Wr. 112. BbonnemcntS'Bcdingungeti: Abonnements- Preis prämunerando* Bierteljnhrl. 330 Mb, monatl. 1,10 Mb. wöchentlich 28 Pfg. frei ins Hau». Einzelne Nummer s Pfg, Sonntags- »unimer mit Mustriertcr Sonntags- Beilage.Die Neue Well" 10 Pm, Post- ilbonnement: 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Post- ZeitungS- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich, Ungarn 2 Mark, für daS übrige Ausland 3 Mark pro Monat. PostabonnementS nebmen an: Belgien. Dänemarb Holland, Italien, Luxemburg. Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz, 27* Jahrg. Crldidat Wich iiiBcr iRontass. Vevlinev Volksblntt. Die Tnlwtlons'Gebflftr Peirägt für die fechSgespaltenc Kolonek- geile oder deren Raum so Pfg., für politische und gewerkschaftliche Vereins- und VersainnilungS-Anzcigen M Pfg. „Kleine Hnieigcn", das erste(feil- gedruckte) Wort 20 Psg., jedes weitere Wort 10 Psg, Stellengesuche und Schlaf- slcllen-Anzcigcn das erste Wort 10 Psg., jedes weitere Wort s Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen sür zwei Sorte. Inserate sür die nächste Nummer müssen bis 5 Ilhr nachiiiittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnep Telegramm- Adresse: „S»lalilimolikat mrlla", Zentralorgan der fozialdemokratifchcn parte» Deutfchtands. Redahtion: SÄl. 68, Lindenatraase 69» Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Sonntag, den 15, Mai 1910« Sxpedttton: SM. 68, Lindcnetraeac 69« Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984. Das fest der Begeisterung. Ein altjüdisches Erntedankfest war das Pfingstfest vor Zeiten; die christliche Kirche wandelte es zum Feste ihrer Gründung, zum Feste der Ausgießung des heiligen Geistes. Der Sozialismus gießt wiederum neuen Inhalt in die alte Form; ihm wird das Fest der Pfingsten zum Fest proletarischer Zukunftshoffnungen, wird die alt- christliche Legende vom Wunder der feurigen Zungen zur Mahnung an die Lebenden, die Begeisterung für die große Sache der proletarischen Befreiung zu bewahren und sie mit- zuteilen allem Volke. Die Legende erzählt, daß am Tage des Festes der Geist Gottes über die verzagten Jünger Jesu kam und ihnen den frohen, weltverachtenden Mut und den Willen und die Fähig- keit gab, das Evangelium hinauszutragen in alle Welt. Was der fromme Wunderglaube als übernatürliche In- spiration, als Wirkung des heiligen Geistes Preist, das ist die Begeisterung, die ein großes, herrliches Ziel in der Brust der Menschen entzündet. Das ist die weltüberwindende Kraft der lebendigen Ueberzeugung, die den echten Jünger seiner Sache aller Hindernisse spotten läßt, die ihn aufrecht erhält in den schwersten Prüfungen, die ihn nimmer verzagen läßt in den bittersten Enttäuschungen. Die Begeisterung, die die ersten Christen freudig zu Märtyrern ihres Glaubens werden ließ, die später Tausende den Scheiterhaufen und Folterwerkzeugen christlicher Jnquisi- toren trotzen ließ, die die Heere Cromwells und die Aufgebote der französischen Revolution unwiderstehlich machte, die die Landwehr und die Freiwilligen der Befreiungskriege be- seelte, die den Versprechungen der Fürsten auf ein freies Vaterland vertrauten, diese Begeisterung erfüllt auch die Kämpfer des Sozialismus und macht sie gefeit gegen alle Rücken und Tücken ihrer Feinde. „Die Sozialdemokraten haben noch den Glauben!" So sagte vor Jahren ein Vertreter deutschen Bürgertums halb neidisch, halb bewundernd. Der deutsche Liberalismus hat den Glauben an sich selbst längst verloren. Ihm fehlt die feste Zuversicht seines endlichen Sieges— nur mühsam bringt er es noch bei Festessen und Banketten zu einem schwachen Abglanz der Begeisterung, die seine Väter vor den großen Bankbrüchen von 1848 und 1866 erfüllte. Längst hat er sich resigniert damit abgefunden, auf die volle Durchsetzung seiner Ideen zu verzichten und von den schwachen Zugestand- nissen zu leben, die für ihn im Junkerstaat abfallen. Er hat keine großen Ziele mehr und so ist ihm auch die Begeisterung verflogen, wie Spiritus in schlechtverschlossener Flasche. Die Junker und ihre näheren Trabanten, die„Nationalen" ber verschiedenen Gruppen sind noch nicht ganz so bettelarm, wie der deutsche Liberalismus. Sie glauben zumeist noch an die Notwendigkeit des Königtums und des Krieges, und der Kirche und des patriarchalischen Regiments, sie haben noch Ideen und Idole, für die sie sich einsetzenkönnen. und seien sie auch so ruppiger Art, wie Prügelbock und Kautschu. Aber der feste, weltüberwindende Glaube an die Vortrefflichkeit und Unbesieg- lichkeit ihrer Sache ist auch bei ihnen nicht mehr zu finden. So trotzig sie auch auf ihre Macht pochen, sie fühlen sich nicht mehr ganz sicher aufKhren Sitzen. Wenn sie von Deutschlands Mission in der Welt schwärmen, wenn sie sich in chauvinistischen Zukunftsträumen einer künftigen deutschen Weltherrschaft berauschen, so schwingt in all ihren Begeisterungsausbrüchen stets ein disharmonischer Unterton mit. Sie können die echte Begeisterung, die ein großes, erhabenes Ziel verleiht, niemals gewinnen, weil ihre Ziele immer begrenzte, beschräntte bleiben, selbst wenn sie in chauvinistischem Ueberschwang den Erdball umfassen. Denn was sie wollen, wollen sie stets nur für sich. nur für die Klasse der Herrschenden und das Bewußtsein des Gegensatzes zur großen Masse des Volkes können sie niemals ganz los werden. Nur daS Proletariat hat das große, weltweite Ziel. daS erhabene Ideal, das die urgewaltige Begeisterung in der Menschenbrust aufflammen läßt. Das Proletariat allein kämpft um eine wahre Gemeinschaft von Mensch zu Mensch, das Proletariat allein ficht für die ganze Menschheit. Der Sozialismus allein eröffnet die Aussicht auf eine Ge- sellschast wahrhast Freier und Gleicher, auf eine Ordnung, in der das Leben aller Glieder wert ist, gelebt zu werden, auf einen Kulturzustand, mit dem verglichen alle Stufen der Vergangenheit nur als bescheidene, stammelnde Vorarbeit erscheint. Das ist's, was uns von allen anderen Parteien scheidet, das so vieles erklärt, um das unsere Feinde uns bewundernd be- neiden: die Hingabe an die Sache, die unsere Kämpfer, vom schlichten Flugblattverteiler bis zum gefeierten Führer beseelt, die ruhige Einordnung des einzelnen in die Kampfreihen, die freiwillige Unterwerfung unter die Beschlüsse der Mehrheit. Nur wo um Großes, Erhabenes gerungen wird, ist solche freiwillige, selbstgewählte Disziplin möglich, nur die Be- geisterung für das gewaltige Ziel kann die feste Ordnung der Reihen auch in den schlimmsten Stürmen erhalten, wie sie der Sozialdemokratie oft genug beschert gewesen sind. Unsere Begeisterung ist Siegeszuversicht. Seit Marx uns das Geheimnis der kapitalistischen Enttvickelung und der Menschheitsgeschichte enthüllt hat, hoffen wir nicht, nein wissen wir, daß uns der Sieg werden muß. Daß der Sozialismus sich mit Naturnotwendigkeit dem Kapitalist mus entringen mutz. Gerade im historischen Materialismus, der uns das Geistige als bedingt durch die ökonomischen Ver hältnisie erkennen läßt und den deshalb bürgerliche Ideologen als Vernichter aller sittlichen Kräfte, als den Tod aller Begeisterung schelten, sprudelt die tiefste Quelle unserer Begeisterung. Denn er zeigt uns, daß nicht der blinde Zufall über unser Geschick entscheidet, daß das Schicksal unseres Strebens und Kämpfens nicht davon abhängt, ob ein scharfsinniger Kopf die richtige Formel zur rechten Zeit fand, sondern daß die ehernen Gesetze der wirtschaftlichen EntWickelung uns das Erreichen des Zieles gewährleisten. Diese Gewißheit des Sieges führt nicht zum Nichtstun, zum entnervenden Fatalismus, wie Ver> ständnislose meinen, sondern sie wirkt anspornend und be geisternd, zeigt doch der historische Materialismus, daß die EntWickelung sich nur in der Form des Kampfes zwischen den Klassen, also in den Kämpfen der Menschen vollzieht. So kann die weltüberwindende Begeisterung unter den Kämpfern des Sozialismus nie erkalten, solange ihnen das Leuchtfeuer des großen Ziels strahlt, solange sie über den Kämpfen des Tagest über den Sorgen der notwendigen Kleinarbeit es nichsi vergessen, solange sie in den Teilen stets das Ganze zu erkennen vermögen. Wenn der heilige Geist des Sozialismus in uns lebendig wirkt, dann wird auch in uns die Kraft sein, die vor Zeiten in den Aposteln des Evangeliums war, die die Macht des weltbczwingenden Roms überwand. Denn dann wird in uns sein die Gewiß- heit, die stärker ist als der Glaube, der Beyge versetzt! Dann werden wir in tausend Zungen reden, und es wird uns gegeben sein, die Zagen aufzurichten und die Dumpfen zu erwecken! Mit dem Gelöbnis, das heilige Feuer der Begeisterung zu wahren, wollen wir das Pfingstfest feiern, das Fest der Ausgießung des heiligen Geistes. Da! tzainarbeitgelet?. Zu den Gesetzen, die im Reichstage durch die Vertagung nicht zum Abschluß kamen, gehört auch das Hausarbeitgesetz. Die Kommission hat noch kurz vor der Vertagung die zweite Lesung be- endet und dabei einige nicht unwesentliche Aenderungen an den Beschlüssen erster Lesung vorgenommen. In sehr ausgedehnter Debatte wurde besonder? der 8 9 von den bürgerlichen Parteien angegriffen, der den Aushang von Lohntafeln in den Räumen des Unternehmers, der Hausarbeit aus- gibt, fordert. Die Regierung wollte, daß der Bundesrat diese An- ordnung nur für einige Gewerbe treffen sollte. Die Kommission war in erster Lesung weiter gegangen und hatte allgemein den Aushang der gezahlten Löhne verlangt. Von unseren Partei» genossen wurde die Forderung im wesentlichen damit begründet, daß der Aushang der Löhne den willkürlichen Preisdruck er- schweren und den Heimarbeiter orientieren würde, welche Löhne für dieselbe Arbeit einem anderen gezahlt werden. Von den Nationalliberalen und der Fortschrittlichen Volkspartei wurden hiergegen alle möglichen Einwände erhoben; es sei nicht möglich, bei den vielen Artikeln in einigen Gewerbszweigen die Löhne an- zugeben, die Löhne wechselten viel zu oft, die Anforderung werde zu einer Plage für die Unternehmer usw. Auf die Entgegnung unserer Genossen, daß wohl in jedem ordnungsmäßig geleiteten Betriebe auch die Löhne festgesetzt würden, kamen die Herren mit der sehr sonderbaren Begründung, die Löhne dürften nicht öffent- lich bekanntgegeben werden, weil es vorkomme, daß so niedrige Löhne gezahlt würden, daß der Fabrikant sich schäme, solche Löhne zu zahlen! Der Druck der Konkurrenz zwinge ihn aber zu dieser geringen Entlohnung. DaS Geständnis ist sehr wichtig; man hat, das ergab die Diskussion, überhaupt nur deshalb gegen die Bekanntgabe der Löhne in der Heimarbeit Be- denken, weil dadurch daS Elend der Heimarbeiter unzweifelhaft festgestellt würde. Schließlich einigte man sich in der Kommission dahin, daß der Bundesrat für bestimmte Gewerbszweige Aus- nahmen zulassen kann. Für die Anfertigung von Mustern soll die Bestimmung überhaupt keine Anwendung finden. Ferner sollen in den Betrieben, wo die Heimarbeiter die Rohmaterialien für ihre Fabrikate selbst liefern, sie deshalb nach Meinung der Kommission nicht Löhne, sondern„Preise" für ihre Fabrikate er- halten, diese Preise von dem Unternehmer nur dann zum Aus- hang kommen, wenn der Bundesrat eine dahingehende Verordnung erläßt. Da nun die Regierungsvertreter erklärten, daß der Paragraph erst sehr spät izr Kraft treten könne, txefl WS erst Er.hebMgen an». stellen müsse, welche Ausnahmen für den Aushang der Lohnlisten notwendig seien, so dürfte diese Bestimmung, wenn sie Gesetz wird, erst sehr spät für die Heimarbeit Bedeutung erlangen. Bestehen blieb die Vorschrift, daß jedem Hausarbeiter ein Lohnbuch oder Arbeitszettel, der die Art, den Umfang der Arbeit und den Lohn enthalten soll, bei Uebergabe der Arbeit ausgehändigt werden muß. Eine andere wichtige Bestimmung, die in der Kommission in erster Lesung angenommen war. fiel in der zweiten Lesung mit Stimmengleichheit. Die Kommission hatte in der ersten Lesung den schüchternen Versuch gemacht, dem Heimarbeiter durch Einsetzung von Lohnkommissionen in der Fest- sctzung der Löhne Hilfe zu leisten. Unsere Parteigenossen wollten für die Heimarbeit allgemein die Lohnkommissionen einsetzen und die Unternehmer zwingen, M i n i m a I l ö h n e, die von den Lohnkommissionen festgesetzt werden sollten, a n z u- erkennen. Unsere Vertreter konnten sich hier auf das Beispiel der Gesetzgebung in Neuseeland und England berufen. Das Zentrum hatte schließlich einen Antrag formuliert, wonach der Reichskanzler oder die Landeszentralbehörde oder die höhere Verwaltungsbehörde die Einsetzung solcher Lohnkommissionen für Gewerbszweige anordnen können, in denen besonders niedrige Löhne gezahlt werden. Dieser Antrag, der bei der Abneigung der Regierung gegen die ihr erteilte Befugnis sür den Heimarbeiter sehr wenig bot, fand in der ersten Lesung mit einer Stimme Mehr- heit Annahme; in der zweiten Lesung wurde er mit Hilfe der Kon- servativen, der Nationalliberalen und der Fortschrittlichen Volks- Partei— eine Ausnahmestellung nahm nur der Abg. Naumann ein— wieder ausgemerzt. Das gleiche Schicksal erfuhr ein anderer Kommissionsbeschluß, der besagt, daß auf Antrag eines Gewerbegerichts oder einer Arbeitskammer oder beteiligter Organi- sationen durch den Reichskanzler oder eine andere Behörde an- geordnet werden kann, daß abgeschlossene Tarifverträge auch auf alle Hausarbeiter ausgedehnt werden können. Würde das Gesetz in dieser Form in Kraft treten, so enthält es für die Heimarbeiter nur leere Versprechungen: die wichtig st e Forde- rung ist die Gewährung eines Minimallohnes. Hier aber scheitert die Vorlage an dem entschiedenen Widerspruch der Regierung, dem sich die Hüter der freien Konkurrenz in der Kom- Mission angeschlossen haben. Will man in der Heimarbeit die Löhne der freien Konkurrenz überlassen, so bedeutet das die Aufrechterhaltung des Elends in der Heim- arbeit und die Auslieferung der Heimarbeiter der Willkür der kapitalkräftigen Großkauf- l e u t e! Vielleicht ziehen die Heimarbeiter aus diesen Vor- gängen die Lehre, ihre Interessen tatkräftig in einer Organi- s a t i 0 n zu vertreten, um dort den Schutz zu finden, den ihnen die Gesetzgebung versagt. Nach den Kahlen. Pari», 12. Mai.(Eig. Ber.) Selbstverständlich bildet das Ergebnis der Kammerwahlen— und als sein charaktc- ristisches Element der Sieg der geeinigten Sozialisten— den Hauptgegenstand der politischen Diskussion. In der „Humanits" kündigt Genosse Sembat künftige Siege an und sieht die Fraktion in den Wahlen von 1914 schon auf 166 Mitglieder steigen. So gerne man einen solchen Wunsch mit ihm teilt, so wird man doch nach den Erfahrungen anderer Länder die Schwierigkeiten nicht außer acht lassen, die bestimmte politische Situationen dem Fortschritt der Partei entgegenstellen können. Der wertvollste Gewinn, den die geeinigte Partei in diesen Wahlen gemacht hat, ist die Stimmenzunahme— bei dem Zuwachs an Mandaten haben manche Umstände mitgespielt, die sich nicht immer so günstig kombinieren müssen. Um so wichtiger ist es für die Partei, das gewonnene Terrain organisatorisch zu verschanzen. Sembat schreibt wohlj. daß sich die Organisation in demselben Maße festige, als die Zahl der Deputierten zunehme und daß die Deputierten auf diese Art immer mehr zu Dienern der Partei würden. Ob diese optimistische Behauptung in bezug auf die Organisation stimmt, wird man wohl erst aus dem Bericht des Parteisekretärs an den nächsten Parteitag erfahren, wir haben aber gezeigt, daß die Wahlsiege sich keineswegs nach dem Verhältnis der Stärke der Parteiföderationen aufteilen. Der untcrrichtetste und klügste bürgerliche Kenner der Arbeiterbewegung in Frankreich, Herr Bourdcau im„Journal des Döbats" lvcist heute auf die relative Schwäche der Organisationen hin, von denen die 75 Deputierten abhängen. Hier liegt in der Tat eine nicht zu unterschätzende Möglichkeit von Reibungen.„Die Partei muß lernen, ihre Deputierten in Ruhe zu lassen," hat der— diesnial durchgefallene— Parteigenosse V a r e n n e einmal geschrieben. Hoffentlich wird er in der neuen Fraktion keine— in diesem Punkt— gleich gesinnte Nachfolger haben. Genosse Compöre-Morel sieht im Wahlergebnis vor allem die Bekehrung der Bauern zum Sozialis- mus. Eine ganze Reihe rein ländlicher Wahlkreise haben Sozialisten gewählt. Unter den Gewählten sind 7 Klein- dauern, Pächter und Weingutsbesitzer. Die außerordentliche Wichtigkeit, die die Agrarfrage für die ftanzösischen Sozialisten hat. kommt hier zum Ausdruck. Die Fraktion hat jetzt drei Spezialisten für dieses Problem in ihrer Mitte; außer Compsre- Morel, der selbst Landwirt ist. die Akademiker Tarbouriech und Elchen Prevöt. Die Aufgabe der Fraktion, den Interessen der Kleinbesitzer zu dienen, ohne die der in- dustriellen Arbeiterschaft hintanzusetzen, wird über die Grenzen Frankreichs hinaus von den Parteigenossen mit Interesse der folgt werden.. Jaurös erklärt das B e z i r k s w a h l s y st c m für den eigentlichen Besiegten des WalZlkampfs. Es hat nicht nur, selbst nach der offiziellen Statistik, unter den Kandidaten blos; Gt) Verteidiger gehabt, sondern, wie Jaures treffend ausführt, hat es gerade diesmal alle seine Laster offenbart: in der un geheuren Zahl von Kandidaturen, in der Verwirrung des KainphiS, in der Rolle, die rein Persönliche Interessen spielten, in den zahllosen Kombinationen und Kompromissen. Aber schon hat sich auch Genosse— oder Auch-Genosse— Breton gemeldet, natürlich in der radikalen Presse, um die Vortrefflich keit des bestehenden Wahlsystems zu erweisen. Er rechnet näm lich heraus, daß diesmal die Parteien in den zwei Wahlgängen wirklich ungefähr so viel Mandate errungen haben, als ihrer Stimmenzahl entspricht. Er Übersicht nur, daß dies einzig n n r infolge der von ihm als unmoralisch ver dämmten Kombinationen möglichwar. So ist sein Artikel ein Beweis dafür, daß die Bezirkswahl be st cn falls dasselbe wie der Proporz ergibt, aber erst nach Hervorbringung unübersehbarer Konfusion und Korruption und daß sie so ein Versuch ist, das Recht durch ein allgemeines, sich �gegenseitig aufhebendes Unrecht herzustellen. Von den bürgerlichen Beurteilern wird allerhand über die Bedeutung des Eintritts von drei Vorstandsmitgliedern der E. G- T. ins Parlament orakelt. Die Genossen L a u r h e und L e r a u d sind nämlich als Delegierte von Arbeitsbörsen, Genosse Emile Dumas als Delegierter der Holzfäller Vorstandsmitglied der Arbeiterko-nföderation. In anderen Ländern ist die parlamentarische Tätigkeit sozialisti scher Gelverkschaften etwas Selbstverständliches. in Frankreich erregt sie Aufsehen. weil in den Kund- gedungen der Arbeitskonföderation gewöhnlich ihre anti- parlamentarischen Wortführer hervortraten. Indes ist die Konföderation nach ihrer Prinzcpienerklärung eine ganz neutrale Vereinigung, die keinan ihrer Mitglieder die politische, religiöse und sonstige Betätigung nach seinen Neigungen versagt. Der Verband der Seine-Gewerkschaften allerdings hat Parlamentarier ausdrücklich als unfähig zur Bekleidung eines Vorstandsamtes erklärt. Natürlich sind die drei Genossen nicht als unpolitische Gewerkschaftler, sondern als gewerkschaftlich organisierte Sozialisten gewählt worden. Dag ihre parlamentarische Tätigkeit die Vorurteile mancher Gewerkschaften gegen die sozialistische Partei und gegen die Arbeit in gesetzgebenden Versammlungen zerstreuen helfen wird, darf man allerdings hoffen. Von Interesse ist eine Berufs st ati st ik der sozio- l i st i s ch e n Deputierten, die die„Humanitö" veröffent- licht hat. Der„Temps" rechnete nämlich heraus— und die ganze Bourgeoispresse druckte es mit boshaftem Vergnügen nach— daß die sozialistische Fraktion nur 16 Arbeiter und ehemalige Arbeiter, sonst aber lauter Bourgeois zu ihren Mitgliedern zähle. Das ivar nun allerdings eine arge Fälschung. In Wahrheit sind von den 76 Deputierten LI Arbeiter und Handelsangcstellte, 7 Landwirte. 3 Lehrer. 6 Aerzte und Apotheker. 5 Kaufleute und Industrielle, Mittel- und Hochschullehrer. 7 Journalisten, 7 Advokaten und 2 Ingenieure und Chemiker. Politische(lebersicdt. Berlin, den 14. Mai 1910. Schachern und Prachern um die Wahlreform. - Innerhalb der Nationalliberalen machen sich immer deutlicher zwei Strömungen geltend. Die eine Strömung, bestehend aus den Jungliberalen und dem süd- deutschen Nationalliberalismus, verlangt immer schroffer eine Verwerfung der Hcrrenhausbeschlüsse. Diese Forderung ist nur zu begreiflich, denn die Herrenhausbeschlüsse bieten zwar in bezug auf die Drittelung ein gewisses Entgegen- kommen an die nationalliberalen Fraktionsinter- essen, gestalten dafür aber den reaktionären Wechselbalg noch weit reaktionärer als er es ohnehin war. Und so wenig sich auch die Nationalliberalen genieren, aus ihrer Vertretung von„Bildung und Besitz" ein Hehl zu machen, so peinlich mutz es ihnen doch sein, für eine Frage einzutreten, IfrsMche fugendfürforge. Tie Ausbeutung des Arbeiters durch den Kapitalisten gibt dem ersteren in den meisten Fällen leine Möglichkeit, seine und seiner Familie Existenz durch seine Arbeit zu fristen; Frau und Kinder werden hineingezogen in den Strudel des kapitalistischen Getriebes. Oftmals tritt an die Stelle der teueren Arbeitskraft des Mannes die billigere der Frau oder die noch dilligere des unerwachsenen Arbeiters. Von Jahr zu Jahr nimmt die Zahl der weiblichen Arbeiter wie auch der noch im Kindesalter stehenden zu; so stieg die Zahl der in Fabrikbetrieben beschäftigten Kinder unter Z4 Jahren in Teutschland von 1024S im Jahre 1005 auf 13 054 im Jahre 1907. Frisches. frohcS Kinderlcben wird zerstört, die Gesundheit wird den Aermsten geraubt, um rotes Gold für den Kapitalisten daraus zu prägen. Aber nicht nur die entsetzliche Ausbeutung der Kinder der- giftet der Arbeiterjugend die Jahre der Kindheit, in viel umfang. licherem Matze ist dies dadurch der Fall, datz dem Kinde die Mutter genommen wird, datz die Arbeiterfrau, anstatt sich der Erziehung ihrer Lieblinge widmen zu können, beitragen mutz. ihnen durch ihrer Hände Arbeit die hungrigen Münder zu stopfen. Ist es bei der mangelnden Beaufsichtigung verwunderlich, datz die Zahl der Verbrechen, begangen von Personen unter 18 Jahren. so erschreckend wächst, datz im Jahre 1908 über 10 Proz. der Ver- urteilten sich im Alter von 12 bis 18 Jahren befanden? Rur Pharisäer können mit frommem Augenaufschlag über die zu- nehmende Verrohung der Jugend zetern, wer offenen Blickes den Ursachen nachforscht, wird sie in den kapitalistischen Verhältnissen begründet finden. Und was tut der Staat, um den ungeheuerlichen Zuständen zu steuern? Nun. cr baut Gefängnisse, um die zum Verbrecher Gewordenen unterzubringen; er steckt die Verwahrlosten in Für- sorgeanstalten. in denen den Kindern oftmals eine Behandlung zuteil wird, datz sie lieber auf Jahre hinaus ins Gefängnis gehen. um nur nicht der liebevollen Behandlung eines Pastors Breithaupt in Mielzyn oder Pädagogen ähnliche» Kalibers anheimzufallen. Aber der Staat tut noch etwas mehr für die Arbeiterjugend l Er unterdrückt alle Bestrebungen, die darauf hinauslaufen, aufrechte Mensche» zu erziehen; er greift mit brutaler Polizeifaust ein. wenn ideal gesinnte Männer der Arbeiterjugend Turnunterricht erteilen, oder diese Jugend bestrebt ist, i» freiem ZusamNeuschlptz die auch nicht die l c i s c st e Spur von L i b e r a l i s- in u s, dafür aber um so mehr Erzreaktionäres cnt hält. Stellt doch die vom Herrenhaus beschlossene Form der „Maximierun�" die schrankenloseste Uebermacht des Geld sacks so gut wie vollständig wieder her. Und da die National liberalen bei den bisherigen Verhandlungen im Abgeordneten haus dem Zentruni so erregt seine Handlangerdien st o gegenüber der Reaktion vorgeworfen haben, wird es jetzt geradezu unglaublich sein, wenn die National liberalen einem Gesetz zustimmen, das durch das Herrenhaus auch nicht die geringste Verbesserung im Sinne des Liberalis- mus erfahren hat, dagegen die unverkennbar st enVcr- schlechterungenl Das ist die eine, die linke Strömung im Nationallibc- ralismus. Die reaktionäre Strömung verkörpert sich im rheinisch-westfälischen Natiionalliberalismus, der ja bekanntlich mit Haut und Haaren auf die Interessen des Grobunternehmertums eingcschlvoren ist. Diese Gruppe der Nationalliberalen möchte nur gar zu gern die Herenhaus- vorläge annehmen, nicht trotzdem, sondern gerade weil sie eine weitere Abkehr von der Demokratisierung des Wahlrechts, eine weitere skandalöse Begünstigung des Geld- sacks darstellt. Wie sehr diese Richtung geneigt ist, die letzten Konsequenzen ihrer Geldsackhörigkeit zu züchen, be- lvcist eine Konferenz des Zentralkomites für Westfalen, die unter dem Vorsitz des Abgeordneten Haarmann stattfand. Diese Konferenz des nationalliberalen Zentralkomitees für Westfalen nahm e i n st i m m i g eine Resolution an, die die Beschlüsse des Herrenhauses als„wesentliche Ver- besserungen im Sinne der nationalliberalen Parteifor- derungen" begrützte und sie„als geeignete Grundlage be- zeichnete, um in der Wahlrcchtsfrage zu einer durch das Staatsinteresse dringend gebotenen baldigen Verständigung zu gelangen." Ob schließlich diese rheinisch�wcstsälische Gruppe den Sieg davontragen wird, oder die dem Jungliberalismus näher- stehende? Oder ob es zu einer Spaltung kommen wird? Schon bei dem Hausknechtsparagraphen stimmten ja mehrere dem Grotzunternehmertum nahestehende Nationalliberale zu- sammen mit den Herren Heydebrand und Zedlitz!— Charakteristisch ist übrigens, datz die„Kreuzzeitung", die unlängst auf Grund eines blamablen, aber nach 48 Stunden glücklich widerrufenen„Irrtums" die Verhunzung der Maxi- mierung als eine Verbesserung feierte, sich in ihrer letzten Nummer wiederum für die vom Herrenhaus beschlossene Form der Drittelung erwärmt. Die„Kreuzzeitung" rühmt dieser Drittelung über größere Bezirke die Ausmerzung der„be- sonders anstößigen Wahlkuriosa", nämlich„der Herabdrückung hochgebildeter und stcuerkräftiger Wähler in die dritte Klasse", als etwas ganz besonders Erfreuliches nach. Be- kanntlich aber hält gerade das Zentrum diese Wirkung der vom Herrenhaus beschlossenen Drittelung, die zu einer voll- ständigen Isolierung der Arbeiterklasse in der dritten Klasse führt, für einen überaus schweren Fehlerl Offenbar beabsichtigen die Konser- vativen. dem Zentrum nur dann die Treue zu halten, wenn es sich zu weiteren Verschlechterungen des ohnehin so hundsmiserablen Wahlgesetzes bereit finden läßt._ Der Rüstungswahnfinn. einem flottenvereinsoffiziösen Artikel, der durch die bürgerliche Presse geht, wird folgende Zusammenstellung über die Flottenausgaben der größeren Mächte gegeben. 