Ar. 1*5. BIwnnemtnfS'Bedingungen: Abonnements- Preis pränumerando! Wierteljährl. 3�0 M5., monatl. 1,l0 Mk., wöchenINch 2S Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags- nummer mit illustrierter Sonntags- Beilage»Die Neue Welt" lll Pfa. Post- Abonnement: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post-Zeitunys- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich. Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland 8 Marl pro Monat. Postabonnements nehmen an: Belgien, Dänemark, Holland, Italien, Luxemburg, Portugal, nänien, Schweden und die Schweiz, «richilut täglich außer lllsotiigi. Vevlinev Volksblclkk. 37. Jahrg. vle Insertion!-CebWr beträgt für die sechsgespaltene Kolonel« geile oder deren Raum Kll Pfg., für politische und gewerlschaftliche Vereins- und Versammlungs-Anzeigen llll Pfg. „Mein- Snreigen", das erste(fett- gedruckte) Wort 20 Psg., jedes weitere Wort 10 Psg. Stellengesuche und Schlaf- fiellen-Anzeigcn das erste Wort 10 Psg., jedes weitere Wort k Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis S Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist biS 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm-Adresse: „SszIaldcmoKrat Btrlii»a, Zcntralorgan der fozialdemohrati feben Partei Deutfchlands. Redakttom SM. 68, Lindenstraese 69. Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1983. Mittwoch, den 1. Juni 1910. Expedition: SM. 68, Lindenstraaae 69. Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1981. Arveiter, Parteigenossen! Die preußische Regierung hat mit ihrer volksfeindlichen Wahlrechts- Vorlage eine schmähliche Niederlage erlitten. Die Mandatsgier des Zentrums und der Nationalliberalen hat eine Einigung der bürgerlichen Parteien auf eine den Interessen der preußischen Junker dienende Wahlrechtsreform verhindert. Der König von Preußen bezeichnete in der Thronrede vom 20. Oktober 1908 die organische Fortentwickelung des preußischen Wahlrechts als eine der wichtigsten Aufgaben der Gegenwart. Die Vorlage des Herrn von Bethmann Hollweg wollte im Gegensatz zu diesem Versprechen das Dreiklassenwahlunrecht durch Verkoppelung mit der direkten Wahl konservieren. Selbst dafür war die regierende Junkerkaste nicht zu haben. Ihre Vertreter im Abgeordnetenhause, die Konservativen, verbanden sich mit dem in Kulturfragen gleich reaktionären Zentrum und verschlechterten die Regierungsvorlage. Zweck dieser Macheuschaft war, das Dreiklassenwahlrecht noch fester zu verankern. Dieser Plan mißlang. Das Herrenhaus beschloß im Einverständnis mit der Rc- gierung die Einführung größerer Drittelungsbezirke zugunsten des Großkapitals. Das Zentrum erblickte darin eine Gefährdung seines Besitzstandes und ließ die Vorlage scheitern. Das wohlverdienteEnde dieses gesetzgeberischenWechselbalgs mußte die Sozialdemokratie mit Genugtuung begrüßen, deren Vertreter die Ankündigung der Vorlage am 10. Februar im Abgeordnetenhause mit stürmischem Protest aufgenommen hatten. Die Wahlrechtsvorlage der Junkerregierung ist begraben! Der Wahlrechtskampf ist damit in ein neues Stadium getreten. Die Arbeiterklasse und mit ihr weite Kreise des Volkes sind von der Notwendigkeit einer schleunigen Beseitigung der Dreiklassenwahl überzeugt. Sie werden alles daran setze«, um ihren Willen zur Geltung zu verhelfen. Für die bevorstehenden Kämpfe haben Regierung und bürgerliche Parteien in den Landtags- Verhandlungen neuen Agitationsstosf in Fülle geliefert! Die Regierung deS Herrn von Bethmann Hollweg hat in diesen parlamentarischen Kämpfen eine traurige Rolle gespielt. Ziellos und planlos schwankte sie zwischen den bürgerlichen Parteien herüber und hinüber und mußte schließlich am 27. Mai im Abgeordnetenhause ihren Bankerott erklären. Die konservative Partei, die Sachwalterin der Junker, hat die Wahlrechts- forderungen der arbeitenden Klassen verhöhnt und kurzerhand jeden Vorschlag verworfen, der die Bereicherungs- und Unterdrückungspolitik der Junker und Agrarier gefährdete. Der Junker will Herr sein und durch Preußen Deutschland beherrschen. Das Zentrum hat sein Wahlrechtsprogramm: Uebertragung des Reichstagswahlrcchts auf Preußen, schmählich verraten. Das Zentrum will die bestehenden reaktionären Zustände aufrechterhalten und durch seine Schul» und Kirchenpolitik jeden Kultur- fortschritt unterdrücken. Die Freikonservativen und Nationalliberalen wollten aus Mandatspolitik einer Wahl- rechtsvorlage zustimmen, die die Wahl sozialdemokratischer Abgeordneten unmöglich gemacht hätte. Nur dieFurchtvorden nächstjährigenNeichstagswahlen schüchterte die Nationalliberalen in letzter Stunde ein. Als ehrliche, furchtlose und konsequente Vertreterin eines wirklich demo« kratischen Wahlrechts hat sich allein die Sozialdemokratie erwiesen. Parteigenossen! Das schmachvolle Verhalten der genannten bürgerlichen Parteien bei der Behandlung einer der wichtigsten Fragen der Gegenwart muß in den kommenden Kämpfen rücksichtslos und nach Kräften ausgenützt werden. Das preußische Volk wird bei den nächsten Reichstagswahlen Herrn von Beth- mann Hollweg und den wahlrechtsfeindlichen Parteien die gebührende Antwort geben. Der Hohn, mit dem die Herrschenden die Wahlrechtsforderiingen des Volkes zurück- gewiesen haben, muß seine Vergeltung finden. Es muß endlich den Herren da oben, die uns hudeln und bütteln, klar gemacht werden, daß die preußischen Arbeiter es herzlich satt haben, minderen Rechts zu sein als ihre Brüder in den süddeutschen Staaten. Es muß ihnen gezeigt werden, daß der preußische Arbeiter und die Massen des preußischen Volkes an politischer Bildung und Einsicht in das Wesen des heuttgen Staates hinter keiner Arbeiterklasse und keinem Volk der Welt zurückstehen. Es mutz gefordert werden, daß ein Wahlsystem in den Orkus fliegt, das seit 61 Jahren die große Masse des preußischen Volkes politisch miß- handelt und zu Staatsbürgern zweiter und dritter Klasse degradiert. Parteigenossen! Der Zorn, der rote Zorn über diese schmachvollen Zustände muß Euch zu neuer, unermüdlicher Agitation anfeuern. Nützt die Zeit bis zum Ausbruch neuer, härterer Kämpfe zur Aufklärung der uns noch Fernstehenden. Geht hinaus aufs Land und werbt in Häusern und Hütten, unter den Männern und Frauen neue Kämpfer, nicht nur für dieEroberung des allgemeinen, gleichen, geheimenund direkten Wahlrechts für alle über 20 Jahre alten Staatsbürger und Staats» bürgerinnen, sondern auch für unser großes Ziel: die Befreiung der Menschheit ans Elend und Not, aus politischer und geistiger Knechtschaft! Parteigenoffen! An die Arbeit! Es lebe der Kampf! Es lebe die Sozialdemokratie! Berlin, 1. Juni 1910. Der geschäfisföhrellde Ausschuß Der Nsrteworstuud der Faudtskommisßo« der Sozialdemokratie Dreußeus. der sozialdemokratischeu Partei Deutschlands. vieverkchleppungäerAshlrechtsvorlsge. Die Junker möchten die Wahlrechtsfrage begraben. Die „Kreuz-Zeiwng" und andere Blätter suchten dieser Tage Herrn v. Bethmann-Hollweg, der in der„Nordd. Allg. Ztg." vorsichtigerweise hatte aussprechen lassen, daß die Wahlrechts- frage mit der Ablehnung der Vorlage nicht erledigt sei, be- greiflich zu machen, daß er gar nicht verpflichtet sei, eine neue Wahlrechtsvorlage einzubringen, daß er seiner Pflicht und mehr vollkommen Genüge getan, als er das unheilvolle Ver- sprechen Bülows aus der konservativ-liberalen Blockzeit ein- zulösen versuchte. Mehr zu tun, könne ihm nicht zugemutet werden. Die Zentrumspresse, die vor ihren Wählern Wahl- rechtsfreundschaft prästieren muß, konnte dazu natürlich nicht schweigen. Sehr bestimmt sagt die„Germania": „Die„Nordd. Allg. Ztg." hat nur etwas Selbstverständliches gesagt, als sie am Sonnabend andeutet«, daß nach dem Scheitern d«s ersten Versuches, eine Wahlreform zu schaffen, ein neuer gemacht werden würde. Ein Wahlrecht, dessen UnHaltbarkeit die Regierung und ihre eigenen Abänderungsvorschläge und die beiden Häuser de? Landtags, sowie sämtliche Parteien durch ihre Stellungnahme dazu anerkannt haben, kann unmöglich noch lange gehalten werden. Wenn einzelne Blätter der Rechten die Ansicht vertreten haben, eine Wahlreform sei ganz unnötig und mit der Einbringung ihrer Vorlage habe die Regierung das Versprechen der Thronrede«ingelöst und sich aller Verpflichtungen entledigt, so nehmen sie das selbst wohl nicht ganz wörtlich. Nachdem die Regierung das Bestehende für verbesserungsbedürftig erklärt hat, kann das guieta nc>n movere hier nicht mehr gelten." • Und die„Köln. Volksztg." schrieb tags vorher: v„Die offiziös« Auslassung läßt den Schluß zu, daß die Re- gierung in absehbarer Zeit eine neue Reform versuchen werde. Es wird ihr nichts anderes übrig bleiben, denn nachdem die Wahl- rechtsfrage durch die Thronrede selbst in Fluß gebracht worden ist, mutz die Bewegung zu einem positiven Ergebnis führen. Und wir sind gewiß, daß dieses Ergebnis ein besieres sein wird, als wie es jetzt im besten Falle hätte erzielt werden können. Eine weitere Plutokratisierung des Wahlrechts, wie sie Herr v. Beth- mann Hollweg im Sinne hätte, ist in unserer Zeit nicht mehr Nöglich.",~ � Indes ist die Zentrumspresse nicht so unerbittlich, wie es nach diesen Proben scheinen könnte. Sie legt großen Wert darauf, es mit den Junkern nicht zu verderben, und in jesuiti- scher Schläue hat sie bereits den Weg entdeckt, wie sie einer- seits vor den proletarischen und kleinbürgerlichen Wählern das demokratische Gesicht wahren kann, ohne andererseits den Junkern wehe zu hm. Die Formel heißt: V e r s M e p p u n g derWahlreform! Gleich nach der oben zitierten Stelle fährt die„Germania" fort: „Ob sie es, wie ein Blatt wissen wollte, mit der Reform so eilig hat. daß sie schon in der Herbstsession des Landtages einen neuen Entwurf einzubringen beabsichtigt, müssen wir allerdings dahingestellt lassen, ja bezweifeln. Gar so lange läßt sich die Neuregelung freilich nicht mehr verzögern." Damit ist auch die freikonservative„Post" einverstanden. Nur daß sie deutlicher mit der Sprache herausrückt und gleich eine Frist von zwei bis drei Jahren ausrechnet, die zur Vorbereitung einer„wirklich befriedigenden Lösung" nötig sei. Mit dieser Lösung der Verschleppung haben die ge- nannten Blätter anscheinend die Gedanken Bethmann Holl- Wegs getroffen. Denn heute bereitet eine offiziöse Korre- spondenz auf diese Lösung also vor: „Die Auffassung, daß die Regierung das Versprechen der Thronrede durch Einbringung der soeben zurückgezogenen Wahl- rcsorm erfüllt und sich damit jeder weiteren Verpflichtung in dieser Richtung erledigt habe, wird an den maßgebenden Stellen nicht geteilt. Eine neue Wahlrechtsvorlage kommt, und sie ist ja auch bereits in der halbamtlichen Erklärung, die darauf hin- gewiesen hat, daß solche Fragen„nicht auf den ersten Anhieb gelöst" zu werden pflegen, hinreichend angedeutet worden. Irrig ist es aber anzunehmen, daß der neue Entwurf sehr bald, womöglich schon in der nach st en Herbst- tagung des Landtages, eingebracht werden könnte. Dagegen sprechen verschiedene Gründe. Zunächst be- darf die neue Vorlage nach den jetzt gemachten Erfahrungen einer wenn möglich noch gründlicheren Vorbereitung und der Rücksicht- nähme auf Momente, deren Bedeutung für die Lösung der frage sich erst zum Teil au» den letzten Debatten ergeben hat. M9 mxi djtz eäteifi Entwicklung feej ZgrtejvLkMMe, pje, wie sich gezeigt hat, vor allen anderen Dingen für die Behandlung der Wahlrechtsfrage maßgebend sind, abzuwarten sein, ehe sich die Regierung über die nunmehr einzuschlagende Taktik im klaren sein wird. Andererseits ist zu berücksichtigen, daß den Parteien nach den aufregenden Kämpfen der letzten parlamentarischen Kampagne einige Zeit zur Erholung gelassen werden muß,'wenn das an sich schwierige Problem nicht noch durch eine gewisse Ver- drossenheit erschwert werden soll. Endlich aber wird die sehr wahrscheinliche Neubesetzung des Ministeriums des Innern nicht ohne Einfluß auf die Gestaltung und Förde- rung des neuen Entwurfes sein, dessen Bearbeitung aus be- greiflichen Gründen Persönlichkeiten vorbehalten sein wird, die bisher zur Lösung der Frage nicht herangezogen worden sind. Alle diese Momente lassen es als nur natürlich erscheinen, daß geraume Zeit vergehen wird, bis der neue Wahlrechtscntwurf beratungsreif sein wird." Die neue Vorlage bedarf also einer-„noch gründlicheren Vorbereitung" als die erste. Und die hat lange genug ge- dauert. Wenn die Regierung wieder erst gründliche Er- Hebungen und Erwägungen anstellen will, dann können aller- dings leicht die zwei bis drei Jahre Frist herauskommen, die die„Post" einpfiehlt. Was mit dieser Verschleppung erreicht werden soll, liegt deutlich auf der Hand. Regierung und bürgerliche Parteien möchten möglichst verhüten, daß im Jahre 1911 die Reichs- tagswahlen unter dem frischen Eindruck von parlamentarischen Wahlrechtskämpfen in Preußen vorgenommen werden. Sie hoffen wohl auch, eine stärkere Wahlrechtsbewegung in diesem Jahre verhindern zu können und die Wahlrechtsfrage in der Reichstagswahlagitation etwas zurückdrängen zu können. wenn die Wahlrechtsvorlage erst 1912 oder 1913 kommt. Das feine Rechenexempel ist indes ohne die Sozialdemokratie ge- macht. So oder so, die Feinde des gleichen Wahlrechts werden sich 1911 zur Abrechnung bei den Reichstagswahlen stellen müssen, und kommt im Herbst keine neue Wahlrechtsvorlage, so wird der Wahlrechtskampf auf jeden Fall kommen, und zwar mit solcher Wucht, daß es noch fraglich ist, ob der Rc- gierunq und den bürgerlichen Parteien nicht schließlich das schleunigste Einbringen einer Vorlage als das kleinere Uebel erscheinen wird!* Die(üdafrilsanlfcbe Qnlon. Am 1. Juni fügt sich an die Kette sich selbstregierender über- seeischer Staaten, die das gewaltige System des englischen Welt- reiches bilden, ein neues Glied: der südafrikanische Staatenbund. Ter erste Ministerpräsident des neuen Staates ist General Bot ha. Dein Manne, der vor kaum einem Jahrzehnt der ge- fährlichste und gefürchtetste Feind Englands war, der die britischen Truppen wie gehetzte Hasen vor sich her trieb, werden heute die Geschicke des gesamten Südafrika in die Hände gelegt, und von ihm empfängt Lord Gladstone den Schwur ewiger Treue zur britischen Krone! Fürwahr eine Leistung, auf die die Engländer mit berechtigtem Stolze zurückblicken können! Wie sieht aber dieser Triumph der europäischen Kolonialpolitik bei Lichte be- sehen aus? Tie Vereinigung der bisherigen vier Kolonien Englands— Kapkolonic, Natal, Transvaal und Oranje— hat für Südafrika zweifellos eine enorme Bedeutung, die der der Union der nord- amerikanischen Staaten, Kanadas oder Australiens für diese Ge- bilde gleichkommt. Ein Gebiet von fünffacher Ausdehnung als das des britischen Mutterlandes, mit einer Million von weißen und fast fünf Millionen von eingeborenen und asiatischen Be- wohnern, kommt nun unter eine einheitliche Negierung. Es ist sicher, daß die Union die gewaltigen wirtschaftlichen Triebkräfte Südafrikas mächtig fördern und ihre EntWickelung beschleunigen wird. Die Wirtschafts- und Zollpolitik wird einheitlicher und nach allgemeineren Gesichtspunkten geregelt werden, die Eisen- bahn- und Tariffragen, die früher soviel Zank verursachten, werden den Interessen des Gesamtreiches gemäß ihre Lösung finden, und schließlich werden die großen Ausgaben, die jede der vier Kolonien bisher auf ihre gesonderte Regierungsmaschinerie, ihre gesonderte Bureaukratie und ihre gesonderte, zur Niederhaltung der Eingeborenen benutzte Armee verwenden mußte, infolge der Union verringert und ein viel größerer Teil der Staatseinkünfte zu produktiveren Zwecken verwendet werden können. Die größte Schwierigkeit bildete die N a s s e n f r a g e. In Südafrika gibt es zweierlei verschiedene Rassenfragen, die streng auseinandergehalten werden müssen. Die eine ergibt sich aus dem Verhältnis zwischen Engländern und Buren, die andere aus den Beziehungen zwischen der weißen und der farbigen Bevölkerung. Die europäische Be- völkerung Südafrikas besteht zu' annähernd gleichen Teilen aus Engländern und Buren(Holländern). Ein volles Jahrhundert hindurch haben diese beiden Rassen einen heftigen Kampf, der sich zuweilen auch in offenen Kriegen äußerte, um die Vorherrschaft in Südafrika geführt. Mit dem Abschluß des letzten südafrika- nischen Krieges schien der Sieg den Engländern endgültig in den Schoß zu fallen. Aber das alte Gleichgewicht und mit ihm zum Teil auch die alte Rivalität wurde wiederhergestellt, als der ver- storbene englische Premierminister Sir Henry Campbell- Bansterman sich im Jahre ISM veranlaßt sah, den beiden annektierten Burenstaaten das Selbstregierungsrecht zu gewähren. -Tie Lösung dieser Rassenfrage ist die größte Leistung der Ver- einigung. Die beiden Rassen werden völlig gleichberechtigt. Amts- spräche ist sowohl das Englische wie das Holländische, und mit Bezug auf den Volksunterricht erhalten die Einzelstaaten, die jetzt zu Provinzen werden, sehr weitgehende Befugnisse. Jede Spur von Eifersucht zwischen Engländern und Buren scheint ver- schwunden zu sein, ohne Mißtrauen und in völliger Eintracht machen sie sich an das gemeinsame Werk. Nur einer fehlt beim großen Verbrüderungsfest: der süd- afrikanische Eingeborene. Die Behandlung der Eingeborenen ist in der Tat der Schandfleck der Union, aber auf der anderen Seite ist sie eben das Geheimnis ihres Erfolges. Die Europäer machen nur eine geringe Minderheit aus in diesem Lande der schwarzen Eingeborenen. Viele dieser letzteren hatten gehofft, daß die Verfassung der Union ihnen, wenn auch nicht die politische Gleichberechtigung, so doch wenigstens die Möglichkeit des politi- schen Fortschrittes und des AufsteigenS ihrer Rasse zur Zivili- sation gewähren würde. Darin schen sie sich jetzt bitter getäuscht. Nicht nur bringt die Union keine Besserung in dieser Hinsicht, sondern umgekehrt. Bisher konnten die Eingeborenen wenigstens im Kaplande und in der Theorie auch in Natal das aktive und passive Wahlrecht erwerben. Nach der Verfassung der Union be- halten die einzelnen Kolonien ihr bisherige? Wahlgesetz vorläufig bei, aber da? passive Wahlrecht werden von nun an nur Personen von europäischer Abstammung besitzen. Soweit also das Kapland und Natal in Betracht kommen, bedeutet die Union für die Eingeborenen eine.neue schwere Entrechtung. Aber e i n Umstand verleiht dieser Sache eine unermeßliche Bedeutung: In Südafrika ist die Eingeborenen- frage im wesentlichen gleichbedeutend mit der Arbeiterfrage. Aus den Eingeborenen rekrutieren sich die Bergarbeiter, die Eisenbahner, Bauarbeiter, Feldarbeiter, die land- wirtschaftlichen und städtischen Dienstboten usf. Die überwiegende Mehrzahl der Europäer besteht aus Arbeitgebern, Grundbesitzern, Kaufleutcn oder gut bezahlten qualifizierten Arbeitern und Auf- sehern. Die Entrechtung der Eingeborenen bedeutet daher die Entrechtung der großen Masse des ausgebeuteten Proletariats. In dieser Entrechtung der Eingeborenenbevölkerung offenbart sich das wahre Wesen der Union. Es ist ein Uebereinkommen der englischen Plutokraten und holländischen Grundbesitzern Südafrikas zur Teilung der Beute. Tie Eingeborenen werden niedergehalten, weil sie nur solange eine unerschöpfliche Quelle billiger Arbeits- traft zu liefern, als sie unzivilisierte Heloten bleiben. Das englische Parlament, das im vorigen Jahre den Ver- fassungsentwurf der Union ohne die geringste Aenderung passieren ließ, hat sich damit zum Mitschuldigen an der Mißhandlung der Eingeborenen'Südafrikas und der Vernichtung ihrer Zukunfts- Hoffnungen gemacht. Die Proteste der A f r i k a p a r t e i blieben ohne Wirkung. Herr A S q u i t h vergoß reichliche Krokodilstränen über das bedauerliche Schicksal der Eingeborenen, aber von einer Abänderung des Verfassungsentwurfes wollte er nichts hören, denn das hätte geheißen, seinen südafrikanischen Klassengenossen das Spiel verderben und das ganze Werk der Union gefährden. Mit dieser Stellungnahme lieferte die englische Regierung wieder ein unübertreffliches Schulbeispiel für die sprichwörtliche Heuchelei der herrschenden Klassen Englands. Bekanntlich gab die Behandlung der Eingeborenen durch die alten Burenrepubliken für die Engländer den Vorwand ab, Transvaal den Krieg zu er- klären. Als die Friedensverhandlungen im Gange waren, er- klärte Chamberlain als Kolonialdirektor in einer Note: Wir können nicht darin einwilligen, den Frieden damit zu er- kaufen, daß wir die farbige Bevölkerung in derselben Stellung lassen, die sie vor dem Kriege einnahm, ohne selbst die gewöhn- lichen Bürgerrechte, die die Regierung der Kapkolonie ihnen schon längst gewährt hat." Und als der Friede von Vereeniging end» gültig zustande kam, wurde bestimmt, daß die Frage de? Ein- geborcneiuvahlrechts bis zur Einführung der Repräsentativ- Regierung in den beiden neuen Kolonien zurückgestellt werde. Jetzt wird die Gründung eines neuen Riesenreiches unter der britischen Flagge festlich begangen, dessen Verfassung darauf be- rechnet ist, die Sklaverei der Eingeborenen zg verewigen! Wer weiß, ob die Freude lange währen wird? Die Union mag wohl den Frieden gebracht haben zwischen den rivalisierenden europäischen Rassen, die bisher um die Allein- Herrschast in Südafrika stritten. Aber ein Friede zwischen der herrschenden europäischen Minderheit und der ausgebeuteten und unterdrückten Masse der Eingeborenen kann auf solcher Grund- läge nicht hergestellt werden. Auch wir geben dem neuen Staaten- gebilde einen Glückwunsch mit auf den Weg: Mögen die schwarz- häutigen Proletarier die Entrechtung ihrer Klasse und Rasse nicht demütig hinnehmen, sondern mit derselben Entschlossenheit für ihr Recht und ihre Freiheit kämpfen wie ihre weißen Brüder in Europa! verein oder lockere Gefellschaft? Das Kuuststück, einen Verein von 48 Mitgliedern zu einem losen Berein zu stempeln, brachte die Polizei in Kattowitz fertig. Der Bezirksausschuß in Oppeln folgte ihren Spuren. Das Ober- Verwaltungsgericht hat dies Klctterkunststück jetzt für gesetzwidrig erklärt. Eine Sitzung des polnischen Turnvereins in Katto- w i tz war von dem anwesenden Polizeibeamten aufgelöst worden, weil der Leiter der Aufforderung des Beamten, den Mitgliedern das Singen von Liedern in polnischer Sprache zu verbieten, nicht gefolgt war. Die Auflösung wurde mit einem Hinweis auf Z 14 des Vereinsgesetzes begründet. Danach kann eine polizeiliche Auflösung erfolgen, wenn Rednern, die sich Verbots- widrig einer nichtdeutschen Sprache bedienen(§ 12), auf Aufforde- rung der Beauftragten der Polizeibehörde von dem Leiter oder Ver- anstalter der Versammlung das Wort nicht entzogen wird. Vor- aussetzung ist hierfür aber, daß es sich um öffentliche Ver- sammlungen handelt(8 12). Die Polizei ging also davon aus, daß es sich bei dieser V e r e i n S sitzung um eine öffentliche Versamm- lung im Sinne des Reichsvereinsgesetzes handelte. Der Geschäfts- fühver Telesfor Nowicki, ein Teilnehmer der Sitzung, klagte gegen die Polizeiverwaltung auf Aufhebung der Auf- lösungsverfügung. Der Bezirksausschuß in Oppeln wies jedoch die Klage ab. Er führte aus: Die Klage sei materiell und auch formell unberechtigt. Erstens sei nur der Vorstand berechtigt, die verletzten Rechte eines Vereins wahrzunehmen. Da N. nicht Vorstandsmitglied sei, so habe er gar nicht das Recht zur Klage gehabt. Im übrigen aber seien auch alle Veranstaltungen des Vereins „Socol" als öffentliche anzusehen, da man es hier mit einem der politischen Bereine zu tun habe, deren Organisation eine so lose, bei denen der Erwerb und Verlust der Mitgliedschaft an so geringe Voraussetzung gebunden und so wechselnd sei, daß von ihnen nicht gesagt werden könne, ihre Mitglieder bildeten einen in sich ge- schlossenen, bestimmt abgegrenzten Kreis von innerlich unter sich verbundenen Personen. Die Mitglieder seien über den ganzen Kreis Kattowitz verbreitet und es habe ein ungewöhnlich starker Wechsel der Mitglieder geherrscht. Von einem inneren Band könne nicht die Rede sein. Das Turnen wäre noch am ehesten geeignet gewesen, ein inneres Band zwischen den Mitgliedern zu knüpfen. Das sei aber im Vereinsleben besonders vernachlässigt worden zu- gunsten der politischen, nationalpolnischen Zwecke des Vereins. Die Sitzung des Vereins sei demnach mit Recht als eine öffentliche angesehen worden und habe aus dem genannten Grunde aufgelöst werden dürfen.— Der Kläger legte Berufung ein. Er stellte fest: In den Jahren ItKtö und 1907 seien alle Mitglieder, die ihren Verpflichtungen nicht nachkamen oder verzogen, von der Mitglied- schaft entbunden worden. So habe der Verein tatsächlich nur noch 48 Mitglieder gehabt. Davon wohnten 26 in Kattowitz selber, 6 in den sich örtlich direkt an Kattowitz angliedernden Orten und die übrigen in Orten, die höchstens 20 Minuten von der Gemarkung Kattowitz entfernt lägen. Unter den Mitgliedern habe sicherlich ein inneres Band bestanden.