Kr. 109. Nbonnementz-keckingungeHi Bbonncmcnlä- Preis pränumerando i Sierlcljährl. z�o Mr, nionatl. 1,10 Ml, wöchentlich 23 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer k Pfg, Sonntags- nunmier mit illustrierter Sonntags- Beilage.Die Neue Welt" 10 Pfa. Post- kibonnemcnt: 1.10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Post-ZeiiungS- PreiSlisic. Unter Ureuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Mark, für das übrige Ausland 8 Marl pro Monat. PostabonncmentS nehmen an: Belgien, Dänemark, Holland. Italien. Luxemburg. Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. 27. Jahrg. CrfAdnt lsglich au&er lilontags. Vevlinev Volksblakk. Sie TntertlonS'Gebflbr Betrügt für die sechsgespaltcne floloncl« geile oder deren Raum 60 Psg., für politische und gewcrlschastliche BereinS- und PersamniIungS-Anzeigen M Pfg. „Uleine Hnreigm", das erste(fctl- gedruckte) Wort 20 Psg., jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlas- stellcn-Anzeigcn das erste Wort 10 Psg., jedes weitere Wort 6 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zähle» für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis S Uhr nach mittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist biS 7 Uhr abends geöfsnet,*. Telegramm-Adresse: „Sezialdtinekrat Rcriin", Zentralorgan der rcztaldemokratifchen Partei Deutfcblands. Redahtion: SM. 68, Lindcnstraesc 69, Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Donnerstag, den 1Ä. Mai 1910. Expedition: SM. 68» binden Strasse 69» Fernsprecher: Amt IT. Nr. 1981. Die Katzenjammer'Seinon. Der abgelaufenen zweiten Session der zwölften Legislatur- Periode wurde das charakteristische Gepräge gegeben durch die Kadenjammerstimmung, die dem Schnapsblockrausche auf dem Fuße folgte. Eine vollständige Neugruppierung der politischen Parteien war durch die sogenannte Steuerreform des Jahres 1909 bc- dingt worden und selbst das bureaukratische Konsortium, das bei uns zu Lande die Regierungsgeschäfte besorgt, hatte sich genötigt gesehen, den Firmenträger zu wechseln; den süßlichen Diplomaten Bülow hatte der säuerliche„Philosoph" Bethmann Hollweg im Reichskanzleramt ersetzt. Die Schnapsblockmehr heit, bestehend aus Konservativen, Reichspartei, Antisemiten und Zentrum bildete die neue Regierungsphalanx, die Polen blieben, trotzdem sie beim Schnapsblock mitgewirkt hatten, außerhalb des Ringes; Dank haben sie nicht geerntet. Die Liberalen. Nationalliberalen wie Freisinnigen waren wieder einmal in den Schatten der Regierungsungunst hinaus getrieben, ihr schmerzdurchwogtcs Herz wurde von zuckenden Sehnsüchten nach den erwärmenden Strahlen der Rcgierungs sonne durchwühlt. Sie wagten nur Opposition zu machen mit untertäniger Entschuldigung auf den Lippen. Nur die Sozialdemokratie beharrte in der entschiedensten Opposition, wie früher gegenüber dem Hottentottcnblock, so jetzt gegenüber dem Schnapsblock und der nach wie vor reaktionären Regierung. Trumpf in der neuen Koalition blieb wie in der alten die konservative Partei. Nur eine reaktionäre Politik konnte mit ihr gemacht werden, so 1910 wie von 1907 bis 1909; nur womöglich um eine Nuance reaktionärer noch als zu Bülows Zeiten gestaltete sich in Bethmanns Händen die Regierungspolitik. Wenn die schwarzblaue Koalition mit irgendwelchenHoffnungen auf ciue Periode wachsender Erfolge in die neue Aera hinein- gesteuert war, so ist sie aus diesem kurzen Traum sehr un sanft aufgerüttelt worden. Die Nachwahlen, ein vortrefflicher Stimniungsmesscr, lieferten bald den Beweis, wie das Volk über den ruchlosen Steucrraubzug des vorigen Jahres denkt. Die konservativen Gruppen erlitten überall starke Stimmen Verluste. Aber bezeichnenderweise hatten nicht die Liberalen trotz der schließlichen Ablehnung des schnapsblockigen Steuer- bouquetts den Vorteil davon, sondern nur die Sozial- demokraten. Mit treffsicherem Instinkt hatte man im Volke erkannt, daß nicht die Stellung zur Erbschaftssteuerftage, sondern die grundsätzliche Ablehnung der indirekten Steuern den richtigen Maßstab abgibt für die Wertung der Parteien. So bemächtigte sich eine trübe Katerstimmung der bürgerlichen Parteien. Und die Leistungen des Bethmann-Kabinetts waren nicht dazu angetan, die Stimmung der bürgerlichen Parteien oder doch des Schnapsblockflügels zu heben. Es stellte sich bald heraus, daß der neue Reichskanzler ebenso gedankenarm und tatenunfähig ist wie sein Vorgänger, und da ihm noch dazu dessen Gabe fehlt, seine staatsmännische Unzulänglichkeit durch pomphaftes Gebaren zu verschleiern und dem genügsamen Philistergemüt schillernde rethorische Seifenblasen vorzugaukeln, so hatte der neue Reichskanzler bald selbst bei denjenigen Parteien das Vertrauen verwirkt, die von ihm die Förderung ihrer Politik erwarten konnten. Zu all den Einflüssen, die aus der Reichspolitik selbst heraus eine niederdrückende Wirkung auf die Mehrheits Parteien ausübten, gesellte sich nun aber noch der Preußische Wahlrechtskampf, der seine stetig anschwellenden Wogen auch in das Getriebe der Reichspolitik hinüberwarf. Schon kurz nach Beginn der Session nahm die sozialdemokratische Partei Anlaß, den Reichskanzler zur Verantwortung zu ziehen, weil er im preußischen Abgeordnetenhause sich über das Reichstags Wahlrecht in einer nur mangelhaft verhüllten Feindseligkeit ausgesprochen hatte. Von den Rednern der Sozialdemokratie wurde das Rechtfertigungsgestammel des Kanzlers ebenso wie die verworrenen staatsrechtlichen Doktrinen, die er dabei vor- trug, nach Gebühr zerzaust. Aber auch gegen Ende der Session hatte die Sozialdemokratie Anlaß, durch eine neue Interpellation in den preußischen Wahlrechtskampf einzugreifen, da die preußischen Verwaltungsorgane in dem krampfhaften Bemühen, der Wahlrechtsbewegung Hindernisse zu bereiten, durch unbegründete Versammlungs- und Demonstrations- verböte das Reichsvereinsgesetz verletzt hatten. Bei dieser Gelegenheit hielt sich der vorsichtige Kanzler fern vom Schuß. Sein Vertreter, Staatssekretär Delbrück, ließ in semer rein formalistischen Verteidigungsrede deutlich erkennen, daß er keineswegs von der napoleonisierenden Aktion des Bethmann-Handlangers Jagow sonderlich erbaut war. Bei nächster Gelegenheit zog es denn auch die preußische Ver- waltung vor, einer sozialdemokratischen Demonstrations- Versammlung im Treptower Park keinerlei erkünstelte Hinder- nisse mehr zu bereiten. Die zunehmende Katzenjammerstimmung trieb die Mehrheitsparteien zur möglichsten Abkürzung der Session und Zusammendrängung der Debatten an. Gutes konnte für sie doch nicht dabei herausspringen; also„nur bald zu Ende kommen" wurde die Parole für die Behandlung der Geschäfte. Der Etat wurde bis Ostern durch das Haus gepeitscht. Der Reichskanzler mußte förmlich an den Haaren herbeigezogen werden. Er tauchte nur selten und widerwill schwand meist nach kurzer Zeit. Seine Reden wurden immer dürftiger im Inhalt und gequälter in der Form. DaS bißchen Ansehen, das er gehabt hatte, schwand selbst bei den regierungstreuesten Seelen. Die Vertretung der auswärtigen Politik überließ er in der Hauptsache Herrn v. Schoen. Es war auch ein Glück für die Regierung, daß ihr die Lösung von auswärtigen Ver- Wickelungen von größerer Bedeutung nicht aufgedrängt wurde. Nur die Marokko-Affäre wirbelte einigen Staub auf. Nicht aber ihrer inneren Bedeutung wegen, sondern nur, weil die betriebsamen Gebrüder Manncsmann es verstanden hatten, sich als Opfer der Vernachlässigung ihrer Bergiverksinteressen in Marokko durch das Auswärtige Amt in allen patriotischen Zeitungen ausposaunen zu lassen, sodaß die gesamten bürger lichcn Parteien in mehr oder minder ausgesprochener patrio tischer Entrüstung aufschäumten, während nur die Sozial- demokraten auch diesem Patriotischen Tamtam gegenüber die kühle Ruhe bewahrten und mit nüchterner Kritik an die Tat- fachen herantraten. So kam unsere Partei in die seltsame Lage, allein der Regierung bei der Aufklärungsarbeit in dieser Frage zur Seite zu stehen. Die Auseinandersetzungen führten denn auch zu dem Ergebnis, daß der Mannesmann-Rummel in seiner ganzen Hohlheit entlarvt wurde. Um so kläglicher schnitt die Regierung in der Flotten- abrüstungsfrage ab, die gleichfalls wieder zur Sprache krnu Mit vieldeutigen Redensarten suchte auch Bethmann Hollweg genau wie sein Amtsvorgänger sich als Friedensfreund an zupreisen; Friedenstaten ließ aber auch er vollständig ver- missen. Da auf die Zustimmung zu den Militär- und Marinerüstungen alle bürgerlichen Parteien unterschiedslos cingeschworen sind, fiel ihrer Passivität gegenüber die Opposition allein der Sozialdemokratie zu, die auch an dem chronischen Ucbel des Militarismus wiederum scharfe Kritik übte. Ge- legentlich der Militärdebatten kam nun aber der Grimm und die Angst der herrschenden Klassen wegen des bedrohlichen Anschwellens der sozialdemokratischen Flut in frechen Bekenntnissen zum Staatsstreich zum Durchbruch. � versteckter Weise bekannte sich der Herr Kriegsminister v. Heeringen dazu, daß das Militär sich zum Staatsstreich jederzeit bereit halten müffe, mit brutaler Offenheit platzte dann noch der Erzjunker v. Oldenburg-Januschau damit heraus. Die Sozialdemokratie trat sofort mit wuchtiger Entschiedenheit diesen Wortführern der junkerlichen Herrscherkaste wie den kläglichen Deckungsvcrsuchen durch die Reichstagspräsidenten entgegen, so daß diese Vorgänge zur Aufklärung der Massen über die Zustände, unter denen wir leben, gründlich aus genutzt werden konnten. Wie der Kriegsminister beim Militäretat hatte auch der Marineminister v. Tirpitz seine bösen Stunden. Arge Schlampereien waren in der Werftverwaltung zu Kiel auf- gedeckt worden. Im Reichstage wurde die Regierung von allen Parteien darüber zur Rechenschaft gezogen; nur die Konservativen hielten sich zurück. Das protzige Auftreten des Marineministers diente keineswegs dazu, ihn von der Mitschuld an den enthüllten Nachlässigkeiten zu entlasten. Aber der Hauptschuldige ist doch der Bureaukratismus, der in allen Verwaltungszweigen seine uuheilvolle volksfeindliche und cntwickelungslähmende Wirkung ausübt. Ueberlebt wie der Bureaukratismus an sich ist auch die ganze halbabsolutistische Staatsmaschinerie des verpreußten Deutschen Reiches; die Novembertage des Jahres 1908 haben das aller Welt klar gemacht. Den Wunsch nach Reformen hat die Mehrzahl der Parteien und die ganz überwiegende Mehrheit des Volkes. Aber klar und entschieden auf den demokratischen Parlamentarismus arbeitet doch nur die Sozialdemokratie hin, den anderen Parteien, auch den Freisinnigen oder der Fortschrittlichen Volkspartei, wie sie sich nach erfolgter Einigung jetzt nennen, lähmt die Furcht vor der Sozialdemokratie die Entschlußkraft zu ernstlichen konsti- tutionellen Reformen. Es. wurde auf Grund der Anträge verschiedener Parteien wieder die Geschäftsordnungscommission zunächst mit der Reform der Geschäftsordnung betraut, aber >vie in der Hottentottenblockära die Liberalen, ließ sich in der Schnapsblockära das Zentrum durch die Rücksicht auf die konservative Bundesbrüderschaft von ernstlichen Reforinen zurückhalten. Klägliches Stückwerk ist gerade vor Toresschluß zusammengebracht. In diesem Reichstag kann überhaupt keine durchgreifende Reform gelingen. Für die Kolonialverwaltung erwies sich der Diamanten- fund in Südwestafrika als ein willkommener Herausreißer, Herr Dernburg suchte die Vorteile, die dabei für das Reich herausspringen, nach Möglichkeit auf sein persönliches Konto zu bringen. Er geriet aber doch mit Zentrum und Konser- vativen in einen latenten Konflikt, der gelegentlich der Nach- tragsforderungen zu den Kriegskosten in Südwestafrika durch das Zentrum auch in den Reichstag getragen wurde. Es wurde dabei der prinzipiell ganz richtige Versuch gemacht, einen Teil der Kricgskosten auf die kapitalistischen Interessenten abzuwälzen, doch war der Weg unzweckmäßig. Die Sozial- demokratie schlug den richtigeren Weg der Erhebung einer Wertzuwachssteuer in Südwestafrika vor, erhielt dafür aber nur die Unterstützung der Polen. So kam die Kolonial- Verwaltung heil aus dem Konflitt heraus. Die wirtschaftliche Krise, in der wir uns befinden, spielte in ihren politischen Nachwirkungen auch in den Reichstag hinüber. Wegen des scharfmacherischen und brutalen Ver- des scharfmacherischen und nur selten und widerwillig auf und ver- Schaltens der Regierung in dem Mansfelder Bcrgarbciterstreik interpellierten die Sozialdemokraten und stellten die Regierung an den Pranger. An gesetzgeberischen Maßregeln brachte die Regierung meist nur zurückgestellte Sachen zur Vorlage. Ihre schöpfe- rische Unfähigkeit trat auch da wieder zutage. Von größeren Gesetzen wurde nur das Kaligesetz fertig gemacht, aber in einer von dem Regierungsentwurf völlig abweichenden Form. Von sozialpolitischer Wichtigkeit ist auch das Stellenvermittc- lungsgesetz. Beiden Gesetzen gab, da sie trotz großer Mängel immerhin Verbesserungen des gegenwärtigen Zustaildes bieten, die Sozialdemokratie ihre Zustimmung. Abgelehnt hat unsere Partei aber das Reichsgerichtsgesetz, da es die Entlastung des Reichsgerichts auf dem schädlichen Wege der Verteuerung der Rechtspflege sucht. In den Kommissionen stecken geblieben sind das Reichsversicherungsgesetz, das Ar- beitskamniergesctz und die Justizreformgesetze. Es besteht wenig Hoffnung, daß dabei etwas für die Arbeiterschaft Wertvolles herauskonimen wird. Mit unwürdiger Hast Hat der Reichstag gearbeitet. Die Katzenjammcrstiminung lastete bis zuletzt aus den bürger- lichen Parteien. Aber in erfreulichem Gegensatz dazu bc- seelt Hoifnungsfreudigkeit die Sozialdemokratie. Die steigende Flut ist niit unserer Bewegung und im nächsten Jahre wird es die Aufgabe der Partei sein, auch im Reichs- tage darauf hinzuarbeiten, daß die bevorstehenden Neuwahlen uns einen besseren Reichstag schaffen. vss Spiel mit(km vslksrecht. Die Verschlechterungen, die das Herrenhaus an dem Schandgesetz verübt hat, machen die Wahlrechtsvorlage selbst dem Hansabunde, dem man gewiß alles eher als politischen Radikalismus vorwerfen kann, unannehnibar. Er veröffentlicht in seinen Mitteilungen folgende Erklärung: „Der nunmehr zur Verabschiedung vorliegende Entwurf de? preußischen Wahlrechts verstößt nach unserer Ueberzeugung in wesentlichen Punkten gegen die wirtschaftlichen Jnter« essen von Gewerbe, Handel und I n d u st r i e, welche mehr als zwei Drittel der StaatSIasten trage». Für die im Hansabund vereinigten Kreise der Industrie, des Handels, des Handwerks und der Angestellten muß vor allem eine Wahlreform gefordert werden, die den Ungerechtigkeiten und Ungleich Mäßigkeiten der heutigen WahlkreiSeinteilung ein Ende macht und den Aenderungen der wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse entspricht. Nach wie vor ist daher eine Einteilung der Wahlbezirke zu fordern, die in völlig gleichem Umfange wie den landwirtschaftlichen Interessen so auch den kaufmännischen und gewerbliche» Rechnung trägt. Jedenfalls aber ist die Zahl der Abgeordneten zu vermehren und sind die neu geschaffenen Sitze denjenigen Wahlkreisen zuzn» weisen, in denen Handel, Gewerbe und Industrie, wie in den eigent- lichen Montan- und Jndustriebezirken des Westens und der Mitte des preußischen Staates, besonders hervortreten. Im übrigen nehmen wir auf die bereits der Oeffentlichkeit unterbreitete Stellungnahme des Hansabundes zur Wahlreform Bezug und wiederholen nament- lich. daß keine Wahlreform denkbar ist ohne die direkte Wahl, welche in der Begründung der Regierung?- Vorlage als der modernen wirtschaftlichen Entwickelung entsprechend bezeichnet wurde. Das jedenfalls ist sicher: jede Wahlreform, welche dieser Entwickelung nicht Rechnung trägt, ist nicht geeignet, eineauch nur v orlä ufig e B e en big un g d e r Kämpfe herbeizuführen." Diese Erklärung wird hoffentlich den Nationalliberalen zu denken geben. Sie fordert nicht mehr, als was die National- liberalen selbst als ihr Minimalprogramm stets bezeichnet haben. Wenn selbst eine kapitalistische Organisation von reinstem Wasser wie der Hansabund gegen die Verschacherung der nationalliberalen Mindestforderungen Stellung nimmt, so werden sich die Herren vielleicht doch fragen, wie erst die breiteren Schichten ihrer Wähler über ihren Umfall denken würden. Den Anhängern draußen im Lande soll der Ilmfall damit mundgerecht gemacht werden, daß man ihnen einzureden ver- sucht, dies werde die Sprengung des konservativ- klerikalen Blocks und damit die Ausschaltung des Zentrums bewirken. Daß das aber purer Schwindel ist. legt der ehemalige national- liberale Abg. M e t g e r folgendermaßen dar: „Die Erfahrungen der letzten Jahrzehnte haben gezeigt, wie sehr sich Zentrum und Konservative zueinander hin- gezogen fühlen. Sie stehen einander nahe in bezug auf ihre Weltanschauung, auf die ja Herr v. Heydebrand so große? Ge- wicht legt, und sie verfolgen zudem durchweg dieselben Interessen. Wenn sie einmal auseinandergingen, haben sie sich stets bald wiedergefunden, und das wird auch diesmal wieder geschehen. Die Nationalliberalen haben immer großes Gewicht darauf gelegt, daß den jetzigen Kämpfen eine größere Ruhepause folgen müsse. Werden sie daS erreichen, wenn sie das Gesetz in seiner jetzigen Form annehmen? Schwerlich. Zuerst war die geheime Wahl das hauptsächlichste Kampfobjekt. ES hat sich gezeigt, daß diese allein nicht genüge, wenn nicht die direkte Wahl hinzukommt. Man glaubt daher, geheime in Verbindung mit direkter Wahl fordern zu müssen. Bis dies Ziel erreicht ist, wird Ruhe nicht eintreten." In Wirklichkeit ist den zum Umfall treibenden Scharf- machern in der nationalliberalen Partei die„Ausschaltung" des Zentrums völlig gleichgültig. Was sie wirklich wollen, ist der Zusammenschluß der Reaktion. Sie wollen aus Konservativen, Freikonservativen und Nationalliberalen die Scharfmacherpartei gegen die Arbeiterforderungen auf politischem und sozial- politischem Gebiet bilden. Deshalb find sie für den Umfall, obwohl sie genau wissen, daß dies die Selbständigkeit der Partei vernichten heißt. Dies gerade ist ihr Ziel. Die Stationaltiberalcn sollen allen noch so geringfügigen liberalen Wünschen endgültig abschwören und die konservativen Reihen verstärken. Denn daß für die Nationallibetalen die Ablehnung des Schandgesetzes das einzig Vernünftige wäre, gibt gerade das Organ zu, das am wütendsten für den Umfaß agitiert. Die „Hamburger Nachrichten" schreiben nämlich: .Wie sich auch ichlietzlich die Nationalliberalen entscheiden werden: in jeden, Falle wird ihr Votum von weittragender Bedeutung sein, ob sie nun die Wahlrechtsvorlage im Abgeordnetenhause scheitern lassen oder ihre Annahme sichern. Im Falle der Ablehnung geht der WahlrechtSlampf weiter, und es gibt in der national- liberalen Partei ohne Zweifel eine mächtige Strömung, die lieber mit, den zu erwartenden Folgen der Ablehnung als mit denen der Annahme der Vorlage rechnet. Ohne Frage wird sich die Regierung, wenn jetzt eine Reform nicht zustande kommt verpflichtet fühlen, mit einer neueu Vor- läge wiederzukommen. lieber die öffentliche Wahl haben die Mehrheiten der ersten und der zweiten Kammer bereits das Todesurteil gesprochen, und es liegt daher der Regierung ob, dafür zu sorgen, datz es auch vollstreckt wird. Die Beseitigung der Oeffentlichkeit deS Wahlrechts würde die erste Aufgabe deS nächsten Refornwersuchs sein. Aus der Verwerfung des gegenwärtigen Entwurfs würde aber die Regierung vermutlich noch die Konsequenz ziehen, datz die Konzession der geheimen Wahl n,icht genügt, eine Reform durch- zusetzen. Sie wird geneigt sein, ein weitergehendes Zugeständnis an die liberal-den, akratischen Wahlrechtsforde- rungen zu gewähren, und da sie in der Ursprung- lichcn Regierungsvorlage grundsätzlich das indirekte Wahl- verfahren schon hat fallen l a s s e n, so wird es nur allzu nahe liegen, datz sich in dem nächsten Reformentwurf zur geheimen noch die direkte Wahl gesellt. Geheime und direkte Wahl aber sind zwei Hauptforderunge» deS Magdeburger Wahlrechts- Programms der Nationalliberalen. Diejenigen Nationalliberalen. die für die Ablehnung der vorliegenden Wahlrechtsänderungen ein- treten, haben also nicht unrecht, wenn sie dabei auf die Wahr- scheinlichkeit spekulieren, im Sinne ihrer Parteiforderungen mehr zu erreichen, wenn jetzt eine Reform nicht zu Stande gebracht wird, die ja nur eine der nationalliberalen Forderungen, die ge- Heime Wahl, und diese obendrein nur für die Urwähler verwirklichen würde." Trotzdem also die Ablehnung für die Nationalliberalen selbst das weitaus günstigere wäre, würden die Scharfmacher bei der urreaktionären preußischen Landtagsfraktion ihr Ziel sicher erreichen, falls sich die Konservativen darum bemühten. Aber gerade dies ist wenig wahrscheinlich. Vielmehr ist der Kuhhandel zivischcn Zentrum und 5konser- v a t i v e n bereits im Gange. Darüber wird berichtet: In den Pfingstferien werden die Verhandlungen zwischen den Konservativen und dem Zentrum über die Gestaltung der Wahl- rechtsvorlage zum Abschluß gebracht werden. Die Konservativen balten vorläufig noch an den alten Kompromiß- beschlüssen fest und versuchen einen Mittelweg zu bauen, der ein Kompromiß zwischen den Herrenhausbeschlüssen und den Beschlüssen der Mehrheit des Abgeordnetenhauses bilden soll. Das Zentrum will auf keinen Fall die Herrenhausbeschlüffe annehmen, auch im konservativen Lager ist die Zahl der Gegner jetzt eine größere, vor allem wünscht man kein Zusammen- gehen mit den Nationalliberalen, deren Taktik bei der zweiten Lesung der Vorlage bei den Konservativen noch immer nachwirkt. Die Nationalliberalen beobachten eine abwartende Haltung, da über die Pläne ihrer Gegner bisher nichts Positives verlautet. Allgemein wird angenommen, daß auf der Grundlage der Herrenhausbeschlüsse unter Abänderung der Drittelungsbestimmungen Konservative und Zentrum ein neues Kompromiß schließen werden. Un- gewiß ist nur, wie Regierung und Herrenhaus sich dazu stellen werden. Die Herrenhausbeschlüsse können auf eine erhebliche Mehrheit nicht rechnen, wahrscheinlich aus keine Mehrheit. Das Herrenhaus selbst kann seine Beschlüsse am 21. d. M. überhaupt nicht mehr ändern, denn nach der Geschäftsordnung