Dr. US. RbonnementS'Redlngungen: LkonnementZ- Preis pränumerando i Bierteljährl. SM> Mp, monatl. 1,10 Mk„ wöchentlich 28 Pfg. frei ins HauS. Einzelne Nummer 5 Pfg, Sonntags. Eingetragen in die Post. Zeitung-. Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich. Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland S Marl pro Monat. Postabonnements nehmen an: Belgien, Dänemarl, Holland. Italien, Luxemburg, Portugal. Wumänien, Schweden und die Schweiz, vlchel»t täglich außer montags. 27. Ichlh/ Verllnev Volksblalt. Die TnlcrtlonS'Gebllftf- Betrügt für die fechsgespaltene Kolonel« geile oder deren Raum bv Psg., für politische und gewerlschastliche Vereins« lind Versamnilungs-Anzeigen M Psg. „Ulelne Hnztigen", das elfte(fett« gedruckte) Wort 20 Pfg, jedes weitere Wort 10 Psg. Stellengesuche und Schlaf- fiellen-Aiizeigen das erste Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen blS S Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ift bis 7 Uhr abends geöffliet, Telegramm» Adreffe: „Sozlaldtniolirat Rtriin", Zentralorgan der rozialdemokratifchen Partei Deutfcblands. Redahtion: 8M. 68, Ltndcnstraosc 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Freitag, den 30. Mai 1910. Cocpcditton: 8M. 68, Lindenstrasae 69» Fernsprecher: Amt IX, Nr. 1984. Was wird aus der Klablreforro? Welche Verschlechterung selbst der Wahl-.,Reform", die die blauschwarze Mehrheit des Abgeordnetenhauses ausgebrütet hatte, das im Herrenhause beschlossene Wahlgesetz bedeutet, ist von uns wiederholt im einzelnen dargelegt worden. Nach den Herrenhausbeschlüssen bleibt an Verbesserungen gegenüber der jetzigen Dreiklassenschmach einzig und allein die geheime Wahl übrig. Und man weiß ja, daß diese geheime Wahl nur für die Städte und Industriezentren in Frage kommt, für das platte Land aber durch das Institut der W a h l m ä n n e r- wähl wieder so gut wie beseitigt wird, da es dort namont- lich der Sozialdemokratie gar nicht möglich ist, die nötige Zahl von Wahlniännern aufzubringen. Dieser mikroskopischen Vor- besserung stehen als Verschlechterungen gegenüber die fast völlige Beseitigung der selbst von der Regierung vorgeschlagenen Maximierung und die Vergrößerung der Drittelungsbezirke, die sogar eine Verschlechterung des gegenwärtig geltenden Wahlrechts darstellt! Da selbst die amtliche Wahlrechtsstatistik die Steuer- drittelung nach UrWahlbezirken als ein wichtiges Mittel gegen die sonst allzu krassen plutokratischen Wirkungen des Geld- sacksivahlrechts gepriesen hatte, ist es schon unglaublich, daß Herr v. Bethmann Hollweg sich mit dieser Verschlechterung einverstanden erklärte, ja dafür Stimnmng machte l Das war umso unglaublicher, als gleichzeitig die Maximierung, die ja die Regierung als ein in der gleichen antiplutokratischen Weise wirkendes Mittel bezeichnet hatte, vom Hcrrenhause so gut wie beseitigt worden war! Aber der derzeitige preußische Ministerpräsident hat sich ja längst als ein Reaktionär vom reinsten Wasser entpuppt. Ihm war das Drängen und Drohen der Junker maßgebender, als das feierliche Ver- sprechen der Krone, eine organische Reform durchzuführen. Das verhunzte und durch die Verkoppelung mit der indirekten Wahl fast völlig wertlos gewordene Zugeständnis der geheimen Wahl diente dem Erzreaktionär als willkommener Vorwand, selbst die kümmerlichen Verbesserungen preiszugeben, die, wie die direkte Wahl und die Nichtanrechnung der Steuer- betrüge über 5000 M. hinaus, sogar in dem Re- gierungsentwurf enthalten»varen! Wenn aber der preußische Ministerpräsident sein Amt als gott- gewollte Abhängigkeit von den Junkern und den rückständigsten der Schlotbarone auffaßte, so liegt doch für solche Parteien, die angeblich eine wirkliche Wahlreform wollen, nicht der mindeste Grund vor, sich der Diktatur der Junker und Scharf- macher zu unterwerfen. Daß die Nationalliberalen von der Uebertragung des Reichstagswahlrechtes nichts wissen wollen, weiß ja jedes Kind. Kein Mensch erwartete denn auch, daß die Fraktion Drehscheibe sich für Forderungen ins Zeug legen würde, die im Interesse der Gesamtheit und des demo- kratischen Fortschritts liegen. Wohl aber dürfte man selbst von so schwächlichen Politikern erwarten, daß sie wenigstens die Interessen der eigenen Partei zu wahren suchten. Und kaum eine andere Partei ist doch derartig an der Neu- einteilung der Wahlkreise und der direkten Wahl interessiert, wie gerade die nationalliberale Parteil Es wäre deshalb geradezu ein Bankrott dieser Partei, ein Verzicht auf das letzte Nestchen von Achtung, das der Nationalliberalismus in bürgerlichen und speziell intellektuellen Kreisen noch genießen mag, wenn sie, die das Machwerk des blauschwarzen Blocks so pathetisch als eine Ausgeburt reaktionärer Volksvcrhöhnung gebrandnmrkt hatte, jetzt das noch viel reaktionärere Machwerk der Herrenhäuslcr akzeptieren wollte! Daß sich ein Teil der nationalliberalen Landtagsfraktion gleichwohl bereits für den Umfall ausgesprochen hat, und ein- flußreiche Kreise unausgesetzt am Werke sind, die Fraktion für das Schandkonipromiß zu gewinnen, beweist nur wieder ein- mal die totale Verrottung unseres preußischen National- liberalismus. Diese jammervolle Haltung beweist, daß ein großer Teil dieser Nationalliberalen nichts ist, als der Stipendiat und der gefügige Handlauger des rheinisch-west- fälischen Großunternehmertums. Wie er sich sozialpolitisch als der Geschäftsträger dieses brutalen Scharfniachertums betätigte, zeigt er sich jetzt auch in der Wahlrechtsfrage als der Bundes- genösse des Freiherrn v. Zedlitz, bei dem die ganze Wahl- reform nur in dem einen Problem gipfelt: wie läßt sich am besten die Macht des Geldsacks stärken und der Einfluß der breiten Volksmassen vollständig ausschalten I Dies nackte brutale Scharfmacherinteresse erstickt alle anderen Bedenken. Aus ihm erklärt sich auch die brennende Sehnsucht, um jeden Preis wieder mit den Junkern gemein- same Sache zu machen. Denn wenn es dem Nasional- liberalismus mit der Schwächung des Klerikalismus wirklich ernst wäre, müßte er vor allen Dingen auch die Schwächung des Junkertums erstreben, dieses natürlichen Waffen- bruders und Weltanschauungsgenossen des Klerikalismus. Aber an einen solchen Kampf gegen die konservativ-klerikale Reaktion denkt der preußische Nationalliberalismus gar nicht. Aus Haß gegen das Volk, gegen die Arbeiterklasse wirft sich auch in der Wahlrechtsfrage das„liberale" Unter- nehmertum in die Arme der Krautjunker. Es pfeift auf die liberale Weltanschauung, wenn nur der Feudalismus seine Geldsackprivilegien schirmt! So vollzieht sich auch hier wieder im besonderen der Bankerott des „Liberalismus", der sich im a l l g e m e i n e n ja seit vielen Jahrzehnten unaufhaltsam vollzogen hat l Daß der süddeutsche Nationalliberalismus, daß die im Jungliberalismus vereinigten Intellektuellen, daß auch Hansa- bund und Bund der Industriellen(mit Ausnahme der rheinisch- westfälischen Gruppe) diesen schmählichen Umfall überaus peinlich empfinden, hat freilich nicht minder seine guten Gründe. Denn der Nationalliberalismus hat ja völlig ab- gehaust, wenn er die nackteste freikonservative Politik treibt. Wie soll er länger Personen an sich fesseln, denen die liberale Ideologie, das Bekenntnis zu einer wenigstens theoretisch freieren Weltanschauung Herzensbedürfnis ist, wenn er als Sachwalter der brutalsten Untcrnehmcrinteressen auf- tritt, wenn er selbst in der Frage, die wie keine andere als Prüfstein seines Liberalismus betrachtet werden muß, mit den rabiatesten Herrenhausjunkern fraternisiert l Wie soll der Nationalliberalismus bei den nächstjährigen Reichstagswahlen bestehen, wenn er den letzten Rest jenes liberalen Prestiges, das ihm bei den vorigen Wahlen einen so beträchtlichen Stimmenzuwachs verschaffte, jetzt so schnöde vertut und sich dem Spott und der Verachtung aller Parteien preisgibt?! So bedroht den Nationalliberalismus auf der einen Seite die Unpopularität. auf der anderen Seite die Ungnade der zahlungsfähigen Jndustriefeudalen. Nach welcher Seite wird sich die Fraktion entscheiden? Vielleicht wird sie sich spalten und damit ein Vorbild jener Zersetzung geben, der die nationallibcrale Partei selbst unaufhaltsam entgegenzutreiben scheint. Vielleicht wird sie freilich auch das unverdiente Glück haben, vor einer folgenschweren Entscheidung überhaupt bewahrt zu bleiben. Denn Zentrum und Junker werden ja zweifellos alles aufbieten, um ein Kompromiß zustande zu bringen, das auch die Zustimmung des Herrenhauses erfährt. Die gemein- samen Interessen dieser beiden Parteien sind zu groß, als daß die Konservativen frivolerweise das innige Schutz- und Trutz- bündnis in die Brüche gehen lassen könnten. Und das Zentrum seinerseits hat sich bereits zu sehr prostituiert, um die Rolle der Spröden noch mit einigeni Erfolg spielen zu können. Aller- dings werden die Junker die brillante Konjunkhir. die für sie durch die schamlosen Unifallgelüste der Nationalliberalen ent- standen ist, noch nach Kräften auszunutzen und wenigstens einen auch ihnen genehmett T' eil der Verschlechter ungs- b e s ch l ü s s e des Herrenhauses durchzusetzen suchen. Und das Zentrum wird seine erneuten Nachgiebigkeiten und Volksverrätereien hinter Hohnergüssen gegen die Nationalliberalen zu maskieren versuchen. Und wenn diese plumpe Komödie wenigstens bei den Zentrums- gläubigen glückt, können sich die Nationalliberalen mit ihrer bodenlos erbärmlichen und törichten Taktik das Verdienst daran zuschreiben I Herr v. Zedlitz beschwor kürzlich im„Tag" die bürger- lichen Parteien, die Wahlreform doch ja zum Abschluß zu bringen. Denn der leidenschaftliche Wunsch des„Vorwärts". das Gesetz möge völlig scheitern, beweise am besten, wer den Vorteil von einem solchen Scheitern haben werde. Andere konservative und auch nationalliberale(!) Politiker haben sich diesen Bestürmungen angeschlossen. Komme die Reform diesmal nicht zustande, so sei ein radikaleres Gesetz un- ausbleiblich. Das gleiche haben ja auch wir oft genug dem Zentrum und den Nationallibcralen zu Gcmüte zu führen versucht. Leidbr ohne Erfolg! So ist denn auch jetzt die Hoffnung auf Nichtzustande- kommen eines Kompromisses nur gering. Man fürchtet gar zu sehr die unausbleibliche entschiedene Reform! Darin freilich irrt Herr v. Zedlitz, wenn er unseren Wunsch, das Gesetz möge zu Fall gebracht werden, für gar so leidenschaft- lich hält. Denn wir denken gar nicht daran, unsere Hoff- nungen auf eine gründliche Wahlreform mit dem Augen- blick zu begraben, wo die Spottreform angenommen wird. Das klassenbewußte Proletariat wird dann vielmehr mit aller Leidenschaftlichkeit dafür sorgen, daß den Volksvcrrätern und Wahlrechtsverhunzern die Quittung für ihre Taten ausgestellt wird I Der Wahlrechtskampf wird dann erst recht entbrennen. Und er wird unwiderstehlich sein l Die offene Cur in Ferfien. Einige neuere Vorgänge in Persien haben die d e.u t s ch e Diplomatie in einen Gegensatz zu der russischen und englischen gebracht. Trotzdem Persien'ein souveräner Staat ist, haben England und Nutzland eS bekanntlich zum Objekt eines Vertrages gemacht, wobei Nordpersien als russische, Südpersien als englische Interessen- sphäre gelten sollte. Doch sollte anderen Mächten gegenüber die Politik der offenen Tür gewahrt bleiben. Als aber Persien vor kurzem eine neue Anleihe aufnehmen wollte, stellten England und Rutzland Bedingungen, die nicht nur Persien jeder Selbständigkeit beraubt, sondern auch den wirtschaftlichen Mitbewerb anderer Mächte, sowohl bei Anleihegeschäften als namentlich bei Eisenbahn- bauten ausgeschlossen hätten. Persien sollte sich verpflichten, Bahnen von strategischer Bedeutung nur unter der Kontrolle RutzlandS und Englands auszuführen. Da„strategische Bedeutung" natürlich jeder Bahn zugeschrieben werden kann, wäre der Bahnbau daS Monopol dieser beiden Mächte geworden. Gegen diese Absichten hat nun die deutsche Diplomatie in Petersburg ünd London Vor- stellungen erhoben, worüber die panslawistischen und jingoistischen Blätter ein lautes Gezeter erhoben haben. Jetzt äußert sich auch die offiziöse„R 0 s s ij a" über diese Frage, worüber auS Petersburg telegraphiert wird: Ein offiziöser Artikel der„Rossija" beschäftigt sich mit der Frage der persischen Anleihen und führt aus: Rutzland und Eng- land hätten niemals eine Kontrolle persischer Anleihen bei anderen Staaten beansprucht. Ebensowenig sei die Rede davon gewesen, die Handelsinteressen des Dreibundes oder überhaupt irgend eines Staates zu beengen. Das englisch-russische Abkommen von 1997 setze klar das Prinzip gleicher Rechte für Handel und Industrie aller Völker in Persien fest, und die Handlungsweise Nutz- Innds wie Englands habe niemals in Widerspruch mit diesen Prinzipien gestanden. Beide Staaten, besonders Rutzland, das gegen hundert Millionen für Persien aufgewandt, hätten ein unbezweiielbares Recht auf die politische Lorherrschaft in P e r s i e n und ebenso das Recht, zu fordern, datz ihre strategischen Interessen in den ihren Grenzen benach- barten Rayons vollkommen gesichert werden. Diese Ansicht teile offenbar die deutsche Regierung; wenigstens berechtige zu dieser Annahme die vom Reichskanzler Fürsten v. B ü l 0 w im Jahre 1999 im Reichstage abgegebene Erklärung, wonach die deutschen Interessen in Persien ausschließlich wirtschaftlicher Natur seien. Denizusolge habe Deutschland schwerlich Grund, in dem Umstände, datz die beiden Mächte das Recht des Eisenbahn» b a u s und einige andere Konzessionen von gleichfalls politischer und strategischer Bedeutung für sich beanspruchen, eine Verletzung deutscher Rechte zu erblicken. Wenn Deutschland geneigt sei, Ruß- lands Vorrechte in Persien und seine volle Bereitwilligkeit an- zuerkennen, den deutschen Wünschen hinsichtlich der Handelsuiteressen entgegenzukommen, dann sei für eine beide Teile vollkommen be- friedigende Verständigung über die persischen Angelegenheiten zweifellos ein günstiger Boden vorhanden. An dieser Auslassung ist zunächst bemerkenswert, mit welcher Selbstverständlichkett das bankrotte und verfaulte Zarentum die politische Vorherrschaft über ein fremdes Land in An- spruch nimmt, das eben in seiner Revolution ein Zeugnis feiner politischen Reife und seiner Befähigung zur Selbstregierung erbracht hat. Dabei genietzt der Zar natürlich die volle Unterstützung des freiheitliebenden Albion— unter der Bedingung der Teilung der Beute natürlich. Sodann aber nimmt die„Rossija" auch auf Wirtschaft» lichem Gebiet so viel Vorrechte in Anspruch, daß für eine Ver« ständigung eigentlich recht wenig übrig bleibt. Es handelt sich eben in all' diesen Fragen kapitalistischer Ausbeutungspolitik, in deren Dienst die Diplomatie jedes Landes gestellt ist, nicht um Fragen des Rechts, sondern um Fragen der Mach t. Die größere Macht ist in diesem Falle auf Seiten Rußlands und Eng- lands und für die deutsche Diplomatie bei dieser Affäre daher wenig zu holen, obschon sie diesmal mit ihrer Berufung auf die Zusiche» rung einer Politik der offenen Tür im Recht ist. Auch dieser diplo- matische Zwischenfall ist so ein neues lehrreiches Beispiel dafür, wie unter dem angeblich„nationalen" Zweck der Rüstungs- und Welt- Politik in Wirklichkeit nur die verschiedenen, einander entgegen- gesetzten Profitinteressen der herrschenden Kapitalistencliquen der ver- schiedenen Länder sich verbergen. dlahlhorruption in Cngland. AuS London wird uns geschrieben: Man wird sich entsinnen, daß nach den letzten Parlamentswahlen die Liberalen die Konser« vativen beschuldigten, durch korrupte Mittel den Ausfall der Wahlen beeinflußt zu haben. Unbegründet waren diese Beschuldigungen auf keinen Fall, wenn auch die Werkzeuge der Korruption schwer zu fassen sein mögen. Als Abwehr gründeten damals die Liberalen die Gladstoneliga, deren Präsident der Schatzkanzler selbst ist und die es sich zur Hauptaufgabe gemacht hat, die durch den Terrorismus der englischen Junker geschädigten Wähler in Schutz zu nehmen und die Uebeltäter zur Rechenschaft zu ziehen. Nun hat e« sich geschickt, daß die ersten beiden Personen, die sich vor dem Kadi wegen unsauberer Wahlpraktikcn haben verant- Worten müssen, sehr bekannte Liberale sind. Vor kurzem erst wurde berichtet, daß die Wahl des mächtigen liberalen Kapitalisten Sir Christopher F u r n e ß, der sich gern als Arbeiterfreund aufspielt, für ungültig erklärt wurde. Vor einigen Tagen beschäftigte sich daS Gericht mit der Wahl des Captain G n e st in Ostdorsef, Captain Gnest ist einer jener jungen Konser» vativen, den die Aussichtslosigkeit, bei der unantastbaren Machtstellung der Cecils und Chambcrlains in der konservativen Partei Karriere zu machen, ins liberale Lager getrieben hat. Eine Prinzipienverleugnung ist für diesen UmwandlungS- Prozeß ja nicht notwendig; denn von den Konservativen trennt die rechtsstehenden Liberalen nur der Neid um die Futterkrippe. Captain Gnest versuchte sein Glück als liberaler Kandidat zum ersten Male im Jahre 1996 in Cockermouth, wo er die Wahl des Genossen R. Snnllie vereiteln sollte und auch vereitelte. DaS nächste Mal wurde ihm ein ziemlich sicherer liberaler Wahlkreis in Essex angewiesen. In diesem Wahlkreis find unsere englischen Genossen jedoch stark genug, um die Wahl eines Liberalen verhindern zu können. Sie beschlossen, die Niederlage in Cockermouth zu rächen, stimmten für den Konser- vativen und die großen Hoffnungen der Lady Wimborne, die von der großen Zukunft ihres Sohnes(Captain Gnest) träumte, wurden zu Wasser. Jetzt konzentrierte die Familie des Lord Wimborne ihre ganze Tätigkeit auf den Wahlkreis, in dem die Güter der Familie liegen. Der Wahlkreis wickde sorgfältigst„gepflegt" und die Wirksamkeit des Gold- und, GnadenregenS zeigte sich vor einigen Monaten, als Captain Gnest als Liberaler ins Parlament einziehen konnte. Er scheint eS, nach den Gerichtsverhandlungen zu urteilen, jedoch zur Zeit der Wahl etwas zu toll getrieben zu haben. Be- stechungen und Drohungen waren an den Tagesordnungen; Pächtern, die partout nicht liberal wählen wollten, wurde gekündigt und die Familie ließ nichts unversucht, um die Wahl ihres Mit- gliodeS herbeizuführen. Nach diesen bösen Erfahrungen werden sich die Liberalen hüten, zu laut von dem konservativen Wahlschtvindel zu reden: der liberale Wahlschwindel dürfte kaum kleiner sein. Man erzählt sich allgemein eine Geschichte von einem liberalen Parlaments- Mitglied in Nordeiigland, der die Ausgaben für eine Wahl weit überschritten, der sich aber in Sicherheit wiegt, da er beweisen kann, dasi sein konservativer Gegner eine noch viel gröbere Summe aus- gegeben hat. Auf die große Masse der Konservativen und Liberalen trifft das alte englische Sprüchlein zu, in dem es heißt, daß eS sonderbar sei, daß die Leute einen Unterschied zwischen Tweedledum und Tweedledee herausfinden können. politifcbc Qcbcrlicbt. Berlin, den 19. Mai 1910. Nationalliberale Kompromiftgeluste. Gegen den Bund der Industriellen, der vor einigen Tagen die entschiedene Ablehnung der Herrenhausbeschlüsse gefordert hatte, wenden sich ebenso entschieden die„Westsälischen Politischen Nachrichten", das Organ der national- liberalen Partei für Westfalen. Dies Organ der rheinisch-west- fälischen Scharfmacher verlangt von den Nationalliberalen, daß sie die Herrenhansbeschlüsse akzeptieren sollen. Denn das,„was die gewerbliche Tätigkeit von der Wahl- reform erwarten könne, sei ja jetzt geboten". Das Organ empfiehlt deshalb, alles daranzusetzen, um die Beschlüsse des Herrenhauses im Abgeordnetenhause zur An- »ahme zu verhelfen. Rücksichten auf die nächsten Neichstagswahlen dürften nicht ausschlaggebend sein. Auch sei es sehr wenig wünschenswert, daß der preußische Wahlrechtsstreit in die nächste Wahlagitation hineingezogen werde. Denn spiele dieser Streit in die Reichstagslvahlagitation hinein, so rücke unweigerlich die Frage der Einführung des Reichs- tags Wahlrechts in den Vordergrund. Dagegen müsse maü sich aber niit allen zu Gebote stehenden Kräften w e h r e n I Der Artikel schließt damit, daß es„vom Stand- punkt der GeWerbetätigkeit aus" das„einzig richtige" sei.„mit aller Macht dahin zu drängen, daß die Parteien des Ab- geordnetenharises sich grundsätzlich auf den Boden der Beschlüsse des Herrenhauses stellen". Die„ K ö l n i s ch e Z e i t u n g" veröffentlicht außerdem noch eine Zuschrift aus industriellen Kreisen, die sich genau in denselben Gedankengängen bewegt. Da dies führende national- liberale Organ sowohl die Zuschrift als auch den Artikel der „Westfäl. Pol. Nachr." ohne jeden Kommentar wiedergibt, gibt es deutlich zu erkennen, d a ß e s s e l b st v o n U m f a l l- g e l ü st e n n i ch t f r e i i st I— Die„National- Zeitung" gibt gleichfalls ohne Kommentar— auch eine Polemik der„Westfälischen Polit. Nachrichten" gegen die Jungliberalen wieder. Diese Polemik ist außerordentlich scharf gehalten und wirft die Frage auf, ob denn die Jungliberalen über- Haupt noch zur nationalliberalen Partei gerechnet werden könnten. Man müsse sich ihre Schulnreistereien jedenfalls energisch verbitten. Dia unsägliche Jämmerlichkeit dieser nationalliberalen Acußernngen erhält erst das rechte Relief durch einen Beschluß, den die konservative Organisation Berlins angenommen hat. Die Berliner Konservativen fordern nämlich die Ab- l e h n u n g der Herrenhansbeschlüsse l Eine konservative Organisation zeigt sich also minder reaktionär. als die einflußreichsten nattonalliberalen Organe!