— DaSOberverwaltungsgericht hob die Vorentscheidung auf und erklärte die polizeiliche Auflösung der Sitzung für unbe- rechtigt, indem es ausführte: Falsch seien die Ausführungen, daß Kläger nicht zum Klagen berechtigt gewesen sei. Kläger sei Mitglied und habe an der Sitzung teilgenommen. Schon des- wegen sei er berechtigt gewesen, wegen der Auf- lösungzuklagen. Dann aber sei unter den festgestellten Um- ständen der Verein als ein solcher anzusehen, dessen Mitglieder- sitzung als g e s ch l o s s e n e zu gelten habe und nicht als eine öffentliche Versammlung. Darum sei die Auflösung unberechtigt gewesen._*- polltifchc dcberlicbt. Berlin, den 31. Mai 1910. Rückschritt überall. Die Riickständigkeit Preußens auf allen Gebieten kam wieder einmal in der Sitzung des Abgeordnetenhauses vom Dienstag zum Ausdruck. Zunächst stand ein freisinnig-nationalliberaler Antrag auf der Tagesordnung, der an die Regierung die Aufforderung richtet, in be- sonderen Ausnahmefällen, in denen die Errichtung von Studien- anstalten und Lyzeen schon aus finanziellen Gründen erschwert ist, zur Befriedigung der Bildungsbedürfnisse der weiblichen Jugend den gemeinsamen Unterricht, die sogenannte Koedukation, zu ge- statten. In anderen Bundesstaaten ist diese Maßnahme längst durch- geführt, aber was fragt der schwarz-blaue Block, der in Preußen das Szepter schwingt, danach? Mit den bekannten Phrasen, daß die Frau ins Haus gehört, daß sie zur Hausfrau von Natur berufen ist. lehnte er unter Assistenz des Ministerialdirektor» Schwartzkopff den Antrag ab. Nicht einmal einer Kommisfionsberatung hielt er diese wichtige Frage für wert. Den größten Teil der Sitzung füllte die Beratung der Denk- schrist über die Ausführung des Ansiedelungsgesetzes für die polnischen Provinzen aus. Alljährlich legt die Re- gicrung dem Landtage eine solche Denkschrift vor, um ihre famose Ansiedelungspolitik zu rechtfertigen. Dank dem Dreillassenwahlsystem hat sie auch für diese unfinnige Politik eine sichere Mehrheit: das Zentrum sondert sich hierbei von den Konservativen ab. aber es wird reichlich ersetzt durch die übrigen bürgerlichen Parteien, die Nationalliberalen. Freikonservativen und einem Teil der Freisinnigen. Grundsätzliche Gegner der Polenpolitil der Regierung find außer dem Zentrum und den Polen nur noch die Sozialdemokraten, in deren Namen Genosse Ströbel, gestützt auf reichhaltiges Material, die Polenpolitik gebührend geißelte und das Märchen zer- streute, als werde dadurch den kleinen Bauern und Landarbeitern geholfen. Unser Redner wie» schlüssig nach, daß auch diese Ne- gierungsmaßnahme lediglich einer Handvoll Großgrundbesitzern Vorteile auf Kosten der Gesamtheit verschafft und daß die Politik der Regierung sicher Fiasko machen muß. Daß unter der Herrschaft des DreiklassenwahlsystemS ein anderer Kurs eingeschlagen wird, ist leider nicht zu erwarten. Die weitere Debatte wurde vertagt. Am Mittwoch fällt die Sitzung aus. Am Donnerstag stehen Initiativanträge auf der Tagesordnung. Die Herrenhäusler auf dem ZdriegSpfade. Im Herrenhause wurde am Dienstag die Etatberatung zu Ende geführt. Vier Tage lang hat sie gedauert, und so verspürm die erlauchten, edlen und geehrten Herren«in starkes Bedürfnis, sich gründlich zu verschnaufen. Erst gegen Mitte Juni wollen sie die Oeffentlichkeit wieder mit dem Genuß ihrer Verhandlungen be- glücken. Ein Genuß ist ef wirklich, den Verhandlungen des Herren- I Hauses zu folgen, wenn auch ein Genuß eigener Sri. Man denkt unwillkürlich an ein Naturalienkabinett, in welchem die mehr oder minder gut konservierten Ueberbleibsel vergangener SchöpfungS- Perioden aufbewahrt find, wenn man die Finckenstein und Klitzing, diese Junker in Reinkulturen, ihre Ansichten vortragen hört. Von Zeit zu Zeit deuten auch heute noch selbst waschechte Reaktionäre, wie Octavio v. Zedlitz, in unbewachten Augenblicken von fern oder auch von nah an, daß man daS Herrenhaus, daS jeglicher Kontrolle entbehrt, nicht so recht ernst nehmen dürfe. Die Verhandlungen vom Dienstag bestätigten diese? nochmals. Da war kein Etat, bei dem nicht so oder so irgend welche mehr als mittelalterlichen Rückständigkeiten zu Tage traten. Dank der professoral-bürgermeisterlichen Beimischung, die etwas wie grön- ländischen Sonnenschein in die junkerliche Polarnacht des Herren- Hauses bringt, wagte sich von Zeit zu Zeit ja auch einmal ein leid- lich verständiger Gedanke anS Tageslicht. So z. B. sprach der alte A d o I f W a g n e r die an sich banale, aber in dieser Umgebung beinahe fortgeschrittene Forderung aus, daß man die jungen Juristen ein wenig mit nationalökonomischen Kenntnissen versehen möge. Das war beim Etat der Justiz, an deren Spitze ein Bürgerlicher aus der Gelehrtenfamilie der Beseler steht, der ganz gewiß nicht an einem Ueberfluß von Modernität leidet, aber der den Moltke und Heeringen gegenüber sich immer noch wie ein Lichtbringer ausnimmt. Beim Etat des Ministeriums des Innern, dieser ureigensten Domäne des Junkers, brach der herrenhäuslerische Junkergeist in' seiner ganzen Urwüchsigkeit hervor. Da war der Graf v. Fincken- stein, der von wegen Oletzko-Lhck und Johannesburg die National- liberalen freventlichen Umsturzes allerheiligster Güter zieh. Herr v. Klitzing durfte natürlich nicht fehlen, und zeterte über den an- geblich zu humanen Strafvollzug so kräftig, wie über die reinen Handtücher auf der Eisenbahn und die luxuriösen Schul- p a l ä st e. Den Vogel aber schoß der Junker v. B u ch ab. Daß die HerrenhanSjunker sich ungehindert von ihrem Präsidenten am Reichstage reiben, ist eine zu alte Erscheinung, um noch besonders aufzufallen. Aber selbst daS DreiklaffenhauS ist jetzt nicht mehr sicher vor dem Schicksal, daS eS hoffentlich mit Würde zu tragen wissen wird, von den preußischen Lords angerempelt zu werden» Ganz besonders entrüstet sind die geborenen Gesetzgeber über die Anmaßung der gewählten Gesetzgeber, auch ihrerseits F r e i f a h r- karten besitzen zu wollen. Wie die HerrenhäuSler ihren Garten nicht mit den Abgeordneten teilen wollen, so betrachten sie die par- lamentarischen Freifahrkarten auch als ein heiliges Vorrecht der ersten Klasse I Sehr niedlich waren auch die Klagen de? v. Buch über Ver- rohung des parlamentarischen ToneS. Sie nehmen sich wundervoll aus hier im Hause, wo die Stumm und Genoffen von Lause- jungen sprächen, den Reichstag, das allgemeine Wahlrecht, die Sozialdemokratie. Eugen Richter, Zentrumsführer usw. mit direkt in der Gosse aufgelesenen Ekelnamen bedachten, ohne daß der da- malige Präsident Fürst v. Wied, der Schwiegervater einer württem- bergischen Königstochter, im Namen des parlamentarischen AnstandeS einzugreifen sich veranlaßt sah. Ein Schauspiel von überwältigender Komik: HerrenhauSjunker über parlamentarische Verrohung zeternd! Wie schon gesagt, kam die Etatberatung am Dienstag zu Ende und der preußische Etat ist somit, wenn auch mit zwei Monaten Verspätung, fertig._ Die Einigungsverhandlungen im Baugewerbe kamen heute in einer Sitzung im Reichstage zum vor- läufigen Abschluß. Die von den Unparteiischen ge- machten Vorschläge werden nunmehr von den beteiligten Organisationen durchberaten, bis spätestens 6. Juni, abends 9 Uhr, haben sie die Erklärung über die Annahme der Vor- schlage beiin Reichsamts des Innern einzureichen. Am 13. Juni tritt das Schiedsgericht, das über den Konflikt end- gültig entscheiden soll, zusammen. Die Vorschläge geben wir in der ersten Beilage dieser Nummer im Wortlaut wieder. Schluh mit der Tabakarbeiterunterstützung. Am Montag hat abermals eine Konferenz des Reichs» fchatzamts mit den Vertretern der vier Tabak- arbeiterverbände wegen der Regelung der Unter» stützungsfrage für die arbeitslosen Tabak- a r b e i t e r stattgefunden. Reichsschatzsekretär Mermuth sowie Unterstaatssekretär Kühn betonten ausdrücklich, daß der Art. 2a des Tabaksteuergesetzes als erledigt zu be- trachten sei, da der in dieseni Artikel ausgesetzte Unter- stützungsbetrag in Höhe von 4 Millionen Mark aufgezehrt ist. Von den Arbeitervertretern wurde entschieden der gegen- teilige Standpunkt vertreten und dabei auf die Vorgänge und die Stellung des Reichstages bei Beratung und Beschluß- fassung der Materie verwiesen. Die Vertreter des Reichs- amtes hielten aber an ihrer Auffassung fest: Unterstützungen über 4% Millionen hinaus könnten nur im Sinne der Er- klärungen des Reichsschatzsekretärs Mermuth in der Budget- kommission und im Reichstage am 16. März d. I. gezahlt werden. Andererseits gebiete es die Verwaltung der Finanzen, baldigst mit der Zahlung der Unterstützungen abzubrechen. Die Absicht, die Zahlung der Unterstützungen sofort einzu- stellen, besteh« jedoch nicht. Es soll vielmehr eine U e b e r- g a n g s z e i t geschaffen werden, bei der eine Berücksichtigung der arbeitslosen verheirateten Tabakarbeiter in Aussicht genommen sei. Zwischen zwei Vorschlägen könne nur gewählt werden. Entweder man unterstützt alle arbeits- losen Tabakarbeiter, auch solche, die noch arbeitslos werden, in einer noch näher zu bestimmenden kürzeren Zeit, unter der Voraussetzung, daß von einem bestimmten Termine an die Unterstützungssätze herabgesetzt werden, oder aber es erhalten nur die momentan vorhandenen arbeitslosen Tabakarbeiter Unterstützung unter gleichen Voraussetzungen, für eine viel- leicht etwas längere Zeit. Die U n t e r st ü tz u n g s d a u e r könne jedoch auch in diesem letzteren Falle über dieses Jahr hinaus nicht ausgedehnt werden. Beider Regierung bestehe die bestimmte Absicht, die Unterstützungen baldigst einzustellen. Von den Arbeitervertretern wurde erklärt, daß. wenn nichts anderes übrig bleibt, als zwischen zwei Uebeln zu wählen, der erste Vorschlag akzeptabler sei. nur dürfe die Unterstützungsdauer und Unterstützungsberechti- gung für die Familienväter nicht schon, wie beabsichtigt, am i. Dezember d. I. beendet sein. Der Endtermin müsse über- Haupt in eine bessere Periode des kommenden Jahres ver- legt werden. Eine völlige Uebereinstimmung über die Unter- stützungssdauer im allgemeinen und speziell für verheiratete und lcdige Tabakarbeiter und über die Unterstützungssätze wurde nicht erzielt. Die weitergehenden Vorschläge_ der Arbeitervertreter sollen einer eingehenden Prüfung im Reichs- schatzamt und Bundesrat unterzogen werden. Nach Erlaß neuer Ausführringsbestimmungen iverden die jetzt bestehenden Unterstützungsbcstimmungen des Art. 2a eine entsprechende Aenderung erfahren. Die Regierung will also möglichst bald Schluß machen mit der UnterstntzMg der aiMt3is>icn Tabakarbeiter, während die bösen Folgen der Steuererböbung noch immer unver- mindert fortdauern! Das Reich hat kein Geld mehr für die Opfer der konservativ-klerikalen Steuerpolitik. Das Zentrum hat erklärt, wenn die ursprünglick)e Unterstüjzungs- fumme nicht reiche, würde nachbewilligt werden. Wird es die widerstrebende Regierung dazu zwingen? Schwartzkopff Unterstaatssekretär. AuS dem preußischen Kultusministerium ist der Unterstaatssekretär Weder aus Gesundheitsrücksichten geschieden. Der bisherige Ministerialdirektor im Kultusministerium. Dezernent des Volksschulwesens. Dr. Schwartzkopff, ist zum UnterstaatSselretär ernannt worden. Herr Schwartzkopff war bisher schon einer der einflußreichsten Männer im Kultusministerium. Unter den unbedeutenden Kultus- ministem, mit denen Preußen in den letzten Jahren gesegnet, war er der eigentliche Herr der Volksschule, die er ganz im Geist der Junker und des Zentmms verwaltet hat. Mit ihm gelangt ein ausgesprochener Reaktionär auf den Seffel des Unterstaatssekretärs. Die Ernennung entspricht also durchaus dem Kurse, der in Preußen überhaupt gesteuert wird. Zum Ministerialdirektor an Stelle Schwartzkopffs ist der Ge- Heime OberregierungSrat v. Bremer ernannt worden, zum Diri- genten der Volksschule der Geheimrat Müller. Die Finanzen Togos. Die Verrechnung der Einnahmen und Ausgaben deS Schutzgebietes Togo im Rechnungsjahre 1309. d. i. für die Zeit vom 1. April 1909 bis 31. März 1910, ist soweit erfolgt, daß ein sicherer Ueberblick über die Finanzlage des Schutzgebietes gewonnen werden kann. Im ganzen wird das Schutzgebiet, wie im„Amtsblatt für Togo" mitgeteilt wird, im Rechnungsjahre 1903 mit einem Ueber- schuß von rund 322 000 Mark rechnen können. Wieder ein Todesmarsch. In Müllheim in Baden hatte in voriger Woche die S. Komp. des 2. Bataillons des 7. Bad. Jnf.-Regiments Nr. 142 eine Uebung auf dem HabSheimer Exerzierplatz. Sie endigte damit, daß SO Mann schlapp geworden sind; zwei Mann starben. Der zweite wurde am Donnerstag bereits begraben. Acht Mann liegen noch im Lazarett, zum Teil an Lungenentzündung erkrankt. Die Uebung selbst soll für die 8. Kompagnie ein Straf» exerzieren gewesen sein. Leider ist eS bei der Verschwiegenheit, mit welcher man sich in militärischen Kreisen bei derartigen Gelegenheiten umgibt, nicht möglich, näheres über die Sache zu erfahren. Und doch tut öffentliche Aufklärung dringend not. Wir fragen: Wer hat die Uebung angeordnet? Wie heißen die gestorbenen Soldaten? Wer bürgt dafür, daß derartige Exerzitien sich nicht wiederholend Zur neuesten Offenbacher Kommunalaffäre. Die im Herbst d. I. stattfindenden Offenbacher Kommunal- Wahlen werfen schon ihre Schatten voraus. Das gleiche, geheime und fast allgemeine, weil nur an einen dreijährigen Aufenthalt in der Gemeinde gebundene Wahlrecht hat der Sozialdemokratie wiederholt die Mehrheit in der Offenbacher Stadtverordnetenver. fammlung verschafft, zum Entsetzen der dominierenden Unter- nehmerclique in dieser reinen Fabrikstadt. Mit allen, auch den schäbigsten Mitteln, hat man es mehrere Male verstanden, den Sozialdemokraten die Mehrheit wieder zu entreißen. Alle drei Jahre wird ein Drittel der Stadtverordneten neu gewählt. Bei den letzten, im Herbst 1903 stattgehabten Wahlen gelang es den vereinigten Bürgerlichen, Nationalliberalen und Zentrum, das neu zu wählende Drittel der Stadtverordneten— in für die ganze Stadt geltender Listenwahl— mit etwa 250 Stimmen Mehrheit für sich zu ergattern. Das Mittel dazu war allerdings wieder mal sehr unsauber. Unmittelbar vor der Wahl, so daß eine Klar- stellung für die Masse der Wähler der sozialdemokratischen Partei nicht mehr möglich war, verbreiteten die Bürgerlichen durch Flug» blätter und Plakate die Räubergeschichte, der„sozialdemokratische" Bürgermeister Dr. Düllo habe eine halbe Million Mark des Stadt- Vermögens dadurch verschleudert, daß er ohne Wissen und Willen der Stadtverordneten städtische Gelder in einem faulen Aktien» unternehmen angelegt habe. Die Schuld trage die bisherige sozial- demokratische Mehrheit, die an Stelle des„bewährten" früheren Oberbürgermeisters Brink den neuen Bürgermeister Dr. Düllo er- wählt habe. Da sich eine Anzahl unsicherer Kantonisten unter den Wählern kopfscheu machen ließ, gelang den Bürgerlichen der feine Plan, und sie gewannen den„Sieg" mit knapper Mehrheit. Ihre große Verlegenheit um neue zugkräftige Mittel für den jetzt bevorstehenden Wahlkampf hat die Herren nun veranlaßt, den Versuch zu machen, nochmals mit jenem Kalbe zu pflügen. In der Tat hatte Bürgermeister Dr. Düllo seinerzeit den Fehler gemacht, auf den Rat des Bankiers Wolff in Frankfurt, der auch schon seinen Vorgänger. Oberbürgermeister Brink, in Finanzsachen beraten hatte, städtische Gelder in den bekannten„Kaiserhofaktien" anzu- legen, ohne den für solche Zwecke bestehenden Ausschutz der Stadt- verordneten um seine Zustimmung anzugehen. Verschiedene in den damaligen wirtschaftlichen Verhältnissen liegende Ursachen brachten daS Berliner Unternehmen zu schweren Schaden, so daß auch der Stadt Offenbach ein Verlust von rund 167 000 Mark in Gestalt von Kursverlust entstand. Die Stadt verklagte zunächst den Bankier Wolff in Frankfurt auf Schadenersatz, der Prozeß schleppt sich jedoch schon seit zwei Jahren hin, ohne eine Entscheidung zu bringen. Angeblich, um nicht die Frist zur Erhebung der Schaden- ersatzansprüche an den Bürgermeister zu versäumen, hat nun in diesen Tagen die bürgerliche Mehrheit beantragt, die Klage auch gegen Bürgermeister Dr. Düllo zu erheben. DiesemAntrage stlmmten auch die Sozialdemokraten zu. die selbst- verständlich die Pflicht anerkennen, den durch etwaiges Verschulden des Bürgermeisters der Stadt verursachten Schaden zu beheben oder doch zu verringern. Die Rechtslage läßt allerdings eine Ver- urteilung des Bürgermeisters sehr unwahrscheinlich erscheinen. andererseits wird vermutet, daß das Ministerium die erforderliche Zustimmung zur Klage versagen werde. ES kommt den Bürger- lichen, die die Schwierigkeit und Aussichtslosigkeit ihres Vorgehens gegen den ihnen verhaßten Bürgermeister durchaus erkennen, offen. bar auch w e n i g auf einen materiellen Erfolg für die Stadt. als vielmehr darauf an, durch erneutes Ausnutzen dieser„Kaiser. Hofaffäre" sich etwas frischen Wind in die recht schlaffen Segel ihrer Kommunalagitation zu verschaffen. Daher also die neue Offenbacher„Kommunal- affäre. Uebrigens ist, wie gegenüber der mißverständlichen Darstellung eines Depeschenbureaus festzustellen ist. nach der einstimmigen An- ficht der Stadtverordneten in der beschließenden Sitzung in die persönliche Ehrenhaftigkeit und Integrität des Bürgermeisters auch nicht der leiseste Zweifel zu setzen.. Die Straffenkämpfe in Dortmund. - Dortmund. 30. Mai. Es heißt, daß die Straßenkämpfe der vorigen Woche einen Lawdfriedensbruch-Plrozeß zur Folge haben werden. Am lebten Samstag abend wurden 1 4 Per. föne» verhaftet, die sämtlich unter Anklage gestellt werden sollen. Bei den Kämpfen am Samstag abend sollen auch etwa LO Beamte verletzt Ivorden sein. Die Zahl der Verletzten aus dem Publilum ist groß, aber unbestimmt. Es melden sich noch immer Leute mit schweren Verletzungen. Fürchterlich wüte- ten die Pol i z e i h u n d c, die Beamten gingen fortwährend mit blanker Waffe vor. Bei der Polizei sind etwa ein Dutzend Personen HMint LejpMxp. die duxch SgheMKx oder Hündebisse verletzt worden sind. Namentlich die Verwendung von Hunden hat große Erbitterung hervorgerufen. In der Menge trieben sich auch Spitzel herum, wie diesmal zweifelsfrei festgestellt wurde. Solch einLumpforderte di- rektauf, ein fünftes noch heiles Schaufenster der FirmaHannemannauchnochzuzertrümmern, wurde dann aber beobachtet, wie er mit anderen Polizeibeamten schmutzte. Er wurde erkannt und darauf die Polizei aufgefordert, den Namen des Kerls festzustellen. Es wurde den Beamten ausdrücklichst ge- sagt, daß er zum Einwerfen der Scheibe ausgereizt habe. D i e Beamten weigerten sich aber entschiede ns den Namen festzustellen. Dies muß festgehalten werden, weil die bürgerliche Presse die Attacken der Polizei als gerecht- fertigt hinstellen will. In den Artikeln der bürgerlichen Presse, die zweiffellos auf Berichte der Polizei zurückzuführen sind, wird auch behauptet, in den verschiedensten Straßen seien die Beamten aus den Fenstern mit Flaschen und Blumentöpfen beworfen war- den. Auch sei aufdie Beamten geschossen worden. Wenn es sich nicht um direkte Erfindungen handelt, hat man es doch sicher mit Aufbauschungen zu tun, um das unerhörte Vor- gehen der Polizei gerechtfertigt erscheinen zu lassen. Inzwischen macht sich auch bei den Wirten und an deren Geschäftsleuten eine große Erregung bemerkbar, weil sie durch die Vorgänge erheblich geschädigt werden. Sie verlangen nun nichts weniger, als daß die Behörde baS HannemaTn- s ch e Geschäft einfach schließen lassen soll, wozu freilich eine gesetzliche Handhabe nicht vorhanden ist. » Uebrigens ist Herr H a n n e m a n n des Kampfes endlich doch müde geworden. Montag morgen erschien die Frau des Firmeninhabers auf der Redaktion der„A r b e i. terzeitung". um diese um Vermittelung zu ersuchen, damit der Konflikt beigelegt wird. Sie sagte Berücksichtigung aller Wünsche zu. der Lohn soll nicht gekürzt werden und die Ausgesperrten ssoülen wieder eingestellt. werden. Der Gauvorsteher der Tabakarbeiter wurde hiervon ver- ständigt. Die Verhandlungen sind also angebahnt, die hoffentlich zur Beilegung der Differenzen führen werden. Gegen das schlechte Einschenke«. München, 28. Mai. Der Landtag verhandelte heute über eins echt national-bayerifche Angelegenheit: Das schlechte Ein- schenken. In Bayern ist der undurchsichtige Matzkrug das gewöhnliche, landesübliche Trinkgefäß. Infolgedessen konnte hier der Unfug des schlechten Einschenkens und zwar deS absichtlichen und betrügerischen schlechten EinschenkenS stark um sich greisen. Ja es soll sich bei den Schenkkellnern der großen Bierkeller geradezu eine besondere Technik des schlechten Einschenkens ausgebildet haben. Da ist es durchaus begreiflich, daß sich die bayerischen Biertrinker in ihren berechtigten Interessen schwer geschädigt fühlten und zur Wahrung ihrer heiligsten Güter einen„Verband zur Bekämpfung betrügerischen Einschenkens(E. V.)" gründeten. Dieser Verband hat dann durch seine Mitglieder nach einem bis ins Detail ausge- arbeiteten Schema scharfe Kontrolle üben lassen, um das Publi» kum vor der Uebervorteilung zu schützen. Daß es sich tatsächlich in vielen Fällen um einen systematisch organisierten Betrug deS Publikums handelt, geht aus zwei vor Gericht eidlich erhärteten Tatsachen hervor. Einmal ist festgestellt, daß in außerordentlich zahlreichen Fällen die Biertrinker wohl für einen Liter bezahlen mutzten, in ihrem Maßkrug aber kaum mehr als einen halben Liter Bier hatten. Zum andern ist festgestellt, daß die Schenkkellner häufig überhaupt keinen Lohn erhalten, sondern darauf angewiesen sind, durch schlechtes Einschenken etwas zu verdienen. Ja es ist vor Gericht erwiesen worden, daß Schenk- kellner nicht nur keinen Lohn erhielten, sondern pro Hektoliter verzapften Bieres noch 2, 3, 4 und 5 Mk. an den Wirt abliefern mutzten, trotzdem diese Pächter der großen Lokale nicht selten ein Ministereinkommen haben. Dem Landtage lag nun neben verschiedenen Petitionen auch ein Antrag vor, der dem Unfuge steuern will. In den Petitionen und Zeitungen werden verschiedene Mittel vorgeschlagen. Die einen wollen den Rand des Trinkgefäßes über dem Maßstrich von 1 Zentimeter auf 3 erhöht haben, die andern wollen den Schenk- kellnern und Wirten mit dem Betrugsparagraphen zu Leibe rücken, wieder andere wollen, daß einem solchen Wirte di�Konzession ent- zogen wird. Alle aber sind einig, daß diesem Volksbetrug, diesem „nationalen Elende", wie eine bayerische Zeitung sich ausdrückte, ein Ende gemacht werden muß. Tüchtige Mathematiker haben ausgerechnet, daß die Biertrinker in München allein durch das schlechte Einschenken um vler Mliklionen Mark bestohlen werden. In richtiger Erkenntnis der Sachlage gab der Landtag der Regierung die Petitionen zur Würdigung hinüber. Die Polizei— Obrigkeit des VolkeS! Ein alter ehrbarer Handwerksmeister in Braunschweig hat einige Tage nach der Wahlrechtsdemonstration der Arbeiter, bei der der Polizeisäbel so blutige Arbeit verrichtete, auf der Straße einen Polizisten mit den Worten angeredet:„Haben Sie jetzt den Säbel eingesteckt, so daß man als friedlicher Bürger auf der Straße gehen kann, oder wird man noch von der Polizei auf der Straße überfallen?" Der Mann wurde von dem Schöffen- pericht zu 21 M. Geldstrafe verurteilt. Er sowohl wie die Staats. anwaltschaft legten Berufung ein. Die Strafkammer deS Landgerichtsdirektors Rotzmann hatte über diese Berufung zu be- finden. Der Staatsanwalt wollte keine höhere Strafe be- aiitragen. weil der Mann schon betagt und noch unbestraft ist. DaS Gericht erkannte jedoch auf 14 Tage Gefängnis. Der Präsident begründete das Urteil damit, der Mann habe keine Veranlassung gehabt, den Polizisten anzureden; er habe sich aber an den Beamten reiben wollen. Deshalb habe daS Gericht auf Gefängnis erkannt, um den Angeklagten und Leuten von gleicher DenkungSart zu Gemüte zu führen, daß die Polizei ihre Obrigkeit fei, die sie zu respektieren haben! Seit dem 26. Januar, dem Abend der Polizeiattacken gegen die Arbeiter, saß der Genosse Lingenauer in UntersuchungS- Haft, weil er sich die völlig grundlosen Säbelhiebe eines Polizei- Wachtmeister» nicht wie ein Hund gefallen lassen hat. sondern auf diesen„Schutzmann" eingedrungen ist, wobei dieser zu Boden stürzte. Am Sonnabend endlich ist Genosse Lingenauer nach früheren vergeblichen Anträgen seines Verteidigers gegen Hinter- legung einer Kaution im Betrage von 500 M. aus der Unter- suchungshaft entlassen worden. Ueber 4 Monate ist unser Genosse in Haft behalten worden, und jetzt soll er noch wegen Aufruhrs und LandfriedenSbrnchtz vor daS Schwurgericht gestellt werden! Ocftcrrdch. Arbeiterforderungen. j Mehr Sezialpolitik forderte Genosse Dr. Adler im Budget- auSschuß deS österreichischen Abgeordnetenhauses. Immerhin ist dank seiner Bemühungen wenigstens ein Mehrbetrag von 200 000 Kr. für die Gewerbeinspektion eingestellt. Allein man stellt keine Inspizienten aus Arbeiterkreisen an und den Arbeiterkontrolleuren des Wiener Bauwesens werden die Instruktionen vorenthalten. Seit einem Jahr ist außer dem international vereinbarten Gesetz über die Nachtarbeit der Frauen leine sozialpolitische Vorlage eingebracht worden. Resolutionen von Adler und Seitz(Einführung mindestens eineinhalbstündiger Pausen für die Hüttenarbeiter, 24stündige Sonntagsruhe in den Mühlen und Beschleunigung der Handelsvertragsverhandlungen mit Serbien. Montenegro, Bul» garten und Argentinien) wurden der Regierung zur Würdi» gung überwiesen. Genosse Beer forderte ein Verbot der BlxiperwkndLng ff» per FeikeverMgung. Eine halbe Milliarde neuer Ausgaben. Wien, 31. Mai. Im Finanzausschuß des Abgeordnetenhauses machte heute Finanzminister Ritter von BilinSki Mit- tcilungen über die voraussichtlichen künftigen Bedürfnisse deS Staatshaushalts. Die soziale Versicherung werde achtzig bis neunzig Millionen erfordern, die Verkürzung der Dienstzeit infolge der Erhöhung des Rekrutenkontingents eine andauernde Mehrausgabe von mindestens neunzig Millionen bedingen, welche auf vier bis fünf Jahre gestaffelt werden können, daneben bedeutende einmalige Forderungen für neue Kasernen, Uniformen und Vorräte sowie für Vervollständigung der Befestigungen. Die Flotten- ausgaben werden bedingt teils durch den Ersatz der ab- gebrauchten Schiffe, teils durch den Bau von Dreadnoughts und damit zusammenhängenden sonstigen Schisfseinheiten. Hierfür werden mehr als 300 Millionen erforderlich sein, die allerdings durch Anleihen aufzubringen sind und nicht auf eine größere Reihe von Jahren verteilt werden können. Bei recht- zeitiger Vorsorge für das jetzige Defizit werde das Budget ge- nügend elastisch sein, um künftigen Militärauslagen ohne Einführung neuer Steuern gerecht werden zu können. Ungarische Wahlen. Wien, 31. Mai. Im Wehrausschusse protestierten ein kroati- scher und ein christlichsozialer Abgeordneter gegen die Ent» f e n d u n g von Truppen nach Ungarn aus Anlaß der Wahlen. Der Landesverteidigungsminister erklärte sich bereit. den Protest dem Kriegsministerium zur Kenntnis zu bringen und dessen Antwort dem Ausschusse mitzuteilen. Ferner wurde im Budgetausschusse ein slowenischer Antrag angenommen, in dem der Landesverteidigungsminister aufgefordert wird. Erklärungen über die Entsendung der Truppen abzugeben. franhmeb. Zu den Reserdistcnunruhen. RimeS, 31. Mai. Unter der Anschuldigung, am 23. Mai. dem Tage der Reservistenmeuterei im Lager von M a s s i l a n, dem Oberst des Regiments einen Kolbenstoß versetzt zu haben. ist der Reservist Therondverhaftet worden. T h e r o n d will sich nicht erinnern können, doch hat der Oberst ihn als Täter wieder- erkannt. flnnlanä. LandtagSschluß. HelsingforS, 30. Mai. Der Landtag ist heute ge-. schlössen worden. Dabei legte der Talman dem General- gouverneur die Beschlüsse deS Landtag? in finnischer und schwedischer Sprache vor, die durch kaiserlichen Befehl vom Mai 1909 vorgeschriebene russische Uebersetzung fehlte. obgleich der Befehl durch einen zweiten Erlaß vom 25. Mai 1910 bekräftigt und dem Talman ausdrücklich zur Kenntnis gebracht worden war. - Zürkcl Der Aufstand in Albanien. Konstantinopel, 30. Mai. Nach einer Meldung des Kriegs» Ministers haben 40 Bataillone den Vormarsch nach Djakova und Jpek begonnen. Der Kriegsminister befindet sich an der Spitze von fünf Bataillonen, die heute früh Prizrend verließen und morgen oder übermorgen in Djakova eintreffen. Hiid der Partei. Ein Siebzigjähriger. In Leipzig feierte am Dienstag der Genosse Julius R L t h i n g seinen 7 0. Geburtstag. Er gehört zu den Gründern des Allgemeinen deutschen Arbeiter- Vereins und war darin hervorragend tätig. Nach 1875 hat Röthing mit regem Eifer für die geeinte Partei gearbeitet bis auf den heutigen Tag. Möge er noch viele Jahre in gleicher Nüstig- keit für die Arbeiterbewegung wirken. In Nr. 114 des„Vorwärts" brachten wir eine launige Zu- fchrift des Genossen Bebel an die„Leipziger Volkszeitung". worin er im Anschluß an Erinnerungen aus den 70er Jahren, die Genosse Röthing in diesem Parteiblatt veröffentlicht hatte, erzählt, wie er bei einem Zusammenstoß in den Fraktionskämpfen jener Zeit dem Genossen Röthing grimmig in die Haare ge- fahren ist._ Die Organisation in Kannstatt-LudwigSburg und die Reichstagsersatzwahl. Auf einer außerordentlichen Generalversammlung deS 2. württem- bergischen Wahlkreises(Kannstatt-LudwigSburg). die am Sonntag in Zuffenhofen tagte und sich mit der bevorstehenden ReichStagSersatzwahl im Kreise beschäftigte, wurde mitgeteilt, daß die Organisation Forlschritte gemacht habe. Am 1. April 1907 bestanden 31 Mitgliedschaften mit 3017 Mitgliedern; am 1. April 1910 waren es 41 Mitgliedschaften und der Mit- gliederstand kann zurzeit auf nahezu 4000 geschätzt werden. Beschlossen wurde, Sammellisten vom Kreisvorstand nicht ausgeben zu lassen, dagegen von den Mitgliedschaften einen Extrabeitrag von 20 Pf. pro Mitglied zu erheben. Ferner wurde eine Re- solution von Reichle-Fellbach angenommen, die emvfiehlt, in der Wahlagitation und am Wahltag möglichst oeS A l k o h o l« genusseS sich zu enthalten. Als Kandidat wurde Genosse Landtagsabgeordneter Keil» Stuttgart, leitender Redakteur der„Schwäbischen Tagwacht", be» stättgt. Die Verhandlungen adneten frohe Zuversicht— bei energischer Arbeit könne der KreiS gewonnen werden. An die Generalversammlung schloß sich eine große Versamm- lung unter freiem Himmel aus der Schlotwiese. Au 6000 Menschen waren dort zugegen. Es sprachen unter lautem Beifall die Genossen Reichstagsabgeordneter Scheidemann, der Kandidat Keil und Reichs- und LandtagSabgeordneter Hildenbrand. Ein Gemeindewahlsieg in Böhmen. DaS böhmische Gemeindewahlgesetz knüpft daS Wahlrecht an direkte Steuerleistung. Sie beginnt für solche, die weder Grund- noch Hausbesitzer sind bei einem Einkommen von 1200 Kronen. Bei den niedrigen Löhnen hat das die Folge, daß die Arbeiter der böhmischen Städte gänzlich entrechtet sind. Nun ist eS den Genossen in dem ganz tschechischen Pardubitz gelungen, zwei Kan» d i d a t e n(neben zehn Jungtschechen) im dritten Wahlkörper durch» zubringen.