ist nur eine reine Abstimmung ohne Anträge und ohne Diskussion für den 21. Mai zulässig. Rkm muß sich daher auf neue Tücken und neue Verrätereien auch des Zentrums gefaßt machen. Wenn also Herr Erzberger mit dröhnendem Pathos wieder einmal erklärt, die Antwort des Zentrums auf die Herrenhausbeschlüsse könne nur ein„dreifaches Nein" sein, so werden die Aenderungen, die der Schnapsblock an dein Schandgesetz vorzunehmen gedenkt, den volksfeindlichen Grundcharakter der Vorlage sicher nicht berühren. Den Grund, woher die plötzliche Festigkeit des Zentrums kommt, verrät Herr Erzberger mit großer Offenheit selbst. Er teilt nnt, daß man in Regierungskreisen bei dem neuen Dritte- lungsverfahren für das Zentrum einen Verl» st von 2 0 Mandaten herausgerechnet habe. Schäbigstes Mandatsinteresse und nicht Wahlrechtsfreundschaft leitet das machtgierige Zentrum und für das Volk ist von den Parteien des Dreiklassenhauses nichts zu erwarten. Das Wahlrecht kann nur gegen das Dreiklassenparlament und außerhalb des Parlaments erobert werden. politische Gebcrficbt Berlin, den 11. Mai 1910. Endlich! Endlich hat sich die„Kreuzzeitung" von ihrem schmählichen Reinfall so weit erholt, daß sie wieder Worte findet. Ja, sie hat inzwischen sogar ihre ganze Unverfrorenheit wiedergesunden. Dreht sie doch, statt sich selbst wegen ihrer ungeheuerlichen Entstellungen de- und wehmütig zu entschuldigen, mit einer Dreistigkeit, die dem seligen Hammcrstein Ehre gemacht haben würde, den Spieß um, um dem„Vorwärts"„klägliche Blamage"..Unfähigkeit" und.Un- Zuverlässigkeit" vorzuwerfen. Und wie bringt sie das Unglaubliche fertig? Daß sie zwei lange Leitartikel gebracht hat, in denen mit den groteskesten Entstellungen der wirklichen Tatsachen gearbeitet worden ist. dies Faktum vermag sie nicht aus der Welt zu schaffen. Aber, so erklärt sie, sofort, nachdem sie ihres Irrtums gewahr ge- worden sei, habe sie eine Berichtigung gebracht, und diese in der Nr. 212 enthaltene Berichtigung habe der„Vorwärts" aus Bös- Willigkeit oder Unfähigkeit unbeachtet gelassen. Daß der„Bor- wärts" diese Berichtigung aber übersehen habe, beweise von neuem seine„Unzuberlässigkeit". ES gehört wirklich die Stirn eines Hammersteiners dazu, die Tinge derartig auf den Kopf zu stellen. Aber wenn sich die„Kreuz- zeitung" einbildet, ihre eigenen Leser durch solche Unverfrorenheit verblüffen zu können, so verfangen uns gegenüber solche Künste ganz und gar nicht. Wir stellen hiermit nochmals mit aller Ge- lassenheit fest: Die„Kreuzzeitung" brachte in ihrer Nr. 209 vom Sonnabend, den 7. Mai. und zwar in der Morgen aus- gäbe dieses Tages, jene Artikel, in denen der die Maximierung betreffende Beschluß des Herrenhauses geradezu unglaublich e n t st e l I t wiedergegeben wurde. Dieser in einem breit auZ- gesponnene» L e i t artikel begangene„Irrtum" wurde weder in der Abendausgabe vom Sonnabend(Nr. 210) richtiggestellt, noch in d« SoMtagsnumMr(Nx. 211), In in SonntagSnumZiek crjchjeq vielmehr ein tveiterer Artikel, der ganz in derselben«n- glaublich falschen Weise die Beschlüsse des Herrenhauses inter- pretiertc! Erst am Montagabend, in der Nr. 212 brachte dann die ..Kreuzzeitung" eine kurze Berichtigung. Daß der„Vorwärts" diese Berichtigung übersah, ist etwas, was weder von„Fahrlässigkeit" noch von„Unfähigkeit" zeugt. Daß aber die.Kreuzzeitung" ihren ungeheuerlichen„Irrtum" am nächsten Tage nicht nur nicht berichtigte, sondern durch einen zweiten Artikel munter fortsetzte, das ist allerdings etwas, was der Gewissenhaftigkeit und den Fähigkeiten der„Kreuzzeitungs"-Ncdaktion sowohl, wie ihrer Leser ein ganz eigenartiges Zeugnis ausstellt! Im übrigen hat gerade die..Kreuzzeitung" alle Ursache, von der „Unzuverlässigkeit" anderer Blätter zu sprechen! Ist ihr doch in ihrem Artikel nicht nur bei der„Maximierung" ein solch unglaub- licher„Irrtum" unterlaufen, sondern strotzen doch ihre sämtlichen Zahlen von Fehlern! Um nur einiges zu erwähnen, berechnete die„Kreuzzeitung" die für die Drittelung in Betracht kommende Staatseinkommensteuer auf insgesamt 244 Mil- lionen M., während der Betrag in Wirklichkeit sich nur auf 175 Mil- lionen M. beläuft! So behaupetete sie weiter, daß von der Staats- einkommensteuer auf die erste Klasse 88, auf die zweite 80 und auf die dritte 78 Millionen M. entfallen seien, während die wirklichen Ziffern 82, 54 und 58 Millionen M. betrugen! Kurzum, die ganzen Artikel der„Kreuzzeitung" beruhten, um uns des angemesseneren Ausdrucks Fälschung nicht zu bedienen, auf einer ganzen Kette schier unglaublich er Irrtümer! Ganz einerlei, ob die Artikel redaktionelles Eigentum waren, oder ob die Redaktion einem„geschätzten" Mitarbeiter nur Gastrccht gewährte: durch die unbeanstandete Veröffentlichung solcher Artikel an zwei ver» schieden en Tagen hat die„Kreuzzeitung" einen gar nicht zu überbietenden Beweis von Leichtfertigkeit und Unfähigkeit erbracht! Die Folgen der Tabaksteuer. Mit der künftigen Gestaltung der Unter st ützung für die Tabakarbeiter, die durch das Tabaksteuergesetz arbeitslos geworden sind, wird sich der Bundesrat niit Rücksicht auf die neueren Beschlüsse des Reichstages zum Etat befassen. Vorher wird jedoch eine Konferenz mit den Ver- tretern der Tabakarbeiterorganisationen am 19. Mai und eine gleiche Konferenz mit den Fabrikanten der Tabakindustrie im Reichsschatzamt statt- finden._ Wer hat nun recht? Der 24. BerufSgenossenschaftstag, über dessen Erklärungen zur Reichsversicherungsordnung wir weiter unten berichten, erfreute sich auch der Anwesenheit des Staatssekretärs des Innern. Herr Delbrück begrüßte die Versammelten und unternahm dann in einigen allgemeinen Wendungen eine schüchterne Verteidigung der Reichsversicherungsordnung gegen die Angriffe der Unternehmer. Dabei sprach er auch den folgenden schönen Satz aus: .... Der Gesetzgeber darf nie der Diener bestimmter Interessengruppen sein, sondern er muß über ihnen stehen und das Gesetz lediglich im Jntereffe des Allgemeinwohls auszugestalten bestrebt sein." Ein Vorgänger des Herrn Delbrück, der Herr v. Boetticher, hat einmal bei einer ähnlichen Gelegenheit einer Versammlung von Unternehmern gesagt:„Meine Herren, wir arbeiten ja nur für Siel" Wer hat nun recht? Herr v. Boetticher hatte recht--- Herr Delbrück hat indes auch recht! Herr Boetticher hat seinerzeit eine Tatsache festgestellt, Herr Delbrück dagegen hat eine sittliche Forderung aufgestellt. Herr Boetticher sprach von der Praxis, welche die Reichs- regierung verfolgt, Herr Delbrück dagegen von der Theorie, die auf die Praxis der ReichZregierung keinen Einfluß hat. Zur Neichsversichernngsordnung. Unter dem Vorsitz des Justizrats Wandel. Direktor bei der Firma Krupp, tagte ain 9. Mai in Berlin eine Versammlung der Vertreter der Verbandes der Betriebskranlenkassen, um zu der Reichsversicherungsordnung Stellung zu nehmen. In einer zur Annahme gelangten Resolution erklärte nian sich mit der Ausdehnung der KrankenversicherungSpslicht einverstanden, äußerte jedoch„Bedenken" gegen die Versicherung der Hausgewerbetreibenden. Weiter heitzt es dann: „Als Voraussetzung für das Fortbestehen und die Errichtung von Betriebskrankenkassen darf, wie bisher, nur eine Mindest- zahl von 50 Versicherten festgesetzt werden. Die Er- richtung einer neuen gemeinsamen Behördenorganisation für die Reichsversicherung, namentlich von Versicherungsämtern, ist schlietzlich nicht gerechtfertigt und verumständlicht und verteuert die Reichs« Versicherungsordnung ganz erheblich. Den Krankenkassen mutz daS Recht bleiben, nur bestimmte Apotheken zur Lieferung zuzulassen. Bei anderer Rechtslage sind günstigere Lieferungsbedingungen über- Haupt nicht mehr zu erzielen. Ferner müssen die freigegebenen Mittel auch aus anderen Quellen bezogen und selbst abgegeben werden können. Die Regelung der Arztfrage wird auf das entschiedenste zurückgewiesen; sie läuft tatsächlich auf die zwangsweise Ein- führung der freien ArzNvahl hinaus und gibt die Krankenlassen den Aerzteorganisationen preis. Die Arztfrage ist für die Krankenkassen eine Lebensfrage. Erfolgt nicht eine Regelung dieser Frage mindestens im Sinne der Bestimmungen des ersten Entwurfs, so ist die ganze Neuordnung der Krankenkassen unannehnibar." Gestern sprach sich der Deutsche Berufsgenossen- schaftStag insbesondere gegen die Organisation der Ver- sicherungS- und Oberversicherungsämter und gegen die Art aus, wie die Arztftage in der Reichsversicherungsordnung geregelt wird. Vergebliche Reinwaschungsversnche der Neumiinsterschen Polizei. _ Folgende Nachricht wurde am Montag von WolffS Bureau verbreitet und von vielen Blättern abgedruckt: „Wegen falscher Aussage vor Gericht in dem am 4. Mai vor der Kieler Strofkammer stattgefmidenen Prozeß wegen der Wahl- rechtSdemonstration am 13. Februar in Neumünster ist g e gen zwei Zeugen ein Strafverfahren wegen Mein- e i d S eingeleitet. Ein dritter Zeuge hat sich freiwillig g e- stellt und angegeben, datz s e r n e Aussage nicht richtig war." Tatsache ist, datz ein Entlastungszeuge zu dem HauptbelastungS- zeugen und Leiter der blutigen Polizeiattacke am 13. Februar in Neumünster, dem Polizeikonmussar Gutsmann gekommen ist und angegeben hat, daß er sich in der Abschätzung der Entfernung zwischen Polizei und Publikum etwas geirrt habe. Diese Angaben sind zu Protokoll genonnnen worden. Von der Einleitung eines Strafverfahrens ist bis jetzt nichts bekannt, auch ist gegen weiterePersonen nichts unternommen worden. Es liegt auch keine Veranlassung dazu vor. Bekanntlich behaupteten die Polizeibeamten in dem Prozeß, es sei nicht auf Fliehende ge- schlagen worden, und der Polizeikommissar GutSmann sagte mit Be- stimnitheit aus, als blank gezogen wurde, hätten die Polizisten direkt vor der Menge gestanden, und es sei nicht mehr vorgegangen worden. Der hier in Frage kommende Zeuge behauptete aber ebenso bestimmt, datz die Polizei in dem Augenblick noch etwa 80 Schritt von, Publilnn� entfernt war und auch vorgegangen sei. Man geht wohl nicht fehl, wenn man annimmt, datz die von Wolff verbreiteten Gerüchte von einer bestimmte» Seite ausgehen und einen bestimmten Zweck berfolgen. Die Neumllnstersche Polizei, die am 4. Mai als moralisch Verurteilte den Gerichtssaal verließ, hat alle Ursache, sich reinzu« waschen, wenn sie in dem nächsten großen Prozeß, der am 13. Mai stattfindet und in dem gegen fünf Personen wegen Landfriedens» bruchs verhandelt werden soll, noch etwas gelten will. Land- sriedensbruch sollen diese fünf Personen begangen haben nach Schluß der Protestversammlungen am 15. Februar, welche wegen der blutigen Polizciattacke am 13. Februar einberufen war.— Gegen das Urteil vom 4. Mai haben die zehn Verurteilten jetzt auch Revision ein- gelegt, nachdem dasselbe schon von der Staatsanwaltschaft ge- schehen ist._ Kriegskosten im Wahlrechtskampf. In ununterbrochener Folge spielen sich in H a l l e a. S. Prozesse gegen Wahlrechtsdemonstranten ab. Vorzugsweise die Strafkammer des bekannten Landgerichtsdirektors Schubert entfaltet eine fieber- hafte Tätigkeit und verhängt besonders harte Strafen. Bisher ist gegen 42 Personen Gefängnisstrafe in Höhe von insgesamt zwei Jahren sechs Monaten drei Wochen und drei Tagen verhängt worden, autzerdem erhielten 49 Per- sonen Geldstrafen in Höhe von zusammen 991 M. DaS Justiz- verfahren ist dem der Polizei gleichwertig. Was Zeugen in Zivil auszusagen haben, ist ohne Belang; jedem Beschuldigten wird ein polizeilicher Zeuge gegenübergestellt, dessen Aussage durch Entlastungszeugen nicht erschüttert werden kann. Welcher Art die Delikte zum Teil find, möge daraus entnommen werden, datz ein Angeklagter 20 Mark Geldstrafe erhielt, weil er die Hände in die Hosentaschen steckte und über die Polizei lachte! Jugendliche Personen von 15 Jahren, die infolge irgend eines Zufalls ins Gedränge gerieten und sistiert wurden, erhielten Gefängnisstrafen. Solche, die ihre Nichtteilnahme an der Demonstration nachweisen konnten, wurden „er st recht" bestraft, weil sie zu den Neugierigen gehörten, die der Polizei ihr ohnehin schwieriges Amt erschwerten. Sehr charakteristisch für die Art, wie die Polizei ihr unerhörtes Vorgehen gegen Wahlrechtsdemonstranten zu vertuschen sucht, ist die Verhängung eines Strafmandats gegen einen älteren Mann, der durch Säbelhiebe schwer verletzt wurde und unter den unbar in herzigen Streichen der Polizisten vor Sch in erzen schrie. Er erhielt eine Strafverfügung wegen JohlenSI Diese Versügung erging, als er Schadenersatz von der Stadt heischt« und auch auf Strafandrohung durch die Polizei bei seiner Forderung blieb.— Um dies Werk der Justiz zu krönen, ist nachträglich An- klage gegen drei der Schwerverletzten vom Blutsonntage, 13. Februar, erhoben worden, die lange Wochen in Krankenhäusern zubringen mutzten. Zum Verteidiger dieser Angeschuldigten ist Ge- nasse Dr. Karl Liebknecht bestellt worden. Hansabündler gegen Arbeiter schütz. Die Ortsgruppe Leipzig des Hansabundes hat die Neutralität, die die Satzungen des Bundes in sozialpolitischen Fragen versprechen, nicht zu halten vermocht. Sie bereitet eine Petition dem Reichstag vor, in der es heitzt. die am 1. Januar 1910 in Kraft getretene GewerbeordnungS- Novelle habe für die Detaillisten in der Putz- und KonfektionS- brauche nnt zehn und mehr Arbeiterinnen einschneidende wirtschaftliche Schäden gebracht. Die Erlaubnis zur Ueberarbeit, besonders an Sonnabenden und Vorabenden der Fest- tage sei für diese Betriebe ein auch im wirtschaftlichen Interesse der Angestellten(I) dringendes un- bedingtes Erfordernis. Die Ortsgruppe verlangt deshalb eine Beseitigung der bestehenden Mißstände(?) entweder durch Ab- änderung des Gesetzes oder durch eine authentische Auslegung des§ 139a Absatz 4 der Gewerbeordnung 1 Die Unverfrorenheit der Ortsgruppe geht sogar so weit, diese Petition den Arbeiterinnen zur Unterschrist vorzulegen, allerdings bisher ohne Erfolg._ Abgefertigt. Den reaktionären Posener Oberbürgermeister Dr. WilmS, der sich in seiner Wahlrechtsfeindschast auf das Recht der freien MeinungSäutzerung berufen hatte, fertigt der Vorstand deS Posener Freisinnigen Vereins folgendermaßen ab: „Die Resolution der freisinnigen Versammlung vom 3. Mai 1910 ist der unzweideutige Ausdruck des dieser politischen Versammlung zustehenden Rechts auf freie MeinungSäutzerung. Sie gibt in unanfechtbarer Form die politische Auffassung weiterer Kreise über die Stellungnahme des Vertreters der Stadt Posen im Herren- hause zu einer hochwichtigen politischen Frage kund. Die Ver« Wahrung des Oberbürgermeisters Dr. WilmS gegen die angeb- liche Beeinflussung seines Rechts auf freie Meinungsäußerung stößt daher offene Türen ein, ohne die sachlichen Unterlagen jener Resolution zu erschüttern." Mißtrauensvotum für den badischen Eisenbahnminister. Die Zweite badische Kammer lehnte mit 39 gegen 26 Stimmen den sozialdemokratischen Antrag. daS Eisenbahn-Kilo meterheft wieder einzuführen, ab. Dagegen nahm die Grotzblockmehrheit, Liberale und Sozialdemokraten, ein Mißtrauensvotum gegen den Eisenbahnminister wegen seiner Tarifpolitrk an. In bürgerlichen Blättern wird vermutet, datz der Eisenbahnminister Marschall deshalb seinen Abschied. nehmen mutz. Firmenschwindel. Im ReichStagSwahlkreise Bochum wollen die National« liberalen einen Arbeiter als NeichStagSkandi« baten aufstellen. 1903 hatten die Parteiführer das schon ver- sprachen, jetzt, da der Kreis im Besitz der Sozialdemokratie ist, soll daS Versprechen endlich eingelöst werden. Verbot gewerblicher Arbeit für Soldaten. Der preußische Kriegs, ninister hat durch eine Verordnung den Unteroffizieren und Mannschaften der Armee verboten, Zivilpersonen, oder den Handwerksmeistern der Truppen und der milrtärischen Anstalten zur. Ausübung ihres Gewerbebetriebes Beihilfe zu leisten. In der Verordnung ist weiter vorgeschrieben, datz die Mannschaften von jeder an sie ergehenden derartigen Auf- sorderung ihrem Vorgesetzten Meldung zu machen haben. Hoffentlich ist damit dem unwürdigen Zustande ein Ende ge» macht, datz Soldaten auf Befehl ihrer Vorgesetzten ihren um Ver- befferuna der Lebenslage kämpfenden ArbeitSbrüdem als Streik- brecher in den Rücken fallen._ Die„Diskussion" bezw. der Verlag dieser Zeitschrist(Eberhard Frowein) sendet uns zu unseror gestrigen Notiz„Keine Mitarbeiterschast Bebels an der „Diskussion" folgende Zuschrift: „Wie in Nr. 2 der„Diskussion" ausdrücklich angegeben worden ist, hat Herr August Bebel seine im Januar 1895 gehaltene Rede eigenbändig korrigiert und verbessert und zwar zum Zweck einer Veröffentlichung in der„Diskussion"." Zu dieser Berichtigung teilt uns Genosse Bebel mit, daß er seinerzeit abgelehnt habe, für die„Tiskusston" einen Beitrag zu liefern. Der Verleger habe darauf angefragt, ob er eine Rede Bebel» über doö WahlkxKt abdrucken sonne. Dsrgtlf gab venoge Bebel ihm zur Antwort, daß er lein Recht hätte, das zu berweigern, denn! ReichÄtagsreden könne jeder abdrucken. Später ist dem Genossen Bebel die Rede mit der Bitte um Korrektur zugesandt worden; Bebel habe diese vorgenommen, aber ausdrücklich, und zwar zweimal, verlangt, der Ueberschrift auch die Bezeichnung als Rede zu geben und das Datum hinzuzusetzen, an dem die Rede gehalten wurde. Tiesem Verlangen kam der Verlag nicht nach; es wurde dadurch der Eindruck aufrechterhalten, als ob Genosse Bebel Mitarbeiter der «Diskussion" sei. Die Korrektur einer ReichStagsrede, deren Abdruck Genosse Bebel niemanden, verbieten kann, ist doch wohl etwas anderes als das, was man gemeiniglich unter Mitarbeit versteht. Militärische Erziehung. Wegen zahlreicher roher Soldatenmitzhandlungen hatte sich der Sergeant Stefan Kraus von Bamberg, der bei der 4. Batterie des 3. Fcldartillerie-Regimentes diente, vor dem Kriegsgericht in München zu verantworten. Kraus ivird beschuldigt, in 14 Fällen Leuten seiner Batterie Schläge in das Gesicht und auf den Kopf versetzt zu haben. In drei Fällen befahl er auch Untergebenen, aus dem bereits in der Düngergrube befindlichen Stallmist winzige Strohhalme herauszusuchen. Ganz besonders hatte es der An- geklagte auf die Rekruten abgesehen. Während eines ganzen Jahres forderte er die älteren Mannschaften fast täglich auf, die Rekruten»zu schlagen", und die„Alten" er- füllten den Wunsch des Angeklagten nach Kräften. Sie traktierten die Rekruten fortgesetzt mit Ohrfeigen. Auch mit Bügelringen und Riemen schlugen sie auf die jungen Mannschaften ein. Mit Bezug auf den Rekruten Hartmann meinte der Angeklagte zu den älteren Mannschaften:„Er mutz Euch den Laufburschen machen, sonst haut Ihr ihn."— Als sich einer der Rekruten einmal beschweren wollte, schenkte ihm der Sergeant Kraus 2 M., damit er die Anzeige unter- lasse.— Außerdem war der Angeklagte einer Meineidsverleitung beschuldigt. Als im Laufe der Voruntersuchung einer der Re- kruten als Zeuge vor den die Untersuchung führenden Kriegs- gerichtsrat geladen wurde, soll Kraus zu ihm geäußert haben,»er solle sagen, er wisse nichts". Der Nachweis für die angenommene Meineidsverleitung konnte jedoch nicht erbracht werden, weshalb in dieser Hinsicht Freisprechung erfolgte. Wegen der übrigen Reate wurde der Angeklagte zu 4 Monaten 15 Tagen Gefäng« nis verurteilt. Außerdem wurde auf Degradation erkannt. Von der erlittenen Untersuchungshaft wurde 1 Monat in Anrech- nung gebracht,_ Schweiz. Ein Erfolg. Zürich, 9. Mai. sEig. Ber.) Bei den gestern in Bern statt- gefundenen Kantonsratswahlen hat unsere Partei einen schönen Erfolg erzielt und die erbärmliche Gewaltpolitik der verbündeten Freisinnigen und Konservativen vereitelt, Von 26 Vertretern der Stadt Bern im Kantonsrat sollte die sozialdemokratische Par- tei, die die stärkste von allen drei Parteien ist, keinen einzigen er- halten. Bis jetzt hatte sie einen Vertreter und den wollten nun die bürgerlichen Gewaltpolitiker aus dem kantonalen Parlament hin- auswerfen. Es ist aber erfreulicherweise anders gekommen. Unsere Partei hat 7 Sitze erobert, zu dem bisherigen einen noch 6 Sitze hinzu, während die Freisinnigen 14 und die Konservativen 5 Sitze erhalten. Damit hat zwar die Arbeiterschaft nicht die ihr gebüh- rende Vertretung, aber sie hat doch die schamlose bürgerliche Eni- rechtungspolitik erfolgreich zurückgewiesen. Frankreich. Wechsel im Kriegsministerium. Paris, 11. Mai. Die Gerüchte, das Ministerium Briand beabsichtige zurückzutreten, sind unrichtig. Nur Kriegsminister Brun dürfte aus Gesundheitsrücksichten aus dem Ministerium scheiden und durch einen anderen General ersetzt werden.