Ar.M. HbonnemcntS'Bedlngongjn: Nbonnements> Preis pränumerando? Bierteljährl. 3£0 Mr., monatl. 1,10 Mk.. MöchentNch 28 Pfg. frei ins HauZ. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags« nummer mir illustrierter Sonntaqs- Beilage.Die Neue Welt" 10 Pfg. Post» klbonnemeM: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post-Zeitungs« Preislifie. Unter Kreuzband für Deuifchland und Oesterreich- Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland 8 Marl pro Monat. PostabonncmentS nehmen an: Belgien. Dänemark, Holland. Italien. Luxemburg, Portugal, Sumänien, Schweden und die Schweiz, 5J7. Zchl«. Oldxiat tZgllch auQtr montags. Berliner Volksblatl. Die TnlcrtlonS'Gcbüftf- kelrägt für die sechsgespaltene Kolonel« -geile oder deren Raum W Pfg., sü« »politische und gewerlschastliche PereinS- und Bersammlungs-Anzeigen 80 Pfg. „Uteine Sneelgen", das erste(sclt- gedruckte) Wort 20 Pfg., jedeS weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlaf» stellen-Anzeigen daS erste Wort 10 Pfg, jedes weitere Wort 6 Pfg. Worte über lb Buchstaben zählen sür zwei Worte. Inserate sür die nächste Nummer müssen bis S Uhr nachmittags inder Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet, Telegramm. Adresse: .�»laliUiMltrat Rtrlint Zentralorgan der fozialdcmokratsfchcn parte» DeutfcMands. Redaktion» 6 öd. 68, Lindenatrasse 69» Fernsprecher: Amt IV, Nr. IS8S. Sie eingestellten gegen öle Scharfmacher des Deutschen lhandelstages. Am 13. April fand in Berlin eine Vollversammlung des Deutschen tzandelstages statt. Natürlich nahm auch diese Interessengruppe zu den heute schwebenden Fragen der Sozial« Politik Stellung. Der Generalsekretär Dr. Soetbeer hielt ein Referat, in dem er es sür notwendig erachtete,„einmal offen auszusprechen, daß mit dem Worte vom Schutze des Wirt- schaftlich Schwachen sehr viel Unfug getrieben werde. Nicht der Arbeiter, sondern der Arbeitgeber sei der wirtschaftlich schwächere Teil, denn er habe ganz andere Dinge zu verlieren als der Arbeiter..." Auf diesem Niveau standen auch die übrigen Ausführungen des Redners und der Wortlaut der Resolution, die schließlich angenommen wurde. Mit Fug und Recht konnte als Präsident des tzandelstages der Reichstagsabg. Kaempf nach der Rede Soetbeers konstatieren: Er hat uns allen aus der Seele und aus dem Herzen gesprochen und in vorzüg licher Weise das zum Ausdruck gebracht, was wir alle gedacht haben." Am Montag nahmen die Vereinigten Privatangestellten� verbände von Groß- Berlin, soweit sie nicht der General kommission angeschlossen sind, zu diesem Beschluß des Handels� tages Stellung. Die Versammlung, die im Friedrichshain stattfand, gab den erfreulichen Beweis dafür, daß nun auch die bürgerlichen Angestellten, besonders die Techniker, an den sozialen Fragen teilnehmen lernen. Das Referat hielt Re- dakteur Schubert vom Deutschen Technikerverband im Sinne nachfolgender Resolution, die einstimmig angenommen wurde; Die auf den 9. Mai von den Vereinigten Privatangestellten' Verbänden einberufene öffentliche Versammlung sieht durch die Stellungnahme des Deutschen Handelstages gegen die Sozial- Politik in Deutschland den Beweis dafür erbracht, daß die Ver- tretungen der Arbeitgeber es immer wieder versuchen, den durch die Verhältnisse gegebenen Gegensatz zwischen Angestellten und Arbeitgebern zu verschärfen, und den Grundsatz, datz die Sozial- Politik eine Politik der Versöhnung sein soll, zu mißachten. Die Versammlung konstatiert, daß der Deutsche Handelstag sich damit die Scharfmacherei deS gentralverbandes deutscher Industrieller zu eigen gemacht hat. Demgegenüber betonen die Angestellten einmütig ihre Forde» rungen an die Sozialpolitik deS Reiches und zwar einheitliches Angestelltenrecht, Sicherstellung deS KoalitionS- rechtes, gesetzliche Vertretungen der Angestelllen, Beseitigung der Konkurrenzklausel, Erfinderschutz der Angestellten, Regelung der Arbeitszeit, insbesondere reichsgesetzliche Einführung des Achmhr-LadenschlusseS und völlige Sonntags- ruhe, Fortbildungsschulzwang sür alle jugendlichen An- gestellten beiderlei Geschlechts, Maßregeln gegen den Miß- brauch sogenannter Wohlfahrtseinrichtungen. Fortzahlung des vollen Gehaltes in Krankheitsfällen bis zu sechs Wochen, bei militärischen Uebungen bis zu S Wochen. Gewährung regel- mäßigen Urlaubs unter Fortzahlung de» GehalteS, Ausbau der Gewerbegerichte und Kaufmannsgerichte. Die Berechtigung dieser Forderungen tritt um so dringender zutage, als die Zunahme der Großunternehmungen in immer weiterem Umfange geistige und wirtschaftliche AbhängigkeitS- verhältniffe schafft und damit die Lage der Angestellten ständig verschlechtert. Deshalb verlangen die Versammelten von Regierung und gesetzgebenden Körperschaften, daß sie, entgegen den Beschlüssen des Handelstages und anderen Vorstößen der scharfmacherischen Richtung im Arbeitgebertum die Sozialpolitik weiter fortführen und damit den berechttgten Forderungen der Angestellten entgegen- kommen. Auch von den Vertretern der übrigen Verbände wurden zum Teil recht radikale Reden gehalten. Zieht man aber das Fazit der Versammlung, so ergibt sich, daß die Ausführungen aller Redner auf einen gewissen wehleidigen Ton abgestimmt waren. Den bürgerlichen Angestellten fehlt eben der Blick für die gesetzmäßigen Zusammenhänge der kapitalistischen Entwickelung, sie beurteilen die Situation zumeist nur unter dem Gesichtswinkel ihrer„Standespolitik", sie� wehklagen darüber, daß die bösen Unternehmer so reaktionär geworden sind. Als ob auf die Beschlüsse des tzandelstages durch Protestresolutionen eingewirkt werden könntel Die Stellung. nähme dieser Unternehmerorganisation bedeutet eben nur eine kurze Episode in der Reihe der Auseinandersetzungen, die zwischen den Arbeitgebern und den Arbeitern ausgefochten werden müssen. Es sind Klassengegensätze, die sich aus der inneren Notwendigkeit der kapitalistischen Entwickelung von selbst ergeben. Für die Angestellten ist die gegenwärtige Situtation nur deshalb bedeutungsvoll, weil auch sie in diese Auseinandersetzungen mehr und mehr hineingezogen werden. Der Kapitalismus hat in seinem Änfangsstadium zuerst nur den Kleinbürger in seiner Existenz bedroht. Die großen Fabriken und Warenhäuser haben die kleinen Betriebe im Handel und Gewerbe zerschlagen. Das Recht des wirtschaftlich Starken hat sich auch hier durchgesetzt. Ueber den Niedergang des Kleinbürgertums sucht sich die bürgerliche Sozialpolitik durch das Märchen vom„neuen Mittelstand" zu trösten. Der Rayonchef eines Warenhauses oder der Chefingenieur einer Fabrik wird verglichen mit einem Kleinkaufmann oder einem Handwerksmeister, und dann wird doziert, daß für diesen „alten Mittelstand" ein„neuer Mittelstand" entstanden sei, dessen soziale und wirtschaftliche Position besser sei als die des Kleinbürgers. Die Richtigkeit dieser Auffassung ist von der Entwickelung selbst widerlegt worden. Immer klarer haben sich die Ten- denzen durchgesetzt, die nun auch den Angestellten in die gleiche Unabhängigkeit einschirren, wie den Arbeiter. Im Auftrage des Kapitalisten hatte bisher der Angestellte den Arbeiter„organisiert". Die Maschinenwirtschaft war sorg- fältig auszubilden, an jeden Arbeitsplatz war der richtige Mann zu stellen. Die billigsten Arbeitskräfte wurden Heran gezogen, um aus ihnen den höchsten Nutzeffekt herauszuwirb schaften. Abgesehen von den rein tcchnisch-konstruktiven und den rein kaufmännisch-verwaltenden Funktionen trat der An- gestellte überall dort, wo er als Werkmeister, Betriebs- ingenieur dem Arbeitssaal Vorstand, dem Arbeiter selbst als Antreiber und Ausbeuter gegenüber. Mit dem Wachsen der Betriebe aber wurde das Gesetz der kapitalistischen Ausbeutung auch auf den Angestellten selbst angewendet. Der Riesenbetrieb fordert einen großen Beamtenapparat, eine Arbeits- teilung wird durchgeführt. Das Bestreben einer jeden modernen Betriebsleitung geht stets darauf hinaus, sich mög� lichst unabhängig von der Zuverlässigkeit einzelner Angestellten zu machen. Die Bureauarbeit wird mechanisiert. Die wirklich leitenden Funktionen werden nur einer kleinen Gruppe von Oberbeamten übertragen, die durch verhältnismäßig hohe Gehälter und Tantiemen an den> Betrieb gefesselt werden. Der Kapitalist schafft sich eine kleine Gruppe von Vertrauens- leuten, während die große und übergroße Masse der übrigen Arbeitnehmer durch eine kunswolle Anordnung dem Pro- duktionsprozeß als untergeordnete Teile eingefügt werden. Jeder einzelne erhält nur eine sehr beschränkte Teiloperation zugewiesen, wird als Arbeitskraft auswechselbar und entbehr- lich, ein unscheinbares Rädchen im Getriebe des ganzen Werkes. Die Unternehmer suchen sich ein möglichst hohes Angebot von Arbeitskräften zu sichern. Eine fabelhaft raffinierte Schulpolitik wird getrieben. In allen Zweigen der Groß- industrie sucht der Kapitalist sich auch eine industrielle Reserve- armee der Angestellten heranzuzüchten. Im Jahrbuch für die soziale Bewegung der Jndustriebeamten hat kürzlich der Ingenieur Dosmar sehr interessante Zahlenzusammen- stcllungen darüber gebracht, in welchem Umfang die offiziöse Schulpolitik für die Gründung technischer Unterrichtsanstalten und für den„Bedarf" technischer Arbeitskräfte sorgt. Die Steiger in Rheinland-Westfalen haben erst kürzlich die Daten veröffentlicht, nach denen die Grubenmagnaten durch Gründüng neuer Bergschulen sich ein möglichst hohes Angebot von Steigern schaffen wollen, und den Kapitänen und Offizieren der Handelsmarine, die jetzt vor den Reedern mehr und mehr zu Kreuze kriechen, sind ebenfalls neue Schulschiffe zur Heranbildung des genügenden Nachwuchses beschert worden. Je größer das Angebot an Arbeitskräften, desto er- fclgreicher kann auch hier der Unternehmer den Arbeitsver- trag einseitig festlegen. Und alle Zeichen sprechen dafür, daß in der nächsten Zukunft die Arbeitsgelegenheiten für den Angestellten immer mehr verschlechtert werden. So werden denn auch die Angestellten in ihrem Organi- sationsleben vorwärts getrieben. Die Not der Zeit zwingt selbst die paritätischen Verbände dazu, gewerkschaftliche Formen anzunehmen. Wo diese Wandlung sich nicht durch- setzt, da entstehen den alten Organisationen Konkurrcnzver- bände, die sich als recht unbequeme Nebenbuhler erweisen. Das hat der Deutsche Technikerverband spüren müssen, der endgültig seine führende Stellung an den Äund der technisch- industriellen Beamten abgeben mußte, mag er auch heute zahlenmäßig noch in der Uebermacht sein. Das mag auch für die Harmonieverbände der Handlungsgehilfen ein böses Omen bedeuten, da durch Harmonieduselei die Interessen der An- gestellten, ausgerechnet den heutigen Unternehmern gegenüber, nicht vertreten werden können. Darin liegt überhaupt das Kennzeichen der jetzigen Situation. Die Entwickelung selbst treibt auch den geisttgen Arbeiter in einen gewerkschaftlichen und politischen Klassen- kämpf, aus dem es kein Zurück mehr gibt. Dadurch wird hinwiederum der Widerstand im Unternehmerlager hervor- gerufen. Unsere Scharfmacher gedenken nun. die aufstrebende Angestelltenbewegung ebenso zu knebeln, wie sie die Arbeiter- bewegung niederzuhalten versuchen. Deshalb wird es nicht genügen, wenn Protestresolutionen losgelassen werden, sondern die Angestellten müssen zu aktiven Gegenmaßregeln greifen. Sie müssen polittsch, mit dem Stimmezettel in der Hand, den Reaktionären die Antwort geben, und gewerkschaft- lich eine Kampftaktik entfalten. Es bleibt abzuwarten, ob der„neue Mittelstand" dazu die nötige Entschlossenheit findet. Die ruliilche Regierung gegen den „Vorwärts" Die überhandnehmenden Scheußlichkeiten und Bestialitäten in den russischen Gefängnissen, die von der ausländischen und zum Teil auch von der inländischen Presse aufgedeckt werden, haben der russischen Regierung endlich die Zunge gelöst. In einem etwa 1500 Zeilen langen Communique in der offizösen R 0 s s i j a betitelt»Die angeblichen Bedrückungen der Ge» sangenen in den russischen Gefängnissen", ver- Expedition: Söd. 68, Lindenatraaae 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1981« sucht die Regierung sich vor der öffentlichen Meinung Europas zu rechtfertigen, indem sie die zahlreichen Greuel und Mißstände in den Kerkern glatt ableugnet und sich selbst als Opfer der Per- leumdung seitens ihrer politischen Gegner hinstellt. Vor allem ist eö die ausländische sozialdemokratische Presse, gegen die der russische Offiziosus die Anschuldigung der böswilligen Verleumdung erhebt. Am häufigsten kommt er hierbei auf den „Vorwärts" und einen Artikel des Genossen K a u t s k h in der Pariser„ H u m a n i t e" zu sprechen, der in zahlreichen Zei» tungen nachgedruckt wurde. Alle diese Artikel, wie die angeblichen „Insinuationen" des Fürsten P. Krapotkin, auf dessen Tat» sachenmaterial die Regierung indessen nicht eingeht, werden in dem Communique als„böswillige Erfindung" bezeichnet. Die russische Regierung will sich aber nicht mit einem allgemeinen Dementi der in letzter Zeit veröffentlichten„falschen oder ungenauen" Mittci- lungen begnügen, sie will auch„positive Daten" mitteilen, um wenigstens die Tatsachen im„richtigen Lichte" erscheinen zu lassen. I Selten hat eine Regierung es gewagt, in einer Mitteilung, die Anspruch auf ernsthafte Beachtung im Auslände erhebt, die öffentliche Meinung der Kulturwelt so irre zu führen, wie mit diesem Communique. Der ganze Bericht ist nichts weiter als eine Anhäufung lügnerischer Behauptungen, Fälschungen und Tatsachenverdrehungen, die da- durch nicht besser wird, daß die russische Regierung sich hinter dem Rücken der„Volksvertreter"— wohlgemerkt der Mchrheitsparteicn der dritten Duma— zu verstecken sucht. Die einzige Entschul- digung wäre vielleicht die, daß die Petersburger Regierung außer» stände ist, etwas anderes als Infamien und Fälschungen in die Welt zu setzen. Diesmal aber hat sie sich selbst übertroffen, und ihr Bericht wird zu einem ewigen Denkmal der Verworfenheit und des Zynismus der Regierung Nikolaus II. 1■ Nach den Worten der Berichts„kann man mit Bestimmtheit behaupten, daß die Gefangenen in den russischen Gefängnissen nicht nur keine Not leiden, sondern vom Standpunkt der Bequemlichkeit ihrer Lage, der Nahrung, der Bekleidung usw., in nicht schlechteren Verhältnissen leben als der gewöhnliche Bauer oder selbst der ein« fache städtische Einwohner, der sich in Freiheit befindet". Von einere„übermäßigen Uebcrfüllung" der Gefängnisse zu sprechen, ist Uebertreibung. Es läßt sich bloß eine„gewisse Ueberfüllung" der Gefängnisse konstatieren. Obgleich die Zahl der Gefangenen die maximale Aufnahmefähigkeit der Gefängnisse selbst nach den An- gaben des Berichtes um 5 0 P r 0 z. übersteigt(180 000 Gefangene auf 120000„Plätze"),„blieb keiner der Gefangenen ohne genügen- den Raum!" Die Daten über die sanitären Zustände in den Kerkern enthalten„nichts Bedrohliches oder gar Sensationelles und haben auf jeden Fall nichts gemein mit den Uebertreibungen, die von der Broschüre P. Krapotkins und der„Humanite" in Umlauf gesetzt worden sind". Allerdings beläuft sich die Zahl der(amtlich anerkannten!) Krankheitsfälle nach dem Bericht der Hauptgefäng- nisverwaltung für 1908 auf etwa 8 P r 0 z., die Sterblichkeits- ziffer auf 3 Proz. aller Gefangenen, aber— in Anbetracht der hohen Sterblichkcitsziffer im ganzen Reiche können diese Zahlen „keineswegs als hoch angesehen werden". Dasselbe gilt auch von den zahlreichen S e l b st m 0 r d e n der Gefangenen. Amtlich registriert wurden im Jahre 1907 113, im Jahre 1908 103 Selbst. nwrde(nach den Angaben Krapotkins wurden in der Presse vom I. Januar 1907 bis 1. November 1903 130 Selbstmorde in den Ge- fängnissen registriert, die amtlichen Angaben übersteigen also die„lügnerischen" Angaben Krapotkins um ein Beträchtliches), aber auch das stellt nichts„Bedrohliches" dar, da der„Selbstmord eine ständige Begleiterscheinung der GcfängniShaft" ist und zudem„die Mehrzahl der Gefängnisinsassen daS Gleichgewicht verloren haben und ein zerrüttetes Nervensystem besitzen". Was endlich die„Insinuationen" über die Mißhandlung und Folterung der Gefangenen betrifft, so gehören selbst„leichte Schläge" oder„grobe BeHand- lung" der Gefangenen durch die Administration zu den„Selten- heften". Zudem genießen„die Gefangenen daS unumschränkte Recht, sich an sämtliche Behörden mit Klagen zu wenden", und die Hauptgefängnisverwaltung„läßt nicht nur keine Klage der Bctrof- fenen, sondern auch kein Gerücht, das durch die Presse oder auf anderem Wege zu ihrer Kenntnis gelangt, außer acht". Mit einem Wort— die Lage der Gefangenen in den russischen Gefängnissen' ist so ausgezeichnet, daß man sich wundern muß, weshalb es die Armee der Arbeitslosen in den Städten und die hungernden Bauern in den Dörfern nicht vorziehen, in den Gcfängnispara- diesen des Herrn Stolhpin Erholung zu suchen.-« Die Antwort auf diese Frage findet man in den amilichen Be- richten deS Justizministeriums, der HauptgefängniSverwaliung, verschiedener örtlicher und kommunaler Behörden und den Mit- ieilungen, die selbst von den Rednern der Regierungspar- t e i e n in der Duma gemacht werden. So erklärte der Redner der Oktobristenpartei, Beamter des Justizministeriums Antonoff, bei der Debatte über den Etat der GefängniSressortS am 14. März d. I. in der Duma: „Unsere Gefängnisse und unser GefängniSregime entsprechen den zudittierten Strafen nicht.... Dank der außerordentlichen Ansammlung der Gefangenen in den Kerkern, ist der sanitäre Zustand der letzteren ein vollkümmen unmöglicher. In der letzten Zeit sahen wir, daß sich in den Gefängnissen der Typhus entwickelte. Ich will die Zahlen aus den Berichten nicht anführen, aber dieser ThphuS griff hiernach aus den Gefängnissen auf die friedliche Bevölke- rung über. Dann sind die Gefängnisse eine Brutstätte derTuberkulose." 1>» Dasselbe bestätigt der Bericht LcS Justizministeriums, der dem Etat für 1910 beigefügt ist. Nach diesem Bericht wütete 1909 in öS Gefängnissen die Thphusepidelnie. Nach amtlichen Angaben wurden im März 1909 etwa 3000, Ende Mai etwa 2000 Typhuskrante gezählt. Die amtlichen Ziffern für Kiew vom Jahre 190L besagen: 9150 Fälle von Typhus, davon 2188 im Ge- fängnis. Was Wunder, wenn allein in dem Lukjanoffgefängnis m Kiew in den letzten Jahren etwa 2000 Gefangene starben. („Prawo", zitiert vom Dumaabgeordneten Gerassimofs in der Tumasitzung vom 14. März 1910). Die Ucberfüllung in den Ge- fängnisicn wird in dem Bericht der D u m a k o m m i s s i o n wie folgt charakterisiert:„Die Metech-Zitadelle in Tiflis ist überfüllt; fie ist auf 400 Personen berechnet, während dort etwa 800 interniert sind. Das ist aber eine Erscheinung, die in allen Ge- f ä n g n i s s e n f a st allgemein ist."!. Wir könnten noch unzählige Beispiele aus den amtlichen Denkschriften, den Dumaberichten und den Mitteilungen der russischen Tagespresse anführen— überall werden die Gefängnis- zustände ebenso geschildert, wie in der„lügnerischen",„verleumde- Tischen",„irregeführten" sozialdemokratischen Presse des Auslandes. Um noch einige Beispiele aus der letzten Zeit hinzuzufügen, sei auf folgende, bisher nicht dementierte Mitteilungen der russischen Tages- presse hingewiesen: Die Petersburger Zeiwng„Retsch" bringt unter dem 14./27. April folgendes Telegramm aus Jelaterinoslaw: „Die städtische Sanitätsinspektion hat eine entsetzliche Entdeckung gemacht: Es erweist sich, daß infolge der anti- hygienischen Bedingungen in dem Gouvernementsgefängnis die Tuberkulose wütet, wobei im Gefängnis mehr Leute daran zugrunde gehen als in der ganzen Stadt. In Anbetracht der der städtischen Bevölkerung drohenden Gefahr wird die Frage in der Stadtverordnetenversammlung erörtert werden." Dieselbe Zeitung brachte bereits am 2. April die Mitteilung aus O r e I, wonach in dem dortigen Katorga-Gefängnis int Jahre 1909 7? Gefangene starben: 2 infolge Selbstmord, 75 an der Lungenschwindsucht. Es handelt sich um dasselbe Gefängnis, in welchem die Greuel ihren Höhepunkt erreicht haben. Die Admi- nistration empfängt die Gefangenen in der Badestube und unter- wirft sie unausgesetzt den ärgsten Exekutionen. Einen Hinweis auf die spezielle Aufgabe dieses Gefängnisses liefert unWillkür- lich der Regierungsbericht in der„Rossija":„Die Sterblichkeit in diesem Gefängnis erreichte im Jahre 1909 bloß(!) 5,8 Proz. und das ausschließlich darum, weil hier im Laufe des genannten Jahres eine bedeutende Anzahl von Gefangenen, die an Lungentuberkulose erkrankt waren, aus den nördlichen Gefängnissen zur Jnternierung eingeliefert waren." Die unmenschliche Behandlung in diesem Ge- fängnis, über die wir ausführliche Berichte in Händen haben, der- folgte also ofsenbar den Zweck, die lungenkranken Gefangenen aus den nördlichen Gouvernements auf die schnellste und billigste Weise los zu werden! Ein charakteristisches Merkmal des Rechtfertigungsversuches der russischen Regierung ist es, daß sie den Ursprung aller in der ausländischen Presse zirkulierenden Enthüllungen über die russischen Gefängnisgreuel in den Interpellationen der sozialdemokratischen Dumafraktion sieht. Ohne auch nur den Versuch zu machen, das in diesen Interpellationen enthaltene Tatsachenmaterial zu wider- legen, versteckt sie sich in einem plötzlichen Anfall von„Konstitutiv- nalismus" hinter den„Volksvertretern", die diese Interpellationen angeblich infolge ihrer„mangelhaften Begründung" in der Kom- Mission ablehnten. Daß man von den Vertretern der Mehrheits- Parteien der Duma, die das Hcnkerregime in Rußland unterstützen, keine Objektivität erwarten kann, versteht sich von selbst, das Jnter- cssanteste aber ist, daß der Regierungsbericht auch hier die Tat- fachen auf das Schmählichste fälscht. In dem Bericht wird er- klärt, die sozialdemokratische Fraktion habe in den letzten zwei Jahren drei Gcfängnisinterpellationen in der Duma eingebracht: über die Metzelei im Gefängnis zu Jekaterinoslaw, über die Hin- richtungSgreucl in Sebastopol, über die allgemeinen Zustände in den Gefängnissen, von denen die zweite von der Fraktion zurück- gezogen und die zwei anderen von der Kommission abgelehnt wur- den. Hierbei wird aber wissentlich verschwiegen, daß die sozial- demokratische Fraktion in derselben Zeit noch zwei Jnterpclla- � tionen einbrachte: über die Ermordung eines achtjäh- rigen Kindes durch die Gefängniswache in Jaroslaw und die Erschießung einiger politischer Gefangener durch i die Schildwache im Rigaer Zentralgefängnis. Die erste Jnterpella- tion wurde selbst von der regierungsfreundlichen Dumakommission angenommen, und anläßlich der zweiten beschloß sie eine„An- frage" an die Regierung zu richten. Angesichts dieser dreisten Fälschungen verlohnt es sich eigentlich kaum, auf die polemischen Ausfälle des Rcgierungsberichtcs gegen den„Vorwärts" ein- zugehen. Die russische Regierung regt sich über unsere Mittei- lungen über die Gefängnisgreuel im Lukjanoffgefängnis zu Kiew auf. Vielleicht erkundigt sie sich aber bei dem bulgarischen diplo- matischen Agenten in Petersburg, dem der Dumaabgeordncte Ge- nosse Gegetschkori das Telegramm des bulgarischen Unter- tanen Wassili Eeminaroff übermittelte, wie der Hungerstreik im Lukjanoffgefängnis verlief. Ferner nimmt die Regierung Anstoß an unserer Mitteilung vom 9. Januar d. I., daß in dem Zentralgefängnis in Alcxandrowsk„Masscncrkrankungen an Lungenschwindsucht" stattfanden und erklärt triumphierend, daß in diesem Gefängnis zur genannten Zeit bloß 0 Personen„registriert" waren, die an„Entzündung der Atmungsorgane" litten. Und endlich widerlegt sie unsere Angaben über die Greuel in der Schlüsselburgcr Festung(Nr. 291 vom 14. Dezember 1909), die in den Unruhen im Frühling 1909 ihren Höhepunkt erreichten, durch den Hinweis auf die amtlichen Daten, daß dort zum 1. Januar 1910 bloß 4 kranke Gefangene registriert waren. Daß die Ge- fangenenabteilung, über deren Leiden wir in dem genannten Artikel Mitteilung machten, schon Anfang Mai nach anderen Ka- torga-Gefägnissen übergeführt wurde, wird von der russischen Regierung mit gewohnter Virtuosität unterschlagen. lüsoievelt. Getreu seiner Gewohnheit läßt Roosevelt allerwärts, wo- hin er seit Abschluß seiner theatralischen Jagdtour gekommen, sich vernehmen. Zuerst hielt er den Aegyptern eine taktlose Standrede, dann eilte er nach Rom, wo er sich durch sein Ver- halten zwischen zwei Stühle setzte. Den Franzosen erklärte er, was ihre Aufgabe sei, in Kristiania orakelte er über die Er- reichung des Weltfriedens, und gestern hielt er vor hiesigen Studenten seinen fälligen Vortrag. Tiefgründige Weisheiten hat er nirgends verzapft und die aneinander gereihten Gemein- Hlätze haben kein politisches Interesse. Nur seine fortwähren- den Versuche, sich als Hüter des Rechts und grimmigen Feind jeglichen Unrechts und als den Erbpächter der Ehrenhaftigkeit hinzustellen, müssen zurückgewiesen werden. Er selbst hat in Kristiania erklärt:„Our vortte miist be judged by our deeds."(Unsere Worte müssen nach unseren Taten beurteilt werden.) Beurteilen wir ihm demgemäß. Wer ist Roosevelt? Ein geriebener amerikanischer Po- litiker, von dem ein Zeitgenosse sagt, daß er ob seiner Charaktereigenschaften und seiner Lügenhaftigkeit in einem Klub von Gentlemen keinen Zutritt finden würde. Der Friedensheld von heute war als Präsident der Bereinigten Staaten der eifrigste Förderer des Jmgoismus. des Mili- tarismus und des Marinismus, stiftete die Revolution auf dem Isthmus an und verursachte dadurch kriegerische Ver- Wickelung zwischen Columbia und Panama. Oeffentlich bezeichnete er den kürzlich verstorbenen Eisen- bahnmagnaten H a r r i m a n ob seines mit brutaler Offen- heit gemachten Geständnisses, daß die gesetzgebenden Körper- schaften und die Richter in den Vereinigten Staaten käuflich seien, als„nicht wünschenswerten Bürger", aber insgeheim bat Roosevelt den gleichen Harriman im Oktober 1904, unter der Hochfinanz und den Trustmagnaten, die zu bekämpfen vorgeb- lich seine Lebensaufgabe ist, einen Korruptionsfonds zur Besserung der Chancen seiner Präsidentschaftskandidatur zu sammeln. Der„nicht wünschenswerte Bürger" entsprach dem Verlangen, brachte innerhalb 24 Stunden in New Jork 263 000 Dollar auf, mit welcher Summe, wie er freimütig erklärte, in der Stadt New Jork allein mindestens 50 000 Stimmen auf Roosevelis Seite gebracht, oder richtiger gesagt, gekauft worden sind. Rachsüchtig bis zum äußersten, mißbrauchte Roosevelt seine Macht, um ihm feindlich gesinnte Blätter zu verfolgen und ihm mißliebige Kongreßmitglieder durch Geheimpolizisten zu überwachen und zu bespitzeln. Treffend zeichnete das republikanische Kongreßmitglied Cook von Colorado, ein engerer Parteifreund Roosevelis, diesen in einer im Reprä- fentantenhause gehaltenen Rede also:„Es ist ein Unglück, so- Wohl für den Präsidenten, als auch für die Bürger der Re- publik, daß er(Roosevelt) keinen Sinn für das Rechte hat und daß ihm das Gleichgewicht des Verstandes fehlt. Solch ein kühner Spekulant hat nie zuvor in einer Republik existiert, und wir hoffen sehnlich, daß nie ein zweiter auftauchen wird. Präsident Roosevelt scheint zu glauben, daß er allein die Re- gierung bildet und daß seinem:„Ich selbst hab's gesagt!" sich jeder unterwerfen muß. Er führt die Regierung nach den gleichen Prinzipien wie der Fleischtrust seine Wurstfabrik. indem er das gesetzgeberische Schweinefleisch als das Roh- Material seiner phantastischen Administration benutzt." Mit welcher Niedertracht Roosevelt vor und während der Prozessierung der drei Bergarbeiterführer Moyer, Hay- Wood und P e t t i b o n e verfuhr, wie er die Richter des Oberbundesgcrichtes beeinflußte, wie er, allerdings vergeb- lich. nichts unversucht ließ, um die drei an den Galgen zu bringen, und wie er in dem Falle des russischen Revolutionärs Pouren schnödesten Wortbruch übte, steht noch frisch in der Erinnerung. Und einem solchen Menschen werden die über- triebensten Huldigungen dargebracht! poUtifebe(leberkickt. f Berlin, den 12. Mai 1910. Gelüste auf das Ovamboland. Schon während des Krieges gegen die Herero erwachte bekanntlich der Appetit auf das Ovamboland. Das Land der Ovambo besaß ja in bezug auf Fruchtbarkeit Vorzüge, der die armseligen Weidegründe der Herero und Hottentotten voll- ständig entbehrten. Man hätte denn auch an den Expro- priationskrieg gegen die übrigen Eingeborenenstämme nur zu gern den Enteignungskrieg gegen die Ovambo ange- schlössen, wenn diese Stämme nicht so zahlreich, so gut be- waffnet und durch das für die Europäer höchst ungesunde annähernd tropische Klima gegen einen Einfall geschützt ge- tvcsen wären. Seitdem ist aber kaum ein Monat verflossen, wo nicht von der einen oder anderen Seite gegen die Ovambo gehetzt und einem Enteignungskrieg auch gegen diese Stämme das Wort geführt worden ist. So bringt auch jetzt wieder die „Deutsche Tageszeitung" eine Zuschrift, in der dafür Stimmung gemacht wird, daß möglichst bald mit Waffengewalt gegen die Ovambo vorgegangen werde. Die Sperre des Ovambolandes für die Händler, so heißt es in der Zuschrift, komme nur den Portugiesen zugute, die infolge- dessen einen schwunghasten Waffen- und Branntwein- schmuggel betrieben. Die Ovambo selbst spotteten der deut- schen Abgesandten, die sie fragten, wo denn die bewaffnete deutsche Macht sei, von der diese Abgesandten immer sprächen. Solle auch weiterhin den„ehrlichen deutschen Händlern" ver- boten bleiben, da oben Handel zu treiben, solle auch weiter„den portugiesischen Elementen ihr verderblicher Schnaps- und Waffenschmuggel begünstigt" werden. Schon jetzt habe„jeder halbwüchsige Ovambobengel sein Gewehr". Wie lange solle die Ovambofrage auch fernerhin ein Kräutlein Rührmichnichtan bleiben, einmal müsse sie ja doch mit Blei und Eisen gelöst werden! Die Ovambo würden sich gegen einen Einfall deutscher Truppen sehr kräftig zur Wehr zu setzen wissen. Sie zählen ja mindestens 100 000 Köpfe, und ihre waffenfähigen Mann- schaften sind mit Feuerwaffen und Munition mehr als aus- reichend versehen. Außerdem würde ein Krieg aber auch des- halb ganz besondere Schwierigkeiten haben, weil europäische Truppen sehr bald dem Klima erliegen würden, das ja teil- weife schon in den in einer gemäßigteren Zone liegenden Teilen Deutsch-Südwestafrikas so zahlreiche Opfer gefordert hat. Die Provokation eines Krieges mit den Ovambo wäre also gleichbedeutend mit einem Abenteuer, das uns leichtlich wiederum um einige hun° dert Millionen erleichtern würde? Wobei es sich zudem um nichts anderes handeln würde, als um einen frechen Raubzug gegen Eingeborene, denen es niemals eingefallen war. die wirklichen JnteressenDeutfchlands auch nur im gering- sten zu g efä h rd en!_ Der Schleisstein wechselt die Austraggeber. Das ehemalige Organ des verstorbenen Stumm, die«P o st", ist von einem vorläufig noch im Dunkeln bleibenden Konsortium übernommen worden, da? künftig die nötigen Zuschüsse zahlen will. Die„Post" selbst erklärt, daß die bisherige Betriebsmittel- gemeinschaft der„Post" mit der„National-Zeitung" auf Grund freundschaftlicher Uebereinkunft am 1. Juli gelöst wird und daß unser Blatt von einem zahlreichen Konsortium von Freunden aus verschiedenen Teilen des Reiches selbständig weiter- geführt wird. Das Konsortium, dem übrigens zufällig In- dustrielle nicht angehören, wird die„Post" genau auf dem bisherigen nationalen Boden und in ver- stärkter, umfangreicherer Form weiterführen." Nach dem„Börsen-Courier" ist an dem Konsortium der Be- sitzer der alldeutschen„Rheinisch-Westfälischen Zeitung" zu Essen hervorragend beteiligt.—_ Hansabund und Erbanfallsteuer. Wie im Bureau des Hanfabundes bestättgt wurde, be- schäfttgt man.sich dort mit der Ausarbeitung eines Gesetzentwurfs betreffend die Einführung e i n e r E r b a n f a l l st e ü c tz. Der Eutivurf soll sowohl dem Reichstage als auch der Regierung unterbreitet werden. Man rechnet darauf, daß die Regierung dieser Anregung ohne Zögern Folge geben wird. Um so mehr werde das erwartet, als die Reichsfinanzreform ein gewaltiges Fiasko erlebt habe. Es ist noch nicht recht zu übersehen, ob es sich dabei um Abmachungen zwisckien der Regierung und dem Hansa- bund handelt. Der Hansabund verlangt die Erbanfallsteuer in der Hauptsache natürlich nur aus wahltaktischen Gründen, und der Regierung wird es nicht unaMcnehm sein, wenn eine Interessenvertretung die Einführung einer solchen Steuer direkt fordert. Der Reichstag nimmt im nächsten Jahre sein Ende, und es wäre der Regierung zweifellos sehr angenehm, wenn die Frage der Besteuerung der Erbschaften, die im Wahlkampfe keine geringe Rolle spielen würde, bis dahin eine den bürgerlichen Parteien günstige Lösung � gefunden hätte. Deshalb ist es wahrscheinlich, daß sich der Reichs- tag am Ende der Legislaturperiode doch noch mit der Erb- schaftssteuer zu befassen hat._ Die Verficheruugsämter als Offiziers-Sinckuren. Die„Kreuz-Zeitung" befaßt sich in einem langen Artikel mit den in der Reichsbersicherungsordnung vorgesehenen Ver- sicherungsämtern. Mit großem Eifer tritt das Blatt dafür ein, daß zu VersicherungSamtmännern nicht Assessoren in größerer Anzahl ernannt werden. Das Blatt weist darauf hin, daß bei Ver- Handlungen vor den Schiedsgerichten die Arbeitersekretäre oft eine größere Kenntnis unserer Sozialgesetzgebung an den Tag legen, als die Juristen. ES wäre nun logisch, wenn die„Kreuz-Zeitung" ver- langen würde, daß man auch Arbeitersekretäre zu Ver« sicherungsainwiännern ernennen würde. Statt dessen empfiehlt das Blatt, diese Stellen so weit als möglich mit— pensionierten Offizieren zu besetzen, die vorher einen Kursus in Sozial- gesetzgebung durchzumachen hätten. Der Zweck des Vorschlages ist einzig und allein, pensionierten Offizieren eine angenehme Ver- sorgung zu bieten. Man darf allerdings erwarten, daß dieser Vor- schlag in den maßgebenden Kreisen keine Beachtung findet. Zu dumm!, In unserem Artikel über Eduard VII. hatten wir geschrieben. daß der Einfluß des Königs aus die auswärtige Politik sich auch daraus erkläre, daß die auswärtige Politik de? kapitalistischen Staates ihrer inneren Natur nach eine größere Beständigkeit ihrer obersten Leitung ersordere. Daraus sucht eine Korrespondenz ein Zeugnis für die Notwendigkeit der— Monarchie herauszulesen. Zu diesem edlen Zweck wird ein Zitat aus dem Artikel heraus- gerissen und gerade da abgebrochen, wo eS bann heißt:„Selbst in der französischen Republik mit ihren rasch wechselnden Ministerien ist dem Minister des Aeußeren gewöhnlich— und dies wieder insbesondere in der jüngsten Zeit— viel längere Lebens- daucr gewährt." Also mit Monarchie oder Republik hat die Sache nichts zu tun; nur daß in einer wirklich konstitutionellen Monarchie wie der englischen, der Monarch nur dann Politik machen darf, wenn er nach Meinung der herrschenden Klassen oder Patteien dazu fähig ist. In anderen Monarchien ist das bisweilen anders ge- Wesen und zum großen Schaden des Staates. Oder glauben die Verfasser der Notiz, daß man in Deutschland gerade Grund genug hat, jene„Kontinuität" der auswärtigen Politik zu preisen. die zu dem Novemberzusammenbruch geführt hat? Wenn das englische Beispiel etwas beweist, so nur die Rot- wendigkeit stärkster parlamentarischer Garantien gegen Aus- schreitungen des Monarchen. Aber beweist nicht jene Notwendigkeit gerade die Ueberflüssigleit, wenn nicht Schädlichkeit der Monarchie? Ter Erprestungsprozes; der„Wahrheit". In dem Verfahren gegen die Leitung der antisemitischen „Wahrheit" wegen Erpressung ist den Angeklagten nunmehr die Anklageschrift zugestellt worden. ES werden sich zu ver» antworten haben: Der Reichstagsabgcordnete Wilhelm Bruhn, Expedient Paul Bruhn und die Redakteure Weber und S o m m er. Abgeordneter Bruhn hat vor kurzem noch ver- sucht, die Oeffentlichkeit glauben zu machen, daß von einem Ver- fahren gegen ihn ernstlich nicht gesprochen werden könne. Kleinliche Mastnahmen. Die Deutsche Lehrerversammlung ist den Behörden ein Dorn im Auge. Nun suchen sie für die Zukunft durch recht kleinliche Maßnahmen den Lehrern den Besuch derselben zu erschweren. Das läßt folgende Verfügung des Preußischen Kultusministers er«. kennen: „Die Anträge von Vereinsvorständen, ihre dem Lehrstande angehörigen Vcreinsmitglieder für die Beteiligung an den Vereinstagungen zu beurlauben, haben sich so vermehrt, daß bei einer etwaigen Gewährung aller in dieser Hinsicht vorgetragenen Wünsche eine erhebliche Störung des Schuldienstes unvermeidlich sein würde. Eine unterschiedliche Behandlung solcher Anträge »st aber aus naheliegenden Gründen ausgeschlossen. Ich sehe mich deshalb veranlaßt, allgemein zu erklären, daß auf die Gewährung von Urlaub behufs Teilnahme an Vereinstagungen während der Schulzeit i», Zukunft nicht mehr gerechnet werden darf." Auch in Bayern teilt das Staatsministerium des Innern für Kirchen- und Schulangelegenheiten mit, daß für die Folge eine all- gemeine Beurlaubung der Lehrerschaft während der Pfingstwock,« zum Besuche der Deutschen Lehrerversammlungen nicht in Aus- ficht gestellt werden könne. Die Berliner Städtische Schuldeputation hat den Erlaß de» Preußischen Kultusministers noch verschärft, indem sie obige» Erlaß den Rektoren mit folgendem Zusatz sandte: „Abschrift übersenden wir zur Kenntnisnahme und Nachachtung mit dem Bemerken, daß nach diesen Bestimmungen auch die Herren Rektoren einzelne Lehrer zur Teilnahme an Vereinstagungen während der Schulzeit nicht beurlauben dürfen." Demzufolge haben schon besonders pflichteifrige Rektoren in diesem Jahre Lehrern Urlaub versagt, obgleich die Verfügung de? Ministers auf die Zukunft verweist. Man muß sich wundern, wie engherzig man nun auf einmal in der Gewährung von Urlaub zu Zwecken, die der Schule zugute kommen sollen, verfahren will, wenn man bedenkt, wie frei. gebig man sein kann bei Paraden und Einzügen von befreundeten Herrschern! Es handelt sich doch immer nur im Vergleich zu der großen Zahl der Lehrer eine» Staates um einige wenige, die um Urlaub einkommen. Kirche und Schule. Wie sehr sich einzelne Geistliche bemühen— so wird der „Pädagogischen Zeitung" aus Bayern berichtet— die Zuneigung der Lehrer zu erwerben, geht wieder aus einer Gerichtsverhandlung hervor, die in den letzten Tagen in Augsburg stattfand. Ein Geist- licher wurde zu 100 M. wegen Körperverletzung und Beleidigung verurteilt, weil er während des FrühgottesdiensteS dem als Mehner fungierenden Lehrer eine Altardecke ins Gesicht warf. So sieht, be« merkt dazu die„Korrespondenz des Deutschen Lehrerverein»", die Friedenshand vieler Geistlichen aus, die sie dem Lehrer- Küster entgegenstrecken. Internationale Verständigung. Eine Anzahl von Professoren und bürgerlichen Politikern wir Nennen u. a. Hermann Cohen, Paul Ehrlich, Ernst H a e ck e l. Adolf H a r n a ck, Paul Natorp, Georg Jelline! erlassen einen Aufruf zur Begründung eines„Verbandes für inter- nationale Verständigung". Es heißt darin: Einst ist eS die Aufgabe und das Ziel unseres Volkes gewesen, den nationalen Staat vorzubereiten. Wir wissen, welchen Fort- schritt, vornehmlich auf wirtschaftlichem Gebiete, wir dieser Staats- gründung verdanken, aber ein neues Zeitalter bringt neue For- derungen. Schon haben die technischen Umwälzungen eine Epoche des Internationalismus herbeigeführt, aber die politische Organisation der Kulturwelt ist hinter ihr zurückgeblieben bei dem Nebeneinander unverbundener Einzelstaaten... Wem die nationale Kultur am Herzen liegt, der wird mit uns erwägen, welche Blüte der heimischen Zivilisation überall begründet werden könnte, wenn es möglich wäre, ein Zeitalter der internationalen Verständigung in der Politik heraufzufiihren. Die Zeit drängt. Wenn die Rüstungen der großen Mächte in dem jetzigen Tempo fortschreiten, so bedeuten sie ein W e t t l a u f e n zum Ruin. Morgen kann es gelten, zu der Land- und Seearmee, für die hinreichende Mittel kaum noch aufzutreiben sind, eine Luftarmee zu rüsten! Sollte eS aber nicht eine Möglichkeit geben, mit den, nationalen Ge- danken den internationalen zu vereinen? Wir müsien nach einem anderen politischen System im Staatenverkehr streben, wir müssen zu diesem Zweck besonders die internationale Schiedsgerichtsbarkeit aus- zubauen und überhaupt Verträge mit den anderen Nationen zur Vermehrung der Bürgschaften des Weltfriedens herbeizuführen suchen. Auch sonst muß bei internationalen Konflikten planmäßig auf eine Klärung und Verständigung hingearbeitet werden. Um dieses Ziel zu erreichen, muß die öffentliche Meinung der Völker aufgerufen und allmählich organisiert werden. Hier handelt es sich nicht um eine einseitige ethisch-humanitäre Bekämpfung des Krieges, mit der allein wenig auszurichten ist, hier handelt es fich uni praktische Ziele der internationalen Politik.... Wir Deutsche sind infolge unserer poltischen Leidens- geschichte erst Jahrhunderte später zu dem Nationalstaat ge- langt, als die Mehrzahl der anderen modernen Kulturnationen, noch erblicken wir darum in der Erfüllung der einseitig nationaalen Aufgaben das höchste politische Ideal und verkennen nur zu leicht den Umstand, daß die Kulturstaaten bei der Lösung dieser nationalen Aufgaben von einander ab- h ä n g i g sind. Deshalb begegnen wir den Bestrebungen, die aus der Erkenntnis dieser wechselseitigen Abhängigkeit erwachsen find und die in anderen Ländern schon ein tieferes Verständnis und eine weite Verbreitung gefunden haben, mit stärkerem Miß- trauen, als ein klares und volles Bewußtsein der nationalen Verantwortlichkeit zulassen sollte. Gerade das Volk der Denker sollte sich gern davon überzeugen, daß im letzten Grunde die ge- meinsamen Interessen der konkurrierenden Staaten größer sind wie ihre Rivalitäten und daß darum eine internationale Verständigung möglich ist." Es ist sicher anerkennenswert, daß gerade aus den Kreisen deutscher Profesforen, deren Mehrzahl solange die wüste und ver- logene Hetze gegen die„vaterlandslose" Sozialdemokratie unterstützt hat und heute noch mitmacht, ein Protest erhoben wird gegen die einseitige nationalistische Ideologie. Ihre Argumente sind der Sozialdemokratie nicht fremd. Aber der praktische Erfolg hängt nicht von Argumenten, sondern von den Machtverhältnissen ab, und erst wenn das Proletariat, feiner intemationalen Jnteresiensolidarität bewußt, die Macht erlangt haben wird, wird die internationale Organisation der Welt zur Wirklichkeit werden. Der Zeuguiszwang. In der Justizkommission fanden am Donnerstag die Diskussionen über§ 67 der Strafprozeßordnung statt. Der Paragraph bestimmt »ach der Regierungsvorlage, daß bei einer nicht berechtigten Zeugnis- Verweigerung der Zeuge im ersten Fall mit einer Strafe bis 30Ö M. oder drei Wochen Haft bedacht werden kann, im zweiten Fall soll die Strafe im Höchstmaß 600 M. oder sechs Wochen Haft betragen. Auch könnte im Wiederholungsfall an Stelle der Bestraftmg die Zwangshaft treten. Die Zwangshaft darf nicht über drei Monate dauern. Nach einem nationalliöeralcn Antrag sollten im wieder- holten Bestrafungsfalle, wobei die Bestrafung nur bis zu 800 M. Geldstrafe oder bis zu drei Wochen Haft gehen sollte, neben die Strafe noch die Zwangshaft treten. Unsere Genossen beantragten, diese Strasbestimmungen für Zeugen, die nach 8 68 der Strafprozeßordnung nicht zu ver- eidigen sind, nicht gelten zu lasten. Ferner darf die Zwangshaft und die verhängte Strafe nicht höher fein als die Strafe, die für die strafbare Handlung angedroht ist. Insbesondere wandten sich unsere Genossen gegen jede Anwendung des ZeugniSzwangsvcrfahrens gegen Redakteure. Die Regierungsverlreter sprachen sich gegen den sozialdemokratischen Antrag aus. Der Antrag unserer Genosten wurde dann auch abgelehnt und der§ 67 nach der Regierung?