Ar. 114. HbonnementS'Redlngan�n: Abonnements■ Preis pränumerando i Bierleljährl. 330 SDJf., monatl. 1,10 Mb, wöchentlich 2a Pfg, frei ins HauS, Einzelne Nummer 5 Pig, Sonntags- »Ummer mit illuslrierlcr Sonntags« Beilage»Die Neue Welt" 10 Pfo. Post» ilbonnement: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post.ZeitungS» Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich. Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland 3 Marl pro Monat. PostavonnementS nehmen an: Belgien. Dänemark Holland, Italien, Luxeniburg, Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz, 37. Jahrg. OWKint Wich aa8 „Aleine Anreizen", das erste(fett- gedruckte) Wort 20 Psg„ jede» weitere Wort 10 Psg. Stellengesuche und Schlaf» ftcllen-Anzeigen das erste Wort 10 Psg» jedes weitere Wort 5 Psg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer niüssen bis S Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expeditioil ijt bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm. Adreffe: „SczlaliUnisKrat Rerlio'*. Zentralorgan der fozialdemokratifchen parte» Deutfcblands. Redahtion» SM. 68, Lfndenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IT, Nr. 1983. NaMchmigischer AahZrechtzkamps. (Schluß.)- Nachdem wir die Verhältnisse geschildert haben, aus denen allein das sonst unglaubliche Verhalten der braunschweigischen Gewalthaber zu erklären ist, möge eine zusanunenfassende Darstellung des letzten Prozesses folgen, der mit einer Ver» urteilung des„Volksfremid"»Nedakteurs Wesemeier seinen Ab» schluß fand. Die Anklage hatte zwei verschiedene Fälle zusammen- gefaßt: eine angebliche Landtagsbeleidigung und eine aus 20 Artikeln herausgeschälte Polizeibeleidigung. Der den Landtag beleidigende Artikel stellte einfach fest, daß der Landtag am 25. Januar, einen Tag vor seiner Eröffnung, in nicht ordentlicher und nicht öffentlicher Sitzung gegen die Verfassung das Mandat des Genossen Jasper für ungültig erklärt hatte. Der Landtag hatte sich durch diesen Artikel gar nicht beleidigt gefühlt, auch der Staatsanwalt hatte den Artikel unbeachtet gelassen. Erst nach Monaten, als ein anderer Artikel gegen den Landtag im„Volksfreund" erschien, grub der Staatsanwalt auch den ersten Artikel aus, offenbar um eine härtere Strafe für Wesemeier erwirken zu können. Die Polizeibeleidigung wurde in zwanzig Artikeln ge- funden, die sich mit dem am 26. Januar von der Polizei auf friedliche Demonstranten veranstalteten Blutbad beschäftigten. Der„Volksfrennd" hatte behauptet, daß die Polizei auf die vor dem Ministerialgebäude versammelte Menge ohne Grund plötzlich mit blanken Säbeln eingehauen und sich überaus brutal benommen hätte, woran dann die entsprechende Kritik geknüpft worden war. Der Reinwaschungsprozeß begann mit einer Beschränkung der Oeffentlichkeit. Nur zwanzig Personen wurden in den Zuhörerraum zugelassen. Gegen sonstige Gepflogenheiten wurde der große leerstehende Schwurgerichtssaal nicht benutzt. Ja die Verhandlung wurde sogar jeden ziveiten Tag ausgesetzt. damit inzwischen auch die andere Strafkammer tagen könnte. So groß war die Scheu, in einem geräumigen Saale vor breitester Oeffentlichkeit zu verhandeln. Am ersten Prozeßtage lehnte die Verteidigung den Ge- richtshof, dem ein sattsam als Sozialistenhasser bekannter Landgerichtsdirektor Roßmann präsidierte, als befangen ab, weil der Vorsitzende in einem früheren Prozeß gegen Wese- meier die Ladung von Entlastungszeugen nicht zugelassen hatte, weil sodann die Richter dem Rcichsverbande zur Be- kämpfung der Sozialdemokratie angehörten und weil schließlich ein Richter geistig erkrankt und deshalb unfähig sei, als Richter zu fungieren. Der Ablehnung wurde nicht stattgegeben. Der Gerichts- Hof sei trotzalledem unbefangen. Dagegen wurde der Ver- teidiger Dr. Jasper wegen der Begründung der Ablehnung mit der Erkrankung des Richters in eine Ordnungsstrafe von 50 M. genommen. Auch ein Disziplinarverfahren ist gegen ihn eröffnet worden. So gehts vor braunschweigischen Gerichten zu. Die Verteidigung lehnte den Gerichtshof nochmals ab und zwar mit neuen Gründen, unter anderen damit, daß jener Roßmann in einem anderen Prozeß gesagt hatte, die Staats- behörden seien nicht dazu da. sich gegenseitig zu befehden, sondern zu unterstützen. womit doch unumwunden zugegeben wurde, daß die Justiz Partei für die Behörden nehmen müßte. Der Vorsitzende zeigte seine Unbefangenheit gleich dadurch, daß er den Verteidiger Dr. Jasper gar nicht ausreden ließ, sondern ihn mit dem Einwand unterbrach, es werde ihm nicht gelingen, seinen Antrag zu begründen. So oft die Verteidigung Fragen an die Polizisten stellte, die die Sachlage hätten aufklären können, ließ der Vorsitzende die Fragen nicht zu. Das Ersuchen der Verteidiger, einen Ge- richtsbeschluß herbeizuführen. lehnte Roßmann stets ohne tveiteres ab. Wenn die übrigen Richter nicht Einspruch er- höben, sei er selbst Gerichtsbeschluß. Und richtig: Die Bei- sitzer waren stets ein Herz und eine Seele mit ihrem Vor- sitzenden. Da eS sich hauptsächlich darum handelte, ob die Polizisten die dienstlichen Vorschriften über den Waffengebrauch beachtet hatten, kam doch alles daraus an, den Paragraphen über den Waffengebranch verlesen zu laffen. Das konnte nur ver- weigert werden, wenn daraus ein Nachteil für das Reich oder den Bundesstaat Braunschwcig hätte entstehen können. Jede dahingehende Frage der Verteidiger an den alS Zeuge geladenen Polizeipräsidenten und dessen Vorgesetzten, den Minister des Innern Hartwieg, wurde jedoch von dem Vorsitzenden untersagt I Es konnte also gar nicht festgestellt werden, wie die be- treffende Vorschrift lautete, also auch nicht, ob die Polizisten diese Vorschrift beachtet hatten oder nicht. Dagegen kam ein anderer Paragraph zur Verlesung, der bestimmt, daß die Polizei bei Aufläufen alles nur Mögliche versuchen soll, um die Menge friedlich auseinander zu bringen. Während der„unbefangene" Vorsitzende die Polizisten in jeder Weise schützte und ihnen die Verweigerung der Aussage jedesmal in den Mund legte, fuhr er die Entlastungs- zeugen in der schroffsten Weise an. Einen Elektrotechniker. der unter Eid aussagte, nicht gesehen zu haben, daß jemand aus der demonstrierenden Menge einen Schuß abgegeben habe, schnarrte er an:„Sie haben wohl Angst vor den Ge- nossen?" Alles in allem war die Befangenheit des Vor- sitzenden so offenbar, daß sich oft ein Murren im Publikum erhob. Dennoch gelang es den Verteidigern— Dr. Jasper und Dr. Roscnfeld— einen glänzenden Wahrheitsbeweis zu er-' bringen. Die Darstellung des„Volksfrcund" war noch viel zu milde gewesen, die Polizei hatte viel schlimmer gewütet. Eine ganze Reihe von Zeugen, die nicht zur sozialdemo- kratischen Partei gehören, bekundete, daß sich die demonstrie- rende Menge tadellos benommen und nur gesungen und Hoch- rufe auf das gleiche Wahlrecht ausgebracht hatte. Unter diesen Zeugen befanden sich ein Zahnarzt, ein Staatsanwalt, ein Hossilberputzer, ein Oberingenieur, ein Gymnasiast, Sohn eines Arztes, ein Redakteur der nationalliberalen„Landeszeitung" und schließlich der Minister des Innern selbst. Letzterer, der von einem Fenster des Ministerialgebäudes zusah, ohne dem Blutbad Einhalt zu gebieten, sagte unter Eid, daß er nur den Gesang der Marseillaise und Hochrufe gehört, dagegen nicht gesehen habe, daß die Menge die Polizisten irgendwie insultiert, beleidigt oder beworfen hätte. Auf die Frage der Verteidigung, ob er in der Menge Polizisten bemerkt habe, antwortete er diplomatisch: uniformierte Polizisten nicht. Er hat also offenbar nicht uniformierte, also Geheimpolizisten bemerkt und von diesen dürfte auch der geheimnisvolle Schuß abgegeben worden sein, auf den hier erst die Polizei mit blanker Waffe eingehauen haben will. Dafür, daß ein Demonstrant den Schuß abgegeben, konnte wenigstens kein Beweis erbracht werden; dagegen sagte ein Zeuge unter Eid, ein den besseren Ständen angehörender, feingekleideter Herr habe auf der Straßenbahn gesagt:„Ich habe genau gesehen, daß ein Polizist geschossen hat. Ich kenne den Schutzmann nicht dem Namen nach, aber ganz genau von Ansehen." Daß die Demonstranten auf die Polizisten mit Flaschen warfen, hat kein Zeuge beeiden können, dagegen sagte eine Zeugin unter Eid, daß aus einem anliegenden Hause mit Flaschen auf die Demonstranten geworfen wurde. Die Anklage wurde schließlich von den als Zeugen ge- ladenen Polizisten selbst im Stiche gelassen. So konnte der die Attacke kommandierende Oberwachtmeister Gerecke seine frühere Behauptung, daß er dreimal zum Auseinandergehen aufgefordert habe. unter Eid nicht aufrecht erhalten. Er habe einen scharfen Pfiff ertönen lassen, was in Braunschweig„auseinandergehen" bedeute(was aber nie- mand wissen kann, da ja die Polizeiinstruktion nicht einmal vor Gericht verlesen werden durfte), und dann zum Angriff mit blanker Klinge kommandiert. Daß die Polizei zu diesem Angriffe wie zu einem Feste vorging, ergab sich auch aus der Aussage eines Zeugen, dem ein Schutzmann bei einer späteren Unterredung wiederholt erklärte:„Das nächste Mal geht's über Leichen". Wie allmächtig die unteren Polizeiorgane tn Braunschweig sind, geht auch daraus hervor, daß der Polizei- Präsident, dem durch Spitzel die beabsichtigte Demonstration vorher gemeldet worden war, sich nicht einmal die Mühe gab. die Schutzleute vorher zu instruieren, sie auch nicht unter das Kommando des Polizeiinspcktors stellte, sondern sich selbst überließ. Das gab dann dem Staatsminister und dem Polizei- Präsidenten die willkommene Gelegenheit, ihre Hände in Un- schuld zu waschen und dem Staatsanwalt Anlaß in dem früheren Prozeß wegen Ministerbeleidigung zu klagen, weil der„Volksfreund" den leitenden Staatsminister für das Blut- bad verantwortlich gemacht hatte, was dem Genossen Wesemeier eine Verurteilung durch dieselbe Roßmann-Kammer zu acht Monaten Gefängnis zuzog. Wie brutal die Polizei am 26. Januar den Säbel spielen ließ. ergab sich aus zahlreichen Zeugenaussagen. Von einwandfreien Zeugen wurde bekundet, daß eine am Boden liegende Frau, die nicht das geringste getan hatte, von einem Polizeibeamten in siirchtbarer Weise mit dem scharfen Säbel geschlagen wurde; ebenso wurde ein am Boden liegendes schwangeres Mädchen malträtiert. Zeugeneidlich wurde festgestellt, daß ein kleiner Schulknabe von einem Polizisten mit dem blanken Säbel bearbeitet und noch dazu- getreten worden ist. Ein 18jähriger Schmied wurde, wie ebenfalls zeugeneidlich bekundet wurde, von einem Polizisten derartig niedergeworfen, daß er den Arm brach. Auf der Polizeiwache hatte man ihn veranlaßt, zu Protokoll zu geben, daß er durch das Publikum niedergerissen worden sei. Vor Gericht widerrief er. Die Polizisten hatten ihm gesagt, wenn er einen Polizeibeamten beschuldige, werde er wegen Land- fricdensbruch bestraft. Dem Redakteur eines bürgerlichen Blattes war es sicher sehr unangenehm, vor Gericht als Zeuge bekunden zu müssen. daß ihm derselbe Oberwachtmeister, mit dem er sich vorher unterhalten hatte, kurz darauf einen heftigen Säbelhieb auf den Rücken versetzte. Eine 63jährige Witwe sagte als Zeugin aus, daß sie, als sie aus einem Hause kam. in dem sie tagsüber genäht hatte, von einem Polizisten einen scharfen Säbelhieb ins Gesicht erhielt. Ein gcbrech- licher alter Kriegervereinlcr, der sich den Zapfenstreich am Vorabend von Kaisersgeburtstag ansehen wollte, erhielt mehrere heftige Säbelhiebe auf Kopf, Arm und Rücken. Der Staatsanwalt Bues konnte von Glück sagen, daß er sich vor den ihn bedrohenden Säbelhieben in einen Laden flüchten konnte, deffen Inhaber ihm bekannt war. Ein Expedition: 8M. 68, Lindenstraeae 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984. anderer Hausbesitzer war nämlich so„human", die sich zu ihm Flüchtenden wieder auf die Straße und in die Polizeisäbel hineinzutreiben. Der Arbeiter Lingenauer, dem jetzt der Prozeß wegen Landfriedcnsbruch gemacht werden soll und der immer noch in Untersuchungshaft sitzt, wollte mit erhobenen Armen den nach seiner eigenen Zeugenaussage blind um sich schlagenden Oberwachtmeister Steinmaun von sich abwehren. Lingenauer wurde umgerissen und zog dabei den Ober- Polizisten mit sich zu Boden. Als Lingenauer am Boden lag, erhielt er, wie andere Zeugen bekundeten, 15 bis 20 heftige Säbelhiebe auf den Kopf. Als Lingenauer als Zeuge aus- sagen wollte, daß er auch auf der Polizeiwache geschlagen und mißhandelt worden sei, ließ der„unbefangene" Vorsitzende diese Aussage nicht zu. Eine ganze Anzahl einwandfreier Zeugen bekundete, daß der Schutzmann Lange einem alten kranken Mann, weil er sich nicht schnell genug vorwärts bewegte, mit dem Säbel Kopf und Rücken bearbeitete. Ein Schutzmann mußte, von der Verteidigung in die Enge getrieben, als Zeuge zugeben, daß der Oberwachtmeister Erdmann einen alten Mann ohne jede Veranlassung mit dem blanken Säbel auf den Hinter- köpf schlug. Es wurde also durch das Zeugenverhör der unwider» legliche Nachweis erbracht, daß, wie der Verteidiger Dr. Rosen- feld im Plaidoyer sagte, jedes Wort der inkriminierten Artikel wahr sei. Und dennoch war das ganze Zeugenverhör cindrucksloS an dem Staatsanwalt vorübergegangen. Die Polizisten hätten nur ihre Pflicht getan. Das war der einzige Gedanke, den er seinen Ausführungen zugrunde legte. Er beantragte be- kanntlich ein Jahr Gefängnis. Alle Entlastungszeugen seien unglaubwürdig. Nun, es war eben ein Staatsanwalt. Das schönste aber ist, daß der für unbefangen erklärte Gerichtshof ebenfalls sich nicht um das Zeugenverhör kümmerte, sondern in der gründung seines Schrcckensurteils von neun Monaten fängnis ausdrücklich erklärte, sich in allen Punkten den führungen des Staatsanwalts angeschlossen zu haben. Polizei hätte vorschriftsmäßig, ja sogar human gehandelt. Sie könne nicht prüfen, wer schuldig sei oder nicht. Sie müsse auch auf die Weiber einschlagen, da diese ihr auch gefährlich werden könnten. Auch habe sie die Pflicht, die Fliehenden aus den Häusern herauszutreiben. Die ganze Aktion war ein Vergeltungsakt der herrschenden Gewalt, die durch die Aufklärungsarbeit des„Volksfreund" bei dem erwerbstätigen Volke so gänzlich in Mißkredit ge- bracht ist. Das Gericht hat an der Polizei eine Mohrenwäsche vollzogen und die Rechtsprechung jedes Vertrauens beraubt. Wie aufpeitschend auch dieser Prozeß auf die Arbeiterschaft wirkte, zeigten die großarttgen Ovationen, die dem Genossen Wesemeier nach dem Bekanntwerden des Urteils von vielen Tausenden dargebracht wurden. Das Ansehen des braun- schwetgischen Staates ist gänzlich dahin, er hat es selbst ruiniert. Es bedurfte nur eines letzten Restes, um die braun- schweigische Regierung über den Haufen zu werfen, wenn sie nicht am reaktionären Preußen ihre Stütze hätte. Deshalb vorwärts in Preußen I Fällt dort die Reaktion, dann fällt sie auch in Braunschweig l Be- Ge- Die Opfer der polizeilichen Blutarbcit! Ein Privattelegramm meldet uns aus Kiel vom 18. Mai: Fünf und ein halbes Jahr Gefängnis wurden an einem Tage im Wahlrechtskampf verhängt. Die bedauerlichen Borgänge, die sich am 15. Februar in Neumünster nach Schluß der sozialdemokratischen Protestversammlungen gegen die Polizeibrutalitäten der Neumünsterschen Polizei gegen Wahlrechtsdemonstranten am 13. Februar zutrugen, haben heute ein gerichtliches Nachspiel gehabt. Bor der Kieler Strafkammer hatten sich die Arbeiter Wensicn, Ahrends, Busch, PreeS und der Schuhmacher Hachmann, sämtlich au» Neumünstcr, zu verantworten unter der Anklage de? Landfriedens- bruchs, wegen tätlichen Angriffs und Beleidigung. Am 15. Februar strömte die Menge nach Schluß der Versammlungen nach.Groß« flecken"(Rathausplatz). Bor dem Rathause kam es zu einem blutigen Zusammenstoß mit der Polizei. Eine Anzahl junger Burschen, die mit der Partei nichts zu tun haben, warfen die Polizisten mit Steinen und Flaschen. Schließlich wurde Militär herangezogen. Den Angeklagten wird zur Last gelegt, daß sie sich an einem Menschenauflauf zur Begehung von Gewalttätigkeiten beteiligt haben. Die ersten drei Angeklagten sollen die Schutzleute mit Steinen beworfen haben. Der Angeklagte Busch soll die Beamten durch da? Wort Luinp und Lumpenhund beleidigt haben. Die Angeklagten bestreiten sämtlich die ihnen zur Last gelegten Taten. Außer einem Zeugen, der nichts Genaueres bekunden konnte, find nur Belastungszeugen, in der Hauptsache Polizeibeamte, vernommen worden, welche unter ihrem Eid bekundeten, daß sich die Angeklagten im Sinne der Anklage schuldig gcinacht haben. Das Gericht verurteilte sämtliche Angeklagten und zwar Wensien und Ahrends zu je einem Jahr und drei Monaten Gefängnis, Busch zu einem Jahre vier Monaten, die anderen beiden. Prees und Hachmann, zu je zehn Monaten Gefängnis. Busch befindet sich seit dem 19. Fe- bruar in Untersuchungshaft, ihm wird ein Monat Untersuchungshast angerechnet. Das Gericht ging weit über den An- trag de» Staatsanwalts hinaus, welcher gegen Wensien und AhrendS je neun Monate Gefängnis, gegen Busch zehn Monate, gegen Pree» sechs Monate und gegen Hachmann sieben Monate beantragt hatte. Die Strafen, die gegen die fünf Angeklaglen berhängl Kurden, sind geradezu ungeheuerlich. Der Staatsanwalt hatte ins- gesamt nur drei Jahre und fünf Monate Gefängnis beantragt. Das Gericht überschritt diesen Antrag um zwei Jahre! Tie ganze Härte dieses Urteils wird erst dann verständlich, wenn man sich vergegenwärtigt, aus welcher Stimmung heraus die Angeklagten— vorausgesetzt, datz sie wirklich schuldig waren— gehandelt hatten. Denn ihre Exzesse gegenüber der Polizei, das Wersen von Steinen und Flaschen, entsprang nicht etwa einem rohen Drang zu Gewalttätigkeiten, sondern der furchtbaren Er- bttterung über die Blutarbeit, die die Polizei zwei Tage vorher, am 1Z. Februar, friedlichen Denionstranten gegen- über verrichtet hatte? Damals, am 13. Februar, war von einem Widerstand gegen die Polizei keine Rede. Als die aus den Ver- sammlungen drängenden 3000 Personen sich nicht rasch genug ent- fernen konnten, zum guten Teil deshalb, weil die Polizei selbst einen Kordon um die Versammlungslokale gebildet hatte, hieb die Polizei ohne Rücksicht auf Alter und Geschlecht zunächst mit den F ä u st e n auf die bereits in die Seitengassen abgetrennten Ver- sammlungsbesucher ein. Dann aber wurde der Befehl zum E i n h a u e u gegeben und in wahrhajt russischer Weise befolgt. Selbst auf die a m B o d e n L i e g e n d e n wurde erbarm ungs- los mit dem Säbel eingehauen. Einem Arbeiter von 68 Jahren wurde von hinten ein Säbel st ich in die Lunge beigebracht. Einem jungen Manne wurde das Handgelenk halb durchgehauen, ein anderer erlitt schwere Rückenverletzungen. Einem Jungen von 16 Jahren wurde ein Ohr abgeschlagen! Selbst der liberale„Holsteinische Kurier" muhte melden: „So arg wie in Neumünster wurde in keiner Stadt der Monarchie von der Polizei vorgegangen. Mit 4 0 V e r- letzungen kann die N e u m ü n st e r s ch e Polizei das Ruhmesblatt in Anspruch nehmen, die schneidigsten Polizeiattacken gegen nichtbewaffnete Wahlrechtsdemonstranten am gestrigen Sonntag geritten zu haben. Einem Arbeiter wurde die Lunge durchbohrt, einem anderen Arbeiter die Hand und einem dritten ein Ohr ab- geschlagen..... Hätte die Polizei sich begnügt, wie in anderen Städten auch, die die Versammlung verlassenden Massen„ruhig und besonnen" in die Ströhen abzuleiten, wir würden heute in der angenehmen Lage sein, auch von Neumünster berichten zu können, die Ruhe und Ordnung wurde nirgends gestört.... Schon bei den früheren Demonstrationen zeichnete sich die Polizei in Neumünster durch besonders schneidiges Vor- gehen aus." Kein Wunder, daß die Massen über diese brutale Metzelei aufs äußerste empört waren. Die beiden Protestver- sammlungen, die zwei Tage später stattfanden, waren noch zahl» reicher besucht als die Versammlungen des Demonstrationssonn- tages. Trotz der ungeheuerlichen Empörung, die die Demonstranten erfüllte, folgten die Massen der Aufforderung, sich ruhig zu ent- fernen. Nur ein Trupp junger Leute zog vor das Rathaus, um seiner Erbitterung durch laute Pfuirufe Ausdruck zu geben. Die Polizei griff wiederum mit dem gewohnten Schneid ein, sodah es zu den Zusammenstößen kam. welche die fünf Verurteilten auf die Anklagebank brachten. Ein Polizist wurde bei diesem Zusammen- stoß durch einen Steinwurf verletzt. Gleichzeitig wurde aber auch einer der Demonstranten am Arme schwer verwundet. Wenn nun die Kieler Strafkammer so ungeheuer schwere Strafen über die fünf jungen Leute, die eigentlich nur die Opfer der skandalösen polizeilichen Provokationen waren, verhängte, so ist es nur ein neuer Beweis dafür, daß unsere Justiz jede Fühlung mit dem Volksempfinden verloren hat und, einerlei, ob bewußt oder unbewußt, ihres Dienstes nur im Interesse der herrschenden Klassen und des von ihnen beherrschten Klassen, und Polizeistaates waltet. Studenten. Sprößlinge der besitzenden Klasse, die in ange- heiterter Radaustimmung Schutzleute verprügeln, kam- men mit Geldstrafen davon; jugendliche Arbeiter dagegen, die in ihrer Empörung über ein Polizeigemetzel zu ähnlichen Ge- walttätigkeiten sich fortreißen lassen, werden zu jahrelangen Gefängnis st rasen verurteilt! Wenn sich unsere herrschende Klasse allerdings einbilden sollte, daß durch solche Akte der Justiz die Empörung über die Dreiklassenschmach und ihre Verteidiger erstickt werden könnte, befindet sie sich in einem verhängnisvollen Irrtum. Wir kennen die fünf Verurteilten nicht, wir wissen nicht, ob sie nach ihrem sonstigen Verhalten der Sympathien der Gesamt- arbeitcrschaft würdig sind. Aber das Kieler Urteil hat sie zu Märtyrern gemacht. Das Kieler Urteil, wie jedes andere wäh- rcnd der Wahlrechtskampagne gefällte Bluturteil vermag die Er- bitterung der Massen nur zu steigern und den Wahlrechtskampf mit jener tiefen Leidenschaft zu erfüllen, die den preußischen Dreiklassen- staat trotz aller. Bajonette und Polizeisäbel vernichten wird, atz» 1_• politifche dcbcrHcbt. Berlin, den 18. Mai 1910. Der 21. Evangelisch-soziale Kongreß wurde Dienstagabend zu Chenmitz mit einer Begrüßungsrede Adolf Wagners eröffnet, worin der alte Herr wieder einmal der Sozial- demokratie den entsetzlichen Vorwurf machte, sie verkenne„in ihrer furchtbaren Einseitigkeit", daß eS nicht ohne die Leistung des Unter- nehmers gehe, der doch immer„der Kopf der Produktion" bleibe. So schlimm wie in Amerika, wo ein paar hundert Milliardäre das wirtschaftliche und politische Leben beherrschen, könne eS bei uns nicht werden, weil Deutschland am monarchischen Prinzip festhalte.