfolges nur noch bis zum 13. Mai: Berlin bei Nacht. Ab 14. Mai auf allgemeinen Wunsch: Familie Ananst Knoche. Sonntag 4 Uhr: Familie Klinkert. V oig t-Theater Gesundbrunnen Badstr. 58. Sonntag, den 8. Mai 1010: Dorf und Stadt. Schauspiel in 5 Aufzügen von Eharl. Birch.Pseisser. Sonntag, den 15. Mai(1. Pfingst- selertag): Eröffnimg der Sommer- saison: Ueber'u grasten Teich. Volksstück in 4 Akten v. A. Phillipp. Gröstter Bergnügungs-Park des Kontinents. Eröffnung 14. Mal. Achtnnaf! Diez' nur Achtnng! Seeterrasse Siehtenberg Rttdorstr. 11/18. Zwischen Landsberger Allee o. Röderplatz. Gritsttes«. schönstes Lokal Berlins 500«« Personen fassend. mit grossem See.— Bei ungünst. Witterung Schutz sür 8000 Pers. Heute: Großes Taubenschauf liegen veranstal tet v. Taubenvcrein Lerche, ca. 2000 Tauben werden ausgelaffcn. Üc. Konzerf. Austreten der besten Turmseilkünstler der Welt Tbe Liepelts. Gr. Tpezialitäten-Borstellung, u. a. Victor Ritter mit seinem Sensationsschlager„Der Komet kommt-, und das schönste Programm Berlins. BOV Im Saal: Gr. Ball.-WF Größte Kaffeeküche. 4 verdeckte Kegelbahnen. 15 Ruderboote. Volksbelustigungen aller Art. Ansang 8 Uhr. Gesamteintritt nur!!« Pf. Kinder f r e L Avis! Ab I. Pftngftfeiertag täglich bei jeder Witterung: Kanzcct. Spezialitäten Borslellung. Turmseilkünstler. Land- >». Wasser- J-euerwerk und Ball. Am 1. und 2. Pfingstfeiertage: Or. Früh-Koiizept. Turmseilkünstler. Speztaiitäten-Bor- stellung und Fctth-Vanz. Bereinen und Gesellfchaften täglich unter günstigen Bedingungen zur Verfügung. 54542 Um zahlreichen Zuspruch bitten Witwe Snlse u. Waldemar Die». Trinnon-TIieater. AbendS 8 Uhr: Theodore& Cie. Theater Kommandanlenstr. 57. T. A. 4, 8083. Seufatiottserfolg des neuen Herrnfeld-Schlagers Wenn zwei dasselbe tun. Eine Konkurrenz-Komödie in 2 Akten mit den Autoren L d. Hauptrollen u. Das starke Stück. Schwank von Julius Horst. Auf. 8 Uhr. Vorverkauf 11—2 Uhr. _(Theaterkasse.)_ Reiclisliallen-Tbeater. Stettiner Sänger Tenoristen-Bogel. Ein Künstlerbiid v. Meysel Wochentags 8 Uhr. Sonntag» 7 Uhr. Burgtheater- Kinematogrsph vorm. Groterjan, Jnhab.: Rud. Merz, Schönhauser 21 tlcc 129. Tel. 3. 9353. Lebende Photographien. Wocheut. 30 u. 40 Pf- Ansang 7 Uhr. Sonnt. 30, 40 U. 60 Ps. Ani. 4 Uhr. Vorzugskarten mir Wochentags gültig. 25 Ps. aus allen Plätze». Stets wechselndes Programm. Jeden Sonntag im DfierjoaU Bar Künstler Konzert. Entree 15 Pf- Garderobe 10 Pf. N. d. Konzen: FimiiiAa-KraiuohtD. 8 Uhr: Programm der Attraktionen! Hahaca, indische Tempeltänzerin mit ihren lebenden Riesenschlangen. Louis de Vrlendi als Ausuzt. Oer Sängerkrieg auf dem HUhnerhof. Parodie auf„Chantecler", ausgeführt von Familie Schwarz. Mi neuem Repertoire: 20 englische Backsische 20 u. a. m. Wilhelm gröSle Raubtier- Dressur-Schau der Erde 3ttlow-?lafz Kalser-Wilbelm-StraOe Ecke Linlen-StraBe Nähe Alexanderplatz. Heute Sonntag: SgroßeYorstellangeo 3 neue Debüts nachmittags 4 Uhr u. abends 8 Uhr. In den Nachmittngs-VorstelL Kinder unter 12 Jahren halbe Prelze auf allen Plätzen. Tägl. vorm. von 10— 12'/, Uhr: Besichtigung, Probe o. Fütterung. Karl Haverland Ansang Theater, präz. 8 U. 77/79 Kommandantenstraße 77/79. Täglich nur erstkl. Spezialitäten. Zunder- Maj-progr. Sonnabend, Sonntag. Mittwoch, _ Donnerstag: Bali._ Werdegang einer großen Zeitung Esther Altpersisches f Drama Tonbilder: Szenen aus der Meyerbeer- schen Oper Die Hugenotten and die zahlreichen Sehlager des neuen Programms Hi Wllmersdorlerat.SS Charlottenburg iffi Toriögliclies Theater-Orchester Dauervorstellung: Sonntasz von 8 Uhr, wochentagz von 5 Uhr an. Eintritt: I,—, TS, 60, M Pf. Kinder: 76, 60, 30, 20 Pf. Kerliner prater-THrater Kastanienallee 7—9. Heute: HroBe Theater- und Speziallt.- VorstellnnR. Ansang 4'/, Uhr. Entree 30 Pf. Im Saale: Groster Ball. Für de» Inhalt der Inserate übernimmt die Redaktton dem Publik«« gegenübe» teinertet Berantwortnag. Alt-Koablt 47/48. Sonntag, den 8. Mai 131V: Letzte Vorstellung der Saison. Zroei«gm Kgllett. Lolksstück mit Gesang in 3 Akten von I. Stinde und Georg Engels. Lüzfsksm Landsberger Allee 4:0—41 Heute Sonntag, den 1. Mai: Kslauer Sänger. Konzert. X Ball. SÜCT* KafTeebochen."�SS Anfang S'/s Uhr. Entree frei. Avis! Garten und Saal m. Sänger- gesellichast noch gratis zu vergeben an Vereine. Markgrafen-Säle 84. /Uarkgrafen-Danim 34. Arbeiler-Radfalirer- A Bund„Solidarität". An der Stralauer Allee. Jeden Sonntag: Sirvvoi»»all. Im Restaurant täglich musikalische Unterhaltung. Vorzügliche Küche, ss. Viere u. Weine, Billard u. Kegelbahn Alhambra Wallner-Tlieaterftrage 15. Mitgliederzahl 130000. Sitz: Offenbach a. M. Gau 9(Provinz Brandenburg). Am 15. Mai und folgende Tage(Pf ingstf eiertage): 0 Qau-Ausfahrt 0 nach Brandenburg a. ff. Sonnabend• Empfang der auswärtigen Vereine. Kommers in den drei Parteilokalen: -- Volkshaus, Volksgarten und Cafe Helgoland. 1 Feiertag* Frühkonzert in den drei Lokalen. Nachmittags 1 Uhr: Korsofahrt &' durch die Stadt nach dem Sportpark. Dortselbst: Instrumental- und Gesangskonzert, Kunst- und Reigenfahren sowie turnerische Aufführungen. 2 Feiertag*€rroßes Waldfest. Nachmittags 1 Uhr: Einfahrt in die Stadt» rciciuig. Von 4 Uhr ab. Gl.oßer fe8tball. 3 Feiertag• Früh 9 Uhr: Dampferfahrt mit Jfusik nach Plane a. H. mit -&_! a.it Dia..01. loa Nachmittags: Abschiedsball. 10/20 = Rundfahrt auf dem Flauer See. Zu reget Teilnahme laden freundlichst ein Der Festausschuß. Großer Ball GroheS Orchester. Anfang Sonntags b Uhr. A. Zamcitut. Jeden Sonntag: 3 editier 20856 Jfunor-Qnartetf Humor X Satire X Sologesang Adr.; G. Treuer, Mastamen-Allee40 Sorussia-Säle 6/7 ÄÄÄ»877 == Inhaber: Georg: WollTgramm empfiehlt seine vier Säle, 100 bis 800 Personen fassend, zu Vex- Sammlungen und Festlichkeiten. Prächtiger Naturgarten �fso�arndeTnd VonZ�e"rel! Sopiiienstraße 17/18 QuerstraSe der Rosenthaler SiraBe— am Hackeschen Markt* -------------- rnhaber: Paul Baatz===== empfiehlt seine von 60— 2000 Personen fassenden Säle zu Versammlungen Vortrags- u. Kunstabenden usw. Vorzügl. Akustik. Kulant. Entgegenkommen Sophien-Säle Köpenicker Landstraße 19 Treptow Reglerheim Groger, schattiger Garten. Saal: 400 Personen. Hallen. 4 Kegel- bahnen. Werkstätten, Vereinen, Bekannten bestens empsoblen. E>tö7L' Franz Eschatrntn. Teilzahlung liefert auf bequeme bei kleinster Anzahlung in bekannter. Güte* (mit größter Rücksicht bei Krankheit and Arbeitslosigkeit) E.Cohn, Gr.Franklurterstr.SB. Achtung i Bewilligte Bäckereien. Achtung! Teile dem verehrten Publilum und Nachbarschast mit, dah ich aus An> regung meiner Nachbarschaft die Forderungen des Bäcker- und Konditoren� Verbandes anerkannt und den Taris unterschrieben habe. ES wird mein Bestreben sein, gute Ware zu liefern und den Toris einzuhalten. 2076b Achtungsvoll p. iHatthf, Herren®, Damen- und Kinderwäsche � reell and billig! im» � � . SV � I<. Becker, V» av Berlin NO., Gr. Frankfurter Str. HO I. Etage. Zup Pfingstreise. Einmaliges Angebot I Vorzügliches Relseglas O Cf) „n, m, mit Etui und Riemen« vu Echt Rathenower Brillen 1.00 Pincenez(ecw nicke» 1.50 M Double 5.00 .. Gold 12.00 „ Schildpatt 4.50 Opern- u. Reisegläser von 6.00 an Barometer, gar. gute Werke von 6.00 an As Grün, Optikeri Brunnen-Straße 4, am Rosenthaler Tor. X Ouse& C- � KoMcnplatz, Rixdorf, Reuterptatz s. ÄusnahmepFeise«b Piah Mai, Juni, J««. 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Geiverlschasten Fabriken usw. empsehle ich zur bevorstehenden Saison sür Dampserpartien usw. mein wieder übernommenes Wirtshaus Schloß Woltersdorf ebenso meine Dampfer, bis 316 Personen fassend. Hochachtungsvoll . Friedrich Saewert Amt Erkner Nr. 49. IV 13989. » Mf Arbeitsnachweis: Verwaltungsstelle Berlin. Hauptbureau: Hos l. Amt 3, 1239. ChariiistraBe 3. Hos III. Amt 8, 1987 Montag, den 9. Mai, abends 8 Uhr, im Lokal von B eu gsch, Sedanstr. S— 4: Mitglieder- Versammlung wr Adlershof*. TageS-Ordnung: 1. BerbandSangelegenheiten(Unsere Zahlstellen im Orte). 2. Verschiedenes. Pünktliches und zahlreiches Erscheinen wird erwartet. ttö/S DienStag, 10. Mai, abends SVa Uhr, in SchellhaseS Festsäle», Steglitz, Ahornstr. 15 n t Bezirks- Versammlung für Steglitz. TageS-Ordnung: 1, Berichterstattung vom außerordentlichen GewerlschastSIongreß. 2. Stellungnahme zur Generalversammlung. - Mitgliedsbuch legitimiert.- Oer* Zahlreicher Besuch wird erwartet."MW Den Mitgliedern in Kriedrichshage« zur Kenntnis, dag die Zahlstelle und B i b lt o t h e l nach dem Restaurant von Gärtner, Friedrich st r. 121 verlegt worden ist. Die BücherauSgabe erfolgt Dienstag und Sonnabend, abends 8—9'/- Uhr. Die Zahlstelle Nr. 171, Steglitz ist nach dem Steglltzer Gewerl- schastshause, Schloßslr. 117 bei R o h m a n n, verlegt worden. _/_ Die Ortsverwaltnng. Zentral-Verband der Sdiulmiaclier Zahlstelle Berlin. Deutschlands. Bureau: Blankenseldestr. 10. Achtung! Schuhmacher! Montag, den 9. Mai» abends 8'/z Uhr» im Englischen Garten, Alexanderstraße 27 c: IKomblDierte Bezirks- Konferenz alter n der Schaßbraucht btschöstjgtkll KoiltgtU. TageS-Ordnung: 1. Bericht über das ErgebutS der letzten Berhaudlung mit de» Ardeitgeber-Orgauisationen und SituattonSbericht des Streiks. 2. Diskussion. 3. Beratung über das ArbeitSnachweiS-Reglement. 4. Der» IchiedeneS. 169/14 r ,,, Wir bitten im Interesse der Sache, die Konserenz zu be» Kavegt«! suchen, da dieselbe einen entscheidenden Einflust aus die Lohnbewegung zu ersüllen hat. Die Ortsverwaltung. äüü Brauerei-Arbeiter! Acmumi Sonntag, den 8. Mai, vormittags lO1� Uhr, in der„Neuen Welt", Hasenheide No. 108-114: Versammlung aller in den Lagerbierlirauereien, Malzfabriken u. Bierniederlagen beschäftigten organisierten Arbeitnehmer. TageS- Dr bnun-; Ktlidsf nbtr Ilae Elgebliio dtt Torisiitthillldlmlgkii. Die hochwichtige Tagesordnung macht es jedem Kollegen zur strengsten Pflicht, in dieser Versammlung z» erscheinen, v»" Brauerei-Arbeiter! Erscheint i« Massen!**• Nnr MitglieSbuch legitimiert, sonst kein Zutritt. Die Lwlinkommission der Brauerei-Arbeiter Berlin» and Umgegend. NB. Da der Saal um 3 Uhr geräumt werden muß. ist pünktliches Erscheinen unbedingt notwendig. Die Kollegen vom Fahr- personal werden ersucht, um an dieser Bersammlung teilnehmen zu können, das Bieraussahren am Sonntag, den 8. Mai, auf das möglichste einzuschränken.__ D. O._ Oentseher Holzarbeiter-Verband Verwaltung Berlin. Montag, den 9. Mai 1910: Mitglieder- Versammlungen in allen Bezirken und Branchens Tagesordnung: 1. Verbandsangelegenheiten. 2. Besprechung der in der„ Holzarbeiter-Zeiwng" bekanntgegebenen Anträge zum Verbandstage.«*? Mitgliedsbuch legitimiert« (Die Generalversammlungsdelegierten mussen i« den Versammlungen anwesend sein, in denen sie gewählt find.) Versammlungslokale und Beginn der Versammlungen: Tischler. Südwesten: B Uhr in Habels Brauerei, Bcrgmannstr. S/7. Gilden: 51/, Uhr im Märkischen Hof, Admiralstr. 18c. Vortrag:„Die großen Kämpfe der Gegenwart". Resermt: R. Leopold. Slidosten I: B'/a Uhr In den Naunyn-Feftsälen, Naunynstr. 6. Kildosten II: 51/. Uhr im Rcichenberger Hof, Retchenberger Str. 147. Vstcn I; 61/, bei Borgmann, Andreasstr. 21. Osten II: B'/j Uhr bei Litst», Memeler Str. 67. Osten III: B1/, Uhr in de» Prachtsälcn des Ostens, Frankfurter Allee 153. Ocstllcd? Vororte; B1;., Uhr bei Arnold, Frankfurter Chaussee 5/K. IVordostcn: 5'/, Uhr bei Boeker, Weberstr. 17. Ssordcn: 6 Uhr bei Obiglo, Schwedter Str. 23. Nordwesten: 6 Uhr bei Koezarowski, Ravenästr. 0. Kautischler. 6 Uhr bei Raabe, Fichtestr. 29. B>,2 Uhr bei Ziel!. Warschauer Sir. 61. 6 Uhr bei Gliesche, 5topelihagelier Str. 74. 6 Uhr bei Diaabc» Äolbergerstr. 23. Bezirk 1: .. H: III: .. IV: Polierer, Beizer und jVlagazinarbeiter. Südosten; 5'/» Uhr im Märkischen Hof, Admiralstr. lös. Osten: B'/j Uhr Bei Pirna». Frankfurter StUcc 109. h'orden: 6 Uhr bei Krämer, Hussitenstr. 40. )ModeU- und fabrihtifchler, fabrikdrechfler. 8 Uhr bei Wille, Brunnenslr. 188. 8 Uhr(pünktlich) in den Arminhalle«, Kommandanten- vsrgvuujr straße 58/59. Vortrag:„Wo find uiiscre Rechte am besten gewahrt?" Res.: Koll. Gehlert. RahiwoMmürher pünktlich 6 Uhr abends im Gewerkschaftshaus, tvanMeNMacOer en�ser 15, Eingang B, Saal 4. Vorlrag:„Die geschichtliche Bedeutung der Arbeiterllasse'. Reserent: Genosse Tamow. JMafcbinenarbeiter A. Vortrag:«Die Bedeutung des Staates". Reserent: Dr. lletlmann. Perlmutt-, Dorn- und Steinnukarbeiter? uyr im Gewerkschaftshaus, Eugeluser 14/15, Saal 9.