_ Die gesetzgeberischen Aufgaben der nächsten Reichstagssession. Die offiziösen„Berliner Politischen Nachrichten" beschäftigen sich schon jetzt mit den Aufgaben der am 8. No- veuiber beginnenden Neichstagssession. Da bei der Be- urtcilung der Tätigkeit der abgelaufenen Session nicht unwichtig ist. daß man auch die der neuen Session vorbehaltenen Aufgaben zu übersehen vermag, seien die Aus- führungeil der„Berliner Politischen Nachrichten" hier wieder- gegeben:_ Konservative mit and ohne Ideen. Man schreibt uns: Der Kampf um die Hegemonie in Preußen, der nun bald zwei Jahre vor unseren Augen tobt,— wie er außerhalb des Parlaments seinen Ursprung nahm, so hat er unS seine glorreichsten Seiten auch außerhalb des Parlaments gezeigt. In der parlamentarischen Ge- schichte wird mancher kühne Ritt unseres Halbdutzend-FähnleinS un« vergeben bleiben. Aber den gesamten übrigen AktuS wird sie nur als würdeloses K-'ämerschachern um heiligstes Volksgut registrieren können. Wohl wissen wir: Wer daS Parlament bejaht, bejaht die Möglichkeit zun, Kompromiß. Aber eS gibt parlamentarische Prinzipien, die über alle Kompromisse stehen. Das sind die P r i n- zipien des Parlaments selber. Prinzipien. die für alle parlamentarischen Parteien gelten. Niemals aber hat ein Parlament schlimmer sein Nest besudelt als der preußische Landtag in dieser Wahlrechtsfrage. Wenn ein König in der Gosse liegt, lacht daS Volk über seine Krone. Kann man es gewissen Leuten verdenken, daß sie über ein Institut lachen, das den widerlichen MacchiavellianismuS des Zentrums ernst nimmt? Der Kampf um die Hegemonie in Preußen wird außerhalb des Parlaments geführt. Wie tief er auf unsere gesamte geistige Struktur einwirkt, das zeigt neben vielem anderen ein Blick auf das historisch-politische Schrifttum des vergangenen JahreS— auch und gerade auf dasjenige, das sich mit rührender Selbstempfehlung„rein wissenschaftlich" zu nennen pflegt. Seit den 60er und Sver Jahren des vorigen Jahrhunderts hat sich die Historie nicht so breit und tief in den preußi» schen Konservatismus versenkt wie in unseren Tagen. Und selbstverständlich entstand den gelehrten Vertretern der Demokratie— so gering an Zahl sie auch waren— alsbald ein dichter Schwärm von neukonservativen Gegentrabanten. Im Gefolge der Schmoller, Diethey, Hintze und anderen überboten sie sich— immer selbstverständlich„hiftorisch-objektiv"— in der Glori- fizierung des alten und neuen Preußen. Auch ihre Hymnen find charakteristische Dokumente in dem großen Preußenkampfe, wenngleich nicht jeder es so dreist versteht wie jener Jüngling von der Berliner Universität, der in der letzten Nummer von ShbelS historischer Zeit- schrift bei einem Vergleich der französischen Revolution mit der— preußischen Reform von 1808 seiner Abneigung gegen das Reichstags- Wahlrecht offen Luft macht. Mächtig geht die Kampslinie inS Breite. Wir erleben eine neue Suflage alter Kämpfe. Die längst vergessenen Problemstellungen der , sver Jahre tauchen wieder auf und heischen gierig Antwort. Heines „Die Erledigung einer großen Zahl von Gesetzentwürfen ist dem Reichstage aus dem letzten TagungSabschnitt für den neuen übertragen. Darunter befinden sich zunächst die beiden umfangreichen Vorlagen der Reichsversicherungs- ordnung und der Strafprozeßordnung, die während des Sommers in Kommissionsberatungen vorbereitet werden sollen. Ihre zweiten und dritten Lesungeii im Plenum werden sicherlich längere Zeit in Anspruch nehmen. Es sind ferner darunter so wichtige Entwürfe, wie das W e r t z u w a ch S- steuergesetz, das Arbeitskammergesetz, das Haus» arbeilsgesetz, die Novelle zur Gelverbeordnung, das Gesetz über die Gemeindebesteuerung reichs- fiskalischer Betriebe, die kleine Novelle zum Straf» g e s e tz b u ch, die neue Fernsprechgebühren ordnung und das Gesetz über den Kolonialgerichtshof. Schon diese Aufstellung zeigt, daß, auch wenn der nächste Tagungs- abschnitt des Reichstags schon in der ersten Hälfte des November beginnen wird, es einer geschickten Geschäftsdisposition bedürfen wird, um diese Fülle von Material zur Erledigung zu bringen. Auf die alten Entwürfe wird sich der Reichstag aber nicht beschränken können. Zu den aufgezählten werden neue hinzutreten. Zunächst ganz sicher der ReichshaushaltSelat für 1011. Bekanntlich beginnt mit dem Jahre 1011 eine besondere Finanzperiode insofern, als von diesem Jahre ab die un- gedeckten Matrikularumlagen des Jahres 1000 abgebürdet werden müssen. Auch sonst ist das Jahr 1011 auf sinanzpolitischem Gebiete ein kritisches. So muß von ihm ab die durch das letzte Finanz- gesetz Vorgeschriebeue Erhöhung der Reichs schulden- t i l g u n g einsetzen; es müssen ferner die bisher vom Invalide nfonds bestrittenen Ausgaben auf den allgemeinen Etat übernommen werden. Ganz sicher ist ferner für den nächsten ReichStagstagungS- abschnitt ein neueS F r i e d e n S p r ä f e n z g e f e tz zu erwarten. Das jetzige Ouinquennatsgesetz läuft mit Ende März 1011 ab, an seine Stelle muß also vorher ein anderes gesetzt werden. Weiter ist sicher die Einbringung des HilfskassengesetzeS, daS eine Ergänzung der ReichSverficherungsordnuiig darstellt, sowie die deS Ernführungs gesetz eS zur letzteren. Beide sind unbedingt notwendig: das erstere ist schon vom Bundesrat ver- abschiedet. Diese Gesetzentwürfe müßten unter allen Umständen dem Reichstag im nächsten Tagungsabschnitt unterbreitet werden. Einige weitere sind bereits für den Herbst in Aussicht gestellt, so daS wichtige Gesetz über die Versicherung der Privatbeamten. Dazu kommt, daß eine große Anzahl von Entwürfen vorbereitet ist und wird, so über die clsaß- lothringische Verfassung und über die Staats- angehörigkeit, die Novelle zum Patentgesetz, das Kurpfuschergesetz, das Abdecke reigesey, die No» Vellen zum Abschnitt der Gewerbeordnung über die Sonntags- ruhe im Handelsgewerbe u. m. a. Welche Entwürfe davon dem Reichstage werden zugehen können, steht noch dahin, sicher ist, daß. wenn dies auch nur mit einzelnen der Fall sein wird, iin nächsten TagungSabschnitt des Reichstags ein derartiges Beratungsmaterial vorhanden sein wird, daß trotz deS Verhältnis- mäßig frühzeitigen Beginns seine Bewältigung schwer sein wird." Ter Viermillionenfonds aufgebraucht! Im Rcichsschatzamt fanden am Donnerstag Verhandlungen zwischen den Vertretern der Arbeiterorganisationen im Tabakgewerbe und Vertretern des NeichsschatzamtS unter Leitung des Staats- sekretärs Mermuth statt. Die Regierung hat die Abficht, die Unter- stützungssätze in der allernächsten Zeit erheblich zu ermäßigen und begründet dies damit, daß die Mittel des Reiche» es nicht gestatten, die bisherigen Sätze noch weiter zu bezahlen. Für Freitag sind die Vertreter der Unternehmer zu einer Konferenz eingeladen. An Unterstützungen für die infolge Wirkung des Tabaksteuer- gesetzeS geschädigten Tabakarbeiter wurden bisher bezahlt(in runden Summen): Vom 15. August bis Ende Oktober 1000 710 000 M. im Monat November 1009...... 619 000„ „, Dezember 1000...... 387 000„ „„ Januar 1010....... 457 000„ „„ Februar 1910...... 542 000„ „ März 1910....... 748 000„ „ April 1010....... 761000„ Insgesamt wurden also bis Ende April dieses Jahres an Unter- stützungen 4112 358,17 M. ausgezahlt. Da»in Monat Mai die UnterstützungSsumme mutmaßlich nicht erheblich geringer sein dürfte als im Monat April, wird auch die vom Reichstage über den Betrag von 4 Millionen hinaus bewilligte Summe von 750 000 M. Mitte Juni völlig aufgezehrt sein. Daß die Wirkungen des Gesetze» derartige sein würden, ist selbst von den ärgsten Pessimisten in der Tabakindustrie nicht ge- politisches Schrifttum wird aktueller denn je. Wohl sind wir un- endlich weiter. Wir wissen: Nicht durch Geist können die Junker gebändigt werden. Aber deshalb bleibt es doch bestehen: der alte Konservatismus Preußens kann gründlich ausgerottet werden nur auS einem regelrechten Wissen um diesen Konservatismus heraus. Jede Partei muß der Zeit ihren Tribut opfern. Wer sollte daS weniger bestreiten als wir, deren Losung von Anfang an die Losung der Wissenschaft war: EntWickelung I Auch wir haben unS ent» wickelt. Und der flüchtigste Blick gewahrt es staunend,— aus welcher Tiefe herauf, in welche Höhe und welche Breite. Die EntWickelung d eS Konservatismus hingegen muß seinen Anhängern daS Schlottern in die Kniee treiben. Auch der Konserbatismus hat seine„große Zeit" gehabt. Die Haller und Stahl und Adam Müller waren zwar Knaben gegenüber den Kant und Fichte und Hegel. Aber ein Vergleich mit den heutigen„Theoretikern" deS Konservatismus erhebt sie zu Männern. Die KreuzzeitungSmacher der 60er Jahre, die Gerlach und Wagener. haben die niederträchtigste Hintertreppenpolitik getrieben. Aber gegenüber dem dürftigen Geklapper der jetzigen Schriftleitung war damals die Lektüre ein Genuß. Der alte Konservatismus hatte Ideen. Diese Ideen, die einer germanisch-christlichen Romantik entsprangen, ivaren Wissens- und volksfeindlich von Grund auf. Aber durch scharfsinnige Denkarbeit von Männern wie den oben genannten systematisch zusainmengeknetet, stellten diese Ideen ein Weltbild dar, daS in mehr als einer Hinsicht mit dem vagen Gegenstück der liberalen FortfchrittSphilofophie sich messen konnte. Manch einen hat die Geschlossenheit dieser christlich» roman- tischen Philosophie in den Konservatismus gelockt, der hier im übrigen rein gar nichts zu suchen hatte. Die alt- konservative Ideenwelt war reich und entbehrte nicht des Geiste»: sie war mit einer bedeutenden literarischen Strömung sowie mit der größten religiösen Bewegung von Europa eng ver- knüpft. Gewiß wimmelte sie auch damals von Heuchlern. Aber die geistige Struktur von 1840 ist nicht die von 1910, und die BiSmarck-„Forschung" des letzten Jahrzehnts hat eS uns bis zum Ueberdruß klar gemacht: Tatsächlich grassierte damals im preußischen Adel nichts so wie PietiSmuS und Romantik. Nunmehr lenke man den Blick— ob er will oder nicht— auf Herrn Diederich Hahn, auf Herrn Kanitz, auf Herrn Hehdebrand, auf Herrn Oldenburg. Au» der romantisch- germanischen Philosophie der 40er Jahre, die doch schließlich auch einen Geist tvie Novalis bezaubert hat, ist ein ödeS Raffeln mit dem Worte„national" geworden. Die vom Christentum schweigen, find noch die Schlauesten, und die Führer ahnt worden. Und leider sind die Nussichien auf einen Kfferen Geschäftsgang der Tabakindustrie in den nächsten Monaten sehr gering._ Plumpe Taktik. Die„Rhein.-Wesif. Ztg.", das Blatt der Zechenbesitzer und Hüttenmagnaten, hält die Zeit für angebracht, die preußische Re- gierung empfindlich zu kitzeln, wahrscheinlich um ihr zu Gemüt« zu führen, den Wünschen der Großindustriellen in anderen Fragen mehr Rechnung zu tragen. Sie stellt die Frage:„Wann be- ginnt die Enteignung?"— d. h. die Enteignung deS polnischen Grundbesitzes in der Ostmark. Bekanntlich erklärte die preußische StaatSregierung, als sie im Herbst 1907 daS Enteignungsgesetz im preußi- scheu Abgeordnetenhause einbrachte, dieses Gesetz für eine unbedingte nationale Notwendigkeit. Pathetisch wieS Fürst Bülow auf die Macht der Gründe hin, die zu einem solchen, dem deutschen Gerechtigkeitsgefühl widerstrebenden Gesetze gebieterisch zwängen. Erstens könne allein durch dieses Gesetz eine ruhige und gesunde Gestaltung der Gütermarktspreise erreicht werden, zweitens lasse sich nur dadurch die Möglichkeit eineS planmäßigen Vorgehens der An- siedelungslommisfion sichern, drittens fei auf anderem Wege die Heranziehung deS polnischen Besitzes zur Deckung des AnstedelungS- landbedarfes nicht durchzusetzen. Trotzdem damals daS Enteignungsgesetz eine höchst dringende, notwendige Forderung war, ist es jedoch bisher nicht an- gewandt worden. Das Blatt der Zechen- und Hüttenbarone verlangt nun, daß endlich mit der Enteignung begonnen werde, wohlwissend, wie unbequem zur jetzigen Zeit dieses Verlangen der Regierung ist, denn die Einleitung des Enteignungsverfahrens wäre eine direkte BrüS- kierung des Zentrums, auf dessen Unterstützung sich die Regierung angewiesen sieht. „Seitdem(d. h. seit der Annahme de§ Gesetzes), schreibt die„Nheinisch-Westfäl. Ztg.",„rufen Ostmarkenvereine und Ost- marlpresse, nationale Verbände, Fachgelehrte, Ansiedler und Ansiedelungslustige nach Anwendung des Enteignungsgesetzes. Die Regierung aber schweigt seitdem. Sie hat noch in deii letzten Tagen geschwiegen, als ihr wieder im Haushalts- ausschilß des Abgeordnetenhauses nationalliberale wie konservative Siedner den Gebrauch der Waffe empfahlen, die sie selbst als un- entbehrlich bezeichnet hatte. Und doch bestehen die zwingenden Gründe für Enteignung auch heute noch. Nur mit dem Unter- schiede, daß sie heute— noch dringlicher geworden find." Die schöne Mahnung des Zechenblattes wird wenig Erfolg haben: denn wie gering man auch die geistigen Qualitäten der Minister in Preußen einschätzen mag, so wissen sie doch, daß die Erfüllung des Wunsches der„Nhein.-Westf. Ztg." ein Stich ins Wespennest wäre; interessant ist eS aber immerhin, in welcher skrupelloser Weise die politischen KommiS der patriotischen Großindustriellen mit den ernstesten nationalen Fragen spielen— nur um der Regierung Ver- legeuheiten zu bereiten._ Der Kampf der preußischen Militärverwaltung gegen den Witz. Wie verschiedene Blätter zu melden wiffen, hat der Kriegs- minister v. Heeringen allen Offizieren in Preußen nicht nur das Abonnement, sondern auch daS Lesen deS„SimplicisstmuS" strengstens verboten. Jeder Offizier hat die Eröffnung des Regiments« befehls, der das Verbot enthält, persönlich unterschreiben müssen. Der Herr Kriegsminister betrachtet allem Anschein nach die Offiziere als nicht dazu qualifiziert, sich selbst ihre Privatlektüre auswählen und die gebotene geistige Kost kritisch beurteilen zu können. Daß er damit den geistigen Fähigkeiten der preußischen Offiziere daS schlechteste Zeugnis ausstellt und sie mit Schuljungen auf dieselbe Stufe stellt, scheint er nicht zu empfinden. Für den „Simplicissimus" ist das Verbot eine höchst wertvolle Reklame, er- kennt doch dadurch die preußische Militärverwaltung das bayerische Witzblatt gewissermaßen als gefährliche kriegführende Macht an. Allerdings hat sie, und besonder? Herr v. Heeringen, allen Anlaß, den Witz zu fürchten, da sie selbst ohne jeglichen Witz ist. Die Kieler Polizei und das Reichsvereinsgesetz. Zum Mittwoch abend hatte die Jugendkommission Kiel im Stadt- teil Gaarden eine öffentliche Jugendversammlung an- gesetzt, in der Redakteur Henschel über das Thema:„WaS bezweckt die Freie Jugendbewegung" sprechen sollte. Die Polizei glaubte jedenfalls, die Versammlunglverdenichtdengewünschten Erfolg haben und entschloß sich schleunigst, für unS zu agitieren. Zwei Beamte wurden hingeschickt. diejenigen, die am nüchternsten reden. ES gibt keine kon- servative Ideen mehr— man müßte denn jene bunte Sammlung von Gemeinplätzen so bezeichnen, mit denen heute auch jeder fortschrittliche Fleischermeister gegen den Sozialismus zu Felde zieht. Woher kommt dies? Oekonomiegeschichtlich ausgedrückt: Während der Sozialismus und Liberalismus sich von vornherein auf wirtschaftlich abgegrenzte Klassen gründeten, mit deren Wachsen und Abnehmen sie stiegen und fielen, hat der Konservatismus dieser festen Anlehnung an eine be- stimmte wirtschaftliche Schicht bis in die 90er Jahre hinein entbehrt. Anders ausgedrückt: Erst die reine Agrarbewcgung, der Bund der Landwirte hat dem Konservatismus die JdeenmaSke herutergerissen. In der Mitte des vorigen Jahrhunderts war Konservatismus mehr als Agrariertum. Die altkonservative Ideologie hat die Stärke deS Konservatismus mit ausgemacht. Landwirte und Arbeiter, Bauern und Detaillisten— im Wahlkreise deS Herrn v. Stolberg wählten sie alle blau. Sie wählten zum Teil sicherlich den Brotherrn. Aber die Zahl der wirtschaftlich Abhängigen betrug nicht 29 900. Sie wählten aber zum großen Teil die konservative Ideologie. Ohne diese Tatsache in Rechnung zu ziehen, ist es unverständlich, wie eine Million Männer dazu kommt, ein WirtschastSprogramm zu stärken, das nur einem kleinen Bruchteil von ihnen zugute kommt. Indem nun aber vonJahrzuJahr— und in der Finanzkampagne des vorigen Jahres mit wünschenswerter Deutlich- keit— die rein agrar- wirtschaftliche Grundlage deS Konservatismus immer mehr zum Durchbruch kommt, in dem Maße wird der preußische Konser- vatismuS entideologisiert. Er wird sich schließlich nur noch stützen können auf den kleinen Bruchteil der wirtfchaftlich an ihm Interessierten. Dieser Prozeß hat längst begonnen. Die er« wähnte Wahl ist von diesem Gesichtspunkt auS symptomatisch. Im letzten aller Politik sind die Ideen nur ein Bedingtes. Aber ohne politische Ideen kann keine Partei wie kein Mensch leben. Eine politische Partei, die ihre politischen Ideen verloren hat, eine Partei, die nichts als krasse Bereicherungspolitik treiben will, hat sich selber aufgegeben. ES gibt eine Partei, die den umgekehrten Weg des Konservatismus gegangen ist. Die Sozialdemokratie hat ihren Klassencharakter von Anfang an betont. Aus ihm zieht sie noch heute ihre Kraft. Aber je mehr sie wuchs, desto mehr entsandte sie aus sich heraus eine Fülle von politischen Ideen,— Ideen, die darum nie untergehen können. weil sie im Grunde nichts als der kräftige Ausdruck für die gesell« schaftliche Bedeutung des modernen Proletariats sind. welche angavsn, sie seien beauftragt, die Versammlung zu über- wachen. Die Polizeibeamten verließen auch das Lokal nicht, trotz dreimaliger Aufforderung des Vorsitzenden. Tie erklärten, daß sie den Auftrag hätten, das Lokal nicht zu verlassen. Nach ergangenen Entscheidungen stehe der Polizei auch das Recht zu, unpolitische Versammlungen zu überwachen, um zu kontrollieren, ob nicht politische Angelegenheiten verhandelt würden. Der Polizei- kommiffar erklärte ausdrücklich, daß die Polizei nicht behaupte, daß diese Versammlung eine politische sei, sie wolle sie aber trotzdem überwachen. Die öffentliche Versammlung wurde deshalb nicht ab« gehalten, stattdessen aber eine Mitgliederversammlung der FreienJugend- organisation. Die Nichtmitglieder verließen den Saal, ein großer Teil kam aber sofort wieder zurück, um als Gäste an der Mitglieder- Versammlung teilzunehmen. Die Polizeibeamten verließen eben- falls das Lokal und stellten sich ans der Straße vor dem Lokal auf, wo sich ihre Yahl bald auf fünf vermehrte. Ab und zu schaute einer dieser Beamten auch durch die Tür- spalte, um sich zu überzeugen, ob auch nicht.politische An« gelegenheiten" verhandelt wurden. Berschicdenemale fand sich auch unter den Jugendlichen ein edler Menschenfreund, der den Polizei- beamten seine schwere Arbeit erleichterte. Wenn er seine Polizeinase durch die Türspalte steckte, öffnete sich die Tür von innen und die Anwesenden hatten Gelegenheit, den verdutzten Mann in seiner ganzen Schönheit zu bewundern, was jedesmal große Heiterkeit auslöste. Wie immer, hat sich auch hier wieder die Polizei als die Kraft erwiesen, die das Böse will nnd das Gute schafft. Denn dieses Vorgehen der Polizei wird sicherlich seinen Eindruck auf die Jugendlichen nicht verfehlen. Gegen das Verhalten der Polizei wird der Beschwerdeweg beschritten werden. Die polnische Volkspartei. In Posen wurde am letzten Pfingstfeiertage die Gründung einer polnische» Volkspartei von einer dort tagenden Vertrauensmänner- Versammlung beschlossen. Da man sich vorläufig über die Stowten- frage noch nicht einigen konnte, soll die neue„Partei" erst in zwei Wochen offiziell proklamiert werden. Sonderbarerweise bestehen aber die bereits gewählten Vorstandsmitglieder aus lauter unbekannten Persönlichkeiten. Nicht einmal der zum Abgeordneten gewählte „Demokrat" Nowicki ist darunter. Dieser Held will demnächst eine Zeitung herausgeben, die die Ueberbrückung der Klassengegensätze be- wirken soll. Danach kann man sich denken, was es mit dieser neuen Gründung auf sich hat. Sie wird voraussichtlich nach einem kurzen trostlosen Dasein bald verenden. Evangelisch-sozialer Kongreß. Die Sitzungen des Evangelisch-sozialen Kongresses bieten wenig Interessantes. In der Mittwoch-Abendsitzung hielt Professor Herkner- Charlottenburg einen Vortrag über Käuferpflichten und führte dabei aus: „Während bei Einkäufen für geschäftliche Zwecke durch Kartelle und Rücksichten auf angemessene Rentabilität des angelegten Kapitals dem Käufer kein weiter Spielraum für freie Betätigung offen bleibt, steht es dem Käufer bei der Deckung des privaten Bedarfs im allgemeinen frei, was, wo, wie und wann er kaufen will. Je größer die Freiheit und je bettächtlicher das Einkommen, desto mehr kommt die sittliche Verantwortlichkeit des Käufers zur Geltung." Redner empfahl Organisation in einem Käuferbund. In der Diskussion sprachen Professor Ernst Franke, der eben- falls einen Käuferbund enipfahl, Friedrich Naumann, Pastor Schmidt und Adolf Wagner, der sich scharf gegen den Tendenz- profeffor Ehrenberg wandte. In der heutigen Schlußsitzung referierte Fräulein Dr. Marie Baum über.Fabrikarbeit und Frauenleben". Sie führte au«, daß der moderne, gewerkschaftlich organisierte, selbst- bewußte Arbeiter den Weg zur Persönlichkeit wiedergefunden habe, daß aber die Frauen vom JndustrialiSmus vollständig vernichtet werden. Daß die Frau dem Manne nicht mehr die heitere, gleich- -strebende Gefährtin sein könne, sei die Tragik vieler Arbeiterehen. AuS der Diskussion, in der zum Teil sehr weitgehende Forde- tungen, wie Pflichtfortbildungsschule für die erwerbstätigen Frauen und Ausdehnung der Schulpflicht bis zum 18. Jahre gefordert wurden, ist eine Rede Adolf Wagners hervorzuheben, die ganz pessimistisch dahin ausklang, daß für notwendige soziale Fort« schritte Deutschland infolge seiner sehr starken Volkövermehrung kein Geld habe. An Heer und Verwaltung könne leider nicht genügend gespart werden, und die Steuerwilligkeit der Reichen habe sehr enge Grenzen. Nach Abschluß der Debatte schloß Harnack den Kongreß, nachdem er sich zuvor noch in sehr scharfen Worten gegen die Kritik der sozialdemokratischen Presse, insbesondere der.Vollsstimme" an dem Kongreß, gewandt hatte. Am Abend finden drei von der sozialdemokratischen Partei ein- berufene Volksversainmlungen in Chemnitz statt. Referenten sind Göhre, Maurenbrecher und Pflüger. Beschränkung der Wandergewerbcscheine. Die Ausübung des Handels im Umherziehen hat wiederholt zu Petitionen an den Reichstag Anlaß gegeben, und durch die Gesetz- gcbung sind denn auch bestimmte Waren von diesem Handel aus- geschlossen worden. Das Reichsamt des Innern ist min gegenwärtig »nit der Vorbereitung einer Vorlage beschäftigt, durch welche dieser Handel nock weiter eingeschränkt werden soll, und zwar in der Art, daß die Erteilung des WandergewerbeschcineS vom Bedürfnis abhängig gemacht wird. Gegenwärtig muß der Wandergewerbeschein erteilt werden, wenn keine Versagungsgründe persönlicher Art vor- handen sind. Durch die beabsichtigte Einschränkung würde der Wandergewerbe- betrieb zum großen Teil lahm gelegt werden, da die unteren Be- Hörden sicherlich meist das Vorhandensein eines Bedürfnisses der- »einen würden._ Oeftermch. Ein Jourualistenstreik. Agram, 17. Mai.(Eig. Ber.) In der heutigen Sitzung des kroatischen Landtags ergriff Abgeordneter Badovinac(Rechts- parte!) das Wort, um sich in persönlicher Bemerkung gegen eine Stelle im Landtagsbericht des„Obzor" zu verwahren, wobei er unter anderem den Ausdruck„allerlei journalistische Schufte" gebrauchte. Daraufhin verließen sämtliche Zeitungsberichter st atter demonstrativ ihre Plätze und erklärten, solange die Berichterstattung einzustellen, als ihnen nicht für diese Beleidigung Genugtuung ge- boten wird. Die Sitzung wurde mittlerweile unterbrochen. Während der Pause versprach der Präsident einer bei ihm erschienenen Ab- vrdnung der Berichterstatter volle Genugtuung. Nach Wieder- aufnähme der Sitzung erklärte der Präsident, er habe aus dem stenographischen Protokoll ersehen, daß der Abgeordnete Badovinac beleidigende Aeußernngen gegen die Journalisten gemacht habe, und rufe ihn deshalb zur Ordnung. Abgeordneter Badovinac erklärte, es habe ihm ferngelegen, den journalistischen Stand als solchen beleidigen zu wollen. Der Präsident nahm diese Erklärung mit Befriedigung zur Kenntnis und gab der Hoffnung Ausdruck, baß der heutige Zwischenfall für den Abgeordneten Badcvinac in Zukunft eine Lehre sein werde. Damit war der Zwischenfall be> endet.—_ „Private" Dreadnoughts. Auf privaten österreichischen Schiffswerften werden seit einiger Zeit Dreadnoughts gebaut, von denen man weiß, daß sie für die österreichische Marine bestimmt sind; die Mittel für die Schiffe sind aber von den Parlamenten nicht bewilligt. Tie Kriegsschiffe werden aber natürlich nur gebaut, weil die Unter- nehmer von den Regierungen, die dazu absolut nicht berechtigt sind, offenbar die Zusicherung haben, daß ihnen die Schiffe schon recht- zeitig abgenommen und bezahlt werden würden. Um diesem Komödienspiel ein Ende zu machen, beantragte heute im Finanz- ausschuß des Abgeordnetenhauses Genosse Abg. Renner unter Hinweis auf Blättermeldungen über neue bedeutende Marine- forderungen sowie aus den Umstand, daß ohne Befragen des Parlaments, ohne Voranschlag und finanzielle Deckung D r e a d- noughts gebaut werden sollten, die Verhandlungen des Ausschusses solange auszusetzen, bis die Regierung über die Marineerfordernisse authentische Aufklärung gegeben habe. Mehrere Redner sowie der Finanzminister sprachen sich gegen diesen Antrag aus. Der Finanz mini st er erklärte, daß ihm und der österreichischen Regierung über die Inangriffnahme des Baues von Dreadnoughts amtlich nichts bekannt sei, daß ein Bau solcher Schisse für Rechnung des österreichischen Staates nicht stattfinde und daß die österreichische Finanzverwaltung weder eine Leistung für solche Bauten noch einen dahingehenden Vor- schlag gemacht(?) habe. Er verheimliche gar nichts. Soviel lasse sich nur sagen, daß, wenn Militärfragen wie die zweijährige Dienstzeit, die Ausgestaltung der Flotte usw. zur Durchführung gelangten, größere Auslagen zu gewärtigen seien."Erst die Delegationen von 1911 würden darüber zu beschließen haben, so- bald eine Einigung über den Umfang und die Höhe des neuen Anspruchs zwischen den beteiligten Regierungen erfolgt sein würde. Der Antrag Nenner wurde darauf mit 18 gegen 11 Stimmen abgelehnt. england. ArbeiterloS in England«nd Dentschland. Man schreibt unS aus L o n d o n: In den„Daily News" gibt Genosse N a m s a y M a c d o n a l d, der die Deputaiion der englischen Arbeiterpartei nach Deutschland begleitete, seinen ersten Bericht über seine Eindrücke von der Lage der deutschen Arbeiter. Die erste Stadt, die die Deputation besuchte, war Düsseldorf. Düsseldorf nennt Macdonald die Schaufensterstadt Deutschlands. Sie hat breite Straßen, blumenreiche Gärten, imposante moderne Gebäude, Parks und Waldungen, wo die Arbeitslosen Arbeit finden, es ist ein Mittelpunkt katholischer Wohltätigkeit und eine Hochburg des Konservatismus. Wenn die Zufriedenheit irgendwo in Deutsch- land eine Stätte hat, dann müßte es in Düsseldorf sein. Aber eine nähere Untersuchung enthüllte sehr bald die bitterste Armut hinter dem äußeren Schein der Wohlhabenheit und Zu- friedenheit. Einer der ersten Läden, den die englischen Arbeiter- Vertreter entdeckten, war der eines Pferdemetzgers— eine in England völlig unbekannte Erscheinung. Macdonald stellt fest, daß man in dem mit Schutzzoll beglückten Deutschland in dem Pferde- fleischhandel gar nichts Ungewöhnliches sieht. In den Schaufenstern von Spezereiwarenhandlungen sieht man gebrannte Getreidekörner, die als„Kaffee" verkauft werden. Beides sind Beweise der Armut der deutschen Arbeiterklasse. In einem Bäckerladen fanden sie Brot von allen möglichen Farben, nur kein Weißbrot. Die besseren Qualitäten Braunbrot waren sehr wohlschmeckend, aber das von den Arbeitern gewöhnlich gelaufte Brot war ein rauhes, schweres, widriges Gemisch. Die Arbeiter essen cS, nicht, wie die englischen Tarifreformer behaupten, weil sie Geschmack daran finden, sondern weil sie das bessere Brot nicht bezahlen können. Der Preis deS schlechtesten BroteS war bedeutend höher als daS des besten englische» Weißbrots. Fast alle Hausbedarfsartikel, Geschirr, Besen, Matten, Eimer. Bürsten usf. waren teurer und von schlechterer Qualität als in England. ES wurden dann mehrere Arbeiter verschiedener Rangstufen in ihren Behausungen aufgesucht. Die Wohnungen waren alle klein, eng und stark überfüllt, die Miete sehr hoch; sie machte in einer Familie mehr als ein Viertel des Gesamteinkommens aus. Die Häuser der ärmeren Stadtviertel waren schmutzig und übel- riechend. Immer wieder hörten sie dasselbe Lied:„Lebens- mittel werden teurer und es wird immer schwerer, ein AuS- kommen zu finden. Die Löhne steigen überall in viel geringerem Maße als die Preise und in allen Fällen mußte ein Sinken der Lebenshaltung festgestellt werden. Fleisch wird zu einer Delilatesse und an die Stelle der echten Lebensmittel treten wohl- seile Surrogate. Macdonald faßt das Ergebnis seiner Untersuchungen in Düffel- dorf vom Standpunkt der Hausfrau folgendermaßen zusammen: 1. Der Mann bringt etwas mehr Geldlohn nach Hause als früher, aber die Preise steigen schneller als die Löhne. 