— Wieso das monarchische Prinzip die großen Kapitalisten verhindern soll, immer noch reicher zu werden, hat der Herr Professor nicht gesagt; wenigstens melden die Berichte nichts davon. So wird es erlaubt sein, die Aeußerung nur als eine schön klingende FeiertagSphrase zu bewerten. Am Mittwoch fand die erste Hauptversammlung statt, die mit einer Rede Adolf H a r n a ck s begann. Er pries„das große Werk der Reichsversicherungsordnung"(!), sprach davon, daß die„Verhältnis- niäßig nicht allzu schwere Ueberwindung der letzten wirtschaftlichen Krise" nebst anderen günstigen Symptomen zeige, daß wir„im ganzen aus dem richtigen Wege" sind, und leistete sich einige Seiten- hiebe auf die Sozialdemokratie, die unbeachtlich sind, nachdem die Bemerkung über die letzte Krise gezeigt hat, init welchem Verständnis der Geheime OberregierungSrat dem Elend des Volkes gegenüber steht. Nachdem er noch über die sexuelle Frage ein paar Worte ge- redet und die überwältigende Wahrheit verkündet hatte, daß„nie- mand einen Mittelweg zwischen Ehe und freier Liebe habe auf- weisen können", ließ er außer dem Kaiser auch den König von Sachsen hochleben. Dann hielt der sächsische Ministerialrat Roscher eine Rede, woriil er von einer„gegenseitigen Annäherung mit der Sozial- demokratie" sprach, die aber nur darin bestehen dürfe,„daß wir berechtigte Klagen berücksichtigen und den Sozialdemokraten dazu verhelfen, verlorengegangene Güter wieder zu erlangen, näm- ßich die Liebe zu unserem monarchisch gestalteten Vaterlande, das Vertrauen zu den Vorgesetzten und überhaupt zu den Besser- gestellten und dein christlichen Glauben". Wir sind überzeugt, daß der Ministerialrat mit dieser Sorte von„Annäherung" bei unseren sächsischen Genossen die richtige Antwort finden wird, zumal er gleich hinzufügte, daß„die sozial- politischen Lasten nur mit großer Vorsicht weiter vermehrt werden" dürfen. Ueber das Thema„Soziali st ische Weltanschauung und christliche Religion" sprach sodann Pastor Liebster auS Leipzig. Seine Rede lieferte den Beweis, daß es selbst ehr- lichen Gegnern ungeheuer schwer, wo nicht unmöglich ist, die sozialistische Weltanschauung zu verstehen. Wir zitieren nur den einen Satz; „Man braucht nur den dialektischen Begriff des Mehrwertes, der von Marx in der Oekonomie angewendet wird, auf alle Lebenserscheinunge» zu beziehen. Von der einfachsten Zelle bis zur höchsten Menschenkultur offenbart sich alles Leben als ein Wille zum Mehrwert. Im Menschen tritt dieser Wille mit solcher Stärke auf, daß er in den irdischen Verhältnissen keine dauernde Befriedigung finde» kann. Darum spaltet er sich und neben dem Willen zum irdischen Mehrwert tritt der Wille zum überirdischen, ewigen Mehrwert auf. Gott ist keine wissenschaftliche Hypothese, sondern die Tatsache der vollkommenen Befriedigung des Willens zum ewigen Mehrwert." Es verlohnt natürlich nicht der Mühe, auf diese überspannten Redensarten des sonst sympathischen Pastors einzugehen.— In der Diskussion sorgte sich Herr Professor Schulze-Gävernitz darum daß der deutsche Arbeiter frage:«Was bleibt mir von Marx übrig� nachdem ihn Bernstein in zahllose einzelne Fragen zerfetzt hat?" Wir teilen diese Professorale Sorge nicht und können Herrn Schulze- Gävernitz in dieser Hinsicht beruhigen. Der deutsche Arbeiter weiß schon, was ihm bleibt. So weit liegt der Bericht bis zur Stunde vor. Wir denken, unsere Leser werden mit uns derselben Meinung sein: viel lernen kann ein Sozialdemokrat nicht vom Evangelisch-sozialen Kongreß. Ein Zwischenfall. In der Diskussion über den Vortrag des Pastors L i e b st e r über„Sozialistische Weltanschauung und Christentum" führte der Vertreter der sächsischen StaatSregierung Geheimrat Roscher einen stürmischen Zwischenfall herbei. Geheimrat Roscher hatte schon in seiner Begrüßungsrede des Kongresses das Groß- Unternehmertum als die uneigennützigen Er« nährer von Hunderttausenden geschildert und ge- meint, daß auch heute noch alle Arbeiter den Marschall« stab zum Judustriekönig in ihrem Rucksack trügen. Die sächsische Industrie sei infolge der sozialen Lasten kaum noch konkurrenz- fähig, und sieht besonders der Schutzgesetzgebung für Heimarbeiter mit Besorgnis eutgegen. Diese Ausführungen hatten einen öffent- lichen Widerspruch nicht erregt. Anders wurde es jedoch, als Roscher in der Diskussion wiederum das Wort ergriff auf eine beiläufige Be- merkung des Pastors Liebster, daß der revolutionäre Charakter der Sozialdemokratie für den Christen kein Grund sei, sie zu bekämpfen. Geheimrat Roscher berief sich demgegenüber darauf, daß im Neuen Testament stehe:„Jedermann sei Untertan der Obrigkeit", und daß das Christentum auch die Sklavenwirtschaft nicht durch einen Appell an äußere Gewalt zu beseitigen versucht habe, was die Briefe des Apostels Paulus beweisen. Gegen diese Ausführungen wandte sich Pastor Herz- Chemnitz, der meinte, daß gerade in der Liebe zum Volke, in der Zukunfts- Hoffnung und im revolutionären Geist Christentum und Sozialdemo- kratie identisch seien. Noch weiter ging der Leipziger Theologieprofessor Gregory, der Roscher entgegenhielt, daß in den meisten größeren Re- volutionen der Weltgeschichte die ehrlichen Christen auf der Seite der Revolutionäre gekämpft haben. Cromwell in England habe Bibel und Schwert geführt, und der amerikanische und Burenkrieg seien auch von echten Christen gefiihrt worden. Die Revolution fei GotteSrecht gegenüber mensch- lichem Unrecht und menschlicher Unterdrückung. Gregory fand lebhaften Beifall und ebenso stürmischen Widerspruch. Der Borsitzeude, Geheimrat Harnack, schnitt die DiS- kussion sofort ab, indem er meinte, daß das Wort Revo- lution anscheinend in verschiedenem Sinne gebraucht werde, was natürlich nach Gregorys Berufung auf Cromwell gar keine Be- deutung hatte, und nur mit Heiterkeit aufgenommen wurde. Der LandtagSaigeordnete für den Wahlkreis Allenstein, Amts« gerichtSrat G r i e h l- Allenstein. ist in Breslau im Alter von 64 Jahren gestorben._ Demokratischer Parteitag. Köln, 17. Mai. Die Beratung des Parteiprogramm» zog sich gestern bis 1 Uhr nachts hin. Der Entwurf der Kommission wird mit geringen Aenderungen angenommen, mit Ausnahme des Teils, der die Sozialpolitik behandelt. Ueber das Thema:„Die Angestellten und die Politik" redet als erster Hand- lungsgehilfe Aufhäuser- Berlin. Er bemerkt einleitend, daß die Demokratische Vereinigung weder eine Partei der Arbeiter, noch eine Partei der Unternehmer, sondern eine Partei der Arbeit sei, an der Arbeiter und Unternehmer in gleicher Weise beteiligt seien und deren Interessen also beiderseits zu fördern feien. Mit dem Aufschwung des Handels und der Industrie habe weder das Ein- kommen, noch das Maß politischer Rechte bei den Angestellten gleichen Schritt gehalten. Deshalb sei es selbstverständlich, daß die Angestellten ihr Wohl und ihre Rechte zu fördern suchten, und zwar hält der Redner die Demokratische Vereinigung für diejenige Partei, in der das am besten geschehen könne. Er verwahrt sich gegen den Versuch, die Angestellten als„neuen Mittelstand" und als besonders„staatserhaltend" in Gegensatz zu der übrigen Ar- beiterschaft zu bringen. Ingenieur Lüdemann, Führer der technisch-industriellen Beamten, wendet sich gegen eine Sozialpolitik als Wohlwollen für diese oder jene Arbcitergruppe; das Ziel einer vernünftigen Sozialpolitik müsse die gleichberechtigte Anteilnahme der wirt- 'chaftlich abhängigen Volksschichten an allen Schätzen der Erde sein. Die Kapitalsrente müsse stetig verkleinert werden zugunsten der Arbeit, und die Demokratie müsse im sozialen Kampf rückhaltlos auf die Seite der Lohnempfänger treten, um das Recht der Persönlichkeit durchzusetzen. Aber wenn auch die Forderungen bezüglich des ArbeiterschutzeS und der Arbciterversicherung erfüllt seien, so 'ei dem Arbeiter doch erst geholfen, wenn das konstitutionelle llrbeitsshstem und sine Aenderung der Besitzverhältnisse durchge- •uhrt sei. Man brauche sich dabei auf kein bestimmtes Endziel 'estzulegen, und es sei nebensächlich, wie der spätere Zustand mal aussehe, aber eine entschiedene Demokratie schließe jedenfalls die genossenschaftliche, soziale Organisation der' Wirtschaftsordnung in sich ein. Gegen den Vorredner, der den Kapitalismus als kulturfördernd gerühmt habe, wendet Lüdemann noch ei», daß der Kapitalismus zwar die Technik gefördert und die Produktion ver- mehrt, aber auf den Träger der Arbeitskraft doch in kulturwidrigem Sinne gewirkt habe. Die Aussprache über die beiden Reden wird mit der Debatte über den sozialpolitischen Teil des Programms verbunden. Die ozialpolitischen Forderungen lauten: Fortentwickelung unserer Wirtschaftsordnung mit dem Ziel, der Arbeit in jeder Gestalt einen immer höheren Anteil am Arbeitserträge zu sichern. Sozialreform, um das Recht der Persönlichkeit im Wirtschaftsleben zu wahren. Koalitionsfreiheit. Anerkennung und Förderung der Berufsvereine. Einheitliches Arbeitsrecht. Konstitutionelles Arbeitssystem. Sicherung der Freizügigkeit. Unentgeltlichen paritätischen Arbeitsnachweis. Gesetzlicher Höchstarbeitstag. Weitgehender Arbeiterschutz. Ver- bot der Kinderarbeit. Beseitigung der Gesindeordnung. Schutz • bei Heimarbeiter.• ZseckVb'ge. oy] Zelbstv�Mltung bcruheiiiic Versicherungsgesetzgebung. Arbeitslosen- und Mutkerschastsver- sichcrung. Gewährung eines Existenzminimums für jeden Staatsangehörigen. Die Debatte ist sehr ausgedehnt und lebhaft. Herrn Lüde- mann wird vorgeworfen, daß er den demokratischen Rahmen über- schritten und sich auf marxistisches Gleise begeben habe. Dr. Breit- scheid, der sich auf Lüdemanns Standpunkt stellt, muß sich sagen lassen, daß er radikaler als August Bebel gesprochen habe. Namentlich machte der erste Satz des sozialpolitischen Programms einem Teil der Delegierten Kopfschmerzen und es wird die Frage aufgeworfen. wo denn der Anteil der Arbeit aqi Arbeitsertrage seine Grenze habe. Als Breitscheid verkündet, daß die Grenze da sei, wo die Arbeit allein über den Arbeitsertrag gebiete und daß die Kon- sequenz der Demokratie die völlige Abschaffung der Grund- und Kapitalsrente sei, da erscholl lauter Beifall auf der einen, aber es gab auch Widerspruch und vielsagendes Stillschweigen auf der anderen Seite. Gerlach, als Diplomat, gab dem bedenklichen Satze die Deutung, daß ja der„Arbeit in jeder Gestalt", also auch der Arbeit des Unternehmers, ihr Recht werden sollte und daß der Kampf nur der arbeitslosen Rente gelte. Es kam zu heftiger Rede und Gegenrede, die eine dcutlicheScheidungs- linie zwischen Arbeiter- und Unternehmerinter- essen, zwischen vorwärtsdrängender Jugend und behäbigem und angst lichem Philistertum er- kennen ließ. Wer einen Blick um sich warf, konnte wahr- nehmen, wie das rote Gespenst durch die Fenster des demokratischen Parteitagslokales lugte. Schließlich wurde der sozialpolitische Teil und dann das ganze Programm einstimmig angenommen. Vorher hatte noch eine von Gädte, Gerlach und Genossen eingebrachte Resolution zugunsten der ausgesperrten Bauarbeiter Annahme gefunden. Der nächste Parteitag findet in Dessau statt. Die Deutsche Lehrerversammlung in Straßburg ist Mittwoch um>/z4 Uhr zu Ende gegangen. In der 2. Haupt- versamnilung wurde die Frage der Schulaufsicht und Schulleitung behandelt. Der Referent S a l ch o w verteidigte in seiner Rede und seinen Leitsätzen eine Organisation der Schulaufsicht nach folgenden Grundsätzen: Die Schulanfsicht ist ausschließliches Recht des Staates, und die Fachaufsicht gelangt durch die obersten Instanzen zur Ausführung. Jede Ortsschulaufsicht ist zu beseitigen. Die Kreisschulinspektion ist die erste Aussichtsinstanz. In bezug auf die Schulleitung fordert der Referent, die mehrklassige Schule solle einen einheitlichen Organismus bilden, der von dem Lehrerkollegium und einem von den zuständigen Behörden be- rufenen Schulleiter verwaltet wird. Dem Schulleiter stehen keinerlei disziplinarische Befugnisse zu. Es ist ihm grund- sätzlich da§ Recht zuzugestehen, zu hospitieren, doch darf die Selbständigkeit des einzelnen Lehrers nicht beschränkt werden.— Der Korreferent P a u l s e n verwirft in seinen Leitsätzen das Prinzip der bureankratischen Schulverfassung. Der Klassenlehrer trägt die Verantwortung für die Klasse, das Lehrerkollegium ist eine selbständige Arbeitsgemeinschaft. Es beschließt über Fragen, die der Gemeinsamkeit der Schularbeit entspringen, und wählt aus seiner Mitte einen Borsitzenden, der der Vertreter des Kollegiums ist. Lehrer und Lehrerinnen werden zu Selbstverwaltungskörpern organisiert. Die Schulaussicht ist das notwendige Recht des Staates. Die Schulanfsicht hat sich jeder bevormundenden Tendenz zu enthalten und darf nur von Fach- leuten ausgeübt werde». In seiner ausführlichen Begründung wendet sich der Redner zunächst gegen die unwürdige Bevormun« d u n g, der der Lehrer unterordnet ist, und bedauert, daß diese Frage noch nie solche Massenversammlungen beschäftigt hat, wie die Beratung von Gehaltsfragen. Nur ein freies Land hat eine freie Schule. Das zeigen gerade die neuen M a ß r e g e- l u n g e n. und es ist eine Schmach für Bremen, daß es einen Mann wie Holzmeier nicht vertragen konnte.(Lebhafter Beifall.) Der Redner schloß mit den Worten: WaS sich vom Leben entfernt, wird morsch und zerfällt.(Lebhafter, lang anhaltender Beifall.) Danach beginnt die Generaldebatte. Mitleiderregend i Die„Deutsche Tageszeitung' kann sich noch immer nicht über die Stäupung beruhigen, die ihr der„SimplicissimuS" wegen ihrer eigenartigen Geschäftsmoral hat angedeihen lassen. Die Feststellung, daß das tugendhafte Bündlerorgan einen Verlag, den es seiner„Unsittlichkeit" wegen in der gröblichsten Weise anpöbelte, gleichzeitig durch seine ahnungslose Expedition um fette Inseraten- auftrage anschnorrte, war freilich auch zu köstlich. Und wurde noch kostbarer durch die täppische Ausrede, daß es allgemeiner Brauch sei, die geschäftliche Leitung eines ZeitungSverlageS nicht wissen zu lassen. waS die Redaktion denke und tue. Diese doppelte Enthüllung agrarischer Geschäftsgepflogenheiten wurmt das brave Oertel-Blatt derartig, daß es jetzt abermals den Versuch zu einer Revanche macht. ES teilt nämlich triumphierend mit, daß ihm trotz dieser Zwischenfälle die im Langenschen Verlage erscheinende Zeit- schrist„März" mit der üblichen Bitte um Besprechung zugegangen sei. DaS beweise doch, daß der Langensche Geschäftsführer ebenso „weitherzig" denke, wie der des Bündler-Verlags. Diese„Revanche" ist denn doch selbst im Zeichen der Kometen- Verwirrung z u dumm I Denn daß Zeitschriften den Redaltionen Freiexemplare mit Waschzetteln zugehen lassen, ist doch ein ebenso allgemeiner wie unanstößiger Brauch. Keine Redaktion braucht sich ja dieser Waschzettel-Rellame zu bedienen! Die„Deutsche Tages- zeitung" hat das bisher ja auch nicht getan, so wenig wie beispiels» weise der„Vorwärts". Und trotzdem soll die bloße Zusendung emer Zeitschrift etwas der Geschäftsofferte der„Deutschen Tageszeitung" Gleichartiges und gleich Unwürdiges sein?— War schon die letzte Abwehr des BündlerorganS unsäglich ungeschickt, so ist seine neueste Parade geradezu mitleiderregend? Zum Reichsgerichisrat befördert! In Breslau erregt eS in Juristenkreisen große? Auffehen, daß der bisherige Landgerrchtsdirektor Dr. P i l l i n g zum Reichs- gerichtSrat befördert worden ist. Dieser Richter hat m den letzten Jahren fast sämtliche Prozesse gegen unser Breslauer Bruderblatt, die„VolkSwacht", geführt und dabei scheint man auf ihn. der noch vor wenigen Jahren in Benthe»(Ober- schlefien) tätig war, aufmerksam geworden zu sein. In einem dieser Prozesse spielte Herr Pilliug eine seltsame Rolle. Unser Genosse Dr. Karl Liebknecht- Berlin verteidigte den betreffenden„Bolkswacht'-Redakteur, der in einem Artikel über die BreSlauer Justiz den Richtern unter anderem„Weltfremd- h e i t" vorgeworfen hatte. Herr Pilling wandte sich auffallend heftig gegen diesen Vorwurf und ließ als Vorsitzender deutlich erkennen, wie sehr er sich durch diesen Vorwurf beleidigt fühlte. Genosse Liebknecht führte daraufhin einige Fälle von unglaublich Welt- fremden Urteilen an und bemerkte unter anderem, daß selbst b ü r g e r- liche Blätter mehr und mehr zugeben müßten, wie fern die meisten Richter den Dingen stehen, wie weltfremd sie seien. Dabei unterbrach ihn Herr Pilling: „Herr Verteidiger, Sie gebrauchen nun schon wiederholt den Ausdruck„bürgerliche Blätter". Möchten Sie uns nicht mitteilen, was Sie darunter verstehen?"... Genosse Liebknecht hatte eS im Plädoyer leicht, die Weltfremd- heit der Breslauer Richter zu beweisen, denn der Borsitzende hatte ja selbst die beste Jllu st ratio» dazu geliefert. Was Herrn Pilling und seinen vier Kollegen nicht hinderte, den Redakteur wegen des Ausdrucks.Weltfremdheit" zu— einem Monat Gefängnis zu verurteilen! Einen solchen Maua beruft die Justizverwaltung an das höchste, deutsche Glicht! Ein nationalpolnischer Spitzel. In Lemberg- zureichend entlohnt wird und öin beträchtlicher Teil der kauf- männischen Angestellten weniger Gehalt bezieht, als der Durch- schnittslohn der gewerblichen Arbeiter beträgt. Die Handlungs- gehilfen haben in ihrer großen Mehrheit bisher keinen ernst- lichen Versuch gemacht, den Stand der Gehälter durch gemein- sames Vorgehen zu erhöhen. Nachdem aber die Lebensbedürfnisse immer mehr verteuert werden, und zwar u. a. durch die von den antisemitischen Handlungsgehilfenführern gebilligte Zoll- und Steuerpolitik, müssen die Handlungsgehilfen endlich daran gehen, sich höheres Gehalt und damit eine bessere Lebenshaltung zu er- streiten. Die Mittel dazu sind in der gewerkschaftlichen Organisation, in dem Zusammenschluß im Zentralverband der Handlungsge- Hilfen und Gehilfinnen gegeben. Wenn auch gegenwärtig nicht überall die Vorbedingungen für den nach K 1S2 der Gewerbeordnung gesetzlich zulässigen Streik vorhanden sind, der vom Zentralverband bereits mit Erfolg praktisch erprobt ist, so würde es doch— wenn die Angestellten nur wollen— sehr of� möglich sein, durch Ausübung der passiven R e s i st e n z(d. h. des gemächlichen Arbeitens an Stelle der im Geschäftsleben üblichen Hast) die Geschäftsinhaber zu zwingen, eine Gehaltserhöhung zu gewähren, die sie gütlich nicht geben. Die Angestellten haben auch keine Ursache, die AnMndung deS Boykotts zu verschmähen; sie können vielmehr in geeigneten Fällen das kaufende Publikum zur Hilfe rufen und es ersuchen, bestimmte Geschäfte oder Waren zu meiden, um den Geschäftsinhaber oder Fabri- kanten zu veranlassen, den Wünschen seiner Angestellten aus Lohnerhöhung nachzukommen. Diese Wege sind jedoch nur gangbar, wenn sich die kauf- männischen Angestellten einer Vereinigung angeschlossen haben, die bei diesen Schritten hinter ihnen steht und sie nötigenfalls auch finanziell unterstützt. Eine solche Organisation ist für sie nur der Zentralverband der Handlungsgehilfen und Gehilfinnen, der seinerseits einen Rückhalt in der Gesamtheit der freigewerk- schaftlich organisierten Arbeiterschaft hat. Wollen die Handlung?» gehilfen gemeinsam eine Verbesserung ihrer Gehälter erstreben, so müssen sie auch die weiblichen Angestellten für ihre Ziele ge- Winnen, um den Erfolg nicht von vornherein in Frage zu stellen. Daher ist die gemeinsame Organisation der Handlungsgehilfen beiderlei Geschlechts erforderlich; sie geschieht im Zentralverband der Handlungsgehilfen und Gehiffinnen, so daß dieser Verband die Voraussetzungen erfüllt, die für die allgemeine Verbesserung der Gehalksverhältnisse notwendig sind." Nach kurzer Debatte wird die Resolution einstimmig ange- nommen. Ueber den dritten Punkt: „Die Stellenvermittelung im HandelSgewerbe". referiert Hertz- Frankfurt a. M., dessen Ausführungen in folgen- der Resolution niedergelegt sind: „Durch das kürzlich vom Reichstage beschlossene Stellenver- Mittlergesetz können, falls es von den Behörden ,n entsprechender Weise gehandhabt wird, gewisse Schäden der gewerbsmäßigen Stellenvermittelung eingeschränkt werden. Das Gesetz bringt aber keine durchgreifende Regelung der kaufmännischen Stellen- vermittelung. Nicht nur die gewerbsmäßige Stellenvermittelung und die Vakanzenlisten, die beide im Interesse der Angestellten beseitigt werden müßten, sollen weiterhin zulässig sein, sondern die Handlungsgehilfen werden auch künftig auf den kostspieligen, mit viel Mühe und Zeitverlust verbundenen Weg der Bewerbung auf ZeitungSinserate angewiesen sein und nicht selten der aus- beuterischen Tätigkeit gewisser kaufmännischer Vereine zum Opfer fallen. Notwendig ist die Schaffung 5 f f e n t l i ch- r e ch t- licher Stellenvermittelungen für Handlungsgehilfen und Gehilfinnen, die unter der paritätischen Verwaltung von eine bestimmte Summe, die ihr zufallen soll, fall» er sie vor Ablauf der Probezeit aus dem Hause jagt. Von der Mitgift, den Kindern, Ehescheidung usw. ist in dem Text nicht die Rede; trotzdem kann es sich nicht um eine Art Kon- kubinat handeln, denn eS wird ausdrücklich das Wort für„legitime Ehefrau" angewandt. Anscheinend sollte diese Probeehe eine Ver- sicherung vor allem gegen eine kinderlose Ehe sein. Denn wir wissen, welchen Wert gerade die semitischen Völker auf eine möglichst zahl- reiche Nachkommenschaft legten. Fünf Monate, das ist die Zeit, in der die Schwangerschaft einer Frau deutlich erkennbar wird. War dies der Fall, fo wurde offenbar die Probeehe durch einen neuen Vertrag, bei dem der Priester als Standesbeamter zu fungieren hatte, worauf der obenerwähnte Text ebenfalls schließen läßt, in eine Dauerehe verwandelt. Theater. Wiener Bürger-Theater: Ware, Wiener Stück in drei Akten von Robert Scheu und Otto Stoeßl. Wenn einem eine künstlerische Schöpfung interessant erscheint, ist die Sache allemal bedenklich. Dieses(warum„Wiener"?) Stück ist interessant. ES hätte daraus etwas werden können. Die Autoren hatten die Idee, den Warencharakter der Liebe durch ein Stück Leben zu ver- anschaulichen. Leider hatten sie nur die Idee. Die Veranschau» lichungSkraft reichte nicht aus. Daß eine Mätreffe just erst in dem Augenblicke, da ihr Kavalier ihrer überdrüssig wird, in sich die Ware erkennt, ist doch allzu leicht gemachte Konstruktion. Gedanken, die in den mit manchem Geschick gebauten Akten aufblitzen, verraten, daß den Autoren ein Essay über das Thema besser geglückt wäre, als eS das Stück ist. Und doch— eä ist interessant. Man fühlt, wie viel Dichterisches auch aus sozio- logischer BetrachtungSart zu gewinnen wäre. Der Dichter wird erst kommen müssen, der mitten aus dem Alltag herausgreift, um das Rechenhafte aller Gegenwartsliebe zu spiegeln, nicht nur dort, wo bewußt gekauft und verkauft wird, sondern auch dort, wo reine Empfindung zu lenken scheint. J. L. L. Humor und Satire. Laut Verfügung der Kirchenbehörden soll nach glücklich äberstandenem Weltuntergang in sämtlichen Kirchen ein „Halleyluja" angestimmt werden.»Luftige Blätter." Die Geistlichen: Dank den Gaben, die die Gläubigen spendeten, um die Kometengefahr zu beschwören, werden wir für em Jahr zu leben haben. Die letzte Nacht. Sie zu ihm:„Ernst. eS ist»/«3 Uhr; wenn Du nett wärest, würdest Du mir vor dem Kometendurchgang versichern, daß Du mich bis in den Tod lieben würdest und darüber hinaus." Die letzte Sitzung.