ifeiia, RbonnementS'Bidlnsangen: HJ onncmentS> Preis drSnumerando: «iertcljiihrl. 8�2 Mk�, monatl. l.lv MI» wöchentlich 26 Psg. frei ms HauS. Einzelne Nuinmcr E Pfg. Sonntags- nunimct mit illustrierter Sonntags- Beilage.Die Neue Welt" lv Pfa. Post- Ilbonncment: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post-ZeitungS- Prci-Iisic. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland 3 Marl pro Monat. Postäbonnemenis »ichmcn an: Belgien, Dänemark, Holland, Italien, Luxemburg, Portugal, Numänien, Schweden und die Schweiz, £7. FichW» erscheint täglich außer montags. Veelinev VolksblAtt. Dk Tnkrtions-GebülsP Pclrägt für die scchsgespaliene Kolonel- zeile oder deren Raum 50 Psg,, für politische und gewerlschaslliche Vereins» lind VcrsammlungS-Anzeigen SO Psg. „Kleine Hnzeigcn", das erste(feil- gedruckte) Wort 20 Psg» jedes weitere Wort 10 Psg. Stellengcjuchc und Schlaf- stellen-Anzcigen das erste Wort 10 Psg» jedes weitere Wort b Psg. Worte über FS Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis S Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geössnei,„ Telegramm-Adresse: „Sozlallenioltrat Rellin'1. Zentralorgan der rozialdemokrati leben Partei Dcutfcblands. Redahtion: 8M. 68, Linden Strasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. BrauiridweigHcber AahIreclMamps. AuS Braunschweig wird uns geschrieben: Man sollte kaum glauben, daß die borussische Gewalt Herrschaft in einem deutschen Bundesstaate noch zu überbieten sei. Zwar gilt Mecklenburg als das rückschrittlichste Glied des Reiches; aber die mecklenburgische Reaktion wird wenigstens durch eine gewisse patriarchalische Gemütlichkeit der Behörden gemildert, während das Herzogtum Braunschweig die preußische Barbarei nicht nur durch die Rückständigkeit der Verfassung, sondern auch durch die Rücksichtslosigkeit der ausübenden Gewalt in den Schatten stellt. Alles das, was in Preußen in einem großen Gebiete und unter großen Verhältnissen in die Erscheinung tritt. drängt sich in Braunschweig auf einen kleinen Raum und kleinliche Verhältnisse zusammen; das Gebräu der preußischen Reaktion wird im engen braunschweigischen Gefäß zum doppelt bitteren Extrakt, das häßliche Antlitz des preußischen Rückschritts, das in dem großen preußischen Spiegel durch die Ausdehnung veo schlvommen lvird, kondensiert sich in dem kleinen aber scharfen braunschweigischen Hohlspiegel zur doppelt abstoßenden Kari katur. Dazu kommt noch, daß in Braunschweig die Klassen Herrschaft all den augenblendenden Flitter, mit dem sie in Preußen das Volk noch immer über ihre egoistische Roheit hinwegzutäuschen sucht, abgeworfen hat und sich in völliger Nacktheit zeigt. Ein solches flitterbesetztes Mäntelchen ist in Preußen die monarchische Tradition, der Hohcnzollerukultus. In Braun schweig kann man nicht mit den schillernden Libellen dynasti scher Legenden Dumtne angeln; denn die legitime welfische Dynastie lebt in der Verbannung. Das Ministerium nennt sich offiziell hcrzoglich-lüneburgisch; die Kirche betet allsonntäglich für den Herzog von Braunschwcig-Lüneburg, den verbannten Kumberländer: aber der Staatsminister, der geadelte Vureaukrat v. Otto, bedroht öffentlich im Landtage olle Beamten mit Dienstentlassung, die ihre monarchische Gesinnung durch Zw gehörigkeit zu einem welfischen Verein an den Tag legen sollten. Im Herzogtum Braunschwcig gibt es kein Zentrum und der, Adel ist machtlos. Er tritt politisch nicht hervor, sondern begnügt sich mit Hofposten und Offiziersstellen, oder er ist welfisch gesinnt und steht zur Regierung in Opposition. So entbehrt die regierende Bureaukratie ebenfalls jeder traditionellen Romantik. Sie rekrutiert sich aus einer bürgerlichen Beamtem familienclique, die sich gegenseitig protektioniert. Wer nicht zu der Clique gehört und die Nichtzugehörigkeit nicht durch einen schweren Geldsack aufwiegen kann, komnit nicht in die höhere Beamtenschaft hinein. Damit hat es die Bureaukratie schon von vornherein mit dem ausgeschlossenen Teil des Bürgertums verdorben, das eine Bevorzugung des Adels sich viel eher gc> fallen läßt als die Ausnahmestellung einer bürgerlichen Clique. Und eben weil die regierende Bureaukratie weiß, daß sie nur auf der Gewalt fußt, daß es ihr ganz unmöglich ist. das Volk über ihr Gewaltwcsen irgendwie hinwegzutäuschen, ist sie noch um ein gut Teil brutaler als die preußische. Der braun schweigische Beamtenstaat, wie er gegenwärtig besteht, hat keine Tradition, kann mit keinen Erfolgen renommieren und hat niemals Volksgunst besessen. Er hat also nichts zu verlieren. Mögen sie hassen, wenn sie nur fürchten, kann offen sein Wahlspruch sein. Man würde ihn auslachen, wenn er sich einschmeicheln wollte, deshalb gehen Verwaltung und Justiz in Brautischweig mit einer noch viel grimmigeren Miene einher wie in Preußen, deshalb stützen sie sich einzig und allein auf den Terror. Ein Minister wie der jetzige hessische Finanz� minister Dr. Braun, der es ausgezeichnet verstand, sich in ein liberales Mäntelchen zu wickeln, und der nach Popularität förmlich haschte, wäre in Braunschweig undenkbar. Vollständig bar jeder volkstäuschenden Wesensart ist auch der braunschweigische Landtag. Er besteht aus 48 Mitgliedern, von denen 18 von den Berufsständen, d. h. von der evange- lischen Geistlichkeit, den reichsten Großindustriellen, der hohen Bureaukratie, dem Großgrundbesitz und den reichsten Rentnern ernannt werden, während 30 aus einem dcni preußischen ähnlichen und ebenso ungerechten Dreiklassenwahlsystcni her vorgehen. Der Arbeiterschaft ist es unmöglich, einen Vertreter in den Landtag zu bringen, sogar in dem Arbeiter- viertel der Residenz. Genosse Jasper wurde seinerzeit nur gewählt, weil er infolge einer Verstimmung zwischen den bürgerlichen Parteien Stimmen von den sonst zu unseren Gegnern zählenden Wahlmänncrn der zweiten Klasse erhielt. Dieser Landtag hat aber nicht einmal beschließende, sondern nur beratende Stimme. Er kommt jedoch deshalb mit der Regierung nicht in Konflikt; denn die Regierung, diese illegitime, gegen die Reichsverfassung verstoßende, von Preußen dem Lande aufgezwungene Regierung hütet sich selbstverständlich sehr, es mit dem Land- tage zu verderben. Sie hätschelt ihn förmlich. Da sich aber der Landtag vor allem aus den schwer reichen Bauern, eingefleischten Agrarient, dann aus den Kommerziell- räten der Großindustrie und des Großhandels, einigen Beamten, Terrainspekulanten und Hausagrariern zusammensetzt, aber keinen Mittelständler, keinen Arbeitervertreter, ja überhaupt keinen einzigen Abgeordneten enthält, der aus die Wähler der dritten Klasse Rücksicht zu nehmen hätte, wird das von der Bureaukratie geübte rücksichtslose Klassenrcgiment durch das Zusammengehen von Regierung und Landtag noch bedeutend verschärft. Ganz schamlos, ganz offen treibt man im Land- tage unter steter Billigung der Regierung eine Interessen- Politik, bei der sich Großgrundbesitzer und Großkapital in die Beute teilen und die Interessen des werktätigen Volkes noch dazu mit Ausdrücken der Verachtung und ohne alle be- niäntelndcn Phrasen mit Füßen treten. Wie war eine solche Politik möglich? Nun, das mittlere Bürgertum, das mit dem Kleinbürgertum und der Arbeiter- schaft von jeder Teilnahme an der Regierung ausgeschaltet war, führte in dem altertümlichen wohlhabenden Braunschwcig mit seinem riesigen Wurstexport und seinem weltbekannten Konservenversand ein phäakisches Dasein. Man hätte in dieser Beziehung die Braunschweiger mit den Wienern in der Metternichzeit vergleichen können. Wer opponieren wollte, schloß sich bestenfalls den Weifen an, deren Opposition jedoch bis auf den heutigen Tag lächerlich lau geblieben ist. Das Kleinbürgertum schwankte zwischen Sympathien für die Sozialdemokratie und kleinlicher Gehässigkeit gegen dieselbe hin und her, je nach der Situation des politischen Tages kampfes. 1903 wählte es sozialdemokratisch, 1907 Hottentotten blockisch und gegenwärtig neigt es infolge der Finanz„reform" und des Wahlrechtskampfes wieder unserer Partei zu. Die Sozial' demokratie und mit ihr die ganze Arbeiterschaft hatte man lange Zeit zurückgedrängt. Wohl konnte man ihr bis 1907 bei den Reichstagswahlen den ersten braunschweigischen Wahl kreis nicht streitig machen, aber so lange sie ihre Betätigung in der Hauptsache auf die Reichspolitik beschränkte, glaubten die herrschenden Klassen der Arbeiterschaft gegenüber immer noch eine Haltung einnehmen zu können, wie sie Bismarck unter dem Sozialistengesetz in Uebung gebracht hatte. Man verfehmte jeden Sozialdemokraten gesellschaftlich. Proklamierte es als guten Ton, unbedingt sozialisteufeindlich zu sein, trieb der Sozialdemokratie die Säle ab, drängte die Arbeiter in die verkehrslosen Vorstadtstraßen und in die dunklen Ecken der Altstadt zurück, während sich dafür die herrschenden Klassen um so lärmender und auffälliger breit machten. Statt die Klassengegensätze nach süddeutscher Praxis wenigstens scheinbar zu überbrücken zu suchen, machte man sie gerade von feiten der herrschenden Klassen aus so schroff wie möglich. Man glaubte die Sozialdemokratie dadurch zu überwinden, daß man sich stellte, als ob man sie gar nicht sähe. Man behandelte die Arbeiter schaft ea canaille. Dies ging so weit, daß der Staatsminister den sozialdemokratischen Arbeitern im Harz sogar das auf einem uralten Gewohnheitsrecht beruhende Jahrholz entziehen ließ und daß im Landtage unter dem Beifall der Mehrheit ein Hausagrarier und Terrainspcknlant erklärten, alle von der Sozialdemokratie gestellten Anträge unbesehen abzulehnen. Man verzichtete auf jede Gewinnung der Arbeiterschaft durch Scheinreformen oder andere Täuschungsmittel. Man stellte sich gegen sie, wie der Sklavenhalter gegen die Sklaven. Das alles mußte vorausgeschickt werden, wenn dem außerbraunschwcigischen Leser die Haltung der braun- schwcigischen Regierung im Wahlrcchtskampf nicht un< erklärlich, ja völlig verrückt erscheinen soll. Der Wahl- rechtskampf brauchte die Regierung nicht zu überraschen. Schon am 22. Januar 1908 hatte eine Wahlrechtsdemonstration in den Straßen Braunschweigs stattgefunden und unter deren Eindruck hatte der Landtag der Regierung eine freilich ganz nichtssagende Wahlreform vorgeschlagen. Die Regierung glaubte jedoch, mit der brutalen Niederknüppclung der Arbeiterschaft und der hochnäsigen Nichtbeachtung der Sozialdemokratie weiterkommen zu können. Sie tat in der Thronrede, mit der der Landtag am 26. Januar 1910 eröffnet wurde, einer Wahl- reform mit keinem Wort Erwähnung, und der Landtag schwieg. Warum sollte er auch nicht schweigen? Es war ja derselbe Landtag, der am Tage vor der Eröffnung hinter der- schlossenen Türen gegen die Verfassung den Genossen Jasper seines Mandates beraubt hatte. Als dann am Abend des 26. Januar die Arbeiter vor dem Ministerialgebäude demonstrierten, das gleiche Wahlrecht hoch leben ließen und die Marseillaise sangen, handelte die Polizei genau den Grundsätzen und der Praxis der Regierung entsprechend, als sie sofort mit dem blanken Säbel auf die Demonstranten einHieb und in den Straßen Braunschweigs ein Blutbad ver- anstaltete. Die alte Praxis versagte jedoch gänzlich. Die Bewegung nahm mit einer ungeahnten Schnelligkeit und in riesenhaftem Umfange zu. Trotz des Blutbades vom 26. Januar durchzog schon am 6. Februar wieder ein Demonstrantcnzug von etwa 10000 Teilnehmern die Stadt und am 6. März fanden sich unter freiem Himmel 30000 Demonstranten zusammen. Die Regierung erklärte im Landtage ihre Ohnmacht, sie gab ihren Widerstand gegen jede Wahlreform auf, überließ aber die Vorschläge dem Landtage. Sie vertagte auch den Landtag nicht bis zum Herbste, wie sie beabsichtigt hatte, sondern nur bis Ende Mai, um die Wahlreform nicht länger aufzuhalten. Ja, sie sprach sogar vom Ernst der Zeiten. Sie maß also plötzlich der Arbeiterbewegung eine Bedeutung bei, die sie vorher, wo sie die Arbeiterschaft mit der denkbar größten Nichtachtung behandelte, nie anerkannt hatte. Dagegen ging sie niit ihrer altgewohnten Rücksichtslosig- keit jetzt gegen die Arbeiterpresse los. Der„Volks- freund" hatte den Minister für das Blutbad vom 26. Ja- nuax vexantwortlich gemacht..Gegen die sonst, auch in Expedition: 8M. 63» Lindenstrasse 69» Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1981. Preußen, geübte Gepflogenheit, wegen Minister„beleidigung" in politicis nicht zu klagen, tnachte der Minister seine Klassenjustiz mobil und ließ wegen Ministerbeleidigung, weil es unerhört sei, die Polizeitaten dem Minister in die Schuhe zu schieben, den verantwortlichen Redakteur des„Volksfreund" zu 9 Monaten Gefängnis verurteilen. Im Zeugenverhör gab jedoch der Minister selbst zu, dem Blutbad vom Fenster aus zugesehen zu haben und das Vorgehen der Polizei zu billigen. Kurz es war eine Justizaktion, die den Minister nicht reinwusch, sondern ihn dem arbeitenden Volke nur noch verhaßter machte. Mit diesem ersten Schreckcnsurteil hatte die herrschende Gewalt auch den letzten Rest von Vertrauen und Ächtung beim werktätigen Volke Braunschweigs und bis weit in die bürgerlichen Kreise hinein verloren. Sie handelte aber noch unkluger. Sie ließ durch den Staatsanwalt einen von ihni erst gar nicht beachteten„Volks- freund"-Artikel gegen den Landtag ausgraben und außerdem wegen der Darstellung des Blutbades vom 26. Januar wegen Polizeibeleidigung klagen. An eine Reinwaschung der Polizei war gar nicht zu denken. Im Gegenteil, der„Volks- freund" hatte die Vorgänge noch viel milder geschildert, als sie in Wirklichkeit sich zugetragen hatten. Es wurde mehr als der Wahrheitsbeweis erbracht. Der Staatsanwalt hatte dennoch den Mut, die Polizei als unschuldig und boshaft verleumdet hinzustellen und ein Jahr Gefängnis zu beantragen. Der Gerichtshof ging zwar um 3 Monate her» unter, schloß sich aber ausdrücklich den Ausführungen des Staatsanwaltes an, ja er nannte sogar das Vorgehen der- selben Polizisten, die grundlos und blind auf die fliehende Menge eingehauen, Greise und Kinder, schwangere Frauen und gebrechliche Mütterchen attackiert hatten, human! Wenn man die Urteilsbegründung und die Zeugcnaus« sagen einander gegenüberstellt, erscheint das Urteil ganz un- glaublich und unmöglich. Daß sich die Justiz selbst so bloßstellt, die Polizeitaten an die Oeffentlichkeit der Ge- richtsverhandlungen zieht, sie durch die Zeugenaussagen noch viel schlimmer hinstellen lassen muß, als sie in der verklagten Zeitung hingestellt waren, dann in ihrem Urteil das Gegen- teil von dem, was erwiesen worden ist, als erwiesen hinstellt. das ist so unstaatsmännisch, so unklug, daß man es selbst der arbeiterfeindlichsten Gewalt nicht zutrauen möchte. Tatsächlich hat das Urteil die Erbitterung des Volkes aufs neue bis zur Siedehitze geschürt und die Polizei erst recht in Verruf ge- bracht. Auch der genialste Agitator könnte die braunschweigi- scheu Gewalthaber nicht so dem Hasse des arbeitenden Volkes aussetzen, wie es die Regierung mit ihrem Anhang selbst tut. Die Erklärung für dieses sonderbare Verhalten ist in der Einleitung gegeben; es ist eine Regierung, der keine Volks- täuschungsmittel zur Verfügung stehen, eine usurparorische Regierung, die sich nur auf die Gewalt stützt und die deshalb auch der Arbeiterbewegung gegenüber kein anderes Mittel hat als die Gewalt. Jedes Hineinreden des Volkes in ihre Mißwirtschaft würde sie stürzen. Daß eine solche Regierung sich aus eigener Kraft nicht lange halten kann, liegt auf der Hand. Nur Preußen kann die braunschweigische Regierung noch stützen. Geht es in Preußen vorwärts, dann bedarf es in Braunschweig nur noch eines letzten Anstoßes und die Gewaltherrschaft fliegt über Bord. Hoffen wir, daß recht bald der Tag erscheint. ver©ahlrechts-KuddeMiMdel. Die Nationalliberalen wissen noch immer nicht, ivaS sie in ber Wahlrechtskrise anfangen sollen. Man sollte meinen, daß ihnen ihr Verhalten durch ihre liberalen Prinzipien diktiert wäre. Nachdem die Herren bei der Beratung der Vorlage im Abgeordnetenhause die Neueinteilung der Wahlkreise gefordert hatten, desgleichen die direkte Wahl und'die Mini» m i e r u n g, das heißt die Bestimmung, daß in der ersten Klasse mindestens ein Zehntel, in der zweiten Klasse mindestens zwei Zehntel wählen sollten, sollte man doch annehmen dürfen, daß sie die Herrenhausvorlage von vornherein mit aller Verachtung als etwas gänzlich Unannehmbares ablehnen würden. Denn diese Herrenhausbeschlüsse bieten ja nicht nur kein direktes Wahlrecht und keine Neueinteilung der Wahlkreise, sondern oben- drein das Gegenteil der Minimierung dadurch, daß die Maximierung so gut wie völlig beseitigt und die Klasseneinteilung derartig gestaltet werden soll, daß der Gcldsack wiederum in seine vollen ausschlaggebenden Rechte eingesetzt wird. Die Beschlüsse des Herrenhauses enthalten auch nicht die blasseste Spur des Liberalismus, und trotzdem gibt es eine Anzahl von nationalliberalen Abgeordneten, die bereits die größte Neigung zeigen, für die Herrenhausbeschlüsse zu stimmen. Der Abgeordnete Schiffer hat ja bereits erklärt, daß man ihm mit den Beschlüssen des Magdeburger Parteitages, auf dem als M i n d e st forde- rung die direkte Wahl und die Neueinteilung der Wahlkreise festgelegt waren, nicht kommen soll, und die rheinisch-westfälischen Abgeordneten Haarmann, Hirsch und Konsorten haben sich auch bereits für die Herrenhausbeschlüsse aus- gesprochen! Und jetzt kommt in der„National-Zeitung" auch der ehemalige Abgeordnete Professor M e t g e r, der sich ganz auf den gleichen reaktionären Standpunkt stellt und meint, man könne für das Gesetz auch dann stimmen, wenn es keine direkte Wahl biete und keine Neueinteilung der Wahlkreise, wenn man nur die Aussicht habe, den schwarz-blauen Block zu sprengen. Hinter den Schiffer, Haarmann, Hirsch, Metger und Konsorten Itdstt täte Sfiii bereits mehrfach betont habest die Gruppe der rhei, nisch-wcstfälischen Scharfmacher. Diese Vcrireicr der Schwer- Industrie gehören eigentlich vollständig zu den F r e i k o n s e r- vativcn. Ihre politischen Tendenzen unterscheiden sich in keiner Weise von denen der Frcikonservativen und des Freiherrn von Zedlitz. Es fragt sich nur. ob der Einfluß der Kirdorf und Kon- forten auf die nationaliibcrale Partei mächtiger ist als der jener anderen industriellen Kreise, die sich im Hansabund und auch im Bunde der Industriellen zusammengefunden haben. Sticht nur der Hansabund, sondern auch der Bund der Industriellen Jjat sich ja gegen die Beschlüsse des Herrenhauses gewandt. Er hat als unbedingte Poraussetzung einer Zustimmung die direkte Wahl und die Neuein tcilung der Wahlkreise gefordert. Allerdings hat sich sofort wiederum die nicderrheinisch-westfälischc Bczirksgruppe des Hansabundcs unter Führung des Herrn Kir- d o r f und des nationallibcralen Abgeordneten Hirsch, des Syn- infus der Essener Handelskammer, gegen diese Erklärungen ge- wandt und die vom Hcrrenhause beschlossene Vergrößerung der Steuerdrittclungsbezirke bereits als eine Möglichkeit für das Zu- standekommen der Vorlage bezeichnet. Ob die Nationalliberalen wirklich dem Drängen dieser rcak- �tionären Scharfmacher nachgeben werden? Sie könnten der nationalliberalen Partei keinen schioereren S ch l a g v e r s e tz e n u n d d e m Z en tr u m k e i n e n g r ö ß e r c n Gefallen erweisen! Denn die Zentrumspresse jubelt ja geradezu über die Zerrissenheit im nationaliberalen Lager. Wären die Nationallibcralen nur einigermaßen gut beraten, so würden sie alle Verantwortung dem Zentrum und dem schwarzblaucn Wlock überlassen. Treibt das Zentrum seine Volksverrätereien so weit, die Herrenhausbcschlüffe auch nur zum Teil zu schlucken, so hätte es damit geradezu Selbstmord verübt. Bliebe aber das Zentrum fest und fiele damit die ganze diesjährige Wahl- reform ins Wasser, so wäre damit einer künftigen Wahl- reform im Lande vortrefflich vorgearbeitet. Und zwar einer Wahlreform, von der die L i b e ra l en die größten Vorteile für sich erwarten könntenl Aber überlassen wir die Entscheidung den Nationalliberalen selbst. Je mehr sich die bürgerlichen Parteien ohne Unterschied ihrer politischen Konfession als die eine AntiWahlrechts- masse entpuppen, um so besser für den proletarisch- deiiiokratischenWahlrechtskampfl Sie LnglÄvcker i» Segvpten. Aus London wird uns geschrieben: Eines der erfreulichsten 'Zeichen unserer Zeit ist das durch die russische Revolution und den rnssisch-japanischm Krieg bewirkte Erwachen, der orientalischen Völker aus dem geistigen Schlafe des Fatalis- niuS. In Persicn, Indien und selbst in China gärt und techt es, und in Aegypten scheint die freiheitliche Bewegung schon so weit fortgeschritten zu sein, daß sich nicht allein die Gebildeten, sondern auch die untere» Volksklasscn lebhaft daran beteiligen. Tie Ermordung Boutros Paschas und das Todes- urteil über seinen Mörder W a r d a n i hat die Aufmerksam- keit Europas von Neuem auf die nationalistifölsc Bewegung Aegyptens gelenkt. Kürzlich ist nun der Jahresbericht des englischen Agenten in Aegypten, des Sir E l d o n G o r st, erschienen. Dieser Bericht wird nicht der- fehlen, die Aufmerksamkeit dauernd auf die englische Gewaltherrschaft in Aegypten zu lenken. Das Schriftstück ist in einer solch gehässigen Weise abgefaßt, daß es einen großen Entrüstungssturm in Aegypten entfacht hat und daß sich die Führer der ägyptischen freiheitlichen Bewegung ent- schloffen haben, einen Appell an die Völker Europas zu rich- ten. Ein echter Bureaukrat ist dieser Sir E l d o n Gorst, der für die Bestrebungen des ägyptischen Volkes nicht das geringste Verständnis hat, der, durch die Kritik erbittert, das ganze ägyptische Volk beschimpft, die ägyptische Presse verun- glimpft. die Vertreter des ägyptischen Volkes im Legislativen Rat Schwätzer nennt und sich darüber aufhält, daß sich diese Vertreter von der Volksstimmung beeinflussen lassen. Nicht einen einzigen Freund hat das englische Regiment in Aegyp- ten: von dem durch die Einführung des modernen Kapita- lismus geschaffenen Proletariat bis zu den höchsten Schichten der ägyptischen Gesellschaft herrscht die Unzufriedenheit mit der Wirtschaft des Verwalters der europäischen Kapitalisten- cliquen. die Aegypten ausbeuten. Wie in Indien, so versuchen die englischen Bureaukraten auch in Aegypten die Krankheit zu heilen, indem sie die Symptome unterdrücken. Die Presse wird geknebelt. Als am 2. Februar des Jahres 1909 der Khedive die General Asscmbly eröffnete, petitionierte die Versammlung gleich, wie es der Legislative Rat im vorhergehenden De- zcmber getan, um eine Konstitution. Die Antwort darauf war, daß man das Preßgesetz. das von der Zeit der Okkupa- tioir 1881 bis zum Jahre 1894 bestand, wieder in Kraft fetzte und die Presse verfolgte. Zwei ägyptische Zeitungen erhielten eine Verwarnung,, eine wurde unterdrückt. Scheik S h a w i s h, der Redakteur der„L e w a", erhielt wegen eines gegen den Premierminister gerichteten Artikels drei Monate Gefängnis. Der Redakteur des unterdrückten Blattes wurde auf 12 Monate eingesperrt. Sir E l d o n G o r st schmiedet über dieses Ereignis folgenden charakteristischen Satz in feinem Bericht:„Während des Jahres 1909 wurde das Preß- gesetz, das im ersten Teil des Jahres wieder in Kraft gesetzt worden war, mit großer, vielleicht zu großer Mäßigung an- gewendet." Augenscheinlich scheint der englische Agent diese „Mäßigung" dafür verantwortlich zu machen, daß die bösen Aegyptcr iiber die paar administrativen Reförmchcn, zu denen sich die fremden Herrscher unter dem Eindruck der Ereignisse irn der Türkei und Persien entschlossen, die Nase rümpften: denn einige Absätze weiter droht er ganz in dem Tone eines verzweifelten preußischen Majors, daß er mit aller Schärfe vorgehen werde, wenn sich die Aegypter nicht besserten. Der Bericht ist übrigens nicht besser als der vom vorigen Jahre; «r deutet auf eine vernagelte und verbohrte Bureaukratenseele. Nach dem Bericht Sir Eldon Gorsts könnte es scheinen, als stehe Aegypten vor einer gewaltsamen Revolution, die alles Alte über den Haufen werfen und zu anarchischen Zu- ständen Anlaß geben würde. In der Tat dürfen wir uns nicht wundern, wenn die„Times" in nächster Zeit nicht allein von indischen, sondern auch von ägyptischen„Anarchisten" schreiben wird. Doch sehen wir uns nur einmal die Forde- rungen der Aegypter an, und wir werden erkennen, daß jelbst ein halbwegs vernünftiger Konservativer die Hauptpunkte der ägyptischen Reformatoren unterschreiben kann.. � Das Programm der„Konstitutionellen Resormliga" enthält folgende Hauptpunkte:„Die Aufrechterhaltuna der Autorität des Khedives; Vertretungskörperschaften mit voller politischer und administrativer Macht, insofern Aegypter und ägyptische Interessen allein in Betracht kommen: das allgemeine und freie BsUHwziehllngKwesea: der Wedrauch der arabischen Sprache in allen ägyptisches Regierungsschulen: Besetzung der Posten in der ägyptischen Regierung mit Eingeborenen nach Fähig- teil und Verdienst, um dadurch so viel wie möglich die Zahl der Ausländer in Regierungsdiensten zu vermindern: Aus- dchnung der Gerichtsbarkeit der gemischten Gerichtshöfe auf Kriminalfälle, in denen Ausländer verwickelt sind." Alles, was die englische Bureaukratie diesen Forderungen entgegen- halten kann, ist das fadenscheinige Argument, daß die Aegypter für die Selbstregierung noch nicht reif seien. Als wenn ein Volk anders als durch die Ausübung der Selbst- regicrung sich selbst regieren lernen könnte! Tie europäischen Kapitalisten, denen Aegypten eine Gold- grübe ist, tun sich nicht wenig daraus zugute, daß der Reichtum des Landes seit der Okkupation gewaltig zugenommen hat. Sie vergessen aber zu sagen, daß das ägyptische Volk von dieser wirtschaftlichen Entwickelung keinen Nutzen gehabt hat. Alle Reisenden, die das Land und seine Bevölkerung kennen und kein Interesse daran haben, das Werk Lord Cromers zu verherrlichen, stimmen darin überein, daß der Kapitalis- mus in Aegypten die Arbeiter mit ganz unnötiger Brutalität ausbeutet. Die Lage der arbeitenden Klasse ist eher schlim- mer als besser geworden: die Preise der Lebensmittel haben eine bisher unbekannte Höhe erreicht und die Arbeitslöhne sind nur ganz wenig gestiegen. Eine Besserung der Lage der arbeitenden Klasse Aegyptens bei den herrschenden unfreien politischen Zuständen scheint ganz ausgeschlossen. Die bürger- liche Presse Europas berichtet wenig oder nichts über die Anteilnahme des ägyptischen Volkes an der konstitutionellen Bewegung: aber ans ägyptischen Blättern ist zu entnehmen, daß das Proletariat der Städte die Bewegung des Bürger- tums— vielleicht jetzt erst nur instinktiv— energisch unterstützt. politische(lebersicbt. Berlin, den 17. Mai 1910. Ein Hcrrcnhäuslcr gegen das»Königswort". Unsere Junker im Abgeordnetenhaus und Herrenhaus haben bekanntlich den famosen Geschmack besessen, zu er- klären, daß sie das preußische Wahlrecht für absolut uicht reformbedürftig hielten und daß sie nur deshalb in eine Abänderung des Wahlrechts willigten, weil der K ö n i g durch eine Thronrede das V e r s p r e ch e n einer Wahlrcform gegeben habe. Die Junker des Dreiklassenparlaments so- wohl wie des erblich belasteten Munnenkabinetts erklärten also, daß sie ihre politische Ueberzeugung voll- ständig der Ansicht des Königs zu opfern bereit seien. Mit dieser Erklärung kamen die Braven freilich erst heraus, als sie sahen, daß die„Reform" nur die Parodie einer wirklichen Wahlreform bedeutete und den I u n- kerinteressen eher förderlich als schädlich sei. Vorher galt ihnen das Königswort nichts! Damals galt ihnen das Verspredhen der Thronrede nur als die Zu- sage Bülows, die man natürlich nicht zu respektieren brauche! Es macht sich nun sehr hübsch, daß es auch jetzt noch Hcrrenhauspolitiker gibt, die trotz der junkerlichen Bücklinge vor dem Throne und dem Versprechen der Thronrede aus das gegebene Königswort pfeifen, weil es ihnen nicht ge- fällt! So veröffentlicht die„Kreuz-Ztg." in ihrer letzten Nummer den Artikel eines Mitgliedes des Herren- Hauses, in dem es heißt: „Und alle diese Gefahren sollen wir laufen, nur, weil es dem Fürsten B ü l o w gefallen hat, im Interesse eines doch von vornherein politisch und parlamentarisch unhaltbaren Blocks dem Liberalismus diesen Wechsel auszustellen und sich dafür noch ein Allerhöchstes Akzept zu verschaffen. Nun, der Block ist dahingegangen, Fürst Bülow mit ihm, und wir sollten den Manen des Dahin- geschiedenen noch dies Opfer bringen?