(Vortrag.) Jalousiearbeiter 8'/, Uhr bei Boeker. Weberstr. 17. Kammacher 8''a l�r im Gewerkschaftshaus. Engelufer 14/ ls- Vorlrag:«Die ArbeitSnachwciSsragc". Reserent: SpSih«. Lsf�rhsn-heifer nm Dienstag(nicht am Moniag) abends 6 Uhr bei «lvcnsrveiLer Bercht. Nitterfäle. Ritlerstr. 75. Die Kollegen der Finna Schmeling in Nixdorf, Bodcstr. 15, find besonders zu dieser Versammlung eingeladen. 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Die Enttäuschung geht von den Vereinigten Staaten aus. Als zugkräftiges Argument für die Haufsestimmung an den kontinentalen Börsen mußte bis« lang die in allen Tönen verkündete glänzende wirtschaftliche Eni- Wickelung in Amerika dienen. Die„Rb.-Westf.-Ztg." wies im ver- gangenen Herbst schon darauf hin, daß die unter dem Eindruck der Börsenstimmung ausgelöste Erwartung auf steigenden Begehr und steigende Preise Käufe veranlaßt hätten, die zu einem großen Teile auf spekulativer Basis beruhten. Daß dieser Ansicht kein unberechtigter Pessimismus zugrunde lag, hat sich mittlerweile ja herausgestellt. Zunächst allerdings war die Haussestimmung stark genug, um nicht schon nach kurzer Zeit einen Rückschlag in die Erscheinung treten zu lassen. Und auch ein realer Faktor war vorhanden, der den Glauben an eine entschiedene Auf- wärtsbewegung stärken konnte. Eine ziemlich lebhafte Ausfuhr. Und da an dieser hervorragend Amerika beteiligt war, fanden auch die Hinweise auf eine dort neu einsetzende Prosperität ein williges Ohr. In Wirklichkeit war die Ausfuhrsteigerung nach Amerika lveniger die Ursache gesteigerten Konsums, vorwiegend handelte eS sich um Borversorgung aus Anlaß der bevorstehenden Zollerhöhungen. Stieg doch die Aussuhr Deutschlands nach den Vereinigten Staaten von rund 123 Millionen Dollar auf rund 162 Millionen Dollar. Und da Amerika nicht nur seine Einfuhr aus Deutschland, sondern auS allen Ländern steigerte, gab es am Weltmarkt eine Belebung, die als Anzeichen einer neuen Hochkonjunktur galt. Weil die größere In» anspruchnahme des Weltmarktes zur Befriedigung des Begehrs ame- rikanischer Exporteure nur aus dem Bestreben resultierte, kurz vor dem Inkrafttreten höherer Zölle größere Warenmengen zu den billigeren Sätzen hereinzubringen, mußte naturgeniäß nachher eine Ermattung eintreten. Da zudem drüben der künstlich hervorgelockte Optimismus auch die dortige Produktion zu erhöhten Leistungen an- reizte, wofür kein Konsum vorhanden war, trat der Rückschlag umso schärfer in die Erscheinung. Die größere Einsuhr Amerikas war aber nicht der Hauptfaktor bei der Hausse an den heimischen Märkten. Das treibende Moment war eine Stimmungsmache, an der Börse und Rohstoffverbände wechselseitig und aus gleichem Interesse beteiligt waren. Was früher eine Einzelerscheinung ivar, daß sich eine Bank in der Industrie fest engagierte, wie z. B. die Diskontobank bei der Union-Dortmund, das ist jetzt die Regel. Die großen Vcrkehrsunternehmen sowohl als auch die großindustriellen Werke stehen heule mehr oder minder unter der Kontrolle mächtiger Banken. Diese treiben eine von ihren Geschäftsinteressen diktierte Kurspolitik. Die von Amerika ausgehende und bewußt geförderte optimistische Auffaffung benutzten sie dazu, hier eine regelrechte Hausseftimmung anzublasen. Die Kurse der Jndustriepapiere wurden hinaufgetrieben, und daS gab den Robproduzenien den erwünschten Anlaß, die Preise zu erhöben. So greift ein Rad ins andere, wohl zum Segen der Banken, aber zum Nachteil für die allgemeine wirtschaftliche Ent- wickelung. Die von der Börse gestützte und geförderte Preispolitik der Rohmateriallieferanten hat sicherlich die Aufwärtsbewegung ge- hemmt. Ohne die bewußte StimmungSmacherei, als Mittel der Preistreiberei, wäre die Unternehmungslust wohl stärker hervor- getreten. Sie wurde abgeschreckt, da es nicht möglich war, in Parallelbewegung mit den verteuerten Rohmaterialen, die Preise für Fertigerzeugnisse zu erhöhen. Zurzeit lauten die Marktberichte vom Eisen- und Kohlenmarkt recht unbefriedigend. Zum Teil ist die Abschwächung, besonders in den Walzwerken und in der Kleineisen- industrie auf das Konto der Bauarbeiteraussperrung zu setzen. Die Baumwollindustrie leidet unter der unerhörten Preistreiberei an der New Aorker Baumwollbörse. Die Nachrichten von der Ver- nichtung eines Teiles der Ernte haben der Hauffe neue Nahrung gegeben. In Bremen notierte Middling wieder TS1/* Pf.. i'o daß der Höchststand des Vorjahres bereits wieder erreicht ist. Falls der hohe Preisstand für Rohwolle noch längere Zeit anhält, dürfte auch die Bctriebseinschränkung in der verarbeitenden Industrie noch größeren Umfang annehmen. Verhältnismäßig günstiger Verhältnisse erfreut sich die Elek- trizilätSindustrie. Der Kupferlrach brachte ihr billige Roh- materialpreise, waS wohl ein wesentliches Moment für sie war. die Krise leichter zu überwinden. Einen Anhalt für die Veränderung des Beschäftigungsgrades in den einzelnen Gewerben gibt die Mit- qliederbewegung in den BetriebS-sFabrik-sKrankenkassen. Die folgenden Angaben beziehen sich auf die an das„Reichsarbeitsblatt" angeschlossenen Kassen. Da deren Zahl wechselt, haben die Angaben natürlich nur bedingten Wert. Am 1. April waren Mitglieder vor- handen: 1909 1910 Hütten. Metallverarbeitung, Maschinenindustrie 614 936 681 132 Elektrische Industrie......... 43 239 51603 Ehemische Industrie......... 35 386 39 636 Textilindustrie........... 197 477 203 767 Industrie der Holz- und Schnitzstoffe...—— Rahrungs- und Genußmittel......—— Bekleidung und Reinigung....... 13 971 15 623 Baugewerbe............ 32 308 44 624 Betrachtet man den Wirtschaftsinarkt unter dem Gesichtswinkel de§ Außenhandels, dann läßt sich für das laufende Jahr im Ver- gleich mit dem Vorjahre eine mäßige Besserung konstatieren. Die Gesamteinfuhr ging im ersten Viertel des laufenden Jahres gegen- über Januar-März 1909 von 119 669 863 Doppelzentner auf 124 010 916 Doppelzentner hinauf, die Ausfuhr stieg von 105 719 806 Doppelzentner auf 116 614 766 Doppelzentner, gleich- zeitig stieg die Zahl der eingeführten Pferde von 35 248 auf 44 647 bei einer Ausfuhr von 132 l respektive 2101 Stück. Wasserfahrzeuge wurden eingeführt, 1909 69 Stück, 1910 104 Stück, ausgeführt, 1909 32 Stück, 1910 12 t Stück. Der Menge nach stieg der Einfuhrüberschuß von 3 850.062 Doppelzenwer auf 7 396 149 Doppelzentner. Die Steigerung macht fast 100 Prozent aus. Ein etwas anderes Bild ergibt sich, wenn man den Werl der Ein, und Ausfuhr betrachtet. Während z. B. der Wert der Einfuhr— einschließlich Edelmetallverkehr— von 2040,5 Millionen Mark auf 2201 Millionen Mark hinaufging, stieg der Ausfuhrwert von 1636.6 Millionen Mark auf nur 1733.7 Millionen Atari Demnach ist der Einfuhrüberschuß von rund 465 Millionen Mark auf 417 Millionen Mark zurückgegangen. Um die Verschiebung im Außenhandel nach Hauptgruppen zu zeigen, geben wir die folgende Zusainmenstellung. Sie stellt die Ein- und Ausfuhr in den ersten drei Monaten der beiden letzten Jahre in Vergleich: Wie au? der Tabelle ersichtlich, ist die Einfuhr von NahrungS» mittein stärker gestiegen als die Ausfuhr. Zurückgegangen ist die Einfuhr von mineralischen und fossilen Rohstoffen, während die Ausfuhr darin eine Steigerung aufweist. Die Zunahme des Aus- fuhrüberschusscS entfällt in der Hauptsache auf Erze. Unerfreulich ist auch die Ausfuhrsteigerung bei Roheisen. Nach den SpezialauSWeisen gestaltete sich der Außenhandel in Roheisen wie folgt: Ei-!.«-«!-«-„sa 1909... 266 632 842103 675 471 1910... 244 228 1919191 1674 963 Zwar ist ja auch die Roheisenerzeugung gewachsen, die Ge- staltung des Außenhandels zeigt aber, daß nicht die heimische Weiter» Verarbeitung das Mehr aufgenommen hat. Hier hatte sich die Lage am Arbeitsmarkt noch nicht durchweg verbessert. In der Ausfuhr von Maschinen, elektrotechnischen Erzeugnissen, Fahrzeugen, Feuer- Waffen, Uhren, Musikwerken usw. ist eine Steigerung eingetreten, die wohl auf etwas verbesserte Verhältnisse schließen läßt. Bietet das erste Vierteljahr in seiner Gesamtheit ein etwai fteundlichereS Bild, so wird dieses wieder verdunkelt, wenn man die Verhältniffe im Monat März allein berücksichtigt. Da zeigt sich bei verschiedenen Waren wieder eine Verschlechterung. Die Einfuhr ging von 45793686 Doppelzentner aus 46159016 Doppcl- zenlner zurück. Die Busfuhr unedler Metalle stieg von 3 677 434 Doppelzentner aus 4 296 936 Doppelzentner. Hiervon entfallen allein 4 093 648 auf Eisen und Eisenlegierungen. Das kann heute wohl schon konstatiert werden: eine Frühjahrsbelebung, wie man sie er- wartet hatte, ist nicht eingetreten und die nächsten Monate werden kaum eine entschiedene Besserung bringen. v. Sehr preiswert! Loden-Pelerinen Mit Kapuz« iL TrajtblndenL Für Herren u. Damen. M. 24.- 21.- 18.- 15.- 12.- 8.- Besonders günstige iU Pfingst-Angebote Herren-Kleidung AtiTflprA M II.— 15.— 18.— 24.— 27.— 8#.— M. IL- S6.- 45.— 50.- 55- 60r- Palotntc— 18.— 21.— 24,— 27.— S®.— rdicuna M. 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Die Beerdigung findet am Sonntag, den 3. Mai, er., nach- mittag» 3'/, Uhr. von der Halle des Markus-KirchhoseS in Sil- Helmsberg aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 2l7/lS Der Vorstand Deutscher Transportarbeiter-Verband. Bezirksverwaltung Grol-Berstn. Den Mitgliedern zur Nachricht, dafj unser Kollege, der Vcrgolder- Packcr Ur\ Müller am 5. d. M. im Alter von Jahren verstorben ist. Die Beerdigung findet am Sonntag, den 8. Mai, nachmittags 3'/, Uhr, von der Leichenhalle des Markus- FricdhoseS in Wilhelms- berg aus statt. SS/2 Den Mitgliedern zur Nachricht. daß unser Kollege, der Packer ällgllZt Meli» am 5. Mai im Alter don 4L Jahren verstorben ist. Ehr« ihrem Und««!«»! Di« Beerdigung findet am Mon- tag. den S. Mai, nachm. 4 Uhr, vom Krankenhaus Moabit aus nach dem neuen St. Johannes- Kirchhos statt. Um reg« BeteUigung ersucht Die VezirkSverwaltung. Verbami der IreieD Gast- und Zahlstelle Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß der Kollege Adolf Hoppe Ack-rstr. 77(Bezirk 2) verstorben ist. Ehre setnem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonntag, den 3. Mai, nach- mittags 3 Uhr, von der Leichen- Halle des LazaruS-KrankenhauseS, Bernauer Strotze, aus nach dem Sebasttan- Kirchhos hl Remicken- dors-Wejt statt. Um rege Beteiligung ersucht 75/1 Dia Ortsverwaltung. Den SangeSbrüder» zur Nach- richt, daß unser SangeSbrüder Molk Hoppe am S. Mai verstorben ist. Ehre setnem Andenke«! Die Beerdigung findet heute Sonntag, den 8. Mai, nachmittag» 3 Uhr, vom LazaruS-Krankenhause (Ternauer Strotze, aus statt. Die SangeSbrüder trcfsen fich beim Sangesbruder Karl Döhling, Brunnenstr. 7S. um 2 Uhr. Um reg« Detelligung ersucht S4SbL»er Vorstand. der Masebiotstea and Heizer Verwaltungsstelle Grod-Berlln. Am 6. Mai verstarb unser Mitglied, Kollege 145/7 Paul Boje. Ehre setnem Andenken k Die Beerdigung findet am Dienstag, den 10. Mal, nach' mittags 31/, Uhr, vom Kranken- bau» Moabit, Eingang Bilken« strotze S2/S5. aus nach dem HeilanbSkirchhof, Plötzensee, statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht Die vrtsvenoaltun MraMeM der Maurer Deutsehlands. 3Swet|gvereln Berlin. Sektion der Putzer. Unseren sowie den Mitgliedern deZ Gesangvereins der Putzer hiermit zur Nachricht, datz unser langjährige» Mitglied E>tisf Fuchs nach langen, schweren Leiden im Alter von dS Jahren ver- starben ist. Ehre setnem«ndenkeni Die Beerdigung findet heute (Sonntag) nachmittags 3 Uhr, von der Hall« des neuen Schönes bcrgerGcmcindc-FrlcdhoseSlBlanle Hölle) aus statt. 