Ur. 134. HbonnementS'Bedlngunsen: Worin ements■ Preis pränumerando 1 Bierteljährli 3�0 fflit., monatl. 1,10 Mk,. wöchentlich 28 Pfg, frei ins HauS. Einzelne Nummer 6 Pfg, Sonntags. nummer mit illustrierter Sonntags- Beilage.Die Neue Welt' 10 Pfg. Post» Wonnement: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post-Zeimngs- Prerslistc. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland 3 Marl pro Monat. Postabonnement» nehmen an: Belgien. Dänemarl, Holland, Italien, Luxemburg, Portugal. Rumänien, Schweden und die Schweiz. SV. Jahrg. Vichtini Ugiich auOcr nignUa«. ___ � ♦ Vevliner Volksblstt. vle Insertlsnz-Sebohk beträgt für die fcchsgcspaltenc Kolonel» ßiilc oder deren Raum 60 Pfg., fiit: politische und gewerkschaftliche Berein». und Bersammlungs-Anzeigen 30 Pfg. „Utelne Anreigen", das erste(fett« gedruckte) Wort 20 Pfg., jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlaf- flellen-Anzeigen das erste Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort 6 Psg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis S Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expeditton ist bis 7 Uhr abends gcösfn-t. Telegramm. Adresse: „kniallltlnoltnt sstill»". Zcntralorgan der Ibzialdemohrati leben parte» Deutfcblands. Redaktion: 8 Cd. 68, Ltndenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Expedition t 6 Cd. 68, Lindcnötraeee 69. Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1984. Ztaatstechnilche Refortm Paris. 27. Mai.(Eig. Bcr.) Die von der Regierung bekannt gegebene Statistik über die Wahlprogramme der neuen Deputierten könnte als die Rechtfertigung einer Politik augesehen werden, die sich nicht von einer festen parlamentarischen Mehrheit beherrschen lassen, aber auch jede revolutionäre Kühnheit vermeiden will. In der Tat zeigt die Aufstellung, daß über die wichtigsten polt tischen Aufgaben die Meinungen aller Parteien so gespalten sind, daß sie für jede tendenziöse Ausdeutung Möglichkeit bieten. Das Untcrrichtsmonopol und die Einkommensteuer haben in den republikanischen Parteien entschiedene Gegner wie entschiedene Freunde, die Steuerreform namentlich aber auch eine bedingte Anhängerschaft von keineswegs einheitlichen Anschauungen. In dieser Zersplitterung indes kann man das zwingendste Argument für die W a h l r e f 0 m finden, deren Ausgabe sein ivird, an die Stelle der Bczirkspolitik der Kan- didaten die Politik organisierter großer Parteien zu setzen. Dies kann aber nur das mit der Verhältnis- wähl verbundene Listcnskrutinium zuwege bringen, für das sich auch,»venu auch nicht die absolute Mehrheit, so doch nicht viel weniger als die Halste der Depuüerten und die Majorität der Wähler erklärt hat. Eine Regierung, die der Volksmeinung Rechnung tragen will, müßte also vor ftllsm die Durchführung der Wahlreform be- treiben, als die Voraussetzung aller weiteren Ncforinpolitik, namentlich auch der längst reifen Verwaltungsreform. In den nächsten Tagen ivird man sehen, wie ernst es Briand daniit ist. Man lveiß schon, daß er seine Gegnerschaft gegen den Proporzgedanken, der von ihm noch vor den Wahlen als ein Komplott der Sozialisten mit der Reaktion verdächtigt wurde, aufgegeben hat und daß er ein Projekt vorbereitet, das die Verhältnisvertretung auf der Grundlage der Departementslistemvahl— vermutlich mit Verlängerung der Mandatsdauer auf 6 Jahre und mit einer alle.zwei Jahre erfolgenden Wahl eines Drittels— einführt. Die Frage ist nur, ob sich diese seine„Anpassung" auch auf die Meinung ausdehnt, die die Vorkämpfer des Proporzes von der Dringlichkeit der Resorni haben. Poincars im „Tcmps" und Jaurös in der„Hunianits" fordern einmütig, daß die Wahlreform vor allen anderen Gegen- ständen von der Kammer erledigt werde. Jaurss erklärt, daß das Gesetz noch vor den Ferien verabschiedet werden müsse und protestiert gegen die Fortsetzung der Gepflogenheit der letzlen Kanlnier, mehrere GesetzcSwerke gleichzeitig zu beraten. Ob sich. die Dinge so prompt voll- ziehen werden, wie Jauros' löblicher Eifer es wünscht, bleibt immerhin recht zweifelhaft. Jauros hat bekanntlich auch vor Beginn der Wahlkampagne ein solidarisches Vorgehen aller Proporzanhänger bei der Stichwahl gefordert, das sich bald als undurchführbar erwies. Jetzt will er die ganze Aktion des Parlaments auf die Wahlrcsorm konzentriert wissen und er hat erklärt, daß er bereit sei, den Proporz, gleichviel mit tvelchem Ministerium, heiße es selbst R i b 0 t, zu verwirk- llichen. Bei einem Politiker wie Briand ist es allerdings das sicherste Mittel, an das Interesse der Selbstcrhaltung zu appellieren. Natürlich werden die technischen Details der Wahlreform, also namentlich die Annahme eines bcstinnnten Systems, genug Stoff zur Diskussion bieten, die der böse Wille der radikalen Nutznießer der Vezirkswahl möglichst in die Länge zu ziehen nicht verabsäumen wird. Auch mutz in einem politisch und sozial so bewegten Land, wo jeder Tag Zwischenfälle schaffen kann, die zu politischen Krisen werden, mit allerhand Störungen gerechnet werden. Die Hauptsache bleibt, daß die schwierige und sehr komplizierte Verlvaltungsreform nicht vorzeitig zur Beratung gebracht wird. Es wäre überhaupt widersinnig, wenn die den„Sümpfen" der Bezirkskorruption. wie Briand gesagt hat, entstiegenen Deputierten berufen tverden sollten, diese Sümpfe trocken zu legen. Es handelt sich im wesentlichen darum, die Departements. Verfassung durch eine auf größere Einheiten gegründete, für die modernen Verlvaltungsaufgaben geeignetere Organisation abzulösen. Die Departcmentsverfassung ist bekanntlich ein Werk der großen Revolution. Die konstituierende Versammlung hat, indem sie die alten Provinzen aufhob und das Land' in kleinere, nach geographischen Merkmalen begrenzte Administrativgebiete einteilte, einerseits die den Interessen ünd der Ideologie der Bourgeoisie entsprechende Einheit der Nation demonstrieren und befestigen, andererseits aber auch durch den vollendeten Zentralismus die Revolution selbst, die ihre aktivsten Kräfte in der Hauptstadt hatte, sichern wollen. Das Bürger- tum setzte hierbei das Werk fort, das der mit dem Feudalismus kämpfende Absolutismus begonnen hatte. Das Kaiserreich hat es vollendet und in der Präfekten- Wirtschaft ein System politischer Korruption und verwaltungs- technischer Unbehilflichkeit begründet. Der Departements- Verfassung sind schon � früher aus dem revolutionären Volke heftige Gegner entstanden. Am weitesten ging Proudhon und die von seiner Lehre beeinflußten Föderalisten der Pariser Kommune, die einen Entwurf ausarbeiteten, worin Frankreich in einen ungeheuren Verband von Gemeinden aufgelöst war. Die moderne Verkehrs- und Wirtschaftsentwickelung hat aber den mit der naturrechtlichen Abstraktion des 18. Jahrhunderls j zurechtgcschneiderten Organismus zu einer Brutstätte ärgster f Hindernisse gemacht. Oekonomische Beziehungen sind ent- stsichen, die über den zu eng gezogenen Rahmen dK Departements hinausgreifen, Aufgaben, die ein geordnetes Zusammenwirken und gemeinsame Beisteuer fordern. Schon hat das Gesetz von 187» über die Kompetenz der General räte ein gelegentliches Zusammenwirken benachbarter Departements vorgesehen, aber ein Wust bureaukrattscher Kompetenzen, die Züchtung eines polittsch dienstbaren Klüngel- Wesens, die künstliche Erzeugung von Gegensätzen, die finanzielle Einengung der departementalen Aktion tragen nicht den geringsten Teil der Schuld an der Langsamkeit des industriellen Fortschritts und an der Rückständigkeit der Verwaltungsdienste. Die künftige Organisation der Verwaltung wird nicht, wie die Monarchisten triumphierend ausschreien, auf der Wiederherstellung der alten Provinzen beruhen, aber sie wird zweifellos starke regionale Interessen zur Geltung kommen lassen. Man wird zunächst kaum anders können, als je zwei oder drei, oder auch vier Departements, die geographisch zu- sammengehören oder zueinander die intensivsten Wirtschaft- lichen Beziehungen haben, zusammenzulegen. Ein Departement dagegen wie das des Nordens mit seiner großen Bevölkerungs- ziffer wird Wohl ohne weiteres als eigene Region konstituiert werden. Das Zerstückeln bestehender Departements und die Zuteilung der Bruchstücke an verschiedene Regionen könnte in manchen Fällen wohl sachlich gerechtfertigt scheinen, indes es wäre ohne eine arge administtative Verwirrung der Ilcbergangszcit nicht durchzuführen und wird in lvahrscheinlich vermieden werden. Der Frieden des bürgev lichen Geschäfts verträgt Störungen nicht, die vor 120 Jahren in dem allgemeinen Zusammenbruch nicht mehr besonders fühlbar wurden und auch lange nicht so fühlbar werden konnten, wie in unserem ungleich vcrwickclteren Wirtschaftsleben. Als Verwaltungskörperschaft der Regionen sind zunächst Dcle- gationen der Generalräte in Aussicht genommen, die immer mehr zu eigentlichen Regionalräten verschmolzen werden sollen. Später soll dann die Reorganisation der Armee, der Gerichte, des UnterrichtSlvesens usw. in den neuen Rahmen eingefügt werden und schließlich das aller Funktionen entkleidete Institut des Departements selbst verschwinden. Das NegierungsProgramm. Paris, 30. Mai. Heute hielten die Minister unter dem Vorsitz des Ministerpräsidenten Briand einen Kabinettsrat ab, in wel» chem das von der Regierung der neuen Kammer zu unterbreitende Programm definitiv festgesetzt wurde. Es steht danach fest, daß sich die Kammer noch vor dem Herbst mit der Erledigung von drei Fragen befassen wird: Nämlich der Reform des Wahlrechts, der Erledigung des Marincprogramms und der Frage des Koalitionsrechtes der Staatsbeamten. Die Frage der Verwaltungsreform wird von der Wahlrechtsfrage getrennt und ihre Verhandlung ist bis zum Herbst ver- tagt. In bezug auf die Reform des Wahlrechts hat sich die Re- gicrung entschlossen, die Listenwahlen vorzuschlagen, in Ver- bindung mit einer Berücksichtigung der Minderheit. Die einzelnen Departements mit geringerer Bevölkerung werden in einen ein- zigen Wahlkreis zusammengelegt werden. Die Abgeordneten sollen in Zukunft alle 0 Jahre gewählt werden, jedoch soll schon alle 2 Jahre ein Drittel derselben erneuert werden. Die Regierung will das Verbot von mehrfachen Kandidaturen aufheben nud zulassen, daß sich ein und derselbe Kandidat in drei vcrschie- denen Departements aufftellen läßt. kl» äen tod getrieben! Beim Ulanen- Regiment Nr. 17 in O s ch a tz standen Soldatenmißhandlungen in vollster Blüte. Ansang dieses Jahres ist man der gemeinen Soldatcnquälerei auf die Spur gekommen und innerhalb kurzer Zeit kamen über 200 Fälle von Mißhandlungen zutage I Es erfolgten deshalb vier Bcr- urteilungen und man glaubte der Quälerei schon Einhalt getan zu haben, da ereignete sich bei demselben Regiment ein Soldatenselbstmord. Die sofort angestellten Erörterungen über die Ursache zum Selbstinord ergaben, daß der un- glückliche Soldat und auch andere unter furcht- baren Mißhandlungen zu leiden hatten. Als der Soldatenschinder wurde der Gefreite I e v i tz s ch e in Haft genommen. Soweit die vernommenen Rekruten mit der Sprache herausrückten, wurden dem Gefreiten über 60 Einzel- fälle von unglaubliche» Mißhandlungen und Schikane» nach- gewiesen. Der Rekrut Hcrrmann, der Selbstmord be- ging, wurde bei zwanzig verschiedenen Gelegen- heiten geschlagen. Am schlimmsten waren die Miß- Handlungen in den letzten 14 Tagen vor dem Selbstmord. Er wurde fast täglich mit Klopfpeitsche, Rohrstock und Lanzengurt in unmenschlicher Weise geschlagen. Ich hab'S bald satt mit dieser Schinderei," sagte Herrmann eines Tages. Die letzten Tage vor dem Selbstmord brachten abermals Mißhandlungen. Er wurde geohrfeigt, verprügelt. gestoßen und vom Essen gejagt! Mißhandlungen, die sich am S e l b st m 0 r d t a g e früh ereigneten, machten das Faß zum Usberlaufen voll. H. wurde wieder in der unglaublichsten Weise geschlagen.„Zu Mittag schlägt der(Gefreite) mich nicht mehr." erklärte H. gleich danach zu einem Kameraden. Und eine Stunde später machte er durch Erhängen diesem Martyrium ein Endel! Aber nicht nur der unglückliche Hcrrmann, der noch vom Tage vor dem Selbstmord in einem Briefe an seine Eltern seinen Ostcrurftaub ankündigte, sondern auch ciue ganze Anzahl anderer Rekruten hatten unter diesem rabiaten Gefreiten zu leiden. Ohrfeigen und Stock» schlüge regnete es fast täglich; bis spät in die Nacht mußten die Rekruten putzen und nachts 2 Uhr mit geputztem Sattelzeug an sein Bett tretenl! So hat es diese Bestie in Menschengestalt lange Zeit getrieben, und»venu nicht der Selbstmord Herrinanns gekommen wäre, dann hätte er sein Treiben sicher noch lange fortgesetzt. Die Sache wird aber noch ein Nachspiel haben, denn der Rittmeister ist bereits unter Anklage gestellt. Bemerkenswert ist nun aber, daß die Mißhandlungen ungesühnt bleiben, denn als Vorgesetzter hat der Gefreite gehandelt und die gemißhandelten Rekruten lehnten Furcht vor den„alten Leuten" ab, einen Strafantrag Körperverletzung zu stelle»!! Der Soldatenfchinder deshalb nur wegen Ungehorsams angeklagt werden. nicht eS ans wegen konnte Das riegsgericht in Dresden verurteilte den Angeklagten ani 30. März wegen Ungehorsams,»vodurch der Selb st- mord eines Soldaten herbeigeführt worden ist, zu nur— vier Monaten Gefängnis!! „Strafverschärfend" hatte das Gericht berücksichtigt, daß durch die Mißhandlungen ein Soldat zum Selb st mord getrieben worden ist, und daß sehr leicht weitere Selbstmorde hätten verübt tverden können, „strafmildernd" aber den Umstand, daß der Angeklagte als ein--„diensteifriger" Gefreiter geschildert tvird. So- wohl der Angeklagte als der Gerichtsherr legtest Berufung ein. Das Oberkriegsgericht erkannte aber eben» falls auf vier Monate Gefängnis und rechnete einen Monat an. Zu einer Erhöhung der Strafe sei es deshalb nicht gekommen, weil der Angeklagte nicht auS gemeinen Gründen gehandelt habe, sondern bestrebt gewesen sei. die Rekruten zum Dien st anzuhalten!!. Bus der Relchsverncherungsordoungs. hoinmifilon. Auch in der Sitzung am Montag konnte die allgemeine Debatte über die VersichsrungSbchörden nicht zu Ende geführt werden. Je- doch ist die Sachlage bereits soweit„geklärt", daß sich die bürgerliche Mehrheit wohl morgen zu einem Kompromiß zusammenfinden wird — selbstverständlich aus Kosten der Arbeiter. Die Debatte ergab zunächst eine Auseinandersetzung mit den Vertretern der einzelnen Bundesstaaten, die auf eine Anfrage eines Abgeordneten ihre„Vermutungen" und„persönlichen Auf- fassunAen" darüber vortrugen, wie in ihrem Lande dm Versichc, rungsämter am zweckmäßigsten errichtet tverden könnten. Württemberg und Sachsen wollen im allgemeinen nach dem preußischen Muster verfahren und das Versichernngsamt mög- lichst eng an die kommunalen oder staatlichen Verwaltungsbehörden anschließen. Nur Bayern denkt an eine etwas selbständigere Stellung der Versicherungsämter. Sie alle aber erhoben einmütig dagegen Protest, daß ihnen gemäß den Aeußerungen der meisten Redner in der vorigen Sitzuilg ihre Landeö-Versichernngsämter genommen und die Kosten der Versicherungsämter zum größeren Teile auferlegt werden sollen. Im übrigen war das Ergebnis der Debatte gestern ein Antrag der Konservativen, die den Regierunge» in der Form einen Schritt entgegenkommen, indem sie für die untere Berwal» tungöbehövde, soweit sie die Geschäfte der Arbeitrrversicherung be- sorgt, den Lkanlen„PersicherungSamt" übernehmen wollen. Dafür trat ein anderer konservativer Redner um so entschiedener gegen den s a ch I i ch e n K e r n des Regierungsvorschlages auf. Nach dem Entivurf soll das VersicherungSmnt u. a. als». Berufungsinstanz in Unfallversicherungssachen tätig sein. Hierauf hat der Staats- selretär anfangs den größten Wert gelegt. Das wollen die Kon- scrvativen unter keinen Umständen zulassen. Nach ihrer Versiche» rung fei bei den Berufsgenossenschaften schon jetzt alles in bester Ordnung. Namentlich wollen sie die Mitwirkung der ArbeUerver». treter möglichst einschränken. Die Freisinnigen stellten sich durch ihren Redner auch gestern ganz auf den Standpunkt wie die Konservativen. Sie werden offenbar den Konservativen gern« helfen, auch hier wieder eine für die Arbeiter dringend notwendige Verbesserung zu ver- hindern. Vom Zentrum sprach wieder ein Redner gegen und ein Redner für die Versicherungsämter. Abg. Irl erklärte für die Hauptsache, daß die Kosten nicht zu groß sein dürfen. Die Klein- meister seien jetzt schon zu sehr belastet, daß— hier gespart werden muß. Abg. Becker dagegen brachte die Beschwerden der Arbeiier gegen die Unfallversicherung vor und'bedauerte es, daß die Re. gicruug nickt bei der Bestimmimg des Borentlvurfs geblieben sei, der den Versicherungsäintern für die Festsetzung der Unfallent. schädigungen viel weitergehende Befiignisse zugewiesen hatte. D»e Kostenfrage dürfe nicht entscheidend sein. Der P ol e erklärte sich für die Vorschläge in dem RvgierungS- enteutf. Die S 0 z i a l d e m 0 k r a t e n hielten den Herren vor, welchen E«druck es auf die Arbeiter mache» müsse, wenn auch diesmal wieder die ihnen sowohl von den Parteien des Reichstage» als auch von den Regierungen ausdrücklich versprochene Verbesserung in der Unfallversicherung vcnveigett wird. Genosse Hoch wies darauf hin. daß ieiner der gegnerischen Redner den 9. ichweis des Genossen Schmidt sidttlege« kpMts. ffiie schivu die Albchter durch die jetzige Rechtlosigkeit bei h(i ersten Feststellung der Unfallentschädigungen geschädigt werden. Dieser Mißstand sei jetzt auch in den Motiven der Regierungsvorlage ausdrücklich anerkannt worden. Und doch wolle jetzt die Mehrheit jedes Mittel verweigern, um diesen Miß- stand zu beseitigen. Am Sonnabend hatte der G e h e i m r a t Neu mann von der preußischen Negierung sehr ent. schieden versichert, daß— im Widerspruch zu einem Zwischenruf des Genossen Hoch— die Schiedsgerichte in Preußen und besonders im Regierungsbezirk Kassel aufs zweck. mäßigste ihre Sitzungstage geregelt haben. Heute wies Genosse Hoch dem Herrn nach, daß seine Angaben durchweg unzutreffend seien. Gegenüber den Ausführungen des Abg. Horn(Reuß) in der vorigen Sitzung wies Genosse Hoch auf Grund eigener Er- fahrung darauf hin, daß Arbeitervertreter in der ersten Instanz durchaus segensreich wirken. Die Konservativen wollten mit dem Antrage nur ein« neue Form schaffen, in der Sache aber die bis- hcrige Rechtlosigkeit der Arbeiter bei der Feststellung der Rente bestehen laßen. Die Sozialdemokraten könnten sich mit einer Aenderung der F?rm allein nicht zufrieden geben, sie fordern das. volle Recht der Arbeiter auch bei der Feststellung der Unfallent- schädigung. Nächste Sitzung Dienstag. Äne Meies auf hoher See. Von einer einzigartigen Maifeier gibt uns ein Brief Kunde, der an den Vorstand des Verbandes der Wahlvereine Groß-Berlins gerichtet ist. Ter Brief ist an Bord des nach Australien gehenden Auswandererschiffes„Osterley" geschrieben und auf der Zwischenstation C o lo m b o(Ceylon) aufgegeben. Das interessante und stimmungsvolle Schreiben lautet folgendermaßen i „Werte Partcigenosseui Die herzlichsten Grüße zur Maifeier senden Euch die deutschen und englischen Genossen, welche sich von Berlin resp. London auf der Reise nach Austra» lien befinden. Eine von deutschen Partekgenossen am 1. Mai im Roten Meer auf Deck des obengenannten englischen Schiffes ein- berufene Versammlung war von ungefähr 200 Personen besucht, darunter etwa 80 Engländer. Die Tagesordnung lautete:„Die Bedeutung des 1. Mai". Referent Ivar der Genosse Albert Beck- m a n n, früher im 4. Berliner Reichstagswahlkreise wohnhaft und organisiert. Punkt 9 Uhr wurde die Versammlung eröffnet. Das Bureau bildeten die Genossen Max Schäfer als Vorsitzender und Georg Lesche als Schriftführer. Der Referent legte die Be- deutung des internationalen WcltfeicrtagS dar. Besonders hob er hervor, daß eine gleichartige Versammlung auf einem deutschen Schiffe eine Unmöglichkeit wäre. Der Redner erinnerte an den Kampf, den.die Brüder in der Heimat gegen die preußische Drei- klassenschma») und die kapitalistische Klassenherrschaft so unermüd- lich führen. Er beleuchtete dann das Los der Auswanderer, die zum letzten Mittel griffen und der Heimat den Rücken kehrten. weil tiestraurige Verhältnisse sie dazu zivangen. Bon stürmischem Beifall unterbrochen schloß der Redner mit einem Appell an die Versammelten, im fernen Lande treu und fest zu den Grundsätzen der Sozialdemokratie zu stehen und die Ideen des Sozialismus auch in die entfern» testen Winkel zu tragen. Der Vorsitzende schloß hierauf die Versammlung mit einem dreimaligen Hoch auf die internatio- nale völkerbesreiende Sozialdemokratie. Brausend auö mehr denn 900 Kehlen von Frauen, Männern und Kindern ertönte es hin- über zur 1. und 2. Klasse, wo die Reichen noch beim Frühstück saßen. Dann stimmten die Angehörigen der beiden Nationen hie Arbeiter-Marseillaise an, von der der erste und dritte Vers ge. fungen wurde. Die Versammelten gingen darauf auseinander. Am Abend wurde eine kleine Feier mit Vorträgen und Klavier- begleitung im Musikraum des Schiffes abgehalten. Folgende Resolution gelangte zur einstimmigen Annahme: �„Die heute am t. Mai im Roten Meer an Bord der„Oster- Ich" tagende öffentliche Volksversammlung, einberufen von den deutschen Auswanderern, begrüßt die deutschen Parteigenossen zur Weltfeier. Die Anwesenden geloben, auch im fernen Lande treu und fest zur Fahne der Partei zu stehen und. wo es auch sei, die Interessen der Partei zu vertreten und deren Ideen zu verbreiten, bis der Sieg errungen ist." 7 Soweit dieser Brief, der von mehreren deutschen und englischen Genossen unterzeichnet ist. Uns aber ist diese Versammlung von symbolischer Bedeutung. Wo immer heute Arbeiter zusammenkonimen, da einigt und erhebt sie der Ge- danke au den Sozialisnius. Es ist ihr Schmer z, daß sie mit der Heimat zugleich auch die mächtige Kampfgemeinschaft verlassen müssen, deren Sieg erst den Arbeiter das Vaterland geben wird, das sie heute aus seinen Grenzen gestoßen hat: es ist aber auch ihr T r o st, daß wohin immer sie kommen, sie auch neue Kampfgenossen für die Sache der Arbeiter finden werden. Und so möge denn der Wunsch unserer Genossen in Erfüllung gehen und sie auch im fernen Weltteil reiche und lohnende Arbeit finden für die heilige Sache der sozialistischen Internationale. politifcbc OebcrHcbt. Berlin, den 30. Mai 1910. Parlamentarisches Potpourri. Das AbgeorditetenhauS hatte am Montag eine reichhaltige Tagesordnung zu erledigen. Zunächst beschäftigte es sich mit Wahlprüfungen und erklärte u. a. die Wahl des in Moabit gewählten Mischmaschkandidaten Runze für gültig. Vergeblich forderten unsere Genossen, für die H i r s ch sprach, die Prüfung der in dem sozialdemokratischen Protest behaupteten Tatsachen; vergeblich appellierte unser Redner an das Gerechtigkeitsgefühl des Hauses. Die Wahl wurde gegen die Stimmen unserer Genossen ftir gültig erklärt und der sozial- demokratische Antrag auf Beweiserhebung abgelehnt. Geradezu skandalös war das Schalten des schwarz- blauen Blocks, der sich auch hier wieder zusammenfand, bei der Prüfung der Wahl des in Emden-Norden gewählten Nationalliberalen Fürbringe r. Die Kommission hatte die Ungültigkeit der Wahl beantragt, da einige Wahlmännerstimmen abgerechnet werden mußten und Fürbringer dann nicht mehr die Mehrheit gehabt hätte. Die Nationalliberalen wiesen nun nach, daß auf der zum Wahl- kreis gehörenden Insel Borkum eine unheimliche Wahl- beeinflussung zugunsten des konservativen Gegenkandidaten geübt war. Von Rechts wegen hätten die auf Borkum ge» wählten Wahlmänner für ungültig erklärt werden müssen und dann hätte Herr Fürbringer die Mehrheit gehabt. Da aber Wahlprüfungen nicht nach Recht und Gerechtigkeit, sondern nach parteipolitischen Erwägungen beurteilt werden, erklärte die Mehrheit Lie Wahlen in Borkum für gültig und kassierte das Mandat des rechtmäßig gewählten Herrn Für- dringer. Weiter beriet das Haus in dieser Lesung den Gesetzentwurf betreffend die ländlicheen Fortbildungsschulen für Schlesien. Die Herren vom Zentrum suchten wieder, wie bereits bei der zweiten Lesung, den Religionsunterricht in den Lehrplan einzuschmuggeln; der einzige Erfolg war der, daß sie sich eine neue Niederlage holten, die ihnen Genosse Hoff mann bereitete. In ihrer ohnmächtigen Wut ergingen sie sich in persönlichen An- rcmpelungen unserer Genossen, die nun erst recht ausholten und die Partei der Heuchelei vollends auf den Saud streckten. j Von den zahlreichen Jnitiatibäntragen, mit denen das Haus sich schließlich noch beschäftigte, wurde der nationalliberale Antrag betreffend die Regelung der Schulpflicht an die Unter- richtskommission verwiesen. Da der Schluß der Session bevor- steht, ist das gleichbedeutend mit einem«Begräbnis, die Regelung dieser wichtigen Materie wird also vorab noch nicht erfolgen. Deutsche Bank kontra preustischc Finanzpolitik. Das Herrenhaus verhandelte am Montag über den Etat des Finanzmini st eriums und der Tag war für Herrn v. Rheinbaben kein angenehmer Tag. Er mußte mit seiner Finanzpolitik förmlich Spießruten laufen. Das Groteske an der Sache ist, daß Herr v. Rheinbaben diesen Unglückstag selbst ver» anlaßt hat. Am Freitag voriger Woche hatte der Direktor der Deutschen Bank, Herr v. Gwinner, die Generaldebatte des Etats zu einer, ob zutreffend oder nicht, mag dahingestellt bleiben, aber jedenfalls zu einer sachlichen Kritik an der Rheinbabenschen Finanzpolitik benutzt. Darauf hatte sich Herr v. Rheinbaben sofort erhoben, um den unangenehmen Kritiker in überhebendem Tone herunterzumachen und ihm Unkenntnis und andere schöne Sachen an den Kopf zu werfen. Man kann es Herrn v. Gwinner nicht verdenken, wenn er so etwas nicht auf sich sitzen läßt. Und er er- griff denn auch die erste Gelegenheit, die sich ihm beim Etat des Finanzministeriums bot. um Herrn v. Rheinbaben eine Antwort zu geben, die dieser sich sicher nicht hinter den Spiegel stecken wird. Herr v. Gwinner, dem zweifellos auf dem Gebiet des Finanzwesens die Sachkenntnis nicht abgesprochen werden kann und der übrigens beim letzten Ministerrevirement im Reich für den Posten emeS Schahsekretärs ausersehen war, ließ dem Borwitzigen auf der Ministerbank nichts geschenkt. Der Kernpunkt seiner Ausführungen. dje ihre Spitze wiederholt auch gegen die Person des Herrn von Rheinbaben richteten, war der, daß unserer Finanzverwaltung jede sinanzwiffenschaftliche Einficht fehlt. Unsere Finanzverwaltung mag genügt haben für die Zeit vor dreißig Jahren, wo es nur Steuern und Zölle zu erheben galt, aber nicht für heute, wo Preußen mit seineu Eisenbahnen Besitz vom gewaltigsten Betriebe der Welt er- griffen hat. Die technische Verwaltung dieses gewaltigen Unter- nehmens pries Herr v. Gwinner zwar in den höchsten Tönen, und nickst nur wir Sozialdemokraten werden dahinter ein großes Frage- zeichen machen. Aber die finanzielle Verwaltung ist nach der An. ficht des Herrn v. Gwinner unter aller Kritik. Zum Beweise dafür bezog er sich auf die Politik der privaten Eisenbahngesellschaften anderer Staaten, und vor allem auf die absolut unfähige Art, die sich bei uns auch bei den wichtigsten Maßnahmen der Finanz- Verwaltung zeige. Sie habe es fertig gebracht, das Miquelsche Erve so herunterzuüzirtschaftcn, daß Preußen? Finanzen trotz der hohen Einnahmen auf den Eisenbahnen heute beinahe so schlecht seien. wie die Finanzen des Reiches. Die ganze Lauge seines Spottes goß Herr v.' Gwinner über den höchst betrübt dasitzenden Herrn v. Rheinbaben aus, als er dessen gänzlich verkehrte Beurteilung der jeweiligen Lage der Konjunktur schilderte. Besserung auS den gegenwärtig„verstrubbelten" Etatsverhältnissen erhofft Herr von Gwinner von der Aufnahme besonderer Eisenbahnanleihen an Stelle einer allgemeinen Defizitanleihe. Herr v. Rheinbaben machte sich die Erwiderung leichter, als es selbst einem preußischen Mi- nister erlaubt sein dürfte. Er nahm nach bekannten Borbildern Anstoß an der Form, die der parlamentarisch noch ungeschulte Herr v. Gwinner gewählt hatte. Als er dann mit einem zwar ganz in- haltslosen, dafür aber mit um so größerem Pathos vorgetragenen Satz sagte, er müsse nicht nur für seine Person, sondern auch für seine treuen Mitarbeiter die Angriffe des Vorredners zurückweisen, da täuschte ihn seine Erwartung nicht, und die Lords überschütteten ihn förmlich mit Beifall. Hilfe erstand ihm in dem Magdeburger Oberbürgermeister Lentze. der die Zulässigieit jedes Vergleichs eines Staatsbetriebes mit einem Privatbetriebe ablehnte, und vor allem in Herrn v. B u ch, einem Stockkonservativen, der gleichfalls unter lebhaftem Beifall im schnarrenden Kriegervereinston den Minister auffordörte. an den bewährten alten preußischen Grund- sähen festzuhalten. Herr v. Gwinner griff wiederholt in die Debatte ein und wehrte sich kräftig. Der Etat des Finanzministeriums wurde schließlich bewilligt.— Am Dienstag kommt Ver Bauetat an die Reihe._ Zwei erledigte Reichstagsmandate. Am Montag sind zwei Reichstagsabgeordnete aus dem Leben geschieden, in Frankfurt a. O. ders Nationalliberale Detto, in Dresden der Antisemit Zimmermann. Der erstere vertrat den Wahlkreis Frankfurts. O.- Lebus, Zimmermann den Wahlkreis Zschopau- Marienberg(20. sächsischer). Beide Wahlkreise waren schon inl Besitz der Sozialdemokratie. Frankfurt a. O.- Lebus wurde 1903 in der Stichwahl mit 14 685 gegen 14 204 konservative Stimmen erobert, nachdem in der Haupt- Wahl 12 817 sozialdemokratische, 8268 konservative und 7025 nationalliberale Zettel abgegeben worden waren. In der Nachwahl am 13. Mai 1904, die durch die skandalöse Un- gültigkeitZerklärung des Mandats nötig wurde, ging der Kreis indessen wieder verloren. In der Hauptwahl fielen 11 407 sozialdemokratische, 11 747 nationalliberale und 2872 Stimmen des Bundes der Landwirte, der Nationalliberale siegte dann in der Stichwahl mit 14 385 gegen 11882 sozial- demokratische Stimmen. 1907 war das Stimmenverhältnis: Sozialdemokraten 12388, Nationalliberale 10070, Anti» semiten 7722, Zentrum 228 Stimmen— in der Stichwahl siegte der Nationalliberale mit 17 805 gegen 12196 sozial- demokratische Stimmen. Zschopau- Marienberg war von 1898—1904 im Besitz der Sozialdemokratie. 1903 hatte Genosse Rosenow im ersten Wahlgang mit 13 616 Stimmen über den freikonser- vativen Gegner gesiegt, der nur 9876 Stimmen erhielt. Bei der Ersatzwahl am 18. März 1904. die durch den frühen Tod Rosenows nötig wurde, fielen auf die Sozial- demokratie 10 277, auf die Antisemiten 5998, auf die Konser- vativen 4325 Stimmen, bei der Stichwahl siegte der Anti- scmit mit 11957 Stimmen über den Sozialdemokraten, der 10 982 Stimmen erhielt. 1907 siegte im ersten Wahlgang der Antisemit mit 14 732 Stimmen über 11 281 sozialdemokratische. In beiden Wahlkreisen hat also die Sozialdemokratie Scharten auszuwetzen und sie darf mit gutem Mut an diese Aufgabe herangehen. In Frankfurt a- O. kandidiert Genosse Faber, in Zschopau-Marienberg Genosse Paul Göhre.