— Spanien. Die Wahlen. Madrid, 11. Mai. Nach den letzten Statistiken sind gewählt: 22SLiberale, SS Konservative, 48 Republikaner, 8 Karlisten, 8 Katalanisten, 2 Unabhängige, 2 Inte« g r i st e n und 2 Sozialisten. DaS definitive Resultat dürfte nicht vor Donnerstag bekannt werden. In Campo de Cuellar kam es zu einer Schlägerei, wobei es einen Toten und 13 Verletzte gab. In Caroline gab es einen Toten und in Adiz(Provinz Navarra) 11 Verwundete. Die Frauen haben im allgemeinen auf die Wahlen eüien großen Einfluß ausgeübt. In zahlreichen Gruppen zogen sie durch die Straßen und schleppten die Wähler zu den Wahllokalen. Das Blatt„El P a i S' erzählt einen kuriosen Zwischenfall: In einer der Sektionen des Arbeiterquartiers erschien die Frau eines Arbeiters an der Wahlurne, um für ihren schwer erkrankten Mann zu wählen. Sie brachte ein ärztliches Zeugnis bei, das auch von den Wahlvorstehenr akzeptiert wurde. Es ist das erstemal, daß in Spanien eine Frau gewählt hat. Gegen Wahlfälschungen. Granada, 11. Mai. Hier herrscht eine lebhafte Erregung über die Wahlniederlage des republikanischen Kandidaten Leo. nardo Ortega, welche Wahlfälschungen zugeschrieben wird. Zahlreiche Kaufleute haben ihre Läden geschlossen; der Ver» lehr der Straßenbahn ist eingestellt. Die Polizei zerstreute mehrere Ansammlungen. Snglanä. Die veraltete Eidesformel. London» 11. Mai. Dem Bernehmen nach hat die Regierung beschlossen, in dieser Session einen Gesetzentwurf einzubringen, durch den die Erklärung des Königs bei seiner Thronbesteigung geändert werden soll. Es sollen gewisse Wendungen aus- geschaltet werden, welche von den römischen Katholiken als eine Beleidigung angesehen werden. Die fragliche Erklärung geht dahin, daß der neue König nicht dem römisch-katholischen Glauben angehört, und wurde zuerst bei der Thronbesteigung des Königs Wilhelm und der Königin Maria im Jahre 1689 abgegeben. Die römischen Katholiken haben früher schon häufig versucht, die Ausschaltung der Worte zu erreichen. welche die Gebräuche der Kirche von Rom als abergläubisch und götzendienerisch bezeichnen. Thronwechsel und innere Politik. London, 11. Mai. Das offizielle Bursau der Regierungs- einpeitscher hat im ganzen Lande Befehl gegeben, keinepoliti- schen Versammlungen abzuhalten, bis die Beisetzung des Königs Eduard erfolgt ist. Die in Manchester geplante Kund- gebung, an welcher über 100 Ovo Personen teilnehmen sollten und in welcher Lloyd George als Hauptredner auftreten sollte, ist endgültig abgesagt worden. Auch die Oppositions- Parteien haben in Versammlungen in der letzten Zeit be- schlössen, alle politische Arbeit bis nach der Beisetzung des Königs ruhen zu lassen und haben im Lande eine ähnliche Matzregel bekanntgegeben. Man glaubt, daß eine Verständigung zwischen der Regierung und den Führern der Opposition vor- bereitet worden ist. Man will nämlich verhindern, daß in den nächsten Jahren Neuwahlen notwendig werden und hat sich zu diesem Zweck mit den Oppositionsparteien in Verbindung gesetzt, um eine Verständigung, über die allerdings erst in einigen Wochen eenaperes bekanntgegeben werden wird, herbeizuführen. Ciirhd. Albanien und Kreta. KonpantinoPel, 11. Mai. Nach einer Depesche des Kriegs- nunisterS aus Üsküb erlitten die A u f st ä n d i s ch e n in den letzten Kämpfen um Budakovo und Eranlievo große Verluste. Auf der Seite der Truppen sind zwei Offiziere und acht Soldaten ver- wundet. Die türkische Presse tadelt die Eidesleistung der kret i sch en Kamm er heftig. Sie hofft, daß die Schutzmächte da? Nötige veranlassen werden. T a n i n empfiehlt der öffentlichen Meinung, kaltes Blut zu bewahren und gibt der Hoffnung Ausdruck, die Mächte würden die Gelegenheit benutzen, um die Kretafrage end- gültig gemäß den türkischen Rechten zu lösen. China. Neue Unruhen. London, lt. Mai. Nach Meldungen aus Peking sind iü A uencha u Unruhen ausgebrochen. Die Gebäude der China- Jnlandmission sind zerstört. Einzelheiten fehlen, da die Tele- graphendrähte zerschnitten worden sind. Die Missions- station Fuenchau steht unter der Leitung der Württembergischen Liebenzeller Mission. Parlamentarisches. In der Justizkommisfion des Reichstage? führten die KZ 58 und 59 der Strafprozeßordnung zu einer längeren Debatte. Diese Paragraphen bestimmen die Ausnahmen, bei denen ein Zeuge nicht vereidigt wird. Unsere Genossen beantragten, auch dann die Vereidigung eines Zeugen nicht vorzunehmen,»wenn der Zeuge zur Zeit seiner Vernehmung oder zur Zeit des Vorganges, über welchen er Auskunft geben soll, wegen Geisteskrankheit ent- mündigt war". Dieser VerbessernngSantrag wurde in seinem ersten Teil in der Form:„wenn der Zeuge zur Zeit seiner Vernehmung wegen Geisteskrankheit entmündigt ist" angenommen. Nach Erledigung der K§ 60 und 61 setzten lebhafte Diskussionen beim Z 62. der die Eidesformel festlegt, ein. Zu diesem Para- graphen lagen Abändernngsanträge von unseren Genossen und den Freisinnigen vor, die die religiöse Eidesformel dyrch eine nicht« religiöse Grundeidesformel ersetzen wollen, zu der die religiösen Zusätze zu machen dem Zeugen vorbehalten bleiben soll. Das Zentrum beantragte, daß der religiösen Eidesformel noch eine religiöse Bekräftigungsformel als Zusatz angefügt werden könnte. Bei der Abstimmung wurden alle Abänderungsanträge abgelehnt und der§ 62 in der Fassung der Regierungsvorlage ange- n o m m e n. Hus der Partei. Alle bisherigen Sozialistentöter übertrumpft! � Auf der Grenze der beiden Wahlkreise Nordhausen und Schwarzburg-Sondershausen liegt der Ort Großberndten, zum Kreis Nordhausen gehörig. Ein betriebsames Völkchen wohnt in diesem weitab von allem Verkehr gelegenen Ort. Aus ihm wan- dern zu Beginn des Frühjahrs eine größere Anzahl Bewohner nach Westfalen oder nach Erfurt und Nordhausen, um als Maurer und Bauarbeiter ihr Brot zu verdienen. Ein Teil hat auch in der in der Nähe gelegenen Kaliindustrie Beschäftigung— tvcnn auch nicht allzu lohnende— gefunden. Die Arbeiter des Ortes sind ge- werkschaftslich organisiert; leider fehlte bis jetzt jede volitische Organisation, wenn auch das politische Leben recht lebendig war. Um auch de» jüngeren Arbeitern Gelegenheit zur Bildung zu geben, war vor mehreren Jahren ein Bildungsverein gegründet worden, der über eine ansehnliche Bibliothek verfügt. Jetzt endlich gingen die Genossen auch daran, einen sozialdemokrati- s ch e n V e r e i n zu gründen, um sich selbst mehr an der politischen Arbeit zu betätigen und die bisher erzielten Erfolge bei der Ge- meinderatslvahl auszunützen. Nach Vorschrift deS VeremsgesetzeS meldete der Vorsitzende den neuen Verein bei der Polizeibehörde an. Die Empfangsbestätigung war etwas eigenartig. ES heißt darin: „... Ferner gebe ich Ihnen anHeim, ob«S nichk ratsamer und für unsere örtlichen Verhältnisse viel richtiger wäre, wenn der unter Ihrer führenden Leitung stehende sozialdemokratische Verein sein politisches Parteiprogramm aufgeben und sich in einen evangelisch-christlichen Arbeiterverein ohne politischen Zweck umwandeln würde. DieS wallen Sie, bitte, gefälligst Ihren Vereinsmitgliedern unter- breiten und mir den Beschluß hierüber mitteilen.> Der Amtsvorsteher: I. Lorenz." Es gibt Wahrhaftig kein einfacheres Mittel zur Sozialisten. Vernichtung. Man braucht die Erfindung. des Amtsvorstehers Lorenz in Großbernten nur in die preußisch-deutsche Verwal- tungSpraxis zu übertragen und die Sozialdemokratie hat auf- gehört zu existieren. Vorausgesetzt allerdings, daß die väterlich Ermahnten der freundlichen Anregung Folge leisten. Dafür kann allerdings keine Garantie geleistet werden! Doch die Sache hat auch ihre ernste Seite. Man kann sich nach dem amtsvorsteherlichen Erlaß eine Vorstellung davon machen, was dienigen von der Behörde zu erwarten haben, die sich in einem solch abgelegenen Ort mit ihrer sozialdemokratischen Ge- sinnung hervorwagen und den»freundlichen Ermahnungen" nicht zugänglich sind. In Großberndten werden freilich alle Polizei- Praktiken nicht verfangen, dazu ist die dortige Arbeiterschaft zu geschult und in zu engem Kontakt mit der Arbeiterbewgung der vorgeschritteneren Gebiete._ Gemeindewahlsieg. In Merseburg, dem Sitz der Regierung für den gleich- namigen Bezirk, waren bei der Ergänzungswahl im Herbst vorigen JabreS in der dritten Abteilung unsere Genoffen siegreich gewesen. Bier Mandate fielen ihnen zu. Die„liberalen" Gegner entdeckten nun, daß bei der Auslegung der Wählerlisten vom Magistrat ein Fehler gemacht worden sei, infolgedessen die Wahl für ungültig er« klärt wurde. Dieser sehr unwesentliche Fehler ist jahrzehntelang wiederholt worden und wurde nicht bemerkt, solange in der dritten Abteilung bürgerliche Stadtväter gewählt wurden. Am 10. Mai fand nun wiederum Wahl statt, bei der die vier Mandate von neuem von unseren Genossen erobert wurden. Unsere Kandidaten erhielten rund 740 Stimmen, die Gegner nur 600, obwohl sie kein Mittel unversucht ließen. Unsere Stimmenzahl hat sich seit dem Herbst um 200 gehoben. Wie sozialdemokratische Gemeindevertretcr abzuwägen find! Jetzt kommt die Sache Wetzell So kündigte in der letzten Gemeinderatssitzung in Wickede in Westfalen der Gemeinde- Vorsteher den nächsten Punkt der Tagesordnung an. Die Sache Wetze! betrifft unseren Genoffen Wetzet, der schon vier Jahre das Amt eines Gemeindeverordneten inne hat. Nach Aufruf der Sache meinte der Gemeindevorsteher, er, Wetzel, möge während der Verhandlung abtreten. Man einigte sich dahin, daß Wetzel während der Verhandlung anwesend bleiben könne. Und dann wurde in der Sache ein Schreiben des Herrn Landrats verlesen, in welchem die Frage gestellt wird, ob Wetzel vor vier Jahren als Gemeinde- verordneter verpflichtet worden sei. Sei das nicht geschehen, dann wäre damit der gang« bar sie Weg gezeigt, um jetzt noch Metzels Wahl für ungültig zu erklären. Sollte wider Erwarten die Wahl dann mcht für ungültig erklärt werden, dann solle der Gemeindevorsteher gegen die Gemeindevertretung beim Kreisausschuß Klage führen. Das ist in der Tat ein ganz neues Ver- fahren, unbequeme Genieindeverordnetcn zu entfernen. D er Herr Landrat glaubt wohl annehmen zu dürfen, daß in den Land- gememden es nnt der Zeremonie der Verpflichtung nicht so genau genommen wird und knüpft daran seine Hoffnung. Borläufig ist anzunehmen, daß die Berechnung daneben geht uud der Herr Landrat sich verspekuliert hat. Die Gemeindevertretung hat die Beschlutzfassung vertagt._ Soziales* Folgen der Rentenknapscrek. Der Vorstand der Fuhrwerks-Berufsgenossenschaft weist froh- lockend auf die„bemerkenswerte und erfreulick� Tatsache" hin, daß das Umlagesoll diesmal um zirka 100 000 M. geringer sei als im Vorjahre. Die Nnfallentschädigungen seien um zirka 60 000 M. zurückgegangen und auch bei den Verwaltungskosten sei eine Er- sparnis erzielt worden Ü908 sind 2 881813,36 M. Entschädigungen gezahlt). Der Geschäftsführer weist darauf hin,„daß die erhöhten Aufwendungen für Unfalluntersuchungskosten im Jahre 1968 durch die anläßlich der Rentenempfängerkontrolle eingeholten zahlreiche» ärztlichen Gutachten bedingt gewesen, und auch der Rückgang der Entschädigungen zum größten Teile aus diese Maßnahme, deren Erfolg erst im Jahre 1909 in die Erscheinung treten konnte, zurück- zuführen sei." Man hat also die Aerzte in erhöhtem Maße mobil gemacht, um einer ganzen Anzahl armer Verletzter, die sich im sicheren Be- sitze einer kleinen Dauerrente glaubten, die kargen Pfennige wieder abzujagen. Dies Geständnis des Geschäftsführers ist recht wertvoll. Auch an den Gehältern der Angestellten im Hauptbureau der Genossenschaft wird ähnlich geknapst. „Der Vorsitzende," heißt es in dem Bericht,„erklärt, daß seiner- seits alles Mögliche geschehe, um Ersparnisse an Pettvaltungskosten zu erzielen und die vorhandenen Beamtcnkräfte entsprechend aus- zunuven." Diese„entsprechende Ausnutzung" spricht den einfachsten Aor- dcrungen der Sozialpolitik L>ohn. Es werden junge Leute, die ocm Namen noch als Lehrlinge eingestellt waren, um deren Ausbildung sich aber niemand genügend kümmert, wieder entlassen, nachdem sie jahrelang für ein Butterbrot„ausgenutzt" worden sind. Auch Familienväter, dre eine Reihe von Jahren Dienst getan haben, sind aus die Straße gesetzt worden und als Ersatz Konfirmandinnen engagiert! Nach uns zugehenden Berichten werden die Angestellten nicht nur„entsprechend ausgenutzt", sondern auch„entsprechend behandelt". Insbesondere der fromme Vorsitzende Fedkenhauer, Mitglied des Kirchenrats, legt auch altgedienten Beamten gegen- über ein Benehmen an den Tag, das von nichts weniger als so- � zialer Einsicht oder Rücksicht zeugt. Wichtigkeit von Zeuge» für Unfälle. Der Schleifer Oswald W. erlitt am 29. August 1908 dadurch einen Betriebsunfall, daß er beim Heruntergehen in die Werkstatt, die im Keller gelegen war, auf den schlüpfrigen Steinstufen aus- rutschte und 9 Stufen hinunterfiel. W. hatte an dem Unfalltage seine Arbeit angetreten und war daher mit den Ocrlichkeiten nicht genügend vertraut.— Von dem Fall setzte W. den Schleifermeister und seine Kollegen in der Werkstube in Kenntnis, denen er seinen beim Fall lädierten Arm zeigte. Der Fall erschien nicht wesentlich. Erst nach einiger Zeit stellten sich Folgen ein, die die Erwerbs- fähigkeit beeinträchtigten. Der linke Arm schwoll an, W. mußte sich in ärztliche Behandlung begeben. Die Norddeutsche Metäll-Berufsgenossenschaft, bei der W. dann Anspruch auf Entschädigung stellte, wies denselben ab, da nicht er» wiesen sei, daß W. einen Betriebsunfall erlitten habe. Auf ein- gelegte Berufung vernahm dann das Schiedsgericht für Arbeiter- Versicherung Stadtkreis Berlin in mehreren Sitzungen die Kollegen des W. und den Schleifermeister. Durch deren Aussagen wurden die Aussagen des W. bestätigt. Die Berufsgenossenschaft erklärte sich nunmehr zur Zahlung einer Rente bereit. Hätte in dem vorliegenden Fall der Verletzte die Zeugen nicht sofort von dem Unfall in Kenntnis gesetzt, so hätte er wahrscheinlich mit seinem Anspruch auf Entschädigung abgewiesen werden muffen. Wir fügen dieser Schilderung die Wiederholung unserer Mahnung bei, von einem Unfall, selbst wenn die Erwerbsfähigkeit nicht be- einträchtigende Folgen sich nicht sofort zeigen, den Kollegen Kenntnis zu geben, damit für den Fall einer Verschlimmerung der Beweis des Unfalls geführt werden kan. Em Industrie und Kandel. (Siehe auch 1. Beilage.) Absatzmangel. Die Laufitzer Braunkohlengruben leiden unter starkem Absatz- mangel. Ein Werk ist schon außer Betrieb gesetzt, zwei weitere sollen demnächst ebenfalls die Produktion einstellen. Man glaubt, daß mit diesen Maßnahmen das Verhältnis zwischen Erzeugung und Absatz noch nicht hergestellt sein werde. Wie das„B. T." meldet, ist ein Werk bei Teuplitz nach Bereinbarungen mit dem Kohleneinkaufs- verein in Sommerfeld kontraktbrüchig geworden. Ob das Syndikat der Lausitzer Rohbraunkohlen in Forst die Schwierigkeiten überwinden wird, erscheint noch fraglich._ Grenzen auf! Zur Frage der Oeffnuna der Grenzen für die Einfuhr lebenden Schlachtviehs hat die Berlmer Fleischer-Jnnung in ihrer gestern abend stattgeftmdenen Versammlung, wie die„Allgemeine Fleischer- Zeitung" meldet, eine Resolution einstimmig angenommen, in der es u. a. heißt: „Entgegen allen Ausführungen der Vertreter des AgrariertumS hat die außerordentliche Viehzählung vom 1. Dezember 1909 für Preußen den Nachweis erbracht, daß die Zahl der Rinder im Jahre 1909 mit 11 751 921 Stück nahezu wieder den niedrigen Stand des Jahres 1906 erreicht hat, daß ferner die Zahl der Schweine im Jahre 1909 trotz Zunahme gegen das Voriahr mit 14 140 617 noch immer unter dem Stande von 1906 steht, daß endlich die Zahl der Schafe nur noch nahezu 6 Millionen Stück gegen nahezu 20 Millionen Stück im Jahre 1375 beträgt.... Die Fleischerinnung Berlins wird ihre Forderung nach Oeffnung der deutschen Grenze zwecks Einführung von lebendem Schlachtvieh nach den öffentlichen Schlachthöfen des Deutschen Reiches und nach an- gemessener Herabsetzung der bestehenden Zölle immer wiederholen und im Interesse des konsumierenden Publikums nicht ruhen, bis durch solche Maßregeln eine Herabsetzung der hohen Viehpreise und damit der Verkaufspreise für alle Arten Fleisch, Wurst- und Fleisch- waren ermöglicht wird, deren gegenwärtige Höhe einzig eine Folge der der Landwirtschaft zum Schaden aller übrigen Erwerbsstände gewährten übermäßigen und durch nichts begründeten Vergünstigungen und Schutzes ist."_ Anbau von Zuckerrüben. Nach den Ernrittelungen der Jnter- nationalen Vereinigung für Zuckerstatistik wird die Rübenaubaufläche in Deutschland auf 469750 Hektar geschätzt gegen 456135 Hektar, das beißt um 3 Proz. Höhr als im Vorjahre, Die diesjährige Anbaufläche ist die drittgrößte seit zehn Jahren und wird nur von denen der Jahre 1901 und 1905 übertroffen. Bei den Angaben der Internationalen Vrreinigung ist der Vorbehalt zu machen, daß sie nur auf Schätzungen beruhen, zumal da nicht alle Zuckerfabriken die Umfrage beantwortet haben. Insgesamt wird der Mehranbau geschätzt in Prozent: Oester« reich-Ungarn 12,6, Frankreich 3,4, Belgien 4,6, Holland(3,7 Proz. Abnahme), Rußland 21,4, Schweden 3, die genannte» Länder inklusive Deutschland 10,7 Proz. Für Dänemark wird der Mehr- anbau auf 32,7 Proz., für Italien aus 14,4 Proz. geschätzt, während für Spanien ein Minderanbau von 19 Proz. angenommen wird. Die neueste Montanfusion. Die Gewerkschaft.„Konstantin der Große" hat vor einigen Wochen der Verwaltung der Bochumer Bergwerks-Aktiengesellschaft eine Offerte auf das Besitztum dieser Gesellschaft abgegeben. Jetzt hat diese Abänderungsvorschläge ein- gereicht, die im großen und ganzen darauf hinauslaufen, den Preis um eine Kleinigkeit hinauszusetzen.— Da die Acnderungcn nur geringfügig sind, und die Diökontogesellschaft die Majorität in der Bochumer Bergwerksgesellschaft mit den ihr nahestehenden Kreisen besitzen dürfte, so ist a» einem beiderseitigen Einverständnis wW nW zu zweijelll. 6ßwerkrcbaftUcbee# Hlfo«lock eine IMachtprobc der dnternekmer! Ter„Bauhilfsarbeiter" macht auf ein„Eingesandt" des Arbeitgeberbundes für das Baugewerbe der Provinz Posen oufmerksam, das sich im Beiblatt der„Posener Neuesten Nach- richten" vom 5. Mai 1910 findet. Es lautet: Eingesandt. Arbeitgcberbund für das Baugewerbe der Provinz Posen. Fernruf 152. Posen O 1, Gr. Gerberstr. 1, 2. Et. An die Behörden und das bauende Publikum der Provinz Posen. Um den gegenwärtigen Kampf im Baugewerbe nach Mög- lichkeit abzukürzen, beehren wir uns, im nachfolgenden dasjenige bekannt zu geben, was wir dazu geeignet halten, und bitten er- gebenst, hiervon gütigst Kenntnis nehmen zu wollen. Mit vorzüglicher Hochachtung Der Vorstand des Arbeitgeberbundes für daS Bau- gewerbe der Provinz Posen. G. Kartmann, Maurer- und Zimmermeister, Vorsitzender. Außer K a r t m a n u haben noch unterzeichnet drei Vor- standsmitglieder und der Syndikus Dr. Adler-Posen. Hinter diesen folgen die Namen der Vorsitzenden aus 20 Be- zirksvereinen der Provinz Posen. Dann heißt es wörtlich: Tie Gründe der Parteien im Baugcwerbekompf. l. Warum muß die Bundesleitung der Ar- beitgeber den zentralen Abschluß der Ber- träge zwischen den beiderseitigen Bundes- lcitungen, d. h. den Reichstarifvertrag for- d e r n? a) Weil sie im ganzen Deutsdfcn Reiche dem Baugewerbe für die Bertragsdauer den Frieden sichern will und die Erfahrung gelehrt hat, daß dies durch Hunderte von Einzelverträgen, wie sie bisher bestanden haben, nicht möglich ist, da die bisherigen Einzelverträae keinen Paragraphen enthalten. welcher den Vorstand des Arbeitgeberbundes berechtigt, sämtliche Einzelverträge sofort aufzuheben, wenn während der Vertragsdauer an dem einen oder andern Orte der Bertrag von feiten der Arbeitnehmer gebrochen wird. Der„Bauhilfsarbeiter" bemerkt dazu: „Hier steht es also schwarz auf weiß, worauf es den Scharf- machern im Baugewerbe ankommt, nämlich aus einem an sich ganz unscheinbaren Anlaß(dem Tarifbruch in einem einzigen, vielleicht ganz kleinen Orte abseiten der Arbeitnehmer) sofort sämtliche Einzcltarife aufzuheben und jn Konsequenz dieser Auf- Hebung die gesamte Bauarbciterschaft auszusperren» wenn die Zentralleitungcn der Gewerkschaften nicht sofort in der Lage sind, die Differenzen zu beseitigen. Aus solchem Anlaß heraus ist es auch im vorigen Jahre in Schweden zu der großen Aussperrung gekommen. Die Aehnlich- keit des gedachten Vorgehens im deutschen Baugewerbe läßt ver- muten, daß der Oberscharfmacher Schwedens, Sydow, den deutschen Bauunternehmern auf deren Straßburger Gencralver- sammlung die schwedische Aussperrungsmcthode cnipfohlen hat. Jetzt wissen wir also, um mit Herrn Baurat Felisch zu reden, „wer diejenigen sind, die sür den heraufbeschworenen Kampf die Verantwortung zu tragen haben"." Jetzt begreift man auch, weswegen die einsichtigeren 'Unternehmer sich gegen solche Pläne sträubten. Eine derartige Taktik bedeutete nämlich nicht allein eine Terrorisierung der Arbeiter, sondern auch eine solche der mit ihren Leuten in frieden lebenden Unternehmer und eine fortwährende Be- unruhigung des Gewerbes, die jede vernünftige Kalkulation über den Haufen werfen und jede gewinnbringende Pro- duktion unmöglich macheil würde. Unter solchen Verhält- nissen könnten dann nur noch jene, dein Baugewerbe durch- aus nicht zur Ehre gereichenden Schmarotzer-Existenzen und Abenteurer arbeiten, denen es egal ist. ob sie ihr Dasein durch von Fall zu Fall gewährte Baugelder der Banken oder durch Unterstützungen aus den Scharfmacher-Kasfen fristen. Es gibt keine Genieinfchaft, in der nicht Einzelne gegen die selbstgegebcnen Gesetze freveln. Kontraktbrüchige der Unter- nehmer kommen mindestens so häusig vor, wie die der Ar- biter. In solchen Fällen soll man den Schuldigen zur Ver- ontwortung ziehen, und nicht den sozialen Krieg erklären. Eine Gesellschaft, die das erstere läßt und das letztere ahnt, muß an Selbstzerfleischung zu Grunde gehen. Einem Gewerbe, wie immer es heißen mag, ginge es nicht besser. Herr K a r t m a n n ist übrigens nicht irgend einer. Der „Bauhilfsarbeiter" stellt fest, daß dieser Herr K a r t m a n n, der so unbedachtsamerweise ausplaudert. Mitglied der Dreizehnerkommission war, und deswegen auch über die Motive der Unternehmer genau unterrichtet sein muß. Mit Recht entrüstet ruft der„Bauhilfsarbeiter" aus: „Wer hat nach dem Geständnis der Herren des Baugewerbes aus der Provinz Posen noch den Mut, diesen Gewaltkampf der Bauunternehmer für berechtigt zu halten?! Das Spiel der Scharfmacher ist zu Ende. Treu und Glauben sind dahin. Wer s o, wie das Bauunter- nehmertum, die Bevölkerung belügt, ißr falsche Tatsachen vor- spiegelt, wer vorgibt» nur die BerufSintereffe» zu wahren» dann aber in Gemeinschaft mit fremdberuslichen Unternehmern des In- und Auslandes lediglich kämpft, um hunderttau- sende Arbeiter im eigenen Lande rechtlos zu machen; wer, um diese schofle Handlung zu vollführen, noch den traurigen Mut hat, an das große Publikum und die öffentlichen Behörden um Nachsicht und Unter st ützung zu appelliren, der hat jeden Anspruch auf Achtung seiner Mitbürger verwirkt und hat von der öffent- lickien Bühne abzutreten." Die Lüge als Kampfmittel glauben die Unternehmer auch sonst nicht entbehren zu kön- nen. So verbreitet die„Baugewerks-Zeitung"„unter Vor- behalt" in ihrer Nr. 37 folgende fette Unwahrheit: „Bömclburg hoffnungslos? Bon einem weitbekannten In- dustriellen wird uns versichert, daß Bömelburg die Sache der Ar- beiter für verloren erachte. Er habe die Nachricht aus sicherster Quelle." Wir haben ganz überflüssigerweise den Genossen Bömelburg selbst noch darüber befragt, was Wahres an dieser Unterstellung sei. Er versichert uns— was für uns natürlich von vornherein als unzweifelhaft feststand—» daß an der ganzen Notiz kein wahres Wort sei. Sie ist offenbar aus Redaktions-, bestenfalls aus Jndustriellen-Fingern ge- sogen! �. Die Bauarbeitrraussperrung vor dem sächsischen Landtage. Eine Interpellation wegen der Aussperrung der Bauarbeiter begründete gestern Genosse C a st a n. Chemnitz in eingehender Weise. Der Staat dürfe sich in diesem Kampfe nicht einseitig auf die Seite der Unternehmer stellen, und deshalb habe die Fraktion on die Staatsrcgierung die Frage gerichtet, was sie zu tun gedenke. um die Fortführung der Staatsbauten zu garantieren, und ferner. ob sie vermittelnd einzugreifen gedenke. Der Minister V i tz t u m von Ed steht erwiderte, daß bisher noch kein Fall gemeldet sei» verantw. Redakt.: Richard Barth, Berlin. Inseratenteil verantw.: in dem die Arbeit auf den Staatsbauten ruhe. Es sei auch noch kein Antrag von einem Unternehmer gekommen, die Lieferungsfrist zu verlängern: wenn solche Anträge kämen, würden sie daraufhin gc- prüft werden, ob das Land keinen Schaden erleide. Ein Antrag auf Vermittelung sei ebenfalls nicht eingegangen; die Regierung könne nicht«her eingreifen, bis ein solcher Antrag vorliege. Ucbrigens seien von Dresden aus Verhandlungen im Gange zur Beilegung des Kampfes. Die Arbeiter hätten schon ihre Geneigtheit erklärt, auf solche Verhandlungen einzugehen, die Unternehmer noch nicht. Er wünsche, daß diese Verhandlungen von gutem Erfolge begleitet sein mögen. *» * Hilfsaktion für die ausgesperrten Bauarbeiter. Vom Gewerkschaftskartell in Halle a. S. sind 1000 M. für die ausgesperrten Bauarbeiter bewilligt worden. Mehrere Verbände, so die Buchdrucker, die Lithographen, die Pflasterer usw., haben Raten von je IM?N. bewilligt. Die Steinsetzer wollen während der Aussperrung pro Mitglied und Woche 25 Pf. Extrabeitrag leisten. die Buchdrucker und Lithographen je 20 Pf. *** Das Gewerkschaftskartell und die Gewerkschaftsvorstände in Gera-Reuß haben in einer gemeinschaftlichen Versammlung be- schlössen, während der Bauarbeiteraussperrung von jedem Mitglieds der dem Kartell angeschlossenen Gewerkschaften einen wöchentlichen Extrabeitrag von 20 Pf. sür die Ausgesperrten zu erheben. »» » Die Leipziger Buchbinder haben beschlossen, lOOO M. an die ausgesperrten Bauarbeiter abzuführen und die örtliche Leitung zu ermächtigen, in Zwischenräumen von 14 Tagen je 1000 M. abzu- führen. Der Verband der freien Gast- und Schankwirte in Leipzig hat seine Mitglieder verpflichtet, während der Dauer der Aus- sperrung der Bauarbeiter«inen Extrabeitrag von 1 M. pro Woche zugunsten der Ausgesperrten zu erheben.