— Dazu fehlt es doch an jedem sachlichen Bedürfnis." Das..Königswort" ist hier auf einmal wieder zu der Unterschrift unter einem faulen Wechsel geworden, der von den..Königstreuen" deshalb noch lange nicht akzeptiert zu werden braucht!_ Der deutsche Lehrertag. Die deutsche Lehrerversammlung, die am Montagabend eröffnet wurde, ist Dienstag früh zu ihrer ersten Hauptversammlung zu- sammengetrcten. Es waren gegen 4onit dafür gestimmt, daß die Kriegervereinsagitation bei Reichstags- wählen nicht als amtliche Wahlbeeinflussung anzusehen sei. Nachdem die Kriegervereine jetzt auch gegen den Bauernbund mobil gemacht werden, wäre Herr Wachhorsl de Wente vielleicht bereit, seine Ansicht über die Kricgervereinsagitation einer Revision zu unterziehen. Kultusetat. München, 12. Mai.(Eig. Ber.) In der Kammer der Ab- geordneten begann heute die Beratung des KultuSetats und zwar bei den Hochschulen. Zum ersten Male seit einer Reihe von Wochen konnte Genosse V. Wollmar in längerer Rede auch im Plenum des Hauses aktiv an den parlamentarischen Arbeiten sich beteiligen. Er besprach zunächst die Affaire S a l V i S b e r g, die in Bayern seinerzeit deshalb Auf- sehen erregte, weil der Kultusminister entgegen dem Beschlüsse der Universität, das Vorlesungsverzeichnis in der Universitätszeituug des Herrn Salvisberg veröffentlichte, zweifellos umdiesenHerrn finanziell zu unterstützen.— Weiterhin kritisierte er die ganz unzulängliche Art des Disziplinarverfahrens gegen Angehörige des Lehrkörpers der Universität, auf welche die Oeffentlichkcit durch den Prozeß eines Münchener Pribatdozcnten gegen die„Müuchener Post" aufmerksam wurde. Danach kann der Syndikus der Universität Zeugen ver- nehmen oder nicht vernehmen, wie's ihm paßt und auf diese Weise das Urteil des Senats nach der einen oder anderen Seite lenken.— Genosse v. Bollmar verlangt dann weiter, daß den Studenten ihre staatsbürgerlichen Rechte in keiner Weise verkümmert werden dürfen. Bestimmungen, welche dem neuen Vereinsgesetz widersprechen, müssen beseitigt werden.— Sodann tritt Genosse v. Vollmar»och für das unbeschränkte Recht der freien Meinungsäußerung der Universitätsprofessoren als Staatsbürger ein. Veranlaßt war er dazu durch die Hetze, welche vor Monaten von der Zentrumspresse gegen den Professor Brentano getrieben wurde, weil er eine Kundgebung gegen den Justizmord an Ferrer unter» schrieben hatte. Nach Genossen v. Vollmar sprach der freisinnige Professor Günther unter anderem auch über den Kirchcnzwong, bei dem dem Staate die unwürdige Rolle eines Exekutors der Kirche zugewiesen sei. Er verlangt hier Aushebung dieses Zwanges. Anderer Ansicht ist Dr. P i ch l e r, der Zentrums- führer, und mit ihm der Kultusminister, der ausführte, daß es nicht genüge, daß die Schüler religiösen Wissensstoff in sich aufnehmen. Sie müßten auch die religiösen Uebungen mitmachen, denn diese seien unbedingt notwendig zur Erreichung des Erziehungszieles: der Heranbildung von religiös-sittlichen Menschen. Italien. Lnzzatti für de» Kleingrundbefitz. Rom, 14. Mai.(Eig. Ber.) Der Stich ins Kleinbürgerliche. den wir gleich an dem Ministerprogramm Luzzattis konstatiert hatten, zeigt sich jetzt in einem soeben eingebrachten Gesetz, das künstlich kleine Bauerngüter ins Leben rufen will. Land- parzellen sollen vergeben werden, die im Sinne der englischen „Homestead" unveräußerlich, unpfändbar und nicht mit Hypothek zu belasten sein sollen. Es ist der alte, seit dcn Gracchen recht oft wieder» holte und recht oft mißglückte Versuch. In Italien sind eS die Steuerlasten, die den Klcingrundbesitz noch lebensunfähiger - machen, als er ohnehin ist. Wenn die Regierung etwas tun will, so mag sie die Steuerlast verringern. Die unveräußer- tichcn Parzellen werden sonst entweder trotz des Verbots verkauft werden oder der Besitzer wird sie verlassen, wenn ihn der Mangel , an Kapital und Kredit allzu sehr drückt. An diesen wirtschaftlichen Tatsachen wird Luzzatti auch nichts ändem können. Spanien. Republikanische Kundgebungen. Balenria, 17. Mai. Bei der Rückkehr des Abgeordneten S o r i a n o aus Madrid kam es gestern zu lebhaften Kund« gedungen der Menge. Die Polizei wurde mit Steinen beworfen und gab deshalb Feuer, wodurch mehrere Personen verwundet wurden. Andere wurden im Gedränge verletzt. Ein Polizeioffizier wurde durch einen Dolchstich getötet. t Zahlreiche Personen wurden verhaftet. Valencia, 17. Mai. Die Ruhe in den Straßen der Stadt ist wiederhergestellt. Bis in die späten Nachtstunden hinein wurden die Straßen von Wachtwanuschasten durchzogen. Engwncl. Wahlreform in Großbritannien. Man schreibt uns aus London: Das unsinnige englische Wahlrecht mit all seinen Schnörkeln Und anachronistischen Zutaten, das es zum Beispiel einer Partei ' ermöglicht, die Zügel der Regierung zu ergreifen, obwohl sie nur hie Minderheit der Wähler hinter sich hat, wie es im Jahre 1886 vorkam, wird schon seit Jahren von Mitgliedern aller Parteien verurteilt. Der Premierminister Asquith versprach gleich bei seinem Antritt, eine Reform des ganzen Wahlsystems vorzunehmen, und ernannte im Dezember des Jahres 1908 eine Kommission, die die Frage untersuchen sollte. Diese Kommission hat eben Bericht ab- gestattet. Sie war beauftragt worden, die verschiedenen bestehenden oder vorgeschlagenen Systeme zu prüfen, die den Zweck verfolgen, den vom Volk gewählten Vertretungskörperschaften einen vollständig re- präsentativen Charakter zu verleihen und zu untersuchen, ob und inwieweit sie auf englische Verhältnisse bei der vorhandenen Wähler- schaft in Anwendung gebracht werden können. Die Kommission hat ehre Befugnisse etwas enge ausgelegt. Sie ist den Fragen, die die Parteien scharf trennen, ängstlich aus dem Wege gegangen und berichtet daher nichts über die Abhaltung aller Wahlen an einem Tage. Neueinteilung der Wahlkreise und die Besoldung der Parka- mentsmitglieder und Zahlung der Wahlkosten aus öffentlichen Mitteln. Die Vorschläge, die sie macht, beschränken sich auf folgende zwei Punkte: Baldigstes Abschaffen der doppelten Wahlkreise, d. h. der Wahlkreise, in denen jeder Wähler für zwei zu wählende Kandi- baten stimmen kann, und die Einführung der„alternativen Ab- stimmung" in allen Wahlkreisen, wo sich mehr als zwei Kandidaten gegenüberstehen. Die alternative Abstimmung, die die Mitglieder der Kommission dem Stichwahlsystem vorziehen, wird in dem Be- richt wie folgt beschrieben:„Der Wähler wird ersucht, die Kandi- baten nach der Reihenfolge seiner Wahl anzuordnen, indem er die Zahlen 1. 2. 3 hinter ihren Namen setzt. Bei der ersten Zählung der Stimmen werden nur die ersten Stimmen gezählt. Wenn es isich dann ergibt, daß kein Kandidat die absolute Mehrheit erhalten ihat, wird der Kandidat, der die geringste Anzahl der ersten Stimmen erhalten hat, als ausgeschieden betrachtet und seine Stimmzettel werden nach den mit 2 bezeichneten Namen verteilt. Die Stimm- zettel. auf denen keinem zweiten Kandidaten der Vorzug gegeben worden ist, werden als„erschöpft" betrachtet und ihre Zahl wird von der Gesamtsumme abgezogen, um die absolute Majorität bei ver zipeit�n ZaMpg zu ermitteln. Wenn dsiw noch fein Kandidat eine solche Mehrheit erzielt hat(was natürlich nur vorkommen kann, wenn ursprünglich mehr als drei Kandidaten vorhanden waren), so wird das Verfahren so oft wiederholt, als notwendig ist, um das gewünschte Resultat zu erhalten." Tic Kommission tritt jedoch nicht dafür ein, daß dieses Verfahren für die Wahlen zum Unterhaus zur Anwendung gelangen soll. Dieses System der Proportioualwahl wird schon seit vielen Jahren von der„Proportional Representation Society", der viele einflußreiche Politiker angehören, durch Wort und Schrift ver- breitet. In Queensland und Westaustralien besteht es schon und soll sich gut bewähren. Ob die Vorschläge der Kommission aber Aussicht auf baldige Annahme haben, dürfte bei der Anzahl der Kommissionsberichte, die augenblicklich auf parlamentarische Be- arbeitung harren, verneint werden. Dringend ist die Reform des Wahlverfahrens in England auf jeden Fall. Das Wahlrecht ist im letzten Jahrhundert durch die drei Reformbills der Jahre 1832, 1867 und 1884 gewaltig erweitert worden. Die erste Reformbill brachte das industrielle Bürgertum auf den politischen Kampfplatz, die zweite gab den großen Massen der städtischen Arbeiter das Wahl- recht und die dritte sollte die Landarbeiter politisch befreien. Trotz dieser Demokratisierung des Wahlrechts ist das Wahlverfahren aber noch mit einem solchen Wust altertümlicher Bestimmungen, die die feudalen und plutokratischen Elemente begünstigen, belastet, daß der Demokratie Großbritanniens die Segnungen dieser Reformen nur in beschränktem Matze zugute kommen. Die Verhältnisse liegen nun so, daß eine zeitgemäße Reform der konservativen wie der liberalen Partei mehr schaden als nützen würde. Rur eine energische Agitation wird vermögen, die liberale Partei zu veranlassen, ihr seit langem gegebenes Versprechen, das Wahlrecht und das Wahl- verfahren in demokratischem Sinne umzugestalten, einzulösen.» Ciirfcci. Der reaktionäre Senat. Konstautinopcl, 16. Mai. Der Senat hat die von der Kammer beschlossene Abänderung der Verfassung, wonach zwei Drittel, der Senatoren gewählt werden sollen, verworfen und sich grundsätzlich dafür ausgesprochen, daß die Ernennung aller Senatoren durch den Sultan zu erfolgen habe. Die Kretafrage. Koustantinopel, 16. Mai. In informierten Kreisen herrscht die Ansicht vor. daß die Pforte bei der bisherigen entschiedenen Haltung in der Kretafrage beharren werde. Die türkische Presse aller Richtungen fährt fort, die endgültige Lösung der Frage zu ver- langen und führt aus, angesichts der letzten Vorgänge fange der ständige Hinweis auf den ekttus quo an, lächerlich zu werden. Die Türkei verlange Klarheit. Die Schutzmächte hätten jetzt Gelegenheit, die oft beteuerte Freundschaft gegenüber der Türkei durch du Tat zu beweisen._ Der Aufstand in Atöauieu. Saloniki, 17. Mai. Zwischen den von ihrer Geistlichkeit be- einfluhten Arnanten und Torgutschefket Pascha ist mit Zu» stimmung des Kriegsministers vereinbart worden, daß die Bevölkerung nicht durch Truppen entwaffnet werden soll. Die albani- schen Notabcln haben die Verpflichtung übernommen, die Waffen durch die Ortsvorsteher abnehmen und an Torgutschefket Pascha ausliefern zu lassen. Die Regierung hat versprochen, die Waffen dem Volke wieder auszufolgen, sobald ein dringender Anlaß dazu vorläge. Dreiunddreißig Rebellensührer sind bisher fest- genommen und in Vcrissovitz vor das Kriegsgericht gestellt worden. Saloniki, 17. Mai Bei P r e p o l a c wurde eine türkische Pa- trouille von Serben beschossen Ein türkischer Korporal wurde getötet und ein Soldat verwundet. Die Patrouille, die unter- Führung eines Leutnants stand, begab sich nach der serbischen Grenze, um gegen den Vorfall zu protestieren.' China. Neue Unruhen. Peking, 17. Mai. Unter den Einwohnem der Provinzen Klangs u, Tschekiang undHunan sind erneutUnruhen ausgebrochen, die sich gegen die Behörden richten und auf Mangel an Nahrungsmitteln zurückzuführen sind. Die Bewegungen stehen untereinander offenbar in keinem Zusammen» hange und sind nicht sehr heftig, sie haben jedoch die Zentral- rcgierung in große Unruhe versetzt. Amerika. Ein guter Anfang. Aus New Jork wird uns geschrieben: Erst kurze Zeit ist ver» flössen, seitdem der neugewählte Mayor(Oberbürgermeister) von Milwaukee, Genosse Emil Seidel, gestützt auf eine sozialistische Mehrheit im Stadtrat, die Leitung der städtischen Verwaltung übernahm, und schon ist eine Reihe von Reformen, die auch die Anerkennung selbst der verbissensten Gegner finden, entweder in Angriff genommen oder bereits durchgeführt. Im Staate wie in der Gemeinde benutzten Demokraten wie Republikaner ihren Einfluß, um ihre eifrigen Parteigänger ohne Rücksicht auf deren Fähigkeiten durch Uebertragung von Beamten- stellen zu belohnen. Man sucht nicht den Mann für das offene Amt. sondern man schafft neue Posten für die stellenhungrigen Politikaster. In Milwaukee war es bisher nicht besser als ander- wärts, aber seit dem Tage dcS Amtsantritt» des Genossen Seidel hat sich schon manches geändert. Ein Universitätsprofessor namens Sommer, der als..Gasinspektor" von der Stadt ein.Jahresgehalt von 1500 Dollar dafür bezog, daß er sein Privat laboratorium für chemische Untersuchungen leitete, verlor seine Sinekure. Dem aus einem Kommissär und drei Ingenieuren bestehenden. Vorstand des städtischen Baubureaus wurde bereits die Entlassung angekün» digt. Ein einziger tüchtiger Fachmann genügt zur Bewältigung der Arbeit. Beamte, deren Befähigungsnachweis nur in Partei- politischen Beziehungen bestand, sind entlassen und durch tüchtige Leute ersetzt worden. Nur diejenigen Posten, deren Inhaber auf die Richtung der städtischen Politik Einfluß haben, sind den Sozia- listen vorbehalten; die übrigen wurden und werden ohne Rücksicht auf Parteizugehörigkeit besetzt. In den städtischen Bureaus wurde, wenn eS hoch kam, 33 Stun. den in der Woche gearbeitet. Seidel erhöhte die Zahl der wöchent- lichen Dienftstunden auf 48 und räumte mit dem freien Sonnabend. nachmittag auf.„Denn," so erklärte er,„viele Bürger sind für die Erledigung ihrer Geschäfte auf dem Rathaus auf den Sonn- abendnachmittag angewiesen, weil sie zu anderer Zeit nicht von ihrer Arbeit loskommen können." „Die Arbeiter sind der wertvollste Bestandteil der Bevölkerung unserer Stadt," heißt es in der ersten amtlichen Kundgebung des Genossen Seidel an den Stadtrat. Und auf die Wabrung der Interessen der Arbeiter ist auch in erster Linie das Bemühen der in die Vorwaltung Milwaukees eingetre» tcnen Genossen gerichtet. Der Stadtanwalt erteilt unentgeltlich Auskunft und Rat in Rechtsangelegenheiten. Eine städtische Wcrk- stätte für JnstallationSarbeiten wird dem Wucher des Pluinber» Trusts(Ring der selbständigen Installateure) ein Ende machen und die vom sanitären.Stan.dLuntt aus ja notwendigen Arbeit� zum SelbstkostenstreiS auSführeik. Tie Ernchlung eines städtisches Elektrizitätswerks ist in Aussicht genommen. Aus städtischen Mitteln wird die Bekämpfung der Schwindsucht unterstützt. Bereit« stellung öffentlicher Gelder für den Vau und die Einrichtung zeit« gemäßer Krankenhäuser ist angekündigt. Bei Vergebung städtischer Arbeiten werden künftig nur solche Unternehmer berücksichtigt, die sich vertraglich zur Durchführung einer angemessenen Maximal» arbeitszeit verpflichten, die weder Frauen noch Kinder beschäftigen und die Arbeiten unter guten sanitären Verhältnissen ausführen lassen. Und da der bisherige Sanitätskommissar sich fast nicht um die Durchführung der zum Schutze der Arbeiter erlassenen gesund« heitspolizeilichen Vorschriften kümmerte, wurde er durch eine geeignete Kraft ersetzt. Auch indirekt zeitigte der Wechsel in der Stadtverwaltung schon seine guten Früchte. Die Straßenbahngesellschaft, auf welche die Stadt recht wohl einen Druck auszuüben vermag, zeigt ganz plötzlich ihrem Personal gegenüber betreffs der gestellten Lohn- fordcrungen, die sie bisher stets rundweg abgelehnt, ein freund- liches Entgegenkommen. Und nun noch etwas echt„Amerikani. sches". Genosse Seidel gehört als erster sozialistischer Oberbürger- meister einer amerikanischen Großstadt zu den Persönlichkeiten, die ein besonderes Interesse erregen. Ein unternehmender Impresario bot ihm 250 Dollar für den Abend, wenn er sich zu einer Vortrags- tour bereitfinde. Dasselbe Honorar erhielten der unterlegene demokratische Präsidentschaftskandidat William I. Bryan und der republikanische Bundessenator La F o l l e t t e. Genosse Seidel hat natürlich abgelehnt, er hält sich für verpflichtet, seine Zeit der Stadt Milwaukee zu widmen. Und dank der Unfähigkeit der bis- herigen Leiter der Stadtverwaltung gibt es für ihn und die anderen Genossen eis reiches Arbeitsfeld. Unruhen in Südamerika. Lima, 17. Mai. Man befürchtet hier den Ausbruch des Krieges zwischen Peru und Ecuador. Wie man annimmt, rechnet Ecuador aus die Unterstützung von Chile und Columbien und wird die Feindseligleiten eröffnen. Argentinien. Sozialistenhatz. Buenos Aires, 15. Mai. Da die Anarchisten be- schloffen haben, bei Gelegenheit der Hundertjahrfeier einen revolutionären General st reik in Szene zu setzen, hat die Regierung unter Zustimmung von Kammer und Senat unverzüglich über die ganze Republik den Be- lagerüngszustand auf unbestimmte Dauer verhängt._ Patrioten. BnenoS Aires, 15. Mai. Eine Anzahl Studenten drang in die Geschäftsräume eines hiesigen anarchistischen und eines eben- falls hier erscheinenden sozialdemokratischen Blattes, zerstörte die Maschinen und richtete auch sonstige Beschädigungen an. Nach ihrem Zerstörungsiverk setzten die Studenten ihre Kund- gebungen fort. Bor dem Hause der sozialistischen Syndikats und an anderen Punkten kam es zu Krawallen, bei denen mehrere Personen verletzt wurden. Die Demonstranten durchziehen die Straßen unter Absingen der argentinischen Hhmne. Em der Partei. Zur Frage der Budgctbewilligung. Die sozialdemokratis che Fraktion des sä chsi- schen Landtags hat bei der Gesamtabstimmung bekanntlich das Budget abgelehnt. Dabei gab Genosse Fräßdors im Namen der Fraktion eine Erklärung ab, in der es heißt: „Die Fraktion hat bei der Abstimmung über die einzelnen Kapitel des Etats ihren Willen zum Ausdruck gebracht. Sie hat allen Ausgaben für Kulturzwecke zugestimmt. Die Zu- stimmung zum Finanzgesetz aber bedeutet nicht nur eine formelle, sondern eine prinzipielle Anerkennung der Politik des bürgerlichen KlassenstaateS. Die sozialdemolratische Fraktion stimmt aus diesem Grunde und süßend auf dem Programm der sozialdemokratischen Partei Deutschlands gegen das vor- liegende Finanzgesetz." Der freisinnige Abgeordnete Günther erklärte daraufhin, daß durch die Ablehnung dcS Finanzgcsetzes auch alle zustimmen- den Beschlüsse zu den einzelnen Etatskapiteln wieder auf- gehoben seien, worauf Genosse Fräßdorf ihm entgegnete, daß dies keineswegs der Fall fei. Unser B och um er Parteiorgan ergreift nun seltsamerweise die Partei des freisinnigen Abgeord- neten Günther. Es behauptet, der freisinnige Kritiker habe durch- aus recht gehabt, denn die einzelnen Etatskapitelt würden erst Gesetz durch das Finanzgesetz. Werde dieses abgelehnt, dann seien auch damit die einzelnen Ausgaben abgelehnt. Dieser Sachverhalt werde nur dadurch verschleiert, daß unsere Genossen in der Minderheit seien und ihre Abstimmung keine un- mittelbare Folgen habe. Wären sie in der Mehrheit, so käme die Wirkung der Ablehnung des Gesamtetats jedermann unmittelbar zu Bewußtsein. Der Form nach hat unser Bochumer Parteiorgan recht. Nach Ablehnung des Finanzgesetzes durch eine parlamentarische Mehr- heit hätten selbstverständlich auch keine einzelnen Etatskapitel die Zustimmung der Mehrheit erhalten. Darüber natürlich sind sich auch die Genossen im sächsischen Landtage nicht im Unklaren. Was sie gegenüber dem freisinnigen Schulmeister Herrn Günther konstatieren wollten, war einzig, daß sie einzelnen Etatskapiteln ihre Zustimmung gegeben hätten, soweit sie das als Sozialdemo- kraten zu tun vermochten. Daß solche Zustimmung zu einzelnen Etatskapiteln ihre besondere Bedeutung hat und auch durch die Ab- lehnung des Gesamtctats keineswegs unter allen Umständen annulliert wiyd, ergibt sich schon aus der Möglichkeit, daß durch das Stimmen der Sozialdemokraten einzelne Positionen angenommen werden können, die sonst abgelehnt worden wären, und die trotz der Gcsamtablehnung des Etats durch die Sozialdemokratie auch angenommen bleiben. Daß die Sozialdemokratie allerdings den Gesamtetat zu Fall gebracht haben würde, wenn sie in der M a j o- r i t ä t gewesen wäre, ist unbe st reitbar richtig. Aber die Sozialdemokratie lehnt doch auch den Gesamtetat gerade deshalb ab, weil der Gesamtetat so aussieht, daß sie ihn bei ihren prin- zipiellen Anschauungen unmöglich zu bewilligen vermag! Ihre Ab- lchnung soll und will ein Protest gegen das herrschende System sein. In dem Augenblick, wo sie die aus schlag. gebende Partei wäre, würde sie nur dann für das Finanz- gcsetz stimmen, wenn es ihren Forderungen gemäß ge« st a l t e t worden wäre. Wäre das nicht der Fall, so würde sie den Etat auch dann noch ablehnen müssen I Auch das war ja nicht einmal für die bürgerliche Oppo- sition etwas Ungeheuerliches. Gilt doch die Ablehnung deö Etats auch bei bürgerlichen Parteien als parlamentarisches Kampfmittel. Es bedurfte also wirklich nicht der Belehrung des„Bochumcr VolkS- blattes", uni„Unklarheiten aus dem politischen Wirken der Partei zu beseitigen". Eher wäre zu befürchten, daß durch solche Be- lehrungen die politischen Unklarheiten bedauerlicherweise gefördert .tf r* GcwerfefcbaftUcbe� Scharf macbcr-frechbdt. Die Mmichener Behörde für Armenpflege hat in der Er- Wartung, daß die Aussperrung im Baugewerbe auch den einen oder anderen Bauarbeiter unterstützungsbedürftig nmchen könnte, den einzelnen Bezirkskomnnssionen ein Schreiben zu- gesandt, in welchem für diesen Fall Anweisungen gegeben werden. Es heißt in dem Zirkular: „Ob bei einem Arbeitsfähigen ein besonderer Notstand oder ein Fall dringender Not vorliegt, hat die Armenpflege mit Rücksicht auf das Ergebnis der Ermittelungen nach freier Ueberzeugung zu entscheiden. In die Prüfung der Frage, ob die Aussperrung � oder der Streik berechtigt ist, darf sie sich nicht mischen. Die Aussperrung eines Bauarbeiters kann fiir diesen einen Not st and im Sinne des Armen- gesetzes begründen. Dabei ist aber zu berücksichtigen, ob der Ausgesperrte Gelegenheit hat, eine andere, seinen körperlichen und geistigen Fähigkeiten entsprechende Arbeit zu finden, oder ob und inwieweit er von einer Kasse, z. B. einer Gewerkschastskasse, unterstützt wird." Wir meinen, unparteiischer als in dieser Anweisung