Mr. 121. flbonnementS'Redlnaungen: MonnementS• PrsiZ pränumerando! Lierteljährl. 3�0 TO f., monatl. 1,10 Ml, wöchentlich 28 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags- nummer mit illustrierter Sonntags- Beilage.Die Neue Welt" 10 Pfg. Post- Abonnement: 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Post. Zeitungs- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich. Ungarn L Mark, für das übrige Ausland L Mark pro Monat, PostabonncmeiitS nehmen an: Belgien, Dänemark, nolland. Italien, Luxemburg, Portugal, miänien, Schweden und die Schweiz. 27. Jahrg. CrldKlnt täglich außer montags. Vevlinev VolKsblskt. Zcntralorgan der rozialdcmokrati fchen partei Deutfchlands. vie TiitertionS'Gebafjr keirägt für die fechsgespaltene Kolonei» geile oder deren Raum M Pfg., für politische und gewerkschaftliche Vereins- Und Versammlungs-Anzeigen LO Psg. „Kleine Hnzclgen", das erste(seit. gedruckte) Wort 20 Psg., jedes weitere Wort 10 Psg. 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Zur selben Zeit, da sich in der nationalliberalen Landtagsfraktion zwei fast gleich starke Lager für und wider die Herrenhausbeschliisse gegenüberstanden, da in dieser Fraktion der verzweifelte Gedanke austauchte, das Gewicht der nationalliberalen Stimmen bei der Entscheidung durch Frei- gäbe der Abstimmung ganz aufzuheben, da fabrizierte die konservative Fraktion schon kaltblütig den Antrag, der die Herrenhausbeschlüsse in ihren wesentlichsten Punkten zertrümmert. Da beschlossen die Junker, jene Stelleu der Herrenhausvorlage, um die der Streit im Nationalliberalismus entbrannt ist. aufzuheben. Wollen die Nationalliberalen um fallen, so fallen sie ins Leere. Am Donnerstagvormittag tagten die Fraktionssitzungen im Abgeordnetenhause. Und am Nachmittag erschienen die Resultate in Gestalt von Anträgen, die die Parteien zur heutigen Be ratung der Wahlrcchtsvorlage einbringen wollen. Das Zentrum formulierte sein„Unannehmbar" für das Herrenhauskompromiß in dem Antrage, den Gesetzentwurf in allen Teilen nach den Beschlüssen des Abgeordnetenhauses vom 16. März und 12. April wieder herzustellen, was die Verwerfung aller vom Herrenhaus eingefügten Veränderungen, das Festhalten an dem Kompromiß des blau-schwarzen Blocks bedeutet. Die Natiofcialliberalen stellen eine Reihe von Abänderungsar)rägen, die ihnen die endgültige Stellung offen lassen, l Die Konservativen aber rücken offen heraus mit Anträgen, die den Herrenhaus beschlüssen alles das wieder nehmen, was sie wertvolles für die Nationalliberalen enthalten, die einen Mittelweg zwischen der Reformlüge des Herrenhauses und der des blauschwarzen Blocks einschlagen, die dem Zentrum ermöglichen sollen, an der Seite der Junker zu bleiben. Die Anträge Richthofen werden heute vorgelegt werden. Zwei davon sind wesentlich, sie beziehen sich auf die Drittelung und die Maximierung. Das Herrenhaus hatte Drittelungsbczirke von 10 000, 15 006 und 20 000 Einwohnern vorgesehen, Grenzen, die im wesentlichen den nationalliberalen Forderungen entsprachen. Der Antrag R i ch t h 0 f e n dagegen sieht Drittelungsbezirke vor, die nicht weniger als 1749 Einwohner haben sollen, denen als Maximal grenze aber eine Einwohnerzahl von 5000 gesetzt wird. Das ist weit unter den Forderungen der Nationalliberalen, freilich auch über dem Maß, das vom Zentrum für annehmbar erklärt wurde, steht aber den Interessen des Zentrums doch weit näher als denen der Nationalliberalen. Der zweite Antrag R i ch t h 0 f e n ist ebenfalls ein Mittelweg zwischen der Fassung der Herrenhausvorlage und den Zentrunisinteressen. Er läßt die Formulierung, die die Herrenhäusler der Bestimmung über die Maximierung gegeben haben(3000 M. in Gemeinden unter, 6000 M. in Gemeinden über 20000 Einwohner) be stehen, hebt aber die Beschränkung ihrer Wirkung auf die Staatseinkommensteuer auf. Der konservative Antrag fordert, daß nicht bloß der Betrag der Staatseinkommenster, der die genannten Summen überschreitet, nicht angerechnet wird, sondern auch die auf den Mehrbetrag dieser Steuern enb fallenden Gemeinde st euerzuschläge nicht, was die Wirkung der Maximierung erheblich verstärken heißt, wie es dem Zentrum erwünscht ist. Damit sind die Karten der Junker aufgedeckt. Sie wollen mit dem Zentrum eine Vorlage machen, die dem Hcrrenhause etwas entgegenkommt, sie verzichten auf die Verbreiterung der Basis der Vorlage durch die Nationalliberalen. Sie wollen das Bündnis mit dem Zentrum nicht um der National- liberalen fallen lassen. Die Nationalliberalen sizid blamiert, noch bevor sie sich offiziell zum Umfall entschlossen hatten. Die Bereitwilligkeit ihres rechten Flügels, um der Interessen der Schlotbarone willen die arbeitende Bevölkerung gänzlich zu entrechten, ist ganz zwecklos vor aller Oeffentlichkeit wieder und wieder kundgegeben werden. Wenn sie jetzt ablehnen, nachdem ihnen die Trauben sauer geworden sind, so hat ihr Votum alle Bedeutung verloren— sie werden davon nichts mehr profitieren. Blamiert bis auf die Knochen aber ist auch die unfähige Regierung,' der die Junker zum zweitenmal die von ihr sanktionierte Vorlage nichtachtend vor die Füße werfen. Der Antrag des Hcrrenhäuslers Schorlemcr, der die Drittelung nach den Forderungen der Nationalliberalen gestaltete. ist ja von dem sonderbaren Staatsmann, der angeblich die Geschicke Preußens leitet, warm vertreten, wenn nicht gar inspiriert worden. Bethmann Hollioeg hat damals offenbar geglaubt, einen besonders feinen Schachzug zu tun, als er, nachdem er im Abgeordnetenhause die Sache batte laufen lassen, wie sie laufen wollte, plötzlich bei der Herrenhausberatung eine un- geahnte Initiative entwickelte und zeigte, daß die Staats- regierung» auch noch da sei und unter Umständen such einmal etwas anderes könne, als der blauschwarze Block. Jetzt zeigt ihm dieser, daß er die Regierung nicht braucht, daß er sich herzlich wenig um ihre Ansichten und Forde- rungen künunert. Die Junker und ihre Kumpane regieren und Herr v. Bethmann Hollweg hat ihre Beschlüsse zu signieren. Mehr kommt ihm nicht zu— wenn er selbständige Politik machen will, so lassen ihn die Junker stehen. Der Antrag Schorleiner fliegt in die Rumpelkammer. Angesichts dieser klaren Sachlage haben die Anträge, die die Nationalliberalen in ihrer Fraktioussitzung zu stellen be- schlössen, nur noch mäßiges Interesse. Sie haben so ziemlich alles, was sie in der zweiten, dritten und vierten Lesung des Abgeordnetenhauses gefordert hatten, aufs neue in Antrags form gebracht, als erstes die Forderung der direkten Wahl, dann jene, daß die erste Abteilung im Stimmbezirk mindestens 10, die zweite mindestens 30 Wähler enthalten soll, eine Bestimmung, deren Wirkung sie allerdings wieder ab- schwächen durch einen anderen Antrag, wonach die Grenze des Stimmbezirks von 1750 auf 3500 Einwohner verschoben werden soll. Sie ziehen die Maximierung, von der sie eigentlich nichts wissen wollen, in der Form, wie sie das Abgeordneten haus beschlossen hat, der des Herrenhauses vor, und bean tragen deshalb hier die Wiederherstellung der Abgeordneten hausbeschlüsse. Sie wollen Fristwahl und für den Fall, daß die indirekte Wahl erhalten bleibt, den Bezirk, aus dem der Wahlmann genommen werden kann, auf den ganzen Stadt und Landkreis erstrecken. Schließlich wollen sie die Zahl der „Kulturträger" noch um diverse Kategorien erweitern, und haben die Gelegenheit günstig gesunden, ihr warmes Herz für die Arbeiter und kleinen Leute zu beweisen, indem sie bean- tragen,„Gewerberichter, Kaufmannsrichter oder Mitglieder eines Arbeiterausschusses" sowie Personen, die ein Einkommen von mindestens 2700 M. beziehen und das 30. Jahr vollendet haben, in die zweite Wählerabteilung zu erheben. Endlich beantragen sie wiederum eine Vermehrung der Abgeordneten bezw. der Wahlkreise. Diese Anträge nützen nichts und scha den nichts— alle Welt weiß ja, daß die Haltung der National- liberalen in der endgültigen Entscheidung von dem Schicksal keines dieser Anträge abhängt. Für die Arbeiterklasse wird durch die neueste Wendung nichts gebessert noch verschlechtert. Für sie ist es ziemlich eins, ob sie konservativ-nationalliberal gesotten oder konservativ klerikal gebraten wird. Sie will keine dieser angenehmen Prozeduren erdulden. Die Drittelung, wie sie jetzt der An trag Richthofen vorschlägt, ist für sie ebenfalls eine Ver schlechterung des jetzigen Zustandes; ob das Maß der Ver- schlechterung um ein weniges geringer ist, als bei der Herren Hausfassung, das tut wenig zur Sache. Das Zentrum, das diesen Antrag durchbringen soll, würde mit der Annahme einen neuen Verrat am Volke begehen, der ihm sicherlich teuer zu stehen kommen würde. Denn darüber, daß diese Aende rung des Drittelungsverfahrens das Wahlrecht der kleinen Leute entwertet, daß es eine Verschlechterung gegen den Ijeir tigen Stand bedeutet, darüber vermöchte es seine von dieser Verschlechterung selbst betroffenen Wähler nicht hinweg- zutäuschen. Entscheidender als diese Erwägung dürfte freilich für das Zentrum die sein, daß auch diese Aenderung des Drittelungsverfahrens einige seiner Mandate bedroht. Ob es deshalb sofort dem konservativen Angebot zustimmen wird, ist noch fraglich— unmöglich ist jedenfalls nicht, daß vorerst nichts zustande kommt. Heute werden im Dreiklassenhause die Versuche, den drohenden negativen Ausgang zu verhindern, noch einmal begonnen werden. Die Arbeiterschaft weiß, daß sie von diesem parlamentarischen Schacher nichts mehr zu erwarten hat, daß ihren Vertretern im Parlament der Besitzenden nichts als die öffentliche Stäupung der Volksfeinde bleibt. Aber sie weiß auch, daß über dem Parlament und besonders über diesem Parlament das Volk steht, daß im Volk die Kräfte anders ver- teilt sind, als in dem Hause an der Prinz-Albrecht-Straße und sie kann mit Genugtuung begrüßen, wenn das klägliche Schauspiel, daß dieses Parlament dem Lande bietet, ihrer Sache im Volke immer mehr Boden bereitet! Ueber die geschäftliche Behandlung der Wahl» rechtsvorlagc hat am Donnerstagvormittag eine Besprechung der Führer der bürgerlichen Parteien des Abgeordnetenhauses stattgefunden. Die Verhandlungen hatten das Ergebnis, daß zu- nächst von keiner Seite ein Antrag auf Kommissionsberatung ge- stellt werden wird, vielmehr ist anzunehmen, daß die Beratung spätestens am Sonnabend ihren Abschluß finden wird.— Expedition: SRI. 68, Lindcnatrassc 69» Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984. Steuern mit einer ganz unverhältnismäßig starken Konsumeinschränkung beantwortet wird. Nicht Steigerung der Einnahmen, sondern Herabsetzung der Ausgaben, insbesondere der militärischen und marinistischen, ist die Vorbedingung jeder wahrhaften Finanzreform. Die infamen indirekten Steuern, die der Schnapsblock verwirklicht hat, und die— Ehre, wem Ehre gebührt— auch die Liberalen zu bewilligen bereit waren, haben gerade genug Elend über die Arbeiter als Produzenten und als Konsumenten verhängt, als daß der Gedanke an neue Steuerraubzüge auch nur erträglich wäre. Wenn aber diese Gefahr trotzdem nahegerückt erscheint, so stützt sich diese Ansicht durchaus nicht auf die Erfahrungen mit den Einnahmen eines einzelnen Monats. Vielmehr ivur es von allem Anfang an nicht wahrscheinlich, daß das ungeheuer» liche Defizit, das die schutzzöllnerische Wirtschaftspolitik auf der einen, die uferlose Steigerung der militärischen Ausgaben auf der anderen Seite mit Naturnotwendigkeit herbeigeführt hat, durch die sogenannte Finanzreform beseitigt würde. Dies wäre allenfalls zu erreichen ge- wesen durch Einführung direkter Steuern, durch Be- willigung einer Einkommen-, Verniögens- und Erbschaftssteuer. Mit indirekten Steuern allein dies Resultat zu ziehen, hätte Steuer» erhöhungen in einem solchem Ausmaß erfordert, daß selbst der Schnapsblock dnvor zurückschrecken mußte. Es kommt hinzu die er- freuliche Tatsache, daß endlich auch der Widerstand der Massen gegen die Auspowerung durch indirekte Steuern sich geltend macht. Wir wollen die Wirkungen des Schnapsboykotts— daß er wirksam ist, konstatiert jetzt gerade auch die Presse des Schnapsblocks, die im Anfang nicht genug darüber höhnen konnte— nicht über- schätzen: aber es ist immerhin ein Anfang und seine Wirkung muß und wird noch gesteigert werden. Aber er ist auch ein sehr wirkungsvolles Symptom, ebenso wie der B i e r k r i e g, von der zunehmenden Macht der Arbeiter als Konsumenten. Der Widerstand gegen die indirekten Steuern ist im Wachsen und politisch wie wirtschaftlich werden die Volksmassen bald stark genug fein, um den Steuerausplünderern ein wirksames: Vis hierher und nicht weiter I zuzurufen. Schon jetzt aber wird dieser Widerstand ausreichen, um die erwarteten Steuererträge fühlbar zu verringern. Dazu kommt, daß ja die Berechnungen über die Steuer- erträgnisse ebenso schleuderhaft waren wie die ganze Arbeit des Schnapsblocks. Dem Zentrum freilich mag diese Ucberschätzung der Erträgnisse nur recht und von Anfang an bewußt gewesen sein. Das Zentrum hat es stets so eingerichtet, daß es nur den dringendsten Bedarf bewilligt hat, um stets sicher sein zu können, daß die Regierung seine Bewilligungsdienste bald wieder brauchen werde. Wußte es doch, daß darauf vor allem feine Unentbehrlichkeit und also seine Macht beruhe. Und das Zentrum hat eS stets verstanden, Macht- Politik zu treiben, während die dummen Liberalen, weder wenn sie „negierten", noch wenn sie„positive Mitarbeit" leisteten, Macht zu erringen verstanden haben. Ist es also überaus wahrscheinlich, daß die Steuern des Schnaps- blockes nicht einmal dazu ausreichen, daS bisherige Defizit zu decken, so bleibt erst recht für dringende neue Ausgaben kein Geld. Selbst für die Bagatelle, die zu einer anständigen Versorgung der Veteranen notwendig ist. soll ja eine neue Steuer ge» fordert werden l Zugleich aber beginnt anscheinend schon wieder eine neue Propaganda für Moloch. Die„Deutsche TageSztg." wenigstens wendet sich in einem aufgeregten Artikel gegen eine offenbar ganz unbegründete nationalliberale Behauptung, Beth» mann Hollweg habe das Kanzleramt nur unter der Bedingung übernommen, wenn ihm Sparsanikeit in den Heeresausgaben ermöglicht werde. Die„D. T." erklärt feierlich, daß.ein fach- lich nicht begründetes Sparsystem" in Heeresfragen von den Konservativen nie mitgemacht werden könnte. Man kennt diese Melodie und weiß, das es einfach überhaupt keine Be- schränkung der HeereSauSgaben gibt, die den Konservativen.sachlich begründet" erschiene. Unzureichende Einnahmen auf der einen Seite, ständig steigende Ausgaben auf der andern Seite, das sind die Ursachen, die den deutschen Finanzjammer erzeugt haben und forterzeugen. Wenn aber die herrschenden Klassen nichts von einer Ausgabenbeschränkung wissen wollen, dann bleibt aber nichts anderes übrig, als ein Versuch, nochmals neue Steuern aufzuerlegen. Und schon werden Zahlen genannt. DaS Berl. Tagebl." behauptet, im Sieichsschatzamte lasse man die un- gefähre Ziffer von einer Biertclmilliarde neuer Steuern verlauten- Die Nachricht klingt ungeheuerlich, aber sie ist nicht u n- wahrscheinlich. Eine Viertelmilliarde neuer Steuern und gleichzeitig die Verweigerung des elementarsten politischen Recht«! Fürwahr, sie treiben'« toll, ich hoff', e« breche. lieue Steuern. Die Presse des Schnapsblocks stellt mit großem Eifer alle Meldungen über neue Steuerpläne in Abrede. Sie behauptet, der EinnahmeauSfall im April fei durchaus nicht dafür beweisend, daß die neuen Steuern Fiasko gemacht hätten; man müsse die künftige Gestaltung abwarten. Wir sind nun sicher die letzten, die die Notwendigkeit neuer Steuern zugeben würden bloß auf die Erfahrungen eines Monats hin. Ja, selbst wenn sich herausstellte, daß die neuen Steuern erheblich hinter den Erwartungen zurückblicben, würden wir daraus noch lange nicht den Schluß ziehen, daß neue Einnahmen notlvendig 'cien. Bielmehr wäre dies Zurückbleiben der Steuern nur der Beweis, daß die Steuerlast bereits so unerträglich geworden, daß jede Erhöhung, insbesondere der indirekten Die Wahlen in llnzarn. Man schreibt uns aus Budapest: Das neue ungarische Abgeordnetenhaus wird in den ersten Tagen des Monats Juni zusammentreten. Die Wahlen finden in der Zeit vom 1. bis 12. Juni statt. Schon heute erscheint die politische Lage wunderbar verwandelt. Die vier- jährige Herrschaft der Koalition ist auf den ersten Wink des neuen Ministerpräsidenten Kuen-Hedervary jäh zu- sammengebrochen und Graf Stefan T i s z a, der politisch Geächtete, hat in tvcuigen Wochen eine neue Regicruugs- Partei aus dem Nichts geschaffen. Man bedenke! Die Koalition beherbergte unter anderen eine«Unabhängig» keitspartei". die allein schon über die par» lamentarische Mehrheit verfügte, die das allgemeine Wahlrecht als Programmforderung tm Schilde führte, d»ie wirtschaftliche Ilnabhäiigigkeit Ungarns von Oesterreich fordert und die auch den gesamten Heroenkultus der ungarischen Volkslegende mit Franz Kossuths Führerschaft erblich erworben hatte. Die„Volkspartei" spielte der Koalition den klerikalen Volksverdummungsapparat in die Hände und durch Vermittelung der„Verfassungspartei" A n d r a s s h s verfügte die Koalition über wirksame höfische Einflüsse. Jetzt ist diese Koalition geborsten, die Koalitions- regieruug verschwunden, die Unabhängigkeitspartei und die Volkspartei gespalten und die feudale Verfassungs- Partei Nndrassys in der neuen Regierungspartei nahezu restlos aufgegangen. Welches Zauberwort hat die neue Regierungspartei angewendet? Ihre Haltung in der Wahlrechtssrage ist mehr als zweideutig, Tisza selbst ist ein erklärter Gegner des gleichen Wahlrechts; auch die bis- herige Gemeinsamkeit mit Oesterreich soll aufrechterhalten werden. Trotz dieser offenen Reaktionspolitik hat die neue Regierungspartei schon heute die bisherige Mehrheit zur politischen Vedcutungslosigkeit herabgcdrückt und an dem kommenden Wahlsieg der"Regierung zweifelt man auch im Lager der Opposition keinen Augenblick. Allerdings, die Re- gierung hat den Verwaltungsapparat ganz in ihrer Hand. Aber haben nicht Graf Stefan Tisza, Graf Kuen- Hedcrvary und schließlich auch Graf Fcjervary bereits vor einem halben Jahrzehnt über die gleiche Waffe verfügt? Dennoch der- mochten sie nicht gegen den nationalen Kampf des separa- Wischen Mittelstandes aufzukommen. Warum soll also dem Grafen Kuen-Hedervary gegenüber der bisherigen starken Parlamentsmehrheit gelingen, was ihm gegenüber einer Minorität vor Jahr und Tag mißlang? Die bürgerliche Presse beantwortet rasch die Frage: Die Stimmung des Volkes habe sich geändert. Das Wunder der ungarischen Politik ist in Wahrheit ein Schulbeispiel für die bestimmende Kraft der Klassenkämpfe in der Politik überhaupt. Der magyarische nationale Kampf ist seit jeher die Erscheinungsform der Jnteressenkämpfe des Mitteladels gewesen. Die liberale Wirtschaftsweise brachte dieser Schicht den niateriellen Ruin und machte sie zum Parasiten der politischen Privilegien. Sie fristet ihr Dasein schuldenbedeckt in den Bcamtenstellnngen der Komitate, der Selbstverwaltungskreise, wo sie getreulich die Geschäfte der Feudalen, die Landarbeiterknechtung und die Wahlmache, und nur nebenbei den Vollzug der Staatsgesetze besorgt. Diese Vcrwaltungsstellungen iverden von den Komitatsvertretungen besetzt, sie verfügen auch über das Recht, die Beamten abzu- setzen. DieKoinitatsvcrtrctlliig, deren Wirkungskreis die größeren, autonomen Städte nicht umschließt, setzt sich zur Hälfte aus Höchstbesteuerten, zur anderen Hälfte aus Zensiten zusammen, sie ist also die eigentliche Interessenvertretung des Großgrundbesitzes. So erscheint die Bureaukratie in unmittel- barer Abhängigkeit von dem Großgrundbesitz, zugleich aber als wichtiger Faktor des ungarischen Staates, dessen Ver- waltung nahezu völlig von der Komitatsbureaukratie versehen wird."Allerdings haben sich zwischen niitteladeliger Bureau» kralle und dem Feudaladel schwere Differenzen ergeben. Während der feudale Großgrundbesitz mit Leib und Seele an der Zollgemeinsamkeit mit Oesterreich hängt, weil diese seinen Produkten den geschützten Lebensmittelmarkt Oesterreichs zollfrei öffnet, bekämpft die Bureaukralle die Ge- meinsamkeit grollend, denn nur durch fortschreitende Magyari- sierung der gemeinsamen Jnstitullonen, der Diplomatie, des Heeres, aber auch der Industrie und des Finanzwesens hofft sie die zur Stillung ihres Hungers genügend ausgiebigen Futter- stellen zu finden. Doch der Knüppel lag beim Hunde, der Großgrundbesitz bändigte die Bureaukratie. Im Jahre 1903 trieb die wirtschaftliche Krise den Mittel- adel intensiver in den nationalen Kampf um Stellungen. Der Kampf riß sogar die liberale Regierungspartei mit sich, in der ein Teil der Feudalen gegen das jüdische Kapital, gegen die Gläubiger, Sturm lies, denn dieses Kapital bildete seit jeher einen Bestandteil der je- welligen Regierungspartei. Es kam also zur Spaltung in der liberalen Partei, ein Teil der Grafen und deren Ver- treter schlössen sich der nationalen Opposition an. Man wollte so erst das jüdische Kapital kirre machen, zugleich aber auch an die Spitze der Bureaukratie treten, um dieser Gefahr für das gemeinsame Zollgebiet zur rechten Zeit entgegentreten zu tonnen. Die Gelegenheit zur Spaltung bot der un- parlamentarische Gewaltakt Tiszas, der die Obstruktion mit einer Reform der Geschäftsordnung niederknüppeln wollte. Es folgte die Auflösung des Parlaments, und in den Wahlen unter- lag die liberale Partei. Die Bureaukratie hatte mit der feudalen Fronde die Wahlen entsprechend besorgt. Die aus der feudalen Verfassungspartci Andrassys, aus den Kossuthisten und Klerikalen gebildete Koalitionsniehrheit nahm nunmehr den Kampf um die Regierung aus. DaS Kabinet Fejer- Vary kam. Und nun erinnere man sich dieser Tage I Umsonst ivaren die Bestechungsgelder, umsonst der militärische Aufwand Fejer- varys, die Verwaltung im Lande stockte, denn die Bureau- kralle der Komitate hatte die Arbeit mit Zustimmung der Komitatsvertretungen eingestellt. ES gab weder Steuern noch Rekruten, kaum ein Aktenstück wurde erledigt und jede Neuwahl hätte der Regieruug nur eine größere Niederlage gebracht. Erst der drohende Agrarstreik und das drohende all- gemeine und gleiche Wahlrecht erzielte eine Umkehr. Der Feudaladel und die Bureaukratie tauschte die nattonalen Forderungen für die Regierungsgewalt ein, ein neues Erekutionsgesetz erhöhte die Sicherheit der bedrohten Bureaukraten und Grundbesitzer gegenüber den Gläubigern. Agrargesetze und der Ausgleich mit Oesterreich sicherten die Interessen des Großgrundbesitzes. Die Schule wurde den Klerikalen ausgeliefert und die innere Kolonisatton sollte den ' Mitteladel durch eine pamnagyarische Nationalitätenpolitik für den aufgegebenen Kampf um die Armeetrennung einiger- maßen entschädigen. Das jüdische Kapital war aus der Regierungspartei.ver- drängt, der Mitteladel aber mutzte klein beigeben, sobald die Feudalen es wünschten. Der nationale Kampf war zu Ende. Doch Graf Andrassy wollte mehr. Er versuchte, den ab- gerüsteten anlldualistischen Mitteladel nunmehr durch die Einführung eines Pluralwahlrechtes des . politischen Einflusses zu berauben. Da griff die Justh- g r u p p e der Unabhängigkeitspartei in Heller Verzweiflung zur B a n k f r a g e; die unlösbare Frage der Banktrennung sollte der feudalen Wahlreform den Weg der Parlamentarischen Erledigung verrammeln, die Partei des Mitteladels aber, die Unabhängigkeitspartei, kraft ihrer Rolle als parlamen- tarische Mehrheit zur Regierung bringen. Damit war der Konflikt zwischen der feudalen Verfassungspartei und der Unabhängig- keitspartei des Mitteladels in den Vordergrund getreten und tpreilgte die Koalitioil. Und jetzt geschah das Wunder. Graf Stefan Tisza kam und richtete das Banner der alten liberal-fendalen Partei mit Kuen-Hedervary wieder auf. Die Verfassungspartei schloß sich sofort der neuen Regierung an und mit ihr der Anhang des Großgrundbesitzes. Herr Justh hoffte noch auf frem berühmten Widerstand der Komitatsbureaukratie, aber diese konnte wohl dem Kaiser und seinen Ministern Widerstand leisten, den feudalen Großgrundbesitzern in den Komitatsvertretungen jedoch keinen Augenblick. Herr Justh erkanute zu spät die Gefahr. Er bot der Regierung Hedervary völlige Unterwerfung an, wenn diese von der Auflösung des Parlaments absehen würde. Das Angebot wurde brüsk ab- gelehnt. Die blutige Keilerei in der letzten Sitzung des Ab- geordnetenhauses war nur eine Verzwcislungtat des Kolosses, dessen tönerne Füße zusammenbrachen. Wohin die Kandidaten der Regierungspartei heute kommen mögen, überall werden sie von den Stuhlrichtern. Komitats- fiskalen usw. devotest begrüßt. Wo ist die Kossuthisttsche Ideologie? Wo ist die Frage des allgemeinen Wahlrechts? Wo ist die Verfassungstreue? Die herrschende Klasse Ungarns ist auf die Seite der Regierung getreten, die Verivalwng ge- horcht ihren Brotherren, wie die Presse und die schwächliche Bourgeoisie. Die Stuhlrichter werden regierungstreu die Wahlmache betreiben, wie in den längst verschwundenen Tagen deL alten Koloman Tiszas. Dadurch aber erscheint das Wunder der Hedcrvaryschen Zuknnftssiege menschlich, allzu menschlich erklärt. Wie die Bureaukratie auf ein Geheiß des Großgrundbesitzes den Stefan Tisza bei den Wahlen beseitigte, so wird sie in den kommenden Wahlen auf Geheiß der komitatSallmächtigeu Grafen die Herren Kuen- Hedcrvary und Tisza wieder zum Siege führen. Die Stimmung des Volkes könnte nur bei Wahlen mit allgemeinem, gleichen Wahlrecht zur Geltung kommen. Von dem aber will die Regierung Hedcrvary so wenig hören, wie etwa Franz K o s s u t h oder Ä p p o n y i. Das Wunder des Stinnnnngswechsels ist nicht mehr und nicht weniger alS ein grandioser Wahlschwindel. politilcde(Jchcrücht. Berlin, den 26. Mai 1910, Tie Kosten der Reichsversicherungsordnung. Ueber die Kosten, die durch die Errichtung von B e r- sicher» naSämtern. wie die Reichsversichermigsordnung sie vorsieht, entstehen, sind Zahlen in der verschiedensten Höhe genannt worden. Unter anderen, war auch behauptet worden, diese Kosten würden sich aus mindestens 20 Millionen Mark belaufen. In einer anscheinend offiziösen Notiz wird nunmehr darauf hin- gewiesen, daß die Annahme einer solchen Summe eine starke Ueber- treibung bedeute. In den letzten Wochen ist in der Rheinprovinz und in Pommern je ein Organisationsplan für die Errichtung der Versicherungsämter aufgestellt und auch in seiner finanziellen Trag- weite berechnet worden. Im Reichsamt des Innern ist man damit beschäftigt, diese Berechnungen zu verarbeiten, und erst wenn das geschehen ist, wird es möglich sein, annähernd genaue Angaben über die Höhe der Kosten zu machen. Konservative Drohungen. Bei der letzten ReichStagSwahl hatte die„nationale Be- geisterung" auch in Leipzig die bürgerlichen Parteien zu einem Block zusammenschweißt, der dem nationalliberalen Dr. Junk in den Sattel half. Die damals geschloffene Freundschaft scheint ober in die Brüche gegangen zu sein, denn der Vorstand des konservativen Vereins zu Leipzig hat in seiner letzten Sitzung beschlossen, selb- st ä n d i g bei der nächsten ReichStagSwahl in die Wahlbewegung einzutreten. Der Hottentottenblock wäre also dem- nach gesprengt. Die„Leipziger Neuesten Nachrichten", be- merken dazu melancholisch:„Demnach scheint ein Zu- sammengehen der bürgerlichen Parteien, wie es bei der letzten Wahl der Fall war, ausgeschlossen zu sein". Das nationalliberale „Tageblatt" aber wiegt sich noch in Hoffnung, weil, soviel eS wisse, Verhandlungen über ein event. gemeinsames Vorgehen der bürger- lichen Parteien Leipzigs zur nächsten Reichstagswahl noch nicht statt- gefunden hätten. Das konservative Vorgehen ist sicher nur eine Drohung, die die Nationalliberalen wieder gefügiger machen soll. Wenn erst die Wahlen da sind, werden sich die reaktionären Brüder schon wieder finden. Ebenso ist der Hohn zu bewerten, den die„Kreuz-Ztg." über Herrn Bassermann ausgießt. Zu der Mitteilung, daß Basser- mann zurücktreten werde, wenn die Nationalliberalen für die preußische Wahlrechtsvorlage stimmen, bemerkt das konservative Blatt, Herr Bassermann dürfte durchaus geneigt sein, ganz ohne Rücksicht auf die Entscheidung der LandtagSfiaktion über die Wahl- rechtsvorlage sich dem parlamentarischen Leben zu widmen, wenn er nur erst wußte, woher er ein neues ReichStagsmandat erreichen könnte. Der Kreis, den Baffermann gegenwärtig ver- tritt, Rothenburg-HoyerSwerda, ist nämlich konservativer Besitzstand, der in der Zeit der Blocksteude dem Herrn Bassermann überlassen wurde._ Konservative gegen Christlichsoziale. Herr Behrens ist in Gefahr, seinen ReichStagswahlkreiS zu ver- lieren. Es handelt sich um den Wahlkreis Wetzlar-Alten- k i r ch e n. wo Behrens mit Hilfe der Konservativen bei den letzten Wahlen über den nationalliberalen Kandidaten gesiegt hat. Die Konservativen haben nunmehr einen eigenen Kandidaten in der Person des LandratS v. Goerschen aufgestellt, dem auch die Stimmen des Zentrum? zufallen werden. Die Christlichsozialen sollten einmal eine Hilfstruppe für die Konservativen werden. Da eS sich aber immer mehr herausgestellt hat, daß den Christlichsozialen jede Werbekraft abgeht, so haben die Konservativen jedes Interesse daran verloren, den armen Teufeln noch Mandate zu überlassen. Dazu kommt, daß die Konservativen bei den nächsten Wählet» wohl jedes Mandat, das nur halbwegs für sie in Betracht kommen kann, mit allen Kräften zu erhalten suchen werden. Sie werden's nötig haben. Gegen das lächerliche Privileg. Eine Anzahl Pastoren hat gegen das„Kulturträger"privileg folgende Eingabe an das preußische Abgeordnetenhaus gerichtet: „Nach der Vorlage der Staatsregierung und nach den Be- schlüssen des preußischen Herrenhauses soll den sog. Kulturträgern bei den Wahlen zum preußischen Abgeordnetenhaus ein erhöhtes Wahlrecht zugebilligt werden. Auch den Geistlichen würde, da sie akademische Bildung genossen haben, danach eine Bevorrechtung vor der großen Menge der übrigen Volksgenossen zugedacht