Nr- US. HbonnemcntS'Bcdingungen: W �\ �\�ml Die Tnlcrtions-Gcbüljr Nbonnements. Preis pränumerando: K» WäCwBl"d.. veirSgt für die sechsgespllltene K-loNÄ' Sierteljährl. Z,Z0 Ml�, Mona«. l.!0 Mk.. WW WW«,,».-I-», Preisliste. Unter Kreuzband für MW W � ZMi. j£Vjfy> BB\ B| stellen-Anzeigen das erste Wort 10 P,g., Teutschland und Oesterreich- Ungarn f�W BM ��gW/ �WS /wXf/ �SOpX MB 7/ HB| jedes weitere Wort 5 Psg. Worte über 2 Marl, für das übrige Ausland V/ ZS s/"BB�/ �HHA // HB I 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. 3 Marl pro Monat. PostabonnementS �_____ S //, HHV Inserate für die nächste Nummer müssen Pie,ri'm�,r*£!!?h!™r' f'V' bis SUhrnachmiltagSindcr Expedition Zcntralorgan der foztaldemohrati feben parte» Deutfchlands. Redaktion: SM. 68» Lindcnstrasac 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Der deckeutungsvollste GetverHkbaftsHampf. Die Bedeutung des Kampfes im Baugewerbe liegt nicht allein in seiner Größe, auch nicht allein in der Tatsache, daß er auf beiden Seiten von kampferprobten und gefestigten Organisationen geführt wird. Gewiß tragen beide Umstände mit dazu bei, die Aufnrerksamkeit der Arbeiterwelt in sehr großem Umfange auf ihn zu lenken; aber seine überragende Bedeutung liegt doch nicht hier, sondern vornehmlich in seiner Stellung in der EntWickelung der Arbeitskämpfe und in der hier besonders augenfällig werdenden Tendenz der modernen Unter- nehmerorganisationen. Ueber den Unifang des Kampfes kann heute kein Streit mehr bestehen. Die Gewerkschaften haben 130000 Ausgesperrte nachgewiesen; aber man mag ruhig zugeben, daß außerdem ein Teil unorganisierter Arbeiter ausgesperrt worden ist, dessen zahlenmäßige Feststellung den Gewerkschaften nicht gelang. Wenn nian in Berücksichtigung dessen die Gesamtzahl aller Ausgesperrten mit 150000 ansetzt, so dürfte man nicht zu wenig geschätzt haben. Einhundertfünfzigtausend Arbeiter ausgesperrt! So wenig das nach den großsprecherischen An- kündigungen der Unternehmerorganisation ist, es bleibt doch eine gewaltige Zahl. Man muß bedenken, daß es sich hier nicht um das wilde Aufbäumen einer disziplin- und zusammen- hanglosen Masse handelt, sondern um einen Kampf, der von beiden Teilen lange vorher ins Auge gefaßt worden war. Die Unteruehnier hatten ihn seit Jahren geplant, und die Arbeiter hatten ihn ebenso lange mit fast absoluter Gewißheit herankommen sehen. Nicht aus der Hurra- stimmung einer begeisterten Stunde, sondern aus langen, öfteren und gründlichen Erwägungen ist dieser Kanipf geboren. Und darum ist sein Umfang so außerordentlich; denn ein Kampf wie dieser, so planvoll vorbereitet, kann nicht in wenigen Wochen abgebrochen werden, wenn nicht die Partei, auf deren Kosten er abgebrochen wird, ihr Renommee einbüßen will. Die Organisationen der Arbeiter und der Unternehmer im Baugewerbe kämpfen im Lichte einer achtung- gebietenden Vergangenheit für ihre, nein um ihre Zukunft. Darum mußte es ein schweres, opfervolles Ringen werden. Denn beide Teile sind mit Recht von dem Bewußtsein erfüllt, baß sie einen Entscheidungskampf schlagen. „Von heute und hieran wird eine neue Epoche der Arbeits- kämpfe beginnen", so könnte man Goethes Wort variieren, das er am Tage von Valmy sprach. Gewiß liegt die Augenblicksbedeutung des Baukriegs in seiner Größe und in der Wahrscheinlichkeit, daß er sehr lange in dieser Größe andauern wird. Aber diese beiden Momente führen uns zurück auf den Untergrund des ganzen Konflikts. Wir müssen den Kampf der Bauarbeiter vom Standpunkte der Entwickelung der Arbeitskämpfe betrachten. Die herrschende Tendenz in dieser Entwickelung ist zweifellos auf die Vergrößerung der Kämpfe gerichtet. Sie ergibt sich aus unabänderlichen Verhältnissen. In dem Maße. wie das Erwachen des Zusammengehörigkeitsgefühls auf beiden Seiten starke Organisationen schuf, in dem gleichen Maße mußten und müssen sich die Kämpfe notwendig v e r- g r ö ß e r n. Immer größere Massen wurden in den Kampf geführt, immer breiter wurde die Grund..<.2 oes Kampfes. Bei der Unternehmerorganisation ist das Streben auf Vergrößerung der Kämpfe von vornherein gegeben: je größer ein Kampf, umso größer die Opfer der Arbeiter, umso höher die Belastung der Gewerkschaftskassen und in- folgedessen umso schwächer ihre Widerstandskrast. Bei den Unternehmern wachsen die Opfer nicht in dem Maße� mit dem Umfange des Kampfes wie bei den Arbeitern. Aus dieser Tatsache heraus erwuchs das Bestreben der Unternehmerorganisation, den Kämpfen eine möglichst große Ausdehnung zu geben, und das Wachstum der Gewerk- schaften eröffnete der Verwirklichung der Unternehmerabsichten immer weitere Möglichkeiten. Zu dieser ganz natürlichen, weil auf den Klassengegcn- sätzen beruhenden Entwickelung trat das Tarifvertrags- Wesen, das erst von den Bauunternehmern mißtrauisch zurückgewiesen, dann aber stürmisch akzeptiert wurde, weil es die Möglichkeit bot, durch einheitlichen Abschluß aller Tarife, oder noch besser durch die Zusammenfassung aller Tarife zu einem Reichstarif der erstrebten Vergrößerung der A rb ei t s k äm p f e eine sichere Grund- läge zu geben. Es hilft hier kein Streiten dieser Unternehmer: sie sind lediglich aus diesen Beweg- gründen Freunde des Tarifvertrages und besonders Freunde des Reichstarifs geworden. Sie können diese Tatsache be- streiten, aber sie können sie nicht aus der Welt schaffen. Aber eben darum qualifiziert sich ihr kategorisches Verlangen nach Abschluß eines(Reichs-) Zentraltarifs als ein plump- gewalt- samer, störender Eingriff in die natürliche Entwickelung des Tarifvertragswesens. Die Bauunternehmer brauchten wirklich den Arbeitern nicht erst zu sagen, daß auch das Tarifwesen nach Zusammenfassung kleinerer Tarifgebiete zu größeren drängt und daß diese Entwickelung einmal in Reichstarifen münden wird. Das konnten sie schon seit Jahren in der Arbeiterpresse lesen. Kommt diese Form des Tarifvertrages als die natürliche Konsequenz der tariflichen und gewerblichen Sonnabend, den AI. Mai IttlO. I Entwickelung, so werden sich die Arbeiterorganisationen damit .abfinden, und sie werden das dann auch können. Aber hier in diesem Kampfe handelt es sich um etwas ganz anderes; die Forderung der Unternehmer ist nicht das Gebot der Entwickelung, sondern eine Spekulation, den Arbeitern durch den Zentralvertrag die Möglichkeit zu nehmen, ihre soziale Lage weiter �zu verbessern. Darum wehren sich die Arbeiter dagegen. Sie wissen, daß bei dem heutigen Stande der Organisationen im Baugewerbe der Zentral- vertrag den Unternehmern die Uebermacht im Interessen- kämpfe gibt, die jeden Tarifvertrag, der diesen Namen ver- dient, d. h. der auf der Gleichberechtigung beider Teile beruht, ausschließt. Was die Unternehmer wollen, ist keine Fortentwicklung des Tarifvertrages zu höheren Formen, sondern ist dessen Vernichtung; der Tarifvertrag soll durch die gewerkschaftlich sanktionierte Willkür der Unternehmer ersetzt werden. Dies Streben der Unternehmer gibt dem Baukriege eine Bedeutung, die weit über das Baugewerbe hinausgreift. Was sich jetzt im Baugewerbe abspielt, kann sich in anderen Ge- werben, in denen der Tarifvertrag Eingang gefunden hat, wieder- holen. Wie die Bauunternehmer, so werden auch die Unternehmer anderer Gewerbe danach trachten, durch Ver- größerung der Kämpfe den sozialen Fortschritt zu hemmen, und sie werden sich dazu ebenso wie die Bauunternehmer des Tarifvertrages bedienen wollen. Gelänge es den Bauunter� nchmern, ihre Absicht durchzusetzen, so wäre die Widerstands- kraft der Arbeiter anderer Gewerbe gegen gleichlaufende Pläne ihrer Unternehmer von vornherein geschwächt. Das bedarf nicht erst des Beweises. Wir sehen also in dem Kampfe der Bauarbeiter ein Vorspiel der künftigen Kämpfe. Das sollte für die Arbeiter aller Berufe Veranlassung genug sein, sich hier auf den Standpunkt zu stellen: Es handelt sich um unsere eigene Sache! Der Kampf der Bauarbeiter muß der Kampf der gesamten Arbeiterschaft sein. So wie sich auf der Seite der Bauunternehmer das gesamte reaktionäre Unternehmertum zusanimen- findet, um diesem Schlage gegen den Vormarsch der Arbeiter die vernichtende Wirkung zu sichern, so muß sich die gesamte Arbeiterschaft um die Bau- arbeiter scharen, nicht nur mit Sympathicresolustonen, sondern in tatfroher Solidarität! Was diesem Kampfe außer dem Angriff auf die Zukunft des Tarifvertrages seine Bedeutung gibt, ist der Angriff auf die Gleichberechtigung der Arbeiter im Tarifvertrag. Er findet in den Forderungen der Unternehmer zur Akkordarbeit, zum Arbeitsnachweis usw. seinen Ausdruck. Diese Forderungen— die wir verschiedentlich besprochen haben— charakterisieren sich als eine unerhörte Anmaßung unverfälschtesten Scharfmachertums. Sie sind um so uner- hörter, als die Gleichberechtigung der Arbeiter im Tarif- vertrag gerade im Baugewerbe seit dem Aufkommen des Tarifvertragswesens unangefochten bestand. Seit länger als zehn Jahren hat man sie als selbstverständlich hingenommen, und nun plötzlich dieser flagrante Vorstoß! Auch das hat seine Ursachen. Man darf das schnelle Wachstum der Tarifverträge im Baugewerbe nicht außer Betracht lassen. Dies Wachstum war eben nicht immer normal und gesund. Oft wurden Tarifverträge für Gebiete vereinbart, in denen noch sehr wichtige Vorbedingungen dafür fehlten. Manche Einigungsämter waren die reinen Tarif- fabriken. In solchen Gebieten sind die Tarifverträge und ist mit ihnen der Grundsatz der Gleichberechtigung nichts Boden- wüchsiges, sondern künstlich aufgepfropftes Gewächs. Die reale Grundlage der Gleichberechtigung, die gegenseitig ge- achtete Macht, fehlte dort, und dieser Umstand ließ den Vor- stoß gegen die Gleichberechtigung, der durchaus nicht zu- fällig aus dem Westen und Süden kam, überhaupt erst möglich werden. Von erheblichem Einflüsse war dabei die reaktionäre Welle, die als eine Folge des Wachstums der Unternehmerverbände und des wirtschaftlichen Nieder- ganges das Scharfmachertum zum Angriff auf die Positionen der Arbeiter treibt. Gewiß spielt auch noch manch anderer Umstand eine nicht unerhebliche Rolle dabei, wie z. B. die Furcht der Großindustriellen vor dem Fortschritt in den Lohn- und Arbeitsbedingungen der baugewerblichen Arbeiter und manches andere. Aber von entscheidendem Einfluß war und ist der Uebermut des Unternehmertums, hervorgerufen durch das Wachstum seiner Verbände und durch die schwere Krisis, die die Widerstandskraft der Arbeiter sehr schwächte. Auch diese reaktionäre Welle beschränkt sich nicht auf das Bau- gewerbe. Gelingt es ihr, die Dämme der Bauarbeiterorgani- sationen zu überfluten und zu durchbrechen, so wird sie auch weiterbrausen. Auch daraus ergibt sich für die Gesamtarbeiterschaft die zwingende Veranlassung, zu einer ihrer tapfersten Truppen zu stehen und durch weitgehenden Opfersinn der Freiheit der Arbeit und dem sozialen Fortschritt den Sieg erringen zu helfen. « Neue Bermittelungsvorschliige des ReichsamtS des Innern. Der Oberbürgermeister der Stadt Dresden, Dr. Beuttler, teilte den Arbeiterverbänden mit, daß seine Einladungen zu Ber- Handlungen als erledigt zu betrachten seien, da das Reichsamt des Innern zentrale Verhandlungen wieder einleiten will. Den Zentralverbänden ist von solchen Verhandlungen bis Freitag abend offiziell noch nichts bekannt; Einladungen sind an fie noch nicht ergangen. Expedition: SM. 68» Oindenstrasse 69» Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1981. Der„uvpolitiiche" Lehrcmim Ungefähr zur gleichen Zeit, als der Deutsche Lehrerverein in Straßburg das letzte fehlende Stück seiner horizontalen Gliederung einfügte, als die nationale Einheit besiegelt wurde, begann es in seiner vertikalen Struktur zu krachen, begann der Kampf in sozialer, in politischer Beziehung. Die Sozialdemokratie beginnt auch im Lehrerverein ein Ende damit zu machen, daß man geflissentlich vor den großen politisch- sozialen Problemen die Augen schließt, um sich an lederner Fach- simpelei genug zu tun oder, wenn es hoch kommt, den Zorn der freien Rede gegen Mucker und Pfaffen zu kehren. Die Sozial- demokratie ist nicht nur mehr vor den Toren des Lehrervereins, sondern sie ist schon mitten drin; und es sind nicht einige scheue, unbekannte Elemente, die sich im stillen zur Sozialdemokratie rechnen, und dem verschwiegenen Parteigenossen ihr Geheimnis in trauter Dämmerstunde mit Herzklopfen anvertrauen, sondern be- Ivährte und bekannte Schulmänner bekennen sich offen und frei zur Sozialdemokratie. Bevor nur die deutsche Lehrerversammlung in Straßburg formell eröffnet war, schon in der sogenannten Vertreterversammlung, die nichtöffentlich ist und an der nur die Delegierten der Zweigvereine teilnehmen, wurde an das politische Problem des Lehrervercins ge- rührt. Von den Breslauer Lehrern ging die„Anregung" aus, den bremischen Lehrerverein wegen seiner sozialdemokratischen Tendenzen auszuschließen. Würde ernstlich über diese kollegiale und weitherzige „Anregung" geredet worden sein, so hätten die bremischen Dele- gierten, zum mindesten unterstützt von den Hamburgern, sicherlich ihren Mann gestanden, zumal es sich bei den meistbeteiligten Bremer Delegierten um bewährte Kämpen handelte. Aber die vorsichtigen Leiter des Deutschen Lehrervereins zogen es vor, die beginnenden politischen Gegensätze noch nicht aufeinanderplatzen zu lassen, sondern sie möglichst zu vertuschen, sie fanden eine Formel, durch die sie vor- läufig die gefährlichen Geister bannten: der Lehrerverein ist eine Standcsorganisation und daher interkonfessionell und unpolitisch, eS ist Sache der einzelnen Mitglieder, sich so weit oder so wenig ins Meer der politischen Kämpfe zu wagen, wie sie wollen; der Verein lehnt dafür jedwede Verantwortung ab. Diese Formel hat auf den ersten Blick etwas Bestechendes. Aber bei genauerer Prüfung stellt sich heraus, daß sie keine brauchbare Waffe, sondern nur eine leere Attrappe ist, die bei dem ersten Stoß, den man mit ihr wagt, elend zusammenbricht. Bisher konnte der Lehrerverein„unpolitisch" sein, so wenig er eS auch in Wirklichkeit jemals war. Denn was für eine Bedeutung haben die bürgerlichen Parteiunterschiede überhaupt. Und im besonderen für eine Berufsklasse wie die Lehrer! Neuerdings haben sich einige indifferente oder strebsame Landlehrer von konservativen und freikonservativen Schwadroneuren einfangen lassen; von dieser Verirrung werden die paar Lehrer bald kuriert sein, denn die Schul« und Lehrerfreundlichkeit der Junker ist zu offenbarer Schwindel, als daß auch nur der naivste Lehrer längere Zeit darauf hineinfallen könnte. Eine Reihe katholischer Lehrer zieht den konfessionellen Lehrerverein der allgemeinen Berufsorganisation vor; das ist bei der Ausschließlichkeit des katholischen Bekenntnisses kein Wunder. Bleiben noch die Spielarten der liberalen Parteien! Ihnen gehört denn auch in der Tat das Gros der Lehrerschaft an; teils aus Gewohnheil oder Indifferenz, teils aus innerer Ueber- zeugung von der Ehrlichkeit liberaler Reden und Versprechungen. teils aus Verehrung für bewährte Schulkämpfer der Vergangenheit. die einem besseren Liberalismus früherer Zeiten angehörten. Weil so über die politische Zugehörigkeit der großen Mehrzahl der beut« fchen Schullehrer keinerlei Zweifel bestand, konnte umso leichter die Fiktion des unpolitischen Lehrervereins aufrechterhalten werden. Vor der sozialdemokratischen Konsequenz und Unnachgiebigkeit zerschellen diese Illusionen. Auf der Lehrerversammlung in Straß- bürg vertrat der Festredner, der bayerische Oberlehrer Schubert mit seinem tremolierenden Pathos noch einmal die alte Anschauung. Preisend mit viel schönen Redensarten wußte er in einem Atem- zuge die politische Neutralität des Lehrervereins zu feiem, im nächsten donnerte er ein kaiserlich-patriotisches— also„ein politisches"!— Glaubensbekenntnis in den Saal, im dritten Atemzuge ging der liberale Politiker und Zentrumsgegner nach allen Himmelsrichtungen mit dem„unpolitischen" Schulinann durch. Solche Entgleisungen fielen bisher nicht auf, weil Hurra- patriotisniuS und AntiultramontaniSmuS nicht als„Politik" galten, fondern als Vaterlandsliebe und Gewissensfreiheit firmiert wurden. Sobald die Sozialdemokratie aber in den Reigen eintritt, ändert sich das Bild, sofort gewinnt alle? ein politisches Aussehen, was bisher als unpolitisch durchschlüpfte. Die sozialdemokratischen Lehrer können unmöglich zugeben, daß der Liberalismus, offen oder dürftig verschleiert, als die einzige Lehrerpartei hingestellt wird; sie werden in Fragen der Weltanschauung der liberalen Katze die Schelle an- hängen? und in der Schulpolitik werden sie zeigen, wo die wahren Freunde der Schule sitzen. Soche politischen Auseinandersetzungen sind in Zukunft ganz unausbleiblich, man kann der Volksschule nicht nützen und dienen, indem man sich politische Scheuklappen anbindet I Die formelle Ausrede, mit der die Leitung des Lehrervereins vorläufig noch der politischen Stellungnahme entgangen ist, hat auch noch in anderer Beziehung ein Loch. Wenn der Lehrerverein seine Mitglieder nicht nach Konfession und politischem Glaubensbekenntnis fragt, so hat er aber auch umgekehrt die Verpflichtung, für seine Mitglieder einzutreten, wenn sie nicht wegen Nachlässigkeit oder Un- fähigkeit im Amte, sondern wegen ihrer politischen Tätigkeit als Staatsbürger gemaßregelt werden. Die Leitung des Deutschen Lehrervereins hat bisher so wenig wie die„Pädagogische Zeitung' ein Wort gefunden, um für den gemaßregelten Bremer Holzmeier und die Bedelgratulanten in die Schranken zu treten. Erfreulicherweise hat der Korreferent in der Frage der Gchulaufsicht und Schulleitung, einer der mannhaften Hamburger Lehrer, Ge- lcgenheit genommen, ein mannhaftes Wort gegen die reaktionäre Schulleitung in Bremen zu sagen. Und es war ebenso erfreulich, daß seine scharfe Kritik den lebhaften Beifall der vieltausendköpfigen Versammlung fand. Die Lehrerversammlung ist im übrigen ohne besonders auf- regende Debatten und Ereignisse verlaufen. In der Frage der Jugendfürsorge haben die Thesen des Referenten die Zu- stimmung der Versammlung gefunden. Inwieweit die papierenen Beschlüsse Leben gewinnen werden und inwieweit die Volksschul- lehrer bei ihrem neuen Versuch praktischer Sozialreform die mannigfachen Klippen umschiffe» werden, auf denen die bürgerliche Reformarbeit nur zu leicht Schiffbruch leidet, muß abgewartet werden. Jedenfalls scheint den Lehrern die große Bedeutung der proletarische» Organisationen für die Jugendfürsorge noch nicht zum Bewußtsein gekommen zu sein, geschweige, daß sie mit ihnen Verbindung zum Zwecke geineinsamer Arbeit gesucht hätten. Auch in der Frage der Schulaufsichtuiid Schulleitung hat die vermittelnde Richtung die Mehrheit gefunden. Wohl hatte der radikale und demokratische Hamburger Paulsen, der sich schon in München beim Streit um die Weltlichkeit der Schule als wackerer Streiter für' freiheitliche Prinzipien bewährt hatte, von Anfang bis Ende seines Korreferats das Ohr der Versammlung; er trat für Demokratisierung des Schulwesens ein, für Befreiung der Lehrer» arbeit von Bureaukratie und Schablone, für maßgebende Unterweisung der Eltern und der Lehrer bei der Schulverwaltung, für Heran- ziehuug der weitesten Oeffentlichkeit bei der Schularbeit; und er fand auch eine nennenswerte Minorität für seine Thesen. Aber die Mehrheit stimmte den Forderungen des Referenten zu, die zwar eine Reihe von Verbesserungen der jetzigen unhaltbaren Zustände erstreben, aber am Wesen der heutigen autoritativen und bureaukratischen Schulorganisation nichts ändern wollen. Nicht ohne symptomatische Bedeutung war die Tatsache, daß am Begrüßungsabend, an dem es von tönenden Worten über die endlich errungene Einheit der deutschen Volksschullehrer nur so dröhnte, ein Vertreter der französischen Lehrerschaft die Grütze der französischen Kollegen überbrachte. Inmitten der patriotischen Atmosphäre und inmitten von— Straßburg bedeutete diese Begrüßung ein anerkennenswertes Zeugnis der Vorurteilslosigkeit und inter« nationalen Kollegialität der französischen Lehrer. Mögen die deutschen Volksschullehrer sich daran ein Beispiel nehmen, aber auch daran, daß man in Frankreich nicht die lächerliche Rotscheu kennt, an der leider auch die deutschen Volksschullehrer kranken. In Frankreich rückt man nicht ängstlich von den sozialdemokratischen Lehrern ab, sondern sie gelten als� vollwertige Kollegen. Hoffentlich dauert es auch in Deutschland nicht allzu lange, bis der Lehrerverein nicht nur der guten Ausrede halber, sondern in Wirklichkeit eine paritätische Organisation ist, in der die sozialdemokratischen Kollegen so gut Schutz und Hilfe gegen Maßregelungen aller Art finden wie alle anderen!