-»»» • In Zimmermann ist der Führer des Flügels der Antisemiten gestorben, der sich Reformpartei nennt. In Wirklichkeit ist von einer Partei längst keine Rede mehr. Zwar sind 1907 noch ein paar Resormparteiler in Sachsen gewählt worden— aber sie haben nicht als Vertreter ihrer Partei die Mandate erhalten, sondern als Troßbuben der Reaktion: aus eigener Kraft vermöchten die Antisemiten in Sachsen nirgends mehr durchzudringen Einstmals freilich vermaßen sie sich, alle anderen Parteien, vor allen Dingen die Sozialdemokratie zu verschlingen. Das war in den Jugendjahren des Antisemitismus, als Zimmermann noch ein Held war. 1893 schwoll die Flut des Antisemitismus in Sachsen an und Zimmermann zog als Erwählter von Dresden-Altstadt in den Reichstag ein, den er von 1890—1893 als Vertreter des Wahlkreises Alsfeld(Hessen) angehört Hatte. Damals wurden sechs Antisemiten in Sachsen ge- wählt und eZ schien, als sollten die Konservativen bor ihnm die Segel streichen. Aber 1898 war es schon mit der Herr- lichkeit vorbei, die Konservativen drängten die Antisemiten wieder zurück, Zimmermann siel durch, die drei Dresdener Mandate wurden von der Sozialdemokratie erobert. Und das Tageblatt, das Zimmermann in Dresden gegründet hatte, die„Deutsche Wacht", ging den Krebsgang, schwebte jahrelang zwischen Leben und Sterben, bis es endlich an chronischer Abonnentenschwindsucht starb. Heute fristet der Alttisemitis- mus nur noch ein kümerliches Dasein als Hilfstruppe der Konservativen— die Reichtagswahlen 1911 werden ihnen den Rest geben. Daß die Ersatzwahl in Hschopau-Marienberg ihr Teil dazu beitrage, dafür wird die eifrige Arbeit unserer Genossen sorgen._- Der Kriegszustand in Tortmund. In ver vorigen Woche ist es an mehreren Abenven zu mehr oder minder erheblichen Zusammenstößen m?t der Polizei gekommen, die beinähe zu Straßenkämpfen ausarteten. Die Zigarrenfirma H a n n e m a n n in Dortmund kürzte ihren Arbeitern den Lohn, und als die Arbeiter sich deu Abzug nicht gefallen ließen, schritt sie zur Aussperrung. Das[ Publikum ergriff die Partei der Ausgesperrten, und verhängte über die Firma den Boykott. Während der ersten Tage blieben die ausgestellten Posten unbehelligt, dann aber suchte die Polizei die Posten zu vertreiben. Das verursachte Ansammlungen. Das Ge- schäst liegt am Steinplatz, der schon durch frühere Polizei- schlachten historische Bedeutung erlangt hat. Am Donnerstagabend kam es zum erstenmal zu be- merkenswerten Auftritten. Große Massen hatten sich angesammelt, die von der Polizei zerstreut wurden, wobei sie sich der Polizeihunde bediente. Es entstanden Pl l ä n k e l c i e n. die sich mehrere Stunden hinzogen und durch viele Straßen fortpflanzten. Auf dem Wall flüchtete die Menge ins Olympiatheater, die Hunde hinterdrein, und das gerade zur Zeit der Vor- stellung. Das Publikum glaubte, eine Schar toller Hunde fei ins Theater eingedrungen, und jeder suchte sich zu retten soguter konnte. Am Freitagabend war der Tumult nochgrößer, weil berittene Sch utzleute eingriffen. Das rief auch den I a n- Hagel auf den Plan, der die Polizisten mit Steinen, Kon. servenbüchsen. faulen Aepfcln usw. bewarf. Wohl an 4000 Personen hatten sich auf dem Steinplatz angc- sammelt. Der Kampf wogte wohl drei bis vier Stunden hw und her. Der Firma Hann«mann wurden vier große Schaufensterscheiben zertrümmert. Mehrere Verletzte mit schweren Wunden wurden festgestellt. Abends um 9 Uhr wurde die Schließung der Wirtschaften angeordnet, doch zogsichderTumult biöum12 Uhrhin. Sonnabend wieder dasselbe Spiel, nur in versöhärftem Maße. Schon am frühen Morgen zeigte der Steinplatz wieder An- iammlungen. Abends kam es zu scharfen Zusammenstößen. Die Polizei hatte 30 Mann zu Fuß, sieben Berittene und die Hundrmeute aufgeboten. Besonders die Verwendung der Hunde ist außerordentlich gefährlich. Einem unbeteiligtem jungen Mann wurde von einer folckicn Bestie ein dreißig Zenti» meter langes Stück Fleisch aus dem Oberschenkel gerissen. Der Unglückliche mußte von Passanten zum Arzt getragen werden. Trotzdem war cS der Polizei nicht möglich, die Massen zu zerstreuen. Geschossen wurde gleichfalls, man weiß aber nickt von welöher Seite. Erst nach 12 Uhr trat wieder Ruhe ein. Es heißt, daß viele Verhaftungen erfolgt seien. Die Sozialdenidkratie steht diesen Borkommnissen fern und si« verurteilt auch die Taten des Janhagels. Sie ist aber auch der Ansicht, daß die Zusammenstöße wie überhaupt die Ansamm. lungen vermieden worden wären, wenn sich die Polizei nicht eingemischt und die Posten ln Ruhe gelassen hätte. Nament- Uch ist es aber die Verwendung der Berittenen und der Hunde wieder gewesen, die den Janhagel auf den Plan gelockt hatt—_ Nationalliberale Kandidatur in Cannstadt-Ludwigsbnrg. Für den früheren Abgeordneten Hieb er. dessen Mandat durch feine Beförderung erloschen ist. haben die Nationalliberalen den Rechtsanwalt Friedrich L i st aus Reutlingen als Zwndidaten aufgestellt. Die Fortschrittliche Volkspartei ist noch unentschlossen, ob sie für List eintreten oder einen eigenen Kandidaten auf» stellen soll. Bei der letzten Wahl war daS Stimmenverhältnis folgendes: Hieber erhielt 13 787 Stimmen. Genosse Keil 15 488. Die Ent» scheidung wird, falls eS zur Stichwahl kommen sollte, bei den Bauernbündlern liegen, die einen eigenen Kandidaten aufstellen werden._ Arbeit entehrt! In einem Dörfchen des Eistales wohnt ein baye- rischer Graf Max v. Tauffkirchen zu Guttenburg. Kle» Ving, Katzenberg und Engelburg, der seine aus Frau und sieben Sprößlingen bestehende Familie auS dem Ettrage einer kleinen Gast- und Schankivirtschaft„Zum Ochsen" ernährt. Weil nun aber nach dem bayerischen Adelsgesetz die Ausübung eines Gewerbes bei offenem Laden oder Kram, wozu auch die Ausübung deS Gast- wittsgeiverbes gehört, die Suspension vom Adel zur Folge hat, ist. wie die„Frankfutter Ztg." meldet, dem Ochsen- Witt kürzlich dieFührung desGrafentitelsunter- s a g t worden, das heißt, die Titelführung„ruht" so lange das Geschäft betrieben wird. Also wird der ehr- liche Mann behandelt, wie im Mittelalter die„unehrlichen" Leute behandelt wurden! Das Zugeständnis, daß unsere Adligen ehrliche Arbeit att entehrend betrachten. ist wunderhübsch!Z Die standes- gcmäßeste Beschäftigung süd- wie norddeutscher Junker ist es ja entschieden auch, als moderne Strauchritter durch Brot- und Fleischwucher, Branntwein-LiebeSgaben u. dergl. die Masse des arbeitenden Volkes auszuplündern! Militärische Erziehungsfrncht. In einer Kantine auf dem Truppenübungsplatz Alten-Grabow entstand am 80. April d. I. zwischen Infanteristen und Artilleristen Streit, der in eine Schlägerei überging. Hierbei erhielt der Artillerist Leonhardt vom 19. Feldartillerie-Regiment in Erfutt einen schweren Hieb mit dem Bierseidel über den Kopf, an dessen Folgen er starb. Als Täter wurde der Füsilier Müller vom 36. Jnfanterie-Regiment in Halle ermittelt. Vom Kriegs. gcricht der 8. Division in Halle wurde M., der von seinem Haupt» mann als ganz vorzüglicher Soldat gerühmt wurde, zu S Jahre Gefängnis verurteilt. Es ist bekannt, daß auf UebungSplätzen zwischen den ver, schiedenen Truppengattungen stets Awistigkeiten bestehen, aus btntu sich oft blutige Schlägereien entwickeln. Opfer des Mansfelder Streits. Leipzig, 30. Mai. Das Reichsgericht verwarf heute die Redi, sion der Bergleute Scharfer und G e p p e r t, die von der Strafkammer Eisleben wegen versuchter Nötigung und Ver- rufSerklärung während des Mansfelder Bergarbeiterstreiks zu Ge- fängnis verurteilt worden waren. Ebenso wurde die Revision der Bergleute GoeSler und Siching, die vom Schwurgericht Halle aus des gleichen Anlaß vxrlllteilt wozden vavm folvie die Revision des von der Strafkammer Eis leben wegen Wider> ftandes und Beleidigung, begangen gegen Soldaten, verurteilten iSergarbeiterZ BauerZin verworfen. frankreick. An der Mauer der Föderierte«. Paris, 29. Mai.(Eig. BerH Die Kundgebimg zu Ehren der gemordeten Kommunekämpfer hatte in diesem Jahr einen besonderen Umfang. Das Verdienst daran ist der Polizei zuzuschreiben, die am letzten Sonntag friedliche Demonstranten, die der Enthüllung der Denksäule für die Kommunarden des linken Seine-Ufers auf dem Friedhof von Montparnasse bei- gewohnt hatten, überfallen, indes selbst reichlich Prügel davon- getragen hat. Die sozialistische Partei beschloß, den heutigen Tag für das Recht der öffentlichen Kundgebung zu demonstrieren. Ihr Appell fand über Erwarten Gehör. Auf gut 30 000 Menschen kann man die Masse abschätzen, die heute nachmittag auf marschierte. Die Partei hatte die Organisation der Mani- festation mit Sorgfalt betrieben, um Polizeiprovokateuren oder leichtfertigen Randalbrüdern nicht die Möglichkeit zu lassen, Konflikte herbeizuführen. Die Regierung dagegen hatte es nicht über sich vermocht, kleinliche Schikanen zu unterlassen. So sollte das Entrollen der Fahnen'nur innerhalb der Fried- »Hofsmauern gestattet und das Reden an der Mauer verboten sein. Gen. V a i l l a n t, der eine Ansprache begann, wurde vom Polizeipräfekten am Weitersprechen gehindert. Der Selbstzucht der Massen und dem wirkungsvollen Eingreifen der sozialistischen Ordner, nicht dem ungeheuerlichen Militäraufgebot war es zu danken, daß die Kundgebung nicht ihre Würde verlor. Verbot des Trucksystems in Frankreich. Durch Gesetz vom LS. März ist in Frankreich künftig jedem Arbeitgeber verboten: 1. mit seinem Etablissement einen Laden zu verbinden, auL dem er direkt oder indrekt an seine Angestellten oder deren Familien Lebensmittel oder sonstige Waren verkauft; 2. seine Angestellten zu verpflichte», ihren Lohn oder einen Teil desselben in bestimmten, von ihm bezeichneten Geschäften auszu- geben. Alle Geschäfte der oben bezeichneten Art müssen innerhalb zweier Jahre aufgehoben sein. Läden, die von unter staatlicher Aufsicht stehenden Eisenbahnen gehalten werden, sollen nicht unter das Gesetz fallen, vorausgesetzt, datz das Personal nicht der» pflichtet ist. dort zu kaufen, daß ferner die unternehmende Gesellschaft keinen Profit aus ihnen zieht, und daß endlich ein Ausschuß, dessen Mitglieder zu mindestens einem Drittel vor dem Personal gewählt sind, die Geschäftsführung überwacht. Dieselben Bedingungen gelten für Verlaufsläden solcher industrieller Gesellschaften, deren Anteile zum größten Teil den gegenwärtigen oder früheren Angestellten gehören, oder deren Mitglieder gleichfalls zum größten Teil aus solchen Personen bestehen. Uebertretungen deS Gesetzes sind mit 4lZ bis 1600 M., im Wiederholungsfalle mit 4000 M. strafbar.' Englancl. Deutscher Schutzzoll in englischer Beleuchtung. Man schreibt uns aus London: Genosse R a ni- say Macdonald fährt in der„Daily News" mit der Schilderung der Eindrücke fort, die er auf seiner Reise mit der englischen Arbeiterdeputation in Deutschland gesammelt hat. Die englischen Tarifreformer pflegen zu behaupten, daß die Einführung des Schutzzolls England die Möglichkeit bieten würde, von anderen Ländern Handelsvorteile zu erzwingen, die ihm unter dem System des Freihandels, bei dem kein Land besondere Konzessionen zu hoffen oder Gegenmaßregeln zu befürchten hat, verloren gehen. Ein Gespräch, das Macdonald mit dem Sekretär der Mctallarbciterorgonisation im Volkshaus zu Solingen geführt hat. beleuchtete diese Frage. Solingen, schreibt Macdonald, ist das deutsche Sheffield, aber ein Sheffield, umringt von blühenden Obst- gärten, das trotz der rauchenden Fabrikschornstcine von reiner Luft umgeben ist. und dessen Straßen und Häuser mit Aus- nähme der Altstadt sauber sind. Macdonald erzählt wie niachtlos Solingen der Zollerhöhung der Vereinigten Staaten auf Stahlwaren gegenüberstand, ungeachtet des deutschen Schutzzollsystems. Die Solinger Fabrikanten halfen sich da- mit, daß sie die Löhne der Arbeiter um den Betrag des erhöhten amerikanischen Zolles verkürzten. So be- deutet der Schutzzoll für die Solinger Arbeiter nicht bloß die Verteuerung ihrerLebensmittel, sondern gleich- zeitig auch ein Sinken ihrer Löhne. Dieselbe Erfahrung wiederholte sich in der Schuh- und Lederindustrie von Arnstadt, wo die Forderung der Handschuhmacher auf Erhöhung ihrer elenden Löhne von den Unternehmern mit dem Hintveis auf die Erhöhung des arnerikanischen Zolles abgelehnt wurde. So hat der deutsche Arbeiter für die Zollpolitik sowohl des eigenen Landes wie seiner Konkurrenten die Zeche zu bezahlen- Den Nutzen da- von haben nur eine Handvoll Agrarier und Rohproduzenten. Es sei deshalb kein Wunder, daß die große Masse der deut- scheu Arbeiter den Schutzzoll bekämpfen und verwundert darüber sind, daß es in England Arbeiter gibt, die von der Ein- führung des Schutzzolles ihr Heil erwarten. Macdonald schließt diesen Artikel mit der Wiedergabe eines Auftrages. den ihm Genosse Molkenbuhr in Berlin zum Abschied mitgab: Sagen Sie den Arbeitern Englands, rief ihm Molkenbuhr zu, daß, wenn sie den Schutzzoll einmal einge- sührt haben, dann wird es für uns hoffnungslos sein, gegen den unseren zu kämpfen, und sie werden einen Mühlstein zu- gleich um ihren eigenen Hals und um den unseren gehängt haben! In einem folgenden Artikel erörtert Macdonald die Frage, wie es komme, daß das Schutzzollsystem in Deutschland bestehen kann, trotzdem das Volk offensichtlich dagegen ist. Macdonald antwortet darauf: Weil das deutsche Volk nicht herrscht, sondern beherrscht wird. Der deutsche Reichstag, führt Macdonald aus, ist in Wirklich- keit gar kein Parlament. Er bestimmt nicht die Politik des Reiches, es hängt nicht von ihm ab, wer Minister oder Reichskanzler sein soll. Dies alles tut der Kaiser, und die Funktion des Reichstages besteht darin, die Regierungs- Politik zu kritisieren. Macdonald schildert dann die reaktio- näre Wahlkreiseinteilung im Reiche und in den Bundes- staaten. sowie das Dreiklassensystem in Preußen und zeigt wie die ostelbischen Junker Preußen und durch, Preußen das Reich beherrschen. Und weil der Schutzzoll diesen Junkern vorteilhaft ist, wird er in Deutschland beibehalten. Der offizielle Bericht der Arbeiterdeputation wird erst in einigen Wochen erscheinen. mus in Finnland protestiert wurde. Am Trafalgar> Bekanntlich lagen zwischen Gesetzwerdüng der Tersteuerüng der Square, wo sich mehrere Tausend Personen versammelt hatten, wurden von den Arbeiterdeputierden, unter denen sich auch Genosse Tarne befand, heftige Reden gehalten. Es gelangte eine Tages- ordnung zur Annahme, die die Tyrannei der russischen Regierung verdammt, welche in Finnland die Konstitution aufgehoben und damit die Garantien geschändet habe, die vor einem Jahr hundert Zar Alexander I. den Finnländern gegeben hatte. Die Tagesordnung verlangt eine sofortige Intervention der englischen Regierung beim Zaren NicolauS II. in dieser Angelegenheit. foilZkaticl. Polenscindliche Beschlüsse. Petersburg, 30. Mai. Die R c i ch s d u m a hat mit 1S2 gegen 16S Stimmen den Artikel 3 der Gesetzesvorlage auf Einführung von S e m st w o s für die sechs westlichen Gouvernements ange- nommen, wodurch das U e b e r w i e g e n der Deputierten r u s s i- scher Herkunft in den SemstwoS gesichert ist. Während der Debatte kam es zu einem Zwischenfall. Der Deputierte Purischkewitsch gebrauchte gegen die Fürsprecher der Polen beleidigende Ausdrücke und rief, trotz eines Ordnungs- rufes, zu dem Führer der Kadetten, M i l j u k o w, gewendet, er werde ein Wasserglas gegen ihn schleudern. Er ließ die Tat den Worten folgen; das Glas fiel vor den vor- deren Bänken nieder und zerbrach. Es entstand ein großer Lärm und die Mitglieder der Opposition sprangen erregt von den Plätzen auf. Der Präsident mahnte zur Ruhe und schlug vor, Purischketvitsch für IS Tage auszuschließen. Dieser be- hauptete, er sei durch Miljukow herausgefordert worden, der sich in der Duma nicht zu betragen verstehe.(Gelächter links.) Er b e> dauere, daß das Glas sein Ziel verfehlt habe. In Anbetracht der bevorstehenden Debatten über Finnland bat dann Purischkewitsch um Entschuldigung und ersuchte die Strafe auf die Hälfte herabzusetzen. Seine Ausschließung für sieben Sitzungen wurde einstimmig angenommen. Lfritia. Die konstitntionelle Bewegung. London, 30. Mai. Die„Times" bringen heute morgen eine Meldung ihres Korrespondenten in Shanghei, die einen Teil des Textes des Dekrets des Kaisers von China enthält, durch das zum ersten Male eine sogenannte Senatsversammlung für den 3. November d. Js. einberufen wird. Das betreffende Dekret enthält folgende Sätze: Die Mitglieder des Senats müssen die Be- deutung dieser Bereinigung einer nationalen Versammlung vcr- stehen lernen, die in China keinen Vorgänger hat und die das Vor- zeichen der Einberufung eines Parlaments sein wird. Die Mitglieder dieses Senats sind sehr herzlich gebeten, sich mit all ihrem Patriotismus dem neuen Werke zu widmen, gute Hoffnung zu bewahren und die Pflichten zu erfüllen, die ihnen die nationale Vertretung auferlegt, auf diese Weise für die Durchführung der nach unserem Wunsche einzuführenden konstitutionellen Reformen zu arbeiten, und dem Werk, welches wir jetzt unternehmen, zum Erfolge zu verhelfen. 4 Hrnmfta. Die Kämpfe in Nicaragua. New Jork, 29. Mai. Das Rcutersche Bureau meldet aus l u e f i c l d S: Die RegierungStruppen unter General Lara haben einen äußerst heftigen Angriff auf die Stellungen E s t r a- d a s um Blueficlds unternommen, sind jedoch mit einem V e r- I u st von 250 Toten und Verwundeten zurückgeschlagen war- den. Morgen wird eine Abteilung von Seesolbaten der Vereinigten Staaten eintreffen, um ein Gefecht innerhalb der Stadt zu verhindern. Eue der Partei. NcichStngSkandidatur. Die Genossen des 10. badischen ReichStagSwahl- k r e i s e S hatten am 29. Mai ihre Konferenz. Nach einen: Referat des Abg. Geck über die Bedeutung der nächsten Reichstagswahl wurde der Vorschlag einstimmig angenommen, den bisherigen Abg. Geck wieder als Kandidaten aufzustellen. Die Konferenz war von 37 Delegierten aüs 13 Orten, darunter IS Delegierte aus Karlsruhe, besucht._ Gegen das ministerielle Votum der italienischen Fraktion. Rom, 23. Mai. In der„Giustizia" von Reggio Emilia greift der Reformist Zibordi das ministerielle Votum der Parteifraktion an. Heber die wunderbare Einstimmigkeit der ita- lienischen Kammer schreibt er höhnisch:„Keine Jnteressenkämpfe mehr, keine Parteien. Alle Menschen guten Willens sind in gc« wissen Fragen eines Sinnes. Die Wahrheit ist niemandes Monopol, die Liebe zum Volke ist nicht das Merkmal einer besonderen Partei. Wir wollen einander lieben und umarmen und jeden Strejt beenden." Dann bezeichnet der Artikel Luzzatti als das Symbol der sentimentalen Konfusion, unter der die Er- ziehung des Volkes und sein materielles Wohlsein leidet. Durch ihr Votum hätte die Fraktion den alten Zwist über Ministerialis- mus und Antiministerialismus von neuem entzündet, hätte von neuem die ganze Aufmerksamkeit der Partei auf die Kammer ge- lenkt und der Kammeraktion wieder jenes Primat verliehen, das die schlimmste Pest für die Partei und für das Proletariat dar- stelle. Das Konzentrieren der Aufmerksamkeit auf das Parla- ment bedeute Erschlaffung der übrigen Aktion. Auf diese Kritik, die von einem ganz neuen Standpunkt aus geht und nicht umsonst aus dem Zentrum deS reformistischen Nur- gewerkschaftlertumS kommt, antwortet der„Avanti" in emem Leit- artikel. Hier heißt es, daß die Fraktion keineswegs ein allgemeines Liebesfest durch ihr Votum feiern, sondern den Einfluß der Gio- littischen Mehrheit paralysieren wollte. Die Erfahrung der jüngsten Kammerarbeiten gäbe dieser Erwägung recht. Ginge das Ministe- rium nach rechts, so würden die beiden radikalen Minister mit Eclat austreten. Ginge es nach links, so würden die Sozialisten im Sinne der Reformpoliti! wirken können. Was die Konzen- trierung der Aufmerksamkeit auf das Parlament betrifft, so meint der„Avanti". daß hieran, wie überhaupt an der Uebcrschätzung der parlamentarischen Aktion, der Mangel einer klaren sozia- listischen Auffassung schuld sei. An dieser Antwort des„Avanti" befremdet gerade diese letzte Bemerkung. Gerade der„Avanti" ordnet ja immer die praktische Wirksamkeit in der Kammer ganz der propagandistischen Be. deutung über. Durch die Praxis wollte man ja das Proletariat gewinnen! Heute, wo man als Frucht dieser Praxis eine beispiel- los« Saat der Konfusion aufgehen sieht, macht man den Mangel an sozialistischer Bildung dafür verantwortlich. So scheint der ..Avanti" endlich an dem Glauben von der Wunder wirkenden Macht der Praxis irre zu werden, welcher Glauben doch die Achse des ganzen Reformismus ist.> Die Arbeiter gegen de» Zarismus. London, 30. Mai. Eine tiefe Bewegung macht sich schon seit einiger Zeit in den englischen Arbeitcrkreison gegen den russischen Despotismus in Finnland bemerkbar. Gestern wurden in London und in verschiedenen großen Städten des Königreichs große Mee- tings abgehalten, in denen gegen den russisches DeSpotiK» Soziales. Die Läge der Arbeiter in der Zündholzinbustrie. Der Viermillionenfonds zur Unterstützung der Tabakarbeiter ist aufgebraucht. Die Zündholzindustrie, die. wie sich immer mehr herausstellt, durch die Reichsfinanzreform noch mehr belastet worden ist als die Tabakindustrie, und deren Arbeiter keine Unter- stützung erhalten, hat sich zurzeit mit einem Produktionsrückgang von 77 Proz. abzufinden. Aus den Kreisen der Zündholzindustrie schreibt man der„A. 3";»Der ZundholMgrst liegt wie tot dg." Zündmittel und ihrer Einführung vier Monate. In dieser Zeit ist vom Auslande und durch Mehrproduktion der deutschen Fabriken der Markt auf lange Zeit hinaus gesättigt würden. Jetzt wirkt natürlich noch die größere Sparsamkeit im Umgang mit Zündhölzern und das rasche Aufblühen der Ersatzzündmittel- industrie. Die Zündholzsteuer soll jährlich 25 Millionen Mark einbringen; in dem Voranschlag für das erste Jahr ist sie mit zirka 16 Millionen Mark eingestellt. Nach den Mitteilungen aus der Zündholzindustrie werden in Deutschland jährlich etwa 22S 000 Normalkisten Zündhölzer hergestellt. Die Verbrauchseinschränkung wird mit 20 Proz. berechnet; es bleibt so für die deutschen Fabriken ein Durchschnittsabsatz von 180 000 Kisten für das erste Jahr. Dies ist aber nur theoretisch richtig. Praktisch beträgt der Ausfall im ersten Jahre: Vom Ausland hereingekommen...... 86 000 Kisten Mehrproduktion der deutschen Fabriken vor In- krafttreten der Steuer........ 50 000„ Ausfall an Lagervorräten im Zwischenhandel 24 000„ Zusammen 110 000 Kisten Danach bleibt ein tatsächlicher Absatz von nur 70 000 Kisten für das erste Jahr, oder 31 Proz. der Staatskontingente, während die Regierung für das erste Jahr mit 60 Proz. gerechnet hatte. Dies bedeutet, daß die Steuermacher sich nur um gerade 100 Proz. verrechnet haben; die Steuer wird nicht 16 Millionen, sondern nur zirka 8 Millionen einbringen. Für die Arbeiter bedeutet diese Produktionseinschränkung— wir zitieren hier wieder die Mitteilungen aus der Zündholz- industrie—„einen wirklichen Beschäftigungsgrad von zurzeit etwa 23 Proz.". Die Industriellen versuchen, sich durch alle mög- lichen Wünsche an die Regierung zu retten. Sie verlangen jetzt Einfuhrscheine auf ihre Rohmaterialien; des weiteren auch die UebertragungSberechtigung der Kontingente der Zündholzfabriken. Sie erklären ganz offen, daß sie bei der Verwirklichung dieses Wunsches durch größere Gesellschaften andere Fabriken ankaufen und stillegen würden, um so wenigstens für eine Anzahl Betriebe eine rentable Fabrikation zu ermöglichen. Außerdem haben sie ja jetzt eine Verenngung gebildet, die auch die Preis- und Absatz- regelung mit in die Hand genommen hat. Der Reichstag, der den Antrag der Sozialdemokratie auf Entschädigung der durch die Gesetzgebung arbeitslos gewordenen Arbeiter abgelehnt hatte, hat bekanntlich in einer seiner letzten Sitzungen die Notwendigkeit einer Entschädigung endlich an- erkannt. Wann endlich werden die Regierungen dem Beschluß Folge geben? Nichts ist so sehr geeignet die Klassenstaatsnatur Deutschlands zu kennzeichnen, als die Tatsache, daß das Reich, weit entfernt, eine Arbeitslosenunterstützung einzuführen, durch Gesetz Tausende von Arbeitern brotlos macht und gleichzeitig den Reichen durch dieselbe Finanzgesetzgebung Millionen jährlicher „Liebesgaben" in den Schoß wirst. Eue der frauenbe�egung. Eine deutsche Gesellschaft für Mutter- und Kindesrecht ist am Sonnabend im Architektenhause gegründet worden. ES handelt sich dabei um eine Absplitterung vom Bunde für Mutter» schütz. Daß die Vereinigung sich der praktischen Arbeit für Schwangere und hilflose Kinder widmen will, dagegen ist wahrlich nichts zu sagen.. Wir können nur wünschen, daß sie auf diesem Gebiete recht viel leisten werde. Man könnte mehr Sympathie für die Gründung hegen, wenn ihrer Geburt nicht ein Makel anhaftete. Wiederholt wurde am Sonnabend ausgesprochen, daß für die von den Gründern der neuen Bereinigung im Bunde für Mutterschutz heraufbeschworenen Kämpfe und Zerwürfnisse tiefere Ursachen bestimmend gewesen seien. ES habe sich um mehr gehandelt, als um Verwaltungsfragen: die von der Mehrheit im Bunde der- trctene Ethik bilde den Stein des Anstoßes. Die Meinungsverschiedenheiten in diesem Punkte, nicht die Verwaltung machten ein weiteres Zusammenarbeiten unmöglich. Die von Dr. H. Stöcker vertretene Ethik sei zu sehr auf das Recht des GenießenS einge- stellt, führe zum individuellen Anarchismus auf sexuellem G-' biete.— Ob diese Definition richtig ist und ob eine solche Ethik Berechtigung hat oder nicht, darüber kann man natürlich streiten. Auch den Versuch, den Bund in das Fahrwasser anderer qlS den von ihm bisher vertretenen Prinzipien zu bugsieren, durfte man unternehmen, aber das mußte offener, unter Bekennung der wahren Absichten und Motive geschehen, nicht unter der falschen Flagge der rein verwaltungStechmschen Kritik. In einer Beziehung harmo- nieren übrigens die beiden Vereinigungen: in der Vermeidung der für die Arbeiterschaft freien Lokale. Die provisorrsche Leitung der neuen Vereinigung haben Frau Sklarek, Pastor Kruscmann, Stadtverordneter Waldeck-Manasse. Rechtsanwalt Retter, Frau Dzialoszynski und Professor Cassel übernommen. Proteftverfainmlung der itädtücljeD Arbeiter. Ueber 3000 städtische Arbeiter hatten sich am Montagabend zu einer öffentlichen Versammlung in Kellers Festsälen, Koppcnstraße, eingefunden, um gegen die Gehaltsregelung durch den Berliner Magistrat zu protestieren. Nach einem Referate W u tz k h S fand eine Resolution Annahme, in der es heißt: „Die versammelten Arbeiter, Handwerker und Angestellten der städtischen Betriebe Berlins stellen auf Grund des Berichts der Vertrauensleute fest,.. daß die vom Nachrichtenamt des Magistrats am 24/ April:m „Gemeindeblatt" gebrachte Mitteilung, wonach Beträge für eine Erhöhung der städtischen Arbeitcrlöhne ausgeworfen sein sollen und lvelche von den Arbeitern nur als eine allgemeine LoW:» aufbesserung aufgefaßt werden könnte, nicht den Tatsachen ent» spricht,/ daß vielmehr diese sogenannte Lohnerhöhung nur rund einem Fünftel der städtischen Arbeiter zuteil geworden ist, während die übrigen vier Fünftel ganz leer ausgegangen sind. Die Versammelten protestieren entschieden gegen eine solche jeder Gerechtigkeit hohnsprechende Maßnahme, die in keiner Be- ziehung als ein Entgegenkommen gegenüber den berechtigten For- derungen der städtischen Arbeiter aus eine grundsätzliche Regelung und allgemeine Erhöhung angesehen werden kann. Die Versammelten müssen daher unbedingt an ihren Forde- rungen, die bereits im September 1009 durch die damaligen Ar» beitcrausschüsse und die OrtSVertvaliung des Gemeindearbeiter. Verbandes übermittelt ivorden sind, festhalten und sind gewillt, mit allen ihnen zu Gebote stehenden Mitteln die Durchführung der, selben energisch zu betreiben. Die neugewählten Arbeitevausschüsse sowohl als auch die ge» nännte Verbandsleitung werden beauftragt, unverzüglich die auf- gestellte« und nicht berücksichtigten Forderungen den zuständigen Stellen wieder zu unterbreiten. Ferner ist gleicherzeit cin Antrag anzufügen, welcher eine Reorganisation der Arbeiterausschüsse im Sinne Der seinerzeit im Entwurf einer allgemeinen Arbeiter- ordnung aufgestellten Grundsätze verlangt. Vor Erledigung dieser Forderung haben sich die Arbciterausschüsse jeder sonstigen Tätigkeit zu enthalten. �" Die Versammelten erwarten bestimmt, daß der Magistrat noch einmal in. eine genaue Prüfung ihre Wünsche eintritt und in ge, rechter Weise jinL allgemeine Erhöhung und Regelung der Löhne vornimmt.- GewerkfcbaftUcbea. Retzc! Auch während der Verhandlungen machen die Scharf- macher heftige, wenn auch vergebliche- Anstrengungen, die Aussperrung womöglich noch auszudehnen. Vor uns liegt die letzte Nummer der Mitteilungen des Deutschen Arbeitgeberbundes für das Baugewerbe an die Landes-, Bezirks- und Ortsverbände. Ausgegeben am 27. Mai 1310. I. Die vom Staatssekretär des Innern eingeleiteten Ver- mittelungsverhandlungen haben am 27. d. SW., 2 Uhr nachmittags, im Neichstagsgebäude begonnen. Die Parteien verhandeln vor dem Vertreter des Herrn Staatssekretärs des Innern, Herrn Ge- Heimen Regiernngsrat Dr. Wiedfeldt, und den: Herrn Oberbilrger- meister Dr. Beutler-Dresden und Gerichtsdirektor Dr. Prenner- München. Der Arbeitgeberblind ist durch seinen geschäftsfiihcenden Ausschuß vertreten.— Die Aussperrung bleibt selbstverständlich so lange bestehen, bis nicht nur über das TarifvertragSmufter, sondern mich über die Lohnhöhe und die sonstige» örtliche» Zusätze in allen Bezirke» eine Einigung erzielt ist. 2. Da alle Gewerkschaften beschlossen haben, die Bauarbeiter zu unterstützen, so empfehlen wir Miseren Mitgliedern, auf ihre» Bauten alle GctvcrkSarbcitrn einzustellen oder wenigstens möglichst einzuschränken. 3. Die Verbände, welche über unfreundliches Verhalten einzelner Bauherren(Firmen) berichten, dürfen dies nur nach eingehenden Informationen tun. Die betreffenden Bauherren (Firmen) müssen genau bezeichnet werden, damit an sie zu richtende Briefe nicht wegen ungenauer Adressierung als un- bestellbar zurückkommen. 4. Die Bczirksverbände werden ersucht, soweit daS bisher noch nicht geschehen ist, Kommissionen zur Prüfung von Unter- stützungsgesuchen einzurichten. Die Namen und Wohnsitze der Mitglieder dieser Kommissionen sind dem Bundesvorstand bis zum 1. Juli d. Js. mitzuteilen. S. Die Festigkeit unserer Mitglieder wird vielfach durch Drohungen der Bauherren beeinfluht, Prozesse auf Schadenersatz anzustrengen. Wir ersuchen die Mitglieder wiederholt, sich den Grundsatz, Sperre und Streik sind höhere Gewalt, der der Ein- zelne machtlos gegenübersteht, zu eigen zu machen und auf Grund dessen Schadenersatzansprüche zurückzuweisen. Die Kosten etwa- iger Prozesse solcher Art werden, wenn der Fall vorher dem Be- zirksverband vorgelegt und von diesem gebilligt worden ist, aus dem Nnterstlltzungsfonds des Bundes ersetzt werden können. Von größtem Werte ist hierbei, daß in jedem Bezirke der beste Anwalt für alle solche Prozesse gewonnen wird. 6. Vom Landesverband Elsah-Lothringen sind allen Ver- bänden Drucksachen übersandt worden, unter denen als äußerst beachtlich der Vertrag mit den Ziegeleien iind das Schreiben an die Baumaterialienhändlcr zu bezeichnen ist. Wir machen auf diese Schreiben noch besonders aufmerksam, weil sie recht ge- eignet erscheinen, den damit beabsichtigten Zweck zu erreichen. 7. Aus dem Maiheft des Reichsarbeitsblattes. Im Baugewerbe bestehen folgende Arbeitgebcr-Reichsverbände: Mitglieder Arbeiter 1. Deutscher Arbeitgeberverband für das Bau- gewerbe, E. V., Berlin........ 22 000 333 000 2. Hauptverband deutscher Arbeitgeberverbände im Malergewerbe, Berlin....... 20055 65 798 3. Verband selbständ. Bildhauer. Stukkateure u. Gipser Deutschlands. E.V., Frankfurt a. M. 300 10000 4. Zentralverband d. Gipser-, Slukkateur- u. Ver- Putzmeister Deutschlands. E.V., Karlsruhe i.B. 680— 6. Reichsverband für die Steinsetz-, Pflasterer- u. Straßenbaugewerbe, E. V.. Leipzig... 136 10 000 6, Verband der Arbeitgeber b. Töpfer- u. Ofen» setzer-GewerbeS Deutschlands, E. V., Berlin 2 000 6 000 7. Zentralverband deutscher Dachdeckermeister. Neuwied............. 680— S. Deutscher Arbeitgeberverband für daS Platten« gewerbe, Berlin.......... 150 1600 9. Verband der Deutschen Tiefbauuntemehmer. S. V.. Berlin........... 