Ur. 118. nbonnemcntS'Redinsun�n; Sfionncmenl®- PreiZ pränumerando: Liertcljährl. S�o MI., monall. l.IV MI., wöchentlich 28 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer B Pfg. Sonntagsnummer mit illustrierter Sonntags- Beilage»Die Neue Welt" 10 Pfg. Post- »lbonncmeitt: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post-Zeitungs- treislifte. Unter Kreuzband für cutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland 3 Mark pro Monat. PostabonncmentS nehmen an: Belgien, Dänemark, .Holland. Italien, Luxemburg. Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. 37. Jahrg. OWltlnl täglich außer montasi. Vevlinev VolksMatk. Die Tnfertlons'Gcbüftr beträgt für die fcchsgelpaltene»lolonel- zeile oder deren Raum 60 Psg., für politilche und gewerlschaftliche Vereins- und VcrsaniliiIungs>Anzeigcn 30 Big. „Meine Snreigen", das erste lsctt- gedruckte) Wort 20 Psg., jede® weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlas- Itcllcn-Anzcigen das erste Wort 10 Pfg, jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste ANninier müssen bis»Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet, Telegramm-Adreffet „Sozialdemolirat Rerlln'*. Zentralorgan der fozialdemokratt(eben Partei Deutfchlands. Redaktion: 8N1. 68. Lindenstrasee 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Dienstag, den 34. Mai 1910. Expedition: 8Al. 68, Lindenstraasc 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1981. Sozialpolitik mit Bankerott' klaufel. Wenn das Zentrum im Interesse reicher Leute ein Verbrechen an der Arbeiterklasse verüben will, dann sucht es für seine Agitatoren eine Bestimmung zu schaffen, die diese mit einiger Dreistigkeit als Sozialpolitik bezeichnen können. Angeblich wollte das Zentrum mit der Annahme des Wucher tarifs nicht nur den grotzen Grundbesitzern die Taschen füllen sondern auch Mittel für die W i t w e n- und Waisen- Versorgung schaffen. Als sich aber zum grotzen Aerger der Zentrlnnsleute in der Zolltarifkommission eine Mehrheit für den Antrag Trimborn fand, da mutzte das Zentrum bremsen, und derselbe Trimborn, der in der Kommission so warm für die Witwen- und Waisenversorgung eintrat, änderte dann seinen Antrag so ab, datz der Bankerott� des in Aussicht ge stellten Fonds eintreten mutzte. Dasselbe Schauspiel wiederholte sich bei der T a b a k- st euer. Die Tabakarbeiter mutzten, datz die Annahme einer Steuer, die eine Reihe von Millionen in die Reichskasse bringt, zehntausende Tabakarbeiter dem Hungertode übev liefern würde. Steigende Steuererträge bringen ein Sinken des Verbrauchs. Diese einfache Tatsache ist so allgemein bekannt, datz die Regierung sie früher, wie z. B. in dem Monopolantrag 1882 und in dem Fabrikatsteuerantrag ganz offen zugegeben und in Rechnung gestellt hat. In der Anlage 8 zur Begründung der Tabaksteuergesetz-Vorlage vom 21. November 1893 wird der Rückgang des Konsums durch eine Ste�; die 45 Millionen Mark bringen wird, bei Zigarren und Zic�...'teu auf ein Sechstel und bei Rauch- und Schnupf tabak a�»z> Zwölftel geschätzt. Weu solcher Rückgang unausbleiblich ist, beantragten unsere Genossen bei jeder solchen Steuer Entschädigung d e r g e s ch ä�d i g t e n A r b e i t e r. Ist auch die Pflicht des Steuerzahlens im Wesen des Staates begründet, so kann doch nicht verlangt werden, datz Zehntausende aus Patriotismus verhungern oder durch die Not auf die Bahn des Verbrechens oder zur Prostitution getrieben werden. Als bei der Beratung der Finanzreform die Tabaksteuer zur Erörterung kam, blieben unsere Genossen natürlich ihrem Grundsatz treu und stellten einen Antrag, den sie der Monopol- Vorlage von 1882 entnahmen. Kaum war der Antrag verteilt, da kamen ähnlich lautende Anträge vom Zentrum und von fast allen.Abgeordneten anderer Parteien, die Kreise mit großer Talakindustrie vertraten. Der Zentrumsantrag(Antrag Giesberts) wurde angenommen. Er hatte folgenden Wortlaut: „Aus den Einnahmen auf Grund dieses Gesetzes sind den Landesregierungen, je nach dem festgesetzten Bedürfnis, ent« sprechende Beträge zu überweisen, aus welchen denjenigen Haus- gewerbetreibenden und Arbeitern, welche innerhalb des ersten Jahres nach Inkrafttreten dieses Gesetzes vorübergehend oder für längere Zeit arbeitslos werden, ohne anderweit eine entsprechende Beschäftigung zn finden, oder welche wegen notwendig ge- wordenen Berufswechsels geschädigt werden, Unter st ützungen gewährt werden. Die näheren Vorschriften über Umfang und Bedingungen der Zuwendungen erlägt der Bundesrat, jedoch mit der Matz- gäbe, daß die Unterstützung im Falle eingetretener Arbeitslosigkeit nicht weniger a.ls drei Viertel des entgangenen Arbeitsverdienstes betragen darf." Diese Bestimniung hätte ausgereicht, für das erste Jahr die bitterste Not zu beseitigen. Das Zentrum wollte aber in Wirklichkeit gar nicht Hilfe bringen. Sein Ziel war, dem Reiche eine grotze Mehreinnahme zu verschaffen. Die loyale Durchführung der Unterstützungs- bestimniung hätte zur Folge haben können, datz der größte Teil der Mehreinnahmen zur Unterstützung verbraucht worden wäre. Die rund 200 000 Tabakarbeiter würden eine Ein- nähme aus Arbeitslohn von 120 Millionen Mark haben. Geht die Produktion um ein Sechstel zurück, und sollten drei Viertel des entgangenen Lohnes ersetzt werden, dann wäre hierzu jährlich eine Summe von 15 Millionen Mark erforderlich geivesen. Solche Summen wollte das Zentrum den Arbeitern nicht bewilligen, und darum brachten die Sozialpolitiker des Zentrums am 9. Juli den zweiten Antrag Giesberts-Hitze ein, durch welchen sie die Untcrstützungssumme auf vier Millionen Mark und die Zeitdauer der Unterstützung auf zwei Jahre beschränkten. Dieser Antrag wurde dann von dem schwarz-blauen Block angenommen und damit ein Widerspruch in den Artikel gebracht. Nunmehr sollen nach Absätz I höchstens 4 Millionen ver- ausgabt werden, und nach Absatz II sollen mindestens drei Viertel des entgangenen Verdienstes ersetzt werden. Der Widerspruch wäre nicht vorhanden, wenn nur ein Lohnverlust von höchstens SVa Millionen Mark entstanden wäre. Kein Kenner der Verhältnisse und auch die Regierung hat aber daran geglaubt, daß es so billig abgehen werde. Die Regierung ist durch den zweiten Antrag Giesberts in eine schwierige Lage gekonunen. Entweder sie hält den ersten Absatz für bindend und gibt höchstens vier Millionen Mark aus. dann verstößt sie aber gegen den zweiten Absatz, der verlangt, daß sie drei Viertel des Lohn- Verlustes ersetzen soll. Oder die Regierung hält den zweiten Absatz für bindend und dann erfolgt eine Ueberschreitung der Summe. Um mit dem Gelde auszukommen, hat die Regierung schon recht gewagte Auslegungen gleich beim Beginn der Unterstützung angewandt. Sie erklärte, datz Zigaretten- arbeiter keine Tabakarbeiter seien und deshalb keinen Anspruch haben. Arbeiter, die wegen Krankheit entlassen waren und nach ihrer Gesundung keine Arbeit mehr finden konnten, erhielten keine Unterstützung, weil hier ja ein Entlassungs- grund aus§ 123 der Gewerbeordnung vorlag. Arbeiter, die ihrer Dienstpflicht beim Militär genügten und nach ihrer Ent- lassung ihr Gewerbe aufgeben mutzten, waren nach Ansicht der Regierung nicht Tabakarbeiter, sondern früher einmal Zigarrcnarbeitcr gewesen. So wurden die k ü n st l i ch st e n Auslegungen ausgetüftelt, und doch sind in acht Monaten mehr als 4 Millionen Mark zur Unter st ützung verbraucht worden. Der Reichstag hat aber durch den Etat den zweiten Absatz des Artikel IIa abgeändert, indem er statt 4 Millionen 4 730000 M. be- willigt hat. Zu den mehr bewilligten 750 000 M. ist im Etat folgende Erläuterung gegeben: „Zur Gewährung von Beihilfen an Hausgewerbetreibende und Arbeiter des Tabakgewerbes, die wegen Aenderung des Tabak- steuergesetzeS vom IS. Juli 1909 arbeitslos geworden sind. Eine Zahlung aus diesem Titel darf erst erfolgen, nachdem der in Artikel Aa des Gesetzes wegen Aenderung deS Tabaksteuer- gesetzeS vom IS. Juli 1909 vorgesehene Gesamtbetrag von vier Millionen Mark aufgebraucht ist." Der Berichterstatter Abg. Erzberger teilte mit: „ES wurde nun die Befürchtung in der Kouimissio» laut, ob diese Summe nun auch für alle Fälle ausreichen würde. Darauf- hin bat der Herr Reichsschatzsekretär in der Kommission erklärt: Für den Fall, datz dieser Betrag nicht aus- reichen sollte, wollte er die beruhigende Versicherung ab- geben, datz er sich für ermächtigt halten werde, Notständen unter den Tabakarbeitern mit den erforderlichen Mitteln abzuhelfen." Daraufhin hat die Kommissiou einstinimig diesem Antrag zugestimmt. Zu erwähnen ist noch, datz in den Erläuterungen zu den Kommissionsbeschlüssen im ersten Satz die Worte standen:„In Fällen besonderer Hilfsbedürftigkeit". Diese Worte wurden von Molkenbuhr bekämpft, der verlangte, datz die Unterstützung gezahlt werden soll, sobald die Schädigung durch das Tabaksteuergesctz nachgewiesen wird. Darauf beantragte Bebel die Worte„in Fällen be- sonderer Hilfsbcdürstigkeit" durch die Worte„die wegen Aenderung des Tabaksteuergcsctzes vom 15. Juli 1909arbeits- los geworden sind" zu ersetzen. Dieser Antrag wurde a n- genommen. Damit hatte der Reichstag zu erkennen gegeben, datz er die F 0 r t z a Hsi ung der nach Artikel II a gewährten Unterstützung auch dann wolle, wenn die vier Millionen Mark verausgabt sind. Die jetzt veröffentlichten Zahlen werden in vielen Kreisen einige Verblüffung hervorgerufen haben. Am 17. Januar bei Besprechung der Interpellation über die Unterstützung der Tabakarbeiter glaubte der Staatssekretär Mermuth, datz die schlimmste Zeit überwunden sei, weil schon ein Steigen der Einfuhr an Rohtabak Zeugnis für den beginnenden Auf- schwnng ablege. Nun zeigt sich, datz die erforderliche Unter» stützunassumme von 387 000 M. im Dezember 1909 auf 761 000 M. int April d. I. gefttegen ist. Dem Fernstehenden mag es sonderbar erscheinen, und doch findet es eine ganz natürliche Erklärung. Sicher hat jeder Zigarrenarbeiter und jeder Fabrikant gewußt, datz durch das Steucrgesetz tausende Existenzen ver- nichtet werden. Aber jeder Fabrikant hat gehofft und ge- glaubt, nicht er, sondern der andere Iverde zuerst erliegen. So sucht jeder nach Kräften fortzuarbcitcn in der Hoffnung, sich halten zu können. Er arbeitet fort, bis er vom Geschick ereilt und rücksichtslos zu Boden geworfen wird. Der Konsum kann und wird schon im ganzen Reiche steigen, und doch wird es Gegenden geben, wo die Krise sich weiter verschärft. Ließe es sich einrichten, datz der Konsument Zoll und Wertsteuer an einer Stelle und den eigentlichen Wert der Zigarre an einer anderen Stelle zu bezahlen hätte, dann würde der Konsumrückgang sich gleichmäßig auf das ganze Reich verteilen und die Krise würde in verhältnismäßig kurzer Zeit überwunden sein. Jetzt liegt die Sache für die Arbeiter aber schlimmer, denn ihr Lohn wird mit als Ausgleichsfaktor in den Streit gezogen. Das möge folgendes Beispiel zeigen: Ein Tausend Zigarren, für welches der Rohtabak sonst 10 M. und 6,80 M. Zoll kostete, kostet jetzt 10 M. Rohtabak, 6.80 M. Zoll und 4 M. Wertstener. Die Kosten für Tabak sind also von 16,80 M. auf 20,80 M. erhöht. Wenn sonst zu den Unkosten von 10 M. fiir Tabak noch 12 M. Arbeitslohn, 5 M. für Verpackung und 3,40 M. General- Unkosten kommen, dann konnte die Zigarre dort. wo man keine grotze KleinverkaufLspesen hat, für 5 Pf. das Stück verkauft werden. Da der Käufer nur dann zwei Zigarren kauft, wenn er sie für ein Zehnpfennigstück erhält, 0 entsteht der Streit, wer soll die 4 M. erhöhte Kosten tragen'i Findet der Dctailist einen Fabrikanten, der statt 12 M. nur 9 M. Arbeitslohn zahlt und der in der Lage ist, dieselben Zigarren für 38 M. zu liefern, wofür sein bis- heriger Fabrikant 42 M- haben mutz, dann folgt der Klein- Verkäufer dem Drängen seiner Kunden und kaust aber Be- den bei dem neuen Fabrikanten. In der Zolleinnahmc ist nun der Ausgleich geschaffen. Im Zollamt erfährt man nicht, ob der zabak, der bisher in Westfalen für 12 M. Arbeitslohn zu Zigarren verarbeitet ist, nun in Baden für 8 M. Arbeitslohn verarbeitet wird. Aber in Westfalen sind die Arbeiter arbeitslos und der Fabrikant geht auch zugrunde. Erst dann, wenn der Fabrikant, der höheren Lohn zahlte, vor der rauhen Wirklichkeit steht, seine bisherigen Kunden ver- loren zu haben, entschließt er sich, seine Fabrik zu schließen. Dieser Kampf wird eine Reihe von Jahren toben, bis ein Zu- stand der Ruhe eintritt. So ist es in den achtziger Jahren gegangen und ähnlich wird es jetzt gehen. Nun fragt sich, wie soll es mit der Unterstützung werden? Sicher ist, datz das Zentrum die Bankrottklausel in den ur- sprünglich vernünftigen Artikel IIa hineingebracht hat. Erz- b e r g e r begründete diesen Streich am 14. Dezember 1909 mit folgenden Worten:„Wenn wir den Sozialdemokraten das Vergnügen gemacht hätten, an den Beschlüssen zweiter Lesung festzuhalten, so wäre eben keine Mehrheit für das ganze Gesetz zustande gekommen. Meine politischen Freunde ivollten aber das Zustandekommen des Ge- setz es, um die ganze Finanz reform sichern." Die Regierung und Reichstag haben mit den abgegebenen Versprechungen bei der gründung der Nachsordcrung von 750000 Mark Glauben erweckt, datz in der bisherigen Weise fortgczahlt werden soll. Die Regierung hatte zwar den Vorbehalt ge- macht, datz nur in Fällen besonderer Hilfsbedürftigkeit weiter gezahlt werden solle. Diese Klausel hat der Reichstag aber gestrichen und damit zu erkennen gegeben, datz er die Unter- st ützungen in allen Fällen verlangt, wo Arbeitslosigkeit durch die erhöhte Tabaksteuer eintritt. Gewiß ist die Lage für die Regierung schwierig. Aber sie trägt doch sonst den Verhältnissen Rechnung. Nach§ 16 des Zolltarifgesetzes sollte am I.Januar 1910 die Witwen- und Waisenversicherung in Kraft treten. Da aber durch die Beschlüsse der Agrarier und auf Antrag Trimborn die Mittel fehlten, so wurde den Verhältnissen Rechnung ge- tragen und das Gesetz geändert.— Artikel IIa des Tabaksteuergesetzes hat aber für die jetzige Situation zwei sich widersprechende Bestimmungen. Er verpflichtet die Regierung, den infolge des Gesetzes arbeitslos gewordenen Hausgewerbe- treibenden und Arbeitern drei Viertel des entgangenen Lohnes auszuzahlen. Alle vor dem 15. August dieses Jahres arbeitslos werdenden Tabakarbeiter haben einen Rechtsanspruch auf Unterstützung, sobald sie nachweisen können, datz die Arbeitslosigkeit infolge des Tabaksteuer- gesetzeS eingetreten ist. Die Befolgung dieser Bestimmung hat freilich einen Verstoß gegen die Viermillioncnklausel zur Folge. Die Bindung an die Viermillionenklausel hat aber einen Ver- stoß gegen den übrigen Inhalt zur Folge. Da aber der Reichstag zu erkennen gegeben hat, datz er höhere Summen bewilligeil will, und der Staatssekretär sich schon im voraus Jndenmität für Etatsübcrschrcitungen gesichert hat, so mutz darauf gedrimgen werden, datz auch ferner die Unter- st ützung fortgezahlt wird. AshIrechkÄewovitrNlon in ktsunichuielg. In Braunschweig fand am Sonntag eine überaus eindrucksvolle Demonstration der sozialdemokratischen Partei statt, die zugleich eine Wahlrechisdeinonstration und eine Kundgebung gegen die braun- schweigische Justiz darstellte. Auch die bürgerliche Presse ist sich darin einig, datz die Kundgebung vom 22. Mai alle früheren Demonstrationen bei weitem übertroffen hat. Zu der um 12 Uhr mittags einberufenen Versammlung unter freiem Himmel. die auf dem Leonhardsplatze stattfand, hatten sich mehr alü 10 000 Personen eingefunden. Von zwei Rednertribünen aus hielten die beiden Verteidiger in dem letzten Prozetz gegen Wesemeier, die Rechtsanwälte Genossen Dr. R 0 s e n f e l d-Berlin und Dr. Jasper- Braunschweig, zündende Ansprachen, in denen sie die braun- schweigische Klassenpolitik und Klassenjustiz brandmarkten. Nach den von stürmischen Beifallskundgebungen unterbrochenen Reden wurde eine Resolution angenommen, die aufS schärfste gegen die Klassenjustiz protestiert, die sich bei der Verurteilung der Volksfreundredakteure Wesemeier und Renner in so unverhüllter Form geoffenbart hatte. Die Resolution gelobte ferner energische Fortsetzung deS Kampfes um ein freies und gleiches Landtags- Wahlrecht. An die Versammlung schlotz sich eine spontane, aber um so ein- drncksvollere Demonstration der Massen. Trotz des polizeilichen Ver« botes und entgegen den Absichten der Leitung durchzog die Menscheilmenge die Stadt. Als sie die Wohnung des LandgerichtödirektorS Rotz- mann erreichte, der als Vorsitzender der ersten Strafkammer in so eigenartiger Weise den Vorsitz geführt hatte, brachte sie schallende Pfuirufe aus. Auch als die Menge an der Wohnung des Ministers Dr. von Otto vorüberzog, mischten sich in die stürmischen Hochrufe auf das gleiche Laudtagswahlrecht entrüstete Pfuirufe. Schlietzlich bereitete die Masse dem verurteilten Redakteur Wesemeier eine stürmische Ovation. Zu Zwischenfällen kam eS trotzdem nicht, da die Polizei sich darauf beschränkte, einzelne Straßen abzusperren, im übrigen aber die Demonstranten gewähren lietz. Die Machthaber hatten offenbar begriffen, daß fie durch ihre Brüskierunge» des BolkeS die Empörung der Massen derartig an- gestachelt hatten, daß es klug war, die Provokationen nicht auf die Spitze zu treiben._ Die Wahlen in Keigien. Brüssel, 23. Mai.(Privatdepesche des„Vorwärts".) Sonntag wurde die Hälfte der belgischen Kammer erneuert; genauer ausgedrückt waren es 85 von im ganzen 166 De- putierten, die neu zu wählen waren. Die Hoffnungen der Gegner der klerikalen Regierung, es werde diesmal gelingen, die klerikale Majorität von acht Stimmen in eine Minorität zu verwandeln, hat sich aber nicht verwirklicht. Das belgische Wahlsystem nötigt die Opposition, um Stimmenzersplitterung zu vermeiden, zum Abschluß von Wahlkartellen. Dem sozialistisch-libcralen Wahlkartell ist es aber nur in N i V e l l e s gelungen, den Klerikalen ein Mandat abzunehmen. Die klerikale Majorität fällt damit von acht auf sechs Stimmen. Die ausscheidenden Deputierten vertraten die fünf Pro- vinzcn Brabant, Antwerpen, Westflandcrn, N a m u r und Luxemburg. Es waren also die e i g e n t- lichen Bollwerke der klerikalen Macht, die diesmal umstritten waren, denn von den 85 Sitzen hatten die Klerikalen 50, die Liberalen 23 und die Sozia- listen 12 iune. Als Resultat des gestrigen Wahltages er- gibt sich die Wahl von 49 Katholiken. 