1910 1909/10 1910/11 mehr oder weniger 3» Millionen Mark England......... 716,9 828,3 Bereinigte Staaten von Amerika 575,1.542,0 Deutsches Reich.... 390.2 433,9 Frankreich......... 267,1 297,2 Riitzland......... 185,3 199,3 Japan.......... 151,3 158,3 Italien.......... 135,7 139,0 Sogar diese Zahlen unserer Flottenfexe beweisen, datz Deutschland— von England abgesehen— seine Flotten- ausgaben am raschesten gesteigert hat. Datz Englands Flottenausgaben noch sprunghafter gestiegen sind, ist bekanntlich t 111,4 38,1 84,7 30,1 14,0 7,0 3,3 die klaffenden Lücken auszufüllen, die eine bigotte Schule in den Hirnen der Heranwachsenden gelassen hat. Die preußischen Be- Hörden können es sich ja nicht vorstellen, in wie wahnwitziger Weise sie sich durch ihr Handeln am Gesellschaftskörper versündigen. Ihnen erscheint es als sozialdemokratische Begehrlichkeit, wenn man aus der heanwachsenden Jugend etivaS mehr machen will, als Willige und billige Ausbeutungsobjekte für die Industrie. Drastisch wurde diese Auffassung belegt durch das Vorgehen der staatlichen Organe gegen den Verein„Freier Kindergarten" in Charlottenburg. Als hier Parteigenossen versuchten, praktische Jugendfürsorge zu treiben, indem sie sich der Kinder annahmen, deren Eltern nicht in der Lage waren, sich der Erziehung ihrer Kleinen zu widmen, fuhr, wie stet» in solchen Fällen, die Polizei- saust in höherem Auftrage dazwischen. Wie ganz ander» werden un» die Behörden in einem kürzlich erschienenen Büchlein*) geschildert. Freilich ist es keine preußische Behörde, die sich zu den Bestrebungen der Arbeiter so sympathisch stellt, wie e« die staatlichen und städtischen Organe gegenüber dem Arbeiterverein..Kinderfreunde" in Graz getan haben. Um zur Fürsorge und Erziehung der Jugend außerhalb der Schule beizutragen, wurde im Jahre 1908 der Verein gegründet, zu dessen Stiftern unter anderem der Landesverband der Arbeitervereine, der Arbeiterkonsumverein, der Verein der Metallarbeiter und der Arbeiter-Abstinentenbund gehören. Als Ziel steckte sich der Verein vor allem: Einfluß zu erhalten auf die Kinder durch Veranstaltung von Jugendspielen. Ausflügen. Märchenabenden. Weiter wollte man durch Errichtung von Kinder- horten und Kindergärten, durch Pflege des Turnens und des Schlittschuhlaufens die Kinder, die die elterliche Erziehung ent- behren müssen, stützen und kräftigen. Daneben wollte der Berein aber auch segensreich für die Arbeiterjugend wirken, indem er sich der durch Mißhandlung der Eltern gefährdeten und der durch ein Uebermatz von Arbeit ausgebeuteten Kinder annahm. Zum Ruhme des Verein» kann gesagt werden, daß er ein fleißiges Stück praktischer Jugendfürsorge in der BerichtSzeit geleistet hat; aus jeder Seite des Berichts spricht ein treffliche« Verständnis für die mannigfachen Bedürfnisse der Arbeiterkinder, quillt uns eine Fülle der Liebe entgegen; das Bestreben, den Arbeiterkindern nach Mög- lichkeit eine sonnige Jugend zu schaffen. die Folge der uferlosen deutschen Seerüstungen. England baut für jedes neue deutsche Linienschiff deren zwei. Es ist deshalb ganz aussichtslos, daß durch das tollste Wettrüsten Deutschlands das Stärkcvcrhältnis zwischen den Flotten Deutschlands und Englands jemals geändert tverden könnte. Das einzige, was erreicht wird, ist die Zunahme der Spannung zwischen den beiden Nattonen, die ihren Stolz in jeder Art des kulturellen Wettbewerbs suchen könnten und sollten! Unsere Flottenfexe benutzen die Zahlen jedoch nur dazu, um den deutschen Rüstungseifer noch anzustacheln. Sie machen Stimmung für eine neue Flottenvorlage! Vom Jahre 1913 ab sind ja in Deutschland nach dem jetzt in Geltung stehenden Flottengesetz jährlich nur noch zwei große Schiffe zu erbauen. Das Streben der Flotteninteressenten ist dagegen darauf gerichtet, datz an Stelle dieser zwei Schiffe auch künstig deren mindestens drei oder vier auf Stapel gelegt werden I Datz das eine jährliche Mehrausgabe von 60 bis 80 Millionen bedeuten würde, kümmert unsere Flotten- Patrioten nicht im geringsten! Schlechte Finanzen. Den Reichsfinanzen geht e-Z nicht gut und die Finanzreform des Schnapsblocks ist trotz der infamen Belastung der Armen nicht einmal rein finanziell ausreichend gewesen. Trotz der neuen drückenden indirekten Steuern sind die Einnahmen des Reiches in, April d. I. nur um 7 Millionen Mark höher gewesen als im April 1909. Die Hauptschuld an diesem nach den stark steigenden Zahlen der boraufgegangenen Monate recht unerwartet gekommenen Rückschläge hat die Mindereinnahme auS den Zöllen. die 6 Millionen Mark beträgt. Auch die Einnahme aus der Z u ck e r st e u e r ist etwas zurückgeblieben. Von den neuen Steuern hat sich die L e u ch t m i t t e l st e u e r weiter u n g ü n st i g entwickelt, während die Z ü n d w a r e n st e u e r den Erwartungen bei Aufstellung des Etats entsprochen hat, wobei allerdings zu be- rllcksichtigen ist, datz der EtatSansatz wesentlich niedriger ist als der Ertrag, den man von dieser Steuer bei der Fertigstellung der Finanzreform erwartet hatte. Befriedigend war der Eingang aus der Zigaretten st euer; auch die Einnahme aus dem Grund- stü cks üb ertragung s st empel hat sich auf der erwarteten Höhe gehalten. Nach alledem erscheint eS immer wahrscheinlich, datz eS gar nicht lange dauem wird, bis neueSteuerforderungen auf- tauchen werden._ Das hochanständige Blatt. Die.Deutsche TageS-Ztg." hüt sich endlich entschlossen, sich zu dem ihr vom.SimplicissimuS' gemachten Vorwurf einer eigen- artigen Doppelmoral zu äußern. Bekanntlich hatte der Verlag des Bündlerorgans dem.SimpliciffimuS'-Verlag Albert Langen das Angebot gemacht, unter feinem„Elitepublikum" Propaganda für die Langenschen Verlagswerke zu machen, obgleich 10 Tage vorher das nämliche Bündlerorgan über die Unsittlichkeit des„Simpli- cissimuS" gewettert hatte. Die.Deutsche TageS-Ztg." sucht sich dadurch reinzuwaschen, datz sie erklärt, datz die dem Verlag Albert Langen zugegangene Geschäfts- offerte nur ein.Malheur derExpedition" darstelle, das bei der.schematischen Propaganda", die»jede Zeitung" betreibe, nur zu begreiflich und entschuldbar sei. Selbstverständlich habe die Redaktion niemals das allergeringste mit dieser geschäftlichen Propaganda zu tun gehabt. Diese Entschuldigung ist denn doch etwas zu wohlfeil. Denn n i ch t.jede Zeitung" betreibt so.schematische Propaganda", wie daS Bündlerblatt, da» seine geschäftliche Linke nicht wissen läßt, was seine redaktionelle Rechte tut. Anständige Blätter, die etwas auf sich halten, machen nicht im Annoncenteil und durch Beilagen Reklame für Verlagsartikel, die sie im redaktionellen Teil herunterreißen! Aber von den EeschäftSgepflogen» heiten anständiger Blätter hat die.Deutsche TageS-Ztg." offenbar keine blasse Ahnung!_ Polendrangsalierung. Die preußische Regierung eröffnet einen neuen Krieg gegen die Polen. Als Opfer sind die polnischen Gesangverein« aus- ersehen. Diese unpolitischen Vereine sollen zu politischen gestempelt werden. Die Polizei geht einheitlich vor; umfangreiche Ver- nehmungen werden veranlaßt. Da» Vorgehen der Polizei stützt sich auf ein Urteil des OberlandeSgerichtS Breslau vom 2. Februar 1910, wonach jeder polnische Gesangverein ohne weiteres als politischer gelten soll, weil er sich als polnischer Verein in Gegensatz zum Deutschtum stellt. Hierdurch sollen *) Bericht des Arbeitervereins„Kinderfremide" für Steier- mark in Graz über seine Tätigkeit seit seinem Bestände vom 23. Februar 1908 bis 28. Februar 1910. 64 Seiten. Graz 1910. Verlag dx» Pexeing„KinderfteMde", Da sind zunächst die M ä r ch e n a b e n d e. An 23 Abenden wurden während der Berichtszeit derartige Vorführungen in verschiedenen Stadtteilen unentgeltlich veranstaltet. Sie waren bestimmt für die Kinder von 5—8 Jahren. Erst wurden die Märchen von berufenem Munde erzählt und darauf die einzelnen Szenen der Märchen im Bilde vorgeführt. Daneben veranstaltete der Verein noch eine Anzahl Abende für die größere Jugend. Auch hier wirkte nicht nur die Erzählungskunst, sondern eS wurden den Jungen und Mädeln die beiden Bilderzhklcn des Meisters Moritz». Schwind:„Die sieben Raben" und„Die schöne Melusine" vorgeführt.— Während des Sommers veranstaltete der Verein an allen Sonntagen Kinderausflüge, die eine Be- teiligung bis zu 400 Kindern aufwiesen. Für die älteren Kinder gab eS naturwissenschaftliche Exkursionen unter fachmännischer Leitung, in den Ferien auf einem gemieteten Spiel- platze Jugend spiele. Im Winter verwandelte sich der 4000 Quadratmeter große Spielplatz in eine prächtige Eisbahn, auf der jedes Kind zweimal in der Woche unentgeltlich laufen konnte. Den Aermsten der Armen unter den Kindern wurden vom Verein 200 Paar Schlittschuhe kostenlos zur Verfügung ge- stellt. Schaffung einer reichhaltigen Kinderbibliothek, Kampf gegen die Schundliteratur. Veranstaltung von Elternabenden, Bekämpfung des A l I o h o l g e n u s s e s bei Kindern und vieles andere noch waren die Aufgaben, die der rührige Verein zu lösen suchte. Vor über 300 schulentlassenen Kindern sprach Genosse Perner st orfer aus Wien, um ihnen in wirkungsvollen Worten ihre neuen Aufgaben vor Augen zu führen.„Er sprach, wie ein Vater zu den Kinder spricht." äußerte sich ein anwesender Schnldirektor. Wie es nicht anders sein kann, hatte sich der Verein sehr bald den Haß des vermuckerten Spießbürgertums zugezogen; ober stolz und ausrecht konnte er mit einem spöttischen Lächeln an dem Gekeife der Frommen im Lande vorübergehen. Um so mehr, als sowohl der Statthalter(Oberpräsident) als auch die städtischen Organe den wahrhaft sittlichen Bestrebungen des Vereins einiges Verständnis entgegenbrachten. Wo ist bei u n S eine Behörde, die so objektiv sich der Arbeiter- schaft gegenüber verhält? Niederknüppelung alles dessen, wa» irgendwie freiheitlichen Geist atmet; liebevolle» Eingehen auf die unverschämten Ansprüche der Junker und Pjassen ist in Preußen an der Tagesordnung. Um so mehr ist es Pflicht der Arbeiterschaft, jede mögliche Gelegenheit der praktischen Jugendfürsorge zu be« nutzen. Tie dafür verwandte Energie schafft denkende Menschen, und nur solch« werden einjt das kasjUglisiische Joch zerbrechen. a«ch die polnischen Arveitergesangbereine der P. P. S. getroffen werden. Daß die polnischen und deutschen Arbeitergesangvereine Hand in Hand gehen, wie daS z. B. bei den Veranstaltungen am 1. Mai klar zu Tage getreten ist, von einem Gegensatz zum Deutschtum also auch da keine Rede ist, wird natürlich eine preußische Regierung in ihreni lächerlichen Wüten nicht stutzig machen. Und daß die verläßliche preußische Justiz sie nach Kräften unterstützen wird, zeigt ja daS.patriotische" Urteil des Vreslauer Ober- landesgerichts._ Ter Braunschweiger Wahlrechtsprozetz, der mit der Verurteilung des Genossen Wesemeier zu der ungeheuerlichen Strafe von neun Monaten Gefängnis endete, bot auch in der Schlußverhandlung zahlreiche Momente, die die ganze Situation grell deleuchteten. Wieder wurden einige Anträge der Verteidigung auf Vervollständigung des Protokolls vom Gericht abgelehnt. In den nach Schluß der Beweisaufnahme folgenden Plädoyers wies der Verteidiger, Genosse Kurt Rosen- feld- Berlin, an Hand der gemachten Zeugenaussagen nach, daß alle Behauptungen der„Volksfreund"-Artikel als wahr erwiesen tvorden sind; vor allen Dingen, daß die Polizei am Wahlrechts- abend völlig grundlos mit der Waffe dreingeschlagen hat, daß sie wahllos auf alles dreinschlug, was ihr vor die Klinge gekommen ist, auf alte Frauen, Greise, Kranke. Invaliden, Kriegs- Veteranen und selbst Kinder. Nicht der Redakteur gehöre auf die Anklagebank, sondern die Polizisten, die die Bruta- litäten begangen haben. Treffend kritisierte der Vcr- leidiger die Organisation der Braunschweiger Polizei, die es den Subalternbeamten überläßt, darüber zu entscheiden, wann die Bürgerschaft mit der blanken Klinge anzugreifen sei. Dabei habe es der Polizeipräsident nicht einmal für nötig gehalten, diese unteren Beamten, die man gegen das Voll am 26. Januar hinaus- geschickt habe, zu instruieren. Der zweite Verteidiger, Genosse Dr. Jasper- Braunschweig, behandelte besonders die Anklage wegen Beleidigung des Landtages und bewies, daß der Landtag bei der Kassierung des Jasperschen Mandats verfassungswidrig gehandelt habe, weil er unter Aus- schluß der Oeffentlichkeit das Mandat für ungültig erklärt hat, noch ehe der Landtag überhaupt eröffnet war. Bei der Kritisierung dieser Angelegenheit handele es sich um eine politische Frage. Unter diesem Gesichtspunkte sei auch die polizeiliche Bewachung der frag- lichen Sitzung der Landtagsabgeordneten im»Volksfreund" be- handelt worden. In seinem Schlußwort bemerkte Genoffe Wesemeier, daß die Presse, besonders die Arbeiterpresse, die Pflicht habe, die arbeitende Bevölkerung vor Ausschreitungen der Polizei zuschützen. Er wolle um keine milde Strafe bitten, das falle ihm nicht ein. aber er verlange ein gerechtes Urteil, das der Beweisführung entsprechend sei. Der Antrag des Staatsanwalts fordere geradezu zu Vergleichen mit der Behandlung anderer Angeklagter heraus. Nach zweistündiger Beratung erfolgte dann das bereits gerstern mitgeteilte Urteil auf 9 Monate Gefängnis. Wie die Arbeiterschaft Braunschweigs und mit ihr die ganz Deutschland über die Verurteilung unseres Genossen denkt, bewies eine mehrere Tausend Köpfe starke Menge, die vor dem Gerichtsgebäude die Beendigung deS Termins abgewartet hatte. Stürmische Ovationen wurden dem Genossen Wesemeier bereitet, als er das Gerichtsgebäude verließ. Bald hatte sich ein D e m o n st r a t i o n s z u g gebildet, aus dem des öfteren Rufe erschollen, die erkennen ließen, wie die Klassengenossen die Urteil der R o ß m a n n kammer werten. Die Polizei verhielt sich zunächst passiv, zog jedoch später den Säbel, zum Dreinschlagen kam eü nicht.""_ Lex Heinzeriche. Unter der Stichmarke:»Die sittenlosen Hunde" schreibt die»Franks. Ztg.": „Ueber die Versammlmm der Trierer Zentrumspartei vom 19. Mai berichtet die„Trierer Landeszeitung� u. a. folgendes:„Bei der nun folgenden Besprechung städtischer Angelegenheiten wies zuerst Herr Taubstummenlehrer Seidel auf einen Uebelstand hin, der einst einen Trierer Bürger zu einem Vergleich Triers mit Konstantinopel veranlaßte, aller CingS nicht der Schönheit der Lage wegen, sondern wegen der Hundeplage. Für die Kinder bildeten diese umherlaufen- den Hunde zu gewissen Zeiten auch eine sittliche Ge- fahr." Der Herr Stadtverordnete Stöck stellte darauf eine geeignete Hundeordnung in Aussicht.— Es wird sich vielleicht empfehlen, den Hunden den Maulkorb— anderswo � anzubinden, ähnlich den einstigen Keuschheitsgürteln." Ob aber die Keuschheitsgürtel für die Hunde ausreichen jverden? Dann bleibt doch noch immer die sittliche Gefahr durch Hühner und Spatzen. Und treibestS nicht sogar, wie es in Büch» ners �Dantons Tod" heißt, die frechen Mücken auf den Händen? Liberale Kompromisselei in Sachsen. Zwischen den Nationalltberalen und der Fort- schrittlichen BolkSpartei in Sachsen finden Berhand- l u n g e n statt, die ein gemeinsames Vorgehe» bei den nächsten Reichstagswahlen zum Ziel haben. Man darf annehmen, daß das Kompromiß zustande kommt, denn es sind höchstens 3 oder 4 Wahlkreis«, wo sich Freisinnige und Nationalliberale ernstlich gegen- überstehen. Praktisch hat ein solches Kompromiß für die Sozialdemokratie nichts zu bedeuten, denn bei Stichwahlen haben Freisinnige und Nationalliberale stets zusammengestimmt, so daß eS sich für den Liberalismus in Sachsen nur darum handeln kann, die Kandidaturen auf beide Parteien zu verteilen. Kirchenvifitation mit Kriegsspiel. In K a l l e h n e in der Altmark war Kirchen bisita. l i o n. Einem spaltenlangen Bericht des„Salzwedeler Kreis- blattes" seien nur einige Stellen entnommen: Ein großes Kriegsspiel beendete unser Kirchfest der Visitation. Gegen 2 Uhr rückte die Schule von Sanne an unter Führung des Herrn Lehrers Dehne und brachte dem Herrn Superintendent Hell>v lg vor der Pfarre ein Ständchen. Sie zog dann weiter nach Velgau, wo sie sich mit den Schulen von Kerkau, Lübars und Molitz zur angreifen- den Partei zusammenschloß. Die Schule von Kallehne-Belgau, unterstützt vom ersten Zuge des Kriegervereins unter Herrn Rentier Fritz Schulz, hatte die Aufgabe, das Dorf zu ver- tcidigen. Auf einem Erdhügel war die Heeresleitung mit Gefolge. Wir bemerkten Herrn Supcrin. tendent Hellwig nebst Frau Gemahlin. Herrn Pfarrer K. Schmidt neb st Frau Gemahlin. Herrn Amtsvorsteher Fettback aus Krakuhn. Herrn Ortsvorsteher Nach- «igall uni Viele andere....(Folgt Schilderung der Schlacht- entwickelung. dann heißt es weiter:) Wohl eine halbe Stunde verschnaufte der Feind, auch fehlte es ihm offenbar an Muni- tion, denn hastende Radler jagten zum Kaufmann, um dort zu requirieren.... Es wurde Ernst. Eben noch hörte man durch das Kricgsgetöse das Kommando des Herrn Fritz Schulz mit gellender Stimme: Feindliche Infanterie. 159 Schritt» Salve, gebt Feuer, Schnellfeuer? und aus Hecken und Gräben ging ein fürchterlicher Kugelhagel auf den Feind her. vieder; aber drüben hieß ei: Bajonette pflanzt auf! und da gab es kein Halten mehr. Die Trommeln wiebelten, die Pfeifen quicischfen, die Horner bliesen zufti Angriff: mit Hurra brach man los. Es kam zum entsetzlichen Handgemenge. und man hatte Not, die Jungen wieder auseinanderzubringen. Herr Pastor Schmidt sammelte Freund und Feind und Zu- schauer um sich her, dankte allen, die zum Festspiel geholfen, und brachte ein K a i s e r h o ch aus, nach dem„Heil Dir im Sieger kränz" gesungen wurde. Er ergriff darauf noch- mals das Wort, mahnte zur Treue auch gegen die evan- gelische Landeskirche und erklärte das Visitationsfest für beendet, indem das Lied:„Nun danket alle Gott!" an- gestimmt wurde. Wirklich ein äußerst erhebender Abschluß einer kirchlichen Feier. Welch friedfertiges, echt christliches Bild: diese beiden Geistlichen, Superintendent und Pfarrer, als Feldherren die männermordende Schlacht leitend, die hastenden Radler, die zum Kaufmann jagen, um Munition— was für welche wohl?— zu requirieren, die raufende Dorfjugend, Kaiscrboch,„Heil Dir im Siegerkranz" und„Nun danket alle Gott!" Kann man sich eine größere Blasphemie vorstellen? Ein Kulturbild aus dem preußischen Osten. Ein Vorfall, den man nicht für möglich halten sollte, der aber auf unsere östliche Kultur ein bezeichnendes Licht wirft, hat sich dieser Tage in G r ä tz(Provinz Posen) zugelragen. Ein dortiger Rentier, der seit einiger Zeit in Schwermut herninirrte. hatte sich in seiner Umnachtung erhängt. Der katholische Geistliche weigerte sich nun, den Mann mit kirchlichen Ehren begraben zu lassen und ordnete die Aushebung eines Grabes in der Selbstmörderecke an. Die An- gehörigen des Verstorbenen wandten sich hierauf an das erzbischöf liche Konsistorium in Posen, welches an den Ortsprobst die Weisunc erließ, den Mann in katholischer Weise zu beerdigen. Der Propf beauftragte nun eineir Vikar mit der Beerdigungszeremonie. Als jetzt der Leichenzug vor dem FriedhofStore erschien, fanden sie dieses verschlossen und außerdem noch vernagelt. Die Leidtragenden ließen das Tor aufbrechen. Da sich aber eine große Menschenmenge angesammelt hatte, die gegen den Leichenzug eine drohende Haltung einnahm, wurden sämtliche Gendarmen und Polizisten deS Ortes herangezogen. Als der Sarg an der offenen Gruft nieder gesetzt worden war. strömte eine große, mitKnüppeln und Steinen bewaffnete Menschenmenge auf den Friedhof. Die Polizei war diesen vielen Hunderten gegen- über machtlos und wurde verjagt. Jetzt nahm der Pöbel den Sarg von der Gruft, schleppte ihn unter gräßlichen(echt katholischen> Flüchen zu dem noch offenstehenden Selbstmördergrabe(Warum stand dieses noch offen?!) und warf ihn dort hinab. In- zwischen war der Landrat auf dem Friedhofe erschienen. Doch die Exzedenten ließen sich dadurch durchaus nicht imponieren. Sie nahmen gegen Landrat, Polizei, Vikar und Leidtragende eine so drohende Haltung ein. daß alle diese Personen vom Friedhof flüchten mußten. In- zwischen scharrte ein Teil ihrer Bundesgenossen das Grab mit den Händen zu. So geschehen im Jahre des Kometen zu Grätz in Posen! Um 1« Pfennige ein Jahr Gefängnis! Eine exorbitant harte Strafe verhängte das Dresdener Kriegsgericht über den Soldat Oeser vom 192. Jnfan- terie-Rcgiment. Der Angeklagte hatte eines Tages vom Tisch der Mannschaftsstube eine nicht mehr ganz volle Schachtel Gutta. lin im Werte von— 19 Pf. mit fortgenommen und sie versteckt, um den Inhalt für sich zu verwerten. Vor Gericht war er geständig, bat aber, ihn lieber ins Zuchthaus als in die Arbeiterabteilung zu stecken. Das Gericht verurteilte ihn, da die erschwerenden Umstände des Rückfalls in Frage kamen. zu einem Jahr Gefängnis, vier Jahren E h x tz e x- Luft und Entfernung aus dem Heere!'•' Cngland. Der Thronwechsel und die politische Lage.---- Man schreibt uns aus London: Selten noch ist die sprichwört liche Heuchelei der englischen Politiker in so abscheulicher Weise zu tage getreten, wie anläßlich des gegenwärtigen Thronwechsels. Noch hat die bürgerliche Presse sozusagen ihre Tränen nicht getrocknet ob des angeblichen schmerzlichen Verlustes, der das Land getroffen, und schon sind die Organe und gewisse führende Politiker beider Parteien eifrig an der Arbeit, um aus dem Tode Eduards polt tisches Kapital für ihre Partei zu schlagen. Am schlimmsten treiben es in dieser Beziehung die Freunde der LordS, die Konservativen. Die geringste Möglichkeit eines ernsthaften Verfassungskampfes zwischen Unterhaus und Oberhaus flößt ihnen einen heillosen Schrecken ein; sie wissen, daß eS nur nötig ist. die Frage klar und unzweideutig zu stellen, um sie vom Volke in einem für die ge- borenen Gesetzgeber nichts weniger als günstigen Sinne beantwortet zu haben. Die„maßvolle" Politik der liberalen Regierung brauchte sie freilich nicht zu beunruhigen, aber sie haben mit der treibenden Kraft der jetzt ausschlaggebenden Iren und der Arbeiterpartei zu rechnen. Der Tod des alten Königs liefert den Konservativen eine Gelegenheit, dem Einfluß dieser„extremen" Fraktionen entgegen- zuarbeiten. Die konservative Presse ist voll von feierlichen Be- schwörungen an die Liberalen, in dieser„schweren Schicksalsstunde" die Axt des Parteizwistcs zu begraben und einander in königstreuer Rührung um den Hals zu fallen. Ferner wird mit vielem Nach- druck betont, daß es unschicklich wäre, den neuen— wenn auch keineswegs mehr jungen— König gleich nach seiner Thronbesteigung in eine so schwierige und gefährliche Lage zu versetzen, wie dies bei Durchführung der bisherigen Pläne der Regierung der Fall lväre. Die Schlußfolgerung ist die, die Regierung möge sich ent- schließen, einen Gottesfrieden mit den Lords zu schließen und den ganzen Verfassungskampf bis zum nächsten Jahre zu verschieben. Diese verlockenden Vorschläge finden vielleicht bei der Regie- rung Gehör und dann fällt der ganze Kampf gegen die Lords auf unabsehbare Zeit ins Wasser. Das Oberhaus würde sich mit dem Präzendenzfalle des vorigen Jahres das Recht erobert haben, jedes Budget und jede ihm verhaßte Steuer abzulehnen, und alle seine übrigen Privilegien, die die Vetovorlage bedroht, würden unge- schwächt bestehen bleiben. Das Bedenklichste ist, daß diese An- regungen von einigen leitenden Personen des sogenannten ge- mäßigten Flügels der liberalen Partei, der die Politik der Regierung sehr beträchtlich zu beeinflussen pflegt, mit der größten Bereitwilligkeit aufgenommen werden. Es ist ganz sicher, daß der Premierminister A s q u i t h selber jede Möglichkeit, einem von ihm nur sehr widerwillig und unter äußerem Zwange begonnenen Kampf„in Ehren" auszuweichen, mit Freuden begrüßen würde. In einem Lande, wo die politische Heuchelei den Staatsmännern schon zur zweiten Natur geworden ist, wird es des mutigen und entschlossenen Auftretens der Iren und der Arbeiterpartei bedürfen, um ein völliges Versumpfen des Verfassungskampfes aus diesem Anlasse zu verhindern. Es scheint festzustehen, daß die A r b e i t e r. p a r t e r auf das Gerede vom Gottesfriedcn nicht hereinfallen wird. Sic wird darauf bestehen, daß der Kampf gegen die Lords sofort nach der Wiedereröffnung des Parlaments, die übrigens mit dem Ende der amtlichen Traucrzeit von sechs Wochen zusammenfällt, seinen Fortgang nimmt. Sollte es indessen der Arbeiterpartei nicht gelingen, in dieser Sache ihren Willen durchzusetzen, und die Vcr- Handlung der Vetovorlage doch bis zum nächsten Jahre hinaus- geschoben werden. dg.nn wixd sie weuigstegs die Einbexzisung einer H e r b st s e s s i o n forVKn. damit die großen, drängenden Fragen der Sozia Ire form in Angriff genommen werden können. Was die Iren betrifft, so ist über ihre Stellungnahme noch nichts Verläßliches bekannt geworden, aber es ist von vornherein sicher, daß sie noch weniger als die Arbeiterpartei geneigt sein werden, den Tod des Monarchen zu einem skrupellosen reaktionären Vorstoß mißbrauchen zu lassen. Unter solchen Umständen werden die Lkompromißler einen schweren Stand haben. Die Iren sind, zumal wenn die Arbeiterpartei mit ihnen zusammengeht, bei dem gegenwärtigen Kräfteverhältnis im Unterhause in der Lage, die schönsten Pläne der Regierung zunichte zu machen, wenigstens so- lange sich diese scheut, sich mit den Verteidigern der Vorrechte der erblichen Lordskammer zusammenzutun, um die Verfechter der Demokratie zu besiegen. Es ist aufgefallen, daß den Lobreden der Führer der beiden bürgerlichen Parteien im Unterhause über den verstorbenen König Eduard auch eine überaus„loyale" Rede des Wortführers der Arbeiterpartei, Enoch Edwards, anschloß. Edwards ist ein Bergarbeitervertreter, der stets liberal gefühlt und gedacht hat und sich erst vor kurzem auf das Drängen der Bergarbeitermassen der Arbeiterpartei angeschlossen hat. Aber trotzdem läßt der Vorfall nicht nur das wirkliche Entwickelungsstadium der englischen Arbeiterpartei