- Vorlage mit der Aenderung angenommen, daß auch im Wieder« holungsfalle der Zeugnisverweigerung die Strafe nur bis zu 300 M. oder 3 Wochen Haft bewogen darf. Auch die übrigen Borschriften über Zeugen und Sachverständige wurden im wesentlichen nach der Regierungsvorlage angenommen. Die Kommission hält ihre nächste Sitzung am 23. Mai ab._ Die Polizeibrutalitäteu vor der Bürgerschaft. Aus Bremen wird uns vom 11. Mai geschrieben: Da zu Anfang der Sitzung der Polizeisenator noch nicht anwesend, wurde nach Erledigung einiger unwesentlicher Punkte der Antrag betreffend das B e a m t e n g e s e tz ver- wandelt. Genosse Henke begründete ihn. Er bezeichnete das Borgehen der Behörde als einen Gewaltstreich, da sie die Rechte der Beainten nicht wahre, und erinnert daran, daß in Preußen liberale Beamte ebenso behandelt würden, wie jetzt das liberale Bremen sozialdeuiokratische Beamte behandle. Es half jedoch nichts. Der Oberreaktionär Dr. Spitta wies mit juristischer Spitzfindigkeit nach, daß die Behörde die Ge- sinnung der Beamten an sich nicht antaste, ein Beamter dürfe sich nur nicht„schrankenlos" betätigen. Durch diese von der Be- Hörde gesetzte Beschränkung der Freiheit käme man erst zur wahren politischen Freiheit, wie sie der bürgerliche Liberalismus wolle. Die bürgerliche Mehrheit konnte solchem Scharfsinn nicht widerstehen und lehnte den sozialdemokra- tischen Antrag ab.— Den Antrag wegen der Willkür- iichen Auslegung des Vereinsgesetzes und des Vorgehens der Polizei begründete Genosse Rauch, der mit scharfen Worten das unerhört brutale Vor- gehen am 6. April geißelte. Er brachte eine Menge Be- schwerdcn, die in bürgerlichen Blättern veröffentlicht worden waren, zur Sprache. Bewiesen wurde, daß Polizeihaupt- mann Pohl zu den Schutzleuten gesagt hat:„Meine Herren! Gehen Sie rücksichtslos vo r." Festgestellt wurde, daß an diesem Abend Knüppel an Kriminalbeamte ausgegeben wurden! Polizeisenator Luermann und fein Stellvertreter Dreyer baten um milderne Umstände wegen der Erregung der Beamten: sie behaupteten auch, die Polizei habe das Gesetz nicht willkürlich ausgelegt! Aber die Ausschrei- tungen konnten durch keine Beschönigung vertuscht werden. Die bürgerliche Mehrheit riskierte natürlich keine Opposition. Sie nahm auch die Hiebe der Polizei als„verdient" an und lehnte den sozialdemokratischen Antrag ab. Der Wahl- rechtsantrag kam nicht mehr zur Perhandlung. Von bürger- lich'sr Seite ist ein Aistrag eingereicht worden, in dem der Senat ersucht wird, sofort einen Gesetzentwurf vorzulegen, daß im Disziplinarverfahren Geld- und Haftstrafen zur Er- zwingung des Zeugnisses nicht zulässig sind. Vom Zerfall des Nationalliberalismus. Der nationalliberale Reichstagsabgeordnete Merkel, der auch Mitglied des sächsischen Landtages ist und dort eine hervorragende Rolle spielte, ist aus der national- liberalen Fraktion des sächsischen Landtages aus- getreten. Merkel gehörte zum linken Flügel der sächsischen Nationalliberalen. Durch seinen Austritt aus der Landtagsfraktion ist die Richtung geschwächt worden, die bisher eine national- liberal-konservative Koalition im sächsischen Landtage verhindert hat. Wie Herr Merkel dem Dresdener Korrespondenten des„Berliner Tagebl." mitgeteilt hat, ist er ausgetreten, weil er die in der Landtagsfraltion herrschende politische Dekadenz nicht weiter mitmachen könne. Sollten seine Wähler mit diesem Schritt nicht einverstanden sein, so werde er sofort sowohl sein Reichstagsmandat wie sein LandtagSmandat niederlegen. Er wolle indes Mitglied der nationalliberalen Partei bleiben. Der Korrespondent deutet an. daß Merkels Austritt nicht der einzige bleiben werde._ Italien. Das Votum der Parteifraktron. Rom, 10. Mai.(Eig. Ber.) Das italienische Zentral- komitee für das allgemeine Stiminrecht hat am 8. d. Mts. in Rom eine Sitzung abgehalten, in der über das Verhalten der Parteifraktion diskutiert wurde. Zugegen waren die Genossen Turati, Morgari, Salvemini, Deila Scta, M e r l o n i und R o s e t t i. Salvemini vertrat eine Tages- ordnung, die das Votum der Fraktion als im Wider- spruch zur Agitation für das Wahlrecht bezeichnete und für die tiefe Apathie in der Partei den Zwiespalt verantwortlich macht zwischen denen, die ernstlich die Wahlreforin und den anderen, die andere Reformen anstreben. Diese Tagesordnung erhielt aber nur die Stimmen des Unterzeichners und des Genossen Della Seta. Dagegen erhielt eine Tages- ordnung Merloni vier Stimmen, die die Haltung der Parteifrattion billigte. Am Dienstag wird die römische Parteisektion sich mit derselben Frage beschäftigen. Die Vizepräsideuten der Kammer. Rom, 12. Mai. In der D e p u t i e r t e n k a m in e r fand heute die Wahl der Vizepräsidenten statt. Gewählt wurden G i r a r d i mit 133 und C a r m i n e mit 110 Stimmen. Lelgien. Die Brandmarkung der klerikalen Beutepolitiker. Brüssel, 8. Mai.(Eig. B-r.) In den letzten Wochen haben eine Reihe von Interpellationen des radikalen Deputierten Buhl gezeigt, in wie gewissenloser Weife die Herren Minister für ihre höchst persönlichen Bedürfnisse die Steuergelder verschlemmen: angefangen von den Gratis-„StaatS- telegrammen" bis zu den 180 000 Frank Automobilkosten des Arbeitsmini st erS, den 18 000 Fr. Wohnungsentschädigung für den Herrn I u st i z ni i n i st e r. den 800 000 Fr. Baukosten für daS„Hotel" des Herrn Kolonienministers. Auch sonst sind die klerikalen Minister Belgiens fürsorglich bemüht, aus der Politik ein einträgliches Geschäft zu machen. Sie lassen eS sich nicht nur gut gehen, so lange sie im Amte sind: sie sorgen auch dafiir, daß sie beim Sturz auf einen weichen Verwaltungs« Posten einer Finanzgesellschaft fallen, wie der ehemalige Minister Francotte und Smet de Naher. Andere, wie der der- zeitige Arbeitsminister Delbecke lassen sich ihre ehemaligen Posten bei den Gesellschaften überhaupt offen— für alle Fälle. Unter solchen Umständen, bei solchem Beispiel von oben, verdient die Ko r ruptions a ffäre des klerikalen Antwerpener Deputierten CoremanS, wie Vandervelde am Mitt- woch in der Kammer nicht ohne Ironie bemerkte, die Zubilligung mildernder Umstände. Herr CoremanS, dem nun so üble Dinge nachgesagt werden, hat in der Tat nur sein Mandat so auS- genutzt, wie gewisse Minister ihr Portefeuille. Wie der sozialistische Antlverpener Deputierte Terwagne in der Kammer mitteilte, hat der Klerikale CoremanS. Ge- meinderat und Abgeordneter der Stadt Antwerpen, gegen die Tramwaygesellschaft einen Prozeß angestrengt, in dem er gegen diese auf die.Zahlung von 2S0 000 Fr. Entschädigung für den Entgang einer Administratoren st ekle klagte. Aus dieser Klage geht nun hervor, daß sich der ehrenwerte Mann bei der Straßenbahngesellschast diese Summe mittels eines Votums im Gemeinderat sicherstellte. DaS heißt: der klerikale Herr Ge- meinderat hat sich seinerzeit an der Debatte und an dem Votum über die Vergebung der Straßenbahnkonzession an ein Kapitalisten- konsortium beteiligt, mit der Zusicherung eines materiellen Vorteils von feiten der betreffenden Gesellschaft— wie der Prozeß zeigt von 280 000 Fr. Dieser Mann zierte bis vor zwei Tagen die Kandidatenliste der Klerikalen in Antwerpen— eine Liste, auf der auch der Name des Ministers Delbecke prangt. Mit der Ausflucht, daß daS Par- lament kein Urteil über den Fall geben könne, ehe nicht das Gericht entschieden habe, suchten die Klerikalen, allen voran der Staats- minister Woeste, den Enthüllungen TerwagneS jede politische Konsequenz abzusprechen, daS Ganze als.Schachzug" der Opposition vor den Wahlen hinzustellen, der einer puren Verleumdung entspringe. Nach der Wirkung, die die Enthüllungen des sozialistischen Deputierten und die sich daran schließende Debatte ergaben, voll- zog sich allerdings auch bei den Klerikalen eine Wandlung: nach Schluß der Sitzung erhielt das parlamentarische Preßbureau die schriftliche Mitteilung, nach der sämtliche klerikalen Antwerpener Kandidaten eS ablehnen, mit dem betreffenden Herrn CoremanS auf einer gemeinsamen Liste zu figurieren—„aus höheren Parteirücksichten". DaS Schreiben meldete zwar kühn, daß dieser Beschluß schon vor der Kammerdiskussion gefaßt worden sei—- was natürlich nur allseits Heiterkeit erweckte. Warum hätte sich bann Herr Woeste und die anderen Herren als Verteidiger strapaziert, wenn doch die Verurteilung schon ausgesprochen war? In Wahrheit haben dieHerrschasten natürlich abgewartet, wie der Effekt in der Kammer ausfallen würde. Nebenbei wird dem beschuldigten CoremanS noch nachgesagt, daß er sich von der Straßenbahngesellschaft bei ihrer Etablierung das Geschenk von 20 000 Fr. habe machen lassen. So ganz„arm" ist der Mann also doch wohl nicht, wie ihn sein Verteidiger Woeste hinstellen wollte I Man begreift, wie bitter dieser Schlag die Klerikalen 14 Tage vor den Wahlen trifft! Herr Coremans ist überdies ein sehr renitenter und eigenwilliger Herr und hat keine Lust, stillschweigend abzutreten. Vielmehr wird er. im Verein mit anderen Unzuftiedenen, eine Dissidentenliste in seinem Wahlkreise aufstellen, also ein neues Ungemach für die Klerikalen. Eine andere Korruptkonsaffäre hat den klerikalen Senator D u p r e t zum Helden, der seinen Schwiegersohn auf der belgischen Ab» teilung der Mailänder Ausstellung in dessen Eigenschaft als Architekt in gründlicher Weise protegierte und protegieren ließ. Wenn sich die vom Deputierten Buhl erhobenen Beschuldigungen als richtig herausstellen— und der betreffende Abgeordnete hat ein sehr un- zweifelhaftes Material, kopierte Beweisstücke, vorgelegt— so wäre diese Protektionsgeschichte ein neuer, eklatanter Beweis, wie aus» giebig und mannigfaltig die klerikalen Herren die Steuergroschen für ihre persönlichen Zwecke plündern. ffolland. Für den Zehnstundentag. Amsterdam, 6. Mai.(Eig. Ber.) Am Himmelfahrtstage, drei Tage nach Einreichung eines Gc- setzentwurfes betreffend die Arbeitszeit seitens des christlichen und „demokratischen" Ministers Talma, demonstrierte das organi- sierte Proletariat Hollands nochmals für den Z e h n st u n d e n» tag. Diesmal zu Rotterdam. Das Meeting war wieder von der S. D. A. P. und der Gewerkschaftszentrale einberufen worden. Auch der in freisinnig-demokratischem Fahrivasscr segelnoe „Werklicdenverbond" hatte sich wieder angeschlossen. b2S Organisationen mit 83 000 organisierten Mitgliedern waren durch 100ö Delegierte vertreten. Ueber 100 Sympathieschreiben waren ein- gegangen. Die verschiedenen Redner wiesen auf die erschreckend lange Arbeitszeit hin. Die Mehrzahl der Arbeiter in Holland müsse noch mehr als 11, ja vielfach 12 und 14 S t u n» den arbeiten. Das Gesetz ließe noch einen 1 1 st ü n d i g e n Arbeitstag für Kinder zu. Die Nachtarbeit habe sehr ver» heerende Folgen. Liberale und christliche Regierungen reichten ab» wechselnd zwar Gesetzentwürfe zur Verkürzung der Arbeitszeit ein, doch seien sie bedeutungslos und wandern in den Papierkorb. Sie dienten nur dazu, den Widerwillen der regierenden Klasse gegen die Einführung der allernotwendigsten sozialen Reformen zur Hebung und Stärkung der Arbeiterklasse zu verschleiern. Die Redner brandmarkten die Unfähigkeit des christlich-demokratischen� Ministers Talnia, der nichts tun könne und wolle, da er die ton. servativen Christlichen als gute Freunde schonen müsse. Eine ein» stimmig angenommene Resolutwn wendet sich mit aller Schärfe gegen die Passivität der Regierung und fordert die unverzügliche Einführung des Zehnswndentages. Sie spricht den Führern der christlichen Gewerkschaften scharfe Mißbilligung aus, da sie den Widerstand dadurch verstärken, daß sie unter allerlei Vorwän» den die A rd e i ter von der Agitation für den Zehnstundentag abhalten. Die Resolution ruft alle Arbeiter zur Agitation und zur Einigkeit der ganzen Arbeiterklasse und zur Erobe- rung des gleichen Wahlrechts auf, als unentbehrlich für die Erzielung der Macht, die allein den Widerstand brechen kann. Dänemark. Die Verbündete Reaktion. Die Konservativen haben sich nun fast überall mit den Reform- parteilern zu Wahlbündnissen zusammengeschlossen, um auf jeden Fall einen Gegner der radikalen Regierung ins Folketing zu bringen. Das Bündnis ist ein Beweis für die politische Ber» sumpfung beider Parteien. Mit irgendwelchen guten Gründen können diese Parteien ihre Wahlagitation natürlich nicht betreiben, und so greifen sie denn auch zu den schmutzigsten Mitteln, die Wähler cinzufangen. In Kopenhagen werden an alle mög- lichcn Leute Listen verschickt, aus denen sie sich unterschriftlich ver- pflichten sollen, für die konservativen Kandidaten zu stimmen. Der Zweck ist, da« Wahlgeheimnis soweit wie möglich aufzuheben und Wähler durch Furcht vor wirtschaftlichem und gesellschaftlichem Boykott zum Diensie der Reaktion zu zwingen. Das Verfahren ist eine Umgehung des zur Sicherung des Wahlgeheimnisses erlassenen Gesetzes von 1001, wonach ein Kandidat höchstens 25„Steller" haben darf, das heißt nur 25 Leute, die ihn durch ihre Unterschrift den Wählern empfehlen. Aber auch die Versammlungssreiheit wollen die Reaktionäre auf gesetzwidrigem Wege vernichten. Eines ihre Blätter,„Köbenhavn", schrieb vorgestern:„Vernichtet die Ver- saminlungen der Gegner, und wollt Ihr nicht selbst als Spektakel- machcr auftreten, so macht es wie in Amerika: Kauft 4 bis 5 pro- fessionclle Spektakelmachcr; es ist unglaublich, was so ein paar Menschen mit etwas gutem Willen ausrichten können!" Unsere Genossen werden natürlich Mittel und Wege finden, um die Rowdics aus ihren Versammlungen fernzuhalten. Die Wahlbewegung ist äußerst lebhaft, und man darf wohl er- warten, daß es gelingt, das Land vor einem neuen Reaktions» Ministerium mit den durch die Albcrti-Affäre kompromittierten Leuten an der Spitze zu bewahren. finnlandL Gewalt vor Recht. Petersburg, 12. Mai. Der Ministerrat beschäftigte sich heute mit der finnländischen Frage und gab seiner Ueberzeu- gung dahin Ausdruck, daß den Wünschen des finnländischen Land- tags keine. Rechnung getragen werden dürfe. Cilrket Der Aufstand in Albamen. Saloniki, 11. Mai. Durch Kämpfe, die gestern bei Bveke» strin und Debrenitza im Bezirk Prizrend stattfanden und die mit dem Siege der türkischen Tr Uppen endeten, scheint Prizrend von weiterer Bedrohung befteit. Die Truppen gingen überall mit großer Tapferkeit, teilweise mit dem Bajonett vor. Mahmud Schefket Pascha begibt sich nach Bcrisowitsch, um den Operationen näher zu sein. Saloniki, 12. Mai.(W. T. B.) Der KricgSminister hat daS Generalkommando über die Truppen in Albanien übernommen und hat sich heute mit Torgut Schefket Pascha und dem Bali von UeSkueb nach Stimlia begeben. In der Umgebung von Karafcria fand ein Kampf mit einer bulgarischen Bande statt, bei dem zwrt Soldaten und ein Bandenführer getötet und einige Mitglieder der Bande verwundet wurden. Die Kretasrage. Konstantinopel, 11. Mai. Deputierten kämme r. Auf Befragen erklärte der Minister des Aeußern, daß die Eides» leistung in der kretischen Kammer die türkischen Rechte verletze. Er teilte mit. daß die S ch u tz m ä ch t e in ihrer soeben eingegangenen Antwortnote erklärten, daß die Eidesleistung eines Teiles der kretischen Deputierten auf den Namen des Königs der Hellenen an dem status quo auf der Insel nichts ändere. Er, der Minister, finde die Note unzureichend, doch werde sie von der Pforte als Zusicherung der Beibehaltung der Souveränitäts» rechte der Türkei interpretiert. Der Minister teile diese Auffassung. Die Eidesleistung könne keineswegs etwas an dem Regime der Insel ändern. Was die Kreter auch täten, die Insel werde stets ein Teil der Türkei bleiben. Die Kammer erachtete die Erklärungen der Regierung als ausreichend. Japan. Bevorstehende Annexion Koreas. New Aork, 12. Mai. Eine Depesche auS Peking an den „New Dort Herald" besagt, daß alle russischen Konsuln in K o r e a sich nach Soeul begeben, um eine Besprechung bezüglich der bevorstehenden Annektierung Koreas durch Japan abzuhalten. Dem Pernehmen nach ist die Konferenz durch die Forderung aus Petersburg veranlaßt worden, einen eingehen- den Bericht einzusenden über die im ganzen Lande herrschenden Verhältnisse, die allgemeine Situation daselbst und besonders die Möglichkeit eines erneuten Aufstandes infolge der An, «ektierung. GewßrkrcbaftUcbee. Otizufmdctibcit im dnternekmerlager. Der Arbeitgeberbund im Baugewerbe versucht sich wieder in Stimmungsmacherei. Er lägt der bürgerlichen Presse Mit teilungen über die„beachtenswerte Erweiterung und Krästt gung seiner Organisation" zugehen. Ortsverbände sollen sich zu Bezirksverbänden zusammengeschlossen haben, wobei der Zusammenschluß 31 Alleinstehender brandenburgischer OrtA verbände zu einem Provinzialverband besondere Freude er regt, weil dadurch auf eine Gefolgschaft dieser Verbände für die Scharfmacher gerechnet wird und auf eine Abkehr von der vom Bund gehaßten Berliner Richtung. Die Bauuntev nehmer in Südbayern sollen ihre Arbeiter entlassen haben. weshalb auf eine Verkürzung des Kampfes gerechnet wird. Davon weiß man in Arbeiterkreisen ebensowenig wie von einer von den Unternehmern wahrgenommenen Stimmung, die stävdig zunehmen soll, auf Grund der Dresdener Kompromißbedingungen des Arbeitgeberbundes Frieden zu schließen. Neben der Hilfe der Industrie — der Zentralverband Deutscher Industrieller hat seine Mit glieder zur Unterstützung der Bauherren aufgefordert— wird nun auch aus die Landwirtschaft gerechnet. Dort wird nicht viel zu holen sein, denn unsere notleidenden Agrarier verhalten sich bekanntlich sehr zugeknöpft. Die Stinimung in Unternehmerkreisen wird als„sehr zuversichtlich" bezeichnet. Hierbei wird wohl der Wunsch der Vater des Gedankens gewesen sein, denn nachstehende Zuschrift aus der„Kölnischen Volkszeitung" läßt etwas wesentlich am dercs erkennen. Unter der Ueberschrift„Mißstimmung im Arbeitgeberlager" wird nämlich geschrieben: „Wenn nicht in kürzester Frist eine Einlenkung durch den Arbeitgeberbund herbeigeführt wird, ist eine Spaltung im Arbeit geberlager kaum vermeidlich. Eine tiefe Mißstimmung hat sich weiter Arbeitgeberkreise bemächtigt, die mit den Maßnahmen der Bundeölcitung nicht einverstanden sind. Die Ablehnung des un- parteiischen Schiedsgerichts ist sehr übel vermerkt worden. Allmählich bricht sich auch die Ueberzeugung Bahn, daß die Versicherung der Bundesleitungen, in einigen wenigen Wochen würde der Kamp� beendet sein, nicht stichhaltig ist. Es ist nicht zu verheimlichen, daß nur ein Drittel der organisierte» Bauarbeiter der Aussperrung am heimgefallen ist und daß so ihre vorhandenen Mittel mit den wöchentlichen Sonderbeiträgen, die eine beträchtliche Höhe erreichen, im Berein mit den eingeleiteten allgemeinen Sammlungen die Führung des Kampfes auf Mouate hinaus ermöglichen. Die Dispenz erteilung für Notstandsarbeiten an einzelne Arbeitgeber stößt eben falls auf Schwierigkeiten, da der Konkurrenzneid dadurch aufgestachelt wird. Bei Verweigerung derselben geraten einzelne Unternehmer in große Schwierigkeiten und empfinden die ihnen nicht sympathische Aus sperrung um so drückender. Gedrängt werden die Bauunternehmer auch von den Materiallieferanten, denen jeder Tag der Aussperrung be trächtliche Verluste einbringt, die nach den voraufgegangenen Krisen um so übler bemerkt werden. Zudem werden hier und da die Bauherren des Wartens müde und hatten liegengebliebene Bauten in eigener Regie vollendet. Alle diese Momente werden zu einer baldigen Abbröckclung der Sperre beitragen, wodurch die Lage des Arbeitgeberverbandes keine rosige wird. Weitere Sonderabschlüsse wie die in Berlin und Hamburg stellen dessen ganze Existenz in Frage. Nach Lage der Dinge wäre das zu bedauern, da eine gesunde Tarifgewerbepolitik nur möglich ist bei starken Organisationen, sowohl auf feiten der Arbeitgeber, wie auf feiten der Arbeiter." Was hier von der„Kölnischen Volkszeitung" als allgemein gültig behauptet wird, läßt sich im einzelnen nachprüfen, so an den Ziffern, die für Württemberg feststehen. Nach den Aufzeichnungen der drei Organisationen wurden im Königreich Württemberg ausgesperrt: 1944 Maurer, 679 Zimmerer und 294 Bauhilfsarbeiter, zusammen also 2917 Arbeiter. Der Arbeitgeberbund hat 4199 Ausgesperrte angegeben, also 1183 mehr. Die Erklärung für diese Nicht- Übereinstimmung ist einerseits darin zu suchen, daß ein Teil der Ausgesperrten sofort nach der Entlassung unter Verzicht auf jegliche Unterstützung abgereist ist, andererseits sind aber offenbar dem Arbeitgeberbund weit mehr Ausgesperrte von seinen Mitgliedern gemeldet worden, als in Wahrheit ausgesperrt worden sind. Doch der Arbeiterschaft kann dies gleich sein. Der Ausgang des Kampfes wird nicht entschieden durch die Zahl der Ausgesperrten, sondern durch die Zahl der z» unterstützenden Arbeiter. In dieser Beziehung verfügt die Arbeiterschaft über sehr genaue Zahlen: denn wer sich nicht zur Kontrolle meldet, erhält auch keine Unterstützung. Am V. Mai haben sich in Württemberg zur Kontrolle gemeldet: 1234 Maurer, 228 Zimmerer und 84 Bauhilfsarbeiter, zusammen also 1596 zu unterstützende Mitglieder. Das sind noch nicht einmal 39 Pro;, der vom Arbeitgeberbund für Württcm- berg angegebenen 4199 Ausgesperrten! Alle übrigen Ausgesperrten sind entweder wieder im Baugewerbe untergebracht oder abgereist oder in anderweiter Beschäftigung. Die Aussperrung besteht nur noch in Stuttgart mit weiterer Umgebung(Feuerbach, Eßlingen, Ludwigsburg, Zuffenhausen), Göppingen, Heil- bronn, Reutlingen und Tübingen. Das übrige Württein- berg ist.auSsperrungSfrei", das heißt, es sind keine arbeitslosen Ausgesperrten mehr vorhanden. UcbcraU wird lustig gebaut; auch iu den Städten Freuden st adt, Heide»heim. Schräm- berg und Ulm, wo die Unternehmer einen schüchternen Versuch in Aussperrung machten. Auch im badischen Oberland, in den Kreisen K o n st a n z und V i l l i n g e n, besteht keine Aussperrung mehr. Ob den Unternehmern nun bald ein Licht aufgehen wird? Das Wollen der Scharfmacher war eben bedeutend größer als ihr Können! Auch in Baden verläuft aller Voraussicht nach die Aussperrung für die Unternehmer erfolglos. Der kürzlich auf dem Delegiertentog in Offenburg gefaßte Beschluß, am 7. Mai alle noch beschäftigten unorganisierten Bauarbeiter auszusperren, wurde von den Unter- nchmcrn nicht vollzogen. Nirgends wurden die jetzt noch Beschäftigten ausgesperrt. In M a n n h e i m, wo an den Staatsbauten weiter gearbeitet wird, hat ani 9. Mai der Bauumeniehmer Xaver Schmitt auf seinen sämtlichen Bauten die Arbeit wieder ans- genommen. Er trat aus der Unternehmervereinigung aus und zahlt die Konventionalstrafe von mehreren hnndert Mark. Zirka hundert Maurer und Bauhilfsarbeiter kommen dadurch wieder in Arbeit. Ein anderer Unternehmer in Sandhofen bei Mannheim folgte diesem Beispiel. Auch sonst sind Anzeichen dafür vorhanden, daß es noch mehr Unternehmer gleich so machen werden, da die Material- sperre unwirksam ist. � � Neue Einignngsversuche. Inzwischen lassen sich.unparteiische beamtete Personen" durch die Abweisung der Bauunternehmer nicht beirren, immer wieder Vcrmittelnngsversuche zu machen. Neben der Erklärung des sächsischen Ministers im Landtage, als Vermittler jederzeit bereit zu sein und den zweimaligen Versuchen des badischen Ministers, Frei- Herrn v. B o d m a n n. die Parteien zur Verhandlung zu bewegen, kommt jetzt die Meldung, daß der Dresdener Oberbürgermeister zum 21. d. Mls. die Parteien zu Verhandlungen geladen hat. Munition für die kämpfenden Arbeiter. AIS Unterstützungen für die Ausgesperrten haben die Holzarbeiter in Lübeck als 1. Rate 599 M. bewilligt, die Schneider 499 M. und Erhebung eines wöchentlichen Extra- beitrageZ von 59 Pf.; die Steinsetzer in Magdeburg erheben ebenfalls 59 Pf. Extrabeitrag. Der Ortsverein Bochmn des Vuchdrucker-VervandeS beschloß in seiner letzten Sitzung einstinimig, für die Dauer der Aus- sperrung einen Extrabeitrog von 23 Pf. pro Woche zu erheben. Von diesem Beitrag sollen sofort 190 M. zur Verfügung gestellt werden._ Berlin und Umgegend. An die Berliner Arbeiterschaft! Am Sonnabend, den 14. Mai(Pfingst-Sonnabend) ist das Bureau von vormittags 9 Uhr bis nachmittags 5 Uhr zur Entgegennahme von Sammlungen ohne Unterbrechung geöffnet. Der Ausschuß der Gewerkschaftskommission für Berlin und Umgegend. Ter Tarifabschluß der Brauereiarbeiter. Am Mittwoch fand im Gewerlschaftshaus eine Versammlung der in den Ringbrauereien beschäftigten Vertrauensleute aller an der Lohnbewegung im Brauereigewerbe beteiligten Organisationen statt. Hodapp vom Brauereiarbeiterverband referierte über die auf Grund der in der Neuen Welt gefaßten Resolution stattgefun- dene Verhandlung mit dem Verein der Brauereien Berlins und Umgegend und verlas das Schreiben des Vereins, in dem mitgeteilt wird, daß der Verein gewillt sei, den vereinbarten Tarifvertrag auf die Dauer von 4 Jahren abzuschließen, dagegen wird die Erhöhung der Lohne um 1 M. nach zwei Jahren strikte abgelehnt. Es findet diese Erhöhung demgemäß erst nach 2s£ Jahren statt. Es entspinnt sich hieran eine rege Diskussion und wird von einzelnen Vertrauensleuten beantragt, noch in dieser Woche eine Urabstimmung in den Betrieben vorzunehmen. Diesem Antrage wird lebhaft widersprochen mit der Begründung, daß die Resolution vom 8. Mai der Lohnkommission das Recht gibt, den Tarifvertrag mit den Unternehmern auf Grund der gemachten Zugeständnisse, jedoch nicht über die Dauer von 4 Jahre, abzuschließen. Mit 117 gegen 46 Stimmen wird die Urabstimmung abgelehnt. Wir lassen hier, um allem Zweifel zu begegnen, die Resolution folgen: „Die heute, am 8. Mai, stattfindende Versammlung aller in den Layerbierbrauereien beschäftigten organisierten Arbeitnehmer ermächtigt die Lohnkommission, mit dem Verein der Brauereien Berlins und Umgegend auf Grund der bisher gemachten Zuge. ftändnisse einen Tarifvertrag, jedoch nicht über die Dauer von 4 Jahren, abzuschließen." Weiter geben wir eine Ausstellung der Löhne, wie sich dieselben nach dem Abschluß gestalten werden: Brauer 36,59 M., nach 2-4 Jahren 37,50 M.. Innere Betriebsarbeiter 30.59 M.(31,59 M.). Böttcher 36,59 M.(37.59 M.). Gärtner 39,59 M.(31,59 M.). Sattler. Mtoler, Lackierer 32,69 M.(33,59 M.), für die übrigen Handwerker 34,50 M.(35,59 M.), Handwerker-Hilfsarbeiter 28,59 M.(29,59 M.). Maschinisten 33,59 M.(34,59 M.). Heizer 31,59 M.(32,59 M.). Al>- schmierer und Kohlenschieber 28,59 M.(29,59 M.), für Flaschen« kellerarbeiter 27,59 M.(28,59 M.). Hofarbeiter 27,59 M.(26.50'M.). ür Bahnlader 1 M. Zuschlag. Für Böttcherei-Hilfsarbeiter 39,59 ' rk. nach 2'A Jahren 31,59 M. Im Maschinen- und Kesselpersonal, welches die tariflichen Höchstlöhne bereits bezieht, wird eine sofortige persönliche Zulage von 1 M gewährt.— Faßfahrer Garantrelohn 3999 M. einschließlich Spesen.— Flaschenfahrer Garantielohn 2909 M. einschließlich Sp e s e n.— Faßmitfahrer 26,50 M., nach 2)4 Jahren 27,50 M. und 7/4 Pf. Provision pro 199 Liter verkauften Bieres. Flaschen-Mitfahrer 27 M., nach 2)4 Jahren 23 M. und 1 Pf. Provision pro 39 Flaschen, 1 Syphon, 1 Achtel usw. verkauften Bieres. Reservefahrer 29.50 M., nach 2)4 Jahren 30,59 M., Stall- leute 29,59 M., nach 2Z4 Jahren 30,50 M., Last-Chauffeure 40 M. Die unter„Diverses" fallenden Arbeiter erhalten eine Zulage von 1,59 M., nach 2)4 Jahren eine weitere Mark. Die Monatslöhne der Wächter und Portiers werden in Wochen löhne unigewandelt. Die Nettoarbeitszeit bei Tage wird um A Stunde verkürzt, die Nettoarbeitszeit für Flaschenkellerarbeiter bei Nacht ebenfalls um 14 Stunde. Die Bruttoarbeitszeit am Tage wird um% Stunde verkürzt für alle diejenigen, deren Bruttoarbeitszeit durch diese Regelung nicht unter 11 Stunden herabsinkt. Eine genaue Erläuterung des Vertrages erfolgt in den nach Pfingsten stattfindenden Gruppenversammlungen. Lohnbewegung der Schmiede. Die Lohn, und Arbeitsverhältnisse der bei den Jnnungs- meistern beschäftigten Schmiedegesellen sind durch eine Statistik fest- gestellt worden, welche der Verband der Schmiede im März d. I. in Berlin und den Vororten ausgenommen hat. Die Ergebnisse der Statistik trug Sieiing am Mittwoch in einer stark besuchten Versammlung der bei Schmiedemeistern beschäftigten Gesellen vor. Die Erhebungen erstreckten sich auf 492 von den 596 überhaupt vorhandenen Werkstätten. In den 492 Werkstätten sind 1958 Ge- ellen beschäftigt. 19 Meister arbeiten ohne Gesellen und Lehrlinge, 16 Meister halten nur Lehrlinge und keine Gesellen, in 453 Be- trieben wird je 1 Geselle beschäftigt, in 169 Betrieben je 2 Gesellen, in 75 Betrieben je 3 Gesellen, in 37 Betrieben je 4 Gesellen, in 18 Betrieben je 5 Gesellen, in 5 Betrieben je 6 Gesellen, in 4 Be- trieben je 7 Gesellen, in 5 Betrieben je 8 Gesellen, in 1 Betrieb 9 Gesellen, in 1 Betrieb 13 Gesellen. Die Arbeitszeit beträgt in den meisten Fällen 9 Stunden, es kommen aber auch Arbeitszeiten von 19 bis 12 Stunden vor. Die Arbeit beginnt in einzelnen Be- trieben schon um 5)4 Uhr, in anderen um 6, auch 6)4. meistens aber um 7 Uhr morgens. In 12 Betrieben wird regelmäßig Sonntags gearbeitet. In einem großen Teil der Werkstätten werden regelmäßig Ueberstunden gemacht, zum Teil, ohne daß dafür ein'Auf- chlag gewährt wird. In manchen Betrieben herrscht der Brauch, >atz der Meister die vollen Versicherungsbeiträge zahlt und die Ge. 'ellen als Gegenleistung Ueberstunden ohne Bezahlung machen. Hin- ichtlich des Lohnes konnte festgestellt werden, daß er seit 1995 für die qualifizierten Arbeiter etwas gestiegen ist. Von den Schirr- meistern erhalten 23 den Mimmallohn von 69 Pf., 164 werden über, 11 unter dem Minimallohn bezahlt. Der Durchschnittslohn beträgt 64)4 Pf.(1995: 61°/» Pf.). Von den Feuer- und Beschlagschmieden erhalten 23 den Minimallohn von 45 Pf., 113 werden über, 25 unter dem Minimallohn bezahlt. Der niedrigste Lohn beträgt 42. der höchste 72 Pf., der Durchschnittslohn 57% Pf. Von den Be- chlagschmieden erhalten 47 den Minimallohn von 59 Pf., 197 wer- den über, 29 unter dem Minimallohn bezahlt. Der niedrigste Lohn beträgt 49, der höchste 67 Pf., der Durchschnittslohn ist 54)4 Pf. Von den Stock« und Beschlaggesellen erhalten 22 den Minimallohn von 46 Pf., 74 werden über, 52 unter dem Minimallohn bezahlt. Der niedrigste Lohn beträgt 39, der höchste 56 Pf., der Durchschnitts- lohn ist 47 A Pf. Von den Stockgesellen erhalten 35 den Minimal. lohn von 42 Pf., 72 werden über. 15 unter dem Minimallohn be- zahlt. Der niedrigste Lohn beträgt 32, der höchste 55 Pf. In 31 Betrieben(11 in Berlin, 29 in den Vororten) sind die Gesellen in Kost und Logis beim Meister. Das Kost- und Logiswesen ist also noch ziemlich weit verbreitet. Der 1995 abgeschlossene Tarif- vertrag wird in allen Punkten nur in 35 Betrieben innegehalten. Sieht man ab von dem im Vertrag abgesehenen Aushang der Ar- beitsbedingungcn, so sind 61 Betriebe als tariftrcu zu betrachten. Die tarifmäßigen Löhne werden in 89 Betrieben bezahlt. Srering zog aus den Ergebnissen der Statistik den Schluß: Die Lohn- und Arbeitsverhältnisse bedürfen dringend der Aufbesserung. Löhne von 39 bis 49 Pf. pro Stunde reichen nicht aus, uni das Leben zu fristen. Eine Er. höhung der Minimallöhne erscheint deshalb notwendig. Dieser Gedanke kam auch in der Diskussion einmütig zum Aus� druch. Das Verlangen, eine Lohnbewegung einzuleiten, wurde von allen Rednern gestellt, auch wurden Vorschläge über die aufzustellen-- den Forderungen gemacht. Einstimmig nahm die Versammlung eine Resoluticn an, wodurch der Gesellenausschuß und M'e Ortsver- waltung des Verbandes beauftragt werden, sofort eine Vorlage für die Lohnbewegung auszuarbeiten, dieselbe einer demnächst zu veranstaltenden Versammlung zur Beschlußfassung vorzulegen und den bestehenden Tarifvertrag zu kündigen. Die Funktionen einer Lohnkommission wurden den Gesellen� ausschüssen von Verlin und Charlottenburg übertragen, die in Ver-> bindung mit der Ortsverlvaltung des Verbandes zu arbeiten haben. Achtung, Stcinarbeiter! Die Firma Friesecke. Kunststein- fabrik in Britz, Bureau Planufer 94, ist wegen Nichtanerkennung des Steinmetztarifes noch immer gesperrt. Zwar wurde der tarif« liche Stundenlohn bewilligt, doch bot diese Bewilligung keine Gewähr für die Einhaltung der tariflichen Lohnes in Zeiten un- günstigen Geschäftsganges. Die Streikenden stehen fest. Dem Streik nicht angeschlossen hat sich außer den bereits genannten August B o f i n g e r und Otto G l o r der Steinmetz Anton Dollak. Dkts Kleeblatt wird den Frieseckschen Kohl nicht fett machen. Natürlich ist Herr Friesecke eifrig bemüht, den Kreis seiner Getreuen zu vergrößern. In der„Allgemeinen Zeitung" („Deutsches Blatt") sucht derselbe unorganisierte Stein- wetzen. Den auf den Bauten beschäftigten Kollegen aller Firmen erwächst nunmehr die Pflicht, ein wachsames Auge auf die Fricsecke- schen Steinmetzarbeiten zu haben und alle Vorkommnisse im Ver- bandsbureau, Seydelstraße 39, Tel. Amt I 9248, unverzüglich zu melden. Zentralverband der Steinarbeiier, Ortsverwaltung Berlin. V Oeutkcbes Reich. Der Hilfsarbeiterstreik in der Faberschen Buchdruckerei zu Magdeburg, über den wir vorige Woche berichteten, ist beendet. Die Firma erzielte vor dem Tarifamt der Buchdrucker eine Ver- urteilung des Personals wegen Tarifbruches. Da die Firma von 25 männlichen und 17 weiblichen Ausständigen jedoch nur einen („kräftigen") Hilfsarbeiter zu einem Wochenlohn von 17 M. und 19 Anlegerinnen wiedereinstellen wollte, haben nur 5 von den Strei- kenden die Arbeit aufgenommen. Wegen den vorausgegangenen Maßregelungen, die zur Arbeitseinstellung führten, wird das Tarif- amt noch zu entscheiden haben, wobei auch festgestellt werden dürfte, wer den„Tarifbruch" des Personals provoziert hat. Zur Aussperrung der Giesiereiarbciter in Lünen. Die Firmen haben ihre Betriebe den Unorganisierten wieder geöffnet. Ein großer Teil der Unorganisierten hat sich jedoch mit den ausgesperrten Organisierten solidarisch erklärt, sie haben die Arbeit nicht auf- genommen. Es arbeiten etwa 89 Mann. fZuslanck. Der Streik im Baugewerbe Kristianias hat sich in den letzten Tagen noch weiter ausgedehnt, indem auch die Stein- arbeiter sowie die Erd- und die Zenrentarbeiter die Arbeit eingestellt haben. Diese Gruppen des Baugewerbes waren am 7. Mai noch nicht mit in den Streik getreten, weil für sie die Verhandlungen init den Arbeitgebern noch nicht zu Ende geführt waren. Nachdem nun aber die übrige Arbeiterschaft des Baugewerbes die Arbeit niederlegte, machte die Arbeitgebervereinigung die Fortsetzung der Verhandlungen mit jenen Gruppen davon abhängig, daß die Maler die Arbeit auf den Schiffswerften wieder aufnehmen sollten, wo sie jetzt sehr notwendig gebraucht werden. Dieses Verlangen mußte selbstverständlich von der Arbeiterschaft abgelehnt werden, und damit wurde auch für jene drei Gruppen der Streik unvermeidlich. Den wirklichen Wert der Lohnerhöhungen, die mehrere der großen amerikanischen Eiscnbahngesellschaften für ihre Angestellten haben eintreten lassen, hat Mr. C. W. Brown, der Präsident der New Jork Zentraleisenbahn, offen dargelegt. Er bemerkte in einer Unterredung, die Angestellten seien trotz der Lohnerhöhungen nicht besser daran als die Angestellten in anderen Ländern mit nied- rigeren Löhnen, denn die Kosten des Lebensunterhalts seien in den Vereinigten Staaten derart gestiegen, daß selbst die Lohnerhö- Hungen dafür keinen Ausgleich bieten. Die Kaufkraft des Geldes ist allein in den letzten drei Jahren um 49 Proz. zurückgegangen. Die von den Eisenbahnen für dieses Jahr zu zahlenden Löhne be» tragen rund 4999 Millionen Mark, während die bisher erreichte höchste Lohnsumme 4329 Mark betrug. Letzte I�acbncbtcn und Dcpelcben. Gegen den Rechtsbruch der russischen Regierung. London, 12. Mai.(W. T. B.) 129 Mitglieder de? britischen Parlaments haben an die Duma zwei Schreiben gerichtet, in denen sie die geplante Beschränkung der alten Freiheiten Finnlands scharf verurteilen. Die Absender betonen ausdrücklich, sie wünschten nicht, sich in die inneren Angelegenheiten Rußlands einzumischen, sie seien einzig von dem Wunsche beseelt, die günstigen Bedingungen der englisch-russischen Freundschaft aufrechtzuerhalten. Jede Be- einträchtigung der konstitutionellen Regierung in Finnland müsse einen schmerzlichen Eindruck in Großbritannien hervorrufen. Petersburg, 12. Mai.(W. T. B.) In der heutigen Sitzung der Kommission der Rcichsduma für die Finnlandsvorlage erklärte der Sozialdemokrat Gegetschkori bei Beratung der einzelnen Para- graphen, die Regierung und die sie unterstützende Mehrheit der Kom. Mission hielten es nicht für notwendig, ihren prinzipiellen Stand- Punkt zu verfechten, indem sie auf juristische Beweisgründe nicht ein-, gehen, sondern alle Anträge einfach durch Abstimmung zur Ent- scheidung bringen wollten. Seine politische Würde als Vertreter der Arbeiterklasse gestatte rS ihm nicht, Zeuge der zerstörenden Arbeit der Kommission zu sein. Der Kadett Miljukow schloß sich dieser Er- klärung an. Darauf verließen die Kadetten und Sozialdemokraten den Sitzungssaal. Unwetternachrichten aus Süddeutschland. Frankfurt a. M., 12. Mai.