_ Defizit und Dreadnoughts. Aus Wien wird uns vom 19. d. Mts. geschrieben: Nun wird auch Oesterreich- Ungarn in die Reihe der „Dreadnoughts"- Staaten treten. Die maritimen Rüstungen, die vorbereitet werden, und für die von den nächsten Dele- gationen ein„außerordentlicher" militärischer Kredit von vier- bis fünfhundert Millionen verlangt werden wird, sind eine unmittelbare Frucht der glorreichen Annexionspolitik. Erstens hat diese den auf dem Schindanger der Welt- geschichte verkrachten Habsburgischen Imperialismus neu be- lebt und in Oesterreich einen patriotischen Koller hervor- gerufen. der die Bewilligung militärischer Ansprüche mit einer Art freudiger Genugtuung vollzieht. Während Militärforderungcn sonst dem größten Widerspruch begegnet sind und in dem Privilegienparlament nur mit Hilfe der Großgrundbesitzer durchgebracht werden konnten, ist jetzt ein, weiterhin zwar nicht erklärbarer, Reichsgedanke in Mode ge- kommen, dem zu huldigen die deutschbürgerlichen Parteien als ihre wahre Staatspflicht erachten und aus dem heraus sie für jede militärische Forderung zu haben sind. Diese Bekehrung der Deutschbürgerlichen zum „Staatsgedanken" hat verschiedene Ursachen: auf der einen Seite das Emporkommen der Christlichsozialen, die das schwarz-aelbe Oesterreichertum von Natur aus präsentieren, auf der anderen die„deutsche" Schwenkung der Dynastie, die sich nach außen in dem rückhaltlosen Aufgehen in dem Bündnis mit dem Deutschen Reiche, nach innen in der Negierung Bienerth äußert, die von der deutschen Bourgeoisie zwar sehr überschätzt wird, wenn sie eine deutsche Regierung genannt wird, die sich aber den tschechischen Aspirationen gegenüber jedenfalls ungleich kühler verhält, als alle Regierungen von Taaffe an. Die österreichische Dreadnoughtsmanie steht mit der Haltung Deutschlands in der Annexionsfrage höchst wahrscheinlich auch in direktem Zusammenhange; wenn damals unwidersprochen erzählt werden konnte, daß sich Deutschland als„Lohn" für seine„Nibelungen- treue" ausbedungen habe, daß sich Oesterreich-Ungarn mit Dreadnoughts ausstatte, die die maritime Stärke der Zentral- mächte vermehren helfen sollen, so wird daran sicherlich etwas Wahres sein, wie man auch annehmen kann, daß die Forcierung des Baues der Dreadnoughts, mit dem man vor der parlamentarischen Bewilligung beginnen will, höchst wahrscheinlich mit einem Begehren Deutschlands zusammenhängt, nicht zufällig hat man mit dem Baubeginn in Oesterreich eingesetzt, nachdem Aehrenthal in Berlin gewesen ist. Und nicht zuletzt hat der mit der Annexion betätigte Ausdehnungsdrang Oesterreichs die Reflexbewegung in Italien hervorgerufen, die zu den italienischen Dreadnoughts führte, gegen die nun die österreichifch-ungarischen gebaut werden „müssen". Der österreichisch- ungarische Imperialismus ist notwendigerweise in bescheidenere Formen gebannt, aber kost- spielig ist er. wie das Exempel mit den Dreadnoughts zeigt, dennoch. Jedenfalls so kostspielig, daß die Staatswirtschaft beider Staaten den maritimen Luxus der Großmacht nicht zu ertragen vermag. Tatsächlich befinden sich die Finanzen sowohl Oester- reichS als Ungarns in der denkbar traurigsten Verfassung. Der österreichische Etat für das laufende Jahr wird unzweifel- Haft mit einem enormen Defizit abschließen, und nur um die normale Gebarung bestreiten zu können, mußte man eine An- leihe von nicht weniger als 220 Millionen Kronen aufnehmen, wovon etwa 150 Millionen zum Ersatz der AnnexionSrüstungen dienen sollen. der Rest aber eine vulgäre Defizitanleihe ist. die nicht vermieden werden konnte, wenn der Staatsbetrieb vor schweren Stockungen behütet werden soll. Zur bloßen Bedeckung des Defizits im Staatshaushalte werden nun so etwa hundert Millionen Steuern gebraucht, und die Sanierung des HcmS- Haltes der Länder wird nicht viel weniger nötig haben. Woher aber die neuen Steuern nehmen, wo in Oesterreich schon so ziemlich alles besteuert ist,, und die Steuern nach ihrer Höhe schon regelrechte Kriegssteuern sind l Zwar liegt ein halbes Dutzend Steuervorlagen vor(Erhöhung der Brannt- weinsteuer und der Weinsteuer, Einführung einer Mineralwasser- und Syphonsteuer, Einführung des Zündhölzchenmonopols, Einführung einer Eisensteuer, Erhöhung der Pcrsonaleinkommen- und der Erbschaftssteuern), aber alles das ergibt in der Summe nicht halb so viel als erforderlich wäre, wobei die neuen drohenden Ausgaben nicht berücksichtigt sind; und alles das ist angesichts der an jedem Punkt so hart angezogenen Steuerschraube für die Entwickelung der Volkswirtschaft nicht ohne Bedenken. Und da die Regierung einer festen und tragfähigen Majorität entbehrt, ist es kein Wunder, daß die Verhandlungen im Finanzausschuß auf einen toten Punkt gelangt sind und mau heute schon entschlossen ist, die Steuerreform auf den Herbst zu verschieben. Aber der Herbst kann vielleicht schon den Zusammenbruch dieses künstlichen Systems, dieser unredlichen Fmanzwirtschast und dieser verlogenen Großmachtspolitik bringen. Womöglich noch schlimmer steht es um die Finanzen Ungarns, tvo mangels eines bewilligten Budgets die direkten Steuern nicht eingehoben werden können, und der Staat darauf angewiesen ist, was ihm freiwillig gezahlt wird. So schließt die Gebarung des vorigen Jahres mit einem Manko von 72 Millionen Kronen ab. und für dieses Jahr wird das Defizit auf 200 Millionen veranschlagt. Im vorigen Monate hat die Regierung eine Anleihe von 112 Millionen begeben, deren Erlös sie aber nicht für die Zivecke, für die sie bewilligt war. sondern für die laufende Wirtschaft verwendete. Uird da sie nicht imstande gewesen wäre, die in diesem Monate fälligen Zinsen der Staatsschulden zu bezahlen, hat sie sich dieser Tage bei dem Rotschildkonsortium 100 Millionen auf„Kontokorrentrechnung" ausgeborgt: fo ausgeplündert sind die Kassen, in denen der Militarismus seine gierigen Hände gehabt hat I Und in dieser Zeit schwerster wirtschaftlicher Depression wagt man, den Paria- menten mit den Dreadnouahtsforderungen zu kommen! Natür- lich wird auch hier eine der„Zwangslagen" konstruiert, mit denen der ebenso freche, als feige Militarismus in Oesterreich- Ungarn seine Forderungen zu erpressen sucht. Die Delegationen werden nämlich erst im November zusammentreten; aber man wartet ihre Bewilligung nicht ab, sondern hat den Bau zweier Dreadnoughts bereits auf„fremde Rechnung" unternommen. Um eine formale Deckung zu haben— denn der Bau solcher Schiffe kann natürlich nicht verheimlicht werden—, wird vorgeschwindelt. die Schiffsbaugesell- schaft in Trieft baue die Ungetüme auf„eigene Rechnung" und würde sie, wenn sie der Staat mangels einer Bewilligung nicht würde übernehmen können, an irgend einen anderen Staat losschlagen. Selbstverständlich ist das nicht mehr als eine unverfrorene Gaukelei, und ganz sicher sind die Regierungen bei dieser Umgehung der verfassungs- mäßigen Anordnungen mit im Bunde, wobei sie auf die an- geborene und erworbene Feilheit der bürgerlichen Parteien spekulieren. Aber da die Zeche dieser Großmachtsorgie das Volk zahlen wird, so wird es über alle Helfershelfer auch das verdiente Urteil sprechen. polittfcke Qcbcrlicht. Berlin, den 20. Mai 1910. Es fehlt die Begeisterung! In der freisinnigen„Kieler Zeitung" klagt der Kieler Theologic-Professor Baum g arten darüber, daß in den Kreisen des Bürgertums auch bei den wichtigsten politischen Kämpfen leider so gar nichts von einer Begeisterung zu der- spüren sei. Er sagt unter anderem: „Man ist ja nicht ganz kalt, völlig gleichgültig. Man der- folgt ja die Verhandlungen, kommt wohl auch, wenn sonst nichts los ist, kein Konzert, keine Einladung, kein Bierabend— und wann ist so etwas nicht loS 1— wohl zu einer großen Versammlung mit einem Reichs- oder Landtagsabgeordneten. Aber warn» ist man durchaus nicht, so warm und hin- genommen von dem Jammer der Ration. daß man ernstliche Opfer brächte für seine Parteikasse, sich für die Verbreitung ge- snnder politischer Anschauungen durch Rede und Schrift zur Ver- fügung stellte, selbst zu öffentlichen Erklärungen drängte, weil man eben muh I Wir müssen es uns eben gestehen: so viel gute politische Einsicht und allgemeine Ucbersicht unter uns sein mag, im heiligen Müssen, Verantwortlichkeitsgefühl, Einsatz und Opfer haben uns die Arbeiter über- holt. Und doch steht so Großes auf dem Spiel! ES handelt sich in diesem Augenblick um nicht mehr und nicht weniger als um die Zukunft eines gesunden, gemäßigten Fortschritts I Dauert diese künstliche Zurück st auung aller vorwärts drängenden Kräfte in Staat, Schule und Kirche durch eine skrupellos ihre Privi- legten ausnutzende Liga der konservativen Jntere ssen noch lange an, dann wird sich die aufgereizte Bolksleidenschaft in Eruptionen Bahn schaffen, die über unseren bürgerlichen Fortschritt hohnlachend hinwegfegen.... Ach, nur eine starke Welle politischer Begei st erung, die das laue, träge Wesen wandelte in das Feuer heiligen MüssenS zum Segen unseres Vaterlandes!" Herr Professor Baumaarten war früher nationalliberal, er scheint sich jetzt zum Freisinnigen entwickelt zu haben. Daß er seine Klage in dem freisinnigen Blatte vorträgt, be- weist, daß er auch in den Kreisen deö freisinnigen Bürgertums so schmerzlich jene Energie und jenen Enthusias- muS vermißt, durch den sich die klassenbewußte Arbeiterschaft vor der Bourgeoisie auszeichnet. Und Baumgartens Klage ist nur zu berechtigt! Denn hätte auch nur das frei- sinnige Bürgertum sich in den verflossenen Jahren mit der gleichen Leidenschaftlichkeit und Begeisterungsfähigkeit der proletarischen Wahlrechtsbewegung angeschlossen, so wäre dem Volke die Beleidigung erspart geblieben, mit einer Wahlrechtsvorlage regaliert zu werden, wie sie im Anfange dieses Jahres dem preußischen Landtage zugegangen ist l Dann wäre, da der Vorstoß des liberalen Bürgertunis auch das Zentrum zu einer entschiedeneren Stellungnahme genötigt hätte, die ganze Wahlrechtscam pagne dieses �ahres anders ausgefallen. Aber weil es dem liberalen Bürgertum so völlig an Hingabe und Begeisterung für die Volksrechte fehlte, blieb das sozialistische Pro- l e t a r i a t in seinem Freiheitskampfe völlig isoliert, war eS Zentrum und Nationalliberalen möglich, aus einem Kampf um die Rechte des Volkes ein so widerliches Intrigenspiel um die Durchsetzung spezifisch agrarischer und spezifisch großindustrieller Interessen zu machen!_ Agrarische Daumenschrauben. Die„Deutsche Tageszeitung" nimmt in ihrer Nr. 229 vom 20. Mai Stellung zu den HerrenhauSbeschlüssen- Sie erklärt die Steuerdrittekung für die entscheidende Frage und konstatiert, daß die Zentrums presse sich den HerrenhauSbeschlüssen gegenüber entschieden ablehnend verhalte. Gleichwohl erklärt daS Bündlerblatt, daß die Entscheidung der konservativen Partei unsicher erscheine. Die„Kreuz-Zeitung" habe die größeren Drittelungsbezirke„verhältnismäßig freundlich" behandelt. Zwar werde im Jntereffe deö Mittelstandes gegen die neue Drittelung manches Bedenken zu erheben sein, denn der gesamte gewerb- liche Mittel st and bliebe trotz des Kulturträgerprivilegs schwer benachteiligt. Dann ober fährt das Agrarier- organ fort: „Ob allerdings alle diese lebhaften und schweren Bedenken hinreichen, um die Gründe zu entkräften, die vom Standpunkte einer Eindänrmung des sozialdemokratischen Ein- f l u s s e s wie schließlich auch aus der gegenwärtigen politischen Situation heraus für eine Annahme der Herrenhausbeschlüsse geltend gemacht werden, daS ist eine Frage. die wir auch heute noch nicht unbedingt mit Ja oder Nein beant- Worten möchten. Nur einer hier und da in der Presse au§- gesprochenen Anschauung möchten wir doch noch anfS nachdrflck- lichste entgegentreten: daß ein Scheitern der Vorlage eine Niederlage des Reichskanzlers bedeuten würde, die ihn womöglich zum Rücktritt veranlassen könnte." Also selbst die„Deutsche Tageszeitung" droht, ihre klerikalen Verbündeten im Stiche lasse» zu wollen! Sie billigt in verschämter Weise die Preisgabe des Mittelstandes und— was sie nicht erwähnt— auch der Zentrumsinteressen, da die Herrenhausbeschlüsse wenigstens die Garantie böten, die Arbeiterklasse noch vollständiger als bisher zu entrechten! Auch die Auslastungen des BündlerorganS bestätigen die Aus- fastung unseres gestrigen Leitartikels. daß die Konservativen sich die Gelegenheit nicht entgehen lasten würden, daS Zentrum zu weiteren reaktionären Zugeständnissen zu nötigen!_ Hansabund und Wahlreform. Die rheinisch-westfälische Bezirksgruppe des Hansabundes hatte bekanntlich eine Resolution angenommen, in der sie den Wunsch aussprach, daß die Vorlage auf Grund der Herrenhausbeschlüsse zustande komme. Demgegen- über bringen die„Mitteilungen" vom Hansabund folgende Erklärung; „Wir verkennen durchaus nicht die Vorteile, welche eine Steuerdrittelung in größeren Bezirken in bezug auf die bessere Vertretung der gewerblichen Kreise bieten kann. Es darf aber gemäß den Ausführungen der„Mitteilungen" des Hansabundes vom 11. Mai d. I. nicht übersehen werden, daß keine Wahl- reform die W a h l r e ch t s k äm pfe beenden kann, welche nicht die direkte Wahl und eine angemessenere Einteilung der Wahlkreise oder eine Vermehrung der Zahl der Abgeordneten vorwiegend gewerblicher Wahlkreise ge- währt." Auch der Vorstand des nationalltberalen Vereins in Köln nahm in einer Sitzung am Donnerstag eine Resolutton an, in der an die nattonalliberale Fraktton des preußischen Abgeordnetenhauses die dringende Bitte gerichtet wird, den Beschlüssen des Herrenhauses nicht zu- zustimmen._ Die Regierung und der augenblickliche Stand der Wahlreform. Eine hiesige halboffiziöse Korrespondenz, deren Mit- teilungen sich oft als richtig erwiesen haben, weiß aus„unter- richteten Kreisen" zu berichten: „Wie am 27. Mai im Abgeordnetenhause bei der erneuten Beratung der Wahlvorlage die Würfel fallen werden, ist ganz ungewiß. Wie verlautet, will der Ministerpräsident selbst die An- nähme der Herrenhausbeschlüste dringend empfehlen. Wenn sich jedoch eine Mehrheit finden sollte, die die Herrenhausbeschlüste einer noch- maligen Abänderung unterwirft, so kann die Vorlage als gescheitert gelten, denn die Regierung dürfte kaum Wert darauf legen, wegen einer Vorlage, die ihre bescheidenen Wünsche ignoriert und dem Mindestmaß nicht mehr entspricht, an dem die Regierung un- bedingt festhalten muß, die Session bis in den Hochsommer aus- zudehnen. Aendert das Abgeordnetenhaus die Vorlage am 27. Mai ab, so kann erst am 18. Juni die vorgeschriebene Schluß- abstimmung im Abgeordnetenhause stattfinden und selbst wenn das Herrenhaus alsdann den neuen Beschlüssen der Zweiten Kammer beitteten sollte, müßte auch im Herrenhause wieder eine 21tägige Pause eintreten, so daß die Session vor dem IS. Juli nicht ge- schloffen werden kann. Und selbst bei allen Zeit» und Geld- opfern steht das endgültige Resultat der Vorlage auch dann noch nicht fest."_ Ter Rachezng gegen die WahlrechtSdemonstrante». Auch die Hallesche WahlrechtSjusttz greift schärfer zu. Am Frei« tag wurde vor der Strafkammer deS bekannten Landgerichtsdirektors Schubert gegen drei Opfer des IS. Februar verhandelt. Die Ler- Handlung war deswegen so weit hinausgeschoben worden, weil die drei Angeklagten schwerverletzt waren und lange Zeit im Kranken- Hause zubringen mutzten. Mehr als 50 Zeugen waren geladen, darunter von der Verteidigung, die Dr. Liebknecht- Berlin und Dr. Müller-Halle führten, 43. Die Entlastungszeugen äußerten sich höchst abfällig über die Polizeibrutalitäten vom 13. Februar. Die Polizei habe nur von hinten in die Fliehenden hineingeschlagen. Nach achtstündiger Verhandlung winden zwei der Angeklagten zu je drei Monaten zwei Wochen Gefängnis verurteilt. Einer wurde freigesprochen. Gegen das Urteil soll Revision eingelegt werden. Der Bund der Industriellen und die rheinische» Scharfmacher. Der Bund der Industriellen wendet sich dagegen, daß die amt« lichen„Berliner Politischen Nachrichten" die Behauptung verbreiten. die gesamte Industrie sei mit der Wahlrechtsoorlage einverstanden. ES handle sich lediglich um die rheinisch-westsälische Großindustrie. In den Kreisen des Bundes der Industriellen, der als die Vertretung der verarbeitenden und der Fcrttgindustrie an- aeschen werden müsse, herrsche die Auffassung, daß die Be- seittgung der indirekten Wahl zu fordern sei. Nach wie vor ver- ttete deshalb der überwiegende Teil der deutschen Industrie den Standpunkt, daß die geheime und direkte Wahl nach dem Vorgänge fast sämtlicher Bundesstaaten auch in Preußen einzuführen sei. Die Annahme der gegenwärtigen unklaren Borlage bedeute eine Ver- schlechterung gegen den früheren Zustand und würde einer zweck- entsprechenden Wahlreform auf Jahre hinaus die Wege verlegen. Der Bund der Judusttiellen gibt deshalb nochmals der Er« Wartung Ausdruck, daß die ihm nahestehenden Parteien— d. h. vor allem die Rationalliberalen— der Wahlrechtsvorlage ihre Zustimmung verweigern._____ Eine nationalliberale Erklärung gegen die Wahlrechts- vorläge. Der nattonalliberale Verein in Köln hat der nattonalliberalen Fraktion eine Erklärung zugeschickt, in welcher die dringende Bitte ausgesprochen wird, der Wahlrechtsvorlage in der Fastung de» Herrenhauses auf leinen Fall zuzustimmen. Die Halben und die Ganzen. Im Anschluß an den Evangelisch-sozialen Kongreß fanden Hestern abend in Chemnitz drei von der Sozialdemokratie ein- berufene Versammlungen statt, in denen Pastor Pflüger- Zürich, Dr. Maurenbrecher- Erlangen und Paul Göhr« über das Thema:„Christentum und Sozialdemo- kratie" sprachen. Alle drei Versammlungen waren überfüllt. In allen Versammlungen waren die hervorragendsten fortschritt- lichen Mitglieder des Evangelisch-sozialen Kongresses in großer Zahl erschienen. Maurenbrecher betonte nach einer scharfen Kritik der heutigen Form der offiziellen Staatskirche, in der Männer wie Traub und Liebster immer einsam bleiben würden, und die zu einem wirklichen Umbildungsprozeß längst unfähig geworden sei. den ursprünglich rein proletarischen Charakter des Christentums. Das Evangelium vom organisierten Willen zur Verantwortlichkeit gegenüber der Menschheit, zur Arbeit für die Menschheit, das sei die Sittlichkeit und Frömmigkeit des Sozialismus, die die christ- liche Frömmigkeit bisher nicht habe schaffen können. Das Priester- tum habe den Proletarierheiland zum Priesterheiland gemacht und die Religion in ein Werkzeug der Reichen umgewandelt. Darum wanderten die Massen der modernen Zeit aus der Kirche aus und ließen die Priester, die Gottheit und den Heiland der Staatskirche zurück, um den geschichtlichen Jesus der Armen und den armen Weber Paulus, die die Kirche seit zwei Jahrtausenden totgeschwiegen habe, zu retten, nicht als Gotteskindcr, sondern als Menschen von Fleisch und Blut, in denen das Feuer der Be- geisterung für eine bessere Zukunft blühe. Pastor M e n s i n g- Halle erklärte eS für einen Skandal, wenn Geistliche versuchten, durch Gründung evangelischer Arbeiter- vereine die Arbeiterverbindungen zu zersplittern. Und Pastor FuchS- Rüsselsheim versicherte, er werde niemals Zweifel darüber lassen, daß er tausendmal eher dem Sozialdemokraten seine Stimme geben werde als einem arbeiterfeindlichen Kandidaten. Weiter sprachen in der Versammlung Arbeitersekretär Fischer- Heilbronn und Pfarrer Lic. Traub- Dortmund, der Mauren- drecher in vielen Punkten zustimmte, aber zum Schlüsse das große Weltgeschehen und den inneren Drang des Herzens höher zu stellen aufforderte, als das rein Proletarische. Der Sozialismus allein tönne nicht das Gefühl vollen inneren Glückes geben. In ähnlicher Weise wie Dr. Maurenbrecher sprach Paul Göhre in der zweiten Versammlung, der insbesondere alle die, die der Kirche innerlich fremd geworden seien, aufforderte. ihr den Rücken zu kehren. In der Diskussion sprachen neun Pastoren und mehrere andere Teilnehmer des Evangelisch-sozialen Kongresses, darunter Professor Gregory- Leipzig und Pastor v. Bröker- Halle. In der dritten Versammlung betonte der Prediger der evangelischen Gemeinde in Zürich, Pastor Pflüger, die große Verwandtschaft des Urchristentums mit der Sozialdemokratie. In der ganzen Bibel finde sich niemals das Pfaffenwort vom »In den Himmel kommen", immer solle„das Reich Gottes zu uns auf die Erde herunter st eigen". Mit diesem irdisch gerichteten Christentum sei der Sozialismus der heutigen Zeit eng verwandt. Er habe all die Bestandteile übernommen, die nach 2000 Jahren noch nicht veraltet seien. Pflüger zog dann eine Parallele zwischen den freien Kirchengemeinden der Schweiz und der Unfreiheit der Geistlichen in Deutschland, der Unfreiheit, die sich darin zeige, daß sie die empörendsten sozialen Mißstände ruhig dulden müßten, ohne wirksam dagegen auftreten zu tönnen. Er schloß mit der Erklärung, daß er als ehrlicher Mensch in Deutschland nicht einen Tag Pfarrer sein würde. In der Diskussion wurde von N o s k e die soziale Rückständig- ?eit des Evangelisch-sozialen Kongresses scharf angegriffen. Das Lob Harnacks über die Reichsversicherungsordnung, die Begünfti- gung der evangelischen Streikbrechervereine, das Streben, den Arbeiter zu einem Pflichtbewußtsein zu erziehen, das er längst habe, und ähnliches zeigten die Tendenz des Kongresses, die Ar- deiter von dem bisherigen Wege ihres Aufstieges wegzulocken. Die Kirche habe die Arbeiterschaft in ihrem Borwärtsstreben bisher nur gehemmt und auch den« Evangelisch-sozialen Kongreß gegenüber bleibe das Wort von Marx wahr:»Die Befreiung der Arbeiterklasse könne nur das Werk der Arbeiterklasse selber sein!" In der Diskussion traten diesen Ausführungen Universitäts- Professor Dr. W e i n e l- Jena. Oberlehrer Dr. Herz- Leipzig. Pastor Herz- Chemnitz und Pastor L i e b st e r- Leipzig sowie mehrere andere Theologen entgegen. Sie lehnten es ab, den Evangelisch-sozialen Kongreß für die Aeußerungen einzelner ver- antwortlich machen zu lassen, seien es auch Harnack oder Professor v. Soden. Der Evangelisch-soziale Kongreß sei ein reiner Sprech- isaal, bestimmt zur freien Diskussion für alle, die unter den ge- bildeten Klassen den Sozialismus verbreiten wollten. Als zum Schluß Pastor Herz diejenigen aufforderte, die in der Religion ein tieferes Glück suchten, nun auch den wenigen einsamen, vor- wärtsdrängenden Geistlichen zur Seite zu stehen und ihnen Freiheit in der Kirche zu verschaffen, diejenigen aber, die mit der Kirche innerlich fertig seien, auszutreten, trat ihm Pastor Pflüger in jseinem Schlußwort lebhaft entgegen. Die Arbeiterschaft habe zur- zeit viel größere und viel wichtigere Jnterssen zu vertreten, als sich um die Wahl von sozialdemokratischen Kirchenräten zu lümmern. Seine Religion sei der Opfermut und die Begeisterung für den großen wirtschaftlichen und politischen Kampf zur Be- freiung der Menschheit. Den Arbeitern daneben noch ein besonderes Christentum einimpfen zu wollen, fei eine ebenso aussichtslose wie unnütze Auf» gäbe. Die Versammlungen fanden erst nach 2 Uhr nachts ihr Ende. Braunschwciger Justiz. Nachdem vor acht Tagen erst Genosse Wese meier vom Braunschweiger„Volksstcund" als ein Opfer des Wahlrechts- kampfes zu der enorm hohen Strafe von 0 Monaten Gefängnis verurteilt wurde, saß gestern bereits wieder ein Redakteur unseres Braunschweiger Parteiorgans auf der Anklagebank. Wegen Beleidigung des Braunschweigischen Landtages hatte sich Genosse Redakteur Brenner zu verantworten. Das Urteil der Straf- lammer lautete auf fünf Monate Gefängnis. Wenn die Braunschweiger Gerichte etwa glauben, daß der- artige unerhörte Urteile unsere Genossen von der weiteren Propagierung der Wahlrechtsfordenmgen abhalten werden, so be- finden sie sich in einem gewaltigen Irrtum. Diese Aktion der Justiz im Interesse der Reaktion wird vielmehr aufpeitschend auf die Ge- Nossen wirken, mir erhöhter Kraft den, gesteckten Ziele zuzustreben und nicht zu ruhen und zu rasten, bis die Wahlrechtsforderungen erfüllt find._ Unterstützung der vom Militär entlassenen Tabakarbeiter. Die Regierung will endlich auch diejenigen Tabakarbeiter unter- stützen, die vom Militär entlassen wurden und infolge der durch daS neue Tabaksteuergesetz hervorgerufenen ProduküonSeinschränkung keine Stellung finden konnten. In diesem Sinne ist soeben folgender Erlaß ergangen: .,«» ist angeordnet worden, daß den im Herbst 190S und 4809 vom Militär entlassenen Tabakarbeitern. denen zur Zeit die Unterstützung verweigert worden ist, diese Unterstützung auf Ansuchen aus Billigkeitsgründen nachträglich gewährt wird. Dabei wird angenommen, daß diese Arbeiter bei der Wiederaufnahme ihrer alten Berufstätigkeit nach der Entlassung vom Militär zu der Erwartung berechtigt waren, daß die Be- fchäftigung eine dauernde fein werde und daß sie bereits wieder einige Zeit beschäftigt waren, bevor die Arbeitslosigkeit einge- treten ist."