(Im Parlament): Meine Herren Kollegen, ich schlage Jbnen vor. unsere Bezüge auf 0000 Frank zu Das ha, für uns keine weiteren Folgen und macht der Prinzipalen und Angestellten stehen und für die Stellesuchenden kostenlos tätig sind. Gegen diese Forderung stemmen ssch insbesondere der Verein der Handlungskommis von 18 5 8 und der Verband Deutscher HandlungS» gehilfen, die schon früher in wichtigen sozialpolitischen Fragen eine Haltung eingenommen haben, die einer Schädigung der Gehilfeninteressen gleichkam. Diese Verbände, ferner der Kaufmännische Verein in Frankfurt a. M. und andere Vereine sind der öffentlich-rechtlichen Stellenvermittelung abhold, weil sie befürchten, daß dadurch ihre Verbandsstellen- vermittelung, die jetzt ihr hauptsächlichstes Lock- und Werbemittel ist, zurückgehen werde. Vielfach treten Gehilfen mehreren dieser Vereine bei, in der oftmals vergeblichen Hoffnung, durch sie�eine Stellung zu erhalten. Auf diese Weise nehmen die kaufmänni- scheu Stellenvermittelungsvereine den Angestellten benso das Geld aus der Tasche, wie die gewerbsmäßigen Vermittler. Diese Gelder verwenden jene Vereine in der Regel zu kostspieliger Reklame für ihre Stellenvermittelung; sie haben im Durchschnitt für jede vermittelte Stelle beträchtliche Ausgaben, womit er, wiesen ist, daß ihre Tätigkeit, vom volkswirtschaftlichen Stand- Punkt aus betrachtet, keineswegs befriedigen kann. Die Einwendungen, die die kaufmännischen Stellenvermitte« lungsvcreine gegen die öffentlich-rechtlichen Arbeitsnachweise er- heben, sind nicht stichhaltig und zum Teil sogar durch die eigene Praxis jener Vereine widerlegt. Der Einwand, daß die öffent- lich-rechtlichen Arbeitsnachweise nicht nach auswärts vermitteln könnten, wie das für Handlungsgehilfen notwendig fei, trifft nicht zu. Gerade vom Verein für Handlungskommis von 1858, der die beste Vermittelung zu haben behauptet, ist zugegeben worden, daß er bei einem Mangel an Bewerbem für Durch- schnittSpostcn keineswegs Mitglieder aus anderen Orten heran- zieht, sondern diese Vermittelung bisher rein örtlich betrieben und statt seine auswärtigen Mitglieder zu berücksichtigen, Nicht- Mitglieder am Orte durch ZeitungSinserate als Bewerber gesucht hat. Soweit aber eine Vermittelung und ein Austausch von Bewerbern nach auswärts angebracht ist, kann dieS auch durch öffentlich-rechtliche Arbeitsnachweise geschehen. Den konkurrcnzneidischen Bekämpfcrn der öffentlich-rechtlichen Stellenvermittelungen muß um so entschiedener entgegen- getreten werden, als damit auch der öffentlichen Arbeitslosenunterstützung, für die die Anfänge in verschiedenen deutschen Gemeinden vorhanden sind, Bahn gemacht wird." Die Resolution wird debattelos angenommen. Bezüglich der ReichSverfichernngsirdnung liegt eine längere Resolution vor, die erklärst baß der Entwurf den Erwartungen der Handlungsgehilfen nicht entsprichst Außer den allgemeinen, vom Gewerkschaftskongreß eingeheno behandelten und zum Ausdruck gebrachten Forderungen legt die Resolution auch die speziellen Wünsche der Handlungsgehilfen und Gehilfinnen dar. Sie spricht sich gegen die kaufmännischen Hilsskrankenkassen auS, weil durch diese die Prinzipale die Gehilsen bürgerlichen kauf- männischen Vereinen zuführen, verwirft die Zusatzversicherung und fordert an ihrer Stelle Verbesserung der Zwangsversicherung, protestiert gegen die Ausschaltung eines großen Teiles der Hand- lungSgehilfen usw. von der Unfallversicherung, fordert die AuS, dehnung der Unfallversicherung auf alle gegen Lohn oder Gehalt Beschäftigte, ohne Rücksicht auf die Höhe des Lohnes oder GehalteS und verlangt aus dem Gebiete der Invalidenversicherung im Jnter» esse der Handlungsgehilfen: „1. Erweiterung deS Kreises der Versicherungspflichtigen auf diejenigen Angestellten, deren JahreSarbeitSverdienst 2000 Mark übersteigst 2. Erhebliche Steigerung der Rentensätze, Ver» mehrung der Zahl der Beitragsklassen unter Anrechnung deS vollen JahreSarbeitSverdienstes. 3. Anerkennung der Jnvalidi- tät, wenn der Versicherte in seinem Berufe nicht mehr die Hälfte des Lohnes eines gleichartigen VollarbeiterS zu erwerben vermag; Gewährung der Altersrente bei Vollendung des fünfund- sechzigsten Lebensjahres. 4. Gesetzlicher Anspruch der Versicher- ten und ihrer Angehörigen aus rechtzeitige Einleitung eines Heilverfahrens bei drohender Invalidität; ausreichende Fürsorge für die Angehörigen während des Heilverfahrens für einen Versicherten." Nachdem Lange die Resolution erläutert, Wird diese ein» stimmig angenommen. In bezug auf das Arbeitskammergesetz drückt der Verbandstag seine Haltung in nachstehender Reso» lution aus:„.., „ DaSletzteFest. Wir können uns ruhig noch Champagner geben lassen. Ehe eS zum Zahlen kommt, wird der Komet ein« treffen. Traurige Wahrheist(Zwei arme Kinder): WaS bedeutet denn.da« Ende der Welt"?— Wenn es kein Brot mehr im Haufe ßwst(„L'Assietta au beurre".) Notizen. — Der Hallehsche Komet wird seine Begegnung Mit der Erde vollzogen haben, bis diese Zeilen in die Hände unserer Leser kommen. Die allermeisten werden nichts davon gemerkt haben und eS ist fraglich, ob die Wissenschast, die dem Gaste mit Fernrohr. ReglstrierballonS und Ballonaufstiegen zusetzt, in unseren Breiten besondere Erfolge erzielen wird. Die Blausäure, die fich angeblich cm Kometenschweif befinden soll, wird niemand geschaoet haben. Die Nachtbummler werden so wenig oder so viel auf ihre Kosten gekommen sein, wie die Abergläubigen, die eS sich schon mehr kosten netzen. Ueber die genaue Zeit des Erddurchganges durch den Schweif waren m« Ansichten noch bis Mittwochabend widersprechend. Auch über die Dauer des Durchganges fchwantten die Annahmen von einer bis zu fünf Stunden. ~ Franz S ka rbi na, einer der bekannteren Berliner Maler II„. morgen in Berlin gestorben. Gelegentlich einer Kollektivausstellung seiner Werke im vorigen Jahre wurde er hier eingehend gewürdigt: als Opportunist der Palette. Seine besondere Note war: Pariser und Berliner Grobstadtbilder. Skarbina, der 1849 in Berlin geboren war, übte eine Zeitlang ein Lehramt an der Hochschule für die bildenden Künste, bis er mit A. v. Werner Krach bekam. Er hat die Sezession begründen helfen, ohne ihr lange treu zu bleiben. Er nahm in der Berliner Malerei eine Mittelstellung zwischen Altem und Neuem, zwischen Kunst und Handwerl ein. — Bühnenchronist Frau Rosa BertenS ist in der nächsten Saison längere Zeit dem Berliner Theater ver« pflichtet. Sie wird u. a. in Henry BateilleS Schauspiel„Die törichte Jungfrau" die Rolle der Frau Armoury darstellen. — Maxim Gorki wird, um in unmittelbarer Nähe keiner russischen Freunde zu sein, die Insel Capri verlassen und sich dauernd m Norwegen niederlassen.' �" — Peter Altenberg, der Dichter der kleinen Dina««,.» dem Alltagsleben, wurde in die Heilanstalt JnzerSdori bei Wien übergeführt, da er an BerfolgungSwahnsinn litt' 2,,en — Karl Gold mark, der älteste der de'utlSen zu dessen bekanntesten Schöpfungen die Oper Die Kö?win Saba" gehört, beging am Mittwoch seinen 80.«eÄJj — DaS Achte bayerische Arbeit- ä n„., i.» v. zu Pfingsten in Nürnberg abgehalten» t? f?. .Die PeüenTe Generalversammlung Be? ZenkralveröaNdeS der Handlungsgehilfen und Gehilfinnen bedauert, daß Regie- rung und Reichstag auch bei dem Entwurf des Brbeitskaminer- gesches die Handlungsgehilfen nicht berücksichtigt haben. Statt dem Wunsche des Zentralverbandes der Handlungsgehilfen und Gehilfinnen zu willfahren und in das Arbeitskammergefetz eine Bestimmung aufzunehmen, wonach für Handlungsgehilfen bc- sondere Arbeitskammern oder Abteilungen zu errichten sind, wird in dem Gesetzentwurf gesagt, daß er für die Handlungsgehilfen keine Geltung haben soll. An dieser Mißachtung der Handlungsgehilfen sind freilich die kaufmännischen Angestellten insoweit selbst mit schuld, als sie zum Teil zenen Führern gefolgt sind, die die Handlungsgehilfen, um dem Standesdünkel zu schmeicheln, auf ein später vielleicht kommendes besonderes Gesetz vertröstet haben. Dadurch ist es den gesetzgebenden Körperschaften erleichtert worden, von der Schaffung besonderer Kammern oder Abteilungen für Hand- lungsgehilfen in dem gegenwärtigen Arbeitskammergefetzentwurf abzusehen. An den Reichstag richtet die Generalversammlung die Bitte, noch in letzter Stunde in den Gesetzentwurf die Bestimmung auf- zunehmen, daß für Handlungsgehilfen besondere Kammern oder Abteilungen zu schaffen sind. Sollte dieser Wunsch nicht erfüllt Werden, so wird der Zentralvcrband der Handlungsgehilfen und Gehilfinnen nach Schaffung des Gesetzes nachdrücklichst dafür eintreten, daß den Handlungsgehilfen die staatlich anerkannte Vertretung, die man ihnen jetzt verweigert, baldigst gewährt wird." Hierauf werden die zum Statut gestellten Anträge beraten. Zur Annahme gelangen folgende An- träge: Den Mitgliedern anderer HandlungSgehilfenverbände, welche auS diesen austreten, um sich dem Zentralverbande anzuschließen, kann bei Gewährung von Leistungen, die auch in den anderen Verbänden gewährt werden, die in diesen gehabte Dauer ihrer Mitgliedschaft angerechnet werden. Die Zahl der Beisitzer im Verbandsvorstand wird von zwei auf vier, die Mitgliederzahl des Vorstandes also von fünf auf sieben erhöht, ebenso die Zahl der Ausschußmitglieder von fünf auf sieben. Die Bestimmung, daß der VerbandStag stets um Pfingsten stattfinden muß, wird gestrichen. Abgelehnt wird die Schaffung besonderer Jugend- abteilungen und besonderer niedriger Beiträge für Jugend- liche, ebenso die Erhöhung der Stellenlosenunterstützung und die Einführung der Krankenunterstützung. Der Antrag, den Verbandssitz nach Berlin zu verlegen, wird durch Uebergang zur Tagesordnung erledigt. Bei Erörterung der Frage der Verschmelzung mit anderen Organisationen, welche kaufmännische Handelsangestellte und Bureauangestellte aller Art umfassen, werden eingehend die mit dem Lagerhalterverbande bestehenden Differenzpunkte besprochen, die aus der Welt zu schaffen von mehreren Rednern mit Nachdruck gefordert wird,„auf einer für den Handlungsgehilfenverband annehmbaren Grund- läge". Die unliebsamen Grenzstreitigkeiten, meinte ein Redner, könnten nur durch eine Fusionierung mit verwandten Verbänden auS der Welt geschafft werden. Der Vorsitzende bemerkte hierzu, es solle alles Mögliche getan werden, um zu besseren Zuständen zu gelangen, doch solle man nicht Unmögliches fordern. Ein Antrag, Verschmelzungsverhandlungen mit demLagerhalterverbandeanzubahnen, findet ein» st immige Annahme. Mit großer Mehrheit wird b e- schloffen, solche Verhandlungen auch mit dem Verbände der Bureauangestellten in die Wege zu leiten. Endlich gelangte noch dieser Antrag zur Annahme:„Der Verbandsvorstand wird beauftragt, Fühlung mit dem Verband der VorstandSmit- glieder genossenschaftlicher Unternehmungen betreffs einer Ver- fchmelzung zu nehmen." ES liegen mehrere Anträge vor wegen Anstellung von Weib- lichen Beamten zur Agitation unter den weib- lichen Angestellten und von Beamten für den Be- zirk Chemnitz und Ostdeutschland. Die Anträge werden dem Vorstande zur Berücksichtigung über- wiesen. Die nächste Generalversammlung findet in Berlin statt. Die neuen Beschlüsse treten am 1. Juli d. I. in Kraft. Den Bericht vom S. deutschen Gewerkschaftskongreß in Hamburg erstattet Josephsohn, der kurz auf die dort gefaßten Be- fchlüsse hinweist, die gute Früchte gezeitigt hätten. Zum nächsten deutschen Gewerkschaftskongreß könne der Verband, entsprechend seiner gewachsenen Mitgliederzahl, vier Delegierte entsenden, doch solle man hierin maßhalten, weil sonst die Kongresse zu stark be- sucht sein würden. Redner schlägt vor, wie vor zwei Jahren nur drei Delegierte zu entsenden. Hiergegen erhebt sich kein Wider- spruch. Ueber den »Internationalen Kongreß und die dritte internationale HanblungSgehilfeo-Konferenz" referiert ebenfalls Josephsohn. Zum internationalen Kon- greß könne der Verband einen, unter Umständen zwei, und zur Konferenz drei Delegierte entsenden. Als Ort des internationalen HandlungSgehilfenfekretariats würde sich am besten Amsterdam eignen, da dort die nötigen Kräfte vorhanden seien. Eine Debatte wird nicht beliebt. Als besoldete Vorstandsmitglieder werden per Akklamation Josephsohn, Lange und Wucher wiedergewählt. Der Sitz des Ausschusses bleibt in Berlin. Zum nächsten deutschen Gewerkschaftskongreß werden Joseph- söhn und Lange- Hamburg und L ä h n e r- Dresden delegiert. Zum internationalen Kongreß in Kopenhagen wird Joseph- söhn gewählt, zur internationalen Konferenz werden Lange, Josephsohn und Cohen- Berlin entsandt. Damit waren die Arbeiten des Verbandstages erledigt. Zehnter Nerbandstng der Mühlenürbttter Deutschlands. München, 17. Mai 1310. Zu Beginn des zweiten Verhandlungstages referierte Käpp» ler- Altenburg über die Berschmelzungsfrage. l Auf eine Anfrage bei den in Betracht kommenden Zentral- vorständen erklärten sich diese zu einer Verschmelzung bereit. Die beiden Verbände, die in Frage kommen— der Brauer- oder Bäckerverband—, tagen in der nächsten Woche in Berlin. In der Taktik bei Lohnbewegungen werde sich in Zukunft nicht viel ändern; wir werden«nfcre Bewegungen auch in Zukunft selbst führen und auch für die Kosten aufzukommen haben; in der Agita- tion werden wir aber eine wesentliche Förderung erfahren. Wir «üssen uns nicht verschmelzen. Wir kommen nicht als Bettler sondern als Waffenbrüder zu der anderen Organisation. Durch «inen Zusammenschluß sei zu hoffen, daß die Zahl der organisierten Mühlenarbeiter stark zunimmt. Die Brauer haben 300, die Bäcker L00 Zahlstellen, wenn dann bei einer Verschmelzung statt 5, 50 Beamte die Agitation für die Mühlenarbeiter betreiben, dann müßte es mit dem Teufel zugehen, wenn nicht bessere Erfolge als bisher zu erzielen wären. Nachdem Redner die von uns schon im Vor- Bericht veröffentlichten Uebertrittsbedingungen besprochen, überließ «r die Entscheidung, mit welchem Verbände die Verschmelzung vor- Enommen werden solle, dem Verbandstage. Der Hauptvorstand be bei den Bäckern gengu so viel Entgegenkommen gefunden wie j des BrgllSll. t~~ An das Referat Käppiers knüpfte sich eine rege Diskussion» die den ganzen Tag ausfüllte. Zehn Diskussionsredner sprachen sich für eine Verschmelzung mit den Bäckern und zehn für eine Verschmelzung mit den Brauern aus. Für die Ver- fchmelzung mit den Brauern traten besonders die Berliner und Frankfurter Delegierten ein. Sie erwarten bei den Brauern mehr Vorteile für die Mühlenarbeiter als bei den Bäckern. Gegen eine Verschmelzung mit den Bäckern wurden die hohen Beiträge ins Feld geführt.— Nachdem die Reserve des Hauptvorstandes wiederholt angegriffen wurde, erklärte schließlich Käppler, daß die Hauptverwaltung den Anschluß an die Brauer empfehle.— Der Vorsitzende des Bäckerverbandes, All mann- Hamburg, erklärte, daß sein Verband der Entscheidung mit Ruhe entgegerrsehe. Die Entwicklung werde mit der Zeit doch darauf hinausgehen, daß beide Verbände mehr und mehr zusammenkommen. Zu Beginn des dritten BerhandlungstageS wurde dann die Abstimmung über die Verschmelzungsfrage vor- genommen. Der Antrag auf Vornahme einer Urabstimmung wurde abgelehnt. Für eine Verschmelzung mit den Bäckern stimmen 11 Delegierte, die 1210 Mitglieder vertreten. Dagegen 23, die 2691 Mitglieder vertreten. Nun folgt die Abstimmung wegen einer Verschmelzung mit den Brauern. Für die Verschmelzung stimmen 31 Delegierte(3509 Mitglieder), dagegen 3 Delegierte(332 Mit- glieder). Damit ist die Verschmelzung mit dem Braucrverband beschlossen. Hierauf machte Käppler bekannt, daß die Delegierten nun auch an dem Vcrbandstag der Brauer teilzunehmen haben. Es folgt nun ein Referat des Genossen Um breit über: „Die Ncichsversicherungsordnung". In einer einstimmig angenommenen Resolution schließt sich der Verbandstag der einstimmig angenommenen Resolution des 7. außerordentlichen Gewerkschaftskongresses an. Ebenso ein- stimmig wurde hierauf folgende Resolution angenommen: „Der Verbandstag der Mühlenarbeiter Deutschlands 1910 zu München spricht den ausgesperrten baugewerblichen Arbeitern seine vollst« Sympathie aus. Der Kampf der organisierten Bau- arbeiter ist der Kampf um die Aufrechthaltung der Organisation und daher ein Kampf für die Grundrechte der Arbeiter. Der Verbandstag schließt sich der Solidaritätsbezeugung der gesamten deutschen Gewerkschaften an und beschließt, die baugewerblichcn Arbeiter in ihrem Kampfe gegen das Unternehmertum nach Kräften zu unterstützen./ Der Verbandstag ermächtigte die Hauptverwaltung, den aus- gesperrten Bauarbeitern im Bedarfsfalle eine namhafte Summe aus der Hauptkasse zur Verfügung zu stellen. Die Delegierten verpflichten sich außerdem für eine wirksame Unterstützung der Ausgesperrten zu sorgen." Als erster Vorsitzender wurde Käppler, als zweiter Vor- sitzender H e p k e- Altenburg wiedergewählt. Der Sitz des Aus- schusseS bleibt in Leipzig. Der Zusammenschluß der Verbände erfolgt am 1. Oktober d. Js. Mit einem Hoch auf die moderne Arbeiterbewegung wurde hierauf die weitere Verhandlung vertagt. Zehnte ordentliche Generalvkrsammlvng des Zentrnltterdnndes der Maschinisten vnd Heizer Dentschlands. Hamburg, 18. Mai. Die heutige Verhandlung beginnt mit einem Referat des Genossen Bauer» Berlin über die ReichöversicherungSordnung. In großen Zügen behandelt Redner das geheimrätlich- bureaukratrfche„Reform'werk und weist nach, daß im Interesse der vielen Millionen Versicherungspflichtiger ein ganz anderer Aufbau der Sozialgesetze erfolgen müsse. Diese Grundzüge sind in folgender Resolution enthalten: Die Generalversammlung kann in dem Entwurf der Reichs- verstcherungSordnuug die Erfüllung der auf Vereinheitlichung, Erweiterung und Verbesserung der Arbeiterversicherung gerichteten Bestrebungen der Arbeiterklasse nicht erblicken. Für die Krankenversicherung bringt der Entwurf schwere Ein« griffe in die seit mehr als 25 Jahren bestehende Selbstverwaltung der Krankenkassen und den Ausschluß der Selbstverwaltung für die neu geplanten Landkrankenkassen. Die Regelung der Be- Ziehungen zwischen Krankenkassen und Aerzten bezw. Apotheken:, endlich auch des KassenbeamtenrechtS bedeuten die Auslieferung der Krankenkassen an die Aerzteorganisationen und die Bureau- kratie. Der VerbandStag protestiert gegen jene die Interessen der Millionen Versicherten aufS schwerste verletzenden Entrechtung«- versuche, insbesondere aber gegen die Aenderung der Beitrag?» leistung und damit begründeten Stärkung des Einflusses der Unter» nehmer und der Bureaukratie in den Krankenkassen. Auch für die Unfallversicherung bringt der Entwurf, von ge» ringsügigen Erweiterungen der BersicherungSpflicht abgesehen, nur Verschlechterungen. So hinsichtlich der Gestaltung des Rechts- Weges durch Beseitigung deS Rekurses an das ReichSverficherungS- amt, der Einführung von Renten auf Zeit, der Berechnung des JahreSarbeitsverdiensteS u. a. m. Für die Invalidenversicherung läßt der Entwurf zeitgemäße Reformen und Erleichterungen des Rentenbezuges vermissen, vor allem die Angliederung der Pensionöversicherung der Privatangestellten. Die vom Entwurf vorgeschlagene Lösung der Frage der Witwen- und Waisenversicherung hält der Verbandstag nicht den Anforderungen des vom Reichstage erledigten Gesetze? ent- sprechend; er fordert eine Versicherung aller Arbeiterwitwen, ohne Rücksicht auf daS Maß der Erwerbsfähigkeit der letzteren. Insbesondere protestiert der Verbandstag gegen die vom Entwurf geplante Belastung der Arbeiterversicherung mit einem kostspieligen Beamtenapparat, der eine stete Gefahr für die ohne» hin geringen VerwaltunaSrechte der Versicherten bedeutet. Der Verbandstag fordert alle Berufsangehörigen auf, ein- mütig gegen diesen Entwurf Stellung zu nehmen. Nicht Ent- rechtung der Versicherten, sondern Sicherung der Selbstverwaltung, nicht Verschlechterungen der Leistungen, sondern Erweiterung der- selben soll das Leitmotiv einer gesunden Reform sein. Debattelos wird diese Resolution angenommen. Es werden sodann die zur Beschickung der Kongresse gestellten Anträge zur Debatte gestellt. Der Antrag, die Delegierten zu den Gewerkschaftskongressen find von den Mitgliedern und nicht wie bisher von der General- Versammlung zu wählen, wird abgelehnt. Ein Antrag Ludwigöhafen, der verlangt.fdie zum GewerkfchastS- kongreß gewählten Delegierten sollen für die Verschmelzung sämt- licher Gewerkschaften Deutschlands bis zum Jahre 1913 eintreten in der Weife, daß zwei Arbeitnehmerverbände entstehen, wird dem Lorstande als Material überwiesen. Zum Gewerkschaftskongreß werden Fleischmann- Hamburg, Bauer- Gera und S ch l i e n z- Mannheim gewählt; ferner werden delegiert ein Vorstandsmitglied, das vom Vorstande gewählt wird, der Redakteur und ein Gauleiter, der von den Gauleitern ge- wählt wird. Zum internationalen Kongreß in Kopenhagen und zum inter- nationalen Metallarbeiterkongreß wird der BerbandSvorfitzende Scheffel delegiert. Einige Detegierte verlangen eine Gleichmäßigkeit in der Beitrags- erhebung, die aber von anderer Seite bekämpft wird, weil die Ver- hältnisse zu verschieden seien. Die Debatte endet mit der Annahme dieses Antrages: Der Zentralvorstand wird beauftragt, Erhebungen anzustellen My die Art der Beitragserhebung w den Zahlstellen und über die Funktion der Arbeitsnachweise. Das Ergebnis dieser Erhebungen ist zu verarbeiten und dem nächsten Verbandstage zu unterbreiten. Zur Annahme gelangt noch diese Resolution: Die Generalversammlung beauftragt den Hauptvorstand, eine rechnerische Grundlage über die Uebernahme der Lokalbeamten sowie der endstehenden Agitationskosten aufzustellen. Wenn diese Durchführung möglich ist, wird der Hauptvorstand beauftragt, in Zukunft dementsprechend zu handeln. ».' In dem Bericht vom 16. Mai sind irrtümlicherweise einige ge« nügend unterstützte Anträge als angenommen auf» geführt. Das entgültige Schicksal der Anträge ist folgendes: Die Delegiertenkosten eines Gautages sollen von der Lokal« lasse getragen werden. „Die Verwaltungskosten des neugeschaffenen Arbeitsnachweises für Rheinland und Westfalen sollen von der Z e n t r a l k a s s e ge- tragen werden", wird abgelehnt. Der Antrag, wegen Regelung der Grenz st reitigkeite n'mit anderen Verbänden usw. in Verbindung zu treten, wird dem Zentral» vorstände zur Berücksichtigung überwiesen. Der Antrag über die Verpflichtung, in jeder Zahlstelle eine Arbeits Nachweis stelle zu errichten, wird abgelehnt, ebenso an Stelle der Listenabrechnung die Marken« abrechnung zu setzen._ Soziales* Die Gemeinbeeinkommensteuer in preußischen Gemeinden. Mit der Statistik über den Schuldenstand der preußischen Städte und größeren Landgemeinden im Jahre 1905 sind auch Er- Hebungen über die direkten Steuern der Gemeinden verbunden worden. Diesem Zahlenstoffe entstammen nachfolgende Angaben über die von den Städten und mehr als 10 000 Einwohner zählenden Landgemeinden Preußens im Rechnungsjahre 1905 erhobenen Zu- schlüge zum umlagefähigen Staatscinkommensteuersoll, die jetzt von der amtlichen„Statistischen Korrespondenz"(Nr. 18 vom 14. Mai) veröffentlicht werden. Außer den für die eigenen Zwecke der Ge- meinde erhobenen Hundertteilen der Staatseinkommensteucr sind auch die für Kreiszwecke besonders erhobenen Zuschläge bei den betreffenden Angaben berücksichtigt worden. Von sämtlichen 1273 Städten überstiegen bei 192 oder 15,01 Proz. die Zuschläge noch nicht 100 v. H. der Staatseinkommen- steuer, während solche von 200 Hundertteilen noch von 233 oder 18,22 Proz. übertroffen wurden. Bei den größeren Landgemeinde» erhoben nur 10,11 Proz. keine Zuschläge von über 100 und 14,61 Proz. mehr als 200 v. H. Von den zu Groß-Berlin ge- hörigen Landgemeinden zeigten Weißensee, Boxhagen-Rummelsburg sowie Reinickendorf mit 165 bezw. 150 und 150 Hundertteilen die höchsten. Treptow, Friedenau und Deutsch-Wilmersdorf mit 100 und 90 Hundertteilen die geringsten Zuschläge. Von den Großstädten erhoben folgende sechs auch nicht mehr als 100 v. H.: Berlin Frankfurt a. M., Charlottenburg. Schöne- berg, Kassel und Wiesbaden: desgleichen von den übrigen Städten mit mehr als 10 000 Einwohnern: Münster i. Wests., Bonn, Lehe. Malstatt-Burbach, Wesel, Sankt Johann a. Saar, Bunzlau sowie Ostrowo. Bei einigen von diesen Gemeinden wurden jedoch die Schullasten besonders aufgebracht. Vom Hundert der zu nach- folgend bezeichneten Gröhengruppen gehörigen Städte erhoben Zuschläge zum umlagefähigen Staatseinkommensteuersoll: bis über 100 einschl. b. einschl. üb« 100 Proz. 200 Proz. 200 Proz. Städte mit mehr als 200 000 Einwohnern 27.27 72,73— ,, 100 000 bis 200 000. 