sein. Um der Kulturarbeit willen, die wir unserm Volke leisten wollen, legen wir gegen eine solche Bcvorrechtung Ver- wahr u n q ein. Wir erblicken in der Privilegierung gerade der Akademiker ein Armutszeugnis für diese selbst, das nur geeignet ist, sie von der V o l k s g c m c i n s ch a st l o s z u- lösen, das Vertrauen des Volkes zu ihnen zu erschüttern und ihre politische Energie zu lahmen. Die geistigen Qualitäten brauchen keine solche Bedorrechtung. Denn sie sind eine Bevor- Achtung und eine Macht in sich jelbst. Wir erblicken in einer solchen Bcvorrechtung auch eine Kränkung weiter Volksschichten, die mit mindestens derselben Hingebung und Treue an der Zukunft unseres Volkes arbeilen wie die, denen der Vorzug einer akademischen Bildung zuteil wurde. Wir »vollen nicht den kleinen Mann betrügen um die einzige Ge- legenheit, wo er sich als Vollbürger des Staates fühlen kann. Wir wollen bei der Abgabe unseres Stimmzettels gleichberechtigte Volksgenossen sein, aber nicht»nchr. Es ist uns eine Gewissens- fache, wenn wir bitten: Hohes Haus der Abgeordneten, wolle zum wenigsten die evangelischen Geistlichen vor dein ihnen zu- gedachten Aufrücken in eine höhere Wählerklasse bewahren." Die Eingabe ist unterzeichnet u. a. von Dr. Pfannkuche- Osnabrück, evangelischer Pfarrer, Pfarrer Lic. T raub- Dort- mund, Pastor Chapperzean und Pastor D ö r r i e s- Hau- nover, Pastor v. Bröcker- Halle a. S. Die Kieler Wahlrechts-Blutjustiz. Zu der gestern unter der Stichmarke„Kein Recht auf Notwehr" kurz gemeldeten harten Verurteilung eines Kieler Wahlrechts- denionstranten zu vier Monaten Gefängnis wird uns noch geschrieben: Die Anklage behauptete, daß der Angeklagte, der zwanzig- jährige Tischler Mielke, mit einem dreifingerdicken Stock geschlagen habe, so daß dein Schutzmann der Helm verbeult wurde und er selbst eine große Beule am Kopf davontrug. Sowohl Mielke als auch»nehrere Zeugen erklärten, daß das„gefährliche Werkzeug" nur ein ganz dünner Spazier stock war, der auch schon einen Bruch hatte. Mielke behauptete, er habe sich in Notwehr befunden, den» der betreffeiide Schutzmann sei mit der rechten Hai»d am Säbelgriff auf ihn zugekommen. Ueberhaupt sei dort von den Schutzleuten mit blanker Waffe in ungeheuerlicher Weise dreingeschlagen worden. Kriminalbeamte, die sich in der Menge befanden, hätten von hinten rücksichtslos auf die Dk enge mit ihren Knüppeln eingeschlagen. Hiervon wollten die als Zeugen geladenen Schutzleute nichts g e» sehen haben, trotzdem eine große Anzahl Zeugen, die zum Teil selbst Schläge bekommen hatten, diese Tatsache bekundeten. Ein Zeuge sah, daß eine Frau, die durch die SchutzmannSkette zu ihrem Kinde wollte, von hinten von einem Kriminalbeamten über den Kopf geschlagen wurde. Mit den Worten: „Biester, Lausebande, Saubande, wollt ihr laufen," seien die Schutzleute hinter der Menge hergelaufen. Trotz dieser Besiindungen wurde Mielke zu der ungeheuerlichen Strafe verurteilt. In der Be- gründung führte der Vorsitzende, Landgerichtsdirektor S ch o r, aus, daß von Notwehr nicht die Rede sein könnte. Der Angeklagte hatte bei der Dsmoilstration fn i ch t S zu suchen, da er noch nicht wahlberechtigt war. Wenn er trotzdem hinging, muhte er auch die Folgen tragen. Das Gericht war auch bei diesem Urteil wieder weit über den Antrag des Staatsanwalts hinausgegangen, der zwei Monat« Gefängnis beantragt hatte. Harte Strafen scheinen die Kieler Richter für ein gutes Mittel gegen Wahlrechts- demonstrationen zu halten. Sie sollen sich bitter täuschen. Der Nutzen der Ottroibeseitigung. Manche Verteidiger der städtischen Abgaben auf notwendige Lebensmittel gebrauchen das Argnnient, daß die Beseitigung dieler Abgaben die Preise unverändert lassen werde, da der Zwischen- Handel die Steuerermäßigung den Konsmilenten vorenthalten werde. Daß diese Behauptung hinfällig ist und gegen solche Wuchcrpraktiken sehr wohl Abhilfe geschaffen werden kann, zeigt folgender Vorgang in Karlsruhe. Die dortige Bäckerinnung hatte trotz Wegfall des Oktrois die Brolpreise erhöht und das Gewicht vermindert. Die Stadtverwaltimg griff aber ein und stellte an die Bäckeriiinnna die Forderung, umgehend die Brotpreis- erhöhung in einem besonderen Gutachten'zu begründen. Eine Warenhausfirma pries zu gleicher Zeit billigeres Brot mit höherem Gewicht an, der Karlsruher Lebensbedürfnis- verein tat dasselbe und beide Geschäfte hatten riesigen Zuspruch. Nach Verlauf von drei Tagen und unter dein Druck der Stadt- verwaltung gaben die Bäckermeister klein bei, er» mäßigten die Preise und erhöhten das Gewicht. Ueber die bayerischen Gymnasien. München, 24. Mai. Aus der Debatte über die humanistischen Gymnasien mögen ilur wenige Punkte von allgemeiner Bedeutung herausgegriffen werden. Der Redner der liberalen Fraktion besprach zunächst emige so- genannte Fälle, darunter eine»», in dem der wenig brave und weiiig kenntnisreiche Sohn eines Grafen in»überraschend schneller Weise und unter Jgnorierllng der für gewöhnliche Menschenkinder gülligen Schulordnungen das Gymnasmin absolvierte. In einem anderen Falle, der seinerzeit großes Aufsehen in der Oeffentlichkeit erregt�, hat ein Absolvent des Gymnasiums bei der üblichen Abschiedsfeier eine nicht übliche Rede gehalten, in der er den Unterrichtsbetrieb der Anstalt einer abfälligen Kritik unterzog. Dieselbe scheint nicht ganz unberechtigt gewesen zu sein, deiln seitdem sind schon eine Reihe von Perionalverändcrungen an der betreffenden Anstalt vor- genoninien worden. Auch die Frage der ungleichen Behandlung der Israeliten bei der Zulassung als Professoren an den humanistischen Gymnasien wtirde besprochen. Der Kultusminister ging um die Sache herum, wie die Katze um den heißen Brei. Eine verlangt« Erklärung, daß daö jüdische Religionsbekenntnis kein Hindernis für die Anstellung an humanistischen Gymnasien sei, gab der Herr Minister vorläufig »ficht ab. Ein weiterer Punkt der Debatte war die Frage des Kirchen- zwanges für die Mittelschüler. DaS Zentrum besteht auf dielen Kirchenzwang, ebenso der Kultusminister, weil die christlich- religiöse Erziehung über alles gehen müsse� Die Liberalen wolle» zum Teil den Kirchenzwang befefiigt, zum Teil nur gemildert wissen. Der Redner unserer Partei, Genosse v. Volkmar, legt als Stand- punkt der sozialdeinokratifchen Partei klar, daß jeder Zwang zun» Kirchenbesuch und zun» Besuch des Religionsunterrichts beseitigt iverden müsse. Er verweise dabei sehr treffend_ auf de» berühmten Toleranzantrag des Zentrun»? in» Reichstage, in dem ein Paragraph gleichen Inhalts enthalten ist und zwar m»t Zustinunung deS ZenfiuinS. Endlich wurde noch die Frage des staatsbürgerlichen Unterrichts erörtert und niit Recht darauf hingewiesen, daß eS ein Unding fei, wenn zivanzigjährige junge Leute zwar ganz genau über die Ver- fasiung des alten Griechenlands und noch ältere» PerserreicheS unter- richtet wären, aber von der Verfassung deS Deutscheu Reiches gar keine Ahnung hätten._ Höhere Besteuerung der Titel und Orden« Im badischen Landtage wurde gegen die Stimmen des Zentrums und der Konservativen eine Resolution des Genossen Dr. Frank angenommen, welche die Regierung ersucht, bei der beabsichtigten Acnderung deS VerwaltungSgebührengefetzeS folgende Ergänzung vorznnehmei»: Bei der Gewährung von Titeln an Privatpersonen oder für die Anerkennung der von einen» auS- wärtigen Staat oder Souverän verliehenen Titel Geheimer K o nin» erzienrat sind an den badischen Staat 8000 M. zu entrichten. Die Erlaubnis zur Annahme und zum Tragen eines Ordens, der von einem auswärtigen Souverän verliehen worden ist, sind je nach der Bewertung des Ordens 100—1000 M. zu entrichten. Gleichzeitig verlangte die sozialdemokratische Resolution, baß die Gebühren für die Erlaubnis zur Errichtung eines Stamm gut es auf 1 Proz. des Wertes, aber»nindestenS bei»,» Herrenftand auf 10 000 M., beim Ritterstand auf 4000 M. zu er- höhen sind; ebenso sollen die Gebühren für Vergrößerung und Veräußerung der Stamgüter sowie für Verleihung des Adels ent« sprechend erhöht werden.— Diese Gebühren belasten natürlich nur Ordenssüchtige und erbberechtigte größere Gutsbesitzer. Trotzdem stimmte die„Volkspartei- Zentrum gegen die Resolution. Die Ermordung des Pater Loupias. Amtlich wird bekanntgegeben: Aus Deutsch-Ostafrila meldet der stellvertretende Gouverneur, daß es der zur Verfolgung des Häuptlings L u k a r r a in Ruanda entsandten Askariabteilung nicht gelungen ist, der Mörder des Pater Loupias habhaft zu werden. Letztere flohen teilweise in Höhlen, teilweise in das Gebiet der belgischen Äongokolonie. Beim Eindringen in die Höhlen wurde Leutnant Falkenste in von der Kaiserlichen Schutztruppe am Knie leicht verwundet, ist aber wahrschein- lich schon wieder dienstfähig. Bei der Verfolgung der Täter, bei der ein Askari schwer verwundet wurde, leisteten die belgischen Behörden bereitwillig Unterstützung. Nachdem die militärische Unternehmung gegen den Häuptling Lukarra, an der sich auch die Eingeborenen eifrig beteiligten, beendet ist, sind die Truppen und Polizei bis auf 40 Mann, welche auf dem Mruhcngeri- Posten belassen wurden, zurückgezogen worden. Die unschuldige Polizei. In Beuthen(Oberschlesien) wandte sich in einer Versammlung Genosse Hörsing gegen das in Oberschlesien sehr gebräuchliche Kampfmittel, der Sozialdemokratie und den Gewerkschaften die Versammlungssäle abzutreiben. Das brachte den Genossen wegen Beleidigung der Polizei auf die Anklage- bank. Vor Gericht bekundete der Gastwirt Namokel, daß es seit der Zeit, wo er sein Lokal zu Versammlungen hergab, gar nicht n, ehr schön gewesen iväre. Er habe jede Woche bis zu vier Strafmandate erhalten und schließlich das Lokal verkaufen müssen. Ein Kriminalpolizist Pierschkolski sagte unter Eid aus, daß er von seinem vorgesetzten Kommissar den Auftrag erhielt, zu Namokel zu gehen und zu sehen,„wie es mit der Sache stünde". Er gab auch zu, zu dem Gastwirt gesagt zu haben:. E s w ä r e besser, wenn Sie den Saal nicht an die Sozial- demokratie vermietet hätten." Selbst, als der Gastwirt noch im Bette lag, besuchte er ihn und sagte:„Na, ich würde die Versammlung unter keinen Umständen an- nehmen." Trotz dieser Aeußerungen nahm das Gericht eine Beleidigung an und verurteilte den Genossen Hörsing zu 75 Mark Geldstraf«. Der Staatsanwalt hatte nur die Kleinigkeit von drei Monaten Gefängnis beantragt. Nach diesem Urteil drängen sich dem juristischen Laien zwei Fragen aus: 1. Was ist ein Wahrheitsbeweis? 2. Was ist eine polizeiliche Saalabtreibung?_ O, welche Lust, Soldat zu fein! Am Montag unternahmen mehrere Kompagnien des 84. In- fanterie-Regiments in Schleswig einen Uebungsmarsch, an dem auch ein großer Teil eingezogener Landwehrleute teilnahm. Die Mannschaften waren bereits um 4 Uhr morgens ausgerückt. Auf dem Marsche, der bei einer kolossalen Hitze stattfand, sollen etwa 20 Mann erschöpft liegen geblieben sein. Verschieden« der Unglücklichen erholten fich wieder, sechs Mann aber mußten mit einem Wagen zur Kaserne gefahren werden. Bei dem 23 Jahn, alten Soldaten Heinrich Vinning, aus Dietrichsdorf bei 5tziet gebürtig, stellten sich, wahrscheinlich infolge Sonnenstichs, so heftige Tobsuchtsanfälle ein, daß er in eine Schleswiger Irren- anstalt'gebracht werden mußte. Dort ist der junge Mann jetzt gestorben. Zwei andere Soldaten liegen im Lazarett im bedenklichen Zustande danieder. Auf diesem Unglücksmarsche spielte sich noch ein Vorfall ab. den man als unerhört bezeichnen muß. In der Nähe des Dorfes Well- spang hatte ein Soldat das Unglück, si.) an einctzi Bein so schwer zu verletzen, daß er nicht mehr weiter konnte. In Begleitung eines Feldwebels und eines Gemein/n wurde der Verunglückte mit der Bahn nach Schleswig gebracht. Aus dem Schleswiger Bahnhof verschwanden aber die Begleiter, ohne den erkrankten Kameraden nach dem Wartesaal zu begleiten oder ihm sonstwie Hilfe angedeihen zu lassen. Von zwei Bahnbeamten wurde der Mann, der nicht allein weiter konnte, in den Wartesaal gebracht. Nach längerer Zeit erst, nachdem ein zufällig auf dem Bahnhof anwesender Schlossermeister darum telephonierte, erschien cm Oberleutnant, der die Ueberführung des Verunglückten nach dem Lazarett veranlaßt«. i Sache der Militärbehörden m>ß eS sein, eine strenge Untersuchung über diese Vorfälle anzuordnen. Eine Zierde des Unteroffizierstandes. Soldatenschindereien gehören im neuen Deutschen Reich preußischer Nation zu den alltäglichsten Vorgängen. Sie sind so tief in den, preußischen Militärsystem begründet, daß alle Erlasse von oben herab sie nicht zu verhindern oder auch nur einzuschränken ver- mögen. Vielmehr zeigen die aus allen Gegenden des Reichs ein- laufenden Berichte über die Verhandlungen der Kriegsgerichte, daß die Soldatenschinderei fich in letzter Zeit beträchtlich ausgebreitet haben muß. Einen neuen Beleg dafür liefert eine Verhandlung, die dieser Tage vor dem Kriegsgericht in Glogau stattfand. Der Unteroffizier Franz LibowSki vom Pionierbataillon No. 5 hatte sich wegen schwerer körperlicherMißhandlung Untergebener, Ueberschreiwng der Dienstgewalt, Erpressung und versuchter Erpressung, unerlaubtem Borgen von Geld von Untergebenen und Unterschlagung von Geldern zu verantworte». Im ganzen hat fich der AngeNagte in 260 Fällen körperliche Mißhandlung von Untergebenen zuschulden konimen lassen. Einen Rekruten hat der rohe Patton mindestens 50,nal geohr- s e i g t und ihn einmal sogar mit dem blanken Seiten- g e w e h r auf die Backe geschlagen, daß sie anschwoll. Ein anderer Pionier hat mindestens 30 Ohrfeigen erhaben, wurde 20 mal an den Ohren gezogen, wobei der Angeklagte seine Fingernägel in die Backe des Untergebenen eingrub, daß Blut floß. Ebarakterlstilch sind folgende Fälle: Ein Rekrut hatte, jedenfalls infolge Erkältung, Diarrhoe bekommen und fich die Beinkleider beschmutzt. Der Peiniger ließ nun die Leute seiner Stube antreten, den Rekruten mit eiskaltem Wasser übergießen und mit Schrubber und Bürsten abreißen. Ein anderer Rekrut hatte sein Spind offen stehen lassen, in dieses goß der Unter- osfizier eine Kanne Wasser, das der Rekrut mit seiner eigenen Drillichjacke wieder aufwischen mußte. Das schönste ist. daß der Angeklagte den Reknitcn obendrein noch Geldbeträge abpunwte oder sich Eßwaren. Zigaretten und der- gleichen holen ließ, ohne diese zu bezahlen. Kein einziger der Pioniere hat sein Geld wieder erhalten. Der Vertreter der Anklagebehörde hielt eine exemplarische Strafe für angebracht. Er b.antragle zwei Jahre Gefängnis, Degradation und Versetzung in die zweite Soldatenklasse. Das Gericht ging über diesen Antrag noch hinaus und verurteilte Libowski zu drei Jahren Gefängnis, Degradation und Versetzung in die zweite Klasse des SoldatenstandeS. Oertemicb. Die bosnische» Wahlen. Serajewo, 2S. Mai. Bei den heutigen Wahlen der zweiten Wählerklasse der ersten Kurie(Intelligenz, Höchstbesteuertc) wur- den acht Äandidatc» der serbischen Nationalorgani- sation, ein Kandidat der m u s ei m a n i s che» Nationalorga- nisatüm und drei katholische Beamten-Kandidaten gewählt. frankrelck. Die„Mentcreien" der Reservisten. Paris, 23. Mai.(Eig. Bcr.) Die kapitalistische Presse bespricht die zwei Protestaktionen, zu denen sich Reservisten in zwei ver- schiedenen Gegenden gleichzeitig getrieben gesehen haben, mit der begreiflichen Entrüstung, die daS zunehmende Selbstbewußtsein der dem Volke entstammenden Soldaten in einer Klasse erregen muß, die die Machtmittel des Staates nach Gutdünken für ihre Herrschaftszwecke benutzen zu können sich gewöhnt hat. Immerhin ist ihre Kritik mit den Schimpfphrasen, die man sonst in solchen Fällen gelvohnt war, merklich sparsam- Hierin drückt sich das Bewußtsein aus. daß in den Massen der Nation, das kleinere und mittlere Bürgertum eingeschlossen, dank der fortschreitenden demokratischen Erziehung die Anschauungen über die Aufgaben und die Rechte des Militarismus doch eine bedeutsame Wandlung erfahren haben. Man läßt sich nicht mehr einreden, daß der Gamaschendienst und daS Schikanieren der Mannschaft die Erziehung zur Wehrhastigkeit fördern und daß die Vernichtung der individuellen Selbständigkeit der Schlagfertig- keit des Ganzen zugute komme. Die 600 Reservisten des Lagers von Ruchard bei TourS schrieben in ihrem Protest an den Kriegsminister:„Wir waien in 10 bis 13 Zentimeter Wasser auf einem kompalten Thonboden herum. Wir haben unaufhörlich nasse Füße, da wir nur ein paar Schuhe haben. Wir schlafen unter Zelten und leiden viel unter der Feuchtigkeit des Bodens. Wir atmen Sumpfluft ein, wie nach einer Ueberschlvcmmung... Er- wägen Sie, daß wir nach Beendigung unserer Waffenübung ver- pflichtet sind, für den häuslichen Herd zu sorgen, daß unsere Lieben uns erwarten und uns so gesund zurückkehren sehen möchten, Ivie wir eingezogen sind." Dieses Schreiben steht wahrlich nicht nach einer Revolte aus, und auch gutpatriotische Bürger werden nicht leicht glaube», daß eS, wie der„Temps" und das„Journal des Dvbats" behaupten, etwas mit der„Abhärtung" der Soldaten zu tun habe, wenn man ohne Not ihre Gesundheit einer Schädigung aussetzt. Mit demselben Argument lönnte man die Reservisten in einem Typhusspital schlafen lassen, weil eS ja auch im Kriegsfall vor- kommen kann, daß sie neben Typhuskranken zu liegen komnien. Die Demonstration im Lager bei Nimes hat ganz genau die- selbe Ursache, und auch die Berichterstatter der bürgerlichen In- formationspresse müssen bestätigen, daß die Beschwerden der Soldaten durchaus gerechtfertigt waren. Dafür, daß sie leb- haftere Formen angenommen hat, die mit den hergebrachten Borstellungen militärischer Disziplin nicht ganz übereinstimmen, mag die Bemerkung des„TempS", daß da der Unterschied deS Klimas und des Rassentcmperaments von Einfluß gewesen sei, ihre Geltung behalten. Daß aber Hunderte von Familienvätern vor der straf» baren Gewiflenlostgkeit drillsanatischer Offiziere so viel heiligen Respekt haben sollen, um die soziale Pflicht der Sclbsterhaltung preiszugeben und fich etwa auf einen wirkungslosen vorschrifts- mäßigen„Beschwerdeweg" zu begeben, das ist dem gesunden Menschenverstand des französischen Kleinbürgers und Bauern glück- licherweise doch nicht mehr glaubhaft zu machen. Ein Dementi.. Paris, 20. Mai. In einer Note der Aaenee HavaS erklärt der Kriegsminister, daß er die von der France Militaire veröffentlichte Massenpetition der Reservisten zweier Jnfanterie-Regi- mcnter nicht erhalten habe. Die Blätter beschäftigen sich mit der Meuterei der Reservisten von Nimes.„Petit R e p u b l i q u e" sagt, in dieser Sache hätten beide Teile unrecht, die Militärbehörde, die die Ne- scrvisten nicht gegen Regen geschützt hätte, und die Reservisten. deren Benehmen jammervoll wäre. Die Nachlässigkeit der Ossi- ziere sei keine Entschuldigung für die Unbotmäßigkeit der Soldaten. sie lasse sie höchstens erklärlich erscheinen.—„Petit P a r i s i e n" schreibt: Manöver find nicht dazu da. um die Trup- Pen an Krankheit zu gewöhnen. Italien. Gegen den Zuzug italienischer Bauarbeiter. Rom, 26. Mai. Deputiertenkamm cr. Der Un- terstaatssekretär im Auswärtigen Amt Fürst di Scalea erwiderte aus eine Anfrage C a b r i n i s(Soc.-Dem.) über den Stand des Arbeitsmarktes im Baugewerbe in Deutschland, die italienische Regierung sei der Entwicklung dieser Krise mit Aufmerksamkeit gefolgt und habe am 20. März ein Eommuniquö veröffentlichen lassen, um die italienischen zeitweiligen Auswanderer in Kenntnis zu setzen, daß sie vermeiden sollten, in Deutschland in einen Konkurrenzkampf sich einzulassen, wodurch sie die Feindseligkeit der Ausständigen hervor- rufen würden. In den ersten Tagen des April sei ein zweites Communiqus veröffentlicht nwrdcn, in dem bekannt gegeben wurde, daß die Verhältnisse auf dem Markte noch immer ernst seien: auch sei eine Depesche in demselben Sinne an die Präfekten der Provinzen geschickt worden. C a b r i u i zollte dem Vorgehen der Regierung Beifall. foilUand Finnlands Entrechtung. Petersburg, 26. Mai. Das Präsidium der Reichs- d u m a beschloß, die Gesetzcsvorlage über Finnland noch vor den Sommerferien auf die Tagesordnung zu setzen. Die Helden von Kischinew. In den letzten Tagen ist vor dem Senat ein Prozeß erledigt werden, der in die Zeit der Revolution zurückgreift und beweist, daß damals von Leuten Verbrechen begangen wurden, die berufen sind Verbrechen zu verhindern. Die Vorgeschichte deS Prozesse» spielt in Kischinew. seine Helden sind der Polizeipristaw Makedon und sein Gehilfe Silberg. Diese beiden Polizisten hatten zu einer Zeit, da der Aufruhr durchs Land ging und die Staatsordnung aufs schwerste gefährdet erschien, mit Dieben, Ränbern und Mördern ge- meinsame Sache gemacht und mit diesen gestohlenes und ge- raubte? Gut geteilt. Beiden sind ungewöhnliche Verbrechen dieser Art nachgewiesen worden; sie haben die Rolle von Räuber- Hauptleuten und Hehlern gespielt. Endlich aber war ihr Maß voll, nachdem sie dreiJahre hindurch frei geschaltet und gewaltet hatten. Sie wurden vor Gericht gestellt. Der Odessaer Appellhof hatte im Februar 1010 den Privatgehilken„wegen seiner geringen Bildung" nur zu drei Jahren Zwangsarbeit, de» Pristaiv Makedon aber zu vier Monaten Festung ohne Rechtsverlust verurteilt. Diese Milde muß selbst in Rußland überraschen. Straßenräuber werden gewöhnlich zum Tode verurteilt; hier handelt eS sich um Leute, die mit großer amtlicher Gewalt ausgerüstet waren und in bewegter Zeit die Staatsgewalt repräsentierten. Es ist dabei gar nicht ausgeschlossen, daß diese Banditen nach verbüßter Hast wieder Polizisten werden. Wo der Herr Polizeidirektor von Kischenew selbst die Augen gehabt hat, davon war in» ganzen Prozeß mit keiner Silbe die Rede. Er hätte doch gewiß wissen müssen, was feine Untergebenen getrieben haben, denn der Polizeimeister einer kleinen Stadt weiß sogar, was jeder Bürger im Suppentopf hat. Wenn der Herr Polizeidirektor nichts ahnte und nichts wußte, während die Spatzen vom Dache die Taten der Makedon und Silberg pfiffen, so ist der Herr Polizeidirektor eben nicht geeignet, er müßte sich nach einer anderen Beschäftigung umschauen oder als gehjeimer Kompagnon dieser schönen Gesellschaft betrachtet werden. Dieser Prozeß liefert abermals den Beweis, wer an der Spitze der Diebe und Strolche im„heiligen Zarenlande" steht. Cürfccl. Ende des Aufstandes? Konstantinopel, 26. Mai. Wie die Blätter melden, ver- ständigte der M i n i st e r d c s I n n e r n alle Gouverneure. daß der Aufstand iu Albanien als b e c n d e t be- trachtet werden könne,_ Die Kretasrage. Konstantinopel, 26. Mai. Die Vorschläge der vier Schutz- mächte in der Kretafrage lassen sich wie folgt präzisieren: Die Schutzmächte geben der kretischen Regierung eine vierzig- tägige Frist, die ungefähr mit dem Wiederzusammentritt des Parlamentes in Kanea zusammenfällt, uin die m u s e l m a n i- schen Abgeordneten auch ohne Eid auf den König von Griechenland zu den Sitzungen zuzulassen. Die gleiche Frist wird für die aus derselben Ursache entlassenen Beamten gestellt, während dieser Frist bleiben die Gehälter der Beamten bestehen. Sollten die Kreter das Verlangen der Schuhmächte ablehnen, so würde die Wiederbesetzung der Insel durch diese erfolgen.--- JMarokho. Beseitigung der Körperstrafen. Tanger, 23. Mai. Der Sultan sandte an den Dopen des diplomatischen Korps aus eigenem Antrieb ein Schreiben, in wcl- chem er erklärt, er habe beschloffen, die Körperstrafen in seinem Reiche abzuschaffen. Er ist zu diesem Entschlüsse ge-> langt infolge der Weigerung Englands, die Mission unier El Mokri zu empfangen, weil Mulay Hasid fortfahre, Gefangene zu f o l- t e r n, und um etwaigen Protesten der Mächte zuvorzukommen ivegen der barbarischen Behandlung, welche cr den Frauen von Ben Aissa Pascha angedeihen ließ. Diese Nachgiebigkeit gegen die Kultur hat Mulay Hasid um alle Sympathien gebracht, die ihm bis dahin Knuten-Oertel entgegenbrachte. Amerika. Der Massenmord an eingewanderte» Arbeitern in Amerika. Die endlosen Greuel der Arbeiter-Hinschlachtung in der ameri- kanischen Großindustrie hat kürzlich den österreichisch- ungarischen Konsul Ernst Ludwig auf den Plan ge- rufen, der in einer sensationellen Erklärung das ganze ungeheuere Maß des Unrechts bloßstellt und sämtliche Vertreter der beteiligten ausländischen Mächte in den Vereinigten Staaten zu einer g e» meinsamen Hilfsaktion zugunsten ihrer arbeitenden Landsleute auffordert. Diese Erklärung stellt sich als der Bericht über die Ergebnisse einer systematischen Untersuchung dar, zu der Konsul Ludwig durch die alarmierende Häufigkeit und Schwere der Unfälle ver- anlaßt wurde, denen österreichische und ungarische Arbeiter in de» letzten Jahren in den Fabriken des Staates Ohio, in dessen Wirt» schaftlicher Hauptstadt(Cleveland) der Konsul seinen Sitz hat, zum Opfer fielen. Der Bericht gelangt zu der entsetzlichen Feststellung, daß in den Fabriken, Eisenwerken und Gruben des Staates allmonatlich allein 300 b i s 300 Qe st erreicher oder Ungarn durch Unfall ums Leben kommen und mehr als tausend Mann Verletzungen erleiden, die einen großen Teil von ihnen Verletzungen erleiden, die einen großen Teil von ihnen zeitlebens zu hilflosen Krüppeln machen oder zum Tode führen. Von den tödlich verlaufenden Unglücksfällen sagt Konsul Ludwig, daß sie meist der Kenntnis der Oessentlichekit vorenthalten werden, und den Hinterbliebenen werde jegliche Entschädigung verweigert- Von einem bestimmten Unternehmen in Ohio berichtet der Konsul, daß dort durchschnittlich jeden Tag ein Arbeiter ums Leben komme; in diesem Betriebe seien in weniger als zehn Jahren rund tausend Ungarn getötet worden. In einer anderen Fabrik, die im Durchschnitt 800 Arbeiter beschäftigt, ver» loren in etwa demselben Zeitraum 1200 Personen ihr Lebe». Der Konsul ist entschlossen, gegen ein gewisses Etablissement gerichtlich vorzugehen, um ein Exempel zu statuieren. Der Erfolg steht bei den arbeiter- und sremdenfeindlichen amerikanischen Bc- Hörden und Gerichten sehr in Frage! Im Falle der Wnggonwcrke Mac Rocks hat der österreichisch-ungarische Konsul in Pittsburg bei dem gleichen Versuche glattes Fiasko gemacht. Herr Ludwig erklärt weiter, fest entschlossen zu sein, alle ihm zu Gebote stehenden Mittel zu ergreifen, um der Massentötung eingewanderter Oesterreicher und Ungarn in den großen Jndustriebcirieben ein Ende zu machen, auf alle Fälle aber sie in ihrem vollen Umfang ans Licht zu ziehen. Das Beispiel des 5wnsuls Ludwig hat bei Konsuln anderer Länder Nachahmung gefunden, und es sind weitere Untersuchungen derselben Art im Gange. Geplant ist serner die Einberufung einer Konferenz der in den Vereinigten Staaten domizi- lierenden Vertreter europäischer und anderer ausländischer Regie- rungen zu planmäßiger und gemeinsamer Bekämpfung jener schauerlichen Zustände. Nach Mitteilungen bürgerlicher Blätter wollen die Einberufer der Konferenz„in erster Linie eine syste- matische Aufklärung der arbeitenden Klasse» in Europa herbei- führen, um zu verhindern, daß Tausende von Menschen ihren festen Wohnsitz und ihren sicheren Erwerb in der alten Heimat aufgeben und nach den Vereinigten Staaten auswandern, wo sie nur zu bald zu einem erschreckend hohen Prozentsatz der sprichwörtlich gewor- denen Bereicherungsgicr und Naubwirtschaft deS amerikanischen Großkapitalismus zum Opfer fallen". Weiter soll der besagten Konferenz«in Plan vorgelegt werden, wonach die Konsuln sich über die Einrichtungen der Groß- betriebe, insbesondere in bezug aus das Vorhandensein oder Nicht- Vorhandensein von Arbeiterschuhvorschristcn und--Vorrichtungen, genaue ständige Informationen verschaffen sollen. Die einwan- dernden Arbeiter sollen veranlaßt werden, sich bei den Vertretern ihrer heimatlichen Regierung zu erkundigen, bevor sie blindlings ihr Leben aufs Spiel setzen. Auch den Opfern lebensgefährlicher Betriebe oder ihren Hinterbliebenen soll unentgeltliche Rechts- auSkunft zuteil werden. Bisher sind es meist die Advokaten, die den Löwenanteil der allenfalls gewährten Entschädigung einstreichen, wenn sie nicht vorziehen, eine für ihre Klienten lächerlich unbefriedigende Abfindung zu erwirken. Diesen gewissenlosen Subjekten, die als wahre Leichenfledderer des industriellen Scblacht- feldes auch zu den Eigenarten amerikanischer Zustände gehören, soll nach Möglichkeit das Handwerk gelegt werden. Ob die Konferenz der Konsuln zustande kommen und was dabei herauskommen wird, ist natürlich noch durchaus zweifelhaft. Bei aller Anerkennung menschenfreundlicher Ausnahmen ist es doch traurig wahr, daß die Konsuln in den Vereinigten Staaten für die barbarische Menschenschindung und Hinmordung ihrer Lands. leute in der Industrie im allgemeinen noch gar kein Auge gehabt haben und infolgedessen selber Mitschuldige dieser Grausamkeiten sind. Wenn es nicht im großen und ganzen be! diesen Zuständen bleiben soll, sollten endlich die amerikanischen GeWerk« schatten sich der Sache annehmen und Wandel erzwingen, Gewerkrcbaftllcbee* Huf dem Gipfel der Verlogenheit "• Die Matadoren des Arbeitgeberbundes scheuen in Wirk- lichkeit nicht vor den schamlosesten Lügen zurück, um ihre wankende Sache zu stützen. Jetzt vor den Verhandlungen verbreiten sie die durch und durch unwahre Meldung, die Ver- Handlungen fänden auf Ansuchen der Gewerkschaften statt! In Hannover verbreitet der dortige Leiter der Unter- nehnierorganisation diese Lüge, in Westpreusten hat sie der „verstärkte Vorstand" des dortigen Landesverbandes der Bauunternehmer in einem Flugblatt behauptet. In diesem Flugblatt, das den Gipfel frecher Verlogenheit bildet, heißt es, nachdem eine„ständige Zunahme der Aussperrung fest- gestellt" und die Gründung neuer Ortsverbände behauptet worden ist: „Durch diese unerwartete Wendung des Kampfes sahen sich die Arbeitnehmer endlich gezwungen, die Bermittelung der Regie- rung anzurufen. Die Verhandlungen werden daher auf Wunsch der Arbeitnehmer und mit Zustimmung des Deutschen Arbeit- geberbundes voraussichtlich am 24. Mai beginnen." Diese skandalöse Unwahrheit