__ Jugendbewegung. Arbeiicr-Jugeud. Die soeben erschienene Nr. 12 hat u. a. folgenden Inhalt: Deutschlands Schutz und Wehr. Von Julian Borchardt.— Aus der Geschichte der Sozialdemokratie. II. Von Wilh. Schröder.— Aus meiner Kindheit. Von Otto Krille.— Sprüche.— Wie entstand unsere Erde.(Mit Illustrationen.) Von M. H. Baege. Mehr Jugendschutz I Bon P. Blum.-» Aus der Jugendbewegung.— Vom Kriegsschauplatz.— Die Gegner an der Arbeit.— Fremd» Wörter.— Briefkasten. Beilage: Gefundenes Geld.— Der Wanderer von Syrakus. Bon Edgar Hahuewald.— Ein sozialistischer Künstler(illustriert). Bon Otto Krille.— Der Wilde. Gedicht von Seume.— Etwas vom Wandern. Von Aug. Wysoeki.— Erde und Pflug. Ernte- mittag. Arbeiter. Gedichte von Ernst Lissauer.— I» schlechter Zeit. von Emma Döltz. MS- Weitet! Wckigtiichn! MM kr tiMentle» AmMer!-Mg Verbandstag des Zentralverbandes der liiaurer Deutkblands. Den Delegierten hiermit zur Kenntnis, daß der nächste Verbandstag am Montag, den k. Juni, zu Berlin stattfindet. Die Delegierten werden ersucht, sich so einzurichten, daß sie S o n n t a g, den 5. I u n i, abends in Berlin ein- treffen. Weitere Einzelheiten werden durch Zirkular mitgeteilt. Der Verbandsborstand. I. A.: Th. Bömelburg. GewerK lcbaftlicbe�. 25 IaKre öchtrriedcorgamration. In diesem Jahre können eine ganze Anzahl Zentrakderbände auf eine ISjährige Organisationstätigkeit zurückblicken. Unter ihnen auch der Verband der Schmiede. Auch ihm blieben die Drang. fale des Ausnahmegesetzes nicht erspart. Die Anfänge der Schmiede. organisation sind in Hamburg zu suchen. Dort wurde 18!j3 ein Fachverein ins Leben gerufen. Der Gründer und Vorsitzende des Vereins, der Genosse B a s n e r, der noch heute im Verbände rührig tätig ist, wurde auf Grund des Schandgesetzes ausgewiesen. Bald gründeten sich auch anderorts lokale Vereine. Im Mai 1385 hielten die an neun Orten bestehenden Lokalvereine in M a g d e- bürg eine Delegiertenversammlung ab, auf der der Organisation eine zentralistische Grundlage gegeben und als Sitz Berlin be- stimmt wurde. Als Publikationsorgan galt die„Metallarbeiter- tethmg". 1887 wurde dann auf der Generalversammlung zu annover der Sitz der Vereinigung nach Hamburg verlegt und beschlossen, ein eigenes Bereinsorgan herauszugeben, das den Namen „Bruder Schmied" führte. Zwei Jahre später konnten schon in 16 Zahlstellen 1205 Mitglieder gemustert werden; 1890 waren auf dem Verbandstag schon aus 37 Orten 41 Delegierte erschienen, und 1897 zählte die Organisation 2250 Kämpfer, 1901 sodann in 110 Zahlstellen 6240 Mitglieder. Die Organisation wirkte in ihrem inneren Ausbau, sie schuf Unterstützungseinrichtungen und stellte besoldete Genossen zur Leitung der Geschäfte an. Aber auch auf dem Kampfplatz trat sie nun stärker hervor und erzielte durch Lohn- bewegungen eine materielle Hebung der Berufskollegen. Die Ge- neralversammlung im Jahre 1906 in Berlin sah 182 Zahlstellen mit 17191 Mitglidern vereinigt. Die nachfolgenden Jahre der Krise verminderten den Mitgliederstand etwas, so daß der Verband im vergangenen Jahre mit etwa 15 000 Mitgliederbestand abschloß. Zum JubiläumStage hat der Verbandsvorstand eine prächtig ausgestattete Festnummer der„Schmiede-Zeitung" herausgegeben, die neben wohlgelungenen Porträts der früheren Leiter und Grün- der der Organisation eine Schilderung der Kämpfe und Geschichte der Organisation enthält. Diese Festnummer enthält als Geleit einen kleinen Aufsatz vom Genossen A. B e b e l als sein Glückwunsch. dem sich ein Artikel„Ein Rückblick" vom Genossen E. Legren anschließt._ Berltn und Umgegend. Die Lohnbewegung in den Weihbierbrauereien. In einer zahlreich besuchten Versammlung der Arbeitnehmer auS den Weißbierbrauereien, die am Sonntag im GewerlschaftS. bauS stattfand, berichtete Uthes über daS Ergebnis der Tarif- Verhandlungen mit den Brauereibesitzern. Die Verhandlungen sind im allgemeinen gut von statten gegangen. Sie habm, sich aller- dings ziemlich lang hingezogen und sind auch jetzt noch nicht ganz beendet. Zu Anfang, bei einer unverbindlichen Aussprache am 14. April, hatten die Arbeitgeber sich zuerst unter Hinweis auf den schlechten Geschäftsgang gegen jede Lohnerhöhung ausgesprochen und sich schließlich nur bereit erklärt, bei Verlängerung des alten Tarifs die Löhne des inneren Betriebspersonals, wo es notwendig erschiene, etwas zu erhöhen. Bei den Verhandlungen im Mm. die auf Grundlage der eingereichten Tarifvorschlage geführt wurden, zeigten die Arbeitgeber etwas mehr Entgegenkommen und bewiesen damit, daß sie die Notwendigkeit einer Verbesserung der Lohn- und Arbeitsbedingungen anerkannten. Allerdings bleibt das Ergebnis der Verhandlungen. daS in der Sitzung am 23. Mai zustande kam und nun der Versammlung zur Begutachtung vorgelegt wurde, ein gut Stück hinter den gestellten Forderungen zurück. Gefordert wurde für das innere Personal die bs�stündige Arbeitszeit, die innerhalb 10 Stunden liegen sollte; bewilligt ist die 9zL stündige innerhalb 12M Stunden, was eine Arbeitszeitverkürzung um eine halbe Stunde bedeutet. Für die Darrheizer soll die Bruttoarbeits- zeit 12 Stunden betragen. Die Mindestlohnsätze deS inneren Per. fonals wollen die Arbeitgeber um 2 M. erhöhen, so daß der An- fangSlohn 27 M. die Woche beträgt und nach einjähriger Beschäfti. aung mindesten? 23 M. gezahlt werden sollen, und der Mindest- lohn der Handwerker 30 M.. der der Böttcher 34 M. sein soll. Ueber die Löhne der Flaschenkellereiarbeiter und der jugendlichen Arbeiter zu verhandeln, lehnten die Arbeitgeber ab. weil hierbei nur zwei Brauereien, die von Willner und die von Hartmann, in Betracht kämen. Die Arbeiter möchten sich mit den Herren per- sönlich in Verbindung zu setzen. DaS ist dann auch geschehen. Die Heiden Brauereien haben sich bereit erklärt, diesen Arbeitern je nach Alter und Leistungen 2 M. Lohnzulage zu gewähren. Dies An- gebot kann jedoch keineswegs alS befriedigend angesehen werden. da die Festsetzung eines bestimmten Mindestlohnes auch für diese Arbeiter notwendig erscheint.— Für Ucberstunden haben die Unternehmer bei 27 M. Wochenlohn 55 Pf., bei über 27 M. 60 Pf. zugestanden; an den großen Feiertagen 65 und 70 Pf. Es soll bet Ueberzeitarbeit eine viertelstündige Pause ohne Lohnabzug gewährt werden. Für die Maschinisten und das Kesselpersonal ist die Bruttoarbeitszeit auf 12 Stunden bemessen. Der Mindestlohn für noch nicht selbständig arbeitende Maschinisten und Heizer soll auf 30 M. festgesetzt werden. Für das Fahr- oder Tourenpersonal wollten die Arbeitgeber zuerst keinerlei Erhöhung zugestehen, er- klärten sich dann aber bereit, den festen Lohn der Faßfahrer von jetzt 25 auf 26 M. zu erhöhen. Außerdem sollen sie für jede ab- gesetzte halbe Tonne 50 Pf. erhalten. Dies Spundgeld kann bei Abnehmern von über 1000 halben Tonnen im Jahre auf 25 Pf. herabgesetzt werden. Für die Beschäftigung eines Mitfahrers sollen dem Faßfahrer 17 M. statt bisher 15 M. gezahlt werden. Der Lohn des Mitfahrers ist auf 32 M. bemessen. Ein Mitfahrer darf erst bei einem Absatz von mindestens 120 halben Tonnen beschäftigt werden. Die Arbeitszeit dauert bis zur Erledigung aller Ange- legenheiten, di'e das Bierausfahren speziell für Kundschaft be- treffen, darf jedoch bei Malzfahren 10 Stunden nicht überschreiten. Privatfahrcr sollen 20 M. Lohn und für jedes Achtel 25 Pf. er- halten; Flaschenfahrer 22,50 M. und 20 Pf. auf je 3 M. des Um- satzeS. Für die Reservefahrer und die Stalleute ist ein Lohn von L9 M. bewilligt bei einer glt!stündigen Arbeitszeit innerhalb 12� Stunden. Sie sollen jeden zweiten Sonntag frei haben. Ha V- Die Lohnzahlung hat Freitags zu erfolgen. Dies sind in der uptsache die Bewilligungen, die sich auf die Löhne und die Ar- beitszeit beziehen. Es folgen dann noch verschiedene allgemeine Bestimmungen. Auch ein Sommerurlaub ist zugestanden, wenn auch ein sehr bescheidener. Er soll bis zu einer zweijährigen Tätig- keit im Betriebe einen Tag, nach zwei Jahren zwei, nach drei Jahren vier, nach vier Jahren fünf Tage und nach fünf Jahren eine volle Woche betragen. Die Vergünstigungen auf Grund des § 616 des Bürgerlichen Gesetzbuches bleiben im allgemeinen wie bisher bestehen. Bei Krankheit soll nach dreimonatiger Beschäfti- gung die Differenz zwischen Lohn und Krankengeld auf 14 Tage, nach zweijähriger Beschäftigung auf vier Wochen gezahlt werden. Bei Betriebsunfällen gilt die Vergünstigung vom ersten Tage der Beschäftigung ab. Maßregelungen wegen der Tarifbewegung dürfen nicht statt- finden. Streitigkeit aus dem Tarifvertrag werden zwischen den Vorständen des Vereins der Weißbierbrauereien und den Arbeit- nehmerorganisationen, eventuell durch ein Schiedsgericht erledigt. Die Arbeitgeber verlangen, daß der Tarifvertrag auf vier Jahre abgeschlossen werde, während die Arbeitnehmer die dreijährige Ver- tragsdauer vorschlagen. Wo günstigere Lohn- und Arbeits- bedingungen als die des Vertrages bestehen, dürfen sie selbstver- ständlich nicht verschlechtert werden. An den Bericht schloß sich eine lebhafte Debatte, in der eine ziemlich starke Unzufriedenheit mit dem Ergebnis der Verhand- lungen hervortrat, das ja in mancher Hinsicht hinter dem in den Lagerbierbrauereien Erreichten zurückbleibt. Demgegenüber wurde andererseits betont, daß die Arbeiter dieser Brauereien schon zehn Jahre früher als die der Wcitzbierbrauereien durch eine starke Organisation bestrebt waren, ihre Lohn- und Arbeitsverhältnisse zu verbessern und es darum jetzt auch etwas weiter bringen konnten. Es lagen verschiedene Abänderungsanträge vor, die teils von den Vertrauensleuten, teils aus der Mitte der Versammlung gekommen waren. Die Versammlung beschloß, daß folgende Anträge den Arbeitgebern vorgelegt werden sollen: Die Arbeitszeit der inneren Betriebsarbeiter ist auf 9 Stunden innerhalb 11 Stunden festzusetzen, der Anfangslohn auf 28 M., der Mindestlohn auf 29 M. Den Fahfahrern ist bei 115 halben Tonnen Absatz ein Mitfahrer zuzugestehen, den Flaschenfahrern bei 35 Kasten. Die Faßfahrer sind von den jetzt üblichen Neben- arbeiten zu entlasten. Für die Flaschenkeller- und jugendlichen Arbeiter ist ein Mindestlohn festzusetzen, der auch in dem allge- meinen Tarifvertrag mit aufgenommen werden soll. Die Tarif- dauer soll nicht mehr als drei Jahre betragen. Akkordarbeit ist nicht gestattet. Weibliche Arbeitskräfte müssen denselben Lohn wie die männlichen erhalten.— Diese beiden letzten Zusätze zum Tarif erschienen der Versammlung deswegen besonders notwendig, weil ein Brief der Weißbierbrauerei von E. W i l l n e r in Pankow vor- lag, in dem es heißt: „Sollte Ihrerseits mein Vorschlag abgelehnt werden, so würde der Fall eintreten, daß ich einzelne Kategorien der Keller- arbeiter durch weibliches Personal besetzen oder aber die ganze Flaschenspülerei und-Füllerei in Akkord vergeben müßte." Diese Brauerei hat übrigens dieser Tage schon zwei Arbeite- rinnen eingestellt. Die Brauereiarbeiter wollen sich eine solche Umgehung des Tarifs nicht gefallen lassen. Die Firma Baer Sohn ersucht uns um Aufnahme folgender Zuschrift: In Ihrem Berichte vom 31. Mai betreffend die Tarifbewegung in der Herrenkonfektion ist unserer Firma in einer Form Erwäh- nung getan, die die Meinung zuläßt, als ob Streitigkeiten in der Tarifbewilligung zwischen unseren Schneidern und uns vorhanden seien. Demgegenüber erklären wir, daß keinerlei Differenzen zwischen uns und unseren Schneidern schweben. Die von uns verlangte Erhöhung auf 35 M. für Männer und auf 20 Mk. für Frauen bei neunstündiger Arbeitszeit haben wir ohne weiteres bewilligt, weil die Tüchtigkeit unserer Werkstatt- arbeiter diese Erhöhung begründet. Wir bemerken übrigens, daß dies die höchsten Löhne sind, die in Berliner Bctriebswerkstätten bezahlt werden. Die weitere Forderung, die uns die Verpflichtung auferlegen sollte, das ganze Jahr hindurch arbeiten zu lassen, ist ebenso wie die bei unS gar nicht in Frage kommende Bezahlung für Wartezeit bei Ablieferung von unseren Schneidern fallen gelassen worden. Mit vorzüglicher Hochachtung ergebenst Baer Sohn. Achtung Kürschner! Am Montag, den 30. Mai. sind unter boller Zufriedenheit der Arbeiter und Arbeiterinnen die Diffe- renzen bei der Firma Carl Saalbach. Unter den Linden 67. Hof- kürschnermeister, beigelegt. Die Firma hat die Organisation an- erkannt. Die Sperre ist aufgehoben. Deutscher Kürschnerverband, Filiale Berlin. Deutfeheo Reich. Der Streik in ber Hufeisengicherei Nickel zu Wolgast ist zugunsten der Arbeiter beendet. Die BreSlauer Scharfmacher im JnstallationSgewerbe versuchen, die durch die AuS. sperrung der Bauarbeiter verursachte Situation ihren Zwecken dienstbar zu machen und einen Extraprofit dabei heraus- zuschlagen. Sie unterbreiteten den Arbeitern einen Tarif mit den von den Bauherren abgeguckten Verböserungen und dekretierten: Friß Vogel oder stirb! Aber nicht nur, daß man die un. bedingte Annahme dieses„Tarifs" forderte, man ging darüber hinaus und drohte für den Fall der Ablehnung mit der AuS» sperrung aller Arberter im JnstallationSgewerbe I Also eine glatte Erpressung! Aber kein Staatsanwalt, der dagegen einschritte! Selbstverständlich haben die Arbeiter diese freche Her- auSforderung einstimmig zurückgewiesen und beschlossen, dem Machtdünkel der Unternehmer den festen Wällen und die Einig» keit der Arbeiter entgegenzusetzen. Ja. noch mehr. In Anbetracht der Dreistigkeit, mit welcher die Unternehmer gleich die Aus- sperrung androhen, haben sie den Gesellenausschuß strikte aufgege» den, mit der Innung nicht mehr weiter zu verhandeln.— Mit der Einigkeit der Unternehmer ist es glücklicherweise nicht West her. Bereits haben einige Firmen, die den dritten Teil der 350 in Frage kommenden Arbeiter beschäftigen, den von den Arbeitern vorgelegten Tarif unterschrieben und sich verpflichtet, 60 Pf. Stundenlohn zu zahlen. Auch die Breslauer Klempner sollen ausgesperrt werden. Die Arbeitgeber haben den Schiedsspruch der Unparteiischen, der von dem Einigungsamt gefällt wurde, abgelehnt, indem auch sie ihr Heil von der Situation im Baugewerbe erwarten. Der To. vif ist bereits seit über 8 Wochen außer Kraft. Die Herrschaften vergessen ganz, daß mit dem Ende der Bauarbeiter-Aussperrung — einmal muß sie ja doch enden— eine Hochkonjunktur ein- setzt, während welcher die Arbester den Spieß umdrehen und Genugtuung verlangen können. Der Sozialpolitiker Cnno als Scharfmacher. In Gevelsberg(Wahlkreis Hagen-Schwelm) waren 24 Former in den Ausstand getreten. Daraufhin sperrten die Arbeitgeber des Kreises sämtliche Gießereiarbeiter aus. Am 1. Juni werden 50 Prpz. sämtlicher Metallarbeiter des Kreises und in 14 Tagen der Rest ausgesperrt, dabei werden etwa 20 000 bis 25 000 Arbeiter aufs Straßenpflaster geworfen. Eine Anzahl Orte hat bereits Notstandsarbeiten vorbereitet. Dasselbe beantragten die Sozialdemokraten Hägens. Dabei entpuppte sich der freisinnige Reichstagsabgeordnete Cuno als der größte Scharfmacher. Er sagte: „Die Arbeiterführer hätten die EntWickelung auf dem wirb- schaftlichen Gebiete nicht erkannt oder den Arbeitern etwas vor- gegaukelt. Die Führer müßten wissen, daß ein Streik sofort mit: einer allgemeinen Aussperrung beantwortet werden wird. ES drehe sich auch gar nicht um die 24 Former, sondern die Arbeiter- verbände wollten eine Machtprobe hier vornehmen. Die Be- wcgung sei aus politischen Agitationsgründen provoziert." Mit ebensolchen scharfen Worten wiesen die Sozialdemokraten die Angriffe auf die Gewerkschaftsführer aller beteiligten Organi- sationen zurück. Das Ehrgefühl der Arbeiter sei so weit entwickelt. Streikarbeit als ehrlos zurückzuweisen. Der Antrag, Notstands- arbeiten vorzunehmen, wurde mit 10 gegen 24 Stimmen abgelehnt. Angenommen wurde ein Antrag, das Hagener Gewerbegericht zu ersuchen, die Parteien bis zum 3. Juni, vormittags 10 Uhr, zwecks Verhandlungen einzuladen._ Streikjustiz. Wir berichteten seinerzeit, daß der Gauleiter Horter vom Maurerverband wegen Bedrohung Arbeitswilliger vom Schöffen- gericht Pforzheim zu 14 Tagen Gefängnis verurteilt worden war. Das Landgericht Karlsruhe erhöhte diese Strafe auf vier Wochen Gefängnis. Das Oberlandesgericht Karlsruhe hob dieses Urteil auf und verwies die Sache an das Landgericht Karls- ruhe zurück. Dieses hat am Sonnabend den Genossen Horter zu acht Tagen Gefängnis verurteilt. Die Strafe ist also um drei Wochen ermäßigt worden. Zum Lohnkampf in ber Münchener Herrenkonfektion wird be- richtet, daß auch die Arbeitgeber den Schiedsspruch des Einigungs- amtes angenommen haben, allerdings nur mit 5 gegen 4 Stimmen. Der Schiedsspruch enthält jedoch nichts über die Bezahlung der Extraarbeiten, die durch weitere Verhandlungen zwischen den Par» teien geregelt werden soll. Der Kampf ist also keineswegs end<- gültig abgeschlossen, man erwartet jedoch, daß die Wiederaufnahme der Arbeit noch im Laufe dieser Woche möglich werden wird. Tin stand. Ein Waffenstillstand im englischen Textilgewerbe. Unser Londoner Korrespondent schreibt uns vom 28. Mai: Es geschehen doch noch Zeichen und Wunder. Das traurige Ereignis vom Tode des Königs Eduard hat die Baumwollfabrikanten von Lancashire dermaßen überwältigt, daß sie es jetzt, drei Wochen nach dem beklagten Ereignis, nicht über sich gewinnen können, die den Arbeitern angedrohte allgemeine Aussperrung zur Wahrheit zu machen. Wer wird es jetzt noch wagen, zu behaupten, daß die Friedenspläne liberaler und konservativer Politiker pure Heuchelei seien? Der bisherige Verlauf des Konfliktes im Textilgewerbe ist be- kannt. Der Arbcitgeberverband forderte mit Berufung auf die schlechte Geschäftslage eine allgemeine fünfprozentige Lohn- reduktion. Die Arbeiter widersetzten sich diesem Vorgehen aus das energischste und wiesen darauf hin, daß sie infolge der De- Pression deS Marktes schon sehr große Opfer in Form von Lohn« reduktionen und Produktionseinschränkung(sbort time) gebracht, und ferner, daß die Fabrikanten trotz des flauen Geschäftes auch im letzten Jahre noch ganz nette Dividenden eingesackt haben. Ge« meinfame Konferenzen zwischen Vertretern der Arbeiter und der Fabrikanten führten zu keinem Ergebnis. Schließlich beschloß der Unternehmerverband am 3. Mai, eine Urabstimmung seiner Mit- glieder darüber, ob die Lohnkürzung erzwungen werden solle, vor, zunehmen. Die Abstimmung ging außerordentlich langsam vor sich, aber über das Resultat war von vornherein kein Zweifel. Inzwischen aber rüsteten die Arbeiter fieberhast zum Kampfe; es war klar, daß sie diesmal verzweifelten Widerstand leisten würden. Gestern end« lich wurde das Resultat der Abstimmung der Unternehmer bekannt- gegeben. Sie hatten für den Kampf gestimmt, aber gleichzeitig wurde bekanntgegeben, daß die Unternehmer angesichts der natio- nalen Trauer den ganzen Kampf auf drei Monate verschieben. Die Arbeiter sind bis auf weiteres zufrieden, ob« schon sie diesen patriotischen Großmut richtig einzuschätzen wissen. Letzte JVachncbtcn und Depelcben. Im Kampf mit Streikbrechern. ' Boneß(Schottland), 31. Mai.(W. T. B.) Auf einem Holz- platze kam es heute früh zu einem schweren Zusammenstoß zwischen streikenden Holzarbeitern einerseits und Arbeitswilligen sowie Polizeibeamten andererseits. Die Ausständigen griffen, mit Stöcken und Schürstangen bewaffnet, die Arbeitenden an; die Polizei trat ihnen entgegen und wurde nach heftigem Kampfe überwältigt. Dann trieben die Ausständigen die Arbeitenden nach allen Richtungen auseinander und schlugen sie nieder. Fünfzig der Beteiligten sind schwer verletzt worden. Die Nachricht des offiziösen Depeschenbureaus können wir im Augenblick auf ihre Richtigkeit nicht nachprüfen; jedenfalls ist aber die Darstellung des Konflikts mit Vorsicht aufzunehmen. Wahlrechtsreform in Serbien. Belgrad, 31. Mai.(W. T. B.) In der Skupschtina wurde heute von der Nationalpartei«in ausführlicher Entwurf zu einer Ber» fassungSrevision eingebracht. Die Vorlage wird jedoch in der kurzen Arbeitszeit, die der Skuptschina noch zur Verfügung steht, nicht mehr zur Verhandlung gelangen. Verlangt wird in der Vorlage u. a. Streichung des bestehende» WahlzensuS und das allgemeine Wahlrech». Ein Angriff auf den Südpol. London, 31. Mai. Kapitän Scott hat sich heute auf dem Dampfer„Terra Nuova" nach dem Südpol eingeschifft. Der Forscher führt u. a. 60 Schlitben sowie Material zur Errichtung großer Zelte mit sich, ferner einen Luftballon, 500 Kilogramm Tabak, 35 000 Zigarren und schließlich auch ein Piano. Der Streik auf der französischen Südbahn. Rizza, 31. Mai.(B. H.) Die ausständigen Angestellten der Südbahn haben es abgelehnt, sich dem Spruch eines Schiedsrichters, zu welchem Amt sich der Friedensrichter angeboten hatte, zu unter, werfen. Sie erklären, nur direkt mit den Vertreter» der Gesell- schaft verhandeln zu wollen. Die Lage hat sich inzwischen ver- schlimmert. Der Ausstand fügt der Industrie und besonders dem Blumenhandel von Grosse erheblichen Schaden zu» Die Bergungsarbeiten am„Pluviose". BalaiS, 31. Mai.(B. H.) Der Fortgang der Arbeiten zur Bergung des„Pluviose" wurde durch den seit heute morgen Herr- schenden starken Stiurm gehemmt. Wenn daS Metter sich nicht bald bessert, dürften die Bergungsarbeiten eine erhebliche Verzögerung erleiden._ Gesunkenes Unterseeboot. Wladiwostok. 31. Mai.(W. T. B.) Das Unterseeboot„Forel" ist gestern abend, als es bugsiert wurde, gesunken. In der Nacht gelang es. das Boot zu heben und in den Hafen zu bringen. Von der Besatzung ist niemand ertrunken. eiantw. Redakteur; Hans Weber. Bcxltg. Jnjerptenteil btiaotau rh.Glvcke, Berlin, Druck U.Verlag: Vorwärts Buchdc.v.virlagsonstgU Dqul Ringer Sc Co., Berlin L�V. Hierzu S Beilagen«.vaterhaltongsbl. ».an.Mmm KeilM ilks.Immls" Klllim WsdlM Ait stckck« haben sich zu folgenden Vorschlägen der Unparteiischen verdichtet: 1 Der Deutsche Arbeitgeberbund für das Baugewerbe und! die Zentralverbände der Maurer, der Zimmerer, der Bau- Hilfsarbeiter und der christlichen Bauarbeiter haben auf Ein- ladung des Reichsamts des Innern über den Abschluß eines neuen Vertragsverhältnisses und zur Beseitigung der Aus- sperrung im Baugewerbe am 27. bis 30. Mai d. I. vor den drei unterzeichneten Unparteiischen verhandelt, die von den Organisationen vorgeschlagen und vom Reichsamt des Innern ernannt worden find. Da in diesen Verhandlungen keine Uebereinstimmung erzielt worden ist, eröffnen die Un- parteiischen hiermit den Zentralorganisationen die in dem anliegenden Hauptvertrage und den zugehörenden Anlagen I und II niedergelegten Vorschläge, die mit den folgenden Vor- schlügen ein untrennbares Ganze bilden. Die Zentralorganisationen haben bis Montag» den K.Juni d. J.» abends 3 Uhr» dem Reichsamt des Innern ihre Erklärung über oie Annahme der Vorschläge einzureichen. Im Falle der Annahme haben die Verhandlungen über den Abschluß der örtlichen Verträge sofort zu beginnen. Die abgeschlossenen Verträge sind längstens Montag, den 13. Juni d. I., vormittags 10 Uhr, an die Zentralorganisationen zur Genehmigung einzureichen. Kommt in einem Vertrags- gebiete bis dahin kein Vertrag zustande, so sind die Anträge der Parteien bis zum gleichen Zeitpunkt einem Schiedsgericht zu unterbreiten. Das Schiedsgericht besteht aus drei vom Arbeitgeberbund und drei von den Zentralverbänden der Arbeiter ernannten Vertretern sowie aus den drei unter- zeichneten Unparteiischen. Das Schiedsgericht tritt am 13. Juni d. I. zusammen und entscheidet endgültig. Spätestens am 15. Juni d. I. wird die Aussperrung aufgehoben. Berlin, im Reichsamt des Innern, den 31. Mai 1910. Dr. B e u t l e r. Dr. P r e n n e r. Dr. W i e d f e l d t. »» • Hauptvertrag. Zwischen dem Deutschen Arbeitgeberbunde für das Baugewerbe einerseits und dem Zentralverbande der Maurer Deutschlands, dem Zentralverband« der Zimmerer Deutschlands, dem Zentralverbande der Bauhilfsarbeiter Deutschlands und dem Zentralverbande christ- licher Bauarbeiter Deutschlands andererseits ist dieser Vertrag abgeschloffen worden. § 1. Arbeitszeit. Die Arbeitszeit bleibt im allgemeinen dieselbe wie in der letzten Vertragszeit. Wo die Arbeitszeit noch länger als 10 Stunden dauert, wird fte auf 10 Stunden herabgesetzt. Für einzelne Orte und angrenzende wirtschaftlich zugehörige oder gleichartige Gebiete, in denen die Arbeitszeit 10 Stunden be- trägt und besondere schwierige Verhältniffe namentlich in Woh- nungS« und Verkehrsgelegenheiten vorliegen, darf über eine mähige und allmähliche Herabsetzung der Arbeitszeit örtlich verhandelt »verden. Z 2. Lohnform. Die an den einzelnen Orten zurzeit geltende Lohnform wird fßr die Bertragsdauer beibehalten. § 3. Akkordarbeit. Akkordarbeit ist zulässig. Ob in Akkord gearbeitet wird, hängt in jedem einzelnen Falle lediglich von der Vereinbarung zwischen den einzelnen Arbeitgebern und Arbeitern ab. Die örtlichen Organisationen vereinbaren innerhalb sechs Wochen nach Abschluß dieses Vertrages einen Akkordtarif für ein- fache Arbeiten. Der Akkordüberschuß ist unter die am Akkord Beteiligten nach Verhältnis der im Akkord geleisteten Arbeitszeit gleichmäßig zu verteilen. 8 4. Maßregelung. Maßregelungen gegen Mitglieder einer Organisation, nament- lich Sperre einzelner Arbeits, oder Baustellen, dürfe» von keiner Seite stattfinden; dies gilt insbesondere aus Anlaß der AuSsper- rung und der Vertragsverhandlungen. Die Einstellung und die Entlassung von Arbeitern steht im freien Ermessen des einzelnen Arbeitgebers, wobei die Zugehörig- keit zu einer Organisation nicht in Betracht kommen darf. 8 S. Behandlung von Streitigkeiten. Zur Ueberwachung der örtlichen Verträge� und zur Schlichtung von örtlichen Streitigkeiten aus den Verträgen werden örtliche Schlichtungskommissionen eingesetzt, die aus der gleichen Zahl von Arbeitgebern und Arbeitern bestehen. Für jede Schlichtungskom- Mission wird durch die örtlichen Organisationen innerhalb vier Wodhcn nach Abschluß dieses Vertrages eine Geschäftsordnung fest- gestellt, anderenfalls wird sie durch das Zentralschiedsgericht er- lassen. Kann die Schlichtungskommission die Angelegenheit nicht er- ledigen, so geht die Sache zur weiteren Behandlung an die im ort- lichen Vertrage eingesetzte Stelle, die endgültig entscheidet. Wird die Durchführung dieser Entscheidungen von den örtlichen Organi- sationen verhindert, so hat die Gegenpartei das Recht, innerhalb einer Woche das Zentralschiedsgericht anzurufen. Die Berufung bewirkt keinen Aufschub. Zur Entscheidung dieser Berufungen sowie gur Entschei- dung von grundsätzlichen, den Inhalt dieses Hauptvertrages nebst Anlagen berührenden Angelegenheiten wird unter Ausschluß des Rechtsweges ein Zentralschiedsgericht eingesetzt, das aus sechs Vertretern der Zentralorganisationen und drei Unparteiischen bc- steht. Der Deutsche Arbeitgeberbund wählt drei, die Zentralver- bände der Arbeiter wählen zusammen ebenfalls drei Vertreter. Die drei Unparteiischen werden von den beteiligten Zentralorgani- sationen gemeinschaftlich bezeichnet; einigen sie sich hierbei nicht, werden die Unparteiischen vom Reichsamt des Innern ernannt. ß S. Turchführung der Verträge. Die vertragschließenden Parteien verpflichten sich, ihren ganzen Einfluß zur Durchführung und Aufrechterhaltung dieses Haupt- Vertrages sowie der auf Grund des angefügten Vertragsmusters abgeschlossenen und von ihnen genehmigten örtlichen Verträge ein- zusetzen, Verstöße dagegen oder Umgehungen nachdrücklich zu be- kämpfen, insbesondere keine im Widerspruche hiermit ausbrechen- den Bausperren, Streiks und Aussperrungen oder sonstige Matz- «ahmen irgendwie zu unterstützen._ Fügt sich eine Zentralorganisation einer endgültigen Eni- scheidung der Tarifinstanzen nicht, so hat die Gegenpartei das Recht, von den Verträgen zurückzutreten. 