2. Die deutsche Frau versteht besser HauS zu halten als die Engländerin. 3. Sie sieht in dem Schutzzoll die wichtigste Ursache ihrer Schwierigkeiteu. 4. Die englische Hausfrau würde bei gleicher Sparsamkeit zumindest einen um 20 bis 2ö Proz. besseren und bequemeren Haushalt führen können als die deutsche Hausfrau. Schweden. Der Moloch. Die Ausgaben für das Militärwcscn sind in Schweden seit dem Jahre 1902 von 66?� Millionen Kronen auf 85% Millionen im Jahre 1910 gestiegen. Durchschnittlich kommen auf den Mili- tarismuS über 50 Proz. der gesamten eigentlichen Staatsausgabcn, wobei allerdings die Ausgaben für die gewinnbringenden Unter- nehmungen lose Post, Telegraph, Eisenbahnen usw. nicht mit- gerechnet sind. Die Rcgerung und die herrschenden Klassen wollen jedoch für die sogenannte Landesverteidigung noch immer größere Summen aufwenden, und die breiten Massen des Volkes sollen dafür um so stärker mit indirekten Steuern belastet werden. Ueber 21 Millionen sollen für neue Kasernen ausgegeben werden. Ferner will man zwei neue Heeresabtcilungen schaffen, zum Ersatz für das durch die Unionsauslösung verloren gegangene norwegische Kontin. gent, und die Dienstzeit der Wehrpflichtigen will man auf ein ganzes Jahr, zum Teil sogar auf 500 Tage verlängern. 34 Milli- oiieu sollen für den Bau einer neuen Flottcnstation bei Stockholm ausgegeben werden, und überdies plant man den Bau einer An- zahl neuer Panzerschiffe, daS Stück zu 11% Millionen Kronen. Dem schwedischen Reichstag lagen kürzlich zwei Anträge vor, die beide eine Untersuchung darüber verlangten, ob und wie die Militärausgaben vermindert werden könnten. Der Ausschuß der Zweiten Kammer, der die Anträge zu prüfen hatte, leistete in- sofern eine dankenswerte Arbeit, als er eine gründliche Darlegung über daS Wachstum der Militärausgaben und ihr Verhältnis zu den übrigen Ausgaben sowie den Militärausgaben anderer Länder ausarbeitete, empfahl aber dennoch die Ablehnung der Anträge. Dementsprechend hat dann auch die Kammer beschlossen,.' Sildafrika. Botha Ministerpriifident für Südafrika. Kapstadt, 19. Mai. Der Premierminister von Transvaal General Botha hatte heute mit dem Generalgouverneur G l a d st o n e eine Besprechung. Dem Vernehmen nach wird Botha die Bildung eines Ministeriums für die füd- afrikanische Union übernehmen. Hus der parte!» Das Befinden Singers. Die„StaatSbürger-Zeitung" lügt: „Wie wir aus zuverlässiger Quelle erfahren, hat daS Augen- übel deS ReichstagSabgeordneten Paul Singer sich derart ver- schlecht«», daß die Aerzte keine Hoffnung mehr haben, das Augen« licht zu erhalten. Herr Singer soll deshalb heabsichtigen, fein Mandat niederzulegen. Nachfolger soll der Privatdozent Arons werden. Demgegenüber sei festgestellt, daß die Augenoperation voll« st ä n d i g gelungen, die Gefahr einer Erblindung ganz aus- geschlossen und das Allgemeinbefinden des Genossen Singer ein fortschreitend besseres ist. Wir dürfen also mit Be- stimnitheit erwarten, daß Genosse Singer seine Tätigkeit im alten Umfange und mit gewohnter Ausdauer nach den Ferien wieder aufnehmen wird._ Zurückgezogener Militärboykott. Die Hamburger Militärbehörden haben ihren Kampf gegen die Wirte, die auch den Sozialdemokraten ihre Versammlungsräume zur Verfügung stellen, aufgegeben. Nachdei» vor kurzem bereits der Militärboykott gegen eine Anzahl Alionaer Gastwirte aufgehoben worden war, ist nunmehr auch das grnße Sagebielsche Etablissement den Militärpcrsonen zum Besuche freigegeben. Ob dieser Beschluß der Militärbehörde der Erkenntnis entspringt, daß man das siegreiche Vordringen der sozialistischen Weltanschauung mit derartigen Be- suchsvervoten doch nicht hindern kann? Jedenfalls ist zu wünschen, daß auch anderwärts die Milirärbohkotts endlich aufgehoben werden. Ein sozialdemokratischer Wahlsieg. Bei der Nachwahl zur Ge»ieindevertretung in Erlangen wurde Genosse L e i p o l d mit 434 Stimmen gewählt. Aus zwei bürgerliche Kandidaten entfielen 375 und 30 Stimmen. Mit dem Genoffen Leipold zieht der fünfte Sozialdemokrat in das Erlanger Rathaus ein._ Die Einwandcrungsfrage in den Bereinigte« Staaten. Für unbeschränkte Einwanderung sprach sich am 8. Mai eine Versammlung der NewDorler Parteigenossen aus, die zu dem am 15. Mai in Chicago zusammentretenden Nationalkongretz der Partei Stellung nahm. Nur den„Import" von„Kontraktarbeitern" will die zur Annahme gelangte Resolution verbieten. Genosse Hillquit unterstützte diese Resolution in der Diskussion gegen mehrere andere Redner, die einen den Forderungen der Gewerkschaften entgegenkommenderen Standpunkt vertraten- Die amerikanischen Gewerkschaften sind bekanntlich für mehr oder weniger weilgehende Beschränkung der Eintvanderung und für das Verbot der Chineseneinwanderung überhaupt. Die Brooklyner Parteigenossen sprachen sich an demselben Tage in dem gleichen Sinne aus. Die„New Aorker Volks« z e i t u n g" opponiert der unbeschränkten Einwanderung, inSbe- sondere der Chinesen, und fordert vor Aufhebung des bestehenden gesetzlichen Ausschlusses der Chinesen gewisse Garantien für Ausrechterhaltung der Lebenshaltung der amenlanischen Arbeiterschaft, wie den gesetzlichen Maximalarbeitstag und M i n i m a l l o h n._ Personalien. Die Redaktion deS VolköblatteS für Gotha" über- nimmt am 1. Juni anstelle deS ausgeschiedenen Genoffen JooS der Genosse Otto Geithne r- Berlin, der bisher im Sozialdemo- kratischen Preffebureau tätig war. Soziales. Schutzdächer auf Bauten. Gin bemerkenswertes Urteil hat das Hamburger Gewcrvegericht in Sachen der Entschädigung der Arbeiter gefällt, wenn diese durch Schuld des Unternehmers in ihrem Erwerb geschädigt werden. Eine Akkordkolonne von zwölf Maurern arbeitete auf einem Bau, an dessen Nachbarseite ein anderer Bau aufgeführt wurde. Von diesem fiel ab und zu Material herab und gefährdete die Maurer, weil kein Schutzdach angebracht war. Als schließlich ein Maurer durch einen herabfallenden Ziegelstein schwer verletzt worden war, setzten die übrigen elf Mann die Arbeit so lange aus, bis ein Schutzdach an- gebracht war, und sie verlangten für die Dauer von 6'/z Stunden die Fortzahlung ihres regelmäßigen Alkordlohncs von 1,20 M. pro Stunde. Der Unternehmer weigerte sich, diese Ansprüche an- zuerkennen. Das Gewerbegericht entschied jedoch, daß die Maurer wegen des Fehlens eines Schutzdachs zur Einstellung der Arbeit berechtigt waren, und cS verurteilte den Unternehmer zur Eni« schädigung für die Versäumnis der Maurer, was eine Summe von 7,80 M. an jeden Kläger ausmachte. Zwangserziehung. Ein trübes Bild entrollte am Mittwoch eine Verhandlung vor dem Jugendgericht des Landgerichts München II. Unter der Anklage de« Giftmordversuchs bezw. Beihilfe hierzu hatten sich der 14jährige Maurerssohn Johann B e r ch t h o l d von München und der 15jährige Fabrikarbeiterssohn Taver Hermann von Zell a. M. zu verantworten. Die beiden Burschen waren zunächst in der Zwangs« erziehungsanstalt Andechs interniert, kanien aber später, weil sie sich gut führten, zur Erziehungsanstalt Rothenfeld. Die beiden Knaben sind Opfer ihrer Erziehung. Durch den Tod ihrer Elteni hatten sie schon mit 10 bezw. 12 Jahren jeden sittlichen und moralischen Halt verloren und wurden sie der Zwangserziehung zugeführt. Am 12. Juli 1907 wurde Berchthold in die Er« ziehungSanstatt Heiligenbrunn eingeliefert. Um aus der Zwangserziehung herauszukommen, zündete Berchthold das HauS an. Er wurde von der Jugendstrafkammcr in Lands- Hut zu einein Jahre Gefängnis verurteilt, ihm aber Be« Währungsfrist belvilligt. Berchthold, der stark kurzsichtig ist, kam nach Rothenfeld, wo er sich derart gut führte, daß er zu Feldarbeiten verwendet wurde. Kurz vor Weihnachten wurden aus der Küche der Anstalt einige Bröckchen Zucker entwendet; da der Täter nicht er- mittelt werden konnte, strafte Pater Maurus die sämtlichen Zöglinge(!) mit einem eintägigen Kostentzug. Daß ein derartiger StrafmoduS, unter dem Unschuldige mit den Schuldigen leiden müssen, jeder modernen Pädagogik Hohn spricht, brauchl nicht besonders erwähnt zu werden. Die beiden Burschen bekamen denn auch gegen den Pater Maurus einen starken Groll, der seinen Höhepunkt erreichte, als sie Zeuge waren, wie später einige andere Zöglinge von dem Bruder Gotthard wegen verschiedener Diebstähle gezüchtigt wurden. Als die Burschen gelegentlich mit Reinigungsarbeiten beschäftigt wurden, gab ihnen Pater StubuS ein Fläschchen mit Salzsäure(I) und machte sie auf die Gefährlichkeit des GisteS aufmerksam. Her« mann meinte, daß man damit den Pater Maurus vergiften könnte, dann komme der Präfekt von Andechs nach Rothenfeld» dann werde es hier wieder schöner. Berchihold war mit dem Vor» schlage sofort einverstanden. Als die beiden in der Sakristei zu tun hatten, mischten sie einer Flasche Meßwein das Gift b e i und versteckten die Flasche hinter dem Hochaltar der Kirche. Als sie erfuhren, daß am anderen Morgen Pater Maurus die Messe lese, holten sie den vergifteten Wein hinter dem Hochaltar hervor und stellten ihn wieder in die Sakristei. Der Kirchendiener füllte von dem vergifteten Wein ahnungslos das Meßkännchen und ol-Z Pater Maurus die Messe las und bei der Kommunion einen Schluck Wein nahm, bemerkte er sofort den scharfen Geschmacks Er nahm sofort einen großen Schluck Waffer und mußte sich nach der Messe erbrechen. Die angestellten Recherchen führten auf die Angeklagten. die erst einen Unschuldigen als Täter zu verdächtigen suchten. In der Verhandlung legte» sie ein Geständnis ab. Berchthold wurde von der Jugendstrafkammer wegen GistmordversuchS zu 7 Jahren, Hermann wegen Beihilfe zu 3 Jahren Gefängnis verurteilt. GewerbfcbaftUcbee* Die Bauarbeiter-Husrpcrnitig. Gestern nachmittag um 1 Uhr trat der Gesamtverband des Deutschen Arbeitgeberbundes für das Baugewerbe im Architektenhause zu Berlin zusammen. Es handelte sich in der Sitzung um die Stellungnahme zu der Anfrage des Dresdener Oberbürgermeisters Dr. Beutler, ob der Bund zu Einigungsverhandlungen geneigt sei. Die Verhandlungen sollten beim Einverständnis der Beteiligten am morgigen Sonnabend, den 21. Mai, stattfinden. Ueber den Umfang der Aussperrung berichtet die„Bau- gewerks-Zeitung" in ihrer letzten Nummer vorsichtigerweise nichts mehr. Nach Mitteilungen, die uns geworden, scheint die Aus- sperrung nicht mehr erheblich an Verbreitung zu gewinnen. Wenn man Einzelerscheinungen verallgemeinern dürfte, könnte man sogar auf ein Abflauen schließen. Soweit B a u h i l f s- a r b e i t e r in Frage kommen, waren im Gau W e st f a l e n von den am 12. Mai vorhandenen 2624 organisierten Mitgliedern nur noch 6S1 Mann ausgesperrt. Die Zahl der Ausgesperrten nimmt dort von Tag zu Tag ab. Zimmerer sind ausgesperrt in 442 Verbandszahl- stellen, die zusammen 38 634 Mitglieder umfassen. Davon niachten 468 Verbandszahlstellen, die zusammen 36 942 Mit- glieder umfassen, die nähere Angabe, daß in ihren Zahlstellen- gebieten zusammen 23 493 Mann ausgesperrt sind. Davon sind 21 225 Verbandsmitglieder. 497 gehören der christlichen Organisation an, 419 anderen Organisationen und 1352 sind nicht organisiert. Am Sonnabend. 14. Mai. meldeten sich von den ausgesperrten Verbandsmitgliedern noch 17571 zur Kontrolle. Die anderen sind anderweitig in Arbeit getreten oder haben das Aussperrungsgcbiet verlassen. In voriger Woche wurden in 462 Verbandszahlstellen zusammen 15814 Zimmere/ mit zu- sammen 19 635 Kindern unterstützt. Im Gau Nordbayern waren ausgesperrt in der ersten Woche 699, in der zweiten Woche 715, in der dritten Woche nur noch 766 Zimmerer. In S ü d b a y e r n sollten am 36. Mai 11666 Mann ausgesperrt sein. Zur Kontrolle bei den Gewerkschaften meldeten sich aber nur 4341 Mann. Die Zahl der aus- gesperrten Zimmerer betrug am 16. April 1126, am 23. April 736, am 36. April 654, am 7. Mai 662 und ani 14. Mai 619. »» « Durch den Versand von Notizen ans dem Unternehinerverband versuchen die Unternehmer immer wieder, in der bürgerlichen Presse Stimmung für sich zu machen. Sie stehen mit den in diesen Notizen vertretenen Ansichten in der Oeffentlichkeit nur recht isoliert da. So jetzt auch Ivieder in der rechtlichen Beurteilung der Sache. Herr Dr. Georg Baum, Rechlsanwalt am Kammergericht in Berlin, ein als tüchliger Kenner des gewerblichen Rechts all- seitig hochgeschätzter Jurist, hatte im„Berliner Tageblatt" und in der„Sozialen Praxis" die rechtliche Seite der Bau- arbeiteraus sperrung besprochen. Er hatte darauf ver- Wiesen, daß nach den Bestimmungen der ZZ 152 und 153 der Gewerbeordnung die Arbeitgeber, die mit der terroristischen Taktik des Unter- nehmerbundeS nicht einverstanden sind, jederzeit auS dem Bunde aus- treten, die hinterlegten Depotwechsel zurückverlangen und den Unter- nehmerverband schadenersatzpflichtig machen können, wenn er die Wechsel etwa in Kurs setzt. Auch die Materialsperre gegen ab- trünnige Bauunternehmer sei unwirksam. Ihcht nur könnten die be- teiligten Baumatcrialienhändler jederzeit von dem Versprechen zurückweten. die Vorstände der Unteruehmerverbände wären auch den betrofienen Batumternehmern schadenersatzpflichtig, und sie machten sich wegen Vergehens gegen§ 153 der G.- O. strafbar. Ferner schützt die„Anssperrungsklausel" in den Verträgen nicht; diese ist nach§ 27S des B. G.-B. unwirksam und die Bauherren find zur Erhebung von Schadenersatzansprüchen berechtigt. Flugs lieh der Arbeitgeberbund für das Baugeiverbe durch seinen Rechtsbeistand Dr. Wrze Szinski der bürgerlichen Presse einen Artikel mit gegenteiliger Auffassung zugehen. Dieser Herr Rechlsanwalt verschiebt die Rechtslage völlig. Er legt dar, dah der Z 152 der Gewerbeordnung Streiks, Aussperrungen und Boykotts als Kampfmittel für die wirtschaftliche Kriegführung zulasse, eine Auffassung, die Dr. Baum gar nicht bestritten hat. Der juristische Helfer der Terroristen des Unternehmerverbandes wird denn auch von Dr. Baum in einem Artikel im„Tag"(Nr. 114 vom 2S. Mai) glatt auf den Sand gesetzt und ihm bedeutet, daß sich die Arbeiter selbstverständlich die Aussperrung gefallen lassen mühten, dah es sich bei dieser juristischen Darlegung nur darum handele, ob diejenigen Unternehmer, die die Aussperrung nicht mehr mitn, achen und aus dem Unternehmer« verbände ausscheiden wollen, zum Festhalten gezwungen werden können. Und das verneint Dr. Baum. Er meint, dah die Ankündigung, einen Depotwechsel begeben zu wollen, und die Verhängung der Materialsperre ein Vergehen gegen§ 153 der Gewerbeordnung ist, der bekanntlich jemand mit Gefängnis bis zu drei Monaten bedenkt, der durch Zivang, Drohung oder Verrufs- erklärung jemand zum Beitritt oder Austritt aus einer Organisation zwingt. Alle Teilnehmer an einer zu solchen Zwecken verhängten Materialsperre würden somit gegen§ 1�3 der Gewerbeordnung verstoßen und auch zur Schadenersatzpflicht wegen unerlaubter Handlungen verurteilt werden können. Dr. Baum verweist auf die Bestimmungen des§ l52 der Gewerbe- ordnung, er meint mit Recht, der Gesetzgeber stelle eben in den§8 152 und 153 der Gewerbeordnung die Koalition unter ein Ausnahmerecht. Die Arbeiter hätten sich in den Maschen des 8 153 oft gefangen. Sie hätten oft auf eine Aenderung dieser Bestimmung hingedrängt, fanden aber damit bei allen Unternehmern und ihren politischen Vertretern stets den stärksten Widerstand. Dah jetzt auch die Unternehmer in die Netze des 8 163 hängen bleiben, bezweifeln wir allerdings bei der heutigen Jurisprudenz in Deutschland. Immerhin ist die Rechtfertigung des juristischen Be- raters der Unternehmer völlig vorbei gelungen. So fällt bei den Scharfmachern im Baugewerbe Zweig auf Zweig I Verlin uncl Umgegend. Ter ncitc Tarifvertrag t« den Brauereien itand am Mittwochabend auf der Tagesordnung in einer Ver- ammlung der Flaschenkellerarbeiter und der Kategorie, die als „Diverse" bezeichnet wird. Die Versammlung war einberufen vom Zentralverband deutscher Brauereiarbeiter und von dem Kartell der in den Brauereien vertretenen Organisationen. T r ö g e r referierte. In seiner Darstellung der Verhandlungen, die zum Abschluß des Vertrages führten, verlas er einen Brief deS Vereins der Brauereien, in welchem es als das letzte Zugeständnis bezeichnet wurde, daß man auf eine Tarifdauer von fünf Jahren verzichte und mit vier Jahren zufrieden sein wolle, dagegen könne man nicht darauf ver- zichten, dah die generelle weitere Lohnerhöhung nach 2stz Jahren und nicht nach 2 Jahren schon eintrete. Die Bemühungen derKanunission, in dem letzteren Punkte noch ein Nachgeben zu bewirken, scheiterten. Die Kommission hielt sich danach für berechtigt, den Beschlüssen der letzten Versammlung gemäß, den Tarif abzuschließen. Für die Flaschenkellerarbeiter lauten die Bestimmungen in dem neuen Tarif wie folgt: „Der Mindestlohn beträgt wöchentlich für sechs Arbeits- schichten 27,55 M. bis 3t). Sepien, ber 1912, von da ab 28,59 M. „Die Arbeitszeit beträgt für Tagesschicht 9 innerhalb 11. sür Nachtschicht 8>/z innerhalb iOVa Stunden. D»< Arbeit soll tunlichst nicht vor 7 Uhr beginnen."_ Wrantw. Redakt.: Richard Barth, Berlin. Inseratenteil verantw.; Für die„Diversen' eine einheitliche Regelung von Arbeitslohn und Arbeitszeit zu treffen, stieß auf große Schwierigleiten und man mußte davon absehen. Im Tarif wird bestimmt: „Doch tritt bei diesen Arbeitnehmern eine Lohnerhöhung von 1,59 M. und am 1. Oktober 1912 eine weitere von 1 M. ein, soweit hierdurch ihr wöchentliches Einkommen nicht über 35,59 M. bezw. 39,59 M. hinausgeht.— Bei alten, kranken und invaliden Arbeitern, welche nicht' mehr im Besitz ihrer vollen Kräfte sind, bleibt der Lohn der freien Vereinbarung überlassen, ebenso bei Gewährung freier Wohnung." Tröger erklärte, daß der Tarif im allgemeinen wieder einen Fortschritt bedeute und im besonderen eine Verbesserung der Lage der Arbeiter in den Brauereien bringe, die nach den Umständen gegenwärtig nicht günstiger gestaltet werden konnte, trotz aller Be- mühungen der Kommission. In der Diskussion sah man den vorliegenden Tarifvertrag weniger zufrieden an. Man bestritt der Kommission das Recht, den Tarif abzuschließen ohne die Gewährung der weiteren Lohnerhöhung nach 2 Jahren. Man hatte erwartet, daß die schlechter bezahlten Arbeiter mehr Berücksichtigung finden würden. Man war sehr unzu- frieden mit der langen Dauer des Tarifs. Mancherlei Zweifel wurden laut und der Referent hatte verschiedene Fragen zu beantworten. So erklärte er, daß der neue Tarif und damit auch die verkürzte Arbeitszeit am 29. Mai erst in Kraft trete! bei der Nachzahlung der erhöhten Löhne vom 1. April ab komme die mehr geleistete Arbeit durch die längere Arbeitszeit nicht in Betracht.— T r ö g e r be- kämpfte alle erhobenen Bedenken und verleidigte energisch die Kommission, die ihre volle Pflicht getan habe. Er hob zum Schluß die Wichtigkeit der Organisation sür alle Arbeiter in den Brauereien hervor.