kann die Behörde nicht gut sein. Die„Arbeitgeber Zeitung" aber fordert in fetter Schrift:„Mehr Unparteilichkeit." Was das Blatt unter„Unparteilichkeit" versteht, sagt es in folgenden Worten:' „Die eingangs zitierte Bekanntmachung der Münchener städtischen Behörde für Armenpflege ist durchaus geeignet, die um ihre wirtschaftliche Existenz nicht minder wie der Arbeiter ringenden Baugcwerbetreibenden in belangreichster Weise zu schädigen. Denn sie stellt einen Akt der Imparität dar, wie er krasser gar nicht gedacht werden kann. Wer für Koalitions- frciheit, für Tarifvertragswesen usw. mit solchem heiligen Eifer eintritt, wie das erfahrungsgemäß gerade in Bayern behördlicherseits zu geschehen pflegt, der sollte sich sorg- fältig davor hüten, auch nur im geringsten Maße aus der Reserve herauszutreten, die eine solche Stellungnahme auf sozial- politischem Gebiet ihm aus Gründen der Logik und der Gcrechtig- keit unter allen Umständen auferlegt. Wenn die arbeitslos ge- wordenen Gewerkschaftsmitglieder nebst ihren Angehörigen unter der gegenwärtigen Aussperrung zu leiden haben, so mögen sie das zum Anlaß nehmen, um init ihren Führern einmal gründlich ins Gericht zu gehen, die den angebotenen Frieden ablehnten, weil sie daraus eine Abschwächung der für ihre politischen Lebens- zwecke unumgänglich notwendigen Streikbewegung befürchteten. Nimmt nian noch hinzu, daß die Gewerkschaftskassen obendrein über Millionen verfügen, zu deren Ansanunlung die jetzt Not- leidenden selbst beigetragen und auf deren Rückerstattung sie doch ganz geioiß einen begründeten Anspruch habe», so kann von einer „Notlage" im Sinne der vorbenannten Ausführungen doch über- Haupt gar keine Rede sein. Der Versuch, für die Armenpflege irgendeine Verpflichtung zur Unterstützung der beteiligten Arbeiter- kreise herauszukünsteln, läuft also auf eine wenn nicht geradezu illoyale, so doch zum mindesten höchst kurzsichtige und un- besonnene Unterstützung des Widerstandes einer Partei hinaus, die der anderen Partei mit völlig gleichen Waffen und Rechten gegenübersteht." Das Scharfmacherblatt verlangt also nicht mehr und nicht weniger, als daß die Armenpflegebehörden ihre gesetzliche Pflicht unterlassen, für die Hungernden zu sorgen. Das wäre — falls der Fall an die Armenbehörden herantreten sollte— um so unverantwortlicher, als die Unternehmer alles getan haben, was in ihren Kräften steht, um zu verhindern, daß die Ausgesperrten an anderen Orten oder in anderen Berufen Lohn uitd Brot finden können. Daß sie ihre Absicht nicht völlig erreicht haben, steht ja auf einem anderen Blatt. Eine Lüge ist es, daß die Führer der Ausgesperrten den angebotenen Frieden abgelehnt hätten. Man hatte ihnen nicht den Frieden angeboten, sondern den Krieg. Die Arbeiterführer hätten ein Verbrechen an der Masse ihrer Kollegen begangen, wenn sie sich dem Diktat der Unternehmer fügten. Praktisch hat ja diese Scharfmacherei der Armenbehörden keine große Bedeutung. Die Arbeiter werden sich nur in ganz wenigen Ausnahmefällen um Armen- Unterstützung bemühen. Wenn sie es aber tun. muß ihnen natürlich diese auch werden. Die„Arbeitgeber-Ztg." sollte sich um so weniger gegen eine solche Unterstützung ver- wahren, als sie unter Umständen auch der anderen Seite zu- gute komnien. So mancher kleine Unternehmer dürfte durch den Zwang zur Untätigkeit, der durch die Materialsperre und ähnliche Pressionen auf ihn ausgeübt wird, an den Rand des Ruins gebracht werden. Wenn auch die versprochenen Millionen der Scharfmacher ausbleiben, so dürste es ihm nicht un- angenehm sein, eventuell aus öffentlichen Mitteln vor dem Schlimmsten bewahrt zu werden. Wir hoffen, daß die Armen- behörden sich auch der von ihren Kollegen im Stich gelassenen Unternehmer pflichtgemäß annehmen. Das wäre wirkliche Unparteilichkeit I � � Der Kampf in Trier ist nicht, wie gemeldet wurde, beendet, sondern es handelt sich um einen hinterlistigen Treubruch der katholischen Fachabteilungen, die hinter dem Rücken der anderen Organisationen mit den Bauunternehmern einen neuen Vertrag abgeschlossen haben, der die Arbeitsbedingungen auf der ganzen Linie verschlechtert und wonach eine Lohnerhöhung in diesem Jahre nicht stattfindet. Sämtliche anderen Organisationen der freien und der christlichen Gewerkschaften nahmen in einer zahlreich besuchten Versammlung eine Resolution an, worin aufs schärfste protestiert wird gegen das arbeiterverräterische Treiben der katholischen Fachabteilungsführer. In S ü d b a y e r n, besonders im Würmseegebiet versuchen die Arbeitgeber die Bauarbeiter zum Unterschreiben von Reversen zu veranlassen, durch die sie die Arbeiter verpflichten, aus der Organi- sation auszutreten, die Ausgesperrten nichr zu unterstützen und in keiner Form Beiträge an die Organisation zu leisten. LerUn und Omgegend. Nochmals die Jesuitenmoral des christliche« Metallarbeiterverbandes. In der Nr. 20 de? Organs des christlichen Metallarbeiter-Ver- bandes antwortet Herr M i n t e r auf unsere Veröffentlichung seines Briefes, den er gelegentlich des Streiks in der Kleinmotorenfabrik der A. E. G.-Berlin geschrieben hatte. Herr Minier nennt den Brief belanglos. Das ist wohl die Höhe! Ein Brief, der in deutlicher Weise den Verrat empfiehlt, ist nach Herrn Minter belanglos. Weiter schreibt Herr Minter:„Den Namen des abgeblich Uebergetrctenen hat man trotz wiederholter Aufforderung nicht angeben können." Dieser Satz ist es, der zu einer Antwort Veranlassung gibt. Dieser Satz läßt nämlich den Schluß zu, daß Herr Minter schon häufig solche und ähnliche Briefe geschrieben hat, denn sonst brauchte «r doch nicht zu fragen, wer der Empfänger des Briefes ist. Wir dürfen deshalb wohl annehmen, daß die im Brief be- zeichnete Taktik zur ständigen Kampfesweise des Herrn Bezirksleiters der Christlichen gehört. Dadurch erhält der Brief noch erhöhte Be- deutung und vervollständigt unsere Beurteilung des christlichen Metallarbeiter-Verbandes._._ Deutkches Retef). Der Verband der Friseurgehilfen Deutschlands hält in den Tagen vom 16. bis 19. Mai im„Geloerkschaftshaus" zu Nürnberg seinen Verbandstag ab. Auf der Tagesordnung stehen u. a. Reichsversicherungsordnung, gesetzliche Regelung der Arbeits- zeit im Friseurgewcrbe, gesetzliche Vertretung der Handwerks- gehilfen, Lehrlingswesen, Tarifverträge. Außerdem hat sich der Verbandstag mit einer Reorganisation zu beschäftigen, die jedoch weniger auf verwaltungstechnischem Gebiete liegt. Das Statut, an dem seit Bestehen des Verbandes abgeändert und korrigiert worden war, so daß von seiner ursprünglichen Fassung kaum noch etwas übrig ist, muß vollständig umgestaltet werden. Dabei ist auch eine Erweiterung des Organisationskreiscs vorgesehen. Außer den Barbier-, Friseur- und Perückenmachergchilfen soll fortab auch jede als Gehilfin beschäftigte Friseuse sowie die mit der Anferti- gung von Haararbeiten beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen in den Verband aufgenommen werden können. Von besonderer Be- deutung wird, wie der vorgelegte schriftliche Bericht bemerkt, diese Erweiterung in der Praxis der nächsten Jahre nicht sein, da es bei der fraglichen Kategorie noch sehr an Ausklärung mangelt, wozu sich auch noch ein sehr großer Standesdünkel gesellt, der auf abseh- bare Zeit jede Selbstbesinnung verhindert. Von größerem prak- tischen Wert wird die Stellungnahme des Verbandes zur Frage der Mitgliedschaft der Selbständigen sein. Es handelt sich darum, ob die Mitglieder mit dem Moment, in dem sie, dem Zwange der Be- rufsverhältnisse folgend, sich selbständig gemacht haben, zu den wirtschaftlichen Gegnern gehären sollen und dann als solche zu be- handeln sind, oder ob sie nach wie vor als vollberechtigte Mitglieder zu betrachten sind. Es wird auf den amerikanischen Gehilfenver- band hingewiesen, der auf seinem letzten Verbandstag beschlossen hat, daß Selbständige, die keine Gehilfen beschäftigen, Mitglieder sein können. Der Rechenschaftsbericht, der sonst immer eine zweijährige Zeitdauer umfaßte, erstreckt sich diesmal auf LVH Jahre, auf die Zeit vom 1. Juli 1997 bis Ende 1999, und sieht sich leider in die Notwendigkeit versetzt, einen gewissen Mitgliederrückgang zu kon- statieren. Während im 3. Quartal 1997 der Verband mit 29 267 Beitragsleistungen seinen bisher höchsten Staird erreichte, ging dieser dann ständig zurück, bis er im dritten Quartal 1999 auf 15 754 her- abgesunken war. Erst mit dem 4. Quartal 1999 setzte wieder ein Aufschwung mit 19 962 Beitragsleistungen ein, und es ist zu hoffen, daß mit dem Jahre 1919 eine neue Etappe des Vorwärtsschreitens eingesetzt hat. Die Ursache des Rückganges sucht der Bericht darin, daß„die EntWickelung unserer Organisation hauptsächlich an die beruflichen Verhältnisse gebunden ist. Durch die rückständige Be- triebsweise unseres Gewerbes wird zu einem guten Teil die Denk- weise der Berufsgenojsen bestimmt, insbesondere das Verhalten der Gehilfen ihren besonderen Interessen gegenüber und deren Ver- tretung durch die Organisation. Der Friseurgehilfe kann noch nicht Gehilfe bleiben, sich als Gehilfe verheiraten und eine dau- ernde Existenz begründen. Er wird„zu alt", zu teuer, und mutz „selbständig" werden, wenn er seinen erlernten Beruf nicht auf. geben will oder kann. Seine Gehilfenzeit betrachtet er als ein Uebergangsstadium zur Meisterschaft. Das in dem Kost- und Logiszwang zum Ausdruck kommende„patriarchalische" Arbeits- Verhältnis, das ständige Zusammensein und Zusammenarbeiten mit dem Meister, das Trinkgeld- und Prozentwesen, die völlige Jsolie- rung von allem gesellschaftlichem Verkehr bewirken in Verbindung mit der Aussicht auf die spätere Selbständigkeit eine totale Gleich- gültigkeit. Für die Organisation ergeben sich hieraus solch große Hindernisse, wie sie für die Organisation der in die kapitalistische Produktions- und Betriebsweise einbezogenen Arbeitermassen längst nicht mehr bestehen". Weiter wird darauf hingewiesen, daß das Friseurgewerbe sich seit langem in einem Stadium des Niederganges und bereits in einer geradezu jämmerlichen Verfassung befindet. Das geht schon aus einer Gegenüberstellung der Berufszählungsergebnisse von 1895 und 1997 hervor. In diesen 12 Jahren hat sich die Zahl der Selbständigen von 64 643 auf 199 451, also um 55 Proz. vermehrt, während die allgemeine Bevölkerungszunahme nur 19,22 Proz. betrug. 1895 kam noch auf eine Kopfzahl von 891 ein selbständiger Berufsgenosse, 1997 schon auf eine Kopfzahl von 614. Obwohl das Gewerbe längst überfüllt ist, werden ihm immer wieder neue Kräfte zugeführt i es herrscht eine geradezu wahnwitzige Lehrlingszüchterei, die den Zusammenbruch des Gewerbes in seiner heutigen Betriebs- weise in rasendem Tempo beschleunigen muß. Dazu trägt auch die zünftlerische Handwerksretterei ihr gutes Teil mit bei. Bei einiger Anpassungsfähigkeit an die EntWickelung der Dinge, bei einer ver- nünftigen Berufspolitik ließe sich der unvermeidlich sich vollziehende Prozeß in seinen Folgen für die Berufsgenossen weniger nachteilig gestalten, aber daran fehlt es; dagegen ist eine große Anpassungs- fähigkeit der Meister an die schlechte Rentabilität des Betriebes zu beobachten. Das geht schon daraus hervor, daß mehr als ein Drittel der Selbständigen noch einen Nebenberuf ausüben, während nahezu 7999 Selbständige den Friseurberuf überhaupt nur neben- beruflich ausüben. Die Zersplitterung in eine Unzahl von Klein- betrieben erhellt daraus, daß 44 999 im Hauptberuf tätige Selb- ständige 47 268 Gehilfen und Lehrlinge beschäftigen. Ueber das Verhältnis zwischen Lehrlingen und Gehilfen kann man sich nur ein ungefähres Bild machen, wenn man die vom Bunde der Innungen alljährlich veröffentlichten Zahlenangaben zusammenstellt. Es geht daraus hervor, daß die Zahl der auf 199 Selbständige ent- fallenden Gehilfen sich ständig mindert, während die Zahl der auf 199 Gehilfen entfallenden Lehrlinge fortgesetzt steigt. Von 1399 bis 1994 kamen auf 199 Selbständige noch durchschnittlich 64 Gehilfen, von 1994 bis 1999 jedoch nur noch 57. In den ersten fünf Jahren kamen auf je 199 Gehilfen 76, in den letzten fünf Jahren aber 81 Lehrlinge. In Wirklichkeit ist jedoch bai Verhältnis noch viel ungünstiger. Die wirtschaftliche Krise hat auch im Friseurberuf ihre Wir- kungen geltend gemacht. Für die Gehilfenschaft scheint ein zwingender Anlaß zu Lohnbewegungen nur dann zu bestehen, wenn durch eine Preiserhöhung ein Trtnkgclderausfall droht. In der Zeit der wirtschaftlichen Depression gab es keine Preiserhöhungen, folglich auch nahezu keine Lohnbewegungen. Während 1997 noch an 29 Verbandsorten Lohnbewegungen stattfanden, waren es 1993 nur noch 5, im letzten Jahre 7. Die Zahl der Mitgliedschaften betrug am Schlüsse der Berichts- Periode 59, 12 mehr als bei deren Beginn. Neugegründet wurden 34, wiederbegründet 3 Zahlstellen, von den Neugründungen find 16 wieder eingegangen. In bezug auf die Stabilität der Mitglied- schaften hat der Verband einen schweren Stand. Die Zahlstellen werden begründet, lösen sich wieder auf, werden neubegründet usw. Immer wieder muß von vorn angefangen Werden, weil die Organisation keinen festen Stützpunkt an den einzelnen Orten hat. Die Gehilfen kommen und gehen, und mit ihnen kommt selten, aber geht sehr häufig der Verband. Seit 1994 wird eine sogenannte Stammrolle für diejenigen Mitglieder geführt, die mindestens 52 Beiträge geleistet haben. Haben sie einmal diese 52 Beiträge geleistet und sind sie unterstützungsberechtigt, so sind sie für den Verband so ziemlich gewonnen, wenigstens für die drei oder vier Jahre, die sie dann noch als Gehilfen tätig sind. Länger währt auch bei den Stammitgliedern die durchschnittliche Mitgliedsdauer nicht. Sie werden dann selbständig und sind für den Verband ver- loren. Die Verbandsleitung führt fortlaufende statistische Erhebungen über die Arbeitslosigkeit. Das Ergebnis zeigt, daß durchschnittlich 13,2 Proz. der Mitglieder arbeitslos sind. Der Friseurberuf gehört zu denjenigen Berufen, die die höchsten Arbeitslosenziffern aufzu- weisen haben._ Ein Erfolg des Friseurgehilfenverbandes. Am Vorabend seines zehnten Verbandstages wurde dem Verband die offizielle Mitteilung, daß die beim Reichstage unterm 15. De- zember 1999 aus 51 Orten eingereichte gleichlautende Resolution, betreffend die gesetzliche Regelung der Arbeitszeit, auf Antrag der Kommisfion in der Plenarsitzung de« Reichstage» dem Reichskanzler al» Material überwiese« wurde. Die Resolution wendet sich gegen den Beschluß oeS Innung?» bundes. die gesetzgebenden Körperschaften zu veranlassen, daß erst nach länger als fünf Stunden dauernder Sonntagsbeschäftigung Ersatzruhezeit freigegeben werden brauche, die jetzt schon nach drei Stunden Beschäftigung gewährt werden muß. Es wird vielmehr die Notwendigkeit betont, die Arbeitszeit der im Gewerbe be» fchästigten Gehilfen und Lehrlinge gesetzlich zu regeln, und zwar wird verlangt, daß 1. der Beginn der Arbeitszeit nicht bor 7 Uhr morgens und ihre Beendigung nicht nach 8 Uhr abends, Sonnabends nicht nach 19 Uhr abends erfolgt, sowie daß eine mindestens einstündige Mittagspause festgelegt werde; 2. die Beschäftigung an Sonn- und Feiertagen im allgemeinen nach 12 Uhr mittags, gänzlich aber an allen auf Wochentage fallenden gesetzlichen Feiertagen, mit Ausnahme des ersten Weih» »achtSfeiertages, verboten werde. Die Kommission beschäftigte sich mit der Sache am 26. April; der Korreferent hatte beantragt, die Petition dem Herrn Reichs» kanzler zur Berücksichtigung, der Referent, sie ihm als Material zu überweisen. In den Erörterungen fand die Ansicht die stärkste Ver» tretimg, daß die verlangte Festlegung der Arbeitszeit im Friseur« gewerbe einerseits weitgehenden und mannigfaltigen Bedürfnissen des Publikums entschieden widerspreche, andererseits schließlich das Gelverbe und die in ihm Beschäftigten selbst nur wirtschaftlich schädigen würde. Diese Auffassung ist durch die Praxis widerlegt, da die Unternehmer selbst aus Grund§ 41b vielfach einen frühereu Geschäftsschluß an Sonntagen wie den gänzlichen Geschäftsschluß an Festtagen bereits eingeführt haben und trotz des Mangels einer gesetzlichen Handhabe auch an verschiedenen Orten den Achtuhrschluß. Der Achtuhrladenschluß würde sofort in einer großen Reihe von Städten eingeführt werden, sobald die Möglichkeit gegeben wäre, cS auf gesetzlicher Grundlage zu tun. Die Zahl der Barbier» und Friseurgeschäfte hat sich binnen 12 Jahren beinahe verdoppelt, so daß den Bedürfnissen deS Publikums auch bei der kürzeren Arbeitszeit vollauf genügt werden kann._ Die Malergehilfeu in AscherSleben stehen seit vier Wochen im Streik. Die Unternehmer sind dem Arbeitgeberverband nicht angeschlossen und weigern sich, den im Malergewerbe bestehenden Reichstarif anzuerkennen. Nachdem der erhoffte Zuzug ausgeblieben ist, hoffen sie jetzt um Pfingsten herum, wo die Arbeit meist all» gemein etwas nachläßt, mehr Glück zu haben. Deshalb annoncieren sie in allen möglichen bürgerlichen Zeitungen nach Malergehilfen. Mögen dies die in Betracht kommenden Gehilfen beachten und Zuzug streng fernhalten, zumal die Arbeitsverhältnisse die denkbar schlechtesten sind. Die Bürstenmacher in Augsburg haben am Sonnabend die Arbeit niedergelegt, nachdem die Meister sich geweigert haben, mit der Gehilfenorganisation über den von diesen eingereichten Tarif zu verhandeln. Zuzug von Bürstenmachern nach Augsburg und den Vororten ist bis auf weiteres streng fernzuhalten. KusUmd. Im Maurergewerbe zu Winterthur ist immer noch kein SnÄe abzusehen. In den letzten Wochen hat sich die Regierung deS Kantons Zürich wieder einmal bemüht, eine Einigung anzu» bahnen. Es kamen aber nicht einmal Unterhandlungen zustande; die Baumeister fühlen sich stark genug, den Kampf weiterzuführen. Die Aussperrung in Deutschland hat ihnen ja einige„Arbeits» willige" zugeführt, meistens solche Leute, die anderwärts durch tüchtige, organisierte Arbeitskräfte ersetzt worden sind. Trotzdem verfügen sie noch bei weitem nicht über die nötige Zahl vonl Arbeitern. Die Streikenden haben noch alle Aussicht auf einen Sieg. In naher Zeit ist freilich nicht mehr darauf zu rechnen. Es ist sogar möglich, daß der Kampf erst in der nächsten Bausaison entschieden wird. Die kampfes- und opferfreudige Schar, die den Maurerstreik führt, besitzt Ausdauer genug, um den Starrsinn und Protzenübermut der Baumeister zu brechen. In letzter Zeit fanden häufige Zusammenstöße mit„Arbeitswilligen" statt. Die Erbitterung der Winterthurer Arbeiterschaft ist sehr groß. Am 9. d. MtS. wurde eine Baracke der Arbeitswilligen erstürmt und die„Arbeitswilligen" wurden mitten in der Ikacht in die Flucht geschlagen. Zuzug von Bauarbeitern ist nach wie vor fernzu» halten. Hoch die Solidarität!. t, Streik der Ehauffeure in Wie«. Unter den Chauffeuren der Wiener Autolohnfuhrvetriebe war eine Lohnbewegung im Gange. Die Chauffeure stellten erhöhte Lohnforderungen und wollten im Falle der Nichterfüllung am Psingst- sonntag in den Ausstand treten. Der Streik der Taxameterchauffeurs ist jedoch bereits beendet; den Chauffeuren wurde der größte Teil der Forderungen bewilligt._ Kein Generalstreik in Rom. Rom, 14. Mai 1919.(Eig. 58er.) In einer Generalversammlung von Vertretern sämtlicher Gewerkschaften und Genossenschasteii Roms wurde am 14. d. mit 35 gegen 8 Stimmen der Vorschlag abgelehnt, aus Sympathie mit den seit 26 Tagen streikenden Maurern den Generalstreik zu proklamieren. Man beschloß da- gegen, die Ausständigen durch Geldsammlungen wirksam zu unter- stützen. Letzte JVacbrlchten und Depefcben. Eine freche Provokation. London, 17. Mai. Wie eine Depesche meldet. ist die Abstimmung der Baumwollfabriken- besitzer in Lancafhire über eine bprozentige Lohn- reduktion heute beendet worden und hat die notwendige Mehrheit von 80 Proz. der Stimmen für die Herab» setzung ergeben. Für die Arbeiterschaft von Lancafhire dürfte es keinen anderen Ausweg geben, als diese freche Provokation der Unter, nehmer mit einem allgemeinen Ausstand zu beantworten. Zum Kanalbau Donau— Aegäisches Meer. Belgrad, 17 Mai.(B. H.) Eine internationale Finanz. gruppe wurde hier wegen einer Konzession vorstellig zum Bau eines Kanals, der die Donau, Morawa, Wardar mit dem AegLischen Meer verbinden soll Verhaftete Banknotenfälscher. Sofia, 17. Mai.(B. H.) Hier und in ganz Bulgarien wurden zahlreiche Verhaftungen von Banknotenfälschern vorgenommen. Bisher konnten bereits bulgarische, rumänische und serbische Bank«. noten im Werte von 2 699 999 Frank beschlagnahmt werden. Grofffeuer in Beirut. Beirut(Syrien). 17. Mai.(W. T. B.) Eine Feuersbrunst hat mehrere Stadtviertel eingeäschert; auch einige Bewohner haben dabei ihr Leben eingebüßt. Häul Singer LeCo.«B!rlinS.V. Hierzu 3 Beilage» u.Unterhaltungsbl, öerantjx. iü&alt.i Richard Barttz, SSMia- Lnlergtellteik vergotw.- Ib. Slaitt, Berlin. Druck u. Verlag; Vorwärts Luchdr.ll.LLilsgsanSiill Kr.(13. 37. ZahlMg. 1. Mge des.Amiirls" Kcrlim KolliSlilÄ. Mitwochs l8. W»i lM. Jugendbewegung. Einladung zur Internationalen Jugcndkonferenz in Kopenhagen. DaS Internationale Bureau der sozialistischen Jugendorgani- sationen hat beschlossen, im Anschluh an den Internationalen So- zialistenloiigresj, der vom 28. August bis 3. September 1910 in Kopenhagen stattfinden wird, die Zweite Konferenz der Internationalen«er» bindung der sozialistischen Jugendorganisationen abzuhalten, und ladet hierzu alle Jugendorganisationen und Zentral- stellen der Jugendbewegungen ein, die mit Parteien in Verbindung stehen, welche das Recht der Teilnahme an dem Internationalen Sozialistenkongretz besitzen. Die vorläufige Tagesordnung lautet: 1. Bericht des Internationalen Sekretariats und der Länder. 2. Die Bildungsarbeit der Jugendbewegungen. 3. Der Jugendschutz. 4. Der Militarismus. 6. Die Stellung der Jugendbewegung zu Partei und Gewer!- fchaft. e. Die Internationale Organisation und Neuwahlen. 