1 000 80 000 Die Arbeitgeberverbände des Baugewerbes bilden der Zahl nach 46,92 Proz. aller deutschen Arbeitgeberverbände, ihre Mit- glieder umfasien 44,34 Proz. aller Mitglieder deutscher Arbeit- geberverbände. Ueber die Aussperrung im Baugewerbe im Jahre 1909 wird im Reichsarbeitsblatt berichtet: „Von den vorgenommenen 115 Aussperrungen entfielen beinahe die Hälfte(44,3 Proz.) mit mehr als zweidrittel durch die Aussperrung betroffenen Arbeiter(71,3 Proz.) auf daS Baugewerbe. Vierundzwanzig dieser Aussperrungen endeten mit einem vollen Erfolg, vierundzwanzig mit einem teilweisen Erfolg, nur drei mit einer Niederlage der Ar- beitgeber." Der Rat der Scharfmacher, sich den Forderungen auf Fortsetzung der Arbeit oder Schadenersatz möglichst bockbeinig gegenüberzustellen, ist herzlich schlecht. In Mainz konnten die Unternehmer bereits die Probe auf das Exempel machen. Die Stadt Mainz hatte dem Bauunternehmer H a u S- tv a l d den Umbau des Stadttheaters übertragen. In dem zwischen Stadt und Unternehmer abgeschlossenen Vertrag war dem Unternehmer die Streik- und Aussperrungsklausel zugebilligt worden. Der Unternehmer sperrte seine Leute aus und brachte dadurch die Stadt, die das Theater bis zum 1. November bei Vermeidung großer Konventionalstrafen fertig haben mußte. in eine mißliche Lage. Kurz entschlossen führte nun die Stadt die Bauarbeiten in eigener Regie weiter. Auf Grund des Vertrages glaubte sich die Stadt berechtigt, die von der Firma Hauswald auf die Baustelle geschafften Geräte, Gerüste und Maschinen, sowie die Bauhütte für die jetzt von der Stadt be- schäftigten Arbeiter zu benutzen. Der Unternehmer klagte tegen die Stadt und beantragte eine gerichtliche einstweilige �fügung auf Nichtbenutzung der oben bezeichneten Gegenstande. Das Gericht wies am 27. Mai d e n A n s p r u ch des Unternehmers kostenfällig ab. Eingangs der Begründung wird die Frage aufgeworfen, ob die Stadt berechttgt war, wie sie getan, zu handeln. Darüber sei lediglich zwischen ihr und dem Bauunternehmer Hauswald nach Maßgabe des zwischen beiden abgeschlossenen Vertrages, der darauf sich beziehenden Beredungen zu der- handeln und zu entscheiden. Es heißt dann wörtlich in dem Urteil: „Es lohnt sich doch, die Frage anzuregen, ob Herr Hauswald unter Berufung auf tz 275 B.G.B, behaupten kann, es liege eine ((subjektive) Unmöglichkeit der Vertragserfüllung vor, wodurch er von der Verpflichtung zur Leistung der vertraglich übernom- Dienen Verpflichtung frei geworden. An und für sich betrachtet man den Ausbruch eines Streiks als eine Befreiung im Sinne des§ 275 B.G.B., allein doch auch nur mit der Einschränkung. daß es dem Verpflichteten unmöglich war, den drohenden S t r e i k abzuwenden, oder den ausgebrochenen Streik zu beendig«:. So einfach liegt die Frage aber nicht bei der Aussperrung. Hier kann nicht ohne Prüfung der näheren Umstände von eineip Er- eignsise gesprochen werden, das sich als unabwendbar darstellt. Während beim Streik die Arbeiter ihre Dienste versagen und darum eine übernommene Arbeit ohne Zutun der Ver- pflichteten ins Stocken gerät, beruht die Aussperrung auf der freien E n t s ch l- e ß u n g d e r Arbeitgeber, auch derjenigen, die sich vertraglich zur Leistuna einer Arbeit verpflich- tet haben. Wie siun durch Herrn Bürgetmeister Kuhn bekuw. det wurde, haben nicht alle Bauunternehmer sich der angeord- neten Aussperrung gefügt, die Bauunternehmer in Hamburg, Berlin und anderen Orten haben ihre Arbeiten überhaupt. nicht eingestellt. Anderwärts haben inzwischen Lokalverbände sich mit den Arbeitern geeinigt, auch sind Unternehmer aus dem Verband ausgeschieden. Mithin ist die Einstellung der Arbeiten am Theaterbau auf den freien Willen des Unter- nehmers zurückzuführen, in dessen Belieben es gestellt war, ob er sich den Beschlüssen der Mehrheit seiner Stan- desgenossen anschloß oder nicht. Wenn er der Aussperrung sich anschloß, so handelte er in Wahrung der Forderungen eines Teils seiner Standcsgenossen, diente damit auch seinen Zwecken, na- mentlich in Abwehr drohender Nachteile. Kommt er hierbei in einen Widerstreit der Pflichten, so dürfte sein Verhalten der Stadt gegenüber als ein vorsätzliches Handeln anzusehen sein, womit er sich der Gefahr aussetzte, für den aus seinem Handeln entstehenden Schaden verantwortlich gemacht zu werden, wobei allerdings der Schlußsatz des K 276 B.G.B, in Betracht käme, der eine vertragliche Entbindung von der Haftung wegen Vorsatzes ausschließt. Auf die Prüfung dieser Frage braucht aber hier nicht mehr eingegangen werden. Wie die Dinge liegen, so hat die Stadt Mainz, nachdem sie durch die Arbeitseinstellung vor eine vollendete Tatsache gestellt wurde, einen Zustand herbeigeführt, der weder als die Folge einer Ankündigung, noch als die eines Einschreitens auf Grund der§8 21, 22 der allgemeinen Bedingungen des Werkvertrages aufzufassen ist." Inzwischen vers.ihrt die Stadt Posen genau nach Mainzer Rezept. Auch dort hat die städtische Bau- Verwaltung den Bau des Stadttheaters in eigene Regte übernommen. Ein Gesuch an die Bauarbeiterorganisationen, der städtischen Bauverwaltung die nötigen Arbeitskräfte zu übermitteln, fand eine zustimmende Antwort. Die Münchener Baufirma H e i l m a n n u. Littmann, der die Ausführung des Baues übertragen war, hat gegen das Vorgehen der Siadt Beschwerde erhoben. Der Stadt liegt daran, den Bau des Stadttheatcrs bis zum 15. September fertigzustellen, und sie dürfte ebenso wie Mainz bei ihrem Vorgehen die Gerichte auf ihrer Seite finden. Inzwischen bröckelt eS weiter. Aus Frankfurt a. M. wird gemeldet, daß Montag zwei große Firmen, die Frankfurter Beton-Bau- Gesellschaft und die Firma Koch u. Grimm die Arbeit wieder aufgenommen haben, erstere an einem großen Warenhaus und auf Bauten in Büdingen bei Frankfurt, letztere bei der Firma K l e y e r. Der Volks-Bau- und Sparverein stellt 20 Häuser in eigener Regie her. Kanipfcsmüde sind u. a. die Unternehmer in dem Städtchen Barmstedt(Holstein) geworden. Wiederholt haben sie sich bei der Leitung der Arbeiterorganisation erkundigt, ob die Arbeit von ihren, vor der Aussperrung beschäftigten Gesellen zu den alten Bedingungen wieder aufgenommen werden könne. In einer Mitgliederversammlung der Gewerkschaften wurde der Beschluß gefaßt, wer von den Unternehmern sich nicht länger an der Aussperrung beteiligen wolle, könne durch die Gewerkschaftsvorstände genügend Leute nachgewiesen erhalten. Es war noch keine Stunde nach dieser Beschlußfassung verflossen, als die Mehrzahl der Unternehmer den Nachweis um Zusendung von Arbeitskräften ersuchte, unter ihnen der Vorsitzende des Arbeitgeberbundes in Barmstedt. Von 15 Unternehmern lassen 12 Unternehmer wieder arbeiten. In manchen anderen Orten würden die Unternehmer Wohl ebenfalls wieder arbeiten lassen, wenn sie nur sicher wären, daß die ausgesperrten Arbeiter keine Forderungen stellen. Vor der Materialsperre braucht heute in Schleswig-Holstein kein Unter nehmer sich mehr zu fürchten. Die Hamburger Lieferanten liefern gerne Material, die Sperre wird nicht mehr gefürchtet. Materialbestellungen nehmen alle Zweigvereins vorstände entgegen._ Berlin und Umgegend. Lohnbewegung der an den Schrauben-Automaten und Einzelbänken beschäftigte« Einrichter. In einer am Sonntag abgehaltenen Versammlung unter» breitete die eingesetzte Kommission ihren Kollegen folgende Bor schlage, die einstimmig angenommen wurden: „1. Der Mindestlohn beträgt für Automateneinrichter oder Einrichter für Handbänke 70 Pf. pro Stunde. Bei Akkordarbeit - wird den Automateneinrichtern der Mindestlohn garantiert. 2. Diejenigen Einrichter, die bereits einen Lohn von 70 Pf. oder darüber haben, erhalten eine Zulage von 5 Pf. pro Stunde. 3. Arbeiter, die eine ächtwöchentliche Lehrzeit zur Ausbildung als Automateneinrichter zurückgelegt haben, erhalten den Mindctftlohn. 4. Ueberstunden werden nur in dringendsten Fällen gemacht und mit 25 Proz. Zuschlag bezahlt." Jeder Arbeitgeber soll ein Formular erhalten und bis Mittwoch die Antwort abwarten. Am Donnerstag wird dann das Resultat an den Verband berichtet._ Zur Tarifbewegung in der Herrenkonfektion. In der Branchenversammlung der Herrenkonfektionsschneider. die am Sonnabend bei Schulz in der Münzstraße tagte, berichtete der Vertrauensmann Krienke über die gegenwärtige Lage in der Herrenkonfektion und sprach über die Maßnahmen, die zur weiteren Durchführung der Lohnbewegung erforderlich sind. Seinen Aus- führungen ist zu entnehmen, daß die Verhältnisse nun bei fünf- zehn Firmen mit 1800—2000 Arbeitern durch den Abschluß des Tarifvertrages geregelt sind. Allerdings ist es in einem großen Teil dieser Geschäfte dann noch wegen der Auslegung und Durch- führung der Tarife zu Differenzen, und teils auch zur Arbeits. nwderlegung gekommen, wie bei S. Reichmann, wo der Streik jedoch am anderen Tage erledigt und die volle Anerkennung des Tarifes erreicht war. Es wird aber bald hier, bald dort von den Tarisgeschäftcn immer wieder versucht, die Tarifbestimmungen zu umgehen, besonders auch.dadurch, daß man dem Schneider eine niedrigere Serie aufzunötigen sucht. Wo die zweite Serie z. B. in Sakkos noch eine kleine Lohnerhöhung gegenüber dem alten Preis der ersten Serie bietet, glauben die Arbeitgeber um so eher damit durchzukommen.- Aufgabe der Beschäftigten muß es natürlich sein, dafür zu sorgen, daß solche Verschiebungen nicht vorkommen können, und daß der Tarif in jeder Hinsicht strikte durchgeführt wird. Verstöße,(die sich durch persönliche Rücksprache mit dem Arbeitgber nicht regeln lassen, sind sofort auf dem Bureau zu melden. Von größter Wichtigkeit ist eS, daß die Konfektionsschneider treu zum Verbände halten, um so mehr, als sicherlich auch die Unternehmer sich übe-- kurz oder lang zu einer festeren Organisation zusammenschließen werden. Verhandlungen über den weiteren Abschluß der Tarife sind mit den Firmen Baer S o h n und P h i l i p p U ck o angeknüpft. Bei B a e r S o h n sind die Verhandlungen schon ziemlich weit gediehen. eS liegen jedoch noch mehrere strittige Punkte vor. die ins Gewicht fallen. Für weitere Geschähe werden die Tarife demnächst eingereicht. Im allgemeinen handelt es sich bei den bis jetzt abgeschlossenen Tarifen um die bessere Konfektion. Es soll aber auch die Stapelkonfektion. für die bisher mit einem Geschäft ein Tarifvertrag abgeschlossen ist, allgemein in den Bereich der tariflichen Regelung einbezogen .werden. Die Verhältnisse liegen in der Siapelkonfektion schwie- riger als in der besseren. Das Zwischenmeisiertum dominiert, und - die Z'tvlschenmeistet beschäftigen«eist fuiige Leuke, auch Siele Au?« länder, Ungarn, Galizier, und unter ihnen solche, die der deutscheir Sprache nicht mächtig sind. Die Zwischenmeister bürden diesen jungen Leuten in vielen Fällen immer mehr Arbeit auf, und wenn auch die ersten Steppcr und Bügler in solchen Betrieben manchmal nicht schlecht verdienen, so geschieht das doch nur infolge davon, daß sie ihre Arbeitskraft aufs äußerste anstrengen bei einer un. erhört langen Arbeitszeit. Sie treiben Raubbau mit ihrer Ge- sundheit und sehen auch manGmal aus. als hätten sie schon im Grabe gelegen und wären nur noch einmal beurlaubt worden, um dem Arbeitgeber ihre Knochen zur Verfügung zu stellen. Es ist natürlich dringend notwendig, daß auch diesen Leuten möglich gemacht wird, bei regulärer Arbeit anständigen Lohn zu verdienen. Bei Verhandlungen in der Herrenkonfektion haben die Arbeit- geber wiederholt den Einwand erhoben, durch die hohen Lohnforde- rungen werde man die Konfektion ganz aus Berlin verdrängen. Daß dies keinesfalls der Fall ist, beweist ein Artikels dcö„Eon, fectionair" vom 5. Mai, in dem es unter anderem heißt: „Seit Ostern sind in der Herrenkonfektion Nachbestellungen in großer Zahl eingegangen. Namentlich Anzüge wurden in allen Genres schnell und viel verlangt, doch ließen sich die Wünsche der Besteller durch die Arbeiterknappheit nicht immer prompt erledigen. Die seit Ostern mit der Winterkollektion auf Reise befind» lichen Vertreter können aus von reichen Erfolgen begleitete Touren zurückblicken. Die Herrenkonfektion geht schon flott an die Einrichtung der Winterkonfektion." Der Redner machte zum Schluß darauf aufmerksam, daß die Herrenkonfektionsschneider von München seit acht Wochen im Streik stehen. Der kürzlich dort gefällte Schiedsspruch ist ihrerseits an- erkannt, von den Unternehmern aber abgelehnt worden. Die Münchener Konfektionäre suchen ihre Arbeit in Berlin unterzu- bringen, nnd«s ist hier namentlich ein Vertreter der Firma Isidor Bach, Herr Zickel, der in der Jerusalemer Straße 11/12 einen kleinen Laden gemietet hat, um auf diese Weise Arbeitskräfte für die Streikarbeit aus München zu gewinnen. ES ist selbstver. ständlich, daß die Berliner Schneider ihren Münchener Kollegen nicht in den Rücken fallen wollen. Die rege Diskussion, die dem Bericht folgte, zeugte dafür, daß die Konfektionsschneider ihre Tarisbewegung mit aller Kraft fori- setzen werden, bis das Ziel der wirklich allgemeinen Regelung der Verhältnisse erreicht ist._ Achtung, Sattler und Portefeuiller! In der Galanteriewarenfabrik von Heinrich L e v y, Ritterstr. 45, haben wegen Nichtbewilli- gung von bescheidenen Lohnforderungen die Kollegen und Kol« leginnen die Arbeit niedergelegt. Der Betrieb gilt als gesperrt. Die Ortsverwaltung. In den Kalksandsteinwerken der Firma Robert Gutt« m a n n, G. m. b. H., in Niederlehme, droht es abermals zu ernsten Differenzen zu kommen. Anläßlich des im März geführten Streiks hatte die Betriebsleitung bei den Einigungsverhandlungen, welche unter Leitung des Landrats des Kreises Beeskow-Storkow geführt wurden, laut Protokoll unter anderem zugestanden, daß nach Auf- nähme der Arbeit über Lohnerhöhungen Verhandlungen geführt werden sollten. Trotzdem lehnt die Firma jetzt jede Erhöhung der Löhne mit dem Bemerken ab, dieselben(30 Pf. für Arbeiter und 35 Pf. für Schlosser. Schmiede und Heizer) seien ausreichend. Da die Arbeiterschaft gewillt ist, den im Protokoll festgelegten Ab- machungen Geltung zu verschaffen, so dürfte, wenn die Betriebs- leitung auf ihrem Standpunkt beharrt, der Kampf unvermeid- lich sein. Zuzug von Arbeitern, Schlossern, Schmieden und Maschinisten ist streng fernzuhalten. Alle arbeiterfreundlichen Blätter, insbe» sondere die polnischen, werden um Abdruck gebeten. Fabrikarbeiterverband, Verwaltung Berlin. veutlche» Reich. In der Hufeisengießerei von Nickel in Wolgast haben am 23. d. M. sämtliche Arbeiter wegen Nichtinnehaltung der ver- sprochenen Akkorderhöhung die Arbeit niedergelegt. Insbesondere ungelernte Arbeiter werden ersucht, kein Arbeitsangebot nach Wolgast anzunehmen. Die Innung der BreSlauer Installateure. Brunnen- und Pumpenbauer will mit aller Gewalt den Gesellenausschuß dafür bestimmen, daß die Arbeiter einen von den Jnnungsmeistern auS- gearbeiteten Tarifvertrag anerkennen sollen, anderenfalls am 30. Mai die Aussperrung der organisierten Gesellen erfolgen soll. Die Arbeiter lehnten den Tarifentwurf der JnnungSIrauter. der nicht die geringsten Zugeständnisse für die Arbeiter enthält, ein« stimmig ab. Es kommt also wahrscheinlich zur Aussperrung, von der 250 organisierte Arbeiter betroffen werden. Die großen Firmen haben jedoch den Gesellentarif bereits unterschrieben und sperren nicht auS. Die Parkettbodenleger in Rheinland Westfalen befinden sich im Streik. Sie dringen auf Abschluß eines Tarifes, um im Ge» werbe geregelte Arbeitsverhältnisse zu schaffen. Im vorigen Jahre schon sind Verhandlungen gepflogen wordeki, deren Ergebnis aber schließlich von den Unternehmern wieder über den Haufen geworfen wurde. Erneute Versuche der Arbeiter wurden von der Unter» nehmerorganisation nichtssagend beantwortet, deshalb die Arbeit»« einstellung. In der Gerbstoffabrik Flesch in Frankfurt a. M. ist Montag ein Streik ausgebrochen. Die Firma hat längere Zeit die Ar- beiter mit Versprechungen hingezogen. Gestern(Montag) ist den Arbeitern die Geduld ausgegangen; sie sind in den Streik getreten. Letzte Nacbncbtcn und Depclcben» Im Lohnstreite erschossen. Kassel, 30. Mai. Zwischen dem Ziegelmeister N i e t s ch e von der Wilhelm Doehleschen Dampfziegelei in Niedervellmar und etwa 20 Arbeitern kam es am Sonntag abend wegen Lohn- streitigkeiten zu Konflikten. Nietsche soll von den Arbeitern in seiner Wohnung bedroht worden sein; er griff zum Revolver und schoß zwei Arbeiter nieder. Einer von den Geschossenen starb im Krankenhaus. Die an dem Streite beteiligten Arbeiter wurden am Montag verhaftet. Bei Nietsche scheint die Behörde Notwehr anzunehmen� sonst müßte doch auch er verhaftet werden. �» Beendeter Bergardeiterstreik. MonS(Belgien). 30. Mai.(B. H.) Der Ausstand der Berg- arbeiter, welcher seit 5 Wochen dauert, ist nunmehr beendet und die Arbeit in allen Gruben heute morgen wieder aufgenommen worden, nachdem der Nationalkongreß sich gegen den Ausstand aus« gesprochen hat._ Buchdruckerstreik in Ungarn. Budapest, 30. Mai.(B. H.) Die Schristsetzer sämtlicher ungarischer Prodi nzdru ckereien � sind wegen Lohndifferenzen in den Streik eingetreten. Geheimpolizisten als Banknotenfälscher. Sofia, 30. Mai.(B. H.) Die Untersuchung in einer großen Banknotenfälschungsaffäre, in welcher gegen zwei Millionen Frank Banknoten gefälscht wurden, hat ergeben, daß auch die Detektivs der bulgarischen Polizeiämtcr sich schuldig gemacht haben und m diese Affäre verwickelt sind. Mehrere der PolizeideteltivS sind auf» schwerste kompromittiert. Lwiitw. lScialtcw; Sagt Btfecr, Lutio. Lojeistrmeil bsmOU«.Glsckr.Beilio. Stuma u. Stilaa; Sosaäiii LuSdr. u. Betiagton�n Mul Sina-r& � SBeriin s wJ a w«»aflf n». Uuterd-ltuoa»dl. Dr. 124. 27. Jahrgang. 1. Deilaze des Jotmiirts" Sitii6l»5, 31. Mai 1910. Abgeordnetenhaus. 74. Sitzung vom Montag, den 30. Mai, vormittags 11 Uhr. Am Ministertisch: Justizminister B e s e l e r. Zunächst werden ohne Diskussion die Wahlen der Abgeordneten Dr. L o H m a>ui(notl.). Blande(ff.) und Nissen(Däne) für gültig erklärt. Die Wahlen der Abgg. Runze(Fortschr. Bp.), deren Gültigkeit, und Fürbringer(natl.), deren Ungültigkeit die Kommission beantragt, zu denen Anträge vorliegen, werden bis zur Drudlegung der Anträge zurüdgestellt. Hierauf wird die Novelle zum GerichtSko st engesetz und zur Gebührenordnung für Notare in dritter Lesung angenommen. Tie Nachwahl in Moabit. AlSdann wird der Bericht der WahIprüfungSkom- miss i o n über die Wahl des Abg. Dr. Runze(Fortschr. Vp.) zur Debatte gestellt. Die Kommission beantragt die Wahl für gültig zu erklären. Ein Antrag B o r g m a n n(Soz.) bezweckt, die Wahl zu b e- anstanden und durch eidliche Vernehmung eine Zeugeuerhebung darüber anzustellen, ob in einzelnen Urwahlbezirkeu daS Wahllokal zum Agitieren benutzt worden ist. Abg. Hirsch(Soz.): Es ist keine dankbare Aufgabe, wenn die Kommission einstimmig die Gültigkeit einer Wahl beantragt, den Versuch zu madzen, das Haus zu einem anderen Beschlutz zu veranlassen. Es sind in einer Reihe von UrWahlbezirken Verstöße gegen daS Wahlreglement bczw. daS Gesetz vorgekommen. Die Kommission hat sich allerdings nicht die Mühe genommen. Beweise über die Be- Häuptlingen zu erheben, die in den Protesten aufgestellt sind, sondern hat ohne solche Beweise entschieden. Einige Stinimen hat sie für ungültig erklärt und von dem Gesamtresultat abgezogen. Und wenn ich weiter erwähne, daß bereits auf Veranlassung des sozial- demokratischen Wahlkomitees für den 12. Berliner Landtags- Wahlkreis etwa zwei Dutzend WahlmSniierwahlen für ungültig erklärt werden mußten wegen erheblidfer Verstöße gegen daS Wahlreglement, so ergibt sich daraus, wie schiver es ist, einen Wahlvorstand zu finden, dem es möglich ist, unter diesem Gesetze ordnungsmäßige Wahlen vollziehen zu lassen.(Sehr richtig! bei den Sozialdeinokraten.) Gerade uns ist es zu danken, daß die Wahlvorsteher in Berlin auf die zahreichen Verstöße aufmerksam gemacht worden sind. Ich will nur einen hervorheben. Gewöhnlich lverden, wenn in solchen Fällen, wo nicht zwei, sondern vier Wahlmänner zu wählen sind, Stich- Wahlen stattfinden, Lose ausgegeben, aber nicht etwa auf die Namen der 4, die die meisten Stimnten erhalten haben, sondern einfach nach den Parteien. Der größte Teil der Wahlvorsteher steht auf dem Standpunkt, daß in solchen Fällen nicht die Wahlmänner, sondern die Parteien ausgelost werden. Sollte bei den nächsten Wahlen, was ich nicht hoffe, noch das indirekte Wahlsystem gelten, so wäre eö vielleicht eine dankbare Aufgabe für die Regierung, An- Weisungen an die Wahlmänner herauszugeben, aus denen diese ersehen, wie sie in solchen Fällen zu verfahren haben. Der Bericht der Kommission ergibt, daß der Abgeordnete Dr. R u nsz e.Iswenn man die von der Kommission für ungültig erklärten Wahlmännerstimmen abzieht, nur noch zwei Stimmen über die absolute Mehrheit hatte.(Hört! hört I bei den Sozialdemokraten.) Der Kandidat der vereinigten bürgerlichen Parteien hat also mit einer ganz geringen Mehrheit über den sozialdemokratischen Kandidaten gesiegt. Um so notwendiger ist eS, daß Beweis darüber erhoben wird, ob tatsächlich Wahllokale zum Agitiere» benutzt worden sind. Der Herr, von dem der Protest ausging, hat ausdrücklich Zeugen angegeben, die bereit sind, die Richtigkeit seiner Behauptungen zu bekunden. Die Kommission hat es für überflüssig gehalten, nur einen einzigen der genannten Zeugen zu vernehmen.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Sie erklärt, der Protest sei u n s u b- sl a n t i i e r t. So leicht dürfte sich die Kommission ihre Aufgabe nicht machen. In anderen Fällen ist sie auch anders verfahren. Jd, erinnere an die Wahl der sozialdemokratischen Abgeordneten für Verlin, die Sie im vorigen Jahre für ungültig erklärt haben. Da war eine Behauptung im Protest aufgestellt, die noch viel unsub- siantiierter war, als die in dem vorliegenden Protest. Trotzdem hat man sich daran geklammert und Beweis erhoben, der schließlich dazu führte, daß die Wahlen für ungültig erklärt wurden. Wenn Ihnen daran liegt, daß [wirklich ordnungsmäßige Wahlen zustande kommen, müßten Sie unserem Antrage zustiunnen. Mir ist mitgeteilt ivorden, daß die | vereinigten bürgerlichen Parteien bei den letzten Wahle» in Moabit kleines f cinllcfon. ÄuS Robert Kochs Anfängen. Man weiß, daß der Begründer der modernen Bakteriologie feine grundlegenden Forschungen über den Milzbrandbazillus während seiner Tätigkeit als KreiSphyfikuS in Wöllstein anstellte. Im Jahre 1876 war Koch damit zum Abschluß gekommen und er wandte sich mit seinen Resultaten an den BreSlauer Botaniker Ferdinand Cohn, der sich um die Bakteriologie sehr große Verdienste erworben hatte und der auch schon ein Jahr früher die Vermutung ausgesprochen hatte, daß sich in den Milzbrandkulturen Dauersporen finden lassen würden, durch welche die Fortpflanzung der Bakterie» erfolge. Gerade diese Sporen aber hatte Robert Koch aufgefunden. Er' kam am 30. April 1876 nach Breslau und wiederholte dort im Pflanzenphysiologischen Institut bis zum 3. Mai die in Wollstein betriebenen Versuche in Gegenwart der Breslauer Biologen. Der Eindruck, welchen Kochs Demonstration auf die Teilnehmer machte, war tief und nachhaltig. Ferd. Cohn entsandte eilendS einen Boten in das Pathologische Institut mit der Nachricht, die Sache von Koch.sei richtig und höchst interessant". ES solle einer der Pathologen hinüber kommen und sich selbst überzeugen. Der Leiter des Pathologischen Instituts Julius Cohnheim ging selbst in die botanische Anstalt, und als er wiederkam, sagte er zu seinen Assistenten:.Nun lassen Sie alles stehen und liegen und gehen Sie zu Koch: der Mann hat eine großartige Entdeckung geniacht, und zwar alles aus sich heraus, ohne andere wissenschaftliche Unter- stützung. Dabei ist die Sache völlig exakt und absolut fertig. Ich halte sie für die größte Entdeckung auf dem Gebiete der Mikro- Organismen." Pon da ab datierte Kochs Ruhm, und er hat be- stnnitlich dann die höchsten Erwartungen noch übertroffen. TaS Licht i» der MeereStiefk. In einer interessanten Arbeit über die räumliche Verbreitung des LichteS und das Sehen der Tiere, die Professor v. Michel in der.Deutschen Revue" veröffent- lilbt, werden auch die Lichtverhältnisie in den Meerestiefen eingehend erörtert. In 483 Meter Tiefe ist iin Wasser bei Zenithstand der Sonne das Licht bis zu dem des Vollmondes, da? sich zu ihm wie 1: b69 500 verhält, abgeschwächt In 896 Meter Tiefe würde noch die Lichtstarke des Sternes Capella. die sich zu der der Sonne wie 1:655 760 Millionen verhält, vorhanden sein. Durch Ver- senkung photographischcr Platten im Mittelmeer wurde festgestellt, daß sie noch in 500—600 Meter Tiefe asfiziert wurden. Bei den angeführten Zahlen wird indessen von der Voraussetzung aus- gegangen, daß die Verhältnisse der natürlichen Gewäsier gleich denen de» destillierten Wassers seien: die Zahlen sind also zu hoch gegriffen, da daS Meer eine Reihe von Sinkstoffen enthält. durch die daS Licht viel stärker ausgelöscht wird. Im allgemeinen kann man annehmen, daß die Wassermassen, die unter einer Grenze von 400—600 Meter liegen, kein kosmisches Licht mehr erhalten. also dunkel sind. Nun haben aber die neueren Forschungen ergeben, daß m der Tiefe des RcereS die Zahl der Organismen, die selbst einen unerhörten TerroriSmuS ausgeübt haben. Man hat fast regelmäßig Vorgesetzie von Beamten als Wahlmäuner aufgestellt. In Moabit wohnen sa bekanntlich zahlreiche Beamte. Die Beamten wurden fast mit Gewalt zur Wahl geschleppt und ninßten in Gegenwart ihrer Vorgesetzten öffentlich nli- stimmen. Das Ziel, das damit bcabsiditigt war, ist ja nicht erreicht worden. Sie sehen, daß der sozialdemokratische Gegenkandidat, Kollege Hoffmann, doch wieder in das HauS eingetreten ist. Wir wollen also lediglidi feststellen, ob eine solche Agitation, wie sie in Wahllokalen von bürgerlicher Seite geübt worden ist, im Sinne der Mehrheit des Hauses liegt. Sollte sich herausstellen, daß im Wahllokal keine Beeinflussung geübt worden ist, werden wir natürlich für Gültigkeit der Wahl stimmen. Stellt sich aber heraus, daß tatiädsiich im Wahllokal agitiert worden ist, so hoffen wir von dem Gc- reditigkeitSsiun der Mehrheit deS Hauses, daß Sie die dort ge- wählten Wahlmänner für ungültig erklären werden. Dann wird sich eine Mehrheit für Herrn Dr. Runze nicht mehr ergeben.(Bravo! bei den Sozialdemokraten.) Abg. Jtschert(Z.): ES handelt sich um eine völlig unsubstantiierte Behauptung, über die wir zur Tagesordnung übergehen können. Ich bitte, den Antrag abzulehnen. Abg. Hirsch-Berlin(Soz.): ES ist richtig, daß die Behauptung unsubstantiiert ist. Worauf eS mir aber ankommt, ist, nachzuweisen, daß in früheren Fällen, wo auch nur unsubstantiierte Behauptungen vorgelegen haben, die Kommission anders verfahren ist. So war in dein schon erwähnten Protest gegen die Wahl der Berliner sozialdemokratisdien Abgeord- neten im vorigen Jahre die völlig unsubstantiierte Behauptung auf- gestellt, daß die Bildung der Abteilungen nicht überall ordnungs- mäßig sei. Die Kommission hat aber trotzdem alle m ö g- lichen Erhebungen veranstaltet und ist schließlich dazu gekommen, die Ungültigkeit der Wahlen zu beantragen. Wenn Sie gerecht sein wollen, müssen Sie im vorliegenden Falle genau so verfahren, müssen Sie prüfen, was an der angeblich unsubstantiierten Behauptung wahr ist. Erst dann können Sie zu einem gerechten Urteil kommen.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Damit schließt die Diskussion. Unter Ablehnung des Antrages Borgmann wird die Wahl für gültig erklärt. Die Wahl des Abg. Fürbringer(natl.) beantragt die Kam- Mission für ungültig zu erklären. Abg. Ecker-Winsen(natl.) beantragt, die Wahl für gültig zu er- klären, event. an die Kommission zurückzuverweisen und weitere Beweiserhebungen vorzunehmen. Abg. Witzmann(natl.) teilt als Berichterstatter der Kommission mit, daß noch ein neuer Protest eingegangen sei, der eine Zurück- Verweisung der Sache an die Kommission wünschenswert mache. Abg. Liidicke(fk.) wendet sich gegen die Berücksichtigung deS neuen Protestes, da ein soldjes Vorgehen widerspreche. Seine Freunde würden für stimmen. Abg. Haarmann-Altena(natl.) betont, v a t i v e r Seite Wahlverstöße vorgekommen seien. Würden berücksichtigt, so sei der Wahlsieg FürbringerS zweifellos. In der Abstimmung wird der nationalliberale Antrag abgelehnt und die Wahl des Abg. Fürbringer für ungültig erklärt. Nach debatteloser Erledigung der Novelle zum Zlvischenkredit- gesetz in dritter Lesung folgt die dritte Lesung des Gesetzes betreffend die ländlichen ZwangSfortbildnngSschulen für Schlesien. Abg. Graf Spee(Z.) befürwortet einen Antrag,"wonach am Sonntag in der Fortbilduugssdnile R e li g i o n S u n t e r r i d, t erteilt werden dürfe, und polemisiert gegen die Ausführungen des Abg. Hofsmann am Sonnabend. In Religionösachen vertritt Abg. Hoffmann den denkbar reaktionärsten Standpunkt.(Sehr wahr! im Zentrum.) Das religiöse Empfinden liegt in jedem Menschen, man müßte denn gerade auf die Ururanfänge der Menschheit zurückgehen, wie sie die Darwinisten darstellen. Wenn Herr Hoffmann sich mit seiner Glaubenslosigkeit auf seinen Ururahnen aus jener Zeit beruft, mag er ja recht haben.(Heiterkeit.) Abg. v. Kardorff(fk.) lvendet sich gegen den Antrag Spee. Nach Meinung seiner Freunde gehöre der Religionsunterricht nicht zu den Aufgaben der Fortbildungsschule. dein Brauche des Hauses den Kommissionsbeschluß daß auch auf k o n s e r- diese Licht produzieren, außerordentlich groß ist. Neuere Befunde haben eine ganz erstaunliche Verbreitung der Leuchtorgane gezeigt. So ist häufig die Zahl dieser Organe an ein und dem- selben Tiere noch Hunderten bemessen. In den Tiefen des Hardanger Fjords wurde unter den Scesternen eine besonders leuchtende Form gefunden, die nach dem strahlenden Kleinod der Freya als„Brinsinga" bezeichnet wurde. In den Weltmeeren, deren Räume unterhalb einer Grenze von 500—600 Meter liegen, in die nie ein Strahl der Sonne dringt, handelt eS sich nicht um eine einzelne Spezies, die leuchtet, sondern alles, was dorr kreucht und fleucht, kann leuchten. Selbst das farbige Licht fehlt hier nicht: prachtvolles Ultramarinblau, Himmelblau und Rubinrot sind vcr- treten. Daraus, daß vom Grunde des Meeres alles leuchtend und sichtbar wird, erklärt sich auch die extreme Entwickelung der Augen bei so vielen Tiefseefischen. Die Leuchtkraft des OrganiSmcnlichts wird auf Vr-o Normalkerze geschätzt. Bom Nährwert der Pilze. Der vielfach gehegten und immer wieder verbreiteten Behauptung, daß die eßbaren Pilze„an Nähr- wert dem Fleische gleichzustellen" seien, jedenfalls aber alle anderen Vegetabilien an Nährkrast übertreffen, tritt Pros. Dr. HanS Schinz. der Direktor des Botanischen Gartens in Zürich, im Jahres- bericht seines Instituts nachdrücklich entgegen. Er stellt die bisher bekannten chemischen Untersuchungen zusammen,. aus denen unter anderem hervorgeht, daß der Steinpilz nur einen geringen Nährwert besitzt, weil der hohe Wassergehalt den wirklichen Eiweißgehalt auf ein Minimum herabdrückt. Achu- liche experimentelle Feststellungen wurde» hmsichtlich der Aus- Nutzbarkeit des Champignons gemacht. Dazu kommt noch als weiteres Hindernis für eine sehr ausgebreitete Anwendung von Pilzgerichten, daß es— nach Anficht des HygienikerS R. H. Saltet— „den meisten Menschen uninöglich sein dürfte. öfters eine nur einigermaßen ins Gewicht fallende Menge von Schwämmen bei einer Mahlzeit zu verzehren". Augenblicklich sind wieder im Züridier Polytechnikum neue Untersuchungen über de» Nährwert der Pilz- sorten im Gange. In jedem Falle aber ist nach Professor Schiuz die Ueberzeuguug begründet, daß den Pilzen vorläufig nur die Rolle eines GenußmittelS, aber nicht eines VolkSnährmittelS zuerkannt werden kann. Humor und Satire.> Hat alles feinen guten Grund. In Z. rügte in einer Stadtverordnetenversammlung ein Stadtverordneter, daß der Kalkulator und Registrator X. fortwährend mit Arbeiten im Rück- stände sei. „Der Herr Registrator und Kalkulator ist mit Arbeiten über- lastet, meine Herren!" sagte der Oberbürgermeister.