W-. US. Btonnemcnts-Bedingungen: MonnementS- Preis pränumerando; BiertcljShrl. SPS Ml., monotl. 1,10 Mk., wöchentlich 28 Pfg, frei ins Haus, Einzelne Nummer 6 Pfg. Sonntags« nummer mit illustrierter EonntagS- Beilage.Die Neue Well" 10 Pfa. Post- Abonnement: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Poft-Zeitungs» Preisliste. Unter Kreuzband nehmen an: Belgien, Dänemark Solland, Italien, Luxemburg, Portugal, Ruulänien, Schweden und die Schweiz. kklchiliit lzzllid Mer Hlontsai. Ä7. Jahrg. _ X-* Berliner Volktsblnkk. Die inicrtionS' Gebühr Bcitügt für die sechsgespaltene Kolonel- zeile oder deren Raum M Psg,, für politische und gewerkschaftliche Vereins- und Vcrsammlungs-Anzeigen 80 Psg. „Kleine Anreizen", das erste(fett- gedruckte) Wort 20 Psg,, jedes weitere Wort 10 Psg. Stellengesuche und Schlaf- stellen-Anzcigcn das erste Wort 10 Psg.,' jedes weitere Wort s Psg. Worte über IS Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müsse» bis S Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition W bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm. Adresse: iiSozldlfUinoHrst Rcrlint Zentralorgan der foztaldemokrati fchen Partei Deutfcblande. Redaktion t 6 Cd. 68, Ltndenstrassc 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. UerfyandlungeD Im Baufcrieg. Die Verhandlungen im Baugewerbe sind nun beschlossene Sache. Am Donnerstag werden sie voraussichtlich beginnen. Ob sie aber überhaupt bis zu wirklichen Verhandlungen ge deihen, d. h. ob die redlichen Bemühungen der Unparteiischen nicht schon wieder an die vielberufenen Dresdener Beschlüssen scheitern werden, das ist noch sehr ungewiß. Bei den Vor- besprechungen haben die Arbeitervertreter erklärt, daß sie über jene Beschlüsse nicht verhandelten, vielmehr das alte Vertrags� muster als die geeignete Verhandlungsunterlage betrachteten. Ueber die Stellung der Unternehmer zu dieser Vorfrage ist nichts bekannt. Ebensowenig ist etwas Näheres darüber be kannt, was der Vorstand des Arbeitgeberbundes über die Haltung seiner Vertreter zu den einzelnen Streitfragen be schlössen hat. An der Haltung der Arbeitervertreter hat sich selbstverständlich nichts geändert, konnte sich auch nichts ändern. Betrachtet man die Stellung der Parteien im Kampfe, so muß man allerdings sagen, daß der Arbeitgeberbund seine Beschlüsse preisgeben muß, wenn er nicht völlig zerrieben werden will. Die Situation des Bundes ist so schlecht wie nur möglich, und es ist ausgeschlossen, daß sie sich noch erheblich bessern kann. Man kann dabei die Haltung der Oeffentlich keit ganz außer Betracht lassen, obwohl es für den Bund sehr enipfindlich ist, daß sich ein erheblicher Teil der unabhängigen Presse fortgesetzt gegen ihn kehrt oder ihn doch zum Einleuken zu überreden sucht. Daran ist natürlich in erster Linie der Arbeitgeberbund selbst schuld, der sich mit seinen Vergewaltigungs- anträgeu viele Gegner schuf, die bei geschickterer Taktik sicher auf seiner Seite gestanden, hätten. Außerdem aber hat die muster- gültige Haltung der Bauarbeiterschaft den Scharfmachern das Konzept verdorben. Ihre wohlberechnete Passivität, ihre strenge Disziplin— Ausschreitungen kamen bisher so gut wie gar nicht vor—, ihre imponierende Opferwilligkeit, das alles hat ihr auch manche Sympathien aus Kreisen zugeführt, die sonst nicht gerade sehr arbeiterfreundlich sind. Gewiß hat der Arbeitgcberbund und mit ihm das in diesem Kampfe schon mehrfach genannte Kartell der Hauptstelle und des Vereins deutscher Arbeitgeberverbände sein möglichstes getan, um die Oeffcntlichkeit ini Sinne der Scharfmacher zu beeinflussen, man hat dabei mit Geld und Unwahrheiten um sich geworfen, aber so bedeutend sind die Erfolge nicht gewesen. Die Bundessache stand und steht nun einmal in einem zu Übeln Geruch. Auf diesem Gebiete kam also der Bundesweizen nicht zum Blühen. Aber auch hinsichtlich des Umfanges der Aussperrung steht die Sache des Bundes schlecht und sie wird sich auch kaum noch wesentlich bessern, so viel Geld und Terror der Bund auch noch aufwenden könnte. Die Feststellungen der Zahl der Ausgesperrten durch die Arbeiterorganisationen zeigen wohl Schwankungen in den einzelnen Wochen, aber keine ent- scheidenden Fortschritte der Unternehmer. Der Bund be hauptet zwar, die Zahl der Ausgesperrten betrüge jetzt rund 200 000, aber kein Mensch wird ihm das glauben. Üebrigens kommt bei Beurteilung der Kampskrast der Parteien nicht die Zahl der Ausgesperrten, sondern die der zu unterstützenden Verbandsmitglieder in Betracht. Und da ist es sehr be- merkenswert/ daß sich deren Zahl bei der größten beteiligten Gewerkschaft, beim Maurerverbande, vom 27. April bis zum 12. Mai um 110-1 vermindert hat. Was helfen da dem Bunde alle seine„Erfolge", die er in der ganzen Welt austrommelt. wenn sich die Unterstützungslast bei den Gewerkschaften dadurch nicht vermehrt! Der Bund muß nun aber auch damit rechnen, daß er eine weitere Aus- dehnung der Aussperrung nicht mehr erreichen wird. Was mit Ueberredung und Terror zu erreichen war, das hat er erreicht; inzwischen ist die Hoffnungslosigkeit seiner Aktion so augenfällig geworden, daß sich die Unternehmer, die bisher nicht aussperrten, dafür bedanken werden, ihre Existenz einer so faulen Sache zuliebe aufs Spiel zu setzen. Keine Erweiterung der Aussperrung hat der Arbeitgeber» bund zu erhoffen, sondern er muß im Gegenteil mit einer progressiven Zersetzung in seinen eigenen Reihen rechnen. Fortwährend bröckelt es, bald hier, bald da. Je mehr man merkt, daß der Terrorismus des Bundes in dem Augenblicke wirkungslos ist, wo sich die Terrorisierten energisch da- gegen wehren, umso größer wird der Abfall von der Aussperrung werden. Die Aufklärungsarbeit der Arbeiterpresse wird den vergewaltigten Unternehmern bald den Rücken stärken und ihnen besonders die gänzlich unbegründete Furcht vor den Konventionalstrafen nehmen, womit der Bund seine Reihen zum guten Teil zusammenhält. Aehnlich so steht es mit der M a t e r i a l s p e r r e. Es gibt nur ganz wenig Gebiete, wo sie so durchgeführt ist, wie sie der Bund geplant und gewünscht hat. Für die meisten Unternehmer ist Material in genügendem Maße zu bekommen, wenn sie nur zahlen können. Das wird aber bewirken, daß die Materialsperre immer unwirksamer werden wird. Die sich dem Sperregebot des Bundes fügenden Materialhändler müssen zusehen, wie fremde Firmen die guten Geschäfte gegen Barzahlung machen, während sie brach liegen und vergebens aus das Ende des Kampfes warten. Werden sie das noch lange aushalten? Der Bund weiß selbst am besten, mit welcher Ungeduld die Materialhändler den Dingen zusehen. Oder weiß er es nicht? Er ist ja von solchen Erscheinungen oft merkwürdig schlecht unterrichtet. Im rheinisch-westfälischen Industriegebiet, wo jetzt besonders die holländische Konkurrenz gute Geschäfte macht, wird der Bund bei längerer Dauer des Kampfes bald wenig Freude an der Materialsperre haben. Jetzt schon muß er es ruhig ansehen, wie die Gladbecker Unternehmer, die in ihrem Arbeitsgebiet entgegen dem Willen des Bundes die Aussperrung aufgehoben haben, mit reichlichem Material ver- sorgt werden. Aber auch in anderen Landesteilen funktioniert die Sperre nicht. Und was für den Bund das schlimmste ist: er ist nicht in der Lage, die Mittel aufzubringen, die— nicht zur Rettung der Situation, denn davon kann keine Rede mehr sein—. die zum Zusammenhalten seiner auseinander laufenden Mitglieder nötig wären. Der Bund ist in finanziellen Schivierigkeitenl Man wird das nicht für möglich halten, weil uns ja so oft .von den 40, ja 50 Millionen erzählt wurde, die der Arbeit- geberbund nur so zum Zugreifen liegen haben wollte. Aber es ist doch wahr. Was der Bundesvorstand von den Millionen erzählt hat, war Wind.' Mit diesen Erzählungen wollte er nur die zweifelnden Unternehmer ködern und zufrieden sprechen. Wir werden den Beweis dafür liefern.— Es ist bekannt, daß sich das oben erwähnte„Kartell" der großindustriellen Scharf- macherverbände am 4. Mai in einer Sitzung mit der Aus- sperrung im Baugewerbe beschäftigt hat, wvbei die Un- Zufriedenheit der Industriellen mit dem ihnen nicht genügenden Umfang der Aussperrung zum Ausdruck kam. Diese Sitzung hat den Vorsitzenden des Arbeitgeberverbandes für das Bau- geioerbe in den rheinisch- westfälischen Industriegebieten, Architekt Fritz-Essen, veranlaßt, einen Brief an den Vor sitzenden jenes Kartells, Kommerzienrat M e n ck- Altona zu richten, aus dem die finanziellen Nöte des Bundes ohne weiteres ersichtlich sind. Wir sind in der Lage, den entscheidenden Teil des Briefes mitteilen zu können. Nachdem der Briefschreiber (Fritz- Essen) beteuert hat, daß(am 6. Mai) schon 200 000 Arbeiter ausgesperrt seien, fährt er fort: „Nach unserem Dafürhalten wird auch, wenn heute eine kräftige Unter st ützung sowohl in finanzieller als moralischer Beziehung seitens der Industrie einsetzen und die seinerzeit von der Industrie im Kartell� ausschutz in Aussicht genommene Preßkommission ihre volle Tätig> keit entfalten würde, die Aussperrung sich weiter und weiter vergrößern. Von dem unterzeichneten Vorsitzenden wurde auch in der Kartellausschußsitzung am 4. v. M. betont, daß weitere Bau gewerbetreibende, wie Stukkateure und Dachdecker, im hiesigen Bezirk in den Ausstand getreten sind, und daß somit die Zahl von 200 000 noch überschritten ist. Um nun dem Absallen einzelner vorzubeugen. und vor allen Dingen um die Aussperrung zu ver» größern, ist nunmehr die aktive Unter st ützung der Industrie sowohl in moralischer als finanzieller Beziehung unbedingt erforderlich. Wie richten daher die dringende Bitte an Ew. Hochwohlgeboren, bei der Hauptstelle in diesem Sinne vorstellig zu werden und nunmehr der Oeffentlichkeit gegenüber die finanzielle Unterstützung in Zahlen zu kleiden, welche den Beweis liefern, daß Sie voll und ganz unterstützen, und daß die Erklärung vom 19. v. M. auch in die Tat umgesetzt ist. Ein Zurückziehen der Industrie, wie eS feiten? der Hauptstelle in der letzten Kartellausschußsitzung der Fall zu sein schien, dürfte nicht nur dem Baugewerbe, sondern auch der Industrie für die Folge großen Schaden bringen. Unseres Er- achtens ist eS heute die geeignetste Zeit, nunmehr die Unterstützung im richtigen Lichte zu zeigen. Wir hoffen, daß Ew. Hochwohlgeboren diese Anregung" usw. Dieser jammervolle Bettelbrief ist dann„mit vorzüglicher Hochachtung ergebenst" von Herrn Fritz im Namen seines Verbandes unterzeichnet. Er beweist, daß alle bisherigen Mitteilungen über die Millionen der Industriellen falsch waren, denn nach dem Schreiben soll die kräftige finanzielle Unterstützung erst„einsetzen". Er zeigt weiter, daß der Bund dringend Geld braucht, um„dem Abfallen einzelner vor- zubeugen"—„um die Aussperrung zu vergrößern" ist nur ein Köder für die Scharfmacher—, und er zeigt schließlich, daß die Großindustriellen anfange», die Lust an der Aus- sperrung zu verlieren, weil sie ihnen zu hoffnungslos ist. So stehen die Sachen bei den Unternehmern. Allerdings, einen Trumpf haben sie noch tu der Hand. Das ist nichts weniger als die S y m p a t h i e- A u s- sperrung in der Großindustrie. Es war freilich eines der unverantwortlichsten Scharfmachcrblättcr, näm- lich die Geestemünder„Arbeitgeber-Zeitung für das Bau- gewerbe", das bisher mit dem Gedanken einer solchen Aus- sperrung spielte. Das Blatt schrieb vor acht Tagen, „daß der Kampf in der schärfsten Form geführt werden müßte, um schneller die Entscheidung herbeizuführen. Die Industrie ist in der Lage, hierzu die Parole auszugeben. Anstatt der vielen Resolutionen sollten die betteffenden Instanzen zur Tat übergehen und dem Baugewerbe zeigen, daß sie auch ganz zu ihm stehen. Dann wareu unsere Gegner aiif einmal mattgesetzt und die Aussperrung in gewisser Hinsicht keinen Schwankungen mehr unterworfen, über die sich gewisse Kreise sichtlich freuen. Dem Vorstoß, den die Arbcitgeberschaft unter- nommen hat, muß der Sieg folgen, wenn Industrie und Bau- gewerbe in dieser ernsten Zeit sich i n d e r T a t die Hände im Kampfe gegen den gemeinsamen Feind reichen". Dies Expedition: 8M. 68, Lindcnatraoee 69. Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1984. Blatt ist nun zwar nicht ernst zu nehmen. Müßte man das, so könnte man den Unternehmern nur sagen: Wollt ihr eine Katastrophe haben, so sperrt aus; aber sie wird für euch größer als für die Arbeiterschaft. Dieser Wahnwitz ist indessen nur ein weiteres Zeichen für die Schwäche der Kampfstellung des Bundes. Als solches aber verdient er alle Beachtung. Ueber die Stellung der Arbeiter ist nichts Neues zu sagen. Die Ausgesperrten bewahren überall eine mustergültige Haltung. Sie sind von dem Bewußtsein durchdrungen, einen großen, wichttgen Kamps zu führen, von dem ein gutes Stück proletarischer Zukunft abhängt, und dies Bewußtsein erleichtert ihnen die Opfer, die sie tragen müssen. Und auch die in Arbeit stehenden Bauarbeiter aller beteiligten Branchen lassen es nicht an Opfersinn fehlen. Das ist das Wichtige bei diesem Kampfe. Denn mag mancher Umstand zur Stärkung der Kampfstellung der Arbeiterschaft beigewagen haben, das Entscheidende war ihr Opfermut. Ohne diesen stände die Sache der Bauarbeiter heute nicht so gut, wie sie tatsächlich steht. An diesem Kampfe sieht man, was die ge- werkschaftliche Schulung für die Praxis der Kämpfe bedeutet. Arbeiter ohne Begeisterung für unsere Klassenideale wären nicht in der Lage, einen solchen Kampf siegreich zu führen. Darum können die Vertreter der Arbeiterschaft mit kaltem Blute zu den Verhandlungen gehen. Wollen die Unternehmer den Frieden— gut, auf der Grundlage der Gleichberechtigung ist er jederzeit zu haben; beharre« sie bei ihren Ber- gewaltignngsanttägen, dann mag der Kampf weiter gehe». Der Opfermut der Bauarbeiter hat sich längst der gesamten organisierten Arbeiterschaft mitgeteilt; mit ihrer tättgen Hilfe wird der Sieg errungen werde»! GWeietitiim In der fflarlne! Das„HamburgerFremdenblatt" veröffentlicht einen Erlaß des Kommandeurs der Ostseestation, in dem den Marine» ingenieuren auseinandergefetzt wird, daß sie daraus, daß sie in der Offiziersmesse mit dem Offizierkorps zusammen speisten, durchaus noch nicht ein Recht daraus herleiten könnten, von den Offizieren als gesellschaftlich Gleich st ehende betrachtet zu werden. Aus der„Verpflegungsgemeinschaft" in der Offiziers» messe ergäbe sich keineswegs ein„Familienpflicht- verkehr". Nur im Auslande oder auch außerhalb des eigentlichen Heimathafens sielen selbstverständlich die„heimatlichen Gesellschaftsbeziehungen" fort. Aber auch nur dann könne die Messe als„gemeinsame Vertretung" des Schiffes in Erscheinung treten. Das hamburgische Blatt, das an diesem Chinesentum Kritik geübt hatte, erhielt daraufhin eine Zuschrift des Konteradmirals außer Diensten H ö p n e r, in der dieser Erlaß des Chefs der Ost- seestation sowie ein anderer neuerlicherer, in dem den Marine- ingenieuren verboten wurde, sich Parkettplätze im Theater zu kaufen, weil sie dadurch in allzu nahe Berührung mit den Seeoffizieren gebracht würden, entschuldigt wurde. Diese entschuldigende Begründung durch den Herrn Konteradmiral ist nicht minder famos als die Erlaffe selbst. ES wird darin aus» einandergesetzt, daß das Marineingenieurkorps deshalb den Ofsi- zieren nicht gesellschaftlich gleichgestellt werden könne, weil eS sich bis zum Jahre 1899 nur auS den Heizern auf Seeschiffen und aus Freiwilligen, die in der Marine technisch aus- gebildet wurden, ergänzt habe. ES sei also ein aus dem Unteroffizier stände hervorgegangenes Offizierkorps ge- Wesen. Da obendrein die Heiratserlaubnis sehr liberal gehandhabt worden sei, um nicht tüchtige Maschinisten zum Austritt zu zwingen, könne das Korps als Ganzes niemals Anspruch darauf erheben, in seinem„inneren Gehalt"(I) und mit seinen gesellschaftlichen Eigenschaften den Marineoffizieren oder Marine» ärzten gleichwertig erachtet zu werden. In dem gleichen Atemzuge, in dem ber Konteradmiral a. Ei. die Minderwertigkeit an„innerem Gehalt" betont, preist er die Leistungen dieses Korps in der Leitung und Handhabung der Schiffsmaschinen als„unübertrefflich"! Das Korps habe aus der„Auslese der in der Praxis Bewährtesten und Tüchtigsten" bestanden! Jetzt sei man daran, auch das Jngenieurkorps aus den Kreisen eines Offiziersersatzes auszuwählen. Die jetzigen Jngenieuraspiranten, von denen die ersten im Jahre 1903 ein» gestellt worden seien, könnten in drei bis vier Jahren Marine- ingenieur werden. Es müßten aber an nähernd 2S Jahre vergangen fein, bevor durch die Neuorganisation ein dem Seeoffizierkorps ebenbürtiges Marineingenieuroffizierkorps geschaffen seil 1 In einigen 29 Fahren also wird das Marineingenieuroffizier» korps soweit sein, daß es auch mit Seeoffizieren gesellschaftlich verkehren und sich dieselben Theaterplätze kaufen darf wie die Offiziere oder Aerzte. Ob dann freilich die Berufstüchtig» keit dieses gehobenen Jngenieurkorps nicht durch die„gesellschaft- liche Hebung" Schaden erlitten haben wird, ist mehr als fraglich. Sagt doch selbst Konteradmiral a. D. Höpner in seiner Zuschrift: „Die Gefahr lag und liegt nur zu nahe, baß die jetzt mehr offizersmäßige Ausbildung des JngcnieurersatzeS eher Salon» ingenieure als in allen Sätteln gerechte Praktiker schafft." i Dem aberwitzigen Begriff eines wahrhaft chinesischen Standes« dünkels wird also vermutlich die Tüchtigkeit eines technischen Korps geopfert werden, das gerade für unsere Kriegsflotte von ausfchlsggehevder Bedeutung ist! nationaliikraU noticljreic. Die nationalliberalen Organisationen machen noch in letzter Stunde den Versuch, ihrer so bedenklich ins Wanken geratenen preußischen Landtagsfraktion das Rückgrat zu steifen. So haben die nationalliberalen Wahlvereine von L y ck, Oletzko und Johannisburg in einer zahlreich be- suchten gemeinschaftlichen Vorstandssitzung einstimmig den Beschluß gefaßt, daß die Fraktion in der Forderung der direkten und geheimen Wahl unbedingt fest- halten möge. Der Entwurf des Herrenhauses sei mit liberalen Grundsätzen nicht vereinbar, weil die Freiheit der Wahl dadurch nicht gewährleistet werde, insbesondere auch nicht für die o st p r e u ß i s ch e n Verhältnisse. Auch die Göttinger Nationalliberalen forderten in einer Versammlung des nationalliberalen Wahlvereins die glatteAblehnungdcs von dem Herrenhause beschlossenen Gesetzes. Der Vorsitzende, IlniversitätSprofessor Dr. B r a n d i, übte an der veränderten Gestalt, welche oas Abgeordnetenhaus der Regierungsvorlage gegeben, herbe Kritik. Auch in der Diskussion gab sich die einhellige Meinung der Rebner dahin kund, daß die nationalliberale Fraktion un- bedingt au den Magdeburger Beschlüssen festhalten und demgemäß die geheime und direkte Wahl fordern müsse. Justizrat Beyer erklärte, die Partei würde unheilbaren Schaden leiden, tvenn sie diese Forde- rungen fallen lassen wollte; werfe man doch ohnehin den Natwnalliberalen vor, daß sie nicht stand halten. Wir würden keine Ruhe inr Lande bekommen, wenn der Wille der über- großen Mehrheit des Volkes nicht erfüllt würde. Die National- liberalen, so meinte ein anderer Nedner, haben jetzt Gelegen- heit zu zeigen, daß sie auch liberal sind. Erfüllen sie jetzt nicht, was von ihnen erwartet wird, dann wendet sich das Volk von ihnen ab. Der Vorsitzende des National- liberalen Jugendvereins, Lehrer Keller, sagt, bis jetzt seien die Jungliberalen mit der Haltung der national- liberalen Fraktion einverstanden gewesen; gäben sie jetzt bei der Wahlrechtsvorlage ihren Standpunkt auf, so würde mau das sehr bedauerir. Ein als Gast anwesender Vertreter des Vereins der Fortschrittlichen Volkspartei, Dr. Nosenthal, inachte darauf aufmerksam, daß eine unüberbrückbare Spaltung zwischen der Volkspartei und den Nationalliberalen eintreten würde, falls letztere jetzt umfallen würden. Ein Zusammenarbeiten beider Parteien im hiesigen Wahlkreise würde sich dann als unmöglich erweisen. Auch andere Redner meinten. es wäre ein Unglück für die Partei, wenn sie nicht fest bliebe. Hierauf nahm der Vertreter des Wahlkreises Göttingen im Abgeordnetenhause, der nationalliberale Abgeordnete Heine, das Wort. Versprechungen für seine Fraktion könne er freilich nicht geben, da eine endgültige Stellungnahme noch nicht erfolgt sei. Ob im Abgeordnctenhause etwas zu- stände komme, sei noch fraglich, selbst ivenn die National- liberalen für die Beschlüsse des Herrenhauses stimmten. Ihm persönlich würde es angenehm sein, wenn die Fraktion zu einer glatten Ablehnung des Herrenhauskompronüsses kommen würde. Er werde in der FraktionSsttzung am Mittwoch ein klares Stimmungsbild über den Verlauf der heutigen Ver- sammlung geben. Im Schlußwort sprach Professor Brandt nochmals die Hoffnung aus, daß die Partei um keinen Preis ein Kompromiß eingehen, sondern an den Magdeburger Beschlüssen festhalten werde. Dem Zentrum die Kastanien aus den» Feuer zu holen, hätten die National- liberalen keine Veranlassung. Die nationalliberale Fraktion müsse in dieser Frage geschlossen dastehen. Auch im„ H a n n 0 v. Courier" erhebt der Vorsitzende eines nationalliberalen Vereins noch einmal einen „Notschrei". Er setzt auseinander, daß die Opposition der Nationalliberalen bei der Reichsfinanzreform der Partei wieder zahlreiche Männer zugeführt habe, die sich lange ab- scits gehalten hätten, weil die Partei bis dahin immer gar zu leicht umgefallen wäre. Nun habe sich weiter Kreise wieder große Unruhe bemächtigt, da man neuen Umfall befürchtet. Mache man diese Befürchtungen wahr, so werde das von den schlimmsten Folgen für die Partei begleitet sein. Die Fraktion möge sich doch ja nicht durch den Vorwurf beeinflussen lassen, daß sie„nicht mitarbeiten" wolle. Die Nationalliberalen hätten oft nur zu sehr mitgearbeitet; etwas mehr Zurück- Haltung wäre manchmal am Platze gewesen. Die Achtung vor sich selbst, liberale Gesinnung und der Blick auf die Zukunft der Partei, alles das weise hin auf die Not- wendigkeit der Ablehnung der Herrenhausbeschlüsse. Auch in der„Na ti o n a l-Z e i tun g" wendet sich ein Dr. P. Liepmann in einem langen Artikel gegen die Umfall- gelüste gewisser Parteianaehörigen. Er schreibt u. a.: „Zunächst wird ongesiilirt, daß die Ablehnung„alles oder nichtS-Politit" treiben heiße, die dem nationalliberalen Wesen frenw sei und die freisinnige Richtung zur Ohnmacht herunter« gedrückt habe. Eine solche, rein negierende Haltung dürfen wir allerdings unserem Programm und unseren Traditionen gemäß nicht einnehmen. Gerade eine nationale und Mittelpartei muß das Gute nehmen, wenn das ihrer Ansicht nach Bessere nicht erreichbar ist, sie muß dann selbst zu Opfern bereit sein, soweit nur dadurch der Fortschritt zu erkaufen ist. Ja, bringt denn aber die Vorlage da« Gute? Genügt sie auch nur einer der in der Magdeburger Tagung einmütig und mit Begeisterung aufgestellten Forderungen? Ersetzt sie die veraltete, nur für politische Kinder berechnete, zur Wahlabschreckuug sowie zur Kandidatenbenennung feiten« eine« kleinen, mächtigen Konventikel« führende indirekte Wahl durch die direkte? Bringt sie die nach der staatsbürgerlichen Bedeutung der Wähler bemessene Abstufung des Stimmrechts? Schafft sie eine gerechte und insbesondere eine der Geltung von Industrie und Handel sich anbeguemende Verteilung der Mandate? Ein glatte« Nein ist die Antwort. Die beschlossene, so gepriesene D ritte l u ng kann für die Verewigung de» Wahl« kreiöeinteilungSnnrechtS nicht entschädigen. Die Wirkungen, welche die westfälische Industrie von ihr erhofft, sind unerprobt und durchaus noch nicht sicher; sie beschränken sich jedenfalls auf einige große Arbriterzentren und komme» dann andrer- seits auf das von liberaler Seite doch sicherlich nicht er« strebenS werte Ziel hinaus, die Sozialdemo- kratie von jeder Vertretung im preußischen BolkShause fernzuhalten. Mit um so größerer Macht wird sie dann in den Reichstag eindringen.... Die nationalliberale Partei kann und darf die endlich in Aussicht stehende Sammlung allerLiberalen zum Kampf gegen eine veraltete Weltauffassung nicht sprengen. Sie muß Farbe bekenne»«nd zusammenstehen mit denjenigen Parteien, die wie sie eine wirkliche Wahlreform für Preußen durchsetzen wollen. Darum Achtung vor der « i g e>r e n F l a g g e, die wir aber bewahren müssen vor einem unrühmlichen Rückzug!" Man muß es den linksstehenden Nationalliberalen lassen, daß sie es an Warnungen vor denk Unfall und an einem Appell an das politische Anstands« und Pflichtgefühl ihrer Parteifreunde nicht haben fehlen lassen. Es wird sich nun zeigen müssen, was innerhalb des preußischen National- liberalismus einflußreicher ist: die letzten Reminiszenzen an eine liberale Vergangenheit oder die Neigung, den rheinisch- westfälischen Scharfmachern und Geldsackprotzen zuliebe die völlige Entrechtung der Massen durchsetzen zu Helsen! politische(leber licht. Berlin, den Lt. Mai 1910. Aus dem Abgeordnetenhause. Der Treiklassenlandtag hatte in seiner Dienstagsitzung— der ersten nach den Psingstferien— zunächst die erste und zweite Be- ratung eines Gesetzentwurfs vorzunehmen, der 12 Millionen Mark für die Verbesserung der Wohnungsverhältnisse der staatlichen Arbeiter und Unterbeamten verlangte. Nachdem mehrere Redner ihrer Sorge Ausdruck gegeben hatten, daß der Staat nicht etwa der privaten Bautätigkeit Konkurrenz mache, wurde die Vorlage an- genommen. Zu einer scharfen Kritik der verrotteten preußischen Zustände durch Genossen Liebknecht gab ein sozialdemokratischer An- trag Veranlassung, der verlangte, daß die veralteten tzA v, 10 und 41 des preußischen Preßgesetzes vom 12. Mai ISbl aufgehoben würden. Die bürgerliche Majorität konnte sich zu einer Beseitigung der in der Zeit der ärgsten Reaktion geschaffenen Knebelpara- graphen nicht aufschwingen. Nur ein nichtssagender Zentrums- antrag, der an die Negierung das Ersuchen richtet, die Paragraphen in zeitgemäßer Weise abzuändern, wurde angenommen. Ein wei« terer Antrag unserer Genossen verlangte die Ausljebung einiger Bestimmungen, die den Unterstützungswohnsitz regeln. Genosse Lieb« k n e ch t. der an Hand eines reichhaltigen Materials den Antrag begründete, zeigte durch verschiedene Beispiele, wie willkürlich die Polizeibehörden die Bestimmungen des Gesetzes handhaben. Um 4% Uhr wurden die Verhandlungen auf Mittwoch mittag vertagt._ Die Angst vor der Abrechnung. Die Reaktionäre aller Schattierungen des Abgeordneten- Hauses möchten um jeden Preis irgend ettvas, das man alS Wahlreform ausgeben kann, zustande bringen, um nur der sozialdemokratischen Wahlrechtsbewegung Abbruch zu tun. Darin sind die Konservativen init den nationalliberalen Scharf- machcrn völlig einig. Nichts fürchten sie mehr, als daß sie vor den Wählern des gleichen Wahlrechts stir ihre Volksfeindschaft Rechenschaft werden ablegen müssen. So schreiben die nationalliberalen„Wests. Pol. Nachr.": „Die nationalliberal gesinnten gewerblichen Kreise, nicht bloß der Großindustrie, sondern auch des Mittelstande«, würden e» geradezu als ein Unglück ansehen, wenn die preußische Wahlreform in die nächste ReichStaaswahlagitation hineinge« zogen würde. Wir selbst haben keinen Anstand genommen, derartige Bestrebungen als einen Frevel an unserer Gewerbetätigleit zu bezeichnen und wiederholen dieö hier mit allem Nachdruck I Die ( gewerblichen Kreise wünschen, daß Fragen, die Lebensinteressen ür den Gewerbestand in sich schließen, nicht von parteiagitatori- scheu und parteitaktischen, sondern von sachlichen Gesichtspunkten aus behandelt werden... Wer darauf hinausgeht, die preußische Wahlrechtsfrage in die Reichstags wahl-Agita- tion hineinzuziehen, der wirkt, bewußt oder unbewußt, auf Einführung de« R« i ch S t a g s w a h l r e ch t S in Preußen hin. Eine Parteileitung, die dem Vorschub leistete, könnte sicher sein, daß nicht bloß die paar„westfälischen Schars« machet", sondern die GeWerbetätigkeit im weitesten Umfange, im Westen wie im Osten, ihr ohne weiteren Umstand den Rücken kehren würde." Sinn, die Herren können versichert sein, daß ihnen das „Unglück" nicht erspart bleiben wird. Die preußische WahlrechtSfrage wird unter allen Umständen— und keine taktischen Kunststücke werden daran etwas ändern— in dem Mittelpunkt der nächsten RcichStagSwahlen stehen, und keiner Partei wird es erspart bleiben, zu erklären, ob sie für das Recht oder für die Entrechtung des Volkes in Preußen gekämpft hat. Aber darin hat daS nationalliberale Scharfmacherblatt schon recht: Die nächsten ReichstagSwahlen müssen für die Einführung deS gleichen Wahlrechts in Preußen eine wichtige Etappe bilden und der Stimmzettel zur Waffe werden, um die Feinde des gleichen Wahlrechts in Preußen zur Strecke zu bringen. Der Termin der nächste« ReichStagswahlen. Bisher wurde in parlamentarischen Kreisen ganz allgc- ntcin angenommen, die Regierung werde den Reichstag nach Ablauf der nächsten Session im Mai oder Juni 1911 auf- lösen und die Neuwahlen für den Herbst 1911 ausschreiben. Jetzt kommt nun eine für die bürgerliche Presse„sehr zuverlässige Quelle" in Dresden und telegraphiert in die Welt hinaus — beispielsweise