— Die Leipziger Holzarbeiter stimmten in ihrer Versammlung ohne Diskussion und einstimmig dem Vorschlag ihrer Werkstattsdclegierten zu, wöchentlich, ab 1. Mai gerechnet, 1000 M. aus der Lokalkasse an die Ausgesperrten abzuführen und sich außerdem an den allgemeinen Sammlungen zu beteiligen.— Die Leipziger Handlungsgehilfen führen als erste Rate 300 M. an die Ausgesperrten ab. Das Agitationskomitee der sozialdemokratischen Partei für den Bezirk Leipzig beschloß Dienstagabend, an die Ausgesperrten 1000 M. abzuführen. Die Bäcker und Konditoren Leipzigs beschlossen einstimmig, auf die Dauer der Aussperrung der Bauarbeiter pro Woche 50 Pf., von den Kollegen der Fabrikbranche 20 Pf. und von den weiblichen Mitgliedern 10 Pf. zu erheben.— Di« Mannheimer Metallarbeiter erheben 25 Pf. Extra- beitrag für die ausgesperrten Bauarbeiter.— Der Zentralvorstand des Metallarbeiterver- v er b a n d c s richtet unter Bezugnahme auf die Sympathieerklärung des außerordentlichen Gewerkschaftskongresses an die Mitglieder die dringende Bitte, sich an der Sammlung nach Kräften zu beteiligen. Den Verwaltungen, dse zur Unterstützung der ausgesperrten Bau- arbeiter Extrabeiträge erheben wollen, erteilt der Vorstand ohne vorherigen Antrag die Genehmigung dazu. Außerdem hat der Vor- stand an die Verwaltungsstellen Sammellisten gesandt. Kerlin und Ilmgegend. Achtung, Bretterträger! Bei der Firma Carl Pesch low, Nutzholzhandung, Kottbuser Ufer 41/42 sowie Bärwald- und Wilms- straßenccke, sind die Plätze wegen Lohndifferenzen zu meiden. Kollegen, achtet streng darauf, dieses durchzuführen. Die örtliche Verwaltueng des Verbandes der Hafenarbeiter. Ocutkcbes Reick. Zur Aussperrung der Metallarbeiter in Lunen i. W. Im frommen Münsterland in Lünen i. W. sind bekanntlich die Metallarbeiter ausgesperrt. Die Christlichen sind in der Mehrzahl beteiligt, der Metallarbeiterverband und die Hirsch-Dunckerschen nur mit ungefähr 40 Mitgliedern. Der Gcsamtverband der Metall- industriellen hat auch in diese Sache eingegriffen und ein Zirkular versandt, dem eine schwarze Liste beigelegt ist.?luf dieser Liste sind die von drei Firmen, die sich mit der bestreikten Firma soli- darisch erklärt haben, ausgesperrten 404 Arbeiter unter Angabe des Berufs, Geburtsorts und-datums namentlich aufgeführt. Es be- finden sich sogar eine ganze Anzahl Lehrlinge darunter. Die Aussperrung der Former im Kreise Hagcn-Schwelm. � Die Gießereibesitzer im Kreise Hagen-Schwelm haben die Kündigung einer Anzahl Former und Gießereiarbeiter vor» genommen. Die bürgerliche Presse schreibt, daß 2500 Arbeitern gekündigt sei. Nach Feststellungen der Verbandsleitung stehen aber nur 938 Arbeiter in Kündigung, davon haben ungefähr 170 Arbeiter selbst gekündigt, weil ihnen zugemutet wurde. Streikarbeit zu machen. Der Gesamtverband Deutscher Metallindustrieller in Berlin hat ein Rundschreiben erlassen, in dem er mitteilt, daß der Arbeitgeberverband für die Kreise Hagen und Schwelm be- schlössen hat, die bestreikte Firma Äevelsberger Stahl- werk Heinr. Dickerhoff-GevelSberg durch Uebernahme ihrer Arbeit seitens aller Gießereien des Hagen-Schwelmer Bezirks zu unterstützen, und daß bei zwei Firmen bereits einige Arbeiter wegen Verweigerung sogenannter Streikarbeit entlassen werden mußten. Da die Bewegung auf den ganzen Bezirk überzugreifen drohe, wird gebeten, alle aus dem Hagen-Schwelmer Bezirk kommenden Former und Gießereiarbeiter bis auf weiteres von der Einstellung auszuschließen. Der?lrbeitgeberverband für die Kreise Hagen-Schwelm hat sich eine Kommission von meistens unorganisierten Formern aus oen Betrieben, in denen Kündigungen stattgefunden haben, heraus- gesucht, und er hat es auf dem Bureau des Arbeitgeberverbandes versucht, den Leuten plausibel zu machen, daß der Streik bei der Firma Dickerhoff ungerecht sei. Man zog dann auch mit den Arbeitern nach der bestreikten Firma, um an Ort und Stelle weitere Beweise zu sammeln. Ten Bevollmächtigten des Metallarbeiter- Verbandes ließ man nicht hinzu, drei der streikenden Arbeiter wurden von dem Geschäftsführer des Arbeitgeberverbandcs, Herrn Jakobs(Oberleutnant a. D.) einzeln wie Zeugen vernommen. Wenn sie aber etwas aussagten, was dem Herrn I. nicht paßte. konnten sie wieder gehen. Bei einem der Streikenden verlangte dieser Herr sogar, daß ihm Herr Dickerhoff das Hausrecht übertragen solle, damit I. den Former hinausweisen könne. Die „Untersuchung" ist natürlich zuungunsten der Streikenden aus- gefallen, doch werden in fünf Versammlungen die Arbeiter den Scharfmachern die Antwort nicht schuldig bleiben, und auch durch ein Flugblatt wird die weiteste Oeffentlichkeit unterrichtet werden. Der Versuch, die Unorganisierten gegen die Organisation auf- zuHetzen, ist den Scharfmachern mißlungen. Der Arbeitgeberver- band hat Arbeiter, die noch an keiner Bewegung beteiligt waren und auch keiner Organisation angehörten, auf die schwarze Liste gesetzt._ Ein lokaler Hafenarbeiterstreik, der an sich nicht von beson- derer Bedeutung ist, aber durch das Eingreifen der Polizei natür- lich sofort in das bekannte Fahrwasser mit Polizeistrafen und Ver- Haftungen eingelenkt wurde, ist seit einigen Tagen in D u i s- bürg ausgebrochen. Dort hatte die Firma Schweitzer nach Ablauf des Tarifs, sich geweigert, einen neuen Tarif mit den Hafen- arbeitern einzugehen. Das Resultat der gescheiterten Verhandlun. gen war die Maßregelung von vier lange Jahre bei der Firma Uh. Glocke, Berlin. Druck».Verlag: Vorwärt» Buchdr. u. LerlagSanstall beschäftigte» Arbeitern. Darauf legten die übrigen Arbeifer Set Firma aus Solidarität mit ihren Kollegen die Arbeit nieder und verlangten die Wicdercinstcllung der vier Gematzre�elten.--ic Firma Schweitzer verlangte dagegen nicht nur zunächst die b e- dingungslose Wiederaufnahme der Arbeit, sondern auch noch eine Verschlechterung des alten Tarifs! Diese Ver- höhnung konnten natürlich die Arbeiter nicht so stillschweigend htn» nehmen, und so kam es denn zum Kampf. Etwa 20«treikbrecheo sind nun schließlich aus den verschiedensten Himmelsrichtungen zu- sammengesucht. Sie zu„schützen" ist jetzt Aufgabe der Polizei. Zu Dutzende» halten sich die Polizeibeamten in der Nähe des 95!?�' ten Betriebes auf, einige Strafmandate, Sistierungen und Verkmi- tungcn sind bereits erfolgt. In der bürgerlichen Presse w�d ioeben die Mär verbreitet, daß am Montag nachmittag etwa_00 Hafenarbeiter mehrmals gegen die Arbeitswilligen„an- gestürmt" hätten, damit es zu Tätlich leiten kommen solle! Das ist natürlich Unsinn. Der bürgerlich- Zeilenschinder, der die Ente in der„Rheinisch-Westfalischen Ztg. sowie in der„Rhein- und Ruhrzeitung" hat aufflattern lassen, treibt Stimmungsmache. Im übrigen mögen die Hafenarbeiter allerorts gewarnt sein. Keiner lasse sich verlocken, nach Duisburg zu kommen! Die Tuttlingcr Schuhfabrikanten, 28 an der Zahl, mit runt» 2000 beschäftigten Personen, lehnten den einmütigen Wunsch der Arbeiterschaft auf Einführung der IMistündigen Mittagspause unter gleichzeitiger Verkürzung der Arbeitszeit um istunde wiederholt ab und waren trotz aller Versuche zu keinerlei Unterhandlungen zu bewegen. Als hierauf in zwei Betrieben die Arbeiter die Kündigung einreichten, verlangte der Fabrikantenverein die schrist- lich, bedingungslose Zurückziehung dieser Kündigungen, anderen» falls die gesamte Arbeiterschaft ausgesperrt würde. Die Kundi- gungen sind denn auch am 1. Mai erfolgt. 10 Firmen mit rund 200 Beschäftigten haben nicht gekündigt. Zuzug nach Tuttlingen»st streng fernzuhalten. Husfonck. Der österreichische Maler-, Anstreicher- und Lackierervcrband hielt vorige Woche seinen Verbandstag in Wien ab. Er sprach zuerst den kämpfenden Bauarbeitern Deutschlands seine Sympathie aus und nahm dann den Bericht des Obmanns Maar entgegen. Die Mitgliederzahl ist 5100, die Fluktuation maßlos. 15 neue Or- ganisatwncn wurden gegründet, ebensoviel sind eingegangen,-tie Herren Separatisten machen in den tschechischen Gebieten schweren Schaden. Die zahlreichen Lohnbewegungen waren trotz der Schwäche der Organisation und der Krise recht erfolgreich. 1908/09 wurden infolge Ablaufens der 1900 geschlossenen Kollektiv- Verträge, aber auch aus anderen Gründen 30 Lohnbewegungen gc- führt; 27 endeten mit Tarifabschlüssen. 1909 konnte für 5590 Ar- beiter die wöchentliche Arbeitszeit um 2274 Stunden gekürzt, der Lohn um 17 670 Kronen erhöht werden. Die größten Bewegungen waren die der Wiener Anstreicher(2800 Mann) und Maler (1900 Mann). Tie Blei Vorschriften konnten mit Hilfe der Reichs- ratsfraktion bedeutend verbessert werden. Volles Blciverbot ist noch nicht durchgesetzt. Bei einer Bilanz von 81 000 Kronen wurden 1909 für Unterstützungen 31 500 Kronen verausgabt.— Der Vcr- bandstag hatte sich mit der Einführung der Arbeitslosen- unter st ützung zu befassen. Er beschloß, daß sie in jenen Orten eingeführt wird, wo sie eine von Dreivierteln der Mitglieder besuchte Generalversammlung mit Dreiviertelmehrheit beschließt und der Verbandsvorstand zustimmt. �Arbeitslosenunterstützung gäbe es nur in der Zeit vom 1. Dezember bis 31. März. Sie be- trägt 1 Krone 10 Heller durch fünf Wochen. Es wurde die obligatorische Einführung des Disposition S- (Streik-)fonds beschlossen und die Beiträge folgendermaßen fest- gesetzt: In den 35 Sommerwochen 54 Heller, in den 17 Winter- Wochen 20 Heller. Wo Arbeitslosenunterstützung besteht, erhöhen sich diese Beiträge um 30 brzw. 10 Heller. Weibliche Mitglieder zahlen ganzjährig 20 Heller, 50 Heller Beitritts- und 20 Heller Buchgebühr. In Brünn wird ein besoldeter Gauleiter, der Deutsch und Tschechisch kennen mutz, angestellt."Auch der nächste anzustellende Zentralbeamte soll beide Sprachen beherrschen. Die Ortsgruppe Prag tritt aus der separatistischen Gewerkschaftskommission aus und der Präger zentralistischen Kommission bei. Die MaurcrstrcikS in Italien. R o m, den 9. Mai. 1919.(Eig. Ber.) Die Maurerstreiks in Mailand und Rom scheinen sich von Tag zu Tag mehr zuzuspitzen. In Mailand hoben die Genossen, schaften 5000 Lire Streikunterstützungen bewilligt und die Ar- beiterkammer hat Sammlungen eröfsnet. In Rom ist bis jetzt nach 20 Tagen noch kein Heller Streikunterstützung ausgezahlt worden. Wegen untlugen Verhaltens der Polizei ist es wiederholt zu Szenen bei den Streikversammlungen gekommen. Zahlreiche arbeitslose Handlanger verlassen Rom, um nicht zu verhungern. Die Situation ist zwar nicht bedrohlich, wie sie manche bürgerliche Blätter schildern, aber immerhin ernst. Versammlungen. Verband der Lederarbeiter. Die Zahlstelle Berlin hielt am Montag ihre regelrechte Monatsversammlung ab. Den ersten Punkt bildete die Wahl des ersten Vorfitzenden, die auf Heidelberg fiel. Für die ausgesperrten Bauarbeiter bewilligte die Versammlung aus der Lokalkasse eine einmalige Unterstützung von 100 M., außerdem sollen jede Woche Sammellisten zirkulieren. Die Abrechnung des Kassierers vom 1. Quartal dieses Jahres ergab folgendes Bild: Für die Verbandskasse: Einnahme: Eintrittsgeld 10,50 M., Beiträge 4148,40 M., Bestand 1010,09 M.. Summa 6168,99 M.; dem steht folgende Ausgabe gegenüber: Unterstützungen für Streik 512,15 M.. Reise 92,25 M., Ortsunterstützung 1607,30 M„ an Kranke 1084,45 M., Sonstiges 953,84 M., macht Summa 4249,99 M., Bestand für das 2. Quartal 919,00 M. Für die Lokalkasse eine Einnahme von 2198,83 M.» eine Ausgabe von 1441,47 M.(darunter für Ausgesteuerte 565,90 M,), beibt Bestand 757,36 M, Der Mitgliederbestand betrug am Anfang des Quartals 579, am Schlüsse 598. Folgende von einer Kommission ausgearbeitete und der Versammlung in Vorschlag gebrachte Neubestimmungen für den Arbeitsnachweis wurden angenommen: 1. Wer in einem anderen Beruf Arbeit findet, kann auf dem Arbeitsnachweis auf die Dauer von sechs Wochen entschuldigt werden. hat aber während der Beschäftigung keinen Anspruch auf Ver« Mittelung. 2. Arbeitslose erkrankte Mitglieder werden bis höchsten» 13 Wochen auf dem Arbeitsnachweis entschuldigt. Eine Vermittelung während der Krankheit findet nicht statt. 3. Wer innerhalb 3 Tagen nach der Vermittelung da? Arbeits« Verhältnis aufgibt oder entlassen wird, erhält seinen alten Schein zurück.— Dieje Bestimmungen treten am 1. Juli d. I. in Kraft. Letzte JVacbrichtßn und Oepescken. Eine Ortschaft i« Flamme«. Lemberg, 11. Mai.(W. T. B.) Die Ortschaft PrzemhSlanh (Galizien) steht in Flammen. Ein Stadtteil ist gänzlich ab- gebrannt. Durch den herrschenden Sturm breitet sich das Feuer rasch aus und gefährdet den höher liegenden Stadtteil. Großfeuer. Budapest, 11. Mai.(W. T. B.) In der Gemeinde Felsö-Reszte bei Zay-Ugrocz sind durch eine FeuerSbruust bei starkem Sturme neunzehn Wohnhäuser samt den Nebengebäuden eiugeäschert worden. Bier Personen sind in den Flammen umgekommen. Gewalten der Tiefe. San Jose(Costarica), 11. Mai.(W. T. B.) Nachdem bereits gestern mehrere starke Erdstöße verspürt worden waren, ereignete sich heute hier ein heftiges Erdbeben Tausende von Einwohnern ver« ließen die Stadt. ßaul Singer Sc Co., Bttlin L>V, Hierzu S Beilage« u.UuterhaltungSSl, Ar. 109. 27. Jahrgang. 1 KeilU Ks Joniiiitts" Iniinn lollislilntt. ZmnnslV, 13. Mai 1910. veuliches Zentralkomitee zur Bekämpfung der tuberltulofe. Die 14. Generalversammlung des Deutschen Zentralkomitees zur Bekämpfung der Tuberkulose wurde gestern vormittag im Sitzungssaal des Herrenhauses von dem Vorsitzenden Staats- sekretör Delbrück eröffnet. In der Begrüßungsrede äußerte der Staatssekretär unter anderem: Wir sind wesentlich den über- lieferten Bahnen weiter gefolgt. Die stärkere Erkenntnis von der Notwendigkeit einer ausgiebigen Prophylaxis hat dahin geführt, daß in erster Linie die Errichtung von Fürsorgestellen und An- stalten mit Nachdruck und Erfolg betrieben worden ist. Aber nicht nur die Anzahl der Stellen hat eine erfreuliche Zunahme auf- zuweisen, auch in dem Verständnis der Bevölkerung und der Aerzteschaft sowie vor allem in dem Eingreifen der Kommunen sind erfreuliche Fortschritte zu verzeichnen gewesen. Auf dem Gebiete der Prophylaxe liegt auch ein Zweig, für den in neuerer Zeit erfreulicherweise die Fürsorge zugenommen hat, das ist die Fürsorge für die Wohnungen und für die Desinfektion der Wohnungen. Die Bedeutung der Wohnungen zur Bekämpfung der Tuberkulose wird in immer weiteren Kreisen erkannt. Nament- lich sind die Kommunen bestrebt, auf diesem Gebiete erfolgreich zu arbeiten. Ganz besonders sind die Kinder der Gefahr der An- steckung ausgesetzt. Neben der Fürsorge für die Wohnungen sind die Schulen mit ihren Aerzten und Lehrern zur Unterstützung unserer Bestrebungen berufen. Je mehr Einfluß der Schularzt gewinnt, desto mehr wird die Bekämpfung der Tuberkulose schon im zartesten Kindesalter mit Erfolg durchgeführt werden. Und je mehr sich die Lehrer dieser Sache annehmen, um so größer wird der Erfolg sein. Wir erkennen dankbar schon heute die Mit- Wirkung der Lehrerschaft an und hoffen, daß sie in immer höherem Grade steigen wird, zumal die Lehrer merken werden, daß sie nicht nur der Allgemeinheit, sondern auch ihrem besonderen Ziel nützen, wenn sie mit gesunden und kräftigen Kindern zu arbeiten haben, daß sie an der Zukunft des deutschen Volkes mitarbeiten, wenn sie bemüht sind um die Gesundheit der deutschen Jugend. Nach dem vom Generalsekretär Professor Dr. Nietner er- statteten Jahresbericht hat das Zentralkomitee gegenwärtig 150V Mitglieder. Die regelmäßigen Einnahmen des Komitees im der- gangenen Jahre setzen sich aus den Mitgliederbeiträgen von 34 000 M. und dem Reichszuschuß von 60 000 M. zusammen. Mit dem Bestand zu Beginn des Jahres und sonstigen Zuwendungen betrugen sie im ganzen 680 000 M., denen 312 000 M. Ausgaben gegenüberstehen. Die Zuschüsse für Heimstätten und andere Tuberkuloseneinrichtungen betragen 167 000 M., die an das Deutsche Zentralkomitee für Zahnpflege in den Schulen 6000 M., für Lupusbekämpfung 32 000 M. Im Jahre 1909 sind in Deutsch- land 16 000 Personen an Tuberkulose gestorben. Die Sterblichkeit ist von 16,6 pro 10 000 der Bevölkerung auf 15,54 herabgegangen.— In der an den Geschäftsbericht anschließenden Diskussion gab Ge- heimrat Sievere vom Reichsgesundheitsamt eine Uebersicht über die von den Versicherungsanstalten behandelten Personen und die Erfolge. Bei den in ständiger Behandlung Befindlichen sind bei der Entlassung Erfolge im abgelaufenen Jahre bei 83 Proz. der Behandelten, und zwar bei Männern und Frauen, zu ver- zeichnen gewesen, während im Jahre 1903 bei den Männern 81 Proz., bei den Frauen allerdings 86 Proz. Erfolge zu ver- zeichnen waren. Die Versicherungsträger haben an Kosten für die Behandlung fast 100 Millionen Mark aufgebracht. Den wichtigsten Gegenstand der Tagesordnung bildete das Thema „Tuberkulose.und Wohnungsfrage" Ueber den theoretischen Teil dieser Frage berichtete Professor Dr. Rönier-Rarburg. Er führte aus, daß die Hauptquelle der tuberkulösen Lungenschwindsucht des Menschen der tuberkulöse Mensch selbst sei. In den von Lungenschwindsucht besonders heim- gesuchten Kreisen lasse sich durch verschiedene Methoden nach- weisen, daß fast jeder Mensch tuberkulös infiziert die Schwelle des Kindesalters überschreite. Es kann hier experimentell gezeigt werden, daß eine tuberkulöse Infektion Schutz gewährt gegen wiederholte tuberkulöse Infektionen, sogenannte Reinfektionen. Auch für den tuberkulösen Menschen trifft dieses Gesetz einer Immunität gegen Tuberkulose durch Tuberkulose zu. Dieser Tuberkulosenschutz verleiht dem in der Kindheit tuberkulös in- fizierten Erwachsenen höchstwahrscheinlich absoluten Schutz gegen Reinfektion von außen her. Die Entstehung der tuberkulösen kleines Feuilleton. Die im Kriege sterben! Kürzlich ist das vergiwte Tagebuch einer Frau veröffentlicht worden, die ihren seit wenigen Wochen ange- trauten Mann in der Schlacht bei Waterloo verlor. Die große Tragödie des Napoleonischen Weltunterganges spiegelt sich hier in dem Einzelschicksal zweier Menschen, deren Glück in diesem ungc. heuren Zusammenbruch lautlos erlosch. Paul Tausig hat das eng- lische Original übersetzt, Joseph Popper(Lynkeus) das Büchlein mit einem Geleitwort ausgestattet.