Ur. 123. nbonnementS'Bcdingungen: Abonnements- Preis pränumerando i «iertcljährl. ZLV Mb, monatb 1,10 Mb, wöchentlich 2S Psg. frei WS Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg, Sonntags» nummer mit illustrierter Sonntags- Bellage»Die Neue Welt" lv Psg. Post- tlbonuement: l.lll Mark pro Monab Eingetragen in die Post-Zeiwngs- Preisliste. Unter Kreuzband für Tcuischland und Oesterreich- Ungarn L Mark, für daS übrige Ausland v Mark pro Monat. PostabonnemeniS nehmen an: Belgien. Dänemark, Holland. Italien. Luxeniburg, Portugal, «umänicn, Schweden und die Schweiz. 37. Jahrg. kklchkliit tsgiich iiilvir Msiilzgs. Berliner Bolksblntt. vie Insertion!-Sebilhr beträgt sür die sechsgcspaltcne Uolonel- geile oder deren Raum b0 Psg., füi: politische und gewerlschastliche Vereins- lind VersammIiingS.Aiizoigcn M Psg. „Klcsnc»n-eig-n", das erste ltclt- gedruckte) Wort 20 Psg., jedes wciicll? Wort lll Psg. Stellengesuche und Schlaf- stcllcn-Anzeigen daS erste Wort lll Pfg., jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über IS Buchstaben zählen für zwei Worte. Jnscrale sür die nächste Numiner müssen bis SUHr nachmittags inder Expedition ftdgcgcbcn werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet, Telegramm- Adresse: „S«z!alii(in«krat Bsrliirt Zentralorgan der fozialdemokrati leben parte» Deutfcblands. Redabtion: SM. 68, Lindenstrasse 69» Fernsprecher: Amt IX, Nr. 1983. Expedition: SM. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984. Cid Großer. Robert Koch ist am Freitag in Baden-Baden im Alter von 68 Jahren gestorben. Schwerkrank hatte er hier in einem Sanatorium Besserung gesucht, ist aber plötzlich einem Herzschlage erlegen. Ein großer Mann hat ausgelebt. Es ist ein köstliches und wertvolles Leben gewesen, ein Leben der Arbeit und Forschung, und wir, die Partei der Arbeit, grüßen voll Ehr- furcht den großen Toten, dessen Wirken ein glänzendes Zeugnis ist für die Wahrheit des Wortes Lassalles: Zwei Dinge allein sind groß geblieben in dem allgemeinen Verfall: die Wissenschaft und das Volk, die Wissenschaft und'die Arbeiter. Und die Arbeit, die Koch geleistet hat, rückt ihn gerade uns besonders nahe. Ist doch unser Kampf nicht zuletzt auch ein Kampf um die Gesundheit des Volkes, um die Schaffung von Lebensverhältnissen, in denen der Mensch den zahllosen Feinden der Gesundheit unendlich größere Widerstandskraft wird leisten können als heute, wo das Ideal jedes Mediziners, dem es ernst und heilig ist um seinen Beruf, erst seine Er- füllung wird finden können, wo die Hygiene nicht, lvie zur Schande der heutigen Gesellschaft, eine Geld- und Klassen- frage, sondern einer der wichtigsten Zwecke der gesellschaftlichen Einrichtungen sein wird. Wenn Robert Koch, von keinem anderen übertroffen, die wissenschaftliche Erkenntnis der Volks- krankheiten vor allem gefördert hat, so arbeiten wir zu unserem Teil daran, die sozialen Voraussetzungen zu schaffen, unter denen die glänzenden Ergebnisse dieser reichen Lebensarbeit erst in vollem Ausmaß ihre segensreichen Wirkungen entfalten können. Der Name Robert Koch hat in der ganzen gesitteten Welt, überall wo an der wissenschaftlichen Erforschung der Krankheiten und an der wissenschaftlichen Methodik ihrer Be- kämpfung gearbeitet wurde, hellen Klang. Ihm verdankt die medizinische Wissenschaft Großtaten, wie sie selten einem Forscher beschieden sind. Robert Koch ist ein glänzendes Beispiel für die Kraft und den schlietzlichen Sieg der stillen, stetigen, zielsicheren Arbeit. Er ist nicht als zukünftiger Professor auf die Welt gekommen, wie man es heutzutage für allerlei Bankiers- und sonstige Kapita- listensöhne wohl behaupten könnte. Er hat jahrelang— geboren war er 1843 in der Bergstadt Klausthal— als einfacher Land- arzt in der Provinz und schließlich als Kreisphysikus in der posenschen Kreisstadt Wollstein gewirkt. Hier ist seine erste große Tat, die Epoche machen sollte, erwachsen: Die Er- forschung der Natur des Milzbranderregers. Damit war seine Arbeit eingemündet in den großen Strom der Bakteriologie, und Kochs Name war von da an gesellt den beiden großen eines Listers. dem die moderne Medizin den glänzenden Triumph der Antisepsis verdankt, und dem eines P a st e u r s. dessen Arbeiten mit den Grund zu der neuen Wissenschaft ge- legt hatten. Die Bakteriologie aber hat die Medizin erst aus dem Bereich einer bloßen Erfahrnngswissenschaft herausgehoben und ihr die wiffenschaftliche Erforschung der wirklichen Ursachen der Krankheiten erschlossen. Erst als in bestimmten kleinsten Lebewesen die Ursachen der Krankheiten er- kannt, als die Lebensweise und Wirkung der Bakterien in allen ihren Einzelheiten studiert waren, erst da bot sich der Bekämpfung der Krankheit eine wirklich wissenschaftliche Grundlage. Kochs Verdienst aber war es, die Natur einer solchen bakteriellen Erkrankung und ihrer Verbreitung zum erstenmal restlos erforscht zu haben. Zugleich hatte er die Methode entwickelt, die auf dem einmal betretenen Wege zu neuen und bedeutungsvolleren Resultaten führen mußte, und Koch selbst war es beschieden, unermüdlichen Fleiß durch reichste Resultate gekrönt zu sehen. Der Entdecker des Milzbrandbazillus hatte unterdessen eine Berufung ins Kaiserliche Gesundheitsamt enthalten. In dem neuen Wirkungskreise gelang ihm 1881 der Nachweis des Tuberkelbazillus und nun flog sein Name durch die Welt. War doch der Erreger der furchtbarsten und verheerendsten 5krankheit gefunden, die die vor den großen Seuchen(Pocken, Cholera. Pest) schon mehr geschützte Kulturmenschheit immer noch heimsuchte. Der weiteren Erforschung und Bekämpfung der Tuberkulose. dieser wahren modernen Volksseuche, die jährlich Hekatomben fordert, hat Koch dann weiter seine Hauptarbeit gewidmet. Aber zugleich zog er andere Seuchen in das Bereich seiner Eroberungszüge. Mit Mikroskop und Experiment hat er das Dunkel gelichtet, das über der Cholera schwebte. In Aegypten und Indien hat er auf dem Schlachtfelde ihrer Opfer mit ihr gerungen, bis er den Cholerabazillus nachgewiesen hatte. Und dann kam der große Tag der allzu großen, weil ver- Mühten Hoffnungen und der Enttäuschungen: Koch war es endlich im Jahre 1890 gelungen, ein spezifisches Mittel gegen die Tuberkulose zu finden: das T u b e r k u l i n. Allzu hoch- gespannt waren die Erwartungen der Kranken und zu kurz waren die Erfahrungen mit dem neuen Mittel, als daß nicht ein Rückschlag hätte erfolgen müssen. Aber mit der Zeit haben auch das Tuberkulin und seine mannigfachen Verbesserungen und Abänderungen ihren Wert als Erkennungsmittel der Tuberkulose und ihre Bedeutung als Heilmittel in den frühen Stadien erwiesen. Später hat dann Koch die wichtige Frage des Zusammenhangs von Menschen-undRindertuberkulose beleuchtet. Die Streitfrage, ob Menschen- und Tiertuberkulose die gleiche oder eine verschiedene ist, harrt noch der endgültigen Lösung. Koch hat sich noch zum Schluß für die Verschiedenheit ausge- sprachen. Das Institut für Infektionskrankheiten, das Koch begründete und von 1891— 1904 leitete, wurde die Sammelstätte und das Zentrallaboratorium für die Er- forschung der zahlreichen übertragbaren Krankheiten wie der Malaria, Schlafkrankheit, Rinderpest und zahlreicher Tropen- krankheiten von Menschen und Tieren. Unermüdlich ist Koch denn auch in die Tropen gezogen, um die Krankheiten an der Quelle zu studieren. Und stets blieb sein Leben bei allen äußeren Erfolgen— er bekqm Dotationen und Würden, darunter den Titel Exzellenz und schließlich auch die Nobel- spende— still und arbeitsreich. Was Koch im Laboratorium entdeckt hat, das wußte er auch unmittelbar in den Dienst der Krankheitsbekämpfung und Krankheitsverhütung zu stellen. Ihm vor allem ist die Ausbildung der modernen Seuchenbekämpfung zu danken, seinen Forschungen mit verdankt die hygienische Wissenschaft ihre Erfolge. Aber auch an die Schranken, die diesen Erfolgen gesetzt sind, ist der große Hygieniker wohl oft mit Unmut und Trauer gestoßen. So glänzend die Erfolge waren, so konnte es doch dem Mediziner nicht verborgen bleiben, daß die Verhütung der Krankheit wie ihre Heilung nicht die Wissenschaft allein leisten kann, daß die Erfolge der medizinischen Wissenschaft weit hinter dem Stand ihrer Erkenntnis zurückbleiben müssen, solange ihre Forderungen nicht verwirklicht werden, weil diese Verwirklichung dem Ausbeutungsbedllrfnis der kapitalistischen Gesellschaftsordnung widerspricht. Gerade dort, wo die me- dizinische Wissenschaft ihr Größtes leisten könnte, auf dem Gebiet der Krankheitsverhütung, stellen sich ihr die größten Hindernisse entgegen, Hindernisse, die nicht feindliche Natur- gewalten, sondern soziale Einrichtungen aufgerichtet haben. Gerade der Rückblick auf Kochs gewaltiges Lebenswerk läßt uns so erkennen, wieviel größere und fruchtbarere Wirkungen von diesem bahnbrechenden Geiste hätten ausgehen können, wenn nicht auch seinem Werke, wie jeder sozialen Gegeirwarts- arbeit, Schranken gesetzt wären, die erst eine neue Gesellschaft hinwegräumen wird. Was Koch begonnen, setzen heute eine große Anzahl von Schülern in allen Weltteilen fort. Vieles und Großes wird noch auf dem Gebiet, auf dem Koch Bahnbrecher war, ge- leistet werden. Und so wird Robert Koch als Pionier einer neuen Epoche der Medizin seine Spur noch lange auf dem unendlichen Meere menschlicher Weiterentwickelung leuchten lassen.< Ctlchenfchau. Die Nekrologe, die die Presse der verschiedenen Parteien dem so jämmerlich abgewürgten Wahlrechtswechselbalge widmen, behandeln begreiflicherweise sämtlich die Frage: Wie ist es gekommen? Wer trug die Schuld? Einzelne liberale Blätter find der Meinung, Herr v. Heydebrand selbst habe diese Abtreibung der Leibesfrucht herbeigeführt. Er habe die Sache so dirigiert, daß nur eine Totgeburt zustande kommen konnte. Er habe jede Wahlreform, selbst die allerkümmerlichste verhindem wollen. Aller Wahrscheinlichkeit bar ist diese Konjektur nicht. Aber auf der anderen Seite ist es mindestens ebenso möglich, daß Herr von Heydebrand und seine Myrmidonen die eigentlichen Leidtragenden waren. Denn wenn die Konservativen jede Wahlreform vereiteln wollten, hätten ihnen auch ganz andere Mittel zur Verfügung gestanden. Der Bund der Konservativen mit dem Zentrum, der zweifellos von langer Hand vorbereitet und abgekartet war, scheint denn doch darauf hinzudeuten, daß der blauschwarze Block die ernstliche Ab- ficht hegte, die Wahlreform in der Fassung durchzudrücken, die ihr der blauschwarze Block verliehen hatte. Den Konservativen mußte doch außerordentlich viel daran liegen, daß wenigstens, wie fie es erhofften, für? erste die Ruhe wieder hergestellt war. Diese Auffassung wird auch dadurch nicht widerlegt, daß sich jetzt die Konservativen gleichsam hocherfreut stellen und sich in ihrer Presse den Anschein geben, als bildeten sie sich ernstlich ein, daß nunmehr das elendeste aller Wahlsysteme auf absehbare Zeit stabilisiert seil Die Junker tragen diese zuversichtliche Miene nur deshalb zur Schau, um vor dem Lande ihre Unsicher- heit zu verbergen und die Regierung wenigstens so lange als mög- lich von einem neuen Reformversuch abzuschrecken. Wer wirkliche Freude, ungetrübte Freude über diesen Ausgang der jammervollen Flickreform und über das blamable Scheitern der widerlichen Schacherpolitik empfinden kann, ist die entschiedene Linke. Sie weiß, daß die Reform kommen muß. Eine entschiedene Reform I Mag die konservative Presse im Verein mit den Blättern der Hamburgischen Pfeffersäcke und der rhcinisch-west» fälischen Jndujtriefeudale» noch so sehr bramarbasieren und von der Unerschütterlichkeit des„bewährten" Dreiklasienwahlrcchts faseln — die Sozialdemokratie weiß, wie katzen jämmerlich dabei den Kraut- und Schlotjunkern zu Mute ist l Das Zentrum schreibt Herrn v. Zedlitz und seinen Intrigen die Schuld an der schmählichen Pleite ihrer„staatsmännischen" Politik zu, bei der eS sich nutzlos bis auf die Knochen blamiert hat. Die Nationalliberalen hinwiederum klagen Negierung und Konservative wegen ihrer störrischen Unnachgiebigkcit an. Man merkt es den Ergüssen der Organe dieser Partei Drehscheibe nur zu sehr an, wie schmerzlich es ihr ist, daß eS ihr nicht doch gelungen ist, die rechtheischenden Massen mit einer Schein- reform abgefunden zu sehen, die nichts dargestellt hätte, als ein Bollwerk gegen das rechtlose Volk, einen Schutzwall für den durch das gleiche Wahlrecht sich bedroht fühlenden großen Geldsack. Wie wenig die Reaktion sich sicher fühlt, beweisen am besten die Auslassungen der offiziösen„Nord. A l l g. Ztg." Kündigt das Regierungsorgan doch, allerdings zwischen den Zeilen und in verklausulierter Form, eine neue Wahlrechtsvorlage an. Es schreibt nämlich: „Es handelt sich bei der Reform des preußischen Wahlrechts um eine einschneidende Aenderung der preußischen Verfassung und um eine Materie, in der nicht nur die Anschauungen, sondern auch die Interessen der Parteien weit auseinandergehen. Solche Fragen, um die in den meisten Ländern lange gekämpft wurde, pflegen nicht auf den ersten Anhieb gelöst zu werden. Die sachliche Haltbarkeit der Lösung ist sür die N e- gierung und das Land wichtiger als ihre Schnelligkeit. Die Junkerpresse freilich tobt gegen jeden neuen Rcformverfuch. So legt die„Deutsche Tageszeitung" in ihrer Morgen- ausgäbe vom Sonnabend dar, daß jeder Versuch, ein Kompromiß zwischen der Dreitlassenwahl und einem demokratischen Wahl- systcm herzustellen,„bei den klar zutage liegenden Gegensätzen unseres Parteilebens an seinen eigenen inneren Widersprüchen naturnotwendig scheitern" müsse. Im Slbendblatt wird dieser Gedanke dann weiter ausgesponnen. Eine Wahlreform in Preußen sei die„Quadratur des Zirkels". Sie könne kaum anders durchgeführt werden, als„auf Grundlage einer einseitigen Parteikombination"; das würde aber erst recht keine Ruhe schaffen, sondern nur die Gegensätze verschärfen. Eine Darlegung, die wir zuletzt bestreiten wollen. Hat doch gerade die Sozial» demokratie Zentrum undNationalliberalcn gegenüber immer wieder nachgewiesen, daß eine preußische Wahlreform nicht mit, sondern nur gegen die Junker zu machen sei. lind so wird es auch kommen, trotz allem Zähneknirschen der Junker! Die„Deutsche Tageszeitung" schließt die Epistel folgendermaßen: „Darum hoffen wir, daß �die preußische Regierung sich warne» lasse» wird durch das Schicksal, dieses ersten„Reform"- Versuches. Die letzten Landtagswahlcn' haben bewiesen, daß sie dabei des Beifalls der besten und bodenständigsten Elemente Preußens sicher sein kann. Jedenfalls aber kann sie sicher sein, damit am besten der großen geschichtlichen Aufgabe des preußi- schen Staates zu dienen: Seine Macht auf den be-- währten Grundlagen stark und unversehrt zu er- halten zum Wohle der Monarchie und zum Heile des deutschen Reiches und Volkes!" In der gleichen Tonart gefällt sich die„K r e u z z e i t u n g": „So freut es uns, daß insbesondere auch der Wert der indirekten und der öffentlichen Wahl wieder deutlich in die Erscheinung getreten ist und es verdienen die Worte so- mit volle Berechtigung, mit denen der Abgeordnete v. Heydc- brand vor dem Lande noch einmal feststellte, daß in keine m Stadium der hinter uns liegenden Wahlrcchtsverhandlungcn die konservative Fraktion deS Abgeordnetenhauses von dem Standpunkte abgewichen ist, den die überwältigende Mehr- heit aller unserer Parteifreunde auch noch heute einnimmt und stets einnehmen wird, daß sie die öffentliche Wahl für das richtige hält." Fast noch fanatischer legen sich die„Hamb. Nachr." für das elendeste aller Wahlsysteme ins Werk: „Festigkeit und Entschlossenheit, das Bollwerk des preußischen Wahlrechts in seiner antidemokratischen Kraft ungeschmälert zu wahren, werden nötig sein, um die Folgen abzuwehren, die das leichtsinnige Wahlrechtsexpcriment, das zunächst noch fehl- geschlagen ist, bereits angerichtet hat. Die schiefe Ebene der Demokratisierung des preußischen Wahlrechts ist mit der Beth. mannschen Vorlage betreten worden. Ein positives Ergebnis, wie auch immer es beschaffen gewesen wäre, hätte schon ein gutes Stück auf dieser Ebene hinabgeführt. Jetzt gilt eS, die Position, die der 27. Mai wieder gesichert hat, gegen alle weiteren An- fechtungen zn halten. Mit verdoppelten Anstrengungen werden nunmehr die revolutionären Heber ihr Wüten und Wühlen gegen Preußens Wahlrecht fortsetzen, unterstützt nach wie vor von den bürgerlichen Sturmgenossen, und leider auch von den National- liberalen, die das Rütteln am preußischen Wahlrecht eine be- trächtliche Strecke nach links geschoben hat. Nur ein machtvolles Quos ego!, zu dem sich alle staatserhaltendcn Elemente in Preußen und im Reiche zusammenraffen sollten, kann noch dem drohenden Unheil wehren." In daS gleiche Horn tutet die„Rheinisch-Westfälische Zeitung". „So haben wir denn heute keinen anderen Wunsch, als daß das Begräbnis ein definitives sei, und daß man sich auch durch viel Lärm, der zweifellos in der nächsten Zeit und von Zeit zu Zeit immer wieder ausbrechen wird, nicht dazu verführen lasse, an dem unglücklichen Kinde einer Stunde der Verlegenheit und eines gebrochenen Kuhhandels Wiederbelebungsversuche zu machen. Unser Land braucht dringend der inneren Ruhe. Möge sie bald auf Grund der bewährten Staatscinrichtungen sich einstellen I« Sin anderes Scharfmacherorgan, die„Post", bedauert lebhaft, daß nicht doch eine Berständigung auf der Grundlage der Herren- Hausbeschlüsse zustande gekommen sei: „Dadurch wird der durch die Finanzreformkampagne cnt- ' standene Riß zwischen den früheren Blockparteien nur noch»er- tieft, die Konservativen nur noch in engere Verbindung mit dem Zentrum und die Nationalliberalen mehr nach links gedrängt. Tertius gaudens ist, wie die Erfahrung bei den Ersatzwahlen zum Reichstag erwiesen, die Sozialdemokratie. Mau wird daher die Befürchtung nicht abtveisen können, daß das Scheitern der Wahl- Vorlage die ohnehin schon ungünstigen Aussichten für die nächsten Ncichstagswahlen noch weiter beträchtlich verschlechtert hat." Tie„G e r m a n i a" bezeugt dem„Ränkeschmied" v. Zedlitz ieine vernichtende Niederlage": „Der Abg. Frhr. v. Zedlitz-Neukirch hat damit tvedcr seine liberalen Freunde, noch die Regierung retten können, die an- scheinend auf der, sagen wir einmal in aufdringlicher und zu siegesbewußter, Vermittelungstätigkeit des freikonservativen Führers eine zu große Bedeutung beigelegt hat und sich dadurch hat täuschen und in die Niederlage hineinziehen lassen. Denn darüber ivird sich die Regierung heute wohl nicht mehr einer Selbsttäuschung hingeben, daß sie heute im Abgeordnetenhause eine Niederlage erlitten hat. Wir nehmen diese Niederlage der Regierung nicht tragisch. Herr b. Bethmann Hollweg hat keinen Anlaß, deshalb zurückzutreten, weil das Wahlrechts-Erbteil de» Fürsten Blilow zum Bankrott gelangt ist. Er selbst loird aber daraus lernen, wie schon der Abg. Herold betont hat. dasi die Wahlrechtsbrwegung nicht zur Ruhe kommen wird und daß die zukünftige Wahlrechtsreform nicht mehr den plutokratischen Eharaktcr zeigen wird." Davon, daß das Zentrum, das an der WahlrechtSbelvegung bisher so vollständig unschuldig war, künftig auch dafür sorgen wird,„daß die Wahlrechtsbewegung nicht zur Ruhe kommen wird", und die neue Wahlreform einen dcmo- kratifcheren Charakter erhält, läßt das ZentrumSblatt vor- fichtigerweife nichts verlauten! Die„National-Zcitung" schreibt: v„Wie dem auch sei, die Regierung wird über die Stimmung nicht im unklaren sein und versuchen müssen, eine Reform zu geben, die diesen Namen wirklich verdient. Wenn Herr v. Beth- mann Hollweg nunmehr der Ansicht ist, an dem Scheitern des Entwurfs trage nicht die Regierung die Schuld, sondern die Parteien hätten das Schicksal der Vorlage verschuldet, so darf sich die nationalliberale Partei von diesem Vorwurf freisprechen. Sie hat ehrlich und eifrig mitgearbeitet, bis zuletzt, solange noch Hoffnung auf Verständigung genährt werden durfte, aber über die durch den wahren Liberalismus bedingten Grenzen konnten die Nationalliberalen nicht hinausgehen. Nicht die Un- stimmigkeit innerhalb der Parteien hat die Regierung auf den toten Punkt gebracht, auf dem sie sich jetzt befindet, sondern ihre eigene Unklarheit und Schwäche, die sie zaudern und zögern ließ, dem Liberalismus die Rechte gleich von vornherein zukommen zu lassen, auf die er berechtigten Anspruch hat." Aehnlich äußert sich die„Kölnische Zeitung": „Einstweilen haben die Konservativen das durchge. setzt, was ihnen am meisten am Herzen lag; sie haben jede W a hlreform verhindert, und sie hoffen wohl auch, daß sie unseren leitenden Staatsmännern die Lust, am preußi- scheu Wahlrecht zu ändern und die Versprechungen der Thron- rede einzulösen, gründlich verleidet haben. Ob sie darum recht behalten werden, bleibe einstweilen dahingestellt. Wie aber auch der Reichskanzler und die Regierung über eine neue Wahlrechts- reform denken mögen; kommen wird sie, und dann werden die Konservativen vielleicht bedauern, daß si« jetzt eine Reform ver- ritelt haben, bei der sie noch recht gut weggekommen wären." Die freisinnige Presse schließlich fordert mit lebhaften Fanfaren zur Fortführung der Wahlrechtsbewegung auf. Hoffent- lich fetzt der Freisinn diese schönen Worte auch selbst recht energisch in die Tat um. Daß das sozialistische Proletariat auch in den künftigen Wahlrechtskämpfen seinen Mann stehen wird, darüber herrscht innerhalb der Arbeiterbewegung nur eine Meinung. Feuert doch das„Correspondenzblatt der Generalkommission der Gewerkschaften Deutsch- l a n d S" die GcwerkschaftSgenossen zu unablässigem Kampfe an, indem es schreibt: „Für die Arbeiterschaft aber ergibt sich die Notwendigkeit, die weitere EntWickelung der preußischen Wahlrechtsfrage mit demselben Interesse und mit der gleichen Anteilnahme wie bisher zu oerfolgen. Die Wahlrechtsbewegung darf weder erkalten noch versanden—. sie muß an Umfang und Intensität von Tag zu Tag zunehmen, damit den Landtagsparteien, denen ein der- altetes Mahlsystem die Entscheidung über die Geschicke PreutzenS in die Hand gelegt hat, die Ilnhaltbarkeit des gegenwärtigen Zustandes eben so sehr, als jeder unzulänglichen Wahlrechtsänderung verständlich gemacht wird. Je eher sich die Erkenntnis durchringt, desto besser für die Zukunft. Dann wird die Bahn frei für eine Wahlrechtsreform, die diesen Namen auch verdient, für ein Wahl- recht auf der Basis der Rechtsgleichheit aller Staatsbürger. Daß dieses Wahlrecht kommen wird, daß das Dreiklassenwahlshstcm dem Untergang geweiht ist, dafür wird die preußische Wahl- rechtsbewegung ihre ganzen Kräfte einsetzen." Die vekh-wälungen über die Bewegung im Bangewerbe unter Leitung der Unparteiischen sind Sonnabend im Reichstag fortgeführt, aber noch nicht zu Ende gebracht worden. Obwohl die Debatten den ganzen Tag in Anspruch nahmen, ist es doch zu irgend einem Resultat nicht gekommen. Die Arbeit- geber verharren im allgemeinen grundsätzlich auf allen ihren Forderungen. Zunächst entspann sich eine lange Erörterung über die Frage der Akkordarbeit. Nach dem bis- herigen Vertragsmuster ist Akkordarbeit zulässig. Die Akkordpreise unterlagen besonderer Vereinbarung. Die Arbeitgeber fordern nun eine Verschärfung insofern, als sie in den Vertrag eine Bestimmung aufgenommen wissen wollen, daß die vertragschließenden Parteien sich jeder hindernden Einflußnahme sowohl auf Arbeitgeber, als auch auf Arbeitnehmer zu enthalten haben. Seitens der Vertreter der Arbeiter wurde demgegenüber ausgeführt, daß sie sich auf ein so einseitiges Verlangen auf keinen Fall einlassen können. Mit demselben Recht könnten sie ja fordern, daß die Arbeitgeber sich jeder fördernden Einflußnahme zu ent- halten haben. Auch die Nnparteiischen weisen darauf hin, daß durch die Forderung der Arbeitgeber die Parität nicht gelvahrt sei. Einen weiteren Streitpunkt bildet die Frage der Lohuzahlmig. Die Arbeitgeber wollen, daß 14tägige"Lohn- zahlungspertoden da. wo sie bestehen, beibehalten werden. Die Arbeiter wünschen im allgemeinen wöchentliche Lohn- zahlung. Eine Einigung wurde dahin erzielt, daß es heißt. die Idtägigen Lohnzahlungsperioden dürfen beibehalten werden. Die einzelnen Orte können aber über wöchentliche Lohnzahlungs- Perioden Vereinbarungen treffen. Die Frage der Schlichtung von Streitigkeiten kam sodann zur Besprechung. Die Arbeitgeber schlugen eine Schlichtungs- kommission vor, in der stets ein Arbeitgeber den Vorsitz führt. Sie verlangen weiter eine zlveite Instanz und schließlich eine dritte Instanz, für die der jeweilige Rektor der Technischen Hochschule in Eharlottenburg den Vorsitzenden bestimmt. Gegen Schlichtungskommissionen an sich haben die Arbeiter nichts einzuwenden. Sie protestieren aber dagegen, daß von vorn- herein stets ein Arbeitgeber den Vorsitz führt. Weiter geht ihr Vorschlag dahin, daß nach Art des Tarifamtcs der Buch- druckcr zur Schlichtung von prinzipiellen Fragen die Zentral- vorstände der beiderseitigen Organisationen von Zeit zu Zeit zusammen kommen. Auch hierüber kam es zu keinem Ein- Verständnis, doch erklärten die Arbeitgeber, sie seien auch damit zufrieden, daß der Staatssekretär des Innern den Vor- sitzenden bestimmt. Eine lebhaste Debatte entspann sich über die Forderung der Arbeitgeber, daß die Einstellung und Entlassung von Arbeitern Sache der Arbeitgeber, nicht mehr des einzelnen Arbeit- gcbers sein soll. Die Arbeiter erblicken hierin die Möglichkeit, nnt Maßregelungen in großem Umfange gegen sie vorzugehen. Auch die sog. Agitationsklausel sowie die Bclästignngsklausel führten zu heftigen Auseinandersetzungen. Ebenso heftige Debatten gab es bei der Frage des Arbeitsnachweises.'Tic Arbeitgeber beharren unbedingt darauf, daß einseitige, unter ihrer Leitung stehende Arbeitsnachweise errichtet werden, die Arbeiter dagegen fordern paritätische Arbeitsnachweise und er- klären, daß sie sich einem derartigen Ansinnen der Unter- nehmcr auf feinen Fall fügen werden. Es ist offensichtlich. daß die Arbeitgeber die Arbeitsnachweise als Maßregclungs- ülstitute benutzen»vollen. Es ist ganz ausgeschlossen, daß die Arbeiter, namentlich in der Frage der Arbeitszeitstabilisierung auf 10 Stunden, in der Frage des zentralen Vertragsabschlusses, des Arbeits- Nachweises und in ähnlichen prinzipiellen Fragen, nachgeben können. Sic werden kaum zugestehen können, daß sie sich einen» Schiedsspruch unteriverfen, der diese Punkte mit ein- begreift. Die Position der Arbeiter ist derartig, daß sie vcr- langen dürfen, daß die Unternehmer lediglich auf Grund des bisherigen Vertragsverhältnisses unterhandeln und lediglich etwa ans dieser Basis Schiedssprüche gefällt»verden. Soviel darf man den Männern, die an der Spitze der deutschen Bauarbeiterbewegung stehen, schon zutrauen. daß sie, die ihren Berliner Kollegen vor einigen Jahren unter dem heftigsten Sturm der Entrüstung in Anbetracht der Vcr- Hältnisse zur Nachgiebigkeit raten mutzten, die Siwation genau überschauen. Sie»vissen, was sie wagen dürfen. Die Kolonne der angreifenden Ui»ternehmer ist zum Stillstand gebracht. Ob sie nach etlva verpaßter Gelegenheit zu»n Friedensschluß noch die Energie zu einem erneuten Vorstoß aufbringen ivird. ist mindestens fraglich. Aber»venn auch: die Unter- nehmer»verden sich höchstens den Schädel einrennen. Die Feste der Arbeiter steht völlig unversehrt. Und eine Millionenschar trägt den Kämpfenden andauernd Proviant u»»d Pulver zu._ flns der Relchsverncherungsordnungs- Kommission. Gestern begann die allgemeine Debatte über den dritten Ab- schnitt des ersten Buches der vorgeschlagenen ReichSversicherungs- ordnung: Die V e r s i cher u ng S be hö rden. Die öffentlichen Behörden der Reichsvcrsichcrung sollen bekanntlich sein die Vcr- sicherungSämter, Oberversicherungsämter und das Reichs- und Landesversicherungsamt. Die Versicherungsämter haben die Gr- schäfte der ReichSbersicherung als untere Spruch-, Beschlutz- und Aufsichtsbehörde wahrzunehmen und Auskunft in Angelegenheiten der Reichsversicherung zu erteilen. Sie können die Vcrsicherungs- träger in deren Angelegenheiten unterstützen. Auch können ihnen die Landesregierungen noch andere Aufgaben aus der knappschast- lichen Versicherung übertragen. Das Versichcrungsamt soll in der Regel für den Bezirk einer unteren Vertvaltungsbehörde errichtet werden. Die Oberversicherungsämter bilden die höhere Spruch-, Beschlutz- und AuffichtSbehörde. Sie sind in der Regel für den Bezirk einer höheren Verwaltungsbehörde vorgesehen und treten mit einem Teile ihrer Aufgaben an die Stelle der gegenwärtigen Schiedsgerichte für Arbeiterversichcrung. Endlich soll das jetzige Reichsvcrficherungsamt als oberste Spruch-, Beschlutz- und Auf- sichtsbchörde übernommen, ober durch die Landesversicherungsämtcr für einen grotzen Teil der Versicherungsfälle ersetzt werden. Die Aufgaben der B ers ich e run gS ä mt e r sind: l. Allgemein. II. Aufgaben für alle Zweige: Leitung der Wahl der Versicherungsvertreter; Anordnung, betreffend Gewohn» heitötrmker; Gutachten bei Festsetzung des OrtSlohnes; Entscheidung bei Ersatzansprüchen und„anderen Spruchsachen". III. Aufgaben für die Krankenversicherung: Aufficht über die Kasten und Kastenverbände; Mitwirkung bei der äußeren Organi- sation der Kassen; Entscheidung in Streitsachen und auf Be- schwerden; Bestätigung von Kassenbeamten bei Streit; Genehmi. gung der Krankenordnung; Festsetzung des Wertes der Roh- und Hilfsstoffe bei Hausgewerbetreibenden: Befugnis»n Strafsachen. IV. Aufgaben aus der Unfallvcrsicberung: Teilnahme an der Unfalluntersuchung: Entscheidung im Spruchvcrfahren; Entschei- düngen einzelner Streitigkeiten; Mitwirkung bei Anmeldung der Betriebe, dem Betriebsverzeichnis. Prämienzahlung usw.; Fest- setzung von Geldstrafen; Anordnung der Haftung von Bauherren; Vereidigung von technischen AuffichtSbeamtcn usw. V. Aufgaben für die Invaliden- und Hinterbliebencnversiche- rung: Entscheidung auf Anträge, Beschwerden, Streitigkeiten; Be« teiligung an der Ueberwachung; Befugnisse in Strafsachen; Vor- bercitung des Bescheides. Der Vorschlag, in allen unteren Verwaltungsbezirken je ein Versichcrungsamt zu errichten, hat namentlich bei den Berufs. genosscnschaftcn heftigen Widerspruch hervorgerufen, weil dadurch angeblich unerträglich große Kosten entstehen und die Selbswerwal- tung aufs äußerste eingeschränkt»verden würde. Diese Grünoe machten auch in der Kommission zunächst die konservativen Redner geltend. Auf ihre Veranlassung hat das Reichsamt des Innern in verschiedenen Bezirken Stickproben vorgenommen, wie groß die Kosten sein würden, die durch die Versicherungsämtcr ver- ursacht werden. Ter Bericht über das Ergebnis dieser Unter- suchung liegt»wch nicht vor. Jedoch hatte d„r Ministerialdirektor am Schlüsse der Sitzung am Donnerstag mitgeteilt, daß sich die früheren Berechnungen des RcichSamtcS als zutreffend erwiesen haben; die Kosten würden 6— 7 Millionen Mark betragen und nicht, wie aus den Kreiftn der Berufsgenossenschaften versichert worden war, 12 Millionen oder gar 2t) Millionen Mark. Die Konservativen waren aber auch mit diesen Feststellungen nicht zufrieden. Dieselben Leute, die die ungeheuren Summen für Militarismus und MarinismuS bewilligen, können sich darüber gar nicht beruhigen, daß zur besseren Durchführung der Arbeiter- Versicherung zuviel Geld ausgegeben werden könnte. Und wozu, fragten die konservativen Redner, dieser Umsturz? Die Verwaltungsbehörden haben sich auf dem Gebiete der Arbeiterver- sicherung bewährt. Deshalb genüge es,»venn ihnen die bisherigen und neu hinzukommenden Aufgaben überwiesen werde»». Wie daS im einzelnen zu regeln sei, könne der Landesgesetzgebung überlassen bleib-n. Als Vorsitzende der Abteilungen für die Aufgaben der Arbeiterversicherung sollten nicht neu« Bcamtenstellen geschaffen werden, wie in dem Entwurf vorgeschlagen ist, sondern es sollte auf dem Lande der Landrat oder sein Assessor und in der Stadt ein Magistratsrat genommen werden. Ebenso könne es mit der höheren Instanz gemacht werden, zumal— ineinte Freiherr v. G a m p- M a s s« u e n— die meisten Obcrpräsidenten an einem grotzen Mangel nutzbringender Beschäftigung leiden. Unzufricd'en ist Herr v. Gamp ferner damit, daß auch zu den Bersich-rungsämtern Vyürety der Arbeiter und der Ar- Ibcitgekr hinzugezogen werden sollten. Das sei in den meisten Fällen nur schwerfällig und wertlos. Viele Arbeiter würden da- durch von ihrer Berufsarbeit so sehr abgehalten, daß sie die Gc- schicklichkeit und schließlich die Lust zu ihrer Berufsarbeit ein- büßen. Deshalb sollten die Vertreter nur bei einzelnen, ganz be- sonders wichtigen Fragen mitwirken. Demgemäß stellten die Konservativen folgende Anträge: Tie Geschäfte der unteren Auffichtsbehörde in Angelegenheiten der Reichsversicherung sind Gemeindebehörden oder Staatsbehörden zu übertragen. Das Nähere bestimmt die Landesgesetzgebung. Wo das Gesetz die Hinzuziehung von Beisitzern vorschreibt, sind die Bei- sitzer zur Hälfte aus Arbeitgebern und aus Arbeitern zu ent- tichmcn. Aus denselben Standpunkt stellten sich im allgemeinen die Redner der Nationalliberalen und Freisinnigen. Die Rcgierungsvertreter erinnerten daran, daß der Reichstag Iviederholt einen gemeinsamen Unterbau verlangt und ausdrücklich anerkannt habe, das jetzige Verfahre»» genüge nicht. In der Tat sei es dringend notwendig, daß das Verfahren verein- facht und die Leistungen der ersten Instanz verbessert werden. Dann könne auch das Reichsversicherungsamt entlastet werden. Die Mit- arbeit der Arbeitervcrtreter habe sich bisher stets bewährt und sei gerade auf diesem Gebiete wertvoll. Auch sei die jetzige Ver- ivaltung durchaus nicht billig. Der Staatssekretär Herr Dr. Del- brück führte aus eigener Beobachtung an, daß z. B. die L a n d» wirtschaftliche Berufsgenossens chast in West» Preußen enorm hohe Verwaltungskosten habe. Im übrigen vcr- sichern die Herren, daß sie dasselbe wie die Konservativen wollen. Die Bestimmung sei einzig und allein auf den Wunsch einiger klci- nerer Bundesstaaten in den Entwurf gekommen, Iveil hier und da die Errichtung einer selbständigen Behörde aus besonderen Grün- den zweckmäßiger lväre. In Preußen aber werde unbedingt ganz im Sinne der konservativen Forderungen ver- fa h re n w er d e n. Demgegenüber wies der sozialdemokratische Redner, Genosse Robert Schmidt, nach, daß die Versicherungsämter viel besser aus. gebaut»verden müssen, wenn sie tvirklich dem Bedürfnis entsprechen sollen. Vor allen Dingen sei es unbedingt notlvew'lig, daß die Vcr. sicherungsämtcr selbständige, unabhängige Behörden sind, die sich ausschließlich mit den Aufgaben der Arbcitcrversikye- rung zu befassen haben. Nur dann kann sich der Vorsitzende so einarbeiten, daß er seine Aufgaben erfüllt, wie es notwendig ist. Den Vorsitzenden hat das Reicksversichcrungsamt selbst zu wähle«. Die Versicherungsvertreter müssen von den Arbeitern auf der einen Seite und von den Arbeitgebern aus der anderen Seite»Nittels des allgemeinen, gleichen, direkten und geheimen Wahlrechts unter Amvendung der Verhältniswahl ge- loählt werden. Dir Aufgaben der Versicherungsämtcr müßten einheitlich geregelt werden. Besonders bedauerlich sei es, datz in dem Entwurf dem Versicherungsamt die Mitwirkung bei der Feststellung der Unfallreil ten entzogen sei. Hier sei sogar emc viel weitergehende Mitwirkung als im Vorentwurf vorgeschlagen war, notwendig. So bei der Unfalluntersuchung und bei der Einholung ärztlicher Gutachte»». Mit aller Entschiedenheit trat Redner für die Hinzuziehung der Arbeiter Vertreter«in. Die guten Erfahrungen mit diesem Verfahren zeigen sich überall bei den Gewerbegcrichten, Schiedsgerichten usw. Ter jetzige Zustand bei der Festsetzung der Unfallentschädigung sei eine schwere Benach- teiligung der Arbeiter, die erst durch den berusungSsähigen Bescheid erfahren, wie eS mit ihrem Entschädigungsanspruch steht. Oft genug enthält selbst dieser Bescheid nickst einmal die nonven- digsten Angaben über den Sachverhalt, das ärztliche Gutachten usw. Bei manchen Berufsgenossenschasten werden die Rcntenfesffetzungen im Bureau ganz schematisch erledigt und die Mitglieder des Jest- stellungsausschußes unterschreiben den Bescheid, ohne Kenntnis der Akten, Gutachten usw. Auffallend war die Stellung des Zentrums. Zunächst sprach Professor Hitze ganz allgemein für einen gemeinsamen Unterbau, von dein er sich die schönsten Erfolge verspreche. Er bat, nicht die Geldfrage entscheiden zu lassen. Bei den vielen Hunder- »en von Millionen Mark, die jedes Jahr unsere Arbeiterversicherung erfordere, komme eS nicht auf einige wenige Millionen am die zur besseren Durchführung der Versicherten notwendig seien. Was hier- für ausgegeben werde, komine vielfach wieder der Gesamtheit zu- gute— Später kam Erzberger zu Wort, um mit inögllchst viel Worten— zurSparsamkeitzumahnen. Er warnte vor jedem neuen Beamten, weil eine neue Stelle, die einmal im Etat stehe, fich immer mehr auSwacbse. Ja. er verstieg sich so weir, die Zunahme der Gcschäftölast bei dem RcichsversichcrungSamt auf diesen Zustand zurückzuführen. Im übrigen herrschte bei den Parteien Uebereinstimmung dar- über, daß die Kosten nicht zuin größten Teil den Versicherungen aufgebürdet werden dürfen, sondern daß dazu besonders Staat und Reich herangezogen werden müssen. Ebenso»vendetei» sich die meisten Redller gegen die LandesvcrsicherungSämter, Montag Fortsetzung der Debatte. politische(lebersickt. Berlin, den 28. Mai 1910. Eine Niederlage des Zel»trums. Am Soimabend beriet das Abgeordnetenhaus u. a. in zweiter Lesung die Vorlage betr. die Verpflichtung zum Besuch ländlicher Fortbildungsschulen in der Provinz Schlesien. Die frommen Herren vom Zentrum, denen ja nichts an der Bildung des Volkes liegt, sondern die die Jugend einzig und allein mit Religion überfüttern und sie möglichst verdummen»vollen, beeilten sich, die Einführung des obligatorischen Religionsunterrichts in den Lehrplan der länd- lichen Fortbildungsschulen zu beantragen. Das gab unserem Genosse!» Hoffmann Gelegenheit, dem Zentrum wieder einmal die Maske vom Gesicht zu reißen und mit gutem Hm»wr in pointenreicher Rede gegen das Streben der Frommen zu Felde z»» ziehen. Den Herren vom Zentrum war dabei fichtlich unangenehm zu Mute, sie suchten sich persönlich an Hoffmann zu reiben, aber sie erreichten dadurch nur. daß sie sich eine neue Abfuhr holten. Der Zentrums- antrag selbst wurde abgelehnt. DaS gleiche Schicksal widerfuhr einer fteikonservativen Resolution auf baldige Vorlegung eines Gesetzes über obligatorische ländliche Fortbildungsschulen in der Provinz Posen. Die Vorlage selbst gelangte mit einer Resolution zur Annahme, die die Einstellung größerer Mittel in den Etat für ländliche Fortbildungsschulen in leistungsschwachen Gemeinde»» verlangt. Borher hatte das Haus das Gerichtskostengesetz in zweiter Lesung angenommen und einige kleinere Vorlagen erledigt. Am Montag stehen wieder kleinere Vorlagen auf der TageS» ordnung._ Tie Kulturträger im Herrenhanse. Ein Zufall wollte es, daß am Sonnabend nicht bloß im Dreiklassenhause. sondern auch im Herrenhause über Schulfragen geredet wurde. Die Etatberatung bot dazu den Anlaß. Die junkerlichen Kulturträger im Hause der LordS strahlten wieder einmal in hellstem Lichte. Der Junker v. K l i tz i n g. der bei früheren Gelegenheiten über die lilx»lriöse Ausstattung der HI. und IV. Wagenklasie und über die unnützen Handtücher auf den Eisenbahnen gezetert hatte. schimpfte diesmal über die luxuriösen Schulpaläste. Der alte Fcldmarschall H a c s e l e r hielt einen langen Vortrag, der auf die zufällig im saale anwesenden geborenen und berufenen Gesetz- geber augenscheinlich sehr einschläfernd wirkte, über die Ver- Wendung königstrcuer Fortbildungsschulen zilr„Vernichtung" der Sozialdemokratie. Dem Konkurrenzneid der Harburgcr Professoren, die sich durch dciS Frankfurter UniversitätsproZekt bedrobt fühlen, gab Herr Küster ergreifenden Ausdruck, der wehmütig von der Gefährdung der ältesten evangelischen Hoch- schule Preußens sprach. Nach längerem Hin- und Herreden wurde der Kultusetat bewilligt. Zwischendurch hob man noch die Verdienste des verstorbenen Forschers Robert Koch her- vor— der sympathischste Zug in der ganzen öden Sitzung.