133111 Um recht rege Beteiligung der Mtglieder ersucht vis Ortllohs Verwaltung. Typographia. Unsern Mitgliedern die de trübende Nachricht, datz unser langjähriger, braver SangeSbrüder und Kollege Franz Lehmann am Montag plötzlich au» dem Leben geristen worden ist. Sein Andenken werden wir stets in Ehren halten. Oer Verstand. Diejenigen Sänger, welch« die Partie nach Kloster Cborin— EberSwalde nicht mitmachen, werden gebeten, sich heute nach. mittag 4 Uhr, aus dem Schmar- gendorser Gcmeinde-Friedhos zum letzten Geleit einfinden zu wollen. Zentral- Kranken- n. Sterbekasse der deutseben Wagenbauer. (E. H.) Berlin XI. Am 6. Mai starb unser lang- jähriges Mitglied Franz Szillat an Lungcnbrand. Ehre seinem Audenke«! Die Beerdigung findet am Montagnachmitlag 2'/, Uhr, von der Leichenhalle des Gethsemane- Kirchhofes in Niederschönhausen, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht ZöT���Di�Ottsverwattm� Dodos-�knBoIs«. Am 6. Mat früh 3'/, Uhr ent- schlies nach schweren Leiden unser lieber Vater, der Silberdrücker Haid Jüptner im 57. Lebensjahre. Die? zeigen mit der Bitte um stille Teilnahme an 20726 Die trauernden Hinterbliebenen. Die Beerdigung findet heute Sonntag, nachmittags 3 Uhr, von der Halle des St. Pauls-Kirch» hoseS in Plötzensee aus statt. srv«le«-�i»nelAv. Nach längerem Leiden entschlies sanst mein lieber Mann und guter Bater MsttlllkS Mg im 4S. Lebensjahre. I«Ia Jung geb. ffltzka nnk Kinder. Die Beerdigung findet Montag. den S. Mai, nachmittags 2'/, Uhr, aus dem Gnadeiikirchhos, BarsuS- strotze, statt. 208K Allen Verwandten und Betann- ten hierdurch die traurige Nach- richt, datz mein« inniggeliebte ''." uttrr. ilbwiegermutter, Grotzniutter, Schwester, Schwägerin und Tante richt, datz mem« inmgge Frau, unsere berzenSgute Üi: Schwiegermutter, Grotzmi Schwester, Schwägerin und Z Anna Schallep geb. Wuttlg 20736 im 58. Lebensjahr am Freitag. L. Mai, nachm. 3'/, Uhr, nach langem, schwerem Leiden janst entschlief. Im Namen der trauerndm tintcrbliebenen: challer nebst Kindern. Die Beerdigung findet am DienS» tag, 10. Mai, nachm. 2 Uhr, von der Leichenhalle des neuen Jakobt- Nach schwerem Leiden entschlies sanst untere liebe Tochter und Mutter 545SL Frau�nnaBuxge geb. Rose im 48. Lebensjahre. Um stille Teilnahme bitten Die trauernden Elter« tielnrlvb Kose und Frau. Die Beerdigung findet am Montag, den». o. Mts., nach- mittags 3 Uhr, von der Leichen- Halle des städtischen FriedhoseS in FriedrichSselde an» statt. «eknelderel IBr cloflants Herren- u. Knaben- Garderobe. Woebee rsis res IHK.. Jlntzbers Rosenthaieistr.dO �iefennuie kfi sfinellssens MM Itelteusltssss 37 a oi.r UrsssefraDltsrlerstnuse HS 7 mrmm,» Wöstmann tu Reise tum aoeben erBBneien Wegen daa groaaen Andranges knn tot Pilngaten Ist aofortiser£ i n k a u t vorteilbat>. Am Sonntag, den 8 Mai geöffnet 8-10, 12-6. Die Preise für die«esamte« Bestände der ditajihrlgea früh. Jakra- u. Kenner-Saison sind bia auf du Seoaacr.te, teilweiae auf ein Drittel ble ein V leite! der OriglnalpreUe herabgeaota*. 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Der Zahlabend findet gemeinsam am Dienstag, den 10. Mai, bei Otto Senftleben, Friedrichstr. 48, abends 8 Uhr statt. Der Vorstand. Stralau. Heute Sonntag früh 8 Uhr Handzettelverteilung zu der am Montag, den 9. Mai, in den Markgrafensälen, Markgrafen- dämm 34, stattfindenden öffentlichen Versammlung, in welcher Genosse Reichstagsabgeordneter Stadthagen über:„Zum Kampf des Volkes um Freiheit und Recht' referieren wird. NowaweS. Am Mittwoch, den 11. Mai, abends 8>/, Uhr, findet im Schmidtschen Lokal. Wilhelmstr. 41—43, die Versammlung des Wahlvereins statt. Tagesordnung: 1. Vortrag des Reichstags- abgeordneten Genossen Wolfgang Heine über:„Strafrecht.' 2. Geschäftliches. 3. Verschiedenes. Gäste haben Zutritt, auch werden neue Mitglieder aufgenommen. Der Vorstand. Lerliner JVadmchten. Bon Melchow nach Eberöwalde. Wir lösen am Stettiner Hauptbahnhof eine Sonntags- karte bis Eberswalde(l,93 M.) und steigen in den Personen- zug, der um 8.36 früh in die pommerschen Gefilde dampft, verlassen aber den Zug schon in Melchow, der ersten Station hinter Biesenthal. Von hier führt rechts eine Chaussee durch das Dorf gleichen Namens nach Spechthausen, das wir aber auf Waldwegen erreichen wollen. Wir erfragen daher im Dorf Melchow den Weg nach Schönholz, falls wir ihn uns nicht mit Hilfe der Karte selbst ergründen»vollen. Hinter Schönholz folgt die Försterei gleichen Namens und bald stehen wir im Tale des Nonnenfliestes. Wer die offene Strecke gmrz vermeiden und ständig im Walde bleiben will, geht gleich bei der Station Melchoiv über die Bahn und im Walde in der Nähe des Gleises in nördlicher Richtung bis zum nächsten Wärter- haus. Hier wird die Bahn wieder überschritten und mit Hilfe der Karte das nächste Gestell aufgesucht, das in fast genau westöstlicher Richtung streicht. Es führt uils, immer nach Osten, bald bergauf, bald bergab, durch die wechselndsten Waldbilder, bis wir nach stundenlanger Wanderung(es kann auch länger dauern) Plötzlich unter uns die Windungen des Nonnenfließes erblicken. Damit sind wir ungefähr an der Stelle, die wir, wie oben angegeben, auch über Schönholz erreichen konnten, und beginnen nun die Wanderung„stromabivärts" Die Windungen des klaren, von steilen Ufen» geschützten Bächleins sind so ver- schlungen, daß man in Ziveiselsfällen der Flutrichtung folgen muß.»venn man sich nicht verlaufen will. Der Weg, der sich immer in der Nähe des Fließes hält, führt uns durch das schönste Waldtal. das die Umgebung Berlins aufzuweisen hat. Es würde auch in Thüringen und im Harze Ehre einlegen, wenn auch die erratischen Blöcke, die früher hier zahlreicher vorkamen, immer mehr verschwinden. Geblieben ist die üppige Vegetation, die begrünten Ufer des sich unaufhörlich schlängelnden Baches, der mehrere Male voin Wege überbrückt»vird, das junge Grün der Buchen, die in jungen und in alten, mächtigen Exemplaren vertreten sind, und jener Reiz, den die Talhänge auf den Flachländer immer wieder von neuem ausüben. An der landschaftlich schönsten Stelle,„Liesenkrüz" ge- nannt. soll sich der Sage oder Wirklichkeit nach einst ein Drama abgespielt haben. Eine Waldhütte bildet hier den Mittelpunkt eines überaus stimmungsvollen Waldbildcs, das zum Glück kein Wirtshaus entweiht. Der Weg führt»veiter bachabwärts durch das breiter»verdende, aber ständig Herr- lich bewaldete Tal. Das„Geschirr", eine alte Walkmühle, wird erreicht, dann schließt der Wald sich abermals, um sich erst kurz vor dem Dorfe Spechthausen mit seinem idyllischen großen Dorfteich und der weniger idyllischen großen Papierfabrik zu öffnen. Hier erreichen wir die von Melchow kommende, nach Eberslvalde führende Chaussee. Vorzuziehen ist es. links ab dem Wegweiser nach „Bahnhof Ebcrsivalde" zu folgen. Er leitet durch immer öncr»verdenden Wald zum alten und neuen Wasserfall. an darf sich darunter keine Fälle vorstellen, die diesen Namen verdienen. Aber die ganze Landschaft mit ihren grünen Waldteichcn und dem munteren Fließ, neben dem wir unseren Weg nach dem„Zainhammcr" und von hier an» Forstgarten und an Anlagen entlang nach Ebers- Walde verfolgen, bietet prachtvolle ProinPaden, die in ihrer Wirkung nicht davon abhängen, ob noch ein Miniatur- Wasserfall dabei ist oder nicht. Immerhin schaden solche Reklamcbezeichnungen nur. und die Eberswalder sollten sich um bessere bemühen, um dein Besucher unangenehme Ent- täuschungen zu ersparen, wenn er statt eines Kataraktes, den er sich bei dem Worte„Wasserfall" vorstellt, nur eine mikro- skopische Verkleinerung davon zu sehen bekommt.— Bei der Vittoriastraße biegen wir in die Stadt ein, um den Bahnhof zu erreichen. Wer sich erfrischen will, für den sind nach der Lokalliste die Lokale zur Mühle. Eichwerdcrstraße 35. und Schröders Volksgarten, Freienivalder Str. 8, als Rastorte zu empfehlen. Für Eil- und Schnellzüge haben unsere Karten keine Gültigkeit. Ein gut gelegener Zug ist der um 6,02 nach- mittags, der in einer Stunde Berlin erreicht. AuS einer„fliegenden" Klasse, die zu Beginn dieses Sommerhalbjahres an der 2 8 9. Knaben» Gemeindeschule(Sonnenburger Straß e) für die neu eingeschulten Sechsjährigen eingerichtet worden ist, wird uns der Stundenplan mitgeteilt. Er ist ein so beachtenswerter Bei- trag zur Beleuchtung der Schulzustände Berlins, daß wir empfehlen möchten, ihn dem Schulmuseum zur dauernden Aufbewahrung zu überweisen. Die Klasse hat Unterricht: am Montag drei-Stunden Von 19 bis 1, am Dienstag vier Stunden von 2 bis 6, am Mittwoch vier Stunden von 8 bis 12. am Donnerstag vier Stunden von 2 bis 6, am Freitag zwei Stunden von 11 bis 1, am Sonnabend drei Stunden von 19 bis 1. Man wird unS zugeben, daß eine derartige Anordnung der Unterrichtsstunden unmöglich geeignet sein kann, den Zweck der Schule zu fördern. Gerade für die Sechsjährigen, die eben erst in das Schulleben eintreten, sollte es als selbstverständlich gelten, daß pe Tag für Tag zu derselben Zeit ihren Unterricht haben. Wie {ollen die Kinder an Ordnung gewöhnt»Verden, wenn die Schule elber in das Tagewerk der Kinder die ärgste Un» lordnung und Verwirrung hineinträgt! Auch das �Familienleben wird durch einen solchen Stundenplan in der lästigsten Weise beeinflußt und gestört, namentlich dann, wenn mehrere Kinder in der Familie sind. Wo das eine Kind früh um 8 Uhr zur Schule geht und mittags um 1 Uhr heimkehrt, das andere aber erst nachmittags um 2 Uhr mit dem Unterricht beginnt und abends um 6 Uhr aufhört, kann kein Gemeinschaftsleben zustande kommen. Das eine Kind sitzt vormittags in der Schule und erholt sich am Nachmittag, das andere nimmt am Vormittag die Erholung vorweg und hat nachmittags in der Schule zu sitzen! Es ist bei einem solchen Stundenplan auch nicht möglich, für die An- fertigung der häuslichen Schulaufgaben eine einheitliche Zeit zu bestimmen. Kinder, die zu dieser„fliegenden" Klasse gehören, müssen manchmal am Nachmittag für den folgenden Tag arbeiten und können manchmal erst am Vormittag sich auf den Nachmittags- Unterricht desselben Tages vorbereiten. Ein solcher Zustand ist wirklich nicht geeignet, ein Kind zur Ordnung zu erziehen. Am Dienstag kommen diese Kinder erst abends nach 6 Uhr aus der Schule und müssen nun noch die Arbeiten anfertigen, die sie am Mittwoch schon früh um 8 Uhr mit in die Schule bringen sollen. Das ist eine Ueberbürdung. gegxn die aus gesundheitlichen Gründen schärfster Einspruch erhoben werden muß. Wer die Zustände in unseren Gemeindeschulen nicht kennt, wird erstaunt fragen, warum eigentlich die Unterrichtsstunden in dieser sinnlosen Weise angeordnet werden. Das erklärt sich aus dem Wesen der„fliegenden" Klasse, aus dem Umstand nämlich, daß eine überzählige Klasse, für die ein eigenes Zimmer in der betreffenden Schule nicht mehr zur Verfügung steht, von einem Zimmer zum anderen„fliegt" und immer da Unterkunft suchen muß, wo gerade ein Zimmer frei ist. Diese Unterkunft bietet sich der obdachlosen Klasse heute vielleicht in den ersten Vormittags- stunden, morgen erst in den Nachmittagsstunden, übermorgen gar erst in den Nachmittags- und Abendstunden. Die„fliegende" Klasse, von der hier die Rede ist, benutzt Tag für Tag ein anderes Zimmer: am Montag von 19 bis 1 das Zimmer 18. am Dienstag von 2 bis 8 daS Zimmer 4, am Mittwoch von 8 bis 12 das Zimmer 17. am Donnerstag von 2 bis 8 das Zimmer 4, am Freitag von 11 bis 1 das Zimmer 3, am Sonnabend von 19 bis 1 das Zimmer 4. Wie soll da ein Kind in seiner Klasse heimisch werden! Dieser unauf- hörliche Wechsel der Unterrichtsstätte trägt in den Unter- richt und in die Kinder eine Unbeständigkeit hinein, die den Erfolg der Unterrichts- und Erziehungsarbeit des Lehrers beeinträchtigen muß. Daß die Lehrerschaft längst aufgehört hat, sich über diese skandalösen Zustände zu beklagen, ist bedauerlich. Doch das mag voraus zu erklären sein, daß es ihr leicht als disziplinwidrig an- gekreidet wird, wenn sie allzu freimütig Kritik übt. Warum aber schweigen die Schulärzte? Sie wenigstens sollten es für ihre Pflicht halten, nachdrücklichst auf das Bedenkliche der„fliegenden" Klassen hinzuweisen und Einspruch dagegen zu erheben, daß sechs- jährigen Kindern eine solche Anordnung des Unterrichts zugemutet wird. Einigung im Schnelldahnstrcite der westlichen Bororte. Ulis geht vom Magistrat zu Charlottenburg folgende Meldung zu: Die Hochbahngesellschast hat den Aufsichtsbehörden ein Projekt zur kleinbahngcsetzlichen Genehmigung vorgelegt, das die Interessen sowohl Charlottenburgs wie auch Wilmersdorfs »vahil. Bekanntlich waren die Verhandlungen dadurch z»»m Stillstand gekommen, daß dein von Charlottenburg an- genommenen Projekt, das den Bau einer Untergrundbahn vom Gleisdreieck durch die Kurfürstenstraße, Motzstraße, über den Nollendorfplatz, die Kleiststraße nach dem