16.67 72,22 11,11 ., 50 000„ 100 000. 8.00 68,00 24.00 ,, 25 000, 50 000, 3,92 80,39 15,69 ,, 10 000. 25 000. 2,56 75,00 22,44 Die höchsten Zuschläge von sämtlichen 261 Städten mit mehr als 10 000 Einwohnern traten mit 270 bezw. 175, 280, 290 sowie 300 Proz. bei Wermelskirchen. Haspe, Bocholt, Dirschau und Preußisch-Stargard in die Erscheinung. Von den 1018 Städten mit nicht mehr als 10 000 Einwohnern erhoben 10 überhaupt keine Gemeindeeinkommensteuer, bei 35 be- trugen die vom umlagefähigen Staatseinkommensteuersoll er- hobenen Zuschläge nicht mehr als 75 und bei weiteren 133 nicht mehr als 100 Proz. Ueber 100 bis einschließlich 200 v. H. er« hoben 658 Kleinstädte, 64,64 Proz., und mehr als 200 Hundert« teile 182 Gemeinden dieser Gruppe, d. s. 17,88 Proz. Folgende 10 Städte erhoben sogar 300 Proz.: Goldap, Angerburg, Neuen« bürg i. W., Ragnit, Neumark i. W., Breckerfeld(Wests.), Lauten- bürg(Westpr.), Nikolaiken(Ostpr.), Rhein und Gilgenburg. Uebertrosfen wurde dieser Satz schließlich noch von folgenden 14 Kleinstädten: Mewe(303), Schwetz(310), Marggrabowo(310), Märkisch-Friedland(815), Tempelburg(320), Schöneck(330), Tolkemit(338), Sensburg(340), Rheden(350), Arhs(255), Löbtau i. Westpr.(380), Gorzno(380), Stuhm(390) und KallieS (425 Proz.). Vom Hundert der zu nachfolgend bezeichneten Größengruppen gehörigen Städte erhoben Zuschläge zum umlagefähigen Staats» einlommensteuersoll bis einschl. bis einschl. üb« 100 Proz. 200 Proz. 200 Proz. 7000 bis 10 000 Einwohnern.. 5.68 71,59 22.73 5000 bis 7000 Einwohnern., 9.16 67,18 23,66 2000 bis 5000 Einwohnern.. 17,03 63,57 13,61 nicht mehr als 2000 Einwohnern 22,11 63,27 12,58 Bei diesen Berechnungen sind die Gemeinden, welche überhaupt keine Zuschläge für Gemeinde und Kreiszwecke erhoben, nicht berück» sichtigt worden._ Berechtigte Lösung des Arbeitsverhältnisses. Die Näherin R. war am 21. April bei dem Jnhab« einer BetriebSwerkstätte für Herstellung von Kleidern und Blusen in Arbeit getreten, hatte nach kaum dreitägiger Beschäftigung dieStellung aber wieder aufgegeben, weil ihr die Arbeit zu schwer war. Sie wurde wegen der ftistlosen Lösung des Arbeitsverhältnisses von dem Unternehmer auf Zahlung von 13,20 M. verklagt. Die Beklagte er« hob Widerklage auf Zahlung des rückständigen Lohnes in Höhe von 6,25 M. Bei der Verhandlung vor dem Gewerbegericht brachte die Be» klagte ein ärztliches Attest bei, in dem gesagt wurde, daß daS un« unterbrochene Nähen an der Maschine ihre Gesundheit gefährdet haben würde. Das Gericht hielt unter diesen Umständen die er« folgte Lösung des Arbeitsverhältnisses für berechtigt. Der Beklagte zahlte darauf den verlangten Lohn und beide Klagen wurden zurück- gezogen. � Landarbeiter. Ueber die Arbeitszeit der Landarbeiter gibt upS nachstehendex „Vertrag" Ausschluß: � Mietvertrag. Zwischen dem Landwirt G. Müller in Oberursel i. T. und dem Knecht M. G. zu Frankfurt a. M. ist heute folgender Ver« trag geschlossen worden: Der Unterzeichnete vermietet sich als Dienstknecht an Herrn G. Müller für die Zeit vom 19. 1. 10 bis zum 19. 1. 11. Derselbe erhält einen festen Lohn von 36 0 Mark(in Worten Dreihundertsechzig Mark), Kranken- und Jnvalidengeld frei. Als Zubrot wird Frühstück mit 1 M. pro Woche ausgezahlt. Die Arbeitszeit beginnt im Sommer morgens 4 Uhr und endigt abends 7 Uhr. mit Ausnahme der Erntezeit. Derselbö hat einen Teil seines Lohnes als TautiAl ttchm zu Iflfiej! tum mindestens bll W. Zollte da Städe mit mehr als llnkerzeichneke sekntn Dienst verlassen ohne Grund, so ist P.Müller berechtigt, die Kaution für seinen Schaden einzubchalten. Unter- zeichneter ist mit sämtlichen Bedingungen einverstanden." Für einen Wochenlohn von unter 7 Mark sollte der arme Teufel von früh 4 Uhr bis abends 7 Uhr, bei kurzer Mittagspause, arbeiten. Die Arbeitszeit beträgt also im Sommer„nur" 14— 15 Stunden und steigert sich während der Erntezeit noch erheblich, da der schlaue Dienstherr ja ausdrücklich die Erntezeit nicht einbezogen hat. Ist es da ein Wunder, wenn Arbeitermangel auf dem Lande vor- Händen ist und Industriearbeiter sehr ungern auf dem Lande Ar- beit annehmen wollen? Daß der„Mietling" schon vor der Ernte- zeit fortlief und seine Kaution im Stiche ließ, wird niemand wundern. Hus Induftne und ftandel. Deutschlands Außenhandel. Der Auhenhandel Deutschlands im laufenden Jahre zeigt im Vergleich mit dem Vorjahre ziemlich erhebliche Verschiebungen. Emsuhr und Ausfuhr der Menge nach ergeben folgende Zahlen; Einfuhr Ausfuhr Doppelz. Doppelz. April 1910.. 55 04N 489 44 351 958 Januar /April 1910.. 179 048 057 100 947 621 , 1909.. 109 050 307 143 582 346 Auherden wurden eingeführt in der Zeit Januar/April 1909 — 46 930 in derselben Zeit 1910— 57 669 Pferde und 141 resp. 194 Wasserfahrzeuge, während 2301 resp. 2423 Pferde und 121 resp. 190 Wasserfahrzeuge ausgeführt wurden. Berücksichtigt man nur die ausgewiesenen Mengen, dann ergibt sich folgendes Resultat: Die Ausfuhr ist stärker gewachsen als die Einfuhr. Im vergangenen Jahre machte die Ausfuhr 84,6 Proz. der Einsuhr aus, in diesem Jahre 89.7 Proz. Die Veränderung dem Werte nach veranschaulicht daS folgende Zahlenbild: Ohne Edelmetalle und Wertpapiere betrug die «.lu«.«.-t* in Millionen Mark April 1910..... 804,8 646,8 1451,1 Jan-April 1910... 3005,6 2429,8 5435,4 Jan.-April 1909... 2795,6 2109,4 4905,0 Das laufende Jahr hat demnach im Vergleich mit 1909 auch hier in der Einfuhr und in der Ausfuhr höhere Summen erbracht. Die Ausfuhr ist aber stärker gewachsen als die Einfuhr. Während im Vorjahre die Ausfuhr 75,4 Proz. der Einfuhr ausmachte, stellt sich für das laufende Jahr der Anteil auf 80,8 Proz. Ein anderes Resultat ergibt sich, wenn man die Menge mit dem Werte des Außenhandels in Vergleich bringt. Bei Nichtberück- sichtigung der ausgewiesenen Stückzahl erhält man folgende Einheitswerte: ES betrug der Wert pro Doppelzentner Mark: Einfuhr Ausfuhr Januar-April 1909.. 16,47 14,69 . 1910.. 16,78 15,09 April 1910..... 14,61 14,58 Für den letzten Monat ist demnach nicht nur der Wert der Ein fuhr, sondern auch der Ausfuhr pro Einheit im Vergleich mit dem Durchschnitt für die Zeit Januar-April erheblich gesunken. Die starke Verminderung der Baumwollcinfuhr, die infolge der hohen Baumwollpreise bereits seit Dezember datiert, hat auch im Monat April angehalten. Nach den amtlichen Notierungen stellten fich die Baumwollpreise an den beiden wichtigsten deutschen Markt- orten für den Doppelzentner in Mark wie folgt: März 1909 Febr. 1910 März 1910 Bremen, Mddling llpland.. 96.42 151,64 150,82 , Good Omrawutee II. 76,00 106,50 107,40 Hamburg, Neu Orleans Middl. 96,00 152,25 151,50 Demnach haben die Preise für Good Omrawutee II eine weitere Steigerung, die der beiden anderen Baumwollsorten indessen eine Abschwächung erfahren. Der Rückgang der deutschen Baumwoll- bezöge im Vergleich zum Vorjahre stellte sich in den letzten Monaten in Doppelzentnern wie folgt: Vorjahr Letztes Jahr Abnahme Dezember..... 577 267 498 663— 78 604 Januar...... 525 644 486 384— 39 260 Februar...... 670434 411007— 159 427 März...... 420 204 855 175— 65 029 April...... 430 444 866 848— 63 696 Insgesamt.... 2523993 2118077— 405016 An dem Rückgange der Baumwolleinfuhr sind als Herkunfts- länder insbesondere die Vereinigten Staaten und Aegypten beteiligt, die auch in den übrigen Berbrauchsländern der Welt in den letzten Monaten eine bedentende Abnahme des Absatzes zu verzeichnen hatten. Die deutschen Akticnmühlen. Zurzeit bestehen in Deutschland 71 Getreidemühlen-A.-G., wenn man von denen absieht, die in Liquidation getreten sind oder sich in Konkurs befinden. Zwei weitere Aktienunternehmen betreiben die Müllerei als Ncbengewerbe. Die Gesamtheit der Aktienmühlen verfügt über ein ziemlich statt- liches Aktienkapital und zwar in Höhe von 72 279 541 M. Das größte Aktienkapital verzeichnen neuerdings die Jllkircher Mühlen- werke mit 6 Millionen Mark, an zweiter Stelle stehen die Rosiny- Mühlen mit 4'/, Millionen Mark; das kleinste Aktienkapital hat die Kellinghusener Dampfmühle<65 400 M.). Es existieren zwei Mühlen, die im Durchschnitt der letzten zehn Jahre pro Jahre mehr als 10 Proz. Dividende zahlten. Es sind das zwei Miitelmühlen und zwar die Kunstmühle Rosenheim, die von 1899 bis 1909 durch- schnttllich 11 Proz. ausschüttete, und die Eiserfelder Walzenmühle, auf die im zehnjährigen Durchschnitt 10,6 Proz. entfallen. Die höchste Dividende zahlien 1909 die H. W. Lange u. Co. A.-G., Altona, und die Mühle Rüningen mit je 14 Proz., 12 weitere Mühlen erzielten ebenfalls eine Dividende von 10 und mehr Prozent. Dagegen haben 21 Mühlen in diesem Jahre keine Divi- dende verteilt._ Die Schiffbarmachung der Ruhr. Das Projekt, die Ruhr wieder schiffbar zu machen, um einen geeigneten Wasserweg in das eigentliche Ruhrkohlengebiet zu er- halten, wird in letzter Zeit eifrig erörtert. Der Verein zur Schiffbarmachung der Ruhr hat nunmehr ein Gutachten durch den Baurat Hentrich-Krefeld anfertigen lassen. Danach beträgt die in Betracht kommende Strecke von Ruhrort bis Wetter 80 Kilometer. Im allgemeinen kann mit 300 Betriebstagen gerechnet werden. Der Ausbau würde so zu erfolgen haben, daß zunächst die a»S dem 18. Jahrhundert stammenden Schleusen entfestet und dafür LI Haltungen erbaut würden. Das Gefälle beträgt insgesamt 54 Meter, sodaß auf jede Haltung 4 Kilometer Länge und 3,30 Meter Gefälle kommt. Die bei den Wehren errichteten Schleusen müßten für das Normalschiff des Nhein-Hannoverkanals berechnet sein. Er- forderlich sei eine Mindestwassertiefe von 2,50 bis 8 Meter. Die vorhandene Wassermenge von 50 Kubikmeter Mittelwasser, die durch die vielen noch im Bau begriffenen Talsperren noch erhöht werden könnte, würde vollkommen ausreichen. Die Baukosten veranschlagt der Gutachter auf 20 Millionen Mark. Die jährlichen Unterhaltungs-, Erneuerungs- und Betriebs- kosten sollen 800 000 M. betragen. Der Eingangöverkehr wird auf 1 10Q 000 Tonnen, der Ausgangsverkehr auf 900 000 Tonnen ge- schätzt. Ein Jahresverkehr von 2 Millionen Tonnen würde bei einer. Abgabe von einem Pfennig pro Tonnenkilometer eine Sinnahme von 1200 000 M. ergeben. Die Wiederschiffbarmachung der Ruhr könnte danach auch in wirtschaftlicher Hinsicht empfohlen werden. Die Banken schieben. In der Versammlung der Gewerke der Zeche Kaiser Friedrich, die die Kaufofferte der Deutsch-Luxemburgischen Bergwerksgesellschaft ablehnte, wurde die Ausschreibung einer Zubuße von 500 000 M. beschlossen. Die Banken verlangen aber jetzt die Verringerung ihres Guthabens bis auf je 150 000 M. bis spätestens Juli d. I. Daß es so kommen würde, hatte die Verwaltung von Kaiser Friedrich, die für den Verkauf war, schon in der Versammlung mitgeteilt. So wird auf die Kuxenbesitzer, die den Verkauf nicht wollen, ein sanfter Druck ausgeübt. Den Arbeitern gegenüber sind sie natürlich immer die„Herrn im Hause", die sich nicht dreinreden lassen. Der österreichische Staat als Kohlcnwerksbesitzer. Sehr schlecht wirtschaftet die k. k. Montanverwaltung mit ihren Nordwest- böhmischen Braunkohlenbergwerken, den Fuliusschächten im Teplitzer Revier. Während das Erträgnis 1909 noch 3,8 Millionen betrug. ist es 1910 nur mehr auf 1,3 Millionen veranschlagt. Und nun kommt gar noch der Kollege vom Eisenbahnministerium und fuhrt Frachtentarife ein, die eine unglaubliche Begünstigung des preußisch-schlesischen Steinkohlenbergbaues gegenüber dem eigenen Braunkohlenbergbau bedeuten. Die fchlefifchen Magnaten und Aktionäre erhallen Prämien und die böhmischen Arbeiter werden entlassen. Die sozialdemokratische Fraktion hat durch die Vertreter der Brauukohlenbezirke, die Genossen Seliger-Teplitz und Beer-Dux einen Dringlichkeitsantrag in dieser Angelegenheit ein- bringen lassen._ Bund der Landwirte in den Vereinigten Staaten. Kürzlich ist in St. Louis eine Versammlung der National- Convention der„Farmers' Educational and Co°operative Union" abgehalten worden. Ein Landwirt wies auf die Notwendigkeit der Einführung besierer Methoden hin in der Art und Weise, wie die Farmer ihre Produkte an den Markt bringen, wodurch bessere Preise erzielen und dabei die Konsumenten doch noch weit billiger einkaufen könn» ten. Die Landeigentümer in den Ver. Staaten sollten sich zu diesem Zwecke mehr zusammenschließen. Wenn das hier angedeutete Programm durchgeführt wird, dann unterscheidet sich der amerikanische Bund der Landwirte sehr vor- teilhast von unserem Bunde der Hahn und Genossen, denn dieser Bund hat ja die Aufgabe, den Konsumenten die Lebensmittel zu verteuern.__ Hua der Frauenbewegung. DaS allgemeine Franenwahlrecht und dir Sozialistcnfurcht. Wie schon kurz mitgeteilt wurde, hat das norwegische Odelsthing beschlossen, die Frauen von jetzt ab als Gemeindewähler den Männern völlig gleichzustellen. Der Beschluß ist mit 71 gegen 10 Stimmen ge- faßt worden. Sicherlich war ein weit größerer Teil der Abgeordneten, als man nach dem Abstimmungsergebnis annehmen könnte, für die Verallgemeinerung des Frauenwahlrechts nicht gerade begeistert. Handelte es sich doch darum, Proletarierinnen daS Wahlrecht zu ver- schaffen, die oder deren Männer größtenteils gar keine und zu einem kleinen Teil eine äußerst geringe Steuer zahlen, also um Frauen und Mädchen, die ihrer Klassenlage nach nur die Wähler- schar der Sozialdemokratie verstärken müssen. Die Bedenken und Befürchtungen der bürgerlichen Parteien konnten gegenüber der mit immer größerer Kraft vorwärtsdrängenden Forderung nicht standhalten, und sie werden ebenso zurückweichen müssen, wenn demnächst die Frage der Verallgemeinerung des staatsbürgerlichen Frauenwahlrechts zur Entscheidung kommt. Die demokratische Ent» Wickelung läßt sich nicht aufhalten. Nachdem das Konstitutionskomitee das allgemeine kommunale Frauenwahlrecht einstimmig beschlossen hatte, und sich übrigens auch bei den letzten Storthingswahlen alle Parteien dafür erklärten, hätte man erwarten können, daß sich im Odelsthing keine große Debatte mehr darüber entwickeln würde. Aber merkwürdigerweise war es ein Mitglied der Regierung und Führer der„Frei- sinnigen Linke n", der Staatsrat Arctander, der eine lange Rede gegen das allgemeine Frauenwahlrecht hielt..Er wollte es, wenn überhaupt, dann nur schrittweise eingeführt wissen, und bezeichnete auch die im Jahre 1393 durchgeführte Verallge- meinerung des Männerwahlrechts als einen Fehler. Er bemerkte: „Es ist sehr wahrscheinlich, daß die Erweiterung des Frauenwahl- rechts die sozialistischen Stimmen vermehren und den Sozia- listen vielleicht die Macht in allen größeren Städten und in vielen Landkommunen mit Arbeiterbevölkerung geben wird." Er ver- langte, die Sache solle vertagt und erst noch einmal gründlich unter- sucht werden. Unser Genosse Chr. H. Knuds en erklärte, die Arbeiterpartei könne die Rede drucken lassen und als Massenflug- blatt zur Wahlagitation verwenden; man brauche nur wenige auf- klärende Bemerkungen hinzuzusetzen. Verband für handwerksmäßige«nb fachgewerbliche Aus- bildung der Frau. Der Verband für handwerksmäßige und fach- gewerbliche Ausbildung der Frau hat ein Flugblatt veröffentlicht über die Bedeutung des kleinen Befähigungsnachweises für die Frauen. Das Gesetz kennt keinen Unterschied nach Geschlecht, sichert somit auch den Frauen eine gründliche fachgewerbliche Aus- bildung und ist berufen, den großen Mißständen, besonders auf dem Gebiete der Damenschneiderei ein Ende zu machen. Gerade hier wird in taufenden von Fällen der weibliche Lehrling durch eine drei- bis viermonatliche Lehrzeit schwer geschädigt. Vielfach kann die Lehrmeisterin selbst nichts. Nach dem Gesetz wird eine ordnungsmäßige Lehrzeit von 2 bis 3 Jahren gefordert; außer- dem aber das Bestehen der Meisterprüfung für den Lehrherrn zur Bedingung gemacht. Bis zum 1. Oktober 1913 aber können Schneiderinnen, die 24 Jahre alt sind, unter bestimmten Voraus- setzungen auch ohne die Gesellenprüfung bestanden zu haben, zur Meisterprüfung zugelassen werden. Der Verband will dahin wirken, daß überall von den Handwerkskammern Meisterinnenkurse errichtet werden. Frauen, die sich an einem in Berlin zu ver- anstaltenden Kursus in Damenschneiderei beteiligen wollen, werden gebeten, sich bald im Bureau des Verbandes, Berlin W., Link- straße 11 I, schriftlich zu melden. Das Flugblatt ist unentgeltlich durch den Verband zu beziehen. Leseabende. Wilmersdorf. Freitag, den 20. Mai, 6>/z Uhr, im GesellschaftShauS, Wilhelmsaue 112. Steglitz. Freitag 8'/, Uhr im Restaurant Roßmann, Schloßstr. 117, Vortrag: Dr. Chajes über»Nervenkrankheiten". große Kometenfeste veranstaltet, die mtt einer Henkersmahlzeit begannen und mit einem Abschiedstrunk schloffen. Auch an vielen anderen Orten hatte man sich in der Nacht dem Suff ergeben, um in seligem Dusel in die bessere Welt einzuwandern. So mancher wird heute morgen mit einem Schädel aufwachen, daß es ihm vorkommt, als ob er schon gestorben sei. Es wurde auch wirklich Zeit, daß der Tag de? Zusammenstoßes mit dem Kometen vorüberging; denn mittlerweile hat die Kometen- furcht bei einzelnen Personen Dimensionen angenommen, die das Schlimmste ahnen ließen. An erster Stelle ist da der alte Sünder Abdul Hamid zu nennen, von dem gemeldet wird, daß er sich wegen der Annäherung des Halleyschen Kometen in hochgradiger Aufregung befand. Er schlief nachts nicht mehr, nahm seit zwei Tagen keine Nahrung zu sich und hielt mit bewaffnetem Auge stundenlang Ausschau»ach dem Kometen.— In Turin hatten sich zahlreiche Angehörige der sogenannten gebildeten Stände mit Oxygen versehen, um so den Gifldünsten der Blausäure besser widerstehen zu können.— An verschiedenen Orten Italiens wurden Bittprozessionen veranstaltet, bei denen Fahnen mit der Aufschrift „Madonna schütze uns vor dieser Plage! herumgettagen wurden. Jetzt werden diese guten Leute um so inbrünstiger für die gnädige Errettung danken I— In T r e v i s o ist eine Bäuerin aus Furcht vor dem Nahen des Kometen Wahn» sinnig geworden. Sie stürzte während der Messe in die Kirche und forderte die Kirchenbesucher auf, Buße zu tun.— In Mai- l a n d erschien vor dem Gericht ein Mann und erklärte, daß alle sterben müßten. Er habe sich für die letzten Tage seines Lebens ein wenig Geld zum Unterhalt zurückbehallen und beabsichtige, den Rest seines Vermögen? der Justizbehörde anzuvertrauen.— In Monte Georgia stürzte sich ein Rentier aus Furcht vor dem Kometen in einen Brunnen, wurde aber zu seinem Leidwesen noch lebend herausgezogen.— Auch in Rußland hat der Halleysche Komet in den Hirnen der Gläubigen große Verheerungen angerichtet. Ganze Gruppen von diesen beabsichtigten, die Kometennacht bei frommen Ge- sängen in den Kirchen zu verbringen.— Natürlich darf auch Spanien mit seinen zurückgebliebenen kulturellen Zuständen nicht in der Reihe der Staaten fehlen, deren Einwohner von Konielenfurcht arg geplagt werden.— Ein pfiffiger Drogist hatte ein Antikonietenelixrer erfunden, das gegen alle Einwirkungen, die aus dem Durchgang des Kometen sich er- geben solllen, ichützen soll. Unter der abergläubischen Bevölkerung des Landes fand das Elixier reißenden Absatz.— Bei uns in Deutschland hat man die Sache im allgemeinen mehr von der heiteren Seite genonunen. Sehr enttäuscht werden aber neben anderen die Landauer Schulkinder sein, die vor einigen Tagen noch lustig sangen: Wir brauchen nix zu lernen. Wir leben nicht mehr lang: Am 18. Mai Ist der Weltuntergang k Am 19. Mai Ist alles vorbei I Vermischtes. T)ci kwct nocbl ES war wieder einmal nichts. Unsere alte Mutter Erde steht noch und eS ist auch keine Aussicht, daß sie sobald zu Gnmde geht. Von der so sehr gefürchteten Blausäurevergiftung ist weiter nichts übrig geblieben, als ein großer Katzenjammer, den sich alle die geholt haben, die dem Grundsatz huldigen: Fröhlich gelebt und lustig gestorben. Und lustig ist eS in der letzten Nacht hergegangen. So wird aus dem heiligen Köln berichtet, daß für die Kometennacht große festliche Karnevalsvera n st altungen getroffen worden sind. Die Polizei hatte die Stacht— offenbar in der Voraussetzung, daß eS die letzte fei— für Vergnügungen aller Art freigegeben. Einzelne Kölner Balllokale hatten Explosion in einem Vlulz-werU. Der Schauplatz einer sehr schweren Katastrophe war am Dienstag die Fabrik der American Sheet and Tinplate Com- pany in Canton im Staate Ohio(V. St. v. N.-A.). Wie uns ein Telegramm meldet, erfolgte während des Betriebes auS bisher unaufgeklärten Ursachen eine Explosion, die zwanzig Arbeiter tötete. Auch die übrigen in der Fabrik beschäftigten 300 Arbeiter trugen fast sämtlich Verletzungen davon._ Tragische Folge der Schundlektüre. Durch daS Lesen von Nick Carter- und Sherlock Holmes- Geschichten ist in Warna(Bulgarien) entsetzliches Unheil angerichtet worden. Der reiche Grundbesitzer Peter Balu, der derartige Schundlektllre geradezu verschlang, ist durch die Lektüre Wahn- sinnig geworden. Er bildete sich ein, Mörder und Meisterdetektid in einer Person zu sein. Um seine Wahnideen in die Tat umzu- setzen, ermordete er seine Frau und seine zwei Kinder. Darauf denunzierte er sich dann selbst bei der Behörde und unterzeichnete die gegen sich gerichtete Anzeige mit Sherlock Holmes. 