„Es empfiehlt sich, die Registratur- und Äalkulaturgeschäsle zu trennen, also eine neue Stelle zu sd, äffen." Die Herren Stadtverordneten erhoben diese Anregung zum Be- schluß. Fünf Jahre später bemängelte derselbe Stadtverordnete, daß weder Kalkulator T.»och Registrator J. ihre Arbeiten rechtzeitig Ein Negieruilgskommissar bemerkt, der Minister müsse an seinem vorgestern dargelegten ablehnenden Standpunkt festhalten. Abg. Hoffmann(Soz.): Ich will Herrn Grafen Spee nur kurz erwidern, denn, wie da? hohe HauS zeigt, scheint ja trotz der Abmahnung deS Kollegen Kaufmann der größte Teil der Abgeordneten wieder auf Agitation abwesend zu sein.(Heiterkeit.) Wir sind selbstverständlich auch gegen den Antrag des Zentrums. Ich verweise auf meine Ausführunzen am Sonn- abend, daß gerade der Religionsunterricht am Sonntage, dem einzigen Tage, wo Lehrlinge und jugendliche Arbeiter einige Stunden frei haben, berechtigte Empörung unter den Jugenlichrn hervor- rufen muß. Die Austritte aus der Kirche werden sich da- durch nur vermehren. Mit Beendigung des Schulunter« richts ist der Jugendliche in kirchlichen Angelegenheiten mündig und kann seinen Austritt ans jeder Kirche selbst erklären. Sie haben also kein Recht, solche Sdsiilcr zum Religionsunterricht zu zwingen. Und wenn Knaben und Mädchen in diesem Alter an den Geistlichen beim Unterricht Fragen richten, kämen Sie in Gefahr, daß die noch Gläubigen geschädigt werden. Im übrigen habe ich schon am Sonnabend nadigewiese», daß da, wo die schwärzesten Gegenden unseres Vaterlandes sind, die Rohcits- und anderen Kapitalverbrechen nach der Statistik am allermeisten vorkommen. Das ist nicht zu widerlegen. Wenn Graf Spee von meiner Glauben»« losigkeit sprach, so irrt er sidi. Wir Sozialdemokraten haben den Glauben an die bessere Zukunft derMenschheit, und das ist der siärlste Glaube, denn er ist auf der Vernunft aufgebaut. (Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Wie mangelhaft Ihr Glaube ist. bctveisen Sie durch Ihren Antrag; wenn Ihr Glaube stark wäre, müßten Sie ihni so viel Kraft zutrauen, daß er die Kinder auch ohne Zwang den Geistlichen zuführt. Im übrigen weiß idz nicht, wo mehr religiöses Gefühl vorhanden ist, bei der Masse des Volkes oder etwa bei Herrn v. H a in m e r« st e i n oder bei gewiffen A st l o d) g u ck e r n.(Heiterkeit.) Wenn Graf Spee schließlidj auf meine angeblichen Urväter hinwies, als sie noch aus den Bäumen saßen, so kann ich ihm nur antworten, waS ich einem seiner Parteigenossen schon einmal im Reichstage erlvidert habe: Darwin hat niemals gelehrt, daß die Menschen vom Affen abstammen. Aber manche solcher Ausführungen beweisen mir, daß es auch eine umgekehrte Entwickelung geben kann, die da aufhört, Ivo sie angeblich nach Darwin beginnen soll.(Große Heiterkeit. Sehr gut! bei den Sozialdemokraten!) Abg. Kirsch(Z.): Ich will nur gegenüber Herrn Hoffmann fest- stellen, daß er neulich sagte, seine Fraktionsgenossen hätten aus eine Angelegenheit hier nicht eingehen können, da sie auf Agitationsreisen waren. Die Sozialdemokraten halten eS also mit ihrer Pflicht als Abgeordnete für vereinbar, die Sitzung zu schwänzen und aus Agitation zu gehen. Ich beglückwünsche die Stadt Berlin zu solchen Abgeordneten. Abg. v. Goßler(k.): Wir legen besonderen Wert darauf, daß der Unterricht in der Fortbildungsschule in ch r i st l i ch- religiösem Sinne erteilt wird. Trotzdem sind wir nicht in der Lage, für den ZentrnmSantrag zu stimmen, weil wir den Sonn- tag freihalten wollen von jedem Zwangsunterricht. Die Möglichkeit, den Religionsunterricht in den FortbildungSsckmlunterricht anfzu- nehmen, besteht schon jetzt. Allerdings wird dazu die Zeit vielfach zu knapp fein.(Sehr richtig!) Abg. Ecker-Winsen(natl.) wendet sich ebenfalls gegen den An« trag des Zentrum». Abg. Hoffmann(Soz.): Wenn Herr Kirsch sich darüber aufhielt, daß ich häusig spreche, so hätten Sie eS ja in der Hand gehabt, ein Gesetz zu schaffen, daS uns ermöglicht, eine größere Zahl von Vertretern in dies HauS zu bringen. Dann wären Sie die Unannchm- lichkeit los, immer wieder denselben Redner zu hören. Dann glaubte Herr Kirsdi vor dem Lande festnageln zu müssen, daß die sozialdemokratischen Abgeordneten Sitzinigc» schwänzen. Nun, wenn wir einmal den Versuch machen würden, eine Anwesen- heitsliste zu führen/ würden wir Wunderdinge erleben. Wir sind bisher nie unter 662/3 Proz. vertreten gewesen.(Heiterkeit.) Von Ihnen waren aber meist nicht 20 Proz. anwesend. Im übrigen halten wir es auch nicht für die Aufgabe eines Abgeordneten, unter allen Umständen hier zu sitzen und etwa bei der Sek n ndärbahn Vorlage 24 Jahre lang hintereinander wie Herr A h r e n d ein und dieselbe Bahn zu»erlangen, sondern e» ist auch Pflicht der Abgeordneten, mit de» Wähler» in Fühlung zu treten. Wir mußten damals nach Rheinland-Westsaleii. um daS Volk über den Bolksverrat deS Zentrums bei der Wahlrcchtsvorlage aufzuklären. Wir sind nicht nur mit Wissen, sondern im Auftrage erledigten.„Zwei Leute müßten doch dieselbe Arbeit, die einer nicht rechtzeitig erledigen kann, pünktlich fertigstellen können", meinte er. „Das trifft wohl für ein kaufmännisches, aber nicht für ei» be- hördlidies Bureau zu," antwortete der Oberbürgermeister.„Infolge der Trennung der Registraturgeschäfte von den Kalkulaturgeschäften mußten Hunderte von neuen Akten, Listen, Verzeichnisien und Büchern angelegt und Tauscnde von neuen Formularen»sw. ent« worfen werden. Das alles macht den beiden Herreu Beamten so viel Arbeit, daß noch auf Jahre hinaus an eine pünktliche Erledi» gung ihrer Obliegenheiten nicht zu denken ist.(„SimplidssimuS".) Notizen. — o r t r 5 g e. In der Urania findet am Dienstag, den 31. Mai, abends 8 Uhr, anläßlich des V. internationalen Ornitho- logen-Kongreffcs ein Festvortrng„Lebende Bilder aus der h e i in i s ch e n T i e r w e l t" statt, in dem Dr. Heinroth u. a. auch die kinematographisd)en Tieraufnahmen der Gebrüder Kearton vorführen und den Gesang der Vögel auf dem Grammophon zu Gehör bringen wird. — I n der Volksoper werden unter Vermittelung des Rechtsschutzbureaus der Bühnciigenosseuschaft Verhandlungen ge» pflogen, die zur Zurücknahme der Kündigung und zum Wieder» engagement der meisten der 16 engagierten Schauspieler führen dürften. — Die Fritz Renter-Au» stell» n g. die zum 100. Geburtstage des plattdeutschen Humoristen im Berliner ÄünstlerhauS eröffnet werden soll, wird durch die Hanptstationen von ReuterS Leben und Schaffen führen. U. a. werden viele Manuskripte von ihm und seinen Beziehungen, Ausgaben seiner Werke. die Reuter- Literatur, Porträt», Skizzen von seiner Hand, Möbel, Urkunden aus- gestellt sein. Prof. K. Th. Gaedertz, der Veranstalter der Ausstellung iBerlin W., Gemhiner Straße 15). bittet die Besitzer zweckdienlichen Materials um freundliche Ueberlaffung. — Zum Tode Robert K o d> s. Dem großen Forscher werden in der ganzen Welt ehrende Nachrufe geividmct. In der italienischen Deputiertenkalmner gedachte am Montag Professor Castellino des Hinscheidens Kochs, rühmte seine großen Verdienste um die Wissenschast und die Menschheit und schilderte die Wichtig- keit seiner Eutdeckmigen. Präsident Marcora gab dem Beileid der Kammer an dem Tode des großen Gelehrten Ausdruck, den er als hervorragenden Wohltäter der Menschheil pries.(Lebhafte Zu- stimmnng.) Im Namen der Regierung schloß sich Minislerpräsident Luzzatti den Beleidskundgebungen an.— Montag nachmitlaa fand die Feuerbestattung Kochs in Baden-Baden statt - Ein Freiligrath-Denkmal soll in RolandSeck am Rhein ernchtet werden Arn 17. Juni, dem Tag- der hundertsten Wrederkehr eines Geburtstages, hoffen die rheinischen Honoratioren den Grundstein zu legen. Sie finden nämlich, daß Freiligrath ein treflilcher Sanger Mio ein brauchbarer Gegenstand patriotischer Festreden sei. Den FreihettSsänger und Revolutionär eSkamotiert man dabn ganz einfach— nach berühmten Mistern. unserer Berliner Wähler dorthin ge�cmgen, imd eine solche Ruf- klärungsarbeit werden wir auch in Zukunft für unsere Pflicht halten Sie sehen ja, daß wir deshalb noch immer anwesend sind, viel iister, als Ihnen angenehm ist.(Sehr gut I bei den Sozialoeino- kraten.) Abg. Hirsch(Soz.): Ich möchte ebenfalls den Lorwurf des Abg. Kirsch, als ob wir Berliner Abgeordneten die Sitzungen schwänzten, zurückweisen. Uebrigens wimmelte es damals in dem Zuge, in dem lvir nach dem Rheinland fuhren, von ZcnwnmSabgeordncten. Auch der Präsident des Hauses sag darin.(Heiterkeit.) Kirsch(Z.): Ich nagle nochmals fest, das; die sozial- demokratischen Vertreter damals ihre Partei hier, im Stich gelassen haben. Herr Hoffmann hat das selbst ganz zynisch zu- gegeben mit der Legriindung, sie müstteu nach dem Rheinland wegen Agitationsverhandlung.(Unruhe bei den Sozialdeinokraten.) Abg. Schcpp(Fortsch. Lp.) wendet sich gegen den Antrag des Zentrums. Abg. Hoffmann(Soz.): Herrn Kirsch habe ich nur zu antlvorten, daß unsere Genossen damals 20 Minuten vor Schluß der Sitzung abgereist sind. Die Sache war für uns nicht so wichtig, da wir ja noch bei der dritten Lesung antworten konnten. Beim Berggesetz übrigens war das Zentrum so schwach vertreten, daß seine eigenen An- träge nicht angenommen lv e r d e n konnten.(Hort! hört! bei den Sozialdemokraten.) Wir werden in der Folge öster Gelegenheit nehmen,„vor dem Lande" zu konstatieren, wie das Zentrum, speziell seine Arbeitervertreter, abwesend sind. Ich stelle nochmals„vor dem Lande" fest, wir mußte» damals die Sitzung verlassen, um das Boll über den Wahlrechtsverrat des Zentrums aufzuklären. Wenn Herr Kirsch sagte, ich hätte unser Fernbleiben zynisch zugegeben— ich habe es ehrlich zugegeben. Wenn ehrlich zynisch ist, dann ist das Zentrum niemals zynisch.(Große Heiterkeit und Sehr gut! bei den Sozial- demokratcn.) Damit schließt die Debatte. Der Zentrumsantrag wird gegen die Stimmen des Zentrums abgelehnt, die Vorlage in dritter Lesung gegen das Zentrum a n g e n o m m e n. Zwei Anträge Hammer(k.) und L u s e n S k y(natl.) betr. die Erhebung der kommunalen Umsatzsteuer werden nach kurzer Debatte an die Gemeindckommission verwiesen; ein Antrag v. B l a n ck e n« bürg(k.) auf Erhöhung der DiciistauswanSscntschädigmig für die Distrikskommissare in Posen im nächsten Etat geht an die Budget- kommisfion. Ein Antrag Dr. G o t t s ch a l k(natl.) ersucht die Regierung um Vorlegung eines Gesetzes zur einheitliche» Regelung der Dauer der Schulpflicht unter Berücksichtigung berechligter Sonderverhältnisse der einzelnen Landesteile, sowie betreffend einheilliche Bestimmungen über die Folgen der ungerechtfertigten Schulversäumnis, ihre Straf- barkeit usw. Abg. Glattfelter(Z.) beantragt Ucberlveisung des Antrage? an die Unlerrichtskommission. Abg. Graf Clairo» d'Hmissonville(k.) schließt sich diesem An- trage am Abg. Cassel(Fortsch.Bp.) bittet, den Antrag ohne KommissionS- beratung anzunehmen. Ein Negiernngskommissar erklärt, daß die Regierung die gssetz- liche Regelung der Materie nicht für dringend halte, aber die An- gelegenheit prüfen werde, wenn es der Wunsch der Parteien sei. Abg. Dr. Gottschalk(natl.) wendet sich gegen die lleberweisung an die Unterrichtskoinmission. Dort sei der Antrag schon einmal gewesen und Bedenken gegen ihn seien nicht erhoben worden. Der Antrag auf lleberweisung an die UnterrichtSkom- Mission wird gegen die Stimmen der Linken angenommen. Ein Antrag Finck(natl.) betreffend Errichtung eines Prüfungs- amteS für landwirtfchaflliche Maschinen bei der technischen Hochschule in Hannover wird an die Budgetkommission verwiesen. Hierauf vertagt sich das Haus. Nächste Sitzung Dienstag 11 llhr: Antrag Eickhoff betreffend die Einführung der Koedukation in den höheren Lehr- anst alten(Gemeinsame Erziehung der Geschlechter). Beratung der Denkschrift über die Ausführung des An s ie d e lu ngs- g e s e tz e s in der polnischen Provinz. Petitionen. Schluß 4'/« Uhr._ Deunte GtUklMechmnilung der Töpfer nnd Kernfsgeuosseu. Dresden, 27. Mai. Der letzte Verhandlungstag war ein Tag der Wählen und Ab- stimmungcn, die meistens ohne lange Diskussionen vor sich gingen. Nur ein Antrag des Vorstandes, eine Lehrlingsabteilung einzurichten, erfuhr eine kurze, aber scharfe Bekämpfung. Es waren die Großstadtdelegierten(Berlin, Hamburg, Leipzig), die sich entschieden gegen diesen Antrag wandten und erklärten, daß die Erziehung der Jugend Sache der freien Jugendorganisationen sei. Verschiedene kleinstädtische Delegierte aus Orten, wo die freie Jugendorganisation noch keinen Eingang fand, traten aber warm für den Vorstandsantrag ein und begrüßten es, daß endlich in dieser Frage etwas geschehen sollte. Als der Antrag mit schwacher Majorität abgelehnt war, sagte D r u n s e l, daß der Vorstand, um den Wünschen aller Delegierten.entgegenzukommen, mit der Zentrale der freien Jugendorganisationen in Verbindung treten und den Filialen in der nächsten Zeit Agitationsmaterial zustellen werde, durch das sie die jugendlichen Arbeiter auf die für sie ge- schaffenen Jugendorganisationen verweisen sollten. In den am meisten umstrittenen Fragen des Verbandstages— Beitragserhöhung, Arbeitslosenunter st ützu ni g, besoldete Gauleiter— hatte gegen Schluß der Diskussion die Opposition immer mehr an Boden verloren. Die Abstimmungen fielen denn auch im Sinne des Vorstandes aus. Bei der Gauleiter- frage wurde zuerst— und zwar namentlich— über die prinzipielle Seite der Frage abgestimmt, ob Gauleiter besoldet werden sollten o d e r n i ch t. Die Frage wurde mit 46 gegen 12 Stimmen bejaht; diejenigen der bis jetzt unbesoldeten Gauleiter, die als Bewerber in Betracht kamen, enthielten sich der Wstim- mung. Nach dieser grundsätzlichen Klarstellung wurde mit allen gegen 3 Stimmen auf Anstellung von vier besoldeten Gauleitern erkannt. Das Gehalt wurde auf 2066 M., steigend bis 2400 M., nominiert; der Dienstantritt, auf 1. Oktober d. I. festgesetzt. Aus der Wahl gingen einstimmig E v e r s-Hildesheim, Bo sso g» Breslau, B e i e r- Dresden, Freitag. München hervor. Da die Vorstandsvorlage zur Arbeitslosenversicherung weder Freunden noch Gegnern dieser Versicherung Freude gemacht hatte, ließ die Beratungskommission sie fallen und unterbreitete selb» ständig eine neu bearbeitete Vorlage, die ebenfalls in n a m e n t- l i ch e r Abstimmung, mit 46 gegen 23 Stimmen angenommen tourde. Ihre wesentlichsten Bestimmungen sind folgende: Die Höhe der ErwerbZloscnunterstsitzung richtet sich nach den in den letzten 26 Wochen geklebten niedrigsten Beitragsmarken. Es wird gezahlt: ... CSW 50 Pf. 0,70 M. 4,20 M. 70„ 0,80„ 4,80„ 85, 0,00„ 5,40„ 100, 1,00„ 6,00„ ®!e Dauer der Unterstützung beträgt: nach einjähriger Mit- t liedschaft 5 Wochen, steigend pro Jahr um eine Woche bis zur wchstdauer von 9 Wochen, die nach Sjähriger Mitgliedschaft erreicht wird. Die Unterstützung wird vom 13. Tage der Erwerbslosigkeit ab gezahlt. Die Krankenunterstützung wird schon nach dreitägiger Karenzzeit gezahlt. Sie ist in der Weife geregelt, daß auf die Sätze Her Lrtverbslosenunterstutzuvg I ' Zuschüsse gezahlt werden, und zwar in der 1. Klasse 20 Pf., in der 2. Klasse 30 Pf., in der 3. Klasse 3ö Pf. und in der 4. Klasse 40 Pf. pro Tag. Die Unterstützungsdauer beträgt ebenfalls nach einjähriger Mitgliedschaft 5 Wochen Sie steigt pro Jahr um eine Woche, bis zur Höchstdauer von 15 Wochen, die nach lOjähriger Mitgliedschaft erreicht wird. Durch die Annabme dieser Vorlage werden erstens die Bei- träge von 46, 56, 60, 70 Pf. auf 50, 70, 85, 100 Pf. erhöht; zweitens ist die Arbeitslosenunterstützung eingeführt; drittens ist die Krankenunterstützung geändert worden. Die Kranken- Unterstützungssätze, die sonst 4,50, 5,40, 6,30, 7,20 M. pro Woche betrugen, sind auf 5,40, 6,60, 7,50, 8,40 M. erhöht; die Unter- stützungsdauer ist von 10 auf 15 Wochen verlängert worden. Die Wanderunterstiitzung wurde von pro Tag 80 Pf. auf 1 M. erhöht. An den anderen llnterstützungszweigen wurden nur ganz unwesentliche Aenderungen vorgenommen, dagegen zahlreiche Statutenänderungen, die sich aber auf internere VerbanÄverhält- nisse bezogen. Alle Aenderungen treten, mit Ausnahme der Arbeitslosenver- sicherung, am 1. Oktober d. I. in Kraft; die Arbeitslosenunter- stützung dagegen erst am 1. Oktober 1911. Der alte Vorstand wurde wiedergewählt und Drunsel zum Kopenhagener Kongreß, Drunsel(Redakteur), Schmit, D o m sch k e- Weißensee, K a u l i ch- Hamburg zum nächsten Ge- Werkschaftskongreß delegiert. Der Verbandsaus schuß wird in Wegfall kommen; Sitz des Verbandes bleibt Berlin; Tagungs- ort der nächsten Generalversammlung ist Leipzig. Line Ltsppe im Berliner ilionluingenoffenSchaftswesen. Am Sonntag fand in Lichtenberg auf dem von der Konsum- genossenschaft Berlin und Umgegend erworbenen 12 310 Quadrat- meter großen Gelände in der Rittergutstraße die Grundsteinlegimg der Neubauten statt. Auf dem 100 Meter Straßenfront aufweisenden Grundstück sind fünf Wohnhäuser mit modernsten Einrichtungen (Bäder, Dampfheizung, elektrisches Licht usw.) und ein Verwaltungs- gebäude mit großen Lagerräumen im Neubau. Auf dein Hinter- lande soll rechts eine Dampfbäckerei mit 6 bis 20 Doppel- auszngsöfen» errichtet werden,'die den Mitgliedern ein gesundes und nach Möglichkeit wohlfeiles Brot zu liefern im stände sein werden. Links soll ein Lager- nnd Kontorhans mit Fruchtsaft- und ierfüllerei, Selterwasser- und Brause- limonadenfabrik zu stehen kommen. Die Bauvorbeiten für eine Kraftzentrale und einen Automobilschilppen sind im Gange. Zwecks Verbilligung der Transportkostsn ist direkter Bahnanschluß an die Gebäude vorgesehen. Um der hoffentlich bald in Erfüllung gehenden gewaltigen Ausdehnung der Konsumgenossenschaft unter allen Umständen Rechnung tragen zu können, ist das Vorkaufsrecht auf ein benachbartes, ebenso tiefes Gruudstück von 54 Meter Straßen- front für fünf Jahre gesichert. Der Vau ist so rüstig vorwärtsgeschritten, daß er voraussichtlich schon im Februar 1911 vollendet und spätestens im April seiner Be- stimmung wird übergeben werden können. Dem Grundstein wurden außer anderen Zeitdokumenten, unter denen sich auch Zeitungen, darunter der„Vorwärts" befindet, eine Urkunde einverleibt, die in knappen Zügen die EntWickelung der Berliner Genossenschaftsbewegung bis zum Juli 1908 schildert. Den Worlaut lassen wir nachstehend folgen: Urkunde niedergelegt anläßlich der Grundsteinlegung zu den Neubauten der Konsumgenossenschaft Berlin und Umgegend eingetragene Genossenschaft mit beschränkter Haftpflicht, Berlin- Lichtenberg, Rittergutstr. 22—26, am neununzwanzigsten Mai neunzehnhimdertundzehn. Am 28. Juni 1899 wurde der Konsumverein Berlin-Nord ge� gründet. In den Jahren 1900 und 1901 entstanden die Konsum vereine Berlin-Süd, Schöneberg und Weißeusee. Diese vier Vereine schlössen sich am 1. Juli 1902 zur Konsumgenossenschaft Verlin und Umgegend, e. G. m. b. H., zu- sammen. Der am 24. Juni 1900 gegründete Berliner Konsumverein beschloß in seiner Generalversammlung vom 15. März 1903 die Verschmelzung mit der Konsumgenossenschaft und erfolgte die Vereinigung in demselben Jahre. Die Entwickelung der Genossenschast zeigt nachstehende Tabelle: Zum Zwecke der Errichtung einer eigenen Zentrale sowie des Ueberganges zur Eigenproduktion wurde in der am 27. Sep- tember 1903 abgehaltenen Generalversammlung die Herausgabe von Hausanteilen in Höhe von einer halben Million Mark beschlossen. Am 30. Juni 1909 wurde da? 12 310 Ouadratmeter große Grundstück Rittergutstraße 22/26 in Lichtenberg zum Preise von 199 603,20 Vi. erworben; die Auflassung erfolgte am 29. Sep- tember 1909. Im Februar 1910 wurde der Bau begonnen. Die BÄuleitung lag in den Händen des Architekten Herrn Leb. P. Ehricht. Der Verwaltimg der Genossenschaft gehörten im Jahre der Grundsteinlegung folgende Genossen an: Vorstand: Rudolf Junger, Karl Mücke, Wilhelm Lamm, Paul Müller, Gustav Flade. Aufsichtsrat: Friedrich Schulze und Heinrich Stühmer als Vorsitzende, und die Genossen Karl Bartel, Max Buchholz, Karl Fritz. Friedrich Güttler, Albert Haese, Franz Hanel, Konrad Holland. Karl Kleinschnndt, Franz Liese, Frau Gertrud Lodahl, Paul Meister. Andreas Mirus, Wilhelm Schmidt. Der Grundsteinlegung wohnten bei: Vom V o r st a n d: G. Flade, R. Junger, W. Lamm, K. Mücke, P. Müller. Born AufsichtSrat: K. Bartel, M. Buchholz, C. Fritz, F. Güttler, A. Haese, F. Hanel, K. Holland, K. Kleinschmidt, F. Liese, G. Lodahl. P. Meister, A. MiruS, W. Schmidt. F. Schulze, H. Stühmer. Vom Ausschuß des Genosse nschaftSrateS: A. Engelmann, A. Heitmann, F. Pauligk, R. Schulze, O. Werner. Von der Propagandakommission zur Förde- rung des Genossenschaftswesens für Groß- Berlin: E. Böske, E. Brückner, Karl Leid, O. Flemming, C. Giebel, K. Hetzschold, M. Hoppe. M. Jacobsen, G. Laukant. A. Ritter, A. Stadlhagen, O. Wels, A. Winter, E. Wutzky. Von der Bauleitung: Architekt Leb. P. Ehricht, Bau- führer H. Ehricht. Bauführer K. Hanns. Von der Baunusführung: Maurermeister C. Linges- leben und Bauführer F. Sieckmann. Bei der Grundsteinlegung sprachen Vertreter des Vorstandes, des Aufsichtsrats, der Propagandakommission, der Gewerkschaften und der Partei ihren Wunsch auf ferneres Wachsen, Blühen und Gedeihen des Unternehmens aus. Diesen Wünschen schließen wir uns aus vollem Herzen an. Die in der Tabelle wiedergegebenen Zahlen zeigen, wie recht der„Vor- wärts" hatte, als er seit Jahren— unbeirrt um alle Angriffe ein- zelner Sonderbündler— betonte: Voraussetzung einer gedeihlichen EntWickelung der Genossenschaftsbewegiing ist A u f h e b ung der Zerfplitterung. Zentralisation. Am 1. Juli 1903 erfolgte die Verschmelzung, nnd innerhalb eines Jahres bis zum 30. Juni 1909 hatte die Mitglieder- zahl sich fast verdoppelt, war von 10 221 auf 19172 gestiegen. Von da ab ist ein weiteres erfreuliches Wachstum zu verzeichnen. Die Konsumgenossenschaft in Berlin zählt jetzt rund 30 000 Mitglieder. So erfreulich der Fortschritt des vom sozialistischen Geist ge- tragenen Konsumgcnossenschaftsgednnkens in Berlin ist, so viel läßt doch die Entwickelung noch zu wünschen übrig, um in Berlin die Genossenschaftsbewegung auf die gleiche Höhe zu bringen, wie sie andere Großstädte aufweisen. Schwierige Zeiten hat die KonsumgenoffenschaftSbewegung in Berlin durchzukämpfen ge- habt, nicht zuletzt infolge der gutgemeinten Eigenbrödeleien einiger, die da glauben machen wollten, die Konsum- genossenschaftsbewegung könne die bürgerliche Gesellschasts- ordnung ummodeln, den Klassenkampf beseitigen. Diese Ueber- treibungen führten naturgemäß zu Unterschätzungen der großen wirtschaftlichen und kulturellen Vorteile, die eine in sozialistischem Sinne geleitete Genossenschaftsbewegung den einzelnen Arbeitern und der' Arbeiterklasse bringt. Diese Zeiten der meist unfreiwilligen Bekämpfung derer, die zusammengehören, sind für Berlin vorbei. Das beweist das rapide Wachstum der Genoffenschaft seit dem Zusammenschluß im Jahre 1903. Die Gedanken über die Möglich- keit des Erfolgs der Genossenschaften wurden aus dem Himmel phantastischer Illusionen auf den Bode» der harten Wirklichkeit gestellt. Dadurch wurde die Genossenschaftsbewegung am kräftigsten gefördert. Die durch indirekte Steuern und Zölle hervorgerufene künstliche Teuerung der notwendigen Lebens- und Bedarfsmittel weist den Arbeiter und seine Familie darauf hin, in seinem und der Seinen Interesse Mitglied der Konsumgenossenschaften zu werden. Zu den direkten in Mark nnd Pfennig auszurechnenden Vorteilen tritt das erhebende Bewußtsein für die Genossenschaftsmitglieder, daß durch den Beitritt zur Genoffenschaft wenn auch in noch so be- scheidenem Maße der Geist der Solidarität der Arbeiterklasse gepflegt und ihre wirtschaftliche Macht erhöht wird. Wer Mitglied der Konsumgenossenschaft werden will, wendet sich an eine der Verkaufsstellen. Dort unterzeichnet man die Beitritts- erklärung und zahlt eine Eintrittsgebühr von 50 Pf. Der Geschäfts- anteil beträgt für jedes Mitglied 30 M. unb kann in Raten bezahlt oder von der Rückvergütung gutgeschrieben werden. Die Rückver- gütung wird aus dem Reingewinn entnommen und nach Maßgabe der gekauften Warenmenge an die einzelnen Mitglieder verteilt. Mögen die Berliner Genossen dafür sorgen, daß die Berliner Genossenschaftsbewegung bald an erster Stelle in Deutschland steht. Je mehr Mitglieder— desto höher die Leistungen. Die demokratische Organisation der Genossenschaften sorgt dafür, daß die Leitung im sozialistischen, dem Allgemeinwohl Dienenden Sinne auch ferner betätigt wird. Durch die onisiae Tätigkeit von Arbeitern konnte die Grundstein- legung zu dem schönen Werke am Sonntag erfolgen. Möge die fenossenschaftliche Arbeit ferner ihr Teil mit zur Verwirklichung der austschen Verse beitragen: Das ist der Weisheit letzter Schluß: Nur der verdient sich Freiheit wie daS Leben, Der täglich sie erobern mutz. Und so verbringt, umrungen von Gefahr, Hier Kindheil, Mann und Greis sein tüchtig Jahr. Solch ein Gewimmel möcht' ich sehn, Auf freiem Grund mit freiem Volke st eh». Zum Augenblicke dürft' ich sagen: Verweile doch. Du bist so schön! Gericbts- Leitung. Gegen die Heegermühler„Demonstranten",» Die Justiz will, daß auch Heegermühle bei Eberswalde'(Kreis Oberbarnim) eine Demonstration gehabt habe. Angeklagt war gestern in EberSwalde Genosse Palm, am 13. Februar auf öffent- lichen Straßen ohne polizeiliche Genehmigung einen Aufzug ge- leitet zu haben. Am 13. Februar hate eine Versammlung mit Genossen Heinig als Referenten stattgefunden. Die Versamm- lungsbesucher waren zum späteren Zusammenbleiben dadurch ge- wissermaßen gezwungen, daß die Polizei einzelne Straßen abge. sperrt hatte. Wie die Aussagen des Gendarmen in der Beweis- aufnähme erwiesen, war die gesamte bewaffnete Macht— Gendarmen, Ortspolizeidiener und Nachtwächter— schon am Lormittag„wegen in Aussicht stehender Demonstrationen" alarmiert. Die Polizei, meinte der Gendarm, habe durch ein„geheimes Zir- kular aus Berlin" Kenntnis erhalten, das von dem Plan einer Demonstration gehandelt habe. Der Verteidiger, Rechtsanwalt Dr. Kurt Rosenfeld, wies nach, daß hier das amtliche Vergrößerungs- glas aus der harmlosen Aufforderung der Zentralleitung der preußischen sozialdemokratischen Partei zu machtvollen Demon- strationsversammlungen ein Geheimzirkular für Demonstrationen gemacht hatte. Der Gendarm meinte, der Angeklagte und der Referent Heinig seien vorangegangen, die anderen seien gefolgt, der Angeklagte habe den Zug geleitet. Vergeblich, daß alle Zivil- zugen darlegten, daß weder ein Umzug geplant war noch statt- gefunden hatte. Der Amtsanwalt beantragte 30 M. Geldstrafe. der Verteidiger verlangte Freisprechung, das Schöffengericht er-. kannte auf 15 M. Geldstrafe. Was doch alles zu einem„Aufzug" aufgezogen werden kann! Um Mißstände in dem Charlottenburger Krankenhause, welche schon einmal Gegenstand öffentlicher Erörterungen gewesen waren, handelte es sich in einem Beleidigungsprozeß, welcher gestern vor der 2. Strafkammer des Landgerichts III unter Vorsitz des Landgerichtsdirektors Gockel zur Verhandlung kommen sollte. Angeklagt wegen Beleidigung des Leiters des Krankenhauses Westend, Professor Brsicl-Hagcn, sowie der Aerzte dieses Kranken- Hauses und ferner der Aerzte des Krankenhauses Charlottenburg- Kirchstraße waren die Schriftstellerin Elisabeth Bonneß(Ruth Bre) und die Schriftstellerin Dr. phcl. Helene Stöcker.— Der Anklage liegt ein in dem Publikationsorgan des Bundes für Mutterschutz („Neue Generation") erschienener von Ruth Vre verfaßter Artikel mit der Ueberschrift:„Da uns schlägt die rettende Stund, Christ, in Deiner Geburt" zugrunde. In diesem Artikel wird nach ein- leitenden Weihnachtsbetrachtungen folgender Vorfall mitgeteilt: Kurz vor dem Weihnachtsabend sei das Dienstmädchen St., welche» unmittelbar vor der Niederkunft stand, in das Bureau des �Bundes für Mutterschutz m der Trautenaustraße gekommen. Die St. habe angegeben, daß ihre Dienstherrschaft, eine Arztfamilie in Lankwitz, sie nicht früher fortgelassen habe, obwohl sie um Entlassung gebeten habe. Die Leiterin des vollbesetzten und viel zu. kleinen Mutte» heims habe nichts anderes tun können, als dc.s Mädchen, welches vor Schmerzen weinte und jammerte, auf ihre Kosten in ein Automobil zu fetzen und es mit einer Begleiterin in daS Charlottenburger Krankenhaus in der Kirchstraße zu schicken. Hier habe man sie nicht aufgenommen, weil sie in Charlottenburg nicht gemeldet sei. Die Begleiterin sei dann mit dem Mädchen im Automobil nach dein Krankenhaus Westend gefahren. Als sie hiev schon auf dem Geburtstische gelegen habe, sei der Oberarzt ge- kommen LNÜ h»bK mit de» Wollten:«Wir Mea Zier keine Ent, bin?ungSanstaltI' ein Eingreifen abgelehnt. Die sich vor Schmerzen Windende sei dann auf einer Tragbahre wieder in das Automobil zurückgeschafft worden und wieder nach dem Krankenhause Kirch- srrahe transportiert worden. Auch jetzt habe man die Unglückliche hier nicht aufgenommen, sondern nach der Unfallstation geschafft, wo dann auch die Geburt vor sich gegangen sei.— Der Magistrat von Charlottenburg sah sich veranlaßt, eine Berichtigung herauszugeben, in welcher die in dem inkriminierten Artikel enthaltenen Angaben als teils unrichtig, teils als völlig entstellt wiedergegeben bezeichnet wurden. Außerdem erstatteten die in Frage kommenden Aerzte Anzeige wegen Beleidigung.— In der gestrigen Verhandlung er- klärte Rechtsanwalt Holländer als Verteidiger der beiden An- geklagten, daß diese beabsichtigen, den Wahrheitsbeweis für die in dem Artikel gemachten Angaben zu führen und er deshalb auf das Zeugnis des Dienstmädchens St. sowie einer Reihe anderer Zeugen nicht verzichten könne. Das Gericht beschloß die von der Verteidigung namhaft gemachten Zeugen zu laden und die Ber- Handlung zu vertagen._ „Christliche" Kirchenmitglieder. Eine turbulente Szene, die sich in einer kirchlichen Versamm« lung der Gemeindemitglieder der Auferstehungsgemeinde ab- gespielt hatte, fand gestern ein Nachspiel vor dem Schöffengericht Berlin-Mitte. Wegen Körperverletzung mittels einer das Leben gefährdenden Behandlung war der Steuercrhcber Ernst Pernitzke angeklagt. Als Nebenkläger war der prakt. Arzt Dr. Falkenberg zugelassen worden. Der Anklage, welche erst nach mehrfachen Ab- lehnungen bezw. Beschwerden vor das Forum gelangt ist. liegt folgendes zugrunde: Von dem Gcmeindekirchenrat war auf den 8. November v. I. eine Versammlung der Gemeindemitglieder der Auferstehungsgemeinde anberaumt worden, in welcher die Geist- lichen der Gemeinde Ansprachen halten sollten. Ausdrücklich war bemerkt, daß eine Diskussion nicht stattfinde. Am Schluß der Ver- sammlung bat jedoch der jetzige Nebenkläger Dr. Falkenberg, welcher der kirchlich-liberalen Richtung angehört, um das Wort. Als ihm dieses von dem Versammlungsleiter verweigert wurde, mit den. Hinweis, daß eine Diskussion ausdrücklich vorher als nicht zulässig bezeichnet sei und außerdem, daß die Versammlung schon geschlossen sei, stieg Dr. F. auf einen Stuhl und versuchte von diesem aus eine Rede zu halten. Schon nach den Einleitungsworten stürzte Dr. F. von dem Stuhl und schlug so unglücklich auf den Boden auf, daß er sich den rechte» Arm zweimal brach. Die Anklage behauptet nun in Uebereinstimmung mit der Angabe des Dr. F.. daß dieser von dem auf dem Podium stehenden Angeklagten von hinten einen Stoß erhalten habe und dadurch von dem Stuhle gestürzt sei.— Vor Gericht bestritt der Angeklagte, den Dr. F. überhaupt berührt zu haben. Bei seiner Vernehmung macht der Nebenkläger folgende Angaben: Als er den Stuhl bestiegen habe, sei ihm von den Anhängern der positiven Richtung sofort zu- gerufen worden:„Was will denn der Jude, raus mit dem Inden! Schluß!" Der hinter ihm stehende Angeklagte habe ihm zugerufen: er solle machen, daß er herunter komme. In demselben Augenblick habe er von hinten einen Stoß gegen die Schulter erhalten, der zur Folge hatte, daß er vom Stuhle stürzte. Daß ihm der An- geklagte den Stoß versetzt habe, um ihn zu verletzen, glaube er sZeuge) nicht. Seiner Meinung nach habe er ihn nur am Reden hindern wollen.