Wr. 107. flboniKmtntS'Bedinsungen: WonncmenlS. Preis pränumerando i Bierteljährl. SM Mk, monall. 1,10 Ml, »vdchentlich 28 Pfg, frei ins Haus. Sinzeine Nummer K Pfg. Sonntags- nunimer mit illusiricrier Sonntags- Beilage„Die Neue Welt" 10 Psg. Post- Abonnement: 1.10 Mar! pro Monat. Eingetragen in die Post-Zeitungs- PretSIifte. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland 8 Marl pro Monat. PostabonnementS nehmen an: Belgien, Dänemark, Holland, Italien, Luxemburg, Portugal, ~ nünien, Schweden und die Schweiz, Ä7. Jahr«. vichtliit iSzli» außer montags. Berliner Volksblnkl. Die InlertlonS'Gebüfjr Beträgt für die scchsgespallene Kolonel» geile oder deren Raum EO Pfg., für politisch- und gewerlschastliche Bcrcins- und Bcrsammlungs-Anzeigen 80 Pfg. „Aleine An-«lg-n". das erste Nett- gedruckte)»ort 20 Pfg., jedes weitere Wort 10 Pfg. Slellengesuchc und Schlaf- stellen-Anzeigcn das erste Wort lv Pfg.. jedes weitere Wort 5 Pfg. Wort- über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis S Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm> Adresse: „Sczialttmolirat Nerli»". Zentralorgan der fozialdeniokrati Sehen Partei Deutfcblands. Rcdahtton: 6 Cd. 68, Lindcnstrasac 69. Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1383. Dienstag, den 10. Mai 1010. CxpedMsn: SM. 68, I�indensrrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1981. ll'Iumpe Mchung! 1: Die„Kreuz-Ztg." bemüht sich durch eine Serie von Artikeln den Nachweis zu führen, daß die Beschlüsse des Herrenhauses keineswegs derartige seien, daß sie für den Wahlrechtsblock des Abgeordnetenhauses unannehmbar wären. Das ist wenigstens der Sinn des ganzen Geredes. Daß die Herrenhausbeschlüsse keineswegs eine Verschlechterung der Beschlüsse des Abgeordnetenhauses darstellten, glaubt die „Kreuz-Ztg." durch eine Untersuchung der Wirkungen der von der Pairskammer beschlossenen Form der M a x i in i e r u n g und der Steucrdrittelung dartun zu können. Diese Untersuchungen sind in doppelter Weise interessant. Einmal durch das agitatorisch ungemein wertvolle Material. das die Artikel enthalten, und zweitens durch die unglaublich täppische Art, wie das führende konservative Organ den wirk- lichen Sachverhalt zu fälschen sucht I Der Einfluß der vom Herrenhause beschlossenen Art der Maximierung wird nämlich von der„Kreuz- Zeitung" vollständig falsch dargestellt! Er wird als eine a n t i- plutokratische Abschwächung der Fassung des Ab- geordnetenhauses dargestellt, während er in Wirklichkeit auf eine fast vollständige Aufhebung der Maximierung hinausläuft! Da nun nicht nur die„Kreuz-Ztg." eine solche Fälschung verübt, sondern auch die Zentrumsprosse diesen plumpen Schwindel zum Teil wenigstens mitmacht, ist es dringend geboten, solchen Irreführungen rechtzeitig energisch entgegenzutreten. Die„Kreuz-Ztg." stellt es so dar, als ob die vom Herrenhaus beschlossene Maxiuiierung die ursprüngliche Fassung der Wahlrechts Vorlage wiederherstelle, wonach künftig alle Steuerbeträge über 5000 M. hinaus bei der Steuer-, also auch Klassendrittelung nicht niehr in Anrechnung kommen sollten. Die vom Herrenhaus angenommene Fassung, daß. je nach der Größe der Wohnsitzgemeinde, künftig nur 3000 resp. 6000 M. Steuern in Anrechnung zu bringen sind, deutet das führende konservative Blatt so, daß(da der in Frage kommenden Zensiten in den großen. Vs in den kleinen Gemeinden wohne) durchschnittlich überhaupt nur noch 5000 M. Gesamtsteuern in Anrechnung kommen würden, worunter sich 1500 M. Einkommensteuer befänden. Und nun rechnet das Blatt munter folgendermaßen weiter: 1500 M. Einkommensteuer entsprechen einem Einkommen von 44 000 M. Personen mit mehr als 44 000 M. Einkommen waren 1907 in Preußen nur 12 943 vorhanden, die zusammen 57 476 000 M. Einkommensteuer zahlten. Da nun die Einkommensteuer über 1500 M. nicht mehr angerechnet wird, kommen von den 57 476 000 M. Einkommensteuer nur 12 943 X 1500 M. in Anrechnung, also nur 19 IVO OVO M., sodaß 38 Millionen Mark völlig ausfallen! Das aber ergebe dann, wie weiter ausgeführt wird, eine kolossale Verschiebung der Klasseneinteilung, wodurch 294 000 Wähler künftig mehr in die erste und 354000 Zensiten in die zweite Klasse aufrücken würden l Schade nur, daß das alles nur ein ungeheuerlicher Humbug ist! Die biedere„Kreuz-Ztg." hat offenbar den Beschluß des Herrenhauses gar nicht gelesen! Was hat das Abgeordnetenhaus und w a S daS Herren- haus in Sachen der Maximierung beschlossen? Stellen wir die Beschlüsse einander gegenüber: Beschlüsse des Abgeordnetenhauses: „Uebersteigt der Gesamtsteuerbetrag eines Wähler« die Summe von 5900 M., in Gemeinden mit mehr als 29 999 Einwohnern 10 900 M.. so wird der Ueberschuß nicht an- gerechnet." Beschlüsse des Herrenhauses: .Uebersteigt die Staatseinkommen- stener eines Wählers die Summe von 3009 M., in Gemeinden mit mehr als 29 999 Einwohnern die Summe von 6090 M., so wird der über- schießende Betrag der Staats- einkommensteuer nicht angerechnet." Es wird also nur die Staatsciukoulmeusteuer über 3000 resp. 6000 oder, ivenn wir uns die Durchschnitts rcchnung der„Kreuz-Zeitung" zu eigen machen, über 5000 M. nicht angerechnet. alle übrigen Steuern aber gelangen in vollem Betrage zur Anrechnung l Nicht die Einkommensteuer über 1500 M., sondern erst über 5000 M. kommt künftig nicht zur Anrechnung, was sowohl die in der Regierungsvorlage, als auch die vom Abgeordnetcnhause selbst beschlossene Form der Maximierung ganz außerordentlich verschlechtert! Denn selbst nach dem die Regierungsvorlage v e r- schlechternden Beschluß des Abgeordneten- Hauses konnten nur 10 000 M. Gesamt steuern an- gerechnet werden. Zahlte also ein Wähler 20000 M. Ein- komnienstcuer, 200 Proz. Kommunalsteuer-=° 40 000 M., im ganzen also 60 000 M., so sollten davon nur 10 000 M. in Anrechnung gebracht werden, 50 000 M. aber wegfallen. Nach dem Beschlutz des Herrenhauses dagegen fallen nur 15 000 M. Staatsetnkommensteuer fort, es gelangen also 45 000 M. Steuern i» Anrechnung! Indem die„Kreuz-Zeitung" den Beschluß des Herrenhauses dahin fälscht, daß er— nach dein Vorschlag der Rc- fsierungsvorlage— nur(durchschnittlich) 5000 M. G esa m t- teuer in Anrechnung bringen wolle, spiegelt er den Lesern vor, daß künftig alle StaatSeinkommen st euer» über 1 1500 M. nicht mehr in Anrechnung gelangten, da ja in 5000 M. Gcsamtsteuern im Durchschnitt kein höherer Betrag an Staatseinkommen st euer stecke. So kommt sie dann weiter dazu, einen Staatseinkommcnstcuerausfall von 38 Millionen herauszurechnen I Unter Zugrundelegung des wirklichen Beschlusses deS Herrenhauses ergibt sich ein ganz anderes Bild I Da eine Staatseinkonimensteuer von 5000 M. erst von Zensiten gezahlt wird, die beträchtlich über 100000 M. Einkommen besitzen, kommen bei der Nichtanrechuung der Steuern nicht 12943, sondern nur etwa 3000 Zensiten in Frage, die nicht rund 58 Millionen, sondern nur etwa die Hälfte dieser Sunime an Steuern zahlen. Das macht pro Kopf 10000 Mark. Da hiervon nur 5000 Mark an gerechnet werden sollen, ergibt sich ein Ausfall au Steuern von 15 Millionen, nicht aber von 38 Millionen Mark! Der Ausfall dieser 15 Millionen auf die Klassen einteilung würde natürlich gleich Null sein! Denn die famose Verschiebung der Klassen unter Zugrundelegung des durch eine Fälschung errechneten angeblichen Ausfalls von 38 Millionen bringt die„Kreuz-Zeitung" obendrein auch nur durch eine zweite Fälschung zustande! Dadurch nänilich, daß sie für die Drittclung nur die Staatseinkommen- st euer, nicht aber die auf die einzelnen Klassen entfallende Gesamt st euersumme in Anschlag bringt! Auf diese letztere verrechnet, würden selbst die 38 Millionen nicht von solch einschneidender Bedeutung gewesen sein! Man sieht also: die„Kreuz-Ztg." leistet geradezu Phänomenales im Korrigieren der Wahrheit I Daß die„Kreuz-Ztg." mit ihrer Milchmädchenrechnung bewußten Gimpelfang zu treiben sucht, dafür noch ein weiteres Zeugnis. Sie könnte sich am Ende damit heraus� zu— reden versuchen, daß sie leider die Beschlüsse des Herren Hauses nicht gelesen habe. Es wäre aber doch ein mehr als eigentümliches Zusammentreffen, wenn sie nicht wenigstens die ursprüngliche Wahlrechtsvorlage gelesen hätte l In der Begründung der Vorlage der Firma Bcthmann Falkenhapn aber heißt es über die Wirkungen des vor geschlagenen Regierungssatzes von 5909 M. Gesamt stener(der ja der„Kreuz-Ztg." bei ihren Faseleien über die Maximierung des Herrenhauses beständig vorschwebt!) wörtlich: „Die Maximierung wird danach hauptsächlich de» übermäßigen Einfluß ausschalten, den bei der Wahleinteilung die Steuer- leistungen der„Millionäre" auf das Wahlrecht ihrer Mitwähler ausüben können. Sie wird im allgemeinen aber doch nur ein mäßiges Aufrücken von Wählern der 2. und 3. Abteilung in die 1. und 2. zur Folge haben." Offenbar war der plumpe Schwindel der„Kreuz-Ztg." nicht nur auf die demagogische Betörung der Massen im all- gemeinen angelegt, sondern ganz besonders auch auf die Jrrefnhrnng der Zentrumswähler I Man wollte dem Zentruni die Zustimmung zu einer weiteren skandalösen Verschlechterung selbst der vom blau-schwarzen Block ausgeheckten Schandreform erleichtern I Hoffentlich entlarvt nun auch die Zentrumspresse dies konservative Täuschungsmanöver! Die Stichwahle« i» Frankreich. Paris, 7, Mai.(Eig. Ber.) Die Stichwahlen werden voraussichtlich keine Ueberraschungen bringen. Die reak- ttonäre Opposition dürste noch einige Mandate verlieren, die geeinigten Sozialisten werden wohl weitere Gewinne machen. Die interessanteste Frage der Sttchwahlen betrifft das Verhalten der radikalen Wählerschaft. Das radikale und radikalsozialistische Exekutivkomitee hat die Parole ausgegeben: für die im ersten Wahlgang be- günstigten geeinigten Soziali st en zu stimmen. Diese Erklärung rief einen Protest der„demokratischen Allianz" hervor, jener Vereinigung, die die rcpubli- kanischen Kreise der Industrie und des Großhandels repräsenttert und die Kandidawren der im Parlament der„republikanischen Linken" angehörenden Politiker unterstützt. So daß zum Schluß doch noch ein Zwist im Lager der Regierungsparteien ausgebrochen ist. Man kann in der Erklärung des radikalen Komitees wohl eine Demonstratton der politischen Selb- ständigkeit der Partei gegenüber B r i a n d sehen, dem ja die Konzentratton nach rechts sicher mehr entsprechen würde. Die Erklärung hat aber namentlich die Blätter des großen Ausbeutertums, wie„Temps" und„Journal des Dsbats", in Wut gebracht. Diese hatten fchoir die antisozialistische Liga vorweggenommen, die ihren ersten Ansatz in Brest zeigte, wo alle bürgerlichen Kandidaten zurücktraten, um durch einen neuen gemeinsamen Kandidaten aller Ordnungsparteien die Wahl unseres Genossen G 0 u d e zu verhindern. Indes hat das radikale Komitee die Wähler angewiesen, für den Sozialisten zu stimmen.— Die Frage ist nun, ob die radikalen Wähler überall dieser Auf- forderung zur Solidarität der Linksparteien folgen werden. Im ganzen sind es 35 Wahlkreise, wo das Schicksal der sozialistischen Kandidaten von ihrem Verhalten abhängt. Die Stichwahltakttk der geeinigtcn Sozialisten wird im einzelnen von den Föderationen bestimmt. Die Ver- waltungskonlmission der Partei ruft in einer Erklärung die Resolutton des Parteitages in Nimcs in Erinnerung, die die systemattsche Aufrechterhaltung aller Kandidaturen ausdrücklich ausschließt und— mit Zurückweisung dcS Gedankens irgend' einer Allianz— das Interesse der Arbeiterklasse und des Sozialismus als entscheidend hinstellt. In diesem Sinne hat die Parteiföderation der Seine nur die Kandidaturen aufrecht- erhalten, die im ersten Wahlgang die meisten republikanischen Stimmen aufbrachten. Doch sind zwei Disziplin brüche zu ver- zeichnen. In Chareuton beharrt Genosse Coste, im 12. Pariser Arrondissement Genosse Dr. Musy auf seinerKandidatur. Musy war der Gegenkandidat Millerands. Die Föderation hat keine Veranlassung gefunden, für diesen Wahlkreis eine Aus- nähme zuzulassen— wie sie allerdings niit der noch nicht aufgehobenen Resolution Cochin, die die Unterstützung der sog.„Unabhängigen" untersagt, motiviert werden könnte. Doch liegt nur eine einfache Zurückziehung der Kandidatur vor, nicht etwa eine Unterstützung Millerands, der übrigens vor seinem nationalistischen Gegner einen bedeutenden Vor- sprung hat._ Eine dem Parteibeschluß widersprechende allgemeine Stich- Wahlparole hat H e r V v ausgegeben, der— als Revanche für den 1. Mai— empfiehlt, überall für die Gegner der Regierungsparteien zu stimmen, also die bürgerliche Demokratie sozusagen zu„sabotieren". Vermutlich wird er noch weniger Erfolg haben, als seine„antiparlamentarischen" Freunde im ersten Wahlgang, die immerhin einigen sozia- listischen Kandidaten Schaden zufügen konnten. Ve- grciflichcrweise suchen die Reaktionäre diese Agitation aus- zunutzcn und appellieren in einzelnen Bezirken an die Syndikalisten. Ein syndikalisttsch tuender Anwalt, Herr B 0 n z 0 n, ist ihnen auch entgegengekommen und sucht in dem Kanipf zwischen dem jesuitischen Klerikalen A u f f r 0 y und dem republikanischen Intellektuellen Prof. Painlevö, dessen Enthusiasmus für soziale Gerechttgkeit allerdings seit der Dreyfus-Affäre bedenklich abgekühlt ist, für den crsteren Sttmmung zu machen. Von der Wahlsituation in der Provinz wäre zu berichten, daß Genosse V a r e n n e die ihm angebotene Kandidatur gegen den Radikalen Lafferre in Beziers nicht an- genommen hat. Beziers liegt tief im Süden, dort, wo die Politik schon recht wild und zu einem Kampfe lokaler Cliquen und Sippen verzerrt ist. Das geht auch daraus hervor, daß die radikalen Anti-Laffcrristen", bloß um diesen ihren Gegner zum Fall zu bringen, das Mandat den Sozialisten zuschanzen wollten, obzwar diese im ersten Wahlgang nur eine un- bedeutende Minorität der Stimmen auf Genossen Niel ver- einigt hatten. Da Varenne das Mandat von der Gnade oder besser von der Rancune der radikalen Lokalopposition nicht an- nehmen wollte, boten diese es dem in Marseille durchgefallenen Genossen Carlicr an, der indes gleichfalls verschmähte, auf diese Art ins Parlament zurückzukehren. Sieg der Sozialdemokratie. Paris, 9. Mai 1910.(Privatdepesche des„Vorwärts".) Die Stichwahlen haben der geeinigten Partei einen großen überaus erfreulichen Erfolg gebracht. 4 7 So» zialdemokraten sind gestern gewählt worden, 29 Man- date hat die Partei neu gewonnen und nur 8 verloren. Dar- unter sind allerdings einige schmerzliche Verluste. In Paris sind Allemane, Brousse und D u b 0 is, in Toulon A l l a r d, in Montlucon C 0 n st a n s unterlegen. In Paris wurden im ganzen 4 Mandate gewonnen und drei verloren. Die Verluste sind dem Umstand geschuldet, daß die Radi» kalen versagten und sich zum großen Teil der Stimme enthielten. Allemanes Durchfall ist auch auf Rechnung der törichten antiparlamentarischen Agitationen zu setzen. In der Provinz machten dagegen die Radikalen die Hetze gegen den Sozialismus nicht mit und im Süden wurden stellen- weise klerikale Stimmen für den Sozialisten abgegeben. Die sozialdemokratische Fraktion wird in der neuen Kammer 76 Mitglieder zählen gegen 55 in der alten. Jaurds wurde in Aldi mit 6445 Stimmen gegen Fälguerettes gewählt, der 5843 Stim- men erhielt. Bemerkenswert erscheint die Wahl von G 0 u d e in Brest gegen den Kandidaten des bürgerlickien Mischmasch. G 0 u d e ist Arsenalarbeiter, der wegen..antipatriotischer" Kundgebungen gemaßregelt wurde, seine Wahl ist ein wirk- famcr Protest gegen die Unterdrückung der staatsbürgerlichen Freiheit der Staatsarbeiter. Der Wahlsieg wurde durch einen großen Demonstrationszug gefeiert. Die Menge zog unter Absinguiig der Internationale vor die Wohnung des reaktionären Bürgernleisters und forderte ihn durch Zurufe zur Demission auf Das Gesamtergebnis der Wahlen ist ein Sieg der oppositionellen Parteien. Die Reaktionäre haben ihre Stellungen behauptet. Die Kosten der sozialisti- schen Gewinne muß die radikale Linke tragen. Die Radi- kalen und„unabhängigen" Sozialisten, von denen die letzteren überhaupt sehr schlecht abgeschnitten haben, bilden jetzt nicht mehr allein die Majorität. Zunahmedcr Sozial» demokratie und Schwächung des bürgerlichen Radikalismus ist auch das charakteristische dieser Wahlen gewesen. Das Gesamtergebnis. Pari«, 9. Mai. Um 3 Uhr 39 Minuten morgcnS waren die Ergebniffe von 225 Stichwahlen(von insgesamt 229) bekannt. Es sind gewählt 29 Republikaner, 194 Radikale und Sozialistisch-Radi-" kale, 13 unabhängige Sozialisten. 