23 Liberalen und 13 Sozialisten. Unsere Partei hat also ein Man- d a t gewonnen. Dagegen haben sich die liberalen Hoffnungen nicht erfüllt und namentlich in Brüssel ist in der MandatSvertctlung— neun Katholiken, sieben Liberale und fünf Sozialdemokraten— keine Aenderung eingetreten. Die Klerikalen werden eben durch das von ihnen entdeckte Pluralwahlrecht der vier Infamien allzu sehr begünstigt. Zudem hatten die klerikalen Agitatoren den Brüsseler Spießbürgern mit Erfolg eingeredet, daß eine Regierungskrise auf den Erfolg der WcltauSstellimg sehr ungünstig einwirken würde. Dazu kam, daß ein Kandidat, der bei der letzten Wahl selbständig kandidierte und 11 000 Stimmen erhalten hatte, diesmal auf der klerikalen Seite stand. Und dieser kam auch zugute, daß die christlichen Demokraten, die das letzte Mal 8000 Stimmen aufgebracht hatten, dies mal gleichfalls nicht selbständig in den Wahlkanipf eintraten. Den christlichen Demokraten ist es auch zuzuschreiben, daß das Mandat unseres Genossen Debunne in Courtrai arg gefährdet war. Denn während sie das letzte Mal an der Seite der Opposition fochten, waren sie diesmal auS dem Kartell ausgetreten. Um so freudiger ist es zu begrüßen, daß daö Mandat behauptet wurde. Die Teilresultate lassen sich auch heute noch nicht vollständig überblicken. In Brüssel ist Vandervelde wieder-,> Genosse Camille H u i S> in a n s, der Sekretär des Internationalen Bureaus new geivählt. Der Stimmenzuwachs der Opposition ist be friedigcnd, unsere Partei hat in vielen, auch ländlichen Bezirken stark an Anhang gewonnen. In Antwerpen gewannen die Liberalen 13 000, die Sozialdemokraten 2000, die Klerikalen 7000 Stimmen. In R i V e l l e S gewann das Kartell 7000 Stimmen gegen 1000 der Klerikalen. Die Wahlen sind überall außerordentlich ruhig verlaufen, doch war die Wahlbeteiligung eine sehr starke. politifeke Cleberltcbt. Berlin, den 23. Mai 1910. So schnell? Wir berichteten kürzlich, daß die Reichseinnahmen im Monat April beträchtlich hinter dem Voranschlag zurück- geblieben sind. Schon damals tauchten Meldungen auf, die wissen wollten, im Reichsschatzamt werden neue Steuern ausgearbeitet. Jetzt will die„Augsburger Abendzeitung", das Organ der bayerischen Staatsregierung, aus authentischer Berliner Quelle erfahren habe», daß, falls die Ist-Einnahme des Reiches im Monat Mai keine Besserung ergibt, das Reichsschatzamt beim Bundesrat die Erschließung neuer Steuerquellen beantragen will. Die Reichs- Wertzuwachs st euer kann damit natürlich nicht �e- meint sein, denn sie bildet nur eine» Bestandteil der«n vorigen Jahre abgeschlossenen Reichsfinanzreform. Daß die Meldung zunächst denientiert werden wird, ist ja wahrscheinlich. Aber daniit wird niemand getäuscht werden. Es ist dies ja die bekannte deutsche Regierungsmethode, die braven Untertanen auf unangenehme Dinge vorzubereiten. Sicher ist jedenfalls, daß bei der wahnwitzigen Finanzwirt. schaff auf der einen und der elenden Steuerstiimperei auf der anderen Seite es nicht lange dauern wird, bis sich die Not- wendigkeit einer neuen Bedeckung des Defizits herausstellen wird. Fraglich ist bloß das eine, ob die Regie- rung diese Notwendigkeit schon vor den nächsten Reichstags- wahleil zugestehen wird. 1L07 wurde bekanntlich von der da- maligen Regierung das Volk schmählich getäuscht und viel von den herrlichen Kolonien, nichts aber von der halben Milli- arde neuer Steuern gesprochen. Daß die Negierung des Herrn v. B e t h m a n n ehrlicher sein sollte als die des Herrn v. B ü l o w. ist wenig wahrscheinlich. Oder sollte sie ein- gesehen haben, daß ihren Versicherungen auch der dümmste Wähler keinen Glauben mehr beimessen wird? Nationalltberale gegen Stationalliberale. Der Provinzialdorstand des nationalliberalen Vereins der Prck>inz Hannover hielt am Sonntag mit den national- liberalen Abgeordneten der Provinz eine gemeinsame Sitzung ab. die sich mit der Stellungnahme der Partei zu der preußt- schen Wahlrechtsvorlage beschäftigte. Die Versammlung ge- langte zu der einmütigen Auffassung, daß die Vorlage in der vom Herrenhaus beschlossenen Fassung für die National- liberalen unannehmbar sei. Es wurde folgende Neso- lutwn einstimmig angenommen: „Die heutige Versammlung de« nationalliberalen Vereins für den Wahlkreis Linden spricht der nationalliSeralen Fraktion de« preutziiche» Abgeordnetenhauses ihre dankbare Anerkennung aus für das mannhaste Fe st halten an den Magdeburger Beschlüssen und knüpft daran die bestimmte Erwartung, daß die Fraktion niemals einem Wahlrecht zustimmen wird, das nicht die direkte und geheime Wahl gewährleistet, da ein Ab- weichen von diesem Standpunkt für die Partei geradezu der- hSngnisvoll werden würde." Auch die„Jungltberalen Blätter" setzen ihre Polemik gegen die fraktionellen Drehscheibenpolttiker lebhaft fort. In ihrer Antwort auf die Angriffe der„National- liberalen Korrespondenz" wirst daS jungliberale Organ die Frage auf, wo denn im nationalliberalen Parteiprogramm etwas von der Billigung von indirekten Wahlen, von der Anerkennung der halben geheimen Wahl, von der Maxi- m i e r u n g der Steuerleistung usw. stehe. Die programmatische Kundgebung in Magdeburg fordere vielmehr, wie man auf Seite 65 des offiziellen stenographischen Protokolls finde, Neueinteilung der Wahlkreise, vernünftiges Plural>v ahlrecht, geheime und direkte Wahl. Schon daS fei ein Kompromiß gewesen! Die Jungliberalen ständen also ganz und mit beiden Füßen auf dem nationalliberalen Programm. Sie erwiderten deshalb die Frage, ob sie überhaupt noch der nationalliberalen Partei angehörten, mit der Gegenfrage, nach welchem Programm sich die Herren aus Dortmund denn eigentlich richteten I Während sich auch der„Hannoversche Kurier" gegen die Uinfallgclüfte innerhalb der Fraktion wendet und die Unvereinbarkeit der Herrenhausbeschlüsse mit den Magdeburger Parteitagsbeschlüsscn darlegt, gibt die „ N a t i o n a l- Z e i t u n g" ohne redaktionelle Einschränkung eine Zuschrift wieder, in der das Gegenteil nachgewiesen wird! Auch die„Kölnische Zeitung" gibt eine solche Zuschrift wieder, in der die ganze Abstimmnugssrage als etwas dargestellt wird, das mit programmatischen Grundsätzen nichts zu tun habe: die Fraktion werde so und auch so stimmen können; auf keinen Fall aber solle man es wegen der Abstimmung zu einem Konflikt innerhalb der Partei kommen lassen. Die Meinungen sind also noch immer sehr geteilt, doch überwiegt immer mehr der Eindruck, daß die Ilm fall- lüsternen in der F r a k t i o n und in den Redaktionen der größeren Blätter die Mehrheit bilden i Der Umfall der Regierung. Die„Köln. B o l k s z t g." erhebt gegen die Regierung den Vorwurf, daß sie in der WahlrechtSsrage schmählich umgefallen sei. In vier Punkten unterscheide sich die gegenwärtige Fassung der Wahlrechtsvorlage von der Regierungsvorlage: 1. in dem Ersatz der öffentlichen durch die geheime Wahl; 2. in dem Ersatz der direkten durch die indirekte Wahl; 3. in der Neueinführung der größeren DrittelungSbezirke; 4. in der Totalabschwächung der Maximierung. Die geheime Wahl sei der Regierung durch die Parteien auf- gezwungen worden. Nicht nur die Linke und daS Zentrum hätten ja die geheime Wahl gefordert, sondern sogar der Freiherr von Zedlitz. Die drei übrigen Aenderungen aber seien unter Mit- Wirkung, zum Teil sogar aus der Initiative der Re- gierung heraus vorgenommen worden I Hier, vor allem bei der Einführung der großen DrittelungSbezirke und der fast voll- ständigen Beseitigung der Maximierung sei die Regierung wirk- l i ch umgefallen. Es sei deshalb geradezu grotesk, wenn jetzt von gewissen Parteien an die Regierung da» Ansinnen gestellt werde, im Interesse der Aufrechterhaltung ihrer Autorität an den Beschlüssen de» Herrenhauses festzuhalten. DaS Kölnische ZentrumSblatt schließt mit den Worten: „Da ist es an der Zeit, daß wir unserseits den bedauer- lichen und viel bedeutungsvolleren llmfall der Regierung in der P l u t o k r a t i s i e r u n g des Wahlrechts mit aller Schärfe kennzeichnen. Als einen der wichtigsten Zwecke der Reform bezeichnete dt« Begründung der Borlage die Ab- mü l dieru n g der p l u t o k ra t i f ch« n Wirkungen des geltenden Wahlrechts, diesem Zwecke sollten dienen die Maximierung und die Drittelung nach U r w a h l bezirken, deren wohltätige Wirkung in der Begründung ausdrücklich an- erkannt wird. Was aber geschieht? Die nahezu einer Be- seitigung gleichkommende Abschwächung der Maximierung und die Beseitigung der Ur w ahlbez ir k» d r i t t e- lung werden nicht«ine Abmildevung, sondern ein« Verstärkung d«S ftlutokratis&en Eharakt-er» des Wahlrechts bewirken. Und da verlangt man von uns. daß wir einer solchen in ihr Gegenteil verkehrten„Reform" zustimmen sollen. Wir halten an den Grundlagen der Regierungsvorlage fest und sehen uns in die Lage versetzt, sie gegen die Regierung selbst zu ver« teidiaen. Wenn die Gefahr besteht, daß die Regierung durch ihre Haltung bei der Wahlrechtsreform an ihrer Autorität Einbuße erleidet, so kann sie ihr nur dadurch begegnen, daß sie sich auf die Grundlagen ihrer eigenen Vorlage zuriickbesrnnt, anstatt diese im Dienste der Mandatspolitik bestimmter Par teien preiszugeben." Wir werben ja sehen, ob sich das Zentrum nicht dennoch zu weiterem Kuhhandel erbötig zeigt. Friedeusschalmeieu. Bei der BeerdigungSfeier für Eduard VII. hat Wilhelm II. dem französischen Minister des Auswärtigen Pichon versichert, daß seine Politik auf eine Erhaltung des Friedens hinauslaufe, da das Interesse der europäischen Nationen ein friedliches Zusammenarbeiten erfordere. Der französische Minister deS Auswärtigen hat sich natürlich beeilt, diese Beteuerungen der Friedensliebe zu er- widern.— Man braucht nun leineswegS an der Ehrlichkeit solcher Versicherungen zu zweifeln, um ihren Wert doch nur recht gering einzuschätzen. Denn alle Friedensliebe nützt nichts, solange die Nationen Europas fortfahren, sich im militärischen Rüsten zu Wasser und zu Lande gegenseilig zu überbieten, solange die Weltpolitik dieser Nationen darauf hinausläuft, sich Kolonien und wirtschast liche Absatzmärkte gegenseitig abzujagen. Erst wenn die Völker so vernünftig geworden sind, auf daS Gich-auS-stechen durch den Militarismus und die Kolonialpolitit zu verzichten, wird die Kriegsgefahr wirklich beseitigt sein. Die einzig wirklich erfolgreiche Betätigung der Friedensliebe liegt deshalb in der Aufklärung der Masse deS Volke« über die internationale Solidarität de« Proletariat« aller Nationen und in dem Kampfe gegenMilitariSmu«, MariniSmuS und Kolonialpolitikl DaS haben leider auch die FriedenSvereinler noch nicht begriffen, die am 21. und 22. d. M. in Wiesbaden den dritten deutschen Friedenskongreß abgehalten haben. So subjektiv ehrlich die Friedens- Propaganda der bürgerlichen Friedensfreunde auch sein mag, so sehr verkennen diese Herren denn doch, daß die schönsten Friedenspredigten nichts nützen, wenn nicht der Kampf gegen die Ursachen des Chauvinismus und der Kriegsgefahr in jedem konkreten Falle mit aller Rücksichtslosigkeit aufgenommen wird l Eine Illusion der Friedensfreunde ist es auch, wenn ihr Organ etwas davon erwartet, daß möglicherweise der im Laufe dieses Jahres stattfindende erste englische Katholikentag für die Sache de« internationalen Friedens eintreten werde. Selbst wenn, wie der „Völker-Frieden" hofft, auch die Katholikentage der anderen Länder, insbesondere auch Deutschlands, platonische Liebeserklärungen für den Völlerstieden abgeben würden, so wäre es für den Gang der Er- eignisse völlig belanglos. Denn solange daS Zentrum nicht gegen die Rüstungen und die kolonialen Forderungen stimmen würde, so lange würden gelegentliche Resolutionen der Katholikentage völlig unbeachtet bleiben. Die Rivalität der Nationen unter einander beruht eben auch auf unserer lapitalijtischen Gesellschaftsordnung, die den Kampf aller gegen alle auch auf da« Lvllerlkben überträgt. 1 Marmeriistungen. Das jüngst verkündete Gebot allgemeiner Sparsamkeit in allen Ressorts des Reiches scheint auf das Ressort nicht zuzutreffen, dem der Admiral v. Tirpitz vorsteht: aus die Marine. Wie nämlich das„Berliner Tageblatt" erfährt, bat die Marineverwaltung jetzt in schneller Reihenfolge die Ablieferung mehrerer Kriegsschiff- Neubauten von den Werften bestimmt. Dem zuletzt vor einigen Wochen von dem Stettiner Vulkan übernommenen Dreadnought- Panzer„Rheinland" haben jetzt zu folgen: das von der Germania- werft in Gaarden gebaute weitere Dreadnoughtschlachtschiff „Posen", das bereits einige Werftprobefahrten in See von Kiel aus abhielt; dann der erste Jnvinciblekreuzer der Flotte„Von der Tann", den die Hamburger Werft von Blohm u. Voß fertiggestellt hat und der in der neuen Woche mit seinen Werftprobefahrten beginnen soll, um dann nach Kiel übergeführt zu werden- ferner der Turbinenkrcuzer„Kolberg", der von Tanzig ans in See war und der dieser Tage bereits seine Abnahmeprobefahrt mit gutem Efolge erledigt hat. Im weiteren Verlauf de« Sommer« sollen dann noch die beiden weiteren Turbinenkreuzer„Köln" und„Augs- bürg" folgen, die von der Kieler Siaatswerft und der Germania- werft in Emden bereits nahezu im Bau vollendet sind. Nachdem somit in den FrühjahrSmonaten diese« Jähres die vier neuen Schiffe„Nassau",„Westfalen",„Blücher" und„Mainz" ihre Probesahrten abhielten und jetzt dem Frontdienst überwiesen worden sind ffilr„Mainz" wird dies vom ll. Juni ab der Fall sein, indem dai Schiff an Stelle des K-reuzers„Tanzig" in den Verband der Hochseeslotte zu treten hat) nehmen jetzt zunächst vier weitere Flottenneubauten Sie Probesahren aus, denen dann in der zweiten Sommerhälfte noch zwei weitere folgen werden. Das Hauptinteresse werden die Probefahrten des JnvinciblekreUzers „Von der Tann beanspruchen, mit dem der Ausbau der Panzer- kreuzerflotte in ein neues Stadium tritt, wie es mit dem der Schlachtschifflotte im vergangenen Herbst der Fall war, als zum erstenmal die beiden Treadnougthschiffe„Westfalen" und„Nassau" zur Indienststellung gelangten. Sozialdemokratie und Krankenkassen. In Köln redete auf einer Tagung der rheinisch-westsäNschen Gemeinden Pros. Stier-Som lo von der Univerfttät Bonn über die Reichsversicherungsordnung. Er erwähnt« dabei die von der Siegicrung beabsichtigie Hatbiernng der Beiträge, durch die der sozialdemokratischen Vorherrschaft in den Krankenkassen ein Ende gemacht werden soll. Er erklärte, er stehe der Sozialdemokratie fern, müßte aber aus Grund seiner weitreichenden Ersahrungen sagen, daß die von den sozialdemokratischen Arbeitern geleiteten Krankenkassen die besten seien, was um so mehr bedeute, als die Arbeiter doch selbst die in- folge der hohen Leistungen höheren Beiträge auszubringen hätten. Folgen des Schnapsboykotts. DaS Berliner„Kleine Journal" Gelbe Verleumder. In den Schuckertwerken zu Nürnberg vegetiert auch, von der Allgemeinheit ignoriert, wenn nicht verachtet, eine kleine, � im Ver- schwinden begriffene Unternehmerschutztruppe, der.gelbe" Unter- stübungsverein. Wie es bei diesen gelben Brüdern überall üblich ist, besteht auch hier die Hauptaufgabe dieser Leute nebv><.dem Arbeiterverrat in der Verleumdung der fteiorganisierten Arbeiter. Da man die gelben Lästermäuler meistens ignoriert, wurden sie allzu übermütig und so mußte einmal einer gefaßt werden. Der Werkzeugabgeber und gelbe Führer Pauli hatte über das Mit. glied des Metallarbeiterverbandes Heinrich Zwosta die erlogene Behauptung verbreitet, Zwosta. der verheiratet ist. habe mit einer sozialdemokratischen Vertrauensperson, einer Arbeiterin im Schuckertwerke, die Ehe gebrochen. Der gelbe Lügner wurde vom Nürnberger Schöffengericht zu zehn Tagen Gefängnis verurteilt. Ein Aussperrung größere» Umfange« vollzieht sich im Tutt« linger Schuhgewerbe. Die Arbeiter in zwei Betrieben forderten— wie wir schon berichteten— ein« Verkürzung der Arbeitszeit um 14 Stunde täglich und Einführung einer llistün» digen Mittagspause. Die Unternehmer verweigerten die Er» füllung dieser Forderungen, weshalb die Arbeiter die Arbeit niederlegten. Sämtliche Unternehmer am Orte kündigten daraus» hin den Arbeitern die Aussperrung an. Alle BermittelungS» versuche, auch die des Bürgermeisters, scheiterten. Die Unter» nehmer verlangen die bedingungslose Zurücknahme der Forde- rungen und Zurückkehr der Arbeiter in die Betriebe. Da selbst einige Fabrikanten die Forderungen der Arbeiter als sehr Wohl erfüllbar erklärten, so blieben die Arbeiter bei ihren Forderungen. Die Aussperrung wurde nunmehr am 21. Mai vollzogen. 10 Firmen mit 240 Beschäftigten sperrten nicht auS. Wenn die Aussperrung der anderen am Orte bestehenden 18 Firmen eine vollständige wird, so werden 2000 Schuharbeiter beschäftigungslos; mit ihren An- gehörigen hätten somit 8000 Personen unter diesem Willkürakt der Unternehmer zu leiden. Da Tuttlingen kaum 18 000 Einwohner hat, so ist die Hälfte der Bevölkerung in Mitleidenschaft gezogen. Die Ausgesperrten aber sind guter Zuversicht und haben die Sympathie der Oeffentlichkeit auf ihrer Seite. Äuzug ist aber strengstens fernzuhalten! Ausland. Der Straßenbahubohkott in Stockholm, der von der Arbeiter. schast beschlossen wurde, weil die Gesellschaft ihr Versprechen, dia infolge des Generalstreiks gemaßregelten Leute wiedereinzustellen, schnöde gebrochen hat, ist mit dem 15. Mai zur Tatsache geworden. Er wird von der Arbeiterschaft mit voller 5h:ast durchgeführt. Die Gesellschaft und ihre Aktionäre werden sich jedenfalls bald darüber klar werden müssen, ob das Geschäft sich noch rentiert, wenn die große Masse der arbeitenden Bevölkerung dei Straßenbahn meidet wie die Pest. Der Direktor Waiden hat zwar erklärt, daß der Boykott in den Pfingsttagen gar nicht gewirkt habe und daß die Tageseinnahme ungefähr ebenso groß gewesen sei wie zu Pfingsten vorigen Jahres, aber dieser Ausspruch war nur darauf berechnet, die Oeffentlichkeit irre zu führen. Bei dem diesmal außergewöhnlich herrlichen Pfingstwetter in Stockholm hätte die Gesellschaft weit höhere Einnahmen als ftüher erzielen müssen. Die Wirkungen de» Boykotts werden sicherlich bei dem nächsten Rechnungsabschluß deutlich genug zutage treten. Wie die Direktion ihre mit der Arbeiterschaft getroffenen Ver» einbarungen nicht hält, so ist sie in anderer Hinsicht auch den Streik. brechern gegenüber wortbrüchig geworden. Dieser Tage kam ein Streikbrecher von der Straßenbahn nach„Socialdemokratens" Re- daktion und brachte ein von Walden persönlich unterzeichnete» Schriftstück, datiert vom 12. Oktober 1009, worin ihm für seine treuen Dienste als Arbeitswilliger eine Medaille versprochen worden war. Dasselbe Schreiben ist damals auch den anderen Streik- brechern zugegangen, aber die Medaille ist ausgeblieben. Die Maurerstreiks in Italien. Rom, den 19. Mai 1910. Nach ungefährs sechswöchentlicher Dauer scheint der Maurerstreik in Mailand jetzt endlich seine Bei» legung zu finden. Der Vorschlag, die strittigen Fragen einem Schiedsgericht zu überweisen, das von Vertretern beider Parteien gewählt wird, ist von den Arbeitern angenommen worden und be» darf nur noch der Zustimmung der Unternehmer.— In Rom ist alles noch auf dem alten Fleck. Die syndikalistische Gegenorgani» sation der Arbeitkammer, die„Lega Generale del Lavoro" hatte gestern eine Sympathiekundgebung für die Maurer organisiert, doch war die Beteiligung nicht so zahlreich, wie man erwarten konnte. weil die Einberufung zu spät erfolgt war und die Arbeiterkammer der Kundgebung nicht beitrat. Anstatt eine Sympathiekundgebung für die Maurer wurde die Demonstration so vielmehr eine Anti» pathiekundgebung gegen die Arbeiterkammer. Mit großer Erbit- terung wurde hervorgehoben, daß die Trambahner am Nachmittage der Versammlung nicht die Arbeit eingestellt hatten. Daß es die Kutscher auch nicht getan hatten, schien niemand zu bemerken. Die .Kutscher gehören nämlich einer syndikalistischen, die Trambahner dagegen einer der Arbeiterkammer angehörenden Organisation an. Von den Trambahncrn genossen nur die klerikalen Sezcssionisteu die Sympathie des Maurcrkomitees: diese hatten nämlich im Be- wußtsein ihrer minimalen Zahl für den Sympathiestreik am De- monstrationsnachmittage gestimmt. Daß die gewerkschaftliche Si» tuation in Rom so verfahren ist, daran ist übrigens auch die Ar- beiterkammer selbst schuld, die es an zielbewußter Agitation hat fehlen lassen.__ Letzte Nacbricbtcn und Dcpcfcbcn. Todessturz aus dem Fenster. München, 23. Mai.(B. H.) Heute nachmittag stürzte nach der Heimkehr in seine Wohnung ein SLjährigrr Bauarbeiter aus einem Fenster des dritten Stockwerkes in den Hofraum hinab, brach die Wirbelsäule und war sofort tot. Radauszenen. Paris, 23. Mai.(W. T. B.) In der Medizinischen Fakultät wurden heute nachmitwg aus Anlaß der Prüfungen während de» Aufrufes der Kandidaten von Studenten und Aerzten lärmend« Kundgebungen veranstaltet, wobei gegen Mitglieder der PrüfungS» kommission sowie gegen einzelne Kandidaten Schmährufe ausge, stoßen und mehrere Prüfer mit Holzftücken, Eiern usw. beworfen wurden. Duellblödsinn. Paris, 23. Mai.(B. H.) Heute fand ein Pistolenduell zwu sehen dem Bruder des Luftschiffers von Lesscpv und dem Grafen vou Poligny statt. Lrsscps wurde hierbei durch eine Kugeh in der Seite schwer verletzt. Sein Zustand ist bedenklich. Zeraulw. Redakt.: Richard Barth. Berlin. Inseratenteil verantw.'. kh. Glocke. Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u. VerlagsanstaU Daul Singer sc Co., Berlin SW, Hierzu L Beilagen u.Unterhaltungsbl. 9t. 118. 27. ZahrMg. 