(Sterben. Tagebuchblätter aus der Schlacht bei Waterloo von Lady de Lancy. Wien 1910. Carl Konegens Verlag.) Gerade weil in diesen wehvollen schlichten Schilderungen jediS laute Wort, jede grelle Schilderung fehlt, wirkt das Tagebuch in seiner stummen Gewalt als eine ewige Anklage gegen den Kriegs- Wahnsinn. Walter Scott hat 1825, Charles Dickens 1841 die Blätter in Händen gehabt. Scott schrieb über seine Eindrücke:„Niemals las ich etwas, was mein Gemüt stärker ergriffen hätte." Und Dickens äußerte über seine Empfindungen:„Wenn ich bloß sage, daß die Lektüre dieser höchst merkwürdigen und furchtbaren Er- Zählung einen Abschnitt in meinem Leben bedeutet, daß ich niemals auch nur das geringste Wort davon vergesse, daß ich den Eindruck nie loskommen werde und daß mir nie zuvor etwas so wahr, so ergreifend und so gegenständlich vor Augen schwebte— so will dies nicht viel heißen... Was ich stets als Meisterwerke einer kraftvollen und erschütternden Schilderung betrachtete, das zer- rinnt vor meinen Augen jetzt zu nichts. Wenn ich noch fünfzig Jahre leben sollte, so werde ich davon von dieser Stund« an bis zu meinem Todestage immer wieder mit der fürchterlichsten Leben- digkeit träumen." Am 8. Juni 1815 kam das Ehepaar in Brüssel an. Am 4. Juli besucht die Witwe das Grub des jungen in englischen Diensten ge- töteten Offiziers Sir William Howe de Lancey bei Waterloo, um am selbigen Tage sich nach England einzuschiffen. Dazwischen liegt ein Paradies jungen Eheglücks, das Inferno einer Völkerschlacht und ein Martyrium treuer, opfernder Pflege am Sterbelager des Geliebten. Am 18. Juni beginnt die Schlacht. Sir William wird von einer Kanonenkugel im Rücken getroffen und mehrere Meter weit vom Pferde geschleudert. Er wird für tot gehalten, und das Ge- rücht ereilt auch die Gattin. Aber Sir William lebt, und nun eilt die Frau— eine Gestalt gleich Beethovens Fidelio— den Ver- wundeten zu finden. In einem kleinen Bauerngehöft findet sie den Verwundeten. Und nun verrinnt in dieser engen, einsamen Stube, während draußen die Soldaten vorbeiziehen und die Kriegs- gefahren gegen die Stätte branden, die Tragödie der Liebe und des Todes. Die Frau läßt sich am Lager des Mannes nieder und harrt dort aus. Tag für Tag, Nacht für Nacht, ohne einen Augenblick dem Schlafe sich hinzugeben. Es gibt keine Erschöpfung für sie, keine Klage, leine Tränen. Anfangs hofft sie auf das Wunder Schwindsucht beim Erwachsenen ist vielmehr auf schwere tuberkulöse Reinfektionen zurückzuführen, die von innen her von bereits vor- handenen Tuberkulosercherden aus erfolgen. Die schweren, zur Schwindsucht führenden Kindheitsinfektionen finden hauptsächlich innerhalb der Wohnung, innerhalb der Familie statt. Das wichtigste Problem der Schwindsuchtsprophylaxe ist daher der Schub der Kinder in den Wohnungen vor schweren tuberkulösen Infektionen. Den praktischen Teil der Frage behandelte Landcswohnungs- inspektor Greyschel-Darmstadt. Er führte aus, daß die Tuber- kulose eine Wohnungskrankheit insofern ist, als das Zusammen- leben vieler Menschen in engem Räume vielfach infolge der ge- sundheitlich schlechten Beschaffenheit der Wohnungen zur Verbrei- tung der Krankheit am meisten beiträgt. Er gab ein anschauliches Bild der Wohnungsverhältnisse. In Berlin z. B., von welchem ein lokalpatriotischer Bürger vor kurzem noch die Behauptung auf- stellte, es sei in bezug auf Wohnungen die bcswersorgte Großstadt, besteht die Hälfte aller Wohnungen, 197 000, in denen etwa die Hälfte der gesamten Bevölkerung wohnt, nur aus einer Stube mit Küche. 33 000 Wohnungen haben nur ein heizbares Zimmer, 2400 Wohnungen überhaupt kein heizbares Zimmer, und 4086 Woh- nungen bestehen lediglich aus einer Küche, in der bis zu 12 Per- sonen wohnen. Aehnlich sind auch die Wohnungsverhältnisse in allen anderen Großstädten. Aber auch auf dem Lande sieht es durchaus nicht besser aus. In Hessen ist eine Aufnahme gerade auch für das Land gemacht worden, und es hat sich ergeben, daß 4500 Wohnungen aus einem einzigen Raum ohne jeden Nebenraum be- stehen. 1800 dieser Wohnungen beherbergen mehr als drei Per- sonen, 260 mehr als 6 Personen. Aus zwei Räumen mit Küche bestehen 14 000 Wohnungen, wovon 800 auch mehr als 7 Personen beherbergen. 3 Räume haben 23 000 Wohnungen, wobei in 900 Wohnungen mehr als 8 Personen bis herauf zu 15 Personen hausen. Man denke sich in solcher Wohnung jemand mit einer ansteckenden Krankheit. Es ist ein wahres Glück, daß nicht jeder menschliche Organismus den Bazillen unterliegt. Sonst wären die Folgen des engen Zusammenwohnens gar nicht zu übersehen. Dringend zu fordern ist dabei eine gute Wohnungsinspektion. Aber die Wohnungsinspektion kann im wesentlichen nur Kleinarbeit leisten. Die Hauptsache ist neben der Schaffung normaler Woh- nungsverhältnisse doch die Bereitstellung von preiswerten, guten und gesunden Wohnungen für minderbemittelte Volkskrcise in Stadt und Land. Dringend zu fordern ist, daß auf gesetzlichem Wege hier eingeschritten wird, nicht nur aus gesundheitlichen, son- dern auch aus nationalen, sittlichen und wirtschaftlichen Gründey. In der Diskussion hob Bauinspektor Rcdlich-Rixdorf hervor, daß namentlich der Baupolizei auf dem Gebiete der Tuberkulose eine große Aufgabe erwachse. Die Bebauungsdichte wäre für die Großstädte nicht so verhängnisvoll, wenn nicht leider noch die Höfe selbst bei großer Enge schachtartig umbaut werden dürften. Wenn ausreichende Baugesetze nicht vorhanden sind, müsse zunächst dahin gewirkt werden, daß in jedem Staate auf dem Wege einer für das ganze Staatsgebiet geltenden Landespolizeiberordnung einschnei- dende Bestimmungen getroffen werden. Vor allem sollten Keller- und Dachwohnungen für unzulässig erklärt werden. Hofbauten sollen bei Neubauten stets ein Geschoß weniger haben als straßen- wärts gelegene Gebäude. In der Debatte fielen die sozial rück- ständigen Ausführungen des Gcheimrat Kirchner vom Preußischen Kultusministerium auf. Er betonte eindringlichst, daß man ja hier nicht auf einem Wohnungskongretz, sondern auf einem Kon- greß zur Bekämpfung der Tuberkulose sei. Wenn man sich in über- triebenen Forderungen für die Herstellung von Wohnungen ergehe, könne man leicht den Hauptzweck aus dem Auge verlieren."Ge- witz seien einige der Forderungen für Wohnungen an sich beherzi- genswert, aber ihre Durchführung würde so große Mittel erfor- dern, datz dann für die Bekämpfung der Tuberkulose nicht mehr viel übrig bleibt. Vor allen Dingen dürfe man eines nicht aus dem Auge verlieren: Die Quelle der Tuberkulose ist der kranke Mensch. Es ist gewiß als ein Fortschritt zu bezeichnen, datz der früher so oft gehörte Satz, die Tuberkulose stamme von der Kuhmilch, heute nicht mehr gehört wird, sondern daß man erkannt hat, daß gerade der kranke Mensch die Gefahr für seine Umgebung bilde. Es müsse gefordert werden, daß gesunde Kinder aus kranken Familien her- ausgebracht und in gesunden Familien zur Erziehung untergebracht würden. Es sei falsch, datz jede Tuberkulose schon in der Kindheit erworben sei, ganz zweifellos kommen Erkrankungen an Tubcr- kulose auch im späteren Alter vor, die nicht auf in der Kindheit erworbene Keime zurückgeführt werden können. Die allgemeine Verbreitung einer solchen Anschauung könnte auch leicht dazu führen, daß man in der Bekämpfung der Maßnahmen gegen Tuber» des Unentrinnbaren sich auf den Teuren senkt. Und dann kommt die letzte Nacht:„Des Nachts sagte er, er möchte gerne etwas aus- findig machen, um die ermüdend lange Nacht abzukürzen. Er sagte, sie würde um fünf oder sechs Stunden kürzer währen, wenn ich mich neben ihn legen wollte. Ich wandte ein, daß dies unmöglich sei; es war nämlich so wenig Raum, daß ich fürchtete, ihn zu ver- letzen. Er konnte sich aber den Gedanken nicht aus dem Kopfe schlagen. Ich stieg also auf einen Stuhl und machte einen Schritt über ihn hinüber, weil er sich nicht um einen Zoll weit wegrücken konnte und am äußeren Rande lag. Er war selig. Und tatsäch- lich verkürzte dies die Nacht, denn wir schliefen beide ein."... Am nächsten Tage ist es zu Ende. Auf das Graib läßt sie ihm einen Stein setzen, den einzigen neben vierzig neuen Gräbern, an denen keine Liebe weilt. „Genau drei Monate vorher war ich getraut worden." So schließt das Tagebuch und das Glück eines Lebens. Der türkische Arzt im Harem. Die türkische Frau, die nicht zum wenigsten von den politischen und sozialen Fortschritten ihres Vater- landes Vorteil gezogen hat, wird jetzt auch ein Recht erwerben, das ihr so lange eigensinnig versagt gewesen ist, nämlich das Recht auf Krankheit. So merkwürdig es klingt, die Frau in der Türkei hatte bisher kein Recht, krank zu sein, weil sie kein Recht auf Heilung hatte. Wenn sie sich trotzdem herausnahm, krank zu werden, so kam aller- dings ein Arzt. Die ärztliche Untersuchung beschränkte sich aber darauf, daß die Kranke durch einen Schlitz im Schleier ihre Zunge zeigen oder durch einen dicken Vorhang und in Gegenwart eines argusäugigen Eunuchen oder einer alten Sklavin ihre Hand aus- strecken durfte, damit der Arzt den Puls fühlen konnte. Man kann sich vorstellen, wie die Behandlung beschaffen sein konnte, die der Arzt danach einzuleiten fähig war. Diese Grenzen der islamitischen Sitte durften auch in den schwersten Krankheitsfällen niemals über- schritten werden, nicht einmal bei unmittelbarer Lebensgefahr. Das Einzige, was außer dem Geschilderten noch zu geschehen pflegte. war die Anwendung alter Hausmittel und die Veranstaltung priesterlicher Gesänge, und von diesen beiden„Eingriffen" mochte man sich zwar einen Erfolg versprechen, aber er wird kaum oft eingetreten sein. Dos soll jetzt anders werden und der Wandel der Anschauungen scheint sogar mit großer Schnelligkeit vor sich zu gehen. Es ist jetzt schon häufig vorgekommen, daß Frauen in der Türkei im Fall ihrer Erkrankung die alten Schranken der Sitte durchbrochen und sich einem Arzt zu einer ausgiebigen Unter- suchung ausgeliefert haben. Auch die männliche Türkei ist in diesem Punkte vernünftiger geworden, was selbstverständlich eine Vor- bedingung für die Abschaffung der alten grausamen Gebräuche war. Mit ihrer Beseitigung würde einS der Bollwerke fallen, das die türkische Frau von einem menschenwürdigen Dasein getrennt hat. kulose erlahme. Das wichtigste sei, die Bevölkerung, namentlich die an Tuberkulose erkrankten Personen, zur Reinlichkeit zu erziehen» um so die Gefahr für ihre Umgebung zu beseitigen und dahin zu wirken, daß alle tuberkulösen Familien von selbst darauf dringen, daß ihre gesunden Mitglieder aus dieser Umgebung gebracht und ihre Wohnungen öfters, vor allem bei jedem Wohnungswechsel, desinfiziert werden, um nicht eine Gefahr für die Nachwohncnden zu bilden. In seinem Schlußwort hob der zweite Referent, WohnuttgS» Inspektor Greyschel-Darmstadt mit Recht nochmals hervor, daß eine Bekämpfung der Tuberkulose ohne Verbesserung im Wohnungs- wefen nicht möglich sei, und daß dazu eine Einwirkung auf den Be- bauungsplan auch gehöre, weil man sonst nicht zur Beseitigung schlechter Wohnungen gelangen könne. Hierauf wurde die Tagung geschlossen. Außtrordtliilicher Nerbandslag des DenWen Transport- arbeiter-Zlerbandes. Hamburg, 10. Mai. i In der Dienstagsitzung wird ferner daS von der gemeinsamen Konferenz entworfene Statut des Deutschen TranSportarbeiterverbandcs durchberaten. Es liegen dazu über 100 Anträge vor, die aber nicht die nötige Unterstützung erhalten. Die ad hoc eingesetzte Kommission beantragt einige Abänderungen, die nach eingehender Debatte Annahme finden. Z 1 lautet: 1. Die Vereinigung führt den Namen:„Deutscher Tramsportarbeiterverband", mit dem Sitz in Berlin. 2. Sie erstreckt sich über das Deutsche Reich und hat den Zweck, die Ehre sowie die materiellen und geistigen Interessen ihrer Mitglieder nach Matzgabe des Z 152 der Gewerbeordnung zu wahren und zu fördern. § 3 setzt fest: „Dem Verbände können alle im Handels-, Transport- und Verkehrsgewerbe zu Wasser und zu Lande beschäftigten Personen beitreten, sofern sie die Bestimmungen dieses Statuts an- erkennen." § 4 bestimmt, datz das Beitrittsgeld 1 M. für männliche und 50 Pf. für weibliche und jugendliche Personen(der Entwurf ver- langte 1,50 M. und 75 Pf.) betrögt. Es werden Beitragsklassen von 50, 45 und 40 Pf. für männliche und 25 Pf. für männliche jugendliche Mitglieder festgesetzt. Zur Beitragsklasse 1 gehören Orte mit Durchschnittswochenlöhnen von mehr als 24, zur zweiten Klasse 21—24 und zur dritten Klasse unter 21 M. Durchschnittslohn. (Der Entwurf sieht Sätze vor von„unter 18 bis über 21 M.".)> In der Gesamtabstimmung wird der Entwurf mit den ge- nannten Abänderungen einstimmig angenommen, ebenso die un- veränderten Ergänzungen zum Statut für die Binnenschiffer und Flößer sowie die für die see- männischenArbeiter. i Sodann wird die Gruppe„verschiedene An träge" zur Beratung gestellt. B er l i n beantragt: „Der Verbandstag wolle beschließen, eine Konferenz für die in Reinigungsinstituten beschäftigten Personen abzuhalten. Als Hauptthema soll in Betracht kommen: 1. Die unzulänglichen Unfallverhütungsvorschriften unseres Berufes. 2. Die Streik» taitik des Unternehmerverbandes." i Der Antrag wird dem Vorstande zur Berücksichtigung über» wiesen. i Der Antrag, die Delegierten zum Gewerkschaftskongreß in größeren zusammengelegten Bezirken wählen zu lassen, wird in namentlickier Abstimmung mit 89 gegen 33 Stimmen abgelehnt. Die„Reichssektion der Straßenbahner" soll fürderhin heißen: „Verband der Straßenbahner, Mitgliedschaft des Deutschen Transportarbeiterverbandes". Der Hafenarbciterverband ersucht den Verbandstag der Transportarbeiter, auf dem gemeinsamen Verbandstag am Donnerstag für den Antrag einzutreten, daß der neue Zentral- vorstand ersucht werde, in Gemeinschaft mit der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion auf eine Revision beS Binnenschiffahrtsgesetzes hinzuwirken. Hiergegen erhebt sich kein Widerspruch. Damit sind die Arbeiten des Verbandstages erledigt. Humor und Satire. Fragen der Oberrechnungskammer. Frage: Im Reichstag hat einmal ein Abgeordneter der reine»uage, leine-etuuc".•uuiuuü» i«. uui v:.......,.—» 7? 1»« 7; der Genesung. Dann sieht sie. tapser und grotz. wie das Dunkel I äußersten Linken eine Nilpferdpeitsche auf den Tisch des Hauses niedergelegt, ohne sie wieder an sich zu nehmen. Belag darüber fehlt. Antwort: Diese Peitsche ist als Aktivposten noch vorhanden; es werden jetzt damit die Regierungsvorlagen in zweiter Lesung durchgepeitscht.— Frage: Auf einem Geheimort des Reichstages wurde vor etlichen Wochen ein Revolver gefunden. 1. Wer hat den Finderlohn erhalten? 2. Ist dieser Finderlohn zur Steuer veranlagt worden? Antwort: adl: Niemand; ad 2: Nein. Der herrenlose Revolver wurde dem Abg. Oldenburg zur Abwickelung seiner Par» lamentsduelle zur Verfügung gestellt. Frage: Die vorletzte Thronrede enthielt 170 Zeilen. Bei der Drucklegung sind aber 172 Zeilen berechnet worden. Wie erklärt sich die Differenz von 2 Zeilen? Antwort: Diese zwei Zeilen betrafen das Wahlrecht, sie sind zu Wasser geworden, und dieses Wasser wurde auf die Mühlen der Sozialdemokratie geleitet._(„Lustige Blätter".) Notizen. — Die Oberammergauer PassionSspiele, die alle zehn Jahre von den Bewohnern deS oberbaherischen Gebügs- ortes Oberammergau zur Aufführung kommen, wurden am Mittwoch vor geladenem Renommierpublikum eröffnet. Da der gestrenge Heilige Mamertus offenbar kein Anhänger der christlich-katholischen Frenidenindustrie ist und auch vor dem bayerischen Landtag, ohne den das fromme Festspiel nicht gut eröffnet werden konnte, keinen Respekt hat, herrschte Schnee und bittere Kälte. Trotzdem wurde auf der offenen Bühne vor etwa 5000 Personen gespielt. DaS Mysterium erregte bei Mitspielern und Publikum echtes Zittern und Zähneklappern— vor Kälte. Man hofft aber, daß die mondäne Welt, besonders soweit sie englisch-amerikanisch-hystcrisch ist, auch heue: wieder in Scharen herbeiströmen und den langhaarigen Bauern-ChristuS und die übrigen hochdeutsch-oberbaherisch redenden beiligen Personen verehren und die Vereinigung von modernem Opernzauber und geistlich frisierter Urwüchsigkeit als höchste Kunst» offenbarung bewundern wird. Der wahre Kunst- und Volkssreund aber wird diesen internationalen Trubel meiden und bedauern, daß eine Feier, die einst Ausdruck ernster Frömmigkeit und angeborener Kunstfreude war— noch heute legen die Chöre und manche Einzel- leistungen Zeugnis davon ab—, durch modernen Geschäftsgeist entartet ist. — Ein interessantes Bühnenexperiment wurde in einer besonderen Aufführung des Hamburger Thalia-Theaters unternommen. Man führte Georg Büchners geniales Revo- lutionsdrama„Dantons Tod" in vereinfachender Stilisierung mit starkem Erfolge auf. — B ü h n e n ch r o n i k. Der Wiener Hofschauspieler K a i n z, deffen Verhältnis zur Burg unter Schlenther erheblich gelockert war, ist aufs neue gefestigt worden. Die Wiener werden von jetzt ab ihren ersten und teuersten Schauspieler(er soll nunmehr an 100 000 Kronen beziehen) wenigstens nicht mehr bloß als gelegentlichen Gast sehe». Mit Sem Wunsche, Satz SaS atn DonnerSkag zum Mschlutz gS- langende Einigungswerk allen Verbänden zum Vorteil gereichen werde, wird der Verbandstag kurz nach 5 Uhr nachmittags geschlossen. Stehend singen die Delegierten die erste Strophe unseres alten Kampfliedes-_ 11. Derbandstag der Hafevarbetter. H a m b u r g, 9. Mai. Nachmittagssitzung. Die Mandatsprüfungskommission erstattet Bericht, danach nehmen 41 Delegierte, K Gauleiter, 4 Vorstandsvertreter, sowie Vertreter des Ausschusses und der Revisionskommission am Ver- bandStage teil. Heidmann- Hamburg ergänzt den Kassenbericht und gibt verschiedene Anweisungen betreffs geregelter Kassenführung Am weiteren schildert er die großen Anforderungen, die durch die Krankenunterstützung an die Verbandskasse gestellt wurden, sie sind so groß, datz der Verband unbedingt eine andere Regelung treffen muß, wenn wider Erwarten die Verschmelzung nicht zm stände käme. Die Vertreter der Revisionskommission, des Aus schusses und der Redaktion erstatteten ebenfalls Bericht über ihre Tätigkeit. Hierauf wird in die Debatte des Geschäftsberichts eingetreten. Hamburg, 19. Mai. Zweiter Berhandlungstag. Die Debatte über den Geschäftsbericht nimmt ihren Fortgang. Nach dem Schlußwort Dörings und nachdem auch der Redakteur seine Ansicht über die vorgebrachten Monitas gesagt, und die per- sönlichen Bemerkungen erledigt sind, wird dem Vorstand ein- stimmig Entlastung erteilt. Die in der letzten Geschäftsperiode abgeschlossenen Kartellver. träge mit den Verbänden der seemännischen Arbeiter und den Maschinisten werden vom Verbandstag sanktioniert. Es erfolgt nunmehr die Wahl zum internationalen Kongreß in Kopenhagen Gewählt werden Dör i ng-Hamburg und L i n d o w- Hamburg. Ferner werden vier Kollegen als Delegierte zum Gewerkschafts- kongretz, der im Jahre 1911 tagt, gewählt. Der Entwurf des Statuts für die allgemeine Organisation der Transportarbeiter setzt sich aus den bisherigen Statuten der drei Verbände zusammen. Der Beitrag wird in Zukunft während des ganzen Jahres gezahlt(S2 Wochen). Beim jetzigen Ueber- tritt kommen jedoch alle gezahlten 39 und 44 Wochenbeiträge für ein volles Jahr in Anrechnung. Die Invaliden, die jetzt ermäßigte Beiträge im Hafenarbeiterverband zahlen, haben auch in der neuen Organisation dieselben Unterstützungsanrechte wie jetzt.— Der Bezug der Erwerbslosenunterstützung ist auf 19 Wochen im Jahre festgelegt, für die Binnenschiffer sowie Flößer sind jedoch Sonder- bestimmungen für den Bezug der Erwerbslosenunterstützung vor» gesehen. Da diese nach statistischen Feststellungen in jedem Jahre in allen Stromgebieten zirka 19 Wochen durchschnittlich infolge der Witterungseinflüsse arbeitslos sind.— Für Gewährung des Rechtsschutzes sind den Vorstandsmitgliedern im neuen Statut Grenzen gezogen, die leider bisher nicht vorhanden waren.— Der Name des Einheitsorqans bleibt der„Courier", darin sollen be- sondere Abteilungen für die einzelnen Berufsgrupepn geschaffen werden, und soll der jetzige Redakteur der Hafenarbeiter, Kollege Lindow, diese Abteilung auch ferner bearbeiten. Für die Hafen arbeiter und Seeleute werden besondere Abteilungs- oder Gruppen leiter im Zentralvorstand eingesetzt. Der gesamte Vorstand soll auS 15 Personen bestehen, 7 besoldete und 8 unbesoldete. Döring macht dann noch auf einige geringfügige redak- tionelle Aenderungen einzelner Paragraphen des Einheitsstatuts aufmerksam, im weiteren spricht er den Wunsch aus, daß alle zum Statut gestellten Anträge zurückgezogen werden und da? Einheits- statut die volle Zustimmung finden möge. ES wird nunmehr in die Debatte über die Zufammenschlußverhanblunge« eingetreten. Prinzipielle Bedenken ge�en die Verschmelzung werden von keinem der Redner erhoben, im Gegenteil ohne Ausnahme wird die Notwendigkeit und Zweckmäßigkeit der Einheitsorganisation anerkannt. Wenn trotzdem die Debatte sich so lange hinzieht, so auS dem Grunde, weil die Delegierten glauben, daß sie die Wünsche ihrer Mandatgeber zum Ausdruck bringen müssen. Auf Antrag wird die Debatte geschlossen und erhält Döring das Schlußwort. Durch Abstimmung gelten alle Anträge, die zum Einheits- statut gestellt sind, für abgelehnt und damit erledigt.— Einstimmig wirb sodann das Einheitsstatut angenommen.