_ Das neue Wassergesetz in Baden. Der badischen Ersten Kammer ist soeben ein neues Wassergesetz zugegangen, das bezweckt, die großen Wasservorräte Badens mehr wie bisher zur Ausnützung dem Staate z» sichern. Es sollen die Gemeinden das Eigentum an den nicht össentlichen Gewässenr behalten, dagegen sollen die sogenannten natürlichen Wasserstraßen dem Staate zur Nutznießung vorbehalten bleiben. frankreick. Eine Aerzte-Gewerkschaft. Paris, 20. Mai. Dem aus etwa 150 Aerzten bestehenden nationalen Syndikat für soziale Medizin ist auf An- suchen der Zutritt zur Arbeitsbörse und damit die Auf- nähme in den Allgemeinen Arbeits-Syndikats- verband gewährt worden. Das Ansuchen, das bereits dreimal vergeblich gestellt toorden war, ist damit begründet, daß mehrere Aerzte wegen ihrer bei Arbeitsunfällen ausgestellten Zeugnisse von llnlernehmern gerichtlich belangt und verurteilt ivurden. Der Arbeitsverband fei deshalb verpflichtet, die Aerzte zu schützen. KuKlancl. Judenverfolgungen. Aus Petersburg wird gemeldet: Die Ausweisungen jüdischer Familien aus ihren bisherigen Wohnorten nehmen in Rußland einen immer größeren Umfang an. Neben der grau- famen Austreibung von vielen Hunderten Familien aus Kiew, die nun wohl unabwendbar bevorsteht, lammen aus Moskau Nachrichten über Ausweisungen von unglaublicher Herzlosigkeit. Wenn man den Familienhäuptern nichts anhaben kann, so hat man folgende unmenschliche Methode gefunden, um zum Ziele zu kommen. Unter irgend einem Vorwand weist man die Kinder der Familien aus, selbst Kinder im allerzarte st en Alter. So wurde das zweijährige Töchterchen der Hebamme Bermann ausgewiesen, weil der Mann sich auf Geschäftsreisen befand und man erklärte, daß das Kind nur während der Anwesenheit des Vaters das Wohnrecht für sich habe. Die Mutter hat als Hebamme selbständiges Wohnrecht. Aehnliche Fälle von Kinderausweisungen, wenn die Bäter vorübergehend abwesend sind, und selbst dann, wenn die Mütter als Zahn- ärztinnen oder Hebammen usw. das Wohnrecht besitzen, stehen in Moskau auf der Tagesordnung, obwohl ein Senatsbeschluß sich in solchen Fällen gegen die Vollziehung der Ausweisung ausgesprochen hat. Durch solche Maßregeln will man selbst wohnberechtigte jüdische Familien zwingen, Moskau zu verlassen. Ciirhei. Die Kreta-Frage. Kanea, 20. Mai. In der Nationalversammlung entwickelte gestern der Chef der provisorischen Regierung Venizelos das Programm der Regierung, die alle diplomatischen Mittel anwenden wolle, um an der gecnwärtigen Lage nichts zu ändern und an der Protektion der Schntzmächte festzuhalten. Die Nationalversamm- lung erteilte der Regierung ein Vertrauensvotum. Venizelos machte dann Mitteilung von der Warnung der Konsuln, den Eid dem König der Hellenen zu leisten, und sagte, die Mitarbeit der Musel- manen in der Nationalversammlung sei unmöglich, da er von ihnen annehmen müsse, daß sie gegen den kretischen Staat handelten. Die Regierung werde ihnen aber weiter den notwendigen Schutz ge- währen, da sie die Muselmanen als Opfer der türkischen Poletik be. trachte, ohne daß sie sich dessen bewußt seien. Nach langer Debatte wurde beschlossen, die Muselmanen zur Nationalversammlung nicht zuzulassen. Darauf vertagte sich die Versammlung auf 40 Tage. Konstantinopcl, 20. Mai. Die Auffassung der offiziellen tür» tischen Kreise über die weitere Entwicklung der Kreta- frage geht dahin, daß die Türkei unbedingt durch eine Aktion auf die Entschließungen der Schutzmächte einwirken müsse. Hier- für sei eine Flottendemonstration vor Kanea mit einer ettvaigen Ausschiffung von Truppen geplant. Die Türkei wolle dadurch die Schutzmächte zu einem energischen Ein- greifen zwingen. Gefahr eines Krieges mit Griechen- land bestehe indessen nicht, solange sich die griechische Regierung von Provokationen fernhalte._ Der Aufstand in Albauie«. Saloniki, 20. Mai. Trotz der fortschreitende« Beruhigung in einzelnen Bezirken Albaniens wird die Lage noch alS zweifelhaft bezeichnet. Nach den Angaben der Arnauten stehen noch bei Dsakova 17 000, im Gebiet von Drenitza 20000 und zwischen Prizread und Tettow noch 8000 Aufständische. Die letzteren werden von dem früheren Gendarmeriekommandanten Romadan Zossida befehligt. Alle aus Samsun eingetroffenen acht Bataillone, von denen em Teil für die thessalische Grenze bestimmt war, gehen nach Albanien ab. Amerika. Eine Intervention der Bereinigte» Staate«. New Aork, 20. Mai. Aus BluefieldS in Nicaragua tvird gemeldet, daß die amerikanischen Kreuzer„Dubuque" und„Paducah" Marinesoldaten gelandet haben. um die amerikanischen Interessen zu schützen und einen Kampf im Weichbilde der Stadt zu verhindern. Klus der Partei. Der Parteitag der deutschen Sozialdemokratte findet vom 18. bis 24. September in Magdeburg statt. Die römische Parteisektion gegen daS ministerielle Votum. Die römische Parteisektion hat eine Tagesordnung gegen das Votum der Parlamentsfraktion angenonnnen. Sie wendet sich auch gegen den„Avanti", den sie der Intoleranz und der Haltlosigkeit bezichtigt. Sie fordert schließlich die schleunige Einberufung des Parteitages. Ob mit dieser Forderung dem nichtrefornnstischen Flügel wirklich gedient wäre, steht übrigens dahin. Uns scheint, daß die Jntransigenten noch weniger für den Parteitag vorbereitet sind wie die Reformisten._ polizeiliche»,©trichtlkhe» ulw. Bier Prozesse an einem Tage hat unser BreSlauer Parteiblatt wieder einmal zu verzeichnen. Genosse Darf wurde zu zwei Monaten Gefängnis ver- urteilt wegen der Kritik eines Urteils der Strafkammer in Hohen- falza, die wegen eines Jungenstreichs zwei zwölfjährige Polenkinder zu einem Jahre bezw. einem Jahr und einer Woche Ge- fängnis verurteilt hatte.— Genosse Schiller erhielt 75 M. Geld- strafe. Er soll den Fürsten von Pleß. Han« Heinrich XV. dadurch erneut beleidigt haben, daß in einem Prozeßbericht die inkriminierten Artikel noch einmal abgedruckt wurden. In zwei früheren, gleich- liegenden Fällen waren die Redakteure freigesprochen worden.— Wegen angeblicher Beleidigung eine» katholiichen Pfarrers wurde dann Genosse Schiller zu 100 M. und Genosse D a r f zu 30 M. Geldstrafe verurteilt. Unter Anklage standen hier zwei Artikel, die wüste Schimpfereien des Pfarrers auf die Sozialdemokratie ins rechte Licht setzten._ Gegen die Schwindclkassen. Eine derbe Abfuhr holte sich vor dem Schöffengericht in Karlsruhe ein gewisser Grimm, Vertreter der Hilsskasse„Ger- mania", von dem unser Karlsruher Parteiorgan behauptet hatte, daß er schwindelhafte Manöver zuungunsten der Mitglieder der Kasse vorgenommen habe. Der also Gekennzeichnete glaubte seine arg zerzauste Ehre durch eine Klage gegen den verantwortlichen Redakteur, Genoffen W e i ß m a» n, reparieren zu können, erlebte damit aber einen gründlichen Reinfall. Nach fast siebenstündiger Dauer der Verhandlung sprach das Gericht den Genossen Weiß mann frei und legte dem P r i v a t k l ä g e r d i e K o st e n a n f. In der Be- gründung des Urteils wird hervorgehoben, daß der Beweis für den in dem Artikel hervorgehobenen Vorwurf der Untreue und der Verwendung eines großen Teils der Einnahme im eigenen Interesse voll und ganz gelungen fei. Der Vorwurf der Untreue fei auch er- wiesen durch die Tatsache, daß Grimm mit Kassenmitteln sich Stempel zu Privatzwecken habe anfertigen lassen. Darin liege eine st r a f b a r e Handlung GrimmS. ES sei festgestellt, daß Grimm wiederholt die Kassengelder ihrem eigentlichen Zweck entzogen und für sich verwendet h a t. Auch hierin liege auf feiten GrimmS eine st rafbare Untreue vor. Das Gericht sah zwar eine Be- leidigung als vorliegend an, billigte dein Angeklagten aber den Schutz des§ 193 zu. Der Privatbcklagte habe mit dem Artikel vor den Schwiudelkassen warnen wollen. Das Gericht habe die Frage, ob der Redakteur in diesem Falle fremde Interessen in berechtigter Weise gewahrt habe, bejaht. Hier habe eL sich um Wahrung berechtigter öffentlicher Interessen gehandelt, die nur von der Presse gewahrt werden können. Aus all diesen Gründen war der Beklagte freizusprechen. ES wäre zu wünschen, daß stet? in so objektiver Weise daS Recht der Preffe beurteilt wird, im Interesse der Allgemeinheit öffentliche Mißstände zu rügen. Leider aber neigt daS Reichsgericht noch immer der Ansicht zu, daß eS für die Presse kein allgemeines Recht der Vertretung öffentlicher Interessen gebe, und spricht daher der Presse den Schutz des 8 103 ab. Soziales. Ungültige Polizeiverordnung. 5|n den Borschriften über die Art der Veröffentlichung von Orts« Polizeiverordnungen, die der Regierungspräsident zu Köln gemäß dem 8 5 des PolizeiverwaltungsgesetzcS erlassen hat. ist bestimmt, daß Verordnungen erst gültig seien, wenn sie binnen 14 Tagen am Gemeindehaus öffentlich ausgehängt werden. Die Bürgermeisterei Willich hatte nun eine Polizeiverordnung vom 18. August im Haus- flur deS Gemeindehauses anschlagen lassen. Der Hausflur ist während der Bureaustunden jedermann zugänglich und wird auch in der Dunkelheit beleuchtet. Das Landgericht in Bonn hielt den Aushang der Verordnung im Hausflur für einen solchen, der nach der Ver- fügung deS Regierungspräsidenten genüge, erklärte die Verordnung für gültig und verurteilte einige LeutetM der dSHDe« KmMcr! Gep?erksckaftlickeg. Die Konventionalstrafen äer Untermhmcr- verbäncle nicht eintreibbar! Die Herren Baugewaltigen haben bekanntlich durch juristische Sachwalter den Nachweis zu führen versucht, daß die Konventionalstrafen eintreibbar und die Materialsperrcn juristisch zu rechtfertigen wären. Besser als solche theoretischen Erörterungen und überzeugender auf die Beteiligten dürfte die praktische Entscheidung in solchen Fällen wirken, wie sie gerade jetzt die dritte Zivilkammer des Landgerichts H a n n o v e r zu treffen hatte. Als im September 1909 die Fleischernleister in Linden bei Hannover befürchteten, daß ihre Gesellen Forderungen be treffs Verbesserung der Arbeitsbedingungen stellen würden, gründeten sie eine freie Vereinigung. Diese Vereinigung ver bot jede Abmachung über Lohn- und Arbeitsbedingungen mit der Organisation der Flcischcrgescllen, dem Eewerkschafts' kartell oder seinen Vertretern! Selbst mit den eigenen Ge� sellen durfte nur der Lohn vereinbart werden, sonst nichts Die Verletzung jeder dieser Bestimmungen war yüt 1000 M. Konventionalstrafe belegt. Auch sonst wurde starker Terror angedroht, wie durch Viehentzug usw. Im Oktober 1999 stellten nun die im Zentralverband der Fleischer organisierten Gesellen Forderungen. Im November wurde auf Ersuchen die Unterstützung der Fleischergesellen durch das Gcwerkschaftskartell in die Wege geleitet. Nach langem Kampfe hatten von 57 Unternehniern, die hierbei in Frage kamen, 44 die Bestimmungen der Freien Fleischer- mcistervereinigung durchbrochen. Der in die Wege geleitete Viehentzug war nach l'/z Wochen ins Wasser gefallen. Jetzt Ivurde ein Fleischermeistcr auf Zahlung der 1999 M. Konventionalstrafe verklagt, da er niit Vertretern des Kartells Abmachungen über die Lohn- und Arbeitsbedingungen für seinen Betrieb getroffen hatte. Die anderen 43 Meister sollten folgen. Der Anwalt des Beklagten machte geltend, daß der Vor- stand nicht klagen könne, ohne von jedem Mitglied Vollmacht zu haben, andererseits sei der Vertrag nicht rechtslvirksam, da derselbe das Statut einer Vereinigung nach 8 152 der Ge- Werbeordnung darstellt. Von solchen Verabredungen kann nach Absatz 2 des Paragraph jederzeit zurückgetreten werden, ohne daß Klage noch Einrede statthaft sei. Er wies auf die Entscheidung des Reichsgerichts Band 59, Seite 28 hin. Am 29. Mai verkündete das Gericht folgendes Urteil: Die Klage ist zurückgewiesen und fallen den Klägern die sämtlichen Kosten zn. In seinen Gründen ist das Gericht den beiden Aus- führungen des Verteidigers gefolgt. Die schriftliche Begründung erfolgt später. Berlin und llmgegend. Das Fahrpersonal in den Ringbrauereien beschäftigte sich am Donnerstagabend in einer Versammlung, die in Kellers Konzert- Haus, Köpenicker Straße, stattfand, mit dem neuen Tarif- vertrag. Der Referent S ch u l d t schilderte den Verlauf der letzten Verhandlungen, die zum Tarifabschlutz führten, und zog dann Vergleiche zwischen den neuen Bestimmungen und den bis- herigen Verhältnissen, die immerhin manche Verbesserungen er- fahren hätten, wenn auch die gehegten Erwartungen nicht entfernt erfüllt wurden. Das Fahrpersonal hatte sechs Vertreter in der Kommission; ihre Anstrengungen, bessere Bedingungen zu erzielen, waren vergeblich und man mußte sich mit den geringen Zu- geständnissen begnügen. Ein Auftrag, den die Kommission er- halten hatte, und der dahin ging, feste Grundlöhne auch für die Flaschenbierfahrer bei Schultheiß einzuführen, wurde dahin er- ledigt, daß die Schlutheiß-Brauerei sich prinzipiell dazu bereit erklärte und neuerdings entsprechende Vorschläge zur Regelung dieser Frage machte. Die Brauerei will 12 M. Wochenlohn und 9 Pf. Provision pro Kasten zahlen. Dieser Vorschlag wird noch einer eingehenden Beratung unterzogen werden. Das garantierte Einkommen der Fahrer für Faß- und Flaschenbier und die Lohn- sätze des übrigen Personals sind bereits im„Vorwärts" mit- geteilt worden. Weitere Bestimmungen lauten: „Bei einem durchschnittlichen Verkauf von mehr als 39 Kasten täglich hat jeder Flaschenbierfahrer einen Mitfahrer zu be- anspruchen. Falls in Ermangelung eines Mitfahrers der Fahrer diese Arbeit allein bewerkstelligen muß, so erhält er an solchen Tagen eine besondere Vergütung von 2 M. Fahrer, die auf einen Mitfahrer verzichten, erhalten hierfür keine Vergütung. Die Fahrer sind nicht verpflichtet, für Kunden, die nicht bezahlen, die geschuldeten Beträge auszulegen. Die von den Fahrern gestellte Barkautron wird seitens der Brauereien mit 5 Proz. verzinst. Die Kaution ist bei ordnungsmäßiger Lösung des Arbeits- Verhältnisses sofort auszuzahlen, nachdem die Abrechnung cr- ledigt ist. Die Abrechnung ist tunlichst zu beschleunigen." Für die Mitfahrer wird die Arbeitszeit wie folgt geregelt: „Die Arbeitszeit ist von der Einteilung der Touren durch die Betriebe und der schnelleren oder langsameren Erledigung durch die Fahrer abhängig und die Berechnung von Ueberstunden bei der im Interesse der Bedienung der Kundschaft verwendeten Arbeitszeit ausgeschlossen. Wird dagegen ein Faßbiermitfahrer nach Beendigung seiner Tour und Erledigung der damit in Zusammenhang stehenden Arbeiten noch zu anderweitigen Ar- Veiten herangezogen, so wird diejenige Arbeitszeit nach Ueber- stunden berechnet, welche einschließlich der Tourenzeit über 11 Stunden hinaus geleistet worden ist. Die hiernach zu ver- gütenden Ueberstunden werden ebenso bezahlt wie Ueberstunden der Reservefahrer. Mitfahrern, die vor Ablauf ihrer Arbeitszeit zurückkehren. ist vor Heranziehung zu anderweitigen außerhalb der Tour liegenden Arbeiten mindestens 1 Stunde Ruhepause zu ge- währen." Fie die Reserbefahrer und Lastchauffeure wird über die Ar- beitszeit bestimmt: „Die Arbeitszeit beträgt 9% innerhalb 12 H Stunden. Werden Reserbefahrer in derselben Weise wie Mitfahrer be- schäftigt, so finden die Bestimmungen über deren Arbeitszeit Anwendung." Und für die Stalleute beträgt die Arbeitszeit für Tag- schickst 91� innerhalb 12% Stunden, für Nachtschicht 9% innerhalb 11% Stunden; für die Hofarbeiter 9 innerhalb 11 Stunden; hier soll die Arbeitszeit möglichst nicht vor 6 Uhr beginnen. Der Tarif enthält noch eine Reihe von besonderen Be- 8i m m u n g e n für das F a h r p e r s o n a l, die manche kleine erbesserung bringen: Für Touren nach außerhalb wird ein Zehr- eld gewährt, wenn Prozente nicht bezogen werden. „Soweit das Fahrpersonal vorgeschriebene Kleidung auf eigene Kosten tragen muß, ist dafür wöchentlich 1 M. zu ver- güten. Fahrern und Mitfahrern, die über Land fahren, sind zum Schutz gegen Kälte Pelze, Chauffeuren die Berufskleidung (Jackett, Hose, Mütze, Mantel oder Pelz), dem Fatzfahrpersonal Schurzleder zu stellen. Der Urlaub wird den Mitfahrern unter Fortzahlung der Provision gewährt. Dem Fahrpersonal, dem ein Mindest- einkommen gewährleistet ist, muß während des Urlaubs mindestens der entsprechende Teil dieses Mindesteinkommens fortbezahlt werden. Die Zahlung der Provision erfolgt der Regel nach alle 14 Tage. Die Arbeit beginnt in der Regel frühestens um 4% Uhr. Jeder zweite Sonntag ist frei. An Sonn- und ersten Feiertagen wird während der Zeit vom 1. Oktober bis 1. April kein Bier ausgefahren, in den übrigen Monaten nur bis 2 Uhr. Vom Vorstand des Brauerei- Vereins können Ausnahmen festgesetzt werden, wenn durch die Aufeinanderfolge von Sonn- und Feiertagen eine längere Unterbrechung des Geschäfts erfolgt. Die Brauereien sollen darauf hinwirken, daß auch im Sommer an Sonn- und ersten Feiertagen nach 19 Uhr keiii� Bier ausgefahren wird. Zu Arbeiten, die nicht Sache des Jahrpersonals sind, darf dieses an Sonn- und Feiertagen nicht herangezogen werden; sofern derartige Arbeiten ausnahmsweise geleistet werden, gelten sie als Ueberarbeit." Eine lebhafte Diskussion entspann sich über die ver- schiedenen Bestimmungen, die in mancher Hinsicht als mangelhaft und unzulänglich bezeichnet wurden. Die meisten Redner waren der Ansicht, daß man von einer Verbesserung der Lage des Fahr- Personals durch den neuen Tarif kaum sprechen könne. A I i s ch vom Transportarbeiterverband erkannte an, daß die Unzufrieden- heit der Fahrer wohl berechtigt sei, aber es sei diesmal beim besten Willen der Kommission noch nicht gelungen, den heftigen Wider- stand der Brauereien gerade in dieser Angelegenheit zu besiegen. Man sollte aber in den gemeinsamen Anstrengungen durch eine gute Organisation nicht nachlassen, um die Stellung des Fahr- Personals zu verbeffern und gegen Angriffe zu schützen. Der gleichen Ansicht gab auch der Referent in seinem Schlußwort Ausdruck. Achtung, Stcinarbeiter! Nachdem die Suche nach Streikbrechern mit Hilfe der„Allgemeinen Zeitung" erfolglos verlief, versucht es die Firma Gebr. F r i e s e ck e, Kunststeinfabrik, mit einem Inserat im„Deutschen Steinbildhauer". Tüchtigen unorganisierten Steinmetzen wird gute Beschäftigung versprochen.— Tüchtig und unorganisiert— in ihren Leistungen den höchsten Anforderungen der Firma entsprechend, sollen die Gesuchten aus ihr Koalitionsrecht Verzicht leisten, auf das Recht, von welchem die Firma F r i e s e ck e selbst den umfassendsten Gebrauch macht. Als Mitglied des Verbandes der Baugeschäfte genießt fie den Schutz desselben im reichsten Maße. Und das, trotzdem es sich für uns darum handelt, einen Tarif zur An- erkennung zu� bringen, welchen wir mit dem Verband der Steinmetzgeschäste von Groß-Berlin, der mit dem Verband der Baugeschäfte im Kartellverhältnis steht, abgeschlossen haben und dem sich andere Kunststeinfirmen ohne weiteres anschlössen. Alle Rechte eines Arbeitgebers für sich in Anspruch nehmend, kennt die Firma F r i e s e ck e auf feiten des Arbeiters nur Pflichten. Kollegen aller- orts! Weist das entehrende Angebot der Firma F r i e s e ck e zurück! Sorgt für Fernhaltung des Zuzuges. Zentralverband der Steinarbeiter. Ortsverwaltung Berlin. Die Brettertrager der Firma Hermann S ch ö n f e l d, Jungfern- Heide, befinden sich im Abwehrstreik, da die Firma beabsichtigt, eine neue Akkordeinteilung einzuführen, wodurch den Arbeitern der bis- herige Verdienst um S M. und mehr pro Woche geschmälert werden sollte. Wir ersuchen daher den Zuzug von Bretterträgern und Platz- arbeitern bis auf weiteres streng fernzuhalten. Deutscher Transportarbeiterverband, Bezirksleitung Groß-Berlin. Deutsches Reich. Reeder gegen Hafenarbeiter. Dieser seit drei Jahren die Gerichte beschäftigende, aus dem Gegensatz zwischen Kapital und Arbeit resultierende Prozeß, an- gestrengt von der Scharfmacherorganisation im hamburgischcn Schiffahrisgewerbe, dem sogenannten„Hafenbetriebsverein", gegen führende Genossen des Hafenarbeiterverbandes, gegen diesen selbst und die Mitgliedschaft der Schauerleute Hamburgs, ist durch das im Herbst 1999 gefällte Urteil des Reichsgerichts in ein neues Stadium getreten, indem die Sache zur nochmaligen Verhandlung an das Oberlandesgericht zu Hamburg, diesmal den zweiten Zivilsenat, zurückverwiesen worden ist. Die Verhandlung fand am 19. Mai vor diesem Gericht statt. Zum besseren Verständnis der Dinge wollen wir nochmals kurz den Prozeßstoff Revue passieren lassen. Die Anfang 1997 seitens des Hafenbetriebsvereins mit großer Rücksichtslosigkeit erfolgte AuS- sperrung der Hamburger Schauerleute wegen Verweigerung der Nachtarbeit endete im April desselben Jahres nach langen Verhand- lungen zwischen den kämpfenden Parteien mit der Annahme einer Abmachung, die in den Hauptteilen besagte: 1. Zusammenarbeiten mit Nichtorganisierten; 2. Unterlassung jeder Störung in der An- nähme von Kontraktarbeitern; 3. Unterlassung jeder Störung des Zuzuges und jeder Be- lästigung der Zuziehenden in Zeiten friedlicher Arbeiterverhält- nisse im Hamburger Hafen; 4. Anerkennung einer Schichteinteilung, deren Einführung von der Haltung der übrigen Instanzen(Kaiverwaltung, Eisen- bahn usw.) noch abhängig, bei der aber die Wünsche der Arbeiter tunlichst berücksichtigt werden sollten; 5. Arbeit nach dem alten Tarif wie vor dem Beschluß deS beklagten Verbandes über Verweigerung der Nachtarbeit bis zur eventuellen Einführung eines Schichtwechsels. Zu Punkt S sei bemerkt, daß die Mitgliedschaft der Schauer- leute im Mai 1996 beschlossen hatte, die Nachtarbeit p r i n» zipiell zu verweigern, womit die Arbeitgeber sich abgefunden hatten, indem sie nicht mehr auf Nachtarbeit drangen. Der Kampf der„Herren an der Wasserkante" war also auf die uneingeschränkte Ausbeutung— man hat Schauerleute bis 72 Stunden hintereinander beschäftigt— gerichtet. Als nun im Laufe des Herbstes 1997 Warnungen vor Zuzug nach dem Hamburger Hafen im„Vorwärts".„Hamburger Echo". „Stettiner Volksboten" und„Hafenarbeiter" erschienen, weil im Hamburger Hafen eine große Arbeitsflaue herrschte, während die Unternehmer, um ihre Akkordclique zu komplettieren, immer mehr Leute aus dem Binnenlande heranschleppten, glaubte der klägerische Verband hierin einen Vertrauensbruch, eine Verletzung des Ver- träges erblicken zu müssen. Hierauf stützten die Scharfmacher ihre Klage, die sie u. a. damit begründeten, sie hätten die Atkordkolonne von 2999 Mann noch nicht vollzählig gehabt. Sie verlangten also die Jnnehaltung der eingegangenen Verpflichtungen. Mit AuS- nähme des Klageantrages gegen die Mitgliedschaft der Schauerleute gab die dritte Zivilkammer des Landgerichts Hamburg dem Ver- langen der Kläger in vollem Umfange statt, während der zweite Zivilsenat des Hamburgischen Oberlandesgerichts das Urteil in allen Teilen aufhob, indem es sich der Auffassung des Reichstags� abgeordneten Dr. H e ck s ch e r, der bei den Verhandlungen als Ver- mittler fungierte, anschloß, daß kein Vertrag mit juristischem Cha- rakter vorliege, aus dem ein Klageonspruch hergeleitet werden könne. Auf die vom Hafenbetriebsverein eingelegte Revision hob, wie schon erwähnt, das Reichsgericht das Urteil der Vorinstanz auf, das als unhaltbar und als nicht frei von Rechtsirrtümern bezeichnet wird. Die Erklärungen Dr. H e ck s ch e r s und Dörings, des beklagten Vorsitzenden der Hafenarbeiter, es habe sich bei dem Vertrage nur um eine sittliche Verpflichtung gehandelt, läßt das Reichsgericht nicht gelten, denn es komme darauf an,„ob nach den Umstäirden die Absicht des öder der Erklärenden auf eine Rechts- absicht gerichtet war. Das Vorhandensein dieser Absicht wird aber aus dem Inhalt und der Art der abgegebenen Erklärungen zu entnehmen sein. Sie lassen regelmäßig erkennen, ob bei der Er- klärung der Wille vorlag, eine Rechtswirkung zu erzielen oder nicht. wie dies bei den Geschäften des täglichen Lebens und andererseits bei bloßen erkennbar und nur zum Scherz abgegebenen Erklärungen ohne weiteres erhellt". Nach längeren Darlegungen gelangt das Reichsgericht zu der Ansicht, daß hier ein Rechtsgeschäft vorliege. „Die Zusage des Zusammenarbeitens mit den Nichtorganisierten, die Unterlassung jeder Störung in der Annahme von Kontrakt- arbeitern und in Zeiten friedlicher Arbeitsverhältnisse im Ham- burger Hafen, die Unterlassung jeder Störung des Zuzuges und jeder Belästigung der Zuziehenden bildete nur die Gegenleistung für das Versprechen des klagenden Vereins, die deutschen Arbeiter, soweit möglich, in Hamburg zu behalten und die Fremden, soweit möglich, abzuschieben. Nun hat das Oberlandesgericht nur fest. gestellt, daß bei den Arbeitern der Wille nicht bestanden habe. Rechts. pflichten zu übernehmen, daß sie sich vielmehr nur sittlich hätten verbindlich machen wollen. Darüber aber, ob diese ihre Willens- richtung auch für den klagenden Verein erkennbar hervorgetreten und dieser sich hiermit ausdrücklich oder stillschweigend einverstanden erklärt habe, habe es keine Feststellungen getroffen, wie denn auch die Beklagten in dieser Beziehung keine Behauptungen aufgestellt haben. Schondeshalb unterliegt an sich das angefochtene Urteil der Aufhebung. Der Rechtsbeistand der Beklagten. Dr. Blitz, beantragte die Abweisung der Klage, indem er auf die Entscheidung des durchaus nicht von irrigen Voraussetzungen ausgehenden Oberlandesgerichts verwies, während der Vertreter des HafenbetriebsvereinS� Dr. Ehlers, sich die Argumente des Reichsgerichts zu eigen machte. Es findet noch ein neuer Termin statt, und zwar am 21. Mai. Bei der Aktiengesellschaft„Orivit". Fabrik für kunst- gewerbliche Gegen st ände in Köln, sind ernste Dlfferenzen ausgebrochen, welche eventuell zur Arbeitsniederlegung führen werden. Zuzug von Zinngießern, Zinnbläsern, Gürtlern und dergleichen ist daher streng fernzuhalten. Ortsverwaltung Köln a. Rhein deS Deutschen Metallarbeiter-Verbandes. Ausland. Zum Streik der Chauffeure in Wien. Die Nachricht, daß der am Pfingstsonntag ausgebrochene Chauffeurstrrik in Wien alsbald beigelegt worden sei. ist unrichtig. Nur bei den Adlerwerken kam es am Montag zu einer Berständi- gung. Den Vertretern der Streikenden, Abg. Genosse F o r st n e r (Obmann des Transportarbeiterverbandes) und Genosse Wagner wurde von der niederösterreichischcn Landesregierung (Oberpräsidium) und der Polizeidirektion versichert, daß eine Beschleunigung der Chauffeurprüfungen zur Schaffung von Ersatzkräften nicht eintreten werde. Die Streikenden find fest entschlossen, dem Skandal, daß man die Chauffeure das Benzin von ihrem kargen Lohn bezahlen läßt, ein Ende zu machen. Die Fuhr. werksgehilsen. Spcditionsarbeiter und Möbelpacker wurden aufge- fordert, von den fahrenden Taxameterchauffeuren die Vorzeigung der vom Transportarbeiterverband ausgestellten Legitimation zu verlangen. Letzte JVachnchtcn und Dcpclcbcn. Selbstmorde. Pleß(Oberschlesien). 