(B. H.) Nach einer bei der hiesigen Wasserbauinspektion eingegangenen telegraphischen Meldung ist in der Gegend von Bischburg im Fichtelgebirge ein sehr starker Wolken» bruch niedergegangen; das Unwetter hauste dort nahezu drei Stunden. Große Flächen wurden in Seen verwandelt. Das Un- weiter hat an Feldern und Fluren bedeutenden Schaden angerichtet. Infolgedessen ist der Main bedeutend gewachsen. Duderstadt, 12. Mai.(B. H.) Schwere Unwetter mit wolkenbruch» artigen Regengüssen haben inSUdhannover, auf dem EichSfeldr, im nördlichen Hessen und im Unstruttal stellenweise die Ernte vernichtet. Die Wasserfluten führen Vieh und weggerissene Gebäudeteile mit sich. Das Erdbeben in Costarico. New Dork, 12. Mai.(B. H.) In Costarico dauern die Erdbeben fort. Tausende fliehen von San Jose. Die Vulkane PaoS und Jrzu Ziehen in Eruption und stoßen feine Asche aus, die sich in schweren Wockcn über weite Strecken lagert. Seuchen grassieren in den Lagern der Flüchtlinge. Eine Schiffskatastrophe. St. Louis, 12. Mai.(W. T. B.) Der Dampfer„City Saltillo" ist in der Nähe von Glcnpark am Mississippi infolge Auflaufens a»f einen Felsen gesunken. Sieben Passagiere und sechs Matrosen ertranken. Perantw. Redakt.: Richard Barth, Berlin. Inseratenteil verantw.: TH. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u. Verlagsanstall Paul Singer& Co., Berlin S W, Hierzu 3 Beilage««.vuterhaltuogSbl, Ar. M 27. Jahrgang. I Kcilqc des Jotwtfs" Mim IslUInlt. Freitag. 13. Mai 1910. Für die ausgesperrten Bauarbeiter Deutschlands gingen bei der Gewerkschaftskommission für Berlin und Umgegend ein: A. 33., Schöneberg 100,—. P. H., Charlottenburg SO,—. Unterstützungs- sonds der Glasarbeiter Stralaus SO,—. Gesangverein„Gesundbrunner Harmonie' 31,20. Schlosser und Anschläger bei Melchcrs lS,—. Kollegen der Delorationsfirrna G. Jahn 12,S0. Alsons Koffla, Apotheker 10,05. Kollegen der Färberei Gebr älltenberg, Weißensee 8,55. Küchenmöbelmaler, Uebcrschutz der amcrikan. Auktion der Herrenpartie 8,01. D. Nuszkowski, Portier 3,—. Lotterieverein„Hufeisen' I,SS. Ein elender Rixdorser 1,—. Berliner Radsahrerverein, Bund„Solidarität' 100,—. Verband der Brauereiarbeiter, Verwaltung Berlin, Tellersammlung bei der Mai- Versammlung 83,10. Personal der Buchdrucker« Patz u. Garleb, 1. Rate 30,—. Rötzler u. Schürdt. Möbelsabrik 25,—. Tischlerei Schneider, Pappel allee 15,—. Verband der Steinarbeiter, Verwaltung Berlin 200,—. Mawersammlung der Lebens« und Genutzmittelbranche 40,—. Zietlow, Hauseigentümer 10,—. Verband deutscher Kunstgewerbezeichner 10,—. Union-Druckerei, 1. Rate 4.50. Sattler bei VoigtlSnder 10,—. Gesamtpersonal bei Braunbeck u. Gutenberg, 1. Rate 48,—. Sechserkasse Flatow u. Priemer, 1. Rate 30,—. Hilssarbeiter der„Woche' 10,—. Kollegen bei Robert Schulz 6,S0. Tischlerei von Sticht 6,85. Tischlerei von Güll u. Grabowski, 1. Rate 10,50. Zentralbureau„Deutsche Presse' 3,80. Buchdruckerei Lange, 1. Rate 6,60. Fabrikpersonal L. Jürgens 20,—. KI. B. 3,—. Lustige Geburtstagsfeier durch Raupach 3,10, Maiversamm- lung von Ober-, Nieder« Schöneweide und Johannisthal 65,—. Maler bei L. Temmler 6,—. Kollegen bei Bernhard Noa, Stockfabrik 24,05. Möbelpolierer bei Raschig 5,—. Glasschlciser bei Domscheit u. Papisch 6,55. 1706 Tischlerei Salzmann u. Sohn 5,30. 47 Bau Hohenzollerndamm 6,70. 35 Buchdruckerei Klemm 4,60. 1726 Tischlerei Friedrich 12,70. Maurer vom Bau Bergmann ZI.-G. Rosenthal 17, M. 1 Silberwarensabrik Meyen u. Co. 36,50. 1708 Tischlerei Nedelsheimer 14,20. 1721 Stellmacher u. Tischler bei Beermann 28,65. Buchdruckerei Kroll 8,20. Männerchor„Norden', Maiversammlung d. Gemeindearbeitcr-Verbandes 15,—. Sparverein.Vorwärts-Süden' 10,—. Personal bei Maurer u. Dimmick 8,25. 1703 Kollegen bei H. Lüdtkc 9,25. 1722 Tischlerei 31. Zahn 10,70. 15 Buchdruckerei C. Kühn u. Söhne 21,75. 1751 Tischlerei Thomas 10,50. 12 Tischlerei Wolshardt u. Goldschmidt 16,75. 3163 Gürtler u. Schleifer bei H. Reinhold 13,35. Tischlerei Saucrwein 15,00. 1723 Tischlerei E. Kossow 11,80. 1718 Tischlerei Jarotz« g.—. Tischlerei v. Meyer, Heidken u. Co. 10,—. Sechserkasse b. Nickel, Kernicke u. Lehmann 8,—. Tischlerei Schessler 8,45. 49 Tischlerei Kukulenz 14,70. 42. 43. 44. 45, 46 Buchdr. Büxenstcin 48,15.— Deutscher Metallarbeiterverband, OrtS- verwaltung Berlin, aus soigende Listen: 3lrbeiter der Firma Typograph: 7 25,40, 8 27,05, g 31,50, 10 15,60. 2991 Votz u. Wolter 7,—. 2993 Bcrl. Motorwagen 20,05. 3134 Krüger, MuSkauer Str., 14,20. 3135 Sandmann 8,65. 3137 Deutsche Telcphonwerke, Abt. Revision 3,85. 3138 Abt. Stümpsele 17,50. 3139 Abt. Daase 3,55. 3140 Abt. Born 9,95. 3141 Abt. Apcll 16,70. 3142 Pusch u. Glaus« 9,30. 3143 Abt. Krause 4,70. 3144 Rchberg 14,40. 3145 Lager- Expeditton 19,65. 3146 Abt. Rostock 18,85. 3147 Abt. Lehmann 11,50. 3148 Ab. Lauscrt 7,75. 3149 Abt. Ahlcrt 3,50. 3150 Abt. Striche 7,20. 3151 Abt. Schäser 11,05. 3152 Abt. Wilhelm 31,80. 3173 Stolzenberg 19,90. 3174 Anonym 3,—. 3211 Spitz u. Co. 44,—. General-Compofing-Co. aus folgende Listen: 3217 5,—, 3218 42,35, 3219 16—, 3221 11,60, 3222 13,75, 3223 13,-, 3225 3,80, 3226 8,—, 3227 6,—. 3235 Cyklop, Schlosser und Schmiede 10.50. 3236 Cyklop, Dreherei 10,50. 3237 Zühlke 7,25. 3288 Deutsche Tacho« meterwerke 36,55. 3383 Kaufmann 16,—. 3384 Heister u. Co. 11,50. 3385 Lindström. Abt. Wähler 25,40. 3389 Abt. Beelitz 26,50. 3392 Weber u. Co. 29,70. 3393 Weber u. Co. 28,65. 3401 Stelzner, Fasson- dreher 21,40. 3496 Roller. Schlosserei 23,55. 3497 Roller, Dreherei 23,25. 3493 W. Hermann 24,10. 3500 Klette 6,50. 3501 Frost u. Söhne 11,15. 3502 Frost u. Söhne 28,—. 3504 Gutmann, Nähmaschinen 29,70. 3505 Schäifer u. Oehlmann, 32,35. 3526 H. Hauptner 32,20. 3527 Elzes 13,30. 3545 Dtsch. Masch.-Vert.-Ges. 35,40. 3547 Sommerfeld 23,35. 3555 Intern. Taxameter-Ges. 6,90. 3563 Thiele u. Co., Graveure 22,—. 3564 E. Stein 12,25. 3569 Becker-Reinickendorf 15,50. 3570 Becker-Reinickendorf 7,60. 3571 Sielass 10,60. 3572 Stelass 5,95. 3578 B.@.«28., Mauerstratze 21,15. Emmerich u. Schöning 3584, Abt. I 10,40. 3585 Mi. ll 22.35. 3586 Abt. III u. IV 22,95. Bolzani 3587 35,80. 3588 17.—. 3589 13,50. Kehling u. Thomas 3611 43,25. 3613 19,05. 3650 Mebes 10,35. 3671 Bauer, Pankow 5,—. 3762 Schubert u. Werth 20,90. 3820 d. Felix Wein- berg 36,—. 3998, 3999, 4000 Versammlung in Spandau am 8. 5. 1910 d. Warnst 28,30. 4024 Pattenten in Hohenelse 2.—. 4026 ONS 12,90. 402? O. R. Nitfch 6,—. 4039 Schulz, Hasenhetde, Sechserkasse 10,—. 4044 Ztotor 5.—. 4120 Zaslrow 30,50. In Sumnia als erste Rat- 1487,65 M.— Brandeoburgischer Maschinensetzer� verew(Buchdr.) 100,—. Verband der Schneider(Verwaltung Berlin 1) aus soigende Listen: 5004 Peel u. Kloppenburg. Kottbuser Damm 44,30. 5042 A. Stter 3,40. 5064 Heckenberger u. Becker 39,40. 5023 Jockey-Klub 22,—. 5123 Pabst u. Kunze 24,80. Trun, u. Votz 30.—. Segall 10,—. Schneidereigen. Hoffnung' 15,—. Angeft. der Freien Hilsskasie 20,—. 5025 Bureaulift« 18,—. in Summa als erste Rate 226,90.— Verband der Töpfer, Vcrw. Berlin, 1. Rate 390,—. Lokalkasse der Lederarbeiter, Verw. I, 1. Rate 100,—. Kall, bei A. Schälke Nachs. 25,—. Setzer u. Drucker bei Patz u. Garleb, 2. Rate 36,—. Buchdr. u. Hilssarb. bei F. Ashelm 26,75. Pers. d. Buchdr. Technik 12,30. Bauttschlerei Schellcr u. Co. 6,80. Bautischlerei Reetz 8,50. Tischlerei Weitz 10,05. Buchdruckerei Rehfeld 5,—, Melallarb. b. Küppers u. Heynen 8,50. Tellersammlung der Bäcker u. Konditoren am 1. Mai 95,50. Holzarbeiter, Branche d. Bodenleger 100,—. Tanzlchrerverband„Solidarität' 30,—. Tischlerei v. Schwarz u. Fröhlich 20,—. Tischlerei von Rhode u. Co. 6,35. Möbelfabrik Gerson 25,—. Buchdr. Janiszewski 15,—. Kronleuchterfabril Bischofs 6,75. Kronleuchtersabrik Rietze! u. Lindemann 5,—. 29 Stuttgarter Union 9,80. 1725 Arbeiter d. Gummifabrik C Müller 19,45. Maler vom Krankenhaus Urban 5,50. Buchdrucker« Gebr. Unger 20,50. Metall- arbeitcr von Klaus, Rixdors 8,—. 3546 Taxameter Lahne u. Winde 11,50. Arbeiter bei Kurtz 5,—. Möbelsabrik Masserer 14,—. 2202, Sattler des Deutschen Ossiziervereins 16,50. Koll. bei A. Ludwig u. Co. 26,—. Onkel 2,—. 1705 Tischler v. Hartmann 2,—. Stocksabr. Fischer 3,25. Metallarb. bei Spengler 10,—. Melallarb. bei Kilian, Lichtenberg 31.—. Abt. Kupfer- druck bei Meisenbach u. Rissarth 11,—. Zithertlub Edelwcitz I, 1901 12,—. Liste 37 18,45. Bäcker und Konditoren von Ulbrich 17,75. Bau- tischler bei Wegner 13,70. Berliner Marmorwerke Wcdig 6,50. 1729 Möbeltischler bei Krause 10.—. 1702 Möbelfabrik Ostend 15,—. 13 Möbelsabrik von Latz 6,45. Möbelsabrik von Port 7,45. 43 Tischlerei Bauer 8,10. In Summa 4508,01. Gelder, welche per Post eingesandt werden, find an N. Körsten, SO. 16, Engelufer 15, I zu senden. Alle Sammlungen sind sofort auf unserem Bureau, Engelufer 15, I, Zimmer 23 in den Wochen- tage» vormittags von 9—12l/a Uhr und nachmittags von 4— 7'/, Uhr abzuliefern. Am Sonnabend, den 14. Mai(Pfingft- Sonnabend) ist das Bureau von vormittags 9 Uhr bis uachmittags 5 Uhr zur Entgegen- nähme von Sammlmigcn ohne Unterbrechung geöffnet. Der Ausschuß der GcwerkschaftSkommissivn für Berlin und Umgegend. kleines Feuilleton. Das Nationalalbum der preußischen„Kulturträger". Burschen herauSI Laffet es schallen von HauS zu HauS!— Am 16. Oktober sind hundert Jahre verflossen feit der Gründung der Berliner Universität. Der Ehrentag warf seine Schatten bei der letzten Wahl des Jubiläumsrektors, die unter den kleinlichsten Eifersüchteleien und Stänkereien der professoralen Kandidaten vor sich ging. Dann die famose Wahl des Jubiläums- ausschusses der Studentenschaft: Mützen und Bänder und Schläger sollen dem Jubelfest ein glänzendes Dekorationsgepränge verleihen; die Studenten aber, die keiner studentischen Verbindung ange- hören, sind höchstens gut genug, das„Volk" zu markieren. Und nun versendet der Jubiläumsausschuss an alle Studierenden einen Prospekt, der an dummdreister, ekelhaft-bhzan- tinischer Speichelleckerei nicht gut übertroffen werden kann. Gleich zu Anfang heitzt es da: „Wenn heute das Deutsche Reich und mit ihm Preußen, unser engeres Vaterland, frei und stark dasteht, wenn sich Berlin vom ehemaligen Fischerdorfe im Laufe der Jahrhunderte zur gebieten- den Reichshauptstadt. zur prunkenden und reichen Welt- und Han- delsstadt aufzuschwingen vermochte—_ wenn innerhalb dieser stolzen Kapitale ihre weitberühmte und in vollster Blüte stehende Hochschule als Hochburg geistigen Lebens und wissenschaftlichen Strebcns Weltruf genießt—. so verdankt die Nation. nächst dem über uns thronenden Lenker aller Menschen- und Vö l k e r sch i ck s a l e, alles dies in er st er Linie der Weisheit und Fürsorge ihres angestammten Herrscherhauses, verdankt es den erlauchten Fürsten aus dem glorreichen Hohenzollernstamm. Speziell in Berlin sind die Spuren des Wirkens der Preußen- könige erkennbar. Alles, was die Reichshaupt st adt als solche besitzt, ist auf ihre Anregung zurück- zuführen..." Und das Jubiläum der„Hochburg wissenschaftlicher Freiheit"— vergleiche Fall Arons, Bernhard, Russenausweisungen usw.— soll für alle Zukunft verewigt werden durch ein„Nationalalbum von zirka 80 Tafeln in künstlerischer Ausstattung, die heutigen Träger geistiger und materieller Kultur Preußens darstellend", als da sind: 1. Die königliche Familie(inkl. der im letzten Jahrhundert verstorbenen Mitglieder). 2. Die königlichen Hof- staaten und die am Hofe borge st eilten Damen. 3. Hofgesellschaft, Diplomatie und Adel. 4. Die Staatsbeamten, Regierungs- und Verwaltungsbeamten. 5. Die Mitglieder des Herrenhauses und des Hauses der Abgeordneten(wir empfehlen die Aufnahme eine? Gruppenbildes: Kampf der sozialdemokratischen Fraktion mit dem zuständigen Polizeidetachement!). 6. Lehr- körper der Universität. 7. Offizierskorps und Beamte der Armee. 3. Stadträte, Ratskollegien und städtische Behörden. 0. Die Geist- lichkeit. 10. Justizbeamte, Richterstand, Anwaltschaft. 11. Mit- alieder der Akademien und gelehrten Gesellschaften. 12. Die Lehr- körper der höheren Schulen. 13. Die Aerzte. 14. Schriftsteller und Journalisten. 15. Handel, Fabrikbetrieb, Technik und Groß- Der Zusammenschluß der Cransport* Arbeiter zu Asiier und zu Lande. Hamburg, 12. Mai. Im Gewerkschaftshause zu Hamburg treten heute die A b g e- ordneten der Verbände der Transportarbeiter. Hafenarbeiter und Seeleute zu einem gemein. samen Verbandstag zusammen, um endgültig die Einheitsorganisation, der die Einzelverbandstage im Prinzip einmütig zugestimmt haben, zu schaffen. Die Leitung des Einigungskongresses liegt in den Händen von Schumann(Transportarbeiter), Döring(Hafenarbeiter), Paul Müller(Seemann) und Gimpel(Transportarbeiter). Den Bericht über die EinigungLverhandlungea gibt Paul Müller. Wenn hier und da noch die Meinung vor« herrschen sollte, die Verhandlungen über die Einheitsorganisation seien etwas forciert worden, so müsse er das zurückweisen mit dem Bemerken, daß alle Beschlüsse e i n st i m m i g gefaßt wurden. Ve- vor das große Werk zum Abschluß gelangen konnte, mußten natur- gemäß einige Mißverständnisse, Unstimmigkeiten usw. beseitigt werden. Und das sei erfreulicherweise in vollem Umfange ge- lungen. Jetzt sei der letzte Hammerschlag zu tun. Das Einigungs- werk vollziehe sich auf durchaus gesunder Grundlage. Was der milde Süden(München) nicht vermochte, das hat der rauhe Norden (Hamburg) zuwege gebracht. Hier in Hamburg, am Sitze der Scharfmacher, wo der Widerstreit der ökonomischen Interessen so stark tobt, hier ist das Werk auf den Konferenzen im Oktober und Dezember 1009 gelungen. Ich bezxichne dieses Werk als ein größeres Kulturwerk als die Schlachten von Sadowa und Sedan. (Bravo!) Zu der in Hamburg geschlossenen Ehe der drei Verbände sind die Scharfmacher Trauzeugen gewesen, und diese Ehe wird daher eine dauernde, unzertrennliche sein. Ohne Widerspruch zu finden, glaube er sagen zu können, daß vielleicht diese oder jene Frage in dem neuen Organisationsstatut nicht so gelöst sei. wie eS vielleicht fein müßte. Alles, was Menschenhand schafft, ist undofr ständig, verbesserungsfähig. Und so werden wir früher oder später die bessernde Hand anlegen müssen. Bei allen Verhandlungen hat unS die große Frage vorgeschwebt: WaS ist zweckmäßig für die Ein> induftrie. 16. Die Bank- und Finanzwelt. 17. Ingenieure und Techniker. 22. Die Ritterguts- und Großgrundbesitzer.(Warum so weit hinten? Ist denn kein Respekt vor den Mistgabeln mehr im Lande?) 23. Die akademische Jugend(nach Korporationen bezw. Fakultäten). 24. Verschiedene wissenschaftliche, akademische und patriotische Verbände und Vereine.(Die Kriegervereine— hurra! hurra!) „Nach Fertigstellung deS NationalalbumS wird ein Exemplar in Prachtmappe dem erlauchten Rektor �lagnilicentissimus, S r. Majestät dem Kaiser und König, zu'allerhöchtdessen 52. Ge- burtstage feierlichst überreicht werden." Jeder Student wird aufgefordert, zur Reproduktion sein Bild einzusenden, damit möglichste Vollständigkeit erreicht wird. Nw türlich umsonst ist der Tod; zwar die Aufnahme unter diese Bevor> zugten des Glücks kostet nichts; nur die Einsendung einer Photw graphie ist erforderlich. Aber gewünscht wird doch eine Bestellung, wenigstens auf die Tafel, auf der der Betreffende abkonterfeit ist. Kostet ja nur eine Bagatelle. Etwa 80 Blatt umfaßt das ganze Album, jedes Blatt kostet in Großfolio 20, in Prachtausgabe 50 M. Unterzeichnet ist der Aufruf unter anderem von zehn Pro- fessoren der Berliner Universität, außerdem von Geheimrat R. v. Baumann, Kabinettssekretär Sr. M. d. Königs, Staatsminister Graf von Hohenthal und Bergen, Kommandierenden General von Kirchbach und Oberhofmarschall Frhr. v. Könneritz. Also wer will un st erblich werden? Wer hat nicht den Ehrgeiz, unter denen zu sein, die als Koryphäen der preußischen Kultur für alle Ewigkeit hier verzeichnet stehen, auf deren Bild der Blick der allerhöchsten und höchsten Herrschaften liebevoll ruhen wird?_ Kinder und Kindcrcrziehung behandelt eine Serie epigrammatischer Aussprüche, die der verstorbene Berliner Kreis- und Stadtschul- inspektor Dr. Paul von Gizycki hinterlassen hat und die von Dr. Kullnick unter dem Titel„Geradeaus. Ein Kompaß für die Fahrt durchs Leben" herausgegeben worden find.(Verlag von K. CurtiuS, Berlin.) Wir lassen einige der Aufzeichnungen folgen: Die Emanzipation der Kinder wird einst ebenso der Schlachtruf sein, wie heute die Emanzipation der Frauen. Und man wird die Zeit segneu, in welcher sie zur Tat geworden ist. Kinder müssen über uns hinaus. Ein schlechter Schulmeister, der damit zufrieden ist, sie zu seinesgleichen zu erziehen. Alle Weisheit der Pädagogen kann an dem Enkel nicht wieder gutmachen, was der Schnapsgenuß des würdigen Großpapas ver- dorbcn hat. Wenn dir das Herz und der Mund übergehen wollen vor Groll und Abscheu gegen die Roheit und Gemeinheit eines verkommenen Menschen, eines Strolches, so denke bei dir:„Was mag er als Kind durchgemacht haben, um so zu werden I Die Ruchlosigkeiten, welche heute das deutsche Volk an seinen Kindern ausübt und ausüben läßt, werden von aufgeklärten Zeiten kaum für möglich gehalten werden. Man wird sie ebensowenig ver- stehen, wie wir jetzt die Menschenfresserei begreifen können. Man wird mit Recht auf das tiefe Niveau unserer moralischen Kultur schließen. Die Aufgabe der ethischen Jugenderziehung ist eS, unsere Söhne und Töchter in den Stand zu setzen, sich im harten Kampfe umS heitsorganisation? Von diesem Gedanken beseelt, haben wir unser Gesetz, unsere Verfassung ausgearbeitet. Eine Reihe Spezial» wünsche hat, das trifft fiir alle Berufe zu, zurückgestellt werden müssen, bleibt zukünftigen Verbandstagen überlassen. Die See» leute haben nur den Wunsch, daß in Bälde ein Kommentar zur seemännischen Gesetzgebung herausgegeben werde. In warmen Worten tritt Redner fiir den würdigen Abschluß der Einheits» organisation ein.(Lebhafter Beifall.) Schumann(Transportarbeiter) und Döring(Hafen- arbeiter) schließen sich in kurzen Worten diesen Ausführungen an und wünschen der Einheftsorganisation besten Erfolg. Der Statutenentwurf wird mit den von den Einzelverbandstagen beschlossenen Aende- rungen, über die wir bereits berichtet haben, einstimmig ange- nommcn.(Lebhaftes Bravo!) Zu Vorsitzenden werden per Akklamation Schumann (Transportarbeiter) und Döring(Hafenarbeiter), zu S e k r e« tären Paul Müller(Seemann), Gimpel(Transport- arbeiter) und Pause(Transportarbeiter), zum Hauptkassie- rer Kaßler(Transportarbeiter) und zum Redakteur R e h e r(Transportarbeiter) gewählt. Der Sitz des Verbandes ist statutengemäß Berlin. D Der Verbandsausschuß hat seinen Sitz in Magde- bürg. Zu dessen Vorsitzenden wird L ü d e ck e- Magdeburg ge- wählt. Die Revisionskommission bleibt in Berlin, Als Ob» mann fungiert Streitner- Berlin. Der nächste Verbandstag wird in Breslau statt- finden. j Adolf Cohen-Berlin( Genera lkommission) drückt seine Freude aus über den heute gefaßten Beschluß, der auch für alle noch auf dem Boden der Berufsorganisation stehenden Verbände von großem Vorteil sein werde. Nachdem der nötige Reifegrad er- langt war, hätten die Transportarbeiter zu Wasser und zu Lande den Jndustrieverband geschaffen. Dieser Reifegrad fei erforderlich zu einer stärkeren Zentralisation. Die Organisationsformen»der „guten alten Zeit", wie sie vor zehn, fünfzehn Jahren bestanden, hätten die großen Kämpfe der Neuzeit nicht zu führen vermocht. Der Standpunkt der Berufsorganisation sei durch die moderne Eni- Wickelung unhaltbar geworden, der Jndustrieverband sei die zweck- mäßigste Form der Organisation, sie nur allein sei der Aufgabe gewachsen. Die Transportarbeiter hätten den Geist der Zeit richtig erfaßt. Aus vollem Herzen gratuliere er den Transportarbeitern zu ihrem Beschluß.(Bravo!) Die Vertreter der ausländischen Bruderorganisationen, Forst- n e r- Wien und Walter- Zürich, sowie der Vertreter des Lager. Halterverbandes in Deutschland, Hart mann-Leipzig, und der Sekretär der Internationalen Transportarbeiter. Federation Jochade schließen sich diesem Glückwunsch an, worauf Döring in seinem Schlußwort auf die Bedeutung der gefaßten Beschlüsse hinweist. Redner faßt seine Worte dahin zusammen: Der ge- schaffenen Einheitsorganisation müsse nur das eine Ziel vor» schweben: Die Besserstellung aller Berufsgruppen. Mit einem donnernden Hoch auf den neuen„Deutschen TranS» Portarbeiterverband" wird der erste Verbandstag desselben um 12�4 Uhr mittags geschlossen. Stehend singen die Delegierten die erste Strophe unseres Kampfliedes._ Nerbandstllg der Zeelente. Hamburg. 11. Mai 1910. Die letzten Verhandlungen des Verbandes galten der ReichsvcrsicherungSordnung. die Paul Müller in einem dreistündigen, außerordentlich in- struktiven Referat in ihrer Wirkung auf die Seeleute und ihrem Gegensatz zu den berechtigten Forderungen der Seeleute kritisch bc- leuchtete. Folgende Resolution wurde angenommen: Der vom 9. bis 11. Mai in Hamburg tagende VII. Verbands« tag deS Zentralverbandes der seemännischen Arbeiter Deutsch- lands erklärt den dem Reichstage zur Erledigung vorliegenden Entwurf einer Reichsbersicherungsordnung nicht für geeignet, Dasein unter den bestehenden Verhälwissen zu behaupten, und in ihnen die tiefe und stille Sehnsucht zu erwecken, diese bestehenden Verhältnisse zu überwinden und eine Welt reinerer Gerechtigkeit und edleren Menschentums herausführen zu helfen. Tausende von jungen Männern sind durch die Aufficht und Er» ziehung gewissenhafter Eltern zugrunde gerichtet worden. Tausende hat man dadurch ruiniert, daß man sie lehrte und daran gewöhnte, sich auf andere, nicht auf sich selbst zu verlassen. Fast jeder Mann und jede Frau, die der Welt neue Bahnen de? Forschens oder Handelns eröffnet haben, stand eines Tages ge- hemmt im Fortschreilen vor der Mauer deS vierten Gebots. Da hieß eS denn hinüber oder zurück. Die Tränen der Mutter, die Flüche des Vaters mußten überwunden werden, auf daß eS der neuen Generation wohlgehe und sie lange lebe auf Erden. Wir können durch häusliche Erziehung verhältnismäßig wenig tun, damit unsere Söhne ehrenhafte und tüchtige Männer werden, wenn sie, sobald sie das Elternhaus verlasien, in ein verpestetes Milieu hinaustreten, in russische Korruption, französische Perversität oder deutsche Knechtseligkeit._ Notizen. — Die Neue Sezession, d. h. ein Teil der von der Ber- liner Sezession Zurückgewiesenen, hat in der Gemäldegalerie von M. Macht, Slanlestraße 1, eine Ausstellung veranstaltet, die von 27 Künstlern mit 89 Werken beschickt ist. — Der Verein der Berliner Theaterbesucher versendet ein Zirkular als Antwort aus die Kriegserklärung der Berliner Theaterdirektoren. ES wird darin u. a. ausgeführt: Der Beschluß der Theaterdirettoren, auf den teuren Kassenpreisen zu bestehen, schließt große Kreise, zu deren Bedürfnis der Theaterbesuch gehört, vom Besuch besserer Bühnen direkt aus. Wir haben deshalb vorgeschlagen, unserem Verein, der dieselben Ziele ivie die freien Volksbühnen verfolgt, für seine Mitgttedcr eine Ermäßigung zu gewähren und haben geglaubt, daß ein derartiges Wirken den Theater» direktsten nur willkommen fein müßte.— Die Erzielung geschäftlichen Gewinnes ist nicht beabsichtigt. Für den Fall, daß die Direktoren auf ihrem Standpunkt beharren, wird in Aussicht gestellt, daß die minderbemittelten Theaterbesucher den Kampf auch öffentlich auf« nehmen. — D e r g l ü ck l i ch e D' A n n u n z i o. DÄnnunzi» ist wirk- lich ein Glückspilz. Er hat jetzt einen Bewunderer gefunden, der sich bereit erklärt, ihm seine Schulden zu bezahlen. ES ist ein in Amerika reich gewordener Abruzzeubcwohner, der schon 400 000 Lire für den edlen Zweck spendiert hat. D'Annunzio ist auf diesem Ge» biete nicht»uerfahreu, nur ist jetzt die Zeit abgelaufen, in der ihm weibliche Gönner die Schulden tilgten. Sein diesmaliger Mäcen will gleichzeitig fein Impresario auf einer Vortragsreise in Süd« amerika sein. — Girolamo Rovetta Am 8. Mai ist' in Mailank» ganz plötzlich der Romanschriftsteller und Dramaturg Girolamo Rovetta gestorben. Er war ein sehr ftuchtbarer und beliebter Schriftsteller, der sich aber nicht über die Mittelmäßigkeit zu erheben vermochte. Von seinen Werken, die das Publikum gut aufnahm, weil sie seinem Niveau entsprachen, ragt leins über die flache Ge« fälligkeit der Unterhaltungsliteratur hinaus. Rovetta ist 66 Jahre alt geworden. eine gerechte und sachgemäße Erledigung der von den see- männischen Arbeitern an eine fortschrittliche Arbeiterversicherung (Kranken-, Unfall-, Alters-, Invaliden- und Hinterbliebenenversicherung) zu stellenden bezw. gestellten Anforderungen herbeizuführen. Wenn schon der Eni- Wurf der Reichsregierung die diesbezüglichen berechtigten Forde- rungen der Arbeiterschaft unerfüllt läßt, so unternimmt er anderseits nicht einmal den allerleisesten Versuch, den Klagen und berechtigten Fordetungen der seemännischen Arbeiter bezüa- lich der sozialen Versicherungsgesetzgcbung in irgendeiner Hinsicht gerecht zu werden. Die einseitige, in allen Hauptfragen der Arbeiterversicherung nur auf die Unternehmerinteressen Rück- ficht nehmende Tendenz dieses Gesetzentwurses ist offenlundig, uxShclb dieser Entwurf für die seemännische Bevölkerung aller Stände und Chargen unannehmbar ist. Den schärfsten Protest erhebt der Verbandstag gegen die Ab- ficht der Reichsrcgieruug, auch bei dieser geplanten Versicherungs- reform die seemännische Arbeiterschaft von der obligatorischen Krankenversicherung auszu- nehmen, die entschädigungspflichtige Berufs inValidität der seemännischen Arbeiterschaft sowie die seemännischen Ge- werbS. neben den klimatischen Krankheiten als den Betriebsunfällen gleichwertig nicht anzuerkennen. Desgleichen kann der Verbandstag in der nach der Vorlage geplanten Art der Invaliden-, Alters-, Witwen- und Waisen- Versicherung einen Fortschritt nicht erblicken. Namentlich haben die seemännischen Arbeiter gar kein Interesse an der auch nach der Vorlage möglichen Aufrechterhaltung der für diese Versiche- rungszweige der See-Berufsgenossenschaft bereits zugestandenen Sondcrkasse bezw. Anstalt mit all den Sonderrechten, die hier ausschliesslich den Reedern zugute kommen. Den nachdrücklichsten Protest legen die seemännischen Arbeiter ferner dagegen ein, dah die geplante ReichsversicherungSordnung abermals und im striktesten Gegensatz zu einer wirklichen Reform das Recht einräumt, ganz einseitig die Unfall- verhütungSvorschristen zu erlassen, ihre Durchführung zu überwachen, wie überhaupt die Kontrolle deS gesamten Schiff- fahrtsbetriebes auszuüben. Wenn ferner der Entwurf, entgegen früheren Regierungs- erklräungen, die seemännischen Unfallversicherten bezw. ihre Ver- ireter von jeder Mitwirkung bei der ersten Rentenfest- s e tz u n g ausschliesst, so beweist das eben nur, wie wenig die Reichsregierung mit dieser Vorlage eine ernsthafte Reform der Sozialversicherung bezweckt. Nach alledem muß die geplante ReichsversicherungSordnung eine Scheinreform, also ein wertloses Flickwerk bleiben, wenn es dem Reichstag nicht gelingt, grundlegende Aende- rungen an dem Entwurf selbst vorzunehmen. Unter voller Anerkennung der vom Vll. GewerkschaftS- kongreh(Berlin LS.— 26. April 1910) erhobenen Forderungen zur Förderung einer wirklichen Reichsversicherungsreform fordert der VII. Vebandstag deS Zentralverbandes der seemännischen Arbeiter Deutschlands Reichsregierung und Reichstag auf, den wiederholt von den seemännischen Arbeitern gestellten Anforderungen an eine durchgreifende Reform der seemännischen Arbeiterversicherung durch eine grundlegende Umgestaltung und Erweiterung der ge- planten RcichSversicherung endlich Rechnung zu tragen. Eine Reichsversicherungsordnung, die diesem berechtigten Verlangen der seemännischen Bevölkerung Deutschlands nicht versucht nachzu- kommen, muss als rückständig, unzulänglich und einer wirklichen Reform hohnsprechend unter allen Umständen bekämpft und ab- gelehnt werden. In seinem Schlußwort wie? der Vorsitzende Oellerich auf die Ursachen der Verschmelzung hin und sprach die Hoffnung aus, daß der grosse Verband alle Wünsche zur Erfüllung bringen möge. Die kleine Organisation habe für die Verbesserung der Lohn, und Arbeitsverhältnisse der Seeleute Grosses geleistet, und wo es galt, Solidarität zu üben, immer ihren Mann gestanden. Das solle künstig noch in höherem Masse der Fall sein. Mit einem be- geisternden Hoch auf die Einheitsorganisation schloß der VII. und letzte Verbondstag des Zentralverbandes der seemännischen Arbeiter. Eue der Partei. Das Leipzig-Jubiliium Bebels. Am 7. Mai waren fünfzig Jahre verflossen, baß Genosse Bebel als HandwerkSbnrsche in Leipzig eingerückt war, wo er den Anschluß an die deutsche Arbeiterbewegung fand und sich zum Führer deS deutschen Proletariats emporarbeitete. Eine schlichte und intinie Feier vereinte am Jubilänmstage Bebel und die Leipziger Genossen im VolkShause. Genosse Geher drückte dem Jubilar die Gefühle der Versammelten aus. Genosse Bebel mit- wartete in einer Rede, die gar bald vom Persönlichen zum All- gemeinen zur Sache aufstieg. Er sagte da u. a.: „... Vor fünfzig Jahren waren die meisten Arbeiter Gegner des Sozialismus. Wie konnte es anders sein. Heute, nach fünfzig Jahren eifriger Arbeit gibt es nicht nur Tausende, sondern Millionen von Arbeitern, die Gegner deS Sozialismus sind, die von unseren Zielen nichts wissen wollen. Wenn ein Mann aus den höheren Gesellschaftsklassen zu uns herüberkommt, dann hat er einen schweren Kampf durchzufechten gehabt, er mußte Vorurteile überwinden, ehe er seiner Klasse den Rücken kehrte. Bei den Arbeitern aber ist gar nichts zu überwinden als die Unwissenheit und Dummheit. Doch ist auch das nur in wenigen Fällen die Schuld des einzelnen, in den weitaus meisten Fällen ist es die Schuld der Gesellschaft. Die bürgerliche Gesellschaft tut alles, um die Arbeiter in Un- wissenheit zu erhalten, damit sie ihnen erhalten bleiben. Wer auf- merksam die Dinge verfolgt hat, der muß eingestehen, daß die Gegner von uns gelernt haben in der Organisation und Agitation. Waren wir stüher die Meister und sie die Lehrlinge, so ist es heute oftmals umgekehrt. Sie sind zwar die kleinere Zahl und haben alle Machtmittel für sich, aber es kommt hinzu, daß der Kampf der herrschenden Klasse gegen uns ein Kampf auf Tod und Leben bedeutet, daß die herrschende Gesellschaft alles aufbietet, die Arbeiter von der Sozialdemokratie fernzuhalten. Es ist gar kein Zweifel, daß wir gegenwärtig eine weit schwerere Arbeit leisten müssen, als wir sie früher geleistet haben. Die ökonomische EntWickelung hat in Deutschland solch bedeutende Fort- schritte gemacht, wie in keinem anderen Lande der Welt, die Zahl der Proletarier wird immer größer und damir wächst die Zahl der Kämpfer, die sich der Sozialdemokratie zur Verfügung stellen. Es wird also den herrschenden Klassen nicht gelingen, die Arbeiterschaft der Sozialdemokratie fernzuhalten. Die ganze Entwickelung drängt mit eherner Notwendigkeit dazu, daß der Arbeiter, der schließlich schon von Geburt zu uns gehört, erkennen muß, dah. wenn er gegen uns kämpft, er gegen seine ureigensten LebenSinteressen kämpft. Mir ist die Entwicklung wohl manches Mal zu langsam ge- gangen und ich habe verschiedenfach meinen Gedanken in Form von Prophezeiungen Ausdruck gegeben. In unseren eigenen Reihen bat man darüber gehöhnt und dies als Illusionismus bezeichnet. Ich mag mich um Tage und Jahre geirrt haben, nicht aber um Jahr« zehnte, sicher ist, daß der Sieg kommen muß. Und wenn ich auch nicht mehr dabei sein sollte, so bin ich doch überzeugt, daß die Schar. die hinter uns steht, sich bewußt ist, daß eS keine Macht gibt, die ihr widerstehen kann. Ich habe das frohe Bewußtsein, dass diese Schar geistig klarer sieht, als je zuvor, daß sie zielbewußt und vom Geist der Partei tief durchdrungen ist. Im nächsten Jahre haben wir die Reichstagswahlen. Ein großer Kampf steht uns bevor. Unsere Gegner sehen den Wahlen mit großem Unbehagen entgegen, sie sind sich ihrer Schuld bewußt. Um so ge- trosteren Mutes sehen wir dem Kampf entgegen. Sind wir auch im Jahre 1907 insofern unterlegen, als wir eine Anzahl Mandate eingebüßt haben, so können wir mit um so größerer Zuversicht in die Zukunft blicken. Freilich muß jeder bereit sein, seine letzten Kräfte zu opfern, denn der Kampf toird nicht leicht sein. Um so glänzender aber der Sieg, je schwerer der Kampf. Ebenso sicher ist dann auch, daß ein solcher Sieg dazu führen muß, die ganze bürgerliche Gesellschaft zu um so heftigerem Widerstande gegen uns zusammenzuschmieden. Die Gegner wissen, eS geht um ihre Existenz. Wer jeder neue Sieg, den wir erringen, der führt uns näher dem endgültigen, enlscheidenden Kampfe. Wir gehen ihm entgegen und bauen auf unsere Kraft und unsere Idee, die zum Siege führt. Alle Be- mühungen der Gegner werden vergeblich sein, eine Gesellschafts- ordnung. die alle Bedingungen ihrer Lebensfähigkeit verloren hat, muß untergehen. Die Partei, die diesen Sieg erstreitet, sie lebe hoch I* Begeistert stimmten die Genossen in das Hoch ein. Gesangs- Vorträge der Arbeitersänger beschlossen die schöne Feier. Maifeier in Aegypten. Kairo, Anfang Mai. Zum ersten Male sah dieses Jahr auch die alte Khalifenhauptstadt am Nil eine Maifeier. An 300 bis 400 Manifestanten hielten eine Versammlung ab und zogen nach Anhören von Referaten mit roten Fahnen und unter Hochrufen auf den Sozialismus durch die Straßen. Dieser ersten Kundgebung für die Ziele des modernen Proletariats kommt zwar im wesentlichen nur symptomatische Bedeutung zu, da in dem kaum von der Industrie berührten Aegypten dem kräftigen Aufstieg der Arbeiterklasse große Hemmnisse ent- gegenstehen. Dennoch war diese Demonstration ein erhebendes Schauspiel, das auch auf den Fernstehenden einen nachhaltigen Ein- druck machen mußte. An dieser Gvenzscheide der christlichen und islamitischen Welt reichten sich zum ersten Male orientalische und europäische Proletarier die Hand, Araber fraternisierten mit Jta- lienern, Griechen mit Nubiern, Türken mit Kopten. Das funkelnde Rot der Proletarierbanner ließ den bunten Firlefanz der natio- nalen und religiösen Embleme der Herrschenden verblassen. Trä- gerin der eben einsetzenden sozialistischen Bewegung ist vor allem die im letzten Sommer gegründete Parteiorganisation„Federa- zione Internationale Fra Operai et Jmpiegati- Kairo", aber auch einige kürzlich entstandene Gewerkschaften, wie die der Trambahner, Elektriker und Lithographen, entfalten eine rührige Agitation. Die Seele des Ganzen sind jugendliche Genossen verschiedener Nationalität, die dem doppelt lähmenden Einfluß des erschlaffend wirkenden Klimas und der orientalischen Gleichgültig- keit den stürmenden Eiser einer heiligen Ueberzeugung entgegen- stellen._ Eine sozialdemokratische Gemeindcvertreter-Konferenz für de» RcichstagSwahlkreiS Solingen fand am Sonntag in Leichlingen statt, 40 Vertreter aus den einzelnen Orten nahmen teil. Die Genossen Großberndt- Ohligs und S ch a a l- Solingen referierten über das Thema: „Armenwesen und Fürsorgeerziehung." Sie forderten, daß in den einzelnen Gemeinden die Bezugssätze der Annen erhöht werden, weil diese in der gegenwärtigen Zeit zum Leben nicht mehr ausreichten; außerdem müsse dafür gesorgt werden, daß den Frauen der Eintritt in die Armenverwaltung erleichtert werde. Das Für« sorge erziehungsgesetz vom 2. Juli 1900, fo konstatierten die Redner an der Hand statistischen Materials, habe seine Wirkung vollständig verfehlt. Die Erfolge, die man mit der Fürsorge in der Rheinprovinz erzielte, seien gleich Null gewesen. Darauf habe schon der Landeshauptmann bei Eröffnung des letzten ProvinziallandtageS in Düsseldorf hingewiesen. Um so mehr müsse von der Sozialdemokratie darauf hingearbeitet werden, daß die materielle Lage der Arbeiter gehoben werde, daß die Erziehungsarbeit in den Gewerkschaften und den Jugend- Organisationen besser vorwärts komme und so der Verwahrlosung der Jugend vorgebeugt würde. Wie die Arbeiterbewegung in dieser Beziehung wirkt, zeigt der Umstand, daß sich unter den Eltern im Solinger Kreise, die ihre Kinder in Fürsorgeerziehung bringen lassen mußten, auch nicht ein einziger Parteigenosfe befand. Nach leb- haster Diskussion, die sich im Sinne der Referenten gestaltete, wurde nachstehende Resolutton einstimmig angenommen: „Die Gemeindevertreter-Konferenz des Kreises Solingen erblickt in der gegenwärtigen Praxis der preußischen Fürsorgeerziehung nicht daS Mittel, eine Besserung verwahrloster Jugendlicher herbei- zuführen. In der Hebung der materiellen Lage des Arbeiter- standeS, in der Verbesserung der Volksschulen und Schaffung gemeindlicher Bildungsanstalten, der Betättgung in Wirtschaft- lichen, politischen und erzieherischen Organisationen ist ungleich mehr Garantie für eine moralische Erziehung der heranwachsenden Jugend geboten als in den ZwangSinstitutioncn des Staates oder privater und kirchlicher Korporationen.— In sämtlichen Stadtverordnetenkollegien des Kreises Solingen, soweit wir als Sozial- demokraten bereits vertreten sind, ist der Antrag einzubringen, daß Frauen zur Armenpflege mit herangezogen werden." Delegationen zum Internationale» Kongreß,. Der Parteitag für den Bezirk Nordwest, der am Sonntag in Bremen tagte, delegierte nach Kopenhagen die Genossen Henke- Bremen, Haverkamp» Bremerhaven und die Genossin Reitze« Vegesack.>_ pollzeilkhco, Oerichtiicheo utto. ZcntrumSrache.> Das Breslauer Schöffengericht verurteilte Mittwoch den Genossen Parteisekretär S ch o l i ch wegen Hausfriedens- b r u ch s zu 1 0 M. G e l d st r a f e. Er soll das Vergehen begangen haben, indem er in einer ZentrumSvcrsammlung in Prisselwitz, Kreis Breslau blieb, aus der der Vorsitzende wegen einiger Zwischenrufe die Sozialdemokraten hinausgewiesen hatte. Der den Vorsitz führende Pfarrer hatte das erst bemerkt, als einige Wochen später ein Bericht über die Versammlung im„Landboten" erfchien, über den der Herr sich schwer ärgerte. Eifrige Nachforschungen, die er dann in der Gemeinde anstellte, ergaben für ihn, dass Partei- sekretär S ch o l i ch aus Breslau sitzen geblieben und sich Notizen gemacht habe. Darauf stellte der Pfarrer Straf an trag wegen Hausfriedensbruchs..' Soziales. LS Jahre Krankenkasse. . Der soeben erschienene Bericht der Allgemeinen OrtSkranken- kasse in Frankfurt a. M. gibt einen interessanten Rückblick auf das Lbjährige Bestehen der Ortskrankcnkasse. Auf Grund des Krankenversicherungsgesetzes traten am 1. De- zember 1884 10 Ortskrankenkassen in Frankfurt inS Leben. Die Statuten der einzelnen Kassen lauteten übereinstimmend, ins- besondere waren gleichmäßige Leistungen der Mitglieder und der Kassen vorgesehen. Gleichzeitig vereinigten sich diese 10 OrtSkranken- lassen gemäß der Bestimmung des K 46 des Krankenversicherungs- gesetzes vom IS. Juni 1888 zu einem Kassenverbande mit dem Zweck: 1. der Anstellung von gemeinsamem Rechnungs- und Kassenpersonal und von anderem Hilfspersonal zur Erledigung der den beteiligten Ortskrankenkassen obliegenden Kassengeschäfte; 2. der Abschliessung gemeinsamer Verträge mit Aerzten, Apotheken und Krankenhäu ern; 8. der Einrichtung einer gemeinsamen Meldestelle. Obwohl die 10 Ortskrankenkassen durch die Vereinigung zu einem Kassenverband einer gemeinsamen Verwaltuneg unterstellt waren, so blieb doch der Verwaltungsapvarat ein höchst komplizierter Es mußten die Einnahmen und Ausgaben auf die einzelnen Kassen, die in Frage kamen, verbucht werden; es mußten bei den einzelnen Kassen regelmäßige Vorstandssitzungen, alljährlich 10 Generalver- sainmlungen und ferner die Wahlen der Generaldersammlungs- Vertreter seitens der einzelnen Kassen stattfinden. Hierzu traten dann noch die Verbandssitzungen, in denen über die gemeinsamen Interessen der 10 Ortskrantenkassen beraten und beschlossen wurde. Am S. Mai 1886 konnte das Eintrittsgeld auf die Hälfte herabgesetzt, die Krankenunterstützung von 13 auf 26 Wochen aus- gedehnt Wrden. ferner wurde seit dem Jahre 1886 die Einrichtung getroffen, ie Mitglieder gegen einen vierteljährlichen Beitrag von l.SO Mark für die in ihrem Haushalte lebenden nicht selbst versiche- rnngSpslichtlgen Angehörigen den Anspruch auf freie kassenärztliche Behandlung erwerben konnten. Beim Arzneibezug wurde ihnen 10 Proz. Rabatt gewährt. Vom 1. Juli 1888 ab wurden die 10 Kassen zu einer ver- schmolzen, die den Namen„Allgemeine Ortskrankenkasse zu Frank» furt a. M." führte. Dadurch wurden die Verwaltungsgeschäste erheblich erleichert. Von den Leistungen der Kasse heben wir folgende hervor:, Durch finanzielle Beteiligung der Kasse und durch die Zu« sicherung auf ausgiebige Benutzung bat der Frankfurter Verein für Rekonvaleszenten-Anstalten mit Hilfe des Magistrats und der Bürgerschaft folgende Verpflegungsanstalten ins Leben zu rufen vermocht: 1. die Rekonvalcszenten-Anstalt Neuenhain b. Soden im Taunus, am 28. September 1891; 2. die provisorische kleine Lungeil» Heilstätte in Falkenstein bezw. Vockenhausen b. Eppstein, für aus- schließlich männliche Patienten, am 15. August 1892; 3. die große Lungcnhcilanstalt für männliche und weibliche Patienten in Ruppertshain i. T., die am 22. Oktober 1895 an Stelle der unter 2 genannten Anstalt getreten ist, und 4. die Walderholungsstätte bei Oberrad, die im Juli 1902 geschaffen wurde. Neben diesen Anstalten stehen der Kasse das vom Hospital zum heiligen Geist im August 1902 für weibliche Patienten eröffnete Genesungsheim Hohenwald bei Cronberg, das an Stelle der alten Rckonvaleszenten-Anstalt Mainkur getreten ist, sowie die Bäder Wiesbaden, Nauheim, Orb, Lippspringe usw. zur Verfügung, so daß die Kasse für ihre Erkrankten ausreichende Fürsorge treffen und viel günstige Erfolge mit den einzelnen Heilderfahren erzielen konnte. Am 1. Januar 1896 wurde der Kassenarztzwang beseitigt und die freie Arztwahl eingeführt. Am 1. Januar 1899 wurde der Krankengcldbeziig auf 60 Proz. für die Dauer von 26 Wochen er- weitert. Zugleich wurde die kasienärztliche Famililcnversicherung von der bisherigen freien ärztlichen Behandlung auf freie Medi- kamente und kleinere Heilmittel ausgedehnt und ein Sterbegeld für Frauen und Kinder der Kassenmitglieder eingeführt. Er« weiterte Leistungen der Familiendersicherung, und zwar auf freie ärztliche Behandlung bei Geburten griffen ab 1. Juli 1899, die Gewährung von Zuschüssen bis zu 20 M. bei etwaiger Hospital- Verpflegung Platz. Die Zahl der Mitglieder stieg von 9397 im Jahre 188ö auf 93 127 im Jahre 1909. Aus dem Gebiete der Reformen innerhalb der Kassenverwaltung entnehmen wir dem Bericht folgendes. Im Jahre 1895 wurde ein Finanz-, SanitätS. und Rechtsausschuß ins Leben gerufen. Den Ausschüssen werden die ihnen ressortmäßig zustehenden einzelnen Verwaltungsgeschäfte, soweit sie nicht durch daS Bureau erledigt werden können, zur Beratung und Beschlußfassung und zur späteren Herbeiführung der Genehmigung durch den Gesamtvor- stand überwiesen. 