7. Eventuelles. Länder, die höchstens 1000 Mitglieder zählen, habe» auf der Konferenz eine Stimme? solche bis 6000 Mitglieder haben zwei und solche mit mehr als 6000 Mitgliedern drei Stimmen. In Streit- fragen bezüglich der Zulassung von Delegierten entscheidet endgültig die Konferenz selbst, deren Bureau die ordnungsmäßig ausgefüllten Mandate zu übergeben sind. Die Organisationen werden ersucht, die Delegierten bis spätestens 16. Juni dem Sekretär Genossen Robert Danneberg, Wien, I. Woll- zeile 19, bekanntzugeben. Die Resolutionen werden Ende Juli veröffentlicht werden. Vorschläge zur Abänderung der Tagesordnung sind bis 16. Juni anzumelden. Wir erwarten, dah aus allen Ländern, in denen ein« sozialistische Jugendbewegung existiert, Delegierte erscheinen werden. Mit sozialistischem Gruß DaS Internationale Bureau der sozialistischen Jugendorganisationen. Soziales. vafallrente muh gezahlt werden. DaS Reichsgericht bestätigt ein Urteil des Oberlandesgerichts Darmstadt, das sich für Zubilligung einer Unfallrente auch in dem Falle erklärt, wo der Verunglückte den früheren Lohn fort- bezieht und diese Weiterzahlung aus Loyalität geschieht. Es handelt sich prozeßgeschichtlich um Ansprüche eine? Ar- beiters M. in Mainz-Mombach gegen die Stadt Mainz. Der M. hat am 21. Juli 1906 im Betriebe der der Stadt gehörigen «lektrischen Straßenbahn zu Mombach einen Unfall erlitten. Der von ihm erhobene Schadenersatzanspruch ist zur Hälfte dem Grunde nach für gerechtfertigt erklärt'worden. Dieses Urteil wurde rechts- kräftig. In dem Verfahren über den Betrag hat das Oberlandes- gericht Darmftadt die Beklagte verurteilt, dem Kläger täglich 1 M. bis zur Vollendung des 30. Lebensjahre? zu zahlen, und von da bis zur Vollendung des 60. Lebensjahres täglich 1,20 M., dann bi? zum 70. Lebensjahre wieder 1 M. täglich. Das Urteil des Oberlandesgerichts hat die beklagte Stadt- gemeinde im Wege der Revision besonders mit dem Hinweise an- gefochten, daß der Berufungsrichter die Tatsach« nicht berück- sichtigt habe, daß der Kläger nach Wiederaufnahme der«rbeit denselben Loh» weiter beziehe. DaS Reichsgericht erkannte auf Zurückweisung der Revision, indem eS erklärt: Der BerufungSrichter hat die Tatsache, daß der Kläger jetzt denselben Lohn wie vor dem Unfall bezieht, nicht übersehen, sondern ausdrücklich in den Gründen seiner Eni- scheidung erwähnt. Auf Grund deS Zeugnisses des Werkmeisters T., der bekundet hat, daß der Kläger nur noch als Kolonnenarbeiter und zu ganz leichten Arbeiten brauchbar sei, daß er von einem anderen Werke gar nicht mehr als Arbeiter eingestellt werden würde, nud daß der Wert seiner jetzigen Arbeitsleistung nur etwa täglich 2,80 M. betrage, während der Ueberbetrag des ihm ge- währten Lohnes ein Gnadengeschenk sei, und auf Grund des Gut- achtens deS Sachverständigen Dr. C., der den Kläger als zu 60 Proz. durch den Unfall in der ErwerbLfägikeit beeinträchtigt erachtet, ist es aber zu der Ueberzeugung gekommen, daß dem Kläger ein kleines feuilleton. Der Tag des Kometen. In der Nacht vom 18. zum 19. Mai zwischen 3 Uhr 22 und 4 Uhr 22 früh wird unser Erdball seine lang erwartete Fahrt durch den Schweif des Kometen Halleh vollführen. Seit der Halley am 19. April sein Pcrihel(größte Sonnennähe) passiert hat, ist er in großem Bogen westlich von der Sonne herum« gegangen und dabei der Erde entgegengelaufen, die sich rechtläufig. in umgelehrter Richtung wie der Komet um die Sonne bewegt. Während der letzten vier Wochen befand sich der Komet, von der Erde aus gesehen, noch westlich, rechts von der Sonne? er ging vor dem TageSgestirn auf und war am Morgen- Himmel für kurze Zeit im DämmerungSbogen sichtbar. Bekanntlich war seine Beobachtung während der letzten Wochen infolge der meist trüben Witterung ziemlich erschwert; immerhin gelang eS, den Weltenbummler vor das Objektiv zu bekommen. Seit dem Beginn dieser Woche nähert sich der Komet dem Sonnenball an- scheinend wieder sehr schnell? doch diese scheinbar« Annäherung an das Zentralgestirn hängt mit der Drehung der Erde zusammen. Komet und Erde laufen eben in der Nacht vom iWittwoch zum Donnerstag aneinander vorüber, was zur Folge hat, daß Sonne, Komet und Erde beinahe eine gerade Linie btlden. Die Entfernung vom Kopf des Halley bis zu uns reduziert sich während dieser größten Annäherung bis auf 23,02 Millionen Kilometer, und so groß muß also der Kometenschweif sein, wenn die Erde rhn w der Frühe des 19. Mai passieren soll. Nun wurde von der Remeissternwarte in Bamberg festgestellt, daß der Schweif eine Länge von 43 Millionen, nach neueren Messungen sogar von 63 Millionen Kilometer hat. Trifft diese Be rechnung zu, so werden wir den Schweif nicht weit von seiner Mitte kreuzen und sein äußerer Teil würde noch 20 Mllionen Kilometer über die Erde hinaus in den Wellenraum ragen. Nun ist eS auch noch nicht unumstößlich sicher, ob die für den Durchgang berechnete Zeit genau zutrifft. Bei dieser Berechnung ist man von der Voraus setzung ausgegangen, daß der Schweif gradlinig von der Sonne ab' gewandt ist. Es wäre aber auch möglich, daß der Schweif nach rechts oder links, nach oben oder unten, wohlgcmerlt, vom Erdstandpunkte aus, ge- bogen ist. Trifft das zu, so würden sich die Zeiten des Durch- ganges der Erde durch den Schweif verschieben, oder die Erde würde am Schweif nur vorübergehen. Andere Beobachtungen von Astro- nomen haben ergeben, daß der schweif in der Breite rund eine Million Kilometer mißt. d. h. daß er an der Durchgangsstelle der Erde einen Durchmesser von der genannten Größe hat. Die Nichtigkeit dieser Messung vorausgesetzt, würde die Erde beinahe die doppelte Zeit innerhalb der Schweifmaterie verweilen, als wie man nach der, unserer Zeitangabe zu Grunde gelegten, an- scheinend genauesten und sichersten Berechnung annimmt. Un- verrückbar feste Zahlen und Zeitbestimmungen lassen sich also für das kosmische Phänomen noch nicht angeben. Was werden wir Erdenbewohner nun von dem Phänomen mit «seren Augen wahrnehmen? Die Antwort aus diese Frage lautet' Schaden in Höhe ungefähr der Hälfte seines ohne den Unfall an- zunehmenden Arbeitsverdienstes in der Tat erwachsen sei dem nach Maßgabe des rechtskräftigen Zwischenurteils über den Grund des Schadens, daß ihm die Hälfte des entstandenen Schadens zu- gesprochen habe, die Zuerkennung einer Rente in Höhe von einem Viertel des vollen Arbeitsverdienstes entspreche. Das Berufungs- gericht geht also davon aus, daß trotz der augenblicklichen günstigen Stellung des Klägers auf die Dauer die zukünftige Gestaltung seines Erwerbes dennoch um die angenommene Quote herab- genrindert ist, und daß er das gegenwärtige Mehr nicht als Ent- gelt seiner Arbeit, sondern als Uebergeschenk aus Wohlwollen der Fabrikarbeiter beziehe. So verstößt die Entscheidung des Be- rufungsgerichts weder gegen den materiellen N«'chtsgrundsatz, daß der Schadenersatzanspruch sich notwendigenveise in den Grenzen des wirklichen Schadens halten müsse(„Juristische Wochenschrift" 1908, Seite 461 Nr. 17), noch gegen prozessuale Rechtsnormen, von denen aber überhaupt nicht Z 286, sondern§ 287 der Zivilprozeßordnung in Frage kommt, der den Richter freier stellt und die Schätzung der Höhe eines Schadens seinem Ermessen über- läßt.(Akt.-Z. VI. 183/09.)_ Eine Verlängerung de? Universitätsstudiums für Juristen bis zu SM Jahren und Einführung einer Zwischenprüfung, forderte der 2. Preußische Richtertag, der während der Pfingsttage in Kerlin tagte. Huö Induftnc und FtendeL Steigerung der Grundrente. Seit Inkrafttreten der neuen Handelsverträge sind die Preise für landwirtschaftliche Betriebe stark gestiegen. Der„Schutz der Landwirtschaft" verwandelt sich in eine Erhöhung der Grundrente. Nach Angaben der„Voss. Ztg." machen wir über die Preissteigerung bei den in der jüngsten Zeit vollzogenen Verkäufen verschiedener ostdeutscher Güter folgende Ausstellung: -H...- Erwerbs- Erwerbs- verkaufs- ®ut 111:613 zeit preis M. preis M. Rittergut Skalnik Rastenburg 1906 120 000 203 000 Sjarwonken Lyck 1908 180 000 220 000 Rittergut Josephowo CarthauS— 140 000 240 000 Kösnitz, 1909 220 000 260 000 Rittergut SzonowSk Schlochau 1909 400 000 660 000 Wonno Löbau 1897 114 800 370 000 WielowieS Mogilno 1894 666 000 980 000 Bei dem Rittergut Josepholvo ist die Erwerbszeit nicht angegeben? angeblich soll der Preis des Gutes im vergangenen Jahre auf 140 000 M. geschätzt worden sein. Jedenfalls handelt eS sich hier durchweg um ganz enorme Gewinne, die von den notleidenden Ver- käufern erzielt worden find. Die neuen Besitzer werden wohl— mit oder ohne doppelte Buchführung— alsbald in der Lage sein, nach- zuweisen, daß sich ihr Anlagekapital aus dem landtvirtschaftlichen Betriebe schlecht verzinse. DaS Argument für neue Liebesgaben ist damit gegeben. Angeblich um die Landwirtschast zu schützen, werden dem arbeitenden Volke immer mehr Lasten auf- erlegt. Sie dienen aber nicht dem Schutze der Landwirt« schaft, sondern der Erhöhung der Grundrente. Und für diese Art Schutzpolitik tritt nicht nur das offizielle Zentrum ein, auch christ- liche Gewerkschaftsführer ziehen da mit den LebenSmittelvcrteuerern an einem Strange. Sogar aus der Religion leiten fie für die Arbeiter die Pflicht her, sich zum„Schutze der Landwirtschaft" aus- plündern zu lassen. Um die.gottgegebene Abhängigkeit" der Arbeiter von der Auswuchercrpolittk nicht abschwächen zu lassen, Verbündete sich die.Volkspartei" Zentrum sogar mit der Agrariersippe, damit dieser bei der Finanzreform keine Lasten auferlegt werden konnten und die politische Herrschast der Junker in Preußen nicht geschmälert werde._ Keine Ermäßigung der ProdnktionSeinschränkung. Wie aus Essen gemeldet wird, beabsichtigt das Rh.-Wests. Kohlensyndikat die bisherige Einschränkung von 16 Proz. für Kohle, 27»/, Proz. für KokS, 17'/, Proz. für Briketts für den Monat Juni beizuhalten. Kurssteigerung für Terrainaktien. Die Grundstücksspekulanten haben ein erschreckliches Lamento über die ruinöse Wirkung der nicht gerade vielversprechend. Wir dürfen nicht glauben, daß wir etwa den Schweif vor dem Durchgang in seiner ganzen Länge und Breite am Himmel sehen werden. Der Schweif»st in dieser Nacht über« Haupt nicht zu sehen? unsere Sehlinie fällt mit der Achse deS Schweifes zusammen. Wir werden aber auch den Komctenkern nicht sehen? denn das grelle Sonnenlicht wird ihn aller Wahr- scheinlichkeit nach völlig unsichtbar machen. Bei uns im Abendlande erfolgt der Durchgang der Erde durch den Schweif, also auch der Vorbeigang deS KometenkernZ vor der Sonnen- scheide schon zu einer Zeit, wo die Sonne noch unterhalb deS Horizontes weilt. Nur auf der südlichen Halbkugel werden die Astronomen Gelegenheit haben, den Vorbeigang deS Kometenkerns vor der Sonne zu verfolgen. Alle europäischen Sternwarten halten sich für die Kometennacht gerüstet, un» atmosphärische, elektro- magnetische und Metcorbeobachtungen anzustellen. Denn eS ist zwar nicht sehr wahrscheinlich, aber doch immerhin möglich, daß der über die Erde hinausragende Teil des Kometenschweifes an dem der Sonne entgegengesetzten Teile des nächtlichen Firmaments in Gestalt eines schwachen Lichtschimmers wahrnehmbar wird, daß die Kathoden- strahlen, die von der Sonne ausgehend, den kosmischen Staub deS Schweifes zum Leuchten bringen, mit unseren feinsten Meßinstru- menten nachgewiesen werden können, daß schließlich Sternschnuppen auftreten, die vielleicht zu lichtschwach find, um sich dem bloßen Auge zu präsentieren, deren teleskopischer Nachweis aber wissenschaftlich »mmerhin sehr wertvoll wäre. «.' Die Berliner königliche Sternwarte beobachtete den Halleyschen Kometen in der Nacht vom Sonntag zu Montag zwischen 3 und 4 Uhr etwa 10 Minuten lang als matten Punkt.— Die nach Teneriffa entsandte Expedition des Potsdamer Observatoriums hat den Kometen öfters beobachtet, er erschien ihr indes nicht als ein besonders glänzendes Phänomen. Da der Durchgang der Erde durch den Kometenschweif so wenig Sichtbares verspricht, werden alle, denen ihr Schlaf lieb und not- wendig ist, gut tun, die Nacht zum Donnerstag>m Bett zuzubringen. Von, 21. bis 26. Mai wird der Koinet bequemer und sicherer am Abend nach Sonnenuntergang sichtbar sein. Die internationale Konnnission für wissenschaftliche Lustschiff- fahrt läßt am 18.. 19. und 20. Mai eine Reihe von Registrier- b a l l o n s aufsteigen, um durch selbstregistrierende Instrumente Luftdruck und Temperatur messen zu lassen, für den Fall, daß durch den Kometenschweif hierauf überhaupt Einfluß geübt wird. Einige Observatorien werden sich auch Luftprobcu aus großer Höhe be- schaffen mittels einer luftleeren Röhre, die sich in beliebiger Höhe automatisch öffnet und dann wieder schließt. Die Wissenschaft ist also gerüstet, die nähere Bekanntschaft deS himmlischen Besuchers auf jede Weise zu bewirken. Theater. Hebbeltheater:„Der neue Paris", Komödie von Alfons Cohn. Dieses Erstlingsdrama eines jungen AutorS regte in den einleitenden Situationen zu starken Erwartungen an. Die AoMhrscheiMKkeiMt die da livtepliejen. vapeg Wchr außex- Wertznwachssteuer angestimmt. Die Spekulantenbrust mutz aber wohl zwei Seelen beherbergen, denn während die Herren lamentieren, lassen sie die Kurse ihrer Papierchen in die Höhe schnellen. Dem- nach stehen doch gute Geschäfte für sie in Aussicht. Die kürzlich zu 240 Proz. eingeführten Aktien der Julius Berger Ticfbau-Akt.-Ges. haben in der vorigen Woche eine Steigerung von 13 Proz. erfahren. Die Aktien der Schöneberg-Friedenauer Terraingesellschaft zogen 11 Proz. an. Aufbesserungen von 3— 4'/g Proz. stehen nicht ver- einzelt da, und etwa ein Dutzend Werte erzielte Avancen von 1 bis 2 Proz. Aus diesen Tatsachen geht hervor, daß die Terrainspekulanten trotz drohender Wertzuwachssteuer auf steigende Gewinne rechnen. Eine Notschrei der reinen Eisenwerke. Eine Reihe von Ver« einigungen der weitcrverarbeitenden Eisenindustrie hat an den deutschen Stahlwerksverband und die ihm angeschlossenen Werke die Eingabe auf Erhöhung der Exportbonifikation gerichtet, mit der Be- gründung, daß es angesichts der stark gesunkenen Exportpreise infolge der Abschwächung der ausländischen Märkte nicht möglich sei, am Auslandsmärkte zu konkurrieren. Das gleiche Ersuchen richteten die Drahtwerke an den Walzdrahtverband, und auch an daS Kohlen» syndikat ist eine entsprechende Eingabe beabsichtigt. Fetten- und Guilleaume-Lahmeyerwrrkr Aktirn-Gesellschaft zu Mülheim a. Rh. Der Rohüberschuß der Gesellschaft ermäßigte sich im Jahre 1909 von 14 618 886 auf 13 893 107 M. Der Reingewinn des Jahres 1909 hat sich von 6127 619 auf 3 624036 M. ermäßigt. Aus dein Ueberschuß sollen 6 Prozent Dividende gegen 3 Prozent im Vorjahre zur Ausschüttung gebracht werden. Konzentration in der Industrie. Die Benrather Maschinenfabrik. A.-G., in Benrath a. Li Hein, die Märkische Maschinenfabrik Stuckenholz, A.-G., in Wetter an der Ruhr und die Duisburger Maschinenban-A.-G., vormals Bechem u. S. Keetmann, in Duisburg, drei Kranfabriken, die bereits durch eine Jntereffengemeinschaft ver- Kunden waren, wollen sich demnächst zu einer Gesellschaft mit 10,6 Millionen Mark Altienkapital z u s am menschließen. Dieser Zusammenschluß bedeutet eine Vergrößerung des Macht« bereicheL der Berliii-Anhaltischen Maschinenbau-A.-G., die mit der Stettiner Schamoitefabrik über die Mehrheit der Aktien der Bcnrather Maschinenfabrik verfügt.— Die Gelsenlirchener B e r g- w e r k s g e s e l l s ch a f t beruft eine Generalversammlung, die über die Jnteressengenteinschaft»nit der Düsseldorfer Röhrenindustrie-A.«G. beschließen soll. Fette Dividenden. Die Rheinisch-Westfälische Landgesellschast A.-G. in Essen a. Ruhr wird pro 1909 16 bezw. 18'/z Proz. Dividende verteilen bei slt Millionen Mark Aktienkapital.— 13'/z Proz. Dividende verteilt die„Agrippina", See-, Fluß- und Landtransport- Versicherungsgesellschaft in Köln(3 Millionen Mark Aktienkapital). Ebenfalls 13'/, Proz. bringt der„Kölner Lloyd", Allgemeine Ver- sicherungs-Alt.-Gcs. in Köln(1'/« Millionen Mark Aktienkapital) zur Verteilung.— Die Akkumulatorcnfabrik Akt.-Ges. in Verlin-Hagen erbringt ihren Aktionären 12'/, Proz., die Chemischen Fabrikeil vorm. Weiler-ierMeer in Uerdingen an, Niederrhein(6 Millionen Mark Aktienkapital) erbringen 12 Proz. Dividende. Der Aussichtsrat der Jlseder Hütte bringt wieder die Verteilung einer Dividende von W'/z Proz. m Vorschlag._ Gerichts-Leitung. Ein recht gefährlicher Jugendverderbcr mußte sich in der Person des Barbiers Emil Mund unter der Anklage des wiederholten Verbrechens gegen die Sittlichkeit vor der fünften Strafkammer des Landgerichts I verantworten. Der An» geklagte war als Gehilfe beschäftigt. Wenn in dem Geschäfte, wo er tätig war, Schulknaben erschienen, um sich das Haar schneiden zu lassen, mit dem Frisiermantel umgetan fast wehrlos auf dem Stuhl saßen, verging sich der Angeklagte an ihnen in der scheuß- lichsten Weise. Dieses gemeingefährliche Treiben konnte der An» geklagte längere Zeit fortsetzen, da die geschändeten Kinder aus Scham nicht wagten, ihren Eltern von dem Vorgefallenen Mit» teilung zu machen. Erst durch einen Zufall kamen diese Schmutze- reien an das Tageslicht.'Der Staatsanwalt beantragte gegen M. ein Jahr Gefängnis und sofortige Verhaftung. Das Urteil lautete auf 6 Monate Gefängnis.— Mit einer ähnlichen Sache hatte sich auch eine andere Strafkammer zu beschäftigen. Wegen 1' licher Art, ließen sich wohl auch als bloße Abkürzungen auffassen, und dahinter öffnete sich der Ausblick auf einen bedeutsamen Kon» flikt. Marschall Archibald, der die englischen Truppen zum Kriege führen soll— die Handlung spielt im London des achtzehnten Jahrhunderts—, sucht am Tage vor der Abfahrt seinen lang» jährigen Freund, der sich plötzlich von ihm und seiner Frau zurück- gezogen hat, auf und zwingt dem Widerstrebenden eine offene Er- klärung ab. Er weiß, daß der enthusiastische Jüngling, in dem die Freundschaft zu Charlotte leidenschaftlich begehrende Liebe wurde, vor der Versuchung flieht. Er dankt dem Freunde für seinen guten Willen und dringt trotzdem in ihn, den letzten Abend mit ihm und Charlotte in alter Weise zu verleben. Archibald liebt sein Weib von Herzen, ganz so, wie sie selbst an ihm hängt. Was ihn zu diesem seltsamen Begehren treibt, scheint eine tiefe, abgeklärte Reinheit des Gefühls, eine großartige Uneigennützigkert. Er spricht davon, daß er vielleicht nicht lebend aus dein Feldzug wiederkehren wird, und wie die Sorge, was dann aus Charlotte werden soll, schwer auf ihm lastet. In dem Gedanken, daß nach ihm der Freund »hr am nächsten stehe, daß nur eine Verbindung mit diesem die Vereinsamte aufrechterhalten könne, scheint er, erhaben über jede eifersüchtige Regung, die Fäden zwischen beiden von neuem knüpfen zu wollen. Denkt man den Mann als einen, dem aus irgendwelchen Gründen sein Tod gewiß ist, so wäre ein solches Verhalten psycholo- gisch doch durchaus verständlich; nur freilich bedürfte eS zur Dar- ftcllung intimer dichterischer Charakterisierungskunst.— Indes, die Züge, die auf ein Seelengemälde deuteten, erwiesen sich im weite» ren Verlaufe als bloße Winkelzüge eines errechneten, von jedem realen Untergründe losgelösten Intrigenspiels. Archibald hat näm- lich die Zusammenkunft, bei der er die beiden allein läßt, nur in der weisen Voraussicht arrangiert, daß ihn sein Freund bei seiner Frau auf einige Momente, er ihn dann aber mit um so größerem Applomb und endgültig ausstechen werde! Eine rabulistische Wendung, bei der die drei Personen an Ungereimtheit ihres Handelns sich wechselweise übertrumpfen. Als Motivierung figu- rieren Spinnweben-Reflexioncn. Von irgendwelcher Art Komödien- komik ist dabei nichts zu spüren, es sei denn, daß der düpierte jung« Mann bei der Gelegenheit nicht nur Charlotte, sondern auch ein leichtes Fräulein, mit dem er sich gefühlvoll übSr seine große Liebe trösten wollte, einbüßt. Die Aufführung bot manches Gute. Vor- züglich war K a i ß l e r, der dem Archibald, unbeküinmert um die unlöslichen Widersprüche der Rolle, einen Schimmer echter Männ» lichteit und überlegener Güte lieh. dt. Notizen. — BjörnsonS Drama„Der König", daS längst inS Deutsche übersetzt, aber wegen seine? politischen Gehalts auf allen deutschen Bühnen außer in Bremen verboten ist, soll Ende August im Bremer Schauspielhause, einem ncugcgründete» Theater, seine erste Aufführung erleben. — Der Schachwettkampf MieseS-Spielmann in Regensburg endigte mit dem vollständigen Siege Spielmanns, der von ö Partien ö gewann. Verbrechens gegen den§ 176,3 des Strafgesetzbuches Kar der Ge- legenheitsarbeiter Julius Müller angeklagt.—, Der Angeklagte, Kelcher sich arbeitslos berumtreibt, Kurde eines Tages auf einem sogenannten Rummelplatz im Norden Berlins beobachtet, wie er mit der elfjährigen Schülerin W. hinter einem Wohnungswagen verschwand, das Kind hier zur Erde warf, ihm den Mund zuhielt und sich eines unsittlichen Attentats schuldig machte. Der Angeklagte Kurde auf frischer Tat abgefaht und, nachdem er windelweich ge- prügelt war, der Polizei übergeben.— Mit Rücksicht darauf, daß die Tat des Angeklagten an einen Notzuchtsvcrsuch grenzte, er- kannte das Gericht auf 1 Jahr und 6 Monate Zuchthaus. Hus der frauenbcwcgung* Der Ausgehtag der Dienstmädchen eine politische Frage. Eine Frau Topfstedt in Braunschweig hatte als Vorsitzende des Verbandes der Hausangestellten eine Versammlung weiblicher Die erste Strafkammer dagegen, als Berufungsinstanz, der- Dienstmädchen ein Recht auf Ausgehtage?" Die Versammlung war, da die Einberuferin sie nicht als eine politische ansah, weder bei der Polizei angemeldet, noch öffentlich in den Zeitungen be- kanntgemacht worden. Trotzdem entsandte die Polizeidirektion zwei Beamte zur Ueberwachung der Versammlung. Als Frau Topfstedt diesen Beamten erklärte, daß ihre Anwesenheit nicht ge- wünscht sei, l ö st e n die Beamten die Versammlung auf, noch ehe sie überhaupt eröffnet war. Frau Topfstedt aber erhielt einen Strafbefehl wegen Veranstaltung einer politischen Ver- sammlung ohne vorherige Anmeldung oder Bekanntmachung. Das Schöffengericht, an dessen Entscheidung Frau Topfstedt appellierte, erkannte auf Freisprechung mit der Begründung, dasi der politische Charakter der Versammlung nicht festgestellt werden könne. Die Erste Strafkammer dagegen, als Berufungsinstanz, ver- urteilte Frau Topfstedt zu 36 M. Geldstrafe. Der politische Charakter der Versammlung wurde hergeleitet aus dem Inhalt des als Einladung verbreiteten Flugblattes, aus dem nach Ansicht der Strafkammer hervorgehe, datz eine gegenseitige Verhetzung von Dienstboten und Herrschaften beabsichtigt war, und dah die Ver- sammlung als Agitationsmittcl für die Sozialdemokratie dienen .sollte. Frau Topfstedt legte Revision ein und erzielte damit den Erfolg, daß das Oberlandesgericht das Urteil der Straf- kammer und die ihm zugrunde liegenden Feststellungen aufhob und die Sache an die Erste Strafkammer zurückverwies. Das Ober- landcSgericht war der Ansicht, die Feststellung der Strafkammer, daß es sich um eine politische Versammlung handele, werde durch die Begründung des Urteils nicht getragen. Die Feststellung, dasi in der Versammlung die eine Bcvölkerungsklasse gegen die andere habe aufgehetzt werden und dah die Versammlung zum Werben für die Sozialdemokratie habe dienen sollen, genüge nicht ohne weiteres, um den politischen Charakter der Versammlung darzutun. Da indes die Möglichkeit gegeben sei, dah dies durch eine andere, bessereBegründung des Urteils geschehen könnte, so habe nicht auf Freisprechung erkannt werden können, vielmehr die Zurückverwcisung der Sache an die Vorinstanz erfolgen müssen. Die hoffnungsschwangercn liberalen Frauen. „Wie nur den Köpfen nicht alle Hoffnung schwindet", könnte man nach„Faust" mit einer kleinen Variation von den bürgerlichen Frauen sagen, bei den vergeblichen krampfhaften Anstrengungen. ihre männlichen Klassengenoffen zu der Einsicht zu bringen, dah die Gleichberechtigung der Frau eine notwendige und unumgäng- liche Forderung der Zeit sei. Alle Vorstellungen, alle Bitten und Klagen der Frauenrechtlerinnen verhallen am Ohr der deub. fchen Mannen und selbst die„liberalen Parteien" setzen dieser Forderung offenen und versteckten Widerstand entgegen. Selbst die fürchterliche Drohung aus dem Munde der Militärschwärmerin „zu Wasser und zu Lande", Lischnewska, eventuell ins Lager der Sozialdemokratie überzugehen, hat es nicht vermocht, die liberalen Männerseelen umzustimmen. Weiter als bis zu platonischen Liebeserklärungen haben diese sich, abgesehen von dem Häuflein aufrechter Demokraten nicht bereitfinden lassen. Auch ist für absehbare Zeit in dieser Hinsicht kein Umschlag zu erwarten. Mit schlagender Deutlichkeit bat sich das bei der am 6. März dieses Jahres erfolgten Einigung des Links-LiberaliSmus gezeigt. Am Tage vor dem Einigungsakt wurden die letzten Partei- tage der Freisinnigen Verewigung und der Freisinnigen Volks- Partei abzuhalten. Auf beiden Tagungen hatten die liberalen Frauen in Form von Anträgen ihre Forderungen unterbreitet. Nach einem langen Hin und Her konnten sie zwei Resolutionen als SiegeSbeute mit nach Hause nehmen, die auf den Ton gestimmt waren: wasch mir den Pelz und mach mich nicht nahl In einem Aufruf:„An die liberalen Frauenl", den der Ausschuh der liberalen Frauen ver» sandte, wird denn auch resigniert zugestanden:„Die Anerkennung ihrer Gleichberechtigung als Staatsbürger ist den Frauen im Pro- gramm der neuen Partei versagt." Und trotz allem: die Frauen — hoffen weiter! Hoffen und harren, macht manchen zum Narren! Die römischen Tabakarbeiterinnen im Streik. Das Personal der staatlichen Tabakfabrik ist am 14. d. M. in den Ausstand getreten, um den Siebenstundentag und eine Erhöhung der Akkordlöhne um ein Siebentel zu erlangen. Es streiken rund bl)0 Arbeiterinnen und das spärliche männliche Hilfspersonal. In den Tabakfabriken des italienischen Staate» ist der Achtstundentag eingeführt. In Rom wurden aber in der letzten Zeit andauernd Ueberstunden verlangt, die allerdings extra und mit Lohnzuschlag bezahlt wurden. Der Tagelohn bei achtstündiger Arbeit beträgt heute 3 Lire für die im Sitzen Be» schäftigten und 3,15 bis 3,26 Lire für die, die im Stehen arbeiten. Die Gepäckträger haben einen Tagelohn von 6 Lire; das Maschinen- personal verdient 6.16 bis 6,46 Lire. Die Direktion hat die römische Manufaktur schließen lassen mit der Begründung, daß die Bewilligung der Forderungen an 500 Arbeiterinnen eine Mehrausgabe von 70 000 bis 80 000 Lire im Jahre beanspruche, was bei einem Gesamtpersonal von 18000 Personen die Staats- f, Wanzen zu hoch in Anspruch nehmen würde. Versammlungen— Veranstaltungen. Gr. Lichterfelde. Freitag, den 20. Mai, 8'/z Uhr, bei Wahrendorf. Vortrag über:„Frauenleiden und überreicher Kindersegen". Nur Frauen und Mädchen haben Zutritt. VermiscKtes. Unwetter im Harz. Aus Nordhausen meldet uns ein P r i v a t t e l e g r a m m: Heute Dienstag in der Mittagstunde ging in der Südharzgegend ew ungeheures Gewitter mit wolkenbruchartigem Regen nieder, das von schwerem Hagelschlag begleitet war. Die Bäche, die zur Zorge fließen und diese selbst bringen ungeheure Wassermassen aus dem Harz herab. Die Hagelkörner liegen einen halben bis dreiviertel Meter hoch an den Berglehnen und auf den Feldern. Die Bäche sind über die Ufer getreten und haben Necker und Wiesen unter Wasser gesetzt. Der Damm des Mühl- grabenS oberhalb der Stadt ist durchbrochen, der Stadt- graben steht unter Wasser. DaS Gewitter und der Hagelschlag dauerten von �«12 bis'/zü Uhr ununterbrochen. In Nordhausen stockte der Verkehr längere Zeit, da sämtliche Straßen längere Zeit Vj Meter hoch unter Wasser standen. Wiesen, Becker und Felder in der Südharzgegend und der Gegend der Goldenen Aue stehen vollständig unter Wasser. Zwei auf einem Spaziergange be- findliche Mädchen wurden von den Wassermassen mit fort- gerissen. Eine? derselben, Margarete Franke, fand hierbei i h r e n T o d. Sie wurde auf dem Wege zum Kurhaus von ihrem Bruder tot aufgefunden._ Erdbeben in Columbia. Bon einem sehr heftigen Erdbeben ist in der Nacht zum Sonn- tag der südamerikanische Staat Columbia heimgesucht worden. Nach einer Meldung aus Bogota wiederholten sich Erdstöße von sekundenlanger Dauer in Zwischenräumen von fünf bis zehn Minuten. Die einzelnen Erdstöße haben in ganz Columbien großen Schaden angerichtet. Genauere Einzelheiten liegen noch nicht vor; es wird jedoch befürchtet, daß zahlreicheMenschenleben dem Erd- beben zum Opfer gefallen sind. Vom Pech verfolgt. Der Pariser Aviatiker Henry Weiß ist bei seinem Fliegen, das er während der Feiertage in München absolvierte, arg vom Pech verfolgt worden. Nachdem er bereits mehrere erfolgreiche Flüge unternommen hatte, versuchte er am Sonntag mit einem fremden Flugzeuge einen Probeflug. Nachdem er eine Höhe von 30 Meter erreicht hatte, stürzte er mit seinein Apparate ab. Bei dem Abstürze kam Weiß unverletzt davon. Der Apparat wurde vollständig zerstvrt- Bald darauf versuchte der Aviatiker einen neuen Aufstieg mit einem anderen Apparat. Er geriet aber gegen eine Barriere, sodaß auch dieser Apparat in Trümmer ging. Am zweiten Feiertage versuchte Weiß wieder mit einem Flugzeuge aufzusteigen. Nachdem er eine kurze Strecke durchflogen hatte, versagte der Apparat plötzlich, sodaß Weiß aus beträchtlicher Höhe abstürzte. Der Apparat wurde stark beschädigt, während Weiß wiederum mit dem Schreck davonkam. Eisenbahnnnfälle. Der gesteigerte Verkehr während der Pfingsttage hat auf den Eisenbahnlinien zu einer Anzahl mehr oder weniger schwerer Um fälle geführt. So wurde am Dienstag bei der Begegnung zweier Züge zwischen Neu münster und Einfeld der Dachdecker S t u d t aus Kiel dadurch getötet, daß eine Schlackenschaufel mit langer Stange gegen ein Fenster des Wagens schlug, in dem Studt sich befand. Bei dem Unglück wurde ein anderer Reisender schwer verletzt.