besser erkennen, sondern liefert auch einen neuer- lichen Beweis der klugen Politik der englischen Herrschaftsfaktoren, denen es gelungen ist, auch bei manchen Vertretern der Arbeiter- klasse den Glauben von der Unparteilichkeit des KönigStums zu befestigen._ Wieder eine Wahlannullierung. London, 14. Mai. Die Wahl KapitänS GuestS. des Ab- geordneten für Ea st Dorf et, ist wegen Ueberschreitung der für die Wahl zulässigen Aufwendungen für ungültig erklärt worden. ftonvegeii. DaS kommunale Fraoeuwahlrecht. Kristiania, 13. Mai. Der Obel sthing nahm mit 71 gegen 19 Stimmen den Antrag an betreffend die Erweiterung des jetzt bestehenden kommunalen Wahlrechts für Frauen zum allgemeinen kommunalen Wahlrecht für Frauen. Durch die Erweiterung des Wahlrechts wird die Zahl der wahlberechtigten Frauen um über209 999 erhöht. ftußlatid. Die Entrechtung Finnlands. Aus Petersburg wird uns vom 11. Mai geschrieben: Die Kommission für die finnländische Gesetzvorlage kam am gestrigen 19. Mai zum erstenmal zusammen. Die Sitzung wurde vom Kam- missionSvorsitzenden Herrn K r» p e n S k i mit der Erklärung eröffnet, der Kaiser habe ihn beauftragt, der Kommission den allerhöchsten Wunsch mitzuteilen, sie möge mit voller Energie arbeiten. Herr KrupenSki hat die Antveisung so verstanden, daß die Korn- missionSberatung nur eine leere und lästige Formalität sei, die man möglichst schnell überwinden müsse. Bei dieser Auf- fassung der Dinge durfte er auf Unterstützung der KontmissionS- Mehrheit bestimmt rechnen, sowie andererseits darauf, daß die oppositionelle Minorität einfach und leicht niederzustimmen sei. Der Verlauf der ersten KommissionSsitznng hat diese Angaben bestätigt: der Vorsitzende wollte ursprünglich überhaupt keine all- gemeine Debatte über den Entwurf zulassen und beantragte sofortigen Uebergang zu den einzelnen Punkten. Die Opposition machte jedoch ihr Recht geltend und erhielt das Wort. Der Antrag M i l j u k o w S, zuerst die Antlvort des finnländischen Landtages ab« zuwarten, wurde mit 19 gegen 6 Stimmen abgelehnt. Mit derselben Majorität wurde dann die Redezeit auf 29 Minuten be- schränkt. Da die RegiernngS- und Mehrheitsvertreter eine eigenartige Taktik betrieben, indem sie absolutes Schweigen bewahrten, so war die„allgemeine Debatte" bald zu Ende. Auf dieselbe Weise und im selben Tempo hoffen die Patrioten auch die „Prüfung" der einzelnen Punkte in der Kommisston und Duma durchzupeitschen, dann ist der„Wunsch" nach energischer Arbeit erfüllt. Petersburg, 13 Mai. Die Kommission der Duma für die Finnlandvorlage hat ihre Beratung beendet und folgende Abänderung angenommen: Die Frist der Mandate der finnischen Mitglieder des ReichSrateS wird von neun auf da: ei Jahre herabgesetzt. Die Zahl der finnischen Mitglieder des Reichsrates wird auf zwei statt ans eins festgesetzt. Dagegen wird die Zahl der finnischen Mitglieder der Duma von fünf auf vier herabgesetzt, indem der Vertreter der russischen Bevölkerung Finnlands gestrichen wird. Der von dem Mit- glied der extremen Rechten, Markow, eingebrachte Antrag, das Gouvernement W i b o r g Rußland einzuverleiben, wurde mit sieben gegen fünf Stimmen abgelehnt. Echtrussische Frechheiten. Petersburg, 14. Mai. Dem Präsidenten der Reichsduma eine von etwa hundert Mitgliedern der Rechten und der i at i o n a l i st e u sowie einigen Oltobristen unterzeichnete Erklärung zu, in der gesagt wird, eS sei ihnen bekannt geworden, daß dein Präsidenten der Reichsduma von der Handelokainmer von New Castle und von der Kammer und den Senatoren von Belgien Erklärungen zugegangen seien, die die russische Politrk in Finnland beträfen. In Anbetracht dessen, daß jede Ein- Mischung von Ausländern in innere(?) Angelegenheiten Rußlands, der die Duma nicht sofort energisch entgegentrete, die National- würde(?) Rußlands verletze, machen die Unterzeichner den Borschlag, falls die Meldung richtig sei, den Präsidenten der Reichsduma zu beauftragen, den Engländern und den Belgiern die unpassenden Ge- suche zurückzusenden und dabei aus die unzulässige Handlungsweise und die Nutzlosigkeit ihrer ungebetenen Einmischung hinzuweisen. Cürhei. Die Lage in Albanien. Saloniki, 14. Mai. Aus Kleinasien sind weitere zwei TranS- portdampfer mit Truppen hier angelangt und von Adrianopel sechs Bataillone Infanterie und zwei-Bataillone Ar» tillerie nach Albanien unterwegs. Aus den Kreisen der hohen türkischen Geistlichkeit sowie aus Kleinasien und Syrien sind die albanischen Ulemas und Staumesältesten telegraphisch aufgefor» dert worden, im Namen des Propheten(Hu, Hu!) auf die Ein« stcllung des Zwistes mit den Gläubigen hinzuwirken, sich zur Ver- teidignng der Rechte der Türkei aufzuraffen und bei den Schutz- mächten gegen das schimpfliche Vorgehen der Kretenser Einspruch zu erheben. Der Kriegsminister ist aus Veriso witsch zu, rückgekehrt. Er meldet, daß seit zwei Tagen weitere Kämpfe mit den Arnauten nicht vorgekommen seien. Jedoch werde die Verfolgung der fliehenden Aufständischen von dcg Truppen syste- matisch fortgesetzt. � Aegypten. Die Ermordung des Ministerpräsidenten. Kairo, 13. Mai. Wardani, der Mörder des Minister- Präsidenten B u t r o S Pascha, ist heute zum Tode ver- urteilt worden. GewerhrcbaftUcbee* Behauptungen und Catfacben. Wie unsere Leser aus unseren bisherigen Berichten über die Aussperrung der Bauarbeiter wissen, wird der Kampf von den Parteien mit unerbittlicher Schärfe geführt. An ein Ende des Kampfes oder auch nur an eine Abschwächung ist noch lange nicht zu denken, denn er befindet sich immer noch im Anfangsstadinm. T?er Unternehmerbund übt den schärfsten Terror und sucht die Aussperrung noch zu erweitern. Wie weit ihm dies gelingen sollte, bleibt abzuwarten. Zum min- besten muß aber damit gerechnet.werden, daß der bisherige Umfang noch auf lange Zeit hinaus erhalten bleibt. Daran dürfte sich auch wenig ändern, wenn, wie wir gestern melden konnten, es in einigen Orten, in denen nicht ausgesperrt war, zun» Vertragsschluß kommt, oder einige Aussperrungsorte durch einen Friedensschluß vom Kampfplatze abtreten. Der Vertragsschluß für Groß- Berlin hat aber in Unter- nehmerkreisen, und zwar im ganzen Reiche, auf letztere einen bösen Eindruck hervorgerufen, und dies macht dem Arbeit- geberbunde erhebliche Beschwerden. In weiten Kreisen der Bundesmitglieder ist dadurch der Kampfcsmut und die Sieges- Zuversicht stark beeinträchtigt worden. Der Bundesvorstand muß sich daher die erdenklichste Mühe geben, die immer stärker hervortretenden Bedenken zu zerstreuen. In dieser prekären Lage erscheint ihm jedes Mittel recht. In den neuesten bundcs- amtlichen Publikationen putzt er auch den Zusammenschluß der brandenbnrgischen Ortsverbände zu einem Provinzialverband zu einem besonderen Ereignis wie folgt heraus: „Der deutsche Arbeitgeberbund für das Baugewerbe erfährt, wie uns von seiner Zentralstelle mitgeteilt wird, infolge der gegen- wärtigen Aussperrung täglich eine beachtenswerte Erweiterung und Kräftigung seiner Organisation. In Süd- und Mitteldeutschland hoben sich neuerdings wieder in zahlreichen Orten die Bauarbeit- geber zu Ortsverbänden zusammengeschlossen. Im östlichen Thüringen, den beiden Reuß usw. sind die dortigen Ortsverbände zu einem Bezirksverband zusammengetreten, ebenso haben sich die bisher alleinstehenden 31 brandenburgische» Ortsverbände zu einem Brandenburgischen Provinzialverband vereinigt. Letzteres ist von groher Bedeutung, weil sich bisher die meisten dieser Ber- bände infolge dieser Zersplitterung ganz nach dein Verband der Baugeschäfte von Grotz-Berlin richteten, welcher bekanntlich sich dem' Vorgehen des Deutschen Arbeitgeberbundes nicht angeschlossen hat, sondern vielmehr einen Sonderfrieden mit den Arbeiterorganisationen geschlossen hat." Soweit diese Notiz die Provinz Brandenburg berührt, ist sie geeignet, ein völlig falsches Bild über die tatsächlichen Verhältnisse zu verbreiten. Oh eine wissentliche Täuschung der Bundesmitglieder beabsichtigt ist, wissen wir zwar nicht, aber diese Wirkung muß es haben. Muß doch ein jeder Leser annehmen, daß die 31 brandenburgischen Ortsverbände nun auch wirklich zum einheitlichen Handeln im Sinne der Unter- nehmerbeschlüsse zusammengeschlossen wurden und dadurch die „beachtenswerte Erweiterung und Kräftigung seiner(des Bundes) Organisation" eingetreten sei. Die Nachprüfung des Tatbestandes führt aber zu einem anderen Ergebnis. Wohl ist es richtig, daß einschließlich Berlin in der Provinz Brandenburg 31 Orts- resp. Kreis- verbände des Bundes bestehen. Sie haben zusammen 966 Mit- glieder. Vielleicht sind auch in neuester Zeit noch einige Unter- nehmer beigetreten.— Von diesen 966 Mitgliedern respektieren bis zurzeit 781 Mitglieder aber die Buudeöbeschlüsse nicht. 649 schloffen in sieben Gebieten mit den Arbeitervrgauisationen auf Grund des bisherigen Vertrages Frieden und zwölf dieser Vereine mit 141 Mitgliedern lassen weiter arbeiten» auch sie stehen also außerhalb des Kampfes. Die Aussperrung besteht nur im Geltungsbereich von 12 Unteruehmerverbänden; es gehören hier 185 Unternehmer der Organisation an. Ausgesperrt wurde allerdings noch in einigen anderen Gebieten bei einzelnen Arbeitgebern der Unternehmerorganisation; die Entlassenen fanden aber bald bei anderen Unternehmern Beschäftigung oder der bisherige stellte sie wieder ein. Die Zentralverbände der Maurer, Zimmerer und Bau- Hilfsarbeiter zählen in der Provinz Brandenburg 34 045 Mit- glieder. Bon diesen wurden 2995 ausgesperrt» und in der letzten Woche meldeten sich noch 772 Mitglieder zur Kontrolle. Die übrigen sind anderwärts in Arbeit gekommen oder sie reisten ab usw. So sieht das Mittel aus, das die Bundesleitung der Unternehmer zur Belebung des Kampfesmutes der Mitglieder aufnutzte. �# Immer brenzlicher wird den Bauunternehmern die Situation. In Zirkularen reden sie sich selbst Mut ein, der- suchen zugleich aber auch. durch Androhung des Boykotts gegen die Materialienlieferanten diese zu zwingen, in der gegen- wärtigen Zeit den Unternehmern, die den Scharfmachern keine Hceresfolge leisten, keine Baumaterialien zu liefern. So hat der Arbeitgeberverband für Bielefeld in einem Rundschreiben folgendes beschlossen und verkündet: „Die wirtschaftliche und ideelle Bedeutung des Tarif« kampseS im deutschen Baugewerbe für dieses und demnächst für alle verwandten wie auch ferner stehenden Gewerbe und Betriebe macht den beteiligten Arbeitgeberverbänden die erfolgreiche Durchsetzung des ihnen aufgezwungenen Standpunktes zur n a t i o« n a l e n Pflicht. In dieser Erkenntnis sind die Baugewerbetreibenden genötigt und bereit, selbst, einzeln wie in ihrer Gesamtheit, erhebliche pekuniäre Opfer zu bringen. Sie müssen sich dabei jedoch der moralischen Unterstützung derjenigen Gewerbe und Lieferanten ber« gewissern, welche im wirtschaftlichen Leben sich auf das Bau« gewerbe stützen und daher auch in erster Linie der Erfolge dieses Kampfes teilhaftig werden. Diese unerläßliche Hilfsbereitschaft kann sich nur dadurch wirk- sam erweisen, daß die betreffenden Firmen— Bauhandwerker, Baumaterialienlieferanten, Holz- und Eisenhandlungen, Ziegeleien, Kalkwerke, Fuhrunternehmer usw.— während der Dauer des Kampfes Lieferungen jeglicher Art nur an die Mitglieder der Arbeitgeberverbände leisten. Die Mitglieder unsere? Verbandes, welche in anliegendem Verzeichnis benannt find(folgt eine lange Liste von Firmen) haben sich in der Generalversammlung am 3. d. M. durch ein- stimmig gefaßten Beschluß verpflichtet, jetzt und später nur von denjenigen Firmen zu beziehen, welche in der Zeit des Kampfes weder an dir unserem Verbände sernstcheuden Unternehmer noch an ausgesperrte Bauarbeiter oder zu Rcgiebauten, an denen solche beschäftigt werden, Lieferungen geleistet haben. Diesen Beschlutz bringen wir Ihnen im beiderseitigen Interesse zur Kenntnis." *.» Auch in der Provinz Posen, wo die Aussperrung eben- falls nicht ganz durchgeführt wurde, beginnt es zu bröckeln. In der Stadt Posen trat ein größerer Arbeitgeber aus dem Bunde aus, er läßt jetzt wieder arbeiten. Der Magistrat von Posen, dem an der rechtzeitigen Fertigstellung des Stadttheaterbaues liegt, hat sich an die Arbeiterverbände um Weiterführung des Baues gewandt, Verhandlungen darüber sind im Gange. 9* 9 Unter st ützung der ausgesperrten Bauarbeiter. Die Zahlstelle Dresden des Brauereiarbeiterverbandes beschloß in ihrer letzten Versammlung einstimmig, bis auf weiteres pro Woche und Mitglied 1 M. Extrabeitrag zu erheben, davon 50 Pf. für die ausgesperrten Bauarbeiter und 60 Pf. für die eigene Lohn- bewegung. Weiter haben bisher die Zahlstellen Erfurt, Schwerin und Kiel desselben Verbandes beschlossen, pro Woche 50 Pf. Extra- beiträge für die Bauarbeiter zu erheben. Die Stratzburger Buchdrucker haben zur Unterstützung der Bauarbeiter als erste Rate den Betrag von 100 M. und einen Extrabeitrag von 20 Pf. pro Woche und Mitglied beschlossen.— Das Gewerkschaftskartell Straßburg hat Sammellisten ausgegeben._ Berlin und Umgegend. Die Arbeiter ber Betriebswerkstatt der Hoch- und Untergrund- bahn besprachen in einer Versammlung, die zum Freitagabend vom Deutschen Metallarbeitevverbaud einberufen war, mancher- lei Mißstände, die seit langer Zeit Grund zu Klagen und zur Unzufriedenheit gaben. Die gezahlten Löhne sind so gering, daß die Arbeiter damit nicht auskommen können. Ungelernte Arbeiter erhalten einen Anfangslohn von 35 Pf., der innerhalb fünf Jahren aus 40 bis 42 Pf. steigt. Der Anfangslohn für Handwerker be- trägt 40 Pf. und steigt in derselben Zeit bis auf 53 Pf. Die Arbeiter wurden bei der Direktion vorstellig, um eine Erhöhung des Stundenlohnes um 5 Pf. zu erzielen. Dies Verlangen wurde rundweg abgewiesen.'Die Behandlung der Arbeiter läßt auch viel zu wünschen übrig. Vor einigen Tagen wurde ein Schlosser ent- lassen, der sich weigerte, andere Arbeit als ihm zukam zu über- nehmen. Meister Kranz erklärte, der Arbeiter habe sich eine „Achtungsverletzung gegen einen Vorgesetzten" zuschulden kommen laffen. Man fragt sich verwundert, ob die Beiriebswerkstatt etwa eine Strafanstalt sei! Die Direktion hatte neuerdings den Arbeitern einen Urlaub bewilligt, und zwar sollte ein Angestellter nach drei Jahren drei Tage und nach fünf Jahren fünf Tage Urlaub genießen. Diese Bewilligung brachte aber für die meisten eine Enttäuschung, als es hieß, daß nur derjenige Urlaub erhält, der vom 1. Juli ab mindestens drei Jahre in Arbeit steht.— Eine andere Angelegen- heit, die viel Aergcr erregt hat, beschäftigte die Arbeiter in der Versammlung. Die Arbeiter verlangen eigene Verwaltung in der Kantine, besonders in bezug auf den Bierverkauf. Die Direk- tion machte zuerst Zugeständnisse in dieser Richtung, zog sie aber wieder zurück und ließ erklären, es müßte alles beim alten bleiben. Die Arbeiter sind aber damit nicht einverstanden und wollen als Konsumenten ihre Gegenmaßregeln treffen. Weitere Versammlungen sollen folgen, um ein gemeinsames energisches Vorgehen der Arbeiter zu ermöglichen, damit die bestehenden Ver- Hältnisse gebessert werden. Im Berliner Badcgewerbe hat sich in gewerkschaftlicher Hinsicht ein bemerkenswerter Fortschritt vollzogen. Hier bestanden bislang zwei Gruppen unter den Angestellten: die Sektion des Verbandes der Gemeinde- und Staatsarbeiter und ein im Jahre 1004 ge- gründeter Lolalverein. Letzterer entstand dadurch, daß bei dem 1304 gemachten Versuch eines Zusammenschlusses des damals be- stehenden Zentralverbandes für das Bade- und Massagepersonal mit dem Gemeindearbeiterverband eine Anzahl Mitglieder dissetv tierten. Inzwischen sind nach langen Kämpfen die feindlichen Brüder einander wieder näher und näher gekommen mit dem Resultat, daß am 1. Oktober 1009 der Sonderverband geschlossen zum Ge- meindearbeiterverband übertrat. Damit sind die bei der Durch- führung des bestehenden Tarifs und in der Schlichtungskommisfion häufig hervorgetretenen Schäden der Zersplitterung beseitigt worden, was naturgemäß zu einer Stärkung der Position der Arbeiter gegen- über den Arbeitgebern führen muß. Das ist aber auch notwendig, wenn man bedenkt, daß in den Privatbadeanstalten das Lohn- Verhältnis ausschließlich auf dem Trinkgeld der Badegäste s.Be- dienungSgeld" Heißt'S im Tarif) beruht. Festen Loh» keimen die Badeanstaltsbesitzer überhaupt nicht; sie sind nach dem Tarif ledig- lich gehalten, den in ihren Betrieben beschäftigten Bademeistern und Masseusen ein bestimmtes Monatseinkommen zu garantieren. Dieses ganz unhaltbare System führt jedoch zu häufigen Diffe- renzen, da Nachforderungen von Angestellten, deren auf- gerechnete«Bedienungsgelder" die garantierte Summe nicht er- reichten, zumeist bestritten werden. Trotz solcher Zustände verhalten sich eine große Zahl von Badeanstalts- Angestellten der Organisation gegenüber ablehnend; viele von ihnen streichen die Trinkgelder, welche zu einem erheblichen Teile von den Arbeitern als Krankenkassenmitglieder geleistet werden, zwar seelenruhig ein, kümmern sich aber sonst den Teufel um die Arbeiterbewegung— im Gegenteil: sie fallen ihren organisierten Kollegen und Kolleginnen in deren Kämpfen um bessere Arbeits- bedingungen in den Rücken. Aehnlich so ist eS in den städtischen Volksbadeanstalten. Obwohl hier feste Löhne ge- zahlt werden, die allerdings sehr verbesserungsbedürfttg find, der« hindert auch in diesen Anstalten die Jagd nach Trinkgeldern jeden Vorstoß um Erringung ausreichender Löhne, weil die Angestellten ihr Einkommen dadurch aufzubessern sich bemühen, anstatt in der gewerkschaftlichen Organisation mitzulämpfen. Um diesem Verhalten einen Riegel vorzuschieben, haben die im Gemeindearbeiterverbande organisierten Gruppen derAngestellten der privaten und städtischen Bade- anstalten in ihren Versammlungen kürzlich beschlossen, ihren Mitgliedern Ausweiskarten auszuhändigen, um so den Gesinnungsgenossen, welche Badeanstalten frequentteren, es zu ermöglichen, sich daS Anstaltspersonal mit Bezug auf feine Organisationszugehörigkeit etwas näher anzusehen. Die OrtSverwaltung des genannten Ver« bandeS hat deswegen rote Karten an die organisierten Bademeister, Badewärter, Masseusen, Badewärterinnen ausgegeben. DeuUcbe» Reich. Auch der Zentralverband der Stukkateure, Gipser und verwandter Berufsgenofsen ist an den Lohnkämpfen des Baugewerbes sehr stark beteiligt. Zwei Unternehmerorganisationen, die, wenn man ihren Erklärungen Glauben schenken würde, vollständig selbständig und unabhängig vom Arbeitgeberbund des Baugewerbes sind, versuchen hier, ihren Willen den Arbeiterorganisattonen aufzuzwingen. Die eine dieser Unternehmerorganisationen mit dem Sitz in Karlsruhe hat ihren Wirkungskreis hauptsächlich in Süddeutschland und umfaßt Baden, Württemberg, Elsaß- Lothringen, die Pfalz und das Saar« gebiet, während sich die andere, Sitz Frankfurt a. M., über das übrige Deutschland erstreckt. An der Spitze der süddeutschen Unternehmer steht einer der größten Scharfmacher, der schon bei den Tarifabschlüssen im Jahre 1008 einige Verschlechterungen in die Verträge hineinbrachte, die in diesem Jahre allgemein eingeführt werden sollten. In diesem Jahre sollte vollständige Arbeit gemacht und durch ein Tarifmuster, das in manchen Punkten noch rigoroser als das Muster der Bauherren war, die Organisation vollständig der Willkür der Unternehmer ausgeliefert werden. So kommt es, daß in dem Bereiche dieser Unternehmerorganisatton nicht weniger als 1400 organisierte Gipser und Stukkateure im Kampfe stehen, die sich auf die Städte: Colmar, Freiburg, Heidelberg, Heilbronn, Kaisers« lautern, Karlsruhe, Lahr, Landau, Lörrach, Ludwigshafen, Mann- heim, Mülhausen. Neustadt a. d. H., Oberehnheim, Pirmasens, Schopfheim, Straßburg, Stuttgart verteilen. Im Süden find außer« dem noch die Stukkateure Nürnbergs, 760 an der Zahl, in den Streik getrieben worden, weil die Unternehmer die organisierten Hilfsarbeiter entließen und verlangten, daß die Stukkateure mit Kn« organisierten arbeiten sollten. Der Frankfurter Unternehmerverband hat hauptsächlich im Ruhr- revier den Kampf entfacht. Hier bestand seit 1908 ein Bezirkstarif, der für zwei Tarifgebiete, Bochum und Dortmund, eine 9Vzstündige Arbeitszeit festlegte, während in Essen, Gelsenkirchen, Hagen, Herne und Wanne die Ivstündige Arbeitszeit Geltung hatte. Die Stukkateure forderten für sämtliche in Bettacht kommenden 121 Orte den 9'/zstündigen Arbeitstag. Dieser wurde auch nach mehreren Verhandlungen zugestanden. nur die Lohnfrage führte noch zu Differenzen. Statt 67 Pf., die die Unternehmer pro Stunde boten, verlangten die Arbeiter 69 Pf., um keinen Lohnausfall durch die Verkürzung der Arbeitszeit zu er« leiden. Da nun in Essen einige der Hauptscharfmacher des Bau- gewerbeS sitzen, paßte das nicht in deren Programm und so wurden die Stukkateure und Bildhauermeister trotz ihrer selbständigen Organisation veranlaßt, die Zugeständnisse zurückzuziehen und den Arbeitern daS Ultimatum zu stellen, die jetzige Arbeitszeit beizube« halten und 1 Pf. Lohnerhöhung in diesem Jahre und einen weiteren im nächsten Jahre zu akzeptieren. Im Falle der Ablehnung sollte am 28. April auf der ganzen Linie ausgesperrt werden. Schon im voraus wußten die bürgerlichen Blätter zu berichten, daß am 23. April 2500 Stukkateure im Ruhrrevier ausgesperrt würden. Dabei ist die Zahl der im ganzen Bezirk in Arbeit Stehenden über» Haupt nicht mehr als höchstens 1200. Die Gehilfen lehnten daS Ultimatum ab und es erfolgte die Aussperrung, die wohl niemand mehr enttäuscht hat als die Unternehmer, denn bis zum 7. Mai waren insgesamt 360 Arbeiter ausgesperrt. Allerdings wird sich diese Zahl wohl noch erhöhen, aber an dem Fiasko selbst ändert das nichts. Daß der Unternehmerverband krampfhaft bemüht ist, die Zahl der Ausgesperrten zu vermehren, zeigt sich daraus, daß der Sekretär der süddeutschen Gipsermeister alles aufbot, um den Tarif in Hamburg zum Scheitern zu bringen. Diese Absicht wies jedoch der Arbeitgeberbund des Baugewerbes in Hamburg, unter dessen Leitung die Tarifverhandlungen stattgefunden und zum Abschluß ge« bracht waren, zurück. Verhandlungen fanden im Ruhrrevier weiter noch nicht statt, in Karlsruhe dagegen verliefen sie resultatlos, da die Unternehmer die unbedingte Anerkennung ihres Tarifmusters verlangten. DaS Organ der Gipsermeister rechnet damit, daß die Kassen der Gehilfen» organisation bald erschöpft sein müßten, da sie zirka 6500 Mann zu unterstützen hätte. Ausgesperrt sind ja nur etwa 3000, inklusive der durch die Aussperrung der Maurer Betroffenen. Die Zahl ist bei einer gesamten Mitgliederzahl von 7600 im Stukkateurverband immerhin noch eine sehr bettächtliche, aber die in Arbeit stehenden Gehilfen sorgten durch Zahlung von Extrabeiträgen, deren Höhe je nach dem Verdienste schwankt, von 1,80 M. bis 4,20 M. pro Woche, dafür, daß die Ausgesperrten nicht wegen Mangel an Mitteln zu Kreuze kriechen müssen. In einzelnen Orten find die Unternehmer schon des Kampfes müde geworden. So konnten in Landau, Neustadt und Lambrecht Tarifverträge abgeschloffen werden, die eine Erhöhung des Stundenlohnes um 5 Pf. brachten. Der Tarifabschlnß in Hamburg brachte den Gehilfen eine Lohnerhöhung von 5 Pf. pro Jahr, bis zum Jahre 1913. In Köln wurde der Lohn bei 8>/zstündigcr Arbeitszeit um täglich 25 Pf. erhöht, in Zwickau wurde eine Verkürzung der Arbeitszeit um>/, Stunde täglich und eine Erhöhung des Stunden« lohnes von 43 auf 53 Pf. erreicht. Der Bierboykott in Karlsruhe ist beendet. Erreicht wurde, daß die Brauereiarbeiter einen Tarif bekommen, der eine Erhöhung der Löhne und eine Verkürzung der Arbeitszeit und Urlaubsbewilligung vorsieht.) Auf dem Eisenwerk Klettenberg in Köln-Sülz sind Diffe» renzen ausgebrochen. Zuzug von Formern, Kernmachern und Gießereiarbeitern ist streng fernzuhalten. Deutscher Metallarbeiter-Perband, Köln«« Susland. Nach sechswöchentlichem Ausstände haben die 2000 ausständigen Bergarbeiter von Strepy BraquignieS(Belgien) beschlossen, die Arbeit nächsten DienStag wieder aufzunehmen.' Dieser Beschlutz ist nach einer lebhaft verlaufenen Versammlung gefaßt worden. Der Aus- stand war übrigens verfügt worden entgegen einem Beschluffe deS Bergarbeiterverbandes des Mittelbecken und hatte bei diesem Ber» bände von Anfang an wenig Entgegenkommen gefunden. Letzte JVacbncbtcn und DepcFcbcn. Die Zwangsfolter beendet! Bremen, 14. Mai.(Prwatdepesche des„Vorwärts".), Der gemaßregelte und in Zeugnisznxlngshaft genommene Lehrer, Genosse Freuthal, wurde heute erneut vor den Untersuchungsrichter geladen. Er erklärte kurz und bündig. nichts aussagen zu wollen. Darauf wurde ihm gesagt, man habe kein Interesse mehr an seiner Aussage und die Haft sei aufgehoben. Es hat den Anschein, als ob neuerliche Wahr« nehmungen in Sachen des Bebel-TelegrammS diese plötzliche Wendung verursacht haben. Genosse Freuthak hat vier Wochen hinter den Gefängnismauern gesessen. Auf einmal hat man kein Interesse mehr an der Aussage des zu Unrecht hinter Gefäirgnismauern Geworfenen. Und da wundert man sich noch, wenn das Vertrauen zu einev Justiz, deren Klassencharakter fortwährend neue Orgien feiert, immer mehr schwindet. Verkehrsstörunge« in Bremen. Bremen, 14. Mai.(Privatdepesche deS„Vorwärts".)' Im Bremer Stratzenbahnverkehr machen sich feit gestern erhcblichv BerkrhrSstörungea bemerkbar. An verschiedenen Strecken ist die Stromleitung unterbrochen. Trotz eifrigen Suchens hat man die Fehler, die anscheinend an der unterirdischen Kabelleitung zw suchen sind, nicht gefunden. Diese Verkehrshindernisse wirken auf die Abwickelung des PfingswerkehrS äußerst erschwerend. Der betrügerische OberlandeSgerichtSrat. Bayreuth, 14. Mai. Die Schwurgerichtsverhandlung gegen den 74jährigen OberlandeSgerichtSrat a. D. Greiner. über die wir in unserer gestrigen Nummer berichtet haben, endete mit der Ver- urteilung des Angeklagten. Der Staatsanwalt beantragte sech» Jahre Zuchthaus. Der Gerichtshof erkannte auf eine Zuchthausstrafe von vier Jahren und zehn Jahre Ehrverlust sowie eine Geldstrafe von 660 M. In der Urteilsbegründung wurde strafverschärfend die jahrzehntelange verbrecherische Tätigkeit des Angeklagten hervor« gehoben und die hohen Summen, die er unterschlagen hat. Straf- mildernd komme in Betracht, daß er das unterschlagene Geld nicht für einen verschwenderischen Lebenswandel vergeudet habe. Lkrants. älibalt.; Richard Karth. Berlin. Lnjeratenteil verantw.:«». Glocke. Berlin. Druck u. Verlaa: VocwältZ Buchdr. u. BerlaaSanstal» gizul Swger& Co., Beriill SW.. Hierzu 4 Lrilagm. Ar. 112. 