8 7. OrtSverträge. Das Vertragsmuster(Anlage 1) nebst den protokollarischen Erklärungen(Anlage 2) ist ein wesentlicher Teil diese? Haupt- vertrage? und bildet die Grundlage der von den örtlichen Or- ganisationen abzuschließenden Verträge. Er ist in seinem Wort- laut unabänderlich. Zusätze sind gestattet, soweit sie nicht den Divv feiner Bestimmungen oder dieses Hauptvertrags ändern. Ott im SmisttttW int Knngemlik 8 8. BertragSbauer. Dieser Hauptvertrag gilt bis zum 31. März 1913. "•• Anlage I zum Hauptvertrag vom..... Juni 1910. Vertrag. Zwischen.................... und........................ ist dieser Tarifvertrag abgeschlossen worden. § 1. Geltungsbereich dieses Vertrages. Dieser Vertrag gilt für alle Arbeitsstätten an folgenden Orten: Eine Abänderung dcS Geltungsbereichs dieses Vertrages kann nur unter beiderseitigem Einverständnis stattfinden. Die Vertragsparteien dürfen abweichende Bestimmungen mit anderen Organisationen oder einzelnen Arbeitgebern nicht treffen. 8 2. Arbeitszeit. Die normale Arbeitszeit bei Lohn- und Akkordarbeit beträgt .... Stunden und wird in Berücksichtigung der Witterungs- und Lichtverhältnisse wie folgt geregelt: 8 3. Ueberstunden. Ueberstunden sowie Nachtarbeit, Sonntagsarbeit und Arbeit an gesetzlichen Feiertagen sind in besonderen Fällen auf Verlangen des Arbeitgebers zu leisten und dürfen nur gefordert werden, wenn durch deren Unterlassung Menschenleben in Gefahr kommen, Ver- kehrsstörungen eintreten, wenn Schäden durch Naturereignisse zu verhindern oder zu beseitigen sind, ferner bei dringenden Reparatur- und Jnstallationsarbeiten in Theatern, Fabriken und bei ähnlichen Arbeiten. j Als Ueberstunden, Nacht- und SonntagSarbeit und als Arbeiten an gesetzlichen Feiertagen gelten während des ganzen Jahres:.. 8 4. Arbeitslohn. Der Stundenlohn beträgt für einen Maurergesellen....... Zimmergesellen....... Bauhilfsarbeiter....... Pfennig mit der Maßgabe, daß die Arbeiter zu einer angemessenen Gegenleistung und zur Ausführung der bisher ortsüblichen Arbeiten verpflichtet sind, und daß der für Zimmergesellrn hier eingesetzte Lohn für alle Zimmerarbeiten zu zahlen ist. An Zuschlägen zu vorstehendem Lohn werden gezahlt: Für Ueberstunden............. Pfennig Für Nachtarbeit.............., Für Sonntagsarbeit und für Arbeiten an gesetzlichen Feiertagen.........„ Für Gesellen, die infolge Alters oder Invalidität in ihrer Leistungsfähigkeit beschränkt sind, für jugendliche Arbeiter sowie für Junggesellen im ersten und zweiten Jahre nach beendigter dreijähriger Lehrzeit und bestandener Gesellenprüfung kann ein geringerer Lohn durch freie Vereinbarung festgesetzt werden. 8 5. Akkordarbeit. Akkordarbeit ist zulässig. Ob in Akkord gearbeitet wird, hängt in jedem einzelnen Falle lediglich von der Vereinbarung zwischen den einzelnen Arbeitgebern und Ar- beitern ab. Die örtlichen Organisationen vereinbaren innerhalb sechs Wochen nach Abschluß des Hauptvertrages einen Akkordtarif für einfache Arbeiten. Der Akkordüberschuß ist unter die am Akkord Beteiligten nach Verhältnis der im Akkord gleichmäßig zu verteilen. geleisteten Arbeitszeit 8 0. Lohnzahlung. Die Lohnperiode umfaßt..... Tage (Wochen). Der Lohn wird nur für die wirklich geleistete Ar- beitSzeit bezahlt. Der Arbeiter kann für solche Zeiten keinen Lohn fordern, in denen er durch einen in seiner Person liegenden Grund an der Arbeit verhindert ist, auch wenn die Versäumnis entschuldbar und nicht von erheblicher Dauer ist(8 010 B. G. B.). Für diejenige Zeit, in welcher die Arbeit ruhen muß infolge Materialmangels, Witterungsverhältnisse, polizeilicher Anordnung, Sistierung des Baues durch den Bauherrn, Betriebsstörung der Materialbeförderungsanlagen oder partieller Streiks der auf den Arbeitsstätten beschäftigten Mitarbeiter kann der Arbeitnehmer ebenfalls keinen Lohn beanspruchen. In Orten, wo Kündigungs- fristen vereinbart sind, kann bei Materialmangel das Arbeits- Verhältnis von den Arbeitern ohne Einhaltung der Kündigungs- fristen gelöst werden, sofern der Arbeitgeber sich nicht rechtzeitig zur Zahlung deS Lohnes bereit erklärt hat. Die Lohnzahlung findet am................. statt. 8 7. Auflösung dcS Arbeitsverhältnisses. 8 8. Behandlung von Streitigkeiten. Zur Ueberwachung der örtlichen Verträge und zur Schlichtung von örtlichen Streitigkeiten aus den Verträgen werden örtliche Schlichtungskommissionen eingesetzt, die aus der gleichen Anzahl von Arbeitgebern und Arbeitern bestehen. Die örtlichen Organi- sationen wählen ihre Mitglieder. Den Vorsitz führt ein... .... �...... Für jede Schlichtungskommission wird durch die örtlichen Organisationen innerhalb vier Wochen nach Ab- schluß dieses Vertrages eine Geschäftsordnung festgestellt; andern- falls' wird sie durch das Zentralschiedsgericht erlassen. Die Schlich- tungskommission hat innerhalb drei Werktagen über die anhängige Angelegenheit zu befinden. Kann die Schlichtungskommission die Angelegenheit nicht erle» digen, so geht die Sache zur weiteren Behandlung ach.... d., endgültig entscheidet. Wird die Durchführung dieser Entscheidungen von den ort- lichen Organisationen verhindert, so hat die Gegenpartei das Recht, innerhalb einer Woche das Zentralschiedsgericht anzurufen. Die Berufung bewirkt keinen Aufschub. 8 9. Durchführung dieses Vertrages. Die vertragschließenden Parteien verpflichten sich, ihren ganzen Einfluß zur Durchführung und Aufrechterhaltung dieses Ver- träges einzusetzen, Verstöße gegen den Vertrag oder Umgehungen desselben nachdrücklich zu bekämpfen, insbesondere keine im Wider- spruch mit dem Bertrage ausbrechenden Bausperren, Streiks und Aussperrungen odrr sonstige Maßnahmen irgendwie zu unter- stützen. § 10. Allgemeine». Das Zusammenarbeiten mit anders- oder Nichtorganisierten Arbeitern auf ein und derselben Bau- oder Arbeitsstelle darf nicht beanstandet werden. Die Einstellung und Entlastung von Arbeltern steht im freien Ermeffen deS einzelnen Arbeitgebers. Die Zugehörigkeit zu einer Organisation darf auf keiner Seite ein Grund zu Maßregelungen sein, ebenso wenig darf der Austritt aus einer Organisation verlangt werden. Jegliche Agitation ist auf der Bau- oder Arbeitsstelle während der Arbeitszeit verboten. Pausen gelten nicht als Arbeitszeit. Anders- oder Nichtorganisierte Arbeiter dürfen in den Pausen, vor und nach der Arbeitszeit auf der Bau- oder Arbeitsstelle nicht be- lästigt werden. Arbeitsordnungen dürfen den Vertragsbestimmungen nicht zu- widerlaufen. 8 11. Dauer dieses Vertrages. Dieser Vertrag gilt vom....... bis zum 31. März 1915 vorbehaltlich der Genehmigung des Vorstandes des Deutschen Arbeitgeberbundes für das Baugewerbe und der Zentralvorstände der vertragschließenden Gewerkschaften. Anlage II zum Hauptvertrag vom... Juni 1910. Protokollarische Erklärungen. Zu§ 2. Die örtlichen Organisationen sollen tunlichst Beginn und Ende der Arbeitszeit, sowie die Pausen genau angeben. Zu 8 2. Die örtlichen Organisationen können vereinbaren, daß bei ausreichenden Lichtverhältnissen eine kürzere WinterarbeitS- zeit auf die normale ohne Lohnzuschlag verlängert werden kann. Zu 8 4- Die örtlichen Organisationen können festlegen, was in dem einzelnen Orte bisher unter ortsüblichen Arbeiten ver- standen wird. Zu§ 4. Die Bestimmung, daß die Arbeiter zu einer an- gemessenen Gegenleistung verpflichtet sind, berechtigt nicht zu einer Kürzung des festgesetzten LohneS. Zu§ 4. Erdarbeiten, die zur Vorbereitung eines Hochbaues gehören, fallen unter den Vertrag. Zu 8 4. Organisierte Arbeitgeber, die unorganisierte Arbeiter beschäftigen, und organisierte Arbeiter, die bei einem unorgani- sierten Arbeitgeber beschäftigt sind, fallen insoweit unter den Vertrag. Zu 8 0. Wo vierzehntägige oder halbmonatliche Lohnzahlungs- Perioden üblich sind, können sie beibehalten werden. Zu 8 8 und 9. Warnung vor Zuzug fällt unter die verbotenen Maßnahmen, soweit sie einen kampfartigen Charakter hat. Sym- pathickämpfe fallen ebenfalls unter die verbotenen Maßnahmen. Zu 8 10. Der Fall der Belästigung ist gegeben, wenn ein Arbeiter, nachdem er es sich verbeten hat, weiter mit OrganisationS- angelegenheiten angesprochen wird. Zu 8 0 des Hauptvertrages. Mit dem Ausschluß des RechtSi wegeS soll, nach den übereinstimmenden Erklärungen der Parteien, auch die Geltendmachung irgend welcher vermögensrechtlicher An- sprllche aus dem Vertrage ausgeschlossen sein. In der Begründung führte Herr Gcheimrat� Dr. Wied- f e l d t aus: Die Frage deS zentralen Abschlusses wird von beiden Seiten überschätzt, die Unparteiischen versprechen sich davon weder die Vor- teile wie die Arbeitgeber, noch befürchten sie die Nachteile wie die Arbeitnehmer. Die Erfahrungen haben bei dem bisherigen Modus zwar einzelne Mängel gezeigt, diese können aber nicht zu einer grund- legenden Aenderung führen. Soweit das Ziel deS zentralen Abschlusses eine Sicherung des Vertrage? ist, findet es unsere Billigung, wie überhaupt die jedes TariffreundeS. Auch geht die EntWickelung zweifellos zur Zentralisierung, zum Reichstarif. Die erste Bedingung zur Sicherung der Verträge ist, daß sie örtlich geschlossen werden, daß die örtlichen Organisationen ihre Träger sind. Aber weiter sollen die Zentralvorstände versichern, daß sie unbedingt alles tun werden, was sie vermögen, damit der Vertrag gehalten wird. Damit wird daS Hauptziel erreicht, das die Arbeitgeber im Auge hatten, soweit wir es billigen:.Die Sicherung der Verträge". Für die Arbeiter ist dies unbedenllich, weil drei große Kautelen geschaffen find: 1. Eine Beseitigung des Vertrages kann erst eintreten, wenn sämtliche Instanzen erschöpft sind und eine Zentralorgauisation sich der Entscheidung des obersten Schiedsgerichts nicht fügt. 2. Haben wir sämtliche Sympathiekämpfe ausgeschlossen. 3. Die Geltendmachung rechtlicher Ansprüche ist von beiden Seiten ausgeschlossen. Bezüglich der Arbeitszeit meinen wir, daß sie lokal geregelt werden muß. Ferner sind wir der Ueberzeugung, daß Deutschland ein hart arbeitendes Land ist, wo man mit Rücksicht auf die Ver- Hältnisse des Auslandes mit der Herabsetzung der Arbeits- zeit vorsichtig vorgehen muß. Deshalb glauben wir, daß die Arbeitszeit dieselbe bleiben soll, wie im letzten Vertrag, und nur wo sie länger dauert als 10 Stunden, soll sie auf 10 Stunden herabgesetzt werden. Wo aber besondere Verhältnisse vorliegen, soll iie Bahn frei sein für eine allmähliche Herabsetzung der Arbeitszeit. Alich bei der Akkordarbeit sind wir der einstimmigen Ueberzeugung, daß diese uralte Arbeitsform, die übrigens im Bau- gewerbe keine große Verbreitung hat, beibehalten wird und daß sie loyal von beiden Seiten durchgeführt wird. Als Sicherung für die Arbeiter soll gelten, daß ein Akkordtarif festgesetzt wird, daß der Akkordüberschuß verteilt wird, wie eS von den Arbeitern als wünschenswert bezeichnet wurde, und daß eine Erklärung dahin ab- gegeben wird, daß eine Ausdehnung der Akkordarbeit auf Gebiete, wo sie bisher nicht üblich war, nicht beabsichtigt wird. In der Frage des Arbeitsnachweises sind wir überzeugt, daß der paritätische Arbeitsnachweis sich durchsetzen wird; doch sind wir im Baugewerbe noch nicht so weit und deshalb kann die Frage hier nicht geregelt werden und b e i d e T e i l e mögen ihre Arbeitsnachweise behalten. Was die Lohnform anlangt, so soll eS beim alten bleiben. Was das Vertragsschema anlangt, so haben wir uns auf den Standpunkt gestellt, an dem alten, das sich bewährt hat, möglichst wenig zu rütteln.— Der Kampf hat lange genug ge- dauert und beide Parteien sind in der Lage, ihn noch fortzuführen; aber wer den Tarif will, kann nicht wünschen, den Gegner so voll» ständig niederzuringen, daß seine Organisation gesprengt wird. Die von uns vorgeschlagenen Fristen sind kurz. Aber ver- handelt ist lange genug und bei gutem Willen kann die Sache erledigt werden. Wir können Ihnen nur dringend raten, unseren Vorschlägen beizutreten. Wir glauben nicht, daß wir durch Verhandlungen noch irgendwie weiter kommen. Seit Wochen sind im Baugeioerbe die Gegensätze hervorgekehrt, und wenn Sie jetzt nicht zum Ziel kommen, ist die Konjunktur für dies Jahr vorbei. Wenn Sie jetzt nicht zum Frieden kommen, bleibt der Kampf nicht auf das Baugewerbe beschränkt und die öffentliche Meinung wird sich dann gegen den wenden, der diese Vorschläge kurzerhand ablehnt. Die Führer dürfen die Verantwortung für das Vorbei- gehen der Konjunktur nicht auf sich nehmen, sondern sollten trotz manchen Widerspruchs, der sich regen ivird, einen Pflock zurückstecken, damit wir im Interesse der Allgemeinheit zum Frieden kommen. Soziaice« r Sonntagsruhe für Zuschneider. In dem neuesten Ministerialblatt für Handel und Ge> werbe wendet sich der Minister für Handel und Gewerbe gegen die ungesetzliche Heranziehung von Zuschneidern zu Arbeiten an Sonn- und Festtagen. Es wird dargelegt, daß die vom geschäftsführenden Vorstand des„Allgemeinen deutschen Arbeitgeberverbandes für das Schneidergewerbe" und im „Zentralorgan" dieses Arbeitgeberverbandes verfochtene An- ficht durchaus unrichtig ist, die dahin geht: es könnten nach dem Gesetz in Schneidergeschäften die Zuschneider an Sonn- und Festtagen während der Verkaufsstunden zu gewissen Arbeiten herangezogen werden, welche— wie z. B. das Maßnehmen— nicht als handelsgewerbliche Arbeiten, fondern als gewerbliche Arbeiten im Sinne des s 1l)5b, Abs. 1, der Gewerbeordnung anzusehen sind. Eine solche Auslegung, führt der Minister aus, ist mit dem klaren Wort- laut des Gesetzes und des ministeriellen Erlasses vom 10. Dezember unvereinbar. Zulässig sind lediglich gewisse geringfügige Abänderungs- und Zurichtungsarbeiten an den Waren. Im Ministerialerlaß wird dann noch auf mehrere Reichsgerichtsentscheidungen verwiesen, die gleichfalls das Maßnehmen und dergleichen für gesetzwidrig erklären. Am Schluß fordert der Erlaß ein nachdrückliches Einschreiten der Polizeibehörden gegen die vorerörterte mißbräuchliche Beschäftigung von Zuschneidern oder anderen gewerblichen Arbeitern an Sonn- und Festtagen. Die Arbeiter werden gut tun, durch ihre Organisationen eventuell ein behördliches Vorgehen gegen Uebertreter der Arbeiterschutzvorschriften zu veranlassen. Schadenersatzanspruch der Ortskrankenkasse gegen den Arbeitgeber wegen unrichtiger Meldung. Die Ortskrankenkasse Tchöneberg forderte im ordentlichen Rechtswege von der Firma B. u. K. Ersatz derjenigen Aufwen- düngen, die sie für den erkmnkten versicherungspflichtigen Arbeiter W. gemacht hat, weil B. u. K. diesen Arbeiter bei ihr zu spät angemeldet und zu spät abgemeldet hatten. DaS Landgericht I Berlin hat die von der Beklagten vorgeschützte Einrede der Un- zulässigkeit des Rechtsweges für begründet, das Kammergericht da- gegen für unbegründet gehalten. Das Reichsgericht hat sich der Ansicht der Kammergcrichts an- geschlossen und die Revision der Beklagten zurückgewiesen. In seinen Entschcidungsgründcn führt der höchste Gerichtshof auS: Die Klägerin hat den erhobenen Anspruch auf zwei völlig verschiedene Tatbestände gestützt, die auch einer durchaus verschie- denen rechtlichen Beurteilung unterliegen. Sie hat geltend ge» macht: 1. Die Beklagte habe den W. dem§ 49 K.V.G. zuwider bei ihr zu spät angemeldet, sei daher nach 8 29 verpflichtet, olle zur Unterstützung gemachten Aufwendungen ihr zu erstatten. 2. Die Beklagte habe M. dem Z 49 K.V.G. zuwider bei ihr zu spät ab- gemeldet und dabei zugleich wissentlich wider die Wahrheit in be- trügerischer Absicht den Tag des Austritts aus der versicherungs- Pflichtigen Beschäftigung falsch angegeben; sie sei daher nach 8 82Z Absatz 2 B.G.B, in Verbindung mit 8 2(53 Str.G.B. zum Schadensersatz verpflichtet. Das Landgericht behandelt nur den unter 1. erwähnten Fall und nimmt an, daß, weil die Auflichtsbehörde noch nicht entschieden habe, der Rechtsweg nach§ b8 K.V.G. zurzeit unzulässig sei, und daß der Klageanspruch auf§ 823 B.G.B, nicht gestützt werden könne, weil der Klägerin durch die unterlassene Anwendung ein Schaden überhaupt nicht enfltanden sei, da sie, gleichviel ob die Beklagte «den W. nach Z 49 angemeldet habe oder nicht, zu dessen Unterstützung jschon auf Grund dessen Beschäftigung verpflichtet gewesen sei. Diese «letztere Ausführung betrifft aber nicht die Frage der Zulässigkeit des Rechtsweges, sondern die Frage, ob der Klageanspruch be- gründet ist. Mit Recht führt das Kammergericht aus, daß der Rechtsweg unzulässig ist, soweit sich die Klage auf 8 20 K.V.G. stützt, nicht aber auch, soweit sie sich als Schadensersatzklage nach§ 823 B.G.B, darstellt. Zu 1.: Mit der hier gegebenen Klagebegründung wird ein Tatbestand des Z 69 K.V.G. behauptet; der mit dieser Begründung geltend gemachte Anspruch untersteht nach Z 68 zunächst der Ent- fcheidung der Auflichtsbehörde, die nicht eingeholt worden ist; aus diesem Grunde ist der Rechtsweg wegen dieses Anspruchs zurzeit unzulässig. Dagegen wird mit der Klagebegründung zu 2. ein Tat- bestand geltend gemacht, der überhaupt nicht unter Z 69 fällt und auch dann nicht fällt, wenn man die Behauptung einer Täuschung oder auch nur einer objektiv falschen Angabe des Tags des Ein- tritts aus der versicherungspflichtigen Beschäftigung außer Be- tracht läßt. Der§ 69 bezieht sich nicht auf die Fälle eirter verspäteten Abmeldung: nach ihm hat eine solche die Verpflichtung zur Erstattung des Unterstützungsaufwandes nicht zur Folge. Dagegen kann unter Umständen eine Schndensersatzpflicht aus 8 823 Absatz 2 B.G.B, sich ergeben, wenn die Ortskrankenkasse infolge schuldvoll unterlassener Abmeldung ein bereits ausgeschiedenes Mitglied unterstützt hat. Für Rechtsstreitigkeiten, die sich auf einen solchen nach den Bestimmungen des allgemeinen bürgerlichen Rechts zu beurteilenden Anspruch beziehen, ist in Ermangelung einer gegen- teiligen gesetzlichen Bestimmung der Rechtsweg ohne weiteres zu» lässig._. Hue Induftric und Handel Der Kampf um den Aufsichtsrat. Daß es sich bei den Kämpfen in der Kaliindustrie lediglich um Wahrnehmung nationaler Interessen handele, das ist so oft behauptet worden, daß man es beinahe glauben könnte. Da ist eS interessant, zu vernehmen, was der„Börsen-Couricr" über die Ver- Handlungen bei der Neubildung des Syndikats zu berichten weiß. Die meisten Kaliindustriellen wollten einen Aufsichtsrat, dem zu- nächst 16 Personen angehören sollten. Die Regierung verlangte einen weniger kopfreichen Aufsichtskörper. Dazu ssemerkt das Blatt, die Regierung sei das Opfer von Cliquen und Sonderbestre- Hungen. ES fei nötig, sich davon zu emanzipieren. Wir sind der Meinung, daß die ganze Gesetzgebungsaktion in her Kaliindustrie aus dem Sumpfe von Interessen- und Cliquen- Wirtschaft erwachsen ist. Wenn dabei für die Arbeiter wenigstens etwas herausgeholt worden ist, dann nur gegen den Willen der In- hustriellen. In einer späteren Nummer liest man: „Im Ministerium aber wird man nicht ohne Interesse er- rennen, daß immer diejenigen versteckt gegen die Fühlung der Gesamtverreetung der Kaliindustrie mit dem Minister arbeiten, welche selbst, hinter dem Rücken der Gesamtindustrie, das Ohr des Herrn Oberberghauptmann und anderer Ministerialstellen ge- radezu umlagern. Wir behalten uns vor, auf diese uns wohl- bekannten Aktionen gewisser herzoglicher oder fürstlicher Räte und einiger Herren im Dienst und außer Dienst zurückzukommen, die namentlich m der Organisationsfrage wegen Auflichtsrat und Direktion entfaltet worden sind.' 9 „Schutz-zollsege«. Wie die deutsche Zoll- und Handelspolitik den Kleinbesitz ruiniert, das beweisen erneut die Berichte der Handelskammern von Hagen und Lüdenscheid in We st falen. In diesen Bezirken domiziliert eine K l e i n e i s e n i n d u st r i e, die sich in bedeutender Weise über das ganze sauerländische Gebiet erstreckt. Seit über 499 Jahren ist hier ein Sitz der Herstellung von Eisen und aller- Hand Kleineisenwaren. In den entlegenen Flußtälern, wo mangels ausreichender Eisenbahnverbindungen mit Pferd und Wagen weite Wege nach den Güterbeförderungsplätzen zu machen sind, haben bis- lang eine Anzahl Kleineisenindustrieller ihr Auskommen gefunden. Eisen-, Stahl- und Metallwarenartikel werden produziert. Der Landwirtschaft fehlt eS infolge des hügeligen und sehr steinigen Bodens an EntwickelungSmöglichkeiten. Zahlreiche gewerbliche Betriebe verkümmern jetzt, wenn sie nicht von Großbetrieben angekauft werden. Ruinierend wirkt besonders die Zollpolitik. Die Handels- kammern bemerken dazu: Die Berichte der Fabrikanten der ver- schiedensten Zweige der Kleineisenindustrie sind„voll von Klagen und Unzufriedenheit und zeigen durch- gehend einen tiefen Pessimismus".— Zahlreich seien die Klagen über Erschwerung des Absatzes durch eingetretene Zollerhöhungen. Durch die Zölle werde dieKonkurrenzfähigkeitsehrerschwert, derAbsatz verringert. Alle Bemühung en und Vorstellungen nach dieser Richtung seien erfolglos geblieben I Besonders hätten auch die Arbeiter zu leiden, indem Entlassungen, Arbeitszeitverkürzungen und Feierschichten eintreten mutzten. Um die Aufträge entspann sich ein immer schärferer Wettbewerb. So geht es fort mit den Klagen I Befriedigende Resultate waren nur aus der Großindustrie zu verzeichnen, was auch die Vermehrung der Mitgliederzahlen bei den Krankenkassen beweist, doch seien auch die Schädigungen durch die Zölle so groß, daß von einem Mehrverdienst nicht die Rede sein könne. Die Ausfuhr nach den Haupt- kultur staaten gehe immer mehr zurück. Aber unsere Junker gedeihen, da fallen solche Klagen und Unzuträglichkeiten nicht weiter ins Gewicht. DaS sind nun mal die.gottgewollten Abhängig- leiten", die just so lange wirksam bleiben, als das Volk die sswarz-blaue Zollwncherherrschaft sich gefallen läßt. Versand des Stahlwerksverbandes. Der Versand in Produkten L war im Monat April ziemlich groß. Im Vergleich mit dem Vormonat und dem Monat April des Vorjahres ergeben sich folgende Ziffern: , mj r,. Guß- und X«-«- tÄ SW-. Tonnen Tonnen Tonnen Tonnen Tonnen April 1999.. 218 459«9 427 61 290 30 716 7349 März 1919.. 237 040 76 731«6 774 42 722 8371 April 1919.. 297 923 88 439 03 449 46 177 8727 Die Aprilziffen: 1919 sind für Stabeisen, Bleche und Guß- und Schmiedestücke die höchsten seit Beginn von 1999, in Walzdraht und Röhren übersteigen sie den monatlichen Durckjschnitt seit dem 1. Januar 1999, wobei allerdings in Walzdraht ein Rückgang gegen den März d. I. zu verzeichnen ist. ScncKts-Deining. Eine am Weihnachtsfeiertage begangene Bluttat, die wieder einmal den Abschluß einer Liebesgeschichte bildete, führte am Montag den Schlosser HermannTegt vor das Sclnvurgericht deS Landgerichts I. Der 22jährige, aus Dortmund stammende An» geklagte hat sich wegen versuchten MvrdeS, wegen Totschlages und wiederholter Bedrohung mit einem Verbrechen zu verantworten. Den Vorsitz im Gerichtshofe führte LandgerichtSrat Ritze, die An- klage vertritt StaatsanwaltS-Assessor Dr. Kiesel,� der Angeklagte wird vom Justizrat Louis Cohn verteidigt. Die Fälle, die zur An- klage stehen, haben sich in Dortmund, Duisburg und Berlin ab- gespielt. Der Angeklagte hat in Dortmund in noch ganz jungen Jahren das spätere Dienstmädchen Else Ising kennen gelernt, als diese noch in die Schule ging und begann bald mit ihr ein LiebeS- Verhältnis, das sehr intim wurde und von feiten des Angeklagten mit einem Eifer betrieben wurde. Es kam nicht nur zum»Fen- sterln", sondern auch zu manchen verschwiegenen Stelldichein in der Kammer des Mädchens, das bei einem Bäckermeister in Dienst ge- treten war. Die Mutter des Mädchens duldete im Sttllen da? Verhältnis, während der Vater entschieden dagegen war. Der An- geklagte behauptete, daß er seine ganzen Ersparnisse im Verkehr mit dem Mädchen aufgezehrt gehabt und deshalb sehr aufgeregt dar- über gewesen sei, als die Ising danach nichts mehr von ihm wissen wollte. Der Vater der Ising machte schließlich kurzen Prozeß und schaffte das Mädchen nach Duisburg. Vorher soll der Angeklagte dem Mädchen wiederholt mit Totschießen gedroht haben, falls sie nichts mehr von ihm wissen wollte. Die Else Ising trat in Duis- bürg in Stellung bei dem Bahnhofsrestaurateur und dort traf sie zufällig der Angeklagte, der Sehnsucht nach dem Mädchen hatte, ihren Aufenthaltsort Duisburg ausgekundschaftet und ihr dort- hin gefolgt war. Seine Annäherungsversuche waren aber ver- geblich und hier soll der Angeklagte abermals Drohungen aus- gestoßen haben. Das Mädchen wechselte, um von dem Angeklagten loszukommen, sehr bald ihre Stellung und trat bei einem anderen Rcstaurateur in Dienst. Aber auch hier kundschaftete er der geklagte ihren Aufenthalt aus und erschien eines Tages in der Restauration. Er behauptet, daß da? Mädchen ihm wieder Avancen gemacht und sich seine Huldigungen wieder habe gefallen lassen, während die Ising die Sache so darstellt, daß sie aus Angst und Furcht vor dem Angeklagten sich seinem Liebeswerben gefügt habe. Das Mädchen verlor infolge dieses Verkehrs ihre Stellung und ging nach Dortmund zurück. Der Angeklagte folgte ihr sofort dort- bin. In Dortmund kam es eines Abends zu einer Bedrohung der Eltern der Ising. Diese sahen, wie der Angeklagte hinter ihnen herkam und plötzlich in der Richtung nach ihnen einen Revolver- schuß abgab. Else Ising ging von Dortmund nach Berlin und hier trat das nun 17 Jahre alte Mädchen in den Dienst beim Bäcker- meister Stein, Dresdcnerstraße 89. ES dauerte wieder nicht lange. da war auch der Angeklagte, der von dem Mädchen nicht lassen konnte, in Berlin und stand bald wieder in Verbindung mit der Else. Er fand in Berlin Stellung und war wöchentlich mehrmals in der Dresdnerstraße, wo er nach seiner Behauptung von dem Mädchen sehr freundlich wieder aufgenommen worden sein soll. Nach seiner weiteren Behauptung soll das Mädchen sogar mit»hm verabredet haben, heimlich ihren Dienst zu verlassen und am 1. No- vember wieder nach Dortmund zurückzukehren, wohin er vor- ausfuhr. Er wartete aber vergeblich auf ihre Ankunft. Das Mädchen zog es vor, in.Berlin zu bleiben und schickte dem An- geklagten seine Briefe zurück, zum Zeichen, daß sie nichts mehr von ihm wissen wollte. Der Angeklagte eilte auch nach Berlin, wo er in der Kolbergerstraße Wohnung nahm und das Glück hatte, bald in einer Brauerei Arbeit zu finden. Sobald er nur irgend konnte, lenkte er seinen Weg nach der Dresdncrstraße und suchte vor und in dem Steinschen Bäckerladen Anknüpfung mit der Else Ising zu ftnden. Als er im Dezember außer Stellung kam, umkreiste er fast Abend für Abend das Haus in der Dresdnerstraße. An einem Tage traf er das Mädchen vor dem Laden, das Schaufenster putzend. und versetzte ihr in seinem Aerger darüber, daß sie ihm sein ver- sprochenes Stelldichein nicht gewährt hatte, einen Fußtritt. In einer benachbarten Gastwirtschaft stieß er wiederholt Drohungen gegen die Ising aus. Am Weihnachtshciligabend hatte er in der Familie seiner Wirtsleute unter dem Weihnachtsbaum noch einige friedliche Stunden verlebt, am anderen Tage aber verübte er die