— Am Montag will man in der Etatsberatuug fortfahren. Geliefert. Dem Minister deZ Innern v. Moltke ist bekanntlich mehrfach da§ Malheur passiert, die Unzufriedenheit der Junker zu erregen, nicht weil er nicht so ivollte wie sie, sonder» weil seine Fähigkeiten offenbar nicht ausreichten, um ganz zweifelsohne den Kurs zu er- kennen, den er zu steuern hatte, um sich die Zufriedenheit zu er- werben. Was vorauszusehen war, ist jetzt eingetroffen. In parla- mentarischen Kreisen verlautet, daß er»ach Schluß des Landtags aus dem Amte scheiden wird. Wer den Junkern nicht patzt, kann nicht lange Minister sein in Preußen. Mit dem Schicksal der Wahl- reform hat daS Schicksal v. MoltleS nichts zu tun. Eine Arbeit für den Kronprinzen. Der Kaiser ist durch eine Furunkel an der Hand am Schreiben behindert. Er hat daher, wie im„ReichSanzeigcr" bekannt gegeben, den Kronprinzen beauftragt, die amtlichen Schriftstücke zu unter- zeichnen, die ihm der Kaiser zugehen läßt. Sterbende Jugend. Unter dieser nicht üblen Spitzmarke teilt die nationalliberale „Dortmunder Zeitung" mit. daß in der letzten Zeit in der Provinz Westfalen folgende jungliberalen Bereine eingegangen sind: Gelse». kirchen-Schalke. Günnigfeld, Hamm. Herne, Horsthausen, Langendreer, Wattenscheid, Weitmar und Witten. Die gefährliche Feuerspritze. In Wevelinghofen im Wahlkreise Neutz-Greven- b r o, ch. einer ganz schwarzen Ecke am linken Niederrhein, fand am 8. Mai zum ersten Male eine von Sozialdemokraten einberufene BolkSversammlung statt. Nach dem Referat forderte u. a. auch ein Wevelingh ofener Bürger die Versammlungsbesucher auf, in Zukunft die Sozialdemokratie bei Wahlen zu unterstützen. Diese mutigen Worte trugen dem Bürger folgenden Brief ein: Wevelinghofen, den 25. Mai 19l0. Herrn Hub. Heffels Hier. Laut einem Schreiben unseres i. Chefs Herrn Bürgenneister Knaben mutz Ihnen mitteilen, daß Sie mit dem heutigen Tage als Mitglied der fteiwilligen Feuerwehr ausgeschieden sind, wegen Ihrer Agitation, sowie öffentlichen Bekenntnis zur Sozial- demokratie. Möchte nun höflichst bitten um Ablieferung Ihrer Uniform- stücke. Hochachtungsvoll D. Bermuth, Brandmeister. Heffels gehörte der fteiwilligen Feuerwehr seit sech» Jahren an und wurde des öfteren als mutiger Wehrmann belobt.— Mit der Bekämpfung der Sozialdemokratie mit der Feuerspritze ist eS also doch nichts I Vielmehr mutz sogar die Feuerspritze gegen die Sozial- demokratie geschützt werden!_ Wiederbeginn des Wahlrechtskampfes. Eine grotze Wahlrechtsdemonstration unter freiem Himmel setzt die BreSlauer Sozialdemoftatie für Dienstag abend, gleich nach Feierabend, an. Als Referenten zu dem Thema„Der Wahlrechts- kämpf wird neu eröffnet' swd zwei Landtagsabgeordnete gebeten worden._ Der Breslauer Polizeisäbel. Ein Breslauer Bürger hat sich gezwungen gesehen, bei der Staatsanwaltschaft Hilfe zu suchen. In seiner Anzeige sagt dieser Mann: Am 12. d. M., nachts gegen l'/a Uhr, kam ich zu Rade aus dem Vereinslokal eines RadfahrervereinS aus der Hohenzollen, strotze. Ich hatte den ganzen Abend nur zwei GlaS Bier getrunken, was ich durch Zeugen nachweisen kann. In der Nähe deS Zeltgartens hörte ich, wie jemand„Pst" machte. Ich nahm an. datz dieser Zuruf von einer Prostituierten herrührt, die in dieser Gegend täglich anzutreffen sind. und fuhr deshalb weiter, ohne mich genau zu unterrichten, ob meine Vermutung zutrifft. Ich hatte kaum die Kirchstratze errciKt. als ich plötzlich ein Geräusch vernahm. In, nächsten Augenblick sah ich wenige Schritte vor mir einen S ch» n ,n a n n mit blank gezogenem Säbel, der mich mit den Worten anschrie:„Abspringen I abspringen!" Ich erwiderte, datz ich nicht sofort abspringe» könne, sondem erst das Rad zum Stillstehen bringen müsse. Ehe ich aber noch vom Rade herunter- kam, versetzte mir der Schutzmann mit seinem blanken Säbel einen wuchtigen Schlag über die linke Schulter. Ich stürzte dadurch zu Boden und auf das Stratzenpflaster. Außer einer großen Beule an der linken Stirnseite erlitt ich einen Schlüsselbeinbruch. Inzwischen war von» Ketzerberge her ein Schutzmann hinzugekommen, der. wie sich jetzt herausstellte, mir daS.Pst' zugerufen hatte. Dieser Beamte schrieb meinen Namen und meine Wohnung auf. während sich d»r Schutzmann, der mir die schwere Verletz»rng beigebracht, davonmachte. Ich schleppte mich mühsam nach der Promenade, wo ich zusammenbrach und mich auf einer Bank niederlassen mutzte. Als ich mich etwas erholt hatte, raffte ich mich auf und ging langsam, unter großen Schmerzen, nach meiner Wohnung in der Fürstenstratze. Zeugen diese« Vorfalles sind nicht vorhanden; ich kann leider auch die Namen der beiden Schutzleute nicht angeben. Der königlichen Staatsanwaltschaft wird es aber gewiß gelingen, sie zu ermitteln. Mein Arbeitgeber, die Firma S. Abt. hier,«ntonienstr. S/8, hat mich wegen meiner Krankheit entlassen. Ich behaupte, datz mich der Schutzmann zu Unrecht mißhandelt hat, und bitte darum die königl. Staatsanwaltschaft, gegen ihn die Gtrafversolgnng einzuleiten. Ergebenst K u r t Z i b i S, Haushält«, Fürstenstr. 8. An die königliche Staatsanwaltschaft Breslau. Seit zehn Tagen hat bereits der Staatsanwalt die Anzeige in Hände», und, merkwürdig: während er zur Zeit gegen die— Straße ndemon st ranten mit einer geradezu auffallenden Fixigkeit arbeitete, läßt er sich in diesem Falle ebenso auffallend lange Zeit._ Wahlrechtsentziehung auf Grund des Kinder- Privilegs. In mehreren Gemeinden Schlesiens wurden viele Genoffen auf Grund deS Kinderprivilegs aus den Gemeindewählerlisten gestrichen. Die hiergegen eingelegte Beschwerde wurde vom Landrat zurückgewiesen, ebenso die Klagen vor dem Kreis- und Bezirksausschutz. Jetzt hat nun der Oberpräsident von Schlesien im DienstaufsichtS- wege verfügt, datz die Streichungeu auf Grund des Kinderprivilegs unzulässig und nur auf in a n g e l u d e G e s e tz e S k e n n t niS der Gemeindevorsteher zurückzuführen sind. Konservativer Vorstoh gegen die Nationalliberalen. Die Konservativen drohen mit einer Vergeltung für die national- liberalen Angriffe auf ihren Besitz. Sie haben bekanntlich in L e i p z i g beschlossen, bei der nächsten ReichStagsivahl selbständig vorzugehen und einen eigenen Kandidaten aufzustellen. Die„Kreuz-Zeitung" findet dies Vorgehen vollständig in der Ordnung. Sie erklärt es für eine merlwürdige Zumuwng, wenn die Liberale», die„in geschlossener Phalanx und vereint init der Sozialdemokratie den grund- sätzlichen Kamps gegen die Konservativen bereits ausgenommen haben", aus„nationalen Gründen" die Unterstützung durch die rechtsstehenden Wähler erwarten. Ob die Konservativen mit dieser Rebanchpolitik in Leipzig irgend etwa? ausrichten, ist freilich noch mehr als zweifelhaft. Dort sind seit vielen Jahren die Konservativen und Nationalliberalen zusainrnengegangen. Früher allerdings leisteten sich die Konservativen. die damals als Reformparteiler mistraten, eine Sonderkandidatur. mit der sie gegenüber den Nationalliberale» in beträcht- lichen, Rückstand blieben. Bei der Stichwahl gingen dann National- liberale und Refornwarteiler wieder einträchtig zusammen. Die Nationalliberalen brauchen also vor der Leipziger Sonderkandidatur der Koiiservativen wirklich keine Angst zu haben. Die Stimmen der Konservativen sind ihnen für eine Stichwahl ja doch sicher. Hoffentlich freilich fällt das nächste Mal die Wahl so aus, datz wie im Jahre 1903 auch der Zusanimcnschlutz der nationalliberal- konservativen Reaktion den Sieg der Sozialdemokraten nicht zu verhindnu vermag. franhrneb. Das Negierungsprogramm. Paris, 28. Mai.(Meldung der Agencc Havas.) Unter den Mitgliedern des Kabinetts ist ein vollkommenes Einverständnis über das der Kammer vorzulegende Programm erzielt worden. Es wird versichert, daß die Regierung sich für die Listenwahl mit entsprechender Vertretung der Minorität sowie Verlange- rung der Dauer der Mandate auf sechs Jahre aus- sprechen werde. Die Mandate sollen in Dritteln er- n e u e r t werden. Andere Gesetzentwürfe sollen sich beziehen aus das Beamtenstatut. Verivaltungs- und Justizreform. Ar- beitsverträge, und aus das Flottenprogramm. Schließlich will die Regierung gemeinsam mit dem Senat eine Finanzresorm ausarbeiten auf Grundlage des von der Kammer angenommenen Einkommen st euergesetzes. Lelgien. Dcr Gcneralrat der belgischen Partei über die Wahlen. Brüssel, 25. Mai.(Eig. Ber.) Arn Mittwoch beschäftigte sich der Gencralrat der belgischen Sozialdemokratie mit dem Ergebnis der Kammerwahlen, die gezeigt haben, daß der Sozialismus dort Fortschritte zu verzeickjncn hatte, lvo die Organisation sich gefestigt hat und wo die Genossen in voller Unabhängigkeit känipfen. Andrerseits habe sich wieder ge- zeigt, daß die liberale Partei ihre Siege vorzugsweise der Unterstützung der Sozialdeniokratie zu danken habe- Vcr- schiedene Redner hoben die niit Elan und Zähigkeit geführte Wahlkampagne der sozialdemokratischen Partei hervor, die sich besonders in dem von den Klerikalen bedrohten Wahl- kreis von Courtrai manifestierte, wo seit den vorletzten Wahlen von dem vlämischen Deputierten Debünne eine ununterbrochene organisatorische und propagandistisch� Arbeit geleistet wurde. Seit vier Jahren, erzählte Debünne, hätte er keine 5 Sonntage dcr Agitationsarbcit entzogen... Nach vollzogener Kritik, die der Gencralrat auch insbe- sonders mr der Kartellierung übte, aus der die Liberalen alle Vorteile zögen, beriet dcr Generalrat über den Arbeitsplan für die künftigen Wahlen. A n s e e I e verwies auf die Neu- cinteilung der Wahlkreise und die Vermehrung der Mandate. die nach dem Wahlgesetz die neue Volkszählung herbeiführen wird. Die Sozialdemokratie müsse für die Wahlen von 1912 die Auslösung dcr Kammer verlangen, damit die Klerikalen, die nicht mehr die Mehrheit des Landes repräsentieren, nicht aus TeilwaHlen Nutzen ziehen.— Dcr Gencralrat beschließt schließlich behufs Durchberatung des künftigen Arbeitspro- granims die Einberufung eines außerordent- lichen Kongresses für den 26. Juni. Dieser wird sich u. a. mit der W a h l r e f o r m, mit der gesetzlichen R e- gelung der Arbeitszeit und den Arbeiter- Pensionen sowie mit dein K o a l i t i o n s r e ch t, insbe- sonders der Slaatsarbeiter befassen. CUrhei. Die Krrtafrage vor der Kammer. Äonstiintlnopel, 28. Mai. Die Kammer verhandelte heute über die K r e t a f r a g e. Nach Verlesung einer Eingabe von 13 mohammedanischen Deputierten der kretischen Kammer, worin diese hervorheben, datz ihr Leben gefährdet sei. und datz das mohammedanische Element unter den gegen- wärtiaen Umständen nicht mehr aus der Insel bleiben könne, sowie nach Verlesung von Depeschen der ProvinzlalmeetiiigS, wurde ein JnterpellationSantrag eingebracht, der von mehr als 290 Depu- tierten gezeichnet ist und worin die Regierung aufgefordert Wird. Erklärungen zu geben, waS sie zur Verteidigung der Souverän», tätsrechte der Türkei getan habe. Der arabische Deputierte Scheik Essad sagte, sogar die Beduinen von Medina hätten geschworen, Kreta zurückzugewinnen oder zu sterben. Wenn das Kabinett innerhalb einer Woche die Kretafrage nicht löse, würden die Mohammedaner der ganzen Welt, so- gar diejenigen Afghanistans, des Sudan« und Algeriens vom Kabi- nett die heilige Prophetenfahne zurückverlangen und sich selbst Recht verschaffeil. Ter Kretenser M e ch m e d Ali sagte, ein Kabinett, welches in die Betrauung eines Griechen aus dem König- reich mit der Verwaltung der Insel Kreta einwilligen würde, würde gelyncht werden. Ein K r i e g S v o r w a n t> gegen Griechenland könnte leicht gefunden werden. Grotzivefrr Hakki Pascha erklärte, die Mächte hätten die Unmöglichkeit an- erkannt, Kreta an Griechenland zu geben. Sie seien bemüht, eine Lösung für die Kretafrage zu finden. Die Mächte hätten ihre frühere Haltung zugunsten der Türkei geändert. Die Türkei werde Kreta nur durch einen Krieg bezwungen abgeben. Die Regierung müsse aber weise vorgehen. Die Türkei könne nicht nach Kreta ziehen, solange sich dort die Mächte besänden, welche die Souve- ränitätsrechte der Türkei wahrten. Mit Griechenland habe die Türkei nichts zu tun. Kreta werde der Türkei nicht ver- loren gehen, dafür werde das Kabinett alle Opfer bringen im Be» wutztsem, datz die ganze Nation hinter ihm stehe. Darauf wurde zur Tagesordnung übergegangen. Nicaragua. Ende des Anfstnudes. New jyirk, 28. Mai. Wie das Reutersche Bureau aus Blue- ficlds meldet, haben die Truppen des Präsidenten M a d r i z. unterstützt durch das Feuer des Kanonenboot»„San Jacinto", die Insurgenten am Freitag morgen geschlagen und Bluesielü Bluff genommen. Mau nimmt an, datz dieser.Sieg das Ende der Lkvoljttipn jn Lftoxagua bedeutej. Hus der partei; Parteiliteratur. Soeben erschien im Verlag der Wiener VolkS-Duch« Handlung Jgnaz Brand u. Co. zu Wien: Marx-Studirn. Blatt« zur Theorie und Politik des wissen- schaftlichen Sozialismus. Herausgegeben von Dr. Max Adler und Dr. Rudolf Hilferding. Band III. Preis 8 M. Inhalt: Dr. R. Hilferding.„Das Finanzkapital'. 477 Seiten. Tatjana Grigorovici,»Die Wertlehre bei Marx und Lassalle. 88 Seiten. Beide Werke sind auch in Separatausgaben erhältlich. »»* Dr. R. Hilferding: Das Finanzkapital gliedert sich in folgeilde Abschnitte: Geld und Kredit. Die Mobilisierung des Kapitals. Das fiktive Kapital. Das Finanzkapital und die Einschränkung der freien Konkurrenz. Das Finanzkapital und die Krisen. Zur Wirtschafts- Politik de» Finanzkapitals. Im Vorwort sagt der Verfasser u. a.: „Jn den folgenden Blättern soll dcr Versuch gemacht werden, die ökonomischen Erscheinungen der jüngsten kapitalistischen Eni- Wickelung wissenschaftlich zu begreifen. DaS heißt aber, diese Erscheinitugen in daS theoretische System der klassischen Rational- ökononiie einzureihen versuchen, die init W. Petty beginnt ll»d in Marx ihren höchsten Ausdruck findet. DaS Charakteristische deS„modernen" Kapitalismus bilden aber jene KonzentrationS- Vorgänge, die einerseits in der„Alishobung der freien Konkurrenz' durch die Bildung von Kartellen und Trusts, andererseits in einer immer innigeren Beziehung zwischen Bankkapital und industriellem Kopital erscheinen. Durch diese Beziehung nimmt daS Kapital, wie später näher dargelegt wird, die Form de» Finanzkapital» an, die seine höchste und abstraiteste Erscheinlingsforin bildet. Der mystische Schein, der da« Kapitalsverhältnis überhaupt um- gibt, wird hier am nndllrchdringlichsten. Die eigentümliche Be- wegung des Finanzkapitals, die selbständig erscheint, obwohl sie reflektiert ist, die niannigfachen Formen, in denen sich die Be- wegung vollzieht, die LoSIösung und Lerselbftändigung dieser Bewegung gegenüber der Bewegung deS industriellen und lonmierziellei» Kapitals sind Vorgänge, die eine Analyse um so eher verlougen, al» da» rasche Wachstum und der immer mächtigere Einflutz, den da» Finanzkapital in der jetzigen Phase deS ÄapitaliSnius ausübt. daS Verständnis der gegeinvärtige» WirtschastStendenzen. damit aber auch jede wiffenschasiliche Oekonomie und Politik ohne Kenntnis der Gesetze und der Funktion deS Finanzkapitals un- möglich macht. Die theoretische Analyse dieser Vorgänge inutzte so zur Frage noch dem Zusammenhange dieser Elscheinungen führen und damit zu einer Analyse des BankkapitalS und seines Verhältnisses zu den anderen Kapitalfonnen. ES mutzte untersucht werden, ob den juristj« schen Formen, in denen da» industrielle Unternehmen gegründet wird, spezifische ökonomische Bedeutung zukommt, waS also die ökonomische Theorie der Altiengesellschast etwa anSzusagen habe. In de» Beziehungen aber zwischen Bankkapital»nd Industriekapital konnte nur die Bollendung der Beziehungen erblickt werden, die in den elementareren Formen deS Geldkapitals und des produktiven Kapitals zu finden ivaren. So wars sich die Frage»ach dcr Rolle und dein Wesen des Kredits auf. die ihrerseits nur beantwortet werden konnte, wenn die Rolle de« Geldes klargelegt wurde. Die» war um so wichtiger, als seit der Formulierung der Marxschen Geldtheorie eine Reihe wichtiger Probleme durch die Gestaltungen vor allem deS Geldwesens in Holland, Oesterreich»»»d Indien auf- geworfen worden waren, auf die die bisherige Geldtheorie keine Antwort zu finden schien, ein Umstand, der Knapp, der das Problc- mafische der modernen Gelderscheiinnigen scharsiimug erkannte. zu seinem Versuche verleitete, jede ökonomisch? Erklärung beiseite zu schieben und an deren Stelle eine juristische Terminologie zu setzen, die zwar keine Erklärung, also lein lviffenschastlicheö Be- greifen, aber doch wenigstens die Möglichkeit einer Vorurteils» losen, unpräjudizierlichen Beschreibung zu bieten schien. Die ein» gehend«« Behandlmig dieser Geldprobleme war aber um sa nötiger, als nur durch sie der empirische Beweis für die Richtigkeit einer Werttheorie geliefert werden kann, die die Grundlage jedes ökono« mischen Systems bieten mutz, und zugleich erst aus der richtigen Analyse des Geldes die Rolle des Kredits, damir aber die elementaren Formen der Beziehungen zwischen Bank- und Industriekapital er- kannt werde» komiten. So ergab sich die Gliederung dieser Studie von selbst. Der Analyse de« Geldes folgt die Untersuchung deS Kredit«. Daran schließt die Theorie der Aktiengesellschaft und die Analyse der Stellung, die daS Bankkapital hier gegenüber dem industriellen Kapital ein- nimmt. Dies führt zur Uiiterstichuug der Effektenbörse als des „Kapitalmarktes', während die Warenbörse wegen der in ihr sich verkörpernden Beziehungen von Gcldkapital und Handelskapital einer besonderen Betrachtung unterworfen werden miltztc. Mit dem Fort- schreiten der industrielle» Konzentration verflechten sich die Be- zichlmgen zwischen Bank- und Industriekapital immer mehr und machen das Studium dieser KoiizeiitrationScrsckeiluiiigen, wie sie in den Kartellen und Trusts gipfeln, und da« ihrer EntwickelungS- tendenzen nötig. Die Erwartungen, die an die AuSbilduiig der monopolistischen Bereinigungen für die„Regelung der Produktion" und damit für die Fortdauer des kapitalisli- schen Systems geknüpst tverden und denen namentlich für die periodiichen Handelskrisen grotze Bedcutuirg bei- gelegt wurde, erheischten eine Analyse der Krisen und ihrer Ursachen, womit der tbeorelische Teil beschlossen war. Da aber die Ent- Wickelung, die theoretisch zu erfassen versucht wurde, zugleich be- deutende Einwirkungen auf die Klassengliederung der Gesellschaft ausübt, so erschien eS angezeigt, in einem letzten Abschnitt den Haupt- sächlichen Einflüssen auf die Politik der großen Klassen der bürg«- lichen Gesellschaft nachzugehen... Tatj. Grigorovici: Di« Wertlehre von Marx und Lassall« zersällt in folgende Kapitel: Die Unterschiede zwischen der Marxschen und der Lassalleschen Werttheorie im Rahmen der bisherigen Kritik. Der Begriff der ge- sellschaftlich notwendigen Arbeit alö de« wertbtldenden Faktors bei Marx und Laffalle. Der Charakter der ivertbildenden Arbeit bei Marx und Laffalle. Die Unvereinbarkeit dcr Marxschen Geld- mit der Laffalleschen Wertlehre. Wertbildung und gesellschaftliche Zusammenhäna« bei Laffalle. Lassalles Idealismus, die Haupt- Ursache sein« falschen Auffassung der Warxschen Wertdefinitioii. Die Schrift der Genossin Grlgorovice ist von, Genossen Mehring in der„Neuen Zeit" als eine der besten und klarsten Darstellungen der Marxschen Werttheorie bezeichnet worden. Die Staatsaktion gegen das Dortmunder Liederbuch. Nachdem schon in den verschiedensten Städten die Beschlag» nähme des von der Dortmunder..Arbeiterzettung' herausgegebenen Liederbuche» für Massengesang verfügt worden ist und Haussuchungen dort stattgesunden haben, ist vaö Verfahren nun endlich nach Dort m u n d selbst ge- langt. Hier schickte man aber entgegenkommenderweise Tags zuvor schon den Gerichtsbeschlutz, der die Beschlagnahme verfügte,«he man zur Haussuchung schritt. Nur einige Exenivlape sielen der Polizei, die sechs Mann hoch erschienen war. in die Hände. Noch am selben Tage fand eine Vernehmung de» Geschäftsführers dcr „Arbeiterzeitung", Gen. Um breit, statt. ES scheint, datz man auf Grund de« AufreizungSparagraphenim NxIKÄR Sonntag. 29. Mai 1910. Die Milk« NnhMKqnl«dkl de« T«nf»kck«>i im Kiizemde. Die zum 27. Mai 1910 auf 9 Uhr vormittags anberaumte Sitzung war nachträglich auf 2 Uhr verschoben worden und fand in einem Sitzungssaale des Reichstages statt. Der Vorsitzende Geheimer Oberregierungsrat Wiedfeldt er- öffnete die Verhandlungen, indem er im Auftrage des Staats- sekretärs des Innern den beiden Parteien sowie den beiden be- berufenen Unparteiischen, Oberbürgermeister B e u t l e r- Dresden und Gerichtsdirektor P r e n n e r- München, den Dank für ihr Erscheinen aussprach. Seit 6 Wochen stehen wir nun im Kampfe— so eröffnete er die Sitzung— und namentlich in den letzten Wochen sind uns immer häufigere Zuschriften zugegangen, die auf eine Beendigung des Kampfes hindrängten. Aus den Kreisen der Bürgerschaft vieler Städte, von Fuhrwerksverbänden, von Technikervereinigun- gen und sonstigen Jnteresscntenverbänden wurde darauf hinge- wiesen, daß allmählich der Zeitpunkt zur Beendigung des Kampfes gekommen sein dürfte. Es scheint, dah man im Publikum jetzt die Ruhe verliert, die man bisher dem Kampfe gegenüber beobachtete, und es ist für beide Parteien wünschenswert, daß die Sympathie der Bevölkerung auf Ihrer Seite bleibt und der Kampf rechtzeihg zu Ende geht. Würde er weiter hingezogen werden, so würden wir von der Baukonjunkwr in diesem Jahre kaum noch etwas er- warten können. In beiden Parteien ist die Stimmung vielleicht nicht mehr so kriegslustig wie zu Anfang. Einer Anregung folgend, will ich feststellen, baß das Eingreifen des Herrn Staatssekretärs von ihm aNein ausgegangen ist, daß keine Partei sich an ihn gewendet hat. Er hat sich zunächst seiner- seits an die Arbeitgeber gewendet, die ja diesmal die Aus- sperrenden sind, und sich dann, als deren Zustimmung zu den Verhandlungen festgestellt war, an die Arbeiter gewandt, die sich ebenfalls zustimmend erlkärt haben. Ich möchte die Herren bitten, das, was bereits in den Ner- Handlungen vom November vorigen Jahres und März dieses Jahres gesagt ist, als bekannt vorauszusetzen und möglichst nicht mehr zu berühren. Wir möchten Ihnen vorschlagen, datz wir auf Grund des alten Vertragsmusters verhandeln. Bömelburg: Herr Geheimrat Wiedfeldt hat socken kon- statiert, daß das Reichsamt von niemandem veranlaßt ist, die Ver- Handlungen einzuleiten, sondern datz Herr Staatssekretär Del- brück aus eigener Initiative gehandelt hat. Ich habe hier aber ein Flugblatt aus Westpreutzen, worin es heitzt: „Seit 5 Wochen tobt bereits der Kampf im deutschen Bau- gewerbe. Von Tag zu Tag können wir eine ständige Zunahme der Aussperrungen feststellen und von der Gründung neuer Orts- verbände berichten usw. Durch diese unerwartete Wendung des Kampfes sahen sich die Arbeitnehmer endlich ge- zwungsn, die Bermittelung der Reichsregie- rung anzurufen. Die Verhandlungen werden daher auf Wunsch der Arbeitnehmer(Hört! hört! bei den Arbeitervertrc- tern) und mit Zustimmung des Deutschen Arbeitgeberbundts Voraussichtlich am 24. Mai in Berlin beginnen." Außerdem hörte ich von dem Beamten der Maurerorganisation zu Hannover, datz Architekt Behrens ihm gesagt hätte: „Jetzt ist doch festgestellt, datz die Hamburger(gemeint sind die Zentralverbände) doch die Dresdener Verhandlungen einge- leitet haben." Ich nehme demgegenüber Notiz von dem, was Herr Geheimrat Wiedfeldt mitgeteilt hat. Die Herren Gerichtsdirektor P re n- ner und Oberbürgermeister B e u t l e r möchte ich aber bitten, uns zu sagen, ob irgendwie von Arbeiterseite ein Einfluß auf ihre An- regungen ausgeübt ist. Oberbürgermeister Beutler-Dresden: Was die Dresdener Ver- Handlungen betrifft, so habe ich die Initiative dazu ergriffen. Nach- dem ich mit den Vertretern des Arbeitgeberbundes in Dresden ge- sprachen, wandte ich mich auch nach Hamburg. Gcrichtsdirektor Prenner-Münchcn: Ich kann bestätigen, daß ich weder von Arbeitgeber- noch von Arbeitnchmerseite— sei es von Organisationen oder von einzelnen Mitgliedern— veranlaßt worden bin, irgendetwas zu unternehmen. Was ich getan, habe ich a»S eigener Initiative getan. Ich habe darauf hingewirkt, daß zentrale Verhandlungen stattfinden möchten. Architekt Behrens-Hannover: Die Sachdarstellung, die Herr Bömelburg nach Gesprächen wiedergegeben hat, ist nicht richtig. Bömelburg: Ich habe nur mitgeteilt, was mir in Hannover gesagt worden ist. Ich werde der Sache nach der Erklärung des Herrn Behrens auf den Grund gehen und das Nähere fest- stellen. Das Flugblatt des Westpreuhischen Landesverbandes ist unterzeichnet von einem Herrn Herzog, der meines Wissens Vor- standSmitglied des Deutschen ArbeftgebeckundeS ist. Vielleicht ver- anlatzt der Vorstand des ArbeitgeberbundeS Herrn Herzog, datz er die Behauptungen seiner öffentlichen Kundgebung zurücknimmt. Der Zweck solcher falschen Mitteilungen geht ja nur zu deutlich aus der ganzen Auslassung hervor. Baurat Encke-Leipzig: Wir werden unseren sämtlichen Ver- bänden die Verhandlungen, die hier gepflogen werden, mitteilen. Dann wird auch Herr Herzog Kenntnis davon erhalten. Borsitzender: Damit ist diese Sache wohl erledigt. Uebrigens wäre es an sich keine Schande, wenn jemand um eine Verhandlung. nachsucht. Bömelburg: Keine Schande; aber es verrät ganz eigentümliche Zwecke. Borsitzender: Ich darf dann wohl feststellen, daß beide Par- teien damit einverstanden sind, datz wir auf Grund des alten Bcr- träges verhandeln. Baurat Encke: Ihr Vorschlag überrascht uns. Oberbürgermeister Beutler: Es handelt sich nur um die Reihen- folge der Verhandlungen, nicht etwa, datz wir sachlich an dem alten Vertrage festhalten wollen. Baurat Encke: Wenn es sich nur um eine formale Sache han- delt, haben wir kein Bedenken. Borsitzender: Wir kommen dann zur Ueberschrift des Ver- träges. Baurat Encke: Der Arbeitgeberbund beantragt folgende Fassung: „Zwischen dem Deutschen Arbeitgeberbund für das Bau- gewerbe und dem Zentralverband der... ist dieser Tarifvertrag für das Gebiet des ArbeitgeberverbandeS(Bezirks- oder Orts- veckandes)... abgeschlossen worden." Schrader-Hamburg: Wenn man Anträge stellt, halte ich eS am Platze, daß sie auch begründet werden. Bisher haben wir eine Begründung für diese Fassung nicht erhalten. Ich möchte daher darum bitten. Bömelburg: Ich möchte klar festgestellt sehen, welches der Un- terschied zwischen dem früheren Vertragsmuster und der Vorlage der Arbeitgeber nach den Dresdener Verhandlungen ist. Vorsitzender: Es ist einmal statt«Zentralvorstand" gesagt .Zentralverband". Baurat Encke: Unser Antrag bezweckt, den Vertrag auf zen- traler Grundlage abzuschlichen. Eine Begründung halte ich nicht für nötig, nachdem nach den Erklärungen dcS Herrn Vorsitzenden alle Argumente für und wider hinlänglich gegeben worden sind. Bömelburg: Aus den Protokollen über die Verhandlungen vom November und März ist nicht festzustellen, was die Ackeitgeber be- zweiken; auf der einen Seite ist vom Arbeitgeberbund gesprochen und auf der anderen Seite soll der Vertragskontrahent der Zentral- vorstand fein. Vorsitzender: Nein, die ursprüngliche Fassung?„Zentralvor- stand" soll geändert werden in„Zentralverband". Oberbükgermeister Veuller: Ich habe aus den Protokollen das eine herausgelesen: die Arbeitgeber wünschen, daß die Arbeitnehmer mit der Autorität ihrer Zentralverbände für die Durchführung der etwa zustande kommenden Verträge sich gewissermaßen moralisch einsetzen. Lringmann-Hamburg: Wir müssen darauf bestehen, datz uns die Arbeitgeber klipp und klar erklären, was sie mit dem Zentral- tarifvertrag wollen. Hätten sich bei der bisherigen Form der Torifvcrtragsschlictzungen Schwierigkeilen ergeben, so wäre eine Aenderung verständlich. Bis auf wenige Ausnahmen, wie in West- falen, ist einstimmig konstatiert worden, datz das bisherige Tarif- Vertragsverhältnis sich gut bewährt habe. Borsitzender: Es wäre vielleicht angebracht, die Hauptgründe anzuführen, ohne in die Details einzugehen. Baurat Encke: Wir halten den sogenannten zentralen Abschluß deshalb für nötig, weil wir wollen, dah hinter unfern Verträgen sowohl bei den Arbeitern wie bei den Arbeitgebern eine starke Zen- lralgewalt steht, die Macht über die einzelnen Organisationen hat. Wenn nach der Denkschrift oder Statistik die Verträge sich im all- gemeinen bewährt haben, so sind sie doch in der bestehenden Form nicht länger haltbar. Einzelne Unwrverbände der Arbeiter, viel- leicht auch der Arbeitgeber, haben sich einfach über die Verträge hinweggesetzt. Auch bei Streitigkeiten wegen der Ueberstunden haben sich einzelne Lokolorganisationen über die im Vertrage an- geordnete Schlichtungskommission hinweggesetzt. Wir verlangen nicht nur, daß solche Verträge die Genehmigung der Zentralver- bandsorganisation haben, sondern dah sie zwischen den eigentlichen. Gewalten abgeschlossen werden. Becker-Berlin: Von Ihrer Seite ist uns doch selbst das Zeugnis gegeben worden, datz wir für die Durchführung der Verträge alles getan und unsere ganz« Kraft dafür eingesetzt haben. Herr K a r mann hat in den„Posener Neuesten Nachrichten" eine andere Be- gründung für die Aenderung gegeben, wenn nämlich irgendwo ein „Tarifbruch" vorkommen sollte, soll sofort ausgesperrt und der Ber- trag aufgehoben werden. Wenn das der wahre Grund ist, dann können wir der Aenderung nicht zustimmen. Sj« haben selbst nicht die Macht, einen Bezirksverband zu zwingen, einen Tarifvertrag anzuerkennen, wie die Vorgänge im Siegerland zeigen. Heute sind wir auf beiden Seiten noch nicht reif genug für einen zentralen Tarifvertrag; lassen Sie sich die Dinge erst entwickeln. Im Jnter- esse des Friedens möchte ich bitten: lassen Sie die Forderung fallen. Bömelburg: Wir haben ja bisher schon eine gewisse Zentrali- satton im TarifvcrhältniS. In dem zentralen Vcrtragsmuster ist ausgesprochen, daß die Zentralverbände verpflichtet sind, alle auf Grund dieses Musters abgeschlossenen Verträge zu decken, und fast allgemein ist konstatiert worden, datz sich der Zustand gut bewährt hat. Seit Abschluß des bisher üblichen Verhältnisses haben wir eigentlich wenig Differenzen gehabt. Aber öfter als der Arbeit- gebcrbliud sich an uns, mußten wir unS an ihn wegen Regelung von Differenzen wenden. Ter Bund konnte die Tinge aber nicht schlichten. Ohne bestimmte Gründe können wir nicht eine so tief- gehende Aenderung herbeiführen. Herr Kart mann hat uns durch seine Pretzäutzcrung nicht überrascht, höchstens überrascht durch seine Offenheit.(Heiterkeit.) Herr K a r t m a n n hat die Frage gestellt:„Warum mutz die Bundesleitung der Arbeitgeber den Zentralabschlutz der Verträge fordern?" und sie dahin beantloortct: „Weil sie im ganzen Deutschen Reiche dem Baugewerbe für die Vertragsdauer den Frieden sichern will und die Erfahrung gelehrt hat, daß dies durch Hunderte von Einzelvcrträgcn nicht möglich ist, da die bisherigen Einzelverträg« keinen Paragraphen enthalten, welcher den Vorstand des ArbeitgeberverbandeS berechtigt, sämtliche Einzelvcrträge sofort aufzuheben, wenn während der Bertragsdauer an dem einen oder anderen Orte der Bertrag von den Arbeitneh- mern gebrochen wird; weil die Arbeitgebcrverbände einzelner Städte und Provinzen zu schwach sind, um die Angriffe der Arbeit- nehmerverbände.die über 0 Millionen Mark Streikgelder verfügen, abzuwehren, weil allein die BundeSleitung der Arbeitgeber die Macht und die Mittel besitzt, Vertragsbrüche zu verhindern, da sie allein die zur Durchführung von Streiks, Abschiebungen von Ar» beitern usw. erforderlichen Gelder zu bewilligen hat."(Hört! hört! bei den Arbeitervertretern.) Meine Herren! Nach diesem Plan hätte«S ein einziger böS- williger Arbeitgeber oder auch Line Handvoll Arbeiter in der Hand und die Möglichkeit, Tarifverträge über das ganze Land aufzu- heben. Das Recht, die AnstellungSvcrhältnisse zu regeln, ist allein dem Arbeitgeber zugestanden, da kann keine Ackeiterorganisation dem Arbeitgeber hineinreden. Differenzen, die sich einmal auS einem Tarifvertrage ergaben, sind viel weniger aus Handlungen der Arbeiter als auS solchen der Arbeitgeber entstanden. Unser Bestreben ist immer nur gewesen, dafür zu sorgen, datz das, was wir vereinbart haben, auch durchgeführt wird. Wenn wir ein TavifverhältniS mit dem Arbeitgeberbnnd eingehen, tun wir eS nur, wenn wir die Ucberzeugung haben, datz das Vereinbarte auch gehalten werden kann. Wollte man in den Zentralvorständcn alle Fälle registrieren, die in den einzelnen örtlichen Verhältnissen zu berücksichtigen sind, so würde man an der Zentralstelle überhaupt nicht durchkommen. Ein Tarifvertrag kann bei der Mannigfaltig- keit der verschiedenen' Gewerbe nur durchgeführt werden, wenn nicht nur die Zentralvorstände, sondern auch die örtlichen Organi- sationcn als Träger des Vertrages verantwortlich gemacht werden. Ich möchte daher die Arbeitgeber ersuchen, von ihren Anträgen abzulassen. Auf der bisherigen Grundlage können wir weiter aufbauen und weiterkommen. Wir haben bei früheren Verhandlungen auch ein Zentralschiedsgericht in dem Sinne, wie es die Arbeit- geber verlangen, abgelehnt. Die Erfahrung hat gelehrt, datz durch ein enges Zusammenarbeiten der Organisationen hier und da noch manches auszugleichen ist und ausgeglichen werden kann, ein zentrales Tarifverhältnis in dem Sinne, wie es uns durch Ihre Presse bekannt geworden ist, machen wir nicht mit. Es kann Ihnen auch nicht schwer sein, auf Ihren Beschlutz zu verzichten. Wenn Sie der Sache diesen Dienst erweisen, dann haben Si? den Arbett- gcbcrn, den Arbeitern und der Allgemeinheit genützt. Baurat Encke: Die Rede des Herrn Bömelburg hat uns heute ebensowenig wie früher davon überzeugt, datz wir etwas Falsches verlangen. Die Idee des Vertrages an sich ist gut, aber seine jetzige Art hat sich nicht bewährt. Vertragsverletzungen schwerer Art sind ungesühnt geblieben. In zahlreichen Fällen haben organisierte Arbeiter verlangt, datz nicht organisiertL den Bau ver- lassen: mißliebige Arbeiter oder Poliere mutzten entlassen tverdcn. In Rheinland haben zentralorganisierte Arbeiter verlangt, datz erst die christlich organisierten entlassen werden müßten, bis sie wieder arbeiteten. Wir wollen einen zentralen Vertrag mit einer starken Gewalt abschließen, und wir wollen ihn stühen durch ein ordentliches Schiedsgericht, und erst, wenn sich nach einem SchiedS- fpruch herausstellen sollte, daß Ihre oder unsere Zentralorganisa- tion zu schwach ist, um Abhilfe zu schaffen, müßte es jedem frei- stehen, zu Machtmitteln zu greifen. Der Vertragsabschluß soll von der verantwortlichen Stelle auS erfolgen und nicht von der unver- antwortlichen; das ist bei den Holzindustriellen, bei den Buch- druckern ebenso. Wir werden trotz deS Protestes an unseren be- rechtigtcn Ideen festhalten. Oberbürgermeister Beutler: Bei der Frage: zentraler Abschluß oder formelle Verhandlungen in den Ortsverbänden scheint es sich doch um einen Streit um Kaisers Bart zu handeln. Bis jetzt haben Sie da? alte Vertragsformular, wie es zwischen den Zen- tralvcrbänden und dem Arbeitgeberbund vereinbart ist; jetzt ver- längt Der Arbeitgeberbund, daß auch eine Art Unterschrift dazu gegeben wird. Das Vertragsformular hat aber doch allerlei Striche und Lückru, die wiederum den örtlichen Organisationen vorbehalten bleiben sollen. Demgegenüber ist es vielleicht richtig, wir stellen diesen ganzen Streitpunkt zurück und einigen uns erst über die Form. Die Fragen der Arbeitszeit, der Uckerstunden, des Ackeits- lohnes, auch der Akkordarbeit smd wohl viel geeigneter, eine Eini- gung darüber zu erzielen. Baurat Encke: Wir sind mit dem Vorschlage des Herrn Ober- bürgermeisters einverstanden. Schräder: Grundsätzlich hätte ich auch nichts dagegen einzu. wenden. Als Vertreter der Arbeiter hätte ich aber den Wunsch, datz wir unter uns erst einmal beraten. (Es tritt eine Pause ein.) Nach der Pause erklärt Bömelburg: Wenn wir uns über diesen ersten Punkt nicht einigen, werden wir aucb über die übrigen Punkte nicht hinlveg- kommen; denn das, was der Arbeitgeberbund im ersten Punkt for- dcrt, spiegelt sich in vielen anderen wieder. Die Erörterung wird noch einmal eröffnet. Bringmann: Von keiner der Arbeiterorganisationen ist zu der Ueberschrift ein Antrag gestellt, wohl aber von den Unternehmern, doch hat dieser bis jetzt keine Begründung gefunden. Wenn irgend- wo Disferenzen unter den Arbeitern vorgekommen sind, so wird das durch das von den Unternehmern vorgeschlagene Vertragsmnst-r auch nicht verhindert werden. Einzelfälle sind aber gar nicht be- weisbar gewesen. Was wollen die Unternehmer eigentlich mit einem zentralen Tarifvertrag, wie sie ihn beantragen? Das müssen wir wissen! Jakvb-Leipzig: Es ist bestritten worden, datz beim Arbeitgeber- bund die Absicht bestände, die Arbeiter durch den zentralen Ab- schlutz des Vertrages in Gefahr zu bringen. Den besten Gegen- beweis bilden die Vorgänge in Plauen.