27. Zahrgm. t KnlM des Jurairts" Kerlim pIMIott. Ssvlltag. 15. Mai IM. Quittung* Im Monat April gingen bei dem Unterzeichneten folgende Parteibeiträge ein: Aachen-Stadt, fozialdemolr. Verein, t. Quart. 1S1V B4,56. Aalen, Beitrag des 13. württemb. Wahlkr'. für 1. Quart. 1910 18,32. Aachen- Land- Eupen, fozialdemolr. Verein, 1. Quart. 1910 42,60. Berlin- Trotz a konto seiner acht Wahlkreise 12 000,—,(darunter Kassensturz bei Rausch 2,08, lleberschutz vom Märzkranz der organi sierten Kollegen von F. F. A. Schulze 17,00, Märzkranzüberschutz der Arbeiter der Firma Flohr 37,1k, lleberschutz von der Kranzliste des Kollegen Grimm, Setzmaschinenfabrik Typogravh 2K,25, Märzkranzüberschutz von der Setzmaschinenfabrik Typograph 4S,85, lleberschutz vom Märzkranz der Arbeiter und Arbeiterinnen der Firma Dr. M. Levi 28, 8ö, Kranzüberschutz der Deutschen Waffen- und Munitionsfabrik zum Wahlrechtskampf 680, 3S, Kranzüberschutz der Arbeiter der Firma Hasse u. Wrede 24,—, Gen. Schulmeistrat 10,—, Kranzüberschutz der Firma Neumann u. Reichlin, Chausseestr. 8, 3,0S, LeSke u. Slnpecki 10,—, Bez. 646/47, lleberschutz vom Wahlrechts» spaziergang 10,—, Bezirk Orbis 3,—, lleberschutz der Kranzspende des Gen. Dachwitz 3,—. Höppner 1,—, Fr. Räch 7,06, lleberschutz vom Bez. 745a 2,80. A. B. Mister 1,—, Kranzüberschutz von den Arbeitern der Firma Gebauer 1,70, Arbeiter vom März kränz der Firma I. Pintsch 36,45, für Opfer des Wahlrechtskampfes von den Arbeitern der Tischlerei Lauter u. Co.. Boxhagener Str. 17a, IS,—, Arbeiter der Tischlerei G. Bauer 16,—, Arbeiter der Firma HeimS u. Sohn 8,—, lleberschutz der Kranzspende durch Liudström 16,95, Schein 38,05, Bocküberschutz durch Emil Schulze, Forster Str. 17, 5,68, Bergemann, Abt. 7, 300,—, Kranzüberschutz Bez. 724 3,80, Kranzüberschutz Moder durch Schmidt 18.60, August Schulz 6,—, Bleisteg Bierkasse 1,—. lleberschutz der Märzkranzipeude von den Arbeitern der Firma Maffeh u. Schwarzkopff, Wildau 10,—, desgleichen von den Arbeitern und Arbeiterinnen der Fa. Mix u. Genest 67,60, Kranzüberschutz von den Arb. der Färberei O. Schmidt, Lichtenberg 1,50, desgleichen von den Tabakarb. Berlins 29,—, des gleichen von den Buchdruckerei-Hilfsarb. u. Arbeiterinnen sowie vom Botenpersonal der Fa. Ullstein u. Co. 43,25, desgleichen von den Arb. der Fa. H. Härtung, Wiclefstr. 10,—, H. Dinke 1,50, von den Kall, der Fa. W. Hyan 10,—, Honorar für Beiträge in der„Gleichheit� v. L. Z. 20,—, desgleichen von O. B 10,—.) Berlin, diverse Beiträge: Kranzübersch. v. Fahr personal der Schultheitzbrauerei, Abt. II, durch D. 5,65. März kranzübersch. von den Koll. der Fa. Frister u. Rotzmann, Näh maschinenfabr. 49.—. Die organisierten Arb. der Schultheitzbrauerei, Abt. II 32,60. Uebersch. der Kranzsp. von den Koll. der Fa. Weber u. Co. 14,05. Uebersch. v. Märzkranz der Deutschen Waffen- und MunitionSfabr., Wittenau 292,—. Kranzübersch. f. d. verstorbenen Koll. I., v. d. Arb. d. Werkzeug» und Maschinenfabrik Deiche, Görlitzer Ufer 6,40. Dr. S. W. 15,—. Machetes 5,—. lleberschutz v. Märzkranz von den Arb. der Firma Dr. P. Meyer, A.-G. 4,70. Desgleichen von den Arb. der Firma F. G. Dittmann 13,10. Mitgl. der U.— Dr, 8,—. Märzkranzübersch. v. d. Arb. d. Telephon- werke, Zeughofftr. 6/7 74,60. Desgleichen v. d. Arb. der Nikes« Werke 71,75. Von den Koll. d. Fa. Fricke u. Stiller 10,—. März- kranzübersch. v. d. Arb. der Fa. Steffens u. Nolle, Tempelhof 26,—. Bon den Arb. d.„Lokal-Anzeiger�, Abt. Falzerei(darunter Uebcr- schuh v. Kranzsp. 17,25) 55,76. Uebersch. der Märzkranzspende, ge sammelt von den Arbeitern der Firma Bergemann, Rosenthal, sür die Opfer der Wahlrechtsbewegung 147,40. Gutenberg 31,60. lleberschutz vom Märzkranz durch die.Vorwärts Expedition in Rixdorf 2,40. Die Kontobucharbeiter vom Wedding 5,—. Personal der Fa. Lück u. Vetter 3,50. Knabe 3,—. Von den Schlossern der Fa. F. Willebald 7,10. O. S. u. Co. 50,—. Zum Wahlrechtskampf ges. v. technischen Personal der Hof- buchdruckerei I. Sittenfeld und von C. Heymanns Verlag 61,95. A. Balkow 3,—. O. L., Barnimstratze, für den Wahlfonds 1,70. Märzkranzüberschutz v. d. Arbeitern der Fa. Delling u. Lübke 10.—- Schreiber 5,—. lleberschutz v. Kranzspende und Brauereibesichtigung von Emmerich u. Schöning 9,50. Bon d. Arbeitern der Fa. Parde- mann u. Co.. Kronleuchterfabrik 19,50. Märzkranzüberschutz von den freiorganisierten Arbeitern der Anilinwerke 32,60. Dr. L. A. 100,—. Märzkranzüberschutz v. d. Arbeitern u. Arbeite- rinnen der opt. Anstalt Goerz, Friedenau 166,30. Desgleichen v. d. Arbeitern der Firma C. Lorenz. Telegraphenbau 66,55. Desgleichen v. d. Arbeitern der Post- u. EtsenbahnverkehrSwesen-Aktienges. 17,—. Desgleichen v. d. Arbeitern der Englischen Gasanstalt 30,30. Des- gleichen v. d. Koll. der Firma H. Aron durch S. 14,55. Desgleichen von den Kollegen u. Kolleginnen der Auergesellfchast, Rother- I strahe * c,>«>->_ Kleines f euilleton* pfingltfonne. Von Clara Müller. De» Geist wollt Ihr feiern, den heiligen Geist, Der die Dogmen zerschmilzt und die Formeln zerreiht— Und ihr bindet den Arm, der die Fessel zerbricht!? Ihr blendet die Augen— und predigt das Licht l? Und all' Eurer Glocken weithallend Gedröhn Uebertäubt nicht der winselnden Sklaven Gestöhn—, Und all' Eurer Kerzen hellflammender Schein Flammt nicht in die Tiefen de» Elends hinein! Aus dem Himmel nicht mehr, der den Blitzstrahl Euch gab, tahren feurige Funken der Liebe herab: uS der kreisenden Erde gemartertem Schatz Ringen glühende Ströme des Haffes sich los. Du Sonne der Pfingsten, du himmlischer Strahl, Gietze aus deine Fülle ins finsterste Tal! Du göttliche Freiheit des Menschengeschlechts, Leuchte du uns im Kampfe als Fackel des Rechts i Dann läuten wir Sturm in die zitternde Welt Mit Glockengetön, das die Gräber durchgellt—— Dann feiern wir Pfingsten und krönen den Geist, Der die Mauern zersprengt und die Ketten zerreitzt! Pfingstreiten. Zu den reizvollsten Pfingstbräuchen, die sich in vielen ländlichen Gegenden bis heute noch erhalten haben, gehört das Pfingstreiten. Das ist der grotze Tag der Burschen; schon lange vorher wird mit sorglicher Heimlichkeit das Sattelzeug ge- rüstet und blank geputzt, denn wenn es dem Reiter nicht vergönnt sein sollte, bei dem Pfingstrennen oder beim Ringstechcn den Preis davonzutragen, so will er wenigstens stattlich aussehen. Auch der alte Brauch, daß am Pfiugstmorgen die Burschen hoch zu Rosse die Grenzen der Gemeindegemarkung abreiten, wird noch heute in dielen Gauen Deutschlands getreulich innegehalten. Im Böhmer Walde ist am Pfingsttage das Wettrennen das grotze Ereignis; am Ziele harrt eine prächtige Fahne des Siegers, aus der die Preise liegen, ein schöner, roter oder blauseidcncr Westenstoff, vielleicht ein leuchtend rotes Halstuch oder ein bunter, kunstvoll gestickter Hosen- träger. Eine dünne Strohspur markiert die Rennbahn, ein Flinten- schütz ist das Zeichen zum Start, und unter der fieberhaften Auf- regung aller Zuschauer brausen dann die Burschen jauchzend und jubelnd dem Ziele zu. Aber wenn der Sieger dann stolz die Fahne in den Lüften flattern lätzt, ist das Rennen noch nich! zu Ende. Der Humor kommt zu Wort, der Spatzmacher, der„Gschboasmocho". reitet sein eigenes Rennen. Er hockt auf der armseligsten Mähre der ganzen Gegend, auf der Kruppe des Pferdes hat man aus Stroh einen künstlichen Kopf befestigt, nur mit einer Leiter steigt, der Spaßmacher auf seinen Renner. Auch ihm gibt ein Flinten-' 172.55. Diskutierklub Karl Marx 14.25. M. W.. März— April 4,—. P. S. 50. A. B. 50. Jule, Ritterstr. 85. V Quart. 1910 13,50. Breslau, sozialdemokr. Verein für Breslau Ost u. West, 1. Quart. 1910 982,—. Bant, 2. oldenb. Wahlkreis, 1. Quart. 1910 672,10, desgl. 2. hannov. Wahlkr. 58,80. Sa. 730,90. Bern 50,—. Bergheim-Euskirchen, soz. Verein, 1. Quart. 1910 15,80. Braunschweig, 1. brauuschw. Wahlkr., 1. Quart. 1910 600,78; deSgl. 2. Wahlkr. 108,26; desgl. 3. Wahlkr. 125.84. Sa. 834,88. Burg bei Magdeb., Wahlkr. Jerichow I u. II, 1. Quart. 1910 415,69. Bonn, Wahlkreisbeitrag für 1. Quart. 1910 30,—. Brandenburg-West- Havelland, 1. Quarr. 1910 339,15. Crailsheim, 12. Württemberg. Wahlkreis 15,—. Crefeld, soz. Volksverein, 1. Quartal 1910 209,10. Düsseldorf, Wahlkreisbeitrag für 1. Quart. 1910 764,96. Dortmund- Hörde, Wahlkreisbeitrag a konto 4. Quart. 1909 u. 1. Quart. 1910 1600,—. Duisburg-Mülheim, Wahlkreisbeitrag für 1. Quart. 1910 599,33. Danzig, Provinz Westpreutzeu, 1. Quart. 1910. Wahlkreise: Elbing-Marienburg 47,40; Danzig-Land 7,64; Danzig-Stadl 130,96; Neustadt-Karthaus 18,36; Stuhm-Marienwerder 17,29; Thorn- Kulm 5,84; Schwetz 5,60; Schlochau-Flatow 8,84; Deutsch- Krone 17,—; Sa. 308,93. Essen a. Ruhr, Wahlkreisbeitrag für 1. Quart. 1910 847,63. Eberswalde, Wahlkr. Oberbarnim, 1. Quart. 1910 117,36. Etzlingen, sozialdemokr. Kreisver. f. d. 5. württemb. Wahlkr., 1. Quart. 1910 244,47. Erfurt- Schleusingen- Ziegenrück, Wahlkreisbeittag für 1. Quart. 1910 204,41. Elberfeld- Barmen, Wahlkreisbeitrag für 1. Quart. 1910 950,—. Falkenberg(Oberschl.) 3,—. Frankfurt a. M.. Wahlkreisbeitrag für 1. Quart. 1910 1344,36. Flensburg, 1. u. 2. schlesw.-holst. Wahlkreis, 4. Quart. 1909 326,62. Finsterwalde, Wahlkr. Kalau-Luckau, 1. Quart. 1910 230,43. Gröba, Schnauzinger 10,—. Gebweiler i. E., sozialdemokr.-Kreisv., 1c Quart. 1910 16,52. Goldbeck(Altmark), von einem Parteigenossen 15,—. Gr.-Ottersleben, Beitrag deS Wahlkr. Wanzleben für 1. Quart. 1910 300,—. Geldern. Wahlkr. Clebe-Geldern, 1. Quart. 1910 15,66. Hildesheim, 10. hannov. Wahlkreis, 2. Halbjahr 09 432,22. Hessen lGrotzh.), 1. Quart. 1910. Wahlkreise: Alsfeld-Lauterbach 7,50; Gietzen-Nidda 90,—; Friedberg-Büdingen 109,50; Offenbach-Dieburg 600,—; Dartnstadt-Gr.-Gerait 150,—; Erbach-Bensheim 30,—; Bingen-Alzey 30,—; Worms-Heppenheim 75,—; Mainz-Oppenheim 150,—; Sa. 1242,—. Harburg, 17. hannov. Wahlkr. a. konto seiner Beiträge für 1909/10 800,—. Hagen-Schwelm, Wahlkreisbeitrag für 1. Quartal 1910(dar. v. Frauen 32,19) 558,07. Husum, Wahl- kreisbeitrag 29,94. Halberstadt-Oscherslebeu-Wernigerode, 1. Quartal 1910 387,—. Köln a. Rh., Reg. W. 20,—. Kattowitz, Beitrag der P. P. S. für 1. Quartal 1910 174,36(dar. Wahlkr. Kattowitz- Zabrze 67,50; Beuthen-Tarnowitz 48,56). Kiel, 7. schlesw.-holst. Wahlkr., Nestbeitrag für 4. Quartal 1909 154,82. Leipzig-Stadt, 12. sächs. Wahlkr., a konto seiner Betträge für 1909/10 500,—. Lüdenscheid, Wahlkr. Altena-Iserlohn, 3. Quartal 1909 58,45. Lichtenrade, G. H. 1,—. Metz, Wahlkreisbeittag für 3. Quartal 1909 15,92, deSgl. für 4. Quartal 1909 15,96, Summa 31,88. Mülhausen i. E., Wahltteisbeittag für 1. Quart. 1910 105,56. Magde- bürg, Wahlkreisbeitrag für 1. Quart. 1910 955,10. Mannheim 11. badischer WahltteiS, 1. Quart. 1910 700,—. Neunkirchen. Bei- ttag der Organisation 24,—. Neuwied, Wahlkreisbeitrag für 1. Quart. 1910 19,75. Neuwied, freiwilliger Beitr. von einem Geistlichen für 1909 5,20. Ottensen-Pinneberg, soz. Zentral- verein für den 6. schlesw.-holst. Wahltt. a konto seiner Bei- träge für 1909/10 1600,—. Olvenstedt, Bcittag d. Wahlkr. Wolmir- stedt-NeuhaldenSleben für 1. Quart. 1910 252,74. Pirna, 8. sächs. Wahlkreis, a konto seiner Beiträge für 1909/10 1500,—. Reck- linghausen-Borkeu, Wahlkreisbeitrag für 1. Quart. 1910 245,—. Rostock, Beitrag des 5. Mecklenburg.' Wahltteises für 1. Quart. 1910 200,80. Saarbrücken- St. Johann, sozialdemokr. Verein, 1. Quart. 1910 81,80. Saargemünd- Forbach, Wahlkreisbeitrag für 1. Quart. 1910 9,24. Statzfurt, Wahlkreis Quedlinburg« Aschersleben- Calbe, 1. Quart. 1910 572,20. Solingen, Wahlkreisbeitrag für 1. Quart. 1910(dar. v. Frauen 28,96) 613,59. Siegen-Wittgenstein, Wahlkreis- beitrag für 1. Quart. 1910 14,50. Stockelsdorf. Fürstentum Lübeck, 1. Quart. 1910 131,40. Steele a. Ruhr, E. B. 2,—. Spandau- Osthavelland, Wahlkreisbeittag für 1. Quartal 1910 247,40. Schwedt, Wahlkreis Prenzlau-Angermünde, 1. Quart. 1910 54,15. Schwiebus, Wahlkr. Züllichau- Kroffen, 1. Quart. 1910 67,62. Schwenningen, 9. württemb. Wahlk., 1. Quart. 1910 128,66. Thann. Wahlkr. Altkirch-Thann i. E. 3,36.„Porwärts'-Ueberschutz, 1. Quart. 1910 34 390,80.„Wahrer Jakob",„Neue Zeit",„Gleichheit" 15 000,—. X. D. Z. 5000,—. Zittau, Beitrag des 1. sächs. Wahlkr. für 1. Quart. 1910 207,73. Berlin, den 10. Mai 1910. Für den Parteivorstand: A. G e r i s ch, Lindenstt. SS. schütz daS Zeichen zum Start. Er trabt los, nach zwanzig Schritten steigt er ab, füttert seine Rosinante, treibt allerlei komische Possen, und wenn er dann endlich das Ziel erreicht hat, beginnt er mit dem Sieger einen wilden S"reit um die Fahne, der gewöhnlich damit endet, dah der Spatzmacher mit einem Dutzend Päckchen Schnupf- tabak abgefunden wird und seinen Ansprüchen entsagt. Am Nach- mittag aber reitet der„Gschboasmocha" durch das Dorf und treibt von den Bäuerinnen seinen Zins ein, Kuchen, Eier und dergleichen, die ihm lachend und freigebig gespendet werden. Die älteste Kometendarstellung ist. so führt Camille Flamma» rion in der„Illustration" aus, in B a y e u x zu finden,-auf der weltberühmten Tapisserie, die dort in der Bibliothek als ein kost- barer Schatz gehütet lvird. Die grotze Stickerei soll von der Königin Mathilde, der Gemahlin Wilhelm des Eroberers, ausgeführt war. den sein; während ihr Gatte, damals noch der Herzog der Nor- mannen, im Kriege gegen Harold lag, fertigte die Gemahlin daheim mit Hilfe ihrer Ehrcndamcn daS grotze Stickwerk an, in dem auf Leinwand und mit Leinenfäden gestickt die Eroberung Englands durch Wilhelm dargestellt ist. Die Tapisserie hat eine Länge von 70 Metern bei einer Höhe von einem halben Meter; sie ist in 58 Felder eingeteilt, die die verschiedenen Phasen des normannischen Eroberungszuges darstellen. In einem dieser Felder, in dem 32., gewahrt man eine Gruppe von Leuten, die in großer Aufregung daS Erscheinen eines Kometen beobachten; nach den Berechnungen der modernen Astronomie war es der Hallehsche Komet, der auf seinem Zuge durch den Weltraum im Jahre 1066 von der Erde gesichtet werden konnte. DaS Jahr fällt auch genau mit der Er- oberung Englands zusammen. Oben auf der Stickerei sieht man den Stern mit einem kammartig gezähnten Schweif und daneben die Inschrift„lsti mirsnt Stella", die sich auf die darunter stehen- den Gestalten bezieht, die das merkwürdige Sternbild beobachten. Daneben erblickt man den König Harold auf seinem Throne sitzend; ein Bote ist zu ihm getreten und der König scheint über die Nach- richten, die er empfängt, aufs höchste beunruhigt zu sein. Im fol- genden Felde dann sieht man Harold in den Krieg ziehen, der ihm bald die grotze Niederlage bringen sollt«. Humor und Satire. Preußisches Volksschullehrerliedchen. In der Stadtschule in Schwetz, Bezirk Marlenwerder, wird, wie ein Berliner Blatt meldet, trotz vieler Beschwerden in zwei Kellerräumen Schulunterricht an 200 Kinder des jüngste» Schuljahres erteilt. Im kühlen Keller sitz' ich hier Als Wissenschaftsvermehrer. Ich Unterricht' und denke mir: Wie gut Hat'S doch ein Lehrer! Wie schön ist dieser Schulraum doch! Ich Hause, o Misere, Wie eine Ratt' im Kellerloch Und lehre, lehre, lehre l Aittschastllcher Nochenberlcht. Berlin» 14. Mai 1910.... Zucker und Nahrungsmittel.— Technische EntWickelung, Konsumsteigerung und Außenhandel.— Agrarische Praxis.— Steuer und Prämiensystem.— Die Brüsseler Konvention.— Suspendierte Steuerermäßigung,— Spekulation.— Riesige KreiStreiberej,— Nichts für die Arbeiter,> ,-ch* Früher galt Zucker in den weitesten Kreisen der Bevölkerung als ein reines Genutzmittel. In vielen Arbeiterfamilien kam es in der Woche einmal, zur Erhöhung der Sonntagsstimmung, auf den Kafseetisch. Heute weih wohl jedermann, datz die sütze Speise eines der nahrhaftesten Lebensmittel darstellt. Leider aber spielt Zucker im Haushalt der breiten Masse immer noch nicht die ihm als Nahrungsmittel gebührende Rolle. Sein hoher Preis ist die Ursache. Damit könnte man sich leichter abfinden, wenn der Per» kaufspreis des Zuckers von seinen natürlichen Produktionslosten bestimmt wäre. Das ist jedoch nicht der Fall. Kaum ein anderes wertvolles Nahrungsmittel hat von jeher so sehr der künstlichen Preisbecinflussung unterstanden wie der Zucker. Wie auf vielen anderen, so hat sich auch auf diesem Gebiete die deutsche agrarische Wirtschaftspolitik für das Allgemeinwohl als sehr unheilvoll er« wiesen. Die Technik der Gewinnung von Zucker aus der Zucker. rübe hat einen so hohen Grad erreicht, datz das Erzeugnis sehr wohl im Haushalt des armen Mannes als Nahrungsmittel Per- Wendung finden könnte. Unsere Steuerpolitik lätzt jedoch heute noch in weiten Kreisen des Volkes den Zucker als Luxus erscheinen. Dank unserer Liebcsgabenpolitik fanden dagegen die englischen In- dustriellen im deutschen Zucker ein wohlfeiles Rohmaterial für ihre Marmeladen-, Konserven und andere Zucker verbrauchende In- dustrien. Verbesserte Rübenkultur und entwickelte Technik haben das Ausbringen pro Gewichtseinheit ganz bedeutend gesteigert. Zur Gewinnung von 1 Kilogramm Zucker waren beispielsweise zu An- fang der 70er Jahre je nach Qualität der Rüben 11 bis 12 Kilo- gramm erforderlich: im letzten Jahrzehnt bedurfte es zu einem Kilogramm Zucker nicht einmal mehr 7 Kilogramm Rüben. Und die Produltion, die damals 2 bis 3 Millionen Doppelzentner be- trug, ist jetzt auf über 20 Millionen Doppelzentner gewachsen. Mit der Produktionssteigerung hat der inländische Konsum nicht gleichen Schritt gehalten. Er ist in Deutschland nach amtlichen Angaben von 6 Kilogramm Verbrauchszucker in der Periode 1871 bis 1876 auf 8,4 Kilogramm im Jahrfünft 1886 bis 1891 und auf 17,58 Kilo. gramm im Jahre 1903/09 pro Kopf der Bevölkerung gestiegen. Bis zum Jahre 1903 war der Verbrauch im allgemeinen nur sehr un- bedeutend gewachsen. Dagegen hob sich die Ausfuhr dem Werte nach von 9,5 Millionen M. im Jahre 1872 auf 235,5 Millionen M. im Jahre 1906. Seit 1906/07 ist zwar die Ausfuhr zurückgegangen, aber auch die Produktion ist eingeschränkt worden. Während z. B. die Ausfuhr in Höhe von 11035 714 Doppelzentnern im Jahre 1906/07 auf 8 384 155 Doppelzentner im Jahr« 1908/09 sank, ging in der gleichen Zeit die Erzeugung von 22 420 463 Doppelzentner auf 20 792 212 Doppelzentner Rohrzucker zurück. Die Schwankungen im Export, die nicht befriedigende Entwicke- lung des Konsums sind Folgen eines nach Liebesgabenprinzipicn gemodelten Steuer- und PrämrenshstcmS. Nach dem Stcucrgesetz von 1896 betrug die VerbrauchSabgabe 20 M. für 100 Kilogramm Reingewicht. Dazu trat noch eine nach Produktionshöhe abgestufte Fabrikbettiebssteuer, die pro 100 Kilogramm Rohzucker 0,10 M. bei einer Erzeugung bis zu 4 Millionen Kilogramm betrug und dann von Million zu Million Kilogramm Mehrerzeugung um je 0,025 M. pro 100 Kilogramm stieg. Andererseits wurde für exportierten Zucker ein Ausfuhrzuschutz gezahlt, der 2,50 M. pro Doppelzentner für Rohzucker und 3 resv. 3,55 M. für Gebrauchszucker betrug. Da gleichzeitig ein Eingangszoll von 40 M. pro 100 Kilogramm die Konkurrenz ausländischen Zuckers auf dem deutschen Markte ausschlotz, war die Grundlage für einen starken Export zu niedrigen Preisen auf Kosten der deutschen Produzenten und Kon. sumenten gegeben. Welchen Vorteil das für die hauptsächlich Zucker importierenden Engländer hatte, geht genügend aus der Tatsache hervor, datz ter Konsum in England pro Kopf der Bevölkerung das Doppelte des Verbrauchsquantums in Deutschland erreichte. Die Engländer konnten den in Deutschland produzierten Zucker unter Umständen sogar als Viefutter verwenden. Trotzdem regte sich mit der Zeit auch in England eine Oppo» sition gegen die bestehenden Zustände. Dem Rohrzucker der eng- tischen Kolonien wurde von den Rübenzucker erzeugenden europäi- Der Preutzenstaat, er denkt modern, So sehr, datz ich'» kaum fasse: Gibt's„Liebesgaben" für die Herr», Dann hat er Geld in Massel Doch heißt eS: Geld für Bildung her! Gibt Staat sowohl wie Stadt nix l Dann ist sein großer Beutel leer, Er hat nix, hat nix, hat nix! Schrei' ich den Hals auch rauh und rot Als armer. VolkSmagifter: „Helft mir aus dieser tiefen Not" — Er hört'S nicht, der Minffter. Wird Frömmigkeit nur eingebläut Der lieben Schülergruppe, Ist alles andre eben heut' Ganz schnuppe, schnuppe, schnuppe! Sirlchen. — Aus der Schule. Professor(diktierend):»...Und so zogen die Germanen mit ihrein ganzen Hab und Gut. mit ihrem Vieh, mit Frau und Kiitdern—— Lehmann haben Sie— Kinder?"—-„Noch nicht, Herr Professor l"(.Jugend'.) Notizen. — Die Neue Freie Volksbühne hat die Konzession zur Uebernahme des bisherigen Gastspieltheaters erhalten. Das Theater wird unter dem Namen Neues Volkstheater geführt werden; die Vorstellungen sollen sich auf den Kreis der Mitglteder beschränken. — In der Komischen Oper beginnt heute daS kaiserlich russische Hofballett ein Gastspiel. Zur Auffuhrung gelangt daS drei- aktige Ballett„DaS schlecht bewachte Mädchen" von Ober wall, Musik von H e r t e l. — In München wurde am Sonnabendvormittag eine AuS» stellung für orientalische Kunst eröffnet. — Orchideeu-AuS stellung. Der Verein zur Be- förderung des Gartenbaues in den preußischen Staaten veranstaltet am 19. und 20. Mai eine Orchideeu-AuSstellung im Preußischen Abgeordnetenhause. — Vom Halleyscheu Kometen. Der amerikanische Astronom Prof. L o w e l l hat neuerlich eine spektographische Unter- suchung des Halleyscheu Kometen vorgenommen. Danach soll die gefürchtete Blausäure nur im Kern, nicht auch im Schweif deS Weltenbuinmlers vorhanden sein.— Hoffentlich sehen überängstliche Naturen dem seltenen Phänomen nunmehr mit größerer Ruhe eut« gegen. — Der Heidelberger Universität ist von dem der- storbenen Chemiker Dr. M o n d in London ein Vermächtnis von einer Million Mark gestiftet worden. Die Stiftung soll nach dem Wunsche des Erblassers zur Förderung der naturwissenichastlichen Forschung, vorzugsweise auf physikalischem und chemischem Gebiet« verwand» werde»», \S)(n Ländern aus dem Weltmarkt elkke'allzu empfindliche Kon. mrrenz bereitet. Gegen den Willen der deutschen Agrarier kam nach langen Verhandlungen der interessierten Regierungen im Jahre 1302 die Brüsseler Konvention zustande. Durch diese tvurde der Prämienwirtschaft ein Riegel vorgeschoben. Jeder Zucker im- portierende Staat war aus Grund der getroffenen Abmachungen verpflichtet. Prämienzucker mit Strafzöllen zu belegen. Ferner wurde ein bestimmtes Verhältnis zwischen inländischer Steuer und Einfuhrzoll hergestellt, in der Weise, daß letzterer die Steuer im Maximum nur um S nesp. 5H Fr. übersteigen durfte. Die wohl- tätige Folge dieser Bestimmungen für Deutschland war Herab- setzung der Steuer von 20 auf 14 M., und als Wirkung dieser Maß« nähme Verbilligung des Zuckers und eine Konsumsteigerung. Aber immer noch mußte eine erhebliche Menge der deutschen Produktion an das Ausland abgegeben werden. Die Verbilligung war nicht kräftig genug, um den Jnlandskonsum auf die Hohe der Erzeugung zu heben. Seit Inkrafttreten der Brüsseler Konvention gestaltete die deutsche Zuckerausfuhr sich folgendermaßen: r Rohzucker Verbrauchszucker in Tonnen 1303/04... 413 023 409133 1304/06... 285 473 432 365 1306/06... 441 816 633 147 1306/07... 486 418 666 437 Von der Ausfuhrmenge des letzten Berichtsjahres gingen nach Großbritannien allein 327 313 Tonnen Rohzucker und 379406 Tonnen Verbrauchszucker. Im Jahre 1307/03 ging dann der Import Englands aus Deutschland auf 307 683 To. Rohzucker und 364 486 To. Verbrauchs- zucker, im folgenden Jahre auf 233 164 Tonnen Rohzucker und 330 066 To. Berbrauchszucker zurück. Aber unsere Agrarier, in weiser Fürsorge, den Preis nicht sinken zu lassen, verringerten die Anbau« fläche, so daß trotz erhöhtem Ausbringen die Produktion geringere Mengen ergab. Folgende Zusammenstellung veranschaulicht daS: IN>«I Auf 1 Doppel- Anbaufläche Fabriken über» zentnerRoh. Hektar Haupt«ÄÄ«- L-ck-r entfielen � � Doppelzentner �ppelz.Rüben 1301/02 478 748 447 23 022 464 6,36 1906/06 471742 426 24 007711 6,66 1907/08 460 030 412 21 387 312 6,30 1908/09 436186 403 20 792 212 6,68 Verbesserte Technik, die das Rohmaterial ergiebiger ausnutzt, Betriebskonzentration, die die Produktion verbilligt, das alles kommt nicht dem Konsum zugute. ES wird weniger angebaut, damit nicht große Ernten die Preistreiberei stören können. Nach einer Berechnung von O. Licht-Magdeburg ergaben sich pro Kopf der Bevölkerung folgende Konsumzisfern(Rohzuckerwert in Kilogramm): Deutsch. Schweden« Däne««naiand land Norwegen mark" 1301/02.... 18,63 20,84 24.62 32,02 1806/06.... 