Witten- bergplatz und nach dem Kursürstendamm, Ecke Uhland- straße, sowie nach dem Nürnberger Platz vorsah, Wilmersdorf seine Zustimmung versagte, weil es auf den direkten Verkehr nach dem Osten nicht verzichten wollte. Die Hochbahngesellschast ist durch einen Vertrag mit Wilmersdorf verpflichtet, auf der Wilmcrsdorfer Linie einen direkten Ver- kehr soivohl nach Berlin C. als nach Berlin 0. in Abständen von 10 Minuten einzurichten. Das bisherige Projekt mußte nun so umgestaltet werden. daß auch die Durchführung Wilmcrsdorfer Züge nach dem Osten ermöglicht wurde. Das ist erreicht durch die Umgestaltung des Bahnhofes Wittcnbergplatz. Anstelle der hisher vorgesehenen vier Bahn- steige, zweier gemeinschaftlicher Mittelbahnsteige und zweier einzelnen Außenbahnsteige, hat das neue Projekt nur drei Bahnsteige, nämlich zwei gemeinschaftliche und einen Außen- bahnsteig. Der Betrieb»vird sich so gestalten, daß auf der alten Stammlinie Wilhelmsplatz— Spittelmarkt und auf der neuen Linie Kurfürstendamin-Gleisdreieck— Warschauer Brücke direkte Züge in Mindestabständen von 5 Minuten Verkehren. Die Uinsteigeverhältnisse werden sich nun folgendennaßen gc- stalten: Von Berlin C. nach dem Kurfürstendamm, vom Wilhelmsplatz nach dem Osten, vom Osten nach dem Wilhelms- platz steigt man auf demselben Bahnsteig um.»vie jetzt bei der Fahrt vom Spittelmarkt nach dem Reichskanzlerplatz auf dem Bahnhof Bismarckstraße. Nur wer vom Kur- fürstcndamm nach dem Spittelmarkt fährt, muß am Bahn- Hof Witterbergplatz umsteigen,»venn er nicht erst am Bahnhof Gleisdreieck umsteigen will, wobei er nur eine halbe Treppe hinabgehen muß. Die Umsteigeverhält»iisse sind für Charlottenburg günstiger geworden, als nach dem Projekt. dem Charlottenburg am Ende des vorigen Jahres seine Zu- stimmung gab. Der Magistrat von Charlottcnburg hat diesem abgeänderten Projekt bereits seine Zustimmung gegeben und wird es nun der Stadtverordnetenversammlung unterbreiten. Für schwachbefähigte Schulkinder sind in der Volksschule neben dem normalen Unterricht besondere Einrichtungen nötig, die eine gesonderte Behandlung dieser Kinder ermöglichen. Zu diesem Zweck haben viele Städte sogenannte Hilfsschulen geschaffen, die neben den Normalschulen als selbständige Schulorganismen bestehen. Die Hilfsschulen stellen ge- ringcre Anforderungen an die Leistungsfähigkeit der Zöglinge» haben ihren eigenen Lehrplan und arbeiten nach besonderen Mctho- den. Den Schtvachbefähigten, die von dem Unterricht in einer nor- malen Volksschule nicht rechten Gewinn haben und daher einer Hilfsschule überwiesen werden müssen, wird so wenigstens das Allcrnottvendigste mit auf den Lebensweg gegeben. Berlin machte vor jetzt zwölf Jahren einen ersten Versuch zunächst mit den sogenannten N e b e n k l a s s e n, die einzelnen Gemeindeschulen angegliedert tvurden. Aber auch für diese Neben- klaffen ergab sich bald die Notivendigkeit, sie zu zwei, drei und mehr in Stufen übereinander zu stellen. So entwickelten auch hier sich kleine Schulsysteme, die man als Hilfsschulen bezeichnen konnte. Gleichzeitig verschob sich, ganz ohne äußeres Zutun, der anfängliche Zweck der Nebenklassen. Es»var daran gedacht worden, die schwach- befähigten Kinder möglichst nur für einige Zeit den Nebenklassen zu übertveisen. Wenn sie hier unter den günstigeren Verhältnissen einer geringeren Klassenbesetzung und einer ihrer Eigenart an» gemessenen Unterrichtsmethode einigermaßen vorwärts gekommen wären, wollte man sie wieder in die normale Gemeindeschule zurück» kehren lassen und sie der ihrem Bildungsgrad entsprechenden Klasse überweisen. Man nahm an, daß das die Regel sein würde. Aber sehr bald zeigte sich, daß nur zu viele Kinder dauernd in den Neben» klaffen verbleiben mußten. Schon aus diesem Grunde»var eS nötig, die Nebenklassen sich zu einem stufenweis aufgebauten Schulorgani smus auswechseln zu lassen, dem schließlich auch eine gewisse Selbständigkeit nicht vorenthalten werden durfte. Nunmehr wird für das Hilfsschulwesen Berlins eine Neu» organifation beabsichtigt, die im wesentlichen nur eine»veitere Ausgestaltung des schon aus sich selber Gewordenen ist. Der Ent- Wurf, aus dem wir bereits vor vierzehn Tagen(in Nr. 94) das Wichtigste mitteilten, ist eine Arbeit deS Stadtschulrats Fischer. Die darin aufgestellten„Bestimmungen über den Unterricht in den Berliner Hilfsschulen" liegen in der von der Schuldeputation ge- billigten Fassung jetzt dem Magistratskollegium zur Beschlußfassung bor und»Verden dann auch der Stadtverordnetenversammlung unter- breitet werden. Die Lehrerschaft wird eS mit Freude begrüßen, daß endlich die Trennung der Hilfsschule von der normalen Gemeindeschule wenigstens grundsätzlich gewährt rverden und die Hilfsschule bei Erlangung deS vollen Ausbaues ihre Selbständigkeit erhalten soll. Diese Neuorganisation ist immer erst ein Anfang, doch kann durch ihn die Bahn frei ge» macht werden für eine Weiterentwicklung des Hilfsschulwesens in Berlin. Neben den Lehrern werden der neugeordneten Hilfsschule auch viele Eltern ein lebhaftes Interesse entgegenbringen. ES ist billig, daß bei Neuorganisation auch die Stellung der Familie zu dieser Frage beachtet wird. Wenn um unserer Kinder willen eine Eintracht zwischen Schule und HauS dringend zu wünschen ist, so gilt das in besonders hohem Grade für das Hilfsschulivesen. Noch steht die Familie den Hilfsschulen vielfach mit Mißtrauen gegenüber, weil sie ihren Nutzen noch nicht hinreichend zu würdigen weiß. Es ist ja verzeihlich, daß e» den nächsten Angehörigen eines Kindes schwer wird, die Mängel seiner Befähigung anzuerkennen. Aber hier müssen Mütter und Bäter sich frei machen von dem Vorurteil, dem wir Eltern unS nur zu- leicht hingeben,»venn die Begabung unserer Sprößlinge in Frage kommt. Kurzsichtigen Eltern erscheint eine Ueberweisung ihres Kindes an eine Hilfsschule keineswegs als eine Wohltat. ES ist richtig, daß das Urteil der Schule über die Befähigung eines Kindes nicht immer zutreffend zu sein braucht. Durch die neuen Bestimmungen über die Hilfsschulen»verden aber weitgehende Vor- sichtsmaßregeln getroffen, die eine voreilige Ueber- Weisung nach Möglichkeit verhüten werden. Kinder, die in der untersten Klasse der normalen Gemeindeschulcn nicht vorwärtskommen, können zunächst in eine sogenannte Vorklafse überwiesen»verden, die der normalen Schule angegliedert bleibt, aber«ine Brücke zur Hilfsschule hinüber bildet. Nach ein- bis höchstens zweijährigem Besuch der Vorklasse erfolgt— je nach der Entwicklung des Kindes— die Rückkehr in die normale Schule oder die Ueberweisung an die Hilfsschule, aus der übrigens später gleich- falls noch eine Rückkehr in die normale Schule erfolgen kann. Die Notwendigkeit der Hilfsschule ist längst erwiesen, und e« kann nicht mehr bestritten werden, daß sie segensreich wirkt. Manches schivachbefähigte Kind wurde erst durch sie für die Ent- Wicklung sozusagen aufgeschlossen. Manches Kind, das in der normalen Schule geradezu als schtvachsinnig erschien, vermochte in der Hilfsschule sich noch zu einer leidlichen Entwicklung durch- zuarbeiten. Die Stadt Berlin hat. wie auf so vielen Gebieten, so auch auf diesem es verschmäht, an der Spitze zu marschieren. Schon vor Einrichtung der Nebenklassen in Berlin konnte in der Stadtverordnetenversammlung unser Genosse Singer darauf hin- weisen, daß die von der sozialdemokratischen Fraktion geforderten Sondereinrichwngen für schivachbefähigte Schulkinder damals — 1897— bereits in zahlreichen anderen Städten bestanden und sich bewährten. Im Jahre 1898 wurde bei uns mit 22 Nebenklassen begonnen, und bis zum Winter 1999/19 stieg die Zahl auf 162, in denen 2499 Kinder(1499 Knaben, 1999 Mädchen) saßen. Die meisten dieser Kinder würden in den normalen Schulen hilflos ver« kümmern. Viele Freunde hat freilich die besondere Fürsorge für diese Schtvachbefähigten auch heute noch nicht in der Stadtverord» n et env er sammlung von Berlin. Wie erklärt sich das? Es darf hierbei nicht übersehen werden, daß die Nebenklassen, da ihre Frequenz bisher im Durchschnitt nur 1ö betrug und im Maximum fast nie über 29 hinausging, verhältnismäßig erhebliche Kosten ver- ursacht haben. DaS gilt aber bekanntermaßen dem Berliner Stadt- fveisinn als ein schwerwiegendes Bedenken, das Beachtung verdient, sobald sichs um die Volksschule handelt. Statistik für Groß-Berlin. Der Berliner Magistrat beschloß die Herausgabe statistischer Monatsberichte für Groß»Berlin durch das statistische Amt. Einem je länger um so nachhaltiger sich geltend machenden Mangel wird damit ab- geholfen. Die Berichte»verden für Berlin und nicht weniger als 62 Vororte die Entwicklung der Bevölkerung, der Verkehrs- Verhältnisse, die Bewegung auf dem ArbpitSmarklt in eingehender Weise zur Darstellung bringen. In enger gewerb- licher Gliederung wird besonders der Beschäftigungsgrad auf Grund der von den Krankenkassen für die Be» triebe mit mindestens 2S Versich crungspflich- tigen Personen ausgefüllten Betriebszähl' karten behandelt»verden. Besondere Berücksichtigung wird ferner der Güterverkehr auf der Eisenbahn wie auf den Wasser- straßcn finden. Außerdem werden jeweils besondere AbHand» l u n g e n aus den verschiedensten Gebieten der Groß- Berliner Stajistik, sowie auch Nachrichten aus den Gemeinde- Vertvaltungen der Vororte veröffentlicht werden. Der Preis für ein Jahres-Abonnement zu 12 Heften soll für die Gemeinde» Verwaltungen 6 M., sonst 8 M., die Einzelnummer 69 und 75 Pf. kosten. Die auch graphische Tafeln enthaltenden Monatsberichte sollen im Verlag von Puttkammer u. Mühlbrecht erscheinen. Die FürsorgrzSglinge Berlins hatten schon im Etatjahr 1893/99 sich nur noch wenig gemehrt. Ihre Gesamtzahl war in 1997/98 um 367 gestiegen, in 1998/99 aber stieg sie— wie der Jahresbericht der Weisenverwaliung meldete— nur noch um 117. Vom Schluß des Etatjahres 1999/19, daS inzwischen gleichfalls zu Ende gegangen ist, wird jetzt die Gesamtzahl in einer vorläufigen Mitteilung durch das Statistische Amt bekannt gegeben. Danach mehrten sich die Fürsorgezöglinge vom 31. März 1999 bis zum 31. März 1919 sogar nur noch um 21, von damals 3812 auf jetzt 889B. WSHrend Me Fahl der ReuSberwetsungen sich immer weiter ermäAg«. werden jetzt die endgültigen Entlassungen von Jahr zu Jahr zahlreicher. Auch die widerruflichen Entlassungen haben mit der Zeit sich beträchtlich gemehrt. Unter den 3812 Füriorge- zöglingen von Ende März IVOS waren 296 widerruflich Entlassene und 36 widerruflich der Familie Ueberlasscne, dagegen waren Ende März 1910 unter 3833 Fürsorgezöglingen bereits 390 widerruflich Entlassene und 158 widerruflich der Familie Ueberlassene. Solche Freigabe auf Widerruf hat die Bedeutung einer Probezeit, an die nach längerer Bewährung die endgültige Entlassung sich anschlietzt, Für das laufende Etatjahr 1910/11 ist zu erwarten, daß es das erste sein wird, das endlich eine Minderung der Gesamtzahl der Fürsorgezöglinge bringt. Der BolkSheilstätten-Perein vom Roten Kreuz teilt mit! In der ersten Hälfte des Mai werden die in den Wäldern un- mittelbar vor den Toren Groß-BerlinS belegenen sieben Erholungs- stätten vom Roten Kreuz, die im vergangenen Jahre die statt- liche Zahl von 177 000 Verpflegungstagcn aufzuweisen hatten. wieder ihre Pforten öffnen, um den an ihrer Gesundheit geschwäch- ten Männern, Frauen und Kindern anS der arbeitenden Be. völkerung durch Aufenthalt in gesunder, staubfreier Waldluft und gute Verpflegung. Kräftigung und Genesung zu verschaffen. Es werden im Betriebe sein: für Männer die Luise von Studt-Er- holungsstätte in Johannisthal-Niedcrschöneweide und die Erho. lungsstätte in der Jungfernheide, für Frauen die Leopold-Koppcl. Erholungsstätte in Eichkamp und die Erholungsstätte in Schön- holz, für Kinder die Wolf-Becher-Erholungsstätte in Eichkamp und die Erholungsstätten in Sadowa und in Schönholz. Der Ver- pflegungSsatz beträgt pro Patient und Tag in den Anstalten für Erwachsene bb Pf., in denen für Kinder 50 Pf. Anmeldungen sind zu richten an da? Bureau der Erholungsstätten. Friedrichstraße Nr. 207, das vormittags zwischen 10 und 1 Uhr geöffnet ist. Die Markthallendeputation hatte sich in ihrer letzten Sitzung erneut mit der Erhöhung der Standgelder in. den einzelnen Hallen zu beschäftigen. Da die