(Redner trägt den Fall vor.) Ein anderer Unternehmer hat in ber vorigen Woche in Grimma einen Vertragsbruch veranlaßt. Im Buchdruckergewerbe liegen die Verhältnisse ganz anders als im Baugewerbe. Bömelburg: Es ist nicht richtig, datz Verträge in einzelnen Orten erst dann Geltung erlangt hätten, wenn die Zcntralvorstände eingegriffen haben. Aber dieses Moment hat überhaupt nichts mit der Aenderung zu tun, die die Arbeitgeber herbeiführen wollen. Datz sich Arbeiter geweigert haben, mit anders Organisierten gu- sammen zu arbeiten, mag vorgekommen sein; das wird aber auch in Zukunft vorkommen, das kann niemand verhindern. Wir billigen das aber nicht. Im Vertrage steht ausdrücklich, dätz das Zusammenarbeiten mit anders Organisierten nicht gehindert wer- den darf. Daran wollen'wir auch festhalten. Einzelne bedauerliche Differenzen können nur verhindert werden, wenn an den einzelnen Orten Vertragsträger vorhanden sind, die sich darüber auseinander- setzen. Die Differenzen sind vielfach durch falsche Auffassung der leitenden Personen entstanden, teils der Arbeitgeber, teils der Ar- beiter. Bei gutem Willen sind solche Vorkommnisse leicht zu be» seitigen. Wenn es nicht die Absicht des Arbeitgeberbundes ist. durch die neue Form seine Macht zu erweitern, Jvarum streiten Sie dann noch um diesen Punkt? Dann können Sie es ruhig bei dem bisherigen Zustande belassen, dann kommen wir mit der bis- herigen Grundlage vollkommen aus. Wenn Sie z. B. die Lohn» frage zentral regeln wollten, kämen Sie mit Ihrer eigenen Or- ganisation in eine große Schwierigkeit. Wir können die örtlichen Organisationen nicht ausscheiden. Solange Sie nicht auf Ihren Antrag verzichten, müssen wir annehmen, datz Sie mit dieser Acn- derung besondere Absichten verfolgen. Baurat Encke: Der Bund ist nur verantwortlich für die Be» schlüsse, die er gefaßt hat, nicht für die Aeutzcrungen eines ein- zelncn Redners. Selbstverständlich wollen wir neben dem zen» tralen Abschluß auch gleichzeitig, datz die Lokalorganisationen Ver- tragsträger für die einzelnen Orte bleiben. Wir wünschen also einen zentralen Abschluß, die Mitwirkung der Organisationen, und datz die Abrechnungen der örtlichen Organisationen in den zen- tralen Vertrag aufgenommen werden. Behrcndt-Hamburg: Der Arbeitgeberbund ist noch lange nicht so weit vorgeschritten, um die Machtmittel zu haben, die er durch einen zentralen Vertrag zu bekommen glaubt. In Colmar sind Lohnabzüge gemacht worden, ohne datz der Arbeitgeberbund auf unsere Vorstellungen geantwortet hat. Die Macht, die die Herren durch die Organisation bekommen wollen, haben sie nicht; die Trä- ger der Verträge müssen die lokalen Organisationen sein. Baurat Encke: Wir haben die wahren Gründe, die unS feiten, angeführt: andere brauchen wir nicht. ES ist gänzlich auSge- schlössen, daß wir noch irgendwelche Hintergedanken hätten. Bersihender: Da sich niemand mehr zum Worte gemeldet hat, könnten wir diesen Punkt vorläufig in der Schwebe lassen und kämen weiter zu Z 1. Da dieser aber mit der eisten Frage zu- sammenhängt, mutz er ebenfalls in der Schwebe bleiben. Wir kommen also zu 8 2: Arbeitszeit. Der ß 2 lautete bisher:„Die normafe Arbeitszeit beträgt... Stunden und wird in Berücksichtigung der Witterungs- und Licht- Verhältnisse wie folgt geregelt:...", und dann sollten die einzelnen Orte das einsetzen. Der Arbeitgckerbund beantragt, datz hinter den Worten„die normale Arbeitszeit" eingefügt wird:„bei Lohn» und Akkordarbeit". (Die Arbeitgebervertreter ziehen sich zu einer kurzen Beratung zurück.) Baurat Encke: Ich möchte zum 8 2 noch folgenden Antrag stellen, der in der Drucksache irrtümlich weggelassen ist: „Bei ausreichenden Lichtverhältnissen kann eine kürzere Ar, beitszcit auf die normale, und zwar ohne Lohnzuschlag, ver- längert tverdcn, wenn der Arbeitgeber oder sein Stellvertreter es für erforderlich hält." Wir haben im Baugewerbe an und für sich eine kurze Arbeits- zeit, namentlich im Winter. Wir wollen deshalb dem Arbeitgeber das Recht zugestehen, datz da, wo ausreichende Lichtverhältnisie und geeignete Einrichtungen vorhanden sind, die Arbeitszeit aus dia normale Arbeitszeit herabgesetzt wird, datz also eine Verlängerung der normalen Arbeitszeit nicht als Ueberstunden gelten soll. Schrader-Hamburg: In diesen Anträgen liegt eine gewisse Ins konsequenz. Wir können eine feststehende Arbeitszeit nicht will» kürlich verlängern. Bei dringenden Arbetten liegt die Frage mit den Ueberstunden anders. Die ganze Fassung des 8 2 geht uns überhaupt zu weit; wir wünschen einfach, datz gesagr wird:„Die Arbeitszeit beträgt.. und dann kommt die Tabelle, wie wir sie auszuarbeiten wünschen. Baurat Encke: In diesem Antrage liegt keine Inkonsequenz; denn es wird nur selten vorkommen, datz die normal« oder tabella, risch festgesetzte Arbeitszeit überschritten wird. Schräder: Bei den Verhandlungen im November und März wurde uns von Arbeitgeberseite erklärt, daß man sogar auf Neu- bauten elektrische Lichtanlagen einrichten und die Arbeitszeit auf die normale ausdehnen wolle. Oberbürgermeister Bcutler: Können die Herren sich erklären, wie sie sich zu der Ziffer L des Absatzes III der protokollarischen Erklärungen stellen?, (Die Erklärung des ArbeitgsberbundeS lautet:„Die Unter- verbände des Arbeitgeberfrundes find unter anderem hinsichtlich der Arbeitszeit gebunden, das; eine Verkürzung der Arbeitszeit unter 10 Stunde» nicht gestattet ist; wo die Arbeitszeit bereits kürzer ist, darf sie nicht weiter gekürzt werden.') Schräder: Wir haben keinen Zweifel gelassen, daß wir darauf bestehen, daß für eine Anzahl von Großstädten eine Verkürzung der Arbeitszeit durchgeführt werden muß, sagen wir für Städte mit mindestens 100 000 Einwohnern, wenigstens für' diejenigen, wo heute zehnstündige Arbeitszeit besteht. Paeplow-Hamburg: Wir können nur erklären, daß wir einer solchen protokollarischen Erklärung nienrals zustimmen werden. lieber örtliche Arbeitszeit verhandeln wir hier nicht, wir wollen nur die Form für den Abschluß der Tarifverträge finden. Biimelburg: Wir beantragen die Streichung dieses Satzes. Paeplow: Die protokollarische Erklärung entspricht übrigens nicht ganz dem in Köln gefaßten Beschluß des Arbeitgeberbundes. Dort heißt es auch noch:„Soweit nicht die einzelnen Arbeitgeber durch Streiks dazu gezwungen werden." Oberbürgermeister Beutler: Die Herren scheinen gewisse Aus- nahmen haben zu wollen. Im allgemeinen sagen die Herren wohl: die Arbeitszeit mag bestehen bleiben; wo sie unter 10 Stunden, oder wo sie 9 Stunden beträgt, soll sie nicht weiter verkürzt werden. Ferner soll sie nur in gewissen größeren Orten verkürzt werden. Das ist aber im Vertrag schwer zu formulieen. Was heißt gößere Orte? Bringmann: Die Festsetzung der Lohnverhältnisse und der Ar- beitszeit ist Sache unserer Kameraden an den verschiedenen Orten, und wir können in dies Selbstbestimmungsrecht der örtlichen Orga- nisationen nicht eingreifen. Wir müssen daher diese Bestimmung streichen. Biimelburg: Bei unserem Antrag auf Beseitigung des Kölner Beschlusses handelt es sich nur darum, daß bei den Unterhand- lungen örtlich die Möglichkeit gegeben wird, über eine Verkürzung der Arbeitszeit zu unterhandeln. Es fällt uns nicht ein, eine allge- meine Verkürzung der Arbeitszeit zu verlangen. Die Verhältnisse liegen in den verschiedensten Orten sehr verschieden. Wir haben festgestellt, daß die Leute in Frankfurt a. M. durchschnittlich 14 Stunden 24 Minuten von morgenö bis abends von Hause ent- fernt sein müssen, in mehreren Fällen an 16 Stunden. Behrendt: Die protokollarische Erklärung ist kein Bestandteil des Vertrages und sollte nicht weiter in die Beratung gezogen werden. Vorsitzender: Wir dürfen zu§ 2 feststellen, daß sich ge�en die Einschiebung der Worte„bei Lohn- und Akkordarbeit" kein Be- denke» geltend gemacht hat. Dagegen wird der beantragte Zusatz wegen der Verlängerung der Arbeitszeit von Arbeiterseite nicht ge- billigt. Ebenso haben die Arbeiter gewünscht, daß die protokolla- rische Erklärung gestrichen wird. War kämen dann zu§ 3. Ueberstunden. „Ueberstunden sowie Nachtarbeit, SonntagSarbeit und Arbeit an gesetzlichen Feiertagen sind in besonderen Fällen auf Ver- langen des Arbeitgebers zu leisten und dürfen im wesentlichen nur gefordert werden, wenn durch deren Unterlassung Menschen- leben in Gefahr kommen, Verkehrsstörungen eintreten, wenn Schäden durch Naturereignisse zu verhindern oder zu beseitigen sind; ferner bei dringenden Reparatur- und Jnstallationsarbciten in Theatern, Fabriken und bei ähnlichen Arbeiten. Als Ueber- stunden, Nacht- und Sonntagsarbeit und als Arbeiten an gesetz- lichen Feiertagen gelten..." Paeplow: Wir halten es nicht für richtig, daß die beiden Worte „im wesentlichen" bestehen bleiben. Das Wörtchen„wesentlich" wird ja in anderer Beziehung auch von den Arbeitgebern hart be- kämpft, wenn es sich z. B. um Submissionsbedingungen handelt. Bei der Dehnbarkeit dcS Wortes wird fortgesetzt Streit entstehen. Wir müssen deshalb ersuchen, daß diese beiden Worte gestrichen werden. Wir sind weiter nicht damit einverstanden, daß„während des ganzen Jahres" die Ueberstunden einheitlich geregelt werden. In vielen Orten muß im Winter die Zeit der Ueberstunden schon von 4 oder 4sh Uhr an gerechnet werden. Wir können, also nicht zu- geben, daß dieser Zusatz berechtigt ist. Borsitzender: Herr Paeplow, Sie würden also da? alte Vertragsmuster beibehalten und beantragen nur, daß die Worte „im wesentlichen" gestrichen werden. Architekt Behrens- Hannover: Die Worte„im wesentlichen" kann man vielleicht fallen lassen. Der zweite Antrag deS Herrn Paeplow ist mir aber unverständlich. Wir müssen wünschen, daß die Ueberstunden festgelegt werden, können aber nicht zugeben, daß im Winter Stunden, die in die normale Arbeitszeit des Sommers fallen, höher entlohnt werden als im Sommer. Oberbürgermeister Beutler: Das Wort„wesentlich" hat doch einen schwammartigen Charakter, und ich möchte den Herren Ar- beitgebern empfehlen, es fallen zu lassen. Im zweiten Punkte habe ich Herrn Bömelburg so verstanden, daß er die Ordnung der Ueberstundenfrage der lokalen Verhandlung überlassen und nicht im zentralen Vertrag festlegen will.(Zustimmung.) Paeplow: Uns wäre es am liebsten, wenn für Ueberstunden überhaupt keine höheren Löhne gezahlt werden würden, d. h. wenn nur wirklich notwendige Ueberstunden gemacht würden. In Fällen der Gefahr wird sich niemand weigern, Ueberstunden zu machen, aber leider wird viel Mißbrauch damit getrieben, sei es von Ar« beitern, die die höheren Ueberstundenlöhne haben wollen, sei eS von Unternehmern, Polieren oder Bauherren. Deshalb können wir auf höhere Bezahlung und auf die Beschreibung der Zulässigkeit von Ueberstunden nicht verzichten. Baurat Enike: Wenn wir die Worte„im wesentlichen" weg- lassen, wird es in der Praxis nicht möglich sein, die Fälle präzise zu unterscheiden. Wir können deshalb auf die Worte nicht ver- zichten. Vorsitzender: Die letzten zwei Jahre haben wohl gezeigt, daß wir ohne die Worte„im wesentlichen" auskommen können.(Wider- spruch von den Arbeitgebervertretern.) Biimelburg: Dte bisherige Fassung dieses Paragraphen hat zu größeren Differenzen keinen Anlaß gegeben. Wir wollten aber, daß in den örtlichen Verträgen angegeben wird, was als Stunde, Ueberstunde, Nachtarbeit, Sonntagsarbeit usw. zu betrachten sei. Im übrigen wollten wir es lassen, wie es war. Von einem Em- griff in die Rechte der Arbeitgeber kann nicht die Rede sein. Wenn vereinbart ist, daß die Ueberstunden gleich nach Abschluß der be- stehenden Arbeitszeit beginnen, so ist das eben Recht. Auch mit dem Ausdruck des ausreichenden Lichtes kann leicht Mißbrauch ge- trieben werden. Die Unfallstatistik der Berufsgenossenschaften lehrt, daß in der Dunkelheit die meisten Unfälle vorkommen. Borsitzender: Die ganze Differenz liegt in den Worten„im wesentlichen". Gegen den Zusatz„während des Jahres" hat Herr Bömelburg an sich gar nichts, sondern er wünscht nur, daß dies lokaliter festgesetzt wird. Die Worte„im wesentlichen" könnten wohl um so eher fortfallen, als sie gedeckt werden durch den Aus- druck„bei ähnlichen Arbeiten". Baurat Encke: Die Worte„ähnliche Arbeiten" beziehen sich nur auf dringende Reparatur- und JnstallationSarbeiten in Theatern, Fabriken„und bei ähnlichen Arbeiten",— dann heißt es noch:„im letzteren Falle". Ich glaube kaum, daß wir uns über diese Sache jetzt einigen können. Die Worte„während des ganzen Jahres" stehen im engsten Zusammenhang mit unserem Antrage wegen der ausreichenden Lichtverhältnisse. Wenn dieser Antrag aufrecht erhalten wird— das muß er—, dann können wir auch die Worte„während des ganzen Jahres" nicht abändern. Bringmann: Wir haben für den 8 3 die Fassung beantragt: „Ueberstunden sowie Nachtarbeit, Sonntagsarbeit und Arbeit an gesetzlichen Feiertagen dürfen nur gefordert und geleistet werden, wenn durch deren Unterlassung Menschenleben in Gefahr kommen, Verkehrsstörungen eintreten usw." Dieser Antrag ist eine Kon- sequenz unseres Antrages zu 8 2, wo wir beantragen, das Wort „normale" zu streichen. Für uns ist die normale Arbeitszeit die in der Tabelle festgelegte, über die an jedem Ort eine Verein- barung getroffen wird. Ig betreff der Ueberstunde» find, viele Klagen vorgekommen, daß sie von den Arbeitgebern zu Unrecht verlangt wurden. Es ist das Recht des Arbeiters, ob er die Ueberstunden arbeiten will oder nicht.(Widerspruch bei den Ar- beitgebervertretcrn.) Ueber seine Arbeitskrast muß der Arbeiter selbst bestimmen. Baurat Encke: Es gibt dringende Fälle, wo Ueberstunden au jeden Fall gemacht werden müssen, wenn Menschenleben in Gefahr sind und dergleichen. In solchem Fall kann die Leistung der Ueberstunden nicht verweigert werden. Bringmann: Es kommt nur darauf an, ob eine Not vorliegt oder nicht. Vorsitzender: Die Sache bleibt ungeklärt. Ueber die Frage der Ueberstunden,„wenn hiervon das technische Gelingen einer Arbeit abhängig ist", ist bereits an anderer Stelle eine Einigung erzielt. Nun kommt der§ 4, Arbeitslohn. Der erste Punkt ist vielleicht die Lohnsorm, die wohl am strittigsten ist: Mindestlohn, Einheitslohn, Durchschnittslohn, Staffellohn usw. Baurat Encke: Wir haben beantragt, die Festsetzung des Stundenlohnes(Einheits-, Durchschnitts- oder Staffellohn) für einen Maurergesellen, einen Zimmerergesellen und einen Bau- Hilfsarbeiter. Wir wollen hierdurch den Arbeitslohn nicht herab- drücken, sondern nur eine Differenzierung der Löhne nach den Leistungen möglich machen. Es soll den lokalen Organisationen überlassen bleiben, sich über die Lohnform zu einigen. Jakob: Es steht fest, daß mit der Maßnahme, die hier ge- troffen werden soll, eine Herabsetzung der Löhne erfolgt: Das ist auch in einem Flugblatt des Arbeitgeberverbandes zu Leipzig zum Ausdruck gekommen, das nachher nicht gedruckt worden ist. Sie können uns nicht zumuten, daß wir Ihrem Antrage zustimmen. Ich möchte auch bitten, mit dem Begriff von faulen und fleißigen Arbeitern keinen Mißbrauch zu treiben. Die Bauarbeiter müssen ihre Arbeit wirklich verstehen; ein ungeschickter Mensch wird nicht geduldet. Becker-Berlin: Im Vertrage selbst ist ja ausgesprochen, daß von einem einheitlichen Lohn für sämtliche Arbeiter nicht die Rede ist. Für Junggesellen kann ja nach dem Vertrag ein geringerer Lohn vereinbart wenden. Aber daß die Lohnfestsetzung in die Hände des Arbeitgebers allein gelegt wird, und daß die ge- werkschaftlichen Organisationen sich jedes Einflusses auf die Fest- setzung des Durchschnittslohnes begeben, einer solchen Willkür werden wir nie zustimmen. Wenn 75 Proz. der Arbeitgeber den Einheitslohn eingeführt haben, warum soll es für die übrigen LS Proz. nicht auch möglich sein? Was haben wir schon zu hören bekommen über die gute Lebenslage der Bauarbeiterl Es wurde sogar gesagt, sie würden von Offizieren, von Assessoren beneidet. sie könnten sich Ausgaben gestatten, die andere Stände sich nicht erlauben dürften, sie könnten den Tag sechsmal Fleisch essen usw. Die Verhältnisse liegen leider bedeutend anders. Die Berliner und Hamburger Löhne sind für die Allgemeinheit nicht maßgebend. Auch die Behauptung, daß die Leistungen zurückgegangen seien, ist unrichtig. Wir wünschen, daß der Arbeiter seine Arbeitskraft ausnützt. Erfüllt jemand nicht seine Pflicht, so haben Sie jeder- zeit die Freiheit, ihn zu entlassen. Oberbürgermeister Beutler: Die Arbeitnehmer fordern die Festsetzung eines festen Einheitslohnsatzes, während die Arbeit- geber entgegengesetzt einen Einheits-, Durchschnitts- oder Staffel- lohn fordern. Könnte man es nicht belassen, wie es ist, daß da, wo feststehende Löhne bestehen, keine Aenderung eintritt, und daß nur da, wo Staffel- oder Durchschnittslöhne gelten, also in etwa LS Proz., eine Aenderung Platz greift? Baurat Encke: Wenn wir Staffel- oder Durchschnittslöhne ein- führen wollen, so beabsichtigen wir nicht, die bestehende durchschnitt- liche Höhe dcS Lohnes herabzudrücken. Dafür wollen wir gern Gewähr geben. Schräder: In Norddeutschland und Mitteldeutschland wird im allgemeinen nur ein Einheitslohn bezahlt. In Süddeutschland aller- dinas werden in einer Anzahl von Städten— es sind nicht allzu- viel— noch Durchschnittslohne bezahlt. Als Zimmerer können wir uns selbstverständlich auf diese Staffellöhne nicht einlassen. In einem anderen Antrage fordern wir, daß für alle Zimmer- arbeiten, die geleistet werden, auch wirklich der Zimmererlohn ge- zahlt werden soll, auch wenn Zimmerarbeiten auf Zimmerplätzen durch Stellmacher, Schreiner usw. ausgeführt werden. Wiedeberg-Berlin: Wir stehen grundsätzlich auf dem Stand- Punkt, daß jeder Arbeiter, der Lohn beansprucht, auch verpflichtet ist, seine Arbeit auszuführen. Wie wollen wir nun den Lohn ver- traglich feststellen? Wollen wir mehrere Lohnsätze einführen oder einen Lohnsatz? Wir halten es für praktisch richtig, wenn ein Lohnsatz eingeführt wird und für die Junggesellen und die inva- liden Arbeiter eine Grenze nach unten zugelassen wird. Wollen die Arbeitgeber über den festen Lohnsatz hinaus eine Grenze nach oben ziehen, so machen wir ihnen keine Schwierigkeit. Mit Staffellöh'nen, Durchschnittslöhnen usw. kommen wir aus den Differenzen nicht heraus. Wenn es den Arbeitgebern wirklich darum zu tun ist, zu einem Vertragsverhältnis zu kommen, so müssen wir es bei der bisherigen Fassung lassen und werden dann zu einem Verhältnis kommen, das beiden Parteien zuträglich ist. Biimelburg: Ein ernstlicher Streitpunkt kann dieser Gegen- stand kaum sein. Die Arbeitgeber haben die Worte„Einheits-, Durchschnitts- oder Staffellohn" nur eingefügt, weil sie meinen, daß oaS auch im Zusammenhang mit dem zentralen Abschluß steht. Ich bedauere, daß der Arbeitgeberbund die Frage, um die wir 1908 so viel gestritten haben, von neuem aufgeworfen hat. Durchschnitts- oder Staffellühne liegen gar nicht im Interesse der Arbeitgeber. Ueber die Leistungen im Baugewerbe ist viel dummes Zeug geredet worden. Unzweifelhaft sind die Leistungen im Ver- gleich zu denen vor zwanzig, dreißig Jahren wesentlich gestiegen. Natürlich darf man als Maßstab für die Leistungen nicht die Zahl der zu vermauernden Steine annehmen, dazu ist die Arbeitsweise in den verschiedenen Gegenden zu verschieden. Ich habe lebhaft be- dauert, daß Herr Baurat Fe lisch in seinem Aufruf:„Der Kern des Streites" uns vorgeworfen hat, daß wir als Führer der Organisationen bestrebt seien, die Leistungen herunterzubringen. Wir sind wirtschaftlich und ökonomisch doch so weit geschult, daß wir genau wissen, um was es sich handelt. Wie könnte ein ver- nünftiger Mensch sagen: die Leistungen müssen sinken— und auf der anderen Seite wollen, daß weitere Bedürfnisse befriedigt werden?.Haben Sie jemals schon von uns einen solchen Standpunkt vertreten hören? Und wenn ein einzelner Arbeiter es hier und da aussprechen sollte, ist er maßgebend für die anderen? Die Organisationen vertreten den Standpunkt nicht. Schon aus der Kulturentwickelung ergeben sich immer höhere Leistungen. Stellv, Vorsitzender Bcntlrr: Ich möchte feststellen, daß der Vorwurf, die OrganisationSführer minderten die Leistungen herab, in der Versammlung hier nicht erhoben ist. Silberschmidt-Berlin: Ich möchte mich gegen eine Bemerkung der„Baugewerkszeitung" wenden, die daraus hingewiesen hat, daß die Führer der Arbeiter eine doppelte Buchführung hätten. Gegen den Abschluß eines allgemeinen Tarifs mit Durchschnitts- und Staffellöhnen weigerten sie sich, und doch schlössen siT�Oerträge ab, die Durchschnitts- oder Staffellöhne enthielten. In Frankfurt a. Oder darauf bezieht sich der Fall— ist zwar ein Tarif abge- schlössen, der Durchschnittslöhne enthält; er kommt aber nicht auf das Konto der„Führer der Arbeiter", sondern auf das Konto der dortigen Maurer selbst. Es kommt hinzu, daß in Frankfurt bisher noch kein Tarif bestand und sehr verschiedenartige Löhne galten. Behrendt: Wir können nicht darauf eingehen, daß die Arbeit- geber immer noch das Wort„ungeübte" vor Hilfsarbeitern bestehen lassen wollen. Wenn wir seinerzeit 1903 in Berlin dieses Wort zugestanden haben, so werden unter ungeübten Arbeitern nur solche verstanden, die noch nicht im Baugewerbe beschäftigt waren und einen niedrigeren Lohn erhielten. Wenn wir von Bauhilfsarbeitern sprechen, ist von Erdarbeitern nicht die Rede. Wir beantragen aber, in einer Erklärung hinzuzufügen:„In Vertragsgebieten, wo durch die Eigenart der Arbeitsmethode verschiedene Löhne für Bau- Hilfsarbeiter üblich sind, muß die Arbeit sowohl wie die Lohnhöhe in jedem Falle genau umschrieben werden." Sodann haben wir den Antrag gestellt, daß als Bauhilfsarbeit im Sinne des Vertrages auch Erdarbeit gilt, die in direkter Verbindung mit dem Bau- werke oder zur Vorbereitung desselben ausgeführt wird. Vorsitzender: Ich darf mitteilen, daß sowohl Herr Gerichts- direktor Prenner wie ich im Jahre 1903 unter„Einheitslohn" stets„M i nd e st lohn" verstanden haben. Baurat Encke: Das Wort„geübte" Hilfsarbeiter muß stehen- bleiben. Die Leistungen der Hilfsarbeiter sind ganz verschieden. namentlich wenn Einheitslöhne festgesetzt werden. Die Bauhilfs- arbeiter haben keine Lehrzeit wie die Maurer und Zimmerer, die ihre Leistungsfähigkeit durch eine Prüfung dargetan haben. Ebenso wenig können wir dem Antrage stattgeben, daß Erd- arbeiten, wenn sie in Verbindung mit Bauwerken ausgeführt werden, nach dem Bauhilfsarbeiterlohne bezahlt werden. Die Tief- bauunternehmer haben eben Erdarbeiter und keine Bauhilfsarbeiter, haben also ganz andere Löhne. Da wir bei den verschiedenen Kategorien von Arbeitern stehen, möchte ich beantragen, daß hinter den Worten„Maurergesellen, Zimmerergesellen, Bauhilfsarbeiter" noch mindestens drei Striche gemacht werden, in die noch andere Kategorien eingetragen werden können. Ich habe vor allen Dingen im Auge die Eisenbetonarbeiter, die Putzer, die Plattenleger usw. Dem Antrage der Zimmerer, daß Zimmerarbeiten, gleich viel von wem sie ausgeführt werden, zum Zimmererlohn bezahlt werden müssen, können wir ebenfalls nicht zustimmen. Im Eisen. betonbau besonders gibt es Arbeiter, die nicht nach dem Zimmerer- lohn bezahlt werden. Vorsitzender: Wer soll bestimmen, ob jemand ein geübter Bau» Hilfsarbeiter ist oder nicht? Baurat Encke: Das muß durch den Arbeitgeber bestimmt werden. Schräder: Ich hätte nichts einzuwenden, wenn in dem 8 4 einige nichtssagende Striche gemacht werden. Aber man mutz sich doch wundern, wie sich hierbei die Wünsche einzelner Arbeitgeber- verbände, z. B. der Dachdecker aus Lche-Geestemünde-Bremerhaven, hier geltend machen. Der Arbeitgeberbund hätte iene Herren längst veranlassen müssen, einen Vertrag mit uns abzuschließen. Die Zimmerarbeiten, z. B. die EinschalungSarbeiten, werden Sie ohne tüchtige Zimmerleute nicht ausführen können. Wir müssen daher darauf bestehen, daß diese Zimmerarbeiten auch als solche bezahlt werden. Gewerbegerichtsdirektor Prenner: Mir kommt es bor, als ob ich gelegentlich des Wortes„geübten" die Debatte höre vor zwei Jahren über das Wort„tüchtig"— dieselben Gründe pro, dieselben Gründe contra. Tarifverträge schließt man doch weniger ab zum Schutze gegen loyale Arbeitgeber und loyale Arbeitnehmer, sondern gegen diejenigen, die immer wieder versuchen, den Tarifvertrag zu umgehen auf Kosten der Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Nehmen Sie das Wort„geübte" für Bauhilfsarbeiter heraus, sonst werden alle illoyale Elemente nun noch„ungeübte" Arbeiter beschäftigen, und die Schmutzkonkurrenz, die wir bekämpfen wollen, wird in gewissen Baugeschästen erst recht aufblühen. Es liegt weder im Interesse der Arbeitgeber, noch der Arbeitnehmer, diesen Ausdruck bestehen zu lassen. Baurat Encke: Wir können auf das Wort„geübt" nicht ver- zichten. da es nicht auf die Kraft, sondern auf die Uebung an- kommt.> Töpfcr-Hamburg: Wir wollen das Wort„geübte" nicht im Veptrag haben, damit es nicht dazu mißbraucht werden kann, Bau- Hilfsarbeitern einen geringeren Lohn zu zahlen. Ein unbeholfener Arbeiter wird sofort entlassen werden. Architekt Behrens: Auch in Hannover haben wir im Vertrag den Unterschied zwischen geübten und ungeübten Arbeitern und haben damit niemals Scherereien gehabt oder Beschwerden und Anträge seitens der Arbeiterorganisationen. In Hannover be- kommen diejenigen, die sich wirklich als Bauarbeiter ausweisen. auch tatsächlich den hohen Lohn. Vorsitzender: Wir könnten die Frage der Erdarbeiten, HilfS- arbeiter usw. usw. jetzt beiseite lassen, und es käme nun der Antrag der Arbeitgeber: „Der Umfang der Gegenleistung ist auf Antrag einer Lokal- organisation örtlich festzustellen." Das soll eine Deklaration zu dem Begriff der„angemessenen Gegenleistung" sein. Architekt Vchrens: ES soll mit diesen Worten nur gesagt sein, daß die Möglichkeit vorliegen kann, daß, wenn eine örtliche Or- ganisation verlangt, die Gegenleistung zu normieren, sie eingefügt werden kann. Bömelburg: ES wäre wohl richtiger, wenn wir diese Frage der Normierung einer bestimmten Gegenleistung auS dem Vertrage fortlassen. Eine bestimmte Gegenleistung zu normieren, ist praktisch unmöglich., Becker-Berlin: Auch von Arbeitgeberseite ist ausgesprochen worden: die Gegenleistung nützt uns nichts, sie ist überhaupt nicht möglich. Baurat Encke: Ich gebe zu, daß eS schwer ist, den Umfang der Leistung und Gegenleistung festzustellen, aber soviel Intelligenz werden Sie doch den örtlichen Organisationen zutrauen, daß sie die speziellen Unterschiede, die für die Leistung und Gegenleistung festgestellt werden, erkennen können. Schräder: Mit der Gegenleistung sieht eS ähnlich aus, wis mit den Worten„wesentlich" und„tüchtig"; auch dies ist ein Schwamm, mit dem für die Zukunft nichts anzufangen ist. Ich meine also, wir lassen die ursprüngliche Bestimmung bestehen. Baurat Encke: Früher hieß eS:„bei angemessener Gegen, lcistung". Nun haben wir gesagt:„die Gegenleistung muß an, gemessen bestimmt werden". Wenn wir über den Vertrag im all» gemeinen einig werden, dann werden wir über diesen Punkt wahrscheinlich auch einig werden. Borsitzender: Na, meine Herren, eS ist doch wenigstens das erste I Vivat sequensl(Heiterkeit.) Nun kommen wir weiter. Soweit ich übersehen kann, ist im 4 der nächste Absatz von beiden Parteien anerkannt, indem in m alten Vertrage das Wort„vereinbart" durch„bezahlt" ersetzt wird. Dann haben wir bisher einen Absatz für Gesellen. Da be- antragen die Arbeiter, soweit ich sehe, eine Teilung der Jung- gesellen, indem sie die auseinanderziehen wollen in die ein. und zweijährigen, und für die einen eine Mindeftgrenze festsetzen wollen.(Bömelburg: Darauf haben wir schon verzichtet!) Um so besser!._ Soweit ich weiter sehe, sind beide Parteien einig darin, daß aufgenommen wird der Satz:„Diese Vereinbarung hat innerhalb der ersten sechs Tage nach Antritt der Arbeit zu erfolgen, andern- ulls der tariflich festgesetzte Lohn zu zahlen ist.(Zustimmung.) Dann haben wir, soweit ich sehe, nur noch einen Differenz- Punkt. Das ist der letzte Antrag der Arbeitgeber, wonach es im letzten Absatz heißt: „Die Arbeitnehmer sind verpflichtet, falls sie bei Nichtmit- gliedern der Arbeitgeberverbände beschäftigt sind, nur zu den vertraglich festgelegten Bedingungen, insbesondere zu de» vereinbarten Lohnsätzen zu arbeiten." Bringmann: Die Arbeitgeber haben eS konsequent abgelehnt. daß für Zimmerarbeiten auch der Zimmererlohn bezahlt wirkt Hier verlangen Sie, daß, wenn die Gesellen außerhalb des Arbeit- geberverbandes arbeiten, sie unter allen Umständen den Tariflohn verlangen sollen. Das ist eine Inkonsequenz. Baurat Encke: Wir haben es erlebt, daß bei dem großen An- gebot von Arbeitern die Arbeiter bei Nichtmitgliedern der Arbeit- geberverbände, die nicht an den Tarif gebunden sind, schließlich zu jedem Lohn arbeiten, namentlich auch die sogenannten Fabrik- maurer. Bömelburg: Wir sind mit Ihnen der Meinung, daß das, was wir gegenseitig vereinbaren, auch für diejenigen Arbeitgeber Geltung haben muß, die Ihrem Verbände nicht angehören. Aber Sie dürfen nicht von uns allein eine solche Verpflichtung ver, langen, «orsttzender: Auf den Wortlaut ist nicht so viel Wert zul legen. Wenn beide Teile grundsätzlich damit einverstanden sind, daß eine solche Bestimmung entweder im Vertrage oder in einer Erklärung steht, so wird es an sich gleichgültig sein. Wenn es uns gelingt, eine Formulierung zu finden, die beiden Teilen genügt, so könnten wir darüber hinweggehen. Wicdeberg-Berlin: Namens der Arbeitgeber hat bereits Herr Heuer am 1l). März über diesen Punkt ausgeführt: „Bezüglich der Parität im letzten Absatz, wo wir beantragt haben:„Die Arbeitnehmer sind verpflichtet, falls sie bei Nicht- Mitgliedern der Arbeitgeberverbände beschäftigt sind" usw., wo also die Parität von Ihnen bemängelt worden ist. sind wir bereit, mit Ihnen gemeinsam einen anderen Wortlaut festzu- setzen, der den Sinn trifft, dah NichtMitglieder denselben Lohn zu zahlen haben und die Arbeitsbedingungen innezuhalten haben, daß diese Verpflichtung beiden Organisationen auferlegt wird. ES kommt uns hier auch nur auf den Erfolg an und nicht darauf, bei Ihnen etwa Vertragsbrüche zu konstruieren oder nachzu- weisen. Das liegt uns völlig fern, wir wollen hauptsächlich für unser Gewerbe etwas schaffen." Sie haben sich also bereits damit einverstanden erklärt, daß die Sache so aufgefaßt werden soll, daß wir gemeinsam dafür sorgen wollen: sowohl unsere Mitglieder wie auch die Mitglieder des Arbeitgeberbundes sollen alles tun. damit auch die Nicht organisierten den Lohn bekommen, daß wir uns aber auch gegen seitig behilflich sind, gegen Außenseiter und Preisdrücker gemeinsam vorzugehen. Die Debatte wandte sich sodann zu dem von der Akkordarbeit handelnden§ 5. Der bisherige Bertrag bestimmte:„Akkordarbeit ist zulässig; die Akkordpreise unterliegen besonderer Vereinbarung." Die Unternehmer schlagen folgende Fassung vor: „Akkordarbeit ist zulässig, und die vertragschließenden Par. teien haben sich jeder hindernden Einflußnahme sowohl auf Ar- beitgcber als auch auf Arbeitnehmer zu enthalten. Die Akkordproise werden jeweils von Fall zu Fall in freier Vereinbarung zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern fest» gesetzt, insoweit solche nicht etwa in diesem Vertrage normiert sind. Die vertragschließenden Organisationen verpflichten sich ausdrücklich, vor und bei Bereinbarung der Akkordpreife keinerlei Einfluß auf ihre Mitglieder auszuüben." Geh. Rat Wiedfeldt bemerkte, daß die Formulierung der jctzi- gen Vertragsbestimmung von ihm und Herrn Dr. P r e n n e r her- rühre, sie könnten also am besten Auskunft geben, wie sie zu der» stehen ist; es sei am besten, die alte Fassung aufrecht zu erhalten und hinzuzufügen, ob Akkordarbeit gemacht wird, darüber cnt- scheiden die einzelnen Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Bringmann betonte, daß bei den Verhandlungen im Jahre 1V08 Baumeister B a h l ausdrücklich erklärt habe, daß die Arbeit» geber nicht beabsichtigen, Akkordarbeit in größerem Umfange ein- zuführen. Baumeister Encke: Wir müssen uichedingt die Sicherung der Akkordarbeit verlangen. Jetzt aber ist es vorgekommen, daß die Arbeiterorganisationen Mitglieder, weil sie tn Akkord gearbeitet haben, ausgeschlossen haben. Das ist eine Durchbrechung deS Vertrages. Die schönsten Tarife nutzen doch nichts» wenn die Durch- führung der Akkordarbeit nicht gesichert wird. Schräder erklärt, daß die Zimmerer sich grundsätzlich gegen jede Akkordarbeit wenden. Aus der Statistik des Arbeitgeberbundes gehe ja auch hervor, daß Zimmererarbeiten nur in ganz seltenen Ausnahmefällen in Akkord ausgeführt werden. Diese Frage dürfe nicht zentral geregelt werden, ihre Regelung müsse vielmehr den örtlichen Vereinbarungen überlassen bleiben. Oberbürgermeister Dr. Beutler: Wenn die Arbeitgeber der- langen, daß die Arbeiter sich jeder hindernden Einflußnahme enthalten, dann können umgekehrt auch die Arbeiter verlangen. daß die Arbeitgeber sich jeder fördernden Einflußnahme enthalten. Baumeister Encke verlangt nochmals bündige Erklärungen der Arbeiterorganisationen, daß sie ihre Mitglieder nicht hindern, in Akkord zu arbeiten. Böinelburg: Es ist das richtigste, die Regelung dieser Frage den örtlichen Organisationen zu überweisen. Hätten wir das 1308 schon getan, dann wäre vielleicht mancher Streitpunkt gar nicht entstanden. Nach den Feststellungen des Maurerverbandes waren im Jahre lSW von zirka 160 000 gelernten Arbeitern des Maurer- gewcrbcS etwa 8000 in Akkord beschäftigt, davon 3000 bei den Mau- rern. 5000 beim Putzen. Es ist also nur in sehr wenigen Orten Deutschlands Akkordarbeit üblich. Die Arbeitgeber wollen ja nicht, daß die Frage örtlich geregelt wird, und ich habe deshalb schon früher erklären können, daß wenn der Arbeitgeberbund auf unfern Vorschlag nicht eingehen will, wir daraus keinen ernstlichen Streit. Punkt machen, sondern damit einverstanden sind, daß es so bleibt, wie es bisher war. Auf den Vorschlag der Arbeitgeber werden wir nicht eingehen, wir müßten sonst im Interesse der Parität ver- langen, daß die Arbeitgeber sich auch jeder fördernden Ein- flußnahme enthalten müssen. Baumeister Encke: Die Akkordftaae im allgemeinen können wir der örtlichen Regelung nicht überlassen, diese Sache muß zentral geregelt werden. Aber das Versprechen, daß wir als Bund die Akkordarbeit nicht fördern, daß wir unsere Mitglieder nicht zwin- gen wollen, Akkordarbeit zu fordern, da» können wir ruhig geben. Die Debatte über die Frage der Akkordarbeit wird wegen der vorgerückten Zeit abgebrochen. Die Unparteiischen schneiden nun noch die Frage an, ob über die Differenzpunkte später Schiedssprüche gefällt werden sollen, denen sich die Parteien natürlich nicht ohne weiteres zu fügen brauchen. Die Parteien werden ersucht, diese Frage morgen zu beant. Worten. Schluß 8 Uhr. Zweiter Verhandlungstag, Sonnabend, den 23. Mai. Di« Sitzung, der heute als Vertreter des ArbeitgeberöundeS auch dessen Vorsitzender Baurat Fetisch beiwohnt, wird um S Uhr eröffnet. Die gestern abgebrochene Debatte über die Frage der Akkordarbeit Wird fortgesetzt. Nachdem Behrendt einen Ueberblick über die EntWickelung der Akkordarbeit im Baugewerbe und über die Entstehungsgeschichte der Bestimmung deS jetzigen Vertrages gegeben hat, wiederholt Baumeister Encke seine gestern abgegebene Erklärung, daß die Unternelimer eine» Bertrag nur dann schließen, wenn dir Akkord- arbeit für zulässig erklärt und ihre Ausführung gewährleistet wird. Bömelburg betont, daß der Vorschlag der Arbeitgeber auch dann nicht annehmbar ist, wenn ein Zusatz angefügt wird, daß die Arbeitgeber die Akkordarbeit nicht fördern dürfen. Bringmann: Für die Zimmerer ist der Bertrag nicht annehm- bar, wen» Bestimmungen über die Aklordarbeit hineinkommen. Jakob weist an der Hand eines reichhaltigen Tatfachenmate- rialS nach, daß das Baugewerbe sehr gut ohne Akkordarbeit be- stehen kann. Oberbürgermeister Beutler macht den VcrmittelungSvorschlag, daß im Falle von Akkordarbeit auch die Preise innerhalb einer be- stimmten Frist von den Lokalorganisationen vereinbart werden sollen. Es müßte dann ein Mindestlohn garantiert werden. Baumeister Encke: Darauf können wir nicht eingehen. ES würde dann dahin kommen, daß die Akkordarbeit ungemein ver. teuert wird. Paeplow: Ich verkenne nicht, daß die Anregung des Herrn Dr. Beutler wohl beachtenswert ist. bitte aber doch dringend, die ganze Akkordfragr aus dem Tarif herauszulassen. Wir können hier beschließen, was wir wollen, was der Gesamtheit der Arbeiter gegen den Strich geht, das können wir durch Tarife doch nicht aus der Welt schaffen, es würde sonst nur auf dem Papier stehen. Wir können wir z. B. unsere Leipziger Maurer zwingen, keinen Be- schluß zu fassen, daß nicht in Akkord gearbeitet werden darf? Baumeister Encke: Die Maurer in Leipzig sehnen sich förmlich danach, wieder in Akkord arbeiten zu dürfen, sie fürchten sich nur vor dem Terror der Organisation.