13.73 21,38 32,37 36,33 - Trotz der Brüsseler Konvention ist der Konsum Englands noch bedeuteno gewachsen, so daß sich die enorme Verschiedenheit der Kopfqroten dort und in Deutschland nur unbedeutend zu unserem Vorteil veränderte. Nach amtlichen Angaben betrug der Verbrauch in Deutschland pro Kopf der Bevölkerung im Jahre 1936/06 nur 18,49 Kilogramm, im Jahre 1303/03 13,66 Kilogramm Rohzucker. Mithin hat bei uns der Konsum auch in den letzten Jahren noch keine erhebliche Steigerung erfahren. Die vorteilhaften Verhältnisse,, deren sich England erfreute, verhinderten nicht das Starkwcrden'der von kapitalistischen Jnter- essen diktierten Forderung, mit Ablauf der auf 5 Jahre geschlossenen Konvention von der Pflicht, Prämienzucker mit Strafzöllen zu be- legen, entbunden zu sein. Es handelt sich dabei in der Hauptsache um Rußland, das der Konvention nicht angehörte und auf Grund einer besonderen Organisation das System der indirekten Prämien« zahlung beibehielt. Ab 1. September 1308 ist eine neue Konvention abgeschlossen worden, der nun auch Rußland angehört. Aber dieses Land hat sich nicht vollständig den für die anderen Staaten gül- tigen Bestimmungen unterworfen; es behält seine Steuergesetze und kann an der Begünstigung des Zuckerexports nicht durch Strafzölle gehindert werden. Andererseits hat sich Rußland verpflichtet, für das erste Jahr der Konvention höchstens 3 Millionen Doppelzentner und für die nächsten vier Jahre nicht mehr als je 2 Millionen Doppelzentner über die kontinentale europäische Grenze auSzu» führen. ES wäre nun vorteilhaft gewesen, zur Steigerung des in« kandischen Konsums eine kräftige Herabsetzung der Zuckersteuer vor- zunehmen mit dem Ziel der alsbaldigen vollständigen Aufhebung dieser Nahrungsmittelbelastung. Allerdings, eine Ermäßigung der Steuer von 14 auf 10 M. war ja beschlossen worden, aber die Er- Mäßigung sollte frühestens am 1. April 1303 in Kraft treten, wenn man bis dahin eine andere Steuerquelle erschlossen habe, deren Ertrag mindestens 36 Millionen ergab. Das schwarzblaue Kartell hat dem Volke mittlerweile ein paar hundert Millionen Steuern mehr aufgebürdet, um jedoch die SchnapSblock-Finanzreform unter Dach zu bringen, hat es dazu die Steuerermäßigung suspendiertll Für die Spekulation bot der Zuckermarkt schon immer ein gutes Feld: die Preisgestaltung wurde durch sie stark beeinflußt. Die Aussicht auf Steuerermäßigung gab der Spekulation zunächst Anlaß, mit den Eindeckungen möglichst zurückzuhalten. Die Ge- wißheit, daß die Ermäßigung nicht eintreten werde, wirkte dann entgegengesetzt. Ein starker Begehr trat hervor, der die Preise hinaufschnellen ließ. Die Haussespekulation half nach. Zurück- Haltung des Angebots. Nachrichten über schlechte kubanische Ernte usw., ließen in den letzten Monaten, speziell seit Mitte April, die Preise so scharf hinaufgehen, daß sie anfangs Mai ein schwindelnd hohes Niveau erreichten. Das ist auch em Teil der Gabe des schwarzblauen Schnapsblocks. Die nachstehende Tabelle bietet einen Vergleich zwischen den Terminpreisen der letzten fünf Jahre. Es notierten Geldkurse (Magdeburger Notiz sab Hamburg in Mark für 60 Kilogramm): 1306 1307 Mai... 8.16 10,20 tuli... 8,30 10,30 ugust.. 8,40 10,40 1908 1909 1910 11,80 10,50 15,02 11,85 10.62'/z 15,05 11,927» 10,70 15,10 Die Erwartung auf die Steuerermäßigung hatte die Notie- tungen im Jahre 1310 wohl zugunsten des Konsums beeinflußt, nun aber sind die Preise um fast 60 Prozent über den vorjährigen Stand hinaufgesprungen. Dabei muß noch berücksichtigt werden. daß wir mit einer relativ günstigen Ernte rechnen können. Ist doch nach der Umfrage der Internationalen Vereinigung für Zuckerstatistik in Deutschland für das laufende Jahr im Vergleich mit dem Vorjahre die Anbaufläche um 3 Prozent größer, wäh- rend für sieben hauptsächlich in Betracht'kommende europäische Länder, mit einer Anbaufläche von rund 1,3 Millionen Hektar, ein um 10,8 Prozent vergrößerter Zuckerrübenanbau ermittelt tvurde. DaS Aufreizende der Preistreibereien wird noch erhöht durch die Aussicht, daß den Arbeitern nichts, rein gar nicht? von den enormen Mehrerträgen zufließt. Obwohl auch die Raffinerien an der Preiserhöhung partizipieren, die Aktien der Zuckerfabriken in Gewißheit erhöhter Gewinne hinaufgesetzt wurden, sollen an- scheinend die Arbeiter vollständig leer ausgehen. Die Direktion der Trachenberge! Zuckersiederei bekundete den auffälligen Eifer, der Oeffentlichkeit mitzuteilen, daß die jetzige brillante Lage des lguckermarktes für die deutschen Fabriken keinen Vorteil biete. tveil diese ausnahmslos bis auf ganz kleine Posten schon vorher ausverkauft gehabt hätten. Selbst, wenn man unterstellt, die Fabriken hätten vielleicht schon seit einem Monat ausverkauft, dann doch sicherlich auf der Grundlage der schon bis dahin ein- getretenen Preiserhöhungen. Die Erklärung söll offensichtlich nur den Zweck haben, LohnforderMgen der Arbeiter vorjveg die Spitze abzubrechen.£>, Zehnter Verbandstag der Möhlenarbetter. München, 14. Mai 1910. Am Pfingstsonntag beginnt hier der zehnte Verbandstag des Verbandes deutscher Mühlenarbeiter. Auf der vorläufigen Tages- ordnung steht neben den Geschäftsberichten nur die Verschmolz zungsfrage, und diese dürfte den größten Teil der Verhandz lungen ausfüllen. Daß eine Verschmelzung vorgenommen werden soll, darüber ist man sich im Verbände wohl einig, der Verbands- tag soll nun darüber entscheiden, ob ein Zusammenschluß mit den Bäckern oder mit den Brauern erfolgen soll. Der letzte Ver- bandstag des Mühlenarbeiterverbandes(1307) überwies dem Vor- stand einen Antrag:„der Frage der Gründung eines Lebensmittel- arbeiterverbandes für die gesamte Lebensmittelbranche näher zu treten". Der Vorstand handelte dem Antrag gemäß und wandte sich an die in Frage kommenden Verbände. Die Bäcker und Metzger erklärten sich für die Gründung eines Jndustrieverbandes, der Gedanke scheiterte aber bisher an den Brauern, die sich auf ihrem Verbandstage hierzu a b- lehnend verhielten. Der Vorstand des Mühlenarbeiterver- bandes suchte dann die Wege zu einer Verschmelzung mit dem Bäcker- oder Brauereiarbeiterverbande zu ebnen. Konferenzen mit den Vorständen der beiden Verbände führten zu dem Ergeb- nis, daß beide sich bereit erklärten, eine Verschmelzung mit dem Mühlenarbeiterverbande einzugehen. Bei einer Verschmelzung mit den Bäckern sollte die geeinte Organisation den Namen: „Verband der LebenSmittel-Arbeiter und»Ar- beiterinnen Deutschlands" führen. Hier wurde also dann auch rein äußerlich der Grundstock gebildet für den I n-- dustrieverband. Bei einer Verschmelzung mit den Brauern würde der Name des Verbandes lauten:„Verband der Brauerei- und Mühlenarbeiter und verw. Berufsgenossen". Die Beiträge würden bei einem Zusammenschluß mit den Bäckern je nach dem Lohn 40 Pf.(bis 18 M. Wochenverdienst). 60 Pf., 60 Pf. und 75 Pf.(bei über 30 M. Verdienst), und bei den Brauern 30 Pf. bei einem Lohne bis zu 13 M. und 60 Pf. bei über 13 M. Wochen- verdienst betragen. Ueber den Uebertritt zu einer der beiden Organisationen wurde in den Mitgliederkreisen sehr eifrig debattiert und auch im Verbandsorgan von den Kollegen sehr ausgiebig geschrieben. Dabei wurde für die Verschmelzung mit den Bäckern ebenso energisch wie für die mit den Brauern eingetreten. Besonders waren es die vorgeschlagenen hohen Beiträge bei einer Verschmelzung mit den Bäckern, die gegen einen Zusammenschluß mit diesen angeführt wurden. Von den Freunden einer Fusion mit den Bäckern da- gegen wurde hervorgehoben— und sicher nicht ohne Berech- tigung—, daß die Mühlenarbeiter den Bäckern weit näherstehen als den Brauern und mit den Bäckern mehr Berührungspunkte haben. Auch hoffen die Befürworter einer Verschmelzung mit den Bäckern, daß dann die Gesamtverschmelzung, der Zusam- menschluß aller Verbände der Nahrungsmittelindustrie bald folgen würde. Die Gauleiter des Verbandes sprachen sich in einer Kon« ferenz einstimmig für die Verschmelzung mit den Brauereiarbeitern aus, da sie sich bei diesem Zusammenschluß mehr AnknüpfungS- und Stützpunkte sowie fördernde Mitarbeit in der Agitation und größere Unterstützung bei Lohnkämpfen versprechen, als bei den Bäckern. Der Brauereiarbeiterverband hat über die Verschmelzung mit den Mühlenarbeitern eine Urabstimmung vorgenommen, bei der 11 848 für und 5475 gegen die Verschmelzung stimmten.� Wahr« scheinlich wird nun auch die Mehrheit des Verbandstages für diese Verschmelzung votieren. Der Geschäftsbericht des Vorstandes umfaßk die Jahre 1907 bis 1309. Der Verband hatte unter der wirtschaftlichen KrisiS zu leiden. Die Mitgliederzahl ging von 4888 Ende 1306 auf 4482 Ende 1909 zurück. An Lohnbewegungen und Streiks war die Berichtszeit verhältnismäßig reich. Im Jahre 1337 wurden in 66 Orten mit 87 Betrieben und 1462 be. schäftigten Arbeitern, im Jahre 1308 in 41 Orten mit 70 Be» trieben und 1274 Beschäftigten und 1309 in 68 Orten mit 112 Be- trieben und 1816 Beschäftigten Bewegungen eingeleitet. Zu Streiks kam es 1307 in 7 Fällen, 1308 in 6 Fällen und 1303 in 4 Fällen und in 2 Fällen zu Aussperrungen. Erreicht wurden durch die Bewegungen: 1907 eine Arbeits- zeitverkürzung für 196 Kollegen von 844 Stunden pro Woche, so- wie eine Lohnerhöhung für 1032 Kollegen von 2263 M. wöchent- lieh; 1908 Arbeitszeitverkürzung für 78 Kollegen 479 Stunden, Lohnerhöhung für 463 Kollegen 764 M. pro Woche; 1333 Arbeits- zeitverkürzung für 333 Kollegen 1134 Stunden, Lohnzulage für 1337 Kollegen 1303 M. wöchentlich. Ferner wurden noch sonstige Verbesserungen erzielt. Nach dem Kassenbericht betrugen die Gesamteinnahmen des Verbandes in den Berichtsjahren 334 214.63 M. An Beiträgen wurden 286 669,50 M. vereinnahmt. Die Ausgaben der Hauptkasse stellen sich bei einem Kassenbestand von 74 668,13 M. auf 234 616,72 Mark. Für Lohnbewegungen und Streiks wurden 23376,37 M., für Arbeitslosenunterstützung 26 573,36 M., Krankenunterstützung 64116,20 M.. Reiseunterstützung 4662,66 M.. Sterbegeld 16 012,30 Mark und für das MerbandSorgan 20 394,75 R. verausgabt. Hus der Partei. Ein tägliches Parteiorgan für Lörrach und Umgebung. Die Preßkommission und der Verlag der Lörracher»Volks- zeitung" sowie die Kreisleitung der sozialdemokratischen Partei teilen in einem an der Spitze der.VolkSzeitung" veröffentlichten Aufruf mit, daß zur finanziellen Fundierung der im Prinzip be- schlossenen täglichen Herausgabe der.Volkszeitung" nunmehr Anteilscheine herausgegeben werden. Erst wenn die F i n a n z- frage genügend gelöst ist, werden die beteiligten Instanzen sich zu weiteren Schritten entschließen._ Sozialdemokratische Wahlerfolge in der Schweiz.____ Bei den Gemeinde Wahlen im Kanton Genf hat unsere Partei in der Stadt Genf nur einen bisherigen Sitz in der Gemeindebehörde behalten, die übrigens in ihrer Mehrheit kon- servativ zusammengesetzt ist, während bisher die Radikalen herrschten, besonderer Genugtuung erfüllt der Sturz des konservativen Regiments in der Gemeinde PlainpalaiS durch die verbündeten Sozialdemokraten und Radikalen, von denen vier der crsteren gewählt wurden. Die gestürzten Dorfmatadoren hatten jahrelang einen Vernichtungskampf gegen unsere Partei geführt und unter gefälliger Mithilfe der Klassenjustizdirne ein Schand- urteil gegen den„Peuple" wegen Beleidigung erlangt, wonach er 10 000 Frank Buße und die Kosten bezahlen sollte. Das Urteil hatte den Verlust der Genoslenschastsdruckerei der Arbeiter, die mitverurteilt worden war, zur Folge. Der endliche Sturz dieses politischen Gaunertums muß die Arbeiterschaft mit großer Freude erfüllen.— In mehreren anderen Gemeinden des Kantons Genf wurden ebenfalls Sozialdemokraten gewählt. Im Kanton Bern brachten die jüngsten Kantonsratswahlen der Sozialdemokratie auf der ganzen Linie verheißungsvollen Stimmenzuwachs. So stieg in der S t a d t B e r n unsere Stimmen- zahl von 3283 in 1906 auf 4863, und im ganzen Kanton erhielt der sozialdemokratische Regierungskandidat, Genosse Zgraggen, 13836 gegen 10 000 Stimmen in 1306. Die neun bürgerlichen Kandidaten wurden mit 60 000 bis 64 000 Stimmen gewählt, so daß im Durch- schnitt auf jeden 6000 Stimmen entfallen und der Sozialdemokratie mit rund 14 000 Stimmen zu allermindest ein Vertreter in der Regierung gehörte. Die bürgerlichen Gewaltpolitiker haben aber skrupellos den Staatsstreich vollendet und trotz der klaren Ver- sassungsbestimmung über die Vertretung der Minderheiten in der Regierung der Sozialdemokratie den ihr gebührenden Sitz geraubt. ES ist damit an der Sozialdemokratie von den bürgerlichen Orb- Mngsbanpiten einfach eiy Verbrechen verübt worden. Soziales. Gesundheitssimulation. Krankenkassenvorstände und Vertrauensärzte von Kranken« lassen sind nur zu leicht bereit, überall Simulation zu wittern« Dabei glauben sie zumeist, daß nur Simulation von Krankheit möglich sei. Leute, die frei find von dieser Voreingenommenheit, wissen langst, daß es auch eine Simulation von Gesundheit gibt« Und oft genug muß just da, wo die Mißtrauischen eine Krankheits« simulation annehmen, richtiger angenommen werden, daß der end« lichen Krankmeldung eine Gesundhcitssimulation vorange- gangen ist. Die Frage, ob Gesundheitssimulation vorkommt, ist von dem Statistiker Dr. Mayet, Professor an der Universität Berlin, an dem Material einer großen Krankenkasse geprüft worden. Er ist ausgegangen von der Beobachtung, daß im Kreislauf der Woche die Zaht der Krankmeldungen die größte am Montag zu sei» pflegt und sodann Tag für Tag geringer wird, bis sie am Sonn- tag ihr Minimum erreicht, um am darauffolgenden Montag Plötz- lich wieder in die Höhe zu schnellen und vom Dienstag an aufs neue abzusinken. Bei kleinen Zahlen tritt diese Erscheinung weniger klar herbor, in überraschender Deutlichkeit zeigt sie sich aber bei großen Zahlen. Mayet hat das Material benutzt, das Magdeburgs Allgemeine Ortskrankenkasse aus den drei Jahren 1906— 1908 ihm bot. Die Ergebnisse wurden von ihm der„Gesell- schaft für soziale Medizin, Hygiene und Medizinalstatistik" in einem Vortrag:„Gesundheitssimulation, eine statistische Unter- suchung über das Gesetz der großen Zahl" unterbreitet. Die Erfahrung, daß die größten Zahlen der Krankmeldungen in der Regel am Montag und die nächstgroßen nacheinander am Dienstag, Mittwoch usw. auftreten, ist durch die 5krankenstatistik der Magdeburger Krankenkasse bestätigt worden. Die über 14 000 Krankmeldungen jener drei Jahre ergeben bei gleichmäßiger Ver- teilung auf die sieben Wochentage über 2033 Krankmeldungen pro Wochentag, tatsächlich stehen aber an der Spitze die Montage mit über 3303, und den Schluß machen die Sonntage mit nur 1300. Das wird gewöhnlich so erklärt, daß der Sonntag mit seinem Amüsement, seinen Tanzvergnügungen oder seinem Alkoholmiß- brauch, eine gesundheitschädigende Wirkung ausübe, die am Mon- tag sich geltend mache. Gewiß, das ist die nächstliegende und„ein- fachste" Erklärung, sie braucht aber deshalb noch nicht richtig zu sein. Mayet vertritt den Standpunkt, daß viele Erkrankende die Krankmeldung zunächst noch hinausschieben und besonders noch den Sonntag abwarten, an dem sie von einem Spaziergang in frischer Luft und warmer Sonne oder auch von einer Schwitz- oder Absühr- kur im Hause sich Besserung erhoffen. Hat die Sonntagskur nicht geholfen, so warten die meisten nun nicht länger, sondern melden am Montag sich krank oder halten vielleicht noch bis Dienstag, Mittwoch usw. durch. Wenn das Zahlenmaterial aufgeteilt wird nach Jahren, nach Geschlechtern, nach Lohnklassen, so tritt, je kleiner die Zahlen werden, die Regelmäßigkeit desto mehr zurück. Bei der Zusammenfassung werden eben die mannigfachen Ein« flüsse, durch die die Erscheinung beeinflußt und ihre Klarheit vermindert werden kann, gegeneinander aufgewogen. Mayets Darlegungen über das Gesetz der„großen Zahl", das hierin sich kundgibt, führten ihn zu einem Exkurs in daS Gebiet der Reform unserer Bersicherungögesetzgebuiig. Er sprach von der günstigen Situation, in der eine große, möglichst allgemeine Kran- kenkasse sich gegenüber einer kleinen befinde, weil in einer großen die wechselnden Einflüsse, die auf die Zahl der Krankmeldungen einwirken, leichter einander ausgleichen. Wo viele oder alle Ar- beiter in einer Kasse zusammengefaßt seien, komme es zu einer Ausgleichung der Konjunkturen der einzelnen Jahre und der ein- zelncn Berufe, einer Ausgleichung auch der verschieden stark die Gesundheit störenden Umstände, der verschiedenen Altersklassen- bcsctzung usw. Vom Standpunkt des Statistikers aus müsse auch nach dem Entwurf der neuen Bersicherungsordnung die Zersplitte- rung der Krankenkassen noch zu groß erscheinen. Wichtiger aber als dieser Seitensprung war ihm die Fest- stellung, daß die Ungleichheit der Anteile der einzelnen Wochen» tage an den Krankmeldungen auf eine weite Verbreitung des Brauches der Gefundheitsstmulation schließen läßt. Er hob her- vor, daß sie bei den Frauen noch häufiger ist als bei den Männern. und er erklärte das hauptsächlich daraus, daß die erwerbstätige Frau bei ihrem geringeren Lohn noch mehr als der Mann die Verdienstkürzung fürchte, die sie von einer Krankmeldung zu er« warten hat. Auch das unterstrich er, daß das Jahr 1308 auch den Männern eine intensivere Gesundheitssimulation aufgenötigt hat, weil es ein wirtschaftlich ungünstige» Jahr war. Eine Diskussion über den Vortrag wird in der nächsten Sitzung stattfinden. Wir nehmen an, daß von anderer Seite noch manches Material zur Beleuchtung dieser Frage beigebracht werden wird._ Haben Gesellschaften mit beschränkter Haftung ein Gemrindewahl- recht? Der Fabrikant Leo Feger zu Halle a. S., der Geschäftsführer einer Gesellschaft mit beschränkter Haftung ist, welche in Ammen» dorf Grundbesitz(Fabrik) hat, war in Ammendorf als Vertreter der Gesellschaft zum Gemeindeverordneten gewählt worden. Gegen seine Wahl wurde Einspruch erhoben mit der Begründung, daß er in Ammendorsl nicht wahlfähig sei, weil der von ihm vertretenen „Gesellschaft mit beschränkter Hastung" ein Wahlrecht in Ammen» dorf überhaupt nicht zustehe.„Gesellschaften mit beschränkter Haf- tung" seien keine juristischen Personen im Sinne des§ 46, Absatz 2 der Landgemeindeordnung für die Provinzen Sachsen, Branden- bürg, Pommern, Ost- und Westpreußen, Posen und Schlesien, wo bestimmt sei:„Jngleichen steht das Stimmrecht juristischen Per- sonen, Aktiengesellschaften, Kommanditgesellschafwn aus Aktien, Berggewerkschaften, eingetragenen Genossenschaften und dem Staatsfiskus zu, sofern dieselben Grundstücke von dem bezeichneten Umfange im Gemeindebezirk haben." Die Gemeindevertretung erklärte die Wahl FegerS für«n- gültig, indem sie sich den Gründen des Einspruchs anschloß. Nun klagte F. gegen die Gemeindevertretung und verlangte, daß die Gültigkeit seiner Wahl anerkannt werde, weil Gesellschaften mit beschränkter Haftung juristische Personen im Sinne der Land- gemeindeordnung für die sieben östlichen Provinzen und im Sinne der Städteordnung seien. Die Klage wurde jedoch vom 5kreisaus- schuß und vom Bezirksausschuß in Merseburg abgewiesen. Be» gründend wurde ausgeführt, daß Gesellschaften mit beschränkter Haftung keine juristischen Personen seien. Damit falle auch die Äahlfähigkeit des Klägers für Ammendorf weg und die Wahl sei mit Recht für ungültig erklärt worden. F. legte nun noch Revision beim Ober-VcrwaltungSgericht ei« und suchte eingehend nachzuweisen, daß die Gesellschaften mit be- schränkter Haftung, die im modernen kapitalistischen Leben einen ungeahnten Aufschwung genommen hätten, mit unter die juristi» scheu Personen im Sinne der Landgemeindeordnung gerechnet werden müßten. Der erste Senat beS Oberverwaltungsgerichts bestätigte aber am Dienstag die Vorentscheidung mit folgender Begründung: Die Frage sei eigentlich nicht die, ob Gesellschaften mit beschränkter Haftung juristische Personen seien(die Frage sei vom Reichsgericht bejaht). Vielmehr sei hier zu entscheiden, ob die Gesellschaften mit beschränkter Haftung nach der Lanbgemeindeordnung berechtigt seien, ein Wahlrecht auszuüben. Maßgebend sei Z 46 Abs. 2. Dort seien die Erwerbsgesellschaften des modernen Rechts speziell auf- geführt. Daraus und aus anderen Umständen sei zu entnehmen, daß die Absicht des Gesetzgebers dahin gegangen sei, speziell nur den Gesellschaften des modernen Rechts bestimmte Fähigkeiten bei» zulegen, die ausdrücklich genannt sind. Die Gesellschaften mit be- schränkter Haftung seien nicht genannt. Sie schieden darum im Gebiete der östlichen Landgemcindcordnuirg aus. Es sei ja aller- dings richtig, daß sich in der Praxis, gleich den Gesellschaften mit beschränkter Haftung noch andere Gesellschaften herausbilden kpMtW. die euch juxistiM« PerMWkeiteu fciaii und daß sie off ssH Sfit AnsMtH a e •0 •t s s> o c I O: H" S• CD Beste Bezugsquelle Auf Teilzahlung Wochen«, nur 1 Marks Herren» und vamemidren, Ketten, Wland» und Stand- i uhren, Grani-| mephtne, Zithern und alle Musikware n, Juhre&Könis» Warschauer titr. 68. Rointckendorter Str. 101, Ottbonstr. 10. KkrantwsrtliAi Siebalttur Richard.Barth, Berlin. Für ben Jnlerätenteil peraniw.: Th-Gldtke, Berlin, Krück u, Lerlag: VorwärtSBuchdruckerei u, BerlagSanitalt.Paul Singer& Co., Berlin S.W, Nr. t12. 27. Jahrgang. 2. ßtilajt des.lotiürirlo" Sttlinct Zonntag. 15. Mai 1910. Serickts- Leitung. Bestraftes Wahlrcchtshoch. Eine Anklage wegen groben Unfugs hatte ein der am 17. März kei Gottwald in Spandau abgehaltenen Versammlung der Demo- kratischen Vereinigung nachfolgender Demonstrtionszug dem Genossen F. Schmidt eingebracht. Die Polizei hatte an diesem Abend die Demonstranten in ganz planloser Weise aus einer Straße in die andere gejagt. In der Neuendorfer Straße Ivaren sogar einige Kriminalbeamte, mit Gummiknüppeln bewaffnet, auf die Menge eingedrungen. Hierüber machte Genosse Schmidt in heftigen Worten seiner Erregung Luft. Das trug ihm eine An- klage ein, die ihm zur Last legte, laut ein Hoch auf das allgemeine Wahlrecht ausgebracht zu haben, in welches die Menge einstimmte. Genosse Schmidt stellt das in Abrede, aber einer der Zeugen, der Polizeiwachtmeister Tieringer, will den Angeklagten mit aller Bestimmtheit an der— Stimme(!) erkannt haben. Der Amts- anwalt beantragte eine Gefängnisstrafe. Der Gerichtshof er- kannte auf 15 M. Geldstrafe. Er berücksichtigte strafmildernd die politisch erregte Zeit. Wir können dem Gericht die politisch erregte Zeit aber nicht als Entschuldigung für die Verurteilung in Anrechnung bringen. Eine Eifersuchtstat führte den 23jährigen Rohrleger Fritz Eitel unter der Anklage des versuchten Totschlages vor das Schwurgericht des Landgerichts III. Ter Angeklagte hatte im Dezember 1906 die Buchhalterin Frida Bläsing kennen gelernt und lieb gewonnen. Er trat zu dem Mädchen und deren Eltern in nähere Beziehungen und verlobte sich mit ihr unter Zustimmung der Eltern. Zwischen beiden kam es�iiun öfter zu Zwistigkeiten und ernsten Auseinandersetzungen,«schon vor zwei Jahren hatte oer Angeklagte in Verzweiflung sich einen Re- vowcr gekauft, seine Absicht aber, sich vor den Augen des Mädchens zu erschiesten wurde noch im letzten Augenblick vereitelt. Es fand eine Versöhnung statt und die alte Liebe schien wiederhergestellt zu sein. Im Oktober v. I. glaubte der Angeklagte aus verschiedenen Anzeichen folgern zu müssen, daß ihm seine Braut die Treue nicht bewahrte, und diese Wahrnehmung hatte die Folge, daß das Liebes- Verhältnis zwischen den beiden jungen Leuten vollständig in die Brüche ging. Am 2. November traf Eitel das Mädchen in der Schillerstraße; er versuchte, sie zu bewegen, die alten innigen Be- ziehungen wieder aufzunehmen, erfuhr aber eine brüske Abweisung. Als er sogar ausgelacht wurde, packte ihn eine blinde Wut; er zog plötzlich seinen Revolver hervor und gab auf die B. einen Schutz ab, der sie leicht an der linken Brustseite verletzte. Der Angeklagte wurde auf der Straße festgenommen, nachdem er versucht hatte, sich selbst zu erschießen. Nach 6Z4monatlicher Untersuchungshaft stand er nun vor den Geschworenen. Er behauptete, daß er sich auf nichts mehr besinnen könne, da ihm plötzlich ganz schwarz vor den Augen geworden sei und er nicht wisse, was er getan habe. Rechtsanwalt Dr. Halpert schilderte ausführlich den Seelenzustand des An- geklagten, worauf die Geschworenen die ihnen vorgelegten Schuld- fragen verneinten. Der Angeklagte wurde infolgedessen frei- gesprochen._ Grunbftiicksschädigung durch Rieselanlagen. Am Mittwoch hat das Reichsgericht die Verurteilung der Stadt gemeinde Charlottenburg wegen Schädigung durch ihre Rieselfelder j Verordnung nicht anwendbar erscheinen. ' l gg-g-- zu Spandau bestätigt. Dem Prozeß liegt folgender Sachverhalt zugrunde: Die Kläger haben unterhalb dieser Felder nach der � Havel zu Besitzungen. Bald nach Anlage der Rieselfelder haben sie wegen Durchfeuchtens ihrer Grundstücke Ansprüche gegen die Stadtgemeinde Charlottenburg erhoben und sich vertraglich dahin geeinigt, daß die Stadt Entwässerungsanlagen zu schaffen und 16 606 M. Entschädigung zu zahlen hat. Neuerdings behaupteten die Kläger, daß auch ihre Haus grundstückc durch die Nässe an- gegriffen worden seien. Der Grundwasserstand habe sich durch die auf einem Hochplateau gelegenen Niesclanlagen um 3,66 Meter erhöht. Sie verlangten weitere 3666 M. als Schadensersatz und Vornahme der Isolierung ihrer Grundstücke. Die Beklagte berief sich auf Gutachten eines Wasserfachmannes. Diese bekundeten, daß das Rieselwasser senkrecht in die Erde sickere und dann nach der Havel zu ablaufe, also nicht mit den Gebäuden der Kläger in Be- rührung komme. Das Landgericht Berlin hatte deshalb die Klage abgewiesen. Vom Kammcrgericht wurde abermals ein Hydrologe vernommen. Er bekundete dasselbe, stellte aber anheim, noch einen Geologen über die Bodenverhältnisse zu hören. Dieser legt dar, daß die Bodenverhältnisse kein Ablaufen des Wassers nach den Grundstücken der Kläger hin bedingten, jedoch erfolge das Ablaufen und Einsickern des Wassers im allgemeinen gemäß dem Parallelo- gramm von Kräften. Das komme daher, daß die mit Wasser ge- tränkten Erdschichten ein senkrechtes Ablaufen und Einsickern des Wassers nicht mehr gestatten, und daß deshalb auch ein seitliches, kugelartiges Ablaufen stattfinde. Dadurch würden dann die Grund- stücke der Kläger in Mitleidenschaft gezogen. Auf Grund des Gutachtens dieses Geologen sprach das Kammergericht die Per- urteilung der Stadtgemeinde aus. Das Verschulden der Stadt- gemeinde liege darin, daß sie es unterlassen habe, vor Anlegung der Rieselfelder Untersuchungen über die Bodenvcrhältnisie anzu- stellen. Der 5. Zivilsenat des Reichsgerichts erkannte auf Zurück- Weisung der Revision. Ist eine Scheune ein Versammlungsraum? Die Beleuchtung von Versammlungsräumen betrifft eine interessante Strafsache, die jetzt vom Kammergericht erledigt wurde. Wie in allen anderen Provinzen ist auch für die Pro- vinz Hannover(hier am 31. Oktober 1886) eine Polizeiverord- nung erlassen, die die bauliche Anlage und innere Einrichtung von Theatern, Jirkusgebäuden und öffentlichen Bersammlnngs- räumen regelt. Die Verordnung läßt zwar zur Beleuchtung von Versammlungsräumen außer elektrischem und Gaslicht die Ver- Wendung von Pflanzenöl und Kerzen zu, bestimmt aber, daß die Verwendung von Mineralöl nur mit besonderer Erlaubnis ge- stattet ist. Gegen diese Bestimmung sollte der Maurer und länd- liche Besitzer Brandes sich vergangen haben, indem er seine Scheune rn einem Orte bei Hannover(Langfurt), während dort eine öffentliche, von 266 Personen besuchte Versammlung abge- halten wurde, mit Petroleumlampen erleuchtete. Das Land- gcricht in Hannover als Berufungsinstanz sprach jedoch den Ange- klagten frei, weil eine Scheune nicht als ein Raum angesehen wer- den könne, der zum Abhalten von Versammlungen bestimmt sei. Nur solche Räume würden durch derartige Verordnungen be- troffen. Das gelegentliche Abhalten einer Versammlung in einer Scheune, die sonst zu landtvirtschaftlichen Zwecken diene, lasse die Das Kammcrgericht hob dieser Tage das Urteil ans und ver« urteilte den Angeklagten zu einer Geldstrafe: Die Polizeiverord- nung sei rechtsgültig, weil sie dem Schutze von Leben und Ge- sundheit diene. Sie sei auch anwendbar auf Scheunen für den Fall, daß darin eine öffentliche Versammlung abgehalten werde, denn solange sei die Scheune zum Abhalten öffentlicher Bersamm- lungen„bestimmt". In dieser Entscheidung liegt eine nicht unerhebliche Ein- schränkung des Versammlungsrechts, dem durch Kerzcnbeleuchtung abgeholfen werden müßte. KmfKaften der Redahtfon. R. 1. Die Auslunst des„Lokal-Anzeigers* ist falsch Gewerbliche Arbeiter unterliegen der im Jnvalidcnversichcrungsgcsctz ausgesprochenen ZwangSversicherung auch dann, wenn der JahrcSarbeitsdienst mehr alS 2060 M. beträgt Die Grenze besieht nur bei BctriebSbcamtcn, Werk- meistern, Technikern, Handlungsgehilsen und sonstigen Angestellten.