Standinhaber nicht frei- willig diese Erhöhung von 25 Proz. tragen wollen und wie ste in ihrer Petition behaupten auch nicht tragen können, ersuchten sie um Aufhebung deS von der Deputation gefaßten Beschlusses. Stadt- rat Venzky teilte mit. daß die Erhöhung auch vom Magistrat be- schlössen fei, und dieje am 1. Juli in Kraft trete. Eine Anfrage unsere» Genossen Hintze, ob nicht der Stadtverordnetenversamm. lung in dieser wichtigen Frage eine Vorlage zugehen würde, wurde verneint, da hierzu keine Veranlassung vorläge. Nach dieser Er- klärung soll also die Stadtverordnetenversammlung ausgeschaltet werden. Es wird nunmehr Sache der Interessenten sein, sich direkt an die Stadtverordneten zu wenden. Für Verhandlung kam ferner die Beschwerde de» früheren ArbeiterauSschufleS, nach der derselbe in verschiedenen wichtigen Fragen nicht gehört und selbst auf Antrag nicht einberufen wor- den sei. Selbst bei der eingereichten Forderung der Erhöhung der Löhne ist die Einberufung unterblieben. Die Direktion erklärte unter der Zustimmung der Mehrheit der Deputation, daß hierzu keine Veranlassung vorgelegen habe; dasselbe träfe auch zu in bezug auf den Antrag der freien Vereinigung der Markthallen. arbeiter, die Verschlechterung des Wahlrechts der Arbeiter zum Ausschuß betreffend. Genosse Hintze geißelte die? Verfahren auf das schärfste; er wie» darauf hin, daß, wenn die Arbeiterausschüsse überhaupt noch eine Bedeutung haben sollten, sie bei so wichtigen Angelegenheiten gehört werden mühten. Die ganze bisherige Hand- habung habe die Ausschutzmitglieder ja veranlaßt, ihre Aemter niederzulegen. Die Mehrheit stellte sich auch hier auf den Stand» Punkt, daß kein Grund vorliege einzugreifen, da inzwischen ja der Ausschuß neu gewählt sei. Ein Protest der Freien Vereinigung gegen die Neuwahl wurde zurückgewiesen. Schlietzlich wurde noch die Entlassung einer alten Arbeiterin, welche neun Jahre im Dienste der Stadt tätig war, genehmigt, da sie infolge ihrer Krankheit— Krämpfe— für den Markt- hallendtenst nicht mehr passe. Der Antrag unsere» Genossen, der Frau eine andere Beschäftigung zu übertragen, wurde abgelehnt. Da» ist auch soziale Fürsorge. Verspätete Desinfektion. Bekanntlich sollen bei ansteckenden Krankheiten Desinfizierungen der Wohnräume stattfinden, um eine Weiterverbreitung zu verhüten. Leider wird aber in vielen Fällen so spät desinfiziert, daß der Zweck völlig illusorisch gemacht wird. Wir haben schon verschiedene solcher Fälle berichten können, heute liegt un» folgender Fall vor: Ein Knabe eines Arbeiter» D. in der Stralsunder Stratze erkrankte am 16. April plötzlich an DtphtheritiS und wurde sofort nach dem LazaruS-Krankenhause gebracht. Am 23. April starb doS Kind und wurde am 26. April beerdigt. Am 30. April, also 14 Tage nach der Erkrankung, erschienen in der Wohnung D.» Desinfektoren, um die Desinfektion der Wohnräume vorzunehmen. Dieses Ver» fahren entspricht in keiner Weise den Erfordernissen, die an DeS- infektionen gestellt werden müssen. Es wäre interessant, fest- zustellen, wer an der Verspätung schuld ist: die Polizei oder die DeSinfekrionSanstalt._ Achtung, Kirchensteuer! Die vereinigten katholischen Kirchen. gemeinden Groß-Berlin» verschicken wieder mal ihre bekannten alljährlichen Steuer-Brandbriefe. Auch diejenigen, welche im vorigen Jahre aus der Kirche ausgetreten find, werden leider noch einmal geschröpft. Von den im Laufe des Jahres 1909 auSge» schiedenen ist demnach noch biS Ende 1910 Kirchensteuer zu zahlen, zedoch nicht, wie es die Steuerschreiben mit absichtlicher Irre. führung verlangen, bis Ende März 1V11I Der katholische Gesamtkirchenvorstand, der natürlich ganz genau von jedem ein- zelnen Austritt unterrichtet ist, fordert trotzdem dreist den Betrag für daß ganze Steuerjahr ein. während nur für drei Quartale zu zahlen ist. Wer also beispielsweise zu jährlich 3 M. Kirchensteuer veranlagt ist, hat als ausgeschiedener mir 2,25 M. zu entrichten. Die Kirche schlägt mit der höheren Forderung lediglich auf den Strauch und erstattet von selbst nichts zurück, was irrtümlich zu- viel gezahlt wird. Bei den Tausenden von Austritten im Vor- jähre macht natürlich der zu Unreckt geforderte Gesamtbetrag für das erste Vierteljahr 1911 ein hübsches Sümmchen aus, das wir der Kirche doch lieber nicht in den ewig hungrigen Rachen werfen wollen. Wo die Veranlagung zur Kirchensteuer mit den tatsäch. lichen Verhältnissen im geringsten nicht übereinstimmt, vergesse man nicht, innerhalb spätestens vier Wochen zu reklamieren. Das muß auch von solchen irrtümlich Veranlagten geschehen, die etwa schon vor dem Jahre 1209 aus der Kirche ausgeschieden oder gar niemals der betreffenden jftrchengemeinschaft angehört haben. Denn die Kirche besteht ohne fristgerechte Reklamation auf ihrem Schein und nimmt sogar von Juden koschere Steuern. Das hier gesagte gilt auch von den Einschätzungen der evangelsichen Stadt» shnooen. Zweierlei Mass. Ein Leser schreibt uns:„Am Mittwoch, den T. Mai, abends gegen 7 Uhr zog ein Schwärm von zirka 20—25 Sioldatinnen der Heilsarmee von der Landsberger Stratze kom- mend, die Weberstratze entlang. Sie marschierten in geschlossenem Zuge auf dem Stratzendamm. Sämtliche Teilnehmerinnen waren mit grellroten Schleifen, in Breite von zirka 25 Zentimeter und Länge von der Achsel bis zu den Knöcheln, dekoriert. Voran ging eine Offizierin und forderte das entgegenkommende Publikum auf, die am Abend in der Palisadenstrahe stattfindende Versamm- lung zu besuchen. Einen Schutzmann habe ich nicht einschreiten sehen. Ich nehme an. daß trotz der roten Schleifen auch keiner eingeschritten ist. Der ganze Vorgang machte einen so wider- wältigen Eindruck, daß selbst Leute positiver Richtung ihr Mitz» fallen darüber äußerten. Sozialdemokraten dürften es nicht ge- wesen sein, da wäre nicht nur ein Schutzmann, sondern eine ganze Sompagme erschienen. «or dem Baden an verbotenen Stellen warnen die Wasserbau» inspektionen t»««ß-Berltn. Namentlich hit märkisch« Seen, f» heißt«S, bergen unter ihrer ruhigen und friedlichen Oberfläche die Stöhten Gefahren, und gerade die schönsten unter ihnen haben hon oft manch blühendes Menschenleben zum Opfer gefordert. Ein flacher, dann plötzlich steil abfallender Strand nimmt dem des Schwimmens Unkundigen den Halt und bringt ihm Verderben. Auch mancher kühne Schwimmer ist schon dem quclligcn und mora- stigen Untergrunde zum Opfer gefallen. Es kann daher nicht dringend genug geraten werden, nur an den besonders gekenn- zeichneten Stellen und in den Anstalten zu baden. Der 7 Uhr-Ladenschlust macht weiter Schule. Die hervor- ragendsten Berliner Firmen der Juwelen-, Gold- und Silberwaren- brauche haben beschlossen, ihre GcschäftSlokale vom 15. Mai bis 1. September um 7 Uhr zu schlichen. Bon der Heiligkeit der Ehe. Die Sentimentaliläl in der Liebe ist in unserem ausgeprägt kapitalistischen Zeitalter bis aus wenige Ueberreste gründlich zerstört worden.„Hat sse Diaht?" ist heute daS Motto aller LiebeSbrÜnstigcn der bürgerlichen Welt. Das zeigt am deutlichste» folgendes Inserat auS der Soniitagsnumnier des„Berliner Lokal-Anzeiger': Nur unglückliche, sehr vermögende Dame mit Körperfehlcr oder unehelichem Kind will ich heiraten. Offerten möglichst mit Bild und nicht anonym direkt an mich. Astrologe Adolf Grodzinkat in Murienhain, Post Koschtau, Ostpreußen. Die Naivität und der ZyniSmuS. die auS dieser Offerte sprechen, sind klassisch. Geld ist gewiß angenehm, wenn man welches hat. Aber die Art, wie hier der Mammon zur Hauptsache und die„ge- lieble Frau' zur Nebensache, zum lästigen ober unvermeidlichen An» hängsel gestempelt wird, muß auf jeden feinempfindenden Menschen geradezu abstoßend wirken. Und diese Inserate gehen alltäglich durch die bürgerliche Presse und werden anstandslos aufgenommen, getreu dem Grundsatz:„Geld riecht nicht I' Das ist dieselbe Presse, die täglich über die Demo- ralisation und Entsittlichung des Volkes eifert. Die Kirche beider Konfessionen jedoch segnet diese Ehen, dort aber, wo zwei Menschen- linder sich liebend zusammenfinden und aus diesen.Segen' ver- sichten, spricht fie von einem Konkubinat, von wilder Ehe, die des sittlichen GehaltS entbehre. Ja, wir Wilden find doch bessere Menschen! Der Abbruch der KSnigSkolonnaden geht glatt von statten. Da» bei hat sich aber gezeigt, daß wahrscheinlich eine Menge deS alten Materials nicht wieder zu benutzen sein wird; eS mutz durch neues ersetzt werden. Der Zahn der Zeit ist nicht zu verkennen, er hat auch dieses alte Bauwerk nicht unberührt gelassen. 56 Pfennig für Schläge. Ein recht sonderbarer Kauz ist in der Person des Handlungsgehilfen R. auS der Grünauer Strohe 28 von der Polizei festgenommen worden. R., der erst im 20. Lebens- jähr steht, ist von eigenartigen Freudengenüssen beseelt. Er pflegte Kinderspielplätz« aufzusuchen und forderte klein« Knaben auf, sich zu bücken. Er versetzte ihnen dann Hiebe und als Belohnung und Schmerzensgeld gab er den Kindern Geld in Höhe von 10 bis zu 50 Pfennigen. Die Sache kam jetzt zur Kenntnis der Polizei, die dem seltsamen Treiben des jungen Menschen ein Ende bereitete. DaS Kuratorium der Unfallstationen schreibt uns in bezug auf unsere Notiz über die Behandlung eines Unfallverletzten in der Freiiagnummer:„Der betreffende Verletzte ist sofort, als er morgens um S Uhr die Unfallstation aufluchte, dort von dem an- Wcsenden Arzt sachgemäß mit ordnungsmätzigem Schienenverband versehen worden, nachdem die Wunde gereinigt und des« infiziert worden war. Die Wiederbestellung zu 11 Uhr erfolgte, weil noch Legitimation und Medtzinschein gebracht werden sollten behufs Eintragung in das Journal, und erst als- dann ist der Verletzte der berufSgenossenscha Wichen Berbandstätte zur Weiterbehandlung überwiesen worden. Die Unfallstation hat ihre Pflicht, erste ärztliche Hilfe zu leisten, voll und(janz erfüllt.' ?u dieser Zuschrift haben wir zu bemerken: Es ist nicht richtig, er Verletzte von dem auf der Station anwesenden Arzt be- handelt worden ist. Der Arzt mutzte fortgehen, weil er anderes zu tun hatte, und überließ den Verletzten dem Heilgehilfen, der aller- dings im Gegensatz zu miserer ersten Meldung einen ganz not» dürftigen Verband anlegte. Tatsächlich wurde der Verletzte zu 11 Uhr wieder bestellt, weil dann Aerzte der BerufSgenossenschaft anwesend seien. Ein Mediziiischein ist. wie iinS versichert wird, gar nickt ver- langt worden. Wäre daS geschehen, so hätte derselbe innerhalb 15 Minuten beigebracht werden können, da der Betrieb, in dem der Verletzte arbeitete, nicht weit von der Unfallstation entferilt ist. Wurde der Verletzte aber um 11 Uhr nach der Station bestellt nur deshalb, um ihn der berufS�enossenschaftlicken Verbandsstätte zur Weiterbehandlung zu überweisen, so ist gleichfalls zu rügen, daß daS nicht sofort geschehen ist. Dann brauchte der junge Mann nicht erst mehrere Stunden gräßliche Schmerzen auszuhalten. Eine Polizeiverordnung zum Schutz gegen verunstaltende Re- klame ist jetzt von dem Regierungspräsidenten von Potsdam er» lassen worden. Sie betrifft das Briesetal im Kreise Niederbarnim. Die Anbringung solcher Rcklameschilder und sonstigen Aufschriften und Abbildungen, welche das Landschaftsbild verunzieren, ist im Kreise Niederbarnim für das Gebiet des Briesetals von der Berliner Nordbahn im Westen bis zur Berlin-Liebenwalder Chaussee verboten. ES gilt dies bis zu einer Entfernung von 300 Meter von dem Briese-Flieh. senkrecht zu den Uferlimen in der Horizontale ge- messen. Bereits bestehende Anlagen solcher Art müssen bis zum 1. Juli entfernt werden. Zuwiderhandlungen werden mit 60 Mark Geldstrafe oder entsprechender Haft bestraft. Zur Ausführung von Bauten und baulichen Aenderungen auf diesem Gebiet außerhalb der Ortschaften kann die baupolizeiliche Genehmigung versagt wer- den, wenn dadurch daS Landschaftsbild gröblich verunstaltet werden würde und dies durch die Wahl eines anderen Bauplatzes oder eine andere Baugestaltung oder die Verwendung anderen Baumaterials vermieden werden kann. DaS Leben genommen hat sich in Mainz, wo er zu Besuch weilte, der Berliner AmtsgerichtSrat LouiS Fischer, der am Ämtsgericht Berlin Mitte als Jugendrichter wirkte. Er schnitt sich die Kehle durch und stürzte sich dann aus dem Fenster. Er war