an„Köln. Zeitung" und„Berl. Tageblatt"— „Die vereinigten Regierungen hätten sich bereits dahin ge- einigt, die nächsten ReichstagSwahlen im Januar IS 12 statt- finden zu lassen." Möglich wäre das natürlich, denn der gegenwärtige Reichstag ist im Januar 1907 gewählt, die Neuwahl im Januar 1912 würde also der letzte Termin sein und außerdem würde eine Auflösung nicht notwendig werden. Aber, da bei einer Wahl im Januar die Beratung des Etats, der zum 1. April fertig sein soll, unterbrochen und die ganze Session für Arbeiten über den Etat hinaus unbrauchbar gemacht würde, darf man doch wohl ein großes Fragezeichen hinter die Meldung der„zuverlässigen Quelle" machen. Die Mannesmann- Affäre. Seit einigen Tagen ist in der deutschen und französischen Presse viel davon die Rede, daß zwischen Frankreich und Deutschland ein„nichtpolitischeS Ueberein- kommen" abgeschlossen worden sei, über dessen Inhalt allerhand Mutmaßungen geäußert werden. Es scheint sich dabei um an sich wenig wichtige Dinge zu handeln, die höchstens als Symptome für eine allgemeine Besserung in den Beziehungen beider Länder von Bedeutung sind. Dagegen scheint allerdings in letzter Zeit ein Konfliktsstoff aus der Welt geschafft worden zu sein, der, wenn es nach der Absicht unserer Kolonialenthustasten gegangen wäre, das Verhältnis zu Frankreich sehr gestört hätte. Die Brüder Mannesmann, welche für ihre an- geblichen Minenkonzessionen am liebsten die deutsche Armee mobilisiert gesehen hätten, haben sich jetzt, wie aus Paris gemeldet wlrd, mit den französischen Marokkointeressenten verständigt; sie haben ihre Ansprüche ermäßigt und den französischen Kapitalisten einige Zugeständnisse gemacht, die diese befriedigen. So endigt auch dieser Streck, der so auf- dringlich als nationale Angelegenheit ausgeschrien wurde, mit der Teilung des Raubes unter die hadernden Kapitalisten- gruppen. Deutscher Männerstolz vor Königsthrone»« I» der Stadt Delitzsch werden, einer alten Tradition getreu, die sich an den 30[ährigen Krieg knüpft, wöchentlich zweimal von einem Turme herab die sogenannten schwedischen Reitersignal« ge- blasen. Mitglieder der schwedischen Gesandtschaft in Berlin waren vergangene Woche in Delitzsch, und diese an sich völlig gleichgültige Sache benutzte» die Väter der Stadt dazu, den König von Schweden, der sich zurzeit in Wien aufhält, anzutelegraphieren. Und wie sie das getan haben, zeigt der Wortlaut des Telegramms: „Eiv. Majestät wollen a l l e r g n ä d i g st gestatten, daß Ew. Majestät wir in allerticfster Dankbarkeit und Ehrfurcht in dieser schönen und unvergeßlichen Feststunde einen alleruntertänigsten HuldigungSgruß senden." Welchen Begriff mag der König von Schweden von den Deutschen bekommen, tvemi er schon aus Anlaß einer solchen Geringfügigkeit in dieser unglaublichen Weise angewedelt wird! Von den sächsischen Nationalliberalen. Bei der nationalliberalen Fraktion des sächsischen Landtages scheinen recht nette Zustände zu herrschen. Politisch wird sie treffend durch ein Schreiben charakterisiert, das ihr früheres Mitglied, der Abg. Merkel, ver- öffcntlicht. Es heißt darin unter anderein: „Mein Austritt aus der nationalliberalen LandtagSfraktion ist erfolgt, weil die Fraktionsleitiing dem gemäßigten Liberalis- muS der Regierung gegenüber keine Gellung zu verschaffen wußte und weil in der Fraktion von Liberalismus schließlich nicht viel mehr zu spüren war. Zu Beginn der Session, als mehrere Mimster den Nationalliberalen scharf zu Leibe gingen, hat es an schönen Borsätzen nicht gefehlt, aber zu guter Letzt war alles wieder vergeben und vergessen. Mau wich stet« mutig zurück und konzedierte alles, was die Regierung wünschte, sobald sie nur mit Nachdruck auf ihrem Willen be- stand... Erst der fortgesetzte Umfall der Fraktion und die offen zutage tretende Liebedienerei der Parteileitung gegen die Regierung und die Konservativen haben mir schließlich den Austritt diktiert. Ich ward zuletzt als liberaler Mann gedrängt, meiner Wege zu gehen." Das ist sicher eine Charakterisierung, die dadurch nicht« an Wert verliert, weil sie nicht nur für die sächsische, sondern ebensogut für die preußische LandtagSfraktion zutrifft. ES ist dies nur die Folge des Umstände«, daß eS Herrn Merkel trefflich gelungen ist, das Wesen des deutschen NationalliberaliSmuS überhaupt herauszuarbeiten. Zu dem politischen Skandalum kommt noch ein p e r s ö n- licher. Die Fraktion veröffentlicht folgende Erklärung, die sich gegen die Praktiken ihre« zweiten Vorsitzenden, des Herrn Abg. Langhammer, bei der Gründung des Tapetentrustso ä l t e und Aerzte abgelehnt, aber dann ein dahin at>geschwächter Antrag angenommen wurde, daß die Beschlagnahme Rechtsanwälten, A e r z t e n und den bei diesen Allgestellten gegen. über unzulässig sein soll: sie soll mithin nur bei Verteidigern zu. lässig sein, die nicht Anwälte sind. Schweiz. Wahlen. Zürich, 23. Mai.(Gig. Ber.) Unsere Genossen in Zürich haben am Sonntag wieder zwei schöne Siege errungen. Bei einer Ersatzivahl ins Bezirksgericht ist unser Genosse Müller, Notariatsbeamter, mit 10 036 gegen 9689 Stimmen, die auf den bürgerlichen Gegenkandidaten Dr. Staub fielen, gewählt worden. Mit ihm hält der fünfte Sozialdemokrat in das 26gliedrige Bezirksgericht seinen Einzug. Gleichzeitig wurde im dritten städti« schen Kreise Außersihl Genosse B r in e r, Schriftsetzer, mit 3472 gegen 2202 Stimmen als besoldeter Kreisschulpräsident gewählt. Dagegen büßte in der Ubrenarbeiterstadt Biel unsere Partei von ihren bisherigen sieben Sitzen im Kantonsrat deren drei ein, indem nur vier Genossen gewählt wurden. Der Verlust ist recht bedauerlich. ftonkmch. Unzufriedene Reservisten. RimeS, 24. Mai. Im Lager von Masstllan weigerten sich gestern abend 80 Reservisten, die Nacht in Zelten zuzubringen. Sie verließen das Lager um 11 Uhr mit Waffen und Gepäck und marschierten unter Absingung der Internationale nach Nimes, wo sie nach der Präfektur zogen. Hier wurden sie von zwei Kompagnien aufgehalten und nach der Kaserne gebracht, von wo sie heute morgen nach dem Lager von Massillan zurück- marschierten. Spanien. Ein Bombenattentat. Madrid, 24. Mai. Bei dein Denkmal, das zur Er« innerung an die Opfer des am Hochzeitstage des Königs der- libten Bombenanschlages errichtet wurde, ist gestern eine Bombe explodiert, die ein Anarchist in einem Koffer eingeschlossen trug. Der Träger, der dabei an den Beinen und im Gesicht verletzt wurde, suchte zuerst zu entfliehen. gab aber dann zwei RevolverschUsse auf sich ab, die ihn s ch W e r V e r W u n d e t e n. Bei der Ankunft auf der Unfall- station erlag er seinen Verletzungen. Der Attentäter ist ein 27 Jahre alter Mann namens Jos6Carenzia Taso- z e l l i. welcher aus Barzelona nach Madrid gekommen war. Cr hatte sich als Catalonier ausgegeben. Eine Begnadigung. Madrid, 24. Mai. Der Auditeur M a c i aS, der gegen das konservative Ministerium M a u r a und speziell gegen das Marine- ministerium schwere Vorwürfe wegen Untreue im Amt erhoben hatte und deshalb verurteilt worden war, ist begnadigt und gestern in Freiheit gesetzt worden. Snglancl. Der Streit unter den Iren. London, 24. Mai. In Cork, wo es vorgestern zu Zusammen- stoßen zwischen den Anhängern Q'Briens und Redmonds gekommen war,� ereigneten sich gestern wiederum Krawalle, bei denen 3v Schutzleute und Zivilpersonen verletzt wurden. RoUaucl. Die Ordensaffärc. Haag, 24. Mai. Die Kammer setzte heute die Beratung des Antrages Troelftras betreffend die Ordensverleihungen des früheren Ministers Kuyper fort. Der Abgeordnete Loh man hielt eine Untersuchung mit dem persönlichen Charakter der An- gelegenheit für unvereinbar. L o e f f(Katholik) sah in dem Antrag einen RaHegkt Lroclstxas wegen der Niederlage dex Eisenbahn. angestellten bei dem Ausstand im Jahre 1903 und verteidigie den guten Glauben Küppers. Die Antirevolutionäre Oosterbaan und Co Ihn gaben ihrem Vertrauen zu Kuypers Ehrenwort, nichts wider sein Gewissen getan zu haben, Ausdruck. Der alt- liberale T h d e m a n hielt es im Interesse deS Landes für not- wendig. Klarheit zu schaffen. Lhins. Neue Unruhen. Shanghai, 24. Mai. In Tschmangshier, 30 Meilen nordwestlich Tschangscha, kam es am Sonnabend zu Ruhestörungen. Die lutherische Kapelle und ein großer Teil der Stadt wurden niedergebrannt. Die Unruhen werden immer ernster. Die Truppen zeigen sich oft unzuverlässig, aber die Ruhestörer sind nicht organisiert. Die Bewegung gegen die Fremden dehnt sich weiter aus und die Beamten schreiten nicht ein. Nach einer Mitteilung des Reuterschen Bureaus glaubt man, daß die Missionare von Tschnangshia die Stadt kurze Zeit nach den Ruhestörungen in Tschangscha ver- lassen haben und sich in Hankau in Sicherheit befinden. Hus der Partei. Die tschechische Landeskonferenz. Die tschechische Sozialdemokratie in Böhmen ielt vor kurzem in Prag eine von 383 Vertrauensmännern esuchte Landeskonferenz ab. Die Parteiorganisation hat in den letzten zivci Jahren große Fortschritte ge- niacht. Man beschloß die Schaffung eines eigenen Fonds zur Führung des Kampfes für Errichtung tschechischer Minder- heitsschulen. Abg. N e m e c betonte dabei. daß die Arbeiter nicht an den bürgerlichen Organisationen des Schulkampfes teilnehmen können und daß man in allzugroße Nähe der bürgerlichen Nationalisten und ihrer Korporationen nicht kommen solle. Mit allen gegen bloß 7 Stimmen wurde das Ein- treten der Parteileitung für die separatisti- schen Gewerkschaften gebilligt. In dem Antrage heißt es, daß die Weltinternationale der Arbeiter, an der die tschechische Sozialdemokratie innig hänge, um so mehr gestärkt werde, je stärker ihre nationalen Teile sein werden und daß ebenso die Internationale in Oesterreich gestärk werde, wenn die Arbeiterschaft aller Nationen sich auf ihre selbständigen und g e e i n i g t e n politischen und gewerkschaftlichen Organisationen stütze.— Man forderte die Genossen auf, im gegenseitigen Verkehr, auch in der Presse die a n st ä n d i g st e F o r in zu beobachten. Diese Auf- fordcrung wäre insbesondere dem mährischen sozialdemo- kratischen Tagblatt Rovnost" zu dringender Be- achtung zu empfohlen. Behandelt wurde auf der Konferenz noch die K o m- m u n a l p o l i t i k, der Kampf um das Landtags- und Gemcindewahlrecht und gegen den K l e r i k a- liömus. Im Sinne einer Entschließung des tschechischen Klubs wl Sozialdemokratischen Verbände des Reichsrats wurde ausgesprochen, daß die nationale Frage nicht länderweise, sondern für das ganze Reich zu lösen sei und daß daher die Bienerthschen Vorlagen ein Schritt zur Ver- schärfung der Sprachenfrage seien. Die Aufforderung des Genossen Nemec, die allzu große Nähe der bürgerlichen Nationalisten zu meiden— eine Auf- forderung, von der man nur bedauern kann, daß sie notwendig wurde— begrüßen wir mit Freude. Desto mehr müssen wir bedauern, daß die Landeskonferenz unserer tschechischen Bruder- Partei die Arbeit der G e w e r k s ch a ftsz ers p litterer zu desavouieren nicht die Kraft gefunden hat. Nicht in Ueber- einstimmung mit den Grundsätzen der Internationale, sondern im schärfsten Widerspruch zu diesen handelt jeder, der die aus ökonomischen Gründen unerläßliche Einheit der Gelverkschaftsbewegung zerreißt. So begründet die nationale Autoilomie der einzelnen volittschen sozialdemo- kratischen Parteien innerhalb der Gesamtpartei ist, so unerläßlich ist die Wahrung der Einheit auf gewerkschaftlichem Gebiete. Wer sie stört, ist ein schlechter Gewerkschaftler und ihm sind die Grundsätze der Jnter- nationale fremd._ Peter Ulrich. Wie uns aus Leipzig telegraphiert wird, ist dort unser alter Genosse Peter Ulrich infolge eine« Schlaganfalls plötzlich gestorben. Genosse Ulrich stand von Anfang in den ersten Reihen der Leipziger Bewegung und hat stets feine ganze Kraft in den Dienst des Proletariats gestellt. polizelUches, öerlchtllchea uftv. Demonstranten-Prozesse. Vor der Strafkammer Schweidnitz wurden die Genossen Hahn und K r a u s ch t e zu je einer Woche Gefängnis verurteilt. Beide sollen sich gelegentlich der Straßendemonstration in Striegau am 13. Februar dieses JahreS der Gefangeneubefreiung und deS Widerstandes gegen die Staatsgewalt schuldig gemacht haben. Die Verurteilung erfolgte natürlich auf Grund beschworener Polizisten- aussagen._ Soziales. Aerzte und ReichSversicherungSordnung. Die am 22. Mai in Berlin versammelten Vertreter des Reichsverbandes Deutscher Aerzte stellen sich im wesentlichen auf den Standpunkt des Regierungsentwurfs der Reichsversicherungsordnung. Im besonderen wurde ver- langt: 1. Die gesetzliche Fe st legung der beiden A r z t s y st e m e; 2. die Einrichtung gesonderter Vertrags- ausschüsse; 3. Wahl der Arztvertreter zu diesen Ausschüssen nur durch die einzelnen Aerzte des Bezirks, nicht durch die „zuständige Standesvertretung". 4. Unzulässigkeit des Vor- gehens der ärztlichen Ehrengerichte und der Aerztekoalitionen gegen Aerzte, die nach den„Grundsätzen" Verträge schließen; 5. Vermeidung jedes Zwanges zum Wechsel des ArztsystemL. Der Reichsverband wies die Behauptung zurück, daß 24(XX) deutsche Aerzte mit den Beschlüssen des letzten Aerztetages einverstanden seien. Es wurde dargelegt, daß die Zahl der diffentierenden Kollegen auf 10000 zu schätzen sei. BaugenossenschaftsverbLude und ReichsversicherungSamt. Am Montag tagte in Berlin eine Konferenz der deutschen Baugenossenschaftsverbände, um zu dem Rundschreiben Stellung zu nehmen, das das Reichsversicherungsamt unter dem 11. Mai d. I. an die Landesversicherungsanstalten hat ergehen lassen. Die rasche Entwicklung per deutschen Baugcnossenschastsbetvegung datiert von dem Zeitpunkte, wo die LandeSbersicherungSanstaltcn ihre großoü Kapitalien zu billigem Zinsfuß in den Dienst der Sache stellten. Dieser Zinsfuß betrug für die an gemeinnützige Bauunter- nehinungen ebenso wie die zur Errichtung von Heilstätten und ähnlichen Anstalten gewährten Darlehen in der Regel 3 Proz. Das erwähnte Rundschreiben weist nun die Landesversicherungsanstalteil generell an, daß in Zukunft regelmäßig bei Gewährung von Dar- lehen in allen Fällen, also auch bei solchen für gemeinnützige Zwecke, ein Zinssatz von mindestens' 3'A Proz. genommen werden soll. Es wird weiter verlangt, daß bereits früher zu dem niedrige- ren Zinsfuße von 3 Proz. gewährte Darlehen, soweit airgängig, gekündigt werben und daß nach Ablauf einer Uebergangsfrist, die im allgemeinen nicht über ein Jahr bemessen werden soll, auch diese Darlehen in 3A prozentige umgewandelt werden sollen. Es liegt auf der Hand, daß ein solches Borgehen als ein extrem sozial rück- schrittliches bezeichnet werden muß, das die verhängnisvollsten Folgen für eine große Zahl von Baugenossenschaften haben kam:. Es hat in Kreisen insbesondere bürgerlicher Sozialpolitiier mit Recht eine gewisse Mißstimmung erregt. In einer einstimmig gefaßten Resolution wurde dem ent- sprechend zum Ausdrucke gebracht, daß die anwesenden Vertreter der deutschen Baugenossenschaftsverbände in der vom Reichsver- sicherungsamte geforderten allgemeinen Erhöhung des bisherigen Zinsfußes auf 3'A Proz. eine außerordentliche Erschwerung, zum Teile eine Unmöglichmachung ihrer bisherigen Tätigkeit erblicken, und daß eine solche Erhöhung deS Zinsfußes unter keinen Um- stünden die bis jetzt festgelegten Baugelder treffen dürfe. Eine rückwirkende Anwendung der vom Reichsversicherungsamte ver- langten Aenderung würde unzwr.ifelhast die bedenklichste Schädi- gung der gesamten gemeinnützigen Wohnungsfürsorge in Stadt und Land nach sich ziehen. Die nachteiligen Folgen würden um so un- ausbleiblicher sein, als die Bauvereine sowie die Gemeinden und Kreise, die für den angegebenen Zweck Baugeldcr aufgenommen haben, auch ohne eine ihnen unmittelbar und in rechtsverbindlicher Weise gemachte Zusage der begründeten Meinung sein konnten, daß es sich bei diesen Darlehen um unkündbare, einer Zinserhöhung nicht ausgesetzte Anlagen handle. Es wurde beschlossen, beim Reichsamte deS Innern und beim Reichsversicherungsamte vor- stellig zu werden, um die auS Rücksicht der Volkswoylfahrt aufs höchste zu bedauernde Verfügung des ReichsversicherungSams rück- gängig zu machen oder in ihrer Ausdehnung auf schon gewährte und auch für das laufende Jahr zu belegende Baugeldcr der Landesversicherungsanstalten abzuändern. Diese Beschlüsse werden wenig helfen: die Kommission für die ReichsversicheruügSordnung wird ähnlichen Einschränkungen der Selbstverwaltung einen Riegel vorschieben müssen. Der Erlaß des Reichsversicherungsamts widerspricht dem sozialen Geist, der die Versicherungsgesetzgebung durchfließen soll auf das eminenteste. Die Unterstützung von Baugenossenschaften durch die VersicherungS- anstalten ist weit eher gemeinnützig als die in dem Entwurf auf- gestellte Forderung, einen Teil des Vermögens in Staats- und Reichsanleihen festlegen zu müssen. Aus dem JnnungSschiedSgericht. 1. Der Arbeiter Z. war beim Maurermeister SpichalSki bc- fchäftigt. Bei seiner Entlassung ist ihm die Jnvalidenkarte nicht ausgehändigt lvorden, weil sie dem Arbeitgeber abhanden gekom- men war. Obwohl sich Z. bei der Polizeibehörde um die Invaliden- karte bemühte, vergingen doch 14 Tage, bis er eine Ersatzkarte er- hielt. Da er während dieser Zeit infolge der Karte keine Be- chäftigung erhalten konnte, klagte er auf Zahlung einer Eni« chädigung von 38 Mk. Das Schiedsgericht sprach ihm nur 10 Mk. ür drei Tage zu. In dieser Zeit hätte der Kläger nach der An- icht des Schiedsgerichts eine Ersatzkarte bekommen, wenn er sich ofort an die Polizei gewandt und nicht erst darauf gewartet hätte, ob der Beklagte, wie dieser hofft«, die Karte wiederfinden wird. 3. Fünf Steinsetzer verlangten vom Steinsetzmeister S�öne- beck eine Entschädigung von je 2,34 Mk., weil sie vor Ablauf des Arbeitstages entlassen worden sind. Der Beklagte macht geltend, daß die Entlassungen wegen Materialmangel erfolgt seien. Das Schiedsgericht verurteilte den Beklagten, weil Materialmangel kein Entlassungsgrund ist. 3. Der Tischler M. war als Stütze des Meisters bei der Firma Conrad u. Freier gegen 33 Mk. Wochenlohn beschäftigt. Ihm sind für den Karfreitag und den zweiten Osterfeiertag 11 Mk. vom Lohn abgezogen worden, die er einklagte. Das Schiedsgericht vertrat die durchaus irrtümliche Ansicht, daß auch bei Wochenlohn für die Feiertage nicht bezahlt zu werden brauche. Der Kläger nahm dem Rate des Schiedsgerichts folgend die Klage zurück._ Landwirtschaftlicher Betriebsunfall, oder rigenhauSwirtfchaftlicher Unfall? Der landwirtschaftliche Arbeiter Julius K. war bei dem Bauern- gutsbesitzer I. in M. beschäftigt. Außer dem Bar- und Naturallohn war ihm da« Anfahren des Brennholzes vertraglich zu- gesichert worden. Im Dezember 1908 hatte der Gutsbesitzer dem K. Holz angefahren. Beim Abladen des Holzes stürzte K. vom Wagen und brach sich den rechten Oberschenkel. Er stellte bei der Brandenburgischen landwirtschaftlichen Berufs- a e n o s s e n s ch a f t den Antrag auf Gewährung der Unfallrente. K. begründete seinen Anspruch damit, daß er das Holzabladen auf Anordnung des Gutsbesitzers besorgt habe. Da das Anfahren deS HolzeS vertraglich gesichert sei.sostelle es einen Teil deS Lohnes dar. Daherseider Unfall als Betriebsunfall anzusehen. K. wurde indessen mit seinem Rentenantrag abgewiesen, weil„der Unfall nicht im landwirt- schaftlichen Betriebe des BauerngutSbesttzerS I., sondern im eigenen hauswirtschaftlichen Interesse beim Abladen deS von K. selbst ge- kauften Holzes geschehen ist und daS Abladen des HolzeS K. selbst zu bewirken hatte". Gegen den Ablehnungsbescheid legte K. beim Schiedsgericht für Arbeiterversicherung in Berlin Berufung ein. Er machte geltend. daß er lediglich den Anordnungen des Gutsherrn gefolgt fei. Das Schiedsgericht wie» die Berufung des Klägers mit folgender Be- gründmrg zurück: „Das Holz war kein Deputatholz, sondern der Kläger hatte eS sich für seinen Hausbedarf selbst angekauft und der Arbeitgeber hatte dasselbe nach dem Arbeitsvertrage nur frei anzufahren. Die Leistung deS Arbeitgebers war mit dem Vorfahren des HolzeS bor der Wohnung des Klägers beendigt. DaS Abladen deS HolzeS hatte nicht der Arbeitgeber, sondern der Kläger selbst zu bewirken, eS kann mithin nicht mehr dem landwirtschaftlichen Betriebe deS Arbeitgebers zugerechnet werden, sondern eS fällt in den Bereich der eigenen Hauswirtschaft." Gegen dieses Urteil legte K. Rekurs beim ReichSversicherungS- amt ein. Der Rekurs hatte Erfolg. Im mündlichen VerhandtimgS- termin vor dem erkennenden Senat des ReichsversicherungSamt machte der Vertreter des Verletzten geltend, daß es sich im vorliegenden Falle nicht, wie die Vorinstanz angenommen, um einen Unfall in der„eigenen Hauswirtschaft" handele. DaS Abladen des HolzeS durch den K. geschah, wie auS der eidlichen Aussage des Gutsbesitzers klar hervorgeht, im Auftrage desselben. Der Auftrag wurde gegeben, weil der Arbeitgeber den Wagen frei haben wollte, da er ihn im Betriebsinteresse anderweitig verwerten wollte. Der Wagen gehörte zum Betriebe und stellt somit ei» BetriebSinstrimient dar. Um dieses Betriebsinstrument im Betriebsinteresse frei zu bekommen, mußte K. daS Holz aus Weisung deS Arbeitgebers abladen. Da sich hierbei der Unfall ereignete, sei er als Betriebsunfall anzusprechen und demgemäß müsse eine Unfall- reute gezahlt werden. GewerfcrcbaftUchee. Qcber die neuen Vermittelungsverfucbe der Regierung im Baugewerbe weiß die bürgerliche Presse bereits allerhand Einzelheiten zu berichten. Sie prophezeit den neuen Ver- Handlungen schon einen Erfolg, läßt die Namen der für die unparteiische Kommission bestimmten Herren aufniarschieren, als die von den Arbeitern gewünscht Geheimrat Dr. Wied- f e l d t, Magistratsrat von Schulz und Gewerbegerichts- direktor Dr. P r c n n e r genannt werden; ani Freitag und Sonnabend sollen die Verhandlungen stattfinden und schließ- lich weiß sie schon, daß der Maurerverband sieben, der Zimniererverband drei Vertreter entsenden wird usw. Alle diese Meldungen sind in der Hauptsache Kombi- Nationen, was am besten schon daraus ersichtlich ist, daß Ein- ladungen an die Zentralverbände zu Verhandlungen immer noch nicht ergangen sind. Tatsache ist einstweilen nur, daß Geheimrat Dr. W i e d f e I d t sich bemüht, neue Verhand- lungcn zustande zu bringen. Gänzlich illusionär aber sind vorläufig irgend welche Hoff- trungen auf einen Erfolg der neuen Verhandlungen. Für den Kenner der Situation sind solche Erwartungen an die neuen Verhandlungen durchaus nicht zu knüpfen. Eine Einigung ist doch nur möglich, wenn die Unternehmer von ihren unverständlichen Forderungen ablassen. Ob sie das tun werden, muß bezweifelt werden. Wie aber die Zentralverbände darüber denken, das sagt kurz und bündig der Schluß eines Leitartikels, den der „Grundstein", das Verbandsorgair des Maurerverbandes, in seiner letzten Nummer brachte und der sich schon mit den Vermittelungsversuchen befaßte. Es heißt in dem Artikel: „Wir möchlen aber gleich im Anschluß an diese Mitteilung davon abraten, an die Verhandlungen irgendwelche Erwartungen zu knüpfen. Zunächst ist es noch sehr ungewiß, ob es überhaupt zu Verhandlungen kommt; denn selbst wenn der Bundesvorstand dazu bereit ist, so ist es noch zweifelhaft, ob sein Auftraggeber, der„Kartellausschuß" der großindustriellen Scharfmacherverbände, zustimmt. Gibt der Kartellausschuß die Erlaubnis, so darf der Arbeitgeberbund verhandeln, gibt er sie nicht, so wird aus den Verhandlungen eben nichts. Die Bauunternehmer müssen nun schon, nachdem sie sich den Scharfmachern verkauft haben, auf deren Weisung hören. Aber selbst wenn es zu Verhandlungen der Zentralvorstände kommen sollte, so wären dadurch doch keinerlei Friedenshoffnungen gerechtfertigt. Hielten die Unter» nehm er für solche Verhandlungen dieDresdner Beschlüsse ausrecht, so wäre es wirklich um das Reisegeld schade, dasmanfür die Teilnahme an den Verhandlungen ausgäbe. De>rn wer etwa glaubt, die Arbeiterorganisationen wären durch die Aussperrung mürbe genug geworden, um ihre Gleichberechtigung preiszugeben, der irrt sich gründlich. Sie denken gar nicht daran, es jemals zu tun. Die Dresdener Beschlüsse sind, so wie sie der Arbeitgeber- bund meint, heute und in aller Zukunft so unannehmbar wie vor der Aussperrung. Die Arbeiterorganisationen verharren ihnen gegenüber in unerschütterlicher Ablehnung." Inzwischen kündigt denn auch die„Baugewerks-Zeitung" des Herrn Fe lisch in ihrer heutigen Nummer an, daß die Scharfmacher an ihren Dresdener Beschlüssen festhalten. Am Schlüsse eines Leitartikels, in dem lügnerischerweise eine Zu- nahnie der Ausgesperrten um 10(XX) Mann in den letzten 14 Tagen behauptet wird, heißt es zum Schluß: „Der Deutsche Arbeitgeberbund für das Baugewerbe würde eS nur mit Freuden begrüßen, wenn jetzt für die Annahme der Dresdener Beschlüsse im gegnerischen Lager eine Wendung zum Besseren eintreten würde. Er ist gern bereit, mit den Arbeitern Frieden zu schließen, aber er wird ihn nur annehmen, wenn er für den Arbeitgeberbund ehrenvoll ist." Ehrenvoll für die Unternehmer wäre jeder Friede, der den Arbeitern ein Mitbestimmungsrecht an den Einzelheiten des Vertrages oder der Verträge zugesteht. Nicht ehrenvoll ist es von den Unternehmern, Verhandlungen über eine Reihe von Vertragsbestimmungen einfach abzulehnen und den Arbeitern ihre Kölner und Dresdener Beschlüffe aufzwingen zu wollen. Aber darüber kann nian mit den Scharfmachern nicht rechten. Sie wollen den Kampf bis zu seinem bitteren Ende führen. Mögen siel Noch sechs weitere Wochen des Kampfes— und die Arbeiterorganisationen rechnen damit! — und die Scharfmacher stehen allein auf weiter Flur! Der neue Tarif im Bremer Baugewerbe. Bremen, 24. Mai.(Privatdepesche des„Vorwärts".) Nachdem eine allgemeine Aussperrung der Bauarbeiter von den hiesigen Unternehmern am 27. April abgelehnt war, traten die Orga- nisationen in Verhandlung wegen Abschluß eines neuen TariscS. Stach ziemlich langwierigen Verhandlungen kam in den beiderseitigen Kommissionen folgendes Tarisinnster zur Annahme: Der Tarif wird auf drei Jahre abgeschlossen und endigt am 31. März 1913. Maurer und Zimmerer erhalten insgesamt eine Lohnerhöhung von 7'/z Pf- die Stunde, und zwar je 2'/, Pf. am 1. Oktober 1910, 1. April 1911 und am 1. April 1912. Die Bauhilfsarbeiter bekommen außerdem eine Extralohnerhöhung von 2'/, Pf., die am 1. Juli 1910 zu zahlen ist, und erhalten dann weiter die 7Vz Pf., wie die vorgenannten Kategorien, so daß sie also insgesamt 10 Pf. Lohnerhöhung be- kommen. Für Nacht- und Sonntagsarbeit werden für alle Arbeiter 20 Pf. Zuschlag bezahlt. Junggesellen erhalten 5 Pf. weniger, als der Gesellenlohn beträgt. Früher waren eS 10 Pf. weniger. Die Arbeitszeit ist wie bisher eine neunstündige. Außerdem sind noch einige kleine Verbesserungen im Tarif von den Unternehmern in Aussicht gestellt, beispielsweise die Lohnzahlung am Freitag. Koch- gelegenheit auf Bauplätzen usw. Doch soll dies nach Annahme der Hauptpunkte in späteren Verhandlungen geregelt werden. Das Lohngebiet umfaßt die Stadt Bremen sowie die Land- gemeinden des linken und rechten WeseruferS. ES sind das IS Ge- meinden mit 46 Orten, während eS beim alten Tarif nur sechs Gemeinden mit neun Orten waren. Dieser erfreuliche Zuwachs ist zum Teil durch die starke Bautätigkeit bei der Anlage des Industrie- hafenS bedingt. Bremen, 24. Mai.