ihm zur Last gelegte Bluttat. ES hatte inzwischen eine Ladung zu einer gerichtliche» Vernehmung erhalten. Er war nämlich eines Diebstahls in der Braudel Serdächtigt word'Ak SaS VerfahV« ist schließlich von der Staatsanwaltschaft eingestellt worden— und der Angeklagte glaubte irrtümlich, daß es sich um den der Ising ver- abreichten Fußtritt handelte; sein Zorn gegen diese erreichte einen noch höheren Grad. Am ersten Feiertage schlängelte er sich durch verschiedene Kneipen, in denen er Schnaps und Bier trank, zur Dresdnerstraße, und umschlich schließlich wieder den Steinschen Bäckerladen. Die Familie Stein wollte gerade ausgehen, als der Angeklagte auf der Bildfläche erschien. Herr Stein drohte dem Angeklagten und wollte ihn dadurch warnen; er beruhigte sich aber, da der Angeklagte den Trick machte, auf einen Omnibus zu springen und so zu tun, als ob er wegfahre. Meister Stein beruhigte das Mäd- chen und verlies mit seiner Familie daS Haus. Der Angeklagte fuhr aber nur eine ganz kurze Strecke mit dem Omnibus und kehrte bald nach der Dresdnerstraße zurück. Gegen 19 Uhr abends ging er in das Haus und klopfte an die Tür der parterre gelegenen Steinschen Wohnung, nachdem er gehört hatte, daß die Ising in dev Wohnung war und ein telephonisches Gespräch mit Herrn Stein führte. Das Mädchen öffnete jedoch nicht, als sie hörte, wer draußen war. Der Angeklagte fragte sie, ob sie auch eine Ladung vor daS Gericht erhalten habe und fügte einige Drohungen hinzu für den Fall, daß sie zu seinen Ungunsten aussagen würde. Der Angeklagte ging dann nochmals kurze Zeit in ein nahes Schanklokal, trank sich dort Mut und kehrte in das Steinsche Haus zurück. Er begab sich auf den Hof, schlug dort eine große Fensterscheibe ein und stieg in das Zimmer hinein, in welchem sich die Ising mit dem dreijährigen Sohne Kurt des Bäckermeisters Stein auf dem Arm befand. Er drang mit schußbereitem Revolver auf sie ein. Da» enfletzte Mädchen floh hilferufend in die Wohnung des dicht neben dem Bäckerladen wohnenden Uhrmachers Scholz. Als Tegt auch dort eindrang, gab er sofort zwei Schüsse ab; der eine Schuß ver- letzte das kleine Kind, das die Ising auf dem Arme trug, an der Hand, die zweite Kugel verfing sich in dem Oberkleide der Ising. Als nun Scholz dem Rasenden entgegentrat und mit einem Eisen- stück auf ihn einhieb, richtete Tegt die Schuhwaffe gegen diesen und verletzte ihn durch zwei Schüsse erheblich im Gesicht. Scholz mußte nach Bethanien gebracht werden und ist infolge hinzugetretener Gesichtsrose und Lungenentzündung gestorben. Als der Angeklagte festgenommen und nach der Polizei gebracht wurde, hat er dem Schutzmann gesagt:„Lassen Sie mich doch loS, Sie sehen doch, ich bin sinnlos betrunken". Der Angeklagte behauptet, daß er infolge deS Alkoholgenusses nicht Herr seiner Sinne gewesen sei und gar nicht die Absicht gehabt habe, das Mädchen zu töten; vielmehr habe er ihr nur einen Denkzettel geben und sie verletzten wollen. Nach zweitägiger Verhandlung bejahten gestern die Ge- schworenen die Schuldfragen wegen Körperverletzung mit tätlichem Ausgange unter Zubilligung mildernder Um- stände, versuchten Totschlages unter Versagung mildern- ver Umstände, fahrlässiger Kö r p er v>er l e tz u ng und Bedrohung. Der Staatsanwalt beantragte mit Rücksicht auß die Schwere der Tat 19 Jahre Zuchthaus und 19 Jahre Ehrverlust. Das Urteil lautete auf eine Gesamtstrafe von 6 Jahren Zuchthaus und 6 Jahre Ehrverluft. Der klagende Pfarrer. Ein interessanter Beleidigungsprozeß mit einem gewissen poli- tischen Einschlage gelangte vor dem Schöffengericht in Metz am Sonnabend zur Verhandlung. Privakläger war der Pfarrer Kirch aus Ersdorf, der die Privatklage gegen den Redakteur Arger vom „Lothringer" und den Redakteur Pignon vom„Messin" angestrengt hatte. Am 21. März d. I. erschien im„Lothringer" ein«rtikek mit der Ueberschrift„Liebe deinen Nächsten". Dieser Artikel, der nachher vom„Messin" in französischer Sprache nachgedruckt wurde, enthielt die Behauptung, daß der Pfarrer Kirch die Benutzung seines Telephons einer Hebamme, die den Arzt herbeirufen wollte, verweigert habe, mit der Bemerkung:„DaS Telephon ist geschloffen, laßt sie nur strampeln." Die letztere Bemerkung bezog sich auß die in Geburtswehen liegende Frau, deren Mann insofern poli- tischer Gegner des Pfarrers ist, als er sich zum„Block" bekannte. Zur Verhandlung war fast das halbe Dorf Ersdorf als Zeugen geladen.— Der Privatklager Pfarrer Kirch gab an. daß am 27. De, zember die Hebamme zu ihm gekommen fei und ihn ersucht habe. telephonisch den Doktor herbeizurufen. Das Telephon habe am Sonntag aber nur von 8—9 Uhr morgens und 12— 1 Uhr mittag» benutzt werden können. Er habe daher der Hebamme den Vor» schlag gemacht,«inen Radfahrer zum Doktor zu schicken, womit diese auch einverstanden gewesen sei. Er selbst habe mittags noch einmal den Arzt antelephoniert, der aber nicht zu Haufe war.—- Der beklagte Redakteur stellte unter Beweis, daß der Pfarrer schon mehrere Male telephonische Verbindung außer der Dienstzeit be- kommen habe, z. B. zur Zeit der Wahlen. Der Pfarrer habe ferner von der Hebamme gewußt, daß die in Geburtswehen liegende Frau schon seit 3 Uhr morgens die schrecklichsten Schmerzen litt, da eS sich um eine Zwillingsgeburt handelte. Redakteur Feger behauptet weiter, der von dem Pfarrer abgesandte Radfahrer sei ein Krüppel und habe für den Weg zum Arzte ungewöhnlich lange Zeit brauchen müssen. Ms der Radfahrbote zum Postverwalter kam, habe dieser ganz erstaunt gefragt, warum er nicht von Ers- dorf aus telephouicrt habe und hinzugefügt:«Gelt, eS war ein „Block"-Mann?" In der Beweisaufnahme wird festgestellt, daß Pfarrer Kirch nicht den Versuch gemacht hat, Anschluß an das Amt zu erhalten. Postverwalter Scharff bekundete als Zeuge, daß er die Verbindung auch hergestellt hätte, während das Amt geschlossen war, weil er vermuten müsse, daß es sich um etwas Dringendes handle. Der Pfarrer habe öfters außer der Telephonzeit angerufen und immer Anschluß bekommen. Das Urteil lautete gegen die beiden angeklagten Redakteure auf die gesetzlich zulässige geringste Geldstrafe von je 3 Mark, und zwar wegen formaler Beleidigung.— In der Begründung wurde zum Ausdruck gebracht, daß die Zeitung zwar nicht den vollen Wahrheitsbeweis erbracht habe, daß der Pfarrer aber durch sein mehrdeutiges Verhalten selbst Anlaß dazu gegeben habe, daß er so beurteilt wurde, wie es in dem Artikel zum Ausdruck q* kommen ist._ Hue der frauenbewegung« DaS Frauenwahlrecht in England. Eine Gruppe von 36 Unterhausmitgliedern aller Parteien hat sich als„Versöhnungskomitee für Frauenstimmrecht" konstituiert, um „die baldige Lösung der Frauenwahlrechtsfroge auf Grundlage eines allen Parteien annehmbaren und erreichbaren Minimums anzustreben". Das Komitee hat bereits einen Gesetzentwurf in diesem Sinne ausgearbeitet, der dem Parlament in einer seiner ersten Sitzungen miterbreitet werden soll. Das allgemeine kommunale Frauenwahlrecht in Norwegen ist nun endgültig beschlossen. Das Lagthing hat am Freitag den Beschluß des OdelsthingS, daS Gemeindewahlrccht der Frauen all» gemein zu machen, einstimmig akzeptiert. Wie schon im OdelSthing, suchte der Staatsrat Arctander auch im Lagthing die Verallgemeinerung des Frauenwahlrechts zu verhindern, indem er die Schrecken der Sozialistenherrfchast ausmalte, die noch seiner Meinung folgen müssen. Darum müsse die bürgerliche Gesellschaft alles aufbieten zur Selbstverteidigung gegen die sozialistische Gefahr. Alle An- strengungen, den Proletariennnen das Gemeindewahlrecht noch länger vorzuenthalten, erwiesen sich als vergeblich. Die Gleich« berechtigung hat gesiegt. Die kömgliche Bestätigung deS Gesetzes ist nur eine reine Formsache._ Versammlungen— Veranstaltungen. verein für Frauen und Mädchen der Arbeiterklasse. Mittwoch, den 1. Juni, abends 8>/, Uhr. im Reuen Klubhaus, Kommandanten- ftraße 72: Versammlung; Vortrag von Frau Bohm-Schuch: Sexuelle Aufklärung. SozialdemokraUscher Wahlverein des 6. Berliner Reichstags-Wahlkreises. Mittwoch, den 1. Juni, abends H1/, Uhr, in Obiglos Festsäle«» Schwedter Strafte 23/24, Donnerstag, den 2. Juni, abends 8'/- Uhr, in Arndts Festsäle», Belforter Sttafte 15: Oeffentl. politische Franenversammlnngen. Tagesordnung in beiden Versammlungen: nnd Politik. Reserenttn: Frau vi?. Weyl. 227/14* Freie Diskussion.___ Der Borstand. I. il.: Frau Minna Lodse, Oderverger Straße 20. deutscher �ransportarbeiter-verbantl � Sektion I.! AM' Mitglieder aller Branchen!"VV Donnerstag, den 2. Juni, abends 8V2 Uhr, in den„Arminhallen", Kommandanteostr. 58/59, großer Saal: KroBs Uersammlung der Sektion 1, Handelsarbeiter. Tagesordnung: 1. Der Zusammenschluß der Berbaude im TranSPortgewerbe. 2. Bericht Sber den außerordentlichen und den gemeinsamen Berbandstag in Hamburg. 3. Vorschlage zu Beisitzern und Revisoren des VerbandSvorstandes. In Anbetracht der wichtigen Tagesordnung ist das Erscheinen jedes einzelnen Kollegen unbedingt notwendig. es/io Die Sektionsleitvng. J. 21.: FritzWappler. Sektion II. Kutscher u. Mitfahrer aller Branchen, sowie Lager-, Speicher, Keller-, Mineralwasser-, Möbeltransport- u. Kohlenarbeiter, Arbeiterinnen, Fensterputzer, Leitergeröstbauer usw. Donnerstag, den 2. Juni, abends 81/, Uhr, im Gewerkschaftshause, Engelufer 15, grosser Taal: Große Versammlung:. TageS-Ordnung: 1. Vortrag de» Kollegen«ich. Nürnberg über: Die ReichsverfichernngSordunng. 2. Bericht der außerordentlichen VerbandStag in Hamburg. 3. Vorschläge von Beisitzern und Revisoren zum -......... 69/11 Delegierten vom BerbandSvorstand. 4. Geschäftliches. Zahlreichen Besuch erwartet Die Sektionsleitung. I. A.: Sl I b e r t U t h e ß. YerbaM der Lederarbeiter Filiale Berlin I. Donnerstag, den 9. Juni, abendS 8 Uhr. in Schmidt» FeftsSlen, Prinzeuallee SS: Tersammliing. TageS-Ordnung: 1. BorstandSwahl. 2. Abrechnung der UnterstützungSkasf«. S. Bericht de» Vorstände». 144/10 Da» Erscheinen sämtlicher Kollegen erwartet Per Verntand. Zentral-Kranten- u. Sterbekasse der Zimmerer (®. H. Kr. 2, Hamburg) Oertliche Verwaltung Berlin. Freitag, den 3. Juni, abds. 8>/. Uhr, im Gewerkschaftshanse, Engelufer 15( na llvs Ximovcell abgeliefert| haben und deneu eine dies- 1 bezügliche»ohrlftllche Mit- i teiluns noch nicht zugegan-| 5' on ist, sich von heute ab en entsprechenden Prell— 1 1 laut unserem Prospekt— In| unserem Gesch&'tslokal j SchOneberp, Hsnptstr. 10« abholen zu wollen. Die von! dem Könlgl. NoUr Herrn Justlzrat Paul Michaelis auf- feslcllte Liste der Gewinner er 50 Geldpreise liegt in uns. ! Kontor zur Einsicht aus. Kaufbons mit Kredit 1 »»• Schöneberg, iaupstr. 19 1 direkt»m Kaller.Wllbtlm- Platz| dam alten Rathau, gegenüber. [ Bette Einkaufequelle für 1 Rmeo-, OaBien-OarWe I Mamitaldofwafeo° Wösitie I Höliel udiI Polsterwaroo [ auf bequemste! Teilzahlung. iJedmo erhält Kredit. 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Teil, 1910, Seite 552, unter E. 65/20 Tuehreste �"et»"??»?' Bauen spottbillig I Neueste Muster I Wir empfehlen folgende Neuerscheinungen: Die Gnmdprobleme des Marxismus von 6. PIcchunow. Preis drosch. 75 Pf., gebd. 1 M. Vereinsausgabe 50 Pf. IfermeiiruDg udiI Entwiekelung in Natur uiid ßesellsebaft von Kail Kantshy. Preis drosch. 1,50 M., gebd. 2 M. Expedition des„Vorwärts" Berlin SW. Lindenstr. 69(Uden). Wichtig fiir HrkwlObksiicher! Die schönsten und bequemsten Kahntouren lassen sich nur von Lübbenau ausführen. Der Verein der Kahn-Fährmänner für Lübbenau übernimmt sichere Führung durch den Sprecwald, stellt Herrschasten, Vereinen und größeren Gesellschaften nur zuverlässige Fährleute. Nähere Auslunst durch �uxust veSsscklc, Lübbenau. wie 2371b Verlelb-ln>altnt: Frledriohst.llS/l.a.Oiabg. *Tor. Eleg. Frack, Eehrock 1,50, Haje 1,00, Weste 50Ps. Wir empfehlen: Arbeiter- Gesundbeitsbibliothek Heft 11: Frauenleiden u. deren Verhütung. Nebst einem Anhang: DieBerhütung der Schwanarrschaft. 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F. 997 an Ann. r i f e r i n". Von Henri B e c q u e. Diese Sittenkomödie aus der Pariser Gesellschaft unterscheidet sich sehr zu ihrem Vorteil von vielen neueren Produkten ihrer Gattung. Ein wirklicher Dichter hat sie geschrieben, dem aber bei Lebzeiten nur spärlicher Erfolg be« schieden gewesen ist. Henri Becque verzichtet auf den Apparat einer äußerlichen geräuschvollen Situationskomik. Die Handlung spielt sich zwischen vier, eigentlich bloß drei Menschen ab. Der Angelpunkt der Handlung ist, bei Licht besehen, so alt wie die bürgerlich-kapitalistische Moral. Nicht der Rechtschaffene, Tüchtige kommt an den ihm gebührenden Platz, sondern wer verschlagen genug ist, um sich der Gunst buhlerischer Weiber als Krücken des Erfolges zu bedienen. In der„Gesellschaft" spielt das Weib die Hauptrolle. Ueberall arbeiten ehrgeizige Männer nach dem gleichen Rezept: Habe Glück bei den Frauen— und dein Strebertum wird reichlich belohnt. Nun kann_ aber auch das umgekehrte Verfahren stattfinden, indem eine ehrgeizige Frau, zumal wenn sie jung und hübsch ist, ihren eigenen Gatten protegiert. Clotilde, die Heldin dieser Komödie, hat ihr„Verhältnis". In dem Augenblick aber, wo es sich für sie darum handelt, den eigenen Gatten in eine einflußreichere Staatsstellung zu bringen, halftert sie den alten Liebhaber ab und fängt einen Freund des Ministers in ihren Netzen. Ihr Mann erhält den Posten und ist deS Glaubens, daß er ihn der Fürsorge seines Onkels verdanke. Der neue Lieb- haber ist jedoch als reicher Provinziale nach fünf Monaten sowohl nennen.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Da kann man nicht von einer„großen nationalen Tat" reden, wenn man ein paar tausend Ansiedler im Osten seßhaft macht, im Jahre 1909 im ganzen 16529. darunter niehr als 2000 mit weniger als 5 Hektar. Das sind doch keine selbständige Bauern, sondern höchstens Arbeits« kräste für die Großgrundbesitzer. Wir haben keinen Anlaß, Mittel dafür aufzuwenden, daß zuerst notleidenden Großgrund« besitzern zu teueren Preisen ihr Land ab» gekauft wird, um es dann an andere zu verschleudern. Interessant ist, daß in den Jahre» 1888 bis 1908 nur 41 Rcstgüter geschaffen worden sind. 1909 aber allein 11. Das beweist, lvie man den Großgrundbesitzern entgegenkommt. Es wäre eine nationale Aufgabe ersten Ranges, für eine normale Besitzver« teilung in Preußen zu sorgen, so daß alle die, die das Land be- bauen, auch einen entsprechenden Ertrag von ihrer Arbeit haben. Das sind aber nicht die Ziele der Ansiedelungspolitik. Herr Dr. Hahn hat seinerzeit auch ausgeführt, der Großgrundbesitz sei not- wendig, weil die technischen Fortschritte nur durch ihn eingeführt werden können. Wir Sozialdemokraten stehen ja auch auf dem Standpunkt daß der Großbetrieb auch in der Landwirtschaft die rationelle Be« triebsform ist. Wenn unser Genosse Ar tu r Schulz eine andere Meinung vertritt, auf die sich unsere Gegner vielfach berufen, � so konstatiere ich. daß er in der Partei mit dieser Anschauung isoliert steht. Wir laffen natürlich jeden seine Meinung frei aussprechen. Wenn wir unS gegen den Standpunkt einzelner Revisionisten wenden, so nur, um zu verhüten, daß solche Anschauungen Ein« gang bei der großen Masse der Partei finden, um die Ansichten durch die Diskussion zu klären. Den Standpunkt der Partei in dieser Frage hat unser Genosse, der Großgrundbesitzer H o f e r in Skaisgirren in der„Neuen Zeit" in einer Reihe interessanter Artikel dargelegt, worin er nachweist, daß der Großbetrieb dem Kleinbetrieb an Produktivität, Arbeitsersparnis auf allen Gebieten überlegen ist, sowohl bei der Getreideprodultion wie bei der Viehzucht. Hofer schlägt vor, daß der Großgrundbesitz den Landarbeitern zum genossen« schaftlichen Betriebe überwiesen werde. Dafür sind die Herren der Rechten natürlich nicht zu haben. Sie halte» in ihrem Spezialinteresse die Klassenscheidung für eine gottgewollte Ordnung. Es wird erst einer starken sozialdemokratischen Partei be- dürfen, damit auch auf diesem Gebiete wirkliche Fort- schritte erreicht werden. Wir lehnen also die Ostmarken« Politik ab, weil sie politisch unklug und unwürdig ist, iveil sie die Vergewaltigung eines fremdsprachlichen Volksstammes bedeutet und weil sie unter der falschen Flagge einer nationalen und Kultur« Politik lediglich eine Bcgünstigungspolitik für einige Wenige auf Kosten der Gesamtheit des Volkes darstellt.(Lebhaftes Bravo I bei den Sozialdemokraten.) Nach einigen weiteren Bemerkungen des Abg. Graf Spee(Z.) wird die Debatte abgebrochen. Nach debatteloser Erledigung mehrerer Petitionen vertagt sich das Haus. Nächste Sitzung: Donnerstag 12 Uhr. Kleinere Vorlagen, Initiativanträge, u. a. Fortsetzung der Debatte über den Antrag Borgmann auf Aufhebung des Bagabundcnparagraphen, Petitionen. Schluß 4 Uhr. flus der Keichsverlicherungs- ordDunoS'KorotniffiOD. Auch gestern ist noch fast die ganze Sitzung von der allge- meinenDebatte über die Versicherungsbehörden in Anspruch genommen worden. Aus der Debatte ist zunächst eine Angabe des MinisterialdirektorZ Casper darüber hervorzuheben, wie sich die wenigen Rentenstellen, die wir bis jetzt haben, be- währen. Der Herr teilte auf eine Anfrage mit, daß die Ersah- rungen sehr günstig seien: So habe die Zeit vom Eingang deS Antrags auf die Gewährung einer Invalidenrente bis zu der Er- ledigung desselben in dem Regierungsbezirk Oppeln vor der Ein» richtung der Rentenstelle durchschnittlich 126 Tage betragen, nach der Einrichtung der Rentenstelle nur noch 83 Tage und ebenso in der Provinz Hessen-Nassau vorher 76 Tage, nachher 60 Tage. Ferner habe in dem Regierungsbezirk Oppeln, mit Ausschluß des Bezirks der Rentenstelle, von den eingegangenen Anträgen ungefähr die Hälfte einer nochmaligen Bearbeitung bedurft, in dem Bezirk der Seinestadt wie der Geliebten überdrüssig und geht aufs Land zurück. Nun tritt der verabschiedete Liebhaber Nummero EinS wieder in seine alten Rechte.— Die von Fritz W i t t e« W i l d vorzüglich in Szene gesetzte Komödie fand einen großen unbestttttenen Beifall. Als Clottlde gab Mila de l a Chapelle Zeugnis von einer ganz hervorragenden Darstellungskunst. Jede Bewegung, jeder Blitzbltck, die Beherrschung der Konversation, charmante Liebenswürdigkeit, Temperament und Laune, die sich gehen zu laffen. aber auch im gebotenen Moment zu zügeln wissen: daS alles erscheint hier in einem äußerst sympathischen Bühnenbilde. Daß diese Clotilde eine Pariserin ist, glaubt man der famosen Dar» stellerin aufS Wort. Ihr gegenüber hatten die übrigen Mitwirkenden einen erschwerten Stand. Robert H a rt b e r g mochte als Lafont ein wenig schwerfällig erscheinen; auch hatte seine Gebärdensprache etwas Gezwungenes; gleichwohl gelang eS ihm, seinen Helden in seiner komischen hilflosen Verliebtheit glaubhaft zu machen. Für Simpson, den Landjunker, dem seine Jagdflinten doch über alles gehen, brachte Fritz Junkermann die richtige Verfassung mit. Auch die Darstellung de« Du Mesnil durch Karl Wilhelm war im ganzen vortrefflich. Toni WilkenS war eine hübsche schnippische Adele; nur für ein Pariser Stubenmädchen doch ein wenig outriert. v. k. Humor und Satire. D e r A st r o n o m. Er erklärt mit mathemattscher Schärfe, daß sich zwischen Erde und Sonne ein Komet befände, der könnte aber auch anderswo stehen. Er erklärt, an schärfste Zeitbestimmungen bis zur Vim Sekunde gewöhnt, der Durchgang würde um 2 Uhr 20 Mi» nuten stattfinden, es könnte aber auch 15 Minuten später werden, nämlich um l/zä Uhr oder nach zwei Tagen oder nach einer Woche und S1/« Sekunden. Er erklärt, der Komet habe einen Schweif und zwar nur einen, vielleicht aber zwei oder drei oder gar keinen. Er erklärt, daß der Schweif des Kometen mathematisch gerad» linig sei, falls dieser nicht eine sehr bedeutende Krümmung aufweise. Er erklärt, daß der Komet stets mit der Erscheinung von Meteorfällen auftrete, daß aber die Meteorfälle nichts mit dem Kometen zu tun haben und daß die Meteore überhaupt nicht zu er» scheinen brauchen. Er erklärt, daß das Auftauchen des Kometen auf der Erde immer magnetische und elektrische Störungen bewirke, so daß man sicher auf einen Kometen schließen könne, wenn nicht die Spur einer magnetischen und elektrischen Störung vorhanden sei. Er erklärte schließlich, daß das Publikum von dem Kometen keine Ahnung habe, und daß man, um den Kometen als einen ganz unsicheren Kantonisten zu erkennen und über seine Natur gänzlich im Dunkeln zu tappen, dreißig Jahre lang Astronomie studiert haben müsse. _(„Lustige Blätter".) Notizen. — Berichtigung. Korole nkoS Stimmungsbild„Im ' �''""'------------- S«lt'" Sturm", das in Nr. 103 und 104 dcS UnterhaltungSöKtlttes ab» gedruckt ist. schildert nicht, wie der Druckfehler wollte, die Flucht dieses Revolutionärs, sondern eines Revolutionärs. Korolenko ist u. W. als Revolutionär nicht hervorgetreten. Set Renkenstelle dagegen nur ein Fünftel. Zjn Hessen-Nassau se, das Verhältnis% zu Vs. AuS der Rheinprovmz liegen noch keine Zahlen vor. Jedoch habe der Vorsitzende der dortigen Landes- Versicherungsanstalt, nachdem die Rentenanstalt ein Jahr in Betrieb gewesen war. berichtet, daß die Rentenjtelle den Erwartungen in jeder Weise entsprochen und ihre Aufgaben mit peinlichster Ge- wissenhaftigkcit erfüllt habe. DaS beweist in der Tat, daß die angebliche Sorge der Berufsgenossenschaften, die Feststellung der Unfallentschädigungen würde durch die Versicherungsämter der- zögert werden, ganz und gar unbegründet ist. Ein sehr bezeichnendes Eingeständnis machte Abg. Trim- b o r n(Z.). Er trat entschieden dafür ein, daß den Vcrsicherungs- ämtern, die bei den unteren Verwaltungsbehörden eingerichtet werden, ein geeigneter Vorsitzender gegeben werde, der sich dauernd diesen Arbeiten widmen könne. Dazu werde es in vielen Bezirken notwendig sein, daß dem Landrat oder Oberbürgermeister für die Arbeiten des BersicherungSamts ein Stellvertreter beigegeben werde. Ter Stellvertreter müsse aber dem Landrat oder Oberbürgermeister gleichwertig sein und den stellvertretenden Vorsitz ständig behalten. Wenn das nicht geschieht, sei die ganze Reform nur zum Schein. Und bisher, fügte er bedauernd hinzu, sei das, was für eine Unterstützung der Versicherten durch die untere Verwaltungsbehörde geschehen sei, nur S ch e i n g e w e s e n. Er mußte sich von den? Genossen Molken- b u h r sagen lassen, daß gerade das Zentrum sich an diesem Schein- werke in hervorragendem Maße beteiligt habe. Rur die Sozial- demokraten seien von Anfang an gegen die Bestimmung, die nun Herr Trimborn jetzt als Schein anerkenne, aufgetreten und haben genau so, wie sie es jetzt tun, eine ernsthafte Vereinheitlichung und Vereinfachung unserer Arbeiterversicherung beantragt. Ferner warnte er davor, daß, wie gefordert worden war, für die See- BerufLgenossenschaft besondere Einrichtungen zugelassen würden. Ohne größere Schwierigkeiten könne sich jede Berufsgenosienschaft den Forderungen anpassen, die im Interesse der Versicherten not- wendig sind. Wozu die Sondereinrichtungen führen, beweise daS Landesversicherungsamt für Reuß jüngere Linie, daS für keine einzige gewerbliche Berufsgenossenschaft, sondern einzig und allein für die landwirtschaftliche Berufsgenossenschaft deS Ländchens zu- ständig sei mit im ganzen 24 Betriebsunfällen im Jahre 1998. Damit müsse doch endlich aufgeräumt werden. Inzwischen war der Kompromißantrag der Konserva- tiven, der Nationalliberalen und des Abg. Erzberger eingegangen. Er will die Reichsversicherungsämter als eine Abteilung der unteren Verwaltungsbehörde einrichten, die Sonderversicherungsämter streichen, die Leiter der unteren Verwaltungsbehörde zu den Vor- sitzenoen der Versicherungsämter machen, die Kosten den Einzel- staaten auferlegen. Der Staatssekretär behält sich die Stellungnahme der Regierungen vor, bis der Antrag gründlich geprüft worden ist. Jedoch bilde auch nach seiner Meinung der Antrag eine geeignete Grundlage für die weiteren Beschlüsse. In der zweiten Lesung müßten die Aenderumen nachgeholt werden, die sich als notwendig für den organischen Zfufbau des ganzen Gesetzes erweisen würden. Nur gegen die Belastung der Einzelstaaten mit den Kosten müsse er schon jetzt Einspruch erheben. Dem schloß sich der Vertreter von Bayern im Namen der Einzclstaaten an. Ganz besonders schneidig trat ein preußischer Oberfinanzrat auf. Der gute Mann hielt sich für berufen, der Kommission gute Lehren darüber zu geben, daß Preußen gar nicht weiter belastet werden tonne, als im Regierungsentwurf vorgeschlagen sei. Außerdem erhoben Vertreter der preußischen Eisenbahnen und der preußischen Bergwerksverwaltung Einspruch gegen die Streichung der Sonderversicherungsämter. Sie ver- sicherten, daß sowohl die Eisenbahnen als auch der Bergwerks- betrieb mit besonderen Verhältnissen zu rechnen haben, und des- halb Sonderversicherungsämter unentbehrlich seien. Die Herren machten aber mit ihren Gründen keinen Eindruck. Ihnen wurde geantwortet, daß schließlich jede Industrie besondere Verhältnisse habe. Am meisten aber hatte der schneidige Finanz- rat vorbeigehauen. In der Kommission herrschte Einstimmigkeit darüber, daß unter allen Umständen die Einzelstaaten mehr zu den Kosten herangezogen werden müßten, als es nach dem Regierungs- entwurf geschehen soll. Hierauf trat die Kommission in die Beratung der einzelnen Paragraphen ein. Zunächst handelte eS sich um die E r r i ch t u n g der Versicherungsämter. Der Regierungs- entwurf schreibt vor: Die oberste Verwaltungsbehörde gliedert die BcrsicherungSämter, die in der Regel für den Bezirk einer unteren Verwaltungsbehörde errichtet werden, an staatliche oder gemeindliche Behörden an. Die oberste Verwaltungsbehörde kann die Versicherungsämter auch als selbständige Behörden errichten. Die Sozialdemokraten hatten beantragt: Die Ver- sicherungSämter nehmen die Stellung einer selbständigen Behörde ein. Dadurch wollten sie der neuen Einrichtung die Möglichkeit sichern, ihre Tätigkeit auch wirklich im Interesse der Versicherten zu entfalten. Der Kompromißantrag der Konservativen, des Zen- trums und der Nationallibevale,i dagegen lautete: »Bei jeder unteren Verwaltungsbehörde wird eine Abteilung für Arbeiterversicherung(Versicherungsamt) errichket. Die oberste Verwaltungsbehörde kann für die Bezirke mehrerer unterer Verwaltungsbehörden bei einer dieser Behörden eine gemeinsame Abteilung für Arbeiterversicherung errichten. Welche Behörden in jedem Bundesstaat unter der Bezeich« nung untere Verwaltungsbehörde im Sinne dieses Gesetzes zu verstehen sind, wird von der obersten VeiValtungSbehövde des BundestaateS bestimmt. Die Landesregierungen mehrerer Bundesstaaten können für ihre Gebiete oder Teile davon bei einer unteren Verwal- tungsbehörde eine gemeinsame Abteilung für Arbeiterversicherung errichten." Diese Formulierung soll, so erklärten die Antragsteller aus- drücklich verhindern, daß die Versicherungsämter sich auch nur im mindesten von dem Einflüsse der unteren Verwaltungsbehörde frei machen und etwa zu viel für die Versicherten leisten. Nach dieser Formulierung ist die Errichtung eine» Versicherungsamts als selb- ständige Behörde unter allen Umständen ausgeschlossen. Für den sozialdemokratischen Antrag stimmten nur die Sozial- demokraten und der Pole. Er war also abgelehnt. Darauf wurde der Kommissionsantrag mit allen gegen 2 Stimmen(Dr. Mugdan und Behrens) angenommen. Morgen Fortsetzung. hastmögllchkelt. Zu lebhaften Debatten führte gestern in der Justizkommission die Beratung des Z 110 der St. P. O. Es handelte sich um die Aufhebung der KollusionShaft. Die weitgehend. sten Anträge dazu lagen vom Zentrum und unseren Genossen vor. Danach sollte die KollusionShaft vollständig fallen und eventuell nur dann verhängt werden dürfen, wenn zu einer Kollusion bereits Schritte getan sind. Auch dürfte die Haft höchstens zwei Monate dauern und nur dann auf drei Monate ausge- dehnt werden, wenn es sich um Fälle handelt, die zur Zuständigkeit der Schwurgerichte gehören. Zur Verlängerung der Haft sei ein Beschluß der Strafkammer erforderlich. Ferner war verlangt, daß die Tatsachen, die die Kollusionsgefahr begründen sollen, unter der Angabe der Beweismittel aktenkundig gemacht werden. Stadt- Hägen wandte sich scharf gegen das Weiterbestehen der Kollu- stonShaft. An der Hand der Schilderungen unglaublicher Willkür- maßregeln der Gerichte, die nicht nur zur Zeit des Sozialisten- gesetzeS, sondern insbesondere auch beim Königsberger Hochver- ratsprozeß durch die dehnbaren Bestimmungen über die KollusionS- Haft unterstützt wurden, wies er die völlige UnHaltbarkeit der Kollu- sionshaftbestimmungen nach. In letzter Linie beruhe die Kollu. stonshaft auf dem Gedanken, daß der Beschuldigte kein Recht haben dürfe, in ausgiebigster Weise für seine Entlastung tätig zu sein. Bleibt die KollusionShaft bestehen, dann habe für die große Wenge des Volkes die Reform der St. P. O- kaym noch einen Werk. Detz Schutz gegen unberechtigte Untersuchungshaft sei dringend. Die Regierungsvertreter beharrten demgegenüber mit allem Nachdruck auf der Beibehaltung der Kollufionshaft. Mag gab zu. daß hin und wieder unbegründete Härten eingetreten seien, aber zur Ermittelung der Wahrheit fei die KollusionShaft nicht zu entbehren. Bei kleineren Sachen solle sie nicht angewendet werden, aber für schwere Verbrechen und insbesondere gegenüber den reichen Angeschuldigten sei die Kullufionshaft unbedingt er» fordrlich. Auch eine zeitliche Beschränkung der KollusionShaft sei für die Regierungen nicht akzeptabel. Im übrigen enthalte die Vorlage gegenüber dem geltenden Recht wesentliche Verbesserungen, so auch im§ 127, der eine zwei Monate dauernde UntersuchungS- Haft von einem Gerichtsbeschluß abhängig mache. Gern sei die Regierung bereit, die Bestimmungen über die KollusionShaft zu mildern, aber sie ganz aufzugeben sei unmöglich. Und im An» schluß daran erklärte noch der Staatssekretär des Reichs- juftizamtes, daß, wenn die KollusionShaft fiele, die Reform der St. P. O. aufs schwerste gefährdet sei. Die Redner der Konservativen, Nationallibe- r a l e n und Antisemiten schlössen sich in allen Punkten den Ansichten der Regierungsvertreter an.