1895 wurde eine sachgemäße Krankenkontrolle durch fest» angestellte Krankenbesucher, und dann eine ausgedehntere ver« trauensärztliche Untersuchung der Kassenmitglieder inS Leben gerufen. 1897 wurde die Beitragszahlung in Marken beseitigt und an dessen Stelle am 1. Juli das Erhebersvstem eingeführt. Die Quittungsbücher für Mitglieder Wurden gegen Einführung eine? zur Legitimation der Mitglieder dienenden An- und AbmeldeH abschnittes abgeschafft.> Die Anstellungs- und Gehaltsverhältnisse, die Pensionierung der Beamten und die Versorgung der Witwen und Waisen der» selben sind seit dem 1. Januar 1901 so geregelt, daß die Verwal« tungsbeamten, und nach deren Ableben ihre Hinterbliebenen, die Witwen und Waisen, in dem Maße ebenso gut versorgt sind, wie die Beamten bei Staats- und Kommunalverwaltungen. Und Organisationen, die durch ihre Selbstverwaltung fo Musterhaftes geleistet haben, will die ReichsversicherungSordnung durch Eindämmung der Selbstverwaltung und durch Bureaukrati- sierung verschandeln I_ Aus dem JnnungsschiedSgrricht. 1. Fräulein W. war auf Grund eines schriftlichen Vertrages beim Bäckermeister Max Schabrodt drei Monate als Lehrmädchen tätig. Bei ihrem Weggange nach Ablauf der VertragSzeit erhielt sie ein Zeugnis, in dem der Beklagte ihre Ehrlichkeit in Zweife! zog. Sie klagte deshalb am Montag auf Ausstellung eines andeern Zeugnisses. In der Verhandlung zeigte eS sich, dah der Beklagte völlig grundlos die Klägerin des Diebstahls und der Unterschlagung verdächtigte. Der Beklagte brachte ein andere? Zeugnis zum Termin mit, das er der Klägerin zum Vergleich anbot. In diesem Zeugnis stellte er die Klägerin als klatschsüchtig hin. DaS war denn doch dem Schiedsgericht zu viel. Es verurteilte den Beklagten ohne jede Beweisaufnahme zur Ausstellung eines anderen ordnungs- mäßigen Zeugnisses, das sich, dem Klageantrag entsprechend, auch auf die Führung und die Leistungen der Klägerin zu erstrecken hat. Hieraus ist wieder einmal zu ersehen, wie„edel" mancher In» nungsmeister sein kann, wenn sich einmal ein Mädchen nichts so willig der Ausbeutung unterwirst, wie eS von ihr erwartet wird. Erst werden die Mädchen durch möglichst langfristtge Verträge ge« bunden und dann erhalten sie zum Dank solche UriaSbriefe, die sie in ihrem Fortkommen schwer behindern können.* 2. Ter Tapezierer Z. verlangte in der DienStagsitzung vom Tapezierrrmeister Eduard Strempel 3,25 M. Lohnentschädigung, weil er am 3. Mai mittags entlassen worden ist. Der Beklagte wendete ein, der Kläger habe die Arbeit verweigert. Kläger habe einige Tage aussetzen sollen; weil er damit nicht einverstanden war, sei er von ihm angewiesen worden, Wasser auf den Bau zu holen. Da? habe Kläger abgelehnt. DaS Schiedsgericht verurteilte den Beklagten dem Klageantrage entsprechend. Mit dem Aussetzen brauchte der Kläger nicht einverstanden zu sein und zum Wrisser« holen war er nicht verpflichtet, da das nicht zu den Arbeiten gehört, für die ein Tapezierergehilfe seine Arbeitskraft verdungen hat. 3. Die Firma Albert Krause hat dem Zimmerer A. 23 M. Lohn einbehalten und ist deshalb verklagt worden. Sie wendete ein, der Kläger habe ihr einen Schaden von 35 M. angerichtet. Dieser bestritt sein Verschulden. DaS Schiedsgericht verurteilte die Firma zur Zahlung der 23 M., weil eine Verschulden deS Klägers an dem Schaden nicht nachgewiesen und überdies die Aufrechnung des Schadenersatzanspruchs gegen die Lohnforderung unzulässig ist. 4. Nicht besonders nobel ist der Fleischermcister Wehlisch zu dem bei ihm beschäftigt gewesenen Hausdiener W. gewesen. Letzterer kam am Sonntag, den 1. Mai. um 5 Uhr früh, bei Geschäftsbeginn nach Hause. Darauf fuhr ihn der Meister an:„Na, Sie Strolch, wo kommen Sie denn her? Machen Sie, daß Sie wieder wegkommen!" Der so Entlassene glaubte sich zu Unrecht auf die Straße gesetzt und klagte auf 8,80 M. Entschädigung für die dreitägige Kündi« gungsfrist. Er gab in der Dienstagsitzung des Schiedsgerichts an, sich beim Besuche eines im Vorort wohnenden Freundes verspätet zu haben, so daß er keine Fahrgelegenheit mehr hatte.� Er sei voll- kommen nüchtern am nächsten Morgen im Geschäft erschienen- Der Beklagte wendete ein. daß sich der Kläger beim Nachhause« kommen ungebührlich benommen habe; denn er habe nicht einmal die Hände aus der Hosentasche genommen, als er mit ihm sprach. DaS Schiedsgericht verurteilte den Beklagten zur Zahlung der Ent- schädigung, weil das etwa vorgekommene ungebührliche Betragen ves Klägers ihn noch nicht zur sofortigen Entlassung berechtige. 5. Die Verkäuferin F. war beim Fleischermeistcr Adolf Rathenow beschäftigt. Sie ist am 15. März zum 1. April ge« kündigt und auch nach Ablauf dieser Frist entlassen worden. Fräulein F. betrachtete sich mit Recht als kaufmännische Angestellte und beanspruchte sechswöchentliche Kündigungsfrist zum Quartals- schluß. Da der Meister darauf nicht einging, verklagte sie ihn beim Kaufmannsgericht auf Zahlung einer GehaltSentschädignng von 300 M. für die Monate April bis Juni. Das hiesige Kaufmann«- gericht betrachtet aber leider entgegen dem Gesetz in seiner ständigen Praxis die Schlächtermamsells als Gewerbegehilfinnen, weil sie keine kaufmännische Vorbilduneg haben und neben dem Verkauf mit dem Zerlegen der Wurst- und Fleischwaren beschäftigt werden. Es verwies die Klage wegen vermeintlicher sachlicher Unzuständig- keit an dgs Jnnun�sschieosgericht. Mieses glaubte an die falschen Entscheidungsgründe des KaufmannSgerichts gebunden zu sein und wies die Klage ab, weil für Gewerbegehilfinnen, wenn nichts anderes vereinbart ist, nur eine 14tägige KündigunSfrist gilt, die der Beklagte eingehalten hat. 6. Ter Sattler B., beim Sattlermcistcr Richard Seemann in Arbeit stehend, sollte, als er mit dem Aussetzen vom 16. April ab nicht einverstanden war/ in der Werkstatt arbeiten. Tas lehnte er aber ab, weil sich die Werkstatt in eine,» Raum befand, dessen Be- Nutzung polizeilich verboten worden ist. Wegen dieser Weigerung wurde B. entlassen. Er klagte deshalb auf 54 M. Lohnentschädi» gung für die 14tägige Kündigungsfrist. Das Schiedsgericht sprach ihm diese zu, weil seine Weigerung berechtigt und der Beklagte das Arbeitsverhältnis nicht fristlos aufheben durfte. 7. Gegen den Schlossermcister Magnus klagten drei Anschläger auf Zahlung rückständiger Akkordlohnbeträge von 15,65 M., 27,63 Mark und 4 M. Der Vertreter des Beklagten lehnte es im Termin ab, sich auf die Klagen zu äussern! Das Schiedsgericht verurteilte darauf den Beklagten entsprechend den Klageanträgen. Verschlechterung des Reichsversicheriingsautts. Auf die immer ungünstiger werdende Rechtsprechung des Reichsversicherungsamtes haben wir schon oft hinweisen müssen. In den„Volkswirtschaftlichen Blättern" vom Ll). April 1910, Heft 8, Seite 144, zweite Spalte, befindet sich eine Notiz, die vieles erklärt. Sie lautet: „An Stelle des in den Staatsdienst zurücktretenden Regierungsrat Dr. Bartels, der jetzt im Reich sver» s i ch e r u n g s a m t t ä t i g i st, ist Regierungsrat Dr. jur. Schweighofer als Stellvertreter des Geschäftsführers des Zentralverbandes deutscher Industrieller berufen worden." Es fehlte jetzt nur noch, daß Herr Alexander Tille als Regierungsrat ins Reichsversicherungsamt berufen wird, und die Wünsche unserer Unternehmer auf Gestaltung der sozialen Rechtsprechung sind alle erfüllt. Gegen Umgehung der Sonntagsruhevorschriftcn. Dieser Tao? wandte sich das Oberverwaltungsgericht gegen den Versuch einer Umgehung der Sonntagsruhevorschriften. Ein Herr Junge in Elmshorn war im Strafverfahren von der Anklage der Uebertretung der Bestimmungen der Gewerbeordnung über die Sonntagsruhe in Fabrikbetriebcn freigesprochen. Darauf erliess die Polizciverwaltung auf Veranlassung der Gewerbeinspek- tion an ihn folgende Verfügung:„Amtliche Feststellungen haben er- geben, daß die Bestimmungen des Z 105 b Absatz I im Betriebe Ihrer Oelmühle nickst beobachtet werden. Es wird ihnen daher für den mit regelmässigen Tag- und Nachtschichten eingerichteten Be- trieb Ihrer Oelmühle die Einstellung des werktäglichen Betriebs an den Sonn, und Festtagen für die in Z 5 näher bezeichnete Zeitdauer aufgegeben. Während der sonn, und jjsttägltchcn Betriebsruhe dürfen, unbeschadet der sonstigen Bestimmungen des Z 105 e Abs. 1 als Arbeiten, von welchen die„Wiederaufnahme des vollen werk- täglichen Betriebes abhängig ist"(§ 105 c Ziffer 3), nur vor» genommen werden: Das Anheizen der Dampfkessel, das Wärmen der Pfannen und Pressen usw. Im Falle der Zuwiderhandlung wird der Betrieb der Oelmühle an Sonn- und Festtagen unter An» Wendung unmittelbaren Zwanges polizeilich geschlossen werden." — Herr Jung focht die Verfugung vergeblich durch Beschwerde an und klagte dann gegen den Oberprasidenten im Berwaltungsstrritver- fahren. In der Verhandlung vor dem Obervcrwalwngsgericht wurde aus dem früheren Strafverfahren als festgestellt vorgetragen: Von Sonnabendabend 7 Uhr wird mit nach und nach sich aus- schaltenden Maschinen die Arbeit eingestellt, so dah die endgültige Einstellung am Sonntag früh um 6 Uhr erfolgt. Am Sonntagabend 7 Uhr beginnt die Arbeit wieder mit allmählich einschaltenden Maschinen. Am Montag früh ist der volle Betrieb um 6 Uhr wieder aufgenommen. Gänzlich ruht der Betrieb am Sonntag von 6 Uhr früh bis 7 Uhr abend». Die Strafgerichte waren nun davon aus» gegangen, dag die Sonntags vorgenommenen Arbeiten unter die Ausnahmen von der 24stündigen Betriebsruhe(§ 105 b) fielen, welche§ 105 c zulasse, insbesondere unter die Arbeiten, von welchen die Wiederaufnahme des vollen werktäglichen Betriebs abhängig ist. — Die Verwaltungsbehörden waren jedoch mit Recht anderer Meinung. Sie wollten als solche Ausnahmen nur ganz bestimmte Arbeiten zulassen. Das Obrrverwaltungsgericht ließ sich verschiedene Gutachten der technischen Deputation für das Gewerbe erstatten. Darauf wieS es die Klage des Herrn Junge ab. Es sei untunlich, wie in der Fabrik des Klägers verfahren werde, indem dort gleichsam eine dreizehnte Schicht herauskomme. ES sei falsch, wenn der Kläger meine, der volle werktägliche Betrieb sei erst dann im Gange, wenn alle Produkte des Betriebes zutage träten. DaS fei durchaus nicht nötig. Der entsprechenden Ausnahmebestimmung des§ 105 c Ziffer 3 werde schon genügt, wenn sämtliche Maschinen gingen und die Arbeiterschaft im wesentlichen beschäftigt sei. Dann liege schon der volle werktägliche Betrieb im Sinne des§ 105 c Ziffer 3 vor. Es sei nicht dargetan, dass hier bei Jnnehaltung der polizeilichen Auflage eine irgendwie in Betracht kommende Arbeiterschaft des Betriebes bei der Aufnahme des werktäglichen Betriebes unbeschäf. tigt bliebe. Deshalb sei die polizeiliche Verfügung, die sich im Rahmen deS Gesetzes halte, gerechtfertigt. Entschädigung für Richtausstellen eines Zeugnisses. Die Verkäuferin S. war von der Schokoladenfirma Gebrüder Stollwerck ausgeschieden, ohne ein Zeugnis erhalten zu haben. Auf ihr mehrfaches Ansuchen war ihr von der Gcschäftsvertreterin gesagt worden, sie möchte sich direkt an den Chef wenden, der sich in Mühlhausen aufhalte. Darauf verzichtete jedoch die Klägerin, da sie nicht mit dem Chef persönlich, sondern nur mit der Firma zu tun habe und im übrigen auch den Strandpunkt vertrat, dass eS Sache der Bevollmächtigten des Prinzipals fei, sich mit diesem in Verbindung zu setzen. Die Klägerin verlangte vor der 5. Kammer des Berliner KaufmannSgerichts Ersatz eines Monatsgehalts in Höhe von 70 M. Sie führte aus, dass es ihr trotz grösster Be. mühung nicht gelang, eine Stellung zu finden. Wo sie sich auch vorstellte, überall habe man als unerlässliche Vorbedingung den Besitz eines Zeugnisse» über die letzte Tätigkeit gestellt. Dcmgegen- über betont die Vertreterin der Firma, die übrigens an Führung und Leistung der Klägerin gar nichts auszusetzen hat, dass Fräulein S. das Zeugnis jederzeit zur Verfügung gestanden, wenn sie sich nur an den Chef nach Mühlhausen gewandt hätte. Im übrigen will die Firnia die Klageforderung bezahlen, wenn Fräulein S. den Nachweis erbringt, daß sie nur durch das Fehlen des Zeugnisses stellungslos blieb. Das KaufmannSgcricht entschied, dass die Klägerin nicht nötig hat, den von der Beklagten geforderten Nachweis zu erbringen, es kam vielmehr schon auf Grund des Ergebnisses der Verhandlung zu einer Berurteilung der Firma in Höhe des Klageantrages. DaS Gericht nahm ohne weiteres an, dass eine junge Verkäuferin ohne Testierung über die letzte Tätigkeit keine Stellung findet. Die kaufmännischen Verbände schreiben eine solche Angestellte gar nicht erst ein. Auch war es Sache der Beklagten bezw. deren Vertretung, für rechtzeitige Behändigung deS Zeugnisses Sorg« zu tragen. Den Aktionären Riescngewinne— den Arbeitern Schwindsucht. Die chemische Fabrik Griesheim-Elektron» Frank« furt a. M., hat in letzte. Zeit in der Oeffentlichkeit verschiedene Male Aufsehen erregt. Das letztemal handelte eS sich darum, dass man in der Fürsorgeerziehungsanstalt St. Josephsstift in Klein- zimmern bei Darmstadt unter katholischer Aufsicht einen Filias- betrieb eingerichtet hatte. Die Firma selbst machte auch im ver- oangenen Jahre ein glänzendes Geschäft. Der Rcinaewinn beträgt bei 14 Millionen Mark Aktienkapital 2,8 Millionen Mark. Die Herren Aufsichtsräte und Prokuristen können 479 206 M. Tan- tiemen und Gratifikationen einstecken, im Vorjahre waren e»„nur" 402 000 M. Die Herren Aktionäre erhalten wieder 14 Proz. Dividende. Ihnen gehts also trotz der wirtschaftlich ungünstigen Zeit gar nicht so übel. Man mühte nun annehmen können, dass von diesen Niesengewinnen auch die Arbeiter etwas profitieren. Nach einer Schilderung von völlig mit den Dingen vertrauter Seite gibt es in dem Merke Abteilungen, wo die Arbeiter wirklich ausser ihrem niedrigen Lohn noch etwas bekommen, nämlich die Schwind- sucht. Es handelt sich um die Abteilung für Chlorfabrikation. Sie wird im„Proletarier" geschildert: „Schon beim Betreten dieses Betriebes befällt den Eintreten- den ein stinkender Dunst, der zum Husten reizt und das Atmen un- gemein erschwert. Die unerträgliche Atmosphäre wird verursacht durch das Ausströmen des Chlorgases aus den Bädern. Wir haben in der hiesigen Fabrikation 90 Chlorbäder mit 1080 Zellen, welche in 24 Stunden ungefähr 3000 Kubikmeter Chlorgas liefern. Jede der Zellen muss jeden Tag mehrmals mit Salz gefüllt werden, man kann sich denken/ was diese Arbeiter, die, nebenbei bemerkt, alle in jugendlichem Alter stehen, in dieser heissen, mit Chlor geschwän- gelten Atmosphäre zu leiden haben. Die Salzfahrer sind diejenigen Arbeiter, die oft schon nach mehrmonatlicher Arbeit durch das Ein- atmen des heissen Chlorgases der Lungenschwindsucht anheimfallen und dann unrettbar verloren sind, weil Lunge und Nieren vom Chlorgas zerfressen sind." Es wird nun noch weiter geschildert, dass der Stundenlohn bei zehnstündiger Arbeitszeit 32 bis 37 Pf. beträgt. Die riesige Gefahr für die Arbeiter wird erst richtig klar, wenn beachtet wird, dass pro Arbeitsschicht 160 Zentner Chlorkaliumsalz zur Lösung ver- arbeitet wird. Das Salz läuft ununterbrochen mit Lauge vermischt in heihem Zustande aus die Filter, die so schnell ausgewaschen und entleert sein müssen, dass im Zulauf keine Störung eintritt. Es wird dann weiter geschildert, dass der größte Teil der neuein» gestellten Arbeiter den Betrieb schon nach wenigen Tagen wegen der fürchterlichen Arbeitsbedingungen verlätzt. Das Einatmen der heißen Dünste verursacht häufig Lungenbluten, von der Chlor- abteilung befinden sich fortwährend mehrere Arbeiter im Kranken- hauS und in der Lungenheilanstalt. Von der Lungenheilanstalt als unheilbar Entlassene werden in dem Betriebe mit Hofarbeit be- schäftiyt. Die Glanzleistungen der Chemie werden zum Hohn, wenn nicht alles geschieht, um auch jede nur irgendwie mögliche Gefahr von den dabei beschäftigten Arbeitern abzuwenden. Nach den Schilde- rungen erscheint es uns so, als wenn da noch vieles gerade bei der Chlorfabrikation in der chemischen Fabrik Elektron, Griesheim, verbesserungsbedürftig sei. Es muss aufreizend wirken, wenn die Aktionäre alljährlich 14 Proz. Dividende bekommen, und die nur dadurch möglich wird, daß jahraus, jahrein so und soviele Arbeiter zur sicheren Schwindsucht verurteilt werden. Zum Gestndeunrccht. Dieser Tage wurde vor dem Kammergericht ein Prozeß ver- handelt, der wiederum zeigt, wie vorsintflutlich und ausnahm«- rechtlich die Vorschriften der Gesindeordnung sind. DaS Dienstmädchen Neumann, das bei dem Oberleutnant v. Kemnitz in Breslau in Stellung war, hatte alle 14 Tage ihren Ausgehtag. An einem dieser Sonntage sollte sie um 10 Uhr zurück sein. Sie besuchte ihre Mutter in dem Vororte Kasel. Gegen 10 Uhr verschloß Herr v. Kemnitz die Tür und ließ den Schlüssel innen stecken, so daß das Mädchen, als es noch vor?L11 Uhr kam, mit ihrem Drücker nicht öffnen konnte. Sie blieb auf der Treppe und klingelte eine Stunde lang, ohne dass ihr geöffnet wurde. Dann kam v. Kemnitz an die Tür und rief ihr zu, er lasse sie nicht Herrin, sie solle dahin gehen, wo sie hergekommen sei. Gegen 12 Uhr ging da? Mädchen fort. ES begab sich zu ihrer Mutter nach Kosel. Und zwar mußte sie den Weg zu Fuss zurücklegen. Am anderen Tage kam sie wieder und wollte den Dienst verlassen. V. Kemnitz erklärte ihr zedoch, wenn sie gehe, täte sie es auf eigene Verantwortung. Sie verließ trotzdem den Dienst. Der Leutnant v. Kemnitz stellte Straf- antrag auf Grund des Gesetzes vom 24. April 1354, betreffend die Verletzung der Dienstpflichten deS Gesindes und der landlichen Arbeiter.— DaS Landgericht in Breslau verurteilte auch die An- geklagte wegen vertragswidriger Aufgabe deS Dienstes zu einer Geldstrafe von 3 M. DaS Landgericht nahm an, dass die AuS- schliessung der Angeklagten nicht als eine ungewöhnliche und aus- schweifende Härte im Sinne des Z 137 der Gesindeordnung vom 8. November 1810 angesehen werden könne. Eine Strafe von 3 M. genüge jedoch mit Rücksicht darauf, daß sie zu ihrem Handeln durch die immerhin ungeeignete Behandlung seitens des Dienstherrn ver- anlaßt worden sei. DaS Mädchen legte Revision ein und machte geltend, da? Land- gericht habe übersehen, dass es sich um ein junges Mädchen von nur wenig mehr als 18 Jahren handele. Sie sei auch schwächlich. Der Weg. den sie nachts durch eine unsichere Gegend habe zurücklegen müssen, um wieder zur Mutter zu kommen, betrage zwei Stunden. Eine grössere Härte sei kaum möglich als die, sie zu zwingen, übermüdet in der Nacht den Weg zu machen. Der Oberstaatsanwalt am Kammergericht„befürchtete", wie er sich ausdrückte, dah der Angeklagten wegen der tatsächlichen Fest» stellungen kaum zu helfen sein werde. Die Befürchtung traf ein. DaS Kammcrgericht verwarf die Revision des Mädchens mit folgender Begründung: Der Revisionsrichter müsse sich Erwägungen entziehe,?, die tafi-icklicher Natur seien. Er habe nur den Rechts- Punkt zu erörtern. Nach den tatsächlichen Feststellungen des Land- SerichtS wäre nun allerdings eine ungewöhnliche Härte in der Be- andlung seitens des Dienstherren zu sehen. DaS genüge aber nicht, um einen Grund zum sofortigen Verlassen des Dienstes an- zunehmen. Der 8 137 der Gcsindeordnung stelle als solcken Grund hin eine Behandlung mit ungewöhnlicher und ausschweifender Härte. Die Pchandlung müsse also einen ganz besonders schweren �.arakter haben, der nahe der Grausamkeit liege. Nun könnten ja die Meinungen darüber, wo die Grausamkeit anfange, verschieden sein. Vielleicht könnte hier eine kleine Grausamkeit an sich an« genommen werden. Aber die Vorinstanz sage in rein tatsächlichem Schluß, eS läge unter den obwaltenden Umständen keine aus- schweifende Härte vor. DaS könne der Revisionsrichter tatsächlich nicht nachprüfen und nicht seine eigenen Erwägungen an Stelle der deS Landgerichts setzen. Ein Rechtsirrtum liege jedenfalls nicht in dem landgerichtlichen Urteil. Somit scheitere die Revision an den tatsächlichen Feststellungen des Landgerichts, dass eine ungewöhnliche und ausschweifende Härte nicht vorliege. Also: Gröblichste Verletzung nach dem Dienstvertrag und nack den allgemeinen Regeln der Menschenpflicht seitens des Leutnants, aber Bestrafung des in ihren Rechten gekränkten Mädchens. weil die gegen sie verübte rohe und harte Behandlung noch nicht ganz bis an die Grenzen der Grausamkeit gegangen war. Und das nennt Preußen gerechte Gesetze und gerechte Rechtsprechung. Gemdts- Leitung. Eine Aeußerung berechtigten Unwillens— grober Unfug. Am Nachmittag deS 6. März, als sich die Berliner Schutzleute als Verkehrshindernisse vor den Eingängen des Treptower Parks aufgepflanzt hatten und das Publikum auf den Strassen und in Schanklokalcn attackiert wurde, holten einige Schutzleute einen Mann aus einer Schankwirtschaft in der Falckcnsteinstrasse. Die Art, wie der Mann von den Schutzleuten behandelt wurde, erregte die Empörung des Publikums. Der Ruf:»Pfui, Gemeinheit I" er- schallte gleichzeitig aus vielen Kehlen. Schutzmann Rost, der an der Sistierung nicht beteiligt war, griff auS der Menge den ihm zunächst stehenden Arbeiter Tietz heraus, der auch seinem Unwillen über die Behandlung des Sistierten durch das Wort„Gemeinheit" Ausdruck gegeben hatte. Tiey erhielt ein Strafmandat wegen groden Unfugs. Doch das Schöffengericht sprach ihn frei. In der schriftlichen Urteilsbegründung hat der Vorsitzende Richter mit unverkennbarer Deutlichkeit zum Ausdruck gebracht, dass er an der Freisprechung des Angeklagten keinen Anteil hat, sondern daß es die Schöffe» waren, welche die Handlungsweife des Angeklagten nicht als groben Unfug ansehen konnten. Wenn schon ein in der Minderheit gebliebener Richter seinen von der Mehrheit des Gerichts abweichenden Standpunkt in solcher Weise zum Ausdruck bringt, kann der Staatsanwalt der Frei- sprechung natürlich auch nicht ruhig zusehen. Er legte Berufung ein. Infolgedessen wurde die Angelegenheit gestern vor der neunten Strafkammer des Landgerichts l verhandelt. Daß der Angeklagte die Art der Sistierung als„Gemeinheit" bezeichnet hat, gab er ohne weiteres zu. Mehr konnte der als Zeuge vernommene Schutzmann Rost in bezug auf den Angeklagten auch nicht sagen. Doch wollte er ganz bestimmt bemerkt haben, daß der Angeklagte den Ruf sehr laut ausgestoßen habe. Ein anderer Zeuge, Möbclpolierer Herrmann, der dicht neben dem Angeklagten stand, hat den Ruf nicht als besonders laut empfunden. Die Empörung des Publikums über die Behandlung des Sistierten erklärte der Zeuge dadurch, dass die Schutzleute in äußerst brutaler Weise die Sistierung bewerkstelligt hätten. Der Mann sei unter Schlägen und Püffen aus dem Lokal herausgeholt worden. Der Staatsanwalt beantragte fünf Tage Haft. Der Verteidiger, Rechtsanwalt Dr. Kurt Rosenfcld, begründete seinen Antrag aus Freisprechung, indem er ausführte, daß die Merk- male des groben Unfugs in diesem Falle nicht gegeben seien. Doch selbst, wenn das Gericht anderer Ansicht sein sollte, würde sich die Verhängung einer Freiheitsstrafe nicht rechtfertigen lassen. Das Gericht verurteilte den Angeklagten zu einer Geldstrafe von 15 M. DaS absichtlich laute Rufen deS Wortes„Gemeinheit" in bezug auf die Schutzleute in der gegebenen Situation trage die Kennzeichen des groben Unfugs. Da der Angeklagte aber nicht zu den Leuten gehöre, welche absichtlich die Amtshandlungen der Schutz- leute gegen die Demonstranten erschwerten, so sei der Fall milde zu beurteilen. Da? also ist, selbst nach dem Urteil einer sonst recht unbefan- genen Strafkammer, die preußische Gerechtigkeit: Bist Du empört über das unrechtmässige Verhalten von Schutzleuten, so hüte Dich, daß kein laut gesprochenes Wort dem Gehege Deiner Zähne ent- flieht, denn sonst machst Du Dich, selbst wenn sich die Polizei nicht durch Deine Aeußerung beleidigt fühlt, immerhin des gsoben Un« fugs schuldig. Vielleicht gelangt das Kammergericht zu einer zutreffenderen Würdigung. Wie stark da? Gericht glaubt, durch Verurteilung von Wahl- rechtsdemonftranten die„Staatsautorität" schützen zu müssen, be- weist auch der nachstehende Fall. Eine Polizeiattacke vom 6. März, die nachmittags zwischen 1 und 2 Uhr am Ringbahnhof Treptow gegen Gäste des Gartenlokals„Neues Gesellschaftshaus" ausgefiihrt wurde, brachte einem Buchdrucker Poßk eine Anklage ein. Er sollte dadurch, daß er beim Anblick jener Attacke in lauten Rufen seine Erregung geäussert habe, zwei Polizisten beleidigt haben, sollte durch diese Rufe zugleich die Menge zur Begehung strafbarer Handlunge» aufgefordert haben, ohne dass die Aufforderung Erfolg hatte, und sollte schliesslich einem der beiden Polizisten durch Gewalt Wider- stand geleistet haben. Am Mittwoch stand P. vor dem Land- gerichts ll(Strafkammer 4 unter dem Vorsitz de» Landgerichtsrats Binutta). Der Angeklagte versicherte, er habe, als die Polizei in das Lokal eingedrungen war, um es zu räumen, lediglich den Gästen zugerufen:„Sitzen bleiben!" In der Anzeige gegen ihn hatten Schutzmann Wulff und Schutzmann Ditt angegeben, P. habe am Ausgang des Gartens, während die Menge hinausgedrängt wurde, drohend die geballte Faust gegen die Beamten erhoben und gerufen: „Sitzen bleiben! Pfni, Satans verfluchte! Haut ihn! Nieder mit den Bluthunden!" Als Ditt ihn festnahm, habe P. sich energisch von ihm loszureißen versucht. So stands auch in der Anklage, und so beschworen es vor Gericht die beiden Schutzleute. Der Angeklagte erklärte, er erinnere sich nicht, getan zu haben, was ihm da sonst noch zur Last gelegt werde. Er sei übrigens damals schon seit längerer Zeit krank gewesen, habe an jenem Tage sich im Fieber befunden und sei am anderen Tage nach dem Krankenhaus ge- gangen, wo er zur Heilung seines Leidens sich einer Operation unterzogen und bis jetzt gelegen habe. Der Staatsanwalt bean- tragte gegen P. 3 Monate Gefängnis. Der Verteidiger, Rechts- anwalt Dr. Hcincmgnn, bat, zu beachten, dass der bisher unbescholtene Angeklagte im Fieberzustand gehandelt habe. Ihn zu einer so harten Strafe zu verurteilen, werde das Gericht schon des» halb gewiss keinen Anlass sehen, weil inzwischen die Polizei selber Versammlungen unter freiem Himmel gestattet und hiermit zu- gegeben habe, daß das damalige Verbot ungerechtfertigt gewesen war. Dem Angeklagten sei als mildernder Umstand anzurechnen die Erregung über dieses Verbot sowie über die Szenen, die er am Bahnhof Treptow sich abspielen sah. Das Gericht erkannte die Milderungsgründe an und erachtete eine Geldstrafe von 100 M. als ausreichende Sühne. Wahlrechtsdemonstrationsprozesse in Spandau. Das Schöffengericht in Spandau hatte sich am Mittwoch mit einer Anklage, welche gegen den Genossen Friedrich Seeland auf Grund der Wahlrcchtsdemonstrationen am 13. Februar und am 15. März cr. erhoben war, zu beschäftigen. Am 13. Februar hatte die Polizei, nachdem die Versammlung bei Köpenick, Pichelsdorfer Strasse, zu Ende war, die Klosterstrasse an der Hamburger Straße abgesperrt und verlangte von den in losen Gruppen ankommenden Versammlungsbesuchern, dass sie die Hamburger Strasse entlang gehen sollten. Seeland, der von Pickels- darf her mir der Straßenbahn gefahren war, stieg kurz vor der Hamburger Strasse ab. Er wollte, obwohl der crste�grössere Trupp noch etwa 50 Meter hinter ihm war, langsam der Stadt zu gehen, wurde hieran aber durch die Polizeibeamten behindert. Trotzdem ließen die Beamten noch verschiedene andere Personen passieren, wie der als Zeuge vernommene Polizeikommissar Marx aussagte, habe er die Leute, denen man ansah, daß sie nicht an der Demonstration beteiligt waren, durchgelassen. Seeland wehrte sich gegen die Zu- rückHaltung und wurde schliesslich gefesselt nach der Polizeiwache ge- schafft. Im zweiten Falle soll Seeland nach der Versammlung bei Bohle am 15. März wiederholt„Nieder mit Betlnnann Hollweg" gerufen haben. Hierin erblickte die Anklagebehörde grobe» Unfug. Der AmtSanwalt beantragte ohne weitere Begründung 2 Wochen Haft und 3 Wochen Gefängnis. DaS Gericht erkannte auf insgesamt 85 M. Geldstrafe. Als bei der Urteilsbegründung der Vorsitzende, Amtsgerichtsrat Birke, in ganz unmotivierter Weise ausführte, «es sei bekannt, baß die sozialdemokratische Partei geneigt sei, evcnt. zu Gewalttätigkeiten zu schreiten", nahmen verschiedene im Zu- Hörerraum anwesende Genossen ihre Notizbücher aus der Tasche, um sich diese amtsrichterliche Weisheit zu notieren. Da erregte sich der Herr ganz gewaltig und cr herrschte die Genossen an:„Ich verbitte mir jede Notierung im Zuhörerraum." Einen anwesenden Polizei- beamten ersuchte er, aufzupassen, dass niemand Notizen mache. Er fuhr dann fort:„Ich brauche keine Kritik zu fürchten, auch von denen da hinten nicht. ES ist eine bekannte Tatsache, daß die Sozialdemokratie zur Gewalt greift!" Die anwesenden Genossen amüsierten sich köstlich über diesen Weisheitserguß. Das Urteil zeigt, wie weltenfern die Ergründung der Wahrheit dem Richter liegt. Was lässt sich auch von einem Richter Besseres erwarten, der durch sein durchaus ungesetzliches Verbot, Notizen zu machen, zeigt, dass ihm selbst die einfachen, zum Schutz gegen Missbrauch der Richtergewalt in der Strafprozeß- ordnung enthaltenen Vorschriften unbekannt sind. Diebe in der Laubenfolonie. ' An das Sprichwort von dem zum Gärtner gesehtcn Bock er- innert der Sachverhalt, welcher einer Anklage wegen vorsätzlicher Brandstiftung zugrunde lag, welche gestern das Schwurgericht des Landgerichts lll beschäftigte. Angeklagt waren der Bersicheriings' insprktor Edmund Gerling und der Äcrsicherungsinspcktor Paul Paschke.— In einer Laubenkolonie, welche in der Nähe von Blanken- bürg an der Nordbahn liegt, wurden im Dezember v. I. wiederholt Einbruchsdiebstähle verübt. Um den Einbrechern auf die Spur zu kommen, legte sich einer der Laubenbcsitzer, der Brunnenmacher Schwarze, wiederholt nachts auf die Lauer. In der Nacht zum 8. Januar d. I. beobachtete Schwarze zwei Männer, die sich an der Laube des Kohlenhändlers Gerner beschäftigten. Er holte sofort Hilfe herbei und ließ die Laube umstellen. In demselben Augen- blick sprangen die vermeintlichen zwei Einbrecher aus dem Fenster und ergriffen die Flucht. Es gelang nur den einen festzunehmen, während der zweite Täter entkam. Auf der Polizeiwache entpuppte sich der Verhaftete als der Versicherungsinspektor Gerling. Als Schwarze nach der Gernerschcn Laube zurückkam, sah er in dieser einen schwachen Lichtschimmer. Er ging sofort in die Laube hinein und fand hier mehrere mit Petroleum übergosscne Kleidungsstücke, die lichterloh brannten. Schwarze loscht« das Feuer aus, jedoch offenbar nicht genügend, da die Laube an», nächsten Morgen völlig niederbrannte. Am nächsten Tage wurde�der zweite Täter, der feinen mit„P. P." gezeichneten Hut auf der Flucht verloren hatte, «n der Person des jetzigen Angeklagten Paschke ermittelt und der-- haftet.— Bei seiner ersten Vernehmung machte der Angeklagte folgende Angaben über das Motiv, welches sie zu der Brandstiftung geleitet habe. Er sei mit Paschke zusammen in mehreren Lokalen in Pankow gewesen. Bei der Kneiperei sei die Rede darauf ge- kommen, daß so viele Lauben nicht versichert wären, und daß man den Laubcnbcsitzern wegen dieses Leichtsinns eins auswischen müsse. Paschke hat vorgeschlagen, nach Blankenburg zu fahren und mehrere Lauben in Brand zu stecken, damit sich die übrigen Laubenbcsitzer dann sofort versichern ließen. Beide hätten die Absicht gehabt, als Angestellte des„Lübecker Feucrversicherungs-Vereins von 1826 Berlin" dann neue Versicherungen abzuschließen und die Provifion zu verdienen.— In der gestrigen Verhandlung waren beide An- geklagte geständig. Die Geschworenen bejahten die Schuldfragen wegen einfacher Brandstiftung aus§ 308 St.-G.-B. Das Urteil lautete auf je 1 Jahr 6 Monate Gefängnis unter Anrechnung von je 3 Monaten der erlittenen Untersuchungshaft. Die„Von" unter sich. In dem bekannten Weinrestaurant„Traube" in der Leipziger Straße spielte sich am 11. November v. I. ein« erregte Szene ab, mit der sich gestern die 6. Strafkammer des Landgerichts l unter Vorsitz des Landgcrichtsdirektors Dr. Goobrl längere Zeit zu be- schäftigen hatte. Wegen tätlicher Beleidigung war der Offizier a. D., jetzige Maler Wilhelm von Gaffron und Obcrstradam, vom Schöffengericht zu 500 M. Geldstrafe verurteilt worden. Er hatte wegen der Höhe der Strafe Berufung einlegen lassen. Nebenkläger war Leutnant d. Nef. Oswald Frhr. v. Nichthofcn. Der Sachverhalt ist kurz folgender: Der Angeklagte verkehrte bis zum Jahre 1008 freundschaftlich mit dem Leutnant Oswald v. Richthofen. Nach wiederholten vergeblichen Versuchen des v. Richthofen, den An- geklagten um 25 000 M. anzupumpen, ließ sich Angeklagter dazu brcitschlagen, an ihn 25 000 M. gegen Vcrschreibung einer Erbschaft über 40 000 M. zu zahlen. Die Erbschaft sollte nur in Höhe von L5 000 M. an Angeklagten fallen, v. Richthofen verbreitete, nachdem er den Mammon durchgebracht hatte, das Gerücht, der Angeklagte habe einen Anspruch auf die volle Erbschaft von 40 00 M. gegen Hergabe der 25 000 M. sich zedieren lassen. Das Gerücht setzte den Angeklagten natürlich herab, v. NichtHofen, zur Rede gestellt, ver- h, das Gerücht zu„stoppen". Es war aber zu spät. v. Nicht- sprach. Hofen s Hofen schied dann aus der Armee und fuhr nach Marokko; dort oder in den Kolonien erhoffte er eine Anstellung. Von Afrika aus schrieb er dem Angeklagten einen ehrenkränkenden Brief. Am 11. No- vembcr 1900 erfuhr der Angeklagte, daß sich v. Richthofen im Nestau- rant„Traube" befand. Dorthin begab er sich im Reitanzuge, ge- folgt von seinem Kutscher. Der Nebenkläger saß an einem Tisch in Gesellschaft des Oberleutnants v. Schroetter. Herr v. Gaffron trat auf ihn zu und sagte zu ihm:„Sie werden sich entsinnen, Herr v. Nichthofcn, was Sie mir vor Ihrer Abreise nach Afrika für einen Brief geschrieben haben. Darauf gibt es nur eine Antwort!" AIS- dann versetzte er ihm mit der Hand einen Schlag vor den Mund. Darauf eirtfernte er sich schnell und Herr v. Richthofen rief ihm das Wort„Schweinehund" nach. Auf Grund dieses Tatbestandes erhob der Staatsanwalt An- klage wegen Beleidigung des v. Richthofen„im öffentlichen Jnter- esse". In dem gestrigen Termin setzte das Gericht die Strafe von 500 M. auf 200 M. herab. Die Kosten des Verfahrens wurden zu zwei Fünftel dem Angeklagten, zu drei Fünfteln 8er StaatSkaffe auferlegt. Eigenartiges„öffentliches Interesse", das dazu führt, daß die Steuerzahler an Stelle des 25 000 M. pumpenden, ein falsches Ge- rücht verhreitenden Schweinehund-Rufers drei Fünftel der Kosten zahlen sollen. Es ist höchste Zeit, der Staatsanwaltschaft das Recht zu nehmen, wenn es ihr paßt, Beleidigungsklagen»im öffentlichen Interesse" zu erheben._ Der bestechliche Diftriktskommifiar. Vor kurzem wurde, wie unseren Lesern erinnerlich sein wird, von dem Schöffengericht in Posen ein Gastwirt Noack wegen Be- leidigung des Bezirkskommissars Rittmeister a. D. v. Keller zu 200 M. Geldstrafe verurteilt, wiewohl der Beweis der behaupteten Bestechlichkeit geführt war. In der B e r u f u n g s i n st a n z hat jetzt die Strafkammer auf Freisprechung erkannt. Das Ge- richt betonte, daß dem Angeklagten der Schutz des§ 193 St.-G.-B. zugebilligt werden müsse, v. Keller, dem von Noack Bestechlichkeit vorgeworfen wurde, ist bekanntlich nach dem Termin plötzlich ver- schwunden.■*- Vermilcktes. Hueb ein SelAienk. Schwer beladen kann Theddy Roosevelt nach seinem Besuche in Berlin den heimischen Gestaden zusteuern. Da es nicht anging, ihn als den Vertreter einer.freien" Republik mit glitzernden Orden zu beschenken, hat Wilhelm II. ihm durch einen Adjutanten vier sehr umfangreiche Aquarelle zugesandt. Leider schildern die Blätter nicht, welch vergnügtes Gesicht der Expräfident bei der Ankunft der Kisten gemacht hat. Bei dem sehr stark ausgeprägten militärischen Sinn Wilhelms H. war es selbstverständlich, daß auch sein Geschenk militärische Vorkommnisse behandelt. Die Bilder haben als Motiv die Entwickelung der Uniformen, Fahnen und Standarten bei den verschiedenen Waffen- gattungen der preußischen Armee seit der Zeit des Großen Kurfürsten bis zum heutigen Tage. Es ist anzunehmen, daß das neue Geschenk Wilhelms II. in Amerika ebenso begeistert aufgenommen wird, wie das früher gespendete Denkmal Friedrichs II., das nach verschiedenen Wände- rungen an einem versteckten Platze Unterschlupf gefunden hat. Mlecker elne SrilbeuKaUftropKe. Nach einer telegraphischen Meldung auS Manche st er fj-l|[ 1 4 A ip in! H! Drcsdenerstf. 116 J| U I lU I Ul(Kein Laden) aoiOraoieDplatz Hut und Mützen Engrosgeschäft. Einzelverkauf zu auffallend billigen aber festen Preiseo Strohhüte aller Art sehr billig._ Weiche HerrenhQte v. 1,50-6,00 Steife HerrenhBte v. 2,00-7,0# Nur tehlerlreie moderne Ware. Nur fehlerfreie moderne Ware. Grösste Auswahl in Mützen und Strohhüten. Eine HorK wöchontllcheTellzahluno slegnnt. Herren- lind Knaben-GarMe fortig und nach Mass, feinste Verarboitunff. S. Franklnrlcr illloe 75, 1 iiiDgang Tilsit er Strasse� fy.._.1; l Monatl. 10 M. liefere bIü PslsS cleg. Herrengarderobe " n.Matz(billigste Preise) I. Tomporomlii,"uo: 1 Kasse 10 Proz. Rabatt.■ Staunend billig Land-, Obstbauni- u. Hochwald- Parzellen Nassenheide(Nordbahn) von 250 M. an mit Zaun und Laube. Hunderte in kurzer Zeit vertaust, 'It Stunde Fahrzeit. Besitzer �VoIlT täglich im Bahn- hoss-Restaurant anzutrcssen. 21035- Kliuncn- uui) Ki'lmillindtrk! von Robert Meyer,* uur Mimaiineii-Slrosie 2. Rohnen& Jöring, Sm Alexanderstr. 12. 1 liiandsbergcr Allee 14�. Bixdorf: BevgHtr. 