— Der Vorsitzende Schult schloß die Versammlung mit einem Appell, für die kämpfenden Bauarbeiter nach Kräften einzutreten._ Der Vertrag zwischen den Hausindustriellen und der Arbeiterschaft des Kürschnergewerbes, aus dem in Nr. 94 des„Vorwärts" das Wichtigste mitgeteilt wurde, ist nun für die Pelzbranche zum Abschluß gekommen, während die Hausindustriellen der Mützenbranche den Vertrag abgelehnt haben. Sie konnten sich in ihrer Mehrheit nicht dazu aufschwingen, Vereinbarungen anzuerkennen, die eine gegenseitige Unterstützung der Organisationen und ein gemeinsames Vorgehen bei Lohnbewegungen zum Ziele haben. Was sie abgeschreckt hat, war wohl besonders die Bestimmung, daß sie nur organisierte Ar- beiter und Arbeiterinnen beschäftigen sollen, wie andererseits der Kürschnervcrband seine Mitglieder verpflichtet, nur bei organi- sierten Selbständigen zu arbeiten, und ferner die ebenfalls im Vertrage enthaltene Verpflichtung zur Verkürzung der Arbeitszeit. Am Mittwoch tagte im Alten Schützenhause eine Mitglieder- Versammlung der hiesigen Filiale des Kürschnerverbandes, wo R e g g e über den Abschluß des Vertrages in der Pelzbranche und das Verhalten der Hausindustriellen der Mützenbranche berichtete. Der Vertrag selbst ist unter Berücksichtigung der in der Filial- Versammlung vom 29. April gemachten Abänderungsvorschläge im wesentlichen so abgeschlossen, wie er damals im Entwurf vorlag. Er besteht aus zwei Teilen. Der erste Teil handelt von der gegenseitigen Organisationsverpflichtung und dem paritätischen Arbeitsnachweis und tritt sofort in Kraft; der zweite, der sich auf die gemeinsame Durchführung von Lohnbewegungen, die Schlich- tung von Differenzen und so weiter bezieht, ani 1. Oktober dieses Jahres. Der Vertrag gilt auf unbestimmte Zeit. Daß die Hausindustriellen der Mützenbranche nicht dafür zu haben waren, zeigt eben nur, wie der Redner betonte, daß sie in ihrer Mehrheit noch zu rückständig sind. Der Verband wird deswegen in dieser Branche die Interessen seiner Mitglieder nicht minder energisch zu wahren wissen. Bei der Durchführung des Vertrages in der Pelzbranche kommt es nun vor allem erst einmal darauf an, die Organisations- Pflicht aus beiden Seiten durchweg zur Geltung zu bringen. Wenn unorganisierte Selbständige der Pelzbranche auf dem Nachweis Arbeitskräfte verlangen, werden sie darauf aufmerksam gemacht, daß sie sich erst ihrem Verein anschließen müssen. An Fabrikanten, die eigene Betriebswerkstätten haben, sowie an Jnnungsmeister, die nicht für Engrosgeschäfte arbeiten, werden nach wie vor Ar- beitskräfte vermittelt. Die Selbständigen haben die betreffenden Vertragsbestimmungen in ihren Werkstätten allen sichtbar aus- zuhängen und, soweit sie organisierte Leute beschäftigen, diese auf die Organisationspflicht aufmerksam zu machen; ebenso wie die- jenigen Mitglieder des Kürschnerverbandes, die bei unorganisierten Selbständigen arbeiten, diesen gegenüber dieselbe Verpflichtung haben. Endgültig durchgeführt muß diese Organisations- Verpflichtung bis zum 1. Oktober 1919 sein; es ist jedoch not- wendig, daß die Unorganisierten auf beiden Seiten schon jetzt überall darauf aufmerksam gemacht werden, wie die Dinge liegen. Im übrigen wird über die praktische Durchführung des Vertrages noch in späteren Versammlungen beraten werden. Dem Kürschner- verband wird die Erfüllung des Vertrages um so leichter werden, als er fortdauernd in einer außerordentlich starken Entwickelung begriffen ist. Als im Jahre 1998 der Zusammenschluß des Lokal- und Zentralverbandes erfolgt war, zählte die Filiale 679 Mit- glieder; Ende 1999 war die Mitgliederzahl auf 947 gestiegen, am 1. Mai 1919 auf 1193 und jetzt sind es schon über 1259 Mitglieder. Unter dem Punkt Verschiedenes wurde ein Antrag auf Ausschluß der Mitglieder Hans Kröchert und Anna Jeremin wegen ihres unsolidarischen Verhaltens bei der Firma Herpich Söhne einstimmig angenommen. Ferner teilte der Vorsitzende Fritze mit, daß die Firma Scheier u. Herz die Weiterbcschäftigung eines Hausindustriellen nach dessen eigener Aussage davon ab- hängig gemacht hat, daß er den in seiner Werkstätte schon seit Jahren bestehenden Achtstundentag beseitigt und wieder neun Stunden arbeiten läßt. Da dieser Hausindustrielle auch in Zeiten der Hochkonjunktur stets pünktlich geliefert und sich in jeder Hinsicht als durchaus leistungsfähig er- wiesen hat, auch selbst erklärt, daß er mit dem Achtstundentag sehr gut auskommt, ist es klar, daß dem sonderbaren Verlangen der Firma kein anderes Bestreben zugrunde liegt als das, einer all- gemeinen Verkürzung der Arbeitszeit im Kürschnergewerbe vor- zubeugen. Die Sache wird übrigens noch näher untersucht werden. Zum Schluß wurde noch auf den Kampf im Baugewerbe auf- merksam gemacht und an die Mitglieder die Aufforderung ge- richtet, auch ihrerseits nach besten Kräften für die Aufbringung der Unterstützungsmittel zu sorgen. Deutfchea Rctch. Kaum zu glauben! Nicht nur die Beamten und Arbeiter der preußischen Staats- eisenbahnen schweben in steter Angst vor Denunziationen und Maß- regelungen; die Angst vor Repressalien seitens der Eisenbahn- Verwaltung hat nun auch die Buchhändler ergriffen, wie folgender Fall zeigt, der wohl bisher einzig in seiner Art dasteht. Der Sekretär der Internationalen Transportarbeiter-Föderation H. I o ch a d e- Hamburg ersuchte die Verlagsbuchhandlung Julius Engelmann, Berlin W. 85, brieflich um Zusendung von„Engelmanns Kalender für Eisenbahnbeamte" gegen Nachnahme. Die Buchhandlung schickte das Schreiben mit folgender Bemerkung dem Besteller zurück: „Zurück mit dem Bemerken, daß ich obige Bestellung infolge des kürzlich erlassenen Reskripts nicht ausführen kann, zumal ich mein Adressenmaterial von den Verwaltungen erhalte. Ergebcnst pr. Julius Engelmann.' Herr Engelmann vermochte damit zwar nicht, dem Besteller die gewünschten Kalender vorzuenthalten, denn dieser bezog sie auf einem anderen Wege, aber der Vorfall zeigt doch, welche Früchte die geradezu lächerliche Angst vor der Macht des preußische» Eisen- bahnministers zeitigt._ »h> Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr, u, Vkrlggsgnfiall DaS Vraukapltak in Flensburg riskiert eine Kraftprobe, gestützt auf den Arbeitgeberverband sür Schleswig-Holstein. Diesem Scharf- macherverband, der nun für sie die Geschäfte besorgt, haben sich die Brauereien angeschlossen. Sie fühlen sich recht stark dabei. Jede Verbesserung der Lohn- und Arbeitsverhältnisse für die Arbeiter lehnten sie ab und auch jede Vermittlung des Gewerbegerichts. Die Arbeiter sollen zu den alten Bedingungen weiter arbeiten. Diese Zumutung lehnten sie ab. Inzwischen entfaltete der Arbeitgeberverband eine rührige Tätigkeit für seine Schutzbefohlenen, er will scheinbar die Probe von seiner Nützlichkeit liefern. Durch Briefe, Zeitungsinserate und Agenten wurden an den verschiedensten Orten Streikbrecher gesucht. Viel Glück scheint er damit nicht zu haben. Auch aus Unternehmungen in Flensburg, die dem Arbeitgeberverband angeschlossen sind, wurden Leute nach den Brauereien geschickt; sie liefen bald wieder fort. Die Brauereien, die schon bei der Bierpreiserhöhung die Bevölkerung geschröpft haben— schlugen sie doch 5 M. auf den Hektoliter auf, fast das Dreifache, was die Brausteuererhöhung ausmacht— dürsten durch diesen neuesten Akt schwerlich an Sympathie gewinnen. Die Zigarcttenarbeiter der Firma Max Hanne mann in Dortmund haben die Arbeit niedergelegt. Die Firma wollte die neuen Steuern dadurch auf die Arbeiter abwälzen, indem sie die Löhne auf die billigeren Sorten Zigaretten um 33� Proz. kürzte. Zigarettenarbeiter wollen Dortmund meiden. 73usl»nd. Eine schlimme Abfuhr holten sich die tschechischen GewerkschaftZ» zersplitterer zu Pfingsten in Prag. Auf einer in Prag tagenden Konferenz der tschechischen Gießer Böhmens, an der der Sekretär der separatistischen Gewerkschaftskommission, der ehemalige Reichs- ratsabgeordnete Genosse Josef S t e i n e r teilnahm, kam es zu einer großen Aussprache, die damit endete, daß mit den Stimmen der Vertreter von 1551 gegen die von 1214 Mitgliedern— wohlgemerkt nur tschechische— beschlossen wurde, aus der Prager separatistischen (alten) Kommission auszutreten. Im Baugewerbe Amsterdams hatten, wie wir seinerzeit mit- teilten, die anarchistischen Maurer- und Bauarbcitervercine zu Anfang dieses Jahres einen Lohnkampf eingeleitet, ohne irgend- welche Rücksicht auf die Organisationen des Baugewerbes zu nehmen, die mit den Unternehmern in einem Tarifverhältnis stehen. Die Mitglieder dieser Organisationen fühlten sich natür- lich nicht verpflichtet, an dem von einer Minderheit veranstalteten Kampf ohne weiteres teilzunehmen, wollten jedoch auch nicht zu Streikbrechern werden und weigerten sich, die von den Streikenden verlassene Arbeit auszuführen. Die Unternehmer beschlossen dann eine allgemeine Aussperrung. Durch den auf solche Weise ent- standenen Kampf sind Hunderte von baugewerblichen Arbeitern seit fast 29 Wochen aus der Arbeit gedrängt. In der vorigen Woche haben die Unternehmer die Aussperrung aufgehoben, und die tariftreuen Arbeiterorganisationen entschlossen sich, die Arbeit wieder aufzunehmen. Der Vorständebund, das Gewerkschaftskartell von Amsterdam, billigt diesen Beschluß und nimmt die zur Arbeit Zurückkehrenden gegen den von den Anarchisten erhobenen Vor- Wurf des Streikbruchs ganz energisch in Schutz. Die Arbeit im Baugewerbe kommt allmählich wieder in Gang. Eine Schneidcraussperrung in Schweden. Eine allgemeine Aussperrung haben die Unternehmer im Schneidergewerbe zu Karl- stad in Schweden Mitte voriger Woche veranstaltet. Es bestand dort bis zum 1. Mai d. I. ein Tarifvertrag, der die Arbeitgeber ver, pflichtete, den Arbeitern Betriebswerkstätten und Nähzutaten un» entgeltlich zur Verfügung zu stellen. Diese Bestimmung wollen die Unternehmer beseitigt wissen und verlangen statt dessen, daß die Arbeiter verpflichtet werden, dem Arbeitgeber auf jedes Stück Arbeit eine bestimmte Entschädigung für die Benutzung der Werk- stätte zu zahlen, was im Jahre ungefähr 199 bis 159 Kronen aus- machen würde. Selbstverständlich wollen die Arbeiter auf diese? höchst unbillige Verlangen nicht eingehen. Die amerikanischen Lithographen haben den Acht stunden, tag durch einen Beschluß des Kongresses der Unternehmervereini, gung erhalten, der in New Uork Anfang Mai tagte. In den An« stalten dieser Unternehmer werden 29 999 bis 39 999 Leute be, schäftigt, darunter viele Deutsche. Auch eine Unfallversicherung und eine Krankenkasse wird eingerichtet werden, aber— die Arbeiter sollen der Gewerkschaft fernbleiben. Die Unternehmer wissen, daß die Arbeiter durch die Gewerkschaft höhere Löhne an, streben und treffen Vorbeugungsmaßregeln. Der Achtstundentag wurde erst nach einem langen Kampf innerhalb der Unternehmer, Vereinigung beschlossen. Vor zwei Jahren war noch eine groß« Majorität gegen einen dahinzielenden Antrag vorhanden. Diese Majorität wandelte sich aber in eine Minorität um, und zuletzt kam ein einstimmiger Beschluß zustande, da man einsah, daß man den Arbeitern etwas bieten mußte, um sie nicht in Massen der Ge- werkschaft zuzutreiben. Die Gewerkschaft agitiert aber munter fort und ihre Anhänger wachsen, denn das Verlangen nach einer Erhöhung der Löhne ist immer stärker geworden. Letzte JVaebnebten und Depefeben. Die Landtagswahlen in Bosnien. Sarajewo, 19. Mai.(W. T. B.) Gestern begannen die Wahlen für den neuen Landtag, und zwar mit den Wahlen in den Land- gemeinden. 34 Mandate gelangten zur Besetzung. Davon sind sieben der katholischen, neun der moSlimischen und 18 der serbisch- orthodoxen Wählergruppe vorbehalten. Die sämtlichen serbisch» orthodoxen Mandate fielen der serbischen Nationalorganisation zu und sämtliche muselmanische Mandate der moSlimischen National» organisation. Von den sieben katholischen Mandaten gewann die Katholicka Udruga(das ist die kroatische Partei deS Erz» bischofs Stadler) zwei Mandate. Die übrigen fünf Mandate fielen der Hrvatski Zajednica, nämlich der gemäßigt katholischen Wirt- schaftspartei des Vizebürgermeisters Mandic von Sarajewo zu. Die Mordtat bei Rathenow. Rathenow, 19. Mai.(W. T. B.) Bei der zwischen Molken, berg und Rehberg aufgefundenen männlichen Leiche(siehe unter„Vermischtes") handelt es sich, wie die gerichtliche Leichen. schau heute nachmittag ergeben hat, um den etwa 69 Jahre alten Kaufmann Louis Brand aus Brandenburg a. H. Die Leiche trug außer schweren Kopfverletzungen auch eine Schnur um den Hals. Brand wurde seit mehreren Tagen vermißt. Ein betrügerischer Gemeindebeamter. Mainz, 19. Mai.(B. H.) Der Gemeindeeinnehmer Franz Junker im benachbarten Kosthcim wurde festgenommen und kam in Untersuchungshaft. Es soll sich um bedeutende Unterschleife in der Gemeindekasse handeln. Gasexplosion. Paris, 19. Mai.(B. H.) In der Rue St. Antoine erfolgte heute mittag eine Gasexplosion, wobei mehrere Personen verletzt wurden; auch ein Straßenpassant erlitt schwere Verletzungen. Betriebseinschränkung. Boston, 19. Mai.(W. T. B.) Viele Baumwolljpiuuerrie» in Neu-England haben beschlossen, die Produktion um 25 bis 33}ä Prozent zu beschränken, bis der Ertrag der neuen Ernte zur Ver» fügung steht. Kgiil Singer Lc Co., Berlin SW, HierzuL Beilage» y-Usterhgltuygshl, Kr. 115. 37. ZahrMg. 1. Irilnp des Jmirts" Kerliser WksdlÄ Mus, 20. Mai 1910. Die Allgemeine Städtebau-Husltellung zu Berlin Bietet auf den verschiedensten Gebieten recht interessantes Materials bor allem auf dem Gebiete des Wohnungs- und Verkehrswesens. Erhebliches Interesse erweckt bei dem Besucher der Ausstellung die soziale Seite des Wohnungswesens. Ausgestellt sind: Grundrisse, Pläne und Modelle, diesen sind statistische und kartographische Darstellungen beigegeben, die über Wohnungsdichtigkeit, Sterblichkeit, über die Höhe der Mieten, den Wohnungsbau nach dem alten und dem neuen System u. a. Aus- kunft geben. In den Räumen der Ausstellung befindet sich eine Bibliothek, die Literatur über den Städtebau und andere Fragen der Kommunalpolitik enthält. Das vor zwei Jahren gegründete Seminar für Städtebau(von Brix und Genzmer ins Leben ge- rufen, die bei dem Wettbewerb Groh-Berlin mit dem ersten Preis ausgezeichnet wurden) hat nun in den Ausstellungsräumen einen eigenen Platz erhalten. Dieses Institut soll eine Lehrstätte für alle Disziplinen des Städtebaues werden; es soll den Lernenden Gelegenheit verschaffen, in die Lehre vom Städtebau eingeführt zu werden, sich weiter auszubilden und zu vertiefen. Betreten wir die oberen Ausstellungsräume, so müssen uns ganz besonders die statistischen und kartographischen Darstellungen auffallen. Einer dieser Tabellen entnehmen wir, daß Liverpool 8000 ungesunde Häuser abgebrochen, dafür aber 2040 neue Woh- nungen gebaut hat; der Kostenaufwand hierfür betrug 18 400 000 Mark. Wie notwendig dieses Werk war, können wir daraus er� sehen, datz die Sterblichkeit der Bevölkerung innerhalb des sanierten Gebietes von 06 auf 25 Proz. herabsank. Die er- schreckend hohe Sterblichkeit von 66 Proz. ist nur dadurch zu er- klären, datz es sich dabei um die Allerärmsten der Armen gehandelt hat. Eine andere Uebersicht klärt uns darüber auf, datz die Typhusgefahr um so grötzer ist, je mehr die Menschen zusammen- gepfercht sind; ähnlich verhält es sich mit der Säuglings- Sterblichkeit. Sehr ausführlich hat der Direktor des statistischen AmteS der Stadt Schöneberg, R. Kuezynski, das Verhältnis von Einkommen und Miete klargemacht und gezeigt, datz die Mieten in den letzten Jahrzehnten für Leute mit niedrigem Einkommen gestiegen, da gegen für solche mit höherem Einkommen gefallen sind. Schon im Jahre 1867 hatte der Statistiker Schwabe das Gesetz aufgestellt „Je geringer das Einkommen, desto höher die Miete." Datz das Verhältnis seit dieser Zeit nicht besser geworden ist, zeigen folgende Angaben: Im Jahre 1900 gaben die Haushaltsvorftände von Breslau, die ein Einkommen von 000— 1200 M. versteuerten 20 Proz. davon für Miete aus, bei einem Einkommen von 3000 bis 3600 M. betrug sie noch 17 Proz., bei über 60 000 M. nur 2% Proz. Nach den Erhebungen in anderen Städten liegen die Dinge dort ähnlich. Von der Stadt Schöneberg wurde im Jahre 1906 eine Umfrage nach dieser Richtung hin veranstaltet; das Er- gebnis war: die durchschnittliche Ausgabe für Miete betrug bei einem Einkommen von 900— 1050 M. 33 Proz., bei 3300— 3600 M 22 Proz., bei 40 000—50 000 M. aber nur 5 Proz. Von 16 sächsischen Mittel» und Kleinstädten wird dieselbe Tendenz berichtet. Bei einem Einkommen von weniger als 400 M. wurden im Durch- schnitt 17 Proz., bei 3000— 3600 M. 11 Proz. und bei 10000 B Proz. für Miete ausgegeben. Ganz allgemein wird behauptet, die Wohnungen seien teurer geworden. Diese Behauptung entspricht aber nur teilweise den Tatsachen. Wie R. Knczynski nachgewiesen hat, ist die Mietquote bei den kleinen Einkommen gestiegen, bei den grotzen aber ge- funken. Am deutlichsten sehen wir diese Entwickelung bei der Stadt Hamburg. Dort betrug die mittlere Ausgabe für Miete bei einem Einkommen von 900— 1200 M. im Jahre 1868: 20 Proz., im Jahre 1874: 21 Proz., im Jahre 1882: 22 Proz., im Jahre 1891: 24 Proz. und im Jahre1901: 25 Proz. Umgekehrt war die Entwickelung bei den höheren Einkommen. Die Ausgabe für Miete sank bei einem Einkommen von 12 000— 30 000 M. von 12 Prog. auf 10 Proz. und bei einem Einkommen von über 60 000 Mark von 4 Proz. auf 3 Proz. herab. In den sogenannten feinen Stadtvierteln oder in gröheren Wohnungen wohnt man verhältnismätzig billiger als in Arbeiter- vierteln oder in kleineren Wohnungen. Auch diese Tatsache ist auf Tabellen in den Ausstellungsräumen deutlich veranschaulicht. Der Kubikmeter Wohnraum einer Einzimmerwohnung kostete in Fürth im Jahre 1901/02 2,72 M., einer Zweizimmerwohnung 2,28 M.. einer Dreizimmerwohnung 2,02 M., einer Vierzimmerwohnung 2 M. In Posen trat diese? Mißverhältnis noch viel kleines f cuilleton. Der unsichtbare Komet. Das.grotze Ereignis", da» fett Jahr und Tag vorbereitet war und der Welt u. a. einen Sternschnuppen fall ersten Ranges an Kometenbüchem und eine Hausse in Fern röhren beschert hat, ist spurlos vorübergegangen. Wenigstens in wissenschaftlicher Beziehung. Mit monotoner Gleichmätzigkeit wird von allen Sternwarten gemeldet, datz der Durchgang der Erde durch den Kometenschweif bisher nirgends irgendwie wahrnehmbare Wir- kungen ausgeübt hat. Nirgend? ist auch— selbst mit den stärksten Fernrohren nicht— der Vorübergang des Kometen vor der Sonne beobachtet worden. Selbst die Kernmasse de» Kometen mutz also so dünn sein, datz fie die Sonnenstrahlen unverändert durchläßt. Wenn nicht die Registrierballons und die Ballonfahrten „Kometenstaub"(?) eingefangen haben und noch nachträglich Beobachtungen zu unserer Kenntnis bringen, kann man sagen, datz dieser Kometendurchgang die größte Enttäuschung und der be- merkenswerteste Bluff gewesen ist. Es ist nichts mehr mit der Romantik und dem Wunderbaren, das schwärmerische Gemüter herbeisehnen mögen— selbst nicht im und am Himmel. Selbst die Blausäure, der letzte Trost der Kometengläubigen, hat uns im Stich gelassen. Aber wir sind auch um alle von der Wissenschaft immerhin als möglich hingestellten himm tischen Schauspiele gekommen und keine lumpige Stern schnuppe ist gefallen, kein Polarlicht hat die Morgendämmerung überstrahlt; von Gewittern oder sonstigen elektrischen oder radio- aktiven Vorgängen war nichts zu spüren, auch Telegraphenstörungen traten nicht ein. Als Probe der vielen gleichlautenden Berichte lassen wir den von dem astro-physikalischen Observatorium in Potsdam folgen: Auf dem Observatorium wurden die Beobachtungen etwaiger mit dem Durchgang des Halleyschen Kometen zwischen Erde und Sonne in Verbindung stehender Phänomene durch Wolken stark behindert. Es konnten keinerlei autzergewöhnliche astronomische Erscheinungen bemerkt werden. Namentlich ließen sich auch während der Nacht durch die zeitweise vorhandenen Wolkenlücken keine Sternschnuppen wahrnehmen. Während der Zeit des Vorübergangs des Kometen vor der Sonnenscheibe, der der Berechnung nach von 4Vz bis 5'/g Uhr morgens erfolgen sollte, war die Sonne mehrfach durch Wolkenlücken sichtbar. Von dem Kometen war nichts zu sehen.— Auch die Ber- liner königliche Sternwarte, die einen besonderen Beobachtungsposten hatte, und die Treptower Sternwarte konnten keinerlei Beobachtungen machen. Sonnenflecken, di» auf der Sternwarte zu Meudon(Frank- reich) beobachtet wurden, waren auch anderswo sichtbar, haben aber mit dem Kometen so wenig zu tun, wie zwei Meteore, die Mittwoch- abend gesehen wurden. Ob in sehr hohen Luftschichten Veränderungen vor sich gegangen sind, die mit dem Kometen in Zusammenhang gebracht werden können, wird sich erst feststellen lassen, wenn die aufge- krasser zutage. In den kleinsten und schlechtesten Wohnungen kostete der Kubikmeter bei weniger als' 10 Kubikmeter Gesamt- räum 6,41 M., bei 90—120 Kubikmeter dagegen nur 2,16 M. Für Berlin genügt der Hinweis, daß man in den meisten Wohnungen am Kurfürstendamm 2,50 M. für den Llubikmeter Wohraum ausgibt, für Wohnungen im Norden und Osten aber 3 M. Die Berliner Ortskrankenkassen haben verschiedene Bilder der Krankenwohnstuben ihrer Kassenmitglieder ausgestellt. Die eine davon lag im Erdgeschoß, der Mülleimer stand so, daß der Wind den Staub durch die undichten Türspalten hindurchwehen konnte. Das Krankenzimmer enthielt als Möbel Gerätstücke, die man sonst in die Gerümpelkammer verweist. Eine andere lag direkt unter dem Dache; auch bei dieser war die Luftzufuhr in un- erwünschter Weise geregelt. Charakteristisch ist ein Bild eines Krankenzimmers, das außer dem Kranken noch eine reichliche An- zahl von Kindern aufweist. Aus das Wohnungswesen beziehen sich manche beachtenswerte Vorschläge, die aus eine Besserung der schlechten Verhältnisse ab- zielen. Von der Tatsache ausgehend, datz die Wohnweise in den vier- und fünfgeschossigen Massenmiethäusern in sozialer und hygienischer Hinsicht schädlich ist, versucht man das Ein- oder Zwei- familienhaus populär zu machen. Den Befürwortern dieser Bau- weise wird auf ihre Argumente hin entgegengehalten, datz ein solches Bestreben ja ganz lobenswert sei, aber man dürfe nicht vergessen, datz der Boden zu teuer sei und man deshalb hohe Häuser bauen müsse, die niedrigeren Häuser aber würden sich im Preise verhältnismäßig höher stellen, dadurch würden die an sich hohen Mieten noch mehr gesteigert werden.. Demgegenüber wird betont, datz es durchaus möglich ist, wenigstens die Hälfte der Bevölkerung in zweigeschossigen Häusern für eine oder zwei Wohnungen mit Gärten unterzubringen und trotzdem dem Grundbesitzer denselben Bodenpreis, dem Hausbesitzer die gleiche Rente, dem Mieter die gleiche Wohnfläche und die gleichen Mietpreise, dem Stadtteil die gleiche Bevölkerung zu sichern wie bei den viergeschossigen Massen- miethäusern ohne Gärten mit Seiten- und Ouergebäuden. Es würde hier zu weit führen, auf die Berechnungen näher ein- zugehen, die R. Kuezynski und W. Lehwetz aufgestellt haben und die den Nachweis für die obige Behauptung erbringen. Dieses neue System hätte vor allem den Vorteil, datz Querlüftung mög- lich wäre und die beengende Nähe hoher Hinterhäuser wegfallen würde. Die Urheber dieser Berechnung glauben, daß mit diesem System die andere Hälfte der Bevölkerung von der Zusammen- drängung in viergeschossigen Miethäusern befreit würde und ihnen ein Heiin� in kleinen Zweifamilienhäusern mit Gärten verschafft werden könnte. Und dies, ohne datz irgend jemandem pekuniäre Opfer zugemutet würden. Ohne Zweifel bedeutet die Gartenstadtbewegung einen Fort- schritt auf dem Gebiete des Städtebaues. Man versteht darunter aber keineswegs eine beliebige Stadt mit ein paar Gärten in ihren Mauern, sondern eine planmäßig gestaltete Siedelung auf wohlfeilem Gelände, das dauernd im Obereigentum der Gemein- schaft erhalten wird, und zwar so, datz jede Spekulation mit dem Grund und Boden unmöglich ist. Als vorbildlich gilt in dieser Beziehung die Gartenstadt Letchworth in England. Diese Stadt liegt 50 Kilometer von London entfernt und umfaßt ein Gelände von 1600 Hektar. Das Unternehmen liegt in den Händen einer gemeinnützigen Gesellschaft, die das Gelände nur in Erbpacht ab- gibt. Die Dividende ist auf 5 Proz. beschränkt. Ein Einfamilien- haus mit Wohnküche, Spülküche und Bad im Untergeschotz und zwei bis drei Schlafräumen im Obergeschoß erhält man schon für den Baukostenpreis von 4000 M.; der für dieses Haus zu ent- richtende Zins würde also bei 5 Proz. 200 M. betragen. Um das Haus herum liegt ein Garten von mindestens 400— 500 Quadratmeter, und rings um die Stadt, die nur ein Drittel der Gesamt- fläche bedeckt und auf 30 000 Einwohner berechnet ist, liegt ein breiter Landgürtel, der dauernd dem Garten- und Ackerbau er- halten bleibt. In England fand daZ Beispiel von Letchworth starke Nach- ahmung.� ES entstanden dort eine Reihe von Gartenstädten und Gartendörfern. In Deutschland faßte die Gartenstadtbewegung erst im Jahre 1902 Fuß. Die Gartenstadt Hellerau(G. m. b. H.) bei Dresden war der erste Versuch dieser Art in Deutschland. Das angelegte Kapital beläuft sich auf 300 000 M.; die Dividende be- trägt höchstens 4 Proz. Das landschaftlich schön gelegene Gelände umsaßt 140 Hektar. Wie das ausgestellte Modell zeigt, ist die Anlage dieser Gartenstadt äußerst reizvoll. Künstlerisch angelegte Wege und Straßen, freie Plätze, schöne Bäume verleihen der Stadt ein prächtiges Aussehen. Von den Unternehmern, die die Ausstellung mit Plänen und Modellen beschickt haben, verdient Krupp Beachtung. Wir wissen, daß Krupp jene Arbeiterhäuser in seinem eigenen Interesse er- sttegenen bemannten Ballons gelandet und die noch viel höher steigenden Registrierballons wieder niedergegangen und aufgefunden sind. ES gibt freilich noch eine Möglichkeit, die dieses absolut ergebnislose Resultat eventuell anders erklären könnte. Die Berechnungen des Erddurchganges durch den Kometenschweif waren in der Zeit ziemlich widersprechend und eS wurde von vorn- herein mit der Möglichkeit gerechnet, datz der Kometenschweif ab- gebogen sei. Sollte dies der Fall sein, so würde der Durchgang später erfolgen(und inzwischen wohl erfolgt sein). Es könnten dann also immerhin noch in der Nachb zum 20. Mai und eventuell später durch den Kometenschweif herirorgerufene Erscheinungen erfolgen. Da der Komet in den nächsten Tagen am Abend» Himmel nach Sonnenuntergang sichtbar wird, können wir uns dann hoffentlich von der Existenz seines Schweifes überzeugen. Be- obachtungen auf dem Sonnwendstein-Observatorium vom 13. Mai ergaben eine Schweiflänge von 135 Grad und eine größte Breite von 8—10 Grad. Der Schweif sah wie eine halbe Faßdaube aus. Auf der Derkes- Sternwarte in Wiseonsin(Amerika) wurde die Kometenlänge auf 107 Grad festgestellt. Wir haben danach eine ganz respektable Himmelserscheinung zu erwarten. Ganz abnorme Temperaturverhältniffe herrschten während der zweiten Maiwoche in Deutschland. Sie begannen mit sehr kühler, trüber und regnerischer Witterung; vielfach, namentlich im Westen. kamen Nachtfröste vor. Die um die Mitte der Woche vom äußersten Nordosten des Reiches in südwestlicher Richtung vorgedrungene Hitze- welle wirkte dann so intensiv, daß am Mittwoch, den 11., die mittlere Tagestemperatur östlich der Elbe 10—12 Grad höher als am Tage vorher lag. Nach dem Westen und Süden des Landes verbreitete sich dagegen die Wärme nur sehr langsam; dadurch kam eö, daß Ostpreußen einen außerordentlich hohen Wärmeüberschutz aufwies, während West- und Südwestdeutschland viel zu kaltes Wetter hatten. Nach den Beobachtungen des Königl. Preutzischen Meteorologischen Instituts betrug die mittlere Temperatur der Woche vom 8.