— Am Abend des zweiten Feiertages versuchte eine Frau mit einem einjährigen Kinde auf der Station Heißen (Rheinland) einen in der Abfahrt begriffenen Zug zu besteigen. Die Frau geriet dabei unter den Wagen und wurde ge tötet, das Kind schwerverletzt.— In Adorf im Vogtland fuhr am Montag ein Schnellzug mfosge falscher Weichenstellung auf eine Wagengruppe auf, dabei wurde ein Weichensteller leicht verletzt. Neun Wagen wurden durch den Zusammenstoß zertrümmert.— Zwischen Eilsleben und V ö l p k e(Bezirk Magdeburg) entgleiste am Montag ein Güter. zug mit 25 Wagen durch Unterspülung der Gleise infolge des niedergegangenen wolkenbruchartigen RegenS. Personen wurden bei der Entgleisung nicht verletzt.— Ein schwerer Unfall passierte am Sonntag auf der Station Stefan au in Böhmen. Dort stießen zwei Lokomotiven zusammen. Die beiden Lokomotivführer und ein Stationsarbeiter wurden schwer, die beiden Heizer und ein Bahnbeamter leicht verletzt. Einer der Schwerverletzten ist heute seinen Verletzungen erlegen. Handel mit Menschenfleisch. Die wohlanstädige bürgerliche Presse entrüstet sich zwar sehr über die nach ihrer Ansicht zunehmende Unsittlichkeit, entblödet sich aber andererseits nicht, Inserate aufzunehmen, die geeignet sind, der Kuppelei Vorschub zu leisten. Auch das im nationaNiberalen Sinne gehaltene»Neue Tagblatt" in Stuttgart macht keine Ausnahme von dem Grundsatz, daß Geld nicht stinkt. Im Inseratenteil konnten die Leser vor einigen Tagen folgende Blüte lesen: Vornehmes MädchenlogierhauS mit acht kompletten Mädchenzimmern, hochmodernem Salon, großem Bier- und Weinumsatz, hohem Reinverdienst, sogleich für den billigem Preis zu 15 000 M. bar zu verkaufen. Das vornehme MädchenlogierhauS ist«in Altonaer Bordell. DaS macht aber für das Blatt nichts aus, denn nach der bürger- lichen Moral ist eS höchst gleichgültig, ob jemand mit Manufaktur- waren oder Menschenfleisch handelt. Kleine Notizen. Anscheinend von Wilderern erschossen wurde in der Näht Dorfes W u ß w e r g k im Spreewald der Förster Kurzweg Camminden. Mit einer Schußwunde des „aus im Unterleibe fand man den Förster, der ausgegangen war, Wilderern da» Handwerk zu legen, bewußtlos im Walde vor. Der Förster starb bald darauf, ohne noch einmal das Bewußtsein erlangt zu haben. Mord einer Prostituierten. In Stralsund wurde«ine bijährige Prostituierte in ihrer Wohnung mit durchschnittener Kehle aufgefunden. Als Täterin wurde die Wirtin der Ermordeten verhaftet. Bei einer Spazierfahrt auf dem Frischen Haff kenterte am Sonntag ein Segelboot, wobei die Frau des Kaufmanns P l o ch aus Königsberg ertrank. Ploch selbst wurde von herbeieilenden Fischern gerettet. Panik in einer Menagerie. Während einer Vorstellung in einer Menagerie in Paris wurde ein Tierbändiger von einem wütenden Tiger überfallen und übel zugerichtet, vier andere Tierbändiger und Wärter mußten in den Käfig eindringen, um die Bestie von ihrem Opfer abzubringen. Der Tierbändiger Joce, welcher schwere Verletzungen erlitt, wurde blutüberströmt aus dem Käfig herausgebracht. Die Zuschauer flüchteten» von einer Panik ergriffen, auS der Menagerie. Explosion einer Bombe. Im Krankenhause zu BizStre (Frankreich) wurde der Wärter Martin bei dem in seinem Schlaf- zimmer unternommenen Versuch, eine Bombe mit einem angeblich von ihm erfundenen Sprengstoff zu laden. durch die Explosion des Geschosses getötet. Ein anderer Wärter namens M o u e t t e, der ihm bei dem Experiment half, wurde l e b e n s- gefährlich verletzt. Beide Wärter sollen der anarchistischen Partei angehört haben. Abgestürzt ist am Sonntag bei der Besteigung des Oberalp- stockeS in der Schweiz der Kaufmann H e i d e ck e aus Schönebeck an der Elbe. Die Leiche des Verunglückten wurde geborgen.— und lm MietSvertrag nichts anderes vereinbart ist, der Vermieter in voller Höhe.— R. K. 1. Nein.— Südpol. 1. und 2. Ja.— O. M. Görlitzer llfcr. Darüber können wir Ihnen keine AuZkunst geben.— O. M. 31. Vielleicht kommt die Baugenossenschast Paradies für Sie in Frage. Sehen Sie sich mit Genossen F. Hildcbrandt, Forster Straße 57 in Verbindung.— 1.«. Sch. Die Postbehörde hallen wir nicht für hast- bar. Einen Antrag an dieselbe können Sie immerhin richten. Zentralverband der freien Händler» Hanfierer«nd ver- wandten Berufsgenosscn Deutschlands. Sitz Essen,> Verwaltungsstelle Berlin. Bezirk Norden l. Heute abend 8-/, Uhr bei Böhm, Liesenftr. 12: Versammlung. Gäste willkommen.. Lese, und Diskutierklub„Süd-Ost". Heute Mittwoch, abends S'/.Uhr, fiel Neidhardt, Görlitzer Straße 58: Mitgliederversammlung. Vortrag des Genossen Schaffner über»Henrik Ibsen". DiSkusfion. Gäste willlommen._ sämtlich» Marktbericht der städtischen Martthallen-DireMon über den Großhandel in den Zentral-Markthallen. Marktlage: Fleisch: Zusubr genügend, Geschäft flau, Preise nachgebend. Wild: Zufuhr ge- nügend. Geichäst rege, Preise nachgebend. G-tlügel: Zufuhr genügend, Geschäst ruhig, Preise nachgebend. Fische: Zusuhr mäßig, Geschäst teilweise schleppend, Preise wenig verändert. Butter und Käse: Geschäst ruhig, Preise unverändert. Gemüse, Obst und Süd» fruchte: Zusubr meist genügend, in Spargel stark, Geschäft ziemlich rege, Preise wenig verändert._ «SitterungSüberstcht vom 17. Mai 1910, morgens 8 Uhr. Stationen £* n s| s�s Swwemde. Hamburg Berlin grantf.a.M. München Wien ja t: S ÜMl i? 759 ND 758 ONO 757 ND 756 D 756 D 757 D S Vetter gheiter 2 wolkig Lwolkenl Zhalbbd. 1 wolkig 1 Dunst k*X eS f* wi Stationen «=5 c 5 Bf Haparanda 770 SW Petersburg! 767 DND Sctlly ilberdecu Paris 754 D 764 NNW 755 D B Setter 2woMg 3 heiter 4 wolkig 3bedeckt 2 bedeckt *5 B-» »!> h 4 7 13 8 14 Wetterprognose für Mittwoch, den 18. Mai 1910. Ein wenig kühler, vielfach heiter, aber noch veränderlich, bei zicmllch lebhasten nordöstlichen Winden und etwas Neigung zu Gewittern. Berliner Wetterburea» Wasserftands-Nackrtldteo Wasserstand M e m e l. Tllstt B r e g e I, Jnsterburg Weichsel, Thorn D d er, Ratibor , Kroflen , Franlsurt Warthe, Schrimm , Landsberg Netze, Vordamm Elbe, Leitmeritz , Dresden , varby . Magdeburg ')-I- bedeutet Wuchs,— Fall.•) llnlerpegel. bis zum 14. früh aus 318 am gestiegen. ') Nach telegr. Meldung Sorussw-LÄw 0/7 ÄÄ 07 = Inhaber: Georg: WoIfTgraniui empfiehlt seine vier Säle, 100 bis 800 Personen fassend, zu Ver Sammlungen und Festlichkeiten. Prächtiger Naturgarten (mit Bühne), 600 Personen fassend, noch einige Sonnabende und Sonntage frei, Würzburger tiühneraugenmitteS von Dp. II. Ungcr.— Gegen 30 Pfennig auf 10 Ps. Anweisung frei. Dhne Zweifel die bequemste u. wirksamste Hilfe. DerSchmerzistinSMin. fort. DaS Hühnerauge selbst in 3 Tagen.(Enthält Salicyljäure u. indischen Hansextrakt) vi". H. UngCl* in WÜrzbUFg. In Berlin(20 Ps.): Salomon-Apotheko, Charlottcnstraße 54. Greif- Apotheke, Barnimstraße 33.— München; Schlltzen-Apotheke.— Stuttgart: Hirsch-Apotheke.— Breslau: Victoria-Apotheke. 118/8* Verleih-Institut: Frledrichst. 1 1 S/1, a.Orabg. "Tor. Eleg. Frack, Gehrock 1.50.HoIe1.00. Weste 50Ps. Bnefkaftcn der Redaktion. Lindenstra st e Nr. 00, dorn —, tooificntäpltd) voll 4'li olS V'st Uhr«btiiDS stndei Tie furiftlfikie«prechftiind, vier Treppen— A a h r st» b I—,.. stait. Jeder Anfrage ist eis Buchstabe uud eine Zahl al» Merkzeichen beizufügen,«riefliche Autwort wird nicht erteilt. Eilige Fragen trage man in der Svrcchftnude vor. 188 Warschauer Strafte. 1. Wir können die Kasse nicht empsehlen. 2. Sie können unter Einhaltung der im Statut festgelegten KündigungS. trist kündigen.— Pfingsten. 1. Die Weiterversicherung ist zulässig, weil der Beginn der Versicherung infolge einer versicherungspflichtigen Be» schäftigung erfolgt ist. Das 40. Lebensjahr ist die Grenze für frei» willig in die Versicherung eintretende Personen. Der Anspruch aus Invalidenrente tritt ein bei 200 Beitragswochen, wenn mindestens 100 Beiträge auf Grund der VersicherungS p s l i ch t geleistet find, sonst bei 500 Beitragswochen. 2. Ein RücksorderungSrechi besteht nicht.— W. H. 100. Nein. Reklamieren Sie. Für Greisswald müssen Sie aber die Ihrem Einkommen entsprechenden Steuern zahlen.— N. IL. Schwächlichkeit.— T. 44. Wenn lein Berschuidm de» Mieters versiegt Achtung, Grünau! Empfehle allen Freunden und Be- kannten zu den bevorstehenden SommerauSflügen mein(renoviertes) Lokal und Garten. Nur reelle Speisen und Getränke zu billigsten Preisen. Gustsv Eindenhaya, Telephon 17. Fricdrichftr. 2. Gewinnlose der Kigl. Prem lollerie I zahlt während derZiehung zu kulan- 1 testen Bedingungen bar auS l Oskar Bräuer& Co. Nacht., ■*■■■ Andreasstr. 46a. Pianino, vorzügliches, tadellos er- halten, ist lofort ganz billig zu ver» lausen Französischcstraße 15, 1 geradezu. 'Leihhaus seit 27 Jahren' Gclezrcnheltskünfe (verfallener Brillanten, 1 | Gold-, Sllbcrwaren etc.| Moritzplalz, SSÄ'r- im Hause der Nationat-Bank. |(früher Prlnsenstr.SS)( Wanzen tötet unsehlbar mit Brut Belehels Wanzenfluid..Radikal" Fl. 60 Pf.. 1.—, 2.-, 3.-, Liierst. 6.—. Absolut fleckfrei, nicht seucrgesährlich. Kein tibi. 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Kur die Gewinne Uber 340 Mark sind den betrettea- den Nummern la Klammern beigefügt, (Ohne Gewähr.)(Nachdruck verbotoa.) 104 253 497 98 ,32 829 1 089 K» 80 99« 437 5H TS 2029 58»9 168 84 964 391 903 49 3091 310 333 4017 56 3l>4 622 41 788 93 800 963 5116 345 74 393 486[5000] 97 623 807 6386 584 799[ 500] 7153 268 307[500] 60 407 [5000] 15 635 738 825[ 500] 43 986 8304 97 452 663 688 856 88 9088 162 249 90 356 94 427 613 601 10116 663 626 11012 389 314 687 1 20U 196 904 TSOOO] 89 434 810 57 1 3106 86 367 86 973 439 644[3000] 719 1 4090 391 440 764 866 1 5064 303 14 63 M6 476 753 952 1 6593[ 3000] 878 900 1 7063 861 451 582 816 1 822« SS 396 400 606 966 1 9061[1000] 131 94 379 496 613 914 83[500] 820 974 2O150 864 704[1000] 887 967 97 21199 606 M«04 790 2 2 011 299 391 698 948 2 3159 980 2 4613[10001 78 »84 2 5070 158 381 470 998 7«6 811 68 26201[1000] 19 798[3000] 900 45[500] 2 7634 67 741 863 28029 313 1600] 32 313 91 604 21[500] 83 2 9223 602 976 727 893 39170 11 306 29[1000] 739 41 66 82 886 80 3 1 050 998 417 720 981 32199[600] 333 74»39[500] 49»[1000] 673 743 661 33 033 349 5O0 809 34066[SOOO] 313 429 736 932 35128»11 897[1000] 717 7 8 3 6000 3 6 149 237 79[ 500] 447 638[600] 61[600] 613 706[600] 40 969 37010 24 67 146 318 84» 463 79 641 38166 917[600] 6» 39121 204 460 91 624 716«7 40091 118 3»7»96 408 91 41U9>6»[1000] 7»«7 <433 810 42001 61 363«8 78 919 889 43 198 97 379 48« 640 44040 136 316 64 418 634 908 979 4 5094 739 74 [1000] 948 4 6037 160 878 592 4 791» 867 76 4 8060 104 M3 40 49139 273 878 417»1[500] 903[3000] 742 88 87 5O210 706 5 1 080 183[300] 236 468 937[SOOO] 83 82269 508 802 36 943[lOOOl 63047[500] 110 41« 96 718 860 54082 357 86 354 48» 610 69 929 9««[1000] 55X29 403 567 «00 5 6147 568 817[600] 74 944 67173»4 257 338 423 675 85 723 5 8 2« 345 565«10 69378 34« 481[1000] 657 78 87»[1000] 825 961 95 6 0279 455 664[500] 716 01*80 74 440 83 6M 804 823 6 2233 83 537[3000] 720 895 6 3014 147 807 71 74 656 615 714 25 70 878 912 6 4011 14 23[600] 178 265 «42 6 5 223[1000] 506 737 9S9 6 6097 188 200 37 78 88 841 66 945 703 6 7175 261 309 466 515 73 630 739 833 86[500] 654 85 6 8037 74 153 609[1000] 765»97[10QO] 69381 469[500] 95 53» 82 667 833»19 7 0024 840 483 648 710 966 7 1 098[8000] 31» 47 840 46 679 777[1000] 894[500] 7 2093 144 734 7 3150[ 3000] 821[500] 470 571 975 607 39 69 069 74013 157 323 60 91 438 577 822 7 5001[500] 19» 78 333 447[3000]»15 78 720 35 963 73[500] 79 7 6125 460 789 817[500] 77104 14[1000] 81 201 337 71 400 744 52 811 913 7 8036 121 887 390 414 7 7 774 7 9012 267 70 600 873 80017 407 16 65 600 3 8 1 432 620 58 740 919 8 2136 B6 426[500] 674 8 3 8 3309 950 716 54 943[500] 85 84267 441 C01 12 989 85075 104 75 386 601 721 86029 41 230[500] 413 28 918 30 7» 8 7 278 878 79 991 88130 378 «99 428 604 871 8 9059 804 10»1[600] 421 744 88» 90167 503 6[500] 20»90»95 91024 5«[1000] 6« 1500] 262 413 978[1000] 827[SOOO] 02016 47«0 68» 837 39 009 31 93199 350 63 602 9 4069 141 361 620 628 [500] 95120 218 423 99[500] 601(3000)«1» 761 71 93 803 44 920 89 9 6002 134 309 411 32 514 707 17 9 7358 4SI 630 801 89 933 52 9 8107 337 303 608 76 77» 911 »9120 491 575[1000] 643, 100126 7 8 213 30 335 KS 33»3« 1O1064 48» 83»00 37 69 1 02 031 134 401 644[1000] 66 981 1O3104 464 60 762 824 69 939 1 0 4 462 603 86 655 766 849 968 105362 518 615 TlOOO] 106277 335 637 748 911 35 107113 00 251[500] 501 7 60 679 1O806S 298 300 «1 SO 148 63 83[5100] 621 78 643[600] 1O9080 239 61 423[1000] 888 009 95 1 10187 237 371 471 896 803 111171 73[1000] 385 448 512 29 770[1000] 112239 03 300 69 5/17[500] 20 «09[500] 57 8« 744 64 95 831 113005 89 428 701 898 902 114 031 418 631 115018 31 83 123 98 381 609 21 116035 175 396 5115 618 812 918 87 117015 330[500] 408 47 75 618 689 711 848 76 118170 632 93[500] 896 119134 «27 969 120002 75 209 391 579 797 844 1 2 1 098[150001 308 560 84 611 63 75 777[500] 82 1 2 2 703 1 23129 210 »7 500 757[1000] 905 1 24042«3 155[1000] 317 28 461 72[500] 595 758 77 9![500] 12 5040 118 20 33 205 46 302 731 813 929 69 12S286 346[500] 429 61 735[1000] »35[3000] 12707» 303 466 96 555[1000] 651 787[500] «2 816 949 50[3000] 128058[ 500] 207[3000] 418 794 82? 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Ziehung 5. Kl. 222. Kel. Preuss. Lotterie. Ziehung vom 17. Mal, nschmlilagi. Vut die Gewinn« über 240 Mark sind den botreff enden Nummern In Klammern beigefügt. |Oha« Gewähr.)(Nachdruck verbotanj 44 126 838[600] 78[8000] 4T3 633»9 918 llT»[500] 90 404 43 60 796 883 2008 9 6 236 333 464 67 690 821 3122 203 67 372 464 704 878 99 4076 299 507 8294 98 860 70 416 06 028 69 719[500] 666 6174[3000] 82 237 327 64[600] 785 856 09 7199 208 930[1000] 790[500] 862»51 8613 700 90 891 9079 11»«0 483 969 9»[600] 1O033 335[1000] 448 84 571 935 780»92 11041[500] 24« 62 815[500] M[500] 811[lOOO]»06 12200»4 82« 519 »50 31 13368 443 912 1 4180 817 61 15040[500] 139 [1000] 818 510 773»0 1 6398 99« 708 1 7003 8 725[1000] 904 1 8004 10 143 948[600]»S 820 65 919 30»1 19176 [500] 274 644 099 708 41 80[600] 848 94«41 20001 84 923 530 967 98 709 70 21099 SM TO« 8«1 220>4 092 411 765 880 2301» SSO 24147 78 64« 9t 920 [1000] 63 78 754 877 901 2 5344 616 76« 86 802 44 20692 «45 715[600] 80[ 500] 45 2705« 148 82 1 60 676 715 654 03[500] 28337 97 767 891 29169 248 4M[600] 607 27 «3 937 90 83[ 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2 8 1 039 161 65[600] 253 31« 994[1000] 282200 39[500] 705 939 41 2 8 3059 529«3, 862 82 984 2 8 4143 425 31 52 704 43[600] 45 8C& 285055 273[ 500] 432 618 2 8 0061 164 205 13(CDOol 505 87 92[ 500] 627 831 930 2 8 7060 225 323 405[SOOOB 706[3000] 26 855 933 2 8 8225 388 566 616 891 925 ej 289209 39[1000] 43 3« 56 518 17 725 884 20 0977 113 41 294 653 96 697[1000] 753[500] 86» 991[lOOO] 201033 312 71 4SI 572 842 2 9 2 320 81«07 293620 829 96 294057[100O] 168 261 SOS 31 435 39 4« 641 96 716 27 962 1 93169 485 88 831 98 2 9 0223 444 81 736 2 9 7675 705[500] 68 887»9 298254 560«8 881 2 9 9 0 4 285 376 639 986 300414 634 719 90 899 982 301042 179 291 348 772 4,8 692 72«[900] 302038 849 51[500]»99 303028 181 661[1000] 93 715 2« 35 1 544 547 ßgiantwörtli�cj: Mätteur Richard. BartS« Berlin. Lür dengnieratenteil verantwi] Tji. Glucke, Berlin. Druck».Verlag: Vorwärt» Luchdruckerej».LerlagSanstalt Paul Singer& So. Berlin SW. Nr. 113. 27. Iahrgaag. 2. ßtitop drs JütinMü" Knlim ßoltelilntt. Mlvoch. 18. Mai 1910. Ziebeute Gtneralversammlmlg des Jeutralverbandes der Handluagsgehilftu und Gehilfinneu Deutschlands. Hamburg, den 16. Mai. Ilm Murgen des zweiten Pfingsttages wurde in Hamburg der von einigen Verbandsbcamten und 33 Delegierten besuchte Ver- bandstag eröffnet. Aus der Tagesordnung stehen eine Reihe wich- tiger Punkte, wie:„Die theoretische und praktische Ausbildung so- wie die Gehaltssrage der Handlungsgehilfen",„Die Stellender- Mittelung im Handelsgewerbe" und„Reichsversicherungsordnung und Arbeitskammergesetz". Dem Bericht über die letzte Geschästsperiode, umfassend die Jahre 1968/1969, entnehmen wir, daß der Verband einen erfreulichen Fortschritt gemacht hat. Zu Beginn des Jahres 1968 betrug die Mitgliederzahl 8194, Ende 1969 9 8 7 6. Dement- sprechend ist auch die Einnahme gestiegen von 84 846 M. im Jahre 1967 aus 118 665 M. im Jahre 1969. Das Vermögen stieg in diesem Zeitraum von 15 522 M. aus 25 995 M. Die F l u k- t u a t i o n unter den Mttglredern ist erfreulicherweise geringer geworden, was aus die bessere Einkassierung zurückgeführt wird. Obwohl das Reichsvereinsgesetz eine größere Bcwegungs- freiheit gestattet, hat die Hamburger Polizei eine öffentliche Ver- bandsversammlung mit dem Thema:„Der Reichstag und die For- derungen der Handlungsgehilfen" für anmeldepflichtig erklärt, und die dortigen Gerichte haben dieser Auffassung zugestimmt. Die Geschäftsstelle Köln für Rheinland und Westfalen(mit einem festen Beamten) ist nach Frankfurt a. M. verlegt, von wo aus Süddeutsch- land bearbeitet wird. Gute Erfahrungen hinsichtlich der Festigung kleinerer Mitgliedschaften sind im Gau Sachsen-Thüringen mit der Abhaltung von Bezirkstagen gemacht worden. Die söge- nannte„Reichsfinanzreform" hat der Verband ausgenutzt, um den Handlungsgehilfen klarzumachen, durch wen sie geschädigt werden. Neben der mündlichen, auf die Erweckung des Klassenbewußtseins gerichteten Agitation kam die schriftliche nicht zu kurz. Für Ilgitation verausgabte der Verband in den zwei Jahren 55 166 M. Von den Flugblättern:„Die Handlungsgehilfen und das Ar- bcitskammergesetz",„Sonntagsruhe und Achtuhrladenschlutz" und „Reichsfinanzreform" wurden etwa eine Viertclmillio», eine Agi. tationsnummer der„Handlungsgehilfen-Zeitung" in 366 666 Exem. plaren verbreitet. Ferner gelangten noch viele andere Broschüren und Schriften zur Verbreitung. Bei der ungeheuren Zcrsplitte- rung des kaufmännischen Arbeitsnachweises hat der Verband beachi- liche Erfolge erzielt hinsichtlich der Besetzung von Stellen. Die Vcrbandskollegcn möchten jede Vakanz sofort dem Vorstande mit- teilen. Recht eingehend wird das Kapitel„Sozialpolitische Angelegenheiten" behandelt. Der Verband hat der eine recht rührige Tätigkeit entfaltet, die sämtlich aufzuführen aus räumlichen Gründen nicht möglich ist. An Denkschriften an die gesetzgebenden Faktoren usw. wurden versandt:„Zur Pensions- und Hinterbliebenenversicherung der Privatangestellten",„Zur Ein- führung der Arbeitslosenversicherung" und„Zur Stcllenvermitte- lung für Handlungsgehilfen". Ferner wurde Bedacht genommen auf die Einführung des Fortbildungsschulzwaugeö für weibliche Angestellte und viele örtliche Kämpfe wegen Einführung des Acht- uhrladenfchlusses, Verbesserung der Sonntagsruhe usw. geführt. Bei den Ortstranbeukasscnwahlen haben die Verbandsmitglicder in Berlin, Fürth, Hamburg, Leipzig und München gute Erfolge er- zielt.„Wenn trotz aller Arbeit die Sozialreform im Handels- gcwerbe stille steht, so ist dies in erster Reihe der Ohnmacht der „großen" Verbände zu danken. Deren Mitglrederzahlen vermögen keine Wirkung auszuüben, weil sie nicht für. sondern allzu oft gegen die wahren Interessen der Gehilfenschaft zugunsten einer reaktionären Wirtschasts- und Sozialpolitik ausgespielt werden. Darüber an der Hand eines Berichtes Aufklärung unter den Be- russgenossen zu verbreiten, sollte sich jedes Mitglied angelegen sein lassen." Auch auf dem Gebiete der Lohnbewegungen hat der Verband beachtliche Erfolge zu verzeichnen. Im Kampfe gegen die Versicherungsgesellschaft„Viktoria" in Berlin wegen An- erkennung der Organisation standen die organisierten Arbeiter den Handlungsgehilfen treu zur Seite. In Dresden wurde eine Bewegung der Sektion Braucreiangestellte erfolgreich durchHführl. In Hamburg endete ein Kampf mit dem Warenhause...Hansa" mit vollem Erfolge. In München wurden mit mehreren Waren- Häusern gute Verträge abgeschlossen für 165 Angestellte. In S t r a ß- d u r g i. E. und Stuttgart führte eine Bewegung der Waren- Hausangestellten auf Verlängerung der Mittagspause um eine halbe Stunde zum Ziele. Die betreffenden Firmen haben etwa 566 An- gestellte. Auch in viele» anderen Orten wurden Besserstellungen der Mitglieder erzielt. So hat der„kleine" Verband eine ebenso emsige wie erfolgreiche Tätigkeit ausgeübt. Für Stellenlose«unter st ützung wurden 1963 7794,25 M.. 1969 7157.56 M. verausgabt. Das Verbands- organ erforderte 1968 12 387 M., 1969 17 898 M., die Verwaltung 1963 46 159 M.. 1969 37 677 M. Zu diesem Bericht gibt der Verbandsvorsitzende Josephsohn einige Erläuterungen und Ergänzungen. Geschäftsbericht und Verbandstagsprotokoll sollen fürderhin nur im Verbandsorgan ver- öffentlicht werden. Die Mitgliederzahl betrug am 1. April 1916 16 694 und ist in stetigem Wachsen begriffen, erfteulichcvweise auch in kleineren Orten. Die immer noch nicht ganz beseitigten Grenzstreitigkciten wurden zumeist kurz und in Güte geregelt. Der Lösung bedarf noch die Differenz mit dem Verband der Bureau- angestellten wegen der in Versicherungsanstalten Beschäftigten. Der Doppelorganisation steht der Vorstand ablehnend gegenüber. Das Verhältnis zu den Konsumvereinen ist ein wesentlich besseres ge- worden und wird auf dem Genossenschaftstage zu München noch eine weitere Besserung erfahren. Da Tausende von Mitgliedern des Verbandes in Genossenschaftsbetrieben tätig seien, sei der Ver- band bestrebt, das Gegenseitigkeits- und Freundschaftsverhältnis noch fester zu gestalten, womit nicht der Friede um jeden Preis, der Kirchhofsfriede gemeint sein solle. Sein Recht müsse der Verband lvahren. Trotz der Beschlüsse zweier Gewerkschaftskongresse be- treffend die Unterstützung der Genossenschaften sei von einem starken Zuwachs der letzteren aus Gewerkschaftskreisen noch nicht viel zu spüren. Zwischen Annahme einer Resolution und ihrer Durchführung sei ein etwas langer Weg. Man bemühe sich, den Genossenschaften viele kaufende Mitglieder zuzuführen. Den Kassenbericht erstattete Wucher, der hervorhebt, daß der Münchencr Beschluß betreffend die Beitragserhöhung gute Früchte gezeitigt hat. In seinem Bericht über die V er b a n d S st a t i st i k warnte Schulze vor Ueberschätzung des Wertes öffentlicher Verfamm. »ungen für die Gewinnung von Mitgliedern. Der Redakteur Lange klagte in seinem Bericht über die Presse, es fehle dieser an fortlaufenden, tatsächlichen Mitteilungen aus den einzelnen Orten. Der Ausschutzvorsitzende Penn verweist auf den gedruckt vor- liegenden Bericht, die Revisoren erklären, die Kassengeschäfte in bester Ordnung vorgefunden zu haben. In der Diskussion wurden viele interessante Verbandsangelegcnheiten sowie die Haltung des Vorstandes und der Presse zur Sozialpolitik und das Verhältnis zu den Genossenschaften erörtert. Ueber den Wert der öffentlichen Versammlungen gingen die Meinungen auseinander. Koch Ppurd.yz iij üjß ZUMtbcHrlich bezeichnet- Kisiige V�egiLpte meinten, daß hinsichtlich der sozialpolitischen Artikel und Bro- schüren des Guten zu viel geschehe. Daneben dürfe die Behandlung von Zeit- und Streitfragen nicht zu kurz kommen, das wirke mehr auf die Handlungsgehilsen als Resolutionen und Eingaben. Die Probleme der Gehaltsftage, wie Mindestlohn, Tarife, Gewinn- bcteiligung usw., die Frauenfrage, Berufsstatistik, Weltwirtschaft seien vernachlässigt worden. In der Polemik gegen andere Hand- lungsgehilfenverbände solle man Maß halten. Die Anerkennung der positiven Leistungen der Gegner mache die Hervorhebung des Negativen uni so wirkungsvoller. Klagen werden laut über die Lohn- und Arbeitsbedingungen in einzelnen, besonders süddeutschen Genossenschaften, gegen die ein anderer Ton angeschlagen werden müsse. Joseph söhn warnt dringend vor Verallgemeinerungen; Einzelfälle müßten kritisiert werden, doch müßte die Kritik so ge- halten sein, daß die Genossenschaften, zu deren Unterstützung die Kollegen moralisch verpflichtet seien, mit deren Leitung auch ein gutes Verhältnis bestehe, nicht allgemein darunter leiden.