60. ist der schönste Ausflugsort? � Immer noch Pichelswerder» an der neuen Heerstraste beim Alten Freund. (iesunclkeit ist l�eicktum! Bads Bcrlln-Ont im „Bad Frankfurt" % Große Frankfurter Str. 136. Medizinische Bäder aller Art in werktSglich nmmtorbroohen geöffneten Sonder-Abteilungen für Damen 4661, and Herren. 8 Wannenbäder mit je 2 Handtüchern 75 Pf.(40 Minuten Badezeit.) Lieferant sämtlicher Krankenkassen. 1•;; l•. v&f. � � „MAGGis gute, sparsame KUche°'. WWM AHM, "Wstw äÄR&ft Trotz der allgemeineii Teueninn Schutzmarke kauft man die bewährten und beliebten Erzeugnisse der- Gesellschaft überall zu den alte» gleich billigen Preisen. Leim Eiinlcoiik verlange man ausdrücklich MAOöl8 Würze« MAOQl8 Suppen c MAOGI9 Bouillon- Würfel «reuzstern. v�. Kergiftiportlicher Redakteur Richard Barth« Berlin. Für den Inseratenteil verqntw,; Th, Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: VprwärtS Buchdruckerei u> VerlagSanftglt Paul Singer& Eo« Berlin SW, Nr.M 27. Jahrgang. 2. fdlMt des Jorairls" Ittifug, 13. in! 1910. StadtverordDeten-Verfammluns. 17. Sitzung vom Donnerstag, den 12. nachmittag 5 Uhr. Der Vorsteher-Stellvertreter Cassel eröffnet die Sitzung nach Hü Uhr mit einem Rachruf an den verstorbenen König Eduard, wobei er besonders Bezug nimmt auf den Besuch des englischen Königs im Rathause und auf den Empfang der Berliner Stadt- verordnetendcputation in Windsor. Angesichts des Todes des Königs Eduard haben der Oberbürger- Meister und der Stadtverordnetenvorsteher Beileidstelegramme an den Lordmabor von London und an den deutschen Kaiser gerichtet, worauf telegraphische Dankdepeschen eingegangen sind. Der De- peschenwechsel gelangt zur Verlesung. In den Ausschutz zur Vorbereitung der Vorlage betreffend den O st h a s e n sind u. a. die Stadtvv. Hei mann, Hintze und Ltzengels(Soz.) deputiert. Der Platz vor dem Nathause wird dem Ratskeller- Pächter Falkenbexg in demselben Umfang wie im vergangenen Jahre auch für 191g zu Restaurationszwecken überlassen. Nach einer Mitteilung der Generalverwaltung der königlichen M u s e e n sind die Zinsen von 10 773 M. aus der städtischen Friedrich-Wilhelm-Stiftung zur Förderung des deutschen K u n st g e w e r b e s zum Ankauf einer Deister Vase für 7ö0v Dt. und einer Portlandvase von Wedgwood für 2S00 M. verwendet worden. Tie Versammlung nimmt hiervon Kenntnis. Der Magistrat übersendet den auf Verlangen der Versamm- lung neu ausgearbeiteten Vorentwurf zum Neubau eines Ver- w a l t u n g s g eh ä» d e s, eines Wohnhauses für 8 �a° Milien und 2 Unverheiratete sowie eines Fahrzeug- und Geräte- schuppens für die städtische Zentrale in Buch. Auf Antrag Stapf(A. L.) geht die Vorlage an einen Aus- schütz. Der spezielle Entwurf zum Neubau der Baugewerk- schule in der K u r f ü r st e n st ra tz e 141 sowie der mit 797 000 Mark abschließende Kostenanschlag soll auf Antrag des Stadtv. Berg er(A. L.) in einem Ausschutz vorberaten werden. Stadtv. Crcmer(A. L.): Hier tut Beschleunigung dringend not. Die Angelegenheit hat ein ganzes Jahr im Ministerium ge- legen. Wir brauchen die Schule sehr nötig. Ich beantrage event. den Ausschutz sofort vom Vorstande ernennen zu lassen. Die Versammlung beschließt nach den Anträgen Berger und Cremer. Für das Etatjahr 1910 sind im Etat zu den in den städtischen Gasanstalten und am Röhren sy st em erforderlichen E r° weiterungs- und E r n e u e r u n ois ba u te n im ganzen ü Millionen Mark eingestellt, wovon 3 schon früher bewilligt waren, 2 für Bauten usw. bestimmt sind, deren Genehmigung durch be- sondere Vorlage jetzt nachgesucht wird. Von den 2 Millionen brauchen für diese Bauten nur 1 395 400 M. in Anspruch genommen zu werden, da 1909 der Gasverbrauch nicht die erwartete Höhe er- reicht hat und einige Bauten noch zurückgestellt werden können. Die betreffende Vorlage gelangt ohne Diskussion zur Annahme. Der Vorentwurf zum Neubau einer Ge m e i n d e- doppelschule in der Ofener Straße schließt mit einem Kostenüberschlag von 817 000 M. ab. Stadtv. Lcntz(A. L.) bemängelt, daß der in der fünfzimmrigen Rektorwohnung zwei Zimmer von je 7 Meter Breite vorgesehen sind, also von einer Breite, wie man sie im feinsten Westen kaum findet. Redner beantragt Ausschutzbcratung, wofür sich auch Stadtv. Werner(N. L.) ausspricht. Die Ausschutzberatung wird beschlossen. Das seinerzeit behufs Verbreiterung der Wäll- und Neuen Grünstratze von der Stadt angekaufte Grundstück Wallstratz e Nr. 15/ l5a soll für 635 000 M.. d. h. 667 M. für 1 Quadratmeter, freihändig an die offene Handelsgesellschaft Richard Lebram, Grün- stratze 5/6, verkauft werden. Die Versammlung gibt ohne Debatte ihre Zustimmung. Zur Deckung der Kosten für die weitere Beschaffung von Grundlagen für die V e r a n l a g u n g der Grundsteuer nach dem gemein'en Wert und für die Begutachtung der E i n- spräche und Klagen der Steuerpflichtigen für 1910 sind wiederum zu Vergütungen an die Katasterkontrolleure 8000 Mark erforderlich. Tie Versammlung bewilligt diese Summe. Die Deutsche Kiosk- und Berliner Trinkhallengesellschaft m. b. H. hat gebeten, den auf dem Senefelderplatz stehenden Zeitungskiosk, dem der Zuspruch fehlt, nach dem Platz vordem Neuen Tor in dessen östliche Anlagen versetzen zu dürfen. Der Magistrat ist dem Antrag beigetreten und sucht die Zustimmung der Versammlung nach. Stadw. Bitterhoff(A. L.): Erst vor kurzem ist von dem Platz eine Bergemannsche Bude als Verkehrshindernis versetzt worden. Um so erstaunter bin ich, daß aus diesem tatsächlich überlasteten Platz jetzt wieder ein Kiosk hingestellt werden soll. Wenn die Ge- sellschaft am Senefelderplatz keine Geschäfte macht, mag sie sich einen anderen Platz aussuchen, als gerade den vor dem Neuen Tor. Stadtrat Düring: Die Entfernung der Bergemannschen Bude ist erfolgt, weil von der Konkurrenz Einspruch erhoben war. Die Frage der Ueberlastung des Platzes ist sowohl von der Parkdepu- tation wie von der Tiefbaudeputation einstimmig verneint worden. Stadv. Bitterhoff: Vier Buden auf einem Platz ist doch ein bißchen reichlich, ja überreichlich. Die Vorlage wird abgelehnt. Schluß-47 Uhr._ Hus der Frauenbewegung. Unglaublich aber— wahr. Kürzlich erblickte im Fürstentum Reutz ä. L. ein Gesetz das Licht der Weit, das nicht nur allgemeines Kopfschütteln, sondern gerechte Empörung in der ganzen Kulturwelt hervorrufen mutz. Das famose Gesetz erlaubt den Herrschaften, Dienstboten sofort aus dem Hause zu weisen, wenn es sich offenbart, datz sie in schwangerem Zustande sich befinden. Wenn nachher so eine auf die Stratze gesetzte Unglückliche in ihrer Verzweiflung ihr Würmchen tötet, dann sitzt die Gesellschaft der Pharisäer über die Verruchte zu Gericht und das Ende vom Liede ist Zuchthaus oder gar Tod durch den Henker I Die Heuchler und Mucker werden ja ob dieser Gesetzes matznahme frohlocken, wo bleiben aber alle jene Kreise, die stündlich mit ihrem„wahren Christentum" prunken? Ans dem Bund für Mutterschutz. Die Leiterin der praktischen Mutterschutzarbeit in Berlin, Frau Franziska Schulz, erstattet über die Tätigkeit der Auskrmfts- stelle und des Heims in den letzten beiden Jahren Bericht. Die Zahl der aufgenommenen Fragebogen betrug in dem ge- nannten Zeitraum 1366; außerdem wurden noch zahlreiche Anfragen auswärtiger Mütter beanlwortet. Von 1211 hilfesuchende» Müllern und Schwangeren waren im Alter von 15—19 Jahren: 175, 20—25 Jahren: 674, 26—35 Jahren: 323, 36—45 Jahren: 35, über 45 Jahre: 4. Am zahlreichsten waren also die Geburten in der Altersklasse von 20—25 Jahren. 779 Mütter hatten die Volks- schule, 110 höhere Schulen, 2 Waisenhäuser und 1 keine Schule besucht. Dem Stande nach befanden sich unter den Müttern Dienstmädchen..... 600 Stützen, Krankenschwestern. 129 Kaufmännische Angestellte. 150 Geschäftsinhaberinnen.. 2 Heiinarbeiterinncil, Schneiderinnen....... 128 Fabrikarbeiterinnen... 74 Landwirtschaftliche Arbeite- rinncgr....... 4 Künstlerinnen und Schriftstellerinnen...... 6 Lehrerinnen...... 8 Prostituierte...... 1 Ohne Beruf und obdachlos. 52 Das weitaus größte Kontingent der unehelichen Mütter stellen demnach die Dienstmädchen. Es ist bekannt, datz dieser an- geblich so geschützte Stand den Versuchungen, die in der Großstadt von allen Seiten— und in diesem Falle nicht selten von feiten der männlichen Familienmitglieder der Dienstherrschaft selbst— an das junge Mädchen herantreten, gegenüber weniger geschützt ist als der der Fabrikarbeiterin, die häufiger in ihrer Familie oder an ihren Kollegen und Kolleginnen einen gewissen moralischen Halt hat, zwei der Mädchen waren Heiratsschwindlern zum Opfer gefallen, von denen der eine 40 Frauen verführt hatte. Unter den Hilfe- suchenden befanden sich auch zwei eheverlassene und zwei geschiedene Frauen. Interessant sind die Angaben über die Väter. Die meisten Väter standen im Alter von 25—35 Jahren; doch befanden sich auch 3 unter 20 jährige und 2 über 45 jährige darunter. In 28 Fällen waren die Väter verheiratet. Dem Beruf nach waren 60 Kaufleute, 46 Arbeiter, 61 Handwerker, 16 Reisende, 18 Diener, 14 niedere und 3 höhere Militär, 3 Apotheker, 3 gewerbliche An- gestellte, 4 Studenten, 7 Ingenieure, 3 Musiker und 6 Landwirte, in 8 Fällen waren die Mädchen nicht dazu zu bewegen, den Namen des Vaters ihres kkindeS zu nennen. Im Herbst 1908 hat der Bund ein eigenes kleine? Heim in der Trautenaustratze eröffnet. Das Heim, in dem sich sechs Betten befinden, hat vom 16. Oktober v. I. bis zum 16. April d. I. 203 Mütter beherbergt, die teils wenige Tage, teils auch viele Wochen dort blieben. Das Heim wird auS der BundeSkasse mit 100 M. monatlich— außer der Miete— unterstützt; die Mütter zahlen täglich 1 N.. für ganz unbemittelte find Freistellen vor- handen. Erschütternd klingt die Stelle des Berichts, in der von einer jungen unehelichen Mutter erzählt wird, die von ihren Eltern aus dem Hause gejagt wurde, sich durch Sturm und Schnee den zwei Stunden langen Weg zum Heim durchkämpfen mutzte, um hier auf dessen Schwelle einem toten Kinde das Leben zu geben. Auch die Mutter erkrankte am Wundsieber und mutzte in das Krankenhaus übergeführt werden. Der Bund vermittelt auch Pflegestellen für Kinder. Da die angebotenen Pflegestellen nicht immer den zu stellenden Anforde- rungen genügen, so ist am 1. November aus Privatmitteln ein kleines K i n d e r f a m i l i e n h e i n: in Zchlcndorf bei Berlin er- richtet worden mir 24 Betten, das die Kinder bis zum 16. Lebens- jähre aufnimmt. Im Anschluß hieran sei noch die zweite in der letzten General- Versammlung' des Bundes angenoimnene Resolution mitgeteilt. Sie lautet: Nach Anhörung der Berichte der Kommission und in Erwägung deS von beiden Seiten schriftlich und mündlich vorgebrachten Materials erklärt die Versammlung, datz die gegen Frau Dr. Stöcker gerichteten Angriffe zum größten Teil völlig unbegründet waren und zum anderen Teil übertrieben und von ganz untergeordneter Be- deutung sind. Die auch von den Gegnern nicht zu bestreitenden Verdienste Frau Dr. Stöckers um die Sache des Bundes, ihre propagandistische und die für die Vermehrung des Bundesvermögens entfaltete Tätigkeit, lassen es als Ehrenpflicht erscheinen, ihr den Vorsitz der Ortsgruppe Berlin wieder zu übertragen. Hoffen wir, daß die„Krise", an der der Bund nun schon seit Monaten laboriert und die ihn bei längerem Bestehen in seiner ganzen praktischen und propagandistischen Tätigkeit lahmzulegen droht, bald überwunden wird, damit er in seiner Arbeit zugunsten der Aermsten unter den Armen fortfahren kann.— Das Bureau der Berliner Ortsgruppe des Bundes befindet sich Friedenau, S e n t a st r a tz e 5._ Die dänischen Frauen und die Wahlbewegung. Mehr denn je sind diesmal die dänischen Frauen an den Falke- thingswahlen interessiert. Der Wahltag, der 20. Mai dieses JahrcS, wird unter anderem auch darüber entscheide», ob die Frauen Däne- marks. die das Gemeindewahlrecht unter denselben Bedingungen wie die Männer besitzen, auch das politische Wahlrecht erhalten, oder ob die Reaktionsparieien, die in der letzten Session sowohl die große Verfassungsreform mit dem Frauenwahlrecht, wie auch die ge- rechte Einteilung der FolkcihingSwahlkreise zu hintertreiben wutzten, von neuem nüt ihrem verderblichen Einfluß durch- dringen. Aber auch die andere große Frage, die bei den Wahlen eine Hauptrolle spielt, die Militärfrage, ist für das Wohl und Wehe der proletarischen Frauen von großer Wichtigkeit. Wird die sogonannte Reform der Landesverteidigung, die dem ilcinen Lande rund 40 Millionen Kronen kosten soll, durch- geführt, so geschieht das nicht ohne weitere Belastung der breiten Äolksmassen durch indirekte Stenern, und die Arbeiterfrauen und Arbeilerinnen können sehen, wie sie mit ihrem schon so allzu knappen Haushaltsgeld und Verdienst auskommen. Die Staatskasse ist leer, und der Militarismus hat so ungeheuere Summe» ver- schlungen, datz der Staatshaushalt in den letzten drei Jahren mit nicht weniger als 85 Millionen Defizit abschloß. Es ist selbstverständlich, datz die dänischen Frauen, die in immer größeren Scharen ihre politische Reise kundgeben, sich lebhaft an der Wahlbewegung beteiligen. Datz ihr politisches Interesse sich über Erwarten stark entfaltet, das zeigte sich am Sonntagnachmittag in einer Versammlung unter freiem Himmel im herrlichen Park am Rosenborgschlotz in Kopenhagen. Es waren dort 12 000 Menschen versammelt, größtenteils Frauen. Arbeiterfrauen, die alles aufbieten wollen, um bei diesen Wahlen dem allgemeinen Wahlrecht für Frauen und Männer zum Siege zu verhelfen. Die Genossin Frau Nina Bang war die Hauptredncrin. Ferner sprachen die Folkethingsmänner Sabroe und Borgbjcrg sowie die Stadtverordnete Henriette Crone und andere. Die Versammlung war veranstaltet vom sozialdemokratischen Jugendverband; sie schloß mit dem Gelöbnis der Versammelten zu unermüdlicher Agitation für die volle Durchfuhrung des allgemeinen, gleichen Wahlrechts der Frauen wie der Männer.— Man hatte bisher noch nie eine solch gewaltige Masse von Frauen wie diesmal in einer politischen Ver- smnmlung gesehen, und auch kaum eine solche Begeisterung, wie sie hier hervortrat._ Amtlicher Marktbericht der städtischen Martthallen-Direktlon über den Großhandel in den Zentral-Markthallen. Marktlage: Fleisch: Zufuhr stark, Geschäft flau, Preise für Kalbfleisch nachgebend, sonst un- verändert. Wild: Zufuhr schwach, Geschäft ruhig, Preise gut. G e« flügel: Kufllhr mäßig, Geschäft rege, Preise gut. Fische: Zufuhr etwas reichlicher, Geschäft ziemlich lebhast, Schleie und Aale gefragt, Preis« für Flußfische hoch. Butter und Käse: Geschäft ruhig, Preise un- verändert. G e m ü s«, O b ft und Südfrüchte:' Geschäft wenig besriedigend, Preise kaum verändert. Zujuhr genügend, Besonders gilinstige Herren- Kleidung AllAUgC m.! Paletots m.' Ulster Beinkleider Strohhüte mit{«rader Krempe und Kniffform M. 0.75 1.60 2.50 3.50 5.00 Westen-Gürtel— Strümpfe Trikotagen— Rucksäcke Sport-Mützen— Stöcke Knaben- Kleidung Knaben- Anzüge£ � 1l~£1 2Ji 2fi Jüngl.- Anzüge£22;Z Hz 15- 30.- Ifi.— 36.— 20.— Sosehr billig Loden- Pelerinen 5-50 Echte Kieler-Anzüge und Pyjacks Herren-Artikel � Echlte ranama- Hüte Kragen 4 fach in 12 neuestenFormen'üDtz�SPl. Krawatten Neueste Fasson» 50, 76, 96 PI. Bunte Oberhemden M. 2.—, 3.25, 4.50, 8.50 Bunte Garnituren Servrtenr u.Manschett, M. 0.88,1.46 M. 8.— 10.— 12.— 14.- 16.— M. 18.- 21.— 24.— 27.- 30.- BAER SOHN Chausseestraße 29-30 o □ o 11. Brückenstraße 11. Gr. Frankfurterstr. 20 ooc Schöneberg, Hauptstr.10 Der Haupt-Katalog No. 39(neueste Modeo) an< Wunsch kostenlos und portofrei, -WM Li»». 1H. iuiiiWu mem mmÜt MM» Theater und Vergnügungen Arettag, den 13. Mai. Ansang 7'l, Uhr. KSntgl. Opernhaus. Geschloffen. NeueS königl. Opern-Thearer. Ricnzi. Anfang 7 Uhr. Königl. Schauspielhaus. Bürger- lich und romantisch, Deutsches. Sumurüu. Kammerspiele. Wiener Hölle Brüderlein sein. Goethe.(Ansang S UhrVI Anfang 8 USr. Neues Schauspielhaus. Der Flieger. Lessing. DaS Konzert. Kleines. LuxnZzug. Berliner. Taifun. NeneS. Die goldene Ritterzeit. Neues Operetten. Der Gras von Lurembura. Trianon. Theodore u. Cie. Residenz. DaS Nachtlicht. Der selige Octave. Thalia. Geschloffen. Hebbel. Frau WarrenS Gewerde. (Ansang 8'/, Uhr.) Westen. Tanzhusaren. Komische Oper. HoffmamrS Er- zählungen. Schiller«. lWallner- Thealer.) Die Liebe wacht. Schiller(kharlottenburg. Zapfen- streich. Friedrich- Wilhelmslädlisches. Der Raub der Sabinerinncn. Bolksoper. Undine. Luisen. Die Else vom Erlenhof. Rose. Des Mädchens Lebenswege. Lustspielhauö. DaS Leutnants- nründel. Metronol. Hallohll— Di« große Revue. Aolies Gaprice. Ein verschwiegenes Atelier. Eine gründliche Kur. (Ans. 81/« Uhr.) Gasino. Berlin bei Nacht. Gebr..Herrnfeld. Wenn zwei daS- selbe wn. Das starte Stück. Apollo. Spezialitäten. Basiage. Spezialitäten. Wintergarten. Spezialitäten. Reichsdnllen. Stettiner Sänger. Karl Haverland. Spezialitäten. Walhalla. Spezialitäten. Urania. Tanbeuiiraste iK/19« Abends 8 Uhr: Belgien: Land- schasts- und Städtebilder. Sternwarte, Jnvalidenstr. 67— 92. L-Cf-min�-Theater. Freitag, 8 Uhr: Das Konzert. Sonnabend, 3 Uhr:(ZbsenzykluS, 8. Vorstellung: Die Frau vom Meere. öerttner TKester. Heute S Uhr: Taifllll* Morgen: Talfan.__ Neues Theater. Abends 8 Uhr: Die goldene Ritterzeit. Morgen und folgende Tage: DIcRoldene Bitterkeit. Theater des Westeos. 8 Uhr: Tanzhusaren. Sonnt, u. Montag nachm. 3'/, Uhr: Die geschiedene Frau._ Sclillier Schiller-Theater 0.(Walluer-Theat.) Freitag, abends 3 Uhr: Die D-iede vraedt. Lustspiel in 4 Akten v. G. 91. de Caillavet und Roberl de Flers. Ende 10'/, Uhr. Sonnabend, abends 8Uhr: Zapfenstreich. Sonntag, nachm. 3 Uhr: Uiene Jugend. Sonntag, abends 8 Uhr: Goldtische. Theater. Schiller-Theater(Charlottenburg). Freitag, abends 8 Uhr: Zapfenstreich. Drama in 4 Auszügen von Franz Adam Beyerlein. End- 10'/, Uhr. Sonnabend, abends 8 Uhr: Die L-lebe wacht. Sonntag, nachm. 3 U h r: Der Beineidbaner. Sonntag, abends 8 Uhr: Bans L-ange._ Brauerei FriedriGhsiiain Schönster Naturgarten. Arn Königstor. Gr. Konzertsaal Berlins. AK- Am 1., 2. und 3. Psingstseiertag: Große Extra* Militär- Konzerte '■'Ä"""' Jäger zu Pferde«ÄÄ™«.] asr- Halley, d" 1 Die größte Weltattraktlon t— Phänomenalste Sensation!! Außerdem: Klnomatograph-Allerneuestes! Am dritten Feiertag nachmittags: Frei-Borstellung der| beliebten„Apollo-Sänger. 9Insang 1 Uhr._ Entree 30 Pf. Achtung! Diez9 nur Achtang t Seeterrasse Siehfenberg Rüderstraße 11/18. Zwischen Landsberger Allse und RSderpiatz. Größtes und schönstes Lokal Berlins. Bei ungünstiger Witterung Schutz für 8000 Personen.— Ab i. Pfingstfeiertag täglich: Ob schön,! ob Regen: Ei Austreten der besten Turmseilkünstler d» We» The Liepeiis, sowie der neuesten und grölten Sensationen der Gegenwart; Die Reise ""l Sekunde Saltomortale v. 10 Meter Höhe mit dem Fahrrad in den See. Nebcrfahren eines lebenden Menschen mit Motorrad im Höllenkessel.— Mlle. de Fallieres bester Miniatnr« hunde-Dressurakt der Welt. Victor Bitter mit seinem Sensalionsschlager:„Der Komet kommt« und das beste Spezialitäteu-Programm Berlins. Biesen- l-and» und Wasser- Penerwerk. Anfang S Uhr. Am 1. und 2. Pfingstseiertage: Grostes Krühkonzert und Borstellung. Sömtliche Sensationen u. Spezialitäten. Ansang S Uhr. - Früh und nachmittags: Tanz.- Gesamteintrttt zur Frühvorstellung sowie am 3. Pfingstseiertag 20 Ps., Kinder frei.— Am 1. und 2. Pfingstseiertag nachm. 25 Pf., Kinder frei. 13 Ruderboote. Riesen- Kaffeeküche. 4 verdeckte Kegelbahnen. Volks- belustigungen aller Art, 150000 Personen faffend, m. grossem See. Vereinen u. Gesellschaften täglich unt. günst. Bedingungen zur Versügung. Um zahlreichen Zuspruch bitten Witwe Luise u. Waldemar Diez. Urania. WisBenschaftliches Theater Abends 8 Uhr: Belgien: Landscfaaftso und Städtebilder. Volksoper. SW, Lelle-Alliauee-Straße Nr. 7/8. Abends llß Uhr: Undine. Lustspielhaus. Abends 8 Uhr: Das Leutnantsmündel ISenes Operetten-Theater. Heute und folgende Tage 8 Uhr: Der Graf von Luxemburg. 1. und 2. Pfingstseiertag, nachm. 3 Uhr, zu ermäßigte» Preisen: Die Dollarprinzessin. fsigljnvti-MöWlMkZ Schauspielhaus. Freitag, den 13. Mai, abends 8 Uhr: Der Kaub dtr Subiueriunen. Sonnabend: Alt-Heidewerg. 1. und 2. Pfingstseiertag, nachm. 3 Uhr: Die Jungfrau von Orleans. Wontag: Kavaliere. OSE=THEATE Ans. 8 ssrai Uhr. Ende 1l Uhr. Des I�i Mädchens Lebenswege. Ausstattungsstück in 4 Alten(12 Bild.) v. W. Melville. Sonnabend und folgende Tage: Die Schmuggler. Sonntag: Eröffnung der Garten- bühne._ Metropol-Theater Hallo!!! Die groIJe Revue! In 8 Bildern von Juh Freund. Musik v. Paul lincke. In Szene gesetzt vom Dir. Rieh. Schultz. Anfang 8 Uhr. Rauchen gestattet. Direktion: Richard Alexander. Abends 8 Uhr: Das Kachilicht. Schwank in 3 Akten v. M. ZamaeotS. 'ieraus: Her selige Oktave. roteske in 1 Akt von Joes Miraude und Henry Gsroule. Sommerpreise ab 7. Mai. Morgen und folgende Tage: Die selbe Borstellniig bis lö. Mai (Saisonschluß). Luisen-Theater. Zum 1. Male: Die Else vom Erleuhof. Sonnabend: Geschloffen. Sonntag nachm. 3 Uhr: WaS Gott zusammenjügt. 8 Uhr: Else vom Erlenhof. Montag nachm. 3 Uhr: Was Gott zusammenfügt. 3 Uhr: Die Well ohne Männer. Dienstag: Else vom Erlenhof. Folies Caprice Eine gründliche Kur. Neuer bunter Deil. ein verschwiegenes Atelier. Ansang 8'lt Uhr. Borverkaus 11-2 Uhr. Wilhelm größte Raubtier- Dressur-Schau der Erde 8fitow-?latz Kaiser-Wilhelm-SlraDe Ecke Linien-StraBe Nähe Alexanderplatz. Täglich abend« 8 Uhr: Große ¥orsteliang. Mittwoch, Sonnabend u. Sonntag: 2 Vorstellungen nachmittags 4 Uhr u. abends 8 Uhr. T5gl. vom. von 10— 12'/, Uhr: Besichtigung, Probe u. Fütterung. 8 Uhr: Programm der Attraltionen I Malmra indische Tempeltänzerin mit ihren lebenden Riesenschlange«. Louis de Vriendt als f&r Ali gast.-Jg ■30 englische Backfische 20 mit neuem Nepertoir u. a. m. �eues Programm! IPrinz Charles der Affe mit Mensohenkultur. Dorothy Kenzow Banjo virtuosin Les Roederis Lutfreokakt und das von Publikum u. Presse glänzend beurteilte Hai-Programm. Kommandantenstr. 57. T. A. 4, 5083. Sensationserfolg des neuen Herrnfeld-Schlagers Wenn?wei dasselbe tun. Eine Konkurrenz-Komödie in 2 Akten mit den Autoren i. d. Hauttrollen u. Das starke Stück. Schwank vo» Julius Horst. Ans. 8 Uhr. Borverkaus 11—8 Uhr. (Theaterlasse.) Passaga-Theater. Abends 8 Uhr: Sterne Humors Willi Prager# nnd das große 1 YarlotA-Progranuu! 1 Internationale Flug-Woche 10-18. Hai täglich von 3 Uhr nachm. an. 12 Flieger- 75000 Mark. Heute(Freitag) vierter Tag: Täyl. Frühpreis, Dauerflug, Landungs-, Gleit- • Aug-, Passagier-, Lanz-Preis. Tageskarten 0,50 M. bis 10 M. an den Flagplafzkassen. Vorverkanf: M. 0.40 bis M. 9,— bei A. Wertbelm, Inralidendank, Loeser& Wollt. 8BM|«ABaMM| Ob welfie, schwarze oder rote Flaggen tn den Schau- MCniEUng■— fenstern Ton LoeserAWolff.====== Alt-Boablt 47/48. Sonntag, den 15. Mai 1910: Eröffimng der Sommersaison Konzert, Theater und Spezialitäten. Variete-Theater j 19-20, Roaenth.Tor. I |!! Das heue Variett-Programm I!| Die Affen-Familie Mayer und dl« übrigen Spezialltaten. | Theaterk. ununterbrochen geöffnet. I Casino-Theater Lothringer Straße 37. Täglich 8 Uhr. Nur«och bis Ureitag: Berlin bei Nacht. Ab Sonnabend: Familie Aagnst Knoche. Sonntag s Uhr: Mutter Gräbert. Montag 4 Uhr: Trudchene Sommer- reise. KOnigstadt-Kasino. Hoizmarkislraße 72. Täglich: Mayer mit m? Posse in 1 Alt. Franz Beißner und daS neue Programm. Mittw., SonnÄ., Sonnt.: Tanz. Ans st,.8 Uhr. Sonnt, st, 6 Uhr. ii Klieis SimlWer Inh. und Festsäle. Radolpb Krüger. Hasenheide 13/18, vis-ä-vie v.Turn; pl. Täglich: Große Theater- u. Spezialitüten- Artist. Leitung: Waller Grävenilz, Kapellmeister: Max Wolffheim. Jeden Donnerstag: Elite-Tag! Anfang: Wochent. 6 Uhr, Sonnt. sta6 Uhr. Passage-Panoptikum. Die heiligen Fakire in ihren Wunderproduktionen. !! liebend!! M A— m MV Prinz Ml O III der kleinste Mensch der je gelebt. Buddhas Wundertafsl. Alles ohne Extra-Eatree I Eintritt 50, Kinder, Soldaten 25 Pf. Größter Pergnüaungs-Part des Kontinents. Eröffnung 1s. Mal. Dlligtheelel-kineinetegseph vorm. Groterten, Jnhab.: Rod. Merz, Schönhauser Allee ISS. TA. 3. S353. Lebende Photographien. Wochent. 30 u. 40 Pf. Anfang 7 Uhr. Sonnt. 30, 40 u. 80 Ps. Am. 4 Uhr. Vorzugskarten nur Wochentags güllig. LS Ps. aus allen Plätzen. Stets wechselndes Program«. Jeden Sonntag im Obersaal: SW" Künstler-Konzert. Entree 15 Ps. Garderobe 10 Ps. N. d. Konzert: Famllipn-KrUnzohen. Karl Haverland Ansang Theater, präz. 8 U. 77/79 Kommandantenstraße 77/79. Täglich nur erstkl. Spezialitäten. so* mmb«. Sonnabend, Sonntag, Mitwioch, _ Donnerstag: Ball._ iocischer GARTEN Täglich ab 4 Uhr:" lirolles HilücsllccNsl. Eintritt 1 Mark. von abend? 6 Uhr ab 50 Pf., Kinder unter zehn Jahre» die Hälft«. Gr.flerliuerlkugalauMiflig 1910 30. April bis L Oktober. Im Part täglich Doppel-Konzert. eintritt: 10-5 Uhr l M.. v. 5 Uhr ab 50 Pf., Sonntag« 50 Pf. Dauert. 5 M. A*? yO �l%81halICOIlZGPt An jedem Donnerstag: Soiree der„Hoffmanns Sänger". Um zahlreichen Besuch bittet Onatav Tempel. II Paul MM SpezialiltWIrtr Landsberger Allee 76/77. Ringbahnstation Landsberger Allee. ».IUP Hr. Konzert, Spezialitälemor Stellung, Sali „r.™ EnifwBJs-PragtaB���� BelonderZ hervorzuheben: Heinz Frank, Humorist, Barett- fom. Pantomime»Ein Dorf-JdytU. Lotte u. Tanzloubrette. Max Hillig, GroteSf-Unlkum- Imitator. LeS Pachalod, Equilibrtft. u. Hand-Voltig. Maxwell- Trio. Patterre-Afrob. 1. Rang. Ott«. Knaus, fom. Excentric». Lawzas. Gesangs- u. Tanzduett. Orig. Graedlc-Trio. ahne jede Konkurrenz, Bühnen- Lustalt in höchster Vollendung. Ansang Sonntags 4 Uhr, wochentags 6 Uhr[53072» X.u.2.Pfingsti-icrtag: Gr. Frühkonzert 6.)«l Entr, Jmsaal: Gr.Ball. Gr. Kaireektlche u. Volkstbelnstignng. all. Art. Den geehrten Gewerfschasten. Vereinen usw. emHs. mein neu renoviertes Lokal zu den fulantestut Bedwgungen. Der Wirt. Truppe in ihrer Grifft, Gesangs I! Nickt Worte— Taten beweisen! V.T. stets an der Spitze! Mr. Roosevelt in Berlin. (Wohlgelungene Originalaufnahmen.) Ankunft ReosevelU auf dem Stettiner Bahnhof.— Begrüßung auf dem Bahnsteig.— Besuch der Universität.— Oer Kaiser verlSBi die Universität.— Roosevelt beim Verlassen der Alma mater. Die vorgenannten Bilder werden bereits UM" Heute abend*96 zusammen mit dem übrigen glänzenden Pregramm vorgeführt. Titascop-Theater Charlottenbura Wilmersdorfer Straße 53/54. faradtesgarten Sankwitz, großer Saal, slhöilster Garte» der Umgebung, Kegelbahn, Kaffeefftche sowie gute Speise» und Getränke. Empsehke allen Bekannten und Parteigenossen meine Lokalitäten 2XI2b Stratzenbahlilinie gg 10 Ps. Eisenbahn von Aorkstrahe 10 Ps. _ Hermann Schulz, S'li. Reederei Kahnt& Hertzer Tel. Amt VII, Wo.«08». Dampler-Eiirafahrten ab Waisenbrücke. 9Im 1. Feiertag: Promenadensahrien nach dem Müggel- u. Langen See(mit KaffeepsuseZ. Abs. S Uhr früh, Rückfunst 11 Uhr; hin und zurück Sv Ps. Nach Mesze KUhlc. Abfahrt 81/, Uhr: hin und zurück I M. Am«. Feiertag: Abs. 7 Uhr früh: Sin und zurück S M. Nal Na Nal Nal Nal Tenpltz(lornews Id/II).— ,..«... Wolterndorfer Scbleaae. Abf. 8 und 2'/, Uhr hin u zurück ZIegenhali»., 5'/, u. ß'/i Uhr Acne BUhle., 6j/. Uhr A'cu-Zlttau., 10 Uhr «m S Feiertag- Nach Zlegenhnl». Ms.S»/,u,2>/,UHr: hin u. zur. vorm. 75, nachm. 50 Ps. Yod der Wefdecdammer Brücke am l Feiertag n. Brandenburg a. B. Abs. 7>/, Uhr, hin u. zurück« M., ab Spandau 9'/. Uhr, hin u. zurück 1.75 M. Am Sonntag, den 22. u. 2g. Mai, nach Teupitz, Neu-Zlttau u. Branden- bürg a.H. Dampfer sind an Bereinc, Erwerstch.. Schulen zc. billig z, vergeh. ... M, 61g6All � m JakobslraBa 73"ä iv' S'rSST mit der folgenden Offerte den Beweis liefert, daß niemand im stände ist, solch außergewöhnliche Vorteile zu bieten. Jeder erhält Kredit unter folgenden Bedingungen: Herren- Anzüge, Paletots, Ulster 15.— u. 18.— M., Anzahlung 3.— M, 23.—„ 25.—„„ 6.—„ 30.-. 36.-„, 7—„ 40.— p 44,—„„ 8»— n 48.-. 52.-., 10.-„ usw. Damen-Röcke n. BlnsenU�fÄ 12.— 15— 20.— 30.— 40.— M.) Mark Hioe ni MerlÄ 20, 28,35,42— 80 M.j Mark MW Möbel auf Kredit. Einzelne Gegenstände Anzahlung 3 Mark. Ein einfaches Zimmer Anz. 8 M. Eine kleine Einrichtung„ 12„ Wochenrate I M. Ein Schlafzimmeru. Küche Anzhlg.20M. Bessere Einrichtungen Anzhlg. v.30M.an Wochenrate 2 M. Torteilhaf teste Bezugsquelle aal Kredit. Glocau Alte JakobstraBe 73 L II. III. IV. Etage, Ecke Dresdener Straße und Roßstraße. Behaltet das Beste den„Humor" Putzet zum Feste nur mit„Humor'4. Humor putzt alle Metalle sauber und geruchlos. Zu hoben in großen FUschen von 10 Pf. an. 29/4 Ünmor-Werke O. m. b. H., Berlin A'O. 18. Radfahrer! „Frisch auf" Fahrräder (gcf. gcsch.) Bevor Sie ein Fahrrad faufen, bejichttgen Sie das Lager der Einkaufs, stelle für die Mitglieder des Arbriter-Radfahrerbunoeö Solidarität. Der Ruf der Firma bürgt Ihnen für reelle Bedienung. GroheS Lager in Pneuinattl, Laternen, Glocken sowie allen erdenMchen Zubehirteilen zu Fahrrädern. BedarsSarttlel aller ArL Spezialität: Mühen, Sweater, Strümpfe. Meinige Hersteller der bclielcken Gepäcktasche »Frisch aus-(ges. gesch.). Reparaturwertftelle» mit elektrischem Kraftvetrieb. Pabssailbaes„Pnseb aal" Walter Wittig& Go. Hauptgeschäft: Brunnenatr. 85, Filiale: Kottbnucr Str. O. Am 1. und s. Pfingstfeiertage bleiben unsere Geschäfte ge. schlössen« 104/20» Valllls Kramuaahitra. 0 1t«i' fHknik.'-'VJC» h«- Krähen®rnmhe elankt flA infnloe leiner ein. lamm, romanlisd und Schulen. von Dampfern jeder Grähe.__ Jeden Sonntng: Dampfer-Extrafahrten der Reederei Novtling. Absahrt früh 9 Uhr, nachmittags 2'/. Uhr ab Jannowihbrücke. 54592« Hochachtend U. Voigt.— Amt Köpenick 227. j••»MOWOMM WMMM—»t— » Tel. Amt S, 2S7I. Neptlllla Bad Tel. Amt 8, 2671.» SchUntaanscr Alice 104. Dampf-, elektrische Licht-, f. Zellen, Wechselstrom, Wannen- und alle medizinischen Bäder. sssasass Lieferant Elntlkber Krankenkassen. • A. Kaliseh. M.Kempinski&CS: Wein-G�osshandlung, Berlin W. empfehlen zur Bowlenbereifung 1908er Senheimer. 0.80 Kempinski-Sekt_ haibsüss, per Vi Flasche �/ PL inkb Steuer und blas. M. F Oa Deatschland aof Fluchos fcffillt) Für Berlin frei Haus; nach auswSrts frei Bahnhof Berlin Bei grösser. Entnahmen Prelsermässigungen Ausführliche Preislisten stehen zur Verfügung I Zapsl Hut- Fabrik, Skalitzerstr. 131, = GröStes Spezial-Geseliält= für Seiden- und Filzhüte. VAU- liagci* In Schirmen nnd nützen. UMI Größte Auswahl in Strohhüten von den einfachsten bis elegantesten. CigSrBtSßli sind nur dann echt, wenn sie, wk alle unser« Fabrikat«, das oben abgebildete geschützte Wappen sowie den untenstehenden Namenszug tragen, flehten Sie beim Kauf in ihrem eigenen Interesse darauf, da Sie nur dann die Gewähr haben, nicht etwa andere Fabrikate zu erhalten, die Sie nicht verlangten. Joseiti iuno m. u. o. M. 10 Si 20 Pfg. WZSSMi Mm NM Mahrer-Wr' Mitglied d-S Arbeite« SiadsaHrcr.Bundet .Solidarität-. Touren »um 14., IS., IS., 47. Mai: l.anclesausfahrt nach Brandenburg. Am 14.: Start 6 und 9 Uhr abends, am 15.: Start 4 Uhr ftüh und Ab« teilungsstariS. 1. Abt.: 15. 1 Uhr- Hessentvwfel. 16. 1 Uhr: Schmargendorf. Start: Biüowstr. 58. 6. Ütbt.: 15. 1 Uhr: Eichwalde (Wittel. 16. 1 Uhr: Hessenwinkel (Gesellschastshaus). 17. 1 Uhr: Mitten« »aide(Kronprinzen). Start: Ma« riamienplatz. 4.-Abt.: 15. 1 Uhr: Mahlsdorf (Linlc). 16. 1'/, Uhr: Sadowa (PilugS). 17. 2 Uhr: Karlsborst (Fürstenbad). Start: Küstrwer Platz. 5. und 16. Abt.: 15. 1 Uhr: Müoael- heim. 16. 1 Uhr: Bruchmähle. 17. 1 Uhr: Wannsee(Fürstenhos). 5. Abt.: Start: Elysuun. 10. Abt.: Start: Weberstrajze 6. 6. Abt.: 15. 1 Uhr: MahISdors. Süd(Heidetrug). 16. 12'/, Uhr: Eich walde(Witte). 17. 1 Uhr: Adlers« hos(Wöllstein). Start: Oderberg» Straße 28. 7. Abt.: 15. 2 Uhr: Saatwinkel. 16. 2 Uhr: Jörsselde. Start: KöS« tiner Straße 8. 8. Abt.: 15. 1 Uhr: Fwtenkrug (Hossmcifter). 16. 1 Uhr: Hennigs« darf. 17. 1 Uhr: Potsdam(Viktoria« garten). Start: Waldstr. 8. 11. Abt.: Sektion der Gastwirts« gehilsen. 19. 7'/, Uhr: Alt-Buchhorst. Start: Große Hamburger Str. 18/19. verkaufe ich Ohne jede ünzahlung Pianos erstklassiges Fabrikat (9mal prämiiert Staatsmedaille) in allen Uolz- und Stilarteu von wunderbarer Tonfülle. (Flttgclton) gegen kleinccnonntUehoTeilzalilang, ohne Jeden PrcisanfHcblng. 35/3' a Für jedes Instrument gewähre ich 2()jähr. schriftl. Garantie. Conrad Krause Nchfg., E,"5I"£;i.«"b"L'5hS:''iöiio. Auch Sunntagto geUITnet. Reederei Nobiling. i Srürfenftr. 6 b. Tel. IV, 1737. An allen drei Pflngstfelcrtagcn: I u SS.1 j Te? Ujoltkrsdorfer Zchlklist{iÖÄopi. 8 und 9 srüh| nach Daplinaio CphuioiT f am 3- Feiertag: !>/,». S'/,miIt.) der Dvillllcr OLilnClZ( 7S Pf, Kinder 40 Pf. Am S Feiertag: 1 l'aiinii« Toi-no�u( hin und zurück 7UhrlSMin.srüh/ nach IrUpItZ Id>U f S M.. Kwder 4 M. Absahristelle: Jannowistbrücke vor Reslaurant„Ledustkeib" Billetts auch im Vorverkauf. 2119b S. Ziehung 5. Kl 222. Kgi- Preuss. Lotterie. Ziebuag Tont lt. Uit, Torrmtlaga. 4far die Gewinne Uber tao Mark elsd den betroffen- den Kümmern in Klammern beigefügt. (Ohne Gewähr.)(Karbdruck verboten.) , tot 391 i« 775[500] 83 Im 379 SSO 24 492 617 llOOO] TBllO(5001 254 365 473 87 711 944 3319 314 425 53 629 68 jTSO 4156[600] 207 384 866 920 5315 90 533 671 909 6149 '[1000] 353 C3 303 434[500] 571[69l] 670 fSOOj 820 7015 48 534[300oJ 632 8 214 93 317 74 475 470 605 713 85 870 '©ICC 30 270 359 674 814[500] SS 10002 62 341«79 769(500) 922 11008 175 404 58 777 1882[500] 981 94 12095[5001 450 881 988 41 13299 620 43 >465 66 UOOOl 89 511 18 88 633 4 7 703 1 4101 351 547 768 ,844 15506 61[500] 673 1 6040 100 253 73 004 710 31 hlTlSl 56 504 597 886 61 73 1 8367[500] 454 803 19 85 [(19083 122[3000] 823 47 4S2 777 817 2009» 203 41 97 387 2 1 015 105[3000] 500 33 705 12204« 107 52[8000] 54 749[1000] 61 812 2 3009 123 69 ■e-6 461«15 780 24019 33 361 99 436 524 706 912 72[ 3000] 323120 376 443«02 36 2 6029[ 500]«1 355 457 60 78 UflOO] .'WS 821[500] 90[600] 27030 340 89[5000] 772 626 2 8022 1238 8» 329 485 683 706 2 9082[30001 52 405 717 58 817 1*19 47 56 99070 167[1000]«11 49 3 1 063 105 78 245 319 48 4482 577 756 3 2055 75 137 404 515[5001 755 33088 168 «5? 68 432 9? 677 785 841 34690 71« 804 18[3000] 23 »7« 36298 410 15 547 812 968 36586 667 827 951 66 37109 571 600 968[1000] 38144 224 343 518 74» 87 841 58 39007 »07 225 332 83 489 614 878 86 938 83 40184 263 335 68 760 41163 92 294 821 490 589»38 res 42062 1X4 69 276 337 60 455 70 751 94 4 3259[500] 20 71 501 980 44062 9« 152 429 44 646 939[3000] 45195 '203 418 60 597 089 798 912 25 46129 275 884 488 649 787 IdlOOO] 08 4 7500 53 644 67 75 800 4 8063 155[3000] 363 le.54[80001 65[500] 4SI 51[5000] 84 586 606[5000] 94 730 tl« 811[SQWl 15 946 60 49163 370 381 636 913 60263 626 719 910 6 1 076 185 236 48 440 585 894 118000] 52013 00 09 255 834 950 79 5 3094 154 811 5400» l»4 234 407 586 915 5 5160[ 500] 71 375 506 607 68 765 •23 7 5 5 6146 215 45 65 447 MS 732 57130 450*45 '58086[ 500] 100[500] 3 274 691 500 12 59117 30 44 323 505 na 493 761 909[lOOOl 84[ 30001 67 60054 71 495 841 937 6 1 081 157 273 807[500] 1* B 84 464 503 55 6 2033[500] 96[1000] 506 49*[500] 553*14 48 63170[500] 370*«8*08»04 40 71 64000 M* 7» 58« m 748 87« 65051 511 1* 994 66100 95 217 57» 218 6707« 27«[8000] 551 501 758 878 6 82*0 95»Ol 520 «10 800*0 69014 40« 750 85 988 70017 385 438 708 77 83»40 71580«T 606 90« 72078 3500] 178 497 594 748«85 93[800] 7300« II 142 78 47« «8«85 106 900 7 4399 833 439 47 4» 75141«7 984 76194 «21«2[400] 811 705 7« 868 968 77 174 505 651[8000] «77 78255[1000] 420 687«50 735[1000] 008 32 96 {79295 831 8O069 125 850 46 9 609 8 1068 298 889 41 997 90 [©2203 802 8 853«10 63 792[1000] 83033 503 13 490 854 «4037 68 169[500] 278 819«18 870 925[500] 85126 302 [75 494 001 15 70 703 8 6068 373 468«6 509 531 87105 54 [«2 88099 284 548[1000] 98»5 655 792 047« 89001 M (248 50 402«31 747 811 48 82 1 90076 123 581 447«15[9000] 98 794 82» 87 9127»«60 92310«3«2[1000] 1» 417«54 93000«5 59[1000] 237[SOOO] 318 61 85[1000] 441 50 598 225 714«40 0« hsM] 960 9411« 372 855 434[ 8000] 589 890 95199 150 000] 323[500] 94 41« 703 9 6373 14 87 518 829«85 9729««72(10001 82[1000] 748 88« 929«T 98033 117 II«33 61 491 029 30 91«[lOOO] 99197 315«0 456 602 IT55 71[509] 919[3000]. ,Ä, 160002 20 107 37 30« 5»[1000] 44» 781 10103« II8000] 182 446 47«31«4 783 1 02039 111 293 528 732 47 «<15 1 03 100 315 581 695 704»47 71 104076 87 401 685 1105005 29 15« 476[80001 620 531 1« 816 913 106354 1*36 73 715 84 1 07120 384 603 74 850 722[500] 82»«56 IJOS'.OS TOI 109076 89 106(500) 65 709 812 110465 810 25[600]»85[500]«9 111101 209»1 888 (500] 632[1000] 784 885 094 112047 103 85 535 113464 «Ol 1»«0» 11408« 375(6001 893 647 739 854 6» Ol |1 15338 348 408 49«54 116040«88 748 851 117078 114 \*n[500] 64 88 255 587 675 837 118065 88 III[500] 349 Soa 560«04 713 119078 127 723 41«1 814«8[lOOO]»48 126053 153 269 907 1 21181 79 253 70 899 427[SOb] «71 719 874 75 1 22199 580«41«88 123144»44 52[lOOOl «87«79 12403» HS 73 429 70 597 881 714 992 1 25S1S Ml«63 81 875 126112 SO[lOOO] 75 210«9 413 559 769 kMO 127061 78 92 96 25««9 856 410»17 785 44 922 54 (128245 62 96[lOOO] 308[lOOO] 62 471 518 755 1 29050 b» 20«[1000] 358 70«88 845 84 130158 220 320 522[500]«5 92 001 749[500] 89 805 ■29 54[500] 6« 131115 609[1000]«48 58 770«7 132119 UIOOO] 72 294 864 436 50 078 922 133018 194 301«06 5b7 59« 684 760 808 968 1 34014 25 181 251 515 420 531 U? es 13» 88[600]«41 78 135111[600] 661 043 136067 1332 31> 874 480 601 9« 812 1 87 317 614 47 48 758 869 937 «0 138063 144 86 200[lOOO] 14[1000] 60 75 892 413 76 »70 760[ 500]»16 139341 154 51« 67 720 640[500]«18 140580 723 820 141003 1»«[500] 337 93 328 94 429 M 79 955(8000) 142058 107 353 833 469 681«1 99 820 Jvo 143095(»000] 32««13 414 543 90 735 872 1 44165 ?«4 779 83««18 14S.13 8» MO 549 673 781 146308 476 »70 983[1000] 147167 SU 5«[1000] 505 932[SOOO] 048091 508 38«27»57 1 49182 279 434 71 574 91 81S 728 11001 50133«8 660«21(10051»4 71»»2 872 3« 151m« 4,2(5001» 16 2094 148 366 607 19 87[lOOO] 658 985 0633» 52» 98 64« 842»1»2» 8» 154134 67 268 68» 741 659 1 5 5068 171 343[500] 885[1000] 937 1 5 6026 50 SSI 4»! 665 92 23[lOOO] 750 1 57 227 338 4SI 604 725 800 15 8037 41 164 478 755 57 830 88 1 59 293 395 620 731 03 160 410 85 858 1 61170 246 4.!9 069 1 6 20�3 20V 540 786 88 94 913 78 163058 1 10006] 197 270 339 89 434 628 914 47 164202 11 414 65 571 764 971 165014 [3000] 35 149 419 64 901 166228 70[500] 530 1 6706 4> 132 211 19 428 42 548 013 810 46 954 71 16 8075 130[SOOtz 359 760 853 962 109011 382 98 541 602[lOOO] 82 709 61' 170196 551[SOOO] 617 97« 17 1029 128 201 94[lOOOll 340 521 28 611[5000] 49 57 729 812 1 72073 1U 207 36« 454( 500] 673 1 73904[500] 57 115 293 538[500] 9» [509] 781 902 98 1 74062 187 322[lOOOl 33[1009] 89« 920 1 7 5 222 442 75 96«08«72 1 7 6061[1000] 27« 87[500] 714 65 855 Ol 177000 293 524 llOOO) 74 602 4» 178394 551 69 712 1 7 9085 482 83 545 681 743 180147[1000) 83 602 799 945 1 8 1 409 787 MS 05 1 82005 10 93 492 623 77 891[600) 938 81 183053- 199 238 426 89 528 7 9 97 767 1 84089 327[1000] 903' [1000] 185359[1000] 510 84 860 963 1 8 6083 145 217. 350 524 39 606 10 851 982 1 87060 822 564 707 1 88075 163 229 45 442 718 52 825 925[500] 189 278 62 36» 501 682 90 718 812 39[500] 190036 182 68 207 64 332[500] 40 87 400 502(SOOjt 57 874 903 1 91133 338 46 79 688 744 823[SOOO] 663 19 2071 113 324 431 505 630 35 714 934 1 93195 287! 87[500] 352 418 604[1000] 59 762 885«38«1 B6 1940-1» 176[500] 201 381 69 429[8900] 647 1 95119 479{1000* 771 855 1 9 6321 76 740 1 9 7494 555[5000] 073 809 198050 21« 87 326 41 423 666 726 873 1 99038 112 44» 79[1000] 521 65[1000]«71 965 200»8 408 31 40 593«M 20193«[500] 6« 888 444 64 55 68 646 813 2 0 2133[500] 394[lOOO] 480 894; 2 0 3 349 493 837 53 942 2 04127 613 52 662 834 69» 20512« 58[600] 66 81 96 3S5 401[3000] 598 785 939 2 061271 249[500] 467 860 644 71 759«66 207C34 187 763«U«411 208094 267 811 200262[lOOO] 889 620 960 2 1 0110 99 265 301 509 010 48 865[500] 047 78 8« 211014 81 2 1 2571 785[3000] 2 1 3072 877 93 671 85» M 981 214141 381[5000] 730 621 32[600] 215085[lOOOtz 373 891 805 750«33 216-63«40 68 735 2 1 7163 3151 448 48[500] 518 69 55 90 735 24 820 99 218014 71 88» 848 134[8000] an«05 2 1 9084 310 19 27 484 511«4» �Ä'lO. 78«15 18 791 221081«9[500] 8t[5001 M« 505 M 821 9?»