— Die Beweisaufnahme gestaltete sich zu einer recht merkwürdigen. Mehrere Zeugen bekundeten, daß der An- geklagte keinesfalls dem Dr. F. einen Stoß versetzt habe könne, da sie unmittelbar daneben gestanden und nichts gesehen hätten. Mehrere andere Zeugen bekundeten dagegen, daß sie gesehen hätten, daß der Angeklagte dem Dr. F. den stoß versetzt habe. Der Vorsitzende machte deshalb auf die sonderbare Tatsache aufmerksam, daß sämtliche Zeugen, welche der liberalen Richtung angehören, den Stoß gesehen hatten, während die Zeugen positiver Richtung das Gegenteil bekundeten. Zur Sprache kam noch bei ber Aussage des positiven Pfarrer? Baethke, daß dieser Vorfall„von liberakev Seite in völlig entstellter Weise in der Ocffentlichkeit wiedergegeben sei". Dem Zeugen wurde entgegengehalten, daß umgekehrt die Positiven den Vorfall in Flugblättern als eine„Strafe Gottes" hezeichnet hätten.— Der Amtsanwalt hielt nach den so wider- sprechenden Zeugenaussagen irgend eine Feststelluing für nicht möglich und beantragte die Freisprechung des Angeklagten. Das Gericht kam auch auf Grund eines ncm liquet(nicht aufgeklärt) zu einer Freisprechung des Angeklagten. Amtlicher Marktbericht der städlilchen Marktballen-DireNIon über den Grotzhandel in den Zenlral-Marktblillen, Marktlage: Fleisch: fjiiiii&v stark, Geschält still, Preise stir Ochsen- und Hammelfleisch anziehend, sur Schweinefleisch nachgebend. Wild: Zufuhr genügend, Geschäft leb- hast, Preise gut, Geslügel: Zujubr reichlich, Geschäft etwa? rege, Preise in Gänsen und Enten nicht besriedigend, Fische: Zusuhr ziemlich genügend, Geschäft ruhig, Preise ivcnig verändert. Butter und Käse: Geschäst ruhia, Preise unverändert, Gemüse, Obst und Süd« s r ü ch t e: Zusuhr genügend, Geschäft reg«, Preise fast unverändert. vtetwue» Swtnemde,'53 330 Hamburg 751 SSW v-ritr, 754 339 Frankst- M. 755 SW München!7ö3SW Wie«!757W bI * i veiter Sbedeckt 4 bedeckt 2 bedeckt 4 Regen »Regen 1 bedeck! ri!» u w* Wettcrvroguose für Dienstag, den 31. Mai liili». Zeitweise ansNarend, vorwiegend trübe mit viegcnsällcn und ziemlich lebhasten südwestlichen Winden-, Temperatur wenig verändert. SozialiieEiiokrat WablYerein IV9arienc8o�f. Am Freitag starb nach langem, I schwerem Leiden unser langjäh- j ger Parteigenosse, der Mechaniker BCai'I Haase Kölligstraße 44. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am I Dienstag, den 31. Mai, nach- mittags(5 Uhr, von der Leichen- ! balle des Mariendorfer Kirchhofs, i Friedenstraße, auS statt. Zahlreiche Beteiligung erwartet I 203/1 Der Vorstand. yerein der SMede und ver- wandlen Gewerbe Deuisclüands. Zahlstelle 4. Den Mitgliedern zur Nachricht. daß unser Kolleg«, der Schleiser k�rsnx Oertel gestorben ist. Ehre seinem Andenke«! Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 1. Juni, nach- mittags 4 Uhr, auf dem Heilig- Kreuz- Kirchhofe in Martendorf, Eifenacher Straße, statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht 17(5/12 Der Borstand. Deutscher iMetallarbeiter-Verband Berwaltnngsftelle Berlin. Todes- Anzeigen. Den Kollegen zur Nachricht, daß | unser Mitglied, der Schlosser Wilhelm Gerhardt | am 27. Mai an Halsleiden ge- j starben ist. . Ehre seinem Andenke«! Die Beerdigung findet am > Dienstag. den 31. Mai. nach- mittags S'/,Uhr, von der Leichen- i Halle des Philipp-ilpostel- Kirch- Hofes, Müllerstr, 44/46, aus statt, Rege Beteiligung wird erwartet, daß Den Kollegen zur Nachricht, unser Mitglied, der Schleifer rram Oertel am 28. Mai an Lungenleiden gestorben ist. Ehre seinem Andenke» k Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 1. Juni, nach- mitiag« 4 Uhr, von der Leichen- Halle deS Hciligen-Kreuz-Kirch' HoseS in Mariendorf aus statt. Rege Beteiligung erwartet 116/5 Die Ortsverwaltung. Danksagung. Für die Teilnahme bei der Beerdi- gnng unseres liebelt VaterS und Schwiegervaters, des Tischlers Ulbert �Valter sagen wir allen Verrvandten, sowie insbesondere dem TischlcrmeisterHerrn Misch nebst Sohn und seinen Kollegen unseren herzlichsten Dank. Schwiegersohn und Töchter. Danksagung. Für die vielen Beweis« herzlicher Teilnahme und die zahlreichen Kranz- spenden bei der Beerdigung meiner lieben Frau SH98L Jenny Iftullep geb. Ziegelmann sage ich allen Verwandten, Freunden und Bekannten, insbesondere meinen Kollegen und Kolleginnen derA, E.-G,, Abteilung Schapow, den Genossen deS Wahlvereins Bernau(Bezirk Röntgen l> sowie dcn Milgliedern deS Arbeiter- gesangvercins„FreiHelT- Bernau meinen ticsgefühltesten Dank. ver trauernde Gatte ISoritz Müller, Röntgental. Danksagung. Für die herzliche Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben Mannes,«nstreS guten Vater» Hernisrm Zöllner sage ich allen Beteiligten, besonder» den Kollegen der Finna Kunert und Kühne, den Genossen des 6. Wahlkreises sowie Herrn Manasse sür seine trostreichen Worte meinen herz. lichsten Dank. S6S9L Witwe �aaa Xüllner nebst Kinder. Verband der Steinsetzer, fftasterer und Berntsg. Deutsclil. Filiale Groll-Berlin. Unterbezirk Schineberg. Am 27. Mai er. verstarb unser braver Kollege, der«tcinseher Heimsnn Linke auS Teltow. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Dienstag, den 31. Mai. nach- mittags S Uhr, auf dem Kirchhof | in Teltow statt. Rege Beteiligung erwartet ! Der Borstand d. Unterbeztrks Schönrberg. 174/9 Damen-Konfektion [direkt»u- Fabrik.l Kein Laden. I Auch Einzelverkauf enorm billig;! Kostüme Kostüm- Böcke , Paletots 'Kimonos GoK- Jacketts Mädchen- Paletots. IBobertSaumgartenl i Hausvogteiplatz 11, l. Etg.f schrägüber Untergrund-tlahnhof. Mittwoch, den 1. Juni, beginnt der diesjährige Inventur-Verkauf Derselbe von selbe bietet in allen Lagerabteilungen außergewöhnlich vorteilhafte Gelegenheits-Angebote Artikeln, welche gänzlich ausverkauft werden sollen oder welche durch Massenanfertigung in stiller Zeit angesammelt wurden. Der streng befolgte Grundsatz, nur gute und beste Waren zu tatsächlich wesentlich ermäßigten Preisen zum Verkauf zu bringen, hat den Erfolg gehabt, daß mein jährlicher Inventur-Verkauf als willkommene Gelegenheit für die Ergänzung des Wäschebestandes und zur Beschaffung von Ausstattungswäsche betrachtet wird. F. V. Orünfeld Landeshuter Leinen- und Gebild-Weberei Berlin W., Leipziger Straße 20-21 __ Heu! Selowskys Caruso- Cigaretten in eleganten Blechdosen 20 St. 60 Pf. Eleu! '".''s.w./' ,v' f., �...... Syphilis- Nachweis in allen frisch, u. veraltet, zweifelhaft. Fäll, durch wifstnschastl. Untersuchung. sofort: deSgl. Harn-(spez. aus Go< norrhoe-Fäden) n. Sputum-Analysen. Gr. Homoyer& Co., Spczial-Laborat., Friedrichstr. 189, zw. Kronen- und flllohrenstratze), I. 8724. Perf. Rückspr. diskr. u. kostenl. Geöffnet von 8—8 Sonntags von 12— 1._* Terlelh-Instltnt: Fried riehst. 118/1, a.Orabg. "Tor. Sieg. Frack, Gebrock 1.50.Hose1.00. Weste S0P<� Dr.Schunemann Spezialarzt für Haut- und Harnleiden, Frauenkrankheiten• Friedrichstr.-ivit. Ecke«chützeustr. Wochentag» 1.0—8, 5—7. Kredit Monatl. 10 M. liefere «leg. Herrengardcrobe �(billigste Preise) N. i kW?-,»Mi. Isar/K: •== Kasse tO Proi. Rabati Bei Vorzeigung dieses Inserates an der Kasse werden 5 0/0 Rabatt vergütet._ Auch Sonntags g e öffnet Danksns:ang. Für bst liebevolle Teilnahme und dte Kranzspenden bei der Beerdigung meines lieben Mannes 2353b Kusisv ILiese sage ich hiermit meinen ausrichligen Dank. ülartba Llesio. Bruch-Pollmann empfiehlt sein Lager in Bruchbandagen, Leibbinden, Geradehaltern, Spritzen, Suspensorien sowie sämtliche Artikel zur Krankenpflege. Eigene Werkstatt. Lieferant jür Orts- und Hilss-Kranlenkassen. Itvrili» Zk.,* jetzt XiOthrliiger StrtzBe 60. Alle Bruchbänder mit elastischen Pe- lotlcn, angenehm u. weich am Körper. 4, Hygienische. ' Bodsmarüks!. NeuostK.-ualos {£.£i&pfehl. viel Aerzte u.Prof. graUuJg B. Dbcst, fiammiwarsiüaferik •irlla tili. ftMcfcfamai• zxzxxzrrxxzxxrxxixxxxxxxiixxzin Engelhardt Deutsch-Pilsner Erstklassiges Spezial-Bräu Flasche 10 Pfennig überall käuflich. vr ▼ � vr ▼-wir y ▼ ▼''r ▼ y Y � T � � � A A, A. A>. A A A afc. A. A A. A. A A ▲.A.A. Orts- Krankenkasse der Schmiedt v. verw. Gemerbe. Die 5. Abänderung zum Statut (Beschlutz der autzerordentllche» Generalversammlung vom 19. März 1910) ist vorn BezirkSauSschutz genehmigt und tritt die Bestimmung mit dem nächsten Montag nach erfolgter Veröffentlichung in Kraft. §42 Erhöhung der durchschnittlichen Tagcklohnsätze, g 13 Abänderung der Krankengeldsätze,§ 19a Abänderung der Stcrbegcldsätzc,§ 28 Erhöhung der Beiträge. Die wöchentlichen Bei- wäge betrage» vom v. Juni 1910 ab: 1. KI... 87 Pf.| 3. Kl... 48 Pf. 2. SU... 36 Pf. 1 4. Kl... 33 Pf. 276/1 Der Borstand. Ad. Piigrirn, Vorsitzender. Httlmer, fc.'Ä sofort festsitzende Brutputeu, Brut. eter hochcdelslcr Rassen, empfiehlt unter Garantie sür Rcellität Wegner, Berlin feSO., Ma> rtannenstraste 34. r Van arbeitende schaffende Volk bevorsngt Dr. Simmel Spezial-Arzt* für Haut- und Harnleiden. Prinzenslr. 41, Ä,", 10—2, 6—7. Sonntags 10—12, 2—4 'Xllffll' Minu,e Soh'n" jJöpPfl�umi, hauser Alles; Grosser Laden mit Zimmer u. Küche. 3-Ziinmerwoh>,ii»g mit Mädchen- zwnner. Küche, Speisekammer, Bad, elektr.Nachtbcl.: Restaurant:2LSden, grotze Küche. Speisekammer, Zimmer. groge» Harn« per ioloä.• das Haarpflegemittel Shampoon mit dem schwarzen Kopf. Es macht das Haar sohuppenfrei, voll und glänzend, beseitigt über- madige Fettbildung der Haare, reinigt die Kopfhaut, erfrischt dio Nerven und gibt spärlichem Haar ein volles Aussehen. Man verlange beim Einkaut agsdrücklieh „Shampoon mit dem schwarzen Kopf" und weiss alle Fabrikate ohne diese Schutzmarke energisch zurück.— Zu volltHtUm- liclion Prclmon pr. Paket mit Veilchengeruch SO Pf., 7 Pakete in elegantem Karton 1,20 M. in Apotheken, Drogen-, Parfümorie- u. Friseurgeschäften käuflich. Alleiniger Fabrikant: Uitznn Schivarzkopf, O. m. b. H. Berlin X. 37. Partei- Sp editionen: R�ntrun,: Mberl Hahnisch. Auguststr. S0, Eingang Ioachimstraß«. S. HVsIiIIii'ols, Westen: Gustav Schmidt, Kirchbachstr. 14, Hoch« parterre. , Süden und Südwesten: Hermann Werner, Gneisenaustr. 72, Lade». 8. Wahlkreis: St. Fritz, Prinzenstr. 31, Hof recht» pari. 4. Wahlkreis: C(t e n: Robert Wenzels, Gr. Frantsurterstr. 120. — Wilbclm Mann, Pctersburgerplatz 4(Laden). ck. Wahlkreis, Südosten: Paul Böhm, Lausitzerplatz 14/1S (Laden). 6. Wahlkreis: Leo Zucht, Jmmanuelkirchstr. 12(Hos). V. Wahlkreis(ülaahlt und II»QS»v1ertel): Karl Ander», Salzwcdclcrstr. 8, im Laden. Wedding: Karl Meitze, Nazarethlirchstratze 43. ttnsonthaler und Qranlenhnrger Torstadt: Wilhelm B a u m a n n. Bernauerjtr. 3, vorn Part! Clcsandhrannen: F. Trapp, Etettinerstr. 10. virkönhanser Torstadt: Karl Mars, Lychenerstr. 123. A dlcrshof: Karl Schwarzlose. Hosimannstr. 3. �lt-<*llenleke: Wilhelm Dürre, Rudowerstr. 83 II. Itaiiinschtilcinreg: H. Hornig, Marienthalerstr. 13, I. Bcrnan, RöntgentuI, Zepernick, Schünow und Scbün- brück: Heinrich B r o s e, yohesteinstr. 74, part. Rchnsdorl' und V'nlkcnbcrg: Alois Laus, Bohnsdorf, Ge- nostenschastShauS.Paradies". t'linrlottcnbnrg: Gustav Scharnderg, Sesenheimerftratze 1, Eck« Goethestratze, Laden., Llcbwaldc, Zeuthen, Sliorsdorf und Hankels Abläse: Oskar Mahle, Eichivalde, Stubenrauchftr. 99. ürkner: Ernst H o s s m a n n, Friedrichshagener Chaussee. Trcdcrsdort- Detershagen: E. Höselbarth, Petershagen. Drlcdennn- Steglitz-Südende: H. 8 ernste, Schlotzstr. 119, Hos I, in Steglitz. Bestellungen nehmen entgegen in Steglltic: H. Mohr, Düppelstr. 32, und Fr. S ch e l l h a I e, Zlhornstr. 15 a. Drlcdrlclishagcn: Ernst Werkmann, Köpenicker Straße 18. Clriinan: Franz Klein, BaHnHofstr. 6 HI. Johannisthal: P i e I i ck e, Kaiier-Wilhelm-Platz 4. Itarlshorst: Richard Küter. Rödelstr. 9, II. liiinlgs-W nsterhansen: Friedrich B a u m a N N, BaHnHosstr. 13. Rünenlck: Emil W i tz l e r, Kietzerstr. 6, Laden. l«lchtenberg, K'rledrlchstelde, Wiliiclnisbcrg: Ott» S e i k e l, Kronprinzenstratze 4, I. llahlsdorf und Kaulsdorf: Hugo Scheid«, MahISdors, Walderseestr. 14. !ilarie»d«rt': August Leip, Ehausseestr. 296, Hos. Aarlcnkelde: Emil W e i n e r t, Dorsstr. 14. Aileder-Schünewelde: Max Priebke, Britzerstr. 14 II. � owawcH: Wilhelm I a p p e, Friedrichstr. 7. Obcr-Schüneweldc: August H e n j e s, Laufenerstr. 2, I. Dankow-H'lederschttnhausen: Otto Ritz mann, Mühlen» stratze 30. Reinickendorf» Ost, Wilhelmsruh und Scbünholz: P. Gursch, Kamekestr. 12, I. Rlxdorf: M. Heinrich, Neckarstratze 2, im Laden. Rumnielsburg, Roxhagcn: A. R o s e n k r a n z, Alt-Boxhagen 66. Schmargendorf: Gustav K a m i n s k y, Eunostratz« 2. Schünebcrg: Wilhelm B ä u in l e r, Martin Lutherstr. 51, im Laden. Spandau: K ö p p e n, Jagoivstr. 3. T egel, Rorsigwaldc, Wittenau, Waldmannslust, Rcrnisdorf und Reinickendorf-West: Paul Kienast, Borsigwalde, Räuschstratze 10. Geltow: Wilhelm B o n o w, Teltow, Zehlendorser Str. 4. T'enipclhof: Albert Thiel, Friedrich Wilhelmstr. 20. Treptow: Rob. Gramenz, lttesholzstratze 412, Laden. WciUcnsee; K. Fuhrmann, Sedanslr. 105, parterre. Wilmersdorf- Ralensee: Paul Schubert, Wihelmsaue 26, Hos parterre. Sämtlich« Parteiliteratur sowie alle wissenschastlichen Werke werden geliefert. Annahme von Inseraten für den„Nvrmärts�. BÖ Bitte ausschneiden. Wtz> 245/1 Sehr preiswerter Verkauf von Herren-Kleidung neuester Mode S und Mast Eigene Betriebs werkstätten mit modernsten technischen Hilfsmitteln. Keine Ausbeutung der Arbeitskräfte Unfere Werkstättenfchneider erhalten feste Wochenlöhne bei Qstündiger Arbeitszeit, daher beste gleichmäßige Arbeit und höchste ::: Leistungsfähigkeit::: Durch unsern Werkstättenbetrieb wird die vollkommenste, preiswürdigste Herstellung erzielt. Baer Sohn Kleider-Werke 11. Brückenstraße 11 Schöneberg: Hauptstr. 10 Der Haupt-Kalolog Mo. 39(neueste Moden) kostenlos und portofrei Chausseestraße 29-30 Gr. Frankfurterstr. 20 □ □ NNSGMGNOMW! £ Soeben erschienen: rbeiter-Gesandlieils- Bibliothek. Heft 33. Uie hüten m uns vsr Aerzerkranknngen? von Dr. Hugcn Rehfisch. Preis 30 Pf. Bessere Ausgabe SO Pf. Ferner sind tn der Sammlung er» schienen: Hest 1. Die erste Hilfe bei Un- glürtsfälle». Dr. Christeller. Hcli 2. Das erste Lebensjahr. Ron Dr. Silberstein. Hest 3. Gesundheitspflege des RerveufyftemS. Von Dr. Hirsch. laff. Hest 4. Der Achtstundentag. Von Dr. Zodck. Hest 5. Alkoholfrage».Arbeiter- Hasse. Von Dr. Fröhlich. Hest 6. Daö Schulkind. Von Dr. SUberftein. Hest 7. Geschlechtsverkehr und Geschlechtstraukhciten. Von Dr. Gebert. Hest 8. Nahrung und Ernährung. Von Dr. Chajes. Heft 9. Wie sollen wir nnS kleiden? Von Dr. P. Bernstein. Heit 10. Der ZlrbciterschnN. Bon Dr. M. Epstein. Hest 11. Frauenleiden und deren Berhütung. Dr. I. Zadel. Hest 12. Vom medizinische» Aber« glanlieu. Dr. E. Thesing. Heil 13. Das Waflerheil--Ver, fahren i» der Gefundheits- pflege des Zlrbeiters. Von Dr. S. Munter. Hest 14. Brrhiitnng und Heilung des StotternS. Von Dr. L. Fordan. Hest 15. Geschlechtliche Erziehung in der Slrbetterfainilie. Von Dr. I. Mariuse. Hest 16. Zähne und Zahnpflege. Von Gertrud Rewatd. Hest 17. Bau und LcbenStätig» keit des mcnschliche» Körpers. Von Dr. Chriileller. Hest 18. Ter Geschlechtstrieb. Von Eduard Bernstein. Hest 13. Die Krankenpflege i» Hause. Von Joh. Ranler-Manu- heim. Hest 20. Die Prolctarier-Krank- heit. Bon Dr. I. Zadel. Hest 21. Lltcmgymnnstik. Bon Otto Rühle. ?ejt 22. Haut, und Haarpflege. Von Dr. Chajes. = Jedes Heft kostet 20 Pf.= Expedilion des„Vorwärts" Rellin SW. Lindenstr. 69 Laden. SS Verkäufe. Teppiche(sehlerhaste) Gelegen. bcitSkauf. Fabrillager Mauerhost, Grotze Franksiirterstratze 3. Flurein- gang. VorwärtSlesern S Prozent Ertrarabatt. Sonntags geöstnet.* Steppdecken billigst Fabrik Grotze Frauksurtcritratze 9, Fstireiugang. Gardiiienhaus, Groge Frank- furtcrilratze 9. Fwrciugang. 2491K* Taschenbuch sür Gartenfreunde. Ein Ratgeber sür die Pflege und sachgemätze Bewirtschastustg des häus. lichen Zier»,' Gemüse« und Obst« gartens von Max Hesdörser. Zweite vermehrt« Auflage. Mit 137 Text- abbildungen. Preis 3,50 Mar k. Expe- dition Vorwärts, Lindenstr. 69. Vorwärtslrser erhallen 5 Prozenl Exlrarabalt selbst bei nachstehend aus- tejührteuGelegenbeitSkäuieii. Teppich- honiaS, Orainenstratz« 160, Oranien« platz.___ Teppiche, sarbsehlerhafte, spott- billig._ Gardinen, Store», Künstler. gardinen, Restpartien für halben LZert.___ Länkerrefte spottbillig. Sofastofsreste spottbillig. Vorwärtsleser, beachtet vor« stehende 5 Anzeigen. 3K7K' Mastanziige. � Tuche. Änaben« anzöge 1,50. Herrenanzüge 9,50. Paletots 12,00. Monteurjacke 1,00. Mechanikerlittel 2.00. Zwanglose Be- sichtigung. Verkauf an Privat«. Tuchgesellschast Kottbuserdamm 16/17. Teppiche t(seblerhaste) in allen Grützen sür die Hälfte de« Wertes Teppichlager Brünn, Hackcscher Markt 4. Bahlibos Börse.(Leser des »Vorwärts' erhalten 5 Prozent Rabatt.) Sonntags geöstnet!• PfaudleihhausKrebbcr, Küftriner« platz 7, spottbilliger Beltcnverkaus, Gardincnvcrkaus, Wäscheverkaus, Vbrenverkmis, Deckenverkaus, Schmuck« Sachen. Goldsachen, Silbersachen, ver« allcne Pfänder._ 249251 Singers 75 00. Naumann-Bobbin, Schnellnähcr, Adler, auch ohne An- zahluug, 1.00 wöchentlich an. Anstalt Agenten erhält Käuscr Provision. Postkarte erwünscht. Kaliski, Brunnen- stratze 173, Belleallianecstratze 4, Chausteestratz« 80, Beusselstratze 18, tranksurterstratz« 115, Lranienstr. 2a, aucnzienstratze 5, Frankfurter Allee 72, Charlottenburg, Scharrenstratze 2. Rixdors, Reuterstratze 56._ 773K Die Grundbegriffe der Wirt- schastslehre. Eine populäre Einfüb- ruug von Futia» Borchardt. Preis 4V Ps. Expedition Vorwärts, Linden- stratze 69.__ Schuhwaren. Elegante Damen- stiesel. braun 7,50, schwarz 6,—, Sioscnthalerstratz« 33, EngroSgeschäst. Hermannplah S. GrotzberiinS aller. billigste Eiiikaussquclle. Extrabillige Warenverkäufe. RicsenauSwahl. Psän- bcrvertäusc. Sommcrpalctots. Jackett. auzüge, Gebrockanzüge. Herrenboien. Extrabilliger Bcttenverkaus. Wäsche- verlaus. Brautgeschenke. Aussteuer- sacheu. GardinenauSwahl. Tcppich, auswählt Plüichtiichdccken. stepp- decken. Wanduhren. Taichcnubrcn. Kettciiauswahl. Ringeauswahl. Da- meusachen. Warenverkaus Hermann- platz 6. Aud> Sonntags. rlvä" Teppiche. Grotze Partien Teppiche mit kleinen Webeschlern, zirka 200/300 lt. 75. 250,350 16.50, 300/400 20.00. Tcppichhaus L. Lesövre, nur Pots. damerstratze 106 Ii(kein Laden). Hausnummer beachten. Prachtkatalog gratis. 874K* Tnineukoftüme, englische, Paletots, monatlich 10 Mark, liefe: t Tompo- rowskt, Schneidermeister, Linden- stratze 110.(Matzanscrtigung.) 3175t* Littauer« Nähmaschinen ohne An- zahlung, gebrauchte spottbillig, Ska- litzerstratze 39, Warschauerstratze 67. Freischwinger aus Teilzahlungen. Schneider, Uhrmacher, Brunnen- stratze 137.__ 188/7* Papageienauswahl, Harzer Kanarienhähne.Zuchtwewchen, Restau- rant Konunandantenftratze 52. 817K* Tchlafdecke»(Dcckbetiersatz) Nor- mal(buntfarbig) 1.85 bis 12 Mark. Wolle(einfarbig) 2,85 biS 18 Mark. SpezialHaus Emil Lesövre, Orauieu« stratze 158._ 59851 Klassiker-Ausgaben, Goethe, Heine, Reuter, Schiller. Sbakelpeare. je vier Bände 6,— Mark. Eichendorst, Haust, je zwei Bände 3,50 Mark. Burger, Kleist, Lenau, Uhland, Wieland und andere, je ein Band 1,75 Rtark. Ex- pedition. Lindenstratze 69, Laden Ktndcrlvnge». Guminirädcr. Sielter. Pankow, Brehmestratze 17. Weihe und farbige Kostüme wegen Saisonschluh unter Preis zu ver- kaufen. Kostümsabrik Wicnandt, Lychcnerstratz« 130._+76 Wegzugshalber zu verkauscu: Massagebauk, Stühle. Tisch. Spiegel, Chaiselongue. Frankfurter Allee 135, Quergebüude L_ 64,13 10,00 Stand Betten, rosarot, so- wie täglicher Verkaus verfallener Pfänder in Gardinen, Wäsche, Steppdecken, Jackettanzüge von 10 Mark, Hosen 2.45, Paletots, Frei» lchwinger. Fahrgeld wirb vcrgület. Nur Oranien-Psandleihe, Orante». stratze 23a, am Heinrichsplatz. 65/2* QesctiSttsverkäute. Herren- Hutgeschäft. passender Nebenerwerb sür Hut. oder Mützen- macher, mit Privanvohnung, krank- heitshalber sosort, auch ohne Lager, sehr billig abzugeben. AuSkunst Kohl«, Chausscestratze 85.__ 8855t Plättgeschäft, gutgehend, zu ver- kausen. Rixdors, Berlinerstratzc 21. Kebfk. Kkilia. Sur isn Destillation, altcS Geschäft, wegen Krankheit billig verkäuflich. Pankow, Uckermarkstratze 183, Prenzlauer Allee. Möbel. Kleinwirtschaft billigst. Georgen- kirchslratze 4, MacicjewSki. 2333b iviödclttidilrret. Harnack.Tiichlcr- meiiter, gegründet 1901,Stallschrciber« stratze 57(Moritzplatz), liejert kom- pletle Wohnungsciurichtungen zu uicdrigstcn Fabrikpreisen. Uuübcr- lroffene Leijmngssähigkeit. Enorme Auswahl. Zahlungscrleichteruug. VorlvärtSIcser 3 Prozent. Kein Laden, Verkauf Fabrikgeoäude. Ehe Sie Möbel kausen, besichtigen Sie die grotzen Ausstellungsräume der Möbelsabrik Dwinatzki, Andreas- stratze 30._ 816R' Möbel t Für Brautleute günstigste Gelegenheit, sich Möbel anzuschasien. Mit kleinster Anzahlung gebe schon Stube und Küche. An jedem Stück deutlicher Preis. Uebcrvorteilung daher ausgeschlossen. Bei KrankhcitS- fällcu und Arbeilslofigkeit aucrlainit grötzte Rücksichi. Möbelgeschäjt M. Goldstairb, Zossenerstratze 38, Ecke Gneisciiaustratzc. Kein Abzahlungs geschäsl! 290151* Möbel-Gelegenheitskäufe in allcr- grötztec Auswahl; einsache sowie bessere Wohmnigseiurichtuiigen be- deutend billiger wie regulär. Er- gäiizungSmöbel. Büjetle 120, Schreib- tische 45, SojaS 45, Garnituren 65, TrunieauS 30, Schränke, Vertikos 26, Kronen, Teppiche, Bilder, Küdien- Möbel, Klubsessel, Lebersosas, Ilm- baue, Lederstühle usw. spottbillig. Leuneris Möbelspeicher, Lolhringcr- stratze 55, Roscuthaler- Tor. Die Möbel sind in vier Etagen aus- gestellt. 84851* Möbelangebot! Wenig ge- brauchte, gulerbattene Möbel, auch neue, sowie ganze Brautausstaltiingcn, «insachste, eleganteste, beliehen ge- wesen, verfallen, spottbillig. Riesen- lager. Lagerspcichcr, Neue König- stratze 5/6. Fabrikgebäude. Sonntags geöstnct.(Auch Teilzahlung.) 279/13* Gneisenaustr. 10. Ecke Noslizslr S. Grau, vcianut als beste vezugs- guelle. Kassa und Teilzahlung.* Möbel, gebrauchte, neue und ver- liehe» gewesene, Kleidcrspind 18,00, Kommode 15,00, Ruhebett mit Decke 19,00, Bettstelle mit Federmatratze 18,00, Muschelschränke, Muschelvertiko 28,00, Herrenschreibtisch 36,00, hoch- seines«peisezimmer, schickes Herren- zimmer, Lcderstühle 8,00, bunic Küche 55,00, Federbetten, Bilder, Teppich. Plüschtischdeckc 7,50. Stargardt, Lothringerstratze 69._ 249/12* 28 Büfetts! 1 1 Mahagoni, nutz- baum, eiche, nur reelle Tischler« arbeit, sind riesig preiswert zu ver- kausen. Besichtigung lohnend! Möbel- sadrikM. Hirschowitz, Slalitzerstratze 25, an der Hochbahn. ö58K LnstratmRilellSiit«� ih&itit, 9siüil ZÄtck>t.Ver!az: Borwär:» ÄttanMrtlWr S&bilitüti Nr. 124. 27. Zahrgaug. 2. KtilM des Awlick" Knlimr Älkblck. Meustag, 3l. MaitM Nierter Verbaudstag des Zentralverbandes der Zivil- mvßker Dentschlotids. Lehe-Brcmerhaven, 27. Mai. Letzter BcrhandlungStag. Die Beratung wird beim Punkt: Forderungen in bezug auf das Lehrlingswefen fortgesetzt. Nach den Ausführungen F a u t h- Berlin handelt es sich hierbei lediglich um Abänderung der hierauf bezüglichen Ham- burger Resolution, die unter anderem dahin geht, auf die Regie- rung in dem Sinne einzuwirken, daß die Stadtkapellen veranlaßt werden bei fünf Lehrlingen mindestens einen Gehilfen zu halten. Da dr rch den Ministerialerlaß vom 23. Juni IVO? für den Musikerberuf die Bestimmungen der Gewerbeordnung Anwen- dung finden, soll dieser Satz dahin abgeändert werden, daß die Stadtkapellen nicht mehr Lehrlinge halten dürfen, als sie Gehilfen beschäftigen. Die so abgeänderte Resolution soll erneut der Re- gierung unterbreitet werden. Dr Verbandstag ist hiermit einverstanden. Ueber den nächsten Punkt: Stellung zu Partei und Gewerkschaft referiert F a uth- Berlin: Unsere Stellung zur Partei ist klar. Wir sind auch nicht gewillt, auf die Mitglieder einen Druck auszu- üben>n der Richtung, wie sie sich zu den politischen Parteien zu verhalten haben. Aber wir werden es uns niemals nehmen lassen, Stellung zu nehmen zu allem, auch zu politischen Dingen, die für uns und für die Arbeiterbewegung im allgemeinen vorteilhaft sind. Daraus ergibt sich ganz von selbst, daß es nur die Sozial- demokratie sein kann, die unsere Sympathie und volle Unterstütz- ung verdient, weil sie die einzige Partei ist, die die Interessen der Arbeiterschaft aufs entschiedenste vertritt. Damit ist auch den Mitgliedern der Weg gezeigt, den sie zu gehen haben. Ebenso klar ist unsere Stellung zu den. Gewerkschaften. Wir stehen auf dem Standpunkt des Klassenkampfes und haben einsehen gelernt, daß die Interessen der Unternehmer den unseren direkt entgegenstehen. Wir haben aber auch einsehen gelernt, daß die Gegensätze nicht ausgeglichen oder überbrückt werden können, sondern daß sie aus- gekämpft werden müssen. Je stärker die wirtschaftlichen Organisa- tionen des Proletariats, desto eher werden sich die Kämpfe ver* mindern lassen, weil die Unternehmer die Macht derartiger Or� ganisationen fürchten. Diese Furcht ist es auch, die sehr oft die Unternehmer veranlaßt, einmal auf eigene Forderungen zu vcr- zichten, zum anderen aber unsere Forderungen ohne Kampf zu bewilligen. Und weil wir dieses wissen, deshalb müssen wir be� strebt sein, unsere eigene, wie die Macht der allgemeinen Ar beiterbewegung zu stärken. Eine Folge dieser Erkenntnis ist unser Anschluß an die Generalkommission, der wir angehören, nicht weil für uns Vorteile damit verbunden sind, sondern weil wir uns ver- pflichtet halten, teilzunehmen an den Kämpfen der Arbeiterschaft überhaupt. Unser Verhältnis zur Generalkommission ist ein gute?, ebenso zu den Zentralleitungen der einzelnen Organisa tionen. Und wenn hier und da einmal örtliche Verstöße vorkam� mcn, so können wir nur sagen, daß bei den Hauptleitungen unsere Forderungen und Bestrebungen nicht nur respektiert, sondern auch in jeder Weise gefördert werden. In der Diskussion wird allgemein der Wunsch ausgesprochen, daß in Zukunft nur Kollegen zum VerbandStag delegiert werden möchten, die auch politisch aufgeklärt und bei der Sozialdemokratie organisiert sind. Ein Antrag Nürnberg-Fürth. eine Abänderung der Resolution des 6. Gewerkschaftskongresses über Grenzstreitigkciten betreffend, wird dem Hauptvorstande überwiesen. Der nächste Gewerkschaftskongreß soll durch Fauth beschickt werden, während auf eine Delegation zum internationalen Kon- greß verzichtet wird. Im Anschluß hieran findet noch ein Antrag Post- Nürnbergs Fürth Annahme, der besagt, daß gebundene Mandate zum Ver- bandstag unzulässig sind. Bei den Wahlen für die Verwaltung S- res p. Auf- sichtsinstanzen wird Fauth als erster Vorsitzender und Redakteur des Fachblattes und B l a n s ch e s s k i als Kassierer wiedergewählt: zweiter Vorsitzender wurde Jusko. Ali Ort des nächsten Verbandstages wird Breslau bestimmt. Das abgeänderte Statut wie das Krankenunterstützungsregle ment sollen am 1. Oktober d. I. in Kraft treten. Damit ist die Tagesordnung erledigt. Fauth- Berlin läßt in seinem Schlußwort die hauptsächlich sten Beschlüffe nochmals Revue passieren und gibt der Ueber- zcugung Ausdruck, daß die geleistete Arbeit die Organisation för- dern und kräftigen werde. Er gedenkt der Bauarbeiteraussperrung und schließt den Verbandstag mit einem Hoch auf die Organisa. twnen des kämpfenden Proletariats. Kierter Derbandstag des Zentraloerbllndes der Steinarbeiter Dentschlavds. E i s e n a ch, 28. Mai 1910. Sechster Berhandlungstag. Die weitere Abstimmung ergibt noch die Annahme folgender Anträge:.. „Mindere rwerbsfähige Kollegen, die an Orten mit 30 oder 40 Pfg. Beitrag arbeiten und dauernd einen Verdienst von 9 M. nicht erreichen, oder in Orten mit 50 oder 60 Pfg. Beitrag be- schäftigt sind und dauernd 12 M. wöchentlich nicht verdienen, sind vom Beitrag befreit, wenn sie dem Verbände bezw. der Steinarbeiterorganisativn mindestens 7 Jahre als Mitglied an- gehört haben. Diese Mitglieder behalten ihre Rechte, sofern für die Unterstützung kranker Mitglieder pro Woche 10 Pfg. geleistet werden." Der Bezug der M a h re ge l u n g S u n t e r stü tz u n g wird Von 4 auf 6 Wochen verlängert. Tie Beschlüsse betreffs Regulierung der Beiträge und der Streikunterstützung sollen bereits am 1. Juli d. Js. in Kraft treten, alle anderen Beschlüffe am 1. Januar 1911. Die UnterrichtSkurfe der Generalkommission sollen auch in Zu- kunft jährlich von zwei Mitgliedern besucht werden. Ueber „Pflege der Statistik" spricht daL Vorstandsmitglied S i e b o l d. Seine Ausführungen find instruktiver Natur und erstrecken sich auf folgende Gebiete: 1. Besondere und allgemeine BcrufSstatistik; 2. Statistik über Mitglicderbewegung; 3. Statistik über Lohnbewegung und Streiks und 4. Statistik über die im Vcrbandsgebiet bestehenden Tarife. Redner führt aus, daß die Statistik ein Hilfsmittel von außer- ordentlicher Bedeutung für die Arbeiterorganisationen sei und des- bald müßten die Mitglieder für pünktliche Lieferung der Unter. lagen sorgen. Lokalbeamte sollen nach folgender Gehaltsjkala angestellt wer- den: Das Anfangsgchalt soll 1400 M. betragen und wäh- rend der ersten 5 Jahre jährlich um 100 M. steigen und während der weiteren Amtstätigkeit jährlich um 50 M. bis zum Höchstgehalt von 2100 M. Die Beamten des Verbandes haben die Pflicht, iich der modernen Unterstützungseinrichtung der rbeiterbewegung anzuschließen. Das Ergebnis der Vorstandswahl ergibt nach dem Vorschlage der Wahlvorbereitungskommission die Wiederwahl des bisherigen ßentralvorstandes, soweit die besoldeten Vertreter in Frage kommen. Vorstandes) den Granitarbeitern entsprechende Vertretungen zu sichern sind. Für den sogenannten Zentralausschuß wird die Branchenvertretung wie folgt vorgeschlagen: 2 Sandstein-, 2 Granit- und 1 Marmorarbeiter. Der Sitz des Ausschusses bleibt Dresden und wird der bis- herige Vorsitzende wiedergewählt mit einer Entschädigung von jähr- lich 50 M. Durch Abstimmung Wird festgelegt, daß der Verband sich ent- gegen der ablehnenden Haltung der Wahlvorbereitungskommission durch einen Delegierten auf dcni Internationalen Kongreß vertreten läßt; die Wahl bleibt dem Vorstand überlassen. Den Bericht der Beschwerdekommission gibt Seidel- Dresden. Die Kommission empfiehlt, die Beschwerde der Zahl- stelle Berlin wegen verweigerter Unterstützung von Maiausgesperr- ten dahin zu erledigen, daß den Berlinern 1000 M. bewilligt wer- den. Es wird demgemäß beschlossen. Der weitere Bericht erstreckt sich auf interne Verbandsangelegenheiten, die kein Interesse für die Ocffcntlichkeit haben. Damit sind die Arbeiten des vierten Verbandstages erledigt. 13. Grtieriilvtislunmluttg des Zeutrsslvtrbalidks der Slhmjede. München, 28. Mai 1910. Am 5. und letzten Verhandlungstage wurden die Beratungen der Anträge auf Abänderung der Statuten fortgesetzt. Eine längere Debatte entspann sich über die Anträge, den örtlichen Verwaltungsstellen statt wie bisher 25 Proz., nur 20 Proz. der Einnahmen zu belassen. Sie wurden schließlich an- genommen. Abgelehnt wurde ein Antrag, die General- Versammlung, statt wie bisher alle 2 Jahre, nur alle 3 Jahre ab- zuhalten. Die statutarische Umzugsunterstützung wurde geregelt und in bezug auf die Arbeitslosenunterstützung ein Antrag des Vorstandes angenommen, wonach der Gesamtbezug an Unterstützung in 52 auseinander folgenden Wochen, einschließlich der etwa erhobenen Kranken-, Reise-, Aufenthalts- oder Umzugs- Unterstützung die Bezugsdauer von 60 Untcrstützungstagcn nicht übersteigen darf. Ebenso wurde bei der K r an ke n u nt e r. st ü tz u n g beschlossen. Die'seitherigen Unterstützungssätze bleiben bestehen.