sofort tot. Fischer hielt wiederholt in Richtervcreinigungen und in der Deut- schen Zentrale für Jugendfürsorge Vorträge über die Bedeutung »er Jugendgerichte. Generalversaiiimlung der Freie» Volksbühne am 29. April 1010. Nach einem einleitenden Vortrage des Abg. Dr. S ü d e k u m über „Staat. Städte und Kunst' gab der Vorsitzende Dr. Konrad Schmidt einen kurzen Geschäftsbericht. Er erwähnte hierbei die zuletzt aufgeführten Stücke„TroumuluS',.Dorftyrann' und„Bun- bury" und glaubte aussprechen zu können, daß daS Repertoire des Winters im allgemeinen lebhaften Anklang gefunden habe. Bezüglich der Abendvorstellung verwies er auf die Abhängigkeit vom ständigen Repertoire des Neuen Schauspielhauses und die der Vereinsleitung dadurch gesetzten Schranken. Winkler erstattet den Kaffenbencht. Danach betragen die Einnahmen im dritten Quartal deS Spieljahres 1909/10, also im ersten Jahresquartal einschließlich eine« Kassenvortrages von 8679,94 M. 55 770,94 M.; die Ausgaben belaufen sich auf 49 037,33 M., so daß am Quartalsschluß ein Kassenbestand von 6733,11 M. zu ver- zeichnen war. L ü d e r wendet sich dagegen, datz für den 1. Mai Vor- stellungen anberaumt seien. Dazu bemerkt Winkler, datz der Vorstand nur ungern seine Zustimmung dazu gegeben habe, datz am 1. Mai gespielt wurde. Es sei indessen wegen des polizeilichen Ver- bots der Butztags-Vorstellungen im vorigen Jahre nicht anders mög- lich gewesen. Die von dem Revisor Gutschmidt beantragte Decharge wmde einstimmig angenommen. Bei»er Maifeier bei Mlke in der Brunrrenstraße 188 find einige Gegenstände gefunden worden, u. a. 2 Spazierstöcke, 1 Hut, 1 Halskette; verloren 1 Stock mit silberner Krücke. Verlierer wie Finder wollen sich an die Zeitungsspedition von Baumann, Ber» nauer Stratze 9, vorn pt., wenden. Die Arbeiterbildungsschule beginnt am ersten Pfingstfeiertage ihre bewährien SonntagSauSflüge mit einem Ausfluge nach WollerSdarfcr Schleuse. Abfahrt Bahnhof Alcxanderplatz S29, Schle« siicher Bahnhof 8�. Treffpunkt bis 11 Uhr bei Mau, Kurpark- restaurant in Fichtenau. Von 1 Uhr ab Albrechts Restaurant, Wolters- dorfer Schleuse. Die Konsumgenossenschaft Berlin und Umgegend hat im April d. I. einen Umsatz von 427 154 M. erzielt gegen 298 223,44 Mark im April 1909. das sind 128 930,56 M. mehr. In den zehn Monaten dieses Geschäftsjahres betrug der Umsatz 3 302 546,34 M., das sind 1 092 827,99 M. mehr als im gleichen Zeitraum deS Vorjahres oder 407 033,34 M. mehr als das gesamt« Geschäftsjahr 1909. Die Mitgliederzahl ist jetzt auf 39 009 angewachsen, da müßte der Umsatz in den 53 Verkaufsstellen allerdings noch bedeu- tend größer sein; die 54. Verkaufsstelle wird am Montag, den 9. Mai, in der Wrangelstr. 65 eröffnet. Von den Hausanteilen sind jetzt etwa 310 000 M. eingezahlt und müssen die 500 000 M. spätestens am 1. April 1911 aufgebracht sein, so daß noch 199 090 M. bis dahin gezahlt werden müssen, waS hoffentlich schon früher ge- schieht. da ja dieselben mit 4 Proz. verzinst werden und auch event. an NichtMitglieder abgegeben werden. Zeugrngesuch. Personen, die am 25. Februar, abendS 6 Uhr, gesehen haben, wie auf dem Bahnhof Wedving beim Ausfahren eines Zuges nach der Richtung Pntlitzstrntze ein Mann geschossen bat und die Notleine zog, werden um Abgabe ihrer Adresse an L. L. Schmidt, Berlin, Seestr. 66, Ouergebände IV, gebeten. Brbeiter-Samariter-Kolonne. Die für Montag angesetzte Prüfung fällt aus und findet später statt. Die zuletzt ausgegebenen Verbandstaschen müssen am Montag abgegeben werden, da die- selben nach Nürnberg geschickt werden. Am Donnerstag findet in der 3. Abteilung in Schöneberg bei Wielach, Grunewaldstr. 82, die nächste Uebungsstunde statt. Torort- JNacbricbrcn. Steglitz. AuS der Gemeindevertretung. Mit der Mitteilung, daß der Schöffe Mancke fein Ehrenamt niedergelegt und das des be- foldeten Standesbeamten in unserem Orte übernommen hat, wurde die Sitzung eröffnet. Die ersten elf TagesordnungL- punkte wurden fast ohne Besprechung erledigt und boten nichts von besonderem Interesse, ausgenommen vielleicht der Antrag, die Preise für Heilbäder in unserer Badeanstalt dadurch etwas zu ermäßigen, daß Blocks von 5 resp. 10 Karten, die übertragbar sein sollen, ausgegeben werden sollen. Die Beschlußfassung über da? Bauprogramm des Gemeinde-ElektrizitätS- w e r k e S gab unserm Genossen A h m a n n Gelegenheit, den Antrag zu stellen und zu begründen, bei der Vergebung der Arbeiten die Unternehmer zu verpflichten, die tariflichen Löhne zu zahlen, und ferner Schöffen und Gemeindevertreier von Lieferungen auszuschließen. So selbstverständlich der Antrag in der heutigen Zeit ist, für unsere Gemeindevertretung war er anscheinend so überraschend, daß man sich gar nicht die Zeit zu Ueberlegungen gönnte. Weil Genosse Atzmann in seiner Begründung anführt«, daß man in an- deren Städten viel weiter gehe und bei kommunalen Bauarbeiten sogar das Verbot der Akkordarbeit und Beschränkung der Lehrlings- arbeit festgelegt habe, wovon er jedoch vorerst in seinem Antrage Abstand nehmen wolle, glauben sich mehrere Herren berufen, den Vorzug der Akkordarbeit und die„Freiheit der Arbeit" preisen zu müssen. Ausgerechnet Herr Rittmeister Bugge, dem seine Tätigkeit als AufsichtsratSmitglied verschiedener Gesellschaften noch soviel Zeit zu lassen scheint, die Leitartikel der Aroeitgeberzeitung auswendig zu lernen, mutzte daS Loblied auf die Akkordarbeit singen und den Terror der Sozialdemokraten, wie er sich wieder beim Streik der Leitergerüstbauer gezeigt habe, ins rechte Licht setzen. Auch Herr Kirchner, der sich beim Bau unserer Bade- anstalt so mit Ruhm bedeckt hat, daß er noch jetzt kaum darüber wegsehen kann, sowie Herr G e n n e r vom Mieterverein schwärmten siir Akkordarbeit und die„tüchtigen Arbeiter", die bei dieser Lohn- form nach ihren Leistungen bezahlt werden. Herr KorthauS lMieterverein) fand zwar die Tendenzen des Antrages berechtigt, konnte aber nicht einsehen, datz er gerade jetzt in Kraft treten solle. Genosse Aßmann antwortete, datz er bei anderer Gelegenheit den Herren beweisen werde, auf welcher Seite Terrorismus geübt werde, für heute bitte er um Annahme seines Antrages. Letzterer wurde jedoch gegen die Stimmen unserer Vertreter und einiger Herren vom Mietervcrein abgelehnt, hingegen ein Nnterantrag des Herrn G ä d t k e angenommen, durch welchen der Antrag der„Sub- missionSkommission" und der..Elektrizitäts-Kommission" als Mate- rial überwiesen wird.— Ein Antrag Gädtke verlangte Ver» mehrung von Spielplätzen und Ankauf von Land hierzu. Trotz der vorzüglichen Begründung gelang eS dem Antragsteller nicht, die Mehrheit von der Notwendigkeit deS Antrages zu überzeugen. Wozu auch Spielplätze! Die höheren Schüler haben solche, der Plebs kann auf der Stratze spielen I Schmargendorf. BSseS Blnt unter den Anwohnern der Kaiferin-Viktoria-Stratze zu Schmargendorf hat die unvermutete Niederlegung einer Herr- lichen, in voller Blüte stehenden Ahornallee hervorgerufen. Als man in der dortigen Gegend erfuhr, datz die 50—60 Jahr« alte Allee der Axt zum Opfer fallen solle, reichten eine große Anzahl Anwohner, darunter Hochstehende Persönlichkeiten, ein Gesuch an den Landrat V. Achenbach ein, die prächtigen Bäume zu schonen. Die Bitte wurde ablehnend beschieden. Darauf wurde die Re- gierung in Potsdam und der Landrat in Berlin angerufen, aber noch am selbigen Abend kam der Herr Gemeindevorsteher und ver» fügte die sofortige Niedcrlegung"der Bäume, trotz der erregten Protesteinwendungen und de» Hinweise», daß hohe Beamte zum Regierungspräsidenten gefahren seien. Wae die hartnäckige und überstürzte Fällung der Bäume herbeigeführt hat, weih niemand. Eine Notwendigkeit zu diesem behördlichen Akt kann niemand der beteiligten Anwohner einsehen. Rixdorf. Am 1. Mai ist in Rixdorf ein Verbandsbuch der Steindrucker und Lithographen, lautend auf den Namen Richard Pauligk, verloren gegangen. Dasselbe ist in der Parteispedition Neckarstratze i abzugeben. Treptotv-Bnumschulentveg. Ja einer imposanten von über 800 Personen besuchten Volks» Versammlung in Speers Festsälen referierte am Mittwoch Genosse Gerisch über„die Grundsteinlegung zur ersten evangelischen Kirche in Baumschulenweg". Bekanntlich hatte der Gemeinde» kirchenrat an den hiesigen Wahlverein das Ansinnen gerichtet, im geschlossenen Zuge an der Grundsteinlegung teilzunehmen. Kein Wunder, wenn sich die sozialdemokratische Arbeiterschaft in nicht mitzzuverstehender Weise gegen eine solche Zumutung wandte. Außerdem galt es. Protest einzulegen gegen das Vorgehen deS Gemeindevorstehers, der als Mitglied des GemeindekirchenratS die Arbeiterschaft zu einem Aufzuge animierte, ihr aber als Gemeinde» Vorsteher einen solchen unter nichtigen Gründen am 1. Mai verbot. Der Gemeindekirchenrat wie auch Herr Bürgermeister Schablow waren gleichfalls zu dieser Versammlung geladen, jedoch ohne An- Sabe von Gründen derselben ferngeblieben. Nach den trefflichen luSführungen deS Referenten gelangte einstimmig folgenv« Re» solution zur Annahme: „Die in Speers Iestsälen tagende, von über 800 Personen (Männer und Frauen) besuchte PolkSversammlung stimmt den vor- trefflichen Ausführungen des Referenten zu mit dem Gelöbnis, unermüdlich zu kämpfen für die Idee der Freiheit, um das Hand- Werk der verfinsternden und verdummenden Lehren der christlichen Agenten zu legen. Die Bersammelten erblicken in der christlichen Kirche nicht die Institution, die gewillt ist. den„Frieden auf Erden" zu verwirklichen, sondern sie erkennen in ihr ein Jnstru- ment des heutigen Klassenstaates, dessen höchste und vornehmste Aufgabe darin besteht, die heutige kapitalistische Ausbeutung und politische Entrechtung der breiten Massen der Bevölkerung aufrecht zu erhalten.— Die Versammelten protestieren daher gegen die Verausgabung von Gemeindemitteln, die auch von Andersdenkenden aufgebracht werden und nun zur Bekämpfung und Unterdrückung Verwendung finden sollen. Zum Protest ersuchen die Versammelten die Einwohner von Baumschulenweg der Aufforderung des Gemeindevorstandes, bei der Grundsteinlegung Staffage zu bilden, nicht Folge zu leisten." In die Versammlung hatten sich auch zwei Kriminalbeamte geschlichen, was den Vorsitzenden. Genoffen Müller, veranlagte, die Versammelten im Gespräch zur Vorsicht zu mahnen. Nach einer Aufforderung an die Anwesenden, aus dem Referat die Konse- quenzen zu ziehen, der Kirche den Rücken zu kehren, der politischen und gewerkschaftlichen Organisation beizutreten und Leser des „Vorwärts" zu werden, wurde die Versammlung geschloffen. Wilmersdorf. Heute Sonntag, nachmittags 2 Uhr, hält die F r e i e T u r n e r- f chaft Wilmersdorf auf dem stadtischen Spielplatz an der Ecke Mannheimer- und Berlinerstrage ein öffentliches Anturnen ab. Das Programm besteht aus volkstümlichen Wettspielen der Männer-, Lehrlings- und Damenabteilungen. Abends 6 Uhr be» ginnt im Johann-Georg-Haus. Johann-Georgstrage 19, zu Halensee ein Kommers mit Familientanzvergnügen. Köpenick. Tie Stadtverordnetenersatzwahlen in der 2. Abteilung für Herrn Cunitz und für Herrn Plessow finden am Dienstag. den 19. Mai, nachmittags von 3— 6 Uhr, im Stadtverordneten-Sitzungssaal, Rathaus 2 Treppen, statt. Parteigenossen l Es ist unbedingte Pflicht, dag jeder von seinem Wahlrecht Gebrauch macht. Als Kandidaten fungieren die Genoffen Ge schäftsführer Max Galle, Müggelheimerstratze 41, und Genosse Restaurateur Gustav Müller, Alter Markt. Am Montag, den v. Mai, abends 8� Uhr. findet im Stadttheater, kleiner Saal, eine Wählerversammlung statt. Weihense«'. Der letzten Gemeindevertretersitzung lag eine Petition der Grundbesitzer vor, worin dieselben an den Reichstag und Bundesrat das Ersuchen richten, dem ReichswertzuwachSsteuerentwurf die Zu- stimmung in der beabsichtigten Form zu versagen. Es würden durch die Regierungsvorlage die kommunalen Finanzintereffen auf das erheblichste beeinträchtigt, der städtische HauS. und Grundbesitz schwer geschädigt und die Entwicklung des ganzen Baugewerbes ernstlich gefährdet. Der Vorsitzende, Bürgermeister Dr. Woelck, empfahl in längerer Rede die Annahme einer solchen Petition, von der er sich allerdings wenig verspricht; des weiteren befürwortet er noch, die Reichstagsabgeordneten persönlich aufzusuchen. Die