1 Irilggt des Jorairts" ßtrlinet WksdlsT Ziemlag, 21. Mm 1910. Säuglingsfüriorge. Mit yem Zusammendrängen der Proletariermassen in enge, dumpfe. licht- und luftlose Stadtwohnungen, mit der rapiden Zunahme der Erwerbstätigkeit der Frau, speziell der verheirateten, nahm auch die Kindersterblichkeit in beängstigender Weise zu. Wenn auch seit Jahren die öffentliche Aufmerksamkeit auf diese böse soziale Erscheinung hingelenkt worden ist, durch die Sozial- Versicherung, durch gemeindliche Fürsorge und durch private Initiative dem Wüten des Würgengels etwas gesteuert werden konnte, so haben wir doch immer noch eine erschreckend hohe Säuglingssterb- lichkeit. Von 100 Lebendgeborenen starben z. B. in Preußen im ersten Lebensjahre durchschnittlich jährlich in dem Zeitraum von 1901 bis 1908; überhaupt 18,3, bei der ehelichen 17,3 und bei den unehelichen 31,7 Proz. Demnach starben fast 90 Proz. der Lebend- geborenen im Säuglingsaltec. Die Wurzeln des Uebels sind boden- ständig in unserer Gesellschaftsordnung. Gewiß, die Säuglings- fterblichkeit läßt sich nicht ganz inhibieren, aber in einer ver- nünFtigen Gesellschaftsordnung wird sie doch auf ein Minimum des heutigen Umfanges beschränkt werden können. Daß es sich um eine vorwiegend soziale Erscheinung handelt, beweist die schon öfter nachgewiesene Differenzierung der Sterblichkeit nach der wirtschaftlichen Stellung der Eltern. Mit dem Problem der Säuglingssterblichkeit beschäftigte sich der am 20. und 21. Mai in München abgehaltene 2. Kongreß für Säuglingsfürsorge, an dem sich außer sozialen, bürgerlichen Vereinigungen, Regierungen und Behörden beteiligten. Zieht man die Zusammensetzung in Betracht, dann kann anerkannt werden, daß der Kongreß wenigstens in kritischer Beziehung lobenswerte Arbeit geleistet hat. Pro- sessor Dr. Schloßmann-Düsseldorf beschäftigte sich z. B. mit dem Dekorationsstück des Stillgeldes in der Reichsversicherungsl ordnung. Er bemerkte dazu; »Der erste Entwurf der neuen Rcichsversicherungsordnung enthielt als Fortschritt gegenüber dem bestehenden Rechte eine Ausdehnung der Zahl der weiblichen Personen, die der Ver- sicherungspflicht unterliegen, und die Verlängerung der obligatori- schen Wöchnerinnenunterstützung von sechs auf acht Wochen. Der zweite Entwurf der Reichsversicherungsordnung, der jetzt dem Reichstag vorliegt, enthält in Z 213 ein Novum, das als Fortschritt anzuerkennen und zweifellos auf die Tätigkeit der der Säuglings- fürsorge dienenden Organisationen zurückzuführen ist, inämlich den Begriff des StillgeldeS, das in Höhe des halben Kranken- geldes bis zum Ablauf der zwölften Woche nach der Niederkunft durch die Satzung der Kassen zugebilligt werden kann. In der Festlegung, daß diese Leistung fakultativ in das Ermessen der Kassen gestellt ist, liegt aber der wunde Punkt der ganzen gesetz- lichen Regelung. Wir verlangen, daß diese Leistungen ebenso wie die im Z 212 vorgesehenen(Krankengeld bei Arbeitsunfähig. keit für Schwangere infolge der Schwangerschaft, ärztliche Be- Handlung der Schwangerschaftsbeschwerden, erforderliche Heb- ammendienste) obligatorisch werden. Mit fakultativer Leistung ist überhaupt nichts anzufangen. Sie sind Dekorationsstücke auf dem Papier, da die Verwaltung der Kassen fast ausnahmslos in Männerhänden liegt und nur die wenigsten Männer ein rechtes Urteil über Frauenbedürfnisse zu fällen in der Lage sind. In der Begründung des Gesetzes heißt eS, daß die neue Vorschrift des tz 213 Krankenkassen, die sich in günstiger Vermögenslage befinden, die vielfach erwünschte Mög- lichkeit gewährt, sich auf dem wichtigen Gebiet der Säuglings- fürsorge in zweckmäßiger Weise zu betätigen.— Der Vortragende betonte weiter, daß alle Krankenkassen, welche vernünftig organi- fiert sind, mit einem Betrage von 4 bis 4� Proz. eine obligatorische Mutterschutzvcrsicherung in weitgehendem'Maße tragen können. Wenn der Gesetzgeber selbst Säuglingsfürsorge für ein wichtiges Gebiet erachtet, dann müsse er auch dafür sorgen, daß derart wichtige Bestimmungen nicht in das Belieben eines Kassen- Vorstandes oder einer mehr oder weniger säuglingsfcindlichen Gencralversammlung gestellt würden. Die deutsche Vereinigung für Säuglingsschutz, alle Vereine und Gesellschaften, welche dem gleichen Zwecke dienen, alle sozial denkenden Männer und Frauen müßten sich jetzt rühren und dafür eintreten, daß der Reichstag zuni mindesten die fakultativ gedachten Bestimmungen in obligatorische Leistungen verwandelet Regierungsrat Pistor-Darmstadt betonte ebenfalls den Zu- sammenhang zwischen Mutter- und Säuglingsschutz. Seine Aus- führungen lassen sich dahin zusammenfassen; „Es ist offenbar, daß man die Fürsorge von Kind und Mutter nicht trennen kann. Der Mutter nutzt das, was dem Kinde gut ist, ebenso und die Mutter kann ihre natürliche Pflicht gegen das Kind nur erfüllen, wenn für sie selbst in der kritischen Zeit des Wochenbettes und später gesorgt ist. Es taucht dabei immer wieder der Vorschlag auf, stillenden Müttern außer dem Wochengeld obligatorisches Stillgeld zu zahlen. Diese Vorschrift würde eine gewaltige Propaganda für das Selbststillen der Mütter sein und weit über die Kreise der Versicherten hinaus wirken. Millionen kleines feuilleton. Wie hoch reicht die Lufthülle der Erbe? Diese Frage beant- wortet Dr. Alfred Megener auf Grund der neuen Ergebnisse der „Aerologie", wie man die Erforschung der höheren Luftschichten genannt hat, in einer interessanten Arbeit über das Profil der At- mosphäre, die er in der„Umschau" veröffentlicht. In einem Quer- schnitt durch die Lufthülle werden die verschiedenen Höhen angege- ben, bis zu denen noch Erscheinungen auftreten, die von dem Vor- handensein einer Atmosphäre von merklicher Dichte Zeugnis ab- legen. Die äußerste Grenze läßt sich nach den Gasgesetzen nicht näher angeben; die größten Höhen, die man noch beobachten kann, geben die Polarlichter, die in allen Höhenlagen der Atmosphäre, bis zu 600 Kilometer vorkommen und besonders häufig bei etwa 200 Kilometer und dann wieder bei 00— 70 Kilometer Höhe liegen. Ebenso bilden die Sternschnuppen ein Phänomen, das von dem Vorhandensein von Luft in sehr großen Höhen Zeugnis ablegt; die Hauptmasse liegt etwa zwischen 150 und 100 Kilometer. Die Dämmerungserscheinungen zeigen, daß die Grenze der Luftmassen, die noch dich* genug sind, um Licht zu reflektieren, bei etwa 70 Kilo- meter liegt; eine Höhe von 80 Kilometer ergab sich für die eigen- tümlichen„leuchtenden Nachtwolken", die beim Ausbruch des Kra- katan im Jahre 1883 bis weit über die Grenze der gewöhnlichen Wolken hinaufgetragen wurden. Für die Wittcrungsvorgänge kom- men diese Höhen der Luftschicht nicht mehr in Betracht; die Kon- densation des Wasserdampfes und damit die Witterungsvoraänge überhaupt sind vielmehr auf eine der Höhe nach fast verschwindende Zone von rund 10 Kilometer Dicke beschränkt; aber an der oberen Grenze der„Zone der Witterungserscheinungen" herrscht nur noch ein Viertel des Gesamtluftdrucks, sodaß sie also trotz ihrer geringen Mächtigkeit bereits dreiviertel der Gesgmtatmosphäre in sich ver- dichtet, während die darüber lagernden Schichten, die sich zu der außerordentlichen Höhe von 400 und 500 Kilometer erheben, nur noch ein Viertel der Masse enthalten. Die Sterblichkeit im ersten LebenSmonat ist. wie vielleicht nicht allgemein bekannt fein dürfte, bei den beiden Geschlechtern eine sehr verschiedene. Knaben weisen eine viel höhere Sterblichkeit auf als Mädchen, wie sie auch schon bei den Totgeburten überwiegen. Nach einer Zusammenstellung von Dr. E. Roesle in der„Zeitschrift für Soziale Medizin" beträgt, wenn man die Sterblichkeit der Mädchen im ersten LebenSmonat gleich 100 setzt, die Sterblichkeit der Knaben Frauen würden dadurch wieder Kenntnis von der Wichtigkeit des Stillens in bezug auf den Organismus bekommen. Die Wirkung dieser Maßregel auf die Mutter ist aber nur möglich, wenn sie allgemein eingeführt und zur Zwangsleistung gemacht wird. Das Stillgeld muß so ausreichend bemessen werden, daß der Stillungs- not, soweit sie auf wirtschaftlichen Gründen beruht, ein Ende ge- macht wird. Fakultative Leistungen stehen meistens nur auf dem Papier. Die Leistungen der Krankenversicherung bilden das Fundament aller Bestrebungen, die die Lage von Mutter und Kind bessern und die allzu große Säuglingssterblichkeit verhindern sollen. Auch Schwangcrschaftsunterstüvung bei Arbeitsunfähigkeit der Schwangeren ist als obligatorische Leistung zu fordern." Die Versammlung begnügte sich damit, ihre Sympathie mit den erhobenen Forderungen zu bekunden, sah aber von einer Be- schlutzfassung ab. Vielleicht geschah das mit Rücksicht auf die an- wesenden Regierungsvertreter. Für eine neue Regelung des Ammenwesens stellte der Re- ferent, Professor Dr. Keller-Berlin, unter anderem folgende Forde- rungen auf: „Die Ammenvermittelung erfolgt nur durch staatlich an- erkannte Anstalten, welche die Verantwortung für die Gesundheit und Stillfähigkeit der Ammen und für den Schutz des Ammen- lindes tragen. Vor Ablauf von drei Monaten nach der Entbindung darf keine Person eine Stelle als Amme übernehmen oder als Amme an- genommen werden." Der Referent hob hervor, daß heute die Fürsorge für das Ammenkind oft genug den Tod des eigenen Kindes der Amme bedeute. Von der Durchführung seiner Forderungen erhofft er eine Besserung der bestehenden Zustände. Staatsanwalt Burkhart- München trat ebenfalls für eine reichsgesetzliche Regelung der Materie ein. Gemäß Beschluß der Versammlung soll der Vor- stand das Material des Referenten zu Eingaben an die gesetz- gebenden Körperschaften verwenden. Zu dem letzten Punkt der Tagesordnung:„Säuglings- fürsorge auf dem Lande, insbesondere Mi t- Wirkung der Aerzte und Hebammen bei Be- kämpfung der Säuglings st erblichkei t", führte der Referent, Bezirksarzt Dr. Dörfler-Weißenburg(Bayern) aus: „Die Sterblichkeit in Bayern ist in manchem Bezirksamt auf dem Lande 2, 3 Proz. größer als in den umliegenden Städten. Das beweist die Notwendigkeit, die Säuglingsfürsorge auch auf das flache Land zu erstrecken. Die Säuglingsfürsorge auf dem flachen Lande 2,3 Proz. größer als in den umliegenden Städten. Das winden seien. Die Ernährung der Säuglinge mit der Mutter- brüst ist in Bayern in den Kreisen Obcrbayern, Niederbayern und Schwaben ganz aus der Mode gekommen. Darin liegt die Ursache, daß in manchen Orten die Sterblichkeit bis auf 50 Proz. gestiegen ist. Gleich wichtig ist die Frage der künstlichen Ernährung der Kinder, die nicht mehr oder überhaupt nicht gestillt werden." Redner empfiehlt Hebammenprämien, um die Hebammen zur Mit- arbeit für die Weitereinführung des Stillens zu gewinnen. In jeder Gemeinde müßten Milchküchen für das unentgeltliche Ab- kochen tierischer Milch sorgen. Es sei auch eine schärfere Be- aufsichtigung des Kostkinderwesens nötig und die Unterstützung des Staates hierbei unentbehrlich. Der Ieutralverbaud der Steluarbeitek hält vom 23. bis 23. Mai seinen Verbaudstag in Eisenach ab. Auch der Steinsetzerberuf hat in den letzten zivei Jahren sehr ernste Zeiten durchgemacht; der Verband ist nicht ohne Mitglieder» Verlust aus der Krise herausgegangen und hat besonders im vorigen Jahre sehr starke Lasten au Unterstützungen zu tragen gehabt. Aber die Mitgliederzahlen zeigen im vierten Quartal des vorigen Jahres wieder wesentliche Erhöhungen, und ist aus der ganzen Situation heraus für das gegenwärtige Jahr mit Be- stimmtheit ein Steigen der Mitgliederzahl zu erwarten.— Trotz der Krise wurde der Kampf mit dem Unternehmertum mit aller Schärfe(zahlreiche Lohnbewegungen ohne Arbeitseinstellung, 97 Streiks mit 4134 Beteiligten) und, wie die Tabellen im Vor- standsbericht zeigen, auch mit verhältnismäßig gutem Erfolge ge- führt. Bei der diesmaligen Generalversammlung haben eine ganze Anzahl Filialen und Bezirke— Elsaß, Schwarzwald, Schlesien. Striegau— die Anstellung besoldeter Gauleiter beantragt. Der Gau Württemberg hat den Antrag gestellt, sich mit der General- kommifsion in Verbindung zu setzen betreffs Anstellung eines italienischen Agitators für das Baugewerbe; mehrere Filialen beantragen Schritte zwecks Verschmelzung mit dem Bauarbeiter- verband; vom Vorstand wird eine ausführliche Vorlage zur Ein- führung der Erwerbslosenunterstützung unterbreitet. So harren der Delegierten recht wesentliche Aufgaben zum inneren Ausbau und äußeren Fortschritt des Verbands. Der Verband besaß am Schlüsse des Jahres 1909 in 303 Zahb stellen 17 095 Mitglieder. zum Beispiel in Bayern 131,0, in Württemberg 133.0, in Sachsen 130,2, in Preußen 125,5, in Oesterreich 127,3, in Frankreich 125,7. Wir haben eS also hier mit einer ganz gesetzmäßigen Erscheinung zu tun, die ihren Hauptgrund in der stärkeren Gefährdung und Schwächung der größeren männlichen Frucht bei der Geburt hat. Auch finden sich gewisse Krankheitsdispositionen bei den Knaben häufiger vererbt als bei den Mädchen. Bis zum Ende de« ersten Lebensjahres hat sich dann die Sterblichkeit der beiden Geschlechter so weit ausgeglichen, daß die Differenz zugunsten der Mädchen nur noch 15 Prozent beträgt. Mufik. Der Dichter Friedrich Nietzsche verherrlichte gerne de» Tanz. Bielleicht nicht nur. weil es ihm um einen Gegensatz des Leichl« füßigen gegen das Schwerfüßige zu tun war: vielleicht lockte ihn auch dies, daß kaum eine Kunst so, wie diese, Gelegenheit zu der „großen Züchtung" gibt. Fleißiger wurde und wird kaum jemals irgendwo gearbeitet, al» im Tanz als Kunstwerl. So von den kultischen Anfängen aller Dramatik angefangen bis zum fürst- lichen Opcrnballett der Neuzeit. Aber nun kam auch die Kehrseite; das übervirtnose Können verleitet zur LoStrennnng einer Kunst aus ihren natürlichen Zusammenhängen. Tanz ist künstlerische Gcbcrdcn- spräche, wie Dichtung künstlerische Wortsprache und Musik künstlerische Tonsprache. Tanz-, Ton- und Tichtsprache: so faßte Richard Wagner die Drei zusammen. Nun können Gebärde, Wort und Ton statt Mittel zum Zweck gleich selbst der Zweck werden und arten zum Formen- spiel aus. Die ganze neuere Geschichte der Tanzkunst ist ein Weit- kämpf dcS mehr formalen und des mehr inhaltlichen Tanzprinzips. Die Aalletteinlageu der„großen" Opern sind fast nur Ornament; Darstellung hingegen wollen die selbständigen„Ballette" sein, die sich ja stcls als„Pantomimen" ausgeben, jedoch tatsächlich dieS mehr nur als Ausrede für die bekannten„beinlichen" Situationen und .spannenden" Trikots benutzen. Das Bein und das Trikot: beide kennzeichnen am anschaulichsten den Abfall des Tanzes von seinem geschichllichen Ursprung und von seinen« bleibenden Kern. Die Ausbildung des leiblichen Formen- spieleS verlangt Unabhängigkeit von Hemmnissen der jeweiligen Kultur- kleidung. namentlich für die Tänzerin. So entsteht die Ballettkleidung, die sich vornehmlich durch Tüllröckchen charakterisiert und die für weltferne mythologische Geschichten auch ganz wohl paßt. Aber auf die Dauer will der Tanz zurück zum Tanz. Das Gegenwartsballett. englisch up tu dato ballet, ringt sich empor, über Bein und Trikot und Tüll hinaus. In England hat es vielleicht seinen stärksten An- lauf, in Amerika vielleicht den stärksten Zug zum Varielöspaß ge- gommen. Die Zentralkasse hatte mit Einschluß des aus dem Jahre 1907 übernommenen Kassenbeslandes von 351 380,52 M. eine E r n» n ahme in den zwei Jahren von 1 079 204,99 M., die A u s gp ö e betrug 047 938,98 M. Arn Schluß der Gejchäftsperiode verblieb ein Kassenbestand von 431 200,01 M. An Unterstützungen wurden folgende riesige Summen ausgegeben; Streikunterstützung 254 553,71 M., Maßregelungsunterstützung 18109,19 M., Kranken- unterstützung 124 345,75 M., Sterbeunterstützung 1470 M., Reise« Unterstützung 42 434,70 M., Umzugsunterstützung 1271,42 M., Rechtsschutz 3058,19 M., Notstands- und sonstige Unterstützungen 4187,70 M., in Summa 450 030,05 M. Wir werden über die Verhandlungen der Generalversamm- lung Bericht erstatten._ Hus Induftne und fjandel Kapitalistische Praktiken. Wie jede Ware mit mehr oder minder großem Monopolcharakter, ist auch das Brennöl ein gut funktionierendes Instrument zur Aus- beutung der Konsumenten. In dem Grade, wie bisher die Ver« einigung der Produzenten unter den Hut des amerikanischen Petrolcumtrustes gelang, wurden auch die Abnehmer geschröpft. Immerhin, ein Weltmonopol hat der Trust noch nicht erlangen können. Früher war eS hauptsächlich russisches Petroleum, das den Amerikanern die Preispolitik etwas regulierte; in den letzten Jahren hat sich dem amerikanischen Trust Oesterreich-Ungarn als Konkurrent unliebsam bemerkbar gemacht. Während wir z. B. auS Oesterreich» Ungarn im Jahre 1888 erst 14 390 Tonne» Petroleum einführten gegen 40 404 Tonnen aus Rußland, betrug unsere Einfuhr aus ersterem Lande im Jahre 1908 schon 131 033 Tonnen, aus Rußland nur noch 45 180 Tonnen. In derselben Zeit stieg unser Import anS den Vereinigten Staaten von rund 208 000 Tonnen auf rund 850 000 Tonnen. Die Preise unterlagen bisher ziemlich erheblichen Schwanklingen. Es notierte z. B. amerikanisches Petroleum 1 Doppelzentner mit Faß in Berlin(20 Proz. Tara) Mark: 1894 1903 1005. 1900 1907 1908 1909 18,3 23,1 20,4 22,0 22,2 22,7 21,9 Der Rückgang im letzten Jahre dürfte hauptsächlich auf die Konkurrenz des österreichisch-ungarischen Petroleums zurückzuführen sein. Gegen dieses führt die Standard Oil Co. feit Jahr und Tag einen erbitterte» Konkurrenzkampf. Wie dieser schließlich auslaufen wird, darüber kann kaum ein Zweifel bestehen. Bei dem Kampf kommt eS lediglich auf die Bedingungen der Vereinigung an. Die natio- nalcn Phrasen, mit denen in diesem Kampfe schon sehr reichlich ge- arbeitet lvorden ist, verschleiern nur die rein kapitalistischen Motive. Die Gestaltung der Einfuhr DeuischlandS an Petroleum scheint darauf hinzudeuten, daß die Amerikaner den Oesterreichern die Ver- ständigungSbedingnilgen schließlich diktieren werden. Die Einstihr auS Oesterreich-Ungarn ist erheblich zurückgegangen, die auS den Vereinigten Staaten stark gestiegen. Unsere Gesamteinfuhr in den vier ersten Monaten der beiden letzten Jahre verteilt sich auf die HauptproduktionSkänder wie folgt: «"»-mm To. To. To. To. 1909... 59 780 4 090 13 800 308 899 1910... 47 980 0 097 15 911 344 880 Der Rückgang unseres Importes auS Oesterreich-Ungarn macht fast 20 Prozent aus; dem steht eine MehrauSfnhr auS den Ver- einigten Staaten von über 10 Prozent entgegen. Der Kampf, den die Standard Oil Co. führt, beschränkt sich nicht auf die Verdrängung der Konkurrenten durch PreiSkonzessionen, die amerikanische Gesell- schaff geht planmäßig darauf hinaus, den gesamten Handel auSzu- schalten. Den Großhandel drängte sie bei Seite, indem sie durch Tankanlagcn und den Vertrieb Nuttels Tankwagen direkt mit den Händlern in Verbindung trat. Neuerdings sucht sie auch diese auS- zuschalten. Sie gründete sogenannte KannenvertriebSgesellschaften, die den Konsumenten das Brennöl direkt zuführen. Das auch das ein Kampfmittel gegen die Konkurrenz sein soll, erkennt man ohne weiteres aus der Preis- differenzierung. An Orten, wo anderes Petroleum den Amerikanern den Markt streitig macht, ist das amerikanische Kannenöl viel billiger als dort, wo die Standard Oil Co. allein dominiert. Einer Znsammenstellung in der Zeitschrist„Petroleum" ist zu ent- nehmen, daß z. B. in Zittau 1 Liter Kannenöl 23 Pf. kostet, in Hamburg dagegen nur 12 Pf. In Altona sind die Detailpreise für Petroleum von 18 Pf. in kurzer Zeit auf 14 bis 12 Pf. hinab- gegangen. In Hannover, wo Kanncnvertrieb erfolgt, betragen die Das r u s s i s ch e Ballett ist wohl das berühmteste der Welt. Seine Stärke dürfte noch immer in der großen Züchtung zum Vir- luoseulum der Grazie liegen. Aber der alle Tanzkern und seine neuen Triebe von„konstitutionellerer" Welt her brechen auch im„Absolutistischen" ein wenig durch. Das B allett der laiserlickien Theater in Petersburg und Moskau kam heuer wiederum zu n»s, mit einem kleineren Spiel in dcrKomischen Oper und mit einem größeren im Theater des Westens. Hier sahen wir— am Sonnabend— eine Reihe von drei Stücken. Nur dai erste betitelte sich dramatisch, als„Mimodrama". Es hieß„Klcopatra". Dann folgten ein„romantisches Poem" und eine„choreographische Suite"; beides anscheinend doch noch mehr nach den, Herzen und Bein der russischen Künstler. Wir müßten weit ausholen, um dem „shlphidischcn", oder sagen wir: lyrischen Zauber sowie der temperamentheißen Rhythmik der vielen Tänzerinnen und der Tänzer mit ihren wohl bald auch hier berühmt werdenden Namen gerecht zu werden. Nur die Musik zwingt noch zu einem Verweilen. Ballettmiisik in allen Ehre», selbst wem« sie an sich nicht das höchste erreicht. Aber Treffsicherheit und einen einhciilichen. kontinuierlichen. kurz: echten Zug foll sie doch>vohl haben. Nun heißt es bei dem Poem:„Musik von Chopin"; und beim Mimodrama waren sogar vier berühmte Russen als Komponisten angegeben. Und das deutsche Publikum soll die„Notlüge" gar noch glauben, wenn da und dort etwas herausgerissen und in die Szene hineingezwängt wird, ob's „trefft" oder nicht I Zudem war auch dem Orchester wohl der ständigen Kapelle des„Westens"— ersichtlich eine übereilte Ein- stndierung zugemutet worden. bz. Notizen. — Theaterchronik. Die Leitung des russischen Gastspiels im Theater des Westens will nun die Aufführungen auch den weiteren Kreisen zugänglich machen. Die Preise der Plätze sind bedeutend er» mäßigt. — Hugo v. HofmannSthal hat von seiner Komödie .Christinas Heimreise" eine neue Fassung hergestellt, die in S. Fischers