— Ein Antrag, wonach die Sterbeunterstützung nur an solche Hinterbliebenen bezahlt wird, mit denen der Ver- storbene in häuslicher Gemeinschaft lebte, deren direkter Ernährer er war oder zu deren Unterhalt er wesentlich beigetragen hat, wurde ebenfalls angenommen. Das neue Statut wurde hierauf en bloc angenommen und tritt dieses am 1. Juli 1910 in Kraft. Der seitherige Vorstand, ebenso der Redakteur de? Verbands- organes und die Gauleiter wurden wiedergewählt. Der Antrag, den Sitz des Vorstandes nach Berlin zu verlegen, wurde ab- gelehnt. Als Geschäftsführer des Ausschusses wurde wieder B a s n e r- Berlin gewählt. Ter nächste Verbandstag findet in Düsseldorf statt. Schließlich wurde noch ohne Debatte eine Resolution angenommen, die die Erwartung ausspricht, daß der Vorstand des Deutschen Metall. arbeiterverbandcs etwaige Uebertritte des Schmiedeverbandes bis zur endgültigen Regelung der Uebertrittsbedingungen zurückweist. Damit war die Tagesordnung der 12. Generalversammlung erledigt, worauf die Verhandlungen mit einem Hoch auf den Schmiedeverband und die moderne Arbeiterbewegung geschlossen wurden. , beschlossen, l»h in den Vcrbandsinstanzcn(Vcr- � Ebenso beherrschen die Standard Oil-Leute einen großen Teil de« bandsausschuß und Zentralausschuß bezw. Beisitzer des Besoldeten> Kupferproduktion. Auch auf die Gewinnung an- 1?\r> v» l\\ v/'vn t+✓> v n r> t ts> vt» ov» Hvöenan nt» STJ/ivt*-/»*!» 1 1». rr..' i,,_,''_ h.., �.. y»* derer Metalle(Zink, Ble,) haben sie großen Einfluß, ferner kon- trollieren sie eine Reihe großer Eisenbahnen und eine ganze Menge von Straßen- und Untergrundbahnen. Elektrizitäts-, Gas- und Wassergesellschaften sowie eine Anzahl Banken und Trustkompanies. DieS alles in den Händen einer gang kleinen Gruppe von Personen» es werden cigentich nur drei genannt: Rockefellcr, James Stillmann und der(jetzt verstorbene) Henry Rogers.— Um die ungeheuere Macht des Stahltrusts zu schildern, sei nur kurz erwähnt, daß er im Jahre 1907 210 180 Arbeiter und Angestellte beschäftigte, die rund 650 Millionen Mark Lohn bekamen! „Fast alle bedeutenden Eisenbahnen der Vereinigten Staaten mit einer Bahnlänge von zirka 300 000 Meilen sind„in den Händen einiger weniger„Gruppen", an deren Spitze gewöhnlich ein ein- z i g e r Großkapitalist steht. Der 1909 verstorbene Harriman hatte z. 83. Einfluß auf Bahnen von einer größeren Meilenlänge, als überhaupt im ganzen Deutschen Reich Eisenbahnen vorhanden sind. Eine Regicrungsstatistik hat festgestellt, daß 93 Kapitalisten, wenn sie zusammenwirken, über 75 Proz. der gesamten Bahnlänge des Landes, über 81.Proz. der Bruttogewinne, über 82 Proz. des Bahneigentums, das ist ein Wert von mehr als 40 Milliarden Mark, und über 87 Proz. der Frachtmenge kontrollieren. Dieselben Leute sind eS aber auch immer wieder, die die übrigen Unter- nehmungszweige beherrschen." Was gegen diese kommende Alleinherrschaft einiger Kapita- listen zu tun sein möge, untersucht Liefmann nicht. Er tröstet sich mit den Warten:„Die besten Elemente im amerikanischen Volke arbeiten eifrig in dieser Richtung, und es ist kein Zweifel, daß es ihnen einmal gelingen wird." Das ist ein magerer Trost und besagt nur, daß Liefmann keinen Ausweg weiß. Er hält es für ausgeniacht, daß die gleiche EntWickelung wie in Amerika bei uns in Deutschland nicht eintreten werde. WaS aber hat er uns an Tatsachen vorzutragen? Er beschreibt zunächst ausführlich die deutschen Kartelle, die nach seiner Meinung— aus Gründen, auf die wir hier nicht ein- gehen wollen— den Drang des Kapitals nach engerem Zusammen- schluß nicht zu befriedigen vermögen.(In der Tat lehrt z. B. die Geschichte des Rheinisch-Westfälischen Kohlensyndikats, daß 1903 seiner Erneuerung schwere Hemmnisse im Wege standen, und dieser Tage haben wir berichtet, was für Wolken sich s-bon jetzt über seiner weiteren Erneuerung im Jahre 1915 auftürmen.) Es war also ein Ersatz nötig, der wurde zunächst gefunden in den sogenannten Interessengemeinschaften. Diese sind eigentlich nichts anderes als eine Vereinbarung über Gewinnver» teilung zwischen einer in der Regel nur kleinen Zahl von Unter- nehmungen. Sie haben sich aber auch nicht bewährt. Es machte sich das Bedürfnis nach direkter Beeinflussung der einen Unter- nehmung durch die andere geltend. Und nun fährt Liefmann fort: „Man ist deshalb bei der bloßen Interessengemeinschaft nicht stehengeblieben. Das Prinzip derselben wird oft dadurch ver- stärkt, daß die verschiedenen Unternehmungen gleichzeitig noch aneinander durch Aktienbesitz beteiligt sind." Ja, ist denn das nicht ein ganz deutlicher Schritt in der Rich- tung auf die Holding Company?— Und dabei ist diese Form der Verbindung nichts Seltenes in Deutschland. Im Gegenteil:„Diese Beteiligung einer Unternehmung an einer anderen durch Effekten- besitz ist die verbreitetste Form, engere Beziehungen zwischen mehcreren Unternehmungen zu schaffen. Man kann geradezu be- hanptcn, daß es wenig größere Aktiengesellschaften in Deutschland gibt, die nicht Effekten von anderen in Besitz haben."— Aber noch ein weiterer sehr deutlicher Schritt auf dem Wege zur Holding Company(also zum Trust) ist in Deutschland bereits gemacht: „Es gibt eine ganze Zahl von Produktionsunternehmungcn, bei denen die eigene Produktion an Bedeutung zurückbleibt hinter ihren Beteiligungen an anderen Unternehmungen, wie—. um nur ein Beispiel anzuführen— die Aktiengesellschaft Ludwig Löwe u. Co. in ihrer Bilanz ihre gesamten eigenen Anlagen, ein- schließlich Materialien und Fabrikaten, mit noch nicht 10 Millionen Mark aufweist gegenüber Beteiligungen von etwa 13 Millionen Mark." Je größer aber der Besitz an Aktien einer fremden Unternehmung ist, um so mehr spricht sich in ihm das Bestreben aus, einen Einfluß auf dieselbe auszuüben. Dieser wird voll erlangt, wenn eine Unternehmung über die Hälfte des Aktienkapitals oder gar das ganze Kapital einer anderen besitzt. „Dann haben wir also den Fall der Kontrolle, den wir schon bei den amerikanischen Trusts(Holding Companys) kennengelernt haben. Diese Kontrolle einer Unternehmung durch eine andere ist zwar in Deutschland nicht so verbreitet wie in Amerika, kommt aber auch bei uns häufig genug vor. Ja, es ist nicht selten, daß eine Unternehmung das ganze Effektenkapital einer anderen in Besitz hat." Und immer noch nicht genug:„Es gibt auch in Deutschland Unternehmungen, welche überhaupt keine eigene Wirt- schaftstätigkeit ausüben, sondern nur den Zweck haben, durch Besitz von Effekten andere Unternehmungen zu kontrollieren, also reine Kontroll gesellschaften wie die amerikaui- scheu Holding Companys." Wir meinen, nach all dem wird man sich der Erkenntnis nicht verschließen können, daß der Weg der Vertrustung, ebenso wie in Amerika, auch bei uns beschritten ist. Und das um so mehr, wenn man die loeiteren Tatsachen kennen lernt, die Liefmann mitteilt. Neben der Kontrollgesellschaft ist in Deutschland die Fusion, d. h. die Verschmelzung mehrerer Betriebe, sehr häufig. Wie nun dies alleL: Äartellierung, Vertrustung, Fusion, zu einer ebenso weit» gehenden Verschlingung der Kapitale führt wie in Amerika, schildert Liefmann ani Beispiel der Pulverindustrie:„Schon in den 70er Jahren schloffen sich 19 Pulverfabriken durch Fusion zu einer Aktiengesellschaft zusammen. Diese fusionierte sich 1890 mit ihrer größten Konkurrentin zur Aktiengesellschaft: Vereinigte Köln-Rottweiler Pulverfabriken. Diese große Gesellschaft schloß alsdann Kartelle nicht nur mit anderen Pulverfabriken, sondern auch mit dem Trust der Dynamitfabriken. So entstand eine enge Verbindung aller Sprengstoff herstellenden Unternehmungen, die alsdann mit den ähnlich organisierten französischen und amerika- Nischen Sprengstoffabriken sozusagen die ganze Welt unter sich verteilten."— Ist das wirklich im Wesen von der amerikanischen Vertrustung verschieden oder im Umfang noch allzu weit von ihr entfernt? Oder was sagt man dazu, daß in der Hand der Deut» scheu Bank durch?lktienbesitz, Fustoiiieruiig usw. die Kontrolle über mehr als 600 Millionen Mark Kapital und mindestens 45 ehemals selbständige Banken vereinigt ist, wobei die ausländischen Beteiligungen der Deutschen Bank noch nicht mitgerechnet fiudi Und ähnlich ist die Konzentration bei allen größeren deutschen Banken. Daß aber diese gewaltigen Kapitalanhäufungen auch in der gleichen Weise verwendet werden wie in den amerikanischen Trusts, zeigt Liefmann durch ausführliche Darlegungen über die elektrische und die Petroleumindustrie, auf die einzugehen uns der Raum fehlt. Ueber die letztere' sagt er:„Eine Unmenge verschie- dencr Unternehmungen, Produttionsgesellschaften, BerkaufSgescll- fchaften, Kontrollgesellschaften, Beteiligungs- und Finanzierungs- gesellschaften find hier aufeinander gehäuft, und hinter dem Ganzen steht eine(!) kapitalkräftige große Bank, die allen diesen Gesell- fchaften das Kapital liefert." All diesen Tatsachen gegenüber glaubt Liefmann die Eriwar- tung aussprechen zu können, daß die Entwickelung in Deutschland nicht den amerikanischen Weg gehen werde, weil die öffentliche Meinung in Deutschland sich einem Börsen- und Speknlationskönige gegenüber ganz anders Verhalten„w ü r d e" als in Amerika. Selbst wenn dies der Fall sein sollte, würde sich das Großkapital, das die Macht in Händen hat, um eine solche öffentliche Meinung ver- dämmt wenig kümmern.-■ Hue Induftm und Handel Trusts. Die wirtschaftliche EntWickelung in den Vereinigten Staaten von Amerika wird durch die Trusts gekennzeichnet. Man versteht darunter die Zusammenballung riesenhafter Kapitalsmassen in den Händen ganz weniger Personen, die infolge dieses enormen Reichtums und seiner geschickten Verzweigung ganze Industrien, das ganze Verkchrsweseii, ja schließlich das gesamte Wirtschafts- leben des Landes beherrschen und für ihr privates Interesse aus- nutzen. Oft hört man nun die Ansicht äußern, daß wir in Deutsch- land unS auf dem gleichen Entwickelungsgange befinden, so daß Amerika uns nur ein Spiegelbild dessen vorhält, was wir selbst in vielleicht nicht zu langer Zeit zu erwarten haben. Von anderer Seite wird diese Ansicht nachdrücklich bestritten. Es mag deshalb von Interesse sein, toas ein anerkannter Fachmann auf dem Ge- biete des Trustlvcfens darüber zu sagen weiß. Der Freiburger Professor Liefmann, der sich schon durch frühere Arbeiten über das gleiche und verwandte Themata einen Namen gemacht, hat soeben eine kleine Schrift über„Kartelle u n d T r u st s", die zuerst 1905 erschienen ist, in 2. Auflage heraus- gegeben und darin das Kapitel über die amerikanischen Trusts auf Grund einer amerikanischen Studienreise gänzlich neu bearbeitet. Stellen wir hiernach zunächst fest, was unter einem amerikanischen Trust zu verstehen ist. Es ist die finanzielle Zusammen- fassung mehrerer Iliiternehmuiigen in Form der sogenannten K o n t r o l l g e s e l l s ch a f t, d. h. es wird eine Aktiengesellschaft gegründet, lediglich zu dem Zweck, alle oder doch die Mehrheit der Aktien anderer llnternehmungen zu erwerben. Die Gesellschaft selbst betreibt also keine Industrie, sondern kauft nur die Aktien industrieller Werke. Solch eine Gesellschaft nennt man in Amerika„Holding Company", und Liefmann schlägt alA deutsche Uebersetzung das Wort„Kontrollgesellschaft" vor. weil das eben der Zweck ist, daß sie durch ihren Aktienbesitz die Unter- gesellschafien„kontrolliert", d. h. den entschei deirden Einfluß darin ausübt. Das ist ein Trust.„Die wichtigsten Wirkungen der ainerikanischen Trusts liegen nun auf dem Gebiete der Gründung, Finanzierung iGeldbeforgung) und Verwaltung der großen Gesell- fchaften." Diese Form der Konzentration des Kapitals hat in Amerika einen gewaltigen Umfang angenommen.„Ein großes Effekten- Handbuch zählte 1906 400 Straßenbahn-, zirka 900 Gas- und Elektrizitätsgesellschaften, etwa 1100 Eifenbahnunternehmungen, zirka 100 Wasser-, 150 Telephon- und Telegraph-, etwa 150 Minen- und Petroleumgesellschaften und über 1600 industrielle und andere Unternehmungen auf, die in den letzten Jahren von anderen ab- sorbiert wurden oder unter ihre Kontrolle gelangten." Wie ein solcher Trust wirkt, schildert Liefmann am Beispiel des Petroleum trusts und des Stahl trusts.„Ersterer, die Standard Oit Company, ist eine Holding Company, die zirka 63 amerikanische Gesellschaften und eine große Zahl von Verkaufs- gesellschaften in anderen Staaten kontrolliert." Unter ihrer Bot� Mäßigkeit stehen etwa 90 Proz. der amerikanischen Petroleum- Produktion.„Sie hat die Verarbeitung und den Absatz ihrer Pro- dukte in allen Teilen der Welt organisiert. Sie besitzt eigene Bahnen, eigene Röhrenleitungen, eigene Transportschiffe, hat in allen Ländern ihre Petroleumtanks und ihre Petroleummagen, in vielen eigene Raffinerien. Sie vroduziert alle Hilfsprodukte, alle Fässer, Kannen, Pumpen, Destillierapparate selbst und verarbeitet auch alle Nebenprodukte."— Daraus ergeben sich natürlich un- geh�uerliche Gewinne, die für das eine Jahr 1907 auf 350 Mil. lionen Mark geschäht wurden. Ein großer Teil der Gewinne ist dazu verwandt worden, in anderen Industrien umfangreiche Be- teiligungen zu erwerben.„So hat Rockefellcr den größten Teil der wertvollsten Eisenerzminen Amerikas an sich gebracht und war daher eine der Hguptpersoncy bei der Aziilidung des Stahltrusts.". Theater und Vergnügungen Dienstag, de« St. Mai. Ansang 7»/, Uhr. Kiinigl. OVernhauS. Geschloffen. Neue» königl. Opern-TVeaeer. " � �- Die Doltor Die Regimentstochier. Vuppensee. Königl. Schausptelhaus. KlauS. Anfang S Uhr. Lessing. Hedda Gabler. Deutsches. Judith. Kammerspiel«. Wiener Hölle: Brüdcrlein sein. Goethe. StpmUcheLper. Zierpuppen. Divertissement. Neues Schauspielhaus. Der ftlieger. Kleine». Nur ein Traum. Berliner. Taifun. Neues. Die goldene Ritterzelt. NeueS Operetten. Der Gras von Luxemburg. Srianon. Theodore u. Tie. Residenz. DaS Nachtlicht. Der selige Octave. Thalia. Glück bei Frauen. Hebbel. Gewehr ab.(Anfang 8'/, Uhr.) Westen. Die geschiedene Iran. Schiller O.(WaOnei- Theater.) Zapsenstreich. Schiller Ehnrlottenburg. Mb Hobb» «riedrich. WilhelmftSdttscheS. Der Bielgeitebte. volksoper. Heimkehr.(Ansang «>/, Uhr.) Luisen. Geschlossen. Noie. Die Schmuggler. LustsPielhanS. Da? Leutnants« Mündel. Meteopol. Hollah ll»» Die große Revue. FolieS Capriee. Der gewisse Augenblick. Eine gründliche Kur. (Ans. 8lU Uhr.) Sasino. Fanülie August Zlnoche. Gebr. Herrnseld. Die Welt geht unter. Wenn zwei dasselbe run. Apollo. Maharo. Spezialitäten. Wintergarten. Spezialitäten. Bai,(ige. Spezialitäten. Mcichskallc». Steltiner Sänger. Karl Hnverland. Spezialitäten. Walhalla. Svezialitäteir Bratcr. Im Reiche des Mar». Urania. Tauveuiiraste»«/TN. Abends S Uhr: Dr. O. Heinroth: Lebend« Bilder aus dem heimischen Tierleben. StrrNU'artr, Jnvalidenstr. 57— S2. l-vanlnx-'l'k«»tvr. Letzte Vorstellung vor den Lbsenzhilu«: Hedda 8 Uhr: Ferien: Gabler. Mittwoch. 8 Uhr: Gastspiel d. Kklner Residenz-TheaterS: Zum erstenmal: Siasernenlnft. Militärisches Volks« stück in vier Akten von Herm. Marti» Stein und Ernst Söhngeir EJerüner Theater. Heute 8 Uhr: TaiftXIl» Morgen: Taltun. Heues Theater. Abend» 8 Uhr: Zum 75» Male: Die soldene Ritterzeit. Morgen und solgende Tage: vlv»alckonv Nlttornvtt. 'rdester ljes Vestells. Abend? 8 Uhr: Letzte Ausführung vor den- Ferien: Die geschiedene Frau FrietiriGti-WillielnisfödtlSGties Schauspielhaus. Dienstag, 81. Mai, abends 8 Uhr: Der Bielgeliebte. Schwank tn vier Allen von Alfred Schmasow und Karl Heinz. Morgen und folgend! Tage: Der Vielgeliebte._ W en«8' Operetten-Theater. Heute und folgend« Tage 8 Uhr: Der Graf von Luxemburg. Sonntag nachmittag 3 Uhr. zu er« mässtgt. Preisen: 01» Oollarpfltumlw. Lustspielhaus. AbendS 8 Uhr: Das Leutnantsmündel Resllfeiu-Mst Direktion: Richard Alexander. Abend» 8 Uhr: Das Nachtlicht. Schwank in 8 Akten v. M. Zamacois. Hieraus: Iber«eklK« Ohtave. Groteäfe tn 1 Akt von Ave« Miraude und Henry Goroule. Sommerpreise. Morgen und folgende Tage: Die- selbe Borstellung._ Hallo!!! Die große Revue! In 8 Bildern von Jul. Freund. Musik?. Paul Lincfce. In Szene gesetzt vorn Dir. Rieh. Schult*. Ansang> Uhr. Rmiehen gestattet. Trianon-Theater. Abend» 8 Uhr: Theodore& Cie. Urania. Wiesenechaftliches Theater| Taubenstr. 48/49. Abends 8 Uhr: Dr. 0. Heinroth: Lebende Bilder aus dem heimischen Tierieben. Volksoper. SW., Belle-Alliance-Stratze Nr. 7/8, Abends 81/, Uhr: Heimkehr. IOSE=THEATE Große Frantsurter Str.>32, Ans, 8 Uhr, Ende 1t Uhr, Kie Zthmllggler. Komödie in 4 Allen von A, Dinier. Aus der Gartenbühne: Theater� Borstellung. Auftret. erstklassiger Spezialititte». grosteS Garten, Konzert. Ansang 4'/, Uhr. Sonn, tag« 4 Uhr._ Seliiller Schiller-Theater 0.(Wallner-Theat.) Dienstag, abend» 8 Uhr: Zapfenstreicta- Drama in 4 Aufzügen von Franz Adam Behcrlein. Ende IG/, Uhr. Mittwoch, abends 8 Uhr: VI« Visit»« wacht. Donnerstag, abends 8 Uhr: VI« chrtlich. Verwandten. _ Hierauf: In Zivil._ Theater. Schiller-Theater(Chariottenburg). Dienstag, abends 8 Uhr: Sliß Slobbs Lustspiel in 4 Auszügen von Jerome K. Jerome. Deutsch v. W. Wollers. Ende 10% Uhr. Mittwoch, abends 8 Uhr: Zum ersten Male: VI« ziirtlicli. Verwandten. Hieraus: In Zivil. Donnerstag, abends 8 Uhr: VI« Liebe wacht. Srauerei Fnedriciisiiain Am Ktinigstor. lictztcr Tag! 8 Uhr: Das sensat. Mai-Programm, Hahara m. ihren lebenden Riesenschlangen. S0 englische Backfische S0 mit neuem Repertoire. kctils de Vritndt als Augnst. Achtung! Achtung! Morgen, Mittwoch, den 1. Juni: Bollständig neues Programm. Uetzter Tag! Prinz Lharles der Afle mit Mensohenkultar. Schenk Bros Seneations-Equilibristen Rosina Casselli und daa von Publikun, und Presse glänzend beurteilte Mai-Programm! Kommandanlenstr. 57. T. A. 4, SOLS. LS" Heute: l&Q Letzte Vorstellung in dieser Spielsaison! vie�Velt xekt unter. Folgen de» Kometensteberl und VVenn zivei dasselbe tun mit A. und D. Herrnseld. BaV Ansang 8 Uhr."WS Passage-Theater. Abends 8 Uhr: VI« Sterne 1 de» Ilnmors * Willi Prager#: nnd das große Varletd-Programm!» Passage-Panoptikum. Die heiligen Fakire in ihren Wunderprodnktienen. !! l.cbend!! A A n tmr l'rina MLOM der kleinste Mensch, der je gelebt Buddahs Tafel weiß, kann, schreibt alles! Alles obne.Extra-ERtree! Eintritt SO, Kinder, Soldaten 25 P(. Eintritt 1 Mark, von abends 6 Uhr ab 50 Pf., Kinder unter zehn Jahren die Halste, .Teden Dienstag nachciiltags 3— 6 Uhr A KafiTee-Frel vorst. der beliebton /vjHIIiU Oallgti. Vom Mittwoch, den 1. iuni 1910, ab täglich nachmittags 3—8 Uhr; --------- Frei«Konzert von Kioodemns JCofenkopfj [ der beste Exentric-Kapollmeistep der Welt mit großem Orchester. UlNAl I PARK Teeeagmi as Heäensee Größter Vergnügungspark des Kontinents Täglich geöfinel: Terrassen ab t Uhr, Lunapark ab 3 s llen 33 ereinen, Gewerkschaften und Klubs zur gefälligen Mittellang, l daß ich das Etablissement* Konzertgartc» u. Prachtsäle—- Badstr. RS/IS übernommen und aus» neuesle renoviert habe. Ich empsebie solches zur Abhaltung von Versammlungen und Festlichkeiten jeder Art unter günstigsten Bedingungen. Herrlicher schattiger Garten, 3000 Personen, 4 Säle 50—1500 Personen lassend, mit prachtvollen Bühnen versehen. Während des Sommers Koiuert und Sänger-Gesellschaften. Vorzugskarten stehen zur Verfügung: auch find noch Somiabende frei. :::: jeden Sonntag: Groker Ball.:::: jeden Dienstag a. Donnerstag: Ball tOUt ChlC. Um glltlgen Zuspruch bittet verlin H. k�r. Walter, Gastwirt. Amt HI, 8874. Der stürmisdie Beifall, den bei allen Vorführungen unser nener Schlager v„Die Sehiirze" findet, spricht am heilen für rnisl Vorzugl. Theater-Orchester.— Dauervorstellg. von 6 Uhr an. WHsskop-Thastsp w«. Achtang t Diez' nur Achtong t Seeterrasse SteHtenberg RUderstraße 11/13. Zwischen Landsberger Allen und Rdderplatz. GröfiteS und schönstes Lokal Berlins. Bei ungünstiger Witterung Schutz sür 8000 Personen.- sMI täglich: Ob eohSnl od Regen: �rl*a 54. CV 58 ZCl*!» Austreten der besten Turmseilkiinstler d« W°it The Liopeite sowie der neuesten und grökten Sensationen der Gegenwart: DIcRciec um die Erde 1 Sekunde ,la$alt8imtalto.lOPettt$ii!)e mit dem Fahrrad in den Sc«. Ueb erfahren eines lebenden Mensche» mit Motorrad im Höllenkessel.- Mlle. de Fallieres bester Miniatnr- hunde-Dreffnrart der Welt. VlctvP Ritter mit seinem Sensationsschlager:„Halloh, die kleine Revue» und das beste SPeztalitiiten-Programm Berlins. Jeden Sonntag: Rlvs«a-l-aad- a. Wasser- Pencrwcrk. Neuheiten! Der Halleyfche Komet. Aniang 3 Uhr. IVocheniags 4 Uhr.— Gcsamteintritt 20 Pf. Alt-HoaUt 47/d». Täglich: Konzert, Theater, Speziaiitttten. Vereins-Brauerei Rixdort, Hermannstr. 214/219. Oekonom: Max WendL Täglich i Gr. Mlär-Konzeit. Jeden Dienstag: Gr. Uer-FreiiMM. Entr. 15 Ps. Mütze od. Schärpe grat. ttSgvUllSCßT DöGllGliö! Lülow-piatz, an dor Walser-WUhcIas» StralJe 3 Minuten vom Bahnhot Alexanderplatz. Täglich abends 8 Uhr: Große Vorstellung. „, H, Im Freien neben der Kaubtierscbau»_______». MJHl Hagendecks Eisberg ÄSS. zirka 15 Meter hoch, mit SO lebenden Eisbären. Bis abends 6 Uhr geöffnet, sowie Besichtigung sämtl. Tiere. Folies Capriee frUmans Theater Nur noch wenige Cage: Der gewisse Augenblick Bunter CeU Eine gründliche Kur. Mittwoch: Premier« i Vier pikante heitere Einakter. Karl Haverland Anlang Theater, präz. 8 U.! 77/79 Kommandanteustratz« 77(79.| Täglich nur erstkl. Spezialitäten. nr"- iiiai-j/Mgr. Sonnabend, Sonntag, Mittwoch, _ Donnerstag: Ball. KMMMKW > V/oindcrgswog 19-20,»osonih.Tcr. Abends 8 Uhr: 0», groLarligo Varloib-Programm. s Pank Bendix, Verl. Komiler I und die Übrigen Spezialitäten. Burglheater-Kinematograph vorm. Groterjan, Jnhab.: Rud. Merz, Schönhauser Allee ISS. Tel. 3. 9353. Lebende Photographien. Wochent. 30 u. 40 Pf. Ansang 7 Uhr. Sonnt. 30, 40 u. 60 Pf. Am. 4 Uhr. Vorzugskarten nur Wochentags gültig. 25 Ps. aus allen Plätzen. Stet» wechselndes Programm. Jeden Sonntag im Dficifacd SS®" Künstler-Konzert. Entree 15 Pf. Garderobe 10 Ps. N. d. Konzert: Familien-Kränzchen. im �'S s BrunncnstraB« 16. Ein geheimes hhegteoer derl Kßöip Marie hotoiiiette. und das glänzende | Riesen-Programm.| Gr. Künstler-Orchester. ! Platz dir 1200 Pers. Einlr. 30P». Kerltukr Prater-Chkaw Kastanienallee 7—9. Täglich:-BW 5m Beiehe des Spezialitäten, Konzert u. Ball. Ansang 4>,i Uhr. Entree 30 Ps. Ileiclisittlieu-Iliöaler. Steltiner Sanger Künstler d. Landstraße. Musik. Ens. von Meysel. € Ansang wochentags ■' Sonntags 7 Uhr. Donnerstag, 16. Jnni: Gr. Keft-Sotree z. Benefiz für Herrn Rudolf Schräder zur Feier seiner 20jährigen Miiglledschast bei den Slettiner Sängem. Billetts schon jetzt zu haben. V oji|» t-Lkootor Gesundbrunnen Badstr. 58. Dienstag, den 31. Mai 1910 1 Richer» großen Teich. Gr. Lebensbild mit Ges. und Tanz in 4 Abteilungen von Adols Phillipp. Erstklassige Spezialitäten. Daö große Mai-Programm k Kassenerösfnung 2 Uhr, Ans. 4'/, Uhr. -Victoria- Brauerei, LOtzowst. 111/112 Im Garten oder Saal: Täglich «r. humorist. Solree. (Gejangsvorträge, Theater und Varirte-Borstellungen) Sonntags, Dienstags. Donnerst. und Sonnabends: Tanzkräiuxhen. Ans.: Wochentags 8, Sonntags 7 Uhr.— Alle Bon» gültig. Im Restaur.: MitiagSiisch 75 Ps. Gr. u. kl. Säle zu Festlichkeiten aller Art. Max Saeger. Sehfinh. A. 148— Kastanion-A. 97/99. Lellte Woche d. grandiosen Mai« Spezialitäten!>/,9 Uhr: Kerlin, tvie's btüttu. kracht. '1,6 Uhr: Ein Abenteuer im Witwenvereln, Ansang des Konzerts'/j5 Uhr. Entree 20—60 Pj. Kinder aus allen Plätzen die Hälfte. Mittwoch: ZirkuS 0. d. Bühne. SedVeiier- ÜBrtoil'*nl �»nlgstor— uanen Am Friedrichshain. Täglich t Theater, i Volksbelusllgungeo. Anfang 5 Uhr. Entree 80 Pt Hai Kllis SoiraertWer und Festsäle. Inb.; Rudolph Krüger. Hasenbelde 13/15, via-&-vis v.TurnpL Tügllch: Gmße Titeater- u. Spezialitäten- tforstelltini. Artist. Leitung: Waller Grävenilz, Kapellmeister: Max Wolffhaim. Jeden Donnerstag; BUte-Tagt Anfang; WochenL 6 Ohr, Sonnt.1/s6 Unr. Kön igstadt-Ka» ino. Hoizmarttstratz» 72. Im herrlichen Naturgarten täglich; Durchgegangene Weihet. Burlesker Schwank mit Gesang. Otto Salzer. moderner Zauberkünstler und Wanipulateur. Frans Keifiner, Original» tomiker und da» andere reich» hnltig« Programm. V olksxarten- Idester früher Wcirnann. Badstr. 8, Bebm» u. Bellermannstraß«. Täglich: Konzart-, Thaatar- und Spezialitäten-Vorslalfung. DaS Riejen» programm. Zur Ausführung gelangt: Der fliegende Berliner. BolkSstück in 5 Bildem mit Gesang und Tanz. Casino-Theater Loihringer Sttatze 37. Täglich 8 Uhr. Stuf allgemeinen Wunsch-WA biS zum 31. Mai: Familie August Knoche. Knoche: Dir. Han» Berg. Gr. Berliner Kunstaiisstellung 1910 30. April bis S. Ottober. ägiich Doppel» -« Uhr t M.. v rtagS 50 Ps. Da Im Park tägii Eintritt: 10-k 50 Pf., Sonntags Konzert. v. s Uhr ab Dauert. 6 R IM 10—8 Uhr. Eintritt 1 M. KSnigl. Akademische Hochschule, Waldgürtel. Sport- u. Spielplätze. Kunst a. d. Str. Verkehrssysteme, Innenstadt. Vororte. Gartenstädte, Arbeitersiedlungen. GroB-Berlin. 31. Mai: Prof. Diestel, königL Baurat, Dresden:.Neuzeitlich» Anschauungen im Bauordnun gewesen." Achtung, Gronau! Empfehle allen Freunden und Be» kannten zu den bevorstehenden Eommerausflügen mein(renovierte«) Lokal und Garten. Nur reelle Speisen und Getränle zu billigsten Preisen. Gustav Sindentiayn, Telephon 17. Frtedrtchstr. Für den Inhalt der Inserate Nbcrnimmt die Redaktion de» Pnblttnm gegenüber keinerlei Verantwortung. Sozialdemokratischer Wahloerein des 6. Berliner Keiehstags«Wahlkreises. Mittwoch, den 1. Juni, abends 8'/, Uhr. in Obiglos Festsälen, Schwedter Strafte 93/24, Tonnerstag, den 2. Juni, abends SV2 Uhr, in Arndts Fcstsälen» Belforter Strafte 13: Oeffenti. politische Fraurnoersammlnugen. Tagesordnung in beiden Versammlungen: RRIRÄ Referentw: Frau Dr. Wey!. 227/14* Freie DtSrusston._ Der Vorstand. I. A.! Frau Minna Lohse, Oderberger Straße 20. «tewpel.FavrN von 36342* Robert Hecht, Berlin SM Oranienstr. 142, liefert schnell und billig alle Arten Stempel in bester Ausführung. Kautschuk-Ziypc»»Perfekt» «nn Zusammensetzen einzelner Wörter sowie ganzer Sätze von l.E»0 M. an Nerbli'sÄ»n p«l« jBifeimt, Injlrriifter Hygienische Drogerie Zareniba, Weinbergsweg 1, dir. a.Rosenthaler Tor. O Billigste Bezugsquelle I Versuch f. zur dauernden Kundschaft Melchiorfti 28, Part. Filiale Berlin. Tel.: Amt IV. 4787. DounerStag. den S. Juni ISIS, abends 8'/, Uhr: Sebtiou-Versanunlung der fiachierer im Gewerknehaftnhaane, Engeluser 15. Tage» Uhr bei Lehman«, Reue Friedrichstrabe 1. Knchrnmöbel-Kranchv! DirnStag, de« 31. Mai, abends 8 Uhr. im.Englischen Garten«, Alexanderstr. 27o: Ofcbler. Httdwevten Habel» Brauerei,»ergmannstr. 5—7. ______ ittesing. Wassettorstr. 68. SUdoaten I o. II in den Naunhu-Nestsäle». Raunhnstr. 0. ««den bei Gliesing. Wassettorstr. 08. �. II in den Raunst«, .... �.�ramann. AndreaSstt. vi. �.... .u sind die Kollegen der Werlstätten Franki und HellBlUB«, Kraut. , besonders eingeladen. baten II bei Pirna«. Frantfutter Alle« 100. Daten III bei«ergmann. Borh-gener Stn-b« 20. Deatiieilv'Vororts bei WUdner w Fritilrletitkerß, Fttedttch-Karl. Straße 11. Mordoaten bei«aeker. Weberstr. 17. Jede Sargtischlerei muh«wen BettrauenSman»«ach dieser Versa««. lung senden.... Boaentbaler nnd Sehönhanter Vor« ladt bei Obiglo, Schwedter Sttatze 23.... � Woddlo»«ad Moabit bei KaezorawSki. RavenSstr. 0. Sautischler. Bo»irk»-«Udvevteo,««den,««dooto» bei GraftHosi Admiralstrahe 18<-. Be»irk»: Oatea bei Ziest, fflorffiau« Skah« 01. Bexirk 8: Horden nnd nördliche Tororte bei«tische. Kopenhagener Sttah« 74. Bexirk d:«eannddmnnon, Weddias nnd IHoablt Bei Sachse. Lindower Strohe 20. Hierzu sind die Kollegen Klmr, Krüger und Undemaim von der Firma Schaar, Thausseestrahe. und sämtliche Kollegen der Firma Otaimtnn, Hussitenstrahe, besonders eingeladen. stlöbel- u. Stuhlpotterer fowie JMagazinarbetter. Daten Bei«oeker. Weberstr. 17. Küdoaten im»Märkt'che««ftof». Admiralstr. 13s. Norden bei GSnther, Brunnensir. 90. 84/9 Drechfler, Treppengeländer- und Lu�uemcbel- ßranche. Korden bei Döhling, vrmmenstr. 79. Daten bei Schneider. Fttedensir. 07. Bttdoxten nnd Sttdwexten bei Stramm, Ritterftr. 123. jVlafchinenarbelter GewerkschaftSHaufe. Engeluser 14/15. Modell- und fahriktischler***"' Versammlung. TageS-Orbnung: 1. Vortrag de» Kollegen Klingner. 2. Bericht von der letzten General- Versammlung. 3. BranchenangelegenHeit. DM- Die Bororte sind hierzu eingeladen. Mitgliedsbuch legitimiert.*WB Einsetzer! Statt der BettrauenSmänner-Bersammlnug: Mittwoch, den 1. Juni, abendS S'/, Uhr. im»GewerkschastShauS*, Engeluser 14, Eing. S. Saal 4, ArbeitSlosenraum! Mitglieder-Bersammlnng. TageS-Ordnung! 1. Die Bestimmungen deS VettragcS über den Arbeitsnachweis und unser sernerc» Verhalte,!. 2. Bericht von der Generalversammlung. 8. Wahl eines Branchen-ObmanneS. 4. Verschiedenes. Die Kollegen des VI. Bezirks werden hiermit Besonder» ewgeladen. zu 2.85, 3.50, 4.50, 5.-, 6.50 bis 9.00 M. Fertige Betten bestehend aus Oberbett, Unterbett, 2 Kissen zu 12, 15. 20, 24, 28, 31.50, 38, 45, 54. 61, 75, 90 bis 105 M. und oamentUcb Echt chinesische [(gesetzl. geschützt) Pfund M. 2.8S. (8 Ms 4 Pfand«am Oberbett genügend) and alle anderen Bettartikel tührt dis | erste Bettfedern» Fabrik mit elektrischem Betriebe | Berlin 8., Prinzen-Strasse 46 und 47. Begondcres Angebot; 1 WpII Jaccguard-Decken ß cn | modern und elegant gemustert..... Mark WW Kamelhaar« Decken Q 1 140X190 cm........... MarkWa'VU 17— 20.- 25- OberbetteniKSä' dichtes Inlett m. Monopoldanaen getollt, M. | Daunendecken TSE Inlett�elttlltmJalederlrelenQaugtti, 130x300cm M. 160X300< »W». Daunendecken s von ecidenglaaz artigem Daunensatin in allen'modernen Farben am Lager vorrätig. Für Metall« Bettstellen jAusnahsnepreiso Metall« Bettstelle mit Zugfedcrroatrate schwarz lackiert 190 X 80 cm mit Zagfeder- Matratze, Pfosten 27 mm stark, mit Messing-Verzierungen im Kopf- una Fussende, wciäsod, schwarz lackiert Umsatz im Jahre 1809 s 2846 Ztr. Bettfedern«- Daunen. Voa keinem ander»! Betten- und Bettfedern- Ceechtfl auch nur annähernd errelebt. Es gibt kein grösseres Bettfedeni- ISpezial- Seschäft in Deutschland. Sofastoffe Riesenauswahl aller Qualitäten! I Wolle- Opefol Moquettc Plüsch- Satteltaschen Zimmer- und Treppen- Läuferstolte bhb— ICokos, Haargarn, Velour etc. Muster t�nko. Teppich- Spezialiiaus Emil Lefevre Berlin, Oranienstr. 158 H.Pfail, Banilaiiisl ®Sitt Direksenslralie 20 zluilchcn Bahnhos Stlcxandcrplnh und Polizeipräsidium.— Amt VII. 137S9. Für Damen Frauen-Bedienung.* Licserant für alle Krankenkasse». Ktmiitn- und KlllUjbilldtrti von ködert«e?er. nur Mnrinnuktt-Slrnße 2. KZiin?» 5!« nickt oknc veitercz mit i�zn� v,etck«n anderen Marken auf eine Stufe stellen. Wenn Sie Verständnis für die feinen Quaiitäts-Unterschiede bei Cigaretten im allgemeinen haben, dann werden Sie bei einem Vergleich sofort herausfinden, daß Josetti iuno Cigaretten sehr viele andere Marken ganz bedeutend übertreffen. Josetti Juno m. u. o. M. 10 St. 20 Pfg. Wiimniiiiüinr 'Leihhaus seit 27 Jahren' Cielegenhcltskäufe 1 vcrfallcBCP Brillanten,> | Gold-, Sllbcrwaren etc.| Motlizplah, E.;,'ÄT im Hause der National-Bank. I(früher Prlnzcnstr.KS)| Bahnstation Zeuthen, Post Xledcrleliine. Telephon Königs-Wusterhausen 175. Empfehle den Vereinen, Geiverkschasten, Fabriken und Gesellschaften mein herrlich am Krossinsee gelegenes Lolol zu Dampferpartien und Ausflügen.— Bestellungen nehme auch in meinem Berliner Geschäft: Restaurant eum lleuehtturm, Fontane-Promenade 18(Tel. Amt IV. 173), entgegen. Auch stehen Bampfer aI und Motorboote zur Verfügung. ifJL«» A. 1YM.VX Drei Tropfen flüssige M otall-P olitup machen das schmutzigste Metall spiegelblank in Flaschen von 10 bis 50 Pfenrile Ueberall zu haben. Fabr.: Lubszynski& Co., Berlin NO. I nmmi waren I aller Art. Anfr. erbeten 1 Gummi- Grosso- Hans C.A. Growald, Charlolten- burg-Berlin 37. Postamt 2. P arzeifie M. 1100, Anz. IvVM.a.vcrk.Kolonie Daheim Bicödorf.Karrahner Sir. S. pari. Tel. Lg. K7V. 19. Zlehüiiß S. KI- 222. Kai. Prettss. Lotterie Ziehung vom SO. Mal, vormittag». Kur die Gewinne über J10 Mark sind den betreffenden Nummern In Klammern beigefügt. ■(Ohne GewSlir.)(Nnchdruek verholen.) 