47 unifizierte Sozia- l i st e n. 28 Progressisten, 4 Nationalisten und 9 Konservative oder Liberale, Vier Wahlergebnisse stehen noch aus. Einschließlich der Ergebnisse der Haupitvabl gewinnen die Republikaner 11 Sitze und verlieren 12, die Radikalen und Sozialistisch-Radikalen gewinnen 29 und verlieren 42 Sitze, die unabhängigen Sozialisten ge- Winnen 5 und verlieren 11 Sitze, die unifizierten Sozia- listen gewinnen 29 und verlieren 9 Sitze, die Pro- gressisten gewinnen 18 und verlieren 9, die Nationalisten gewinnen 3 und verlieren 6, die Konservativen und Liberalen gewinnen 4 und verlieren. 9 Sitze. Die Zusammensetzung der Kammer. � Paris, 9. Mai. Die Kammer wird folgende Zusammensetzung auflveisen: 79 Republikaner, 262 Radikale und Sozialistisch-Radi- kale, 23 unabhängige Sozialisten, 76 unifizierte Sozia- listen, 72 Progressisten, 16 Nationalisten und 62 Konservative. Die Zahl der Neugewählten beträgt 261, von denen 8 in neu errichteten Wahlkreisen gewählt wurden. Einzelresultate. Paris, 9. Mai. Auf den Boulevards herrschte infolge der Stich- Wahlen lebhafte Bewegung. Große Menschenansammlungen standen vor den Transparenten der Blätter, welche die Wahlresultate an- zeigen. Mit großem Geheul wurde die Nachricht von der Wieder- wähl M i l l e r a n d s aufgenommen, der mit der knappen Majo- rität von 26 Stimmen über seinen nationalistischen Gegcnkandi- baten siegte. Unter den Neugewählten befinden sich auch die antiklerikalen Professoren Thalamas und Painleve, während der frühere Vizepräsident der Kammer, D u b i e f, und der intrigante General- berichterstatter des Budgets, D o u m e r, durchgefallen find. Der frühere Kammerpräsident B r i s s o n ist in Marseille mit 6681 Stimmen gegen Brion, der S236 Stimmen erhielt, wiedergewählt worden. Die Nshle» in Spanien. Madrid, 9. Mar.(Privatdepesche des„Vorwärts".) Die spanischen und mit ihnen die Sozialisten aller Länder werden mit Freriden die Nachricht vernehmen, daß Pablo I g l e s i a s, der ausdauernde unermüdliche Vorkämpfer des Sozialismus, der Führer der Partei und Leiter ihres Zentral- organS„El Socialtsta" endlich trotz aller Wahlkorruption und Wahlbceinflussung in die Kammer einzieht. In ivkadrid erfocht die Liste der vereinigten Republikaner und Sozialdemokraten einen glänzenden Wahlsieg. Die Majorität beträgt 11(XX) Stimmen� Auch im übrigen Lande haben die Republikaner und Sozialisten trotz der amtlichen Wahlmache große Fortschritte gemacht; in allen größeren Städten, wie in Bilbao, wo es zu stürmischen Protesten gegen die Wahlbeeinflussungsversuche kam, Barcelona. Valencia und Malaga blieb ihre Liste siegreich. Im ganzen bedeuten die Wahlen einen starken Zug nach links. Das System M a u r a erscheint ü b e r»v u n d e n. Wahlresultate. Madrid, 9. Mai. Die Ergebnisse der Wahlen sind zwar noch unvollständig, indessen nimmt die Regierung folgenden Ausfall an: 236 Liberale, 164 Konservative, 45 Republikaner, 1 Sozialisten, und der Rest verteilt sich auf Katholiken, Karlisten, Regionalisten und Jntegristen. Die ministerielle Majorität soll die Vereinigten Oppositionsparteien um etwa 66 Stimmen über- treffen. Unter den Gewählten befinden sich der Führer der Liberalen Moret, der Führer der Konservativen Maura, Unterrichtsminister Graf RomanoneS, der Bürgermeister von Madrid FranooiS Rodriguez, die Führer der republikanischen Partei MelquiadeS Alvarey, Sol y Ortega und L e r r o u x, Schriftsteller Perez Galdos sowie der Führer der sozialistischen Partei FglesiaS. Der Führer der katalanischen Bereinigung Cambo ist unterlegen; dies bedeutet für die Partei eine schwere Niederlage. Der Mini st erpräsident«klärte, er sei erfreut über die Ruhe, mit der sich die Wahlen vollzogen hätten. Preßstimmen. Madrid, 9. Mai. Die Zeitungen heben mit Befriedigung den ruhigen Verlauf der Wahlen hervor uad konstatieren das beträchtliche Anwachsen der republikanischen Stimmen sowie das erste Erscheinen eines Sozia- listen in der Deputiertenkammer. Der.Liberal" meint, cS sei gestern ein großer Schritt vorwärts getan, der jede Reaktion unmöglich mache.„El PaiS" schreibt, der gestrige Tag beweise, daß das spanische Volk der Freiheit würdig und imstande sei, sie zu erobern. poUtifebe debcrficht. Berlin, den 9. Mai 1910. Aufräumungsarbeit im Reichstag. Aus dem Reichstag, 9. Mai. Als Hauptarbeit für die letzten Tage der Reichstagssitzungen vor der Ver- tagung ist die Erledigung des Kaligesetzes in Aussicht ge- nommen. Da dessen zweite Lesung erst am Dienstag an die Reihe kommen kann, war auf die Tagesordnung der heutigen Sitzung eine ganze Reihe von Vorlagen gesetzt, die nunmehr rasch, meist ohne Debatte, in dritter Lesung genehmigt wurden. Lebhaftere Auseinandersetznngen gab es nur bei zwei Petitionen, deren 26 erledigt wurden. Die eine war eine Petition wegen der Entschädigung von Zünd- Warenarbeitern, die durch die Zündwarcnsteuer außer Arbeit gekommen sind. Trotz des Hinweises der Sozial- demokratie auf die Notlage, in die die Zimdwarcnarbeiter notwendigerweise versetzt werden müßten, wenn die hohe Steuer zur Produktionseinschränkung führen würde, hatte die Schnapsblockmehrhcit bei Erlaß der Steuergesetze keine Be- stimmungen wegen Entschädigung dieser Arbeiter in das Gesetz eingefügt. Jetzt sind auch diese Arbeiter außer Brot ge- kommen und in die bitterste Not geraten. Ihre Petition wegen einer zu gewährenden Beihilfe war von der Petitionskomnlission zur Berücksichtigung empfohlen worden. In der Debatte wiesen die Genossen Brey und Sachse in eindringlichen Worten nach, daß der Reichstag eine Ehrenschuld zu erfüllen habe, indem er die Regierung zur Abhilfe der durch das Zündwarengesetz verursachten Not unter den Aermsten der Armen anhielte. Handle es sich doch obendrein nur um einige Hunderttausend Mark. Da auch seitens der anderen Parteien in ähnlichem Sinne gesprochen, wurde, beschloß der Reichstag schließlich einstimmig gemäß dem Antrage der Kommission, die Petition dem Reichskanzler zur S Berücksichtigung zu überweisen. Gleichsalls zu einem einmütigen Votuin kam der Reichs- tag dann bei der Petition des Wirklichen Geheimen Kriegsrats Uhlenbrock in Friedenau, der behauptet, in zweckwidriger Weise seines Amts als höherer Jntendanturbeamter enthoben zu sein und in seiner Petition nicht nur Rcniedur gegen diese Maßregelung, sondern auch eine Reform des Verhältnisses der Militärintendanten forderte. In der Diskussion trat zu Tage. daß gegenwärtig die Militärintendanten sich in einem ganz unklaren Verhältnis befindem, indem sie eigentlich dem Kriegs- Ministerium unterstellt sind, dabei aber auch noch Befehle von den kommandierenden Generalen entgegenzunehmen haben. Der Abg. Erzberger führte einige bestimmte Vorkommnisse an, ans' denen hervorgeht, zu welchen Mißbräuchen dieser Zu- stand führt. Trotzdem nun schon in der Kommission diese un- haltbaren Zustände erörtert waren, hatte weder das Kriegs- Ministerium noch der Bundesrat es für nötig befunden, zu der Verhandlung einen Vertreter zu schicken. Das wurde von verschiedeneu Seiten scharf gerügt. Darauf stellte der Abg. Belzcr(Z.) als Vorsitzender der Petitionskommission den Antrag, die Petition zu vertagen, um der Regierung Gelegenheit zu geben, sich bei der neuen Verhandlung vertreten zu lassen. Dieser Antrag, der eine unzweideutige Rüge für die Regierung enthält, wurde einstimmig vom Hause angenommen. Am Dienstag steht die zweite Lesung deS Kaligesetzes auf der Tagesordnung._ Kirchturmspolitik. Im Abgeordnetenhause wurde am Montag die Be- ratung der ersten Lesung der Sekundärbahnvorlage fortgesetzt. Wie stets an solchen Tagen brachte eine große Anzahl Redner— es waren wohl an die fünfzig— ihre speziellen Wünsche über Neuanlage, Ausbau und Umbau von Sekundärbahnlinien vor. Die Debatte, wenn man in diesem Falle überhaupt von einer solchen sprechen darf, verlor sich vollständig in die kleinliche Vertretung von Kirchturmsinteressen; hatten die einzelnen Redner ihr Sprüchlein hergebetet, gingen sie vergnügt in die Restaurations- räume, so daß kaum ein Dutzend Abgeordneter im Saale an- wesend war. Um» 3� Uhr wurde die Weiterberatung auf Dienstag vormittag 16 Uhr vertagt. Auf der Tagesordnung stehen außer der Sekundär- Vorlage noch Petitionen. Ein hochanständiges Blatt. Zu den Blättern, die am schärfsten gegen die.Frivolität" in der Literatur eifern und für die.Reinhaltung" des deutschen Hauses, besonders des germanischen Bauernhauses schwärmen, gehört die von dem großen Dichter Dr. Georg Oertel redigierte ehrsame .Deutsche Tageszeitung". Das hindert nicht, daß diese selbe „Deutsche Tageszeitung" selbst der von ihr als.Schmutz" bezeichneten Literatur zum Eindringen in das reine Bauern- hauS verhelfen will, wenn sie dafür entsprechend be- zahlt wird. Wie unS aus München gemeldet wird, hat die.Deutsche Tageszeitung" am 3. Mai 1916 den Verlag Albert Langen(.SimplicissimuS") um Zuwendung von Inserat- beilagen angebettelt. In dem Schreibe» heißt es:.Für Ihre Verlagsartilel gibt es ein großes Absatzgebiet, das Sie noch lange nicht genug geschäftlich ausgenutzt haben— es ist dies der deutsche Großgrundbesitz. Sie haben ein bequemes und billiges Mittel, mit diesem Elite- Publikum in Verbindung zu treten, wenn Sie Ihre Prospekte der.Deutschen Tageszeitung" beilegen". Noch etwa 16 Tage vorher hat dieses Blatt Zeter und Mordio über dm Verlag Langen und den„SimplizissimuS" geschrien und zum Boylott dieses Verlages aufgefordert. Aber eS will gegen 10 M. Pro Tausend Beilagen, also in Summa für 286 M. 66 Pf. das Vaterland und den lieben Gott vergessen und fein Elite- Publikum mit Langenfchen Berlagswerlen vergiften. Leider ist in dem Briefe nicht gesagt, wie lange nach erfolgter Barzahlung der Schimpffeldzug gegen den.SimplicissimuS" ruhen soll und wie bald wieder 286 M. 56 Pf. fällig werden. Wie wäre es übrigens, wenn man Aufrufe für das allgemeine Wahlrecht als Jnseratbeilagen der„Deutschen TageSzeitnng" bei- falzen würde? Mit fünf- bis zehnmal 286 M. könnte man vielleicht das Elitepublikum, den deutschen bäuerlichen Grundbesitz, für die Sache gewinnen. 286 M. ist nicht viel; es gibt Prostituierte, die mehr verlangen. Nachträgliches zum Hausknechtsparagraphen. Die jetzt erschienene A b st i m m u n g s l i st e über die nament- liche Abstimmung, ob der Hausknechtsparagraph mit der Wände- rung des Herrn Roeren in die Geschäftsordnung des Abgeordneten- Hauses eingefügt werden soll oder nicht, bietet recht interessante Einzelheiten. Nur ein einziger Zentrumsabgcordneter, der Amts- richter Kuhn aus Ahrweiler, hatte den Mut, gegen den Haus- knechtSparagraphen zu stimmen. Im übrigen setzte sich die Minderheit von 74 Abgeordneten zusammen aus unseren Genossen, den Polen, den Freisinnigen und der großen Mehrheit der Nationalliberalen. Bon den Nationalliberalen stimmten vier mit der Mehrheit, und zwar waren es bezeichnenderweise fast sämtlich Vertreter großindustrieller Wahlkreise. Zur konservativ-klerikalen Mehrheit schlugen sich der Essener Handels» kammerfyndikuS Hirsch, der Wittener Oberbürgermeister Haarmann, der erst lürzlich in Halle-Herford neu gewählte bündlerische Nationalliberale Meyer zu Jerrendorf und der Berliner LandesgerichtSdirektor Dr. R o e ch l i n g, der in Saar- brücken gewählt ist. Im übrigen bestand die Mehrheit aus den beiden konservativen Parteien und dem Zentrum. Daß Elard von Oldenburg für den Hausknechtsparagraphen stimmte, durch den dem Polizeileutnant mit den 16 Mann zwar nicht das Recht gegeben werden soll, das Parlament aufzulösen, wohl aber Sozialdemokraten an die frische Luft zu befördern, soll zuerst hervorgehoben werden. Dann aber muß der Zentrumsabgeordneten Bartscher, Brust, Gronowski und Sauormann sogleich an zweiter Stelle gedacht werden. Diese Herren, die als sogenannte Arbeitervertreter des Zentrums gelten und von denen drei gegen bestimmte Zusicherungen nur mit Hilfe unserer Partei gewählt worden sind, haben in dieser Abstimmung er- neut bewiesen, wie absolut ungeeignet sie zur Vertretung von Arbeiterinteressen sind. Noch eine Abstimmung bietet besonderes Interesse. Zu den Jasagern gehört auch der freikonservative Ab- geordnete Gras Moltke, der bekannte Klosterprobst und Vetter Kunos. Er hatte seinerzeit im Plenum feierlich erklärt, er werde sein Mandat in die Hände seiner Wähler zurückgeben, wenn die Verschärfung der Geschäftsordnung nicht noch vor Erledigung der Wahlreform vorgenommen würde. Der Mann ist jetzt fein heraus, denn die Mehrheit hat so schnelle Arbeit gemacht, daß er seine fürchterliche Drohung nicht wahrzumachen braucht. Unter den 36 Abgeordneten, die der Abstimmung ohne Entschuldigung fern- blieben, befinden sich allein 25 Zentrumsabgeordnete, darunter die Herren Giesberts und Dr. Pieper, die vielfach auch noch als Vertreter- der Zentrumsarbeiter angesehen werden und die sich aus diese bequeme Weise um eine Stellungnahme herum- drückten. Tie Jsiinolilierrtlen und die preußische Wahlreform. In den Kreisen der Jungliberalen glaubt man in richtiger Wür« digung des reaktionären Charakters der natioualliberalen Landtags- fraktion allem Anschein nach selber nicht, daß diese gegen die im Herrenhaus„verbesserte" Wahlrcchtsvorlage stimmen wird und fordert deshalb, um einen Druck aus die alten Herren der Fraktion und auf die Parteileitung auszuüben, die Einberufung eines preußi- schen Vertretertages der nationalliberalen Partei. In dem in Köln erscheinenden Organ der Jungliberalen, den „Nationalliberalen Blättern", heißt eS: Der Autrag Schorlemcr ist ziemlich bedeutungS- los für die nationalliberalc Partei, da er den Anträgen der Fraktion bezüglich der Drittelung keineswegs gerecht wird. Viel wichtiger als die Trittelungsfrage muß uns ja auch nach den Magdeburger Verhandlungen die direkte und geheime Wahl sein und kein Mensch wird behaupten, daß die auch vom Herrenhaus beschlossenen diesbezüglichen Beschlüsse den aufge- stellten Forderungen entsprechen. Mancherlei ist schon bei oen Verhandlungen um die Herstellung der Wahlrechtsreform von diesen Magdeburger Beschlüssen geopfert worden, so ein brauch- bares Pluralwahlrccht und vor allem die Neueintei. lung der Wahlkreise. Aber auch andere Wünsche der Fraktion sind durch die Herreuhausbeschlüsse alles weniger als erfüllt.?!ach allem ist es unmöglich anzunehmen, daß die Fral- tion schon jetzt bindende Beschlüsse gefaßt hat; die allzu Aengst- liche» bitten wir, sich in Ruhe zunächst zu gedulden. Wir möchten jedenfalls der Fraktion anheimgeben zu er- wägen, ob es nicht jetzt angebracht ist, einen preußischen Ver- tretertag einzuberufen und ihm die Entscheidung in diesem wich- tigen, bedeutungsvollen Augenblick zu überlassen. Eine Zu- stimmung zu der jetzigen Vorlage ohne einen solchen Vertreter- tag, eine Zustimmung, die auf wesentlich anderer Grundlage als die Magdeburger Beschlüsse beruht, halten wir für ganz ausgc- schlössen und für die Fraktion unmöglich. Eine Klärung tut baldigst not; je eher sie kommt, je besser!" Der Vorschlag mag recht gut gemeint sein; d,e national- liberale Parteileitung wird ihn aber schwerlich befolgen; denn wenn auch ein Teil der nationalliberalcn Intellektuellen und der klei- neren Geschäftsleute für die direkte und geheime Wahl eingenommen sein mag, so wollen doch die Großindustriellen des rheinisch-west- fälischen Jndustriereviers, die Geldgeber der nationalliberalen Par- iei- und Wahlkassen, davon nichts wissen. Sie erklären:„Wenn Ihr für die geheime Wahl stimmt, zahlen wir nichts mehr!"