— Langv bemerkt noch, daß gerade das Hervorheben der Sozial- Politik dem Verbände gute Dienste geleistet habe, Viß gerade seit dieser Zeit der Verband stark gewachsen sei. Im Parlament habe man sich anerkennend über die Eingaben des Verbandes geäußert. Im Kampfe gegen andere Organisationen müsse nach Zweckmäßig- keitsgründen verfahren werden und seien gelegentliche Schärfen unvermeidlich, vor allem in der Abwehr. Ueber die „Theoretische und praktische Ausbildung der Handlungsgehilfen" referiert Paul Lange. Das Referat soll als Flugschrist der Oeffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Die Ansichten des Redners sind in folgender Resolution niedergelegt: „Die seit Jahrzehnten unaufhörlich laut gewordenen Klagen über die mangelhafte Ausbildung der Handlungslehrlinge be- weisen, daß die Lehrzeit ihren eigentlichen Zweck nicht erfüllt. Fest steht auch, daß der Geschäftsinhaber den Lehrling unter Außerachtlassung des Zweckes der Lehrzeit in der Regel als billige Arbeitskraft betrachtet, der er es überläßt, sich selbst weiterzubilden. Die jahrzehntelange Erörterung dieser Tatsachen hat nicht zu einer Aenderung geführt, und es haben auch bisher keine Vorschläge gemacht werden können, die geeignet lvären, der Lehrzeit denjenigen Inhalt zu gewähren, den sie ihrem Namen entsprechend haben sollte. Da der Lehrling dem Geschäftsinhaber im allgemeinen nur ein jugendlicher Angestellter ist, so ergibt sich die Notwendigkeit, darauf hinzuwirken, daß diesem Umstände insofern Rechnung getragen wird, als diese jugendlichen Angestellten für ihre Tätigkeit angemessen bezahlt werden. Da die weitgehende Arbeitsteilung iin Handclsgewerbe es dem jugendlichen Angestellten erschwert oder gar unmöglich macht, sich praktisch eine genügende Ausbildung anzueignen, so ist der theoretische Unterricht notwendig. Die Erfahrung hat gelehrt, daß es aus verschiedenen Gründen nicht angängig ist, die Angestellten nur auf den freiwilligen Schulbesuch zu ver- weisen. Vielmehr ist der Fortbildungsschulzwang für alle Hand- lungsgehilfen beiderlei Geschlechts bis zum Alter von 18 Jähren ein dringendes Erfordernis; der Unterricht soll nicht Sonntags und abends, sondern in den Vormittagsstunden der Werktage stattfinden. Aber auch die allermeisten heute bestehenden Fortbildungs- schulen bedürfen einer umfassenden Neuorganisation, deren Prinzip sein muß: Erteilung des Unterrichts durch geeignete, gut durchgebildete Fachlehrkräfte. Dieser Fortbildungsschulunterricht darf nicht zugunsten der Handelsvorschule, die von jungen Leuten vor Eintritt in das Er- werbslebcn besucht wird, vernachlässigt oder verdrängt werden, denn die Handelsvorschule wird von den Geschäftsinhabern in erster Linie deshalb erstrebt, um m der Ausnutzung der jugend- lichen Angestellten nicht durch den Fortbildungsschulbcsuch ein- geschränkt zu sein." In der Debatte wird u. a. die Bevorzugung der„Einjährigen" kritisiert und die Notwendigkeit des Unterrichts durch Fachlehrkräfte betont. Die Resolution findet einstimmige Annahme, worauf die Sitzung auf Dienstag vertagt wird. Zehnter Derbandstag der Mühlenürbeiter Deutschlands. München, 15. Mai 1916. Der Vcrbandstag wurde am Pfingstsonnabend im Gasthof zum Höger in München eröffnet. Es sind 32 Delegierte, 2 Mitglieder dcS Hauptvorstandes, 3 Gauleiter und ein Vertreter des Ausschusses anwesend; der schweizerische Nahrungs- und Genußmittelverband ist durch Bc u t e le-Zürich und die General- iommission der Gelverkschaftcn durch U m b r e i t- Berlin vertreten. Nach den üblichen Begrüßungen betonte Kä p p l e r- Altenburg, daß die Delegierten wohl alle unter dem Eindrucke stehen, daß dies der letzte Verbandstag des Mühlenarbeiterverbandes sein werde. Nach 22jährigcr Tätigkeit stehen wir vor der Frage, zu entscheiden, ob wir unsere eigene Organisation aufrecht halten, oder ob wir uns einem anderen Verband anschließen und mit diesem vereint für bessere Lohn- und Arbeitsbedingungen für unsere Kollegen kämpfen wollen... I A l l m a n n- Hamburg meinte, daß der Bäckerverband an den Verhandlungen ein großes Interesse habe, wenn auch die Ver- schmelzung vorläufig nicht mit seiner Organisation komme, so dürfe nicht vergessen werden, daß man über kurz oder lang doch zu einem allgemeinen Verband der Nahrungsmittel- industrie kommen werde. Wir werden, wie der Beschluß bezw. die Verschmelzung auch ausfallen möge, uns nach wie vor in gleicher Weise gegenseitig unterstützen. Der gedruckt vorliegende Geschäftsbericht wurde von Käppler in einigen Punkten ergänzt. Die Erwartungen, die man auf dem letzten Verbandstage auf die Anstellung der besoldeten Beamten gestellt habe, haben sich nicht erfüllt, die Erfolge seien gleich Null. Den Rückgang der Mit- gliederzahl schiebt Redner der wirtschaftlichen Krisis zu. Aber trotzdem sei es dem Unternehmertum nicht gelungen uns Verschlcch- terungen aufzuzwingen. Das Kassenwesen zeige, daß die Summen für Unter st ützungen von Tag zu Tag steigen. Wenn es zu keiner Verschmelzung mit einer anderen Organisation kommen sollte, würden wir uns ernstlich die Frage vorzulegen haben, ob wir die Beiträge nicht erhöhen müssen. Der Vorstand sei mit der Großeinkaufsgesellschast und dem Zentral- verband deutscher Konsumvereine in Verbindung getreten, damit sich diese verpflichten, Mühlenprodukte nur in solchen Mühlen zu kaufen, die mit dem Mühlenarbeiterverband einen Tarif abge- schlössen haben oder die Koalitionsfreiheit ihren Arbeitern schrift- lich gewährleisten. Man habe bei diesen Körperschaften nicht immer die Unterstützung gefunden, die notwendig gewesen wäre. Ins- besondere muß festgestellt iverden, daß eine ganze Reihe Mühlen Lieferanten der Genossenschaften sind, die diese Berücksichtigung nicht verdienen. Es müsse beim Genossenschaftstag dahin gewirkt werden, daß dies anders wird. Wolf-Leipzig erstattete den Bericht des Ausschusses. Die Revisionen ergaben, daß alles in bester Ordnung war. Der Kassen- bestand betrage 71 668,11 M. und beantragte der Ausschutz dem Vorstand Entlastung zu erteilen. An die beiden Berichte knüpfte sich eine ausgedehnte Diskussion, die im großen und ganzen die Zufriedenheit mit der Tätigkeit Psß VochgutO bMMte. Schöpfe Kritik kvuxdx au das persönliche Verhalten der angestellten Gauleiter Ziegeler- Ludwigshafen und S ch i l a n- Breslau geübt. Die von Käppler aufge« worfene Frage der Beitragserhöhung fand bei den Delegiertem keine Gegenliebe. Einige Redner wären eher dafür, die Untere stützungseinrichtungen zu reduzieren, da der Verband zu viel Un- terstützungs- und mehr Kampfesorganisation sein müsse. Ver« schieden« Redner sind mit der eingeschlagenen Tarifpolitik nicht zu» frieden.> Schließlich wurde dem Hauptvorstand einstimmig Entlastung erteilt. Iehute ordentliche Generalsammlnng des Zentralverbandes der Maschinisten und Zeiger Deutschlands. Hamburg, 15. Mai 1969. Am Abend vor Pfingsten trat im Gewerkschaftshause zu Haut« bürg die aus allen Teilen Deutschlands beschickte Gcneralversamm- lung zu einer konstituierenden Sitzung zusammen. Erschienen sind außer den Mitgliedern des Borstandes und einigen Verbands- Funktionären 52 Delegierte. Als Vertreter der Generalkommission ist Genosse Bauer anwesend. Die Sitzung am ersten Pfingsttage wurde durch den Geschäftsbericht ausgefüllt. Der gedruckt vorliegende Bericht wird vom Verbands- Vorsitzenden Schaffet ergänzt und erläutert. Der Verband ist aus der Krise mit einem Plus an Mitgliedern und Einnahmen hervorgegangen. Wie aus der großen Anzahl Anträge erhellt, soll die bessere Konjunktur durch intensive Agitation zwecks Gewinnung neuer Mitglieder und Schaffung höherer Beitragsklassen ausgenutzt werden, um so den zu erwartenden größeren wirtschaftlichen Kämpfen gegenüber gerüstet dazustehen. Gewünscht wird außer dem Ausbau der Unterstützungseinrichtungen das öftere Erscheinen des jetzt vierzehntäglich herausgegebenen Fachorgans. Am Schlüsse des Vorjahres zählte der Verbänd in 252 Zahlstellen 18 516 Mit- glieder gegen 16 456 Anfang 1968. Das erste Quartal 1916 hat abermals einen nennenswerten Mitgliederzuwachs gebracht, so daß der Verband jetzt über 19 666 Köpfe stark ist. Gut entwickelt haben sich die Filialen Bremen, Kiel, Dresden, Leipzig, Kalt, Frankfurt am Main, Düsseldorf sowie die Gebiete der Elb- und Rhcinschiff- fahrt. Die Zentralkasse vereinnahmte 547 755 und veraus- gabte 516 642 Mk.; der Kasscnbestand stieg von 74 292 auf 133 666 Mark. Die Lokalkassen besitzen beinahe 56 666 M. Die Unter» st ü tz u n gs e i n r i ch t un ge n erforderten bedeutende Mittel: Arbeitslosenunterstützung 263 367 M., Sterbegeld 24 475 M., Rechts- schütz 9781 M., Umzugsgeld 2193 M., an Ausgesperrte 12 638 M.» an Gemaßregelte 22 796 M., an Streikende 25 537 M. Die Lohnbewegungen, Streiks und Aussperrungen, an denen 757 Mitglieder beteiligt waren, verliefen zum größten Teile mit gutem Erfolge. Auf gütlichem Wege wurden für 2186 Mitglieder nennenswerte Besserstellungen erzielt, in einigen Fällen bis 6,56 M. Lohnerhöhung und Arbeitszeit- Verkürzung bis 14 Stunden wöchentlich. In mehreren Fällen wur» den neue Tarifverträge abgeschlossen respektive alte erneuert. Mit der Agitackion im Elbe--Odergebiet und auf den märkischen Wasserstraßen ist ein besonderer Beamter betraut worden. Differenzen entstanden mit dem Agita- tionsleitcr des Nheingebiets, der auf eigene Faust operierte. Als er abgesägt war, gründete er eine„Internationale Maschinisten» und.Heizervereinigung", deren Organ es sich zur Aufgabe machte, den Verband zu bekämpfen. Diese„Internationale" war aber nur eine vorübergehende Erscheinung. Die düpierten rheinischen Kolle- gen sind bald wieder dem alten Verbände beigetreten, der sich ihre« Interessen warm angenommen und den Zeitpunkt zum Losschlagen so gewählt hat, daß binnen drei Wochen der Lohnkampf siegreich beendet war. Grenz st reitigkeiten lagen nur noch mit dem Brauereiarbeiterverband vor, der nicht im Sinne der Resolution des Hamburger Gewerkschaftskongresses handle. Bezüglich dieser Streitigkeiten mußten festere Normen geschaffen werden. Der Vorschlag des Redners, entsprechend dem Beschluß des außer- ordentlichen Gewerkschaftskongresses zu handeln, falls durch die neue Versicherungsordnung die Beiträge halbiert werden sollten, das heißt diese„Ersparnisse zur Stärkung der Gewerkschaftskassen zu verwerten", wurde mit lebhaftem Bravo aufgenommen. Die Krise fei ein guter Prüfstein für die Agitationskraft des Verbandes gewesen, und diese Prüfung sei glänzend bestanden.(Lebhafter! Beifall.) Die Berichte der Revisoren, de? Ausschusses, der Redaktion und der Preßkommission gaben zu Ausstellungen keinen Anlaß. Die Debatte setzt sehr lebhaft ein. Einige Redner treten für einen Antrag ein, der dem Borstande das Recht der Anstellung von Lokalbeamten konzediert. Ferner wird je ein Beamter für den Rhein und die Elbe gewünscht. Während ein Delegierter die weitere Ausdehnung der Unterstützungseinrichtungen befürwortet, meint Binsel vom Zentralvorstande,„man solle aus einer Kampforganisation nicht eine reine Versicherungsgesellschaft machen". Mit der Beschickung der Unterrichtskurse der Gewerkschaften ist man einverstanden, doch wird gewünscht, daß auch Nichtangestellte entsendet werden. Da der Vorsitzende der Entsendung zur Parteischule das Wort geredet hat, wird von anderer Seite befürchtet, daß die Betreffenden in Partei- stellungcn abschwenken werden. Demgegenüber wird bemerkt, man dürfe nicht zu egoistisch sein, da die ausgebildeten Kräfte der Arbeiterbewegung erhalten blieben. Durch Schlutzantrag kommen 22 Delegierte um ihre Reden. Der Antrag, dem Zentralvorstande bezüglich der Anstellung von Agitationskräften freie Hand zu lassen, wird einstimmig an- genommen, worauf dem Vorstande ohne Widerspruch Decharge er, teilt wird., Hamburg, 16. Mai. 1 Am zweiten Pfingsttage gelangten zunächst die zum Statut gestellten Lln träge zur Beratung. Es liegen 171 solcher Anträge vor, von denen aber ein großer Teil nicht die nötige Unter. stützung finden. Mehrere Anträge verlangen Verschmelzung bezw. Anbahnung einer solchen mit dem Metall- arbeiterverband oder einer anderen starken Organisation. Eine genügend unterstützte Resolution steht der Verschmelzung mit dem Metallarbeiterverband nicht un« sympathisch gegenüber, hält den Zeitpunkt zur Verschmelzung aber für verfrüht, weil noch ein weites Gebiet zu bearbeiten ist. Um Absplitterungen und Sonderorganisationsbestrebungen nicht auf- kommen zu lassen, empfehle es sich, zunächst die eigene Orgam» sation zu stärken und den Fusionsgedankcn ausreifen zu lassen. Nach längerer Generaldebatte werden die zum Statut ge» stellten Anträge einer Kommission zur Beratung überwiesen. Die Gruppe„allgemeine Anträge" ruft ebenfalls ein« lange Debatte hervor. Die die weitere Anstellung von Gauleitern respektive eine andere Gaueinteilung fordernden Anträge werden dem Vorstande zur Berücksichtigung überwiesen. Angenommen wird der Antrag, einen zweiten Beamten für die Stromgebiete der Elbe, Oder, Saale, Warte, sowie der märkischen Wasserstraßen anzustellen und diesen Beamten aus Mitteln der Hauptkasse zu bezahlen. Ferner soll für das rheinische Stromgebiet ein besoldeter Agitationsleiter angestellt werden. Von den weiteren zur Ar nähme gelangten Anträgen seien folgende erwähnt;■ Die Agitationskosten etncS Gaukages sollen von der Haupt- lasse getragen werden und je nach der Mitgliederzahl der ein- zclnen Zahlstellen gegenüber prozentual von den Zahlstellen aus der Lokalkasse eingezogen werden. Der Hauptvorstand sowie die Gauleiter wollen sich mehr der kleinen Zahlstellen in Industriegebieten annehmen, damit diese ihre Agitation besser entfalten können. Hinsichtlich der Verschmelzung mit dem Metallarbeiterverband beztv. Anbahnung einer solchen und so weiter wird die schon erwähnte Resolution angenom- men und damit die hierzu vorliegenden Anträge dem Haupt- Vorstande als Material überwiesen. Die Verwaltungskosten des neugeschaffenen Arbeitsnachweises für Rheinland und Westfalen sollen von der Verbandskasse ge° tragen werden. Der Vorstand wird beauftragt, eine Tabelle auszuarbeiten, worauf die diversen Unterstützungssätze pro Tag berechnet sind. Der Vorstand soll behufs Vermeidung von Grenzstreitigkeiten, ähnlich der mit dem Brauereiarbeiterverband, sich zwecks gegen- seitiger Verständigung mit den Hauptvorständen der Staats- und Gemeindearbeiter, der Brauereiarbeiter, überhaupt mit allen Ver- bänden, wo für uns Mitglieder bezw. Berufskollegen in Betracht kommen, betreffs Anerkennung unserer Organisation, unter Hinzuziehung der Generalkommission, die uns als Berussorganisa- tion anerkannt hat. in Verbindung treten. � Der Vorstand soll den Arbeitsnachweisen die größte Auf- merksamkeit widmen, eventuell die Zahlstellen zu einer geregelten Arbeitsvermittlung finanziell unterstützen. Jede Zahlstelle hat eine Arbeitsnachweisstelle einzurichten, in der sowohl von den Ar- beitgebern als auch den Mitgliedern in den Betrieben freigewordene Plätze durch Vermittlung der Gauleiter auch den Nachbarzahlstellen bekanntzugeben sind, um dieselben nach Möglichkeit mit arbeitslosen Verbandsmitgliedern zu besetzen. Dem Vorstand als Material überwiesen wird der Antrag, der Verband möge sich mit der Lage der Maschinisten und Heizer am Nordostseekanal beschäftigen, ebenso der Antrag, der Vorstand möge darauf hinwirken, daß die Vor- schriften zur Bedienung der Dampfkessel schär- fer als bisher angewendet werden. Das Anfangsgehalt der Gauleiter beträgt fortan 2000 M., steigend um 100 M. pro Jahr bis zum Höchstbetrage von 2400 M. Desgleichen das Gehalt des Sekretärs. Das Gehalt der Hilfs- arbeiter beträgt 1800 M. und steigt pro Jahr um 100 M. bis zum Hoch st betrage von 2100 M. Hamburg, 17. Mai, Ueber den dritten Punkt: Die Tarifverträge und ihre Bedeutung für unseren Beruf hält der Verbandsvorsitzende Scheffel ein mehrstündiges, höchst instruktives Referat, in welchem er dieses weite Gebiet erschöpfend behandelte. Am Schluß seiner mit großem Beifall aufgenom. menen Ausführungen betont Redner mit Nachdruck, daß dem vere band nicht daran gelegen sein könne, um jeden Preis Tarifverträge abzuschließen, sondern nur dann, wenn sie unseren Mitgliedern positive Vorteile bringen. Um die Wirkung des Vortrages nicht abzuschwächen, wird von einer Debatte Abstand genommen. Da am Dienstagnachmittag eine Dampferfahrt stattfindet, wer. den noch einige geschäftliche Dinge sowie der Punkt 7, die Fest« setzung des nächsten Verbandstages, erledigt. Mit großer Mehrheit wird München als Ort des nächsten Verbandstages gewählt. Sämtlichen Verbandsbeamten wird alljährlich ein vierzehn- tägiger Urlaub gewährt. Alsdann wird der Verbandstag auf Mittwoch vertagt. Eingegangene Druchfcfmften. „Postillon� Nr. 11. Aus dem Inhalt ist hervorzuheben: Die Uni- versal-Sttuerpumpe.— Frühlingsidyll.— Zum schwarzbiauen Block.— Pjingstphantasie.— Leidensstatiou Dalldorf.— Blauschwarze �Kipselftürmer. Aus dem Texte erwähnen wir: Frühlingsglaube.— Die Sturmflut.— Hier ruht der letzte Kapitalist.— Neue Kronvrinzenbriese.— Sächsischer Frühling.— Aussperrung.— Erstklassige Ehrenhändel.— Aus dem Normal-Lesebuch sür Voltsfchulen. Der Preis der Nummer ist 10 Pf. Probennmmern find jederzeit durch den Verlag Paul Singer in Stuttgart sowie von allen Buchhandlungen und Kolporteuren zu beziehen. Mittwoch, den 13. Ansang VI, Uhr. Thealer und Vergnügungen Mai. Königl. Opernhaus. Geschloffen. Neue» königl. Operu-Theater. Ein Wintermärchen. Königs. Schauspielhaus. König Richard II. Deutsches. Sumurün. Kamm erspiele. WienerHöll«: Brüderlein sein. Goethe.(Anfang 8 Uhr.i Ansang 3 Uhr. Neues Schauspielhaus. Der Flieger. Kleines. Luxuszug. Berliner. Taifun. Neue», Die goldene Rltterzeit. Lessing. Das Konzert. Neue» Operetten. Der Graf von Luxemburg. Trianou. Thsodore u. Tie. Residenz. Da» Nachtlicht. Der selige Octave. Thalia. Glück bei Frauen. Hebbel. Der neue Pari».(Ansang «'/. Uhr.) Westen. Tanzhusaren. Komische Oper. Rast der Kaballerie. Galathee. Schilter O.(Wallner. Theater.) Han» Lange. Schi it er Gbarlottenburg. Die Liebe wacht. Friedrich- Wilhelmstädtisches. Alt-Heidelberg. Bolksoper. Heimkehr. Der General- direltor.(Ans. 6'/, Uhr.) Luisen. Die Welt ohne Männer. Rai«. Die Schmuggler. Lustspielhau». Das Leutnants- mündet. Metrovol. Hailoh II— Die grotze Revue. Folie» Caprice. Ein verschwiegenes Atelier. Eine gründliche Kur. (Ans. 8-/. Uhr.) Easino. Familie August Knoche. Gebr. Herrnseld. Wenn zwei das- selbe tu». DaS stark« Stück. Apollo. Spezialitäten. Baiiage. Spezialitäten. Wintergarten. Spezialitäten. Rcichsliallen. Steltiner Sänger. Karl Haverland. Spezialitäten. Walhalla. Sveziallläten. Proter. Im Reiche deS Mar». Urania. Tanbrnitraste 48(19. Nachm. 4 Uhr: Im Firnenglanz des Ober-Engadw. Abends 3 Uhr: Der Hallehsch« Komet. Sternmarte. gnvalidenstr. 57—32. Lessing-Theater. 8 Uhr: Da» Konzert. Donnerstag, 3 Uhr: Zbsenzyllu», 10. Vorst.: Baumeister Solnest. Freitag, 3 Uhr: Das Konzert. kerliner Theater. Heute 3 Uhr:'fcULulla M argen: Taifnn._ Neues Theater. Abend» 8 Uhr: Die goldene Ritterzeit. Morgen und folgende Tage: vi« eoldcne Bitterzelt. Theater des Westens. 8 Uhr: Tanzhusaren. Sonnt, nachm. 3'/« Uhr: Die ge< schievene Frau.__ A'enea Opercttcn-TIicater. Heute und folgende Tage 8 Uhr: Der Gras von Luxemburg. Sonntag nachmittag 3 Uhr, zu er- mäßigt. Preisen: vis 0ollsrprinrsi»!n. lUisispivIKsus. Abend» 8 Uhr: Das Leutnantsmündel Volksoper. sw,, Bellc.Alllnnce.Straße Nr. 7/8. Abends'iß Uhr: Heimkehr. Oer Generaldirektor. OSE=THEATE Große Frankfurter Str. 132. Ans. 8 Uhr. Ende 11 Uhr. Die Zchuniggler. Komödie in 4 Alte» von A. Dinier. Aus der Gartenbühne: Graste» Konzert. Theater- Borstellung, erstkl. Spezialitäten. Ans. i'i, Uhr. Friedrich-Wilhelmstadflsclies Schauspielhaus. Mittwoch, den 18. Mai, abends 8 Uhr: Alt-Heidelberg. Donnerstag, Freitag: Der Raub der Sabinerinnen. Sonnabend: Alt-Heidelberg._ Residenz-Theater Direltlon: Richard Alexander. Abends 8 Uhr: Das Nachtlicht. Schwant in 3 Alten v. M. ZamacorS. Sierauf: Oer«ellßre Oktave. roteSk« in 1 Akt von AveS Miraude und Henry Göroule. JBV Sommerpretfe.'9*9 Morgen und folgende Tage: Die- selbe BorsirUuiig._ Luisen-Theater. AbendS 8 Uhr: Die Welt ohne Männer. Donnerstag zum 30. Male: WaS Gott zusammenfügt. Freitag: Neueinstudierung: Ma- rianne, ein Weib aus dem Volke. Sonnabend: Die Welt ohne Männer. Sonntag nachm. 3 Uhr: Die Else vom Erlenhos. Abends: Marianne, da» Weib aus dem Volke. Montag: Die Else vom Erlenhof. Metropol-Theater Hallo!!! Die große Revue! In 8 Bildem von Jul. Freund. Musik v. Paul Lincke. In Szene gesetzt vom Dir. Bich. Schultz. Anfang» Uhr. Rauchen geetattet. 8 Uhr: Da» AttraltionS-Programm I Malmra m. Ihr. lebenden Riesenschlangen. Georg und Gusti Edler. Orig.-Duett: .Zwei aus der Biedermeierzeit."— Wiener Fialer— Waschermadel a la Glrardi-Xleae. 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A. de Caillavet und Roberl de FlerS. Ende 10-/, Uhr. Donnerstag, abendS 8 Uhr: Oolaflsche. Freitag, abends 8 Uhr: Ooldllsclie. Brauerei Friedrichshain SchSnster Naturgarten. Am Königstor. Gr. Konzertsaal Berlin!. Heute: Großes Extra> Militär> Konzert "■ läger zu Pferde, ASÄ,. IIa Hey.'•"SÄ'"*'' Die größte Weltattraktion!— Phänomenalste Sensatlo» t Außerdem: Klnematosranh-Allerneueslesl Ansang 7 Uhr. Entree 20 Pf. kapelle der ■Acktamg! Diez9 nur Aehtnng i Seeterrasse Siehtenberg RUderztraße 11,18. Zwischen Landsberger Allee und Röderplalz. Gröstte» und schönste» Lokal Berlin». Bei ungünstiger Witlerung Schutz sür 8000 Personen.— LV Täglich:~WB Ob schön,! ob Regen; KOllZCrt. Austreten der besten Turmseilkünstler der Welt The LiepelU, sowie der neuesten und grdSten Sensationen der Gegenwart: Die Reise umi sSÄ:10 Saltomortale v. 10 Meter Höhe mit dem Fahrrad In doa See. 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Rosenth.Tor.| 1 1 1 Das neue Varietb-Programm!! j Die Alfen-Familie Mayer und die übrigen Spezialitäten. I Theaterk. ununterbrochen geöffnet. I Urania. Wiseenschaftliches Theater. Nachmittags 1 Uhr: Im Pirnenglanz des ObemEngadin. Abends 8 Uhr: Direktor Dr. P. Schwahn: Der Halleysche Komet äS-käüSäSSSSSi Passage-Theater. Abends 8 Uhr: Ole Sterne j des Humors *. Willi Pragir*! und das groüe Varlctc-Progruimu! Passage-Panoplütum. BeSnnVr Volkstage! Jeder Erwachsene ein Kind frei! Jedes Kind erhält ein Oeschenk! Dia heiligen Fakire. !1 l-ebend 21 A#mbm mr- Prins«tom der kleinste Mensch der je gelebt. Alles ohne Extra-Entree! Eintritt 50, Kinder, Soldaten 25 PI. Casino-Theater Lothringer Straße 37. Täglich 8 Uhr. SHF* Aus allgemeinen Wunsch-Wtzg bi» zum»1. Mai: Familie Az»gust Knoche. Knoche: Dir. HanS Berg. V oigt-Theater Gesundbrunnen Badstr. 58. Mittwoch, den 18. Mai 1910 GroBe Elite-Vorstellung. Hebern großen Teich. Gr. Vollsbild mit Gesang und Tanz in 4 Abteilungen von Adolf Phillipp. Erstklassige Spezialitäten. Ans. 4',, Uhr. Kasseneröffn. 2 Uhr. Kerlmkr Praier-Thtliw Kastanienallee 7—9. Täglich:-MW 3m Kelche des Ißars Spezialitäten, Konzert u. Ball. Ansang 4-., Uhr. Entree 30 Ps. Volksxarten-Ihester früher Weimann. Badstr. 8, Behm- u. Bellermannstratze. Täglich: Konzert-, Theater- und Spezialitäten-Vorstellung. Das Riesenprogramm. Zur Aussüyuna gelangt: Der fliegende Berliner. VollSstück in 5 Bildern mit Gesang _ und Tanz._ norm. Groterjan. Jnhab.: Rud. Merz, Schönhauser Allee 129. Teig, 9353. Lebende Photographien. Wochent. 30 u. 40 Ps. Anfang 7 Uhr. Sonnt. 30, 40 u. 60 Ps. An,. 4 Uhr. Vorzugskarten nur Wochentags gültig. 2S Ps. aus allen Plätzen. Stet» wechselnde» Programm. Jeden Sonntag im Obcrsaal: Künstler-Konzert. Entree 15 Ps. Garderobe 10 Ps. N. d. Konzert: FamiliPn-KrSnzchen. und Festsäle. Inb.; Rudolph Krüger. Kasenheide 13/15, vis-a-vis v.Turnpl. Tttglich: Große Tbeater- u. Spezialitäten- Artist. Leitung: Walter Grävenitz, Kapellmeister: Max Walfihelm. Jeden Donnerstag: Elite-Tag! Aofaog: WocbeoLSUbr, Sonnt,-,,6 Uhr. Wilhelm gröBte Raubtier- Dressur-Schau der Erde 8fi!ow-91atz Kaiser-Wilhelm-Slraße Ecke Llnlen-StraBe Nähe Alexanderplatz. Täglich abends 8 Uhr: Große Vorstellung. Wiederauftreten des Herrn Direktor Karl Hagenbeck Jun. mit seinen 70 Eittbüren."MU Tägl. vorm. von 10—12-/, Uhr: Besichtigung, Probe n. Fütterung. — Elysium Landsberger Allee 40— 41 Heute sowie täglich: beste Tchaunummer. Kaftcekoohen. X Ball. Anfang 7 Uhr. Entree frei. Vereins-Sranerei Rlxdorf, Hermannstr. 214/219. Oekonom: Max Wendt. nm~ Tügiich:-ma Gr. Militär-Konzert. Jeden Dlenatag: Gr. Uer-Freulg-Fesl Entr. 15 Ps. Mütze od. Scherpe grat. äOCISCHER GARTEN Täglich ab 4 Uhr: Großes Militärkonzert. Eintritt 1 Mark. von abends 0 Uhr ab 00 Pf., Kinder unter zehn Jahren die Hälfte. Kar! Haverland Anfang Theater, präz. 8 U. 77/79 Kommandantenstraße 77,79. Täglich nur erstkl. Spezialitäten. Wm-pr-gr. Sonnabend, Sonntag, Mittwoch, _ Donnerstag: Ball._ Reiebshallen-Tbeater. Stettiner Sänger Tenoristen-Boael. Ein Kunstlerbild v.Me/sel Ansang wochentags « Uhr. Sonntags 7 Uhr. Für den Inhalt der Inserate übernimm» die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Berantwortung. Unserem Parteibudiker Ernst Krieg senden die Genossen des 1t8w Bezirks die besten Glückwünsche zu seinem Geburtstage. 