(Lachen bei den Arbeitern.) Horter-Mannheim weist auf Grund seiner praktischen Ersah. rungen in Mannheim-Ludwigshafen nach, daß die Akkordarbeit z» fortgesetzten Differenzen führt. Baumeister Fritz bestreitet das. Im Rheinland habe er gerade die gegenteiligen Erfahrungen gemacht. Die Arbeiter standen sich bei Akkordarbeit sehr gut. Wiedeberg verlangt entschieden, daß bei Akkordarbeit der Stundenlohn garantiert wird. Baumeister Behrens erwidert, daß die Arbritgeber darauf un- möglich eingehen können. Böinelburg: Die Frage der Akkordarbeit läßt sich gar nicht reglementieren. Berschiedene Behörden verbieten, daß ihre Bauten in Akkord ausgeführt werden, weil sie wissen, daß Maurerarbeiten. wenn sie gut sein sollen, nicht in Akkord ausgeführt werden dürfen. Man möge mir einmal die Urteile von Baupolizeibeamten über Akkordarbeiten hören. In Hamburg wird auf Akkordbauten ge. radezu ludermätzig gearbeitet. Das ist einer der Gründe, wes- halb wir gegen die Akkordarbeit sind. Die Arbeitgeber merken gar nicht, wie dabei gepfuscht wird. Aus dieser Erkenntnis her- aus sind ja selbst viele Arbeitgeber grundsätzliche Gegner der Akkordarbeit. Nun will der Arbeitgeberbund das Recht haben, daß er einfach kommandieren kann, es wird in Akkord gearbeitet.(WU derspruch bei den Arbeitgebern.) Das können Sie ja gar nicht bestreiten. Wenn Sie heute fordern, es soll in Akkord gearbeitet werden, und die betreffenden Arbeiter weigern sich, dann werden die Arbeiter einfach entlassen, und wenn Sie dann andere Akkord- arbeiter haben, dann wird Ihr Wille erfüllt. In Zeiten der Krisis wäre es den Unternehmern möglich, die Akkordpreise so zu drücken, daß der Arbeiter, auch wenn er noch so fleißig ist, den Vertrags- lohn gar nicht erreichen kann. Die Arbeitgeber sagen, der Lohn könne bei Akkordarbeit nicht garantiert werden. Das stimmt ja gar nicht; in Hamburg besteht die Lohngarantie bereits und trotz- dem arbeiten die Maurer nicht etwa langsamer als andere. Das gleiche gilt von den Berliner Putzern. Es bleibt gar nichts anderes �übrig, als Akkordpreise zu vereinbaren; aber ob das praktisch mög- lich ist, ist eine andere Frage. Der Akkordtarif in Dänemark umfaßt zirka 130 Druckseiten; auch in Deutschland würde ein solcher Tarif ungemein umfangreich werden und eine jahrelange Arbeit erfor- dern. Also praktisch ist das nicht durchführbar. Daher ist eS am richtigsten, dir Akkordfrag« örtlich zu regeln. Der Arbeitgeber- bund hat eben schon 1907/08 den Fehler gemacht, den er jetzt wieder macht, daß er alles reglementieren will. Noch eins: Wir haben früher Mitglieder ausgeschlossen, weil sie entgegen dem Be- schluß ihrer örtlichen Organisation in Akkord gearbeitet haben, und die Arbeitgeber haben verlangt, daß wir sie wieder aufnehmen. Was würden Sie sagen, wenn wir von Ihnen verlangen, Sie sollen Vertragsbrecher ausschließen: Sie würden sagen, das ist eine Frechheit. Sie haben in Ihren Reihen eine ganze Menge Vertrags- brccher, ich könnte nachweisen, daß Arbeitgeber offen zum Ver- tragSbruch aufgefordert haben, aber es ist unS nie eingefallen, zu verlangdtt?- daß sie von Ihnen ausgeschlossen werden. Die Arbeit- geber sprechen von TerrorismuS der Arbeiter. Wissen Sie denn nicht mehr, welchen Terrorismus Sie bei Gründung Ihrer Or- ganisation ausgeübt haben und welchen Terror Sie heut noch trei- ven? Wir verlangen von unfern Mitgliedern, daß sie sich den Be- fchlüssen der Organisation fügen, und das verlangen Sie von Ihren Mitgliedern auch. Also nicht mit Steinen werfen, wenn man selbst im Glashaus sitzt I Jakob-Leipzig verteidigt die Leipziger Organisation gegen den Vorwurf des Terrors. Glaube man wirklich, 5000 Arbeiter lassen sich einfach terrorisieren? Redner empfiehlt die Beibehaltung des bisherigen Zustanbes hinsichtlich der Akkordarbeit. Koch- Bochum vom christlichen Verband schildert die Mißstände bei der Akkordarbeit im Rheinland. Die Behauptung des Bau- meisters Fritz sei nicht richtig, die Arbeiter protestieren gegen das dort üblich System. Nur wenige Arbeiter wissen, daß sie in Akkord arbeiten, den andern wirb das verheimlicht, der über- schießend« Teil des Lohnes wird ihnen vorenthalten. Baumeister Fritz erwidert, daß ihm solche Fälle unbekannt sind. Die Vereinbarung des Akkordpreises solle erfolgen zwischen den einzelnen Arbeitgebern und Arbeitnehmern. Baumeister Encke: Wir haben nicht die Erfahrung gemacht, daß in Akkord so schlecht gearbeitet wird, es wird wohl schneller gearbeitet, aber die Arbeiten werden gut und sauber hergestellt. Der Wunsch der Unternehmer gehr nur dahin, daß die einfachen gewöhnlichen Maurer- und Zimmererarbeiten in Akkord angefertigt werden sollen und dafür lassen sich leicht Tarife aufstellen. Dr. Prenwer konstatiert, daß niemand mehr zum Wort ge- meldet ist. Es wird Aufgabe der Unparteiischen sein, auf Grund der hier gehörten Anregungen Vorschläge zu wachen. ES folgt§ 6 Lohnzahlung. Die Arbeitgeber verlangen, daß überall, wo vierzehntägige oder halbmonatliche Lohnzahlungsperiodrn üblich sind, dieselben beide- halten werden. Die Arbeiter beantragen, daß die Lohnzahlungsperiod« sechs Tage(eine Woche) umfaßt. .Horur.Monnheim begründet den Antrag der Arbeiter. Den Arbeitgebern erwächst aus der wöchentlichen Lohnzahlung nur eine kleine Mehrarbeit. Andererseits ist für die Arbeiter die wöchent- liche Lohnzahlung notwendig, sie brauchen dann nicht ihre Waren auf Kredit zu nehmen. An manchen Orten müssen die Arbeiter ja sogar wöchentlich Miete zahlen. Baumeister Encke macht darauf aufmerksam, daß über diese Frage bei den früheren Verhandlungen Einverständnis erzielt sei. Wiedeberg stellt an der Hand deS stenographischen Protokolls fest, daß darüber tatsächlich Einverständnis erzielt ist, daß eS des- halb keinen Zweck hat, lange darüber zu diskutieren. Geh. Rat Wiedfeldt konstatiert, daß die Einigung in der Weife getroffen ist, daß die 14tägigen LohnzahlungSpcriodcn zwarTTeibr- halten werden dürfen, daß aber auch örtlich über wöchentliche Lohn- zahlungsperioden verhandelt werden kann. Bömelburg hält hiernach den Antrag der Arbeitgeber für über- flüssig. Diese Bestimmung braucht nicht in den Vertrag. Schräder ist der Meinung, daß die wöchentliche Lohnzahlung im Baugewerbe sehr wohl durchfürbar ist. Da die Arbeitgeber allck ihre Anträge aufrecht erhalten, muß eS auch den Arbeitern ge- stattet sein, ihre Anträge, also auch den Antrag auf wöchentliche Lohnzahlung wieder aufzunehmen. Damit ist die Frage erledigt. Ihren früheren Antrag, daß der Lohn am Freitag gezahU werden soll, nehmen die Maurer nicht wieder auf, da nach den früheren Vereinbarungen diese Frage örtlich geregelt werden soll. Doch betont Bömelburg die Notwendigkeit der Lohn- zahlung am Freitag, die durch den Achtuhrladenschlutz bedingt ist. Bringmnnn wünscht, daß in 8 6 überhaupt nichts weiter ge- sagt wird als:„Die Lohnzahlungsperiode umfaßt 6 Tage(eine Woche). Die Lohnzahlung findet am... statt." Die Debatte wendet sich zu 8 � Auflösung des Arbeitsverhältnisses. Die Arbeitgeber wollen, daß diese Frage örtlich geregelt wird. Die Maurer hatten bestimmte Vorschläge eingereicht, worauf sie aber im Interesse de? Friedens, um daraus keine Streitfrage zu machen, und mit Rücksicht auf die früheren Verhandlungen, aus denen Hervorgeht, dah die Arbeitgeber dafür nicht zu haben sind, nicht bestehen. Es folgt 8 8: Schlichtung von Streitigkeiten. Die Arbeitgeber beantragen die Einsetzung einer Schlichtungs- kommission, die nur Streitfragen über örtliche Zusätze schlichten soll und in der stets ein Arbeitgeber den Vorsitz führt. Als oberste Instanz ist ein Schiedsgericht gedacht, in das jede Partei drei Bei- j sitzer wählt und dessen Obmann der jeweilige Rektor der Tech- nifchen Hochschule zu Charlottenburg ernennt. Während dir Arbeitgeber die Schlichtung von Differenzen innerhalb 6 Tagen fordern, beantragen die Zimmerer die Schlich- tung innerhalb dreimal 24 Stunden. Vringmann begründet diesen Antrag. Wenn die Schlichtung erst innerhalb 6 Tagen erfolgen soll, dann kann der Fall eintretei'.. dah die Arbeiter längst abgereist sind. Das gilt namentlich für Rheinland-Westfalen.„.,,* Geh. Rat Dr. Wiedfeldt: Das scheint kern so wesentlicher Differenzpunkt zu sein. Mit der Festsetzung einer Frist an sich sind ja beide Parteien einverstanden.,„ t.L Baumeister Encke begründet den Antrag, daß stets ein! Arbeit. geber den Vorsitz führt. � Oberbürgermeister Beutler schlägt vor, dah, chenn über o�n Vorsitz eine Einigung nicht erzielt wird, auf Anruf die örtliche Ver- waltungsbehörde den Vorsitzenden ernennen soll._....„ Bömelburg: Es ist das richtigste, es bleibt so wie eS jetzt>st. In der Praxis führt ja in der Regel«in Arbeitgeber den Vorsitz, Schwierigkeiten sind daraus nicht entstanden, aber eS geht nicht, daß in einem Vertrage, der auf Gegenseitigkeit beruht, der einen Partei ein Privileg eingeräumt wird. Bringmann begründet einen Antrag der Zimmerer, daß die Schlichtungskommission selbst ihren Vorsitzenden wählt. Der An- trag ist deshalb gestellt, weil in einem Fall der Arbeitgeberbund den Vorsitzenden gestellt hat. Die Fassung der Unternehmer läßt die Befürchtung zu, dasi das immer so sein soll. Behrendt weist darauf hin, daß bisher die Arbeitgeber oft so- wohl den Vorsitzenden als auch dessen Stellvertreter bestimmt haben. Infolgedessen sind die Schlichtungskommissionen oft Verschleppungs- kommissionen geworden. Es muß gegen solche beabsichtigte Ver- schleppungsmanier Vorkehrung getroffen werden.. Geh. Rat Dr. Wiedfeldt: Grundsätzlich sind wir wohl darüber einig, daß die Kommissionen sobald wie möglich in Funktion treten sollen.» Weiter sehen die Arbeitgeber eine zweite Instanz vor. die die Zimmerer zu streichen beantragen. Bringmann: Der Antrag ist deshalb gestellt, weil unsere Kameraden— namentlich in Rheinland-Westfalen>— sich dadurch ihres persönlichen Rechts begeben. Viele Gewerbegerichte stehen auf dem Standpunkt, daß die Arbeiter das Gewerbegericht erst dann anrufen können, wenn sie die Instanzen deS Tarifs erschöpft haben. Geh. Rat Dr. Wiedfeldt: Ich glaube, Sie sehen die Sache zu schwarz an. Ich habe doch auch Jahre lang das EinigungSamt in Rheinland-Westfalen gehabt, und da ist es doch ganz gut gegangen. (Bring mann: Damals ja!) Also, diese Frage bleibt offen. Baumeister Encke begründet nunmehr den Antrag der Arbeit- geber betr. die oberste Instanz. Ein zentrales Schiedsgericht sei im Interesse der einheitlichen Auslegung des Tarifs notwendig. Bringmann: Wir können darauf niemals eingehen. Die Forderung der Unternehmer ist ganz unerklärlich, eine Konsequenz der bisherign EntWickelung ist sie jedenfalls nicht. Wir haben ein gewisses Mißtrauen, und unsere Befürchtung wird verstärkt durch das traurige Schiedsgericht in Schweden. Oberbürgermeister Dr. Beutlcr: Das wird doch ganz von der Zusammensetzung des Schiedsgerichts abhängen. Becker(christl. Verband): Vorläufig brauchen wir eine solche Zentralinstanz nicht, eS genügt, daß die Zentralvorstände von Fall zu Fall zusammenkommen. Alles andere können wir der Ent- Wickelung überlassen. Baumeister Fetisch: Bis jetzt haben die Zentralvorstände tn den meisten Fällen die Differenzen beseitigt. Aber trotzdem möchten wir nicht auf ein oberstes Schiedsgericht verzichten, das ja nur selten zusammentreten und nur prinzipielle Fragen zu entscheiden haben wird. Den Obmann könnte ja eventuell der Staatssekretär des Innern ernennen. Bömelburg: Wenn ich mich zu dem zentralen«cyiedsgericht äußere, so bitte ich daraus nicht zu schließen, dah ich dem zentralen Tarifabschluh irgendwelche Konzessionen mache. Gewiß muß eine Instanz vorhanden sein, die über prinzipielle Fragen endgültig entscheidet, aber dem Vorschlag der Arbeitgeber können wir nicht zustimmen. Es geht doch nicht, daß solche Instanz von Fall zu Fall gebildet und daß jedesmal ein besonderer Borsitzrnder ernannt wird. Auch muß ein solches Schiedsgericht beiderseitiges volles Vertrauen genießen. Ich halte weder den Rektor der Technischen Hochschule, noch den Staatssekretär, noch eine andere Person für geeignet, den Vorsitzenden zu bestimmen, darüber müssen sich die Parteien selbst einigen. Wir brauchen da nicht erst auf andere Kreise überzugreisen. Für unbedingt notwendig aber halte ich es, daß die Vorstände der Zentralorganisationen von Zeit zu Zeit zu- sammentreten, um sich über grundsätzliche Fragen zu verständigen. Schriftlich läßt sich das schwer erledigen. Bei den Buchdruckern haben wir das Tarifamt, eine ständige Institution, die Achtung genießt und die es verhindert hat, daß Differenzen entstehen. In der Sache sind wir uns ja einig, und über die Form werden wir uns wohl auch verständigen, aber Herrschaften, die von unseren Verhältnissen nichts verstehen, können wir nicht hineinreden lassen. Wir müssen allmählich zu einem Kommentar zum Vertrage kommen, und das geht nur, wenn wir entsprechend meinem vor- schlage verfahren. Mit dem zentralen Abschluß aber das möchte ich wiederholen—, hat die>sache nichts zu tun. Fetisch: Ich bin auch damit einverstanden, daß die Zentral- vorstände von Zeit zu Zeit zusammenkommen, um Differenzen zu beseitigen, aber ivenn die einmal versagen sollten, dann brauchen wir doch ein oberstes Schiedsgericht mit einem unparteiischen Ob- mann. Oberbürgermeister Dr. Beutler konstatiert, daß über die Sache selbst Einverständnis herrscht, daß die Arbeiter jedoch die von den Unternehmern vorgeschlagene Form ablehnen. Am Schluß des 8 8 beantragen die Unternehmer: „Bor Beginn und während des Verfahrens sind Streiks, Aussperrungen, Warnungen vor Zuzug oder ähnliche Maß- nahmen unter keinen Umständen zulässig." Die Worte„Warnungen vor Zuzug" standen in dem bis- hcrigcn Tarif nicht. Begründet wird diese Maßnahme durch die bekannten Vorgänge in München. Bömelburg: Die bisherige Fassung deckt alles. Der Antrag ist für die Zwecke der Unternehmer überflüssig, er würde nur zu Schwierigkeiten führen. Wolle man vielleicht die Warnungen vor Zuzug auch dann verbieten, wenn sie wegen eines UeberangebotS von Arbeitskräften am Ort erfolgen? Ebensogut können wir ver» langen, daß die Arbeitgeber keinen Zuzug heranholen dürfen. Dr. Prenner ist auch der Ansicht, daß die vorgeschlagen« Fassung zu Mißverständnissen führt. ES genügt die bisherige Fassung und eine Erklärung, dah Warnung vor Zuzug dann un- zulässig ist, wenn die Sache im einzelnen Fall einen strcikähnlichen Charakter annimmt, sonst aber nicht. Baumeister Encke: Ob ein streikähnlicher Charakter vor- liegt, läßt sich nicht immer entscheiden. Hier muß eben von Fall zu Fall entschieden werden. Baumeister Fetisch schließt sich dem an. Wolle man ernstlich zu einem Frieden kommen, dann dürfe man während der Friedens- Verhandlungen nicht störend eingreifen. Dr. Prenner betont nochmals, daß der Antrag der Arbeit- geber völlig überflüssig ist. Becker(christl. Verband) bittet gleichfalls, nichts aufzunehmen» was nur zu Differenzen führt. Geh. Rat Dr. Wiedfeldt: Die Parteien sind sich wohl einig, daß die Worte nicht in den Vertrag zu kommen brauchen, sondern protokollarische Erklärungen genügen! § 9 handelt von der Durchführung des Vertrages. Hier sind Differenzen vorhanden, die davon abhängen, ob der Vertrag zentral geschlossen werden soll oder nicht, und die deshalb erst nach Erledigung dieser Frage geregelt werden können. Schräder beantragt namens dxr Zimmerer ein« kürzere Fassung: „Die vertragschließenden Parteien verpflichten sich, ihren ganzen Einfluß zur Durchführung und Aufrechterhaltung dieses Vertrages einzusetzen." Geh. Rat Dr. Wiedfelbt: An sich ist daS. was die Zimmerer wollen, ja logisch, aber eS schadet gar nichts, wenn die moralische Bindung der Parteien möglichst scharf ausgesprochen wird. Wir können ruhig die alte Fassung beihehalten. Es folgt§ 10(Allgemeines). Hier beantragen die Unternehmer zunächst: „Die Einstellung und Entlassung von Arbeitern ist Sache der Arbeitgeber." Die Arbeiter beantragen: >„Die Einstellung und Entlassung von Arbeitern ist Sache des Arbeitgebers." Bringmann: Die Arbeitgeber bezwecken mit ihrem Antrag, daß über die Entlassung von Arbeitern die Organisation ent- scheidet, es können also soviel Arbeiter entlassen werden, daß die Entlassung einer Aussperrung gleich kommt, und daß die Arbeitgeber auf diese Weise die Durchführung einer Bestimmung erzwingen. Ein solches Recht können wir Ihnen nicht geben, eher mag der ganze Tarifvertrag zum Teufel gehen. So unschuldig die Be° stimmung auch aussieht, sie ist es nicht. Das beweisen die Eo fahrungen. Wiedebcrg: Auch wir fassen den Antrag der Unternehmer so auf, daß wir Ihnen das Maßregelungsrecht konzedieren sollen. So weit kann es doch aber nicht gehen. Baumeister Encke: Wir als Organisation können nicht dulden, daß unsere Mitglieder Arbeiter, die wo anders streiken, ein- stellen. Wir müssen die Möglichkeit haben, unsere Mitglieder zu zwingen, solche Arbeiter zu entlassen. Geh Rat Dr. Wiedfcldt: Das läßt sich doch unangefochten durch«inen Vertrag zwischen Ihren Mitgliedern machen. Paeplow: Sollen wir wirklich ernsthaft darüber debattieren? Niemals können wir das Entlassungsrecht, das bisher dem einzelnen zustand, in'die Hand des Unternehmerbundes legen Dann müssen Sie unS auch das Recht geben, unseren Mitgliedern zu verbieten, bei bestimmten Unternehmern in Arbeit zu treten. Wir werden Ihnen natürlich niemals das Recht streitig machen, Ihren Kollegen zu sagen, stellt den und den nicht an; aber daß wir Ihnen daS Recht geben, die Geißel der Maßregelung von Vereins wegen über bestimmte Arbeiter zu schwingen, das geht nicht. Sie maßregeln ja sogar Mitglieder von unS, die den Tarif durchzuführen bemüht sind. Ich erinnere nur an Ihren Arbeits- Nachweis in Nordenham, der Streikbrecher sucht, damit die Fabrikmaurer nicht nach dem Tarif entlohnt zu werden brauchen. Und was sagt der Bund? Der Arbeitsnachweis geht euch gar nichts an.(HörtI hört! bei den Arbeitern.) Aehnlich ist eS in Vegesack. Jakob-Leipzig erhebt gleichfalls energischen Protest gegen ein so diktatorisches Vorgehen der Arbeitgeber. Baumeister Encke: Sie sperren za auch schon hier und da einzelne Arbeitgeber, wenn es Ihnen gerade paßt.(Paeplow: Das ist nicht wahr!) Das veranlaßt uns zu unserem Antrag. Wir wollen nur verhindern, daß wir mitten im Frieden von Ihnen in einen Krieg gezogen werden. Behrendt: Wir wollen lediglich Vertragsbrüche verhindern. Wen Sie einstellen wollen, ist Ihre Sache, aber Sie dürfen keine Leute bloß wegen ihrer Zugehörigkeit zur Organisation entlassen. DaS ist Vertragsbruch. Ich kann Ihnen nachweisen, daß Leute bloß deshalb nicht eingestellt wurden, weil sie für den Vertrag kämpften. Unsere Vorstellungen beim Arbeitgeberbund sind fruchtlos geblieben. Was Sie verlangen, sind die Maßregelungsbureaus im vollen Sinne des Wortes. Ebensowenig wir wir den einseitigen Arbeitsnachweis anerkennen, werden wir Ihnen dies Recht ein- räumen. Schmidt(christl. Organ.): ES geht doch nicht, daß Sie uns als Mittel zum Zweck benutzen, um Disziplin in �hre eigenen Reihen zu bringen. Das müssen wir entschieden zurückweisen. Geh. Rat Dr. Wiedfeldt: Wir werden ja darüber jetzt kaum tinig werden; wir können also weiter gehen. Es folgt die Beratung der Agit«tionsklausel. Bisher hieß eS: „Jegliche Agitation ist während der Arbeitszeit verboten. Pausen gelten nicht als Arbeitszeit." Die Arbeitgeber verlangen Streichung der Worte„Pausen gelte» nicht als Arbeitszeit". Mit anderen Worten, auch während der Pausen soll nicht agitiert werben dürfen. Baumeister Encke: Wir können es nicht zulassen, daß in den Pausen in den Baubuden agitiert wird. Wir haben die Erfahrung gemacht, daß, nachdem die Agitation während der Arbeit aufgehört hat, um so lebhafter in den Pausen in den Baubuden agitiert w»rd. Töpfer: Wir quittieren zunächst dankend, daß Sie zugeben, daß während der Arbeit nicht agitiert wird. Ihrem neuen Vor- schlag werden wir niemals zustimmen. Baumeister Encke: Ich habe mich geirrt, nur während der Arbeitszeit soll die Agitation in den Baubuden verboten sein. Geh. Rat. Dr. Wiedfeldt: Hiernach wollen Sie also die Agitation in de» Pausen nicht verbieten.(Zustimmung bei den Arbeitgebern.) Bömelburg: Wir bestehen darauf, daß in den Vertrag hineinkommt:„Pausen gelten nicht als Arbeitszeit". Geh. Rat Dr. Wiedfeldt: DaS haben die Arbeitgeber zuge-- standen. Nun zur Belästigungsklausel. Paeplow: Die streichen wir! Sie meinen, Sie beantragen die Streichung.(Heiterkeit.) Diese Klausel hat schon früher in den protokollarischen Erklärungen gestanden, jetzt soll sie in den Vertrag. Haben sich daraus Unzu- träglichkeiten ergeben? Bömelburg: von einer Belästigung der Arbeiter ist ja gax keine Rede mehr. Man will auch nicht die Arbeiter im allgemeinen tresfen, sondern die Leiter der Organisation. Sie verlangen, daß der Zutritt zu den Arbeitsstellen anderen als den dort beschäftigten Personen ohne Erlaubnis des Arbeitgebers nicht gestattet ist. In der Praxis ist diese Bestimmung nicht durchführbar, sie ist auch nicht innegehalten. Lassen wir doch diese bevormundende Be- stimmung heraus! Baumeister Noak: Diese Bestimmung findet sich schon im Berliner Vertrag. Paeplow: Gewiß, aber wir wollen doch jetzt ein neueS Vertragsmuster für ganz Teutschland aufstellen, und da müssen wir die Bestimmungen herausbringen, die hineingekommen sind, weil wir mal an einem Orte schwach waren. Was wir im Laufe der zwei Jahre als verkehrt empfunden haben, daS wollen wir ausmerzen. Bömelburg: Eö handelt sich lediglich darum, ob eine solche Be° stimmung zweckmäßig und notwendig ist, und da sagen wir:NeinI Silberschmivt: In Berlin hat die BelästigungSklausel so gut wie keine Bedeutung, sie ist in der Praxis nie zur Anwendung ge° kommen. Im Gegenteil, der Berliner Verband macht uns oft Vorwürfe, daß wir nicht sofort jemand auf den Bau schicke», um nach dem Rechten zu sehen. Hierauf tritt die Mittagspause ein. In der Nachmittagösitzung begründet zunächst Bringmann eine Reihe von Anlrägen der Zimmerer zu K 10, die im wesentlichen auf die DuSgestaltung des Tarifvertrages zur einer Ausgestaltung deS gesetzlichen Arbeitsvertrages hinauslaufen. Eine Einigung hierüber wird nicht erzielt. § 11 handelt von der Tauer des Vertrages. Die Unternehmer hatten ursprünglich eine fünfjährige Vertrags- dauer verlangt, sie haben sich auf ihrer Dresdener General- Versammlung niit einer dreijährigen einverstanden erklärt. Eine» Diffcrenzpunkt bildet daS nicht. Von den sonstigen Anträgen wird zunächst ein Antrag der Arbeiter zur Debatte gestellt, daß Beginn und Ende der Arbeits- Verantwortlicher Redakteur Richard Varth. Berlin. Für den zeit fest zu bestimmen ist und daß die Mittagspause in keinem Fall weniger als eine Stunde während des ganzen Jahres be« tragen soll. Bömelburg: Dieser Antrag ist so selbstverständlich, daß man eigentlich gar nicht erst darüber reden sollte. Architekt Behrens und Baumeister Encke verlangen die örtliche Regelung dieser Frage. Weiter liegen Antröge der Bauhilfsarbeiter vor, daß in Vertrags- gebieten, wo durch die Eigenart in der Arbeitsmethode verschiedene Löhne für Bauhilfsarbeiter üblich sind, die Arbeit sowohl wie die Lohnhöhe in jedem Falle genau umschrieben werden muß, ferner, daß als Bauhilfsarbeit im Sinne des Vertrages auch Erdarbeit gilt die in direkter Verbindung mit dem Bauwerke oder zur Vor� Bereitung desselben ausgeführt wird. Nachdem Behrens diese Anträge begründet hat, erklärt Barn meistcr Encke» daß die Unternehmer nicht darauf eingehen können, daß Erdarbeiter gleich bezahlt loerden mit Bauhilfsarbeitern. Geh. Rat Wiedfeldt: An sich gehört das doch zur lokalen Regelung. Baumeister Encke: Wir haben nicht? gegen eine lokale Regelung einzuwenden, stehen aber grundsätzlich auf dem Standpunkt, daß Erdarbeiter keine Bauhilfsarbeiter sind.(Behrendt: Darum mutz eben festgestellt werden, was Erdarbeit ist.) Bömelburg: Wir können keinen Vertrag schlietzen, der einzelne Gruppen autzerhalb deS Vertrages stellt. Wie können wir darauf eingehen, datz die Löhne für Erdarbeiter der freien Vereinbarung unterliegen? Töpfer: Wir wenden unS lediglich dagegen, datz man jetzt einen Unterschied zwischen Bauhilfsarbeitern und Erdarbeitern machen will. Ein solcher Unterschied war bisher nicht vorhanden. Wir vermuten deshalb, datz man den Erdarbeitern weniger Lohn, einen autzev tariflichen Lohn, zahlen will als den Bauhilfsarbeitern. Baurat Encke: In vielen Grotzstädten gibt es Tiefbauunter nehmer, die nur Erdarbeiter beschäftigen. Wollen wir diesen Unternehmern gegenüber konkurrenzfähig bleiben, dann müssen wir unsere Forderung Hochbalten. Damit schlietzt die Debatte über diesen Antrag. Ein anderer Antrag der Arbeiter will, datz die Bestimmung, wonach die Arbeiter zu einer angemessenen Gegenleistung verpflichtet sind, nicht zu einer Kürzung des festgesetzten Lohnes berechtigt. Aus Anfrage der Unparteiischen erklären die Bauhilfsarbeiter, datz sie den Antrag auf Grund ihrer Erfahrungen aufrechterhalten müssen, denn vielfach fei den Arbeitern nicht der tarifmähige Lohn bezahlt worden. Sogar Bezirksoerbände der Arbeitgeber hätten sich auf den Standpunkt gestellt, datz Arbeiter, die nicht die angemessene Gegenleistung erfüllen, keinen Anspruch aus den tarifmätzigen Lohn haben. Mit einem weiteren Antrag der Arbeiter, datz die festgesetzten Zuschläge für Ueberstunden. Nacht- und SonntagSarbeit für alle Arbeiter gelten, auch für solche, mit denen ein geringerer Lohn ver. einbart werden kann, erklären die Arbeitgeber sich einverstanden. Die Debatte wendet sich zu dem Antrag der Arbeitgeber: Die Arbeitnehmer sind während der Bertragsdauer nicht be rechtigt, die von den Arbeitgebern eingerichteten oder ciiizurichtenden Arbeitsnachwcisstcllcn in irgendeiner Weise zn stören. Baurat Encke: Wir betrachten die Arbeitsnachweise nicht als MatzregelungSmstitute, aber wir müssen uns vor unangenehmen Ueberraichungen seitens der Arbeiter schützen. Bömelburg: Einseitige Arbeitsnachweise werden wir unter keinen Umständen anerkennen. Allerdings liegt die ArbeitSvermittelung im Baugewerbe sehr im argen. Wollen Sie die Mängel der Arbeits- ver mittelung beseitigen, so sind wir bereit, das mit Ihnen gemeinsam zu machen. Liegt Ihnen lediglich daran— nun, wir bieten Ihnen unsere Hand. Ihre wahren Gründe nennen Sie ja nicht. Ihr Arbeitsnachweis soll nicht allein der ArbeitSvermittelung dienen, Sie wollen auch die Möglichkeit haben, die Arbeiter zu kon trollieren. An sich wollen wir Sie an der Errichtung einseitiger Arbeitsnachweise nicht hindern, aber wenn Sie sie dazu benutzen, die Arbeiter zu schikanieren, dann werden wir den Kampf um den Arbeitsnachweis aufnehmen. Aus keinen Fall werden wir unS durch Vertrag binden lassen, nichts gegen Ihre Arbeitsnachweise zu unter- nehmen. WaS würden Sie sagen, wenn wir verlangen, Sie dürfen nichts gegen unsere Arbeitsnachweise unternehmen? Ist daS Parität? Baumeister Fetisch: Der einseitige Arbeitsnachweis hat absolut keine Unannehmlicb keilen für die Arbeiter gezeitigt.(Lebhafter Wider« spruch bei den Arbeitern.) Jedenfalls ist doch der Arbeitgeber in erster Linie berechtigt, Arbeitsnachweise zu errichten. Es ist eine Unter« stellung, datz wir die Arbeitsnachweise zu Matzregelungen benutzen, aber der Arbeitgeber mutz sich für bestimmte Arbeiten leine Arbeiter wählen können. Becker(christl, Verband) wendet sich gegen die Forderung der Ardeitgrber. Der Arbeitsnachweis habe lediglich den Zweck. Arbeit zu vermitteln, nicht aber die Macht einer Partei zu stärken. Im Interesse sowohl der Arbeiter als auch der Arbeitgeber bitte er um die Errichtung paritätischer Arbeitsnachweise. Oder aber eS möge so bleiben w,e bisher, datz jede Partei tut, was sie will und nichts darüber in den Bertrag kommt. Schräder bemerkt, datz auch unter den Arbeitgebern im großen ganzen nicht viel Sympathie für die Arbeitsnachweise vorhanden ist. Der Vorstand deS ArbeitgeberbundeS habe mit 27 gegen 4 Stimmen die Frage, ob der Arbeitsnachweis in den Vertrag soll, verneint, erst die Generalversammlung habe sich im entgegengesetzten Sinne entschiede». Auch er müsse einen Vertrag mit einer solchen Be- stimmung für unannehmbar erklären. An der weiteren Debatte beteiligen sich Jakob-Leipzig, Ingenieur Fellcrmeier, der erklärt, die Münchcner Arbeitgeber würden eS sich seht überlegen, ob sie ohne einen Arbeitsnachweis überhaupt einen Bertrag schließen sollten, und Baurat Encke, der betont, er habe er- fahren, datz die Arbeiter die Absicht hätten, die Unternehmer, die die Führer im Streit gewesen sind, zu nmtzregeln. Bömelbmg: Sie können beruhigt sein. eS wird kein Arbeitgeber gematzregelt. Kinnen Sie ebenso bestimmt erklären, daß kein Arbeiter gemaßregelt wird? Datz übrigens die Arbeitgeber die Arbeitsnachweise als Waffe benutzen wollen, haben sie auf ihrer Generalversammlung in Kassel selbst ausgesprochen und in Dresden aufs neue bestätigt. In der Praxis dienen die einseitigen Arbeits- nachweise tatsächlich als MatzregelungsbureauS.(Widerspruch bei den Arbeitgebern.) Von etwaigem Mitzbrauch, der mit einem paritätischen Arbeitsnachweis getrieben werden könne, kann keine Rede sein, im Gegenteil nur dadurch wird der Friede gesichert. Wiedeberg erklärt, datz auch die Christlichen nicht an eine Matz- regelung von Arbeitgebern denken. Mäckelmann weist gegenüber einer Bemerkung deS Ingenieurs Fellermeier nach, datz die Münchcner organisierten Arbeiter sich auf die Anfrage deS dortigen Oberbürgermeisters bereits im Jahre ISOö bereit erklärt haben, an dem paritätischen Arbeitsnachweis mitzuwirken., Hiermit schlietzt die Debatte. Auf Vorschlag deS Oberbürgermeisters Bentler wird jetzt die Frage des zentralen Abschlusses erörtert. Bömelburg: DaS Verlangen der Arbeitgeber ist ganz eigenartig. Sie fordern, datz für die Verträge die Grenzen Ihrer VezirkSverbände matzgebend sind. Hiernach haben wir über das Gebiet ja gar nichts zu sagen, Sie können Ihre Gebiete heute so gestalten, morgen so. und danach würden sich dann die Vertragsbezirke richten. Daraus könne» wir unter keinen Umständen eingehen. Aber wir halten es auch für völlig ausgeschlossen, datz für so große Bezirke die Lohn- und Arbeitsbeoingungen geregelt werden können.(Die Arbeitgeber scheuen die einzelnen Orte.) In der Provinz Brandenburg z. v. haben wir 80 bis 00 Vertragsorte. Wie soll für alle diese Orte gemeinsam in Berlin verhandelt werden? Das ist praktisch nur dann durchführbar, wenn man die örtlichen Organisationen völlig ausschließt, und darauf gehen wir nicht eip. Es mutz so bleiben wie bisher. Der Bertrag hat sich über mehrere Orte auszudehnen, wenn sie ein gemeinsamds wirtschaftliches Interessengebiet darstellen. z. B. Groß-Berlin, aber Orte, die wirtschaftlich gar keinen Zu- sammenhang haben, kann man doch nicht in einen Bertrag hinein bringen. Bei so großen Vertragsgebieten, wie die Arbeitgeber fie verlangen, müßte sich das Einigungsamt für die betreffenden Bezirke ja in Permanenz erklären. Nach einer Pause, während welcher sich die Arbeitgeber be- raten, gibt Baurat Encke eine Erklärung ab, die darin gipfelt, daß eS aus praktischen Gründen im Interesse der Abkürzung der Verhandlungen wünschenswert sei, datz die Verträge für die Bezirke möglichst an einem Orte geschlossen werden. Der zentrale Abschluß sei so gedacht, daß eS den Bezirken überlassen ist, entweder einen Vertrag für alle BezirkSorte abzufassen oder aber es verhandeln die einzelnen Be- zirkSorte vor dem Bezirksverband gemeinsam und schließen für die einzelnen Orte Verträge. Diese Verträge werden aneinandergereiht und in Berlin von Zentrale zu Zentrale abgeschlossen. An ihren Bezirksgrenzen müßten die Arbeitgeber festhalten. Für einheitliche WirtsibaftSgediete könnten einheitliche Verträge geschlossen werden. Bömelburg: Wir wollen den Arbeitgebern die Grenzen ihrer Bezirke nicht vorschreiben, wir wollen nur nicht, daß diese Grenzen mit den BertragSgrenzen zusammenfallen, sondern daß Verträge abgeschlossen werden für einheitliche Wirtschaftsgebiete. Oberbürgermeister Bentler: Ich habe Herrn Baurat Encke so verstanden, daß die Verhandlungen möglichst an einem Orte statt- finden, daß aber die Verträge abgeschlosien werden nicht für einen Ort oder Bezirk allein, sondern für Wirtschaftsgebiete. Bömelburg und Wicdeberg weilen auf die praktische Undurch- führbarkeit deS Vorschlages der Arbeilgeber hin. Die Arbeiter könnten doch keine Verträge schließen an Orten, wo sie leine Mit- glieder haben. Oberbürgermeister Bentler: Vielleicht überlassen Sie unS die Fassung nuf Grund der Debatte, die hier gepflogen ist. Geh. Rat. Dr. Wiedfeldt: ES ist wohl das richtigste, die Uebcr« schrift dem§ 1 anzupassen. Oberbürgermeister Beutler schlägt vor, den Punkt zu verlassen. Bömelburg: Aber erledigt ist die Sache nicht. Die Arbeitgeber haben noch keine Erklärung abgegeben, die sich mit unserer Ansicht deckt. Baumeister Encke: Auch ich glaube, daß sich unsere Ansichten nicht decken. Der Unterschied kommt daher, datz wir zentrale Tarif- abschlüsse wollen. Bömelburg: Mit dem zentralen Abschluß hat das recht wenig zu tun. Geh. Rat Dr. Wiedfeldt: Die Arbeitgeber wünschen, daß zum Beispiel in Dresden für ganz Sachsen verhandelt und daß dort alle Verträge für Sachsen abgeschlossen werden. DaS erstere steht über- Haupt nicht im Entwurf. Die Arbeitgeber wollen also, daß die Ver- träge einzeln für jeden Ort geschlossen werden, nur sollten die Vertreter der Orte alle zusammenkommen.(Zuruf bei den Arbeitern: Nein, daS wollen sie ja nicht I> Oberbürgermeister Beutler: DaS ist doch nicht eine Frage, die von solcher Bedeutung ist. Wicdeberg: Doch! ES ergeben sich daraus große praktische Schwierigkeiten. Daist eSweit richtiger, die Sache zu dezentralisieren und sie»ach Interessengebieten abzugrenzen. Geh. Rat Dr. Wiedfeldt: Die Arbeitgeber denken eS sich so, daß der Abschluß der Verträge in Berlin erfolgt, datz aber die Abrede zwischen den örtlichen Vertretern am Sitz deS Bezirksverbandes stallfindet. Bömelburg: Solange nicht klar gesagt ist, daß Verträge ab- geschlossen werden können für einzelne Orte oder für mehrere Orte, die ein wirtschaftliches Interessengebiet darstellen, halte ich an meiner Auffassung fest. Baumeister Encke: Nur die Vorbereitungen der Verträge sollen an einem Ort erfolgen. Wir wollen lediglich Zeit sparen, eS können doch nicht an jedem kleinen Ort Verhandlungen stattsinden. Bömelburg: ES steht fest, daß weder die Arbeitgeber- noch die Arbeitnehmerorganisationen Lohn- und Arbeitsbedingungen für ver- ichiedene Orte gemeinsam festlegen können. Vielleicht lann man auch mal für mehrere Orte, die nicht weit auseinander liegen, ge- meinsam verhandeln, aber das brauchen wir nicht im Tarif festzu- legen, das läßt sich durch besondere Vereinbarungen regeln. Je größer der Bezirk, desto größer die Kosten. Dr. Prenner: Die Unternehmer wollen nicht bloß zentral ab- schlietzen, sondern unter Umständen auch zentral verhandeln. Wir haben daS schon gehabt, und wir Unparteiischen haben unS mit Händen und Füßen gesträubt, weil daS nicht geht. Im Maler- gewerbe haben sich daraus große Schwierigleiten ergeben, die einzelnen Arbeiter wollen doch auch mitreden. Ich spreche auS Erfahrung und warne Sie, diesen Weg zu beschreiten. Nach weiterer resultatloser Debatte macht Geh. Rat Dr. Wiedfeldt namens der Unparteiischen den Vorschlag, die Streiipunkte zusammenzustellen und am Montagmittag weiter zu verhandeln. Dieser Vorschlag wird mit der Aenderung angenommen, datz am Montagnachmiltag eine engere Kommission tagt. Die Plenar- Verhandlungen werden am Dienstag früh fortgesetzt. KerbAndstssg der GAstwittsgehilfen. über Den Echlutz der Freitagfitzung bildete eine Besprechung die internationalen Beziehu»gen deS Verbandes. Baumeister, der Sekretär der.Internationalen Union", verwies auf die Notwendigkeit internationaler Verbindungen. die für die GastwirtSgehilfen, die in sehr großer Zahl ins Ausland gehen, ein hervorragendes Bedürfnis sei. Der Verband sei seit Jahren auf diesem Gebiete tätig gewesen. Eine 1008 abgehaltene internationale Konferenz gründete die„Internationale Union", in der Organisationen verschiedener Länder vereinigt sind. Seit dem t. Januar 1910 gibt der Verband ein vierzehntägig erscheinendes, in drei Sprachen geschriebenes Blatt.Internationale Revue" heraus. Der Einfluß des Blattes im Auslände ist bereits zu spüren. Der Redner empfahl: 1. Die Hauptverwaltimg des Verbandes zu ermächtigen, wie bisher in jeder Weise den inter- nationalen Ausbau der Organisation zu fördern. 2. In solchen Ländern, wo eS im Interesse der Organisation notwendig ist und durchführbar erscheint, selbständige oder dem Verbände angeschlossene Organi- sationen ins Leben zu rufen; 3. zu diesem Zweck die.Internationale Revue" weiter herauszugeben und nötigenfalls auszubauen. Ferner empfahl der Referent, die 1911 stattfindende internationale Konferenz durch fünf Delegierte de» Verbandes zu beschicken. Diese Vorschläge wurden nach längerer Besprechung angenommen. Am Sonnabend erledigte der VerbandStag den Rest seiner Tagesordnung.— AIS Delegierter des Verbandes zum inter- nationalen Arbeiterkongreß wurde P o e tz s ch bestimmt.— Eine Ge- haltSslala für die Verbandsangestellten wurde festgesetzt. Sie be- ginnt mit einem Anfangsgchalt von 2000 M. und sieht für die ver- Ichiedenen Kategorien Höchstgrenzen von 2400, 2700, 3000, 3300 M. vor. Ferien werden gewährt nach einer Tätigkeit von 1 Jahr 2 Wochen, nach 3 Jahren 3 Wochen, nach 7 Jahren 4 Wochen jährlich. Die Hauptverwaltung wurde ermächtigt, in ihrem Bureau zwei neue Beamte anzustellen.— In die Haupiverwaltung wurden wieder- gewählt als erster vorfitzender P o e y s ch, als zweiter Vorsitzender Diesing. als Kassierer S t r ö h l n g c r. Hierauf folgte eine mehrstündige Beratung zahlreicher Statuten» änderungSanträge, die nicht von wesentlicher Bedeutung sind.