Verlag, Berlin, erschienen ist. — Peter R o s e g g e r ist an einer schweren Bronchitis w K r i e g l a ch erkrankt. — David Friedrich Strauß, der von den Orthodoxen Ivegen seines„Lebens Jesu" und seiner„Evangelieiilritil" gehaßte liberale Theologe, hat jetzt auch sein Denkmal erhalten(man könnte auch sagen die Anerkennung, daß er unschädlich geworden ist). In L u d w i g s b u r g im kgl. Schloßgarten ist es am Sonntag enthüllt worden. reife 17 Pf.; dagegen find in allen süddeutschen Städten, wo eine Konkurrenz des österreichischen Petroleums nicht vorhanden ist, die Preise durchschnittlich bis auf 20 Pf. hinaufgegangen. Wenn die Oil Co. erst ihre Konkurrenten bezwungen oder mit ihnen sich ver> ständigt hat, dann ist es mit den niedrigen Preisen vorbei. Schon aus diesem Grunde sollte man den Bestrebungen der Amerikaner nach Möglichkeit Hindernisie bereiten. Die große wirtschaftliche Bedeutung der Angelegenheit kann man schon daraus ermessen, daß jede Mark Preissteigerung pro Doppel- zentner für Deutschland eine Mehrausgabe von zirka 10 Millionen Mark jährlich ausmacht. Und da die Standard Oil Co. mit ihrer bis an die Konsumenten heranreichenden Organisation diese nachher vollständig in Händen hat, kann sie die Preise ganz willkürlich diktieren. Allerdings, auch die Allmacht eines Petroleummonopols könnte schließlich gebrochen werden I Zum Teil ist das ein Problem der Elektrotechnik. Vorläufig kann die Elektrizität als Lichtquelle für den kleinen Haushalt mit dem Petroleum noch nicht konkurrieren, aber eS dürfte doch nur eine Frage der Zeit sein, wann auch auf diesem Gebiete die Elektrizitätsindustrie Siegerin sein wird. Und lassen sich die Amerikaner zu rücksichtslosen Preistreibereien verleiten, dann könnte sehr leicht der Gedanke, durch zollpolitische Maßnahmen den Sieg der Elektrizität zu beschleunigen, einen für die Petroleum- könige unliebsamen breiten Resonanzboden finden. Politik der Bauke«. Die Banken begnügen sich nicht damit, Einfluß auf die Groß- industrie zu gewinnen, nutzen ihn für ihre Jnteresien aus. Ein Instrument dazu ist d� Dividendenpolitik, als ein Mittel der Kurs» beeinflussung. Die Berliner Handelsgesellschaft, die viele Be- ziehungen zur Montanindustrie unterhält, läßt der Oeffentlichkeit folgende»Dividendenschätzungen"' mitteilen: Angeblich entsprechen die.Schätzungen� nicht den an der Börse gehegten Erwartungen. Vielleicht haben die Banken ihre Bestände erleichtert; klappt die Geschichte, werden sie bis zu den General- Versammlungen wieder gehörig erstarkt sein. Die Lebensmittelpreise im Kleinhandel. »Während im Großhandel die Lebensmittelpreise schon seit längerer Zeit eine weichende Richtung aufwiesen und niedriger stehen als im Vorjahre, behielten die Detailpreise noch immer ihren hohen Stand, und erst im April machte sich, so schreibt die .Arbeitsmarkt- Korrespondenz', eine geringe Senkung be- merkbar. Im Durchschnitt von 6b Städten stellte sich nämlich der wöchentliche Kostenaufwand für die Ernährung einer vier« köpfigen Fanrilie, berechnet auf Grund der Nahrungsmittel- ration eines deutschen Marinesoldaten, auf 23,64 M. Im März hatte die entsprechende Standardziffer 23,70 betragen, im August 1003, dem Monat mit dem höchsten Stand 23,70. Im Gegensatz zu den Großhandelspreisen stehen aber die Detailpreise noch immer merklich über dem Niveau des Vorjahres. Für den Monat April beträgt der Vorsprung gegen 1000 noch immer 1,05 M. pro Haushalt und Woche; im März hatte er 1,23, im Februar 1,32 betragen. Bewirkt wurde die Ermäßigung des Nahrungsmittelaufwandes von März auf April durch die Ver- billigung von Schweinefleisch, Butter und Kartoffeln. Im Mai sind nun aber die Fleischpreise fast durchweg wieder in die Höhe gegangen. Nach den Zusammenstellungen der.Statistischen Korrespondenz" über die Fleischpreise an 50 Marktorten in Preußen ergeben sich folgende Durchschnitte. Es kostete ein Kilogramm in Pfennig: 1. Hälfte Mai 1000 1910 Rindfleisch.... 164 166 Kalbfleisch.... 176 177 Hammelfleisch... 163 17» Schweinefleisch... 166 16» Roßfleisch..... 74 76 Schweinespeck, geräuch. 177 187 Wie die Aufstellung zeigt, sind besonder? die Preise für Hammel- fleisch, Schweinefleisch und für geräucherten Speck gegen das Vorjahr bedeutend hinaufgegangen. Die neuerlichen Preiserhöhungen für Fleisch dürften die kleine Abschwächung. die für den April berechnet worden ist. wohl wieder ausgeglichen haben. Der patriotische Trotztrust. Die steuerscheuen Agrarier können schmunzeln; um an Steuern zu sparen, hat der Hibernia-Trotztrust seinen Sitz nach Güstrow(Mecklenburg-Schwerin) verlegt. Von dort aus will er, auch vielleicht nach dem Muster des Gründer» SchlutiuS, Spekulationsgeschäfte machen. 21/'> Millionen Mark soll nach einer Mitteilung der„BreSl. Ztg." der Kaufpreis sein, den die Schultheiß-Brauerei für die Brauerei Pfeifferhof gezahlt hat._ Gute Gewiunkonjnnktnr. Die Aktiengesellschaft Phönix für Bergbau und Hüttenbetrieb in Ruhr ort erzielte in den ersten neun Monaten deS laufenden Geschäftsjahres einen Mehrgewinn von 6'/« Millionen Mark. Man er- wartet für da« gesamte Geschäftsjahr 7 Millionen Mark Mehrgewinn.— Die Rheinisch-westfälischen Kalkwerke in Dornap(Rheinlands weisen für die ersten drei Quartale des lausenden Geschäftsjahres stark 300 000 M. Mehrgewinn auf.— Die Ko lnis che Unsall-VersicherungS-Aktien-Gesell- s ch a f t verteilt pro 1000 nicht weniger als 64 Proz. Dividende gegen 66 Pioz. im Vorjahre. Der Reingewinn betrug 1660 384 M., 131 360 M. davon sollen als Gewinnanteil der Generaldirektor und die AufsicktSratsmitglieder erhalten. Zur Dividendenzahlung benötigt man 800 000 M. 40 Proz. Dividende zahlt die„Rhenania', Versiche« rungS-Aktien-Gesellschaft in Köln. Der Reingewinn betrug hier 606 402 M., davon werden 240000 M. zur Dividendenzahlung verteilt._ Die Krise fn der Banmwolliudustrie. Man schreibt unS aus London unterm 21. Mai cr.: Die wirtschaftliche Krise machte sich in der englischen Baum- Wollindustrie, deren Geschicke sehr eng mit denen Nordamerikas, dem Ausgangspunkt des letzten wirtschaftlichen Niedergangs, verbunden find, am frühesten bemerkbar und eS besteht sogar jetzt, da sich viele Industrien wieder langsam von der Krise erholen, noch keine Aus- ficht, daß sich die schlechten Verhältnisse in der Hauptindustrie Lancashires bessern werden. Nun kommen die Arbeitgeber und ver- langen von den Spinnern, die ihnen während des schlechten Ge- schäftsganges der verflossenen zwei Jahre in jeder Weise entgegen« gekommen sind, die Zustimmung zu einer Lohnreduktion von 6 Proz. Schon am 1. März des vergangenen Jahre» ließen sich die Arbeiter eine fünfprozentige Lohnverkürzung gefallen. Diese Re« duktion in den Löhnen war die Folge der Aussperrung des Jahres 1008, die sieben Wochen dauerte und die dadurch beendet wurde, daß sich die Arbeitgeber bereit erklärten, die für den 1. Januar 1909 geplante Lohnreduttion bis zum 1. März des Jahres zu verschieben. Seit vielen Monaten werden nun schon Feierschichten eingelegt, die direkt den Zweck befolgen, durch eine Einschränkung der Nachfrage nach Rohbaumwolle die Pläne der amerikanischen Spekulanten zu durchkreuzen. Die Arbeiter haben diesen Abwehrkrieg gegen die Uebermacht der Patten und Sullh in selbstloser Weise mitgemacht. Aber nicht allein, daß sie ruhig mit angesehen haben, wie ihre Löhne durch Reduktionen und Feierschichten verkürzt wurden, sie haben sich auch mit Eifer an der Bewegung beteiligt, die danach strebt, durch den Anbau von Baumwolle in den britischen Kolonien ihre Industrie von Nordamerika unabhängig zu machen. Die Arbeiter selber er- standen vor zwei Jahren Aktien in der„British Cotton-Growing Association", und augenblicklich soll wieder zu dem gleichen Zwecke ein monatlicher Beitrag von einem Penny auf 16 Monate erhoben werden. Viele der Textilarbeiter Lancashires. die von den Baumwoll- Pflanzungen in den Kolonien Großes hofften, sind arg enttäuscht worden. Solche Unternehmungen lassen sich nicht aus dem Boden stampfen und werden meist erst nach langen Versuchen mit verschiedenen Baumarten und unter verschiedenen Verhältnissen ertragsfähig. Unterdessen aber leidet der Arbeiter unter dem Druck der andauernd verschlechterten Lebenshaltung, und man wird die Stimmung verstehen können, in der die Arbeiter Lancashires das Verlangen der Unternehmer nach einer weiteren Lohnreduktion aufgenommen haben. Verschärft wird die Krise ohne Zweifel durch die Machi- Nationen der amerikanischen Spekulanten; denn den weitaus größten Teil ihrer Rohstoffe bezieht die Baumwollindusttie Lancashires aus den Vereinigten Staaten Nordamerikas. Kann man mit den Arbeitergroschen und einer skeptischen Fabrikantenschaft das Problem der Nohstoffzufllhrung für eine folch gewaltige Industrie wie die Textilindustrie Lancashires lösen? Die bestehenden Zustände offenbaren jedem denkenden Menschen die heillose Verwirrung, in die das kapitalistische Produktionssystem das Erwerbsleben eines großen Teiles deS englischen Volkes gebracht hat. Diese Ver- wirrung kann nur durch ein entschiedenes Eingreifen deS Staates in den Produktionsprozeß beseitigt werden. Darüber find sich heute alle Parteien klar. Sowohl die Konservativen wie die Liberalen haben eine kräftige Unterstützung der Versuche, in den britischen Kolonien Baumivollpflanzungen anzulegen, versprochen. Man darf sich aber nicht verhehlen, daß sich einer wirksamen Lösung deS Problems manche Schwierigkeiten in den Weg stellen. Kon- servative wie Liberale sind offenbar auf den Stimmenfang aus und werden den Kapitalisten, die jedem Eingreifen der Gesellschaft in den Produktionsprozeß mit großem Mißtrauen gegenüberstehen, manche Konzessionen machen müssen. Soviel steht jedoch fest, daß die große Textilindustrie Lancashires, deren Produktion jetzt fast die Hälfte der Produktion der Textilindustrie in der ganzen Welt ausmacht, nur durch das Eingreifen des Staates vor dauernder Schädigung oder gar dem Ruin gerettet werden kann. Hua der frauenbewegiing. Eine dankenswerte Neuerung. Der Wert der.Gleichheit" als LufklärungS-, BildungS« und Erziehungöorgan braucht an dieser Stelle nicht besonders hervor- gehoben zu werden. Wer dieses Organ kennt, das hauptsächlich der Agitation unter dem weiblichen Proletariat dient, der weiß es zu schätzen. Ihres Inhalts wegen hat wohl schon jede Leserin und jeder Leser der„Gleichheit" bedauert, die Blätter nicht zu Jahres- bänden vereinigt zu besitzen. Aus diesem Grunde ist denn auch schon öfter der Wunsch laut geworden, der Verlag möge zweck- dienliche Einbanddecken herstellen lassen. Diesem Verlangen hat der Verlag jetzt in dankenswerter Weise entsprochen. Für den Jahr« gang 1008/9 sind nun für die„Gleichheit", Hauptblatt mit Beilage „Für unsere Hausfrauen und Mütter" und für die Kinderbeilage einfache aber gut ausgestattete und vor allem billige Einbanddecken von dem Verlage— Stuttgart, Furtbachstt. 12— zu beziehen. Die beiden Decken kosten zusammen nur 1 Mark. Bei Einzelbestellungen 30 Pf. mehr für Porto. Jeder Decke wird Titelblatt und Inhalts- Verzeichnis gratis beigegeben. Da sicherlich viele Abonnenten der „Gleichheit" die Nummern gesammelt haben, wird die Neuerung hoffentlich vielen Zuspruch finden. ES empfiehlt fich daher, Be« stellungen umgehend an den Verlag gelangen zu lassen. Ein Band der„Gleichheit" ist zweifellos für jede Bibliothek ein wertvoller Besitz._ Frauen an preußischen Universitäten. DaS Frauenstudium hat im letzten Semester wieder eine Zunahme erfahren. Nach einer Zu« sammenstellung des Geh. Oberregierungsrats Tilmann studierten im Wintersemester 1009/10 an preußischen Universitäten 2324 Frauen gegen 1680 im Jahre vorher. Davon halten sich 2004(1463 im Vorjahre) der Philologie zugewandt; 266(188) studierten Medizin, 39(22) Theologie und 16(17) Jura. Die Folge der neuen Jmmatrikulationsbedingungen war. daß die Zahl der immatrikulierten Hörerinnen gegenüber der Gastzuhörerinnen gewachsen ist. Während im Wintersemester 1008/09 die Zahl der letzteren noch größer war als die der ersteren, kommen diesmal auf 1260 immatrikulierte nur noch 1074 Gajtzuhörerinnen._ Öenebtö- Zeitung. Gefängnisstrafe für einen Ruf der Entrüstung. Am Demonstrationssonntage, dem 6. März, abends gegen 7 Uhr, soll der Zuschneider Jahnke durch den Ruf:»Pfui, Blut- Hunde!" mehrere Polizeibeamten beleidigt haben. Gestützt auf die bestimmte Aussage eines einzigen Zeugen, Schutzmann Winter- feld, hat das Schöffengericht eine Gefängnisstrafe von einer Woche gegen Jahnke verhängt, wogegen er Berufung einlegte. Gestern kam die Sache vor der Strafkammer zur Verhandlung. Auch hier erklärte der Schutzmann Winterfeld, jeder Irrtum darüber, daß neben vielen anderen auch Jahnke den Ruf ausgestoßen habe, sei ausgeschlossen.— Nach den glaubhaften, durch einen Zeugen, Schankwirt Seidler, unterstützten Angaben Jahnkes erscheint eS jedoch sehr unwahrscheinlich, daß gerade er geneigt sein sollte, Schutzleute zu beleidigen. Jahnke, der früher ein Schanklokal hatte, ist mit vielen Schndleuten befreundet; er hat auch keine Abneigung gegen die Polizei und ist an dem fraglichen Tage rein durch Zufall unter die demonstrierende Menge geraten. Er war während des Tages auf seinem Laubenland, hat am Nachmittage bei �einem befreundeten Schankwirt in der Kiefholzstraße Gäste, meistenteils Schuhleute, bedient, und als er abends nach Hause ging, ist er in der Falckensteinstraße in die Menschenmenge ge- raten. Aus ihr erscholl der Ruf„Bluthunde!". Jahnke bestreitet ganz entschieden, daß er sich an den Rufen beteiligt habe. Zu seiner großen Ueberraschung sei er von dem Schutzmann Winter- feld gepackt und zur Wache gebracht worden. Auf dem Wege dahin habe ihm ein ihm befreundeter Schutzmann zugerufen:«Franz, waS machen Sie denn mit Dir?" Nach alledem ist wohl anzunehmen, daß, wenn ein politisch so uninteressierter und mit Schutzleuten befreundeter Mann, wie Jahnke, wirklich einen Ruf der Empörung ausgestoßen haben sollte, das Verhalten der Beamten geeignet gewesen sein muß. selbst die ruhigsten und indifferentesten Leute aus, der Fassung zu bringen. Der Verteidiger, Rechtsanwalt Kurt Rosenfeld, suchte dem Gericht begreiflich zu machen, daß eine Freiheitsstrafe, falls man den Angeklagten verurteilen wolle, in diesem Falle in keiner Weise gerechtfertigt wäre. Das Gericht ließ sich jedoch nicht zu dieser Ansicht bewegen, sondern erkannte, dem Antrage des Staatsanwalts gemäß, auf Verwerfung der Berufung! Es bleibt also dabei, daß der An- geklagte einen Ausruf der Entrüstung, der juristisch als Be- leidigung aller an der Absperrung beteiligt gewesener Schutz. leute zualijiziert wird, mit einer Woche Gefängnis büßen soll. Eine so hohe Strafe hält da? Gericht— wie in Vit Urteilsbegründung gesagt wurde— für notwendig, um-ie Beamtei�fro zu schützen, die durch die betreffende Aeußerung schwer gekrankt worden sei. Die durch Schläge mit Schutzmannsfäusten und Schutzmanns« säbeln gekränkte Ehre von Teilnehmern an den Demonstrationen ist noch nicht gesühnt worden._ Schutz gegen Schutzleute! Vor der Strafkammer des Landgerichts Duisburg gelangte am Freitag wieder einer der üblichen SchutzmannSprozesse zur Ve» Handlung, wie sie in der Jndustriegeaend am Niederrhein bald zu den alltäglichen Erscheinungen gehören. Der„Schutzmann" Wilhelm Weiß aus dem Polizeidistrikt Hamborn hatte sich de? Mißbrauchs der Amtsgewalt und der Mißhandlung im Dienste schuldig gemacht. Die Verhandlung förderte folgenden Tatbestand zutage: In der Nacht zum 16. Oktober v. Js. kam in Hamborn eine kleine Gesellschaft von Zechenbeamten, bei der sich auch noch ein Kaufmann, ein Lehrer und ein Metzgermeister befanden, die Provinzialstraße entlang. Die Herren waren auf einer Vereins- festlichkeit gewesen und war es vielleicht hierauf zurückzuführen, daß der Zechenbeamte Poot und der Metzgermeister Küppers ein wenig saugen. Das hatte der in der Nähe befindliche„Hüter der Ordnung" Weiß gehört, der nun natürlich kraft seines Amtes gegen den„Unfug" einschreiten mußte. Ein Zechenbeamter Becker, der den Weiß herankommen sah, sagte zu den beiden Sängern:„Seid ruhig, da kommt ein Beamter." Als Quittung für diese Warnung wurde Becker, als der Uniformierte herangekommen war. beim Genick gefaßt und mit Ohrfeigen traktiert. Auch sprang der Hund des Polizisten dem Becker cm die Waden und brachte ihm einige Bißwunden bei. Nur wer die Handflächen des Weiß in nächster Nähe gesehen, kann sich die volle Wirkung einer Ohrfeige von diesen Händen ausmalen. Die ganze Gesellschaft benahm sich so polizeifromm, daß sie nicht wagte, die Brutalitäten zu verhindern. Der Herr Metzgermeister machte sogar i>en— Hasen, indem er von der Bildfläche verschwand. Auf dem Wege zur Polizeiwache erhielt dann Becker, der mit Poot zusammen für verhaftet erklärt worden war, noch einige Schläge ins Genick, als er zu bemerken wagte, er habe doch gar nicht gesungen. Obwohl nun Becker fort- während seinen Namen nannte, Poot sowie Nosenlaum, die beide auch noch persönlich mit dem„Schutzmann" bekannt waren, ihn legitimierten und Becker außerdem noch seine Vereinsmitglieds- karte und einige bei sich führende Briefe als Legitimation vor» legte, ließ dennoch der Herr Schutzmann nichts von alledem gelten. Der Herr der Straße sperrte den Becker ein; vergeblich war da» Verlangen Beckers nach dem vorgesetzten Kommissar. Und die Sühne für diese Polizeitaten?— Staatsanwalt Dr. Schmidt beantragte 4 Monate Gefängnis, weil der„Schutz- mann" seine Pflicht als Beamter schwer verletzt habe. Doch das Gericht hatte ein Einsehen mit dem„Hüter der Ordnung", es verurteilte ihn zu— 150 Mark Geldstrafe! Das Gericht schloß sich vorwiegend der Argumentation des Verteidigers, Dr. Wallach- Essen, an, der in seiner„Verteidigungsrede" bemerkte: „Die Verfehlungen des Angeklagten erschienen immerhin noch im milden Lichte angesichts der leider so häufigen Ueber- griffe von Beamten der Sicherheitsorgane, die bei Mißbrauch der Amtsgewalt sich der Waffe bedienten. Das habe Weiß doch nicht getan! Der Angeklagte habe auch wohl im jugendlichen Feuereifer gehandelt(Weiß trägt erst zwei Jahre den Polizei» rock), habe auch wohl kaum die Instruktionen alle verstanden. Für die widerrechtliche Inhaftierung könne Weiß nicht ver- antwortlich gemacht werden, da er sich in der Handhabung der Gesetze nur„geirrt" habe usw. Diese Begründung, die gewollt oder ungewollt, eine blutige Ironie auf unsere' Polizeiwirtschaft darstellt, und daS Urteil beleuchten in denkbarster Grelle das gottgewollte Abhängigkeitsverhältnis des Publikums von Sr. Majestät dem Schutzmann! Ungültige KreiS-P-llzeiverordnnng. Der Landrat zu Licbenwerda hat unter dem 19. November 1880 eine Polizeiverordnung erlassen, durch die er verbot, an nicht ortSangehörige Bettler Almosen zu geben. Die Verordnung sollte Thieme übertreten haben. Der Angeklagte bestritt die Gültigkeit der Verordnung. Die Strafkammer in Torgau als BerufungS- gericht sprach den Angeklagten auch frei, indem es die Ungültigkeit der Verordnung des Landrats annahm, weil die Materie de» BettelnS durch das Strafgesetzbuch erschöpfend geregelt sei. Die Staatsanwaltschaft legte Revision ein. Das Kammergericht wies aber die Revision ab. ES ging jedoch auf die Frage der materiellen Gültigkeit der Verordnung nicht ein, da sie schon aus einem formellen Grunde für ungültig er- achtet werden müsse. Der Regierungspräsident zu Merseburg hat nämlich unter dem 13. Mai 1884 gemäß Z 144 deS Laudes-Ver» waltungsgesetzcs Vorschriften erlassen, von deren Beachtung die Gültigkeit von Kreis-Polizeiverordnungen abhängig ist. Darin wird bestimmt, daß solch« Polizewerordnungen in den einleitenden Worten Bezug nehmen müssen auf den 8 142 deS LandeS-Ver» waltungsgesetzcs und aus die 8§ 0 und 16 des Polizei-Verwaltungs- gesetzes. Die Polizeiverordnung deS Landrats erwähnt aber außer dem Z 142 deS Landes-Verwaltungsgesetzes das Polizei-Verwal- tungsgcsetz nur allgemein, also ohne Nennung der 88 6 und 15. Aus diesem Grunde sei wegen Nichtbeachtung der Vorschriften de» Regierungspräsidenten die Verordnung ungültig. Sei die Polizei- Verordnung des Landrats schon aus diesem Grunde ungültig, so brauche auf die Frage der materiellen Gültigkeit nicht eingegangen werden.