— Ein Redner der Frei. sinnigen(Abg. Dave) sprach sich im Prinzip sür die Auf- Hebung der KollusionShaft aus, im Eventualfälle müsse aber durch fest umgrenzte Bestimmungen die richterliche Willkür in bezug auf die Verhängung der Kollufionshaft eingedämmt werden. Für die Festlegung einer Höchstdauer der Haft war der Redner nicht zu haben. Ein anderer freisinniger Redner(Müller-Jserlohn) legte sich sogar stark für die Kollufionshaft ein. Auch das Zen- trum war gespalten. G r o e b e r wieS im Gegensatz zu seinem Fraktionsgenossen Spahn darauf hin, daß der Schwerpunkt der Kollufionshaft gerade bei der Verfolgung geringerer Straftaten liege. In der Abstimmung wurde unter Ablehnung aller Aenderungs- antrage der Absatz 1 in der Fassung der Regierungsvorlage a nge- nommen. Es wurde mit 18 gegen 9 Stimmen(drei fozialdemo- kratifche, einige freisinnige und Zentrumsstimme, i und der Stimme eines Polen) beschlossen, die KollusionShaft bei» zubehalten. Zum Absatz 2 deS§ 110, der die Verhängung der Hast wegen Fluchtverdacht ohne weiteres für begründet erklärt, wenn die An- nähme besteht, daß wegen der Tat auf Todesstrafe, Zuchthausstrafe oder auf eine andere Freiheitsstrafe über ein Jahr erkannt werden wird, beantragten die Freisinnigen Streichung des Absatzes, even- tuell wollen sie nur in Aussicht stehende Todes- oder Zuchthaus- strafe als Haftgrund gelten lassen. Unsere Genossen und ein von den Polen gestellter Antrag wollen nur dann diesen Verhaftungs- grund als gegeben ansehen, wenn der Verhaftete ein V e r b r e ch e n begangen hat.— Die Regierung erklärte sich gegen diese Abände- rungen und vor allem auch gegen die Streichung des Absatz 2.— Auch hier wurden alle beantragten Aenderungen und Zusätze ab- gelehnt, sodah der§ 110 in der Form der Regierungsvorlage an- genommen wurde. Auch Z III, der gegen unberechtigte Verhaftung wegen Ueber» tretungen und leichterer Vergehen einigen Schutz schaffen will, wurde unter Ablehnung weitergehender, von unseren Genossen, den Freisinnigen und dem Polen vorgeschlagener Kautelen nach der Re- gierungsvorlage angenommen. Derbandstag der KScker uud Kondttore«. Am Dienstag wurde im Gewerkschaftshause zu Berlin« die 12. Generalversammlung deS Verbandes der Bäcker, Konditoren und verwandten Berufsgenossen eröffnet. Der Verbandstag bildet den Abschluß einer LSjährigen Tätigkeit des BerbandeS. Mit Rücksicht auf dies Jubiläum wurde der VerbandStag mit angemessener Feierlichkeit eröffnet. Der VerhandlungSfaal hat geschmackvollen Festschmuck angelegt: rotleuchtende Draperien und Banner mit Sinnsprüchen aus der Gedankenwelt der modernen Arbeiterbewegung decken die Wände. An die zünftlerische Ge- sellenorganisation der Vergangenheit erinnern drei zerschlissene Fahnen der Berliner Bäckergesellenbrüderschaft aus den Jahren 1640 und 1840. Der Verbandsvorsitzende Allmann- Hamburg gab in seiner Eröffnungsrede einen kurzen Abriß der Verbandsgeschichtr. Aus kleinen Anfängen sei der Verband unter den schwierigsten Ver- Hältnissen vorwärtsgekommen. Die Hilfe der anderen Gewerk- schaften, der Generalkommission und auch der sozialdemokratischen Partei sei dem Verband in seinen schwersten Zeiten treu geleistet worden. Besonders müsse bei dieser Gelegenheit des Genossen Bebel gedacht werden, der durch seine Schrift„Zur Lage der Bäckereiarbeiter" sehr erheblich zu den späteren Erfolgen des Ver- bände? und der Besserung der Verhältnisse im Beruf beigetragen habe. Auch Genosse Molkenbuhr und andere Mitglieder der Partei hätten in anerkennenswerter Weise die Interessen der Bäckereiarbeiter gefördert. H e tz s ch o l d- Berlin begrüßte den VerbandStag im Namen der Berliner Kollegen. Z i p p e r t- Wien überbrachte die Grüße deS österreichischen Bäckereiarbeiterverbandes. Käppler- Altenburg(Vertreter de? Mühlenarbeiterver- bandes), H e i d e r- Berlin(Vertreter des Brauereiarbeiterver- bandeS) und H e n s e l-Berlin(Vertreter des Zentralverbandes der Fleischer) gaben der Hoffnung Ausdruck, daß die Zeit bald kommen werde, wo die von ihnen vertretenen Organisationen zusammen mit dem Verbände der Bäcker einen Verband für die Arbeiter der Lebens- und Genußmittelindustrie bilden werden. Fischer- Zürich, der den Verband der Schweizer Lebens- mittelarbeiter vertritt, betonte den Gedanken der internationalen Arbeitersolidarität. Von anderen ausländischen Bruderorganisationen waren Be- grüßungStelegramme eingegangen. Die Generalkommission ist durch den Genossen Bauer, die Berliner Gewerkschaftskommlssion durch den Genossen Kör sten vertreten. Nachdem die Begrüßungsreden entgegengenommen waren, trat der VerbandStag in die Behandlung seiner Tagesordnung ein. Mit der Leitung der Verhandlungen wurden All mann» Hamburg und Hetzschold- Berlin betraut. Ten Geschäftsbericht des Vorstandes, umfassend die Zeit vom 1. Januar 1907 bis 31. Dezember 1909. erstattete der VerbandSvorsitzende Allmann. Der Verband ist in dieser Zeit trotz der wirtschaftlichen Krise ruhig und sicher von Erfolg zu Erfolg fortgeschritten. Allerdings wurden die Unter- stützungseinrichtungei» infolge der großen Arbeitslosigkeit in den letzten Jahren stark in Anspruch genommen. Die Lohnbewegungen konnten in der Zeit des wirtschaftlichen Niederganges natürlich nicht besonders zahlreich fein. Immerhin wurden in 894 Orten 153 Lohnlämpfe init 22 842 Beteiligten geführt. Von diesen Kämpfen kamen 120 ohne Streik zum Abschluß. In 32 Fällen kam es zum Streik. Für 18100 Beteiligte wurden Lohnzulagen im Gesamtbetrage von 31 168 M. wöchentlich und für 10 370 Beteiligte eine wöchentliche Verkürzung der Arbeitszeit um 44 059 Stunden erlangt. Außerdem wurden für einen Teil der Beteiligten er- reicht: Bezahlung bezw. Zuschlag für Ueberstunden, Abschaffung des Kost- und Logiszwanges, Abschluß von Tariftierträgen.— Die lebhafte AgitationStätigkeit, welche der Verband in der Berichtszeit betrieb, hat auch in dieser Zeit einen Zuwachs an Mitgliedern ge- bracht. Ende 1909 zählte der Verband 29 359 Mitglieder.— Die Erwartungen, die sich an den 1907 erfolgten Zusammenschluß mit dem Zentralverbande der Konditoren knüpften, haben sich erfüllt. Tie Agitation unter den in Schokolade- und Zuckerwarenfabriken beschäftigen Arbeitern und Arbeiterinnen hat gute Erfolge ge. zeitigt. Ein neues Gebiet hat der Verband dadurch für seine Tätig» reit eröffnet, daß ex die auf Seeschiffen beschäftigten Bäcker und Konditoren orgänisierte. Für diese ist ehe desondere Sektion im Verbände eingerichtet worden.— Die lebhafte Agitationstätigkeit des Verbandes für die gesetzliche Einführung eines wöchentlichen Ruhetages sür die Bäckereiarbeiter hat unter anderem gezeigt, daß die große Mehrheit der Kollegen Deutschlands energisch für diese Forderung eintritt, und daß die Quertreibereien der Gelben un!» der Christlichen am Niederrhein, die sich in der Frage des Ruhe» tages auf die Schte der Unternehmer stellten, keinen Erfolg haben, Durch den Schluß der Reichstagssession sind die Vorarbeiten für die Einführung des Ruhetages leider vergebens gewesen. Die Agi« tation für denselben muß also erneut aufgenommen und nicht ehe« nachgelassen werden, als bis da« Ziel erreicht ist.— Was die ge» werkschastlichen Kämpfe des Verbandes betrifft, so werden sie. wie in anderen Berufen, so auch im Berufe der Bäcker und Konditoren in Zukunft langwieriger und kostspieliger werden. Doch der Ver« band wird Mittel und Wege finden, um die schweren Kämpfe de« Zukunft mit Erfolg durchzuführen. Der Kassierer Friedmann- Hamburg berichtete, daß die Verbandskasse in den letzten drei Jahren einen Ueberschuß von 95 672 M. erzielt hat, wovon 69 694 M. auf die Hauptkasse un!» 25 977 M. auf die Zahlstellen entfallen. Am Schlüsse der vorige, i Eeschäftsperiode betrug der Äassenbestand pro Mitglied 9,43 M.» er war am Schlüsse des Jahres 1999 auf 10,94 M. pro Mitglied gestiegen. Im laufenden Jahre hat sich die Kassenlage etwas un« günstiger gestaltet, weil an die Kasse außergewöhnlich starke An» sprüche gestellt wurden. Druck und Einband der„Geschichte de« Bäckerbewegung" hat große Ausgaben verursacht, und für bevor» stehende Streiks stehen hohe Kosten in Aussicht.— Die Gesamt» einnähme in der Berichtsperiode betrug 1 130 730 Mk. DaS Ver« mögen des Verbandes beläuft sich auf 214 210 M. Redakteur W e i d le r- Hamburg erstattete Bericht über da» Verbandsorgan. Inzwischen war Genosse Bebel im Saale erschienen. All» mann begrüßte ihn mit Worten der Anerkennung wegen der unvergeßlichen Verdienste, welche sich Genosse Bebel durch seine Broschüre um die Förderung der Bäckerbewegung erworben hat. Bebel dankte sür die freundliche Begrüßung und gab in einer Ansprache seiner Freude darüber Ausdruck, baß die Organi- fation der Bäcker so bedeutende Fortschritte gemacht hat. Er schloß mit dem Wunsche, daß sich die Organisation, gleich der gesamten nationalen und internationalen Arbeiterbewegung, auch in der Zukunft weiterentwickeln und fortschreiten möge. Nunmehr erstattete Diermeier den Bericht deS AuS- schusses. Dann folgte der Bericht der Mandatprüfungskommission. welche die Anwesenheit von 78 Delegierten festgestellt hat. Vermifcbtes. RäuöUeher Streit. Pius X. hat am 29. Mai aus Anlaß der vor 800 Jahren er- folgten Heiligsprechung von Carlo Borromeo eine Enzyklika erscheinen lassen, in der S nach der„Deutfch-Evangel. Korresp." an eine Stelle heißt: .Inmitten dieser llebel erstanden hochmütige und r e« bellrsche Männer; Feinde deS KrcuzeS Christi; Männer viehischen Sinnes, deren Gott der Bauch ist. Dies« suchten nicht die Sitten zu verbessern, sondern leugneten di« Dogmen, vermehrten die Unordnung und lockerten zu ihrem und anderer Nutzen die Zügel der Freiheit. Sie verachteten, indem sie den Leidenschaften der am meisten korrumpierte» Fürsten und Völker folgten, die Autorität und Führung der Kirche und zerstörten fast tyrannisch ihre Lehre. Verfassung und Disziplin. AlSdann ahmten sie jene Böscir nach, denen die Drohung gilt: Wehe euch, die ihr daS Böse gut nennt und das Gute böse! Diesen Tumult der Rebellion und diese Perversion deS Glaubens und der Sitten nannten sie Reformation und sich die R e» formatoren. Aber in Wahrheit waren sie Verderbe� entnervt durch Uneinigkeit und Krieg. Sie bereiteten die Re« bellion und Apostafie moderner Zeit vor und entfachten die drei» fache Versolgiing, gegen welche die Kirche bisher einzeln siegreich zu kämpfen hatte, nämlich erstens die blutige Verfolgung der ersten Jahrhunderte. zweitens die häusliche endemische P e st der Häresien(Ketzerei) und drittens unter dem Namen cvange» lischer Freiheit jene Korruption der La st er und Per« Version der Disziplin, die das Mittelalter so nicht kannte." Den Krieg um die Führer der Reformationsbewegung möge» die Gescheitelten und Geschorenen untereinander auSfechten; di« historische Wahrheit wird durch daS von religiösem Hasse diktiert« Urteil Piu» X. durchaus nicht verdunkelt. Uns interessiert an dem päpst» lichen Geschimpfe nur die Tonart, die der Papst gegen die feindlichc» Brüder in Christo anschlägt. In der in echtem Sauherden» ton gehaltenen Epistel merkt man wenig von den Grundsätzen der Nächstenliebe, von denen sich Christen eigentlich leiten lassen sollten. Uebrigen» hat sich an dem durch die Enzyklika gefeierten Heiligen so recht das alte Sprichwort bewahrheitet: Wer dm Papst zum Vetter hat, wird bald Kardinal. Carlo Borromeo war der Sohn der Schwester deS Papstes Pius IV.; mit noch nicht 30 Jahren war er Kardinal und Erzbifchof von Mai« l a n d. Die Qualifikation, um heilig gesprochen zu werden, erwarb er fich u. a. durch zahlreicheHexenprozeffe und durch sein« sanatische Verfolgung freier Denkender. SCnfturz eines Kaufes. Eine schwere Baukatastrophe hat sich am Montag in Neapel zugetragen. Dort sollten an einem baufälligen Hause Wiederherstellungsarbeiten vorgenommen werden, bei denen plötzlich das HauS zusammen st ürzte. Die Frau des Portiers und ihre kleine Tochter sowie zwei anders Frauen und ein Kind wurden unter den Trümmern b e» graben. Die sofort vorgenommenen Rettungsarbeiten hatten wenig Erfolg. Gestern Morgen wurden aus den Trümmern vier der verschütteten Personen als Leichen geborgen._ Die Sklaverei im Kongo. Ueber den Umfang der Sklaverei unter den Eingeborenen de» Kongogebieteö machte in einer Sitzung des belgischen Kolonialrate» der Staatsrat de C l e r c q Mitteilung. Danach besteht bei den Eingeborenen überall der Unterschied zwischen Freien und Sklaven, der Sklave hat kein Eigentum und kann nichts erwerben. Was ihm zufällt, wird Eigentum des Herrn. Er hat kein Recht zu heiratm. Wird ihm eine Frau gestattet, so kann der Herr sie jederzeit wegnehmen. Selbst über die Kinder verfügt er ausschließlich. Der Sklave selbst ist Eigentumsobjekt und wird al« solches vererbt. Auch in den Gebieten, die feit vielen Jahrm unter der Herrschaft der Weißen stehen, wie am Unterkongo, ist der Sklave ganz der Willkür des Herrn preisgegeben. Bei dessen Tod wird er oft getötet. Gestattet die Gegenwart des Weißen nicht, ihn nach altem Gebrauch mit dem Herrn zu begrabe», so wird«r der» giftet. Auf einen Einwurf aus der Mitte de? Kolonialrat» teilt« de Clercq einige charakteristische Fälle mit. So wurden im Jahre 1906 drei junge Mädchen beim Tode ihreS Herrn vergiftet. Und der Ehef der katholischen Mission von Äwango. Pater Banckaert. berichtete dem Redner noch vor kurzem, daß er ein« Truppe von 40 jungen Leuten getroffen habe, die aufbewahrt wurden, um verspeist zu werden. A«samme«fioh auf eluer Drahtseilbahu. Auf der Drahtseilbahn in Brookland sSlld-England) sind zwei Wagen, die mit Frauen und Kindern voll besetzt waren, zu- sammenge st otzen. Von den Passagieren sind 25 verletzt worden, darunter einer tödlich. Einer der Wagen ist, nachdem er sich losgerissen hatte, mit den verletzten Personen noch«ine Strecke von zwei Kilometer weiter gerollt, ehe er angehalten werden konnte._ Altertümliche Rechtsbräuche fat Belgien. Der malerische Stadtplatz in Brüssel war kürzlich der Schau- platz einer merkwürdigen, aus alten Zeiten stammenden Zeremonie. Ein Gerichtsbeamter verlas daselbst den Auszug des Urteils über einen geflüchteten Verbrecher, den das Geschworenengericht für die Provinz Brabant zu einer Strafe von 16 Jahren Zuchthaus der- urteilt hatte. Nach dem belgischen Gesetz musi nämlich ein Urteil in eontumaatam öffentlich ausgerufen werden. Nach vollzogener Verlesung wurde das Urteil plakatiert und von zwei Gen- darmen bewachtl Die Zeremonie paßte nicht übel in den mittelalterlichen Rahmen der Zunsthäuser, die den berühmten Brüsseler Marktplatz flankieren. Kleine Notizen. Bon einem Automobil überfahren wurde an der Havelbrücke bei Baumgartenbrück eine Radlerin aus Glindow. DaS Mädchen war sofort tot. Die Insassen des Automobils, die mit ihrem Fahr- zeug das Weite suchten, konnten in Werder a. H. festgestellt werden. Totschlag an Bord eines Kriegsschiffes. An Bord des in Bremerhaven vor Anker liegenden„Gneisenau" kam eS in der Nacht zum Montag unter den Mannschaften zu Schlägereien, in deren Verlauf ein Matrose erschlagen wurde. Hingerichteter Mörder. In Erfurt wurde der Glasbläser Lutz, der im Forst bei Gehren einen Forstausseher erschossen hatte, am Dienstagmorgen hingerichtet. Zusammengewachsene Zwillinge. In einem Zigeunerlager in der Nähe von Brünn(Mähren) gebar eine 40jährige Zigeunerin H e r a k Zwillinge; die beiden Kinder sind mit dem Unterleib zu» sammenge wachsen und leben. Anders überlegt. Eine Polizeipatrouille in London fischte auf einer Motorbootfahrt einen jungen Mann aus dem Wasser, der seiner ganzen Länge nach auf einem großen Brett lag. Der Ge- rettete erklärte, daß er aus Liebeskummer beabsichtigt hatte, sich zu ertränken; nachdem er ins Wasser gesprungen war, habe er sich aber auf ein vorbeischwimmcndes Brett gerettet. Er wollte nichts mehr von Selbstmord wissen. Der ge- rettete Selbstmörder wird sich nach den englischen Gesetzen vor Gericht wegen versuchten Selbstmordes zu verantworten haben. Einsturz einer Brücke. Die im Bau begriffene Notbrücke bei Trieben(Steiermark) ist am Montag eingestürzt. Sechs Arbeiter wurden unter den Trümmern begraben, zwei von ihnen sind lebensgefährlich� die anderen leichter Verletzt. Mädchenmord in einem amerikanischen Klubhause. Im Dezember vorigen Jahres verschwand aus LouiSville(Nordamerika) die Tochter des reichen BierbrauereibesitzerS Kellner. Jetzt hat man den Leichnam des Mädchens im Keller eines Klubhauses entdeckt. Wie die Untersuchung ergab, ist das Mädchen erst geschändet und dann ermordet worden. Attentat auf einen Polizeiinspektor. In der indischen Stadt Lahors wurde in der Montagnacht dem Polizeiinspektor, der auf dem Dache seine» Hauses schlief, von einem Unbekannten der Schädel gespalten._ Eingegangene DrucUFchnften. Lesebuch der Volkswirtschaftslehre. Von A. und O. Reurath 1. u. 2. Teil, geb. jeder Teil 3 M.— Dr. W. KImlhardt, Leipzig. Wir vou der Kavallerie. MilitärhumoreSlen von V. Laverreuz. 1 M.—„Kosmos', Berlin, Borbergftr. 10. Amtlicher Marktbericht der ftädtilchen Marlthallen-Direktion über den Grotzbandel tr den Zentral-M arttballen. Marktlage: Fleisch: Zusubr reichlich, Gcichäit flau, Preise mwerändert. Wild: Zufuhr ge» nügcnd. Geichäst lebhaft, Preise gut. Geslügel: Zusuhr genügend, Gcjchäst ziemlich lebhast, Preise beiriedigend. Fische: Zusuhr genügend, Geschält etwa« lebhast, Preise wenig verändert. Butter und Käse: Geschäft ruhig. Preise unverändert. Gemüse, Obft und Südfrüchte: Zufuhr genügend, Geschäst schleppend, Preise unwesentlich verändert. Theater und Vergnügungen littwoch, den 1. Juni. Ansang Vlt Uhr. Königl. Opernhaus. Geschlossen. Reue» königl. Overn-rheater. Siegfried.(Ans. 7 Uhr.) Königl. Schauspielhans. Die Ka- rolwger. Anfang S Uhr. Lessing. Kasernenlust. Deutsches. Ueber unsere Kraft. Kammerspiele. Geschlossen. Komische Oper. Di« Zauberstöle. Galathee. Divertissement. Renes Schauspielhaus. Der Flieger. Kleines. Nur ein Traum. Berliner. Taifun. Neues. Di« goldene Ritterzeit. Neues Overetten. Der Gras von Luxemburg. Trianon. Theodore u. Tie. Residenz. Geschloffen. Thalia. Glück bei Frauen. Hebbel. Wem gehött Helene? Koletterie.(Ansang S'U Uhr.) Schiller O. Ili�aüner» Tdealrr.) DI« Lieb« wacht. Urania., Wissenschaftliches Theater. Tanbenstr. 48/49. Abends 8 Uhr: Im Firnenglanz des _ Ober=Engadin._ Sch>»er Eharlottenburg. Zärtlich« Verwandten. In Zivil. Friedrich> WilbelmstädtischeS. Der Vielgeliebt«. volksoper. Heimkehr.(Ansang 8'/. Uhr.) Luise«. Lena Sarnstetten. Rai«. Die Schmuggler. Luftsptelhau». Das Leutnants mündel. Mrtrovol. Halloh ll— Die große Revue. Falles(kaprice. Der gewisse Augenblick. Eine gründliche Kur. (Ans. 8-,. Uhr.) Gnsino. Familie August Knoche. Gebr. Herrnfeld. Die Welt geht unter. Wenn zwei dasselbe tun. Apollo. Mahara. Spezialitäten. Wintergarte«. SpezialUälen. Paiiage. Spezialitäten. Retchsballe». Steltiner Sänger. Karl Haverland. Spezialitäten. Walhalla. Svezialiläten Prater. Im Reiche des Mars. Urania. Tanoeullraste 48/49. Abend« 8 Uhr: Im Urnenglanz des Ober-Engadi». Stermu arrr, Invalid enstr. 67— 62. 8 £>ei ist nc-Tfaeater. llhr: Gastspiel d. Kölner R< Theaters: Zum erstenmal: Käser- «enluft. Militärisches Bollsstück in vier Alten von Herm. Martin Stein und Ernst Söhngen. Donnerstag. 8 Uhr: kafcrnenlust. Berliner Theater. Heute 8 Uhr: Taiflllla Morgen: Talfwn._ Heues Thealer. Abends 3 Uhr: Dio goldene Ritterzeit. Morgen und folgende Tag«: PS« goldene Bitterzelt. OSE=THEATE Große Franfturter Str. 132. Ans. 8 Uhr. Ende 1t Uhr. Die Schmuggler. Ii Komödie In 4 Sitten von A. Dinter. Morgen und folgende Tage: Die Slus der Eartenbühne: Theater- Vorstellung. Graftes Konzert. Spezialitäten. Anfang 4'/.. Uhr. Helripl-Tliealer Hallo!!! Die grolle Revue! In 8 Bildern von Juh Freund. Musik v. Paul Lincke. In Szene gesetzt vom Dir. Bich. Schultz. Anizng 8 Uhr. Rauchen gestattet 8 Uhr: Menea Programm! Novität I Henry de Meya's Ideal- Schönheiten Schluß-Slpotheoie: Entwurf zum Heinrich Heine-Denkmal k Senfationell l Sensationell l NW" Grete-WM die weltberühmte Schimpansn, und 8 erstklassige Nummer«._ Heule Premiere! Meuea Operetten-Theater. Heute und folgende Tage 8 Uhr: Der Gras von Luxemburg. Sonntag nachmittag 3 Uhr, zu er- mäßigt. Preisen: Die Dollarprlnreaala. Lustspielhaus. AbendS 8 Uhr: Das Leutnantsmündel FriedriGh-WilheimstddtiSGtias Schauspielhaus. Mittwoch, 1. Juni, abends 8 Uhr: Der Vielgeliebte. Schwank in vier Alten von Alfred Schmasow und Karl Heinz. Morgen und folgende Tage: Der Vielgeliebte.___ Volksoper. 8W., Belle-Allmnce. Straße Skr, 7/8. Abends 81/, Uhr: Heimkehr. Volksgarten- Theater früher Weimann. Badstr. 8, Bedm- u. Bellermannstraße Täglich: Konzert-, Theater- und Spezialitäten-Vorstellung. Das Rlesen- programm. Zur Ausführung gelangt: Der fliegende Berliner. VolUstück in S Bilder» mit Gesang und Tanz. in ihrer neuesten Scbvxfang: Abenteuer eines Toreros sowie ll hochinteressante Debüts II «aaaaaaaaAMAaaaaaaa. I Passage-Theater. Heute Premiere! „Tartakoff" Blädel The Renlucks und das grofle � VariBle-Prograim j Brunnenstraße 16. Ein geheimes ibenteiier der KöDip Marie Moinette und das glänzende Riesen-Programm. Gr, Künstler-Orchester. Platz fllr 1200 Pers. Eintr. 30 Pf., rer Schiller Schiller-Theater 0.(Wallner-Theat.) Mittwoch, abends 8 Uhr: DI« Uebe wacht. Lustspiel in 4 Akten v. G.A.de Caillavet und Robert de FlerS. End« 10-/, Uhr. Donnerstag, abends 8 Uhr: HI« zärtlich. Verwandten. Hieraus: In Zivil. Freitag, abends 8 Uhr: Hl« lilebe wacht. Theater. Schlller-Theater(Charlettenburg). Mittwoch, abend« 3 Uhr: Zum ersten Male: Hl« zärtlich. Verwandten. Luftspiel in 3 Ausz. von R. Benedix. Hierauf: In Zivil. Schwank in 1 Akt v. Gustav Kadelburg. Ende 10-/, Uhr. Donnerstag. abendSSUhr: Hl« l-lehe wacht. Freitag, abends 8 Uhr: Hie zärtlich. Verwandten. _ Hieraus: In Zivil. Brauerei Fnedriclishain _ Am KOnlgztor. Täglich nachmittags von 3—6 Uhr ------- Frei-Konzert von Kieodemus llofenhopf der beste Exentric-Kapollmeister der Welt mit großem Orchester. UIHA PARK Tereasson ss Haiensee Größter Vergnügungspark des Kontinents Täglich geSffnet; Terrassen ab t Uhr, Lunapark ab S Uhr. Achtnnn! Achtung! Diez9 nur Seeferrasse Siehtenbern RttderstraBe 11/18. Zwischen Landsberger Allee und Röderplab Bei ungünstiger Täglich: Landsberger Allee und RöderpläU. GröftteS und schönstes Lokal Berlins. Bei ungünstiger«lilernng Schutz für 8000 Personen.— � Ob aohBnl ob Regen: Ol*. S£OllZei*t. Austreten der besten Turmseilkttustler der W-a n« uapeits sowie der neuesten und grfifiten Sensationen der Gegenwart: Die Reise "! SMimliile o.lO Mtler Höht mit dem Fahrrad In den See. Ueverfahren eines lebenden Menschen mit Motorrad im Höllenkefsel.— Mlle. de Kallieres bester Miniatur- hnnde-Dressurakt der Welt. Vieler Hilter mit seinem Sensallonsschlager: �Halloh, die kleine Revue- und da» beste Sveztalitäten-Programm Berlin«. Jeden Sonntag: Hlezen-l-and- n. Waaaer- Penerwerk. Neuheiten! Der Halleyfche Komet. Aniang 3 Uhr. Wochentags 4 Uhr,— Gesamteintritt 20 Pf. Hagenbeck BttlowPlatz, an K�"crnlwilhelm- 3 Minuten vom Bahnhof Alexanderplatz. Juni-Sensationsprogramm HIß Rath Badhjah In Ihren Indischen Orlglnal-Tänzen Im Raubtlerkäflg;"owHebutn.?ne Folies Caprice 8-/. Uhr Täglich 8'/. Uhr Vier heitere pikante Einakter. Das Gespenst. Der Athlet. Das Versöhnungsfest. Die verfolgte Unschuld. Karl Haverland Anfang Theater, präz. 8 U. 77/79 Kommandantenstraße 77/79. Täglich nur erstkl. Spezialitäten. In, Sonnabend, Soimtaa, Mittwoch, Passage-Panoptikum. m Prinz Atom der kleinste Mensch, der je gelebt Buddahs Tafel weiß, kann, schreibt alle«! Alles ohne Exira-Entrce I Eintritt 60, Kinder, Soldaten 25 Pf. Pnhlmanns Theater Schdnh. A. 148— Kastanien-A. 97/99. Hente Programmwechsel! Auftreten der neuen Spezialitäten I Lea tiemaena, El-ktrik.Musikal.Alt. Der Zirkus auf der Bühne. Die wunderbar dressiert.Zwergpserde. Konz.'IJi Uhr. Kasfeelüche 2 Uhr. '/-S Uhr: Kerliil, Vie's baut».kracht. Sonnabend: Einweihungsfeier. Alt-Heahlt 47/40. Täglich: Konzert, Theater, Spezialitäten. Variett-Theater Hai ins Sünrtealer und Festsäle. Ink.; Rudolph Krüger. Hasenheide 13/16, vis-k-visv.Turnpl. Täglich: Große Theater- u. Spezialitäten- Verstellung. eltung: Walter Artist Leitung: Walter GrSvenltZ) Kapellmeister: Max Wolffheim. Jeden Donnerstag: Elite-Tag! Anfang; WochenLSUhr, Sonnt. l/j6 Uhr. König» tadt-KuHino. (Inhaber: Max Schindelhauer.) Holzmarttftraße 72. Im herrlichen Naturgarten tflglieh: Margeruit Gilten, dress. Rassetaub. Anton Hildach, Emmy und August Clever, Miniatur. Duo und das andere reichhaltige Programm. Sportmädcl»! Operelten-Burlesle in 1 Akt. Toig t-Theatei* Gesundbrunnen Badstr. 68 Mittwoch, den 1. Juni 1910: Grofte Elite-Borstellung. Hebern großen Teich. Gr. Lebensbild mit Ges. und Tanz in 4 Abteilunge» von Adoff Phillipp. Erstklasfige Spezialitäten. Das grofte Junt-Programm 1 Kaffeneröftnung 2 Uhr, Ans. 4'/, Uhr. KnÜser Prater- Theater Kastanienallee 7—9. SW Täglich:-M» SmHeiche desüftars Spezialitäten, Konzert«. Ball- Ansang 41/, Uhr. Enttee 30 P(. -Victoria-• Burgtheater- Kinematograph vorm. Graterjan, In Hab.: Rud. Merz, Schönhauser Allee 139. Tel. 3, 9353. lebende Photographien. Wochent. 