221 372 713 87 IMS 581«75 749 81S 23 36 2108 «l J'j7 613 716 71 300t 143 668 732[500] 865 081 4059 97 181 445 510 763 859 5087 153 217 77 468 671 748 74 601 94 6039 573 863 7071 220 373 636 94 95« 8074 175 321 387 490 605 877 930[600] 9216 85 389 «10 902 33 73[1000] 91 10037 11383[600] 94 642«28 862 12-78 322 523 «, 13055 70 297[500]«89 96 804 55 925 81 93 96 •14156 233 97 334 521 619 775 929 15048 148 530 85 «SS 16177 461 79 565[500] 601 780[600] 17015[1000] 297 424 590 1 8028[5000] 42[1000] 412 532[3000] 60 344 995 1 9181 230 71 619 34 847 51 762 858 20084 393[ 500] 412[ 3000] 28 33 44[10000] 503 1500]«45 7 23 96 54« 900 89 2 1 216 75 314 2 7 8 2 427 556 754 637[1000] 2 2005 7 223 36 79 357 69 457 7 4 829 1500] 910[3C00] 23 24 43 23091 205 12[1000] 455 512 67 675 996 2 4105 267 69[ 3000] 501«50 666 25025 68 1500] 223 394 477 620 917[10000] 62 2 6384 917 75 27108 17 232[500] 145 538 2 8364 452 56 606 5« 645 70 23024[ 500] 117 217 470[500) 000 21 790[30001 814 24 30060 81[1000] 203 33 464 523 705 086 3 1 072 267 «Ol 750 95[300] 822 48 3 2 037 40Ö 534 94 649 891 3 3053 170 77 320 499[ 3000] 603 913[1000] 93 3 4001 SO 153 «37 513 000 710 822 48 3 5 297 315[1000] 425 59 95 659 «41 30103 507 53 55 7 0 679 82 3 7 005 49 236 610 33 200 925 95[500] 3 8011 56[3000] 291 393 472 832 39155 235 371 653[500] 94 739[1000] 40551[3000] 667 827 963 4 1 258[500] 264 442 59 »79 4 2074 186 318 483 527 45 676 760 52[ 500] 948 64 4 3161 432 33 47 580 746 961 76 97 4 4029 97 13« 69 62 209 883 434 63 607 743 78 911[30001 4 5040 211 325 45 082 232 302 814 4 7418 41 849 87 4 8066 108 30 97 296 318 489 521 91 49449 93 549 91 714 66[ 8000] 50178 345 619 7 7 605 748 939 5 1 268 490 501 60 683 5 2044 261 73[3000] 379 409 42[590] 528 651 62 748 61 817 53128[600] 390 95 1 54 097 107 224 53 70 371 75 662 75 769 912 59 5 5014 48 137 358 647 81 608 ,4 5 6081 117-52 764 5 7012 92 241 506 89 834 64 74 992 5 8 006 65 87 178 233 311[500] 54 71 407 17[3000] «56 7 2 873 3 9060 73 237 428 987 89 60060 808[1000] 529 96 61227 SO« 45 4 583 64 9 755 899 6 2 326 999 632 13 673 954 64117 21 403 37 606 755 29 881 65160 234 67 463 538 779 832 82 94 6 6152 224 «25 609 1500) 633 809 91 98 966[500] 67613 906 68004 172 78 324[500] 663 683 787 93 6 9112 208[500] 414 60 £9 519[1000] 751 978 70113[500] 323 540[3000] 719 36 81 870 939 5« 52 «8 71191 269 94 499 500 666 967 73 7 2275[1000] 305 flOOO] 863 919 7 3 005 201 32[500] 810[1000] 414[3000] 660 91 653 7 4083[500] 257 63 363[1000] 443 77 784 .«39 66 945[500] 75ü«0 IM 348[500] 543 90 762 864 87 (7 6281 410 779 872 931 7 7061 115 47« 614 636 78 801 «34 7 8330 92 450 612 873 7 9013 49 64 96[500] 317 83 03 2 24 8O00O 170 445«34 714 87« 81366 663[3000] 909 «2263 442 557[3000] 600[500] SO[100000] 305 955 «3(162 15« 285 571 84159 214 333 55[3000] 490[1000] 633 93 702 8 5613 63 882 979 8 6020 344 488 579 661 fsoco] 703 83 980 89 8 7023 61 157 462[1000] 670 633 283 895 934 8 810« 280 460 77 656 8 9 451 590 889 90071[500] 174 800 977[3000] 9 1 229 344 470«13 «8 780 9 2005 63 190 494 9 3082 319 544(10001 0i5 «3000] 989 9 4131 217 473 677 9 5063 108[500] 10 54 -46 58[lOOü] 82 317 481 553 732 995 9 8024 292 400 1500] 561 66 72 6« 826 900 9 7170 463 9 8011 65 112 «29 92 734 807 95 9 9078 150 359 417 597 843 100224 317 40 493 516(500) 33 46 698 101238 llOOOOl 67 393 700 72 875 1 02388 626[1000] 781 828 «9 971 103620 78 86 77« 987 1 04034 372 464 686 »27[500] 10 5023 135 81 21« 910 10625« 533 69 606 £70 82 1O70Ö0 438 641 75 637 70 927 1 0 8 400 13[1000] £5 512 862 61 94 1 09091 167 504 697 750 914 88 93 110148 81 258 361 409 29 618 46 90 609 11[500] dl 729 69 111015[ 500] 465 545 647 83 775 977 112013 »1 115 24[1000] 284 634 720 981 113913 54 537 36o 969 114437[1000] 554 83 638 43 77 830 66 90 944 68 115469 93 96 838 973 116003 413 830 993 117077 IlOOO] 108 323 81 554[1000] 941 HStSö 86 ilOOO] «50 93 675 681 944 119417 42 574 603[ 8000] 349 995 12O060 592 418 832 932 1 2 1 0OS 266 99 337 82 «31 506 972 122066 91 107 255 409 35[500] 657[500] «10 80 73« 824 1 2 3 008 100 91 310[1000] 15 861 041 124001 333 462 834 930 61 12 5270 363 71 884 948 1126087 108 62 314 34 70 494 619 1 2 7026[1000] 183 «54 570 670 887 1 2 8019 93 101 338 490 887 1 2 9034 £14[1000] 63 312 639[1000] 13O070 213 314 683 06 827 55 942 87[500] 97 (3000] 131129 295 310 54 585 863[3090] 82 965 132053 178 520 679 95» 133 021 343 54 741 883 018 1 34172 206 373[MJ 001 447 8oo gfl 13 5014 234 395 003 1 30121 e9 689 921 137092 136 6 4 250 372 612 671 759[lUOU] 1138104 223 453 654 828 88 965 1 39140 IlOOO] 285 90 £59 916 140248[500] 301 17 94 540 718 864 1 41193 314 «»« 528[1000] 6f7 838 73 917 142016 456 91 M>3 624 «9 751 78 840 83 1 43 373 76 525 98 705 1 44072 179 £45 83 468 593 640 830 1 4 5 054[3000] 206 397 625 «4 63«09 847 76 1 4 0069 498 555 615 74 1 47 O'O 273 £04 920 37 1 4 8053 103 12[3000] 208 807 720 1 49152 £63 737 812[600] . 15 0099 301 67 59« 60« 14 704 8 804 1 5 1 063 210 (Hol 21 59 724 378 916 152089 102 612 23 65 710 803 914 1 5 3 098 166 520«4 800 918 154123 307 18 tSOOOl «11 841 61 72 1 5 5096 141 516 662 1 56129 374 429 I 96 549 61[500] 705 912 1 5 7466 504 640 921 29 91 15 8295 488 553 85 696 818 85[1000] 159080 818 1C0U 3 236 441 63 734 1 6 1 485 91 679 1 6202» 805 465 606[000] 912 32 1 63198 693 702 70 1 6 4 204 333 524[ 3000] 72 837 939 56 1 65183 84 205 70 848 166195 326 5« 677 780 1 67152 524 41[1000] 556 690 99 893 0 69 1 6 8 285 354[1000] 72 521 83 877 169163 372 440 552 661 818 179025 53 102 26[ 8000] 643 633 950 67 97 1 7 1 052 80 116 531 625 360[ 3000] 85 172255[3000] 626[30001 901 89 1 7 3039 92 268 l«««] 310[500] 174209[lOOOi 329 78[1000] 88 631 55 1 7 5482 504 72 720 62 838[lOOOf 51[8000] 925 1 7 6079 210 69 499 511 29 761 997 81 17 7056 93 146 4 9 209 315 421[500] 98 566 657 97 747 806[3000] 17 8 283 380 568 752 904 1 79 011[1000] 21 [500] 826 438 698 180114 397 412 789 1 81189 237[30000] 393 583 857 1 82109 399 404 61 504[lOOOl 18 3 319 58 654 854i 184 271 355 495 570 076 023 1 85043 69 172[500] 233 [500] 60 86 843 73 1 8 6 224 428 51[1000] 670 730 87» 187021[500] 123 357 96[3060] 97 462 703 92 1 8 8031 224 92 382 499 593[500] 686 1 89193 211 13 75 325 715 94[500] 814 85 952> 190601 451 686 602 737 981 19 1 047 210 SIT 60 407 12 622 40 960 76 1 9 2008 217 79 340[1000] 423 [3000] 664[600] 68 953 1 9 3 023 372 488 562[3000] 705 930 1 9 4059 7 3 325 4 6 464 537 710 7 3 925 1 9 5 389 924 [500] 72 1 9 6 063 622[500] 19 7390 486[600] 001 61 765[3000] 850 1 9 8059 252 505 42 639[500] 906 199055 71 192 220 325 498 200431 580 663 804 70 934 61 20 1 295 378 48« 728 2 O2011[1000] 209[1000] 75 506 12 862 2 0 301» 65 484[500] 629 2 0 4987 220 341 444 692 770 855 63 974 2 0 5014 74 620[lOOOO] 803 2O 6020 118 381 473 [1000] 604 6 810 914 2 0 7027[3000] 467[1000] 586 856 2 08 300 412 668 209903 25 630 829 935 64 2 1 0331 631 623 211058 105 92 244 72 359«1« 89 682 839 2 1 2075 420 749 2 1 3238 42 646 7« 718 818 98 954 2 1 4022 31 498 551 784 813 963 2 1 5051 95 103 379 479 531 692 2 1 6105 664 884 2 1 7064 682 218120 200[3000] 307 443 622 736 4S 813 38 79 210317 454 893 21 60 2 2 0039 08 250 67 447 83 90 682 980 2 2 1 040«2 9« 257 93[1000] 318 489 98 045 66 925 2 2 2 746 2 2 3028 4i 383[1000] 451 859 969 224089 136 451[500] 553 96 780 808[500] 85 225135 543[500] 75 614 30 2 2 6 218 33 338 402 788 866 969 2 2 7044 100[500] 577 636 67 74» 987 2 2 8391 871 903 00 2 2 9010 36 62 304 482 563 2 3 0158 835 4 2 99 481 533 635 819[590] 61[1000] 961 231292 321[lOCO] 715 18 74 88 809 943 2 3 2256 307 547«63 909 2 3 3 231 6.3 74 430 678 670 769[1000) 919 63 2 3 4082 484 536 706[1000] 824 67 58 997 2 3 505« 92 12« 6« 284 889 442[3090] 91 609 641[1000] 90 756 871 969 2 3 6 230[3000/ 56 587«99 821 922 37 91 23 7040 104 385 433 596 327[500] 922 2 3 8089 389 509 643 732[3000] 38 52 805 60 921 64 2 3 9 222 88 413 57 717 00 819 2 4 0061 86 458 680 6600 2 4 1 244 86 97 93 371 600 2 42152 276 425 762 7 8 876 86 977 2 4 3156 7 9 48« 623 719 819 28 57 2 4 4206 318 428 524 41 954 2 4 5110 283 499 528 79 91 988 2 4 6122[1000] 899 623 60 891 833 963[3000] 24711« 76 213[ 6001 607 72 759 2 4 8192[500} 228 35 642 653[3000] 249377 443 647 25O004 68 175 94 Sil 68 77 685 798 839 2 5 1 37» 714 78[500] 252058(5001 71 147 371 616 837 2 53116 42 252 329[500] 80 70 459 568 732 871 950 2 5 4030 334 600 883 2 5 5030 122 610 25 91 745 2 5 6021 587 817 55 69 2 5 7001 493 631 707 2 5 8104 204 321[500] 63 57» 621 62 904 60 61 2 5 9163 478 584 845 916[1000] 62 26 0595 709 14[500] 23 81« 53 919 2 6 1 291 S9 873 795 2 6 2021 106 213[SOOOl 554 614 737[500] 98 851 2 6 3062 283 803 12 480 952 2 6 4033 34[500] 171 533 87 674 992 2 6 5088 124 212!1»78 888 2 6 6096[1000] 134 296 322(lOOOl 460 560[500]«95 935[500] 69 61 267400 80 600 733 268503 950 269505 11 670[40000] 73[500] 270971[3000] 16« 81 256 323 575[1000] 655 734 326 271420 637 969 2 7 2 296 554 831 912 2 7 3068 201 569 824 932 2 7 4017[500] 68 458 526 604 9 953 275014 79 150 261 321 448 583 03 702 87 891[1000] 276072 11» 219 414 572 815 2 7 7130 309 926 2 7 8052[500] 110 470 695 2 7 9000 213 650 718 96 280321 90 440 823 2 81130 289 98 415 87»71 91 812 7 2 967 2 8 2 247 333 49 65[lOOnl»57 44»12 25 41 971 2 8 3088 344 46 4 7 484 612 2 8 4087 247 566 600 55 829 2 8 5 347 463 568 619 77[500] 713 902 286200 2 24 40 322 698 700 65 890 934 2 8 7100 433 888 2 8 8023 62 105 CS 276 460 610 33 75 774 802[609] 28[5001 033 [500] 97 289011 363 61«[500] 76 726 69 877 979 83 29O025 37 237 304 80 509 86 769 2 91162 93 20« 378 531 982 2 9 2 086 255 403 893[500] 293059 129 394 428 718 27 31 979[1000] 93 294l>50 440 752 75 80» 44 2 9 5265 424 518 610 879 915 2 9 6101 827 56 75 7t 88 542 65 93 680 891 905 2 9 7107 51 58[3000] 213 55» 622 73 774 814[ 500] 944 2 9 8265 482 675 2 9 9315 80 505 611 705 810 908[500] 3 00177 354 422[ 3000] 906 50 74 3O1078 207 1» 30248« 677[3000] 049 3 0 3051 347[3000] 55 512 [10000] 99 801 13 Im Gcwinnradn verblieben: 1 Prämie»u 300 000 W, I Gewinn m 200000, 1 zu 70000, I tu 60000, 8 zu SOOOO, 6 tu 15000, 21 zu 10000,£9 ZU 5000, 607 zu 3000, 1012 zu 1000. 1620 zu 500_ 19. Zielninc: 5. KI. 222. Kgl. Preuss. Lotterie Ziehung vom SO. Mal, naebmiltags. Kur die Gewinne Uber 240 Mark sind den betrekfen. den Nummern in Klammern beigefügt. (Ohne Gewähr.)(Nachdruck verholen.» 210 442 85 510 750 90 919[500] 1570[1000] 764 824 £02 22 51 60[1000] 2042 1500) 145 47 49 233 3066 319 <71 555 628 45[1000] 875 944 76 4172 393 509 693 754 73 907 52 5504 610[1000] 6001 211[500] 76 410[500] 65 501 «75 795 7075 76[3000] 99 106 57[SOOOl 563[ 500] 692 731 47[500] 921 45 8052 208»4 833 433 766 9146 206 12[1000] 616 709 36 83 10192 365 70 514 85 638 720 851[500] 974 11222 73 «04 79 936 1 2086 189 385 655 849 915 1 3100 12 525 774 05 951 14075 195 219 53« 919 1S012(1000] 137 70 443 1500] 505 924 1 6126 896 666 709 44 989 1 7091[500] 102 SOS 22 1500] 679»9 755[ 3000] 844 59 913 54[1000] 18002 43 795 1 9099 510 675 2O078 05 622 893[1006] 21129(500] 22 7 68 525 87 »04 833 2 2056 81 325 615 827 70 2 3 223 334 36 656 67 893 24294 7 7 452 001 707 2 5043 45 339 593 626 807 939 92 26031 141 68[500] 75 438 554 630 54 951 2 7394 99 435 755 853 2 8182 220[3000] 339 59« 696 810 935 42 87 29127 25» 65 429 748 30193 349 407 529«75 76« 9«[500] 865 31317 460 563 86[1000] 3 2216 88 338 40 539 59[500] 80 939[3000] 33299[500] 314 19 33 678 940 90[ 3000] 34151 306[1000] «4« 733 895 3 5 478 681 879 81[3000] 89 3 6051 217 623 34 48 611 37153 224 436 63 621 992 3 8693 701 31 823 829[3000] 39378«03 29[1000] 695 40078 120 242 371 506 633 53 8 4 806 20 75 41116 240 327 453[500] 787 93 4 2630[500] 65 821[3000] 43151 217 436«42[500] 72 2 913 4 4212 316 53 63 451 52 918 79 4 5202 430«41[500] 917 4 6046 170 96 640 91 979 89 4 7084 513 749 891 48167 206 497 561 607[500] [500] 942 72 77 780 827 971 49110 44 72 263 i 317 496 582 98 600[500] 50011 197 249 557 907 65 5 1 025[500] 178 204 818 77 471 664 88[500] 677 80[500] 892 933 5 2019 222 434 63[500] 90 915 5 3180 86 300 454 689 611 87 987 5 4074 386 636 806 5 5029 139[1000] 223 336 432 515 891 5 6035 103 75 82 243 304 423 69 803 41 5 7056[500] 90 475 94 720 872 5 8227 652 064 5 9107 70 651 80[10090] 60022 58 240[ 3000]»83 561[3000] 610 45 6« 741 6 1 270 66 516 70 657 733 47 921[500] 46 62125 353 424 32 557 85 705 933 6 3012 184 218 30 344 43 9 4 587 973 SO 64130 41 500 671 712 37 81[3000] 65011 175[500] 289 653 643 98[500] 861 68027 71 262 720 6 7236 463 95 97 507 748 913 6 8223 54[500] 331 826[1000] 955 6 9 013 89 120 331 50 60 415 53 70087 223 302 24 58 613 57 750 79 862 957 85 7 1 011 66 155 02 218 56 549 849 97 988 72111 618 52 754 73133 209[ 3000] 71 417 619 727 911 74007 42 65 148 505 69 653 710 7 5128 78[500] 369 458 726 893 76183 33 1 497 511 849 960 7 7158 209 12 317 8 3 479[3000] 538 77«6« 67 710 987 7 8 792 959 7 9 021[1000] 180 365 413[1000] 553 713 4 0 825 80 975 35[ 500] 80105 266 589 99[ 500] 619 740 81115 72[1000] 94 (1000] 280 502 713 8 2031 67 73 136 689 731 807 8 3 327 SO ilOOO] 442 718 51 90 96 871 920 90 84109 292 314 631 23« 307[3000] 87 962 8 5 449 758 8 6251 419 37 519 633 975 87150 235 339 8-3 98 8 8 034 123 37 60 294 686 922 8 0133 IlOOO) 74 213 511 770[8000] 876 9O05S 340 827 9 1 210 12 41« 91 92651[500] 58 £08 55 772 98 832 9 3148 83 411 62 60«19 36[3000] 83 975 94071 111 518[1000] 73« 9 5 033 533 713 827 9 6358 «4« 969 9 7060 417 62[1000] 740 846[5000] 9 8 043 155 78 357«80 901 9 9032 202 74 581[500] 774 823 1OO110 36[1000] 908 XO1044 163 274 347 504 88« 102965 195 238 332 4�3 723[1000] 908 11 203215 18 «03 58 514 44 55 640[1000] 780 960 89»9 104013 44 61 176 569 650 811 105149 453 91 670 81 94 873 10 6056 78 93 128 335 77 80 395 440 570 670 900 1 07 204 302 60 665 1 08919 143 505 4 9 575 680[1000] 72! 42 627 97« 109 190 625[1000] 853 956 1 10128 244 494[500]«22 753 111034 361 422 611 20 851[500] 88 91 112039 316 403 57 113027 331 631 699 757[500] 979 114181 284 416 22[500] 722 »6 664 115372 457 532 41 608 727 53[500] 883 116024 191 854 89 969 117078 133 250 653[500] 735 R05 118017 [1000] 377 474»58 794[500] 815 965 74 119051 783 988 120315[500] 623 7 4 928 1 21143 585 751 950 122 537 1 2 3 043 70 160 293 859 497 623[10001 27 60 229 932 124061 139[500] 66 410 682 788 1 25104 85 '«73 787 833 922«1 12 6 473 681 45 708 28 1 27 024 50« « 23 51 65 619 978[500] 128123 65 325 694 777[1009] 29 809 1 29132-45 368 610 13O024 152»16 317 86 68 705 7,«28 69 1 3 1 051 174 232 323 463 542 844 714 908 1 3216« 263 511 630 733 993[599] 133013 104[500] 39 229[1000] 802 5 463 92 1 34119 32[1000] 63 290 463 73 83 94 582 650 135130 263 317 40 472 771 79 900 1 36151 217 337 137134 354 89 1 3 8 070 77 451 601 61 81 13 9019 40 301 61 567 06 877 14O106 412 32 669 95 739 853 92 t 96 1 41125 57 372 89 327 428 784 1 42092 289 301 54 543 775 843 71 948 1 4 3 207 349[1000] 729 34 38 075 1 4 4 200 346 8« 576 613[5001 801 11 83 90[lOOOl 14 5073 80 179 290 [3000] 772 146081 212 27 397[ 500] 473 79 519 601 908 1 47 174 237 380 99[3000] 403 97[3000]«4» 748 51 043 48[1000] 14 8039 199 350 04 547 644 779£13 50 913 i» 14025» 833 lr,00) 41»£5 94 748 15 0 093 218 67 670 818[1000] 15123« 93, 81 579 679 8»0 1Ö3003 16»« 79 938«69 639 60 4 903 153999 S5001 202 830 462 667 743 1 6 4021 168 506 619 49 91» 500] 93 155843 166012 390»04 18 44 89 838 91 971 15 7049 251[lOOO] 426 67[»00] 600 1 15 8035 37» 669 781 150131 367 470 506[1000] 890 953 160003 ISO 731 805 71 161135 220 449 58 653 868 965 1 6 2000 93 127 814 26 742 910[1000] 163051 592 600 1 64049 51 577 98 604 19 730 931 72 73 1 6512» 797 1 66083 182 306 33[1000] 424 555 607 12 714 800 [500] 167138£07 887 931 16 8 015 52 161 84-86 861 462 79 522 67 603 57 891 16 9 000 34[3000] 331«2» 606 87 170110 57 81 206 310 404 574 611 71»84«08 2» 17 1 241 364 425 759 894 971 17 2013 55 78 119 52««T 473 84 862 173178 287[3000] 717 CO 86 85 950 1 7�!90 255 330 59 425 90 634 52 998 1 75127 65 464 551 60 010 941 17 6015 22 3« 246 98 SOS 441 OS 646 849 1 77 07« 115 250 401 44 626[5001 39 829[3000] 922 178066 28* [1000] 738 903 12 33 1 79117 44 0« 70 327 72 6J8 35 5» 6X0 15 180107 446 582 7»«10 181100[500] 26 68»« 373 528 71 81[500] 643 734 42 967 1 82056»7» 95 42» 695 48 745 877 973 1 8 3093 86 129 274 405 27 568[509] 912 1 8 4049 10« 333 75 411[1000 j 539 622 945 1 85155 262 434[ 500] 572 763 902[8000] 75 1 86-63 303 81« 18720« 46 362 954 188021 22 108 158 991 189013 ISO 65.8 65 79 19007« 253 369 600 757 820 1 9 1 058 447 64 653 714 15 842 81 192105 264 417 33 535 607 959 86 1 9 3 08» 294 300[3000] 04 00 404 69 620»7 806 991 19401» 309 49 471 617[3000] 707 0» 814 909[lOOO] 195018 8« 127 71 252 405[500] 78[5600] 85 702[500] 39 41 67. 833 983 98 1 96147[500] 227 391 655 8»9«11[5001 10 7010 263 65 682 644 46 9V[3000] 796 899 902 1 9814» [500] 08[1000] 310[000] 725 7ß«54 1 9 0094 246 82 44a 57 639 2OO106 32 210 343 6« 697«07 99 20113» 35» 447 510 759 817( 500) 73«1 2 0 2114 276 346«37 4t 569 893 203944 80 166 232 309[8000] 449«58 13000} 814 204115 81[500] 447 550 774 844 78 2 0 5077 242 304 535 74[1000] 735 62 7« 2 0 6018 165 857 064 603 [500] 37[1009t 809 51 962 2 07142 221[1000] 019 891 2O8024[500] 290 781 209002 DI 120 39 2l0 64 36t 600 715 2 1 0009 13 254 410 663 611 83[5001 789[8000] 92 211235 367 448 77 6 7 99 953 63 2 1 2901[SOOo] 67 87 315 32[500] 449 2 1 3299 674 786[500] 850 50 2 1 4155 242 83 747 2 1 5158 271 396 500 901 61 2 1 601O 36 98 238 349 760[1000] 937 2 1 7013 95 195 Z86 561 ifLf,75.�300?1 y3 20 218191 632 602 2 1 9005 59 SaO 11000] 351[500]-100 795 822 2 2 0090 240 306[500] 458 544 739 887 2 2 1 622 70 Ii Jl ni«222"00 Ndiwl 43 260 SSO 508 75« C4 843 «1 961 2 2 3 676 2 2 4 468 554 93 038 61 2 2 5023 104 96 öörv 3"IM>0I 5,8 635 79 072 2 2 6355 525 26 745 851 oqo- 317 473 727 9<0 22805» 91 566 400 99» 2«9li0 450 500 81 90 640 870 902 12 .. 2 3 0524 692 787 231135 6« 212[1000] 555[5001 96 -08 232175 251 509[1000)«26 78[ 500] 881 23347» 599 678 74» 922 234004 30 196 239 47 377'431 520 66» 74 830 990[5091 2 3 5053 58 134 54 378 519«86 778 827 46[ 590] 945 2 3 6 792 006[500] 237017 170 82 S10 411 79 91 892 2 3 8152 53 319 655 72 2 3 9367 160[XCOOl 509 43 91 765 IlOOOl 893 24 0053 225[500] 049 2 4 1 043 107«6» 242,I9 [500] 22 98 254 1 10-10] 044 733 917 26 243066 45, 017 4« 244564[ 5000] 9t 653 62 95 793 842[500] 50 2w5016 71[500] 224 53[3000] 464[1000] 93 565[5001 615 20 743 2 4 6191 303 43 754. 67 919 2 47190 1, [10091 51 259 314 52 552 754 876 2 4 8018 162 316 53» 691 609[600] 2 49150 242 425[500] 609 7ZZ 2 5 0293 567 645 83 2 5 1 284 480 086 864 kl 000] 2 5 2022 260 855 426 623 2 53170 302 417 PI« ei« [500] 87 2 5 4330 550 644 79- 2 5 513« 501 79«20 256079 47 90 186 517 660 778[600] 823 910 2 5 7301 668 701 2 5 8033 257 869 505 11 60 935 41 833 2 5 9130 7, 67 303 414 511[1000] 42[1000] 88 706 2SO078 558 758 2 6 1 966[500] 224«12 16001„ 737 2 6 2075 103 488 99 083 9 7 2 6 3310(3000] 601 41 778 264975 109 251 391 499 634 02 796 2 6517» 2'« [3000] 4-3 770 811[500] 936[1000] 266000 343'Öl 557 93 637 77» 2 6 7009 336 559[Äl] 8?. 268 1�0 95 239 45[1000] 300 31[500] 69 532 2 6 9007 36 167 78 33« [3000] 520 609 Ii 887«OWÜO» 36 167. 8 330 270383 434 517 711 271188 365«8 400 94» 272093 838274U8»7? 273054 71«[500] 60 83 tl4875 923 2 7R-vi" f98 7,1 84 275160-53 57 383 «A,...! ooV6 90 585««[»«Ol ... SfaaVSi l"7, w- 813 2 82 027 353 410 34 503 99«18?,? oo r-8'1, M1[1000] 284205[lOOO] 42 1 621 733 A«1 958 42 196 012 87'ff 893 286:90 763 794 303 988"8 832 288422 839 289013[loooj M s???0??,85 154 951 73 rs000l 87 859 291088 116 fsnol 9 997 2 9 2183 355 433 648[500] 62 973 ?z(.,A? 9 153, 3,8 493 687 821 951 294O0S 99 114 05 1�1 41 64 fl000I 412 lldOO] 994 205-57 441 jn» loSlPr1 9'7. 296015 41 58 59 112 26 45-50 5'8 662 ■J1000!,87 891 708 842 2 9 8118 611«02 76 299oU 364«14 6 1 85[3000] 703«53[lOOO] 063«WO« ..-..dOOlll 40 81[SOOO] 850 60 74 450 79 JM«1 301-»» 303X07 5X6 H SM» � 302"S"°«4 898 QtmtesstJiäd SifißJtm; gm thisr, Berlin, gür K« gnlergtenteil verantw.': TH. Glocke. Berlin. Druck».B«lsg:SerwSkttv»Sdl>ickkiu llr BerlggSsnMt Kgill Eilig«« To* Bsii» SM 8,. 124. N Z. Keiltze des„Usmarts" Kerliner Partei- Hncfelegenbeitem Fünfter Wahlkreis. Heute Dienstag, den 31. Mai, 8'/z Uhr abends, findet in den Unian-Festsälen, Greifs- walder Straße 222, eine kombinierte Sitzung aller Bezirke der ersten Abteilung statt. Neben einem Vortrage des Genossen Stadtv. Karl Leid über„Fürsorgeerziehung" stehen noch lvichtige Vereins- und-AbteilungSangelegenheitcn auf der Tagesordnung, welche daS Erscheinen aller Genossen und Genossinnen bedingen. Der AbteilungSführer. Charlottenburg. Heute abend 8 Uhr. im„Volkshause", Rosinenstraße 3, öffentliche Versammlung. Genossin Rosa Luxemburg spricht über:„Der Wahlrcchtskamps". Agitiere jeder für zahlreichen Besuch(besonders der Frauen). Der Vorstand. Schöneberg. Die Mitgliederversammlung des Sozialdemo- kratischen WahlvercinS findet heute Dienstag, abends 8>/z Uhr, in den„Neuen Rathanssälen", Meininger Straße 8, statt. Die Genossin Luise Zietz hält einen Vortrag über:„Die Gelvinnnng der Frauen für den politischen Kampf eine Notwendigleir". Zu diesem Vortrage sind ganz besonders die Frauen eingeladen. Wilmersdorf. Die Monatsversammlung des Wahlvereins findet heute abend 8l/2 Uhr im Gesellschaftshause, Wilhelms- aue 112, statt. Rcichstagsabgeordncter Emil Eichhorn hält einen Vortrag:„Erinnerungen aus der Zeit des Sozialisten- g e s e tz e s". Steglitz. Heute Dientsag, 8V2 Uhr: Mitgliederversammlung bei Schellhase. Auf der Tagesordnung steht ein Vortrag des Genossen Piek über„Unsere Taktik" und Ergänzungswahlen zum Borstand. Groß-Lichtcrfcldc. Heute Dienstag, abends 8V2 Uhr, bei Richter, Chausscestraße 104: Mitgliederversammlung des WahlvereinS. TageS- ordnung: Vortrag des Genossen E r u n w a I d über„Industrie und Landwirtschaft"; Abrechnungen; Vereinsangelegenhciten. Der Vorstand. Treptow-Baumschulenweg. Heute Dienstag, abends 8>/z Uhr, findet für den Ortsteil Bauinschulenweg die Mitgliederversammlung bei Speer, Baumschulenstr. 78, statt. Tagesordnung: 1. Vortrag: „Der Massenstreik". 2. Stellungnahme zur Vorstandswahl. Der Vorstand. Biesdorf. Heute Dienstag, den 31. Mai, abends 8 Uhr: Zahl- abend bei Gustav Berlin, Marzahner Straße. Bericht des Genossen Müller über die letzten Vorgänge in der Gemeindevertretersitzung. Die Bezirksleitung. Rieder-Schönhausen— Nordend. Heute Dienstag, den 31. Mai, abend« 8'/g Uhr, findet im„Lindengarten", Lindenstraße 43, die Mitgliederversammlung des Wahlverei'ns statt. Tagesordnung: 1. Vortrag über:„Unsere Freiheitsdichter", mit anschließenden Rezitationen. Referent Genosse D a v i d s 0 h n. 2. Wahl eines JugendausschusseS. 3. Vereinsangelegenheiten. 4. Verschiedenes. , Die Bezirksleitung. Franz.-Buchhholz. Am Mittwoch, den 1. Funi, abends 3'/, Uhr. findet bei Kähme, Berliner Str. 39, eine öffentliche Volksversammlung statt, in der RcichStagsabgeordneter Genosse Stadthagen über „Zum Kamps des Volkes um Freiheit und Recht" sprechen wird. Aller Genossen und Genossinnen Pflicht ist eS, für guten Besuch der Versammlung Sorge zu tragen. Spandau. Heute abend 8 Uhr findet bei Bohle, Havelstr. 29, eine öffentliche Versammlung statt. Tagesordnung: 1. Die Be- Handlung der Steuerzahler durch die Stadt. Referent: Gen. Gent- Berlin. 2. Bericht über den 7. Ausschuß. Referent: Stadtverordneter Wilhelm Pieper. 3. Diskussion. Die Genossen werden ersucht, für guten Besuch der Versammlung zu agitieren. berliner JSacbricbten* Die Einführung einer LustbarkeitSsteiicr für Berlin ist in greifbare Nähe gerückt. Zwar wurde die Erhebung einer solchen Steuer im Jahre 1908 schon einmal vom Magistrat vor- geschlagen, damals aber von der Stadtverordnetenversammlung ab- gelehnr. Die gegenwärtige Finanzmisere glaubt aber der Magistrat benutzen zu sollen zur Wiedereinbrmgung der 1908 abgelehnten Vor- läge. Er glaubt, daß die Stadtverordnetenversammlung der Er- Hebung einer Steuer auf Lustbarkeiten jetzt geneigter sei und bezieht sich auf zusttmmende Acußerungen von Mitgliedern der Stadt- verordnetenversamnrlung gelegentlich der Etatsberatung in diesem Jahre. Nach der vom Magistrat Berlin beschlossenen Lustbarkeitssteuer- Ordnung unterliegen der Steuer: Theatervorstellungen, deklama- torische Lorlesungen, Rezitationen und andere Vorträge, Konzerte, Zirkusvorstellungen, Spezialitäten- und Variötsvorstellungen, dekla- motorische. Gesangs- und sonstige musikalische Darbietungen,_ kine- matographische Vorstellungen, Schaustellungen von Personen, Tieren und ähnliche Darbietungen; ferner: Tanzbelustigungen, Maskenbälle, Redouten, Wettrennen, Wettfahren, Kostüm- feste und Bazare sowie Panoramen und Ausstellungen jeder Art. Auch die von Vereinen, Korporationen, geschlossenen Gesellschaften veranstalteten Lustbarkeiten unterliegen der Steuer. Steuerfrei sollen bleiben: Unentgeltliche Veranstaltungen, die ausschließlich wissenschaftlichen oder belehrenden Zwecken dienen, Veranstaltungen, die von Schülern hiesiger UnterrichtSanstalten oder hauptsächlich für solche Schüler dargeboten werden; ferner Veranstaltungen zu wohltätigen oder gemeinnützigen Zwecken, wenn der Nachweis erbracht wird, daß der gesamte Reinertrag zu dem angegebenen Zwecke verwendet wird. Außerdem geschlossene Tanzunterrichtsstunden; jedoch müssen die Tanz- lehrcr die einzelnen Tanzstundenzirkel vor Beginn unter Angabe der Zeit und des Orteö bei der Steuerbehörde anmelden: andernfalls sind diese Beraiistaltungen wie Tanzunterhaltungen abgabepflichtig. Die Besteuerung soll in der Form der Karten st euer erfolgen, wenn Eintrittskarten usw. verkauft werden, andernfalls als Pauschal st euer. Die Karteusteuer soll beginnen mit fünf Pfennig für Billetts von 25—50 Pf., steigend um je 5 Pf. für 6 0 P f. bis auf 30 Pf. für Billetts von 3 M. und steigend um 10 Pf- für jede weitere angefangene Mark. Auf den Eintrittskarten mutz der Preis und der Betrag der Steuer angegeben fein. Die Pauschalsteuer beträgt für Tanzbelustigungen 3 M., wenn die Räume 100 Ouadratineter Grundfläche umfassen, 41/a M. bei 200 Ouadratineter, 6 M. bei 300 Quadratmeter, steigend um 2 M. für jede weitere 100 Quadrat- meter. Für Tanzbelustigungen über 12 Uhr nachts sollen doppelte Sätze erhoben werden. Kinematographen sollen mit 3 M. besteuert werde,, bei SO und weniger Plätzen, 6 M. bei 100 Plätzen und 10 M. bei mehr als 100 Plätzen usw. für jeden V 0 r st e l l u n g s t a g. Kabaretts sollen 30 M. pro Abend zahlen. Für Konzerte sollen 2 M. in Räumen(geschlossenes bis 100 Quadrat- meter Grundfläche entrichtet werden, bis 200 Quadratmeter 3 M. und für jede weiteren 100 Quadratmeter 1 M. mehr: ferner in Gartenlokale» usw. 2 M. für 500 Quadratmeter, 4 M. bei mehr als 1000 Quadratmeter, für je 500 Quadratmeter 2 M. mehr, für alle sonstigen steuerpflichtigen Lustbarkeiten sind 4 M. zu zahlen sofern Räume von 100 Quadratmetern Grundfläche in Betracht kommen. 8 M. bei 200 Quadratmeter und 12 M. bei 300 Quadratmeter und t für jede 100 Quadratmeter 4 M. mehr. Für Vcraustaltungen die J über 11 Uhr nachts sich ausdehnen, sollen doppelle Sätze gelten. '.1 Die Einführung einer LuslbarkeitSsteuer für Berlin wird vor allen Dingen die Gewerbetreibenden stark belasten, die ihrerseits wiederum versuchen werden, die Steuer auf da« Publikum abzuwälzen. Die Besteuerung von Theatern und Konzerten ist eine kulturfeindliche Maßregel, die um so schlimmer wirkt, als die Stadt Berlin für derartige Zwecke keinerlei Aufwendungen macht im Gegensatz zu vielen anderen deutschen Städten. Der Magistrat rechnet auf eine Einnahme von 2 Millionen Mark. Nach der jetzigen Stimmung in der Stadtverordnetenversammlung dürfte diesmal mit hoher Wahrscheinlichkeit auf Annahme der Magistratsvorlage zu rechnen sein. Arbeiterentlassnngcn in der Parkverwaltung. Ueber umfang- reiche Entlassungen wird uns aus dem Revier Treptow berichtet. Hier wurden am 21.?Nai 24, am 28. Mai 18 Arbeiter entlassen. Für den kommenden Sonnabend sind weitere Entlassungen an- gekündigt. Da haben nun die Arbeiter den ganzen Winter hin- durch auf ihre Einstellung geloartet, und jetzt nach einigen Wochen liegen sie wieder auf dem Pflaster. Bei den Entlassungen soll sehr nach Willkür verfahren sein. So sind Arbeiter entlassen worden, die seit Jahren regelmäßig im Sommer beschäftigt werden, während kürzlich eingestellte Arbeiter in Arbeit blieben. Beson- deren Unwillen erregt es, daß Familienväter ihre Entlassung bc- kamen und die jungen Leute von 17 bis 20 Jahren weiterbeschäftigt werden. Es hat den Anschein, als ob die geringfügige Lohn- crhöhung, 15 Pfg. pro Tag für einen Teil der Arbeiter, durch Eni- lassungen wieder weit gemacht werden sollte. Arbeit dürfte doch jetzt in den Parks und Anlagen in Hülle und Fülle vorhanden sein. Die Entlastungen ohne Berücksichtigung des Dienstalters und der Familienverhältnisse inüssen als rigoros und willkürlich bezeichnet werden. Die Bewegungsfreiheit der Revicrlciter in dieser Hinsicht ist kein Vorteil für die Arbeiter. Vielleicht interessiert sich für diese Fragen der neue Gartendirektor, der ja im Gerüche eines sozialdenrendcn und empfindenden Mannes steht. Eine Beschwerde über das Freibad Wannsce hat die Vereinigung Märkischer Natnrbadeanstaltcn an den Amtsvorsteher von Grunewald- Forst, Oberförster Hillenkamp in Zehlendorf, gerichtet. Es wird darin gerügt, daß die für das Freibad erlassenen Vorschriften nicht innegehalten werde». Nichtbadenden werde bcstimmungKwidrig der Zutritt zum Freibad gestattet, und bekleideteu Personen werde»ichl untersagt, innerhalb des FrcibadrayonS zu lustwandeln und im Saude zu ruheit. Der Forstiueister wird gebeten, für die Durch- führung der Vorschriften Sorge zu tragen. Absperrungen wegen der Parade. Der Polizeipräsident erläßt folgende Bekanntmachung: Aus Anlaß der am 1. Juni d. I. vor- mittags 8 Uhr auf dem Tempelhofer Felde stattfindenden Parade wird die Tempelhofer Chaussee von etwa 7 Uhr an bis zur Be- endigung der Parade für jeden Verkehr gesperrt. Die Belle-Alliance- straße und die Lichterfeldcr Straße dürfen von Lastwagen während der Zeit vom Ausrücken der Truppen bis nach deren Einmarsch in die Stadt nicht befahren werden. Nur den mit Passierscheinen versehenen Personenwagen ist das Befahren der Belle-Alliance- straße bis zum Stcuerhause gestattet. Alle übrigen Personenwagen haben bei der Kreuzbergstraße in die Lichterfelder Straße einzu- biegen und durch diese auf das Tempelhofer Feld westlich der Chaussee zu fahren. Der Betrieb der Straßenbahnlinien wird auf der Tempelhofer Chaussee und den aus Berlin nach dem Tempel- hofer Felde führenden Straßen mit dem Beginn des Ausmarschcs der Truppen(etwa von 6 Uhr ab) bis zur Aufhebung der Absperrung abgelenkt, eingeschränkt oder ganz eingestellt. Der Be- trieb der Omnibuslinien wird erst mit dem Beginn des Einmarsches der Truppen eingeschränkt oder abgelenkt. Der Direktor der Städtischen Taubstnmmcnschulr, Herr Schulrat Albert Gutzmann, ist am 27. Mai in Tcupitz gestorben. G. hat sich auf dem Gebiete der Taubstummenbildunz und Sprachheilpflege große Verdienste erworben. Ein bedauerlicher Vorfall ereignete sich Sonntagmittag gegen 12 Uhr in dem dem städtischen Arbeitshause zu Rummclsburg an- geschlossenen Hospital. In einem Anfalle von Schwermut stürzte sich der lungenkranke 56 jährige Hospitalit Paulus aus einem Klosettfcnster der dritten Etage des Lazarettpavillons, trotzdem sogleich ärztliche Hilfe zur Stelle>oar, starb der Unglückliche bereits nach drei Stunden. Ein beinahe jahrelanges Krankenlager und die Aussicht, von seinem Lungenleiden doch nicht geheilt zu werden, mögen das Motiv zu der Tat des Unglücklichen gewesen sein. Schon vor geraumer Zeit hat er anderen Kranken gegenüber Selbstmord- gedanken geäußert. Die Berliner Innungen fühlen sich sehr geehrt. Bei der gestern stattgefundenen Einweihung des Handwerkerhauses der Berliner Handwerkskammer hat der anwesende Kronprinz aus das Wohl der Berliner Jnnimgcn getrunken und sie hoch leben lassen. Lieb' Vaterland, kannst ruhig