— Folgende Anträge werden dem Vorstand zur Berücksichtigung überwiesen: „Der Verbandstag wolle beschliehen, für das Hafengebiet Duis» burg-Ruhrort einen Schiffskassierer mit Fahrzeug anzustellen. In der neuen Einheitsorganisation bilden die Schiffahrts- und Flößereibetriebe des Rhein-, Main- und Neckargebiets einen für sich abgeschlossenen Agitationsbezirk. Da das Binnenschiffahrts- gesetz reformbedürftig ist, wird der Hauptvorstand beaustragt, mit der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion auf eine Revision des Binnenschiffahrtsgesetzes hinzuwirken." Nach einigen für die Allgemeinheit unwichtigen Beschlüssen hat der Verbandstag der Hafenarbeiter seine Arbeiten erledigt. Mit einem Rückblick auf die Arbeiten des letzten VerbandstageS der Hafenarbeiter schließt Döring die Tagung. Am Donnerstag früh beginnt der Verbandstag sämtlicher drei Verbände. Verbiindstag der Seelente. DienStagsitzung. Paul Müller referierte über die Verhandlungen betreffs Schaffung einer Einheitsorganisation und den Entwurf eines Statuts für diese. Redner rekapitulierte die bisher in dieser Frage gepflogenen Beratungen, die noch im vorigen Jahre auf dem toten Punkt gestanden hätten. Aber der Wille der Mitglieder aller Verbände zur Einigung sei so stark gewesen, daß nun in überraschend kurzer Frist das Werk, dessen Vollendung man allgemein ersehne, zum Abschluß gelangt sei. Die Gefahr, daß der Widerstreit der Sonderinteressen zu sehr ■in den Vordergrund gedrängt werde, sei durch gegenseitiges Ent- gegenkommen glücklich beseitigt, und der Zweifel über Form und Art des Zusammenschlusses aufgelöst in die Ueberzeugung, daß nicht Mehrheitsbeschlüsse entscheiden könnten, sondern alle Ent- schlüsse und Beschlüsse, aus drei gleichbedeutenden und gleichberech- tigten Organisationen hervorgehend, Produkt der Verständigung, des AuS- und Vergleichs sein müßten. Die Politik der.Kon» Zessionen und Kompensationen habe sich gut bewährt, ihr Ergebnis, der Statutenentwurf, bei den Mitgliedern freundliche Aufnahme und im allgemeinen allseitige Zustimmung gefunden. Wenn er auch lückenhaft, verbesserungsfähig und reformbedürftig sein möge, {o bilde er doch eine geeignete Grundlage, weiterzubauen. WaS er Aenderung auf Grund der zu machenden praktischen Ersah- rungen bedürfe, werde später auch die Einheitsorganisation im eigenen Interesse bereit fein, zu ändern. Bei allem straffen Jen- traliSmug sei im Statut allzu große Uniformierung vermieden und eine gewisse Elastizität mit Glück erstrebt. Den Eigenarten de? Seemannsberufs und den besonderen Agitationsbedurfnissen sei auSgiebig Rechnung getragen, die UnterstützungSeinrichtungen feien in der vollendetsten Form der Erwerbslosenunterstützung vor» gesehen. An den Grundlagen des Statuts dürfe im gegenwärtigen Stadium der Angelegenheit nichts geändert werden. Redner empfahl am Schlüsse seiner Ausführungen Annahme folgender Resolution, die er als Bestätigung des Beratenen, als Schlußstein des ganzen schwierigen Werkes bezeichnete: „Der vom 9. bis 11. Mai 1919 in Hamburg tagende siebente I(außerordentliche)- BertzandStag des Zentralverbandes der seemännischen Arbeiter Deutschlands sprich! seine volle Genugtuung aus über die in den Oktober- und De- zemberkonferenzen 1S99 erzielte Einigung der Vertreter der drei Verbände der Hafenarbeiter, Seeleute und Transportarbeiter, durch die endgültig alle Hinder- nisse für den Zusammenschluß der drei Verbände zu einer ge- schlossenen Einheitsorganisation aller Transportarbeiter zu Wasser und zu Lande beseitigt sind. Der Berbandstag anerkennt das ernste Bestreben der De- zemberkonferenz, durch den geschaffenen Entwurf eines gemeinsamen Statuts für die Einheitsorganisation eine gesunde Grundlage für diese selbst zu schaffen. Der Verbandstag verkennt nicht, daß dieser Entwurf der- besserungsfähig ist, erwartet auch, daß der erste gemeinsame Ver- bandstag die etwa erforderlichen redaktionellen und materiellen Aenderungen am Statutenentwurf vornimmt soweit dadurch der Zusammenschluß nicht gefährdet oder ver- zögert wird. Soweit erforderlich, ist die Leitung der Einheitsorganisation zu ersuchen, den zum Statut geäußerten Wünschen der Mit- glieder aller drei Verbände durch sachgemäße Deklarationen oder bei Ausarbeitung der von der neuen Verbandsleitung zu er- lassenden Reglements Rechnung zu tragen. Mit dieser Maßgabe stimmt der siebente Verbandstag des Zentralverbandes der seemännischen Arbeiter dem allgemei- nen Statutenentwurf für die Einheitsorganisation, sowie den Ergänzungsstatuten und damit dem Zu- sa m m e n s ch l u ß der drei Verbände am 1. Juli 1319 selbst zu. Der Anschluß des Zentralverbandes der seemännischen Ar- bester Deutschlands an die dann neu geschaffene Einheitsorgani- sation erfolgt mit allen Aktiven und Passiven. Die Ueberführung aller bei der Verbandsleitung und den örtlichen Verlvaltungsstellen vorhandenen Aktiven und Passiven in die neue Einheitsorganisation erfolgt bis zum 1. September 1919, entsprechend den von.der neuen gemeinsamen Verbands- leitung zu treffenden Anordnungen." Nicht ein Sprung ins Dunkle werde getan, sondern ein wohl- überlegter Schritt, zu dem die Konzentration des Gegners und seine neue Taktik zwinge. Bei diesem Riesenschritt vorwärts in der modernen Arbeiterbewegung müsse alles Kleinliche und Neben- sächliche ausscheiden, müsse das Große und Bestimmende ins Auge gefaßt werden. Alle Abänderungsanträge wurden dann zurückgezogen, und die Re s o l u t i o n einstimmig angenommen, a s die grundsätzliche Zustimmung der Seeleute zur Verschmelzungbedeutet. pfliigsttzhrten. Wie alljährlich veranstaltet die Eisenbahndirektion ebenso wie verschiedene Dampfergesellschaften eine Reihe von Extra- fahrten, die es infolge des billigeren Preises auch manchem Prole- tarier(vielleicht ein einziges Mal in seinem Leben) gestatten, unter Aufwendung seiner ersparten Mittel die unbezwingliche Sehnsucht nach der See oder dem Gebirge in etwas zu stillen und einen oder den anderen der leichter erreichbaren schönen Erden- Winkel aus eigener Anschauung kennen zu lernen, die ihm aus der Schule oder durch Erzählung anderer sonst nur vom Hörensagen bekannt sind. Von Berlin. Lehrter Bahnhof, nach Hamburg, Haupt- bahnhof, gelangt man am Pfingstsonnabend, 14. Mai. 12.25 nach- mittags und 19.45 abends(Anschluß an die Dampfer der Ham- burg-Ainerika-Linie nach den Nordseebädern); von Berlin. Gör- litzer Bahnhof, nach dem Riesengebirge am 14. Mai. 7.59 vormittags; von Berlin, Anhalter Bahnhof, nach der S ä ch s i s ch e n Schweiz am 14. Mai, 2.19 nachmittags. Nähere Auskunft über die Ankunftszeiten. Fahrpreise und sonstigen Beförderung?- bedingungen erteilen die Fahrkartenausgaben der Abgangsbahn- Höfe der Sonderzüge sowie das amtliche Reisebureau auf dem Potsdamer Bahnhof. Von diesen Stellen werden auch die Ueber- sichten über die Pfingstsonderzüge(mit deren Fahrplänen. preisen usw. kostenlos verabfolgt. Ein billiger Pfingstsonderzug wird nach dem Harz abgelassen werden. Er geht von Berlin. Potsdamer Bahnhof, am 14 Mai (Pfingstsonnabend) 7.33 vormittags und trifft ein: in Halberstadt 11.28, in Quedlinburg 11.58 vormittags, in Thale 12.12 mittags; in Halberstadt Anschluß nach Wernigerode. Jlsenburg, Harzburg jür die Hinfahrt werden 1,79 M.(Berlin-Halberstadt) n 3. Klasse zum Preise von 4 M.(bis Quedlinburg)� 4,19 M. (bis Wernigerode oder Neinstedt), 4,29 M.(Berlin-Jlsenburg oder Thale) und 4,49 M.(Berlin-Harzburg) ausgegeben. Für die Rückreise in den fahrplanmäßigen Personenzügen sind gewöhn liche Fahrkarten zu lösen. Der Schluß des Fahrkartenverkaufes findet durchgängig am 12. Mai, abends 6 Uhr, statt. Im Anschluß an die Hamburger Sonderzüge hat der See- bäderdienst der Hamburg-Amerika-Linie Pfingstextrafahrten arran- giert: Den Verkehr zwischen Hamburg und Kuxhaven, Helgo- l a n d, Sylt auf Westerland vermitteln die Dampfer„Kaiser", „C o b r a" und„Silvana". Am Pfingstsonntag früh 7.99 Uhr �ährt der Dampfer„Kaiser" ab Hamburg, St. Pauli Landungs- brücken, nach Helgoland, Ankunft 1.29. Ferner um 8.99 früh Dampfer„Cobra" nach Helgoland. Ankunft 3.99, Abfahrt von Helgoland 3.89 und Ankunft in Sylt 7.39. Dieselben Fahrten tnden auch am zweiten Pfingstfeiertag früh statt. Die Rückfahrt kann am 15., 16. und 17. Mai erfolgen. Die kombinierten Sonder- zugdampferrückfahrkarten kosten ab Berlin: nach Helgoland 3. Klasse 25,99(inklusive Ausbooten in Helgoland), nach Westerland 3. Klasse 32 M. Billiger als die Fahrten nach der Nordsee sind die nach der stsee. Vom Stettiner Bahnhos geht am 14. und 15. Mai, 12.24 nachts ein Sonderzug ab, der um 2.35 morgens in Stettin ein- trifft. Fahrpreise der Rückfahrkarten nach Stettin: 3. Klasse 8.49 M. Von Stettin fahren nach Swinemünde im Anschluß an diese Züge zahllose Dampfer, so„Berlin",„Swinemünde" und Heringsdors" der Swinemünder Dampfschiffahrtsgesellschaft. Prinz Heinrich" fährt über Swinemünde nach M i s d r o h. Von den Dampfern der Bräunlichschen Reederei fahren: Dampfer Odin" ab Stettin 3.39 früh nach Swinemünde, Herings- dorf, Stubbenkammer, Saßnitz. Ferner um 3.39 'rlüh ab Stettin Dampfer„Imperator" nach Swinemünde, Herings- wrf. Göhren, Sellin, Binz und S a tz n i tz. In Saßnitz Ankunft 11.99 Uhr, Weiterfahrt 11.15 mit Dampfer„Imperator� nach Kopenhagen. Die Rückfahrt kann am 3. Feiertag mit Dampfer„Hertha" ab Sassnitz 19.39, ab Swinemünde 3.99 Uhr, Ankunft Stettin 6.15, vor sich gehen.(Anschluß nach Berlin.) Ab Saßnitz bietet sich am Pfingstsonntag 11.15 mit Dampfer Hertha" Gelegenheit, die Felseninsel Bornholm zu besuchen. Die Fahrpreise betragen für die kombinierten Karten Berlin- Stettln-Rügen und zurück: Bahn 3. Klasse, Schiff 1. Klasse 16,99 M. Berlin-Stettin-Swinemünde 3. bezw. 1. Klasse 9,69 M., ab Berlin eintägig für die Sonderzüge 3./1. Klasse 8,99 M. Außerdem werden in Stettin auf allen den genannten Schiffen Schiffs- karten ausgegeben: eintägig Stettin-Swmemünde 8,19 M., mehrtägig 4,79 M. Stettin-Heringsdorf oder Misdroy eintägig 3.79 M., mehrtägig 5,99 M. Der Fahrpreis der kombinierten Rückfahr- karten nach Bornholm beträgt: 3. bezw. 1. Klasse 26,89 M. Von Saßnitz nach Kopenhagen beträgt der Preis der Rückfahrkarte 1. Kajüte 19,99 M.. 2. Kajüte 12,99 M. Die Gültigkeit der Eisen- bahnpfingstkarten beginnt Freitag, 13. Mai, und endet Mittwoch, 13. Mai. inklusive. Nach Bornholm über Swinemünde direkt fährt außerdem der große Post- und Passagier-Expreßdampfer„Nord- stern". Am 14. Mai, 11 Uhr 38 Minuten vormittags, geht„Nord- stern" von Swinemünde direkt nach Bornholm in See. Ferner ist am Pfingstmontag eine Extrafahrt mit„Nordstern" von Born- Holm au» nach der romantischen Festungsinselgruppe Christiansö unS kveiler nach Gudhjem-Helligdommen vorgesehen. Außerdem finden zwei Verbindungsfahrten über Vstad nach Schweden und Kopenhagen statt. Der Fahrpreis in erster Klasse beträgt für die Rückfahrkarte Swinemünde-Bornholn 12,59 M._ Für Leute, deren Geldbeutel ihnen nur gestattet, die nachsto Umgebung Berlins zu besuchen, sei folgendes erwähnt: Nach der Märkischen Schweiz, Freienwalde usw. führen folgende Sonderzüge: Ab Stettiner Bahnhof: 5.48 früh, 6.99, 6.39, 7.59, 8.41 und 9.25 bezw. ab Gesundbrunnen 5.55, 6.97, 8.96, 8.48, 9.32. Die Fahrpreise der Rückfahrkarten betragen von Verlin: nach Biesenthal 2. Klasse 2,39 M., 3. Klasse 1,45 M., nach Ebers Walde 3,99 bezw. 1,95 M., nach N:"derFinow 3,69 bezw. 2,49 M.. nach Falkenberg 3.89 bezw. 2,59 M., nach Freienwalde 4,19 bez. 2.79 M.. nach Kloster Chorin 3,79 bezw. 2,59 M. In Freienwalde ist Dampferanschluß nach Oderbera, ebenso in Nieder-Finow nach Liepe, Teufelsberg und Oderberg vorhanden. Dampfer-Extrafahrten von Berlin aus der- anstalten die„S e r n"- G e s e l l s ch a f t von der Jannowitzbrücke, der Oberbaumbrücke und der Weidendammer Brücke aus, die Reederei N o b i l i n g von der Jannowitzbrücke, K a h n t� u. H e r tz e r von der Waisenbrücke und der Weidendammer Brücke, Zachow von der Michael-, Tismer von der Schillings-, Kr eck von der Oberbaumbrücke und S a e w e r t von Cafe Alfen an der Schlesischen Brücke aus. Diese Fahrten erstrecken sich nach dem Müggelsee und Woltersdorfer Schleuse, nach Krampenburg. Schmöckwitz, Neue Mühle, ja sogar bis nach Teupitz und Branden» bürg a. d. H. Die Fahrten tosten durchschnittlich 1 M. für Hin- und Rückfahrt, nach Teupitz oder Brandenburg 2 M. pro Person. Bezüglich der Fahrzeiten müssen wir auf die Veröffentlichungen der Reedereien verweisen. Hoffentlich begünstigt das Wetter alle diese Veranstaltungen und macht es unseren Lesern möglich, die eine oder andere der- selben zu benutzen. Fröhliche Pfingsten!_ Hud Industrie und ftandcL Riesenbetriebe i« Preußen. Die gewerbestatistische Unterscheidung der gewerblichen, Handels- und Verkehrsunternehmungen in Preußen nach der Zahl der darin beschäftigten Personen gibt, wenn nicht die Teilbetriebe, sondern die GesamtbetriebeS. deren fünf 1997 durchschnittlich 1388 I>S hatten. Für die Gruppe V. deren bedeutende Ärbeitervermehrung schon erwähnt wurde, stellt sich eine noch größere Erhöhung der Pferdestärken heraus, von 619 auf 5935, waS in der Hauplsache dem Aufschwünge der Eisengießereien und der Fabriken für Blech- Herstellung zuzuschreiben ist. Eine Herabsetzung hat nur statt- gefunden für Gruppe XVI(Baugewerbe) von 1375 auf 581 und XVII(Polygraphische Gewerbe) von 346 auf 259 LS. Verschiebungen in der Großindustrie. Kürzlich hat die Dresdner Bank ihr Aktienkapital erhöht, und zwar auf 299 Millionen Mark. Sie hat sich damit als gleich Großer neben die Deutsche Bank gestellt. Sofort tauchten Gerüchte auf, diese werde nicht lange darauf warten lassen, ihr Kapital wieder an die erste Stelle zu bringen. Man wollte auch wissen, daß bereits Schritte unternommen seien, um durch neue Verbindungen mit der Großindustrie und mit Verkehrsunternehnrungen den äußeren Anlaß für den Antrag auf Kapitalserhöhung zu finden. Ob das stimmt, weiß man natürlich nicht, aber richtig scheint zu sein, daß die Deutsche Bank ihre Beziehungen zur Großindustrie erweitern will. Wie man aus einer Erklärung des Herrn Karl Fürstenberg— Geschäftsinhaber der Berliner Handelsgesellschaft— in der«Berliner Börsen-Zeitung" und aus Vorgängen an der Börse glaubt schluß- folgern zu dürfen, wird die Deutsche Bank die Berliner Handels- gesellschoft aus den Hohelohen-Werken herausdrängen und deren Stelle einnehmen._ Rheinisch- Westfälisches Kohlensyndikat. Der Vorstand hat nun über die Entwickelung de« Geschäfts im Jahre 1999 einen Bericht veröffentlicht, dem wir folgendes ent- nehmen: In Kohlen betrug die Gesamtbeteiligung Ende 1998 77 694 834 Tonnen und Ende 1999 77999 884 Tonnen. Im Jahresdurchschnitt hat der Absatz in Kohlen 83,035 Proz.(I. V. 85,262 Proz.) der rechnungsmäßigen Beteiligung betragen. Die Kohlenförderung der SyndikatZzechen betrug im Jahre 1908 81 920 537 Tonnen und im Jahre 1909 80 828 393 Tonnen. In Koks betrug die Gesamt- beteiligung Ende 1908 14102 850 Tonnen und Ende 1909 14 602 850 Tonnen. Im Jahresdurchschnitt hat der Absatz in Koks 65,24 Proz.(i. V. 71,40 Proz., einschließlich 1,16 Proz. Koksgrus) der Beteiligung betragen. In Briketts betrug die Gesamtbeteiligung Ende 1903 3 488 910 Tonnen und Ende 1909 3 746 910 Tonnen. Im Jahresdurchschnitt hat der Absatz in Briketts 81,379 Proz. aß diese eine blutige Verletzung am Auge davontrug. Ein an- iercs Mal ging er ihr mit einem Rasiermesser zu Leibe, warf sie zu Vodcn und würgte sie am Halse. Am 23. August v. I. warf er die Greisin derartig zu Boden, daß sie sich den Oberschenkel brach. Er schlug dann noch auf die am Boden Liegende mit einem Stock ein und warf sie schließlich, wie behauptet wird,„wie ein Bund Flicken" in eine Ecke in der Küche. Hausbewohner, welche diese Mißhandlung beobachtet hatten, erstatteten schließlich Anzeige. Das Schöffengericht Zossen hatte den gewalttaigen Achtzig» jährigen mit Rücksicht auf iie schweren Folgen seiner Tat zu einer Gefängnisstrafe von einem Jahre verurteilt. Gegen dieses Urteil legte Heideler Berufung ein. Bei der gestrigen Vernehmung des Angeklagten stiegen dem Gerichtshof doch Bedenken auf, ob der Angeklagte in vollem Besitz seiner geistigen Kräfte sei. Da der Verdacht nahe lag, daß H. in einem Anfalle des sog. Alterswahn- sinns gehandelt habe, beschloß das Gericht, den Angeklagten auf seinen Geisteszustand untersuchen zu lassen. Ein etwas übereifriger Anhänger der Kinderschubbestrebunge« mußte gestern eine vom rein menschlichen Standpunkte aus ent» schuldbare Handlungsweise vor Gericht büßen. Wegen Anmaßung eines öffentlichen Amtes und wegen öffentlicher Beleidigung war der Kaufmann Max Berk vor der 4. Strafkammer des Land- gerichts II angeklagt. Der Angeklagte, welcher seit mehreren Jahren zu den Frühaufftehern gehört, hatte im Dezember vorigen Jahres zu wiederholten Malen beobachtet, daß eine Frau, die ist seinem Hause Zeitungen austrug, sich eines etwa 12jährige», sehr schwächlichen Mädchens bediente, welches beim Morgengrauen trepp- auf, treppab laufen mußte. Da der Angeklagte wußte, daß schul- Pflichtige Kinder zu so früher Morgenstunde nicht beschäftigt wer- den dürfen, machte er die Zeitungsausträgerin auf diese lieber- tretung des Kinderschutzgesetzcs aufmerksam. Er erhielt nach seiner Behauptung hierauf nur eine grobe Antwort. Hierüber ärgerlich, verlangte er von der Frau, sie solle ihm ihren Namen sagen. Als sie sich weigerte, faßte er in die Tasche, wies eine an semer Schlüsselkette hängende Münze vor und erklärte, daß er Kriminal- bcamter sei. Nunmehr nannte ihm die Frau ihren Namen. Der Angeklagte erstattete darauf gegen die Frau Anzeige. Das Ver- fahren wurde jedoch eingestellt, da sich herausstellte, daß das Mäd- chen von der Schule dispensiert war. Die Zeitungsausträgerin drehte nun den Spieß um und erstattete gegen B. Anzeige wegen unbefugter Ausübung eines öffentlichen Amtes. Mit Rücksicht dar- auf, daß der Angeklagte mit seiner Handlungsweise nur einen guten Zweck habe verfolgen wollen, erkannte die Strafkammer auf nur 19 Mark Geldstrafe. KesoMeis günstige ."ii"""WW Pfingst- Angebote Herren- Kleidung Anzüge£= Paletots£ 3«:- al- Ulstex M- 16" Beinkleider 18.— 40.- 21.- 40.— 24.- 40- 24.- 45.- 24,- 45.- 27.- 45.- M. 36.— M. 3.20 4.50 6.. M. 10.- 12.- 15.- 27.— 50.- 27.— 60.— 30.— 60— 8— 18.- 30.- 60.- 30.- ■60.- 33.- 60.- 9.- 20.- Knaben- Kleidung Knaben- Anzüge£ 82;� J;! Jüngl.- Anzüge m! S- II- 11- Loden- Pelerinen �Äbr.M�eonui:L 5-50- Echte Kieler-Anzüge und Pyjacks"mg Regen-Kleidung Loden-Pelerinen SdiSS Mit Kapuze und Tragbändern M. 8.—, 12.—, 16,—, 18.—, 21.—, 24.— Gummi-Mäntel M. 16.—, 20.—, 24.—, 27.—, 80.—, 40.— Lxort-Loden-Anzüge M. 12.—, 15.—, 18.-. 21.— M. 24.—, 27—, 30.—, 36.— Gumiol-Kleidung für Wassersport Gummi-Pelerinen.—Regen-u. Loden-Hüte Sweater— Stockschirme etc. etc. Strohhüte mit gerader Krempe u. 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(Ohne Gewiihr.)(Nachdruck verbeten.) 118 234 44 313 4SI 582[5001 80« 58 61[5001 87 1 05« 2324 410 78[500]»18 3 488 842 77 4041 248 442 808 5417 24 579 93 819 61 98 788[3000] 6290 438 59 99 634 733 806 983 97 7 094 118 830 58 794 8283 421 540 79« [3000] 867 941 0532 778 10233 432 58 91 11090 840 974 1 2116[5001 42 728 SO[lOOOl 821[1000] 54 973 1 3039 177 454 844 737 833«8 924 1 4464 93 523 04 649 743 581 925[1000] 15026 52 19! 200 4 305[ 3000] 517 78 615[500] 29 730[500] 802 4 40 43 75 975 1 6007[500] 127 85 509 605 746 821 17209 886 501[1000] 822 901 18044 ISO 390 489 558 749 62 882 95 [10001 913 1 9090 127 712 920 55 20258[500] 66 75 656 094 887 2 1 059 III[600] 22 974«11 50 330 49 2 2090 976 2 3129 43 61 245 539 719 887 24084 193 292 751 OSO 25005[1000] 51 69[1000] 219 67« 880 60 2 6042[1000] 383 411 95 687 707 87 827 2 7035 282 464 73 551[5001 67[3000] 849[500] 984 28138 78 277 83 300 473 565 2 9 005 7 138[600] 74[1000] 226 34 99 328 [900] 99[500] 467 683 90 826[1000] 83 76 3O069 236 310 80 459 569 859 802 997 3 1 253 352 74 948 91 767 975 3 2098 230 82 461 71 630 720 947 3 3192 947 4 9 798 3 4005 SO 189 92 248 68 646 48 784 97! 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Ziehung S. KI. 222. KrI- Preuss. Lotteria Ziehung vom 11, Hat, naehmltlaga. Kur dl« Gewinne Uber 240 Mark sind den betreffen» den Nummern in Klammern beigefügt. (Ohne Gewähr.)(Nachdruck verboten.) 128 571 752 98[600] Iii« 249 36«[500]«10 608 917 200«»47[500] 383[1000] 409«öS 88 87[1000] 738 868 •19[1000] 307» 41«[500] 68 716 820 4043 091 790»5« 5040 42 66 169 480 687 6009 91 10! 283 57 582 726 59 98« 9066 792 967 8461 967 77 906«[1000] 476 569 618 1O0Q5 100 521»29 86 1136» 457 574 1 2127 229 849 64 13645 441 90 885 1415« 710 15643 16056 106 60 8» 97 241 309 525 793[5000] 681 17278 406 509 58 841 910 18014 833 73 800»6 966[600] 19016 504 506 674 851 [1000] 4» 20357 69»0 405[8000] 629[8000]«1 21820»1[800] «96 612 721 35 82[8000] 861 978 2 2028 110 58 801 449 {500] 510 703 2 3136 87 601 827 2 4025 146 250 421 794 96 25064 98 146[500]»38 428 621[600] 90 26013 246 [500] 55[1000]«9 89 618 926 2 724» 499 787 28253 549 797 817 86 969 2 9 227[1009]»4 387 698 810 30112[3000] 470[1000] 644[600]«2« 761 862»85 3 1064 265 494 622 715»4[1000] 821 918 3203t 120 256 847 919 3 3073 148 225 646 786 95 887 045 3 4211 353 69 «59 SO 578 639 88 830»7 912 46 3 5019 165 115[500] 23 [1000] 37 896 934 3 6104 831 476 3 7096 311 63 427 53 64 70«77 730 99[ 3000] 069 71 79 3 9054 89 117 67 367 576 623 40002 2 2 77 386 651 761 656 909 94 41121 255 884 85 89 615 4200« 106 290 368 580 4 3281 95[1000] 70« 44046 03 143 278 834»4 464«74 661 04»62 45033 90 14» 930[SOOO] 405 46633«18 47041 75 106[ 500] 62 227 84 90 30» 23 8» 409 566[1000] 788 862 60 4 8034 177 205 54* «21 887»34 49162 203 365 474 567 664 75 99 688 50053 133[600] 892 406 15 64[500] 501 807 11»1 B1415 28 67 70[1000]«17 4» 777[500] 52024 177 237 496 [500] ö«5[1000] 894 932 71 5 3 240[500] 84 33« 569 751 S«2 54143 4» Ii« 368«69 500«61 729[500] 55260 466 675 736 815 900 6 6271 660«14 57060 421 25 510 TU 58081 {600] 160 208 470 703 80 81» 6 9642 689 887 60398 471 706 826 7 t 61107»8«11«1 987 62066 12» S* 981 781 860»75 63081»7 808 17 76» 88 64034 916«49 820 65148 274 830 420 548 78 749 84»[1000] 66012 3« 186 890 72« 981 67055 161 289 818 79 443 60« 68095 209 759 81 903 69227 449 541 65« 725 81 858 70503 795 71158 388 60 89 637 57 72« 876 72244 308 1» 794 818 19 8« 73021 43[1000] 480 610 18 81 608[500] 9 28 99 747 840 89 74073 23» 72»22«1 499 693«44 78 [500] 811»3« 41 75090 413 87«09 706 906 76002 412 6« 76[500] 546 76 734 65 961 77211 453 517«33 701 4«»78 78009 111 37 230 509 742 56 890 96»[SOOO] 7934»«67 •16[1000] 70« 1» 831]ö00] 970 80346 86 51« 834[600] 77[500] 947 81129 209 646 811 82091 262 480 864 8 3084 105 55 90« 84038[500] 147 [500] 225 424»5 71[600] 520 93 914 92 8 5159[5000] 23? 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Mr des Jnferatenteil versntw.: Ttz. Glocke, Berlin. Druck«.Verlag: Vorwärt« Buchdruclerei u. Verlagsanstalt Paul Singer Li Es. Berlin S.W, Dr. 109. 27. Jahrgang. 2. Jrilnje Ks Jnnnätts" Inliiift floltislilstt. Nounerstag. 12. Mai 1910. Vermisebtes. 6raf Zeppelin über die CCleilburger Kataffrophe. Auf einem Diner, das der Abg. Prinz Schönaich-Carolath zu Ehren des Grafen Zeppelin gab, hat dieser seinem Herzen Lust gemacht über die Verstimmung, die nach seiner Auffassung zwischen ihm und dem preußischen Kriegsmini st erium besteht. Er habe die Befürchtung, daß auch der Kaiser von der gegen ihn und sein Werk gerichteten Strömung im Kriegsministerium angesteckt werde. Sollten ihm weitere Schwierigkeiten bereitet werden, so werde er sich mit einem Appell an den Reichstag wenden. Dieser Tag der Verhandlung würde ein diss ater sschwarzer Tags für die Militärverwaltung iverden. Es sei gar nicht zu leugnen, daß bei der Landung in Weilburg grobe Verstöße gegen die von ihm selbst gegebenen Landungs- Vorschriften gemacht seien. Ilm Offizieren aus Gefälligkeit die Fahrt in einem Z.