(Pribatdcpesche deS„Vorwärts".)' Die be- teiligten Organisationen nahmen heute abend in gut besuchten Ver» sammlungen Stellung zu obigem Tarifmuster. Die Bauhilfsarbeiter lehnten den Tarif ab. Die Unternehmer verhandelten hinter verschlossenen Türen. Soviel in Erfahrung gebracht werden konnte, haben sie die Ver- Handlungen resultatlos abgebrochen. Berlin und Umgegend. Eine Gauvorsteherkonferenz des Verbandes der Deutschen Buchdrucker trat am 23. Mai in Berlin zusammen. Sie beschäftigte sich ein- gehend mit organisatorischen und tariflichen Fragen unter voller Berantw. Redakt.: Richard Barth, Berlin. Inseratenteil verantw. Würdigung der allgemeinen Lage im Du'chdruckgewerbe. der kn der letzten Zeit aufgetretenen Erschwerung und der größer werdenden Schwierigkeiten, die von außerhalb des Gewerbes stehenden Unter- nehmerkreisen dem Gewerbe bereitet werden, sowie mit den Ein- griffen, die in immer schädlicherer Weise auf die Buchdrucker- prinzipale auszuüben versucht werden. Die Konferenz erörterte unter diesen Gesichtspunkten die für die im nächsten Jahre statt- findende Revision des Buchdruckertarifs in Betracht kommenden Momente; ferner die angesichts der gewerblichen und technischen EntWickelung zeitgemäß und notwendig erscheinenden Forderungen der Gehilfenschaft unter besonderer Berücksichtigung der durch die falsche Wirtschafts- und Steuerpolitik des deutschen Reiches allge, mein eingetretenen Verschlechterungen der materiellen Lage der Arbeiter. Sie präzisierte ihre Stellungnahme dahin, daß die Ge- Hilfenschaft die Tarifgemeinschaft intakt erhalten wissen wolle und für ihre gedeihliche EntWickelung weiter zu wirken bestrebt ist. Im weiteren nahm die Konferenz von dem mit persönlichen und gesundheitlichen Gründen motivierten Rücktrittsgesuch des leitenden Redakteurs Rexhäuser Kenntnis und traf die nötigen Vorkehrungen für die dadurch zum 1. Oktober be- dingten Aenderungen in der Redaktion des„Korrespondent für Deutschlands Buchdrucker"._ Tie Parkettbodenlcger hielten am Montag im Gewerkschafts- Haufe eine Branchenversammlung ab, um die augenblickliche Lage in ihrem Beruf zu erörtern. Was der Branchenobmann Klein hierüber ausführte und was dann in der regen Diskussion gesagt wurde, beides lief darauf hinaus, daß die Lohn- und Arbeitsver- bältnisse sich in letzter Zeit dermaßen verschlechtert haben, daß die Bodenleger jedenfalls weit mehr Eifer als bisher aufbieten müssen, wenn sie, die sich seinerzeit bessere Löhne als manch andere Ar- beitcrgruppe zu sichern wußten und schon vor zehn Jahren den Achtstundentag durchsetzten, jetzt nicht gänzlich herabgedrückt werden wollen. Nach einer kürzlich in der„Holzarbeiterzeitung" ver- öffentlichten Statistik ist es in allen Branchen des Verbandes während der letzten fünf bis zehn Jahre gelungen, die Löhne zu erhöhen, und nur für die Bodenleger ergaben die statistischen Er- Hebungen, daß die Lohnverhältnisse sich verschlechtert hatten. Ihr Durchschnittsverdienst ist seit dem Jahre 190ö von 42,76 M. aus 34,89 M. gesunken. Es wurde aber vom Referenten wie auch in der Diskussion hervorgehoben, daß man für diese traurige Tatsache nicht allein die Unternchmier verantwortlich machen soll, sondern daß die Bodenlcger selbst zu einem guten Teil mit daran schuld srnd. Erst dadurch, daß es unter den Bodenlegern Leute gibt, die nicht auf Durcbführuiig des Tarifs bestehen, die dann, um bei den erbärmlichen Akkordsätzen noch einen auskömmlichen Verdienst zu erzielen, so darauflos wirtschaften, daß eine solide Ausführung der Arbeit gar nicht möglich ist, werden die Unternehmer in den Stand gesetzt, jene Schmutzkonkurrenz zu treiben, die nicht allein die Arbeiter, sondern auch das ganze Gewerbe schwer schä- digt. Allerdings hat die Krise, die lange Arbeitslosigkert viel dazu beigetragen, daß solche Zustände einreißen konnten; aber alle Bodenlcger sollten doch bedenken, daß es zweckmäßiger ist, etlvas länger zu feiern, als unter Bedingungen zu arbeiten, die not- lwendigerweise die Vernichtung ihrer Existenzmöglichkeit zur Folge haben müssen. Die erbärmlich niedrigen Preise, zu denen die Arbeit hier und da übernommen wird, bringen es mit sich, dafj auch die tariflich festgelegte Arbeitszeit häufig überschritten wird. Laut Tarif dauert die Arbeitszeit von morgens 7 bis nachmittags 5 Uhr mit einer einstündigcn Frühstücks- und einer ebenfalls ein- stündigen Mittagspause. Man kann jedoch auf den Bauten beob- achten, daß Bodenleger manchmal bis 6 Uhr und noch länger tätig sind und auch die Pausen nicht innehalten. Die Bemühungen der Branchenkommission, diesem Zustand ein Ende zu machen, haben leider nicht überall den gewünschten Erfolg gehabt. Aus diesem Grunde beschloß die Versammlung, daß die Branchenkommission die gesamte organisierte s'Bauarbeiterschaft auf die Arbeitsbedingungen der Bodenleger aufmerksam machen und sie ersuchen soll, darauf zu acbten, daß die Bodenleger ihre achtstündige Arbeitszeit innehalten. Die Versammlung meinte, es sei beschämend für die Bodenleger, wenn sie zu diesem Zwecke die Hilfe der übrigen Arbeiterschaft des Baugewerbes in Anspruch nehmen müßten. aber man glaubte gleichwohl, nicht darauf verzichten zu können, um dem unsolidarischen Verhalten wirksam entgegenzutreten.— Im übrigen wurden in der Versammlung verschiedene Firmen er- wähnt, bei denen die Mißstände besonders scharf hervortreten. Be- sondere Entrüstung hat es erregt, daß am 30. April Bodenleger, die hier in Berlin für die hannoversche Firma Norddeutsche Par- kettfabrik gearbeitet hatten, keinen Pfennig Lohn erhielten. Die Firma hatte die Arbeit an einen Zwischenmeister vergeben, und wenn dieser auch daran schuld war, so hätte die Firma doch wohl dafür sorgen müssen, daß die Arbeiter nicht erst den Klageweg be« schreiten brauchten, um zu ihrem Geld zu kommen. Bis jetzt hat nur einer der Bodenleger sein Geld, 66 M., erhalten. Bei den übrigen Klagen erklärte sich das Beritner Geweobegericht für un. zuständig. Es wird selbstverständlich dafür gesorgt werden, daß auch hier das Recht voll zur Geltung kommt. Zur Unterstützung der kämpfenden Bauarbeiterschaft war be- reits auf Beschluß der Vertrauensmänner und der Kommission au? den Kassenmitteln der Branche eine Summe abgesandt worden, wa» von der Versammlung einstimmig gutgeheißen wurde. Es wurde ferner beschlossen, die zu demselben Zweck inzwischen gesammelten Gelder ebenfalls sofort abzusenden. Die Sammlungen werden selbstverständlich fortgesetzt. Deutscher Buchbinderverkmnb, Zahlstelle Berlin. Bei der am 21. Mai stattgefundenen Wahl der Delegierten zum VerbandStaye in Erfurt wurden 2888 Stimmen abgegeben. Davon waren 106 ungültig, somit sind 2783 gültige Stimmen abgegeben. Als ge- wählt gingen hervor: P. Herzog, E. Unterlauf, P. R üg e r, G. Galisch, L. Jünemann, E. Brückner, O. Winicke, Fr. Freudenreich, R. Würzberge r, H. L e m s e r K. K l a p p e n b a ch, M. K e m p k e. Fr. K e e s e. Fr. B v t o m s k i, R. B e r g e r, R. H o f f m a n n, A. L i p p o l d, N. Ge r b e r, G. Teutsch, Th. Rosenzweig. Die Ortsverwaltung. Veurftbea Reich. Die Aussperrung in Bielefeld. WolfsS Bureau meldet: Bielefeld, 24. Mai. Da die streikenden Arbeiter der Ring. fchiffchen-Abteilung und der VernickclungSanstalt der Firma D ü r k o p p u. Co. die Arbeit nicht wieder aufgenommen haben, hat die vom Arbeitgeberverband und dem Fabrikantenverein angekündigte Aussperrung der Metallarbeiter heute früh mit der Stillegung der gesamten Nähmaschinenabteilung der Firma Dürkopp begonnen. Wie uns privat mitgeteilt wird, hat sich eine allgemeine Metall- arbeiterversammlung in Bielefeld mit der Lage beschäftigt und erklärt, daß die Arbeiter den Maßnahmen des Unternehmertums mit Gelassenheit entgegensehen. Sie sind bereit, eventuell auf einige Zeit auf Unterstützung zu verzichten, um den Kampf länger hinzuhalten und den Unternehmern ihre Aussperrungsgelüste zu verleiden. Hustand. Der österreichische Zimmererverband hielt verflossene Woche seinen 4. Verbandstag in B r ü n n ab. Für den deutschen Bruder- verband war Genosse Ecke-Hamburg anwesend. Der Verbands. tag beschäftigte sich in der Hauptsache mit einer Regelung der Beiträge, die um drei Heller pro Woche erhöht wurden, wogegen besonders von einem Teil der Wiener Delegierten heftig opponiert wurde.— Schlimme Dinge mußten vom Treiben der tschechischen Separatisten berichtet werden. So forderten diese in dem Pilsener Parteiorgan auf, Pilsen zu meiden— auf der letzten Seite des Blattes wurden vom Sekretär der Separatisten Zimmerer gesucht! Seit- dem der Zcntralverband die Streichung des Vertragspassus durch- setzte, daß auf der Prager Ausstellung nur Mitglieder des separa- tistischen Verbandes beschäftigt werden dürfen, wird er von den Separatisten mit den häßlichsten Mitteln bekämpft. Genosse «.Glocke. Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr, u. BerlagsanstaU Stastnh, der 2. Obmann des Verbandes, konnte einen schier unglaublich nachteiligen Vertrag vorlegen, den die Separatisten in Prag abgeschlossen haben und der nur infolge Einspruch deS Zentralverbandes nicht zustande kam.— Zu Obmännern wurden wieder die Genossen Wessely(deutsch) und Stastny (tschechisch) gewählt, sie redigieren auch die Fachblätter. Zur Unter st ützung der ausgesperrten Käme- raden in Deutschland beschloß der Verbandstag einstimmig, vier Extrawochenbeiträge in normaler Höhe auszu- schreiben und den Verbandsvorstand zu weiterer Extrasteueraus- schreibung zu ermächtigen. Ortsgruppen, die einen entsprechenden Kassenstand haben, sollen das Geld sofort absenden. Genosse Ecke dankte und legte die Ursachen des deutschen Riesenkampses dar. Versammlungen. Holzarbeiterverband. In der am Donnerstag abgehaltenen Generalversammlung der Zahlstelle Berlin erstattete der Kassierer M i e k e die Abrechnung vom 1. Quartal. Für die Hauptkasse wur- den eingenommen 190 090,69 M., ausgegeben 189 708,36 M. Die Lokalkasse hat 362 616,14 M. eingenommen und 136 814,88 M. aus- gegeben, so daß ein Bestand von 225 700,26 M. bleibt. An Unter- stützungen wurden ausgegeben für Arbeitslose 56 293 M., Kranke 36 061 M.. Streikende 12 664 M.. Gemaßregelte 4156 M.. Sterbe- geld 3122 M., Rechlsschutz 1354 M. Den Vorstandsbericht erstattete Glocke. Im Vordergrunde der Tätigkeit im ersten Vierteljahr stand der Abschluß des neuen Vertrages. Zu diesem Zweck wurden 13 Sitzungen mit den Unternehmern abgehalten. Die sonstigen Ver- bandsgeschafte wurden erledigt in drei Generalversammlungen» drei Versammlungen sämtlicher Vertrauensmänner, 87 Vertrauens» männerversammlungen der Bezirke und Branchen, 85 Mitglieder- Versammlungen und 10 Verwaltungssitzungcn.— 54 Mitgliedern wurde Rechtsschutz bewilligt, 67 Mitglieder wurden als �emaßregelt anerkannt, 17 erhielten Darlehen und 11 Notsallunterstützung.— Viele Beschwerden lagen vor wegen Ueberstunden. Auf Verweige« rung der Ueberstunden mutz künftig noch mehr hingewirkt werden. In 78 Fällen nahm die Verwaltung Stellung zu Werkstattstreiis und Differenzen.— Den im Jnnenbauverein organisierten Be- trieben ist der zum 1. Juli ablaufende Tarifvertrag gekündigt wor- den. Auf Verhandlungen haben sich die Arbeitgeber noch nicht eingelassen. Es scheint, daß sie einen neuen Vertrag nicht mehr abschließen wollen. Ob diese Annahme zutrifft, das muß sich in den nächsten Wochen zeigen.— Den Kollegen in der Sargbranche wurde die Zustimmung zu einer Lohnbewegung erteilt, die im April durchgeführt worden ist. Es handelt sich um eine Verbesserung des Tarifs der Branche. 12 Betriebe mit 60 Kollegen haben gestreikt, der Erfolg war überall ein günstiger.— Auch für die Bürsten- macher wurde eine allgemeine Lohnbewegung beschlossen. Gefordert wurde Verkürzung der Arbeitszeit von 56 auf 62 Stunden, 27 M. Mindestlohn und andere Verbesserungen. In 9 Betrieben mit 40 Kollegen sind die Forderungen zum größten Teil anerkannt wor- den.— Eine Konserenz mit dem Kuratorium des paritätischen Arbeitsnachweises wurde abgehalten, um die Maßnahmen zur Durchführung zu bringen, welche erforderlich sind, um die aus- schlicßliche Benutzung des Arbeitsnachweises zu erreichen. Dem Bericht folgte eine längere Diskussion, in der einige Einzelfälle aus der Tätigkeit der Verwaltung oder einzelner Mit- glieder derselben besprochen und hier und da Aenderungen in der Vertvaltungspraxis gewünscht wurden. Nachdem diese Diskussion beendet war, erstattete Maß den Bericht über Streiks und Diffe- rcnzen. Die Schlichtungskommission wurde 47 mal angerufen. Die beiden Beauftragten verhandelten 40 mal und 6 mal unter Teilnahme von Sachverständigen. In der Zeit der Vertragsvcrhand- lungen mußte die Tätigkeit der Schlichtungskommission wegen der Stellungnahme der Unternehmer, die damals zur Aussperrung rüsteten, teilweise eingestellt werden.— Bei Nichtvertragsmeistern fanden 43 Differenzfälle statt, die 49 Verhandlungen veranlatzten. In 11 Betrieben kam es zum Streik, wobei 304 Kollegen die Arbeit niederlegten. 8 Streiks mit 203 Beteiligten hatten Erfolg. 3 Streiks mit 96 Beteiligten gingen verloren. Die Kontroll- und AgitationSkomnnfston zählte im ersten Quartal 426 Mitglieder. Sie hielt 186 geschäftliche und 1463 Werkstattsitzungen ab. Zu diesen Sitzungen wurden die Kollegen aus 2460 Werkstätten geladen. ES erschienen 19 538 Kollegen auS 1861 Werkstätten. Wächter berichtete über die Tätigkeit des paritätischen Hf beitSnachweiseS. 8193 Arbeitsuchende ließen sich einschreiben. 681S Stellen wurden gemeldet und 4496 besetzt. Die Zahl der Arbeits- losen erreichte mit 867 am 22. März den niedrigsten Stand im Quartal. Am gleichen Tage des Vorjahres waren 2074 Arbeits, lose eingetragen. Die Arbeitsweise des Hirsch-Dunckerschen Ge- Werkvereins und des Christlichen Verbandes haben ihre Tätigkeit eingestellt. Die Mitglieder dieser Organisationen benutzen nun- mehr auch den paritätischen Arbeitsnachweis.> Schließlich nahm die Versammlung noch einige t« der vorigen Generalversammlung unerledigt gebliebene Anträge zum LerbanoS- tage an._______ Letzte rtacbrichten und Depefcben. Aufgedeckte Betrügereien. Darmstadt, 24. Mai.(B. H.) Der vor einigen Wochen pläße lich verstorbene Justizrat Hubert in Oppenheim hat sich, wie sich nachträglich herausgestellt hat, bedeutende Unterschlagungen, man spricht von 190 999 Mark, zuschulden kommen lassen. Ei heißt jetzt, daß Hubert durch Selbstmord auS dem Leben geschieden sei. Konstanz, 24. Mai.(B. H.) Plötzlich verhaftet wurde heute der Verwalter Huber von der städtischen Sparkasse wegen seit Jahren begangenen Unterschlagungen. i Radauszenen der Pariser Studenten. Paris, 24. Mai.(W. T. B.) Auch heute kam es in der medi- zinifchcn Fakultät während der Auslosung der Kandidaten für die Tozentenprüfung wieder zu lärmenden Auftritten, obwohl im Prü- fungssaale zahlreiche Polizeibeamte aufgestellt waren. Einer der Ruhestörer, welcher ein Mitglied der Prüfungskommission mit faulen Eiern beworfen hatte, wurde von einem Polizeioffizier fest- genommen. Darauf entstand eine allgemeine Prügelei zwischen den Schubleuten und den Manifestanten. Erst dem persönlichen Eingreifen des Polizeipräfekten Lepine gelang eS, die Ruhe einiger» maßen wiederherzustellen._.. Fordernde Reservistm, Paris, 24. Mai.(W. T. B.) Sechshundert Reservisten des 232. und 277. Infanterieregiments, welche zu einer Waffenübung in das Lager von Ruchard bei Tours geschickt waren, richteten an den Kriegsminister eine gemeinsame Petition, in welcher sie unter Hinweis darauf, daß das Lager sich in einer sumpfigen Gegend be- finde» baten, die Waffenübung in einer gesünderen Gegend ab- halten zu dürfen._: Ein schweres Dampfernnglück. London, 24. Mai.(W. T. B.) Eine Lloydmeldung besagt: Die deutsche Bark„I. C. Vinnen" aus Bremen, von Hamburg nach Mexiko bestimmt, ist im Tau des Schleppers„Gauntlett" in CoweS eingetroffen, sie berichtet, daß sie mit dem englischen Dampfer „Skerryvore" zusammengestoßen ist; der Dampfer ist gesunken� 22 Mann seiner Besatzunl, werden vermißt, einer ist lebend ge- borgen. Außerdem befindet sich die Leiche eines anderen an Bord des SchlepeprS. Die Bark ist am Bug beschädigt._ Kaul Singer& Co., Berlin SW. Hierzu 3 Beilage»«. OBterHaitnoiWfc Kr. 119. 27. ZahlMg. I KnlM ilfü„ilotlüiillü" jiftlilltt Jollislilatt Mittwoch. 25. Mai 1910. Hbgeordnetenbaus. 70. Sitzung vom Dienstag, den 24. Mai, mittags 1 Uhr. Bor Eintreten in die Tagesordnung ehrt das Haus das Andenken deS verstorbenen Abgeordneten G r i e h l(Z.) in der üblichen Weise. Staatsarbelter-Wohnunge». Auf der Tagesordnung steht zunächst die erste Beratung des Gesetzentwurfs betreffend die Bewilligung weiterer Staatsmittel zur Verbesserung der Wohnungs- Verhältnisse von Arbeitern, die in staatlichen Betrieben beschäftigt sind und von gering besoldeten Staatsbeamten. Der Emwurf verlangt, datz für diesen Zweck 12 Millionen Mark zur Verfügung gestellt werden, die durch eine Anleihe aufzubringen sind. Äbg. Frhr. V. Maltzan(f.); Wir sind damit einverstanden, daß Baugenossenschaften mit diesem Gelde unterstützt werden, ober die staatliche Aufsicht muß strenge darauf achten, daß solche Baugesell» schaften der privaten Bautätigkeit keine Konkurrenz machen.(Bravo I rechts.) Abg. Dr. Grunenberg(Z.): Auch wir stimmen dem Gesetz gern zu, da tatsächlich ein Mangel an kleinen Wohnungen besteht. Wünschenswert wäre es gegenüber dem Chaos baupolizeilicher Be- stimmungen, im Lande einheitliche Borschristen zu erlassen. Abg. v. Stockhausen(k.) bittet, daß der Staat diejenigen Arbeiter besonders berücksichtigt, für welche von den Landesversicherungs- anstalten Gelder nicht hergegeben werden. Abg. Dr. König(Z.) warnt davor, die Baugenoffenschaften über- mäßig zu unterstützen, sie bauen große Massenquaruere, während wir sehen müßten, zu Einzelhäusern zu kommen. Abg. Fritsch(natl.) erklärt sich namens seiner Freunde mit dem Gesetzentwurf einverstanden. Damit schließt die Diskussion. Da KommisfionSberatung nicht beantragt ist, wird sofort in die zweite Lesung eingetreten und in dieser der Gesetzentwurf debattelos angenommen. Der Widersinn des PresigesetzeS. ES folgt die Beratung des Antrages der Abgg. Borgmann und Genoffen(Soz.): Das HauS wolle beschließen, die königliche Staatsregierung zu ersuchen, sobald als möglich einen Gesetzentwurf vorzulegen, durch welchen die§8 S, 10 und 41 des preußischen Preßgesetzes vom 12. Mai 18S1 aufgehoben werden. Abg. Dr. Liedknecht(Soz.): Der§ g de» preußischen PreßgesetzeS vom 12. Juli 18V1 sagt: .Anschlagezettel und Plakate, welche einen anderen Inhalt haben als Ankündigungen über gesetzlich nicht verbotene Versammlungen, über öffentliche Vergnügungen, über gestohlene, verlorene oder gefundene Sachen, über Verkäufe oder andere Nach- richten für den getverblichen Berkehr dürfen nicht an- geschlagen. angeheftet oder in sonstiger Weise öffentlich aus- gestellt werden." Und im§ 10 ist gesagt:.Niemand darf auf öffentlichen Wegen, Straßen, Plätzen oder an anderen öffent- lichen Orten Druckschriften oder andere Schriften oder Bildwerke ausrufen, verkaufen, verteilen, anheften oder anschlagen, ohne daß er dazu die Erlaubnis der Ortspolizeibehörde erlangt hat und ohne daß er den Erlaubnisschein, in welchem sein Name ausgedrückt sein muß, bei sich führt. Wer diese Paragraphen unbefangen liest und unbefangen betrachtet, muß zu der Auffaffung kommen, daß andere Plakate als solche über nicht verbotene Versammlungen, öffentliche Vergnügungen und weiter über gestohlene, verlorene oder gefundene Sachen sowie namentlich für den gewerblichen Berkehr, überhaupt nicht, auch nicht mit polizeilicher Genehmigung an- gehestet lverden dürfen, und daß diese Plakate, deren Inhalt dem 8 S entspricht, nur mit der Genehmigung der Polizei angeheftet werden dürfen. Das Kammergericht hat das Gesetz auch stets so ausgelegt, und diese Auslegung entspricht auch der Ent- stehung des Gesetze? und dem Willen des Gesetzgebers. ES ist ein Gesetz, das nach seinem Inhalt geradezu als unsinnig und ganz und gar unmöglich bezeichnet werden muß. Dieses Gesetz ist wie das Dreiklassenwahlrecht dem kleines f euületon. Die Kometen-Enttäuschung. Seit der Komet Hallet) Sonntag abend überall mit bloßem Auge hat beobachtet werden können, kann kein Zweifel daran herrschen, daß er zu einer besonder» auffälligen und prächtigen Erscheinung nicht werden wird. Räch den kürzlich von Ebel publizierten Berechnungen mußte man annehmen, daß die Helligkeit deS Kernes gegenwärtig die erste Größen- klaffe übersteigen oder doch mindestens erreichen würde. In Wirklichkeit hatte der Kern Sonntag abend aber nur die Helligkeit eines Fixsterns von zweiter bis dritter Größe und sein Licht war matt, ohne irgendwelche auffällige Intensität. Der Kopf war von einer undeutlich begrenzten Coma umgeben; der Schweif war mit bloßem Auge nicht sichtbar; selbst im Kometensucher sah man von ihm nur Andeutungen. Man hätte erwarten können, daß die Helligkeit infolge der in diesen Tagen stark gesteigerten Sonnen- tätigkeit intensiver sein würde. Man muß jedoch darauf hinweisen, daß schon bei der vorigen Wiederkehr des Halley im Herbst des Jahres 183S seine Erscheinung an Auffälligkeit hinter den Er- Wartungen zurückblieb. Bessel, der berühmte Königsberger Astronom, hat damals den Kometen fortlausend beobachtet, und aus seinen Wahrnehmungen ersieht man, daß der Halleh schon vor 76 Jahren dieselbe Struktur und Helligkeit zeigte wie heute. ES ist daher wohl zweifellos, daß der Komet immer mehr an Masse. infolgedessen auch an Helligkeit und Schweiflänge verloren hat. Denn die den Schweif bildenden Ausstrahlungen de» Kern» können nie wieder zum Kopfe zurückströmen; sie verstreuen sich über die ganze, 6400 Millionen Kilometer lange Bahn. Das schwache Phänomen, als welches sich uns der Halley heute zeigt, bietet somit das Bild-eines alternden Kometen, der vielleicht nach einigen weiteren Jahrhunderten bis zur Unscheinbarkeit zusammenschrumpft. In der ersten Hälfte deS zweiten nachchristlichen Jahrtausends war seine Erscheinung sicherlich sehr auffällig und imposant. DaS geht nicht nur aus den bildlichen Darstellungen hervor, die unS über- liefert sind; daS beweist überhaupt die Tatsache seiner Beobachtung. Denn das schwache Sternchen, das man heute nur mit Mühe im Dämmerlichte sieht, würde im ftühen Mittelalter als Komet gar nicht erkannt worden sein. So kann also auch die exakte Wiffenschast ruhig von einer Ent- täuschung sprechen, die ihr die Wiederkehr des Kometen bereitet hat. Daß infolge des sensationellen LärmS, der vor dem Auf- tauchen deS Kometen, speziell mit dem famosen„Weltuntergang" getrieben wurde, die Enttäuschung deS großen Publikums unendlich viel größer ist, als die der Astronomen, kann natürlich nicht wundernehmen. So waren Sonntag abend unter den mehr als 1000 Besuchern der Berliner Treptow-Sternwarte 2 den sogenannten .gebildeten" Ständen angehörende Damen geradezu verblüfft, als ihnen daS winzige Nebelfleckchen in der Dämmerung des Abend- Himmels als der Komet vorgestellt wurde. Mit naivster Offenheit äußerten sie, sie hätten geglaubt, der Kopf des Kometen sei etiva so groß wie der Mond, und der Schweif erstrecke sich über den halben Himmel. TagS zuvor erschien ans der Treptow- Sternwarte um zwei Uhr mittags eine Bauersfrau, der man sofort ansah, daß fie aus einer weit entlegenen ländlichen Gegend nach Berlin gekommen war. Sie verlangte, den.Stern nnt dem Schwanz" HU sehen, und als man ihr bedeutete, daß dieser Stern erst preußischen Volke oktroyiert worden, und zwar am 30. Juni 1849 und am 6. Juli 1850. Es charalterisiert sich als ein Unisturz- gesctz im eigentlichsten Sinne. Das geht aus den Verhandlungen der Kammer sowie aus der Begründung seitens der Regierung her- vor. Um recht zu verstehen, wie damals die Reaktion in Preußen in einer den Jutcresseu des Volkes widersprechenden Weise waltete, brauchen wir nur an die Anweisung des Zaren Nikolaus I. an den preußischen Minister zu erinnern, die preußische Verwaltung ganz n a ch r u s s i s ch e m Muster zu gestalten. Nikolaus gerierte sich vollständig als Kenner der inneren Verhältnisse Preußens und zwar mit einem gewissen Recht, denn es wurde ihm von den damaligen Machthaber» Preußens sehr leicht gemacht. Charakteristisch ist die Angst, die sich in der Begründung des Gesetzes ausspricht; in den Motiven wurde hingewiesen, wie gefährlich gerade das Anheften von Plakaten an Bahnhöfen sein. Bahn- Höfe könnten als Sammelplätze für revolutionäre Elemente in Betracht kommen, und deshalb müsse dort jedes gefährliche Plakat vermieden werden, damit nicht etwa eine Erneuerung der Revolution von 1848 herbeigeführt würde. Allerdings zeigt diese Aeußernng auch, wie hoch modern die Regierung war; auch j e tz t hat ja die preußische Regierung vor der Verbreitung von Druckschriften auf Bahnhöfen noch große Angst.(Heiterkeit.) Diese künstliche Empörung über das Feilhalten von Flugschriften auf den Bahnhöfen kennzeichnet das ganze Gesetz. Wir verstehen es heute nicht mehr, kein Mensch begreift, daß es heute noch lebendig sein kann. Aber trotzdem hören wir immer noch, er lebet noch, er lebet noch uud wackelt mit dem Zopf.(Heiterkeit.) Leider lebt eS wirklich noch. Wir haben Verurteilungen nach diesem Gesetz erlebt, weil bei Gelegenheit des Bäcker st reiks sowie des Friseur st reikS in den Lokalen der- jenigen Arbeitgeber, welche die Forderungen der Gehilsen bewilligt hatten, Plakate ausgehängt wurden, in denen diese für solche Kunden bekanntgegeben waren, die ihre Bedürfnisse nur bei Arbeitgebern be- friedigen wollten, welche ihren Gehilfen entgegenkamen. ES erfolgten Verurteilungen nicht etwa deswegen, weil zum Anheften dieser Plakate die polizeiliche Erlaubnis fehlte, sondern weil solche Plakate unter allen Umständen verboten sind, selbst wenn die Regierung den Wunsch hätte, daß sie angeheftet würden. Ich erinnere auch an gewisse Vorgänge bei der L a n d t a g S w a h l. Da wurde gegen Gastwirte vorgegangen, in deren Lokal Listen der Wahl- männer mit der Angabe, wie sie gewählt hatten, ausgehängt waren. Zunächst versuchte man es mit dem groben Unfug. Das Kammergericht hob diese Verurteilungen aber auf und erklärte, es sei zu verurteilen, weil ein Verstoß gegen den§ S des PreßgesetzeS vorliege. Auch die üblichen Gewerkschaftsplakate, die nichts weiter enthalten, als Mitteilungen der Statuten und allen- falls noch eine Angabe des Ortes, wo man sich anmelden kann, sind von der Polizei in sehr vielen Orten aus den Gast- wirffchaften und Papiergeschäften beschlagnahmt, gegen die Inhaber der Geschäfte ist ein kriminelles Verfahren ein- geleitet worden. DaS wird wohl auch die Herren vom Zentrum interessieren. In Hannover wurde gegen ein Plakat ein- geschritten, auf dem das Wappen des ehemaligen Königs von Hannover von Soldaten getragen würde, die einen Bebelkümmel ankündigten. Hätte der Unternehmer den Schnaps Bismarck- oder Moltkekümmel genannt, so hätte man wohl kaum daran Anstoß ge- nommen.(Heiterkeit.) Alle diese Fälle zeigen in besonders krasser Weise, wohin man mit der Bestimmung des§ 9 kommt. Es besteht eine Gefahr, daß er ein Hemmschuh für uiisere gewerkschaftliche EntWickelung wird. Wir können loeiter beobachten, daß eine Menge von Plakaten, die wir täglich vor Augen haben, schlechter- dings gesetzlich unzri lässig find. Ueberall sehen wir z. B. aus Bahnhöfen Mitteilungen des Roten Kreuzes, die sicher nicht dem gewerblichen Verkehr dienen. Nach dem Gesetz find diese Plakate sowie die vieler anderer gemein« nützigen Organisattonen strafbar.(Lachen rechts.) Das ist kein Scherz, keine Karikatur, sondern buchstäblicher preußischer Ernst. Darin zeigt sich eben die preußische Struktur, das Knochen- gerüst des preußischen Polizeistaates.(Sehr wahr I bei den Sozial- demokraten.) Von der Regierung, von der Polizei, von allen zur Aufrechterhaltung der Gesetze berufenen Organen wird die Be- stimmung nur angewendet gegen politisch mißliebige Erscheinungen, gegen die Sozialdemokratie uud gegen die Gewerkschaften. Dagegen denkt man nicht daran. daS Gesetz auch anzuwenden gegenüber dem nichtpolitischen Verkehr und gegen- abends zu sehen sei, verlangte fie doch, durch das große Fernrohr zu sehen. Man zeigte ihr die Sonne mit ihren Flecken und Fackeln; kaum hatte die Frau einen Blick in das Okular geworfen, als sie in religiöse Extasen ausbrach und erklärte, diese heilige Stätte nicht mehr verlassen zu wollen. Nur mit Mühe gelang es den Assistenten des Instituts, die Frau zu beruhigen. Das Vorkommnis zeigt, be- rücksicknigl man daneben noch die große Zahl von Selbstmorden und WahnfinnsausbrücheN in aller Welt, die dem Kometen und dem „Weltuntergang" zuzuschreiben sind, daß eS mit der Volksbildung auch im zwanzigsten Jahrhundert noch traurig bestellt ist und daß wir gar leinen Anlaß haben, unS über die Kometenfurcht früherer Jahrhunderte lustig zu machen. Prof. Birkeland, der in Finmarken die Erscheinungen der Kometennacht beobachtet hat, konnte während der Zeit, in der der Kometcnkern die Sonne passierte und die Erde den Schweif kreuzte, einen magnetischen Sturm von außerordentlicher Art und Stärke registrieren. ES konnten außerdem wertvolle elektrische und meteorologische Observationen gemacht werden. Zusammen mit den wichtigen Wahrnehmungen auf den Sternwarten von Breslau und Heidelberg liefern Birkelands überraschende Erfolge nun wohl den schlüssigen Beweis dafür, daß die Erde in der Tat durch den Schweif hindurchgegangen und daß die Lichterscheinung deS Kometenschweifs elektrischer Natur ist, die in den von der Sonne ausgehenden Kathodenstrahlen ihre Ursache haben. Birkelands Beobachtungen verdienen deshalb höchste Be- achtung, weil der norwegische Physiker eine allererste Autorität auf dem Gebiete des Erdmagnetismus ist. Es ist ihm bekanntlich ge- ltmaen, die Wirkung der von der Sonne ausgehenden elektrischen Kräfte, die sich in erdmagnettschen Erscheinungen und in Polar- lichtern äußert, auch im Laboratorium experimentell nachzuweisen. Die nächste Ausgabe der Astronomen ist jetzt, etwaige Ver- änderungen zu beobachten, die sich möglicherioeise an dem Kern und der Coma deS Halleh ergeben. So schien eS Sonntag, als ob sich neben dem Hauptkern innerhalb der Coma eine zweite Ver- dichtung zu bilden beginne. Sicher ist diese Wahrnehmung aller- dingS noch nicht; eS müssen erst weitere Beobachtungen abgewartet werden. Fontane und die Arbeiterbewegung. Theodor Fontane, dem die Offiziellen soeben erst im Tiergarten ein Denkmal gesetzt haben. hat sich zeitlebens immer seinen offenen Blick für Menschen und Dinge bewahrt, wohin ihn auch die Verhältnisse immer führten. 