— und dieses schone Argument wirkt stärker auf die Gemüter der Parteiführer des Nationallibcralismus, als alle Berufungen auf die liberalen Prinzipien._ Für Finnland! In der Wandelhalle des Reichstags zirkuliert zurzeit eine an die russische Reichsduma zu richtende Petition über die sinn» l ä n d i s ch e Verfassung. Diese Petition, die bereits die Unter- schristen der meisten fortschrittlichen und sozialdemokratischen Reichs- tagsabgeordnete» trägt, richtet sich gegen de» Rechtsraub, den der Zarismus an Finnland zu begehen im Begriffe ist. und stützt sich auf die Gutachten einer Anzahl der hervorragendsten Rechtsgelehrten in Deutschland, England, Frankreich und Holland, die die Unantast- barkeit der finnländischen Verfassung feststellen. Die Petition er- kennt zwar an, daß diese Angelegenheit eine innere Angelegenheit Rußlands(?) ist. und die Mitglieder deS Deutschen Reichstags erklären ausdrücklich, daß es ihnen vollständig fern liege, sich in diese Angelegenheit einmischen zu wollen. Wenn sie trotzdem sich an die russische Reichsduma wenden, so geschieht eS lediglich aus der aufrichtigen stleberzeugung heraus, daß diese dazu beitragen werde, das gute Einvernehme» zwischen Deutschland und den Ver- tretern des russischen Volkes zu stärken und zu befestigen. Die Abgeordneten sprechen die Hoffnung aus, daß die Vertreter des russischen Volles mit Entschlossenheit für die Aufrecht» erhaltung der Freiheit und der Gerechtsame F.i n n l a n d S e i n t r e t e n w e r d e n. Aehnlich lautende Eingaben gehen von London, wo bereits 163 Parlamentarier ihre Unter- schrift gegeben haben, sowie von Brüssel und Amsterdam in nächster Zeit an die russische Reichsduma ab. Tie Wahlprüfungskommission des Abgeordnetenhauses hat die Wahl des Abg. Fürbringer(natl.)(1. Surich. Norden. Emdens für ungültig erklärt, weil Verstöße gegen daS Wahl- reglement vorgetommen sind. In einem Wahlbezirk wurden die Stimmen aller WahlmSimer für ungültig erklärt. An der absoluten Mehrheit fehlte deshalb dem Kandidaten nach Abzug der ungültigen Stinuneil gerade eine Stimme. Ich bin der Bürgermeister, bin Posens größtes Licht! Herr Dr. WilmS, Posens Oberbürgermeister, ist zwar gegen daS Rcichstagswahlrecht, aber für die freie Meinungsäußerung. Der Freisinnige Verein in Posen hatte, wie wir dieser Tage berichteten, zu dein Angriff deS Herrn WilmS auf das Reichstagswahlrecht, den er in einer in: Herreuhause gehaltenen Rede unternahm, Stellung genommen. In einer Resolution wurde daS Verhalten des Oberbürgermeisters mißbilligt. Der Herr Oberbürgermeister hat nun darauf geantwortet und sich in dieser Antwort ganz entschieden da- gegen verwahrt, daß versucht werde, das ihm verfassungsmäßig zu» stehende Recht auf freie Meinungsäußerung zu beschränken. In seinem Antwortschreiben heißt es wörtlich: „Indem ich mich beehre, Ihnen den Empfang der Resolution der freisinnigen Versammlung vom 3. Mai zu bestätigen, gestatte ich mir folgendes zu dieser Resolution ganz ergebenst zu bemerken: Die Form der Resolution— Ausdruck des Befremdens— und der Gang der Diskussion Behandlung meiner amtlichen Stellung und Wiederwahl— erwecken den Eindruck einer Beeinflussung de» mir verflassungsmäßig zustehenden Recht« auf freie MeinungS- äußerimg. Hiergegen muß ich entschieden Verwahrung ein» legen." Vor seiner Wahl zum Oberbürgermeister war Herr Dr. WilmS weit weniger eingenommen für die freie Meinungsäußerung. Er hat damals den Pofener Bürgern nichts davon erzählt, daß er gegen das Reichstagswahlrecht sei— wahrscheinlich, weil er wußte, daß er dann nicht gewählt werden würde. Freilich sind auch die Posener Freisinnigen keine politischen Lumen; denn sie wußten vor der Wahl, daß Herr WilmS nationalliberal sei, und zwar rechtSnationalliberal. RcchtSnationalliberale pflegen aber nicht an übermäßigen LiberaliS- muS zu leiden._ Die Staatsaktion in Braunschweig. Braunschwcig, 9. Mai. Die Verhandlung des Wahlrechtsprozesses wurde heutesortgesetzt. von der Verteidigung sind noch 42 Zeugen geladen worden, die zunächst bis Mittwoch beurlaubt wurden. Heute wurden 18 Zeugen vernommen. Die Aussagen ergaben das aus solchen Prozeffen bereits gewohnte Bild: Ein Teil der Zeugen will gesehen haben, wie die Polizei mit Eis» stücken beworfen wurde, ein anderer Teil be- stätigt, daß die Polizei grundlos dreingeschlagen habe. Der als Zeuge vernommene Landessyndikus erklärte, das Mandat des Genossen Dr. Jasper sei vom Braun- chweigischenLandtag deshalb für ungültig erklärtworden. weil zwei aus den Namen Jasper lautende Stimmzettel ineinander- gefalzt als ein Zettel abgegeben wurden. Diese Srinune hätte vom Wahlvorsteher nicht als gültig erklärt werden dürfen. Ein bürgerlicher Geschäftsführer und ein älterer Arbeiter be- kündeten, daß sie von der Polizei ohne Grund mit dem Säbel geschlagen worden seien. Der betreffende Polizist »kann sich an nichts mehr erinnern". Ein Staats- anwalt war bei dem Gedränge mit in den Demonstrationszug ge- kommen und mußte al-Z Zeuge zugeben, das) er wohl etwas ängst- lich geworden war, dah es aber der Menge, wenn sie hätte Wider- stand leisten wollen, eine Kleinigkeit gewesen wäre, die paar Polizisten über den Haufen zu rennen. Die Verhandlung wurde dann auf Mittwoch vertagt._ Neuwahl in Cannstatt-Ludwigsburg. Der nationalliberale württembergische Reichs- und Landtags- abgeordnete H i e b e r soll zum Lohne für seine Tätigkeit bei der Schaffung des neuen württembergische» VoltSschulgesetzeZ mit dem durch das Gesetz geschaffenen Posten eines Direktors dcS evangelischen Oberschulrates bedacht werden. Da er jetzt Gymnasial- Professor ist, bedeutet das eine Beförderung, wodurch seine Mandate erlöschen. Die„Miinchener Neuesten Nachrichten" und der „Hannoversche Courier" melden. Hieber werde zum Reichstag nicht wieder kandidieren, da sein neues Amt ihm die Ausübung des ReichstagSmandatS nicht erlaube) der„Schwäbische Merkur" dagegen glaubt, Hieber werde sich wieder aufstellen lassen. Die letzte An- ficht dürfte die richtige sein. Daß Herr Hieber wieder in den Reichstag einziehen wird, ist freilich recht zweifelhaft, denn bei der letzten ReichStagSwahl im Jahre 1907 erhielt er im Wahlkreise Cannstatt-Ludwigsburg 13 787, unser Genosse Keil IS 483 und der Zentrumskandidat 93 Stimmen. Sozialdemokratische Kandidatur in Friedberg-Büdingen. Am Sonntag stellte eine Kreiskonferenz der sozialdemo- kratischen Partei im hessischen Reichstagswahlkreise Friedberg- Büdingen einstimmig den Genossen Parteisekretär Busold in Friedberg als Kandidaten für die bevorstehende Reichstags- ersatzwahl auf. Vusold, der bereits im Jahre 1907 kandidierte, war damals in der Stichwahl mit 3492 gegen 11518 nationalliberale Stimmen unterlegen. Außer Busold kandidieren bekanntlich Rechtsanwalt Dr. v. Helmolt für den Bund der Landwirte und Professor Calker für die Nationalliberalen und Freisinnigen. Zur Bremer Lehrerhatz. Bremen, 3. Mai. Genosse Freuthal hatte gegen die Zeugniszwangshaft, die vom Untersuchungsrichter über ihn verhängt wurde, Venn Senat Beschwerde erhoben. Er erhielt einen ablehnenden Bescheid imd heute, nachdem die 20 Tage Straf- Haft wegen Zeugnisverweigerung abgelaufen find, wurde er weiter in Haft behalten. In der Antwort des Senats heißt es, der Untersuchungsbeamte habe seine Kompetenz nicht überschritten und die Aussage FreuthalS sei für den weiteren Gang der Voruntersuchung von wesentlichem Belang. Es seien zwar die an dem Telegramm Beteiligten bekannt, so daß Freuthal gar nicht über noch nicht bekannte Personen, die vielleicht auch als Zeugen in Frage kommen könnten, anssagen solle, sondern über die Absendung des Telegranuns. Das Schönste an diesem Bescheid ist, daß Genoffe Freuthal bei der Absendung des Telegramms gar nicht mehr zugegen gewesen ist. Er soll also über etwas aussagen, was er, falls er überhaupt etwas weiß, nur vom Hörensagen wissen kann. Und dabei sind der Behörde, wie sie selbst angibt, die Teilnehmer an dem schrecklichen Verbrechen bekannt! Die Auftechterhaltung der Zeugniszwangshast ist demnach noch viel ungeheuerlicher, als sie an sich schon ist. Man sieht an der Antwort des Senats, wie sehr sich die Regierung des„liberalen" Bremens Mühe gibt, Preußen an reaktionären Taten zu übertruinpfen._ Der Proporz zum bayerischen Landtag. München, 6. Mai. ES liegt ein Antrag der liberalen Partei vor, die Verhältniswahl bei den Landtagswahlen zur Einführung zu bringen. Sie soll die jetzt geltende Mehrheitswahl ersetzen. In der Begründung geht der Abgeordnete Goldschmidt zunächst auf die Geschichte des Proporzes im bayerischen Paria- mente ein und führt an, daß die liberale Partei schon in früheren Jahren in der Kamincr Anträge aus Einführung der Verhältniswahl gestellt habe. Jetzt habe sie den Antrag wiederholt, weil neue Momente auf- getreten wären: die Einführung des GemeindeproporzeS, die neueren Erfahrungen in anderen Ländern und die Resultate der letzten bayerischen Landtagswahlen. Was das Zentrum, wenn auch in verstümmelter Weise, für die Gemeindewahlen gewährt habe, müffe cS konsequenterweise auch für die Landtagswahlen gewähren. Der liberale Redner bringt ein reiches Material zustimmender Aeußerungen auS klerikalen Kreisen und Zeitungen. Wer die Rede dcS liberalen Redners und die ZustimmungSäußerungcn seiner Freunde anhörte und die traurige Geschichte dieser traurigen Partei in bezug auf Wahlrechtsformen im Reich und den Bundesstaaten nicht kennt, könnte an die Ehrlichkeit der Motive der Aktion glauben. So ober kann der Antrag nur als der Ausdruck des Parteiegoismus des bayerischen Liberalismus gelten. Er will den Proporz in Bayern nur deshalb, weil er mit ihm bessere Wahlgeschäfte zu machen hofft. In anderen Staaten sind die Liberalen die heftigsten Feinde desselben. Der Redner des Zentrums, Freiherr v. Malsen, gab dieser Auffassung sofort Ausdruck mit dem Hinweis auf die Haltung der liberalen Partei im Reich und jetzt in Preußen. Im übrigen spricht er sich in der entschiedensten Weise gegen den Proporz aus. Er führt verschiedene Gründe gegen ihn ins Feld, besonders aber, daß die seßhafte Bevölkerung des Landes von der fluktuierenden der Stadt nicht majorisiert werden dürfte. Ihm schließt sich im wesentlichen der Bauernbündler Beckh an, während der Vertreter der sozialdemokratischen Fraktion Genosse S e g i tz sich rückhaltlos für den Antrag als einer alten sozial- demokratischen Forderung ausspricht. Er weist auch darauf hin, daß unsere Partei noch viel weitgehendere Forderungen aus dem Gebiete des Wahlrechts zu stellen habe, zum Beispiel Einführung dcS Frauen- Wahlrecht?. Der Schlußredner, Müller-Meiningcn, redete noch sehr viel und machte die Sache nicht besser. Sehr schön von ihm war es. daß er die Haltung des ZentSums in der Frage der preußischen Wahlreform scharf kritisierte. Ob er wohl von der traurigen Haltung seiner eigenen Partei nichts weiß? In namentlicher Abstimmung wurde der Antrag abgelehnt gegen die Stimmen der Liberale» und Sozialdemokraten, de» Zentrums- führerS Dr. Schädler und einiger Bauernbündler. Der Bierkrieg in Bayern, der feit Wochen vorläufig nur in Niederbayern tobte, beginnt nun auch in den Industriezentren. Dort ist die BierpreiScrhöhnng mit dem 1. Mai eingeführt worden, in den Großstädten soll sie erst am IS. Mai begimien.— In Nürnberg fand Freitagnachmittag eine von 2000 Gastwirten besuchte Protestversamniluug statt; sie pro- testierte dagegen, daß die Brauereien von den 2 M. Erhöhung, die eintreten soll, den Wirten nur SO Pf. geben«vollen, während die Wirte für sich 1,20 M. in Anspruch nehmen. Die Wirte erwarten in ihrem Kampfe gegen die Brauereien die Unterstützung der organisierten Arbeiterschaft. Nack, Schluß der Versammlung z�o gen 2000 Wirte in geschlossenem Zuge durch die Stadt, vorbei am Geschäftshaus der„Fränkischen Tagespost", vor den Betrieb der größten und führenden Brauerei, wo sich der Zug dann auflöste. Ani Abend»ahm eine Versammlung von 2ö0 VertrauenS- männern der organisierten Arbeiter Stellung zum Bierlrieg. In der sehr ausgiebigen Aussprache kam zum Ausdruck, daß es die Arbeiterschaft ablehnt, den Wirten die Kastanien auS dem Feuer zu holen. Wie sich die Wirte mit den Brauereien in die 2 M. teilen, berührt die Arbeiterschaft nicht. Schließlich wurde eine zehngliedrige Kommission gewählt, die mit den Brauereien in Unter- Handlung treten soll._ Das Kallsyndikat wünscht hohe Kalipreise. Die Gescllsckiafterbersammlung des Kalisyndikats hat an den Reichstag eine Petition gerichtet, die Stellung nimmt gegen die Herabsetzung der Preise für Roh- und Düngesalze. In der Pcti- tion werden die Verluste, die durch diese Heraibsetzung entstehen. ziffernmäßig belegt, der Gcsamtverlust soll über 10 Millionen Mark betragen. Die Petition bittet deshalb um Festsetzung de» Preise nach dem Dsmni-Kölleschen Entwurf. Oeftemicb. Ein sozialdemokratisches Steuerprogramm. Tie sozialdemokratischen Abgeordneten haben die Ab- schaffung der Liebesgaben an die Branntweinbrenner beantragt, die darin besteht, daß ein Kontingent von 1 017 000 Hektoliter Alkohol statt mit 110 nur mit 90 Hellern pro Liter be- steuert ist. Mit der Erzeugungsbonifikation für landwirtschaftliche Brennereien und den Exportprämien inacht das mehr als 25 Mil- lionen Kronen. Ferner wird die Streichung der anläßlich der Einführung der Personaleinkommensteuer(1899) gewährten provisorischen Nach- l ä s s e von den direkten Ertragssteuern(Grund-, Gewerbe-, Haus« steuer) beantragti, die ohnehin kein ehrliches Bekennen des Einkommens zur Folge gehabt haben. Die Grundsteuer bringt heute trotz aller Bodenwertsteigerung w e n i g e r als vor 50 Jahren. Zur Einkommensteuer wird auf dem Lande nur der oft um ein Viel- faches zu geringe Katastralreinertrag(ohne Ertrag der Neben- gewerbe!) herangezogen. Auch dies soll fortfallen, auch die Agrarier sollen ordentlich Steuern zahlen. Der Antrag enthält ferner die vom Finanzminister geforderten direkten Steuern: Schenkungs- und Erbschaftssteuern, Erhöhung der Personaleinkommensteuer bei Einkommen über 20 000 Krone» pro Jahr bis auf 9 Proz., Erhöhung der Dividendensteuer und Sonderbesteuerung der Tantiemen der Verwaltungsräte. Die neuen Steuern sollen erst mit der Reform der wucherischen Hauszinssteuer in Kraft treten, zunächst soll für alle Neu. bauten eine ausreichende Steuerermäßigung gewährt werden. So könnte das Defizit gedeckt werden, ohne dem arbeitenden» konsumierenden Volk irgend welche neuen Kosten aufzuhalsen. Die bosnische« LandtagSwahlen. Die bosnischen Sozialdemokraten haben die Aufstellung eigener Kandidaten für die Wahl zum neuen Landtag beschlossen. In sechs Bezirken lverden zwei Kandidaten, ein serbischer und ein kroatischer, aufgestellt. Das in Serajewo erscheinende Parteiorgan„Glas Sloboda" wird wöchentlich zweimal erscheinen. Schweiz. Ein bürgerlicher Staatsstreich gegen die Sozialdemokratie. Bern, 4. Mai.