__ Vermischtes. Der flotten verein an der„Arbeit". AIS der sächsische Landtag kürzlich geschlossen wurde, ver- sammelten sich die konservativen und nationalliberalen Ab- geordneten in der Frauenkirche zu einem feierlichen Gottesdienst, bei dem Oberhofprediger D. Ackermann über das Bibelwort im 14. Kapitel des Römerbriefes predigte:„Das Reich Gottes ist nicht essen und trinken." Nachdem die Abgeordneten diese Predigt hatten über sich ergehen lassen, begaben sie sich ins Schloß, um dort mit 180 Gedecken das Reich Gottes unter Cham» pagner zu setzen. In derselben angenehmen Weise befolgt der Deutsche Flottenverein, der in diesen Tagen in Berlin seine 10. Hauptversammlung abhält, das oben zitierte Bi�elwort. Seine Verhandlungen gehen vollständig im Essen und Trinken unter. Zwar beschäftigte man sich in einem kurzen Vortrag auch mit der Erweiterung der Deplacements der Kriegsschiffe. In der Hauptsache aber sorgen die Delegierten durch Diners, ge» m e i n sch a f t l i ch e Essen. Empfänge, warme Früh. st ü ck e und ähnliche schöne Dinge mehr für die Erweiterung ihrer eigenen Deplacements. Die anstrengenden Tage nahmen bereit» am Donnerstag voriger Woche ihren Anfang, wo man fich auf Kosten deS Steuersäckels der Berliner Bevölkerung gütlich tat. Der Freitag war für die Delegierten besonders sorgenvoll. Sie mußten sich schon früh erheben, um pünktlich 8,30 Uhr den Sonder» dampfer nach dem Kabelwerk der A. E. G. in Ober-Schöneweide zu erreichen. Dort besichtigte man zwar auch die Metallgießerei und das Kupferwalzwerk, aber die Hauptsache war doch wiederum das auf 12 Uhr festgesetzte, von der A. E. G. dargebotene Essen. Hier kostete es also wieder nichts, und man mußte sich sehr beeilen. um ja um 4 Uhr pünktlich im Zoologischen Garten sein zu können, wo nicht weniger als fünf Regimentskapellen des Gardekorps kopzertiersen. So etwas strengt natürlich an und deshalb hatte die fürsorgliche Kongreßleitung schon um �7 Uhr im Haupt- restaurant deS Zoologischen Gartens ein warmes Abend« essen, daS Gedxck zu 3 M., bereit gehalten. Auf Sonnabend, eormlHog©ät eTfts Sitzung 5e8 Gesamtvorstandes anberaumt worden. Man hat offenbar von dem Interesse der Mitglieder hierfür keine hohe Meinung, denn man hatte für die an der Sitzung nicht teilnehmenden Herren eine Besichtigung der Städte- bauausstellung vorgesehen. Inzwischen waren natürlich die Vor- standSmitglieder hungrig geworden, und nachdem sie zwei Stunden im kostbaren Schweiß ihres Angesichts gearbeitet hatten, begaben sie sich nach dem Hotel Esplanade, wo um 1 Uhr ein warmes Frühstück bereit gehalten wurde. Der Flotten. verein lägt keine Minute unbenutzt vorübergehen und besichtigte daher am Sonnabendnachmittag das Museum für Meereskunde. Am Abend begab sich die Hauptversammlung in die Philharmonie, wo ihr der Berliner Lehrergesangverein ein Festkonzert gab. Nach dem Festkonzert wurde im Oberlichtsaal zur Abwechselung wieder einmal für 3 M/warm gegessen. Das war der dritte Tag und nun folgt als Höhepunkt der vierte Tag. Am Sonntag wurde zunächst das Reichstagsgebäude besichtigt. Dann versammelte man sich um 12 Uhr im Plenarsitzungssaal zur Hauptversammlung. Die Sitzung fing zwar erst um%1 Uhr an. dafür trat um so pünkt- licher um%2 Uhr die Pause ein, in der man in der Wandelhalle für 1.50 M. f r ü h st ü ck t e. Die Pause sollte zwar nur eine halbe Stunde dauern, dauerte aber bis 3 Uhr. Dann wurde die Arbeit wieder aufgenommen, und nun war ein Braunschweiger Delegierter so naiv anzunehmen, daß man ihn wegen der Arbeit nach Berlin geschickt habe. Als er nämlich fünf Minuten sprach, ertönten allseitig Schlußrufe, die beinahe einen stürmischen Charakter annahmen, als gar noch ein zweiter Redner das Wort ergriff. Großadmiral v. Köster empfand selbst die Stilwidrig- keit der Unterbrechung des Programm? durch eine Arbeitssitzung und griff, wie er selbst sagte, mit dem Hinweis gewalttätig in die Debatte ein, daß man um 1 Uhr pünktlich im Frack zum Festessen im AusstellungSpark erscheinen müsse. Dieser Hin- weis verfehlte seine Wirkung nicht und man war rasch zu Ende. Nachdem man sich am Abend im Ausstellungspark genug ge- pflegt hatte, begab man sich zur Ruhe, und die erste Arbeitswoche war zu Ende. Nicht weniger vielversprechend begann die zweite Woche. Schon in aller Frühe versammelte man sich am Montag Uhr vormittags zu einer Automobilfahrt nach Wannsee. Von dort fuhr man mit dem Dampfer nach Potsdam, wo man um �1 Uhr ankam, aber sogleich auch um VA Uhr für 8 M. das Mittagessen einnahm. Im Sonderzug begab man sich wieder nach Berlin, um pünktlich in Frack und weißer Binde bei Kroll zur Fesworstellung erscheinen zu können. Für die Damen waren auf den Plätzen von 6 M. an aufwärts rund ausgeschnittene Kleider Vorschrift. Es ist höchst bedauerlich, daß Herrn Keims wegen die Beziehungen zwischen Herrn R o e r e n und dem Flottenverein etwas gelockert sind: Sonst hätte Herr Roeren bei dieser Festvorstellung Studien darüber machen können, was alleS, ohne unsittlich zu sein, daS Schamgefühl„löblich verletzen kann. Für die Gesamtvorstands- Mitglieder war am Montag außer der Reihe noch ein Essen im Hotel Esplanade festgesetzt, an dem natürlich alle Mitglieder teil- nahmen, denn man hatte für die Zeit dieses Essens keine anderen Besichtigungen vorgesehen. Weiter hatte man den gestrigen Montag nicht belastet, und was am heutigen Dienstag und an den folgenden Tagen kommen wird, daS wissen die Götter. Vom Kometen. Der Halleyfche Konret ist auch am Sonntag von zahl- reichen Personen gesichtet worden. DaS Publikum konnte sich davon überzeugen, daß der Komet wirklich nicht nur eine Mythe unserer Astronomen war. Namentlich vom Tempelhofer Felde aus, wo sich zahlreiche Interessenten eingesunden halten, war der Komet unter halb de« Sternenpaar» Castor und Pollux und seitlich vom Mar« zwar nicht sehr deutlich, aber doch immerhin als blasser ver- waschener Lichtnebelfleck unzweifelhaft zu erkennen. Auch bei der Beobachtung mit dem Krimstecher stellte sich der Komet nur als kleiner Lichtnebel dar; von einer Schweisbildung war nickt» zu bemerken. Es ist deshalb auch sehr zweifel- Haft, ob der Komet in den nächsten Tagen wirklich eine auch nur ewigermaßen auffallende Erscheinung werden wird, von der der« heißenen glänzenden Erscheinung ganz zu schweigen. In Rom aller- dingS scheint der Komet sich stattlicher präsentiert zu haben. Nach einer telegraphischen Meldung soll der Schweif vortrefflich zu be- obachten gewesen sein. Auch soll das Erscheinen des Kometen in der Bevölkerung große Aufregung hervorgerufen haben. Ueber die Sichtbarkeit des Kometen resp. die Zeit seines Er- scheinenS gibt folgende Tabelle Auskunft: Datum Sonnen- Untergang Entfernung v. d. Erde Untergang Halley w Millionen Meilen Mai 24. S.VS 11.29 4.4S . 25. 8.97 11.27 5,98 . 26. 8.98 11.33 5,77 , 27. 8.99 11.37 6,69 . 28. 8.11 11.37 7.23 „ 29. 8.12 11.38 8,93 . 39. 8.18 11.88 8,74 Die Leibacher Erdbebenwarte meldete von den letzten Tagen eine Reihe stärlerer, zum Teil sogar katastrophaler Fernbeben. Nach der Ansicht der Fachleute stehen diese Erscheinungen jedoch in keinem Zusammenhang mit dem Kometen. Der Hungertod als Dank des Vaterlandes. Ein erschütterndes Bild menschlichen Elende» brachte in den letzten Tagen eine russische Zeitung. E» betrifft einen russischen Soldaten, der auf den Feldern der Mandschurei im japanischen Kriege zum Krüppel geschossen wurde und dann zum Dank für die Aufopferung für das Vaterland Hungers sterben mußte. Vergeblich bettelte der Unglückliche, U l j a n o w ist seine Name, in den Regierungskanzleien um Gewährung einer Penston für sich und seine mit vier Kindern gesegnete Familie. In Elend und Hunger starb er in dem bitteren Bewußtsein, daß seine Frau und Kinder ebenso vergeblich um die ihnen zustehende Pension betteln würden, wie er e» die Jahre hindurch tun mußte. Bald starb seiner Witwe auch ein Kind an Unterernährung; ein zweite» folgte kurze Zeit darauf. Nun war die Frau nicht mehr in der Lage, die kirchlichen Beerdigungskosten aufzubringen. Der Diener der christlichen Kirche, an den sich das Weib in seiner Verzweiflung wandte, riet ihm, einige Sachen zu verkaufen; seine Tax« sei unverrückbar und heilig. Fünf Tage lang klopfte die Unglückliche vergeblich an die Türen verschiedener WohltätigkeitSanstalten, um wenigstens ihren toten Liebling in die Erde bringen zu können. Dies Drama des Elends ist nur eines der vielen, deren Schauplatz Väterchens Reich ist. Zu derselben Zeit, wo in den Re- gionen des verlumpten russischen Adel» rauschende Feste gefeiert werden, verkommen in der Tiefe Tausende, die im Kriege ihr Herz- blut an die Erhaltung des verrotteten zaristischen Reiches gesetzt haben. Wann wird für alle die Unglücklichen die Stunde der Er- lösung schlagen, wann beginnt der große KehrhauS, der der tönernen Herrlichkeit ein Ende macht?_ Niedergebranntes Dorf. AuS Kairo erhalten wir eine telegraphische Meldung, daß das in der Provinz Dakahlich gelegene Dorf M i t t a h e r ein Raub der Flammen geworden ist. Bei dem sich mit großer Schnelligkeit verbreitenden Brande sind 19 Ein- eborene umgekommen. Durch die Zerstörung der ütten wurden 6000 Personen obdachlos. Der Brand soll durch die Unvorsichtigkeit eines Eingeborenen entstanden sein, der in seiner Hütte Fische briet. Die gekrönte Mutter GotteS. Nicht nur Fürsten von Gotte» Gnaden werden gekrönt, auch toten Bildwerken bereitet religiöser Wahn gleiche Ehrungen. Gestern wurde das nach Anficht der Gläubigen wundertätige MuttergotteS- bild in Ezenftochau(Russ. Polen) in Anwesenheit von mehreren hunderttausend Pilgern feierlichst gekrönt. Der Papst hat für die im Oktober gestohlen« Krone, die bi» dahin das Bildwerk schmückte, eine neue Krone gestiftet, deren Wert hunderttausend Frank beträgt. Trotz der Wundertaten, die dem Bildwerke zugeschrieben werden. hat es bisher nicht angegeben, durch wen eS im vorigen Jahre be- stöhlen worden ist. Das älteste Ehepaar der Welt. Bei der Volkszählung, die kürzlich in den Vereinigte« Staaten vorgenommen wurde, hat sich herausgestellt, daß in der kalifornischen Stadt F l o r e n c e ein greises Ehepaar lebt, daS wohl das älteste der Welt ist. Denn der Gatte hat sein 119. Lebens- jähr vollendet, während sie 197 Jahre alt ist. Seit 99 Jahren sind die beiden glücklich verheiratet. Er wurde in Neu-Mexiko im Jahre 1899 al» Kind französischer Eltern geboren, sie erblickte drei Jahre später in Mexiko das Licht der Welt. Im Jahre 1829 traten die beiden in Santa Fö vor den Traualtar. In ihrer 99jährigen Ebe wurden sie mit zehn Kindern gesegnet, von denen eins noch lebt: ein ehrwürdiger Greis von 85 Jahren. Kleine Notizen. Ein heftiger Zusammenstoß zweier Straßenbahnwagen ereig- nete sich am Sonntagabend auf dem Westplatz in Leipzig. ES wurden dabei 15 Personen mehr oder minder schwer verletzt, ein 44 Jahre alter Handelsmann Grundig starb an den erhaltenen Verletzungen wenige Stunden nach seiner Einlieferung in das Krankenhaus. An beiden Wagen wurden die Vorderperrons ab- gerissen. Ein Falschmünzer wurde am Sonntag in Leipzig in der Person eines 50jäbrigen Kaufmanns aus Oels in Schlesien fest- genommen. Bei der Durchsuchung seiner Wohnung fand man 151 falsche Zweimark st ücke. Der Verhaftete gab zu, eine größere Anzahl Münzen bereits ausgegeben zu haben. Hingerichteter Mörder. In R a t i b o r wurde am Montag morgen der Schlosser Anton P r z y b i l l a hingerichtet. Sein Vater, der ihm bei dem Morde an einem Arbeiter Hilfe geleistet hatte, ist zu lebenslänglichem Zuchthaus begnadigt worden. Vom Blitz erschlagen. Auf einem Gute bei Ea pellen sRheinland) tötete ein Blitzschlag einen Knecht und verwundete den Sohn des Gutsbesitzers.— In der Nähe von Luxemburg suchten eine Anzahl Kinder, die mit einem Lehrer einen Spazier- gang unternahmen, vor einem heraufziehenden Gewitter Schutz unter einem Baum. Durch einen Blitzstrahl wurden drei Kin» der getötet, drei lebensgefährlich und 19 leicht verletzt. Auch der Lehrer wurde leicht verletzt. Schwere Gewitterstürme und Wolkenbrüche'werden aus den verschiedensten Teilen Frankreichs gemeldet. Im Dorfe Wache- reffe wurden drei Häuser fortgerissen, fünf Personen sind dabei umgekommen. Jn Eppernay wurden die niedrig gelegenen Stadtteile vollständig überschwemmt. DaS Wasser stand in ein- zelnen Häusern 1% Meter hoch. In mehreren Ortschaften mutzten sich die Bewohner vor den Wasserfluten auf die Dächer ihrer Häuser flüchten. Die Verbindung zwischen mehreren Orten ist unterbrochen. Der durch daS Unwetter angerichtete Schaden ist un- geheuer. Auch zahlreiche Tiere find bei den Unwettern zugrunde gegangen. Im Kampfe mit Räubern. Nach einer Meldung aus Odessa überfielen in der Nähe der Stadt vier Räuber einen Kassierer und beraubten ihn. Sie wurden von der Feldpolizei verfolgt, die zwei von ihnen niederschoß. Die beiden anderen flüchteten auf ein« vorbeifahrende Lokomotive und verwundeten den Zugführer. ES gelang jedoch, sie einzuholen und zu verhaften. Der Aviatiker de LessepS hat feine Absicht, den Rückflug über den Kanal zu unternehmen, aufgegeben. Heftige Winde hinderten ihn daran. Er ist mit seinem Apparat per Schiff nach Calais zurückgelehrt._ Bnefhaftcn der Rcdahtion. 9U wriftlfdic evrcrfifninvt ftnbet Sinftcnftrnfte Wt.«#, bor« biet Trrvven— N a d r ft n h I—. woil,«»täglich do» 4»i, di»?>/- Udr abenv« ftatt. JUbrt Jlnfragr ift et» Buchtlab« and ein« Aabl als M«rtz«>ch«u b-izufüg«». vrieilich« Anewor» wird aichl«rtrilt. Eilig« Fragen»rag« «an in der Evrechftuud« vor. Sch. P. Ä. Wenden Sie sich mit ewer Beschwerde an da» Polizei« Präsidium. Wollen Sie ein übrige« tun. so können Sie auch gleichzeitig bei der Armeudirektion Beschwerde sühre». Briefkasten der Expedition. Patienten in Beelitz, Buch«nb anderen Heilstätten. Diejenigen unserer Wonnenten. die noch während des ganzen nächsten Monat» w der Hellstätte bleiben, wollen UNS wegen der Ucberweisung von Frei» excmplaren sofort ihre Adresse einsenden, da bei verspäteter Bestellung die ersten Nummern de» neuen Monat» von der Post nicht geliefert werden. All« Adressen müssen jeden Monat neu eingejandt werden. Todes-Anzeige. Am 20. Mal, nachmittags G'l, Uhr. verschied nach kurzem, schwerem Leiden, mein inniggelicbter un» vergeßlicher Gatte, unser herzenS- guter und Großvater Eduard Jakob im 49. Lebensjahr. Die» zeigen in tiefer Betrübnis um stille Teilnahm« bittend an 01« trauernden Hinterbliebenen. Die Beerdigung findet heute Dienstag, den 24. Mai, nach. mitlag»'/.3 Uhr. von der Kapelle deS slädtischen FricdbojeS in der Müllerftraß«, Ecke Seestraße, auS statt. ZlüitlilMlilsi'itizcliei'VziilkMiii de» 8. IM Relehstags- Wahlkreises. Tode»- Anzeiee. Am 19. Ma! verstarb unser Milglieb, der Tischler Eilhianl Jacob Sparrstraße 10. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Dienstag, den 24. Mai, nach- mittags 2'/, Uhr, von der Leichen- �alle des Philipp. Zlpostcl- Kirch- ose», Seestraße. aus statt. Um rege BeleUigung ersucht 227/2 Nee Vorstand. ' Deutscher Metallarbeiter-Verband Verwaltungsslelle Berlia. Todes- Anzeige. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Schlosser Wilb. Schwabbauer am 21. dS. MtS. an Lungen- schlag gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 25. Mai. nach- mittags 6 Uhr, von der Leichen- balle de« Zion»- Kirchboje« w Nieder-Schönbaulen au» statt. Reg« Beteiligung erwartet US/tO Die Ortsverwaltung Todes- Anzeige. «m 22. Mit 1910, abend» >l'/« Uhr. entschlies nach ichweren I Leiden mein lieber Mann und | guter Bater, der Restauraleur �Vilbelm Kühne im 44. Lebensjahre. DicS zeigen um stille Teilnahme bittend an Oie trauernden Hinterbliebenen. Die Beerdigung findet am 20. Mai, nachm. 5 Uhr, von der Leichenhalle des Zentrai-Friedhoje» in FriedrichSseld« auS statt. Nachruf. Zentral-Verband der Steinarbeiter. Filiale Berlin. Am 18. Mai starb unser Kollege <*ii«tav Teich im Alter von 53 Jahren an GefichtSrose. Ehre seinem Andenken! Die veerdtaung ersotgte am Montag aus dem Zentral-gried- hoj w Friedrichsseide. Die Ortsverwaltung. Demokratischer Verein „Norden" Dienstag, den 24. Mai, 8'/, Uhr, bei Bötzow, Prenzlauer Allee 242: lif.VM Thema:»Das Junkerwahlrecht und die Parteien.- Referent H. v. Gerlach.— Gäste willkommen. Deuiscber Holzarbeiter- Verband Den M>tatlcdern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Tischler Eduard Zakoh am 20. Mai gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Dienötag. den 24. Mai, nach- mittags'-/, 3 Uhr, von der Halle deS Städtischen Friedhose« in der Müllerstraße, Ecke Seestraße. au» statt. Um rege Beteiligung ersucht 84/2 Die OrtSverwaltung. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Werlsührer fried. Ruppin am 21. Mal gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Mittwoch, nachmittags 5 Uhr, von der Halle de» Friedrich. Werderschen Kirchhoses aus statt. Die Kollege» der Firma Thtelemann. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung metner lieben Frau und guten Mutter Minna Schmidt geb.«ichwar» sagen wir allen verwandten. Be- kannte» und Kollegen unseren herz. lichsten Dank. 5(5402 Berthold Schmidt und Sohn. Wir empfehle«: Die Welträtsel Gcmeinvcrständl. Studien über monistische Philosophie. 'von Ernkt DädteL Mit Nachträgen monistischen iur Begründung der Weltanschauung. vr.Lchünemann Sperlalarrt für Haut- um) Harnleiden, Frauenkrankheiten,* chstr. 203. Ecke Schützeustr. Wochentags 10— S. 3—7. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meine« lieben Manne» und unsere» herzen«- guten Vater» Ott» HVinIcler sagen wir allen Verwandten, Freun« den und Bekannten, insbesondere aber Herrn Waldeck Manasse für die Iroilmchen Worte am Grabe des Verschiedenen unseren herzlichsten Dank. 22356 Kinise Winkler nebst Kindern. □r. Simmel Spezial-Arzt* für Haut- und Harnleiden. Prinzenstr. 41, ÄÄ 10-— 2, 5—7. Sonntags 10—12, 2—4 vappet-Allttli, «sroßer Lade» mit Z > Minute ScHSn- , hauser Allee: Zimmer u. 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E» gibt dafür keinen Ersatz I Bautischler. GenossenfchafiSIischlerei, S Stunden ab Berlin, sucht zwecks Betriebs- verg ößerung noch 8 Tischler. Be- dingung ist. daß bei Eintritt 2000 M. al» Geschäftsanteil erworben«erden. Dauernde Arbeit gesichert Einkommen bis 4000 M. Au»tuiist im Hotzg-schä/t, Bertin, Oberbaumstt. 5, o. 2—3 od. 8—9. Szsphilis- NecMs In allen frisch, u. veraltet, zweifelhaft. Flll. durch wissenichastl. Untersuchung. sosort; deSgl. Harn-(Ipez. aus Go- norrboe-Fädcn) u. Sputum-Anulylen. Or. Hnrneyer d Co., Spezial-Laborat.. "iriedrichstr. 189, zw. Kronen- und llohrensttaße), I. 8724. Pers. Rückspr. diskr. u. tosten!. Geössnet von 8—3 Sonntag» von 12—1._* H.Pfau, Bintzglst "c"" DirckseiistraBe 10 zwischen Bahnhos Aleranderplatz und Polizeipräsidium.- Amt VII. 13 799. fillr Damen Frauen-Bedienung.* Lieferant für alle Krankenkassen. Staunend billig. Land-, Obstbaum- and Hochwald- Parzellen Nassenheide(Nordbahn) v. 250 M. an Hunderte in kurzer Zeit verk. Bes. 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Uhr, in Hoppes Festsälen, Hermannstrafte 48/49: lUitgUeder-Versammlung. TageS-Ordnung: 83/20 1. Besprechung der zum Berbandstag gestellten Anträge. 2. Verbandsangelegenheit.___ Srfrische Dich! Reichel s Limonadesirup- Extrakte enthalten daS volle edle Frucht-Aroma und ergibt jede Flasche bei überaus einlacher Zubereitung 5 Pfund jeinsten Limonadesirup, dessen reiner, wirklicher Frucht- geschmack und Billigkeit überrascht. Ein Pfund stellt sich fix und fertig nur aus 25 Psennig. wodurch es jeder Familie möglich ist, täglich köstliche Limonaden, Puddings und Flammeries zu genießen. Die bc- liebteste» sind Himbeer, Kirsch, Grdbeer, Zitrone, Limetta, Lemon, Squash, Grenadinc. Orangen je. Original Seffent), politisehe Versammlung in den Musiker-Sälen, Kaiser-Wilheln,-Straße 18m. 5. Kerliner Wahlkreis. Heute Dienstag, den Ä4. Mai 1910, abends 8'/- Uhr: - Blau-schwarze Vlockfrüchte. Referent: Reichstagsabgeordneter 2. Diskussion. Zahlreichen Besuch der Genossen und Genossinnen erwartet 223/13* Der Einberufer: Willi Friedlaemler, Elsnsser Str. 25 n. A» Zweigverein Berlin. Sektion der Gips- und Zementbranche, �ripsbaabranclie: Putzer, Träger und Spanner. Mittwoch, den 25. Mai 1910, abends 8 Wr, in den Armmhallen (großer Saal), Kommandantenstr. 38— SS: Milglieder- VersamiiM. TageS-Ordnung Berichterstattung über das Ergebnis der Tarifverhandlungen mit dein Berliner Beton-Verein. Pflicht aller in der Gipsbranche als Putzer, Träger und Rabitzspanner beschäftigten IIW Mitglieder unserer Sektion ist es, diese Versammlung zu besuchen. mm Mitgliedsbuch legitimiert. Ohne dasselbe kein Zutritt. 