1848 war er«in glühender Freiheiisfreund ge- Wesen. Später ist er lange in der„Kreuzzeitung" feuilletonistisch tätig gewesen. Dann hat er in einem Alter, wo die meisten Gehirne schon für neue Strömungen und Richtungen verschlossen sind, der jungen naturalistischen Literatur Verstehen und Verstehen- wollen entgegengebracht. Immer aber ist er sich treu geblieben. Und wenn er irrte, war es aus rein menschlichen Motiven. In seinen Briefen, die vor kurzem veröffentlicht wurden, wird eS klar, daß er auch die Arbeiterbewegung ohne Vorurteile, ja mit einer gewissen Hinneigung beobachtet hat. Ein Engländer James Morris hatte ihm verschiedene englische Zeitungen, darunter den Labour Leader", übermittelt. In dem Antwortschreiben Fontanes am 22. Februar 1890 heißt es: „Mit besonderem Vergnügen habe ich Keir Hardies„Labour Leader" durchgesehen. Alles Interesse ruht beim vierten Stand. über den sogenannten staatserhaltenden Organisationen. Hier wird in so eklatanter Weise gegen den Grundsatz der Gleich- heit vor dem Gesetz verstoßen, daß wir ein besseres Kabinettstück deS Klaffenstaates und der Klassenjustiz gar nicht haben können.(Sehr wahrl bei den Sozialdemokraten.) Bei der Beratung des§ 10 wurde die Regierung gefragt, ob denn die Bestimmung, daß zu dem Plakat die Genehmigung der Ortspolizeibehörde gehöre, auch auf die Theater anzuwenden sei. Der Regierungskommissor antwortete damals, die Regierung würde das Gesetz schon so anwenden, daß man keine Besorgnis zu haben brauche. Wir sagen aber, die Ver« waltung darf das gar nicht in der Hand haben; wenn gewisse Handlungen unter Strafe gestellt sind, so hat die Verwaltung die Pflicht, soweit sie Sträfverfolgungsbehörde ist, bei diesen Handlungen die Strafverfolgung eintreten zu lassen. Kein Mensch hat je danach gefragt, ob der Generalintendant v. Hülsen, ob der Direktor Rein- Hardt um die Genehmigung zum Anheften der Prograntme nach- gesucht hat(Heiterkeit), und ob sie den Erlaubnisschein bei sich haben (Erneute Heiterkeit), wie es der ß k0 vorschreibt. Aber Sozial- demokraten gegenüber ist man anders verfahren. Ein Sozial- demokrat namens Kiesewetter wurde prozessiert, weil er die Be- kanntntachung einer Versammlung in seiner Gastwirtschaft und in seinem Papiergeschäft ausgehängt hatte. Das ist ein deutlicher Beweis. welche Gefahr diese Bestimmung für daS Versammlungsrecht bildet.(Sehr wahrl bei den Sozialdemokraten.) Wir leben im Zeitalter des Verkehr« und der Reklame, wir haben Eisenbahn und Automobil, und die Leute bilden sich ein, in der Eroberung der Luft an erster Stelle zu rangieren. Die Polizei aber reist noch mit der alten P o st t u t s ch e(Heiterkeit) und dabei glaubt sie hoch- modern zu sein I Vor dem Kammergericht hat der Oberstaatsanwalt zugegeben, daß das Gesetz für die heutige Zeit ganz unhaltbar sei. Und ganz ebenso hat sich daS Kammergericht ausgelassen, eS hat bedauert, ein solch rückständiges Gesetz anwenden zu müssen, aber, so lange es besteht, bleibe ihm nichts anderes übrig. Mit Riesen- schritten treibt die kapitalistische Entwickelung vorwärts, und da will man ein Gesetz behalten, das für das Zeitalter der Postkutsche paßt l Aber des Rätsels Lösung ist nicht schwer. Wenn irgendwo gilt für Preußen das Wort: eS erben sich Gesetz und Rechte wie eine ewige Krankheit fort. Gerade die schlechtesten Gesetze dauern in Preußen am längsten. Das zeigte sich beim Bereinsgescy, das den Frauen die Teilnahme an politischen Vereinsversammlungen verbot. AlS sich diese Bestimmung als unhaltbar erwies, änderte man nicht das Gesetz, sondern erließ die bekannte Segmentverfüguitg, weil ein preußischer Bureaukrat den Gedanken nicht fassen konnte, eine Bestimmung auf- zuheben, die sich so schön zu politischen Schikanen benutzen ließ. (Sehr wahr I bei den Sozialdemokraten.) Natürlich find dies nur Spinnweben, nicht aber wirkliche Fesseln für die proletarische Be- wegung.(Lebhafte Zustimmung bcr den Sozialdemokraten.) Wir werden uns nickt wundern, wenn die Mehrheitsparteien den Vorwurf der Rückständigkeit, der durch das Bestehen dieses Gesetzes auf ihnen lastet, weiter ertragen. Wollten sie nur in der geringsten Weise den Aufgaben der Entwickelung in Preußen gerecht werden. wollten sie der Entwickelung nicht Schwierigkeiten bereiten, sondern ihr die Wege ebnen, so müßten Sie das Volk mit solchen kleinlichen polittschen Schikanen verschonen und unserem Antrage ohne weiteres zustimmen (Lebhaftes Bravo! bei den Sozialdemokraten) und aufräumen mit solchem mittelalterlichen Plunder, der nicht in unsere Zeit hinein- gehört.(Lebhaftes Bravo I bei den Sozialdemokraten.) Abg. Mcrtin- Oels(fk.): Wenn man den„Vorwärts" liest und sieht, wie die bestehenden Einrichtungen des Staates herunter- gesetzt werden, dann muß man der Meinung sein, daß bei uns die Preßfreiheit schon weit genug geht. Wir wollen die verhetzende Agi« tatton der Sozialdemokratie nicht dadurch noch uiiterstützen, daß wir die Verteilung von Druckschriften ganz freigeben. Wir werden auch die Ueberweisung des Antrags an eine Kommission ablehnen. (Beifall rechts.) Abg. Dr. König(Z.) begründet einen Zentrumsantrag, wonach die Regierung einen Gesetzentwurf vorlegen soll, durch den die §8 9 und 10 deS PreßgesetzeS in zeitgemäßer Weise ab- geändert werden. Abg. Lieber(natl.) erklärt sich für den Zentrumsantrag und Segen den Antrag der Sozialdemokraten wegen seiner unübersehbaren Konsequenz. Der Bourgeois ist furchtbar und Adel und Klerus sind altbacken, immer wieder dasselbe. Die neue bessere Welt fängt erst beim vierten Stande an. Man würde das sagen können, auch wenn eS sich bloß erst um Bestrebungen, um Anläufe handelte. So liegt es aber nicht. Das, was die Arbeiter denken, sprechen, schreiben, hat das Denken, Sprechen und Schreiben der altregierenden Klassen tatsächlich überholt. Alles ist viel echter, wahrer, lebens- voller. Sie, die Arbeiter, packen alles neu an, haben nicht bloß neue Ziele, sondern auch neue Wege." � Notizen. — Theaterchronik. Die Kantmerspiele eröffnen ihre Sommerspielzcit unter Direktion Dr. Geyer am 2. Juni mit der deutschen Uraufführung der in Norwegen viel gespielten Komödie „Jacob und Kri st offer" von Peter Egge. — Das Theater sei militärfromm. DaS Militär- schattspiel„Die letzten sechs Wochen' von Leo Jungmann, das bisher in Bremen, Lübeck, Bielefeld und Kreuznach mit großem Erfolg unbeanstandet in Szene ging, wurde von der Zensur dem Berliner Friedrich Wilhelm st ädtischen Schau« s p i e l h a u S verboten. DaS Stück behandelt das Martyrium eines Soldaten, hervorgerufen durch einen Unteroffizier, der ihm aus Eifersucht die noch zu dienenden letzten sechs Wochen recht schwer machen will. Den Höhepunkt erreicht da» Schauspiel in einer wirksamen Kriegsgerichtssitzung. Die Verblödung der deutschen Bühne durch die fadesten und sentimentalsten Leutnantsstücke ist den Behörden natürlich höchst erwünscht, wenn der bunte Rock bei denen, die nicht alle werden. Begeisterung fürs Militär erweckt. Wird aber auch nur ein Zipfel von der brutalen Wirklichkeit des MilitärrockS gelüpft, so schreitet die Zensur ein. — Die S p u ck- K r i t i k. In der Bilderausstellung der „Neuen Sezession", die gegenwärtig im Kunstsalon Macht in Charlottenburg zu sehen ist, hat jemand eine eigenartige Kritik geübt. Die Bilder des Malers Pechstein wurden von einem engagierten Feigling(als ihn niemand kontrollierte) vollgespuckt. Der bemerkenswerte Kunstfreund konnte leider nicht fest- gestellt werden. Nun ist zuzugeben, daß manche Bilder der neuen Sezession geeignet sind, bei der kompakten Majorität Oppositionsgelüste zu erregen. Aber selbst in der klassischen Stätte des Kompakten, int preußischen Ab- geordnetenhause, wird ein Unbeliebter doch höchstens rauS- geschmissen.... Auch Ludwig Pietsch, der trotz seiner 80 Jahre noch sehr viel Temperament gegen junge Maler aufbringt, hatte in der„Voss. Zeitttng" die Frauen immerhin nur aufgefordert, an dem Maler Pechstein, der nach ihm durch ein ekelhaftes Scheusal daS ganze Frauengei'chlecht schmählich beleidigt habe,„die verdiente Strafe zu vollziehen". Welche Strase Herr Pietsch meinte, hat er leider nickt gesagt. Aber sicherlich haben ihni geschmackvollere Arten als diese Spuckerei vorgeschwebt. Vielleicht dachte er an den Frauen« boykott in Aristophanes' Komödie„Lysistrata". — Künstler-Bulletin. Dem erkrankten Peter Rosegger geht es wieder besser.— Auch über Peter A l t e n b e r g, der in eine Wiener Heilanstalt gebracht wurde, lauten die Nachrichten er» freulicher. Mg. Traeger sFortschr. Vp.) beantragt, dm Antrag Borgmann der Justizkommission zu überweisen. Gegen den Antrag Dr. König spricht der Ausdruck„zeitgemäß. Als die Bestimmung erlassen wurde, war sie vollkonimen zeitgeniäst, denn danials herrschte die Reaktion. Die in Frage kommenden Bestimmungen passen absolut nicht mehr in unsere moderne Zeit hinein. Es handelt sich um lleberbleibsel der alten preußischen LandeSgesetzgcbung, die längst überholt sind.(Sehr richtig I links.) Abg. v. Pappcnheim(k.): Den Antrag Borgmann lehnen wir ab, den Zentrumsantrag würden wir als den Antrag einer großen Partei für erwägnngswert halten. Da wir aber mit ihm auch den Antrag Borginann der Kommission überweisen müßten, werden wir ihn gleichfalls ablehnen. Abg. Dr. Liebknecht(Soz.): Dr. König hat gemeint, meine Leidenschaftlichkeit sei gegenüber einer so geringfügigen Bestimmung ganz deplaciert gewesen. Er hat meine Ausführungen total mißverstanden. Die Arbeiter würden diese Bestimmungen mit einer Dosis von Humor hinnehmen und über sie lachen, wenn sie wenigstens die verschiedenen Klassen der Bevölkerung in gleicher Weise treffen würden. Unsere Leidenschaft- lichkeit und Empörung erklärt sich daraus, daß diese Bestimmungen gegenüber den verschiedenen politischen Strömungen nicht gerecht angewendet werden und daß eine unglcichnräßige Behandlung auch hier de» Klassencharakter des heutigen Staates hervortreten läßt. (Bravo I bei den Sozialdemokraten.) Der Antrag Träger auf Verweisung beider Anträge an die Justizkommission wird gegen die Stimmen der Freisinnigen und Sozialdemokraten abgelehnt. Der Antrag König wird gegen die Stimmen der beiden konservativen Parteien angenommen. Das altpreustische Armengesetz. TS folgt die Beratung des Antrages Borgmann(Soz.). die Regierung zu ersuchen, sobald als möglich einen Gesetzentwurf vor- zulegen, durch den der ß 2 Abs. 1 Ziffer 2 und Abs. 2 deS Gesetzes vom 81. Dezember 1842 aufgehoben wird. Abg. Dr. Liebknecht(Soz.): Es handelt sich hier um ein Stück preußischer Rück- ständigkeit und polizeilicher Willkür. Unser Antrag will eine den modernen Verhältnissen angepaßte Neuregelung dieser gesetzlichen Bestimmungen aus dem Jahre 1842. Nach diesen� Be- stimmungen wird der Polizei uneingeschränkt das Recht eingeräumt, den Aufenthaltsort zu beschränken, und einen Verurteilten von gewissen Orten auszuschließen ohne Angabe von Gründen. Nun ist allerdings später das Neichsstrafgesetzbuch erlassen worden, in dem bestimmt wird, in welchen Fällen auf die Zuläisigkeil von Polizeiaufsicht erkannt werden darf. Es ist deshalb die Frag«, ob durch das Reichs- Strafgesetzbuch das Gesetz von 1842 ausgehoben wird oder nicht. Ich bin der Meinung, daß das Gesetz von 1842 durch das Reichs- strafgesetzbuch als aufgehoben zu betrachten ist. Es handelt sich hier eben wieder einmal um einen der bekannten Kompetenzkonflikte zwischen der Justiz und der Verwaltung, der ja durch das ganze preußische Wesen hindurchgeht und überall anzutreffen ist. Das Bedenklichste an dem Gesetz von 1842 ist seine außerordentlich weite Fassung. Auf keinem anderen Gebiete haben die Polizei und die Verwaltung so weitgehende Machtbefugnisse wie hier. Die gericht- lichen Bestrafungen/ wegen der die Polizei zur Ausweisung greifen kann, brauchen nur sehr minimaler Natur zu sein und können jähre- lang zurückliegen. Mir ist ein Fall bekannt, in dem ein Mann jahrelang in Berlin gewohnt hat und auf eine Woche sich ent- fernte, um Verwandte zu besuchen. Er kehrte dann nach Berlin zurück, wurde von der Polizei als neu Hinzuziehender angesehen und ihm die Erlaubnis zur Niederlassung untersagt.(HörtI hört I bei den Sozialdemokraten.) Das Oberverwaltungsgericht billigte diesen Standpunkt der Polizei. In einem anderen Falle handelte es sich um einen Hotelier, der das Verbrechen begangen hatte, seinen Gästen nach einer Kaiser-GeburtS tagsfei er die Möglichkeit gegeben zu haben, zu jeuen. Diesem Hotelier wurde nicht nur die Konzession entzogen, sondern man nahm ihm auch die Möglichkeit, als Angestellter in einem anderen Gastwirtschaflsbetrieb sein Brot zu verdienen.(Hört! hört l linksö Die Polizei saß dem Mann überall auf den Fersen. Großen Staub aufgewirbelt hat ja vor einigen Jahren der Fall des Schuhmacher» Wilhelm Voigt, der auch unter Polizeiaufsicht stand u nd nach dem preußischen Vagabundengesetz behandelt wurde. Man hetzte ihn von Ort zu Ort, der Mann konnte sich keine Existenz schaffen und wurde so von einem Verbrechen ins andere gejagt. Die Personen, die unter diesen Paragraphen fallen, muß man als Opfer der sozialen Verhältnisse betrachten. Wenn das aber der Fall ist, dann muß es Aufgabe der Justiz sein, nach Möglichkeit dafür zu sorgen, daß die Schuld der Gesellschaft ihnen gegen- über gesühnt wird, daß ihnen die Möglichkeit gegeben wird, wieder in geordnete Verhältnisse zu kommen. Ein leider verstorbener Konser- vatwer, der in weilen Kreisen sehr geschätzte Pastor v. Bodelschwingh, würde sich grundsätzlich auf meinen Standpunkt stellen. ES ist gerade ein Verdienst dieses Herrn, innerhalb der heutigen Gesellschafts- ordnung immer wieder darauf hingewiesen zu haben, daß man im Landstreicher und Vagabunden auch den Menschen zu achten hat. Natürlich stimmen wir mit den Mitteln, die Herr v. Bodelschwingh anwendete, nicht überein, aber sympathisch war eS, wie dieser Mann sich dieser Opfer der Gesellschaft immer angenommen hat. Die in Frage kommenden Gesetzesbestimmungen stammen aus dem Jahre 1842, einer Zeit, in der Preußen noch ein rein agrarischer Staat war und in der noch patriarchalische Arbeitsverhältnisse herrschten. Damals mag eine Bestimnmng zeitgemäß gewesen sein, daß man nur am Orte des UnterstützungSwohnsttzeS Aufenthalt nehmen durste. Wenn die Städte von dieser Bestimmung einen rigorosen Gebrauch machen würden, dann würde das gerade nicht im Interesse des Landes liegen, denn auf da« Land wurden dann allerhand bestrafte Personen abgeschoben werden, die dort der Armenfürsorge zur Last fallen würden. Die Umgestaltung unserer wirtschaftlichen Verhältnisse macht die Durchführung dieser Bestimmungen in der beutigen Zeit aber zur Unmöglichkeit Die willkürliche Anwendung in emzelnen Fällen aber muß als äußerst brutal und inhuman en, Pfunden werden. Auf den Ausweisungsformularen für Berlin sind zum Beispiel 28 Ortschaften in der Umgebung Berlin« an- geführt, für die die Ausweisung gleich mit gilt. Mit so drakonischen Mahregeln bringt man natürlich einen Be- straften nicht auf die Bahn, ein ordentlicher Mensch zu werden. Nun ist gewiß richtig, daß ans dem Ort des UnterstützungSwohnsitzeS niemand ausgewiesen werden darf. Aber wer weih denn, wo fein Unterstützungswohusitz ist? Das wissen oft die Behörden selbst nicht, die sich über den UnterstiitzuiigSwohnsitz jahrelang oft herum- streiten. Und dann ist der UnterstiitzuiigSwohnsitz oft auch der denkbar ungeeignetste Ort zur Schaffung einer ordentlichen Existenz. Die Möglichkeit der Schikane ist damit aber noch nicht er- schöpft. Da« Gesetz würde kein preußisches sein, wenn eS sich nickt auch zur Anwendung gegen politisch mißliebige Personen mißbrauchen ließe. Das ist denn auch in der Tal wiederholt ge- schehcn. Ein sozialdemokratischer Schriftsteller, ein Gelehrter von Ruf, hatte jahrelang in Wilinersdorf gewohnt. Während seiner Redalieurtätigkeit in Magdeburg hatte er wegen Beleidigung eine Strafe bekommen. Nun wollte er von Wilmersdorf nach Friedenau ziehen und die Friedenauer Polizei kündigte ihn, an, daß sie ihn auf Grund des Bagabundenparagraphcn ausweist» würde. (Hörtl hörtl bei den Sozialdemokraten.) Da» geschah gegen einen tüchtigen Gelehrten mit akademischer Bildung und keinen politischen Vorstrafen I Der Mann mußte also nach Wilmersdorf zurück oder als Vagabund in der Welt herumlaufen. Glücklichertveis« hat sich in diesem Falle das Berliner Polizeipräsidium eines Besseren besonnen und hie höchst blamable Verfügung zurückgezogen. Wir müssen aber bei der Beschaffenheit der preußischen Polizei und des Ministeriums des Innern auch stündlich damit rechnen, daß diese Bestimmungen politisch mißbraucht werden. Das ist ein Grund mehr für uns, die Aufhebung dieser Bestimmungen zu verlangen. Beweisen Sie uns durch Ihre Stellungnahme zu unserem Antrage, in welchem Umfange Sie das Wort vom christlichen Staate kn die Tat umzusetzen gewillt sind. (Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) Abg. v. Knesebeck(frk.): Meine politischen Freunde halten die Bestinuiiuiigen des 8 2 des Landespolizeigesetzes für so wichtig, daß wir sie nicht über Bord werfen wollen. Der Vorredner sprach von der Machtbcfngnis der Polizei, die häufig zu Uebergriffeu ausarte. Mißgriffe der Polizei kommen in allen Städten vor, aber es bestehen ganz bestimmte Anweisungen über die Aus- führungen des Gesetzes und es ist niibestreitbar, daß es jetzt mit der Vagabondage erheblich besser bestellt ist als früher vor dem Bestehen des Gesetzes, Hierauf vertagt sich daS Haus auf morgen 12 Uhr.(Dritte Beratung des Gesetzentwurfs über die Bewilligung von Mitteln zur Verbesserung der Wohnungen der Arbeiter; Gesetzentwurf betr. die Feuerversicherungsanstaltei,, GerichtSkosteugesetz, Gebührenorduuiig für die Notare.) Schluß 4°/. Uhr._ parlamentanlcbea* AuS der Justizkommission deS Reichstages. In der Justizkommission wurde am Dienstag bei der Beratung der Z8 1L1 und 107 der Strafprozeßordnung erörtert, unter welchen Garautieu eine Haussuchung vorzunehmen ist. Nach der Regierungs- Vorlage sollen, wenn eine Durchsuchung von einem anderen Beamten als dem Richter oder Staatsanwalt vorgenommen wird, zu der Untersuchung noch ein anderer Beaniter oder zwei Gemeindemit- glieder zugezogen werden, wenn diese Maßnahme den Zweck der Haus- suchung nicht gefährdet. Dagegen wurde von unserer Seite, denpolnischen und srcisiiliiigen Mitgliedern verlangt, zu bestimmen, daß ohne jede Ernschränkung bei einer derartigen Haussuchung ein Beamter oder zwei Gemeindemitglieder, die nicht Polizeibeamte sein dürfen, zugezogen werden müssen. Beschlossen wurde, daß tunlichst ein anderer Beamter oder zwei Gemeindemitglieder hinzu« zuziehen sind. Beim§ 102 kam es zu langen Debatten darüber, ob von dem Zweck einer Haussuchung auch der Verdächtige davon benachrichtigt werden muß. Bei dieser Gelegenheit kamen unsere Genossen auf die ver- brecherischen Unterschiebungen der Polizeispitzel zur Zeit des Sozialisten- gesetzes zu sprechen. Damals versteckten diese Subjekte erst vor der geplanten Haussuchung die zu suchenden Gegenstände in der Woh« nung des Verdächtigen. So schildert Genosse F r o h m e, wie seiner« zeit in seiner Wohnung in Bockenheim Polizeispitzel anarchistische Schriften in den Keller seiner Wohnung geschmuggelt hatten. Frohme, der diese Gaunerei durch einen Zufall bemerkte, schickte noch an demselben Abend die Schriften an den Polizeirat Rumpf auf das Polizeipräsidium. Trotzdem erschien am anderen Morgen Rumps, der a,n Abend vorher nicht mehr auf dem Polizeipräsidium gewesen war. mit einigen Beamten und durchsuchte die ganze Wohnung nach den Schriften, steif und fest behauptend, daß diese Sachen in der Wohnung sein müßten. Die beantragte Verbesserung gelangte im wesentlichen zur An- nähme. Beschloisen wurde, daß wohl der Verdächtige, aber nicht der Beschuldigte von der Haussuchung vor deren Begmn zu benach- richtigen ist. Dem 8 k03 wurde auf Antrag deS Zentrum? hinzugefügt, daß. wenn bei einer Haussuchung Papiere gefunden werden, deren zwangs- weise Beschlagnahme nach den Bestimmungen des§ 83 ausgeschloffen ist, der Richter oder Staatsanwalt verpflichtet ist, diese Papiere den Beteiligten sofort auszuhändigen. Auch darf der Inhalt dieser Papiere im weiteren Verlauf des Verfahrens nicht verwendet werden. Zum 8 104 stellten unsere Genossen folgenden Antrag: .Spätestens unmittelbar nach der Durchsuchung ist dem Betreffenden der Zweck der Durchsuchung schriftlich mitzuteilen, auch ein Verzeichnis der in Beschlag genommenen Sachen oder, wenn Sachen nicht in Beschlag genommen sind, eine Bescheinigung darüber zu erteilen." Der Antrag wurde in dieser Form ab- gelehnt, aber dem Zweck deS Antrages dadurch entsprochen, daß der Regierungsvorlage, nach der nur auf Antrag des Betreffenden ein VerzeichmS resp. eine Bescheinigung ausgestellt wird, zugefügt wurde:»Der Betroffene ist auf dieses Recht hinzu- weisen". Eine längere Zeit nahm sodann die Debatte über de» Schutz der Abgeordneten gegen Durchsuchungen in Anspruch. Ein Zentrumsantrag bezweckt, einen neuen 8 106» zu schaffen, der lauten soll: .Beschlagnahmen und Durchsuchungen in den Diensträumen einer gesetzgebenden Versammlung dürfen nur mit Genehmigung deS Vorsitzenden der Versammlung oder seine« Stellvertreters vorgenommen werden. Bei ihrer Vornahme ist der mit der Be- aufstchtigung der Räume beauftragte Beamte der Versammlung zuzuziehen." Die Regierung erklärte durch den Staatssekretär Lisco, diesen Antrag nicht akzeptieren zu können. Er schaffe für die Parlamente eine Ausnahme: denn— die fürstlichen Schlösser, Kirchen, Regierungsgebäude und GerichtSstStten hätten ein solches Recht auch nicht.— In der Diskusston wandten sich unsere Genossen, ferner die Redner des Zentrums und der Freisinnigen scharf gegen diese Erklärung. DaS verlangte Recht folge schon jetzt aus Artikel 30, 31 der Reichsverfassung. Notwendig sei der Antrag geworden, weil in der Praxis eine Beschlagnahme versucht wurde. Bon einer AuS- nähme könne keine Rede sein. Der Bundesrat werde ja durch den Antrag gleichfalls getroffen. Im übrigen enthalte ja das Gesetz gegen Durchsuchung militärischer und anderer Dienstgebäude weit- tragende Kautel«». Der Versuch, im königlichen Schloß HauS- suchungen vorzunehmen, lasse sich theoretisch hören, sei doch aber in der Praxis undenkbar. Der Zentrumsantrag bleibe eigentlich hinter dem auS der Reichsverfassung abzuleitenden Recht zurück, da er mit Genehmigung de» Präsidenten eine Beschlagnahme zulasse. Die Konservativen und Nationalliberalen bekämpften den verlangten Schutz der Immunität. Der Zentrumsantrag wurde schließlich mit 13 Stimmen an« enommen. Dagegen stimmten Konservative, Reichsparteiler. ationalliherale und oer Antisemit. Neunte Generulversammlung der Töpfer und Kerufsgenossen. Dresden, 23. Mai 1913. ES nehmen bl Delegierte, Zentralvorstand, Redaktion und Ausschuß und sieben Gauleiter an den Verhandlungen teil; außer- dem sind G i r b i g und W o l l m a n n. Vorsitzende des deutschen Glas- bezw. Porzellanarlxiterverbandes, und der österreichische Genosse D a- R i n als Gäste erschienen. Am ersten Tage wurden die Berichte von Vorsitzenden, Kassierer und Redakteur entgegengenommen und die Diskussion darüber gc- pflogen, die unbeendet blieb und deshalb am Dienstag fortgesetzt wurde. Der Vorsitzende Drunsel tadelte in seinem Geschäftsbericht eine gewisse Disziplinlosigkeit bei der Inszenierung von Lohn. bewegungen. Vielfach gehen die Filialen eigenmächtig vor, be- ginnen Lohnbewegungen oder kündigen Tarife über die Köpfe des Zentralvorstandes hinweg. Es sind Allüren, di, noch aus der Zeit der Lokalverbände und der partiellen Streiks stammen, die aber mit der wachsenden Bedeutung der Unternehmerorganisationen und der Gefahr der Aussperrungen beiseite gesetzt werden müssen. Abgesehen von einigen Ausnahmefällen habe der Verband sich stark genug erwiesen, die Lohne während der Krise auf der Höhe zu halten. Einige Schlappen in verschiedenen Filialen, so in Posen, Grauichwitz und Lungnitz, seien vornehmlich Fehlern in den eigenen Reihen geschuldet. Zum Bericht des Kassierers L o t h e r. über den wir alles nötige im Vorbericht sagten, sei nachgeholt, hast der Kassenbestand am 21. Mai 150 466 Mark betrug. Ueber die kurzen Berichte setzte eine eingehende Diskussion ein. Fast alle Redner, die sich mit dem Fachorgan beschäftigten, äußerten über dessen Haltung volle Zufriedenheit. Besonder? seine entschiedene, wirksame Stellungnahme bei der Wahlrechtsbewegung und sonstigen wichtigen politischen Anlässen fand ungeteilte Auer- kennung. Einzelne Redner nahmen scharf zu verschiedenen Maßnahmen des Vorstandes, besonders zu seinem Eingreifen bei Lohnbewe- gungen, Stellung. Die große Mehrzahl erklärte sich jedoch auch mit der Vorstaudstätigkeit einverstanden und sprach aus, daß er in der schweren Zeit der Krise meistens das Rechte getroffen habe. Be- sonders seien die zahlreichen Abwehrbewegungen so geschickt ge- leitet worden, daß fast alle Anschläge des angriffswütigen Unter- nehmertums zu nichte wurden. Die Diskussion, die sich vor allem auch auf interne, die Oeffent- lichkeit nicht interessierende Fragen erstreckte, ließ eine starke Neigung hervortreten, den Verbandsausschuß in Wegfall kommen zu lassen. Da die Debatte sich nicht erschöpfte, wird sie am Diens- tag fortgesetzt._ Hus Induftric und Handel Bauken in der Industrie. Es gibt wohl kaum noch einen bemerkenswerten Vorgang in der Industrie, bei dem die Banken nicht die Hand im Spiele haben. Richtiger würde man wohl sagen: der nicht von Banken entriert worden ist l Hinter der sich jetzt in der Braunkohlenindustrie voll- ziehenden Konzentration stehen sie natürlich auch wieder. Die dieser Tage abgehaltene Generalversammlung der Niederlausitzer Kohlen- werke beschloß, das Aktienkapital von 6 auf 12 Millionen Mark zu erhöhen. Die Kapitalserhöhung soll dazu dienen, das gesamte Aktienkapital der.Kraft" Bergbauaktiengesellschaft in Leipzig, die Majorität der Kuxen der Gewerkschaften»Elze" und.Alwine" zu erwerben. Das Bezugsrecht der Aktionäre auf die gesamten 6 000 000 M. neuer Aktien wurde ausgeschlossen; jedoch sollen 2 000 000 M. neuer Aktien an die Deutsche Bank zu 170 Proz. mit der Verpflichtung begeben werden, sie den Aktionären zu diesem Kurse zum Bezug anzubieten. Die Maximalleistungsfähigkeit der Niederlausitzer Kohlenwerke von jetzt 58 000 Doppelwaggons soll zunächst auf insgesamt öS 000 Doppelwaggons gesteigert werden. Die Kapitalserhöhung solle ferner die Grundlage für eine Betriebs« erweiterung bilden. Die Verwaltung beabsichtigt, in der .Kraft" Bergbauaktiengesellschaft ein neues Werk.Kraft II" mit einer Leistungsfähigkeit von 28 000 Tonnen zu er- richten. Außerdem soll auf den der Gesellschaft gehörigen Feldern am Stierosee unter anderen eine moderne Brikettfabrik mit 24 000 Doppelwaggons erstklassiger Fabrikate Leistungsfähigkeit errichtet werden. Durch die Erweiterungen werde sich die Gesamt- Produktion aus 1610 000 Tonnen stellen. Der Gesellschaft läge eine Offerte der Firma Wulff u. Co.. Berlin, vor:»als Kaufpreis für die angestellten Aktien und Kuxe ist Zug um Zug in bar ein Betrag von 7 Millionen Mark franko Zinsen zu zahlen". In den AufsichtS« rat wurden neu gewählt: Justizrat Ferdinand Lobe(Berlin), Hermann Nitscher(Direktor der Deutschen Bank) und Fabrikbesitzer Richard Müller(Fulda). Die Firma Wulff steht wiederum in naher Verbindung zu den Hohenlohewerken und der Berliner Handelsvereinigung deS Fürsten Fürstenberg. Die reinen Zeche« gegen die Sonderrechte der Hüttengruben. In der Gewerkenversammlung der Zeche Konstantin der Große gab der Vorsitzende seiner Ueberzeugung in bezug auf die Erneuerung deS Rheinisch-Westfälischen Kohlensyndikats dahin Ausdruck, daß er an dem Weiterbestande zweifle. Die reinen Zechen würden nur einem solchen Svndikat beitreten können, in dem die Sonderrechte der Hüttenzechen fehlten und dem sich auch die jetzigen Außenseiter anschlöffen. Daß die Hüttenzechen auf ihre Sonderrechte verzichten, daran ist wohl kaum zu denken. Die meisten großen Hüttenwerke haben jetzt schon ihre Kohlenförderung und KokSerzeugung so erweitert, daß sie ihren eigenen Bedarf decken können. Soweit da» aber noch nicht geschehen ist, läßt die noch bevorstehende Frist von KV, Jahren bl» zum Ablauf des Syndikats genügend Zeit, die eigene Brennmaterialien« Produktion weit genug auszubauen. Dann können die Hütten auf ein Syndikat verzichten. Sie ersparen die Kosten und genießen den Borteil einer Syndikatspreispolitik. Wenn nämlich die reinen Werke in irgend einer Form sich zusammenschließen, um die Preise zu halten, dann dient das von ihnen festgelegte Niveau den Hütten selbstverständlich als Grundlage bei der Preiskalkulatton für ihre Erzeugnisse. Und entbrennt mfolge NichUustandekommenS irgend welcher Preisabmachung ein Preiswettkampf, dann geniert das die Hüttenwerke auch nicht. AlS Halbzeugproduzenten und-Verkäufer besitzen sie ein Monopol. Sliiken die Kohlenpreise, erhöhen die Hüttenwerke ihre Halbzeugpreise um die m Betracht kommende Differenz; die reinen Eisenwerke haben keinen Vorteil von der Preis« ermäßigung. Den gemischten Betrieben dient alles zum besten. „Patriotenpflicht." Ein Konsorttum von Kapitalisten versendet einen Prospekt zur Gründung einer.Ostafrikanischen Bergwerks« und Plantagen-A.