— 14. Mai in Trier nur 8,7 Gr.; das sind fast 4 Gr. unter normal. In Frankfurt a./M. war die Woche mit 10,9 Gr. mittlerer Temperatur, in Aachen mit 9.7 Gr. um 2,/3 Gr. zu kalt. In Krefeld, Kleve, Essen, Kassel und Erfurt betrug die Abweichung von der normalen Temperatur'/t—i Gr. Oestlich der Elbe jedoch war allenthalben ein Wärmeüberschutz zu verzeichnen; in Halle a./S. war es 1 Gr., in Stettin beinahe 4 Gr., in Berlin 2,6 Gr., in Breslau 2,3 Gr., in Posen 2,8 Gr., in Bromberg 4,1 Gr. zu warm. Ganz enorme Abweichungen nach oben waren jedoch in Königsberg und Memel zu registrieren. Die mittlere Temperatur der Woche erreichte in der ostpreußischen Hauptstadt 17 Gr. oder 7,1, in Memel sogar 17,3 oder 8,1 Gr. über Normal. Das absolute Maximum der letzten Woche meldete Graudenz mit 29 Gr. Wärme. Gegenüber dieser großen Hitze war am 9. zu Kassel und Herford das Thermometer bis auf 1 Gr. unter Null gesunken. Lußecordent, baut hat, nicht um seinen Arbeitern eine menschenwürdige Wohnung zu bieten. Hier kommt es uns aber darauf an, zu zeigen, was man heute— unter der kapitalistischen Gesellschaftsordnung— leisten kann, was heute schon möglich ist, datz für die arbeitenden 5llassen schon heute Wohnungen gebaut werden können, die den Anforderungen an Gesundheit, an Schönheit des Stils entsprechen. Da können besonders die Neuanlagen, die aus den Mitteln der Margareta-Krupp-Stiftung entstanden sind, wertvolle Finger- zeige geben. Schließlich sei aus der Reihe der Städte, die Maßnahmen zur Beseitigung der Wohnungsnot getroffen haben, Ulm besonders hervorgehoben. Von den ausgestellten Modellen erhält man einen guten Eindruck; überhaupt ist die Bodenpolitik der Stadt Ulm frühzeitig in die richtige Bahn gelenkt worden. Die Stadt hat soviel Grund und Boden erworben, datz sie in der Lage ist, den Preis für Baugelände zu bestimmen. Damit ist dem Spekulantentum, dem Bodenwucher, der Lebensfaden unterbunden. Außerdem hat Ulm eine grotze Anzahl von Wohnungen selbst er- baut, so datz sie auch eine Wirkung auf den Preis der Mieten aus- üben kann. Vom Standpunkt der sozialdemokratischen Kommunal- Politik aus ist es nur zu wünschen, datz das Beispiel von Ulm eifrige Nachahmung findet. Zehnte ordentliche Gtveralvtrsammlnng des Zentralverbondes der Wnschinijten und Heizer Deutschlands. Hamburg, 18. Mai 1910. Am Schlutztage gelangten noch folgende Dinge zur Erledigung: Die Vorlage der StatutenberatungSkommission findet gegen wenige Stimmen Annahme. Die wichtigsten Beschlüsse lauten: Bei der Aufnahme erhält das Mitglied für das erste Jahr eine Mitgliedskarte. Bei Ausschluß aus dem Verbände hat der Betreffende daS Recht, die Einsetzung eines Schiedsgerichts zu beantragen. Der Verbandsborstand kann in besonderen Füllen einen Aus- schlutz vollziehen, ohne datz ein Antrag der Zahlstelle vorliegt. Gegen diese Maßnahme kann ein Schiedsgericht angerufen werden. Für Kinder von Witwern oder Ledigen oder Geschiedenen wird ein Zuschuß zur Streikunterstützung von einer Mark gewährt. Bei Streiks oder Aussperrungen, wo der Verband die Leitung hat, werden in den ersten drei Tagen keine Unterstützungen ge- währt, wenn sie nicht länger als eine Woche dauern. Haben andere Verbände die Leitung, so wird nach dem dortigen Modus der» fahren. Bei vierjähriger hintereinander bezogener Unterstützung in Fällen der Erwerbslosigkeit tritt eine Karenzzeit von 104 Wochen ein.— Mitgliedern, die krank oder arbeitslos sind, werden die Beiträge laufend von der Unterstützung abgezogen. Nach erfolgter Aus- steuerung ist das betreffende Mitglied von der Beitragsleistung befreit bis zur Aufnahme der Arbeit. Die Unterstützung kann entzogen werden, wenn die Entlassung nachweislich wegen Durchbrechung eines Tarifvertrags stattgefun- den hat. Wenn ein vom Verband anerkannter Arbeitsnachweis besteht und das Mitglied versäumt, sich innerhalb 48 Stunden beim Arbeitsnachweis zu melden, verlängert sich die Karenzzeit zum Bezug der Unterstützung um diese Tage. Die zur See fährenden Mitglieder sollen, wenn sie auswärt? erkranken und die Heuer nicht weiter geht, auch nach längerer Ab» Wesenheit Anspruch auf Unterstützung haben. In zusammenhängenden Industriegebieten kann auf Antrag einer oder mehrerer Zahlstellen der Verbandsvorstand eine Ver- schmelzung der vorhandenen Zahlstellen herbeiführen. Alle Ausgaben und Einnahmen erfolgen auf Rechnung der Zahlstellen bezw. des Verbandes. Sämtliche im Interesse des Ver» bandes geführte Korrespondenz, die Beläge usw. bleiben Eigentum des Verbandes. In bezug auf die Bauarbeiteraussperrung gelangte folgende Resolution von Setzer- München zur ein» stimmigen Annahme: „Die Brutalität eine? übermütigen Unternehmertum? hat der deutschen Bauarbeiterschaft einen Kampf aufgezwungen, wie lich zahlreich waren während der letzten Woche auch die Gewitter; Neumünster i. H. hatte deren 6, Berlin hatte 5, Bremen und Kleve 4, Memel, Schwerin und Frankfurt a. M. hatten 3 Gewitter. In Berlin betrug die Gesamtzahl der Gewitter bis Dienstag abend, bis zum Schlüsse der heiteren oder warmen Periode, 8; dagegen ist zu Anfang der zweiten Maiwoche auch noch verschiedentlich Schnee gefallen, so in Kassel und Flensburg. Die Niederschlagmengen waren infolge der zahlreichen Gewitter ziemlich beträchtlich; die größte Regenhöhe meldete mit 54 Millimeter Schwerin i. M. Notizen. — Björnsons Drama„Der König", da» da» Neue Bremer Schauspielhaus angeblich zuerst in Deutschland aufführen will, ist längst in anderen Städten(darunter in Leipzig und Nürnberg) aufgeführt. Die Bremer sollten also nicht gar so re, nommieren mit ihrer„republikanischen" Schauspielfreiheit. — Pauli ne Viardot-Gareia, die Tochter deS be« rühmten Gesangsmeisters Manuel Garcia, ist im Alter von bereits 39 Jahren in Paris gestorben. Sie genoß eine ausgezeichnete musikalische Ausbildung und war in den 40er, 50er und 60er Jahren des vorigen Jahrhunderts eine gefeierte Sängerin, fast so gefeiert, wie ihre jung verstorbene Schwester, Mona Malibran. Auch in Berlin trat sie öfter? aus. Nachdem sie sich von der Bühne zurück- gezogen, widmete sie ihre Erfahrungen zahlreichen Schülerinnen, die ihre italienische Gesangskunst fortsetzten. — Die Freie Volksbühne in Wien beschlietzt soeben ihr viertes Spieljahr mit einem Mitgliederstand 12 000. Der Bor- stand hofft es im fünfte» Jahre auf 20 000 zu bringen. Bier Wiener Bühnen sind vom Verein gemietet. Aufgeführt werden soll „Faust" mit Direktor Jarno als Mephistopheles, Kleists„Zer- brochener Krug" mit Maran als Dorfrichter,„Hamlet", NestrohS Posse„Der Zerrissene",„SodomS Ende",„Tartüffe",„Die Kreuzel» schreiber", Schwanke von Hans Sachs und von Neuem: Herbert EulenburgS„Der natürliche Vater", Alexander BrodyS Stück„Die Amme" und„Kampf" von I. H. Galsworthy. — D i e Bücherproduktion der Welt. 3665 Millionen, daS ist annähernd die Zahl der Bücher, die alljährlich auf der Erde gedruckt werden. In StoS LoistrS wird eine Statistik veröffentlicht, nach der allein in den Vereinigten Staaten 700 Millionen Bücher in einem Jahre verkauft worden sind. Roch grötzer sind die Zahlen für Europa, und es ist interessant, zu beobachten, in wie großem Maße das westliche Europa dabei den Osten übertrifft: während im west- lichen Europa 1800 Millionen Bücher im Jahre gekauft werden, erwirbt das östliche Europa nur 460 Millionen. In der Zahl der jährlich neuerscheinenden Werke steht Deutschland mit 25 000 an der Spitze. Frankreich folgt mit 13 000 Werken, Italien mit 10 000 und England mit 7000. Die übrigen Kulturstaaten. Amerika inbegriffen, drucken im Jahre 75 000 neue Werke. Nach einer genauen Be- rechnung erscheinen ans der Erde als» täglich Mö neue Bücher. er größer in Deutschland noch nicht erlebt wurde und der Zweifel- las eine eminente Schädigung des gesamten Wirtschaftslebens nach sich ziehen wird. Die wichtigsten Grundrechte sollen den Bauarbeitern genommen und die Arbeiterschaft zur Annahme eines Tarifvertrages gezwungen werden, der diesen Namen nicht verdient und der nur geschaffen wurde, die gewerkschaftlichen Organisationen niederzuknüppeln. Die Sympathiekundgebungen des Vereins deutscher Arbeit- geberverbände und der Hauptstelle deutscher Arbeitgeberverbände für die Scharfmacher im Baugewerbe zeigen, daß der Gewalt- alt, der gegenüber den Bauarbeiterorganisationen verübt wurde, lediglich ein Vorstoß sein soll, der bei seinem Gelingen den Raub der heiligsten Menschenrechte der gesamten deutschen organisierten Arbeiterschait zur Folge hätte, Die Generalversammlung spricht den kämpfenden Bau- arbeitern ihre wärmste Sympathie aus und verspricht, für tat- kräftige Unterstützung Sorge tragen zu wollen. Sie bewundert die. heldenmütige Haltung der kämpfenden Arbeiterschaft und fordert sie auf, in diesem Kampf auszuharren bis zum Siege. Der gigantische Kampf, den die Bauarbeiterschaft zu führen ge- zwungen wurde, ist nicht nur ein Kampf dieser selbst, sondern der gesamten organisierten Arbeiterschaft, weshalb es Ehrenpflicht jeds organisierten Arbeiters sein muh, die kämpfenden Arbeits- brüder mit allen Kräften zu unterstützen." Zum Verbandsvorsitzenden wird Scheffel, zum Haupt- kassierer Klein, zum Redakteur K i s ch n i ck wiedergewählt. Zum Obmann des Ausschusses wird F. Rusch- Hamburg destimmt, zum Vorsitzenden der Pretzkom Mission Haupt- Berlin. Damit sind die Aufgaben des Verbandstages erledigt. Mit einem Hoch auf den Verband wird die Generalversamm- lung geschlossen. Stehend singen die Delegierten die erste Strophe unseres Kampfliedes. W. Kerbllndstag drr Fristurgkhilfeu Aeutschlauds. Nürnberg, 18. Mai 1910. Die Diskussion über die Rechenschaftsberichte beschäftigte sich weniger mit der Tätigkeit des Hauptvorstandes als mit der Frage der Mitgliedschaft der Selbständigen, zu der man sich früher allgemein ablehnend verhalten hat. Dies- mal aber bekannte die große Mehrzahl der Redner, daß sie in- zwischen von diesem Standpunkt abgekommen sind und der Auf» fassung des Vorstandes zuneigen, der dafür eintritt, daß die selb- ständig werdenden Kollegen, soweit sie keine Gehilfen beschäftigen, dem Verbände weiter als Mitglieder angehören dürfen. Da die Frage erst bei Punkt b der Beschlußfassung unterliegt, wurde eine Redaktionskommission eingesetzt, die bis dahin dem Verbandstage eine entsprechende Resolution zu unterbreiten hat. Die neu- geschaffene zweite Beitragsklasse wurde in der Deskussion ebenfalls vielfach berührt und allgemein als eine verfehlte Unternehmung bezeichnet. Zu den Vorstandsberichten lagen 19 Anträge vor, die sich zu- meist auf das interne Geschäftswcsen bezogen. Ein Antrag Kaiser-Berlin verlangte, daß der Vorstand zu beauftragen sei, mit anderen, dem Friseurverband nahestehenden Organisationen zwecks Verschmelzung in Verbindung zu tretein sei, der Antrag wurde aber wegen Aussichtslosigkeit zurückgezogen. Beschlossen wurde, daß der Vcrbandsvorstand unter den Lehrlingen und triseusen eine intensive Agitation zu entfalten habe. Ueber zwei nträge: Flugblätter herauszugeben, worin die Arbeiterschaft er- sucht wird, an Wochentagen nach 8 Uhr abends und an Sonntagen nach 12 Uhr mittags keine Barbier- und Friseurgeschäfte mehr zu besuchen, sowie der Errichtung von Genossenschaftsgeschäften näher zu treten, um agitatorisch besonders tätigen Kollegen eine sichere Stellung zu schaffen, wurde zur Tagesordnung übergegangen. Dem Antrage, für Nheinland-Westfalen einen Obmann amustellen, wurde stattgegeben, dagegen die Anstellung eines Lokalbeamten für Stuttgart durch Uebergang zur Tagesordnung abgelehnt. In An- trägen zum„Vcrbanbsorgan", die teils angenommen, teils dem Vorstand überwiesen wurden, wird bestimmt, daß das Fachblatt von Zeit zu Zeit fachwissenschaftliche Artikel und aufklärende Ar- tikel zur Alkoholfrage zu bringen habe; auch sollen Inserate und Stellengesuche fortan aufgenommen werden.. Ueber die aus der- schiedenen Filialorten eingegangenen Anträge, das Fachblatt wöchentlich erscheinen zu lassen, wurde zur Tagesordnung über- gegangen. Am Mittwoch behandelte zunächst W e r m k e- Berlin in einem Bortrage die Gesetzliche Regelung der Arbeitszeit im Friseurgewerbe. Er unterbreitete dem Verbandstage folgende, ohne Debatte angenommene Resolution: „Der Verbandstag nimmt Kenntnis von dem in der Plenar- sitzung vom 9. Mai gefaßten Beschluß des Reichstags über die Eingabe des Verbandes vom Ib. Dezember 1999 betreffend die gesetzliche Regelung der Arbeitszeit im Friscurgewerbe und be- dauert, daß die Petitionskommission des Reichstags dem Antrag , des Korreferenten nicht beigetreten ist. Der Verbandstag kon- statiert, daß die verlangte Festlegung der Arbeitszeit weder den Bedürfnissen des Publikums widerspricht(wie in der Kom- missionssitzung behauptet wurde) noch eine wirtschaftliche Schä- digung der Beschäftigten oder des Berufs insgesamt bedeuten würde. Das Gegenteil ist durch die Praxis erwiesen, die in den verschiedensten Orten bereits zu einer Regelung der Arbeitszeit geführt hat, wie sie den Wünschen der Friseurgehilfen entspricht- Der Verbandstag erklärt wiederholt, daß durch die Dauer der Arbeitszeit in Verbindung mit der Art der Beschäftigung an den Orten, an denen eine Verkürzung der Arbeitszeit bisher noch nicht stattgefunden hat, die Gesundheit der Lehrlinge und Ge» Hilfen gefährdet wird und somit die Voraussetzungen des K 120 e der Gewerbeordnung, Abs. 3, vollauf gegeben sind. Der Ver» bandstag erhebt deshalb von neuem die seit Jahren an die ge- sctzgebeuden Körperschaften gerichtete Forderung, die Arbeitszeit im Friseurgewerbe einer gesetzlichen Regelung zu unterziehen." Es folgte darauf ein Referat Hartram Pf- Hamburg über: »Die gesetzliche Vertretung der Handwerksgehilfen", dessen Grundzüge in der folgenden Resolution niederlegt wurden: „Die Vertretung der Handwerksgehilfen durch die Gesellen- auSschüsse ist in jeder Weife unzulänglich. Sie beschränkt sich - lediglich auf die bei Jnnungsmitglicdcrn beschäftigten Gehilfen und wird auch hier noch in der Hauptsache von den Innungen ausgeschaltet, da es mit Ausnahme der Regelung des Lehr- lingswesens und der Gesellenprüfungen völlig in das Belieben der einzelnen Innung gestellt ist, ob sie solche Einrichtungen treffen will oder nicht, für welche die Gehilfen Beiträge ent- richten oder eine besondere Mühewaltung übernehmen oder ''selche zu ihrer Unterstützung bestimmt sind. Zu den be- stehenden Einrichtungen der Innungen werden den Gehilfen weder Beiträge noch Mühewaltungen auferlegt, womit die vor- geschriebene Beteiligung der Gesellenausschiisse vollständig illu- forisch ist. Nicht besser steht es um die Vertretung der Gehilfen und Rechte der Gesellenausschüsse zu den Handwerkskammern. Den Gesellenausschüssen fehlt jede Verbindung mit der Gehilfen- fchaft und die entsprechenden Bestimmungen der Gewerbe- Ordnung schließen jede Möglichkeit aus, eine solche herzustellen. Der VerbandStag fordert deshalb anstatt dieser Scheinvertretung «ine gesetzliche Vertretung der Gehilfenschaft durch Arbeits- lammern. Der dem Reichstag vorliegende Entwurf eines Ar- beitskammergesetzes entspricht jedoch den berechtigten Interessen der Hlindwerksgehilfen in keiner Weise. Insbesondere die Be- stimmung, daß eine Handwerkskammer errichtet loerden soll, so- weit nach dem Stande der gewerblichen Entwicklung ein Be- dürfnis besteht, erachtet der Verbandstag als gänzlich unhaltbar, da diese Einschränkung für die Barbier-, Friseur- und Perrücken- mgchergehilfen praktisch glsichbLdxsitMd ist fcejp Ausschluß aus dem Geltungsbereich des Gesetzes. Dasselbe gilt von den Bestimmungen bezüglich des Wahlalters. Werden diese nicht dem § 95 a der Gewerbeordnung entsprechend abgeändert, dann würde es den Arbeitern im Friseurgewerbe auch beim Fortfall der Bedürfnisfrage nicht möglich sein, das aktive noch das passive Wahlrecht auszuüben, da im Freseurgewcrbe durchweg jüngere Arbeiter beschäftigt werden. Der Verbandstag protestiert gegen die borgesehene NichtWählbarkeit der Gewerkschaftsangestellten sowie insbesondere auch gegen die ausgedehnten Machtbefugnisse, die der Bureaukratie in den Abschnitten V und VI des Gesetz- entwurfes eingeräumt, werden sollen, und erwartet, daß die Frage der gesetzlichen Vertretung der Arbeiter eine deren Jnter- essen einigermaßen gerecht werdende Lösung findet." Ueber «Die RcichsverfichcrungSordnung" sprach Urbeitersekretär Schneider- Nürnberg. Hierzu wurde folgende Resolution ohne Debatte einstimmig angenommen: „Der Verbandskag der Friseurgehilfcn Deutschlands erklärt sich mit den Ausführungen des Referenten einverstanden. Er bedauert, daß der neue Entwurf der Reichsverficherungs- Ordnung den seit Jahren geäußerten, der deutschen Reichsregi-- rung wohlbekannten Wünschen der Versicherten keinerlei Rech- nung getragen hat, daß der neue Entwurf neben unwesentlichen Verbesserungen wesentliche Verschlechterungen mit sich bringt und die winzigen Rechte die die Versicherten in der Verwaltung der deutschen Arbeiterversicherung haben, noch weiter ein- schränken will. Der Verbandstag stimmt den Beschlüssen des 7. deutschen Gewerkschaftskongresses einmütig zu und erwartet, daß der deutsche Reichstag, die vom Gewerkschaftskongreß gemachten Vor- schlüge berücksichtigt, als Mindestmaß dessen, was von den Ver- sicherten verlangt werden kann." Ena Induftm und Ftandd. Zollkrieg gefällig? Seitdem durch den deutschen Zolltarif vom Jahre 1902 die Zölle für eine Reihe Artikel ganz enorm in die Höhe gesetzt worden sind, erhöhten auch alle jene Staaten, die nachher eine Zollrevision vor- nahmen, ihre Zölle in mehr oder minder starker Weise. So auch Frankreich bei der kürzlich vorgenommenen Revision seines Tarifs. Das hat den deutschen Agrariern und anderen nationalen Hoch- schutzzöllnern den erwünschten Anlaß gegeben, angeblich zum Schutze Deutschlands, Repressalien gegen Frankreich zu fordern. Der Handelsvertragsverein wandte sich gegen solche Forde- rungeu. Darauf vertrat die„Nationalliberale Korrespondenz", als Sprachrohr der Großindustriellen, die Forderung der Repressalien mit dem Hinweis darauf, daß es sich dabei weniger um einen Racheakt handeln solle, als vielmehr darum, andere Staaten, die eine Revision in Borbereitung haben, davon abzu- schrecken, durch Erhöhung ihrer Zölle die deutsche Ausfuhr zu schädigen. Daß diese Ansicht nicht von allen Schutzzöllnern geteilt wird, bewies dieser Tage die„Kölnische VolkSzeitung", die ganz forsch für Repressalien gegen Frankreich eintrat und dabei ganz besonders betonte, daß es möglich sei, Frankreich durch die Erschwerung seiner Ausfuhr von Spirituosen und Gemüsen nach Deutsch- l a n d zu treffen. Das Zentrum als agrarischer Hauptschreier ist ia bereits eine gewohnte Erscheinung. Der Handelsvertrags- verein beschäftigte sich nun erneut mit der Frage und schreibt dazu: „Können Repressalien gegen Frankreich als ein wirksames Mittel angesehen Iverden, um andere Staaten von weiteren Zoll- erhöhungen abzuschrecken, wie das kürzlich von der„National- liberalen Korrespondenz" behauptet wurde? In dieser Allgemein- heit möchten wir einen solchen Erfolg doch bezweifeln, zumal dann, wenn es sich um allgemeine Tarifrevisionen handelt, wie sie jetzt in Schweden. Rußland und Japan im Gange sind. Besteht be« gründete Hoffnung, daß diese Staaten sich in der Gestaltung ihrer Tarife beeinflussen lassen— die überdies in Schweden und Japan bereits beendet ist—, wenn wir jetzt gegen Frankreich vorgehen und ihnen zu verstehen geben, daß wir gegebenenfalls auch gegen sie Repressalien zur Anwendung bringen würden, falls die Tarifrevision nicht unseren Wünschen entspricht oder die Vertragsverhandlungen nicht zum gewünschten Ziele führen? Denn nur unter der Voraussetzung, daß wir willens sind, gegebenenfalls gegen jedes Land einzuschreiten, daS die deutsche Einfuhr schlechter stellt, ließe sich auf dem Wege von Repressalien eine„Besserung unserer Position auf dem Weltmarkte" er- warten. Die Folge würde voraussichtlich eine Aera allgemeiner Zollkriege oder zum mindesten eine Verschärfung der internatio- nalen Schutzzollströmung sein. Wir fragen: Welche Antwort würden die deutschen Schutzzöllner erteilen, wenn ein fremder Staat versuchen wollte, durch offene oder versteckte Drohungen auf die Gestaltung des deutschen Tarifs einzuwirken? Ist wirklich zu erwarten, daß fremde Staaten ihre Zollmauern er- niedrigen oder doch nicht weiter erhöhen, wenn Deutschland das entgegengesetzte tut? Denn solche Vergeltungs- und Kampfzölle haben die natürliche Tendenz, sich in dauernde Schutzzölle umzu- wandeln, zumal ja ihr Zweck selten oder nie erreicht wird. Nun hat eine jahrzehntelange Erfahrung immer wieder gezeigt, daß jede handelspolitische Rüstung auf deutscher Seite mit einer ent- sprechenden Gegenrüstung von unseren Nachbarstaaten beantwortet wurde, und das Ergebnis war ein gegenseitiges Hinaufschrauben der Zolltarife, das immer unerträglicher wird. Repressalien würden jedenfalls ein Anstoß sein, die Schraube von neuem in Bewegung zu setzen und das Uebel zu verschlimmern." Für die Konsumenten sind Schutzzölle überhaupt ein Schaden. Sie dienen nur dazu, die große Masse auf Kosten der immerhin verhältnismäßig kleinen Gruppen von Interessenten auszubeuten. Angeblich soll sich ja der Zoll gegen den ausländischen Produzenten richten, in Wirklichkeit schädigt er den inländischen Konsumenten, da der Preis der betreffenden Waren im Jnlande um den Zollertrag verteuert wird. In Deutschland hat der Schutzzoll zu einer Bevor- zugung der Roh- und Halbmaterialerzeugung auf Kosten der Weiter" Verarbeitung und zu einer BeWucherung der Konsumenten durch künst- lich hinaufgeschraubte Lebensmittelpreise geführt. Dieser Politik ver- danken wir auch die Finanzkalamität im Reich. Indem die Zoll- Politik einzelnen Gruppen von Interessenten Rieseugewinne zufließen läßt, vermindert sie die Konsum« und Steuerkraft der breiten Masse in empfindlicher Weise, stellt andererseits an den Staat erhöhte An- sprüche für Beamtenbesoldung usw. Dagegen hat der Staat selbst nur verhältnismäßig geringe Einnahmen aus Zöllen. Nur für die eingeführte Menge der in Betracht kommenden Waren fließt der Zollbetrag in die Staatskasse, während sich der Zoll für die im In- land erzeugten Mengen in erhöhte Preise umsetzt, die die Verkäufer einstecken. Erklärlich daher, daß die Forderung nach Repressalien auch jetzt wieder aus agrarischen und großindustriellen Kreisen stammt, und das Zentrum wieder einen der Hauptrufer in diesem Kampfe gegen das Vollswohl stellt._ Die Fusion im SpirituSgcwerbe vorläufig gescheitert! Zwischen der Spirituszentrale und dem Verbände der deutschen Spiritus- und Spirituosen-Jnteressenten waren seit einiger Zeit Verhandlungen im Gange, welche darauf hinausliefen, zwischen diesen beiden Jntereffentengruppen eine Einigung herbeizuführen, nachdem sie seit zehn Jahren sich scharf feindlich gegenüberstanden. Der Grundgedanke für diese Einigung war, die Preise im Detail- Handel zu erhöhen und so di- durch das Branntweinstcuergefetz der Spirituosenbranche auferlegte Belastung auf die Konsumenten ab- zuWälzen. Die Generalversammlung des genannten Verbandes, die am Mittwoch und Donnerstag im„Rheingold" in Berlin tagte, beschäftigte sich eingehend mit der Einigungsfrage, wobei es zu heftigen Zusammenstößen zwischen den Delegierken der Probinzial- Bezirksvereine und den Vorstandsmitgliedern kam. Erstere zeigten sich als prinzipielle Gegner einer Einigung auf Grund des zwischen der Zentrale und dem Verbandsvorstande aufgestellten EinigungS- Programms und gaben der Meinung Ausdruck, daß die Zentrale nur im Trüben fischen wolle. 