29. Mai.(B. H.) Der Ziegelei« Verwalter Goebel beging Selbstmord, indem er sich erschoß. Seine Leiche wurde im Walde aufgefunden. Oedcnburg, 29 Mai.(B. H.) Heute hat sich in der Stadt Mattersdorf aus Furcht vor dem Kometen der Grundbesitzer F i s ch e r vor einen Eisenbahnzug geworfen. Der Zug überfuhr den Unglücklichen zu einer unförmlichen Masse Vom Eisenbahnzug überfahren. Offenbach, 29. Mai.(B. H.) Der Bauunternehmer Jakob Vetter aus Hausen wollte den Bahnübergang kurz vor Ein» treffen deS O-ZugeS aus Hanau passieren. Die kleinen Schranken. die den Bürgersteig abschlössen, standen noch halb offen. Vetter fuhr auf dem Bürgersteig mit seinem Rade unter der Schranke durch. Inzwischen ging nun auf der anderen Seite die Schranke nieder und Vetter war eingeschlossen In demselben Augenblick brauste der O-Zug heran, erfaßte Vetter, schleifte ihn mit samt seinem Rade etwa S9 Meter weit und trennte ihm schließlich de» Kopf vom Rumpfe, desgleichen wurden ihm beide Beine unterhalb des KnirS abgefahren._ Zur Skandalaffäre der Schwester Candide. Paris, 29. Mai.(W. T. B.) Dr. L e o n P e t i t, der General- fekretär der Wohltätigkeitsanstalten der Schwester Candide. welcher sich, wie gemeldet, erhängt hat, ließ eine Postkarte an seine Frau zurück, in welcher es heißt: er wolle lieber sterben, als in die schauderhafte Geschichte hineingezrrrt werden, welche er voraussehe und für die Schwester Candide verantwortlich fei, die rings um sich nur Tod und Verderben gesäet habe. Ferner wurden auf dem Schreibtische des Selbstmörders zwei Papierbündel ge- funden, welche die Aufschrift: Beweis für Diebstähle, Beweis für Unterschlagungen trugen. Die Schriftstücke wurden vom Unter» suchungsrichter beschlagnahmt. Das Urteil im Prozeß Tarnowska. Venedig, 29. Mai.(W. T. B.) Im Prozeß wegen Ermordung des Grafen Kommarowski wurde heute spät abends das Urteil gesprochen. Der Angeklagte N a u m o w wurde zu 3 Fahren einem Monat, die Gräfin Tarnowska zu 8 Jahren vier Monaten und der ehemalige Rechtsanwalt P r i l u k o w zu 19 Jahren Zucht» Hans unter Einrechnung der erlittenen Untersuchungshaft ver» urteilt, die Zofe Perrier wurde freigesprochen. erantw. Rxdakt.4 Richard Barth, Berlin. Inseratenteil vergntw.j rtz,Gwlte, Berlin, Druck u.Verlag:Porwär1sBuchdr.u.BerlagSanstall Paul Singer LCo� Berlin LlV. Hierzu 3 Beilagen«.Unterhaltungsbl. it. 116. 87. Zllhrgavg. 1 StilM des Jmüetf Serlim WksblR Zonnabend. ZI. Wal 1910. Für die ausgesperrten Bauarbeiter« Bei der GewerkschastSkommission für Berlin und Umgegend gingen ferner für die ausgesperrten Bauarbeiter Deutschlands ein: Tischlerei von Weiland LL.sa 3122, 3123, 3124 Lampensabril b. Hirsch Horn 47,15. 141 Tischlerei C. Schubert 7,—. Kronenfabrik I. Lennhos 17,05. 3548 Gasmessersabrik Mariendors 32,10. Verein Verl. Rotationsmaschinen Meister 84,50. Tischlerei Lade 10,—. Möbelpolierer v. Schuster 2,45. Be- zirk 15 b, Wahlverein RIxdors 8,—. Tischlerei H. Bünger 20,—. 1467 Tapezierer v. Rothe 3,75. Verband der Kürschner, Verwaltung Berlin, auf folgende Liften: Pelzwarenfabrilen: H. Wolf, 2703 8,40. K. Saalbach 2704 18,50. V. Manheimer 2711 27,10. Herpich Söhne 2714 38,50. Mützenfabriken: G. A. Hoffmann 23, 24, 25 28,05. S. Gärtner 31, 32 30,10. M. Gärtner 33 15,55. A. Winter 34 11,15. Lachmann u. PinkuS 35 11,50. A. Grotehenn 38 11,50. Geselle 41 12,85. H. Storkmann 44 11,85. H. Zins 55 9,—. A. Grotehenn, 2. Rate, 58 8,90. Palzwarcnsabrik 31. Mols 117 14,—. Sa. 256,95. 548 Schlosserei von E. Puls 24,95. 1402 Berliner Ledermöbelsabrik 24,25. 157 Tischlerei von Wille u. Klausnitzer 12,80. 81 Stuttgarter Union 9,55. 1763 Kollegen bei Uthermöhle 19,65. 1752 Vergolder bei O. Jentsch 5,50. 161 Leiftensabrik D. Maier 5,60. Kartonarbeiter b. M. Tietz 4,05. 6175 Maler bei Gieske 10,80. 3775 Slr- beiter bei Heubach u. Co. 27,60. 1801 Stocksabrik v. A. Ludwig u. Co. 27,10. Tischler v. Manske 15,85. 2824 Buchbinderei C. Metzschke u. Co. 10,75. 95 Goge 3,55. Buchdr. Rosenthal u. Co., 2. Rate 9,20. 1796 Bau- tischler b. Spohnar 16,20. 1719 Tischler bei Jarotzki 18,25. 79 Buchdr. Janiszewski 17,65. 1717 Tischlerei v. Stettnisch 4,25. 1. Bez., Wahlverein Weitzensce 3,—. UnterstützungssondS d. Glasarbeiter Stralaus, 2. Rate 50,—. Werkstatt E. Fritz 5,—. Erlöser 9,25. Gewerksch. Verem d. Maurer, 1. Rate 100,—. 7. Gruppe v. Wahlverein Charlottenburg 30,—. Sechser. lasse v. 18. Bez., Wahlver. Pankow 4,25. Masch.-Pers. v. Nordd. Brauhaus 3,05. 5. Bezirk, Obeifchöneweide 5,—. F. u. H. Gcilgens 5,—. Bautischlerei 21. Wegner 8,05. L. L. 100,—. 5205 Koll. b. Scherte 25,75. L.-C. Rixdorf 5,—. Verb. d. Tapezierer, Fil. Spandau 40,—. Groschen- kaffe d. Kollegen bei E. Tengelmann 18,—. Tischlerei v. R. Hempel 6,10. Anschläger bei Lisco 4,—. Koll. d. Kunstschlosserei Krügcr-Rirdors 40,—. Italienischer Oskar 5,—. Härtung, A.-G., 3381, 3382 62,—. Vier deutsche und schwedische Kernmacher in Heisingborg 10,—. Zahlabend d. 130. u. 134. Bez., 2. Kreis 10,—. 6541 Zahlabend der 1. Kruppe, Bez. a Charlottenburg 12,—. Bezirk 526a, 6. Kreis 4,60. Ziseleurwerkstatt Rauch 4,50. Liste 71 Tischler b. Stern 8,10. Verband der Mühlenarb., Verw. Berlin 100,—. Klempnerei v. Geister 9,50. Bezirk 520, 6. Kreis 3,25. 1704 Gebr. Röhlich 9,45. 120 Stocksabr. Goldmann 9,20. Bezirk 360, 4. Kreis 10,—. 2801—2803 Buchbinderei F. Ashclm, 1. Rate 39,45. Deputationsgeld d. Koll. Arnold, Rumpf u. Tentscher 6, Klenipnerci Schicgnitz 10,60. 1701 Tischlerei Dittmar 20,—. Bezirk 327, Teil 1, 4. Kreis 10,—, Möbelsabr. Rösler u, Schmidt, 2. Rate 25,—. Bezirk 350, Teil 2, 4. Kreis 5,—. Sechserkasse 168. Bezirk, 4. Kreis 5,—. Zablabcnd 149. Bez., 2. Kreis 10,—. Sechserkasse 229. Bezirk, 2. Kreis 6,— 230. Bezirk. 2. Kreis 8,—. Sechserkasse 416. Bezirk, 1. Teil 7,50. Buch Handlung u. Expedition d..Vorwärts" 21,50. Kronleuchtersabr. Pardemann 7,05. 1709, Koll. b. Dunski 21,30. Bez. 344, 4. Kreis 20.—. Arb. bei Gebr. Mechnig 20,10. Buchdr. H. Klockow 25,—. 1714 Tischler Hahn 15,10. Berl. Galvanoplastische Anstalt 10.—. 137. u. 138. Bezirk, 2. Kreis 10,—. Koll. b. Rietzel u. Lindemann, 2. Rate 5,—. Bterkasse d. Zentral-Magazin, Stralauer Platz 50,—. Union-Druckerei 4,80. 80 Arb..Athletenbund, Abt. Setiin 8,75. 1720 Pianosabr. Siewert 9,—. Sechserkasse b. Moldenhauer Söhne 10,—. 338. Bez., 4. Kreis 10,—. Buchdr. Rosenthal u. Co. 11,20. Lotterieverein »Immer Pech" 11,—. Berliner 3lngestellte des Bäcker- und Konditoren- Verbandes 14,—. Verband der Sattler und Porteseuiller aus Listen: (Darunter von den Slrbeitern der Wagcnsabrik Franke 47,75) 134,—. Dr. MoseS 3,—. Bezirk 661a 2,50. Udo Stangenberg 20,—. Kollegen bei Bembencck, Koch u. Co. 11,65. Stammgäste bei K. Grunze 5,35. Former bei Lohse 4,50. Gesangverein»Neuerwacht", M. d. A.-S.-B. 20,—. Sparverein der Wasserscheuen 10,—. F. Bergmann 3,—. Möbelsabr. Eiche 7,80. 3373 Lintz it. Eckert 27,60. 1734 19,50. Wertzeugfabrik E. Schmidt 5,—. Redaktion deS»Vorwärts" und»Neue Welt" 125,—. 122 Tischlerei Thomas, 2. Rate 6,—. Gürtlerei Haase u. Schön 4,50. Arbeiter und Arbeiterinnen bei Josetti 17,45. 11: Kollegen bei Schwarz u. Fröhlich 23,85. 163: Kollegen bei Bischoff 5,75. Verband der Schneider und Schneiderinnen, Verwaltung Berlin, Sekt. I aus folgende Listen: 65 Schneider von Fatzkesiel u. Münt- mann 20,—. 5026 Durch Gebauer(darunter von Bohrend u. Reler 6,—) 22,60. 5036 Werlstattarbeiter von Ad. Stier 32,35. 5047 Schneider von Romann 30,25. 5048 Konsekttons-Tagschneider von Peel u. Cloppenburg 20,—. 5050 Schneider von Herpich Söhne 10,—. 6059 Schneider von Grotz«. Markmann 6,50. 5108 Schneider von Kötz 12,—. 5128 Schneider von E. Levh 10,—. 5130 Schneider von Stein vorm. Luban 12,—. Schneider von Benedikt 74,95. Schneidereigenosienschaft»Hoffnung� 15,—. 5018 Militär- und Zivilschneider vom Ossizierverein 25,65 5077 Schneider von Ebenstein 25,—. Summa 316,30. Möbelsabrik Carmen 6,55. Kollegen bei Moldenhauer u. Metzdors 9,50. 76, Firma Ksionsik 16,15. Kollegen der.Radiologie" 12,80. Tischlerei Ehlert u. Gabelin 12.—. Bauttschlerei H. Schulze 6,50. 1438 Simons Möbel- sabrik 10.—. Sechserkasie bei BoaS 10,—. 1794 Tischleret v. Ball 8,90. 4472 Arbeiter bei.Progretz" 10,75. R. Schulze 3,—. 1771 Pianomechanik DtcSner 16,25. Buchdr.»Vorwärts" 100,—. Möbelsabr. Gerson, 2. Rate 10,05. Firma Falkson 10.—. Tischlerei Konrad u. Freher 16,50. 137, 138 Kleines f euilleton. Kometentrug.»ES ist alles so gekommen, wie eS die Wissen- schast vorausgesagt hat"— sagen die Professoren. Sie haben recht, wenn fie damit sagen wollen, dah die abergläubischen Befürchtungen der Primitiven— es scheint deren in Europa noch genug zu geben— nicht eingetreten sind. Aber anderes ist auch nicht so gekommen, wie eS verkündet wurde. Es lätzt sich immer noch nicht mit Be- stimmtheit sagen, ob die Erde den Kometenschweif passiert hat oder nicht. Und doch lagen Beobachtungen genug vor, nach denen die Schweiflänge ausreichte, um die Erde zu berühren, und anderer- seits war auch die Zeit des Durchganges ziemlich genau bestimmt. Nun sind zwar allerlei unkontrollierbare und zum Teil un- sinnige Telegramme eingetroffen, nach denen der Komet noch in der Nacht vom 18. zum 19. deutlich gesehen worden sein soll und der Schweif von der Erde abgewendet war. Indes ist da« kaum zutreffend. Etwas anderes ist eS mit den indirekten An- zeichen eines stattgehabten Durchganges. Auf italienischen Stern- warten sollen elektromagnetische Störungen konstatiert sein, deS- gleichen in Schweden. Freilich ist damit nichts bestimmtes erwiesen, um so weniger, da auf unseren deutschen Observatorien nichts der- gleichen festgestellt wurde. Auch die ausländischen Meldungen von Sternschnuppen und Lichterscheinungen sind mit großer Bor- ficht aufzunehmen, wie denn überhaupt die Sensations- presse das heilloseste Zeug ihren Leuten zunmtet.(Es gibt auch in Redaktionen sehr viel Primitive). Die Ballonaufstiege sind teils nicht gelungen, teils ergebnis- loS gewesen, irgend welche sicheren Ergebnisse haben sie bisher nicht gebracht. Andererseits wird noch längere Zeit vergehen, ehe die Registrierballons aufgefunden und geprüft werden können. Im ganzen: wir wissen nichts darüber, ob die Erde den Kometenschweis in der Nacht vom 13. zum 19. oder später passiert hat. Ist eS der Fall gewesen, so hat der gefürchtete Durch. gang jedenfalls nicht einmal registriert werden können. Oder aber der Schweif hat sich so von der Erde abgekrümmt. daß wir ihn nicht mehr trafen. Allen diesen Fragen wären wir freilich enthoben, wenn der Kometenschweif überhaupt nicht existieren würde. Die heute vorherrschende Theorie nimmt an, daß die Kometenschweife durch den Strahlendruck entstehen. ES gibt indessen auch eine Hypothese, die die Kometenschweife für rein optische Erscheinungen erklärt, die durch die Lichtbrechung im Kometenkern entstehen. Donnerstagabend konnte weder Komet noch Schweif gesichtet werden. Man hofft aber, daß sie vielleicht schon Freitagabend, sicherer aber von Sonnabend an nach Sonnenuntergang sichtbar werden. Die nächsten Tage wird man sie eine Stunde nach Sonnen- Untergang am westlichen Himmel sehen können. Da aber der Komet ziemlich tief steht und leicht vom Dunst der Stadt verdeckt wird, werden Kometensucher gut run, aufs Feld zu pilgern, wo der Blick nach dem westlichen Horizont frei ist. Der Sonnenunter- gang findet statt: am 21. Mai um 8.01, am 22. um 8.03, am 23. um 8.04, am 24. um 8.05 Uhr. Der Komet wird am 21. Mai um Tischlerei Gebr. Faul 26,90. Tischlerei Schüler 4,75. Kollegen bei Christa» 4,—. 4395 Arbeiter bei Pintsch 5,45. 6076 Möbelfabrik Lückert 15,45. 41 Möbelsabrik Mai u. Co. 7,90. Tischlerei Sawatzki 17,20. Glasschleiserei Hahn 2,—. Personal der Bäckerei Goldacker, Bruunenstratze 43,—. Bezirk 569, 570 6. Kreis 5,35. 31— 34 Verbandsmitglieder bei O. Eisner, Buch- druckerei 85,50. Norddeutsche Kammsabrik 10,20. 189 12,25. 6165 Kollegen bei C. F. Kindermann 33,20. Klaviatursabrik Wernecke 13,90. 91 Möbelfabrik Massera, 2. Rate 9,25. Lagerpersonal der Konsum- genossenschast, Grüner Weg 8,—. 36 17,90. Personal der Firma Loch- bäum 4,60. 2958»Lokal- Anzeiger", Abteilung Falzerei 82,—. 3772 Koll. bei O. Ahlberndt 8,—. Maler vom Bau Leibnizstr. 64 10,—. Koll. der Firma Knappe 10,75. 1753 Tischlerei Petz 19,—. 2063, 2071, 2080, 2083, 2096 Verb, der Glaser 24,65. 7. Bezirk, Wablverein Lichtenberg 3,—. Verband der Buchbinder auf solgende Listen: 2804 Personal der Firma Bollsratz u. Apel 10,05. 2806 Kontobücherfabrik H. Schüllar 13,90. 2815 Selmar Bayer(Abt. Presierei) 9,90. 2817 Deutsche Warte(Buch- binderei) 15,70. 2818 Anilinsabrik(Buchbinderei und Druckerei) 7,—. 2842 Bureau der Buchbinder 25,45. 7078 Schreiber u. Co. 3,25. 7083 Buchbinderpersonal des„Vorwärts" 25,—. Summa 110,25.— 6598 Firma E. Jakob 24,05. 86 Zentralbureau der Deutschen Presse, 2. Rate 3,95. Tischlerei Borowski 10,35. Sechserkasse des 329. Bezirks, 4. Kreis 20,—. 128— 132 Verbandsmitglieder bei Büxenstein, 2. Rate 43.90. Verband der Töpfer, Verw. Berlin, 2. Rate 640,—. Unterkommission Charlottenburg aus solgende Listen: 6542 Lehmann 8,—. 2149, 2150 Porzellanarbeiter 9,10. 2151 Kassenbeamte 28,75. 2114 Bäcker 8,—. 2111, 2112, 2113 Asphalteure 21,10. 2115, 2116, 2117 Buchdrucker 27.—. 2163 Holzarbeiter 17,80. Sa. 119,75. Bauttschlerei Kühn 8,60. 1730 Koll. bei Neumann u. Bunar 22,25. Pers. b. Maurer u. Dimmick, 2. Rate 8,25. Abt. Setzmasch, bei Klokow 4,50. Buchdr.„Vorwärts" 50,—. 1724 Rahmenmacher b. Spiesicke 6,55. 3379 Firma G. Stein 15,80, 7271 16,35. Hilssarbeiter d..Woche", 2. Rate 10,—. 1766 Lüdtke, 2. Rate 11,15. Pfingstturnsahrt d. 1. Frauen-Abt. d. Turnver. Fichte 6,—. III Möbelpolierer bei Raschig. 2. Rate 5,—. 142 Möbelsabr. Gromer 11,45. 6000 Firma Herberg u. Ko. 15,10. Bez. 337, 4. Kreis 10,—. 6052 Naucksche Buchdr. 14,95. 1765 fünf Tischler bei Hartmann 2,—. 121 Personal bei Kühn Söhne, 2. Rate 29,25. Glaserei v. Werner Nächst. 6,15. Buchdruckerei Wilhelma 12,40. 158 Buchdr. F. Weber 6,10. Bau- tifchlerei Metz 12,70. 112 15,40. 1798 Bautischlerei Mittag 27,55. 4187 tirma Tschauer 9,50, Buchdr. Harwitz Nachs., 1. und 2. Rate 9,60. 1792 ischlerei Sievert u. Schwesinger 13,60. 84 Buchdr. Gebr. Unger 20,40. 136 Buchdrucker u. Hilssarbeiter bei AShelm, 2. Rate 16,45. 63, 64 Buchdr. Pers. bei Braunbeck u. Gutenberg, 2. Rate 32,80. Gürtler bei Möser 5,25. 1710 bis 1713 Koll. d.PianomechaniksabrikKöhIer 41,35. 6003 Unterkommission Rixdorf 29,80. 4120 Koll. bei Staos Nachs. 8,35 Tischlerei Erdmann 12,05. 1727 Modellttschlerei Bergmann A.-G., Seestratze 23,50. 1797 Möbelsabrik Zipsel 5,65. 2821 Buchdr. Preutz 4,30. 558 Lederfabrik Matz u. Co. 13,75. 78 Robert Schulz, 2. Rate 5,—. 83 Möbelsabrik Gille u. Grobowski, 2. Rate 9,—. Buchdr. M. Noster 7,—. 4325 Firma F. Osenberg 7,30. Tischlerei Hedke 16,50. Möbelsabrik Grützke, Gutsche u. Co. 6,75. 4119 Firma A. Bertuch, Lichtenberg 9,35. 1791 Tischlerei Geisler 21.25. Bezirk 93, 2. KreiS 10,—. Kücheumöbelfabrik Jakobowitz 7,50. Polierer bei Klug, Warschauer Stratze 12,—. Verband der Lederarbeiter, Berlin I, aus folgende Listen: 7252 Handschuhsabrik Lasch u. Sohn 8,15, 7258 Ledersabrik Hägermann 9,20, 7259 Lederfabrik Karplus u. Herzberger 26,85, 7260 11,50 7261 13,75, 7262 10,65, 7263 Lederfabrik Günther u. Schneider 7,85, 7264 Ledersabrik Schwarzmann 3,70, in Summa 91,05. Genossenschast Berolina 4,65. 5682 Masch. Sielaff 8,80. 38 10,—. RotationSmaschinenmstr. vom .Lokal-Anzeiger" 23,—. Einsetzer bei Lemke 5,80. 614 Weinhandl. Brand u. Co. 10,70. 1795 5,50. 5601, 5609 Zuschneider bei Peel u. Cloppenburg und Kaufmann 33,40. 6014, 6015 Unterkommission Rixdorf 21,55. Personal der Buchdr. Kuno Bergmann 5,—. 5508 Berliner GenosienschastS- druckerei 13,85. BuchdruckhilfSarb., RotattonSsaal deS.Vorwärts" 10,—. 6561 12,40. 6564 Metallgietzerei Gebr. Müller 8,50. 1774 Möbelsabrik Hornig u. Co. 10,—. 156 Tischleret Ballmann u. Hepp 6,40. 3398 Schlosserei E. Scherler 3,15. Verband der Schneider, Verwaltung I, Berlin aus solgende Listen: 5008 durch Kroll 22,25. Schneider von H. Hoffmann 5009, 5010, 5011, 5012, 5013, 5014 135,30. 5016 Schneider von Mendt u. Redlich 35,75. 5019 Schneider von Förder 17,50. 5020 Schneider von Hinke! 5,50. 5031 KonsektionSjchneider von S. Adam 4,55. 5033 Kon- jektionsschneider von Cohn». Sohn 8,—. 5034 Konsektionsschneider von Elsbach 7,70. 5073 Schneider von Bloch u. Co. 10,50. 5087 Kostüm- schneidet von Jung 23,50. 5093 durch Schwarz 7,00. 5105 Schneider von Littmann 6,70. 5111 Schneider von Stock u. Co. 23,—. 5114 Matzschneider von Peel u. Cloppenburg 19,50. 5115 Schneider von Seeltg 5,50. 5131 Schneider vom Jockey-Klub, 1. Rate 30,20. Schneider von Kluge 5,00. Schneider von Gerson 15,—. Summa 382,45. Deuffcher Metallarbeiter- verband, Ortsverwaltung Berlin, aus folgende Listen als 2. Rate: Deutscher Metallarbeiterverband kOrtSverwaltung Berlin) 2. Rate. Anonym 0,50. F. F. A. Schulze 2 50,02,' 3 13,—,' 4 9,55, 5 5,40, 6 13,25. 2994 Bert. Motorwagens., 2. Rate 15,75. Frister u. Rotzmann 3101 12,70, 3102 9,35, 3103 11,—, 3104 9,25, 3105 6,25, 3106 7,75, 3107 11,50, 3108 2,70, 3109 10,60. GehrS, Wienerstratze, 3130 18,60, 3131 12,85. Bergmann, Wilhelmsruh 3167 59,30, 3169 32,55. A. E. G.. Turbine, Mt. Lippmann. 3238 47,50, Liebs 3239 40,50, Bolde 3240 38,45, 3241 20,30, Wangemann 3242 36,—, Jänicke 3243 19.—. 3244 24,95, Neubert 3245 23,75, 3246 29,55, 3247 17,55, Bernitzky 3249 40,70, Marten 3250 17,15, Fuhrmann 3251 42,—. Kerber 3252 48,30, Schirmer 3253 37,30, Sütz 3254 26,55, Hollenbach 3255 35,80, Westerhof 3256 48,45, Bosse 3257 23,50, HauSdors 3258 23,25, Stolze 3259 28,15, Stein 3260 12,40, 3261 19,60, Barra 3262 14,25, Schulz 3263 10.16, am 22. um 10.47, am 23. um 11.07, am 24. um 11.20 Uhr untergehen. Wenn also der Himmel nicht bedeckt ist und sonstige Helligkeiten nicht stören, ist der Komet die nächsten Tage, vor allem vom 23. an— am besten zwischen 9 und 10 Uhr, im Westen zu finden. Der Schweif wird nach links oben, d. h. nach Südosten, ge« richtet sein. Weltuntergangsphantasien. Das Erscheinen de» Hallehschen Kometen hat in manchen Gegenden Europas, vor allem in den süd- lichen Ländern, eine wahre Panik hervorgerufen: man war fest überzeugt, daß das Nahen des geschwänzten Himmelskörper» das Ende der Welt bedeute. Die Kometenfurcht unserer Tage— so schreibt Georges Grison im„Figaro"— ist aber eine ganz harm- lose Sache im Vergleich mit dem Schrecken, der sich großer Volks- massen bemächtigte, als zum ersten Male der Weltuntergang an- gekündigt wurde. Die ihn damals prophezeiten, stützten sich auf das Zeugnis der Heiligen Schrift. Man zitierte Christi Wort an seine Jünger über die große Unwälzung auf Erden, erläuterte eS dahin, daß unter Umwälzung ganz einfach das Ende der Welt zu verstehen sei, führte den Ausspruch:»Diese Generation wird noch erleben, daß meine Worte in Erfüllung gehen" an, behauptete, daß „Generation" einen Zeitraum von tausend Jahren bedeute, und kam zu dem Schluß, daß das letzte Jahr des zehnten Jahrhunderts den großen Weltkladderadatsch bringen müsse. Das Schauspiel, das sich nun bot, war, wie die zeitgenössischen Historiker erzählen, höchst sonderbar: man ließ, weil die Welt doch untergehen mußte, die Felder unbebaut, tat nichts, uni den Einsturz von Häusern zu ver- hüten, kümmerte sich nur um das Seelenheil und ließ dem Körper nicht die geringste Pflege angedeihen, während man andererseits, ohne sich über den schreienden Widerspruch besondere Gedanken zu machen, sein Vermögen und seine unbeweglichen Güter durch Verschreibungen in aller Form Rechtens den Klöstern und sonstigen frommen Instituten überließ. Man könnte mit der bloßen Aufzählung der aus den letzten Jahren des zehnten Jahrhunderts stammenden Schenkungsurkunden einen ganzen dicken Band füllen. Die Schenker überlegten gar nicht, daß ihre Schenkungen und ihre Testamente nicht den geringsten Zweck hatten, da ja die Erben auch verschwinden mußten, wenn die Erde aufzufliegen begann. Das Jahr 1001 kam, und die klugen Leutchen, die sich in Erwartung des Weltunterganges ihrer Güter entledigt hatten, standen mit leeren Taschen da. Man hätte meinen können, daß das klägliche Fiasko der Welt- untergangspropheten die Menschen ein bißchen skeptisch hätte machen müssen. Das war aber durchaus nicht der Fall. Im Jahre 1186 hielten es die Astrologen für geraten, zu verkündigen, daß nach absolut unfehlbaren Berechnungen am 11. September gelegentlich einer Sonnenfinsternis der Erdball in Staub zerfallen würde. Neues Entsetzen, das um so größer war, als die Sonnenfinsternis tatsäch- lich stattfand.... Der Erdball aber blieb heil und ganz. Man ließ sich dadurch aber nicht aus der Fassung bringen und prophezeite jetzt den Weltuntergang„endgültig und un- widerruflich" für 1684. Die Szenen vom Jahre 1000 wiederholten ich. Der Weltuntergang wurde dann auf 1664 und weiter auf 1740 verlegt; in diesem Jahre sollte er am Dreikönigstage vor sich gehen. 3844 52,45, 3845 29,85, 3875 7,35, 3876 12,15, 8881 6.90, 3882 16,30. Graveure 2. Rate 10,40, Straffer 3264 24,20, R-ket 3265 20,60, Haustein 3266 19,20, Hennig 3267 22,40, Karpa 3268 30.—. 3269 15,—, Wilhelm 8270 44.—, Nestmann 3273 48,95, Frick 3274 16,50, Grenzer 3275 12,40, Pahlow 3276 37,70, Lenz 3277 19,80, Urich 3278 64,—, 3279 17,50, Höhne 3280 53,50, 3281 8,50, Stein 3282 22,50. Schwatz 3283 4,60, Hoffmann 3284 9,05. Cyvon 3371 10,25, 3372 14,70. BetriebSwerkstätte der Hoch- und Untergrundbahn 3374, 3375 35,55. 3377 Kahnt, Stralau 23,—. 3378 Pintsch, Abt. Kannegietzer 9,25. 3380 Gebr. Siemens 42,70. 3395 Dannberg u. Co. 11,45. 3397 Kärger 19,65. 3410 Eckert 14,30. 3412 Wainitzkt 7,40. 3418 Pintsch, Abt. Ostenneyer 9,45. 3425 Sackhoff u. Sohn 8,55. Deuffche Waffen- u. Munitionsfabrik, Abt. Herold 3427 21,85, Heinemann 3428 30,60, Bulow 3429 31,—, Hach- mann 3431 50,40, Richter 3432 10,45, Hoffmann 3434 43,30, ZaczewSki 3437 27,90, Flaum 3438 16,25, 3439 13,75, Hiller 3440 47,70, Walter 3443 28,45, Hennig 3444 40,50, Güth 3445 64,30, 3446 6,95, Henke 3447 22,75, Urban 3449 26,25, Will 3450 14,95, Ulbricht 3454 27,45. Blume, Charlottenburg 3458 17,65, 3459 8,65, 3460 13,55. 3463 Gebr. Petersseldt 21,90. 3464 Kray 15,65. 3465 Heiler 15,25. Goerz, Friedenau 3466 9,60, 3467 14,90, 3469 35,—, 3470 30,50, 3472 17,—, 3474 15,80, 3475 9,55, 3476 11,95, 3477 13,-, 3478 17,25, 3479 8,10, 3480 10,50, 3483 12,80, 3484 3,95, 3485 35,45. 3486 15,05, 3488 15,25. 3506 Hauschildt 22,50. Gaebert. Sophienstratze. 3528 6,30, 3529 11,45, 3530 9,60, 3531 6,25, Floht, Chausseestratze, 3551 53,15, 3552 38,50, 3553 30,50, 3554 19,45. Flohr, Wittenau 3557 21,25, 3558 8,25, 3559 11,05, 3560 6,95, 3581 10,15, 8582 13,30. 3566 Weinbaum 10,70. 3568 F. W. Hentschel, Gießerei, 3,—. Arnheim 3579 16,75, 3580 37,75, 3581 11,75, 3582 37,35, 3615 Butzle, Schleifer, 14,65. Hasse u, Co, 3616 37,95, 3617 14,30, 3618 17,05. 3672 Gebr. Bergas 10,—. 3673 Simon 10,55, 3717 Grauert, Gietzetei, 28,55. 3719 Gebr. Krüger, Köpenick, Klempner 1. Rate 10,65. 3721 Schleim u. Stesani 6,70. 3774 H. Gundlach 16,40. Gesammelt von den freiorganisierten Slrbeitern und Arbeiterinnen der A. E,-G., Ackerstr,: 3821 24,45, 3822 35,25, 3823 21,50, 3824 7,-. 3825 22,—, 3826 5,—, 3827 18,70, 3828 12,20, 3829 10,40, 3830 15,75, 3831 4,20, 3832 23,85, 3836 30,65, 3838 26,30, 3840 14,45, 3841 10,15, 3842 27,65, 3843 16,35,-------------- 3869 18,60, 3870 20,—, 3872 26,15, 3873 34,20, 3877 22,30, 3878 7,55, 3879 10,05, 3880 5,—, 4028 O, R, Ritsch 2, Rate 9.- 4036 H. Thiele 21,50. 4045 Poppe! 8,30, 4131 Gebr. Arndt 24,75. 4133 Haase, Automatf. 4,50. 4148 Nickel u. Fleischmann 12,30. 4167 Gesellsch. für drahtlose Telegraphie 14,30. 4168 Goldmann 10,75. 4177 Timm 11,10. 4190 Allg. Städtereinigung 3,50. Ziegler 4233 13,05, 4234 15,80. 4447 Ebel u. Loh. mann 13,55. 4451 Pfennigwerth 5,50. 4464 E, Grimm 21,75. 4485 Münchmeyer 19,15. Privat-Telephon-Ges. 4501 und 4502 32,65. 4508 Danneberg n, Quandt 13,30. 