— Mit Rücksicht darauf, daß noch dem gegenwärtigen WahlmoduS der VerbandStag durch eine verhältnismäßig große Zahl von Delegierten beschickt wird, wurde die Hauptverwaltung beauftragt, gemeinsam mit dem AuSschutz und den Gauleitern ein neue» Wahlreglement aufzustellen, welche» schon bei den nächsten BcrbandStagswahlen an- gewandt werden soll. Ein Antrag, welcher die Gründung von Jugendorganisationen in den einzelnen Orten befürwortet, wurde der Hauptverwaltung zur Berücksichtigung überwiesen. Nachdem die Tagesordnung erledigt war, hielt P o e tz s ch eine Tchlutzrede. in der er betonte, datz der Verband, aller entgegen- stehenden Schwierigkeiten zum Trotz durch seinen gewerkschaftlichen Kampf schlietzlich dieselben Erfolge erreichen werde, die andere Ge» ___ werkschaften bereit» errungen haben_ Inseratenteil verantw.: Th.GI»ckt. Berlin. Druck». Verlag:BorwärI»"Buchdruckerei it.«erlagSanstält'Päül� Singer Sc Co.. Berlin SW, Ar.M. 27. Iahrgavs. kilqe des LmW" Kerlim Ncksblsit. Zonutilg. 29. Mai 1910. )Zbgeorclnetenbaus. Mai. 7 3. Sitzung vom Sonnabend, den 2 8. vormittags 11 Uhr. Am Ministertisch: Beseler, von Arnim-Criewen. In dritter Lesung wird der Gesetzentwurf über die Ver le�ung der Landesgrenze gegen das Königreich Württemberg unverändert angenommen. EL folgt die erste Lesung des Gesetzentwurfs über die Ab schliehung der N o g a t von der Weichsel. Nach un wesentlicher Debatte wird die Ucbcrweisung der Vorlage an eine Kommission von 21 Mitgliedern beschlossen. Hierauf wird die zivcite Beratung des G e r i ch t s k o st e n g e s e tz e s fortgesetzt. Mit unwesentlichen Aenderungcn wird der Liest des Gesetzes nach den Kommissionsbeschlüssen ange- nommen. Dir sozialdemokratischen Anträge über den Vagabunden Paragraphen und die ausländischen Polizeibeam- ten werden auf Antrag Borgmann: Der Entwurf bedeutet einen Fortschritt aur dem Wege zur allgemeinen Einführung des ländlickn'n Fort bilourrgSschuluntcrrichtS. Den Fortbildungsschulunterricht, wie es die ländlichen Arbeitgeber wünschen, auf den Sonntag vor. mittag zu legen, würden wir nicht für förderlich halten. Der Zentrumsantrag auf obligatorischen Religionsunterricht in den ländlichen Fortbildungsschulen ist uns sympathisch, aber es fragt sich, ob dadurch nicht die wichtig st en Schulfächer vernach. lässigt werden. Die Zeit für den Fortbildungsschulunterricht für Mädchen auf dem Lande ist wohl noch nicht gekommen.(Beifall rechts.) Abg. Stull(Z.) begründet den Zentrumsantrag auf Einfüh. rung deS obligatorischen Religionsunterrichts in den ländlickzen Fortbildungsschulen. Der Religionsunterricht muh de» gesamten Lehrplan durchdringen.(Beifall im Zentrum.) Abg. v. Kardorff(frk.) stimmt der Vorlage zu. lehnt den Zen. trumSantrag ab und befürwortet eine Resolution auf baldige Vor- legung eines Gesetzes über obligatorische ländliche Fortbildungs- schulen in der Provinz Posen. Landwirtschaftsminister v. Arnim bittet, sowohl den Zen- trumSantrag wie die Resolution Kardorff abzulehnen. DaS religiöse Gefühl nach Beendigung der Schule zu pflegen, sei Auf. gäbe des Geistlichen. Abg. Ecker-Winsen(natl.): Wir stimmen dem Gesetz zu, lehnen aber den Zentrumsantrag ab. Gewiss ist der Religionsunterricht unbedingt zu fördern. Allein in>das Programm der ländlichen Fortbildungsschulen gehört er nicht hinein. Abg. Dr. Schepp(Fortschr. Vp.): Auch wir lehnen den Zen- trumSantrag ab. Das Zentrum will seine Herrschaftsge. lüfte nun auch auf die Fortbildungsschulen ausdehnen.(Wider- spruch im Zentrum.) Abg. Hoffmann(Soz.): Wir werden selbstverständlich für alles stimmen, was Bildung und Wissen deS Volkes fördern kann. Auch mit dem Antrag Kar. dorff sind wir einverstanden. Wenn wir boshaft wären, müssten wir auch eigentlich für den Antrag des Zentrums stimmen. Besser können wir der schulentlassenen Jugend die Religion nicht ver- ekeln, als wenn wir sie in den Fortbildungsschulen in Religion unterrichten lassen.(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Gerade der Religionsunterricht ist es, der unseren Kindern die Schule am meisten verleidet.(Lebhafter Widerspruch im Zentrum.) Die Tat- lachen des Unterrichts beweisen das. In viel grösserem Maße wäre das nun der Fall, wenn dieser Religionsunterricht auch aus die Fortbildungsschulen ausgedehnt würde. Dem: Sie müssen be- denken, daß in diesem Alter ein Teil der Jugend schon selb st än» dig zu denken vermag. In den Augen dieser jungen Leute könnte der Religionsunterricht als etwas sehr Unangenehmes und Unbequemes empfunden werden. Man klagt über die zunehmende Zuchtlosigkeit und Verrohung der Jugend. Das ist ja das beliebte Kapitel. Aber sehen Sie nur hinein in die amtliche Statistik, die nicht wir machen, sondern die von Ihren Beamten gemacht wird. In dieser Statistik können Sie lesen, daß in den dunkelsten Gegen- kleines f cinlleton. Für die Feuerbestattung. Der Verband der FeuerbestattungS- vereine deutscher Sprache hat eine Umfrage bei Männern des öffent-- lichen Leben», Künstlern, Wissenschaftlern usw. veranstaltet und sie den Teilnehmern an seinem Verbandstage, der kürzlich in Dessau stattfand, gewidmet. Man sollte meinen, daß es einer solchen Enquete nicht mehr bedürfte, da doch die Vorzüge, der Feuer- bestattung jedem Unvoreingenommenen längst zur Ueberzeugung geworden sind. Daß Verhalten insbesondere des„jdulwrftaates" Preußen, der feinen Untertanen immer noch die Vollziehung der Einäscherung in seinen Grenzen verbietet, zeigt indes, wie weit die Wirklichkeit noch von der Vernunft entfernt ist. Es muß also immer wieder in aufklärender und propagandistischer Weife für das Recht auf Feuerbestattung gekämpft werden. Albert Basser mann, unser erster Jbsendarstcller, geht temperamentvoll los:„Es ist eine Schmach und Schande, daß unsere Reichshauptstadt noch kein Krematorium besitzt I Traurige Stadiverwaltung I Es lebe die Pfaffen, und Muckerwirtschaft l" Einen neuen Gedanken regt L i l i Braun an, indem sie ssch auch gegen den Aschenkultus wendet:„Es sieht für mich zweifellos fest, daß die Feuerbestattung aus gesundheitlichen, ästhetischen und ethischen Gründen der Beerdigung vorzuziehen ist, daß ich nicht begreife, wie sich darüber noch strc-.ten läßt. Man betrachte nur die Kirchböfe der Grossstadt: diese eng aneinander gereihten Erd- Hügel zwischen Häusermauern oder mitten in kahlen Feldern, dieser dürftige Schmuck, der oft nur aus einem unangenehm empfundenen Traditionsgesetz nach Jahren widerwillig gespendet wird; dieser geheuchelte Totenkultuö, wo doch der Kultus derer, die für uns auch nach ihrem Tode lebendig blidben, der allein echte ist... Ich persönlich möchte nur wünschen, daß auch der Aschenkultus wegfiele, wie der der Gebeine." Ernst gehört natürlich auch zu den Befürwortern. „Ich habe— schreibt er— von jeher die Feuerbestattung sowohl in hygienischer als in ästhetischer Beziehung allen anderen Formen vcrgczogen. Der Widerstand dagegen, der noch immer von rleri- kaler und konservativer Seite erhoben wird, ist teils durch das Gesetz der Trägheit, teils durch politische Rücksichten zu erklären. Mit wahrer Religion hat er nichts zu tun." Selbst der Berliner Hoftheologe Adolf Harnack tritt für das Recht des einzelnen ein, seine BestattungSart zu wählen: „Darüber, daß die christliche Religion die Feuerbestattung nicht verbietet, ist kein Wort zu verlieren. Ebenso gewiss ist freilich, daß die Sitte der Kirche von Anfang an die Bestattung in der Erde verlangt hat, und daß aus dieser Sitte sich wertvolle Ge- brauche entwickelt haben... Aber Sitten und Gebräuche unter- liegen dem Wechsel und dürfen nicht unter allen Umständen konser. viert werden... Dazu darf das Recht, über seinen toten Körper gu verfügen, niemanden verwehrt werden, falls er nicht eine standa. lose Verfügung trifft. Hieraus folgt, daß der Staat die Feuer- den unseres Vaterlandes, da. wo das Zentrum noch am festesten sitzt, und wo die Religion noch in ihrer Urpracht vorhanden ist, die lnicistcn Nolieiien und Verbrechen vorkommen.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten. Unruhe ini Zentrum.) Das zeigt am besten, daß es in den Städten mit der zunehmenden Verrohung und Zuchtlosigkeit nicht so schlimm bestellt sein kann. Die Klagen erklären sich wohl daraus, daß ein grosser Teil derjenigen, die diese Klagen so beweglich vorbringen, alt geworden ist und sich seiner eigenen Jugend nur noch schwer erinnert.(Heiterkeit.) Die Leute wissen nicht, wie es in ihrer eigenen Jugend bestellt war. Verrohung ist überall vorhanden, auch in den adligen Korps. Es ist verkehrt, die Verrohung immer nur der Jugend aus der allgomeinen Volksschule zuzuschreiben. Jugend hat keine Tugend, das scheinen Sie vergessen zu haben.(Heiterkeit.) Sie werden den Satz in Ihrer eigenen Jugend sehr oft für sich in Anspruch genommen haben.(Heiterkeit und Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Denken Sie an Ihre Studentenzeit! Aber natürlich: als Sie nicht mehr konnten so, von wegen hohen Alters, da wurden Sie solid und fromm und schreien über die Verrohung der Jugend. Sie werden allesamt selbst früher kräftig gesündigt haben, und damals wird man über das Kapitel der Verrohung viel mehr geschrien haben als heute. Bei der ersten Lesung dieses Gesetz- entwurfs konnten wir nicht anwesend sein, weil wir in Rheinland- Westfalen agitieren mußten, wo es am notwendigsten ist. (Unruhe im Zentrum.) DaS mag Ihnen unangenehm sein, aber wir werden bestrebt sein, auch dort Aufklärung zu verbreiten. Also dainals bei der ersten Lesung hat der ZentrumSal'geordnete Geisslcr auf die Bestrebungen der Sozialdemokratie hinge- wiesen, Einfluß auch auf die Jugend zu gewinnen. Glauben Sie wirklich, diese Bestrebungen mit Ihrem Religionsunterricht un- möglich zu machen? Ich glaube, Sie werden diese Bestrebungen dadurch sogar fördern.(Sehr ricbtig! bei den Sozialdemo. kraten.) Sie wollen am liebsten die Fürsorgeerziehung, die heute für verkommene Kinder besteht, auf die gesamten Kinder des Volkes ausdehnen. lSehr richtig! bei den Sozialdemokraten� Unruhe.) Sie wollen gute Untertanen erziehen, wir aber frei« Bürger und Bürgerinnen. Zur Untertanenerziehung mag Ihre Religion gut fein, wir wollen denkende Menschen heranbilden. lBravo! bei den Sozialdemokraten.) Schwimmen und Tnrncn fand Herr Geißler damals ganz nett, aber er meinte, es genügt nicht, die Religion müsse dazu kommen. Nun,«S wird Ihnen schwer fallen, die Religion in das Schwimmen und Turnen hincinzu- bringen.(Heiterkeit.) Wollen Sie etwa an die Stelle des Stangenklctterns das Kirchturmklettern setzen?(Heiterkeit.) Wenn Sie den Religionsunterricht am Sonntagnachmittag stattfinden lassen wollen, dann nur zu, dann wird es selbst in den dunkelsten Köpfen tagen. Der Sonntagnachmittag bringt die einzigen paar Stunden Erbolung für den größten Teil unserer Jugend, und die sollte man ihr nicht verkümmern.(Sehr richtig! bei den Sozial- demokraten.) Der Sonntagnachmittagsunterricht wird schnell in sein Gegenteil umschlagen. Zu erörtern wäre dann noch sie Frage der gesetzlichen Berechtigung des Unterrichtszwanges in Religion an den Fortbildungsschulen. Sind Sie überhaupt gesetzlich be- rechtigt, Kindern über 14 Jahre einen derartigen Unterricht aufzu- zwingen?(Zurufe im Zentrum: Ja, ja!) Nach dem allgemeinen Landrecht sind Kinder mit 14 Jahren religiös mündig. Kein Vormund hat das Recht, seine Kinder zur Teilnahme am Reli- gionsunterricht zu zwingen. Jeder, der das selbst mit seinen eigenen Kindern tut, mackit sich strafbar.(Unruhe im Zentrum.) Jeder Knabe mit 14 Jahren kann vor dem Amtsgericht feinen Austritt aus der Landeskirche erklären.(Widerspruch im Zen- trum.) Sie werden also höchstens die Kirchcnaustriitsbewegungen fördern. Tun Sie, was Sie nicht lassen können! ES gibt ja ein wirksames Mittel gegen diesen religiösen Zwang. Die Schüler brauchten nur angewiesen zu werden, im Religionsunterricht Fragen an den Lekjrer zu richten, die nicht nur dem Lehrer höchst unangenehm sein können, sondern die auch den anderen noch gläubigen Schülern die Augen öffnen könnten. Im Herrenhaus hat Graf Haefeler gesagt, es komme nicht darauf an, daß in den Fortbildungsschulen gelehrt werde, wie man am ge- schicktesten ein Fel5 bestellt, sondern darauf, gvtteLfürchtigr Knechte zu erziehen. DaS ist das, waS Ihnen vorschwebt. Dann mögen Sie aber lieber gleich an die Stell« der Lehrer die Geistlichen setzen. Aber Sie vom Zentrum scheinen sehr wenig fest in Ihrem Glauben zu sein.(Heiterkeit und Widerspruch im Zentrum.) Sie glauben, ohne Zwang nicht weiter zu können, un? deshalb appellieren Sie hier daran, daß der bunte Gendarm die Jugend dem schwarzen Gendarm zutreiben soll.(Heiterkeit und Sehr gut! bestattung bedingungslos freigeben sollte, zumal auch die aus kriminalrechtlichen Erwägungen erhobenen Bedenken als durch- schlagend nicht erachtet werden können." Vom juristischen Standpunkt aus beleuchtet Wolfgang Heine die Frage:„Als Jurist muß ich die Auffassung des Preu- ssischen Oberverwaltungsgerichis von der Unzulässigkeit der Feuerbestattung für ganz verkebrt halten. Sie soll unerlaubt sein, weil es Gesetze gibt, die auf die Feuerbestattung nicht an- gewendet werden könnten. Mit demselben Rechte könnte man die Luftschiffahrt verbieten und hätte man die EntWickelung der Elektrotechnik untersagen können. Es ist das alte lächerliche Vor- urteil des Polizeiabsolutismus, daß alles verboten sei, was der Staat nicht ausdrücklich erlaieb«. Das Oberverwaltungsgericht würde sich freilich kaum auf diesen Standpunkt gestellt haben, wenn es nicht im Grunde die Antipathien der kirchlichen Kreise gegen die Feuerbestattung teilte." Prof. O st w a l d, der Energetiker, widerlegt einen Volkswirt- sckmftlichen Einwand, der früher gegen die Leichenverbrennung er- hoben werden konnte:„Ich halte die Verehrung, die wir mensch- lichen Leichen erweisen, für einen Ueberrest des Fetischismus, der zum Verschivinden bestimmt ist. Daher betrachte ich die Einfüh- rung der Leichenverbrennung als einen Schritt auf dem richtigen Wege. Der vom volkswirtschaftlichen Standpunkte aus dagegen er- hobene Einwand, daß der gebundene Stickstoff des Leichnams durch Umwandelung in freien dem Kreislaufe der organischen Stoffe entzogen werde, ist durch die industrielle Bindung des freien Stickstoffs, die in den letzten Jahren durchgeführt worden ist, nunmehr hinfällig." Die Liste der Anhänger und die Fülle der Motive könnte noch reichlich vermehrt werden, r Brot aus Bananen. Unter den tropischen Früchten, die im europäischen Handel zu einer alltäglichen und billigen Ware ge« worden sind, gehören die Bananen. Was den Nährwert anbetrifft, sind sie eins der wunderbarsten Erzeug»'!?« deö Erdbodens überhaupt, und man würde sich nur darüber zu freuen haben, wenn ihr Preis noch weiter herabgeletzt werden würde, so daß sie ihren Weg auch auf den Tisch des armen Manes finde» könnten. Gewöhnlich bekommt man die Banane als frische oder kandierie Frucht zu sehe»', aber eine Verwendung von grossem Umfang scheint für die Zukunft auch das Bananenmehl zu haben. Als man das Bananen- mehl als solches zuerst auf den europäischen Markt brachte, konnte eS keinen Erfolg erringen, weil das Publikum damit nichts anzufangen wusste oder vielmehr seiner Brauchbarkeit mihtrante. Die anfängliche Abneigung wurde dadurch verstärkt, dass die Ver- suche, Brot auS reinem Bananenmehl zu backen, nicht gelangen. Jetzt hat man aber, wie der„Tropenpflanzer" mitteilt, durch neue Versuche festgestell', dass mau auS der Mischung von Banauenmehl und Brotmehl ein sehr wohlschmeckendes Gebäck herstellen kann. Während früher auch auf diesem Wege nur eine etwa» strohig schmeckende Backware erzielt werden konnte, ist dieser Mangel jetzt durch eine Behandlung deS Bananen» links.) Dr. Schepp sagte, die Fortbildungsschule solle die Lücke ausfüllen zwischen Schule und Militär. Nach unserer Ansicht soll sie die Lücken ausfüllen, die der Volksschulunterricht im Wissen und in der Bildung unserer Jugend gelassen hat. Aus diesem Grunde werden wir alles für die Kultur bewilligen, aber nichts für Ihren Kultus.(Beifall bei den Sozialdemokraten.) Abg. Dr! Kaufmann(Z.l: Ohne Religion ist eine wirkliche Erziehung und Bildung der Jugend nicht möglich. Die Reli- gio» ist das allerwichtigstc und notwendigste Schulfach. Herr Hoffmann sollte sich einmal die religiösen Uebungen der Jüng» lingsvereine an den Sonntagnachmittagen ansehen, anstatt wäh- rcnd der Tagung des Hauses AgitationSreisen zu unternehmen. (Beifall im Zentrum.) Abg. Hoffmann(Soz.): Wenn ich während der Tagung des Hauses Agitationsreisen unternehme, so versäume ich tro�dem keine Sitzung. Ich habe aber schon viele Sitzungen mitgemacht, in denen Herr Kauf- mann und seine Freunde gefehlt haben.(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Ich bin sogar schon Nachis hierher zurück- gereist, damit Sie meine Anwesenheit hier nicht zu entbehren brauchten.(Heiterkeit.).„, �? Ter Zentrumsantrag wird abgelehnt, ebenso die Reso« lution Kar dorff. Die Vorlage wird angenommen, eben- so eine Resolution der Rommissicn, mehr Mittel in den Etat für ländliche Fortbildungsschulen in leistungsschwachen Gemeinden einzustellen._._ Das Haus vertagt sich auf Montag, 11 Uhr: Kleine Bor« lagen und Initiativanträge. Schluß 4 Uhr.__ Huö Incluftris und Randcl. Syndikalsdiktatnr. vor wenigen Tagen erst hat der Stahlwerksverband mit Rück« ficht auf die ungünstigen Verhältnisse am Eisenmarkt die einige Wochen vorher um 5 M. ermäßigte AuSfuhrvergütung wieder auf die alte Höhe gebracht. Allgemein war man der Ansicht, das Kohlensyndikat werde auf demselbei, Wege folgen. Hatte doch auch der Walzdrahtvcrband sich ebenfalls veranlasst gesehen, durch Er- höhung der AuSfuhrvergütung den Export zu erleichtern. Müller» weile ist keine Aenderung der Markttage eingetreten. Höchstens köniite man von einer weiteren Verschlechterung reden. Am Freitag sind zum Beispiel die Eifenpreise in England erneut herabgesetzt lvordcn: Und das Kohlensyndikat trug den unbefriedigenden ver- hälmissen insofern Rechnung, als eS die Vetciliguiigsemschränkuiig für Kohlen und Kol» beibehielt, für Briketts sogar eine weitere Ermässigung eintreten ließ. Die Einschränkmig für KokS beträgt nach wie vor 27'/, Proz. Trotzdem erhöhte das Syndikat den Kokspreis um 2 M. Das muß überraschen. Welche Gründe hat das Syndikat ftir die Massnahine? Wahrscheinlich nur den einen Grund, daß eS die Macht zu solchen Matznahmen habe. Bisher fand die Willkür des Syndikats in der Preisfestsetzung ein kleines Hindernis in der belgischen Konkurrenz. Diese ist beseitigt, indem da? Rh.-Wests. Kohlensyndikat erfolgreiche Versuche machte, im belgi- scheu Kokssyndikat Einfluss zu gewinnen. Jedenfalls nach vorheriger Verständigung fetzte da» belgische Syndikat vor einigen Tagen den KokSpreiS um 2>/z Fr. pro Tonne hinauf, einen Aufschlag in der gleichen Höhe diktiert„un das Rh.-Wests. Kohlcnfyndikat. Die Konkurrenten haben sich verständigt, die Koiisiimenten müssen die Zeche bezahlen. Und die Leute, die in solchem Fahrwasser segeln, dirigieren neben den Junlern auch das Steuerrad in der Sozial- und Wirt» fchaftspolitik Preussen-DcutschlandS. Die erste Dividende. Bei dem kommnnalen Elektrizitätswerk Mari(Hagen in Westf.), Aktiengesellschaft in Hagen, bcirägt der Reingewinn 80 164 M., wovon erstmalig eine Dividende von 3 Proz. zur Auszahlung gelangt._ Folgen der BgngrbeiterauSstzerrniig. Obwohl die Aussperrung erst in der zweiten Hälfte April ihren Anfang»ahm, hat das Rh.-Wests. Ziegeleisyndilat in diesem Monat nur 32 Millionen Steine abgesetzt. Gegenüber der gleichen Zeit des Vorjahres ist der Absatz»in 11 Milionei» Steine, gleich 23 Proz., gesunken. Bisher war der Absatz von Jahr zu Jahr gestiegen. Da mehlS beseitigt worden. ES hat sich nämlich gezeigt, daß dieses Mehl vor dem Zusatz des vrotteigcs unter einen gewissen Dampfdruck gesetzt werden muß. Die Tatsache, dass man nunmehr das Bananenmehl zum Brotbacken verwenden kann, eröffnet eine Aussicht von erheblicher Tragweite. Da die Bananen in den Tropen ohne viele Pflege ausserordentliche Erträge an Früchten liefern, so könnten sie in Zukunft recht wesentlich zu e,ner befriedigenden Lösung der Ernährungsfrage in den übervölkertel, Ländern Europa? beitragen. Humor und Satire. Die Wahlrechtskomödie. Die Jliiiker spielten den erste» Akt, sie näselten und grunzten im Takt: Ihr fordert Wahlrecht, ihr Praletenbande? Ha, eure Dreistigkeit ist doch eiiorm l Ihr fordert I Ihr! In unserem Vaterlande! Da habt als Antwort ihr die Wahlrefortn l Die Polizisten im zweite» Akt sangen und schlugen zugleich den Takt: Ihr demonstriert sür'S Wahlrecht aus der Gasse? Das ist doch in der Frechheit der Rekord! Als wohlverdiente Antwort nehmt in Masse Futztritte, Säbelhiebe und so fort! Und auch die Richter im dritten Akt sprachen Recht mit dem nötigen Takt: Was brauche» wir da lange zu beraten: Veleidiaung, Widerstand und Wahlrechtshoch (O gröbste aller GrobenunfugStaten I)... Ju'S Loch die Kerle, monatweis' in'S Loch I Nu» warten wir auf den nächsten Akt. Wer aber spielt ihn? Wer schlägt den Takt? _(Franz. Notizen. — Die VolkSoper, die ein Soinmerschauspiel ver- anstaltete, hat Knall und Fall daS gesamte Personal gekündigt, auf Grund jene« wunderbares Paragraphen, der dem Direktor gestattet, innerhalb der ersten drei Wochen des Engagements zu kündigen. Diese Massenkündigung zeigt endlich einmal aufs krasseste die UnHaltbarkeit solcher Paragraphen. Wen» die Direktion der VolkSoper mit dem Erfolg ihrer Ausführungen nicht zufrieden ist, inuss sie sich selber die Schuld zuschreiben. UebrigenS wird die Bühnengcnossenschaft mit allen Kräften gegen die Vollsoper vor» gehen. — Prof. Emil Z u ck e r k a u d l, der geistvolle und durch viele Arbeiten auf dem Gebiete der Anatomie ausgezeichnete Direktor des Anatomischen Instituts in Wien, ist dort— 61 Jahre alt-- gestorben. jetzt natürlich viel auf Lager gearbeitet wird, bleibt bei den großen Beständen nachher da-Z Angebot sehr stark, was nicht ganz ohne Ein- fluß auf die Preise bleiben kann. Tie Ziegeleibesitzer im Tyndikat waren von Anfang an niit den Scharsmachern ein Herz und eine Seele. Eine gerechte Ironie des Schicksals zwingt sie nun allein Anschein nach, am meisten von dcx unangenehmen Suppe auözn- löffeln, die man sich mit der Niederzwingung der Arbeiter einbrockte. Wertzuwachs. Im Jahre 1808 wurde das Nittergut Odevin bei Halle zum Preise von 270000 M. veräußert. Der neue Besitzer Verkaufte da? Gut inr Jahre 1003 zum Preise von 500 000 M. und jetzt ist da-Z Gut zu dem annehmbaren Preise von 750 000 M. an den Rittmeister Grafen v. Schwerin weiter verkaust worden. Zur Bicrvcrtcuerung in Bayern nahmen am Freitag abend in Nürnberg sechs Versammlungen von Mitgliedern der freien Gewerkschaften und des Sozialdemokratischen Vereins Stellung. Am Tag- vorher halten sich die Wirte mit der Frage in leidenschafllichen Debatten beschäftigt und beschlosien, den BicrpreiS auf 2(3 Pf. für dunkles und von 2(3 auf 28 Pf. für helles Bier, wie die Brauereien es verlangen, zu erhöhen. Ten etwa einsetzenden Boykott wolle man über sich ergehen lassen und zu geeigneter Zeit den Kampf gegen daL Brauereikapital wieder aufnehmen. Ein vom Verband der freien Gast- und Schankwirte gestellter Antrag verlangte, daß für den Fall der Boykottverhängung das Bier während der Dauer des Boykotts nicht unter 30 Pf. abgegeben werde. Der Antrag fand aber keine Mehrheit. Die Versammlungen am Freitag waren kolossal stark besucht und von der schärfsten Stimmung gegen die Stenermacher beherrscht. Der Vorfchlag der Kommission, bei der Erhöhung um 2 Pf. den Bierkonsum möglichst einzuschränken, bei mehr als 2 Pf. Erhöhung aber den schärfsten Boykott eintreten zu lassen, wurde znrückgelviesen, dagegen eine Resolution angenommen, in der jede Preiserhöhung Verworfen und erklärt Ivird, keinen Tropferi Bier mehr zu trinken, falls auf der Verteuerung bestanden werden sollte. Die galizische Petroleumiuduftrie befindet sich seit langem in krisenhaften Zuständen. Das Parlament, dem ein Gesctzentivurf zur Regelung der Verhältnisse vorliegt, erledigt ihn nicht. Eine Ministerialverordnung vom 22. März bindet den Raffinerie- und den Tankivagenbetrieb an eine Konzession und macht ihre Erteilung von den Lokalverbältirissen, der Lage der Industrie und dem Konsum abhängig. Die Regierung fördert nun das Rasfinenrkartcll, indem sie das Entstehen weiterer Betriebe verhindert. Nach sechsnionatigem Aussetzen erlischt die Konzession, d. h. die großen Werke können durch Preisstürze usw. sich der kleinen erledigen. Der Konzessions- zwang kommt den Amerikanern zugute, die bereits drei große Naffinerieir in Oesterreich-Ungarn besitzen. Der Kampf geht um den deutschen Markt? soll Rockefeller die österreichische Industrie unterwerfen können, dann muß er die Sicherung für das von Oesterreich nach Deutschland ausgeführte Quantum erhalten: das beste Mittel dazu ist im Falle der Kartellicrung der Konzessionszwang. Statt daß die Regierung sich der Transport- industrie bemächtigt hätte, sieht sie untätig zu. Protegiert in jeder Weise wird der Verband der Rohölproduzeiite», dem der Staat trotz seiner Notlage 150000 Wagen Oel für Lokomotivheiznng zu 280 Kr. abgekauft hat. Damals kostctete der Waggon im freien Verkehr aber nur 30 Kr., s? groß war die Ueberproduknon. Alle Nebenspesen hatten nach dem Vertrag die Produzenten zu tragen— trotzdem brachten sie cS dahin, daß der Desizitstaat die Entbenziiiierung selbst übcrnahin und am Gewinn den Verband noch mit 25 Proz. beteiligte. Das macht zirka 12 Millionen Kronen für den Verband aus! Der Volkswirtschaftliche Ausschuß des Abgeordnetenhauses schlägt die Einführung, des Regals für Erdharze, Oele, die Monopolisierung des Transports uiid der Magazinierung' vor, um sich den Einfluß zu sichern. Die Regierung scheint aber lieber ein Spielball der Unter- nehmer bleiben zu wollen. Der eigene Verbrauch in Oesterreich ist unglaublich niedrig? 5 Kilogramm pro Kopf gegen 20 in bei, übrigen Kulturstaaten. Nun hat die Negiernng die Produkte der Entbenziiiierungsaiistalt, Benzin und Petroleum, an die Rasfineure für fünf Jahre zu einem sehr niedrigen Preise, den sie geheim hält, verkauft. So ist die Regie- rung statt für Verbilligung tätig zu sein, an der Verteuerung interessiert! Und was hat die Arbeiterschaft von all dem Segen? Ein An- trag unserer Genossen auf Einführung der A ch t si u n d e n s ch i ch t ist von der Okegimmg und ihren Parteien abgelehnt worden, ob- gleich dadurch die Produktionskosten lange nicht um 5 Proz. steigen würden. Tefizitbahnc». Sehr schlecht fährt O e st e r r e i ch mit seinen Staatsbahnen. Der Referent Abg. Dr. S y l v e st e r- Salzburg be- rechnete ini Budgetausschuß für 1010 ein Staatsbahndefizit von 67,5 Millionen Kronen; mit den 22 Millionen Jnvestione», die natürlich aus den Betriebseinnahinen zu beslreilen wären, dürfte das Defizit 90 Millionen ausmachen. Das Betriebsergebnis nn vorigen Jahre war weilaus u n g ü n ft i g e r, als der Voranschlag annahnl.' bei den Ausgaben um 38,4 Millionen, bei den Einnahmen um 15, insgesamt also um 53,4 Millionen schlechter gegen den Elat. DaS in den StaatSbahnen investierte Kapital von 4186 Millionen ver- zinste sich so mit 1,67 Proz., während es noch in den zwei früheren ahren— vor den große» Verstaatlichungen der verwahrlosten ordwcst-, Staatseisen- und Nordbahu 2Vz und 3 Proz. trug. Genosse Dr. Ellenbogen führt das' Defizit zum Teil aus den Bau von rcinniilitärischen sich nie verziilseliden Linien für 800 Millionen zurück, darunter sind mehrere die Karpathen zwischen Galizicn und Ungarn überschreitenden Berg- bahnen. Im Jahre der Verstaatlichung mußte man bei den Linien der Slaatseiseiibahngesellschaft— an die man die Liiiien im Krach von 1850 für ein Spottgeld verramscht hatte— für 29 Millionen Neuanichaffungen niachen. Immerhin sei man noch besser daran wie Italien, das in drei Jahren für süns verslaatlichte Bahnen 910 Millionen Lire aufwenden mußte. Dr. Ellenbogen schlug die Anstellung geschulter Kaufleute gegen gute Bezahlung und Provision am finanziellen Elfolg vor. Sericdts- Leitung. Gerechte Strafe gegen einen Heiratsschwindler. Auf die schon fast sprichwörtliche Leichtgläubigkeit bcirais- wütiger alternder Mädchen hatte der Schreiber Albert Kiesow spekuliert, der sich gestern unter der Anklage des Betruges im strafschärfenden Rückfalle vor der 4. Strafkammer des Land- gerichts I zu verantworten hatte.— Ter Angeklagte ist einer der gemeingefährlichste!� Heiratsschwindler und hat schon wiederholt wegen derartiger Straftaten im Zuchthaus gesessen.� Kaum aus der Strasanstalt entlassen, ging er von neuem daraus aus, ältliche Mädchen, die auf dem Wege einer Heiratsaiinonce noch unter die Haube zu kommen hoffen, zu prellen. Auf diese Weise machte er die Bekanntschaft eines Tlenstmädchens Auguste D., welches schon etwas start aus dem„Schneider" war, jedoch noch ein sehr liebe- bedürftiges Herz besaß. Er redete dem Mädchen vor, daß er Sckre- tär bei dem Landgericht l sei und zu einer Kaution von 500 M., tue er stellen müsse, noch 200 M. brauche. Die T. gab ihrem„Zu- künftigen" vertrauensvoll die 200 M.. der sich von diesem Moment an nicht mehr blicken ließ.— J„ ähnlicher Weise beschwindelte der Angeklagte ein-anderes Mädchen.— Das Gericht hielt es mit Rücksich! daraus, daß es sich um einen ganz gewerbsmäßig vor- gehenden Heiratsschwindler handele, für angebracht, den An- geklagten auf möglichst lange Zeit unschädlich zu machen. Das Urteil lautete deshalb auf 3 Jahre Zuchthaus und die üblichen Nebenstrafen. Wann werden die Vertrauensseligen endlich alle werden, die ihre mühsam ersparten Groschen Schwindlern ausliefern? Die bekannte Laternen-Manschetten-Reklame, die seit einiger Zeit in den Berliner Straßen im Schwange ist, hat Anlaß zu einem Musterschlitzprozeß gegeben, der gestern die 2. Strafkailimcr deS Landgerichts i mehrere Slunden hindurch bc- schäftigtc. Wegen Vergehens gegen Z 4 des Gebrauchsmuster- Gesetzes waren der Kausinann Paul Müller in Schöneberg und Kaufmann Franz Lcuwrr in Bremen angeklagt. Als Nebenkläger trat der Direktor des Pharus-Verlages, Dr. jur. Karl Löwe, auf. Ter Angeklagte Müller ist Geschäftsführer der Neuen Graphischen Gesellschaft m. b. H., welche den Gedanken der Ausstattung der Berliner Straßeiilaiernen frukttfizieren wollte und deshalb mit der städtischen Verlvaitung, insbesondere mit dem zustälidigen Dezer- ncntc», Stadtrat Nainslau, in Verhandlung trat. Das Modell für diese Laterncnschildcr ist am 23. Dezember 1907 beim Gebrauchs- muster-Register angemeldet und am 19. Februar 1908 eingetragen worden. Tie Rechte der Neuen Graphischen Gesellschaft sind dann auf die„Latcrucn-Reklame-Gesellschakt Franz Leucr" übergegangen, und diese hat mit der Stadt einen Verirag über die Bc- Nutzung der Berliner Straßenlaternen zu Rcklamezweckcn ab- geschloffen, auf der Basis, daß sie in den ersten beiden Jahren eine jährliche Pacht von 150 000 M., im dritten Jahre 200 000 M. de- zahlt. Am 9. Februar v. I. stellte der Nebenkläger einen Straf- antrag wegen Verletzung des MusterschutzgcsctzeS, indeiii er darauf hinwies, daß ihm schon am 7. September 1903 ein Musterschutz gewährt worden sei für die Idee, bei Straßenlaternen, Kändelabern usw. den Schaft mit einem Mantel zu versehen behufs Anbringung von Reklamen. Tie Schutzfrist für dieses Gebrauchsmuster erlosch am 13. Februar 1909? da aber die„Laterncn-Reklame-Gcsellschast" ihre Tätigkeit schon vor Ablauf der Eckiutzfrist begann, fühlt sich Dr. Löwe in seinen Rechten verletzt und hat das Strafverfahren veranlaßt. In der umfangreichen Verhandlung standen sich die Anschauungen des Staatsanwalts Bernau und der Rechtsanwälte Hall» und Priester, anderseits aber auch der Patentanwälte Hoff- mann und Dr. ing. Benjamin diametral gegenüber. Letzterer setzte ausführlich auseinander, daß aus mehreren Gründen eine Schutz- fähigkeit des von Dr. Löwe seinerzeit angemeldeten Oiebrauchs- Musters nicht gegeben sei und betonte, daß schon im Jahre 1803 ein älteres Gebrauchsmuster für«ine ganz ähnliche Ncklanievorrichtung eingetragen gewesen sei, und die Idee, eine Verstärkung an Laternenmasten anzubringen, absolut nichts Neues fei.— Ter Staatsanwalt beantragte je 590 M. Geldstrafe und Publikations- befugnis für den Nebenkläger.— Das Gericht erkannte auf Frei- kvrechung der Angeklagten, weil es die Produktion der Angeklagten für etwas anderes erachtet als das, was Dr. Loeive angemeldet habe, und dessen angemeldetes Muster nicht schutzfähig sei. Das Urteil erscheint uns ebenso selbstverständlich wie die staatsanwaltliche Auffassung unerklärlich. Die Musterschutzwut fchcint die Staatsanwaltschaft angesteckt zu haben. Ein Strassenbahnunfall beim Fahren über Baustellen. Das Reichsgericht entschied dieser Tage über folgenden Rechts- streit. Der Kläger war seinerzeit an den Bauten der Untergrund- bahn am Potsdamer Plan in Berlin beschäftigt. Als er mit einer 4_ bis 6 Meter langen Bohle auf der Schulter in der Nähe der Straßenbahngleise einherging. wurde er von einem Motorwagen der Großen Berliner Straßenbahn, der vom Potsdamer Platz nach dem Spittelmartt verkehrte, in eine Baugrube geworfen. Das ge- schah in der Weise: Ter Wagen fuhr dicht hinter dem Kläger her, allerdings in langsamem Tempo. Als der Kläger die Bohle nieder- lege» wollte und sich etwas wendete, geriet der Hintere Teil der- selben in den Bereich der Straßenbahn. Ter Wagen stieß an und ivarf den Kläger in die daneben befindliche Baugrube. Infolge der hierbei erlittenen Verletzungen hat der Kläger Ansprüche gegen die Große Berliner Straßenbahn erhoben. Das Landgericht wies die Klage ab, weil den Kläger das über- wiegende Verschulden treffe. Das Kammcrgericht zu Berlin da- gegen verurteilte die beklagte Straßenbahn zum Ersätze allen dem Kläger entstandenen Schadens. In seinen Entscheidungsgründen legt das Kammergericht dar, daß§ 1 des Reichshaftpflichtgesetzes ohne Frage Anwendung zu finden habe und daß höhere Gewalt nicht vorliege. Wohl aber liegt nach der Auffassiing des Kammergerichts in dem Verhalten des Wagenführers ein grobes Ver- schulden. Denn dieser hätte, falls Kläger die Bohle niederlegen wollte, warten müssen, bis das geschehen sei, oder er hätte nicht so dicht hinter dem Kläger herfahren dürfen. Denn er mußte sich sagen, wie das Kammergericht weiter erklärt, daß Kläger irgend eine Wendung machen könne, um nicht so nahe am Gleis herzu- schreiten. Bei dieser Möglichkeit habe er dann voraussehen müssen, daß die Bohle in den Raum des Bahnkörpers hineinrage. Ein eigenes mitwirkendes Verschulden des Klägers sei überhaupt nicht anzunehmen. Denn die ganze Baustelle war gesperrt und nur den Wagen der Straßenbahn war es gestattet, zur Aufrechterhaltung des Verkehrs langsam über die Baustelle zu fahren. Es sei des- halb den Arbeitern nicht zuzumuten gewesen, daß sie wie sonst als Stratzenpajsant auf den Bahnverkehr acht gaben, und daß sie ihre Aufmerksamkeit von der Arbeit auf die Straßenbahn ablenkten. Pflicht der Straßenbahn sei cS vielmehr gewesen, von dem ihr ein- geräumten Vorrecht mit aller Vorsicht Gebrauch zu machen, die Stelle also erst zu passieren, wenn sie frei war. Hiergegen habe der Wagenführer verstoßen. Er habe sich sagen müssen, daß es fahrlässig sei,*6 bis 1 Meter hinter dem Kläger berzufähren. Denn bei irgendwelchen Ereignissen sei es für den Wagenführer unmöglich gewesen, auf eine so kurze Strecke anzuhalten. Hierzu komme noch der Umstand, daß sich zur Seite des Klägers eine tiefe Baugrube befand. Ter Führer Hab: mit allerhand Möglichkeiten rechnen müssen, daß der Kläger in Gefahr komme. Ob der Kläger die Bewegung willkürlich oder unwillkürlich gemacht habe, sei gleich- gültig. Gegen das Urteil deS Kammergerichts hatte die beklagte Straßenbahn Revision beim Reichsgericht eingelegt. Der 6. Zivil- scnat erkannte auf Zurückweisung der Revision. Vermischtes. l-cnverijagci in Stenäal, Gewaltige Aufregung verursachte am Freitag früh ln der Stadt Stendal der Ausbruch von vier Löwen aus ihrem Käfig. Der Raubtierzirkus Carlo Curty sollte auf einem dortigen Platze aufgebaut werden. Als gegen 7 Uhr früh ein Spe- diteur einen Zirkuswagen mit Löwen vom Bahnhof abholte, kamen nach kurzer Fahrt Plötzlich vier Löwen unter ihm hervor- gekrochen. In der Bodenbekleidung des Wagens hatte sich ein Brett gelöst und durch die Oeffnung schlüpften die Tiere ins Freie. Der sehr bestürzte Wagenführer strängte sofort die Pferde ab und lief mit ihnen davon. Ein männlicher Löwe verfolgte die Pferde des Spediteurs, sprang auf den Rücken des einen Pferdes und schlug seine Pranken in das Tier ein. Durch Peitschenhiebe des Gespannführers yurde er heruntergejagt. Die wildgewordenen Pferde rasten die Straße entlang, immer verfolgt von dem Löwen. Tie entsetzten Passanten, unter ihnen viele Kinder, die sich auf dem Wege nach der Schule befanden, flohen in die Häuser. Nach einiger Zeit ließ der Löwe von den verfolgten Pferden ab und fiel die Pferde eines anderen Fuhrwerkes an. B e- herzte Männer schlugen auf die Bestie ein; es gelang ihnen, sie zu verscheuchen. Der Löwe machte sich aus dem Staube und versteckte sich in dem Gebüsch eines nahen Parkes. Erst nach längerer Zeit gelang es einem Tierbändiger deS Zirkus, ihn mit Stricken einzufangen. Die drei anderen Bestien wurden, ohne daß sie Unheil angerichtet hatten, in ihren Käfig zurückgebracht. Zum antergang der„plimofc". Bisher ist es nicht gelungen, das untergegangene Untersec- boot zu heben. Ein Transportschriff ist senkrecht über der „Pluviosc" verankert worden? Taucher haben die ganze Nacht daran gearbeitet, um das Unterseeboot mit Ketten zu um- schlingen. Ein Taucher brachte die Flagge des Tauch- b o o t e s herauf. Sie war noch an einer Signalboje befestigt und diese ihrerseits an dem Unterseeboot. Diese Tatsache bc- weist, daß die Besatzung ertrank, schon bevor sie sign ali- s i e r e n konnte, daß sie sich in Gefahr befand. Denn wenn ein Unterseeboot sich in Not befindet, so wird sofort die Signal- boje losgelöst, welche dann mit der Flagge an die Oberfläche steigt. Die Oberfläche der See ist im Umkreise von zweihundert Meter mit Petroleum aus dem Behälter des„Pluviose" bedeckt. Auf Ersuchen der französischen Marinebchörde ist ein eng- l i s ch e r Schlepper und ein großes Rettungsschiff von Dover nach Calais abgegangen, um die Hebung des„Pluviose" zu ver- suchen. Es ist lvahrscheinlich, daß die französische Regierung noch andere Rettungsschiffe von der englischen Regierung erbitten wird. Bei den unausgesetzt vorgenommenen Tauchversuchen konnten die Taucher feststellen, daß eine klaffende Oeff- n u n g in der Flanke des Schiffes vorhanden ist. Voraussichtlich wird die Hebung des Bootes noch mehrere Tage in Anspruch nehmen. Hofrichter verurteilt. Wie uns ein Telegramm aus Wien meldet, ist am Sonnabend das Urteil in dem Prozesse gegen den Oberleutnant H o f r i ch t e r gefällt worden. Der Angeklagte wurde wegen des GistmordeS an dem Gencralstabshanptmaiin Mader zum Tode durch den Strang verurteilt. Das Urteil unterliegt nunmehr der Prüftmg durch den Gerichtsherrn._ Ter Komet als Taufpate. Im Zivilstandsregister der Stadt Bern wurde am Tage der Erdnähe de» Halleyschen Kometen unter den Geburten folgende Eintragung vorgenommen:„Richner K o in e t a Dorothea, des Rudolf Gottlieb, Predigers von Rohr(Aargau) Tockner." Wir wollen hoffen, daß die kleine Kometa so alt wird, daß sie ihren Taufpaten bei seiner nächsten Wiederkehr begrüßen kann. Voraussichtlich wird dieser sich zu Ehren seiner Patin in ganz besonderem Lichte zeigen. In der Zwischenzeit mag sie sich oftmals nach ihm sehnen: Salem Halley kum! Kleine Notize». Justizmord in Rußland. Vor einiger Zeit wurde in P o t. s ch e p(Gouvernement Tschernikow) eine Famiiie ermordet und als Mörder ein Handlungskommis verurteilt und hingerichtet. Jetzt hat sich herausgestellt, daß an dem Mann ein Justizmord ver- übt ist. Tie wirklichen drei Mörder standen gestern vor dem Kriegsgericht und wurden zum Tode verurteilt. Zum Fall der Schwester Candide. Bei einem Händler in der Rue Lafayettc in Paris wurden eine Anzahl Juwelen entdeckt, die aus den Schwindeleien der Schwester Candide herrühien. Tie Jutvelen wurden dem Untersuchungsrichicr übergeben. Bei einer Fenerwehrübnng in London vcrungückte am Freitag ein Dienstmädchen, das sich aus dem sechsten Stockwerk mit dem Fallsack herablassen wollte. Beim Herunterlassen riß der Sack und das Dienstmädchen stürzte zur Erde. An den erlfttcnen Per- letzungen st a r d sie bald darauf. Ucbcrfallcn und beraubt wurde in ihrem Hause in K o l m i n g Steiermark eine Gastwirtin, wahrend alle Ortsbewohner sich an der Fronlei ch na msprozessfon beteiligten. Die Räuber knebelten die Frau, raubten alles Wertvolle und st eckten das Haus in Brand. Die Frau wurde noch rechtzeitig gerettet, das Haus brannte nieder. Langjährigen Schwindeleien ist man in Frankfurt a. M. beim städtischen Schwimmbade auf die Spur gekommen. Neun Badediencr, die daran beteiligt waren, wurden verhastet. Tie Höhe der veruntreuten Summe läßt sich noch nicht übersehen. KrnfKaften der Redaktion. Sit iuriftilAc Svrclt, stunde gilbet ij Indenftra he Nr. Ol), voru vier TreUUc»— Kadrstuhl—, wochentäglich von 41/, bis?