-B.". Verwertung de» bei Morogoro häufig vorkommenden Glimmer» soll Zweck der Gründung sein. In dem Prospekt werden die Jnter« essentcn zum Schluß aufgefordert, ,an der Lösung der patriotischen Aufgabe mitzuwirken". Für die Gründer besteht die patriotische Aufgabe darin, sich die Taschen füllen zu lassen. Wenn sie geeignete Objekte dazu finden, wir haben nichts dagegen._ KonfumvereinSbekämpfung. Wie schon so viele andere Handel»« kammern haben auch die beiden Handelskammern in Hildburghausen und in Meiningen«ine Eingabe an da» Herzogliche StaatSministerium ausgearbeitet, in welchem u. a. hervorgehoben wird, daß seit dem Jahre 18gS im Herzogtum sich die Zahl der Konsumvereine mehr als verdoppelt, ihre Mitgliederzabl sich verdreifacht und ihr Umsatz sich vervierfacht hat. Die Raiffeisenvereine haben stch in derselben Zeit fast verdoppelt, ihr Umsatz in Kolonial« und anderen Waren ist nahezu auf das Neunfache gestiegen. Die Handelskammer mußte jedoch auch feststellen, daß dre Zahl der im Hauptberuf tätigen Waren- und Produktenhäudler stch um den fiebenten Teil und die Zahl der im Nebenberuf tätigen sich um fast das Doppelte vermehrt bat. Während in dieser Zeit eine Bevölkerungszunahme von 12,89 Proz. eingetreten war. ist eine Zunahme von 29 Proz. der Kleinhändler festzustellen gewesen. Trotzdem fordern die Handelskammern von der Regierung ein Verbot der Beteiligung von Beamten an der Verwaltung und Ge« ichäftSsührung der Konsumvereine und Einführung von Normativ« besiimmungen für den Geschäftsbetrieb der Konsumvereine unter staatlicher Kontrolle. Preispolitik. Seit Jahren jammern die oberschlesischen Kohlen- werke über ihre ungünstige Position, in die sie durch die Tarispolitik der Eisenbahn geraten seien. Im vergangenen Jahre wurde ein Antrag aus Ermaßiguiig der Gaskohlentarife nach Berlin von Ober« schlesien vom preußischen Eisenbahnrate abgelehnt. Jetzt kommen die Herrschaften mit neuen Ansprüchen. Sie könnten den Versand nach Berlin aber ohne Tarifermäßigung sehr gut steigern, es wäre nur nötig, die Auslandspreise auch für daS Inland gelten zu lassen. Die Preise sind seit der Hochkonjunktur an der Wende des Jahrhundert» »och nicht wieder gesunken, zeigen eher noch eine steigende Tendenz. Wenigstens in Deutschland. Im Auslande dagegen bieten die ober« schlesischen Werke zu außerordentlich niedrigen Preisen an. Man sollt« nur einmal den Verbrauchern in Berlin die gleichen Preis« stellen, wie einem Teile der österreichischen, dann würde man nicht mehr über die Uebermacht der englischen Kohle zu klagen haben. Produktion, Ein» und Ausfuhr von Brennmaterialien, gm April diese» Jahres betrug die Förderung: Steinkohlen 12 32» 52« Tonnen(dagegen im«prN 190S 11 708 724), Vraunlohlen 5 651 127 Tonnen(5 026 462), die Erzeugung Von KokS 1 900 295 Tonnen(1702 005). Vom Januar bis April wurden gefördert: Steinlohleu 48 996 311 Tonnen(i. V. 48 181 594), Braunkohlen 21 798 625 Tonnen(21 842 382); die Kokserzeugung stellt sich auf 7 537 076 Tonnen(6 946 642). Die Einfuhr von Steinkohlen stieg von 1 009 974 Tonnen(im April 1909) auf 1 052 133 Tonnen, die Ausfuhr von 1 693 174 auf 1 889 680 Tonnen. Die Braunkohlen- Einfuhr betrug im April d. I. 654 219 Tonnen gegen 781 977 i. V. An Koks wurden eingeführt im April 52 972 Tonnen(i. V. 56 486), ausgeführt 331 178 Tonnen(i. V. 264 534). Schwedens Wasserkräfte. Der ungeheure Reichtum Schwedens an natürlichen Wasserkräften tritt in einem Gesetzentwurf über deren Ausnutzung zutage, der augenblicklich dem schwedischen Reichstage vorliegt. Danach hat der Staat selbst das Eigentumsrecht an 277 Wasserfällen mit rund 800 000 Pferdekräften, darunter sind die gewaltigsten die Trollhätta- Fälle des Göta- Elf und die Porjus- Fälle des Culeaflusses, von denen die elfteren seit kurzem bereits zu industriellen Zwecken ausgenutzt werden, während die letztgenannten demnächst die Kraft zum elektrischen Betriebe der projektierten schwedisch-finnländischen Grenzbahn liefern sollen. Im ganzen wird Schwedens Besitz an Wasserkraft auf 4 bis 5 Millionen Pferdekräfte geschätzt. Der neue Gesetzentwurfs will nun festsetzen, dah eine Veräußerung von staatlichen Wasserkräften an private Be- triebe künftig ausgeschlossen sein soll: nur eine Verpachtung wird sür bestimmte Fälle ins Auge gefaßt, die aber im allgemeinen auch nur für eine Höchstdauer von 40 Jahren gelten darf. Man sieht in der allmählichen Industrialisierung der Wasserfälle eine der wichtigsten Quellen des Volkswohlstandes und hofft insbesondere durch ihre Ausnützung allmählich alle Eisenbahnen des Landes mit elektrischem Betriebe versehen zu können. Hus der Frauenbewegung. Arbeiterinnen, beschwert Euch! Mit dem 1. Januar 1910 hat die neue Novelle zur Gewerbe« ordnung Gesetzeskraft erlangt, die veränderte Bestimmungen über die Arbeitszeit enthält. Durch sie gelten die Bestimmungen der Gewerbeordnung für alle über 10 Personen beschäftigenden Betriebe. Es scheint daher angebracht, die Arbeiterinnen auf die ihnen zu- stehenden Rechte und Ansprüche aufmerksam zu machen.� Wer viel in Arbeiterinncnkreisen herumkommt, kann die nicht mehr neue Tatsache feststellen, daß in vielen Betrieben Zuwider» Handlungen gegen die Schutzvorschriften an der Tagesordnung sind. Vornehmlich in solchen Betrieben, wo � fast nur Arbeiterinnen oder nur unorganisiertes Personal beschäftigt wird, kümmert sich der Unternehmer oft wenig um polizeiliche Be« stimniungen. Die Leidtragenden sind die Arbeiterinnen, toenn sie nicht eine starke Organisation hinter sich haben. Die Gewerbe- aufsicht ist nicht derart organisiert, daß sie alle Betriebe mit der nötigen Gründlichkeit revidieren könnte. Es ist nun Aufgabe der Arbeiterinnen, sich mit den Be- stimmungen des Gesetzes vertraut zu machen, um Uebertretungen des Arbeitgebers feststellen zu können. Diese Verstöße können, ohne Gefahr für die wirtschaftliche Existenz der Arbeiterin, in eigens hierzu errichteten Stellen ge- meldet werden. Der Name der Beschwerdeführerin wird streng geheim gehalten! Auch wird daselbst Rat und Auskunft in allen einschlägigen Angelegenheiten erteilt. Nachfolgend geben wir die Adressen bekannt: Arbeilerinnen-Sekretariat der Generalkommission der GeWerk« schaften, Engeluser 15, 4. Et. Sprechstunden täglich von 9 bis 5 Uhr, Donnerstags bis 8 Uhr. Bureau der sozialdemokratischen Frauen, Ltndenstr. 8, Hof, 4. Et. Sprechstunden täglich von 9 bis 4 Uhr. Bureau des Textilarbeiterverbandes. Andreasstraße 81. Sprech« stunden täglich von 9 bis 5 Uhr, Montags bis 8 Uhr; Andreas» straße 17, Sprechstunden von 9 bis 7 Uhr. Verbandsbureau der Buch- und EteindruckereihilfSarbeiter� und Arbeiterinnen, Elbinger Str. 19, 8. Et. Sprechstunden täglich von 9 bis 5 Uhr. Bureau der Ortsverwaltung Berlin desselben Verbandes, Alte Jakobstraße 5, Hof, 2. Etage. Sprechstunden Dienstags von 5 bis 7 Uhr._ Zu reaktionär! Eine am 20. Mai in Meiningen abgehaltene Beiratskonferenz des Deutschen Verbandes für Frauenstimmrecht nahm folgende Resolution an: .Im Ottober 1909 wurde auf der Generalversammlung des Deutschen Verbandes für Fraucnstimmrecht in München beschlossen, bei dem Reichskanzler von vethmann Hollweg noch vor Eröffnung des Reichstages eine Audienz nachzusuchen, um dem Reichskanzler, wie man es seinerzeit auch beim Fürsten Bülow getan halte, die Forderungen der deutschen Frauen hinsichtlich ihrer politischen Rechte zu unterbreiten. Der Reichskanzler lehnte jene Audienz mit dem Hinweis auf Mangel an Zeit ab. In Anbetracht der reaktionären Art und Weise, wie der Reichskanzler sich inzwischen über die politische Betätigung der Frauen geäußert hat. sowie seiner ganzen bisherigen staatsmännifchen Leistungen, sieht der Deutsche Verband für Fraueustimmrecht davon ab, weitere Schritte in dieser An« gelegenheit zu unternehmen."_ Gegen das kommunale Wahlrecht der Ehefrauen i« Schweden. Die Konservativen haben im Reichstag einen Antrag eingebracht, wonach den Frauen nur dann eine eigene Steuerveranlagung zu- kommen soll, wenn ihr selbständiges Einkommen mindesten» 200 Kronen im Jahre beträgt. Bei geringerem Einkommen der Frau soll ihre Steuer dem Manne mir angerechnet werden. Da nach der jetzt geltenden Gesetzgebung und Steuer« ordnung da« kommunale Wahlrecht allen Frauen zukommt, die selbständig ihre Steuern zahlen, wenn auch erst durch das Einkommen des Ehemanne» das steuerbare Minimum erreicht wird, so richtet sich jener Antrag gegen alle die Prolctarierfrauen, die mit häuslicher Arbeit überlastet, durch eigene Erwerbsarbeit nur wenig zu den Unkosten de» Haushalt« beitragen können. Gegen den Plan der Konservatwen erstarkt eine lebhaste Protestbewegung. Leseabende. Friedenau. Mittwoch, den 25, Mai. 9 Uhr, bei Schönefeld, Rhein« straße 81; Vortrag, Genosse Kurt Heinig. Sericbts- Leitung. Di» Wechsel be« Prinzen von Braganza. Die Verhandlung in diesem Schwindeleiprozeh endete gestern Abend mit folgendem durch den Landgerichtsdirektor Splettstößer verkündeten Urteil: Das Gericht geht davon au», daß dieser geniale Schwindel von langer Hand vorbereitet werden mußte. Aus diesem Grunde hat der Vanderbilt den Prinzen bearbeitet und schließlich die Wechsel aus ihm herausgeholt. Das Gericht ist der Ansicht, daß an dem Betrüge außer King und Vanderbilt auch Clarke beteiligt war, nicht in dem Sinne, daß er sich an dem Schwindelverfahren im Hotel Esplanade beteiligte, aber dadurch, daß er hinterher mit den Wechseln nach Berlin gekommen ist, um sie hier an den Mann zu bringe». Clarke ist vermögenslos, ebenso King, Vanderbilts Vermögen mag dahingestellt bleiben, ebenso die Frage ob sich dieser Hochstapler Vanderbilt nennen darf oder nicht. Wenn der vermögenslose Clarke sich hier im gürstenhof«in Zimmer mietet und Wechsel von Vanderbilt 14 Tage vor der Fälligkeit zu 67 Proz, ausbictet, so zeigt dies schon, daß er Kenntnis davon hatte, daß die Wechsel keinen Wert hatten und Vanderbilt nicht der reiche Mann war, für den er sich ausgab. Festgestellt ist weiter, daß die Smaragden schon Jahre lang ,m Tresor der Gesellschaft gelegen haben und daß schon etwa 1000 angeblich verkauft sein sollen. Wenn es töahr wäre, daß Clarke und King an den Wert der Steine» geglaubt haben, dann wären sie doch sicher daran gegangen, wenig-' stens einige im Interesse der Gesellschaft zu verwerten. Das Ge- richt hat also angenommen, daß Clarke nicht bloß Botendienste hier in Berlin verrichtet hat, sondern direkt beteiligt war und es sich bei ihm nicht bloß um vorbereiiende Handlungen, sondern umhersuchten Betrug handelt. Bei den übrigen drei Angeklagten hat eine straf- bare Handlung nicht festgestellt werden können. Bei Abmessung der Strafe gegen Clarke hat das Gericht einerseits erwogen, daß es sich um eine internationale Hochstaplergesellschast und um kolossale Summen handelt, anderseits aber auch, daß man damit rechnen mutzte, daß diese Wechsel sehr schwer unterzubringen wären. Der Gerichtshof hat nach alledem Clarke zu 2 Jahren Ge- fängniS verurteilt, die drei übrigen Angeklagten aber freigesprochen. Gasthaiisverbot gegen Schüler. Der Regierungspräsident zu Düsseldorf hat unter dem 13. Mai 1881 eine Polizeiverordnung erlassen, welche bestimmt: „Den Inhabern von Konditoreien, Gasthäusern, Schankwirtschaften und anderen Getränke-Verkaufsstellen ist es untersagt, Schülern irgendwelcher Art, insbesondere auch denjenigen, welche mittlere oder höhere Schulen besuchen, den Aufenthalt in ihren Lokalen zu gestatten oder denselben Speisen oder geistige Getränke zu verab- folgen, es sei denn, daß die Schüler sich unter Aussicht ihrer Eltern, sonstiger erwachsener Angehörigen, Vormünder oder Lehrer sich befinden." Der Gastwirt Schürmann in Emmerich hatte ent- gegen diesem Verbot Tertianer des Ghmnasiums bewirtet. Er wurde deshalb vom Landgericht Duisburg zu einer Geldstrafe ver- urteilt. Das Landgericht verwarf seinen Einwand, daß die Ver« ordnung ungültig sei. Das Kammergericht wie? dieser Tage seine Revision mit folgender Begründung zurück. ES sei nicht richtig daß die Verordnung lediglich die Schulzucht und Schulordnung fördern solle. Sie bezwecke in erster Linie, junge, unreife Leute vor dem Alkoholgenuß zu bewahren. Sie finde ihre Stütze in Z 6e des Polizei-VerwaltungSgesctzes und in ß 10 II, 17 des All- gemeinen Landrechts, wonach es unter anderem Aufgabe der Poli- zei sei, daS Publikum gegen bevorstehende Gefahren zu schützen. Vermischtes. De* CNsug Bre9lau-6logau entgleist. In der Nähe der Station Klein-Bresa entgleiste gestern vormittag der Eilzug 94 mit sämtlichen Wagen. Nach der amt lichen Meldung sind bei der Katastrophe der Lokomotivführer Schirmann und der Heizer Klose, beide aus Breslau, schwer verletzt worden; ein Mädchen erlitt einen Bein- b r u ch. Drei Reisende, die leichtere Verletzungen erlitten, konnten Weiterreisen, während die schwerer Verletzten in ein Krankenhaus gebracht wurden. Bei der Entgleisung, über deren Ursache noch nichts festgestellt werden konnte, wurde die Lokomotive aus den Schienen herausgeschleudert und liegt verkehrt auf der Unfallstelle. Der nächste Personenwagen wurde zum Teil auf die Seite gehoben und legte sich mit einer starken Beugung auf die Schienen. Um 10 Uhr traf auf der Unfallstelle der Hilfszug aus Breslau ein. Bis zur Ankunft des Hilfszuges leisteten eine im Zuge befindliche Krankenschwester und der auf der Fahrt nach Berlin zu den Sitzungen des Abgeordnetenhauses befindliche Bres lauer Landtagsabgeordnete Dr. Wagner die erste Hilfe. Der Verkehr auf der Unglücksstclle wird während der Aufräumungs- arbeiten, die voraussichtlich 12 Stunden dauern, durch Umsteigen aufrechterhalten. « Noch ein Eisenbahnunglück. Auf der Pariser Vorortlinie Jnvalidenbahnhof— LongchampS entgleiste gestern abend ein Personenzug; die Lokomotive löste sich vom Zuge loS, fuhr«in Stück außerhalb der Schienen weiter und stürzte dann einen 80 Meter tiefen Abhang hinab. Der Lokomotivführer und ein Heizer wurden getötet. Auch zwei Reisende wurden verletzt. Oer prosek Rofricbtcr. Vor dem Wiener Kriegsgericht hat am Montag die Ver Handlung gegen den Oberleutnant Adolf H o f r i ch t e r wegen Absendung der Giftbriefe an Generalstabsoffiziere bs> gönnen. Die Verhandlungen dürften voraussichtlich längere Zeit dauern. Das Verfahren vor den österreichischen Kriegs gcrichten findet in Abwesenheit des Angeklagten statt. So wurde denn am Montag Hofrichter nur für eine kurze Zeit vorgeführt, um der Verlesung seiner Verteidigungs schnst zuzuhören. Der Angeklagte machte einen vollständig gebrochenen Eindruck, auch ist er durch die lange Gefängnishaft sehr abgemagert. Im Gefängnis ist die Be- wachung mit Rücksicht auf den Briefschmuggel Hofrichters und die Versuche, sich Gift zu verschaffen, sehr verschärft. Ein Infanterist, der viertelstündlich abgelöst wird, hat die Auf- gäbe, unausgesetzt durch das Guckloch in Hof- richters Zeille zu sehen, während ein zweiter In- fanterist auf dem Gange auf und ab patrouilliert.— Gestern wurden die Verhandlungen fortgesetzt und der Auditeur. Hauptmann Kunz, verlangte die Verurteilung HofrichterS wegen Meuchelmordes, begangen an dem Gmeralstabs- Hauptmann Richard M a d e r, wegen versuchten Meu- chelmordes an 11 Offizieren des Generalstabes. Daneben wurde noch Bestrafung verlangt wegen Mißbrauchs der Amtsgewalt und wegen Fälschung von Doku- menten. Hofrichter wird erst nach Fällung des Urteils wieder vorgeführt werden, um dm Urteilsspruch entgegen- zunehmen._ Der Zopf. Manches Stücklein der verzopften Bureaukratie hat seinen Weg in die Oeffcntlichkcit gefunden. Das scheint den Neid der Militärbehörden erregt zu haben, die offenbar darwn wollen, daß sie es mit der Beamtenbureaukratie immer noch aufnehmen können. Als Beweis dafür dien««in Vorkommnis, das einem Einwohner in M e b k i r ch im Verkehr mit der Militärbehörde passiert ist. Der Mann war zu einer militärischen Hebung einberufen. Wegen Befreiung wandte er sich in einem Schreiben an die zuständige Militärbehörde. Einige Zeit darauf schickte das Hauptmeldeamt Stockach(unterzeichnet von Hauptmann z. D. Bäumler) daS Gesuch an das Bürgermeisteramt Mcßkirch zurück „mit dem ergebenen Ersuchen, dem Kanonier I. G. zu eröffnen. daß sein Gesuch nichtweitergegeben wird, weil in demselben unmtlitärische Ausdrücke wie„verehrlich" ent- hakten sind, und daß ihm anheimgegeben werde, ein neues Ge- such einzureichen, in dem dergleichen Ausdrücke nicht vorkommen." Das schwere Vergehen, eine Militärbehörde al» verehrltch an- zusprechen, hatte der frühere Kanonier mit der Uebung zu büßen, da inzwischen die Zeit der Gestellung herangerückt war. Kühner Ueberlandflng. Von Reims aus unternahm der Aviatiker Lindpaintner mit seinem Farman-Ziveidecker gestern morgen um 4 Uhr einen Flug und landete, nachdem er in einer Höhe von etwa 400 Meter di« Stadt Reim» überflogen hatte, im Aerodrom von L e t h« n y. Um 614' Uhr Irak er den Rückweg an. Er tvurde«ine längerti Strecke begleitet von dem Aviatiker Wagner. Nachdem Lind- paintner die Stadt zum zweiten Male überflogen hatte, schlug er die Richtung nach B o u y ein, doch nach wenigen Kilometern mußte er wegen starken Windes auf einem Packhofe landen. » Der französische Aviatiker M a r t i n e z unternahm gestern einen Flug von Mourmelon nach Neufmoutiers und legte die 150 Kilometer lange Strecke in 11h Stunden zurück. Der Aviatiker, der beabsichtigt hatte, nach Paris zu fliegen und dort auf dem Concordienplatz zu landen, wurde darin durch widrige Winde und Nebel verhindert._ Der Pfaffe als Schmuggler. Der„Franks. Ztg." tvird folgende ergötzliche Episode gemeldet: In allen spanischen Städten besteht noch die leidige Verbrauchs- stcuer, der die Bürger natürlich auf alle Weise zu entgehen suchen, und gewiß ist schon manches stille Gebet zum Himmel empor- gestiegen, wenn es sich darum handelte, eine Steuersache im kriti» schen Moment das Inkognito wahren zu lassen. Doch war man bis jetzt noch nicht so weit gegangen, den himmlischen Mächten bei dieser Gelegenheit geradezu ein Wunder zuzumuten. Nun ist auch dieser Schritt getan. Im Bahnhof von Valencia sah nämlich unlängst ein Zollwächter ein feistes Mönchlein ankommen, dessen respektabler Umfang seltsam mit der Behendigkeit kon- trastierte, mit der es dem Ausgang zustrebte. Dieser Zwiespalt der Natur schien dem wachsamen Beamten auffallend. Er hielt den Frater an, der jedoch bei allen Heiligen die Lauterkeit seines Unter- leides beteuerte. Der andere aber, offenbar ein Atheist, machte sich gleichwohl daran, der Leibesfülle des frommen Bruders etwas näher zu treten. Da rief dieser, zur rechten Zeit der Wundertaten der heiligen Elisabeth sich erinnernd, mit verzückten Mienen aus: „O, heiligste Jungfrau, und du, o heiliger Franziskus, mein Schutz- Patron, mache, daß mein Fleisch, das dieser Sünder anzutasten wagt, sich in das Fleisch eines unsauberen TiereS ver- wandle!" Und siehe da, der Bösewicht;von einem Zollwächter förderte auS der Soutane eine ganze Proviantkammer voll Schinken, Würsten und sonstigen Gaben des verdienstvollen Borstentieres. Jeder andere hätte gestaunt und angebetet. Unser Zollwächter da- gegen— sagten wir nicht, es war ein Atheist— schleppte den Nachahmer der heiligen Elisabeth wie einen gewöhnlichen Schmuggler inS Verließ._ Räuberbanden in Kleinasien. In der Provinz Bhthinia in Klein-Asien haben sich die Räuberbanden außerordentlich vermehrt. Vor einigen Tagen hat die Bande des bekannten Briganten-Tfcherkessen Deli Mehmed, welcher bereits für mehrere Morde zum Tode verurteilt worden ist, bisher aber noch nicht gefangen werden konnte, in den Wäldern zwischen Armoche und Ada-Bazar auf der Hauptstraße eine armem- sche Karawane, bestehend aus 10 Kaufleuten, angegriffen. Die Kaufleute wurden gebunden, geschlagen und gänzlich ausgeraubt. Vier Kaufleute wurden schwer verletzt, die anderen hat man gebunden auf der Straße aufgefunden. Die Briganten sind dann in die Wälder geflüchtet und bisher nicht ergriffen worden. Kleine Notizen. Auf der Zeche Helene bei A l t e n e f f e n im Rheinland fiel ein Gesteinsbohrer aus etwa 100 Meter Höhe in den Schacht herab. Ein Drittelführer und ein BergschMer wurden dadurch ge» tötet, ein Knappschaftsältester lebensgefährlich der- letzt. Mord und Selbstmord. In Wandsbek erschoß der 24jätJ- rige Steindrucker Schwarzkopf seine ISjährige Braut und nahm sich darauf selbst daS Leben. Sechs Matrosen ertrunken. Auf der russischen Reede bek Kronstadt kenterte gestern ein Segelboot des Kreuzer»„Gro» moboi" bei einer UebungSsahrt. Sechs Mann der Besatzung sind ertrunken; ein Matrose wurde halberstarrt auf dem Kiele des Bootes von den Rettungsmannschaften aufgefunden. Gesunkener Dampfer. In der Tunber-Bay in Amerika sank gestern abend, wie ein Telegramm aus Port Huron meldet. der Dampfer„Frank Goodeyar". Die gesamte Besatzung von 19 Mann ertrank. Ermordung eines Forschungsreisenden. Dem Auswärtigen Amt in London ist die Nachricht zugegangen, daß der englische Forschungsreisende Leutnant MeScander im Wadaigebcet« (Jranzöfifch-Kongo) ermordet worden ist. Verhafteter Mörder. Ein Kammerdiener Gueret, der vor kurzem den Baron Montrond in seinem Schlosse Martinvast er- schössen und ausgeraubt hatte, wurde am Montag abend in Paris verhaftet._ Briefkasten cler Redaktion. Dt« Intifttfib««Pr-chNu»»« flnbtt Li»d««»»ra»« Wt. SO, kern ritt Trrvven-gakrftudl-. wvch-»«SaIich von 4»/,»1??>/, Ndr at«n»S itntc. tieft« Antra«» ift<(n Audtfiaft« und«int Zatil al» Vter»»rt>ft«M bet»»»ünen.«rtctllit,««ntluor« wirft aidit erteilt. IClilac grngrn trage man iu der Dv reift ttiinfte vor. W. R. 23. Ihr Lrudrr würde ersatzpflichtig fein, ttttm er schuldhalter Weise daS Verlöbnis ausgehoben oder die Aushebung durch sein Verschulden veranlaßt wäre. Au« Ihrer Darstellung ist ein Verschulden Ihre» Bruders nicht zu folgern.•— K, P. 50. Wir halten den Eigentümer für erlatz- pst'chtig.—(0. lp. 20. J. New. 2. Strafbar ist die Aeußeruna nicht. 3. Zivilrelbtliche SchadenScrsatzklage wäre durchsübrbar, wenn die Aeußeruna als unwahr erwiesen wird. Zu einer solchen Klag« können wir aber nicht raten, da ein« Vollstreckung bei den Mädchen wahrscheinlich ersoiglo« sein würde.— H. K. l. Die Erben müssen den MielSvertrag zu dem gesetzlich zunächst zulässigen Kündigungstermin— ohne Rücksicht aus di« im Micts. vertrage festgelegte KllndigungSsrist— kündigen.— H. 77. Die in der Police abgedruckten VcrsichcrungSbedingungen sind matzgebend.— St. Scki. 14. Ja.— Th. I. 100. DaS Recht, die Scheidungsklage aus den angegebenen Grund zu stützen, erlischt erst dann, wenn die Frau Sie zur Klagcerhebung ausiordert und Sie dieser Aufforderung nicht binnen 6 Monaten»achkommen.— Amandus 22. Ihre Ansragen find im Briefkasten der Nr. 107 des„Vorwärts" vom 10. Mai, 1, Beilage, beantwortet.— W. G. 27. Die Ouittung genüg« nicht. Dagegen Ist die Uebcreignung de» Gegenstände» zur Sichei heit für die Forderung de» Gläubiger« zulässtg.— Pf. 7. DaS Gesetz steht einem solchen Bertrage nicht entgegen, deswegen war er rechtSwirssam.— I. D. 4S. Einen klagbaren Anspruch aus Einleitung de» Heiloersahren» haben Sie nicht. Sie können sich bei dem RcichsoersicherungSamt beschweren.— R. 9. Rein. — ffi.!t. 10. Die gesetzliche KündigungSsrist beträgt sechs Wochen; diese kommt in Frage, wenn nicht etwas anderes veleinbart oder wenn e» stch nicht um einen! monatcwesse geschlossenen Dicnstverttag handelt.— O. 5. Meinen.— Schvneberg. 1. Nein. 2. Nach Ihrer Darstellung ja. Die Sache ist aber zu einem Vergleich geeignet. 8. Kaum. Ihre Mutter müßte die Ansprüche selber geitenb machen. Wenn Ihre Mutter gebrechlich ist, kann ihr aus Antrag vom VormuiidichastSgericht ein Pfleger bestellt werden. «vafferstanvS'Stachrtckiem der LandeSanstalt für Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berliner Weiterbureau, Wasserstand Memel. TUN« Brezel, Jnsterburg « e i ch I e l, Thor» Oder, Ratibor , Krossen , grantfurt i a e« h e, Schnmm LandSberg Netz«, vordamm Eibe, Lewneritz , Dresden Barby Magdeburg am 23. 5. am 144 47 SS ISO 2öS 273 LO LS 4 50 —60 251 220 'est 83. 5. nro l) —9 -18 -4 —12 -19 —20 —8 —8 -7 -10 —30 -32 -20 Wasserstand Saale, Mrochlitz Havel, Spandau , Ralbenoiv'j Tpre», Spremberg') , BeeStow Weser, Münden , Minden Rhein, Maxtmiltantan , Kaub Köln Neckar, Heilbronn Main. Wertheim Mosel. Trier »)+ bedeutet Wuchs,— fall.■) Unterpegel. Donnerstag, den 26. Mai, abends&l/z Uhr: Oeffentliche Versammlung in Kellers„Neue Philharmonie", Köpenicker Straße 96/97. Untsrnehmertnitz— jUtgesfellfensehttfz Referenten: Reichstagsabg. Stttttlett, Landtagsabg. Ströbel. Freie Aussprache. 28«, s Privatangestellte!(Handlungsgehilfen, Bureauangestellte) Erscheint in Massen! Zentralverblttid der Handln«gsgehi!ftu Verband Verband und Gehilfinnen. der Vureanangestellten. der Lagerhalter. Der Einberufer Otto Urban, Neue Köuigstr. 36. 2«ltri>I' Verla«! kier Zimmerer ZahlftclU ßerlin und Umgegend. 254/13 8 Mitglieder- Tersanunlungen Tages-Ordnung: Die Ailgsperrnilg im Kailgemerbe Dklitschllinds. Referenten die Kameraden: Bergemann-Magdeburg, Erdmann-Schwerin, Laue Leipzig, Rösch-Dresden. Mittwoch, den 35. Mai. abends 81z Uhr Vörden u. Moabit: Senseis festsäie, Juvalidenstr. ts, Ecke Krunnenstraße. Süden n. Südosten: üölims feslssie, Uannnnstr. 6. Osten: Ulflns Gesellschaftsbaus, MtNtkler Str. 67. Mesten, Södlveiteu, Slhöneberg n. Wilniersdorf: Liuhhaus, Schöneberg, N."�' Donnerstag. 36. Mai, abends 81z Uhr Charlottenbnrg: Voiilshaus(großer Saal), Voflnenstr. 8. Kirdorf: Hoppes Festsäle, ziermannstr. 47/48. Friedrillisberg, Fichtenberg n. Kumittklsburg: Fldlenhageu, SlHarnweberstr. 66. Lriedenau, Steglitz. Gr.-Lilliterfelde u. Zehlendorf: Nechel�e, Friedenau, W«8! Alle im Berliner Lohngebiet beschäftigten Mitglieder des Zentralberbnndes der Zimmerer Deutschlands werde« hiermit nochmals aufgefordert, vollzählig in diesen Bersaiiimlungen zu er« scheine»._ Ter Zahlstellenvorttaiid. Deutsctier Holzarbeiter-Verband. Zahlstelle Charlottenburg. Donnerstag, den SO. Mal, abends 8'/, Uhr: Mitglieder-Versammlung im Tolkstaanse, KosinenstraBe 8. TageS-Ordnung: 1. Die Auflegung des neuen Vertrages. 2. Besprechung über die Nn- träge zum Verbaudstag. 3. VerbandSangelegenheiten. 4. GewerlschastlicheS und Verschiedenes._ Sonntag;, vormittags von 10—2 Uhr, bei tSehnls, Wallstr. 90: Stichwahl der Kandidaten zum Verbandstage Qtf Pflicht eines jeden Kollegen ist es, zu erscheinen."IBSä 84/3 Die Ortsverwaltons. Ver- pssen Sirdeitoiinchweis: Hos l«mt 3. 1239. Berwaltungsitclle Berlin. Hanvtdureau Ldaeiw-trsS» 3. Hos III. Amt 3. 1937 Donnerstag, de» 30. Mai 1Ä10. abendss 0'/, Uhr: Versaittmlung der Metattschleifer, Galvaniseure, Hilfsarbeiter und Arbeiterinnen, tm Gewerkschaftshause, Engelufer Nr. 15, Saal 8: TageS-Ordnung: 1. Jahresbericht der Kommission. 2. Diskussion. 3. Neuwahl deS Branchenvertreters sowie der gesamten Kommission. 4. BcrbandSangclegen- heitcn. Kollegen und Kolleginnen! Mit Rücksicht aus dcl Neubesetzung unserer Kommission ist eS Pflicht eines jeden, pünktlich zu erscheinen. Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt.-Mfg Donnerstag, den 36. Mai, abends 6 Uhr: Allgem. Kltmpütr-Vtlsammlmlg in den„Musiker- Festsälen", Kaiser-Wilhelm- Straße l&n. TageS-Ordnung: 1. Vortrag deS Genossen Wissel über: Tie ReichsversichernngS. ordnung." 2. Diskulsion. 3. Branchenangelegenheiten. In Anbetracht deS besonders wichtigen Vortrages wird ein zahlreicher Besuch erwartet. Jeder agitiere sür vollzähliges Erscheinen der Kollegen. Donnerstag, den 35. Mai 1910. abends»Va Uhr: Branchen»Versammlung der Elektromouteure u. Helfer Ktrlins niid Vingrselld im Gewerkschaftshansc, Engelufer 15, Saal 7. TageS-Ordnung: � I.Vortrag.»Die Reichsversicherungsordnung�. Res.A. Wuschick. 8 Diskussion. 3. Branchenangelegenheiten und Verschiedenes. Donnerstag, den 36.�Mäs'lÜ1«, abends S'/s Uhr: Branchen- Versammlung der Gold- und Sildernrdeiter im Dresdener Garten, Dresdener Straße 45. ,?A9eS>Ordnung: 1. Vortrag des Genossen Adols Ritter über:„Rrbeiterschnt,". g. VerbandSangelegenheiten. 3. Verschiedenes. Um zahlreiches mid pünktliches Erscheinen ersucht 116/20_____ Die Ortsverwaltang. Verantwortlicher Redakteur Richard Barth, Berlin. Für den heute snttwoch, den 25. Mal«dw morgen Donnerstag, den 26. Mal did gesammelten Annoncen unserer Firma in unserem GeschO fislokal Schöneberg, Hauptsir. 19, abiullefern. Die Auslobung fUr unsere Kunden findet bereits»rn 1. Juni d. J. stntt; werden Sie deshalb un- ▼enügllch Kunde bei uns, damit Sie daran teilnehmen. 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Zwei Glasarbeiter aus Wesau 1,—. Sängerchor.Wcdding" 250,—. Blaue Brüder v. Sanatorium Beelitz 17.—. Lifte 103 bis 108, Abt. 27. 4. Wahlkreis 60,70. Tischlerei Neumatm 8,—. Verband der Glaser(Zahlstelle Berlin) 2057, 2058, 2059, 2067, 2070, 2072, 2081, 2084, 2090 49,60. Verband der Transportarbeiter, Bezirk Grotz.Bcrlin aus folgende Listen: 601 6,65. 603 Droschkenchausseure der Arndtschcn Betriebe(auger den Wagenwäschcrnz 14,—. 607 1,20l 619, gesammelt Friedrichshain ersten Feierlag durch Tictz 20,20. 753, gesammelt Fricdrichshain zweiten Feiertag durch Tietz 17,60. 