— M. St. 150. Es würde der Lehrer hasten, wenn ihm eine Verletzung der Aussichtspslicht nachgewiesen werden kann. Da eist solcher Nachweis schwer erbracht werden kann, raten wir, ein Gesuch an den Magistrat und für den Fall der Ablehnung an die Stadtverordnetenversammlung zu richten eSttternngSübersicht vom 14. Mai 1010, morgen» 8 Uhr. Gtattonen t|ß h Swinenide. erlin Frants.aM. München Wien -- ä S? I 763D30 763DSD 762 MD 760 D 760 D 7619! Setter s' halb 6b, 3 wolkig 1 heiter 3 wollig 2 heiter 1, wolkig WS t"! I? Mio Gtattonen fc a— *§ £ ä g s 1 1 davaranda 1 768 Petersburg 773 Still 756 DSD 766 Still 760D91D Scillh Aberdren Paris Vetter n-x t- £* 2wolkcnlt 8 Dunst i 13 Shalbbd.s 10 cheiter 1 heiter 9 12 Wetterprognose für Sonntag, de» 15. Mai 1010. Warm und vielsach heiter, oder noch veränderlich, mit meist schwachen östlichen Winden und sortdauernder Gewitterneigung. Berliner Wetterbureau. Wnsscrstauds-Nachrtckite« der LandcSanstalt für Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berliner Wetterbureau. Wasserstand M- m e 1. Tilstt B re g el, Jnsterburg Weichsel, Thorn D d e r, N atibor , Krossen , Franks urt Warthe, Schrimm , LandSberg Netze, Vordamm Elbe, Lcitmeritz , Dresden , Barby Magdeburg Wasserstand Saale, Grochlitz Havel, Spandau 1 , Rathenow') Spree, Spremberg') , Beeskow Weser, Münden Minden Rhein, MaxillniianSau , Kaub , Köln Neckar, Heilbrom» Main, Wcrtheim Mosel, Trier am seit 13. S. 12. S. om 122 67 97 120 76 48 58 506 319 350 142 208 185 am') +io 0 -1-5 -18 +1 +37 -3 —4 +11 + 22 —66 +8 +8 ')+ bedeutet Wuchs,- Hall.») Unterpegel.•) Am 14. srüh 303 cm. *) Am 14. 7 Uhr morgens 330 cm. Spezialham großtenMaOftabes OEORDHDET IM JÄHRE 1891 Chausseestraße 29-30 11 Bruckenstraße 11 Gr. Frankfurterstraße 20 Schöneberg, Hauptstr. 10 aaa Unsere vier Kaufhäuser sind Montag, den 2. Feiertag v. 8-10 u. 12-2 Uhr geöffnet, Sonntag, 4». ff-l-A-s. geschlossen. 5278L* am bewährten deutschen und englischen Erzeugnissen. — Tadelloser Sitz— Vorzügliche Ausführung— Anzüge nach Maß h 40- 48.- 52.-56- h. 60- 65- 70- 74- m 78- 82- 88- 96- Ulster, Paletots nach Maß r 36- 40- 44- 48- r 52- 55- 58- 64- m. 68— 72- 76- 80- Cekfe aller Damen ist die allein echte Steckenpfcrd-Cilleniiiilcb-Seif* v Lekgltisnn h Lo�ifadedeul. deun diese erzeugt ein zartes, reines Gesicht, rosiges jugendfrifchcs Aussehen, weiße, sammetweiche Haut u: zarten blendend schönen Teiut. a St. 50 Pfg. Über.zuhabeu. 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Thalia-Theater. 3. Abteilung b, o und 4. Abteilung a: Der Dorf- tyrann. Residenz-Theater. 2. Abteilung S und 12. Abteilung b: Mufotte. Freitag, den 20. M a t, 8 Uhr: 15.(Il) Abendabteiluna im Neuen Schauspielhaus: Der Flieger. Neue Freie Volksbühne. Am 15. und 16. Mai, nachm. 2'/, Uhr, im Deutsche» Theater: Mcdca. Ziammersp tele: Frühling» Er- wachen. Nachm. 3 Uhr: Neue» Thealer: Mütter. Neues Operetten- Theater: Die Dollarprinzessin. Hebbel-Theater: Hanna Jagert. Berliner Theater: Pension Schöller. Schiller- Theater Charlotteuburg: Der Meineidbauer. Schiller-Theater Li.: Viel Lärmen um Nichts. Friedr.-Wilhelmstädt. Schauspielhaus: Die Jungfrau von Orleans. Kleines Theater: Moral. Metropol-Theater: Drei Paar Schuhe. Ussinx-Tdeater. Sonntag, 3 Uhr: Rosenmontag. 8 Uhr: Da» Konzert. Montag, 6 Uhr: DantriS d. Rar«. berliner l'Keater. Tägl. 8 Uhr: l'siklin. Heute und morgen nachm. 3 Uhr Penfio« Schöller._ Neues Theater. Abends 8 Uhr: Die goldene Ritterzeit. Morgen und folgende Tage: vk« goldene Rlttergett. Volksoper. sw.,«elle-Allianee-Strahe Nr. 7/8. Nachm. S'/t Uhr: La Travlat«. Abends 8 Uhr: Oer Tronbadonr.(Gastspiel.) Montag Eröffnung d Schauspielsaison. Nachmittags 3'/, Uhr: Staataaavvalt Alexander. Abends 8 Uhr: Oelitiltelnr. Oer Generaldirektor. Theater des Westens. 8 Uhr: Danzhusaren. Sonnt, u. Montag nachun 3'/« Uhr: Die geschiedene Frau JVeaea Operetten-Theater. 1. und 2. Psingstseiertag 8 Uhr: Der Gras von Luxemburg. Nachmittag 3 Uhr, zu ermäßigten Preisen: vio Uoliarprinreeein. Dil....... äenstag und folgende Sage: Der Graf von Luxemburg._ Residenz-Theater Direktion: Richard Alexander. Abends 8 Uhr: Das Nachtlicht. Schwank in 3 Akten v. M. ZamacorS. Hieraus: Oer»ellgxe Oktave. Groteske i» 1 Alt von Ave» Miraude und Henry Gsroule. D»M- Sommerpretse. VU Morgen und folgende Tage: Die- selbe Borstellung.__ Luisen-Theater. Nachmittag 3 Uhr: Mas Gatt zasammenfögt. Schauspiel in 5 Atten von Emst Ritterseldt. Abends 8 Uhr: Die Klfe vom Erlevhof. Volksstück in 5 Akten v. S. E. Saack. Montag nachm. 3 Uhr: WaS Gott zusammenfügt. 8 Uhr: Die Welt ohne Männer. Dienstag: Else vom Erlenhof. Friedrlch-Wiitieliiistadtiscties Sonntag, den 15. Mai, abends 8 Uhr: in Raub der Sabmeriulltu. -sonntag nachm. 3 Uhr: Die Jung- frau von Orleans. Montag nachm. 3 Uhr: Die Jung- srau von Orleans. LlbendS 8 Uhr: «11-;"■~ Dienstag: Der Raub der Sabine- rinnen. I Große Frankfurter Str. 132.! Abends 8 Uhr: 1 Die Schmuggler. Komödie in 4 Alten von A. Dinier. Bei ungünstiger Witterung, nachmittags 3 Uhr, halbe Preise: De» Mädchen» Lebenswege. Morgen: Dieselbe Borftellnug. Auf der Gartenbühne: Theater- Vorstellung, Konzert, Spezta- litäten. Ans. 4 Uhr. LustspiciliaRW. Nachm. 3 Uhr: Der dunkle Pnukt. Abends 8 Uhr: Das Leutnantsmündel Urania. Wissenschaftliches Theater Nachmittaga 4 Uhr: Im PirnHnglanz des OberaEngadin. Abends 8 Uhr: Belgien t Landschaftss und Städtebilder. Montag 4 Uhr: Im Firnenglanz de. Ober- Engadln. Abends 8 Uhr: Belgien: Land.chafts- und Htddtebllder. Dienstag 4 Uhr: In den Dolomiten. Abends 8 Uhr: Direktor Dr. P. Sohwahn: Oer Hnlley.chc Komet. BISCHER GARTEN Am 1., 2. 3. P singst- Feiertage; Eintritt 50 VU Ii] Kinder unter 10 Jahren die Hälfte. Ab nachmittags 4 Uhr: GroBes Militärkonzert. (3 Kapellen.) Am l.u.2. Pfingsttage morgen? 6 Uhr: Große Militär-Frühkonzerte. (3 Kapellen.) Die Wagen der Straßenbahn ver- kehren auf allen nach dem Garten führenden Linien ab 5 Uhr früh-, desdl. die Züge der Stadtbahn und Untergrundbahn. berlinor Alflisrium Unter den Linden 68a Gingang Schadow-Straße No.14 An den 3 Feierlagen Eintrittspreis: idir so Pf. Iteiohhaltigste Ausstellung der Welt an lobenden Seetieren, Reptilien etc._ 69/20 cum Castans Friedrichstraße 165(Pichorrpalast). töcöfinct von 9 Uhr früh bis 10 Uhr abends. Pamilientage! Jeder Besucher kann ein Kind frei einführen I Habn et«Flta indischer Fakir und Gauller« oder: Der Mann mit der eisernen Zunge. 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SÄt, Solist Herr Willi Frank MSS' »/,3 Uhr, meine inniggeliebte Frau PrniHne Asmus geb. StrauB im 23. Lebensjahre nach kurzem, schwerem Krankenlager verstorben ist.— Um stilles Beileid bittet 6256 Karl NSmns. Die Beerdigung findet Dienstag, den 17. Mai, nachmittags 5 Uhr. von der Leichenhalle des Zentral- Friedhose» in Friedrichsselde aus Deutscher Hetaiiarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin. Tode«• Anzeige. Den Kollegen und Kolleginnen zur Nachricht, daß unser ..... gved. e Arbeiterin Paiiüne Asmus im Wochenbett gestorben ist. Ehre ihrem Andenken! Die Beerdigung findet am DienStag, den 17. Mai, nach mittags 5 Uhr, von der Leichen- Halle de» Zentral-Friedhoses in Friedrichsselde aus statt. Rege Beteiligung erwartet 115/13 Dir Ortsverwaltnng. Danksagung. 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M[500] 69» 619[600] 9W 1008 14«79 2169[6000) 616 84»[600] 3209 42 46 631 806 4002 246 329 4M 97 619 47 608 89 67 923 5 410 40 94£10 600« 272 379 401 699 [500] 692 57 708 805 7144 299£29 478 690 620[600] 26 069 8075 948 411 90 783 88 874 9097 218 37 69 80 604 [3000) 45 321 11000) 1O01X»6 60 143 68 940«1 904 847 11«, 98 98 9S9 47#9[600] 437 31 56» 727(SO»'l 12182 285 87 49» 728[1000] 13246 80 323 660 1 403)1 26« 374(lOOO] 992 15408 27[1000] 90 99 601[500] 13 92 803 703[1000] 70 16060[600] 874 8 5 839 1 7117 348«3 709 639 1 8111 351 43, 95 682 652 1500] 19393 631 701 9IX) 73 20878 719 811 2 1 033[3000] 240 638[500]«93 888 22109«87 702 2 3369 623 703 810 981 24010 131 UOOOl 43 460 689 711 904 26[600] 25091 41*3 524 63 69 67 625 fSOOO) 714 946 2 6007 330 623 70« 27049 324«8 71 75 669 81 99 968[500] 7« 28130 288 73 421 743 91 20 014 [600] 49 377 428 739 34 862 940 3000« 99 99 6 379[3000] 99 61»«53 893 31014 19 147 68 911 689 658 701 880 96 96 3 224g 87 391 99 413 655 33479 628[3000] 34010 615 350S2[ 500] 130 359 460 678«89 788 3 6034[600] 161 424 608 657 TO» 3 7078 379 43» 79 614[1000] 67 880[600] 930 3 8 008 47 114 71 992 478»08 39[1000] 69»1»47 70[600] 796 30334[600] 69 [500] 74 76»„, 4009«[600] 889 791 81» 4« 9kl 41091 177[600] 993 860[600] 643 708 24 8»»91 4:8-112 876 43229 750 es 800[1000] 907 4 4075 166 996 67[3000] 308 470 688 783 4 5047 235[600] 54 68«7»90 28 447 512 87[600] 93« [600] 46061 177 434 41 61«41 84 81!1[6000] 87[ICCO] 47077 97[600] 038 770 992 08 4 8 316 417[3000] 608 [3000]«21»9 49271[500] 466 91 681 843 918 50180 230 95 458 516 36 643[3001] 69 99 706«5 991 [8000] 51197[500] 39 283 381[3009] 82 689 723 963 5230« 616«76 852 65 7« 80 5 3017 1«? 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Zlebiing 8. KI- 222. Kgl. Preass. Lotterie. Ziehung vem 1«. Mal, nachmittag.. Eg» Dl« Gewinne Uber 140 Mark«lud den beiMttCtt. den Nummern in Klammern beigefügt. tOhne Gewähr.)(Nachdruck verboten.) 263 86 308 525 58 MO 713 69[500] 1038[1000]«2 26«[3000] 380 81 508 55 738 848 2 030 183 93 308 81[500) 620 628[500] 33 86 741 3022 78 133 7« 397 420 584«7« 893 4130 334 543»68 890 910 5003 151»70 83«[500] 481 «13 7» 765 69 6058[1000] 298 74 790 7098 22« 548 79 95»25 8164[30000] 227 6« 91»10«81[500] 8» 558 66« 9132 182 562 631 86 898 10037 399 661 80[SOOO] 777 848[500] 11240[600] 4« 809 59[3000]«06[10000] 67 519 35 803 55 911 12218 £0[500] 332 96«05[1000] 16 49[500] 663 882 92« 13003 «8«9[1000] 14021 242[500] SO« 519[500] 785 966 1 5020 £70[1000] 638 61 799 85 935 50[500] 66 1 6007 182[ 500] £49[500] 738 66 990 1 7223«92 864 921 18075 127 35 BO»93 537 605 008 18 86 1 9121 44 211 45 336 583[SOOO] 20115 68 253 309 525 63« 717 45 952 88 2 1 383 403 OS3 742 59 22163[500] 284 582 403 03 638 994 2 3012 103[500] 87 207 55 311 646 665 2 4026 130 222 371 401 970 25139 347 497 501 27126 62 340 489 551 669 880 2 7034 259 28108 21»[500]«0 355 56[3000] 85«06 81 626[500] 948 29634 30138 262 70 848 412 94« 3 1 019 119 463 69 78» 88 3211? 25« 817»6 433 75« 808 15[1000] 33078 216«75 £97[1000]«35[3000] 770 837 942 34074 289 379 89[1000] «9 166 831 35010[1000] 215[3000] 68 77 79 322 70 463 951 3 6043 222 46 800 645 938 3 7000 209 407[ 500] 534 229 39 68 893[ 600] 05«[500] 38143 208[SOOO] 68 325 «25 756 800 3 9 075[500] 90 16«[1000] 590 82« � 40341 9««0«[3000] 550 68 905 4 1 268 52« TO«81 289 80« 42251 6« 72 32 3 62«7« 697 9« 715 914(1 4320« »26«27 50[1000] 612[500] 25 U 716 802 986[ 3000] 4400, »20[1000] 582 838 4 5031«21 23 70 58« 88« 90»[600] 91 46381 90»4« 47354 677[8000] 97 48456 575[500] 76» 65 4 9067 157 403 670 5O092 118 92 297 460 SOS 884 71 29 970[SOOO] 51029 21« 503 16«70 95 703 T 699 999 5 2040 239 57 857«0« [500] 540«15 89 43 742 52 839 918 5 303» 226»48 8« (50«] 50«>4 66« TM 66 642 64034»15 467[lOOO] 706 (500] 91 866 981[10000] 6511« 233»00«98 609 845 997 50767 849 91« 57281 63[1000]£17 80 667 897 920 586« 83«84 590« 142£9 688 864 89 60618 TS« 80« 61160 22« 50 861«80 6« 8« 62227 89«29 63531 72« 65 951 68 640« 157 496 52»[3000] 89 21 818 907 6 5383 477 5« 784 40 6 057« 6« 67188 45 5» 271[500] 68126 61 928 57 94 98 6 9081 175 281 832 56 «78 79 513 745 6« 88 823[500] 7007 1 124 53 219 418 65 61« 68 048 7 1 091 23« 69 Sil 72«81 95 800 72 262 393«8« 593 911 7321««41 53« 66« 9« 74199«1« 22 732 81[1000] 75042 10« 823 02 498 699[1000] 76502 958 7700»[500] 332«0«11«9 503 10 937 7 804« 123 292[1000] 802 UOOO]«9«£10 6» 092 79050 73 151 272«46 571 818 67 8O020 118 330 796 8 1 064 929[1900] 7«[1000] 82197 [SOOO] 336«04 635 42«2 657[500] 787 847[10«] 83232 901 84068[SM] 228 335[10«]«1 497 948 85012 IM 22 91 331 81 640 647 8 6384 95 64« 832 8719« 910 TO 910 27 88116 871 691 TM 848 993 892« 52 71 880«02 [10«] 750 65 818 980 00187 225 7 3 363«ST 08£47 6« 728 930 51 5» 70 »1547 812 968 9203« 83 III 19 88 85[10«] 89[80«] 291 891 830 9 3697 781 9 407« 183 280«Ol 563 94« 95303 [5«] 506 8« 754 923 30000«1 415 643 99 97169 78 261 4M 507 76« 3817« 208 79 84 809 942 3 3008 118 31 2« 829 3« 776[1000] 82 866 910 66 100118 23[600] 332 709 1» 92 85»[£«] 965 70 <10 1 083 97[10«] 113 2« 20» 22«5[500]«20 756 1 02042 73 171[600] 230 83 87« 658 71» 41[6«] 103063 402 IT 580«92 733[30«] 882 90 1 04266 838 46 843 55 (10«] 80 1 05178 370 511 699 1 00151 692 809[30W1 07« 107216 569 70 87 406 19 27 530 34 630 74 820 50 5« 76 968 1 08 235 411 548 631 932 62[10M] 109M5 11« 95 2«[10«] 464 93 716 3« 5t 63[1000] 962 59 HO«? 175 838[80«] 615 84« 963 111078 189 718 853[5M] 970[IMG] 97 112425 796 674 949 75 1113163 77 219 32 55 405 56? 70«41«5 78[500] 736 943 114423 710 927 97 115192[500] 345 549 69[10001 758 848[5«0j 110369 532 76 610 788 117045 176 223 93[6«] 349 77[500] 83[6M] 87 724[5M] 42 804 1118141 375 78 685 839 119207 21 57[5«] 323[5«] «71[30«] 546[30«] 83 711[30«] 926 r<" 12O420 922 1 21152 696 787 1 2 2020 87[5OT] «7 213 88[500] 358 635 37 77[5«] 744 825 123441 652 92[500] 124188 659 1 2 5035 189 219 408 28 516 «9 89 798[10«] 126017 46«0 159 253[5M] 801 75 91 £13 63« 12710« 24« 12808««89 6(5 618 845 02, 87 1294« 686 130131[500] 895 702 979 1 3 1 218[10«]«66 879 780 98[3«0] 0« 40[10«] 13 2022 440 603 716 90 880 (5«] 950 70 133699 683 833 1 34205 306 7 4 818 910 0.4 5001 162 327(500] 402 12 91« 36 130071 83 2« £43 730 839 913 32 1 37357 69 67 406 24 63[5«] 697 874 976 138031 348[10«] 99[5M] 42« 595[500] 701 >133230 SO« 466 537 661 742 83 815 79 140073« 139 79 97 489 542 61« 68 730 858 91 141«« 308«82[SM] 630«6 896 947 142163 22« 78« 92« 32 1 43 058 112 62 63 79«29(5Ml 607 49 89 1144351 66 531«25 96 708[10«] 849 91« 145075 195 292«7« 520 85 618 19[5Ml 771[10M] 925[30«] 85 !146011 120 23« 614 781 988 1 47130«83 56« 822 923 >148320 51 420 575 92 UOftQ] 718 959 149A3i ta iss tu«a''......" 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DüsiS si.�rlSLiSektMtH«. iL-rlMaMlt Sksil SW««» Sq.. BeiKy S\V» Ar. 112. 27. Jahrgang. 4. IrilMf des Jütiiiärtö" Kerlioer WMlt. Sonntag, 15. Ma! 1910. partci- Hngelegenbelten* Zur Lokalliste. Folgende Lokale stehen uns zu den bekannten Bedingungen zur Verfügung: In Schildow fNiedcr-Barnim):»Zur historischen Mühle"(Inhaber Arndt) und Herm. Pöttle, am Katharinen-See; in Ncuenhagen(N.-B.): Wordtmann, früher Wünsche. Bahnhosstratze. Auf wiederholte Anfragen teilen wir nochmals mit, daß das Lokal»MenteS Volks garten", Lichtenberg, Rvderstraße, jetziger Inhaber Friedrich Neumann, der Arbeiterschaft nach wie vor zur Verfügung steht. In Hirschgarten(N.-B.) sind alle Lokale frei. Ferner bitten wir zu beachten: In Birkenwcrder ist nur der »Paradiesgarten"(Inhaber Senzbusch) frei, in Kaulsdors an der Frankfurter Chaussee nur»Hamanns Gesellschafts- ha n S"(Inhaber Kobelt). In Erkner sind die Lokale„Klosterh of",»Gasthaus zur Tranbe" und»Neues Schützenhaus" unter allen Umstände» zu meiden. Die Inhaberin des Lokals Kreideweiß in Tempelhof hat in vielen Geschäften und Lokalen Berlins und der südlichen Vor orte Plakate zum Aushang bringen lassen, durch welche auf die Eröffnung des Lokals am 15. Mai hingewiesen wird. Da derartige Plakate auch in sehr vielen Lokalen hängen, in denen ausschließlich Arbeiter verkehren, wird der Anschein erweckt, als fei das Lokal Ztreideweiß frei. Wir weisen ausdrücklich daraus hin, daß dies nicht der Fall ist, imd ersuchen daher, dasselbe streng zu meiden. Freigegeben haben ihre Lokale: in Johannisthal, Witwe Lenze..Lrndenhof"; in Wildau, Herr Schulz,»Gasthaus zum grünen Baum". Auf Wunsch der Rudower Genossen weisen wir die Flugplatz- besuch er darauf hin, daß in Rudow nur die Lokale von Palm und Rolle, beide in der Köpenicker Straße, frei sind, dagegen ist das Lokal von H e i n z e, welcher auch gegenüber dem Eingang zum Flugplatz einen Ausschank errichtet hat, streng zu meiden. Für die Besucher der Friedhöfe in Mariendorf bringen wir in Erinnerung, daß das Lokal, Graßls Gesellschaf tshaus, Chansscestr. 305, streng zu meiden ist. Der neue Inhaber dcS»Deutschen WirtShauseS" in Rixdorf, Herr Arnold, bekannt als früherer Besitzer des »Schwarzen Adler" in Lichtenberg, lehnt es trotz wiederholter Verhandlungen ab, seine Räume der Arbeiterschaft zur Verfügung zu stellen, mithin gilt dasselbe als gesperrt. Die Lokalkommission. Charlottenburg. Am 2. Pfingstfelertag, nachmittag? 4 Uhr, im Volkshaus, Rosinenstr. 3, gvßes Gartenkonzert, ausgeführt von Zivilberufsmusikern. Eintritt 15 Pf. Kaffeekochen(2 Uhr ab), Fackelpolonäse. Tanz. Bei ungünstiger Witterung findet das Konzert im Saale statt. Der Vorstand. Rixdorf. Morgen(2. Pfingstfeiertag) finden in den Lokalen »Karlsgarten", Karlsgartensiraße 6—10, und Felsch, Knesebeck- slraße 48/49, vom Wahlverein arrangierte Frühkonzerte statt. An- fang des Konzerts 5 Uhr morgens. Eintritt 10 Pf. Die Kaffeeküche steht von 4'/z Uhr morgens ab zur Verfügung. Zahlreichen Zu- spruch erwartet_ DaS Komitee. Berliner JVachricbten. Feiertag. Machtvoll und herzbezwingend tönt daS Klingen und Singen der Festglocken draußen in der weiten, freien Natur. Die hellen, mit den Vögeln um die Wette jubilierenden Fest- stimmen des aus schwerem Traum erwachten Volkes... es sind Festglocken, vor denen die da droben in festgefügten, kalten, starren Türmen verstummen müssen. Wie aus den zarten Trieben unter der wärmenden Sonne sich herrlicher Bliitenzauber entfaltet, läßt auch in der Volks- feele der Frühjahrsfeiertag alle guten und schönen Regungen reifen. Heraus aus dem einschnürenden Bann der Alltäglich- keit, aus dem Zwang des Staates und der Kirche, in die un» gebundene Natur I Könnt ihr Reichen, die ihr mit vollen Händen, täglich und stündlich ins lachende Leben greift, denn überhaupt dieses Sehnen des Volkes verstehen und würdigen, das Sehnen nach Luft und Licht, nach Lust und Freude? Achtlos und gleichgültig streift euer blasiertes Auge über die Wunder der Natur. Es ist ja nur dasselbe, was ihr alle Tage habt und alle Stunden. Und dem Volke, das kaum ein- mal in der Woche sich loslösen kann vom Joch der Arbeit, möchtet ihr es neiden, daß es am Sonntag die Feldblumen pflückt am Rain, die würzige Luft des Waldes atmet. Feiertag..-. Maienluft! Wie sie sich freuen die Stärksten des Volkes, auf die kurze Spanne Glück! Zur Freude gehört ja dem Bescheidenen so wenig. Und doch) welche unendliche Mühe macht es der jugendlichen Arbeiterin, um mit dem hellen, duftigen Festkleide vor dem kritischen Auge der Freundinnen in Ehren zu bestehen. Wieviele Groschen mußten am Munde abgespart werden, daß der Sohn des Volkes sich wacker sehen lassen kann. Welche rechnerischen Kunststücke haben Vater und Mutter fertiggebracht, ehe sie stolz ihren zweibeinigen«Gottessegen" schmuck und fein an die Feiertagsluft führen können. Was der Glückgeborene mühelos aus dem Vollen schöpft und kaum achtet... hier im Volke wirds pfennigweise erworben mit der Kraft der Fäuste und behütet wie ein köstlicher Schatz. Nur zu kurz ist die Spanne Zeit, die dem Proletar zur Ruhe und Bewunderung der Natur gelassen ist. Bald ruft die Fabrikglocke wieder, und hinein geht es von neuem in die staub- und dunstgeschwängerten Arbeitsräume, um zu fronen für diejenigen, denen die Arbeitsmittel gehören und die sich deshalb alle Genüsse des Lebens leisten können. Empfang beS FlottcnvereinS im Rathause. Vor einigen Wochen haben die städtischen Behörden eine Sub- kommission eingesetzt, die die Aufgabe hat, die im Laufe dieses Jahres stattfindenden Empfänge bei Veranstaltungen von Kon- grcssen und dergleichen vorzubereiten. Seither lagen diese Arrangements lediglich in den Händen des Magistrats und hier war der Macher der Stadtrat Namslau. Die Stadtverordneten haben um deswillen die Einsetzung einer gemischten Deputation gefordert, weil sie als Schwesterbehörde des Magistrats den An- ffpruch erhebt, an diesen Arrangements mitzuwirken, da sie ja für alle Vorkommnisse bei solchen Anlässen der Bürgerschaft gegen- über verantwortlich ist und sehr oft anstatt als Gastgeber auch nur al Gast behandelt wurde. Der Magistrat war bei solchen Empfängen imnier vollzählig erschienen, die Stadtverordneten os� nur durch eine Deputation vertreten, d. h. es wurden nicht mehr zugelassen, obwohl doch sie mehr als der Magistrat die Bürger- schaft repräsentiert. Wir und unsere Freunde im Roten Hause sind keine Freunde Bm solchen Empfängen, und es war durchaus zu begrüßen, als im vergangenen Jahre der Vorstand des Deutschen Städtetages beschloß: seinen Mitgliedern zu empfehlen, diese Empfänge auf das kleinste Matz einzuschränken. Trotzdem stehen bereits für dieses Jahr wieder vier solcher offizieller Empfänge durch die Stadt fest. Nachdem nun die gemischte Deputation eingesetzt ist, sollte man meinen, daß nun alle solche Dinge dieser Deputation überwiesen würden. Wer das glaubt, kennt die Verhältnisse in der städtischen Verwaltung nicht. In der gestern im Magistrats- sitzungssaal stattgehabten Sitzung der Deputation wurde durch ein Mitglied ganz beiläufig erwähnt, daß doch noch ein Empfang in den nächsten Tagen stattfinde. Auf Befragen teilte Herr Namslau mit, daß es sich um den Deutschen Flottenverein handele, Mittel dazu von der Stadtverordnetenversammlung aber nicht be- willigt zu werden brauchen, da dieselben dem Dispositionsfonds des Magistrats, Kapitel XIII, Abt. 2 des Etats, entnommen werden sollen. Die Teilnehmerzahl der Mitglieder des zu empfangenden Vereins würde zirka 100 betragen, so daß der große Festsaal be- nützt werden müsse, wozu die Stadtverordneten allerdings ihre Genehmigung erteilen müssen, die nachträglich eingeholt werden solle. Ter Herr Stadtverordnetenvorsteher sei aufgefordert worden, einige Herren zu benennen, die bei diesem Empfang mit zu- gelassen werden sollen. Das ist geschehen, und sind die Mitglieder des Vorstandes benannt worden. Hier ist also wieder dasselbe Verfahren eingeschlagen worden, das die Stadtverordneten- Versammlung durch ihre Beschlüsse beseitigen wollte, merkwürdiger- weise unter Mitwirkung des Stadtverordnetenvorstehers, der doch in erster Linie für die Rechte der Versammlung eintreten müßte. Merkwürdig auch, daß die Genehmigung der Stadtverordneten zur Hergabe des Festsaales erst nachträglich eingeholt werden soll, obwohl die Benützung schon seit vierzehn Tagen feststeht. Weiter ist verwunderlich, daß von der Delegation des Vorstandes der Versammlung zu diesem Empfange der Stadtverordneten- Versammlung keine Mitteilung gemacht wurde, obwohl vor acht Tagen und am Donnerstag in der Stadt- verordnetensitzung Zeit und Gelegenheit dazu war. Der Magistrat glaubt in diesem Falle frei über die notwendigen Mittel verfügen zu dürfen. Der fragliche Titel VII lautet:„Kosten der Re- Präsentation der Stadt z. B. bei hier stattfindenden Versammlungen und Vertretungen, von Gemeinden, Korporationen und Vereinen, welche gemeinnützige und wissen» schaftliche Zwecke verfolgen, bei städtischen und anderen Festlichkeiten usw., 15 000 M." Der Titel ist bezüglich seiner Verwendbarkeit klar, es fragt sich nur, ob der Deutsche Flottenverein als gemeinnützig oder wissenschaftlichen Zwecken dienend anzusehen ist. Wird diese Frage verneint, so dürfen Mittel für den Empfang des Vereins aus diesem Titel nicht entnommen werden. Der Flottenverein ist weder das eme noch daS andere, sondern ein Verein, der sich anerkanntermaßen mit öffentlichen politischen Angelegenheiten beschäftigt. DaS ist ja auch bei den letzten Wahlen zum Reichstage klar und deutlich zum Ausdruck gekommen. Aber selbst wenn das nicht der Fall wäre, dürfen doch die Mittel nicht diesem Titel entnommen werden, darf der Empfang eines solchen Vereins ohne vorherige Zustimmung der Stadtverordnetenversammlung nicht erfolgen. Der Verein hat allerdings den dringenden Wunsch, von der Stadt Berlin empfangen zu werden, weil dadurch sein Prestige steigt. Aber dieser Empfang ist gar kein Empfang der Stadt Berlin, er ist viel- mehr nur eine private Veranstaltung des Magistrat?, für die der- selbe auch die Kosten aufzubringen hat. Die ganze heimliche Veranstaltung läßt erkennen, daß der Magistrat kein gutes Gewissen hat. Indes muß ihm überlassen bleiben, die Sache zu vertreten. Die Mitglieder des Vorstandes der Stadtverordneten- Versammlung aber sollten sich hüten, in einer Sache mitzuwirken, die geeignet ist. die Rechte der Stadtverordnetenversammlung zu schmälern._ Aufregendes von der Flugwoche. Der fünfte Tag der Flugwoche brachte trotz der störenden Ein- Wirkungen der in diesen Tagen ja unvermeidlichen Gewitter gleich den beiden vorhergehenden Tagen eine Reihe schöner Flüge, aber leider auch eine Reihe von schweren Unfällen, die ebenso leicht hätten Katastrophen werden können. Den ersten Unfall erlitt Thorup mit seinem Bleriotapparat, der in den Luststrudel eines anderen Apparates geriet und dabei in die Bäume der von Adlershof nach dem Flugplatz führenden Ehaussee geschleudert wurde. Der Apparat ging dabei erklärlicherweise in Stücke, glücklicherweise aber kam der Flieger mit dem Schrecken davon. Die übrigen Flieger setzten inzwischen energisch ihre Flüge fort. Neben Frey mit seinem Farman- Apparat zeichneten sich besonders Kapitänleutnant Engelhardt mit seinem Wrigth-Apparat und I e a n n i n mit seinem Farman� Flugzeug aus. Diese beiden Flieger hatten am Freitag neue Rekords im Dauerfluge für Deutschland aufgestellt, da Engelhardt über 2 Stunden. Jeannin über 2l/s Stunden geflogen war. Während Engelhardt heute einen Flug mit einem Passagier absolvierte, blieb Jeannin über 1 Stunde in der Luft und würde vielleicht seine gestrige Leistung heute noch überboten haben, wenn nicht ein schweres Gewitter zum Einstellen des Fluges gezwungen hätte. Nach der hierbei entstandenen Pause rüsteten sich die Flieger zu einem»Höhenkurvenflug", der mehreren von ihnen verderblich werden sollte. Nachdem de CaterS-Belgien mit seinem Voisinflieger die Höhenkurve(daS U e b e r fliegen zweier zwischen zwei Masten ge- spannten Leinen, verbunden mit einem Unter fliegen einer dritten in der Mitte befindlichen Leine) mehrere Male in brillanter Weise genommen hatte, startete Jeannin. Bevor er sich jedoch vom Boden erheben konnte, geriet er, da er sich zu sehr seitlich gehalten hatte. mit den Kuvenspitzen seines Apparates in eine Terrainfalte, wodurch die mit 60-Kilomctergeschwindigkeit fahrende Maschine vollständig in Trümmer ging. Arg beschmutzt, aber doch glücklicherweise un- verletzt erhob sich der Flieger aus den Trümmern seines Apparats. Nach kurzer Zeit startete Kapitänleutnant Engelhardt, um gleich de CaterS den Höhenkurvenflug zu versuchen. Beim Ueberfliegen der einen Leine jedoch verwickelte sich die Maschine in die Leine, brachte dadurch den einen Mast zu Fall und geriet selbst derart außer Kurs, daß sie kopfüber ans etwa zehn Meter Höhe zu Boden schmetterte. Schon befürchtete man das Schlimmste für den Führer des völlig zertrümmerten Apparates, als Kapitänleutnant Engelhardt sich aus den Trümmern erhob. Er hatte eine nicht unerhebliche Verletzung über dem Auge davongetragen und begab sich alsbald per Automobil nach Berlin. Ob diese letztere Katastrophe nicht auf daS Schuldkonto der Veranstalter zu setzen ist, da die Leine unbedingt so dünn sein mußte, daß sie bei der Berührung z e r- rissen wurde, ohne den Flug des Apparates zu gefährden, ist eine Frage, die toohl aufgeworfen zu werden verdient. Ebenso wäre eS endlich an der Zeit, daß die Fluggesellschaft sich an eine g r ü n d- liche Planierung deS Flugplatzes heranmachte, damit künftig Unfälle, wie sie Jeannin zustießen, nicht mehr möglich find. Auch noch ein vierter Apparat, eine Wrightmaschine ThelenS, ging in Stücke, ohne daß sich die Ursache dieses glücklicherweise für den Flieger ebenfalls glimpflich verlaufenen Unfalles erkennen ließ. Trotz dieser vier schweren Unfälle vollführten noch Frey mit seiner Farman- Maschine und de CaterS mit seinem Voisin» Apparat eine Reihe wohlgelungener Flüge. Wenn das Wetter einigermaßen günstig bleibt, so wird sich trotz des wahrscheinlichen Ausscheidens der beiden besten Flieger Engelhardt und Jeannin für die Psingstbesucher des Flugplatzes ein fesselndes und interessantes Bild ergeben. Denn auch von Frey, de CaterS, Keidel, Garrison u. a. sind nach ihren bisherigen Leistungen aus- gezeichnete Flüge zu erwarten. Die Adressen der Gewerbeinspektorate von Berlin und Vororte sowie die zu den einzelnen Bezirken gehörigen Polizeireviere sind die folgenden: Für Berlin C.: Schumann, NO. 43, Elisabethstr. 