>-. Übt abends fintt. Jeder'llufruge ist ei» Buchstabe und eine Zabl als'Mertjeicheu beutifitgen. Briefliche Slutwor» wird nicht erteilt. Eilige Frage» trage man in der Evrechstunde vor. Jaloiic. Fordern Sie den Dermieier unter Setzung einer Frist zur Anbringung der Jalousien aus. Noch fruchtlosem Abiaus der Frist können Sie die Jalousien selber anbringen lassen und die Auslagen eventuell im Klagcwcgc erstatict verlangen oder aus Zlnbringung klagen.— it. F. 25. Es ist Aneignung der Ihre Sämereien beschädigenden Taubeii gestattet. Bei dem etwaigen Gebrauch von Schntzwassen müssen Sie die sür den bc- lrefs enden Ort bcstcbenden polizeilichen Porichristcn bcachlen.— A. N. Wegen der GcrichlSkosien ja, wegen der dem Gegner etwa durch Bestellung eines Rrchtsainvalts entstehenden Kosten nur dami, wenn diese Bestellung den Umständen n«ch geboten war, was iu derartigen Sachen in der Regel nicht an» genommen werden kann.—(£. 2. 113. 1. u. 2. Nein. 3. Nicht verständlich. — P.®. 100. Nach Ihrer Darstellung erscheint Ihr Anspruch begründet, wenn nicht BcrusSgenossenschast den betrcssendcn Betrag erhallen bat. DieS könnten Sie durch Nachfrage bei der BerusSgenossenschast scststellen.— O. Fr. 40. 1. und 3. Sie können bei der Staatsanwaly'chast in Berlin Anzeige erstatten. 2. Keine. 4. Zivilklage.— stft. P. 20. 1. Vor Abiaus von 5 Jahren brauchen Sie keinen iicuen Osicnbarungscid zu leisten. 2. Mit der Zahlung sälit das Ladungsrecht des Gläubigers. 3. Nein, wenn es sich nicht um eine Alimentensorderuiiz handelt?(ür diesen Fall ja.— 'JC. L. Von dem Beitritt zu der genannten Kasse rate» wir ab.— M B. 200. Ein derartiger Gewerbebetrieb ist nicht konzcssiouspfljchüg, deshalb kann er Ihnen nicht untersagt werden. Sie müssen das Gewerbe aber bei der Steuerbehörde anmelden.—(Lerkn. Fragen, die eine Um« gchung der Unterhaltspflicht bezwecken, beantworte» wir nicht.— O. V.. Hermsdorf. Das müssen Sie mit Ihrer Schwester vereinbaren. Gesetz- Uche Vorschriften darüber gibt eS nicht. Treptow Rr. 0». 1. Ja. 2. Di- Gescllschast kann klagen.— Pachulke 3. Fragen Sie bei dem Trmisportarbciterverband, Engeluser 15, an.— Barbier. Fragen, die die Umgehung der Unterhallspflicht einem Kinde gegenüber bezwecken, beantworten wir nicht.— Steuer 800. Wenn Sie im vorigen Kalenderjahre längere Zeit ohne Erwerb gewesen sind, so kommt das diesjährige Einkommen in Frage.— Lg. 100. Solche.ehren- hafte* Handlung des Kriminalbeamten ist leider nicht strasbar. Vielleicht erlangen Sie vor dem Schösscngericht eine Herabsetzung.— Alter Genosse Rr. 10. 1. Ja. wenn derselbe nicht mehr in einer versicherungspslichtig-ll Beschästigung ist. als sreiwilllges Mitglied. 2. Ja. 3. Das Ist Sacke des Bezirks.— Militär. Möglich, aber unwahrscheinlich.— 2. 12135. Die sraglicheu Verordnungen des preußischen Unlerrichtsministers finden Sie in einem bei dem Verlag Mittler, Berlin, Mohrenslr. Ig, erschienenen Buch von Beyer.__ „Hoffnung" Berliner Schneiderei- Genossenschaft E. G. m. b. H. Zwischen Rosenthaler QmiMMnMptw-1 OK Zwischen Rosenthaler Top u. Invalidenslr. öiUUUclläll. 103 Top u. Invalidenstr. Gegr.i. Februar 1906 v. organisiert. Schneidergehilien Berlins. Ä"' Arbeiter», Parteigenossen iiiitbürgern zur Anfertigung eleganter HerreikKiiabenganMe Großes Lager fertiger Herren-, Knaben- u. Kinder-Anzüge. » ex» - Z ro t SS "3-~ A 'S- IS» «25 ®£2. K. 90 S* 2. »«D w—s= S V I c aa t n rt S or I sü QO 3 CD M» -8 5' ev • s CD m S*- 1 II CD | delm Vorzclnen dieses Inserats| 4% Rabatt. VerkaofbeÄr ..Engros- Saison". Anschließende Tiirii-Paletofs lÄIHDlfl. Basl-Mäntel-isM, Hochelegante | Frauen- Paletots Ä 10-3ßM. Hochelegante 15-50 91. TotlK leineu- 1 u. Bast-Kostßnie ! MuMoteUoderÄci 5�5 Spezialitat;» lExtiav/eiteut. starke Dataeß 1 1 | Paletots. Jackett« u. Capes. I IS I Paleto Mmti I»di im Wri L»i;Äii,5e. i | am aileianbetbloB, 1 Treppe. Achten Sie im eigenen Interesse |«jfWechawmi mimmtt HERMANN UETZ LEIPZIGER STRASSE ALEXANDERPLATZ FRANKFURTER ALLEE Diese Woche: Versand-Abteilung: Leipziger Str. 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Xledcr-Sehöncwelde: Max Pri e b fe, Brltzerstr. 14 It. Iii owawes: Wilhelm I a p p e, Jriedrichstr. 7. (tz ber-Wehöncwcldc: August H e» j e s, Lausenerstr. 2, I. Fankow-Ziilcdcrsehönhansea: Otto Ritz mann, Mühlen« strahe 30. itclalekcadorf* Ost, Wilhelmsruh und Sehönhols: P. Gursch, Kamefeftr. 12, I. Rlxdorf: Hfl. Heinrich, Neckar strahe 2, Im Laden. Rnnimelsborg, Roxhagon:A. Nosenkran z, Alt-Boxhagen 58. diebmargeadorf: Gustav KaminSky, Timostrahe 2. hteböneberg: Wilhelm Bäumler, Martin Lulherstr. 61, im Laden. Spandan: K ö p p e u, Iagoivstr. 3 Tegel, Borsigwalde, Wittenau, Waldaiannslnst, Heraisdorf und Reinickendorf- tzR�cst: Paul Kienast, Borsigwalde, Räuschstrahe 10. Teltow: Wilhelm B 0 n 0 w, Teltow, Zehlendorfer Str. 4. Teirpelbof: Albert Tbiel, gr.fbiich Wilhelmstr. 20. Treptow: Rob. Gramenz, Kfesholzslrahe 412, Laden. WelLonsee: K. F u h r m a n n, Sedanftr. 105, parterre. Wllraersdorf- Uniensee: Paul Schubert, WihelmSaue 28, Hos parterre. 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Verlag: BorwärtHBuchdruckerci u, VerlagSanftalt Paut Ainger Si Co., Berlin SW, Um-'. TO. 0.55-1.00-1.25; prima Haldtzaunen TO. 1.75; Gänfr- rupffebern TO. 2.00; prima weihe ------ TO 2.40-8. 00- 3. 50 Mausen ______.---------. SJlata« vor-Gänsedaunen TO. 350 Don den Launen Mi co-äoo-z.50 n en I � ita>! Ä-g- Ät,? Iroh. Cberbett.— Gänsefedern ■ hen> TO.0.00 per vsund; Gänse- schlachtfebern, wie sie von der Tan« fallen, mit allen Jaunen TO. 1.50. Proben und PreiAIisie gratis. Itm. tausch ober lhückjenbung gestattet. Verpackung kvsteiilrci. Letztlähriger Umsatz über 2000 Zentner Bettfedcrn, von keinem zweiten Betten- u. Bert- k federngeschäft erreicht. |t. 123. 27. Jahrgang. 3. Kkilme des JotiMtis" Knlim Souiihg, 29. Um 1910. Clirtf(|)aftll(i)er Wochenbericht. B e r l i n, 28. Mai 1910. Glänzende Welternte— Konsequenzen unserer Agrarpolitik— Rück- gang der Getreidepreisc— Erhöhung der Spannung zwischen Getreide- und Brotpreisen— Bcrtcucrnng der Backware, Profitsteigerung für Bäcker. Wenn nicht unvorhergesehene Naturkatastrophen von ungeheuren Dimensionen berechtigte Hoffnungen wieder zerstören, haben wir für das laufende Jahr mit einer selten günstigen Ernte zu rechnen. Die wirtschaftliche Bedeutung eines reichen Ertrages wird erhöht durch ein sehr frühes Hereinbringen der Frucht. Die frühere Ernte, die sich nach Wochen berechnet, zerstreut vollständig die Befürchtungen, die wegen der vorigen minimalen Welternte vielleicht noch gehegt werden konnten. Die günstigen Erntcaussichten beschränken sich diesmal nicht auf Deutschland: wir haben eine glänzende Getreidewelternte zu er- warten. Die amtlichen preußischen und deutschen Saatenstands- berichte berechtigen zu weitgehenden Erwartungen. Dabei haben die letzten Berichte noch nicht einmal die die Fruchtbarkeit außer- ordentlich fördernde günstige Witterung der letzten Wochen berück- sichtigt. Der letzte Bericht des Internationalen Landwirtschafts- instituts in Roin gibt der Hoffnung auf eine Weltrekordernte eine ziemlich gesicherte Grundlage. Das ist für uns»och wichtiger als der für das Inland zu erwartende Erntesegen I So paradox eS klingen spag. leider ist eS wahr, dah wir unter Umständen bei ertragreichen Jnlandsernten höhere Brotpreise bezahlen nillssen als bei schlechten inländischen Ernten. Dank unserer Agrarpolitik haben große Ernteerträge nur im Jnlande, bei weniger befriedigenden Welternten, für den inländischen Konsumenten wenig Wert. In dieser Beziehung sind u»sere Junker sehr tonsequent kosmopolitisch. Der Zoll von SV M. für Roggen und Sb für Weizen in Bcrbindung mit der Ausfuhrprämie in der gleichen Höhe sorgt schon dafür, daß wir kein billiges Brotgetreide bekommen. Wenn eine ganz gute Ernte in Deutschland zusammen» fällt mit einer sehr ertragreichen Welternte, dann darf der Inlands- konsument hoffen, daß die Getreidepreise stark zurückgehen werden. Dann wird eS nicht möglich sein, den Inlandspreis um den Zollsatz über dem WeltmarktSniveau zu halten. In den letzten Monaten, besonders in den letzten Wochen, sind denn auch an allen Welt- marktSplätzen die Preise stark gesunken. Die Bewegung der Berliner Notierungen veranschaulicht folgende Zusammenstellung. LokopreiS für 1 Tonne in Mark: oanuar. Februar. März.. April.. Mai.. Juni.. Juli.. August.. September Oktober. November. Dezember. Jahres- durchschnitt 186.50 R 1903 208,48 200,68 196,33 189,87 198,00 190,60 189,38 173,40 176,47 173,87 171,71 163,39 0 g g 1909 167,36 168,33 178,61 177.11 187,02 195,47 194,01 178,91 173,63 170.73 167,00 166,16 176.45 e n 1910 167,04 162,83 156,88 155,58 1908 221,00 212,20 208,00 203,70 220,55 212,16 221,30 204,00 206,46 204,86 206,75 208,64 e i z e 1909 209,68 219,60 230,81 242,52 259,29 268,00 260,77 241,85 213,28 220,31 217,80 222,72 Ii 1910 227,00 227,62 224,04 225,51 211,20 233,89 Die Weizenpreise hielten sich bis in den Mai hinein immer noch fo ziemlich auf dem Niveau der letzten Monate des Vorjahres und der Vergleichszeiten in den Jahren 1909 und 1908. Stark gesunken waren dagegen die Roggenpreiie, besonders in der Vergleichuug mit denVorjahren. JmMai sind dann die Preise fürRoggen weiter gesunken: aber auch Weizen ist nun von der rückläufigen Bewegung erfaßt worden. Während z. B. am 28. April an der MittagSbörse Mairoggen noch 155,50 bis 156,75 notierte, sank der Satz bis zum 28. Mai auf 139 und mr Weizen gingen die Notierungen zurück von 220,25 bis 221 auf 210,25 bis 210,50. Von den starken Preisrückgängen war bisher bei den Backwaren kaum etwas zu verspüren. Die Brot preise können den Getreidepreisen natürlich nicht von Tag zu Tag folgen, aber die Ermäßigung der Getreidepreise datiert nun schon um fast drei Monate zurück. Im März bereits war der Roggenpreis um 20 M. unter da? Niveau im Vergleichs- monat dcS Vorjahres gesunken, aber der Roggenbrotpreis ivar in derselben Zeit nur um 4,8 SM. niedriger. Der BrotpreiS paßt sich der Bewegung der Getreidepreise nur zögernd an, wenn sie nach unten führt. Schnellen jedoch die Getreidcpreise hinauf, steigen mit bewunderungswürdiger Anpassungsfähigkeit auch alsbald die Brot- preise. Das nicht allein! Es zeigt sich auch eine Vergrößerung der Spannung zwischen Getreide- und Brotpreisen. Obwohl die Mehl- ausbeute infolge verbesserter Technik größer geworden ist. muß der Konsument für die Umwandlmig von Getreide in Brot jetzt viel mehr bezahlen als früher. Und wie eine nähere Ve- trachtung des statistischen Materials erkennen läßt, ent- fällt die Steigerung ausschließlich auf den letzten Prozeß. den daS Rohmaterial zu durchlaufen hat, ehe es als Brot an den Konsumenten gelangt. Die Spannung zwischen Ge- treibe- und Mehlpreisen zeigt nämlich eine Tendenz, geringer zu werden. Unter diesem Gesichtswinkel betrachtet, fällt die Brot- Verteuerung um so schwerer ins Gewicht. Die nachfolgende Auf- stellung läßt diese Tendenzen deutlich in die Erscheinung treten. ES werden da in Vergleich gebracht die Großhandelspreise für Getreide und Mehl mit denen für Brot und die auS den Preisverschieden- heiten resultierenden Spannungen. Nach den Börsennotierungen für Getreide und Mehl sowie den Erhebungen de» Statistischen Amts der Stadt Berlin über Brotpreise ergeben sich folgende Zahlen pro 100 Kilogramm in Mark: Die Spannung beträgt zwischen Roggen Roggen Roggen- Roggen- Roggen� mehl brot Roggen 1893 13,37 17,69 21,89 1894 11,77 15,47 20,43 1895 11,98 16,50 20.63 1896 11,88 16,30 20.93 1897 13,01 17.44 22.30 1893 14,63 20,12 25,15 1899 14.60 19,37 24,21 1900 14,26 19.31 23,96 1901 14,07 18,86 24,23 1902 14,42 19.61 24,21 1903 13,23 17,97 23,83 1904 13,51 17,55 23,50 1905 15,19 19,07 24,30 1906 16,06 21,00 27.06 1907 19,32 25,35 30,82 1908 18.65 23.79 31,78 1909 17,65 22,25 30,21 Wir haben hier etwas weit zurück gegriffen, um zu zeigen, daß i» der Verteuerung de» Backerzeugnisses eine gewisse Gesetzmäßigkeit besteht. Diese Tendenz bewirkt, daß die Spannung zwischen Roh- Produkt und Backware nicht gleich bleibt, sie wird ständig größer. Wenn die Brotpreise mit den Gelreidepreisen hinauf- und hinab- Singen, dann müßte im Jahresdurchschnitt ein Ausgleich sich ergeben. ZaS aber zeigt die Aufstellung? Die Brotpreise springen mit den Getreidepreisen hinauf, aber sie folgen den Preissenkungen nicht in dem gleichen AnSmaß. Seit 1895 gehen die Brotpreise fast un- unterbrochen in die Höhe, während die Preis« für Getreide ziemlich und Roggenmehl 4,32 2.70 4,52 4,42 4,43 5,49 4,77 5,05 4,79 5,19 4,74 4,04 3,88 4,94 6,03 5,14 4,60 und Roggen- brot 8,52 8,66 8,65 9,05 9,29 10,52 9,61 9,70 10,16 9,79 10,60 9,99 9.11 11,00 11,50 13,13 12,56 mehl und Roggen- brot 4,20 4,96 4,13 4,63 4,86 5,03 4,84 4,65 5,37 4,60 5,86 5,95 5,23 6,06 5,47 7,99 7,96 � erheblichen Schwankungen unterlagen. Die Preise für Brot sprangen » dabei stärker hinaus als die für Getreide. Infolgedessen erhöht sich auch fortgesetzt die Spannung zwischen den Getreide- und Brotpreisen. Von 8,52 M. im Jahre 1893 ist die Spannung in fast ununterbrochener Folge bis auf 12,56 M. im Jahre 1909 gestiegen. Die Steigerung macht 47,4 Proz. aus. Nun kann man aber nicht sagen, die Brot- Verteuerung, für welche in nur geringem Maße eine sachliche Er- höhung der Produktionskosten vcrnntloortlich gemacht werden kann, sei vorwiegend auf die Mehlprcise im Größhandel zurückzuführen. Die Mehlprcise bleiben nämlich in viel besserer Parallelbewcgung mit den Preissenkungen für Getreide als die Brotpreise; man kann konstatieren, daß die Mehlpreise fogar eine Neigung zeigen, die Spannung gegenüber den Getreidepreisen zu verringern. Die Spannung zwischen Mehl- und Brotpreisen wuchs relativ stärker als die zwischen Getreide- und Brotpreisen. Von 1895 bis 1908 ist beispielsweise die Spannung zwischen Getreide- und Brotp«isen um 54 Proz. gestiegen, dagegen zeigt die Spannung zwischen Mehl- und Brotpreisen ein Anwachsen um 90 Proz. Eine ähnliche Ent- Wickelung zeigt sich bei dem anderen Brotgetreide, wie folgende Tabelle ausweist: Die Spannung beträgt zwischen Weizen- Weizen- Weizen- Weizen Weizen Weizen- preis mehlpreis brotpreis und und mehl und in Mark pro 100 Kilogramm Weizen- Weizen- Weizen- mehl brot brot 1893 15,15 21,40 37,67 6,25 22,52 16,27 1894 13,61 18.00 35,15 5,39 21,54 16.15 1895 14,25 20,70 34,51 6,45 20,26 13.81 1896 15,62 21,90 35.47 6,28 19,85 13,57 1897 17,37' 24,40 37,74 7,03 20,37 13,34 1898 18,55 26,40 42,90 7,85 24,35 16,50 1699 15,52 22,00 41,70 6,48 26,18 19,70 1900 15,18 21,10 41,33 5,92 26,15 20,23 1901 16,36 23,00 41,43 6,64 25,07 18,43 1902 16,31 23,10 41,68 6,79 25,37 18,58 1903 16,11 21,74 41,56 5,63 25,45 19,82 1904 17,44 23,42 41,78 5,98 24,34 18,36 1905 17,48 22,91 42,67 5,43 25,19 19,76 1906 17,96 24,13 44,93 6,17 26,97 20,80 1907 20,63 28,21 49,36 7,58 28,73 21,15 1908 21,12 28,00 58,22 7,88 32,10 25,22 1909 23,39— 54,20— 30,80 Hier tritt die geschilderte Tendenz noch schärfer in die Er- scheinung. Die Brolpreise schnellen mit den Getreidepreisen hinauf, aber sie zeigen keine Neigung, bei der umgekehrten Bewegung sich den Getreidepreisen anzupassen. Zieht man Vergleiche, dann ergibt sich, daß die Spannung zwischen Getreide- und Brotpreisen fast ununterbrochen größer wurde und die Spannung zwischen Brot- und Mehlpreisen schneller wuchs als die zwischen Brot- und Getreide- preisen. Von 1897 bis 1903 ist die Spannung zwischen Weizen- und Weizenbrotpreisen um 11,73 M. gleich 57 Proz. gewachsen: die Erhöhung der Spannung zwischen Mehl- und Brotpreiscn macht dagegen 11,88 SM. gleich rund 90 Proz. aus. Wie wenig die Brot- preise bei abschwächender Tendenz den Getreidepreisen folgen, illustriert auch nachfolgende Zusammenstellung: Weizen Weizenbrot Januar März Januar März 1909... 20,97 23,08 51,67 52,07 1910... 22,71 22,40 55,02 55,02 Roggen Roggenbrot Januar März Januar März 1909... 16.74 17,77 29,44 29,14 1910... 16,70 15,69 29,42 28,65 Die Wcizenbrotpreise hatten im März von ihrem Höchststande im Januar dieses JahreS noch gar nichts eingebüßt, obwohl der Preis für Ge- treibe um 0.31 M. gesunken war. Der Preis für Roggenbrot ist zwar zurückgegangen, aber auch hier entspricht der Rückgang nicht dem Preisfall für Getreide. Dabei muß dann weiter noch berück- sichtigt werden, daß die Brotpreiserhöhungen über die Verteuerung des Getreides weit hinausgeschossen waren. Kein Zweifel: der Profil der Bäcker ist bedeutend gestiegen! Die Konsumenten haben alle Veranlassung, gegen die Brotwucherer energisch Stellung zu nehmen. /Ulis der frauenbewegung. Die Frauen im Wahlrechtskampf- Ueber dieses Thema sprach Genossin Luise Z i e tz am Freitag in einer für den dritten Wahlkreis nach den Arminhallen einberufenen öffentlichen Frauenversammlung. Vielleicht werde, meinte die Rednerin, der eine oder andere eS verwunderlich finden, daß wir uns jetzt noch mit dem Thema be- schäftigtcn, besonders nachdem nunmehr die Regierung die Wahl- rechtsvorlage zurückgezogen habe und der parlamentarische Kampf um die Wahlrechtsreform vorläufig zu Ende sei. Stets sei aber von uns betont worden: mag der augenblickliche Kampf um die preußische Wahlrechtsreform ausgehen wie er will, sicherlich wird der Ausgang den Wünschen der großen Masse des Volkes nicht entsprechen! Unser Wahlrechtskampf werde mit erneuter Wucht fortgesetzt werden. So sei jetzt unser Ruf: Die„Wahlreform" der Regierung ist begraben, es lebe der Wahlrechtskampf in Preußen!— Wenn auch kein positiver Erfolg erzielt sei, könnten wir doch mit dem bisherigen Verlauf unseres Wahlrechtskampfes zufrieden sein. Er habe einen Umfang und eine Intensität an- genommen, woran man noch vor etwa sechs Jahren gar nicht habe denken können. Erfreulicherweise hätten auch die Frauen ein großes Kontingent von Wahlrechtskämpfern gestellt. Rednerin geht aus die einzelnen Etappen des Kampses ein und zeigt, wie die Empörung der entrechteten VolkSmassen wuchs und wachsen mußte, nmnentlich seitdem der Wechselbalg der Regierungsvorlage da war und an ihm herumkuriert wurde mit dem offenbaren Be- streben, die arbeitende Klasse nach Möglichkeit in der Entrechtung zu erhalten. Wozu dann noch Hohn und Gewaltstreiche der Hand- langer der herrschenden Klassen gekommen seien. Rednerin gab dann ein Bild von der politischen Situation, die durch den ganzen Verlaus des preuhischen WahlrechtLkampfes hell beleuchtet worden sei. Dabei würdigte sie auch das Verhalten der verschiedenen bürgerlichen Parteien. Aus den Erscheinungen des sozialen und politischen Lebens zog sie den Schluß, daß wir uns nur auf die Macht und Stärke einer zum Klassenbewußtsein herangereiften Arbeiter- schaft verlassen könnten, wenn wir eine Wahlreform wollten, wie sie allein unseren Wünschen entspreche: das allgemeine, gleiche, geheime und direkte Wahlrecht für alle Männer und Frauen vom zwanzigsten Jahre an! Darum sei es wichtig, in der Agitation nicht zu erlahmen, sie überall hinzutragen, wo Männer und Frauen im Dienste des Kapitals fronden. Wer für Freiheit und Recht strebe, könne nur an der Seite der Sozialdemokratie kämpfen. Schon jetzt müßten die nächsten Reichstagswahlen vorbereitet werden. Sie müßten eine gründliche und gewaltige Abrechnung mit den bürgerlichen Parteien werden. Wenn die Sozialdemo- kratie in noch nicht gesehener Zahl in den Reichstag einziehe, werde ein neuer Vorstoß auch in Preußen möglich sein. Um zu zeigen, welches ganz hervorragende Interesse die Frauen, sowohl als Erwerbstätige wie als Mütter und Gattinnen, an der Ver- tretung im preußischen Landtage hätten, widmete Rednerin einen weiteren Teil ihres Vortrages den Aufgaben des preußischen Landesparlamenis. Sie wies naeb. daß die Frauen einen Rechts- anspruch darauf hätten, hier mitzuratcn und mitzutaten. Die Frauen Wüßten mithelfen, diejenigen heranzuziehen, die noch fernständen. Man denke an all die höhnischen Provokationen der letzten Zeit. Und wo s i e noch nicht Empörung hervorriefen, da erinnere man daran, daß bei dem Wahlrechtskampf in Preußen Arbeiter-, Arbeiterinnen- und Kinderblut geflossen sei und das Straßenpflaster in einer Reihe von Städten rot gefärbt habe. Dies Blut müsse einem jeden Tag�vor Augen stehen und die Empörung sich aufs höchste steigern. Sie erinnere an den Schwur, daß der Wahlrechtskampf nicht eher werde sein Ende erreicht haben, bis das allgemeine, gleiche, geheime und direkte Wahlrecht in Preußen erkämpft worden sei. Gerade am heutigen Tage, wo durch die Verscharrung der Wahlrechtsvorlage der Weg frei geworden sei, müsse der Schwur erneuert werden. Die Agitation für eine glänzende Abrechnung bei der nächsten Reichstogswahl sei die beste Form des Kampfes auch für die Durchsetzung einer Wahlrechtsreform in Preußen. Zlber man dürfe nicht nur�baran denken, Wähler zu gewinnen, sondern besonders auch daran. Sozial- demokratcn und Sozialdemokratinnen zu erziehen. In diesem Sinne wollen wir den Wahlrechtskampf weiterführen. Fördern wir unsere Organisation und machen wir uns stark zur Erkämpfung staatsbürgerlicher Rechte; setzen wir den Kampf fort, bis wir die politische Macht erobert haben und mit ihrer Hilfe den Kapitalis- mus beseitigen und den Sozialismus herbeiführen können.(An- haltender stürmischer Beifall.) In der folgenden Diskussion sprachen mehrere Genossinnen und ein Genosse im selben Sinne, indem zugleich der Anschluß an den Wahlverein und die Förderung der Arbeiterpresse empfohlen wurde. Ein Genosse regte an, die Frauen möchten, damit den bürgerlichen Frauenblättern, wie der„Hausfrau" und„Dies Blatt gehört der Hausfrau", Konkurrenz gemacht werde, sich für eine entsprechende' Ausgestaltung der„Gleichheit" ins Zeug legen. ES ließe sich ganz gut eine Modebeilage mit Schnittmustern usw. schaffen. In ihrem Schlußwort erklärte dazu Genossin Z i e tz, daß eine Ausgestaltung der„Gleichheit" nicht wohl angängig sei, daß aber ein entsprechendes Blatt besonders geschaffen werden könnte. Man habe auch schon einmal darüber Erwägungen angestellt, sei aber noch nicht zu einer Entscheidung gelangt. Dem Genossen sei zu empfehlen, seine Anregung im Wahlvercin bei Stellung- nähme zum Parteitag in Form eines Antrages neu vorzubringen. Rednerin gedachte dann noch des gewaltigen Kampfes im Bau- gewerbe und trat für die Unterstützung der Ausgesperrten ein. Versamin hingen— Veranstaltungen. Verein für Frauen und Mädchen der Arbeiterklasse. Mittwoch, den 1. Juni, 8� Uhr, im Neuen Klubhaus, Kommandanten- straße 72. Vortrag. Fr. Bohn-Schuch:„Sexuelle Auf- klärung". Nixdorf. Dienstag, den 31. Mai, 814 Uhr, in Hoppes Festsälen, Hermannstr. 49, öffentliche Frauenversainmlung.„Kinder- Mißhandlung und Kinderschutz". Referent: Genosse Simon Katzenstein._ vllocken-Spielplan der Berliner Cheaücr. Königl. OPernkmuS. Geschlossen. KSnigl. SchansPielbouS. Sonntag: Wie die Mten fungen. Montag: König Richard III. Dienstag: Doktor Klaus. Mittwoch: Die Karolinger. Donnerstag: Bürgerlich und romantisch. Freitag: Der Mennonit. Sonnabend: Die Journalisten. Sonntag: Bürgerlich und romantisch. Montag: Die Oulhows. Anfang 7'/, Uhr. Neues königl. Opern> Theater. Sonntag: DaS Rheingold. Montag: Die Walküre.(Slnsang 7 Uhr.) Dienstag: Marie, die Tochter des Regiments. Di» Puppensec. Mittwoch: Siegfried.(Ansang 7 Uhr.) Donnerstag: La Traviata. Freitag: Götterdämmerung.(Ans. 61/, Uhr.) Sonnabend: Cavalleria rasticana. Bajazzi. Sonntag: Tannhäuser. Montag: Die Fledermaus. Ansang 7% Uhr. Deutsches Theater. Sonntag: Judih. Montag: Faust. Dienstag': Judith. Mittwoch. Donnerstag. Freitag, � Sonnabend, Sonntag, Montag: lieber unsere Kraft. Ansang 8 Uhr. Deutsches Theater kKammerspiele). Sonntag, Montag, Dienstag: Gastspiel der„Hölle" aus Wien: Brüderlew-sein. Goethe. Mittwoch: Geschlossen. Vom DonnerStrg ab täglich: Jakob und Kriftosser. Ansang 8 Uhr. Lessliig- Theater. Sonntag nachmittags 3 Uhr: Rosenmontag Abends: Die Frau vom Meere. Montag: Das Konzert. Dienstag: Hedda Gabler. Vom Mittwoch ab täglich: Kasernenlust. Slnsang S Uhr. Berliner Theater. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Pension Schöller. Abend» bis auf weiteres: Taifun. Ansang 8 Uhr. Neues Theater. Täglich: Die goldene Nittcrzeit. Neues Schauspielhaus. Täglich: Der Flieger. Ansang 8 Uhr. Hebbel< Theater. Täglich: Gewehr ab. Ansang 81/, Uhr. Komische Oper. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Zigeunerliebe. Abend!: Galathee. Montag: Der polnische Jude. Dienstag: Zierpuppen. Mitt- woch: Die Zaubcrslöte. Donnerstag und Freitag: Zierpuppen. Sonn- abend: Der polnische Jude. Sonntag: Galathee. Montag: RobinS Ende. Divertissement. Ansang 8 Uhr. Thalia-Theatcr. Allabendlich: Glück bei Frauen. Ansang 8 Uhr. Montag und DienSIag: Geschlossen. Kleines Theater. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Der große Name. Abends bis nächsten Montag: Nur ein Traum. Ansang 8 Uhr. Nächsten Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Moral Theater des Westens. Sonntag, nachmittyg 3'/, Uhr: Tanz- Husaren. Abends: Die geschiedene Frau. Montag und Dienstag: Die ge> schiedene Frau. Ansang 8 Ubr. Schiller-Theater O. Sonntag, nachmittag» 3 Uhr: Viel Lärmen um Nichts. Abends: Narziß. Montag: Die Katakomben. Dienstag: tapsenstreich. Mittwoch: Die Liebe wacht. Donnerstag: Die zärtlichen erwandten. In Zivil. Freitag: Die Liebe wacht. Sonnabend und SomUag: Der Bibliothekar. Montag: Die zärtlichen Verwandten. In Zivil. Slnsang 8 Uhr. Schiller. Theater Charlottenburg. Sonnlag, nachmittags 3 Uhr: Der Meineidbauer. Abends: Die Ehre. Montag: Zapfenstreich. Dienstag: Miß HobbS. Mittwoch: Die zärtlichen Verwandten. In Zivil. Donners- tag: Die Liebe wacht. Freitag und Sonnabend: Die zärtlichen Ver- wandten. In Zivil. Nächsten Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Zapfenstreich. Abends: Die zärtliche» Verwandten. In Zivil. Montag: Die Katakomben. Ansang 8 Uhr. Friedrich< Wilhelmstädtisches Schauspielhaus. Sonntag, nach- mittags 3 Uhr: Die Jungsrau von Orleans. Allabendlich: Der Biel» geliebte. Slnsang 8 Uhr. Bolksoper. Zlllabendllch: Heimkehr. Ansang 8'/» Uhr. Luisen- Theater. Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Was Gott zu- sammensügt. SlbendS: Die Waise auS Lowood. Montag und DienSIag: Geschlossen. Vom Mittwoch ab täglich: Lena Warnsteiteii. Nächsten Sonntag,»achnnttagS 3 Ubr: Die Sünde des Priesters. Ansang 8 Uhr. NcneS Operetten- Theater. Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Die Dollarprinzessin. Allabendlich: Der Gras von Luxemburg. Slnsang 8 Uhr. Nächsten Sonnlagnachmittag 3 Uhr: Die Dollarprinzessin. Residenz-Thcatcr. Allabendlich: DaS Nachtlicht. Der selige Oktave. Ansang 8 Uhr. Lustspielhan». Sonntagnachmittag 3 Uhr: Der dmckle Punkt. All- abendlich und nächsten Sonntagnachmittag 3 Uhr: DaS LcutnantSmündel Anfang 8 Ubr. Rose-Tyeater. Allabendlich: Die Schmuggler. Ansang 8 Uhr. Trianon- Theater. Allabendstch bis Dienstag: Theodore u. Sie. Anfang 8 Uhr. Kastno-Theater. Allabendlich: Familie August Knoche. Ansang 8 Uhr. Gebr. Herrufeld-Theater. Allabendlich: Wenn Zwei dasselbe tun. Die Welt geht unter. Ansang 8 Uhr. Apollo-Tbcater. Allabendlich: Mahara. Spezialitäten. Ansang 8 Uhr. FolicS Eaprire. Allabendlich: Der gewisse Augenblick. Eine gründ- liche Kur. Anfang 8'/, Uhr. Mctropol< Theater. Allabendlich: Hallo I Die große Revue! Ansang 8 Uhr. Passage- Theater. Sonntag, nachmittags 3 Uhr? Spezialitäten. Allabendlich: Spezialitäten. Anfang 8 Uhr. Wintergarten. Allabendlich: Spezialitäten. Anfang 8 Uhr. Urania-Theaier. Taiibenstv. 48/49. Sonniaa: Von der Zugspitze zum Watzmann. Montag: In den Dolomiten. Dienstag: Bilder aus dem heimischen Tierlcbcn. Mittwoch: Im Firnenglanz dcS Obercngadin. Donnerstag: In den Doloiniten. Freitag: Im Lande der MitternachlS- sonne. Sonnabend: In den Doloniüen. Somttag: Im Lande der MitlcrnachlSsonne. Montag: Unbestimmt. Anjang 8 Uhr. Sternwarte, Jnvalidcnsir. 57— es. Theater und Vergnügungen (Siehe Wochen- Spielplan.) Sonntag, dm 2S. M a t, nachmittags 3 Uhr: Freie Volksbühne. Neues Scham jpielhauS. 13.'Abteilung a, b, c: Bnnbory(Erlitt(ein). Thalia-Theater. 5. Abteilung c, d und 6. Abteilung a, b: Der Dorf thrann. Montag, den 30. Mai, 8 Uhr: 17.(IV) Abenoabteilung im Reut« Schauspielhaus: Der Flieger.— Ersatz Vorstellung im Thalia« Theater. 5. Abt. e. ä: ö. Abt. », b: Die Pariserin. Dienstag, den 3l. Mai, 8 Uhr: E r s a tz Vorstellung. 6. Abt. o, 6: 7. Abt. a, b: Die Pariserin. Reue Freie Volksbühne. Am Sonntag, den 29. Mai, nachm. 2'/, Uhr, im Deutsche» Theater: Medeo. Nachm. 3 Uhr: NeueS Thruier: Mütter. Neues Operetten- Theater: Die anna Jagert. jension Schöller. Charlottenburg: Dollarprinzessin. tebbel- Theater: erlincr Theater Schiller- Theater x>er Meineidbauer. Schiller-Theater 0.: Biel Lärmen um Nichts. Aricdr.-Wilhelmstädt. Schauspielhaus: Die Jungsrau von Orleans. Kleines Theater: Der große Name. Metropol-Theater: Drei Paar Schuhe. Abends VI, Uhr; Deutsches Theater: Judith. �essinx-Hieatef. 3 Uhr: Roscnmontag. Abends S Uhr: Die Frau vom Meere. Montag, 9 Uhr: Das Konzert. berliner Theater. Heute S Uhr: Tlllfllll« Nachm. 3 Uhr: Pension Schöller. Neues Theater. Abends 8 Uhr: Die goldene Ritterzeit. Morgen und folgende Tage: Die Bolrtcne BtUteraeit. Theater des Westens. Zlbd. 8 Uhr: Die geschiedene Fran. Nachm. 3'/« U. halbe Preise: Danz» Husaren.— Dienstag, den 31. Mai: Letzte Vorstellung vor den Ferien. Reue» Operetten-Theater. Heute und folgende Tage 8 Uhr: De» Gras von Luxemburg. Sonntag nachmittag 3 Uhr, zu er« mäßigt. Preisen: Die Dollarprinzessin. Volksoper. 8W., Selle.Alltancc.Straße Str. 7/8. ZlbendS 8 Uhr: Heimkehr. Residenz-Theater Direktion: Richard Alexander. Abends 8 Uhr: Das Nachtlicht. Schwant in 8 Akten v. M. Zamacol». Hieraus: Der»ellxe Oktave. Groteske in 1 Akt von Hve« Mtraude und Hmry Gsroule. mgr Sommerpreisc.-WK Morgen und folgende Tage: Tie selbe Vorstellung._ Luisen-Theater. Nachmittags 3 Uhr: Was Gott lusamnltufügt Schauspiel in S Akten von Eilisi Ritt-rsrldt. Ab-ndS 8 Uhr: Die Woise ans Fowood. Schauspiel in S Allen von Charlotte Birch-Psetsser. Montag und Dienstag wegm Bor- bereitungen gcichlossen. friedrieh-WilhsImstSdtlsvhes Sohelispielhans. Sonnlag, 29. Mai, abends 8 Uhr: Der Bielgeliebte. Schwant in vier Allen von Alfred Schmasow und Karl Heinz. Nachm. 3 Uhr: Die Jungsrau von Orleans. Morgen und folgende Tage: Der Vielgeliebte. OK-THHUTC Große Frantsurter Str. 182. Ans. 8 Uhr. Ende 1l Uhr. Die Schml!.qg!er. 1 Komödie in 4 Alten vo» A. Dinier. Aus der Wartenbühne: Theater- Vorstellung. Austret. erstklassiger Spezialttüten, großes Garten- Konzert. Ansang t>/, Uhr. Sonu- tags 4 Uhr._ Folies Caprice I�Tur noch wenige Cage: Der gewisse iugenblick Bunter Ceil Eine grundliche Kur. Mittwoch: Premiere; fier pikante heitere Einakter. Urania. Wissenschaftliches Theater Taubenstr. 48/49. Abends 8 Uhr: Von der Zugspitze zum Watzmann. Montag 8 Uhr': In den Dolomitos. • LOCISCHglR � GARTEN Heute Sonntag: — Eintritt 60 Ps.— Kinder unter 10 Jahren e, die Hässlc. 'I Ab nachmittags 4 Uhr: �ililäi'-lloVckMei'!. Morgen sowie täglich: Le. Konzori. Berliner Agusriuni Unter den Linden 68a Eingang Schadow-StraßeNo.ll Heute Sonntag Eintrittspreis; 25 Pf,_ 'Keichhaltigste Ausstellung der Welt an lebenden Seetieron, Reptilien etc. 67/20 �ssssa Castans Panopticom Friedrichstr. 163(Psohorrpal.) 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Donnerstag; Kais. Alezand. Gardo-Gron-Rgt"o. I Obermusikmeister Hr. Neumann, Freitag: III. Garde-Feldartilleria-Reglment Obermusikmstr. Hr. bpiogelberg, Ronnabend: Ehem. Hobolsten des Garde-Korpa Dirigent; Herr Riemann. Sonntag bei vollbe». Orchester: Ehem. Hobolsten des Garde-Kerpi Dirigent: Herr Riomann. Montag, Donnerstag, Sonntag: Tanz-Reunion. Rur den Inhal»»er In, erat« übernimmt die Redaktion de» Publikum gegenüber keinerlei Lcranttooriung. Schwarzer Richard Arnhold. Frankfarter Chaussee 5. h Gr. Garten-Konzert Jeden Sonntag Dirigent: Otto Jung und mit Gr. Spezialitäten-Vorstelluns Charlottenburg:. Am Dienstag, den 31. Mai, abends 8 Uhr, im großen Saale des„Volkshans es", Rosinenstraße 3: Oeffentliche Versammlung. TageS. Ordnnng: „Der Wahlrechtskampl."»efaentin: G-nosfin Rosa Luxemburg. Kor erste Kräfte! Franz �obanski. Zsnr erste Kräfte! Diskussio». Zu zahlreichem Besuch ladet ein Jm Großer Ball. Saale: , Volksbclastlgnngen aller Art. Die KafTeeküche ist von S Uhr an geö&net. 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Juni, abends 8'/, Uhr, bei Boeker, Weberstr. 17: KWbillinte Mitzlikdkr-Rkrftmmlmiz. TageS-Ordnung: 1. Bericht von der Gaukonserenz, 2. DiSkusston. 3. Neuwahl der Gau. kommission. 4. Bericht über die Schlußverhuudlungen mit der Jnnmig. 5. Verschiedenes. 169/16 Die Ortsvcrwaltung. Steinarbeiter. Mittwoch, den 1. Juni, abends 8 Uhr, in den Armin- hallen, Kommandantenstr. 38: KomMnierte Versammlung. Tagesordnung: 1. Benchterstattung vom Verbandstage durch die Delegierten Hanschke und Ohngemach. 2. DiSkussion. 3. Verschiedenes. In dieser Versammlung sind auch die Adrcffenändcrungen für die Zu- stellung deS.Steinarveiter' zu bewirken.— Kollegen aller Branchen! Er- scheint ohne Ausnahme!_ 17i;U; Tic OrtSverwaltung. Bitte ausschneiden! Bitte ausschneiden! «b-. Abfahrtstell- Schilliugsbriick- vrak (au, Schiesichen Bahnhof),»v Billige Dampfers Extralahrten mit niulk. tih. hu. o. miit i ns, Wolfersdorjer Schleuse. SÄTUSTÄ Nene Mühle. AG-'*- Woltersdorjer Schleuse. N" Fahrgäste zahlen rein Entree. R, Tlsmer. Ncliöifteberg�. (Sozialdemokratislher Mahlvemn.) Dienstag, den 31. Mai 1310. abends 8Vz Uhr: Mitglieder Versammlung in den ,�l>keiRe» Rathaassälea", Meininger Str. 8. Tages- Ordnung: 1. Vortrag der Genossin Luise ZIetz über:„Gewinnung der Frauen für die Partei eine Notwendigkeit*. 2. VereinsangetegenHeiien. 3. Verschiedenes. 15/00__ Der Vorstand. Verband der Sattler und Portefeuiller. == Ortsverwaltung Serlin. 1 Die nächsten Branchenversammlungen sinden an aachsolgendcn Tagen statt: Gtfchirr-Sravcht: Donnerstag, den L. Juni, abends s>,, Uhr. im Englischen Hof, Neue Roßftr. 3. P,tich,«e«<». Snse-ckid-lhmcht: bei Graamann, Naunynstr. 27. MiMr-Krauche: Mittwoch, den 1. Juni, abends 6 Uhr. im Englische» Garten, Alexanderfir. 27 e. lst-leml-ski ,. kepxichuiihkr:* bei Weihnacht, Grünstr. 21. Wllgek-Srnndjt: Mittwoch, den l. Juni, abends S'/, Uhr, im Gewerkschaftshause, Engelufer 15. Eistnmöbtl- u. Ledtrstllhlpolsttrer: bei Walter. Adalbertstr. 62. SeKtillv Eharlottkilburg: Mittwoch, den l, Juni, abends s-/- Uhr. im Volkshanse. Rosinenstr. 3. 156/16 Sonntag, den S3. Juni: SroKezZommerfest im Garten der Brauerei„Friedrichshaiw* am Königstor. Mitwirkende: Berliner Stnfonie-Orcheftrr(Dlrig. NarimIIIin Fischer). „Berliner Männerchor*(Dirig, Franz Sethe). Männergesangveretn„Borwärt»* 1„u(. Gemischter«Hör„Vorwärts* 1 ntt8 Berliner Ulk-Drio. Jm Hinteren Teil de« Marien« für Kinder Kaspertheater. Bei ein. jedeS Kiu tretender Dunkelheit groller Faekrlzug. wozu trolle einen Von gratis erhält. lud an der Kon. Von 5 Uhr ab im großen Saale Dann gegen 60 Pf. Nachzahlung. ■Mr Die Kaffertnchc ist von 3-6 Uhr gebffnet.-RH ErUfl'uung 3 Uhr. Anfang A Uhr. Eintrittskarten im Vorverkauf 25 Pf,, an der Kaff« 30 Ps, Dieselben sind im Bureau, sowie bei den Vertrauensleuten zu haben. 