sein! Wiederum ein ErprcssungSopfcr auf Grund des§ 175. Wie bereits mitgeteilt, hat sich vor einigen Tagen der Student Werner Hilbert im Freibad Wannsee mit Zyankali vergiftet und alsdann ertränkt. Wie uns mitgeteilt wird, studierte der 22jährige junge Man», der zu den besten Hoffmingen berechtigte, Philologie und Philosophie an der Universität Jena. Dort soll er eine hoino- sexuelle Handlung begangeil und von einem Kellner überrascht worden sein. Der Kellner hat infolgedessen längere Zeit Erpressungen gegen den jungen Mann ausgeüb!. Der Student hat dem Kellner den Bettag seines ganzen Monatswcchsels und fast alle Wert- fachen geopfert. Es blieb ihm nur»och ein kleiner Betrag übrig, so daß er in der Lage war,»acki Berlin zu fahren und sich hier bei guten Freunden Rat zu holen. Diese boten alles auf, um den jungen Mann, der dicht vor dem Doktorexamen stand, von dem Selbstmord, den er ankündigte, abzuhalten. Die Freunds, ehemalige Schul- kameraden und Landsleute, erklärten sich auch bereit, ih,, mit dem Vater, einem höheren Beamten in Nemicheid, auszusöhnen und ihn mit Geld zu uiiterstützen. Der junge Mann lehnte jedoch die Geld- Unterstützung mit dem Bemerken ab, daß seine vorhandenen Geld- mittel noch für einige Tage ausreichten. Bereits nach zwei Tagen erfuhren seine Freunde, daß der junge Mann seine Absicht, sich das Leben zu nehmen, ausgeführt hatte. Ob er sich vorher mit dem Vater in Verbindung gesetzt hat, konnte bisher nicht festgestellt werden. Chinesischer Besuch weilt zur Zeit in Berlin. Der Prinz Tsei Tao»nd die Mitglieder der chinesischen militärischen Studien- iommission wollen das deutsche Heerwesen studieren. Anfang dieses Jahres halte ein Bruder des Prinzen Tsai Hsun die Einrichtungen der deutsche» Marine studiert. Der Magistrat hat einer Polizeiverordnung zugestimmt, nach der der städtische Vichmarkt vom 1. Juni ab schon um 12� Uhr geschlossen wird. In der lcbtcn Sitzung der Park-Tcputation wurde u. a. von mehreren Mitgliedern der Deputation die R a u p e n p l a g e im Tiergarten zur Sprache gebrach:. Da die jungen Raupen so leicht sind, daß sie durch den Wind' auf benachbarte städtische Au- lagen, die sonst von dem RlAipensraß völlig frcigebliebcn sind, ver- weht werden könne», soll zur Abwehr dieses Schadens eine Vor- stellung an die Königliche Tiergartcnvcrwaltung gerichtet werden. In der Gitschincr Straße, dem Schmerzenskind der Park- Deputation, finden die Bäume, die unter dem Hochbahnkörper MllOllllltl Jinutaj, 31. P«i 1910. stehen, infolge von Luft- und Lichtmangel schlechtes Fortkommen. Die Deputation beschloß daher, der Gitschiner Straße durch Be- rankung der Hochbahnpfeiler einen neuen gärtnerischen Schmuck zu verleihen. Die Anlegung des neuen Zentralschulgartens in Blankenfelde hat begonnen. Die Gartenanlage auf dem Fürft-Bülow-Platz ist fertiggestellt. Aus dem Waiinsre gelandet wurde Sonntag nachmittag in der Nähe des Freibades ein unbekannter Mann von etwa 25 bis 30 Jahren. Der Ertrunkene ist 1,70 Meter groß und bartlos, hat schwarzes Haar und trug einen dunklen Jackettanzug, mit braunen und grünlichen Streifen, schwarze Schnürschuhe. In seinem Porte- monnaie befand sich noch etwas Geld, darunter eine alte deutsche Münze aus dem Itz. Jahrhundert, italienische und ungarische Münzen. Außerdem fand man bei der Leiche Sattlerhandwerk- zeug. Ein entsetzlicher Unglücksfall trug sich ani Sonnabenabend in der Warschauerstraße zu. Der 30jährige, bei seinen Eltern in der Löwcstraße wohnende Gärtner Jäckel, versuchte an der Ecke der Rcvalerstraßc gegen 7 Uhr abends auf den Vorderperron eines in voller Fahrt befindlichen Straßenbahnwagens der städtischen Zu- bringerbahli, Hochbahnhof Warschaücrstraßc— Zentralviehhof, aufzuspringen. Er glitt vom Trittbrett ab und geriet unter das rechte Borderrad. Ter linke Arm wurde ihm vom Schulterblatt an glatt abgetrennt. Der Unglückliche wurde nach der nahen Unfallfiation in der Warschauerstraße geschafft, wo ihm ein Notverband an- gelegt wurde. Mitglieder der Sanitätskolonn« brachten ihn dann nach dem städtischen Krankenhause am Friedrichshain. Die Baukalnslrvphe in der Alexandrinenstraße hat bisher glück- licherweise kein weiteres Menschenleben gesordert. Der Zustand der Arbeiter Grützmacher, Stenzlcr. Fieseck und Mirzwa ist nach wie vor recht besorgniserregend. Die Verunglückten haben jetzt sämtlich das Bewußtsein wiedererlangt. Einem Strasscnschwindler ist in der Brunnenstraße ein�Knabe in die'Hände gefallen. Der Knabe sollte von dem Zkabatt-Sparverein Norden für 50 M. Sparmarken holen. Ein junger Bursche, der den Schein in seiner Hand sah. fragte ihn erst, ob er etwas verloren habe, und dann, ob er 60 Pf. geschenkt haben wolle. Er ging dann bis zur nächsten Querstraße mit ihm, gab ihm auch die 50 Pf., wickelte sie in Papier und steckte sie in die Tasche. Dann meinte er, es wäre gut, wenn er ihm auch den Geldschein einwickele. Der Junge ließ das geschehen und erhielt auch ein Paketchen zurück. Als aber der Bursche sich rasch entfernt hatte, sah er, daß der 50 Mark- Schein sich nicht darin befand. Der Bursche ist nach der Beschreibung, die der Knabe von ihm gibt, ctiva 16 Jahre alt. DaS Schicksal einer Näherin ruft in der Grünthalcr Straße all- gemeines Bedauern hervor. Die Näherin Berta Befcholowski. Grüiilhaler Straße 7, war auf ihrer Hände Arbeit angewiesen. In der letzten Zeit hatte sie aber so gut wie gar keine Austräge und obwohl sie unermüdlich wegen Arbeil ans den Beinen war, vermochte sie nicht so viel zu verdienen, um sich ernähren zu können. Die Acrmste mußte hungern. Da sie keine Aussicht hatte, daß sich ihre Lage bessern würde, so nahm sie sich in der Verzweiflung das Leben; sie vergiftete sich mit Leuchtgas. Mit einem Blumcntops arbeitete zuletzt die alte Ladendiebin Haupt, über die wir früher schon berichtet haben. Die 65 jährige Frau nahm irgendein Kind von der Straße in den Laden mit, ließ es dort umherlaufen. Wenn dann der Ladeninhaber oder der Vcr- käufer nach dem Kinde sah, griff auch sie ein und verstand es, dem Manne wie zufällig niit dem Blumentopf ins Gesicht zu fahren. Dadurch lenkte sie seine Aufmerksamkeit von den Waren ab und benutzte dann rasch die Gelegenheit, einzustecken, was ihr gerade zur Hand lag. Ein Juwelier in der Warschauer Straße, bei dem ihr der Kniff zuletzt gelungen war, erkannte die alte Sünderin aus dem Verbrecheralbum wieder. Als sie nun zur Vernehmung nach dem Polizeipräsidilirn bestellt wurde, wußte sie schon, um was es sich handelte, und brachte die gestohlene Kette gleich mit, um sich mildernde Umstände zu erwirken. Sportpark Treptow. Die Radrennen am Sonntag, den 29. Mai, hatten infolge des lmgünstigen, zweifelhaften Wetters unter schwachem Besuch zu leiden. Das Programm, das drei Dauerrennen aufwies, erfuhr indessen durch die Ungunst des Wetters eine Verkürzung und wurde nur das 50 Kilometer- und das Stundenrenneli ausgefahren. Der Verlauf des ersteren Rennens ergab einen leichten Sieg von Hugo Przyrembel vor dem Neuling Pawke und einem Veteranen der Treptower Bahn, Heiny. Während Pawke zeitweise achtbar fuhr' versagte Heiny vollständig und gab in der 75. Runde das aussichtslose Rennen aus.— Spannender und reicher an Zwischenfällen war der Verlauf des StuiidenrennenS. Hier standen sich Bnmi, Dcmke und Hermann Przyrembel gegenüber. Demke hatte die Führung und ging seinen Gegnern davon, kann aber bei dem guten Fahren der beide» anderen nicht viel Boden gewinnen und muß des öfteren Angriffe von Przyrembel abwehren. Auch Bruni wehrt sich gegen Demke und so geht daS Rennen bis zur 86. Runde. Demke hat Reisenschadcn nnd muß Przyrembel den Vortritt lassen, bis auch diesen ein Defekt zwingt, den Italiener vorbeizulassen. Während Demke durch nochmaligcil Radwechsel zurückfällt, benutzt Przyrembel eine Schwäche seines Gegners zum Vorstoß und siegt nun unange- fochten. Bruni muß dann auch noch Demke passieren lassen. Bis zum 30. Kilometer wurde das Neunen so scharf gefahren, daß neue Rekordzeiten geschaffen Ivurpen. Siesultate. 50 Kilometer- Rennen. 1. Hugo Przyrembel 46 Min. 08'/» Sek.; 2. Pawke. 2800 Meter; 3. Heiny, aufgegeben. S tu n d e n- R e n n e n. 1. Hermann P)r zyrembel 67,488 Kilometer; 2. Demke, 61,680 Kilometer; 3. Bruni, 63,300 Kilometer. Vorgabefabren. 1. Erxleben» 2. Kops, 3. Nikolcizig. Boin Chormeister Herrn Suchsdorf erhalten wir folgende Zu- schrift: In der Nr. 120 des„Vorwärts" vom 26. Mai d. I. finde ich in dem Bericht über die letzte Ausschutzsitzung des Arbeiterfänger- bundes den Passus:„Scharf gerügt wurde die Mitwirkung mehrerer Vereine unter Leitung des Herrn Suchsdorf bei einem Konzert in der Brauerei Friedrichshain, wobei eine Militärkapelle mitwirktc.- Der Passus in dieser Form könnte den Glauben erwecken, als hätte ich das Konzert arrangiert und dazu eine Militärkapelle engagiert. Im Gegenteil:?lin 13. April d. I. habe ich mir von dem Qckononi des Ausschanks die schriftliche Bescheinigung geben lassen, daß an diesem Tage»ureineZivilkapelle mitwirken dürfe. Dieses Schreiben ist auch in der Ausschußsitzung verlesen worden. Infolge der Anwesenheit der Militärkapelle am Konzertabend warca also die Vereine von ihrer Zusage entbunden; sie brauchten nicht auftreten, um so weniger, da sie überhaupt nicht auf dem Pro- gramm standen. Um aber den eingeladenen Gästen gerecht zu werden, wurden einige Lieder im Saal gesungen, während die Militärkapelle im Garten ohne Unterbrechung weiter konzertierte. £b dieses Verfahren eine scharfe Rüge verdiente, möge dahin. gestellt bleiben. Jedenfalls trifft die. Schuld an dem verfehlten Abend weder mich, noch die Vereine, sondern ganz allein den Wirt, welcher sein schriftlich gegebenes Wort gebrochen hat." Zeugen gesucht, die gesehen haben, wie Freitag, den 20. Mai. früh 6'/z Uhr. am Görlitzer Bahnhof ein Mann von einem Postauto totgefahren wurde. Mitteilungen werden an Liese. Schliemann- straße 9, erbeten. Vorort- J�acb richten» Aufgelöste Versammlung in Wandlitz(Niederbarnim). „ Junker regierung, Reichstag und Volk" hieß das Thema, über das am Sonntag der Reichstagsabgeordnete Genosse Stadthagen in einer öffentlichen Volksversammlung im Gesellschaftshaus von Lassan in Wandlitz referieren sollte. Vergeblich hatten die„Patrioten" den Wirt bestürmt, das Lokal nachträglich zu verweigern. Der Wirt blieb fest: er ist der einzige Wirt, der in Wandlitz und Wandlitzsee sein Lokal den Arbeitern zur Verfügung stellt. Vergeblich war der Hinweis einiger„Patrioten", daß doch auch im Seekrug und in der Seeterrasse, wiewohl die In- Haber ihre Lokale für politische Versammlungen der Sozialdemokratie nicht Hergebens— leidet I— Arbeiter verkehren. DieZ über- große Anzahl der Arbeiter verkehrt nur in solchen Lokalen, deren Säle auch für politische Versammlungen der Sozialdemokratie frei- stehen. Nur Unkenntnis, Mangel an Ueberlegung oder Solidaritäts- gefühl kann einen Arbeiter dazu bewegen» durch Nichtbeachtung der Lokalliste die Aufkärnngsarbeit auf dem Lande zu erschweren. Standhaft ließ der Wirt Lassan alle Versuche der „Patrioten" abprallen, ihn zum Wort- und Vertragsbruch zu be- wegen. Da klügelten die Herren ein anderes Mittel aus. Durch Rundschreiben wurden die Kriegervereinler von Klosterfelde, Zehlendorf, Zühlsdorf, Stolzenhagen, Wensickendorf, Wandlitz, Bas- dorf, Schönwalde, Lanke und anderer» Dörfern zum Besuch der Versammlung zusammengetrommelt. Der Landwirt Karl Sommer sandte überdies eine dringende Bitte zum Besuch der Versammlung an„alle patriotischen Mitglieder und alle jungen Leute, welche Interesse für Kaiser, Reich, Familie und eigener Scholle haben". Endlich verschrieben sich einige Patrioten aus Berlin den antisemitischen Agitator Redakteur Döring nebst Anhang. In Vorversammlungen von„Patrioten" wurde eingehend Rat darüber gepflogen, wie man die Versammlung stören, sprengen könne. Punkt l'/z Uhr kamen die Kriegervereinler mitsamt dem pensionierten Gendarm B e h m e r, dem Oberförster F i n st e r- walde aus Lanke im Lasianschen Lokal an. Der Ober förster dirigierte: die rechte Seite des Saales besetzen wir. Sein Vorschlag wurde soweit als möglich befolgt. Auf 2�2 Uhr war die Versammlung anberaumt. Kurz darauf wurde sie durch den Genossen Koffert- Wilhelmsruh eröffnet. Sie war recht zahlreich besucht— wohl an LOO Teilnehmer wies sie auf. Der Vorsitzende mußte alsbald nach Beginn des Referats in- folge deS LärmS und offensichtlich lediglich zwecks Störung der Ver fammlung insbesondere von dem Tisch aus, an dem der Oberförster saß, fallender niedriger Zwischenrufe die Herren darauf aufmerksam machen, daß sie sich in einer von Sozialdemokraten einberufenen Versammlung befinden. Zu dieser habe jeder Zutritt, auch stehe Diskussion ausdrücklich frei, es müsse aber auch von denen, die Bildung und Besitz zu besitzen glauben, ein anständiges Betragen verlaugt werden. Sonst werde er von seinem Hausrecht Gebrauch machen. Zur Diskussion sei als erster Herr Döring eingetragen. Als der Tumult von dem konservativen Tische aus erfolgte, hatte einer der überwachenden Gen- d a r m e n wohl in der Absicht, aufzulösen, sich erhoben, Genosse Koffert war der Auflösung durch Vertagung auf fünf Minuten ent gegengetreten. Nach der Fortsetzung der Versammlung wurden wieder fortgesetzt Zwischenrufe laut, die die Absicht einer Sprengung der Versammlung klar erkennen lassen. Der Referent führte die Zwischenrufer, die ihre Sprachwerkzeuge insbesondere durch die fortdauernden Rufe„Juden I Juden I" übten, ein paarmal unter lebhaftestem Beifall der über großen Mehrheit der Versammlung ab. Nur einigen, insbesondere den» Oberförster Finsterwalde, mußte noch öfter der Tiefstand seiner Rufe unter Heiterkeit der Versammlung klargelegt werden. Der Referent hatte insbesondere das Verhalten des schwarz-blauen Blocks in der Finanzreform, in der Kanal- und Wahlrechtsfrage sowie den Mangel einer Fürsorge für die Veteranen besprochen. Dann führte er au?, daß eine solche Mehrheit jede sozialpolitische Forderung er- sticke. Hierbei ging er auf die Nechtlosigkeit der Landarbeiter ein. Als er verlangte, daß in der Leitung der Landkrankenkassen die Landarbeiter nach der Reichsversicherungsordnung des Rechtes der Selbstverwaltung beraubt sein sollten, der Gemeindeverband könne den Vorsitzenden und Vorstand ernennen, den Amtsvorsteher oder dessen Stellvertreter dazu ernennen, wurde vom Oberförster Finster- walde wiederholt widersprochen. Stadthagen wies den Zwischen rufet darauf hin, daß eS ihm ja freistehe, in der Diskussion seine entgegengesetzte Ansicht klarzulegen, und wiederholte die für die Zu- sammensetzung des Vorstandes vorgeschlagenen Bestimmungen. Da rief der Oberförster: DaS ist eine bewußte Unwahrheit. Der Referent replizierte auf diesen Vorwurf der Lüge: Wenn Sie behaupten, daß ich hier bewußte Unwahrheit spreche, so sind Sie ein unverschämter Lümmel." Nun erhoben die Herren vom„patriotischen" und KriegervereinStisch einen wüsten Lärm und stürzten auf daS Podium zu. Genoffe Koffert vertagte hierauf die Versammlung auf zehn Minuten. Der Gendarm löste, als der patriotische Radau fortdauerte, die Versammlung auf. Hierzu hatte er nach dem VereinSgesetz kein Recht. Er behauptete, die Auflösung habe er„in sicher- heitSpolizeilichem Interesse" vornehmen müssen; eS fei doch sogar ein Bierseidel an dem Redakteur Döring vorbeigeflogen. Selbst wenn das der Fall war, stand unseres Erachtens dem Gendarm das Recht der Auflösung nicht zu. Gegen dieselbe wird Beschwerde geführt werden. Es lag an ihm, den Seidelwerfer eventuell festzustellen. Tatsächlich soll ein Seidel von der patriotischen Ecke aus gegen Stadthagen zu geworfen sein. Es flog an Döring vorbei und traf die Brust eines Genossen, der unweit des Podiums stand. Die Erregung über das Benehmen der Patrioten war eine un- gemein große und gleichzeitig recht aufklärend. ES meldeten fitfi einige Dutzend Personen aus dem Arbeiter- und Mittel« stand zum Beitritt zum sozialdemokratischen Wahlvereiu. Eine neue Versammlung mit demselben Thema und Referenten wurde sofort zum 26. Juni vereinbart. Lichtenberg. Die hiesige Feuerwehr wurde gestern nachmittag 3 Uhr nach der Finowstraße 89, Ecke Frankfurter Allee, gerufen, wo durch Un- Vorsichtigkeit in einem Mädchengelatz Feuer ausgekommen war und die ganze Einrichtung brannte. Der Brand wurde bald gelöscht. Charlottenburg. Die Leichen zweier neugeborener Kinder wurden gestern in dem Hause Neue Grolmannstratze 7-9 und auf dem Bahnsteig des Charlottenburger Bahnhofs gefunden. Jene war in einen grau- und weitzgestreiften Wollappen und braunes Packpapier eingewickelt und hatte schon längere Zeit an ihrer Fundstelle gelegen, diese lag in Zeitungspapier eingervickelt in einem Pappkarton.____ Wittenau. Tie in der Gasanstalt tätigen Arbeiter und Handwerker hatten sich Ansang des Jahres der gewerkschaftlichen Organisation, dem Gemeindearoeiterverband, angeschlossen. Veranlassung hierzu bot die Tatsache, daß die Arbeitsverhältnisse in jeder Beziehung schlechtere waren als in den Gaswerken anderer Gemei»rden. Die Arbeiter unterbreiteten der Eemcmdeberwaliung Anträge, be- treffend Verkürzung der Arbeitszeit, Erhöhung des Lohnes usw. Die Berechtigung dieser Anträge wurde auch letzthin vom Ge- meindevorsteher unserem Genossen Adam als Gemcindevertreter gegenüber anerkannt. Doch widersetzen sich in unserem Gemeinde- Parlament die Vertreter der bürgerlichen Parteien energisch der Durchführung dieser Anträge. Als angeblichen Grund gibt man an, daß die Gasanstalt mit Defizit arbeite und die Mehrbelastung, welche durch die eventuelle Bewilligung der Arbeiterforderuugen entstehe, nicht tragen könne. Es kam aus Anlaß der Vertretung der Arbeiterforderungen durch unsere Genossen bei den Gemeinde- vertrctersitzungcn zu ziemlich heftigen Zusammenstößen. In Rück- ficht aus den seinerzeit unseren Genossen gegenüber geäußerten Einwand, daß die Gaswerksarbeiter selbst ja doch gar keine An- träge gestellt hätten sdie Anträge waren auf Versammlungsbeschluß durch die Verbandsleitung eingereicht), wurden im Anfang dieses Monats in einer von fast allen Beschäftigten unterschriebenen Em- gäbe die Wünsche erneut der Gemeindeverwaltung übermittelt. Der Inspektor des Gaswerks, Herr Nicolai, der zum IS. Juni selbst gekündigt worden ist, entließ nun plötzlich am Sonnabend, den 21. Mai vier Kollegen, darunter den Vertrauensmann, angeblich wegen Arbeitsmangel. Am Montag, den 23., stellt« er sofort wieder zwei Mann ein und ordnete die Einstellung eines weiteren Ar- beitcrs an. Auf VersanimlungSbeschluß verhandelten zwei der ent- lassenen Kollegen im Beisein des Gcmeindevertretcrs Genossen Adam mit dem Gemeindevorsteher. Derselbe erklärte, daß die Entlassungen notwendig seien, weil der Betrieb eingeschränkt werden müsse. Er mußte aber zugeben, daß selbst unter dem Gesichtspunkte die vorgenommenen Ent- lassungen unverständlich sind. Jedenfalls hätten auch seiner An« schauung nach nicht die älteren, eingearbeiteten Arbeiter entlassen werden sollen, sondern die Dienstjüngeren. Daß aber die Not- wendigkeit einer Betriebseinschränkung gegeben ist, wird durch die erfolgten Neueinstcllnngen widerlegt. Von den Beschäftigten wird aber weiter darauf hingewiesen, daß die beabsichtigte Sparsamkeit durch die Entlassung einiger Arbeiter am unrechten Fleck geschieht. Die Folge würde sein, daß die notwendigsten Arbeiten im Betriebe nicht erledigt werden können und dadurch der Betrieb in seiner Rentabilität herabgcdrückt werde. Der Gemeindevorsteher scheint wohl dieselbe Ansicht zu hegen, denn er versprach der Kommission, daß weitere Entlassungen unter keinen Umständen erfolgen sollen. In Hinsicht aus diese und die weiter gegebene Versicherung, daß auch kein Arbeiter wegen seiner VerbandSzugehörigckcit entlassen werde, beschlossen die Arbeiter des Gaswerks in einM weiteren Versammlung, vorläufig eine abwartende Haltung einzunehmen. Der ausgeführte Schlag hat nur zu einer inneren Festigung der jungen Organisation geführt, so daß auch die Gemeindearbeiter in Wittenau die Anerkennung des Koalitionsrechts in Theorie und Praxis durchsetzen werden. Potsdam. Stadtverordnetenversammlung. Zuerst stimmte die Versamm lung der endgültigen Aufnahme einer GrundstückSanleihe in Höhe von 1 675 OOO MJ. zu. Diese Anleihe wird zu 3?L Proz. von der Rixdorfer Sparkasse aufgenommen.— Bei Feststellung des Tarifs für die neuerrichtete städtische Flußbadeanstalt für Frauen regte Stadtv. Kiesche an, entweder höhere Sätze fest. zusetzen, damit diese Anstalt nicht lediglich Konkurreuzuntermehmen sei oder ganz niedrige Sätze, wenn man die Anstalt nicht gar kostenfrei den breiten Schichten des Volkes zur Verfügung stellen wolle. Hierzu sei man eigentlich verpflichtet, da die Anstalt von den Ueberschüssen der Sparkasse, zu denen doch auch die Arbeiter- schaft ihr Teil beitrage, errichtet sei; durch die hohen Sätze schließe man diese aber aus. Er beantragte, von abends 7 Uhr ab diese Anstalt zum halben Preise dem Publikum zur Benutzung zu über- lassen. Ter Bürgermeister erklärte, daß der Magistrat von An- fang an keine Zweifel darüber gelassen habe, daß eS sich nicht um eine Volks badeanstalt, sondern nur um eine solche für Frauen handle. Stadtv. Walter bemerkte, daß die Ansicht K.s nur wenig Anhänger in der Bürgerschaft findet. Den unteren Schichten solle nichts vorenthalten, werden, aber zweierlei Tarife gebe es nicht. Für den Antrag Kiesche fand sich bezeichnenderweise kein zweiter Stadtverordneter.>— An den Prinzen Eitel Friedrich lverden 11610 Quadratmeter städtischen Geländes an der Neuen Luisen� stratze zwischen dem Parke Jugendheim und einer neuen Straße zum Preise von 16 M. pro Oudratmeter verkauft. Verschiedentlich hielt man den Preis für zu niedrig(bei der ersten Offerte waren nur 15 M. geboten), um so mehr, da der Stadt für dieses Grund stuck in Zukunft die Grundsteuer entzogen werde und der Besitzer es so bald kostenfrei habe. Man war aber zufrieden, daß man ein so„königliches" Geschäft machen konnte.— Wtzlchen Einfluß der Magistrat den Bezirksverinen einräumt, zeigte er in einer Ant wort an den Bezirksverein der Brandenburger Vorstadt. Dort bilden in der Alten Luisenstratze Bäume auf dem Bürgersteig ein Verkehrshindernis. Nun wurde dem Bezirksvcrein anheimgegeben, dafür zu sorgen, daß die dortigen Hausbesitzer ihre Vorgärten ab- treten. Heber die Fällung von Bäumen wird man 93? in PotS dam nicht so leicht einig: zunächst eine einstündige Debatte, dann Lokalbesichtigung und nächste Versammlung Fortsetzung der De batte.— Der Stadtv. Zappe hat um einen dreimonatlichen Ur laub angetragen zwecks Erbschaftsregulierung und Reisen.(ES dürfte dies die Einleitung für das sechste freie Mandat sein; Zappe ist vor kurzem wegen Nahrungsmittelfälschung zu einer Geldstrafe von 150 M. verurteilt worden. Ter Verurteilte hat jedoch noch Berufung eingelegt.) Vermischtes. einer, der Buße tun will. Ein interessantes Bekenntnis hat kürzlich der amerikanische Millionär Joseph Feld in einer Ansprache abgelegt, in der es heißt: Carnegie, Rockefeiler. Morgan und andere„Industrie- feldherreu" sind Räuber und ihre Millionen sind übel er- worbener Gewinn. In einer Zeit wie heute, unter dem gegenwärtigen Wirtschaftssystem können wir nicht reich werden, wenn wir nicht.daS Volk berauben. Ich selbst habe mein Geld aus diese Weise gemacht und meine Firma tut eS noch. Sie alle tun es. Jeder von uns„selbstgemachten" Millionären hat eS getan. Indessen habe ich angefangen, mein Gewisien zu spüren, und ich gehe daran, meinen Raub— ich nenne es. waS eS ist— zur Beseitigung des verfluchten Systems zu verwenden. daS ihn möglich gemacht hat. Ich glaube nicht an die W o h l t ä ti g k e i t s a n st a lt e n. Es sind Agenten der Volksverarmung. Ich bin auch kein Menschensreund". Ich habe nicht im Sinn, gemeinnützige Ein- richtungen zu fördern, wie hoch man sie auch gemeinhin einschätzen mag. Rockefeller und andere Millionäre haben ihren Reichtum auf- gehäuft durch Ausnutzung ungerechter Gesetze, ins- besondere unter dem Schutzzollsystem. Mit Hilfe dieser Gesetze habe ich auch daS Publikum geplündert und tue es noch. Ich bin für diese Gesetze nicht verantwortlich, aber ich bin entschlossen, was ich tun kann, zu ihrer Aenderung beizutragen." Man kann mm neugierig sein, was der offenherzige Mann in Konsequenz seiner Selbsterkenntnis tun wird. Patriotische Feste. 1 In dem in der Nähe Tübingens gelegenen Dorfe Zalddorf fand am Sonntag die Fahnenweihe des Militärvereins statt. Nachdem man sich genügend patriottsch begeistert hatte, kam eS zu Streitigkeiten, bei denen ein 56jähriger Georg W e tz e l und sein 19jähriger Sohn von einem Festteilnehmer durch Messerstiche schwer verletzt wurden. Die beiden sind bald darauf gestorben. Auch auf dem Schützenfeste, daß in W e t t l n in der Provinz Sachsen am Sonntag stattfand, kam es zu blutigen Raufereien, bei denen der Schützenoberst Oelberling aus Wettin erstochen wurde. Der Erstochene hinterläßt Frau und acht Kinder. Auf dem Schlachtfelde blieben noch zwei schwerver mundete Personen, die in das Krankenhaus eingeliefert wurden. Durch drahtlose Telegraphie gerettet. Der russische Dampfer„Lituania", der 1200 Auswanderer von L i b a u nach New Jork bringen sollte, ist schwer beschädigt in den Hafen von T y n e eingelaufen. Das Schiff war bei dichtem Nebel gegen die Felsen von Pentland Firth gelaufen. Infolge des heftigen Stoßes entstand unter den Passagieren eine furcht- bare Panik; alles stürzte an Deck. Nur mit Mühe gelang es den Offizieren, die Emigranten zu beruhigen und das Schiff aus der gefährlichen Zone zu steuern. Der einzige an Bord befindliche Engländer bediente die Apparate für drahtlose Telegraph ie. Er schickte die Meldung von dein Unfall an den in nächster Nähe befindlichen englischen Kreuzer„Bellona", der sofort zur Hilfeleistung nach der Unfallstelle abging. Außerdem wurde durch drahtlose Tele- graphie ein zweiter Dampfer„Rosstja" herbeigerufen, der die Aus- Wanderer nach New Dort weiterbefördern wird. Im Kampf um Wild und Wald. Nach den„Amtlichen Mitteilungen aus der Abteilung für Forsien des königlich preußischen Ministeriums für Landwirtschaft, Domänen und Forsten" sind im Jahrzehnte 1399— 1903 bei Ausübung des Forst- und Jagdschutzes in den preußischen StaatSforsten dreizehn Tötungen und siebzehn Verwundungen von F o r st b e a m t e u und elf beziehungsweise neununddreißig von Wild- dieben und Forstfrevlern vorgekommen. Unter den Wer- lvundungen der Forftbeamten waren neun, der Wilderer zwanzig schwer. Außerdem wurde noch unter Umständen, die den Waffen- gebrauch nicht rechtfertigen, ein Forstfrevler durch einen Forstbeamten leicht verlvundet._ Ein neuer Ueberlandflug im Aeroplan. Der Aviatiker C u r t i hat am Sonntag den vom„New Fork World' gestifteten Preis von 10 000 Dollar gewonnen, indem er den verlangten Ueberlandflug von Albany nach New Jork vollführte. Die Strecke beträgt in der Luftlinie etwa 300 Kilometer, der Flug dauerte 2 Stunden und 45 Minuten. Der Aviatiker wurde bei seiner Landung von einer ungezählten Vollsmenge enthusiastisch begrüßt._ Kleine Notizen. Aus der Gefangenenabteilung des Dresdener städtischen Krankenhauses entsprang in der Nacht zum Montag der Einbrecher Gustav C H a r e s. Der Ensprungene, dem eine Menge schwerer Einbrüche zur Last gelegt werden, hatte sich vor kurzem bei seiner Verhaftung mit einem Dolch in die Brust gestochen. Verwundet wurde er ins Krankenhaus eingeliefert. ChareS soll sich nunmehr nach Berlin geflüchtet haben. Schreckenstat eines Geisteskranke». In Bielefeld tötete der geisteskranke Arbeiter P e l a r s k y gestern nachmittag nach kurzem Wortwechsel seine Fi au durch Messer st iche in den Kopf. Als Hausbewohner die Wohnunq erbrachen, sprang der Täter auf die Straße; Pelarsky erlitt dabei sehr schwere Verletzungen. Bus Eifersucht verübte der Schlosiergeselle Morgenstern in Leipzig auf seine Geliebte ein Attentat. Das Mädchen wurde durch mehrere Revolverschüsse sehr schwer verletzt. Zu einem Kampf« zwischen Zollwächtern und Schmugglern, die mit einem Automobil Waren über die französische Grenze schmuggeln wollten, kam es an der belgifch-französischen Grenze. Auf beiden Seiten gab«S verschiedene Verwundete. Schließlich flohen die Schmuggler mit ihrem Automobil über die belgifthe Grenze zurück. Durch Einsturz einer Tribüne wurden in einer Arena in dem spanischen Orte Alhaurin el Grande 11 Personen schwer verletzt. Revolverattentat auf einem Dampfer. Während der Uebersahrt des Dampfers„Venetien" von New Aork nach Marseille kam eS im Maschinenraum zu einem Konflikt zwischen zwei Heizern, bei dem der eine durch einen Revolverschuß getötet wurde. Der Attentäter wurde in Kelten gelegt und bei der Ankunft in Marseille der Polizei überliefert._ Arbeiter-Abstineuteubund. Freitag, 8. Juni, abend? 9 Uhr: Versammlung im TewerkschaslshauS, Saal 8.„Die Trunksucht in der deutschen Geschichte." Reserent: Simon Katzenstein. eingegangene DruchkcKristten. Die soeben erschienene Nummer 12 des„Postillon* enthält an Bollbildern und Jllustralionen: Aus dem preußischen Herrenhause.— Bon der München« Kunstausstellung.— Temperenzler.— Deutlich.— Im Berliner Tiergarten.— Die Zenwumslaube usw. AuS dem Texte er. wähnen wir: Der Richtertag in Berlin.— Fusioniert.— Ein König stirbt. — Erkenntnis.— BesierungSmiltel.— Eine wahre Geschichte.— Ein Borschlag.— Brief aus Berlin usw. Der Pres» der Nummer ist 10 Pf. Probenummern swd jederzeit durch den Verlag Paul Singer in Stuttgart sowie von allen Buchhandlungen und Kolporteuren zu beziehen. Detektiv Gryce-Serie. Kriminal, und Deteltivromane von A.K. Green. 3. Band: Um Millionen. Illustriert von R. Gutschmidt. 2,50 M., gel» 3,50 M.— Verlag von Robert Lutz in Stuitgart. Die Entstehung des Christentums aus der antike« Kultur- Von Samuel LublinSli. 3 M., geb. 4 M.— E. Diederich, Jena. Briefkasten der Bedaktion. Die snelftlfdu evrechftnnve findet Lindeultrafte Vir. ttO, vor» vier Treppen- Kahrfinhl-. wocheniä«!,», von 4'/, dt»«beul»« Hati. Jeder glnfrnac ist ob Pnchftab» und eine al.»Nertzochei, beizufügen. Ärirfliche Antwort wird nichl erteilt. Eilig« jjrugeu tragt man in der Svreitifeunde vor. O. W. Ihre Ansrage ist unverständlich.— I. St. 4. 1. und 2. ES kommt das Gesetz des HeimasitaatS in Frage. Die Ebemundigkeit in Oester- reich tritt nicht früher tm.— Cfifl. 1. DaS Lebrinstitut ist uns nicht bekannt. Vielleicht erkundigen Sie sich bei der„Leipziger VolkszeiMng-. 2. Nein.— G. St. 153». Kzl. AnsicdelungSlommlsiwu. Posen. Dort erhallen Sie Auskunst.— Wilderer. Verjährung liegt n i ch t vor. wenn Sie nach Wild geschossen haben.— H. P- 43. Sie können die Fest- stellungsklage erheben.— F. K. 5. Em solches Gesuch richlen sie an die Bcrussgenoffenschast. Eine Berufung ist bei dem Schiedsgericht für Arbeiter» Versicherung einzulegen.— Zlifred SO. Ja.— 3». Es kommt die AllgemeKe Ortslranlenlass« in Frage. Beschweren-sie sich bei der Ausficht»« behörde(MagiftratSlommissar, Stralauer«trage 3—6). Wafierstanvs-Stachrtchten der LandiSanstalt sür Gewässerkunde, mitgeteilt vom Beritner Welterbureau. Wasserstand M e m e l. Tilsit V r e g e l. Jnsterbmg Weichsel, Thor» Oder, Ratibor , Krossen , Franksurt Warthe, Schrinn» . Landsberg Rehe, Vordamm «16», Lernneri, , Dresden # Bardo , Magdeburg vasserstand Saal«, Grochlttz Havel, Spandau») �» Rathenow») Spree,«premberg») , Biestow Weser, Münden , Minden R h« i», MaximüianSa« , Kaub Köln Neckar, Heilbron» Main. Wertheu» Mosel. Trier am. 29. S. 28. 6. cm 80 44 81 78 84 -66 8 542 28t 278 100 122 1 seit' '28. 6. cm1) -4 -1 0 0 0 _ o +24 +5 +4 +15 «) 4- bedeutet Wuchs,— Roll.»> Unterdeget. re waren al-> in den Gaswerken anderer Gemeinden. Verantwortlicher Redakteur: Hans Mb�T'BcrlinT�Mr� den Inseratenteil vcraotw�Ttz7Gl»ckr. Berlin, Druck u. Verlag: Borwärtj Buchdruckerei u. Verlagsgnstalt Paul Singer& So,, Berlin SW.