[1000] 222169 549 690 223101 357 77[ 801«0» 83 2 2 4034 868 455 86[1000] 555 748 93 0* 225047[lOOOl 440 46 645[lOOO] 878«43[600]»» 226048 153 309 78«40 608[500]«53 227388«3» 737«50 2 2 8178 838 417 18 38 684«15«Ol 18 22908» 180 220 80 417 671«1[SOOO] 765' 23 0438 668 054 793 2 3 1 429 90[500]«82 040 790 6« 123 2285 79 475«48 233255«1« 770 596 982 2 3 4085' 441 64« 235132 320 97 637 880 985 2 3 6023 27 88 6» 354 429 731«7« 87 2 3 7131 255 419 57(500)!>8 910 238112 74 669[ 600] 878 52 939 2 3 0003 719 861 94« 240132 778 19 2 41176 273 582 84 787[500] 242061 114 07 81 531 65[500] 97 918 2 4 3094 151«9 205 244248 918(1000) 93 881 245061 114 99 401«9 62* [3000] DO 74 737 98 2 4 6454 618 913 2 4 7070 288 48t n 700 05 878 248199 415[lOOOl 659 970 249058 15» 66 224 408 50 692 999 250984[500] 91 135 223 690[500] ,69 25106, 1,1 ,79[ 500] 455[500] 518 85 7,7 908 2 5 2031 U» 72, 941 56 62 2 5 3155 60 241 91 689 755 89«64t 254276 303-8 32«58 945 255088 46 884 672 77«» 253181[1000] 401 598(600) 648 71 849 2 57161[5001 24» 408 956 2 5 8001 394 460 527 92 687 2 5 9 07« 258 90 301 43 591«43__ 2 6 0049 413 78 679 538 787 855 929 2 6 1 30« 349 841 59 99 2 6 2003 146 240 876 93 521[500] 900(lOOOl 263894«59 66 264319(1000) 728 901 205043 189 694 889 902 80 81 83 2 6 6115 208 99 38» 641 761 99 859 94 917 2 67119 254 520 56 907 2 6 3543 493 683 840 2 6 9 077 866 73 467 557 648[500] 931 270079 304 611 788 271086(lOOO) 219 87 818 1» 718 888 2 7 2130 339 534 985 2 7 3033 171 336 338 430 571 65» 84 617 97» 2 7 4011 94 173 221 53«[3000] 81 692 908 37 2 7 5033 410 31 49 761 865 987[500] 27620» SSO 530 90» 277134 68 07[500] 260 63 37» 752 907 45 7« 278067 134 207 22[500] 40 495 813 658 760 2 79108 [500]«12 878 972..__, 280117 260 379 495 611 835[1000] 281035[5001 119 519 26 860 85 2 8 2116 442 543 45«81 65 81» 949 77 283150 223 48« 799 812 975 2 8 4315 96 451 8« 285030 286077[ 500] 155 346 629 49 720 44«28 70 2 8 7042 460 7 9 668 2 8 8038 119 573(lOOO)«71 825 28 9 085 167(1000) 684 757 79 885 995 29051» 869[500] 924 2911" 761[1000] 924 8» 4» 292606 950 293033 412 53 510«36 2 0 4018 81 357 607 89[3000] 935 85 2 9 5184 416 97 592 670 731 8» »IT 57«9[500] 2 9 6049 155 489 737 803[3000] 17 993 2197116 243 47 326 036 837»48 29 8305 57 484 537 168 865 7« 86 982 2 9 9 0-9 921(600) 38 9,[500]__ 300015(500) 830 81 460 318[500]«80 3013*1 51» 729 14 810 918 3 0 2057 221 685 62»[500]»97 3O304, 281 60 322 43 639 962 Im Gcwinnrade verblieben: i Prämie zn 300 000 M. 1 Gewinn zu 500 000, 1 zu 200 ODO, 1 zu 150 00". 1 eil 120 000, 2 zu 100 000, 1 zu 80 000. 2 zu TO 000, 2 zu 00 000, 2 zu 50 000, 3 zu 40 000, 13 zu SO 000, 22 ZI» 15 000, es zu 10 000, 130 au 6000. 1954 XU 8000,«9*8 ZU 1000, 4727 zu 500 6. Ziehung 5. KI. 222. Kgi- Preuss. Lotterie. Ziehung vom 12. Mai, nachmittags. Kur die Gewinne Uber 340 Mark sind den betreffen- den Kümmern in Klammern beigefügt, (Ohne Gewähr.) J■(Nachdruck verböte«.! 31 185 317 550«05«1 939[500] 30 1 271 348 63[500] 610 747 2170 348 434[1000] 58 746[ 500] 3149 332 43 798 »03 4254 57 SI[1000] 459[lOOO] 5263 310 487 98 518 870 980 6115 SIS 503 817 943 75 70.84[3000] 148[500] ,18 555[3000] 84[500] 418 550(500) 69 551 96 850 8371 loUUl 418 904 646 48 855 i)MO[500] 33[1900] 48»«17 llOOO] 93 10125[600] 250[1000] 354 603[SOOO] 984 11216»1 806[500] 438 89 65-4 997 1 2083 138 365 476 548[500] 774»9 801[500] 13108 208 316 19 68 1 4223 486[500] 553[ 500] 663 1 5118 400 656 88 718 922 1 6284 817 487 ■603 6® 92 718 848[SOOO] 17122 218 888 494 673[600] .716 18030[600] 58 96 124«00 42 57 712»4 952 1 9027 114 256 372 505 818 949[500] 85 20199 638 89 709 53 855 2 1 078 161 69 876 M 440 83 609 852 2 2146 569[500] 90 91 654 705 38 828 916 1500] 23155 454 76[500] 537 753 71 956 82 83 24109 26 187 396 669 2 5198 253 77 306 563 633 843 2 6043 155 85 294 401 640 61 727 27176 212 818 75 918 2 8026[1000] 83 281 382[500] 496 753 824 902[SOOO] 29120 210 668 89 667 909 30025 72 250 488 631 97 832 947«5 3115« 232 842 <416 S« 593 642 68[500] 95 792 864 3 2218 34 886 429 »[1000] 49[500] 612 46 739[1000]«15 33025 88 164 •483 614 60[3000] 711 685 3 4095 627 759 80 98« 35017 94[600] 160 409 517 787 3 6017 23 t 45 6« 598 578 694 761 618[500] 913 14 79 3 7139 263 305 72 3 8054 943 39039 40[ 500] 161 875 452 519 99«24 757 82* 931 40030 45[500] 58[ 5000] 319 831 4 1221 444 693 TiOOO] 42019 109 299 378 439 841 82 4 3 052[lOOO] 178 67[500] 392[3000] 478 44170 231 76 530 816 771 887 »69 4 5282[1000] 853 448 586 73 84[500]«36[500] 58 1500] 746 983 91 46198 463 510 82 ,05»40 98, 47557 »41 721 IIOOO] 04 890 943 4 8043 175 240 800 414 78 1600] 715[500]«04 80 4 9034 793 877 50049 314[500] 808[lOOO] 86 97»85[8000] M4»8 6 1 081 203 57 319 43 618«8 52117 459 569[3COO] 9*4 53429[500] 67 538[8000] 60* 784«39 64176 879 405 ,4(»000) 065«7 08(8000)*50 8»[500]«18 65141»IT (1000] 614 IIS 67 eil«1» 88 6 000» 50 153 331 660«6 787 57010[ 500] 70 539 40 771«1 Ml 5S05*»7* 69215[500] 7« 804 748 094 66028[500] 174 457 41 868 74»«7* 61198 27,[500] «04 67 45» 787 837 6 2 051 446«0 63000»43 818 4SI «1«19 2 7 835 00[1000]«32 64044 16« 9» 830«82[1000] 65038 34« 505«0 775 6 6031 73 110»60[1000] 430 897 75« 75(1000) 053 09 6 732« 66[1000] 54« 700 2 5 868 72 68168[1000] 460 724 67 885»10 20[ 500] 64 6911» 11 59 277 542 605 73, 49[10000] 7« 862 700*3 89 22, 064 635[ 500] 63 90«17 728[1000] 88 71169 24,'. 54 72 741 48 605 7 2016 932 7 3122 24 288 «7 386 425 515 616 64 7 4003 173 672 7 5013 171 212 80 648 810 76174 368 557 725 631 7 7 222 723 929 7 815« 263 637 605 52[3000] 914 79018[500] 289[1000] 471 «78 59»49 8 0024 254 458 890[3000]«71 75«»04 44 81070 13» *3 340[lOOO] 415*90 71»[500]»5 BOT 82107 15 41 90 212 470 70» 83249 487 551 905 51[1000] 84071 137 893 311 84 721«40 85«! 28 249 348[«900] 87 482 738 65 6« 80247[500] 546 75« 670 87167 432 514 747 83147 27«[1000] 460 536[SOOO] 724 OB» 89!» 50 67» 9017» 58» 468*0 55« 66 637»71 9 1042 86 239 472 *23 24 114 92072 59 124 579 902 0 3054 204 334 400 533[ 500] 669 9 4112 61 62 511 15 50[500] 94 62« 46 87 840 005 9 5 245 323 50(lOOOl 517 44[3000] 59 79 03«(10001 40 732 79 OO390[1900] 92 611 97157 302 404 539 60 327 749 92 9 8090[1000] 83 292 318 407 593 057 762»10 15[lOOO] 65 9902« 8« 380 476 662 557 780«3 100:50 71 94 450 84 004 753 001 10 1 354«2 595 *30 92 965 1 02506 624 06 1 03102 2» 860 432 017 05 727 29 94 658 1 04012 928 1 0 5020 211 45 488 751 «79 106824 1 0738»[1000] 454 729 63*21 10801» 124 102 424 764[lOOO] 992 1 09166 363 485[1000] 742[500] 817 928[500] 40 86 HOlO» 23 616 81 817[1000] 67*5[3000] 111-04 99 380 401 513 711 885 112075 153 fSOO)«4[500] 890 483 609 39 622[lOOO] 833(«000] 73 113026 880 467 500 639 56 69 98 722 39 82[5000] 801 999 114120 29 294 51 804 74 604[3000] 34 789 871 115233 76[500] 835 462[500] 743 116322 86 452 33 697 743 62 117061 854 437 84[500] 701(.'1000) 047 83 118117 77[1000] 84 [500] 838 45 81 11909« 390 431 43 673 748 96 801 53 120187 248[SOOO] 779(lOOO) 12 1 067 242 320 482 559 678 705 1 2 2 098 539 8« 725 45 83« 43[500] 81 ■123190 496[500] 505 6 958 75 1 24120 27 323 564 905 •12 5061 106 75 224 76 413 584[1000]»9«52 998 1 26893 »48 127561 TOR»SO 128188 579 699 743 807 13«41 '129088[300] 168 359 32» 890 900 28[500] 130000 26 77 175 83* 941 57[1000] 13100*(500) 104 SO 53 620 778 C 24 1 3 2094 101 10 392 483 758 «22 49 911 13319.8[1000] 21 307 603 79» 134422 873 »12 48 51 80 135139 041»2 770 1 3S11» 353[1000] 488 1 3 7017 128 214 31 43 t 507 643 733 1 3818S[500] 241 97 306 15 403 9 7 741 79 872 82 922 1 39160 175»15 [8000] 795(500) 804 16 140069 442 501[1000] 720 851 96» 14 1 089 147 30» 57 527»23 50 142064 188 98 265[500] 503 758 77[1000] 143.06 76 225 399 489 896 962 84 1 4 4 853 472 703 21 14 5096 ISO 279[ 500] 353 57 468 639 146039 16« 72 432 712 14[SOOO] 44 830«3 969[SOOO] 147071 85 212 440 608[800] 41 604»05 148174 74»«21[500> 597[1000] 730 75 805 14004» 105 225 SO« 470 534 84 654 813 15O009 24 287«74 755 1 5 1 073[SOOO] 20« 8» 76 741 77 872 1 52004 193[500] 269 388 485 944 1 5 3 05» 60 122 204[1000] 60« 1541«! 42 486 500 84 51 601' 77.8 980 1 5 5070 218 20 95 382 749[1000] 90» 60 156007. 277 625 814 79 962[3000] 157080[1000] 95 238 58 [500] 442 77 673[500] 634 961 158039 331 620 547 73» 920 52 1 59040 100 380 518 644 97 884 933 160092 185 88 200 396 847 1 61150 60 286 444«2» 38 743 96 839 91[1000] 168010 318 536 658 89 93[600j 733 163261 338 78 626 39 830 72 95« 164180 225 37» 82 413 637 760 911 16 5041 772 801 166343 45 44» 610 83 659»93[500] 167085 1*8[500] 46[500] 227 53 [600] 479 536 74 820(SOOO) 16 8042 271 858 89 668 72« 933 63 1 60074 100 270 401 583 703 17[500] 58 817 7S 17 0003 409 662 005 1 7 1 037 56 114 275 304[lOOOtz 615 798 831 48 1 7 2 37« 409 81[3000]«18[500] 4« (500) 752 98»91 17301« 878 461 702 828 50[1005]»Ol 174050 128 20« 75 300 86 575 716 1 7 523» 364 7 7 427> 589 614 728 864 95* 17 6008 44 147 213 35 438 59 75» [500] 177014(1000) 88 189 418 725 850 949 1 7 806» 321 000 665 999 1 70014 95 158 71[500] 300[3000] 440 [500] 515 18O048 59»S[1000] 82» 551 657 700 804 181404 041 63 777 834 1 82002 121»1 260 51» 9» 183078 22» 470 662 750 1 84186[1000] 303 70 492 931[lOOO] 18513» 86 533 63 663 803 1 86025[500] 8» 180 424 71[lOOOtz 083 758 847 920 1 8 7202 714 1 88038 62 257 432 62S 55[ 500] 986 1 80063 68 806[lOOO] 94[500] 4SI 7U U 70 75 903 190091 4M 80 000 751«32 68 99 1 0 1 005(t M [5000] 169[500] 455[1000] 85 52» 680 71 87 TM»1» 91[500] 102115 283»1 ,6 474 8»[8000] 543«m 193006[500] 10« 2»4 827 1 04244 847 778«99 195037 150 395 573 05 711 851(lOOO) 959 1 9 6045 2«1 848 5911 Ol 197228[1000]»5 854 1 9 8004 87[500] 108 81 28t «9« 409 605 88 48 1 99000 860 434 504 82 792 810 88 Ml' 2002-9 401 5 543 734 860 2 0 1 258«14 87 9M 20201« 541 65*18 748 851 44»58 203048 88 174 (5001 201 565 881»50 2 0 4061 197 201 584 7» 751 206891 4M(500] 637 58 660(500]»05 206041 10» 28* 440«17 771[SOOO] 855«8 M 2O7001 21 89[600) 188 780 055 208104[8000] SOI 444 70«M 781 950«« 209 08» 189 248 91 82» 828 57 210984 1*4»f 584 81«M[8000] 9» 211154 82, 27 2 1 2053 108 250 65 7»[5000] 78*[500] M3 213067 188 214 51«St«27 852 21412] 568 788 884 60 9911 216018 88 188[lOOOl«43 70* 48«5 2161!««5 225 *0 72 409 81 633 770 2 1 7118 9» 237 819 9« 415 81« <1000] 77» 8*0»*» 218048[ 500] 69 157 84 808 477 550 77« 825 5« 988 2190 98 148 402[SOOO] 618 7M 45 834 90« 220239 833 4*7«56 721 22 1 299 998 482 688*68 222148 200 5*6 580 840 800 223140»2 401»5[8000] 031 59 865 224077 1«4 58»«29 769[5000]*38 41 7« 225611 691 999[500] 22604t 262 488 87 807 84, 227318 90 525 83«92 80 783 4»[500] 831[8000] 9» [5001 944[1000] 228387 41« 4« 5S5 755 22905« 110 29« 458»2 530 70« 7»[1000] . 230143»3 42» 581«St 82 787 231308*4 60* 1« 45 llOOO) 811 9« 972 232190[80091 212 233468[500] 867 2 3 4221 44 500 15 55*23 89 2 3 5028 78 858 79» 931»l 236013 49[500] 9» 182 253 41»[1000] 5?» 888*9[5001 237106 2*9 40* 563««3*04 71 238104 14[500] 82*33 6 7 40- 54 755 2S 9532 522 824 954 240102[500] 55* 79 419 94 558(31)001 CS 907 20 27 81 24114* 239 77 469 70« 54 2420*8 692«9» 243106-96(39001 409«1 525 878 8*8»76 244058 103 5« 844 463 615[500] 9-0 2 4 50-0 22 33 407»97 ,00 (500) 17*2*20 24617» 8* 3*9 11»0«[500] 2*«5 993 247039 120[lOOO]*8« 248037 165 208 81«[300] 470 911[1000] 51 2 4 0008 59 80 121 280 78«90 477 542 710 818 ___ 250100«8[1000] 238 48 494 2 5 1 008 44*3*(5001 252118[1000] 248 8*9 84 418 580 821 2 5 3 044 720 901 27 2 54183[ 8000] IIS 78 141 9*9 2 5 5115 3*3 4SI 47 684 78S»«8 256138 407 971 257062 999 84* 258442 53*91 897 2500*9 4>« 79» 827 SI 984 26024»»1 392 608 878 75»»03 81 2610M 870 [3000] 455 91 895 262089 125 268*0» 770[lOOOl 87» 98 2 6 3054 69 381 403 718 60»4« 264-55 8* SU 509 SS[500] 697 945 70 2 6 5 311 19 59 5*8 780«81 26600, 280 81 555 82 97 7,1 96 2 67180 870 419 7 7 505 M 985 263*57 818«70 2 60-39 41 79 477«35 892 270544 57*40[1000] 710[SOOO] 8*1»92 2711M( MO 493 84 272091 148(500] 4» 838 548 855 9«« 273959 480«77 784»9» 2745*1«42 78»[500]»45 99 945 2 7 5124 74 235 552 741[500]»1» 90« 2760«» [5001 93 181»77 511 8« 981 277281 091 728«1 9» 27S-«2 5*8 78« 270201(1000] 827 81 51* 817»02 92 280192 542 4*1(500] 591*99 94« 281064 193«5* SO[500] 817 282000 184 515«7 7» 750 907 51 2 8 3025' 430 821 714»0»29 284018 20»5[1000] 172 398 81» *3 990 28513» 950«48*4«[3000] 286079 277[500)1 465 607 891[lOOO] 28723« 804 544«24 728[600] 8*8' 28 8050 73 115 38-14 40 80 888 M 541 800[1000) 2802*2 78[3000] 39««48 2009-0 95 303 70 478 518«14 28 MX«0[9000) 83 291188 462 695 797 292339 442 79[500] 877 29306« 136 366 337[ 2000] 75» 204014 27»[500] 497[5*0]*7» 803 295017 11« 575[500]«10 296477 6*6 ,30 20735» 927 2 9 8083 240 525 548 830[500] 821 29 200091 54* [5000] 633 847 306131 335 885«M 777 301 1*8 410 40«TO«N «8 302-59 30305««0« I 747 CruwtoDttlidin Kidakteur ßi�orb Kanh, jPitlin, giir Pen ßn;crQtentetl vercmtw q T». Glocke, Berlin. Druck u. Verla,: Porwän, euchd-uckcrej tt. verlagsanstal] Paul Singer a,«ou»trlm SW. Kr.M. 27. Jahrgang. 3. Kilmk des Jenmitts" fittliiiet MKsblM Mag, 13. Mai 1910. Partei- Hngelegenbeiten* Zweiter Wahlkreis, Friedrich st ad t. Der Zahlmorge« für ZeitungSdruckerei-Nachtarbeiter findet nicht am 15., sondern Sonntag, den 22. Mai statt. Gharlottendurg. Der Wahlverein veranstaltet am 2. Pfingst- feiertaa im Volkshause, Rosinenstr. 3, ein Gartenkonzert. Bei ungünstiger Witterung wird das Konzert im Saale abgehalten. Der Eintrittspreis beträgt nur IS Pf. Es wird erwartet, dah die Arbeiterschaft durch starken Besuch ihr Interesse an dem Gedeihen ihres eigenen Heims bekundet. Siixdorf. thn Montag, den 16. Mai(2. Pfingstfeiertag) veranstaltet der Wahlverein in den Lokalen„Karlsgarten", Karlsgarten« strage 6—1», und Felsch, Knesebeckstr. 48—49, Frühkonzerte. Eintritt 1l) Pf. Anfang des Konzerts S Uhr. Kasseneröffnung 4Vz Uhr morgens. Von dieser Zeit an steht auch die Kaffeeküche den geehrten Damen zur Verfügung. DaS Komitee. Lichtenrade. Umständehalber findet der regelmäßige Zahlabend erst am Sonnabend(nach Pfingsten), den 21. Mai bei R. Deter, Bahiihofstraße statt._ Berliner JVacbrlcbten. Maien und Kalmus. Der Wald gcht spazieren. Zu Weihnachten wandern die Tannen, zu Pfingsten die Birken. Im Winter besucht uns die düstere Schwermut der Fichtenwälder, im �riihjahr der leuchtende Zauber des Waldfrühlings. Wie zum letzten Gange festlich geschmückt, hält der silbrige Birkenstamm mit den feinen Älattwedeln seinen Einzug in die frühlingsdurstige Großstadtwclt. Nichts von all der satten, jungen Pracht kehrt zurück in die Waldeinsamkeit. Auf langen Leiterwagen, von ländlichen Gestalten begleitet, wandern die schlanken Früh- lingsboten aus den stillen Forsten der Mark nach der lauten, menschenübersäten� Groststadtstraste. Wie eine rauschende Schleppe ziehen die dicht gehäuften Stämme das zarte Laub hinterdrein. Hell bricht die Morgensonne durchs Gewölk, er- füllt mit ihrem goldigen Schimmer die entlehnte Waldschön- heit. Bald tönt es überall in der Runde:„Maien, kauft Maien ... frische Maien I" Und die Welt weist nun. dast Pfingsten, das lieblichste der Feste, dicht vor der Tür steht. Einen eigenen, immer wieder schönen Reiz hat doch die Sitte des Schmucks der Häuser und Wohnungen mit Pfingstmaien. Der deutsche Wald lädt sich zu Gaste, mit Frohmut nehmen wir ihn auf Weit hinweg schweift über die wallenden Maienbüschel blitz- gleich das Auge, in idyllische Täler mit Buchen- und Eichen- grün, zu dem Gemurmel des Waldbachs und dem Jubilieren der Vögel. Mitten hindurch schreitet ein lieblicher Knabe mit strahlenden Blauaugen, das Haar mit Blättern und Blüten geziert, in der Hand den blumenumwundenen Stab... der lachende Frühling. Und ebenso schnell zerstört uns die Wald illusion auf nüchternem Groststadtpflaster wieder der ein tönige Ruf:„Maien... kauft Maien!" Dicht ist der Leiter- wagen umlagert. Zusehends schwindet die duftige Last. Die einen tragen ganze Bäume fort, um sie vor den Geschäftsläden in Wasserkübeln aufzustellen, andere begnügen sich für wenige Pfennige mit ein paar Reisern. Von allen Balkons grüstt der frische grüne Wald, selbst von Neubauten, Geschäftswagen und von den nickenden Köpfen der Gäule. Und wo in den dunstigen Fabriken die Kollegen zusammenschiesten, um den öden Raum zu schmücken, schwillt die Brust verjüngt höher in übermäch tigem Frühlingssehnen. Bunte Bänder in die Pfingstmaien zu flechten, wie vielfach auf dem Lande, ist in der Groststadt nicht Brauch. Man nimmt die Natur, wie sie sich gibt. Wenn aber die Kinder unter den Birkenblättern ein paar verschlafene Maikäfer entdecken, einen purpurleuchtenden„Kaiser" oder „König" oder auch blost einen schildbehaarten«Müller", ist der Jubel groß. Die Landleute machen mit dem grünen Waldsegen, den der Forstmann zur Durchlichtung seiner reichen Bestände ganz gern abgibt, gute Geschäfte. Nicht einen einzigen Zweig nehmen sie wieder mit nach Hause. Dafür überlassen die Dörfler es meist den Berliner Händlern, das junge Grün der Wasserpflanzenwelt unter die Leute, oder richtiger, unter die Kinder zu bringen, die noch immer so gern„an dem Kalmus piepen". Der Kalmus wächst an wohl fast allen märkischen Seeufern im Morast und wuchert an vielen Stellen außer- ordentlich stark. Die schlanken Schwertblätter mit dem rot- weißen Wurzelschaft herauszuschneiden, ist für ungeübte Hände und namentlich für Kinder nicht ganz ungefährlich. Scharf sind in diesen Tagen wieder die Gendarmen hinter der für Unberufene verbotenen Kalmusfischerei einher, aber die grün- berockten Staatshüter stehen zu spät auf, und so finden große Mengen Kalmus doch ihren Weg nach der Stadt, um ein paar Dutzend armen Schluckern netten Verdienst abzuwerfen. Lange dauert das Vergnügen nicht, dann hat die Kinderwelt das Kalmuspiepen satt. Auch die Freude an den grünen Reisern ist nur kurz. Nach wenigen Tagen lassen die braunen und weißen Ruten die Köpfe hängen,,, der Pfingstzauber ist wieder mal vorüber,_ Ein Ausflug nach Erkner. Die Züge nach Erkner fahren Sonntags sehr zahlreich vom Schlcsischen Bahnhof(Fahrpreis von hier aus 55 Pf.) ab, vom übrigen Teil der Stadtbahn seltener. Durch Um- steigen auf dem Schlesischen Bahnhof kann man jedenfalls fortwährend in wenigen Minuten Anschluß erhalten, ebenso in Stralau-Rummelsburg, wo man den Erkner-Zug auf dem Wahnsteig E erwartet. Nachdem wir die lange Reihe der Stationen glücklich zurückgelegt haben, gehen wir vom Bahn- Hof Erkner nicht zur Tampfer-Haltestelle, sondern wenden uns rechts in den Ort hinein, indem wir ihn auf seiner hübschen, baumbepflanzten Hauptstraße durchschreiten, bis wir die links abzweigende Hübnerstraße erreichen. Diese führt uns über die Bahn und bald darauf auf einer Brücke iiber die Löcknitz, die sich hier durch Wald und Wiesen schlängelt. Dann sind wir im Walde, wo wir den als Walter- Leistit'ow-Weg bezeichneten Fußweg einschlagen, der nach der Tafel am Baume gen Fangschleuse führt. Eine Reihe von Seen, im weiten Wiesenbereich der Löcknitz eingebettet und mit ihr meistens verbunden, erwartet uns. Durch Hochwald, den schöne Wachholderbllsche zieren, wird zunächst der von Teichhühnern belebte Wupatzsee erreicht. Die Walter- Leistikow-Bank an seinem Ufer erinnert an den genialen Meister märkischer Landschaften, dessen Auge oft über den dunflen Spiegel schweifte. Mit Hilfe der Karte und der Weg- bezeichnungen finden wir leicht die folgenden Seen. Heide- reuter- oder Förstersee heißt der nächste, der nur wenige Minuten östlich entfernt ist. Er ist nicht mehr mit der Löcknitz verbunden, sondern rings von Wald umgeben, kleiner und daher noch reizvoller, wie etwa der Pechsee im Grunewald, und wie dieser ein Moorsee, an dessen Ufer stellenweise Torf- bildung auftritt. Weiter geht es in der Nähe des Waldrandes, rechts von der Löcknitz durchströmte Wiesen und Aecker, die Dächer von Gottesbrück(rechts) und Fangschleuse(links) tauchen auf und nach Ausblicken auf den schon einigermaßen „der Bebauung erschlossenen" Priestersee erreichen wir nach weiterer Wanderung den großen Werlsee, den wir von hohen Sanddünen aus betrachten können. Hier liegt, zwischen Werlsee und Peetzsee, Grünheide, wo wir uns bei Vater Fielitz erfrischen können. Unser nächstes Ziel ist jetzt Wolters- dorfer Schleuse. Man kann über Alt-Buchhorst dahin gehen, wo aber kein Lokal für uns frei ist. Deshalb suchen wir uns nach der Karte bald hinter Grünheide das zweite oder dritte lange, von Osten nach Westen streichende Gestell, das wir West- wärts durch prächtigen Hochwald verfolgen, den Unterholz Wachholdergebüsch und Eichenbestände verschönern. Wo nach einer Stunde rechts die Hügel der Kranichsberge kenntlich werden, können wir uns dorthin wenden, um von einem der hohen Punkte eine Aussicht zu gewinnen oder auch den Aus sichtsturm zu besteigen, ehe wir nach Woltersdorfer Schleuse absteigen.(Ausgenommen Woltersdorfer Mühle und Hotel Kranichsberg sind hier alle Lokale frei.) Es lohnt sich, diesem Punkte, einem der schönsten der Mark, einige Zeit zu widmen am Flaken- oder Kalkseeufer zu flanieren usw., ehe man au das Geklingel einer der abfahrenden Dampfer achtet, und sich endlich losreist. Die Fahrt über den See zum Bahnhof ist nicht lang, und das ist ihr einziger Fehler. Sie bildet einen Abschluß dieser Seenreise, wie man ihn sich nicht besser wünschen kann. Allzuspät darf man sich freilich nicht zur Rück kehr entschließen, es sei denn, daß einem Gedränge und über füllte Züge nichts anzuhaben vermögen. Die Minderung der Eheschließungen war in Berlin unter dem Einfluß der Wirtschaftskrisis in den letzten Jahren immer fühlbarer geworden. In den Jahren 1907, 1908, 1909 wurden hier nur noch 23 245, 21 799, 21 209 Ehen geschlossen, das ergibt pro Tausend der jahresdurchschnittlichen Bevölkerung Berlins nur rund 22, 21 20 Eheschließende. Es scheint nun, daß im Jahre 1910 diese Abwärtsbewegung zum Still st and kommen will. All- jährlich zweimal häufen sich in Berlin die Eheschließungen, im Frühjahr etwa von Mitte März bis gegen Ende April und im Herbst etwa von Mitte September bis gegen Ende Oktober. Gewöhnlich liefern März und April sowie September und Oktober zusammen schon die Hälfte aller Eheschließungen des ganzen Jahres, so daß das Ergebnis dieser vier Monate stark für die Eheschließungsziffer des Jahres ins Gewicht fällt. Für 1910 liegt jetzt die übliche Frühjahrshochflut der Ehe schließungen bereits hinter uns. Da ist festzustellen, daß März und April diesmal ein merklich höheres Ergebnis gebracht haben als dieselben beiden Monate des vorigen Jahres. Für 1907, 1908, 1909 bclief sich in den Monaten März und April zusammen die Zahl der Eheschließungen auf 5478, 5256, 4958, in 1910 aber wurden im März und April zusammen 5218 Ehen geschlossen. Auch Januar und Februar hatten übrigens schon ein kleines Eheschließungsplus gegenüber dem Vorjahre geliefert: in beiden Monaten zusammen wurden diesmal 2155 Ehen geschlossen, in 1909 nur 2087, in 1903 und 1907 dagegen 2348 und 2324. Der Umschwung, den offensichtlich das Jahr 1910 bringen will, wurde bereits in 1909 durch die inzwischen wieder eingetretene Mehrung des Zuzugs nach Berlin angekündigt._ Die Jahresfeier» der Gemeindeschulen Berlin? sind bor etwa einem Jahrzehnt eingeführt worden. Sie wollen ein Ersatz für die öffentlichen Prüfungen sein, die früher in den Schulen üblich waren. Diese Prüfungen, zu denen die Eltern als zuhörende Gäste eingeladen wurden, sollten den Zusammenhang zwischen Schule und HauS fördern, indem sie den Eltern einen Einblick in die Unterrichtsweise gäben. Ihren Zweck erfüllten sie so wenig, daß man es nur mit Befriedigung begrüßen konnte, als dieser alte Zopf endlich abgeschnitten wurde. Von den Jahresfeiern wurde erwartet, daß sie wirksamer als die öffentlichen Prüfungen dazu beitragen würden, der Schule die Familie näher zu bringen. Sie wollen mit ihrem meist aus Unterrichts- proben, Deklamationen, Gesangsvorträgen usw. zusammengesetzten Programm den Eltern nicht nur Belehrung über die Arbeit der Schule, sondern auch einige Anregung und Unterhaltung bieten. Aber die Hoffnung, daß sie eine Brücke zwischen Schule und Haus schlagen würden, hat auch hier sich nicht erfüllt. Obwohl diese Veranstaltungen unentgeltlich dargeboten werden, gelingt es wohl nur selten einer Schule, durch sie einen besonderen Eindruck auf die Eltern zu machen. Im übrigen könnte selbst die best gelungene, eindrucksvollste Jahresfeier den Eltern nur wenig be- deuten gegenüber dem. was die Schule Tag für Tag an den Kindern, ihnen zum Segen oder manchmal auch zum Unsegen, tut. In den Kreisen der Gemeindeschulrektoren werden die Jahresfeiern ebenso, wie früher die öffentlichen Prüfungen, als ein B a l l a st empfunden, von dem die Schule baldigst wieder zu befreien sei. Der Berliner Nektorenverein hatte denn auch bor einiger Zeit an die Schuldeputation die Bitte gerichtet, die Jahres- feiern abzuschaffen, weil sie ihre Aufgabe, eine Verbindung zwischen Schule und Haus herzustellen, nicht erfüllen. ÄuS dem Rathause wird uns gemeldet, daß die Schuldeputation jetzt sich mit dieser Petition beschäftigt hat, aber zu dem einstimmigen Beschluß gelangt ist, sie abzulehnen. In der Debatte sei sogar angeregt worden, daß man diese Jahresfeiern, die jetzt an jeder Gemeindeschule nur alle drei Jahre stattfinden, künftig alljährlich veranstalten solle. Ob sonst noch etwas angeregt worden ist. sagt die uns zugegangene Meldung nicht. Wie wär'S, wenn man auch versuchte, die Jahresfeiern zwcckgemäß umzugestalten? Man sollte ihnen eine freiere Form geben, die eS den Eltern ermöglicht, den Lehrern per- sönlich näher zu treten. Durch eine Veranstaltung, bei der ein be- stimmteS Programm heruntergehaspelt wird und im übrigen Eltern und Lehrer fremd aneinander vorübergehen, kann allerdings nicht die zwischen Schule und Haus bestehende Schranke weggeräumt werden. Manche Pädagogen fürchten, daß ihre Autorität, wenn sie nicht auch den Eltern gegenüber sich als„unnahbar" geben, in die Brüche gehen könnte. DaS wäre eine sehr fragwürdige.Autorität" die nur mit solchen Mitteln aufrecht erhalte» werden kann. vnd Teddy sprach. Mr. Roosevelt kann mit dem Empfang, den ihm Behörden und Schmocks in Berlin bereitet haben, mehr als zufrieden sein. Einem blöderen Staunen und einer kindischeren Neugier ist er sicher- lich auch bei den rückständigsten Stämmen des entlegensten Ostafrika niemals begegnet. Aber Teddy kennt seine Leute und weiß mit ihnen umzugehen. Dem Cowboy versteht er als Reiter und Schütze zu imponieren, und dem Volk der Dichter und Denker durch„philo- fophifche" Reden. Er wollte den guten Berlinern beweisen, daß ein republikanischer Exregent der Neuen Welt ebenso„tiefsinnig" zu reden versteht wie ein gekröntes Haupt Europas. Und so hielt er denn im SenatSzimmer der Universität eine wunderbare Rede über „Die Kulturbewegung der Welt". Wer diese Rede liest, ohne ihren Urheber und ihre Veranlassung zu kennen, würde glauben, die Primanerrede einer Schulfeier vor sich zu haben. Denn wie schön führt uns Herr Roosevelt im Fluge durch die Zeitalter! Kein Pennäler könnte uns exakter und schul- gerechter die Merkmale der verschiedenen Kulturen aufzählen, könnte uns erbaulicher und belehrfamer über das Vergängliche aller Ge« bilde von Menschenhand unterhalten. Und die Würdenträger der Universität der Reichshauptstadt umgaben in Ehrfurcht ersterbend den erhabenen Redner— und die Presse, vor allem die l i b e- r a l e Presse, brachte nicht nur diverse Leitartikel über dies epochale Ereignis, sondern übermittelte auch die illustren Gedanken des genialen Staatsmannes in spaltenlangen Berichten brühwarm ihren Lesern! Den Bericht hätten sich die Blätter aber doch lieber schenken sollen! Denn an dem kann höchstens Herr v. Bethmann Hollweg seine Freude haben. Kann er daraus doch schmunzelnd konstatieren, daß auch staatsmännische Zelebritäten des Landes der unbegrenzten Möglichkeiten ebenso langweilig und pedantisch gespreizt zu reden verstehen, wie ein gewisses„altes Weib" in Preußen! Und wirklich: ein wie„smarter" Staatsmann Teddy nach den Begriffen der amerikanischen Bourgeoisie immer gewesen sein mag. mit kultur- historischen Redeergüssen sollte er seine kultivierteren Mitmenschen doch lieber verschonen. Hätte er noch Jägerlatein aus Wildwest oder Wildost verzapft— aber uns so ganz bethmanniich-langstielig zu kommen, das geht denn doch über die Hutschnur! Wißbegierige Pädagogen. Die Schule soll auch um die Familie sich kümmern. Die Lehrenden sollen versuchen, ihre Zöglinge auch aus den Verhält- nissen des Hauses zu beurteilen und zu verstehen. DaS ist eine Forderung, die zeder Einsichtige billigen wird, weil nur so die Erziehungsarbeit der Schule den rechten Erfolg haben kann. Leider merkt man nicht viel von Bemühungen der Lehrerschaft, über das häusliche„Milieu" der Schuljugend sich zu informieren. Wo aber solche Versuche wirklich gemacht werden, da richtet die Wißbegier mitunter sich auf Dinge, an die die Schule besser nicht rühren sollte. Grundsätzlich sollte die Lehrerschaft es ablehnen, nach der Parteizugehörigkeit der Eltern zu forschen. Es ist richtig, daß gerade das sehr wichtig sein kann für die Beurteilung der Einflüsse, die in der Familie auf ein Kind wirken. Doch nur zu leicht wird eine Fragerei, die— direkt oder indirekt— auf diesen Punkt sich richtet, von den Eltern als Gesinnungsschnüffelei empfunden. In höheren Schulen kommt es wohl nur selten vor, daß Lehrer und Lehrerinnen ihren Zöglingen solche Fragen stellen. Aus der Volksschule aber sind oft genug Mißgriffe dieser Art be- kannt geworden, und gerade hier müssen sie auf das Eltern- haus verstimmend wirken. Die Bevölkerungsschichten, denen für ihren Nachwuchs nur die Volksschule offen steht, bekennen sich ja größtenteils zu einer politischen Anschauung, die von der Mehrheit der Lehrerschaft unserer Volksschule bekämpft wird. So- gar in die Schulstube haben manche Lehrer und Lehrerinnen den Kampf gegen die Arbeiterklasse hineingetragen, und Arbeiterkinder haben aus Pädagogenmund kränkende Aeuherungen zu hören be- kommen, die sie mit auf die eigenen Eltern beziehen mußten. Selbstverständlich werden da Arbeiterfamilien gegenüber der Schule mißtrauisch gegen jede Wißbegier, die die Parteizugehörigkeit der Eltern erforschen zu wollen scheint. Klagen hierüber sind immer wieder an uns gelangt, besonder? nach vielbemerkten Ereignissen im politischen Leben, nach Wahl- kämpfen, nach Wahlrechtsdemonstrationen oder Protestkundgebungen anderer Art, nach Märzfeiern und Maifeiern. Nach der dies- jährigen Maifeier hat in der 13 7. Gemeindeschule für Mädchen(Gerhardstratze) eine Lehrerin Frl. Seile, die die Klasse VI Ick leitet, ihre Schülerinnen niederschreiben lassen, wie sie den 1. Mai verlebt hatten. Ein Vater teilt uns das mit und knüpft daran die Frage, ob es sich hier nur um eine persönliche Neugier oder um einen Auftrag von oben handelt. Es braucht weder das eine noch das andere zuzutreffen, sondern kann lediglich ein Zufall sein, daß Fräulein Selle ihren acht- bis neunjährigen Schüle- rinnen für die kleine Stilübung ausgerechnet den Sonntag, der aus den 1. Mai fiel, als Thema gegeben hat. Aber angesichts früherer Vorkommnisse, die aus anderen Schulen bekannt geworden sind, kann man, wie gesagt, sich nicht wundern, wenn so etwas mit einigem Mißtrauen ausgenommen wird. Fräulein Selle hat übrigens auch selber schon oazu beigetragen, Argwohn gegen sich rege zu machen. Erst vor wenigen Wochen hat sie in ihrer Klasse gefragt, welche Zeitungen von den Eltern gelesen werden. Der Vater, der uns das mitteilt, vermutet auch hinter dieser Frage den Wunsch, die Parteizugehörigkeit der Eltern zu ermitteln. Die Lehrerin wird sich vielleicht beklagen, daß ihr da eine Absicht nach- gesagt werde, die ihr völlig fern gelegen habe. Zu danken hätte sie das denjenigen ihrer Kollegen und Kolleginnen, die den Kampf gegen die politisch und gewerkschaftlich organisierte Arbeiterklasse in die Schule hineingetragen haben. Wenn in dieser Hinsicht jede Ungehörigkeit vermieden wird, so wird auch das Elternhaus gegenüber der Schule sich frei machen von jenem Mißtrauen, das rasch bereit ist, G e s i n n u n g s- schnüffelei zu wittern. Im übrigen kann man nur wünschen, daß alle Eltern ihre Kinder dazu anhalten, solche Wißbegier durch rückhaltlose Auskunft zu befriedigen. Jedes Kind sozial« demokratischer Eltern sollte in der Schule, wenn es geftagt wird, mit Stolz erklären:„Jawohl, meine Eltern lesen den„Vorwärts", mein Vater bekennt sich zu den Anschauungen der Sozialdemokratie, meine Mutter auch, beide haben an der Wahlrechtsdemonstration teilgenommen, und wir alle sind zur Maifeier gegangen." Jeder Lehrer und jede Lehrerin sollte zu der Ueberzeugung gebracht wer» den, daß bei Arbeiterkindern nur diese Antwort zu erwarten ist. Wettervorhersage durch den Fernsprecher. Das Zusprechen der Wettervorhersage durch den Fernsprecher ist eine Einrichtung, die immer noch so wenig bekannt zu sein scheint, daß die Post jetzt beim Beginn des Sommers auf die Einrichtung hierdurch hinweisen läßt. Die amtliche Wettervorhersage für den folgenden Tag gelangt in Berlin jeden Tag etwa mittags 12 Uhr auf jedes Fernsprechamt. Sie kann dann durch einfachen Anruf beim Amt erbeten werden, worauf sie sofort zugesprochen wird. Das Zusprechen kostet nur 10 Pfennig. Der Betrag wird nachher von dem Briefträger ein- gezogen. Das Zusprechen der Wetterdepeschen kann an jedem be- liebigen Tage geschehen. Außerdem kann man auch das Zusprechen der Wettervorhersage ein für allemal bestellen und daraus abonnieren. Auch dann kostet dies 10 Pfennig für den Tag. Die Betriebsleitung der Berliner elektrischen Straßenbahnen A.-G« .Siemens und Halske) teilt mit, daß bei günstiger Witterung am ersten und zweiten Pfingftfeiertage auf ihren Linien folgende Früh- zöge eingestellt werden: 1. Linie Behrenstraß e— T r e p t o w: ab Hollmannstraße(Ecke Lindenstraße) von früh 4,30 Uhr an? ab Behrenstraße von früh S Uhr an in Abständen von zehn Minuten. 2. Linie Mittel st raß e— P a n k o lo— 9t ieder-Schön- hausen: ab Pankow �Betriebsbahnhof Damerowstraße) von früh 4 Uhr an? ab Mittclstraße tEcke Friedrichstraße) von früh 4,40 Uhr an in Abständen von zehn Minuten. 3. Linie B a d st r a ß e(Ecke Prinzen-Alle e)— g ranz. Buchholz: ab Badstraße(Ecke Prinzen-Allee) von früh 4.25 Uhr an in Abständen von 35 Minuten. Der dann beginnende fahrplanmäßige Betrieb wird durch Einfügen Von Sonderzügen verstärkt. Die Behandlung der Heimstätteninsassen der Heimstätte durch den leitenden Arzt Dr. Reuter, die wir wiederholt tn unserem Blatte rügen mußten und die am 8. März 23 Patienten Veranlassung gab, die Heimstätte zu verlassen, war in der letzten Sitzung des Kuratoriums der Heimstätten Gegenstand längerer Be sprechnngen. Ueber das Ergebnis teilt das Nachrichtenamt der Stadt Berlin folgendes mit:„DaS Kuratorium hat nach eingehenden Er Hebungen eine Berechtigung zum Austritt nicht anerkennen können. jedoch auch dem leitenden Arzt, welcher in der Sitzung zugegen war, nicht verhehlt, daß der von ihm benutzte Ausdruck, das Nachliegen solle als Strafe dienen, nicht zu billigen sei.* Die Form, in der die Nichtbilligung gegen Dr. Reuter erfolgt. ist die denkbar mildeste und läßt den Schluß zu, daß man dem Herrscher in Buch in der Oeffentlichkeit nicht allzu wehe tun wollte. Aber auch schon so sagt die Mißbilligung genug. Wir wollen nur hoffen, daß sie geeignet ist, Herrn Reuter zu bessern in seinem Ver- halten gegen die Patienten. Schließlich muß doch immer Bedacht genommen werden darauf, daß Herr Reuter es mit Kranken zu tun hat und nicht mit Rekruten. Durch diese Erledigung der Angelegen- heit erfährt auch die Rolle, die der Herr Oberbürgermeister in der Stadtverordnetenversammlung bei Besprechung der Angelegenheit spielte und wobei er ganz unbesehen eine Lanze für Herrn Reuter glaubte brechen zu müssen, eine sonderbare Beleuchtung. So wenig objektiv wie in diesem Falle haben wir unseren.Ober* noch nie gesehen. Hoffentlich kommt auch er zu der Ansicht, daß er eine schlechte Sache vertreten hat und daß man der Allgemeinheit mehr nützt, wenn man rückhaltlos die Wahrheit zu ermitteln sucht ohne Ansehen der Person. DaS Kuratorium der Heimstätten scheint das letztere erkannt zu haben und man kann nur wünschen, daß es auf diesem Wege fort- fährt. Tut es das und sucht es auch den Heimstättenpatienten nach Möglichkeit entgegenzukommen, so wird es sicher dem Zweck der Anstalten und seinen Aufgaben am besten gerecht. Ueber den durchschnittlichen Jahresarbeitsverdienst land- und forstwirtschaftlicher Arbeiter gibt der Polizeipräsident folgendes be- kannt: In Abänderung meiner Bekanntmachung vom 27, März 1900 und 10. Mai 1900 setze ich in Gemäßheil der Bestimmungen des § 10 des Unfallversicherungsgesetzes für Land- und Forstwirtschaft vom 30. Juni 1900 in der Fassung der Bekanntmachung vom 5. Juli 1900— N. G. Bl. S. 341 ff.— und der Ausführungs- anweisung vom 19. August 1900— Min. Bl für die innere Ver- waltung S. 243— Ziffer 1,1 für den Stadtkreis Berlin nach An- hörung des Magistrals den durchschnittlichen Jahresarbeitsverdienst land- und forstwirtschaftlicher Arbeiter wie folgt fest: a) für er- Wachsens(über 13 Jahre alte) männliche Arbeiter 1080 M., b) für erwachsene(über 16 Jahre alte) weibliche Arbeiter 360 M.. o) für jugendliche(unter 16 Jahren alte) männliche Arbeiter 540 M., clj für jugendliche(unter 13 Jahren alte) weibliche Arbeiter 420 M. Die neuen Sätze treten mit dem 1. Juni 1910 in Wirksamkeit. Strenge Absperrungen wurden gestern Unter den Linden durch- geführt. Schon nach 10 Uhr wurde von Schutzleuten zu Fuß und zu Pferde unter Leitung zahlreicher Polizeiosfiziere der Wagen- verkehr abgelenkt. Nach 11 Uhr wurden die Absperrungsmaßregeln immer strenger. Der Grund zu diesen Maßnahmen lag darin, daß der Expräfident Roosevclt seinen angekündigten Vortrag über die Weltkulturbewegung in der Universität halten wollte und daß zu diesem Vortrage die gesamte kaiserliche Famile und sonstige Würden- träger als Zuhörer angekündigt waren. Ueber den Vorsteher der Stadtbahnstation Schöneberg wird uns folgende Klage vorgetragen: Kürzlich löste sich an» Schalter der genannten Station ein Arbeiter ein Billett nach Ripdorf und weil er mfolge Müdigkeit in den überfüllten Coupöes 3. Klasse nicht stehen wollte, nahm er eine Karte 2. Klasse. Als der Zug. mit dem der Fahrgast fahren wollte, einlief, rief ihm der Stationsvorsteher zu: Sie bleiben hier l Verwundert frug der Arbeiter nach den, Grunde dieser Anordnung. Es wurde ihm gesagt, er dürfe nicht 2. Klasse fahren. Schließlich wollte der Vorsteher dem Arbeiter 5 Pf. wieder herausgeben, damit er 3. Klasse fahre. Bemerkt sei, daß der Arbeiter sauber gekleidet war, selbst über einen weißen, niedrigen Krage» verfügte. Der Arbeiter ließ sich auf daS Angebot nicht ein und als der nächste Zug einlief, stieg er ein. ohne sich weiter an die Anordnung des Vorstehers zu kehren. Auf der nächsten Station .Bbersstraße* wurde die Coupeetür aufgerissen, der Arbeiter heraus- geholt und nach der nächsten Polizeiwache behufs Feststellung seiner Personalien gebracht. Als das geschehen war, wurde gefragt, was denn der Mann verbrochen habe. Aus den Aeußerungen der Beamten war zu entnehmen, daß wegen derartiger angeblicher Ver- fehlungen öfter Feststellungen angeordnet worden sein sollen. Nach seiner Vernehmung begab sich der mit der 2. Klassen-Fahrkarte Ausgerüstete nach der EberSstraße, von wo er ungehindert nach Rix- dorf fahren konnte. j Es wäre interessant, von der Eisenbahnverwaltung zu erfahren, ab sie das Verhalten des Stationsvorstehers billigt und auf welche Bestimmungen sie sich dabei stützt. Dem Manne ist die Karte verkauft worden, natürlich, damit er sie benutzen kann. Ihm später Schwierigkeiten zu machen, dazu ist unseres Erachtens der Vorsteher nicht befugt, solange sich der Fahr- gast nicht uiianständig beträgt. Das ist im vorliegenden Fall« nicht geschehen. Unseres Erachtens hat sich der Stationsvorsteher in Schöneberg eine strafbare Verfehlung zuschulden kommen lassen, wenn er die Feststellung des Fahrgastes ans der Station Ebersstraße veranlaßt hat. Hierzu war er keineswegs befugt. Ein ungewöhnlich dreister Flcischwareiidiebstnhl ist bei einem Schlächtermeister Rößge, Gartenstr. 62, verübt worden. R. besitzt auf dem Grundstück Panoramastr. 