(Eig. Ber.) Die Verfassung de» Kantons Bern enthält die hübsche Bestimmung daß in der neungliedrigen Regierung auch die Minderheitsparteien vertreten sein müssen. Nun gibt es hier eigentlich gar keine Mehrheitspartei, sondern lauter Minderheitsparteien, von denen im Kanton die freisinnige, in der Stadt Bern aber die sozialdemokratische die stärkste ist. Trotzdem hatte bisher die freisinnige Partei in der Regierung 7, die konservative 2 Sitze, die sozialdemokratische aber keinen. Aus Anlaß der aan nächiien Sonntag statt sin denden Neuwohl der Regierung ist einer der 7 freisinnigen Minister zurückgetreten�' und nun beschloß die freisinnige Partei, den freiwerdenden Sitz im Hinblick auf die VerfassungKbestimmung unserer Partei zu überlassen, aber unter der Bediirgung. daß ein Kandidat auf- gestellt werde, der ihr gefällt. Ohne Rücksicht auf diese arrogante Bevormundung stellte die sozialdemokratische Partei den Genossen Zgraggen, einen tüchtigen Juristen, der früher Staatsanwalt war, als ihren Kandidaten auf, der aber den- Freisinnigen nicht gefällt, so daß sie auf die Verfassungsbestimmung pfeifen und einen Gegen- kandidaten ausgestellt haben, den auch die Konservativen unter- stützen. So wird gegen den klaren Wortlaut der Verfassung unsere Partei um die ihr gebührende Vertretung in der Regierung be- trogen. Cnglancl. Der Thronwechsel. Lvndon, 9. Mai. Die Proklamation des Königs Georg zum Souverän hat heute früh 9 Uhr mit dem alten Zeremoniell in der City stattgefunden. An Templebar gegenüber den Gerichtshöfen war quer über die Straße eine seidene Schnur gespannt. Sie ist ein Sinnbild des ToreS, das ehemals an diesem Orte stand. Hier an der Grenze der City versammelten Jich der Lordmayor, die Aldermen, Sherifs und andere Würdenträger mit den Cith-Trom- petern. Von Westen'her kam dann die von HorseguardS eskortierte Prozession der Herolde herangeritten und bat um Erlaubnis, in die City ziehen zu dürfen, um den neuen König zu proklamieren. Nach einem Wechselgespräch, das das mittelalterliche Zeremoniell vorschreibt, gab der Lordmayor die Erlaubnis, die Schranke zu passieren, die unmittelbar hinter der Prozession wieder geschlossen wurde. Der Lordmayor und die Würdenträger der City schlössen sich dem Zuge an, der nach der Börse und anderen Punkten inner- halb der City zog. An jedem dieser Punkte riefen die Herolde den König Georg V. als neuen Souverän aus. Amtlicher Bekanntgabe zufolge wird die Leiche des Königs am 17. Mai in die Westminsterhalle gebracht werden und dort drei Tage öffentlich aufgebahrt bleiben. Alsdann wird die Leiche zur Beisetzung am 20. Mai nach Winds« übergeführt werden. Das Oberhaus trat heute mittag unter Vorsitz des Lord- kanzlers wieder zu einer Sitzung zusammen, in der weitere Mit» glieder dem neuen König den Eid leisteten. Das Unterhaus trat nachmittag wieder zusammen. Der Sprecher, der zum Besuche seines Bruders, des Botschafters. in Konstantinopel geweilt hatte, konnte noch nicht eintreffen. An seine Stelle trat der stellvertretende Sprecher Emmott. Das Haus war sehr gut besucht. Sämtliche Abgeordnete waren in Trauerkleidern erschienen und saßen entblößten Hauptes da. Zu. nächst leistete Emmott dem Könige Georg sowie seinen Erben und Nachfolgern den Eid. Darauf taten dies die Mitglieder des Hauses, darunter die Minister Grey» Lloyd George, Churchill und Burns. Bei fast allen PolizeigerichtShöfcn wurde heute auS Anlaß der Thronbesteigung des Königs Georg da» Verfahren gegen die Angeklagten eingestellt. KuKlanck. Ein Protest der Echtrussen. Petersburg» 9. Mai. Bei der heutigen Trauerkundgebung der Duma protestierte das Mitglied der extremen Rechten P u r i s ch- k ew i t sch gegen die Absendung eines Beileidstelegramms an das englische Parlament, weil solche die Befugnisse der Duma überschreite. Purischkewitsch wurde darauf auf An» trag des Präsidenten auf drei Sitzungen ausge» schlössen.-. ZGvM. Der Aufstand in Albanien. Konstantinopel, 9. Mai. Nach amtlicher Meldung haben die Truppen, die aus Preschovo aufgebrochen waren, das Plateau von Kara-Dagh besetzt. Auf den Höhen des Crnoljeva hat ein Kampf stgttgefunden, dessen Ausgang noch unbekannt ist- China. Eine beratende Kammer. Peking, 9. Mai. Ein Dekret wurde veröffentlicht, de- treffend die Eröffnung einer beratendenKammer am ersten Tage des neunten Monats. Diese Kammer wird die Grundlage zu dem späteren Parlament bilden und aus 90 Mitgliedern, größtenteils Mitglieder des kaiser- lichen Hauses, ferner aus Aristokraten und Beamten be- stehen._ Hus der partei* Zum Internationalen Kongreß in Kopenhagen delegierte die Reichstagsfraktion am Montag die Genossen Bebel, Singer und L e d-e b o u r. Genosse Richard Fischer wurde als Ersatzmann gewählt. Die Pächter und Sozialdemokratie in Finnland. Die finnischen Pächter oder Torpari bilden eine Klasse der Fronbauern, die ihre kleinen Hütten auf dem Boden der Großbauern und Gutsbesitzer aufgeführt und einen Flecken Land urbar gemacht haben. Die Pacht wird meist durch Tagwerk vergütet.— Auch diese Klasse der Ausgebeuteten erwachte vor einigen Jahren und begann sich zu organisieren. 1904—1906 fanden größere Streiks der Pächter statt, 1906 hielten sie ihren ersten, 1907 den zweiten und jetzt, vom 18. bis 20. April den dritten Kongreß in TammerforS ab. Etwa 400 Delegierte vertraten zirka 200 Gemeinden, so daß gegen SO Proz. aller Pächter der- treten waren.— Bisher waren die Organisationen der sozialdemokratischen Partei einzeln an- gegliedert. Jetzt beschloß der Kongreß, einen„Verband der Pächter" zu organisieren, um eine umfassende Agitation unter den Torpari entfalten zu können. Auch ein eigenes zwei- wöchentlich erscheinendes Organ soll herausgegeben werden.— Die sozialdemokratische Landtagsfraktion, der auch die Vertreter der Torpari angehören, hat die Interessen der Pächter eifrig vertreten. Ihr ist es vor allem zu verdanken, daß 1909 ein neues Pachtgesetz eingeführt wurde, welches die Lage der Fronpächter etwas besserte. Dieses Gesetz wurde nun aus dem Kongreß eingehend besprochen. Die Mängel des Gesetzes wurden aufgedeckt und die Fraktion be- auftragt, ständig auf seine Besserung hinzuarbeiten. Nach wie vor wurde auf die Notwendigkeit eines gesetzlichen Kulturzwanges hingewiesen, wodurch allein die finnische Agrarstage gelöst werden könne. Der Kongreß billigt« auch im übrigen die Politik der sozialdemokratischen Landtags- fraktion und nahm eine Resolution an, die die Fraktion auf- fordert, die bisherige Taktik gegen die russischen Gewalthaber fortzu- setzen und alle gesetzwidrigen Forderungen der russischen Regierung energisch abzuwehren. Im Anschluß an den Kongreß fand eine öffentliche Volks» Versammlung statt, wo gegen ine russische Gewaltpolitik scharfer Protest erhoben wurde. Unter den Klängen der Internationale wurde der Kongreß geschlossen._ BolkshauS in Gclsenkirchen. Um dem drückenden Lokalmangel zu entgehen, sahen sich die Parteigenossen und Gewerkschaften in Gelsenlirchen vor etwa zwei Jahren gezwungen, durch Hergäbe einer größeren Be- leihung den Inhaber des Barbarossasaales kontraktlich zu ver- pflichten, feineil Saal sowie die übrigen Lokalitäten jederzeit der Arbeiterschaft zur Verfügung zu stellen. Im Laufe des letzten Jahres wurde nun der Saal zum„Stadttheater" ausgebaut. Es stellte sich aber dann heraus, daß der Saal durch den Umbau in seiner Verwendbarkeit zu Volksversammlungszwecken und Beran- staltungen festlicher Natur erheblich gelitten hatte. Im beider- fettigen Einverständnis ist daher der Vertrag gelöst worden. Dafür ist nun der„Fürstenberger Ho f", der nunmehr Volks- haus genannt wird, erworben worden. Das neue Arbeiterlokal liegt in der Kaiserstraße, der schönsten Gegend der Stadt. Der Erwerb bedeutet in jeder Weise eine Verbesserung. potizcntdies, Gerlcbtliches ulrr. „Da» gleiche Recht." Zu 1000 Mark Geldstrafe wurde Genosse Linne» Weber vom„V o l k S b l a t t für Anhalt" von der Straf- kammer zu Dessau wegen angeblicher fünf Beleidigungen des Vorstandes der Dessauer Ortsgruppe des ReichsvcrbandeS gegen die Sozialdemokratie verurteilt. Die Beleidigungen fand da» Gericht in drei Artikeln des Volksblatts. Obgleich darin weder der Vorstand der Deffauer Ortsgruppe, noch eines der Vorstands- Mitglieder angegriffen, sondern nur das Wirken der famosen Organisation ganz im allgemeinen charakterisiert tvar, erklärt? das Gericht, daß sich jeder ReichSverbändler durch diese Artikel beleidigt fühlen müßte, weil in ihnen allgemein von Reichs- verbändlern die Rede sei. Dagegen wies das Gericht eine Widerklage des Genossen Linneweber gegen den Reichsverbändler und Chefredakteur des„Anhaltischen Staatsanzeigers", Liebisch, der in drei Artikeln die Sozialdemokraten und speziell die sozial. demokratischen Redakteure aufs schwerste beleidigt hatte, zurück, weil— oiese Artikel die Sozialdemokratie nur im allgemeinen kritisiert hätten! � � Genosse M ü l l e r von der„L c i p z i g e r B o l k s z e i t u n g" wurde zu 30 Mark Geldstrafe verurteilt, tveil er einen klagenden Reichsverbandsangestellten„RcichsverbandSeunuchen" gc- nannt hatte. Dagegen nahm das Gericht an, daß die Ausdrücke „ReichSverband wider die Wahrheit" und„elende Organisation" nicht als Beleidigungen des Klägers anzusehen seien. Ein mißglückter Denunziantenstreich. Der in letzter Zeit vielgenannte Ober.hauS, den M Dortmunder Genossen aus der Partei auSge» schlössen haben und der noch jüngst wegen Verleumdung zu ISO M. Geldstrafe verurteilt worden ist, hatte bei der Staats- anwaltschaft gegen die Genoffen Bartels und Köhler zu Dortmund Strafanzeige wegen Meineids erstattet. Die Untersuchung ist nun abgeschlossen, und die Beschlußkammer des Dortmunder Landgerichts bat den beschuldigten Genossen den Bescheid zugehen lassen, daß da» Verfahren eingestellt Word?» ist, weil sich die Anzeige als hinfällig herausgestellt hat. GewerkfcbaftUchee. mutende Scharfmacher. — Der Kartellausschuß des Vereins deutscher Arbeitgeber- verbände und der Hauptstelle deutscher Arbeitgeberverbände hielt am 4. Mai eine Sitzung ab, um sich mit der Aussperrung im Bau- gewerbe zu befassen. Die„Deutsche Arbeitgcber-Zeitung" bringt darüber an leitender Stelle einen Bericht, der trotz der für die Oeffentlichkeit bestimmten Frisur doch das Unbehagen erkennen läßt, das in den Reihen der Scharfmacher über die Situation im Bauberuf herrscht. Man war sehr unzufrieden mit dem Verlauf der Aussperrung, insbesondere mit der Einigung in Berlin, Hamburg und Bremen. Beschwichtigend bemerkten die anwesenden Vertreter der Bauunternehmer, daß es ihren Anstrengungen ge- lungen sei, noch 1000 Arbeiter auf die Straße zu werfen, so daß sie jetzt 187(KM) der Ausgesperrten zählen könnten. Sehr un- gehalten war man über den Versuch der Regierung und anderer Stellen, den Konflikt beizulegen. Den sozialen Friedensaposteln wurden die Leviten verlesen und die„Arbeitgeber-Zeitung" schreibt: „Es wurde festgestellt, daß es hauptsächlich beamtete Per- sonen sind, welche durch ihre Stellung einzelne Bezirksverbände zu Verhandlungen verleitet, vielleicht sogar sanft gepreßt haben. Ein solches Verhalten unbeteiligter Personen ist zu verurteilen, denn auch noch so starke humanitäre Friedenssehnsucht gibt leinen Freibrief für Unbeteiligte, um einen Teil der kämpfenden Parteien zur Fahnenflucht überreden zu dürfen. TaS geltende Recht gibt Arbeitern und Arbeitgebern die Befugnis, ihre Differenzen durch Streiks oder Aussperrung, also auf dem Wege des Kampfes, zum Austrag zu bringen. Es bedarf wohl nur des Hinlveises auf diese Verhältnisse, um Unbeteiligte zu veranlasse», von jetzt ab bei ihren Fricdensvermittelungcn sich ausschließlich an die Zentralstelle des Baugewerbes, den Deutschen Arbeitgeberbund für das Bau- gewerbe, Berlin, Linkstr. 32, zu wenden." Die Denunziation der„beamteten Personen" bei ihren Be- Hörden, die Verhöhnung der„Humanitären Friedenssehnsucht"„Un- beteiligter" und das kategorische Verlangen. Friedensverhand- lungen nur da zu versuchen, wo man ja keinen Frieden will, bei der Zentralstelle der Scharfmacher, das alles ist charakteristisch für die Art, wie man auf feiten der Unternehmer den Kampf führt. Der Ton zeigt aber auch, in welche Wut die gutgemeinten Ver- suche zur Beilegung der Aussperrung die Scharfmacher versetzt haben. » Inzwischen müssen die Herren einen neuen Schmerz erleben. Soeben wird aus Detmold gemeldet: Detmold, 9. Mai. Hier wurde im Baugewerbe eine Einigung herbeigeführt, und zwar auf Grundlage der Hamburger und Berliner Beschlüsse. •> Inzwischen hat auch die Hilfsaktion der organisierten Ar- beiterschaft kräftig eingesetzt. Die Buchdrucker in Hannover beschlossen in ihrer letzten Mit- gliederversammlung, für die ausgesperrten Bauarbeiter einen wöchentlichen Extrabeitrag von 20 Pf. zu erheben. Im Bolkshause zu Leipzig tagte eine von etwa 2S9<) Mann besuchte Buchdruckerversammlung. Ohne Diskussion wurde ein stimmig beschlossen, den ausgesperrten Bauarbeitern sofort SOOO M. zu überweisen und in Anbetracht der Situation den Gaubeitrag von 60 Pf. auf 90 Pf. pro Woche zu erhöhen. Die Versammlung schloß mit einem begeisterten Hoch auf die Solidarität aller Arbeiter. Der Bczirksverein Metz des Verbandes der Deutschen Buch druckcr, der alle Druckorte Lothringens umfaßt, nahm einstimmig folgende Resolution an:„Der Bezirksverein Metz des Verbandes der Deutschen Buchdrucker nimmt Veranlassung, den ausgesperrten Bauarbeitern in dem ihnen aufgedrängten Kampfe gegen die Willkür des Unternehmertums seine vollste Sympathie aus zusprechen. Dies um so mehr, als dieser Kampf in seinen Folgen von eminenter Bedeutung für die vitalsten Interessen der Ge. samtarbeiterschaft ist. Der Bezirksverein hegt die Erwartung, daß die gesamte Bauarbeiterschaft in dem ihr aufgezwungenen Kampfe bis zum Siege ausharren wird, und sichert ihr. wie er dies von der gesamten Arbeiterschaft erwartet, im Bedarfsfalle die weitgehendste materielle Unterstützung zu." Einen glänzenden Beweis von p r o l e t ck r i s ch er Solidarität erbrachten auch die Bauhilfsarbeiter in Köln. In zwei Tagen wurden neben den laufenden Wochenbeiträgen noch 4566 Streikmarken zur Unterstützung der Ausgesperrten an die in Arbeit gebliebenen Kollegen verkauft, was eine Einnahme von 2298 M. darstellt. Das Kieler Gcwerkschaftskartell und die Vorstände sämtlicher Gewerkschaften haben in einer kombinierten Sitzung die Ein- führung von Sammellisten für die Bauarbeiter abgelehnt und den Beschluß gefaßt, für die Dauer der Aussperrung von jedem organisierten Arbeiter einen Extrabeitrag von 50 Pf. pro Woche zu erheben. Für die Unorganisierten sollen Marken zu je 50 Pf. ausgegeben werden. Die Werkstattdelegierten der Leipziger Holzarbeiter haben beschlossen, pro Woche ab 1. Mai gerechnet, den ausgesperrten Bau- arbeitern 1000 M. zuzuführen» und zwar aus der Lokalkasse.> Die Hoffnung der Unternehmer, daß eS ihnen gelingen könnte, die Kassen der Bauarbeiter in sechs Wochen zu leeren, dürfte dem- nach schmählich zuschanden werden. Die Solidarität der Gesamt- arbeiterschaft dürfte es den Bauarbeitern ermöglichen, den Kampf durch Monate hinzuziehen! SerUn und Qmgegend» Auch ein.„Lehr"-Bertrag. Recht eigenartige Auffassungen scheint die Firma Wolff Nachf., Äoltastraße, Metalldreherei, von einem Lehrverhältnis zu haben. In den Lehrverträgen, die diese Firma abschließt, heißt es unter anderem: „Der Lehrherr zahlt dem Lehrling einen wöchentlich zahl- baren Lohn für die geleisteten Arbeitsstunden pro Woche im ersten Jahre 3 M., im zweiten Jahre 4,50 M. Im dritten und vierten Jahre erhält der Lehrling den halben Gcsellen-Akkord- lohn." Wenn nun ein Lehrling im dritten oder vierten Lehrjahre der- tragsgemäß arbeitet und(was doch bei einem Lehrling vorkommen kann und vorkommt) die Arbeit nicht tauglich ausfällt, dann erhält der Lehrling nichts. Ein solches Verfahren einem Lehrling gegen- über ist unserer Meinung nach unverträglich mit dem Sinn eines Lehrverhältnisses. Bequem und angenehm mag es ja für die Firma sein. Die Firma bat auf diese Weise nicht eigentliche Lehrlinge, fondern billige Arbeitskräfte, die eine Reihe von Arbeiten um den halben Aklordpreis herstellen. Das Risiko einer nicht gelungenen Arbeit wälzt die Firma von sich und begnügt sich edlerweise mit der Inanspruchnahme der angenehme,, Seiten eines solchen Lehrver. hältnisses. Die Eltern junger Leute werden gut tun, sich die Ver- träge erst anzusehen, ehe sie ihre Söhne auf solche Verträge ver- vflichtcn. Auch die erwachsenen Arbeit Zeutralverbaud der Schmiede. Wir machen unsere Vertrauensleute darauf aufmerksam, daß Sammellisten für die ausgesperrten Bauarbeiter im Bureau, Linienstr. 73, abzuholen sind. Von unfern Äiitgliedern crlvartcn wir, daß sie sich recht rege an den Sammlungen beteiligen werden. _ Die Ortsverwaltung. Achtung, Steinarbeitcr! Wegen Nichtanerkennung des Tarifs legten die Steinmetzen der Firma Gebr. F r i e s e ck e.Kunststein- fabrik in Britz, die Arbeit nieder. Eine Ausnahme machten nur die Steinmetzen August B o f i n g e r und Otto G l o r, welche an- geblich die der Firma Friesecke gehörenden Steinmetzarbeiten in eigene Regie übernommen haben, wahrscheinlich, um die Firma Fricsecke davor zu bewahren, mit unserm Verbände in ein Tarifverhältnis zu treten. Selbstverständlich kann die neue Firma Bo fing er und Glor als Tarifkontrahent nicht in Frage kommen. Auch die andern beiden Zwischenunternehmer Frie- s e ck e s, die Herren S ch i l l e und Jüngers, sind auf die Dauer des Streikes gesperrt. Die Kollegen auf den Bauten werden er- sucht, ein wachsames Auge auf die Frieseckeschen Arbeiten, mit Einschluß der von obengenannten Zwischenunternehmern über- nommenen, zu. haben und alles Zweckdienliche im Berbandsbureau, Sehdelstr. 