ist natürlich nur das Sprungbrett zu einem dringenden Aufruf an die der Aus- spcrrung bisher ablehnend gegenüberstehenden Unternehmer, «mit dem heutigen Tage ebenfalls ihre Betriebe zu schließen," um dadurch„den Sieg für uns zu eiiwin vollständigen zu inachen." Dies Vorgehen leitender Männer des Arbeitgeberbundes zeugt von einer moralischen Verlottcrung ohne Gleichen. Wir erklären hiermit auf das Bestimmteste, daß die Gewerkschaften allen bisherigen Vcrinittelungsversuchcn völlig fernstehen, daß sie gar nichts damit zu tun haben. In keinem Falle haben die beteiligten Arbeiterverbände etwas getan, was auch nur entfernt einer Anregung zu Verhandlungen gleichkäme. Der Dresdener Oberbürgernieister Dr. B e u t l e r sowohl, wie der Gerichtsrat Dr. P r e n n e r, auf deren Bemühungen die jetzt bevorstehenden Verhandlungen zurückzuführen sind, haben entweder völlig aus eigener Jiütiative gehandelt oder sind von Unternehmern oder anderen Interessenten, auf keinen Fall aber von den beteiligten Arbeitervcrbänden zu ihrem Vorgehen angeregt oder gar ermuntert worden. Die Arbeitervertreter werden gleich bei Beginn der VerHand- lungen diese Frage zur Sprache bringen und feststellen lassen, daß die Gewerkschaften keine wie immer geartete Anregung zu den Verhandlungen gegeben haben. Wie sehr die Arbeiter- organisationen den Vermittelungsversuchen fernstehen, dürfte auch aus folgendem Schreiben hervorgehen, das der Maurer- verband als Antwort auf eine Mitteilung an Herrn Dr. Beutler richtete: „Hamburg, den S. Mai 1910. Sehr geehrter Herr! Den Empfang Ihres geschätzten Schreibens bestätigend, teilen wir Ihnen ergebcnst mit, daß wir grundsätzlich bereit sind, die Differenzen zwischen dem Deutschen Arbeitgeberbunde für das Baugewerbe und uns durch Verhandlungen zu beseitigen. Wir stimmen auch Ihrer Meinung zu, daß beide Parteien die bisher erhabenen Forderungen— bei uns bestehen übrigens noch keine — atßer Betracht zu lassen haben. Wir halten es aber nicht für zweckdienlich, schon jetzt, ge- wissermaßcn im Vorverfahren, ein Schiedsgericht in Vorschlag zu bringen. Wie wir die Sachlage kennen, erscheint es uns am er- sprießlichsten, wenn Sie versuchen, vorher die Zustimmung zur Beseitigung der Dresdener Beschlüsse und die Willfährigkeit zu vorbehaltloser Verhandlung von dem Vorstand des Arbeitgeber- bundcs zu erlangen. Erst nach Wiederaufnahme der Verhand- lungen und nach Feststellung der eventuell verbleibenden Diffe- renzen dürfte es an der Zeit sein, daß sich beide Parteien— bielleicht unter Ihrer Mithilfe— über ein Schiedsgericht ver- ständigen." Der Brief zeigt, daß die Arbeiterorganisationen voraus- setzten, daß bei den Verhandlungen die Dresdener Beschlüsse des Arbeitgcberbundes ausgeschaltet seien, und unter der gleichen Voraussetzung haben sie sich jetzt zu den VerHand- lungen bereit erklärt. Damit fällt jede innere Berechtigung fort, von den Gewerkschaften zu sagen, sie hätten auf Ver- Handlungen gedrängt oder gar, wie die Unternehmer lügen, Verhandlungen beantragt. Uebrigens mag sich die Oeffent- lichkeit über die Stellung der käinpfenden Parteien nicht täuschen: nicht die Arbeiter haben Ursache, eine Beendi- gung des Kampfes herbeizuwünschen; sie stehen so günstig da, daß sie mit ruhigem Blute den Kampf noch viele Wochen fort- setzen können. Und ihre Stellung bessert sich imnier mehr, während die der Unternehmer immer ungünstiger wird. Doch darüber werden ja die Verhandlungen Aufschluß geben, die übrigens nur dann den Frieden bringen können, wenn die Unternehmer ihre Dresdener Beschlüsse restlos preisgeben. Die neuen Einigungsverhandlungen sind nunmehr zu Freitag 3� Uhr im Reichstag einberufen. Auf Wunsch der Unternehmer in Dresden, wie auch der Dresdener Arbeiter wird der Oberbürgermeister von Dresden, Dr. B e u t l e r an den Verhandlungen teilnehmen. Auch der frühere Staatsminister von Delbrück soll zu den Verhandlungen zugezogen werden. Leiter der Verhandlungen wird wiederum Geheimrat W i e d f e l d t sein und Beisitzer die Herren Dr. Prenner, v. Schulz. Die Scharfmacher hetzen gegen den Frieden. Der Verband der Bauarbeitgeber für Leipzig und Umgegend, in dem der Oberfcharfmacher E n k e die erste Geige spielt, erläßt an seine Mitglieder ein Rundschreiben, das angesichts der vom Reichsamt des Innern angestrebten Friedensverhandlungen ein bezeichnendes Licht auf die hetzende Tätigkeit der Drahtzieher im Baugewerbe wirft. Das Schreiben hat folgenden Wortlaut: „An die geehrten Mitglieder! Durch die Presie sind wiederholt Mitteilungen über Friedens- Verhandlungen gegangen.— Es ist richtig, daß das Reichsamt des Innern solche in Aussicht genommen hat.— Wir machen jedoch darauf aufmerksam, daß jetzt der Zeitpunkt noch nicht ge- kommen ist, wo die Aussperrung etwas laxer betrieben werden könnte. Aus beiläufigen Fragen einiger Mitglieder könnte man annehmen, daß die Betreffenden der Meinung wären, als wenn die Sperre nicht mehr so streng durchgeführt zu werden brauchte. Dem ist nicht so, im Gegenteil, gerade jetzt gilt es, mit eiserner Energie die Sache durchzuführen, denn die Friedens- Verhandlungen können für uns nur einen Erfolg haben, wenn wir auf der ganzen Linie unsere Position unverändert behaupten! Deshalb ersuchen wir die geehrten Mitglieder, festzustehen und sich nicht durch Einflüsterungen und Zeitungsnachrichten irgendwelcher Art in ihrem Entschlüsse, treu zur Stange zu halten, wankend machen zu lassen! __ Der Vorstand." � BerantN. Redakt.� Richard Bsrttz, Berlin. Inseratenteil verantw Das ist die Vorbereitung für die neuerliche Komödie, die die Scharfmacher jetzt im Reichsamt vor der Oesfentlich- keit spielen wollen. Sie beteiligen sich an den Verhandlungen. denken aber im Ernste gar nicht daran, sie nach Möglichkeit zu einem gedeihlichen Ende zu führen. Der Leffentlichkeit aber lügen sie Friedensliebe vor. *. ' Pulver!-- Die Berliner Holzarbeiter beschlossen in ihrer General- Versammlung, an die ausgesperrten Bauarbeiter für die ganze Dauer ihres Kampfes wöchentlich 1333 Mark aus der Lokalkasse zu überweisen. Die Glaser Berlins beschlossen in vollbesuchter Versamm- lung auf Antrag der Verwaltung und der Vertrauensleute den außerordentlichen Wochenbeitrag von 1,53 Mark des Kampfes iin Baugewerbe halber auf die Dauer von 23 Wochen von jedem Mitglieds zu erheben. Als erste Rate wurden den kämpfenden Bauarbeitern 333 Mark aus der Filialkasse über- wiesen. Ferner sollen die Vertrauensleute das größte Ge- wicht darauf legen, daß auf den ausgegebenen Sammellisten regelmäßig in jeder Werkstatt gezeichnet wird. Druckfehlerberichtigung. Nicht 197 009 Ausgesperrte, sondern 197 590 derselben gab die „Baugcwerks-Zcitung" in ihrer vorletzten Nummer als„durch genaue Ermittelungen festgestellt" an. Unsere gestrige Notiz,„Wie die„Baugewerks-Zeitung" schwindelt", ist ohne diese Berichtigung nicht zu verstehen._ BerUn und Umgegend« Die Tarifbewegung in der Gipsbaubranche. Zwischen der Sektion der Gips- und Zementbranche des Zentralverbaudes der Maurer und dem Berliner Beionverein schweben seit einiger Zeit Verhandlungen über einen Tarifvertrag. Der alte Verlrag war am 1. April abgelaufen. Für einen neuen Vertrag hatten die Arbeiter ihre Forderungen aufgestellt, die eine Lobiierhöhuiig von 10 Pf. pro Stunde im allgemeinen, von 12'/z Pf. aber für die Putzerträger enthielten, sowie auch eine Regelung der Bezahlung der Fahr- und Laufzeiten zu den oft sehr entlegenen Arbeilsstellen.— Die Unternehmer hatten auch ihre be- sonderen Wünsche und brachten allerlei AbänderungSanträge zum Tarifvertrage ein. Sie wollten nur 3 Pf. Lohnerhöhung innerhalb einer Tarifdauer von drei Jahren bewilligen. Die Alkordarbeit wollten sie in einer für die Arbeiter ungünstigen Weise regeln, indem 19 Proz. des Lohnes bis zur Beendigung des Baues stehen bleiben sollten; auch verlangten sie die Anerkennung des bekannten Satzes, daß dem Verband jede Agitation während der Arbeitszeit verboten sein solle. Die Unternehmer stießen aber mir ihren Wiinscben aus so energischen Widerstand, daß sie diese Anträge zurückzogen. Ueber den Stand der Dinge erstattete H a e s e Bericht in einer Sektionsversammlung, die am Mittwochabend in den Arminhallen stattfand. Die Verhandlungen begannen erst am 6. Mai und gestalteten sich sehr schwierig. Die Unternehmer hatten ihren zuerst eingenommenen Standpunkt ausgegeben, aber die Arbeiter konnten bei ihren Forderungen auch nicht mit Aussicht auf Erfolg beharren, das erkannte die Kommission und sah sich veranlaßt, zu erwägen, ob die Arbeiter mit einer Lohnerhöhung von 5 Ps. pro Stunde zufrieden sein könnten; für die Putzerträger sollte aber die Erhöhung noch einen halben Pfennig extra betragen. Die Unternehmer waren ge- neigt, die geforderten 5 Pf. zu gewähren, ohne die Putzerträger noch besonders zu berücksichligen und sie beharrten darauf, daß der Tarif auf eine Dauer von drei Jahren abgeschlossen werden müßte. In einer Verlrauensmännerkonferenz wurde dann mit einer kleinen Majorität beschlossen, der Versammlung zu empfehlen, die Erhöhung von 5 Pf. pro Stunde anzunehmen, für die Putzerträger aber einen halbe» Pfennig mehr zu verlangen. Die Vertranensmänner empfahlen den Abschluß des TanfS unter folgenden Bedingungen: Für Rabitzeinschalwand- und Zementdrahtpntzer vom 13. August 1919 bis zum 39. September 1911 ein Stundenlohn von 93 Ps. und vom 1. Ollober 1911 bis zum 31. März 1913 ein Stundenlohn von 95 Pf.; für Rabitzspanner unter den gleichen Zeitverhältnissen 78 Pf. resp. 80 Pf.; für die Putzerträger 76 Pf. resp. 73 Pf.; für die Wasserträger 58 Ps. resp. 60 Pf.; für die Bauarbeiter 53 Pf. resp. 55 Pf. Stundenlohn. In bezug auf die.Fahr» und Laufzeit" soll bestimmt werden: Für Arbeilsstellen, welche außerhalb der Stadt« und Ringbahuhöfe im Umkreise von über 1999 Meter— in der Luftlinie— liegen, wird das volle Fahrgeld Von dem in Betracht kommenden Ringbahn- Hofe aus vergütet. Der Tarifdauer von drei Jahren soll unter diesen Bedingungen zugestimmt werden. Nach einer längeren Diskussion lehnte die Versamm- lung diese Vorschläge ab. Eine spätere Versammlung wird sich mit der gegebenen Situation weiter beschäfligen. Es wurde noch bekanntgegeben, daß die Unternehmer angeregt hätten, die Putzer sollten den zur Arbeit nötigen Filz und die Spanner die Eiienschercn selbst mitbringen. Den Arbeitern wurde aber empfohlen, solchem Ansinnen möglichst Opposilion zu machen und die Beschaffung der Werkzeuge und Arbeitsmittel wie bisher auch weiterhin den Unternehmern zu überlassen. Die Jalousienarbeiter hielten am Mittwoch eine Branchen- Versammlung ab. Die schlechte Baulage im letzten Jahre ver» anlaßre die Unternehmer, den Tarif zu kündigen. Nunmehr haben im Laufe der Zeit Verhandlungen zwischen den Unternehmern und den Arbeitern sialtgcfniiden, bei denen von feiten des Verbandes der alte Tarif zugrunde gelegt wurde, allerdings mit den nötigen Verbesserungen. Vor allem soll die Forderung der 51 stündigen Arbeitszeit unbedingt durchgesetzt werden, die im Tischlergewerbe schon besteht. Auch die Löhne«n Berufe sind durchaus nicht den Berliner Lebensverhältnissen angepaßt, sondern erheischen dringend einer angemessenen Ausbesserung. In der nächsten Zeit sollen VertrauenSmänner-Versammlungen zu der Tarisfrage Stellung nehmen, ebenso soll eine öffentliche Berufsversamnilung stattfinden. Achtung! Stcinarbeiter und Bauarbeiter aller Berufe. Der Streik bei der Firma Gebr. F r i e s e ck e, Kunststeinfabrik, dauert unver- ändert fort. Den inzwischen von der Firma an uns gerichteten Wunsch, die Forderung der Garantierung des Minimallohnes bei Akkordarbeiten fallen zu lassen, konnten wir mit Rücksicht auf den besiehenden Tarif, den andere Kunststeinfirmen ebenfalls anerkannt haben, nicht erfüllen. Statt dessen empfahlen wir der Firma, samt- liche Arbeiten im Tagelohn ausführen zu lassen und einen Lohntarif in der Höhe der im Steiiuiietzrarisvorqesehenen Löhne abzuschließen. Auf diese Weise könnte ein für beide Teile ehrenvoller Friede zustande kommen. Nach dem Verhalten der beiden Firmenträger den Streikposten gegenüber zu urteilen, scheint jedoch der Kampf noch längere Zeit fort- dauern zu sollen. Nun: Bange machen gilt nicht. Und die Ein- schüchterungsversuche können sich die Herren ruhig ersparen. Kollegen und Bauarbeiter aller Berufe! Habt ein wachsames Auge auf die Frieseckeschen Bauten. Sorget dafür, daß sämtliche Sleinmetzarbeiten der Firma während der Dauer des Kampfes unterbleiben. Zweckdienliche Meldungen sind zu richten an das Verbandsbureau: Seydetstraße 39, Tel. Amt I, 9248. _ Zeulralverband der Steinarbeiter. Filiale Berlin. ;kh. Glocke, Berlin. Druck u. Verlgg: Vorwärts Buchdr. u. LxrlagSanM! Achtung, KlavlerarSetter! An Hamburg sind bei der Firma Steinway u. Sons Lohndisterenzen ausgebrochen. Zirka 290 Kollegen befinden sich im Ausstände. Da die Firma direkt und unter Deckadressen versuchen wird. Arbeitswillige anzuwerben, er- suchen wir die hiesigen Kollegen, darauf zu achten und für strengste Feruhallung des Zuzugs zu sorgen.. � � Die Granchenleitung des HolzaroelterveroandeS. DeutTcdcs Reich. Achtung, Glaser! Der Betrieb deS Glasermeisters Stenz e in Waldenburg(Schlesien) ist gesperrt. Nach Chemnitz ist Zuzug fernzuhalten. Die dortigen Unter» nehmer haben, wahrscheinlich auf Drängen der Baulöwen, sämtliche Tischler und Glaser ausgesperrt. In der Bielefelder Maschinenfabrik A.-G. vorm. Dürkopp u. Co. wurden am 24. Mai bekanntlich 542 Metallarbeiter und 120 Holz-- arbeiter im Nähmaschinenbau ausgesperrt. Der stellvertretende Vor- sitzende des GewerbegerichtS, Rechtsanwalt Dr. Kramer, hat Ver» Handlungen zur Beilegung der Aussperrung angebahnt. 120 Schiffsbauer der Aktiengesellschaft„Weser" in Bremen streiken seit Dienstag. Der Streik erfolgte, weil 29 Kollegen entlassen wurden, welche die Ueberstunden verweigerten. Die Arbeiter fordern be« dingungslofe Wiedereinstellung. Sollten die Differenzen bis Montag nicht beigelegt sein, so wird wahrsckieinlich die Entlaffung der übrigen Arbeiter wegen Arbeitsmaiigel erfolgen. Die Ueberstundenforderung seitens der Werftleitung ist ganz ungehörig. Die Arbeit ist nicht so eilig. Den ganzen Winter über sind Feierschichten eingelegt worden. Jetzt ist die Arbeit etwas bester, gleich werden Ueberstunden ver» langt._ Die mißglückte Aussperrung der Schlächtergeselle« in Hamburg. Wenn auch die letzte Jnnungsversainmlung auf Betreiben des Jnnungsvorstandes und des bekannten Herrn v. Reißwitz die Aussperrung beschloß, so ist doch Beschlußfassung und Beschluß» durchführung zweierlei. Alle Bemühungen, die gesamten Meister zur Aussperrung der organisierten Gesellen zu bewegen, selbst durch Drohungen und Anwendung terroristischer Mittel, sind vergeblich geblieben. Nur 36 Firmen haben organisierte Gesellen ausgesperrt. Eine Anzahl Firmen hat die Kündigung wieder zurück- genommen, nachdem ihnen die Arbeilerkundschaft � wegblieb. Die Ausgesperrten sind bis auf 21 Mann teils in Arbeit gebracht,'teils abgereist. Ueber 199 neue Mitglieder sind dein Verband in Hamburg seit kurzem beigetreten. Den organisierten Gehilfen, die aus der Organisation nicht austreten, soll nun bei der Entlassung in das Jnnungsverbandsbuch als Zeugnis, vielmehr als Brandmal eingetragen werden:„Inhaber stt wegen Gefährdung des guten Einvernehmens zwischen Meister und Gesellen entlassen." Der Fleischermeisterverband will einen Boykottfonds schaffen und dazu das 190 999 M. betragende Vermögen verwenden. Außerdem soll ein Bund meistertreuer Gesellen zur Bekämpfung de? Zentral« Verbandes der Fleischer errichtet werden. Wann werden die Fleiichermeister zu der Einsicht kommen, daß das beste Mittel zur Beilegung von Konflikten die Anerkennung der Gesellenorganisation und Verhandlungen mit dieser ist. HusUnd. Im Schneibergewerbe Schwedens sollte bekanntlich Ende dieses Monats eine allgemeine Aussperrung veranstaltet werden, um den Schneidern in Karlstad eine Bezahlungspflicht für die Be» Nutzung der Betriebswerkstätte aufzuzwingen. Mittlerweile ist jedoch unter Mitwirkung des Schlichtungsbeamten eine Einigung zwischen den Parteien erzielt worden. Die Unternehmer haben ihre unverschämte Forderung zurückgezogen, sowie ihren Aus- sperrungsbeschluß aufgehoben, und in Karlstad ist die Arbeit wieder aufgenommen worden. Letzte jVacbncbten und Depcfcbcn. Die„humane" Polizei. Bremen, 26. Mai.(Privatdepesche des„Vorwärts".) Der Schiffsführer H u s e m a n n von der Bremer Schlepp, schiffahrts-Gesellschaft wurde wegen einer ganz kleinlichen Sache zur Feststellung seines Namens nach der Po. lizeiwache geführt. Hier wurde der Sistierte von einigen Schutzleuten mit Gummischläuchcn geschlagen und arg zuge» richtet. H. ließ sich nachdem ärztlich untersuchen und hat nach dem Attest Spuren von Mißhandlungen am ganzen Kör» per, Kopf und Gesicht aufzuweisen. Außerdem hat er eine schwere Kinnverletzung erlitten und wird einige Wochen ar» bcitsunfähig sein. Husemann hat Strafantrag gestellt, außer- dem hat die Schleppschifsahrts-Gesellschast Beschwerde bei der Behörde über die ihrem Schiffer widerfahrene Behandlung eingereicht. Die Betricbskrankenkasse wird Ersatzansprüche für die Krankengelder, die an den Verletzten zu zahlen sind. stellen. Hufe mann ist seit zwölf Jahren bei der Gesell, schaft, die ihm das beste Zeugnis ausstellt. Dieser Polizei spricht die bürgerliche Mehrheit de» Bre, mer Parlaments ihr Vertrauen aus und begeifert unsere Ge, nossen, die derartige Uebergriffe zur Sprache bringen. Ein Bürgermeister wegen Betrugs verklagt. Offenbach, 26. Mai.(B. H.) Die Stadtoerordnetenversamm- lung beschloß in nichtöffentlicher Sitzung, den Bürgermeister Dr. Düllo auf 68 900 Mark Schadenersatz zu verklagen, da er durch seine Transaktionen in Eberbachschen Kaiserhof-Aktien die Stadt Offendach schwer geschädigt hat. Ob das Ministerium diesem vernünftigen Beschluß der Stadt» verordneten beitritt, bleibt jedoch noch abzuwarten. Familientragödie. Darmstadt, 26. Mai.(B. H.) Der Inhaber«ine» Weiß- tüncherei-, Maler- und Lackierer-Geschäftes Georg Hellmuth hat heute in seiner Wohnung seine Ehefrau und dann sich selbst erschoflen. Anscheinend bilden sinanzielle Schwierigkeiten da» Motiv der Tat. Die Marinekatastrophe in Frankreich. Calais, 26. Mai. Ueber den Untergang der„Pluviofe" mel- det W.-T.-B. noch folgendes: Der Kapitän des Postdampfer» „Pas-de-Calais" hatte ungefähr eine Seemeile entfernt erne Art Wrack bemerkt und sofort den Befehl erteilt, rückwärts zu fahren. Die Geschwindigkeit, mit der das Schiff fuhr, verhinderte aber einen augenblicklichen Erfolg deS Manövers, und eS ereignete sich der fürchterliche Zusammenstoß. Mehrere Torpedoboote, Torpedo« bootszerstörer, Schleppdampfer. Baggerschiffe und Schwimmdocks mit lltettungswerkzeugen sind an der Unfallstelle, haben aber die Stelle, wo die„Pluviose" liegt, nicht gefunden. Man weiß nicht, ob die Besatzung des Tauchbootes noch lebt. Paul Singer chTo,tBerlin LVVl�Hierzu Z Beilagen«.Unterhalt«»»»»!, Dr. 121. 27. Zahrgaug. 1. KriliM d».Armrls" Knlim NvlksbM lttll«. 27.»«i 1910. Stadtverordneten-verkammlnng. 18. Sitzung vom Donnerstag, den 26. Mai, nach- mittags 5 Uhr. Die Sitzung wird vom Vorstehcr-Stellvertreter Casset nach 5H Uhr eröffnet. Worte ehrenden Nachrufs, die die Versammlung stehend anhört, widmet der Vorsteher dem Gedächtnis des am 18. Mai verstorbenen MalerL Prof. Skarbina, der auch für die Kommune Berlin als Bürgcrdcputierter in der Kunstdeputation gewirkt hat, und des am 23. Mai verstorbenen Geh. Kommerzien- rats H e ck m a n n, der seit 1892 als Bürgerdeputierter Mitglied des Kuratoriums der Handwerkerschule war.. In den Ausschuß für den Vorentwurf zum Neubau eines Ver- waltungsgebäudes, eines Wohnhauses für 8 Familien und 2 Un° verheiratete usw. für die städtische Zentrale Buch hat die so. zialdemokratijche Fraktion u. a. die Stadw. Borgmann, Glocke und Wenzels deputiert. Für das vom 3. bis 10. Juli in Schönholz stattfindende XXV. Mitteldeutsche Bundes- und Jubiläums- schießen sollen 4000 M. als Beitrag der Stadt Berlin zu Ehren» gaben bewilligt werden. Die Versammlung gibt ihre Zustimmung. Aus Anlaß einer Mitteilung des Magistrats über eine Petition betr. die Bauausführung des Märchenbrunnens am Eingang zum Friedrichshain führt Stadw. Dr. Knauer sFr. Fr.) lebhafte Beschwerde über das langsame Fortschreiten der Anlage, das in der ganzen Bürgerschaft wachsendes Befremden errege. Er fragt den Magistrat, welche Hemmnisse den Bau derart verzögern, und fordert evenwell, wenn die Fertigstellung etwa noch in ferner Zukunft liegen sollte, die Beseitigung des dem Stadtteil arg zur Unzierde gereichenden Bau- zaunes. Stadtbaurat Hoffmann: Es sind'finanzielle Gründe, welche das langsame Tempo der Bauausfichrung notwendig machen. Die Kosten des Bauwerkes sind auf 700 000 M. veranschlagt. Der Kunstdeputation stehen jährlich im ganzen nur 100 000 M. und für diesen Zweck allein nur etwa 70 000 M. in jedem Jahre zur Ver- fügung. Daraus ergibt sich schon, daß eine längere Reihe von Jahren bis zur Vollendung vergehen mutz. Uebrigens ist dieser „Morchenbrunnen" keineswegs ein Brunnen mit einem Märchen. ES sind tatsächlich über 40 einzelne bildnerische Gruppen oder Skulpturen auszuführen, an denen mehrere Künstler in ihren Ateliers schon lange arbeiten. Die ganze Arbeit ist durchaus keine leichte; wenn verschiedene Bildhauer an einem Werke arbeiten, so entstehen schon aus diesem persönlichen Moment Schwierigkeiten bei der Ausführung. Ein Kunstwert ist nur dann ein Kunsttverk, wenn es den Stempel der Persönlühkeir des Künstlers trägt. Wenn verschiedene Künstler an einer Sache arbeiten, so ist es sehr schwierig, die verschiedenen Individualitäten, die da aufeinander- stotzen, derart zusammenzubringen, datz sich eine Einheit ergibt. Vielleicht hat man von vornherein den Fehler gemacht, das ganze zu grotz anzulegen, weil man dem Stadtteil etwas ganz besonderes antun wollte. Wenn wir an Bildwerken aus unserer Zeit manch- mal rasch vorbeigehen und andererseits vor solchen aus früheren Zeiten lange stehen bleiben, so soll man sich zur Erklärung ver- gegenwärtigen, unter welchen Umständen in den verschiedenen Jahr- Hunderten gearbeitet worden ist. Wenn wir bei Vasari lesen, datz der Hersteller der Türen am Baptisterium zu Florenz fein Werk so vorzüglich gelungen ausgeführt hat, weil er vierzig Fahre lang daran arbeitete(stürmische, anhaltende Heiterkeit), dann toerden Sie daraus erkennen, warum diese Sachen so gut geworden sind, und warum andere minder gut werden. So lange Zeit wollen wir aber auch nicht daran arbeiten; ich denke, datz wir jetzt bald zum Ziele kommen werden und datz demft auch die verwendete Zeit in der Qualität der Arbeit wieder zur Rechtfertigung kommt. Zum Zwecke der Verbreiterung der Neuen Schön» hauser Stratze beabsichtigt der Magistrat den freihändigen Ankauf der Grundstücke Nr. 4 und 5 zum Preise von 65 000 M. und 174 000 M. Die Straße wird, da für die Grundstücke Nr. 3 bis 6 schon 1901 eine neue Baufluchtlinie festgesetzt ist, vor dem Grundstück Nr. 4 eine Verbreiterung von 14,05 auf 16,53 Meter erfahren. Die Versammlung nimmt die Vorlage ohne Debatte an. Zur völligen Durchführung der Umwandlung der Nepertorien und Journale bei der Spczialregistratur der Armendirektion in Kartenregister und Kontrollbogen sind außer den schon kleines feuilleton. Ei« neuer Zcnsurstreich. Der russische Dichter Mereschkowski, der insbesondere durch seinen bedeutenden biographischen Roman .Leonardo de Vinci" auch in weiten Kreisen DeutichlandS bekannt ist, hat im Anschluß an die neuerdings in Rußland freigegebenen Dokumente über den Tod PaulS I. ein interessanieS, historisches Drama geschrieben. DaS Werk ist im Ladhichnikowfchen Verlag deutsch übersetzt erschienen und vom Berliner Theater angenommen worden. Die Zensur hat eS nun fertig gebracht, die Inszenierung von.Kaiser Pauls Tod" und zwar unter Berufung auf verschiedene Paragraphen des Allgemeinen Landrechts zu ver- bieten. Man zittert offenbar bei dem Gedanken, datz die Aufführung dieses einen mehr als hundert Jahre zurückliegenden, allerdings nicht ivohlriechenden Stoff der russischen Hofgeschichte behandelnden Dramas irgend welchen mntzgebenden Herrschaften des Knuienregiments Aergernis bereiten könnte! Eine Besorgnis, die mit der eifrigen Beflissenheit, russische Verfolgte über die Grenzen auszuliefern, trefflich zufammenpaht. Drollig ist dabei, datz der Autor, über den in Deutschland aus solchen Rücksichten die Bühnensperre verhängt werden soll, in Rußland selbst als ein entschiedener Gegner aller revolutionären Bestrebimgen gilt, ja daß die russische Kritik zum Teil dem Schau- spiel sogar reaktionäre Tendenzen vorgeworfen hat. Wenn eS trotzdem wie eine furchtbare Anklage gegen das Zarentum wirkt, so sicher nur, weil die geschichtlichen Tatsachen eine Sprache redete», deren zwingender Ueberzeugungskraft kein Ehrlicher sich verschließen konnte. Bis in die kleinsten Einzelzüge scheint sich das Ganze auf Memoiren, Briefe, zeitgenössische Schilderungen aufzubauen. Die Gestalt des Kaisers, des zwischen blutigen Despotenlaunen und kindisch-sentimentalem Getue hin und her schwankenden Wahnwitzigen, tst so widerspruchsvoll, so abschreckend grotesk, wie freie dichterische Einbildung sie nie ersinnen würde. Alles zittert vor de? Zaren BoSheil; die Verschwörung des Adels unter Polens Führung gegen den Wüterich erscheint im Stück als bloßer Akt der Notwehr. Die Typen dieser verrotteten, französisch überlackierten, im Grnnd barbarischen Hof- gesellschast, und des Zaren ältester Sohn Alexander, der neuro- pathische Schwächling, der nach Pauls Ermordung den Thron besteigt. treten in plastisch reicher, wenn auw nicht gerade dramatiicher Schilderung hervor. Ein grotzangelegieS Gemälde der Degeneration, in dem sich ohne Ausblick auf irgend eine Rettung durch revolutionäre Energie, düster Bild an Bild reiht. Jules Renard, ein vorzüglicher, bei peinlicher Vermeidung aller Pathetik und fast raffinierter Knappheit deS Ausdrucks tief empfindungSvoller Schilderer des KleinlebenS in Natur und Menschen- weit,»st, erst 46 Jahre alt, am Sonntag in Paris gestorben. In Deutschland ist er bauptsächlich durch die von Hugo von Hof- mannSthal übersetzte dramatische Bearbeitung seiner Erzählung „koil de Carotte"(„Rotkopf") bekannt geworden, der rührenden Geschichte eines mißhandelten, mitzvsrstaiideucii, in früher, vom Leid beschleunigten Reife ins Leben blickenden BnrgerkindeS.— Renard, der sich in dem von ihm bewohnten Dorf im Departement Niedre zum Bürgermeister früher bewilligten 22 000 M. noch 5590,75 M. erforderlich, wovon der bei der Neueinrichtung hervorragend beteiligte Magistrats- bureauassistent Bolderich eine Zuwendung von 300 M. erhalten soll. Die geforderte Summe wird bewilligt. Zur Freilegung der Genter Straße, die zwischen Trift- und Seestraß? eine durchgehende Verbindung herstellt, aus der noch fehlenden Strecke von der Luxemburger bis Limburger Stratze, soll eine etwa 3536 Quadratmeter große Stratzenlandfläche dem Fuhrherrn Paul Fricke zum Preise von 8 M. pro Quadrat- meter abgekauft werden; dem Verkäufer soll jedoch, wenn in dem für das Nachbargrundstück schwebenden Enteignungsprozetz ein höherer Preis rechtskräftig festgestellt wird, eine entsprechende Nach- forderung zustehen. Die Versammlung beschließt ohne Diskussion nach dem Magistratsantrage. Einer Bitte der Gründerin des Frauenbundes der deutschen Kolonialgesellschaft für Südwestafrika, Freifrau von Liliencron, entsprechend, will der Magistrat für die S ch u tz t r u p p e n in Deuts ch-Südwe st afrika eine kleine Soldatenbiblio- t h e k stiften und dafür 600 M., bewilligt haben. Die Bewilligung erfolgt ohne Debatte. Die städtischen Stratzenbahnlinien will der Ma- gistrat über die Warschauer Brücke hinaus, über die Oberbaumbrücke durch die Falckenstein- und Wrangelstratze, das Görlitzer Ufer und die Wiener Stratze zum Görlitzer Bahn- Hof weiterführen. Das Polizeipräsidium hat die kleinbahn- gesetzliche Genehmigung der Strecke erteilt unter der Voraussetzung, datz die„Große", deren Gleise in der Wiener Stratze aus 731 Meter mitbenutzt werden müssen, zustimmt. Die„Große" soll für die ihr entgehenden Einnahmen schadlos gehalten werden. Der Kosten- anschlag schließt mit 313 000 M. ab. Ohne Diskussion tritt die Versammlung dem Magistrats- vorschlage bei. Dem Internationalen ständigen Verbände der Stratzenkongresse will der Magistrat als Mitglied mit 200 Frank Jahresbeitrag beitreten. Die Versammlung ist damit einverstanden. Schluß der öffentlichen Sitzung%7 Uhr. Aerbandstog der Gssstlsirtsgehllftn. Der größte Teil des dritten Sitzungstages(Donnerstag) wurde ausgefüllt durch eingehende Besprechungen über die Lohn- und Arbeitsverhältnisse in Gewerkschaftshäusern. Das Ergebnis der Besprechung faßte der Vorsitzende P o e tz s ch dahin zusammen: Die Lohn- und Arbeitsverhältnisse in den Volks- und Gewerkschaftshäusern könnten besser sein, als sie im allgemeinen sind. Immerhin mutz anerkannt werden, datz sie wesentlich besser sind als in bürgerlichen Betrieben. Zwar ge- nügt das Einkommen, welches die Angestellten in den Gewerk- schaftshäusern haben, den berechtigten Ansprüchen nicht, denn die Angestellten stehen sich im allgemeinen ungünstiger als die Ar- beiter anderer Berufe. Aber die Gewerkschaftshäuser sind oft nicht in der Lage, den Angestellten mehr zu gewähren, als sie tat- sächlich tun. Das mutz von den organisierten Gastwirtsgehilfen berücksichtigt werden. Wenn hier oder da Differenzen der An- gestellten mit den Leitungen der Gcwerkschaftshäuser vorkommen, dann soll man nicht zum Streik schreiten, denn in den GeWerk- schaftshäusern muß es möglich sein und ist bei beiderseitigem guten Willen auch möglich, ohne Streik Differenzen zu beseitigen und allseitig befriedigende Verhältnisse zu schaffen. Eine Resolution, die auch den Leitungen der Gewerkschafts» Häuser zugestellt werden soll, wurde einstimmig angenommen. Sie lautet: „Die Volks- und Gewerkfchaftshäu�er sind von der organi- sierten Arbeiterschaft gegründet, um für diese VersammlungS- und Verkehrsräume, Unterkunft für ihre wandernden Genoffen und geeignete Bureaus zu schaffen. Die Bewirtschaftung dieser Unternehmen ist, wie alle anderen derartigen Betriebe, von den in der kapitalistischen Wirtschaftsordnung begründeten Gesetzen abhängig; auch sie haben mit der Konkurrenz, dem Kapital, und Hypothekenzins usw. zu rechnen. Dieser Umstand entbindet jedoch die be- zeichneten Betriebe keineswegs von der Pflicht, bezüglich der Lohn- und Arbeitsverhältnisse ihrer Angestellten vorbildlich zu fein. hatte wählen lassen, fand dort nicht nur die Gelegenheit zum intimen, liebevollen Einleben in die ländliche Welt, sondern bemühte sich auch, ohne eigentliche Politik zu treiben, um die freiheitliche Er- ziehung seiner Ortsgenossen. Er hat auch den sozialistischen Ideen nahegestanden und in den ersten Zeiten der„Humanitö" manchen Beitrag für dieses Blatt geliefert. I a u r ö s widmet ihm dort einen Nachruf, worin er u. a. lagt:„Er war ein großer Künstler und ein edler Mensch. Er konzentrierte auf die umrisscnen Gegenstände daS Licht seiner Kunst, aber er war sich bewußt, datz alle Kräfte, die er so wahrnahm, ihre Vollendung nur in bohen, weiten Gedanken finden. Er beschrieb mit peinlicher Genauigkeit die arme Dorfftratze, aber er schnitt sie nicht vom Horizont ab. Und in den dunkeln Zuckungen des eintönigen, eng beschlossenen LebenS wurde er einen Schmerz und eine Hoffnung gewahr." Theater. Hebbel-Theater:„Gewehr ab", Drama von Gert t a r t e n a u. Im Drama Hartenaus kommt wie in dem vom riedrich- Wilhelmstädtischen Theater angekündigten, von der Zensur verbotenen Schauspiel„Die letzten sechs Wochen" stellenwcis etwas von jenem tiefen Ingrimm zum Ausdruck, den die rohe, sinn- und seelenlose Ueberspannung des militärischen Subordinationsprinzips bei jedem menschlich Denkenden erzeugen mutz. Seit BeyerleinS .Zapfenstreich" ist eine ganze Reihe von Soldatenstacken erschienen, die das Kasernenleben in seiner trist brutalen Realität, in seinen quälend bitteren Ungerechtigkeiten schildern. Aber die Darstellung erhebt sich nirgends über ein ziemlich dürftiges Mittelmatz und er- reicht es meistens nicht einmal.