137/18* Der SektionSvorstand. WsuZ LelowsKxs Caruso- Cigaretten in eleganten Blechdosen 20 St. 60 Pf. Neu! aramel-Bier Alkoholarmes Spezialbräu. Aerctllcb empfohlen für Nervöse, Bleichsüchtige, nthrende Mütter etc. etc. Preis pro Flasche 10 Pfg. Cebersll ksnflieb. BiamlEnntEDseUiwu BEHLIN- PANKOW. 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Per Kreditoren-Konto.. „ Geschäftsanteil-Konto. „ Darlehns-Konto.. „ Reserve-Äonto... „ Reingewinn.... » Gewinnvortrag 1908. 40 572,66 4 952.74 210,— 33 674,10 340,— 1 332,92 62,60 40 572,66 Die Mitgliederzahl am 31. Dezem- ber 1909 betrug 7 Genossen, ein» getreten keiner, ausgetreten keiner. Die eingezahlten Geschäftsanteile be« trugen 210 M. Die Hastsumme der 7 Genossen betrug 210 M. 2236b vor Vorstwml. J. Stephan. C. Finkbeiner. Wanzen tötet unsehlbar mit Brut Roiclteis Wanzenfluid„Radikal" FI. 50 Ps.. I.-, 2.—, 3.-, Liierst. B.—. Absolut fleckfrei, nicht scuergesäbrlich. Koiviibl Go ruoli, nachhaltigsteV/irkuag ZvkWadsn vernichtet mit Brut radikal und sicher Rai chsl» Spezlal-Schwaben-Poudre „Martial". Pak. 50 Ps.. f.-, 2.-, Psd.».-. Mutten werden ganz sicher vertrieben und vollkommen ausgerottet durch Reichel» Spszial-Nviienpulver„Toial". Palet 50 Ps.. I—, 2—, Psund 3.—. SprüHapparate von 50 Pf. an. ' u. garantiert wirk- sam nur i. 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Heute, Dienstag, abends 8'/z Uhr, findet in den Musikersälcn, Kaiser-Wilhelm-Str. 18m, eine öffentliche Ver- sammlung statt, in welcher Reichstagsabgeordneter Genosse Robert Schmidt über:..Blan-schwarze Blocksrnchte" referieren wird. Die Genossinnen und Genossen werden ersucht, für guten Besuch der Versammlung zu agitieren. Stralau. Am Donnerstag, den 26. Mai, abends S'/s Uhr, findet bei Steinike, Alt-Stralau 5, eine wichtige Mitgliederversammlung des Wahlvereins statt. Tagesordnung: 1. Vortrag des Genossen Gebet. 2. Diskussion. 3. VereinSangelegenheiteu und Verschiedenes. Die Bezirksleitung. Friedrichshagen. Mittwoch, den 25. Mai, abends 8>/g Uhr, Mit- glicderversammlung des Wahlvereins im Lokal Lerche,' Friedrich- straste 112. Tagesordnung: 1. Vortrag des Genossen Enge» Brückner über:„Wie stellen sich die Arbeiter zu den Mahnahmen des Herrn Bolle seinen Angestellten gegenüber?* 2. Diskussion. 3. Vereinsangelegenheiten und Verschiedenes. Gäste willkomme». Die Bezirksleitung. Zossen. Ani Donnerstag, den 26. Mai, abends 8'/� Uhr, findet im Saale des Genossen P. Knrzner unsere Monatsver- sammlung statt. Tagesordnung: Aufnahmen nener Mitglieder. Vortrag:„Der Weg zur Macht". Referent Genosse Karl Mermuth- Berlin. Bericht über die Tätigkeit der Stadtverord« neteu im hiesigen Stadtparlament. Referent Genosse Ridzewski. Lokalfragen. Verschiedenes. Der Vorstand. Teltow. Heute, Dienstag, abends S'/o Uhr, findet in« Lokal des Genossen W. Bonow unsere regelmähige Mitgliederversammlung des Wahlvereins statt. Tagesordnung: Vortrag des Genossen Ulm: Stellung zur Gemeindevertreterkonferenz. Der Vorstand. KarlShorst. Heute abend Versammlung im.Fürstenbad". Weißensee. Die Mitglieder des Wahlvereins werden auf die heute abend 8Vz Uhr im Restaurant Albrechtshof, Parkstr. 13, mit einer sehr wichrigen Tagesordinmg stattfindenden Mitgliederversammlung aufmerksam gemacht. Mitgliedsbuch legitimiert Die Bezirksleitung. Pankow. Heute abend 8'/z Uhr findet bei Grostkurt. Berliner Straste 26, die Mitgliederversammlung des Wahlvereins statt. Tages- ordnung: 1. Kreisbericht. 2. OrtSangelegenheiren. 3. Verschiedenes. Die Bezirksleitung. Reinickendorf-Oft- Heute abend 8 Uhr findet bei Wernau (Schönholzer Flora), Provinzstr. 74/76, die Mitgliederversammlung des Wahlvereins statt. Tagesordnung: 1. Vortrag deS Reichstagsabgeordneter E. Eichhorn über:„Die Jugendzeit des Sozialismus." 2. Berichte von der Generalversammlung und der Gemeindevertreter- konferenz des Kreises Nieder- Barnim. 3. Diverse Neuwahlen. 4. Vereinsangelegenheiten. Die Bezirksleitung. Tegel. Heute Dienstag, abends 8Vz Uhr. findet bei Julius Klippenstein, Spandauer Str. 4, die Mitgliederversammliliig des Wahlvereins statt. Tagesordnung: Vortrag des Genossen Georg Schmidt über„Frühere WahlrechtSkämpfe". Vereinsangelegenheiten. Mitgliedsbuch legitimiert. Die Bezirksleitung. Berliner JVacbricbten. Wie die Armenverwaltung Nnterstützungsbedürftige abwimmelt. Sin schwer lungenkranker Mann wandte sich vor einiger Zeit an den Srmenvorsteher seines Bezirks mit dem Antrage un« Unter- ftützung, weil er in Mietsrückstand geraten war und nicht wustte, wie er sich helfen sollte. Der Antragsteller must sich auf den Ver- dienst seiner Heimarbeit treibenden Ehefrau verlassen, und damit diese arbeiten kann, besorgt er leichte Hausarbeiten und die Wege, um Arbeit abzuliefern und neue heranzuholen. Die Armen- kommission glaubte den Antrag ablehnen zu sollen, weil ihrer Meinung nach eine dringende Notlage nicht vorliege. Der Ab« geiviescne beschwerte sich und erhielt als Antwort folgende Mitteilung vom Armenamt XII: Ihr Unterstützungsgesuch lehnen wir ab. Sie haben bei Ihrer auf dem Armenamt am.... d. M. gegebenen Erklärung Ihre eigene Tätigkeit nicht in Anschlag gebracht. Da die Erwerbstätigkeit von Ihrer Ehefrau besorgt wird, müssen Sie die Arbeiten in der Wirtschaft übernehmen. Dazu erachten wir Sie trotz Ihres nervösen Leidens für vollkommen imstande. Dast Ihre Einkünfte grost genug find, uin Ihnen ein sehr behagliches Leben zu ermöglichen, geht aus Ihrem an die LandeSverficherungs- anstatt am 29. Oktober 1995 gerichteten Schreiben hervor, in dem Sie den Ihnen angebotenen Erholungsaufenthalt in Beelitz ablehnen, weil Ihnen die beste Anstaltskost und Pflege das Essen und die Pflege, die Sie im Hause haben, nicht ersetzen können, und ferner, dast in Jhrein Haushalt ein Hund gehalten wird. Falls Sie meineir, ohne Unterstützung nicht auskoninien zu können, bieten wir Ihnen gegen Hingabe Ihrer Rente volle Verpflegung in einer unserer städtischen Anstalten an. gez. Collatz." Der Bescheid ist recht klassisch. Zum Verständnis sei bemerkt: Der Antragsteller ist erwerbsunfähig erklärt worden und bezieht eine Invalidenrente. Der Verdienst der Frau mit Hinzurechnung der Invalidenrente war in den letzten dem Antrage vorhergehenden Wochen so gering, dast schliestlich ein Unterstützungsantrag gestellt wurde. Die Armenverwaltung wandte sich an das Geschäft, für das die Frau des Antragstellers arbeitete, um Auskunst über den Ver- dienst, obwohl das Lohnbuch vorgelegt wurde. Die Auskunft vom Geschäft konnte nur dahin gehen, mitzuteilen, welchen Betrag die Frau des Unterstützungsuchenden ausgezahlt erhallen habe. Da aber an diesem Verdienst noch eine Verwandte teilnahm, die mitarbeitete, und außerdem Auslagen für Garn und dergleichen abzuziehen find, so war der wirkliche Verdienst der Frau geringer, als der vom Geschäft a..gegebene. Unsinnig ist natürlich, bei Be- reöbnung des Einkon, mens einen Betrag für die eigene Tätigkeit des Gesuckstellers in der Hauswirtschaft in Anschlag zu bringen, da diese Arbeit mebr erhaltender, nicht erwerbender Natur ist, andrer- ieitS nur durch diese Tätigkeit der Verdienst der Frau zu erzielen ist, also bereits zum Ausdruck kommt. Ganz und gar verfehlt aber ist der Hinweis darauf, dast Petent km Jahre 1905, vor 4'/z Jahren, einen Borschlag der Landes- Ver- ,,a»erungsanstalt. nach Beelitz zu gehen, glaubte ablehnen zu sollen. DaS geschah dantals, als der Mann schon alle erdenk- lichen Kuren durchgemacht hatte, schon in Erholungsstätten gewesen war und sich von einein erneuten Aufenthalt in einer solchen keinen Erfolg versprach. Aber gleichgültig, warum der Mann vor bald fünf Jahren nicht in eine Erholungsstätte ging, halten wir es für ungeheuerlich, bei Anträgen auf Unterstützung sich auf frühere BermögenSverhältnisse eines Petcnten zu beziehen. ES kann unter Umstanden ein Mann noch im Vorjahre sehr vermögend gewesen sein und in diesem Jahre sich genötigt sehen, die Hitfe deiyStadt anzurufen. Maßgebend kann doch nur bei Prüfung von Gesuchen um Unterstützung die augenblickliche Notlage deS Petenten sein. Wie weit hergeholt die Gründe des Annenamtes sind, er- hellt auch aus dem Hinweis, dast im Hrnishalt ein Hund gehalten wird. Dieser Hund wird von der Schwägerin gehalten. Wie das Armenamt dazu konnnt, diesen Umstand zu- Ungunsten des Gesuchstellers ailszulegen, wird sein Geheimnis bleiben. Die volle Absicht des ArmenamteS, den Mann abzuwimmeln, geht ans dem Schlußsatz deS Bescheides hervor. Damit niemand sagen kann, man habe Hilfe verweigert, wird dem Antragsteller volle Verpflegung in städtischen Anstalten augeboten, wenn er auf seine Rente zugunsten der Stadt verzichtet. Unseres Erachtens ist dieses„Angebot" nach Lage der Verhältnisse gar nicht einmal gerechtfertigt und liegt auch nicht im Interesse der Stadt. Denn es hat sich bei den« Antrage nicht um laufende Unterstützungen gehandelt, sondern um Extraunter ftützung zur Begleichung von Mietsrückständen. In diesen Fällen aber ist der vom Arrneuamt'XII eingeschlagene Weg ganz ungewöhnlich. Ohne uns auf den vor- liegenden Fall noch näher einzulassen, wozu man ja die Akten kennen müßte, geht aus dem hier abgedruckten Bescheid hervor, daß bei der Armenverwaltung mit Argunienten gearbeitet wird, die nie und nimmer bei Erledigung von Unterstützungsgesnchen maßgebend sein dürfen._ Verbotene Annonce», lieber die Frage, welche Heilmittel öffentlich angekündigt werden dürfen, sind einige bemerkenswerte Urteile jetzt amtlich zusammengestellt worden. Sie sind von be- sonderer Bedeutung für die verantwortlichen Redakteure für den Anzeigenteil der Zeitungen. Die Ankündigung von Tabletten gegen krankhafte Fettleibigkeit ist nach dem Urteil des Kainmergerichts nicht erlaubt. Ein Redakteur, der eine derartige Anzeige auf- nimmt, macht sich strafbar. Auch„Mirabel" darf als Mittel gegen Kahlköpfigkeit nach dem Kammergericht nicht angepriesen werden. Das Kaminergericht erklärt die Kahlköpfigkeit für eine Krankheit. Ebenso darf„Rino-Salbe" als Heilmittel gegen Krankheiten nicht öffentlich angekündigt werden, wie ein anderes Urteil des Kammer- gerichts ausspricht...Reichels Hustentropfen" sind zwar dem freien Berkehr überlassen, ihre Anpreisung als Heilmittel verstößt aber gegen die noch rechtsgültige Polizeiverordnung des Regierungs- Präsidenten zu Coblenz vom 31. Juli 1894 über die Ankündigung von Geheiinmitteln, Arzneimitteln und Reklamemitteln. Das Ende eines Scnsntionsromans. Auf den Berliner Straßen wird gegenwärtig Peter Ganters famoses Machwerk:„Doppelte Moral",' deren beabsichtigter origineller Vertrieb ihm eine erhebliche Gefängnisstrafe einbrachte, zu einem Preise von— 1v Pf. pro Exemplar verramscht! Ursprünglich sollte das Buch 7,50 M. kosten. Verspätete Desinfektionen. Unter dieser Ueberschrift brachten wir in unserer Nummer von« 8. Mai eine Mitteilung, nach der ein Kind des Arbeiters D. i» der Stralsunder Straße am 16. April an Diphtheritis erkrankte, nach dem Lazarus-Krankenhause gebracht wurde und dort am 23. April starb. Am 39. April, also 14 Tage nach der Erkrankung, seien in der Wohnung des Arbeiters Desinfektoren erschienen, um die Des- infektion der Räumlichkeiten und der Jnventarstücke vorzunehmen. Wir liegten dar, daß eine solche späte Desinfektion keineswegs den Zweck erfüllt, der mit der Desinfektion verbunden sein soll, nämlich die Weiterverbreitung ansteckender Krankheiten zu verhindern und warfen die Frage auf. wem wohl die Schuld an dieser verspäteten Desinfektion zuzuschreiben sei, der Desinfektionsanstalt oder der Polizei. Jetzt wird uns aus dem Rathause hierzu mitgeteilt, daß der Magistratskommissar für Desinfektionsangelegenheiten infolge unserer Notiz eine Untersuchung eingeleitet habe. Diese habe ergeben, daß die fragliche Desinfektion am 29. April bei der städtischen DeSinsektionsanstalt bestellt und am nächsten Morgen, den 30. April, ausgeführt«vorden sei. Die städtische Verwaltung treffe an der Verspätung keine Schuld. Es ist selbstverständlich, daß die Stadt Desinfektionen nur aus- führen kann, wenn fie ihr gemeldet werden. Jetzt hat die Polizei das Wort zur Erklärung, warum sie die Meldung nicht früher er- stattet hat._ Die„christliche" Synode, lieber Mißstände in dem Bureau der evangelischen Stadtsynode milßte in letzter Zeit sehr oft berichtet werden. Das war besonders dem Direktor der Synode sehr un- angenehm und er kündigte den Beainten an, daß fie hinausfliegen würden, wenn die Zeitungsschreiberei nicht aufhören würde. Diese Absicht ist nun auch wahr gemacht worden. Anstatt die aus dem Bureau herrschenden Mißstände zu beseiiigen, ist sämtlichen bei der Synode beschäftigten Hilfsarbeitern ihre Tätigkeit gekündigt worden. Es befinden sich unter den Gekündigten Personen im vorgerückten Lebensalter, die bereits über zehn Jahre im Dienste der Synode stehen. Echt christlich, Familienväter ohne weiteres aufs Pflaster zu werfen. In der Sitzung der Deputation für das städtische Turn- und Badewesen vom 21. Mai wurde unter Vorsitz des Stadtschulrats Dr. Michaelis u. a. Bericht über die Ergebnisse des in den Fluß- badeanstalten während des Sommers 1909 an Gcmeindeschulkinder erteilten Schwimmunterrichts erstattet. An diesem Unterricht haben 510 Knaben und 284 Mädchen teilgenommen. Von den Knaben haben 86 Proz., von den Mädchen 78 Proz. das Schwim- inen erlernt. Insgesamt haben 14 544 Schlvimmübungen stattge- funden. Neue Straße» und Plätze. Der Platz 2 an der Müllerstraße hat den Namen„Nachtigalplatz" erhalten, der Platz am Treffpunkt der Reinickendorfer, Licbenwalder und Schulstraße heißt jetzt .Nauener Platz", der Platz an der östlichen Dalldorser Straße „Lenzenerplatz", der Platz? I im Norden„Liztplatz", die Straste 39 an der Hohenlohestraße den Name»„Laskerstraße", die Straße 304. an der Müllerstraße den Namen„Glasgower Straße", die 86 und 86a dort den Namen.Dubliner Straste". die Straße 29 dort den Namen„Londoner Straße", die Straßen 30 und 31 dort den Namen „Edinburger Straße", so daß dort am Schillerhain ein„englisches Viertel" entstände,« ist. Geschmacklos! Ein Leser schreibt uns:„Als ich Sonnabend abend gegen �-8 Uhr die Reinickendorfer Straße passierte, sah ich im Schaufenster einer neu eröffneten Groß-Destillation, Reinicken- dorfer Straße 24. euren großen Kranz mit großer roter Schleife häl«gen. Näher tretend, las ich folgende Widmung: Unserem lieben Freund Max Weyle zur Eröffnung.seines lV. Geschäftes. Ge- widmet von seinen Freunden und Stammgästen.— Eile mit Weyle.' Diese Art Reklame ist so geschmacklos wie möglich! Zu dem Fund eines MrnschenbeineS wird««och mitgeteilt, daß es sich nicht um einen Ober-, sondern u>n einen Unterschenkel handelt. Die GerichtSärzte Medizinalräte Dr. Stürmer und Dr. Hoffmann haben den Fund im Schauhause genauer untersucht und festgestellt, daß der Unterschenkel von der erinordeteu Arn- holtz stammt. Die Maße der Knochen, auch des Fußes und der Zehen, stimtnen mit denen des kürzlich gefundenen linken Beines überein. Auch die Art der Schnitte ist nach einer Vergleichung des neuen Fundes mit dem präparierten früheren Funde dieselbe, die sich auch an den anderen Leichenteilen befindet. Sie lassen sich bei der starken Verwesung zwar nicht im eiirzelnen haarscharf, aber doch im ganzen noch bestimmt genug feststellen, um die lieber- einstiwmung zu erkennen. Für Hundebesitzer dürfte ein Hinweis von Nutzen sein, bei Ausflügen und Spaziergängen in die Vororte Vorsicht zu üben, da es in verschiedenen Vororten mit dem Maulkorbzwang sehr ver- schieden gehandhabt wird. Wir haben in letzter Zeit iviederholt die Beobachtung machen müssen, daß beispielsweise Pankow zu einer richtigen Falle für Hundebesitzer sich zu entwickeln scheint. Der Uin- stand, daß an Sonntagen viele Spaziergänger den Vorort Pankow besuchen oder auch auf ihrem Wege passieren, scheint von dem dort stationierten Fangbeamten dazu benutzt zu«verde». Ernte zu halten. Wenn in Berlin an Sonntagen gegen Abci«d kein Fangoeamter zu erspähen ist, tut der Beamte in Pankow eifrig seinen Dienst und achtet mit Argusaugen auf die Spaziergänger, die in Begleitung eines Hundes den Vorort besuche««. Sonntags abends um 7, 8 Uhr und noch später kann man den Diensteifrigen in der Nähe des Bürgerparkes bemerken, wenn man ihn kennt. Und kennen lernen wird ihn so mancher, der ahnungslos mit einem Hunde ohne Maul- korb daherkommt. Dann stellt sich der Mann vor ui«d fordert seine drei Mark. Es wäre interessant, festzustellen, wieviel Strafgelder der Mann an den Sonntagen für die Gemeinde Pankow cinhein«st. Bon einem Dampfer überrannt. Ein aufregender Vorfall hat sich am Sonntag auf dein Müggelsee abgespielt. Ein mit fünf Personen, zwei Damen und drei Herren, besetztes Ruderboot, das von Friedrichshagen abgefahren war und die Richtung nach den Müggelbergen zu nahm, lmirde auf der Höhe des Müggelsees von einem kreuzenden Personendampfer überrannt und in den Grund gebohrt Die Insassen stürzten sämtlich in die Fluten. Glück- lichcrweise waren die drei Herren vorzügliche Schwimmer, so daß sie die beiden Damen, die. sonst vielleicht ertrunken wären, retten könnten. Von den Mannschaften des Dampfers wurden dann die Verunglückten an Bord geschafft. Zu einer Panik kmn es am Sonntag in dem Park der«Neuen Welt", in dem eine sogeiianiite Gebirgsbahn errichtet ist. Diese von einer amerikmiischen Gesellschaft gegründete Rutschbahn ist recht primitiv hergestellt, wird aber besonders an SonNlagen stark benutzt. Am Sonntag geriet ein Wagen mit Insassen lvährend der tollen Fahrt aus der Kurve und die Insassen wurden an die Wand der Barriere geschleudert. ES entstand eine furchtbare Panik. Viele Personen sprangen in ihrer Angst die zirka 4 Meter hohe Barriere herab, wo sie von herbeieilenden Männern, so gut es ging, auf- gefangen wurdeir. Der Führer des nachfolgenden Wagens hatte den Vorfall jeden- falls»och früh genug bcinerkt, um seinen Wagen noch zum Halten zu bringe««, konnte aber ilicht«nehr verhindern, daß er mit dem nun folgenden Wagen einen � Zusammenstoß erlitt, wobei ebenfalls alle Insassen ans dem Wagen geschleudert wurden. Als ein«vahres Glück muß es bezeichnet«verde««, daß dieser Unfall nichl von größeren Folgen begleitet war, denn außer zer- rissenei« Kleidern, die wohl jeder Fahrtteilnehiner zu beklagen Halle, sowie Hautabschürfungen und etlichen Quetschungen von Glied- «naßen sind alle, soweit es sich übersehen ließ, mit dem bloßen Schrecken davongekommen. Es mutz«liiter allen Umständen Vorsorge getroffen werde», daß sich derartige Vorfälle nicht wiederholen, wie mich dafür gesorgt iverden muß, daß das Einsteigen mit größerer Ordnung geschehen kann als bisher. Flucht eines Untersuchungsgrfangenen aus der Charitä. Aus der Nervenklinik der Charitö ist in der Nacht zum Sonntag der Untersuchungsgefangene L e i b n e r i tz entflohen, der voin Unter- suchuilgsgericht Bitterfeld dem Krailkenhause zur Beobachtung über« «Viesen worden lvar. Er zog die Zivilkleider eines ebenfalls auf der Station liegenden Offiziers an, stahl dem Wärter dessen Geldbörse mit Inhalt und öffnete mit Hilse eines Schlüssels die Zellentür. Mcrkivilrdig bleibt dabei, wie der Ausreißer, ohne angehalten zu werden, den Pförtner passieren konnte. Die Kriminalpolizei fahndet auf ihn. Ans NahrungSsorgen unternahm der 29 Jahre alte Arbeiter Willy Polle, Orthstraße 7, einen Selbstmordversuch. P.