Ge- nassen Frentz, Fuhrmann und Taubmann nahmen die Gelegenheit wahr, auf die Ansichten der Herren gelegentlich der Wahlrechts- Petition hinzuweisen, die man einfach unter den Tisch fallen lieh. Hier, wo die Profitinteressen der HauS- und Grundbesitzer in Frage ständen, sei man schnell zur Abwehr bereit. Nur Herr Letz gab unseren Genossen recht, während die übrigen Redner auf unsere Anariffe gar nicht eingingen, sondern das Verlangen stellten, eine solche die Kommunen schädigende Gesetzesvorlage durch einstimmigen Protest zu Fall zu bringen. Nach langem Hin und Her wurde dann die Petition mit Mehrheit angenommen. Gefunden worden sind im Schlotz Weitzensee bei der Maifeier «ine goldene Damenhalskette und ein Armband. Die Gegenstände find in der Vorwärtsspedition Sedanstratze 19b part. abzuholen. Wilhelmsruh. Wie der Landrat des Kreises Niederbarnim Beschwerden er» ledigt, zeigt sich so recht in dem langen des öfteren im Vorwärts erwähnten Streit zwischen der Gemeindevertretung und dem am 1. April aus dem Gemeindedienst geschiedenen Gemeindevorsteher Schmidt. Unmittelbar nach jener Sitzung, in der die Gemeinde. Vertretung vom Gemeindevorsteher Schmidt Auskunft über die Ausführung gefatzter Beschlüsse verlangte, letzterer jede Auskunft aber strikte ablehnte, wandten sich die beiden Schöffen und die Gemeindevertretung an den Landrat, um ihm die Gründe dar- zulegen, die sie zum Verlassen d«r Sitzung bewogen habe. Die Beschwerdeführer waren nicht wenig erstaunt, als sie ein paar Tage darauf vom Landrat den Bescheid erhielten, datz die in der Beschwerde gemachten Ausführungen sich nicht mit den Dar stellungen des Gemeindevorstehers decken. Es wird dann im Schreiben das Verhalten des Gemeinde- Vorstehers für richtig befunden, das Fernbleiben des Schöffen Kurt aus den Sitzungen gerügt und letz- terem disziplinarische Matzregeln angedroht, wenn er sich ein weiteres derartiges Verhalten zu schulden kommen lasse. Da aus dem Schreiben des Landrats ohne weiteres hervorging, datz der Darstellung des Gemeindevorstehers Schmidt Glauben ge. schenkt wurde gegenüber den Darlegungen der 12 Be- schwerdeführer, wandten sich letztere an den RegierungS- Präsidenten mit der Bitte, gegen den Gemeindevorsteher das Diszi- plinarverfahren wegen falscher Berichterstattung anzustrengen. In mehreren öffentlichen Versammlungen wurde gleichfalls das Vorgehen des Gemeindevorstehers scharf verurteilt und seine Dienstentlassung gefordert. Aber auch der Regierungspräsident unternahm nichts, sondern gab einfach die Beschwerde zur weiteren Erledigung an den Land- rat zurück. Da mit der Zeit bekannt wurde, datz die Firma Bergemann Herrn Schmidt eine leitende Stelle in ihrem Be- triebe verschafft hatte— im Orte glaubt man für treu geleistete frühere Dienste— und er am 1. April ausscheide, wurde den Be- schwerdeführern vom Landrat der Bescheid, datz damit die An- gelegenhett als erledigt angesehen werde. Mit diesem Ausgang der ganzen Affäre hat sich die AufsichtS- behörde um eine Untersuchung der dem Gemeindevorsteher zur Last gelegten Vergehen herumgedrückt. Unserer Auffassung nach mützte die Untersuchung erfolgen, gleichviel ob der Gemeindevor- steher aus dem Dienste schied oder nicht. Die Gemeindevertretung hat durch diesen Abschlutz keine Genugtuung erhalten. Autzerdem Wäre eine Belastung des Gemeindevorstehers von finanzieller Be- deutung für die Gemeinde gewesen. Die Gemeinde wäre der un. angenehmen Verpflichtung enthoben worden, einem Manne, der nunmehr seine Dienste einer Firma zur Verfügung stellt, auf lange Jahre Pension zu zahlen. Jugendveranstaltungen. Treptow- Baumlchulenwrg. Die Freie Jugendorganisation. Ab- tellung Trepiow, veranstaliet heule, am 8. Mai er., nachmittags 3 Uhr, bei Echolze, Arätzstrotze SS, eine Agiinlionsoerlammlung, in der Kollege Fritz M a ich l e über:»Was will die Freie Jugendo> aanisation 1' sprechen wird. Die Arbeiters«»?! wird ersucht, ihre jchuicnUaffcueu Söhn« tl»d Töchter «4 diese Versammlung ausmerlsam zu mache». Venmlcdres. «Ngemetnr Familien-Sterbekaffe»n Berlt». Heut« von S bis 6 Uhr- Zahltag bei vernick». Ackerslratz« 123. Einiges vom König Eduard. Durch das Ableben König Eduards von England werden manche Erinnerungen wachgerufen, deren Mittelpunkt der in seinen jüngeren Jahren nicht sehr sittenstrenge König war. Trotzdem der damalige Prinz von Wales bereits mit 21 Jahren verheiratet wurde, hielten ihn die Ehesesseln sehr wenig von zahlreichen Extratouren ab. Die nach den Berichten der bürgerlichen Presse von seinem Tode so tief erschütterten Untertanen dachten damals wesentlich anders über ihren zukünftigen Herrscher. So hatte einmal eine Liebelei mit der Galtin eines Baronels zu einem Slandalprozetz geführt, zu dem der Thronfolger als Zeuge geladen war. ES war zu befürchten, datz der Held des Ehekonfliktes aus der Stratze von den sittenstrengen Bür gern insultiert werden würde; um das zu verhindern, fuhr Eduard in Begleitung seiner Frau bis vor das Gerichtsgebäude, nur dadurch entging der Prinz den Angriffen der Menge. Die in die Liebschaft verwickelte Frau wurde geschieden und starb wenige Jahre später im Jrrenhause. Mehrere andere Lieb- schaften des Prinzen Eduard mit Frauen des Hofadels nahmen dank der Weilherzigkeit der Ehemänner einen weniger tragischen Abschlutz. Sehr vergnüglich gestalrete der Prinz sein Leben, wenn er in Paris zu Besuch war. Bei den Festen der oberen Zehntausend war er der Held des Tages, oftmals auch der Held der Nacht. Daher konnte es auch nicht fehlen, datz Eduard vorbildlich in allen Kleider- fragen, datz er der unbestrittene König der Mode war. Ehr- furchlsvoll blickten olle die, denen das Leben ein immerwährender Rausch der Freude ist. zu ihrem fürstlichen Führer auf. Jede neue Bügelsalte, jede neue Nuance in der Farbe der Krawatte bestimmte er; sklavisch wurde der Schnitt der Weste oder die Form des Schuhwerks nachgeahmt. Die etwas davon ver- stehen, behaupten zum Ruhme des Verstorbenen, datz er es auch wirklich verstand, sich elegant zu kleiden. Am Rande versteht sich, datz ein so vornehmer Herr auf allen Gebieten des Sports beschlagen war; die Fama erzählt, datz er durch„glückliche" Tips manchen Tausender gewonnen habe; daneben halfen zahlreiche Börsencoups dem ewig geldbedürstigen Thronfolger über die drückenden Sorgen des Alltagslebens hinweg. Eine Episode, die mit der Vorliebe des Verstorbenen zum Sport zusammenhängt, verdient in der Zeit des Hausknechlsparagraphcn erwähnt zu werden. Nur bandelte eS sich da nicht um den Hinaus- wurf unangenehmer Mahner der Volksrechte, sondern um eine fürstliche Person. Im englischen Unterhause sollte die Frage der Zucht von Voll- blulpserden behandelt werden. Eduard beschloh, der Sitzung in einer Loge in höchsteigener Person beizuwohnen und erschien in seinen, neuesten„wundervollen" Anzüge. Nun gibt es aber im englischen Parlament keine öffentlichen Sitzungen, die Zuhörer werden nur stillschweigend geduldet. Als die Sitzung beginnen sollte, er- hob sich ein irisches Parlamentsmitglied und machte darauf auf« merksam, datz Fremde anwesend seien. Dem Sprecher blieb nichts anderes übrig, als die schleunige Entfernung der Zuhörer, auch de» Prinzen Eduard, anzuordnen. Nicht wenig erbost über die Un- Verschämtheit seiner Untertanen verlieh der Hinausgeworfene den Sitzungssaal._ Vom Erdbeben in Costariea. Nach den vorliegenden Meldungen wird die Gesamtzahl der bei der Katastrophe umS Leben Gekommenen auf 1999 Personen geschätzt; bisher wurden in C a r t a g o 459 Getötete aus den Trümmern der Stadt herausgegraben. Der Materialschaden be- läuft sich auf 25 Millionen Dollar. Nach Mitteilungen von Ueber- lebenden währte der erste Erdstotz 18 Sekunden und brachte fast alle Gebäude zum Einstürzen. Sofort nachher stiegen gewal- tige Staubwolken auf, wodurch dichte Finsternis entstand. Alle Telegraph i st en wurden getötet, weshalb nicht sofort Hilfe verlangt wurde. Erst um Mitternacht, als die ersten Flüchtlinge San Josä erreichten, konnte ein Hilfskorps or- ganisiert werden. Präsident Viquerz fand die Straßen Cartagos voller Toten und Sterbenden. Dem Erdbeben folgten grähliche Szenen, da in der durch die Staubwolken ver- ursachten Dunkelheit in den engen Straßen Zusammenstöße ein. zelncr oder ganzer Familien erfolgten, wobei Morde und sonstige blutige Konflikte sich ereigneten. Die Katastrophe war nicht von vulkanischen Erscheinungen begleitet, jedoch sind grotze Erdspalten entstanden, auch in weiterer Entfernung von Cartago. — Die Metzapparate der kontinentalen Erdbebenwarten haben da? Erdbeben nicht gemeldet. Da das letzte verzeichnete Beben aus Zentralamerika vom 11. April datiert ist, nimmt man in Fachkreisen an. daß es mit der gestern von unS gemelde- ten Erdbebenkatastrophe identisch ist. Man glaubt, datz die tele- graphischen Nachrichten durch die Zerstörung der Telegraphen linien verspätet eingelaufen sind. Die Ursachen der Zeppelin-Katastrophe. Vor einigen Tagen haben wir gemeldet, datz sich der Reichstag voraussichtlich mit den Ursachen und Zusammenhängen des Verlustes des Z. II beschäftigen würde. Das sit jetzt nicht mehr not« wendig, denn ein katholischer Pfarrer im Oberlahnkreise hat bereits die wirklichen Ursachen der Katastrophe ergründet. Wie nämlich daS.Wiesbadener Tageblatt" meldet, verkündete der GotteS- mann von der Kanzel herunter folgendes: .Bielleicht wäre das Unglück nicht geschehen, wenn am Morgen des A u f st i e g S mehr gebetet worden wäre. Hätten die Herren in Homburg daS Hoch« a m t besucht, dann hätten sie die nach demselben erscheinenden Wetterberichte erst studieren können. Die Abfahrt, durch welche Tausende von Gaffern des MaingaueS veranlaßt wurden, der Kirche fernzubleiben, würde unterblieben sein. Unser terrgott hat wieder einmal gezeigt, datz erderKönig der üfte ist und bleiben will." Kleine Notizen. Flüchtiger Rechtsanwalt. Wie aus Wismar gemeldet wird, ist der dortige Rechtsanwalt Schlottmann nach Unter- ichlagung bedeutender Summen, die ihm anvertraut waren, flüchtig geworden. Gegen den Ansreitzer ist ein Steckbrief erlassen. Ucdcrfall aus einen Domprobst. In Budapest wurde der 73jShrige Dompropst Karl Seentivanyi von einem Offizier angefallen und erheblich verletzt. Es gelang dem Geistlichen, sich vor weiteren Brutalitäten in ein Krankenhaus zu flüchten. Einen eigenartigen Tod erlitt in Waterburh(Vereinigte Staaten von Nordamerika) ein Kaufmann namens Smith. Nach- dem er sich abends znr Ruhe begeben hatte, klappte das Fallbett. in dem er schlief, plötzlich wieder zusammen. Smith geriet mit dem Kopfe so unglücklich zwischen die Eisenrahmen des Bettes, datz ihm das Genick durchbrochen wurde. Wegen Depotunterschlagung wurde in Hamburg der In- haber der Bankfirma Löwenstein u. Co., der Bankier Max Samson verhaftet. Bei dem Abbruch eines Stalles in dem in der Nähe von Tanger- münde gelegenen Dorfe Ost Heeren stürzten die Mauern plötzlich zusammen. Sechs Männer, die mit dein Abbruch beschäftigt waren, wurden unter den Trümmern begraben. Einer von ihnen war so- ort tot, zwei find lebensgefährlich verletzt; auch die übrigen Arbeiter erlitten schwere Verletzungen. In einem ZirkuS, der zurzeit in Pirmasens gastiert, stürzte sich bei der Vorführung dressierter Löwen eine Löwin auf den Bändiger Pipper und warf ihn zu Boden. Pipper besatz die Geistes- gegenwart, der Bestie den Arm in denRachen zu stotzen; daraufhin Uetz das Tier von ihm ab. Der Dompteur erlitt erhebliche Verletzungen am Arm. Das zahlreiche Publikum geriet bei dem Vorfall in grotze Erregung. Lriefkaften der Redaktion. Die iiiriktiiche StotcrtiftimVe ftiiBei Lindcnflratze Vit. 69. vor» vier Trcvpe»— Aalirsrnhl�, wochentäglich von 4Ht bis?>/, Übe abenvS fiati. lieber Ilntrag- ist ein Buchstabe uub eine Jnfil als Mertzeiche» VeUiifügcn. Briefliche Antwort wirb nicht erteilt. Eilige Fragen trage man in»er Svrechstiinbe vor. O. P. 11. 1. Es wirb sich nicht um Besteuerung einer Schenkung, sondern um eine Erbichaslssteucr handeln. Stcucisreiheit besteht bei der- artigen Bcrwandischaflsgradcn nicht. 2. Nein, eS tan» aber die zwangs- weise Beilreibung eventuell auch die Ersorderung des OffenbarmigSeides erfolgen.— G. K. 16. t. Nein. 2. Das hängt von der endgültigen Ge- staltung des Gesetzes ab. Wahrscheinlich nicht.