4512 Schuchardt 31,10. 4517 Boese, Mich. Abt, 11,50. 4527 Körner u. Proll, Silberw.-Fab, 22,—. 4583 Daeapo-Reeord 9,50. 4586 Gebr. Krüger. Klempner 2. Rate 10,25. 4622 Gansereit«. Co 8,45. 4633 4, Wahllr,, Slbt. 21a, Bez. 328 III, Sechserkasse 15,—. 4635 2. Wahlkr,, Zahlabend Bez. 234 u. 235 10,—. 4700 Stoertner u. Pester 18,50. 2996 Berl. Motorwagens, 3. Rate 17,15. Franke 3114 13,—, 3115 8,80, 3116 9,75, 3117 8,80. 3136 Zemlin 4,55, Deuffche Waffen sabrik. Wittenau: 3164 17,90, 3290 30,90, 3291 38,65, 3292 47,45, 3293 16,15, 3296 20,25, 3297 26,50, 3298 21,45, 3299 7,95, 3302 18,50, 3303 16,80, 3305 12,55, 3306 21,55, 3307 13,40, 3308 13,70, 3310 21,70, 3311 21,25. 3312 17,25, 3313 9,20, 3315 14,80. 3212 Spitz Co, 38,10. 3289 Deuffche Tachometer-Ges. 2. Rate 34,40. Lindström 3386 Abt. Jüterbock-Hellriegel 35,20, 3387 Abt, Schulze 14,90, 4241 Abt, Wohler 32,50. 3394 Brügge- mann 15,75. 3399 W, Fritze, Rummelsburg, 18,85. Pintsch: 3413 14,05, 3414 9,70, 3415 7,60, 3416 6,55, 3417 25,55, 3419 10,75, 3421 17,95, 3422 16,65. Gebr. Israel: 3535 33,90, 3536 20,30, 3537 9,80, 3538 24,35, 3539 13,65, 3540 9,25, 3542 9,45, 3543 17,30, 3544 31.—. 3803 Lahn u. Winde 2. Rate 12,—. Typograph 4029 2. Rate 22,—, 4030 61,25, 4031 28.80, 4032 19,25. 4038 Westendorf u. Pieper 22,50. 4042 Fendrich 3,10. 4137 Guthmann 2. Rate 19.—. 4149 Nickel u. Fleisch- mann 16,20. S. Elster: 4157 16,65, 4156 17,20. 4169 Ziehlke 6,—. 4178 S. A. Leowy 24,10. 4179 Sandmann 6,75. 4201 Türk 6,55. A. E.-G. I. H 4230 12,20. 4231 8,60. 4322 Hasse u. Wrede 11,65. 4326 F. Schuchardt 43,—. F. Gaebert 4330, 2, Rate 33,95. 4331 10,50. 4332 11,60. 4333 6,50. 4350 Gans u. Goldschmidt 13,80. 4394 Pintsch 11,60. Spinn u. Sohn 4456 14,90. 4455 3,75. 4463 Imme u. Loebner 14,—. 4473 G. Müller 16,20. 4479 Butzke, Schleifer, 2. Rate 12,15. 4708 Sparverein»Psennigsuchser", Bez. 373»2 4. Kr. 35,10.— Summa 5644,27 M. Zusammen 11 424,02 M. Bisher sind veröffentlicht 4508,01 M.; bazn kommen 11 424,02 M. Summa 15 932,03 M. Gelder, welche per Post eingesandt werden, sind an A. K ö r st e n, 80. 16, Engelufer 15, I zu senden. Alle Sammlungen sind sofort auf unserem Bureau, Engelufer 15, I, Zimmer 23 in den Wochen- tagen vormittags von 9— 12Va Uhr und nachmittags von 4— V'/z Uhr abzuliefern. Die Liste 694 ist verloren gegangen und ist beim Vorzeigen an» zuhalten. Der Ausschuß der Gewerkschaftskommission für Berlin und Umgegend. Aber man war jetzt nicht mehr so abergläubisch und feierte das Fest der Könige heiter und fröhlich wie immer. Man entschied sich dann für 1789. Der Kardinal d'Aillh hatte 1413 verkündigt, daß im Jahre 1789 eine der großen Perioden des Saturn sich erfüllen und daß dieses Jahr infolgedessen außerordentliche Ereignisse sehen würde.„Wenn die Welt bis dahin lebt, was nur Gott allein weiß, wird es zahlreiche und große Veränderungen und erstaunliche Revolutionen in den Gesetzen geben." Wenn diese Prophezeiung sich auch nicht auf den Weltuntergang bezog, ist sie doch sehr merkwürdig, weil sie sich buchstäblich verwirNicht hat. Die Astrologen sind verschwunden. An ihre Stelle treten die Astronomen, die im Jahre 1798 ernstlich verkünden, daß im Jahre 1890 ein Komet die Erde in große Gefahr bringen wird. Aber man erschrickt nicht mehr, man lacht darüber, und sieben französische Schwank- dichter lassen am 25. Januar 1793 eine einaktige Komödie mit dem Titel:»Das Ende der Welt oder der Komet" aufführen, eine Koniödie, die dann monatelang das Publikum ins Theater lockt. Von jetzt an haben die WeltuntergangSprophezeinngen keinen Klang mehr. Die Universität«nd das Nationalalbum. Der Rektor der Ber- liner Universität Prof. Erich Schmidt schreibt uns:»Die in dem Feuilleton des„Vorwärts" vom 13. Mai enthaltenen Angaben über»Das Nationalalbum der preußischen Kulturträger" bitte ich dahin richtig zu stellen, daß unsere Universität und ihr Jubiläums- ausschuß mit diesem Privatunternehmen nichts zu tun haben." Die offizielle Universitätsvertretung schüttelt also diese un- würdige Mischung von Byzantinismus und Spekulation, die das Album darstellt, von sich ab. Dadurch wird freilich an der Tatsache nichts geändert, � daß zehn Professoren der Berliner Universität diesem dauernden Kulturdokument ihre Unterstützung geliehen haben. ES wird interessant sein, später festzustellen, welche preußischen Kulturträger sich die Unsterblichkeit der Lächerlichkeit in diesem Album gesichert haben. „Befassung."»Die Dienststellen der Reichspost- und Telegraphen» Verwaltung haben in Angelegenheiten der Geschäftsanzeigen mit dem Publikum keine Befaffung." So zu lesen auf Seite 2 des»Ber» zeichniffeS der Teilnehmer an den Fernsprechnetzen in Berlin und Umgegend", das den Berliner Telephoninhabern im Laufe dieser Woche zugestellt wurde..Befassung" ist ein neugeprägtes oder richtiger: veraltetes und wieder ausgegrabenes Wort, das vielleicht irgend ein modernes Fremdwort ersetzen soll.(Konnex?) Run ist natürlich an sich nichts dagegen einzuwenden, wenn Behörden sprachschöpferisch wirken, zumal solche, die auf ihrem eigentlichen Arbeitsgebiete einigermaßen versagen. Aber sprachliche Neuschöpfungen oder Wiederbelebungen müssen Hand und Fuß haben. wenn sie Anklang finden und Aussicht auf Uebernahme in den all» gemeinen Sprachschatz haben sollen. Wer nicht imstande ist, solchen Wortbildungen die Bahn zu ebnen, der begnüge sich mit dem Vokabelvorrat. der ihm gang und gäbe ist, und vermeide die .Befassung" mit Sprachbildnerei. 10. Nttblllidskl, der Mmgthilfev Deutschlands. Nürnberg, 19. Mai 1919. Die heutige Vormittagssitzung begann mit einem Vortrage von L i er e- Berlin über: „DaS Lehrlingswescn". Seiner Ansicht nach beginnt die Lehrzeit bei den Barbier- lehrlingen in einem zu frühen Alter; der jugendliche Körper kann die 14stündigc Arbeitszeit nicht ohne Schaden ertragen. Die Schaf- fung eines gesetzlichen Schutzes für die Lehrlinge sei dringend ge- boten. Der gerade im Barbiergcwerbe in großartigstem Matzstabe betriebenen Lehrlingszüchterei könne entgegengewirkt werden, wenn man alle Mittel anwende, um den Prinzipalen das Halten von Lehrlingen zu verteuern. Die zu diesem Punkte vorliegenden An- träge, durch Artikel in der Arbeiterpresse vor dem Ergreifen des Barbierberufs zu warnen, hält Redner für wertlos. Er schlägt vielmehr vor, den Beschlutz des Bremer Verbandstags zu wieder- holen, wonach der Lchrlingsfrage besondere Aufmerksamkeit zu widmen und alles einschlägige Material zu sammeln und dem Vor- stand zu überweisen ist, der es verarbeiten und das Ergebnis dem nächsten Verbandstag vorlegen soll; weiter stellt er in einer von ihm verfatzten Resolution folgende Forderung auf: „Gesetzliche Festlegung der täglichen Arbeitszeit für die Lehr- linge auf acht Stunden, eine Zgstündige wöchentliche Ruhezeit, zweijährige Lehrzeit mit halbjährlichen Prüfungen, Aufhebung des Züchtigungsrechts, Verbot der Beschäftigung in Kasernen, Ge- fängnissen und Krankenhäusern, Verbot des Naturallohnes." An den Vorschlag schloß sich eine längere Diskussion an, die verschiedene Ansichten zutage förderte, insbesondere über die Frage der Eindämmung der Lehrlingshaltung respektive Aufklärung oder Warnung der Eltern/damit sie ihre Söhne nicht dem Barbierberufe zuführen. Hauptvorsitzender Etzkorn bemerkt, ein großer Teil der Prin- gipale sei gezwungen, Lehrling« zu halten, das sei eine Begleit- erscheinung deS Niedergangs des Gewerbes, doch sei es gut, die Eltern darauf aufmerksam zu machen, daß sie nicht recht hm, wenn sie ihre Kinder einem Berufe zuführen, der zum Untergang der- urteilt ist. Man brauche nicht zu warnen, sondern soll nur sagen, wie die Dinge liegen, und dann die Eltern selbst entscheiden lassen. Der Vertreter der Generalkommission, Genosse Knoll, meint, man solle es nicht so ohne weiteres ablehnen, die Mittel, die uns selbst eine zünftlerische Gesetzgebung gibt, voll auszunützen, um eine Einschränkung der Lehrlingszahl zu erreichen. Auch die Auf- klärung durch die Presse sei geboten. Mannsbart h-Wien hält eine Regelung auf internationaler Basis für sehr notwendig, da die Verhältnisse in den einzelnen Ländern noch zu verschieden sind. Mit dem Vollprüfungssystem habe man in Wien die Erfahrung gemacht, daß nur die Zünftler Vorteil davon haben. Warnungen zu erlassen, sei zu widerraten, denn wohin sollte es führen, wenn jede Gewerkschaft vor Lehrlings- zuzug warnen wollte. Schließlich müßte man den jungen Nach- wuchs ertränken. Rauchmeyer- St. Gallen erklärt, in der Schweiz spiele die Frage keine Rolle, weil dort keine Lehrlingszüchterei existiere; unter 5000 Berufsgenossen sind nur 300 Lehrlinge. Die Schiverz wird eben aus den umliegenden Ländern mit billigem Gehilfen- Material so reichlich versorgt, daß die Unternehmer wenig Intel- esse haben, Lehrlinge zu halten. Aufklärung an die Eltern schade nichts, aber Warnungen seien nicht am Platze. Man müsse Be- zahlung der Lehrlingsarbeit und hygienische Ausgestaltung der Ar- beitslokale fordern. Schließlich wurde die Resolution L i e r e angenommen, ebenso ein Antrag M i e r w a l d. „Die Zweigvereine und Gehilfenausschüsse sind gehalten, bei Feststellung von mangelhafter Ausbildung von Gehilfen die ent- sprechenden Schritte bei der maßgebenden Handwerkskammer oder Meistervereinigung zu tun." Ein Antrag W i t t m a a ck- Magdeburg, von Zeit zu Zeit in geeigneter Weise die Oeffentlichkeit über die Verhältnisse im Friseurberufe aufzuklären, wurde ebenfalls angenommen, von direkten Warnungen soll abgesehen werden. Ein Antrag Bremer- haben, wonach ver Vorstand in Zukunft ganz energisch für die Em« Haltung der den Lehrlingen zustehenden Freizeit einzutreten hat, wurde dem Vorstand überwiesen. Ueber „Tarifverträge" hielt Mierwald- Frankfurt a. M. einen längeren Vortrag, worin er eine ganze Reihe von Forderungen aufstellte, die seiner Meinung nach bei etwa abzuschließenden Tarifverträgen im Friseur- gewerbe die Grundlage bilden müßten. Gegen seine Ausführungen werden in der Diskussion mancherlei Bedenken vorgebracht. Fol- gende Resolution wurde angenommen: „Der Verbandstag erblickt in dem Abschluß von Tarif- Verträgen zwischen Meistern respektive Meisterorganifationen und dem Friseurgehilfenverband ein bedeutendes Mittel zur Rege- lung und Verbesserung der Lohn- und Arbeitsbedingungen und zur Gesundung der Berufsverhältnisse. Der Charakter der Orga- nisation bleibt gewahrt, denn erst durch den Kampf kann es zu solchen Verträgen kommen. Der Verbandstag beschließt daher, die Organisation möge in geeigneten Fällen den Abschluß von Tarifverträgen zur Durchführung bringen." £liis der frauenbewegung. Spekulation? Die deutschen Ostmarken sind durch eine neue Frauenvereinsgründung beglückt worden. Vorläufig scheint sie aller- Vings nur aus der Gründerin. Fräul. Ruth Bre, zu bestehen. Die Dame hat eine Zeitschrist mit folgendem Titel ins Leben gerufen: „Mutterschutz und Kindcsrecht, Verein für praktische Ostmarkenpolitik". Nur wer diese Zeitschrift für 2 M. pro Jahr abonniert, ist Mitglied deS Vereins. Um Statuten und dergleichen nebensächliche Sachen !iat sich niemand zu kümmern. Anmeldungen für den„Verein" önnen nur unter Beifügung des Jahresabonnements gemacht werden. Die Ostmark ist anscheinend ein gutes Feld für solche private Grün- düngen. Nach langer unermüdlicher Arbeit verschied nach langem, schwerem ltciden, doch hlätlich und unerwartet am 18. d. M. mein lieber Mann, unser herzensguter Vater, der Kassenbeamte Otto Winkler Ackcrstratze 164. DieS zeigen mit der Bitte um stille Teilnahme ttesbetrübt an Winkler nebst Kindern. Die Beerdigung findet am Sonntag, den 22. Mat, nachmittag» 5 Uhr, von der Leichen- Halle de? Friedhofes der Frei- religiösen Gemeinde, Pappelalle«, auS statt. 2tg3b Dairtsctier Transportarbeiter-Verband. Bezirksverwaltung GroB-Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, datz unser Kollege, der Droschken- sührer Karl JUcb am 18. d. MtS. im Alters von 63 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 21. d. MtS., nach- mittags 5 Uhr, von der Wohnung Stephanstratze 22 aus nach dem neuen Johannis- Friedhos in Plötzense« statt. 68/6 Die Bezirksverwaltnng. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und die schönen Kranz- spenden bei der Beerdigung meines unvergeßlichen Mannes, des Böttchers Emil Golembiewski sage Allen unseren herzlichsten Dank. Die trauernde Witwe und Sohn. ? arzeile II. 1100, Anz. 100 M.a.verk.Kolonie Daheim«iesborsiMarzahner Str. B, part. Tel. Lg. 676. Kelnllclikelt des Haoxbodens, die Beseitigung von Staub, Zersetzungs- produkten der Kopfhaut sind die Grundbedingungen jeder rationellen Haaroflege.* Das millionenfaoh erprobte Haarpflegemittel „Slianipoon mit dem Hctawurzeu Kopf1' zeigt in der Verwendung seine Ueberlegenheit vor anderen ähnlichen Prttparaten zum gleichen Zwecke und ist auch da vorteilhaft zu verwenden, wo nebenher gewohnte Haarwässer im Gebrauch sind. „Shampoon mit dem HChVral-zen Kopf" gibt dem Haare lockere Pulle, seidenweichen Glanz, gesundes, üppiges Aussehen, die Kopfschuppen beseitigend. Man verlange beim Einkauf ausdrücklich ,, Shampoon m. d. schwarzen Kopf" und weise alle Fabrikate ohne diese Schutzmarke energisch zurück. Paket mit Veilchen- goruoh 20 Pf. überall käuflich. Allein-Pabrikant Hans Schwarz- kopf, G. m. b. H., Berlin H., 37. Sterbekasse ehemalsPflug'scher Arbeiter (Hetzel'sche Kasse). Am Mittwoch, den 18. Mai, starb plötzlich unser Ehren- Mitglied, langjähriger Vorstandskollege und Vorfitzender Heir Otto Winkler, der sich in seiner beinahe ZSjährigen Tätigkeit als Vorfitzender der Kasse da» Vertrauen aller Mitglieder erworben hat, und bedauern wir alle sein Dahinscheiden.[21376 Die Beerdigung findet am Sonntag, den 22. Mai, nach- mittags ö Uhr, von der Leichenhalle des FriedhoseS der Frei- religiösen Gemeinde, Pappel-Allee auS statt. Um recht rege Beteiligung bittet Der Vorstand. -Victoria-. Brauerei, utzowit. 111/112. Im Garten oder Saal: Täglich: Gr. hnmorlst. Solree. (GesangSvorträge, Theater und Barietö-Vorstellungen.) Sonntag», Dienstags, Donnerst. und Sonnabends: lanzkränzohen. Ans.: Wochentags 8, Sonntags 7 Uhr.— Alle BonS gültig. Im Restaur.: Mittagstisch 75 Ps. Gr. u. kl. Säle zu Festlichkeiten aller Art. Max Saeger. Zentral-Verbaml der Maurer Deutseblands. Zwelgvereln Berlin. Am 14. d. M. verstarb unser langjähriges Mitglied Helnricli Rudolf (Bezirk Moabit). Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 21. Mat, nach- mittags 5»/, Uhr, von der Halle des HeilandS-Kirchhose» in Plötzen- see auS statt. Um rege Betelltguna ersucht Der Borstand. Klnmkn- und Kraujbinderki von Robert Meyer,' mit Marianntn-Ztraßt 2. „Segler-Schloß"- Hankels ibiage. Bahnstation Zeuthen. Besitzer:"W. Heinrich. Zur bevorstehenden Sommersaison halte ich mich werten Vereinen, Fabriken, Schulen usw. bei Zusicherung ausmerksamster Bedienung bestens empsohlen.— S neue Siäle und Hallen.— Schöne Spielplätze.— Badeanstalt.— Boote und Belustigungen aller Art. 45442* W. Heinrich. Kautabake— fi Pfg.-Rollen der Firma Fischer& Herwig, Hann. Münden. ----------------- Erstklassiges Fabrikat.===== Hauptniederlage: Max Ziegenhals, Berlin NO., Neue Königstr.70 _»mt VII, 3047. ganz Umsonst können Sie Tuche, elegante Maß-, fertige Herren- und Enabenanzüge erstehen, wenn Sie bei der Tnchgesellschaft, Kottbuserdamm 16/17, Ähnt: kaufen. 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DaS Srschewm aller in Frage kommenden Kollegen erwartet 115/16 Hie Ortaversvaltang. Verwaltung Serlitu Montag, den SS. Mai, abends 80, Uhr, im Köuigstadt-Kafiuo. Holzmarttstrafie 7'Z: Sranchenversatnntlung der Drechsler. TageS-Ordnung: 1. Welche Schritte unternehmen wir In der Zukunft? 2. Diskussion. 3. Verbands- und Branchenangelegenheiten. 83/17 Die Kommlnalon. Herren- Sommer- Unzüge in großer Auswahl sind gut und billig zu haben Srunnenstr. 158, a�0,«"eiÄ¥e«. für viele ist es. dast so manche ihrer Mitmenschen elegant. modern«nd schick gekleidet gehen, obwohl ihr Einkommen kein so hohes ist. Es ist begreislicherwetse von grossem Jutereffe allerdings* Nor für Herren folgendes zu wiffen. Wir verkaufen von Millionäre«. Doktoren, Reisenden sowie feinsten Kavaliere» nur wenig eue, in de» erste» Werkstätten Deutschlands und de» ' Seide gearbeitete, an Stoff getragen Auslandes, teil? sogar auf Ä und Haltbarkeit unübertroffene Serie l Serie II Serie IN Mali-Anzüge 8 M. 14 M. 18 M. 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Sonntag, 3 Uhr: Die versunkene Glocke. 8 Uhr: Jbsenzyklus, ausser Abonnement: Nora« berliner Tkeater. Heute 8 Uhr: TT alf lin« Morgen: Tatinn._ Neues Theater. AbendS 8 Uhr: Die goldene Ritierzeit. Morgen und folgende Tage: Die goldene Bitterkeit. Thealer des Westens. Heute 7'/, Uhr: 1. Gesamtgastlpicl des rusi. Balletts der kaiserl. Theater Petersburg und Moskau: 1. lllevpatrs. 2. Sylphyden. 8. Ein Feetmahl(Polorctjerlauz) Sonnt, nachm. 3'/. Uhr: Die ge> schtedene Frau. Abends 8 Uhr: 2. Gastspiel des rnsstschen Balletts Abends 8 Uhr: Das Leutnantsmündel Bienen Operetten-Theater Heute und folgende Tage 8 Uhr: Der Gras von Luxemburg. Sonntag nachmittag 3 Uhr, zu er» mässigt. Preisen: vis DoMarprinreeein. Friedrich-Wilhelmstadtisches Schauspielhaus. Sonnabend, 21. Mai, abends 8 Uhr: Alt-Heidelberg. Sonntag nachm. 3 Uhr: Die Jung- frau von Orleans. Abends 8 Uhr: "It-Heidelbera. Montag: Der Raub der Sabine- m R rinnen. 8W., Volksoper. Belle-Alltance-Strasse Nr. 7/8. Abend»'/,g Uhr: Slaalsanwalt Alexander. Residenz-Theater Direktion: Richard Mexander. AbendS 8 Uhr: Dau Nachtlicht. Schwank in 3 Allen v. M. Zamacot». Sieraus: Der»ellge Oktave. roteske in 1 Akt von Ave» Miraude und Henry Gsioule. SM" Sommerpretse."MB Morgen und folgende Tage: Die selbe Borstrllung. Luisen-Theater. AbendS 8 Uhr: Die Veit ohne Männer. Voltsstück in 3 Akten von Alex. Engel und Julius Horst. Sonntag nachm. 8 Uhr: Die Else vom Srlenhos. AbendS: Marianne, ein Weib aus dem Volke. Montag: Marianne,»in Weib aus dem Volke.„ IOSE-THEATE Grosse Frankfurter Str. 132. 'Ans. 8 Uhr. Ende 1t Uhr. Die Schuurggler. Hehlller Schiller-Thealer 0.(Wallner-Theat.) Sonnabend, abends 8 U hr: Hans S.angpe. Schauspiel in 4 Allen v. Paul Heyse. Ende IG/, Uhr. Sonntag, nachm. 3 Uhr: Viel liftriuen um nichts. Sonntag, abends 8 Uhr: Die i.lehe wacht. Montag, abends 8 Uhr: ILaplenstrelch. Theater. Schlller-Theater(Charlottenburg). Sonnabend, abends 8 Uhr: Die Uche wacht. Lustspiel in 4 Akten v. G. 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Der Klaffen- staat, sagt er-, hat Klassenschulen geschaffen, wer Geld hat. kann sich Bildung kaufen.— Die zweite Broschüre ist eine Erläuterung unserer Programm- sorderungen, die wir in bezug aus die Schule erheben und tm Interesse de» KuItursortschrittS erheben muffen. P. Gehre, Schule, Kirche, Arbeiter Ein Vortrag Preis 16 Pf. Dr. K.§ilber!te!n. Das Schulkind Preis 20 Pf. Der Verfasser verfolgt im vorliegenden Hest die EntWickelung deS Kindes während der Schulzeit. Heinrich Schulz, Sozialdemokratie Ulld Schule Preis 75 Pf., VereinSauSgabe M Pf. Dr. Hl. üuarck, Kommunale Schulpolitik Ein Führer durch die Gemeindetätigkeit auf dem Gebiete der Volksschule Preis 1 M.. Vereinsausgabe 60 Pf. GrpedMon des„Korwarts� fffffffffmff ▼▼▼▼▼▼▼ Güterbahnhof Frankfurter Allee* Ausnahme- Preise vom 1. Hai bis 81. AnU von 10 Zentner an ab Platz in nur prima Marken. Beste Vulkan Halbstein-Briketts p. Ztr. 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Sbti Reingewinn, der 1908 noch nicht ganz 18 Proz. des Aktienlsp'tat? öetrug, stellte sich 1909 auf etwas über 19 Proz. des vergrößerten Grundkapitals. Die Dividende läßt sich für 21 Gesellschaften vergleichen, die 1908 ein Aktienkapital von 53 686 000 M.. 1909 ein solches von 67 086 000 M. hatten. Die Dividendensumme stellte sich für 1908 auf 6 651 000. 1909 aber auf 7«42 000 M.. so daß 1903 12,0, 1909 aber 13,4 Proz. Dividende verteilt wurden. Die Abschreibungen sind bei 21 Werken von 7,07 Millionen Mark im Jahre 1903 auf 7,97 Millionen im Jahre 1909 gestiegen. Von den Gesellschaften, die für das letzte Jahr ihre Geschäftsergebniste veröffentlicht haben, seien die Dividenden der größeren für das Jahr 1903 und 1909 noch besonders erwähnt. Es stieg die Dividende bei der Bitterfelder Louisengrube A.-G. von 16 auf 20 Proz., bei den Leipziger Braunkohlenwerken in Kulkwitz von 9 auf 12, bei den Zechau-Kriebitzscher Kohlenwerken von 7 auf 7Vz. bei Ilse, Bergbau-A.-G-, von 22 auf 24 Proz. Lohnerhöhungen und Preissteigerunge». Interessantes Material über das Verhältnis zwischen Lohn- erhöhungen und Preissteigerungen bieten die von der Ortskranken- lasse Dresden aufgenommenen Lohnstatistiken und die von der Siadtverwaltung Dresden bearbeiteten Statistiken über die Preise von Lebensmitteln und sonstigen Bedarfsartikeln. Die Ortskrankenkaffe Dresden ist mit ihren 116000 Mitgliedern eine der grötztenKrankenkassen des Deutschen Reiches und umschließt fast alle Arbeiter Dresdens. Ihre Statistiken ergeben, daß vom Jahre 1899 auf 1909 der Durchschnitts- lohn sämtlicher männlicher Mitglieder von 3,10 M. auf 3,67 M. pro Tag oder um 18,4 Proz. gestiegen ist. Der DurchschnittStage- lohn sämtlicher weiblicher Mitglieder stieg in der gleichen Zeit von 1.81 M. auf 2,11 M. oder um 16,0 Proz. Wie haben sich nun in der gleichen Zeit die Kleinverkaufspreise für die Lebensmittel verändert? Nach den Angaben des Rates der Stadt Dresden stiegen von 1899 bis 1909, also in derselben Zeit, die Preise für Fleisch und Fleischwaren um 16,2 Proz., Geflügel um 26,4 Proz., Milch, Butter, Margarine 16,6 Proz., Fische 19,7 Proz., Gemüse 12,4 Proz., Mühlenerzeugnisse(Mehl usw.) 26,0 Proz., Grün- waren 34.7 Proz., Steinkohlen 13,3 Proz., Braunkohlen 31,0 Proz. usw. Eine Durchschnittsberechnung ergibt, daß alle diese unentbehr- lichen Dinge in der auch den obigen Lohnberechnungen zugrunde gelegten Zeit um 17,6 Proz. im Preise gestiegen sind. Bedenkt man hierbei, daß die für die Arbeiter am umfangreichsten, in Betracht kommenden Artikel wie Mehl, Gemüse, Braunkohlen weit über diesen Durchschnitt gestiegen sind, so kann man von einer Hebung der Lebens- Haltung im allgemeinen wohl kaum reden. Saatenstand in Preußen. Mitte Mai, wenn 2 gut, 3 mittel be- deutet: Winterweizen 2,3(im Mai 1909 gleich 3,3), Sommerweizen 2,6(2.7), Winterspelz 2,5(2,7), Winterroggen 2,7(3,1), Sommerroggen 2,7(3,0), Sommergerste 2,5(2,8), Hafer 2,6(2,8), Erbsen 2,5(2,9), Ackerbohnen 2,6(2,7), Wicken 2,6(2,9), Kartoffeln 2,8(2,9). Zuckerrüben 2,8(2,9), Winterraps und-Rübsen 2.4(3,6), Flachs 2.7 (2.9), Klee 2.3(3,0), Luzerne 2,6(2,9), Rieselwiesen 2,6(3,0), andere Wiesen 2.8(3.4). In den Bemerkungen der Statistischen Korrespondenz herßt es: In kaum einem anderen Jahre haben zu wenig Umackerungen aus- geführt zu werden brauchen, wie in diesem. Als Ursache ist besonders die rauhe Frühjahrswitterung anzusehen. Ueber tierische Schädlinge liegen verhältnismäßig wenige Mitteilungen vor. Mehr Anlaß zur Klage hat die starke Verunkrautung. insbesondere durch Hederich, gegeben. Bei der Ungunst der Witterungseinflüsse haben sich die Wintersaaten wenig oder gar nicht weiter entwickeln können. Es wird aber bemerkt, daß manches wieder gut werden würde, wenn recht bald Sonnen- schein oder Wärme käme. Von den Futtergewächsen hat sich der Klee zufriedenstellend weiter entwickelt. Die Luzerne hat etwas ver- loren. Hinsichtlich der Wiesen sind die Nachrichten sehr verschieden. Auch die Weiden hatten noch keinen genügendefl Bestand. Entspricht der Stand der Winterfrüchte, Futtergewächse und Wiesen zwar nicht den nach der günstigen Durchwinterung gehegten Erwartungen, so ist er doch nicht ungünstig. Mit den Bestellungsarbeiten für die Sommerfrüchte ist man dennoch überall im Rückstände. Berichtigung. Nicht die Internationale sondern die Deutsche Tiefbohrgesellschaft betrifft den in gestriger Nummer mitgeteilten Geschäftsbericht. Die Internationale Gesellschaft verteilt bekanntlich viel höhere Dividenden. Fette Dividende«. Die C. U.G. Müller Speisefett- fabrik A.