47 Personen ertrunken. Wie ein Telegramm aus AlexandrowSk(Gouvernemen Jelaterinoslaw) meldet, geriet auf dem Dnjepr ein mit 94 Arbeitern besetztes Fahrzeug auf ein Riff. Durch den Anprall zerbarsten die Planken des Schiffes und das Schiff ging unter. 47 Personen sind dabei ertrunken._ Kleine Notizen. Vom Blitz erschlagen. In der Nähe von Plauen i. V. wurde während eines Gewitters ein Ehepaar P o l l e r aus Ellefeld, das unter einem Baume vor dem Unwetter Schutz gesucht hatte, vom Blitz erschlagen. Ein schweres Automobilunglück trug sich in der Nacht zum Mitt- wach in W i l h e l m s h ö h e bei München zu. Ein mit sechs Personen besetztes Privatautomobil fuhr in der Dunkelheit gegen einen Straßenzaun, geriet dabei in eine Böschung und stürzte um. Eine Dame, die das Automobil lenkte, wurde sofort getötet, die anderen fünf Insassen erlitten an Armen und Beinen schwere Verletzungen. Ein Opfer seines Berufs. In der K emptener Aktien- brauerei wurde ein Brauer bei der Bedienung einer Malztrocken- Maschine von der Maschine am Kopfe erfaßt und getötet. Herabstürzende GesteiiiSmassen verschütteten auf den Saargruben bei Saarbrücken drei Bergarbeiter. Zwei von ibnen wurden tot aus dem Geröll hervorgezogen, ein dritter fft schwer verletzt. Brand in einem Jrrcnhause. In der Frauenabteilung des Irrenhauses Bailleul(Frankreich) entstand infolge eines Blitz- schlages eine Feuersbrunst, die einen großen Teil des Gebäudes ein- äscherte. Die Rettung der Kranken war mit großen Schwierigkeiten verknüpft, da viele von ihnen sich unter den Betten versteckt'hatten und nur mit Gewalt vor den andringenden Flammen gerettet werden konnten. Seinen Lehrer erschossen. Ein lOjShriger Student der Hochschule in Palermo hatte von einem der Professoren eine schlechte Zensur erhalten. Da der Professor sich weigerte, dem Verlangen auf Ab- änderung nachzukommen, zog der Student einen Revolver und er« schoß den Professor. Durch einen zweiten Schuß nahm fich der junge Mann darauf selbst das Leben. Gelynchter Luftschiffer. In U e s k ü b in Mazedonien wollte ein Aviatiker Johann P o t k e eine Auffahrt mit einem Flugapparat vornehmen. Zu der Veranstaltung war eine große Menschenmenge erschienen; da der Apparat aber versagte, verlangten die Zuschauer ihr Geld zurück. Durch die Weigerung der Zurückzahlung erregt, fiel die wütenbe Menge über Potke her und e r> ch l u g ihn. Amtlicher Marktbericht der städtischen Markthallen-Direkston über den Großhandel in den Zcntral-Markthallen. Marktlage, Fleisch! Zusuhr schlvach, Gelchäst rege, Preise unverändert. Wild: Zusubr ge» »ügend, Geschäft lebhast. Prelle wenig verändert. Gellügeli Zusuhr knapp, Geschäft still, Preise befriedigend. Fische: Zusuhr reichlich, Geschäft ziemlich rege, Preise wenig verändert. Butter jund Käse: Geschäst ruhig, Preise unverändert. Gemüse, Obst und Südfrüchte: Zusuhr genügend. Geschäst schleppend, Preise vlelsach verändert. A.WERTHEIM O. mu b. H. LEIPZIGER STR ROSENTHALER STRASSE ORANIEN-STRASSE Ej£tf*Ci=yPf*6tS@'Donnerstag und Freitag KONSERVEN Junge Schoten eztrsfela >/. Doae 85, Vi Oos« SO Pf. Junge Schoten 1 Vi Doae 75, V, Doae 42 Pf. Junge Schoten II Vi Doae 48 Pf. Junge Schoten III ViOeae 45 Pf Schoten u. Karotten v, Doae 58 Pf. Tomaten-Puree Vi Doae 65, Vi Doae 38 Pf. Gemischt. Gemüse II Vi Doae 60.pf. Gemischtes Gemüse extrefein Vi Doae 1.20, V, Doae 65 Pf. Reineclauden Reineclauden Kirschen mit Steinen Melange 1 Stachelbeeren Vi Doae 78 Pf. V. Doae 44 Pf. Vi Doae 48 Pf. Vi Doae 1.05 Vi Doae 58 Pf. Marmeladen pdfdrÄ45 pr. Pflaumen asaer n. aflsa Vi Doae 42 Pf. Kaiserkirschen•/, Doae 1.05 Birnen hllbe Fnjch1t;, 70 pt Preisseibeeren Preisseibeeren Vi Doae Vi Doae 58 Pf. V. Doae 1.15 Dunstfrüchte Stachelbeerea, Johannisbeeren, Pflaumen ohne Kerne, Kiracfaen m. Stein., Birnen 50 pt FLEISCHWAREN Salamiwurst Pfand 1.15, Zervelatwurst 1.10 Teewurst Pfand 1.10 Zervelat« u. Salamiwurst Dauerware Pfd. 1.60 Bauernknackwurst mit Ktlmmel 0<1' Knopb�Sh: 1.20 Rollschinken e�IO Pfand aebwar Pfand 1.30 Rotwurst Pfund 50, 70 Pt Delikatess- Würstchen"do?? 1.40 6d5?S 70 Pf. Junge Gänse pfd l.io Hühner 75p(.bu2.50 Rehkeulen..... 6.50 bis 8.00 Rehrücken..... 9.00 bis 12.00 Rehblätter...... 1.75 bis 2.50 Murcia- Apfelsinen.. Dt«. 35 n Kopf-Salat � s swo» 25 pt Frische Gurken____ stuok 25 FRUCHTSÄFTE mit Bafflnada einsekocht. Himbeersaft ViPUaehe 85 pi., extra 1.05 Johannisbeertaft>/• ruaebe 85 vt Kirschsaft v, maaoke 85 Pt Erdbeersaft v. Piaaehe 1.05 Zitronensaft ViFiaaeb# 1.05 Zitronenmost S�Ä�ma� 1.90 Natürlicher Zitronensaft �maoSt v.aÄ 1.05 Neue Kartoffeln Malta runde Italien, u. H 2 Pfd. m*?| lange französ. Pfd. 1\/ PL Tischbutter Phmd l.io T äf elbutter Pfand 1 ,20 Ständiger Verkauf: P Ol*t0r VlFkd Baxter's Bulldogg Brand Double Brown Stout Fl. Imperial Stout Fl. Imperial Pale Ale Fl. c3 o Pf Pfttnd Flasche 10 Pf. Nur Leipzigerstr. u. Rosenthalerstt. FRISCHES FLEISCH Rinderfilet Pfd. 1.00, aoaseaebtU 1.40, 1.60 Roastbeef Pfd. 1.00, ohne Knoaben Pfd. 1.30 �Rinderzunge Pfd. 1.20, capokeit Pfd. 1.40 Frische Rinderbrust Pfd. 70 Pf. Schmorfleisch Pfd. 90 Pf* ebne Knoaben 1.00 Rinderkamm Pfd. 73 Pf. "'Gulasch u.""Gehacktes Pfd. 60 Pf. Frischer Schinken Pfd. 75 pi. Kamm u. Schuft Pfd. 90 pt Eisbein 60 ru Liesen Pfd. 65 fl * Artikel sind Von der Zusendung ausgeschlossen* Kalbskeule und Rücken Kalbsbrust Kalbskamm und Bug Hammelkeule und Rücken m. 1.00, 1.10 Pfd. 90 pt 1.00 Md. 80 pi Pfd. 89, 95 Pt Dicke Rippe Pfd. 75 pt. Dünnung Pfd. 55pt R.ollschuhe mit EisenrSdern und Riemen.. 1 mit Leder«€> JS.. verstellbar, mit Kugellager, O.. ö—- amerikanisches|/>._ .30, kappe... fc.OO, t.OO, Riemen und Kappe..... 0,00, 0,73, Fabrikat.... AVeOv 3 Qlietiicke-West 7 � Frohnau 20?f. Nordbahn. Nur noch 23 herrliche v. SZ Zl.»n. Kapitalanl. Restgeldcr— 10 Jahre. Prospekte sosort. Trohe Zutunst. Diokel u. Narrasohk, Glienicke, Hattwichstr.60, u. Hermedorf, Humboldtetr. 71 Dr.Schünemann Spezialarzt für Haut- und Harnleiden, Frauenkrankheiten,* Friedrichstr. 203. Ecke Schützcnstr. Wochentags 10—2, 5—7. Gcerlnnloae der im zahlt während dcrgiehung zu kutan. testen Bedingungen bar auS Mai Bräuer& Co. 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Speisekammer, Bad, elektr.Nachibet.: Restaurant: 2 Läden, grotze Küche, Speisekammer, Zimmer,. großem Kamer per sojorL• P arzelle H. 1100, Anz. 100 M.a. verf.Kvlonie Daheim Biesdorf, Marzahner Str. 5. perl Del. Lg. 676. Dr. Simmel Spezial-Arzt' für Haut- und Harnleiden. Prinienslr. 41, ää 10—2, 5—7. Sonntags 10— 12, 2—4 + Hygienisch g Bocarti Artikel. Nouest. Katmlof �f�hl.TioI.�enEte�Brof.�ratv uJ9 KLEcm verantwortlicher Redakteur Richard Barth, Berlin. Zur den Inseratenteil verantw.: Tb.«locke. Berlin. Druck».Verlag: vorwärtSBuchdruckerei u. BerlagSanstalt vaul Einger& Co., Berlin äW. Nr. 114. 27. ZahrgavK. 2. WIM des Joraiärlü" Sttlintr loMott Dovitttslllg, 19. Mai 1910. Partei- Hngelegenbeiten* Tempclhof. Nächsten Sonntag früh: Handzettel der» t eilung zu der Dienstag, den 24. d. M. im„Genossenschaftsrestaurant', Dorfstr. 50, stattfindenden öffentlichen Versammlung. Stralau. Arn Sonntag, den 22. Mai, früh 8 Uhr, findet in «?cn Bezirken eine Extra-Zusammenkunst sämtlicher Genossen statt. Die Bezirksleitung. Mahlödorf sOstbahn). Der Wahlverein hält seine regelmäßige Monatsversammlung am Sonnabend, den 21. d. Mts.. abends 8 Uhr, im Lokale des Herrn Werner(Bade-Restaurant), Hellersdorfer Weg ab. Auf der Tagesordnung steht: 1. Vortrag des Genossen K u b i g- Pankow über:.Die verflossene Reichstagssession.' 2. Vereinsangelegenheiten. 3. Verschiedenes. Berliner JVacbricbten* Die Sommerkaffeeküche. Aehnlich mangelhaft wie die von uns wiederholt gekenn- zeichneten Abortanlagcn in vielen oder sogar den meisten Sommerlokalen der Vororte sind die Einrichtungen der dortigen Kaffecküchcn. Mit dem echten Berliner Familien- brauch, im Freien Kaffee zu kochen, wird wohl vorläufig noch lange nicht gebrochen werden. Gewisse Lokalinhaber, die zwar Arbcitergroschen nicht für Blech halten, aber Arbeiter- Publikum nicht allzu gern sehen, haben das Kaffeekochen in der alten Form entweder schon gänzlich abgeschafft oder es in einen meist recht ungünstig gelegenen abseitigen Lokalteil verwiesen. Wo der Arbeiter nicht als„minderwertig", sondern als recht gern gesehener Gast betrachtet wird, geben nun aber die Kaffeeküchen vielfach zu erheblichem Tadel Anlaß. Obwohl an dem Kaffcekochcn ein gehöriges Stück Geld verdient wird, sind in den meisten derartigen Sommcrlokalen die Kaffeeküchen noch vom alt- berliner Schlage. Das bezieht sich ebensowohl auf das aus- geliehene Geschirr als auf die Bedienung. Man will nichts dagegen sagen, daß das Porzellan von der allerbilligsten Sorte ist, aber es muß wenigstens sauber und ganz sein. Zum Be- stände gehören Hunderte von Geschirren mit uralten Sprüngen oder„herausgebissenen" Stellen, an denen man sich die Hände und den Mund verletzen kann. Das Abwaschen der benutzten Geschirre geschieht vielfach in schmierigen Holzkübeln mit tiefschmutzigem Wasser. Das Wasser in kurzen Zwischen- räumen zu erneuern, fällt den Kaffeeköchinnen gar nicht ein. Dasselbe ekelhast gefärbte Wasser wird eine Stunde und länger benutzt, bis es einfach nicht mehr geht. Hygienische Wasch- und Spülapparate, wie sie sonst für Restaurations- lokale vorgeschrieben sind, kennt man hier nicht. Mit dem Geldeinnehmen sind dagegen die Kaffeepächter sehr schnell bei der Hand. Auf den gebrauten Kaffee muß man wegen Mangel an Personal oder an Geschirr, also aus Ersparnisrücksichten, oft ungebührlich lange warten. Dannjfer- hält man noch nicht mal immer Tassen, sondern wird dreist und gotteSfürchtig angewiesen, sich das schmutzige Geschirr von den Tischen zusammenzusuchen und es am Brunnen oder sonstwo selbst zu reinigen, wenn man nicht noch länger auf die Bedienung warten will. In einem hinter Schloß Tegel belegenen alkoholsteien Wald-Kaffeelokal, das auch sonst nicht durch Sauberkeit hervorragt und von sehr stommen Leuten, Mitgliedern deS Tegeler Parochialvereins, bedient wird, haben wir während der Pfingstfeiertage an der Kaffeeküche Zustände beobachtet, bei denen man lebhast an die Ziekowsche Wirtschast deS nahen Heiligensee denken muß. Der Wirt entschuldigte sich auf zahlreiche Beschwerden damit, daß er— zu Pfingsten l— auf den koloffalen Andrang nicht eingerichtet gewesen sei. ES kommt auch bei mancher Kaffeeküche vor. daß man Kaffeebohnen hingibt und durch Verwechselung Malzkaffe« zurück erhält. Für den PretS von 70. 80 Pf. bis 1 M. für ein Liter heiße« Wasser kann man doch eigentlich etwas mehr Mcksicht verlangen. Vielen Aerger gibt es beim Kaffeekochen mit den gedeckten Tischen. An solchen Kaffee zu kochen, ist nicht überall er- laubt, weil die Wirte die Beschmutzung mit Kaffeeflecken und noch mehr daS fahrläffige Zerschneiden der Tischdecken durch mitgebrachte Messer befürchten. Womit sie steilich nicht so ganz unrecht haben. Man sollte sich verpflichtet fühlen, daS Eigentum deS RestaurateurS zu schonen. Wo daS Kaffee- kochen an gedeckten Tischen nicht gestattet ist, muß aber auch ein entsprechender Hinweis überall deutlich sichtbar an- geschlagen sein, damit nicht nachträglich unliebsame Erörterungen stattfinden. Für Abstellung der in vielen Eommerlokalen vor allem denen der Vororte herrschenden Mißstände in hygienischer Beziehung, wie sie in den ToUetten und den Kaffeeküchen vorhanden sind, könnten sich die vor Jahren auf Veranlassung deS Ministers geschaffenen Gesundheitskommissionen sehr ver- dient macheu. Hier fänden sie ein dankbares Feld zur Be- tätigung und sie könnten endlich aus ihrem Winterschlaf er- wachen._ Zu den Mißständen in der Irrenanstalt Dalldorf schreibt man unS von genau unterrichteter Seite, jedoch nicht aus AnstaltS- kreisen, folgendes: Auch die Angaben des NachrichtenamtS der Stadt Berlin über die betreffenden Verhältnisse find zum Teil falsch. DaS Amt sollte doch in solchen wichtigen Fällen lieber erst genaue Erkundigungen einziehen, als flott und unrichtig drauf los zu berichtigen. Für die erste Aufnahme der männlichen Kranken ist nicht HauS I, sondern seit Jahrzehnten HauS III bestimmt. Um- gekehrt ist HauS I die allerleichteste Station, von der die meisten Entlassungen stattfinden. Daneben wird auch daS vorwiegend Alkoholikern reservierte Haus IX mit Neuaufnahmen belegt. Daß ansteckend Kranke in die besonderen Lazaretträume kommen und selbstverständlich ihre besonderen Waschgelegenheiten haben, steht vielleicht auf dem Papier, wird aber in der Praxis nicht befolgt. Selbst wenn solche Kranken bei hochgradigem KrankheitSzustande «m allgemeinen Stationslazarett schlafen, dürfen sie sich auf den allgemeinen Korridoren sowie im Garten bewegen und kommen hier mit mehr als hundert nicht ansteckend Kranken in enge Be- rührung. Die„Isolierung" ist also für die Katze. Es ist sogar wichtig, daß gelegentlich Syphiliskranke außerhalb der Stationen beschäftigt worden sind und nicht im Lazarett schliefen. Daß das »Schwimmbassin" freiwillig benutzt wird, ist gar keine Entschuldi- gung. Man muß doch berücksichtigen, daß man Menschen ohne ßreie Willensbestimmung vor sich hat. Uebrigens ist denn auch trotz der Schweinereien die Benutzung ziemlich stark. Grundfalsch ist die Behauptung des Nachrichtenamts, daß in der Küche nur weibliche Kranke beschäftigt werden. Auch männliche Kranke sind nicht nur in der Küche von Dalldorf, sondern auch in Herzberge und Buch beschäftigt. Sie haben hier hauptsächlich die Essenkessel zu reinigen, die Fußböden zu scheuern und das Blanke zu putzen. Dabei kommen sie unvermeidlich auch mit Etzvorräten zusammen. Zum Kohlschneidcn wird regelmäßig eine ganze Kolonne aus Haus I kommandiert. Ueber die Mißstände in der Irrenanstalt Dalldorf hat sich auch der Leiter der Anstalt, Herr Dr. Sander, einem Mitarbeiter der „Morgenpost" gegenüber ausgelassen und sich zum Teil so geäußert, wie das Nachrichtenamt der Stadt Berlin dies gestern getan bat. Von Interesse aber ist, daß das Nachrichtenaint zu melden wußte, daß der Verwaltung keine Klagen des Personals über das Essen bekannt geworden seien, während Herr Sander im Gegenteil hierzu und in Uebereinstimmung mit unserer lvteldung erklärt, daß über das Essen häufig Klagen eingelaufen seien. Man habe diese Klagen zu berücksichtigen versucht, es habe sich in den letzten Jahren vieles gebessert. Leider ist es mit dieser Besserung nicht weit her, denn die Klagen reißen nicht ab. Ueber die Hundcplage, den schwer auszubessernden Schaden, den die Hunde auf den Rasenflächen und Blumen- beeten der städtischen Park- und Gartenanlagen anrichten, mehren sich die Klagen aus der Bürgerschaft. Die städtische Parkverwaltung sieht sich daher zu ihrem Bedauern genötigt. gegen die Besitzer von Hunden, die solche Beschädigungen dulden oder den Anordnungen der Parkwächter nicht folgen, auf gerichtliche Bestrafung anzutragen. Ueber außerordentlich hohe Fahrpreise der Allgemeinen Berliner Omnibusgesellschaft im AusflugSverkehr wird lebhafte Klage geführt. So feien am Himmelfahrtstage auf der Fahrt Hallesches Tor über Charlottenburg nach Pichelsberge für die Tour Schloßstraße, Charlottenburg— Pichelsberge auf der Hinfahrt 30 Pf. pro Person, ganz gleich, ob Erwachsene oder Kinder, erhoben worden. während bei der Rückfahrt um 8 Uhr abends für die Strecke Bahnhof Heerstraße— Sophienstraße, Charlottenburg, für Erwachsene 1 M. 20 Pf., für Kinder SO Pf. hätten gezahlt werden müssen. Wir haben diese Angaben zunächst für kaum glaublich gehalten, sie sind unS aber unter Vorlegung der Fahrscheine als der Wahrheit entsprechend bestimmt versichert worden. Welche Erklärung hat die Gesellschaft für dies Verfahren? AergerniS erregte eine Roheit, welche sich gestern in dem Hause Buttmannstr. 18 ereignete. Dort fanden Kinder in dem Müllkasten sieben kleine lebende junge Hunde, welche in der Asche herum- krabbelten und ganz jämmerlich schrien. Da der Wirt des Hauses keine Veranlassung nahm, das AergerniS zu beseitigen, so gingen zwei Kinder aus dem Hause Nr. 17 zum Polizeirevier lOi und erstatteten Anzeige. Ehe aber der Schutzmann mit den Kindern kam, war längere Zeit vergangen und so fand er nur noch drei von den sieben kleinen Tierchen lebend an. Um feststellen zu können, wer diese unmenschliche Roheit begangen hat, ließ er sich alle die- jenigen im Hause nennen, welche im Besitz eines Hundes sind, um wegen Tierquälerei vorzugehen. Ueber Herrn Dr. Reuter, den leitenden Arzt der Heimstätte in Buch, wird uns eine neue Klage vorgetragen, die das Bild des Herrn Chefarztes in Buch vervollständigt. Zu Pfingsten hatten sich zahlreiche Angehörige von Patienten der Heimstätte Buch auf- gemacht, um den letzteren einen Besuch abzustatten. Die Besuchs- zeit ist von 4— 6 Uhr festgesetzt. Zehn Minuten vor 4 Uhr setzte ein wolkenbruchartiger Regen ein. Trotzdem habe man die An- gehörigen im vollsten Regen vor der Pforte stehen lassen und nicht geöffnet. Dr. Reuter soll Kenntnis von der Sachlage gehabt haben, er soll, so wird behauptet, es ruhig haben geschehen lassen, daß der Pförtner auf den Glockenschlag 4 gewartet habe. Die Patienten seien ob dieser„Rücksichtnahme" auf die Angehörigen stark erregt worden, weil bei einem mir geringen Entgegenkommen die An- gehörigen auch einige Minuten vor 4 Uhr hätten eingelassen werden können. Zwei große Räume seien ja vorhanden, wo der Besuch Unterkunft finden könne. So aber hatten Besucher sich in einen Kuhstall flüchten müssen, wo sie längere Zeit verweilen muß- ten. Patienten, die ihre Angehörigen aus diesem Stalle holen wollten, seien dadurch auf dem Wege vollkommen durchnäßt worden. ES wird notwendig sein, auch im vorliegenden Falle eine Un- tersuchung einzuleiten Sind die vorstehend gemachten Angaben zutreffend, so ist daS Verhalten des Leiters der Heimstätte Buch unbegreiflich. vor Eintritt in gewisse private Krankenkassen, die Mitglieder ohne weiteres aufnehmen, haben wir wiederholt gewarnt. Viele Mitglieder werden erst über den Charakter dieser Kassen klar, wenn sie Ansprüche erheben. Da existiert hier in Berlin eine Zahlstelle der Westdeutschen VersicherungS-Kranken- und UnterftützungSkafse. Zuschuß- lasse für ganz Deutschland mit dem Eitze in Köln. Vor einigen Monaten wurde ein weibliche» Mitglied krank und stellte Unter- stützungSansprüche. Die hiesige Zahlstelle verwies die UnterftützungS- suchende nach der Hauptstelle in Köln. Der Mann der Frau schrieb mehrere Male nach Köln, erhielt aber gar nicht erst Antwort auf seine Schreiben. Der Briefschreiber ist dadurch zu der Meinung ge- kommen, daß die Kasse in Köln gar nicht existiert. Wir wissen nicht, ob diese Annahme richtig ist, sie zeigt aber, welche Schlüsse aus dieser GeschästSgebarung mancher Kassen gezogen werden. Mit de« Faß um die Welt. Eine eigenartige Karawane war vorgestern nachmittag auf der Chaussee von Potsdam«ach Wannsee zu sehen. Drei Männer zogen ihres WegeS, die eine große, etwa drei Meter lange und anderthalb Meter hohe Tonne vor sich her« schoben. Um sie herum ein Schwann von Radfahrern und Fuß- gängern, die den eigentümlichen Reisenden ein Stück WegeS das Geleit gaben. Die sonderbaren Reisenden, mittelgroße Figuren im blauen Sweater, in hohen Jagdstiefeln und mit turbanähnlichen Mützen auf dem Kopf, stnd die Venetianer Zanardi Attilio und Vianello Eugen, die gewettet haben, daS Fatz in zwölf Jahren um die Welt zu rollen. Am 20. Juni 1S0S find sie in Venedig abmarschiert, also schon fast elf Monate unterwegs. In dieser Zeit haben sie 5500 Kilometer zurückgelegt, Norditalien, die Schweiz, Frankreich, England, Belgien und Holland mit ihrem Faß durchrollt. Sie dürfen sich in der Regel nur vom Verkauf eigener Ansichtskarten ernähren, haben aber bisher so viel verdient, daß sie sters in Gasthäusern übernachten konnten. Für den Notfall und in unzivilisierten Gegenden spielen fie den„modernen Diogenes" und übernachten in ihrer Tonne. Gestern gedachten die seltsamen Weltreisenden in Berlin anzukommen; sie werden sich zwei bis drei Tage hier aufhalten. Dann geht eS nach Ostpreußen und von dort durch Rußland nach China. Beim Baden ertrunken. Drei Menschenleven hat gestem das Baden an verbotener Stelle gefordert. Zwei junge Leute waren weit in den Müggelsee hinauSgeschwommen und als fie wieder anS Ufer zurückschivimmeir wollten, war eS mit ihren Kräften zu Ende. Die beiden Schwimmer, zwei junge Leute im Alter von etwa 24 Jahren, stießen schwache Hilferufe aus, die aber zu spät gehört wurden. Ehe Retter hinhurudern konnten, waren die beiden in den Fluten verschwunden. Die Leichen der Ertrunkenen konnten noch nicht geborgen werden. Ein drittes Opfer hat die Havel gefordert. In der Nähe von Schwanenwerder ertrank ein Ausflügler, wahr- scheinlich ein Berliner. Er ging in überhitztem Zustand inS Wasser und wurde beim Schwimmen von einem Schlaganfall getroffen, so daß er unterging und ertrank. Ein Doppelselbstmorb ist jetzt durch die Auffindung zweier Leichen aufgeklärt worden. Vorgestern früh wurde eine Mädchen- leiche an der Freundschaftsinsel in Potsdam aus der Havel ge- zogen. Man fand bei ihr mit A. M. gezeichnete Kleidungsstücke, ein Schlüsselbund und einen unechten Siegelring mit rotem Stein. Die daraufhin angestellten Nachforschungen ergaben, daß das Mädchen bei dem Gärtnereibesitzcr Fritz Vogel in der Lcnnestraße beschäftigt war. Gestern vormittag wurde an der Laubenkolonie eine zweite Mädchenleiche angeschwemmt. Es gelang nun, beide zu rekognoszieren. Die eine ist die 18 jährige Blumenbinderin Martha Arnold, die andere das 24 Jahre alte Dienstmädchen Minna Wegewitz, die beide in der Kunstgärtnerei von Vogel beschäftigt waren. Die Mädchen sind seit Montag vor acht Tagen ver- schwunden; sie befanden sich beide in anderen Umständen. Auf cincm Ausflug gestorben ist gestern nachmittag eine un« bekannte Frau in der Nähe des Restaurants Waldesruh bei Wenden- flötz. Sie gehört dem Mittelstände an, ist etwa 60 Jahre alt und trug ein graues Kleid mit weißen Punkten, mit Spitzeneinsatz, einen schwarze» Hut mit schwarzen Straußenfedern, einen Trauring ohne Zeichen, eine goldene Uhr mit Kette. Die Rückseite der Uhr zeigt Schwalben in blauer Emaille und das Monogramm S. Nach ihren Angaben sollte die Verstorbene in der Lausitzer oder Skalitzer Straße gewohnt haben. Mit dem Revolver versuchte gestern morgen ein Mann, der seinem Aeußeren»ach den besser gestellten Kreisen angehört zu haben scheint, in einem Gebüsch des Tiergartens seinem Leben ein Ende zu machen. Er verletzte sich schwer an der linken Kopfseite und wurde bewußt« loS nach der Charitö gebracht. Dort ist er noch nicht wieder zur Besinnung gekommen. In seinen Taschen fand man nur einen Pfand« schein und 5 Pf. Die D-unpferkatastrophe bei Spandau am ersten Pfingstfeiertag hat ein Opfer gefordert. Unter den Passagieren de« Sterndampfers „Leopold von Ranke", der bei Spandau verunglückte, befand sich auch die 18jährige, einzige Tochter des Bureanvorstehers Wiehn aus der Goethestraße 87 in Charlottenburg. Fräulein W. hatte die Fahrt mit zwei Freundinnen mitgemacht und befand sich in dem Moment der Katastrophe in deren Gesellschaft. In der durch den Unfall herbeigeführten Panik wurden die drei jungen Mädchen getrennt. Während die beiden Freundinnen sich in Sicherheit bringen konnten, ist Margarete Wiehn seitdem verschwunden. Gestern morgen wurde in der Nähe der Unfallstelle ein Damen« Hut aufgefischt, der von den Angehörigen der Vermißten als deren Eigentum auf das bestimmteste erkannt wurde. Die Leiche ist noch nicht geborgen. Uebrigens wurde gestern der Spandauer Polizei die Anzeige gemacht, daß anscheinend»och ein zweites Opfer der Schiffskollision zum Opfer gefallen ist. Beim Spielen ins Wasser gefallen und ertrunken ist gestern der 9 Jahre alte Schüler Arno Ackermann aus der Dreysestr. 