— R. C. Ohio Ä3. Die Antwort befindet sich im Briestasten der Nummer vom IS. Mäiz jedoch in der 1. Beilage, während Sie die 3. Beilage eingesandi haben Die Antwort laute!:„Stellen Sie einen Antrag, unter Angabe der Personalien, an den Magistrat, Abteilung für Standesamisangclrgeiiheit, Rathaus, Zimmer Ll p. — K. B. 134. Legen Sie gegen den Bescheid Beschwerde be! dem Pro- Vinzial-Sie.icrdirektor ein.— G. 45. 1. Vor der Umerschrisi der Ehefrau mutz noch ein von derselben eigenhändig geschlichener Satz etwa folgenden Jubalts stehen: Diese« Testament soll auch als mein Testament gelten. Lichtenberg, den(Datum der Testamentserrichtung). Hierunter eigen» händige Unterschrist der Ehestau. 2. Ja.— I. Z. 22. 1. und 2. Der Unterslützungswohnfitz wird nach zweijähriger Ausenihallsdaucr erworben; nach zweijähriger Abwesenheit geht er verloren. Es besteht sonach an- scheinend ein Anspruch aus Unterstützung an die Gemeinde Kolberg. — Dich. 1. Zwei Jahre. 2. Das lätzt sich im Rahmen des Briestastens nicht sagen.— W. T. 56V. Ist im Mietsvcrtrag das Halten des Hundes untersagt und die Zuwiderhandlung mit dem Recht des Vermieters aus Räumung bedroht, so ist der Vermieter zu dem Verlangen berechtigt, kann auch, falls Sie dem nicht nachkommen, Räumung beanspruchen. Sie hasten für die Vertragsdauer für die Miete.— R. G. 50. Nein.— H. B., Clmrlottenburg. 1. Es ist eine höchstens elsstündige ArbeitSzelt, an de» Vorabenden der Sonn- und Festtage eine zehnstündige zulässig; serner mutz den Arbeiterinnen eine mindestens cinslündige, den verheirateten Frauen eine mindestens anderlhalbstündige Mittagspause belassen werden. 2. Fragen Sic deswegen bei dem Verband der Schneider und Schneiderinnen. Sebastianstr. 37/38, an. 3. Nein.— G. B. 81. 1. ES wird sich seinerzeit nicht um ein Urteil, sondern um eine Verhandlung vor dem Vormundschasts- richter gehandelt haben. Desdalb lst die Klage zulässig. 2. ES kann von der Gegenseite Einspruch eingelegt und zu einem neuen Termin geladen werden. — H. P. 16. Der zweite Ehemann hastet nicht. Eine Unterschlagung liegt nicht vor.— 163. t., 2. und 3. Die Fragen sind unverständlich. Kommen sie in die Sprechstunde. 4. Nein.— O. K. 166. Wir empsehlcn, sich an den Bund für Mutierschutz. GcschäslSstellc: Wilmersdorf, Traulenaustr. 26(Sprechstunden 9— 1, Dienstag und Freitag auch abends 7— g) zu wenden.— Nr. 166 H. St., Trebbin. Das zweckmätzigste ist, datz Ihr Vater sich mit einem Gesuch an die Berufsgenossenschast wendet. — L. E. Wenn der Ausschlutz de» statutarischen Bestimmungen entspricht, ist er rcchtswirlsam.— W. 1900. 1. Wegen derartiger Forderungen ist keine Beschlagnahmegrenze. Es entscheidet das Vollstreilungsgericht. Es dürsten etwa 30 M. monatlich pfändbar sein. 2. und 3. Ja. 4. In vier Jahren.— OSkar Bt. 16. Ja.— M. S. 95. Sie haben Anspruch aus Rückzahlung. Der Anspruch kann sür den Weigerungssall im Klagcwcge geltend gemacht werden.— H. 32. 1. Amtsgericht Berlin-Wcdding, Brunnenplatz. 2. Sechs Wocheti. 3. Etwa 3 M. 4 Vom t. Januar 1912 ab.— 8837 G. P. Ja Das Mädchen mutz aber, soweit möglich, noch erwerbstätig sein.— W. M. 166. Der Hauswirt hat Anspruch.— Schön- vorn 69. 1. Bei der sür Ihren Wohnort zuständigen Polizeibehörde. 2. Ja. «Strrerungsnveritml vom 7. Mai 1916. morgen» 8 Uhr. «Bettet smtncmbt 751 SSW. 4 wolkig Hamburg.74« SSW äbedeckt verlw!751S 4 wolkig Frantf.a M 754 SW g bedeckt Münch» f7S7SW 6Regen Wie» 758 S 3 Stegen >»« »il ß» Stationen Sö *§ Ii Wetter ** B-- Sil 81? 2k Haparanda 743 SO 2 Regen| 11 Petersburg 751 SSO 2 wolkig 12 Sctll» 758 WR« 5 halb bd.! S Ib-rdM» 740 WSW 3 wolkig 1 6 Part« 758 W j»halb bd. 8 «Bettrrprognote Air Sonntag, den 8. Mai 1916. Ziemlich kühl, zeitweise heiter, jedoch sehr unbeständig mit Regen- schauern und starken westlichen Winden. Berliner Wetterbureau. «afferftanbs>?tnchrtch»r» der LandeSanstalt für Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berliner Wetterbureau. >) 4- bedeutet Wuchs,- Fall.—») Uniervegel. Nach telrgrap bischer Meldung war die O d e r heut« morgen bereits aus 545 Zentimeter am Pegel Ralibor gesallen. Auch die Neben- s l ü s s e, zum Beispiel die Glatzer Neige, waren an ihren oberen Strecken schon im Fallen. DaS Hochwasser der Oder wird nach VorauSiage der Oberstrombauvcrwaltung an der Strecke Kasel bis Breslau da» miiiicre Hochwasser nur sehr wenig überschreiten, von Breslau ab eS nicht mehr ganz erreichen. 2074b Von der Reise zurück I Dr. F. KSainzer. � Gneisen austraBe 10, � s- CJrau, billigste u. beste Bezugsquelle für• iSßöbeliedevÄH. r Kassa und Teilzahlung. Syphilis- Nachweis in allen frisch, u. veraltet, zweifelhaft. Fäll, durch wissenschastl. Untersuchung. sofort; desgl. 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Ziehung S. KI 222. Kgl. Preuss. Lotterie., Ziehung rem 7. Mal, nachmlttagi. Kur die Gewinne Ober 140 Mark elnd den betreffe». J den Kümmern In Klammern beigefügt. (Ohne Gewähr.)(Nachdruck verboten.) 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Berlin. Für dengnseratenteil verantw..- T». Glocke, Berlin. Druck u.»erlag(Vorwärts«uchdruckerei u. verlaaSanstalt Paul«inger» to. Balm SWi," Kr. 106. 27. Zahrgavg. 5. feite des Jotiuürlö" f nliiict Sfitntao, 8. Mai 1910. CClod)eii-Spielplan der Berliner Cbeater. Könige. Opernhans. Geschlossen� KSoigl. Schauspirlhans. Sonntag: BüraerNch und romantisch. Mon- tag: Die Jungfrau von Orleans. Dienstag: Wie die Alten sungcn. Mitt. woch: Bürgerlich und romantisch. Donnerstag: Die OuitzowS. Freitag: Bürgerlich und romantisch. Sonnabend: Wilhelm Teil. Sonntag: Wie die Alten sungen. Montag: Bürgerlich und romanlisch. Ans. 7>/, Uhr. ReurS königl. Overn-Dheatcr. Sonntag: Margarete. Montag: Tristan und Isolde.(Anfang 7 Uhr.) Dienstag: Der Evangelimann. Mittwoch: Don Juan. Donnerstag: Mignon. Freitag: Rienzi.(Ansang 7 Uhr.) Sonnabend: CsvaUori» rnsticana. Die Bajazzi. Sonntag: Tannhäuser. Moni ig: Die Ilcderrnaus. Anfang 7'/, Uhr. Dentsches Theater. Sonntag und Montag: Sumurün. Dienstag: Judith. Donnerstag bis Montag: Snmuvün. Anfang TL Uhr. Deutsches Theater(Kammerfpiele). Taglich: Gastspiel der .Hille" aus Wien. Ansang 8 Uhr. Lessing-Thcater. Sonntag: Der Biberpelz. Nachmittags 3 Uhr: Die verfunlene Glocke. Montag: RosmerSholm.(Anfang 7'/, Uhr.) Dienstag: DaS Konzert. Mittwoch: Tantris der Narr. Donnerstag und Freitag: Da« Konzert. Sonnabend: Die Frau vom Meere. Sonntag: Das Konzert. Nachm. 3 Uhr: Rosenmontag. Montag: Tantris per Narr. Ans. 8 Uhr. Berliner Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Pension Schöller. Abend« bis auf weiteres: Taifun. Anfang ö Uhr. Sonntag, den lö. Mai, nachm. 3 Uhr: Pension Schöller. Neues Theater. Täglich: Die goldene Ritterzeit. RcueS Tchanfpielhaus. Der Flieger. Anfang 8 Uhr. Hebbel> Theater. Sonntag bi» Freitag: Konlurrenten. Sonnadend dt« Montag: Der neue Pari«. Ansang 8>/, Uhr. Komische Oper. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Tiefland. Abends: Ilgeuneriiebe. Montag: HoffmannS Erzählungen. Dienstag: Zigeunerlicbe. Mittwoch: Tiefland. Donnerstag: Zigeuncrliebe. Freitag: HoftmannS Erzählungen. Sonnabend: gigeunerliebe. Nachmittags 3 Uhr: Das schlecht bewachte Mädchen. Sonntag: DaS schlecht bewacht« Mädchen. Nachmittags L Uhr: Hossmanns Erzählungen. Montag: Rast der Kavallerie. Galathö. Ansang 8 Uhr. Thalia-Theater. Sonntag bi» Freitag: Die lieben Olto». Sonn» abend bis Montag: Glück bei grauen. Ansang 8 Uhr. Kleine« Theater. bi« auf weitere« Abend«: Luxuszug. Ansang Theater des Westens. heatrr. Sonntagnachmittag 3 Uhr: i : LuruSzug. Nächsten Sonmagnachmittag ug. Ansang abends 8 Uhr. Moral. Abends 8 Uhr: Moral. geschiedene cvuiuiviiiwi-ti, A/viitit-i.viuy uitu mnabend: Zapfenstreich. Sonntagnach- NichtS. Abends: Goldsische. Montag: Sonntagnachmittag 3'/, Uhr: Die g Frau. Abends bi» auf weiteres täglich: Tanzhufaren. Nächsten Sonntag- nachmittag 3>/, Uhr: Die geschiedene Frau. Schiller, Theater«. Sonntagnachmittag 3 Uhr: viel Lännen um nichts. Abend«: Die Liebe erwacht. Montag: Die Katalomben. Diens- tag: Hans Lange. Mittwoch: Die Katalomben. Donnerstag und Freitag: Die Liebe erwacht. Sonnabend mittag 3 Uhr: Biel Lärmen um Zapfenstreich. Ansang 8 Uhr. Schiller- Theater lkharlottenbnrg. Tonntagnachmittag 3 Uhr: Der Ateincidbauer. Abends: Zavsenstreiw. Montag: Zapsenstrcich. DienS» Die Katatomben. Mittwoch: Zapjeystreich. Donnerstag: Hans Lange. Freitag: Zapsenstreich. Sonnabend:'Die Liebe wacht. Sonntagnachmittag 3 Udr: Der Meineidbauer. Abends: Han« Lange. Montag: Die Li(be wacht. Ansang 8 Uhr. Friedrich-WilhclmstSdttscheS SchanspiclhanS. Gonntagnachmittag 3 Uhr: Die Jungsrau von Orleans. Abends: Kavaliere. Montag und Dienstag: Kavaliere. Mittwoch: Alt-Heidelberg. Donnerstag: Kavaliere. Freitag: Der Raub der Sabinerinnen. Sonnabend: Alt-Heidelberg. Sonn- tagnachmittag 3 Uhr: Die Jungsrau von Orleans. Abends: Der Raub der Sobincrinnen. Montag: Alt-Heidelberg. Ansang 8 Uhr. BolkSoper. Sonntagnachmittag 3'/, Uhr: Undine. MendS: Der Troubadour. Montag: Der Trompeter von Säckingen. Dienstag: Martha. Mittwoch: Rigoletto. Donnerstag: Der Trompeter von Säckingen. Frei- tag: Undine. Sonnabend: Die Zauberfläte. Sonntagnachmittag 3'/, Uhr: La Traoiala. Abends: Der Trompeter von Säckingen.(Ansang 8 Uhr.) Montag: Liebeslcute. Anfang 8'/, Uhr. Lnisen-Theater. Sonntagnnchmittag 3 Uhr: WaS Gott zusammen- fügt. Abends: Die Welt ohne Männer. Montag bis Freitag: Die Welt ohne Männer. Sonnabend: G: Ichlosten. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Was Gott zusammensügt. Abends: Die Else vom Erlenhos. Montag: Die Welt ohne Männer. Ansang 8 Uhr. Neues Operetten- Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Der Zigeunerbaron. Allabendlich: Der Gras von Lu�eniburg. Ansang 8 Uhr. Nächsten Sonntagnachmittag 3 Uhr: Die Dollarprmzessin. Residenz-Thcater. Allabendlich: DaS Nachtlicht. Der selige Oktave. Ansang 8 Uhr. Lnstspielhaus. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Der dunkle Punkt. All» abendlich: Das Leutnantsmündel. Ansang 8 Uhr. Nächsten Sonntagnach« mittag 3 Uhr: Der dunkle Punkt. Rose-Theater. Sonntaanachmittag 3 Uhr: Die Schule des Lebens. Sonntag bis Freitag: Des Mädchens Lebenswege. Sonnabend bis Won» tag: Die Schmuggler. Trianon- Theater. Allabendsich: Theodore u. Tie. Anfang 8 Uhr. Kasiuo-Thratcr. Sonntagnachmittaa t Uhr: FamUie Klulert. All» abendlich: Berlin bei Nacht. Ansang 8 Uhr. Gedr. Herrnfeld-Tneater. Allabendlich: Wenn Zwei dasselbe tun. Mn starkes Stück. Ansang 8 Uhr. Npollo-Tdcater. Allabendlich: Mahara. Spezialitäten. Anfang 8 Uhr. Palast-Theater. Allabendlich: Spezialitäten. Ansang 8 Uhr. FsolieS Gaprtee. Allabendlich: Eine gründliche Kur. Ein ver- schwiegeneS Atelier. Ansang 8'/, Uhr. Mctropol- Theater. Allabendsich: Hallst Die große Revue! Ansang 8 Uhr. Passage- Theater. Mabendlich: Spezialitäten. Ansang 3 Uhr. Sonntagnachmittag« 3 Uhr: Spezialitäten. Buggenhagen. Täglich: Spezialitäten. Ansang 3 Uhr. gte,ihshallr»> Theater. Allabendlich: Stettincr Sänger. 8 Uhr. Sonntags 7 Uhr. Wintergarten. Allabendlich: Spezialitäten. Ansang 8 Uhr. Karl Haperland- Theater. Allabendlich: Spezialitäten. Walhalla- Theater. Allabendlich: Speziatttäten. Ansang 3 Uhr. Urania-Theater. Taubenslr. 48/49. Sonntag abend» 8 Uhr: Im Lande der Mitternachtssonne. Montag: PolareslimoS und ihre Musik. Dienstag und Mittwoch: Der Halleysche Komet. Donnerstag: Polar- eSlimoS und ihre Musik. Freitag bis Montag: Belgien, Land und Leute. Sternwarte. Jnvalidenstr. b7— 32. Amtlicher Marktbericht der ftädttichen Marttballen-Dtrettion über den Grogbandel in den Zentral-Marttballen. Marktlage: Fl ei Ich: Zuiubr schwach, Geschäft ruhig, Preise unverändert. Wild: Zufuhr Inapp, Geichäst still, Preise hoch. G e> l ü g e l: Zusuhr genügend. Ge» ichäst lebhast, Preise gut. Fische: Zusuhr genügend, Gelchäst ziem» sich lebhast, Preise wenig verändert. Butter und Käse: Geschäjt ruhig, Preise unverändert. Gemüse, Obst und Südfrüchte: Zu- subr meist genügend, in Blumentohl knapp, Geschäst ziemlich flott, Preise mehrsach geändert. 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Veräinwortlicher Redatteur Richard«ärth, Berlin, gür de» Lnieratentei'-v�antw.: TH.Gl»cke. B-rlin. Drucko-Verlag: Vonvärt, Buchdruckerei u. BerlagSamtalt Paul Singer& Co.. Berlio SW.