-G. verteilt für das letzte Jahr 15 Proz. Dividende auf da? um 600 000 M. erhöhte Aktienkapital.— 10 Proz. verteilt die Elektrizitäts-LieferungS-G.- Berlin.— Die Gold- und Silberscheide-Anstalt bringt 36 Proz. heraus gegen 33 Prozent im Vorjahre.— Wiederum 16 Proz. Dividende erhalten die Aktionäre der Deutschen LebensversicherungSbank A.-G.-Berlin.—«00 M. pro Aktie, gegen 500 im Vorjahre, schüttet die Aachener und Münchener FeuerversicherungS-G. aus.— Nur 1« Proz. verteilt diesmal die Ed. Lingel Schuh- fabrik A.-G.-Erfurt.— Die ChemischeFabrrk Grünau A.-G. schüttet wiederum 10 Proz. Dividende aus.— Die Aktionäre der Chemischen Fabrrk Buckau- Magdeburg erhalten 12 Proz.— 22 Proz. verteilt die zum Nobel-Dynamit-Trust ge- hörige Dresdener Dynamitfabrik A.-G.— Eine Dividende von 1« Proz. bringt für das letzte Jahr die Schle fische Aktiengesellschaft für Bergbau und Zinkhütten- betrieb.— Die Aktionäre von Aumetz-Friede, die im vergangenen Jahre nur 7 Proz. erhielten, sollen diesmal 10 Proz. erhalten. 10 Proz. verteilt auch die Deutsch-Ueber- feeische ElektrizttätS-Gesellschaft. AuSfuhrvergütung. Wohl mit Rückficht auf die verschlechterte Lage am Eisenmarkt hat, wie die»Franks. Ztg." meldet, der deutsche Walzdrobtverband den Verbrauchern von Walzdraht eine bereits im Apri. zugestandene Erhöhung der AuSfuhrvergütung um 5 M. pro Tonne auch sü: baS dritte Quartal zugestanden. lifcßyerweiterung. Die Ilse Bergbau- Gesellschaft hat eine Million Mark Anteile der Matador Bergbau-G. m. b. H. in Senstenberg erworben und ihren Grubenfelderbesitz um über 200 Hektar erweitert.— Werden nun auf Matador auch Jlse-BrikettS produziert, oder erfolgt eine Preiserhöhung für Matador- Briketts? Die Kohlenlager der Erde. Nach einer Schätzung von Professor Dr. Fritz Frech-BreSIau in der Zeitschrift„Glückauf" wird Zenttal- Frankreich seine Kohlenlager am ersten erschöpft haben, sie sollen noch 100 Jahre vorhalten. Für Zentral-Böhmen, daS Königreich Sachsen, das Waldenburg-Schatzlarer Revier und vielleicht für die nordenglischen Reviere(Durham, Northumberland) ist die Pro- duktionsdauer etwas größer zu veranschlagen. Wesentlich größer In Braunschweig stellte 14,42 Kilogramm gegen 16,18 Kilogramm im im Jahre 1907. In ist die Zahl der Flöze und die Mächtigkeit der ge- samten Schichten in den übrigen englischen Kohlenfeldern (250—360 Jahre), Nordfrankreich(360—400 Jahre), Saar- brücken(300—400 Jahre). Noch günstiger liegen die Verhält- nisse für Belgien(rund 800 Jahre), für das Aachener Becken und das damit zusammenhängende niederrheinisch-westfälische Kohlenbecken (mehr als 800 Jahre), sowie für die österreichischen Anteile an dem oberschlesischen Revier. Die größte Schichtmächtigkeit(rund 6000 Meter) und Flözzahl besitzt das Steintohlengebiet in Preußisch-Oberschlesicn(voraussichtliche Förderungsdauer mehr als 1000 Jahre). Da für das relativ Pinste ein Mindestwert von rund 100, für das zukunftreichste Gebiet ein Grenzwert von über 1000 Jahre angenommen wird, so ergibt sich von selbst, daß die Lebensdauer bei zahlreichen zwischen diesen Grenzen liegenden Gebiete 200 bis 800 Jahre beträgt. Deutschland ist, wie die auf eingehenden Unter- suchungen beruhenden Schätzungen zeigen, in bezug auf den Kohlen- Vorrat das reichste Land Europas und wird in der Menge des vor- handenen Brennstoffes nur von Nordamerika und Nordchina über- troffen; in England ist lediglich die zeitige Produktionsziffer höher und bedingt eine raschere Erschöpfung der Kohlenlager. Auch Amerika geht offenbar einer schnelleren Erschöpfung seiner ungleich ge- waltigeren Vorräte entgegen. Der Schweincflcischkonsnm ist in verschiedenen Landesteilen Deutschlands sehr stark im Abnehmen begriffen. So stellt sich in der Provinz Schlesien der Konsum an Schweinefleisch pro Kopf der Bevölkerung in diesem Jahre nur auf 6,28 Kilogramm, während er im ersten Quartal des Vorjahres 6,36, 1908 sogar noch 6,67 Kilo- gramm betragen hatte. In Westfalen stellte sich der Verbrauch pro Kopf durchschnittlich auf 4,63 Kilogramm gegen 4,77 Kilogramm im Vorjahre, 6,25 Kilogramm im Jahre 1908 und 4,79 Kilogramm im ersten Quartal 1907. Im Rheinland beträgt der Konsum im laufenden Jahre 4,37 Kilogramm gegen 4,38 Kilogramm im Vor- jähre, 4,93 Kilogramm im Jahre 1908 und 4,32 Kilogramm im Jahre 1907. In Hesscn-Nassau kamen dieses Jahr auf den Kopf der Bevölkerung durchschnittlich 9,88 Kilogramm gegen 9,92 Kilogramm im Jabre 1909, 11,03 Kilogr. im Jahre 1908 und 10,19 Kilogr. im Jahre 1907. Mit einer sehr ungünstigen Gestaltung des Schweinefleisch- konsums ist sodann das Königreich Bayer» zu nennen. Hier stellte sich der Konsum dieses Jahr auf 6,21 Kilogramm gegen 6,26 Kilo- gramm im Jahre 1909, 5,84 Kilogramm im Jahre 1903 und 5,22 Kilogramm im Jahre 1907. Im Großherzogtum Hessen be- trug die Verbrauchsmenge voriges Jahr 6,21 Kilogramm und ging im laufenden Jahre aus 6,02 Kilogramm zurück; sie hatte 1908 6,46, 1907 4,96 Kilogramm betragen. Elsaß-Lothringen weist einen Verbrauch von 3,17 Kilogramm auf; die Zahlen für die Vorjahre sind 3,24 resp. 3,57 und 3,16 Kilogramm. sich der Verbrauch dieses Jahr ans 14,43 Kilogramm im Jahre 1809, Jahre 1908 und 14,35 Mogramm Berlin geht die Vrrbrauchömenge nur über die vorjährige hinaus, während sie hinter der von 1903 und 1907 zurückbleibt. Sie betrug 1907 7,68 Kilogramm, 1908 8,21, 1909 aber nur 7,16 Kilo- gramm und im laufenden Jahre 7,60 Kilogramm. In der Provinz Hannover ist der Verbrauch mit 4,93 Kilogramm pro Kopf gleich hoch wie im Vorjahre, aber niedriger als 1808, wo er 6,09 Kilo- gramm betragen hatte. Im Königreich Sachsen stellte sich der Ver- brauch dieses Jahr auf 6,24 Kilvgramin gegen 6,01 im Vorjahre, 6,63 Kilogramm im Jahre 1903 und 6,13 Kilogramm im Jahre 1907. In Ostpreußen ging die Verbrauchsmenge von 3,41 auf 3,64 Kilo- gramm hinauf; sie hatte aber 1908 3,92, 1907 4 Kilogramm be- tragen. In der Provinz Westpreußen vollzog sich die gleiche Eut- Wickelung, von 1909 aus 1910 erfolgte eine Zunahme, die aber nicht hinreichte, um die Verbrauchsmenge der Jahre 1907 und 1903 zu erreichen._ Gerichts-Zeltung. Der Rachedurst einer verlassenen Soldatenbraut hat ein Strafverfahren herbeigeführt, mit welchem sich gestern unter Vorsitz des Landgerichtsdirektors Lieber die 3. Strafkammer des Landgerichts I zu beschäftigen hatte. Wegen Verbrechens gegen das keimende Leben waren angeklagt die unverehelichte Elisabeth Rybka und die Schneiderin Franziska Schulz, wegen Beihilfe dazu die Schankwirtin Anna Heinzc geb. Maaß und wegen Anstiftung bezw. Beihilfe der Unteroffizier Gustav Olschcwsky und der Vizefeldwebel Max Schramm, beide vom 4. Garderegimcnt.— Der Anklage, welche unter Ausschluß der Oeffentlichkeit verhandelt wurde, lag folgender Sachverhalt zu- gründe. Der Unteroffizier Olschewsky lernte im Jahre 1906 die jetzige Mitangeklagte Rybka kennen. Zwischen beiden entstand ein Liebesverhältnis, welches nicht ohne Folgen blieb. Olschewsky wandte sich an die Angeklagte Heinze, die dann an der Rybka die nach§ 218 St.G.B. strafbaren Handlungen vornahm. Aehnlich lag der Sachverhalt bezüglich des Angeklagten Vizefeldwebel Schramm Und der Schulz. Auch in diesem Falle nahm die Frau Heinze ge- wisse verbotene Eingriffe bei der Schulz vor. Die ganze Sache ge- langte erst jetzt auf folgende Weise zur Kenntnis der Behörden. Als die Rybka fürchtete, daß ihr„Schatz" Olschewsky ihr untreu werden würde, forderte sie ihn auf, sie zu heiraten. Als O. sich weigerte, da er erst Unteroffizier war und dann in Zukunft jede Beziehung zu der Rybka abbrach, schrieb diese aus Rache an den Hauptmann des O. einen Brief, in welchem sie sich und ihren früheren Geliebten denunzierte.— Das Gericht kam nach längerer Verhandlung zu einer Verurteilung der sämtlichen Angeklagten. Das Urteil lautete gegen die Rybka und die Schulz auf je« Wochen, gegen die Frau Heinze auf 9 Monate, gegen Olschewsky ebenfalls auf 9 Monate und gegen Schramm auf 2 Monate Gefängnis. Die Wechsel des Prinzen von Braganza. Ein großer Schwindlerprozetz begann heute vor der 7. Straf- kammer des Landgerichts l. Angeklagt sind: 1. Der Direktor der „Emarald-Mines Limited", Leslie Clarke; 2. Kaufmann Karl Christian Lesenberg; 3. Oberleutnant a. D. Karl Teltz; 4. Agent und Techniker Jakob Rötzel. Den Vorsitz führt Landgerichtsdirektor Splettstößer, die Anklage vertritt Staatsanwalt Dr. Schwickerath, die Verteidigung führen die Rechtsanwälte Dr. Alsberg und Hille- brandt für Clarke, Dr. Werthauer für Lesenberg, Dr. Löwenstein für Teltz, Morris für Rötzel. Als Kurator des Prinzen Franz Josef von Braganza wohnt der Advokat Dr. Gustav Franz Löwy aus Neunkirchen bei Wien der Verhandlung bei. Nach dem Eröffnungsbeschluß werden beschuldigt: 1. Clarke im November 1909 gemeinschaftlich mit andern das Vermögen deS Prinzen Franz Josef von Braganza in betrügerischer Weise be- schädigt zu haben; 2. die drei übrigen Angeklagten im Januar bis Februar 1910 gemeinschaftlich gegen mehrere Personen Betrug verübt und gegen andere einen Betrug versucht zu haben. Der erste Tag wurde hauptsächlich mit der Vernehmung der Angeklagten ausgefüllt, die jedoch nichts besonderes ergab. Wir werden auf den Ausgang dieser dunklen Affäre zurückkommen. DaS Fehlen bei einer Branbwehriibung strafbar. Die Anwendbarkeit der Oberpräsidialverordnung über daS Feuerlöschwesen in der Provinz Westfalen stand in Frage in einem Strafverfahren gegen Lohmann und Genossen aus Berge. Sie sollten die genannte Verordnung vom 26. November 1907 über- treten haben, weil sie nicht an einer sonntäglichen Hebung der Brandwehr teilnahmen, welche vom Amtmann unter Zustimmung des Landrats in Hamm eingerichtet worden war, obwohl in Berge eine Freiwillige Feuerwehr besteht. Die Angeklagten bestritten, sich strafbar gemacht zu haben. Sie machten in der Hauptsache geltend, die Einrichtung der Brandwehr sei hinfällig, weil die vorhandene Freiwillige Feuerwehr nach der Zahl der Mitglieder und der Ausrüstung als Berufsfeuerwehr anerkannt worden sei und dem Bedürfnis genüge. Das Landgericht in Dortmund verurteilte jedoch die 16 An- geklagten zu Geldstrafen und führte aus: Die Verordnung des Oberpräsidenten sei erlassen auf Grund des Gesetzes über die Befugnisse der Polizeibehörden zu dem Erlaß von Polizeiverord- nungen über die Verpflichtung zur Hilfeleiitung bei Bränden. Sie sei rechtsgültig. Der§ 2 bestimme:„In allen Gemeinden oder von der zuständigen Behörde eingerichteten Löschbezirken, für die nicht eine, nach Ansicht der Aufsichtsbehörde dem öffentlichen Be- dürfnis genügende Berufsfeuerwehr besteht, ist eine Brandwehr einzurichten, die von den nach§ 4 Dienstpflichtigen gebildet wird. Freiwillige Feuerwehren, deren Satzungen von der Aussichtsbehörde genehmigt sind, oder ähnliche, von der Polizeiaufsichtsbehörde als gleichwertig anerkannte, in den Dienst der Gemeinde oder des Löschbezirks gestellte Einrichtungen können einen selbständigen Teil der Brandwehr bilden. Sofern sie nach Ansicht der Polizeiaufsichts- behörde dem vorhandenen Bedürfnis genüge»,. kann von der Er- richtung einer Brandwehr ganz abgesehen werden, oder sie kann auf die Bildung einer Hilfsabteilung beschränkt werden."— Nach dieser Bestimmung gingen die Angeklagten mit ihrer Auffassung fehl. Die Polizeiaufsichtsbehörde sei danach nicht gezwungen, von der Errichtung einer Brandwehr abzusehen, wenn eine Freiwillige Feuerwehr in der Stärke und Ausrüstung wie, in Berge bestehe. Sie sei nur befugt, davon abzusehen, wenn nach ihrem Ermessen die vorhandene Feuerwehr dem. Bedürfnis genüge. Demnach sei die Brandwehr als rechtswirksam zustande gekommen anzusehen. Die Angeklagten wären verpflichtet gewesen, an der ortsüblich be- kanntgemachten Brandwchrübung teilzunehmen, die in zulässiger Weise auf einen Sonntag anberaumt gewesen sei. Die Angeklagten legten noch Revision ein. Das Kammergericht verwarf aber das Rechtsmittel mit der Begründung: Die Bor- cutscheidung lasse einen Rechtsirrtum nicht erkennen. Tie zu- ständige Behörde habe die Brandwehr gemäß der ihr verliehenen gesetzmüßigen Befugnisse errichtet. Ob die Verwaltungsbehörde beim Waltenlassen ihres Ermessens einen Fehler gemacht habe. könne der Richter nicht nachprüfen. Das Kammergericht habe nur zu prüfen, ob der Porderrichtcr sich eines Rechtsirrtums schuldig gemacht habe. Das sei aber zu verneinen. Deshalb müsse die Revision zurückgewiesen werden. Freireltgiösr Gemeinde. Sonntag, den 22. Mai, vormittags S Uhr, Pappel-Allee 15—17: Freireligiöse Vorlesung. Vonnittags 11 Uhr: Kleine Franksurter Straße 6: Vortrag von Herrn Dr. Conrad Schmidt über:„Ludwig Fcucrbach". Damen und Herren als Gäste sehr willkommen. Zentralvcrband der freien Händler. Hansierer»nd ver. wandten Bcrufögenosse» Deutschlands. Sitz Essen, Verwaltungsstelle Berlin. Heule abend 8'/, Uhr bei Dräscl, Neue Friedrichstr. 35: Außer- ordentliche Generalversammlung. Allgemeine Kranken- und Sterbekasse der Metallarbeiter Versammlung bei Mcrkowski. Andreasstraße 26.— Filiale Berlin 9. Sonntag, 22. Mai, vormittags 91/, Uhr: Versammlung bei Kirschkowskt, Beusselstr. 9: Neuwahl der Ortsvcrwaltung.— Filiale Berlin 10. Sonntag, 22. Mai, vormittags 10 Uhr: Versammlung bei Faber, Stephan- straße 11.— Filiale Rixdors. Heute Sonnabend, abends 8Y, Uhr: Versammlung mit Vortrag bei Pähl, Steinmetzstr. 114. Briefkasten der Rcdahdon. 31. G. 40. 1. ES empfiehlt sich, bei dem zuständigen Polizeirevier dl« Umschreibung deS Namens oder den Umtausch zu oeranlassen. 2. Abgeleitet von einem in den Parlamenten üblichen Brauch, die Mittelpartci alS Zentrum zu bezeichnen.— Steglitz 100. Ja. Hat der Wirt anderweit vermietet gehabt, nicht.— O. S. 14. Eine g e s e tz l i ch e Verpflichtung dazu besteht nicht. Wir raten aber im Interesse Ihres Sohnes dringend, demselben den Stottcr-runt-rricht'nicht zu entziehen und die von Ihnen bezeichnete kleine Unannehmlichkeit mit in Kauf zu nehmen.— F. Sch. 545. I. und 2. Ja, sosern die Ausgaben durchs die Eigenheiten des Beruss be- dingt sind. 3. Nein. In Frage kommt nicht daS Bürgerliche Gesetz- buch, sondern das Einkommensteuergesetz, und zwar g§ 8 und 20. Die Erkrankung der Frau ist zur Anwendung deS letzteren geeignet. — P. S. 29. Ihre Anfrage. ist bereits in der Nr. 107 vom 10. Mai im Briefkasten beantwortet.— W. E. S. Verlangen Sic von der Buch. Handlung Vorwärts ein Schristenvcrzeichnis. Aus Seite 73 finden Sie .Raturwissenschastliche Elementarbücher", 11 Bände, a 80 Ps.— auch einzeln zu beziehen— verzeichnet.— P. T. 33. 1. Ja.' sosern es sich um einen polizeilich verbotenen Weg handelt. Jedoch soll ein solches Verbot öffentlich bekannt gemqcht. außerdem aber soll, sofern nicht wegen besonderer ort- licher Verhällnisie eine Ausnahme gestattet ist, das Verbot auf einer Tafel mit deutlich sichibarer Schrift stehen. 2. Ja, ebenfalls daraus, daß eine Tafel der vorbezeichneten Art nicht vorhanden war. Ferner können Sie fich noch aus§59 deS StrasgesetzbuchS berufen, da Sie sich mitNiulsichi aus die von Ihnen zitierte Pölizeiverordnung in einem Irrtum über Talsache» befanden, also der Dolus sehlte. 3. Für den Fall der Verurteilung lallen Ihnen die Kosten zur Last._ Amtlicher Marktbericht der städtischen Martthallen-Direktion über den Großhandel in den Zenwal-Marttballen. Marktlage: Fleisch: Zufuhr genügend, Geschäft Icbhast, Preise unverändert. Wild: Zufuhr ge- nügend, Geichält reg«, Preiie unverändert. Geflügel: Zusuhr etwas reichlicher, Geschäst lebhast, Preise befriedigend. Fische: Zusuhr genügend, Geschält ziemlich rege. Preise wenig verändert. Butter und Käse: Geschäft ruhig, Preis« unverändert. Gemüse, Obst und Süd. s r ü» t«: Zufuhr meist über Bedarf, besonders in Gurken. Rhabarber und Bananen, Geschäft schleppend, Preise gedrückt. «SitterungSüberlicht vom 20. Mai 1010, morgens«»lhr. h st Swtnemde erltn granti.a.M. München Wien - 1 c 3 Bf 764 SO 761 0 761 NO 755 NO 755 Still 759 O «tatwnen 2| Bf Haparanda!771ONO Petersburg 763 NNO Sctlly Aberdeen Pari» 756 NO 760 SO 756 SSW Vetter Lwolkeul 1 bedeckt 1 wolkig 1 Nebel 2 hall) bd. Ii 0 10 11 0 16 «Setterprognose für Sonnabend, den 21. Mai 1010. Vorwiegend heiter und trocken, am Tage warm bei ziemlich stischm ostlichen Winden. Serliner W e tt er b ur e a u. «SaflerstandS. Nachrichten der LandeSanstalt für Gewässerkunde, mitgetellt vom D erlinet, Welterbureau. Wasserstand M-mel, Tilsit V r e g« l, Jnsterbmg Weichsel, Thon» Oder, Rattbor , Krossen . Frantwrt Warth«. Schrimm , Landsberg Netz«, vordamm Elbe, Leitmeritz , Dresden , Varby . Magdeburg Wasserstand Saale, Grochlttz Havel, Spandau') » Rathenow') Spree, Svremberg') » BeeStow Weser, Münden . Mwden Rhein, MaximlltanSan , Kaub Köln Neckar, Heiwronn Main, Wertheim Mosel, Trier ') 4- bedeutet Wuchs,— Fall.•) Unterpegel.•) nach telegraph. Meldung bis zum SS. stüh ans 334 cm gefallen. Turmstraße 55, EckeWaldstr. gewghrtjedemb. spielend leichter An- n. Abzahlung mehrjährigen Kredit auf Waren und Möbel. Credit-Haus .Bellealliance" BellealUanoe-Str. 100, I. Etage. Waren n.Sdbeli. kalant Beding. Erscheint 2 mal wöchentlich. [ Bezugsquef en�Ve�zeachnis. m. 1 TTS. tmm credlthaus mam Gebr. Weber, Neue KSnigetr. 68. Spandau, Pota- dameratr. 3SI, I Gi koalantMles a.Fl. Schöaebg.. Kolonnen- uuabuuoiuibi, in., Str. 8, am Rinqbahnb. Fritz SchnickeceuzItV Weber, Herrn., Danzigeratr. 781. Wolter, ürUtÄrr Zu! raun&0o. eSä«"": beat. 8. 1887. M6N- a.«lull. Waraa. � Alhohoifl-el�letränke� Franz Abraham Hamb. Messina- u.RBmertrank-Kell. N 4, Schlegelst. 9, Fernap. III, 7727. Mi BrauseSÄÄ Gtoldtröptclien U. Xeesc. HQIhausener Str. 6. ( Beerdig.-Unst., Sargm FncS!rPäSnTränC?trrSIIeö Jordan, E., Birkenst. 13, Moab, 3 196. Koch, Emil.Weißensee, König-Cb.76. H. Petermeier, Strelitzerstr. 8. Peter-Schley, Wilh., Zosseaorslr.l I. Rommeck. C.. Ri., Hermannst. 22. Wegner, F., Ri., Eibestr. 31. Buttner, lleüBflöorf,O.P..u.idDiÄNord: Sehramraar, II., RiohaÄa StoßjM�R!�Kais..Fr!edr..St.2ig. | Berufskleidung Bolin,R.,In*'JIinn55!Tliauss.-St.l22. Oarderobenh. Nordstern, BnuiDeDil.86 Gelbes Schloß, Bruunenstr. 107, Göfte, A., Frledrichsf., BorI.-St.36. Graft 8 Heyn, ÄrÄr Hamburger Laden, Charl.,WaIlit.l3 Keiner, Otto, Gerlohtatraße 86. Pahr, Wilh., Brunnenetr. 116. Scnlesinger, Hermann NW, Turmstr. 58 Die richtigen N, Rslillotsa6.-8tr.48 Sachen. Lieferant d. Konanmgenossensch Wilh. Scholen) Kottbuserdamm 94, Keller. Ernst Krüger, G.m.b.H., Höchste St.28. Sinalco(Bilzbraiise Gen.-Vertret. 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Lewin, Adolf, K«jf/.tr Linde, Max, Tegel, Beriinerstr.83. Lux, Carl, N, Chausseestr. 41. Mlldt, A., Chart., Krummenstr. 14. Nahr, Gast., Gr. Frankf. Str. 91. Nolte, Karl, Slmon-Dacbstr. 13. Osterloh, M», Gr. Frankft. Str. 136. Pfandleihe, Petersburgerstr. 87. Qultzo«, Job., Müllerstr. 1 a. Rampmaier, F., SkaUtzerstr. 23. Rapp,Chr., Weilea»ee,Uiisl.Adolljl.l57 Rudolph, H.,b�ä Job. Schallau, Scböib. Allee 186 a. Ter. Schönemann, G, Bi.,Beri.-Str.73. Schräder, Otto, Rieh. Schramm, Turmstr. 82. Schroth, Emil, Kottb.-Damm 101. P.Schuch.Chari.Jtnobelsd.-Str.lO. Schulz, Osw., Frankf. Allee 24. Schumacher, G., Tegel, Rert.-St.6a. T. Stolz, Chausseestr. 83. Carl Stuhr, Drasdncrstr. 184. Sturm, Erich, Tegel, Hermsd.-St.l Panl Trenk, Chart., Spand.-Str. 32. Tribes, Alfred, Falkensteinstr. 4, Truxn, W., Frankft. Allee 186. l!fiekernianii,G.,skau"l2 ülbrich, Friedr., Brunnenstr. 187. Otto Warttlg, Triftstr. 8. Otto Weber, Bellermannstr. 92. F. Wenig, Müllerstr. 88. Werner, Herrn., Tai"" Willer, Hans, Rosenth.-Str. 63/64. Winkler, W., Relnickend.-Str.22. n�l Rixdorf, , PlM», Berlinerstr.!!. Wolter ,H., Ei., a.Bhf., Hermannst. Wüsteney, O, Brunnenstr. 106. Wutke,KarlLeÄi76 HBEaD8Ck6(l!.wÄuÄ8- c WarenhBusap D Bieber, Nf., Yorkstr. 37, am Bhf. MaxBIumenreich.�rL11 Brünn, Nachf.,£l�: I Warenhaus MaxCodik SO.,Wrangel3t.20.£ekeFäeklerat. I Hüvirl I S Sim.-Dach8tr.42. lidVlUjL.O., Alt-Boihag. 86. Loewenberg&Co.,%r7 am Baltenplatz. Pinkiis, Paul, Simon-Dachstr. 84. Spandau C Wasohmittel J Verlangen Sie „Edelweiß" Krone alier Waschmittel �Welnejb�FruchUi�e � Bettinger, Eng., Wzld-Eeke, Witklef. DennhardtASchuItze, Rrsa«?ssi.53. Elle m.Weyle, Llkörfsbr., Gericitslr. 14. Großd..ZurSonne', P. Frcudenberg. Krüger, Brunnenst.188, KistAllee84. Merten, Louis, Belle-Alliancest.lS. Gr.-Deit. Schsrrea- B» B Ä Eck«WiInersd.-Slr. Rieß, Fritz, Ri., Hermannsplatz 6. StÖDllBttOfllÖjark�Ä56' Scbweudy, H., Rosenthalerstr. 67. Sello, Hermann,�"- Einzelverkauf zu Engrospreisen. Im...4. P.II. auchLiköreu.Säfte, i;.|S|/\&/ n Bnuntlt. 16 Ü. Filial. SyUUlL IICIIU Ei,,,!,,,]!., Engrospr. Bredow, Otto,-u. En4el,R.; CarlEvers, Schön Weiss, H.&Co. rlTti'Ä Weihe, W, Hermannstr. 160. Wendig, Herrn., Eisasserstr. 11. W ermuth, Oswald, Kopenhag.-Str. 1. f WalB-, Wollw., T rltent.| ÜOlliIKkB, M, ÄTfrtkft: o, Ki., Hermannstr. 66. Wienerstr. 33, Ecke Forsterstr. >,Schöneb.,Hauptstr.66. Glel, A., Gryphius-Str. 17, Ecke. Graft& Beyis. bwää Jonas, Hermann" Bstthi Juncker, H.�X'nstrtm, Kanfh.Katzki,Ri Kais. Frlelr.-Sl. 243 Kaufhaus London, Ri.,Bergstr.47. Klotar, H., Keiobenberger Str. 139. KaufhauKLevy,F.,Ri.,uerBuiait.52 Pflaume, Gebr., Friedrlohstr. 205. A.Radi off, Reinckdf., Markst. 1 a.Ses Raehmer, C., Andreasstr. 69. Schrom, Lina, Mirbachstr, 31. Stawenow, Charl., Garles-di-CoipiitrlO Tiebauer, S., Ri., Hermannstr. 61. A. Tschaoge, Kilzadathktrchatr, 13. Gr. Frkf. St.96. Frkf,AUeel34. Wollhaus Lucasgi�fe. Zahn-Ateliep J Beyer, R., BeÄlk Hollbru dt, Herrn., Faiikst.6,gegr.I87t Jordan, Alfr., Feiastr. 61, gegr. 1888. Lüdeeke, Franz, Qreifsw.-Str. 31. 11. Ziebung 5. Kl. 222. Kgl. Preuss. Lotterie Ziehung vom 30. Mal, vormittags. Kur die Gewinne Uber 240 Mark sind den betreUen- den Nummern in Klammern beigefügt. (Ohne Gewähr.)(Nachdruck verboten.) 16 48 66(1000) 104 148 416[10001 1317 493 99 932 " 71 2066 867 445 611 641[600] 824 3026 164 233 84« 779 822 026 4170 366«64 92 15001 5418 67? 78 799 0267 474 87(6000] 90(1000] 706 894«67 7659' 77 88 877«30 8068 226 393 610 86 606 811 0098 133 409 627 79 644 64 10027 84 13« 261[3000] SSt 486 677 619 09 86« 111112 203 78 330 643[609] 790 804 1 2004[600] 284 Sil 1600) 622«94 963 1 3037 38 69 144 59[ 6000] 243 337 623 704 1 4083 431 CSS 70 768 1604« 171 449[3000] 9«5 .10173 224 620 863[600] 17368 678 779 10323 610 763 £01[600] 004 49 1 9417 803 746 20974 113 646[1000]<64[6000] 811 2101« 40 100 M[6001>29 322 676 618 913 2 2089 11«««7(60o] 444 £31 23372 47) 719 8«0[1000]«<8 24170[690] 206 4)0 £1[1000] 688 618[«000] 716 616 44«81 25901 16(6001 «78 880 903 8 4 2 0554 79 444[1000] 627 88 785 871 27069 123 224 678 665 93 653[ 500] 78 740 4« 28013 177 246 £59«1«14 64 961 2901« 166[600] 147{41 669 094 229 804 3O050 57 719 3 1 069 184 209 486 744[600] 919 910 11 61 32106[8000] 4« 63 926 63« 61 33061[ SO« II 1500] 4S9«1» 830 61»3».34m [3000] 80 ________________________ II 91 16» «68 605 64» 62 767 860 914[5000] 35639 7» 782 94 847 30047 147 99 311 92 420 52 56 704 964 3 7053 03«8 18? 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ZU 6000. i»a Sit«000, 2116 ZU 1000,««83«B 600 � J tiooojc uoooj.! II. Ziehung 5. Kl. 222. Kgl. Preuss. Lotterie Ziehung vom 20. Mai, nachmittags, Km die Gewinne über 240 Mark sind den hettellett- den Nummern In Klammem beigefügt. (Ohne Gewähr.)(Nachdruck verboten.) 168 276 312 37. 