150/17 Rege Beteillguiig erwartet DaS Komitee. Venvaltwiff BerUn. Montag, den 30. Mai, abends 8V3 Uhr: Kombinierte Versammlung in den AndreaS-Feftsälen, AndreaSstr. S1. Sämtliche Funktionäre de» Verbandes mtissen anwesend sei»« Mittwoch, den 1. Juni: VertrsuenZmiinner-Verzsmmlunsen der Bezirke und Branche«. Kjichenmöbel-Kranche! TienStag. den»1. Mai. abends 8 Uhr. im.Englische»«arte»*, Zllexanderslr. 27c: ---' Versammlung:.— TageS-Ordnung: 1. Vortrag de» Kollegen lllingner. S. Bericht Von der letzten General» Versammlung. 3. Branchenangelegenheit._ MM- Die Vororte sind hierzu eingeladen. Mitgliedsbuch legitimiert.*W> Lins etTvr! Mittwoch, den 1. Juni, abendS 6'/, Uhr. im„GewerkschaftöhanS*. Engeluser 14, Eing. B, Saal 4, Arbeitslosenraum: Mitglieder-Versammlung. TageS-Ordnung: 1. Die Bestimmungen deS Vertrage» über den Arbettlnachwei« und unser femer-S Verhalten. 2. Bericht von der Generalversammlung. 3. Dahl eines Branchen-ObmanneS. 4. Verschiedenes. 84/3 Die Kollegen des VI. Bezirks werden hiermit besonder» eingeladen. W. 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In der Debatte wurden die alten Klagen laut über die Nichtauf- nähme oder Kürzung von Berichten. Ueber die Gewerkschaftskongresse von Hamburg und Berlin erstatten die Gauleiter H e i n e- Leipzig und Ritter- Mannheim Bericht. Es wurde einstimmig eine Resolution angenommen, die stch mit den Beschlüssen einverstanden erklärt. Zur ReichSversichrrungsordnung wurde einstimmig folgende Resolution angenommen: „Die 12. Generalversammlung des Zentralverbandes aller in der Schmiederei beschäftigten Personen erklärt sich mit den Beschlüssen des ausserordentlichen(siebenten) Gewerkschaftskongresses woll und ganz einverstanden. �jn Sachen des Entwurfes zur ReichSversicherunaSordnung kann die Generalversammlung die Erfüllung der auf Vereinheit- lichung, Erweiterung und Verbesserung der Arbeiterversicherung gerichteten Bestrebungen der Arbeiterklasse nicht erblicken. Der Entwurf bringt auf dem Gebiete der Krankenversiche- rung schwere Eingriffe in die Selbstverwaltung der Kranken- »assen. Er erhält die Sonderstellung der von den Arbeitgebern verwalteten Betriebs- und Jnnungskrankeniassen aufrecht und schliesst in den neu zu errichtenden Landkrankenkasscn jede Selbst Verwaltung der Versicherten aus. Die Generalversammlung pro- testiert gegen diese Entrechtungsversuche und weist dieselben mit grösster Entschiedenheit zurück. Für die Unfallversicherung bringt der Entwurf fast nur Berschlechterungen, vor allem durch die Beseitigung des Rekurses an das RcichSversicherungsamt und durch Einführung von Renten auf Zeit. Die Nachteile dieser Bestimmungen für die Versicherten sind so grosse, dass die Arbeiterschaft eine solche Reform ablehnen muss. Hinsichtlich der Invalidenversicherung enthält der Entwurf zwar die Anfänge einer Hinterbliebenenversichcrung und einer Zusatzversicherung zur Invalidenrente; gleichwohl läht er jede zeitgemässe Erleichterung des Rcntcnbezuges vermissen. Auch ist die von weiten Kreisen geforderte Angliederung der Versicherung der Privatangestellten nicht berücksichtigt worden. Die vom Eni- wurf vorgeschlagene Lösung der Witwenversicherung entspricht nicht dem vom Reichstag beschlossenen Gesetz, daS eine Versiche- rung aller Arbeiterwitwen, nicht bloss der invaliden Witwen, fordert. Der Verbandstag protestiert auch gegen die vom Entwurf der Reichsversicherungsordnung geplante Belastung der Arbeiter. Versicherung mit einem kostspieligen bureaukratischen Beamten- apparat, der zudem eine stete Gefahr für die ohnehin geringen Sclbstverwaltungsrechte der Versicherten in sich birgt. Der VcrbandStag fordert die Kollcgenschafi auf, vereint mit der ganzen Arbeiterklasse gegen diesen Entwurf Stellung zu nehmen. Nicht Entrechtung der Versicherten, sondern Sicherung der Selbstverwaltung, nicht Verschlechterungen der Leistungen, sondern Erweiterung und Verbesserung derselben muh das Leit- motiv einer gesunden Reform sein!" Ebenso einmütig und ohne Debatte votierte die Versammlung fasste der Vorsitzende Lange seine Ausführungen in folgende Resolution zusammen: für die Bauarbeiter folgende Resolution: „In Sachen der Bauarbeiteraussperrung spricht die General- Versammlung den aalsgesperrten ArbcitSbrüdern ihre vollste Sym- pathie aus. Der Kampf der organisierten Bauarbeiter ist der Kampf uni die Aufrechterhaltung der gewerkschaftlichen Organi- sation und daher ein Kampf für die Grundrechte der Arbeiter- klassc. Die Generalversammlung schlicht sich der SolidaritätS- bczcugung der gesamten deutschen Gewerkschaften an und be- schliesst, die baugewerblichen Arbeiter in ihrem Kampfe gegen das Unternehmertum moralisch und finanziell nach allen Kräften zu unterstützen. Die Generalversammlungsteilnehmer werden verpflichtet, in diesem Sinne zu wirken." Zum Punkte Gewerkschaftliche Taktik (.1. Di« in München stattfindende 12. Generqlversammlung erkennt aufs neue an, dass die Lohn- und Arbeitsbedingungen des gesamten Schmiedcgewerbes einer dringenden Verbesserung be- dürfen.' Da aber den Bestrebungen der Arbeiterorganisationen auf Hebung der wirtschaftlichen Lage der Arbeiterschaft seitens des «rganisicrien Unternehmertums der grösste Widerstand entgegen- gesetzt wird, ist eS eine dringende Notwendigkeit— analog den bisherigen Grundsätzen unseres Verbandes folgend— mehr als bisher durch gute Disziplin in unseren Reihen die berechtigten Forderungen der Arbeiterschaft im Schmiedegewerbe zur Geltung zu bringen. 2. Tarifliche Regelungen der Lohn- und Arbeitsverhältnisse durch korporative Verträge der beiderseitigen Organisationen der Arbeiter und Arbeitgeber sind empfehlenswert und für unser Gewerbe als durchführbar anzusehen. Da aber vielfach der Wille der Arbeiter infolge Ueberlegenbcit der wirtschaftlichen Stellung der Arbeitgeber nicht in vollem Masse Berücksichtigung findet und dadurch Bestimmungen in den Verträgen Aufnahme finden, welche auf eine freie, reelle Vereinbarung keinen Anspruch er- heben können, so ist darauf hinzuwirken, nur kurzfristige Vcr. träge abzuschliessen, damit Verbesserungen an diesen nicht auf längere Zeit unterbunden werden können. 3. Di« Dauer der Arbeitszeit ist wegen der schweren phy- fischen Arbeit zu verkürzen und auf S Stunden herabzusetzen. 4. Di« Arbeiterschutzbcstimmungcn der Gewerbeordnung reichen nicht aus, um wirksam das Leben und die Gesundheit der Arbeiter zu schützen. Dies gilt besonders von der am 1. Ja- nuar 1910 in Kraft getretenen Verordnung betr. den Betrieb der Anlagen der Groheisenindustrie. Diese Verordnung ist nicht geeignet, eine Beseitigung oder Einschränkung der Ueberarbeit und Ueberschichten herbeizuführen. Auch die Werkstätten und Arbeitsräume in ihrer Beschaffenheit sind äusserst mangelhaft »nd ungenügend. Es fehlt hier ein Erlah von reichsgesctzlichen Borschriften mit der Massgab«, wo nach Zahl der beschäftigten Arbeiter ein ausreichender Luftraum vorhanden sein mutz. Andererseits muss auch Vorsorg« getroffen werden, dass Staub, Rauch und verdorbene Luft entfernt werden. 5. Desgleichen ist zu fordern: Heranziehung von fach- kundigen Arbeitern zur lleberwachung der Arbeiterschutzbestim- mungcn und Unfallverhütungen. 6. Ausgehend vo» diesem Grundsatze beschli«sst die General- Versammlung, durch gewerkschaftliche Eingaben an Behörden und Parlamente usw. dahin wirken zu wollen, dass bessere moderne Verhältnisse geschaffen werden." Hierauf erstattete die K»minissi»n fUr die BerschmelzungSsrage Gericht. Siering- Berlin begründete kurz folgende Resolutisn: _„Tie 12. Generalversammlung nimmt Stellung zu den vor- schlügen des Vorstandes des Deutschen Metallarbeiter-VerbandeS und erklärt, diese» Vorschlägen nicht zustimme« zu tonne». Da- gegen erklärt sich die Generalversammlung im Prinzip für eine Verschmelzung mit dem Deutschen Metallarbeiter-Verband, um dem Bestreben zur Schaffung einer Einheitsorganisation Rech- nung zu tragen. Der Zentralvorstand, in Verbindung mit dem Vorsitzenden deS Ausschusses werden ermächtigt, mit dem Vorstand des Deutschen Metallarbeiter-Verbandes in erneute Verhandlungen einzutreten. Di- Generalversammlung erwartet, dass der Vorstand deS Deutschen Metallarbeiter-Verbandcs bei diesen Ver- Handlungen der besonderen Lage der Schmiede durch Einräumung besonderer Rechte Rechnung tragen wird. Das Ergebnis dieser � Verhandlungen ist zunächst der Generalversammlung des Deutschen Metallarbeiter-VerbandeS borzulegen. Hat diese ihre Zustimmung zu den Vereinbarungen gegeben, wird das Ergebnis den Mitgliedern des Zentral- Verbandes aller in der Schmicderei beschäftigten Personen zu einer Urabstimmung vorgelegt. Die Vereinbarung gilt als angenommen, wenn die Mitglied- schaft mit Dreifünftel-Majorität derselben zustimmt. Ist die Verschmelzung durch die Urabstimmung beschlossen, so sind die endgültigen Formalitäten durch einen ausservrdent- tichcn Verbandstag zu erledigen." Von einer Diskussion über diese Resolution wurde abgesehen und diese mit 30 Stimmen, bei einigen Stimmenthaltungen, an- genommen. Dadurch sind die zur Vcrschmelzungsfrage gestellten Anträge erledigt. Zur Maifeier begründete Lange folgende Resolution, die ebenfalls an- genommen wurde. „1. Als Grundlage der Maifeier gelten die Beschlüsse der Parteitage und Gewerkschaftskongresse. Da nun Parteivorstand und Generalkommission ihrem Auftrage gemäss eine Regelung getroffen haben, wonach die Form der Feier und damit in Per- bindung stehende Unterstützung geregelt ist, beschlicsst die Generalversammlung, die Anordnungen des PartcivorstandeS und der Generalkommission als matzgebend anzuerkennen. 2. Die Beschlüsse über die Maifeier, welche auf den früheren Generalversammlungen gefatzt wurden, werden hiermit auf- gehoben." Zum Internationalen Arbeiterkongrcß in Kopenhagen wurden per Akklamation B a s n e r- Berlin und KampS- Hamburg dele- giert und zur internationalen Metallarbeiter» Konferenz in Linden L a n g e- Hamburg und Siering. Berlin gewählt. Ueber die Revision des BcrbandSstatutS referierte K a m p S- Hamburg. Er plädierte, um eine Gesundung der VerbcmdSfinanzen herbeizuführen, dafür, den Beitrag um S Pf. zu erhöhen, die Bezugsdauer der Krankenunterstützung auf 60 Tage zu reduzieren und eine kleine Einschrän- kung der Umzugsunterstützung vorzunehmen. In der Generaldiskussion schlägt Kassierer Schrei- ber vor, die Leistungen nicht herabzusetzen, dafür aber den Bei, trag um 10 Pf. zu erhöhen. Beschlossen wurde: die Beiträge um ö Pf. zu erhöhen und in der 1. Klasse auf 65 Pf. und in der 2. Klasse auf 45 Pf. festzusetzen. Für jugendliche und weibliche Mitglieder bleibt der Beitrag 2b Pf. Kiertkr Verbaiidstlig des Jeatkalverbandtt der Steinarbeiter DenWands. E i f e n a ch, 27. Mai. Fünfter Berhandlungstag. Die heutigen Verhandlungen sind der Agitation und Organisation gewidmet. ES liegen Anträge auf möglichste Beseitigung der be- soldeten Gauleiter vor. Andere Anträge wollen die Gaue teilen und noch andere verlangen die Zusammenlmung der Gaue. So ist von Nürnberg beantragt, die Gauleitungen Würzburg und Regens- bürg nach Nürnberg zu verlegen. Genosse Staudinger be- spricht die Anträge und empfiehlt Ablehnung der Anträge resp. Ueberweisung an den Zentralvorstand. Nach längerer Debatte wird demgemäß verfahren. So wird der Zentralvorstand beauftragt, sich mit der Gcncralkommission der Gewerkschaften in Verbindung zu setzen betreffs Anstellung eines italienischen Agitators für das Baugewerbe.— In Zukunft soll der Zentralvorstand bei Beratung über Lohnbewegungen ein Mitglied deS betreffenden OrteS oder Bezirkes hinzuziehen. Zur Frage der Organisation macht daS Vorstandsmitglied Walter- Leipzig längere AuSfüh- rungen. ES liegen zu diesem Punkte 62 Anträge vor, darunter folgender Antrag deS Vorstandes zur Regulierung der Beitrags- höhe: „Der wöchentliche Beitrag ist in 4 Klassen einzuteilen, und zwar werden bezahlt(inkl. der Beiträge für Krankenzuschutz) bei einem Wochcnverdienst bis 18 M.: 30 Pf., bis 21 M.: 40 Pf., bis 27 M.: 50 Pf., über 27 M.: 60 Pf. Weibliche Mitglieder zahlen pro Woche 20 Pf. Beitrag und kleben alle zwei Wochen«ine 40 Pf.-Marke. Von dem Erlös der Beitragsmarke bleibt am Ort: bei 30 Pf. - 4 Pf., bei 40 Pf.— 6 Pf., bei 50 Pf.— 8 Pf., bei 60 Pf.= 10 Pf. Am Ort können mehrere Beitragsklassen geführt werden, jedoch kommt für eine BerufSgruppe auch nur ein Beitragssatz in Frage. Etwaige Differenzen über die Beitragshöhe regelt der Zentral- vorstand mit den Zahlstellen." Durch diesen Antrag hofft der Vorstand da? Mißverhältnis zwischen Organisationsfähigen und Wirklichorganisierten zu be- seitigen, da durch eine solche BeitragSregulicrung es auch den schlcchlcst entlohnten Steinorbeitern möglich ist, sich dem Stein- arbeiterverband anzuschließen. Eine Reihe anderer Anträge will die Verschmelzung mit dem Bauarbeiterverband. Walter meint, daß eigentlich nur die Dausteinmetzen Berührungspunkte mit den Bauarbeitern haben. Andere Anträge wollen den Ausbau der UnterstützungSeinrich» tungen. Ter Referent wendet sich dagegen und begründet ein- gehend einen Antrag des Vorstandes, der will, dass der Bezug der Streikunterstützung nach der MitgliedSdauer festgesetzt wird. Der Antrag lautet: „Alle Streiks werden vom*. Tage an unterstützt. Die Unter- stützung beträgt pro Woche bei einem Beitrag von 30 Pf. 7,50 M-, für ein Kind unter 14 Jahren 0,75 M. 40„ 9,00„„„„„„„ 1,00„ 50. 11,00.....„.„ 1,00„ 60. 13,50...„..„ 1,00„ Weiblich« Mitglieder erhalten pro Woche 6 M. und für jedes Kind unter 14 Jahren pro Woche 80 Pf. Mitglieder, die bei Ausbruch eines Streiks noch unter drei Monaten organisiert sind, erhalten in allen Klassen pro Woche 3 M. weniger." Der Referent betont, dass eine Verbesserung der Krankenunter. stützung ohne Beitragserhöhung nicht gewährt werden kann. Ebenfalls kann an eine Erweiterung des Rechtsschutzes nicht gedacht werden. Er warnt Beschlüsse zu fassen, die den Verband lähmen. Für eine Beitragserhöhung sei keine günstige Zeit und infolgedessen sei auch eine Erweiterung der UnterstützungSeinrich- tungen nicht angebracht.— Die Debatte gestaltet sich lebhaft und kommen die verschiedensten Ansichten über die Anträge zum Ausdruck. Die Delegierten von Hamburg und Berlin reden der Verschmelzung mit dem Bauarbeiterverband daS Wort. Hierzu im Gegensatz, wie auch zur Ansicht des Vorstandes, spricht W e i n d l- Kappelrodeck. Er plädiert lebhaft für eine Verschmelzung mit dem Steinsetzerberband.— Auch die Grenz- streitigkeitcn kommen zur Sprache, und verlangen die Delegierten, daß die anderen Perbände, die Steinarbeiter als Mitglieder haben, diese abgeben, nach den Beschlüssen des Hamburger Gewerkschafts» kongresses. K n o l l spricht ebenfalls zu den Verschmelzungsanträgen. Auch er meint, daß dieser Akt noch durchaus nicht dränge; aber er möchte schon heute darauf verweisen, daß sehr wohl eines Tages diese Frage brennend werden könnte und eine praktische Lösung der Frage für beide Verbände notwendig sei. Der Reichsverband der Steinsctzmeistcr hat in seinem Programm unter anderem die Organisation von Genossenschaften aufgenommen. Die Genossen- schaften grossen Stils sollen in erster Linie den gemeinsamen Bezug der Rohmaterialien fördern, an die sich logischerweise die genossen- schaftliche Ausführung grosser Arbeiten schließen wird. Daraus ergibt sich ohne weiteres die Notwendigkeit des Zusammenwirkens der Pflastersteinarbeiter und der Steinsetzer. Es ergibt sich aber weiter auch die Möglichkeit, dass die Steinsetzer, als Vorarbeiter des Rohmaterials, zugunsten der Steinarbeiter werden eingreifen können, sofern es sich um Rohmaterial handelt, das aus Brüchen stammt, in denen die Organisation nicht Fuss fassen kann. Diese Möglichkeit wird in den Vordergrund gerückt, wenn der schon lange drohende Pflasterstcinzoll auch gegenüber Schweden zur Tatsache wird. Die Abstimmung ergibt die Annahme der vorstehenden Antrage zur Regelung der Beitragsfrage und der Streikunter- stützung. Außerdem wird der Vorstand beauftragt, einen Kartell- vertrag mit dem Maurer- bezw. Bauarbeiterverband in die Wege zu leiten. Ferner wird beschlossen, daß die Zugehörigkeit zu zwei gewerk- schaftlichen Organisationen nicht zum Doppelbezug von Unterstützung berechtigt. Zur Kranken unter st ützung wird beschlossen, dass weib- liche Mitglieder pro Tag 50 Pf. erhalten, bis zum Höchstbetrag von 36 M. Die Karenzzeit für Erkrankungen soll nur einmal im Jahre 3 Tage betragen, einerlei, ob es sich um die gleiche oder andere Krankheitsursache handelt. Der Paragraph, der von der Gewährung der Sterbe- Unterstützung handelt, erhält folgenden Wortlaut: „Als bezugsberechtigt gelten die Frau, Kinder be�w. deren Vormund oder die Zahlstellen, die für die Beerdigung eines Mit- gliedeS Gelder aufgewendet haben." Damit ist dieser Punkt erledigt und wird die Sitzung auf Sonnabend vertagt._# Nlttw Kerbandstag des Jentralverbandes der Zivil- miijiker DeMliMds. Lehe-Bremerhaven, 26. Mai. In der Nachmittagssitzung wird in die Besprechung der auf Finanzierung des Verbandes und der Krankenunterstützung bezüg» lichen Anträge eingetreten. S a u p e- Zeitz und Post- Nürnberg-Fürth begründen Anträge ihrer Ortsverwaltungen auf Einführung von Staffelbeiträgen nach der Höhe des Verdienstes. Letzterer verlangt Wochenbciträge von 25, 35 und 50 Pf., und ersucht im Falle der Ablehnung, dem Antrage des Vorstandes, eine Erhöhung des Beitrages von 25 auf 45 Pf. borzunehmen, stattzugeben.— In gleicher Richtung bewegt sich ein Antrag Kohl- Altona, der Beiträge von 35 auf 45 Pf. verlangt. Hiernach würden auch die Krankenunterstützungssätze zu bemessen sein. Den Mitgliedern selbst soll es überlassen bleiben, welcher BeitragSklasse sie angehören wollen. Die Uifterstützung wünscht Redner obligatorisch eingeführt. P o st- Nürnberg-Fürth zieht später seinen Antrag zurück. unterstützt den Antrag Kohl, empfiehlt aber zugleich die Bcibehal» tung des vierteljährlichen AgitationsbeitragcS von 10 Pf. ES wird beschlossen, 30 Proz. der Einnahmen in den OrtSkassen zu belassen und den Agitationsbeitrag in Zukunft nicht mehr zu erheben. G r e v e- Vegesack beantragt die Einführung von Beitrags- klaffen in Höhe von 30 Pf. ohne Krankenunterstützungsberechtigung und von 50 Pf. mit dieser Berechtigung.— Dah m-Bremen ver- langt einen Einheitsbeitrag von 50 Pf. und Kohl- Altona ändert seinen Antrag dahin ab, daß er Beiträge von 40 und 50 Pf. mit entsprechender Staffelung der Kraukenunterstützung fordert. Schliesslich wird der Antrag Kohl, Beiträge von 40 und 50 Pf. mit entsprechender Staffelung der Krankenunterstützung, an- genommen. Auch die Vorstandsvorlage über Einführung und Zahlung einer Krankenunterstützung gelangt mit folgenden Aenderungen zur Annahm«: Entsprechend den Staffelbeiträgen werden die Unter» stützurigSsiitze pro Woche auf 3 M. bei 40 Pf. Beitrag und auf 5 M. bei 50 Pf. Beitrag festgesetzt. Mitglieder, die von der niederen in die höhere Klasse übertreten, haben die volle Karenz» zeit auch bei dieser Klasse durchzumachen, bevor sie in den Genuß der erhöhten Unterstützung gelangen. Für Kollegen, die bei In- krafttretcn der Krankcnunterstützung bereits 52 Wochen Mitglied sind, soll die Karenzzeit nur 26 Wochen betragen. Es folgt nunmehr die Beratung der Antrüge zum Statut. Ein Antrag S a u p e- Zeitz, die Mitglieder während der Dauer ihrer Erkrankung von der Beitragszahlung zu entbinden, wird angenommen. Blanschefski- Berlin beantragt zu§ 6 deS Statuts folgende Ergänzung: „Die Mitgliedschaft erlischt: c) wenn ein Mitglied selb- ständiger Unternehmer wird. Als selbständiger Unternehmer im Sinne dieser Bestimmung ist nicht anzusehen, wer gelegentlich Musikgeschäfte zur Ausführung übernimmt und aus der Be- schäftigung von Musikern keinen oder keinen übergcbührlichen Unternehmergewinn zieljl. Kollegen, welche auf Grund dieser Bestimmung ihrer Mitgliedschaft verlustig gegangen sind, können in ihre früheren Rechte wieder eingesetzt werden, wenn die Vor- auSsetzungen, welche zu.dem Verlust der Mitgliedschaft führten, in Fortfall gekommen sind." Der Antrag wird angenommen. Zu§ 10 wird auf Vorschlag F a u t h- Berlin entschieden, daß in Zukunft drei statt bisher zwei Hauptvorstandsmitglieder vom Verbandstag. die übrigen drei Mitglieder von dem Orte gewählt werden, an dem der Hauptvorstand seinen Sitz hat. Zu ß 13a wird beschlossen, daß in Zukunft in einem ge- schlossenen Lohn- und Arbeitsgebiet nur eine Ortsberwaltung bestehen darf. Ferner wird einem Antrage der Ortsverwaltung Berlin statt. gegeben, nach dem Kollegen, die mindestens zehn Jahre dem Ver- bände angehören und während dieser Zeit ihre Beiträge voll bezahlt haben, wenn sie über 60 Jahre alt und arbeitsunfähig sind, von der Beitragszahlung befreit werden können. Nach Annahme des so abgeänderten Statuts wird die Sitzung auf Freitag nachmittag vertagt. ►♦♦♦♦♦♦♦♦♦ Unserem Parteigenossen �Karl Bachste ♦ zu seinem 70. Geburtslage die herzlichsten Glückwünsche! A Die Genossen des 681. Besirks in| '■ 1 • Unserem Parteigenossen und. « Znhlabendwirt 5«g3L» Karl Bachstein J zu seinem 70. Geburtstage die J herzlichsten Blückwüniche. Bezirk 685 u. 687J � pe€€€««s»«»»»SSSS� p Zur silbernen Hochzeit senden vi) V[> unserem alten Parteigenossen st) | Christen Thorup nebst Frau f g> Oranienburger Str. 50 Vt> die beste» Glückwünsche, vv W Di« Genossen der?. Zldteiliing !€«€«««•>-»SSSSS Meinem lieben Onkel »erm. Xreuee' zur silbernen Hochzeit ein donnerndes Hoch, daß der ganze Hohenzollerndamm wackelt. Paul Schramm. »AK»»» Todes-Anzeige. Freunden und Bekannten zur Nachricht, dasi mein lieber Mann, sorgsamer Vater, Bruder und Schwager Karl MüUer Gastwirt, Mite Jakobstraße 74 im 4L. Lebensjahre verstorben ist. Die Beerdigung sindet Dienstag, nachmittags 4'/, Uhr. von der Leichenhalle des neuen Luisen. Kirchhofes, Rixdors, Hermann« straße, aus statt. Die ttestrauernden Hinter- bitebenen. sts». cmm»»Sllller nebet Kindern. MtaWchIahivemn I. des Den Mitgliedern zur Nachricht, dah unser Genosse, der Schank. wirte Karl mciller, Alte Jakobstr. 74, verstorben ist. Ehre seinem Andenke«! Die Beerdigung findet am DienStag, den 31. Mai, nach« mittags VI, Uhr, von der Leichen« halle de« neuen Luifen-KirchhofeS, Nixdorf, Hermannstrahe, au« statt. Um rege Beteiligung ersucht !»«>>. Voi'stnnel. Iferhanil der freien Gast- und Schankwirte Deutschlands. Zahletelle Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege Ksr> Müller, Alte Jakobstr. 74, verstorben ist. Ehre seinem Andenken l Die Beerdigung findet am DienStag, den 31, Mai, nachmittags VI, Uhr, von der Leichen« halle de« neucn Luisen-KirchhoseS, Rixdors, Hennannstratze, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht Die Ortsverweitung. Zenlfal-VeFhanil der ZivUnnisiker Deotsehlands. Ortsverwaltung Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, dast unser Kollege (iustav Wustrow Witlslocker Slrasje 9 verstorben ist Ehre seinem Andenke» i Die Beerdigung findet am Sonntag, den 29. d. MtS., nach« mittags 1'/, Uhr, vom Trauer- Hause auS statt. 50/4 Um zahlreiche Beteiligung ersucht Oer Voratand. Verleih.Inatl tut: Friedrichst.llB/l.a.Ccabg. "lor.©leg. Frack, Gehrock 1,50, Hofe 1,00, Weste SOPs. Deutscher Transportarbeiter-Verband. Bezlrksverwaltung SeoS Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, dah unser Kollege, der Bierfahrer Gustav Stahl am 27. d. MtS. im Alter von 30 Jahren verstorben Ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung sindet am Montag, den 30. d. MtS., nach« mittags 3>/, Uhr, von der Leichenhalle des Gethsemane« KirchhoseS, Nordend, aus statt. Die Bezirksverwxltung. Allen Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, dah am 26. Mai, nachm. 3'/« Uhr, meine liebe gute Frau AUZma Rosin geb. Klotz im Alter von 39 Jahren nach langem, schwerem Nierenleiden gestorben ist. Um stilles Beileid bitten im Namen aller Hinterbliebenen Der trauernde Gatte u. Geschwister. W. Roeln, Fehrbelliner Str. 28. Die Beerdigung findet am Montag, den 30. Mai, nach- mittags 3 Uhr, von der Leichen- Halle des Zentral« Friedhofes in FriedrichSselde auS statt. 2322b Danksaxuax. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben ManueS und guten Vaters, klckanl Evers sagen wir allen Verwandten, Freunden und Bekannten sowie dem sozial- demokratischen Wahlverein de« dritten Kreise«, dem Sandels- und TranS« poriarbeiter-Verband sowie dem Ge- sangverein de« Transportarbeiter- Verbandes unseren herzlichsten Dank. Viltwe Anna Evers und Tochter. Danksagung. Allen Verwandten. Freunden und Bekannten, dem Deutsch. Holzarbeiter- Verbände lZahlstelle Berlin), dem Thes meines ältesten Sohnes und dessen Arbeiterinnen, welche meinem lieben Manne und unserm guten Vater die letzte Ehre erioiesen, für die reichen Kranzspenden und den schönen Gesang des Männerquartetts 1908 sagen wir hiermit unseren herz- lichsten Dank. Frau Kodwlff Kalowshy und Söhue. Dp. Simmel Spezial-Arzt* für Haut- und Harnleiden. Prlazenslr. 41, ÄÄ 10—2, 6— 7, Sonntags 10—12, 2—4 Bad Reinerz Dr. Stern. �Hygienische BMinsaraksL. Neuen Kalaloj fehl. viel Aerzle vi. Prof grat. n.fy ».Emri B. Datsr, SuBniwuanlakrik Berlin NW.. Friedrichavnu.e»l 91/9 Die Harnleiden Ihre Gefahren, Verhütung und Beseitigung von hr. med. Scheper, BERLIN— Prela! Mark. Tie* Tnu.ted. VerlagMaxRichterÄÄ Möbelfabrik„Hoffnung" Elnoetraaene Genossenschaft mit beschränkter Haftpflicht. Berlin, Krantatr. 5». Bilanz vom 31. Dezember 1909. A. A t.tji v o. I. Kasienbestand 3 046,96 M. II. Warenbestand 19 096,50. III. Materialien- bestand 17 366,91 m IV. Maschinenkonto 9 949,—, V. Werkzeugkonto 5 299,10, VI. Utensilienkonto 1 309,—, VII. Pserd. u.Wagen» ionto 1 480,— m VIII. Muster- u. Mo- delltonto 620,—, IX. Debitorenkonto 36 821,03, X. Konto Dnbw 1200,—, XI. Bankkonto 4 930.90. Xll. Wechselkonto 451,—, XIII. Gewinn- u. Ver- lustlonto 167,18„ 101 637,58 M. B. Passiva. I. Kreditorenkonto 82 672,44 M. II. Darlehnkonto 66 9l5,14. HI. Anteilkontv 1 450.—, IV. Akzeptenkonto 600,-. . 101 637,58 M. Am Schlüsse de» Jahres 1908 waren 30 Genossen, am 1. Juli 1909 schied ein Genosse aus, mithin waren am Schlüsse des Jahres 1909 noch 29 Genossen vorhanden. Das Gc- tamtguthaben und die Gesamthast- summe Hai sich um 50 M. vermindert. DaS Gesamtguthaben der Genossen betrug am Schlutz des Jahres 1909 1450 M. und die Gesamthaslsumme betrug auch 1450 M. 105/10 Der Vorstand. H. Fengler. 1. Snudat. Lanil- und ffald-Parzeileu auS erster Hand, sl/Rute von 4 M. an zu verk. Nahe Bahnhof Fredersdorf. Otto Breseke, Petershagen. Verein für grauen u. ffladeben der Arbeiterklasse. Mittwoch, den 1. Juni, im Nene» Klubhaas, Kommandantenstraste 72: Vortrag von Frau Bohm-Schuch:„Sexuelle Aufklärung". Diskussion. Gäste willkommen. 55/11 Der Borstand. Bahnstation �eutken, Post Niederlelsino. Telephon Kdnigs-Wusterhausen 175. 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Waren-Konlo.., Kontokor-rent-Konto. 72,01 M. 3 897.99. 2 080.25. 214.50. 4 587,27. 7 962,65. 18 314,67 M. Passiva. Kapital-Konto... 2 250,— M. DarlehnS-Konto... 6 263,40, Releroejonds-Konto,. 47,53, HilsSreierve-Konto.. 190,03, Wechsel-Konto.... 5 504,72, Kontokorrent-Konto.. 5 254,31, Gewinn- und Verlust- Konto...... 304,63, 18 814,67 M. Die Mitgkiederzahl am 31. De- zember 1909 betrug S, eingetreten keine, ausgetreten leine. Betrag des Gelchäslsgutbabcns und der Hast- summe je 500,— M. 2274b Der Vorstand. G. Berger. R. Mittag. 0 Schroepp. Westonsfrauepinagaziii Extra- Abteilung 1 1. Gesch.: Berlin W., Mohren-] StraBe37a(2. Haus von der| Jerusalomer StraBe). |ll. Gesch.; Berlin NO., Große 1 Frankfurt. Str. IIS(2. Haus| von der AndreasstraBe). I Sehr gr. Aus w. fert. Kleider, 1 Hüte, Handschuhs, Schleier| | etc. v. einfachsten bis zum[ | hechelegant. Genre z. äußerst j niedrigen Preisen. Sonder-Abteilung: HaBnnfcrtlgung in 10 bis 12 Stunden. 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Dieses Verfahren wird bei uns nicht geübt. Unser teuerster Zahnersatz mit nur echten Zahnen, mit Kautschuk- platte einbereohnet, kostet bei uns nur 2.80 M. Wenden Sie sich vertrauensvoll nach unserem Atelier. Ueberzengung macht wahr! Der Reale- Verkauf beHUust Montan 9 Uhr lOr ledermann. JRoebei-Soebel Berlin S., Moritzplatz 58. Kein Laden! Verkauf nur Im Fabrikgebäude! Spezialität; Wohnungs» Einrichtungen einfachen und mittleren Genres.* Doderne WoluizImmcr-JElnrlchtung Ä.£90,— M. 67,- M. 75,— M. 67,— M. 30,— M. 6,— M. 39,— 1. Praxis: Friedrichstr. 35. 2. Praxis: Elsasser Str. 14. 3. Praxis: Oranienstr. 61. 4. Praxis; Palisadenstr. 106. 5. Praxis: Moabit, Huttenstraße 65. Zahn-Praxis Carl Rudolph. , Praxis: Charlottenburg, I Wilmersdorfer Str.il7.j . Praxis: Lichtenberg, Frankfurter Allee 169. 1 Praxis: Spandau, Neuen- 1 dorfer Straße 106. 50 Pl. wöcti. 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Kur die Gewinne Uber ,40 Mark sind den b.trelfen- deo Nummern in Klammern bclgetilgi (Ohne Gewähr.)(Nachdruck verbeten.) , 7 SS7 894 723(1000) 84 1041 430 36 621 27 ZOSO 880 88 384 532 66 922 918 32 71(500) 3103 205 472 501 ((3806) 68 71» 0SZ 4753 69(590) 326(500) 807 023 S0S5 -156 300(500) 582 648 728 85» 970 S0Z8 279 392 417 »4 520 643 73?(lOOfl) 932 7:28 456(500) 552 60 890 «081 277 623 68 089 9 059(1000) 70 105 25 200 766[1000] BIS 41(5001 10568 34! 86 585 77!(500] 886 11292 410 586 UiW! 848 13214 387 670 705 78 815 flOOOJ 14171 81 »03 78«1 IS»«) 410 32 680 732 78«03 13091 123 303 911 J1O209 449 56 ISOOO) 715 936 1 7147 411 560 945 91 •1S122 63 228 471 554[1600] TS 746 1 9476 580 030 854 2O008 63 237 477 989 67 2 1 072(10001 234 66 428 '•*7 98062[6901 138 409 58 750 818 99 927 93 23181 ,1S«U» 513 729 923 29 2 4 871 712 824[6001 25137 279(3000) 87[3600) 397 409 61 78 619 64 76»(1000) «27( 566] 72 97 3 6060 144 843 88 558 755 2 7062 109 (16»61 578 407 658 2 8040 185 351 99 504[8000] 29173 »«4 403 17 533 65 604 851 906 30«67 166 82 417 34 61[3000] 002 783 879 3 1 028 »51[ jOlJ 890[30001 766 64 87 87., 954(500) 3 2075 79 »21! 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Ziehung 5. Kl. 222. Kgl. Preuss. Lotterie Ziehung vom 28. Mai, nachmittags. Kur die Gewinns Uber 340 Mark sind den betreuenden Nummern in Klammern beigefügt, (Ohne Gewähr.)(Nachdruck verbeten.) 232 50 747[3000) llfl« 717 78[500) 832 901 4 ,7 «4 73 206» 191 873 521 892 3160 81 496 807 903[600] 4000 149 394 403 745 5108 28 252[3000] 342 475«88 787 «2 605» 151 232 869 76 482 594 625 738 50 83[500] 81«[500] 7308 542 44»02 40 79[5001 8144 74 28«»3 660 818 0 00» 17 55 208 577 749 99[500] 833[1000] 10245 405 611 656 77« 84 11297 568 889 917 1 2064 »29[ 500] 612 68 709[3000] 79 97 839 1 3265[1000] 507 • 15[10000] 710 1 4 274 428 49 516 38 1 5212 456 62 «1 710[lOOO] 3« 71 16052[500] 7« 79 85 111 873 409 [SOOO] 630 986 17194[3000] 217 19 41, 37 679[tOOOl 73»(»000] 18081 87 ,50»1, 85 41» 526(600] 19 8» 628 66 801«71 99 1 0024[3000] 348 508 744 962 94 20076 112 54 224 732 938 85 2 1 380 694 772 988 2264» 187 888 23025 358[1000] 493 628 884«90 24124 64 327 48, 534 6! 857 25121 74 SS ,7«»84 56 424 629 62 75» 26007 211 S94 455 90[500]»74 2 7418 28 661 7,9 9» 04? 28365[500] 609 106 UOOO] 33 2003» [500] 560[560] 671 751 960 30038 104 410[500] 88(10001 514[500) 691 977 (5000) ,8 31140 6 2 34» 833 3 2210 44»02 464 83 563 BO 814 90, 90(5001 33012 462 856 745 66 34117 30 ,94 1500]»49 47«[1000] MO»88 3 5426[500] 570 645 [lOOO] 81 857[30061 74»6, 30404 37 557 663 84 78, [500] 71 934 3 7 294 368 58« 30918 ,15 348(3080) 58» 871»30»4 30218 7»[1000] 467 65» 834[3000]»12 60 46097 260(500) 446 75 821 936(500) 4 1 035 65, 7» 42115 26 316»5«31 87 4303» 33« 43? 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Für den Inseratenteil verantw r Th. Glocke. Berlin. Druck u. Verlag: BorwSrt« Buchdruckcrei u. BerlagSanstalt Paul Singer& Co* Berlin SW. Dr. 123. 27. Jahrgang. ciliit Ks Jomitte" Serlim ÄllisM Zonntag, 29. Mal l910. Partei-?Znge!egenkeiten. Zur Lokalliste. Auf Wunsch der Parteigenossen von Maricndorf weisen wir die Genossen und speziell die dortigen Friedhofsbesucher nochmals darauf hin, dag das„Grafische Gesellschafts- Haus", Chaussecstrahe 30S, der Arbeiterschaft nicht zur Verfügung steht. Wir empfehlen deshalb das.Parkrestaurant Kreide- weiß". Die Lokalkommission. Fünfter Wahlkreis. Am Dienstag, den Sl. Mai, S'/z Uhr abends, findet in den Union-Festsälen, Greifs- waldar Strafie 222, eine kombinierte Sitzung aller Bezirke der ersten Abteilung statt. Neben einem Vortrage des Genossen Stadtv. Karl Leid über„Fürsorgeerziehung" stehen noch wichtige Vereins- und AbteilungSangelcgxnheitcn auf der Tagesordnung, welche daS Erscheinen aller Genossen und Genossinnen bedingen. Der Abteilungsführer. Charlottenburg. Am Dienstag, den 31. Mai, abends 8 Uhr, spricht im großen Saale des Volksbauses, Rosineustr. 3, Genossin Rosa Luxemburg über:«Der Wahlrechtskampf". Der Vorstand. Schönederg. Am Dienstag, den 3l. d. M.� abends 8Vz Uhr, findet in den Neuen Ralhaussälen, Meininger Straße 8, die Ver- sammlung des Wahlvereins statt. Auf der Tagesordnung steht: 1. Vortrag der Genossin Luise Z i e tz über: Gewinnung der Frauen für die Partei eine Notwendigkeit. 2. Ver- einsangelegenheiten. Der Vorstand. Wilmersdorf. Der Wahlverein hält Dienstag, abends 8Vz Uhr. im Gesellschaftshause, Wilhelmsaue 112, seine Monats Versammlung ab. Reichstagsabgcordneter Emil Eichhorn referiert über„Erinnerungen aus der Zeit des Sozialisten- gesetzeS". Groß-Lichterfclde. Am Dienstag, den 31. Mai, abends 8'/« Uhr, bei Richter, Chausseestraße 104: Mitgliederversammlung des Wahl- Vereins. Tagesordnung: Vortrag des Genossen G r u n w a l d über «Industrie und Landwirtschaft"; Abrechnungen; Vereinsangelegen- heiten. Der Vorstand. Schmargendorf. Am Dienstag, den 31. Mai, abends 8Vz Uhr, findet im«Wirtshaus Schmargendorf" lJnh. Fritz Bartels), Warne münderstraße, eine Mitgliederversammlung des Wahlvereins statt. Tagesordnung: 1. Aufnahme neuer Mitglieder. 2. Abrechnung vom Maivergnügen. 3. Kominunales. 4. Diskussion. 5. Verschiedenes. Bortrag des Genossen Viktor Weigert. Der Vorstand. Treptow- Baumschulcnwrg. Dienstag, den 31. Mai, abends 8>/z Uhr, findet für den Ortsteil Baumschulenweg die Mitglieder veriammlung bei Speer, Baumschulenstr. 78, statt. Tagesordnung: 1. Vortrag:„Der Massenstreik". 2. Stellungnahme zur Vorstands Wahl. Der Vorstand. Pankow. An der heute Sonntag, nachmittags 2 Uhr, in Wandlitz i. d. Mark bei Herrn Lassan, Gesellschaftshauö (nahe Bahnhof) stattfindenden öffentlichen Versammlung, in der ReichstagLabgeordneter Genofie Stadthagen über:« I u n t e r- regierung, Reichstag und Volk" sprechen wird, werden die Parteigenossen mit ihren Frauen ersucht, sich zu beteiligen. Abfahrt vom Bahnhof Reinickendorf- Rosenthal 1 Uhr 5 Minuten nachmittags. Die Agitationskommisfion. Nieder- Schönhauscn- Nordend. Am Dieuötag, den 31. lv�i, abends 8>/z Uhr, findet im«Lindengarten", Lindenstraße 43, vie Mitgliederversammlung des Wahlvereins statt. Tagesordnung: 1. Bortrag über:«Unsere Freiheitsdichter", mit anschließenden Rezitationen. Referent Genosse Davidsohn. 2. Wahl eines JugendauSschusseS. 3. Bereinsangelegenheiten. 4. Verschiedenes. Die Bezirksleitung. Tegel. Montag, den 30. Mai, abends 8Vz Uhr, bei HalfeS, Brnnowstraße 23: Versammlung. Vortrag der Genossin Fried- länder über:„Die preußische Volksschule". Borsigwalde- Wittenau. Am Montag, den 30. Mai, abends 8'/z Uhr. findet in den Borsigwalder Festsälen eine öffentliche Ver- fanmtlung statt. Genossin Frida Wulff referiert über:„So- zialiSmus in der Familie". Namentlich die Frauen werden auf die Versammlung aufmerksam gemacht. Der Vorstand. � vierten Stockwerk abgetragen, und gestern morgen begannen die � Arbeiter mit dem Niederlegen des Restes des Tachgiebels und des vierten Stockwerks. Mit Rücksicht auf den Paffantenverkehr fingen die Leute bereits um S Uhr mit den Arbeiten an. Während ein Teil der Leute in der Innenfläche des Baues beschäftigt waren, standen neun Mann an der nach der Straße zu belegenen Vorder- front. Sie lösten mit Spaten und Hacken die Mauersteine loS. Plötzlich, gegen H6 Uhr, kam die Mauer ins Schwanken und unter dröhnendem Gepolter stürzte sie ein. Sämtliche Arbeiter wurden mit den Bautrllmmcrn in die Tiefe gcriffen. Auf dem Bürgersteig und teilweise auch auf dem Fahrdamm blieben die Verunglückten liegen. Durch die nachstürzenden Steine und Schuttmaffen wurden die Bedauernswerten noch getroffen. Sofort nach Bekanntwerden des Unfalles machten sich die anderen Arbeiter an die Rettung der verunglückten Kollegen. Sie be- freiten sie aus ihren zum Teil qualvollen Lagen und alarmierten die Feucrtvehr. Die Mannschaften eines vom Hauptdepot in der Lindcnstratze eintreffenden ZugcS hatten aber nicht mehr allzuviel zu tun. Die Abgestürzten, die alle aus der Höhe des vierten Stockwerkes heruntergerissen worden waren, waren zum Teil schrecklich zugerichtet. Sie wurden sobald als möglich in ärztliche Behandlung genommen. Alle Rettungswachen und Unfall- stationen in der Umgebung wurden alarmiert und vom Verband für erste Hilfe trafen bald mehrere Krankenwagen auf der Unfall- stelle ein. Die am schwersten Verletzten wurden in aller Eile in die Wagen geschafft und nach dem nahen Krankenhaus am Urban transportiert. Einer der Abgestürzten, der achtzehnjährige Gustav Mercicr, Kristianiastraße 114, fand vor den Augen des Baters den Tod. Ter Leiter des Abrisses, der Polier Eduard Mercier, hatte gerade zu gleicher Erde Anweisungen an andere Arbeiter gegeben, als sich vor seinen Augen die Katastrophe abspielte. Einige der Schwer- verletzten stießen laute Schmerzensrufe aus. Sie hatten teilweise erhebliche innere Verletzungen, Arm- und Beinbrüche und schwere innere Verletzungen am Kopf und im Gesicht erlitten. Die Namen der Verunglückten sind: der 2ojährige Bauarbeiter Otto Fiefcck, Langestraße 87; der 38jährige Louis Stenzlaff, Schul- straße IIb; der 24jährige Richard Grützmachcr, Pappel-Allee 40; der 34jährige Ferdinand Growokowski, Höchstestr. 