10. Der Knabe verunglückte an der Föhrer Brücke, die über den Spandauer Schiffahrtskanal geht. Der Arbeiter Wilhelm Behring aus der Fehmarnstraße 20, der den Vorgang sah, sprang dein Kleinen ins Wasser nach und tauchte wiederholt nach ihm. Als er ihn endlich fand und landete, war er aber doch schon tot. Wiederbelebungs« versuche, die im Virchowkrankenhause angestellt wurden, blieben er» folglos. Zwei Kinderlcichen wurden gestern vormittag wieder aufgefunden. In beiden Fällen handelt eS sich um neugeborene Kinder. Die eine Leiche lag. inehrinals in weißes Papier eingewickelt und verschnürt, auf dem Grundstück Müllerstr. 144 in dem Eingang von der Ostender Straße her auf dem ersten Trcppenausay, die andere, in Zciiungs- Papier eingehüllt, auf dem Georgenfricdhos am KönigStor. Nach- forschungen nach den Müttern wurden sofort eingeleitet, hatten aber noch keinen Erfolg. Radrennen zu Treptow, 17. Mai. DaS sprichwörtliche Wetter- glück war der Treptower Bahn an den Pfingsttagen untreu ge- worden. Am Sonntag mutzten die Rennen wegen eines am Nach- mittag einsetzenden Gewitters ausfallen und am dritten Feiertage erlitt die Veranstaltung aus derselben Ursache eine Störung. Der Besuch war ein nur mäßiger. Das Hauptcreignis war daS Zu- fammentreffen von Bruno Demke mit Pawke und Erx« leben in zwei Läufen über 20 und 30 Kilometer. Elxleben ver« sagte. Demke verlor den ersten Lauf infolge Reifenschadens, ge« wann dagegen den zweiten überlegen. Ein Hauptfahren über 900 Meter gewann Fr. H o f f m a n n vor Götze und TheiS.— Er« gebniffe: 20 Kilometer-Rennen: 1. Pawke, 2. Erx- leben, 3. Demke.— 30 Kilometer»Rennen: 1. Demke, 2. Pawke, 3. Elxleben. Die Brücken-Allee vom vorhandenen Asphaltpflaster an ver Städtbahn bis zur Altonaer Straße wird behufs Umpflasterung vom 23. d. M. ab bis auf weiteres für Fuhrwerke und Reiter ge« sperrt. lleberfahre» and schwer verletzt wurde am Mittwochnachmittag gegen>/,(3 Ubr der Ojährige Sohn des in der Wiesenstr. 10 wohn- hasten Schlossers Lessap. Der Knabe spielte mit seinem 10 Jahre alten Bruder im Humboldthain. Als die Geschwister sich nach Hause begeben wollten und den Fahrdamm der vninnenstraße überschritten. mußten fie einein herannahenden Straßenbahnwagen ausweichen. wobei der jüngere Knabe von einem Stcinwagen umgerissen wurde und unter das Gefährt geriet, dessen Hinterräder ihm über den rechten Oberarm hinweggingen. Der Arm wurde vollständig zer« malmt. Außerdem trug der Verunglückte eine schwere Kopfwunde davon. Aiif der Unfallstatton in der Badstraße erhielt der be« dauernSwerte Knabe Notverbände und wurde dann in bedenklichem Zustande nach dem Kinder-Krankenhaufe in der Reinickendorfer Straße übergeführt. Ein großer Dachstuhlbrand kam gestern nachmittag in der Naunyn« straße 5 im Südosten Berlins zum Ausbruch. Glücklicherweise war das leichte Schieferdach vom Feuer bald durchschlagen worden, so daß wenigstens keine besondere verqualmung eingetreten war. Der Löschanqriff erfolgte mit drei Rohren über Treppen und zwei mechanische Leitern hinweg und hatte den Erfolg, daß daS Feuer aus den Dachstuhl beschränkt blieb. Vorort- JVacbricbten. Wilmersdorf. Eine« Prozeß gegen den Besitzer des Viktoria-GartenS hat die Stadt Wilmersdorf verloren. E« handelt sich dabei um das städtische Waisenhaus, das an der WilhelmSaue auf dem der Stadt testarnen« tarisch vermachten damaligen Blisseschen Grundstück aus den Mitteln der Christian und Auguste Blisse-Stifwng errichtet wird und da» am 1. August diese» Jahre« in Betrieb gesetzt werden soll. Der Prozeß entstand nun aus Differenzen zwischen der Stadt und dem Besitzer des Vittoria-GartenS, des Nachbargrundstücks; da» Gericht hat zugunsten deS Klägers entschieden, so daß nun der Stadt- gemeinde nichts weiter übrig bleibt, als sich mit dem Prozeßgegner auf gütlichem Wege auseinanderzusetzen oder den westlichen Flügel des Neubaues niederzulegen; letzteres ist jedoch wohl kaum anzu« nehmen, da das Gebäude bereits seiner Vollendung entgegengeht. Der Betrieb be» Waisenhauses soll mit zirka 80 Zöglingen be« rtonnen toexbeu. Charlottenburg. Sturz aus dem dritten Stockwerl. Anscheinend aus unglücklicher Liebe verübte am Dienstag»«mittag das 22 jährige. bei einem Arzt in dem Hause Suarezstr. 64 in Stellung gewesene Dienstmädchen Margarete Zimmermann einen Selbstmordversuch, indem es sich aus der dritten Etage auf die Straße hinabstürzte. Die Lebens- müde, die entsetzliche Verletzungen erlitt, wurde nach dem Kranken- hause Westend übergeführt, wo sie in sehr bedenklichem Zustande daniederliegt. Rixdorf. Aufregeude Szenen wurden in der gestrigen Nacht durch den Zöjährigen Sattler Walter Drawe, Hermannstr. 170, hervorgerufen. D. wohnte bei einer geschiedenen Ehefrau Auguste Falk. Als er in der gestrigen Nacht heimkehrte, geriet er mit der F. in heftigen Streit. Plötzlich eilte er in die Küche und holte daS Beil, um die wehrlose Frau damit zu erschlagen. Die Bedrohte ergriff schleunigst die Flucht; es glückte ihr auch, der Gefahr zu entrinnen. Sie eilte nach dem nächsten Polizeirevier und bat um Schutz. Ein Beamter bewegte den Wütenden durch gütliches Zureden, mit zur Wache zu kommen. Auf dem Wege dorthin riß er sich plötzlich von dem Beamten los und warf sich vor einem heranfahrenden Straßenbahn- wagen der Linie 23 auf die Gleise, um sich überfahren zu lassen. Der Wagenführer hatte den Vorgang aber rechtzeitig bemerkt, und eS gelang ihm, de» Waggon unmittelbar vor dem Selbstmord- kandidaten zum Halten zu bringen. Vermißter Knabe. Seit dem 14. d. M. ist der 11jährige Sohn Heinrich des Lederarbeiters Pietz aus Prinz- Handjery- Straße 6S spurlos verschwunden. Der Knabe hatte an dem genannten Tage nachmittags die elterliche Wohnung verlassen, um mit einem Schul« kameraden spazieren zu gehen und ist seitdem nicht mehr nach Hause zurückgekehrt. Die Eltern befürchten, daß der Knabe verunglückt oder in schlechte Gesellschaft geraten ist. Der Vermißte ist 1,22 Meter groß, hat ein längliches Gesicht, blondes Haar und blaue Angen. Bekleidet war er mit einem blaugestreiften Waschanzug, gelben Schuhen schwarzen Strümpfen und blauer Sportmütze. Bollständig neu eingekleidet hat sich ein dreister Einbrecher, der in die Wohnung des Bildhauers Otto Körner eindrang._ Der Dieb eignete sich ein Sparkassenbuch über KOl) M. sowie eine Anzahl wertvoller Schmuckgegenstände an. Bevor er sich entfernte, kleidete er sich vollständig neu ein. Seine alten zerrissenen Kleidungsstücke ließ er als„Ersatz" für den Bestohlenen zurück. Treptow-Baumschulenweg. In der Genieinbevertretersttzung machte Herr Bürgermeister Schablow die Mitteilung: daß am 2. Mai in Treptow eine Rechtsauskunftsstelle errichtet worden ist. Auskunft werde erteilt des Montags vormittags von 1l>— 1 Uhr und Donnerstags nach. mittags von 5— 7 Uhr im Rathaus, Neue Krugallee 5, Zimmer 1-3. Die Rat- und Auskunfterteilung erfolgt unentgeltlich. Der Ge- meinde entstehen durch diese Einrichtung keine Kosten, vielmehr werden dieselben von einem Verein getragen. Des weiteren habe der Äreisausschuß der Gemeinde für das laufende Jahr einen Bei- trag von 200 M. für die Volksbibliothek gegeben. Die Gemeinde hat für denselben Zweck aus eigenen Mitteln 400 M. bewilligt, so- daß im ganzen 600 M. zur Verfügung stehen. Wie Redner weiter mitteilte, ist die Knaben, und Mädchenvorschule von der Elsenstr. 3 nach dem Gemeindeschulhaus in der Bouchestratze verlegt worden. Die Vorschule wird von 42 Schülern und Schülerinnen besucht. Die Beteiligung der Mädchen ist gering, dadurch ist es fraglich, ob der Plan, welchen man bei Einrichtung der Schule in bezug auf die Mädchen hatte, zur Ausführung kommen könne. Das Real- gymnasium wird von 7S Schülern besucht. Aus Gemeindemitteln find an 3 Schüler je eine halbe Freistelle bewilligt worden. Des weiteren verwies der Bürgermeister auf eine vom Magistrat von Charlottenburg eingegangene Uebersicht über die Bautätigkeit Ber- linS und seiner Vororte in den Jahren 1301— 1909, aus welcher hervorgehe, daß Treptow an 7. Stelle stehe. Es seien in dieser Zeit in Treptow 1034 Bauerlaubnisscheine erteilt worden und 833 zur Ausführung gelangt. Die von den sozialdemokratischen Gemeindevertretern gestellten Anträge, betreffend die Beseitigung der Rauchbelästigung und daS Aufftellen von Warnungstafeln an den Bootsständen, durch welche auf das mit Lebensgefahr ver. bundene Schaukeln und Plätze'wechseln beim Bootfahren hinge- wiesen werden solle, habe noch nicht auf die Tagesordnung gesetzt werden können. Hierauf kam der Bürgermeister auf die Mai- feierangelegenheit zu sprechen, über die wir bereits in der gestrigen Nummer des„Vorwärts" berichtet haben. Eine weitere Erklärung des Herrn Bürgermeisters bezog sich auf einen Vorgang aus der Gemeindevertretersitzung vom 8. April, in welcher der Gemeinde- Vertreter Klapp eine derbe Zurückweisung erhalten hatte. Der Bürgermeister hatte bei der Debatte über die Genehmigung der öffentlichen Versammlung im Park in einer Aeußerung des Herrn Klapp eine unzulässige Kritik seiner Geschäftsführung als Amtsvorsteher erblickt. Noch in derselben Sitzung hätten ihm die Herren Klapp und Lücke jedoch erklärt daß Herrn Klapp eine der- artige Kritik ferngelegen habe; vielmehr habe er nur zum Ausdruck bringen wollen, daß die von Herrn Karow angeregte Diskussion un. zulässig sei. Die Zurückweisung, so erklärt der Bürgermeister, habe auf einem Mißverständnis beruht und sei gegenstandslos geworden. Unser Genosse Karow hatte die Diskussion über die Versammlung im Park nicht angeregt, sondern sich nur an ihr beteiligt. Ange- regt wurde dieselbe von Herrn Graetz. Herr Klapp hat sich also bei dieser Angelegenheit Herrn Lücke zu Hilfe geholt, damit der Nasenstüber, den er erhalten hatte, zurückgenommen werde. Einige Tage vordem war Herr Klapp bei dem Genossen Karow, um von diesem Hilfe zu erbitten gegen Herrn— Lücke. Unser Genosse Karow sollte dafür wirken, daß bei der damals bevorstehenden Schöffenwahl die sozialdemokratischen Gemeindevertreter für einen von Herrn Klapp und seinen Freunden in Aussicht genommenen Herrn aus dem Ortsteil Baumschulenweg eintreten würden. Sie sollten also gegen Herrn Lücke stimmen, denn Herrn Klapp war es bekannt, daß Lücke zum Schöfsenamt kandidieren würde. Dem Ge- meindevertreter Klapp scheint es demnach gleich zu sein, von wel- eher Seite er Hilfe bekommt. Dem Pächter der Badeanstalt im OrtSteil Baumschulenweg soll auf Antrag des Gemeindevorstandes ein Zuschuß aus Gemeindemitteln gewährt werden. Unser Genosse Karow betonte, daß die Gemeinde verpflichtet sei, selbst eine Bade- anstalt einzurichten: die Versammlung bewilligte jedoch 1200 M. als Zuschuß, und zwar auf ein Jahr. Den erkrankten Kassenmit- gliedern soll zu dem Preise, wie er vow der Zentralkommission der Krankenkassen mit den übrigen Badeanstalten vereinbart ist, die Bäder berechnet werden. Die Desinfektion bei ansteckenden Krank- heiten soll nach einem Antrag deS Gemeindevorstandes für Minder. bemittelte unentgeltlich sein. Die Gemeindevertretung beschloh, nachdem Genosse Gerisch für Uebernahme sämtlicher Kosten ein- getreten war, in diesem Sinne. Im vergangenen Jahr betrugen die Kosten 1300 M.— Die Canner Chaussee, soweit sie auf Trep- tower Gebiet liegt, soll künftig„Forsthaus-Ällee" heißen. Ein vom Gemeindevorstand vorgelegtes Ortsstatut gegen die Verunstal- tung von Straßen und Plätzen wurde nach längerer Diskussion, an der sich auch unsere Genossen Gerisch und Karow beteiligten, mit geringen Abänderungen angenommen. Vor Schluß der Sitzung wurden noch verschiedene kleinere Angelegenheiten angeregt und erledigt. Eschmargendorf. Für die Gegend an der Grenze Schmaraendorf-Grunewald wird schon seit Jahren die Errichtung eines Krankenhauses gefordert. DaS Projekt ist nun durch eine Hypothek in der Höhe von 400 000 M. «esichert. Bekämpft wird dasselbe durch den Geh. Medizinalrat üof. Dr. v. Hanscinann-Grunewalb und zwar aus ärztlichen und religiösen Gründen. Dieser auf den erste» Blick eigenartige Stand- punkt des betreffenden Arztes wird aber sofort erklärlich, wenn man hört, daß das projektierte Krankenhaus unter die Leitung der .Grauen Schwestern"(ein katholischer Orden) gestellt werden soll. Herrn Dr. HanfemannS Widerstand beruht nämlich im wesentlichen auf der Befürchtung, daß eine konfessionelle Einwirkung seitens der Pflegerinnen und Seelsorger auf Patienten anderer Glaubens- bekenntnisse zu erwarten sei, eine Befürchtung, die nach den ge- sammelten Erfahrungen in ähnlichen Instituten und bei der be- kannten Bekehrungswut katholischer Religionsvertreter und Wer- treterinnen nicht unbegründet ist. Das Terrain ist bereits auf Schmargendorfer Gebiet erworben, es steht also nur noch die nötige Zustimmung der maßgebenden Behörde aus. Eine neuerliche Ein- gäbe zu diesem Zweck soll der Schmargendorfer Gemeinde zugehe». An der Bezeichnung Krankenhaus nehmen die anliegenden Eigentümer Anstoß, deshalb soll dieses.Johamwsftift" genannt werden. Britz. Die letzte Gcmeindevcrtretersitzung nahm zunächst den Bericht über die Kassenrevision entgegen. Demnach betrug im alten Rech- nungsjahre die Einnahme 3 615151,90 M., die Ausgabe 3 519090,17 Mark. Ein Antrag der Beamten der Amts- und Gemeindever- tvaltung, während der Sommermonate(vom 1. Mai bis 1. Sep- tember) an den Sonnabenden die Bureaustunden in die Zeit von 8— 2 Uhr zu verlegen, wurde einstimmig genehmigt. Die Stadt Nixdorf hat noch mehre Grundstücke auf dem Umtauschgelände östlich des Rixdorfer Stichkanals erworben. Der Magistrat ersuchte um Erlaß der Umsatzsteuer. Der hiesige Ausschuß beschloß jedoch, von der Erhebung der Umsatzsteuer nicht Abstand zu nehmen, dem schloß sich die Sitzung an. Die Firma Siemens u. Halske hat mit Ueber- einstiinmung der Freiwilligen Feuerwehr einen Kostenanschlag zur Herstellung von 4 neuen Alarmweckern für Polizei- und Feuerwehr- leute zum Preise von 950 und für 20 Nebenanschlüsse für Feuer- Wehrleute zum Preise von 600 M., in Summa 1550 M. eingereicht. Im Interesse des schnellen Eingreifens der Wehr wurde dem zu- gestimmt. Außerdem hatte sich die Vertretung noch mit einer Reihe Grurchstückssachen zu beschäftigen. Eine sonderbare Praxis befolgt der hiesige Bürgermeister, indem er zu Kommissionssitzungen sämtliche Vertreter ladet. Damit soll erreicht werden, daß die vorhandenen Meinungsverschiedenheiten über einzelne Dinge bereits in der Kommission zum Austrag ge- bracht werden und die Oeffentlichkeit nicht viel von der Stellung der einzelnen Parteien zu den Beratungsgegenständen erfährt. Die eigentlichen Plenarsitzungen zeichnen sich unter solchen Umständen durch eine auffallende Ruhe aus, die nur gestört wird durch unsere Genossen, denen eine solche Abwickelung der Geschäfte hinter den Kulissen nicht paßt. Diese Ansicht hat ihnen bereits bei der letzten Gcmeiudewahl den Vorwurf von den Gegnern eingebracht, daß sie nicht in der Lage wären, die Interessen der Gemeinde zu vertreten. Wie der Bürgermeister über die Tätigkeit der Gemeindevertreter denkt, hat er bereits am 4. April bei seiner Einführungsrede zum Ausdruck gebracht. Damals betonte er:„Die Bürgerschaft darf er- warten, daß Sie regelmäßig zu den Sitzungen erscheinen; die größere Zahl befreit nicht von der Arbeit und der Teilnahme an den Sitzungen. Lassen Sie sich nicht dazu bewegen, schlechthin nur Oppo- sition zu treiben, dazu wäre die Zeit zu kostbar. Nicht Ihren Wählern, nur Ihrem Gewissen allein sind Sie Rechenschaft schuldig für Ihr Tun und Lassen in der Vertretung. Das sind goldene Worte, die sich in der Städteordnung von 1308 finden und die so lange zu einem guten Einvernehmen zwischen Gemeindevorstand und Gemeindevertretung fähig gemacht haben." Hieraus ist ersichtlich, nach welchem Prinzip die Geschäfte ge. leitet werden sollen. Unsere Genossen werden jedoch vor wie nach zu wichtigen die Oeffentlichkeit interessierenden Fragen in öffenl- sicher Sitzung Stellung nehmen. Vertreten sind unsere Genossen in folgenden Kommissionen: Finanzkommission Genossen Schliebitz und Eberhardt; Grundeigen- tum und Friedhofskommission Genosse Kitzina; Kanalisations« und Gaswerksausschuß Genosse Kitzing; Baukommission Genossen Schliebitz, Kitzing und Heinze. Von der Schul«, und Armenlom- Mission sind unsere Vertreter ausgeschaltet. Mariendorf-Südende. In ber Gemeinbevertretersstzung nahm bor Eintritk ist die Tagesordnung der Vertreter Schensch das Wort, um sich zu dem Ausgang deS auf feine Veranlassung eingeleiteten Ermittelungs- Verfahrens gegen zwei Mariendorfer Bürger zu äußern. Diese sollen nach der Mitteilung des Herrn Schensch während eines WirtshauSaespräches gesagt haben, früher hätten die Gemeinde- Vertreter Geld genommen, heute machen sie es aber nur noch mit Grundstücken. Nach Vernehmung mehrerer einwandsfreier Zeu- gen durch die Staatsanwaltschaft ist das Verfahren seinerzeit ein- gestellt worden. Schensch wurde deshalb, sowie auch an der Hand anderer, ihn charakteristerender Vorgänge in der voraufgegangenen Sitzung der Gemeindevertretung durch einhelligen Beschluß öffent- sich als ein Herr gekennzeichnet, der es mit der Wahrheit nicht «enau nimmt. In der letzten Sitzung erklärte nun Schensch, er abe weder verleumden wollen noch habe er verleumdet, vielmehr seien von ihm wahrheitsgemäße Angaben gemacht, wenn auch die gerichtlichen Feststellungen gegen ihn sprechen. Es seien Gerüchte der von ihm geschilderten Art im Umlaufe, und daß solche weiter bestehen, daran sei der Gemeindevorsteher Herr Westphal schuld. Dieser mache selbst Terraingeschäfte und begünstige Leute, die gleichfalls diese Geschäfte betreiben. Hierauf verließ Herr Schensch, trotz der Aufforderung durch den Gemeindevorsteher, zu bleiben, demonstrativ den Sitzungssaal. Herr Westphal protestierte energisch gegen den gegen ihn erhobenen Vorwurf und erklärte, allerdings eine Baustelle am Orte zu besitzen. Eine solche zu erwerben, fei jedermann» Recht, deswegen betreibe er noch lange nicht Spelu- lation; auch von Begünstigung könne keine Rede sein, er wisse sich von diesem Vorwurf frei. Äe Genossen Reichardt und Günther bedauerten, daß Herr Schensch nach diesem Angriff das Hasen- panier ergriffen. Wenn auch dem Gemeindevorsteher in diesem Falle eher zu glauben sei als Herrn Schensch, so werde er doch wohl nicht umhin können, Herrn Sch. vor Gericht Gelegenheit zu geben, den Beweis für seine Behauptung anzutreten.— Nach diesem Sntermezzo erfolgte die Einführung des neugewählten Vertreters . Noack, sowie die Wahl eines Waisenrats für Südende und zweier für Mariendorf. u. a. des Genossen E. Bethke. Ferner stand ein Gesuch der Frau Aug. Fränkel-Südende, betreffend Errichtung eines Erholungsheims, zur Beratung. Dem Heim sollen von Krankenkassen 8 junge, erholungsbedürftige Mädchen überwiesen werden, die keiner besonderen ärztlichen Behandlung bedürfen, deren Wiederherstellung vielmehr nur durch gute Pflege und Ruhe erstrebt werden soll. Die Kommission hatte sich in der Vorbe- ratung prinzipiell gegen die Errichtung von Pridatanstalten für Südende erklärt, im vorliegenden Fall auch deswegen, weil keine Gartenanlaaen vorhanden sind. Die Südender Vertreter traten dafür ein, dem Gesuch die Genehmigung zu versagen. Wenn es sich auch nur um«ine geringe Anzahl von Rekonvaleszenten han- dele, sei doch in Bälde auf Vergrößerung des Betriebes zu rechnen, außerdem würden die auf Gemeindekosten errichteten Anlagen von den Insassen des Heims benutzt, die in„größeren Trupps" als Belästigung von den Südender Einwohnern empfunden werden können. Unsere Genossen Weber und Reichardt traten für Ge- nehmigung ein, dieselbe wurde jedoch gegen die Stimmen unserer Genossen und der des Herrn Noack versagt.— Nachdem die Vertretung beschlossen hatte, dem„Verband der, größeren Landge- ineinden" beizutreten, wurde zur Generalversammlung des Ver- bandes, die am 18. und 19. d. M. in Köln stattfindet, außer einem Mitgliede des Gemeindevorstandes, Genosse Reichardt von der Ge- meindevertretung delegiert.= Köpenick. Ei» Gtrassenbahnunfall mit tödlichem Ausgang ereignete sich vorgestern in Köpenick. Der in der Spindlerschen Fabrik beschäftigt gewesene 48 jährige Arbeiter Adolf Pilz hatte den dritten Feiertag zu einem Ausflug benutzt. Als er nachmittags heimkehrte, geriet er beim Uebcrschreiten des Fahrdammes der Bahnhofftraße zwischen ein Lastautomobil und einen Straßenbahnwagen der Linie 1. Bei des Aerjuch, sich aipjjdjcfi beiden Gefährten hixidurchzuwinhxNt Vursss P. ßSR VorLerpertöst 5e5 MokorNägenZ erfaß? unS MI solcher Gewalt gegen den Kopf gestoßen, daß ein schwerer Schädel- bruch eintrat« der den sofortigen Tod herbeiführte.