3 einen großen Kühlraum, in dem geschlachtete« Fleisch untergebracht ist. Gestern am bellen Tage fuhr nun ein von frechen Einbrechern geleitetes Fuhrwerk vor und, nach« dem die Diebe die Türschlösser erbrochen, machten sie sich daran, den Wage» zu beladen. Zwei geschlachtete Schweine, geschlachtete Kälber, einen Hammel, ganze Rindcrvierlel und andere Flcischwaren iin Werte von mehr als 1000 M. schleppten die Täter davon. Die vor- übergehenden Passanten glaubten natürlich, daß die Leute zum Fort- schaffen der geschlachteten Tiere berechtigt seien. Rückzahlung von Eintrittsgeldern zu»« Flugplatz Johannisthal. Die Flugplatzgesellschaft macht das Publikum nochmals besonders darauf aufmerksam, daß, wenn ungünstiges Welter das Fliegen während der Flugwoche unmöglich macht, das Eintrittsgeld für den betreffenden Tag zurückgezahlt wird, und zwar nach dem Hissen der schwarzen Flagge an den Platzkassen. Diejenigen Besucher, die vor diesen, Signal den Platz verlassen, müssen sich an den Ausgängen ihre Billetts abstempeln lassen und erhalten dann daS Eintrittsgeld im Laufe des folgenden Tages im Stadtbureau der Gesellschaft, Lützowstr. 89/90, oder an denjenigen Verkaufsstellen zurück, wo die Billetts gelöst sind. Nur ein geringer Teil des ge- zahlten Eintrittsgeldes wird nicht zurückerstattet, zur Deckung der Unkosten für die Musik, die auch beim Ausfallen der Flüge dem Publikum Unterhaltung bietet. Einzig auf die Billetts zum Startplätze wird nichts zurückerstattet mit Rücksicht darauf, daß deren Inhaber Gelegenheit haben, die Flugzeuge und deren Maschinen zu besichtigen und wertvolle technische Studien zu machen, was ihnen auf keinem der ausländischen Flugplätze geboten wird. DaS Publikum wird gebeten, den Vordruck auf de» Eintrittskarten genau durchzulesen, auf denen alles Nähere angegeben ist. Neue Briefinarken-Nutomaten sollen in unserer Stadt demnächst zur Aufstellung kommen, die, wie man uns schreibt, ein tadelloses Funktionieren gewährleisten und in solch genügender Zahl angebracht werden, daß sie dem Bedürfnis des Publikunis entsprechen und die Post wesentlich entlasten. Eine außerdem an den Automaten an- gebrachte Orientierungstafel gibt Aufschluß, wo man die nächste Rettungswache, Arzt, Apotheke, Feuermelder. Polizeiwache usw. fiitdet. Eine um den Automaten arrangierte Reklame soll das Unternehmen bezahlt machen. Einbrecher haben in letzter Zeit verschiedene Verkaufsstellen der Konsumgenossenschaft Berlins und Unigegend heimgesucht. Nachdem erst kürzlich in der Langhansstraße in Weißensee eingebrochen worden ist, hat in der vergangenen Nacht ein Einbruch in der Berkaufsstelle in der Friedelstraße in Ripdorf stattgefunden. Die frechen Burschen bogen auf dem Hofe die starken Eisenstäbe der Schutzgitter an einem Fenster mit großer Gewalt so weit auseinander, daß sie hindurch- kriechen und durch das zertrümmerte Fenster in die Räume gelangen konnten. Hier packte» sie Butter, Schinken. Speck, Wurst, eine An zahl Kisten Zigarren, ein Fahrrad usw. zusammen und nahmen mit der Beute den Rückweg durch den Keller, Auch 150 M. Wechselgeld steckten sie ein. Die Geschäftsleitung der Genossenschaft hat auf die Ermittelung des oder der Täter eine Belohnung von 100 M. ausgesetzt. Der Dämmerzustand. Entlarvt wurde von dem Erkennung«- dienst der hiesigen Kriminalpolizei eine gefährliche Taschendiebin. Vor einigen Tagen wurde eine Frauensperson, die mit der Straßen- bah» und dem Omnibus hin und her fuhr, von einem Beamten der Kriminalpatrouille festgenommen, nachdem sie gerade in einem Omnibus einer armen Frau die ganzen Ersparnisse aus der Tasche gestohlen hatte. Beim Verhör erklärte die Verhaftete, daß sie sich im Dämmerzustände befinde und nicht einmal genau wisse, wie sie heiße. Sie glaube aber eine Frau Emma Bräuning geborene Werner oder so ähnlich zu sein. Jetzt hat sich ergeben, daß der Dämmerzustand der Frau sehr gelegen gekommen war. Nur bat er vor dem Erkennungsdienst nicht stand gehalten. Die Ver- haftete ist, wie jetzt feststeht, eine Schuhmachcrfrau Anna Baumann, eine alte, schon wiederholt mit Zuchthans bestrafte Taschendiebin, die gewöhnlich mit ihrem Manne und einem kleinen Sohne von Ort zu Ort reiste, um zu stehlen. Die Verhaftete behauptete, so oft sie festgenommen wurde, stets, daß sie sich in Umständen befinde, die eine schonende Behandlung verlangen. So gelang es ihr wiederholt, zu entweichen. Sogar aus dem Zuchthause ist sie schon mehrmals entkommen. Die Diebin hielt sich schon die letzten Weihnachten über in Berlin auf und stahl in den Warenhäusern wie ein Rabe. Damals war sie von Köln hierher gekommen, jetzt wie es scheint, von Breslau. Dort hat sie auch ihren jetzt neun Jahre alten Sohn entführt, der sich nun wahr- scheinlich ebenso, wie auch ihr Mann in Berlin aufhält. Die Bres- lauer Staatsanwaltschaft suchte die Verhaftete auch schon. Frau Baumann ist schon oft photographiert und gemessen und konnte des- halb bestimmt festgestellt werden. Als Leiche wiedergefunden wurde gestern an der Shlter Straße im Spandauer Schiffahrtskanal die 19 Jahre alle Arbeiterin Frida Schweh aus der Sparrstr. 25. Am Freitag vor 14 Tagen hatte die Arbeiterin einen Streit mit dem Bräutigam; seitdem war sie verschwunden._ Vorort- Nadmcbten« Nixdorf. Arbeitslosigkeit veranlaßte in der vergangenen Nacht den vierzig Jahre alten Krankenwärter Oskar De Laporte zu einem Selbstmord- versuch. Der wohnungslose Mann nahm auf dem Flur eine» Hauses in der Ringbahnstraße Arsenik. Hierauf brach er besinnungslos zu- sammen. Ein Arzt aus dem Hause pumpte ihm den Magen auS und ließ ihn dann nach dem städtischen Krankenhaus in Buckow bringen. Gestern nachmittag wurde auf dem neuen Rixdorfer Friedhof am Mariendorfer Weg der auf so bedauerliche Weise geendete Genosse S i e g r i st unter zahlreicher Beteiligung zur letzten Ruhe bestattet. Eine Reihe bekannter Genossen sowohl wie auch die Leitung der Gewerkschaftsorganisation, der Siegrist angehörte, haben den Schritt des alten Kämpfers bedauert, der nur aus seinem verschlossenen Wesen zu erklären ist. Denn hätte Siegrist sich einigen seiner Bekannten über seine traurige Lage geäußert» wären ihm sofort Mittel zur Verfiigung gestellt worden. Wegen gewerbsmäßigen Wuchers ist vom Polizeipräsidium gegen die Firma M. O. Krüger in der Warthestr. 64 ein Ermittelung«- verfahren eingeleitet worden. Die Firma beleiht Waren jeder Art und nimmt nach den gegen sie erhobenen Beschuldigungen Zinsen, die in keinem richtigen Verhältnis zu ihren Leistungen stehen, in einem Fall z. B. 8 M. Zinsen für ein auf drei Monate gegebenes Darlehn von 10 M.. d. i. 320 Proz. auf das Jahr. Die DarlehnS- nehmer sind meistens minder- oder unbemittelte Leute, die sich in ihrer Notlage zu jedem Opfer bereit finden. Wer mit der Firma M. O. Krüger in solche Geschäftsverbindung gestanden hat, wird er- sucht, sich im Zimmer 61 des Rixdorfer PolizetpräsidiumS zu melden. Tempelhof. Ein folgenschwerer Gerüsteinsturz» bei dem vier Personen verletzt Ivurden, ereignete sich gestern nachmittag gegen 3 Uhr in der Berliner Straße unmittelbar hinter dem Ringbahnhof Tempelhof. Dort wird zurzeit von der Firma Müller u. Co. eine Farben» und Lack- fabrik errichtet, die mitten im Bau begriffen ist. Der Neubau ist von einem Holzgerüst umgeben. Gestern nachmittag brach plötzlich eine Verankerung, und fast das gesamte Gerüst stürzte mit großem Getöse in sich zusammcn. Vier Maurer, die gerade bei der Arbeit waren, wurden mit in die Tiefe gerissen und unter den Trüinmern begraben. Sosort wurde die Hauptfeuerwehr in Tempelhof alarmiert, die einen Geräte- und einen Mannschaftswagen an die Unfallstelle entsandte; zur gleichen Zeit mit diesem trafen auch aus den benach- borten Kasernen Soldaten zur Hilfeleistung ein. Ihren gemeinschaft- lichen Bemühungen gelang es, die vier unter dem Chaos der Holz- trümmer verschütteten Maurer noch lebend zu bergen. Drei von ihnen haben schwere Verletzungen an der Brust und an den Gliedern erlitten; sie wurden sofort mit Krankenwagen dem in der Moltke- straße belegenen Garnisonlazarett II zugeführt. Ihr Befinden gibt zu Bedenken Anlaß. Ueber die Ursache der Katastrophe ist bisher nichts Positives ermittelt worden. Halensee. Die Anlegung eineö Kinderspielplatzes für Halensee ist, wie in, Bezirksverein Halensee mitgeteilt wurde, vom Wilmersdorfer Magistrat zugesagt worden. Verwunderung rief die Mitteilung eines Lehrers hervor, derznfolge einige Aerzte sich gegen den Besuch von Kindergärten ausgesprochen haben sollen. Es soll mit den betreffenden Acrzten in Verbindung getreten werden, um die Gründe für diese Forderung zu erfahren. Eine Frage von großem Interesse für die Anwohner des Bahnhofes Halensee bildet die schon vielfach gestellte Forderung einer Neuanlegung eines zweiten Zuganges zum Ringbahnhof Halensee. Die maß- gebenden Behörden haben eS seinerzeit wegen der angeblich zn hohen Kosten abgelehnt und wollten sich nur dann dazu bereit er- klären, wenn die interessierten Gemeindon(Wilmersdorf, Schmargcn- dorf und Gruneivald) die Kosten ausbrächten. Immerhin wird die Frage nicht zur Ruhe kommen, bis sie gelöst ist. In der Sitzung des Bürgervereins lösten die»unerhörten Maßnahmen des Ge- meindevorsteherS von Schmargendorf, der die Lhornallee tn der Augusta-Mktoriastraße ohne erkennvaren Grund have niederschlagen lassen*, große Entrüstung aus. Verbesserungen im Straßenbahn- verkehr wurden getroffen, indem Linie 8 zum vollen Ring und Linie B ebenfalls durch Halensee geführt werden soll. Ltralan. „Zum Kampf für Freiheit und Recht" lautete das Thema, über welches Genosse Stadthagen in einer gut besuchten Versamm- lnng in den Markgrafensälen referierte. Stürmischer Beifall be- kündete dem Referenten, daß seine markigen Worte, mit denen er die Handlungen der bürgerlichen Parteien sowie der Regierung geißelte, den Versammelten auS dem Herzen gesprochen waren. Nachdem der Vorsitzende die Versammelten aufgefordert hatte, sich die Ausführungen des Referenten zn Herzen zu nehmen, wies er darauf hin, daß die einzige Stütze in diesem Kampfe der»Vorwärts* sowie die politischen und gewerkschaftlichen Organisationen seien. Zum Schluß trug der Gesangverein»Vorwärts-Frohsinn* einige Freiheits- lieber vor. Rummelsburg. Eine« schaurigen Fund machten spielende Kinder am sogenannten Eispfuhl am Parallelweg. Sie sahen auf der Oberfläche des Ge- wässers einen toten Körper treiben, den sie ans Land fischten. Es handelte sich um die Leiche eines neugeborenen Knaben. An der linken Kopfseite weist der Leichnam eine größere Wunde auf, die sich etwa 15 Zentimeter lang hinstreckt. Der tote Körper war bereits stark in Verwesung übergegangen. Die Leiche wurde beschlagnahmt. Zehlendorf(Wannseebahn). Eine unterirdische Höhle mit vollständiger Wohnungseinrichtung wurde im Grunewald, unweit Zehlendorf-West, aufgefunden. Ein junges Mädchen wurde in jener Gegend von einem Manns über- fallen, der aber auf ihre Hilferufe von ihr abließ und flüchtete. �Da man dort in letzter Zeit derartige Bassermannsche Gestalten öfter beobachtet hatte, wurde eine Razzia vorgenommen, wobei man zwar nicht den Räuber, wohl aber dessen»Residenz*, zu der ein langer, unterirdischer Schacht führt, entdeckte. Die romanttsche Woh- nung ist mit einem Tisch, zwei Stühlen, einem Spiegel, Bett usw., »ausmöbliert*. Den Besitzer fand man jedoch nicht. Jngendveranstaltungen. Freie Jugendorganisation. A b t. 3 und 15. An b« i d e n Psingst- seiertagen Wanderung über Fürstenwalde, Nauen. Storkow(Nacht- lager) nach Königswusterhausen. Treffpunkt: Sonntag früh l/,6 Uhr Normaluhr Hohenstausenptatz.— Ferner veranstaltet A b t. 5 noch.sür die» jenigen Kollegen und Kolleginnen, welche die 2 Tage-Partie nicht mitmachen. am 1. Feiertag eine S p t e l p a r t i e nach Pichelswerder(Alter Freund). Treffpunkt: //,? Uhr Hohenstausenplatz. Fahrgeld 40 Ps. Liederbücher nicht vergessen! Gäste find als Teilnehmer herstich willkommen. Schöneberg. Heute, Freitag, abends 8'/, Uhr, findet der dritte Bor- tragsabend bei Poschmann, Vorbergstr. 8, statt. Vortrag de« Genossen Schenk über»Arbeit und Kultur'. Die Jugendlichen sowie Erwachseneu werden um rege Beteiltaung ersucht. Paukow- Rieder-Ichönhanse». Am ersten Psingstfeiertag Ausflug nach den RüderSdorser Kalkbergen. Tresspunlt- 6'/, Uhr(pünktlich) am Ringbahnhos Schönhauser Allee. Fahrgeld 1,30 M. Liederbücher nicht vergessen I Sorgt sür zahlreiche Beteiligung. Freunde und Bekannte herzlich willkommen._______ Eingegangene Druckrcbnfun. Don der»Neuen Zeit«(Swttgart, Paul Singer) ist soeben das 33. Hest des 28. Jahrgangs erschienen. ES bat folgende« Inhalt: Verwirrung. Von Hans Block.— Die wirtschaftlichen und sozialen Ur» fachen der persischen Revolution. Bon Arschaoir Tschlltnkirian.— Zum Kämpft im Baugewerbe. Von August Bringmann.— DaS Budget deS deutschen Arbeiters— eine Statistik des Elends. Von Dr. A. Ltpschüb. (Schiit tz.)— Literarische Rundschau: Fritz Düvell und Franz Diederich. Kometen. Von R. G. Dr. Johann Hüppy, Geschichte deS Schweizerischen GewerkschastSbundeS. Von Julius Deutsch.— Zeitschriftenschau. Dir»Neue Zeit- erscheint wöchentlich etnniai und ist durch alle Buch- Handlungen, Postanstalten und Kolporteure»um Preise von S.SS M. pro Quartal zu beziehen: jedoch kann dieselbe bei der Post nur pro Quartal abonniert werden. Das einzelne Hest kostet SS Ps. Probenummern stehen jederzeit zur Verjügung. ßriefbaften der Redaktion* iutistlldie Evrechflunde flnbct Ltadenstra ft« Nr. 80, dorn vier Trepve»— Fahrst ii hl—, Wocheulägli» von 4>/, dtS?>/, Ildr abendS statt. Jeder Anfrage ist etu vnchftab» und eine Zahl als ivlert, eichen beizufügen. Briefliche Slntwort wird nicht erteilt. Eiltg« Fragen trag» man in der Svrechftuude vor. P. R. IVO. Wenden Sie fich an eine AnttquariatZ-vuchhandlung. Sie finden solche im Adreßbuch, II. Band. Teil IV, Seite 30 folgende ver» zeichnet.—<9. R. 9. 1. Ja, in der Buchhandlung Vorwärt», Linden- straße 39, Preis gebunden 4 M., broschiert 3 M. 2. Ja, in Deutschland 15,50 M. pro Kops. 3. Nein. 4. Wen» der Belvei» erbracht werden kann, ja. 5. DaS wird behauptet, ist aber noch nicht seststehend.— A. R. U» Es handelt sich um einen Bericht über einen Vortrag. DaS Versahren selbst in seinen Einzelheiten können wir leider nicht angeben.— R. H. 102, Der Sonntag.— 20. Tch. Die Namen werden so, wie sie geschrieben werden, ausgesprochen.— H. T. Iii. n) Nein, der Anspruch ist verjährt. 1. New, gegen den Unternehmer steht Ihnen der Anspruch nicht zu, wohl aber gegen die Kasse, die sich an den Uniernehnier hält. 2. Nein. P. S. D. W. Die Nießbraucher müssen den Vertrag ersüllen, voraus- Sesetzt, daß der Nießbrauch zur Zelt des DertragSschlusses noch nicht bestellt war. ;. T. 200. 1. Nein. 2. Nein. Die Adoptivtochter kann aber den Pflicht- teil verlangen. 3. Die Tochter kann Mitteilung eine» NachlaßverjeichnlsseS oerlangen. Sicherheitsleistung jedoch nur dann, wenn durch da» Verhalten deS Vorerben oder durch jeine ungünstige Vermögenslage" einer erheblichen Verletzung der JnventarisierungS. und die eventuelle Testament ausgeschlossen sein.— W. M. 1000. die Besorgnis begründet wird. t kann durch Am 31. Dezember 1911. evitterungSnderfiG» vom 12. Mai 1010. morgens S Uhr. Ii SB— Swtnemde 1732 OSO Hamburg 1759 DSD veriin|760D Franti.a M 753 NO München! 757 NO Wien 760 O i Vetter 3halbbd. 4 wolkig 2 wollig 3 heiter 4 heiter 1 bedeckt ldK all Et* Stationen Ii h Ii Bf Havaranda 78031 Petersburg 774 ONO Seillh klberdeen Part» 759 NNW 737 NNO 748 O i Setter 2halbbd. 2 heiter 6 wolfig 4 Regen »bedeckt tt ti Sk 9 16 0 8 6 Wetterprognose für Freitag, de» IS. Mai 1010. Vielfach heiter, nachts etwas kühler, am Tage wieder warm bei ziemlich lebhasten südöstlichen Winden; keine oder unerhebliche Niederichläge. Berliner Wetteroureau. WasserstaiidS.Nachrtisttei, der LandeSanstalt sür Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berlwer Wetterbureau. Wasserstand Memel, Tilsit P r e g e l. Jnsterlmg Weichsel, Thoru Oder, Ratibor , Krassen , Franfinrt Warthe, Schrimm , Landsberg Netz«, Vordamm Elbe, Leinneritz , Dresden , Barby , Magdeburg vafferstand Saale, Grochlitz Havel, Svandau») Rathenow») Spree, Svremberg') , BeeStow Weser, Münden . Mwden R h e i o, MarimllümSau , Kaub , Köln Neckar, Heilbron» Main, Werlheim Mosel, Trier am 11. 5. cm 106 68 91 132 73 -29 54 520 291 298 110 164 134 fett 10. 6. cm1) 0 -2 —2 +50 +i —9 +21 + 82 -9 —5 -17 ')+ bedeutet Wuchs,— Fall.—•) llnlerpegel. Nach telegraphischen Meldun gen beträgt der Wasserstand der Oder bei Ratibor heule früh nur noch 378 cm und fällt weiter.— Die Elbe ist beiBarbh bi« gestern um 8 Uhr abends noch etwa» gestiegen und steht dort seitdem uoverändert aus 320 cm. «T Die Geburt des kleinen C) A? Kudi zeigen an 2127b® S Die beglückten Eltern % M SieM MImg. S Ä,. Jp SoziaiiieiiiokratiselierWaiilvereiiil für den i Serl. Reielistags-Walillü,eis.| Stralauer Aiertcl. Bezirk 328 Teil 11� Den Mitgliedern zur Nachricht,! daß unser Genosse, der Schlossers Karl ttörsenx PersmSstr. 1, gestorben ist. Ehre seinem Andenken. Die Beerdigung findet am I freilag, den 13. Mai, nachmittags I Uhr, von der Halle des s Zentral- Friedhoses in"Friedrichs- selbe aus statt. 217/17> Um rege Betelligung ersucht Der Borttand. SoziaideiBOkrätiseber Verein sür den 5. Berliner Heiebslagswabllom Todes- Anzeige. Am 11. Mai verstarb der Ge- nosse Schlosser Franz Frese. Die Beerdigung findet am Sonnabend, nachmittags 4 Uhr, aus dem Hedwigs.kirchhos in Weifiensee, Wörther Str. 17. statt. Um rege Beteiligung ersucht Der Borstand. BoziMemokrat. Mverein Britz. Am 10. Mai verstarb unser Mitglied 202/20 Kictian! Wafschitscheck an Blinddarmentzündung. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet beute Freslag, den 13. Mai, nachmittag '/,3 Uhr, von der Leichendalle des Gcmeinde-FriedhoseS in Britz ans statt. Der Boritand. Deutscher Metallarbeiter-Verband Bertvaltungsstelle Berlin. Tode«- Anzeige. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Schlosser tCsr! Jänner gestorben ist. 115/12 Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute, Freitag, den 13. Mai, nach. mittag« S'/j Uhr, von der Leichen- Halle des Sophien> KirchhoseS,! Berlin, Bergstraße, aus statt. Rege Beteiligung erwartet Die Qrtsderwaltung. Deutscher Iranspcrtarbeiter- Verband. Bezlrkiverv/altung GroB-Berlln. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Arbeiter Hans Däumichen im Alter von 2« Jahren am 11. d. MtS. verstorben ist. Ehre seinem Andenken t Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 14. d. Mt«., nachmittags 4'/, Uhr, von der Leichenhalle de« Nieder-Schön- hausener KirchhoseS, Buchholzer Straße, aus statt. 75/13 01« Berlrksverwaltung. Allen Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, daß meine liebe Frau MiDim Weißgerber geb. Leistickow im Alter von 44 Jahren am 11. d. MtS. am Herzschlag ver- storben ist. 5500« Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 14. Mai, nach- mittag« 5'/, Uhr, von der Leichen- halle des neuen Schöneberger Friedhose»(Blanke Hölle) au« statt. Der trauernde Gatte Ludwig Wetstgerber, Putzer, Krunewaldstr. 85. Am 11. d. Mt«. verschied nach schwerem Leiden unser liebe« BlarlecKen im Aller von einem Jahr und vier Monaten Max Kröinke und Familie Weisesttaß- 50. Die Beerdigung findet am Sonnabend, nachmittag» 2'/« Ubr, von der Halle de« neuen Rixdorser Gemeindesriedhoses, Mariendorser Weg au« statt. Allen denjenigen, die un« während des schweren Leidens, sowie bei der Beerdigung meiner inniggeliebten Frau, unserer herzensguten Mutter Frau Anna Schaller mit ihrer Teilnahme tröstend zur Seite gestanden haben, sprechen wir hiermit unseren herzlichen Dank aus. Robert Schaller und Kinder. Danksagung. Anläßlich des Hinscheidens meines lieben Mannes Heenmim T.ange sage ich allen Verwandten, Freunden und Bekannten sür die vielen Kranz- spenden meinen ausrichttgsten Dank. Lichtenberg, den 11. Mai 1910. 2126b Witwe Anna Lange. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meines leider zu srüh dahingeschiedenen lieben Mannes, unseres sorgsamen Vater«, sagen wir aus diesem Wege allen unseren herzlichsten Dank. Witwe Amalie Tilsener 2124b nebst Kindern. Ansn«l»mepi'eise! sür die Monate Mai, Juni u. Juli. xWlMiillNX Kohlengroßhandlang. 1. Lagerplatz Am Schlesischen Güterbahnhof, Mühlenslr. 18. Fernspr.-AmtVll 10290. 2. Lagerplatz Paliiadenstr. 95. Fernspr.-Amt Vll 4861. Preise ab Platz von 10 Ztr. an: p. Ztr. ca. 120 St. aZtr., p. 1000 St. Ferdinand Salon 72 Ps. 6,75 M. Ken« Grube Alwine 72, 6,75, Poley, Fielitz und Pfännerschaft. 82» 7,75, Anhaltische Kohlen- werke.... 90, 8,50, Ilse..... 90. 8,50. Halbsteine, Prima Dualität Vulkan u. Ferdinand a Ztr. 70 Ps. Heye u. A. K. W. Halbst.,. 80. Handwagen stehen kostenlos zur Berfiiguug. Bei größerer ülbnahme verlangen Sie bitte Vorzugsoffertc. Bei Anlieferung frei Hau« per Ztr. ca. 10— 20 Ps. mehr.* Für die anläßlich meines 25jährigen Arbeitsjubiläums mir dargebrachten Ehrungen sage ich allen daran be< teiligten Kollegen der Akt.-Ges. sür Aniiin-Fabrikation zu Treptow meinen herzlichsten Dank. 5508L _ August Damtander. Bäckereigenossenschaft Berlin. Eingetragene Genossenschast mit beschränkter Hastpflicht. Sonntag, den 32. Mai 1910, mittags 2 Uhr, bei Krone, Liegnitzer Str. 18: Außerordentliche ßellersl- VefZiutimliiiig. Tages-Ordnung: 1. Geschäftsbericht. 2. Verschmelzungssrage. 3. Verschiedenes Der Borttand. Richard linder. Ludwig Eckl. Zurückgekehrt Dr. Berthoid Hirsclifeld, Ohren-, Nasen-, Halsarzt, 2121b Alexanderstr. 21. Wir empsehlcn Griebens Reiseführer. Buckow und Umgebung. 60 Ps. Dresden und die sächsische Schweiz....... 2,— M. Erzgebirge...... 2,—. Frelenwalde und Ebers- walde........ 60 Pf. Harz(kleine Ausgabe).. 1,— M. (große Ausgabe).. 2,50, Mecklenburg..... 1,50. Oberbayer»(Salzburg. Salzkammergut)... 3.—, Obcrsprec...... 50 Ps. Ostseebäder...... 2,—. Potsdam und Umgebung 50 Pf. Rheiureise...... 1,50 M. Riesengebirge(ll. Ausgabe) 1,—. ,(gr. Ausgabe) 2,50, Rüge»........ 1,50„ Sächsische Schweiz... 1,—, Schwarzwald(kl. Ausgabe) 1,—, ,(gr. Ausgabe) 2,50. Tirol....... 3.-' EFpeditiov drs„Vorwärts", Berlin SV/. 68, Ltndcnftr. 69 (Laden). 1 Mark wüclientliche Teilzahlungen liefere elegante fertige Ersatz für MaB. Ankert, n. MaB. Tadellose Ausf. Julius Fabian Schneidermslr. Große Frank- funerstr. 37 II EingangStraus- berger Platz. IL Geschäft: Turmsir. 18 nur ersteEtage, kein Laden. Soeben erschienen: Deulschk Gkschichfe vom Ausgange des Mittelalters. Ei» Leitfaden für Lehrende und Lernende. Von fr&nz IMcbring. Erster Teil. Preis 1,25 Mark. kPii des Jndrls" Berlin SW. 68 lilndenHtraße 69(Laden). □ Rute 8 M. ... Rur*!* nur 2« Pfennig Bei ES MC 91 von Berlin. Sellin<£ Brunnhofen, Münzstr. 16, od. Restaurant Albrecht, Bahnhos Buch. Fordtn A» Mualerlajcfr V Heute Freitag, abdS. 8'/» Uhr, im Gcwcrkfchaftshause, Engelufer 14/15, Saal d(ArbeitSlosensaal): Sitzung der OrtsveiMwaltung. Zur Beachtung! Am Sonnabend, den 14. Mai, wird w-g-» des Pfingstsestes aus allen Zahlstellen von 5—7 Uhr kassiert. 83/11 I. A.: Die Ortsberwaltung. -m l! Zweigverein Berlin. Int KelchtW für olle MIMtr! Wir ersuchen die Mitglieder, bei Arbeitslosigkcit und bei Aussetzen der Arbeit infolge Materialmangels oder wegen ungünstiger Witterungsverhält- nisse, nach wie vor sich täglich einmal zur Kontrolle zu melden, andernsallS der Streikbeitrag voll entrichtet werden muß. Die Kontroll- Meldestelle» sind jedem Mitgliede in dem letzten Flugblatt bekannt gegeben worden. Am Dienstag, den 17. Mai(S. Pfingstfeiertag), an lvelchem in Berlin allgemein nicht gearbeitet wird» fällt auch die Kontrollmeldung aus. Der Arbeitsnachweis der Gips- und Zementbranche ist Sonnabend, den 14. und Dienstag, den 17. Mai» geschloffen. hik Kureaus der Organisatisn find am Pfingstsonnabend bis 3 Uhr nachm. geöffnet. Am Dienstag, den 17. Mai, sind alle Bureaus, wie in jedem früheren Jahre, den ganzen Tag ge» schloffen. 137/16» vor StoelgvorvlnuvoirGtaiid. EinheiUprelt fflt Dameo and Herrsn M. 13,50 Lusuf-Auslübrung M. 15.50 Salairjander Sdiuhges. m. d. H, Berlin Zentrale: Berlin W. 8, FnedricL-Strasse 182 C. KSnfg-Strasse 47 SW. Friedrieb■ Strasse 321 C. Rotenthaler Tor W. Potsdamer Strasse 8 W. Tauentzieo-Strasse 16 W NW. Wilsnacker Strasse Ecke Turm-SlmiM 0 N. Bad-Strasse 20 Spandau, Breite Strasse 30 Steglitz, Sehloss-Strasse 20 welche Erfolge das Waren- und MQbel-Kredithaus iÄ Hugo Udo Cohn SÄ in der kurzen Zeit unter der saoh- und fachkundigen Leitung der neuen Geschäftsinhaber zu verzeichnen hat. Ulfunim? Weil dort die 8 Grundprinzipien Uernehen fJulUli. i Reellität, Kulanz, Diskretion! Kredit bei ktelnsfar Herren-, Dem-, Msr-DeMe Manufaktur waren,«fische, Schuhwaren. Möbel, Polsterwaren, kpl. Klnrlchtnugeu | Begründet 1873 1| Begründet 187�1 Mngros Spezialtiaus für Neuheiten in Fllzhütcn. Zyllnderhüten, Chapeau claques, Strohhüten echten Panamas. Einzelverkauf zo sehr billigen und streng festen Preisen. Neue Königstr. 48, I Treppe, am Alexanderplatz. Keparatnren werden saaber nnd billig aasgeftthrt. 11 11...... y mii Engelhardt aramel-Bier Alkoholarmes Spezialbräu. AentUeh emptohlaa Wr ervBse. Blelchsüchtlge, nfihrende MQtter etc. etc. Preis pro Flasche 10 Pfg. Ueberau kSuftleb. BKRUN- PANKOW. QrOsste Malzbierbrauerei Deutochlands. Verkauf nur Im Fabrlkgebünde! HiH g � Sie sparen Geld! w8r g ÄSlß»! � Engrospreisen? MAhplfnhrilz-° 35 1 kein Laden 3 ................ 7 Tel.: A. III, 5157« kaufen. Verksul nur im Fabrikgebäude— nur elarenes Fabrikat.— Auf Wunsch Teilzahluna. 9 S in der Möbelfabrik H, Walter ii Willi Maas, eigenes Fabrikat.— Auf Wunsch Teilzahlung. 35 m Permanente Masterzimmer-Ausstellung, 35 Die teure Zeit zwingt so manchen Herrn Sußerst sparsam au sein. Vie kann man sparen? Im Vorleihhaus feiner Herronmoden Leipzigerstr. 59 finden Sie elegante, von feinsten Herrschaften nur ganz kurze Zeit getragene, vielfach auf Seide gearbeitete Anzüge, Paletots nnd Hosen. Eine Quelle des Wohlstandes erschlieCt sich Urnen, denn wirkliche MaB- Kleidung wird Ihnen dadurch ersetzt !I!!Ü Paletots M. 12.- 16.- 18- MoDals-iozilge uod Paletots M. 7.68 10.50 Ii- Verleibhaas feiner fterrenmoden Leipzigerstr. S9, am öpittdmarkt. Verleihung von Hnzügen, paletote und Rosen auf Cage, Moeben, jvionatc. Sonntags geöffnet von 7'l,—10, 18—!8 Uhr. Stets großes Lager von in modemer Ausführung: Anzöge und Paletots I Anzug od. Paletot 20 M., Anz. 3 M. I Anzug od. Paletot 26 M., Anz. 5 M. 1 Anzug od. Paletot 35 M., Anz. 7 M. 1 Anzug od. Paletot 45 M., Anz, 9 M. Fertige eleg. Garderobe als Ersatz für Maß I Größtes Kredit=Iiaus Berlins A. DAM ITT Zentrale: Filiale: Rosenthaler Sir. 46-47'■ Müller-Slrade 181 L Ecke der Neuen Schünhanser Straße. Am Wcdding-Platz. Sonnabend bis 10 Uhr abends geöffnet."®M PsandleihhausZlrebber, Küstriner« plob 7, spottbilliger Bcltcnberkaus, Kardineuverknus, Wäscheverlaus, Ubrenverkauf, Deckenverkaus, Schmuck- lachen, Goldsachen, Silbersachen, per- sällene Psänder. S49SK Wenig getragene Sachen aus seinstm Häusern, Jackettanzüge, Rock- anzüge, Sommerpaletots. Ulster, Hosen, einzelne Gehröcke, Phantasie- Westen(auch sür Bauchfiguren) ver- kauft billig Weist. Blücherstraste S7 I (Haltestelle Mittcnwalderstrastc). Teppiche t(sebierhaste) in allen Gröben sür die tzälste des Wertes Teppichlager Brunn. Hackescher Markt 4, Bahnhof Börse, siteser des „Vorwärts- erhalten 6 Prozent Rabatt.) Sonntags geöffnet!» Gaökronen. Tatsächlich ohne An- Zahlung, wöchentlich 1,00(bis Hundert Kaussumme). Ztiesenlager Louis Bött- cher(selbst), Betriebsleitung Box- hagencrstraste zweiimddceistig(Hoch- bahn, Stadtbahn: Warschauerstraßc). Filialen: Potsdamerslraste 81, Nix- dors, Kaiser-Friedrichslraste 247._ Herrcnhüte in Stroh und Filz, preiswert, modern. Gustav Palm, Hutmacher, Neichenbergerstraße 00, parterre�_ t24* Leihhaus- Moritzplatz 58a. Humboldtleihhaus! Brunnen- straste 58 1 Grostcr Psänderverkaus I Gelegenheitssachcn I Obcrbetten 4,50, Kopsktssen 1,75! Bezüge 2,501.Laken 0,00 1 Daunenbetten l Extrabilliger Gardwenverkaus l Prachttcppiche I Damenpaletots! Kostümlleiderl Hoch- elegante Jackettanzüge! Sommer- Paletots I Gehrockanzüge l Extra- biMger Uhrenoerkausl Kettenverkaus I Bilderauswahl l Spottpreise I Nicht irren I Brunnenstraste 58, Eckhaus Stralsunderftrastc!_ 801S* Norwärtslescr erhalten 5 Prozent Extrarabatt selbst bei nachstehend aus- oejührtenGclegrnheitskäusen. Teppich- Thomas, Oranicnstrage 160, Oranien- platz Teppiche, jarbschlerhaste, spott- billig._ Q Gardine», Stores, Künstler- dinen, Nestpartien für halben ert. Lüuferrefte spottbillig. Sofastoffreste spottbillig. Borwürtsleser. beachtet vor- stehende 5 Anzeigen._ 36711* Verbreche» und Prostitution als soziale Kranlheitserscheinmigen von Paul Hirsch. Preis 2,— Mark, geb. 2,50 Mark. Expedition Vorwärts, LIndenstraste 60._ LeihhauS.Schöneberg-, gegenüber Bahnhof, Sedantwaste 1. Telephon Amt 6, 15687, bietet stets Gelegen- heitskäuse in verpsändct gewesenen und neue» Anzügen, Sommer- und Winterpalctots, einzelnen Hosen, goldenen, silbernen Herren- und Damen- Rcmontoire- Uhren. Kelten S,50an, serncrgoldene Ringe, Broschen, Ohrringe, PianinoS, Fahrräder. Frei- schwing er 10 Marl an. Richard Eichclmann._ 200K* Tatubouriermaschine« Hofe» mehcr, alleiniger Fabrikant Bell- mann, Gollnowstraste 26. Preise billig, Abzahlung günstig. 32551* Teppiche(Farbcnsehlcr), Stepp- , Gardinen. Tischdecken, Tüll- decken bettdecken, Uebergardincn, Sosa- ftoffrrste spottbillig Fabrillager Mauerhoff, Greste Frankfurterstraste 0, Flureingang. VorwärtSiesein sechs Prozent. Sonntags geöffnet. 248851* Leihhaus„Rosenthaler Tor-, Linien- straste 203/4, Ecke Rosenthale rstratze: Grostcr Verlaus versallener Anzüge v,50 au i Paletots, Monals-Abonnc- ments-Garderoben, Uhren, Gold-, Gilberwaren. 70gK Tamenhemden mit handgestickter Passe 1,15, Herrenhemden 1,15, Nor- maiwäsche, Arbeiterhemden sowie elegante Reiscmuster bis zur Halste des Wertes. Wäschefabrik Salomonsly. Dircksenslratze 21, Alcxanderplatz.* Monatsanziige und Sommer- Paletots von 5 Mark sowie Hosen von 1.50, Gebrockanzüge von 12,00, Fracks von 2,50, sowie für lorpulente Figuren. Neue Garderobe zu staunend billigen Preisen, aui Pjandleihe» verjallene Sachen kaust man am billigsten bei Rast, Mulackstratz« 14, Taschenbuch sür Gartenfreunde. Ein Ratgeber sür die Pflege und sachgemäste Vewirtschastung des bäuS- lichcu Zier-, Gemüse« und Obst« gartens von Max Hesdörser. Zweite vermehrte Auflage. Mit 137 Text- abbildungen. Preis 3,50 Mark. Expe- dition Vorwärts, Lindenstr. 60. Hcrmannplav 6. GrostberlinS aller- billigste Emkaussquclle. Extrabillige Warenverkäufe. Riclenauswahl. Psän- derverkäufc. Sommerpaletots. Jackett- anzüge, Gehrockauzüge. Herrenhosen. Extrabilligcr Bettciwcrkauj. Wäsche- verlaus. Brautgeschenke. Aussteuer- fachen. Gardinenauswahl. Teppich- auswahl I Plüschtischdeckcn. Stepp. decken. Wanduhren. Taschenuhren. Nettenauswabl. Ringeauswahl. Da- mensachen. Warenverkauf Hennann- platz 6. Auch Sonntags. fios« Schlafdecken(Deckbettersatz) Nor- mal(buntfarbig) 1.85 bis 12 Mark, Wolle(einfarbig) 2,85 bis 18 Marl. Spezialhaus Emil Lesövre, Oranien- straste 158._ 598K Elegante Anzüge 10,00, Sommer- joppen 1,09, Hosen 1,50, Betten, Steppdecken, Gardinen, spottbillig. Leibhaus„Osten-, Königsbergcr- straste 19.•f34* Aiizngstoffe. Knabcnanzüge 1,50. tcrrcnanzüge 9,50. Paletots 12,00. nchstoffe 1,50 an. Berufskleidung billig. Besichtigung ohne Kaus- zwang. Dircltcr Verlaus an Pri- vate. Tuchgesellschaft Kottbuser- dämm 16/17. 739K* Morihplah 58a, erste Etage, im Leihhaus, lausen Sie verfallene Psänder, Uhren, Ketten, Ringe, grasten Posten versallener Betten, Teppiche, Wäsche, Gardinen usw. zu spottbilligen Preisen. Besonders preis- wert: ein großer Posten teils aus Seide gearbeiteter Monatsanzüge und PaletotS von Mark 7.— bis 19,— Mark. 719K Herrenanzüge, Herrcnpaletols aus feinsten Maststoffen, deren Mast- preis bis 70,00, verlausen für 18 bis 38,00, Herrenhosen 7—14,00. Deutsches Versandhaus, Jägerstraste 63 I. Firmabeachtung l 209tb* Kinderwagen, Sportwagen, Bett- stellen, billigstes Speztalgeschäst, kulante Zahlungswelse. Weistenburger- straste 3, Hauptstraste 101, Kottbuser- dämm 12a. 247/15* Mlonatsanzüge, Sommerpaletots, Gehrockanzüge, Frackanzüge, Hosen, Phantastcwcsten, auch neue Garde- robe spottbillig. Rosenlhalerstraste 48. Monatsgarderobe, sür jede Figur passend, Jackettanzüge, Gehrockanzüge, Ulster, Paletots, Hosen, Fracks. Smolinganzüge sowie Hcrren-Kon- sektion und Schuhwaren unbcschreib- lich billig im KaushauS Kleinuiaun, Richihosenstratze 7. 59/2* Markise sür Balkon oder Schau- senster, Segeltuch, abzugeben Baum- schulcnweg, Behringstraste 35, Kistner. QesehSktsverliSuke. Schankgefchäft, 30 Jahre de- stehend, aiterShalber sehr preiswert zu verlausen. Näheres Zigarren- geschäst Ruhcplatzstraste 24._ 4142 Vorwärtsleser. Restaurant, gute Existenz, verlaust wegen Krankheit. Ziixdors, Kaiser- Fricdrichstraste 32. Model. Muschelschrank 26,—, Plüschsofa, Trumeauspicgel. Palisadenstr. 46.* Krautstraffe 4/5. Saalselds Möbel- sabrik. Lager sür Brautleute, komplette Wohnungs-Einrichtungen. Ge- legcnhcitStaus, 185 Mark, 303 Mark. Besichtigung erbeten. Einzelne Möbel. Diese Woche sür jeden annehmbaren Preis. Sofas 40,—. Englische Belt- stellen 38,—■ Kleiderschränke 27,—■ Möbel, gebrauchte, neue und ver« liehen gewesene, Kleiderspmd 18,00, Kommode 15,00, Ruhebeit mit Decke 19.00, Bettstelle mit Federnialratze 18,00, Muschclschränte. Muschelvcrtilo 28,00, Herrnschreibtisch 36,00, hoch» seines Speisezimmer. Schickes Herrn- zimmcr, Ledcrstühle 8,00, bunte Küche 55.00, Federbetten, Bilder, Tcppich. Plüschtischdecke 7,50. Stargardt, Lothringcrstraste 69.' 247/16* Verkäuflich: Elegantes Plüschsofa, englische Bettstellen. Anllcidc- schrank, Chaiselongue. Kleiderspind, Verliko, Trumeau, Spiegel- Waich« toilette, Ausziehtisch, Gaskrone, Königsbergerstraste 11, dorn 1 rechts bei Fischer._ Kinder» rahtbett, neu, Hüttcl, RüderSdorserstraste 30._ 59/14 Vi tte. besuchen Sie I bei Bedarf in Möbeln und Polsterwarcn die große Ausstellung der bestrcnommicricn Möbclsabrik M. Hirschowitz, Skalitzer« straste 25, an der Hochbahn I Aus- merlsamsie Bedienung I Ohne Kauf« zwang I 823K Möbel«, Polsterwaren besonders billig in der Polsterwarensabril Chauffeestraste" Speisezimmer, gänzungsmöbel....... Stühle 3,—, Facettrumeau mit Stufe 29,—, Muschelschränke 27,—, kom- plelte Einrichtungen besonders preiswert, Möbelspcicher Chauffeestraste 50. ver Popierwaremaoru aste 60. Schlaszimmer, ner, Büfetts, einzelne Er- aöbel. Speisettsche 9.-. Wolle» Sie wirttich gediegene, ersttlasfige Möbel zu Spottpreisen lausen, so bemühen Sie sich, bitte, nach Elsasserstraste 8. Ohne jeden Kaufzwang ist die Besichtigung der Läger gern gestattet. Komplette Schlaszimmer, große Toiletten, drei« türige Schränke 260,—, eichene, Mahagoni-Zimmer 350,—, große Büfette, alles ausgehend 135,—, Sbeisezimmer enorme Auswahl, komplett mit Leder stühlen 550,—. 600,—. 750.—, 850.—, schwerste Ausführung, Salons, Herren- zimmer, Küchen, Schreibtische 35,—, Bettstellen, Matratzen, Tische, Plüsch- sosas 45,—, in unerreichter Auswahl. Lieferung, Lagerung frei. Nur lurze ~' Lombardspeicher, Elsasser- Zeit. straste 8. 833K Movclangebot: Wenig ge« brauchte, guicrhallene Möbel, auch neue, sowie ganze Brautausstattungen, einfachste, eleganteste, beliehen ge. wcscn, verfallen, spottbillig. Niesen- lager. Lagerspcichcr, Neue Köllig- straste 5/6, Fabrikgebäude. Sonntags geöffnet.(Auch Teilzahlung.) 279/5* KamerlingsMöbelspcicher, Kastanien. allee 56. Riesenauswahl. Gelegen- heitskäuse. 21 29b Fahrräder. Hrrrenlntirrad. Damenialrrad einmal benutzt 35,00. Holz,«lrimen- straste 36h._ 1683SI* Brennaborrädcr unter günstigen Abzahlungsbediiigungen. Louis Barth, Brückenstraste 10a.__ 669K* Teilzalilungcn. Dreijährige Ga- rantie. Spezial-Karanticrad 55,00 Kasse. Jnvalidenstraste 20, Wilhelms. havenersttaste 73._ 76051* Herrenfahrrad, Damensahrrad, Ccenner, Zubehör. Witwe Kopp, enstraste 94. ff 34 �U8lK. Violiuunterricht(neue, doppelt fördernde Methode bis zur Vollendung) gwt erfahrener Künftter wöchentlich, auf Wunsch auch nur eine Lcltton a 1,25 M., bei zwei Schülern je 75 Ps. Offerten unter D. 8 Expedition des .Vorwärts-. f' Verschiedenes. Kunststopfcrri von Frau KokoSkh Schlachtensee, Kurstraste 8. lU. Vatentauwalt Weisei. Gilichiner> straze 94». Englischen Unterricht sür Anfänger und Vorgeschrittene, Einzelstunden und im Zirkel erteilt G. Swienty. Schöneberg, Sedanstraste 57, III.' Kupfer, Messing, Plalinadsälle, Siiberabsälle. Goldschmelze Nieper, Köpenickersttatze 20a(gegenüber Man ieuffclsttatze). 20551' Hausbewohner. Achtung 1 Fünf Mark zahle demjenigen, der mir nach- weist, wo sich mein seit Sonnabend entlaufener oder gestohlener geschorener weißer Pudel aushält. Mitteilung erbittet Sprenger, Anllamerstraste 47. Vermietungen. �Vohnnnzen. Wohnungen, kleine, sofort zu vennieten Mainzersttaste 17. 2034 Neu renovierte Vorderwohnung, 3 Zimmer, sowie schöne kleine Woh- nungen von Stube und Küche sofort billig Oudenardersttaste 33. 21l6b Für die„Reustische Tribüne- wird ein tüchtiger, erfahrener Redakteur für den lokalen Teil per 1. Juli gesucht. Derselbe hat auch teilweise Bericht- erstaitmig zu übernehmen. Offerten mit GehaltZansPrüchen sind Bis 17. Mai an den Unterzeichneten erbeten. Verlag der Reustischen Tribüne". 285/19 Gera-Reuft Ken erschienen: Führer durch das Invaliden- verßchtriliigsgesetz mit aussührl. Inhaltsverzeichnis, alphabeiischem Sachregister u. For« mularcn. Bierte vermehrte Auflage. Preis 30 Pf. führer durch die Strafprozeß- orduuiig Rechte des Angeklagte» vor Strafgericht und Polizei von Or. Hugo Heincniann, Rechtsanwalt. Preis 30 Pf. Expedition des Vorwärts, Berlin LV�,, Lindcnstr.69, Laden. Schneiderei IQr elegante Herren- 11. Mns&en- Gorderolle. fertig und nach Mass.— Oarasi tle IQr tadellosen Sita und beste Verarbeitung. Auf WocbenrataToq INR.. J.Kurzljerg RosenfJiaiefStUO direkt am Hacke- sehen Markt, im Laden u. I. Etage. r Lohnender Ptingstausflug � zur Wold- und Gartenstadt Neu-Messina"K-riw!' 15 Min. B. Babnh., t. Wald gelegen. Eleltt. Licht, Schule, Arzt u. Kirche. Sie kaufen noch mit 25 M. Anzahl. Parzellen üR. 3 M.tm-. am 1. Feiertag, vor-«. nachm. � Großes Konzert ♦ Musikd. Terbeck in Hetzeis Parkrest. Zahlg. n. Wunsch. Pläne f. umsonst. B Mlphpl Berlin N. 68, n- mil-lltif, Weistcnburgerstt. 46. Stube und Küche, neu renoviert, von 16 Mark an, Lagerleller, billig, sofort oder später zu vermieten Oderbergersttaste 14. 2130b ZHmnier. Schön möbliertes Zimmer mit Telephonbenutzung, 22 Mark inllufive Kaffee und Bedienung. Gutenberg- sttaste 8, vorn IV rechts, Station Bahnhof Tiergarten. Lt23b �rbeitsmarkt. Stellenanzedole. Tüchtige Versilberer, Farbig- und Barockmacher verlangt Goldleisten- sabrik Lemberg. Offerten fchriftlich mit Ansprüchen und Referenzen Rogalla, Stolptschestraste 45. 59/15 Grundierer verlangt Max Leo»- hard, Weistensee, Lehderfttaße 86. Tüchtige» Einpapierer für Gold- leisten verlangt Schmidt, Bülow- straste 66. 2ll7b Verkäuferinnen für Konfektion und Putz werden verlangt. H. Greifen- Hagen Nachs., Brunnensttaste 17/13. Tüchtige Belegerinncn, hoher Ver- dienst, verlangt Max Leonhard, Weistensee, Lehderstraste 86. ff149 Im Arbeitsmarkt durch besonderen Druck hervorgehobene Anzeigen tosten Kv Bs. die Zeile. Drstei» IdeUvr sucht größere Möbelfabrik Westdeutsch- lands(Spezialität: Laden- und Bttreancinrichlungen). Bedingung ist: durchaus perfeli im Entwerfen oder Zeichnen, Kallulierm und Einlaus der Hölzer usw. 5504L* Offerten mit Angabe der bisherigen Tätigkeit und GehaiiSanfprüchen unler Chiffer hl. 2 an die Hauptexpeditio» des»Vorwärts-. Achtung! Holzarbeiter Wegen Streik und Differenzen find gesperrt: Tischlerei Ahlgrtmm, Oranien- straste 23. Möbelfabrik Gluckert in Darmstadt sowie die in Berlin und Umgegend befindlichen Bauten dieser Firma. Alle Beiriebe der Orte Angermünde, Ebcrswalde und Sarau. Gleichzeitig ersuchen wtt die Kollegen aller Branchen der Holz» industtie daS Vermittelungsbureau deS gelben»Handwerkerjchutz- Verbandes- stteng zu meiden. Die Crtötierwaltung. Leraotvortlicher Redakteur Richard Barth, Berlin. Für den Inseratenteil perantw.: Th. Glocke, Berlin. Krück u. Verlag: BvMärtsAuchdruckerei v. Verlstgsanstalt Paul Singer Sc Berlin SWa.. Nr. 110. 