30, Tel. Amt l, 0248, zu melden. Zcntralverband der Steinarbeitcr. Ortsverwaltung Berlin. Die Tarifbelvegung der Brauereiarbeiter. Mit Spannung erwarteten die Brauereiarbeiter Grotz-Berlins den Bericht ihrer Kommission über das endliche Ergebnis der Tarif- Verhandlungen und in Massen strömten sie am Sonntag nach der „Neuen Welt", wohin alle organisierten Brauereiarbeiter einge- laden waren. Die gesamte Lohnkommission und die Vertreter aller in Frage kommenden Gewerkschaften hatten auf der Bühne Platz genommen. Jeder sollte die Verantwortung tragen helfen für den schweren Beschluß, den man der Versammlung unterbreiten wollte. Die Unternehmer hatten ein Ultimatum gestellt und die Ablehnung bedeutete den Kampf, das zeigte der Referent Wilhelm Siering klar und scharf in seinen Darlegungen. Die letzte Versammlung der Arbeiter hatte die Zugeständnisse des Vereins der Brauereien als zu geringfügig abgelehnt. Die Kommission bemühte sich in neuen Unterhandlungen um weitere Zugeständnisse, und es gelang ihr auch, den Brauereien weitere Verbesserungen der Arbeitsbedin- gungen abzuringen, die allerdings weit hinter den gestellten For- derungen der Arbeiter zurückbleiben. Die Unternehmer erklärten aber, nunmehr keinen Schritt weiter gehen zu können und stellten ihr Ultimatum. In der entscheidenden Verhandlung vom 2. Mai gab der Syndikus Meyer für den Verein der Brauereien eine längere Erklärung ab, in der zuerst die allgemeine schlechte Lage des Braugewerbes und die Schwierigkeiten, mit denen die Braue- reicn zu kämpfen haben, erörtert wird. Dann heißt es: „Wenn trotzdem die Brauereien bereit und willens seien, einen Tarifvertrag mit wesentlichen Belastungen auf eine Dauer von 5 Jahren zu schließen, so geschehe es auch aus der Erwägung heraus, daß nach den vielen Beunruhigungen, denen das Gewerbe in den letzten Jahren unterworfen gewesen sei, die Vertreter des Vereins es für ihre Pflicht halten, das Gewerbe und die Betriebe zu schützen vor neuen Bewegungen und Unruhen, die bei kurzen Tarifverträgen vor und nach dem Ablauf mit Sicherheit zu be- fürchten wären. Aus diesem Grunde halte der Verein der Braue- reien fest an dem Abschluß auf die Dauer von 5 Jahren. WaS die Arbeitszeit anlangt, so sei nach den letzten Erklä- rungen der Kommission, die die Genehmigung des Vereins ge- funden haben, die Forderung der Verminderung auch der Brutto- Arbeitszeit am Tage um eine halbe Stu.nde bewilligt für alle Kategorien mit Ausnahme der Brauer, Böttcher und Handwerker, die ohnehin nur eine llstün- dige Bruttoarbcitszeit haben. Die weitergehenden Wünsche, wo- durch die Verminderung der Brutto-Arbeitszeit für die letzteren Kategorien unter 11 Stunden herabsinken würde, könne der Ver- ein unter keinen Umständen erfüllen. Hinsichtlich der Nacht- arbeitszeit sei der Verein nicht in der Lage, über die bereits aus- gesprochenen Bewilligungen hinauszugehen." In bezug auf eine Lohnerhöhung wird erklärt: „Unter der Voraussetzung eines Vertragsabschlusses auf die Dauer von 5 Jahren sei der Verein bereit, statt nach drei Jahren, wie zuerst in Aussicht genommen, schon nach 2M> Jahren eine generelle Erhöhung um 1 M. eintreten zu lassen, und zivar nicht nur für die Löhne der mit weniger als 30 Mk. pro Woche bezahlten Kategorien, sondern für sämtliche in Betracht kommenden Arbeitnehmer in den Brauereien. Darüber hinaus wolle der Verein dem Wunsche auf als. baldige Erhöhung der Löhne über eine bezw. zwei Mark hinaus Rechnung tragen und sofort bei Inkrafttreten des Tarifs für sämtliche Arbeitnehmerkategorien eine weitere Erhöhung um 50 Pf. gewähren. Die Vereinsbrauereien haben einmütig beschlossen, daß über diese Konzessionen unter keinen Umständen hinausgegangen werden könne. Die Konzessionen haben zwei Voraussetzungen: 1. daß in den weiteren Verhandlungen solche Beschlüsse nicht gefaßt werden. die eine neue wesentliche materielle Belastung der Brauereien in sich schließen; 2. daß eine Bestimmung des geltenden Vertrages geändert werde, die, so lange sie bestehe, zu Streitigkeiten An- laß gegeben habe. Es handle sich uni die Bestimmung, daß be- stehende bessere Lohnbedingungen erhalten bleiben. Bei den gegenwärtigen Verhandlungen sei von den Vertretern des Ver- eins wiederholt betont worden, daß die neuen Verträge lediglich die tariflichen Mindestlöhne festlegen, nicht aber die Erhöhung etwa bestehender und sonstiger besserer Löhne." Dieser Punkt der Erklärung bezieht sich, wie Sie ring aus- führte, auf die„Wohltätigkeitseinrichtungen" mancher Brauereien, besonders der Alterszulagen in der Schultheißbrauerei, die für Neueingestellte fortfallen würden.— Außer den Zugeständnissen in bezug auf Lohn und Arbeitszeit sind für die einzelnen Kategorien noch eine Reihe kleinerer Vor- teile erzielt worden. So sehr sich auch die Kommission dagegen sträubte, die Forderung einer Tarifdauer von 5 Jahren anzuer- kennen, so sehr hielten die Unternehmer gerade an dieser Forderung als einer Bedingung für den Tarif fest. Di« Kommission entschloß sich dann, mit diesem Ergebnis aller Verhandlungen vor die Ar- beiter zu treten und das Ersuchen zu stellen, die Zustimmung dazu nicht zu versagen. Zuerst wurde eine VertrauenSmännervcrsammlung einberufen, die folgende Resolution mit 138 gegen 74 Stimmen annahm: „Die heute am 8. Mai 1910 in der„Neuen Welt" versammel- ten Vertrauensmänner aller an der Lohnbewegung in den Lager- bierbrauereien beteiligten Organisationen beschließt, der heute stattfindenden Allgemeinen Versammlung der organisierten Brauereiarbeiter die Annahme der von dem Verein der Braue- reien gemachten Zugeständnisse zu empfehlen. Die Vertrauens- leute erklären, daß die Zugeständnisse keineswegs die gehegten Erwartungen befriedigen, sie sind aber der Meinung, daß durch einen Kampf weitergehende Zugeständnisse nicht erzielt werden können und die Aufnahme eines Kampfes daher nicht ratsam er- scheint." Der Massenversammlung lag diese Resolution der Vertrauens- leute vor. In der Diskussion wurde sie heftig bekämpft. Viele Stimmen erhoben sich für den Kampf mit den Unternehmern. Der Vorschlag der fünfjährigen Tarifdauer rief den stärksten Wider- spruch hervor, und die Versammlung lehnte mit großer Majorität den Tarif unter dieser Bedingung ab. S i e r i n g machte den Ver- sammelten nochmals den Ernst der dadurch geschaffenen Lage klar und empfahl die Annahme eines Antrages, nach welchem der Tarif auf Grund der gemachten Zugeständnisse angenommen wird, wenn er auf vier Jahre Geltung hat und die generelle Erhöhung der Löhne noch 2 Jahren eintritt. Mit sehr knapper Majorität stimmte die Versammlung diesem Antrage zu und ermächtigte die Kom- Mission, auf dieser Grundlage zu verhandeln eiter des Betriebes haben alle Veranlassung, zu diesen nicht gerade idyllischen Zuständen Stellung zu nehmen._■__ verantw. Redakt.: Richard p-rth, Berlin. Inseratenteil verantw.'.lft. Glucke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u. BerlagSanstgll Paul Singer ä: Co., Berlin S�V. Hierzu 3 Beilagen u.llnterhaltungSbl. l Die ringfreien Brauereien find zu einem Tarifabschlufi ge- neigt, sie werden sich aber nach dem Verlauf der Dinge in den Ring- braucreien richten.— In den Bierniederlagen werden dre Verhalts nisse noch geregelt werden; die Verhandlungen schweben noch. Die erhöhten Löhne, wie sie vom Verein der Brauereien be- willigt sind, sollen vom 1. April ab nachgezahlt werden. Zur ge- naueren Information über die Zugeständnisse in der Lohnfrage gab S i e r i n g die folgende Tabelle bekannt: Bewillgter Nach jetziger �.ohn o0�u Jahren N. M. M. Für Brauer und an deren Stelle Beschäftigte.,. 35 36,50 37,50 Für Böttcher-.... 35 36,50 37,50 Für Gärtner...... 28 30,50 31,50 Für Sattler, Maler, Lackierer 30 32,50 33.50 Für die Übrigen Handwerker 32— 34 34,50 35,50 Für Handwerker-Hilfsarbeiter 26 28,50 29,50 Für Maschinisten.... 31—33 33,50 34,50 Für Heizer...'... 29—31 31,50 32,50 Für Abschmierer und Kohlen- schiever....... 26-27 28,50 29,50 Für Flaschenkellerarbeiter. 25 27,60 28,50 Für Hosarbeiler..... 25,50 27,50 28,50 Für das Fahrpersonal ist zugestanden, daß den Faßfahrcrn 3000 M. und den Flaschenfahrern 2000 M. Jahreseinnahme garantiert werden. Für die Faßmitsahrer sind die Lohnsätze entsprechend dem angeführten Verhältnis: 25 M., 26,50 M., 27,50 M. nebst einer Provision von 7Z-- Pf. für verkauftes Bier. Bei den Flaschen- Mitfahrern sind die Lohnsätze: 25 M., 27 M., 28 M. Für die Re» servefahrer: 28 M.. 29,50 M., 30,50 M. Für die Stalleute: 28 M.. 29,50 M., 30,50 M. Für die Chauffeure 40 M. Für die..Diversen" und die Arbeiter im inneren Betrieb gelten ebenfalls die Zulagen von 1,50 M., die sogleich gezahlt werden, und von 1 M. nach 214 Jahren. Oeutlcbcs Reich. Metallarbeiteraussperrung zu Lünen(Wests.). Seit April stehen 50 Former der Firma Pothoff im An?« stand, weil sie sich die fortwährenden Lohnabzüge nicht mehr ge- fallen lassen konnten. Die anderen Metallindustriellen am Orte hatten angedroht, daß sie sämtliche Metallarbeiter aussperren würden, wenn die Former nicht bedingungslos die Arbeit wieder aufnehmen. Die Drohung ist jetzt zur Tat geworden. Die Eisen- greßerei Westfalia, die Lüncr Hütte Schultz u. Eo., die Eisen- gicßerei F l u h n, e u. L e n z. sowie Pothoff u. Fluhme haben ihre Betriebe geschlossen. Dadurch sind über 700 Familienväter aufs Stratzenpflaster gesetzt. Bon den Ausgesperrten sind zirka 400 or- ganisiert, zum größten Teil im christlichen Nietallarbeiterverband. ungefähr 300 Mann sind unorganisiert. Lünen, eine Stadt von 9000 Einwohnern, liegt hart an der Grenze des Münsterlandes, wo die Arbeiterorganisationen bisher noch wenig Eingang finicl» konnten. Charakteristisch an dieser Aussperrung ist, daß auch solche Arbeiter mit ausgesperrt wurden, die ihr Leben lang dem Werke ihre Arbeitskraft zur Verfügung gestellt haben. Es sind Arbeiter mit ausgesperrt, die im Alter bis zu 66 Jahren stehen, und solche, die 56 Jahre ununterbrochen auf dem Werke gearbeitet haben. Als Tank und Anerkennung für ihre lange Dienstzeit haben diese Leute vor zwei Jahren noch eine goldene Uhr vom Unternehmer erhalten, und vom Staate sind sie wegen 50jähri�er treuer Dienst- leiftung mit dem allgemeinen Ehrenzeichen dekoriert worden. Der Gärtnerstreik i» Remscheid ist mit Erfolg beendet! Die Gärtner haben in diesem Jahre äußerst zäh zu kämpfen, um ein paar Pfennige Lohnerhöhung zu erlangen. In Remscherd war für die Landschaftsgärtnerei ein Stundenlohn von 42 und 45 Pf.» für die sonstigen Betriebe 22 und 25 M. Wochenlohn gefordert worden. Tic Unternehmer hatten jedivede Verhandlung abgelehnt und ließen es zum Ausstaude kommen. Obschon 90 Proz. aller Gehilfen und Arbeiter am Orte organisiert waren und m den Ausstand traten, und obschon strikte Solidarität geübt wurde und kein Streikbruch vorkam, uird der geringe Zuzug von außerhalb stets abgefangen wurde, auch die Witterungsverhältnisse schr günstig waren, so hatten die Streikenden dennoch volle vier Wochen m>t ganzer Energie zu kämpfen, um ihre bescheidenen Forderungen durchzusetzen. Sic mußten eine Firma nach der anderen nieder» ringen. Als dann nach vier Wochen die Streikenden bis auf drei in den bewilligten Firmen untergebracht waren und deshalb der Streik sein Ende erreicht hatte, verblieben immer noch etwa die Hälfte der Betriebe, über die nun die Sperre verhängt wurde. Im ganze» wurde in diesem Kampfe vorläufig für 55 Beschäftigte eine Lohnerhöhung von 2 M. pro Mann und Woche herausgeholt. Lohn- erhöhungen in etwas bescheidener Grenze habe» allerdings auch die noch gesperrten Firmen eingeführt. Ausland. Bon den österreichischen Seeleute«. Ende April tagte in Trieft eine Konferenz der Seemanns» organisationen der östlichen Adriaküste, die sich sämtlich dem Trans- portarbeiterverband angeschlossen haben. Der Verbandsobmann, Reichsratsabgeordneter Genosse F o r ft n e r» Wien, nahm an der Konferenz teil. Die österreichischen Seeleute erfreuen sich noch nicht einmal der obligatorischen Kranken- und Unfallversicherung. Dafür existiert ein unter bischöflichem Patronat stehendes Seemannsheim, das von den Arbeitern bezeichnenderweise„easz, trappola"(Mausefalle) genannt wird. Die Konferenz forderte Ar- beiterschutz in dieser Verwaltung, und paritätische Leitung für den Arbeitsnachweis, Einbeziehung in die allgemeine Sozialversichc- rung. Herabsetzung des Jnvaliditätsalters von 65 auf 60 Jahro und Ausdehnung der Versicherung auf alle zwischen österreichischen Häfen diensttuenden Schiffe ohne Rücksicht auf deren oder der Mannschaft Nationalität.— Vertreter der elend lebenden Fischer von Trieft und Jstnen erbaten den Schutz der Organisation. Ge- fordert u. a. auch Ausdehnung der Gewerbeinspektion, die schon die Binnenschiffahrt umfaßt, auf die Seeschiffahrt. Ueber die Auf» gaben der Organisation sprach Genosse Forstner. Die Konferenz sei der Anfang einer intensiven Aufklärungsarbeit. Auch die an Zahl sehr schwachen ungarischen Arbeiter— der Hafen Fiume ist ungarisch— müßten sich anschließen. Abg. Oliva» Trieft versicherte die Konferenz des Beistandes aller sozialdemo- kratischen Arbeiter. Namens der italienischen Kameraden sprach Genosse T o d e s ch i n i für wahre Jnternationalität. Letzte Nacbricbtcn und Depcfcben. Bluttat und Polizeiknüppel. München, 9. Mai.(B. H.) Eine schwere Bluttat wurde in einem Schuhmacherladen in der Herrenstraße verübt. Ein bei dem Schuh- machermeister Wilbach bedienstetcr 25jShriger Schuhmacher geriet mit seinem Meister in Streit und versetzte ihm mit einem Schuster» messcr vier Stiche, durch welche der Meister schwer verletzt wurde. Der Täter wurde durch einen hinzukommenden Kriminalschutzmaun mit einem Polizeiknüppel niedergeschlagen und festgenommen. Tie Jungtürken gegen den Spitzel Schefik. Konstantinopel, 9. Mai.(W. T. B.) Die Kammer war heute der Schauplatz von Tumultszenen anläßlich eines Antrages auf Ver- öffentlichung sämtlicher den Araber Schefik betreffender im Uildiz aufgefundener Geheimberichte. Schefik steht bei den Jungtürken in dem Rufe, ein Spitzel des früheren Sultans gewesen zn sein. Der Großwesir erklärte, eine Entscheidung über die Veröffentlichung vor der UeberprÜfung des gesamten AildizarchivS fei unmöglich. Die Majorität stimmte dem Großwesir zu. iot- N. z-hrMg. it Keilllge des„Kmillts" Ktrlilltr Nsldsbllltt. � 10 � 1910 ---——-—,— Reichstag» 81. Sitzung vom Montag, den S. Mai, nachmittags 2 Uhr. Am BundeZratstisch: v. B eth mann«Hollweg, v. S ch oen, Kraetke, Dernburg. Mermuth. Vizepräsident Dr. Spahn bringt die Teilnahme des deutschen Volkes an der Trauer Englands aus Anlaß deS Todes König Eduards VIl. zum Ausdruck. Das Haus ehrt das Andenken des Königs Eduard durch Erheben von den Sitzen. Auf der Tagesordnung stehen zunächst Berichte der Budget» kommission über Petitionen. Entsprechend dem Antrage der Kommission werden die Petitionen, die zumeist Gehaltsaufbesserungen von Post- und Telegraphenbeamten und Arbeitern betreffen, der Regierung als Material oder zur Berück- sichtigung überwiesen. In dritter Beratung wird dann der Gesetzentwurf über die geschäftliche Behandlung des Gerichtsverfaffungsgesetzes, der Strafprozeßordnung und der Reichsversicherungsordnung (Diäten für die Mitglieder der Sommer-Kom- Missionen), sowie der entsprechende Nachtragsetat debattelos angenommen, und ebenso das Konsulatsgcbührengefetz und das Kolonialbcamtcngcsetz; zu letzterem werden auch zwei Resolutionen angenommen, in denen der Reichstag eine gesetzliche Regelung des Verfahrens vor den Disziplinarbehörden und die Möglichkeit des Wiederaufnahmeverfahrens im Disziplinarverfahren wünscht. Es folgen Petitionen. Eine Petition um Unterstützung deS Deutschen Schillerbundes wird nach kurzer Befürwortung durch den Abg. Pfeiffer(Z.) dem Reichskanzler zur Erwägung überwiesen. Die Petition des Zentralverbandes der Handlungsgehilfen und -Gehilfinnen Deutschlands(Sitz Hamburg),«die nötigen Schritte zur Herbeiführung einer A rb eitSl o s en v ersich e- r u n g in die Wege zu leiten," wird debatteloS dem Reichskanzler zur Erwägung überwiesen. Eine Reihe weiterer Petitionen wird debatteloS nach den Be« schlüssen der Kommission erledigt. Der katholische Arbeiterverein in Habelschwerdt, deffen Mitglieder zu zwei Dritteln Zündwarenarbeiter sind, und die Ar- beiter und Arbeiterinneu verschiedener Zündwarenfabriken petitionieren um Entschädigung in der arbeitslosen Zeit, die durch das Zündwarensteuergesetz herbeigeführt ist. Die Kommission beantragt, diese Petitionen dem Reichskanzler zur Berücksichtigung zu überweisen. Abg. Dr. Osann(natl.): Ueber das Zündwarensteuergesetz vom vorigen Jahre sind von feiten der Unternehmer und Arbeiter der Zündhölzerindustrie und verwandter GewerbSzweige zahlreiche Klagen eingelaufen. Hier haben wir es zu tun mit Petitionen von Zündholz- arbeitern und zwar aus den verschiedensten Teilen Deutschlands, die durch den starken Produktionsrückgang infolge der Steuer- gesetzgebung schwer geschädigt worden sind. Es ist eine Ehrenpsticht, diesen Leuten zu helfen, und so ist denn zu hoffen, daß der Reichstag möglichst einstimmig dem von der Kommission mit großer Mehrheit beschlossenen Antrage beiweten wird.