«var lange Zeit hindurch ohne Beschäftigung, und bald stellten sich bei ihm Nahrungssorgen ein, die von Tag zu Tag empfindlicher wurden. In seiner verzweifelten Lage wußte der Aermste keinen anderen Ausweg mehr, als sich das Leben zu nehmen; er versuchte, sich durch Kohleugas zu vergiften. In der Kochinaschine entzündete der Lebensmüde ein Kohlenfeuer, verschloß die Schieber und alle Oeff- nungen recht dicht und atmete den Rauch ein. Ein nebenan wohnender Schlafbursche fand P. später in leblosem Zustand auf und schafft« ihn nach dem Virchow-Krankenhaus, wo der Bedauernswerte hoffnungslos darniederliagt. Zwischen den Puffern der Straßenbahn. Ein schwerer Be« triebsunfall hat sich am Sonnabend nachmittag am Schlesischen Bahnhof zugetragen. Beim Zusaminenkuppeln eines Motor- und Anhängewagens der Ostbahn geriet der 28 Jahre alte Reserve- schaffner Otto Bahn aus der Bödickerstraße 3 zwischen die Puffer der beiden Waggons, wobei ihm der linke Oberschenkel vollständig zerinalmt«vurdc. In besinnungslosem Zustande wurde der Schwer- verletzte nach der Unfallstation am Grünen Weg gebracht, wo er einen Notverband erhielt, und von dorl nach dein Krankenhause Fricdrichshain übergeführt. Das Bein wird dem Bedauernswerten Ivahrscheinlich abgenommen werden«nüssen. Im Anschluß a» das Spandauer Dampferunglück erhalten wir über die Verhältnisse der Potsdamer Werft der Sterngesellschaft, der der Dampfer„Leopold von Ranke" ai«gchört, folgende Mit. teilungen: Infolge der Sparsamkeit der Gesellschaft werden wieder die Angestellten von dem Gericht zur Verantwortung gezogen und bestraft werden. Es ist unverantwortlich, den Schiffsführern da» Kassieren des Fahrgeldes zlizun«uten, und doch geschah das bisher wochentags fast iinmer für die Fahrgäste, die auf den sogenannten „kleinen" Stationen zwischen Potsdam ui«d Spandau einstiegen. Sonntags geschieht das Kassieren meistens nur bei sehr großem Andrang und abends, wenn die Hilfskassierer auf den Station«« bereits eingezogen sind. Trotzdem die Schiffsführer verpflichtet sind, Fahrgelder zu kassieren, sollen sie nach ihrer Instruktion die Kom- mandobrückc nicht verlassen. Und was wird dem Personal sonst noch zugemutet! Von Anfang Mai bis Ende September haben sie weder einen freien Wochentag noch Sonntag. Sonntag ist der Dienst überhaupt unbeschränkt. Da werden von niorgens 7 Uhr an die Schiffe gesäubert und dann wird gefahren bis spät in die Nacht, so lange eben noch Leute unterwegs sind. Regelmäßige Pausen gibt es überhaupt nicht. Liegt ein Dampfer einmal längere Zeit auf irgendeiner Station(was natürlich- bei gutem Wetter Sonntags kaum vorkommen dürfte), so werden die Mahlzeiten verzehrt. Wir haben aber auch schon Angestellte gesehen, die während der Fahrt abwechselnd«n der Kajüte stehend, ihr Essen zu sich gendminen haben. An solchen Tagen sind dann Arbeitszeiten von 13, 14, ja lo Stunden sowohl für Führer-, wie Maschineninaimschaften keine Seltenheit. Neben diesen anstrengenden und vcrantwortungsvolleir Arbeiten hat auch der 15— 17jährige Klingeljunge dieselbe Dienst- zeit. Dazu sind dam« an solchen Tagen die Fahrzeuge»wch ab und zu überladen, ein Uebelstand, gegen den die Behörde im vorigen Jahre wiederholt in Wannsee eingeschritten ist. Straf- Mandate für die Schiffsführer sind ivieder die Folge. Im Jnter- esse der Sicherheit des fahrenden Publikums und in Rücksicht auf das Personal dürfte eine vollständige Uinändernng der Betriebsordnung der Spree-Havel-Dampfschiff-Gesellschaft„Stern" not- «vendig sein. Ein schwerer Verlust. Am Soniltag, den 22. Mai, nachmittag» 7 Uhr, auf dem Wege im großen Tiergarten von der Kaiser- Friedrich-Gedächtniskirche bis Charlottenburger Chaussee verlor eine arme Arbeiterin eine schwarze Ledertasche mit 10,20 M. Inhalt. Der Verlust ist um so schwerer, da eS sich um den Wochenlohn handelt. Der ehrliche Finder wird gebeten um Abgabe bei Johannes Köhler, Wilhelmshavener Straße 18, Luergebände IV. Zu ten 2niiticiibtcJi|tST)Icn In den SsiliKe» Vororten, itber die «vir dieser To�e berichteten, ersucht uns Herr Knrl Donlke, Britz. Werder, tr. 45, mitzuteilen, dajz er mit de», in der Notiz genannten Domle nicht identisch ist. Der Zlistiiinncilstoß zweier Automobile verursachte am Sonntag abend einen großen Sluflanf an der Ecke der AngSburger und Naukestrasze. Ein Privatauto, von der Rankestraße kommend, stieß »lit einem von der Augsburger Straße»m die Ecke biegenden Droschlengnto mit voller Wucht zusammen. Die Droschke wurde total zertrümmert,»nd das Privatauto stark beschädigt. Eine Person wurde crbcblich und die beiden Chauffeure leichter verletzt. Die alarmierte Feuerwehr nahm sich der Berletzten an und beseitigte das Verkehrshindernis. Rodrenne» zu Steglitz, 22. Mai. Der„Große Preis von Steglitz*, ein Swndcnreinien mit Motorführung, 2CK)lZ, 1600, 1400, 1200 und 1000 M., verhieß mit der Besetzung von Butler, Äuignard, Ryser, Ssräs und T h e i l e einen spannenden Kampf, mit großem Interesse sah man der Beteiligung von Sürös entgegen, dem zurzeit besten französischen Fahrer, der zum erstenmal in Steglitz fuhr. Das Rennen brachte in der Tat sportliche U«impfe, aber sie fährten zu anderen als den erlvarteten Ergebnisse,«. Tbeile versagte heute vollsiändist. dagegen fuhr Ryser in der ersten Hälfte des Rennens so vorzüglich, daß er vom 0- bis 48. Kilometer die Spitze behauptete und man ihn allgemein für den Sieger hielt. Da brachte ihn ein Schaden seines Motors ins Hintertreffen: er Ivechselte mehrfach mit seiner Führung, aber es war nichts mehr zu retten: er konntc»nr noch de» vierten Platz belegen. Nach Nysers Unfall gelangte Gnignard auf den ersten Platz, aber nach de», 60. Kilo meter mußte er diesen an setnen Landsmann Ssrds abtreten, der denn auch das Nennen gewann. Butler konnte sich nicht zur Geltung bringen. Ergebnis: 1. S 6 r s s 76.680 Kilometer: 2. Gnignard 73,640 Kilomeier: 3. Butler 60,810 Kilometer; 4. Ryser 67,350 Kilo- meter: 5. Theile 65,300 Kilometer.— Mehrere Rennen waren den Fahrern über die kurze Strecke vorbehalten. Hauptsahren. 1000 Meter. 100, 75, 50 M. 1. Peter. 2. Wegen«, 3. Schür- mann.— Preis von Steglitz. lOOO Meter. 50, 40, 30 M. 1. Carapezzi, 2. W. Lorenz. 8. Krahner.— M a n n s ch a f t s- Verfolgung«- Rennen. 5000 Meter. 50, 40, 30, 25, 10 M. 1. Mannschaft: Peter, Rudel, Saldow, Schürmann, Schwab. 2. Mannschaft: Carapezzi, Großmann, A. Müller, Pawke, Wegen« fjedem Fahrer 10 aii.) P r ä m i e n f a h r e n. 4000 Meter, 25, 20, 15, 10 M. 1. Rudel, 2. Schwab, 3. Pawke, 4. Aierck. Prämien a 10 M. gewannen Kurzmeier, Großmann, Sterba.— Tandem-Hauptsahren, 2000 Meter. 150, 100, 75 M. 1. P e t e r- W« g e n e r. 2. Schtvab- Schiinnann, 3. Salvon-Großmann.— Ta»de in-Prämie n- fahren. 4000 M. 40, 30, 25 M. 1. Schmittchen-Sterba, 2. Hamann-Vierck, 3. A. Miiller-Pawke, 4. W. Lorenz-Abraham. Prämien a 20 M. getuannen: Schmittchen-Sterba, Lorenz-Abraham, Tetzlaff-Rudel.— Die vom besten Wetter begünstigten Nennen waren gut besucht und verliefen ohne Unfall. Ein schwerer Betriebsunfall ereignete sich am Sonntag am Warschauer Platz. Dort wird gegenwärtig ein Neubau der Auer- Gesellschaft aufgeführt, an dem«onntag mittag ein Flaschenhug abgetakelt werden sollte. Zu diesem Ztvecke befand sich der 40jah- rige Arbeiter Otto Falkenthal aus der Mittenwalder Straße 23 auf einem zirka acht Meter hohen Gerüst. Als er sich hier um- wenden wollte, trat er fehl und stürzte kopfüber in die Tiefe. Blutüberströmt und besinnungslos wurde der Verunglückte nach der Unfallstation in der Warschauer Straße geschafft, wo ein Schädelbruch, Gehirnerschütterung, Bruch des rechten Schlüssel- ibeins und eine tiefe Wunde in der linken Achselhöhle festgestellt wurde. Nach Anlegung von Notverbänden wurde der Arbeiter nach dem Krankenhaus Friedrichshain gebracht. Sein Znstand ist hoff- mingslo». Die Sonntagsarbeit ist dem Arbeiter recht Verhängnis- voll geworden. Das Palizeipräfidium teilt mit: Alwin Lisse! an« Breslau lautet ein Mililärpaß. der mit verschiedenen Kleidungsstücken am Müggelsee gefunden wurde. Zur Aufklärung des Fundes werden der Eigentümer de« Mililärpasse« oder Bekannte desselben oder sonstige Personen, die zweckdienliche Angaben machen können, ge- beten, sich an die Polizeiverwaltung in Köpenick oder an die Kriminalpolizei in Berlin, Alexanderstraße, zu wenden, bei letzterer unter Bezugnahme auf das Tagebuchzeichen 1V70. IV. 31. 10. Vorort- Nachrichtens Tharlottendurg. Zur Aufschließund de« Baublocks, tvelcher von der Bismarck-, Krumme-, Wall- und Scscnheimerstraße umschlossen wird und bei einer Breite' pon 170 Meter für eine rationelle Bebauung un- geeignet ist, beantragt der Magistrat bei der Stadtverordneten- Versammlung die Durchführung einer neuen Parallel st raße zur B i s m a r ckst ra he zwischen der Krummen- und der Sesen- Heimerstrahe. Das für die neue Straße erforderliche Gelände liegt größtenteils frei. Es ist nur von ivenigen minderwertigen Ge- bäuden, die modernen Ansprüchen an Wohnstätten nicht mehr ge- nügen, bestanden. Da die.Bebauung dieses Stadtgebiet« sich sehr rasch vollzieht und alle anschließenden Straßen anbauferiig her- gestellt sind, würde bei noch längerer Hinausschtebung de» Projektes die Aufteilung und Nutzbarmachung des neu zu erschließen- den Geländes unmöglich werden. I» der Sitznna der Eharlottenburser Gewerkschaftskommisfiin gab der Obmann Genosse Richter einen Bericht von der Konferenz der Jugendausschüsse. In der anschließenden Aussprache über die Jugendbewegung in Eharlottenburg wurde mitgeteilt, daß die Zimmer im zweiten Stock des Volkshauses als Jugendheim her- gerichtet werden. An den Dienstagen bleiben die Zimmer aus- schließlich für die Zusammenkünfte der Jugendlichen reserviert. Zur Unterstützung des Jugendausschusses wurden von der Gewerkschafts- kommission die Genoffen Tobias, Lange, Pannier und Liebig ge- wählt. Dann gab Genosse Pannier einen Bericht über die Lohn- beioegung der Schuhmacher. Er wies darauf hin. daß für die Ge, schäflc, von denen die Forderungen des Schuhmacher-Verbandes be- willigt worden sind, enisprechende, für den Anshansi im Schaufenster bestimmte Plakate herausgegeben werden. Pflicht eines jeden Delegierten sei«s, in den Kreisen seiner Gewerkschaft für die Be- achtung der Plakate zu sorgen. In der Diskussion wurde von mehreren Rednern lebhaft bedauert, daß sich im Inseratenteil des „Vorwärts" immer wieder Anzeigen von Geschäften vorfinden, deren Arbeiterschaft im Streik stehen. Auf eine Anfrage des Genossen Wilde, die Sammelliste� für die ausgesperrten Bauarbeiter betreffend, teilte der Kassierer Genosse Ahrens mit, daß die Tamm- lung, trotzdem die Listen erst kurze Zeit im Umlauf seien, schon sehr gute Resultate gezeitigt haben. Ferner wurde darum ersucht, von den Eintrittskarten zur Städtebau-AuSstellung regen Gebrauch zu machen. Dieselben werden von der GewerkschastSkoinmission zu dem ermäßigten Preis von 30 Pf. zur Verfügung gestellt. Die Karten sind im Volkshause und in der Spedition des„Vorwärt«", SesenHiiimerstraße, zu haben. Unentschuldigt fehlten die Ver- treter der Gips- und Zementarbeiter und der Sattler. j Tchöneberg. Eine Liebestragödie hat sich am Montagmorge» In dem Haus« Wartburgstr. 17 abgespielt. Dort goß der 25 jährige Eifenbahn- arbeit« Robert Witzig seiner ehemaligen Braut, der 19 jährigen Ida Czesta, Vitriol über den Körper, wodurch das Mädchen entsetz liche Brandwunden im Gesicht. an der Brust sowie an den Armen und Händen erlitt. Die Aermste wird voraussichtlich das Lngenlicht für immer verliere». Der Täter ist flüchtig. Witzig und die Czesta nnterhielten seit Jahresfrist ein Liebesverhältnis. Vor einer Woche löste das Mädchen das Verhältnis auf. Arn Sonntag war die C. mit einem Bekannlen ausgegangen und der Eisenbahnarbeiter, der hiervon erfuhr, beschloß, ftch a» der Ungetreuen zu räche», um damit zu erreichen, daß auch kein anderer sich dem Mädchen nähere. Gegen 1/37 Uhr früh begab er sich am Montag nach dem Hause Wartburgstr. 17, wo seine frühere Braut sich in Stellung besindet. Hier klingelte er. und als ihm die C. ahnungslos öffnete, goß er ihr ein beträchtliches Quantum Vitriol in das Gesicht und über den Oberkörper. Auf die gellenden Hilferufe der Ueberfallenen eilten Hanöbelvohner Hinz», die die Besinnungslose zu einem in der Nähe ivohnenden Arzt brachten. Bon dort ans wurde die Czesta, welche schwere Brandwunden, namentlich im Gcsichr, an den Augen und nn der Brust davongetragen hatte, nach dem städtischen Kranken- Hause übergeführt, wo sie in bedenklichem Zustande daniederliegt. Die Frcischule soll auf den hiesigen höheren Lehranstalten an solche einheiniischen Schüler und Schülerinnen gewährt iverde», die vom Schnlleiier als befähigt empfohlen werden, hinstchllich ihres Fleißes und Betragens der Verglinstignug ivürdig und deren Eltern oder Pflegeeltern bedürftig sind. Auswärtige» Schülern wird nur in ganz besonderen Fällen, Schülern der Vorschulklassen und Schäle- rinnen der 8., 9. und 10. Klosse der höheren Mädchenschnlen über- Haupt leine Freischnle gewährt. In der Regel wird gfreischnle nur für ein Kind einer Familie geivährt. Ansnahuieii hiervon sind nur im Falle eines besonders dringenden Bedürfnisses zulässig. Die Gewähr»»« der Freistelle muß alljährlich erneut beantragt werden. Die Gesuche sind auf dem vorgeichriebenen Formular, das vom Schulleiter verabfolgt wird, spätestens bis Ende Februar— für das ganze Rechiunigsjahr 1. April bis 31. März oder bis Ende Angnst— für das Winterhalbjahr an den Schulleiter zu richte». Die Gesamtzahl aller Freistellen an den einzelnen Lehranstalten darf nicht den 10. Teil der anfgeiiommenen Schüler und Schülerinnen übersteigen. Die Schüler der Vorschnlktassen»nd die SchiUermiien der höheren Mädchenschnlen sowie alle auswärtigen Kinder werden hierbei nicht mitgerechnet. Nixdorf. Die nächste Stirdtvcrordiietenverslimmlung anr Donnerstag, den 26. Mai«., nachmittags 5 Uhr, im Rathanse, Berliner Straße 63, Hierselbst, im licueii Sitzungssaal, wird sich u. a. mit folgenden Be- ratungsgegenständen beichästigen: Ortsstatut gegen die Verunstaltung des Stadtbildes; Festsetzung von Anliegerbeiträgen: Verlegung des städtischen Arbestsnachtveises: Ueberschreitung von Etatspositionen 1909. Treptow-Paum schulenlveg. Feuer brach am Soniiiagabend 9 Uhr im Pelztvarengeschäst von Jeske, Baumschnlenstr. 8, auf bisher noch unaufgeklärte Weise aus. Die freiwillig« Feuerluehr, welche sofort zur Stelle war, konnte den Brand bald loschen. Friedrichshagen. Eine erschütternde Familieiitragödie hat sich in der Nacht zum Toniiiag in der Friedrichsir. 71 abgespielt. Der dort im zweiten Stock wohnende 44jährige Kaufmann Johann B i e t o r vergiftete im Einverständnis mit seiner 88jährigen Ehefrau die ganze aus 4 Köpfen bestehende Faniilie niit Leuchtgas. Victor war in einem Berliner Wäschegeschäft nngestellt. erhielt aber seine Kündigung zum 1. Juli, weil er an einer unheilbaren Krantheir litt. Das brachte den Mann pir Berzweistung, um so mehr als auch seine Frau seit längerer jeit von Schioermnt befallen war. Er teilte der Frau mit, daß er reitvillig ans dem Leben scheiden wolle. Nach einer Aussprache faßten beide den Entschluß, gemeinsam zu sterben, aber auch die beiden nichlsahnenden Kinder mit m den Tod zu nehme». Am Sonnabend abend besorgte der Vater zwei Flaschen Wein, dem er unausfällig Thloralhydrat als Schlafmittel beimischte. Nach dem Genuß des Getränkes wurden alle von Müdigkeit überfallen, so daß sie sich schlafen legten. Vorher aber öffnete der Mann die Gashähne, so daß das ausströmende Gas die ganze Nacht üb« eingeatmet werden mußte. Als Sonntag früh die Reinmachefran keinen Einlaß zur Wohnung fand, benachrichtigte sie die Polizei, die die Türen aufsprengte. Beim Eintritt wurden alle vier Pertonen be- ivußtlos in ihren Betten vorgefunden. Die schnell herbeigerufene Feuerwehr wie zwei Aerzte behandelten die Kranken. Hieraus wurden sie»ach der Charit« gebracht. Während noch gestern abend die beiden Kinder Elly und Helmut Victor in der Charit« der schweren Gasvergiftung erlagen, ist ihnen in der Nacht auch die Mutter in den Tod gefolgt. Dagegen dürfte der Bater mit dem Leben davonlonnnen. Steglitz. Ein schwer» Straßenbahnunfall ereignete sich am gestrigen Montag gegen'/ß Uhr an der Ecke der Schloß- und Hubertus- straße. Dort versuchte der 26jährige Arbeiter Josef Makowsli, HubertuSstr. 1, wohnhaft, vor einem herannahenden Straßenbahn« wagen der Linie bl der Westlichen Berliner Vorortbahn das Gleis zu überschreite». Obwohl der Führer de« Waggons sofort Gefahr- bremse anwandte, ivurde M. dennoch umgerissen- Der Arbeit« erlitt eine Wunde am Hinterkopf, Quetschung der rechten Schulter sowie erhebliche Hautabjchürfungen an der rechten Hand und am rechteil Unterschenkel. Der Verunglückte«hielt auf der nahen RettungS- wache die erste Hilfe und wurde dann nach dem Krankenhaus über- geführt. Rahnsdorf. Ein sehr begehrter Posten ist der de« Gemeindevorstehers von Rahnsdorf. Die 1100 Einwohner zählende Landgemeinde, die in ihrem ganzen Umfange ausschließlich für landhausmäßig« Bebauung bestimmt ist, will zum 1. Juli einen besoldeten Gemeindevorsteher mit einem Gehalt von 2400 bis 3600 M., 600 M. MictSentschädigug und 500 M. Dienstaufwandsgelder anstellen. Um diesen Posten bewerben sich nicht weniger als 227 Mann. Die Bewerber sind Verwallungsbeamte aller Art, Referendare und Assessoren und Militärs vom Gefreiten der Reserve bis zum Major a. D. Teltow. Die Leiche einer«eiblichrn Person wurde gestern. Montag, an der Schönow« Brücke aus dem Teltotvkanal gelandet. Der Name der Toten konnte bis jetzt noch nicht ermittelt werden. Wilmersdorf. Aus der Haft entlassen worden ist der wegen angeblichen Mord- Versuchs an seiner Ehefrau verhaftet gewesene Retsende Huber, Wilmersdorf« Str. 52. Der in verschiedenen Zeitungen mitgeteilte Porfall war so übertrieben und so falsch dargestellt, daß selbst der Untersuchungsrichter die Ueberzeugnng von einer aufgebauschten rein privaten Angelegenheit erhielt und die Haftentlassung anordnete. Waidmannslust.» Am Freitag, den 27. Mai, nachmittags von 5»»8 Uhr, finden in der hiesigen Turnhalle auf dem Schulgrundstück die Nachwahlen zu unserer Gemeindevertretung statt. Letztere hatte bekanntlich die am 2. März d. I. vollzogenen Gemeindewahlen, bei denen unsere Genossen K e st i n und L u s ch e r gewählt wurden, für ungültig erklärt. Gen. Kesttn ivurde als Angesessen« zur Ergänzung auf sechs Jahre gewählt, während Gen. Luschtt als Ersatzmann für den im vorigen Jahre ausgeschiedenen Genossen Dentzer galt. Die Wahl beider Kandidaten wurde in einem Wahlgang vorgenommen und zwar mußte der Name de« Angesessenen, also Genosse Kessin zuerst ge- nannt werden. Da nun eine Anzahl Wähler die Ramen der Kandi- daten in umgekehrter Rkihenfolge nannten, wurden alle diese Stimmen für ungiltig erklärt. So rechnete man heraus, daß unsere Kandidaten, trotz ihrer 22 Stimmen Vorsprung die absolute Ma- jorität nicht erhalten hätten. Auch am Freitag, den 27. d. Mts.. werden Ersatz und Ergänzungswahl wieder in einem Wahlgang vollzogen. Der Angesessene ist zuerst zu wählen. Die Wähler haben also darauf zu achten, daß bei der Stimmabgabe der Name des Genossen Kessin zuerst genannt wird. Von einer gegnerischen Agitation merkt man zurzeit noch wenig, doch wäre es durchaus falsch, deshalb den Sieg unserer Kandidaten von vornherein annehmen zu wollen, wir wissen, daß die Gegner im Stillen desto eifriger agitieren. Tun auch wir unsere Pflicht. Aufgade unserer Genoffen ist eS, die kurze Spanne Zeit, die uns bis zum Wahltage noch bleibt, agitatorisch auszunützen und so die Hoffnung der Gegner, die Vertreter der Arbeiterschaft auch serner- hin aus dem Gemeindeparlament unseres OrteS fernzuhalten, zunichte zu machen. Spandau. Bei der heutigen Wahl der Gewerbegerichtsbeisttzer für die Arbeitgeber wurden insgesamt 137 Stimmen abgegeben. Hiervon entfielen auf die Liste l(sozialdemokratische Partei) 41 Stimmen. auf die Liste der vereinigten Arbeitgeber der Innungen 96 Stimmen. Von den 12 Beisitzern erhielt die Liste I 4, die anders Liste 8 Beisitzer. Die Wahle» für die Arbcituchmerleisther finden heute Dienstag den 24. Mai, in der Zeit von vormittags 10 bis 2 Uhr und nach- mittags von 4 bis 8 Uhr statt. Diejenigen, deren Namen mit dt.l Anfangsbuchstaben A bis K beginnt, wählen im„Restaurant zur Palme", Nilterftraße; von 1- bis Z im Restaurant„Noter Adler". Potsdamer Straße. Die Liste der freien Gewerkschaften führt den Namen: Liste II. Gebe jeder seine Stimme nur dies« Liste. Ver« sehe sich ein jeder mit einem amtlichen Ausweis, welcher besagt, daß der Wähler in Spandau wohnt oder arbeitet. Sämtliche das Gewertschastskartell Spandau betreffenden Schreiben und sonstigen Angelegenheiien sind bis auf weiteres an den Genossen Richard Appoldt, Lhnarstr. 10, zu richten. Arbeitcr-Samaritcr-Kolonne. Am Mittwoch, den 25. d. MtS., abends 8>/» Uhr, findet bei Wöhle, Havelstr. 20, die nächste UebungS- stunde statt. Neueuhagen(Ostbahn). Bei prächtigem Wetter und zahlreicher Beteiligung auch der um- liegende» Orte nahm d.ie zu Sonntag«inberufene öffentlicke Ber- sammlung unter freiem Himmel einen imposanten Verlauf. Genosse Stürmer- Berlin geißelte das Verhalten der geborenen Gesetzgeber im allgemeinen und unterzog deren Wirken bei der Wahlrechts- Vorlage, deren Wirkung eine andere als die von Bethmaim Hollweg in seiner von Gott gewollten Abhängigkeit gewünschte ist, einer ver- , sichtenden Kritik. Unter Hinweis aus die Notwendigkeit der polt- tischen und gewerkichaftlichen Orgaisisalion und auf die strikte Durch- fiihning des Lokalboykotts wurde die Versammlung nach stiinmungs« vollem'Vortrage eine« Schlußsiedes des Gesangvereins«Freie Sänger" geschlossen._ Zentral Kranken- und Begröbniskasse für Arauen und Miibchen Deutschlands(E. H. 2S), Offenboch a. M. Verwaltungsstelle Berlin 1. Mittwoch, 25. Mai lvlv, abends 3 Uhr: A u ß e r o r d e n I l i ch e Mit» gliederversammlung im Gewerlschastshause, Engelnier 15, Saal 7. Hos link« I. Lese- und TIskntierklnb„Banmschnlenweg". Mittwoch, 25. Mai, abends 9 Ubr: Sitzung im Lokale von Görgens, Baumschulen- straße 27.