620. Diener und Hand- werler der Firma Gebr. Siemon 22,40. Blocksdorf 628 12,95. 682 7,40. 689 17,40. 690 11,25. 696, Rollkutscher, Stalllcute, Begleiter und Boden- arbciter von Baartz u. Co., Mühlenstraße 26,30. 699, Autofahrer von .Vrogrctj" 20,55. 703 Von den Arbeitern der Firma Gebr. de O. Huff, Oohanniterstr. 11, 2. Rate 9,30. 708 Transportarbeiter v. Pintsch, Andreas- strage 11,90. 744 7,20. 751 Hausdiener d. F. Herm. Engel 10,66. Summa 216,96 M.— Bezirk 219, T. ll, 4. Kreis 10,—. Verband der Steinsetzer (Zahlstelle Berlin) 5443, 5450, 5451, 5455 39,90. 7488, Kollegen bei Haese u. Harz 7,35. 90 Vergolderci Müller 8,05. 175, Kollegen bei Ksionsik. 2. Rate 12,10. Bezirk 206, T I. 4. Kreis 10.—. 193 bis 196, Hand- u. Masch.-Setzer, Drucker u. Stereotypeure bei O. ElSner 83,95. Pers. bei L. JuergenS, 2. Rate 10,—. Buchdr. Rosentbal u. Co., 3. Rate 9,30. 92 Buchdr. Otto Lange, 2. Rate 4,80. 180 Stuttgarter Union 10,10. 85 Tischlerei Thomas 10,40. Tischler bei Trebs 10,—. M. Sch. 5,—. 215 Buchdr. Harwitz Nachs., 3. Rate 3,65. 6597 Bau Behrendt, Prenzlauer Allee 36 6,10. Tischlerei Riedel 5,—. 8. Bezirk, Wahlvcrein Lichtenberg 6,—. 6133 Tischlerei Redclshcimer, 2. Rate 14,40. 30 Buchdr. Louis Borchardt 13,30. 154 Tischlerei Szanto 8,—. Koll. d. Beleuchtungskunst M. Krüger 4,75. Bautischlerei Hildebrandt 7,—. 165 Modelltischlerei Gebr. Mochenhauer 18,25. Tischlerei Gast u. Bruck 6,35. 164 Tischlerei Hossmann 9,20. 531 Abt. Schmiede bei Beermann. 7,35. 1813 bis 1832 C. Bechstcin, Grünauerstraß« 145,30. Möbelfabrik H. u.?l. Schulz 40,—. Koll. bei Minke u. Beyer 5,65. 191 Eoge 10,85. 1764 Tischlerei S3. Hyan 6,55. 224. Bezirk. 1. Teil, 4. Kreis 5,—. 71. Bezirk 2. Kreis 3,—. 125 Tischlerei Sauerwein, 2. Rate 15,60. 75 Tischlerei Flatow u. Priemer, 2. Rate 19,50. 117 Möbelsabr. Latz, 2. Rate 6.20. 1772 Holzarbeiter d. A. E.-G. Brunnenftraße 36,40. Verband der Bäcker u. Konditoren a konto Listen 200,—. Titchlerei bei Heims u. Sohn 5,70. Bautischlcrei Scheller u. Co. 5,85. Tischlerei Nickel, Kcrnicke u. Lehmann, 2. Rate 16,—. Slocksabrik Brückmann 10,40. Tischlerei.Phönix" 10,-. Stocksabnk Retzlass 8,70. Verband der Gemeinde- und Staatsarbeiter, 1. Rate, aus solgende Listen: Gasanstalt Dnnziger Straße 1501 2,70, 1506 11,70, 1543 5,40, Gasanstalt Gillchiner Straße 2539 11,45, 2585 6,20, 2586 8,80, 2587 6,—, 2568 5,80, 2603 17,30, 2610 9,55, Gasanstalt Müllerstraß- 1596 8,10, 1615 8,15, Gas- anstatt Schmargendorf 1683 12,—, 1686 5,35, 2501 10,40, 2522 15,55, Gas- anstalt Wittenau 1644 5.95, Revierinspektionen 1578 5.50, 1605 9,45, 1607 12,80, 1651 11.—, Rölnensystem 1587 6,80, 1599 6,60. Oeffentliche Be- lcuchtung 1692 5,40. Kanalisation 1563 10,75, 1687 10.50. 2593 5,35, Englische Gasunstalten 1602 5,—, 1673 3,95, 250 1 2,10, 2526 6,05, 2527 2,30, 2528 1,—, 2529 8,80, 3573 9,90, Wasserwerk Berlin 1511 2,75, 1561 8.50, 1601 1,70, Wasserwerk Tegel 1645 6,15, 1646 6,30, 1647 4.—, Straßen- rcinigung 1604 66,10, 1657 2,75, 2531 8,—, Krankenhaus Friedrichshain 2564 9,20, Heilstätte Beelitz 2579 28,75, Parkverwaltung 2520 7,70, Steinplatz Treptow 2603 3,30, Markthallen 1667 11,70, 2600 4,20, Cbarlottenburg 1664 4,40, 2506 2,40, 2507 5,70, 2508 4,20, 2510 8,80, 2512 8,50, 2513 1,05, 2514 3,35, 2519 5,20, Rixdors 2556 6,65. 2558 10,15, Schönebcrg 1678 1,90, 1679 1,50, Summa 507,30. Verband der Buchbinder, Verw. Berlin 1000,—.>27 Tischlerei Kukulenz, 2. Rate 12,85. Angestellte d. Ortskrnnkenkasse der Knusleute ulw. von H. 5.—. 5336 Kollegen der Bäckerei Aschinger 17,75. Buchdr. Klockow, 2. Rate 25,—. Von einer Gruppe Bonner Studenten 12.50. Union-Druckerei, 3. Rate 4,50. Hilssarbeiter und Arbeiterinnen bei Braunbcck u. Gutenberg, 2. u. 3. Rate 15,45. Krolls Buchdruckerci 5,40. 3888 Von den Geschäfts- Icuten d. 556. Bez., Gesundbrunnen 52,50. 6470 Graphische Anstatt 7.50. 6004, 6048, 6049 Unterkommission Rixdors 45,90. Verband der Sattler und Portcseuiller, Verw. Berlin, 2. Rate aus Listen 184,35. Verband der Schmiede, Verw. Berlin aus solaende Listen: 501 Lange u. Gutzeit 21,—, 504 12,40. 611 Schmiede bei Schwartzkopss(Sibirien) 39.75, 513 Wagen- sabrik Sasse 15.30, 515 Schmiede und Stellmacher bei Jcscrich 6,40, 530 Sitiinicde bei Daimler. Marienselde 18,75, 633 Arb. b. Globcck 11,30, 536 Arb. bei Ntermöhle 23,20, 546 Achsensabrik Pankow 7,60, 549 Eisen. inöbelsabrik Pinissima 12,15, Tellersammlung am 11. Mai 1910 22,50, zusammen 193,35. Lese- und Diskutierklub»Wilhelm Liebknecht" 10,—. 2985 Verband der Mühlenarbeitcr, Verwaltung Berlin, Bertheimühlc 28,75. Bäcker und Konditoren Siemensstr. 7 7,50. Zrntralvcrband der Haudlungsgehilsen, Verw. Berlin aus solgende Listen: 1315 Konloranaestellte der VorwarlSbuchdruckcrel 11,—. 1319 17,85. 1330 3,50. 1333 8,30. 1345 4,30. 1346 9,60. 1347 5,10. 1353 4,—. 1360 14,85. 1364 3,15. Zusammen 81,85. Verband der Steinarbeiter, Verw. Berlin aus solgende Listen: 552 durch Bütlner 6,05, 559 durch Fella 12,35. 588 durch Tuschmann 3,50. 571, 672 durch Gnoteck 14,—. 573 durch Kitsche 10,05. Zusammen 45,95.— 134 Tagschneider bei Peel u. Cloppenburg, Roßstr. 2 6,50. Scchserkasse d. 97. Bez., 3. Teil. 4. Kreis 5,—. 109 Schirm- slocksabrik B. Noa, 2. Rate 21,10. 2835 Prägerei u. Buchbinderei S. Bayer 10,85. Buchbinderei Ashelm 7106, 7107, 7108, 2. Rate 38,15. Sechserkasse 404. Bez.. Test 2. 4. Kreis 10.—. Vier Tapezierer 3,50. Buchdruckerei Möller u. Barel 10,—. Buchdr. Steglitzer Werkstatt 5,40. BuchdruckhilsS- arbetter u. Arbeiterinnen v. RotationSsaal, Vorwärts, 2. Rate 10,—. Ver- band der Böttcher, Verw. Berlin 300,—. 176 Tischleret Eberl u. Gabelin, 2. Rate 12,—. Finna A. Kölner 3,75. 197 Buchdr. JaniSzewski, 8. Rate 17,15. Verband der Hutmacher, Verw. Berlin, 1. Rate 100,—. 153 Finna Buchholz 15.50. Verband d. Porzellanarbciter, Verw. Berlin 300,—. Deutscher Metallarbciterverband, Ve> waltung Berlin, aus solgende Listen: 2992 Former v. Kühncmann 26,40. 299? Von u. Wolter, Kranbau 7,35. F. W. Müller 3126 15,20, 3159 16,30, 3160 23,90. 3162 Kücken u. Co. 25,45. 3176 durch Hartmann 4,40. 3388 Staerke 11,75. 3403 Anilinwerke 9,15. Allg. Met.-Werke(Haller) 3404 14.—. 3405 3,05, 3406 6,25, 3407 8,35, 3408 4,65, 3409 4,65. Deutsche Waffen u. Munitton, 3430 Abt. Neubauer 28,25, 3433»lbt. Hitzler 53,75, 3442 Abt. P-tsch 29,55, 3453 Abt. Revision 17,40, 3155 Abt. Groß 15.70. 4139 Abt. Hin, 11,45. 3499 Giesecke, Pankow 37,70. 3565 Krause 13,—. 3610 Heppner 9,25. 3619 A. B. G.. Fenn. straße 31 30,20. A. E.-G., Schl-g-lstraß-, 3651 Abt. Biehn 42.—, 3652 ?lbt. Habcrland 7,—, 3653 Abt. Imming 2.76, 8655 Abt. Schulz 17,20, 3657 Abt. Jünger 7,46, 3660 Abt. Biehn 22,—, 3662 Abt. Hager 1,75, 3663 Abt. Biehn 7,95. 3676 Puppet, Schleifer, 1. u. 2. Rate 26,-. 3712 Kühne 13,99. 3718 G. Grauert. Etsengieß-rei, 2. Rate 30,20. 3770 F. Ztutzen, Rixdors 8,35. 3801 Roth-Sohn 5.—. 3805 Deichen, Görlitzer User 14,30. 3806 Metallarb. d. Firma C. Raschig 7.—. 4034 Mech. Abt. Gursch 9,60. Schulz, Hasenheide 9, 1. Rate 4040 16,80, 49-! I 16,15. 4043 ElgerS, Linienstr. 155, 2. Rate 9,20. Deutsches Post. u. Eisenbahn- Verkehrswesen, Dapag 4099 25.80, 4100 13,15, 4101 34,15, 4102 22,05. 4130 Gebr. Arndt, Gießerei. Feimstr. 2 28,25. 4135 Heister u. Co. 7,50. 4151 GrüiiebauNl u. Scheuer 7,—. Alcranderwerk 4153 21,65, 4154 5,95. 4163 Stelzner 17,—. 4186 Hugo Hartmann 17,10. 4191 Klette 6,50. Frost Söhne 4192 8,95. 4193 19,75. 4200 Weber u. Hampel 35,90. 4202 Med. Warenhaus 26,25. 4204 Kauffinann 16,95. Mix U. Genest 4205 21,30, 4206 3,70, 4207 4,65, 4208 14,05. 4209 15,-, 4210 10.60. 421 l 7,15, 4212 5,75, 4213 13,65, 4214 19,—, 4215 18.35, 4216 4,95, 4217 13.50, 4218 23,90, 4219 14,20. 4227 Koch u. Bein 10,85. 4242 Lindslröm, Abt. Beelitz 15,35. 4327 H. Meyer u. Co., Sebastianstr. 20 25.90. Manoli 4334 8,30. 4336 11,50. 4386 Reiß 10,85. 4393 Courad u. Grübler 7,50. 4396 Kreh 14,35. 4466 Gerhard 26.40. 4467 Speck, 1. Rate 16.—. 4471 F. W. Henffchel, Bronzcwarcnsabrik 8,55. 4507 Freud u. Co. 30,30. 4511 H. Kruger, Artilleriestraße 4,95. 4513 Schüchard u. Schütte. U'erstr. 5 17,50. 4768 Schwager 13,20. 8073 Firma Max Schmidt, Tempelhof 14.—. 8085 Durch Felix Weinberg 35,—. 8111 Nordd. Mclallwarensbk. 30,—. 3723 Schleim u. Stephan! 6,80. Sa. 1502,95. Bäckergesellen b->> Goloacker 35.—. Verband der Tapezierer, Verw. Berlin aus solaende Listen: 1403 Kollege Hirsch 9,80. 1419 Werkstatt Lawerenz 14.80. 1422 Werkstatt Rödclsheimer 8,10/ 1432 Werkstatt I. C. Psaff 14,40. 1433 Werkstatt Dittmar 10.85. 1436 Werlslatt Jakob u. Braunfisch 8,60. 1437 Werkstatt Groschkus 7,30, 1444 Werkstatt Sitzmöbelindustrie 30,—. 1451 Werkstatt Reckling 8.—. 1457 Werkstatt Gcrson 10,50. 1461 Werkstatt Birnbaum 8,60. 1472 Werkstatt Stvoboda 6,50. 1478 Werkstatt Wollner 8.—. 1479 Werkstatt Fork u. Krelschmar 3,75. 1480 Werkstatt Gesche 6,—, 1487 Werkstatt Treichel 22,75. 1489 Werkstatt Hertzog 2l.50. 1493 Werkstatt Rothe 5,95. 1496 Werkstatt Flatow u. Priemer 26,75. 5348 Werkstatt Ditimar 9.70. Tellersammlung vom 1. Mai 46,60. Summa 288,45.— Verband der Textilarbeiter, Verw. Berlin auf solgende Listen: 90t durch Kollege» Drieling 2.45, 903 Strickerei Kerb 6.40. 923 W. Mcugers 8,50. 925, 926, 9-27 Teppichsabrik Benjamin 35.25. 928 Dekatur Gotschalk u. Laske 0.25. 931 Dekatur Rabitz u. Walter 4,50. 935 Dekatur Mühlberg 4,75. Sö9 Dekatur Oppenheim 6.20. 938 Teppichsabrik Schwendy 9.20. Zcntraworstand 906 15.60. 942 14,—. 941 Geschäftsstelle 7,—. Summa 123, 10. 8090 FahrradhauS Frischauf 16,50. Lotterieverein»Viel Glück" 5.—, C. Gaßmann 1,50. Bäckerei E. Fischer 5,—. Unterkommission Weißensee aus solgende Listen: 5238 12,40. 5202 Koll. der Firma Riebe, Lehderstraße 38,75. 5203 Kollegen der Firma Talking, Matrizonabieilnng 9,40. 5204 Kollegen der Maschincnsabr. Schönheimer, Greifswalder Straße, 40,95. 5206 Kollegen der Firma Talking, Prcsfcrabt. 17,60. 5207 Kollegen der Firma Talking, Zlpparatebauabt. 18,80. 5208 Koll. der Firma Magnet, Motorradsabr. 19,—. 5210 Kollegen der Firma Horn 19,50. 5211 Kollegen der Firma Zieh!- Abegg- Werke, von den sreiorganisierten Kollegen 10,05. 5213 Kollegen der Firma Müller, Gummiwarensabrik 13,65. 5213 Von den Kollegen der Finna Magnet, aus der 10 Ps.-.Kasse 5,— 5300 6,10. 5237 25,70. Summa 206,90.— 97, 99, 101, 102 Abt. 36, 4. Kreis(inkl. 5,— vom Bez. 401 a, 2. T.) 23,10. Stuhlsabrik Markgras u. Tau 15,—. An- schläger bei Biel 9.50. 7484, 7483, 7490 Verband der Glasarbeiter, Verw. Berlin 43,85. Deutscher Holzarbeiterverband, Zahlstelle Rixdors 300,—. 210 Tischlerei Lüdlke 7,85. 3799 2,—. 1780, 1783, 1784. 1785, 1786, 1787, 4. Abt. des vierten Kreises 24,85. Rahmenmacher bei Wagner u. Kemmler 4,50. 3178 Lau u. Co., Abteilung Schleiserci 13,40. Personal der Lindendruckerei(„Nationalzeituiig") 78,30. 1853 Piano- sabrik W. Hoffmann 5,40. Äaullcmpncr bei Quaiidt 7,50. 1732 Tischlerei Klinke, unterer Saal 12.35. 248. Bezirk, 3. Kreis 5,—. 40 Jkes u. Co. u. Böhm 14,45. Berliner Lokalanzeiger, Abt. Falzerci 78,50. Drücker bei Kunitz 5,—. Tischlerei Gebr. Schütz 12.20. Krankenkasscnsache Hosmann 2,—. 217 Kollegen bei Schulz, 3. Rate 5,50. 4478 Keyling u. Thomas, Schlofferei 20,30. Kollegen bei Stein ke 4,—. 7441 Kollegen bei Boswau u. Knauer, Platz Darwinstraße 5,50. 2053, 2069, 2082, 2038, 2098, inkl. Tellersammlung, Verband der Glaser, Zahlstelle Berlin 35,60, serner aus der Lokalkasse 300,—. Verband der Sattler und Porteseuiller, Ortsver- waltung Berlin, aus Listen, 3. Rate 230,45. Diskutierklub»Vorwärts 2" 10.—. Zusammen 8194,88 M. Bisher sind veröffentlicht 15 932,03 M.; dazu kommen 8194,86 M. Summa 24 126,89 M. Gelder, welche per Post eingesandt werden, sind an A. K ö r st e n. SO. 16, Engelufer 15, I zu senden. Alle Sammlungen sind sofort aus unserem Bureau, Engelufer 15, I, Zimmer 23 in den Wochen- tagen vormittags von 9— 12i/z Uhr und nachmittags von 4— 7Va Uhr abzuliefern. Die Liste 694 ist verloren gegangen und ist beim Vorzeigen an- zuhalten. Der Ausschuß der Gewerkschaftskominissiou für Berliu und Umgegend. 13. Gkneralverslimmlung des Ikittrlllvtrblliidks der Schiuiede. München, 23. Mai 1919. Die 12. Generalversammlung der Schmiede wurde gestern im sinnreich dekorierten Saale zur Lacke eröffnet. Anwesend sind 37 Delegierte, 9 Gauleiter, 3 Mitglieder des Porstandes sowie je eine Vertreter der»Schmiedezeitung", des Ausschusses und der Preßkommission. Für die Generalkommission ist K übe- Berlin, für den Deutschen Metallarbeiterverband dessen zweiter Vor- sitzender R e i ch e l- Stuttgart erschienen; der dänische Maschinen- arbeiterverband delegierte den Kollegen Hans e n- Kopenhagen und der österreichische Metallarbeitcrverband, Sektion der Schmiede, den Kollegen Ulrich- Wien. Zum Kardinalpunkt der Tagesordnung, die Verschmel- zungsfrage, wurde ein Referent und ein Korreferent bestellt. Ten Gefchtiftsbericht des Vorstandes erstattet Lange- Hamburg. Er verwies in seinen mündlichen Ausführungen auf den gedruckt vorliegenden(vom„Vorwärts" bereits auszugsweise mitgeteilten) Geschäftsbericht und meint, daß trotz der reichlichen Agitation infolge der wirtschaftlichen Krise eine gewisse Stagnation eingetreten sei. Die Maß- regelungen von Verbandsmitgliedern sei in Zeiten des wirtschaftlichen Niederganges immer größer als in guter Ge- schäftsperiode. Sie verursachten allein eine Ausgabe von 48 535,28 Mark. 97 Kollegen wurden gemaßregelt. Gegen die vorher- gehende Geschäftsperiode wurden mehr ausgegeben 125 127,81 M.; auch die Ausgaben für Krankenunt erstützung seien enorm gestiegen, sie betrugen 268 138,02 Mk. Kein Wunder, daß unter solchen Umständen die Finanzkrisis«intreten mußte. Der Vorstand hat getan, was in seinen Kräften stand, im Interesse der Organisation tätig zu sein. Hierauf gab Schreiber» Hamburg den Kassenbericht. Der Kassierer verwies ebenfalls auf die gedruckte Vorlage und beklagte die mangelhafte Abrechnung einzelner Verwaltungsstellen. Tie Kassenverhältnisse bedürfen einer durchgreifenden Sanierung. Aus dem Bericht des Ausschusses, den B a S ner. Berlin erstattete, geht hervor, daß sich der Ausschuß mit 16 Beschwerden zu befassen hatte. Die Prüfung der Kasse und Bücher ergab, daß alles in bester Ordnung war. An diese Berichte schloß sich eine rege Diskussion, an der sich nicht weniger als 39 Redner beteiligten und die den ganzen zweiten Verhandlungstag ausfüllte. Robert Lange. Hamburg polemisierte gegen die Stellung- nähme der Generalkommission, die diese in den Hamburger Differenzen eingenommen habe. Die Hamburger Kollegen wollten keine Sonderorganisation, sondern nach wie vor Glied einer Zentralorganisation sein. Die Generalkommission bezw. das „Corrcspondenzblatt" seien von falschen Voraussetzungen auSge» gangen, sie wußten nicht, daß uns vom Vorstand und von der Redaktion des Verbandsorgans große Schwierigkeiten in den Weg gelegt wurden. Diese Instanzen hätten zum mindesten einsehen müssen, daß vMinoritätim auch ein Recht haben. Die Funktionäre des Verbandes haben nicht immer nach demokratischen Grundsätzen gehandelt. Der Ausschluß der vier Hamburger Kollegen sei un- berechtigt gewesen. Nach dem Statut könne ein Ausschluß nur auf Antrag der Zahlstelle erfolgen. Die Hamburger Zahlstelle habe aber keinen Antrag gestellt. Der Redner wundert sich, daß zu dem Scnsenarbeiterkongreß wohl ein Vertreter des österreichischen, nicht aber ein Vertreter des Deutschen Metallarbciterverbandes eingeladen wurde, obgleich in diesem Verbände zahlreiche Sensen- arbeiter organisiert find. Die Sensenschmiede sind am besten daran, wenn sie im Jndustrieverband organisiert sind. Auch Kruse- Karlsruhe- und B e r t i s ch- Hamburg ve- sprechen die Hamburger Differenzen. Während der erstere daS Verhalten des Vorstandes rechtfertigt, rügte der letztere, daß die Verbandszeitung alle Einsendungen der Hamburger Kollegen ein- fach nicht aufgenommen habe. Die Stellung der Hamburger Kol» legen wurde auch davon beeinflußt, daß ei» süddeutscher Gau- letter unwidersprochen erklären konnte, wenn eine Verschmelzung mit dem Deutschen Metallarbeitcrverband komme, die Süddeutschen für sich bleiben werden. Die übrigen Redner kritisierten zum Teil die Tätigkeit des Vorstandes, zum Teil wurde sie gutgeheißen. Ter Vertreter der Generalkommission, K übe-Berlin, er- widerte auf die Ausführungen Robert Lange-Hamburg, daß die Generalkommission höchstwahrscheinlich auch keine andere Stellung eingenommen hätte gegenüber der Hamburger Zahlstelle, wenn ihr das Verhalten des Hauptvorstandes bekannt gewesen wäre. ES gehe unmöglich an, daß innerhalb einer Zentvalorganisation aus der Reihe getanzt wird; dabei soll dahingestellt bleiben, ob der Hauptvorstand richtig gehandelt habe. Nach seiner Meinung habe der Vorstand gar nicht anders handeln können. Daraus, daß der Deutsckic Metallarbeitervcrband es abgelehnt habe, die Ham- burger Zahlstelle zu übernehmen, beweise sich auch, daß daS Vor- gehen der Hamburger Zahlstelle nicht einwandfrei war. In ihrem Schlußworte gingen die Berichterstatter auf die einzelnen Angriffe, Wünsche und Beschwerden näher ein und recht fertigten ihr Verhalten zu den einzelnen Punkten. Dem Kassierer und dem Ausschuß wurde einstimmig Eni- lastung erteilt. Dagegen die Enlastung für den Gc samtvorstand bis zur Erledigung des Punktes 25(Bericht über die Verhand- lungen mit dem Vorstand des Deutschen Metallarbeiterverbandcs) zurückgestellt. Hierauf wurden die zu diesem Punkte vorliegenden Anträge beraten. Ein Antrag, ab uno zu ein Verzeichnis der Verbandsfunktionäre herauszugeben, wurde angenommen. Dem Vorstand zur Berücksichtigung überwiesen wurden folgende Anträge: „Der Hauptvorstand wird aufgefordert, Material zu sammeln über die Verschicdenartigkeit des staatlichen Unter- stützungswesens und die Dauer der Prüfung bei Huf-Beschlag- schulen." Berlin.„Dem Vorstand aufzugeben, die erweiterten Vorstandssitzungen nur in den allernotwendigsten Fällen einzu- berufen."_ Dlkrtkr Derbandstag des Zentralverbandes der Steinarbeiter Deutschlands. Eisenach. 23. Mai 1910. Es nehmen 46 Delegierte, Vorstand, Ausschuß, Redaktion u:id 11 Gauleiter als Verbandsvertreter, Genosse H e i n k e- Berlin als Vertreter der Bauarbeiterschutzkommission und Genosse K n 0 l l als Vertreter der Generalkommission und des Steinsetzerver- bandes teil. Nach Erledigung der Eröffnungsformalitäten wird in die Ver- Handlungen eingetreten und erhält S t a r k e- Leipzig das Wort. Zunächst dringt Redner eine Resolution, die sich mit der Aus- sperrung der Bauarbeiter beschäftigt,, zur Verlesung. Durch An- nähme dieser Resolution wird den Bauarbeitern die volle Shm- pathie und Opferwilligkeit zugesichert, damit sie als Sieger aus diesem aufgezwungenen Kampfe hervorgehen. Zurzeit sind 769 Steinarbeiter durch diesen Kampf in Mitleidenschaft gezogen. ES steht jedoch zu erwarten, daß die Aussperrung sich noch auf ver- schiedene Steinbrüche erstrecken wird. Der Reichstaris hat seit Jahren eine große Rolle auch bei den Steinarbeitern gespielt; aber bisher ist er im Gewerbe noch nicht zur Einführung gelangt. Statt dessen haben die Bezirkstarife Ausdehnung gefunden und fast alle sind nach sächsischem Muster aufgebaut. Einen Reichstarif halte er, besonders zur Verbesserung der süddeutschen Verhältnisse, wo be- sonders niedrige Löhne vorherrschend sind, für praltischer. Im weiteren macht er darauf aufmerksam, daß bei Abschluß von Tarifverträgen Wert auf die Einführung von Schutzbestimmungen (z. B. Schutzdächer) gelegt werde. Zur Berschmelzungsfrage übergehend, betont er, daß nach seiner Meinung die Frage gar nicht so brennend sei, da wohl zu erwägen ist, welche Verbände für die Verschmelzung in Betracht kommen können. Nach seiner Meinung würde der Verband bei einer Verschmelzung in Atome aufgelöst werden müssen. Wohl treibt das Unternehmertum zum Zusam» menschluß, doch Uebereilung bei der Verschiedenartigkeit der Lohn» formen sei niemals gut. Die internationalen Beziehungen sind auch in der ver. flossenen Geschäftsperiode gepflegt worden und steht Deutschland an der Spitze der internationalen Bewegung. Die verschiedenen Organisationen des Auslandes haben die Einrichtungen der beut- scheu Bruderorganisation als Muster ihrer eigenen Einrichtungen genommen, und so sind die Unterstützungseinrichtungen fast alle gleich geregelt. Die winzigsten Beiträge zahlt heute noch die fran» zösische Organisation mit 8 Pf. pro Monat.— Die Anstellung der Gauleiter, die in Nürnberg beschlossen wurde, hat nicht alle Hoff- nungen erfüllt, doch deshalb die radikale Beseitigung dieses Systems zu fordern, hieße das Kind mit dem Bade ausschütten.— Die Unterstützungsfrage der durch die Bauarbeiter ausgesperrten Steinarbeiter hat kleine Mißstimmungen gezeitigt, weil die Ver« bandskollegen nach dem Statut unterstützt worden sind, obgleich die Generalkommission in einem Schreiben darauf aufmerksam machte. daß die beteiligten Verbände erst nach Ablauf der dritten Woche Unterstützung zahlen würden. In dem Schreiben war betont, daß alle Verbände, die Bauarbeiter als Mitglieder haben, sich nach diesen Beschlüssen richten möchten. Da der Steinarbeiterverband keine Bauarbeiter als Mitglieder hat, so glaubte der Vorstand, nach den statutarischen Bestimmungen handeln zu müssen. Ausgesperrte Bauarbeiter aus Braunschweig und Nürnberg haben deshalb Be- schwerde bei der Generalkommission der Gewerkschaften Deutsch- lands eingelegt, weil durch diese Verschiedenartigkeit der Unter- stütznng Mißstimmung in den Reihen der Ausgesperrten erzeugt worden ist.— An den Unterrichtskursen der Generalkommission haben alle Angestellten deS Steinarbeiterverbandes teilgenommen. — Die weiteren Ausführungen erstrecken sich auf jene Dinge, die wir bereits im Vorbericht brachten. Der Kassierer erläutert den Kassenbericht, au» dem tvl« bereits die Hauptzahlen über Einnahmen wie Ausgaben im Vor- bericht erwähnten.— Der Bericht des Ausschusses erstreckt sich auf interne Verbandsangelegenheiten.— Für die Redaktion be- richtet Kollege Staudinger; er betont, daß der„Skeinarbeiter" alle Fragen wirtschaftlicher, politischer und beruflicher Natur stet? objektiv behandelt habe. Im weiteren erwähnt er den Artikel: „Pflege der Fachwissenschaft, der vor kurzem in der„Neuen Zeit" erschienen ist, der ziemlich abfällig über fachwissenschaftliche Bik- dung urteilte. Er glaubt, daß jedes Mitglied die fachwissenschaft- lichen Artikel gern lese und daß es auch notwendig sei, daß die Mitglieder mehr über das Material, welches sie täglich bearbeiten, wissen, und daß die Artikel aus diesen Gründen notwendig seien. Die Wirtschaftsartikel von C a l w e r übernehme er deshalb, weil die Artikel äußerst klar und populär geschrieben seien.„Der Stetn. arbeiter" habe keinen Grund, den Schriftsteller C a l w e r auSzu» sperren. Die Debakke wird von Seidel. Dresden eröffnet. Zunächst rügt er die Hak- tung des„Steinarbeiter", dessen Schreibart war zum Teil geeignet, die Branchengegensätze, die mit den Granitarbeitern vorhanden waren, zu verschärfen. Auch die Artikel zur Organisierung der Hilfsarbeiter hält Redner für überflüssig, da diese Arbeiter zum Steinarbeiterverband gehören. Ihm scheine, daß diese Frage nur herausgegriffen sei, um die Unmöglichkeit der Einführung der Er- werbslosenunterstützung zu beweisen. Die weiteren Ausführungen erstrecken sich auf die Kassenverhältnisse, die er nicht für gut hält. Er glaubt, daß die Generalversammlung nicht um eine Beitrag?- erhöhung herum kommt. Hau schke-Berlin kritisiert ebenfalls die Schreibweise deS Verbandsorgans, insbesondere den Nachruf, der dem Hofsteinmetz» meister Schilling gewidmet war. Die Verhandlungen werden auf Dienstag vertagt. »» Um unter den Steinarbeitern die Gesteinskunde zu kvecken, hat der Kollege Staudinger eine Gesteins- und Mineraliensamm- lung ausgestellt. Die Sammlung zeigt schön polierte Granit« und Marmorsorten, desgleichen exakt gearbeitete Sandsteinsorten, sowie die verschiedensten Gesteine, welche für den Straßenbau in Frage kommen. Die Ausstellung umfaßt 259 Stücke. Dklbandstag der Gaftmttsgkhilft». Im Berliner Gewerkschaftshause wurde am Dienstag der sechste Verbandstag deS Verbandes Deutscher Gastwirtsgehilfen er- öffnet. Seine erste Handlung war eine Sympathiekundgebung für die ausgesperrten Bauarbeiter. Vor Eintritt in die Tagesordnung itoljm der Verbandstag folgende Resolution des Vorstandes ein- stimmig ohne Debatte an: „Der sechste Verbandstag des Verbandes Deutscher Gast- Wirtsgehilfen spricht den ausgesperrten Bauarbeitern seine vollste Sympathie aus und beschließt, dem Kampffonds der Aus- gesperrten die Summe von 1000 M. ans der Hauptkasse zu über- weisen.— Die Delegierten nehmen mit Genugtuung davon Kenntnis, daß die Mitglieder in den Ortsvertoaltungen sich schon bisher fleißig an den Sammlungen für die ausgesperrten Bau- arbeitcr beteiligten, daß verschiedene Verwaltungsstellen sich zu regelmäßigen Wochenbeiträgen verpflichteten und erklären, den Beschlüssen des außerordentlichen Gewerkschaftskongresses ent- sprechend auch ferner für die Unterstützung der Ausgesperrten tätig zu sein." Ein aus den Reihen der Delegierten gestellter, ebenfalls ein- stimmig angenommener Antrag besagt, daß sich die Delegierten verpflichten, von ihren Diäten pro Tag eine Mark an den Kampffonds der Bauarbeiter abzuführen. Hierauf trat der Verbandstag, der von 84 Delegierten aus 46 Orten besucht ist, in die Tagesordnung ein. Mit der Leitung der Verhandlungen wurden P o e tz s ch!° Berlin, Z i ll mla nn- Hamburg und D i e s i n g- Berlin betraut. Den Geschäftsbericht für die beiden letzten Jahre erstattete der Verbandsvorsitzende P o e tz s ch- Berlin. Er gab einige Er- läuterungen zu dem gedruckt vorliegenden Bericht, aus dem wir das wesentlichste in Nr. 114 des„Vorwärts" bereits veröffentlicht haben. Unter anderem verwies der Redner darauf, daß die Tätigkeit der Verwaltung in der Berichtszeit sich bedeutend der- mehrt habe. Große Fortschritte in er Mitgliederzahl habe der Verband in dieser Zeit nicht gemacht. Die Vermehrung der Mit- gliederzahl sei im wesentlichen zurückzuführen auf den Anschluß des Hoteldienerverbandes. Die Stagnation der Mitgliederzahl sei eine Folge der wirtschaftlichen Krise und der Reichsfinanz- reform. Wenn auch die Fluktuation der Mitglieder immer noch groß sei, so sei doch gegen früher insofern ein Fortschritt ein- getreten, als die Mitglieder, welche beim Ortswechsel dem Verbände früher meist verloren gingen, ihm jetzt treu bleiben.— Für die Interessen der Hoteldiener spiele die Bahnhofsfrage eine wesentliche Rolle. Sie bestehe darin, daß die Hoteldiener, wenn sie den Bahn- steig betreken müssen, Vahnsteigkarien zu lösen haben, und daß ihnen in manchen Orten der Aufenthalt in den Bahnhofshallen, wo sie die Fremden erwarten, untersagt werde. Der Verband habe durch Eingaben an die Eisenbahnbehörden in dieser Hinsicht Wandel zu schaffen versucht, aber bisher nichts erreichen können. Er werde diese Versuche fortsetzen und sich eventuell an die zuständigen Parlamente wenden.— Hinsichtlich der Organisierung der weiblichen Angestellten stehe der Verband auf dem Standpunkt, daß die Kellnerinnen in Animierkneipen überhaupt nicht organisationsfähig seien. Der Verband rechne nur auf solche weibliche Angestellte, die eine Berufstätigkeit im Gastwirtsgewerbe ausüben. Das seien die süddeutschen Kellnerinnen und die Hotel- Zimmermädchen. Aber auch diese seien sehr schwer zu organi- sieren. Außer in München habe der Verband keine Fortschritte in der Organisierung der Kellnerinnen machen können. In Berlin sei eine Abteilung für weibliche Angestellte eingerichtet worden, der hauptsächlich Hotelzimmermädchen angehören.— Von durchgreifenden Streiks und Lohnbewegungen, welche eine dauernde Besserung der Arbeitsverhältnisse bringen, könne keine Rede sein, solange die Organisation noch schwach sei, um so mehr, als ja die Durchführung von Lohnbewegungen im Gastwirtsgewerbe ganz besondere Schwierigkeiten biete. St rö h li n g e r-Berlin gab Erläuterungen gum Kassen- bericht, die im allgemeinen dahin gingen: Die Kassenverhältnisse find durchaus günstig und können den Vergleich mit der Finanz- läge anderer Gewerkschaften aushalten. Aber auf eine Zunahme der Bestände ist unter den gegenwärtigen Umständen nicht zu rechnen. Das müsse bei der Beratung der vorliegenden Anträge berücksichtig werden. Auch müßten sich die Kollegen von der Ansicht leiten lassen, daß der Verband nicht nur der Unterstützung und der Arbeitsvermittelung diene, sondern daß es in erster Linie seine Aufgabe sei, Aufklärung unter den Kollegen zu verbreiten. Z i l l m a n n- Hamburg gab hierauf einen kurzen Bericht deS Ausschusses.— Dann folgte die Diskussion und Beratung der zu den bisher behandelten Punkten vorliegenden Anträge. Die sehr ausgedehnte Debatte drehte sich vorwiegend um ver- waltungstechnische und agitatorische Angelegenheiten, örtliche Vor- kommnisse und dergleichen. Unter anderem wurde auch die Frage der Organisierung der weiblichen Angestellten berührt. Ein Redner bemerkte, die Hauptberivaltung des Verbandes sei geteilter Mei- nung darüber, ob das weibliche Hilfspersonal im GaftwirtSgewerbe im Gastwirtsgehilfenverband oder im Verband der Hausangestellten zu organisieren sei.