27. Jahrg. KeilM in Jotaiitls"■ AiMi fit Wk«. SBkn, 13. Mai MO. Hus Indurtric und F)andeL Gewinn im norddeutschen Brauereigroßbetriebe. Im Jahre 1891 existierten in Norddcutschland noch 7783 gewerb liche und im Betriebe befindliche Brauereien, von denen 4664 vor- wiegend obergärigeS Bier und 3121 vorwiegend untergäriges Bier bereiteten. Von diesen 7733 zahlten 6674 von 1 M. bis zu J500 M. Brausteuer— das war der braugewerbliche Mittelstand— 4664 obergärige und 3010 untergärige Brauereien— dein IUI größere Branereibctriebe gegenilberstanden. Da die 3121 untergäriges Bier bereitenden Brauereien im Jahre 1891 schon 24 778 232 Hektoliter herstellten, so entfallen auf jede Brauerei im Durchschnitt 7939 Hektoliter. Nun haben aber die 2010 unter- gärigen Brauereien höchstens je 2230 Zentner Malz verbraut, was 4300 M. Braustciler entsprochen hat. Rechnet man weiter, daß der Zentner 2,50 Hektoliter Bier ergab, weil diese Brauereien ihr unter- gäriges Bier nicht ganz so stark einbrauten wie die größeren Braue- reien, so habe» jene 2010 Betriebe: 2230 X 2.30 X 2010--- 11 306 250 Hektoliter untergäriges Bier hergestellt. ES verbleibt demnach für die 1111 Brauereien im Rechnungsjahre 1391 noch eine Produktion von 13 471 982 Hektoliter, oder im Durchschnitt für eine Brauerei 12 126 Hektoliter. Der Dnrchschuittssatz im Jahre 1891 war 7939 Hektoliter, so daßjederder 1111 Vrauereien4187Hektoliterinfolgeder Verringerung der Zahl der Brauereibetriebe zufielen. DaS macht bei 1111 Brauereien: 4187 X 1111=- 4651757 Hektoliter, und einen Profit von nur 3 M. pro Hektoliter vorausgesetzt, die Summe von 13 955 271 M. als Gewinn im Rechnungsjahr 1891. Im Rechnungsjahre 1907 bestanden nur noch 2685 gewerbliche untergärige Brauereien, welche 40 197 033 Hektoliter untergäriges Bier herstellten. Nimmt man das Verhältnis der bis zu 4500 M. Brausteuer zahlenden Brauereien wie im Jahre 1891 an, so Wörden von den 2683 Brauereien 1729 von 1 M. bis zu 4500 M. Brausteucr entrichtet haben, denen 936 größere und Großbetriebe gegenüberstehen. Diese 1729 Brauereien würden 2250 X 2,50 X 1729 9 723 625 Hektoliter untergäriges Bier, die restierenden 956 Brauereien dagegen 30 471 408 Hektoliter hergestellt haben. Im Durchschnitt hätten auf jede der 2685 Brauereien 14 970 Hektoliter Bier entfallen müssen, eS entfiel aber auf jede der 956 Brauereien im Durchschnitt 31 873 Hektoliter, d. h. ein Zuwachs von durchschnittlich 16 903 Hektoliter. DaS würde bei einem Ver« kaufSgewinn von nur 2 3k. pro Hektoliter ergeben: 16 903X636X2 --- 32 313 386 M. Gewinn im Jahre 1907. Die Differenz zwischen 1891 und 1907 stellt sich auf 18 363 265 M. oder für jedes der 16 Jahre im Durchschnitt auf 1 147 704 M. Demnach ergeben sich folgende Gewinnziffern: 1891: 1892: 1898: 1894: 1893: 1896: Mark 18 955 271 15 102 975 16 250 679 17 398 383 18 546 087 19 693 791 1897: 1898: 1399: 1900: 1901: 1902: Mark 20 841 495 21 989 199 23 136 903 24 284 607 25 432 311 26 380 015 So sieht der deutschlands aus l 1903: 1904: 1905: 1906: 1907: i. ganz. 393 327 351 Notstand der Brauerei- Großbetrieb« Nord« Mark 27 727 719 28 875 423 30 023 127 81 170 831 82 318 585 Zur Geschäftslage in der Textilindustrie. Der Auftragsbestand der Baumwollspinnereien und Webereien ist nach wie bor sehr unbefriedigend. In manchen Baumpollspinnereien stehen viele Hundert Spindeln still, z. B. in Leipzig 1200. Andere arbeiten nur fünf Tage in der Woche. Aehnlich liefen die Ver- Hältnisse in den Webereien. Nur aus Schlesien wird teilweise etwas besserer Geschäftsgang gemeldet. Die Unsicherheit auf dem Rohstoffmarkt und die hohen Baumwollpreise wirken lähmend. Nach wie vor treiben Patten und Konsorten ihr Spiel. So wurde am 25. April die sensationelle Nachricht verbreitet, im östlichen Tcnncssee, in Alabama, Georgia, Lousiana, Mississippi und Texas sei die Hälfte de? Anbaue? der Baumwolle durch Frost vernichtet worden. Der Schaden wurde auf 45 Millionen Pfund Sterling angegeben. Wenn man bedenkt, daß die Aussaat der Baumwolle in den Vereinigten Staaten erst im April beginnt und sich oft bis Mitte Mai hinzieht, also damals nur ein Teil der Anbaufläche mit Samen belegt war, erkennt man das frivole Spiel der Kapitalisten. Zum Ueberfluß wird noch die Mär verbreitet, eine Nachpflanzung sei wegen Mangels an Samen nicht möglich. Recht gut beschäftigt ist anhaltend die Schafwollbranche. Die Kammgarnspinnereien in allen Teilen des Reiches arbeiten äußere ordentlich flott. Das Jahr 1909 brachte den Unternehmern durch- gehends sehr hohe Reingewinne, und das laufende Jahr verspricht das gleiche. In den Kammgarmocbereien zu Gera, Greiz und im Bogtlande hat das lebhafte Treiben etwas nachgelassen, Glauchau- Meerane aber arbeitet flott. Auch in der Tuch- und'Buckskin- brauche Aachen?, Ncumünsters, Crimmitschaus, WerdauS herrscht reges Leben. In Grünberg i. Schl. müssen die Weberinnen sogar Ucberstunden machen. Als sie sich weigerten, drohte man mit der Entziehung der üblichen Jahresprämie von 15 bis 20 M. Nur in Kottbus ist der Beschäftigungsgrad jetzt sehr unbefriedigend. Schlecht steht es auch noch mit der sächsischen Strumpfbranche, nur die besseren Qualitäten werden einigermaßen begehrt. Dagegen ist das Geschäft in der Handschuhfabrikation, in Trikotagen und Apoldaer Wirkwaren recht gut zu nennen. Gut ist auch der Ge- schäftsgang in Jute. Die Möbelposamentenbranche hat sehr durch den Kampf im Baugewerbe zu leiden. In den Probinzstädten hat eine ganze Anzahl der im Winter in den Textilbetrieben beschäf- tigten Bauarbeiter diese? Jahr daS Arbeitsverhältnis in Erwar- tung des beginnenden Kampfes noch nicht gelöst. Sehr flott ge- arbeitet wird in den Vogtländischen Stickereien. Der von manchen Unternehmern infolge der Lohnerhöhung prophezeite Niedergang ist nicht eingetreten. Im Gegenteil, es ist noch besser geworden. Die Seidenstoff, und Samtbranche hat nach langer Krisis wieder gute Beschäftigung. Am Niederrhein und in der Bandbranche des Wuppertales und in den Färbereien und Appreturen sind größere Aufträge zu erledigen. Banken«nd Großindustrie. In der letzten Generalversammlung der DonnerSmarckhütte waren 10 078 Stimmen mit 6 046 800 M. Kapital vertreten, darunter n. a. Deutsche Bank mit 1587 000 M., JariSlowSkv u. Co. mit 1465 200 M., Richard Levh u. Co. mit 1201 200 M., Diskontogesellschaft mit 893 000 M. Die Banken verfügten demnach über eine Zweidrittelmajorität. Die Herren Kommerzienrat Berve (Schlesischcr Bankverein) und Konsul Richard Levh vertraten als Bevollmächttgte außerdem 678 000 M. bezw. 422 400 M. Aktienkapital. Somit waren über 90 Prozent des vertretenen Kapitals in Händen der Bankvertreter._ Rhein-Rhone-Kanal. Auf einer in Mainz abgehaltenen Versammlung des Zentral- Verbandes für Binnenschiffahrt berichtete Ingenieur Luthran- Genf über daS Projekt eines„Deutsch-Schweizerischen RIH ein-Rhone-KanalS". Es handelt sich um eine Schiffahrtsstrecke von 820 Kilometer und zwar von Marseille bis Genf 540, von Genf bis zur Aarmündung in den Rhein 280 Kilometer. Der Unterlauf der Rhone fei bereits schiffbar, stromaufwärts sei die Rhone aber nur für kleine Schiffe benutzbar und habe demgemäß nur einen mittleren Jahresverkehr von 16 000 Tonnen. Auf schweizerischem Gebiet soll die Kanalisierung der Rhone vorgenommen werden. ES sind hierzu nötig Schleusenanlagen und die Projektierung des Schiffahrtskanals durch oder um Genf. Dieser wird in einer Breite von 0 Meter vorgesehen. Die Schleusenanlagen werden 110 Meter lang sein. Bisher seien vier Projekte entworfen worden, von denen zwei den Kanal unterirdisch durch Genf führen sollen. Der Kanal wird eine durchgehende internationale Wasserstraße von Rotterdam bis Marseille herstellen. Lebhafter Umsatz in Wertpapieren. Das erste Vierteljahr 1910 zeichnet sich den gleichen Perioden der Vorjahre gegenüber durch einen sehr lebhaften Umsatz in Wert- papieren aus. Die folgende Aufstellung veranschaulicht daS. Die Einnahmen aus der Umsatzsteuer für Wertpapiere betrugen: 1907 1903 1909 1910 in 1000 Mark Januar... 1528 897 1187 2246 Februar.,. 1136 857 1493 1951 März.... 1396 704 1003 1164 Zusammen 4060 2453 3693 5911 Die diesjährige Einnahme ist weitaus die größte in den letzten vier Jahren._ Fusion. Die Leipziger Spritfabrik A.-G., die der Spiritus- zentrale angeschlossen ist, und die A,-G. Union, Leipziger Preßhefen- fabriken und Kornbranntweinbrennereien, in Mockau bei Leipzig, die dem Hefesyndikat angehören, wollen eine Interessengemeinschaft ein- gehen. DaS bedeutet eine weitere Stärkung der SpiriwSzentrale. V/s Millionen Mark Miete. Die Generalversammlung des Aktien-Bauvereins Unter den Linden in Berlin hörte von ihrem Vorstande die Mitteilung, daß sich für die nächsten Jahre steigende Erträgnisse erwarten ließen. Die Gesellschaft besitzt in Berlin in der Hauptsache zwei Grundstücke, eins Unter den Linden, das nach der Bchrenstraße durchgeht und daS Mctropol- Theater beherbergt, und ein anderes an oer Leipziger Straße am Dönhoffplatz, das zum großen Geschäftshaus eingerichtet worden ist. Dieses war bisher an die Firma Franz Sonntag vermietet, die dann aber zusammenbrach. Jetzt hat Wolf Wertheim,� der jüngste der Brüder Wertheim, die Räume dieses Hauses gemietet und dort ein Warenhaus eingerichtet. Die Gesellschaft erzielt jetzt jährlich ins- gesamt 1 360 000 M. an Mieten. Wenn der jetzige Vertrag mit dem Metropol-Theater abläuft, so erhöht sich diese Summe noch um 40 000 M. Für das Jahr 1909 erhalten die Aktionär« 8 Proz. Dividende._ Des Stahltrusts mildes Herz. Der Stahltrust(United StateS Steel Corporation) wird selbstz verständlich ob seiner Hochherzigkeit von den kapitalistischen Organen der Vereinigten Staaten über den grünen Klee gepriesen. AuS freien Stücken, so wird betont, hat et die Löhne seiner rund 230000 Arbeiter erhöht. Nebenbei bemerkt, beträgt die Auf- besserung durchschnittlich ganze 13 Cent? pro Kopf und Arbeitstag. Pro Jahr macht die Lohnerhöhung insgesamt neun Millionen Dollar auS. Eine große Summe und doch herzlich wenig! Erst kürzlich noch bat die United States Steel Corporation die Vierteljahresdividende auf ihre Stammaktien im Nennwerte von rund 500 Millionen Dollar von einem auf fünfviertel Prozent erhöht. DaS gibt eine Jahresdividende von fünf Prozent. Auf, die„nur" fünfprozentige JahreSdlvidende weiten die- jenigcn hin, welche daS Bedürfnis fühlen, daS vom Siahltrust durch die Lohnaufbesserung betätigte Wohlwollen gegen die Ar- beiter besonders zu unterstreichen. Im Gegensatz zu den Vorzugs- aktien wurden die Stammaktien, bei der Gründung des Stahl- trusts unentgeltlich an die Gründer verteilt. Die profitheckenden Papierchen kosteten also keinen Cent; sie stellen demnach auch gar kein angelegtes Kapital dar. Die Aktionäre erhalten ihre Jahres- gewinne selbst vom kapitalistischen Standpunkt aus für nichts. In den letzten Jahren war der Aufschwung, des Trusts zu einem wesentlichen Teil auf den hohen Schutzzoll auf Rohstoffe und Fabrikate der Eisen- und Stahlindustrie zurückzuführen. Das Hochschutzzollsystem ist aber auch hauptsächlich für die exorbitante Teuerung verantwortlich. In keinem Berufe hat die Steigerung der Löhne, soweit eine solche in den letzten Jahren überhaupt ein- trat, mit derjenigen der Kosten der Lebenshaltung auch nur an- nähernd gleichen Schritt gehalten. Auch die für das Zustande- kommen des Payneschen Zolltarifs in erster Linie verantwortliche republikanische Partei ist entsetzt— nicht etwa über die unerhörte, sich noch fortgesetzt verschärfende Teuerung—, wohl aber die sich allenthalben kundgebende tiefe Unzufriedenheit der großen Mehr- zahl der Bevölkerung. Die Ratlosigkeit der herrschenden Gewalten wird so recht illustriert durch einen Vorschlag O'Malleys, des Generalanwalts des Staates New Fork, der in einem der Legislatur(gesetzgebende einzelstaatliche Körperschaften) unterbreiteten Bericht die staat- liche Regelung der Lebensmittelpreise oder doch wenigstens die gesetzliche Festsetzung eines im Handel mit notwendigen Bedarfs- artikeln zulässigen Höchstgewinnes befürwortet. Man sucht nach einer Formel, den aufziehenden Sturm zu beschwören: kann aber das Mittel nicht finde». Der Stahltrust geht in der Bekämpfung der Unzufriedenheit seiner Arbeiter seinen eigenen Weg; er sucht zwei Fliegen mit einer Klappe zu erschlagen. Er erhöht freiwillig die Löhne, die bei der Mehrzahl seiner Arbeiter so niedrig sind, daß auch diese bedürfnislosen, gewerkschaftlich nicht organisierten Leute sich über kurz oder lang, vom Hunger getrieben, gegen die erbärmliche Eni- löhnung aufbäumen müßten. Solche aus der Verzweiflung ge- borenen Ausstände haben schon mehrfach zur Gründung von Ge- werkschaften geführt, mit welchen die Unternehmer sich abfinden mußten. Das bekannteste Beispiel dieser Art bieten die Waggon- werke der Pressed Steel Car Co. in McKees Rocks bei Pittsburg. Einer Gewerkschaft müßte der Stahltrust schließlich erhebliche Zugeständnisse machen. Daher dünkte es ihm billiger und prakti- scher, seinen Arbeitern durch eine»aus freren Stücken" gewährte, unter allen Umständen unvermeidliche Lohnerhöhung darzutun, wie überflüssig die gewerkschaftliche Organisation der Arbeiter zur Erreichung besserer Arbeitsbedingungen ist. Neun Millionen Dollar machen die von der United StateS Steel Corporation gemährten Lohnzulagen im Jahr aus. Der Reingewinn der Gesellschaft stellte sich 1909 auf mehr als 130 Millionen Dollar, in dem ersten Vierteljahr 1910 auf über 37sh Millionen Dollar, d. h. fast 15 Millionen Dollar mehr als im gleichen Zeiträume des Vorjahres. Für da? laufende Jahr rechnet man auf einen Profit von mindestens 160 Millionen Dollar. Davon würden wenigstens 25 Millionen Dollar als Dividenden auf die Stammaktien entfallen, welche, wie schon oben erwähnt, den Gründern des Stahltrusts geschenkt wurden! Haufenweise wird ans dem Schweiße der Lohnsklaven das gleißende Dividendengold gemünzt. Einen Bettelbrocken, den die Couponabschneider in kluger, egoistischer Berechnung den Schöpsern der riesigen Reichtümer vorwerfen, nennt man ein„hochherziges Geschenk"! Und der eS hergibt, ist der Stahltrust; derselbe Stahl- trust, der. wie im Repräsentantenhause von Rainey festgestellt wurde, die mit den amerikanischen Verhältnissen völlig un» bekannten, der Landessprache unkundigen Einwanderer aus den kulturell rückständigsten Ländern sofort bei ihrer Landung auf amerikanischem Boden durch besondere, bezahlte Agenten zu Hungerlöhnen aniverben läßt; derselbe Stahltrust, der in der gegenwärtigen Session des Kongresses durch den Repräsentanten Gardner in einer Kommission einen Antrag begraben ließ, nach dessen Bestimmungen bei allen im Auftrage der Vereinigten Staaten, sei eS auch durch Privatunternehmer, ausgeführten Ar» beiten nicht länger als acht Stunden täglich gearbeitet werden sollte. De» zum Stahltrust gehörigen Schwabschen Stahlwerken zu Bethlehem sind Lieferungen für die Kriegsflott« übertragen, wie, im Gegensatz zu den Ableugmingen des Regierungsvertreters, Generals Crozier, in einer Kommission des Repräsentantenhauses, unwiderleglich festgestellt wurde. Ausgeblasen. Wie das Fachblatt„Jron Age" schreibt, zeigt sich im amerikanischen Eisenexportgeschäft keine Lebhaftigkeit, während der Stahltrust ständig weiter die Produktion einschränlt. Seit dem I.Mai sind vier Hochöfen ausgeblasen worden, das Stillegen weiterer Hoch- öfen wird erwartet._ Syndikatsverträge. Die süddeutschen Ziegeleibesitzer haben in T t u t t« gart eine zentrale ZiegeleiverkaufSstclle errichtet. Alle von den Mitgliedern hergestellten Steine werden durch die Verkaufsstelle ver- trieben. Damit ist natürlich die Grundlage und Möglichkeit einer „einheitlichen" Preispolitik geschaffen. Die Verpflichtung, alle Sterne durch die Verlaufsstelle zu vertreiben, geht nach dem Syndikats- vertrag auch ans den eventuellen Erwerber einer dem Bunde angehorigen Ziegelei über.§ 20 dieses Syndikatsvertrages bestimmt, daß der Verkäufer einer Ziegelei bei einer Vertragsstrafe von 5 Mark für das tausend Stück Steine— nach der Jahres- Produktion berechnet— dem Käufer seines Werkes die Pflicht auf- zuerlegen hat, der Syndikatsverlaufsvereinigung beizutreten. Kürzlich verkaufte nun ein dem Syndikat angehöriger Ziegeleibesitzer seine Ziegelei, die l8/4 Millionen Steine jährlich produziert, an einen Außenseiter, der selbst schon 8 Millionen Steine herstellte. Der Außenseiter trat in die Verkaufsvereinigung ein, aber nur mit der Produktion von 18/4 Millionen Steinen aus dem gekauften Werke. Die Syndikatsherren verfielen nun auf den schlauen Gedanken, den Ver- käufcr der Syndikatsziegelei auf Bezahlung der nach Z 20 ausgemachten Konventionalstrafe— zirka 8000 M.— zu verklagen, weil der Käufer nicht auch mit seinem alten Werle der Vereinigung beitrat. Im alten KalisyndikatSvertrage hatte man für ge- wisse Zuwiderhandlungen gegen die Bestimmungen dcS Vertrages Strafen festgelegt, die bis zu 300 000 M. lauteten. Kürzlich brachte eine bekannte Bankzeitschrift einen Ver» pflichtungSschem zum Abdruck, leider ohne Nennung der Namen. Er lautet: An den......... Verband. Ich bestätige Ihnen hierdurch den Empfang Ihrer neuen Preisliste nebst Begleitschreiben und gebe hierdurch die ver- pflichtende Erklärung ab, daß ich sämtliche in den Listen ent- haltenen AnSrüstungSartikel unter den mir bekannten Preisen und Bedingungen ausschließlich den Konventionsmitgliedern für da» Jahr.... zur Bearbeitung überweisen werde. Achtungsvoll Abnehmer werden verpflichtet, sich völlig in die Hände irgend- einer wirtschaftlichen Organisation zu geben. Und das entrüstet sich über TerroriSmuS der Arbeiter I Vorort- jVadmehten» Charlottenburg. Stadtverordnetenversammlung. Zu dem am 6. und 7. Juni in Landsberg a. W. stattfindenden 33. Brandenburgischen Städtetag wurden, wie in den letzten Jahren, sechs Stadtver» ordnete delegiert, unter ihnen von unseren Genossen Stadv. Hirsch. Einer Vorlage betreffs Kanalisierung von Straßen auf Westend, welche 689 900 M. für diesen Zweck vorsieht, wurde trotz der erheblichen Ausgabe ohne Ausschußberatung zugestimmt, damit mit den sehr umfangreichen Vorarbeiten— für die betreffen. den Straßenzüge muß erst eine Vorflut geschaffen werden— möglichst bald begonnen werden kann. Für die Benutzung des gegenwärtig in der Herstellung de- griffenen Stätteplatzes am Spreebord, auf dem der Betrieb im Monat September voraussichtlich wird ausgenommen werden können, legte der Magistrat einen Tarif vor, dessen geringe Sätze allgemeine Zustimmung fanden. Der Magistrat verlangte aber zugleich die Ermächtigung, die Tarifsätze nach den Erfordernissen des Betriebes abändern zu können. Diese Ermächtigung wurde verweigert. In der Debatte erkannten die verschiedenen Redner zwar an, daß der vorgelegte Tarif nur ein Provisorium sein könne, weil der Magistrat naturgemäß erst während des Betriebes Er» fahrungen sammeln müsse; aber bei dem großen Interesse, daS weite Kreise der Bürgerschaft an der Benutzung des Stätteplatzes »nd an dem Tarif haben, sei es nicht erwünscht, die Mitwirkung der Stadtverordnetenversammlung an der Gestaltung des TarifcS auszuschließen. Eine sehr wichtige Vorlage war die betreffs der Erteilung der Zustimmung an die Hochbahngesellschaft zum Bau der Untergrundbahn nach dem Gleisdreieck, dem Nürnberger Platz und dem Kurfürstendamm, über die wir inhaltlich bereits vor einigen Tagen berichtet haben. Zur näheren Beratung der Einzelheiten wurde die Vorlage einem Ausschuß überwiesen, dem von unseren Genossen die Stadtvv. W i l k und Klick angehören. Der Stadtv. Dr. Stadthagen und Genossen(Unpol.) richtete folgende Anfrage an den Magistrat:„Aus welchen Gründen hat eine Einrichtung des Spielplatzes auf Westend bisher noch nicht statt- gefunden, und bis zu welchem Zeitpunkt gedenkt der Magistrat den Spielplatz einzurichten?" Bürgermeister Matting betonte, der Magistrat habe bisher die Einrichtung verzögert, weil er die Erwerbung eines größeren Spielplatzes im Grunewald in Aussicht genommen hat. Leider stehen die Verhandlungen hierüber noch aus demselben Fleck wie vor einem Jahre, weil von der königlichen Regierung in Potsdam unangemessen hohe Preise verlangt werden. Deshalb sind die Arbeiten zur Herstellung des Westender Spielplatzes bereits in die Wege geleitet. Von der letzten Erklärung nahm die Versammlung mit Befriedigung Kenntnis. ES folgte der Bericht deS Ausschusses über die Vorlage betreffs Entsendung von Mag i str a t s m i t gl i e d ern und Beamten zur Weltausstellung in Brüssel. Der Magistrat hatte um die Zustimmung der Entsendung von drei Ma- gistratsmitgliedern und vier oberen Beamten gebeten. Der Ans. schuß empfahl nur die Mittel für die Entsendung zweier Magistrats- Mitglieder und dreier oberen Beamten zu bewilligen, und der Stadtv. Bergmann(liberal) beantragte, sogar nur 2 Magistrats- Mitglieder zu entsenden. Genosse Z i e t s ch geißelte in treffenden Ausführungen den überaus kleinlichen Standpunkt, den die Mehr» hit der Liberalen unter Führung des Stadtv. Bergmann einnahm, und wies auf die große Bedeutung hin, die der Besuch solcher Ausstellungen hat. Am richtigsten wäre es, die Delegation nach Brüssel auf eine breitere Grundlage zu stellen. Wenn man daS nicht wolle, so sei der Ausschußantrag das Minimum dessen, wa» bewilligt werden müsse. Stadtv. Dr. C rüger(liberal) erkannte an, daß der weitere Blick bei den Sozialdemokraten zu finden sei, nicht bei seinen Freunden, und erklärte durch die Ausführungen von Zietsch den Mut gefunden zu haben, die Wiederherstellung der ursprünglichen Magistratsvorlage zu beantragen. Aber das Gros der Liberalen stimmte nicht nur diesen Antrag, sondern auch den deS Ausschusses nieder, so daß Herr Bergmann über die einsichtigeren Elemente seiner Partei einen vollständigen Sieg errang. Nunmehr folgte der Bericht des Ausschusses über die Vorlage betreffs Ortsstatut über die Zahl der Stadtver- ordneten. Nach der Städteordnung ist die Zahl der Stadtver- ordneten um je 6 zu vermehren, wenn die Einwohnerzahl um 60 000 wächst. Für Charlottenburg hätte die Zahl schon seit einigen Jahren von 72 auf 78 vermehrt werden müssen. Durch künstliche Auslegung der Bestimmung der Städteordnung hat man sich dieser Verpflichtung bisher noch entzogen, und als unsere Genossen die Erfüllung des Gesetzes verlangten, wurde von liberaler Seite die Schaffung eines Ortsstatuts angeregt, durch welches die Zahl der Stadtverordneten ein für allemal festgesetzt werden soll. Im April v. I. legte der Magistrat den Entwurf eines solchen Statuts bor, wonach die Zahl der Stadtverordneten auf 72 beschränkt bleiben soll, bis die Einwohnerzahl auf 400 000 gestiegen ist; dann soll sie auf 90 erhöht werden und damit endgültig begrenzt sein. Dem- gegenüber empfahl der Ausschuß, vom l. Januar 1912 ab die Zahl auf 78 zu vermehren und dann jeweilig um 6, sobald die Bevölke- rungsziffer gegenüber einer Grundzahl von 300 000 Einwohnern eine Erhöhung um volle 50 000 aufweist, aber nur bis zur Höchstzahl von 90. Genosse Dr. Borchardt wies darauf hin, daß die Schaffung eines Ortsstatuts vollkommen unnötig sei, da sich irgend welche Uebelstände bisher nicht aus einer zu großen Zahl der Stadt» v-o-ardneten ergeben haben, sondern lediglich aus einer zu geringen Zayl, und dies werde auch in den nächsten Jahrzehnten so bleiben. Deshalb sei es ganz unangebracht, der natürlichen Vermehrung der Zahl der Stadtverordneten eine künstliche Grenze zu setzen. Es komme hinzu, daß, wenn einmal dine Grenze erreicht ist, eine Neueinteilung der Bezirke erfahrungsgemäß sehr schwer durchzu- setzen sei, und dies bedinge dann eine Entrechtung der Bevölkerung, die sich in den neu anwachsenden Stadtteilen ansiedeln, gegenüber der in den alten Stadtteilen wohnenden Einwohnerschaft. Auch Stadtv. Dr. Stadthagen(Unpol.f erkannte an, daß die Zahl der Stadtverordneten gegenwärtig nicht genügt, um ohne Ueberlastung der einzelnen die Aufgaben der Kommune sachgemäß zu erledigen, und beantragte, die erste Erhöhung zum Januar 1912 auf wenigstens 84 festzusetzen. Die liberale Mehrheit, die sich ja kurz vorher so schön als Stimmvieh bewährt hatte, erwieS sich jedoch auch hier vernünftigen Erwägungen unzulänglich und stimmte dem Ausschußantrage zu. Damit war die Tageordnung der öffentlichen Sitzung erledigt, doch beantragte Genosse Dr. Borchardt, den ersten Punkt der Tagesordnung der nichtöffentlichen Sitzung auch öffentlich zu ver- handeln. Es handelt sich um die Petition eines Streckenwärters bei der städtischen Kanalisation, der nach fast 20jähriger� Dienstzeit und beinahe 70jährig, pensioniert ist und darum bittet, rhm seine Invalidenrente nicht auf die Pension anzurechnen. Diese Petition ist seinerzeit öffentlich verhandelt worden und wurde dem Magistrat zur wohlwollenden Erwägung überwiesen. Die ablehnende Ant- wort des Magistrats hielten unsere Genossen für angebracht, eben- falls öffentlich zu verhandeln. Die Mehrheit lehnte dies jedoch ab. In der Sache selbst wurde der Magistrat nochmals ersucht. das Vorliegen eines außerordentlichen Falles anzunehmen, der ein Abweichen von den Grundsätzen des Ortsstatuts, das ein Anrechnen der Invalidenrente verlangt, rechtfertigt. Groß-Lichterfelde. Der gefährliche Bahnübergang an der Wilhelmstraße wird endlich beseitigt. Die Gemeindevertretung hatte sich in ihrer jüngsten Sitzung mit dieser Angelegenheit zu beschästigen. Von allen den Niveanübergängen über die Bahn in der Nähe der Reichshauptstadt ist zweifellos der in Groß-Lichterfelde mit dem gewaltigen Verkehr der Anhalter Bahn der gefährlichste und unter Umständen für Leben und Gesundheit der Passagiere sowohl wie der OrtSeinwohner verhängnisvollste. Bei der raschen Bevölkerungszunahme im östlichen Ortsteile hat sich der Verkehr auf der über die Schienen führenden Straße in einem Maße gesteigert, daß nun selbst bei dem Eisenbahnminister sich das Gewissen etwa? zu regen begann bei dem Gedanken, daß bei den dort bestehenden und nun unhaltbar gewordenen Zuständen über kurz oder lang sich doch ein großes Unglück ereignen könne. Der Eisenbahnfiskus hat neuerdings mit der Gemeinde verhandelt und mit ihr ein Abkommen getroffen, über das der Schöffe Dr. Domino berichtete. Er führte aus. daß bei den früheren Verhandlungen der EisenbahnfiskuS zunächst für die Höherlegung der Bahn beziehungsweise Unterführung der Straße einen Zuschuß von 173 000 M. verlangte. Die Gemeinde habe auch die Weitersührung des Vorortverkehrs auf der Anhalter Strecke bis Lichterfelbe-Süd gewünscht. Die Kosten dafür seien auf 2 Millionen veranschlagt und von der Gemeinde ein BetricbSzuschuß von 60000 Mark pro Jahr verlangt worden. Auf diese Bedingungen hätte die Gemeinde nicht eingehen können. Inzwischen seien die vielen Petitionen um Beseitigung des gefahrvollen Bahnüberganges zu einem dicken Aktenstück angewachsen. Auch die Gemeinde habe ein großes Interesse an der Beseitigung dieses Verkehrshindernisses infolge der Aufschließung des noch brach liegenden Geländes im östlichen Ortsteil. Die neuerlichen Verhandlungen mit dem Eisenbahnfiskus hätten nun endlich zu einem Resultat geführt, indem derselbe seine Ansprüche wesentlich reduzierte. Danach solle die Gemeinde an den Fiskus bar 100 000 M. zahlen, die Kosten der erforderlichen Straßenregulierung und die allenfallsigen Ent- schädigungSansprüche der Anlieger übernehmen. Die Kosten der Straßenregulierung würden sich auf zirka 36 000 M. be- laufen. zu denen jedoch der Kreis, da es sich im wesentlichen um dessen Straßen handle, einen erheblichen Zuschuß leiste. Gemeindevertreter Zorn fand die von der Gemeinde zu zahlende Summe hoch; nach seiner Meinung habe einzig und allein der Eisenbahnstskus die Pflicht zur Beseitigung des gefährlichen Zu- standeS. Im Interesse der endlichen Erledigung der Angelegenheit stimme er jedoch der Vorloge zu. Im übrigen verlangte Redner einen besseren Schutz beim Bahnübergang an der Osdorfer und Marienfelder Straße. Gemeindcvertreter Meyer wünscht erst die Verhandlungen mit dem Kreis wegen der Kosten der Regulierung der Straßen beendet zu sehen, che bindende Beschlüsse wegen des Zuschusses an den Eisenbahnstskus gefaßt werden. Dem widersprachen Gemeindevor- steher Schulz, der in sichere Aussicht stellte, daß der Kreis ohne Zweifel einen erheblichen Teil der Regulierungskosten übernehmen werde und Schöffe Dr. Domino, der ein Hinausschieben der An- gelegenheit weder als möglich noch als wünschenswert bezeichnete. Der Eisenbahnfiskus wolle innerhalb vier Wochen definitiven Bescheid und in dieser Zeit könnten die Verhandlungen mir dem Kreis nicht erledigt sein. Auch die Gemeinde habe eine moralische Verpflichtung, ihr Möglichstes zur Beseitigung des gemeingefährlichen Ueberganges beizutragen, abgesehen von den wirtschaftlichen Vorteilen, die ihr aus dieser Beseitigung erwachsen. Daraufhin wurde die Vorlage einstimmig angenommen. Die übrigen Punkte der Tagesordnung boten kein besonderes öffentliches Interesse. Adlershof. In der letzten Gemeindevrrtretersitznng wurde endlich die Be- ratung der Arbeitsordnung für die Gcmeindearbeiter vorgenommen. Unsere Vertreter gaben sich die größte Mühe, die Rückständigkeiten, welche dem Entwürfe noch anhasteten, auszumerzen. Der Antrag unserer Genossen, die Arbeitszeit auf 9 Stunden zu normieren, er- litt den heftigsten Widerstand des Gemeindevorstehers, welcher hier« bei die Drohung aussprach, event. von seinem Einspruchsrecht Ge- brauch machen zu wollen, da nach seiner Meinung durch einen der- artigen Beschluß die Gemeindeinteressen schwer verletzt würden. Um die ganze Ordnung, die in verschiedenster Hinsicht den Gemeindearbeitern bedeutende Vorteile gegenüber dem bisherigen Zustande bringt. nicht an dieser Frage scheitern zu lassen, wurde von unseren Genossen der Antrag auf zehnstündige Arbeitszeit einschließlich der Frühstücks- und Vesperpause von je 20 Minuten gestellt und auch angenommen. Von besonderer Wichtigkeit und neu für die Gemeindearbeiten ist auch die Bestimmung, daß den Arbeitern im Falle der Erkrankung bis zu 26 Wochen die Hälfte des Lohnes neben den Leistungen der Krankenkasse gezahlt wird. Dasselbe gilt auch, wenn Arbeiter auf Grund des Unfallversicherungsgesetzes Unterstützungen beziehen. Die Vorlage wollte die Gewährung vorstehender Vergünstigung nur in Höhe eines Viertels vom Lohne und nur Arbeitern gewähren, welche mindestens ein Jahr beschäftigt sind. Dem Gemeindevorsteher sollte aber das Recht, zustehen, in Fällen kürzerer Arbeitsdauer nach seinem Er- messen die Vergünstigungen gewähren zu können. Auch hier wurden unsere weitergehenden Anträge angenommen. Während die Borlage einen achttägigen Urlaub nach fünfjähriger Beschäftigungsdauer ge« währen wollte, wird auch auf Antrag unserer Genossen nach ein- jähriger Beschäftigung einen dreitägigen Urlaub gewährt, welcher je nach der Beschäftigungsdauer bis zu 14 Tagen steigt. Der An- fangSwochenlohn der ständigen Arbeiter wurde auf 25 M., steigend von zwei zu zwei Jahren von 1 M. bis zu 30 M. festgesetzt. Ueber- stunden werden mit 20 Proz. und Nachtarbeit von 9 Uhr abends bis 5 Uhr morgens mit 50 Proz. vergütet. Betreffend der Auf- stellung von Urnen auf den Grabhügeln des Gemeindefriedhofes ist nunmehr die Genehmigung der Regierung eingegangen. Nowatves. Dir Festsetzung deS WnhlmoduS für daS hier zu errichtende Gewerbegericht beschäftigte die letzte Gemeindevertretersitzung. Nach dem Beschluß der Vertretung vom 12. Januar war ffe diese» Gericht die einfache Mehrheitswahl vorgesehen. Von einigen Vereinen sind nun bei dem Gemeindevorstand Petitionen eingegangen, welche um die Einführung deS Proportionalwahlsystems ersuchen. Die Gewerbegcrichts-Kommission empfahl, die Petitionen zu berücksichtigen und schlug die Anwendung der Verhältniswahl unter Benutzung des vereinigten Systems der gebundenen und verbundenen Listen nach Berliner Muster vor, welchem Antrage die Vertretung debattclos zustimmte. DaS Gewerbegericht wird voraussichtlich am 1. Okiober in Wirksamkeit treten.— Dem Antrag der Gemeinde auf Abschluß eines Vertrages mit dem fiskalischen Vertreter betreffend den Erwerb der Dorfaue sFriedrichSkirchplatz) zum Preise von 1 Pf. pro Quadrat- meter gab die Vertretung ihre Zustimmung.— Die Armen» deputatton beantragte eine Aenderung ihrer Geschäftsordnung dahingehend, die Sitzungen der Deputation anstatt jeden ersten Montag jeden ersten Donnerstag im Monat stattfinden zn lassen; die Vertretung beschloß demgemäß.— Zur Ausführung der Be« stimmungen deS Ortsstatuts gegen die Verunstaltung von Straßen und Plätzen wurde eine Sachverständigenkommission gewählt, be- stehend aus dem Schöffen Richter, den Vertretern Vobach, Nohl und Neumann sowie mit beratender Stimme Baumeister Kluge.— Die neu anzulegende Verbindungsstraße zwischen der Retzow- und Scharnhorststraße soll den Namen Anhaltstraße erhalten.— Da die Gehälter der Lehrerinnen an der höheren Mädchenschule nicht den geltenden ministeriellen Vorschriften entsprechen, wurden dieselben geändert und das Grundgehalt für die wissenschaftlichen und Zeichen- lehrerinnen auf 1630 M.. für Handarbeits- und Turnlehrerinnen auf 1230 M. festgesetzt. Die Erwerbung der in der Gemeinde gelegenen fiskalischen Grundstücke bildet seit Jahren einen ständigen Beratungsgegen- stand der Gemeindeverwaltung; da Nowawes ursprünglich auf fis- kalischem Grund und Boden errichtet worden ist und das Streben der Gemeinde nach möglichster Selbständigkeit erst in dem letzten Jahrzehnt stärker hervorgetreten ist, verursacht es bei dem Bureau- kratismus der preußischen Behörden außerordentliche Schwierig- leiten, dem gewünschten Ziele näherzukommen. Der Erwerb der fiskalischen Grundstücke ist aber trotz der damit auch verbundenen finanziellen Aufwendungen seitens der Gemeinde notwendig, um der Gemeindeverwaltung betreffs der Verwendung und Bebauung dieser Gelände mehr Bewegungsfreiheit zu verschaffen. Bis auf einige Provinzialstraßen und den Friedrichskirchplatz, der früher die sogenannte„Dorsaue" bildete, ist es der Gemeinde auch ge- lungen, das Gelände des Ortes in ihr Eigentum zu bringen. Seit einiger Zeit schweben nun zwischen der Regierung und der Ge- meindeverwaltung Verhandlungen betreffs Ueberlassung des auf Kosten der Gemeinde neureguliertcn Friedrichstirchplatzes als Ortseigentum. Obwohl sich der Fiskus seit langen Zeiten nicht um dieses Terrain gekümmert und auch keine Aufwendungen für dasselbe gemacht hat, verlangt er von der Gemeinde einen Kauf- vreis von über 500 M. für das Terrain. Die Finanzkommission der Gemeindevertretung mutzte sich nach Lage der Sache mit dieser Bedingung einverstanden erklären, da eine kostenlose Erwerbung deS KirchplatzeS nicht zu erhoffen ist und durch den Erwerb des genannten Terrains auch daS Grundstück, auf welchem sich die frühere Weberschule, in deren Räumen jetzt die Fortbildungs- schule untergebracht ist, befindet und für welches die Gemeinde letzt zirka 200 M. Amortisationskosten jährlich zahlen muß, in Ge- meindeeigentum übergeht. Mit der Erwerbung des Kirchplatzes wird auch das letzte fiskalische Grundstück innerhalb der Gemeinde in den Besitz derselben übergehen. Zur völligen Selbständig. machung der Gemeinde blieb nur noch die Uebernahme einiger Provinzialstraßen übrig, mit welchem Projekt sich bereits eine der letzten Gemeindevertretersitzungen beschäftigte. Die Vertretung kam jedoch zu einem ablehnenden Beschluß, da die daran geknüpften Bedingungen eine zu hohe finzielle Belastung der Gemeinde im Gefolge gehabt hätte. In Betracht der schlechten Finanzlage de» Ortes beschloß man, die Sache zu vertagen. Singegangene Druchrcbriften. 4. Heft. Zeitschrist für Mutterschutz und »on Dr. Helene Stöcker. 50 Ps. Oesterheld Die neue Generation. Secualresonn. Herausgegeben von u. Co., Berlin W. 15. Reclams Universal-Bibltothek. 6181, 5182. Porträtgalerie au» Lamprechts deutscher Sprache. Von Dr. H. F. Helmolt.— 5183. Komet und Erde. Von Camilla Flammarion.— 5l84. Alessandro Stradella. Oper von W. Friedrich.— 5185. Detektiv Dagoberts Daten«nd Abenteuer. Von Balduin Groller. II. Band.— 5186. Im DalleS. Schwank von M. Möller.— 5187. Die Stanaenjäger. Von H. F. Gerhard.— 5188—5190. Licht und Farbe. Von 5i. Geigel. Einzelnummer 20 Ps. Ph. Reclam, Leipzig. keksuntmacliuiix! Vi«/ Au! vielseitigen Wunsch unserer im Südosten wohnenden Kundschaft haben wir uns entschlossen, <�7 ein Zweiggcschilft in diesem Stadtteile zu er- � richten, welches wir mit dem heutigen Tage K Waldemarstr- 36 G Ecke Elisabethufer 46 � eröffnet haben. Wir weisen darauf hin, daß in diesem Zweiggeschäft unsere Originalwaren zu Originalpreisen zum Verkauf gelangen und � bitten um geneigtes Wohlwollen. Hochachtungsvoll # Weinveririebsgesellschaft v. Malottki 1 G. b. b. H. Kontor und Lager: Auguststraße 60. iöjahriges Geschättsbestehen. Pianino, vorzügliches, tadellos er- halten, ist wsorl ganz billig zu ver- tauseu FraiizösischcstratzelS. 1 geradezu. Gneiicnnustr. 10. Ecke Nostizstr S. Grau, bekannt al» beste Bezugs- quelle. Kassa und Teilzahlung.* Güterbahnhof Frankfurter Allee. rx Aussiahme- Preise vom l. Aal bis 31. Juli von 10 Zentner an ab Platz in nur prima Marken. Beste Vulkan Halbstein-Briketts p. Ztr. M. 0,70,• ,» Heye ,, ,,„ ,» ,, 0,80, Prima Ferdinand Salon-„„„„ 0,72, 1000 Stück 6,75 „ Anker n»„„», 6,02, 1000„ 7,75 „ Anh.Kohlenw.„„„„„ 0,90, 1000„ 8,50 n l'sc„ i,»,„ ,, 6,90, 1000„ 8,60 „ Brikettbruch, Steinkohlen und Koks billigst. - r Handwagen znr TerfUgang.———• Tuche u. MaK-inziige fertige Herren- und Knabensachen kaufen Sie am billigsten bei der Tneh- geseUscbaft Kottbuser Damm 16/17. Unser Bestreben ist es, jeden Zwischenandel auszuschalten und Tuche wie fertige Anzüge dem Publikum direkt zu äußerst billigen Preisen abzugeben. Maßanzüge— vornehmster Sitz wird garantiert— M. 32,00— 85,00, fertige sehr elegante Herrenanzüge M. 9,50, Burschen- 6,50, Knaben- 1,25 an. Paletots auf Seide, sehr elegant, M. 37,60, Ulster M. 16,50. Fantasiewesten M. 2,20. Elegante Sonntagshose M. 6,00. Stoff zum Anzug M. 6.00, zur Hose M. 2,25 an. Großes Lager in Original englischen Stoffen sehr billig.— Besichtigung ohne Kaufzwang erbeten. Tuchgesellschart Kottbuser Damm 16-17. Vorzeiger dieses Inserats 5 Prozent Rabatt. Restaurant Paradiesgarten, Birkenwerder, neu renoviert, am See gelegen, empsehle ich allen werten Vereinen und Sommerausfliiglern für Vergnügungen. Für Speisen und Getränke sowie saubere, freundliche Bedienung wird bestens gesorgt. Karl Sengbusch. OrABtes Vendt, des Ostens. Enorme Auswahl XuT« Waschs, Stickereis«. wollenen Kleidchen in Baby, bis Backfisch-Gröste, sowie sehr geschmackvoll. Wsscli- und wollenen Anzogen vom einfachsten bis zum elegantesten Genre. Ueberralchcnd reichhaltiges Lager in eleganten lR&dcIien- Jakctts und Knaben-Paletots. ReizendeHütchen und Mühe» für Knabe» und Mädchen. Eigene Anfertigung setzt uns in den Stand. setrWIlg.l'rtisei Große Frankfurter Straße 118. Hühner, sofort festsitzende Brutpute«, Brut- eier hochedelster Rassen, empfiehlt unter Garantie für Reellität kVegnei», Berlin SO., Ma> riannenftrafte 34. Lfltzover Str. Sa —— am Rathans.> Schweineschinken u. Schulter Psd.75Ps. Bauch, Rückensettu. Liesen..70, Kasseler..... Psd.85u.90, Schmorfleisch..... Psd.80, Kalb- u Hammelkeule... 90, Cervclatwurst...... 100, Berl. Rot. u. Leberwurst., 50, 5Psd. gemischte Wurst kPjd.80u.90. Thüring. Pfingst-Kitackwurst Pjd. 90, Hormalväsche für Damen u. Herren. Margarete Dietrich Berlin O., lllrbach�ti*. 2 5, Eingang SamariterstraQe. Knie In allen Preislagen. Jl.V?eidner,Hnttnacher, Prinzenslr.57,0r..7„7,v Fahrgeld wird vergütet. Neu eröffnet! J Neu eröffnet! Frankfurter illee 193, Kr<"",ri"!e"- 2. Geschäft: straßen-Ecke. Konfekt! ons-Hans lieo Wolff. Elegante Herren- und Knaben- Bekleidung fertig und nach Maß, vom einfachsten bis zum elegantesten Genre, auch für sehr schlanke und konmlente Herren in Soßer Auswahl am Lager. Streng reelle sachgcniilße cdlennng sagcslchcrt, wovon sich jeder ohne Kaufzwang gefl. überzeugen kann. Großes Lager dauerharter Arbeiter- und Bcrats- kleldang zu sehr billigen Preisen. t. GeschSH; Rigaer StraBe 1, am Baltenplatz. Gegr. 1897. Abonnenten dieses Blattes erhalten beim Vorzeigen dieses Inserats 5 Proz. Rabatt u. ein schönes Eröffnungs-Andenken. Verantwortlicher Redakteur Richard Barth, Berlin. Für den Inseratenteil verantw.: Ttz-Glickr, Berlin. Druck u. Verlag: Borwärtg Luchdruckeret u. BerlagSanstalt Paul Einger& Eo« Berlin SW,