92 Proz. aller deutschen Sprit- fabriken seien im Ringe. Durch eine Einigung auf der vom Vor- stand präsentierten Grundlage würden bald die 8 Proz. ringfreien Betriebe aufgesaugt werden, und das im vorigen Jahre glücklich abgewendete Spiritusmonopol wäre dann mit einem Mal ge- schaffen. Es wurde beschlossen, den Verband zu einer umfassenden Abnehmerorganisation mit Landes-, Provinzial-, Bezirks- und Lokalabteilungen auszubauen. Nach vollzogener Organisation soll ein Delegiertentag sämtlicher Abteilungen zum Zwecke der Fest- setzung eines neuen Programms einberufen werden. Obgleich die Spirituszentrale als ärgster Feind angesehen wird, soll doch ver- sucht werden, mit ihr in nähere Geschäftsverbindung zu treten. Hohenlohe- Werke. Das in den letzten Tagen viel genannte Unternehmen hat im letzten Jahre sehr gut gearbeitet. Nach Ab- schreibungen und Rückstellungen in Höhe von 4 445 743,78(i. B. 4 204 204,71) M. verbleibt ein Reingewinn zuzüglich des Vortrages aus 1908/09 4 616 801,47(i. V. 3 339 608,17) M. Daraus soll eine Dividende von 9 Proz. auf das erhöhte Aktienkapital von 48 000 000 (i. V. 8 Proz. auf 40 000 000) M. verteilt werden.— Ab 1. Oktober 1910 ist der kommissionsweise Verkauf der Kohlenprodukte auf die Dauer von 5s4 Jahren der Firma Emanuel Friedländec u. Co.» Berlin, in Gemeinschaft mit der Firma Wulff u. Co., G. m. b. H., Berlin, übertragen. Am Gewinn der Firma Wulff u. Co. aus dieser Gemeinschaft sind die Hohenlohe-Werke zur Hälfte beteiligt. An Stelle des aus dem Aufsichtsrat ausgeschiedenen Herrn Carl Fürstenberg tritt Herr Justizrat Lobe als Vorsitzender des Aufstchts- rates. Internationale Tiefbohrgesellschaft. Die Gesellschaft erzielte im letzten Jahre einen Reingewinn von 2 207 685 M.(i. V. 1 796 422 M. nach Extraabschreibung von 500 000 M. auf Gerechtsame und Be- teiligungen). Es sollen daraus 23 Proz. gleich 1 523 750 M.(i. V. 20 Proz. gleich 1 325 000 M.) Dividende und 140 850 M.(i. V. 119 025 M.) Tantiemen und Gratifikationen verteilt werden. Kalivcrbrauch in Deutschland. Wie wichtig die Kaliftage für die Entwickelung der Landwirt- schast ist, zeigt die folgende Tabelle, die einen Ueberblick über die Berbrauchssteigerung seit 1890 gibt. Die angeführten Zahlen geben den Verbrauch auf ein Quadrat» kilometer landwirtschaftlicher Anbaufläche in Kilogramm wieder: Die Steigerung des Kaliverbrauches in den einzelnen Landes» teilen ist außerordentlich verschieden. So hoch die Ziffern für 1909 erscheinen, in Wirklichkeit könnte die Landwirtschaft de» deutsche» Reiches schon ganz andere Quantitäten dieses wichtigsten künstlichen Düngemittels verbraucht haben, wenn eben nicht die Syndikats- Politik das Produkt so sehr verteuert hätte. De» Ertrag der schweizerische« Agrarproduktion berechnet der Bauemsekretär Dr. L a u r wie folgt(für 1909): W e i z e n 971 000 Doppelzentner im Werte von 22,3 Millionen Franken(Einfuhr rund 4 Millionen Doppelzenwer— 104 Millionen Fr. 2. Hafer 802 000 Dz.--- 14.4 Mill. Fr.(E. 1.6 Mill. Dz.--- 27,3 Mill. Fr. 8. Gerste 103 000 Dz.--- 1,75 Mill. Fr.(E. 200000 Dz. = 2,7 Mill. Fr.) 4. Mais 32 000 Dz.--- 612 000 Fr.(E. 800 000 Dz.--- 14 Mill. Fr.) Die Schweizer Landwirtschaft deckt also noch kein viertel des einheimischen Getreidebedarfs. Trotzdem die agrarische Schutzzoll- Politik._ Huö der frauenbewegung« Forderungen der Lehrerinnen. Auf der vom 14.— 18. Mai in Berlin abgehaltenen 8. ordent- lichen Versammlung des LandeSvereinS preußischer VolkSschul- lehrerimien vertrat Frl. Eva Kulke-Berlin folgende Forderungen: 1. Die Schule werde mehr als bisher Erziehungsschule und behalte bei allen ihren Maßnahmen das Ziel im Auge, die Entwickelung zur sittlichen Persönlichkeit bei ihren Zöglingen zu begründen bezw. zu fördern. 2. Die Auswahl deS Stoffes richte sich aus allen Stufen mehr als bisher nach dem Bedürfnis und dem Vermögen des KindeS. 8. Bei der Erwerbung von Kennwissen und tertigkeiten werde die Erfahrung und Selbstbetätigung des chülers in ausgedehntem Maße in Anspruch genomnien. Zum Formen, Malen, Bauen, Experimentteren, Beobachten und Tätigsein in Schulgärten und Laboratorien werde Gelegenheit geschaffen. 4. Die Stoffmenge werde beschränkt, wo die innerliche Aneignung unter die Fülle des Dargebotenen leiden nmß. 5. Der Lehrplan darf nur allgemein die Stoffgebiete für die einzelnen Klassen um- grenzen. Dem Lehrer werde in Stoffauswahl und Methode die größte Freiheit gelassen, damit sowodl die Eigenart des Schülers als auch die des Lehrers zur Geltung komme. 6. Insonderheit gelte die Bewegungsfreiheit für Lehrer und Schüler als Grundsatz für das erste Schuljahr. 7. Zum Spiel, Baden, Turnen, zu Ausflügen werde auf allen Stufen reichlich Gelegenheit gegeben, doch müssen alle dahin« gehenden Veranstaliungen dem Unterrichts- und ErziehungS- ziel untergeordnet bleiben. 8. Die Schulzucht nehme, dem Alter der Kinder entsprechend, mehr und mehr die Einsicht derselben zu Hilfe und vermeide ein Zuviel von Vorschriften über sogenannte äußere Ordming. Bewußte Gewöhnung an Zucht und gute Sitte führ» die Kinder zur freiwilligen Unterordnung. 9. Vorbedingung für Jede Reform ist die Herabminderung der Schülerzahl auf allen Stufen. Diese sehr bescheidenen und wenig klaren Forderungen wurden mit einigen Aenderungen angenommen. Wie zahm die Lehrerinnen sind,»wie sehr sie am Dogma des Ueberkommenen hängen, das be- wiesen sie bei der Behandlung der Frage, ob angestellte Lehre- rinnen nach ihrer Verheiratung im Amte bleiben sollen. Während Frl. Wnllroih-Berlin als Refercntin die Frage entschieden bejahte, vertrat Fräulein Anna Herrmann-Berlin ebenso entschieden die ent- gegengesetzte Ansicht. Und der Vorstand legte eine Resolution vor, die sich durch Halbheit auszeichnet. Sie lautet: Der Landcsverein Preußischer Volksschullehrerinnen hält die Verbindung von Lehrberuf und Mutterschaft im allgemeinen nicht für angängig. Er glaubt, daß nur wenige Frauen fähig sein werden, den daraus erwachsenden Pflichten zu genügen. Er sieht sich daher außerstande, für eine Beseitigung der Verheiratuugs- klansel in den Anstellungsvrkunden der Lehrerinnen einzutreten, trotzdem er in dieser Klausel eine Beschränkung der persönlichen Frei- heit erblickt. Der L. P. V. tritt dafür ein, daß Lehrerinnen, die wegen Verheiratung ihr Amt aufgeben, für den Verlust ihrer Ansprüche auf Ruhegehalt entschädigt werden. Es ist eine Forderung der Gerechtigkeit, daß, wenn die Behörde die Ver- Wendung verheirateter Lehrerinnen in der Volksschule gestattet, sie diese verheirateten Lehrerinnen nicht, wie bisher, dem Ver- treterinnenelend überantwortet, sondern ihnen den Charakter der vensionsberechtigten Beamtin läßt. Auf die grundsätzliche Forderung zu verzichten, dafür aber keine materielle Vergünstigungen zu fordern, macht einen gerade nicht er- hebenden Eindruck. Junker und Klerikale, die daS Heft in Händen haben, wird man mit solcher nicht Fisch- noch Fleisch-Nesolution ver- teufelt wenig imponieren._ Gcrichtö-Zeitung. Rechte des Pächters bei Enteignungen. Das Reichsgericht hatte sich mit einem interessanten Enteig- nungsfall zu beschäftigen, für den das Oberlandesgericht Köln eine Eonderciltschädigung des Pächters für Aufwuchs und Wirtschasts- erschlvcrnisse abgelehnt hatte, weil der Eigentümerin des betreffen» den Grundstückes solche Entschädigungen bereits zugestanden worden waren. Das Oberlandesgericht verweist den Pächter an den Eigen- tümer. Dieser Auffassung tritt das Reichsgericht entgegen. Es handelt sich um folgenden Streitfall: Von zwei in der Ge- meinde Titz belegenen Grundstücken, die der Kläger von der Nutz- nießerin auf die Zeit vom Februar 18Sg bis dahin 1308 gepachtet hatte, wurde zum Zwecke der Anlegung der Berghcimer Kreisbahn je ein Teil enteignet, von der ersten Parzelle in der Größe von 77,22 Ar, von der zweiten in der Größe von 10,62 Ar. In dem Entschädigungsseststellungsbeschlusse des Bezirksausschusses vom 3. August 1900, in welchem auch das Verfahren für dringlich er- klärt wurde, ist bei der einen Parzelle eine Entschädigung von 11 491,39 M. für den Grund und Boden und für die Entwertung des Restgrundstückes, sowie ein Betrag von 453,70 M. für den Aufwuchs, und bei der anderen Parzelle ein Betrag von 2697,88 M. als Entschädigung für den Grund und Boden, Entwertung des Restgrundstücks und für Wirtschaftserschwernisse sowie ein Betrag von 62,39 M. alS Au fwuchsentschädigung festgesetzt worden. Der Kläger, der Ackerwirt F. in Ameln, focht diesen auch ihm zugestellten Entschädigungsfeststellungsbeschluß an und beantragte, die ihm zukommende Entschädigung festzustellen und den beklagten Kreis Bergheim zu deren Zahlung zu verurteilen Während der erste Richter dem Kläger eine Entschädigung von 4958 M. zuerkannte, wies das OberlandeSgericht Köln die Klage ab. Das Oberlandesgericht führte einmal aus, daß der Eigen- tümerin eine Entschädigung für den Aufwuchs zugestanden worden sei und der Kläger sich insoweit an diese selbst zu halten habe, so- fern der EntschädigungsfeststellungSbeschlutz in Betracht komme. In dieser Beziehung wird die Entscheidung des OberlandeSgerichts auch vom Reichsgericht gebilligt. Weiterhin hatte das Oberlandes- gericht den Anspruch des Klägers aber mit der Begründung zu» rückgewiesen, daß es Sache der Eigentümerin gewesen wäre, eine nicht zutreffende Bemessung der Entschädigung für die Wirtschafts- erschwernisse im Rechtsweg« anzufechten. Dies erkennt das Reichsgericht nicht an und kommt auf die Revision des Klägers hin zur Aufhebung dcS oberlandesgericht- lichcn Urteils. Der erkennende 7. Zivilsenat deS höchsten Gerichts- Hofs legt hierzu dar:„..Diese Erwägung trifft nur zu, soweit die den Eigentümern selbst erwachsenen Wirtschaftserschwcrnisse in Frage stehen. Dagegen kann der Kläger jedenfalls bezüglich der Wirtschaftsnachteile, die er durch die Enteignung allein erleidet, ohne daß die Eigentümer hierbei beteiligt sind, selbständig An- spräche gegen den Unternehmer erheben und er hat sie im gegen- wärtigen Rechtsstreit erhoben. ES ist daher gar kein Grund zu er- lennen. weshalb diesen Ansprüchen im gegenwärtigen Verfahren nicht nähergetreten sein sollte. Die Berufungsentscheidung müßte mithin schon aus diesem Grunde aufgehoben Werdern"__ Eine Spekulation aus b'aS Menschliche MitlelL führte gestern den Gelegenheitsarbeiter Bruno Schnlze.�unter der Anklage des wiederholten Betruges und des Bettelns vor den Strafrichter.— Der Angeklagte hatte zwei sechs- und achtjährige Kinder anständiger Leute, die in demselben Hause wie er wohnten, durch das Versprechen von Geldgeschenken zu überreden gewußt, mit einem von ihm geschriebenen Zettel in die Häuser zu gehen und zu betteln. Dieser Zettel hatte etwa folgenden In- halt:„Lieber Herr! Eine arme, unglückliche Mutter bittet für sich und ihre fünf Kinder um einen Bissen Brot. Mein Mann ist verunglückt und liegt seit drei Wochen im Krankenhause. Wir haben schon seit zwei Tagen nichts gegessen. Frau Nowack, Lichten- hcrg, Wartenbergstraße 49." Die beiden Kinder gingen mit diesem Bettelbrief auch in verschiedene Häuser und erhielten kleinere Geldbeträge, die sie an den Angeklagten abliefern mußten. Ein Postbote, dem dieses Treiben auffiel, ging den Kindern nach und bekam auch mit vieler Mühe aus ihnen heraus, daß sie der jetzige Angeklagte zu der Bettelei angeleitet hatte.— Die Folge war die jetzige Anklage. Mit Rücksicht auf die hohe Gemeingefährlichkeit des Treibens des Angeklagten erkannte das Schöffengericht auf eine Gefängnisstrafe von neun Monaten und eine Haftstrafe von vier Wochen._ Vermilcdtes. Dynanritcxplofion in einer Kafcmc. Wie ein Telegramm aus Havanna meldet, explodierte in P i n a r d e l Rio in der Kaserne der Landpolizei ein großes Quantum Dynamit. Durch die Explosion wurden etwa hundert Personen getötet und fünfzig schwer verletzt. Die Dynamitexplosion ereignete sich, während Arbeiter damit beschäftigt waren, das Dynamit in die Kaserne hineinzuschaffen. Die Regierung hatte diese Maßnahme angeordnet, weil sie glaubte, daß die in der Stadt vorhandenen Dynamitmengen in Anbetracht der kürzlich vorgekommenen Arbciterunruhen eine Gefahr für die öffentliche Sicherheit bedeuteten. Es erfolgten zwei Explosionen, bei denen im ganzen 3000 Pfund Dynamit explodierten. Die Wirkungen waren entsetzlich. Durch die Gewalt der Explosion wurden eine Anzahl Gebäude zer- trümmert, die unter sich viele Menschen begruben. Auch wurden durch die umherfliegenden Gesteinstrümmer eine Menge Personen getötet, andere schwer verletzt. Die Mehr zahl der Getöteten gehört der Landpolizei an. Es sind aber auch ganze Familien ums Leben gekommen. Man nimmt an, daß das Unglück dadurch verursacht ist, daß ein Arbeiter eine Kiste mit Dynamit zur Erde fallen ließ. Es muß gespart»verde«. Um der Forderung des abgehalfterten Reichskanzlers Fürsten Bülow nach größerer Sparsamkeit gerecht zu werden, bemüht sich die Mainzer Eisenbahndirektion in dem ihr unterstellten Bezirk, nach Möglichkeit Ersparnisse herbeizuführen. Da sich eine königlich preußische Behörde nicht mit Kleinigkeiten abgibt, ist eine durch- greifende Reform vorgenommen worden, die beste Aussichten auf Erfolg bietet. Nach einer Verfügung soll nämlich in Zukunft die Anzündung der Laternen und Lampen auf den Bahnhöfen unter Zuhilfenahme von H a n d l a t e r n e n geschehen. Man hofft, auf diese Weise durch geringeren Verbrauch von Streichhölzern bedeutende Ersparnisse zu machen. Die Bahnhofsvorsteher sollen außerdem den Verbrauch von Streichhölzern durch die Bahnhofs- arbeiter und-Beamten überwachen und prüfen. Ein sehr weiser Beschluß I Hoffentlich wird bald so viel zusammengespart sein, daß von den erübrigten Summen ein neues Panzerschiff gebaut werden kann!_ Ein Vielbeweibter. Wie der«New Aork Herald' meldet, wurde in PittSburg vor einigen Tagen der Oberst Jaim T e p l o w unter der Anklage der Bigamie verhaftet. Seit seiner Festnahme haben nicht weniger als zwölf Frauen den Verhasteten als ihren rechtmäßigen Gatten reklamiert. Die Behörde nimmt an, daß längst noch nicht alle seiner Frauen sich gemeldet haben. Die Verhaftung Teplows erfolgte, als er die Schmucksachen seiner letzten Frau versetzen wollte, um deren Schwester heiraten zu können. Immer standesgemäß. Ein de« humoristischen Beigeschmacks nicht entbehrende» Bor- kommnis bildet in Wesel zurzeit das Stadtgespräch. In nächster Zelt soll dort beim 56. Infanterieregiment ein militärische» Jubiläum feierlich begangen werden; es wurden zu diesem Zwecke an eine größere Anzahl Ehrengäste Einladungen versandt. Uebereinstimmend lautete die Einladung:«Zu dem..... Jubiläum werden Ew. Hochwohlgeboren" usw. Eine derartige Einladung erhielt auch ein Landrat, der einen Grafentitel vor seinen Namen fetzen kann. Der hohe Herr schickte das Schreiben an daS Regiment zurück mit der Bemerkung, daß er damit wohl nicht gemeint fei, und erläuterte feine Auf« fafsung dadurch, daß er das.Wohl' in Hochwohlgeboren unterstrich. Dieses Zeichen von Standesbewußtsein sollte dem gräflichen Landrat bei einer anderen Gelegenheit aber noch ein Schnippchen spielen. Vor einigen Tagen gab der kommandierende General ein Abschiedsessen. an dem auch der Herr Landrat teilnehmen wollte. Die Offiziere des Regiment? erklärten, daß sie an dem Essen nur teilnehmen würden, wenn Hochgeboren davon ausgeschlossen bleibe. So mußte denn der Oberst deS Regiments den Landrat an der Tür des Kasinos erwarten, um ihm die Auffassung der Offiziere bekanntzugeben. Ein sehr geistreiches Gesicht soll Hochgeboren dazu nicht gemacht haben. Kleine Notizen. Durch Starkstrom getötet. Wie uns eine Privatdepesche aus Stolp in Pommern meldet, ist dort bei der Verlegung von elektrischen Leitungen der Monteur Schimanski getötet worden. Der Verunglückte kam einer Starkstromleitung von 5000 Volt zu nahe, sodaß der elektrische Strom seinen sofortigen Tod herbeiführte. Ermordet wurde im Walde zwischen Nehberg und Molkenberg bei Rathenow gestern nachmittag ein unbekannter besser ge- kleideter Mann im Alter von 35—40 Jahren aufgefunden. Der Unglückliche ist durch Schläge auf den Hinterkopf getötet worden. Fluchtversuch eines Sträflings. Ein Arbeiter, der sich am Mitt« woch wegen Diebstahls vor der Strafkammer in Hannover ver» antworten sollte, unternahm einen Fluchtversuch, indem er aus der zweiten Etage auf den Hof des Justizpalastes hinabsprang. Der Waghalsige trug schwere innere Verletzungen davon. Bon einem heftigen Unwetter, das über zwei Tage anhielt, wurden in Südfrankreich mehrere Departements heimgesucht. AuS Arras und Lille wird berichtet, daß mehrere Personen von Blitzschlägen getroffen und zwei getötet wurden. Durch einen Brand wurden m der. Nacht zum Donnerstag in Petersburg 20 von Arbeitern bewohnte Häuser eingeäschert. 500 Menschen, deren geringer HauSrat vernichtet wurde, find obdachlos. Diebstähle und Unterschleift bei der französischen Schlafwagen- gesellschaft führte in P a r i S zu der Verhaftung von etwa zwanzig Personen. Neben Bediensteten der Gesellschaft wurden auch mehrere Lieferanten und Gastwirte verhaftet. » Bombennttentat. In Barcelona explodierten am Mittwoch- abend zwei Bomben, wobei eine Person leicht verletzt, sonst jedoch wenig Schaden angerichtet wurde. «Sitterungstiberst-ti« vom IS. Mai I»lv. morgen» S Ubr. «tattoaen 13 13 8.2 5 c S Bf gmtnembe 764 ONO Hamburg 761 ONO ötriin|761 SRO granff.a SR. 755 NO München i766 a,D Wien'759 D Setter 5 bester 3 bedeckt 3 beiter 1 heiter 2balbbd. 1 Dunst •i* f* h2> Stationen ij A§ c 5 §— «Bettet *5 t- Üi aparanda 765 N 2 bedeckt! g Petersburg 765 WNW 2 halb Bd. 10 Seiw, j 753 D SO-------" ■Üb erbten Hart» ivoaäjsu 3woltil j 760 SSO 2 Nebel >754 SO I 2 bedeckt 11 8 15 Wetterprognose fttt Freitag, den 80. Mat 1910. . ch heiter und am Tage warm bei ziemlich frischen östlichen Winden! Gewitter nicht ausgeschlossen, sonst trocken. _ WasserstandS-SiachrtMten Wasserstand Memel, Tststt H r e g e l, Jnsterbmg Weichsel, Thorn Oder, Rattbor » Krosien . Frantturt Warthe, Schrimm , Landsberg Netze, Vordamm Elbe, Lestmeritz , Dresden , Bardo , Magdeburg vaflerftand Saal», Grochlttz Havel, Spandau y , Ratben uro') Spree, Svremberg'j , BeeStow S c f« i, Münden , Minden Rhein. MaxtmillanSau , Kaub Köln Neckar. Hestbron» Main. Wertheim Mosel, Trier am 18. 5. cm 122 67 99 100 84 7 94 463 271 303 90 91 «est 17. 6. om1) —1 +2 —2 0 —9 —2 -1 -12 —18 —10 ■)+ bedeutet Wuchs,— Noll.•) Unterveget. Goerz'„Pagor"- und „Pentox"-Gläser. Orofiej Leger eimtlicher Modelle xu P(brtKpreise& Optiker Kuhnkei„ S p« z I» 1"• Prltmenglae im«) vergt,-«... M. 70.— 7.. 4-- ♦ M'™~ 8 s � M« 80.— 10 m rn 0 � 85.— Optiker Mnkes Jonnar-Brille stäaSä Hartnickel, eltilische Bügel........ M. 4.S0 Spozlal Gold-Couble,«ies tische Bügel..... 850 Ukar. tnae«. Geld»......22.- inkiuiive meiner vorzüglichen Optalgläser. Wenden Sie sich vertrauensvoll an eins meiner neun Ueschitte, ich garantiere Ihnen für passende Olgser Die Augen-Untersuchung wird mit größter Sorgfalt in eigens dazu eingerichteten Räumen kostenlos vorgenommen. Mit sinnreich konslrnierten Apparaten und den neuesten, wissenschaftlichen HUfsroitleln sind sie genistet, um ein richtiges Resultat zu erreichen. 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Max Priebke» Britzer Str. 14 II. Kowawes. Wilhelm Jappe, Friedrlchstr. 7. Ober-SebOneweide. August Heujcs. Lausmer Str. 2, l. Bankow. Otto Riftniann, Mühlenstt. 30. Iteinickendorr. P. Gursch, Kamekestr. 12. Rixdurf. M. Heinrich, Neckars«. 2. Conrad, Hermannstr. 60. Rnminelsbarg. A. Rosenkranz, Alt-Boxhagen SS. Sebmargendork. Gustav Kamtnskft» Cunowstr. 2. SebOneberg. Wilhelm Bäumler. Martin-Luther-Str. 61 im Laden. Spandan. Stoppen, Jagowftr. 9. Steglitz. H. Bernsee, Schloßstr. IIS. Tempelbel. Albert Thiel» Friedrich-DIlhelm-Str. SO. Treptow. Rodert Gramen,. Kiefbolzstr. 412. Laden. WVelktensee. Fuhrmann. Sedanstr. 105. Schillert, Känig-Thaussee 23». HWUniersdork. Paul Schubert, Wilhclmsaue 26, Hos parterre. Jgga Engelhardt aramel-Bier Alkoholarmes Speziaibräu. en für & Preis pro Flasche 10 Pfg. Ceberall ktafllch. 'lliamikllllkOMiMl-i BERLIN• PANKOW. OrSeete Malzbterbrauerel Deutochtand«. Jerliner irlieiter- -fereif Mitglied des Arb eitere Radsahrer-Bundet »Soltdaritäf. 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Protokoll über die Verhandlungen deS Parteitages der sozialdemo» kratischen Partei Preustens abgehalten zu Berlin vom 3. bis 6. Januar 1310. » Preis 2.— M. «gitationSauSgabe 1,20 M. txpellllloii lies„Vomärls", Berlin SW., Ltndcnstt. 09, Laden. Leranttvörtllcher gMaften Richard Barth, Berlin. Für dengnseratenteil verantw: Th. Glocke. Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärt» Buch drucket ei u. Berlagsanftalk Paul Singer& So. Berlin SW. Hr. 115. 27. Jahrgang. 2. KtilM des„ Freitag, 20. Mai 1910. Partei- Angelegenheiten. Zweiter Wahlkreis, Friedrichstadt. Sonntag, den 22. Mai cr., bei Julius Meyer, Oranienstr. 103: Zahlmorgcn für Zeitungs- druckerei-Nachtarbeiter. Tagesordnung: 1.(Zeschäilliches. 2. Referat des Kollegen Gustav Fusj über:„Deutschlands Weltpolitik". Guten Besuch erwarten Die Vertrauensleute. Friedenau. Sonntag früh 8 Uhr: Handzettelverbreitung von den bekannten Bezirkslokalen aus. Materialausgabe Sonnabend abend bei Schönefeldt. Montag, abends 8Vz Uhr, öffentliche Versammlung im„Rheinschloff", Rheinstr. 60. Landtagsabgeordneter Genosse B o r g m a n» spricht über:«Volksvertreter im Preußen- Parlament". Die geplante Besichtigung des Gemeinde-Elektrizitätswerkes kann umständehalber nicht stattfinden. Der Vorstand. Trebbin. Am Sonnabend, den 21. Mai, abends S'/a Uhr, im Schützenhaus(W. Fromm), Wahlvereinsversammlung. Tagesordnung: 1. Kasse und Aufnahme neuer Mitglieder. 2. Stellungnahme zur Stadt- und Gemeindevertreterkonferenz am S. Juni in Charlottenburg. 3. Verlegung des Versammlungslokals. 4. Erhebung eines monatlichen Beitrags von 6 Pf. für Trebbin, ö. Verschiedenes. Zernsdorf. Sonnabend, den 21. Mai, abends 3 Uhr, findet die Wahlvereinsversammlung im Lokale von I. Knorr statt. Die TageS- Ordnung wird in der Versammlung bekanntgegeben. Der Vorstand. Franz.-Buchholz. Sonntag, den 22. Mai, Agitationstour nach Buch. Abmarsch 6'/a Uhr früh von Hauptstraße 60. Die Bezirksleitung. Buch(Bezirk Franz.-Buchholz). Der Zahlabend findet Sonntag, vormittags pünktlich 8 Uhr, bei Starke statt. berliner JVacbricbten. Selbstgespräche moderner Zeitungskönige. Wie wird die Zeitung interessant? Das ist die Frage. an deren Lösung wir modernen, kapitalistischen Zeitungs- Verleger, Inhaber der großen Zeitungsfabriken von Scherl, Ullstein usw. Tag und Nacht unausgesetzt arbeiten unter Aufwendung nicht nur unseres eigenen kostbaren Hirn- schmalzes, sondern auch desjenigen unserer dafür bezahlten Angestellten. Die Presse ein Mittel zur Volksaufklärung, zur Er- ziehung, Bildung und Veredelung des Volkes? Ein Vor- kämpfer für Volksfreiheit und Volksrechte? Unsinn! Ueber- loundener Standpunkt! Wer wird denn so dumm seinl Wenn das Volk aufgeklärt werden würde, würde es ja unsere Zeitungen nicht mehr lesen.