21Ö26 SozialiiemokrafischerWaUvereiii für den 4. Berliner Reiehstags-WaWkrels. Landsberger Viertel. (Bezirk 373, Teil II.) Nachruf. Den Mitgliedern zur Nachricht, dah unser Gmosse, der Milch- Händler Mott Kressia Dolziger Str. 43 gestorbe» ist. Ehre seinem Andenke«! Die Beerdigung sand am 17. Mai in FriedrtchSselde statt. 2lSi1Z Der Borst««». SozialdsmokratisEtier Wafilvereln 4. für den Landsberger Biertel. (Bezirk 357. Test m.) Nachruf. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Genosse, der Gastwirt Xuxust Lolädacd Löwestratze 14 gestorben ist. Ehre seinem Andenke« k Die Beerdigung sand am 17. Mai In FriedrichSselde statt. 218/14 Der Vorstand. SozialdeniokratlseiierWatilvereiii für den Landsberger Viertel. Bezirl Nr. 39S.— Teil 1. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Genosse, der Milchhändler Julius Dranske gorndorser Strafet 18 gestorben ist. Ehre seinem Andenkenk Die Beerdigung findet am Donnerstag, den IS. Mai, nach- mittag» 3'/, Uhr, von der Halle des Georgen-KirchhoseS, Land». berger Allee aus statt. 218/2 vor' Voratand. Soziaideinokrat VabM für dm 4. Berliner Reiebstagswiilrei� Frankfurter Viertel. Bezirk 30g. Den Mitgliedern zur Nachricht, dafe unsere Genossin CiigslM Allendorf SÄ. am 18. Mai im Alter von 42 Jahren nach längeremLeiden in der Irren- anstalt Buch verstorben ist. Ehre ihren, Andenkenk Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 18. Mai, nach- mittag» S Uhr, von der Leichen- Halle der Anstalt aus nach dem städtischen Ariedhose in Buch statt. Leidtragende wollen den Zug vom Stcttiner Vorort-Bahnhos um 3." Uhr benutzen. Um rege Beteiligung ersucht 218/3_ Der Borstand Allen Freunden, Verwandten und Bekannten die traurige Nach- richt, dag meine liebe Frau und gute Muller 2lö4b Charlotte Altendorf nach langen, schweren Leiden in der Irrenanstalt Buch im Mer von 42 Jahren verstorben ist. Die Beerdigung swdet von der Leichenhalle der Anstalt nach dem städtischen Friedhos in Buch heute Mittwoch, nachmittags 5 Uhr, statt. Um stille Teilnahme bitten 0. Altendorf nebst Sohn. Teilnehmer fahren ab 3." Uhr Stettiner Vorort-Bahnhos. vr.Scliünemann Spezialarzt für Haut- und Harnleiden, Frauenkrankheiten,* Friedrichstr. LOS, Ecke Schützeustr. Wochentags 10— Ä. 6—7. Extra-Abtellang 1 1. Gesch.: Berlin W., Mohren- Straße 37a(2. Haus von der| Jerusalemer Straße). |ll. Gesch.: Berlin NO., Große 1 Frankfurt. Str. 115(2. Haus| von der AndreasstraBe). I Sehrgr. Ausw. fert. Kleider, 1 1 Hüte, Handschuhe, Schleier I letc. v. einfachsten bis zaml ] hochelegant. Genre z.äaßorst J niedrigen Preisen. 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Die Beerdigung Donnerstag, den mittag» 5 Uhr, von der Leichen- Halle deS Rixdorser Gemeinde- Friedhofes am Wariendosfer Weg au» statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht 39/3 Der Vorstand. Kiumn- und Kranzbiuderti von Robert Meyer, nur MlMlMNtN'Sfrake 2. Hygienische BaÄfr Drogerie Zareniba, iappel-Allttli/v�A�!" ärofeer Laden mit Zimmer u. Küche. S-Zimmerwohnung mit Mädchen- zimmer, Küche, Speisekammer, Bad, elektr.Rachtbel.: Restaurant: 2 Läden, grofee Küche, Speisekammer, Zimmer. großem Kamer per sofort._' ff.Plail, Majisl "SU" Dircksenslralie 20 zwischen Bahnhos Alexanderplatz und Polizeipräsidium.— Amt VII, 13793. Für Garnen Frauen-Bedienung.* Lieferant für alle Krankenkassen. Syphilis- Nachweis in allen frisch, u. veraltet, zweifelhaft. Fäll, durch wissenschastl. Untersuchung. sofort; desgl. Harn-(spez. aus Go- norrhoe-Fäden) u. Spuwm-Analysen. Gr. Homeyer& Co., Spezial-Laborat., riedrichstr. 189, zw. Kronen- und ?ohrenstrafee), 1. 8724. Pers. Rückspr. diskr. u. kostenl. 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Sonstige Einnahmen ») im ganzen.... 1 050 196 760 16 95 83 89 b) Ausgaben; 1. Für ärztliche Behand- lung...... 2. Für Arznei und Heil- mittel...... 3, Krankengelder: a) an Mitglieder.. b) an Angehörige. 4. Wöchnerinnenunter- stützung.... 5. Sterbegelder... 6. Kur- und Verpfle- aungskosten an Kran- kenanstalten.... 7. Ersatzleistungen für gewährte Kranken- Unterstützung... 8. Zurückgezahlte Bei- träge und Eintritts- gelber...... 8. Für Kapitalanlage«, usührungen zum leservesondS... IC. Verwaltunj a) persönliche b) fr" Schliche 11. Sonstig« Ausgaben Summa c) Abschluft: Summe der Einnahmen...... Summe der Ausgaben...... Kaisenbestand Reinickendorf, im Mai 1310. 275/17 Summa 28 613 23 802 75 36t 2 833 3 231 2 657 30 302 6 050 432 1456 12 827 2 364 903 190 898 196 760,88 M. 190 998,61. 5 762,28 M. Der Vorstand. F. B en sch. Orts-KranUenkasse der Mechaniker, Optiker u. verwandten Gewerbe zu Berlin. Freitag, den S7. Mai ISIO, abendS präzise 8 Uhr« Ordentliche General-Versammloog sämtlicher Vertreter in den„Arminhallen-, Komman- dantenstrafee 58/59. TageS-Ordnung: 1. Abnahme der Jahresrechnung für 1909, Bericht der Revisoren, De- ckaraeerteiluna. 2. Antrag des Vorstande» aus Ab- änderung deS A 48 Abs. 2 und 3 des Statuts. Bericht und Neuwahl der Be« schwerdekommisston. 4. Definittve Anstellung von Beamten. 5. Anträge der Beamten aus An- rechnung der Dienstjahre und ander- weitige Festsetzung der Steigerung»- sätze usw. 6. Eine Unterstützungssache. Berlin, den 14. Mai 1910. Der Veratnnd. I. A.: M. Gutsehe, Vorsitzender. Beschwerden, zu deren Erledigung die Einsicht der Kassenakten erforderlich ist, sind bis zum 23. Mai schriftlich im Kassenlokal einzureichen. 275/16 Gie Generalversammlung wird pünktlich eröffnet. i Ansachnelden I Bcstauratenre t Aufbewahren! 03®® J 2« 4) u •? dd- 5� 0 0«* S a* 2 S-2* 3 sa5l rt 6«� MxtS« _y« bO CO 1 5 III üs| Phäno Cigaretten mit und ohne, auch mit Goldmundstttek, St. ?, 3, 4 und 5 Pf. Cigarettenfabrik NAMKORI Bei Magenkatarrhen der Erwachsenen mufe eine leicht vea bauliche Nahrung gegeben werden, welche dein Körper aufeerdem recht viele Nährstoffe zusührt. Als solche Nahrung ist„Kuseke-, welches sehr zu- trägltch ist und durch seinen Gehalt an Eiweife und Mineralstoffen eine kräftige Nahrung darstellt, zu empfehle». Reingchllen „Goldxerle" sind Sie, wenn Sie beim Einkauf von Veilcbemeifeaputver nicht auf den Namen und Schalcmarke Kaminfeger achten. Jedes Paket enthält eine entzückende Geschenkbeilage.— Alleiniger Fabrikant: Carl Zentner, Göppingen. Engelhardt aramel Alkoholarmes Spezialbräu. 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Viele Großstädter sind in unserer nach Erwerb hastenden Zeit fünf Minuten vor dem Fest vollständig abgearbeitet und wollen erst mal tüchtig ausschlafen, ehe sie an das Vergnügen denken können. Andere ziehen es vor, anstatt sich in Bier- gärten bei immer denselben Darbietungen festzusetzen und sich vielleicht den Nachmittag zu verderben, frühzeitig die weite freie Natur aufzusuchen. So waren denn die von kleinen Gruppen und in Scharen unternommenen Pfingstpartien, wie man auf allen Bahnhöfen beobachten konnte, überraschend groß. Das Gewitter, welches am ersten Feiertag mit an- haltendem Regen schon in der vierten Nachmittagsstunde niederging, machte ungezählten Tausenden den ersten dicken Strich durch das Feiertagsprogramm. Selbst als der Himmel endlich ein Einsehen hatte, traute man dem Frieden nicht mehr und blieb lieber zu Hause oder doch innerhalb der Stadt. Desto reichlicher sollte die Pfingstfreude am Montag nach- geholt werden. Das war bis zum Spätnachmittag ein Pfingsttag, so prächtig, wie man sich ihn nur wünschen konnte. Nicht zu warm und nicht zu kühl, das echte Berliner Land- Partiewetter. Halb Berlin wanderte aus. Die Straßen- bahnen und Omnibusse taten ihr möglichstes, um sich für die fette Einnahme durch geordneten Verkehr zu revanchieren, während es im königlich preußischen Eisenbahnreiche wieder die sattbekannten Plackereien gab, mit Eisenbahnabteilen voll wie Heringsfässer. Und dann kam das zweite, noch dickere Feiertagsende nach, ein wolkenbruch artiges Un- Wetter, das sich namentlich über dem Grunewald und über den westlichen Vororten mit elementarer Gewalt länger als eine Stunde entlud. Von allen Seiten zogen die Gewitter heran und prallten aufeinander, ein schaurig-schönes Schau- spiel. Aber mit dem Aufenthalt im Freien war es infolge der niedergegangenen kolossalen Wassermengen vorbei. Zehn- tausende hatten in dem starken Hagelschlag nicht rechtzeitig unter Dach und Fach kommen können, wurden durchnäßt bis auf die Haut. Kinder schrien vor Angst, Frauen wurden ohnmächtig. Die Verkehrsinstitute zeigten sich dem nun ver- frühten Ansturm zur Rückbeförderung nicht gewachsen. Fast auf allen von dem Wolkenbruch berührten Strecken gab es Stockungen. Wolkenbruch im Grunewald. «m schwersten entlud sich da« Unwetter am zweiten Feiertag im Grunewald. Wolkenbnichartig gingen die Wasiermassen nieder und brachten damit viele Tausende Berliner Ausflügler in schwere Bedrängnis. Tausende wurden total durchnäßt; die Garderobe von den Damen war kaum wieder zu erkennen. An vielen Stellen standen die aufgescheuchten Pärchen, Familien mit zahlreichen Kindern zu Hunderten zusammengedrängt unter den wenig Schutz bietenden Kiefern, unbekümmert um die große Gefahr, die durch die Lnsamm- lung so vieler Menschen entstand. Die Wege waren in kurzer Zeit vollständig überschwemmt. Es wurde immer ungemütlicher, der Regen mit Hagel vermischt wurde von Stunde zu Stunde heftiger, so daß schließlich der Heimweg im strömenden Regen an- getreten werden mußte. Die Verkehrsmittel reichten natür« Uli' für den plötzlichen großen BerkehrSandrang bei weitem nicht aus. Unbeschreibliche Szenen spielten sich besonders an den Dampferanlegestellen an der Havel, am Wannsee usw. ab. Trotz der höchst ungemütlichen Lage der meisten Ausflügler kam der un- verwüstliche Berliner Humor jedesmal wieder zum Durchbruch, wenn Hunderte von durchwaschenen, pudelnassen Männlein und Weiblein in nicht zu beschreibenden Aufzügen, zerknickten Hüten, durchweichten Stiefeln, triefend, schimfend, ungeniert und mit über den Kopf ge- zogenen Unterkleibern in den Treffpunkten. Bahnhöfen, großen Etablissements anlangten und dort kein Unterkommen mehr finden konnten, weil schon alles besetzt war. Den Fuhrwerksbesitzern ging es nicht besser als den Fußgängern, besonder? die in offenen Wagen Sitzenden waren naß wie die Katzen. Die Lokale im Grunewald wurden von den Schutz suchenden Ausflügler» förmlich gestürmt, aber nur ein kleiner Teil fand Unter- kommen. Dabei erhellten fortgesetzt Blitze die Nacht. Frauen und Kinder stießen SchreckenSrufe aus. In dem etwas tiefgelegenen Lokal Weidpark flüchteten vor den eindringenden Wassermassen zahl- reiche Personen in die Kaffeeküche; aber auch hier drang daS Wasser ein, und beherzte Männer mußten sich an die Rettung der Frauen und Kinder machen. Die nach den Bahnsteigen führenden Tunnels mußten durchwatet werden, da auch hier große Wassermengen sich angesammelt hatten. Von allen Seiten wurden die Feuerwehren alarmiert, um in zahlreichen Fällen auch als Samariter helfend ein- zugreifen. Bei Eichkamp war ein Dammrutsch erfolgt, der zu einer erheblichen Einschränkung des Eisenbahnverkehrs führte. Die Eisenbahnverwaltung gibt folgende amtliche Meldung heraus:„Berlin, 16. Mai. Amtliche Meldung. Infolge eines heute abend zwischen 8 und 9 Uhr westlich von Verlin niedergegangenen wolkenbrnchartigen Gewitterregens wurden die Gleise Charlottenburg— Grunewald, Grunewald— Westend und das Gleis Charlottcnburg— Spandau an mehreren Stellen durch Sand überspült und unfahrbar. Das Gleis Charlottenburg— Spandau und die Strecke Grunewald— Westend konnten nach kurzer Zeit, die Gleise der Strecke Charlottenburg bis Grunewald dagegen erst gegen 12 Uhr nachts geräumt werden. Die Stadtring- und Vorortzüge erlitten Verspätungen bis zu LS Minuten, die Fernzüge von und nach dem Westen bis zu 70 Minuten. Der Verkehr Grunewald— Charlotteuburg wurde auf den Ferngleisen aufrecht erhalten. » Auf der Tegeler sogenannten Sechserbrücke, die vom Oststrand de» Tegeler Sees über den Tegeler Hafen nach dem Walde führt, spielten sich, wie inan uns schreibt, am zweiten Pfingstfeiertag während des großen Gewitters und nach demselben empörende S z e n e n ab. Da fast alles um 7 Uhr nach Hause strömte, stauten sich plötzlich auf der Brücke und ihrem nördlichen Zugänge� gegen dreitausend Menschen. Die Brückenbeamten, w der Zahl reichlich genug, erwiesen sich gegenüber dem Andränge, wie auch sonst an Verkchrssonntagen, vollständig unfähig Sie ließen, um eine peinlich genaue Billettkontrolle durchführen zu können, die fönnlich eingekeilte, mit Regenschirmen bewaffnete, unter Blitz und Donner ängstlich schreiende Menge durch einen noch nicht einen vollen Meter breiten Durchgang passieren, während das dreimal so breite eiserne Gitter dicht daneben erst nach 20 Minuten geöffnet wurde, als die Erregung deS Publikums auf den Höhepunkt wuchs und die Beamten endlich zur Besinnung kamen. Sofort wickelte sich der Verkehr einigermaßen glatt ab, während vorher durch das Ungeschick der Vrückcnwärter das schwerste Masse nunglück leicht hätte passieren können. Ließ man doch auf die nach Berlin zurückströmende Menge auch von der anderen Seite ohne Ueberlegung Passanten, die nach den Tanzsälen der Waldlokale wollten, durch I Empörend war, wie uns Augen und Ohrenzeugen berichten, das Betragen des Brückenpersonals, das sich ohne zwingenden Grund gegenüber durchaus anständigen Damen sogar zu rohen Tätlichkeiten hinreißen ließ. Man wurde gestoßen, angepackt und angefahren wie von Berliner Schutzleuten bei Straßendemonstrationen. Die Klagen über diese Hafenbrückt sind so alt wie ihr Bestehen. Eigentümer sind je zur Hälfte das Gut und die Gemeinde Tegel. Wenn die Brückenverwaltung die Brücke nicht zur unentgeltlichen Be- Nutzung freigeben will, so läßt sich vorderhand nichts dagegen tun. Dann muß aber energisch verlangt werden, daß die Verwaltung dem Publikum gegenüber voll und ganz ihre Pflichten als Verkehrs- gesellschaft erfüllt. Das ist jetzt in keiner Weise der Fall. Auch bei gutem Wetter und Massenandrang bleibt fast inrmer der Haupt- durchgang, das breite Gittertor, zur bequemeren Billettkontrolle ge- sperrt, was jeden Sonntag zu Sturmszenen Anlaß gibt. Schon im öffentlichen Sicherheitsinteresse hat die stetige Oeffnung dieses Haupt- eingangeS zu geschehen. Verhält sich die Brückenverwaltung nach wie vor passiv, so muß daS Publikum ein Machtwort sprechen. So wie bisher geht es nicht mehr weiter. Oder die Brücke muß planmäßig von den Ausflüglern mit einem kleinen Umweg um Schloßpark Tegel gemieden werden. » Auf de» Gewässern der Umgehung Berlins hatte sich an den beiden Pfingstfeiertagen ein lebhafter Ruder» und Seglerverkehr entwickelt, wie er bisher wohl noch nicht beobachtet wurde. So konnte man beispielsweise auf dem Müggelsee, auf dem Wannsce und auf dem Tegeler See Hunderte und Aberhunderte von Booten beobachten, und so manches der Fahrzeuge wurde von recht unsicherer Hand geleitet. Dies war wohl die Hauptschuld an den Unsällen, die sich besonders am Nachmittag des ersten Feiertages ereigneten. Auf dem Müggelsee und auf der Oberspree kenterten nicht weniger als nenn Boote. Zwei davon waren mit je sechs Per- sonen besetzt, die aber alle gerettet werden konnten. Bei einem Bootsunfall, der sich auf der unteren Havel zutrug, fand ein junger Mensch d e n T 0 d in den Fluten. DaS Fahrzeug war durch die hochgehenden Wellen eines vorüberkommenden Dampfers ins Schwanken gekommen und durch den Führer infolge falschen Ruderns zum Kentern gebracht worden. Es gelang leider nicht, den Ruderer zu retten.— Vom Tode des Ertrinkens wurden auf dem Tegeler See drei junge Leute gerettet. Sie waren ebenfalls des Ruderns nicht kundig und gerieten mit ihrem Fahrzeug in die Wellen eines Dampfers, wodurch das Boot umstürzte und alle drei ins Wasser stürzten. Die Mannschaften eines hinzukommenden Motorbootes retteten die Gefährdeten. Ein Dampferunfall, der zum' Glück ohne schwere Folgen blieb, ereignete sich am Abend deS zweiten Feiertages auf der Havel kurz vor Spandau, über den wie folgt berichtet wird: Gestern abend um v>/z Uhr kam der vollbesetzte Dampfer„Leopold von fftanle* von Potsdam die Havel herauf und versuchte die ge- schlossene Drehbrücke an der Lehrter Eisenbahn zu passieren. Dabei rannte er sich fest und der Schornstein mit dein Danipfrohr wurde eingedrückt. Infolge des Geräusches, das der ausströmende Dampf verursachte, entstand eine furchtbare Panik. Männer und Frauen schrien um Hilfe, so daß von allen Seiten Polizei und andere Leute hinzukamen, die die verzweifelten Menschen aus dem Dampfer herausholten. Einzelne Personen, namentlich Männer, waren bereits über Bord gesprungen und wurden von den in der Nähe liegenden Dampfern aufgelesen. An- scheinend sind weder Verletzungen schwerer Art nach Menschenleben zu beklagen. Einige Frauen haben einen Ncrvenchoc erlitten. Nach ungefähr zweistündiger Arbeit waren sämtliche Personen durch Boote oder über die Eiscnbahnbrücke aus dem Damvfer herausgeholt, der dann mit Wasser gefüllt werden mußte, damit er unter der Brücke fortgebracht werden konnte. Gegen 1 Uhr nachts war die Passage wieder frei. Die Dampfer- Gesellschaft.Stern' teilt hierzu mit: Gestern abend gegen 9>/z Uhr kam der besetzte Dampfer„Leopold von Ranke' vor die Lehrter Eiscnbahnbrücke in Spandau. Durch das Unwetter waren wahrscheinlich die Signallampen der Brücke nicht in Ordnung; in dem Glauben, daß die Brücke offen sei, steuerte der Steuernrann daS Schiff in langsamer Fahrt durch die Brücke. In dcnrselben Moment bemerkte er, daß diese geschlossen war. Infolge- dessen wurde der Schornstein heruntergeschlagen und das Rohr der Dampfpfeife beschädigt. Aus diesem Rohr strömte Dampf heraus. Dadurch entstand eine Panik auf dein Schiff, da das Publikum glaubte, es habe eine Kesselexplosion stattgefunden. Das Sonnenzelt wurde teilweise herabgerissen. Menschen sind aber nicht verletzt. Der Schiffsführer versuchte daS Publikum zu beruhigen und brachte dasselbe zum Teil über die anwesenden Schleppdampfer anS Land, zum Teil wurden die Passagiere durch zwei Motorboote der Gesellschaft nach Spandau gebracht, so daß sie von dort aus die Rückfahrt mit der Bahn antreten konnten.' In schwere Gefahr gebracht wurden am zweiten Feiertag abends zlvischen 9—10 Uhr Personen, die sich in Tegelort einem der Motor- gesellschaft Pieper gehörigen Motorboote zur Beförderung nach Tegel anvertrauten. Das Boot faßt nur 40 Personen, es waren aber mindestens die doppelte Zahl auf demselben. Es stellte sich heraus, daß das Boot defekt war und gänzlich fahrtuntüchtig. Die Maschine versagte und so trieb sich das Boot lange Zeit willenlos auf dem See umher. Beleuchtung fehlte, nur der Blitz erhellte auf einen Augenblick die Situation. Es entstand eine Panik; Frauen und Kinder schrien jämmerlich; Frauen verfielen in Schreikrämpfe und es bedurfte erheblicher Anstrengungen entschlossener Männer, die Gemüter zu beruhigen und Schlimmeres abzuwenden. Dampfer der Sterngesellschaft und ein zweites Motorboot des Herrn Pieper fuhren vorüber, ohne das in Gefahr befindliche Boot in der Dunkel- heit zu bemerken. Später nahm ein kleiner Dampfer da» Boot ins Schlepptau und brachte es nach Tegel. Passagiere haben den Vorfall der Polizei zur Kenntnis gegeben. Das Motorboot soll schon vor dieser Fahrt nicht mehr funktioniert haben. Gewitter verbunden mit Hagclschlag ging auch gestern wieder über Berlin nieder. Die Hagelkörner hatten zuweilen die Größe von Taubeneiern Der Fluchtlinienpla« für die Durchlegung der Lindenstraße durch das sie vom Spittclmarkt trennende Bauviertel hat die königliche Genehmigung erhallen und wird jetzt vom Magistrat endgültig öffentlich ausgelegt werden. Der neue zur Entlastung des östlichen Teils der Leipziger Straße bestimmte Verkehrsweg wird in einer Breite von 2t Meter bei einer Fahrdammbreite von 15 Meter die Lindenstraße gradlinig durch die Grundstücke Kommandantenstraße 81 und 82, Beuthstraße it, 1ö, 11 und 12 nach der Ecke Spittelmarkt und Wallstraße fortführen. Ucbcr Mißstände in der Irrenanstalt Dalldorf brachte die„Zeit am Montag" gestern einen Bericht. Danach seien in einer Ver- sammlung des Personals der genannten Anstalt folgende Klagen erhoben worden: Haus I werde im Durchschnitt mit 1t0 Patienten und 18 Pflegern belegt. An Schlafräumen sind 1t Zimmer niir 127 Betten vorhanden. Diese Zimmer haben zusammen 2700Kubik« meter Luftraum. Es kommen mithin auf die Person etwa 22 Kubik- meter, statt t0— 60 Kubikmeter, wie die Vorschrift laute. Die Luft. die darin herrsche, sei oft zum Umkommen. Das Personal müsse sich in denselben Becken waschen, welche von den Patienten, die oft init ansteckenden Krankheiten behaftet sind, benutzt werden. Die größte Miß- Wirtschaft bestehe jedoch im Badehause. Dort befinde sich ein Bassin. daS einen Wasserstand von etwa 1,20 Meter enthalte. In diesem bade das Personal von Haus I, der �diotenanstalt und der Küche. Das Wasser werde jedoch nur einmal m der Woche erneuert I Dall- dors versorge sich selbst mit Trinkwaffer; dieses habe jedoch meistens eine gelblich schmutzige Farbe, sei ungenießbar. Sehe man die Etats durch, so müsse man staunen, was das Personal und die Patienten für gutes Essen erhalten. In Wahrheit sei- das Gegenteil der Fall. DaS Gemüse sei gewöhnlich nur halb gar gekocht und komme bereits kalt auf den Pflegertisch. Die Wurst sei boller Sehnen und Gedärm. Das Extraessen bestehe meistenteils aus einer kleisterigen Sauce, kaltem Fleisch und Kartoffeln. Am Donnerstag gebe es gewöhnlich Brühkartoffeln mit Rindfleisch. Das Personal erhalte dazu eine saure Gurke, und dieses nenne man dann Extra-Effen— d. h. außergewöhnlich gut l Die Hälfte des Essens, das gekocht werde, wandere nach der Kolonie in die Schweineställe. Wie befremdlich hier gewirtschaftet werde, zeige sich darin, daß im Winter ISVS verfaulte Kartoffeln zentnerweise auf den Misthaufen geworfen seien, der Küche würden Patienten, die mit Syphilis behastet sind, mrt Fleischschneiden und dergleichen beschäftigt usw." Zu diesen Angaben äußert sich daS Rachrichtenamt der Stadt Berlin wie folgt: „Ans einer Versammlung des Pflegepersonals der Irrenanstalt Dalldorf verbreitete eine Zeitungskorreipvndenz falsche und über» triebene Klagen über die Zustände in dieser Anstalt. Daß in dem Hause I, welches für die erste Aufnahme bestimmt ist, zuweilen Ilcberbelegungcn borkommen, ist richtig. Diese Uebcrbelegung findet aber nicht in dem behaupteten Umfange statt und ist unvermeidbar, wenn eS sich um Kranke handelt, deren Abweisung aus Gründen der Humanität nicht erfolgen kann. Es wird aber unverzüglich für eine Verteilung der Kranken Sorge getragen. Daß die Pfleger unter dieser lieber» belegung mitleiden müssen, folgt daraus, daß man in Dalldorf, der ältesten der Berliner Irrenanstalten entsprechend den damals ge» stellten Forderungen die Einrichtung getroffen hatte, daß die Pfleger in den Zimmern der Kranken schlafen. In den neueren Anstalten geschieht dies nicht mehr und auch in Dalldorf ist bereits ein Teil der Pfleger in besonderenWohnräumen imObergeschotz untergebracht worden. Daß die noch in den Krankenzimmern schlafenden Wärter sich in den Becken waschen müssen, die von ansteckend Kranken benutzt werden, ist falsch, ansteckend Kranke kominen in die besonderen Räume des Lazaretts und haben selbstverständlich ihre besonderen Wasch« gelegenheiten. Das Bassiir, über das Klage geführt wird, ist auch noch eine in den anderen Anstalten nicht mehr bestehende, der früheren Jrrenpflege entsprechende Einrichtung. Es sind in» zwischen in allen Pavillons Badewannen eingerichtet worden und die Verwaltung ist auf die Benutzung dieses übrigens rings von Brausebädern umgebenen Bassin? nicht angewiesen, die Benutzung wird nicht angeordnet, sondern in daS Belieben gestellt. Es loird denn auch nur wenig benutzt, so daß auch hier schon die Ueberbauung des Bassins in Erwägung gezogen ist. Unwahr sind die Angaben über die Beschaffenheit des Trinlioassors. Es wird ständig vom städtischen Untersuchungsamt untersucht, ohne daß sich hierbei oder bei den häufigen Revisionen der An» stnlt Anstände ergeben hätten. Ueber die Beschaffenheit des Essens sind der Verlvaltnng keinerlei Klagen zugegangen. Die Behauptung, daß syphiliskranke Patienten in der 5tüche mit Fleischschneiden beschäftigt würden, ist gleichfalls unwahr. Ansteckend Kranke werden selbstverständlich überhaupt in der Küche nicht beschäftigt. Im übrigen werden dort nur weibliche Kranle und diese auch nur mit Rciuigungsarbeiten und Kartoffelschälen be» schäfligt.' Wir sind im einzelnen nicht unterrichtet, inwieweit die erhobenen Klagen des Personals mit dem Versammlungsbericht übereinstimmen, haben auch keine Möglichkeit gehabt, eine Nachprüfung der Klagen vorzunehmen. Unserer Verwunderung müssen wir aber Ausdruck geben, wenn die Verwaltung der Irrenanstalt Dalldorf von Klagen des Personals über das Essen keine Kenntnis haben will. Diese Klagen sind leider schon oft erhoben worden und unserer Ueber» zeugimg nach vollkommen berechtigt. Daß noch keine Abhilfe erfolgt ist, ist schlimm genug. Tödlicher Unfall eines Bankdirektors. Im Bankgebäude des Berliner Kassenvereins, Hinter der katholischen Kirche 2, spielte sich am Pfingstmontag früh ein tragischer Vorgang ab. Der dort im dritten Stockwerk wohnende stellvertretende Vaukdirektor Adolf Harprecht, der seit 47 Jahren Beamter des Kassenvereins und in letzter Zeit stellvertretender Direktor war, litt an Hcrzasfektionen. Als er nun vorgestern früh die Jalousien seines Schlafzimmers hochzog und die Fenster öffnete, erlitt er plötzlich einen Krampf- anfall. Hierbei verlor er das Gleichgewicht und stürzte in den Garten hinab. Ein von der nächsten.Unfallstation herbeigeholter Arzt konnte nur den bereits eingetretenen Tod feststellen. Harp- recht war 66 Jahr alt und hinterläßt zwei Söhne, die beide Re- gicruiigsbaumelstcr sind.