30 u. 40 Pf. Ansang 7 Uhr. Sonnt. 30, 40 ll 60 PL Am. 4 Uhr. Vorzugskarten nur Wochentag» gültig. 35 Ps. aus allen Plätzen. Stets wechselndes Programm. Jeden Sonntag im Obersaal: SNF' Künstler-Konzert, Enttee 15 Ps. N. d. Konzert: Garderobe 19 Ps. Famlllen-Kranzchen. Reiehsballen-Tbeater. Stettiner Sänger Künstler d. Landstraße. Musik. Ens. von Messel. Ansang wochentags 8 Uhr. Sonntag» 7 Uhr. Donnerstag, 10. Juni: Gr. eft-Soiree j. Benefiz für Herrn udolf Schräder zur Feier seiner 20jährigen Mitgliedschast bei de» Slettiner Sängern. Billetts schon jetzt zu habe». Sebveiier- Garlen L! Täglich x Theater, SpeiliiemorslelBS. Volksbelustigungen. Aniang 5 Uhr. Entree 80 PI Brauerei, LBtzowst. itt/nx Im Gatten oder«aal: Täglich Hr. homorlBt. Solree. (Gesangsvorträge, Theater und Battetö-Vorstelliingen.) Sonntags, DienStagK Donnerst. und Sonnabends: TaazkrSnzchen. Ans.: Wochentag» 8, Sonntag» 7 Uhr.- Alle Bons gültig. Im Reftaur.: MMag»llsch 75 Ps. Gr.«. kl. Säle zu Festlichkeiten aller Art. Max Saegar. Gr. 30. April bis 2. Oktober. Im Patt täglich Doppel'Konzert. Eintritt: 10-S Uhr t M.. v. S Uhr ab 50 Ps., Sonntag« 50 Ps. Dauett. S M MI 10— 8 Uhr. Eintritt 1 M. Königl. Akademische Hochschule, Waldgürtel. Sport- u. Spielplätze. Kunst a. d. Str. Verkehrssyatomo. Innenstadt. Vororte. Gartenstädte. Arbeitersiedlungen. GroB-Borlin. 3. Juni; Prof. Cornelius Gurlitt, Dresden:„Straße und Platz" (Lichtbilder). _ ISCHER GARTEN Täglich ab 4 Uhr: Großes Militärkonzert. Eintritt 1 Matt. von abend» 9 Uhr ab 49 Ps., Kind« unter zehn Jahren die Halste. Vereins-Brauerei Rlxdorl. Hermannstr. 214/219. Oekonom: Max Wendt. Tätlich:-W» Gr. Militär-Konzert. Jeden Hlenstag: CrJnMuileiiM Entr. 15 Ps. Mütze od. Schärpe grat für den 4. Herl. ßeiebstags-Walreis. Köpenickcr Viertel. (Bezirk 20«. Teil I.) Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Genosse, der Haus- diener frielfried Lewange Wrangelstratze 56 gestorben ist. Ehre seinem Andenre»! Die Beerdigung sindet am Donnerstag, den 2. Juni, nachmittags 3 Uhr, von der Halle des Zentral-Fricdhoscs in Friedrichs- sclde aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 218/7 Der Boritand. Oeutscher Metallarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin. Todes- Anzeige. Den Kollegen zur Nachricht, dag unser Mitglied, der Maschinist (Zustav Haß am 29. Mai an Gehirnblutung gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung sindet am Mittwoch, den 1. Juni, nach- mittags 4 Uhr, von der Leichen- Halle des Dantes-Kirchhofes in Zicinickendors, Blanlestrake, aus statt. Rege Beteiligung erwartet 116/6 Die Ortstterwaltnng. Dn.LimnB«! Spezial-Arzt für Haut- und Harnleiden. Prlnzeustr. 41, 10—2, 5—7. Sonntags 10—12, 2—4 Todes-Anzeige. Allen Freunden, Bekannten und Verwandteil zur Nachricht, dag mein lieber guter Mann, Vater, Schwager, Grogvater 2365b Gustfav Haß Pankstrage 82 nach langen Leiden verstorben ist. Die Beerdigung sindet Mittwoch nachmittag 4 Uhr von der Halle des Danles-Kirchhoses aus statt. Die trauernden Hinterbliedenen Witwe Anna Haß nebst Kindern. SozialileinokralischerWahlvereiD des 6. Herl. Reichstags-Wahlkreises. Todes- Anzeige. Am 29. Mai verstarb unser Mitglied, der Maschinist (Zustav Hak Pankstr. 82, Ehre seinem Andenke»! Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 1. Juni, nach- mittags 4 Uhr, von der Leichen- halle des Dankes-Kirchhoses in Reinickendors aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 227/15»er Vorstnnd. Am 29. Mai entschlief sanft mein treuer Hausdiener Herr Frieltrictl Lewange Wrangelstr. 56, der mir während seiner 25jährigen Tätigkeit in meinem Geschäft ein flcigiger, ehrlicher Mitarbeiter war, dessen Andenken ich und meine Familie immer in Ehren halten werden. 2359b 11. Heer Destillatton engros, Berlin. 30. Mai, 80.16 Joscphstr. 11 Beerdigung: Donnerstag, den 2, Juni 1910, nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle des Ge- mcindcsriedhoss in Friedrichsscldc aus. Sozialdemokrat, Kreiswahlverete Nieder-Barnim. Bezirk Lichtenberg. Den Genossen zur Nachricht, dag unser Mitglied Nidda Krakau gestorben ist. Ehre ihrem Andenken! Die Beerdigung findet am Donncrstagnachmittag'1,6 Uhr von der Leichenhalle des Fried- Hofes in Marzahn aus statt. Abfahrt von Lichtenberg-Fried- richsselde 5.°°. 14/4_ Per Vorstand. (Filiale Berlin.) Am Montag, den 30. Mai, verstarb unser langjähriges Mitglied Prm Kammer. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 2. Juni, nach- mittags 5 Uhr, aus dem neuen Ztazareth-Kirchhos in Reinickendors statt. Um rege Beteiligung ersucht 177/7 Die Ortsverwaltung. tiermit die /traurige Nachricht, mein lieber Mann, unser guter, trcusorgendcr Vater, Sohn, Bruder, Schwager, Schwiegersohn, Neffe und Onlel, der Maurer Otto Rosenstrauch im Alter von 32 Jahren nach längerem Leiden am 29. Mai verstorben ist. 2370b llie trauernden Hinterbliebenen. Die Beerdigung findet morgen Donnerstag, den 2. Juni, nachmittags 41/, Uhr, von der Halle des Städtischen Friedhofes in der Müllerftraße, Ecke Seestraße, aus statt. Vom 1. Juni 1910, vormittags 10 für, ab: Gr, Saison- u, Räraungs-Ausverkaiif der Frühjahrs- u. Sommer- Bestände teilweise für die Hälfte der Orlginalprelsc und darimter .Westmann Mohrenstr. 37a Grosse Frankfurter Str. 115 nahe Jerusalemor Str. nahe Andreasstr. Reise- u. Gebir&mänfel Pelerinen, Kostüme jeder Fasson neuester Mode, Kleider, Röcke, Blusen, Jacketts Kimonos, Paletots, 8taub> und Regenmäntel.— Bast- u. Leinen- Clonfektion etc. etc. f. teilw. M.7'/,. II, 14. 18. 25. 30, 35, 40. 50 mw.b .250 gtg. früh. teil». SO, S6, 38, 44, 60, 72, 84, 105, ISO usw.b.580 Auf Wunsch: Gratis 2� m Stoff zu einem Bock beim Einkauf von schon M. 12.— an. Trauer-Westmann /.£>, Extra- Ab(eiliui(j lür sohnarzo Konfektloii, nie Hantel, Kleider, Hüto, Blasen ete. für den 4. Berliner Reichstags-Wahlkreis. Stralaucr Bicrtel. (Bezirk 331, Teil I.) Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Genosse, der Schneider dohatin Johnicke Friedrichsselder Str. 40 gestorben ist. Ehre seinem Andenken k Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 2. Juni, nach- mittags 4 Uhr, von der Halle des Zentral-FriedhoseS in Friedrichs- selde aus statt. Um rege Beteiligung ersucht Der Borftand. SiiNllieiRliitf'stizebIlldlvei'LiR i. tiir den Köpenicker Viertel. Bezirk 206, 1 Teil II. Nachruf. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Genoffe, der Maschinen- arbeiter Heinrich Hoffmann Cuvrhstr. 41, verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Der Vorstand, Todes-�rwcixe. Am Montag, den 30. Mai,| nachmittags 4 Uhr, verschied plötzlich nach langem, schwerem Leiden! mein lieber Mann, unser guter,! treusorgender Vater, der Steinmetz AugiiLt Dybalia im 51. Lebensjahre. Die trauernden Hinterbliebenen. Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 2. Juni, nach- mittags 5'/, Uhr, von der Leichen- Halle des Luisen> Kirchhofes, Fürst enbrnnner Weg, aus statt. zv. Ziehung 5. KI. 222. Kgl. Preuss. Lotterie Ziehuns vom 31. Mal, vormittag». Kol die Gewinne Uber 240 Mark»ind den betreffen- deu Nummern in Klammern beigefügt, (Ohne Gewähr.)(Nachdruck verboten.) 34 82 84 300 579(500] 663 988 1 091 147 344[3000] 438 (13 848 50 2110[500] 233 719 2 4 844 4 9 3120[500] 223 578 S3 603 74 1300] 4243 344[500] 060[1000] 710 925 5209 478. 711 918 6164 474 615 719 900 7392 556 813 51 53 63 8010 97 306 21 49 924[500] 9006 197 424 93 660 677 857 926 10218[1000] 515 734[600] 99 873 99« 11104[1000] 65 230( 3000) 311 794 803 14 1 2223[500] 309 461 805 '13841 14176 290 412 598 640 767 977 1 5030 72 244[1000] 80 510 606 776 881 976 1 6148 566 894 902 1 7204 333 813 25 18091 165 429 97[3000] 607 31 975 19402 563 90 774 976 20250 803[1000] 27 842 87 918 36[1000] 21085 819[500] 055 910 63 2 2 261 603 755 806 904 2 3118 708 [1000] 811 86[500] 24191 276 741 56 920 2 5112 239 49 8 675 65? 98 26142[ 600] 357 462 525 69[500] 83 610 385 2 7011 100 56 545 654 722 23 42 SO 800 52 2 8042 83 115 248 352 404 74 580 2 9004 71 79»4[500] 183 412 40[600] 561 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Ziehung 5. KI. 222. Kgl. Preuss. Lotterie Ziehung vom 31. Mai, nachmittag s, Nur die Gewinne Uber 240 Mark Bind den betreuenden Nummern In Klammern beigefügt. <(Ohne Gewähr.).(Nachdruck verboten.) 12 26 261 575 617 909 1 052 207 87 425 34 62 96 2 087 [500] 59 70 105 243 313 583[1000] 3202 93 612 857 4020 62[500] 588 685 717 869 5171 8, 221 30 595 712 942 6099 277 96 409 9« 531 95 825[500] 995[3000] 7178 564 68, [500] 8150 362 9022 379[3000] 612 89 739 867 985 1O053 302 20 11147 80 84 271 322 616 90 696[500] 700[1000] 953 12079£ 38 59 342 407 718 803 70 1 3074 120 292 306 460 72 76»6[500] 837 1 4041 773 872[3000]«27 >15025 168 86 415 760 1 6124 66 295 544«91[lOOO] 750 [1000] 53 6» 893»13 62 1 7000 38 220 306 29 404[500] «26 33 803 1 804» 85 155 318 557 19266[1000] 398 522 63«07 730 833[500] 73 924 25 20125 464 2 1012 62 197 250 477 519«9 92 628 86 [500] 46 788 92 880 2 2354 459 656 2 3049 170 40«[500] 4» 867[3000] 974 2 4061 174 494 586 691[3000] 909 33 25242 57 74 422[1000] 512 688 874 908 2 6 224 45 51 303 35 83« 27061 164£11 71 347[500] 449 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Glocke, Bcrsin.. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdruckcrei u. VerlagSanstalt Paul Singer& So. Seiita SW, 8t. 125. 27.Iahtga«g. 3. Keiltzk des Jontiirts" Knlim WllisIiIM. MNmch> i?»°i 1910. Die Cultbarfieitsftenervorlage des Berliner ISaglltrats, deren Inhalt wir gestern wiedergegeben haben, hat diesmal größere Aussichten auf Annahme wie vor vier Jahren. Der Magistrat hat nämlich in diesem Jahre das Feld erst sondiert, bevor er die neue Steuervorlage einbrachte. Nicht nur in der Stadtverordnetenversammlung hat der Kämmerer in seiner Etatsrede die Fühlhörner ausgestreckt, sondern auch in dem mit der Durchberatung des städtischen Etats betrauten Ausschutz. In diesem Ausschutz gaben verschiedene Stadt- verordnete gewissermatzen ein Versprechen ab, ihre Fraktions- kollegen für diese Steuer geneigt zu machen; einige Herren glaubten sogar die Zustimmung ihrer Freunde in ziemlich sichere Aussicht stellen zu sollen. Jetzt gibt ihnen der Magistrat Gelegenheit. ihre Versprechungen einzulösen. Die Geneigtheit, jetzt einer Lust- barkcitssteuer für Berlin zuzustimmen, ist zu suchen in dem Vorschlag des Magiswats, in diesem Jahre Ivo Proz. Zu- schlag zu erheben. Mit allen Mitteln nun ist versucht worden, noch einmal mit Ivv Proz. auszukommen. Und weil man einer Ueberschreiwng der Ivv Proz. unter allen Umständen aus dem Wege gehen will, scheint diesmal die Mehrheit der Stadtverordneten bereit, die Lustbarkeitssteuervorlage des Magistrats zu schlucken. Im Jahre 1906 lehnte die Versammlung eine gleiche Vorlage glatt ab, aber nicht, wie man jetzt der Oeffentlichkeit glauben machen will, nur deswegen, weil damals 11�2 Millionen Ueberschutz erzielt worden waren und man keine Steuern auf Vorrat bewilligen wollte, sondern zum erheblichen Teil auch aus prinzipieller Abneigung gegen diese Steuer.' Der Protest, den die verschiedensten Interessenten gegen die Magistratsvorlage erhoben hatten, hatte schlietzlich seine Wirkung nicht verfehlt und aus manchen anfänglichen Anhängern der Steuer Gegner gemacht. Datz unsere Fraktion und auch der„Vorwärts" mit aller Schärfe gegen die vorgeschlagene Steuer Front machte, bedarf keiner Worte weiter. Von ge- wissem Interesse aber ist. heute nachzulesen, in welcher Weise die„Vossische Zeitung" sich genötigt sah, gegen die Magistrats- Vorlage Stellung zu nehmen. In ihrer Nummer vom 3. Oktober 1906(Abendausgabe) brachte damals die„Vossische Zeitung" gewissermatzen als Sprachrohr der Mchrheitsfraktion der Stadtverordnetenversammlung am Tage vor der end- gültigen Beschlutzfassung einen Artikel, der wert ist, heute der Vergessenheit entrissen zu werden. In diesem Artikel hietz es u. a.: „Die Magistratsvorlage über die Einführung einer Billett- und LustbarleitSstener wird morgen von der Stadtverordneten- Versammlung mit grotzer Mehrheit abgelehnt werden. Es wird dem Entwurf nicht einmal ein feierliches Begräbnis in einem Ausschutz vergönnt sein. Dieser Beschlutz wird in der Bürgerschaft lebhafte Befriedigung errege» und der Beunruhigung ein Ende machen, die seit dem ersten Auftauchen des Steuerplanes in weiten Kreisen geherrscht hat. In der Begründung der Ablehnung mag die Mehrheit nicht einig sein. Die einen halten zwar eine Lustbarkeitsstener für schikanös und unzulässig, eine Theaterbillettsteuer aber für grundsätzlich nicht unannehmbar, zumal da der Besuch der Theater heute durch hohe Eintrittspreise, Vorverkaufsgebühr, Billetthandel so verteuert sei, datz eS auf den Steuerzuschlag nicht mehr ankomme. Die anderen sehen auch in der Besteuerung der Theaterbilletts eine Belastung nicht nur des Luxus, sondern des Bildungsbedürfnisses und der Er- holung und betrachten die ohnehin eingetretene Verteuerung der Billetts nicht als Rechtfertigung der Steuer, sondern als Anlatz, den Theaterbesuch nicht durch eine neue Abgabe weiter zu er- schweren. Wir selbst haben sowohl die Lustbarkeits- wie die Billettsteuer von jeher bekämpft und freuen uns daher ihrer Ab- lehnung. ganz gleich, ans welchen Gründen sie erfolge. Datz diese Steuer tatsächlich wesentliche BildungSmittel des Volkes belastet hätte, kann angesichts der Vorlage keinem Zweifel unterliegen... Für eine grotze Reihe Wirte, die nicht in der Lage find, die Steuer auf ihre Gäste abzuwälzen, wäre die Lustbarkeitssteuer eine kommunale Gewerbesteuer geworden, die um so drückender wäre, je weiter sie über die schon bestehende Gewerbe- steuer hinausging. Eine Menge gemeinnütziger und kultureller Veranstaltungen wäre von der Steuer getroffen worden, da ihre Unterscheidung von anderen Unternehmungen nach der Begründung der Vorlage stenertechnisch auf unüberwindbare Schwierigkeiten siöht. In der Tat wäre eS auch nicht Sache der Gemeindever- waltung gewesen, sich zur Zensurbehörde zu machen und zu ent- scheiden, in welchen Fällen Darbietungen künstlerischen Wert und kulturelle oder gemeinnützige Bedeutung haben und in welchen nicht. Die Durchführung der Steuer in einer Stadt wie Berlin hätte zu endlosen Plackereien, Schreibereien, Spionagen, Denunziationen, Prozessen geführt und ein Heer von oberen und unteren Beamten erfordert. Die kostspielige Verwaltung hätte in handgreiflichem Mißverhältnis zu dem Sreueraufkommen gestanden. Ein Teil der „Lustbarkeiten" wäre nach Charlottenbnrg und Schöneberg ge- drängt worden, die keine LustbarkeitSsteuer erheben. Kurzum, der finanzielle Vorteil, den die Steuer versprach, wäre das Odium nicht wert gewesen, daS Berlin auf sich laden mutzte, wenn eS die Steuer einführte, für die keinerlei„zwingende Notwendigkeit" geltend zu machen war. Datz aber eine solche„zwingende Notwendigkeit" nicht vor« liegt, bleibt unbestreitbar, welche Mühe auch aufgewendet werden mag, die Ueberschüsse der Finanzverwaltung weazurechnen. Darüber ist die grotze Mehrheit der Stadtverordnetenversammlung einig. Und deshalb wird die Steuervorlage morgen ohne viele Umstände abgelehnt werden. Hoffentlich aus Nimmerwiedersehen Und in einem Artikel vom 4. Oktober(Morgenausgabe) „Zur Geschichte der Lustbarkeitssteuer" heißt es zum Schluß: „Fürst Bismarck hat einmal von den Würmern gesprochen, die nicht sterben mollen. Ein solcher Wurm ist der Plan einer LustbarkeitSsteuer für Berlin. Er galt oft als tot und war nur scheintot. Hoffentlich wird er jetzt so jicher vom Leben zum Tode gebracht und begraben, baß er keine Auferstehung mehr feiert." Das Ende der damaligen Campagne war denn auch Ablehnung der Magistratsvorlage. Trotzdem ist der Wurm lebendig geworden und soll wieder auferstehen. Die Gründe für die Ablehnung im Jahre 1906 sind, wie wir oben gezeigt haben, nicht nur zu suchen in der damaligen besseren Finanz- läge, sondern in dem kulturfeindlichen, ungerechten Charakter der vorgeschlagenen Stcuerform überhaupt. Die neue Magistratsvorlage ist aber noch ungerechter wie die vor vier Jahren. Damals vermeinte der Magistrat vor allem die teueren Plätze treffen zu wollen und dadurch die Besserbemittelten und Fremden zur Steuer heranzuziehen. Das kann von der jetzigen verböferten Vorlage auch mit keinem Schein von Recht gesagt werden. Gerade die billigsten Karten werden prozentual am stärksten besteuert. Wie wird die Stadtverordnetenmehrheit ihren Umfall diesmal zu bemänteln suchen? » Gegen die geplante Lustbarkeitssteuer haben gestern die Direktoren der Berliner Theater Protest eingelegt. Direktor Dr. Brahm hielt das Referat über die Theaterbillettsteuer. Er erinnerte daran, datz bereits vor vier Jahren eine ähnliche Steuer geplant war; wenn eS sich aber damals darum handelte, in überwiegender Weise die Fremden durch diese Steuer zu treffen, plane man jetzt eine Bestens rung, die gegen die damalige Vorlage eine weitere Fülle von Härte auf weise, denn sie mache keinen Unterschied zlvischen den ersten kulturellen Aufgaben erfüllenden Knnstinstituten und den Veranstaltungen, die dem klotzen Vergnügen und der Lustbarkeit dienen wollen. In höchst verletzender Weise sei alles zusammengefatzt, von den Theatern, die Goethe und Ibsen pflegen, bis herab zu den Kinematographen, von den Konzerten, in denen klassische Musik eine Stätte habe, bis hinab zum Rummel. Dabei ist die Steuer so ungerecht, datz bei einem Eintrittspreis von 25 Pf. 20 Proz. Steuer erhoben wird, die sich dann bei den höheren Preisen prozentual verbilligt. Allerdings auch dann noch immer im günstigsten Falle 12 Proz. ausmache. Dr. Brahm erinnert sodann an die Verhandlungen, die erst kürzlich über die Vereinsbillctts gepflogen sind und die damit geendigt haben, datz einmütig beschlossen wurde, vom 1. Oktober an die Unsitte der Ver einSbilletts abzuschaffen. Unglückseligerweise falle nun womöglich die Ausführung dieses Beschlusses zeitlich mit der eventuellen Einführung der neuen Steuer zusammen. Nach einem Historismen Rückblick auf die Entstehungsgeschichte der Billettsteuern, die diese nicht sympathischer macht, teilte Dr. Brahm einige Aeutzerungen französischer Bühnenleiter über die von ihnen mit der Billettsteuer gemachten Erfahrungen mit, nach der diese Steuer ruinös wirke. Auch der Berliner Magistrat hat bei dem Magistrat München Erkundigungen eingezogen; die Theaterdirektoren hat er aber nicht gefragt. Schlietzlich teilte Dr. Brahm mit, datz die Absicht bestehe, m einer eingehenden Denkschrift an den Magistrat gegen die Steuer zu demonstrieren. In der lebhaften Debatte wurde den Darlegungen zugestimmt. Auch andere Interessenten werden sich rühren._ Berliner JVacbricbten. Keine Dame mehr mit einem Bogel k Wenigstens keinen auf dem Kopfe sollen die Damen in Zukunft haben, das war der Leitgedanke der zweiten Sitzung de?„Deutschen VogelschutztageS", der dieser Tage in Berlin abgehalten wurde. Professoren traten auf und brachen männiglich eine Lanze für die bedrohten Vogelartcn, von denen manche schon im AuSsterbestadium angelangt sind. Und daS hat mit ihrer unberechenbaren Laune die allmächtige Frau Mode getan. Dieser Thrannin, die übrigens an den Ufern der Seine residiert und obendrein französischen Geblüts ist, unterwerfen sich die verwöhntesten und eigensinnigsten Damen aller Kulturländer widerspruchslos. Ja. eine gute deutsche Frau hatzt alles was nicht teutfch ist, nur die Mode nimmt sie willig und gern von dort. Diesen Frauen wollen nun die Herren inS Ge> wissen reden, keine Vögel mehr auf dem Köpfchen zu tragen, und keine Federn von solchen, um derentwillen alljährlich Tausenden armer Vögelchen und gerade der schönsten das Lebenslicht ausgeblasen wird. So soll ein Berliner Geschäftshaus Millionen von Kolibris aufkaufen, um lieferungsbereit zu fein, wenn durch— Paris einmal den Damen der übrigen Welt die Kolibrimode aufgezwungen werden sollte. Auch die Möwe und die Seeschwalbe, diese eigenartigen und hübschen Tierchen, werden in Unmassen weggeschossen, um als Hutschmuck Verwendung zu finden. So wurden an einer einzigen Zollstelle in Hamburg in 2�, Monaten 5000 Kilogramm an der Elbmündung geschossener Möwen eingeführt. Viele davon, deren Gefieder nicht ganz rein ist, werden ohne weiteres auf den Dünger geworfen. Und wie haben wir braven, fenttmentalen Deutschen uns feit langer Zeit immer und immer wieder über die ruchlosen, bar barischen Italiener entrüstet I So ist zum Beispiel einer der schönsten Vögel, der Reiher, in Deutschland bis auf wenige Exem> plare ausgerottet. Anderswo wird genau so gehandelt. In Florida brüten Reiher in Scharen von 20—30000 Paaren. In dieser Zeit trifft der Reiherfederjäger ein und nach zwei Wochenjist der letzte Reiher geschossen. Der Mann geht mit einem Verdienst von 10—15 000 M. nach Hauke. Tierschutzvereine, die dem Treiben Einhalt gebieten wollten, stellten Wächter auf. Da wurde zuerst der Wächter und dann die Reiher weggeknallt. Professor Schilling, der Redner auf dem Bogelschutztage, hat sich an einem Nachmittage in Begleitung eines Sachverständigen für Hutmoden auf dem Kursllrstendamm aufgestellt. Es wurden ungefähr 1800 Damen auf ihre Hüte„taxiert" und ganz enorme Werte festgestellt. Da« waren natürlich nur Damen aus der besten Gesellschaft, nicht wie am S. März im Tiergarten, wo der.grundgescheute' Professor Wagner aus Breslau die tiefgründige Beobachtung gemacht hat, datz die Arbeiterftauen„genau so grotze Hüte tragen" wie die BourgoiSdamen. Also, um die notwendigen Federquantitäten zu bekommen, die nötig sind, um die Hüte der 1800 Damen vom Kursürstendamm zu schmücken, müssen ganze Bogelkolonien zerstört werden. ES fielen auf der Tagung nicht gerade sehr zarte, ja sogar recht ungalante Anspielungen auf gewiffe Damen, so z. B. von solchen, die schon im Grotzmutteralter stehen und herumstolzieren wie federgeschmückte Indianerhäuptlinge. Die Bestrebungen werden noch eigenartig er- hellt durch eine Aeutzerung, nach der die Damen als begeisterte An- hängerinnen deS Vogelschutzes in die betreffenden Versammlungen kommen mit— Fedem und Vögeln auf dem Hute I Ja. in einer solchen Versammlung erschien einmal die Gattin eine? hochstehenden Protektors deS Vogelschutzes mit— Reiherfedern auf dem Hute. Und was tat der tapfere Referent für Bogelschutz? Er ließ die Frage deS Reiherschutzes aus seiner Rede weg! Wer soll da nicht lachen? Deshalb möge eS uns auch niemand verdenken, wenn wir dem Ausgang der Bestrebungen, so sympathisch sie uns sind, skeptisch gegenüberstehen Alle menschlichen Regungen müssen verkümmern, wo Eitelkeit und Habsucht Triumpfe feiern! Gab eS in Berlin schon LustbarkeitSsteuern? Die Bestrebungen d«S Berliner Magistrats, LustbarkeitSsteuern einzuführen, und zwar so, datz die Eintrittskarten zu Theatern und ähnlichen Veranstal- jungen mit einer Abgabe belegt werden sollen, veranlatzt zu der Fra�e, ob Berlin bereits früher derartige Steuern gehabt hat. Soviel indessen in früheren Jahrhunderten die Steuerschraube an- gezogen worden ist und soviel« seltsame Steuern aufgebracht wur- den: eine Theaterbillettsteuer findet sich nicht darunter. Man wird zwar annehmen können, datz die Theatergesellschaften, die vormals in Berlin austraten, eine Steuer für das ihnen gewährt« Privilegium entrichten muhten, ein Privilegium übrigens, das oft nicht nur zum Theaterspiclen, sondern auch zum Verkauf von Wunderarzneien usw. berechtigte, aber die Eintrittskarten waren jedenfalls nicht besteuert. Unter Friedrich dem Großen war sogar der Eintritt in die Oper völlig kostenfrei und nur das damals privi. legierte Döbbelinsche Theater sowie die sonstigen Privatvexanstal« wngen, Konzerte usw. nahmen ein verhältniZmätzig geringes Ein- trittSgeld. Auch die komplizierte Steuerordnung des ersten preu- tzischen Königs besteuerte Lustbarkeiten nicht. Sie zog im wcscnt- liehen LuxuSgcgenstände heran und legte hohe Lasten aus die Per- rücken. Karossen, auf goldenen Tand an Kleidern, auf das Trinken von Thee, Kaffee und Schokolade, das damals auch noch als Luxus galt, auf die Spielkarten und dergleichen, aber eine Lustbarleits- steuer findet sich auch nicht darunter. Man kann daraus indessen Wohl nur entnehmen, datz Berlin zu jener Zeit an Vergnügungen noch recht arm war, so datz eine solche Steuer wenig eingebracht hätte. Dann aber haben wir heute auf dem Gebiete der Steuer- macherei eine Virtuosität erlangt, die kaum zu überblicken sein dürfte. Folgenschwere Benzinexplosion auf einem Motorboot. Bei einer verhängnisvollen Explosion hat das Motorboot„Seebär" seinen Untergang gesunden. Das wertvolle Fahrzeug war Eigentum des Herrn Spindler, der es dem Spindlersfelder Ruderverein kürzlich für das Training zur Verfügung gestellt hatte. In dem Augenblick nun, als das Boot seine Fahrt antreten sollte, ereignete sich im Benzinbehälter eine Explosion. In kurzer Zeit stand das Fahr- zeug in hellen Flammen. Die Bedienungsmannschaften versuchten den Brand zu löschen, doch waren ihre Bemühungen vergeblich.. Einer der Leute zog sich bei den Löscharbeiten erhebliche Brand- wunden zu. Das Boot sank schlietzlich unter. Der illegitim geborene Beamte.' Ein Spiegelbild unserer Moralanschauungen im deutschen Bater« lande bietet folgende Offerte aus dem„Tageblatt", das in der Sonntagsnummer erschien: Edles Weib reiche deine Hand zum Lebensbunde einem gOjähr. jüd. Manne, der ins. illegit. Geburt als Beamter nicht vor- wärts kommen kann. Hilf ihm zu neuer Existenz und du wirst glücklich werden, da Charalter u. Bildung dies, garantieren. Off. unt. J. E. 9906 Exped. d. Bl. Um als Beamter Karriere zu machen, mutz man also„legitim" geboren sein, wohl aber kann bei uns ein Beamter die höchsten Stellen einnehmen, auch wenn er zwei Dutzend„illegitime" Kinder in die Welt gesetzt hat. Ja. es soll sogar sehr, sehr hohe Personen bei uns geben, deren Kinder zu anderer Leute Fenster herausschauen. O, was sind wir doch für ein sittenreines, moraldurchtränktes Volk! Große Fischdicvstähle werden gegenwärtig in der Umgebung Berlins verübt. Die Fischdiebe halten sich vorwiegend am Müggel- fte und an den unteren Spreeläufen auf. Sie entwenden den Fischern die gefangene Ausbeute und sogar die Fischgeräte eignen sie sich an. Die letzteren benutzen sie dann dazu, um selbst auf Fischfänge auszugchen. Eine dreiste Straßenränberin treibt zurzeit in den nördlichen und östlichen Stadtteilen ihr Unwesen. Die gefährliche Person macht sich an kleine Kinder, die von den Eltern zum Einkaufen fortgeschickt worden sind, heran, und schickt sie unter dem Vorwand, in der Nähe eine Bestellung für sie auszurichten, fort. Sie lätzt sich währendeh die Handtaschen geben und verschwindet damit auf Nimmerwiedersehen. Erreicht die freche Diebin auf diese Weise nicht ihr Ziel, so geht sie mit Gewalt vor und entreißt den Kindern die Portemonnaies. Die Eltern tun gut, ihre Kinder zu in- struieren, datz sie fremden Personen gegenüber recht vorsichtig sind. Der Schwindler mit der ordengeschmllckten Brust. Auf einen ganz raffinierten Trick ist ein älterer Schwindler verfallen. Der ehemalige1 Beamte I. aus der Kaiser-Friedrich-Stratze zu Pankow las kürzlich in einer Zeitung eine Annonce, wonach eine LichtpauS- anstatt, die auch amtlichen Charatter trage, befähigte Heimarbeiter gegen gutes Honorar verlangte. Er meldete sich und einige Tage später erschien ein alter ehrwürdiger Herr mit ordengeschmückter Brust in seiner Wohnung. Er unterzog den I. einer kurzen Prüfung und erklärte sich schlietzlich bereit, ihm Heimarbeit zu uberweisen. Er holte dann einen ReverS hervor, in dem sich I. verpflichten