— Was die Presse dann noch für einen Zweck hat? Sehr einfach: Unsere Taschen zu füllen! Wir sind doch die Inhaber von Zeitungsfabriken. Wozu be- treibt denn der Kapitalist seine Fabrik, beispielsweise eine Fabrik von Hosenknöpfen? Etwa, um die leidende Kultur- Menschheit mit Hosenknöpfen zu versorgen? Lachhaft! Doch einzig und allein zu dem Zweck, Profit zu erzielen! Nun, ob es sich um Hosenknöpfe oder um Zeitungen handelt, das ist uns doch ganz egal. Vielleicht sind Hosenknöpfe für die Kultur sogar noch nützlicher als unsere Zeitungen. Auf den Artikel, der fabriziert wird, kommt es uns doch wahrlich nicht an. Profit, Profit, Profit! Das ist für uns die Haupt- fache. Das ist der oberste Zweck unserer Zeitungen, die Grundlage alles unseres Handelns. Ein Zweck, der aller- dings immer schwerer zu erreichen ist. Die Konkurrenz wird immer größer, das Publikum immer anspruchsvoller. Ein Glück nur, daß die Dummheit nicht ausstirbt. Es lebe die Dummheit! Gott segne die Schwartzpöpfferei, segne die preußifch-deutsche Volksschule, die unsere geehrten Mitbürger für unsere Zeitungen reif gemacht hat! Wir sollten theore- tische Aufsätze bringen, aus denen man etwas lernen kann, Artikel, die Wissen und Bildung vervollständigen? Wir sollten von unseren Lesern geistige Anstrengung verlangen? Das bringt uns ja nichts ein. Wir geben dem Pöbel leichte geistige Kost, die jeder Spießer mit Behagen verdaut. Interessant muß die Zeitung sein, interessant um jeden Preis! Morde, Sensationsprozesse, Verbrechen, Ehedramen. pikante und rührsame Romane. Fürstenempfänge, Artikel über das Brautkleid der Fürstin, über Prinzessinnen- Schwangerschaft und-Niederkunft, alles mit feiner journali- stischer Kochkunst zubereitet und mit Rührungs- und Sensa- tions-Sauce Übergossen, das setzen wir unfern Lesern als geistige Kost vor und sie verschlingen alles mit Wonne. Welche Richtung wir vertreten? Eigentlich gar keine. Schrieben wir gegen die Regierung, so stoßen wir die Patrio- ten vor den Kopf. Erklärten wir uns gegen die kapitalistische Ausbeutung, so würden uns die fetten Jnserateneinnahmen entzogen werden. Bekämpften wir offen die Sozialdemo- kratie, so würden wir die große Masse der Leser verlieren. Wir wollen es mit keinem verderben und winden uns deshalb so geschickt wie möglich zwischen den Meinungen hindurch. Nicht die Pflege irgend einer Gesinnung, sondern die Ge- sinnungslosigkeit ist unser Prinzip! Das schließt natürlich nicht aus. daß wir als kapitalistische Unternehmer die Interessen unserer Klassengenossen wahren. Bei Streiks und Aussperrungen stehen wir auf ihrer Seite. Wir nehmen sehr gern Streikbrecher-Jnserate auf. Wir nehmen natürlich nicht in langen Leitartikel für die Kapitalisten Partei, son- dern in irgend einer Plauderei. Der„Berliner Beobachter" und„Rentier Mudickes Stammtischreden" passen ausgezeich- net dazu. Ach. man kann ganz gut den unersättlichen Ar- bcitern und der begehrlichen Sozialdemokratie einen Seiten- hieb versetzen. Das freut die Kapitalisten und die Spieß- bürger. Der Pöbel, der unser Blatt liest, merkt nichts da- von. er ist zu dumm dazu. So wird unsere Tagespresse fabriziert. Aber das Ge- schäft mit den illustrierten Zeitungen geht fast noch besser. Genial muß man sein. Die Gründung der„Woche" war ein großer Zug. Die„Berliner Illustrierte" verstehts aber auch: auf einer Seite die Bilder von den Wahlrechtsdemon- strationen, auf der anderen irgend einen patriotischen Rum- mel— auf einer Seite die sozialdemokratische Landtags« fraktion, auf der andern die„allerhöchsten Herrschaften." Wie ist die Zeitung doch so interessant! So fabrizieren wir Tages- und illustrierte Zeitungen. Wer unsere Fabrikware liest? Nun, das Volk, die Spieß- bürger. die unaufgeklärte Arbeiterschaft, auch Tausende von organisierten Arbeitern. Seh'n Sie, das ist ein Geschäft, das bringt noch was ein!... Hunderttausende, auch Tausende organisierte Arbeiter �ese» die Klatschpresie! Wie lange noch?. Der Grunewald im Mai. Der Kalender der Feste und der Blütenkalender haben diesmal zwei der herrlichsten Blütenerschcinungen niit dem Pfingstfeste zusammenfallen lassen: die blaurötlichen Rispen des Flieders und die weißen, weithin leuchtenden der Kastanien. Beide Gewächse sind im hohen Grade von der Pflanztätigkeit des Menschen abhängig. Wir sehen sie daher fast immer nahe bei einander an den Stätten garten- und straßenmäßiger Kultur, aber wir lassen sie sofort hinter uns, wenn wir unter die Kiefern des Grunewaldes treten. Hier ist kein Feld für leuchtende Blütenpracht, denn der trockne Nadelstreuboden gibt auch der Pflanzenwelt, die auf ihm ge- deiht, etwas Trockenes, Hartes, wie das die Nadeln der Kiefern selbst am ausgeprägtesten zeigen. Aber nian würde doch irren, wenn inan sich den Boden im Grunewalde als bar eines Blütcnflores vorstellen wollte. Er erreicht gerade im Mai seine schönste Entfaltung und wenn man ein wenig ab- seits von den Hauptwegen querwaldein streift, wo das Grün etwas üppiger aufschießt, so geht man über gelbe, Weiße und blaue Blumen, die oft genug kleine Teppiche bilden. Am höchsten über das Gras reicht die Wolfsmilch, die daher, zu- mal sie auch immer truppweise zusammensteht, am weitesten sichtbar ist. Bei aller Lebhaftigkeit der Färbung ist etwas Trübes in den Blüten, wie das vielen Giftpflanzen eigen ist: so gar besonders gefährlich ist unsere Wolfsmilch übrigens nicht. Als Nahrungsmittel überläßt man sie allerdings am besten der Raupe des Wolfsmilchschwärmers ganz und gar. Ein zartes Weiß, das bisweilen ins Gelbliche sticht, schmückt die rasenartig vereinten Bestände der Walderdbeere. Sie steht gerade im vollsten Flor, und so mancher Spazier- gänger merkt sich schon jetzt die Stellen, wo cr zu gegebener Zeit den reifen Beeren seinen Besuch abstatten will. Nicht viel weniger zahlreich sind die Blüten des Waldveilchens, das nur im Geruch, nicht aber in der Schönheit der Erscheinung dem Märzveilchcn nachgibt. Rote Schmetterlingsblüten, von der Art, wie sie jeder bei den Erbsen kennt, zieren ein Pslänz- chen(Orodus montamis), für das ein Volksname nicht be- kannt ist. Dazwischen kriecht noch der Gundermann mit seinen zahlreichen blauen Blumen und an sonnigen Stellen machen sich die Sternkräuter mit schlanken, schmalblätterigen Stengeln und sehr regelmäßigen weißen Blüten bemerkbar. Viel weniger auffällig sind die Vertreter des Geschlechtes der Seggen und Gräser und ihrer Verwandten, die nur dem Suchenden durch die aus den Aehrchen heraushängenden gelben Staubbeutel auffallen. Die meisten Gräser haben die Aehrchen noch nicht entwickelt. Lassen wir hier und da einen Grashalm durch die Fingerspitzen gleiten, so merken wir bald einmal eine Verdickung im Halme: schälen wir ihn an dieser Stelle vorsichtig auseinander, so finden wir die Aehre oder Rispe des Grases an dieser Stelle schon fertig vorge- bildet, aber im engsten Räume zusamniengewickelt eingg- schachtelt. An vielen Stellen des Grunewaldes ist der niedrige Strauch der Preißelbeere zu finden, die neue und daher jetzt hellgrüne Blätter gebildet hat. Man muß aber genauer zu» sehen, wenn man die nach abwärts gekehrten, rötlichen Blüten finden will, die wie ein weitbauchiger Krug mit enger Mün- dung aussehen. An breiteren Wegen mit etwas feuchterem Boden gedeiht außer dem Gänseblümchen auch die allen Kindern liebe Butterblume. Beide blühen fast das ganze Jahr, aber be- sonders die Butterblume ist eine Maiblume, denn in keinem Monat entwickelt sie solche Mengen von Blüten, und sie soll ja damit auch an der gelben Färbung der Maibutter schuld sein. So bekannt die Butterblume ist, so besitzt sie doch eine sehr merkwürdige, im breiten Publikum nicht bekannte Eigen- schaft. Ihre Blüten entwickeln, wie es sich gehört, den männ- lichen Pollenstaub und die weiblichen Narben. Bienen und andere Insekten tummeln sich auf ihnen herum und man glaubte früher, daß auch bei der Butterblume keine reifen Samen entstehen könnten, wenn die Insekten nicht Pollen- staub auf die Narben übertrügen und so die Befruchtung ver- mittelten. Vor etwa sechs Jahren aber wurde entdeckt, daß der Pollenstaub der Butterblume nur noch schwach oder gar nicht befruchtungsfähig ist, ja, daß er überhaupt keine Rolle mehr bei der Hervorbringung der Samen spielt! Schneidet man von einer geschlossenen Knospe etwa in ihrer halben Höhe mit einem scharfen Messer den oberen Teil fort, sodaß nur die jungen Samen im unteren Teile erhalten bleiben. so reifen diese dennoch zu vollen, keimfähigen Samen heran. Diese geschlechtslose Vermehrung ist noch bei einer ganzen Reihe höherer Pflanzen nachgewiesen worden(bei niederen Organismen war sie längst bekannt). Worauf diese Art der Vermehrung eigentlich hinaus will, ob auf ein allmähliches Aufgehen d«r Geschlechtlichkeit bei den höheren Pflanzen oder nur auf eine Anpassung an die Lebensbedingungen bestimm- ter Gewächse, darüber gibt es nur Vermutungen. Jedenfalls sind die Geheimnisse der Pflanzenwelt schon bei unseren ge- wöhnlichsten Kräutern zu verfolgen, die wir oft kaum mit einem Blicke streifen._ Die Paradetage für immer schulfrei! Der Minister der geistlichen, Unterrichts- und Medizinal-Angelegenheiten hat jetzt ein für allemal bestimmt, daß der Unterricht in den- jenigcn Schulen der Vororte von Berlin, für welche die Frei- gäbe früher genehmigt ward, bei den Frühjahrs- und Herbst- Paraden ausfällt. Die nächste Parade findet bekanntlich am 1. Juni in Berlin statt. Der Kultusminister bleibt auf halbem Wege stehen, denn er hätte auch gleich die E i n z u g s f e r i e n in den Stundenplan mit aufnehmen können. Dann wäre reiner Tisch gemacht. Ueder die äußere Heilighaltung der Sonn- und Feiertag« erläßt der Polizeipräsident nunmehr folgende Verordnung, worauf wir bereits in der Sonntagsnummer des.Vorwärts' aufmerksam ge- macht hatten: Lluf Grund der 88 137 Abs.% 139, 43 Abs. 3 des Gesetzes über die allgemeine Landesverwaltung vom 3l>. Juli 1883 (Ges. S. S. 196), der Allerhöchsten Kabinettsorder vom 7. Februar 1837(Ges. S. S. 19) sowie der 88 e> t2, 15 des Gesetzes über die Polizeiverwaltung vom 11. März 1859(Ges. S. S. 265) wird mit Zustimmung des königlichen Oberpräfidenten zu Potsdam für den die Stadtbezirke Berlin, Charlottenburg. Schöneberg, Wilmersdorf. Rixdorf, Lichtenberg und die Landgemeindebezirke Boyhagen» Rummelsburg und Stralau umfaffenden Landespolizeibezirk Berlin folgendes verordnet: I. Die Polizeiverordnung vom 27. März 1903(I. Th. 2087, Amtsblatt S. 127) tritt vom Tage des Inkrafttretens der gegen- wärtigen Verordnung(IV unten) mit den aus dieser sich ergebenden Abänderungen auch für den Stadtbezirk Lichtenberg und die Land« gemeindebezirke Boxhagen-Rummelsburg und Stralau in Kraft. Die entsprechende Polizeiverordnung des kgl. Oberpräsidenten zu Potsdam vom 4. Juli 1898(Amtsblatt S. 306) tritt mit demselben Zeitpunkt für diese Bezirke außer Kraft. II. Die Absätze 1 und 2 des 8 6 der Polizeiverordnung vom 27. März 1903 erhalten folgende Fassung: 1. Das offene Aus« hängen und Ausstellen von Waren in und vor den Ladentiiren ist an Sonn- und Feiertagen nur während der zulässigen Verkaufszeiten gestattet. Außerhalb dieser Zeiten müssen die Ladentüren geschlossen sein. Schaufenster und Schaukästen sind während der Stunden deS Hauptgottesdienstes(8 15) zu verhängen. 2. Bezüglich des Gewerbe« betriebes im Umherziehen(8 55 Ziffer 1—3 der Gewerbeordnung) sowie des Gewerbebetriebes der im 8 � der Gewerbeordnung bezeichneten Personen(des sogen, ambulanten Handels am Wohnort) bewendet es bei den Verbotsvorschriften des 8 ö5a Absatz 1 der Gewerbeordnung und den auf Grund des Absatzes 2 daselbst seitens der Ortspolizeibehörden zugelassenen und zuzulassenden Ausnahmen. (3 wie bisher.) III. In 8 16 der Polizeiverordnung vom 27. März 1903 fallen die Worte„gegenwärtig 10—12 Uhr vormittags" fort. IV. Diese Verordnung tritt mit dem Tage ihrer Veröffentlichung im Amtsblatte der Königlichen Regierung zu Potsdam und der Stadt Berlin in Kraft. Die amtliche Veröffentlichung dürfte erst im Laufe der nächsten Woche erfolgen. Sie wird daher erst vom nächsten Sonntag ab in Kraft treten._ Zum Empfang deS„HaLcy" hatten sich in der gestrigen fllacht tausende Frühaufsteher, zum Teil auch„Nachtschwärmer" an den einzelnen Beobachtungspunkten auf« gestellt. Der Hauptanziehungspunkt war die Treptower Sternwarte mit ihrem Riesenfernrohr. Auch auf dem Kreuzberg, denr Tempel- hofer Felde sowie auf den Dächern richteten die„Kometcnsucher" ihre Blicke gen Osten, um endlich das kosmische Schauspiel zu sehen. Doch der seit Monaten so viel beschriebene Halley ließ sich nicht blicken, auch seines langen Schweifes konnte man nicht habhaft werden. So mancher fröstelnde Kometensucher hätte sicher gern die Be- obachtungSstelle mit dem Bette vertauscht. Endlich trat von Zeit zu Zeit die Sonne aus der Wolkenhülle hervor und beglänzte die schlaf« trunkenen Gesichter. Da noch immer nichts zu sehen war. zogen die Beobachter wieder enttäuscht von dannen. Ein alter Geizhals. Im Alter von 89 Jahren starb in Berlin der Geheime Konnnerzienrat Moritz Plaut, ein sehr reicher Mann und dabei ein seltsamer Geizhals. Die„B. Z. a. M." erzählt von ihm folgende Geschichte: An schönen Sommernachmittagen konnten die Besucher des Zoologischen Gartens ein gebücktes, hageres Männchen beobachten, das in einem Ueberrock von recht unbestimmt brauner Farbe und einem Zylinder auf dem Kopfe, der zur Revo« lntionszeit modern gewesen sein mochte, umgeben von Kindern und Bonnen, auf den Stühlen vor der Musikkapelle den Klängen lauschte. Niemand, der den alten Herrn nicht kannte, ahnte, daß das ein Mann war. der über 100 000 M. Steuern jährlich dem Staat entrichtete. Diese Bänke waren der Lieblingsplatz des alten Plaut, denn dort brauchte man— nichts zu verzehren. Er konnte nicht annähernd die Zinsen feines Vermögens verbrauchen, aber er brachte sich seine eingewickelten Stullen mit in den Zoo. Besucher des Ausstellungsparkes wollen ihn sogar dort aus einer Treppe am äußersten Ende des Parkes haben seine Stullen essen sehen, um die Ausgabe für die Getränke zu sparen. Sein Geiz bot natürlich den Änckdotenerfindern, die an der Börse be» sonders zahlreich sind, ein reiches Feld. Sie erzählten von ihm, daß er, wenn er wirklich einmal ein Cafs oder ein Restaurant be» suchte, vor dem Zahlen fortging und den genau ausgerechneten Gegen« wert seiner Zeche seinen Freunden übergab, damit er dem Kellner kein Trinkgeld zu zahlen brauchte. Sie behaupteten sogar, daß er Groschen und Sechser, die er auf dem Börsenparkett fand, auf« hob.— Als wenige Jahre vor Uebergang seiner Firma an die Brcslauer Diskontogesellschaft eine flaue Geschäftszeit herrschte, erzählte man eines Tages an der Börse, der alte Plaut sei durch die Bureaus gegangen und habe zu seinen Angestellten gesagt: „Kinder, Kinder, es ist doch bei den faulen Zeiten gar nichts zutun: belastet mal jeden Kunden für einen Taler Spesen."— Einst fand bei einem seiner Verwandten eine Festlichkeit statt, bei der Scherz» gaben verteilt wurden. Auf dem Tische, wo diese Gaben ans- gestellt waren, stand auch eine verdeckte Schüssel mit der Aufschrift: „Geschenk des Herrn Geheimrat Plaut". Wenn man den Deckel der Schüssel aufhob, so sah man darin ein Stück eines faulen Apfels. — Vis in das hohe Alter hinein hegte der alte Herr eine große Vorliebe für das schöne Geschlecht, doch mußte er einst aus dem Munde einer Dome eine bittere Anspielung auf seinen Geiz hören. Als er nämlich auf einer Gesellschaft zu ihr sagte:„Aber, gnädige Frau, was haben Sie für schöne Arme l" antwortete sie ihm schlagfertig:„Nanu, Herr Geheimrat, seit wann interessieren Sie sich für Arme?" Zahlreiche Lauiendiebstähle, die seit Monaten in Berlin und den Vororten verübt wurden, dürften durch die Festnahme einer Ein- brecherbande aufgeklärt werden. Es handelt sich um die beiden Gelegenheitsarbeiter Donike und Jeske und um die Braut deS letzteren, die unverehelichte Rutz. Das Trio betrieb die Laubeneinbrüche Monate hindurch in großem Stil. Bei einer Durchsuchung der Behausungen der Einbrecher förderte die Polizei große Lager von Beutestücken zutage. Damit nun den bestohlenen Laubenbesitzern Gelegenheit geboten wird, wieder zu ihren ge» stohlenen Gütern zu kommen, hat sich die Polizei entschlossen, am nächsten Sonntag auf dem Sportplatz„Thasmania" an der Grenz-Allee eine Ausstellung der gestohlenen Gegenstände zu veranstalten. Die Laubenbesitzer können dann alles in Augenschem nehmen. Die verhafteten Einbrecher haben bisher fünfzig Einbrüche eingestanden. Ein BootSunfall ereignete sich gestern nachmittag auf dem Krossinsee bei Wernsdorf. Dort kenterte bei heftigem Winde ein mit drei Insassen, einer Dame und zwei Herren besetztes Boot des Grünauer Klub„Oberspree". Die beiden Herren wurden gerettet, während die Dame, ein Fräulein Hildebrandt, ertrank. Der Mangel an sanitären Einrichtungen auf den Bahnhöfen machte sich am 2. Feiertage auf der Station Heerstraße stark bemerk» bar. Infolge deS überfüllten Zuges wurde ein Mann unwohl. Da der Zug zufällig keine Ausfahrt hatte, schickten Mitpasiagiere nach Waffer. Aber wo ein Gefäß hernehmen? Nach langem Warten kam ein Passagier, der den Wagen verlassen hatte, mit einem Tops Waffer an. Es war ein Kaffeetopf, den er von anderen Mitfahrenden erhalten hatte; aus dem Bahnsteig war ein Gesäß nicht aufzutreiben gewesen. Schaffner standen ratlos dabei, damit niemand aus dem Zuge herausfiel. Es wäre doch ein dringendes Erfordernis, daß für Hilfsmittel bei Unfällen gesorgt würde, zumal an besonders verkehrsreichen Tagen solche Unfälle sehr häufig vorkommen können. Lom Tode überrascht wurde gestern vormittag um �12 Uhr der 60 Jahre alte Buchhändler Kolbe auS der Philippstraße S. Am Schiffbauerdamm, in der Nähe des Bahnhofs Friedrichstraße, brach er plötzlich zusammen. In bewußtlosem Zustande wurde er nach der Charitü gebracht. Einige Minuten später starb er jedoch. Wahr« scheinlich ist er einem Herzschlage erlegen. Die Leiche wurde nach dem Schauhause gebracht. Ein schweres Verbrechen ist gestern in dem Hause Mühlenstr. 41 verübt worden. Ein unbekannter, etwa 20 jähriger Bursche schleppte das fünfjährige Töchterchen des Kaufmanns P. nach dem Bode» hinauf und dergewaltigte dort die Kleine. Um sein wehrloses Opfer am Schreien»u hindern, drückte er ihm den HalZ zu. Einige Zeit später wurde oa-Z Kind in bejammernswertem Zustande von Haus- bewohnern aufgefunden. Der gefährliche Attentäter hatte inzwischen die Flucht ergriffen. Leider vermag die kleine P. eine Beschreibung von dem Burschen nicht zu geben. Es wird vermutet, daß der Ver- brecher auch der Urheber anderer in letzter Zeit vorgekommener Attentate an Mädchen ist. Ihres Kindes entledigt hat sich vorgestern mit aller Vorsicht eine unbekannte Mutter. An dem Hause Lursenplatz S, das zur CharitS gehört und verschlossen ist, klingelte es gestern vormittag. Der Pförwer, der auf das Zeichen durch eine automatische Vorrichtung öffnete, sah nur noch, wie ein junges Mädchen ein Kind im Stech- kiffen auf den Hausflur legte und dann eiligst wieder verschwand. Während die Mutter nach dem Neuen Tor zu davonlief und nicht eingeholt werden konnte, übergab der Pförtner den Findling einer Frau im Hause, bis die Polizei ihn nach dem Waisenhause bringen ließ. Das Stechkissen ist weiß und war mit einem roten Tuch um- wickelt. Es handelt sich anscheinend um ein armes Mädchen, das ans der Entbindungsanstalt der Charits entlassen worden ist und nicht wußte, was eS mit dem Kinde anfangen sollte. Ein Mädchen mit einem Kinde erhält so leicht keine Stellung und kommt schließlich auf den Gedanken, das Kind irgendwo hinzulegen, wo es gefunden wird, während wieder andere in ihrer Verzweiflung und Ratlosigkeit zur Mörderin werden. Immer sind aber die sozialen Verhältnisse die Ursache zu solchen Taten. Borsicht bei Pilzgenuß. Der Polizeipräsident gibt bekannt: Da mit dem Eintritt der wärmeren Jahreszeit die Pilze wiederum in der allgemeinen Ernährung eine Rolle zu spielen beginnen, wird darauf hingewiesen, daß auch anerkannt genießbare und bekomm- liche Sorten geeignet sein können, die menschliche Gesundheit zu schädigen sobald sie eine teilweise Zersetzung erlitten haben. ES ist daher beim Einkauf und beim Sammeln von Pilzen darauf zu achten, daß nur junge, durchaus gesunde Exemplare als Nahrungs- mittel Verwendung finden dürfen, während die alten auSgewach fenen. sehr wässerigen oder in Zersetzung befindlichen Pilze zu ver werfen sind. Ein sicheres Merkmal, giftige Pilze von unschädlichen zu unter scheiden, gibt es außer der genauen Kenntnis der einzelnen Sorten nicht. Die hierfür empfohlenen Mittel—, Eintauchen eines silbernen Löffels, Mitkochen einer Zwiebel oder ähnliche—, sind nur geeignet, Irrtümer herbeizuführen und daher zu verwerfen. Es muß deshalb davor gewarnt werden, unbekannte Sorten von Pilzen zu genießen. Besonders wird darauf hingewiesen, daß in der Umgebung Berlins ein dem Wiesen-Champignon ähnlicher Pilz, der ,.K n o l le n b l ät t e r sch w a m m". vor. kommt, der stark giftig ist, sich vom Champignon aber durch den am Grunde knollig verdickten Stiel, das Fehlen des würzigen Ge- ruches und die Farbe der Lamellen unterscheidet. Während diese nämlich beim Champignon in der Jugend rosa, später bräunlich und dunkelbraun gefärbt sind, zeigen sie bei dem Knollenblätter- schwamm stets eine weiße Farbe. Da dieser Pilz nur wild wächst, desteht die Gefahr einer Verwechselung bei den künstlich gezüchteten Champignons nicht. Der vielfach verkaufte..Steinpilz" ist in hiesiger Gegend gefahrbringenden Verwechselungen nicht ausgesetzt, doch empfiehlt es sich, alle ähnlich aussehenden Pilze vom Genuß auszuschließen. sobald sie an der Bruchfläche in kurzer Zeit blau anlaufen. Ferner wird bemerkt, daß die Unschädlickkeit der gelegentlich auf den Markt gelangenden sogenannten„Trüffel", eines nuß- bis kar- toffelgroßen knolligen und ungestielten, der echten Trüffel ähnlichen Pilzes, der aber außen gelblich— weiß gefärbt und häufig warzig — schuppig ist, noch nicht erwiesen ist, so daß sein Genuß besser unterbleibt. Im allgemeinen kann empfohlen werden, alle Pilze— auch die getrockneten— nach dem Reinigen mit kaltem Wasser zunächst einmal mit Wasser aufzukochen, dieses Wasser fortzugießen und die Pilze alsdann erst weiter zu verarbeiten. Vorzüglich gilt dies für die„Morchel n". unter welchem Namen hier fast ausschließ- lich die„Lorchel n" verkauft werden, die einen gesundheitlich nicht unbedenklichen, aber durch das Abkochen nach bisherigen Er- sahrungen zu entfernenden Stoff enthalten. Im übrigen bemerke ich, daß im Verlage von Julius Springer, Hierselbst, Monbijou-Plah Nr. 3, ein Pilzmerkblatt erschienen ist. Dieses Merkblatt, welches im Kaiserlichen Gesundhcitsamte be- arbeitet und zum Preise von 10 Pf.(einschließlich Porto und Ver- Packung 15 Pf.) von dem genannten Berlage zu beziehen ist, enthält eine Beschreibung der wichtigsten eßbaren Pilze, sowie derjenigen giftigen, welche am leichtesten mit solchen verwechselt werden kön- nen. Es gibt außerdem einen Uebcrblick über die Bedeutung der Pilze als Nahrungsmittel, sowie über die Erkennung und die erste Hilfe bei Pilzvergiftungen. Vom Rade gestürzt und schwer verletzt wurde gestern nach- mittag der 25 Jahre alte Kellner Otto Braygha aus der Borsig- straße 17. Als er die Zelten-Allee mit seinem Zweirade entlang fuhr, stürzte er von dem Rade so unglücklich, daß er gegen einen Baum geschleudert wurde. Er zog sich eine schwere Kopsverletzung und eine Gehirnerschütterung zu, so daß er in besinnungslosem Zu- stände nach der Charitö geschafft werden mußte. Die Fahrt auf den Eisenbahnpuffern. Bei einer wagehalsigen Fahrt brachte sich ein junger Mensch in die größte Gefahr. Er hatte auf dem Bahnhof Steglitz einen Wannseebahnzug bestiegen und als sich der Train in Bewegung setzte, öffnete er plötzlich die Coupsetür, kletterte an der Hinteren Seite der Trittbretter entlang und ließ sich dann auf den Puffern des Waggons nieder. Er konnte hier jeden Augenblick herunterstürzen, da er vergeblich versuchte, sich irgendwo festzuhalten. Mehrere Fahrgäste, die das gefährliche Unternehmen beobachtet hatten, ließen den Zug auf freier Strecke halten, worauf der Unfugstifter von seinem gefährlichen Sitz heruntergeholt wurde. Der waghalsige„Pufferreiter" wird nun ein recht stattliches Straf- mandat zu erwarten haben, wenn er nicht etwa, was vermutet werden kann, im Kopfe nicht ganz klar sein sollte. Mit einer Schußwunde im Kopf wurde vorgestern morgen ein junger Mann noch lebend aber bewußtlos in einem Gebüsch des Tiergartens aufgefunden. Der Schwerverwundete, bei dem man nur noch 5 Pf. und einen Pfandschein in den Taschen fand, ist gestern in der Charitö gestorben, ohne das Bewußtsein wieder erlangt zn haben. Zür Feststellung seiner Persönlichkeit fehlt eS an einen, bestimmten Anhalt. Der Verstorbene ist etwa 22 Jahre alt und ist 1,75 Meter groß, hat dunkelblondes Haar und einen Anflug von dunkelblondem Schnurrbart, ein längliches, schmales Gesicht und graublaue Augen. Er trug einen grauen Gummimantel, einen dunkelgrauen, gestreiften Jackettanzug, grau gestreifte Strümpfe und schwarze Schnürschuhe. Seine weiße Wüsche ist 0. D. Z. gezeichnet. Etwaige Mitteilungen über den jungen Mann nimmt die Kriminal« Polizei des ersten Bezirkes im Zimmer 408» des Polizeipräsidiums entgegen. Das Opfer der Spandauer Dampferkatastraphe, die 17 jährige Tochter Margarete des in der Goethestr. 67 wohnhaften Bureau- Vorstehers Wiehu, konnte bisher noch nicht aufgefunden werden. Di« Dampser-Gesellschasi„Stern" hat die Havel von der Unfallstelle an der Lehrter Eisenbahnbrücke bis nach Pichelswerder mit Grundnetzen absuchen lassen, aber ohne Ergebnis. Die Meldung, daß bei der Schiffskollision noch eine zweite Passagierin de» Dampfers„Leopold von Ranke" ertrunken sein soll. ist noch nicht bestättgt worden.