— Eine Vertreterin der Münchener Äellnc. rinnen ersuchte den Hauptvorstand, in der Agitation unter den berufsmäßigen Kellnerinnen nicht lässig zu werden, denn der In- differentismuS unter diesen sei durchaus nicht größer wie der unter den männlichen Kollegen.— Seitens der Hoteldiener wurde dis sogenannte Bahnhofsfrage berührt. So führte ein Redner aus Kiel an, daß er in einem Monat nicht weniger als 43 M. für Bahn» steigkarten ausgeben mußte.— Die Diskussion über den Geschäfts» bericht war am Schluß der Sitzung noch nicht beendet, sie wird am Mittwoch fortgesetzt.._ Amtlicher Marktbericht btr städtischen Markthallen-Direktion über den Großhandel in den Zenwal-Marttballen. Marktlage i Fleisch: Zufuhr reichlich, Geschäft ruhig, Preise miändert. Wild: Zusuhr reichlich, Geichält lebhast, Preis« gut. Geflügel: Zufuhr genügend, Gefchäjt uicht lebhast genug, Preise wenig verändert. Fische: Zusuhr etwas reich» licher, Geich äst ruhig, Preise wenig oerändert. Butter und Käse: GelchSst ruhig, Preise unverändert. Gemüse, Obst und Süd» s r ü ch t-: Zusuhr genügend, Geschäft schleppend, Preise mehrsach ver- ändert Gurken säst unverändert. rSitterungSitberN«» vom 24. Mai 1910.«orgeuS 8 Udr. Ii LZ «2 «"1 8? vitter SwMemd». 763®$® Ö amburg! 764 NNW Serlk,; 763 SO Franks.« M. 761 NO Münche» j 759 SO Wien! 764 SO i 3 wölken! 3 wölken! 1 wollen! 4 wolkenl 1 heiter 1 bedeckt wm K» wS> CtatUmtn JS| l! sl 8 5avaranda 758 N Petersburg 760 S® Sctlly tlberdeeu Baris 766 ONO 773 N 761 NO 8 Vetter -zi t* Wetterprognose für Mittwoch, den 25. Mai Etwas kühler bei ziemlich frischen nordwestlichen Winden licher Bewölkung ohne erhebliche Niederschläge. Berliner Wetterbureau. 6 Schnee 1 wolkenl 2 heiter 2 bedeckt 3 wollen! I I ISI». und verander S 9 15 S 15 ßr Unserem Parteigenossen 5 Heu. Petralz Gemablin| zur Silbernen Hochzeit die Sf, herzlichsten Glückwünsche I«jp Die Genossen des 551. Bezirks, V. Abt. SoziaidemokratisciierWaiilvereiii des 6. Herl. Reichstags- Wahlkreises. Todes» Anzeige. Am 23. Mai verstarb unser Mitglied, der GastivirtSgehllse Vllbelm Keinile Ackerstraße 150/151. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung sind«! am Donnerstag, den 26. Mal, nach- mittags 4 llfiv, von der Leichenhalle deS Elisabeth- KirchhoseS, Prtnzenallee, aus statt. Um rege BeteUigung ersucht ver Toratzsnd. Sozialdemokratischer Wahlverein des li. Herl. Relehstags-Wahikreises. Tode«- Anzeige. Am 23. Mai verstarb unser Mit- glied, der Kutscher Xäolk Ziselier Soldwerstraße 36. Ehre seinem Andenken; Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 26. Mai. nach- miltagS 4 Uhr, von der Leichen- balle de« Zentral- FriedhoseS in FriedrichSselde auS statt. 227/10 Um rege BeteUigung ersucht vei- Voentand. Verband d. Bureauangestelllen und der Verwaltungsbeamten der Krankenkassen and Berufsgenossenschalten Deutschlands. Ortsgruppe QroB-Berlia. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied kmi! Hoffmann flZrtSlrankenkasse der Schneider) am Sonntag im 63. Lebensjahre verstorben ist. Ehre seinem Andenken: Die Beerdigung findet heute nachmittag 4'!, Uhr, von der Leichenhalle des neuen Johannis- FriedhoseS(Plötzensee) aus statt. 45/11 Die Ortsverwaltung. der KrankeiteED Berlins. Statt besonderer Anzeige den Mtgliedern zur Kenntnis, daß der Kollege 286/7 Emil Hoffmann Angestellter der Ortskrankenkasse der Schneider am Sonntag, den 22. d. M., verstorben ist. Die Beerdigung findet am Mittwoch. den 25. d. M., nach- mittags 4'/, Uhr. von der Kapelle des neuen St. Johann iS-Fried- Hose«, PIStzense-, auS statt. Um zahlreiche BeteUigung ersucht Der Vorstand, ftäl.: E.Bader. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Tsllnahme bei der Beerdigung unseres Neben sohneS und Bruders Richard Franke sagen wlr allen Verwandten. Bc. kannten und Kollegen unseren he vchfteu Dank. 224 Richard Franke und Frau geb. Scktttz. Todes-Anzeige. Sonntag abend 11 Uhr ent- schlief nach langem, schwerem Leiden mei» lieber Gatte und guter Vater Richard E�ers im 49. Lebensjahre. 2247gr Dies zeigen tlefbettübt au Anna Ewer» und Tochter. Die Beerdigung findet Donners. tag, den 26. Mai, nachmittags Uhr, von der Leichenhalle der St. Simeons- und Ei. LukaS-Ge- uieinde, Mariendorjer Weg, au» statt. des Todez- Anzeliee. :n Mitg am Sc der Genosse Den Mitgliedern daß am Sonntag, K* zur Nachricht, den 20. Mai. Richard E�ers Kottbufer User 62 nach langem, schwerem Leibe« der- storbzn ist. Ehre seinem Audeuke« k Die Beerdigung findet am DonnerZtag, den 26. Mai, nach- mittag» 3 Uhr, von der Leichen- Halle der St. Simeon- u. St. Lukas- Gemeinde, Mariendorjer Weg aus statt. Um rege BeteUigung ersucht 213/7 ver Vorstand. Deutscher Transportarbeiter-Verband. Bezirksvsrwaltung GroB-Berlln. Den Mitl baß unser llebern zur Nachricht, AÄeU« vllege, der Arbeiter Richard E�ers am 22. d. MtZ. im Alter von 43 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenke« k Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 26. d. MtS., nachmittags S Uhr, von der Leichenhalle de» Santt Lukas. und Simon- Kirchhofes w Britz aus statt. Um rege BeleUIgung wird ge. beten._ De» Mitgliedern zur Nachricht. daß unser Kollege, der Seiler. wtscher Motf Fischer am 22. d. Mts. im Atter von 41 Jahren verstorben ist. Ehre seine« Andenken k Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 26. d. MtS., nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle de» Zentral- Fried- hoseS in FriedrichSselde auS statl Um rege Beteiligung wird ge- beten._ 69/7 Den Mitgliedern zur Nachricht. daß unser Kollege, der Hausdiener Mwin Thron am 18. d. MtS. im Atter von 52 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenken; Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 25. d. MtS., nach- mittags 4'/, Uhr, von der Lelchen- halle des Auserstehungs-KirchhoseS in Weißensee au» statt. Die Bezirksverwaltung. Danksagung. Für die herzliche Teilnahme und Kranzspenden bei der Beerdigung meines lieben Bruders und Schwagers Rudolf Berger sagen wir hiermit allen Verwandten u. Bekannte» unseren herzlichsten Dank. « vis trauernden Hlntorblisben«». Deulseher Holzarbeiter- Verband| Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Tischler WHheim örasse am 18. Mai gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Mittwoch, den 25. Mai, nach- mittags 4 Uhr, von der Oalle des alten Friedrichsselder Kirch. Hose», Berliner Straße, au» statt. Um rege Beteiligung ersucht 84/4 Die Ortsverwaltuug. freie Tarnersebafl Rummelsburg und Umgegend. Am Mittwoch, den 18 Mai, verstarb an den Folgen eines Un, falls beim Turnen unser lieber Turngenosse, derZöglingsturnwart Wilhelm(Trasse im Alt« von 22 Jahren. Wir verlieren in ihm einen Mit- gründer der dritten Abtellung in FriedrichSselde. Stet» stand er, trotz seiner Jugend, in den vordersten Reihen der Arbeiter« turnbewegung. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung sindet heute Mittwoch, den 25. Mai,»ach» mittags 4 Uhr, von der Leichen- Halle des alten Friedrichsselder Gemeinde« Friedhofes, Berliner Straße, aus statt. 2S4«b Um recht zahlreiche Beteiligung ersucht Der Borftand. Deutseber kletattarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Bertlu. Todes- Anzeige. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Schlosser frans Otto am 22. d. M. gestorben ist. Ehre seinem Audrnkeu! Dt« Beerdigung findet am Mittwoch, den 25. Mai, nachmittags 5 Uhr, von der Leichen. Halle des neuen Dom-KirchhoseS in der Müllerstr. 72/73 aus statt. Rege Beteiligung erwartet 116/1 Die Ortsverwaltung Ällen Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, daß meine liebe Frau «argarelbe Orth durch tödlich verlaufenen Unglücksfall mir jäh entrissen wurde. Um stilles Beileid bitten Der trauernde Gatte Karl Orth und Anverwandte. Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 26. Mai, nach- mittag» 2 Uhr, von der Leichen- Halle deS Zentral- Friedhofes in FriedrichSselde au» statt. 5648L Möbelfabrik Zukunft E. G. rn. b. H. Nreitag. den 10. Juni 1910, abends 6 Uhr, in unserem GeschästS- lokal: Frankfurter Allee 130: AnBorordentltohe General-Versammlung. TageS-Ordnung: Ersatzwahl zum Vorstand«. 106/3 Der Borftand: K. A d« b a h r. Th. Josse. Exlra-�htellnnx 1 1. Gesch.; Berlin W., Mohren- 1 StraBs37a(2. Haus von der| Jerusalsmer StraBe), |ll. Gesch.; Berlin NO., GroBe 1 Frankfurt. Str.ttS(2. Haus von der AndreasstraSs). I 1 6elirer.Answ.feit. Kleider, I Hüte, Handschuhe, Schleier I 1 etc. v. einfachsten bis aum I | hochelegant. 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(Ohne Gewähr.)(Kachdruck verboten.) 211 830 83 93[1000] 626 7 6 819 928 37 1 003 356 581 757 908[3000] 92 2007 398 480 706 833 3104[3000] 56 274 815 803 4273 500[ 500] 697 722 812 992 5266 322 728 862 71 90[ 3000] 97[500] 6332 998 846 989[1000] 7110 289 673[500] 82[300] 703 803 8012»38 471 651 727 77 900 49 0023[150 000] 110 59 227 801 932 55 10055[1000] 551 818 SS 11083 505[1000] 769[ 6000] ,12157 222 79 86 762 800 900[1000] 13190 230 592 983 [500] 14248 886[1000] 416 686 763 1 5067 153 430 581 (500]«39[1000] 882[500] 923 97[1000] 16522 64«[3000] 932 49 1 7081 165 289 383 515 720 35 858 7 7 79 992 18076 206 450[1000] 860 1 9083 59 204 95 484 629 761 2G000 138[SOOO] 336 413 514 631 39 813[500] 21178 422 565 753 834 93 659 2 2342 959[500] 23191[1000] 291 408 59 641 748 49 50 2 4021 29 153 350 491 541 637 57«6 [1000] 740[500] 83 810»3 25264 320 603[1000] 61 631 56 749 873 87 960 26189 271 815 996 27002 413 564 614 662 2 9054 61 253 7 7 503 698 733[500] 82 870 30182[10001-272 873 41« 90 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Ziehung 5. Kl. 222. Kgl. Preuss. Lotterie Ziehung vom 24. Mai, nachmittagz. Kur die Gewinne über 240 Mark Bind den betreffenden Kümmern in Klammern beigefügt. (Ohne Gewähr.)(Nachdruck verboten.) 89«8 246 4M[600] 911 1040[5«] 476 91 576 2 255 801[1«0] 10 82 3 0« 449 678 4019 70 693 667 708 21 903 7« 51-01 2 197 459 SM 84 6028 210 30 65 69 018[590] 736 94 959 7««[5M] 46 371 400 573 863 954 67 8099 [500] 83' 436 524 685 901 63[S«0] S«4 87 214 304 544 66 655 10111 70 424[10«] 546«71 TIS«8 76 85 11211 709 1 2081 507 782 899 1 3304 439 785 1 4016 10» 396«52 877 999 15004 73 211 618 647 54 78[10M1 848[10«] 940 5- 83 16041 238 8« 17 033 342 670 703 937 1 8621 23[500] 663 86 92 751 865 970 1 9074 197 248 365 555 20C15 30 432 674[30«] 847 96 2 1 092 207 396 507 «IT[500] 62 22 125 820 436 509 696 777»11 84 2 3249 547 823 2 4078 101 83[30«] 308 23 78 453 90[500] 863 936 2 5083 106 666 731 76 876 2 6055 III 312«5 [400] 14 42 27289 302 93 704[6M] 36 54 28061 150 247 778[500]»23 29137 60[500] 275 397 774[lOM] 84« (5«] 948 30221»19 518 7« 3 1047 83 16» 221 55 51» 6« 14 [10«]«04 12 62 938 3 2207 88[»«] 623 33035 37 4» Sil 2««Ol 3 4047 244 868 M 99 402 67 622 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Drucku�Üerla« iLorwari» Buchtautoei ib SeclagtanftaU Hau! Sin«« k Co. feecün Nr. 119. 27. Zahrgasg. 3. IrilDM iles Dwlirls" Kttlim NxlKsdlR Mittlvsch, 25. Mal 1910. Partei-?Zngelegendeiten. Drittrr Wahlkreis. Freitag, den 27. Mai, abends 8>/z Uhr, findet im groizen Saale der»Arminhallen", Kommandantenstr. 58/59, eine öffentliche Fraucnversammlung statt. Genossin Zieh spricht über:»Die Frau im Wahlrechtskampf". Der wichtigen Tages« ordnung wegen ist es Pflicht der Frauen nnd auch der Männer, recht zahlreich in dieser Bersanunlung zu erscheinen. M. Sonntag, den 29. Mai, findet ein Ausflug mit Familie nach Kiekcmal statt. Treffpunkt nachmittags von 1 Uhr a» im Lokal zum Heidekrug. Zahlreiche Beteiligung erwartet _ Der Vorstand. Berliner l�acbricbtem Bor ficht vor Bolkskrenlcnkaffeni Ueber die»Westdeutsche Kranken- und UntcrstützungSkaffe in Köln" haben wir dieser Tage Mitteilungen gebracht, die wiederum Anlaß gaben, vor dem Weitritt zu sogenannten Volkskrankcnkassen zu warnen. Die genannte Kasse gehört zu jener Sorte Kassen, die Agenten herumschicken zur Eclmnnung von Mitgliedern. Es werden große Vorteile versprochen, während es den Werbern und der Kasse nur um Beiträge zu tun ist. Die Bedingungen zur Auf. nähme sind bequeme, ohne jede Voraussetzung erfolgt die Auf nähme. Erst später, wenn Anspruch auf Zahlung von Kranken geld erhoben wird, erfährt das Mitglied, in welche Hände es ge raten. Da heißt es entweder, der Kranke litte an einer Krankheit, die er früher schon einmal gehabt und die er bei der Aufnahme ver- schwiegen habe, weshalb er Krankengeld nicht erhalten könne. Und was wird alles als frühere Krankheit angeschen? Rheumatische Schmerzen, Krämpfe, Atembeschwerden, Herzfehler, Magenleiden, Blutarmut, Polypen u. dergl. mehr. Mit dieser Bestimmung kann sich eine solche Kasse nahezu von jeder Verpflichtung drücken. Im Nachteil ist immer das Mitglied. Wem fein Geld lieb ist, lehne den Beitritt zu solchen Kassen ab. Die Westdeutsche Krankenkasse in Köln war eine solche Kasse. Wir teilten schon mit, daß Leute, die Krankengeld beanspruchten, von dem hiesigen Vertreter in der GreifSwalderstraße 14 oder auch von einem Bureau in der Mauerstraße 92 nach der Hauptstelle in Cöln verwiesen wurden. Von dieser Hauptftelle traf aber keine Antwort ein. Statt dessen erhielten sonderbarerweise ein« Anzahl Mitglieder der Kasse von der„Victoria", Deutsche Volkskrankenkasse in Berlin, Mauer- straße 92, folgendes Schreiben zugesandt: »An die Mitglieder der Westdeutschen Krankenkasse in Köln a. Rh. Wir machen Ihnen die ergebene Mitteilung, daß sich die Westdeutsche Kasse leider aufgelöst hat. Unsere seit Jahren bestehende„Victoria" ist nun bereit, die- jenigen Mitglieder zu übernehmen, welche übertreten wollen. Die Beiträge sind zwar um 19 Pf. pro Woche in der l. Klasse teurer, doch wird sich niemand daran stoßen, wenn er weiß, daß die Kasse ihren Sitz in Berlin hat, sodatz im Krankheitsfalle keine solchen Umstände entstehen, wie bei einer auswärtigen Kasse, da'' der Reservefonds in voller Höhe vorhanden ist und daß schließlic. ein Abkommen mit dem Berliner Apotheker-Verein besteht, wo� nach unsere Mitglieder in Großberlin alle Medikamente losten frei erhalten, also nichts zu verauslagen brauchen. Diese Vorteile sind nicht zu unterschätzen und da wir für den Uebertritt weder Aufnahme- noch Buchgebühren be» rechnen, so hoffen wir in Ihrem eigenen Interesse auf Ihr Ein Verständnis. Sie brauchen nur beiliegenden Fragebogen ausfüllen, unter» schreiben und an uns sofort zurückzusenden, worauf Ihnen ab 1. Mai d. I. ein neues Buch zugehen wird." Hochachtend! „Victoria", Deutsche Volkskrankenkasse in Berlin, S. H. 146. Ter Vorstand: Dintzel. Aus diesem Schreiben geht zunächst hervor, daß die West. deutsche Krankenkasse in Köln sich aufgelöst hat. Wo die Gelder der Mitglieder geblieben sind, wer die Hintermänner sind, dürfte zweifellos die Staatsanwaltschaft stark interessieren. Dann aber ist ausfällig das Interesse das die Volkkrankenkasse„Victoria" an den Mitgliedern der Westdeutschen Krankenkasse nimmt. Woher kennt sie die Mitglieder? Wie kam ausgerechnet das Bureau dieser neuen Kasse, Mauerstraße 92, dazu, schon vor der Auflösung der Westdeutschen Kasse Geschäfte für die letztere zu erledigen? Natürlich ist der Charakter der Kasse.Victoria" im wesentlichen kein anderer als aller anderen Volkskrankenkassen. Aus Köln wird unS über die»Westdeutsche Kranken« und Unterstützungskasse" noch geschrieben: Die Kasse befindet sich seit einiger Zeit in Liquidation. Eine große Anzahl von Klagen schwebt gegen die Kasse bei Gericht; aber in den Räumen der .Direktion" ist seit lange schon kein roter Pfennig mehr zu finden. Bücher wurden in der letzten Zeit nicht mehr geführt. Ob- wohl es im Kassenstatut heißt, daß die Verwaltungs- und ver- wandten Kosten nicht mehr als 33(!) Prozent betragen dürfen, hat man mehr als 55(11) Prozent verwirtschaftet. Ein Sparkassenbuch über ganze 960 M. sollte als Reservefonds dienen; aber auch dieser lächerliche Betrag war gefälscht, denn in Wirk- lichkeit waren nur 19 M. noch eingezahlt. Die Aufsich tS- b e h ö r d e hat gegenüber dieser Kasse völlig versagt. Obwohl sie gemäß den Bestimmungen des HilfskassengesetzeS verpflichtet war. die Kasse zu schließen, hat man sie in Liquidation treten lassen, und die früheren Leiter zeichnen als die Liquidatoren. Man hat auch bisher noch nicht gehört, daß die Staatsanwaltschaft sich der schuldigen Kassenleiter angenommen hätte. Die städtische Verkehrödeputation beriet in ihrer gestrigen Sitzung den Enttvurf für eine städtische Straßenbahnlinie, die von der Lübecker Straße in Moabit über die Putlitzstraße, Putlitzbrücke, die Föhrcr Straße, Föhrer Brücke. Triftstraße. Luxemburger Straße. Schulstraße bis zur Kristianiastraße, Ecke der Prinzenallee geführt werden soll. Das Projekt in dieser Ausdehnung und sein Kostenanschlag, der mit 1 176 000 M. abschließt, wurde genehmigt und beschlossen, für diesen Ent- Wurf alsbald die kleinbahngesetzliche Genehmigung einzuholen. Die Entscheidung der Frage, ob die Wciterführung der Linie nach Osten oder nach Pankow zum Anschluß an die Berliner elektrische Straßenbahn(Siemens-Bahn) erfolgen soll, wurde noch ausgesetzt. Das Industrieviertel, welches von Lindenstraße. Ritter- straße. Prinzenstraße und Gitschincr Straße begrenzt wird. ist zurzeit von Straßenbahnen nur unzureichend bedient. Um eine direkte Verbindung insbesondere der Linien über die Reichenberger und Ritterstraße nach dem Westen zu erreichen. soll wegen Einlegung einer Verbindungskurve an der Ecke der �erusaleiner und Zinimerstraße an die Große Berliner Straßen- bahn herangetreten werden. Im Aeroplau über Berlin. . Flugwoche in Johannisthal hat den Beweis erbracht, daß r>ie Adiauk es zwar zu manchen schönen Leistungen bringen kann, daß aber noch sehr viel zu wünschen übrig bleibt. Eine besondere Sicherheit, mit der Flugmaschine die Luft zu durchqueren, ist noch nicht gegeben; gingen doch während der Flugwoche mehrere Ma- schinen vollständig in Trümmer. Um so überraschender mußten die Berliner Einwohner sein, als plötzlich ohne vorherige Reklame und Ankündigung am Montagabend über Berlin ein Flugapparat durch die Lust sauste. Der Aviatiker Karl Frey hatte, ohne viel Federlesen zu machen, das Wagnis unternommen. Nachdem er sich überzeugt hatte, daß der 59 LS. Gnomemotor seines Farman- apparaies tadellos funktionierte, stieg er in Johannisthal in kleinen Kreisen bald in eine Höhe von 89 bis 199 Meter, überflog die Umzäunung des Flugplatzes und zog gegen 7 Uhr 39 Minuten in ruhigem, eleganten Fluge in der Richtung nach Berlin davon. Da der Wind gegen 7 Uhr abgeflaut hatte, war der Flug sehr gleichmäßig. In einer Höhe von 199 Metern zog der Apparat gleich einem Riesenvogel dahin. Ab und zu gebrauchte Frey das Höhensteuer und senkte sich etwas zu Boden, um sich besser orientieren zu können. Als der Aviatiker über Buckow und Britz schwebte, liefen die Menschen, die durch das Knattern des Motors auf den Flug aufmerksam geworden waren, aus den Häusern und verfolgten den Flieger so lange, als das ungewisse Licht der Dämmerung eS gestattete. Frey flog dann über Mariendorf, Tempelhof und das Tempelhofer Feld nach Berlin IV. und dem Tiergarten. Dort umkreiste er die Siegessäule in einem großen Bogen und fuhr über die Königgrätzer Straße nach dem Schloß- platze, woraus er über den Süden und Südosten Berlins in direkter Richtung auf Britz und Buckow zurücksteuerte. Frey kehrte um 8 Uhr 14 Minuten nach Johannisthal zurück und landete eine Minute später vor den Schuppen. Er wurde von seinen Freunden stürmisch begrüßt und zu seinem Erfolge beglückwünscht. In 45 Minuten hatte Frey einen Kreis zurückgelegt, der einer Distanz von etwa 28 Kilometern entspricht. In einem Artikel in der gestrigen Abendausgabe de?„Berl. Tagebl." schildert Frey seinen Flug wie folgt: „Kein Ton des unten flutenden Lebens drang zu mir herauf, denn das Surren des Motors verschlang jedes Geräusch. Wie ein dünner Schleier lag der Dunst über den Straßen, in denen die Menschen sich wie Pünktchen, die Wagen, Autos und elektrischen Bahnen wie Spielzeug ausnahmen. Ich sah beut- lich, daß man unten meinen Flug bemerkte. Leider zogen alle diese Bilder mit Blitzesschnelle an mir vorüber, da mein Aero- plan mit einer Geschwindigkeit von etwa 79 Kilometern in der Stunde dahinschoß. Nachdem ich das grüne Dach d eS Tiergartens überquert, fuhr ich nach den Linden zu. Schon von ioeitem war mir das Brandenburger Tor ins Auge gefallen und in raschem Fluge ging es nun über die breiten Linden hinweg nach dem Schlosse zu, das mit seiner hohen Wölbung unverkenn- bar dalag. Ueber der Spree angelangt, ließ ich das mächtige rot« Schloß zur Linken liegen und flog dann, dem Laufe der Spree folgend, meinem AusstiegSorte zu. Auf der Rückfahrt fuhr ich etwas langsamer, da ich den Wind von vorn bekam und langte schließlich um 3 Uhr 15 Minuten in Johannisthal an. Während des ganzen Fluges habe ich auch nicht eine Minute daS Gefühl der Unsicherheit gehabt. Die einzige Gefahr des Fluges lag darin, daß ein Draht in der Nähe deS Propellers gebrochen wäre und so den Bruch der Schraube herbeigefübrt liätte. Bei einem Aussetzen oder Versagen deS Motors hatte ich noch immer die Möglichkeit, infolge der großen Höhe, in der ich schwebte, durch einen Gleitflug entweder im Tiergarten oder in der Spree eine Landung zu versuchen. Auf jeden Fall aber hätte ich es zu vermeiden gesucht, auf einem der belebten Plätze oder auf der Straße zu landen." Die Höhe, die Frey während seines Fluges erreichte, wird verschieden geschätzt. Er selbst, der kein« Meßapparate mit sich führte, meint, eine Höhe von 499 Meter erreicht zu haben. Bei ängstlichen Gemütern hat der Flug Freys, trotz aller Bewunderung für die Leistung, erhebliche Bedenken gegen die Zulässigkeit dieser Fliegerei wachgerufen. ES wird eingewendet, daß sehr leicht der Motor versagen und die Maschine abstürzen konnte. Ein solcher Absturz mit dem Aeroplan in den Straßen der Stadt könnte aber daS Leben von Personen in schwere Gefahr bringen. Bei Flugversuchen auf dem Tempelhofer Felde und in Johannisthal bestand die Verpflichtung, innerhalb des abgesteckten Terrains zu fliegen. Es wird nun die Frage erörtert, ob nicht die Polizei im Interesse der Flieger wie des Publikums einzuschreiten hätte. Bei dieser Gelegenheit wird weiter berichtet, daß solche Neber- landflüge bisher schon von den Polizeiorgancn als Uebertretungen angesehen und als solche behandelt worden seien. So sei Latham, der im September vorigen Jahres vom Tempelhofer Felde nach Johannisthal flog, mit einer Geldstrafe von 159 M. und Jeannin, der in seinem Aeroplan von Johannisthal nach Glienicke kreuzte. mit 59 M. Strafe belegt worden. Demnach dürfte Frey wohl die gleichen Aussichten für seine Kühnheit haben. Strafverfahren wegen Außerachtlassung der UnterhaltungS: Pflicht. Strafverfahren wegen Außerachtlassung der Unter- Haltungspflicht gegen Familienangehörige sind von der Char- lottenburger Armendirektion im Jahre 1909 insgesamt 896 eingeleitet Worden. Von diesen betrafen 526 Fälle ehelicher Verwandtschast. Uneheliche Kinder betrafen 369 Fälle, von diesen wiederum die Mutter gegenüber Kindem 322 Fälle, den Vater 47 Fälle. In allen diesen Fällen wurde zur Er- süllung der UnterhaltungLpflicht aufgefordert. Als Ursache des AußerachtlassenL der Uiitcrhaltungspflicht ergab sich in den meisten Fällen, nämlich 388, geringer Verdienst, Arbeits- losigkeit und Verschuldung. An ziveiter Stelle stehen Bös- Willigkeit und andere Ursachen niit 186 Fällen. An dritter Stelle kommt Vernachlässigung der Häuslichkeit mit 133 Fällen, Krankheit oder Gebrechen waren in 110 Fällen die Ursache, während große Kinderzahl in 41 Fällen angegeben wird usw. Wahrscheinlich wirken aber meist die verschiedenen Ursachen zusammen. Von den Aufgeforderten waren zur Pflichterfüllung 306 Pflichstge bereit. Ihrer Pflicht nachgekommen sind dagegen nur 174 Beteiligte. Ein gerichtliches Verfahren endlich lvurde in 146 Fällen eingeleitet. Die verhängten Strafen gingen in diesem Jahre bis zu 4 Tagen Haft, auf die in ä Fällen erkannt Wurde. Alle anderen Strafen beschränkten sich auf Geldstrafen. Insgesamt wurden 56 Strafen erkannt. 8 wurden freigesprochen, während in 48 Fällen das Verfahren noch schwebt, es in' 17 Fällen eingestellt wurde und in 16 Fällen endlich der Strafantrag zurückgezogen worden ist. Auf die Strafe trat Besserung nur in 4 Fällen ein. Wiederholter Strafantrag mußte dagegen in 7 Fällen gestellt werden. Der Erfolg scheint nicht im Verhältnis zu der aufgewandten Mühe zu stehen. Zu bedenken ist aber, daß die drohende Strafe in vielen Fällen gewirkt hat, die in der Statistik gar nicht zur Geltung kommen. Von der Stadtbibliothct. Bekanntlich ist am I. April von der königlichen Bibliothek eine Leihgebühr für Benutzung von Büchern eingeführt, die 6 M. für das ganze Jahr beträgt. Ob eine ähnliche Einrichtung etwa auch für die städtischen Bibliotheken einzuführen sei, wurde in der gestrigen Sitzung des Kuratoriums der Stadtbibliothek und der städtischen Volksbibliotheken und Lesehallen unter Vorsitz des Bürgermeisters Dr. Reicke erörtert. Die Einrichtung der städtischen Bibliotheken als ein Bitdungsmittel für die breitesten Volks- schichten ist auf ganz anderen Grundlagen erwachsen, auch sind im übrigen die Verhällnisse in den städtischen Bibliotheken ganz andere als in den königlichen und den wissenschaftlichen Bibliotheken. Die Erhebimg irgend einer Gebühr wurde daher als völlig unangebracht abgelehnt. Eine behördliche Untersuchung wegen der Tegeler Hafenbrückcn- Mißstände, die wir wiederholt und zuletzt ans Anlaß des Pfingjt- verkehrs gebührend gekennzeichnet haben, kündigt der„Tegeler Anzeiger", der dem Gemeindevorstand sehr nahesteht, an. Allerdings an recht verschämter Stelle, in einer Briefkastennotrz, die von einem anderen, unabhängigen Tegeler Blatt als fingiert bezeichnet wird. Desto unverschämter ist denn auch die Unterstellung des amtlichen Organs, die durchaus berechtigten Beschwerden des Berliner Publi- kums als plumpe Hetze gegen den Tegeler Gemeindevorstand ab- zutun. In seiner Speichelleckerei übersieht dabei das Organ de» Amtsvorstehers und Bürgermeisters Weigert, daß den Tausenden von Acschtverdeführern die Personen des Tegeler Gcmeindcvor- standeS höchst gleichgültig sein können. Man verlangt für sein Brückengeld einen geregelten, unanfgehaltenen Berkehr und eine anständige Behandlung— das ist alles. Wenn die angekündigte Untersuchung überhaupt stattgefunden hat, so konnten die Brücken- ivärter wahrheitsgemäß nur angeben, daß sie wiederholt der durch die Verkehrsverhältnisse sich ergebenden einfachen Notwendigkeit, sämtliche Brückentore zu öffnen, nicht entsprochen haben. Bon tätlicher Behelligung verschiedener Brückenpassanten, die sich durch- aus anständig betrugen, seitens der Brückcnwärter wird letzteren natürlich, wie immer in solchen Fällen, nichts mehr bekannt sein. ES muß immer wieder betont werden, daß die Brückenverwaltung die Dienerin des Publikums ist, nicht umgekehrt. Von den„Tegeler Nachrichten" werden unsere Angaben über die Brückenskandalosa vollinhaltlich bestätigt. Man stellt dort sogar noch mehr Belastungsmaterial in Aussicht. Der Wald als Schuh gegen FrühlingSfrost. In einem wissenschaftlich ebenso interessanten wie wertvollen Vortrage wies der Meteorologe Schiller-Tietz. Kleinflottbeck, auf die Wechselwirkung von Witterung nnd Wald hin und teilte Beobachtungen mit, die gerade für Berlin um so Wertvoller sind, als hiermit der leidigen AbHolzung im Grunewald das schärfste Urteil gesprochen wird. So ist durch langjährige Versuche insbesondere für die Maifröste erwiesen, daß die Luft in ruhig klaren Nächten(Frostnächten) am mildesten über dem Laubwald, weniger warm über dem Nadelholz und am rauhesten und kältesten über flachem Felde ist, eine Tatsache, die jedem Forstmanne heute schon bekannt ist. Dem Satze, daß wir höchstwahrscheinlich auf dem Punkte angekommen sein dürften, von dem aus jede weitere Verminderung des WaldbestandeS als ein Verbrechen an der Zu- lunft bezeichnet werden muß, kann man aus ästhetischen, hygie- nischen und volkswirtschaftlichen Gründen unbedingt zustimmen. Weiter heißt es, die Zunahme der Spät- und Frühfröste und die Steigerung ihrer schädlichen Einflüsse weisen darauf hin, daß die Entwaldung keinen größeren Umfang annehmen dürfe, ohne daß die Getreidefelder und jungen Forstkulturen ständig geschädigt, der Obst- und Weinbau aber eine Unmöglichkeit werde. Für Berlin ist die Quintessenz der wissenschaftlichen Darlegungen, daß, wenn dem Abholzungswahnsiiin nicht baldigst Einhalt geschieht, der Charakter der Mark in höchstem Maße ungünstig beeinflußt und das ganze Land an Spree und Havel in nicht wieder gut zu machender Weise geschädigt wird. Wir fürchten aber, daß alle wissenschaftlichen und vernünftigen Erwägungen an unserer kalt- herzigen SpekulaiionSwelt abprallen werden und die Seuche deS Vodenwuchers ihren verheerenden Raubzug weitergehen wird. Für Frankreich ist die systematische Waldverwüstung zum nationalen Unglück geworden, für unsere maßgebenden Kreise ist die Geschichte jedoch dazu da, daß man aus ihr nichts lernt! Frciligrath-JubiläumZnummer. Aus Anlaß der hundertsten Wiederkehr des Geburtstages von Ferdinand Freiligrath erscheint im Verlage der Buch- Handlung Vorwärts, Berlin SW. 68, eine künstlerisch illustrierte Zeitung. Für die Bourgeoisie mag Freiligrath nur mehr historische Bedeutung haben, wie sie ja auch den Freiheitskamps, dessen feurigster Sänger er gewesen, längst als eine abgetane Sache einzuschätzen sich gewöhnt hat. Den« Proletariat, daS in Politik und Kultur daS Erbe der revolutionären bürgerlichen Vergangenheit angetreten hat, ist er heute, in dem machtvoll entfesselten Kampfe umS Wahlrecht, lebendiger als je, und, soweit ein Dichter unsere Bewegung fördern kann, besitzen wir in seine» prächtigen, klirrenden Versen einen unversieglichen Quell der Begeisterung und ZukunfShoffnungen. DaS Heft enthält sowohl einen ausgewählten textlichen Inhalt wie interessante Bilder, die sicher allgemein Beifall finden werden. Der Einzelpreis der Zeitung beträgt 29 Pf. AuS dem Müggelsee gelandet wurden gestern die Leichen zweier ertrunkener Personen. In der Nähe des Restaurants„Prinzen- garten" wurde der 27 jährige Eisenl>ahnassiste>it Alwin Liste aus Breslau an Land getrieben, dessen Kleidungsstücke, wie wir be- reits meldeten vor kurzem am Ufer des SecS aufgefunden wurden. L. hat Selbstmord verübt, wie aus einem an seine in Breslau wohnende Schwester gerichteten Schreiben hervorgeht. Die zweite geborgene Leiche ist diejenige des am zweiten Pfingstfeiertage cm Freibad Müggelsee ertrunkenen 17 jährigen Arbeiters Willi Jänicke aus Rixdorf. Die Hauptverhandlung gegen den Verleger Wilhelm Bruhn, seinen Bruder Paul und den Redakteur Weber wird voraussichtlich noch vor den Gerichtsferien, Anfang oder Mitte Juli, stattfinden und mehrere Tage beanspruchen. Unter Anklage stehen sechs Fälle. Die Zahl der Zeugen beträgt mehr als 49. Gastwirtsvrreine gibt eS in Berlin eine ganze Anzahl. Der größte Teil dieser Vereine hat lediglich den Zweck, den Mit» gliedern Sterbegeld zu sichern und schließlich noch bei Beerdigungen Musik zu stellen. In manchen dieser Vereine scheint es mit der Geschäftsführung nicht gerade glänzend bestellt zu sein. So wird uns über den Berein der Berliner Weißbierwirte berichtet, daß vor längerer Zeit ein Mitglied B. aus der Prenzlauer Straße starb. Der Tod wurde sofort dem Rendantcn gemeldet, aber die üblichen Ehrenbezeugungen unterblieben. Acht Tage nach dem Tode wurde aber B. zu einer Beerdigung eines anderen Mitgliedes eingeladen und vier Wochen nach dem Tode des B. erschien bei der Witwe ein Vereinsvcrtreter, um die Beiträge für das neue Quartal im Voraus zu erheben. Auf eine besonders exakte Führung der Ver- einSgeschäfte deutet dieses Vorkommnis nicht hin. Eine mehrstündige Betriebsstörung hat sich, wie nachträglich bekannt wird, vorgestern aus dem Rangierbahnhof in Tempelhos er- eignet. Dort war beim Rangieren, vermutlich infolge einer Gleis- erweiterung ein Waggon, in dem sich etwa zwanzig Stück Rindvieh befanden, entgleist und zur Seite geschleudert worden. Dabei wurde eine Kuh getötet und eine so schwer verletzt, daß sie sofort gc- schlachtet werden mußte. Eine Anzahl weiterer Tiere kam cbeu- falls mehr oder weniger zu schaden. Personen wurden glücklicher- weise nicht verletzt. Erst nach mehrstündiger angestrengter Arbeit gelang es, die durch die Entgleisung hervorgerufene Betriebs- törung zu beseitigen. Ei« Opfer seines verufeS ist der Zimmermann Hm» Mvnhle. Wilhelmshavener Strahe 43, geworden, K. war auf dem?!eubau- grundstück Manteuffelstr. 