3; der 28jährige Friedrich Preiß, Berlichingenstraße 15; der 27jährige Johannes Micrzwa, und endlich der Arbeiter Hermann Möller. Uebcr die Ursache der Katastrophe ist seitens der Aufsichtsbehörde eine eingehende Untersuchung ein- geleitet worden. Die Beseitigung der Bautrümmer konnte, nach- dem die Feuerwehr wieder abgezogen war, durch Bauarbeiter vollendet werden. Wie auf eine Anfrage im Urban-KrankenhauS mitgeteilt wird, ist bei einigen der Verletzten kroch immer Lebensgefahr vorhanden. Der Zustand des Preiß und des Mierzwa hat sich im Laufe deS Nachmittags etwas gebessert, dagegen schweben alle anderen Schwerverwundeten in steter Gefahr. Berliner 1>iacl)ricl)ten. Aus der städtischen Krankenhausvcrwaltung. Die Deputation beriet und genehmigte den Entwurf für die Erweiterungen des Operationshauscs im Krankenhause im Friedrichshain und beschloß entsprechend dem Vorschlage der eingesetzten Kommission einen durch das Anwachsen der Schwesternschaft notwendig gewordenen Neubau im Rudolf- Virchow-Krankenhaus- An einer Ecke des Parks, an der Stelle, an der nach dem ursprünglichen Bauplan ein Turn- faal vorgesehen war, also in zentraler Lage, soll ein ein- stöckiges, 50l) Quadratmeter bedeckendes Haus errichtet wer- den. in dem iin Untergeschoß sich ein großer Speisesaal und Nebenräumlichkeiten und ein Versammlungsraum für vierzig Schwestern befinden soll. Im Oberstock sollen 30 Schwester- Wohnungen eingerichtet werden. Von der Säuglingsstation im Garten des Kaiser- und Kaiserin-Friedrich.Kinderkrankenhauses legte der Direktor Professor Dr- A. Baginsky Lichtbilder vor. In ihren leichten Bettchen oder in Hcnkelkörbchen iverden die kranken Säug- linge am Morgen in den Garten des Krankenhauses gebracht, wo sie bis zum Abend bleiben. Die Einrichtung hat gute Er- folge gezeitigt. Vorher hatte der Vorsitzende dem verstorbenen Ehren- bürger Professor Koch einen Nachruf gewidmet, in dem er die Verdienste des Verstorbenen um die Stadt Berlin würdigte. Wi° die„Berliner Klinische Wochenschrift" erfährt, ist Geh. Medizinalrat Professor Goldscheidcr zum Nachfolger Senators als Leiter des Poliklinischen Instituts der Universität ernannt worden. Professor Goldscheider ist zur Zeit ärztlicher Direktor des Rudolf-Virchow-Kranken- Hauses._ Schwere Baukatastrophe in der Alexandrinenstraße. Eine verhängnisvolle Baukatastrophe, die von den schwersten Folgen begleitet sein sollte, hat sich gestern in früher Morgen- stunde im Süden der Stadt ereignet. Auf dem Abritzgrundstück Alexandrinenstraße 26 stürzte der Dachgiebel ein und riß neun Arbeiter mit in die Tiefe. Zwei von den Verunglückten, der acht- zehnjährige Arbeiter Gustav Mercier und der Arbeiter Hans Karsten sind tot. Von den übrigen mußten sieben in schwerver- letztem Zustande nach dem Krankenhaus am Urban gebracht werden. Das Grundstück Alcxandrincnstraße 26, ein altes Wohnhaus, Aesindct sich seit mehreren Tagen im Abbruch. Tie in der Oitschmer Straße 107 domizilierende Firma„Bau-Jndustrie" hat Den Abriß übernommen. Das obere Dachgeschoß war fast bis zum WalderholnngSstätten für Kinder. Der Volksheilstätteuverein vom Roten Kreuz teilr mit: Seit dem 1. Mai find neben den Wald- erholungSstätten für Erwachsene auch die drei vom Roten Kreuz unterhaltenen Kinderonstalten wieder im Betriebe. Sie liegen sämtlich im Walde, bei Schönholz, Sadowa und Eichkamp, und gewähren über Tag kränklichen und erholungsbedürftigen Kindern volle Verpflegung und Behandlung unter Leiumg eines Arztes und standiger Bcaufsichligung und Beschäftigung durch Krankenschwestern und Kindergärtnerinnen. Der Ver- pflegungSsatz beträgt mir 50 Pf. pro Tag, in besonderen Fällen wird noch Ermäßigug gewährt; wo eS not tut, übernimmt die Stadt die Pflegekosten, ohne daß hiervon den Eltern Unannehm- lichkeiten entstehen. Eine vieljährige Erfahrung hat gelehrt, daß die Erfolge vorzüglich und in den meisten Fällen auch die Schnlleistungen bessere geworden sind. Durch städtische Lehrkräfte wird in den Kindererholungsstätten auch so viel Unterricht erteilt, daß die Kinder in ihren Kenntnissen nicht zurückkommen. Aiimeldungen sind an das Bureau der Erholungsstätten, Friedrichstraße 207, zu richten. Sprechzeit vormittags 10—1 Uhr. Nochmals die Tegeler Sechserbriicke. Der amtliche«Tegeler Anzeiger" pöbelt wegen der von uns wiederholt, schon im vorigen Jahre, erörterten Mißstände an der Tegeler Hafcnbrücke, die namentlich bei dem Unwetter am zweiten Pfingstfeiertag so äußerst grob in Erscheinung traten, mit einem mehrere Spalten langen, total verunglückten Rechtfertigungsartikel seines Redakteurs Otto Sonnenburg den„Vorwärts" an. Mit der Person dieses Herrn brauchen wir uns nicht weiter zu beschäftigen, denn es spricht schon zur Genüge für seine vornehme Kampfesart und auch für seine Wahrheitsliebe, daß er ein eifrig tätiges Mitglied des „Reichsverbandes zur Bekämpfung der Sozialdemokratie" ist. Es kann also nicht verwundern, daß diese eine Redaktionsstütze, die während des Pfingstunwetters irgendwo auf der Bierbank saß, abzuleugnen sucht, was Hunderte und Taufende, die sowohl in Tegel als in Berlin wohnen, mit eigenen Augen gesehen haben. Wenigstens muß jetzt auf die von allen Seiten auf die Tegeler Brückenvcrwaltung hereinprasselnden Anklagen schon zugestanden werden, daß, ausgerechnet in der kritischen Zeit, also während des großen Ansturms auf die Brücke vom Walde her, die nach dem Tegeler See zu belegene Hälfte des Brückentores eine Viertel- stunde lang geschlossen war. weil sich die dort stehenden beiden Be- amten wegen durchnäßter Kleidung umziehen mußten. Also damit zwei Brückenbeamte sich umziehen können, läßt man eine Viertel st unde lang Taufende in strömendem Regen, unter Blitz und Donner auf der Brücke warten! Dieses Zuge- ftändnis, das noch gar eine Entschuldigung sein soll, setzt aller Borniertheit die Krone auf. Zehntausende von Verkehrsbeamten müssen in Wind und Wetter ihre Pflicht tun. Das bringt der moderne Verkehr, so bedauerlich es mitunter für den einzelnen sein mag, nun mal so mit sich. Wir möchten nicht nachforschen, ob die Tegeler Lrückenverwaltung die Pfingstmisere zum Anlaß genommen hat, um für die Brückenbcamten wasserdichte Regenmäntel anzuschaffen oder um die unbedachte eine Hälfte des Brückentores auch zu überdachen. Das kostet ja Geld und schmälert die fetten Einnahmen. Was aber zu Pfingsten passiert ist, kann jeden Sommersonntag abermals passieren. Faustdick gelogen ist es, daß die ominöse Brückenhälfte nur während der einen Viertelstunde geschlossen war. Sie war zeitweise auch vor dem Gewitter schon geschlossen. Die nichtamtlichen„Tegeler Nach- richten", die dem„Amtsanzeiger" zu viel Ehre antun, wenn sie mit einem spaltenlangcn persönlichen Artikel antworten, bestätigen nochmals die Richtigkeit unserer Angaben, daß die Beamten während des Gewitters eine ganz unnötige Nervosität und ein ängstliches Haften an den burcaukratisch vorgeschriebenen Bcstim- mungen gezeigt haben, lieber die Tätlichkeiten von Brückenbeamten gegen Damen schreibt die Reichsvcrbandsstütze:„Wie gut kleidet es doch plötzlich die Sozialdemokratie, daß gerade die Herren Gc- Nossen sich Plötzlich zu Kavaliere» der holden Weiblichkeit ans- werfen und wegen„roher Tätlichkeiten sogar gegen durchaus an- ständige Damen" für diese in sittlich entrüsteter Ritterlichkeit eine Lanze einlegen." Jeder Kommentar zu dieser weiteren Roheit ist überflüssig. Aber einen besonderen Genuß wollen wir dem „Amtsblatt", das so jämmerlich im Dustern tappt, doch noch be« reiten. Die betreffenden Zuschriften über die Sechserbrücke gehen uns nicht von Tegeler Einwohnern, sondern von einer Berliner Zeitungskorrespondcnz zu, deren Inhaber persönlich zu Pfingsten die Mißstände beobachtet und gesehen hat. wie während des Ge- witters Frauen behandelt worden sind. Wegen der erst an« gekündigten amtlichen Untersuchung stoppt der „A mtSanzeige r" schon wieder ab. DaS ist eigentlich das Bezeichnende an der ganzen Sache. Tie Schöneberger Ladcnbesitzer sind in eine lebhafte Be- wegung eingetreten, um Front zu machen gegen die verschiedenen Kirchpausen in Berlin und Schöneberg an Sonn- und Feiertagen. Seit Jahren schon versuchen die betreffenden Interessenten bei der Regierung vorstellig zu werden, daß die Kirchzeit in Berlin und Schöncberg einheitlich geregelt wird. Am meisten geschädigt ist der Schöneberger Stadtteil am alten Botanischen Garten nach Bebauung des jetzt erschlossenen Geländes. Dort werden, wie projektiert, große Geschäftshäuser auf Berliner Gebiet entstehen, die an Sonn- und Feiertagen um 10 Uhr mit der Kirchzeitruhe beginnen, während die Ladenbesitzer auf dem gegenüberliegenden Schöneberger Gebiet schon um Slh Uhr morgens schließen müssen. Die Schöneberger Ladenbesitzer petitionieren nunmehr um einheit« liche Kirchzeit, sie haben in den Zigarrengeschäften Listen zur Ein- Zeichnung ausgelegt. Verlängerung einer Straßenbahnlinie. Die Linie 66 der Großen Berliner Straßenbahn Lichtenberg, Dorfstraße� Friedenau, Kaiscrplatz, wurde im Dezember vorigen Jahres bis zum Friedrich-Wilhelmplatz in Friedenau versuchsweise verlängert. Die endgültige Verlängerung ist jetzt genehmigt und wird am 1. Juni eingeführt. Die UniversitätS-Frauenklinik in der Artillcricstraße war am Donnerstag der Schauplatz einer erregten Szene. Hier war am Abend, etwa um Z'SIO Uhr, eine Frau aus Niederschöneweide eingeliefert worden, die sich im siebenten Monat der Schwanger- schaft befand und von ihrer bereits abgestorbenen Leibesfrucht ent» bundcn werden wollte. Unter großen Schmerzen hatte sie im Krankenwagen den weiten Weg bis Berlin zurückgelegt, und sie hoffte bestimmt, in der Frauenklinik Aufnahme zu finden, tvcil die Hebamme auf vorherige telephonische Anfrage eine bejahende Antwort erhalten hatte. Als aber der Krankenwagen vor der An- stalt vorfuhr und die Schwangere hinaufgetragen wurde, erklärte der Arzt Dr. Wcischer, sie könne nicht aufgenommen werden. DaS Warum ist nicht so ganz klar. An Platz fehlte eS wohl nicht, auch erbot sich der mitanwesende Gatte, jeden Preis für Verpflegung in besonderer Klasse zu zahlen. ES scheint, daß man in der Frauenklinik der Meinung war, der Fall eigne sich nicht für diese Anstalt. Trotz aller Bitten des Gatten blieb eS bei der Ab» lehnung, so daß die Schwangere in den Krankenwagen zurück« getragen werden mußte. Sie wand sich in Schmerzen und jammerte laut, während ihr Gatte immer wieder mit Angestellten und Aerzten und schließlich auch mit dem Anstaltsleiter, Gcheimrat Olshausen, selber verhandelte. Auf der Straße, wo der Kranken- wagen hielt, wurde unter Passanten der Sachverhalt bekannt. All- mählich sammelte sich eine große Menschenmenge an, aus der Rufe der Verwunderung und der Entrüstung laut wurden. Von der Anstalt aus wurde noch nach anderen öffentlichen Krankenhäusern und auch nach privaten Kliniken telephoniert, aber man schien die Frau nirgends aufnehmen zu können oder zu wollen. Wo sie schließlich Unterkunft, gefunden hat, daS entzieht sich unserer Kenntnis. Ziemlich eine Stunde hatte es gedauert, biL endlich der Krankenwagen mit ihr wieder abfuhr. Blumcnpflege ohne Blumen. Es wurde bereits mitgeteilt, daß der Verein für Blninenpflege in den Gemeindes-bulen Berlin? auch in diesem Jahre wieder an die Schulkinder Töpfe für 10 Pf. zur Aufzucht abgeben will und zwar mit ganz besonderer Auswahl der Pflanzen, die dann in einer besonderen Ausstellung zur Ansicht gebracht werden sollen. Die Umfragen haben in den Schulen bereit? stattgefunden, die Bestellungen seitens der Kinder sind längst erfolgt und ihren Groschen haben sie auch wohl meist schon bezahlt. Was aber immer noch fehlt, das sind die Blumen. Täglich fragen die kleinen Blumenfreunde nach den Pflanzen, aber immer muß ihnen geantwortet werden, daß sie nocb nicht geliefert worden sind. Da» ist nun nicht eltva in diesem Jahre das erstenial so. Dieselbe Beobachtung kann man in jedem Jahre machen. Wir haben jetzt Ende Mai, Ivann sollen denn die Kinder die Blumen groß ziehen. wenn sie nicht bald kommen. Die ungefähre Nachfrage müßte doch endlich aus den vergangenen Jahren bekannt sein, so daß mit der Lieferung der Töpfe schon Anfang Mai begonnen werden könnte. In der Leichenkammcr des Friedrichshain- Krankenhauses haben mehrere Personen— eine Mutter und drei Töchter, die dort eine Leiche besichtigten— ein Erlebnis gehabt, durch das sie in große Auf- regung versetzt wurden. Während sie in dem Vorraum verweilten, hörten sie plötzlich einen Lärm, ähnlich einem Schreien oder Aus» heulen, das ihnen aus der Leicheukammer oder einem der angrenzenden Räume zu komme» schien. Die Mutter teilte entsetzt dem Diener ihre Wahrnehmung mit und fügte hinzu, das klinge ja fast so, lote tvenn hier ein Scheintoter wieder zu m Leben er- wacht sei. Der Diener suchte sie zu beruhigen, aber die erschreckte Frau erzählte nachher draußen im Garten des Krankenhauses— es war gerade Besuchszeit— noch anderen Personen, was sie da drinnen erlebt zu haben meinte. Als sie die Anstalt verließ, fragte sie am Ausgang noch einmal den Portier, was den» der von ihr vernommene Aufschrei gewesen sein könne, und sprach auch zu ihm von der Möglichkeit deS Wiedererwachens eines Scheintoten. Der Portier belehrte sie dann, da werde sie gewiß die Hunde gehört haben, die im KrankenhanS als Versuchstiere gehalten werden. Hiermit hätte die Sache erledigt sein können. Doch daS wach ge- wordene Mißtrauen schwand noch immer nicht, und auf Umwegen gelangte schließlich an uns die Meldung, in der Leichenkammer des FriedrichShain-Kcankenhauses solle ein Scheintoter zum Leben' wieder erwacht sein. Wenn wir das auch nicht glauben konnten, so hielten wir es doch für unsere Pflicht, zu untersuchen, um was für einen Vorgang es sich dabei handeln könne und wie jenes Gerücht einstanden sei. Leider mußten wir uns dabei ans die Befragung privater Personen beschränken, weil wir aus früher gemachten Erfahrungen die Ueberzeugung gewonnen haben, daß Angestellte der Anstalten unserer Stadt uns jede Anskunft verweigern werden. Wir haben oben wiedergegeben, was wir zn ermitteln vermochten, und wir dürfen wohl annehmen, daß die Sache sich in der Tat so abge- spielt hat. Der Unbeteiligte wird vielleicht finden, daß diese Geschichte, die so gruselig begann und mit einer so harmlosen Aufklärung endete, lediglich erheiternd wirken könne. Dieser Ansicht möchten ivir doch nicht so ganz beistimmen. Wir wissen nicht, ob im Friedrichshain- Krankenhause wirklich die Versuchs- Hunde in nächster Nähe der Leichen und mit ihnen unter einem und demselben Dach untergebracht sind. Wir legen auch kein Gewicht darauf, ob diese Annahme zutrifft oder nicht, Tatsache ist aber, daß jene Besucherinnen der Leichenkammer in nächster Nähe der Leichen ein Aufschreien oder Aufheulen wahrgenommen haben, zu dessen Erklärung nachher ei» Angestellter der Anstalt auf die Hunde verwiesen hat. Unseres ErachtcnS sollte schleimigst dafür gesorgt werden, daß die Wiederholung eines solchen Vorkommnisses ausgeschlossen wird. Die KraukenhauSverivaltung wird es sür ihre Pflicht halten müssen, von den Leichenkammern der Krankenhäuser alles fernzuhalten, waS auf empfindliche und erreg- Bare Personen eine Tchrei?>v!r?ung auSüBe» könnte. ES wird ihr nicht gleichgültig sein dürfen, dag in der Leichenkammer deS FriedrichShain-Krankenhauses offenbar— wie ja der vorliegende Fall zeigt— die Möglichkeit der Entstehung solcher Gerüchte ge geben ist. Die Bcrsteigcriing eines Acroplans fand gestern in der städtischen Pfandkammer in der Neuen Schönhauser Strage statt. Es handelte siNz dabei unr die Erfindung eines AviatikerS, einem Eindecker, der leine Flngpremiere vor kurzer Zeit in Chemnitz mit Erfolg absolviert Harle. Der Berfrrtiger der Fluginaschine war jedoch von seinen Geldgeber» in letzlec Zeit in Stich gelassen worden und so beschlag nahmteu die Gläubiger den Aeroplan. Der Händlerring entwickelte so gut ivie gar kein Interesse für die Erfindung. Der einzige iverr volle Gegenstand schien ihnen der Benzinmotor zu sein, wofür sie l25 M. boten. Da sich jedoch kein Ängebot für de» ganzen Aeroplair ermöglichen ließ, wurde die Versteigerung vertagt. Ein Hhpothekeiibricf über eine Million ist am ersten Pfingst- feiertags einem Geldbriefträger im Grunewald verloren gegangen Der Briefträger verkaufte auf seinem Bestellgange hier und da Marken und vermiete dann plötzlich den grogen starken eingeschriebenen Brief. Bielleicht hat jemand in den starken Verkehr deS Feiertages den schweren Brief gefunden, mitgenommen und in Unkenntnis seines Wertes zu Hause liegen lassen. Etwaige Mitteilungen nehmen die Polizeiverwaltungen von Grunewald und Hnndekehle oder die hiesige Kriminalpolizei entgegen. Ob der Briefträger den Einschreibebrief in einem Hanse der Wijz mann- oder Trabener Straße har liegen lassen oder ob er ihn aus offener Straße verloren hat, weiß er nicht. DiS Hypothek ruht auf dem Aschinger-Grundstlick Bellevnestraße l!),20 und Potsdamer Straße 3 und ist eingetragen im Grundbuch des PotSdamcrtor- Bezirks Band 2, Blatt 32, in Abteilung III, Spalte Beränderungen zu Nr. 17. Mit zertrümmertem Schädel wurde am vergangenen Dienstag eine Kindesleiche ans dem Trittbrett eines Wagens dritter Klaffe des Bernauer Vorortzuges Nr. 17b aufgefniiden. ES handelt sich um einen neugeborenen Knaben, dessen Mutter noä) nicht ermittelt ist Die Leiche war in leinene Windeln und in einen grauen Flanell- Unterrock eingewickelt. Wahrscheinlich hat die Mutter das Paket mit dem ermordeten Kinde in einem Wagenabteil liegen lassen, aus dem es dann ans das Trittbrett herausgefallen ist. Großfener in SpindlerShof. In der bekannten Berliner Industrie- anlage SpindlerShof kain gestern nachmittag kurz vor 3 Uhr ein ge- waltiger Fabrikbrand aus. Das umfangreiche Grundstück umfaßt mehrere Höfe»nd verbindet die Seydel-, Wall- und Nene Grünstraße miteinander. Im vierten Stock emeS der Onergebände am Haupt- hose kam das Feuer anscheinend durch Unvorsichtigkeit eines Lehr jungen in dem Paekrmmr der Mützenfabrik von Franz Z e l l i» e k aus. Der 16jährige Bursche hatte Auftrag, Pakete zum Versand ferrig zu machen und zu versiegeln. Hierbei ist er wahrscheinlieh mit der brennenden Kerze einer Gardine zu nahe gekommen, die sich eiitziiiideie. Im nächsten Augenblick hatten schon andere Gegenstände Feuer gefangen, dessen rapide Weiterverbreitmig durch die offenstehenden Fenster wesentlich begünstigr wurde. Die in den fünfhundert Quadratmeter großen zusamnienhängenden Fabrikräuinen arbeitenden A.öciterinncn samt ihrem Chef gelang eö nur, durch schleunige Flucht ans Notausgängen sich in Sicherheit zu bringen. Als die Feuerwehr auffuhr, wiesen ge- waltige Rauchwolken schon von weitem auf die Gefährlichkeit deS Brandes hin. Tatsächlich bildete der ganze vierte Stock in sieben Fenster Front auch bereits ein einziges Fenermeer, weshalb sofort die Meldung„MiUelseuer" an alle Wachen erging. Acht von Dampf- spritzen gespeiste Schlauchleitungen wurden über mechanische Leitern und über Dächer hinweg gegen die Flammen geführt, die langsam aber stetig zurückgedrängt werden konnten. Die anfangs lautgewordenen Besürchtnngen, daß sich noch Menschen in den brennenden Räumen befänden, erwiesen sich als unzutreffend, da sich das gesamte Arbeiterpersonal, mit Au-nahme des weggelaufenen Lehrlings, vollzählig auf dem Hofe einfand. Die enorme Hitze gefährdete die Nachbarhäuser ungeuiei», weshalb dies« unter besonderen Schutz genommen wurde». Nach einstündigem Wassergeben galt die Hauptgefahr für beseitigt, doch zog sich die vollständige Ablöschung und Aufräumung bis in die Abendstunden hin. Die seit sieben Jahren in den Räumen fabrizierende Firnia erleidet großen Schade», da alle Räume total ausgebrannt und auch wertvolle Modelle und Schnitte vernichtet sind. Auch der Dachstnhl hat arg gelitten. Während dcS Brandes sammelten sich große Mafien Neugieriger in de» benachbarten Straße» an. Arbeitcrbildungsschuie. Sonntag, den 5. Juni. Ausflug nach Tegel, HennSdorf, Frohnau, Stolpe. Abfahrt Stetliner Vorortbahn- Hof 7,3l) bis Tegel oder mit der Straßenbahn bis zur Endstation. Treffpunkt bis 3.30 im Restaurant Rasum, Ecke Berliner- und HermS- dorserstraße. Die Nacbzügler fahren bis Hermsdorf und warten bis 10,80 im Forsthaus, Angusta-Viktoria-Str. 18. Von 12,30 ab im Restaurant Bergemann, Dorf Srolpe. Arbeiter- Samariter- Bund. Kolonne Berlin. Dienstag abend g Uhr: 2. Abteilung, Brunnenftraße 154.— Mittwoch: 5. Abteilung in Rixdorf bei Kanfhold. Erkstr. 8. In beiden Abteilungen praklifche Hebungen. Neue Teilnehmer können jetzt schon eintreten.— Am Sonntag, den 5. Juni, findet auf dem Spielplatz in der Jungfern» Heide eine Uebung im Freien statt. Dieselbe beginnt präzise 8 Uhr vormittags. Alle altiven Mitglieder sind zum Erscheinen verpflichtet. Vorort- JVacdriedten. Lichtenberg. Ein Krankenhaus wird, wenn nicht alle Anzeichen trügen, die bereits über 80 000 Einwohner zählende Stadt im Laufe des gegen- wärtigen Jahrzehnts nun doch noch bekommen. Am 26. Mai trat die Krankenhaus-Baukommissian zu einer Sitzung zusammen, um dem Werke der sozialen Fürsorge, das die Lichtenberger Stadtväter in ihrer Liebe und Güte beschlossen haben, einen merklichen Fort- gang zu geben. Im Jahre 1900 bereits erkundigte sich der Gemeindevertreter Graner höflichst und bescheiden nach dem Tun und Lassen einer in einem früheren Jahrzehnt gewählten Kranken hau-- Baukommission. Dein Gehege der Zähne eines inzwischen zum Stadirat avancierten TorsvaterS entrangen sich zornig die Worte:..Wenn die Koni- Mission so weit ist, wird sie auch ohne den Fragesteller Bericht er- statten!" Zehn Jahre sind ins Land gegangen, und nun ist die Kommission„so weit", nicht aber das Krankenhaus!� Ein Programm für die Krankcnhansanlage auf dem früheren Atzpodiensche» Hof an der Frankfurter Chaussee stand als Be- ratungSgegenstand auf der Tagesordnung der ersten Sitzung im Jahre 1910! Tie ganze Anlage ist für die Bürgerlichen ein not- lvendigeS Hebel, die ja nicht zu teuer werden soll. Tie Baulich- leiten sollen aus dem Gelände erstehen, das von der Frankfurter (Jhaussee, J5er HnbertuSstraße(Haupteingang), der Wagnerstraße und der Siegfriedjtraße begrenzt wird. Der 29 230 Quadratmeter große Bauplatz soll durch Hinzunahme eines Teiles deS in der S'.egfriedstraße belegenen freien Schulhausterrains auf 31 030 Qua- dratmeter vergrößert werden. Zwei Bauperiodcn sind für die Ausführung des Baues in Aussicht genoinmen! die Anlage soll nach voller Ausnutzung für 150 bis 500 Betten Raum gewähren. Die nur eine Pav'.llonanlage vorsehenden Projekte wurden verworfen. Es sollen zivei Gebäude errichtet werden, die neben einem Erd- geschoß zwei weitere �olockwerte enthalten. Die gesondert liegenden Infekt ionSgcbäude sollen aus Erd- und Obergeschoß bestehen. Die Vorschläge, betreffend die Errichtung einer Entbindungsstation, einer Abteilung für Tuberkulose und einer gesonderten Anlage für Geschlechtskranke, sowie der Borschlag, in einem besonderen Gebäude Einrichtungen zur Aufnahme von Privatkranken und einer Poliklinik zu treffen, zeitigten eine Debatte, die nichts anderes als den Beweis erbrachte, daß, wenn die Anlage überhaupt den Namen eines modernen Krankenhauses verdienen soll, die 'Bürgerschaft alle Ursache hat, sich mit diesem„Programm" recht eingehend zu beschäftigen. Eine Entbindungsanstalt macht die „Sache" den Bürgerlichen zu teuer! Für ganz schwere Fälle von Geschlechtskrankheiten will man allenfalls eine kleine Station ein richten! Für Lungenkranke und Tuberkulöse werden besondere Stationen für überflüssig erachtet. Von einer Poliklinik glaubt man deshalb Abstand nehmen zu sollen, weil die Aerzte der Stadt doch auch Steuerzahler sind. Tie Verhandlungen der Kommission sind nun wieder einmal vertagt. Ein Krankenhaus wird Lichtenberg schau noch bekommen, es fragt sich nur: wann? Ein Unfall ereignete sich am Freitagnachmittag in der Maschinen fabrik von Härtung in der Herzbergstraße dadurch, daß einem Ar- bester eine Kipplowry nber'S Bein ging und ihn erheblich verletzte. Sofort sorgte die Fabriklestung dafür, daß der Verletzte in Be- gleilniig eines Arbeiters mittels Droschke nach der Rettungswache in der RathauSstraße gebracht wurde. Hier aber war kein Arzt an wesend, um Hilfe zu leisten und so mußte der Aermste warten bis ärztliche Hilfe eintraf. Wie uns aufs bestimmteste mitgeteilt wird, soll es etwa 50 Minuten gedauert haben, bevor der Arzt erschienen sei. Das ließe allerdings auf eine sonderbare Art des Rettungsdienstes schließen. Es ist Pflicht der Verwaltung der Rettungswache, sich hierüber zu äußern. Rixdorf. Seit dem 21. d. M. vermißt wird der 39 Jahre alte verheiratete Buchbinder Emil Schirndt, Berliner Str. 89 wohnhaft. Sch. ist seil 13 Jahren in der Buchbinderei von Schubert, Wilhelmstr. 121, tätig. Am genannten Tage»ahm er noch an der Wahl zum Ver- bandstag teil und ist seitdem spurlos verschwunden. Da Sch. seinen gesamten Wochcnlohn bei sich halte, wird befürchtet, daß er das Opfer etneS Verbrechens geworden ist. da sonst keinerlei Gründe für sein Verschwinden vorhanden sind. Sch. ist mittelgroß, von uiiler- letzter Gestalt, hat dniikelbloiides Haar, hellblonden dünnen Bart. braune Augen, rundes blasses Gesicht und auf der rechten Wange eine kleine Warze. Bekleidet�war er mit dunkler Hose und Weste, schwarzem Jackest, braunen Strümpfen, graulvvllenem Normalhemd ohne Zeichen, Zngstieseln» weißein Vorhemd und Kragen soioie schwarzem Schlapphut. Friedenau. Einer, der eS versuchte? Als in der letzten Sitzung der Ge- meindeveriretung unser Genosse Richter die Schaffung eines Ar- beiterausschujses für die Gemeindearbeiter verlangte, wurde ihm vom Herrn Bürgermeister Walger erwidert, daß er die Notwendig- keit zur Schassung einer derartigen Institution nicht einsehen könne. Die Arbeiter möchten nur, wenn sie Beschwerden hätten, ich vertrauensvoll an ihn wenden. Wie es nun einem solchen Be- ■chwerdesührer ergehen kann, das zeigte recht drastisch ein Vor- kommnis, welches sich ein paar Tage, bevor der Bürgermeister diese stolzen Worte sprach, abspielte. Da die Arbeiter der Siraßenreinigung durch den bekannten 'anften Druck gezwungen werden, außer der Feuerwehr auch der �genannten Freiwilligen Sanitatsiolonne beizutreten, sind die- älben durch die vielen Ilebungs- und Unterrichtsstunden in den Wochentagen fast jeden Tag nach Feierabend und auch am Sonntag- vormittag ihrer freien. Zeit deraubt, waS natürlich zu lebhasten Klagen Anlaß gab. Verschiedene Arbeiter, welche die Zugehörig- keit zur Feuerwehr und zur Sanitätskolonue zugleich bekämpften, wurden, nachdem irgendein nichtiger Grund ausfindig gemacht war, entlassen. In einer Versammlung der Sanitätskolonue ver» 'uchte nun ein Arbeiter die Mißstände, welche sich bei diesem System herausstellten, vorzubringen. Er ivurde jedoch von dem Vorsitzen- den, dem Schöffen Herrn Sadee, daran gehindert und ihm Mipfohlen,' daß, trenn cr Mißstände vorzubringen hätte, er nach der Privatwohnung des betreffenden Herrn Schöffen kommen und ihm dieselben dort vortragen solle. Als der Arbeiter nun an dem Erfolg eines solchen Privatgesprächs Zweifel hegte, wurde ihm am anderen Tage vom Herrn Sadee als Dezernent für das Straßen- reinigungsivesen eine scharfe Rüge erteilt und er zu einer schrift- lichen Abbitte gezwungen. Der Arbeiter wandte sich beschwerde» stihrend an den Herrn Bürgermeister, und der Erfolg dieses -chrittes war, daß cr, ohne daß auch nur einer der anderen Arbeiter vcrnoinmcn worden wäre, aus die Angaben des Herrn Sadee und des Straßenmeisters Schulz wegen Disziplinlosigkeit entlassen wurde. Der ahnungslose Herr Bürgermeister glaubt recht gehandelt zu haben; er ist sogar empört, wenn andere Leute darüber lachen, daß die Arbeiter Vertrauen zu ihm haben sollen. Reinickendorf. Ans der Gemeindevertretung. Zum zweitcnmale hatte die Schulaufsichtsbehörde der Lehrerbesoldnngsordnung die Zustim- mung verweigert. Wieder wurde gefordert, den Rektoren an Schulen unter 21 Klassen dieselbe Funktionszulage zu gewähren wie den Rektoren an Vollschule»: und wieder lehnte die Gemeinde- Vertretung das Ansinnen ab. Beschlossen wurde lediglich, daß den Rektoren, die von einer Vollschule an eine noch nicht ganz ausge- baute Schule versetzt werden, ihre bisherigen Bezüge nicht ge- kürzt werden sollen. Die vom Berbandsausschnß des in Reinicken- darf zu errickstenden VerbaudskrankenhauseS den einzelnen Ge- meindevcrtrctungen zur Beschlußfassung überwiesene„BesolduygS- ordnung für Aerzte, Beamte und Angestellte dcS Krankenhauses" wurde der Finanzkomnnssion überwiesen. Während von bürger- licher Seite die Hobe Anzahl der Angestellten bemängelt wurde, vor Genosse Ohl ieider gezwungen, wieder einmal zu konstatieren, daß auck' bei diesem neuen Unternehmei' die Gcnieinde ibre so- ziaieli Pflichten vernachlässigen wolle. Die für die AiigestelUcii eingesetzten Beträge sür Löhne, Verpslcgnng usw. bleiben so sehr Himer dem Maß des von anderen Gemeinden Geleistetcu zurück, daß es unmöglich sein werde, brauchbares Pfleger- usw. Personal dauernd an die Anstalt zu fesseln. Zu einem heiteren Intermezzo führte die Beratung des folgenden Punktes:„Verpachtung des TerrainS an der Ängnstv-Viktoria-Allee zu Laubengelände". Unsere Genossen hatten bei der Etatsberätnng einen diesbezüglichen Wunsch geäußert,'den der Geinc in devorstand dnrch diese Vorlage erfüllte. Tie Verpachtung soll ans 5 Jahre cm einen General- Pächter zum Preise von. 12 M. pro Morgen erfolgen. Genosse Ohl ersuchte, das ganze Land an einen in Bildung begriffenen Kalo- nistenverein zu vergeben, der sür eine planmäßige Anlage sorgen wolle. Werde das Land an einen Geiieralpächtcr vergeben, würce dieser versuchen, Gewinn dabei herauszuschlagen. Diesen Vorschlag fanden alle Gemeindevertreter für so scllistversrändlich, daß man schon darüber abstiinmen wollte; doch zum Glück und Heil der bür- gerlichen Geietlschasr war inzwischen einer ihrer Retter erschienen, Herr Fabrikbesitzer Becker!"Dieser Herr wittert wie weiland der selige Piittkammer nicht nur hinter fedem Streik, sondern schon hinter jeder Anregung irgend eines Sozialdemokraten die Hydra der Revolution. Es war"nur zu natürlich, daß die Anregungen unseres Genossen Ohl bei diesem aiischeinend durch ständige„Post"- lektüre verängstigten Gemüt die verheerenden Affekte auslösen mußte.„Einen sozialistischen Laubenstaat. einen Zukunftsstaat das Laub verteile, würde jeder Bewerber erst auf seine politische Gesinnung und Bestätigung genau untersucht werden. Die Ge- meinde solle das Land stlber auslest:» und dabei möglichst eine Freunde veriuasten, lym für Augenblicke das rote Tuch von den Lugen zu nehmen, konnte er sich erst beruht- gen, als beschlossen wurde, eine Bestimmung im Vertrage aufzu« nehmen, daß keine Auswahl der Bewerber in politischer Beziehung getroffen werden darf. S'alt der jetzigen Generalvormundschaft soll für den Ort die Bcrussvormundschast für sämtliche unehelichen Kinder eingeführt werden. Ten Waisenräten wurde für die Teilnahme an den ge- richtlichen Waisenratssitzungcn eine Entschädigung von 3 M. be- willigt. Ein später zur Anlage einer Straße unbedingt erforder» liches Grundstück in der Bürgerstraße soll zum offerierten Preis« von 25 000 M. erworben werden. Für da- zu erbauende Rathaus soll eine Kommission eingesetzt werden. Tie Gemeindevertretung stimmte allen diesen Vorlagen zu. Oranienburg. Die letzte Stadtverordnetenversammlung bewilligte zunächst_bie GehaltSerhöhiing deS Krankenwärters und seiner Ehefrau von 720 ans 840 M. jährlich, neben freier cstation. Trotzdem unsere Ge» nossen dafür eintraten, die Erhöhung vom 1. April zu zahlen, wurde der Antrag, die Erhöhung mit dem 1. Juni eintreten zu lassen, angenommen, und zwar nur deshalb, weil der� jetzige Krankenwärter seine Stellung zum 1. Juli aiifgibt.— Sodann wurde dem Verein für Gesundheitspflege, welcher in Oranienburg ein Luft- und Sonnenbad errichtet und zur öffentlichen Benutzung gestellt hat. 300 M. als eimnalige Subveiuion mit 13 gegen 11 Stimmen bewilligt. Der Magistrat hatte 100 M. beantragt.— Zur Herstellung des erforderlichen Hochwafferprofils beim MeweS» scheu Grundstück ist im Projekt für die Verbreiterung und Vertiefung der Havel eine fast senkrechte Uferbefestigung vorgesehen, die dnrch Erdanler zu befestigen ist. Dazu werden 100 Quadrat- meter Land vom Mewesschen Griiiidstück gebraucht. Der Magistrat schlug vor, das ganze Grundstück für 42 000 M. zu kaufen. Genosse Schumann findet den Preis zu hoch, noch dazu, weil erst vor ganz kurzer Zeit daS Grundstück für 36 000 M. zum Kauf angeboten worden sei. Die Versammlung beschließt jedoch den Ankauf zu dem angegebenen Preise.— Zur Aufbringung der Zinsen und Raten fiir das Baukapitol der Havelreguliernng soll von den Güleni, welche auf der Strecke nach oder von Lranieiiblirg bewegt werden, eine Gebühr' von 10 Pf. pro Tonne sowie bei Floßholz von 5 Ps. pro Plätze erhoben werden.— Eine längere Debatte entspann sich über die Chemische Fabrik Altiengesellsckaft iinb Kaiser-Hütte, welche sich durch Kapitalabsindung von der Ge- bührenpflicht befreien wollen, indem jede Firma eine einmalige Summe von 30 000 M. offeriert. Der Magistrat bat dringend, diesem Abkommen die Zustimmung zu geben, was schließlich auch geschah. Dcbattelos wurde die neue Grnndwertsteuer, welche die Kommission zur Annahme empfahl, angeiiommen. Sodann ivurde vom Vorsteher ein Schreiben des vereideten Landmessers Richter- Oranienburg zur Perlesinig gebracht. In deiiiielbcn wird dem Magistrat vorgeworfen, daß Berineffuiigsarbeiten. sür welche er, R., 2100 Mar! gefordert babe, sür 4200 Mark von einem anderen Uiiternehiner auSgesührt worden seien Nachdem der Bürgermeister zur Sache gesprochen, stellte Justizrat Jonas den Antrag auf lieber- gang zur Tagesordnung. Dem widersprach Genosse Schumann auf oaS cnergischjle und zwar mit dem Hinweis, daß in dieser Sache miter allen Umständen Klarheit geschaffen werden müsse; die Per- saniniluiig erklärte sich dazu bereit, indem sie eine Kommission wählie, welche die Ailgelegenheit zu untersuchen hat. Der Kommission gehört auch Genosse Schumann an. Waidmannslust. Bei der am Freitag vollzogenen Gcmeindewahl erhielten unsere Genossen August Luscher und Paul K est in je 139 Stimmen. Tie Gegner brachten es auf 131 bczw. 133 Stimmen. Unsere Ge- nossen, deren am 2. März d. I. erfolgte Wahl von der Gemeinde- Vertretung für ungültig erklärt worden war, sind also wieder- gewählt. Pivtsdam. Wozu Geld du ist. Italienische Industrielle, die Berlin zu einer JnformaliviiSrelse besuchen, wollen sich am Doniierstag. den 2. Juni, die hiesigen königl. Schlösser und Parks aiffchen. Die Stadt Potsdam wird deii ziikä M Herren bei dieser Gelegeiiheit ein Frühstück geben; biersür hat die Sladtverordneteiiversauiuilimg 500 M. bewilligt.— In der vorigen Sitzung wurden dem Verein Jugendhort 600 M. für die beantragte Unterstütziiiig gestrichen, weil man die Bcaufsichtiguilg der Schulkinder durch de» Verein für zu teuer hielt. Jngendveranstaltnngcn. Steglitz uud Ilmgegend. Sonntag, den 2S. Mai, veranstaltet die Freie Jugciidorgaiiisaliou Steglitz und Umgegend einen Nachmittags- aiissliig nach Scküdborn. Treffpmikt sür Sieglitz; Waiinseebabn, für Friedenau lind ZSUmerSdors: Babuhos Sibniargeudors»nd siw Kehlendors: Bahnhoj daselvst. Ter Abmarsch erfolgt vünlilich um'/12 Uhr. Alle Jugendlichen bis zu 18 Jabreu iverden ansg es ordert, sich an dlclcr Per» anstaltung zu bclcilige». Für Spiclmaterial i» nuSrelcheiid gesorgt. Stralau. Am Montag, den 00. Mai, abends 8'/, llbr,(infcet bei chmidr, Mai Igrasendamm 6, die Mitgliederoersamiiillliig deS„Verein» Jugeiidheim" statt. Da wichtige Beschlüsse zu erledigen sind, werde» säniilickie Mitglieder und Parteigenossen, welche eS werde» wollen, erjuchi, zahlreich iliid pünkt- lich zu erscheinen._ Tie Kommission. Sozialdemokratischer Zeutralmahlverein Arnowalde- Friede- berg, Ortsgruppe Berit». Heute, Soinitag, nachiiiiitagz g Uhr: Mitgliederoerfammlung bei Thimm.'Tilfitcr Str. 7g. Amtlicher Marklbertchr der itädlilchen Marklballen. Direktion über den Grotzbandel in den stenlral-M arttball en. gltnrkrlagc: Fleisch: Zuiubr schwach. Eelihält still, Preise unverändert. Wild: Zusubr ge- nügend, GeichäU lebhast. Preise anzichend. G e s l ü g e I: Ziijubr in Günsen und Enten über Bedarf, sonst genügend. Gelchäjt lebhast, Preiie nachgebend. Fische: Znsuhr reichlich, Gcichätt ruhig, Preise stark nach- gebend, sür Krebse hoch. Butter und Käse: Geschäst ruhig, Preise unverändert. Gemüse, Obst und Südfrüchte: Znstihr ge- nügend, Geschäst sehr rege, Preise unverändert. «.»itterunasuderstcht vom 28. Mai I'JIO, morgens» Uvr. eiatumen *«mtmdt Hamburg b erlin Frantia vl München Wien Wetterprognose nir Soiiutag, den SN- Mai Ittl». Zunächst teilweise heiter, am Tage etwas wärmer, bei ziemlich lebhasten westlichen Winden, später wieder zunehmender Bewölkung und leichter Regen. Berliner LLetterdureau. B.rnsserstanvs.Staltzetitite» der LandeSanstall sür Gelvässerkunde. mitgeteilt vom Berliner Weltcrbureau. Wasserstand M e m e l. TilfU D r e g e l. Jnfterburg Weichsel, Thon» Oder, Ratkvor , Krassen , Frankiurt Warthe, Sebrimm , pandSberg Netz«. Bordamm Elbe, Leumcri» , Dresden # Sarkw , Magdeburg Wasserstand Saale, Grochlitz Havel, Spaiidau') , Rathenow') Spree, Svremberg') . Bccslow Weser, Münden , Minden Rhein, Mariirnliautcui , Kaub , Köln Neckar, Hcilbroim Main, Wertbem» Mosel, Trier >)+ bedeutet Wuch«,- Fall,»j l'.werpezet. t/aiii�'ici-oiaiiuu Dampfer-Station Stralauer Tor— Warschauer Brücke. DampfeF-ExtrafPirten „ach Woltersdorfcr jf jleufe l(Schlofe) gar mit M-»q Absahrt vorm. Ö.10 Uhr, iiachni. 2.10 Uhr, hin u. zurück 50 Ps.\ Kinder die Sonntag„ 9.—„ ,, 2.15„ � 75„/ Hülste von fc-rise Alien 5 Min. spä er.— Stadtbahn, Städtische Straßenbahn Warschauer S�ajze, Hochbahn Stralauer Tor.'» Dar Vciznictung von Dainpsern jeder Größe.->. Prämien-Marken j In den Sommermonaten bleiben unsere Geschäftsräume Sonntags von 10 Uhr ab geschlossen. Jedes Wort 10 Pfennig. Das erste Wort(fettgedruckt) 20 Ptg. Stelleilgesuche und Schlafstellen-Anzeigen 5 das erste Wort (fettgedruckt) 10 Pfg. Worte mit mehr als 15 Buchstaben zählen doppelt. 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