„Gewehr ab" bestätigt nur die all- geineine Regel. Ein Lump von Unteroffizier treibt seine Frechheit so weit, den Grenadier S-bmidt mit einem Liebesbriefe an dessen Schwester zu schicken. Indem der empörte Bruder das Schreiben in Fetzen reißt und dem hochnäsigen Patron ge- bührend seine Meinung sagt, begeht er sein erstes schweres Disziplinverbrechen, das ihn wehrlos der Rachsucht eines Ueber- mächtigen ausliefert. Ein Lump von Leutnants der um daö Mädchen, als ihr Valer wohlhabend war, geworben hatte und nach dem Bankerott deS Alten hinter einer reichen Erbin als Mitgiftjäger her- läuft, schleppt heimlich unter Lügen und Belrng das frühere Ver» hältnis wetier. Schmidt überrascht die Schwester in des Leutnants Wohnung, im Zorn erhebt er die Hand gegen den Borgesetzten. Diesmal kommt es zur Anzeige. Der Herr Leutnant schneidet vor dem Kriegsgericht jämmerlich ab und erschießt sich, da es mit dem bunten Rocke und der reichen Heirat nichts mehr ist, dem braven Grenadier aber billigen die Richter mildernde Umstände zu und be- gnügen sich, ihm nur drei Jahre Zuchthaus und ebensoviel Straf- dienstzeit zuzudiktieren,— genug, um eine Kraft fur'S ganze Leben zu brechen. Bei aller Sympathie für die Tendenz lietz sich das leer Schematische in Sprache und Charakteristik schwer ertragen. Den jungen Leutnant spielte Herr L ü t t j o h a n n mit viel Geschick und Takt. dt. BolkS-Oper. Wo sonst Musik und Gesang erklingt, wird jetzt gemimt. Und gar nicht übel; Marie Buhrle offenbart neben Es liegt im Interesse sowohl der Verwaltungen dieser Be- triebe als auch in dem der beteiligten gewerkschaftlichen Organi. sationen, datz ein friedliches Gegenseitigkeitsverhältnis zwischen beiden besteht, datz tiefgehende Differenzen vermieden werden. Der 6. Verbandstag des Verbandes deutscher Gast Wirtsgehilfen empfiehlt daher den Abschluß von Tarifverträgen mit den Verwaltungen der Volks- und GeWerk- schaftshäuser auf folgender Grundlage: Wo ein Arbeitsnachweis des Verbandes besteht, ist dieser ausschließlich, anderenfalls der paritätische bczw. der städtische Arbeitsnachweis zu benutzen. Die tägliche Arbeitszeit für alle Angestellten ist so zu regeln, datz eine effektive Arbeitszeit von 12 Stunden im Höchst- falle verbleibt. Die absolute ununterbrochene Ruhezeit darf nicht weniger denn 9 Stunden betragen; außerdem sind längere Pausen einzulegen. Allen Angestellten ist jede Woche ein ganzer freier Tag zu gewähren. Für die ein Fahr und darüber im Hause Tätigen ist all- jährlich ein Urlaub unter Fortzahlung des Lohnes zu be- willigen. Die Löhne sind im Durchschnitt höher zu bemessen, als die in den Privatbetrieben üblichen. Kellner dürfen nicht lediglich auf Trinkgelder angewiesen sein. Zu berücksichtigen ist hierbei, daß das in den Gcwerkschaftshäusern verkehrende Arbeiter- Publikum, sei es aus wirtschaftlichen, sei es aus prinzipiellen Gründen, in der Regel viel weniger Trinkgeld zu geben Pflegt, als die Gäste aus bürgerlichen Kreisen. Bei Differenzen zwischen den Angestellten und der Ver- waltung ist, wenn die örtliche Verwaltungsstelle den Konflikt nicht beseitigen kann, das Gewerkschaftskartell und eventuell die Hauptverwaltung des Verbandes anzurufen. Als ein geeignetes Mittel, tiefgehende Differenzen zu ver- meiden oder doch abzuschwächen, erachtet der Verbandstag die Einführung von durch beiderseitige Verhandlungen abgeschlossenen Dienst- und Arbeitsbedingungen sowie die Hinzuziehung eines ständigen Vertreters unserer Organisation zum WirtschaftS- ausschutz; die Erfüllung dieses Wunsches sollte nicht bloß aus Gründen der Gerechtigkeit gewährt werden, sondern sie liegt auch im Interesse des Unternehmens, das sachkundiger Mithilfe nicht entraten kann. Der Hauptverwaltung- ist von Lohnforderungen, Tarif- kündigungcn usw. rechtzeitig Kenntnis zu geben. Der Verbandstag bringt die selbswerständliche Meinung zum Ausdruck, daß alle in den Gewerkschaftshäusern beschäftigten Angestellten im Verband deutscher Gastwirtsgehilfen organisiert sein müssen." Ueber den ArveitSkammergesetzentwurf hielt Reichstagsabgeordneter Rob. Schmidt einen mit lebhaftem Beifall aufgenommenen instruktiven Vortrag. Hierzu wurde folgende Resolution angenommen: „In bezug auf das Arbeitskammergefetz erklärt der Ver- bandstag sich mit den von der sozialdemokratischen Reichstags- fraktion aufgestellten Forderungen vollkommen einverstanden und vertritt der Verbandstag den Standpunkt, datz der Re- gierungsentwurf den Wünschen der Arbeitnehmer nicht genügt, und zwar unter anderem aus deshalb nicht, weil nach dem Ent- Wurf von vornherein ein sehr bedeutender Teil der Arbeitnehmer- schaft von der Mitwirkung ausgeschlossen wird und die Art der Organisation eine so große Zersplitterung im Gefolge hat, daß die dieser Einrichtung zugewiesenen Aufgaben nicht gelöst werden können." Eue der Partei. Parteiliteratur. Bebels Erinnerungen in Lieferungsausgabe. Der Verlag I. H. W. D i e tz Nachf. in S t u t t g a r t ist einem vielfach geäußerten Wunsche nachgekommen, indem er den Genossen die Anschaffung der Schrift:„Aus meinem Leben" von August Bebel. Band I, durch Ausgabe des Werkes in 14 Liefe« rungen a 10 Pf. erleichtert. Alle acht Tage erscheint ein Heft. tüchtiger Routine doch auch ein kräftiges schauspielerisches Dar- stellungStalent, dazu eine elegante Bühnenerscheinung. Sie gibt nämlich in einem Schauspiel„Falschspieler" von Karl Schüler die Rolle einer Maitresse. Mit dem neuen Stück selber ist nicht viel Staat zu machen. Der Verfasser hat sich von dem Stoffe gängeln lassen, ohne ihm anders als äußerlich bei- zukommen. So gewinnt man denn den Eindruck als wie von einem schlecht dramatisierten Hintertreppenroman, wobei mehr geredet als gehandelt wird. Obendrein gehört kein Scharf- sinn dazu, um gleich von vornherein zu argwöhnen, datz „das Ende eines Falschspielers"— in diesem Falle ist's ein verflossener Leutnant— durch einen Revolverschutz beschleunigt werden wird. Wenn sich dieser Hasardier nicht selbst erschietzt, sondern von der Hand einer jungen verführten Dame fällt, so nur, weil's effektvoller wirkt. Daß dann ein wegen Blödsinns ent- mündigter alter Graf dem Toten den Revolver in die Hand drückt, um den Glauben zu befestigen, als habe ein Selbstmord statt» gefunden, ist auch nur ein Trick, der sich ganz gut für einen Spieler- roman von gewöhnlichem Zuschnitt ausnimmt. Lediglich die Figur der Maitresse zeigt Ansätze einer psychologischen Charakterzeichnung; alle übrigen Menschlein sind Schablonen.«. k. Notizen. — Der Touristen verein„Die Naturfreunde" zählt 12000(nichh wie gestern hier zu lesen stand, 1200) Mitglieder, wovon auf die Wiener Ortsgruppe allein etwa 4000 entfallen. Die Berliner Ortsgruppe bält jeden dritten Sonnabend im Monat ihre Sitzungen in Pachura» Klubhaus, Landsberger Stratze 85, ab. — Bllhnenchronik. Das B e r l i n e r T h e a t e r hat für die nächste Saison folgende neue Mitglieder engagiert: Rosa Berten». Ludwig Hartau vom Deutschen Theater, Emil' Lindner vom kgl. Schauspielhause, Marie Karsten vom Hebbelthenter, Georg Koch vom Stadtlheater in Zürich. Albert Heine wird einige Monate am Berliner Theater spielen.— ToniWilkenS, die junge hier öfters genannte Künstlerin, wird am Sonntag im Reuen Schauspiel« hause als Cecily in Wildes Komödie Bunbnry gassieren. — Die Teneriffa- Expedition, die von Professor Pannwitz organisiert war. hat nach programmätziger Durchführung der physiologischen und astronomischen Arbeiten ini Hochgebirge des Pic von Teneriffa nunmehr ihren Abschluß gefunden. Die mit physiologischen Untersuchungen über Höhen- und Sonnenwirkung beschänigten deutschen, österreichischen und englischen Gelehrten sind bereits in ihre Heimal zurück- gekehrt. Die bei wolkenlosem Hinnnel wochenlang ohne Unterbrechung fortgesetzte Beobachtung des H a l l e y scheu Kometen hat zu sehr wertvollen Ergebnissen geführt und namenllich Vorzug- liches photographisches Material geliefert. Zugleich mit den Frau- zosen kehren auch die Mitglieder des Observatoriums in Potsdam, die sich in den letzten Wochen auf Teneriffa vorzugsweise mit Unter« suchungen über Luftelekttizität beschäftigten, zurück. Im Verlag von I. H. W. D i e tz N a ch f. zu Stuttgart erschien soeben: Die Grundprobleme deS MarxiSimis. Von G. Plechanotv. Autorisierte Ucbersctzung von Dr. M. N a ch i n s o n. 7. Bändcheu der Kleinen Bibliothek. Preis broschiert 75 Pf., gebunden 1 M. Vereinspreis 50 Pf. Die Arbeit wurde fiir eine russische Enzyklopädie geschrieben. Sie behandelt fast alle Fragen deS philosophischen und historischen Materialismus und sucht dabei alle beachtenswerten Einwände zu widerlegen, die von revisionistischer und bürgerlicher Seite dagegen erhoben worden sind. *** Im Verlag der Buchhandlung Vorwärts, Berlin, erschien: Wie hüten wir uns vor Hcrzerkranknugen? Von Dr. Engen t�e b fi s ch- Berlin. Heft 2Z der Arbeiter-Gesundhcits-Vibliothek. Preis 20 Pf. Das Heftchen hat folgenden Inhalt: Bau de» Herzens — Der Kreislauf des Blutes— Die Arbeit des Herzens— Die Krankheiten des HerzenS— Angeborene Herzfehler— Herzleiden nach Infektionskrankheiten Herzleiden infolge behinderter Atmung — Herzfehler nach Gelenkrheumatismus— Herzleiden durch ge- schlechtliche Unarten in der Jugend— Herz und Berufswahl— Herzleiden und Ehe— Vorzeitige Abnutzung des Herzens bei dem Mann— Herzschwäche der Frauen— Hygiene des Herzens im allgemeinen. Der geschichtliche Jesus. Von Max Maurenbrecher. Heft 10 der Biblischen Geschichten. Beiträge zum geschichtlichen Verständnis der Religion. Preis 1 M., Vereinsausgabe 40 Pf. An die BildungSansschüffe! Der Zentral-BildungSauSschutz sendet dem Auftrage deS Leipziger Parteitages gemäß an die lokalen BildnngsauSschllsse Fragebogen, um dadurch eine Uebersicht über die Bildungs- arbeit an den einzelnen Orten zu gewinnen. Der Fragebogen geht in diesen Tagen an sämtliche BildungsauSschiisse, die bei der Geschäftsstelle deS zentralen BildungsausschnsseS(Heinrich Schulz, Berlin 8W., Lindcnstr. 8) gemeldet sind. Diejenigen Bildungs- auSschüsse, die den Fragebogen bis spätestens Donnerstag, den 27. Mai, nicht erhalten haben, werden ersucht, davon sofort der Geschäftsstelle Mitteilung zu machen. Konferenz der sozialdemokratischen LandtagSfraktionen. Für den IS. Juni ist im VolkShnuse in Weimar eine Dele- giertenkonferenz der sämtlichen sozialdemokratischen deutschen Landtags- sraktionen einberufen worden. Die vorläufige Tagesordnung um- faßt: Regelung des M a t e r i a I a u s t a u s ch e S bezw. Gründung einer Sammelstelle, Wertzuwachs st euer und Schiff- fahrtsabgaben._ Der Landesparteitag der sozialdemokratischen Partei in Sachsen-Altcnburg findet am S. und 10. Juli in Roda statt. Auf der Tagesordnung steht neben den üblichen Geschäftsberichten und Delegiertenwahlen die Frage der Aufstellung eines Kandidaten für die kommende ReichStagswahl. Der bisherige Kandidat, Genosse Edmund B u ch- wald, hat aus AlterSrücksichten eine erneute Kandidatur abgelehnt._ HervS bleibt„Parteigenosse". Paris, 2S. Mai.(Eig. Ber.) HervS erklärt heute in der „Guerre Sociale', die geeinigte Partei nicht verlassen zu wollen. Er bleibt Parteigenosse, nicht aus Ueberzeugung, fondern.aus lokalen Gründen'. Die Föderation der Donne will nämlich nicht aus der Partei austreten und es ist Hervö„moralisch unmöglich', sie preiszugeben. Damit ist HervöS Verbleiben in der geeinigten Partei entschieden, denn ein Ein- schreiten gegen ihn wegen seines Verhaltens in der Wahlbewegung ist vorläufig so gut wie ausgeschlossen, da er seine Haft angetreten hat, die vier Jahre dauern soll. HervS bemerkt nicht unrichtig gegen Genossen R o u a n e t, der in der jüngsten Zeit seine Ausschließung gefordert hat, daß diese gerade jetzt unmöglich sei. Sie hat in der Tat die stärksten sentimentalen Motive gegen sich. Allerding« ist fie auch überflüssig, so lange Hervü außerstande ist. sein die Partei schädigendes Treiben fortzusetzen. Es handelt sich jetzt nur darum, wie sich die Partei gegen die ihr noch angehörenden Freunde HervöS verhalten wird, wenn sie die anarchistische Taktik und den Disziplinbruch weiter propagieren. Denn sie sind nicht durch ihre Wehrlostgkeit geschützt.— Verzeichnet sei übrigen», daß die„Guerre Sociale', wie Hervö mitteilt, jetzt eine Auflage von 40 000 hat. Dieser Erfolg ist unbestreitbar dem journalistischen Geschick HervöS und seiner Mitarbeiter zu danken, das dem Blatte einen Leserkreis verschafft hat, der weit über die Anhängerschaft deS„insurreltionellen' Romantismus hinausreicht.__ Noch immer die Suche nach dem staatsgcfährlichen Liederbuch. Eine Haussuchung wurde in den Räumen deS B o ch u m e r „BolksblatteS' von zwei Kriminalbeanrten nach dem Arbeiterliederbuch für Massengesang vorgenommen, das im Verlage der.Arbeiter-Zeitilng' in Dortmund erschienen ist. Der Liebe Müh war umsonst. Die Beamten mußten ohne Beute wieder abziehen.__ Eine mißlungene Polizeiaktion. LlS die Polizeibeamten, die die polnische politische Bewegung überwachen, in der„Gazetta Robotnicza' einen Bericht über eine am S. März in Herne abgehaltene Konferenz der pol- nischen Sozialdemokraten für Rheinland-West« f a l e n sahen, meinten sie eine wichtige Entdeckung gemacht zu haben. Nach umständlichen Recherchen wurden 14 Parteigenossen, darunter der Leiter der polnischen Bewegung ini Ruhrrevier, Woschiwovsky- Dortmund, Parteisekretär K l u p s ch«Dortmund und der Redakteur der polnischen Ausgabe der„Bergarbeiter- Zeitung' A d a m e k als Leiter beziehungsweise als Teilnehmer festgestellt und Anklage vor dein Schöffengericht Herne wegen Uebertretung des Vereinsgesetzes erhoben. Die Angeklagten erklärten übereinstimmend, daß sie brieflich zu der Konferenz eingeladen worden seien, ferner wären alle Teilnehmer beim Eintritt auf ihre Legitimation geprüft worden. Die als Zeugen aufgebotenen Polizeibeamtcn vermochten zur Sache nichts auszusagen; sie hatten lediglich die Recherchen nach den Teilnehmern geführt. Die Eni- lastungszeugen bestätigten die Angaben der Angeklagten. Der Amts- anwalt beantragte trotzdem die Verurteilung. Vier Angeklagte, die als Leiter in Frage kamen, sollten 30 M. Strafe zahlen, während die anderen nur 16 M. blechen sollten. Das Gericht sprach sämtliche Angeklagten frei. Soziales. Schikanöse Ausübung von Rechten. Vor der 8. Kammer des Gewerbegerichts klagte gestern der Buchbinder Sch. gegen den Buchbindercibesitzer August Frydrycho- wicz, Grünstraße 4. Kläger war eines Tage? plötzlich eine Stunde nach Arbeitsbeginn entlassen worden. Er forderte Bezahlung bis zum Schluß des Tages mit 4,18 M. Beklagter hatte erklärt, den Lohn wolle er nur zahlen, tvenn sich Sch. stündlich im Kontor meldete. Dieses schikanöse Begehren hatte der Kläger abgelehnt. Da? Gewerbegericht sah in dem vom Beklagten gestellten Verlangen eine schikanöse Ausübung seines Rechtes. Diesem tritt Z 226 d«S Bürgerlichen Gesetzbuches ausdrücklich entgegen. Dort heißt eS: „Die Ausübung eines Rechtes ist unzulässig, wenn sie nur den Zweck haben kann, einem anderen Schaden zuzufügen." Ter Beklagte wurde zur Zahlung der 4,18 M. verurteilt. Gesundheitszustand der großstädtischen Schuljugend. In einem Bericht über die Erfahrungen der Schulärzte in Köln bei der Besichtigung der Schulneulinge heißt es:„Die Zahl der Kinder, die eine wirklich kräftige Körperbeschaffenheit haben, ist in manchen Schulbczirken sehr gering. In den meisten Fällen lautet der Befund hinsichtlich der allgemeinen Körperschaften auf „mittel" oder„mittel bis schwach". Es werden deshalb häufig Kinder auf ein Jahr zurückgestellt.' Schwindsuchtskandidaten kann man diese bedauernswerten Sprößlinge der proletarischen Großstadtbewohner in den meisten Fällen nennen. Schuld an der Verkümmerung der Kinder sind die durch die junkerfreundliche Zoll- und Grenzsperrpolitik verursachte Verteuerung der Lebensmittel und die durch den Godenwucher ungeheuer in die Höhe getriebenen Wohnungsmicten, sowie die durch- weg völlig ungenügende Entlohnung der Eltern. Wenn die Kinder nach beendeten Schuljahren der industriellen Ausbeutung anHeim- fallen, wird ihre Gesundheit vollends vernichtet. Die Mitteilungen der Kölner Schulärzte sind eine schwere Anklage gegen die gegen- wältige, angeblich göttliche Gesellschaftsordnung. Eue Induftnc und Handel. Umgehung der Wertzuwachöstener. Schon bevor der Entwurf eines ReichSwertzuwachsstenergesetzeS der gesetzgebenden Körperschaft vorlag, wurden Stimmen laut, die darauf hinwiesen, daß die Terraingesellschaften der Steuer zu ent- gehen wissen würden. Das Ziel sei zu erreichen, indem die Gesell- schaften ihre Terrains bebauen und die Häuser als eigenen Besitz vermieteten. Kürzlich verlautete auch bereits, daß tatsächlich ver- schiedeue Gesellschaften mit der Bebauung ihrer Terrains beginnen wollen. Nun teilt die„Allgem. Ztg.' mit, daß in diesen Tagen verschiedentlich Besprechungen der Direktoren großer Terrain- gesellschasten stattgefunden hätten. Man sei dabei zu der Uebcr- zeugung gekommen, daß eS nach Lage der Dinge notwendig fei, das Terrain- und Bangeschäft zu„reformieren". Ein Verkauf von Gelände, das erheblich im Werte gestiegen sei und dessen Umsatz die Zahlung einer hohen Zuwachs- steuer erfordern würde, solle künftig gänzlich unterlassen werden und die Terraingesellschaften müßten in solchen Fällen selber den Häuser- bau betreiben und dann entweder als Hauswirt auftreten oder aber das ganze Gebäude, d. h. sämtliche Wohnungen an einen General- Pächter vermieten. Im Osten Berlins habe sich diesen Gedanken bereits eine bekannte Terraingefellschast angeeignet und gehe jetzt daran, zehn Wohnhäuser auf Grundstücken zu erbauen.— Das Geschäft deS WohnungSvermietcnS würde, wenn der Plan all- gemeine Nachahmung findet, zu einem Großbetrieb sich auswachsen, der auch auf diesem Gebiete den Nachweis von der Richtigkeit der sozialistischen Forderung schlagend bewiese. Agrarischer Liebesdienst. Vor wenigen Tagen wiesen wir darauf hin, daß der Kampf zwischen dem amerikanischen Petroleumtrust und den österreichischen Produzenten sich dem entscheidenden Moment nähere. Der Absatz der österreichischen Petroleumindustrie nach Deutschland— eines seiner Hauptabsatzgebiete— ist außerordentlich zurückgegangen. ES wird nicht lange dauern und die österreichische Pctroleumindustrie wird so oder so unter die Machtsphäre des OeltrustS kommen. Die Notlage der österreichischen Petroleumindustrie hat die preußische Regierung kürzlich zu einem Liebesdienst für die Agrarier ausgenutzt. Im Warenverkehr zwischen Deutschland und Oesterreich bestehen Ausnahmetarife. Unter diesen Vorzugs- tarif fällt auch daS nach Deutschland ausgeführte Petro- leum. Von der preußischen Eisenbahnverwaltung ist das Uebereinkommm mit dreimonatlicher Frist gekündigt worden. DaS bedeutet praktisch eine Unterstützung deS OeltrusteS. Die preußische Eisenbahnverwaltung ließ allerdings erklären, daß eS ihr bei der Kündigung der Tarife gar nicht eingefallen sei, den Ameri- kanern irgend einen Liebesdienst zu erweisen, die Kündigung sei vielmehr nur erfolgt, weil man sich mit der österreichischen Eisen- bahnverwaltung in einigen Tarifstreitigkeiten befinde. Das ist nicht nur naiv, sondern stimmt auch mit den Tatsachen nicht überein. In Wirklichkeit will die preußische Regierung durch die Tarifküudigung einen Druck aus Oesterreich-Ungarn ausüben, in der Richtung, daß es seinen Widerstand gegen die Einführung von Schiffahrtsabgaben aufgebe. Die eigentliche Ursache des Vorgehens Preußens sühn nnS auch hier wieder auf den Boden agrarischer LiebeSgabcnpolitik. Zeigt sich Oesterreich nicht willig, ist das Land in seinem Petroleumexport schwer geschädigt und der Oeltrust jubelt. Beugt sich Oesterreich der Pression, dann ist die Einführung der Schiffahrtsabgaben ziemlich gesichert. Die Einfuhr ausländischer Agrarprodukte wird verteuert. die Konsumenten sind die Geschädigten. So sorgt die preußische Regierung nicht etwa für die Interessen des preußischen Volkes, sondern für die agrarischen Schiffahrts- ntere ssen auf Kosten der Allgemeinheit. i- Terrainspekulatio». Sicher ist der Teltow-Kanal ein volkswirtschaftlich wertvolles Verkehrsmittel. Leider kann er sich nicht so entwickeln, wie es bei der Ausarbeitung des Planes angenommen wurde. Und die? des- wegen, weil die Terrainspeknlation die Uferstreifen deS Kanals so verteuert hat, daß Fabrikunternehmungen usw. kaum an den neuen vorteilhaften Wasserweg erbaut werden können. Wo es bisher geschehen ist, wirkten besondere Umstände mit. Es sei hier nur an die Filiale der Elberfelder Papierfabrik bei Teltow erinnert. Interessen einzelner Herren in der Leitung der Elberfelder Papierfabrik gingen konform mit denen der Teltower Terraingesellschaften. Die Elber« selber Papierfabrik hat durch den Bau ihrer Filiale am Teltow- Kanal wahrscheinlich die beste Dividendenzeit hinter sich. Die herbsten Enttäuschungen erleben jetzt die Aklienbesitzer der Teltower Terraingesellschaften; natürlich die Besitzer letzter Hand. Die Gründer haben vorher das Fett abgeschöpft; sie haben Millionen verdient. Für die Arbeiter hat die Aktien- spekulation selbst im allgemeinen wenig Interesse. Sie ist aber doch wichtig deshatv, weil sie zeigt, wie ans den Taschen der kleinen Leute tauiendmarkweise das Geld heraus- geholt wird. Hinter den Machern solcher Spekulationen stehen die Banken. So wurden z. B. die Papiere der Teltower Bodenaktien« gesellschast 1908 von der Nationalbank für Deutschland und der neuen Bodenaktiengesellschaft für 112 Proz. auf den Markt gebracht, jetzt sind sie 27 Proz. wert. Rechnet man den Zinsverlust der Erwerber dieser Papiere hinzu, so haben manche fast ihr volles Kapital verloren. Da» hat sich längst in den Händen der Schieber in der Terrain- spekulation konzentriert. Der Tettower Kanal sollte für Handel und Verkehr einen großen Vorteil darstellen, in Wirklichkeit haben die Banken durch allerlei Gründungen und Schiebungen daS Terrain so verteuert, daß der Anbau dort fast unmöglich geworden ist— wenn nicht auf Kosten der jetzigen Aktienbesitzer erhebliche Minder- bewertungen vorgenommen werden. Rhrinisch-wrstfälischcs Kohlensyndikat. In der letzten Beirats- sitzung des Kohlensyndikats wurden die BeteillgungSantrile in Kohlen und Koks wie bisher festgesetzt, in Briketts bon bisher 82Vz Proz. auf 80 Proz. ermäßigt. Dem in der Zechenbesitzerversammlung des Kohlenshndikats er- statteten Bericht ist zu entnehmen: Der rechnungsmäßige Absatz betrug im April bei 2ö,/g(im gleichen Monat des Vorjahres 24) Arbeitstagen 5 651 864(i. V. 5 228 169) Tonnen. Der Versand einschließlich Landdebit, Deputat und Lieferungen der Hüttenzechen an die eigenen Hüttenwerke betrug in Kohlen bei 25'/g(24) Arbeitstagen 4 624 881(4 410 310) Tonnen, an Koks bei 30(30) Arbeitstagen 1 370 029(1 157 695) Tonnen; an Briketts bei 2S'/s(24) Arbeitstagen 274 330(235 601) Tonnen. Die Förderung stellte sich insgesamt auf 6 999 016(Vorjahr 6 477 822) Tonnen oder arbcitstäglich auf 278 568(269 909) Tonnen. Die Abschwächung, welche der Kohlenabsatz in den Monaten Januar und Februar gegenüber den Ergebnissen der beiden letzten Monate des Vorjahres erlitten hat, hat auch im März und April noch angehalten._ Konzentratio». Die Interessengemeinschaft zwischen der Gelsenklrchener Berg- Werksgesellschaft und der Düsseldorfer Röhrenindustrie und den Röhrenwerken von Piedhauf emsprach dem Bedürfnis nach der Be- triebsvereinigung, die alle Prozesse, vom Rohprodukt bis zum Fertigfabrikat usw.»infaßt. Das wurde übrigens in der General- Versammlung der Düsseldorfer Röhrenindustrie auch noch ausdrück- lich hervorgehoben. Im Hintergründe ist allerdings auch die Wahr» scheinlichkeit einer syndikatslosen Zeit bei der Verständigung mit wirk« sain gewesen. Das Röhrensyndikat steht vor seiner Auflösung. Thyssen gehört mit seinen beiden Werken Thyssen u. Co. und Deutscher Kaiser dem Röhrensyndikat als größter Produzent an und er hat dem Verband gekündigt. Gegen seine Monopolbestrebungen richten sich wohl auch in erster Linie die Anstrengungen der übrigen Werke. Außer den Mannesmann und einigen Oberschlesiern hat er keine großen Gegner. Die anderen würden in freier Konkurrenz wohl bald lahmgelegt sein und daher schließen sie sich nach Möglich- keit anderweitig an. So wird wohl bald ein Kampf entbrennen, der sicherlich mit dem Untergange der reinen Werke endet. Großbetriebe im Buchhandel. Als Hauptplätze für den deutschen Buchhandel kommen Leipzig, Berlin und Stuttgart in Betracht, wo in erster Linie die Koniiuissionäre dominieren, die für ihre regelmäßigen Abnehmer alle geschäftlichen Angelegenheiten erledigen. Nach Angaben im „Courier' gab eS im Jahre 1900 in den genannten drei Städten 83 Kommissionsgeschäfte, zurzeit existieren nur noch 62, obwohl der Handel inzwischen sehr starke Zunahme erfahren hat. So ist z. B. die Zahl der Kommittenten, die im Leipziger Buchhandel verkehren, während dieser Zeit von 3293 ans 10 716 angewachsen. Hauptsächlich sind es die beiden Großfirmen Volkmar und Köhler, die ein Geschäft nacheinander aufsaugen. Von den in Frage kommenden Kommittenten in Leipzig, Stuttgart und Berlin, 11 553 an der Zahl, gehören 3185, daS ist ein Drittel, zum Kundenkreis der genannten beiden Firmen. In Leipzig entfielen im Jahre 1900 von 8288 Kommittenten 1372 oder ein Achtel auf Volkmar und Köhler, jetzt entfallen auf sie von den 10 716 Kommittenten 2455 oder ein Viertel der Gesamtzahl. In Stuttgart entfallen von 642 Kommittenten 570 auf Volkmar und Köhler, und in Berlin von 200 nicht weniger als 160. Die beiden Riesengcschäfte reißen den ganzen Markt an sich I_ Erträgnisse der Industrie. Im Geschäftsjahr 1909/10 haben die Westfälischen Nickelwerke in Hagen in Westfalen bedeutend höhere Erträgnisse erzielt, als im Vorjahre. Sie wollen.vorsichtshalber' aber.nur' 16 Proz. Dividende verteilen.— Die Verwaltung der Akttengesellschaft Chemische Fabrik in Sö in«ringen am Rhein erklärt ungeduldigen Aktionären, sie werde für das ablaufende Ge» schäftSjahr eine Dividende.nur' in der Höhe des Vorjahres ver- teilen, obwohl höhere Gewinne erzielt worden seien. Angeblich soll der Mehrbetrag zur Stärkung des Reservefonds dienen, um auch bei schlechteren Zeiten gleiche Dividenden zahlen zu können.— Das Eisenwerk Kraft, Aktiengesellschaft in Stolzenhagen- Kratzwink konnte mit 7 Millionen Mark Aktienkapital 1 312 776 Mark«verdienen'. Die Verwaltung will zirka 400 000 M. zu Ab- schreibungen verwenden, der Reserve 46 000 M. zuführen und 11 Proz. Dividende verteilen. 