50/51. Polizeireviere 1, 2, 12—16, 10-21, 27, 38 und 40. Für Berlin N.: Dr. R u h n a u. N. 20, Prinzenallee 88. Polizei- reviere 9. 10. 11. 17, 46, 50. 59-62. 83—90, 97. 99. 109 und 114. Für Berlin NO.: Blatter, Elbinger Str. 19. Polizeireviere 13, 51. 63. 30. 81. 92. 98. 105, 106 und 113. Für Berlin 0.: Dr. Welze!, O. 34, Warschauer Str. 70. Polizei- reviere 22-24, 44. 45. 52, 65, 66. 93—96, 102, 103, 108, 110 und III, sowie Lichtenderg und Boxhagen-Riimmclsburg. Für Berlin SO.: Dr. L o h m a n n, SO. 26, Oranienstr. 14. Polizeireviere 25, 26, 29, 43. 49, 63—55, 70, 79, 86 und 87. Für Berlin 3.: Kno ll, Gewerberat, S. 53, Gneisenaustr. 55 l. Polizeireviere 28, 30, 41, 42, 47, 48. 67, 72, 78 und 85. Für Berlin SW.: Hesse, Gewerberat, Schönebcrger Ufer 21. Polizeireviere 3, 31—37, 39, 66, 63, 71, 73, 77 sowie Schöne- berg und Wilmersdorf. Für Berlin W.: Dr. Kraatz, Kirchstraße 16. Polizeireviere 4, 64, 74—76, 83, 84, 100 und 104 und Stadtkreis Charlottenbnrg. Für Berlin NW.: Dr. Fischer, Philippstraße 21. Polizeireviere 5—8, 57. 58, 69, 82. 91. 101, 107 und 112. Zur AuSkunftertcilung über alle die Gewerbeaufsicht betreffenden Angelegenheiten sind die Gewerbeanfsichtsbeamten in den oben bezeichneten Dienstlokale» und zu den nachbenannten Zeiten zu sprechen: A) Für Arbeiter und Arbeitgeber: DienStagS und Freitags von 1—2 Uhr mittags. B) Für Arbeiter allein: Donnerstags von 7—3 Uhr abends und am ersten Sonntag des Monats von 9—10 Uhr vormittags. C) Für Arbeiterinnen allein halten bis auf weiteres die Gewerbe- inspektionsassistentinnen, Fräulein Reichert, Fräulein Kümmert und Fräulein Conrad! zu den unter B angegebenen Zeiten Sprechstunden in den Räumen der Gewerbemspeltion Berlin 0. bezw. SO. und N. ab. Gcwcrbeinspektion Teltow-Ost in Berlin NW. 62, Werftstraße 2 III, umfassend den Kreis Teltow östlich der Militärbahn(Gewerbe- inspektor Dr. Jungfer). Sprechstunden: Jeden Dienstag von 5—7 Uhr nachmittags. Gewerbeinspektion Teltow-Wcst in Groß-Lichterfelde-Ost. Bahnhof- straße 10, umfassend den Kreis Teltow westlich der Militärbahn (Gewerberat Dr. S e r d a). Sprechstunden: Jeden Dienstag von 3—7 Uhr nachmittags. Gewerbeinspektion Nicdcrbarnim-Nordwest in Berlin N. 68, Dänen» straße 12, umfassend den Kreis Niederbarnim nordwestlich der Stettiner Bahn.(Gewerberat Georg Laurisch). Sprechstunden: wochentäglich von 9—1 Uhr. Gewerbeinspektion Niedcrbarnim-Südost in Berlin NW. 52, ThomasiuS- straße 22, umfassend den Kreis Niederbarnim südöstlich der Stettiner Bahn(Gewerberat ArenS). Sprechstunden: jeden Montag und Donnerstag von 10—2 Uhr nachmittags und jeden zweiten Sonntag im Monat von 11—1 Uhr. Gewerbeinspektion Beeskow-Oderdarnim in Berlin NW 23, Lesflng- straße 4, umfassend die Kreise BeeSlow-Storkow und Oberbarnim (Gcwerbcrat Max Fischer). Gewerbeinspektion Spandau in Spandau, Wilhelmstraße, umfassend den Stadtkreis Spandau und die Kreise Osthavelland und Rnppin (Gewerbeinspektor Dr. Hermann H e l w i g). Umleitung einer Straßenbahnlinie. Die Straßenbahn ist ge- nötigt, ihre Linie III wegen Bauarbeiten umzulenken. Auf dem Kreuzdamm der Bahn- und Kolonnenstraße in Schöneberg werden AsphaltierungSarbeiten ausgeführt. Die Linie muß deshalb durch die Haupt« und Potsdamer Straße umgelenkt werden. Die Um- lenkung tritt am nächsten Mittwoch, den 18. Mai, ein. Die Dauer der Arbeiten und der Ablenkung steht noch nicht fest. Die Ausstellung des Berliner Bebauungsplanes. Am 14. Mai läuft die vierzehntägige Frist ab, in der vertragsgemäß alle Ent- würfe, die zum Riesenwettbewerb um den Bebauungsplan Groß- Berlins eingelaufen find, in der Allgemeinen StädtebanauSstellung jedermann kostenlos zugänglich sind. Um auch allen den Berlinern, die während der Wochentage zu sehr in Anspruch genommen waren, Gelegenheit zu geben, die Entwürfe in Augenschein zu nehmen, die bei diesem denkwürdigen Wettbewerb eingelaufen sind, wird die AuSstellungSleiwng auch am ersten Pfingstlage die große Halle, in der sich die Entwürfe zusammen mit der städtebauliche» Ausstellung der Stadt Wien befinden, für jedermann kostenlos offen halten. In den Klassenzimmern der künftig zn errichtenden städtischen Gcmeindeschulen sollen folgende figürliche Darstellungen angebracht werden: 1. An der Decke eine Windrose. 2. An einer Wand ein Quadratmeter, eingeteilt in Ouadratdezimeter und einer der letzteren wiederum in Ouadratzentimeter. 3. An der Wand neben der Tür ein Metermaß, 2 Meter lang, davon ein Meter eingeteilt in Dezi- meter und einer der letzteren wieder eingeteilt in Zentimeter. 4. An einer anderen Stelle der Wand der Quadratinhalt de? Fußbodens (im verkleinerten Maßstabe figürlich dargestellt und in Zahlen) und der Kubikinhalt des ZimmerS in Zahlen ausgedrückt(Angabe von Länge. Breite, Höhe). Recht wetterwendisch ist jetzt der Wettergott. In den letzten Tagen wechselte fortwährend große Hitze mit kurzen Gewittern ab. Auch gestern wiederholte sich die gleiche Erscheinung, ohne daß sich nach dem Gewitter die Temperatur erheblich abgekühlt hätte. Heber die Schäden, die das Gewitter am Freitag angerichter hat, wird noch aus der Umgebung gemeldet: In Nahmitz beim Kloster Lehnin wurde � die 16 jährige Anna Rabbach auf dem Felde zwischen Trechwitz und Nahmitz erschlagen: der Bauer Hundertmark, bei dem die N. beschäftigt war, kam mit dem Schrecken davon, während die Pferde betäubt wurden; sie erholten sich aber später wieder. In Pritzerbe traf ein Blitz das HauS des Rentners Jeserich und ein zweiter ein Haus des Bäckers Seddin in der Havel- straße. Beide Häuser wurden stark beschädigt. In Groß-Wusterwitz fuhr ein Blitzstrahl in den Schornstein des Wohnhauses von Häuser. Mehrere Gegenstände wie Bilder und Fensterscheiben wurden stark beschädigt. In Wittenau wurde die Frau Heidenreich vom Blitz ge- troffen, erholte sich aber bald wieder. Am Weigandufcr in Rixdorf wurde ein Pferd vom Blitz erschlagen und mehrere Pferde betäubt. In Köpenick hat der Blitz an niehreren Stellen Schaden verursacht. DaS gestrige Gewitter war schwerer Natur/ Gegen 5 Uhr setzte ein Hagesichlag ein, wie er seit langem nicht mehr beobachtet wurde. Hagelkörner von der Stärke eines TaubeneieS prasselten nieder und zahlreiche Fensterscheiben wurden zertrümmert. Auß dey Dächern wurden Hunderte und aber Hunderte von Dach- fenstern eingeschlagen. Auch Schaufensterscheiben fielen mehrfach bem Element zum Opfer. Durch den vorangegangenen starken Negenniederschlag wurden gleichfalls nicht unerhebliche Schäden verursacht. Es wurden Ueberschwemmungen hervorgerufen, die durch den Hagelschlag noch verstärkt wurden. Auch waren wieder mehrere Blitzschläge zu verzeichnen. Ein Blitzstrahl traf beispiels- weise ein auf der Fahrt nach Wannsee begriffenes Fuhrwerk uno tötete das Handpferd auf der Stelle. Der Kutscher wurde betäubt, ohne jedoch weiteren Schaden erlitten zu haben. Ferner wurden wieder einige Fernsprechleitungen nach den östlichen Vororten, so zum Beispiel nach Erkner und Friedrichshagen, vom Blitz berührt und zerstört. In Berlin schlug der Blitz an mehreren Stellen ein. Im Hause Gollnowstrage 34 ging der Blitz dem Schornstein entlang nach dem Keller, ohne erheblichen Schaden anzurichten; dasselbe war der Fall im Hause Gollnowstratze 3, wo der Blitz im Keller einigen Schaden hinterließ. Weiterfnhnmg der städtischen Straßenbahn. Der Magistrat hat entsprechend wiederholte» Wünschen der südöstlichen Stadtteile be- schlössen, die städtischen Straßenbahnlinien von der Warschauerbrücke- Mühlenstraße über die Oberbaumbrücke, Falckenstein- und Wrangel- straße, Görlitzer Ufer, Wiener Straße nach dein Görlitzer Bahnhof weiter zu führen. Die aus der künftigen Anleihe zu deckende» Koste» der Verlängerung mit 318 000 M. sollen einstweilen aus dem Vorschuß- konto eiituomincu werden. Bei der demnächst zu beivirkenden Asphaltieruug der Wiener Straße sollen die Gleise der Berliner Elektrischen Straßenbahn Aktiengesellschafi sSiemens Bahn) von der Grünauer Straße bis zur Einmündung der städtischen Gleiie in eine» besonderen Bahn- körper verlegt werden, wie es in der Hardenbergstraße in Charlotten- bürg bereits geschehen ist. Anstatt mit Pflaster wird der Wegekörper mit Rasenbekleidung in, zwischen und neben den Gleisen versehen werden, wodurch eine Verminderung der Pflasterkosten, eine Erleichterung der Unterhaltung und ein schöneres Aussehen erzielt wird. Das Verhängen der Schaufenster an Sonn- und Feiertagen war bisher strenge Vorschrift. Wer sie nicht beachtete, konnte bestraft werden. Fetzt bat der Oberpräsident v. Conrad die Aufhebung dieses Verbots für die Provinz Brandenburg verfügt mit der Einschränkung, daß künftig Schaufenster und Schaukästen nur während der Stunden des Hauptgottesdienstes von 10—12 Uhr vor- mittags verhängt werden müssen. Das offene Aushängen und Ausstellen von Waren in und vor den Ladcntüre» ist an Sonn- und Feierlagen nur während der zulässigen Verkaufszeiten gestattet; außerhalb dieser Zeiteir müssen die Ladentüren geschlossen sein. Be- züglich des Gewerbebetriebes im Umherziehen und des sogenannten anbietenden Handels ani Wohnorte bewendet es bei den Verbots- Vorschriften des§ SS-» der Gewerbeordnung, von denen die Ber- waltungsbehörden Ausnahmen zulassen können. Für den Landespolizeibezirk Berlin, der neuerdings durch den Hinzutritt der Gemeinden Lichtenberg, Boxhagen- RummelSburg und Stralau erweitert worden ist, wird die Auf- Hebung des Verbots in den nächsten Tagen zu erwarten sein: es brauchen dann die Ladeninhaber von Berlin, Charlottenburg, Schöneberg, Wilmersdorf und Rixdorf sowie die oben angeführten drei Vororte ihre Schaufenster an den Sonntagen außerhalb der Kirchzeit nicht niehr zu verhängen. Die Hauptkirchstunden sind für Berlin und Charlottenburg auf io bis 12 Uhr festgesetzt, für Schöne- berg und Boxhagen-Rummelsburg auf S'/z bis 11V, Uhr. Der Fußgängertunnel unter dem Görlitzer Bahnhofe im Zuge der Liegnitzer und Oppelner Straße ist gestern dem Verkehr über- geben worden. Der Tunnel ist 163,68 Meter lang, seine Breite ist 4 Meter, seine lichte Höhe 2'/, Meter, seine Oberkante liegt 80 Zenti- meter unter Schienenoberkante, die Fundamentsohle der Wände liegt 1,10 Meter unter dem Tunnelfußboden und 12 Zentimeter über dem Grundwasser. Da die Görlitzer Straße etwa 40 Zentimeter höher liegt als die Wiener Straße, steigt der Tunnel dorthin im Ver- hältnis von 1 zu 360. Er wird mit 16 Stufen von der Wiener und mit 18 Stufen von der Görlitzer Straße erreicht. Der Luna-Park in Halensee. Ein für Berlin zurzeit einzigartiges VergnügungSetabliffement hat eine englische Gesellschaft an der Grenze des' Grunewaldes. neben den.Terrassen" in Halensee errichtet. Schon seit längerer Zeit führte eine große Anzahl Arbeiter auf dem vorher öde und wüst sich ausbreitenden Gelände ein riesiges Holzgerüst auf, das mit feinen verschlungenen Gängen und Windungen einem Labyrinth gleicht. Allmählich kam Form in das Holzgerippe und jetzt sieht der Beobachter, daß er ohne jede Mühe und ohne Nagelschuhe und Ruck- sack in kurzer Zeit die schönste Partie in die steile Gebirgswelt unternehmen kann, wenn er einige Groschen opfert. Es fehlt nichts, um die Täuschung glaubhaft zu machen. Sowohl die zackigen Felsen aus schwindelnden Höhen als auch grausige Schluchten, schäumende Sturzbäche sind vorhanden und der genügsame Berliner, dem es aus Mangel an Geld oder aus sonstigen Gründen nicht vergönnt ist. die„echten" Alpen aufzusuchen, wird sich mit Humor die„imitierten" gefallen lassen. Besonders die jungen Pärchen werden sich die Gelegenheit nicht ent- gehen lassen, ihre Hochzeitsreise aus so billige Weise zu erledigen. Und surrt nian im kleinen Wagen durch dunkle Tunnels und ist für Sekunden jedem profanen Blick entzogen, na, wer weiß— bekanntlich gibt's aus der Alm ka Sünd'. Leider fehlt bei der Sache ein Haupt- reiz: die Kühe und die Sennerinnen. Auf die ersteren könnte man schließlich verzichten, aber die feschen Dernd'ls in ihren originellen Pluderhosen will niemand gern missen. Doch wird man sich mit dem Anblick der Somalinegerinnen trösten können, die ebenso wie die Männer von schlankem, ebenmäßigem Wuchs sind. Außerdem findet man fidele Kinder aus Bayerns Gefilden, die mit„Ju— hu" und„Holdrio" und Schuhplatteln die Lachmuskeln aller ehrlichen Bierphilister in Bewegung setzen. Konzerte,.Kientöppe" usw. ver- vollständigen die ganze Anlage, die echt amerikanisch ins Große, Gigantische geht._ Die„Deutschen Nachrichten" geben vor. eine Tageszeitung für Reichs-, Staats-, Kommunal- und Privatbeamte zu sein. Die Mehrzahl dieser Beamten müssen sich nach dieser Zeitung in glänzenden Verhältnissen befinden, denn in einem Zirkular an Geschäftsleute, in denen zum Inserieren aufgefordert wird, heißt eS unter anderem: „Keine andere Berliner Zeitung ist für Veröffentlichungen von Theater- und Vergnügungsanzeigen so sehr geeignet, wie die„Deutschen Nachrichten", die im Laufe weniger Jahre sich auf eine Auflage von 30 000 Exemplaren herauf- gearbeitet haben. Der Hauptvorzug liegt darin, daß die „Deutschen Nachrichten", als Organ des Deutschen Be- amtenbundes und des Bundes der Festbesoldeten, aus- schließlich von Beamten gehalten werden, die über die entsprechende Zeit verfügen, um auch der Unterhaltung und dem Vergnügen den nötigen Anteil zu gewähren, während die meisten anderen Berliner Tageszeitungen zu einem sehr großen Teil von einem Publikum gelesen werden, das für Vergnügungs- etablissements fast gar nicht oder nur in sehr untergeordnetem Maße in Frage kommt." Ob die Beamten von dieser Zensur sehr erbaut sein werden? Beim Spiele» an einem fahrenden Wagen ist vorgestern nachmittag wn 4Vz Uhr der zehn Jahre alte Sohn Erich des Schuhmacher? Doyen aus der Swinemünder Straße 61 tödlich verunglückt. Der Knabe hatte sich an einen Wagen der Berliner Elektrizitätswerke an- gehängt und den Verschluß einer eisernen Wagenleiter gelöst. Die Leiter fiel hinunter, traf ihn auf den Kopf und verletzte ihn so schwer, daß er sofort verschied. Wer ist die Lebensmüde? Mit Lysol vergiftet wurde in der vergangenen Nacht uni 12 Uhr ein unbekanntes Mädchen von etwa 20 Jahren vor dem Hause Birkenstr. 62 bewußtlos aufgefunden. Ein Schutzmann brachte sie nach dem Krankenhause Moabit, wo sie noch bewußtlos danieder liegt. Die Unbekannte war schwarz ge« kleidet. Sie trug Jackett, Nock und Bluse. Ein Eisenvahnunfall hat sich gestern vormittag um 10 Uhr auf dem Steitiner Fernbahnhof zugetragen. Ein Eilzug, der aus Stettin auf dem Gleis I einlief, rannte mit großer Wucht auf den Prellbock aus, wobei zehn Personen leicht verletzt wurden. Anitlich wird ge- meldet: Der Eilzug Nr. 8 aus Stettin fuhr heute sSonnabend) morgen S Uhr 52 Min. wahrscheinlich infolge Versagens der Bremse auf den Prellbock auf. Die Untersuchung über den Unfall schwebt noch. Als leicht verletzt haben sich gemeldet: Der Kaufmann Rudolf Müller aus Stettin, Kaiser-Wilhelin-Straße 97; Zimmermeister Willi Gehm aus Finkenwalde; Frau Rosa Isaak aus Görtz a. O.; Hedwig und Karharina Neumann aus Siettin. Durch den zuständigen Bahn- Hofsarzt wurde bei Herrn Müller Onetschung des Rückens, bei Gehm Ouetschung der Nippen und des rechten Schulterblattes, bei Frau Isaak Nervenchoc und bei den Fräulein Neumann außer Ncrvenchoc Hautabschürfungen konstatiert. Jung i» den Tod. Mit achtzehn Jahren plötzlich vom Tod überrascht wurde der Buchhalter Ernst Schmidt aus der Grün- thaler Straße. Sch. war im Begriff, den Bahnhof Gesundbrunnen zu verlassen, als er vor den Augen zahlreicher Passanten zu Boden stürzte. Der Bedauernswerte war auf der Stelle tot; ein Herz- schlag hatte ihn in der Blüte seiner Jahre dahingerafft. Von einem Postautomobil überfahren und schwer verletzt wurde vorgestern nachmittag der wohnungs- und stellungslose Konditor Max Rumpf. R. wollte am Spittelmarkt den Fahrdamm überschreiten, wobei er nicht aus das Herannahmen eines in schnellem Tempo dahineilenden Postautomobils achtete. Er wurde pon dem Kraftwagen umgerissen und so unglücklich zu Boden geschleudert, daß ihm die Räder über beide Füße hinweggingen. In schwerverletztem Zustande wurde der Verunglückte, nachdem er auf der nahen Unfallstation Notverbände erhalten, nach dem Krankenhause am Friedrichshain gebracht. AlS eine Art von Vorbereitung zum Besuch der Brüsseler Welt- ausstcllnng wurden am Freitag in der Urania belgische Landschafts- und Städtebilder vorgeführt. Der be- gleitende Vortrag ist von dem schwedischen Schriftsteller Gustaf S i ö st e e n verfaßt worden und gibt eine gefällig klingende Dar- stellung der modernen Entwicklung Belgiens; ein tieferes Eingehen allerdings ans die sozialen und kulturellen Probleme, die das „Leopold"-Ländchen auf Schritt und Tritt bietet, vermißt man viel- fach. Neben den prachtvollen Boulevards, die im modernen Brüssel nach dem Vorbilde der Haußmannschen Reformen von Paris entstanden sind, hätte man gern auch die Ein- familienhäuser im Bilde sehen mögen, die den Vorstädten mit ihrer Arbeiterbevölkerung ihren Typus verleihen und deren Aufkommen in Berlin das gefräßige Hausagrariertum so gründlich ver- hindert hat. Immerhin ließ sich die gähnende Kluft zwischen Reich- tum und Armut ermessen beim Anblick der primitiven Hundekarren, aus denen von halben Kindern die Milch zur Stadt geführt wird. Manneken-PiS, das ehrenwerte unartige Wahrzeichen Brüssels, fehlte natürlich nicht. In seiner Bekleidung mit der Uniform der Kommual- garden reizt er die LachmuSkeln ganz besonders. Auch ein fliegender Bierhändler war interessant; er trägt seine Last auf dem Rücken und kann aus mehreren Hähnen ausschenken. Belgien ist übrigens das Land, das verhältnismäßig das meiste Bier verbraucht. Brügge ist jetzt die.tote Stadt". Mit Mühe erhält man die Zuchthäuser des Mittelalters und die leeren Paläste der ehemaligen Patrizier« geschlechter. Die kunstgeschichtlichen Sammlungen deS Landes werden jetzt darin aufgehäuft. Ein stilles, aber einträgliches Wirtschafts- leben spinnen besonders in Brügge die Klöster weiter, deren es 1906 im ganzen Lande 4000 gab mit 60 000 Insassen! Die Frauen- gcnossenschofl der Beghinen, die hauptsächlich Spitzen klöppelt und auf einigen Höfen kommunistisch organisiert ist, beweist ihren behag- lichen Ueberfluß schon dadurch, daß jede einzelne Nonne ihr eigenes HauS hat. Antwerpen ist eine mächtig aufstrebende Handelsstadt, deren Warenimportgeschäst fast an das Rotterdams und Hamburgs heranreicht, wenigstens der Quantität nach; in der Mehrzahl sind eS Rohmaterialien und billigere Stück- güter. Das Museum Plantin- MoretuS ist eigenartig; das Haus des berühmten Buchdruckers Eh. Plantin, der 1689 starb, ist hier mit allen Einzelheiten des Inhalts, bis auf alte Korrektur- bögen und holzgeschnittene Lettern im Setzerkasten, konserviert; auch die Diener lausen in der alten Tracht umher. Ost ende, das Aniüsierbad der kosmopolitischen Bourgeoisie, wurde etwas über Gebühr gepriesen. Die Strandpromenade mit ihren 6—8 Stock hohen Hotelfaffaden, die dürftig heranschleichende Gezeitenwelle und das Getümmel der Badekarren ist schließlich nichts, das wir an unseren Küsten nicht ebenso und am Ende in Wannsee nicht ungleich origineller und kraftvoller hätten. Man kann aber in Ostende, wenn man will, für da» Mieten eines sogenannten LuxuskarrenS 10 Fr. ausgeben, und darin liegt offenbar für ein gewisses Publikum die höhere Technik des Genießens. Jetzt sind Bestrebungen im Gange, die ganze belgische Küste zu einem Seebädcrdeparlemenl zu vereinigen mit Ostende als Vorort an der Spitze. So zentralisiert sich auch das Vergnügen. Von den vor- geführten landschaftlichen Szenerien interessiert besonders die Tal- sperre bei Gileppe, deren Mauerung an der Sohle 66 Meter stark ist, um dem Wasserdruck genügenden Widerstand leisten zu können, und eine Anzahl künstlerischer Gegenlichtaufnahmen belgischer Amateure. Sängerchor„Wedding" jM. d. Arb.-S.-B., Chormeister Herr E. Thiele). Am 16. Mai 1910: 2. Pfingstfeiertag früh 6 Uhr, findet in den„Pharussälen", Müllerstr. 142(bei ungünstiger Witterung in sämtlichen Sälen) ein großes Frühkonzert mit Tanz und Spezialitäten- Vorstellung statt. Billett und Programm 25 Pf. Der Ueberscvuß fließt den ausgesperrten Bauarbeitern zu. weshalb zahlreicher Besuch dringend wünschenswert ist. DaS neue Programm des Walhalla-Barictö-TheaterS ist unter- haltend und abwechslungsreich in seinen Einzelheiten. Fast jede einzelne Nummer der Darbietungen kann als eine artistische Muster- leistung bezeichnet werden. Und zwar wirken die einzelnen Piecen um so nachhaltiger, da überall dem Humor und der Groteske ge- nügend Spielraum gelassen ist; dafür ist das Publikum immer empfänglich. Hill and Hu kl ernteten als Exceutric-Komödianten wohlverdienten Beifall; die Mitglieder der John George- Truppe zeigten ihre Künste als graziöse Springer und geschickte Akrobaten; der Rollschnhakt des van Roy-Trios war eine Glanzleistung ans dem Gebiete des jüngsten aller Sports; d e Marcos Vorführung der gut dressierten Asfenfamilie Meyeer gefiel außerordentlich; und schließlich wurden sowohl die Soubrette Selma Wallis, wie auch der Komiker Paul Bendix immer wieder belacht und hervorgerufen; ihre Kuplets und Vorträge wirkten nicht zum letzten durch die aktuellen Schlager, an denen sie reich waren. Der Pratcr in der Kastanien-Allee hat seine Sommeriaison mit der Novität.Im Reiche des MarS" eröffnet. Das Ausstattungs- stück hat Paul Hantel zum Verfasser; die Musik hat Rich. Mchncke geliefert._ Vorort- Nach rieb tem Wilmersdorf. AuS der Stadtverordnetenversammlung. Eine außerordentliche Sitzung am Freitagabend nahm ein recht unerwartetes Ende. Man beriet des langen und breiten über die Festsetzung des E i n k o m- mensteuerzuschlages und der Steuerverteilung. die bekanntlich infolge des vom Provinzialausschuß gefaßten Be- schlusses geändert werden müssen. Der zur Erörterung der An» gelegenheit eingesetzte Ausschuß hat sich mit beträchtlichem Eifer um die Beibehaltung- des Kommunalstcuerzuschlags von 90 Proz. bemüht. Den xadikglsten Ausjveg empfahl hier der Stadtverorh- nele Dr. Dald sch midi. Dieser Herr Wollte Ver gesetzlich«» Bestimmung, daß die Realsteuern zu den Personalsteuern im Ver» hältnis von 3 zu 2 bemessen werden sollen, dadurch gerecht wer» den, daß er empfahl, neben den 90 Proz. Zuschlag zur Einkommen- steuer 135 Proz. Rcalsteuern zu erheben. Angesetzt sind im ur- sprünglichen Verteilungsplan 197 Proz. Man könnte, so meinte der Stadtverordnete, zunächst von den 790 000 M., die durch diese Regelung weniger eingenommen würden, 400 000 M. dadurch decken, daß man den für Asphaliierung diverser Straßen in den Haushaltsplan eingesetzten Betrag vollständig streiche. Was dann noch fehle, sei zu beschaffen, indem man die Kanalisations- gebühr erhöhe. Gegen diesen Vorschlag wurde im Ausschuß das Bedenken erhoben, daß die Hauptlast von den Hausbesitzern zu tragen sei, während die Terraingesellschaften, in deren Besitz sich der unbebaute Grund und Boden der Stadt befindet, frei ausgingen. Auch sei damit zu rechnen, daß der Bezirksausschuß eine solche Umgehung des von den Aussichtsbehörden gefaßten Beschlusses be- anstanden würde und man dann wieder auf dem alten Fleck stehe. Ein anderer Vorschlag ging dahin, einfach den Auffichis- behörden die Aufstellung des Etats zu überlassen. In diesem Falle aber würde die Neuregelung sich bis zum Herbst hinziehen und vielleicht das Resultat haben, daß die staatliche Einkommen« steuer gar mit einem über 100 Proz. hinausgehenden Zuschlage bedacht würde, des Verlustes, den die Stadt infolge der ver» späteten Steuereinziehung erlitte, gar nicht zu gedenken. Nach- dem im Plenum gar viel von der Wahrung der in Preußen be- kanntlich gar nicht existierenden Selbstverwaltung gesprochen und manches scharfe Wort gefallen war, schritt man endlich zur Ab- stimmung. Als erster von einer ganzen Reihe Anträge kam der des Herrn Dr. Waldschmidt auf Erhebung von 90 Proz. Zuschlag zur Einkommensteuer und 135 Proz. Realsteuern an die Reihe. Acht Stadtverordnete erklärten sich für, dreizehn gegen den Antrag. Mithin waren weniger als die Hälfte der 48 Stadtverordneten im Saale anwesend. Dem Vorsteher blieb nichts übrig, als die Be- schlußunfähigkeit der Stadtverordnetenversammlung festzustellen und die Sitzung aufzuheben.