-Kreuzer zu ermöglichen, habe man in Homburg er- probte Führer aussteigen lassen und per Bahn weiter fahren lassen. Wenn jetzt, so schloß der Graf seine Anklagerede, das Kriegsministerium das Weilburger Unglück ihm und seinem System in die Schuhe schieben wolle, so werde er sich zu rechtfertigen wissen._ Zu dumm, um verurteilt zu werden. ES dürfte nicht allzu oft vorkommen, daß jemand aus dem obengenannten Grunde von einem Gericht freigesprochen wird. Vor kurzem hat sich in Hamburg ein derartiger Fall abgespielt. Wie die„Köln. Ztg." berichtet, ist der Glückliche der Musketier M. von der 11. Kompagnie des 31. JnfantericregiinentS. Eines Tages hatte der Rekrutcipuiteroffizier seinen Leuten die erhebende Geschichte erzählt, daß ein Soldat die Schmerzen eines zer- guetschten Fingers mit großer Heldenhastigkeit ertragen habe und des- halb zum Gefreiten befördert worden sei. Der Musketier M. wollte auch gern Gefreiter werden, obgleich er erst seit dem ver- gangenen Herbst beim Militär steht, schnitt sich deshalb auf dem Abort mit Kaltblütigkeit selbst den kleinen Finger der linken Hand ab und meldete seinem Vorgesetzten, ihm sei der Finger durch ein Versehen bei der Schießübung abgeschossen worden. Im Lazarett wurde dieses Märchen sofort durchschaut, und die Folge war eine Anklage gegen den Musketier wegen Selbstverstümmelung, um sich dadurch vom Militär freizumachen. Vor dem Kriegsgericht blieb er dabei, daß er sich nur eine bessere Charge beim Militär habe erringen wollen, da er mit Leib und Seele Soldat sei. Alle Vorgesetzten schilderten ihn als einen Ausbund von Dummheit, und sein früherer Lehrer sagte aus, M. habe bei seiner Entlassung von der Schule intellektuell auf dem Stand- Punkt eines neunjährigen Jungen gestanden. DaS Kriegsgericht folgte dem Anklagevertreter, der den M. als ein großes Kind be- zeichnete, das für seine Tat nicht verantwortlich gemacht werden könne, und sprach den Angeklagten frei. Der wegen Mangel an Gehirnschmalz Freigesprochene wird, da er ja mit Leib und Seele Soldat ist, hoffentlich eine Zierde des KriegervereinS werden und nnt Gott für König und Vaterland sich zum eifrigen Bekämpfer der Sozialdemokratie entwickeln. Verunglückter Ballon. lieber ein schweres Ballonunglück meldet ein Telegramm aus Glasgow im Staate Kentucky sVereinigte Staaten von Amerika). Danach sind der Vizepräsident des amerikanischen Aeroklubs F o r b e S und ein Schauspieler I a t e s, die im Staate Illinois mit einem Ballon aufgestiegen waren, schwer verletzt in bewußtlosem Zustande aufgefunden worden. Die Luftschiffer waren bisher noch nicht imstande, anzugeben, auS welchen Ursachen das Unglück ent- standen ist. Der Ballon wurde vollständig zerstört. Kleine Notizen. Das 23. Opfer. An den Verletzungen, die der Schaffner Schmidt aus Dortmund bei dem Eisenbahnunglück bei Mül- heim am SO. März erlitt, ist er gestern morgen verstorben. Im ganzen hat die Katastrophe jetzt 23 Menschenleben vernichtet. Ein Dynamitattentat ist auf der Station I u s o w k a(Rußland) auf einen Eisenbahnzug unternommen worden. In dem Zuge befand sich der Dumapräsident Gutschkow, auf den offenbar das Attentat gemünzt loar. Verletzt wurde niemand. Das englische Unterseebot 3, das im Hafen von Plhm outh eine Uebungsfahrt machte, verschwand plötzlich von der Meeres- oberfläche und sank etwa 60 Meter tief auf den Meeresgrund. Mit Hilse von Tauchern wurde das Boot nach etwa einer Stunde an die Oberfläche geholt. Von der Besatzung ist niemand zu Schaden gekommen. Eine Typhusepidcmie ist in dem in E s s e g(Ungarn) garnisonierenden Honved-Jnfanterie-Regiment ausgebrochen. Von den Mannschaften sind bisher 70 erkrankt. Die Ursache der Epidemie soll in dem miserablen Trinkwasser zu suchen sein. Aus Rache mischte in Uesküb in der Türkei ein Zuckerbäcker in die für ein öffentliches Haus bestimmte Backware Chlor und Zyankali. Acht Mädchen starben bald nach dem Genuß des Gebäcks, drei liegen schwer krank danieder. Ein starkes Erdbeben fand am Mittwoch früh auf der Insel San Domingo statt. In der Stadt sind Menschenleben nicht zu beklagen, jedoch fehlen bisher Nachrichten aus dem Innern der Insel. WitterungSüberstcht vom II. Mai 1SIO, morgens 8 Übt. ttaüaum swtnemde. Hamburg criin ■rantf.a.üR. ünchen Wien Ar iW: EÄ £ c 8= II i? 761 NNO 765 ND 762 N 757 D 758 W >757 SSW Wetter 4 halb bd 5 bedeckt 2 bedeckt 4 bedeckt 2 bedeckt 1 heiter u« ri* äII i? hS> Etationen »= £ 5 cS s« "•c i davaranda 1 769 S Petersburg 773 SO Scillh Äberdeen Pari! 767 OSO 770 S 762 WSW . I Bettet Iwolkenl 1 Dunst Lhalbbd 2 wolkeul 3 bedeckt C-« u 5 17 10 7 7 Wetterprognose für Donnerstag, den IS. Mai ISI«. Zeitweise heiter, vorwiegend wolkig mit Regensällcn- und etwas Neigung zu Gewitter, am Tage ziemlich warm bei mäßigen nordöstlichen Winden. Berliner Wette rbureau. Gegr. 7867 jry w" Jerusalemer. Zentrale und Versand: Jerusalemer Str. 38-39 Potsdamer Strasse 2 Tauentzien-Strasse 19a M 'M-7 0k'.. %• {m s Gegr. 1667 Friedrich-Strasse 75 König-Strasse 25-26 Schöneberg, Hauptstr, 146 •i ••••■ Jerusalemer Str. 58-39 "-• m' T" •••*«* J. 7/.!••.�;'V Neuheiten für den Pfingstbedarf ii; JD amen* Stiefel '».. 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Friedrich- WtlhelmstSdtischeS. Kavaliere. Bolksoper. Der Freischütz. Luisen. Die Welt ohne Männer. Rose. Des MädchenS Lebenswege. LustsPielhauS. DaS Leutnants- mündel. Metrovvl. Halloh II— Die grotze Revue. Folies Caprice. Ein verschwiegenes Atelier. Eine gründliche Kur. (Ans. 8% Uhr.) Casiuo. Berlin bei Nacht. Gebr. Herrnfeld. Wenn zwei daS- selbe tun. Das starke Stück. Apollo. Spezialitäten. Passage. Spezialitäten. Wintergarten. Spezialitäten. Reichsballen. Stcitiner Sänger. Karl Haverland. Spezialitäten. Walhalla. Spezialitäten. llrauia. Tanveusirahe TK/TV« Abends 8 Uhr: Die Polar-Eskimos und ihre Musik. Sternwarte, guvalideustr. 57—62. [-«»sins-'l'iisat«?. lerstag, 8 Uhr: Das K> Freitag, 8 Uhr: Das Konzert. Donnerstag, 8 Uhr: Das Konzert. Sonnabend, 8 Uhr: 8. Borstellung: Die Meere. zzbsenzyfluS, Frau vom Berliner Theater. Heute 8 Uhr: Talftlll* Morgen: Tallan._ Neues Theater. Abends 8 Uhr: Die goldene Ritterzeit. Morgen und solgende Tag«: IMv goldene Bitterkeit. Theater des Westens. 8 Uhr: Tanzhnsaren. Sonnt, u. Montag nachm. 3'/« Uhr: Tie geschiedene Frau. L.US'tSIHvlllSII». Abends 8 Uhr: Das Leutnantsmündel Keaea Operetten-Theater Heute und solgende Tage 8 Uhr: Der Graf von Luxemburg. l. und 2. Psiiigstseiertag, nachm. 3 Uhr, zu ermäßigten Preisen: 01« DoIIsi-prinrsssm.__ friedrich-Wilhelmstadtisches Schauspielhaus. Donnerstag, 12. Mai, abends 8 Uhr: KaTaliere. Freilag: Der Raub der Sabine- rinnen. «onnabend: Mt-Heidewerg. 1. und 2. Psingstseiertag, nachm. 3 Uhr: Die Fungsrau von Orleans. RkSidDDZ-IilDDlDs Direktion: Richard Alexander. Abends 8 Uhr: Das Nachtlicht. Schwank in 3 Akten o. M. ZamacorS. Sieraus: Ber selige Oktave. roteSke in 1 Akt von AveS Miraude und Henry Gsroule. Sommerprcife ab 7. Mai. Morgen und solgende Tage: Die» selbe Borstellung bis 16. Mai (satsonschlutz)._ Volksoper. SW., Belle-Alliance-Strasie Nr. 7/8. Abends'1,8 Uhr: Der Freischütz. Luisen-Theater. Abends 8 Uhr: Die Welt ohne Männer. Pollsstück in 3 Akten von Alex. Engel und Julius Horst. Freitag zum erstenmal: Die Else vom Erlenhos. Sonnabend: Geschlossen. Sonntag nachm. 3 Uhr: WaS Gott zusammenjügt. 8 Uhr: Else vom Erlenhos. Monlag nachm. 3 Uhr: WaS Gott zujammcnsügt. 8 Uhr: Die Welt ohne Männer. Di-nStag- Else vom Erlenhos. Urania. Wissenschaftliches Theater Abends 8 Uhr: Christian Decken: Die PolarsEskimos u. Ihre Musik. OSE=THEATE| Große Frankfurter Str. 132. Ans. 8 Uhr. Ende 11 Uhr. DeS MädchenS Levenswege. Ausstattungsstück in 4 Akten(12 Bild.) v. W. Melville. Freilag zum letztenmal: Des MädchenS Lebenswege. Sonnabend und solgende Tage: Die Schmuggler._ Metropol-Theater Hallo!!! Die groüe Revue! In 8 Bildern von JuL Freund. Musik v. Paul Lincke. In Szene gesetzt vom Dir. Rieh. Schultz. Anfang 8 Uhr. Rauchen gestattet. 8 Uhr: Programm der Attraktionen I Ztahai'a indische Tempellänzerin mit ihren lebende» Riesenschlaugeu. _ Louis de Vriendl als August, m 30 englische Backsische 30 mit neuem Repertoir u. a. m. Neues Programm! 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Einige Karten zu den Nachmittags- nnd Abend- Abteilungen können bei den Obleuten and in den Zahlstellen bestellt werden. I 240/19 Der Vorstand. I. V.: G. W i n k 1 e r. Alt-Hoablt 47/48. Sonntag, den 15. Mai 1910; Eröffnimg der £tammerj$aison Konzert, Theater und Spezialitäten. Karl Haverland Anfang Theater, präz. 8 U. 77/79 Kommandantenstraße 77/79. Töglich nur erstkl. Spezialitäten. Wi-pr-gr. Sonnabend, Sonntag, Mittwoch, _ Donnerstag: Ball. H :0i Sozialdemokratischer Wahlverein des VI. Berliner Reichstags- Wahlkreises. Sonntag, den 15. Mai— 1. Pfingstfeiertag; Großes Früh-Konzert I im Prater-Theater, Kastanien-Allee 7—9. Vollstfindig neues Programm— Erstklassige Spezialitäten Anfang 5'/, Uhr.— Billetts 25 Pf., an der Kasse 30 Pf. Bei nngänstiger Witterang findet die Vorstellung im Saale statt. Die Kaffeekficbe steht den geehrten Damen zur Verfügung. 227/7* Das Komitee. Internationale Flug-Woche 10-16. Hai täglich von 3 Uhr nachm. an. 12 Flieger- 75000 Mark. 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Hasenheide 13/15, vis-ä-visv.TrirnpL Täglich: Große Theater- 1' Iforstellung. Artist. Leitong: Walter GrävenHz, Kapellmeister: Max Wolffheim. Jeden Donnerstag; EUte-Tas! Anfang: WoeHenl.6Uhp, Sonnt,'(jß Uhr. SS •&OCISCHCR GARTEN Täglich ab 4 Uhr: Großes Militärkonzert. Eintritt 1 Mark. von abends v Uhr ab SO Pf., Kinder unter zehn Iahren die Hälfte Arbeitsnachweis: Hof 1. Amt 3. 1233. Verwaltungsstelle Berlin. Hauptburea«: CharitSstraBe 3. Hof 11L Amt 3, 1987 Das Bureau bleibt der Feiertage wegen an folgen- den Tagen geschloffen: Sonnabend, den Ii. Mai, nachmittags. Montag, den 16. Mai, den ganzen Tag. Dienstag, den 17. Mai, nachmittags. Achtimg! Achtung! Sammellisten für die ausgesperrten Bauarbeiter find nur im Bureau Charitvstr. 3, Hof S Tr., Zimmer Sa, zu haben._ 115/11_ Die Ortsverwaltung. Gr. Berliner Kunstaosstellis 1910 30. April bis«. Oktober. Im Park täglich Doppel-Konzert. Eintritt: 10-S Uhr 1 M.. v. 6 Uhr ab 50 Pf., Sonntags 50 Pf. 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Es soll das ein Archiv werden, das unsere Nachkommen einst mit großer Bequemlichkeit benutzen können, um treue und zuver- lässige Nachrichten über bedeutsame Vorgänge in der Reichshaupt stadt zu erhalten. Daneben wurde beschlossen, auch das sogenannte „malerische Berlin", darunter insbesondere die mehr und mehr ver- schwindenden alten Bauten und Baudenkmäler in künstlerischer Wiedergabe der Nachwelt zu erhalten. In der Person des be- kannten Kunstschrifistcllers Dr. Osborn hat inzwischen das Museum eine Kraft gefunden, der man die Lösung dieser nicht leichten Auf- gäbe wohl zutrauen dürfte. Dr. Osborn hat den Auftrag über- nommen, die ersten Teile des Bilderarchivs und zunächst einmal ein 1. Heft„Malerisches Berlin" zusammenzustellen. Hoffentlich be- kommt die Bürgerschaft bald die Früchte dieser Arbeit zu sehen. Max Neustaedtcr f. Gestern wurde einer der alten Partei- genossen begraben, die bereits vor dem Sozialistengesetz sich unS angeschlossen hatten. Wenn auch sein Beruf als Handelsschriftsteller ihn hinderte, sich aktiv an den Kämpfen der Partei zu beteiligen, so gehörte ihr doch seit seiner Studentenzeit sein ganzes Denken und Fühlen, und im stillen für sie zu wirken, war er unermüdlich. In Liebknechts Haufe war er schon in Leipzig als Freund will kommen gewesen, später verbanden ihn herzliche Beziehungen mit vielen unserer Vorkämpfer. Ein Herzschlag hat den 64 jährigen jäh hinweggerafft, zu früh für seine Familie wie für seine zahlreichen Freunde, die in ihm den selbstlosen Idealisten ehrten und sein An denken hochhalten werden. Ihm am Grabe einen Nachruf zu widmen war einem unserer Genossen leider nicht vergönnt, da der Inspektor des jüdischen Friedhofes in Weißensee sich darauf ver steifte, daß die Erlaubnis tags vorher beim Gemeindevorstand ein- geholt werden müsse. An dir Stelle deS verstorbenen Stadtverordneten Dr. Hermes im 14. Gemeindewahlbezirk der ersten Abteilung ist gestern der Kaustnann Hermann Einwald ernannt— pardon gewühlt worden. Der größte Bahnhof in Deutschland. In Wustermark bei Nauen wird ein sogenannter Berschiebebabnhof errichtet, der zum Teil schon im Betrieb ist und der größte Bahnhof Deutschlands wird. Er diente früher als Rangierbahnhof und wird jetzt erweitert um den größten Teil aller für Berlin, der Umgegend und der durch Berlin gehenden Güterzüge ausirehmen zu können. Der Fiskus hat umfangreiche Gelände in den Gemeinden Dyrotz, Buschow, Carpzow, Hoppenrade, Rohrbeck und Ferbitz angekauft. Dort werden auch Wohnungen für 4000 Beamte und Arbeiter errichtet. Damit die Gemeinden von diesen zahlreichen Beamten keine Steuern erheben können und der Fiskus keine Grundwert st eu er n zu zahlen braucht, beabsichtigt der FiSkuS die sämtlichen Grundstücke der sechs Gemeinden auszugemeinden und sie zu einem neuen„ G u t S- bezirk" zu vereinigen. Einen ähnlichen, aber etwas kleineren Verschiebebahnhof hat der Eisenbahnfiskus bereits in Groß-Wusteo witz bei G e n t h i n angelegt, der schon im Betrieb ist. Uebcr den Eisenbohnzusammcnstoß auf dem Bahnhof Friedrich straße, über den wir gestern unter„Letzte Nachrichten' berichteten, wird folgende amtliche Meldung verbreitet: „Dienstagabend um 7 Uhr 37 Minuten überfuhr Zug 18(nach Gütersloh) daS auf Halt stehende Schlußsignal deS Bahnhofs Friedrichstraße und fuhr auf den mit dem Schluß über der Untere führung der Friedrichstraße im Bahnhof haltenden v-Zug 56 svon Posen) auf. Hierdurch wurden mehrere Wagen beider Züge dicht aufeinander geschoben und teilweise von den Drehgestellen gehoben. Die Maschine des bis ans westliche Ende des Bahnhofs reichenden ZugeS S6 P wurde mit dem Packwagen mehrere Meter btw geschoben. Einige Reisende beider Züge klagten über Kopfschmerzen Ein Reisender hat anscheinend leichte innere Verletzungen erlitten, ebenso der Postschaffner Kempe. Der Zugverkehr wurde zwischen Alexanderplatz und Friedrichstraße eingleisig aufrecht erhalten. Die Untersuchung über die Schuldfrage ist sofort eingeleitet worden." Nach dieser Darstellung wären die Folgen des Zusammenstoßes weniger erheblicher Natur, wie anfangs berichtet wurde. Der Vorsteher der Eisenbahnbetriebsinspektion I, Geheimer Baurat Wambsgantz, macht über den Unfall folgende Angaben: Nach dem Ergebnis der Untersuchung hat der Lokomotivführer Fietz aus Hannover, der den Schnellzug 18 Berlin— Hannover führte, einzig und allein die Schuld an demgestrigenEisenbahnunglückauf dem Bahnhof Friedrichstraße zu tragen. Seine Aussage, daß er„Einfahrt" gehabt habe, ist irrig, denn der Befund der Stellwerksanlage auf der Station zeigte, daß daS Signal zweifellos auf„Halt" gestanden hat. Es liegt also eine grobe Unvorsichtigkeit des Lokomotivführers vor, daß er das Haltesignal überfuhr. Gegen den Lokomotivführer Fietz wird daher eine strafgerichtliche Untersuchung eingeleitet werden. Der Heizer kann nichts Bestimmtes bekunden. Ebenso hat der Zug- sührer Zogbaum nicht auf das Signal geachtet, da er im Packwagen mit dem Verlegen des Gepäcks beschäftigt tvar. Wegen Arbeitslosigkeit ins Wasser gegangen ist gestern ein Mann an der Jannowitzbrücke. Bon Mannschaften eines vorbeifahrenden Schleppdampfers wurde er gerettet, wogegen sich der Mann wehrte. Ein Schutzmann brachte den Verzweifelten in ein Krankenhaus. Ein schwerer Automobilunfall ereignete sich gestern abend gegen Z�8 Uhr am Kurfürstendamm. An der Ecke der Hardenbergstraße spielten eine Anzahl Knaben, von denen der zehnjährige Sohn Walter des Prager Platz 3 in Wilmersdorf wohnhaften Kaufmanns Krause vor einer herannahenden Kraftdroschke über den Fahrdamm zu laufen versuchte. Obwohl der Chauffeur mit aller Kraft bremste, gelang es ihm doch Nicht mehr, den Wagen rechtzeitig zum Stehen zu bringen und K. wurde umgerissen und überfahren. Der Junge erlitt eine schwere Quetschung des Beckens, einen Bruch des Unter- kiefers sowie erhebliche Hautabschürfungen am ganzen Körper. Der Verunglückte erhielt auf der Unfallstation am Zoologischen Garten Notverbände und mußte dann nach dem Elisabeth-Krankenhaus überführt werden, wo er in bedenklichem Zustande daniederliegt.— Von einer Kraftdroschke überfahren und getötet wurde gestern abend um 7 Uhr der 4 Jahre alte Sohn Zceslaus des Bu�halters Peger- zelski aus der Neuen Roßstraße Nr. 2. Der Kleine, der mit anderen Kindern vor dem Hause Neue Roßstraße 5 spielte, wollte vor einer von der Wallstraße herkommenden Kraftdroschke über den Fahr- dämm laufen. Der Wagenführer merkte die Gefahr und wollte ausweichen. Dabei jagte der Wagen auf den Bürgersteig hinauf und zertrümmerte das Schaufenster eines leerstehenden Ladens. Das Unglück aber wurde auch so nicht verhütet. Der Kleine Peger- zelski geriet unter das Hinterrad, wurde über den Kopf gefahren und so schwer verletzt, daß er im Krankenhause am Urban, wohin ein Schutzmann ihn brachte, eine Viertelstunde nach der Aufnahme starb. Auf einen alte» Gaunertrick sind wieder mehrere Dienstmädchen in der Kolonie Grunewald hineingefallen. Dort erschien in Ab- Wesenheit der Herrschast ein junger Mann mit einer Kiste Zigarren und quittierter Rechnung über 6,25 M., 7,50 M. oder einen ähnlichen Betrag. Er behauptet, die Sendung sei bestellt, und erhält fast immer den Betrag der Rechnung von den Mädchen. Später ergibt sich dann, daß die Zigarren nicht daS Geld Ivert und ganz un- genießbares Kraut sind. Der Schwindler, der im vergangenen Jahre schon einmal mit demselben Kniff gearbeitet hat, ist etwa 26 Jahre alt und 1,70 Meter groß. Er hat dunkles Haar, einen kleinen dunklen Schnurrbart, ein blasses Gesicht und dunkle Augen und trägt ein hellgraues Jackett, eine dunkle Hose und einen schwarzen steifen Hut. In de» Tod z« gehenZ�versuchten vorgestern zwei Mädchen in Treptow. Sie sprangen in den Karpfenteich, wurden aber von einem Rohrleger gerettet und in die Wohnungen ihrer Eltern ge» bracht. Die beiden Mädchen waren befreundet und hatten bis vor kurzem zusammen gearbeitet, waren aber seit einigen Tagen be- schäfligungslos. Auch ein Absagebrief des Bräutigams der einen Arbeiterin spielte bei dem Entschluß, in den Tod zu gehen, eine Rolle. Die beiden Lebensüberdrüssigen befinden sich außer Lebensgesahr. Herrn Bethmann Hollweg in Hohen- Finow galt am letzten Sonntag eine Tour des zweiten Bezirks des Gaues 9 des Arbeiter» Radsahrerbundes. Die zirka 750 Arbeiter-Radfahrer hatten sich vor» genommen, dem Reichskanzler für sein Verhalten in der Wahlrechts» frage„zu danken". Herr Bethmann war auf feinem Schlosse aber nicht anwesend und so begab sich die ansehnliche Radfahrer- Versammlung nach Heegermühle, um den dortigen Bruderverein bei seinem Stiftungsfest zu unterstützen. Das war insofern recht nützlich, als erst vor kurzem den dortigen Genossen das größte Lokal ent- zogen worden war. Da das jetzige freie Lokal aber nicht annähernd alle Genossen aufnehmen konnte, mußten die Genossen von Berlin und Umgegend nach dem Korso aufbrechen und noch anderweitig Unterkunft und Vergnügen suchen. Die Flugwoche in Johannisthal hat einen recht trübseligen Anfang genommen. Während es an dem verregneten Dienstag nur einem der konkurrierenden Aviatiker gelang, einen Achtminutenflug zu absolvieren, kam eS am Mittwoch überhaupt zu keinem Aufstieg. Die Schuld daran trugen allerdings nicht die Flugkünstler selbst, sondern die über- aus ungünstige Witterung. Bei dem herrschenden starken Winde, der oft zu heftigen Böen von sturmartiger Gewalt anwuchs, wäre es geradezu Selbstmord gewesen, wenn einer der Flieger den Aufstieg unternommen hätte. Das Publikum hatte übrigens auch große Vorsicht bewiesen. Denn von den vielleicht 300 Personen. die auf dem Flugplatz anwesend waren, bestand wohl die gute Hälfte aus Arrangeuren der Flugwoche und Vertretern der Presse. Die beiden Musikkorps musizierten deshalb vor einem überaus spärlich gesäten Publikum. Hoffentlich herrscht an den folgenden Tagen, namentlich während der Pfingstfeiertage, günstigeres Wetter, damit die Gesellschaft wenigstens einigermaßen auf ihre Kosten kommt und die so große Hoffnungen erweckende Flugtechnik die ihr so wünschenswerte Anfeuerung erfährt. Deutscher Arbeiter- Sängerbund(Gau Berlin und Umgegend). Den Bemühungen des Bundes, kleinere Vereine zu größeren leiftungS« fähigeren Chören zu vereinigen, ist folgender Erfolg beschieden ge» wesen. Vereinigt haben sich folgende Chöre: Sängerchor 80. und Männerchor 80. unter dem Namen Sänger» chor 80. Freitag bei Garske, Reichenberger Str. 147. Reinickendorf: die Vereine Reinickendorf- Ost, Walde?» rauschen, Wilhelmsruh und Weiße Rose unter bem Namen Männer- chor Reinickendorf und Umgegend. Freitag bei Sadau, Provinz» sttaße. Wilmersdorf: die Vereine Gleichheit, Liedertafel und Sorgen» frei, Halensee, unter dem Namen Männerchor Wilmersdorf. Vom 3. Juni 1910: Viktoria-Garten, WilhelmSaue. Der Borstand der Freien Volksbühne beschäftigte sich in seiner letzten Sitzung mit der vielbesprochenen Frage des Philharmonie» Boykotts. Hierbei kam allgemein die Meinung zum Ausdruck, daß der Boykott der Philharmonie auch in der jetzigen gemilderten Form kaum zweckmäßig, daß aber die„Freie Volksbühne" als ein auf dem Boden der modernen Arbeiterbewegung stehender Verein an die noch geltenden Beschlüsse der zuständigen Organisationen unbedingt gebunden sei. Was andere Vereine tun oder lassen, könne für die„Freie Volksbühne" nicht maßgebend sein, ihre Mitglieder würden eS als organisierte Arbeiter schwer mißbilligen, wenn sich der Borstand einseitig über den geltenden Beschluß hinweg- setzen wollte. Für das neue Vereinsjahr soll in den Kreisen der politisch und gewerkschaftlich organisierten Arbeiter eine rege Agitation zur Ge- winnung neuer Mitglieder entfaltet werden. Die Verträge mit dem Lessing-Theater, bem Neuen Schauspielhaus, dem Thalia-, Residenz» und Herrnfeld-Theater werden erneuert. Zur Ausführung werden u. a. in Aussicht genommen: MolisreS„Misanthrop", Hebbels „Agnes Bernauer", Knut Hamsuns„Au des Reiches Pforten", Björnsous„Heber unsere Kraft" u. a. m. Der Mitgliederbeitrag soll auch im nächsten Jahr unverändert 1,10 M. betragen, an dem Prinzip der geschlossenen Vereinsvorstellungen und der freien Stück- Wahl durch den Vorstand soll auch künftig festgehalten werden. Das neue Spieljahr, für daS auch eine Reihe größerer Festveranstaltungen geplant sind, beginnt anfangs September. Bei der Maifeier im Schweizergarten sind ParteibonS gefunden worden, abzuholen bei Behle, Neue Königstraße 11. Ein Trauring ist verloren gegangen, gezeichnet 28. 1. 1893 2. N., abzugeben bei G. Fincke, Christburger Straße 27, vorn 4 Tr. Vom Berbandsbureau der Metallarbeiter, Charitüstr. 