2000 M. will sich die Gesellschaft die»Wohl- tätigkeit' kosten lassen. Saatcnstand in Oesterreich. Nach dem Bericht deS Ackerbau- ministeriums war der Saalenstand Mitte Mai, wenn 1 sehr gut, 2 über mittel und 3 mittel bedeutet: Weizen 1,9, Roggen 2,6, Gerste 2,2, Hafer 2,3, Mais 2,2, Kartoffeln 2,4, Zuckerrüben 2,7, Klee 2, Wiesen 2,2, Weiden 2,4. Eue der frauenbewegung. Praktische Arbeit. Um die Organisation unter den Textilarbeiterinnen zu för- dern, hat der Textilarbeiterverband die Abhaltung von Arbeite» rinnenkonferenzen in seinen Agitatiouscipparat aufgenommen. In der„Gleichheit" berichtet Genosse Jäckel darüber: „In zwölf Konferenzen in den verschiedensten Landesteilen Deutschlands waren etwa 500 Abgesandte der Arbeiterinnen der einzelnen Orte versammelt. Jede Konferenz war von zirka fünf- zig weiblichen Delegierten besucht. Arbeiterinnen, und Mutter- schütz sowie die gesellschaftliche Stellung der Frau wurde von je einem Referenten besprochen. Jede Verbandsfiliale konnte zwei, auch drei weibliche Delegierte entsenden, und neben diesen Abge» sandten war der Vorsitzende der Filiale zugelassen, um evemuell den Delegierten bei der Berichterstattung usw. behilflich zu sein. Vor und nach jeder Konferenz wurden die organisierten Arbeite» rinnen jeder Filiale zusanimengerufen. Die Erwartungen, welche an die Konferenzen geknüpft wur- den, sind durchaus erfüllt worden. Aufs neue wurde die alte Er» fahrung bestätigt, daß wirklich lebhaftes Interesse der Frauen und Mädchen nur geweckt und intensive Mitarbeit derselben nur er- reicht werden kann, wenn Arbeiterinnonfragen von Arbeiterinnen selbst in größerem, hauptsächlich aus Arbeiterinnen zusammen» gesetztem Kreise besprochen werden. In schneller Reihenfolge mel> beten sich die Arbeiterinnen in den vorgeschritteneren Bezirken zum Wort, und fließend und sicher sagten sie ihre Meinung: lang» samer liefen die Meldungen ein in anderen Distrikten und schüch- terner und unsicherer floß dort die Rede. Aber in allen Fällen war das Interesse der Teilnehmerinnen an den Verhandlungen, die etwa neun Stunden dauerten, bis zum Schlüsse äußerst rege. Da gab es kein Flüstern, kein Rutschen, kein Strecken und kein Dehnen, wie es sich oftmals bei Männerkonferenzen recht unlieb» sam bemerkbar macht. Ein großer Teil der weiblichen Dele» gierten hatte zum erstenmal Gelegenheit, an einer Konferenz teil- zunehmen. Zum erstenmal hörten sie von Geschlechtsgenossinnen anderer Städte schildern, unter welchen Uebcln die Arbeiterin leidet, und wie den Uebeln zu begegnen sei. Als dann die gesell» schaftliche Stellung der Frau in Vergangenheit und Gegenwart geschildert wurde, konnte es dem Beobachter nicht entgehen, daß einem großen Teil der Zuhörer �ich eine neue Welt erschloß. Die kleine Konferenz kann tiefer pflügen als die große Versammlung, und die ausgeworfene Saat wird reiche Frucht tragen. Die Kon- ferenzen werden wiederholt, die gleichen Personen sollen, soweit möglich, daran teilnehmen, und so wird— daS hoffen wir— ein Stamm tätiger Genossinnen erstehen. Empörende Vorkommnisse wurden in der Diskussion geschil» dert. Zahlreich sind die Fabriken, wo die Arbeiterin nicht nur als Arbeitskraft, sondern auch als Weib allsgebegtet wird. In schlichter, ungelünstclter Weise wurden Vorkommnisse erzählt, die nie in Männerversammlungen geschildert werden. Das} junge Mädchen sich müssen abküssen lassen, und daß auf ihre Beschwerde die Antwort kommt:„Ich kann mir doch ein Mädchen halten," er» scheint harmlos gegenüber Vorgängen, wie sie aus Frankenberg geschildert wurden. Junge, unerfahrene Mädchen wurden da» Opfer dieser Vorgänge, die im einzelnen zu schildern wir unter- lassen, die aber lebhaft an die vor kurzem von Hoensbroech ge- •schilderten Szenen am Hofe Alexanders VI. erinnern. Und solche Klagen kamen aus allen Orten. Nur wer sich willig gefallen läßt, was lüsterne Vorgesetzte wünschen, bekommt gute Arbeit, hat höheren Verdienst und kommt als„Tüchtige" lobend ans„Brett". Alle anderen werden zurückgesetzt, schikaniert, bis auch sie sich williger zeigen. Das sind Uebelstände, unter denen nur die Frau zu leiden hat. An anderen Ucbeln fehlt es nicht. In Grüna wird das Brot, das Arbeiterinnen mit in den Arbeitsraum neh- men, vom Meister abgefordert und einfach zum Fenster hinaus- geworfen. Hundert Mädchen haben einen Abort, aber ein anderer Vlbort ist reserviert für fünf Vorgesetzte. In Chemnitz kommen in einem Falle auf 800 Frauen und 200 Männer zwei Aborte. In Thalheim geht eine schwangere Frau nach dem Abort, gibt— von niemand bemerkt— einem Kinde das Leben und geht mit dem Kinde wieder aus dem Abort an die Arbeit. Bald hören die Mit- arbeiter das Schreien des Neugeborenen. Sie erfahren, was sich ereignet hat, und lassen Mutter und Kind nach Hause fahren. In einer Fabrik Osnabrücks haben die Arbeiterinnen über schlechtes Material zu klagen. Einige besonders schlechte Spulen mögen in die Düngergrube geworfen worden sein. Da werden in die Decken der Aborte Löcher gebohrt und Arbeiter und Avbeitcrinnen von oben beobachtet, während sie den Abort benutzen. Die Diskussion brachte des weiteren erschütternde Schilderungen der Schmerzen der arbeitenden Mütter.„Meine zwei Aeltesten gab ich in die Ziehe. Ich mußte mit verdienen. Sie sind in der EntWickelung zurückgeblieben. Mein Jüngstes pflege ich selbst. Es entwickelt sich normal." So sagt eine Frau aus Grünbera i. Schl. Eine Frau aus Hemelingen schafft ihr Kind morgens fort und holt es abends wieder.„Man sieht, daß das Kind geschlagen worden ist. Man ist empört und sucht sich eine— andere Ziehfrau." Während eine Mutter in Vechelde in der Fabrik arbeitete, mußten die ge- liebten Kinderchen fürchterlich verbrennen. Es wird auf der Kon- ferenz geklagt über die Konkurrenz der Arbeiterinnen unterem- ander und ihren Unverstand, der sich gegen das eigene Interesse verschließt. In Obcrhausen ließen sich Arbeiterinnen bis halb 10 Uhr in die Fabrik einschließen, um Ueberarbeit leisten zu können. Einer Wirkerin(Heimarbeiterin) in Chemnitz wurden für eine Arbeit 00 Pf. geboten. In der Fabrik gab es dafür 1,90 M. Die Arbeiterin lehnte ab. Eine andere machte die Ar- beit für 50 Pf. In den Jutesabriken legen Arbeiterinnen zusam» men und kaufen Schinken, Wein usw. für den Vorgesetzten. Dann wurde der schlechte Verdienst von vielen Rednerinncn besprochen. Eine Frau in Landeshut bedient 12 Nortrophstühle. Für 110 Meter Ware gibt es 54 Pf., für 1940 Meter Ware verschiedener Qualität gab es 19 M. Lohn." Schließlich ist auch noch über die Gleichgültigkeit und Ein- sichtslosigkeit der organisierten Männer anderer Berufe: Maurer, immerer, Metallarbeiter geklagt worden.„Sie schicken ihre rauen und Töchter als Arbeiterinnen in die Textilindustrie. Es fällt ihnen aber nicht ein, diese auch dem Verband zuzuführen."— Solche Klagen sind leider nicht unberechtigt, hört man doch sogar noch die Meinung, die Frauenarbeit müsse bekämpft werden. DaS ist eine reaktionär-zünftlerische Ansicht! Wir haben nicht die Aufgabe, nein, nicht einmal das Recht, der Frau die gewerbliche Tätigkeit erschweren oder gar verbieten zu wollen; unsere Sache ist es, den Kampf gegen die schlechte Entlohnung der weiblichen Arbeitskraft aufzunehmen.„Gleicher Lohn für gleiche Arbeit", das muß überall, in jeder Gewerkschaft grundsätzliche Forderung seinj_ Versammlungen. Der Kampf vm die Ausdehnung der Sonntagsruhe im Handels- gewerbe wird nun an Schärfe gewinnen. Ter Zentralverband der Handels- angestellten und der Transportarbeiterverband hatten zu Mittwoch abend nach dem„Reichenberger Hof" eine öffentliche Versammlung der im Südosten Berlins beschäftigten Handelsangestellten und Handelshilfsarbeiter einberufen. Der Referent Mafchke be- richtete, daß sich die Organisationen entsprechend dem Auftrage der Versammlung vom 8. April an die Inhaber der Kaufhäuser und größeren Spezialgeschäfte des Südostens mit dem Ersuchen ge- wandt haben, die Läden während der Sommermonate an den Sonntagen geschlossen zu halten, damit den Angestellten wenigstens während der Sommerzeit der Segen der vollständigen Sonntags- ruhe zuteil wird. Nur«ine Firma hat darauf geantwortet und die Erfüllung der Forderung zugesagt. Daß alle anderen Firmen eine Antwort nicht für nötig sanden, zeige deutlich, wie man die Wünsche der Angestellten zu beachten pflegt. Wie man gegen die Angestellten verfährt, beweist auch der Umstand, daß die Aufforderung des Vorstandes der Spezialgeschäfte, die Geschäfte an den Wochentagen um 7 Uhr abends zu schließen, von den wenigsten Geschäftsinhabern beachtet wird. Einig« Geschäfte wollen sogar von der gegenseitigen Vereinbarung, die Geschäfte des Sonntags von 12 bis 2 Uhr ge- schloffen zu halten, wieder zurücktreten, weil die Firma Otto Nack in der Oranicnstraße ihr Geschäft nicht schließen will. Die Firma Otto Nack, meint der Referent, gehöre zu denjenigen, die stets am rücksichtslosesten gegen ihre Angestellten sind. Die Organisationen werden aber auch mit der Firma Otto Nack noch fertig Iverdcn. Durch Verteilen von Handzetteln brauch« nur das kaufende Publikum auf die Rücksichtslosigkeit des Herrn Noack gegen- über den Angestellten hingewiesen werden. Die Wirkung dieser Maßnahme dürste diesen Herrn sehr bald von seiner Ansicht ab- bringen, daß er mit den Vertretern der Organisation zu unter- handeln nicht nötig habe. Der Redner besprach dann alle die Mittel, die den Angestellten im Kampfe um die Ausdehnung der Sonntagsruhe zur Verfügung stehen, und forderte die Anwesenden auf, unter den Angestellten für die Organisationen, zu werben, damit diese Kampfmittel auch recht wirksam werden. In der darauffolgenden Diskussion sprachen sich sämtliche Redner im Sinne des Referenten aus, besonders scharf ging man dabei mit der Firma Otto Nack ins Gericht. Folgende Resolution gelangte darauf zur Annahme. „Die am 25. Mai im„Reichenberger Hof" tagende, vom Zentralverband der Handlungsgehilfen und vom Deutschen Transportarbeiterverband einberufene Angestelltenversammlung nimmt mit Entrüstung davon Kenntnis, daß ein Teil der Ge- schöftsinhaber des Südostens sich weigert, während der Sommer- monate die Geschäft« am Sonntag geschlossen zu halten. Die Versammlung ersucht die Heiden Verbände, bei den- jenigen in Betracht kommenden Geschäftsinhabern, die bisher ihre Einwilligung nicht gegeben haben, nochmals vorstellig zu werden und eventuell die Firmen, die keine Rücksicbt auf die Forderungen der Angestellten und Konsumenten nehmen, der Einwohnerschaft bekannt zu geben. An das kaufende Publikum richtet die Versammlung das Ersuchen, an Sonntagen keine Einkäufe zu besorgen. Die Versammlung beaustragt auch die beiden Verbände, sich an den Aktionsausschutz der sozialdemokratischen Wahlvereine von Berlin zu wenden, damit die Funktionäre auf den nächsten Zahl- abenden darauf hinweisen, daß die Einkäufe am Sonntag unter- bleiben." Blauschwarze Blockfrüchte. Zu diesem Thema sprach der Reichstagsabgeordnete Robert Schmidt vor einer öffentlichen politischen Versammlung im B. Wahlkreis, die am Dienstagabend in den„Musikersälen" statt- fand und recht gut besucht war. Scharf kennzeichnete der Redner die Politik deS Hin» und Herschwankens in Preußen-Deutschland. Als bestes Beisp,el der Zerfahrenheit der politischen Verhältnisse nannte er die preußische Wahlrechtsvorlage. Ilnverkennbar sei es, daß der Kurs gegenwärtig stark nach rechts treibe. Unter einer durchaus reaktionären und dazu recht tückischen Politik leiden wir wieder unter dem gegenwärtigen Reichskanzler, dessen Taktik darauf gerichtet scheine, daß aus einer Wahlreform in Preußen überhaupt nichts werde. An der Spitze der Regierung stehe ein Kanzler, der sich als Feind aller freien, liberalen Ideen zeige, wo immer er die Gelegenheit dazu findet. Er steuere mit Macht nach rechts, aber im Volke gehe eine ganz entschiedene Strömung nach links, die bei den nächsten Wahlen deutlichen Ausdruck finden werde.— Der Redner besprach in ausführlichen Darlegungen, wie � der blauschwarze Block im Reichstage bei allen Gesetzcsvorlagen seine Früchte einzubringen versuchte, um sie der besitzenden Klasse zu servieren, gehindert und aufgehalten, wo es anging, allein von der sozial- demokratischen Partei, die stets die Interessen der Masse des Volkes, der arbeitenden Klasse, zu verteidigen bestrebt war. Am Schlüsse der sehr beifällig aufgenommenen Rede feuerte er zum unermüd- lichcn Kampf gegen die Reaktion an, damit wir Fruchte des Fort- schritts und der Kultur ernten können, die allein uns begehrlich erscheinen. Eine Diskussion wurde nicht beliebt. Der Vorsitzende, Genosse Friedländer, wies in seinem Schlußwort aus die nächsten gieichstagswahlen hin und forderte die Anwesenden auf, die Organi- sationcn zu stärken, die Parteipresse hochzuhalten und alles vor- zubereiten, um eine gründliche Abrechnung mit dem schwarzblauen Block halten zu können. Mit Hochrufen auf unsere Parteibewegung wurde die Ver- sammlung geschlossen._ Vermilcktes. JMaruichataftropbc in franhmcb. 25 Mann ertrunken. Von einem schweren Unglücksfall ist wiederum die französische Marine betroffen worden. Vor dem Hafen von Calais stieß daS französische Unterseeboot„P l u v i o s e" mit dem Postdampfer „P a s- d e- C a la i s" zusammen; infolgedessen sank das Unter- seeboot. Die gesamte Besatzung in Stärke von 25 Mann fand bei der Katastrophe ihren Tod. Ueber die Ursachen des entsetzlichen Unglücks meldet uns ein Telegramm aus Calais: Der Dampfer„PaS-dc-Calais", der regelmäßig zwischen Dover und Calais fährt, hatte soeben den letztgenannten Hafen verlassen. als daS eine seiner Schaufelräder einen außerordentlich heftigen Stoß erhielt. Der Dampfer stoppte, der Kapitän glaubte zunächst, er habe eine unter dem Wasser befindliche Boje berührt. Dann aber tauchte hinter dem Dampfer ein tleines Fahrzeug auf, in dem man ein Unterseeboot erkannte. Da der Kapitän niemand an Bord des Unterseeboots bemerkte, ließ er ein Boot klar machen, um Aufklärung zu erhalten. Die Mannschaft deS Bootes ruderte nun an das Unterseeboot heran und klopfte an seine Wände, erhielt aber keine Antwort. Bald darauf versank das Unterseeboot in den Fluten. Es stellte sich heraus, daß es der„Pluviose" war, der 23 Mann Besatzung an Bord hatte und eine halbe Stunde zuvor von Calais in See gegangen war. Zwei- fellos hatte es eine Tauchübung vorgenommen und war im Augen- blicke de? Wiederauftauchcns von dem Schaufelrade des„Pas-de- Calais" getroffen worden. Der Dampfer hat ei n i g e B e- schädtgungen erlitten und ist nach Calais zurückgekehrt. Die Passagiere werden mit einem anderen Dampfer befördert werden. Man kann es sich nicht erklären, wie das Unterseeboot auf einem von so vielen Schiffen befahrenen Wege eine Tauchübung hat vor- nehmen können. Die Nachricht von dem Unglück hat die größte Bestürzung hervorgerufen. Zwei Schleppdampfer sind an die Unglücksstelle abgegangen. Die Mannschaft deS Unterseebootes bestand auS dem Schiffs- leutnant C a l l o t, dem Schiffsfähnrich Engel und 23 Mann. Das Unterseeboot, welches 450 Tonnen faßte, war im Jahre 1907 nach den Plänen des Ingenieurs Laubeuf gebaut worden. Der Postdampfer„Pas-de-Calais" gehört der Nordbahngesellschast. » Ein zweiter Unfall, der erfreulicherweise von weniger tragischen Folgen begleitet war, hat die französische Flotte bei den Flotten- mauövern betroffen. Auf dem Hochseetorpedoboot»Eclair" brach die Schraubenachse. Das Boot mußte in den Hafen von Toulon eingeschleppt werden._ öcbwefter Candtde. Die Untersuchung in der Schwindelaffäre der Ordensschwester Candtde hat in den letzten Tagen große Fortschritte gemacht. Der Anwalt der Schwester hat dem Untersuchungsrichter die Depotscheine der Juwelen zugestellt, die von der Schwester in London versetzt worden sind. Wie der Direktor der Paris- Londoner Bank erklärt, hat er mit Schwester Candide für zwei Millionen Mark Geschäfte in Juwelen gemacht, weitere zwei Millionen standen in Aussicht. Der klerikalen Presse sind die Schwindelmanöver der frommen Dame natürlich sehr unangenehm. Erst suchte sie die Schwindlerin als ein Opfer der Frei- maurer hinzustellen, deren Unschuld sich durch die Untersuchung glänzend erweisen werde. Jetzt, nachdem die aufgedeckten Schwindeleien immer größeren Umfang annehmen, versuchen die- selben Blätter die Schwester Candide von sich abzuschütteln, indem sie erklären, sie gehöre gar keiner Ordensgemeinschaft an, ihre Gründung habe mit der katholischen Kirche durchaus nichts zu tun. Wie wenig das zutrifft, erhellt ein Brief des Kardinals R a m- polla, der an die jetzt Verhaftete im März 1901, nachdem sie vom Papste empfangen worden lvar, folgenden Brief schrieb: „Sehr verehrungswürdige Mutter! Der Heilige Vater hat den respektvollen Brief empfangen, den Sie an ihn richteten, und mit besonderem Wohlgefallen die Mitteilungen zur Notiz genommen, die die Werke der Kongregation der Töchter von Sainte-Anne betreffen, in erster Linie die Stiftung von Ormesson für den Beistand tuberkulöser Kinder. Seine Heiligkeit Hat diese Werke sehr gelobt und einen besonderen Segen für Sie, Ihre Genossinnen und alle die gesandt, die zur Stiftung des Werkes von Ormesson beigetragen haben. Ich bin glücklich usw. Kardinal Rampolla." Danach sind die Wohltätigkeitsanstalten in Ormesson Gründungen der Kongregation der heiligen Anna; es bleibt sich ganz gleich, ob Schwester Candide heute noch dem Orden angehört. Wenü die klerikale Presse es jetzt so darstellt, als ob Schwester Candide mit der katholischen Kirche durchaus nichts gemein habe, so ist das Bestreben sehr begreiflich; diel Staat ist mit der vom Papste gesegneten frommen Dame nicht zu machen. Hurra, hurra, hurra! Der Stadt Gardelegen in der Altmark steht in nächster Zeit eine hohe Ehre bevor: der Oberpräsident v. Hegel und der Regierungspräsident v. Mirsitschek werden geruhen, der Stadt einen Besuch abzustatten. Um diesem feierlichen Akte einen recht würdigen Hintergrund zu geben, fordert der Magisirat im Amtsblatt auf. daß die Mitbürger ihrer, Freude über den Besuch Ausdruck verleihen, indem sie ihre Häuser mit Flaggen oder in s o n st i g e r Weise schmücken. Wie wär's, wenn sich der Gardelegcner Magistrat den Gade- buscher SladtmusikuS ausleihen würde, der dort neulich nach einer Prmzengeburt in Ermangelung von Pulver die fehlenden Salut- schösse mit der großen Pauke ergänzte? Dann könnte man die hohen Herrschaften wenigstens mit imitiertem Kanonendonner empfangen,! Ein sonderbarer Schlvarnier. Aus Schmerz darüber, daß er für untauglich zum Militärdienst erklärt wurde, hat sich in Wien ein 23jähriger Schneidergeselle eine Kugel in den Kopf geschossen. Wenn das in Preußen passiert wäre, könnte man als Motiv der Tat vielleicht noch den Ehrgeiz deS Selbstmörders annehmen, nach Absolvierung der Dienstzeit dereinst mal königlich preußischer Kulturträger von Bethmanns Gnaden zu werden; so aber scheint es sich offenbar um die Tat eines Gei st eSge störten zu handeln. Schlagfertig. In einem schlesischen Städtchen neigte sich eine vom Reichs- verbände einberufene Versammlung ihrem Ende zu. Der Borsitzende schloß sie mit den Worten:„So lassen Sie uns zum Schluß gemeinsam das Lied singen, das so recht passend für uns ist... Plötzlich unterbrach ihn ein anwesender Sozialdemokrat durch den Zwischenruf:„Singen Sie das für Sie zutreffende Lied: Unser Wissen und Verstand Ist mit Finsternis umhüllet." Erbittert polemisierte der Vorsitzende gegen den schlagfertigen Zwischenrufer, dem man daS Lokal verwies. Darauf sang die Ver« sammlung, der Aufforderung deS Vorsitzenden entsprechend,»Deutsch- land, Deutschland über alles"._ Kleine Notizen. DaS zweite Opfer. Der bei dem Eisenbahnunglück in Klein» B r e s a schwerverletzte Lokomotivheizer H a e l p e ist im BreSlauer Krankcnhause gestern seinen Verletzungen erlegen. Ein heftiges Erdbeben ist am Donnerstagmorgen im größten Teile der Schweiz verspürt worden. Auch in einem Teile deS Elsaß machte sich vaS Beben bemerkbar. In dem elsässtschen Orte Altmünsterol war der Stoß so heftig, daß Betten verschoben wurden und daß einzelne Leute zu Boden stürzten. Nach dein Genüsse von Erbsensuppe erkrankte in DuiS» bupg eine Arbeiterfamilie unter Vergiftungserscheinungen. Zwei Kinder sind g e st o r b e n, ein drittes liegt hoffnungslos krank. Durch Minenexplosion wurden in den Schieferbrüchen von F u n a y in Frankreich zwei Arbeiter getötet. In der Nähe des Leuchtturms von Dünen kirchen sank eine Schaluppe. Drei Insassen deS Bootes fanden in den Wellen ihren Tod. Mordprozcß Kragujewitsch. Der serbische Student Kragujewitsch, der am Mittwoch vor dem Budapester Schwurgericht unter der Anklage stand, im Juli 1908 den Butterhändler Julius Engel auS der Genthiner Straße 20 zu Berlin erdrosselt, später einen Mord an seinem Freund Eduard R e i tz in Wien versucht und daneben noch sonstige Verbrechen begangen zu haben, wurde in der Mord- fache Engel freigesprochen, wegen deS Mordversuchs an Reitz zu 12 Jahren Zuchthaus verurteilt. BrnfKatten der Rcdahtton. 3t« jurlftilche evrcchftuudt(Invci Uiadenftra fte>Nr. 00, dorn vier Treppe»— ftalirftndl—, wocheatägltch vo» 4'/« bis?>/, Uhr abends Na»«. Jeder slnfraae Ift ei» vnchftab«»nd«ine ZabI als vlerkzeichea beiMlfiigen.«riefltche Ilniwort wird nicht erteilt,«iltge Frage» trag» man in der Tpreibkinnd« vor. H. M. 64' Wenden Sie sich an den Verein Hauspflege, Bezirk Osten, Bezirksleitcrin Frau D. Birnbaum, Frankfurter Allee 171».— R. W. 18. Nein, da er das Mindesteinkommen von 660 M. nicht hat. Es mutz sofort reklamiert werden.— Friüsche, Weinstrafte« 1. Sie haften, haben aber das Recht, Räumung zu verlangen und über die Wohnung anderweit zu verfügen. 2. Nicht bekannt.—(£. Sich. Transportarbeitern ctbanb, Eng cluser 14/15.— Reibusch. McndelSsohnftrafte. Fordern Sie nochmals, unter Setzung einer Frist, den Vermieter zur Beseitigung der Mängel unter Ankündigung der sosorttgen Vertragstösuna aus. Können Sie Ihr« Be- hauptung beweisen, so ziehen Sie nach ersolglosein Ablaus der Frist aus.— Spozo. Für die Dauer von sechs Wochen. Wir hallen da» KausmannS« gericht für zuständig; die Rechilprechung ift allerdings schwankend.— K. O. IVO. Solche Gnippen bestehen in Berlin. Die zweckmatzigfte Auskunst kann Ihnen Gen. Pen» in Dessau ertellen, an den Sie sich wenden wollen. — Radaubcseitigung. Klagen Sie aus Beseitigung der Störung.— Heimstätte 100. 1. Wir halten die Verabredung einer 14tägigen Kündigungssrist in Ihrem Falle sür nichtig und die in§ 133» der Gewerbeordnung genannte Kündigungsfrist— 6 Wochen vor jedem Quartals- ersten— sür matzgebend. L. Für die Dauer von 6 Wochen.— G. B. 20. 1. Ja. Sie können aber trotz de» Bescheide» Weitergabe deS Gesuches mit den Akten an den Justizminister verlangen. Das Gesuch hat aber vor Ab» laus des JahreS kaum Aussicht aus Erfolg. 2. bis 5. Es kann Zuchthaus- strafe eintreten; werden mildernde Umstände bewilligt, so wird aus Ge- jängniSstrase erkannt. Autzerdem Ist ewe so geschlossene Ehe nichtig.— Franz 33. Ja.— St. L. 100. Horn p f e ts e n d e Nachtwächter waren und sind unS nicht bekannt.— W. P. 100. DaS löst den Mtetsvertrag nicht.— A. D. 67. Leider ist die Kündigung zulässig.— O. Nein. — H. G. 1246. 1. Wenn bereits zehn Jahre verstrichen, so stellt der damalige Ehebruch einen ScheidungSgrund nicht mehr dar. Haben Sie keinen anderen im Gesetz vorgesehenen ScheidungSgrund(späterer Ehebruch, schwere Verletzung der durch die Ehe begründeten Pflichten), so müssen Sie zunächst die Klage aus Wiederherstellung der ehelichen Gemeinschast erheben und nachdem ein Jahr nach Rechtstrast des aus Wiederherstellung lautenden Urteils ersolgloS verstrichen ist, aus Ehescheidung klagen. 2. Ja.— A. F. 20. Die Wirtschatlseinrichtuuft verbleibt Ihnen; die anderen Sachen mützten, wenn«in Testament nicht besteht, getciit werden.— Hudler, Ltndower Strafte. Sie müssen sich ein Armutszeugnis verschaffen und klagen.— P. F. Von der Ausksindlgung an, jedoch nicht vor Beginn der KündigungS- srist mutz die Wohnung Mietslustigen zur Besichtigung während der im Per- trage sestgesctzten Tagesstunden gezeigt werden. Sind im Vertrage solche Tagesstunden nicht angegeben, so gilt lrn allgemeinen bei Wohnungen die Zeit zwischen 10 und 6 Uhr als Besichtigungszeit. Ist der Mieter nicht an« wesend, so mutz der Wirt die Schlüssel erhalten.— Z. 100. Leider nein. — M. B. 20. 1. Eine Steigerung ist nur zulässtg, wenn der neue Eigentümer da» Grundstück im Wege der Zwangsversteigerung erstanden hat. 2. Ja, wenn die vorerwähnte Borausietzung vorliegt, unter Ein» Haltung der gesetzlichen Kündigungssrist, sonst nicht.— B. I. Britz. In Ihrem Falle lätzt sich nichts tun.— K. B. 08. 1. Sie käiinen Sicher, stellung des Erbteils Ihrer Frau verlangen. Der ZinSgenutz verbleibt aber der Witwe. 2. Wir halten daS, wenn die Identität der Erbin mit Ihrer Frau ausser Zwelsei ist, sür unerheblich. Eventuell mützte die Fest- stcllimgsklage erhoben werden. 3. Ja. 4. Eine derartige Vollmacht mutz vom Notar beglaubigt werden.— H. E. 36. An die Direktion der Bank. — St. 6. 1. Erstatte» sie bei der SlaatSanwailschast gegen die beiden Privatpersonen«trasauzetge wegen HauSsrtedenSbruch, gegen die Beamten beschweren Sie sich beim Polizeipräsidenten. 2. Nein. 3. Bald. 4. Ihnen entstehe» keine Kosten. 5. Am zwcckmätzigslen schristlich.— P. L. 60. Der gesamte Nachlatz muß angegeben werden, darunter auch die erwähnten Objeltt. Einsegangene vruckscbrlften. Im Verlage von I. H. W. DIetz Rachs., verlagsbuchhandlimg, Stutt- gart, ist soeben erschienen: Die Grundprobleme des Marxismus, von G. Picchanow. Autorisierte Uebcrsctzuiig von Dr. M. Rachimson.(7. Bändchen der Kleinen Bibliothek.) Brosch. 75 Pf., geb. 1 M., Vereinspreis 50 Ps. Einem in weiten Kreisen viellach geänderten Wunsche nachkommend, hat die Verlagsbuchhandlung I. H. W. Dtetz Rachs. in Stuttgart sich ent- schloffen, von August Bebel, AuS nieinei» Leben, eine LicscrungSausgabe erscheinen zu lassen. Die Firma Paul Singer, Verlagsanstalt und Buch- druckerei in Siuttgart, hat diese Ausgabe in Vertrieb übernommen. Die LicscrungSausgabe wird ans 14 Hesten a 10 Ps. bestehen. Di: Expedition des ersten Hestes beginnt am 24. Mai. Von da ab wird alle acht Tage ein Hest erscheinen. Die Hcslc sind durch sämtliche Parteistliaieu und Kolportcure zu beziehen. Rämiselirs Bvltsleben der Gegenwart. Von Dr. A. Zacher. LR. geb. 4 M. Verlag I. Hossmann, Stuttgart. Einfache Hiinuielskunde. Nach dem neuesten Stande der Wissen» schast von PH. Fauth u. A. Mang. 114 Seiten.— Aulettung zur dreh- baren Sternkarte. Von A. Wang. 23 Seltm. Verlag A. Mang in Stuttgart. Moderne Klostergrund,»igen. Bon F. Nippold. 1,20 M. Heusers Verlag, Neuwied a. Rh. Der Sturm. Wochenschrift für Kultur und die Künste. Heraus» gegeben von H. Waiden. Einzelbezug 10 Pf. Verlag Der Sturm, Halensee- Berlin. DaS(List des Bergesseus. Roman auS der Südsc» von Stefan v. Kvtze. Verlag F. Fontane». Co., Berlin-Dahiem. 4 M., geb. 5 M. «Irbeitsiinchweiö: Hol l. Amt 3, 1239. AerwaltungSsteae Berlin. Hanptbureau lüiaeltiitesö« Z. Hof III. Amt Z. 1937 Sonntag, den 29. Mai 1910, vormittags 10 Uhr: ?= Allgemeine Versammlung= der Rohrleger und Helfer Krrlius und Uuigkgeud im«ewcrkschaftshauö, Engelufer IS, Saal 4. TageS. Ordnung: t. Borttag des Genossen WalelecK Mananse üfiett „Zu Licht und Freiheit". 8. DiSkusston. S. Vcrbandsangelcgenheitcn. 4. Branchenangelegenhelte» und Verschiedenes. Kollegen I Die Wichtigkeit der Tagesordnung erfordert, dafj ein jeder von Euch in dieser Versammlung anwesend ist. Agitiert deshalb für zahlreichen Besuch. Erscheint Mann für Mann. Sonntag, den 29. Mai 1910, vormittags 10 Uhr: = Branchen-VcrfammUmg= der Jahrftuhlmontenre und Helfer im Lokal von Hörer, Elisabethkirchstr. 14. TageS-Ordnung: 1. Vortrag des Kollegen über:„Unsere Gewerkschaften�. 8. Tarij- und Branchenangelegeicheiten. 3. Verschiedenes. � Mitgliedsbuch legitimiert.- Sonntag, den 29. Mai 1910, vormittags 10 Uhr: = Branchen-Versammlung � aller in der Mttallindnstrie beschäftigten Maslhinenardkiter nnd Arbeiterinnen im GewerkschaftShaus, Engelufer IS. Saal t. TageS-Ordnung: t. Vortrag des Kollegen Wnschlck über:„Oliver Eromwell und die englische Revolution«. 2. Diskussion. 3.' Verbands- und Branchenangelegenheiten. Zu dieser Versammlung find alle in der Metallindustrie beschäftigten Hobler, Bohrer, Aräser, Stöger, ferner die in den Betrieben der Gelbmetall- industrie beschäftigten Schnittarbeiter, an Ziebpressen und Stosiwerken Be- schästigt«, serner alle in diesen Branchen tätigen Arbeiterinnen sreundlichst eingeladen._ Sonntag, den 29. Mai 1910, vormittags 10 Uhr: Grotze Versammlung aller an Schranbknlllitomlltkn und Einjklbänktn beschäftigte« Einrichter im GewerkschaftShaus, Engelufer IS. Saal 8. TageS-Ordnung: Bericht der Kouiniission und welche Forderunge» wollen wir den Arbeitgebern unterbreiten'{ Kollegen I Da in dieser Versammlililg ein wichtiger Beschluß gefaßt wrrven muß, welcher im Interesse der gesamten Kollegen notwendig ist, so ist eS Pflicht eines jeden von Ihnen, in dieser Versammlung zn erscheinen. ....... Die-.............. Keiner darf fehlen l 116/3 Versammlung wird pünktlich eröffnet. vi««i'tuveel'rvaltaius. Heute Freitag, abdS. 8'/. Uhr, im GewerkschaftShaus», Engelufrr 14/15, Saal 4(Arbeitslosen, aal) i Lifeeiang derJOrtsverwaltung. Montag, den 30. Mai, abends S'/z Uhr: Koinbliiierte Versammlaiig der gesamten Kontrolllwmmissian mit der Ortsnerwaltnng tu den AndreaS-Zrcftslilen, AudreaSstr. 21. 84/6 m Mtu«8i uniitirsehneider! A°>»»»gi Sonnabend, de« 28. Mai, abends 8'/, Uhr, im GewerkschaftShaus» Engeluser 15: Oeffentliche Versammlung. TageS-Ordnung: 1. verichterstattnng über die Verhandlung mit den Arbeitgebern über hte grauen Feldunisormen. 2. Diskussion. 162/17 Pünktliche« und zahlrcich-Z Erscheinen erwartet Die Kommission. MskwIgbgWkitös-Vksdglill Zlalilutellv Berlin. Sonnabend, de» 28. Mai, abends S Uhr, bei«edr. Orande, früher Feind, Weinstrahe 11: Mitglieder- Versammlung TageS-Ordnung: 1.„Die Gewerkschaften und ihre Aufgaben.« Referent: Kollege Selml-e- Dresden. 2. Wahl von drei Delegierten zu der am l8. Juli diese» Jahres in Braunschweig stattfindenden 14. Generalversainmlung. 3. Oertliche BerbandSangelegcnheiten. . Mitgliedsbuch legitimtert:. DI« Bevollmächtigten, 187/11_ I. A.: S. R o s e n t h a l, Swinemünderstr. 62, II. Zeiitriiliinliliild d» MgstDistcn»nd Jjnicr foiüie Knilssgriiiiisc« Dfiitfriilnniis = Verwaltungsstelle«roll Berlin. Sonnabend, 28. Mai, abends SVa Uhr, in den„Arminhallen", Kommandantenstrahe 58/59: A»ßtmdkiii!il!jc Griicral-Dtrsliiiiiiililiig. TageS-Ordnung: 148/10 Bericht von dem Verbandstage in Hamburg. Kollegen! Wegen der wichtigen Tagesordnung ist das Erscheinen aller Mitglieder nolwendig. Mitgliedsbuch legitimiert! Ohne dasselbe kein Eintritt 1 I. A.: Die Verwaltnng. hlMWlllSSS: Empfehle den Vereinen, Gewerkschaften. Fabriken und Gesellschaften mein herrlich am Kroffinsre gelegene« Lokal zu Dampferpartie» und AuSflügcn.— Bestellungen nehme auch in meinem Berliner Geschäft: iloittiuesnt rutn Leuchtturm, Fontane-Promenade 18(Tel Amt IV. 173), entgegen. Buch stehen Bampter Vf � intb ilotorboote zur Verfügung. Wasch-Soppen für Herren, grün Satz 1 2.25»nd 80 Schluß morgen Sonnabend £nster Jacketts M. Pf. für Herren, einfarbig und gestreift, Satz 9 M. 2.90 und M. 1.65 Wasch-jlnziige für Knaben Satz 3 M. 1.85 und 90 Pf- 1.80 3.20 3.00 50 w. 3.40 2.00 3.70 Sab 2 W asch-joppen för Herren, grau........ M. 2.85, Sab 4 Wasch-Anzüge für Knaben.......... M. 4.00, Sab 5 Schill-Anzüge loppen-panom.......... M. 5.00, Sab 6 Wasch-Blusen kür Knaben........ M. 1.40, 90, Sab 7 Herren-Staubmäntel......... m. 6.00, 4.50, Sab 8 Sport-Hemden kllr Herren, idiöne Muiter....... M. Sab 10 Lüster- Jacketts für Herren, einfarbig a. gestreift M. 4.40, Sab 11 Lüster- Jacketts 50r langlingo............ von H 1.00«« Sab 12 W aSch-W esten kür Herren......... M. 2.90, 1.65 Sab 13 Westen-Gürtel kür Herren....... M. 1.75, 1.35, 95 Pk Sab 14 Wasch-Hosen kür Herren............ H 2.90, 1.50 Sab i5 Leichte Loden- Joppen kür Herren h 6.00, 4.00, 2.90 Sab 16 Loden-Pelerinen kür Herren and Damen.. Ki 14.50, 7.50 Or. 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Abt.: 1 Uhr: RummelSburg (CasS Bellevue). Stab: KöSliner Straße 3. 8. Abt.: 7 Uhr t Müggelheim. 1 Uhr: RummelSburg(EasS Bellevue). Start: Waldstr. 8. 11. Abt.(Sektion der Gastwirts» achiljen: 2. Juni: Bernau-Liepnitzsee. Start: Gr. Hamburger Str. 18/19. Abt. Lichtenberg: 5. Bezirksfest, RummelSburg(CasS Bellevue). 2'/, Uhr: Korsofahrt. Start: Psarr- straße 74. Bezirks fest de»».Bezirk» des Kreise» Teltow am Sonntag, de« 5. Juni, in Alt-Stralau, Wwe. Schonert Um gütige Unterstützung bittet Die Bezirksleitung. P. Guttbier. Bezirk 21(Niederbarnim). Am 2t). Mai tu RummelSburg (CasS Bellevue): Be�li-hitrent. Die Vereine und Abteilungen starten um'/jS Uhr aus dem Markt- platz an der Giünebergcr Straße in Boxhagen. Um 3 llbr beginnt der Blumen- Korso durch den Ort zum Fesllokal am RummeiSburgcr See. Billetts find noch am Start z» haben. Zahlreiche BeteMgung erwartet 11/4 Die Brzirkölettunß, Staanend billig. Land-, Obstbaum- und Hochwald- Parzellen Nassenheide(Nordbahn) v. 250 M. an Hunderte w kurzer Zelt Verl. Bes. Wölkt täglich int Bahnhoss- rcstaurant auzutrefien._ ZuhlHtoile Gi-oB-ßcrlin. Bureau: Ltnienstr. 215. Geöfsnet von 9—1 u. 4— 8 Uhr. Telephon: 111,938. Aclitunx! Achtung;! Uerband$taaswal)i 1 «m Sonntag, den 29. Mai, findet die Wahl der Delegierten zum Verbandstag(Halle«. S.) statt. Gewählt wird in der Zeit von vormittags IV Uhr bi» nachmittags 3 Uhr. 63/10- —— Das Mitgliedsbuch ist al« Legitimation mitzubringen. Nachstehend die Wahllokale: Bezirk Norden. t. oidllng, Brunnenstr. 79. 2. Hotlmann, Pasewalker Str. 8. Bezirk Sa,önhanser Borstadt. 3. stath, Schönhauser Allee 184a. Bezirk Nordwest. 4. Klrschkowski, Beusselstr. 9. 5. SchrSder Stromsir. 36. Bezirk Osten. 8. Merkoweki, Andreasstr. 26. 7. Zieb, Warichauer Str. 61. 8. Rott, Straßmannstr. 29, Bezirk Südost«nd Süden. 9. Schulro, Förster Str. 17. 10. Knechte), Wassertorstr. 14. 11. Kleinste, Arndtslr. 35. Bezirk RummelSburg. 12. Blume, Alt-Boxbagen 56. Bezirk Ober-2ch»»cweide. 13. Raabe, Wilbelmwenhosslr. 43. Bezirk Johannisthal. 14. Gobbin, Roonstr. 2. Bezirk Rixdorf. 15. Geliert, Steinmetzstr. 93._ Bezirk Eharlottenbur». 16. Volkthau«, Rostnenstr. 8. Bezirk Weihensee. 17. Content, Lehderstr. 5. Bezirk Tegel und Reinickendorf. 18. Kastle», Tegel, Berliner Sb. 92. 19. Schulz, Borfigwalde, Schubarthsir. 20. Roemer, Reitiickendors.Btrkenstr.69. Bezirk Nenenhngen. 21. Worimana, Bahnhosslraße. Bezirk Spanvan. 22. ttolldort, Sceburger Str. 26. 23. Röhr, Kornerstr. 5. Bezirk Köpenick. 24. Tauchert, MüggclHeimer Sb. 4. «ezirk AdlerShof. 26. Tempel, Kronprinzen sb. 46. Bezirk Niederlehme«. Umgegend. 26. Kood, Mederlehme-JägerSruh. 27. Knore, Zernsdorf. Bezirk Schöneberg. 28. Franz, Tcmpelhoser Sb. 18«. Gesundheit ist Reichtum! Bade Bcrlln-Ont M In»* „Bad Frankfurt" Große Frankfurter Str. 136. 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OrSsste Malzbierbrauerei Deutscblands. verantwortlicher Redakteur Richard Barth, Kerlin. Für deu Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u.BerIag: Borwärt» Buchdruckerei u. BerlagSanstait Paul Singer& 4o, Berlin SW» Mai. 27. jiitjMj. 2. Keiltze des„Mmlirts" DerlilM WldsdlM. mm. rechniicher fortichritt in Industrie und Gewerbe. Der technische Fortschritt in Industrie und Gewerbe besteht in der Steigerung der Mnschinenwirtschaft. Um die Produktivität der Arbeit zu erhöhen, wird die Spezialmaschine in ihren Kon- struktionselementen immer sorgfältiger dem Herstellungsprozeß angepaßt. Die Maschinentypen werden vergrößert und ver- seinert, die Bewegungsmechanismen erhalten ein schnelleres Ar- beitstempo. Die maschmentechnisch hochentwickelte Arbeitsorgani- sation aber ist für den Arbeiter selbst betriebsgefährlicher ge- worden. Jede Betriebsstörung und jedes falsche Eingreifen in die Arbeitsmaschinerie hat für Gesundheit und Leben des Arbeiters mehr oder weniger gefährliche Rückwirkungen. Die Aufgaben der technischen Unfallverhütung bestehen nun darin, die Arbeitsmaschine durch Schutzverkleidungen der be- wegenden Teile, durch automatisch wirkende! Sperrvorrichtungen usw. für den Arbeiter möglichst ungefährlich zu machen. Hat der Unternehmer ein Interesse daran, seine Maschinen so konstruktiv ausbilden zu lassen, daß sie die höchste Leistungsfähig- keit entwickeln, so lassen sich die Aufgaben der technischen Unfall- Verhütung nicht immer mit diesen Gesichtspunkten vereinigen. Im Gegenteil werden oft die notwendigen Schutzvorrichtungen die Leistungsfähigkeit der Maschine herabmindern und den An- schaffungspreis erhöhen. Der Unternehmer sucht deshalb nach Möglichkeit ohne Schutzvorrichtungen auszukommen. Entstehen Unglücksfälle, so wird der Unvorsichtigkeit des Arbeiters die Hauptschuld zugeschrieben. In einer jüngst erschienenen Schrift(Notwendigkeit, Erfolge und Ziele der technischen Unfallverhütung von Dr. Jng. Ernst Barten. Verlag der Arbeiterversorgung A. Troschel. Preis brosch. 3,00 M.) beschäftigt sich der Verfasser mit der Notwendigkeit, den Erfolgen und den Zielen der technischen Unfall- Verhütung. Die Notwendigkeit wird dargelegt durch einen Ueberblick über die Verpflichtungen und die Verantwortlichkeit des Gewerbeunter- nehmers, des Käufers der Maschinen, in bezug auf die Sicherheit der Betriebseinrichtungen gegen Unfallgefahren und die Folgen der Nichtbeachtung der bestehenden Gesetze. Die Erfolge sucht der Ver- fasser durch neue eingehende statistische Untersuchungen der Ur- fachen und Folgen der Unfälle, speziell des Einflusses der maschinellen Einrichtungen auf die Gcsamtunfallziffern zu er- weisen. Die Ziele werden charakterisiert durch Bezeichnung der Wege, die heute eingeschlagen sind, und der Bestrebungen, die sich in dieser Richtung bemerkbar machen. Die Arbeit ist vorwiegend für Ingenieure bestimmt, denen sie das konstruktive Gefühl schärfen soll.„Es muß an den modernen Maschinenbau die Forderung gestellt werden, daß der Konstrukteur, der die Maschine in beweglichen Formen vor sich erstehen läßt, der in alle ihre Einzelheiten und den kausalen Zusammenhang ein- dringt, wie ein zweiter bei dem fertigen Produkt nicht imstande ist, den Unfallschutz als voll>vert igen Kon- struktionsfaktor berücksichtigt." In den Kreisen der technischen Aufsichtsbeamten wird gegen- wärtig die Streitfrage sehr lebhaft erörtert, ob der Maschinen- licferant gesetzlich verpflichtet werden kann, die Arbeitsmaschinen unfallsicher zu liefern oder ob der Käufer sich selbst die nötigen Schutzvorrichtungen nachträglich zu besorgen hat. Barten hält die Berücksichtigung des Unfallschutzes schon im Entwurf der Maschine für geboten. Neben den Bedingungen der Festigkeit und guten Baumaterials, den Forderungen des Zweckes und der Verwendung der Maschine muß der Gedanke des Arbeiterschutzes schon in der Anordnung und Gestaltung der einzelnen Teile zum Ausdruck ge- langen. Die Arbeit von Barten zeichnet sich durch eine klare Dar- stellung aus, enthält ein reiches Material und ist auch Arbeiter- sekretariaten und GewcrkschaftSkartellen, deren Tätigkeit in das Gebiet der Unfallversicherungspraxis hineingreift, bestens zu empfehlen._ Richard W o ld t. Keuute Generaloerslimmlung der Töpfer uud Kerufsgenossen. Dresden, 2B. Mai. Nachdem die Genossen D r u n se l und Girbig sich rückhalt- loS für die Verschmelzung von Töpfer-, Glas- und Porzellan» arbeiterorganisationen zu einem allgemeinen Keramarbeiterverband ausgesprochen, ohne jedoch zu einem Gewaltbeschluß zu drängen, da ein solcher der Bewegung nur schaden würde, wurde in der Mittwochstagung die Frage in einer fünfstündigen Debatte erörtert. Die Meinungen über eine Verschmelzung waren sehr unter- schiedlich«. Das ging schon aus den gestellten Anträgen hervor, von denen einige den Keramarbeiterverband, andere den allgemeinen Bauarbeiterverband, eine dritte Serie Ablehnung der Ver- schmelzung forderten, und ein Antrag Posen die Gründung eines Bau-Jnne narbeiterverbandes verlangte. Es schien ein gewisser Berufsegoismus die verschiedenen Kategorien innerhalb des Verbandes in' dieser Frage zu spalten. Denn die Richtung, die sich für den Bauarbeiterverband erwärmte, hatte vornehmlich unter den Ofensetzern ihren Anhang, die sich ihrem Beruf nach auf die Städte konzentrieren— wenn auch unter den Ofensetzerdelcgierten verschiedene ganz ausdrücklich einen Anschluß an die Bauarbeiter als einen schweren Fehler bezcich- neten—, während die Freunde des KeramarbeiterverbandeS vor« nehmlich bei den Werk st üben- und Scheibenarbeitern standen, von denen besonders die letzteren sich auf das platte Land verteilen. Die Gegner der Verschmelzung fanden zunächst einen starken Rückhalt in der Autoritär des Gen. Fräßdorf, der scharf und bestimmt das Projekt bekämpfte. Er sagte, er könne nicht ein- sehen, daß durch einen Zusammenschluß die Töpfer in ihren Kämpfen irgendwie gestärkt würden. Die Berührungspunkte, die z. B. die Kategorien des Baufaches aufeinander anweisen und not- wendigerweise auch in eine einheitliche Organisation zwingen, seien zwischen Töpfern, Glas- und Porzellanarbeitern gar nicht vor- Händen. Vielmehr hätte jeder der drei Berufe so besondere Ver- Hältnisse, daß er danach auch seine Kämpfe einrichten müsse. Ver- einigt würden die drei Organisationen sich viel eher Schwierig- leiten machen als sich Nutzen bereiten. Wohl würde der Keram- orbeitervcrband eine größere Zahl in die Wagschalc werfen, aber wo für jeden der in ihm zu vereinigenden Berufe so besondere Verhältnisse in Betracht kommen, sei nicht die Zahl, sondern die größere Beweglichkeit das Wichtigere bei den Kämpfen. Es dürfe nicht heißen: Zentralisation um jeden Preis, sondern: nur da Zentralisation, wo sie Vorteile bringt. Das gemeinsame Klassen- interesse könne auch gefördert werden durch Kartcllierungcn und die notwendig werdende intensive Unterstützung bei den Zukunfis- kämpfen, womöglich durch Gründung eines zentralen Kampffonds. ! Auch Rapputan- Berlin bekämpft die Behauptung, je größer die Verbände, desto größer die Schlagsertigkeit. Gar zu leicht könne es bei einer Bewegung der Töpfer und Kachelmacher heißen: Ihr habt so und soviel Stundenlohn, sorgt mal zuerst für die Glasarbeiter usw.— Soweit indessen Berliner Delegierte aus der Ofensctzerbranche zur Sache das Wort nahmen, erklärten sie sich �anz entschieden gegen den Anschluß an den Bauarbeiter- verband, während umgekehrt besonders Hamburger und Leipziger Delegierte erklärten, daß die gesamten Ofensetzer ihrer Filiale einen Anschluß au die Bauarbeiter für praktisch hielten, dagegen den Zusammenschluß der Keramarbciter verwarfen. Von der Mehrzahl der Redner wird jedoch die Notwendigkeit und der Nutzen desselben teils zugegeben, teils mit Eifer begründet. Ihnen kommt Wollermann, der Vorsitzende des PorzellanarbciterverbandeS zu Hilfe, der noch einmal das' ganze Für und Wider zusammenfaßt und zum Schlüsse erklärt, die Frage sei jetzt lange genug mit Sym- pathieresolutionen abgetan worden, man müsse jetzt endlich einen Schritt weiter gehen und klipp und klar erklären, ob die Frage Bauarbeiterverband ausscheiden solle aus der Diskussion und die Parole nur noch heiße: Keramarbeiterverband. Diese Entscheidung wurde getroffen, indem in nament- licher Abstimmung mit allen gegen 8 Stimmen eine Verschmelzung mit dem Baiiarbcitcrvcrbaud abgelehnt wurde. Dann wurde, ebenfalls namentlich, mit 48 gegen 15 Stimmen eine Resolution angenommen, die besagt, daß die Generalversammlung die Schaffung eines allgemeinen KeramarbeiterverbandeS als richtig anerkennt. Die Vorstände der drei Verbände sollen gemeinsam ein Sta- tut ausarbeiten, über deren Annahme oder Ablehnung die Mit- glieder in einer Urabstimmung entscheiden sollen. Um den Mitgliedern jegliches Entscheidungsrecht vorzubehalten, besagt noch ein weiterer Beschlutz, daß die Verschmelzung definitiv nur durch eine Urabstimmung mit Zweidrittel-Majorität beschlossen werden darf.— Mit dieser Stellungnahme ist die Verschmelzung um einen guten Schritt der Verwirklichung näher gebracht. In der letzten Stunde referierte noch der Kassierer L o t h e r über die Ergänzung des Untcrstützungswesenö, dem die Arbeits- loscnunterstützung einverleibt werden soll. Vierttr Rrrbandstag des Zentralverbandes der Sttinartitittr Deutslljtouds. E i s e n a ch, 25. Mai 1910. Dritter Verhandlungstag. Die Verhandlungen beginnen mit Erledigung der zum Vor- standsbericht gestellten Anträge. Beschlossen wird, daß in Zukunft nur Arbeitsangebote im„Steinarbeiter" gebracht werden sollen, wenn die betreffende Ortsverwaltung ihre Zustimmung gibt.— Ferner wird der Vorstand beauftragt, mit der Gencralkommifsion und mit dem Vorstand der Maurer Rücksprache wegen Verlegung der Redaktion des„Opereio Jtaliano' zu nehmen. Es wird ge- wünscht, die Redaktion von Hamburg nach Karlsruhe zu verlegen. Die weitere Tagung dient der Beratung dec Erwerbslosenunterstützung. Den Delegierten liegt ein Entwurf zur Einführung dieser Unter- stützung vor. Die Vorlage ist auf Beschluß der vorhergehenden Ge- neralversammlung vom Zentralvorstand ausgearbeitet, sie enthält eingehende Berechnungen, die mit aller Deutlichkeit zeigen, wie schwer diese Unterstützung im Stcinarbeiterverband einzuführen ist. Referent zu diesem Punkte ist der Verbandssekretär Siebold- Leipzig. Die Unterstützungscinrichtung sei eine sehr große Bc« bastung für die Gesamtmitgliedschaft, weil die Erwerbslosigkeit unter den Stcinarbeitern sehr groß ist. Es waren im Jahre 1908: 78,5 Prozent, 1909 84,9 Proz. der sämtlichen Mitglieder erwerbslos. Die Kampffähigkeit der Organisation werde durch die Einführung der Unterstützung Arbeitsloser herabgedrückt und die Kampfkraft ge- schwächt. Die Unterstützung sei auch nicht geeignet, werbend für die Organisation zu wirken. Redner beweist dieses an der Hand des Entwurfs und der gut gepflegten Berufsstatistik. Die m i s e- rablen Lohn- und Arbeitsverhältnisse in den Steinbruchs. gebieten lasten auf die städtischen Steinarbeiter und die Besse- rung dieser Verhältnisse habe mehr Wert, als die paar Mark Unterstützung. Die außerordentlich große Krankheit und Arbeits- losigkeit in der Sandsteinindustrie erfordern Unterstützungssummen und Beitragsleistungen, wodurch die Verbesserungen der Lohn- und Arbeitsbedingungen zurückgestellt werden müssen. Das liege nicht im Interesse der Organisation! S ie b o l d kommt zu dem Schluß, daß die Unterstützung Arbeitsloser, einerlei in welcher Form, vom Verbandstag abgelehnt werden müsse. Auf Antrag wird von einer Debatte Abstand genommen und beschlossen, den ftüheren Befürworter der Einführung, Seidel- Dresden, noch in dieser Frag« zu hören.— Seidel erklärt, daß er die heutigen Verhältnisse als ungünstig für die Einführung der Arbeitslosenunterstützung bezeichnen müsse. Durch längere AuS- fiihrungen beweist er die Notwendigkeit der Arbeitslosenunter- stützung, kommt aber zu dem Schluß, daß auch er heute nicht für die Einsiihrung plädieren könne. Mit 35 gegen II Stimmen wird die Einführung der Arbeits- losenunterstützung abgelehnt. Ueber„Tarifwcsen und Streiktaktik" spricht Staudinger» Leipzig in geschlossener Sitzung. l3. Generaliitrsluiimhing dis Zentralverbtuldts der Zchiiüede. München, 25. Mai 1910. Dritter Verhandlungstag. Die Diskussion über die Berfchmelzungsfrage, die sehr lebhast einsetzte, füllte auch den ganzen dritten Tag der Beratungen aus. Im Prinzip sind alle Redner für eine Ver» schmelzung mit dem Metallarbeitervcrband, nur wenden sich die Gegner gegen die Uebcrtrittsbestimmungen. Schmitz- Mann- heim beantragte in einer Resolution über die Verschmelzungsfrage eine Urabstimmung vorzunehmen und wird darin von mehreren Delegierten unterstützt. L e che l e r- München betont, daß die Münchcner in der Verschmelzungsfrage seit der Dresdener Gene- ralverfammlung ebenfalls ihren Standpunkt geändert haben, weil sie einsahen, daß man auf die Dauer nicht gegen den Strom schwimmen könne. Es mutz ein Weg gefunden werden, auf dem eine Verständigung erzielt werden kann. Redner begründete fol» gende Resolution: 1. Der Verbandstag erklärt sich ini Prinzip mit der Ver- schmelzung zum Mctallarbeiterverband einverstanden. 2. Der Zcutralvorstand wird beauftragt, mit dem Vorstand des Metallarbeiiervcrbandes in die Unterhandlungen behufs Uebertritt einzutreten. Auch wird der Vorstand beiauftragt, alle weiteren Schritte zur Aufklärung der Mitglieder in dieser Sache einzuleiten. Das Verbandsorgan soll ferner durch aufklärende Artikel im Sinne der Verschmelzung wirken. 3. Die 12. Generalversammlung erwartet aber vom Deut- schen Metallarbeitervcrband und dessen nächster Generalversamm- lung ein besonderes Entgegenkommen, damit diese wichtige Frage zum Nachteil der Gesamtheit nicht noch weiter verzögert wird. 4. Sind die Uebertrittsbedingungen festgesetzt, so sind diese in der„Schmiedezeitung" zu veröffentlichen. � 5. Sechs Wochen nach Veröffentlichung der Uebertrittsbedin» gungen hat eine Urabstimmung mittels Stimmzettel stattzu- finden. m ,,, Wenn die Mehrheit der Abstimmenden sich für bte Verschmelzung erklärt, so gilt dieselbe als beschlossen. 6. Der nächste Verbandstag erledigt alle Formalitäten zwecks Uebertritt und beschließt die Auflösung des ZentralverbandeS aller in der Schmiederei beschäftigten Personen. Nachdem zu diesem Punkte nicht weniger als 50 Redner ge». sprochen, wurde die Debatte geschlossen und eine Kommission ein- gesetzt, die auf der vorliegenden Resolution eine Richtlinie zu schasfen hat, auf der eine Verständigung möglich ist. Wegen des Fronleichnamsfestes findet am Donnerstag reine Sitzung statt._ Rierttl Verbandstag des Ikutralvelbandes der Zivil- mßkn Deutschlands. Lehe-Bremerhaven, 25. Mai 1010. Zweiter Berhandlungstag. Es wird in der Besprechung des Geschäftsberichts und der hierzu vorliegenden Anträge fortgefahren. Kritik an den Berichten des Vorstandes, des Kassierers und des Ausschusses wird nicht geübt. � In der Abstimmung werden die Anträge auf unentgemiche Abgabe des Protokolls an die Mitglieder. Herausgabe von Agi. tationsnummern zu geeigneter Zeit, Anfertigung von Aufnahme» fcheinen mit abtrennbaren Quittungen, angenommen. Der Antrag auf Freigabe der Fachzeitung für Inserate wie auch der Antrag der Ortsverwaltung Bergedorf wird dem Hauptvorstand über- wiesen und der weitere Antrag auf Vertretung des Hauptvorsitzen- den zurückgestellt. Der Antrag des Ausschusses, die Ortsverwal. tungen bei Differenzen sofort zu benachrichtigen, wird angenommen. Es wird nunmehr in die vertrauliche Besprechung über Agi- tation und KaiiipfeStaktik eingetreten. Das Referat über die Boykottfrage hielt Genosse Bauer von der Generalkommission. In der Nachmittagssitzung soll das Ergebnis der vertraulichen Besprechung mitgeteilt und über die Einführung einer Kranken- Unterstützung beraten werden.-»- Gembts- Leitung. Zum Vereinsrecht.. Ein interessanter Rechtsstreit beschäftigte am DienStag das preußische Oberverwaltungsgericht. Nach§ 3 des Reichsvereinsgesetzes muß einen Vorstand und eine Satzung haben jeder Verein, der eine Einwirkung auf politische An- gelegenheiten bezweckt(politischer Verein). Nach dem Absatz 2 desselben Paragraphen ist der Vorstand verpflichtet, binnen einer Frist von zwei Wochen nach Gründung eines solchen Vereins die Satzung sowie das Verzeichnis der Mitglieder des Vorstandes der für den Sitz des Vereins zuständigen Polizei- behörde einzureichen. Ueber die erfolgte Einreichung ist eine kosten- freie Bescheinigung zu erteilen. Rechtsanwalt K o h n in D o r t» m u n d, der bekannte Demokrat, hatte nun nach Gründung des Akademischen Freibundes Münster der Polizeiverwaltung in Münster davon Anzeige gemacht und mitgeteilt, daß er und ein Oberlehrer in Hamm die Vorstandsmitglieder seien. Zugleich reichte er das ganz kurze Statut ein, worin es ein- fach heißt:„Der Freibund Münster erkennt das Programm des Deutschen Akademischen Freibundes an." Die Polizei- Verwaltung sah das nicht als eine Angabe der Satzung im Sinne des Gesetzes an. Dieser eine Satz sei keine dem Gesetz entsprechende Satzung. Es fehle die Angabe des Zweckes. Den müßte jede Satzung haben. Der Hinweis auf das Programm des Deutschen Akademischen Freibundes ersetze nicht die Angabe des Zweckes.— Rechtsanwalt Kohn weigerte sich, weitere Angaben zu machen, weil er solche nicht machen könne. Darauf erließ die Polizetverwaltung an ihn eine Verfügung, wodurch sie ihm aufgab. binnen zwei Wochen eine vervollständigte Satzung einzureichen. Widrigen- falls würde sie gegen den Verein vorgehen. Kohn klagte im Verwaltungs st reitversahren. Der angegebene Statutensatz genüge. Wenn danach der Frei- bund Münster das Programm des Deutschen Freibundcs an- erkenne, so ginge daraus hervor, daß er denselben Zweck ver- folge, wie der Bund. Dadurch sei der Polizei die Möglichkeit gegeben. festzustellen, ob der Verein gesetzwidrige Zwecke verfolge. Der Bezirksausschuß wies die Klage ab und erkannte die polizeiliche Verfügung als berechtigt an. Er führte aus: Trotz der Strafbestimmungen sei die Polizei zum Erlaß der Verfügung berechtigt gewesen. Die Angabe des Vereinszweckes sei ein so wesentliches und selbstverständliches Erfordernis, daß ohne solche Angabe nicht die Forderung erfüllt erscheine, daß ein politischer Verein eine Satzung haben und sie angeben müsse. Wenn ein Verein sagen würde, er verfolge die Ziele der Zentrumspartci, dann würde das aller« dings genügen, denn diese seien notorisch. Das Programm des Deutschen Akademischen Freibundes sei es aber so wenig, daß es keiner der mitsitzenden Richter kenne. Somit sei in der Mitteilung des Statuts des Lokal- bundeS Münster keine genügende Angabe des Ver- einszweckes zu finden. Nun entstehe die Frage, ob der Kläger als Vorsitzender in der Lage sei, die Satzung zu vervollständigen. Mau könnte vielleicht einwenden, daß er dazu nicht in der Lage sei. Demgegenüber komme in Betracht, daß das Gesetz zwar die politischen Vereine zu einer Satzung verpflichte, daß es aber keine Hilfsmittel(etiva Auflösung) angebe für den Fall, daß eine genügende Satzung nicht vor- handen sei. Darum sei anzunehmen, daß die Verpflichtung des Vorstandes, die Satzung einzureichen, auch die Ver- pflichtung enthalte, für Herbeiführung einer genügenden Satzung zu sorgen. Rechtsanwalt Kohn legte Berufung beim ObervcrivaltungS- gericht ein. Der erste Senat des Oberverwal- tungsgerichts gab in seiner letzten Sitzung der Berufung des Klägers statt, hob die Vor- entscheidung auf und setzte die polizeiliche Verfügung außer Kraft, durch die dem 5kläger die Einreichung einer vervollständigten Satzung aufgegeben worden war.— Gründe wurden nicht verkündet. Sie sollen erst in der schriftlichen UrteilsauLfertigmig angegeben werden. Die Polizei hat seit einiger Zeit recht viel Pech mit ihren Versuchen, unter der Herrschaft des Reichsvcreinsgesetzes ihre alte Nadelstichpoliti! fortzusetzen. In den letzten Wochen hat bekanntlich das Oberderwaltnngsgericht so manche polizeiliche Verfügung auf dem Gebiete des Vcrernsrechts aufgehoben. Wir erinnern nur an die Aufhebung der Verbote von öffentlichen Versammlungen unter freiem Himmel und von öffentlichen Aufzügen. Dazu kommt nun dieses neue Fiasko in einer Frage, die zum ersten Male das Oberverwaltungs- gericht beschäftigte. Kindesmord? Trübe soziale Bilder wurden bei einer Verhandlung wegen Mordes entrollt, die das Dienstmädchen Erna Sophie HennigS vor das Schwurgericht des Landgerichts I führte. Die Angeklagte, ein dralles, aus dem Holsteinschen stammendes Mädchen, ist hier in vec- schiedenen Dienststellen gewesen, in denen sie sich als ein überaus arbeitswilliges Mädchen bewährte, das unverdrossen auch die schwerste Arbeit verrichtete. Und sie durfte die Hände nicht in den Schoh legen, denn sie hatte für zwei uneheliche Kinder zu sorgen, für deren Unterhalt sie fast ihren gesamten Monatsverdienst hingeben mußte. Mit ihren Eltern hatte sie sich verfeindet und von dieser Seite war ihr angekündigt worden, daß sie gänzlich verstoßen werden würde, wenn sie sich noch einmal einen Fehltritt zuschulden kommen lassen würde. Die Angeklagte schenkte zum drittenmal einem Kinde das Leben, brachte dieses bei einer ßaltcfrau unter und trat wohlgemut in den Dienst des Oberinspektors des städti- sehen Asyls in der Fröbelstraßc. Ihr Kind wurde nach etwa drei Wochen recht krank: es litt an Brechdurchfall und kam so herunter, daß sein Ableben in drohender Nähe zu stehen schien. Tie Halte- frau wollte unter allen Umständen vermeiden, daß das Kind bei ihr sein junges Leben aushauchte, denn sie befürchtete, daß ihr dann in Zukunft ein Haltekind nicht mehr zugewiesen werden würde, und sie beschloß deshalb, das unglückselige kranke Wesen abzuschieben. Am 24. Nohember, als die Angeklagt« gerade mit den Kindern ihrer Herrschaft spielte, erschien plötzlich die Haltefrau mit dem kranken Kinde auf der Bildfläche, legte es der völlig überraschten Mutter in den Schoß und erklärte, nickt mehr kn der Lage zu sein, das Würmchen bei sich behalten zu können. Tie Angeklagte war völlig verzweifelt. Sic brachte das Kind zunächst auf ihre Kammer und ging dann ruhig, als ob nichts geschehen sei, ihren Obliegen- hciten nach. Am nächsten Tage wurde die in einen Pappkarton gepackte Leiche des Kindes in einem Müll- und Aschenkasten aufge- sunden. Die obduzierenden Aerzte Geh. Mcdizinalrat Dr. Straß- mann und Gerichtsarzt Dr. Strauch glaubten feststellen zu können, daß der Tod als eine Folge der inneren Erkrankung des Kindes zu betrachten sei und eine kleine Druckmarke am Halse des Kindes nicht notwendig darauf hindeute, daß ein gewaltsamer Tod vorliege, sondern auch durch das Einpacken des Leichnams in den Karton ent- standen sein könne. Als dann aber die Angeklagte als die Mutter des Kindes ermittelt worden war, gestand diese ein, daß sie in der Aufregung und Verzweiflung dem Kinde eine Schnur um den Hals gelegt und diese zugezogen habe. Unmittelbar darauf habe es ihr aber wieder leid getan, sie habe die Schnur gelockert, das 5rind sei aber schon tot gewesen. Mit Rücksicht auf dieses Geständ- nis modifizierte Geh. Rat Dr. Stratzmann sein Gutachten über die Todesursache, während Gerichtsarzt Dr. Strauch auch im Haupt- Verhandlungstermin trotz des Geständnisses der Angeklagten auf dem früheren Stairdpunkt verharrte, wonach es nicht ausgeschlossen erscheine, daß das Kind schon tot war, als die naturgemäß sehr aufgeregte und in ihren Wahrnehmungen absolut unzuverlässige Mutter ihm die Schnur um den Hals legte. Die Geschworenen er- kannten die Angeklagte des versuchten Totschlags schuldig und der Gerichtshof verurteilte sie zu 2 Jahren Gefängnis unter Anrech- nung von 5 Monaten Untersuchungshaft. Eine Freisprechung der Mutter und eine Verurteilung der Haltefrau hätte dem Rechtsgefühl mehr entsprochen. Bauernfanger. Zur Warnung für allzu vertrauensselige Provinzler, die trotz aller Hinweise in den Zeitungen immer wieder auf die Tricks ge- werbSmäßiger Bauernfänger hineinfallen, kann eine Verhandlung dienen, mit der sich die 3. Strafkammer des Landgerichts t zu bee schäftigen hatte. Wegen Rückfallbetruges war der..Arbeiter Her- mann Geier und der Kellner Karl Wagner angeklagt. Am 80. März dieses Jahres kam der Landwirt Braun aus seinem kleinen Pom- mcrschen Heimatdörfchen zum erstenmal in seinem Leben nach Berlin. Als er noch etwas verwirrt von dem großstädtischen Vor- kehr und dem Straßengetümmel am Stettiner Bahnhos stand, wurde er von dem Angeklagten Geier in höflicher Weise ange- sprachen und nach einer Straße gefragt. Aus seine Antwort, daß er selbst fremd sei und in Berlin nicht Bescheid wisse, gab ihm Geier, der sich ebenfalls als Fremder ausgab, den guten Rat, in dem„Sündenbabel" Berlin sehr vorsichtig zu sein, da es hier„viel Gauner gebe". Diese Mahnung mußte für den biederen Pommer: wohl der Grund sein, daß er zu dem angeblichen Fremden und Leidensgefährten besonderes Vertrauen faßte. Um das neue Schutz- und Trutzbündnis nach alter deutscher Sitte mit einem kühlen Trunk zu besiegeln, begaben sich beide in das Lokal von Ullrich in der Tieckstraße. Nach einiger Zeit kam der Angeklagte Wagner hinzu und erzählte, daß er soeben von Köln komme und unterwegs von einer Zigeunerin ein neues Kartenspiel gelernt habe, das er einmal probieren wolle. Geier beteiligte sich an dem„neuen" Spiel, welches in Wirklichkeit das alte Gaunerspiel„Kümmelblättchen" war und hatte im Handumdrehen etwa 30 M. gewonnen. Dieser Gewinn erweckte die Spielleidenschaft des Braun derart, daß er sich ebenfall» an dein Spiel beteiligte. Nachdem er erst einige Mark gewonnen hatte, verlor er andauernd, bis er schließlich seine go samte Barschaft in Höhe von 120 M. verloren hatte. Wagner spielte dann noch den Großmütigen und versprach dem Hereingefallenen, ihm einen Teil des verlorenen Geldes zu leihen. Zu diesem Zwecke bestellte er den B. nach dem Bahnhof Friedrichstratze. wo Braun auch länger« Zeit vergeblich wartete, bis er zu der Ueberzeugung kam, daß er einem Gaunerpaar in die Hände gefallen war. In gleicher Weise wurde von den Angeklagten ein von außerhalb zu- gereister Sattler Putze um einen größeren Betrag geprellt. Bor Gericht waren beide Angeklagte geständig. Das Gericht erkannts gegen die Angeklagten auf je VA Jahre Gefängnis._ SozialtakratischerWabM des 6. Barl. Belehstags- Wahlkreises. Todes- Anzeige. Am 24. Mai verstarb unser Mitglied, der Tischler ttermsnn Xüllaer Sickingenstraße 7. Ehre seinem Andenke»! Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 29. Mai, nach. mittags 3'/, Uhr, von der Leichen- halle des Birchow-Kr'nnkenhauses aus nach dem Friedhof der Frei- religiösen Gemeinde in derPappel- Alle- statt. Um rege Beteiligung ersucht 227/13»er Vorstand. Deolsclier Holzarbeiter-Verband Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Tischler Hermsim Zöllner am 24. Mai gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 28. Mai, nachmittags 3°/, Uhr, vom Virchotv- Krankenhause aus nach dem Fried- hos der Freireligiösen Gemeinde in der Pappel-'Allee statt. Um rege Beteiligung ersucht 84/7 Die Ortsverwaltung. Uerband der Maler, Lackierer, Anflreicherufw. Filiale Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß der Kollege Joseph Markiewicz (Bezirk Westen) am 23. d. M. verstorben ist. 12S/S Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung studet Freitag, den 27. Mai. nachmittaa» 4 Uhr, aus dem St. Malthias-Friedhos in Südende statt. Die Ortsverwaltnng. Hiermit die traurige Nachricht, daß mein lieber Gatte, unser herzensguter Vater, Schwieger» und Großvater, der Kausmann l«d.-8o>i«nk»usen, LS.Mai 1vt0. Die trauernden Hinter- dliebencn. Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 28. Mal, nach. mittag» 5 Uhr, von der Leichen- halle de« hiesigen KirchhoseS, Buchholzcr Straße, aus statt. Danksagung. Sagen hiermit allen Freunden und Bekannten, den Kollegen der Firma W. Menzel, dem Holzarbeltcrveroand, dem Gelangvcrem Waldesrauschen, dem Mandolinenklub Jtalta, dem Laubenverein Gut Land, der Freien Turnerschast Mariens elde, dem Ard.» Turnverein Tempelhos, dem Turn- verein Fichte, Berlin und der Freien Turnerschast Nummelsbw gegend sür die zahlreich« Rummelsburg und Um- die herrlichen Kranzspenden bei der Beerdigung unseres lieben, un- vergeßliche» Sohnes und BruderS Wilhelm Grasse Uttferen Herzlichsten Dank. 2207b Die trauernden Elter» und Geschwister. Hz, Hygienische B Drogerle Zaremba, WeinbergSweg l. dir. a.Rosenthaler bor. Billigst« Be/mgSquelle t Serfuch f. zur dauernden Kundschast. Allen Kollegen und Freunden die traurige Nachricht, daß am Mittwoch, den 25. Mai, mein lieber Mann Rodert Littfin nach langem Leiden im SS. LebenS- jähre verstorben ist. Die trauernde Witwe nebst Kindern. Die Beerdigung findet am Sonntag, den 23. Mai, nach- mittags 4 Uhr, von der Halle des Gemeinde- Friedhoses in Marzahn aus statt. SSSSb LetzterZug 3.24 ab Friedrlchsfeldc. Deutscher Metallarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin. Todes- Anzeigen. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Schlosser Gustav Liese am 20. Mai durch Uebersahren gestorben ist. Die Beerdigung findet am Freilag, den 27. Mai, nach- mittags 3 Uhr, von der Leichen- Halle des Zentral-Friedhoses in FriedrichSseloe aus statt. Ferner starb unser Mitglied, der Schlosser Robert Littfin am 25. Mai an Herzschwäch«. Die Beerdigung findet am Sonntag, den 29. Mai, nach- mittags 4 Uhr, von der Leichen- halle des Gemeinde- Kirchdoses Lichtenberg in Marzahn au« statt. Ehre ihrem Andenken! Rege Beteiligung erwartet 116/4 Die Ortsverwaltung. Todes-Anzeige. CWlle» Freunden und Bekannten hiermit die traurige Nachricht, daß meine tnniggetiebte Frau (tana Dabbert geb. Hlrzeta nach langem, schwerem Leiden entschlafen ist. Der trauernd« Gatte Helnrlcb Dabbert. Die Beerdigung findet heute Freiing, nachmittags S Uhr, von der Leichenhalle veS städtischen Fricdhoss, Seestraße, au« statt. Allen Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, daß am Mittwoch, de» Lö. Mal, meine liebe Frau L2Sgb IoniW Müller geb. Ziegelmann sanft entschlafen ist, Die« zeigen tiejbetrübi an Moritz Müller. Eltern und Geschwister. Die Beerdigung findet am Sonntag, den 23. Mai, nach- mittags 20, Uhr. vom Trauerhause in llontgentdal, Bahnhos- straße 16. au« statt. Todes- Anzeige. Allen Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, daß am Montag, den 23. d. M., meine liebe Frau Slartha nach langem, schwerem Leiden ver- starben ist. Die Beerdigung findet am Freitag, den 27. Mal, nach. mittags 4'/, Uhr. von der Halle de» Gemeinde-FriedhofeS in Ober- Schineweide aus statt. Karl Radzlck nebst Kindern. Dr.Schünemann Spezialarzt für Haut- und Harnleiden, Frauenkrankheiten,* ftr. 203, Ecke ai Wochentags 10—%, S— Für die vielen Beweise herzlicher Test- nähme anläßlich des TodcS meines geliebten Gatten und unseres Vaters Eduard Jacob sagen wir allen Bekannten und Kollegen deS teueren Entschlafenen unseren herzlichsten Dank. Die trauernde» Hinterbliebenen. E.H. 89. Tischler-Verein Sonnabend, den 28. Mai, abends 8'/, Uhr, Melchiorstraße 15: Nersammlung Vereinsangelegenheiten. Ausnahme neuer Mitglieder. Zahlen der Beiträge 138/13 Der Vorstand. Ärlieiter-Wanilerliund Ii„Die Naturfreunde". Sonntag, den SS. Mai: Bundeswanderfahrt«ach Schmöckwitz, Lorenz' Idyll. 1. Frledrichshagen-Gosen-Tchmöck- 1. Friedrichshagen-Gosen-Sch! witz. Abs. Schief. Bahnhof 7,04 vor- mittags. 2. Erkner— Steinsurl— Schmöckwitz. Abs. Schieß Bahnh. 6,23 vormittags. 8. Königswuslerhausen— Wernsdorf —Schmöckwitz. Ms. Görlitzer Bahn- hos 6,30 vormittags. 4. Grünau— Schmöckwitz. Abfahrt vchles. Bahnh. 1,27 nachmittags. 5. Kindcrwandersahrt: Grünau— Schmöckwitz. Treffpunkt: 1. Am Schles. Bahnh., Ecke Frucht- und Madalstraße.— 2. Bahnh. Wedding, Eingang Nettel« beckplatz. 8'/, Uhr vormittag«. Gäste willkommen. 1/16 Sokbeu erschttlltll: Klassen in Denlsiai von Paul Kampffkncyer. Preis drosch. t,60 Jtf. öe6, 2, ,, lin des„Mrts" Uerlln»W.«8 Lindenstraste 69(Laden). Cigaretten sm ... In Geschmack und Aroma alte fi feinster Qualität aufweisen� Die besten Rohtabake, dtefentgen. Ggafetten, Aroma alte Merkmale Ifl richtiger Welse lusammengestellt, haben verbunden mit sorgfältigster, fabriktechnisoher Bearbeitung In ihnen ein Fabrikat geschaffen« dessen(Jeberiegenneit jeder Raucher anerkennt Josettt Juno m. u. o. M. 10 St 20 Pfg. V'% • V'*■/*'.''•■-V Selowsky's f Bolero■ Cigaretten bleiben unübertroffen I• mit Hundstück obne Mundstück Goldninndstück ■0 Stuck 20 Pf g. Hiermit erkläre ich, daß ich die in der Erregung ausgesprochene Belcidi- aung gegen Frau llatilo, Gernoth- straße 37. mir daS Frühstück ge- nommen zu haben, da mein AuS- spruch jeder Grundlage entbehrt, gern zurücknehme und spreche mein Be- dauern über nieine Boreiligkeit aus. Frau Grsuz, Lichtenberg, Friedrichst. SS. Op. Simmel Spezial-Arzt für Haut- und Harnleiden. Prinzensir. 41, 10—2, 5—7. Sonntags 10— 12, 2—4 I Verkauf nur Im Fabrikgebäude!■nBQC Wenn Si« Engrospreisen i m der Mhelküdrik 3 ac i ncaui nur am a: aoriK�«uttuuo. i MSie sparen Geld! öbei H. Walter». Willi MaaB, i 35 1 kein Laden �§ Tel.: A.III, 6157«1 kaufen. Verkauf nur im Fabrikgebäude— nur eigene» Fabrikat.— Aul Wunsch Teilzahlung. 35 ma Permanente Musterzimmer-Ausstellung,■u 35 E Qlienicke'West Ä Frohnau 20?l Nordbahn. Nur»och 23 herrliche Waidparz. Q-Rt. v. S3 JH. an. Kapitalanl. Ncstgeldcr— 10 Jahre. Prospekte sofort. Große Zulmist. Diok«! u. Narraschk, Cilenioko, Hattwiohstr.OD, u. Hermsdorf, Humboldtotr. 71. 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Opern.!dheater. Die Meistersinger von Nürn- berg. Mnsang? Uhr.) Königl. Schauspielhaus. König Heinich VL Slnfnnq 8 Uhr. Lefsing. Das Konzert. TeuischcS. Friihlings Erwachen. Kammerspiele Wienertzölle: Biüderlein sein. Goethe. Komische Oper. Die Kavallerie. Galaihee. Divertissement. Nene» Schauspielhaus. Der Flieger. Kleines. Nur ew Traum. Berliner. Tatsun. Neues. Die goldene Ritterzeit. Neues Overetten. Der Gras von Luxemburg. Driano». Theodore u. Cie. Residenz. DaS Nachtlicht. Der selige Octave. Thalia. Gltick bei Frauen. Hebbel. Gewehr ab.(Ansang 8'/, Uhr.) Westen. Russisches Ballett. Schiller o. iwallner. Thealer.) HanS Lange. Sch»er Clmrlottenbnrg. Die Liebe wacht. »riedrich- WilbelmstSdtischeS. Der Vielgeliebte. Bolksoper. Falschspieler.(Anfang «'/, Uhr.) Luisen. Was Gott zusammensügt. iMoie. Die Schmuggler. LuftsPielhauS. Das LmwantS- mündel. Metr»»>»i. Halloh II— Die große Revue. FolleS Capriee. Eine gründliche Kur. Ein verschwiegenes Atelier. (Ans. ß'U Uhr.) Eastno. Familie August Knoche. Bebr. Herrnfeld. Die Welt geht unter. Wenn zwei daSsewe tun. Apollo. Mahara. Spezialitäten. Baliage. Spezialitäten. Reichsballe». Stettiner Sänger. Karl Haverland. Spezialitäten. Walhalla. Spezialitäten. lirania. Ta»ve»nrahe tK/lii. AbcndS S Uhr: In den Dolo. mite». Sternioarte. Invaltdenstr. 57—62. l.e««inR-Thc«ter. 8 Uhr zum 100. Male-®o8 Konzert. ab Sonnabend, 8 Uhr: JbsenzhkluS, 13. Vorstell.: Wenn wir Toten erwache«. berliner l'lieater. Heute S Uhr: Talfllllo Morgen: Talfan._ Heues Theater. Abend» 8 Uhr: Die goldene Ritterzeit. Morgen und folgende Tage: vi« zpalcksnv Ritterzeit. Theater des Westens. Abends 8 Uhr: Bi» einschl. Sonnabend. 28. Mai: Gejamtgastjpiel des rnsi. Balletts de» lailerl. Theater. I.usksp»sIksiZ». Abends S Uhr: Das Leutnantsmündel N«t»vD Qperetten-Tltenter. Heule und folgende Tage 8 Uhr: Der Gras von Luxemburg. Sonntag nachmittag 3 Uhr, zu er» mäßigt. Preisen: Mo vollai-peineoeEin. fryslMIlKgUtMö! Schauspielhaus. Freitag, den 27. Wai, abend» 8 Uhr: Der Vielgeliebte. Schwank in vier Akten von Alfred Schmasolv und Karl Heinz. Morgen und solgcnde Tage: Der Vielgeliebte. Residenz-Theater Direltion: Richard Alexander. Abend» 8 Uhr: Das Nachtlicht. Schwant in 3 Alien o. M. Zamacols. .hieraus: Rer selige Oktave. Giotesle in 1 Akt von Yve» Mtraude und Henry Goroule. em~ Sommerpreis«."WO Morgen und folgende Tage: Die- selbe Borstellung._ Metropol-Theater Hallo!!! Die große Revue! In 8 Bildern von Jul. Freund. Musik v. Paul Lincke. In Sione ««setzt vom Dir. Rieh. Schultz. Anfing 8 übr. Rauohon gestattet Urania. Wissenschaftliches Theater Abends 8 Uhr: In den Dolomiten. Volksoper. SW., Bclle-Alliance-Stratze Nr. 7/8. Abend»'1,9 Uhr: Falschspieler. Luisen-Theater. Zum letzten Male: Mas Gatt zusammenfügt. Schauspiel in 5 Akten von Ernst Ritterseldt. Sonnabend: Neueinstudierung: Waise aus Lowood. Sonntag nachm.: WaS Gott zu- sammenfügt. Abends: Waise auS Lowood. osc-THUttfU Große Die Schmuggler. Franlsnrter Str. 182. 1 Ans. 8 Uhr. Ende N Uhr. I ;ler. L-_ Komödie in 4 Akten von A. Dinier Aus der Kartenbühne t ä g l i i Theater- Borstellung. Speziap. täten, grosses«arten- Konzert Ansang i'/j Uhr. »i; URT" Letzte Woche!~WfO SUhr: Die großen Attraktionen I Mahara m. ihren lebenden Riesenschlange«. _ Louis de Vhtndt als M Augnst. �3 80 englische Backftsche 80 mit neuem Repertoire. Georg und Gusii Edler. Orig.-Ducit: Wiener Fiaker— Waschermadel. totste Vorstellungen des von PubUkum und Presse xlünzend beurteilten Mai-Programms mit Frinz Charles der Alle mit Mensohenkultur. Rosina Casselli JjCh Roeders Ijuftreokakt und 10 Attraktionen 10. Ufflftüd Kommandantenstr. 67. Z. A. 4, 6083. Schlnft diesjährig. Spiel-Saison St. Mai er. BiS dahin täglich mit größtem Lachersolg: Die Welt geht unter. Folgen de» KometensicderS und Wenn zsvei dasselbe tun mit A. und D. Herrnseld. WgU- Ansang 8 Uhr.-WG f zzzzgg'IlieztA. Abends 8 vbr: »1« Sterne che» Hnntors Willi Piagsr# und das große Varlete-Progruniin I I>W»» WWWW Hchiller- Schlller-Theatep 0.(Wallncr-Theat.) Freitag, abends 8 Uhr: Runs I.nnxe. Schauspiel in 4 Alten von P. Hehse. Ende 10'/, Uhr. Sonnabend, abend? 8 Uhr: Die I-Iehe wacht. Sonntag, nachm. 3 Uhr: Viel LSruien um nichts. Sonntag, abends 8 Uhr: Narziß. Theater. Schiller-Theater(Charlottenburg). Freitag, abends 8 Uhr: RMe l iehe wacht. Lustspiel in 4'Alten v. G. A.dc Caillavet und Robert de Flers. Ende lO'l, Uhr. Sonnabend, abends llUhr: iEapienstreich. Sonntag, nachm. 3 Uhr: »er Reineidhaner. Sonntag, abends 8 Uhr: SMe Ehre. bssdm Hagenheck BÜl0W=PIatZ,»"der Kaiser-WiRteim■ 3 Minuten vom Bahnhof Alexanderplatz. Täglich abends 8 Uhr: Große Vorstellung. Im Freien neben der Eaubtiersohau Hagenbecks Eisberg zirka 15 Meter hoch, mit 30 lebenden Elsbüren. Bis abends 6 Uhr geöffnet, sowie Besichtigung sämtl. Tiere. Reu! Reu! Sensationeßi Brauerei Friedriclisliain Am KOniirstor. 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Franz Meißner, Origlnal- lomiker und das andere- reich- haltt��rogramm� volles Lsprice Lille xrünlllicke Rur. Neuer bnnter Teil. Tin Vks8l!li«iögöug8 Itsligs. Anfang ß'l, Uhr. Vorverlaus 11-2 Uhr. itßmin iL Tf�iefeiTheater IWeinbergsweg 19-20, Rosonth.Tor.| Abend» 8 Uhr: Das grasartige Variets-Programm. I Paul Bendlx, Verl. Komiker| und die adrigen Spezialitäten. Trianon-Theater. AbcndS 8 Uhr: Theodore& Cie. Alt-noahtt 47/40. Täglieh: Konzerf, Theater, Spezialitäten. Casino-Theater Lothringer Straße 37. Täglich 8 Uhr. Aus allgemeinen Wunsch vis»um 81. Mai: Familie August Knoche. Knoche: Dir. Hans Berg. Sehveizer- rtapfon Am•WniBSio'"— Uni Ivll Am Friedrichshain. Täglich: Theater, !!»« Volksbelustigungen. Anfang 5 Uhr. Entree 30 Pf. V olksga rten- Theater früher Weimann. Badstr. 8, Behm- u. Bellermannftraße. Täglich: Konzert-, Theater- und Spezialitäten-Vorstellung. DaS Riesen« Programm. Zur Aufführung gelangt: Der stiegende Berliner. BollSstüik in 5 Bildern mit Gesang und Tanz. Kerliuer Pruter-Thkater Kastanienallee 7— S. Täglich:-HM 9m Reiche des Wars Spezialitäten, Konzert«. Ball. Ansang 4',, Ul r. Entree 30 Pf. fuhlmanns Theater Schönh. A. 14— Kastanlen-A. 97/99. BV Letzte Woche, Walzertranme. Operettenposse mit Gesang n Tanz. Da» Kramer Trle.- Ada Wlle.- Rachow und Betty.— Karl Clin.— Elten Fleuretts.— Leopold Rosser. Ansang de» Konzert« 7,5 Uhr. Sntree 20-60 Pf. Sonnabend Extravorstellung: Berlin, wir'» baut und kracht. Keleüsdulleu-Tbesler. Stöttlugk SSugöl Tenoristen-Vogel. EinKünjtterblld v.«isystzl Ansang wochentags « Uhr. SomitagS 7 Uhr. ii Ums SonirteatBr und Festsäle. Inh.; Rudolph Krttger. Hasenheide 13/15, vis-k-vis v.Xurnpl. TttgUch: Große Theater- d. Spezlalitäten- IforstelluDg. Artist. Leitung: Waller Grävenltz, Kapellmeister: Max Wolffhelm. Jeden Donnerstag: EHte-Tag;! Anfang: Woohent.6Uhr, Sennt.'f,6 Uhr. Burgtheater- Kinematograph vorm. Groterjan, Jnbab.: Rud. Merz, Schönhauser Allee 189. Tel. 3. 9353. Lebende Photographien. 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Treuer, Kastanien- Allee 40 Für den Inhalt der Inserate übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Berantwortnug. IJ. Ztefning 5. KI. 222. Kg!. Preüss. Lotterie ' Ziehung vom 26. Mal, Tormitlaga. Nur die Gewinne Uber 240 Marie sind deu betreffenden Nuramern in Klammern beigefügt, (Ohne Gewähr.)(Naebdrucü verbeten.) S38 109 56 691 671 854 943[500] 1000[300] 171 4)1 «07 831 2031 396 442 98 723 9 7 981[500] 3 003 70 341 417 617 790 807 994 4023 118 77 469[1000] 573 683 824 68 938 69 72 5121[1000] 29 411 820 903 13 14 87 6037 [500] 44 87 454[lOOO] 305 652 7 2 7 027 501 806 8 213[300] 314 607 83 765 87 9000 675[500] 737[500] 814 940 10133 250 90 391 97 413[500] 836 13[500] 936[500] 78 11014[300] 212 330 473[1000] 602 767 939 12260 [600] 63 492 620 26 700 63 13071 116 235 360 457 661 84 723 50 917 14117 234 303[500] 97[1000] 660 1500] 69 [300] 719 823 32 15017 440 609 702[500] 846 16397 444 699 832 46[3000] 908 1 7030 144 281 403 621 18233 330 II 493 330 741 804 16 920 19098 318 474 528 20012 79 121[1000] 94 267 399 858 21187 465 56« 657[500] 739 927 2 3010 137 39 83 253 67 312 441 583 678 [3000] 730 53 977 23001 126 289 358 603 717 94 944 24106 66 354 68 413 0 7 554 836 908[ 3000] 25128 78 444 824 32 903 2 6000 229 380 412 4 9 625 763 851 27260 318 708 46 941 2 8067 331 413 2 9193 313 402 574[1000] 94 «17 56 703 93 821 49 83 30064 601 43 663 743 851 86 917 87 3 1 388 00 96 425 '676 739 76[3000] 32127 431 519 33350[500] 798 890 921 68 3 4004 14 404 81 596 725 3 5362 433 873[1000] 3613! 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Zfeftlfifc 5. Kl. 222. Kgl. Preliss. toflerfe Ziehung vom 26. Mai, naebmitiags* "Nur die Gewinne Uber 240 Mark sind den betreffenden Nummern in Klammern beigefügt, (Ohne Gowbbr.)(Nachdruck verboten.) 495 537 83 872[600] 974 1025 233 316[500] 549 741 849 2013 470[1000] 347 64 991 3050 82[500] 195 2X7 637 7X6 51 842[500] 999[1000] 4153 63 418 93 762 5061 «10 6X7? 676 83 765 79 909 55[500] 7134 43 221 416 62 94 613[1000] 51 707 8090[500] 579 9 108 40 258 506 611 707 10253 305 410 600 32 769 959 11357 639 724 12059 "lö«[500] 217 376 109[500] 635 735[500] 874[lOOO] 987 13S0U 770 606[500] 962 68 1 4063 101 211 471 89 506 «25 42 714 920 65 15590 624 723[lOOO] 91 16074 84 528 603 767 904 16 17010 240 51 90 460[30U0] 784[500] 047 1 8039 376 321 23 1 9273 490 627 728(500] 809 2O063 270[500] 395 617[3000] 23 43 726 320 42 73 910 2 X 020 71 157 00 201 69 517 83 2 2004 208 438 525 57 606 759 850 2 3054 39 170 243 S04 704 960 24103 S23 90 788 950 2 5095 241 o4ä[1000] 400 16 3 6 536 7 24 89[1000] 26040 191 202 430 550»18 84 2 7028 159 272 461 593 732 37 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Der Wichligen Tagesordnung wegen ist eS Pflicht der Frauen und auch der Männer, für recht zahlreichen Besuch dieser Versammlung Sorge zu tragen. Der Vorstand. Charlottenburg. Am Dienstag, den 31. Mai, abends 8 Uhr, findet im großen Saale des VolkshauseS, Rosinenstr. 3, eine öffentliche Versammlung statt. Auf der Tagesordnung steht ein Referat der Genossin Rosa Luxemburg über:„Der WahlrechtSkampf". Wir ersuchen, insbesondere die Frauen aus diese Versammlung aufmerksam zu machen. Der Vorstand. Bernau. Die Versammlung für Juni fällt aus. Rcinickciidorf-Ost. Heute abend findet von den bekannten Stellen aus eine Flugblattverbreitung statt. Die Bezirksleitung. berliner I�acdricbten. In der Stadtverordnetenversammlung Ware gestern rein gar nichts los gewesen, wenn nicht aus zu- fälligem Anlaß sich die Gelegenheit geboten hätte, das ewige Rätsel des Märchenbrunnens zur Sprache zu bringen. Er ist längst selber zum Märchen geworden, dieser Märchenbrunnen, der nie fertig werden zu sollen scheint. Stadtverordneter K n a u e r klagte in beweglichen Tönen, daß die dem Friedrichshain zugedachte Zierde noch immer nicht vollendet dasteht und der ihm zur Unzierde gereichende Bauzaun noch immer nicht gefallen ist. S t a d t b a u r a t H o f f m a n n, der als Künstler für das Werk verantwortlich zeichnet, mußte als Magistratsmitglied auch die Verantwortung dafür übernehmen, daß wir so lange auf die Vollendung warten müssen. Er verstand es wieder einmal, dem Pfeil die Spitze abzubrechen und zuletzt die Lacher auf feine Seite zu ziehen. Erst wies er darauf hin, daß der Kunst- deputation aus dem Stadtsäckel zu wenig Geld zur Ver- fügung gestellt wird. Nebenbei bemerkt: Die Banausen der freisinnigen Mehrheit möchten womöglich auch von diesem Wenigen, aus dem auch die Kosten des Märchenbrunnens ge- deckt werden müssen, noch etwas herunterhandeln: sie haben's tatsächlich schon versucht. Dann sprach Stadtbaurat Hoff- mann von der Schwierigkeit, die vielen an der Ausführung des Märchenbrunnens beteiligten Künstler unter einen Hut zu bringen. Und schließlich demonstrierte er in seiner Humor- vollen Art die Wahrheit des Satzes„Was lange währt, wird gut" an einem klassischen Fall, der so handgreiflich war, daß die Versammlung in ein schallendes Gelächter aus- brach. Er lachte mit und fügte den Trost hinzu, daß uns Berlinern eine so ausgiebige Geduldprobe denn doch erspart bleiben soll. Hoffen wir's! Die Sommerfrische. Der moderne Großstadtmensch, der mit der Kraft der Fäuste wir vor allem der geistig arbeitende, hat heute mehr denn je im Sommer eine Erholungspause nötig. Die lang- andauernde strenge Pflichterfüllung, das Zwangshasten nach Erwerb macht ein kurzes Ausspannen aus dem Joche der Arbeit zur unbedingten Notwendigkeit, wenn nicht die natllr- liche Reaktion sich in rapidem Kräftcverfall äußern soll. Dank unserer göttlichen Weltordnung ist es heute erst einem ganz geringen Brucksteil der wirklich arbeitenden Klassen beschieden, für lvenige Wockzen oder auch bloß für eine einzige Woche die Tretmühle zu verlassen und sich außerhalb des dunsttgcn Häusermeeres in würziger Landluft beschauliche Ruhe zu gönnen. Vielleicht auf keinem zweiten gesundheitlichen Ge- biete tritt unsere soziale Rückständigkeit ähnlich kraß hervor. Man tut wohl manches, um den in hartem Frondienst durch Krankbeit. Unfall oder Invalidität aus dem Leim gegange- nen Körper einigermaßen wieder zusammenzuflicken, damit er zum Nutzen der ausbeutenden Klassen weitcrschuften kann. An das Naturgebot, daß jeder schwer arbeitende Mensch, wenn er widerstandsfähig bleiben soll, alljährlich wenigstens einmal gründlich ausruhen muß, denkt der Staat und der Gesetzgeber noch lange nickst. Das muß, wie so vieles andere, auch einer zukünftigen Gesellschaft vorbehalten bleiben. So ist denn die um die jetzige Zeit wieder mal von Millionen Herzen er- wogene Möglichkeit der Großstadtslucht in die Sommerfrische praktisch weiter nichts als eine Geldfrage. Wer Geld hat, ist wahrhaftig nicht immer gesund, aber wo der Geldfack protzt, besteht doch leichter die Aussicht, die durch ein überflottes Leben in die Brüche gegangene Gesundheit frisch auszu- polieren. Arbeiterknochen müssen rastlos weiterschaffen, bis sie den Dienst versagen und zusammenbrechen. Hier gibts keine Vorbeugung, keine„göttliche Vorsehung", nur die„gott- gegebene Abhängigkeit", mit der der liebe Gott dem Geschlecht der armen Menschen ein Kuckucksei ins harte Nest ge» legt hat. Der jetzt bald wieder riesenhaft anschwellende Ferien- Reiseverkehr auf den Berliner Bahnhöfen erweckt freilich nicht den Anschein, als ob es an Geld zur sommerlichen Er- holung fehlt. Sieht man genauer hin, so wird unter den Reisenden, deren viele äußerlich von Gesundheit strotzen, die charakteristische Volksgestalt fast gänzlich vermißt: der Prole- tarier. Unter denjenigen, die ihre Sommerrcise haben müssen, ohne daß die Gesundheit es erfordert, aus Laune, Zeitvertreib und rein zum Vergnügen, ist auch der Beamten- stand außerordentlich stark vertreten. Nun, wir sind gerecht genug zu dem Zugeständnis, daß auch mancher Beamte, ob- wohl er selten mehr tut als seine verdammte Pflicht und Schuldigkeit, einen Erholungsurlaub nötig hat. Er verreist auf mindestens vier Wochen um so lieber, wenn„Vater Staat" ins große Portemonnaie greift und ihm die Reisekosten aus der Tasche der Steuerzahler blank auf den Tisch zählt. Daß es bei dieser Bewilligung von Badereisenzuschüssen sehr nach Gunst zugeht, ist seit langen Jahrzehnten ein offenes Ge- heimnis. Hunderttausend werden für solche Zwecke alljährlich aus dem Steuersäckel entnommen. Die Glücklichen sind vor- wiegend die höheren Beamten, die meist schon ihr Gehalt oder durch Privatvermögen so gestellt sind, daß sie auf dieses Ge- schenk aus dem Vollen und auf Kosten weit Bedürftigerer ruhig verzichten könnten. Der Unterbcamte erhält zwar auch feinen oft recht karg bemessenen Urlaub, aber noch Geld dazu — das hängt sehr von der guten oder schlechten„Nummer" ab, die er beim Vorgesetzten hat. Welche Urlaubsschwierig- � keiten mit allerhand bureaukratischen Schikanen gar den Ar- beitern in Staatsbetrieben gemacht werden, haben wir ja schon mehrfach gekennzeichnet. Nicht minder schlecht steht es mit städtischen Unterbeamten und Arbeitern. Der allge- meiner« Urlaub ist ja erst vor wenigen Jahren, hauptsächlich durch das unablässige Bohren der sozialdemokratischen Stadt- verordneten, durchgesetzt worden, doch die bewilligte Urlaubs- zeit ist zum Teil so gering, daß sie absolut nicht ausreicht, um eine wirkliche Erholung, die für ein ganzes Jahr vorhalten soll, zu gewährleisten. Und nun denke man an das Heer von Großstädtern aller möglichen Arbeitskategorien, die selten oder nie in die Lage konimen, dem Wasserkopf an der Spree" für ein paar Wochen den Rücken zu kehren. Man nimmt sich immer wieder vor. die Verwandtschaft in der Provinz zu be- suchen oder ein billiges Logis aus dem Lande zu beziehen, aber zuguterletzt will die Reisekostenrechnung doch nicht klappen, weil hundert unvorhergesehene Ausgaben dazwischen- gekommen sind. Für all diese Hunderttausende, die nach Land- und Waldluft so heißhungrig sind, will ja unsere hoch weise Regierungspolitik auch noch das letzte bischen„Groß stadtlunge" aus ödester Spekulationswut beschneiden, den Waldbestand rings um Berlin... die Sommersonne, die allen Menschen leuchten soll, wird auch mal anders lachen— im Staate der Zukunft._ Ahnungen von einer neuen Zeit. Mit seinem künstlichen Lattenbaum, der als Blätter lauter Papierfähnchen in den Nationalfarben trug, zum Teil mit dem Bilde des prinzlichen Geburtstagskindes geschmückt, stand das spindeldürre alte Männchen an der Ecke der Leipziger und Friedrichstraße— selbst ein Lattenbaum aus hölzern trockenen Knochen, aber ohne sachliche Blätter und Blüten. Das öde. inhaltlose Gesicht, tragisch in seinem einzigen und ewigen Inhalt von Sorge und Gehetztsein, war um einen neuen Zug„bereichert"— den Ausdruck eines fassungslosen, stumpfen Staunens. Vom hohen Norden bis hier ins Lebenszentrum der Hauptstadt war er gepilgert, erst anpreisend und anbietend, dann nur noch anbietend, immer leiser— immer seltener— bis er jetzt regungslos und lautlos inmitten des wogenden Großstadtstromes stand, ohne auch nur ein einziges Fähnchen verkauft zu haben. Und dabei hatte ihm doch der eine Schlaf- bursche gesagt:„Kaiser is er ja nich— aber er kannst ja noch wer'nl Da wachste Dir Fahnen mit sein' Bild— un sonst Fahnen— mit de Nationalfarben— schwarz— un weiß— un... na wat'n sonst noch?— Na eenjaal— det kriegste ja allens fertig— pappste bloß zesamm'— un denn jehste mit los uff sein' Jeburtstag— det zieht immer." Und der Alte hatte für seine letzten Pfennige die Papier- fähnchen gekauft, hatte sie mit den Stäbchen„zesamm' ge- pappt" und war losgegangen. Es sollte etwas zu verkaufen sein— das war alles, was er verstanden hatte und wußte. Andere Empfindungen und Betrachtungen wären für ihn un- erschwinglicher Luxus gewesen, selbst wenn er sich zu dem Gedanken an einen solchen hätte aufschwingen können. Mit seiner müden zerbrochenen Stimme hatte er„Kooft'n Krön- Prinz— een Jroschen der Kronprinz— een Fröschen l" gekräht, wie er„Kooft Sttefelwichse I" gekräht haben würde. Und nun hatte es nicht„gezogen". Und doch hatte er eine dunkle Erinnerung, daß er unter den zahllosen Sachen, die er schon feilgehalten, auch schon solche Fähnchen feil- gehalten, und daß es ganz hübsch„gezogen" hatte. Wie fragend hob er den Blick zu dem Bilde des Geburtstagskindes empor. Aber dies lächelte ihn unverwandt und freundlich an und gab keine Auskunft. Dem Alten wurde unheimlich von diesem Lächeln. Auch der majestätische Schutzmann lächelte ihn beifällig an, nachdem sein Blick die Ware gestreift, und er dachte gar nicht daran, nach dem Erlaubnisschein zum Straßen- Handel zu fragen. Aber mittlerweile war bei�dem Alten das unheimliche Gefühl vom Herzen bis ins Hirn gekrochen, und er war sich bewußt geworden:„Für dies Lächeln kann ich mir nichts kaufen l..." Enttäuscht hob er den trostlosen Blick in die Höhe. War da nicht auch etwas verändert?— Hier und dort hing ja eine Fahne— aber in des Alten Hirn tauchte eine konfuse Erinnerung auf an einen Wald von Fahnen, fast so dicht wie der— leider ach— so dichte Fahnenwald auf seinem Latten- bäum. Und in den Schaufenstern, auf die der müde Blick jetzt hinuntersank— war da nicht auch etwas verändert? Fehlte da nicht etwas? Ja— gewiß I— Da war doch früher kein Schaufenster gewesen, wo man nicht diese Photographie sah— das ganze Jahr hindurch: Mutter mit Kindchen— o Pardon: Prinzessin mit Prinzchen!— Ein Handschuhladen— im Schaufenster: Mutt... nein: Prinzessin mit Prinzchen 1 Ein Blumenladen: Prinzessin mit Prinzchen l Ein Metzgerladen: Prin- zessin mit Prinzchen l— Usw. usw. usw. Und von alledem heute keine Spur! Nicht mal heute!