— Vorher hatte man den Gegenstand -der Tagesordnung erledigt, der eigentlich die Einberufung der Sitzung notwendig gemacht hatte. Die Stadt benötigt einer M ü l l v e r l a d e st e l l e, d:e am Gleise-der Ringbahn von der Rheingau-Terraingesellschaft erworben werden mutz. In einem vom Stadtverordnetenvorsteher verlesenen Schreiben erklärte die Gesellschaft, daß sie sich nicht über den 15. Mai hinaus an ihre Offerte binden wolle; ferner verwahrte sie sich in ziemlich euer- gischen Worten gegen den in der vorigen Sitzung vom Stadtver- ordneten Moll ausgesprochenen Verdacht, daß unlautere Schie» bungen bei dem Verkauf in Betracht kämen. Das für den eigent- lichen Zweck viel zu große und für Bauzwecke nicht besonders an- wendbare Gelände soll an die 600 000 M. oder 610 M. pro Ouadratrute kosten; ein Preis, den die zur Beratung der Frage eingesetzte Kommission ausserordentlich hoch fand. Sie hat denn auch der Stadtverordnetenversammlung mit drei gegen drei Stimmen die Ablehnung empfohlen. Im Plenum legte der Magi- strat sich jedoch mit triftig aussehenden Gründen für den Ankauf ein, und nach langer Erörterung trat die Stadtverordnetenver- sammlung gegen eine erhebliche Minderheit dem Borschlage des Magistrats bei. Wie gewaltig die Grundstückspreise in WilmerS» darf steigen, erkennt man daran, daß die Stadtverordnetenver- sammlung im Jahre 1908 noch den Ankauf eines dem jetzt er» wordenen Grundstück benachbarten Terrains ablehnte, weil ihr der Preis von S10 M. für die Ouadratrut« zu hoch war. Jetzt. nach zwei Jahren, hat sie 200 M. für die Ouadratrut« oder über 200 000 M. für das ganze Gelände mehr zu zahlen. Rixdorf. Auö der UntersuchnngShaft entlassen ist, wie gemeldet wird, der prakt. Arzt Dr. Härtung. Bergstr. 169 wohnhast, der unter der An» schuldigung der Notzucht am 6. April inhafttert wurde. Als der Vater des Angeschuldigten kurz nach der Inhaftierung gegen eine Kaution von 100 000 M. um die Freilassung seines Sohnes ersuchte, wurde dieS vom Gericht abgelehnt. Jetzt ist die Freilassung ohne weiteres erfolgt. Demnach scheinen die Verdachtsmomente gegen Dr. H. gegenstandslos geworden zu sein. Friedenau. Aus der Gemeindevertretung. Für die der Schöneberger Kanalisation zugeführten Friedenauer Abwässer waren im Etat die Kosten mit 71 000 M. veranschlagt. Diese Summe ist nach de« jetzt erfolgten Abrechnung um 15 433,84 M. überschritten worden. Die Versammlung bewilligte den Betrag.— Ein Antrag des Gemeindevorstandes, welcher die Beseitigung der äußeren Baumreche im südlichen Teil der Kaise-rallee verlangt, wurde, da sich hiergegen lebhafte Bedenken erhoben, vertagt. Ferner wurde beschlossen, eine Auskunsts- und Fürsorgestelle für Alkoholkranke zu errichten. Außerdem stand eine Neuregelung der Strombezugsbedingungen des Elektrizitätswerks zur Beratung, Die Hauptbestimmuugen in der Vorlage sind die folgenden: 1. Dem Werke muß für jeden HauS- anschluß eine Mindesteinnahme von 75 M. garantiert werden. 2. Jeder Abnehmer muß in jedem Kalendervierteljahr deS Winter? 10 M. und des Sommers 5 M. an Strom verbrauchen. Andern. falls der fehlende Betrag nach Ablauf des betreffenden Vierteljahr» an das Werk ,u zahlen ist. Hat der Verbraucher im ganzen Jahr für mindestens 30 M. Strom verbraucht, so werden die erhobenen Zuschlagszahlungen wieder gutgeschrieben. DeS weiteren werden die Bestimmungen betreffend Abschneiden säumiger Zahler vom Stromnetz erheblich verschärft. Es entstehen dadurch dem Be- treffenden in einem solchen Falle mindestens 15 M. Unkosten, falls er wieder angeschlossen zu werden wünscht. Die Vorlage wurde angenommen. Einem Vertrage mit der Deutschen Kiosk, und Trinkhallengesellschaft m. b. H., in welchem die Aufstellung von vier Zeitungskiosken vereinbart wird, wurde zugestimmt. An Miete zahlt die Gesellschaft an die Gemeinde jährlich je 200 M. Bei der Bewilligung von Mitteln für Unterbringung der Feuer- wehrpferde nahm unser Genosse Richter Gelegenheit, darauf hinzu» weisen, daß die Verhältnisse innerhalb der Wehr, welche sich in der Hauptsache aus Gemeindearbeitern rekrutiert, sehr zu wünschen übrig lassen. Vor allen Dingen werde über die Behandlung der Arbeiter durch den Stratzenmeister Herrn Schulz lebhast Klage ge- führt. Dieser, ein ehemaliger Gendarm, übte mit den Leuten echt preußische Erziehungsmethoden. In der letzten Zeit sollen 7 Ge» mcindearbeiter, welche nicht geneigt waren, sich von Sch. drillen zu lassen, entlassen worden sein. Diese Zustände, so führte unser Redner aus, beeinflußten die Feuersicherheit unseres Ortes auf das ungünstigste. Bürgermeister Walger nahm sich in rührender Weise des bedrängten Herrn Schulz an, erklärte all das Vorgebrachte für nicht stichhaltig, es sei dies ganze Gerede nur eine Hetze gegen den Straßenmeister. Die Entlassungen in der letzten Zeit seien alle gerechtfertigt. In fünf Fällen sei Krankheit, Bummelei oder Trunksucht der Grund zur Entlassung gewesen. In den beiden letzten Fällen sei der eine entlassen, weil er vorbestraft sei, waS bei seiner Einstellung niemand gewußt habe, und der andere wegen Disziplinlosigkeit.. Nach Schilderung der Arbeiter ist der wegen seiner Vorstrafen Entlassene schon mehrere Jahre bei der Gemeinde beschäftigt und hat sich während dieser Zeit in seinem Dienst nichts zuschulden kommen lassen. Das einzige Vergehen soll nach Aussage der anderen Arbeiter sein, daß er den Kasernenton des Herrn Schulz und des Dezernenten für das Siraßenreinigungswescn, Herrn Schössen Gaden, nickt ruhig hinnehmen wollte. Für die Gemeinde- arbeiter werden solche Vorkommnisse ein Ansporn sein, sich der für sie in Frage kommenden Organisation anzuschließen, um das, WaS man ihnen jetzt verweigert, sich zu erkämpfen. Eharlottendurg. Ans dem dritten Stockwerk herabgestürzt hat sich gestern nach- mittag in der Sybelstraße das 22 jährige Dienstmädchen Margarete Zimmermann, das feit drei Monaten bei dem Doktor H,, Sybel- jtraße 64, in Stellung war. Erst einige Zeit später ivurdc die Un- glückliche vo» einem Passanten bemerkt und nach einem Arzt ge« kracht. Sie hatte schwere innere Verletzungen erlitten und wurde in hoffnungslosem Zustand nach dem Krankenhaus Westend geschafft. Das Mädchen soll angegeben haben, durch schlechte Behandlung zu der Verzweiflungstat getrieben worden zu sein. SchSneberg. Der Arbeiter> Radfahrcrverein SchöneVerg deranstaltet heute Sonntag, nachmittags i Uhr, in den Neuen RathauSsälen, Meininger Straffe 8, ein Pfingstvcrgnügen. Da die Mitglieder des Vereins an den Partcioeranstaltnugcn sich stets beteiligt haben, so wäre es er- wünscht, wenn die Genossen dieses berücksichtigen würden und sich an diesem Fest ebenfalls beteiligten. Treptotv-Baumschulenweg. Der Gesangverein„Liedesfreiindschaft"(M. des D. A. S.-B.) gibt am 16. Mai(2. Pfingsifeiertag) im Lokal„Konkordiasäle", Köpenickcr Landstraffe, ein Frühkonzert. Da dieser Verein mit dem Wahlverein Treptow-Aaumschnlenweg in engster Fühlung steht und dessen Veranstaltungen bei jeder Gelegenheit unterstützt, so ist zu erwarten, daff die Genossen das Frühkonzert zahlreich besuchen. Alt-Glienicke. „Der wirtschaftliche Kampf der Gegenwart" war das Thema. über das Genosse Adolf Ritter in einer gut besuchten Volksver- sammlung referierte. Redner forderte nach eingehender Würdigung der wirtschaftlichen Kämpfe der Arbeiterklasse und der gegenwärtigen BauarbeitcrauSspcrrung die Versammelten auf, sich auch der Ge- nossenschaftsbewcgung anznschlicffen. Die Versammelten nahmen die Ausführungen mit lebhaftem Beifall entgegen. Der Ertrag der Tellersammlung wurde den ausgesperrten Bauarbeitern überwiesen. Spandau. In der letzten Stadtverordnetenversammlung hatte der Obev bürgermeister auf eine Interpellation und ein Schreiben des GrundbesitzervereinZ das Versprechen abgegeben, eine Zählung der » leerstehenden Wohnungen vornehmen zu lasten. Nachdem der Magistrat bestätigt erhalten hat, daß die Charlottenburger Bau- genossenschast, vom Militärfiskus unterstützt, hier Arbeiterwoh- nungen bauen will, hat der Magistrat beschlossen, die Zählung der leerstehenden Wohnungen schleunigst vorzunehmen. Das Resultat soll dann der Militärverwaltung vorgelegt werden zum Beweise, daff zu einer Wohnungsvermehrung kein Anlah vorliege. Für den Fall, daß die Baugenossenschaft mit Unterstützung des Fiskus ihr Projekt doch zur Durchführung bringe, würde dem hiesigen Haus� und Grundbesitz eine vernichtende Krise bedrohen und die Steuer kraft der Eigentümer in einer dem Gemeinwohl sehr nachteiligen Weise geschwächt werden. Man sieht, wie schnell der Magistrat dem bedrohten Grundbesitz zu Hilfe eilt. Bei Arbeitern, wenn diese durch Arbeitsmangel bedroht werden, hat es der Magistrat nicht halb so eilig, und wenn er sich dann schon zu einer Maßregel versteht, dann kommt praktisch nicht viel heraus. Potsdam. Stadtratswahl. Als besoldeter Stadtrat wurde der Magistrats- assessor Jaenicke-Elbing mit 29 Stimmen gewählt, gegen 29 Stim men, die auf den beim Magistrat beschäftigten Hilfsarbeiter Dr. Wolck fielen. Der nationale Jugendbund, die Jugendorganisation der Kow servativen, sucht jetzt unter ihrem neuen Namen(Verein für Leibes� Übungens Anhänger unter der Arbeiterjugend zu gewinnen. Zum S e d a n f e st c soll auf Kosten der Stadt ein großes Volksfest arrangiert werden. Das Volk hierzu sollen natürlich die Söhne der Arbeiterschaft vertreten. Der Konsumgenossenschaft„Hoffnung" sind in den 3 Monaten des neuen Geschäftsjahres 296 Mitglieder beigetreten. Der Umsatz hat sich gegen das Vorjahr um 32 999 M. erhöht. Gemeinsam mit Nowawes wird eine Brotfabrik gebaut. Die neueingerichtete Spar- lasse hat einen Bestand von 12 599 M. Grundstücksanteilscheine können in allen Verkaufsstellen gezeichnet werden. Mocken-Splelpian der Berluicr Cbeater. Königl. Operuliaus. Geschlossen. Königl. Schauspielhaus. Sonntag: Wie die Allen sungen. Montag: Bürgerlich und romanlisch. Dienstag: Die Journalisten. Mittwoch: König Richard II. Donnerstag: Bürgerlich und romantisch. Freitag; König Heinrich IV. I. Teil Sonnabend: Strandkinder. Sonntag: Bürgerlich und romantisch. Montag: König Heinrich IV. II. Teil Anfang Ist, Uhr. Neues köuigl. Opern, Theater. Sonntag: Tannhäuser. Montag: Die Fledermaus. Dienstag: Boheme. Die Puppensee. Mittwoch: Em Wintermärchen. Donnerstag: Lohengrüt.(Ans. 7 Uhr.) Freitag: Salome. (Ansang 8 Uhr.) Sonnabend: Carmen. Sonntag: FigaroS Hochzeit. Montag: Madame Butterflh. Ansang Ist, Uhr. Deutsches Theater. Sonntag bis Freitag: Sumurün. Sonnabend: Faust. Sonntag und Montag: Gawän. Ansang Ist, Uhr. Deutsches Theater(Kammerspiele). Täglich: Gastspiel der »Hölle* ans Wien: Brüderlcin sein. Ansang 8 Uhr. Lcssing.Tventer. Sonntag: DaS Konzert. Nachm. 3 Uhr: Rosenmontag. Montag: TaiUris der Rarr. Dienstag: Hedda Gabler. Mitt» woch: DaS Konzert. Donnerstag: Baumeister Solnetz. Frellag: Das Konzert. Sonnabend: Die Wildente.(Anfang Ist, Uhr.) Sonntag: Nora. Nachmittags 3 Uhr: Die versunkene Glocke. Montag: DaS Konzert. Ansang 8 Uhr. Berliner Theater. Sonntag, Montag und Dienstag, nachmittags 8 Uhr: Pension Schöller. Abends bis aus weiteres: Taijun. Ans. 8 Uhr. Sonntag, den 22. Mai, nachm. 3 Uhr: Pension Schöller. Neues Theater. Täglich: Die goldene Ritterzeit. Neues Schauspielhaus. Täglich: Der Flieger. Ansang 8 Uhr. f ebbet< Theater. Täglich: Der neue Paris. Ansang 8st, Uhr. omischc Oper. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Hossmanns Er- Zählungen. Abends: Das schlecht bewachte Mädchen. Montag nachmittag 3 Uhr: Zigeuncrliebe. Abends: Das schlechtbcwachte Mädchen. Dienstag: Rast der Kavallerie. Zierpuppen. Mittwoch: Rast der Kavallerie. Galathce. Donnerstag: Charaktertänze. Robins Ende. Freitag: DaS schlecht bewachte Mädchen. Sonnabend: Rast der Kavallerie. Zierpuppen. Sonntag: Das schlecht bewachte Mädchen. Nachmittags 3 Uhr: Tai der Liebe. Montag: Rast der Kavallerie. Galathee. Ansang 8 Uhr. Thalia-Theater. Allabendlich: Glück bei Frauen. Anfang 8 Uhr. Montag nachmittag 3 Uhr: Die lieben Ottos. Kleines Theater. Sonntag und Montag, nachmittags 3 Uhr: Moral Soimtag bis Mittwoch- Luxuszug. Donnerstag bis nächsten Montag: Nur ein Traum. Ansang 8 Uhr. Nächsten Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Moral. Theater des Westens. Sonntag und Montag, nachmittags 3st, Uhr: Die geschiedene Frau. Sonntag bis Freitag: Tanzhnsaren. Sonnabend, Sonntag und Montag: Russisches Ballett. Ansang 8 Uhr. Nächsten Sonn- tag, nachmittag 3st, Uhr: Die geschiedene Frau. Schiller-Tbmrter O. Sonnlag und Montag, nachmittags 3 Uhr: Neue Jugend. Sonntagabend: Goldsische. Montag: Zapscnstreich. Diens- tag: Die Katakomben. Mittwoch: Hans Lange. Donnerstag und Freitag: Zapsenstrcich. Sonnabend: HansLange. Nächsten Sonntagnachmittag 3 Uhr: Viel Lärmen um Nichts. Aiends: Die Liehe wacht. Montag: Zapfen- streich. Ansang 8 Uhr. Schiller- Theater Eharlottenburg. Sonntag und Montag, nach- mittags 3 Uhr: Der Mcineidbauer. Sonntagabend: Hans Lange. Montag: Die Lieb« wacht. Dienstag: Zadstnstreich. Mittwoch: Die Liebe wacht. Donnerstag und Freitag: Goldsische. Sonnabend: Die Liebe wacht. Nächsten Sonntagnochmitiag 3 Ubr: Der Meincidbauer. Abends: Zapsen- streich. Montag: Goldfische. Ansang 8 Uhr. Friedrich- WilhclmstädtischeS Schauspielhaus. Sonntag und Montag, nachmittags 3 Uhr: Die Jungfrau von Orleans. Sonntagabend: Der Raub der Sabincrinnen. Montag: Alt-Heidclberg. Dienstag: Der Raub der Sabinerinnen. Mittwoch: Alt-Hcidelberg. Donnerstag und Freitag: Der Raub der Sabinerinnen. Sonnabend: Alt-Heidclberg. Nächsten Sonntagnachmittag 3 Uhr: Die Jungfrau von Orleans. Abends: Alt-Heidclbcrg. Montag: Der Raub der Sabinerinnen. Ansang 8 Uhr. Volksoper. Sonntagnachmittag 3st, Uhr: La Traviutn. Abends: Der Troubadour. Montagnachmittaa 3stz Uhr: Staatsanwalt Alexander. Abends: Heimkehr. Der Generaidirclter. Dienstag bis Freitag: Heimkehr. Der Genei aldirektor. Sonnabend, Sonntag und Montag: Falschspieler. Ansang 8 Uhr. Lniseu-Theater. Sonntag und Montag, nachmittags 3 Uhr: Was Gott zusammensügt. Sonntagabend: Die Else vom Erlenhos. Montag: Die Well ohne Männer. Dienstag: Die Else vom Erlenhof. Mittwoch: Die Welt ohne Männer. Donnerstag: Was Gott zusammensügt. Freitag: Marianne oder ein Weib aus dem Volke. Sonnabend: Die Welt ohne Männer. Nächsten Sonntagnachmittag 3 Uhr: Die Else vom Erlenhos. Abends: Marianne oder ein Weib aus dem Volke. Montag: Die Else vom Elcuhos. Ansang 8 Uhr. Neues Operetten- Theater. Sonntag und Montag, nachmittags 3 Uhr: Die Dollarprinzessin. Allabendlich: Der Gras von Luxemburg. Anfang 8 Uhr. Nächsten Sonntagnachmittag 3 Uhr: Die Dollarprinzessin. Residcnz-Theater. Allabendlich: Das Nachtlicht. Der selige Oktave. Anfang 8 Uhr. Lustjpielhaus. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Der dunkle Punkt. Allabendlich: Das Leutnantsmündel. Ansang 8 Uhr. Nächsten Sonntagnach- mittag 3 Uhr: Der dunkle Punkt. Nose-Theater. Allabendlich: Die Schmuggler. Ansang 8 Uhr. Triauo»- Theater. Allabendlich: Theodore u. Cie. Ansang 8 Uhr. Kasino-Thcater. Sonntagnachmittag 4 Uhr: Mutter Gräbert. Montagnachmiltag 4 Uhr: Trudchens Sommerreise. Allabendlich: Familie August Knoche. Ansang 8 Uhr. Gebr. Herrufeld-Thcater. Allabendlich: Wenn Zwei dasselbe tun. Ein starkes Stück. Ansang 8 Uhr. ApoNo-Theatcr. Allabendlich: Mahara. Spezialitälen. Ansang 8 Uhr. Palast-Theater. Allabendlich: Spezialitäten. Anfang 8 Uhr. Folies Capriee. Allabendlich: Eine gründliche Kur. Ein ver- schwiegenes Atelier. Anfang 8st« Uhr. Mctropol- Theater. Allabendlich: Hallo l Die große Revue I Ansang 8 Uhr. Passage- Theater. Sonntag und Montag, nachmittags Spezialitäten. Allabendlich: Spezialitäten. Ansang 8 Uhr. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Spezialitäten. Buggenhagcn. Täglich: Spezialitäten. Ansang 8 Uhr. Retchshallen> Theater. Allabendlich: Stettiner Sänger. 8 Uhr. Sonntags 7 Uhr. Wintergarten. Allabendlich: Spezialitäten. Anfang 8 Uhr. Karl Haverland- Theater. Allabendlich: Spezialitäten. Walhalla- Theater. Allabendlich: Spezialitäten. Ansang 8 Uhr. Uraiiia-Thearer. Taubcnslr. 48/49. Sonntagnachmittag 4 Uhr: In de» Dolomiten. Abends: Belgien, Land und Stadt. Monlagnachmittag 4 Uhr: Im Firncnglanz des Ober-Engadin. Abends: Belgien, Land und Stadt. Dienstagnachmittag 4 Uhr: In den Dolomiten. Abends: Der Halleysche Komet. Mittwoch: Der Halleysche Komet. Donnerstag: Belgien, Land und Stadt. Freitag: Im Lande der Mitternachtssonne. Sonnabend und Sonntag: Belgien, Land und Stadt. Montag: Unbestimmt. Ansang 8 Uhr. Sternwarte, Jnvalidenstr. 61—62. 3 Uhr: Nächsten Ansang VermilcKtes. Die zugemauerte Grube. Die so schnell und rücksichtslos durchgeführte Maßregel der Vermauerung der Grubenschächte auf der Unglücksgrube bei W h i t e h a v e n hat bei den Angehörigen der Verunglückten wie auch bei den Arbeitskameraden große Erregung hervorgerufen. Die gesamte Arbeiterschaft des Bezirks ist über die im Interesse des Besitzers der Grube, des Lords LonSdale, vorgenommene Matzregel empört. Die Bergarbeiter von Whitehaven hielten am Freitagabend eine Versammlung ab, in der sie Protest gegen die Ver- mauerung erhoben, ehe alles versucht sei, um die in der Grube be- findlichen Arbeiter zu retten. Kurz vor der Versammlung hatte sich eine Abordnung der Bergarbeiter, zirka 199 Mann, an deren Spitze sich einer der Geretteten befand, zur Grubenverwaltung be- geben. Die Deputation stellte an den Direktor daS Ersuchen, daß er ihnen die Erlaubnis gebe, auf ihre eigene Lebensgefahr einen letzten Versuch machen zu dürfen, ihre unglücklichen Kameraden zu retten. Die Erlaubnis wurde verweigert. Bei der Bekanntgabe eines Anschlages am Grubentor, daß die Ver- mauerung erst nach drei Monaten wieder entfernt werden wird, kam es zu erregten Szenen. Die Menge verlangte.stürmisch, daff die Vermauerung niedergerissen und die Rettungsarbeiten fort- gesetzt werden sollten. In dem Anschlag heißt es, daß nach drei Monaten die Leichen der verunglückten Bergleute geborgen werden sollen. Sollte daS Feuer bis dahin noch nicht ge- löscht sein, so wird die Grube unter Wasser gesetzt werden. Der Minister des Innern Churchill hat an den Vertreter der Bergleute in Whitehaven telegraphiert, daß er die Maßregel der Vermauerung mit dem Berginspeltor besprochen habe. Dieser habe es für unmöglich erklärt, in den Schacht einzudringen; es sei, wie der Berginspektor ihm versichert habe, niemand von den Verunglückten mehr am Leben._ Tie Ehre der niederen Stände. Wegen tätlicher Beleidigung der Tochter des Ersten Staats- anwalts in Halber st adt, eines Fräuleins Caspar, hatte sich vor kurzem der Attentäter, ein Installateur Richter, vor der Halber st ädter Strafkammer zu verantworten. Der rohe Geselle wurde zu neun Monaten Gefängnis verurteilt. ES ist durchaus verständlich, wenn die Verüber unsittlicher Attentate die volle Strenge des Gesetzes trifft, unverständlich ist aber und lebhafte Empörung muff hervorrufen die Begründung des Urteils des Halberstädter Gerichts. Nach dem Stendaler„Altrnärker" soll es nämlich in der Begründung heißen: „Es handle sich im vorliegenden Falle nicht um ein Mädchen der niederen Stände, deren Ehrgefühl nicht so stark entwickelt sei, sondern um eme Dame aus bester Familie. Durch ihre Erziehung und g e s e l l s ch a ft l i ch e S t e l l u n g habe sie ein höheres Ehrgefühl, das durch die tätliche Beleidigung des Angeklagten aufs schwerste verletzt wurde." In welchen Anschauungen müssen Richter leben, die über arm geborene Mädchen ein so herabsetzendes Urteil fällen können? Bedeutet denn da» Geborenwerden in reichem Haufe von vornherein ein höheres Ehrgefühl? Bei aller Hochachtung vor der Ehre des Fräulein Caspar glauben wir die Zustimmung jedes wahrhaft Gebildeten zu finden, wenn wir die Ehre der ärmsten Arbeiterin für ebenso hoch- stehend halten. wenn wir verlangen, daß ein Gericht keinen Unter- schied macht, ob es sich um eine Staatsanwaltstochter oder um eine Fabrikarbeiterin handelt._ Gesindel! Nicht neu ist das Bestreben der bermuckerten Frommen, Anders- denkende wegen Gotteslästerung zu denunzieren. Selten aber ver« suchte ein„frommes" Blatt seine Leser in so schamloser Weise zur Denunziation anzureizen, wie es das in Oesterreich erscheinende „Bonifazius-Blatt" getan hat. Wir lesen dort: Die katholische Kirche ist in Oesterreich noch nicht Vogel- frei, waS man freilich nach den unerhörten Verunglimpfungen in Versammlungen und in der Presse fast glauben könnte. Wir haben aber ein ganz annehmbares Mittel dagegen in der Hand und brauchen es durchaus nicht zu dulden, daff Lehren, Einrichtungen und Gebräuche unserer Kirche herab- gewürdigt werden. Sie schreiben einfach an die K. K. Staats- anwaltschaft ihres Bezirkes: Löbliche K. K. Staatsanwaltschaft! In Nr.... des Blattes... wurde auf Seite... unser hl. Glaube mit folgenden Worten verspottet... Der(oder Die) Ge- fertigte(n) bitten noch Z 303 St.-G. um gesetzliche Bestrafung des Vergehens. Das Blatt wird beigelegt.(Unterschrift.) Geschieht auf die Anzeige nichts, dann wendet man sich an die K. K. Ober- staatSanwaltschaft der Hauptstadt. Sollte auch darauf nichts er- folgen, schreibt man an daS hohe Ministerium in Wien.— In derselben Weise geht man vor, wenn in einer Versammlung durch Redner unser Glaube verspottet wird, nur mutz man dann auch Zeugen namhaft machen. Alle Anzeigen wolle man rekommandiert einsenden._ Schwindel engroS. Paris ist wieder einmal der Schauplatz eines groß angelegten Schwindelmanövers, bei dem es sich um Werte von 8 9 9 9 9 0 Franks handelt. Wie uns ein Telegramm meldet, ist auf Veranlassung eines Pariser Juweliers gegen die Gründerin und Leiterin des Tuberkulosesanatoriums in O r m e s s o n, Schwester C a n d i d e, die gerichtliche Untersuchung eingeleitet worden. Die Schwester hatte, um den Fortbestand des Sanatoriums zu ermöglichen, auf die verschiedenste Weise Geld aufzutreiben versucht. So hatte sie von dem Juwelier Edelsteine im Werte von 899 999 Fr. zum Verkauf übernommen. Da sie aber weder das Geld ablieferte, noch die Edelsteine rechtzeitig zurückerstattete, strengte der Juwelier Klage an. Die Schwester erklärte, sie sei lediglich daS Opfer widriger Verhältnisse. habe aber nicht die geringste Veruntreuung begangen._ Siegesfeier. Der amerikanische Kupferkönig H e i n z e war wegen Miffbranchs der Gelder einer Bank, deren Präsident er früher war. angeklagt worden. Mit großer Spannung sahen viele seiner Anhänger der Verhandlung, die gestern in New Aork stattfand, entgegen. Nachdem das Gericht zu einem F r e i s p r u ch gelangt war, folgten im Ge« richtssaal stürmische Freudenszenen. Viele der anwesenden Frauen seiner Partei umarmten Heinze und küfften ihn ab. Aus Freude darüber, daß er da? Gesängnis nur mit dem Aermel gestreift hatte, gab der vielfache Millionär abends im Waldorf-Astoria- Hotel, einem der vornehmsten New ForkS ein großes Fest- g e l a g e, bei dem eS hoch herging. Es scheint auch im„Lande der Freiheit" so zu sein, daß nur die kleinen Spitzbuben gehangen werden. Was ja auch verständlich ist, denn nicht jeder ist in der Lage wie Heinze, 1 699 999 M. allem für feine Verteidigung dranzuwenden. Kleine Notizen. Der Mörder der Prostituierten Piller in Wien, über deren Ermordung wir berichteten, ist in der Person eines 29 jährigen Hilfsarbeiters Allran verhaftet worden. Mit dem Lloyddampfer„Königin Luise" traf gestern in Bremer- Häven die Leiche des in Demen ermordeten deutschen ForschungSreisciide» Hermann Burchardt ein. Die Leiche soll nach Bremen übergeführt und in dem dortigen Krematorium ver- brannt werden. Ein sehr schweres Gewitter ging am Freitagabend in Prag und Umgegend nieder. In der Prager Heinrichskirche drang das Wasser bis zum Hochaltar vor. Der Bahnhof inBubentsch wurde vollständig überschwemmt. Durch einen Blitzschlag in die Oberleitung der elektrischen Bahn entstand eine Panik unter den Passagieren eiueS Wagens. Ein Ingenieur aus Smichow wurde durch einen Blitzschlag getötet. Räubcrromantik. Nach einer Meldung aus Konstantinopel hat der Brigant Schakirdji, aus dessen Ergreifung die Regierung seit Jahren hohe Prämien setzte und gegen den eine kleine Armee mobilisiert ist, gestern einen Postzug der Smyrna-Aidin-Bahn beraubt. Er eignete sich Regierungsgelder an und ließ die den Postzug begleitenden Gendarmen niedermachen. Ein ehemaliger Gouverneur als Schmuggler. Herr Frank West Rollin, früher Gouverneur von New Hampshire, wurde bei seiner Ankunft in Luisiana(Amerika) samt seinem Sohne wegen Schmuggels von Juwelen verhaftet. Ke8l»uraiil Parksehlößehen Potsdamer Str. 53 Konixs-Wusteiiiausen Potsdamer Str. 83 vom Bahnhos 15 Min. entfernt durch die Stadt.* Größtes Gartenetablisiemcnt der Umgegend. 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