> Dahlem. Bisher bestand ein Abkommen zwischen der Feuerwehr in Grüne- Wald und der Dahlem-Kommission, wonach die erster« gegen eine Jahresentschädigung von 300 M. zur Löschbereitschaft verpflichtet war. Dieser Vertrag wurde nicht mehr erneuert, da Grunewald nunmehr für diese Dienste 1500 verlangte. Zurzeit besteht mit der Wehr von Groß-Lichterfelde ein Vertrag, der eine Entschädigung von 300 M. vorsieht. Nach einer Aufstellung, die gemach: wurde, be- laufen sich die ersten Ausstattungskoften für eine kleine freiwillige Feuerwehr auf zirka 6000 M., weshalb vorläufig von der Einführung einer solchen abgesehen werden soll. Karlshorst. Der Graf Dönhoff, der Mitglied der Baugesellschaft Karlshorst G. m. b. H. ist, war für 1903 nach einem höheren Einkommen zur Kommunalsteuer herangezogen worden. Nach vergeblichem Einspruch erhob er Klage und verlangte Freistellung, soweit die Veranlagung mit einem Einkommen aus seiner Mitgliedschaft zur Baugesellschaft gerechnet hatte. Er berief sich darauf, daß in dem Jahre die Ge- sellschaft eine Gewinnverteilung nicht vorgenommen habe. Es hätte ein Beschluß vorgelegen, bis zum Eintritt in die Liquidation keine Verteilung vom Neingewinn mehr borzunehmen, und zwar mit Rücksicht auf die Kosten für Stratzenregulierung, Stempelgebühren. Gerichtskosten, Umsatzsteuern usw. sowie mit Rücksicht darauf, daß ver- hältnismößig niedrige Preise erzielt worden seien. Der Bezirksausschuß wies die Klage ab unddasOberverwaltungsgericht bestätigte das Urteil mit folgender Begründung: Das Einkommen der Gesell- schafter sei als gewerbliches zu behandeln. Daraus ergebe sich, daß das steuerpflichtige Reineinkommen sich keineswegs mit dem von der Gesellschaft an die Gesellschafter ausgezahlten Gewinnanteil zu decken brauche. Es bestehe nicht nur in den verteilten Anteilen, sondern auch in dem, was zur Bildung von Reserven, Tilgung von Schulden usw. aus dem Reinertrage verwendet werde. Habe der Gesellschafter an sich Einkommen aus seiner Beteiligung an einer Gesellschaft mit beschränkter Haftung, so sei zu versteuern nicht nur, was verteilt werde als Dividende, sondern alles, was von dem Verdienst der Gesellschaft auf ihn an sich entfalle, wenn eZ auch nicht an ihn verteilt werde. Neuenhagen(Ostbahn). Durch unglaublichen TerrorismuS der Bürgerlichen im Verein mit der Polizei, wie in den meisten ländlichen Orten ohne Industrie werden auch der hiesigen Arbeiterschaft sämtliche Säle zur Abhaltung öffent- sicher Versammlungen hartnäckig verweigert. Unsere Genossen halten am Sonntag, den 2 2. Mai, nachmittags pünktlich 4>/z Uhr, auf dem Gemeindeplatz im Dorf Neuenhagen<15 Minuten vom Bahnhof) eine öffcnrliche Versammlung unter stetem Himmel ab. Die Genossen aus den umliegenden Orten werden ersucht, sich zahl- reich daran zu beteilige» und sür guten Besuch überall zu agitieren, damit wir durch Massenbesuch einen eindrucksvollen Protest gegen diese systematische Saalverweigerung hervorrufen. Stolpe an der Nordbahn. Ein entsetzliches Nuglück, dem ein blühendes Menschenleven zum Opfer siel, hat sich am Dienstag im hiesigen Ort zugetragen. Der Ivjährige Sohn des Arbeiters Bayer wollte Feuer anmachen und goß zu diesem Zwecke in die noch glimmende Asche Petroleum. Im gleichen Augenblick schoß die Stichflamme aus der Kochmaschine hervor, die sofort die Kleider des Knaben in Brand setzte, während die Petroleumkanne explodierte. Im Nu glich der Knabe einer Feuersäule. Auf seine gellenden Hilferufe eilten Hausbewohner herbei, die durch Auswerfen von Decken das Feuer löschten. Der bedauernswerte Junge hatte furchtbare Brandwunden am ganzen Körper erlitten und verstarb kurz nach seiner Einlieserung m das Krankenhaus. Rummelsburg. In der letzten Gemeindevertreterfitzung fand vorerst noch die Einführung des neugewählten Gemeindeverordneten. Genossen Stephan statt. Hierauf ivurhe die Wahl des in der ersten Ab» teilung ebenfalls neugewählten'Gemeindeverordneten Dr. Fried» mann, trotzdem derselbe im Sinne der Landgemeindordnung einen eigentlichen Wohnsitz in Boxhagen-Rummelsburg nicht innehat, mit 12 gegen 12 Stimmen für gültig erklärt, die Stinrme des Gemeinde« Vorstehers gab hierbei den Ausschlag. Die zur Entlastung vorgelegte, geprüfte Gemeindeabrechnung für 1909 schließt in Einnahme mit 2 71» 137,67 M. und in Ausgabe mit 2 746 350,66 M. ab. so daß ein Fehlbetrag von 80 212,89 M. zu verzeichnen ist. Diese Mehrausgabe wurde bewilligt.— Gleichfalls Ivurden die für das Etatsjahr 1909 erforderlichen Nachbetvilligungen im Gesamtbetrage von 36 153,13 M. mit Mehrheit genehmigt. Vom Magistrat der Stadt Berlin war die Gemeinde ersucht worden, bei der am 1. Dezember dieses Jahres stattfindenden allgemeinen Volkszählung sich im gemeinsamen Jnter- esse der Gemeinden von Groß-Berlin eine Sonderstatistik betreffend eine Erhebung über die Wohnungen und Grundstücke in Groß- Berlin anschließen zu wollen. Da sich die Kosten für diese Sonder- statistik auf 159» M. belaufen, wandten sich zwei bürgerliche Ver» treter mit der Motivierung gegen die Bewilligung dieser Summe, daß sie Vorteile aus einer solchen Statistik für die Ge- meinde nicht erblicken können. Nachdem unser Vertreter John für die Beteiligung an dieser Sonderstatistik eingetreten war, wurde mit 16 gegen 9«timmen die hierfür erforderliche Summe von 1636 M. bewilligt. In der hierauf folgenden nichtöffentlichen Sitzung wurde das Entlassungsgesuch des Beigeordneten Asiessor Köhler, welcher zum Gemeindevorsteher von Adlershof gewählt worden ist, per 25. Mai d. I. genehmigt. Für die steigewordene Beigeordnetenstelle haben sich 55 Bewerber gemeldet; es wurde hierzu eine Kommission von sieben Vertretern gewählt, welche der nächsten Gemeindevertretersitzung geeignete Lorschläge zu unter- breiten haben. Von unseren Vertretern gehören John und Ritter dieser Kommission an.— Eine längere Debatte rief die Weiterverpachtung der RathauSlellerwirtschaft an den bisherigen Pächter hervor. Der Gemeindevorstand will in dem neuen Vertrage zur Bedingung machen, daß an Beamte während der Dienststunden kein Bier verkaust werden darf, und ferner, daß die Verabreichung von Getränken und Speisen an Beamte während der Dicnststunden nicht durch weibliches Personal geschieht. Zuwider- Handlungen werden mit 5 M. Strafe belegt. Als Entschädigung für diese Bedingungen soll die Pacht um 200 M. pro Jahr ermäßigt werden. Nach langem Hin uud Wider wurde auf Antrag unserer Vertreter die Sache an den Gemeindevorstand mit der Maßgabe zurückverwiesen, daß der Ausschuß der Gemeindeveamten hierzu erst gehört werden soll. Nowawes. Never Gruudstage» de» Ttrafrkchts hielt der Genosse Heine» Berlin vor der letzten, sehr zahlreich besuchten WahlveceinSbersamm» lung einen interessanten, mit großem Beifall aufgenommenen Vor- trag.— Nach der Aufnahme von 28 Genossen gab Genosse Krautspaul einen Bericht über die Tätigkeit des BildungSauSschusseS in der ab» gelaufenen Saison. Die Einnahme belief sich auf 939,40 M., die Ausgabe aus 895,20 M. Der Wahlverein und das GewerlschaftS. kartell Huben je 75 M. zu den Unkosten des Ausschusses beigetragen. Ein vom Borstand gestellter Autrag, dem BildungsauSschuß der hohen Kosten wegen aufzulösen, wurde von der Versammlung abgelehnt und die Genossen Seliger. Bahms, Kraulspaul. Gehrmann und Weinert in denselben gewählt.— Die hierauf vom Genossen Richter gegebene Abrechnung von der Maifeier weist eine Einnahme von 515 M., eine Ausgabe von 261 M. auf. Von dem Ueberschuß von 254 M. erhält die Hälfte das Gewerkschaftskartell. Nachdem noch zur Vorbereitung des im August stattfindenden SominerfesteS ein Komitee gewählt, wurde die Versammlung geschlossen. Potsdam. Die ortsüblichen Tagelöhne für Potsdam sollen erhöht werden. ortsüblichen Tagelöhne um etwa 30 Proz. zu beantragen. Das Resultat wäre: für männliche Personen über IS Jahre 3 M.(bisher 2,25 M.l. unter 16 Jahre 1,20(0,90 M.). weibliche Personen über IS Jahre 1.60 M.(1.20 M.). unter 16 Jahre 1 M.(0.76 M.). Diese Erhöhung um 30 Proz. ist keineswegs den Verhältnissen ent- sprechend. Seit 10 Jahren ist der ortsübliche Tagelohn nicht ge- ändert worden. Der Magistrat hatte vorher bei verschiedenen Unternehmern Gutachten eingeholt. Da hat er natürlich den Bock zum Gärtner gemacht, wie auch die besagte Sitzung ergab, denn die erste Frage der Arbeitgeber war, inwieweit sich bei den neuen ortsüblichen Tagelöhnen die Versicherungsbeiträge erhöhen. Der Magistrat hätte sich absolut nichts vergeben, wenn er auch bei der Arbeiterschaft Gutachten eingeholt hätte. Gerichts-Zeitung* Der Herr im Zylinder. Arn 18. März konnte man in der Umgebung des Friedrichs- Hains wieder mal sehen, wie die Polizei sich ihr„Recht auf die Straße" denkt. Auf dem Landsberger Platz und in den benach- Karten Straßen belästigte sie die Passanten durch Verkehrs- störungen, die sie zum„Schutz der Ordnung" für nötig hielt. Wer da dem Kommando„Weitergehen!" nicht sofort Folge leistete oder gar noch eine Widerrede wagte, der hatte sich darauf gefaßt zu machen, daß er festgenommen und zur Bestrafung angezeigt wurde. Festgenommen wurde am 18. März in der Mittagstunde auch ein Arbeiter Sperling, der am Landsberger Platz auf einer Bank gesessen hatte. Er sollte die Aufforderung, weiterzugehen, nicht befolgt und überdies groben Unfug verübt haben, indem er ver- sucht habe, durch allerlei Redensarten das Publikum gegen die Polizei aufzuhetzen. Vor dem Amtsgericht Berlin-Mitte, das am 26. April gegen ihn verhandelte, bekundeten zwei Schutzleute, er habe von der Bank aus skandaliert, und eine vor ihm versammelte Menge habe dazu Hurra geschrien. Ein paar nichtbeamtete Zeugen stellten in Uebereinstimmung mit dem Angeklagten den Hergang so dar, daß Sperling von der Bank aus die Aufforderung, weiter- zugehen, mit der Erklärung zurückgewiesen habe, er sei Steuerzahler und die Bank sei für das Publikum da. Sp. wurde freigesprochen mit der Begründung, daß bei den Widersprüchen zwischen den Aussagen der Be- bezw. Entlastungszeugen der Sachverhalt als nicht aufgeklärt angesehen werden müsse. Am 18. Mai hatte Sperling sich wieder vor dem Amtsgericht Berlin-Mitte(142. Abteilung) zu verantworten, diesmal auf die Anklage, daß er am 18. März abends um'AS Uhr auf dem Landsberger Platz sich an einem Auflauf beteiligt und die Aufforderung, weiterzugehen, nicht befolgt habe. Es handelte sich um einen Vor- gang, der zu dem oben geschilderten Erlebnis Sperlings, der am Mittag erfolgten Verhaftung von her Bank weg, tit engster Beziehung stand. Am Abend war Sp.. so führte er vor Gericht aus. zur Polizeiwache nach dem Landsberger Platz gegangen, um sich darüber zu beschweren, daß man ihn ungehörig behandelt habe. Verdrossen hatte es ihn auch, daß man gegen seinen Anspruch, als Steuerzahler die Straßen wnd sonstigen öffentlichen Einrichtungen der Stadt benutzen zu dürfe», den Zweifel gesetzt hatte, ob er über- Haupt Steuern zahle. Er rmhm daher seine Steuerquittung mit, um der Polizei zu beweisen, daß er Steuerzahler sei. Und da er meinte, daß er am Mittag wagen seiner schlichten Arbeiterkleidung so behandelt worden sei. so legte er jetzt für den Gang zur Polizei- wache seine bessere Garderobe an und setzte sogar einen Zylinder- Hut auf. Als er aber seine Beschwerde vortrug, jagte ein Polizei- leutnant ihn hinaus mit den Worten:„Nun machen Sie aber ja. daß Sie runterkommenl" Sp. ging und wurde bald danach auf dem Landsberger Platz festgenommen. Vor Gericht sagte er, aus dem Platz habe er sich nur umgeguckt, dann habe ein dort postierter anderer Polizeileutnant befohlen, den Herrn im Zylinder zu sistieren. Polizeileutnaut Witte» der diese Sistierung angeordnet hatte, bekundete als Zeuge, Sp. habe über die Polizei geschimpft und sei nicht weitergegangen, obwohl„die Beamten ihm noch gut zuredeten". Durch sein Räsonieren habe er Leute angelockt, in- folgedessen habe er schließlich sistiert werden müssen. Schutzmann Bartel schilderte, wie Sp. gestikulierend auf die Umstehenden ein- geredet habe. Zeuge fügte hinzu:„Weil er einen Zylinder hatte. sah es aus, wie wenn er Einfluß auf das Publikum hätte ausüben können." Die Polizeibeamten seien erst durch Zivilpersonen darauf aufmerksam gemacht worden, daß da ein Herr im Zylinder das Publikum aufreize. Der Vertreter der Staatsanwaltschaft, Assessor von Stau, hob hervor, daß Sp. durch sein Tun an jenem Tage der Polizei ihre Arbeit sehr erschwert habe, und beantragte 2 Tage Haft. Der Verteidiger, Rechtsanwalt Dr. Kurt Rosenfeld, bat, dem Ange- klagten zugute zu halten, daß er Anlaß hatte, sich über eine Be- Handlung zu beschweren, die ihm ungehörig erscheinen mutzte. Die Uebertretung. die er mittags begangen haben sollte, so daß er fest- genommen wurde, sei doch vor Gericht nicht erwiesen worden und die Verhandlung gegen Sp. habe mit Freisprechung geendet. DaS Gericht kam nach den Zeugenaussagen diesmal zu einer Ver- urteilung. Wenn Sp., wie er selber sage, am Abend aus der Polizeiwache hinausgewiesen worden sei, so sei„zu folgern, daß er seine Beschwerde nicht in einwandfreier Weise vorgebracht" habe. „Ohne Grund würde", so erklärte der Vorsitzende in der Urteils- begründung,„er nicht hinausgewicsen worden sein". Sp. habe dann keinen Anlaß gehabt, auf der Straße über die Polizei zu räsonieren und ihr die Arbeit noch zu erschweren. Berücksichtigt wurde aber der vom Verteidiger geltend gemachte Milderungs- grund, daß Sp. durch die ihm am Mittag widerfahrene BeHand- lung, die er als Unrecht empfand, in große Erregung versetzt worden war. Es wurde daher Abstand genommen von einer Frei- heitöstrafe und eine Geldstrafe von 12 M.(eventuell 6 Tage Haft) festgesetzt. LritfKaltai der Redaktion« Sic(nvlftifAe Sprech stunde(inbel Lindeustrage 02«. 69, dorn vier Treppen— K a h r st» h i—. wocheutäglich von 4V> biS Vyz Uhr abend» statt. Jeder Zlufraae ist ei» Buchstabe und eine Zahl als Merk, eiche» bei»>rsngra. Briefliche'Antwort wird«ich» erteilt. Eilige Frage« trag» man in der Sprechstunde vor. P. P. Iii«. 1. Die Eltern hasten nicht. 2. und 3. Ja. ES empfiehlt sich daher gütliche Sluseinandersetzung mit dem Chef.— G. M. 7S. Der Austritt wird nicht berichtet.— I. B. Sil. Die Nic-Carter-Heste sind keine empfehlenswerte Literatm. Wir müssen es deshalb ablehnen, den Verleger zu benennen.— O. G. Sie können gegen den Vermieter — nicht den Verwalter— aus Einräumung des Mitbesitzes an dem Garten klagen, bis zur Einräumung aber die Miete in Abzug bringen.— I. W., Bergolder. Versuchen Sie die Reinigung mit heißem Wasser, dem cm Alloholzusatz beigegeben wird. WttterungSstberütbt vom 18. Mat 1919, morgen» 8 Uhr. i* II swinemde. erlin Frants.a.M Münch»» Wie» Ü if 7S2NNO 761 D' 760 NO 756 Still 757 SSW 759 OSO Vitt« *9 5". S? MS> 6 7 10 7 14 5 wolkig 4 bedeckt 3 bedeckt Dunst ghalbbd. 1 Dunst «etterprognose für Donnerstag, de« 19. Mai 1910. Nachts ziemlich kühl, am Tage wieder etwas wärmer, vielfach heiter, bei mäßigen östlichen Winden: Gewitter nicht ausgeschlossen, sonst trocken. Berliner Wetterbureau. c 4 II rSafferstandS-Narbrtchte« Wasserstand M-mel. Tllfit P r e g e l, Jnsterbma Weichsel. Thon» Oder, Ratibor , Krassen , Frankfurt Barth«, Schrimm , Landsberg Rehe, Vordamm Elb«, Lettmeritz , Dresden , Barby . Magdeburg Wasserstand Saale, Grochlitz Havel, Spandau») , Rathenow') Spree, Spremberg') , BeeSkow Weser, Münde» , Minden Rhein, MaximilianSan , Kaub Köln Neckar, Heilbron» Main, Werlhew» Mosel, Trier am 17. 6. onj 126 68 97 102 84 16 96 464 283 321 100 99 seit 16. 5. orn1) +4 +8 0 —4 +1 -21 +6 —6 —13 -22 —5 ')+ bedeutet Wuchs,— Fall.•) Untcrpegel. abend» bis 17. nach 12 Uhr mittag» unverändert —14 Vom IS. 10 Uhr SoÄliIkiiioIlk'st. Waiilvereiu Rixdorf. Bezirk 21b. Todos-Anzelc«. Am 15. Mai verstarb der/, Uhr, verstarb nach langen Leiden meine liebe Frau, unsere gute Mutter Anna Ereke geb. Kall im Aller von 30 Jahren. DieS zeigen tiesbetrübt an lZio trauerndon Hinterbliebenen. Die Beerdigung findet am frei lag, den 20. Mai, nachmittags Uhr, aus dem Südwestkirchhos in Stahnsdorf statt. Reste Damen tnelie, eoinran und lubtg.Costamee-Stolie.naaesU) Maetec. Trloot-Stolle, Selden- Plaeah. Sunmete. Said» ata. Co* iecüon Paletot«, J Utk«tt«. Staub- D!intel, Coetnmea ud Ooetam- rfloke I« croeeer Answahl. C. Pelz, Kottbueerstr. 3f- FreieJugeudorgamsation Friedrilhshagen. Am 16. Mai, morgens 4'/« Uhr, verstarb nach kurzem Zkrankenlager im Alter von 16 Jahren unser braver Kollege Kart Palm. Ehre seinem Andenken l DI« Beerdigung findet heute, Donnerstag, den 19. Mai, nach- mittags 5 Uhr, von der Leichen- 'alle deS Friedhofes m Friedrichs- lagen aus statt. 286/3 Danksagung. Für die vielen Beiveise herzlicher Teilnahme und die schönen Kranz- spenden bei der Beerdigung meines unvergeßlichen Mannes 21S9b Eran« Froes© sagen allen unseren herzlichsten Dank. Die trauernde Witwe und Sehn. ardinen- Spezialhaus Berlin, Oranienstr. 158 AbgepaBte Fenwier, weiß and creme per Fenster 235l 3, 4-60 m KBnstlergardinen in TQII, Spachtel, C7S OnOO ErbstUli, Fenster 0— OU P-IB00 775-3600 2M-2500 Eleg. Sezession«- TUll-Stores Gestickte, echte Spachtel-Stores Goldfarbige reich- gestickte Band- Stores TOIIbettdeoken, Größe 180/220 om Reichgestickte Erbs- 073 OCOO tUll-Bettdeoken»—03 Elegante Tllll- BettrDckwände Brise- Bise 25 Pf., 38 Pf., 40 Pf,— 6.50 NüioFjimswSrtsjwrNachnahme e"-4g°° Spezialkatalog Abliwungon gratis u. franko. Ntttill dn Keriillkr KlllHdmckn und Schristgießer. Sonnabend, den AI. Mai, abends präzise 6 Uhr, im Gewerkschaftshause, Engelufer 15: ilukerortlentliche Generalversammlung TageS'Ordnung: 1. Antrag der Veretnsverfammlung vom 12. d. M.: Erhebung eines wöchentlichen Extrabeitrages für die ausgesperrten Bauarbeiter. 2. Antrag des Vorstandes auf Bewilligung einer Extraunterstützung für die Bauarbeiter auS der Veretnskasse. Die Kollegen werden ersucht, die Delegierteuwahleu sofort vorz««ehmeu und sich die LegitimationSkarten für dieselben vom Dienstag, den 17. Mai ab vom Bureau abholen zu lassen. Die Arbeitslosen und Kollegen auS Offizinen mit weniger als fünf Mitgliedern wählen ihre Delegierten am D o n n e r s t a g. den 19. Mai. abends 6 Uhr im Saal 1 des Gewer!- schaftshauses._ Anderweitige Einladungen ergehen nicht! 27'10_ Der Gauvorstand: Albert Massini, Vorsitzender. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung unseres geliebten Sohnes und Bruder» ködert Leip sagen wir allen, insbesondere den Trägern der Freien Turnerschast unseren innigsten Dank. Augii«!; Lifelp nebst Familie. Danksagung. Sage hiermit allen Freunden und Bekannten, welche bei der Beerdigung meines lieben VaterS Hermann Lecher zugegen warm, meine» Herzlichstm Dank. Karl Becher. Berliner IIIK-Trlo. 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Mitgliedsbuch und Delcgiertenlarte legitimiert. 83/15 Bis BrisverwaUnnx. VsrK-. K Abfahrtätelle vis-** JK \JMhk_ S(l)illingsbrücke hJiÄä am Zchlesischeu Vahuhof. Tijgiich mit Uelil! s'Z° ivoltersderfrr Schleusr. A'kSÄ,"s!.'S-°ch Ks»« Mnbl«. ' Voranzeige! Nächsle» Sonnabend: ornpftr-Mlilldfchkm-NromenadkMrt.! Thealer und Vergnügungen Donnerstag, den 13. Mai. Anfang T'/ä Uhr. Käuigl. Opernhans. Geschlossen. Neues königt. Opern-Tbeater. Lohengrin.(Ansang 7 Uhr.) Königt. Schanspielhaus. Bürger- lich Und romantisch. Tratsches. Sumurün. K a m ni e r s p i e l e. Wiener Hölle: Brüderlein sein. Goethe.(Ansang 8 Uhr.) Kölnische Oper. NobinS Ende. Divertissement. Aliiaiig 8 Ubr. Neuss SchansPlelhauS. Der Flieger. Kleines. Nur ein Traum. Berliner. Taisuil. Steu es. Die goldene Nitterzeit. Lessing. Baumeister Solnetz. Neues Overetien. Der Gras von Luxemburg. Trianou. Thöodore u. Cic. Residenz. Das Nachtlicht. Der selige Octave. Thalia. Glück hei Frauen. Hebbel. Der neue Paris.(Ansang b-/« Ubr.) Westen. Tnnzhusaren. Schiller<». tWallne:- Thealer.) Zapfenstreich. ©djiiur Gharlottenbnrg. Goldfische. Friedrich- WilücllttstSdiisches. Der Ziaub der Sabincrinnen. BolkLopcr. Heimkehr. Der General- dircltor.(Ans. ü'l, Uhr.) Lnisen. Was Gott zusammensügt. Roie. Die Schmuggler. Lnstspielhaus. Das Leuwants- ntündel. Metrovot. Halloh ll— Die grotze Revue. Folios Gaprice. Ein verschwiegenes Atelier. Eine gründliche Knr. (Ans. 8-/. Uhr.) Casino. Familie August Knoche. Gebr. Herrnfeld. Wenn zwei das- selbe tun. Das starte Stück. Zlpullo. Svezinlitätcn. Passage. Spezialitäten. Wintergarten. Spezialitäten. ReichSballe«. Stetüner Sänger. Karl Haberland. Spezialitäten. Walhalla. Svczialitären. Pratcr. Im Reiche des MarS. Urania. Tandeiisirastr-iHlH). Abends 8 Uhr: Belgien, Land und Stadt. Sternwarte. Invalidenstr. 57— 62. Lessing-Theater. 8 Uhr: UisenzhNiis, 10. Vorstellung Baumeister Solneft. Freitag, 8 Uhr: Das Konzert. berliner TKeater. Heute 8 Uhr: TalfUH. Morgen: Taifun._ Neues Theater. Abends 8 Uhr: Die goldene Ritterzeit. Morgen und folgende Tage: Pie goldene Bltteraeit. Tbeater des Westens. 8 Uhr: Tanzhufare«. Sonnt, nachm. 3'/, Uhr: Di« ge> fchiedene Frau._ Lnstspielhaus. AbendS 8 Uhr: Das Leutnantsmündel Wenc. Operetten-Theater. Heute und folgende Tage 8 Uhr: Der Graf von Luxemburg. Sonutag nachmittag 3 Uhr, zu er« mähigt. Preisen: llio Dollarprinzessin. friedrich-Wiihelmstädtisches Schauspielhaus. Donnerstag, 10. Mai, abends 8 Uhr: Der Raub der Sabineriuneu. Freitag: Der Raub der Sabine- riimen. Sonnabend: Alt-Hcidelverg._ Urania. Wissenschaftliches Theater Abends 8 Uhr: Belgien: Landschaftss und Städtebilder. Volksoper. SW., Belle-Alltance-istratze Nr. 7/8. Abends'/z3 Uhr: Beimhchr. Der Generaldirektor. Luisen-Tlieater. Zum 50. Male: Was Gott zusmmeufügt. Schauspitl in 5 Akten von Ernst Ritterfeldt, nach freier Bcnuizung einer Erzählimg v. Courths Mahler. Freitag: Marianne, ein Weib aus dem Bolke. Sonnabend: Die Welt ohne Männer. Sonntag nachni. 3 Uhr: Die Else vom Erlenhos. Abends: Marianne, das Weib auS dem Volke. Montag: Die Else vom Erlenhos. IOSE=THEÄTE! - W Ans. 8 Uhr. Ende 1t Uhr. Die Schmuggler. Komödie in 4 Akten von A. Dinker. Aus der Gartenbühne: Grosses Konzert, Theater- Borstellung, erstkl. Spezialitäten. Ans. 4-/. Uhr. S-teMIIvr- Schlller-Theaier 0.(Wallncr-Theat.) Donne'rstag, abends 3 Uhr: IKapfenätreieh. Drama in 4 Auszügen von Franz Adam Bcherlein. Ende lO'/a Uhr. Freitag, abends 8 Uhr: Zapfenstreich. Sonnabend, abends 8 U hr: Hans l ange. Theater. Schiller- Theater(Charlottenburg). Donnerstag, abends 8 Uhr: Goidfisehe. Lustspiel in 4 Akten von Franz von Schonthan und Gustav Kadelburg. Ende 10'/., Uhr. Freitag, abends 8 Uhr: Goldfisehe. Sonnabend, abends 8 Uhr: Die Liebe wacht. Metropol-Theater Hallo!!! Die große Revue! In 8 Bildern von Jul. Freund. Musik v. Paul Lincke. In Szene gesetzt vom Dir. Eich. Schultz. Anfang 8 Uhr. 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Das Ministerium des Innern, des Auswärtigen, das Kultus- und das Finanzministerium waren vertreten, ebenso die Zweite Kammer durch ihren zweiten Präsidenten. Namens der Stadt Stuttgart wurde der Verbandstag durch Herrn Gemeindcrat Dr. Mattes begrüßt. Vertreten waren ferner die Handelskammer, der Hansa- bund und viele technischen Vereine. Die Ziele des Verbandes legte Herr Schubert, Redakteur der„Deutschen Techniker-Zeitg.". dar. Darauf ergriff Herr Professor W i l b r a n d t- Tübingen das Wort zu seinem Vortrag: „Technik und Organisation." Der Redner schloß seinen Vortrag mit einer lebhaften Auf forderung zur Vertretung des Organisationsgedankens durch den Deutschen Techniker-Verband. Der Verbandstag beschäftigte sich nunmehr mit einzelnen Fragen der inneren Verwaltung, die zu einer Reorganisation des Verbandes führen sollen. Zweiter Tag. Heute traten die 250 Abgeordneten auS allen Teilen des Landes zusammen, um den Geschäftsbericht entgegenzunehmen. Aus dem Bericht geht eine Steigerung des Umsatzes in allen Abteilungen hervor. Die Mitgliederzahl ist auf 23 000 gestiegen. Das Organ des Verbandes, die„Deutsche Techniker-Zeitung". erscheint in einer Auflage von 31 000 Exemplaren. Stellenlosenunterstützung, Stellen. vermittelung und Rechtsschutz beanspruchten auch im laufenden Jahre wieder bedeutende Mittel. Die Ergebnisse dieser Abteilungen werden als zufriedenstellend und segensreich wirkend aufgefaßt. Hiernach erstattete das erste Referat über das Verbands- Programm Herr Redakteur Schubert- Berlin. Es fand ein- ftimmig Annahme und lautet: „Der Deutsche Techniker-Verband betrachtet sich als Glied der sozialen Bewegung und unterstützt deshalb eine einheitliche Sozialpolitik mit dem Ziel eines allgemeinen Arbeitsrechtes und einer staatlichen Fürsorge für alle Arbeitnehmer und deren Hinterbliebene. Im besonderen tritt er für die Förderung des Rechtes seiner Mitglieder, für die Hebung ihrer wirtschaftlichen Lage und für die Verbesserung der gesellschaftlichen Stellung der deutschen Techniker ein. Neben der Selbsthilfe stützt sich der Deutsche Techniker-Ver- band auf die Gesetzgebung. Er fordert als obersten Grundsatz ein freies Vereinigungsrecht für alle Staatsbürger, das den Be- rufsverbänden Rechtsfähigkeit erteilt.