3, werden wir ersucht mitzuteilen, daß der Former Karl Borkowski auS Görlitz sich sofort im Zimmer 12 des Bureaus melden soll wegen einer dringenden Familienangelegenheit. Diejenige», welche mit Borkowski bekannt sind, werden gebeten, dem B. diese Aufforderung mitzuteilen. Die Mühlenstraße von der Bronnnybrücke bis zur Fruchtstraße wird wegen Kanalisationsarbeiten vom 17. d. M. ab bis auf Iveiteres für den Fuhrwerks- und Reiterverkehr in der Richtung von Osten nach Westen gesperrt. Wer kennt die Tote? Die Persönlichkeit der etwa 50 Jahre alten Frau, welche am 8. Mai, nachmittags gegen 5 Uhr, in der Licbigstraße von einem Beamten des 66. Reviers auf dem Bürger- steige liegend aufgefunden worden und nach Einlieferung auf die Rettungswache in der Warschauerstrahe verstorben ist, konnte bisher nicht festgestellt werden. Die Tote ist mit schioarzem, englischem Strohhut, schwarzer Pelzboa, schwarzem Kleide und Schnürschuhen, bekleidet und trug eine gelbe Handtasche und eine kleine grüne Gieß- kanne bei sich. Wahrscheinlich ist es eine alleinwohnende Witwe, die von dem Gange nach einem Kirchhofe deS Ostens zurüakehrte, deren Verschwinden bisher von den Hausbewohnern nicht bemerkt worden ist. Wer über die Persönlichkeit der Toten etwas augeben kann, möge sich schriftlich ober mündlich an ein Polizeirevier oder die Kri» minalpolizei, Zimmer 321 des Polizeipräsidiums, lvenden. Vorort- JVacbricbtem Steglitz. Wer da recht hat, weiß ich nicht...! Wie in den meisten Vor» orten haben auch hier die Genossen unter der Lokalfrage zu leiden. Wenn auch der Saal des Genossen Schellhase zu den Zusammen» künften des Wahlvereins genügt, bei öffentlichen Versammlungen müssen wir ins»Ausland", nach Groß-Lichterfelde gehen, wodurch die Agitation natürlich sehr erschwert wird. Im vergangenen Winter war es endlich gelungen, den damaligen Pächter deS„AIßrechts- Hof". Herrn Höpfner, zur Hergabe seines Saales zu einer öffent- lichen Versammlung zu bewegen. Diese Versammlung war sehr stark besucht und Herr H. erklärte sich bereit, auch in Zukunft den Saal herzugeben. Anfang Januar d. Js. der- einbarte Genosse A. mit dem Pächter abermals eine Versammlung zum Sonntag, den lg. Januar, und meldete diese am 11. Januar bei der Polizei an mit der Bitte um Zusendung der Bescheinigung Statt dieser Bescheinigung erhielt der Einberufer am nächsten Tage ein Schreiben des Pächters, worin dieser mitteilte, daß die Ver- lammlung nicht stattfinden kön'.'e. Genosse A. begab sich sofort zu Herrn Höpfner. Derselbe teilte ihm mit, daß er infolge d». r Anmeldung nach dem Rathause beordert worden sei. H. meinte aus den dort gepflogenen Verhand lungen die Uebcrzengung gewonnen zu haben, dafi ihm geschäftlicher Ruin drohe, wenn die Versammlung in seinem Lokal tage. Er be- dauerte, aus diesen Gründen sein Wort brechen zu müssen.— Die Versammlung konnte also nicht stattfinden, aber auch die Polizei- liche Bescheinigung traf nicht ein, obwohl keine Abmeldung erfolgte. Der Einberufer schloß aus der Unterredung mit dem Wirt auf eine ungesetzliche Einwirkung der Polizei und wandte sich am 17. Febrnar beschwerdeführend an den Minister des Innern. Auf diese Beschwerde ging am 9. März 1910 folgendes Schreiben ein: Berlin, den 9. März 1910. Ihre Vorstellung vom 17. Februar d. I. ist unter dem 9. d. M. an den Herrn NegieruiigSpräsidenten in Potsdam zur weiteren Veranlassung gesandt worden, wovon Ihnen hierdurch Kenntnis gegeben wird. Geheime Kanzlei des kgl. Ministeriums deS Innern. Was bei der„weitereu Veranlassung" herausgekommen ist, lehrt folgendes Schreiben: des Kreists"�-».«e-lin W., 26. März 1910. Nr. L. L 8809. Die an den Herrn Minister des Innern gerichtete Beschwerde vom 17. Februar er. ist an mich zur zuständigen Bescheidung ab- gegeben worden. Nach den angestellten Ermittelungen ist der der Polizei in Steglitz gemachte Vorwurf nicht begründet, daß sie den Verwalter des Lokals„AlbrechtShof" veranlaßt habe, den für eine öffentliche Volksversammlung am 16. Januar d. IS. bereits zur Verfügung gestellten Saal nachträglich der Versammlung zu verschließen. Vielmehr hat der Verwalter Höpfner aus eigenem Antriebe auf Grund einer Nückiprache mit dem Polizeikommissar Hoffmann seine Zusage zurückgezogen, nachdem er erkannt hatte, daß er über den Charakter der augemeldeten Versammlung nicht richtig informiert gewesen war. Die Polizei hat aber insofern nicht richtig gehandelt, als sie eS verabsäumt hat, die Bescheinigung über die erfolgte Anmeldung der Versammlung sofort zu erteilen. Ich habe in dieser Beziehung dem Herm Amtsvorsteher das Erforderliche eröffnet. fName unleserlich.) Daß dem Herrn Amtsvorsteher Buhrow ,baS Erforderliche eröffnet" worden ist in bezug auf die sofort zu erteilende Bescheinigung, war sehr wünschenswert und notwendig; hoffentlich handelt er in Zukunft danach. Auffallen muß aber, daß die landrätlichen Ermittelungen das gerade Gegenteil von dem ergeben haben, waS Herr Höpfner dem Einberufer und später auch anderen Genossen gegenüber behauptet hat. Unwahr ist auf jeden Fall, daß Herr Höpfner über den Charakter der angemeldeten Ver- sammlung nicht richtig informiert gewesen sei. Doch das mag der Herr mit der Polizei selbst ausmachen. EinS ist bestimmt wahr: trotz— oder auch vielleicht wegen— der nicht abgehaltenen Versammlung schreitet die Sozialdemokratie vor- wärt« und— Herr Höp fner ist aus dem.AlbrechtShof" ver- schwunden. Rixdors. Die Mitglieder des Verbandes der Gemeinde- und GtaatSarbeiter (Sektion Rixdorf) hatten sich vor einigen Tagen versammelt, um den Bericht deS Kollegen PolenSke über die Arbeiten des verflossenen Quartals entgegenzunehmen. Redner hob hervor, daß am 1. April die neunstündige Arbeitszeit zur Einführung gelangte. Die einzelnen Betriebsleitungen haben den Wünschen und Anträgen der Arbeiter bezüglich Anfang und Beendigung der Arbeit sowie der Festlegung der Pausen allgemein entsprochen. Klage geführt wurde bei den FriedhofSarbeitern über die späte Hinauslegung des Feierabends und bei den Reglerwärtern der Gasanstalt über Nichtberücksichtigung bei der Arbeitszeitverkürzung. Doch steht in beiden Füllen eine be- friedigende Regelung in Aussicht. Damit hat die Lohnbewegung deS Jahres 1909/10 ihre Erledigung gefunden. Neben der Ver- kürzung der Arbeitszeit ist eine Erhöhung sämtlicher Löhne um 25 Pf. pro Tag oder im Durchschnitt von 5 Proz. erfolgt. Es schlvebt seiner- zeit noch ein Antrag der Friedhofsarbeiterinnen, die bei der all« gemeinen Regelung unberücksichtigt geblieben waren. Die Bewegung der Rathaussrauen fand ebenfalls ihren, aller- dings nur teilweisen, Abschluß. Die Reinigung wurde ab 1. April wieder in eigene Regie übernommen. Dies hatte zur Folge, daß von den am 1. Januar entlassenen neun Frauen acht wieder ein- gestellt wurden. Bedauerlicherweise wurde bis zum heutigen Tage die neunte Frau nicht eingestellt. Vom RathauS aus wurde dem ArbeitSnachlveis nämlich die Anweisung erteilt, die Kollegin nicht mehr dem Rathaus zu überweisen. In der Zwischenzeit ,st zwar diese» Vorgehen der Verwaltung von höherer Stelle aus rektifiziert worden, doch ist die Kollegin bis heute noch nicht eingestellt. Die Organisation hat diesen Fall als Maßregelung anerkannt. Bei dem Streitfall im Krankenhanfe handelte es sich um eine Arbeitsniederlegung unorganisierter Kollegen, die erfolglos blieb. In Sachen der Rathausfrauen wie im Krankenhausstreit verhandelten Organisationsvertreter mit dem Oberbürgermeister. Die Mitglieder- zahl beträgt augenblicklich 230. Bedauerlich ist e», daß einzelne Gruppen städtischer Arbeiter der modernen Arbeiterbewegung noch fernstehen. So die Straßenreiniger, die einem Hirsch-Dunckersch schillernden Berein angehören oder richtiger, angehören müssen, denn hier spielt der Terrorismus gewisser Vorgesetzter eine große Rolle. Ebenso halten es die O mn ib u s an g e st e l l t e n nicht für not- wendig, sich gewerkschaftlich zu organisieren. Auch die Arbeiter der Tiefbau- Verwaltung und hier besonders die Steinsetzer und R a m m e r lassen sich von den übrigen städtischen Arbeitern die Kastanien aus dem Feuer holen. Bon den Reinigungsfrauen des alten Rathauses wurde lebhaft Beschwerde geführt über einen Herrn Lange. Dieser Herr hat am 1. April die Frauen unter seine Obhut bekommen. Abgesehen davon, daß er den Frauen sofort von ihrem kärglichen Lohn 1 M. in Abzug brachte, müssen sie ohne einen Pfennig Entschädigung sei« 1. April sämtliche Oefen heizen. Eine Versammlung der Frauen wird sich tn nächster Zeit mit dieser Angelegenheit beschäftigen. An Stelle des ausgeschiedenen Kollegen Friedrich wurde Kollege Balzer als zweiter SektionSleiter gewählt. Wilmersdorf. Zur Steuerfrage. Die Stadtverordnetenversammlung hat in ihrer Sitzung vom 4. Mai bekanntlich beschlossen, sich der auf Er- Hebung von 100 Proz. Kommunalsteuerzuschlag abzielenden Eni- scheiduna deS Provinzialausschusses nicht zu fügen, sondern die Frage dem städtischen Finanzausschuß zu überweisen. Durch diesen Beschluß ist die städtische Steuerverwaltung in eine für sie unangenehme Lage gekommen. Da die Höhe des Zuschlages noch nicht feststeht, kann sie diesen Teil der Steuer auch nicht erheben, Verantwortlicher Redakteur Richard Barth, Berlin. Für den und so gibt denn der Magistrat bekannt, daß nur die Staats- Einkommen- und Ergänzungssteuer, auch wenn den Steuerpflichtigen nicht ein besonderer Stcuerzettel zugeht, bis zum 16. Mai an die Steuerkassen abzuliefern ist. Kampf gegen Armenpflegerinnen. Auch in Wilmersdorf wollen die Armcnpflcger der Stadt von einem Zusammenarbeiten mit Frauen nichts wissen. Am 16. Juni 1909 wehrte sich die Armen- deputation in einem Beschluß gegen die von der Stadt beabsichtigte Anstellung selbständiger Pflegerinnen. Sie wollte sich darauf be- schränken, jeder Armenkommission eine Dame beizuordnen, die von Fall zu Fall von jedem der betreffenden Armenpfleger nach Wunsch in Anspruch genommen werden kann. Es währte bis zum 28. Ja- nuar dieses Jahres, als endlich ganze drei Damen als Helferinnen der Armenpflegcr eingeführt wurden. Aber-bei der Formalität der Einführung hatte es sein Bewenden, denn bis jetzt ist noch keiner der Damen irgendwelche Tätigkeit zugewiesen worden. Endlich kam es vor einigen Tagen dahin, daß in einer besonderen Ver- sammlung der Armenpflcger der hartnäckige Widerstand zur Sprache kam. Man meinte hier, daß die Mitwirkung von Frauen in der Armenpflege keinerlei Zweck hätte. Beweis: Es sei bisher auch ganz gut gegangen. Mit großer Mühe brachten Stadt- rat Brohm, Stadtverordneter Moll und die zur Helferin ernannte Frau Regina Deutsch es dahin, daß den Frauen das Recht gegeben wurde, die von ihnen fortan zu bearbeitenden Angelegenheiten selbständig in der Kommission zu vertreten. Stadtrat Brohm er» mahnte zum Schluß die Armenpfleger, nun auch wirklich die Damen in ihre Tätigkeit einzuführen. Ob die Mahnung fruchten wird? Der Spießbürger bleibt sich eben überall gleich; und Sozialdemo- traten sind in Wilmersdorf bisher grundsätzlich nicht zu Gemeinde- ämtern herangezogen worden. Königs-Wusterhansen. Ein gefährlicher Kinderfreiind ist vorgestern in der Person des 48 jährigen Stellmachcrgesellen Oster festgenommen worden. O., der bei einem hiesigen Schmiedemeister beschäfligt war, lockte ein zehn- jähriges Mädchen in seine in der Berliner Straße belegene Wohnung, wo er das Kind vergewaltigte. DaS Hilfegeschrei des Mädchens wurde von vorübergehenden Personen gehört, die gewalt- sam in die verschlossene Wohnung eindrangen. Sie fanden die Kleine in einem Spind versteckt und entsetzlich zugerichtet. Der Wüstling wurde, nachdem ihm eine gehörige Tracht Prügel zuteil geioorden war, von einem hinzugerufenen Polizeiveamten ver- haftet, während das Kind in ärztliche Behandlung genommen werden mußte. Köpenick. Bei den vorgestern stattgefundcnen Ersatzwahlen der zweiten Abteilung erhielten unsere Genoffen Galle 161, Müller 149 Stimmen. Von den Gegnern erhielten die Herren Hentschel 143, Feder l24, Dittrich 139 und Lohff 131 Stimmen. Es hat somit Stichwahl zwischen unseren Genossen und den Herren Hentschel und Lohff statt- zufinden. Nenenhagen(Ostbahn). Gemeindrvertrrtersitzung. Der Nachtrag zum Ortsstatut be- treffend die gewerbliche Pflichtfortbildungsschule, wonach dieselbe im Sommerhalbjahr Montags, Mittwochs und Freitags, abends von 6>/z— 8l/z Uhr, und im Winterhalbjahr von 6—8 Uhr abends ab- gehalten werden soll, wurde gegen 4 Stimmen genehniigt. Unsere Vertreter wollten die Schulstimden in die Arbeitszeit verlegt wissen, fanden aber damit bei der Mehrheit keinen Anklang. Der Ueber- lasfung des Gemeindeplatzes im Dorfe zur Abhaltung einer Volksversammlung am 22. Mai wurde zugestimmt. Bei der Besprechung über den Bebauungsplan für den südwest- liche» Teil unserer Gemarkung, wurde die Taktik der Terrain- spekulanten einer scharfen Kritik unterzogen und allgemein bedauert, daß schließlich auch Parteigenossen den Versprechungen der Agenten zu viel und zu leicht Glauben schenken und Verträge leichtfertig unterschreiben, durch welche die Käufer in bedrängte Lage geraten. Also Augen auf beim Kauf von Parzellen in Neuenhagen-Hoppe» garten. In der Sitzung vom 3. Mai wurde als Gemeindevorsteher Herr Karl Schmäke wiedergewählt. Für den ausscheidenden Schöffen Herrn Eutrich wurde Herr Zitteroart und als Stellvertreter Herr Roeder gewählt. Weistensee. Dir Gewerkschaften werten auf die Sammlungen für die aus- gesperrten Bauarbeiter aufmerksam gemacht. Sammellisten sind bei dem Obmann deS hiesigen GewerlschaftskartellS, Stich. Daeschner, LanghanSstr. 148, zu haben. tür die Städtebau-AuSstellung find gleichfalls Billetts a 80 Pf. aeschner und beim Genosien Gustav Peukert, König-Chauffee 33, zu haben. Die Unterkommisfion Weißensee. Pankow. In der Gcmeindrvertretersitzullg am Dienstag wurde zunächst noch eine Wahl für gültig erklärt und die Einführung zweier Ge- meindevertreter vollzogen.— Hierauf sollte die Ergänzung der Kommissionen vorgenommen werden. Dazu kam es aber vorerst nicht. Ein Teil der bürgerlichen Gemeindevertreter war der merk- würdigen Auffassung gewesen, sich über die Besetzung der einzelnen Kommissionen in einer privaten Borbesprechung, zu der weder unsere Genossen noch der größere Teil der bürgerlichen Vertreter hinzugezogen worden waren, verständigen und ihre Vorschläge der Gemeindevertretung zur Beschlußfassung unterbreiten zu«ollen. Hiergegen remonstrierten nicht nur unsere, sondern auch bürgerliche Vertreter. Schließlich wurde auf Antrag unserer Genoffen eine fünf« gliedrige Kommission gewählt, welche sich mit der Dache befassen und dem Plenum in einer späteren Sitzung Vorschläge zur Besetzung resp. Ergänzung der einzelnen Kommissionen unterbreiten soll.— Sodann beschloß die Gemeindevertretung die Errichtung von fünf Lehrer- und drei Lehrerinnenstellen an den hiesigen Gemeindeschulen zum 1. Oktober d. I.— Eine lebhaftere Debatte»eitigte die Beratung über die Regulierung der Park- und Damerowstraße. Von unseren Genossen wurde darauf hingewiesen, daß wenn auch die Not- wendigkeit der Regulierung der Parkstratze an sich nicht bestritten werden könne, dennoch für«ine Reihe anderer Siraßen, wie beifpiel«- weise der Kreuz-, Kaiser-Friedrich-, Brehme- und Schulze« straße die Regulierung dringender gewesen wäre. Schließlich stimmte die Vertretung den Vorschlägen der Tiefbaukommission zu.— Um dem sich stetig steigernden Verkehr zwischen Pankow und Berlin zu genügen, hat die Gemeinde- Vertretung wiederholt an die Siemensbahngesellschaft das Ersuchen gerichtet, in den verkehrsreichen Stunden mehr Züge mit Anhänge- wagen verkebren zu lassen. Unter allerlei Gründen und Vorführung von Zahlen über Verkehrszählungen ist die Gesellschaft bisher stets dem berechtigten Ersuchen ausgewichen. So--..ch jetzt wieder. Die Gemeindevertretung, sowie der Bürgermeister beklagten lebhast, daß diese Gesellschaft der Gemeinde gegenüber so wenig Entgegenkommen zeige. Um die von verschiedenen Seiten angezweifelten Zahlresultate der Gesellschaft nachzuprüfen, soll in nächster Zeit eine amtliche Ver- kehrszählung der Siemensbahnlinie vorgenommen werden.— Nach Erledigung einer Reihe weiterer unwesentlicher Angelegenheiten er- folgte Schluß der öffentlichen und hierauf geheime Sitzung. Lrisfkasten der Redaktion. 9tt tartstlsib« evrcchstund« find« Liudenftraftc vir.«V, dorn Met Trevvcn— Fahrstuhl—, wochentiiglt» don 4>/, dt«?>/, Ndr abend» statt. Jeder Antra«- ist ein Vuchftobe»nd eine Zakl als Aierszetchen beizufügen. Brietliche Antwort wird otch» erteilt. Eilige Jragen trage mn» in der Svrechftunde vor. K. E. B. S. 1. Beeden die Ihrem Bruder gehSrigen Sachen ge- pfändet, so muh derselbe, unter Beifügung einer eidesstattlichen Versicherung eine» Dritten, den Gläubiger zur Freigabe unter Setzung ewer Frist aus- fordern, sich auch-zur Vorleguna der auj seinen Namen lautenden Quittungen erbieten und diese aus Verlangen vorlege,», vltibl die Aus. forderung erfolglos, so muh Belm Amtsgericht die Einstellung der Zwangs' Vollstreckung rechtzeitig vor dem Verfteigerungstermin beantragt und die Widerspruchsklage erhoben iverden. 2. An da? Berliner Polizeipräsidium. Die Legalisierung besorgt die hiesige österreichische Bolschäft, Kronprinzen« ufer 14.— G. B. 81. 1. Die Verhandlung im Jahre 1903 wird vor dem Amtsgericht, Abteilung sür Vormundschaftsjachen(daS ist das Vormundschastsgericht), stattgeiundc» haben, weswegen die jetzige Klage zulässig ist. 2. Ja, binnen 14 Tagen nach Zustellung. — M. SV. Auch wir können die Kasse nicht empsehlen. Sie find an den Vertrag gebunden, können aber unter Jnnehaltung der im Statut gesetzten Frist kündigen.— H. L. Lichtenberg Nr. 1. Die Höhe hängt von der Vereinbarung mit dem Vater ab. Den Erben gegenüber könnte, wenn eine solche Vereilibarung und ein Anerkenntnis sür die länger zurück- liegende Zeit nicht vorliegt, nur der Anspruch sür die letzten zwei Jahre geltend gemacht weiden: sür die weiter zurückliegende Zeit liegt Verjährung vor.— F. Z. IVO. Die Beantwortung der Fragen erübrigt sich deS- wegen, weil der junge Mann nicht zur Eingehung der Ehe gezwungen werden kann, selbst wenn seine Angaben unrichtig find.— P. B. 42. Sie sind gebunden und können bei weiterer Weigerung verklagt werden.— M. B. 84. Wenn die vereinbarten Raten nicht innegehalten sind, hat der Verkäuscr Anspruch auf Herausgabe und Ersatz des Minderwertes. Die Höhe des letzteren kann nur ein Sachverständiger bestimmen. Die Betten unterliegen nicht der Psändung. Wir raten zu einem gütlichen, am besten schriftlichen Ablommen mit dem Verkäufer.— Alter Abonnent 36. ES besteht Anspruch aus Rückgabe der Geschenke.— Wk. ivt. 131. Nein. — B. L. 1VV. 1. Nein. 2. Ja. nach Abzug der Kosten der Beerdigung im Verhältnis des Erbteils. Lautet die Versicherung zugunsten des Mannes, dann nicht.— Steuerschraube SV. Der Stempel ist zu unrecht erhoben.— Köpenick P. 408. 1. Nein, deshalb 2. nicht strafbar.— S. S. 4. 1. Ja, allerdings nicht die Mutter, sondern der gesetzliche Ver- lreter deS Kindes. 2. Der Einwand könnte gelegentlich des Prozesses ge- nincht werden, wird aber kaum durchgreifen, da ein Beweis sür die Be- hauptmig schwer zu erbringen ist.— A. H. 3>. O. 36. Ihre Frau so»! sich an Wilh. Hinz, Berlin, Prinzenstr. 66, wenden. Vielleicht stndet sie Ausnahme in die von diesem geleitete Kasse.— H. S. 15. Ja.— Schenk, Ober-Schöneweide. 1. Wenn die Arbeit mangelsrei war und ein Preis vereinbart ist, oder der in Rechnung gesetzte angemessen ist, Sie das auch beweisen können, so klagen Sie 2. Es besteht Aussicht aus Stundung. 3. DaS empfiehlt sich jetzt nicht mehr.— M. 93. 1. Ge- pfändet kann werden. Ihre Frau muh alsdann in der unter Chiffre St. E B. 2 des heutigen Brieslastens erwähnten Weise intervenieren. 2. Gütergemeinschaft bezüglich der eingebrachten Sachen besteht nicht. Amtlicher Marktbericht der städttichen Marttballen-Dlrektton über den Grohbandel in den Zenttal-Marlthallen. Marktlage: Fl et ich: Zusnbr reichlich, Geichäsl schleppend, Preise unverändert. Wild: Zufuhr sehr lnapp, Geschäft ruhig, Preise sest. Geflügel: Zufuhr genügend, Geschäjt lebhast, Preise gut, Fische: Zusuhr etwas reichlicher, Geichäit ziemlich lebhast, Schleie und Aale sehr gefragt, Preise sür Fluhfische hoch. Butter und Käse: Geschäft ruhig, Preise unverändert. Äemüie, Obst und südsrüchte: Zusuhr genügend, Geschäft auffallend füll, Preise gedrückt._ BSasserstaiidS-Nackirtchtea der Landesanstalt für Gewässerkunde, milgetellt vom Berliner Wciterbureau. vasserstand Memel, Tilsit P r e g e l, Jnsterburg Weichsel. Thorn Oder, Rattbor , Krossen , Frankiurt Warthe, Schrtmm , Landsberg Netze, Vordamm Elbe, Leittneritz , Dresden , Bardo » Magdeburg Wasserstand Saale, Grochlitz Havel, SpandauZ , Rathenow') Spree, Svremberg') , Beeskow Weser, Münden , Minden Rhein, Mari".utta»«a» , Kaub , Köln Neckar, Hcilbronn Main, Wertheim Mosel. Trier am 10. 5. cm 106 70 93 82 72 -28 63 529 270 266 119 169 151 seit 9. 5. cm1) —2 +3 — 1 +2 0 -18 +B +27 +11 + 8 — 1 +13 +18 fl+ bedeutet Wuchs,— Fall.—*) Unterpegel. Nach telegraphischer Meldung war die Oder VIS heute früh aus 469 cm am Pegel Rattbor gesallen und fällt noch. Der Wasser- stand der G l a tz e r N e i h e am Pegel Reihe steigt langsam. Neu erschienen: fiihi'er durch das Invalidkn- vtrslchtrnngsgksetz mit auSsührl. Jnhaltsverzei'chnIS, alphabetischem Sachregister u. For- mularen. Vierte vermehrte Auflage. Preis»0 Pf. führer durch die Strafprazeß- ordunng Rechte deS Angeklagten vor Strafgericht und Polizci von Dr. Hago Heluemann, Rechtsanwalt. Preis 30 Pf. Expedition des Vorwärts, Berlin SW., Lindenstr.69, Laden. Schneiderei IBr elegante Herren- o. Knollen- Onrderobe. Fertig und Bach Haas.— Garantie(Ur tadelloaeq Sita und beste Verarbeitunz. Xul Tcilraliliim Wochenrate roq INR.» IKurzbeit RosonthaleisiUO direkt am Hacka- sehen Markt, in) Laden n. I. Etaqe, " Reste � Damentuche, schwarz u. farbig, r KoetOmatoffe.ncucst.Muft., Seide, Sammele, Besätze, Futterstoffe, PIUschezuMänteln,Chev-Kamm-{ garne zu Knaben-Anzagen, Konfektion: Paletots, iaokette, Staubmäntel, I Kostüme, Kostümräcke. Stets Gelegenheitskäufe! Paul Karle, Warichauerstr. 18.(+ Eine HarK wBcJientlichd Teilzahlung elegant. 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