— Und kein Mensch sah nach ihm und seinem Kram I— DaS alte Männchen verstand es nicht. Hilflos und rat- loS stand eS da, inmitten des brausenden Lcbcnsstromes. Und doch— aus dem hastenden, wirbelnden, brausenden LebenSsttom schien wie unendlich feiner, kristallklarer Gischt ihn leise, leise eine Ahnung anzusprühen, ihn zu umhüllen und zu durchdringen— die Ahnung von einer neuen Zeit.... Gegen den Straßcnhandel wird in neuerer Zeit von Hausbesitzern und kleinen Gewerbetreibenden erneut Sturm gelaufen. Der Verein Berliner Grundbesitzer von 1865 (Innere Stadteile) hat an den Magistrat eine Eingabe ge- richtet, in der anerkannt wird, daß der Strahenhandel in- folge der Polizciverordnung von 1964 aus den in dieser Ver- ordnung angeführten Straßen so gut wie verschwunden ist: umsomeyr mache er sich in denjenigen Straßen bemerkbar, die von der Polizeiverordnung nicht betroffen werden. Es sei notwendig, auch hier noch ein Verbot auszusprechen, wo- durch der Straßenhandel in Berlin gänzlich beseitigt Wird. Begründet wird diese Forderung damit, daß Hausbesitzer und Ladeninhaber durch den Straßcnhandel geschädigt werden. Es werden dann die alten Ladenhüter von früher hervor- geholt, nach denen der Straßenhandel nicht nur von kleinen Leuten betrieben werde, die infolge verschiedener Umstände nicht anderweitig sich ihr Brot verdienen können, sondern eine Reihe von Großfirmen betrieben mit einer Anzahl von Gespannen Straßenhandel mit Obst, Gemüse, Kartoffeln, Kohlen, Bildern und Büchern. Und weil es in Rixdorf gelungen sei, den Straßenhandel zu unterbinden, sei das auch für Berlin zu fordern. Von der Agitation der Hausbesitzer sind auch eine Anzahl Gewerbetreibender angesteckt worden, die in das Feldgeschrei zur Beseittgung des Straßenhandels lebhaft einstimmen. Richtig ist eins: Nur die Hausbesitzer haben das lebhafteste Interesse an dem Verschivinden des Straßen- Handels. Dann kommen sie in die Lage, nicht nur ihre Läden vollständig vermieten zu können, sondern auch die Mieten für die vermieteten Läden erheblich steigern zu können. Der kleine Geschäftsmann, der heute schon zu tun hat, die Miete zu erschwingen und der in dem vor seiner Tür haltenden Straßenhändler einen unliebsamen Konkurrenten erblickt, wird keinen Nutzen haben. Einmal bekommt er durch die Vermietung etwaiger unbewohnter Läden neue Kon- kurrentcn, dann aber nimmt ihm der Hausbesitzer durch Mietssteigerung eine eventuelle erhöhte Einnahme wieder ab. Schon mancher kleine Geschäftsmann, der im Laden nicht mehr existieren konnte, hat zum Straßenhandel greifen müssen und schlägt sich so gut es geht, durch. Erdrofse- lung dieses Handels würde das in Zukunft unmöglich sein. Gewiß läßt sich auch über den Straßenhandel manches sagen. das trifft aber auf viele seßhaften Händler ebenfalls zu. Nur im Interesse der Hausbesitzer den Straßenhandel zu beseiti- gen, dagegen müssen wir uns mit aller Entschiedenheit wenden. Zur Lohnfrage der städtischen Ardeiter. Die sozialdemokratische Fraktion der Stadtverordnetenversammlung hat folgenden Antrag gestellt: Die Stadtverordnetenversammlung ersucht den Magistrat, ihr in einer Vorlage— zur Kenntnisnahme— Mitteilung zu machen über seine Beschlüsse betreffend die von dem Herrn Oberbürgermeister gelegentlich der Etatsberatung am 24. Februar 1910 in Aussicht ge- stellte Erhöhung der städtischen Arbeiterlöhne. Die Standgelderhöhung in den Markthallen, die die städttsche Markthallendeputation beschlossen hat, trifft viele Standinhaber recht erheblich. Am schlimmsten sind diejenigen daran, die in einer anderen als in der Zentralhalle ibren Stand haben. Diese Leute hatten schon zum größten Teil bisher ihre liebe Not, ihre Existenz zu finden. Eine Standgelderhöhung für diese Hallen hat zweifellos die Wirkung, daß noch mehr Stände als bisher leer bleiben werden und hebt den finanziellen Effekt der Erhöhung der Standgelder wieder auf. Dazu kommt, daß eine Anzahl alter, betagter Standinhaber ihre Existenz verlieren. Das hat kürzlich eine Deputation dem Herrn Oberbürgenncister auseinandergesetzt und gebeten, die Standgelderhöbung nicht eintreten zu lassen. Jetzt ist zu Händen der Händlerin Wilhelmine Schmidt folgender Bescheid ergangen: „Auf Ihr an den Magistrat gerichtetes, an uns zur Be- scheidung abgegebenes Gesuch vom 12. d. M. erwidern wir Ihnen, daß wir zugunsten einer geringen Zahl betagter Standinhaber nicht in der Lage sind, von der allgemeinen Erhöhung der Stand- gelber Abstand zu nehmen, zunial die Erhöhung sich nur in ganz bescheidenen Grenzen bewegt." Unterzeichnet ist diese Antwort von dem Dezernenten der Markt- Hallendeputation Stadtrat Venzky. Unseres Erachtens wird durch den Beschluß der Marklhallendeputation niemanden genützt. Wenn man vielleicht eine kleine Erhöhung der Standgelder für die Zentralhalle nach Lage der Verhältnisse begreifen kann, so dürste die auch für andere Hallen eingetretene Erhöhung sich durch nichts rechtfertigen lasten. Aber uns scheint, als ob verschiedenen maßgebenden Herren in der städtischen Verwajtung ein weiteres Zurückgehen der Frequenz in den städtischen Markthallen nur sehr erwünscht ist. Man rechnet schon damit, diese oder jene Halle dann auch zu schließen und anderen Zwecken dienstbar zu machen. Hausmittel außerhalb der Apotheke«. Ueber den verkauf von Hausmitteln außerhalb der Apotheken liegen eine Reihe von gericht- lichen Entscheidungen vor, die jetzt amtlich zusammengestellt worden sind und daS weiteste Interesse beanspruchen. Rhabarberwein, Brust- tee und Brustpulver dürfen nach einem Urteil de? Kammergericht» und des Landgerichts III in Berlin als Borbeugungsmittel auch außerhalb der Apotheken feilgehalten werden. Pain-Expeller ist, ebenfalls nach dem Kammergericht, nur als Heilmittel dem freien Verkehr entzogen und seine Anpreisung auf den äußeren Um- hüllungen in der Provinz Hannover verboten, soweit ihm darin Heil- oder Schutzwirkungen zugeschrieben werden. Auch das Feilbalten von Alpenkräutertee ist außerhalb der Apo- theken zulässig. Ebenso kann Karbolwasier als DeSinfektionS» mittel nach einer Entscheidung deS Kammergerichts verkauft werden. Dem freien Berkehr überlasten will außerdem das Kammergericht essigsaure Tonerde zu kosmetischen Zwecken, Omega-Knöterichtee, ' amburger Pechpflaster, soweit eS lediglich aus Pech, Wachs. Serpentin und Fett besteht sowie Crysolin als DesinseltionSmiltel. Sogar graue Ouecksilbersalbe mit nicht mehr als lv Gewichtsteilen Ouecksiber in 100 Gewichtsteilen Salbe kann außerhalh der Apotheken verkauft werden. Dagegen darf aromatische Eiseminktur außerhalb der Apotheken als Heilmittel nicht feilgehalten werden. Beschwerden bei der Post. Ueber die Beförderung von Post» fachen wird häufig Beschwerde an zuständiger oder unzuständiger Stelle erhoben. Die Beschwerdeführer machen aber häufig nur ganz ungenaue Angaben. Schritte zur Abstellung von Mängeln kann die Postverwaltuiig nur unternehmen, wenn sie genau weiß, wo Mängel vorgekommen sind. Fehlen Beweisstücke, so können die Beschwerden überhaupt nicht erledigt werden. Es sei deshalb allen, die Grund zu haben glauben, über die Post sich beschweren zu müssen, empfohlen, die Belege mit einzureichen. Beschwerden über die Be- stellung find zunächst an daS bestellende Postamt zu richten. Ueber das Postamt kann man sich in Berlin bei der Oberpostdirektion be» schweren. Die Bezirksverwaltung oder gar die Reichspostverwaltung hat natürlich nur die Aussicht und die Leitung über den Betrieb im ganzen. Besichtigung von Irrenanstalten. Die besonder« in der wärmeren Jahreszeit sich häufenden Besichtigungen der Irrenanstalt Buch durch Vereine, Kommissionen u. a. haben sich als störend für die Kranken und den Dienst in der Anstalt erwiesen. Besichtigungen der Anstalt können daher fortan nur wirklich Interessierten und zwar nur Mitt- wochs von 3—6 Uhr nachmittags gestattet werden. Die Gruppen der Besucher dürfen etwa nur 30 Köpfe zählen. Kinder und Jugend- liche sind voin Besuch ausgeschlossen. Verlegung von Fortbildungsschulen. Die FortbildungSanstalt im Schulgebäude Friedrichstr. 126 soll nach dem Schulgebäude des Friedrichs- Gymnasiums in der Albrechtstraße verlegt werden. Die WahlforibildungSschule für die weibliche Jugend in der- Tulm- straße 15 wird am 1. Oktober dieses Jahres nach der Gneisenau- straß-e T verlegt. Ein Preisausschreibe» zur Erlangung künstlerischer Entwürfe für Einladungslarten, Tischkarten und Tlschbelcgungskartcn unter deutschen Künstlern will die Deputation für die mnere Ausschmückung de» Rathauses veranstalten. Im Zeichen deS BerkehrZ. Ein Leser schreibt unS:„Als ich am 24. d. M. mittags gegen 12 Uhr die Bcllevuestraße passierte, kam «ine Batterie Artillerie über den Potsdamer Platz und die Bellevur. straße entlang. Da ich geschäftlich eS sehr eilig hatte, lief ich zwischen de», ersten und zweiten Geschütz durch; eS war ein Abstand von 4—5 Meter. AlS ick schon durch war, sprang ein Soldat vom Geschütz, faßte mich an, Halse und riß mir dabei die Krawatte in vier Teile, auch von der Weste wurden verschiedene Knöpfe ab- gerissen. Ich war ganz erstaunt über diesen Angriff und wandte mich an einen Borgesetzten, welcher sich noch darüber amüsierte." Dein Schreiber obiger Zellen scheint die auch von imS veröffentlichte Bekanntmachung des Polizeipräsidenten nicht bekannt zu sein, nach der daS Durchschreiten von Soldatenkolonnen verboten ist, Nichtsdestoweniger ist die ihm zuteil gewordene Behandlung ent- schieden zu rügen. Hingerichtet wurde gestern morgen um 6 Uhr der 31 Jahre alte Schriftsetzer Max Hackradt, der am 27. August vorigen JahreS in einer kleinen Villa zu Bornim bei Potsdam die 78 Jahre alte frühere Opernsängerin Witwe Joscfine Kudolphie erschoß und be raubte, nachdem er sich aller Kleidungsstücke entledigt hatte, um diese nicht mit Blut zu beflecken, dann nackt entfloh, im Stift Betesta sich durch die Vorspiegelung, daß er überfallen worden sei, vergeblich Kleidungsstücke zu verschaffen suchte, auf einem Gehöft, an dem er vorbeikam, einige Wäsche stücke anzog und endlich von Mannschaften der Wache an der historischen Mühle mit einem Mantel bedeckt und nach Hause ge- bracht wurde. Hackradt floh am nächsten Tage von Wildpark mit der Bahn nach dem Süden zu. wurde unterwegs in Magdeburg und in Halle festgenommen, weil er aus dem Zuge herausgeschossen hatte. aber wieder freigelassen, weil er behauptete, er sei überfallen worden und habe den Revolver probieren wollen. Nach längerer Irrfahrt wurde er endlich in München ergriffen und in Potsdam zum Tode verurteilt. Schon zweimal war die Hinrichtung angesetzt, wurde aber verschoben� weil Zweifel an der Zurechnungssähigkeit HackradtS geltend gemacht wurden. Die Untersuchung des Geisteszustandes hat ober, wie be richtet wird, ergeben, daß H. zurechnungsfähig sei. Ein Gnaden� gesuck verfiel der Ablehnung. Am Mittwochnachmittag wurde dem zum Tode Verurteilten davon Kenntnis gegeben, daß er am DonnerS lagmorgen hingerichtet werde. Der Frau des H., die benachrichtigt worden war, wurde eine letzte Unterredung verweigert, weil angeblich die„dazu gehörigen Formalitäten nicht erledigt werden konnten". In diesem Falle hätte man Vorsorge treffen müssen, damit der Wunsch der Frau erfüllt worden wäre. Gestern. Donnerstag, früh S Uhr erfolgte im Hofe des Gefängnisses in Plötzensee die Hin richtung durch den Scharfrichter Schwietz aus Breslau. Der eil fertige„Lokal-Anzeiger" brachte die Nachricht von der Hinrichtung bereits gestern morgen, zu einer Zeit, da Hackradt noch unter den Lebende» weilte. Selbstmord eines Rekruten. Aus Furcht vor Strafe hat sich der Gardeartillerist Berger das Leben genommen. Er hatte seinem Unteroffizier einen größeren Geldbetrag entwendet und Urlaub ge- nommen, um sich die Sunime von seinen in Klein-Köris bei Königs- Wusterhausen wohnenden Angehörigen zu beschaffen. Da er daS Geld jedoch nicht erhielt, stürzte er sich in der Nähe von Rudow in den Teltow-Kanal, aus dem gestern feine Leiche gelandet wurde. Urb er Bord eines Dampfers gestürzt und ertrunken ist an- scheinend der Maler Paul Schede. Sch. hatte mit mehreren Mit- gliedern eines Radfahrervereins eine Dampferpartie nach WernS- dorfer Schleuse unternommen. Als der Dampfer am Endziel ankam, suchte man vergeblich nach Sch. Nur der Hut des Vermißten wurde auf einer Bank vorgefunden. Sch. ist jedenfalls während der Fahrt über Bord gefallen, und da niemand etwas von dem Vorgange be- merkt hat, so mußte er rettungslos ertrinken. Di« Leiche der bei dem BootSunfall auf dem Kroffinfre ertrunkenen Wirtschafterin Dora Hildebrandt wurde gestern bei Rahns- darf auS der Spree gelandet. Fräulein H. hatte am vorigen Freitag mit zwei bekannten Herren eine Kahnfahrt unternommen, bei der das Segelboot infolge heftigen Windes kenterte und die Insassen in das Wasser fielen. Während die Wirtschafterin ertrank, konnten sich ihre Begleiter durch Schwimmen retten. Unter Mordverdacht verhaftet wurde die Arbeiterftau Hübner auS Spandau, die, wie wir berichteten, beschuldigt wird, ihren Ge- liebten, den 20jährigen Zimmermann Pfundtner, der bei ihr in Schlafstelle gewohnt hatte, im Walde zwischen Ober-Schöneweide und SpindlerSfelde erschaffen zu haben. Frau H. war damals bei der Leiche de» Pfundtner von einem Arbeiter betroffen worden. Diesem erzählte sie, daß ihr Geliebter Selbstmord begangen habe. Sie wurde damal» in Haft genommen, jedoch bald wieder auf freien Fuß gesetzt. Jetzt ist von der Staatsanwaltschaft ihre nochmalige Verhaftung angeordnet worden. Ein seltsamer Fund wurde gestern ftüh im Tiergarten gemacht. Dort lag ein Schirm, in dem sich ein Zettel mit folgender Auf- schrift befand: Sucht mich nicht. Mein S-dirm ist hier, aber ich bin in der Spree. Die liebe Anna.' Es ist ein schwarzer Damen- schirm mit schwarzem Gummigriff und Messinaring. Ob wirklich ein Selbstmord vorliegt oder grober Unfug läßt sich noch nicht sagen. Ein großer Dachstuhliraud kam gestern in der Groß-Görschen« straße 29 Ecke Mansteinstraße und der Potsdamer Eisenbahn zum Ausbruch. Die Flammen schlugen bereit» aus dem Dache de» Vorderhauses hell empor, als die Gefahr bemerkt wurde. Die Feuerwehr war schnell mit den Zügen 9, 10 und 12 zur Stelle. lieber die Treppen sowie zwei mechanische Lettern und vom Ncben- grundstück wurde vorgegangen; sechs Schlauchleitungen wurden vor- genommen und längere Zeit tüchtig gelöscht. Erst nach mehr« ständiger Tätigkeit war die Gefahr beseitigt. Die Ausräumung war recht umständlich, fast der gesamte Dachstuhl de» Vorderhauses und die Hälfte des Seitenflügels ist niedergebrannt. Die oberen Stock- Werke de» vierstöckigen Eckhauses haben durch Wasser gelitten. Gleich- zeitig erfolgte ein Alarm nach der Teltower Straße 1, dem grober Unfug zugrunde lag. In der Maaßenstraße 30 brannte außerdem im Keller Müll u. a. Ein armer Hausdiener hat am Dienstagvonnittag ein Porte- monnaie mit 46 M. Bargeld, 1 Blechmarke und einer Legitimation»- karie vom„Deutschen Transportarbeiter-Verband" als Inhalt im südöstlichen Viertel Berlins verloren. Da der Verlierer ersah- pflichtig ist, wird der ehrliche Finder gebeten den Fund im Bureau deS Deutschen TranSporlarbetler-VerbandeS, Engelufer 16 Q, abzugeben oder borthin feine Adresse gelangen lassen. Für den Berel» Arbeiter-Jugendheim erhielt der Unterzeichnete: Neberschuß vom Märzkranz von den Arbeitern der Patzenhofer Brauerei, Abteilung Moabit 36,— M.. desgleichen von der gesamten Arbeiterschaft Patzenhofer, AbteUung I, 38,45 M., zusammen 72,46 M. K. Rosenfeld, C. 2, An der Spandauer Brücke 1a. Vorort- JSacbricbtem Eharlotteudurg. Stadtverordi»etrilvrrsai>,iiilung. Zunächst wurde der neu- gewählte Stadlrai« s ch e n h e i m in sein Aint eingeführt. Derselbe war 25 Jahr« in der Leitung der Berliner EletinzirätSwerke tätig und ist gerade mit Rücksicht hierauf gewählt worden, um als Nachfolger für den Stadtrat Dr. Jafsö daS Dezernat de« städtischen Elektrizitätswerks zu übernehmen. Das Werk geht zum 1. August vollständig in städtische Verwaltung über— bisher war es an die Firma Lahmeyer verpachtet. Stadtrat Dr. Jaffü glaubt die da- durch bedingte größere Arbeitslast nicht mehr auf sich nehmen zu können. Es folgte eine Reihe kleinerer Vorlagen, die debattelo» resp. nach kurzen Bemerkungen angenommen wurden; wir erwähnen, daß 65 000 M. zur Herrichlung eine» Spielplatzes auf dem städtischen Grundstück neben den Berliner Wasserwerken auf Westend gefordert wurden. Genoffe Gebert betonte, daß auch unsere Vertreter da» Geld für diesen Zweck gern bewilligen.— Zu dem Beitritt der städtischen Gaswerke zur„Zentrale für Gas- Verwertung", für welchen Zweck 600 M.(drei Jahresbeiträge von je 200 M.) verlangt wurden, bemerkte Genosse Bogel, die beste Propaganda für eine vermehrte Verwendung von Gas geschähe durch Lieferung eines guten und vor allem auch eines billigen GafeS; vor Jahren habe die Stadtverordneteiiversanunlung k einmal einen Wechsel auf Herabsetzung des GaSpreises ausgestellt; eS wäre wohl angebracht, endlich einmal an die Einlösung dieses Wechsels zu denken.— Fünfhundert Mark wurden zur Garanticrung einer„Fritz Reuter- Hunderljahrftier" bewilligt, die der Ober- bibliothckar a. D. Dr. Gaedertz- Berlin zur Feier deS hundersten Geburtstages Fritz Reuters<7. November 1910) in der Zeit vom 12. Juli bis Anfang Oklober in dem Kllustlerhause Berlin, Bcllevue- straße 3. veranstalten will.— 4000 M. forderte der Magistrat, um anläßlich der hundertjährigen Widerkehr deS Todestages der Königin Luise Bücher als Festschrift für die Kinder der Gemeindeschulen zu beschaffen. Genosse Dr. B o r ch a r d t wandte sich gegen den KultuS, der mit dem Andeuten der Königin Luise getrieben wird, durch den man ihr Bild gleichsam zu dem einer Heiligen, der geschichtlichen Wahrheil zuwider, auSzu- gestalten sucht. Seine sachgemäß und ruhig gehaltenen Ausführungen wurden von den Unpolitischen mit großer Unruhe und Pfuirufen aufgenommen, sodaß der Vorsteher sich genötigt sah, dieses Benehmen scharf zu rügen, die Pfuirufe seien um so unver- ständlicher, als anerkannt werden müsse, daß der Stadtverordnete Dr. Borchardt die von seinem Standpunkt aus gewiß berechtigten Ausführungen in durchaus maßvoller Weise gemacht habe. Stadtv. Dr. Stadthagen sUnpol.) betonte, daß der Nimbus, der die Königin Luise in den Augen des Volkes umgibt, gleichviel ob historisch berechtigt oder nicht, erhalten bleiben müsse. Stadtv. Otto slib.) bemerkte, daß auch seine Freunde sich von tiebedienerischem Byzantinismus frei hielten und daß die zur Ver> teilung kommenden Schriften das gleichfalls täten. Aber auch nach Abzug aller Uebertreibungen bleibe an dem Bild der„edlen Dulderin auf dem Thron" so viel Erhabenes und Schönes, daß ihr Andenken mit Recht im Volke hoch gehalten werden müßte, und deshalb wollen er und seine Freunde«mit Freuden" die ge forderte Summe bewilligen. Genosse Dr. Borchardt erwiderte, daß unsere Anschauungen über Byzantinismus von denen der Liberalen doch erheblich abwichen; gegen die geplante Gabe müßten wir um so mehr protestieren, als gerade die Kinder der Volksschule, also der Kreise, die wir in erster Linie vertreten, damit beglückt werden sollen; würde man solche Schriften in den höheren Lehr anstalten verteilen, so würden wir da» zwar auch nicht billigen, unS jedoch kaum zu einem so scharfen Protest veranlaßt sehen. Die Summe wurde natürlich bewilligt. Ebenso wurde für den Oberbürgermeister für den Fall seiner Wiederwahl ence Gehaltserhöbung von 3000 M. und für den Stadt- schulrat Dr. Neufert im gleichen Fall eine solche von 1500 M. bewilligt— die Gehälter der beiden Herren würde» damit auf 27000 respektive 13 500 M. steigen. Da eine Aufbesserung erst vor einem Jahre, bei der allgemeinen Erhöhung des NormaletatS stattgefunden hat, waren unsere Genoffen mcht in der Lage, diesen vorn Ausschuß beantragten Erhöhungen zuzustimmen; auch von den Unpolitischen stimmten einige gegen diese Durchbrechung deS NormaletatS; aber die Liberalen stimmten ge- schlössen dafür, sie trösteten sich mit dem rabulistischen Gedanken, der Normaletat würde nicht durchbrochen, denn die beiden Herren erhielten nur persönliche Zulagen. Den letzten Gegenstand der Tagesordnung bildete der Bericht deS Ausschusses über die Vorlagen betreffend die Fortsetzung der Untergrundbahn vom Reichskanzlerplatz nach der GemarkunaSgrenze und betreffs Erteilung der Zustimmung an die Hochbahngesellichaft zum Bau der Unteraruiidbahn nach dem Gleisdreieck, dem Nürnberger Platz und dem Kurfürstendamm. Die Borlagen wurden niit den vom Ausschuß beschlosseuen materiell nicht unerheblichen Aenderungen angenommen. Zu bemerken ist, daß der Vorstand deS Kommunalvereins von Westend gebeten hatte, der ersten Vorlage nur zuzustimmen, wenn eine Haltestelle in der Gegend der Eschen- allee errichtet würde. Der Ausschuß beantragte statt besten die Zu- stimmung ohne diese Bedingung, doch sollte der Magistrat in einer Resolution ersucht werden, ,m Verhandlungen mit der Hochbahn- gesellschast einzutreten, damit, wenn möglich. Vorkehrungen getroffen werden, um in der Gegend der Sschenallee ein« Haltestelle zu schaffen, deren Inbetriebsetzung erst bei vor- handenem Verkehrsbedürfnis zu erfolgen haben würde." Der Vor- sitzende deS Kommunalvereins von Westend, Etadtv. General a. D. Becker geißelte den Wortlaut dieser Resolution, die eigentlich gar nichts sogt und abiolut unverbindlich ist. Trotzdem erklarte er, ihr zustimmen zu wollen, weil er von einer einstimmig gefaßten Re- solution sich einen Eindruck auf den Magistrat verspricht und von diesem eine Einwirkung auf die Gesellschast er« hofft. Im übrigen plädierte er lebhaft für die Notwendigkeit einer Haltestelle a» der Eschenallee, damit reiche steuerkrästige Bürger nach Westend ziehen. In beweglicher Klage schilderte er Westend beinahe als ein Dorf, fern vom Großstadtverkehr, wo«S keine Droschke, kein Auto, keine Straßrnbahn und nicht einmal einen Omnibus gebe, und doch wolle man Millionäre dorthin haben; die bekomme man nur, wenn man ihnen die Untergrundbahnhöfe so dicht aufeinander baue, daß jeder fast vor der Tür einen Bahnhof hat.— Die Resolution wurde mit großer Mehrheit ange- nommen. Tchöneberg. Ein» längere BerkehrSstSrung im Straßenbahntetrieie ereignete sich vorgestern am Kaiser-Wilhelin Platz. Der Anhängewagen eines Zuges der Linie V war in der Noiweiche mit beiden Achsen entgleist und sperrte infolgedeffen daS Gl ei» in der Richtung nach Schöneberg. Durch Mannschaften des herbeigerufenen Rettungswagens der Straßenbahn wurde da» Hindernis beseitigt. Während der von 6.05 bis 6.55 Uhr währenden Störung fuhren die Wagen der Linien 23 und UI nur bis zur Eisernicher Straße und nahmen dort ihre Fahrzeit auf. Die Linien 2, I, II und V wurden durch die Bahn-, Mauslein- und Aarkstraße abgelenkt. Rtxdvrf. Der Männergefangvrreln Rixdors bat infolge der Lokalsperre de» Deutsche» Wirtshauses sein UebungSlokal nach dem Restaurant Karlsgarten verlegt. Die Uebungsstunden finden jeden Freitag abends von 9—11 Uhr statt. Köpenick. Bei der gestrigen Stichwahl zur Stadtverordneteiiversanimlung in der zweiten Abteilung errangen unsere Genossen zwei neue Sitze im Stadiparlainent, so daß zusammen mit den sämtliche» 12 Mandaten der dritten Abteilung insgesamt 14 Vertreter der Sozial- e m o k r a t i e der Sladtverordnetenversammlung angehören. Die gestern stattgefundcne Stichivahl hatte folgendes Resultat: Die sozialdemokratischen Kandidaten Genoffe» Galle und Gastwirt Müller erhielten 216 und 201 Stimmen, die beiden Gegner, der frühere Stadtrat Hentschel 160 und der Postassistent Loff 176 Stiinnien. Weiftensee. Au» der Gcmciiidcvcrtrefting. vor Beginn der sechsstündigen Sitzung wurde die Wahl de» Genoffen Block für gültig erklärt und der Einfl'ruch einiger Alt-Weißenseer Bauern einstimmig abgelehnt. Mehrere Komirnsfionen wurden durch neue Mitglieder besetzt. Bei der Neuwahl der BezirkSvorsteher rügte Genosse Frentz, daß für diese Posten ausschließlich Lehrer vorgeschlagen sind. Vom Vorstands- tische wurde betont, daß gerade die Lehrer die geeigneten Personen sür diese Posten seien. Zum Delegierten deS Brandenburgischen StädtetogeS in Landsberg a. W. wurde der Beigeordnete Dr. Klain- roth gewählt. Eine ausgedehnte Debatte entspann sich bei der Be- willigung von Mitteln zur Erbauung eines Kuhstalles auf dem Rieselgutc Birkholz. Die Bürgerlichen hatten fich in einer vorher stattgesundenen Sitzung festgelegt, die Mittel zu verweigern, da sie sich von der Rentabilität einer Milchwirtschaft nicht überzeugen konnten. Der anwesende Administrator legte an der Hand von Zahlen dar, daß von einer Rentabilität abgesehen werden müsse, aber die zu er- zeugenden Produkte wie Gras und Rüben verlangten ein Absatz- gebiet und da Birkholz zu weit von Berlin liege, so müsse man die Produkte selbst verwerten. Trotzdem die meisten Herren sich nun als Bauunsachberstöndige zeigten, wurde daS Projekt gegen wenig« Stimmen angenommen. Ebenso wurden noch die Mittel zum Bau einer neuen Feldscheune bewilligt.— Für die Industriebahn hat die Gemeinde 25 Proz.>des jährlichen Verlustes zu tragen, im ganzen 8460,67 M. Diese Summe wurde bewilligt mit der Maß» gäbe, daß der KreiSauSschuß dahin zu wirken habe, daß die äugen- blicklich bestehenden hohen Tarifsätze herabgesetzt und denen der Staatsbahu gleichgestellt werden. Beim Bericht des Gemeindearztes nahm Herr Dr. Pape Stellung zu der zu Unrecht geschehenen Ent- lassung deS Verwalters des' SiechcnhauseS. Er mutzte sich aber belehren lasten, daß der Verwalter seine Vertragsbestimmungen nicht eingeyalten habe, so unter anderem habe er cS in letzter Zeit abgelehnt, die Siechen abzuwarten, so daß diese oft tagelang ohne Hilfe waren. Die Ordnung im Siechenhause wird nunmehr von einer Schwester und einer Aufwartefrau besorgt. Es sind für die Gemeinde nunmehr drei Schwestern tätig, die ge- ineinsam im Siechenhause Wohnung nehmen. Dem Ortsvorein des Blauen Kreuzes wurden 100 M. bewilligt, 250 M. hatte dieser für seine ginecke beantragt. Wie in den anderen Vororten soll auch Weißensee in Zukunft die Ortöbezeichnung„Berlin-Weißensee" er- halten. Zwei Unternehmer sollen verklagt werden, weil sie eS unter- lasten haben, ihren Arbeitern rechtzeitig die fälligen Steuern vom Lohne abzuziehen. 2172,50 M. mußten bewilligt werden für einen erkrankten Lebrer an der Realschule. In der geheimen Sitzunz wurden drei Punkte verhandelt. Nieder-Schönha»sen. Einer der ältesten Parteigenossen am Orte, der Kaufmann Karl Ströhmann, ist am Mittwoch früh nach langem schweren Leiden im Alter von 71 Jahren gestorben. Trotz seines hohen Alters nahm der Verstorbene bis zuletzt an allem, was die Partei betraf, lebhaften Anteil. Mühsam schleppte er sich noch bei der diesjährigen Gemeindewahl nach dem Wahllokal, um sein Wahlrecht auszuüben. Die hiesigen Genossen, denen Ströhmann bekannt war, werden den Toten nicht vergessen und ihm ein ehrendes Andenken bewahren. Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 23. d. MtS., nach- mittags 5 Uhr. von der Leichenhalle des Gemeindefriedhofes, Buch« Holzerstratze, aus statt. Die Wahlvereinsmitglieder werden gebeten. recht zahlreich dem Dahingeschiedenen die letzte Ehre zu erweisen. Pankow. In der letzten Mitgliederversammlung des Wahlvereins gab zunächst Genoffe Kubig einen Bericht über die ftattgefundene Ge- meindevertreterkonferenz. Redner hob vor allem die Wichtigkeit der« artiger Zusammenkünfte für die Teilnehmer bervor. In der fol- genden Diskussion wird unter anderen von verschiedenen Rednern über die mangelhafte Wasserversorgung Pankows geklagt. Stunden» lang gibt es, namentlich in den oberen Etagen, überhaupt Wasser, was bei Ausbruch eines Brandes eine große Gefahr für die Bewohner Pankows bedeutet. Eine beschleunigte Fertigstellung des neuen Wafferwerks müsse das Hauptaugenmerk der Vertreter sein. Der Vorsitzende, Genoffe Spickermann, gab alsdann bekannt, daß da« diesjährige Sommertest im.Pankgrafen" stalt- findet. Eine demnächst startfindende öffentliche Versammlung wird sich mit der beabsichtigten Erbauung einer evangelischen Kirche be- schäftigen._ Jugendveranstaltungen. Tchöneberg. Heute Freitag, den 21. Mai, abends 8'/» Uhr, findet bei Poschmann, Vocbcrgftrage 8. unser vierter Vortragsabend slait. Genosse Woldt spricht über„BeckeheSwesen". Um recht zahlreiche Beteiligung aller Jugendlichen wird ersucht; auch Erwachsene haben Zutritt. Der JugendblldimgSauSschutz. Steglitz und Umgegend. Sonntag, den 23. Mai. veranstaltet die Freie Jugendorganisation Steglitz und Umgegend einen Nachmittags« ausflug nach Schildhorn. Treffpunlt für Steglitz: Wannseebabn, sür tiiedenau und Wilmersdorf: Bahnhos Schmargendors und sür Zeblendors: >ahnho> daselvst. Der Abmarsch erfolgt pünkilich um'/«S Uhr. Alle Jugendlichen bis zu 18 Jadren werden ausaesoedert, sich an dieser Per» anstaltung zu beteiligen. Für Spielmalertal ist ausreichend gesorgt. eingegangene vruckfckrifren. von der»Neuen Zeit»(Stuttgart, Paul Singer) ist soebea da» 35. Heft de» 28. Jahrgangs erschienen. ES hat folgenden Inhalts Ermattung oder Kamps? Von Rosa Luxemburg.— Die Arbeiterbewegung in den Vereinigten Staaten. Von Algernon Lee.— Die spanischen Wahlen. Von Mario Antonio.— Teuerung und prol'torlsche Polillt. Von Dr. Max Adler.— Literarische Rundschau: Johanne» Gautre, Im Zwischendeck, von Therese Schiclingen.— Notizen: Di« Ersatzwadl in Posen. Von Karl Radet. DaS sünsundzwanztgjahrige Bestehen deS Bäcker- und Konditoren« verbände«. Von A. Lank«», Hamburg. Zur gewirkschastttchen Agitation. Bon Bruno Kühn. Lüdenscheid.— Zeitschi tstenschau. Di»„Neue Zeit' ericheuu wöchentlich einmal und ist durch alle Buch» Handlungen, Postanslatten und Kolporteure zum Preis« von 3. 25 M. pro Quartal zu beziehen; jedoch kann dieselbe bei der Post nur pro Quartal abonniert werden. DaS cinzeliie Heft kostet 25 Pf. Probenummern stehen jederzeit zur Bcrsügung. Berich» des ArdeitersrkretariatS für Kiel und Umgegend. 1909. 98 Seiten. Selbstverlag. tDer Kampf um die Rente und der Selbstmord in der Recht, sprechuug des ReichsverficherungsamtS. Bon E. Schultz«. 1,30 M. (Sammlung Hoch«. 9. Bd. Heft 1.) 8. Machold, Halle a. S. Palmstrom. Von Ehr. Morgenstern. 55 Seiten.— B. Easstrer, Berlin. «mtltwer Mamdertct» der ftädttschen MarNballen-Dtrettton über den Grotzbandel in den gentral-Marktballen Marktlage: Fl et ich: Sutubr starl. Gelchösl ruhig, Preise sür Kalbfleisch anziehend, sür Schweine. clsch nachgebend. Wild: Zufuhr äenügend, Gclchäst tebhast, Preise fest. G c 1 1& g e 1: Zusnhr genügend, Gcschäst schleppetid, Preise bisrledlgknd. Ftsch«: Zusuhr genügend, Gelchäil ziemlich lebhast, Preise wenig ver» ändert, sür Hechte hoch. Bulter und Käse: Geschäsl ruhig, Preise unverändert. Gemüse, Obst und Südfrüchte! Zusuhr genügend, Geschäft ansang» still, später lebhafter, Preise wenig verändert. «vitteriinasuverstmi vom 2V. Mai lux», moraen» 3 Ude. Glattottin Ja ÜSj v rwmrmde 766 NO Oamdurg>76? NO ßerlw!765NO Fraufi.a« 763 NO München> 763 NO Vtrn 763?! «Itter »« ä* »U i? M* 1 wolkenl 2 wolkenl 2 wolkenl 3 heiter! L heiter! Idedeckt' Ii •teltoncn iE 2 c LS 2 il Vetter tt i I Havuranda 7593! Petersburg 758 NO Scill» 763 NNO überdeei, 767 Still Pari» 766 NNO 4 halb bd.! 1 wolkig 2 wolkenl haldbd. »bedeckt j » 6 11 18 11 «letterproguolc für Freitag, de»»7 Mai IUI«. vorwiegend heiter und trocken, nachls etwas kühler, am Tage ziemlich warm bei mäßigen nordwestlichen Winden. Berliner Wetterbareaa, tzLosferftniids-vtaichrlckitea der LandcSanstalt für Getvösserkunde, mitgeteilt vom Berlwer Wctterbureau. Wasserstand M e m e l. Tilftt P r e g« l. Jnsterdurg Weichsel, Thon, Oder, Ratidor » Krvssen , Frankfurt Warthe, Schrtmm , Landsberg Netz«, Vordamm Eibe, Lettmerttz , Dresden „ Barby , Magdeburg Wasserstand Saale, Grochlitz Havel, Svandau") , Zlathenow') Spree, Soremberg») , BeeSkow Weser, Münden , Minden Rhein, WaxtnilltanSau , Kaub Köln Neckar, Heildronn Main, Wcnheim Mosel, Trier __„_,______*)-f bedeutet Wuchs,— Fall.*) Unterpegel._ Verantwortlicher Redakteur Richard Barth, Berlin, gür den Inseratenteil vercmtw: Th. Glocke, Berlin. Druck».Verlag: Vorwärt» Buchdruckerei u. PertagSanstalt Paul Singer ck Eo» Berlin SW,