— Ferner heißt eS in dem Programm: Wir fordern gesetzliche Regelung der Arbeitszeit und recht- lichen Anspruch der technischen Angestellten auf Erholungsurlaub. Alle technischen Angestellten sind rechtlich gleichzustellen. Alle auf Privatdienstvertrag in Staats- und Gemeindebetrieben beschäftig- ien Techniker sind der Gewerbeordnung zu unterstellen. Die Konkurrenzklausel ist zu beseitigen. Die Abnahme deS Ehrenwortes im Dienstvertrag und die Vereinbarung sogenannter heim- licher Konkurrenzklauseln sind zu bestrafen. Der Deutsche Tech- niker-Verband unterstützt alle Bestrebungen zur Erzielung von Mindestgehältern und spricht sich für den Abschluß von Tarif- Verträgen aus. Das Eigentumsrecht der Angestellten an ihren Erfindungen und das Urheberrecht der künstlerisch tätigen An- gestellten an ihren Werken ist gesetzlich anzuerkennen und ein Anteil an der Verwertung festzusetzen. Bei militärischen Pflicht- Übungen bis zur Dauer von acht Wochen ist das Gehalt fort- zuzahlen. Die Dienstkautionen sind nach zu erlassenden gesetz- lichen Bestimmungen sicherzustellen. Für Pfändungen ist das Existenzminimum auf 2000 Mk. zu erhöhen. DaS Zeugnisrecht ist dahin zu verbessern, daß der Unternehmer zur genauen An- gäbe des Spezialfaches, in dem der Angestellte tätig war, ver- Pflichtet ist. Die Gewerbegerichte sind mit den Kaufsmanns- gerichten zu vereinen und zu Arbeitsgerichten mit besonderen Abteilungen auszubauen. Wir fordern Arbeitskammern auf terri- torialer Grundlage mit besonderen Abteilungen für Angestellte. Eine ausreichende Vertretung in diesen, serner in den Zentral- stellen für Handel und Industrie der einzelnen Bundesstaaten und im Reichsarbeitsamte ist dringend notwendig. Die Organi- fationSbeamten sollen für diese Einrichtungen wahlbar sein. Die Gewerbeaufsicht ist auf die für technische Angestellte erlassenen Schutzbestimmungen auszudehnen. Die Verhältnisse der tech- nischen Angestellten sind durch die öffentlichen Statistiken ein- gehend zu erfassen. Die obligatorische Einführung von Beamten- ausschüffen in Betrieben mit über 15 Angestellten ist anzustreben. Der Ausbildung der technischen Angestellten widmet der Verband seine besondere Aufmerksamkeit, damit ein tüchtiger Nachwuchs herangebildet wird. Die Mitwirkung des Deutschen Techniker- Verbandes bei Reorganisationsfragen technischer Schulen und bei deren Gründung ist unbedingt zu fordern. Die Vorbildung der Vermessungstechniker ist durch technische Mittelschulen im Anschluß an die bestehenden staatlichen Baugewerkschulen zu regeln." Zur Reichsverstcherungsordnung ergriff Herr Architekt Kaufmann- Berlin das Wort. ES wurde ebenfalls einstimmig folgendes angenommen: „Der 20. Verbandstag des Deutschen Techniker-VerbandeS kann in dem Entwürfe zur Reichsversicherungsordnung nur dann eine geeignete Grundlage zur Verbesserung unserer sozialen Ver- sicherungSgesetzgebung erblicken, wenn darin weitgehende Aende- rungen vorgenommen und dabei die berechtigten Wünsche der Versicherten erfüllt werden. Der Entwurf enthält neben un- genügenden Verbesserungen sehr fühlbare Verschlechterungen, deren Beseitigung unbedingt gefordert werden muß. Insbesondere be- deutet die bei der Krankenversicherung an die Halbierung der Beitragsleistung geknüpfte Aendcrung des Stimmrechts eine Be- schränkung der Selbstverwaltung der Versicherten zugunsten der Arbeitgeber, gegen die der VerbandStag Widerspruch erhebt. Un- beschadet der prinzipiellen Forderung, daß die sozialen Vcrsiche- rungen Reichsanstalten sein sollen und daher alle privaten Ersatz- institute grundsätzlich abzulehnen sind, protestiert der Verbands- tag weiter gegen die ungleichartige Behandlung der nach dem Regierungsentwurf bestehenbleibenden Sonderkassen durch Bevor- zugung der Betriebs- und JnnungSkrankenkassen und Zurück- setzung der aus freier Selbsthilfe beruhenden, den besonderen Standesbedürfnissen angepaßten Hilfskassen. Der VerbandStag richtet an den Hohen Reichstag die drin- gende Bitte, die Reichsverstcherungsordnung nicht zu verabschieden, ohne die berechtigten Wünsche der technischen Privatangestelltcn berücksichtigt zu haben. Der VerbandStag macht Vorschläge für Organisation und Verfahren, für die Kranken- Versicherung, für die Unfallversicherung, für die Invalidenversicherung und für die H i n t e r b l i e b e- nen Versich er un g. Zu der Frage, die unter den Privatangestellten gegenwärtig im Mitrelpunkte steht, zur Pensionsversicherung, er- klärt der VerbandStag folgendes: In Uebereinstimmung mit seinen Leitsätzen zur Reichsver« sicherungsordnung wünscht der Verbandstag in der von der Re- gierung geplanten Zusatzkasse diejenigen Forderungen der Privat- angestellten verwirklicht zu sehen, denen die ReichsversicherungS- ordnung nicht gerecht wird, an erster Stelle die Forderung der Berufsinvalidität und weitergehende Hinterbliebenen-Fürsorge. Die die Freizügigkeit und das Koalitionsrecht der Angestellten beeinträchtigenden privaten Werkpensionskasseit.' kann der Verbandstag nicht als ausreichende Versicherungseinrichtungen an- erkennen und lehnt daher deren Zulassung als Ersatzinstitute ab. Der VerbandStag bittet den Hohen Reichstag, dem er gleich- zeitig dankt für sein bisheriges energisches Drängen in der Pensionsvcrsicherungsfrage, die zu erwartende Gesetzesvorlage mit tunlichster Beschleunigung durchzuarbeiten, damit noch in dieser Legislaturperiode die wichtige Frage der Alters- und Hinterbliebenenversicherung der Angestellten gelöst wird. Wenn die staatliche Pensionsversicherung die berechtigten Wünsche der Privatangestellten erfüllt, bedeutet dies einen neuen Fortschritt unserer sozialen Bestrebungen, der auf die Existenz- bedingungen der deutschen Industrie eine heilsame Rückwirkung äußern wird." Zum Bramtrnrecht sprach Dr. Günther- Berlin. Seine Ausführungen gipfelten in folgenden Richtlinien: Der 20. Verbandstag des Deutschen Tech niker-Verbandes stellt im Sinne einer Vereinheitlichung und libe raleren Ausgestaltung des Beamtenrechtes, sowie im Interesse der technischen Beamtenkategorien folgende Leitsätze auf: Möglichste Vereinheitlichung und. dem Vorgange süddeutscher Staaten ent- sprechend, Reformen deS allgemeinen Beamtenrcchts, grundsätzliche Gleichstellung aller Beamtenkategorien ohne Rücksicht auf ihre diensl lichen Funktionen, Einführung von Beamtenausschüssen, uneinge� schränktes PetitionS-, Versammlung?- und VcreinSrecht, Freizügig keit in bezug auf den Wohnsitz. Staatliche und gemeindliche Üntcr stützung aller genossenschaftlichen Bestrebungen der Beamten, ins besondere in der Wohnungsfrage, gegebenenfalls Beschaffung geeiß neter Wohnungen durch Staat und Gemeinde. Regelung und möglichste Einschränkung des Privatdienstvertrages bei Behörden, Fortfall aller unzeitgemäßen und unsozialen Bestimmungen aus den Ver trägen, Einführung geregelter Urlaubsverhältnisse, gesetzliche Fest legung der Gehaltszulagen. Ausdehnung der Gewerbeordnung, des Kranken- und Unfallversicherungszwanges, sowie des Personen- kreises der Arbeitskammern auf alle im Privatdienstvertrag Be- schäftigten. Gleichstellung der technischen Angestellten mit allen gleichwertig vorgebildeten Anßestelltenkategorien, Beseitigung der Bevorzugung der Militäranwärter, Zulassung des technischen Be- rufes zu allen Verwaltungsämtern des Staates und der Gemeinde. Gewährleistung des Eigentums an Erfindungen, ebenso für Be amte wie privatvertraglich Beschäftigte. Wählbarkeit beider Kate- gorien als Stadtverordnete oder Gcmeindebevollmächtigte. Der VerbandStag nimmt die Gelegenheit wahr, sich auf das wärmste für eine energische Kommunalpolitik auszusprechen. Erbe grüßt eS im speziellen, daß in der Wohnungsaufsicht mehr und mehr technische Kräfte Verwendung finden und erwartet, daß die immer stärkere Heranziehung des Technikerstandes zu den Aufgaben von Staat und Gemeinde beiden Teilen zum Vorteil gereichen wird. An der Debatte beteiligten sich Sasse- Kiel, der das Vordringen der Techniker in die Verwaltungen befürwortete. Leon- h a r d h- Kassel vewahrt sich gegen Angriffe des Organs des Ver- eins mittlerer Staatsbaubeamten, die eine Ueberhebung gegen die gemeinsamen Interessen darstellen. Rohr- Charlottenburg wendet sich gegen daS Steuerprivileg der Beamten und wünscht Beseitigung. Die anregenden Ausführungen beschloß ein Referat des Herrn L e n z» Dortmund über die Arbeitszeit. Die Unterlagen für den Bericht über die Arbeitszeit lieferte die statistische Abteilung des Verbandes. Ein umfangreicher Be- richt über diese Statistik, der über 12 000 Fragebogen zur Verfügung stehen, wird nächstens veröffentlicht werden. Der 20. Verbandstag des Deutschen Techniker-VerbandeS stellt als vorläufiges Ergebnis seiner Statistik vom Jahre 1910 über die Arbeitszeit der technischen Angestellten fest, daß heute noch die neun- und mehrstündige Arbeitszeit in Baugewerbe und Industrie überwiegt, aber schon eine starte Tendenz nach achtstündiger Ar- beitszeit in den Beamten- und auch in den Kreisen der technischen Privatangestellten der Industrie unverkennbar ist. DaS immerhin noch häufige Vorkommen einer Arbeitszeit von 11, 12 und noch mehr Stunden— vor allem auch in der vielfach gewählten Form unbezahlter Ueberstunden— besonder? in den kleineren Betrieben deS Baugewerbes erachtet der Verbandstag als ebenso sozial be> dauerlich wie wirtschaftlich nicht begründet. Der Verbandstag wünscht die Arbeitszeit auf dasjenige Maß verkürzt, welches die Leistungsfähigkeit des Angestellten hinreichend berücksichtigt und ihm zugleich Zeit für seine Fortbildung, Erholung und Anteil- nähme am öffentlichen Leben gewährt. Der Verbandstag sieht eine Erfüllung dieser Forderungen im allgemeinen in der Festlegung einer achtstündigen Arbeitszeit. Ebenso wie bei der Gehaltsfrage ist auch bei der Arbeitszeit weitgehende Regelung durch Tarifverträge anzustreben. Daneben wird die Gesetzgebung anerkannten Mißständen, insbesondere allzu ausgedehnter Arbeitszeit, Sonntagsarbeit, Nachtarbeit und un- bezahlter Ueberarbeit entgegenzuarbeiten haben. Im einzelnen fordert der Verbandstag von den gesetzgebenden Körperschaften: 1. Verbot der Sonntags- und Nachtarbeit. 2. Einschränkung und grundsätzliche Bezahlung von Ueber- stunden. 8. Festlegung einer MaximalarbeitSzeit für gesundheitsschädliche und einer Mindestarbeitszeit für durchgehende Betriebe. 4. Gewährung eines jährlichen Erholungsurlaubs von min- bestens zwei Wochen. Sasse- Kiel klagt über die geteilte Arbeitszeit der Kaiser- lichen Werften, die jetzt eingeführt wird. Die Wohnungsverhältnisse in Danzig, Kiel, Wilhelmshaven bedingen eine verständnisvolle Regelung der Arbeitszeit. AuS wirtschaftlichen und sozialpoliti- schen Gründen ist eine durchgehende, die sogenannte englische Ar- beitszeit zu fordern. Dr. Günther- Berlin spricht sich dafür auS, daß sich die Tarifverträge am besten zur Regelung der Arbeitszeit eignen. R a d u n z- Kiel befürwortet durchgehende Arbeitszeit. B e n d e r- München tritt für den Tarifvertrag ein und be- richtet, daß in Bayern Tarifverträge für technische Angestellten an- gebahnt werden. Am dritten Berhandlungstagr beschäftigten sich die Abgeordneten mit der Reorganisation der Ver- bandssatzung. Für den Unbeteiligten war eS ein interessantes Bild, innerhalb einer Organisation, die schon über 25 Jahre besteht, das Ringen von alter und neuer Richtung zu beobachten. Die Minder- heit trat für die paritätische Verfassung deS Verbandes ein, während fast zwei Drittel aller vertretenen Stimmen sich dafür aussprachen, Arbeitgeber künftig nicht mehr aufzunehmen. Es wurde beschlossen, Stellenvermittlung und Stellenlosen» Unterstützung noch besser auszubauen. Zur Verbesserung des technischen Schulwesens wurden Ent- schließungen gefaßt, ebenso zum Patentrecht. Der Verband gliedert sich künftig in vier Gruppen: Baulechniker, Maschinentechnikcr, StaatStcchniker, Gemeindetechniker. Die Debatten zeigten, wie tatkräftig alle Teilnehmer bemüht waren, einen Organismus zu schaffen, der am besten geeignet ist, dem Ansehen des technischen Berufsstandes zu entsprechen. In einer Entschließung erklärt der Verbandstag zur BauarbeiterauSfperrung: »DaS ReichSamt des Innern möge in eine VermittlungS- aktion zwischen den Arbeitgeber- und Arbeitnehmrr-Organisa- tionen im Baugewerbe in tunlichster Bälde eintreten. ES handelt sich für ihn neben der Förderung der Gesmntwohlsahrt um die Interessen seiner Mitglieder, von denen nnmer weitere Kreise durch die Aussperrungen in Mitleidenschaft gezogen werden, während in einzelnen Fällen auch versucht worden ist, Techniker als Streikbrecher heranzuziehen." Wie sehr sich die Verhältnisse auch im Baugewerbe für die technischen Angestellten verschärfen, bewies ein Telegramm aus Wesel, in dem mitgeteilt wurde, daß dort ein Bautcchnikcr wegen seiner Zugehörigkeit zum Verbände entlassen worden sei. Mit Ent» rüstung verurteilt der VerbandStag diese Verletzung des Koglitions- rechtes. Nach den Wahlen wurde bestimmt, 1912 nach Köln den 21. Verbandstag einzuberufen. 10. Derdandstag der Fnsenrgthilfen Deutschlands. Mrnberg, 17. Mai 1910. Der VerbandStag ist beschickt von 14 Delegierten, als Gäste sind anwesend Ma n n esba r th- Wien als Vertreter der öster- reichischen und Rauchmeyer» St. Gallen als Vertreter der schweizerischen Vruderorganisation. Ferner Kn oll» Berlin für die Generalkommission der Gewerkschaften Deutschlands, Etzkorn und L a n g n er-Berlin für den Hauptvorstand und Stade» Altona als Obmann des Verbandsausschusses.> In der ersten Sitzung am Montag wurde daS Bureau gew wählt und zur Vorberatung der neuen Statuten eine dreigliedrige Kommission eingesetzt. Am zweiten Verhandlungstag wurde eine geschlossene Sitzung abgehalten, die den ganzen Vormittag in Anspruch nahm, sodaß die eigentliche Tagesordnung erst„ackimittags in Angriff genommen werden konnte. Nach Erledigung des ersten Punktes Geschäftliche? wurden die Rechenschaftsberichte entgegengenommen. E tz k o r n machte noch längere Ausführungen zu dem gedruckten Bericht, wobei er hauptsächlich auch den nach 1907 eingetretenen Mitgliederrückgang behandelte. Eine der Haupt» Ursachen sei wohl die wirtschaftliche Krise, die auch am Friseur- berufe nicht spurlos vorübergegangen sei; aber auch die Beitrags- erhöhung von 40 auf 50 Pf. habe ein wenig mitgewirkt. Doch ist Redner der Meinung, daß die Erhöhung notwendig war, wäre sie nicht vorgenommen worden, so wären die Folgen deS Rückgangs noch weit schlimmer fühlbar geworden, als eS so schon der Fall war. Die Beitragserhöhung hat ferner ihre Wirkung auch dahin ge- äußert, daß in manchen Orten die Lokalbciträge ganz abgeschafft oder verringert wurden, jetzt ist aber diese Wirkung bereits wieder überwunden, man hat wieder auf die Erhöhung oder Erhebung der Lokalbeiträge zurückgegriffen. Der Vorstand glaubte angesichts des Mitgliederrückgangs dem Verband vermehrten Zugang durch Erweiterung des Mitglieder- kreises zu verschaffen, indem er die Schaffung einer dann auch durch Urabstimmung angenommenen zweiten BeitragSklasse mit 80 Pf. vorschlug. Da die Klasse erst ein halbes Jahr in Kraft ist, läßt sich ein abfckiließendeS Urteil noch nicht abgeben, doch glaubt Redner schon konstatieren zu können, daß sich die gehegten Erwar» tungen nicht erfüllt haben. In Orten mit der zweiten Beitrags- klasse habe der Verband jetzt weniger Mitglieder als früher bei dem höheren Veitrag. Es sei verfehlt, von niedrigen Beiträgen eine stärkere Mitgliederbewegung zu erhoffen, der Verband könne nicht unter 50 Pf. heruntergehen. Im weiteren Verlaufe seiner Ausführungen kommt Redner auch auf die Angriffe zu sprechen, die in einem Artikel des Genossen Leipart in den„Soz. Monatsheften" und in einer Notiz des Fachblatts der Gärtner gegen den Frifeurverband in Sachen der Boykottfrage erhoben wurden und die zur Folge hatten, daß der Verband zur Abwehr dem Hamburger Gewerkschaftskongreß eine Denkschrift unterbreitete. Der Gewerkschaftskongreß nahm zur Boykottfrage«ine Resolution an, die aus den Kongreßberichten bereits bekannt ist. Langner» Berlin erstattet den Kassenbericht. Der vorliegend« Kassenbericht verzeichnet für beu Verband an Reineinnahmen insgesamt........ 110 637,07 M. ReinauSauSgaben insgesamt....... 114476,18, mithin an Mehreinnahmen........ 2161,89 M. Hierzu die Bestände vom 30. Juni 1907 mit. 10 805,80„ Bestände am 31. Dezember 1909. 12 967,69 M. Die Einnahme pro Milglied betrug 54,42, die Ausgabe 53,46, der Kassenbestand 6,05 M. Die Hauptkasse verzeichnet eine Reinein» nähme von............ 64 613,23 M. bei einer ReinauSgabe von........ 65 172,06 m mithin eine Mehrausgabe von....... 558,83, oder 0,9 Proz. Im Verhältnis zu den Einnahmen der Hauptkasse betrugen die Verwaltungskosten 17,8 Proz., und zwar die persönlichen AuS» gaben 14,4 Proz., die sachlichen 3,4 Proz.; die Erwerbslosenunter» stützung erforderte 19 Proz., das Verbandsorgan 16,7 Proz., die den Ortsverwaltungen geleisteten Zuschüsse 12 Proz., die Agitation 11,7 Proz., die Lohnbewegungen 6,2 Proz. und die übrigen AuS» gaben 17,5 Proz. der Einnahmen.' Günstiger gestaltete sich dieses Verhältnis bei den Lokal» lassen, die bei einer Gesamteinnahme von 115 092,10 M., eiNe Reineinnahme von 52 212,60 M., d. s. 45,4 Proz. der Gesamtein- nähme(also einschließlich der fiir die Hauptkasse) zu verzeichnen hatten, bei einer Reinausgabe von 49 303,12 M., d. i. 94,4 Proz. der Reineinnahme. Die Verwaltungskosten betrugen bei den Lo» kalkassen dagegen 53,6 Proz. und zwar persönliche 36,2 Proz. und sachliche 17,4 Proz. Die Ausgaben für Agitation 13,5 Proz., die Kartell- und Se» krctariatsbeiträge 3,7 Proz., Lohnbewegungen 3,9 Proz. und die übrigen Ausgaben 19,7 Proz., bei einer Mehreinnahme von 5,6 Proz. Der Bericht läßt deutlich erkennen, daß die finanzielle Lage des Verbandes im allgemeinen und die der Hauptkasse im be- sonderen außerordentlich ungünstig ist. Es muß deshalb Aufgabe deS VerbandStageS fein,-geordnetere Verhältnisse herbeizufiihren. Nachdem Stade-Altona als Obmann des Ausschusses über die wiederholten Revisionen berichtet und die dem Ausschuß als etwas schwerfällig bezeichnete Büchführung deS Kassierers bean- standet, fetzt eine längere Diskussion über die Vorstandsberichte ein, in der jedoch keine erheblichen Bemängelungen der Verbands» leitung vorgebracht werden. Eingegangene DrucKtdinften. Der Tropenpflanzer. Nr. S. Z-itfchrist für trrpische Landwirtschast. Organ des Kolonialwirtschastlicheii Komitees. Herausgegeben von O. War- bürg u. F. Wohltmann. Erscheint monatlich. Jährl. 12 M.— Berhand- luiigg» deS Kolanialwirtschaftl. Komitees. 1910. Nr. 1.(Bauniwoll- Kommission.) 72 Seiten. Selbstverlag deS Kolonialwirtschastl. Komitee», Berlin, Unter den Linden 43. Tierbau und Ticrlcben. Von R. Hesse und F. Dossein. 1. Band. Der Ticrkörpcr als selbständiger Organisinus. Gebunden 20 M. und 22 M. B. M. Tcubncr, Leipzig. Die Heidcmtihlc. Roman von E. Bergner. 4 M., geb. 5 M.— Der erste Dandy. Roman von 1812. Von O. Mystng. 3 M., gebunden 4 M. O. Janke, Berlin. Anhaltstr. 11. 9. ZlefiutiK 8. Kl. 322. Rtd. Preus«. LofteiW. Ziehung Tom 18, Mtl. Tormltttgi. Kur ilt Gewinne Uber>40 Hark lind den betreffenden Nummern In Elamraern beigefügt. (Ohne Gewähr.)(Nachdruftk verbeten.) 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USD III SOOO, 8407 iU 1000b Kl« tu 600 9. ZREiniS?. Kr. 222. KkT- Prean. ILoRerfe. Ziehung vom 18. Mal, nachmlltag», Kur die Gewinne Uber 240 Mark sind den betreffen» den Nummern In Klammern beigefügt. (Ohne Gewähr.)(Nachdruck verboten.) 198 931«3 592 698»9 738 68 901 73 1812 51 426 718 (2 870 2 023 213[1000] 326 422 623 611 79 3 769 4064 103 {1000] 286 802 41 5016 141 316 460 62 54« 617 831 44 938 611» 229 422 769«1 844 76 73 7037 192 434 616 21 43 «7[600] 900[SOOO] 8108 331 608 740[500] 971 9352 629 «04«87 1O001 169 60 871 469[3000] 671 755 887 11062 449 [1000] 884[3000] 690 714 365 942 1 2 000 22 257 570 86 716 13018 19 361 76 450 686 73 76 623[600] 702 42 853 1 4006 13000] 126 373 586 608 29 814 981 15333 438 89 798 853 10037 146 346 583 600 765 1 7237 56 93 323 92 666 804 18861 659 830 1 9243[500] 891 927 20153 201[1000] 312 533 151 919 IS 91 2 1 064 257 [8000) 913 69 2 2 317 33[500] 472 683 2 3 257 86» 963 24053 57[600] 432 40 61« 93[1000] 765 69 78 871[SOOO] 2 5021 168 223 69 623 761 862 98[1000]«12 86 98 2 0170 806[1000] 17 815 89 767 825 37[1000] 83 27171[lOOOj 268[ 506] 70 2 8075 234 379 408 744 2 9068 69 80 125 77 641 64 880[1000] 3 001)7 259»23 431 538 611 864 78 31111 260 510[500] 90 879 741 827 63 914 3 2 227 478 656 73 TOS 77 874(.1000] 33 011 478 691 906 3 4 083 93 252 67 443 577»37 829 965 35120 24 207 371 89 407 577 678 716 43 53 803[500] 907 3 0073 275 428 840 3 7196 302 73 675 751 80[500] 30023 78 104 226 387 423«12 30270 4SI 682 728 821[>000] 46 40139 48» 99 706 907 46 41164[1000] 413 36 669 781 4 2041 98 285 383 475«06 4 3 015 4 0 96 1.13 276 699 727 4 4514 4 5190 462 702 809 4 0174 203 44 93 538 758 991 47181 262 328[600] 59 603[1000] 852 OOS 40120 37 56 65 857[3000] 410 633[3000] 751 40112 58 81 232 337 427 805 10 5 0439 41 837 829(1000) 900 62 5 1 091 445 66[ 3000] 652 608 958[1000] 52007[ 3000] 80 26 6 327 29 474[ 500] 770 860 931 53) 65 203[15 000] 47 413 816 07 54)13 78 856 66«[500] 843 5 5 269 306 479[600] 522 SSO 56223 340 669 786 929 60 5 7461 547 81 609 195 820 046 5 0158 70 429|10 DO«) 786 5 9 474 962 60320 981[3000] 01179 246 338 648 6 2024[500] 556 «46 63 266 87 497 665 6 4027 218 ISO««] 30 95 646[500] 260«72 6 6013 343 40« 11 618 89 719 6 0063 390 417 766 «13 67068 96[1000] 429 7 4 799 808 46 978 6 0 415 50 511 »j 983 6 9241 60[500] 482 99[1000] 545 05 634[3000] »31 34 7 0037 62 280 409[SOOO] 61 1300«] 6 7 66? 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