> Ein schwerer Straßenbahuunfall hat sich am Sonnabend abend zugetragen. Gegen 10 Uhr verließ die 43jährige Korbwarenhänd- lerin Mathilde Hahn aus der Lnisenstraße 24, an der Ecke der Marien- und Luisenstraße den Hmterperron eines von ihr zur Fahrt nach Hause benutzten Straßenbahnwagens der Linie 57 trotz der Warnung des Schaffners, als sich der Waggon schon in der Anfahrt zur Haltestelle befand. Frau H. kam zu Fall und stürzte so unglücklich auf das Straßcnpflaster, daß sie besinnungslos liegen blieb. Die Verunglückte erlitt einen schweren Schädelbruch und Bruch des rechten Unterschenkels, fotvie erhebliche Hautab- schürfungen und wurde in bedenklichen� Zustande in die Charit« eingeliefert.— Am 15. Mai, 1. Pfingstfeiertag, abends 8� Uhr, wurde ein unbekannter Mann, zirka 46 Jahre alt, von der Städtischen Elektrischen Straßenbahn an der Berg- und Bernauer» straßenecke überfahren. Derselbe wurde blutüberströmt nach dem Lazaruskrankenhause getragen, wo er an einer Kopfverletzung schwer daniederliegt. Warnung. Bereits im Laufe des borigen Jahres sind die deutschen Arbeiter in der Presse wiederholt davor gewarnt werden, Beschäftigung bei dem Bau der Madeira-Mamoro-Eisenbahn im Ge» biete des oberen Amazonasstroms anzunehmen. Von den Arbeitern, die sich, durch scheinbar günstige Angebote verleitet, im Herbst dornen Jahren In zwei größeren Transporten aus Deuischland in daS Vahnbaugebict begeben hatten, ist eine große Anzahl zu Grunde gegangen. DaS äußerst ungünstige Klima, sowie zum Teil auch die Verpflegnngsvcrhälmisse im Bahnbangebiete haben in kurzer Zeit die Ecsnndheil der Leute auf- gerieben. Ein großer Teil von ihnen ist den schädlichen Einflüssen des iilimas erlegen! andere sind infolge ihres schlechten Gesundheits- zustandcs auf lange hinaus arbeitsunfähig geworden. Nach neuen Berichten aus Brasilien hat es den Anschein, als ob die Eisenbahn- gesellschaft ihre Versuche fortsetzt, Arbeitskräfte für ihr Unternehmen zu gewinnen. Allerdings ist von einer Ausdehnung der Anwerbungen auf' Deutschland selbst in letzter Zeit nichts mehr bekannt getvorden, vielmehr scheinen die Agenten der Gesellschaft zunächst in Argentinien ihre Tätigkeit entwickeln zu wollen. Wie dem auch sei, es kann nicht eindringlich genug bor den Gefahren gewarnt werden, denen deutsche Arbeiter bei dem Bau der Madeira-Mamorä-Bahn ans« gesetzt sind. DaS Schicksal der im vorigen Jahre dahin ausgereisten Deutschen sollte die Arbeiterschaft davon abschrecken, trotz noch so günstig scheinender Vertragsangebote der für die Eisenbahngesellschaft tätigen Agenten, sich von diesen anwerben zu lassen. Ein Temonftrationszug von Schützenbrüdern bewegte sich am 2. Feiertage unter klingendem Spiel vom Rathause nach dem Schle- fischen Bahnhofe, um mit einem Extrazug nach Kaulsdorf zu fahren. An der Markusstraße wollte ein Herr, der anscheinend dem besseren Publikum angehörte, eine ungefähr vier Meter breite Lücke des Zuges benutzen, um nach der andern Seite zu kommen und einen daherkommenden Straßenbahnwagen zu besteigen. Es glückte ihm daS auch, aber Schützenbrüdsr hatten einen Schutzmann auf den Mann aufmerksam gemacht. Dieser holte den Uebeltäter vom Straßenbahnwagen herunter und sistiertc ihn zur Wache. Einige Angehörige der Gilde meinten:„Das schadet Ihnen gar nichts! Sie haben hier nicht durchzugehen!" Was die Leute sich eigentlich denken? Und wie kommt der Schutzmann dazu, den Mann zu sistieren? Dazu hat er doch gar kein Recht. Er sollte im Gegenteil dafür sorgen, daß der Verkehr frei bleibt. Nach Herrn v. Jagow gehört die Straße dem Verkehr. Da haben unsere Genossen am t3. Februar und 6. März ganz anders und zwar aus eigener Initiative dafür gesorgt, daß daS Publikum ungehindert die Straße überschreiten konnte. Aber Schützenbrüder scheinen das Privilegium zu haben, den Berkehr' stören zu können. Vor den Augen seiner Geliebten inS Waffer gesprungen und er trunken ist der 26 Jahre alte Arbeiter Franz Hippe ans der Wiener Straße 46. Der junge Mann hatte seit seckis Wochen ein Verhältnis mit der 20 Jahre alten Kellnerin Frida Stolz, die er in einer Kneipe kennen lernte. In der Nacht zum ersten Feiertage machte er mit ihr und vier seiner Bekannten eine Bierreise. Um L'/z Uhr nachts verabschiedete sich das' Paar von den Freunden Hippes und ging nach Boxhagen zu, wo das Mädchen wohnt. Am Luisenstädtischen Kanal beklagte' sich die Stolz, daß Hippe seinen Freunden Nachteiliges über sie gesagt habe und erklärte, baß sie aus diesem Grunde an den Feiertagen mit einem anderen ausgehen werde. Hierüber kam es denn zu einem heftigen Streit, in dem auf beiden Seiten Schimpfworte fielen. Plötzlich sprang Hippe von der Wassertorbrücke in den Kanal. Seine Begleiterin warf ihm den RcttungSball zu, er stieß ihn jedoch zurück, ging unter und er- trank. Seine Leiche wurde mittags gelandet. Zahlreiche Einbrüche und Diebstähle werden von den Pfingst tagen gemeldet. Die Langfinger benutzten die Gelegenheit, viele während der Feiertage verlassene Geschäfte und Wohnungen gründ- lich auszuplündern. Am schlimmsten werden immer die ärmeren Leute betroffen, denen vielfach Gegenstände gestohlen wurden, deren Erwerbung ihnen jahrelange Mühe und Arbeit gekostet haben. DaS Ergebnis der Berliner Flugwoche. Der Besuch der Berliner Flugwoche in Johannisthal ließ auch an den beiden Pfingstfeiertagen zu wünschen übrig, so daß die Ver anstalter mit einem nicht unerheblichen Defizit abschließen dürften. Für die Flugtechnik selbst� ist das bedauerlich. Denn innerhalb unserer kapitalistischen Gesellschaft darf die Technik nur dann des Fortschrittes sicher fein, wenn sie arif klingenden Erfolg rechnen kann. An dem, sagen wir einmal nur t c i l w e i s e n Gelingen der Flugwoche trug sicherlich nicht nur daS recht ungünstige Wetter schuld, sondern auch die Ungeschicklichkeit der Veranstalter. Daß Deutschland, in dem eine Sechsmillionenspende für den Grafen Zeppelin zusammenkam, in seinen besitzenden Kreise» so wenig Interesse für die Flugmaschine und ihre EntWickelung bekundet, daß alles in allem nur für 80 000 M. Preise für die.Internationale Flugwoche in Johannisthal", die einzige, die in diesem Jahre in Deutschland stattfindet, zusammenkamen, ist ein bedenkliches und keineswegs ehrenvolles Zeichen. In Frankreich sind zirka 6 Millionen für Preise für die verschiedenen Flugmeetings bereits gesichert, und das demnächst in Budapest stattfindende internationale Flug- Meeting steht zirka'/s Million an Preisen vor. Daß bei den arm- seligen Preisen in Johannisthal renommierte Flieger des Aus- lande« nicht in Betracht kamen, stand von vornherein fest. Man mußte sich deshalb, von einigen unbekannten Ausländern und dem einzigen Belgier de Caters abgesehen, mit deutschen Fliegern begnügen. Nun hat zwar die Flngwoche in Johannisthal bewiesen, daß auch diese deutschen Flieger, in erster Linie Jeannin, Kapitänleutnant Engelhardt und Frey in ihren Leistungen auch den hervorragenden Ausländern ziemlich ebenbürtig sind, ein Faktum. das beweist, daß der Flugsport nicht die Sache einiger Aus- erwählter ist, sondern etwas, das von jedem erlernt werden kann; ollein die Masse erwartet bei dem Ausbleiben einiger.großer Kanonen" nur sehr bescheidene Leistungen und blieb der Ver- anstaltung fern. Das war um so mehr der Fall, als es die Leitung der Veranstaltung an der nun einmal unentbehrlichen Reklame durch die Presse hatte fehlen lassen. Ein weiterer Fehler war, daß man der Veranstaltung den Charakter des Exklusiv- Sportlichen aufzudrücken beliebt hatte, vor allen Dingen damit zu rechnen, daß dem Publikum etwas boten werden mußte. Ten Clou allerorten die Bewerbung um den der Höhenflug beweist.ja auch f l u g am Luft durch ins Auge Fallendes ge- des Flugmeetings bildet Höhenrekord. Gerade neben dem Dauer- augenscheinlichsten, welcher Grad der Beherrschung der die Flugmaschinen bereits erreicht ist. In Johannisthal gab eS überhaupt keinen Preis für den Höhenflug! Dagegen oerlangte man bei dem.Höhenknrvenflug" allerhand Akrobatenkünste, die uns einstweilen wirklich noch verfrüht er- scheinen. Wenn die Besitzer deS Flugplatzes in Johannisthal bei künftigen Veranstaltungen bester abschneiden wollen, werden sie die Veranstaltungen derartig einrichten müssen, daß auch die große Masse aus ihre Kosten kommt. Der Wettbewerb bei Dauer- und Höhenflügen— dem für die Aviatik einstweilen auch aller- wichtigsten— wird bei weitem das lebhafteste Interesse erregen und sollte deshalb die H a u p t r o l l e auf allen Veranstaltungen spielen müssen. DaS Ergebnis der Flugwoche ist folgendes: Danerpreis: 1. Preis 10000 M.: Jeannin �deutscher Farman- Apparat), 2 Std. 11 Min. 2. Preis 2000 M.: Kapitän Engelhardt (Wright), 1 Std. 27 Min. 2. Preis: 1000 M.: Fceh(Farman) 60 Min. Passagierpreis; 1. Preis 2000 M.: Kapitän Engelhardt, 24 Min. iß Sek. 2. Preis 1000 M.: Frey. 22 Min. 15 Sek. LandnngspreiS: 1. Preis 4000 M.: de Caters(Voisin), 32,3 Meter von der markierten LandungSlinie. 2. Preis 1000 M.: Jeannin, 63,69 Meter. Gleitflugpreis: I. Preis 60 M.: de CaterS. 193.27 Meter mit abgestelltem Motor von einer festgelegten Stelle ans. 2. Preis 2000 M.: Jeannin. Höhenkonknrrenzpreis: 1. Preis 4000 M.: de Caters, 40 Meter drei gespannte Leinen unter- bezw. Llierflogen. Totalisati onSpreis für die längste während der ganzen Woche geflogene Zeit: 1. Preis 3000 M.: Jeannin> 5 Std. 13 Min. 2. Preis 2000 M.: Engelhardt. Täglnbe Fnchpreiie 1000 M. 500 M. gewannen: Engelhardt 2000 M., Jeannin 1600 M.. Svendsen 1000 M.. de Caters 2000 M., v. Garrissen 500 M., Theten 500 M., Frey 500 M. Preis für den kleinsten Kreis 7000 M.. 3000 M. 1. Preis 7000 M. Jeannin-Bcrlin, 115 Meter, 2. Preis 8000 M. Frey. 163 Meter. Ehrenpreis der Stadt Berlin: Jeannin. Es gewannen: Jeannin 17 500 M., de CaterL 15 000 M., Engelhardt 8000 M., Frey 2500 M.. Svendsen 1000 M.. v. Gorrissen. Theleu je 500 M._ Wegen dedeutender Nntcrschlagiingcn ist der 33 Jahre alte Bureau- Vorsteher Georg Krüger aus der Sprengelstr. 33 flüchtig. Krüger, der seit fünf Jahren bei einem hiesigen Rechtsanwalt angestellt war, ver- ließ am Tage vor Himmelfahrt seine Frau, mit der er seit acht Jahren kinderlos verheiratet ist, unter dem Vorwande, sich eine neue Stellung ansehen zu wollen. Von diesem Ausgange lehrte er nicht wieder zurück und auch im Geschäft ließ er sich nicht mehr sehen. Nachdem ihm der Rechtsanwalt den Entlassungsbrief gesandt hatte, erschien am nächsten Tage iin Bureau eine Frau, die sich erkundigte, wie ihr Ehescheidungstermin iin April ans- gefallen sei. Sie zeigte ein mit der Namensunterschrift des Rechtsanwalts versehenes Schriftstück vor, das sie aufforderte, ihre Heiratsurkunde noch beizubringen. Sie werde dann von dem Ausfall des Termins benachrichtigt werden. Nun ergab sich, daß der Rechtsanwalt von dieser Scheidungsklage gar nichts wußte. Seine Namensunterschrift war gefälscht. Aber nicht nur auf diesem Schriftstück, sondern auch auf einer Reihe von Quittungen. Krüger hatte allerhand Sachen angenommen, dem Anwalt nichts gesagt und das Geld eingesteckt. Die Prüfung der Akten und der Bücher deckte eine ganze �leihe von Unterschlagungen und Fälschungen auf. Wie die Ermittelungen ergeben haben, spielte Krüger den Lebemann. Er verkehrte viel in den besten Lokalen der Friedrichsiadt, fuhr gern Auto und erschien häufig mit kostspieliger Begleitung aus der Rennbahn. Die Fahrraddicbe treiben es in diesem Frühjahr wieder un- heimlich. Im ersten Vierteljahr des lausenden Jahres sind bereits 150 Raddiebstähle mehr verübt werden als in dem gleichen Zeitraum des vergangenen Jahres. Der Zunahme der Diebstähle entsprichtauch die der Festnahme der Diebe. In den Pfingstfeiertagen allein wurden wieder acht dieser Spezialisten festgenommen, em gewisser Brock in der Denmnner, Kernipeck in der Eberswalder, Rochow in der Seydel-, Meißner in der Möckernstraße, Lachmann in der Bärwald- straße, Trigalski und Hellmann in Friedenau, jener in der Stuben- rauch-, dieser in der Rheinstraße; zuletzt ein Arbeiter Karl Kragowski in der Jnvalidenstraße. Dieser ist ein alter Bekannter der Straf- behörden. Er hatte in Hohen-Neuendorf ein Rad entwendet und war damit nach Berlin gekommen. Ein Frauenbein wurde gestern an der Brommhbrücke aus der Spree gelandet. Wie die Ermittelungen ergaben, hat der Leichenteil bereits mehrere Monate im Wasser gelegen. Die Verwesung, die bereit« stark vorgeschritten ist, deutet darauf hin. Es ist nicht aus« geschlossen, daß der Unterschenkel tatsächlich zu dem seinerzeit auf- geftmdenen Frauenrumpf gehört. Die Fundstelle ist aicht allzuweit von jenem Ort entfernt, an dem seinerzeit der Frauenkörper entdeckt wurde. Vielleicht kann es sich auch um das Bein einer Selbst' Mörderin handeln. Straßensperrung. Das Polizeipräsidium teilt mit: Die Knmew straße von der Friedrichstraße bis zur Kanonierstrahe wird behufs Asphaltierung vom 18. d. M. ab bis auf weitere? für Fuhrwerke und Reiter gesperrt. Beim Frühkonzert deS Gesangvereins„Solidarität" in Lud- wig'S Viktoriagarten, Treptow, ist ein Damenring gefunden woi' den Zur Abholung durch die Verliererin liegt derselbe bei Carl Engel, Rixdorf, Weisestratze 24 II, bereit. Im Thaliatheater wurde am Sonnabend der Schwank»Glück bei Frauen" von Alexander Engel und JnliuS Horst zum ersten Male ansgeliihrt. In dem Stück spielt eine mit Damenwäsche handelnde Kokotte eine Hauplrolle, die zugleich in der Liebe Stunden gibt, Männern wie Frauen. Die Anzüglichkeiten entlockten zwar manches verständnisinnige Lachen, waren aber im ganzen ohne Einfluß aus die tieferen Gehalt entbehrende Novität. Im Bernhard Rofttheatrr beherrscht in dieser Woche die erfolg- reiche Komödie»Die Schmuggler" von Dinier den Spielplan. Arbeitcr-Snnmriter-Bund, Kolonne Verlin. Morgen Donnerstag, abends 9 Uhr: Uebungsstuude der 4. Abteilung im neuen Uebungs- lokal in Lichtenberg bei Pickenhagen, Scharnweberstr. 30, nahe der Kronprinzenstraße. Neue Kursusleitnehmer können jetzt schon ein« treten. Der Beilrag für den ganzen Kursus beträgt 2 M. Dafür wird ein Lehrbuch geliefert. Außerdem sieht eine reichhaltige Bibliothek den Teilnehmern zur Verfügung. Gäste haben einmaligen freien Zutritt._ Vorort- Nadmcbtem Rixdorf. Aus der MazistratSsitziing. Der Magistrat stimmt dem vor- gelegten Projekt sür den Neubau der zweiten Feuerwache grundsätz- lich zu.— In der Angelegenheit betreffend die Bildung von stalisti« scheu Bezirken wurde der bei den Akten befindlichen Tabelle mit der Maßgabe zugestimmt, daß der 7. Bezirk die Bezeichnung»Innen» stadt" erhalten soll.— Dem vorgelegten Projekt und Kostenanschlag sür die gärtnerische Ausgestaltung deS Wartheplatzes wurde zu- gestimmt. Der Beschluß der Stadtverordnetenversammlung wurde mit der Maßgabe genehmigt, daß die Anlagen in diesem Jahre nur soweit ausgeführt werden tollen, als die vorgeschrittene Jahreszeit dies gestattet. H rcptow-BanmschuIemveg. In der letzten Gcmeinbcvertrctersitzuug am Freitag vor den Feiertagen kam Herr Bürgermeister Schablow unter„Mitteilungen", bei welchen in der Regel eine Debatte nicht beliebt wird, nochmals auf die Versagung des Maifestumzuges zu sprechen. Dabei hat er nach dem Amtsblatt erklärt:„Meine Verfügung, in der die Ver- sagung begründet wurde, ist veröffentlicht worden, aber nur zum Teil, nicht vollständig. Man hat namentlich Punkte, die sür die Begründung wesentlich waren, übergangen." Diese Behauptung ist gänzlich unzutreffend. Weggelassen sind in der Äeröffentlichung leviglich die Angaben von Polizeibeamten und Privatpersonen über angebliche EinzelauSschreitungen von Arbeitern, auf Grund deren Herr Bürgermeister Schablow zu der Schlußfolgerung kam, daß die sozialdemokratisch gesinnten Arbeiter zu Ausschreitungen geneigt seien, die Rechte dritter Personen nicht achteten usw. Diese Schlußfolgerungen sind wort» und sinngetreu veröffentlicht worden. Bei den Angaben selbst handelte es sich aber nur um einseitige Darstellungen. In keinem einzigen Falle hat eine geordnete Unter- suchung behufs Feststellung des wirklichen Tatbestandes statt. gefunden. Wenn Arbeiter zum Herrn Bürgermeister kämen und ihm erklärten, die und die Beamten haben ungehörige Aeußerungen getan oder tadelnswerte Handlungen vollführt, würde der Herr Bürgermeister sich augenblicklich des alten Spruches erinnern: Eines Mannes Rede ist keine Rede. Er würde den Beschwerdeführern sofort erklären:„Schön! Das sind Ihre Angaben. Jetzt wollen wir aber auch erst die betreffenden Beamten hören!" Handelt eS sich etüer um Verdächtigungen von Arbelke>!n, bann KkrS feffe 8» schuldigung sofort zur absoluten Wahrheit. Zu allem Ueberfluß sind diese Angaben in den an die Vev« öffentlichung geknüpften Erörterungen kurzerhand als wahr unter- stellt worden. Aus dem einfachen Grunde, weil auch dann, wenn sie alle bis auf das Tüpfelchen über dem i richtig wären, der sozial- demokratischen Partei als solcher daraus kein Strick gedreht werden könnte. Denn in allen Korporationen und Geselljchaftsschichten gibt es Personen, die als Einzelwesen Ausschreitungen begehen. Klar und scharf ist ausgesprochen worden, daß die Verfagung nur mit dem Nachweis begründet werden konnte, daß die Partei als solche, wo sie als verantwortliche Organisation aufgetreten ist, Aus- schreitungen verübt hat usw. Dieser Nachweis war zi» fuhren! Er konnte selbstverständlich nicht geführt werden. Und weil er nicht zu führen war, mußten leere Redensarten herhalten. Wären die Einzclangaben, auf denen der Herr Bürgermeister seine Schlußfolgerungen ausbaute, mit veröffentlicht und analysiert wo�en, hätte sich i» noch höherem Maße die gänzliche Haltlosigkeit der Versagung ergeben, und die Kritik hätte noch schärfer aussallen müssen. Wenn der Herr Bürgermeister nebenher noch bemerkte, daß gegen die Versagung bisher ein Rechtsmittel nicht eingelegt worden sei, und damit zu verstehen gab, daß die Veranstalter die Ver- sagung wohl selbst für unanfechtbar halten, so ist darauf folgendes zu erklären: Es gibt verschiedene Rechtsmittel. Das Wuchtigste ist der Appell an die Oeffentlichkeit, an den Rechts- und Äerechtig- keitssinn unseres Volkes. Von diesem Rechtsmittel haben wir Gebrauch gemacht und wir sind mit dem erzielten Erfolge mehr als zufrieden. Und wenn in den maßgebenden Kreisen beliebt werden sollte, weiter so zu verfügen und zu versagen— wir können es aus- halten. Denn wir wissen sehr genau, aus welcher Seite Kredit und auf welcher Debet stehen wird, wenn eines Tages die große Schluß- bilanz über diese Art der Rcgiererei aufgemacht werden wird. KaulSdorf. Ein aufregender Unglücksfall hat sich vorgestern nachmittag auf dem hiesigen Schützenplatz zugetragen. Die Kaufmannsfrou Elisabeth Hartwig hatte mit ihrem dreijährigen Söhnchen eine Luftschaukel bestiegen und als diese in starker Bewegung war. rutschte Frau H. ab und stürzte mitsamt ihrem Kind, das sie auf dem Schoß hielt, in weitem Bogen aus der Schaukel heraus. Die Bedauernswerte brach sich den Arm an zwei Stellen, auch das Kind erlitt einen schweren Armbruch. Die beiden Verletzten wurden nach dem Kranken« Haus gebracht. Wünsdorf b. Zossen. Ein mysteriöser Todesfall beschäftigt zurzeit die Behörde. Am Sonntag früh wurde in einer Scheune der Arbeiter Voß tot auf« gefunden. Sanitätsrat Dr. v. Ubisch auS Zossen hat, wie uns mit- geteilt wird, erklärt, daß der Tote an dieser Stelle nicht gestorben ist. Die Frau des Verstorbenen behauptete zunächst, daß V. im an- getrunkenen Zustande vom Boden gefallen sei. Da man die Aus- sagen der Frau jedoch für widerspruchsvoll hält, wurde sie in Haft genommen. Reinickendorf. Einen entsetzlichen Tod erlitt am Pfingstsonnabend der dreijährige Sohn Paul deS in der Berliner Straße wohnhaften Arbeiters Schulz. Der Knabe saß in der Waschküche, während die Mutter wusch, auf einem Stuhl. Als der Kleine zu seiner Schwester laufen wollte, fiel er hin und riß dabei ein auf dem Boden stehendes Gefäß mir heißem Wasser um, das sich über den Körper des Kindes ergoß. Der Knabe wurde entsetzlich verbrüht und verstarb im Kinderkrankenhause in der Reinickendorfer Straße, wohin er gebracht wurde, bald nach seiner Einlieserung. Spanda«. Arbeiter! Parteigenossen! Der Magistrat hat den Termin der Neuwahlen der Gewerbe» gerichtsbeisttzer(Arbeitnehmer) auf D i e n S t a g, den 24. Mai, festgesetzt. Gewählt wird in der Zeit von vormittags 10 bis 2 U h r und nachmittags von 4 b t» 8 U h r. Die Arbeiter Spandaus und auch diejenigen, die zwar nicht in Spandau wohnen, jedoch im Ort ihre Tätigkeit ausüben, werden auf diese Wahl auf« merksam gemacht. Wenn auch im allgememen daS Interesse und die Anteilnahme an den politischen Wahlen reger ist, als es bei den GcwerbcgerichtS- und anderen Wahlen zu sein pflegt, so darf andererseits von den Arbeitern nicht vergessen werden, daß diese Wahl nach dem Ver- hältniSwahlshstem stattfindet. Es erhält demnach jede Gruppe gemäß ihrer Stimmenzahl die entsprechende Anzahl der Kandidaten. Um eine planmäßige, starke Beteiligung herbeizuführen, witd die GewerkschaftSkommission eine Kontrollmarke herausgeben, die jedem, der sie nach Erfüllung seiner Wahlpflicht verlangt, zum Einkleben in sein Organisationsbuch oder sonstigen Ausweis be- händigt wird. Wahlberechtigt sind alle Arbeiter und Gewerbegehilfen, die am Tage der Wahl das 25. Lebensjahr haben und in dem Bezirk deS Gewerbegerichts wohnen oder beschäftigt sind. Bei Ausübung der Wahl haben fich die Wähler vor dem Wahl» Vorstande auf Erfordern über ihre Wahlberechtigung auszuweisen. Hierzu genügt für die Arbeitnehmer ein Zeugnis ihres Arbeit- g e b e r S oder der Polizeibehörde, durch welches bestätigt wird, daß der Arbeiter innerhalb des Gewerbegerichtsbezirks in Ar- beit steht oder wohnt. Nicht wahlberechtigt find solche Arbeiter und Gehilfen. die bei einem JnnungSmeister beschäftigt sind und für die ein JnnungSschiedsgericht besteht. Gewählt wird für Arbeitnehmer: e) deren Zuname mit den Anfangsbuchstaben A bis K beginnt, im Restaurant»Zur a l m e", R i t t e r st r. 12; d) deren Zuname mit den Anfangs- buchstaben I, bis Z beginnt, im Restaurant»Roter Adler". Potsdamer Str. 6. Wir machen nochmals auf die heute Mttwoch, abends 8 Uhr. bei Böhle, Havelstr. 20, stattfindende öffentliche Versammlung auf« merlsam, in welcher Gewcrkschaftssekretär Eugen Brückner über: »Die Bedeutung des Gewerbegerichts und der Wahl" sprechen wird. Arbeiter, erscheint hierzu in Massen I Die GewerkschaftSkommission Spandau. I. A.: Karl Ritzmann, Bismarckstratze 6. Potsdam. Stadtverordnetenfitzung. Zunächst wurden 24 000 M. für den Abputz des städtischen Krankenhauses bewilligt. Abgelehnt wurde die Magistratsvorlage, nach der ein Teil des den Insassen der Brendel- Stiftung zur Verfügung stehenden Gartens zur Ver- größerung einer Konservenfabrik verkauft werden sollte. Man stellte dem Magistrat anheim, das ganze Grundstück zu verkaufen und dann an anderer Stelle einen geräumigen Neubau aufzuführen.— Den jährlichen Zuschuß an den Verein„Jugendhort" erhöhte man von 300 M. auf 1400 M. Es wurden 600 M. weniger bewilligt als beantragt waren, weil die Stadtverordneten die Kosten der Aussicht für zu hoch hielten. So werden für Mittagstisch für ärmere Schüler 260 M., für Miete 240 M. und für B e a u f- sichtigung 1440 M. gezahlt, davon allein 600 M. für Ober- aufsicht an zwei Rektoren.— Gegen den Bebauungsplan der Leipziger Straße sind mehrere Einsprüche erhoben, von denen der des Siadtv. F r e d e n h a g e n, der für abzutretendes Gartenland einen un- verhältnismäßig hohen Preis fordert und des MilitärfiskuS(Proviant- amt) eine Absetzung der Vorlage.notwendig machten.— In der nichtöffentlichen Sitzung verlieh man dem bisherigen Leiter des städtischen Wasserwerkes den Titel.Direktor" und erklärte sich ein- verstanden, einem Betriebsunterbeamten die Invalidenrente aus die städtische Rente nicht anzurechnen. Verantwortlicher Redakteur Richard Barth. Berlin. Für den Inseratenteil veran'w.: Th. Glocke, Berlio. Krück».Verlag: Vorwärts BuchdruSerei g. VxxlagSgnstalt Pggj Zipgei& goH'Kerl ig SW."