881[600] 780 811 1098 172 600 91 13000] 699[3000] 910[3000] 23 62[1000] 2087 76 53» 69 '469 71 503 43 3 093 102[ 3000] 469 543 731 4208 635 865 £38 0201 427 8t[8000] 792 047 0324 712 67 818 62 7098 125 202 396 408 604[ 3000] 888 0385[8000] 457 83 83 794 ] 9054 64 82 303 36«9 99» 10107 271 ee 11031[10 000] 9» 115»2 811»8 77 7« T72 78 836 927 49 1 2 143 801 62 455[ 600] 78 1 3023 242 864 479[500] 518[500] 611[500] 713 14202 145 670 909 28 15124 482 906 67 1 0144 434 620 25 52 770[5000] 857 0 7054 309 408 614 717 88 63« 942 10010[1000] 8t 181 02 931 433 534 70 631 726 74»2 802 43 5« 906 19041 162 670 655 20292 480 823[500] 44 99 854 777 835«41 21075 182 84 41» 531 708 49 802 21 860 2 2036 889[ 500] 414 13000] 512 6t«36 50 64 74« C2[500] 86 816 2 3 099 616 40 11000] 707 938 24030[ 3000] 25« 59 333 791 25110 380 40[300] 592 871[1000] 2 0 247 626 98 61« 928 2 7 014 176 556[10001 625 927 2 0 425 524 85 20 185 431 878 938 3000« 189 400 76 89 SIT 892 3 1 079 210 418 682 857 1500] 58 3200» 9 124 58 728 3323« 466 733 3 4156 887 405 10 61 500 14 632 9» 747 30412 561 644 786 38« 36019 88 •00 8 493 770 3 7009 37«1[500] Ol[590] 335 403 45 611 743 910 16 3 0159 301 40O 5 46 615 61 75 65»24 770 624 10 79 3 9239 818«4 8»>500] 4«»[3006]«12 40879»42»24 41105 95 638 11« 811«1[8000]»71 4211« 511 724«46««0 41 52 4 3060 152«4«I» 34 61 495 «85 100 4 4049 95 121«51[1000] 767 834 41[800] 40010 III 91 241[1000] 89 Sie«0 616[600] 91 712 45 5«[6001 46029[600] 04 118[600] 716 804[500] 906 83[3000] 47000(1000) 442 54 776»21 40092 192 268 498 5«l 12« 1 852«03 4 9069 91 371 597 5O025 409 34 88«64 911 01045 81 197 80 8,5 H 1500] 408 775 827 0 2138 231 SM 166 658 93[ 3000] 03033 543 675 54126 203 895 726[500] 81[500] 861 11 024 5 0236 82 526 64 726 41 989 0 0136 237 193 843 0 7066 105 497 686 708 818 9 6 0 005« 101 56«52 59148 7? 822 50 18 «97 67« 721 53«33 6O018 233 800 529«6[3000] 88«[600] 87 07« 01284 »O» 13 21[500] 767 0 2047 69 91 151 67 403[600] 37 024 1500] 720 0 3020 811 6 4 252 86»[1000] 483[600] 617 68 790 83 847 89 6 5639 6 6092 381 451 62 566«1 908 6 7058 05 279 881 455 612 76 866[ 500] 91[500] 939 72 6 0062 147 406 614 768 6 9 090 110 27 291 322 43 44 4« 1 85[10 000] 691 7001» 22 103 870»2 425 63 650 72 636 41 748 7 1 20» «88 72031[500]«5»03 19 124 58 631 36 75 959 79 73 1»» 221 870 50« 756 942 80 976 7 4095 293 52«[1000] 731 40 7 0065 184 851 451 78[500] 138 42[400] 70081 169 79 f 1000] 289[1000] 835«3 652 730 820 7 7048 409 792[500] 70070 689 8«7 94 7 9003 493 583 878 767 8O220 309 433 48 543 50 8 1 630[80001 78 735 8» 853 [500] 8 2003 248 497«03 811 28 8 3019 87 181 164 7 6 441 84 534 834 89 84011 209 36 60[500] 367 78 550 969 80185 SOI 88 693 636 807 22 0 0099 IST[6000] 544 81«3««41«1 87003 8 182[1000] 225 2»»3 446 8 8 097 288«53[ 8000] 55«36 833 80 999 0 9 052(500) 162[500] 231 6»7 085 90241 846 434 548 7«4[ 600] 08 844 9 1 023 181 468 [1000] 600[500] 736 92170 23« 349 605 76«[500] 93178 80«[500] 82 487(lOOO) 730«19 83[500] 94050 152 64 292 312 515«53 9 0041«1 23« 474«7 537 7«[500]»75 96349 555 MI 706 881 98 9«»27[1000] 97005 183 07 [600]»31 422 8« 595 TIS 88 90390 403 772 897 990»» 127 20« 49 418[500] 808 27 100028[1000] 39 297«Ol 49 455 589 810 900 5« 72 1 0 1 050 845 403 68 878 030 1 02164 882 463 565 [1000] 89 676 1 03009 617 61«02 99 725«3 956 74 104 040 118 78 80«26 82 408 41 715 41 85« 100039 189 660 820»1» 106884 1O7014 4« 91 261(6001 587 914 1 0 0024 81 90 104 28 232 7 4 801 810[OVO] 85«80 109124 33«1 313 829 794 894 110034 231 30« 464 624 41 702 111538 785 893 955 112372 82 460 627 928 88 113110 30 435 66 635 712 50 61 87 114203 379 82 637«08 708 75«03 943 110842 657 757 97 948 110031 93 249[500] 858 50 652 87[500] 698 780 828 49 959 117181(SOOI ISO 31» 29 569 615 85 858 70 006 110575 980 119132 [3000] 45 61 78 338 407 35 98«04 730[8000] 879«29 12014« 418 5««80 709[1000] 829[lOOO] 34 1 2 1 340 [500) 485 654 70 1 2 2000 178[1000] 252 329 31 68 71 [3000] 602 789 684 1 23 257 890[ 3000] 400 89 588[500] 068 1 24000 19 12» 559 89 7 514 7« 120230 423 511 66 752 1 2 0035 349 57 621 592 963 1 27113 381 421 720 64 955 1 28045 216 88 401 596 805 090 1 29054 54 86 238 333 491[500]«81»71 13 0690 772 1 31180 585«91 916 93 1 32808 401 589 761 851 982 91 13 3997 1 34161[lOOO] 68[SOOOl 894 488 574 652[3000] 62 780 850 963 1 3 0082 252[500] 31» 439(6001«62[1000] 76« 82 130088[500] 91 143 445 777 891 13 7 075 77 8t 114 414 576 679 727 801[500] 10 22 57 130492 518[500] 81 81 654 840 7t 139381 562 8« 762 91 935 140227 348 50» 26 839 1 41154 269 43! 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Mai ct., bei Julius Meyer, Oranienstr. 103: Zablmorgen für Zeitungs» druckerei-Rachtarbeiter. Tagesordnung: 1. Geschäftliches. 2. Referat des Kollegen Gustav Fuß über:„Deutschlands Welt- Politik". Gutei» Besuch erwarten Die Vertrauensleute. Stralau. Km Sonntag, den 22. Mai, früh 8 Uhr, findet in allen Bezirken eine Extra-Zusammenkunft sänltlichcr Genossen statt. Die Bezirksleitung. Borfigwalde-Wittcnau. Heute Sonnabend, abends 7 Uhr: Hand- zettelverbreitung von den bekannten Lokalen aus. Morgen Sonntag: Oefieutliche Versammlung in Wittenau. Treffpunkt der Borsigwalder Genossen nachmittags 3 Uhr bei Zuleker und Kclm. Bezirk Oranienburg. Sonntag nachmittag 6 Uhr findet im Lokal von E. Schumann unsere Mitgliederversammlung statt. Tagesordnung: 1. Bericht und Abrechnung der Maikommission. 2. Parteiangelegenheiten. Die Bezirksleitung. Spandau. Die für Sonntag in Aussicht genommene Flugblatt- Verbreitung sällt Umstände halber aus. Neuenhagen und Umgegend. Zu der am Sonntag, den 22. Mai, in Neuenhagen stattfindenden Volksversammlung findet am Sonn- abend und Sonntag eine Handzettelvcrbreitung statt. Die Genossen werden ersucht, dieselben von den Bezirksführern zu entnehmen. HeinerSdorf-Weißensee. Die zum Sonntag, den 22. Mai, an- beraumte öffentliche Versammlung findet an diesem Tage nicht statt._ Die Bezirksleitung. Berliner JVacforicbtena Zur Hygiene der SonntagSauSflüge. An den Nachmittagen der beiden Festtage sind zahllose Ausflügler durch heftige Gewitter in unerwünschter Weise er- frischt worden. Dabei wäre es leicht genug gewesen, dem Unwetter zu entgehen. Wer auch nur recht wenig Wetter- künde im Leibe hatte, konnte diese Gewitter mit ziemlicher Sicherheit vorhersagen. Dennoch konnte man beobachten, wie erst die Nachmittagszüge ungezählte Scharen in den Grunewald und andere Wälder ausspien, die un- gewollterweise geradezu in das Unwetter hineinliefen, das bei der Befolgung der Regel: früh hinaus und früh zurück! so leicht zu vermeiden gewesen wäre. Aber diese Regel wird von einem sehr großen Teile der Bevölkerung nicht beachtet zugunsten einer anderen, nach der zunächst die Wsolvierung eines regelrechten Mittagessens gerade an Festtagen die Hauptsache fein soll. Sehr viele sind auch der Meinung, daß der menschliche Organismus„seine Ord- nung" haben müsse und diese beim Auslassen eines Mittag- essens unwiederbringlich in die Brüche gehen müsse. Diese Auffassung mag für Kranke und Leidende ihre Berechttgung haben, für auch nur halbwegs Gesunde ist dagegen das gerade Gegenteil richttg I Man lese nur, was ein englischer Arzt, der noch im Alter von über 80 Jahren mit Leichtigkeit ansttengende Reisen unternahm und daher sicher etwas von seinem Metter verstand, in dieser Hinsicht einst schrieb: „Wer sich noch einer leidlich kräftigen Gesundheit erfreut, sollte wöchentlich einmal einen größeren Marsch von vier bis sechs Stunden Dauer machen. Der Nutzen eines solchen Marsches ist besonders groß, wenn man während dessen nur eine genüge Menge Nahrung und Trank zu sich nimmt. Ein Butterbrot und ein Apfel oder eine Orange sollten genügen. Ein derartiger Marsch führt zu einem Gewichtsverlust von 2—7 Pfund und zwar werden fast nur Wasser und einige Salze(durch Haut und Nieren) ausgeschieden. Der gleich- zeittge Verlust von Flüssigkeiten verbunden mit dem Mangel an Zufuhr führt zu stärkerer Ausscheidung von verbrauchten Stoffen und macht die Gewebe geeigneter, neue Nahrung auf- zunehmen. Der Gewichtsverlust gleicht sich gewöhnlich nach 2—3 Tagen aus." Man nmche nur die Probe, gehe in der Morgenluft fort, wenn das Gras noch im Tau schimmert und die Vögel am luftigsten singen, mache sich durch eine oder ein paar Klappstullen und etwas Obst unabhängig vom Wirts- haus und wandere ein paar Stunden dahin. ehe die schwüle Luft des Nachmittags einsetzt, die nüt ihrer Gewitter- drohung auf einen mit vollbesetztem Magen dahinschlcichcnden und Schweiß vergießenden Menschen doppelt unerquicklich wirkt. Das Rezept braucht nicht buchstäblich befolgt zu werden, denn die Einseitigkeit ist immer vom llebel. Jeder probiere das fiir ihn Geeignete aus und zahllose Erholungsbedürftige könnten sich dann ihre Ausflüge so gestalten, daß sie einen wirklichen Gewinn für ihre Gesundheit dabei erlangen und das Mittagessen an den folgenden Tagen um so schonungs- loser bearbeiten können._ Radfahrcrkarten als PostauSnieise. Die Radfahrerkarten, die von der Polizei ausgestellt werden, enthalten in der Regel eine Be- schreibung der Person deS Inhabers sowie dessen Unterschrift. Nach den Ausführungsbestimmungen zur Postordnung find sie deshalb als ausreichender Ausweis für die Berechtigung des Inhabers zur Empfangnahme postlagernder Sendungen anzusehen. Natürlich muß die Perion des Borzeigers mit der Beschreibung auf der Karte und feine Unlcrschrist mit der Unterschrift darauf übereinstimmen. Auch dürfen selbstverständlich keine Zweifel über den rechtmäßige» Besitz der Karte bestehen. Von einigen Polizeibehörden, besonders in Schlesien werden aber auch Radfahrerkarten ausgestellt, die keine Beschreibung der Person noch auch die eigenhändige Unterschrift des Inhabers tragen. Das Reichspostamt hat jetzt ausdrücklich die Post- anstalten daraus hingewiesen, daß derartige Karten ohne Personal- beschreibung und Unterschrist nicht als hinreichender Ausweis für die Entgegennahme von postlagernden Sendungen betrachtet werden können._ Das Entmündigungs-Straffvstem. Zu welchen Mitteln preußische Gewalthaber ungeniert greifen, um ihre an Verbrechen grenzenden Ziele durchzusetzen, haben wir ja im Falle jenes geisteskranken Russen gesehen, der gewissenlos den russischen Henkern mit Unterstützung einer Irrenanstalt, noch dazu einer solchen der„liberalen" Berliner Stadtverwaltung, ausgeliefert wurde. Ueberhaupt ist schon seit einer Reihe von Jahren bei der politischen und wirtschaftlichen Halsabschneiderei der Irrenhaus» kurs unverkennbar. Die Fälle von widerrechtlichen oder wenigstens unberechtigt langen Festhaltungen im Jrrenhause mehren sich in erschreckender Weise. Forscht man den Einzelfällen näher nach, so ergibt sich auffallend häufig, daß die Jnternierung solche Personen betrifft, die mit staatlichen Organen«in Hühnchen zu pflücken hatten und in der Verteidigung ihrer wirklichen oder vermeintlichen staatsbürgerlichen Rechte kein Blatt vor den Mund nahmen. Wo man aber doch noch nicht die Freiheitsberaubung wagen kann, hat der Staat sich immer mehr ein außerordentlich bequemes Mittel angewöhnt, um seinen Widersachern ein Schloß vor den lauten Mund zu legen: Psychiater und Entmündigungsrichtcr werden kom- mandiert. Schließlich hilft noch die Polizei. Auf unseren Redaktionstisch fliegen allmonatlich dicke Alten- stücke über Entmündigungsurtcile, die von den Entmündigten als staatliche Gewaltsakte bezeichnet werden. Begreiflicherweise können wir nur höchst selten irgendeinen bestimmten Fall von prinzipieller Bedeutung näher erörtern. Liest man diese natürlich mit amtlichen Originalschriftstückcn belegten Akten durch, so ergibt sich fast stets ein sehr charakteristisches Moment: Die betreffenden, in ihren Rechten schwer benachteiligten Personen haben es nicht verstanden, die in solcher Lage ganz besonders nötige Ruhe zu bewahren. An- fangs vollständig im Recht, wollten sie mit dem Kopf durch die Wand und begingen nun in begreiflicher, aber unvorsichtiger Er- rcgung irgendeine oder mehrere Dummheiten, aus denen ihnen amtlicherseits mit Vergnügen ein Strick gedreht wird. Nach diesen Errcgungsschwuppern, die dem so oft vernünftigsten und geisteS- klarsten Menschen, wenn ihm die Galle inS Blut steigt, passieren können, konstruieren dann die Psychiater mit der bekannten Findig- keit eine geistige Störung, mit Vorliebe unter der Spezialmarke „Ouerulantenwahn", und nun gehört nicht mehr viel dazu, um die Entmündigung auszusprechen. Gibt der Entmündigte dann noch keine Ruhe, so hält man ihm das Schreckgespenst des Irrenhauses dicht vor die Nase oder läßt ihn mit Hilfe der Polizei gleich nach dem psychiatrischen Sibirien verschicken. Wer es mit seinem Geld- beute! ausführlich machen kann, klagt vielleicht nach geraumer Zeit i auf Wicderbemündigung. Aber nur selten tritt Erfolg ein, weil ja die Behörde ein Juteresse daran hat, den„Querulanten" fest am Gängelbande zu halten. Psychiater, die ihre Wissenschaft verhunzen und zu allen möglichen Gefälligkeiten gegen unsere Behörden bereit sind, finden sich in Preußen leider massenhaft. Die Zahl der Geisteskranken ist in einer so erschreckenden Weise gestiegen, daß in dem vor einigen Monaten zur Beratung deS Etats der städtischen Irrenanstalten eingesetzten Etatsausschutz gemecnt wurde, wenn es so weitergehe mit der Steigerung der Zahl der Geisteskranken, dann sei eS doch besser und vor allem billiger, man sperre die paar Gesunden ein. Es wäre natürlich verfehlt, die Ursachen der großen Zahl der Geisteskranken lediglich auf die Praxis der Psychiater zurückzu- führen. Zahlreiche Gründe, nicht zuletzt solche sozialer Natur, tragen hierzu bei._ Für prügelnde Pädagogen wurde in Berlin vor einigen Jahren der Lehrerschaft� unserer Gemeindeschulen von der Schuldeputation ein Merkblatt über die Gefahren der Prügel st rase gewidmet. Die Schnldeputation wollte besonders die Anfänger im Lehrberuf warnend darauf hin- weisen, daß ein Prügler nur zu leicht ein Kind an seiner Gesundheit schädigen und scbwere Schuld auf sich laden kann. Wir wissen nicht, ob jenes Merkblatt heute in den Gcmeindeschulen Berlins noch Geltung hat oder ob es bereits wieder im Staub der Akten untergegangen ist. Wir glauben aber, daß wir der Schule und auch der Familie einen Dienst erweisen, wenn wir es immer wieder in Erinnerung bringen und immer wieder an Einzel fällen zeigen, wie sehr es beachtet zu werden verdient. Aus der 26S. K n a b e n- G e m e i n d e s ch u I e(S o n n e n- bürget Straße) wird uns ein solcher Fall mitgeteilt. Ein sechsjähriger Knabe D., der zu Ostern d. I. schulpflichtig geworden und in die 269. Schule aufgenommen worden war. wurde zunächst der Klasse VIII des Lehrers Franzmeyer überwiesen. In den ersten Tage» bemerkten die Eltern, daß der Knabe in vergnügter Stim mung aus der Schule heimkehrte und sie gewannen den Eindruck, daß er nicht ungern am Unterricht teilnahm. Leider blieb er nur eine Woche in dieser Klasse. Zu Beginn der zweiten Wvi wurde er einer anderen Klasse VIII zugewiesen, deren Leitung einer Lehrerin Schröter übertragen ivar. Diese Klasse war eine„fliegende", die bald in diesem, bald in jenem Zimmer Obdach nehmen mußte und an den einzelnen Wochentagen zu verschiedenen Zeiten, am frühen Morgen oder erst gegen Mittag oder gar erst am Nachmittag und bis in den Abend hinein, ihren Unterricht hatte. Schon dieser Umstand, der für das Kind eine störende Unordnung und Unruhe in das Schulleben wie in das Familienleben hineintrug, schien ungünstig aus die Stimmung und auch auf den Gesundheitszustand einzulvirken. Noch ungünstiger aber war die Wirkung der Unterrichts- und ErzichungS- methode, die die Lehrerin gegenüber diesem eben erst eingeschulten Kinde für zulässig hielt. Nach wenigen Tagen schon kam der Knabe nach Hause mit der Meldung, er sei von Frl. Schröter g e schlagen worden, sie habe ihm einen Stockhieb über den Hintern gegeben, weil er eine Arbeit nicht recht gemacht hätte. An dem nächsten Tage oder einem der nächsten Tage brachte er wieder die Meldung heim, daß die Lehrerin ihn geprügelt und zwar diesmal auf die Hand geschlagen habe, weil er irgend etwas versehen hätte. ES ist nicht möglich, heute noch einwandfrei fest- zustelle», wie weit diese Angaben eines Sechsjährigen, in dessen Vorstellung naturgemäß manches durcheinanderläuft, sich mit dem Sachverhalt decken. Die Eltern versichern uns aber, daß der Kleine ihnen bei der Heimkehr durch fein g e- drückteS und verschüchtertes Wesen auffiel, so daß seine Mitteilungen ihnen durchaus glaubhaft schienen. Frau D. ging am folgenden Tage zur Lehrerin und bat, das Kind nicht zu schlagen. Fräulein Schr. antwortete:„Das können Sie doch nicht S cb l ä g e n e n n e n l" Ihr selber galt das nur als eine freund- licbe Aufmunterung, der kleine D. aber hatte es als Schläge aufgefaßt. Und er blieb bei dieser Auffassung: denn in der nächsten Woche brachte er. verweint aus der Schule heimkehrend, tvicder die Meldung mit, daß er vom Fräulein geschlagen worden sei. Die Mutter fügte sich diesmal in das anscheinend Unabänderliche und unterließ es. erneut bei der Lehrerin gegen ihre AufmunterungS- Methode vorstellig zu werden. Etliche Wochen gingen hin, da wurde Frau D. von Fräulein Schr. selber durch Benachrichtigung ersucht, einmal zu einer Unter- redung nach der Schule zu kommen. Frl. Schr. fragte sie, w a S eigentlich dem Knaben fehle, er könne ja nicht stillstehen. Frau D. wußte keine Auskunft zu geben, aber der Schularzt, der»un auf Veranlassung der Lehrerin um Rat gebeten wurde und das Kind untersuchte, belehrte die Mutter, daß sich da ein Veits- tanz entwickele. Die Eltern ließen das Kind, das inzwischen vom Unterricht auf inehrere Wochen dispensiert worden war. noch durch einen anderen Arzt untersnchen, und auch der erklärte, es bilde sich ein Veitstanz aus. Nunmehr ging Frau D. nochmals zur Lehrerin, um ihr daS Ergebnis mit« zuteilen. Als sie dabei klagte, daß die Lehrerin das Kind geschlagen fabe, wehrte Frl. Schr. sehr energisch ab, sie habe es nicht g e- ch l a g e n. Zu ihrer Verteidigung berief sie sich auf dos Zeugnis der ganzen Klasse— und ihr widersprach keiner dieser Sechs- jährigen, deren Urteil dem Frl. Schr. anscheinend als zuverlässig gilt. Erst als Frau D. veranlaßte, daß speziell ein ihr bekannter Knabe befragt wurde, ob ihr Sohn geschlagen worden sein, kam die Antwort„Ja". Frl. Schr. erklärte jetzt, daS werde wohl nicht schlimm sei», was sie den Kindern tue, und dabei blieb sie. Nicht durch Frl. Schr. selber kann entschieden werden, ob das »schlimm" ist, was sie den Kindern tut. Dringend ist zu wünschen, daß die Schuldeputation dieser Angelegenheit näher tritt und sie untersucht. Sie hat das allerdings nicht nötig, wenn nicht die Eltern ihr eine Beschwerde einreichen. Frl. Schr. soll noch eine sehr junge Dame sein, vermutlich ist sie noch gar nicht fest angestellt. Sic ist wohl der Meinung, daß man unter „Schlägen" nur schivere Abstrafungen zu verstehen hat. Die schwere Abstrafuug eines sechsjährigen Kindes, das eben erst in die Schule eingetreten ist, würde— nehmen wir an— auch ihr als eine Brutalität erscheine», die lediglich Schaden stiften kann. Sie selber läßt sich daran genügen, nur„aufzumuntern", und das findet sie nicht„schlimm". Doch auch Aufmunterungen von der Art, wie Frl. Schr. sie für nötig hält, sollten selbst der Schnldeputation, die keineswegs grundsätzliw sich gegen Prügelstrafe ausgesprochen hat, als unzulässig gelten. Gegenüber den eben eingetretenen S ch u l r e k r u t e n, die selbstverständlich noch nichts können, noch nicht recht aufmerken und sich noch nicht nach Wunsch in die Schul- ordnung einfügen, sind Aufmunterungen mit dem Stock unter allen Umständen ein so schlimmer Mißgriff, daß auch die."-it- herzigste Schulverwaltung hiergegen einschreiten sollte. Im vorliegenden Fall handelt es sich um ein Kind, bei dem nach der Ansicht zweier Aerzte ein Veitstanz sich ausbildet. Gerade solche Kinder können in ihrem ganzen Verhalten den Anforderungen der Schule schwer g-iügen— und gerade sie sind besonders empfindlich gegen verängstigende Aus- munterungen. Es ist nur zu wahrscheinlich, daß dem bedauerns- werte» Jungen die paar Wochen des Schulbesuchs verhängnisvoll geworden sind und die EntWickelung seines Leidens beschleunigt haben. Frl. Schr. wußte nicht, was für ein Kind da vor ihr saß. Möge sie es mit sich selber abmachen. ob sie deshalb sich frei von jeder Verantwortung fühlen will. Wir haben es für unsere Pflicht gehalten, diese Angelegenheit öffentlich zu besprechen. Es ist nötig, daß derartige Vorkommnisse weitesten Kreisen der Eltern und auch der Lehrerschaft bekannt werden. Allen, die es angeht, rufen wir aus dem erwähnten Merkblatt für Prügler die folgenden Sätze als Warnung für Schule und Familie ins Gedächtnis: „Die Zahl der schwächlichen, blutarmen und nervösen Kinder ist in Gemeindeschulen verhältnismäßig hoch. Eine an sich sehr mäßige Züchtigung, die einem kräftigen Knaben keinen Schaden zufügt, wird bei einem geschwächten oder nervösen Knaben schwere körper- liche oder seelische Störungen veranlassen können.... Vielleicht noch wichtiger sind die Störungen seelischer Natur, welche man an Kindern beobachtet hat. die von ihren Lehrern sehr streng behandelt, auch bei geringen Verfehlungen oder gar bei Minderleistungen, die durch mangelnde Begabung veranlaßt sind, streng getadelt und körper- lich gestraft wurden. Bei Kindern, die ein schwaches Nervensystem haben, die ausgeregt, reizbar oder sehr empfindsam sind, ver- anlaßt eine solche Behandlung Erscheinungen schwerer Neurasthenie oder psychischer Depression, mehr oder weniger ausgesprochener Melancholie. Es kommen alle Grade und Formen der Nerven- schwäche zur Beobachtung: Kopfschmerz, Schlaflosigkeit, Zittern, übertriebene Aengstlichkeit' bisweilen sogar Selbstmord." Christlichsozial und braune Lappen. Der„Berliner Lokal-Anzeiger" bringt in seinem Heiratsmarkt folgende Annonce, die wieder einmal zeigt, daß man stramm „christlich" sein und doch dem Mammon huldigen kann: Der Mai ist gekommen, der Weltuntergang nicht; d'rum wünsch' ich mir ein Weibchen: jung, herzig, treu und schick. Hab' öv OOO Märker und 6000 Salär; hat's Bräutchen auch braune Lappen, wird's Heiraten nicht schwer. Oberbeamter, christlich- sozial, gediegen. Verschwiegener Briefwechsel Postlagerkarte 1, Südende. Wenn man„christlich-sozial" ist und neben einem Einkommen von 6000 M. noch KOOOO M. besitzt, mutet eS uns„Unchristen" sehr christlich an, daß die glückliche Braut durchaus eine diverse Anzabl „brauner Lappen", wie sich der„christlich-soziale" Freier so geschmack- voll auszudrücken beliebt, mitbringen soll. Der bummelige Unfallstationsarzt. Der Magistrat läßt mitteilen: „Durch die Presse ging kürzlich die Nachricht, daß ein Verunglückter in einer Unfallstation eine Stunde auf ärztlichen Beistand hat warten müssen. Die mitgeteilte Unpünktlickkeit deS Arztes ist in geeigneter Weise gerügt worden, wie überhaupt dauernd örtliche und telephonische Revisionen der Hilfswachen stattfinden, bei denen jede etwa zutage tretende UnPünktlichkeit ihre Rüge findet." Wir haben am 4. Mai über ein Vorkommnis auf der Unfall- statton in der Eichendorffstraße berichtet, wonach dort ein Verletzter keinen Arzt vorfand und eine volle Stunde auf die Ankunft eines solchen Watten mußte. Warum sagt der Magistrat nicht, welchen Vorfall er im Auge hat? Wir wollen hoffen, daß mehr wie bisher auf Ordnung und Pünktlichkeit auf den Unfallstationen geachtet wird. Blumenpflege für Kinder. Um weitere Kreise der Bevölkerung für die Blumenpflege der Kmder zu gewinnen, beabsichtigt der Ver- ein zur Förderung der Blunidnpflege in der Schule im August eine allgemeine Ausstellung der von den Kindern gezogenen Blumen zu veranstalten. Für die geplante Ausstellung belvilligte der Magistrat die Gewächshäuser deS Humboldthains und eine Beihilfe von fünf- hundert Mark. Ein schwerer Betriebsunfall ereignete sich am Donnerstag in W e i ß c n s e e. Gegenwärtig wird eine Verbindungsstraße zwischen den Ringbahnhöfen Weißensee und Prenzlauer Allee reguliert, zu welchem Zweck dort eine Betonmischmaschine aufgestellt ist, die von einer Lokomobile angetrieben wird. Vorgestern wurde die Maschine von dem 31jährigen Arbeiter Juß bedient, der auf einer 2 Meter hohen Plattform stand. Beim Niederdrücken eines Hebels trat I. fehl und stürzte so unglücklich ab, daß er mit dem rechten Bein in das Räderwerk geriet. Bevor die Maschine angehalten werden konnte, war dem Bedauernswerten der Unterschenkel vollständig zer- nialmt und aus dem Kniegelenk gerissen worden. In besinnungs- losem Zustande wurde der Verunglückte nach dem Krankenhaus Friedrichshain gebracht. Sein Zustand ist sehr bedenklich. Ein Zusauimenstof? zwischen einem mit 12 Personen besetzten Kremser und einem Straßenbahnzuge, der leicht verhängnisvolle Folgen hätte nach sich ziehen können, trug sich gestern abend in Hohenschönhausen zu. Eine Berliner Gesellschaft von fünf Herren und sieben Damen hatte einen Ausflug nach Hohenschönhausen unternommen und verließ gegen 11 Uhr abends auf einem Kremser ein Restaurationslokal in der Nähe des Markus-Kirchhofes. Als das Gefährt auf die Straßenbahnschienen fuhr, nahte sich mit großer Geschwindigkeit ein Stratzenbahnzug und es erfolgte ein Zusammenstoß. Der Anprall war so stark, daß der Kremser um- gestürzt und vollständig umgestülpt wurde. Sämtliche 12 Insassen wurden teils in hohem Bogen auf die Straße geschleudert, teil» kamen sie unter den Wagen zu liegen. Wunderbarerweise sind schwere Verletzungen nicht zu beklagen. Drei Herren hatten blutende Kopstvunden, die übrigen Personen erhebliche Haut- abschürfungen im Gesicht, an den Händen und Füßen erlitten. Nederfahrcn. Gestern nachmittag gegen est/g Uhr wurde in der Swinemünder Straße daS dreijährige Töchterchen des Arbeiters Utzakewicz von einem schwer beladenen Steinwagen überfahren und in schwer verletztem Zustande»ach dem Lazarus-Krankcnhause ge« bracht, von wo eS nach Anlegung eines Notverbandes nach dem Moabiter Krankenhause übergeführt wurde. Bon einem Postautomobil überfahren und getötet wurde gestern morgen um 7'/, Uhr der 34 Jahre alte Schlosser Gustav Liese aus der Dieffenbachstr. 