(Beifall links.) Abg. Brey(Soz.): Wir wünschen, daß der Reichstag nicht nur die Petitionen dem Reichskanzler zur Berücksichtigung überweist, sondern daß er sich auch dafür einsetzt, daß diese Berück- sichtigung auch wirklich stattfindet und die er« betene Entschädigung gewährt wird. Wir haben schon bei der Beratung der Finanzreform auf die verhängnisvollen Wir- kungen des Gestzes hingewiesen und das Elend vorausgesagt, das über zahlreiche Zündholzarbeiter hereinbrechen werde. ES ist eine Ehrenpflicht gerade auch der Parteien, die aller Warnungen un- geachtet diese a r beiterfeindliche Steuer beschlossen haben, jetzt für Entschädigung der davon betroffenen Aernrsten derArmen zu sorgen. Unsere Voraussagen über den Rückgang der Produktion sind nicht nur eingetroffen, sondern von der Wirklichkeit noch weit übertroffcn worden. Ueberall wurden sehr erhebliche Feierschichten ein- gelegt, viele Fabriken mußten zeitweise ganz still gestellt werden. Für die Arbeiter ergab sich überall Verringerung des Lohnes, Verschärfung des Elends. An der Spitze der Petenten marschiert der katholische Arbeiterverein in Habelschwerdt. Er muß das Elend, um dessen Beseitigung er jetzt petitioniert, auf das Schuldkonto des Zentrums schreiben, der führenden Partei im schwarz« blauen Steuerblock. Unseren Antrag, die Zündholzarbeiter zu ent- schädigen, hat da« Zentrum damals abgelehnt.(Zurufe im Zentrum.) Daß Sie angesichts dieser vom Zentrum geschaffenen Lage, angesichts dieses großen Elends noch ironische Zurufe machen, wird draußen im Lande ge« hört werden, Herr Becker I(Sehr richtig I bei den Sozialdemo- kraten, Unruhe im Zentrum.) Das Zentrum hat den Jammer ver- schuldet, über den jetzt die katholischen Arbeiter von Habelschwerdt klagen i aber als wir auf diese notwendigen Folgen der Steuer- Politik des Zentrums hinwiesen, sagte Herr Erzberger, die beste Fürsorge für die Zündholzarbciter sei die Einschränkung der Pro- duktion.(Hört I hört! bei den Sozialdemokraten.) DaS Reich ist Kleines feuilleton» Mit Franz Nikolaus Finck, dem Privatdozenten für Sprach- Wissenschaft an der Berliner Universität, der am letzten Freitag im besten Mannesalter ganz unerwartet verstorben ist, ging ein außer- gewöhnliches Sprachgenie dahin, und die Lücke, die sein Tod dem Lehrkörper der Berliner Universität geriffen. ist vorläufig überhaupt nicht auszufüllen. Als er im Jabre 1S03 die ersten Vorlesungen ankündigte, lasen wir mit ungläubigem Staunen, daß ein und der- selbe Herr indogermanische, Bantuneger- und polynesische Sprach- kurse abhalten wollte. In den Kreisen der Fachgelehrten, besonders bei den exotischen Philologen, galt er als wandelnde Universal- grammatik und als lebendes Lexikon und wurde als solches von ihnen wie von den Studenten auch in entsprechender Weise ge-, ge- legentlich auch mißbraucht. Uebersetzungen aus dem Chinesischen ins Arabische, vom Eskimonischen ins Papuanische, vom Mexikanischen in irgend einen Zigeunerdialekt waren für diesen Gelehrten ein Kinderspiel. Neben seinen Sprachstudien, bei denen er sich mit der bloßen Kenntnis einer Sprache nicht begnügte, sondern sie in ihrem Wesen zu erfassen und in ihren Zusammenhang mit anderen ein- znreihen suchte, fand er immer noch Zeit zu wissenschaftlichen Veröffentlichungen und zur Herausgabe einer Anzahl von Werken. Vor zehn Jahren wurde er in weiteren Kreisen durch sein Buch „Der deutsche Sprachbau als Ausdruck deutscher Weltanschauung" bekannt. In diesem Jahre erschienen in der Sammlung„AuS Natur und Geisteswelt" zwei Bändchen aus seiner Feder„Die Haupttypen des Sprachbaues" und„Die Sprachstämme deS Erd- kreises", die zwar eine Menge anregender Gedanken enthalten, aber leider zu fachwissenschaftlich gehalten sind, so daß selbst der gebildete Laie sich nur mit großer Mühe durch die Menge des hier gebotenen Materials hindurcharbeiten kann. eg. Theater. Schiller-Theater:„Die Liebe wacht", Lustspiel von Caillavet und Flers. Kein Schlager ersten Ranges� wie die famose, aus den Lessing-Theateronfführungen bekannte Kvnigsposse der beiden Autoren, ragt immerhin auch diese zuerst im Trianon gespielte Komödie weit über das Niveau der landläufigen Pariser Bühnenfabrikate hinaus. Das in Dumas„Francillon" ernst und m scharf polemischer Zuspitzung gegen die korrupte Ehemännermoral behandelte Thema, daß eine Frau, die ihren Gatten liebt, seine verpflichtet, den Zündholzarbeitern Hilfe zu gewähren; es handelt sich dabei nur um eine verhältnismäßig geringe Zahl und um eine verhältnismäßig geringe Summe. Aber die Frage, woher diese Mittel zu nehmen sind, darf nicht als Vor- bedingung für die Unterstützung aufgeworfen werden, es ist viel- mehr eine Ehrenpflicht des Reiches, die armen Opfer einer ver- fehlten Politik nicht im Elend verkommen zu lassen. Ich bitte Sie, einstimmig dem Beschluß der Kommission beizutreten, und die Re- gierung möge recht bald dem Wunsch der Petenten entsprechen und Hilfe leisten, denn die Not unter den Arbeitern ist groß.(Bravo I bei den Sozialdemokraten und Händeklatschen auf der Tribüne.) Abg. Sachse(Soz.): Auch ich möchte gleich meinem Freunde Brey den ironischen Zwischenruf, der aus den Reihen deS Zentrums erfolgte, festnageln und auf das entschiedenste zurückweisen. Die Ausführungen der Vorredner über das Elend, das infolge jener verfehlten Steuer- gesetzgebung über die Zündholzarbeiter hereingebrochen ist, kann ich ans Grund speziell in Schlesien gemachter Beobachtungen bestätigen. Himmelschreiend ist die Rot in diesen Kreisen der Aermsten der Armen. Ich bitte dringend um möglichst einstimmige Annahme des Kom- missionSantrageS. Es handelt sich nicht um Millionen, sondern nur um ein paar Hunderttausende. Das Reich muß diese Summe übrig haben I Ganz besonders ist es die Pflicht der Parteien, die diese ver- hängnisvolle Steuer beschlossen haben, für die Entschädigung der von ihr betroffenen blutarmen Leute zu sorgen.(Lebhafter Bei- fall bei den Sozialdemokraten.) Abg. Beckcr-Arnsberg(Z.) erklärt, daß er nicht bei der Schilde- rung der Not der Arbeiter ironische Zwischenrufe gemacht habe. Abg. Sachse(Soz.): Ich stelle fest, daß ironische Zurufe aus dem Zentrum er- folgten, als mein Freund Brey die Notlage der Zündholzarbeiter schilderte(Hört I hört I bei den Sozialdemokraten), und daß sich Herr Becker unter den Zurufern befand. Der Kommissionsantrag wird ein st immig angenommen- Eine Petitton des Wirkl. Geh. Kriegsrats Uhlenbrock bittet 1. um Einsetzung einer parlamentarischen Kommission zur Unter- suchung der Dienstverhältnisse der Militärintendanten, 2. um ander- weitige Regelung der Rechtsverhältnisse der Militärintendanten, S. um Entschädigung deS Petenten selbst, der gesetzwidrig ab- gesetzt sei. Die Kommission beantragt, Punkt 1 und 2 zur Erwägung zu überweisen, über Punkt 3 zur Tagesordnung überzugehen. Abg. Sommer(Fortschr. Vp.) begründet einen von der gesamten Linken unterstützten Anttag: die gesamte Petition zur Berücksichtigung zu überweisen. Redner bedauert lebhast, daß bei dieser Debatte kein Regierungsvertreter an- wesend sei. Abg. Erzberger(Z.): Ich kann mich diesem Bedauern nur an- schließen. Wir sollten wirklich die Wciterberattmg der Petition vertagen, bis ein Vertreter des Kriegsministeriums erscheint. (Sehr richtig I> Handelt es sich doch hier um die außerordentlich wichtige Frage, ob das Kontrollrecht des Reickstages über die Verwendung gewisser Ausgaben des Militäretats dadurch gewahrt werden soll, daß verantwortliche Beamte über die Ausgaben bei Bauten usw. zu bestimmen haben. Nach der Anschauung des Kriegsministeriums nämlich unterstehen die Militärintendanten nicht nur dem Kriegs- Ministerium, sondern persönlich auch dem kommandierenden General. Dadurch kommen die Intendanten natürlich vielfach in Zwiespalt mit ihren Pflichten, weil sie die Wünsche deS kommandierenden Generals erfüllen müssen. Wir schließen uns dem Antrage der Petitions- kommission an. Es würde das beste sein, daß die Herren von der Linken ihren Antrag Zurückziehen. Dann würde sich vielleicht ein einmüttges Votum des Plenums erzielen lassen und eine solche Ein- mütigkeit würde am meisten geeignet sein, beim Bundesrat Eindruck zu machen.(Beifall im Zentrum.) Abg. Dr. Weber(natl.) schließt sich dem Bedauern der Vor- redner über die NichtVertretung des Kriegsministeriums an. Die Frage ist von prinzipieller großer Wichtigkeit. Es empfiehlt sich vielleicht, die Sache zu vertagen. Die ganze Petition zur Be- rücksichtigung zu überweisen, geht doch wohl nicht an. Wir müssen darauf bestehen, daß die wichtige Angelegenheit in Gegenwart von Vertretern des Kriegsmini st eriums behandelt wird.(Lebhafte Zustimmung.) Abg. Bclzer(Z., Vorsitzender der PetitionSkommisfion) beantragt, die Petition von der Tagesordnung abzusetzen. Abg. Sachse(Soz.): Wir schließen uns diesem Antrage an und müsien ebenfalls unser außerordentliches Befremden darüber zum Aus- druck bringen, daß das Kriegsministerium nicht für nötig befunden hat, sich bei der Erörterung cmer Angelegenheit von dieser prinzipiellen Wichtigkeit hier vertreten zu lassen. Wir erwarten, daß, wenn im Herbst diese Petitton wieder aus der Tagesordnung stehen wird, ein Vertreter des Kriegs», inisteriumS am Bundesratstische sitzen wird. (Lebhafte Zustimmung.) kränkende Untreue mit gleicher Münze heimzuzahlen beschließt, wird hier etwas frivol, doch äußerst witzig uud obendrein mit feiner psychologischer Beobachtung ins Lustspielmäßige gewendet. Noch einem ziemlich lahmen ersten Akt, setzt die Erfindung dann in um so flotterem Tempo ein. Jacquelines Charakter ist geschickt von vornherein so angelegt, daß sie trotz ihrer überschwänglich naiven Liebesseligkeit moralisch doch mit ihrem Bonvivant von Gatten un- gefähr al pari steht, ja, ihn bei allen Chancen stürmisch sprudelnden Temperaments an rücksichtslosem Egoismus womöglich übertrifft. So bleibt ein Mitleid, das die Komödienstimmnng stören würde, ausgeschaltet und amüsiert schaut man dem Spiel als einem Spiel von Gleichen zu. Ja- den Szenen mit dem schüchternen, sie schwärmerisch verehrenden Herrn Auguste, den Jacqueline sich als Revancheliebhaber erkoren, dessen unüberwindlich lächerliches Aus- sehen sie aber wieder auf den Pfad der Tugend leitet, erreichte die Komik ihren Gipfelpunkt. Die beiden Hauptrollen: das blind ver- liebte hübsche Trotzköpfchen, das um des geliebten Hohlkopfes Andrä willen im Handumdrehen Ehrenworte gibt und bricht, wie der ge- prellte sentimentale Büchcrmensch kamen in der Darstellung Helene Almas und Reinhold K ö st l i n S vorzüglich zur Wirkung. Das Publikum quittierte für den vergnügten Abend mit reichem Beifall. dt. Humor und Satire. Roosevelt. Stets mit wichtiger Geberde Und geladen das Gewehr, Stromert Teddy um die Erde, Ein Reklame-Abasver. Rastlos mit dem alten Juden Um die Wette läuft er Trab, Seine Zelte, seine Buden Laut er auf und bricht er ab. Redner heute, morgen Jäger, Uebermorgen Diplomat. Fühlt er sich so recht als Träger Im modernen HuinbugSstaat. Unbegrenzte Möglichkeiten Deichselt er mit flinker Hand; Welch ein Glück: nun seh' ich schreiten Ihn auch forsch durch Preußenland l Der Antrag Sommer wird zurückgezogen und der Antrag auf Absetzung der Angelegenheit von der Tagesordnung wird ein st immig angenommen. Die Petitionen betreffs Bau einer dritten Vogesen« bahn beantragt die Kommission teils zur Berücksichtigung, teils zur Erwägung zu überweisen. Abg. Wcttcrlo(Elf.) tadelt die. laue Haltung der Regierung gegenüber dieser wichtigen Bahnsrage und tritt für Berücksichtigung Colmars bei Schaffung einer neuen Verbindung mit Frankreich ein. Abg. Emmel(Soz.): Der Kollege Wetterlä hat die Angelegenheit durchaus vom Standpunkte seines Wahlkreises aus betrachtet Dem all« gemeinen Interesse des Elsaß entspricht es sicher mehr, daß ent- sprechend der Petition der Mülhansener Handelskammer die Ver- bindung von Mülhausen ausgeht. Mülhausen ist der Sitz hochwichtiger Industrien und hat den allerersten Anspruch, bei der neuen Perbindung mit Frankreich berücksichtigt zu werden. Wenn ich also in diesem Punkte von dem Vorredner abweiche, so stimme ich darin völlig mit ihm überein, daß die Interesselosigkeit der Regierung in dieser Frage aus das schärf st e mißbilligt werden muß. In den Reichslanden herrscht über diese Vernachlässigung eine sehr begreifliche Erbitterung. Ich muß dringend bitten, daß mehr Dampf hinter die Sache gesetzt wird.(Beifall bei den Sozialdemokraten.) Der Antrag der Kommission wird angenommen. Damit ist die Tagesordnung erschöpft. Nächste Sitzung: Dienstag 1l Uhr.(Zweite Lesung des Kaligesetzes.) Schluß 6 Uhr._ „flus dem roten Sumpf." Unter dieser Ueberschrift und dem Untertitel„Wie eS in einem nicht ganz kleinen Zentralverband her« geht" erschien im August 1909 im Verlage von Fritz Kater« Berlin eine von Karl Roche verfaßte Broschüre, in welcher der als Hilfsarbeiter im Zcntralvorstande des Verbandes der bau« gewerblichen Hilfsarbeiter beschäftigt gewesene, aber wegen triftiger Dinge entlassene Verfasser seine zweijährigen Beobachtungen im Zentralvorstand in breiter Weise niedergelegt hat. In dieser Broschüre werden dem Vorstande, namentlich Behrendt, Töpfer und W r e d e, die schwersten Vorwürfe gemacht: Verheimlichungen von Betrügereien und un« berechtigte Entlassungen von Hilfsarbeitern. Ferner sind darin die Ausdrücke enthalten:„Unehrlichkeit". „Aufgeblasenheit",„Wurschtigkeit",„Trägheit", „Rücksichtslosigkeit",„Unfähigkeit" und andere Liebens- Würdigkeiten. Von den Instanzen, auf die ihn das„Hamburger Echo" bei Ablehnung seines„Eingesandt" verwiesen, will Roche nichts wiffen, weil diese in der Hauptsache aus bezahlten Beamten bestehen. „Eine Krähe hackt der anderen die Augen nicht auS". Der„alte Parteigenosse" Roche wählte also einen anderen Weg: er trug die vermeintlichen Mißstände im„roten Sumpf" ins Lager der Gegner. Mit einer wahren Wollust wühlten die gegnerischen Blätter, denen Rezensionsexemplare zugingen, in dem„roten Sumpf" umher. Die„Freisinnige Zeitung" hielt die Angaben des entlassenen Roche für wichtig genug, um sie in einem langen Leitartikel gegen die«Partei der Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit" zu verwerten, obwohl daS„freisinnige" Hauptorgan einleitend ausführte, man dürfe nicht alles glauben, was ein entlassener Hilfsarbeiter ad irato sage.