20 beschäftigt. Als er gestern mittag im dritten Stockwerl lange Bohlen legte, stürzte er infolge eine» Fehl- tritieS kopfüber in die Tiefe. Beim Ausschlagen auf den Bauhof wurde dem Unglücklichen der Schädel zerschmettert. Sterbend wurde G. in da» Krankenhaus am Urban eingeliefert. Auf der Nnfallstation verstorben ist gestern der 30 jährige Kauf- mann Bruno Zöllner aus der Gormannstrahe 3. Er wurd« in dem Hause Kantstratze 100 besinnungslos aufgefunden und von Haus- bewohnern nach der Unfallstation am Zoologischen Garten gebracht. Hier verstarb Z. unter den Händen des ihn untersuchenden ArzteS infolge Herzlähmung. Die Leiche wurde nach dem Schauhause gebracht. Aus dem Landwehrkanal gelandet wurde gestern die Leiche des 9 Jahre alten Pförtnersohncs Otto Marold aus der Görlitzer Strafxe Nr. 35. Der Knabe spielte am Donnerstag voriger Woche in der Nähe der elterlichen Wohnung am Görlitzcr Ufer mit einem Reifen. Hierbei überstieg er das Gitter und lief auf der Böschung entlang. AlS ihm nun der. Reifen ins Wasser fiel, bückte er sich. um ihm nachzusehen, verlor das Gleichgewicht, fiel in den Kanal, ging unter und ertrank, bevor man ihm Hilfe bringen konnte. Gestern kam die Leiche nur wenig unterhalb der Unglücksstelle zum Borschein und wurde geborgen. Tödlich verunglückt sind wieder zwei Kinder. Die drei Jahre alte Tochter Marie des Schuhmachermeisters USzakiewicz aus der Swinemünder Straße 73 spielte vor einigen Tagen im Torweg des Grundstücks, auf dem augenblicklich gebaut wird, und geriet unter einen Steinwagen, der Mauerstein« nach dem Hofe brachte. Der Wagen ging der Kleinen über den Leib und verletzte sie so schwer. daß sie gestern im Lazaruskrankenhause starb.— Die Kutscherfrau Bock aus der Joachimstraße Iva kehrte am Sonnabend nachmittag mit ihrem elf Monate alten Söhnchen Georg vom Lustgarten über den Hackeschen Markt nach Hause zurück. Als auf dem Markt ein Geschäftswagen einen anderen überholte, sprang sie mit dem Kinderwagen beiseite. Sie selbst kam unversehrt davon. Der Kinderwagen jedoch ward umgestoßen. Der Kleine fiel heraus und zog sich eine Gehirnerschütterung zu, der er gestern im Kinder- krankenhause in der Neinickendorfer Straße erlag. In den Räumen des„Vorwärts" hat Ende voriger Woche ein Besucher eine Nickelbrille liegen lassen. Dieselbe kann im Sekre» tariat der Redaktion in(inipfang genommen werden. Wer ist die Tote? Hilflos aufgefunden wurde gestern nach- mittag gegen 4 Uhr eine unbekannte Frau unter der Hochbahn in der Skalitzer Straße gegenüber dem Hause Nr. 114. Gleich nach der Aufnahme, ohne das Bewußtsein wieder erlangt zu haben, starb sie im Krankenhause am Urban. Ein sehr gefährlicher Brand kam am Dienstag nachmittags um 5 Uhr in der Prinzenstr. 05 in der Alfenid« und Metallwarenfabrik von P. Friedland Nachfolger angeblich durch Unvorsichtigkeit zum Ausbruch. Als der 11. Zug dort ankam, stand der Fabrikraum auf dem Hofe schon in großer Ausdehnung in Flammen. Diese hatten an Packmarerialien, besonders an Holzwolle reiche Nahrung ge- fmiden. Um den Brand zu löschen, mußt« mit mehreren Schlauch- leiumgen tüchtig Wasser gegeben werden. Der nicht unerhebliche Schaden ist durch Versicherung gedeckt. Vorort- JNachrichten. Lchönederg. Die Stadtverordnetenversammlung nahm u. a. zunächst di« Mitteilung entgegen, daß die Bevölkerung im Monat April von 167 767 auf 169 347, mithin um 1589, gestiegen sei. Die Beschickung de» brandenburgischen Städtetages, zu dem zwei Stadtverordnete delegiert werden sollten, veranlaßte den Stadtverordneten Schneider(HauSbes.) dafür einzutreten, auch einen Gegner der Eerbefferung deS kommunalen Wahlrechts zu entsenden. Dem Herren wurde begreiflich gemacht, daß die Zeit der Rückständigkeit, die er mit semer Fraktion vertritt, endlich vorüber ist und man nur noch Männer, die vom modernen Geiste erfüllt sind, entsenden könnte. Gewählt wurden gegen die Stimmen der Hausbesiver- fraktion und der Liberalen Vereinigung der Stadtv. Gottschalk slib.) und Bernstein(Soz.). Als Stellvertreter fungieren Bell (lib.) und Hoffmann(Soz.).— Die Besoldungssätze der Assistenz« ärzte deS hiesigen Krankenhauses wurden entsprechend den Char- lottenburger Sätzen um je 399 M. erhöht. Die erforderlichen Mittel wurden nachbewilligt.— Die Vorlage des schnlgeld- freien Unterricht» wurde einem Ausschuß überwiesen, nachdem Genosse Mollenbuhr darauf hingewiesen, daß«S notz wendig sei, die Zahl der Freistellen gerechter zu verteilen. Die sozialdemokratische Fraktion hatte folgenden Antrag emgebracht: Die Stadtverordnetenversammlung wolle beschließen: 1. Die Beschlußfassung betreffend die Bewilligung des schul» geldfreien UnteroichtS an den höheren Schulen in Schöne- berg auszusetzen; 2, Den Magistrat zu ersuchen, eme neue Vorlage zu bringen, nach welcher: a) bei Festsetzung der Zahl der Freistellen die auswärtigen Schüler mitgezählt werden, b) die Zahl der Freistellen nach der Gesamtzahl der Schüler und Schülerinnen berechnet und von der Deputation für das höhere Schulwesen auf die einzelnen Schulen verteilt werden. Der Antrag wurde nach einer unwesentlichen Abänderung ebenfalls dem Ausschuß überwiesen. Dasselbe Schicksal erfuhr auch die Vorlage, eine bereits vorgesehene Oberlehrerstelle in eine Turn, und Zeichenlehrerstelle umzuwandeln.— Der Aenderung deS OrtSstatutS über die Benutzung der unterirdischen Kanalisation wurde zugestimmt mit der Abänoerung. daß für Herstellung der SauSanschlüsse die VerwaltungSIosten nicht 15, sondern nur 19 vom undert der baren Auslagen zu berechnen sind. In der Gebühren- ordnung soll festgelegt werden, daß nicht 4,2 Pf., sondern nur 4,1 Pf. für besondere Gebühr erhoben werden darf. Dann folgte der Bericht der Prüfung der Gültigkeit der Wahl der Stadtverordneten O b st und Bernstein. Im 4. Wahlbezirk der 3. Abteilung waren am 6. November 1999 zwei Stadtverord- riete, darunter ein Hausbesitzer, zu wählen. Der Genosse Obst wurde als Hausbesitzer mit 566 Stimmen und Genosse Bernstein mit 565 Stimmen gewählt. Gegen die Wahl ist Einspruch erhoben und damit begründet worden, daß Obst nach§ 16 der Städteord« nung als Hausbesitzer nicht wäblbar sei, weil der Nießbrauch an seinem Grundstück für einen Dritten eingetragen wäre. Der Aus- schuß hat beide Wahlen mit 7 Stimmen gegen 1 Stimme bei zwei Stimmenthaltungen für gültig erklärt. Die Frage wurde der» neint, daß die Wahlfähigkeit des Eigentümers als Hausbesitzer durch die Einräumung des Nießbrauchs verloren gehe, weil§ 16 der Städteordnung unvermittelt Eigentum oder Nießbrauch oder erbliches Besitzrecht für das ganze Wohnhaus verlange und nach der amtlichen Auskunft dies bei Obst zutrifft. Die Prüfung der Frage, ob noben dem Hausbesitzer nun auch der Niehbraucher oder Hnhaber des erblichen Besitzrechts ebenfalls wahlfähig ist, ist nicht weiter verfolgt worden. Die Prüfung der Frage hatte im übrigen nur für die Wahl des Genossen Bernstein Bedeutung, weil Ge- nosse Obst, wenn nicht als Hausbesitzer, so doch als Nicht-HanS- Vesitzer gewählt wäre, da eine Stimme mehr für ihn abgegeben als für Bernstein. Auch hat das Oberverwaltungsgericht, Dd. 32, S. 6, entschieden: Sind zwei Stadtverordnete, und darunter ein Hausbesitzer, zu wählen und erhalten zwei Nicht-Hausbcsitzer die absolute Mehrheit, so ist die Wahl desjenigen von diesen gültig. ter die meisten Stimmen erhalten bat. Ohne Debatte wurde der Gültigkeit der beiden Mandate zugestimmt. Selbst Herr Schneider war diesmal für Obst zu baben. Dann wurde vorgeschlagen, einige Deputationen aufzuheben und einige neu zu bilden. Aufgehoben wurden: die Verkehrs-. di« Unlergrundbahndeputation, die Deputation zur Vorbereitung der Uebernahmc des?lbfi.hrwesens in städtische Verwaltung. Neu gebildet wurden: eine Straßenreinigungsdeputation einschließlich des Abfuhr- und Marltweiens, eine Bertehrsdeputation für das gesamte Verkehrswesen einschließlich der Untergrundbahn und eine Parkdcputation. Dagegen wird die öffentliche Beleuchtung, der Tiefbau und die Desinfektionsanstalt der Wohlfahrtsoeputation überwiesen. Der Stadtverardneie H e p p n e r(wild) hatte einen Antrag eingebracht, in dem ersucht wird, daß diejenigen Stadtverordneten, die keiner Fraktion angehören, bei den Deputationsvorschlägen ebenfalls berücksichtigt werden sollen. In Frage kommen die Stadtverordneten H e p p n e r und Treugebrodt, beide ge- hörten der Hausbesitzerfraktion an, und Stadtv. Lohausen, früher Mitglied der Liberalen Vereinigung; jetzt sind alle drei Herren frakrionslos. Der Antrag wurde abgelehnt mit dem Hinweis. daß dieselben dann bei einer Fraktion zu hospitieren hätten. Für Erwciterungsarbeiten des Werner-Siemcns-Realghmna» siums wurden die Mittel in Höhe von 19 999 M. bewilligt.— Die VolksunterhaltungSabende sollen auch in diesem Winter in der bis- herigen Weise veranstaltet werden, nur mit dem Unterschied, daß dieselben bereits im Oktober beginnen und im April beendet wer- den; insgesamt sind sieben Abende geplant. Ein hierzu ersorder- licher Zuschuß von 799 M. wurde bewilligt. Ferner wurde zur besseren Organisation der Veranstaltungen beschlossen, eine Depu- tation einzusetzen. Alsdann gelangte noch ein DringlichteitSantrag zur Beratung, der verlangte, daß gegen den Weiterbau des Gaso- meterS in der Torgauer Straße Einsprach erhoben werden sollte. In der Begründung wurde darauf hingewiesen, daß dieser 85 Meter hohe Bau ein Schandfleck für ganz Schöneberg sei. Der Stadtausschuß hätte die Baugenehmigung versagen müssen. EL erwecke den Anschein, als wenn ein Observatorium zur Eni- dockung von Kometen errichtet warben ist. Dieser Gasometer, der zur Verunzierung des Stadtgebildes beiträgt, müsse sofort abge- tragen werden, zum mindesten aber Einhalt des Baues geboten werden. Dem Antrage wurde zugestimmt und hierauf in die geheime Sitzung eingetreten. Schönederger Grundbesitzer kontra Siemens u. Halske. Hausbesitzer und Bewohner der Barbarossa-, Kliffhäuser- und Martin- Lurher-Straße haben seit geraumer Zeit sehr unter dem beständigen Sinken des Grundwasserspiegels zu leiden. An verschiedenen Stellen ist das Grundwasser um mehrere Meter zurückgegangen und eine ganze Anzahl Brunnen sind versiegt, so daß neue kostspielige An- lagen notwendig wurden. Die Ursache dieses ZustandeS ist, wie festgestellt worden, in dem Bau der Untergrundbahnstrecke Haupt- straße— Nollendorsplatz zu suchen. Nackidem sich der Swöneberger Grundbesitzel verein wiedeiholt mit der Anaelegenheit beschäftigt, die Erhebung einer Klage auf Vcreinskosten aber abgelehnt hat, baben eine Anzahl beteiligter Hausbesitzer nunmehr g>gen die Finna Siemens u. Halske. die Erbauerin der erwähnten Untergrundbahn- strecke, einen Prozeß angestrengt. Edarlottenvurg. Einen gefährlichen Fabrikbrand hatte gestern die Charlottenburger Feuerwehr am Salzufer zu löschen. In dem' einstöckigen Haupt- gebäude der Alnengesellschaft von Müller u. Mann, chemische Fabrik, Lack- und Farbenfabrik, waren etwa 1999 Kilogramm Harz und 200 Kilogramm Spiritus in Brand geraten. Mächttge Sttchflammen hatten sich entwickelt, wodurch zwei Arbetter, und zwar der 36jäbrige Johann Dolosick aus der Kaiferin-Augusta-Allee 20 und der 38jährige Arbeiter Stanislaus Franke aus der Jagowftt. 17 in Moabit verletzt wurden. Letzterer wurde auf der nahen Unfallstation verbunden und dann entlassen. Elfterer wurde nach dem Krankenhause Westend gefahren und dort behandelt. Angeblich liegt für beide keine Lebensgefahr vor, die Stichflammen hatten schon durch eine offene Tür das angrenzende Oellager erfaßt. Es gelang aber, dort die Gefahr zu beseitigen und dann durch kräftiges Waffergcben den Brand auf das einstöckige Fabrikgebäude zu beschränken. Die Decke dieses Gebäudes hat sich aber bedenklich gesenkt; die eisernen T-Träger haben sich um 40 Zentimeter gebogen. Um jede Gefahr auszuschließen, wurde die Brandstelle polizeilich abgesperrt. Der Schaden ist versichert; der Betrieb der Fabrik erleidet keine Unterbrechung. Die Entstehung wird auf Fahrlässigkeit zurückgeführt. Nixdorf. vom Feuer zerstört wurde gestern früh um 4 Uhr in der Teu, pitzer Straße die Kraftdroschke Nr. 2968, die der Chauffeur Wilhelm Blender aus der Weserstr. 183 führte. Der Wagen brannte bis auf die Räder nieder. Die Feuerwehr lonnte nur noch die Trümmer ablöschen. I» de» MaSk« von Bersichervngsagente» führten sich gestern mittag zwei Diebe bei einer Frau Much in der Herfurthstt. 2 ein, um sie zu bestehlen. Zwei Männer Ningelten und als die Frau öffnete, stellte einer sofort seinen Fuß zwischen Tür und Rahmen, so daß sie nicht mehr schlichen konnte. sondern sich wohl oder übel in eine Unterhaltung einlassen mußte. Die beiden Männer gaben sich für Beamte der Viktoria-Versichcrimg aus und rederen eifrig auf die Frau ein, sich ebenfalls versichern zu lassen. Als sie keinen Erfolg hatten, zogen sie sich endlich scheinbar sehr unzufrieden zurück. Erst später merkte die Frau, daß ihr die beiden das Portemonnaie mit 21 M. aus der Tasche gestohlen hatten. Der eine der Diebe ist groß und hat dunkles Haar, der andere ist mittelgroß und blond. Friedenau. Nicht eingehaltene Verpflichtungen. In einer Sitzung der Ge- mcindevertretung Anfang April dieses Jahres wurde beschlosten, die Bauarbeiten für die neue höhere Mädchenschule der Firma Karl Borchardt-Lichterfclde unter der Bedingung zu vergeben, daß dieselbe den bei dem Bau beschäftigten Arbeitern die im Baugewerbe für Berlin und Umgegend zwischen Arbeitern und Unternehmern der- einbarten Löhne zahle. Es wurde damals schon darauf hingewiesen, daß die Firma, wenn sie ihre Arbeiter einigermaßen anständig ent- lohnen will, mit ihrem auch von anderen Arbeitgebern als S-biniltz- konkiirrenz bezeichneten Angebot unter keinen Umständen zurechtkommen könne. Die Firma hat damals die in dem Bertrag gestellten Bedingungen akzeptiert, jedenfalls von dem Gedanken ausgehend, daß. da es sich nur um Bestimmungen im Interesse der Arbeiter handelt, die Gemeinde in der Praxis nach der Richimig hin ein Auge zudrücken werde. Und sie hatte richtig kalkulier:! Seit etwa fünf Wochen sind die Arbeiten im Gange. und es ist der Firma bisher noch nicht eingefallen, die im Tarif vereinbarten Löhne zu zahlen. Während derselbe für Bauarbeiter 50 Pf. pro Stunde vorschreibt, zahlt die Firma nur 45 Pf. Ver- schiedene Arbeiter, welche auf Anerkennung des Tariflohnes drangen, wurden entlassen. Trotzdem nun dem Herrn Baurat diese Zustände bekannt find, ist bisher von der Gemeinde noch nicht» geschehen, um die Firma zur Erfüllung der vertraglichen Verpflichtungen zu ver« anlassen. Ob man wohl, wenn es sich um eine Maßnahme im Jnteresie der Unternehmer handelte, auch so zaghaft wäre? Steglitz. AuS NnhrungSforgcn Selbstmord verübt hat vorgestern der Konditorgehilfe Otto I. aus der Stephanstraße. I. halte infolge Krankheit feine Stellung verloren und war feit mehreren Wochen arbeitslos. Da alle feine Bemühungen, Stellung zu erhalten, er» folglos blieben und feine Familie sich in bitterer Not befand, wurde I. derart niedergeschlagen, daß er sich da§ Leben zu nehmen beschloß. Als gestern seine Frau fortgegangen war, vergiftete er sich mit Leuchtgas, nachdem er sein zweijähriges Töchtcrchen in dem Neben- zimmer eingeschlossen hatte. Köpenick. Mit 15 BeratungSgegenständen hatte sich die letzte Sitzung der Stadtverordnetenversammlung zu beschäftigen. Vier davon wurden in geheimer Sitzung beraten. Der HauSbefitzervereln wünschte die Einführung einer besonderen Gewerbesteuer unter Zugrundelegung des stoailichen Gewerbesleuersatzes einer Reihe Hiesiger Betriebe, die der ausgelegten Liste entnommen sind. Herr Hiipenbecker, HauS» besitzer, petitionierte um Zurückerstattung von 6418 M. KanalisarionS- aebühren. da die Räume des Grundstückes Dorotheenstr. 11 von 1907—1909 leer gestanden haben. Beide Geluche wurden dem Magistral überwiesen. In der noch immer nicht zur Ruhe kommen« den HcntschelaffSre lag folgender von Mitgliedern sämtlicher Frakcionen unrerzeichneter Dringlichkeitsantrag vor: In weilen Kreisen der Einwohnerschast ist da» Gerücht verbreitet worden, die von dem trüberen Vorsitzenden der Elelrizitätskommission Herrn Henrschel auigestellie unrichnge Bilanz sei von den damaligen Mit- gliedern der EtektlizitätSkounnission mit veranlaßt und infolgedesien auch genehmigt worden. Wir ersuchen daher, die Siadlverordnelen- verianunlm'.g wolle beschließen, den Magistrat zu ersuchen, das seinerzeit vom Magistrat und der verstärkten EleklrizitätSkommission festgestellte umfangreiche Material durch eine ausführliche Darstellung dieier Verhandlungen in der am 29. d. M. statifindenden ösienllichen Stadlverordlietensitzuug bekanntzugeben."' Stadtv. Nieke(Soz.i be- tanle hierzu, daß in Beriammlmigen Bebauplungen aufgestellt würden, die der Wahrheit nicht entsprechen. Derjenige, der Informationen geben koiuite, auch zugegen war, habe geschwiegen. Sladtv. Jakobi(Lib.) meinte, H. Hobe den Magistrat, die Sradt» oerordiietenversammlung. ja die ganze Bürgerschafl geräuicht. Diebeiden Werke sind Musteranlagen, und als H. vor 699 Menschen von den hoben Ueberichnsieii redete, mußte man eS glauben. Als in der Kommission von 79 909 M. Ueberschuß die Rede war. wutzie H. bereits. daß eS ja keine 79 999 M. waren. Bürgermeistsr Prümers erklärte, die ge» wünschle amtliche Tarstellung der Angelegenheil zu geben, trotzdem dadurch die Sache leider noch einmal in allen Teilen vorgetragen werden müsse. Redner gab nunmehr eine eingehende Darstellung der Bilanzverschleierung.(Da die Schilderung dieser Sache bereiis Ende vergangenen Jahre? gegeben worden ist, verzichten wir auf eine Wiedergabe der Ansführuiigen deS Bürgermeisters. Ter Ber.) Das Resümee der amtlichen Erklärung ist: Herr Heutlchel hat die Bilanzverichleierung und die Fälsctmng begangen und zwar ohne Vorwlsien der Kommiision, deS Magistrats und des ersten Bürger» Meisters. Zu der Frage, weshalb die Sache nicht der Aufsichtsbehörde unrerbreitet worden ist, erklärte der Redner, daß. solange es geht, der- artige Angelegenheiten in der eigenen Verwaltung geregelt werden; im übrigen wollte man H. nach Möglichkeit schonen. Der Bericht sagt dann zum Schluß:„Wir haben glücklicherweise die Seldstverwallung, und wlange wir als Bürger mit Bürgern zu verhandeln haben, brauchen wir die Einmischung der Aufsichlsbehörde nicht. ES kam darauf an, datz der Schuldige aus der Berivoltung ausschied, und da H. die» freiwillig tat, war damtt die Sache abgetan. H. habe durch die Maildatsiiiederlegung seine Schuld eingestanden, denn wenn er sich nicht schuldig fuhlie, durfte er dieses nicht mn, sondern die Ein- leitung des DisziplinorvcrlahrenS beantragen. Stadtverordneter Jachmann(fr. V.) erklärte, daß man dem Magistrat Dank schulde, indem er die Verschleierungen aufgedeckt. Hiermit war die Be» raiung deS Antrages erledigt. Zum 33. ordentlichen Branden» bnrgischen Städtctag wurden als Vertreter der Vorsteher Lucht, Stadtverordneter Schneider und unser Genosse Nieke gewählt. Bezüglich der Errichtung von Selekten an den Gemeindeschulen hat die Regierung mitgeteilt, daß eS sich nicht übersehen läßt, wenn die Verhandlungen wegen der Vereinheitlichung des VoltsschulwesenS in Groß-Berlin zum Abschluß gelangen werden. Gemäß einem Antrag deS Genossen Herbst beschloß die Versammlung, den Magistrat zu ersuchen, trotzdem zum 1. Oktober d. I. an zwei Gemeindefchulen Selekten zu errichten, da die Mittel bereits im Etat enthalten stnd. Der Verkauf eine« 2859 Ouadratmeter großen städttlchen Grund- stücke« an der Kaulödorfer Straße zum Preise von 6 Mark pro Ouadratmeter wurde abgelehnt. Der Preis wurde als zu niedrig bezeichnet. Die Automobilgeiellschaft hat aus.Vorstellungen des Ma- gistratS die Erklärung abgegeben, daß die Fahrer angewiesen sind, cm langsameres Tempo beim Einfahren der Automobile auf der Müggelbeimer Chaussee einzuschlagen. In den Monaten Juli und August sollen, wie im Vorjahr, die Sitzungen ausfallen. Wannsee. Feuer brach in der Nacht zum Dienstag in der Villa Sasse hier. Bismarckstraße, aus. Bei Ankunft der Feuerwehr stand der Dach- stuhl bereits in hellen Flammen. Der Wehr gelang eS jedoch, den Brand auf den Dachstuhl zu beschränken. Die Aiiftäumungsarbeiten nahmen di« Wehr noch bis gestern mittag in Anspruch. Die Entstehungsursache deS Feuer» ist noch unaufgeklärt. Friedrichsfelde. Zu der heute stattfindende« veerdignng de» am 29. Mai ver» unglückten TurnwartS Wilhelm Grafs« Kesten sich alle Gruppen und sonstigen Teilnehmer nachmittag» 8 Uhr im Lokal de» Gast- Wirt» Bube, Prinzenallee 30. Pankow. Segen fertgesetzte» verbrechen» gegen seine eigene Tochter wurde der Bauarbeiter Max Hieckstein au» der Marimilianstr. 8 festgenommen. H., der vorher in Stettin wohnte, soll sein« Tochter schon, als fie erst 19 Jabre alt war, mißbraucht und dieses Treiben auch in Berlin bis jetzt fortgeletzt haben. Das jetzt 15 Jahre alte Mädchen offenbarte sich feiner Mutter und diese machte Anzeige, worauf die Festnahme erfolgte. Tegel. Uebel mitgespieU wurde dem Beamten Z. auS ber Brnnowstr. 67. t. hatte Urlaub erhalten und um sich zu erholen, reiste er nsst seiner rau aufs Land. Der Wach- und Schließgescllschaft hatte er während seiner Abwesenheit die Beaustichtigung seiner Wohnung ans Herz gelegt, um so vor Einbrechern gesichert zu sein. In der vorgestrigen Nacht beobachtete nun ein Wachbeamter, daß in der Z.schen Wohnung Licht brannte. ES konnten also nur Einbrecher in der Wohnung sein. Schnell holte er einige Polizeibeamte herbei und nun wurde da? ganze Haus umstellt. Auch der Polizeihund Wolf wurde heran» gezogen. Aus wiederholtes Klopfen reagierten aber die Einbrecher nicht. Als die Beamten dann in die Wohnung drangen, war das Licht gelöscht. ES wurde nun Wolf auf die Suche geschickt. Er suchte in allen Zimmern und endlich im Schlafraum hatte er den Einbrecher gestellt. Ein Beamter rief dem Tier zu:„Wolf faß an!" und im nächsten Augenblick stürzte sich der Hund aus einen im Bett schlafenden Mann, der nur mit dem Hemd bekleidet war, und riß ihn au» dem Bett heraus. Bald stellte sich heraus, daß der vermeintliche Einbrecher tatsächlich der Wohnungsinhaber selbst war. Er war inzwischen von der Reise zurückgekehrt, hatte aber vergesse», die Schließgesellschaft hiervon zu benachrichtigen. Potsdam. Ein Waldbrand brach gestern in der Pirschheide im Jagen 257 auS. Das Feuer entstand durch Wegwerfen eines Streichholzes. ES breitete sich mit rasender Geschwindigkeit auS und erfaßte ein 399 Ouadratmeter großes Gebiet. Man bewältigte den Brand durch Auswerfen eineS Grabens._ Lese- und DiskntierNub„Tüd-Olt'. Heute Mittwoch, adend»»'/, Uhr, bei Netdhardt, Görlitzer Straße bL: Mttgltederverfawmluug. Gäste willkommen. Sozialdemokratischer Lese- und DiSkutierklub»Heinrich Heine-. Heute abend ti'l, Uhr: Sitzung bei Bolze, Rodenbergsliotze S. Gäste willkommen. Eingegangene Druchfchnften. Gemeinde finanze«. 2. Bd. 2. Teil: Die Gemeinbeflnanzstatiftit in Deutschland. Bon Dr. O. Most. 6,00 M.— 2. Bd 3 Teil: Die Entwilteliing und die Probleme des Gemetndeabgabenweicu» in den Städten und große» Landgemeinden der preußischen In. dustrtebeztrke. Von Dr. H. Lücker. 1.29 M. Orgv.nisationsfor men der E-iscn- und Textilindustrie in Eng. land und Amerika. Von Th. Vogelstein. S.S0 M. Berhandlungen des Vereins für Sozialpolitik in Wien 1S0S. 14 M.— Duncker u. Humbtot, Leipzig. «fe Liebe de» Geschlechter. Loa ZrohwaU Suttner. SO fs. E. Lorenz, Zwickau. Kriienmache. Eine Absertigung von Dr. Helene Stöcker. ß5 Seiten. Oesterheld u. Co., Verlin XV. 15. Das Neue Testament vom Standpunkt der Urgemeindc. Von L. Reinhardt. 1,S0 M.. geb. 2 M. E. Reinhardt, München. Berichts deS Arbeitervereins„Kinderfreude« für Steiermark. 1328— ISll). 61 Seilen,«elbstoerlag. Graz. Wertzuwachsstruer. Theorie und Praxis von Dr. F. Lijjchitz. 1 M. M. Drcchsel, Bcrn-Langgasse, Erlachstr. 23. Haftliche Nasen und ihre Verbesserung. Von Dr. F. Koch. 53 Ps. Verlag Bega, Berlin Vf. 50. Brunhilde. Drama von T. Albert. 8 M, geb. 8 91. Verlag für Literatur, Kunst und Mufil, Leipzig. BildcratlaS deS Pflanzenreichs. Von Dr. M. Willkomm. Nach dem Englerschen System herausgegekcn von Pros. E. Kähne. 25 Lieserunze» a 50 Ps., kompl. geb. Ii M. Verlag I. F. Schreiber, Ehlingen und München. □□Di Mittwoch, den 25. Mai. Ansang 7'/, Uhr. Köntgl. vpernhaus. Geschlossen. Nrueb tvnigl. Opern-Theaeer. Rigoletto. KSvtgi. Schauspielhaus. König Heinrich V. Aatang 8 Übt. Lesfing. TantriS der Narr. Deutichrs. Gawän. Kammerspiele. Wiener Hölle: Brüderlein sein. Goethe. Rom,«che Lprr. Zierpuppen. Die schlecht bewachten Mädchen. Ne>>rs TchauiPiettrauS. Der Kleines. Nur ein Traum. Berliner. Taisun. Neues. Die goldene Ritterzeit. NeneS Ll eretlen. Der Gras von Luxemburg. Tvta»lon. Theodore u. Tie. Residenz. DaS Nachtlicht. Der selige Octaoe. Thalia. Glück bei Frauen. Hebbel. Der neue Paris.(Anfang 81;. Uhr.) »rsten. Kats. tufl. Ballett. Schiller U. i Hütt Ottti. Theater.) Narziß. Sch Tharlottenborg. Miß Hobb». Friedrich- ButldrlmkSd-tscheS. FiachSmann als Erzieher. Bolksover. Falichspieler. (Ansang 81;, Uhr.) Luisen. Marianne. Sioie. Die Schomggler. Luftspielbaus. Da? Leutnant». mündel. Nkrteonst« Hallohl!— Die große Revue. Folie» Eaprice. Sw verschwiegenes Atelier. Ein« gründliche Kur. (Ans. 8'-,. Uhr.) Gafino. Familie August Knoche. «edr. Herrufeld. Di« Well geht unter. Wen» zwei dasselbe tun. Ap-U». Mahara. SpeziaMätea. Pafiag». Srezialitäten fivtntergar'.LU.«viztalttöte». NttchSvabc». stenwer Sänger. 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