— Die Schuldfrage ist, wie unS mit- geteilt wird, bisher immer noch nicht geklärt. ES ist übrigens amt- lich festgestellt worden, daß die grünen und roten SchiffSsignale an der Lehrter Ciseubahndrehbrücke vorschriftsmäßig gebrannt haben, während die Mannschaft des Dampfer»„Leopold von Ranke" be> hauptet, daß eine Beleuchtung an dem fraglichen Abend nicht statt- gefunden habe. Vorort- JVacbiicbtetfc Wilmersdorf. Ein Ortsstatut gegen die Verimstaltuitg von Straßen und Plätze» hat der Magistrat von Wilmersdorf der Stadtverordnetenversammlung unterbreitet. Anfänglich hat man versucht, durch Bauprämicn die künstlerische Gestaltung der Bauten zu fördern, doch ist dieser Versuch seiner Erfolglosigkeit wegen wieder aufgegeben worden. Nach dem neuen Statut sind in den hauptsächlichsten Straßen und Plätzen der Stadt die Bauten und baulichen Aenderungen so auszuführen, daß sie sich dein bestehenden Straßeubilde in einer das künstlerische Empfinden befriedigenden Weise einfügen und zugleich zur künstlerischen Ausgestaltung des Gesamtbaubildes beitragen. In der Formengebung und Materialienverwendung ist künstlerischer Freiheit angemessener Raum zu lassen, doch kann zur Erzielung eines eigen- ortigen Gesamtbildes von Straßen und Plätzen die Anpassung an Stilformen, die in der Umgebung bestimmend zur Anwendung kommen und bei Annahme einer bestimmten Stilform die Ver- Wendung echten Materials gefordert werden. Reklame- anzeigen, insbesondere Schilder, Schaukästen. Aufschriften und Abbildungen dürfen im ganzen Sladlbezirk nur mit besonderer bau polizeilicher Genehmigung angebracht iverden; sie sind so an- zuordnen und auszuführen, daß sie das Straßen-, Platz- und Orts- bild nicht gröblich verunstalten. Daher ist die Genehmigung zur Anbringung auf Dächern, auf Giebelwänden und Vorgarten- einfriedigungen in der Regel zu versagen. Unverständlich bleibt, warum der Magistrat daS Ortsstatut nicht auf die ganze Stadt ausgedehnt wissen will. Wie aus dem iu diesen Tagen erschienenen Bericht der Gemein samen Ortskrankenkasse Deutsch- Wilmersdorfs und Umgegend für 1303 hervorgeht, haben sich infolge der Beitrags erhöhung die Finanzen der Kasse günstig entwickelt, so daß dem Reservefonds 49 393 M. zugeführt werden konnten. An diesem Er« gebnis ist jedoch eine gewisse Sorte von Arbeitgebern, die in Wilmersdorf ganz besonders in Betracht kommt, ziemlich unschuldig. Der Bericht beflagt, daß die Kasse, trotzdem sie den Arbeitgebern soweit als möglich entgegenkam, dennoch in 2704 Fällen die Hilfe der Aufsichtsbehörde in Anspruch nehmen mußte, um zu ihrem Beide zu kommen. Das ist bei einem durchschnittlichen Bestände von 11 060 versicherten Mitgliedern nicht gerade wenig. Der Erfolg der zwangsweisen. Bei« t reib un g lohnte allerdings kaum die darauf verwendete Mühe, denn eS konnten nur 771,25 M. vom Gerichtsvollzieher herbei geschafft werden, während 4481,49 M. als Außenstände gebucht werden mußten. Auf Beschluß der Generalversammlung hat die Kaste die Namen der fruchtlos gepfändeten Arbeitgeber sin Bericht veröffentlicht. Recht tvenig ist der Kassenbericht mit der freien Arzt wähl zufrieden.„Je größer die Anzahl der Lcrzte," so heißt e», „desto geringer der Anteil eines einzelnen an dem Ganzen; das Interesse für die Mitglieder und die Kasse ist dann leider nicht in dem Matze vorhanden, wie es im Interesse beider Teile geboten erscheint. Im Hinblick darauf, daß die Berträge mit dem Aerzteverein am 31. Dezember 1010 ablaufen, fordert der Vorstand ein Mit bestimmungSrecht über die Anzahl und die Anstellung der für die Kasse in Anspruch zu nehmenden Aerzte. Selbstverständlich wendet sich der Kassenbericht mit Entschieden heit gegen die der Selbstverwaltung feindlichen Neuerungen im Eni Wurf der ReichsversicherungSordnung. Die OrtSkraiikenkasse macht dann noch die Mitteilung, daß eS ihr in Gemeillschaft mit den Ortskrankenkassen von Friedenau und von Tempelhof gelungen ist. in Groß-Besten ein GenesungS- heim für die Mitglieder einzurichten. Der Kaufpreis stellt sich auf 135 000 Mark; am Besitz nimmt die Ortskrankenkasse für WilmerS dorf zur Hälfte, die Ortskrankenkassen für Friedenau und für Tempel- Hof zu je ein Viertel teil. Nixdorf. Wegen fortgesetzter Mißhandlung ihrer acht Jahre alten Tochter Gertrud ist gegen den Bewohner Sch. aus der Knesebecksw. 20 und dessen Ehefrau eine Untersuchung eingeleitet worden. Dem Rektor Hestert von der 0. Gemeindeschule in der Knesebeckstraße fiel eS aus, daß die Kleine öfter mit Verletzungen nach der Schule kam. zuletzt mit einer starken Verletzung an der linken Hüfte. Er benachrichtigte den Schularzt Dr. Rosenthal und dieser stellte fest, daß die Wer letzungen von Mißhandlungen herrührten. Die weiteren Er Mittelungen belasten die Eltern außerordentlich schwer. Zeugen aus dem Hause bekunden, daß da» Kind schon seit drei Jahre» fast tag lich mißhandelt worden ist. Die Eltern geben, wie gemeldet wird, zu, das Kind öfter gezüchtigt zu haben, vielleicht auch über das be- rechtigte Maß hinaus, behaupten aber, daß sie durch Naschhaftigkeit und Verlogenheit der Kleinen dazu gezwungen gewesen seien. Mit einem bedauerlichen Auftritt endete, wie man uns berichtet, am zweiten Feiertage das öffentlich« Tanzvergnügen im Deutschen Wirtshaus. Als gegen 12 Uhr abend» bekannt wurde, daß das Lokal fernerhin für die Arbeilerschaft gesperrt ist, verließ der größte Teil der anwesenden tanzlustigen Jugend das überfüllte Lokal. Einige junge Leute versuchten nun die noch Anwesenden zu ver- anlassen, ebenfalls das Lokal zu verlassen und die Musik an» Weiter spielen zu hindern. Der herbeigerufene Wirt Herr Arnold schickte nunmehr nach polizeilicher Hilfe. Kurz darauf wollte ein Schutzmann einige Sistierungen vornehmen, hierbei kam eS zu heftigen Auseinandersetzungen. in deren Verlauf der Beamte blank zog. ES wurden hierbei mehrere Personen verletzt und in der Unfallstation verbunden. Daß selbst die tanzlustige Jugend nicht in einem Lokal, daS der Arbeiterschaft nicht auch zu Versammlungen zur Verfügung steht. weiter verkehren will, ist zwar erfreulich, jedoch hätte man unter allen Umständen einem Konflikt aus dem Wege gehen müssen. Tharlottenburg. TodeSsturz aus der vierten Etage. Aus verletztem Ehrgefühl in den Tod gegangen ist vorgestern das 22 jährige Dienstniädchen Ida Lenz, die in einem Sanatorium in der Mommsenstraße 15 in Stellung Ipar. DaS junge Mädchen wurde beschuldigt, einen kleinen Geldbetrag entwendet zu hoben, bestritt jedoch dies ganz entschieden. Als die L. vorgestern vormittag auf dem zuständigen Polizeirevier vernommen worden war, lief sie nach ihrem in dem vierten Stock- werk belegenen Zimmer und stürzte sich aus dem Fenster auf den Hof hinab, wo sie mit zerschmetterten Gliedmaßen tot liegen blieb. Tempelhof. Infolge Verlegung des HauptgotteSdiensteS bleiben von nächsten Sonntag ab die Geschäfte von O'/z bis 11'/« Uhr geschlossen. Bon einem Zechpreller, der bereits in Steglitz sein Unwesen ge- trieben hatte, sind auch eine Anzahl hiesiger Wirte geschädigt worden. Bei seiner Festnahme entpuppte sich der Schwindler als ein stuck. pbil. Hübner. Er hatte keinen Pfennig w der Tasche. Friedrichsfelde. Ein tödlicher Unglücksfall ereignete sich am vorigen Freitag in der dritten Abteilung der Freien Turnerschast Rummelsburg in Friedrichsfeld«. Hier stürzte der ZöglingSturnwart Wilhelm Grosse beim sogenannten Stürzer vom Reck, wobei demselben der Schädel zerschmettert wurde. Der Verunglückte wurde von seinen Turn- genossen nach dem Krankenhaus am Friedrichshain geschafft, wo er am Mittwoch seinen Verletzungen erlegen ist. Petershagen b. Fredersdorf. In der letzten Geuiciudcvcrtretiing wurde Herr Herm. Luca» mit neun gegen zwei Stimmen als Schöffe gewählt.— Vom Fließ bis zum Bahnübergang sollen vier Laternen zur Auf- stellung kommen, jodoch steht dt« Genehmigung der Bahnverwaltung noch aus. Köpenick. Die Bibliothek der hiesigen Getverkschaftskomwisfioa wird zweck? Renovierung derselben vom 1. Juni ab geschlossen. Diejenigen Leser, welche noch im Besitz von Büchern sind, werden ersucht, die- selben bis zum 80. Mai beim Genossen Wipler, Kietzerstraße 6, ab« zuliefern. Die Wiedereröffnung erfolgt am 1. Juli. Die Bibliothek- kommission. Spandau. lieber„die Bedeutung des Gewerbegerichts und der Wahl" sprach hier am Mittwoch der Gewerkschaftssekretär Eugen Brückner in einer von der hiesigen GewerlschaftSunterkommission einberufenen öffentlichen Versammlung bei Bohle, Havelstr. 20. An mehreren Beispielen erläuterte der Referent der stark besuchten Versammlung daS Frankfurter Proportionalwahlsystem, unter dem hier zum ersten Male die Gewerbegerichtsbeisitzerwahlen stattfinden, und wies auf die Notwendigkeit hin, bei diesem System die äußersten Anstrengungen zu machen, wenn die Liste der freien Gewerkschaften glatt gewählt werden soll. Er führte auch u. a. auS, daß die Verhältniswahl und zwar obligatorisch schon lange zu den ersten Forderungen der sozial- demokratischen Partei gehöre. Leider wäre bisher nur da diese Forderung anerkannt worden, wo die Gegenparteien in der Minorität waren und Aussicht hatten, unler diesem System für sich etwas herauszuholen. Die Ausführungen des Referenten wurden mit großem Beifall aufgenommen. In der Diskussion gaben noch die Gewerbegerichtsbeisitzer Ganzer und Fallseher, sowie der Kartellvorsitzende Ritzmann kurze Etläuterungen, die Wahl betreffend, ab. Auf eine Anfrage führte noch der Referent aus, daß Gewerbetreibende, wenn sie auch nicht sin Besitz einer Gewerbe- steuerquitwng, doch als Arbeitgeber wahlberechtigt sind, sobald sie einen Gewerbeschein vorlegen können. Nach einer Aufforderung des Versammlungsleiters Genossen Ritzmann, rege Agitation für die Wahl zu entfalten, wurde die Versammlung um>/,11 Uhr ge- schloffen._ Versammlungen. Die Hutmachcr nahmen in ihrer am Dienstag abgehaltenen Mitgliederversammlung den Bericht über den außerordentlichen Ge, werkschaftskongreß entgegen, erklärten sich mit den Beschlüssen des, selben einverstanden und regelten dann die Erhebung der Unter- stützungsbeiträge für den Kampf im Baugewerbe. ES wurde bc- schloffen, daß die männlichen Mitglieder einen wöchentlichen Extra, beitrag von 20 Pf., die weiblichen einen solchen von 5 Pf. zu zahlen haben. Dieser Beitrag soll für die Dauer von 10 Wochen erhoben werden. Mit der Erledigung der mit der Erhebung deS Extra, beitrages verbundenen Geschäfte wurde eine besondere Kommission betraut.— Ferner stellte die Versammlung eine Kandidatenliste für die am 17. Mai stattfindende Delegiertenwahl zum Verbands- tage auf, der am 6. Juni abgehalten wird.,>— Zentral-Kranken- und Sterbekasse der Tischler«sw. Dl« OrtS» verWallungen Berlins und Umgegend genannter Kasse versammeln sich heute abend S>/, Uhr im Gewerlschasishaule, Saal 7. Allgemeine Kranken- und Tterbekasse der Metallarbeiter (S. H. LS, Hamburg). Filiale Wilhelmsruh. Sonnabend, 21. Mai» abends S Uhr, bei vatth, Biltoriastr. 4: Generalversammlung. eingegangene Dnickfcfmften. von der„Neuen Zeit«(Swttgart, Paul Singer) ist soeben baS Z4. Heft des 28. Jahrgangs erschienen. ES hat folgenden Inhalt: Di« sranzösischen Wahlen vom 24. April und S. Mai. Von Eh. Rappoport lParis).— Die wirtschafllichen und soziale» Ursachen der persischen Revo- lution. Von Arschavir Tschilintittan.(Schlus.)— Zum Elsässcr Oktroistreit. Von Jean Martin(Mülhausen t. E.).— Technisch-wirtschaslliche Rundschau. Von Richard Woldt.— Notizen: Was kann der Arbeiter für Bildung«. zwecke auswenden 1 Von-kl-. Fünsundzwanzlg Jahre Lithographen-- und Steindruckerorganisatlon. Von Kurl Heinig, Berlin. Die Arbelterverhältnisse in Australtcn. Von I. k..— Zeitschristenschau. Die„Neue Zeit-' erscheint wöchentlich einmal und ist durch alle Buch- bandlungen, Postanstalten und Kolporteure zum Preise von 3.25 M. pro Ouortal zu beziehen; jedoch kann dieselbe bei der Post nur pro Quartal abonniert werden. Da» einzelne Hest kostet 25 Ps. Probenummern stehen jcderzelt zur Verjügung. Arbeiter-Jugend. Die soeben erschienene Nr. 11 hat a. a. folgenden Inhalt: Deutschland» Schutz und Wehr. Von Julian Borchardt.— Aus meiner Kindheit. Von Otto Krill«.— Die Entstehung des Kapitalismus. II. Der Ursprung des Kapital«. Von Gustav Eckstein.— AuS der Geschichte der Sozialdemokratie. Von Wilhelm Schröder.— Wie entstand unsere Erde.(Illustriert.) Von M. H. Baege.— Die Jugendbewegung Württem- bergs.— vom Kriegsschauplatz.— Bon den Gegnern, usw.— Beilage: Gefundenes Geld. Erzählung.— Eine soziale Dichtung aus dem Altertume. Von Hermann Duncker.— An die Jugend. Gedicht von Emma Döltz.— Märkisch« Schönheit. Von Edgar Hahncwald.(Mit Jlluftrattonew)— Warum und wie sollen wir Deutsch lernen? Bon R. Franz.— Bücher für die Jugend.— Der verratene Schneider- Erzählung von A. Rh.— FrühIingSglaube. Gedicht von Uhland. »In Freien Stunden«. Heft 17 und 18 stnd erschienen. Preis pro Nummer 10 Pf. Pr-ibenummern gratis vom Verlag Buchhandlung Vor- wätts, Berlin SW. 68. „Kommunale Praxis«. Wochenschrist sür Kommunalpolitik und GemeindesozialiSmus. Verlag Buchhandlung Vorwärts, Berlin SW. 68. Hest 19 und 20 sind erschienen. AbonnemeniSpreiS pro Quartal 3 R. Einzelnummer 30 Pj. Probenummern umsonst vom Verlag. Briefkaften der Redaktion« FricdrichSselde 08. DI« Wochenkarte berechtigte Sie nicht mehr zur Fahrst Eine Beslrasung kann aber bei dem von Ihnen dargestellten Sach- verhalt nicht ersolgen.— Raumerstr. 32. Erkundigen Sie sich nach dem Resultat.—®. St. 49. 1. Nein. ES ist auch nicht anzunehmen, dag der« selbe die Steuern sür Sie gezahlt hat. 2. Die Beschlagnahme kann seitens des ForderungSberechtizten erfolgen. 3. Eine Klage ist nicht zu erwarten. Die Steuerbehörde betreibt die Vollstreckung ohne vorherige Klag«. 4. Einen Rechtsanwalt müssen Sie selber aussuchen.— I. H. 32. 1. Ja. 2. Nein. Es kann aber die Bestellung de» Mannes zum Vormund beantragt werden. — A. H. 77. Rechtlich steht Ihnen solch Anspruch nicht zu. Versuchen Sie es mit einem Brief.— K. G. 0. 1. Nein. 2. In Berlin, Charlotten- straße 6.— F. K. 100. Fragen Sie bei der Zentralkommil'ion der Ort»- krankenkassen, Engelufer IS, an.— 100 E. Sch. Nein. Machen Sie jür den Fall eine» Prozesse» den Einwand der Bcrjähvunz. Amtlicher Marktbericht der städtischen Martthallen-Direktton über den Großhandel in den Zenlral.Marktballen. Marktlage: Fleisch: Zufuhr stark, Geschäft rege, Preis« für Kalb- und Schweinefleisch anziehend, sonst unverändert. Wild: Zufuhr genügend, Geichäst rege, Preise nach. cbend. G e t i ü g« l i Zufuhr genügend, Geschäst flau, Preise nachgebend. ische: Zufuhr genügend. Geschalt ziemlich rege, Preise wenig verändert, ir Aal« nachgebend. Butter und Käse: Geschäft ruhig, Preise niedriger. Gemüse, Obst und Südsrücht«: Zufuhr genügend, Geschäst ziemlich rege, Preise unverändert. Tanksaauny. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meine» lieben unvergeßlichen Manne» und unseres guten Vater« sagen«wallen Verwandten, Belanntcn sowie dem Wahlvcrein sür den 4. Berliner Wahl- kreis, dem Holzarbeiter. Verband«, den Kollegen der Firma Barsekow u. Wolft, dem Personal der Firma Gebr. Lchser, Wiener Siraße, und dem Ge- fangverein„Kreuzberger Harmonie' unseren imiigsien Dank. 21786 Witwe Greifenberg geb. Wartenberg nebst Kindern Für die überaus innige Tccknahnie der Beerdigung meines unvcrgeß- lichcn Mannes und Vater« pmil Fröhlich äge ich allen daran beteiligt Gewesenen meinen besten Dank. 56072 Witwe Luise Fröhlich und Tochter. Dem sozialdemokratischen Wahl- perein des 4. Berliner Reichstags» Wahlkreises, Landsberger Viertel. Bezirk 873, Teil II, sag« ich hiermit für die Teilnahme bei der Beerdigung meines Mannes meinen herzlichsten Dank, Wwe, Anna Kreetin geb. Hampel, 2188b Dolzigcr Str. 42. Danksaguna. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahm« und die zahlreichen Kranz- spenden bei der Beerdigung meiner lieben Frau Charlotte Altondorf geb. hichlaclita sagen allen Verwandten und Bekannten sowie den Gciiossinne» und Genossen de« 4. Berliner Reichstags» Wahlkreise» unferen herzlichsten Dank. 2177b 0. Altendort nebst Sohn. Glienicke-West 7�".' Frohnau 20 fl «JorbBafcn. Nur noch 23 herrliche Waldparz. □-»!. v. 23 M. an. ftapitatanl. Restgelder— 10 Jahre. Prospekt- sofort. Grohe Zukunft. lZioKol ii.«si-rssoKIc, LtienIeKv, ktaltmolisti'. KV, u. Normsltol'k,«umboliltste. 71. Arbeiter» Bekleidung- Berufskleidung. > GröUtcs Spezialgeschäft Kohnen L Jöring, fÄ Älexandepslr. 12. | Landsberger Allee 148. 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NeneS Schauspielhaus. Flieger. Kleines. Nur ein Traum. Berliner. Taisun. Neues. Die golden- ZUtterzeit. Lessiug. DaS Konzert. Neues Operetten. Der Gras von Luxemburg. Triano». Tbeodore u. Tie. Restdeuz. Da» Nachtlicht. Der selige Octave. Thalia. Glück bei Frauen. Hebbel. Der neue Pari».(Ansang S-/. Uhr.) Westen. Tanzhusaren. Schiller 6.(w Zapsenftreich. SchlUer Charlottenburg. Sold- tische. Sri'brich. Wilhelmftädtisches. Der Raub der Sabinerinnen. Bolksoper. Helmlehr.(Ansang ö-/. Uhr.) Luise». Marianne. Rote. Die Schmuggler. Luftspielhaus. Das Leutnants. ir ündel. Metrouol. Hailoh l!— Die große Revue. Kolies(kaprice. Ew verschwiegene» Atelier. Eine gründliche Kur. (Ans. S-,. Uhr.) Castuo. Familie August Knoche. Gebr. Herrnfeld. Wenn zwei daS- selbe tun. DaS starke Stück. Slpollo. Spezialitäten. Pastage. Spezialitäten. Wintergarten. Spezialitäten. Reichsdallen. Stettiner Sänger. Kart Haverlaud. Spezialitäten. Walhalla. Spezialitäten. Prater. Im Reiche des Mars. Urania. Tnudeiiitraffe s«/sS. Abends 8 Uhr: Im Lande der Mitternachtssonne. Sternwarte, Jiivalidenstr. 57—62. öallner» Theater.) �essinx-Idester. L Uhr: Das Konzert. Sonnabend, 7'/, Uhr: JbsenzhkluS, außer Abonnem.: Die Wildente. Berliner Theater. Heute 8 Uhr: TsikUN. Morgen: Daifun._ Neues Theater. Abends 3 Uhr: llle güldene Ritterzeit. Morgen und folgende Tage: Die goldene Bitterzeit. Theater des Westens. 8 Uhr: Tanzhusaren. Sonnabend 7'/, Uhr: 1. Gesamt- aastsptel des russ. Ballett» deS kaiserl. Theater Petersburg u. MoSkau LustspiSlIisu». Abends 8 Uhr: Das Leutnantsmündel Nenes Operetten-Theater. Heute und folgende Tage 8 Uhr: Der Graf von Luxemburg. Sonntag nachmittag 3 Uhr, zu er- mäßigt. Preisen: Die DollarprlnzeMln. Friedricti-Wiltielmstädtiscties Sohauspielttaus, Freitag, den 20. Mai, abend» 8 Uhr: Der Laub der Zabittemmen. Sonnabend: Ali-Heidelberg. Sonntag nachm. 3 Uhr: Die Jung- stau von Orleans. Abends 8 Uhr: Alt-Hcidclbcrg._ Residenz-Theater Direltion: Richard Alexander. Abend» 8 Uhr: � Das Nachtlicht. Schwank in 3 Akten v. M. Zamacois. Hieraus: Ber selige Oktave. Groteske in 1 Akt von Ave» Miraude und Henry Göroule. ■V Tommerpretse.-WG Morgen und folgende Tage: Dir- selbe Borstellung. Urania. Wissenschaftliches Theater Abends 8 Uhr: Im Lande der Mitter. nachtssonne. Volksoper. 8W., Belle-Alliance-Straße>Nr. AbendS'/,9 Uhr i USfmlLShr. 7)3. ieisen-Theetef. Abends 8 Uhr: Marianne, ein Weib ans dem Volke. Gemälde aus d. Volksleben in S Auf« zügen von C. Dräxler-Mansted. Sonnabend: Die Welt ohne Männer. Sonntag nachm. 3 Uhr: Die Else vom Erlenhos. AbendS: Marianne, «in Weib aus dem Volke. Montag: Marianne, ein Weib au» dem Volke. Große Franljurter Str. 132. Ans. 8 Uhr. Ende 11 Uhr. Die Schmuggler. Komödie in 4 Akten von A. Dinier. Aus der Kartenbühne: Graftes Konzert, Theater- Borstellung, erst«. Spezialitäten. Ans, i'l, Uhr. Metropol-Theater Hallo!!! Die große Revue! In 8 Bildern von Jnl Freund. Musik v. Paul Lincke. In Szene gesetzt vom Dir. Bich. Schnitz. Anfang 8 Uhr. Rauchen gestaltet. 8 Uhr: DaS Attraktions-Programm I Kalmi'a m. thr. lebenden Riesenschlangen. Georg und Gusti Edler. Orig.-Duett: Wiener Fiaker— Waschcrmadel. Szenen aus dem Bagantenleben. Sv englische Backfische 20 mit neuem Repertoir. IPrinz Barles der Alle mit Menschenkultar. I>© Bio Phantasie-Tänzerin. 'Les Boeder» Luitreckakt sowie das von Publikum n. Presse glänzend beurteilte Mai-Programm. S tmmm /"itle-Th paler 1 Weinbergsweg 19-20, Rosenth.Tor. 1 1 1! Das neue Variett Programm I!| Die Aflen-Familie Mayer und die Obrigan Spezialitäten. | Tbeaterk. ununterbrochen geöffnet.| V olksgarten- Theater früher Weimann. Badstr. 8, Behm- u. Bellermannstraße. Täglich: Konzerl-, Theater- und Spezialitäten-Vorstellung. DaS Riesenprogramm Zur Aussühung gelangt: Der fliegende Berliner. Volksstück in 5 Bildern mit Gesang und Tanz. Kf.ReplMliMMtMglSI!! 30. April bis 2 Oktober. Im Pari täglich Doppel-Konzert. Eintritt: 10-SUHc IM., v. S Uhr ab SO Pf., Sonntag» SO Pf. 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(Ohne Gewähr.)(Nachdruck verboten.; 153 603 67 659 733 1 063 290[500] 362 448[1000] •08 791 2127 270 703 60 883 3053 107 249 380 542 4328 59 786 5107 282 409 28 515 63 795 921 40 6435 «33 807 31 970[500] 7183 316 46«[3000] 316 740 43 •8025 34 158 244 87 379 424 89 553 655 876 9036[500] •B 553 SU 10109 63 739 899[1000] 1 1148 358 433 93 906 [12107[3000] 220[1000] 32[1000] 51 333 477 511[1000] «4 667 719 51 13201 94 341 494[1000] 526 717 880 »03 21 14069 220 458>81 826 15137 246 312 404 77 609 696[500] 857[1000] 938[500] 46 16212 390 611 1600] 873[500] 17012 377 597 624 721[5000] 37 08 118375 406«29[3000] 46 788 967 18019 195 22t 25«26 DU 689 856 82 92z 8(5072 04 188 383 583 610 841 69 2 1 280 82 424 89 •U 28072 115 66 222 451 54 793 99 961 66[3000] 03002[500] 108 210 24213 45 89 316 757 983 25138 633 62 658 765 845 47 2 6350 754 895 2 7091 145 332 IlOOO] 35 90[500] 450 50 530 648 821 28073 304 430 «9 95« 72 29144 87 89 302 9 81 619 833[500] 962 _ 30095 31143 333 635 746 863 32179[1000] 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275216[1000t 655 990 2 7 6217 71 502 780 886 2 7 7002[600] 217 421' 278027[500] 188 833 61 447 921 27 0 032 181 448 895 280015 128[500] 58 429 655 96 771 853 964[1000] 281168 7 5 254[3000] 534 602 862 955 5 6 2 8 2 035 217 320.18 636 8 4 717 67 8.19 69 940 2 8 3 034 51 198 237 411 82 90 864 83 932 2 8 4258 061[500] 880 916 19 2 8 5044 99 265 460 654 724 809 96 901 5 2 8 6016 78 [500] 311 985 93 2 8 7518 658 73 727 916 2 8 8036 188 96 2,12 540 820 31 2 8 0191 550 872 867[500 20OO17 67 902 27 2 0 1 504 971 20 2 295 352 41» 776 93 818[lOOO] 021 78 293289 367 445 673 943 2 0 4155 262 646 898 981(lOOCl 2 9 5020 42 111 719 67 992 2 0 6251 583 610 75 860 817 64 2 9 7114 342 47 782 863 60 2 0 3 04* 103 521 981 96 2 9 0024 182 588 769 868 936[500] 300978 137 268 318 28 93[500] 403 649 623 787 «I[1000] 87 3 0 1 023 73 245 42« 539[1000] 59 632 50 «5 82 790 811 918 3 0 2370 483 872 970 3 0 3091 103 448 510 780£07 960 Im Gewinnrade verblieben: 1 Prämie su 800 000 M, 1 Gewinn au 500000, 1 m 200000. 1 au 150000, 1 au 120000, 2 au 100000, 1 au 80000, 1 au 70000, 1 zu 60000, 1 zu 50000, 2 au 40000, 10 u 30000,.15 au 15000, 57 zu 10000, 112 au 5000, 1473 au SOOO, 2253 au 1000, S61S zu 600 IG. ZleluTfig 5. KI. 222. Kgl. PreilSS. LOTIe Ziehung vom 19. Mai, nachmittags, Nur die Gewinne über 240 Mark sind den betreffenden Nummern In Klammern beigefügt. (Ohne Gewähr.)(Nachdruck verboten.) 53[500] 75 203 395 420 522 23 27[500] 022 751 834 30 944 1244 97 536 740[500] 812 SU? 99 304 510 604 729 619 33 913 3362 446 634 60 833[lOOO] 4038 317 30 47 579 637 751 5046 63 84 130 898 700 7 73 86 6088 89[500] 158 233 307 45 47 851 903 94 7020 153 327 68 671 783 973 «6 8143 78 381 84 0080 413 511 58€78 723 83 89 973 1O045 401 504 44 11179 209 82 348 480 92 612 >12111 417 614[300] 34 823 1 3211 343 93 473 511 88 (10001 760[ 500] 872 1 4008[1000] 247[500] 400 63 74 594 836 914 1 5018 29 ISO 363 533 801 19 920 1 6019 596 [SOOO] 608 17109 236 893 600 619 794[1000] 827 18136 62[1000] 225 5«>38 SSO 83 922[300] 44[1000] 10030 157 394 459 652 775[1000] 20113 400 61 799[1C00] 916 21176 264 482 505[3000] 631 39 736 891 993 2 2000 124 445 55 518[SOOO] 653 707 51 23094 303 79 556 2 4 071 19 104 85[3000] 232 631 75 [500] 053 717 13 850 2 5043 7 7 304 560 003 776 829 54 2 6002 15 87 132 313 77! 806[500] 11 38 27135[300] 630 66 728 30 92 374 916 2 8079 294 378 445 656 800 7 9 93 20016 279 573 84 990 3 0220 60 00 341 401 597 778 3 1 420 726 3 2236 75 [500] 337 439 717 SO 63 950 51 91 3 3017 62 75 130 539 674 720 831 918 3 4098[500] 173 203 16 27 699 855 900 64 87 3 5032 138 232 593 3 6156 66 639 755 918 36 37139 57 [3000] 233[500] 97 421 337 43 3 8133 295 450 53 963 3001! 173[ 3000] 90 236 71 454 829 61 40 029 40 163 643 70[500] 41014 45 312 46? 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