— Auch scherzhafte Aeußerungen, charakteristische Gepflogen« heiten einzelner, die mit der Sache gar nichts zu tun haben, werden der ob solcher Verworfenheit im roten Lager erstaunten Mitwelt erzählt. Roche konnte da nicht mehr mitmachen; nachdem er„seine" Ideale zu Grabe getragen, wurde er Anarchosozialist und Kampf- genösse der bürgerlichen Blätter, der gelben und blauen Gewerk- schafter gegen den verworfenen„roten Sumpf". Zur Vervoll» ständigung dieser Kampfesweise sei noch kurz mitgeteilt, daß die Reichs- und sonstigen Verbändler die Broschüre R o ch eS bei derReichstags- Nachwahl in Halle und bei der Stadtverordnetenwahl in Wandsbeck als Agitationsmaterial gegen die Sozialdemokratie verwerteten. Die genannten Vorstandsmitglieder beschritten gegen Roche und Kater den Klageweg, um vor Gericht festzustellen zu lassen, was an diesen Angaben wahres ist. Die Verhandlung fand am Sonnabend vor dem Schöffengericht Hamburg statt. Sie dauerte den ganzen Tag. Der Verteidiger der Beklagten, Rechtsanwalt Dr. Fraenkel- Berlin, erlaubte sich einige Anwürfe gegen unsere Partei, die von dem Rechtsbeistand der Kläger, Dr. Türkheim» Hamburg, zurückgewiesen wurden. Die Tatsache, daß Genosse Theaters gedenkt ihre Tätigkeit mit einer Feier für Björnson zu er- öffnen. Der erste Teil des Dranias„Ueber unsere Kraft" ist zu einer einmaligen Aufführung freigegeben. — Der Verband der Berliner Theaterleiter teilt mit, daß er dem Verein der Berliner Theaterbesucher keine Ver- günstigungen gewähren werde. Der Verein scheint solche seinen Mit« gliedern bereits in Aussicht gestellt zu haben.— UebrigenS ist eS noch keineswegs ausgemacht, ob die Theaterdirektoren einer kräftigen Organisation, die eine regelmäßige, große und sichere Billett- abnähme garantieren könnte, nicht entgegenkommen könnte und müßte. — Als unsicherer K a n t o n i st erweist sich immer mehr der Halleysche Komet. Seit Jahr und Tag wird er mit einer Liebe und Sorgfalt in der Presse, de» Zeitschriften, Büchern und im Alltagsgespräch behandelt, daß wir wirklich mehr Entgegenkommen von ihm erwarten konnten. Er narrt uns. Sein Kern nimmt nach den neuesten Beobachtungen gar nicht mehr an Helligkeit zu und der Schweif ist sehr unbedeutend. Dazu werden die BcobachtungS« bedingungen bald wieder ungünstiger. Und ob er in der zweiten Hälfte des Mai am Abendhimnrel mehr Glanz entfalten wird, ist sehr fraglich. — Bevolkerungs statt st ikderVereinig tenStaaten AuS Nelv Jork wird berichtet: Auf Grund der bisher gewonnenen Ergebnisse der Volkszählung schätzt das amerikanische statistische Amt die heutige Bevölkerung der Vereinigten Staaten auf 91 424423 Seelen. Allein in den letzten zehn Jahren ist die Bevölkerung der Vereinigten Staaten um 15121936 Seelen gewachsen. Die größten Städte Amerikas sind nach der neuen amtlichen Schätzung New Dork mit 4 563 603 Einwohnern, Chicago mit 2 2S2 726 und Philadelphia mit 1 540 429 Bewohnern. Hier, o Teddy, lernst du schnelle. Wenn die Müh' dich nicht verdrießt, Kaum zwar, wie man Löwenfelle, Aber wie man Böcke schießt. Ha, schon find' ich in der„Woche" Dich effektvoll konterfeit Als den Posa der Epoche, Und Don Wilhelm dir zur Seit'. _ Michel. Notizen. — Theaterchronik. Die Sommerdirektion des Deutschl Töpfer HauSöesitzer ist. venutzte Dr. F r a e n I e l als„Waffe', indem er fragte:„Halten Sie den Besitz von Mietshäusern, aus denen Sie einen Teil Ihres Einkommens beziehen, für vereinbar mit der Stellung eines das Privat- eigentum bekämpfenden Arbeiterführers?'— Nun die schweren Vorwürfe R o ch e s. Der äußerst' objektive Borsitzende wollte nicht nur allgemeine Redensarten hören, sondern auch wissen, worin die furchtbaren Vergehen der Angegriffenen bestehen. Er fragte Roche: Sind Sie noch Sozialdemokrat? Roche: Demokrat bin ich nicht mehr, Marxist ja. Ich bin Individualist, iveil die Demokratie das nicht bringt, was ich mir darunter vorgestellt habe. Der Vorsitzende fragte weiter, weshalb Roche sich nicht an die Parieiinstanzen gewandt habe. Nach der Schilderung N o ch e s müssen diese Instanzen auS erbärmlichen Schuften bestehen. Was nun Roche vorbrachte, waren„olle Kamellen". Der frühere durch Selbstmord geendete Hauptkassierer Lange hat etwa 1500 M. unterschlagen, die sein Sohn auf Heller und Pfennig ersetzt hat. Wie die damaligen Revisoren erklären, ist diese Sache nie ver- heimlicht worden. Die fabelhaften Summen, die nach der Be- hauptung N o ch e s„abhanden" gekommen sein sollen, waren Rechen- fehler, die durch die Uebernahme in andere Hände entstanden waren. Die Revisoren erklären, das sei dem stets herumlauschenden Roche bekannt gewesen. Er behauptet, er sei entlassen worden, weil er empört gewesen sei über die Maßregelung des im Zentralvorstande beschäftigt gewesenen Hilfsarbeiter? Zeisig, der, nebenbei be- merkt, gegen die Vorstandsmitglieder intrigiert und diesen vor- geworfen hat, sie versteuerten nicht ihr richtiges Ein- kommen, was sich als unwahr herausstellte. Der„Idealist" Roche war, wie er selbst sagte, schon nach dreimonatiger Tätigkeit im Zentralvorstande mit den Vorstandsmitgliedern„innerlich zerfallen", weil diese nicht mehr„innerlich zur Arbeiterbewegung gehörten". Dr. Türkheim bemerkte hierzu sarkastisch:«Der Idealist Roche, der schon nach so kurzer Zeit innerlich zerfallen war mit dem Vorstande, plätscherte noch ein und dreiviertel Jahr weiter in diesem Sumpf herum und würde noch jetzt munter darin umherplätschern, wenn er nicht aufs Trockene gesetzt worden wäre." Wie aus der langen Beweisaufnahme hervorgeht, ist es gerade Töpfer gewesen, der, obwohl er vor R o ch e gewarnt worden war, über diesen die Hand gehalten, ihn zweimal auS dem Sumpf hinausgezogen hat sN o ch e hatte sich in seinen früheren Stellungen infolge seine« persönlichen Verhaltens unmöglich gemacht), wofür ihm sein Protogs„ewig dankbar" sein wollte. Unter feierlicher Bekräftigung gelobte Roche Besserung und wurde Hilfsarbeiter im Vorstande. Das alles schilderte Töpfer, hinzufügend. Roche habe aus Dankbarkeit sofort intrigiert. Der„Idealist" Roche spielte vor Gericht eine sehr klägliche Rolle. Alles gelang ihm glänzend vorbei. Der Schlüssel zu seinem Vorgehen ist, baß er nicht schnell genug avancierte. Er wollte der Tonangebende sein. Der entlassene Zeisig meinte, in einem solchen Betriebe dürfe es nur völlig Gleichberechtigte geben. Der Zeuge will also keine Leitung anerkennen. Borsitzender: Weiter haben Sie nichts vorzubringen? Zeuge: Ja, man könnte ja noch viele Kleinigkeiten vorbringen. So geht'S noch eine Weil« fort. Doch lasten wir das Gericht sprechen: Der Angeklagte Roche wird zu 200 M., K a t e r zu S0 M. Geldstrafe verurteilt, die Widerbeklagten(diese haben in einer Erklärung im Verbandsorgan den„Roten Sumpf" beleuchtet) werden freigesprochen. Die Verhandlung habe nichts für die in- kriminterten Behauptungen ergeben, der Wahrheitsbeweis sei miß- lungen. Die Kläger hätten selbst mit der Kastenführung Langes nichts zu tun gehabt. Abgesehen von dem Fall Lange, für den die Kläger nicht verantwortlich seien, handle es sich nur um einige Rechenfehler. In jedem größeren Betriebe, auch in sozialdemokratischen, müsse eine Leitung sein und Ordnung herrschen, könne nicht jeder tun was e r w o l l e. Trotz der Schwere der Beleidigung sei von einer Gefängnis» strafe abgesehen worden, weil der Angeklagte Roche die Broschüre in der Erregung über seine Entlastung geschrieben habe. Kater habe sich erkundigt, ob die Angaben wahr seien; mehr könne man von einem Verleger nicht verlangen, weshalb gegen ihn auf eine niedrigere Geldstrafe erkannt worden sei. Wir gratulieren den ReichSvervändlern zu ihrem interestanten „roten" Bundesgenossen i_ flerzlllclK Irrungen. Am 0. März wiesen wir auf die sibweren GesundheitSschödt. gnngen hin, denen Bergarbeiter durch die neuen technischen Ein- richtungen— vor allem die sogenannten„Schüttelrutschen" und die automatischen Bohrhämmer ausgesetzt sind. Wie wenig diese Wirkungen von manchen Aerzten bislang erkannt sind, zeigt ein kürzlich verhandelter Unfallprozeß. Im Januar 1003 hatte der Bergmann©ch, auf der Gustav- Grube zu Rothenbach in einem zirka 1,30—1,50 Meter hohen Flötz das Hangende mit einer der neuen Pneumatischen Bohrmaschinen anzubohren. Bei der Arbeit des Bohrens trat Plötzlich ein so heftiger und schwerer Blutsturz ein. daß©ch. sofort die Grube ver- lassen mußte. Er hat nicht wieder gearbeitet. Am 14. Juli 1908 erlag er in einer Heilstätte, in welche ihn die LandeSversicherungs- anstatt geschickt hatte, einem weiteren Blutsturz. Bereits vor dem Unfall war er von einer leichten Lungenblutung befallen gewesen. Die Hinterbliebenen, Witwe und 5 Kinder, erhoben an die Berufsgenossenschaft Anspruch auf Hinterbliebenenrente. Die Bcrufsgenostcnschaft lehnte den Anspruch ab. In den Gründen heißt es: Es habe keine Uebevanstrcngung vorgelegen, der tödliche Blutsturz habe mit dem im Januar erlittenen nicht in Verbindung gestanden: der Tod sei nicht Folge des Unfalles. Der behandelnde Arzt hatte erklärt, es sei wohl anzunehmen, daß die Ueberanstttngung beim Heben und Arbeiten an der Bohrmaschine die Blutung veranlaßt habe. Die eigentliche Ursache habe wohl in einer versteckten inneren Lungenerkrankung gelegen. Stehe auch die Ueberanstrengung an der Bohrmaschine nicht in ursächlichem Zusammenhang mit dem Tode, so laste sich doch ein gewisser Ein» fluß derselben auf das Leiden und den Ausgang nicht absprechen. In der schiedsgerichtlichen Berhandluna erklärte der ärztliche Sachverständige des Schiedsgerichts, ein Geheimer Medizinalrat, es als sehr wohl möglich, daß durch die Anstrengung bei der nicht ganz intakten Herztätigkeit und der bestehenden Lungenerkrankung die Lungenblutung eingetreten sei. Ein als Beisitzer anwesender Obersteiger erklärte, daß die Bohrhämmer zur Zeit des Unfalls erst kurze Zeit in Gebrauch gewesen seien und die Arbeit mit einem kalchen, namentlich wenn sie von einem damit noch nicht geübten Bergmann verrichtet werde, als eine schiverc bezeichnet werden müsse, da bei derselben ber ganze Körper in Erschütterung komme. Das Schiedsgericht nahm eine Besichtigung der Unfallstelle und eine Vorführung der Arbeit mit dem Bohrhammer vor. Das hierüber aufgenommene Protokoll besagt:„Zur Bergegenwärti- gung dcS Unterschiedes, welcher sich darin geltend macht, ob gegen das Hangende, gegen den Mittelstoß oder gegen unterliegende Kohle angebohrt wird, wurde nach den 3 Richtungen hin gearbeitet. Es zeigte sich, daß namentlich bei dem Bohren gegen da? Hangende, bei welchem der Bohrende gezwungen ist, in kniender Stellung, den Bohrer gegen die Leistenbeuge gestemmt, zu arbeiten, der ganze Körper nachhaltig erschüttert wird. Bon der Hochgradig- lest der Erschütterung haben sich sowohl der Bergastessor E., wie der unferzcichiicte Vorsitzende, die selbst den Bohrer geführt haben, persönlich überzeugt." Ein Aufseher bekundete, daß das Bohren zu Anfang, d. h. so lange man noch keinen genügenden Stützpunkt gefunden habe, ungleich schwieriger und anstrengender sei, als später, wenn der Bohrhammer schon einige Zeit ins Gestein eingedrungen sei. Zwei andere Zeugen bekunden, daß der Bohrhammer 43 Pfund schwer gewesen sei. Trotz dieses Befundes gelangte der nun geHärte Sachverständige Professor Alexander in Breslau zu einem den Hinterbliebenen ungünstigen Gutachten. Der Gutachter kam zu dem Ergebnis, daß die Möglichkeit, aber nicht die Wahrscheinlichkeit eines Zu- sammenhanges der während der Arbeit erfolgten Lungenblutung mit dem Tode vorliege. Zu diesem Ergebnis gelangte der Arzt auf Grund von Deduktionen, die sich nicht durch Logik auszeichnen, aber eine verblüffende Weltfremdheit bezüglich der Dinge zeigen, ohne deren Kenntnis ein ärztliches Gutachten wertlos ist. Der Professor führt aus: Zur Entstehung der Lungenblutungen bei bestehender Lungentuberkulose sei irgend eine äußere Einwirkung auf den Körper des betreffenden durchaus nicht notwendig, na- mentlich sei dazu dringend eine Verletzung oder Erschütierung des Körpers oder eine Anstrengung nicht erforderlich. Lungenblu» tungen trete» bei Personen, welche körperliche schwere Arbeit ver- richten, nicht häufiger auf, als bei solchen Personen, welche niemals Veranlassuna hätten, sich körperlich anzustrengen. Sie träten während der Arbeit nicht häufiger auf, als nach der Arbeit und ein großer Teil dieser Lungenblutungen ereigne sich bei solchen mit Tuberkulose behafteten Personen, welche zur Zeit der Blutung im Bette liegen oder selbst schon längere Zeit dauernd im Bette geleegn hätten. Der Zeitpunkt, an welchem die Blutungen stattfinden, sei dem Zufall unterworfen. Sie treten mit dem Augen- blick ein, in welchem die Zerstörung der Gefäßwandung durch den Krankheitsprozeß vollendet werde. Und das könne natürlich zu jeder Zeit geschehen. Die ungeheure Mehrzahl aller Lungenblutungen bei Tuber. knlose sei von äußeren Einwirkungen auf den Körper völlig un- abhängig und hänge lediglich mit dem Fortschreiten des Reaktions- Prozesses nach einer bestimmten Richtung hin zusammen, welche mit einer Verschlimmerung des ganzen Krankheitsbildes durchaus nicht einhcrzugehen brauche, so daß dir Blutung für den Kranken, für seine Umgebung und für den Arzt überraschend auftreten. Dennoch könne die Möglichkeit, daß in einem einzelnen Falle einmal die infolge des Krankheitsprozeffcs schon unmittelbar dro- hende Blutung in einem gegebenen Augenblick hervorgerufen, ge- wissermaßen ausgelöst werde, nicht völlig in Abrede gestellt werden. Man könne sich vorstellen, daß unter dem Einfluß einer Quetschung oder Erschütterung des Körpers oder durch eine schwere Anstrengung die schon in Vorbereitung begriffene Eröffnung eines Gefäßes durch den Krankheitsprozeß vollendet, daß die schon ver- dünnte Gefäßwand völlig durchtrennt werde. Es sei dies aller- dings eine mehr theoretische Feststellung, welche daS Eintreten von Lungenblutungcn bei oder unmittelbar nach den genannten Ein- Wirkungen erklären solle, durch ärztliche Erfahrungen und wissen- schaftliche Beobachtungen sei diese Feststellung allerdings nicht aus« reichend gestützt. Immerhin könne in einem einzelnen Falle die Möglichkeit, daß in der geschilderten Weise eine Lungenblutung bei einem an Tuberkulose erkrankten Menschen durch eine Erschütterung des Körpers oder durch eine schwere Anstrengung herbeigeführt werde, nicht ausgeschlossen werden. Die Wahrscheinlichkeit für die angedeutete Möglichkeit werde im einzelnen Falle um so größer sein, je größer die Erschütterung des Körpers oder die Anstrengung bei der Arbeit gewesen sei. DaS oft wiederholte Heben eines Gewichts von 21,5 Kilo- gramm und das Anstemmen eines schweren Bohrer? und'die Handhabung des Bohrers gegenüber schwerem Gestein, noch dazu in unbequemer Körperstellung und bei noch nicht ausreichender Einübung für die Arbeit, bestimmten den Proseffor allerdings zu der Auffassung, daß die bei der Arbeit deS Sch. am Unfallstage notwendige Anstrengung doch immerhin eine recht bedeutende gc- Wesen sei, wenn sie auch wahrscheinlich über daS in dem betref» senden Betriebe übliche Maß von Anstrengung nicht hinausging. Die Anstrengung fei groß genug gewesen, um die Möglichkeit, daß diese Anstrengung bei einem zur Lungenblutung disponierten, an Tuberkulose erkranlten Menschen den Ausbruch der Blutung beschleunigt ooer herbeigeführt, zugeben zu muffen. Die Frage aber, ob es wahrscheinlich sei. daß, wenn Sch. am 11. Januar 1908 die fragliche Arbeit nicht verrichtet hätte, die Blutung nicht erfolgt wäre, könne er keineswegs mit einem Ja beantworten. Dennoch sei die Möglichkeit, daß die Lungcnblutung vom 11. Januar 1908 mit der an diesem Tage von Sch. verrichteten Betriebsarbeit ur- sächlich zusammenhänge, nicht ausgeschloffen, aber ein höherer Grad von Wahrscheinlichkeit für diese Annahme sei nicht vor- handen. Die Witwe wurde auf Grund dieses Gutachtens in beiden Instanzen abgewiesen. Nun hungert die Witwe, nun hungern ihre fünf Kinder, weil Aerzte und Richter auch nur Menschen sind, die sich irren können. Irrig ist da» Alexandersche Gutachten und irrig sind die auf ihm sich aufbauenden Entscheidungen.