84. Der Mann wollte vor dem Hause Wiener Straße 25 einen Straßenbahnwagen während der Fahrt besteigen, glitt jedoch ab und kam so unglücklich zu Fall, daß er unter ein vom Görlitzer Bahnhof kommendes Postautomobil geriet. Mit ge- brochenem Beine und schweren inneren Verletzungen blieb der Ueber- fahrene besinnungslos liegen. Schutzmänner brachten ihn nach der Rettungswache am Görlitzer Bahnhof. Dort starb er aber schon während der Aufnahme. Die Leiche wurde beschlagnahmt und nach dem Schauhause gebracht. Arbeitslosigkeit hat den 3t Jahre alten Bauarbeiter Otto Wetzel aus der Boyeustr. 29 in den Tod getrieben. Wetzel, ein verheirateter Mann und Vater von drei kleinen Kindern, hatte schon seit No- bember vorigen Jahres in seinem Berufe keine Beschäftigung mehr. Zu Anfang des JahreS und im April half er bei Umzügen. Seine Hoffnung, jetzt wieder Arbeit zu finden, ging nicht in Erfüllung. Täglich fragte er hier und da nach, aber alle seine Mühen blieben erfolglos. Schon hatte er mehrere Wirtschaftssachen verkaufen müssen, um das Leben zu fristen. Die Miete für den letzten Monat konnte er nicht mehr bezahlen. In der Verzweiflung griff Wetzel vorgestern zum Strick. Nachdem er wieder vergeblich Arbeit gesucht hatte, ver- anlahte er abends seine Frau, mit den Kindern spazieren zu gehen und erhängte sich dann am Bettpfosten. Bei der Rückkehr der Familie war er tot. Ein aufregender Borfall spielte sich am Donnerstagabend in der zehnten Stunde in der Pankstratze ab. Dort war eine Frau vor dem Hause Nr. 13 in die jetzt ziemlich viel Wasser führende Panke gesprungen, angeblich um sich das Leben zu nehmen. Straßen- Passanten sprangen ihr nach, stießen dabei aber auf Widerstand, wes- halb die Feuerwehr alarmiert wurde. Diese brachte dann die völlig erschöpfte Frau nach der Unfallstation in der Lindower Straße, wo sie gelabt und beruhigt wurde. Ihren Verletzungen erlegen ist die Frau des Arbeiters Witt aus der Sparrstraße. Sre verunglückte am Dienstag in der Kolonie auf Charlottenburger Gelände am Bahnhof Jungfcrnheide beim Auf- gießen von Petroleum. Dabei hatten die Haare und vor allem die Celluloidkämme Feuer gefangen, wodurch die Aermste tödliche Brand- wunden davontrug. Ein alter Schwindel wird von einer jugendlichen Gaunerin in neuer Auflage betrieben. Die Betrügerin sucht in den verschiedensten Stadtteilen Berlins Kohlenhandlungen auf und macht dort größere Bestellungen für angeblich in der Nachbarschaft wohnende Herr- schaften. Plötzlich fällt ihr ein, daß sie noch andere Einkäufe zu be- sorgen hat und zu ihrem Leidwesen benierkt sie, daß sie das Porte- monnaie vergessen. Sie bittet nun die Händler, ihr doch aus der Verlegenheit zu helfen und eine kleine Summe vorzuschießen. In den allermeisten Fällen gelingt eS der dreisten Person auch, die Händler zu düpieren. Natürlich läßt sie sich dann nie wieder sehen. In den Teltowkanal zn Britz sprang gestern vormittag ein un- bekanntes, fein gekleidetes Mädchen? es ertrank jedoch, bevor Hilfe zur Stelle war. Als man die Lebensmüde landete, gab sie noch einige Lebenszeichen von sich. Die angestellten Wiederbelebungs- versuche erwiesen sich als erfolglos. Die Ertrunkene ist ungefäbr 20 bis 24 Jahre alt, 1,75 Meter groß, hat dunkle Augen und trug einen schwarzen Rock, eine blauweiße Bluse mit einem weißen Ein- satz, neue, schwarze Schnürschuhe und goldene Ohrringe. Sie hatte eine Monatskarte für die Ringbahn, die auf de» Namen Else Wolf ausgestellt war. bei sich. Ihr Taschentuch war A. S. gezeichnet. Die Leiche verblieb in Britz. Als Leiche wiedergefunden wurde der 20 Jahre alte Arbeiter Fritz Ullrich aus der Nollendorfftr. 10, der seit den Feiertagen ver- schwunden war. Seine Leiche wurde gestern unterhalb der v. d. Heydtbrücke aus dem Landivehrkanal gezogen. Tanzende Gemälde betitelte sich eine Novität, die Madame E l l i n o r am Donnerstag in einer Generalprobe vor einem ge« ladenen Publikum in den Räumen des Walhalla-Bariets-TheaterS erstmalig vorführte. Auf der Bühne sind drei Gemälde aufgestellt. die„Madame Pompadour'.„Strandidylle' und„Die Sünde' dar- stellen. Nach einer Dunkelprobe erwachen die Gemälde zum Leben und aus dem Rahmen der Gemälde tritt Ellinor, die durch ihre eleganten Bewegungen zeigt, daß sie die Tanzkunst meistert. Das tritt besonders bei der Darstellung„Der Sünde' in Erscheinung, wobei die Tänzerin mit einer lebenden Schlange Tücke und Sinn- lichkeit markiert. Das Bernhard-Rose-Theater hat gestern feine Sommersaison im Garten eröffnet._ Vorort- Nacbncbtcm Mnricndorf. Ein würdige? Dokument der christlichen Pietät und Nächstenlieve gab die hiesige Kirchengemeinde anläßlich des Begräbnisses des 14jährigen Sohnes eine« Arbeiters. Da Mariendorf keinen Ge- memdefriedhof besitzt, müssen alle Verstorbenen auf dem Friedhof der Kirchengemeinde beerdigt werden. Bei allen Trauerfeierlichkeiten auf dem Kirchhof hat der Kirchenrat zu bestimmen, ob die Feierlich- keit abgehalten werden darf oder nicht. Der Vater des Verstorbenen wandte sich aus diesem Grunde an den Herrn Pfarrer Rieger mit dem Ersuchen, daß der Arbeitergesangverein am Grabe seines SohneS zwei Lieder singen dürfe. Aus Grund seiner Anschauung verzichtete er natürlich auf die Teilnahme des Geistlichen an dem Be- gräbniS. Der Herr Pfarrer beanstandete erst einmal ein Lied, welches unter keinen Umständen gesungen werden dürfe und entlieh dann den Betreffenden mrt dem Bemerken, daß er dem Kirchenrat unterstehe und dieser erst die Sache prüfen müsse, ehe Bescheid gegeben werden könne. Bis zum Begräbnistag unterblieb der Bescheid. Erst als die Ellern mit den Leidtragenden am Eingang des Kirchhofes zum Begräbnis erschienen, wurde dem Vater folgender Brief übergeben: „Sehr geehrter Herr Leib I Erst jetzt kann ich Ihnen Antwort eben, da es heute rncht gelang, den Kirchenrat zu einer Sitzung zu- ammen zu bringen. Leider kann da« Singen nicht gestattet werden. Nach unseren Beslimniungen gelten alle Begräbnisse, bei denen kein Geistlicher mitgeht, als sogenannte„stille Leichen". Diese müssen auch still vollzogen werden, d. h. eS darf nicht geläutet, am Grabe nichts gesprochen, das Harmonium nicht gespielt und auch nicht ge- sungen werden. Der Gemeindekirchenrat ist an die Friedhofs- und Begräbnisbestimmungen gebunden und kann keine Ausnahme machen. Er muh nach den geltenden Bestimmungen zu einem ablehnenden Bescheid kommen. Politische Erwägungen, das sei ausdrücklich betont, haben nicht mitgesprochen. Der Gemeindekirchenrat. gez. Rieger.' Der Brief zeigt so recht, wie wenig die Kirche auf Anders- denkende Rücksicht nimmt. Weil die Eltern des Verstorbenen auf kirchlichen Beistand ver- zichtcten, sollte der Sohn unter die Erde gebracht lverden, wie man sonst Namenlose beerdigt. Auch das Reden am Grabe war unter- sagt. Als ein Angestellter der Firma, bei welcher der Verstorbene lernte, bei der Kranzniederlegung einige Worte sprach, fuhr der Totengräber barsch dazwischen. Bereits am Eingang des Kirchhofes verlangte derselbe Mann die Entfernung einer roten Schleife vom Kranze. Er stellte das Ansinnen, die Schleife auf die Straße zu werfen. Diese Maßnahme rief bei den Teilnehmern natürlich große Empörung hervor. Schuld daran, daß sich Andersdenkende so behandeln lasten müssen, trägt die Gemeinde, die bisher versäumt hat, einen eigenen Friedhof zu schaffen. Die christliche Toleranz muß natürlich zur Folge haben, daß immer weitere Kreise der Kirche den Rücken kehren. Eharlottenbnrg. Neuer Spielplatz für Charlottenburg-Westend. Das Bedürfnis nach einem großen Spielplatz in Charlottenburg, auf dem Schulen und Vereine in größerer Anzahl gleichzeitig spielen können, und der auch genügend Platz zur Veranstaltung des alljährlich stattfindenden Spielfestes bietet, ist feit langen Jahren sehr dringend. Die ver« Handlungen mit dem Forstfiskus über die Schaffung eines Spiel- geländes im Grunewald haben bisher zu keinem Ergebnis ge- führt. Der Magistrat schlägt deshalb der Stadtverordneten- Versammlung die Herrichtung eines rund 20 Morgen großen Teils des Grundstücks auf Westend neben den Berliner Wasserwerken und den Kirchhöfen der Luisen- und der Kaiser-Wilhelm-Gedächtnisgemeinde zu einem großen Spielplatze vor. Das in unmittelbarer Nähe der Stadt gelegene, mit guten Verkehrsverbinduugen versehene und für diesen Zweck ausreichende Grundstück erstreckt sich in einer Länge von 870 Meter und in einer Breite von 115 Meter von der Spandauer Chaustee nach Norden bis fast zur Berlin-Hamburger Eisenbahn. Für den Spielplatz wird der hintere Teil des Grundstücks in einer Längenausdehnung von 450 Meter zur Verfügung gestellt. Die Herstellungskosten für Planierung des größeren Teils und Aufschüttung einer Kiesschicht, werden sich auf 65 000 M. belaufen. Schöneberg. „Große Berliner". Der Schöneberger Magistrat beschloß, gegen die Straßen- bahngesellschaft wegen Durchbrechung des Zehnpfennigtarifs auf vier Schöneberger Gebiet durchquerenden Linien Klage zu erheben. Eine weitere Klage betrifft die Weigerung der Großen Berliner zum Ausbau der verlängerten Martin- Luther-Straße bis zur Hauptstraße, wozu sie kontraktlich ver- pflichtet ist. Endlich soll auch der Einspruch der Straßenbahn gegen die geplanten Oberleitungsomnibusse im Klagewege angefochten werden._ Bei einem bedauerlichen Unfall hat gestern abend der Mechaniker Wilhelm Graf, Feurigstr. 61, den Tod gefunden. G. hatte mit einigen Freunden eine kleine Radtour unternommen. Er war noch nicht ganz sicher auf dem Rade und als er auf der Heimfahrt die Martin-Luther-Straße passierte, geriet er so unglücklich mit der Maschine an ein entgegenkommendes Lastenautomobil heran, daß er unter die Räder stürzte und auf der Stelle totgefahren wurde. Nieder-Schönetveide. Das Opfer eines schrecklichen Unglücksfalles wurde der Fabril- arbeiter Hermann Bahr, der in den Schöneweider Messingwerken tätig war. Als Bahr vorgestern an der Blechschneidemaschine zu tun halte, kam er der Schneide zu nahe und im nächsten Augenblick drang ihm scharfes Slück Blech tief in den HalS hinein. Blutüberströmt brach der Verunglückte zusammen. Er wurde nach An« legung von Notverbänden nach dem Krankenhaus gebracht. Weistenfee. Nach dem Bericht deS GcmcindearztcS für daS Jahr 1909/1910 hat derselbe im Laufe des Jahres 589 Besuche gemocht; konsultiert wurde der Arzt 837 mal. In der Säuglingsklinik. die das vierte Jahr besteht, wurden 110 Kranke behandelt. Hiervon wurden als geheilt 70, als nicht geheilt 7 und als gebessert 8 entlassen; gestorben sind 10. Verpflegnngstage waren 4502. In der Säuglingsfürsorge- stelle fanden 446 Neuaufnahme» statt. Wohuungsbesuche der Schlvesteru wurden 1725 gemacht. Die Sprechstundenfrequenz betrug 3190. Vollmilchportioncn kamen 995 zur Ausgabe, trinkfertige Rationen 456. In der Tuberkulosefürsorgeftelle wurden 46 Familien, 104 Männer, 179 Frauen und 197 Kinder untersucht. 88 Patienten wurden durch Aerzie gemeldet, 10 durch die Armenverwaltung und Landes« Versicherung. 2 durch Krankenkassen, 3 durch Privatpersonen, 2 durch andere Fürsorgestellen, 379 haben sich selbst gemeldet. WohnungS- besuche wurden 1413 gemacht. Durch die Fürsorgestelle sind ge- währt worden: Krankenkost 1 mal, Stärkungsmittel 13 mal, Geld- und Mietszuschüsse 57 mal, Betten- und Bettstellen 17 mal. Aufgenommen wurden in Heilstätten 26 Männer, 17 Frauen, 17 Kinder; in Erbollingsstätten 2 Männer, 15 Frauen, 20 Kinder; in Krankenhäusern 1 Mann, 8 Frauen, 5 Kinder; in Pflegeheimen und Landaufenthalt 5 Männer, 13 Frauen. Im Siechenhause wurden 1909/10 neu aufgenommen 30 Personen, hiervon starben 10 Per- sonen. Der hohe Prozentsatz der Todesfälle erklärt sich dadurch, daß sehr viele Tuberkulose im letzten Krankheitsstadium eintraten. Der Gemeindearzt hielt zweimal im Jahre vor den zur Entlassung kommenden Fortbildungsschülern Vortrag über sexuelle Borgänge. Auch übernahm er einen Samariterkursus bei der freiwilligen Feuer- wehr und bei der Genossenschaft freiwilliger Krankenpfleger im Kriege. Des weiteren übte er die Kontrolle aus beim orthopädischen Turn- Unterricht von 25 Mädchen und unterzog im amtlichen Auftrage die hiesigen Drogengeschäfte einer Revision. Außerdem liegen dem Ge« meindcarzt die Pflichten eines Schularztes ob; über diese Tätigkeit wird in dem Bericht nichts erwähnt. Die Vielseitigkeit des Ge- meindearzteS läßt leider die Vermutung auskommen, daß gründliche Maßnahmen zur Beseitigung des sozialen Elends nicht getroffen werden können. Von dem tiefgreifenden Elend selbst sprechen die angegebenen Zahlen Bände und trotzdem blasen die bürgerlichen Gemeindevertrcter zum Rückzug in der Meinung, daß der sozialen Wohltat schon viel zu viel geopfert werde. Spandau. Stadtverordnetenversammlung. Nicht weniger als 45 Vorlagen der öffentlichen und 5 Vorlagen der geheimen Sitzung lagen den Stadtvätern zur Beratung var. Es wurde natürlich nur ein geringer Bruchteil, nämlich 12 Vorlagen in der öffentlichen Sitzung erledigt, die übrigen aber wegen vorgerückter Zeit vertagt. Vorher erledigte die Versammlung noch verschiedene eingegangene Schreiben.— Für die hiesige Straßenbahn sind bereits zwei Anleihen, eine von 3'/z Millionen und eine von 1 Million aufgenommen. Jetzt soll noch die Aufnahme einer dritten Anleihe von 489 000 Mark erfolgen. Eine Ueberschrciiung von 27 836 M. ist bei der Jubiläumsturnhalle gemacht worden. Diese Summe soll die Versammlung nachbewilligen. Genosse Pieper erllärte, daß er und feine Freunde keinen Pfennig für diese Turnhalle bewilligen werden, die man nur einem kleinen Teile der Bevölkerung zur Verfügung stelle, den größten Teil der Steuerzahler aber, von deren Mitteln die Turnhalle erbaut sei. die Arbeiter nämlich, von der Benutzung der Turnhalle ausschließe. Die Vorlage wurde von der Versammlung nicht genehmigt, sondern dem Magistrat zurückgegeben, weil kein genügender Kostenanschlag vorlag. Unser Bauamt zeichnet sich nämlich dadurch auS, daß bei vielen größeren Bauten keine genügenden Kostenanschläge aufgestellt werden, wodurch die Stadt schon manchen Schaden erlitten hat. So geschah es auch mit dem Hallenschwimmbad, welches mit der Landesturnanstatt gebaut werden soll. Auch hier fehlten wie immer die speziellen Kostenanschläge, trotzdem der Bau«inen Kostenaufwand von zirka 573 000 M. erfordern solle.— Zu wiederholten Malen ist die erst neu angelegte Feueralarmeinrichtung von unbefugten Händen in Bewegung gesetzt und die Wehr umsonst alarmiert worden. Der Magistrat fordert 100 M., welche als Be- lohnung flir die Ermittelung der Täter ausgesetzt werden solle». Die Versammlung genehmigte die Vorlage. Ob's was helfen wird, ist eine andere Frage. Die Polizei muß sozial- deniokratische Versammlungen überwachen, friedliche Demonstrationen verhindern, sie behält dadurch keine Zeit übrig zur Ermittelung der Täter.— Eine Aenderung der Geschäftsordnung hat der Stadt- verordnetenauSfchuß vorgenommen, danach sollen alle kleineren Vor- lagen, Geldbewilligungen bis zu 1000 M. uiw. durch den Ausschuß beraten und der Versammlung nur zur Kenntnisnahme vorgelegt werden. Mit aller Energie protestierte Genosse Pieper gegen diese Entrechtung der Versamnilung. Er befürwortete einen Antrag, die Versammlung erst um 6 Uhr nachmittag», statt wie jetzt um 4 Uhr beginnen zu lassen. Der Antrag wurde von der Mehrheit mit der Motivierung abgelehnt, die Stadtverordneten bekämen zu spät ihr Abendessen. Der Oberbürgermeister K ö l tz e selbst meinte, wenn er erst um 9 Uhr abends sein Leibgericht, Pellkartoffeln und sauren Hering äße, bekäme er großes Albdrücken. Die Persammlung stimmte allen Vorschlägen ihres Ausschusses zu und begab sich dadurch eines großen Teile» ihrer Rechte. Der öffentlichen folgte eine ge- Heime Sitzung._, Jugeudveranstaltungen. Steglitz. Heute Sonnabend, den LI. Mai, abends S Uhr, findet eine Versammlung der Freien Jugendorganisation Steglitz bei Rohmann, Schloßstr. 117, statt. Die erwachsene Arbeiterschaft wird ausgefordert, ihre Söhne und Töchter(bis zum 18. Jahre) in diese Versammlung zu schicken. Sonntag, den 22. Mal, finden aus den Rauenbergen Spiele statt, wozu ebenfalls Arbeiterkinder eingeladen sind. Freie Jugendorganisation Schöneberg. Heute Sonnabend findet bei Großer, Martin-Lulher-Straße Ecke Meininger Straße eine Ver- sammlung mit einem Vortrage des Kollegen Lüpnitz über Freiligrath statt. Die Patteigenossen werden ersucht, ihre Söhne und Töchter aus diese Ver» sammlung ausmerlsam zu machen. Vermischtes. Das Leichenbegängnis Ccluarcks. Unter großem höfischen Gepränge fand gestern nachmittag die Beisetzung des verstorbenen Königs in der St. Georgskapclle in W i n d s o r statt. Am Vormittag wurde der Sarg in feierlichem Aufzuge von Westminster-Hall nach dem Paddington-Bahnhof über- führt. Im Leichengefolge bemerkte man verschiedene Fürstlichleiten, die zu Lebzeiten Eduards mit ihm manchmal auf sehr gespanntem Fuße standen. Der Andrang des Publikums auf den Straßen war. wie die telegraphischen Meldungen besagen, ganz enorm. Durch die Hitze, die schon am Morgen geherrscht hatte und die auch während des ganzen Tages anhielt, sind zahlreiche Fälle von Sonnen st ich zu verzeichnen. Hunderte wurden ohnmächtig, so daß die Ambulanzen ständig in Anspruch genommen wurden. Vor allem hatten die Spalier bildenden Truppen in ihren schweren Paradeunifonnen unter der Einwirkung der Hitze erheblich zu leiden. Schon seit Tagen hatte eine wilde Spekulation auf Plätze, an denen der Leichenzug passieren sollte, eingesetzt. Geradezu phantastische Preise sind für Fenster und Tribünenplätze bezahlt worden. So brachten zwei Fenster, die einen guten Blick auf die Einfahrt des Paddington-BahiihoseS bieten, über 3000 Mark. Ein Zimmer in der ersten Etage mit Balkon im Piccadilly wurde für 6000 Mark vermietet. In derselben Straße wurden für ein mäßig großes Wohnhaus für die Zeit der Ueberiührung des Sarges 140 000 Mark geboten. Der Besitzer, der bessere Preise erzielen wollte, hatte das Angebot abgelehnt. Auch die Preise für Tribünen- Plätze, die auf den Straßen errichtet sind, waren enorme. In den letzten Tagen vor der Beerdigung war der Leichnam des Königs öffentlich ausgestellt worden. Der Andrang zu dieser Schau- stellung soll ein ganz gewaltiger gewesen sein. Hebwinclel cn gros. Vor ewigen Tagen berichteten wir über die Schwindeleien der Schwester C a n d i d e. Leiterin eines TuberkulosesanatoriumS in O r m e s f o u. Die inzwischen vorgenommene Untersuchung hat ergeben, daß der Fehlbetrag der von der Schwester geleiteten Anstalten die runde Summe von8 Millionen Franks ausmacht, dem ein Aktivum von nur 4 Millionen gegenübersteht. Die Schwindeleien der Schwester Eanvide sind den Frommen in Frankreich sehr unangenehm; man hat daher Sammlungen in kirchlichen Kreisen veranstaltet, mit deren Hilfe die Fehlbeträge gedeckt werden sollen. Bei ver- schiedenen Juwelieren hatte die fromme Dame es verstanden, Schmucksachen von hohem Werte zu erhalten, die dann zum großen Teile nach London wanderten, um dort versetzt zu werden. Die Skandalaffäre hat bereit» ein Opfer gefordert. Wie uns ein Telegramm aus Paris meldet, hat der Generalsekretär der von Schwester Candide geleiteten Anstalten, ein Dr. Leon Petit, Selbstmord verübt. Ein späteres Telegramm meldet noch, daß Schwester Candide unter der Beschuldigung, Unterschlagungen begangen zu haben, verhaftet worden ist. Weltkonferenz der Jungfranenvereine. In Berlin findet zurzeit eine Konferenz der christlichen Jungfrauenvereine statt. AuS aller Herren Länder sind die Jungfrauen meist älteren Registers herbeigeeilt, um sich gegen- seitig ihre christlichen Schmerzen zu künden. Im allgemeinen bieten die Verhandlungen der frommen Damen sehr wenig Interesse; nur einen Gedanken, den Konsistorialrat Dr. Konrad aussprach, möchten wir unseren Lesern nicht vorenthalten. Nach ihm sind, wie W. T. B. meldet, die Jungfrauenvereine erleuchtet von Christo, darum sollen sie zum Dank für ihre Rettung Leucht- türme für die Menschheit werden. Wir wußten bisher zwar, daß viele dieser Jungfrauen Winterstrümpfe für die armen Neger. knaben strickten, daß ihr geistiges Licht aber ausreicht, als Leucht- türm zu dienen, ist uns allerdings neu. Höchstens noch al» Talglicht I_ Auiomobilstrafteu in Amerika. Ein gewaltige« Projekt liegt zurzeit dem Repräsentantenhause der Vereinigten Staaten von Nordamerika vor: eS handelt sich um die Anlage zweier Automobilstratzeu, die die ganze Union durch- queren sollen. Nach dem Gesetzentwurf soll eine solche Straße den Atlantischen mit dem Stillen Ozean verbinden; die zweite soll vom Mexikanischen Golf bis an die Grenze von Canada reichen. Bei der ersten Linie würde es sich um eine Strecke von über 4000 Kilometern handeln, während die zweite rund 2500 Kilometer lang sein würde. Kleine Notizen. Dynamitexplosion auf einer Zeche. Wie uns ein Privat- telegramm meldet, explodierte auf Schacht 5 der Zeche Alma- Gelfentirchen ein Dynainitschuppen. Drei Arbeiter wurden schrecklich verletzt; doch ist die Aussicht, sie am Leben zu erhalten, nicht ausgeschlossen. Einbrecher plünderten in der Nacht zum Freitag da« Bahnhofs- §ebäude in Buckow in der Märkischen Schweiz. Sie erbrachen en Kassenraum und erbeuteten in dem von ihnen geöffneten Geld- schrank 1600 M. Unbelästigt fanden die Spitzbuben das Weite. Durch abstürzende Sandmassen wurde in Z erbst der Sohn de« Werkmeisters Krebs verschüttet. Er hatte mit anderen Kindern in einer Sandgrube gespielt; als er hervorgezogen wurde, war er be« reits erstickt. Wegen Choleraverdacht» ist in Kiel ein Heizer des Dampfers „Itzehoe", der von Riga kam. in ein Krankenhaus gebracht worden. Zur Gruirnlatastrophe in Füufkirchen. Von den in der Grube Szassvar verschütteten Bergleuten wurden 12 als Leichen geborgen, die übrigen Arbeiter, über 200. unversehrt ans Tageslicht gefördert. Im Nebel gestrandet. DaS englische Kohlenschiff«Wcar' lief im Kanal infolge dichten NcbelS auf ein Riff. Die Besatzung konnte sich in den Booten retten. Wegen angeblicher UnrcgelmSßigkeiten wurden die Bücher und Korrespondenzen der österreichischen Versicherungsgesellschaft„Herkules in Fiume behördlich beschlagnahmt. Eine gewaltige Feuersbrunst hat in T e r u P o I(Rußland) einen ganzen Stadtteil eingeäschert. 60 Häuser brannten nieder, mehrer« hundert Familien sind dadurch obdachlos. Eingegangene vruckfckriften. „Mörz', Halbmonatsschttst für deutsche Kultur. Herausgeber: L. Thoma und H. Hesse. Zweites Machest. Preis 1,20 St.— IL Langen, München. Verantwortlicher Redakteur Richard Barth, Berlin. Für des Inseratenteil verMv� Th. Glocke. Berlin, DeuS».Verlag: Vorwärts Buchdruterei s. BerlagSanffalt Paul Sing»& So.. Berlin SW,