— Gäste tvillkonimen. Amtlicher Marktbericht der städstlche» Marktballen-Dtreltlon üd« den Großhandel in den Zentrat-Markthallen. Marktlage: Fletsch! Zusilbr stark. Geschält rege, Preise für Doppellender und Haiiuiielfleisch an- ziehend, für Schweinesleych nachgebend. Wild: Zufuhr reichlich, Geschäft ziewtich lebhaft, Preile wenig verändert. Geflügel: Zusuhr genügend, Geichäst schleppend, Preise befriedigend. Fische: Zusuhr mäßig. Geschält ruhig, Preise wenig oerändert. Lutter und Käse: Geschäft ruhig, Prelle unverändert. Gemüse, Obst und Süds r Uchte: Zusuhr reichlich, Geschäst lebhast, Preise wenig verändert. BSitternngSttderüch« vom LZ. Mai 191«. morgen« 8»Hr. «tattonen Twwenid, Hamburg Berlin Franfla M München Wie» s? 766 S 767 NNO 766 NO 7 53 NO 75t NO 753 N Vetter r 2 wolkenl 2wolteiil 1 wolkenl 4 beiter 6 heiter 1 wollig MX di t* Stationen »=■ £-2 Haparanda 75937 Petersburg 757 85 Scllly 1 765 3? eaeedeen! 769 NN« Pari- ,761 NNO Vetter ** c* trf *1 6 wolkig: Ibede-'t Stvolf.. 3 bedeckt 2 wolkenl 6 11 11 17 Wetterprognole für Dtenstaa, de« 24 Mai Ittlv. Etwas kühler bei ziemlich Irischen westlichen Winden und vorübergehend« Zunahme der Bewölkung ohne erhebliche Niederschläge. Berliner W etterdurea«, «asserslandS-Rachrtchten der Landesanstalt für Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berliner Wettcrburcau. Wasserstand M- m e l, Tilsit V r e g e l, Jnsterburg Weichsel, Thorn Oder, Rattbor , Krassen » Frankiurt Warthe, Schümm . Landeberg Netz«, Vordamm Elbe. Lettmerttz , Dr-Sden , Barby . Magdeburg Wasserstand Saale, Grochlttz Havel. Spandaus . Rathenow') Spree, Spremberg'j , Beeskow Weser, Münden . Minden Rhein, MaxlmillaiiSau , Kaub , Köln Neckar. Heilbronn Mai«, Werlhem» Mosel, Trier am 22. S, am 52 105 84 —34 61 470 247 257 66 156 72 seit 21. 5. orn') -U +4 —1 —6 — 4 +8 0 —5 -16 •)+ bedeutet WuchS,— Fall.•) Unierpegel. Eingegangene Druchrcbnften. Von der„Gleichheit", Zeilschrist sür die Interessen der Arbeiterinnen (Stuttgart, Berlag von Paul Singer), ist u»S soeben Nr. 17 des 23. Jahr« ganges zugegangen. Sie hat solgcnden Inhalt: Soziale Not. Von wd. — Erwachende Sklavinnen der Textilindustrie. Von Jäckel.— Die Frauen und der Poreniwurs»u einem deutschen Strasgesetzbuch. von Dr. Sieg. sried Weinberg.— Das englische Heimaibeit-Miniinallodngeictz. Von Ad.Hepn« lgortsetzung.)— Frauenkonserenzen in Oesterreich. Von Adelheid Popp.— Zur grauenkonserenz. I. Von Ernst Koch. II. Bon Linchcn Baumann. III, Von Berta Lungwitz. IV. Von Helene Mittag. V. Von Klara Zetkin. — Au« der Bewegung: Stellungnahme der Genossinnen zur Frauen- konserenz In Randow-Äreisenhagen, Remscheid und Kiel.— Von der Agi« tatton.— Von den Organisationen.— Poltttsche Rundschau. Von H. ö. — Getverkschastliche Rnndschan.— Clus der Texnlarbeiterbewegung. Von hj. — Was der Tersilarbetlerverband zur Hebung der Lage der Braunschwetg« Arteiterschast tut. Von I. Ii— Der Deutsche Holzarbeiterverband. Von k. p.— Der achte Verbandstag der Steinsetzer. Pslasterer und Beruss- genossen Deutschlands. Von 85. Köhler.— Genosseiischasllichc Rundschau. Von II.?.— Notizentell: Dienslbotenfrage.— Frauenarbeit aus dem Gebiete der Industrie, de» Handels- und Verkehrswesens.— Weiblich« Fc.brtkiiilpcktoren.— grauenslimmrccht.— Frauenbewegung.— Frauen in vsskntlichen Rechten.— Außerdem enthält diese Nummer eine Beilage sür Hausfrauen und Mütter und eine Beilage sür die Jugend. Die„Gleichheit» erscheint alle 14 Tage einmal Preis d« Nummer 19 Ps., durch die Post bezogen beträgt der AbonnementSprei« vierteljährlich ohne Bestellgeld 55 Ps.; unter Kreuzband 65 Ps. Jahresabonnement 2,60 Mark. Vom»Wahren Jacob" ist soeben die 11. Nummer des 27. Jahrganges 16 Seiten stark«schienen. Der Preis der Nummer ist 19 Ps. Probenummern sind jederzeit durch den Verlag Paul Dinger in Stuttgart sowie von allen Buchhandlungen und Kolporteuren zu beziehen. Wie hüten wir u«S vor Herzerkrankunaen? Von Dr. Rehfisch. Hest 23 der»Arbeiler-Gesundheits-Bivliothek". Verlag der Buchhandluna Vorwärts, Berlin 8W. 98. Preis 20 Ps. Die Arbeit nimmt besondere Rückficht aus Arbeiterverhältnisse und wird sicherlich willkommen sei» und vielen Nutzen ftlsten. Ans Natur nnd GeiftcSmeU. Bd. 291. Das Wasser. Von O. Anielmino.— Bd. 391. Die Maschineuelemcnte. Von R. Vater.— Bd. Zok. DaS moderne Orchester in seiner EntWickel, ing. Bon t. Volbach.— Bd. 809. Der Apostel Paulus«nd sein Werk. Boa . Bischer. Einzelb. 1 M-, geb 1,25 M.— B. G- Teubner, Leipzig. Skblische Geschichte». Da» W. und letzte Heft der Sroschllrenserie von Dr Max Maurenbrecher. Preis pro Heft 1 M., Volksausgabe so Ps. Jedes Heft ist für sich aigelchloffen. Zu beziehen durch alle Buch« Handlungen oder»ont Verlag Su-"--*'.....«»— s-i*£0 Bildungearbeit. Blätter Jedes Heft ist für sich abgeichloffen. Zu beziU. Bien oder vom Verlag Buchhandlung Vorwärts, Berlin LV. 68. dungearbeit. Blätter fftt das Bildungstoesen der deutschen Sozialdemokratie in Oesterreich. Soeben ist die Nummer 7 erschienen. Einzelne Nummer 30 Heller. Der Preis des Jahresabonnements be- trägt 2 Kronen. Zeitschrift für Jugeudwohlfahrt»Der Tüemann«. Heft 1, 2 » 3. Jährl. 12 Hefte. Viertels. 2 M.— B. K. Teubner, Leipzig. und 3. Jährl. 12 Hefte. S Reformdlätter. Nr. Reformen. Herc Hannooer-Wülfel. 5. Jllustr. MonatSblatt für von M. König. 30 Pf. alle hijgienischen Selbstverlag in ffachblatt für Holzarbeiter. Heft S des fünften Jahrgang?. Herausgegeben vom Deutschen Holzarbeifer-Perband. Das Jachblatt erscheint am 1ö. jeden Monats. 1 M. pro Vierteljahr. Expedition: Verlm buchhaichlung. I. Brand u. So., Wien Vl, Jniern. Revue. 5. Heft. Heraus- 1 Heste 10 M.— G Reimer, Berlin. Der grüne Staar. von Dr. W. Literaiur, Kunst und Musik, Leipzig. Pflegeheim für erblich kranke Kinder. hagelt, 1900. 30 Seiten. Selbstoerlag. Tie graue Perücke und andere Novellen. Bon L- Deutsch von Dr. H. H. Ewer?. S M., geb. 6 M.— Ans%tM Lejeune. 76 ff. fette«» t.e.tMVvm&mV' des Onkel Jonas.'Novellen von S. Cronbach. 30 Der Mautcl des«lijah. Roman von I. Zangwtll. — Der Meister. Roman vom gleichen Autor- 5 M.. geb. 6 S. Cronbach, Berlin W. 57. Freiheit und Rrbett. Kunst und Literatur. Samnsiw gegeben vom Internationalen Komitee zur Unterstützung l»er 304 Seiten. Lausanne(Schweiz). Selbstoerlag des Heraus zzsbers. Theater und Vergnügungen Dienstag, den 2t. Mai. Ansang 7»/, Uhr. KSiitgl. Opernhaus. Geschlossen. Neues töuigl. Operu-Thearer. Tristan und Isolde. Ans. 7 Uhr. Königt. Schauspielhaus. Der ein« gebildete Kranke. Aiiiaug 8 Uhr. Lesfiug. Klein Svois. Trntsches. Judith. Kam ni erspiele. WienerHälle: Brüderlein sein. Goethe. Komiiche Oper. RobinS Ende. Divertissement. Neues Schauspielhaus. Der Flieger. Kleines. Nur ein Traum. Berliner. Taifun. Nrues. Die goldene Ritterzeit. Neues Operetten. Der Graf von Luxemburg. Trianou. Tväodore u. Tie. Nesidenz. Da» Nachtlicht. Der selige Octave. Thalia. Glück bei Frauen. Hebbel. Der neue Paris.(Anfang 8'/« Uhr.) Westen. Kaif. ruff. Ballett. Schiller«».«Wallner« Theater.) Die Liebe wacht. Ech>lle> Eharlotteuburg. Zapfen« streich. Friedrich< WilhelmitädtischeS. Der Raub der Sabinerinnen. Volksover. StaaiSanwalt Alexander. tAiifana S'l. Die Ä Luisen. Die Äell ohne Männer. »ioie. Die Schmugnlcr. Lustspielhaus. Da» Leutnant»« mündel. «Netropot. Halloh II— Die große Revue. Folies(kaprice. Ein verschwiegenes Atelier. Eine gründliche Kur. (Ans. 8'/« Uhr.) (Enfi'no. Familie August Knoche. Gebr. Hcrrufcld. Die Welt geht unter. Wenn zwei daSfelbe tun. «pvito. Mahara. Speziaittäten. Batioge. Spezialitäten Wintergarten. Spezialitäten. Strichs!, alle». Steltiner Sänger. Karl Haverland. Spezialitäten. Walhalla. Sveziaiitälen Pratcr. Im Reiche des Mar«. Urania. Tauvonitrahe-tte/su, Abends 8 Uhr: Von der Zugspitze zuin Watzmann. Strr»>n»r>r. Jnvnlidenstr. 57— 62. Abends'/,S Uhr: Dr. P. Schwahn: Der Halleysche Komet. �essinx-TKeatsr. 8 Uhr: Jbseuzvklus, II. Borstellung: Klei» Gyolf. Mittwoch, 8 Uhr: TantriS d. Narr Berliner Theater. Heute« Uhr: Tahfllll. Morgen; Taifun._ Neues Theater. Abend» 3 Uhr: vie goldene Ritlerzeit, Morgen und folgende Tage: VIv solckvno Vkttvi'uvlt. Theater des Westens. Abends 8 Übt: Bis einschl. Sonmag, den 28. Mai: Gefamtgastspiel des ruft. Balletts des kailerl. Theater. I.UA'tspivIksu». Abend» 8 Uhr: Das Leutnantsmündel Heute und folgend« Tage 8 Uhr: Der Graf von Luxemburg. Sonntag nachmittag 3 Uhr, zu er» mäßigt. Preisen: vis oollanpeinreeeia. hiöl!sioK-!WI!tgUlHsi Schauspielhaus. Dienstag, de» 24. Mai. abends 8 Uhr: Der Kavli dtrSabMMNtll. Mittwoch: Flachsinann als Erzieher. Donnerstag: Der Vielgeliebte. Freitag: Der Vielgeliebte._ Residenz-Theater Direktion: Richard Alexander. Abend» 8 Uhr: vss Nachtlicht. Schwank in 8 Akten v. M. ZamacotS. S kraus: Der«eligre Oktave. roteSke in 1 Akt von ÄveS Miraude und Henry GÄoule. DW Sommerpreife.-M> Morgen und folgende Tage: Die- selbe Borsteflung._ Folies Caprice Eine gründliche Kur. Reuer bunter Teil. kln verschwiegenes Atelier. Anfang 8'/» Uhr. Vorverkauf 11-2 Uhr. Urania. Wissenschaftliches Theater Abends 8 ühr: Von der Zugspitze zum Watzmann. Invalidenetr. 67/62.'Is8 Uhr: Dr. P. Schwahn; Derhalleysche Komet Luisen-Theater. Abend» 8 Uhr: Die Welt ohne Männer. Volksstück in 3 Akten von Alex. Engel und Juliu» Horst. Miihvoch: Marianne, ein Weib au» dem Volke. Donnerstag: D. Welt ohne Männer. Freitag: Wa« Gott zusammenfügt. Sonnabend: D.Welt ohne Männer. sosc-IN�Te! Grosje Frankfurter Str. 132. Ans. 8 Uhr. Ende lt Uhr. Aie Sdilllliggter. Komödie in i Akten von A. Dinier. Auf der Garteiibühne täglich: Theater> Vorstellung. Speziali. taten, grosses Garte». Konzert. Ans. Solintags 4 Uhr, wochent-4'/,Uhr. I«et»te Woche~Vefl ihr: Die groben Attraktionen l SJahaR'a m. ihren lebenden Nieseuschlangen. Louis da Vrlsndt als August. 2Ö englische Backfisch« 30 mit neuem Repertoire. Soorg und Guetl Edler. Orig.«DueU: Wiener Fiaker— Walcheriiuidel. Metropoi-Theater Haiio::: Die groBe Revue! In 8 Bildarn von Jul. Freund. Musik v, Paul Linclca. In Szone gesetzt vom Dir. Iii oh. Schulte. Anfang 8 Uhr. Rauchen gestaltet. Prinz Charles der ASa mit Menschenkultur. De Dio Phantasie-Tttnaerin (Schenk Bros. Sensations-Equilibristen sowie das von Publikum n. Presse glänzend beurteilte Mai-Programm. Passage-Tlieatef. Abends 8 Uhr: Die Sterne j de« Humor«| Willi Prager#! und da« große( Varletd-Prog>rnmm!» ! euuwwwwwwwwwwwwww«? Passage-Panoptikum. BejTder Volkstage! Jeder Erwachsene ein Kind frei! Jedes Kind erhält ein Ctcachcnk! Die heiligen Fakire. I! liebend!! H JL n-m> amr Prinz W a O m der kleinste Mensch, der je gelebt. Alles ohne Extra-Entree! Eintritt SO, Kinder, Soldaten 25 Pf. Gr. Berliner Kunstausstellung 1S10' 30. April di» S. Ottober. gm Park Eintr so PI i�vhan«»'- Sehlller-Iheater 0.(Wallncr-THeat.) Dienstag, abend» 8 Uhr: I>ie I.iebe wacht. Lustspiel in 4 Akten v. G. A. de Caillavet und Robert de Flers. Ende 10'/» Uhr. Mittwoch, abend» 8 Uhr: IXnruiß. Donnerstag, abend» 8 Uhr: Zapkcnxtrelcb. Theater. Schiller-Theater(Gharlottenburg). Dienstag, abend« 8 Uhr: !Ka)»tVn«treleb. Drama in 4 Auszüge» von Franz Adam Beyerlein. Ende 10',, Uhr. Mtttwow. abend« 8 Uhr: HI« ilobb«. Donnerstag, abends 8 Uhr: Her Schwur der Treue. Oau Berlin und Umgegend Zum Sängerfest in Friedrichsliagen werden folgende Lieder gesungen: 1. Empor zum Eicht I 2. Schwäbisches Volksüed(Jetzt gang' f ans Briinnele). S. Das hellige Feuer. 4. Wanderschaft. 5. Heimkehr, 6. Die InUr- natienale, Plakate zum Sängerfest sind abzuholen bei A. Seikrlt, Rixdorf, Hobr�cbtstr. 8; ß. Wutzky, N., Schliemannstr. 2; J. Steffens, NO., Langenbeckstr. 5. 17/9 Achlnng k Diez9 nur Achtangf 1 Seeterrasse Siehtenberg RöderHlrnBe 11/13. Zwicchen Landsberger Allee und fläderplatz. Geäfftes und schönstes Lokal Berlins. Bei ungiinstwer Witlening Schutz für 8000 Personen.- AI Täglith*. IM Ob schön I ob Ragen; Cnl', TC.01IZCl*t. Auftreten der besten Tnrmseiltjinstler»er w-» rne ueaeits sowie der neuesten und grööten Sensationen der Gegenwart: Die Reite wSt" Soltoniiitliilc».10 Wetn Whe mit dem Fahrrad In de» wee. Ueberfahren eines lebenden Menschen mit Motorrad im Höllenkessel.— Mlle. de A-allieres bester Miniatur» hunde-Dressurakt der Welt. Victor Hlttor mit seinem Sensationsschlager:»Der Komet zog vorbei" und da« beste Spezialitäten> Programm BerliuS. Jeden Sonntag: Ille«ei>■ I.und- und Wanaer• Feuer- werk.— Anfang 3 Uhr. Wochentags 4 Uhr.— Aesamtetntritt 20 Ps. ===== Kinder frei. X Tan«.====== Um zahlreichen Zuspruch bttten Witwe Luis« u. Waldemar Die». Brauerei Friedrichsbain Am KOnigHtor. • btonnabend, ddn XH. Hai 1010; M Oroße Extra-Solree beüebten ApOllO-Sällger. Kinetnatng,raph— Allsrneuestes.— tiratiavertellnnc v. ZOO Wert gegen»tttn den. Jed, Besucher erhält ein Los gratis. Anfang# Uhr, Kntree 20 Pf. Bei • Passepartouts haben volle Gültigkeit. ungünstiger Witterung im großen Konzertsaal. . � � Reederei Kaimt 4 Hertzer, TVtml ���I�Achtungl �Btllig�--- fl6 Jed. Montag u. Donnerstag nach Freibad ßrllnau u NeueMUhletAM. nachm. . Diensiag und Freitag noch Wsltersdorfer Sehleute(2 Uhr, hin u . Mittwoch nach Frelhad ßrllnau und Ziegcnhals szurückögPs. . Mittwoch nach Teupltz, Tornow« Idyll, Abf. 7'/, Uhr, hin u. zurück 2 M. , Montag und Donnerstag nach Heesenwinkel und Neu-Zittau, Ab. fahrt 10 Uhr, hin und zurück 75 Pf. -- IckMuMMe, Abf. 7'/, Uhr, hin u. zurück 2 M., ab Spandau S'/, Uhr, hin u. zurück 1,75 M Avis! Am Sonntag, R. Mat, nach Isupltr, steu-ZIttao u. Srandendurga st. Dampfer sind an Vereine, Gewerlschasten, schulen usw. billig zu vergeben. UfflW Kommandamenstr. 57. T. 3t 4, 6063. Der größte Lacherfolg! DieVVett geht unter. Folge» de» Kometensiebers und VVenn zwei äusselde tun mit A. und D. Herrnfeld. gV Anfang 8 Uhr."MU iM 10—8 übr. Eintritt 1 M. KSnlgl. Akademieohe Hochschule, Waldgürtel. Sport- n. Spielplätze. Kunst o. d. Str. Verkohrasyateme, Innenstadt. Vororte, Gartenstädte. Arbeitersiedlungen. ßrot-Bcrlin. 24. Mai: Geh- Hofbaurst, Prof, Genzmer: �Raumkunst u. Städte- b»u-(Uobtbildtr). Groftter Bergnügungs Port de» Kontinents.— Täglich geöffnet! Terrasfen ab l Uhr. Lunapark S Uhr. lote? ARTEN Täglich ab 4 Uhr; Großes Militärkonzert. Eintritt 1 Mark, von abend» S Uhr ab SD PL Kinder Wntlt zehn Fahren hie Hallte. SW., Volksoper* Belle-Alliance.Stratz« Nr. 7/8. Abend»'/.S Uhr: StAstssnvsItziexsnllsr. U.i>ni£Ktu Lebende PhotograpbieR. Wochent. 30 u. 40 Ps. Ansang 7 Uhr. Sonnt 30. 49». 60 Ps. An«. 4 Uhr. Vorzugskarten nur WochenlogS gültig. 2S Ps. aus allen Plätzen. Stets tvechselndes Programm. Jede» Sonntag im Obcrsaal: MT Kfinstier-Konzert-WS Entree 15 Ps. Garderobe 10 Pf. N. d. Konzert: Famlllen-Krlnzchoa. Schweizer- nofton KSnigslor— uaneu Am Fritdrichsbaln. Täglich: Theater, n VolksbelDstigongeB. Anfang S Uhr. Entree SO Pf. und Festsäle. Inh.: Rudolph Krüger. Hasenheide 13/18, vis-a-vi» v.Tumpl. 'JTügUch: Große Tliestfir- u" Artist. Leitung: Walter Or&venitz, Kapellmeister: Max Wolffbelm. Jeden Donnerstag; F.lite-Yagt Ansang: Weohent 8 Uhr, Sonnt.'j.6 Uhr. PttHlinanns Theater SchSnh, A. 148— Kastanlen-A. 97/09. Täglich ,•«r. Theater- u. Spczia- litäteu-Borstelluug. Ith Nummr em Schlager! '/.g uhr- Wcherträume. Operettenposse in S Akte«. Ans. d. Konz.>/,5 ll., der Vorst.>/� U. Entree 20—6» Ps. Sonnabend Extravorstellung: ver- lin, niie'S baut und kracht. Volksxarten- Ideater früher Welmann. Badftr. S, Behm> u. Bellennannftraße. Täglich: flenzert-, Theater- und Speziaiitäten-Voretellung. Das Riesenprogramm. Zur Ausführung gelangt: Der fliegende Berliner. Volksstück in 5 Bildern mit Gesang und Tan». Haverlsrid Ansang Theater, präz. 8 U. 77/79 Kommandantenstrajie 77/79. 78gllch nur erethl. Spezialitäten. toivmb*. Maj-�ogr. Sonnabend, Sonntag, Mittwoch, Donnerstag: Boll._ Wilhelm größte Raiiüer- Dressur-SduN der Erde Sölow-SHatz Kaisen- W ilbelm-StraBe Ecke Linien-Straße Nähe Alexanderplatz. Tiglicb abends 8 Uhr: Große Vorslellimg. Mittwoch, Soimabead u. Senntag: 2 Vörslellungen nachmittags 4 Uhr u. afaeods 8 Uhr. Xägl. vonn. von 10—12'/, übr Besichtigung, Probe n. Fütterung. V olgt-Theater Gesundbrunnen Badftr. Ä Dienstag, den LA Mai 1910: Uebern großen Teich. Gr. Lebensbild mit Gel. und Tos«« 5 Abteilungen neu Adolf PHillipp». Erstttasstde Spezialitäten. Kasseneröfftueng 2 Uhr. StechP/, Uhr. Reiebstfitlleo-TbealEr. Stettiner Sänger Tenorifteii-Bogel. Ein Künstlerbttt o. Moxeol Anfang Wochentag» S Uhr. Sonntags T llhr. T rianon-Theater. Abends ß Hieotlore& Cie. Casino-Theater Lothringer Stratze 37. Tögiich S UHr. DM- Auf allgemeinen Wunsch'MG bis zu«»1. Mai: Familie August Knoche. Knoche: Dir. Hau« Berg. Kttüutr vrlltkr'Thtllttt Kastnaienallee 7—8. WM- Täglich:-ma Sm Belebe äesZLsr» Spezialitäten, Konzert«. Bafl. Ansang 4'., Uhr. Enttee 30 Pf. -Vletoria-« vrauerei. i.älz»«-i.iii-ii7 Im Gart« od« Saal: Täglich: t»c. buiu«i>l«t. tSelcee. (GesangSvorttäge, Theater und Parietä-Vorslellimgen.) Sonntags, Dienstags, Donnerst. und ScnnabendS: Tanrkrlnrchen. Ans.: Wochentags 8, SonntagS 7 Uhr.— Alle BonS gülttg. Im Reftaur.: MittagStifch 75 Pf. Gr. u. kl. Kai«»u Festlichkeit« aller Art. Ma» Sseger. Vereins-Sranerei Rixdorf, Hernannstr. 214/219. Oekonom: Mas Wendt. PWU Tttgllch:~mm Gr. Militär-Konzert. Jeden IMcnstng: Cr. Wcr-FrcyöEi-FEsl Entr. 15 Pf. Mütze od. Schärpe grat. Für den Inhal» der Inserate übernimm» die Redaktion de« Publikum gegenüber keinerlei Berantwortung. 13. Ziehung S. Kl. 222. Kgl. Preuss. Lotterie _ Ziehung Tom 29. Mai, vormittags. WM Ua Gewinne Uber 240 Mark sind den betreten. den Nummem in Klammern beigetiigt. (Ohne Gewähr.)(Nachdruck verboten.) •1 149 5« 1022 181 III 681 763 879 2002 49» 67« 3*00 M 4287 91 389 538 624 49 741 860 1500) 5000 73 160 80 83[1000] 484 624 33 44 98 81 6126[1000] 248 [10001 443 877 7117 94 361 06 610 87[1000] 8016 141 337 804 9221 957 715 10272[60O] 642 738 858[3000] 966 11097 675 88 775 830»81 12099 199 556 632 74 784 1 3200 106 606 713 46 943 14050 218| 500] 588 974 1 5039 141 299 347 41« 615 630 49 747 948 16030 218 28 52 343[500] 99 405 704 82 847 98[ 600] 921 17063 150 262 493 710 42[ 3000] 660[1000] 76 96 1 8033 37 108 474 563 638 759 1 9 205 13 [1000] 53 350 432[500] 518 685 739 911 84 20003 37 91 246 314[500] 612 16[500] 37 902«8 21022 184 246 61[3000] 386 483[500] 529[1000] 916 2208« 327 453 95 513 55 878 2 3502 38 40 2 4108[1000] 14«2[3000] 666 611 708 834 930 26911 169 349 474 611 83 700 55 886 907 2 6104[1000] 21 43 428 590[500] 611 64-"52 27057[500] 263 40« 701 2 8004 87 204[1000] 344 700 8« 867 978 2 9060[500] 385 514 681 716 813 3O036 47 226 325 57 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40 000. 10 zu 30 000, 14 tu 16 000. 4« zu 10 000, 88 tu 5000, 1202 tu 3000, 181« tu 1000, 2922 tu 500 13. Ziehung S. Kl. 222. Kgl Preuss. Lotterie Ziehung vom 28. Ual, nachmittag». Nur die Gewinns Uber 240 Mark sind den betreffen. den Nummern in Klammern beigefügt. (Ohne Gewähr.)(Nachdruck verboten.) 81 482 1039 386 439 585 805 2039 531 615»34 57 78 3603 72« 4082 165 222«14 50X4 174 561 75«65 935 (500) 07 6 3DC 481 560 322 97 978 7070 104 310[500] 527 31 02 8051 128 614 89[500] 800 90 9185 381 680 » 741 10115 307 697 11125[1000] 60[1000] 70 713 87 323[500] 972 1 2118 391 602 890 906 1 3000 31 51 181 87 557 714 1 4723[1000] 819 96 995 1 5205 27 37 78 386 450 71 526 29 789(500) 903 25 1 6055 468 677 842 977 1 7032 50 204 33 661 719 828 1 8435 65 923 45 69 [3000] 19117 719 886 992 20066 235 486(600) 85[500] 548 58 798 21134 65 293 345 414 695 860 935 9S 22045 735 53 90 944 64 2 3204 15 333 85 416 2 4 34 574 911 2 4258[1000] 400 502 25[300] 704 918 63 2 5434 40 818 2 6070 176 368 #01 678 965[1000] 27007 331 586 640 719 967 2 8072 190 358 42 7 4« 62 97 668 604 2 9 016[500] 37 608 23 123 827 61 30267[500] 81 433[3000] 83 648 850 84 914 3 1 010 318 47 487 680 703 829 978 3 2101 91 232 51(500) 365 457 81[1000] 33307[1000] 588 636 855 920 3 4266 709 [500] 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