— Lungenblutungen sollen bei Personen, welche schwere körperliche Arbeit verrichten, nicht häuft« ger auftreten, als bei solchen Personen, welche niemals Veran» lassung haben, sich körperlich anzustrengen I Wenn da» ärztlich erwiesen ist, wenn das das neueste Ergebnis ärztlicher Forschung ist, dann befinden sich ja noch immer Tausende von Aerzten in altväterlicher Anschauung! Ruhe, Ruhe, ja keine Anstrengung, daS ist der Rat, den sie mit Recht stets erteilen, wenn nur die Möglichkeit einer Lungenaffektion besteht. Wenn„ärztliche Erfahrung und wissenschaftliche Beob- achtungen" auf dem Standpunkt deS Alexandersche» Gutachtens stehen, wären sie geringwertiger als die Kenntnisse von Laien. Glücklicherweise steht die Auffassung des Professors Alexander ver- einzelt da. Zu bedauern ist, daß gegenüber so offensichtlicher UN- kenntnis über die Wirkung der Bohrhämmerarbeit das Reichsbcr» sichcrungsamt nicht noch einen anderen Arzt gehört hat. Der ver- storbene Bergarbeiter war nicht ganz lungenfest. Wenn eine Arbelt für ihn ungeeignet war, so jene, die er zu verrichten hatte. Ihr ist er erlegen! Er ist ein Opfer dieser Mordmaschinen ge» worden, die schon so unsägliches Unheil für die mit ihnen Be» fchäftigten hervorgerufen haben. Eine speziellere Prüfung der Wirkungen dieser'Maschinen auf die Gesundheit der Bergarbeiter tut dringend not.__ Soziales* StillprSmien. Im Gemeinderate von Gcra-Reuß hatte der Genosse Leven im Jahre 1998 die energische Bekämpfung ber in Gera besonders großen Säuglingssterbliäikeit beantragt. Jetzt hat der Gemeinde. rat nach einer Vorlage des Stadtrates' die Einführung von Still- Prämien als Mittel zur Bekämpfung der Säuglingssterblichkeit beschlossen. Krankenkassenmitgliedcr sollen erhalten: von der 5. bis zur 8. Woche 1.25 M., von der 9. bis zur 13. Woche 2 M. wöchentlich. Nichtkassenmitglieder erhalten während der ange- gebenen Zeit 1,50 und 2 M. In den Monaten Juni, Juli, August werden wöchentlich 25 Pf. mehr gezahlt. Für die Zeit von der 14. bis zur 20. Woche wird eine besondere Prämie von 10 M. ge- währt. Die Unterstützung erhalten nur diejenigen, deren Jahres- einkommen 1200 M. nicht übersteigt.— Zwei Gemeinderatsmitglieder hatten den Mut, gegen die Borlage zu stimmen. Einer der beiden war der..reichstreue" Textilarbeiter Eckardt. Euq Induftrie und Handel* Hohe Fleischpreise. Die Zusammenstellungen der„Statistischen Korrespondenz" über Fleischpreise in 50 preußischen Städten ergeben folgende Durch- schnitte: DaS sind erhebliche Steigerungen. Das Bild wird noch an» günstiger, wenn man die Bewegung der Preise bei den einzelnen Sorten verfolgt. So schnellte der Preis für Schweinekeule von 171 auf 175 Pf. pro Kilo hinauf; bei der nächst teuersten Sorte(vom Bug) trat eine Verteuerung um 5 Pf., von 160 auf 165 Pf. ein, während der Preis für Kopf und Beine pro Kilo von 84 auf 93 Pf. stieg. Bei der billigsten Sorte ist demnach die Verteuerung am schärfsten, macht sie doch 10,7 Proz. aus. Auch der Preis des Rückenfcttes ist erheblich stärker gestiegen als der für die besseren Sorten Schweinefleisch. Im April vorigen JahreS kostete 1 Kilo 152 Pf., jetzt 163 Pf. Die Aermsten werden von der Teuerung am härtesten betroffen._ Wirkungen der erhöhten Tabaksteuer. Wie die„Tabakzeitung" meldet, ist der Zigarrenabsatz„zmn Teil auf die Hülste herabgcgangen und die Lager der Fabrikanten sind überfüllt. Mit Arbeitseinschrankungen allein kann man sich vielfach nicht mehr Helsen, sondern muß, der Not gehorchend, zur völligen Stillegung der Betriebe übergehen. In Baden haben bereits 18 000 Unterstützungen an beschäftigungslose Arbeiier bewilligt werden müssen, und an eine nennenswerte Besserung der Konjunkmr ist in absehbarer Zeit nicht zu denken. Da hierunter auch die mittleren und kleineren Fabrikanten sehr empfindlich zu leiden haben, ist im Verband der Zigarrenfabrikanten ein Antrag eingebracht worden, durch Vermittelung des Deutschen Tabakvereins bei den gesetzgebenden Faktoren darauf hinzuwirken, daß den Fabrikanten für die nachteiligen Folgen des neuen Tabaksteuergesetzes ebenfalls eine billige Entschädigung aus Reichsmitteln gewährt wird. Die kürzlich stattgehabte Generalversammlung nahm diesen Antrag nach eingehender Debatte an. Als Matzstab für die Entschädigung wurde der Umfang und die Dauer der Arbeitseinstellungen in den einzelnen Fabriken tn Vorschlag gebracht." Eine GeldvermittelnngSstelle der deutsche» Stadtverwaltungen. Der Kreditbedarf der deutschen Städte geht in Hunderte von Millionen Mark. Jetzt ist eine Einrichtung ins Leben getreten, die den Zweck hat, einen Austausch von Barmitteln zwischen den Städten. die über flüssige Mittel verfügen, und denen, die vorübergehend Geld bedürfen, zu ermöglichen. Di« VermitelungSstelle hat ihren Sitz in Kassel, der dortige Magistrat leitet sie. Alle deutschen Städte mit mehr als 80 000 Einwohnern können fich dieser Einrichtung anschließen. Zur Deckung der entstehenden Unkosten zahlt jede angeschlossene Stadt jetzt vorläufig 10 M. jährlich. Der Gedanke, der dieser Organisation zu gründe liegt, ist sicher sehr be» achtenswert. Die Kreditorganisation der Städte mutz jedoch ganz anders ausgebaut werden._ Rückgang des Stahlversands. Die Direktion de» Stahlwerks» Verbandes schätzt den Apriiversand in �.-Produkten auf rund 416 000 Tonnen gegen 593 383 Tonnen definitiven Versand im Vormonat. Vrau-Unlo». Der Bildung einer Bereinigung de» deutschen BranaewerbeS haben, wie die„Franks. Ztg." meldet, bereit» 52 Brauerei» Verbände zustimmt._ Einschränkung der Braunkohlenproduktiou. AuS Guben wird unterm 9. Mat berichtet: DaS Nieder» lausitzer Braunkohlensynditat beschlotz eine ProduktionSeinschränkung um ein Drittel. Es sind für 8 Millionen Mark Briketts aufgestapelt. DaS Essener„Glückauf" berichtet vom Ruhrkohlenmarkt, baß der Absatz in Kohlen im April besser gewesen sei als im März. Der Abruf tn Hochofenkols dagegen war schwächer, die Einbuße wurde jedoch durch gesteigerte Seeausfuhr und Lieferung von Bruch» und SieblokS ausgeglichen. Folgen der Biersteuer. Die Maschinenfabrik Grevenbroich in Grevenbroich klagt in dem Geschäftsbericht über die neue Biersteuer. Diese habe verschuldet, daß die Brauereien, auf deren Aufträge die Fabrik tn dem neuerbauten Schweiß- und Tmaillierwerk in der Haupt» fache angewiesen sei, mit ihren Bestellungen während deS ganzen Jahres autzerordentliche Zurückhaltung beobachtet hätten. Organisierter Gegendruck. Gegen die Einführung einer Reichs» wertzuwachssteuer wehren ftch die in Betracht kommenden Grundstücks» intereffenten mit allen Mitteln. Jetzt planen, wie die„Vosstsche Ztg." mitteilt, diese Kreise einen Zusammenschluß auf breitester Grundlage: Terraingesellschaften, Hausbesitzervereine, Baugewerbe» treibende, Hypothekenbanken und Grundstücksmakler sollen vereint die ReichSstcuer bekämpfen. Vorläufig ist die Organisation nur für Berlin gedacht, sie soll sich aber später über das ganze Reich au«» dehnen. Starke Auswanderung. Die Nachrichten von der Besserung ber amerikanischen Wirtschaftslage, die vor mehreren Wochen in Europa verbreitet waren, haben ihre Wirkung auch in einer verstärkten Aus» Wanderung nach den Vereinigten Staaten gehabt. Im April wanderten nämlich über Hamburg 13 357 Personen aus gegen 10 470 im April 1909, 5414 im April 1908 und 20 836 im April 1907. In den ersten vier Monaten de» laufenden Jahres wanderten über Hamburg aus 48.942 Personen gegen 45 754 in 1909, 17 833 in 1908 und 66 231 in 1907. Die Lage am Eisemuark». In den letzten acht Tagen find dke Preise für kontinentales Halbzeug in England um einen Schilling gesunken. Die Berichte aus den einzelnen Bezirken lauten weniger zuversichtlich als bisher. Der amerikanische Eisenmarkt. Der allzu impulsiven Steigerung der Erzeugung im Borjahre von 16,04 auf 26,12 Millionen Tonnen ist eine äußerst nachhaltige Reaktion gefolgt, die in den letzten Wochen zu einer Deroute am amerikanischen Roheisenmarkte umschlug. Zwar ist von interessierter Seite wochenlang versucht worden, durch Stimmungsberichte die Lage des amerikanischen EisenmarkteS günstiger oarzustellen, alS fie in Wirklichkeit war. aber die Steige» rung der Produktion und ber Vorrotskänfe der Verbraucher war eine zu ungesunde, als daß nicht schließlich die U e b e r l a st u n g deS Marktes offenbar werden und auf die Preise einen starken Einfluß auS- üben mußte. Selbst als schon die ungünstige Position des amerikanischen Roheisenmarktes kaum zu verkennen war, wurde die gute Stimmung durch Berichte von dem guten Geschäftsgang« tn Fertigfabrikaten aufrechtzuerhalten gesucht, aber die letzten Berichte vom amerikanischen Eisenmarkte geben immer deutlicher zu, daß auch eine Stockung in der Nachfrage nach Fertigsabrikaten ein« getreten ist. Die ungesunde Ucverlastung des amerikanischen Roh» eisenmarkteS hat denn bereits zu weitgehenden Pro» duktto,iseinschränkungen geführt, so daß im April nicht weniger als vierundzwanzig Hochöfen abgeblasen wurden. Neben der Uebersättigung des amerikanischen Eisenmarktes hat die Zurückhaltung der Käufer in den letzten Wochen zu starken Preisermäßigungen gestihrt. Der Preis für Nothern foundry Nr. 2, der vom Mal bis Ende Oktober des Vor» jahrcS von 16—16,50 auf 19—19,50 Dollar pro Tonne gestiegen war und sich auf dieser Höhe noch bis gegen Mitte Dezember hielt, notierte am 26. Januar mit 18'/,— 19 uno sank bis zum heutigen Tage auf 16,50—17,25 Dollar pro Tonne, so daß der ungünstige Preisstand vom Mat IM zurzeit nur noch um*/• Dollar abertroffen wird. eingegangene Dnickrchnftcn. Von der„Gleichheit". Zeltschrist für die Interessen der Ülrbeitcriinic» (Swttgart, Verlag von Paul Singer), ist uns soeben Nr, 16 des 20. Jahr- ganges zugegangen. Sie hat solgenden Inhalt: HerreiihäuSlerisches Zwischenspiel.— Der austerordcniliche Kongrest der deutschen Vewerk. schasten. Von. L.— Die sächsische Gewerbeinspettion im Jahre 1908. Von ll. F.— Von der ländlichen Dienstbotenorganisation in Bayern. Von dl. X.— Das englische Heimarbeit-Minimallohngesetz. Von ildols Hepner, — Deinonstrationen für politische Frauenrechte in Oesterreich. Von A.. P.— Zur Frauentonferenz. 1. Von Mathilde Wurm. II. Von Frida Wulst. III. Von Toni Frenze!. IV. Von Luise Zieh. V. Von Klara Zetkin.— Aus der Bewegung: Stellungnahme der Genossinnen zur Frauenkonserenz in Stuttgart, Leipzig, Vegesack und Halle.— Von der Agitation.— Politische Rundschau. Von II. B.— Gewerkichastliche Rundschau.— Arbetterschutz und Arbeitertrutz im Steindruckgewerbe. Von Gertrud Lodahl.— Aus Regcnsburg. Von M. Hagen.— Notizenteil: Soziale Gesetzgebung.— Sozialistische Frauenbewegung im Ausland.— Frauenstimmrecht.— Die Frau in östentlichen Aemtern.— Verschiedenes. Für unsere Mütter und Hausfrauen: Nur einen Tag. Bon Emma Döitz.— Ueber unsere Krast. VII. Von Klara Zetkin. (Schluß.)— Unter den Naturvölkern Zentral-BrasilienS. Von Hannah Lewin-Dorsch.— Hygiene.— Feuilleton: Die Geschwister. Von Ernst Zahn. Für unsere Kinder: Lenz. Von Konrad Ferd. Meyer.(Gedicht.) — Frühling. Von Brand.— Sonn«. Von H. Feller.— Indianer. Von H. Eildermann.(Gedicht.)— Von den Barbaren. II. Von od.(Schluß.)— Arno. Von E. Selon Thompson.(Fortsetzung.)— FrühlingSsesl. Von Emma Döltz.(Gedicht.) Di».Gleichheit" erscheint alle 14 Tage einmal. Preis der Nummer 10 Ps., durch die Post bezogen beträgt der Abonnementtpreis vierteljährlich ohne Bestellgeld SS Ps.; unter Kreuzband SS Ps. Jahresabonnement 2,60 Marl. Vom»Wahren Jacob" ist soeben die 10. Nummer des 27. Jahrganges im Umfange von IS Seiten erschienen. Aus ihrem Inhalt heben wir hervor: Bilder:.Der Ilerilale MeifterschaslSsprung." Zeichnung von R. Wölk. —»Die fürsorgliche Obrigkeit." Zeichnung von W. Lehmann.—»Emil Seidel." Der neugewählte sozialistische Bürgermeister von Milivattlee in Nordamerika.—.Die krasstrotzcnden Bauunternehmer." Zeichnung von A. Mrawek.—.Im Zeitalter der Wahlrechtsdcmonstrationen." Zeichnung von R. Rost.—»Eva." Zeichnung von R. Hannich.—„Höltdig." Land- rst von A. Fr. Müller.—„Das Lied vom Leben." Zeichnung von Hannich.—„Björnstjerne Björnson." Nach einer photogcaphischen Aus- nähme.—„Aus Theodor Roosevelts Reisebericht." Zeichnung von St. Mrawck. —„Eine tüchtige Krast." Zeichnung von R. Mayer.—„Sein Trost." Zeich- nung von R. Rost.—„Rette sich wer kann." Zeichnung von R. Rost. Text:„Das preußische Abgeordnetenhaus." Von TobiaS.—„Ein neues Pstngstevangelium."—„Der Baukrieg." Von P. E.—„v. Bclow- Plcitcnburg an v. Arnim-Schnoddcrhcim."—„Geschäftsordnung für das Dreiklassenhaus."—„Der parlamentarische Hausknecht."—„Unbegreiflich." Von P. B.—„Zur Bauarbeiter-Aussperrung." Bon T.—„Tagesgespräch in Bremen."—.Lieber Jakob I" Von Jotthils Rauke.—„Chantecler." Von P. E.—„Wenn der Sommer kommt..." Skizzen von Paul Ender« ling.—„Der Verbündete." Von P. E.—„Die gerettete Autorität." Von T. —„Fragen."—„Vor Gericht."—„Ein Gespräch in der Wiihelmstraße." —„Ballade." Von E.—„Siegt" Von Michel.—„Oletzko-Lyck."—„Er hat wirklich nicht gelebt."—„Björnson." Von John Schitowskt.—„Der Weltuntergang." Von Tobias. Mit Zeichnungen von M. Vaajelow.—„Non plus ultra."—„Ein Schlaumeter."—„Ministerplagen."—„Herrenhaus. lerischeS."— Usw. Der Preis der Nummer ist 10 Ps. Probenummern sind jederzeit durch den Verlag Paul Singer in Stuttgart sowie von allen Buchhandlungen und Kolporteuren zu beziehen. „Rtärz", Halbmonatsschrift für deutsche Kultur. Herausgeber: L. Thonia und H. Hesse. Erstes Machest. 1,20 M. Verlag A. Langen, München. Das Leben des Grafen stzederigo Coufalonieri. Roman von R. Huch. 4, S0 M., geb. K und 7,50 M. Insel-Verlag. Leipzig., DaS Mysterium des Mensche» im Lichte der psychische» Eine Einführung in den Okkultismus von L. Deinhard. Vet- leiden über das Problem der Wiederverkörperung. erlin W. 9. 5 M., geb. 6,50 M. Zur Aufhellung der Ehriftnsmytholoaie. Von A. Böhtlingk. 20 Py Neuer Frankfurter Verlag, granksurt a. M. Lrlefkasten der Rcdahtfon. Adams, Bonn. 1. Die genannten Auslagen— außer etwaigen für Bücher>e r l atz- halten wir nicht für abzugssähig. Eine Rückforderung ist für jeden Liall letzt nicht mehr � |, zulässig. ®. 31. 1. Nein, wenn n' etwa» anderes zu folgern ist. 2._____ sind u. E. an den Vertrag gebunden. ..... 2. Ja. 8. Nach vier 1. Nein, wenn nicht aus Bestimmungen des Mietsvertrages . Nein. 3. Ja.— M. 3. 1876. Sie A. T. 15. Auch die anderen Kinder haben anteilig Anspruch. Die geleisteten Zahlungen können vorweg in Abzug gebracht werden.— Rniige. Melchiorstrastc. Wenden Sie sich an die Waiscnhansverwaltung, Rathaus. Kostgeld 7,50 M. bis 21 M., je nach dem Alter. Sie dürfen die Angelegenheit aber nicht vom Stand» Punkt des„Verdienens" betrachten.— R. L. 147. Wir raten, die AuS- lunst über Regiment und Bezirkskommando zu erteilen.— P. K. 3. Sie sind zahlungspflichtig. Kündigen Sie spätestens drei Monate vor Ablauf, da Sie sonst nach Absatz 1 der Bedingungen sür weitere zwei Jahre hasten. — P. 3. 29. 1. Lehnen Sie die Herausgabe ab. 2. Nach Ihrer Dar» stelliing nicht. 3. Ja.— M. N. 10220. Der Abzug ist ungerechtfertigt, wenn nicht etwa der Lohn nach Stunden oder Tagen berechnet wird. Eine Klage ist beim Gewerbegericht anhängig zu ninchen.— Amandus 22» 1. Sie haben Anspruch aus Auseinandersetzung bezüglich des Nachlasses nach der Mutter. Ist ein Testament vorhanden, in dem Sie nicht bedacht sind, so können Sie den Pflichtteil, das ist die Hülste des gesetzlichen Erbteils, verlangen. 2. Dem Nachlaßgericht muß die sterbe Urkunde eingereicht und Eröffnung des Testaments beantragt werden. 3. und 4. Antrag aus Ver» Mittelung der gerichtlichen Auseinandersetzung, eventuell Klage.— Alk. K. 48. Die Interpunktion ist richtig.— A. B. 50. Pfändung des 125 M. monatlich übersteigenden Einkommens ist zulässig.— Laub, Wrtsirubnrger Straße. Es liegt ein Irrtum des Kontrolleurs vor. Das Billett berechtigte zum Eintritt in alle Lokale.— K. V. Streitende. 1. Bei einem Fund im Werte von mehr als 3 M. muß. wenn der Ver- llerer oder Eigentümer nicht bekannt Ist, der Polizeibehörde Anzeige er- stattet werden. Aus Verlangen ist die Sache der Polizeibehörde abzulicsern. Der Findcrlohn beträgt bei Sachen im Werte bis zu 300 M. 5 vom Hundert, von dem Mehrwert 1 vom Hundert, bei Tieren 1 vom Hundert. 2. Für die Alimentation des Kindes können noch einige Mark pro'Woche gepfändet werden. und elegant sich kleiden will, empfehlen wir große Posten beste Monatsgarderobe. Unsere Sachen sind in feinsten Werkstätten(teils auf Seide) gearbeitet, von Herrschasten, Doktoren, Kavalieren nur kurze Zeit gebraucht. Für jede Figur(auch sür den stärksten Herrn) haben wir passende Sachen aus Lager, sabelhast billig. 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