mutzte, für einen Pausapparat 20 M. sofort zu entrichten. Da ihm ein ungemein hohes Honorar versprochen wurde. zahlte I. diese„Kautionssumme" ohne weiteres. Der alte Herr empfahl sich dann und kam niemals wieder. AlS ihn I. gestern in der Potsdamerftratze erblickte, machte er sich schleunigst aus dem Staube. Ein BerzweiflungSakt. Erhängt und erschossen hat sich der 65 Jahre alte ftühere Weber Karl Rangnow aus der Breslauer» stratze Nr. 26. Der Mann war Brnstleidend und erhielt eine In- validenrente. Seine 64 Jahre alte Frau, mit der er in kinder- loser Ehe lebte, arbeitete noch für eine Weberei. Während sie gestern'liefern und einholen ging, machte Rangnow, der keine Aus- ficht auf Besserung sah, seinem Leben ein Ende. Als die Frau zurückkehrte, fand sie ihn aus einer Stirnwunde blutend und einer Schnur um den Hals an einem Wandhaken hängen. Der Revolver, aus dem er sich die Kugel in den Kopf geschossen hatte, lag zu Fützen der Leiche._ Vorort- Nacbricbtcrn Antisemitische Lügen. Die„StaatSbvrger-Zeitung" und„Das Reich", diese edlen Ber- kündeten im Kampfe gegen Wahrheit und Recht, stellen mit durch keinerlei Scham getrübter Dreistigkeit den Verlauf der durch „pgtriotische" Radaubrüder zur Auslösung gebrachten Versammlung in Wandlitz auf den Kopf. Sie geben zu, datz die„nationalen Organisationen" Tumult veranstaltet haben. Dann tischen diese beiden antisemittschenPretzorganeunterabsichtlicherVerschweigungderniedrigen Provokationen, die von dem patriotischen Tische aus erfolgten, an dem der Redakteur dieser Blätter Döring' saß, folgende Mär auf über den Verlauf nach Zurückweisung der letzten«nrempelei gegen Stadthagen: „Die Bolkslvut brach loS. Mit erhobenen Stöcken und Fäusten eilten die Bauern von beiden Seiten auf die Redner» bühne zu. Drohende Rufe, wie„Herunter mit dem frechen Juden I". „Raus nach Palästina!',«Schluß mit dem Gemauschel l" wurden auf allen Seiten laut. Selbst die anwesenden Sozialdemokraten machten mit Ausnahme der aus Berlin mitgebrachten Genossen keinerlei Anstalten, Stadthagen beizuspringen, der steh, bleich vor Angst und zähneklappernd, hinter die überwachenden Gendarmen verkroch und den Schutz dieser Beamten anrief, die von den Sozialdemokraten so oft auf das gemeinste beschimpft worden waren. ES bedurste deS energischsten Einschreitens der Gendarmerie, um Stadthaaen vor der enttüsteten Volksmenge zu schützen, die große Lust bezeugte, den zuvor so aufdringlichen Orientalen zu lynchen. Unter dem lauten Gesänge des deutschen Kampfliedes „Deutschland über alles" leerte sich dann langsam der Saal. Stadtbagen aber hielt es für geraten, sich noch mehrere Stunden verborgen zu halten, ehe er die Heimreise von der für ihn wenig ruhmvollen Expeditton nach Wandlitz antrat." Eine kecke Wahrheitsscheu und robuste Gewissenlosigkeit gehört dazu, dies von erfundenen Unwahrheiten strotzende Zeug in die Welt zu fetzen. Weder hat sich Stadthagen„bleich vor Angst' und zahne» klappernd hinter Gendarmen verkrochen, noch hat er diese um Schutz angerufen, noch war die„Volksmenge" gegen Stadthagen„ent- rüstet", noch'ist die Gendarmerie eingeschritten, um Stadthagen zu schützen, noch hat sich endlich Stadthagcn verborgen gehalten. Alle dahingehenden Behauptungen der„Staatsbürger Zeitung" und des Reich" sind dreiste Erfindungen. Entrüstet war der ganz über» wiegende Teil der Versammelten einschließlich einer Anzahl Bauern über den Radau der„Patrioten". Stadthagen hat sich selbstredend nicht„stundenlang verborgen gehalten", sondem hat bis zum späten Wen» In breitester Oeffentlichleit mit OrtSeingesesienen drm Wandlitz und Umgegend verlehrt. Auf deren Ersuchen wurde die neue Ver- sammlung zum 2«. Juni vereinbart. Auch nicht entfernt ist eS Stadlhagen in den Sinn gekommen um Schutz nachzusuchen. Wohl aber hat er von dem Gendarmen verlangt, ihm den Namen des ZwischenrufcrS mitzuteilen, das lehnte der Gendarm unter der Be- hauptung, er kenne denselben nicht, ab. Ortsangesessene teilten darauf mit, batz der Betreffende der Oberförster Finsterwalde aus Lanke war. Stadthagen ebenso wie der Vorsitzende und andere Genossen.machten dem Gendarmen Vorwürfe darüber, daß er aufgelöst hatte. Denn die Versammlung war vertagt und Ruhe und Ordnung wären trotz des Lärmens der um den pensionierten Gendarmeriewachtmeister und den Redakteur Döring versammelten Patrioten ohne polizeiliches Dazwischentreten hergestellt worden. Die Lügen der antisemitischen Blättchen haben wir niedriger gehängt, damit die Bevölkerung von Wandlitz und Umgegend sie kennen lernt und daraus von neuem ersteht, wie die konservativ- antisemitischen Blätter mit der Wahrheit Schindluder treiben. Tchönederg. Aus der Stadtverordnetenversammlung. Eine Schreibstube für BeschäiligungSlose. die bereits vor zwei Jahren geplant war, soll nunmehr in den Räumen der RechlsauSkuiiflsstelle in der Apostel Paulus-Strahe errichtet werden. Die Schreibstube untersteht leider nicht der Sradt, sondern der Vereinigung für Wohlfahrtseinrichrungen. Die Stadtgemeinde stellt den erforderlichen Raum zur Verfügung, liefert die Mobilien, trägt die Unkosten für Beleuchtung, Heizung, Reinigung und leistet eine Beihilfe von 2000 Mark jährlich. Die Dezernate sollen angewiesen werden, auhergewöhnliche Schreib- arbeit, deren Anfertigung in der Schreibstube ermöglicht werden kann, nach dorthin zu überweisen. Das Prinzip, den Beschäftigten den vollen Erlös der Schreibarbeit zukonimen zu lassen, soll nicht dauernd durchgeführt, sondern es sollen später geringe Abzüge zur Deckung der Unkosten gemacht werden. Genoffe Küter vertrat den Standpunkt, datz derartige Arbeiten in eigener Regie auszuführen und den Betreffenden auskömmliche Löhne zu zahlen find. Von mehreren Rednern wurde betont, datz stir die geleistete Arbeit nur dann geringe Abzüge gemacht werden sollen, wenn die Arbeiten nur durch Schreibmaschinen hergestellt werden und besondere Unkosten ent- stehen. Zu dem generellen Entwurf für den Neubau eines Krema- toriumS nebst zwei Kolumbarien auf dem städtischen Friedhofe im Südostgelände fordert der Magistrat insgesamt 16l 000 M., die auch bewilligt wurden. Die Vorlage wurde, nachdem Genoffe Bern- stein nochmals das Verhalten de? Herrenhauses und der Regierung zur Frage der Feuerbestattung kntisiert hatte, einem AuSfchutz überwiesen. Im vorigen Jahre wurde beschlossen, einen Schularzt im Hauptamt anzustellen, dem ist der Magistrat nicht beigetreten, sondern ersucht das jetzige nebenamtliche Schularztsystem betzu- behalten und toeiter auszubauen. Bei der ersten Untersuchung werden die infolge körperlicher Schwäche noch nicht schulfähigen und daher zurückzustellenden Kinder ermittelt. Diese Untersuchung ist mnerhalb der ersten Woche vorzunehmen. Die im Neben« amt tätigen sieben Schulärzte müssen in dieser kurzen Zeit ungefähr 2200 Kinder auf ihre Schulfähigkeit untersuchen. Die den Schulärzten gezahlte Entschädigung soll auf 1200 M. erhöht werden. Ebensalls soll die neue Schularztordnung eine erheblich andere Fastung erhalten. Genoffe Küter vertrat die ? Forderung, nur Schulärzte im Hauptberus anzustellen, um die Schul- ygiene besser zu pflegen. Auch die Dienstordnung sei vielfach unklar; unter anderem fordern sie von dem Arzt eine Tätigkeit, die in das Denunziantentum hinemreiche, der Arzt müsse im Jnter- esse der Kinder geschützt werden. Die Vorlage wurde hierauf' eben« falls einem Ausschutz überwiesen. Bei der Errichtung neuer Stellen für Lehrkräfte an den höheren Schulen beschwerte sich Stadtv. Bamberg flib.), datz der Magistrat den Wünschen der Einwohner des Berliner OrtsteilS so wenig Rechnung trage. So sollte die ComeniuSschule zu einer Oberreal- schule ausgebaut werden, der Magistrat habe dieses jedoch abgelehnt. Bon diesem Beschlutz sei die Presse viel früher unterrichtet worden als die Antragsteller. Der Bürgermeister Blanken st ein teilte mit, datz die Schuldeputation so beschlosten habe, der Magistrat habe lediglich durch das Pressebureau der Bevölkerung davon schleunige Kenntnis geben wollen. Genosse Bernstein betont, datz ihm als Mitglied em derartiger Beschlutz unbekannt sei.— Die Lehrstellen wurden bewilligt. In den Ausschutz für Bewilligung schulgeldfreien Unterrichts auf den höheren Lehranstalten wurden die Genossen Molkenbuhr und Rottländer gewählt. Der EtratzenreinigungSdeputation ge- hören an: Küter und Reiche; als Bürgerdeputierter wurde Genosse Albin M o h S, in die Verkehrsdeputation die Genosten Küter und D ä u m i g, in die Parkdeputation Genoste H o f f m a n n ge- wählt. Ms A r m e n p f l e g e r in der IVo Kommisston fungieren die Genossen Paul Hadamitzky, Christian Franke und Karl Krause; in die IXb Kommission: Genossin Riethmüller, Paul Geise, Wilh. Martin. Als Vertrauensmann zur Wahl von Schöffen und Ge- schworenen wurde Genosse Obst gewählt. Der Genehmigung zur Führung des NamenS.Berlin-Schöne- berg" wurde zugestimmt.— Der Berliner Frauenverein gegen den Alkoholismus wünscht, an der Kolonnenbrücke, Ecke Cherusker- stratze an der Bahnböschung eine Erfrischungshalle, in der nur alkoholfreie Getränke verabfolgt w'rden, zu errichten. Hierzu ver- langt der Verein ein zinsfreies Darlehn in Höhe bis£>000 M. Der Magistrat beschloh jedoch nur 4000 M. zu gewähren. Es wurde mitgeteilt, datz der Berein mit dieser Summe nichts beginnen könne. Der Genosse D ä u m i g beantragte, dem Verein 6000 M. zu geben. Dieser Antrag wurde angenommen. Von einer Belegung der Holbein- und RubenSstratze mit Strahenbahngleisen soll Abstand genommen werden. Durch Schreiben hatte die Große Berliner Stratzenbahn erklärt, nur dann die Stratzen mit Gleisen zu belegen, wenn die Stadt einen Zuschuß von mindestens 27 200 M. zuzahlt. Der Betrieb wird jedoch erst am 1. September 1S11 eröffnet. Nunmehr soll von einer Belegung von Gleisen Abstand genommen werden, da noch mit hinzukommt, daß die projektierte Straßenbahnlinie, der Untergrund- bahn Konkurrenz machen könnte und die Gefahr besteht, daß nach Verlängerung der Untergrundbahn die Stratzenbahngesellschaft Schadenersatzansprüche erheben wird. Die Vorlage wurde einem Ausscbuß überwiesen, dem die Genossen Bäumler und Küter angehören. Die Hauptjahresabschlüsse über die Stadthauptkasse ergaben einen Gesamtübei schütz von 231 000 M. Allein für Mahn- und Psändungsgebühren wurden über 6000 M. mehr vereinnahmt wie früher, als die Steuern noch abgeholt wurden. An Arbeiterlöhnen wurden in der Verkebrsverwaltung 16 000 M. gespart. Hieraus mag die Klage der Arbeiter, daß die Kolonnen nicht genügend besetzt sind und die Freigab'' des dritten Sonntags erschwert wird, resultieren. Der öffenrlichen folgte eine geheime Sitzung. Chart ortendurg. Beim Nollschiihlnufen schwer vfftinglückt ist der zehn Jahre alte Schüler Erich Brandstetter aus der Goethestr. 76. Er lief nach Aus- sage mehrerer Augenzeugen vor dem Hause Savignyplatz 6 gegen einen Sandwagen, fiel zur Erde und wurde überfahren. Der Knabe erlitt einen schweren Unterschenkelbruch. Er wurde nach der Unfall- station am Zoologischen Ganen und von dort in einem Krankenwagen nach dem Krankenhause Westend gebracht. Siixdorf. Ein tödlicher Unglücksfall hat sich gestern morgen an der städtischen Gasanstalt zugetragen. Auf einem Koblenkahn, der Kohlenladungen für die Gasanstalt enthielt und ausgeladen wurde, waren mehrere Arbeiter damit beschäftigt, den Krangreifer mit Kohlen anzufüllen. Durch Reitze« der BerblndungS- und Zugkette löste sich plötzlich der Greifer und die ganze Ladung stürzte in den Kahn hinunter. Einer der Arbeiter, der 41 Jahre alte Kaufherr. Bergsir. 146 wohnhast, wurde so unglücklich getroffen, datz er befinnungSlos zu Boden brach. Den anderen Leuten war eS noch gelungen, sich schleunigst in Sicherheit zu bringen. K. wurde in schrecklich zurichteiem Zustand nach dem städtischen Krankenhause gebracht, doch bereits auf dem Transport dorthin erlag er den schweren Verletzungen. Lichtenberg. Die städtischen Arbeiter waren am Sonnabend, den 28. Mai, zahlreich versammelt, um zum Stande ihrer Anträge auf Ein- sührung einer„Allgemeinen Arbeitsordnung" Stellung zu nehmen. Diese Angelegenheit kennzeichnet so recht das gänzliche Fehlen sozialen BerständniffeS der Stadtverwaltung in diesen Dingen. Im Februar 1007 überreichten die städtischen Arbeiter den städti- schen Körperschaften den Antrag aus Erlaß einer„Allgemeinen Arbeitsordnung" unter gleichzeitiger Uebermittelung eines Eni- Wurfs. Zwei Jhare warteten die Arbeiter vergeblich auf eine Antwort. Im Februar 1009 übersandten sie dem Magistrat eine Erinnerungsresolution. Auch diese blieb bis heute unberücksich tigt. Man ist daran gewöhnt, datz städtische und. staatliche Be Hörden langsam arbeiten, aber datz eine Verwaltung in der Zeit von 3 Vi Jahre keine Zeit fand, um sich zu äußern, dürfte doch zu den Seltenheiten gehören. Allerdings handelt es sich hier um eine Forderung sozialpolitischen Inhalts und nach dieser Rich- tung ist die Lichtcnberger Verwaltung bestrebt, den Rekord der Rückständigkcit zu halten. Zu gleicher Zeit wie m Lichtenberg reichten die städtischen Arbeiter SchönebergS, CharlottenburgS und Rixdorfs die gleichen Anträge ein. In diesen Städten haben die Anträge der Arbeiter Berücksichtigung gefunden. Bei derartiger Behandlung der Arbeiter ist eS schließlich kein Wunder, wenn das Vertrauen der Arbeiter zur Verwaltung ein geringes ist. In der Versammlung wurde die Ortsleitung des Verbandes der Gemeinde- und StaatSarbeiter beauftragt, erneute Anträge auf Einführung der Allgemeinen Arbeitsordnung zu stellen. Ei« Unfall ereignete sich in der Nacht zum Sonntag aus dem Rangierbahnhof Lichtenberg- Friedrichsfelde. AIS der Arbeiter P., der beim Rangieren von Güterwagen beschäftigt war, an der Längs- feite eines Wagens vorbeiging, um die Kuppelung zu lösen, stürzte plötzlich die 2Va Zentner schwere Seitenverschlutztür eines Wag-mS, an dem die Gleitschiene fehlte, herab und öearub den Arbsiter unter sich, der über das Fernbahngleis Berlin— Wriczen zu liegen kam. Der Arbeiter mußte längere Zeit unter der schweren Last, dem Ueberfahrenwerden ausgesetzt, liegen bleiben, weil infolge der Unübersichtlichkeit und schlechten Beleuchtung der Rangiergleffe ihn sein? Kollegen nicht hören konnten. Zufällig fand ein Schaffner, der vom Dienst ging, den Verunglückten. Erst nach Herbeiholung weiterer Mannschaften war eS möglich, den Bedauernswerten aus seiner Lage zu befreien. Wie man uns mitteilt, ist dies innerhalb kurzer Zelt bereits der dritte Unfall.* Wilmersdorf. Ei» entsetzlicher Unglücksfall ereignete sich borgestem nachmittag auf einem Neubau der Stratze 6. Dort befand sich der bei der Firma Dr. Graffenberger angestellte, in der Krausenstr. SS wohnende Arbeiter Ott« ElSner und nahm an Fahrstuhlarbeiten teil. Dabei trat der Arbeiter febl und stürzte aus der Höhe der zweiten Etage bis in den Keller hinab. Der Unglückliche erlitt einen Bruch der Wirbelsäule, mehrere Rippenbrüche und innere Verletzungen. Er wurde nach der Unfallstation am Zoologischen Garten gebracht, wo ihm die erste Hilfe zuteil wurde. Von da auS wurde E. in fast hoffnungslosem Zustande mittels Krankenauto nach dem Kranken- hause Moabit übergeführt. Zehlendorf(Wannseebahn). AuS der Gemeindevertretung. Um den Obstbaumschädlingen entgegenzuwirken, soll auf Kosten der Gemeinde dreimal im Jahre eine Untersuchung der Bäume in den Obstgürten vorgenommen werden. Ueber erkrankte Bäume wird der Polizei Anzeige er- stattet, die dann die geeigneten Matznahmen zur Vernichtung der Krankheitserreger vornehmen soll. Die Mittel für die Untersuch- ungen in Höhe von 600 Mk. wurden bewilligt.— Der Bebauungsplan macht unserer Gemeinde ständig Kopfschmerzen. Zehlendorf soll durchaus nur den reichen Leuten erhalten werden. Um den stärkeren Zuzug ärmerer Bewohner zu vermeiden, werden alle möglichen Mittel angewendet. Eins der beliebtesten ist, den Bau- meistern die Genehmigung zum Bau von Häusern zu verweigern, in denen kleiner« Wohnungen vorgesehen sind. Man konnte aber dadurch nicht vermeiden, daß in dem Bereich der Bauklasse E dennoch Mietshäuser entstanden. Um diesem Uebelstande abzu- helfen, wurde eine Kommission eingesetzt, die Mittel und Wege finden soll, die Bauordnungen so festzulegen, datz für die Zu- kunft der Bau von Mietshäusern vermieden werden kann. Dabei kam es zu einem Zusammenstoß zwischen den Herren Schütz und Lattrc-tzertel, weil dieser Herrn Schütz als Direktor der Zehlen- dorf-Grunewaldterraingesellschaft, die in letzter Zeit in ihrem Bereich den Bau solcher Häuser ermöglicht hatte, nicht für geeignet für die Kommission hielt. Trotzdem wurde er gewählt.— Zur Bekämpfung der Mückenplage wurden 100 Mk. bewilligt. Einige Anregungen gingen dahin, auch für die Vertilgung der Mücken- brut in den öffentlichen Gebäuden Sorge zu tragen sowie auch den Tümpeln, bei denen sich die Mücken gern ansammeln, mehr Auf- merksamkeit zuzuwenden.— Auf Grund eines Antrages Thorn- ton und Genossen bejchliitz die Vertretung, den PackauSschutz zu beauftragen: 1. Ueber den Ausbau der Seeuferwege am Schlach- tensee, an der Krummen Lanke und am Riemeistersee, soweit Zehlendorfer Terrain in Frage kommt, zu Promenadenwegen zu beraten und geeignete Vorschläge zu machen; 2. ferner zu prüfen, wie auf der fiskalischen S ite dieser Seen ebenfalls Uferwege zu erlangen und diese zu Promenadenwegen auszubauen sind. Diese Anträge sind der Gemeindevertretung möglichst nach Beendigung der Sommerferien mitzuteilen. Gleichzeitig wurde dem Ge- mcindevorstaud nahegelegt, bei Aufstellung der Bebauungspläne dafür zu sorgen, datz am Ufer des Teltowkanals, soweit Zehlen- dorfer Terrain in Frage kommt, Promenadenwege mit entsprechen- den Anlagen und Schmuckplätzen vorgesehen werden. Es sollen durch Annahme dieser Anträge die landschaftlichen Reize der Um- gebung dieser Seen und des Kanals einem größeren Publikum erhalten werden, waS auch wir nur begrüßen können.— Um den gesetzlichen Best.nmangen Rechnung zu tragen, erhält der 8 6 des Orisstatttts ül:t die Dienstpflichten und die Besoldung der Gemeindebeamt.n folgende Fassung: Kein Beamter hat Anspruch auf eine bestimmte Stelle. Er kann jederzeit in ein anderes Amt von nicht geringerem Range und Diensteinkommen versetzt wer- den. Diesc Bestimmung gilt auch für Versetzungen, die infolge von Organisationsveränderungen notwendig werden. Weistensee. Ein Konflikt zwischen Hausbesitzer und Fürgerweipern ist seit der letzten Gemest'devenretersitzung ausgebrochen. Natürlich handelt es sich hierbei wieder um das Steuerzahlen, wovon sich die Hausbesitzer gern drücken. In der ersten Sitzung der EtatSkommission in diesem Jahre wurde vom Bürgermeister die Erklärung abgegeben, datz er den Etat zur Balanzierung bringen werde, ohne die jeweiligen Steuern zu erhöben, wenn größere Anforde- rungen an den Gemeindesäckel nicht gestellt werden. Mit dieser Erklärung gingen die bürgerlichen Vertreter in die HauS- besitzerversammlung als Beruhigungsmittel für erregte Gemüter, die da glauben, daß dre in den letzten Jahren geschaffenen sozialen Ein- richtungen eine bedeutende Erhöhung der einzelnen Steuersätze zur Folge haben würden. Es sind aber, wie in den Vorjahren vorher auch, einzelne Grundstücke im Werte gestiegen und so hat denn auch der Steuerausschuß nach Recht und Gewissen diese Grundstücke mit der Grundwertsteuer höher belastet, darunter einig««n ein ganz Bedeutendes, und so schrie man in den Hausbesitzerversammlungen wieder Zeter und Mordio. Man will, wie im Vorjahre, wieder eine Protestversammlung einberufen. Formulare zur Reklamation sind in Massen gedruckt; jeder Hausbesitzer wurde aufgefordert zu reklamieren, wenn die Reklamation erfolglos, dann die Gemeinde zu verklagen. In der Hausbesitzerpreste erschienen Artikel: der Bürgermeister habe sein Versprechen nicht gehalten, die Hausbesitzer seien„getäuscht" worden. Hiergegen verwahrte sich der Bürger- meister in der letzten Sitzung der Gemeindevertretung ganz ent» schieden, denn die Steuersätze sind in der Tat nicht erhöht worden. Wenn der Steuerausschuß aber einige Grundstücke höher bewertet habe und dadurch dem einzelnen mehr Steuern aufgebürdet würden, so solle man sich an diese Adreffe wenden. Man glaubte sich in der Tat schon in einer Protestversammlung zu�befinden, so wüteten nun» mehr die Hausbesitzer darauf loS. In Zukunft wollen die HauS- agrarisr den Etat nicht mehr bewilligen, wenn die Einschätzungen der Grundstücke vorher nicht erfolgt sind. In der Orispreffe spinnt sich die Debatte weiter, wobei die Spießer natürlich auf ihre Kosten kommen. Friedrichshagen. In der letzte» Mitgliederversammlung de» BezirkSwahIbereinS referierte Genosse Brückner über: Dr. Bolle, Arbeiterschaft und Genosienschaft. Referent kennzeichnete in scharfen Worten das Ver- halten des Herrn Bolle seinen Angestellten gegenüber und meinte. Herr Bolle nehme wohl für sich das Koalitionsrecht in Anspruch, aber enthalte eS seinen Arbeitern mit allen Mitteln. Sobald einer seiner Angestellten gegen Herrn BolleS Arbeitsordnung verstoße, werde er nicht nur sofort entlassen, sondern komme auf die schwarze Liste. Dann macht Redner auf die Bedeutung der Konsumbewegung aufmerksam. Eine Diskussion über den beifallig aufgenommenen Vortrag fand nicht statt. Unter Verschiedenes berichtete Genoffe Köhler von der KteiSkonferenz. Da von jetzt ab das Geschäsiejahr immer vom 1. Juli bis 30. Juni läuft, so ersuchte Köhler die rück» ständigen Beiträge zu begleichen, da von der Zahl der Beiträge die Delegiertenzahl abhängig sei. Betreffs des Jugendheims macht Ge- nosse Wiedemann bekannt, daß die Zusammenkünfte jeden Mittwoch. Sonnabend und Sonntag pattfinden. Neuaufnahmen fanden vier statt. Bernau. Die Stadtverordnetenversammlung erklärte sich filr die Anschaffung von Gasmotoren für das städttsche Wasserwerk; die Lieferung der- selben wurde der Firma Cyklop-Körting zum Preise von 33 105 M. für zwei Motoren und zwei Pumpen übertragen. Das Schulgeld für nicht in Bernau wohne..de, aber die hiesige Gemeindcschule be- suchende Kinder, wurde pro Jahr auf 36 M. festgesetzt. Der Verlängerung deS Vertrages mit der Stadt Berlin betreffend den a»- gelegten EntwäsierungSgraben auf den Schinetzdorfer Kämmereihuren, wurde nur bis zum 1. Oktober 1010 zugestimmt, dies in der Er« Wartung, daß Berlin in bezug der Abtretung der Ländereien an Bernau sich eines schnelleren Tempos befleißigen werde. Für die Anschaffung von Betten, Wäsche, chirurgischen Instrumenten uiw. für das am 20. Juni d. M. zu eröffnende Krankenhaus wurden 11 600 M. bewilligt.— Die Besetzung der Arzlsiellen am Kranken- HauS soll auf folgende Weise geregelt werden: Unter Beibehaltung seiner Privatpraxis soll Dr. Milbradt als Chef-Kommunalarzt sowie auch als Swularzt jährlich 2500 M. erhalten. Genosse Krüger be» antragte in die Dienstordnung die vierteljährliche Besichtigung sämt« sicher Schulklaffen und die genaue Untersuchung der als krank be- simdenen Kinder auizunebmen, dem auch die Versammlung zustimmte. Für den anzustellenden Assistenzarzt wurden jährlich 1600 M. und freie Station festgesetzt. Ferner soll eine Oberschwester mit jährlich 800 M. und eine zweite Schwester mit jährlich 600 M. und freier S tatton angestellt werden. Der bisher im alten Krankenhaus tätige Krankenwärter Sellner soll mit seiner Frau im neuen Krankenhaus als Hauswart und Krankenwärter angestellt werden; ihm ist ein Lohn von 1000 M. pro Jahr nebst freier Station zu- gebilligt worden.— Die Verpflegungssätze für Kranke sind in drei Klaffen eingeteilt. I. Klaffe pro Tag 7,50 M. und Sclbstbonorienmg des Arztes. II. Klasse 6 M. pro Tag; in dieser Klasse sollen nur erforderliche Operptionen von dem Patienten selbst bezahlt werden. III. Klasse 3 M. pro Tag. Genosse Krüger sowie Herr Dr. Wieners vertraten mit Recht die Auffassung, datz man Kranke nicht in Klaffen teilen, sondern sie ohne Unterschied als Kranke behandeln solle. Wenn eS jedoch durchaus ohne Klaffenteilima nicht ginge, sollten zwei Klaffen als ausreichend genügen. Diesem Vorschlage schlotz sich aber die Mehrheit nicht an. Obige Sätze wurden mit 13 gegen 10 Stimmen angenommen. Dem Ankauf deS Mühlenhauptschen Grundstücks zum Preise von 6000 M. wurde mit 12 gegen 10 Stimmen zugesttmmt. Neinickendorf. I» der Mitgliederversammlung deS WahlvereinS Reinickendorf-West referierte Genosse Kurt Hein ig über:„Preußens Herrenhaus". Unter Vereinsangelegenheiten wurde beschlossen, das Stiftungsfest des Wahlvereins am 17. Juli in den Lokalen von Schiller und Göcdes abzuhalten.— In den Jugcndausschutz wurde Genoffe Prezeowerzinski, als Kontrolleurin der Kind-.-rschutz- kommission Genossin Ehlert gewählt.— Da die Bibliothek am 16. Juni zwecks Inventur auf acht Tage geschlossen wird, werden die Genossen ersucht, die entliehenen Bücher spätestens bis zu diesem Tage abzuliefern.— Zum Schluß wurde noch auf das am 12. Juni stattfindende Sommerfest deS JugendauSschusseS hingewiesen und aufgefordert, dasselbe rege zu besuchen.— Zur Auf« nähme hatten sich 14 Genossen gemeldet. Lese- und Tlskntierklub„Düd-Ost-. Heute Mittwoch, abends 81/, Uhr, bei Ncidbardt, Görlitzer Sttatze 58: M i t g It e d er v e rs am mlu n g. Gäste willkommen. Verband der Frisenrgehilfen Deutschlands. Zweigverein Berlin und Vororte. An: Donnerstag, den 2. Juni, abends Sst, Uhr, Rosenthaler Straße 11/12: Generalversammlung. Erscheinen notwendig. Der Vorstand. «SttterungStzberücht vom 81. Mat 1010. moraens 8 Udr. 1« £-- e 2 II ef ewmemdr 1 754 WSW >753 SW 755®® zranti.aBt'757 SW München>758 SW Wien 758 W 1 l Havaranda 75t ONO 2 halb bd. Petersburg 756 SO I 1 bedeckt Sctlly 756 WSW 6 bedeckt Äberdee» 741 WS® 8 halb bd. Baris!753SSWI 2oedcckt >>'' i C"* £& 8 « 12 12 12 Wetterprognose für Mittwoch, de» 1. Juni 1010. Zeitweise heiter, jedoch unbeständig mit einzelnen Regenschauern wld frischen jüdwesUichen Winden; Temperatur wenig oerändert. Berliner Wetterdnreao. Wasserftanvs.Sta-vrtchtc» vak! erstand M« m e l. TLiit Brezel, Jnsterburg Weichsel, Thorn Oder, Ratrbor , Krolsen , Frankiurt Warthe, Schrimm , Landsberg Netze, Dordamm Elbe, Leitmeritz , Dresden , Bardo . Magdeburg 'J+ bedeutet Such»,— Kall.•) Unterpegel. c *bic«hJuntt»o*»chSf?«» Credif-Ilans „Belleallia]nce''| BeIIealiisnc«f-$fr. 100, I. Etage. \far«B u. Mob»? r. Erscheint 2 mal wöohentiich. Be2MgsqMeii®n*yei*zeichn5ss| Ontmirteheada SascMfte «mafehlan«Ich bei Einkänfen, m-m Turmstraße 55, Ecke Waldstr. gewährtJedßDlb.Spscienc isich�e«* An- u. Abzahlung: mehrjährio�n Kredit auf Waren und Möbel. i Cr«5Ultti£iua____ Gebr. Weber, Neue Königstr. 58. |--- n Spandau, Pots- daraerstr. 231, 1 f V' kofllaatestfla a. PI. Fritz Schlucke Weber, Herrn., DanrijerBtr. 781. Wßller.[2fi.fiÄler Zul rauii&Co. best.». 1887. SrSbe!- c. tSutl. War«,. Alhohol?re!c Qetr-8nhe ( JP�itsszAbraliaui Hainb. Messina- a.R5mortrank-KoIl. N 4, Schlegelst. 9, Fernsp. III, 7727. M SKB58 �e'rÄ�Ü I�oltltröpi'chen R. iVee*©, Mülhausener Str. 6. Ernst Krüger, G m.b.fl., Höchste Lt. 28. SiDalco(Büzt)ranse) aen.-Vertret. QttO Starick —* ernmr v $i-$i NO, Landsberger Allee 6/7. — Fernruf VII: 1688 u. 1564.— Bcsttt alfeebol- freie» öetränk. Berlin 0,j{ii>«lff. 4 t AtHboller-BeklaldonB � U?!p*«m H Mg- f ZM«e,«ntr 82 ■»Ä tl-«.. Rerjoutsi!« Rohnnklörlng&Ä I�ndsb.Alle© 148 Rixd., Borgst. 66. f Bach.rai.a. KOBHItar.1� Eltfobeit Kraflbrot, twl p»a».». irso. ,iJPeronla"?if£i tre-Prtseete; m |*d. Ualm 1 Br»a«rb, b«i IM tim»»retJ�ae. Bern»«n4 Tvrorte«l 3000 KiHlarli««». llUiaif. r»hrik.t Oebr. Hs-�cn If achtg Mex Hnger., Dnndorferstr. 16. »snälaaaanEadajEMBjfflBasa IßskariaD�'sBrolliMereil 8 7a Oescliajt* st In tUen Sudtteileo Berlins K S und In Rlxdorf. jj«ecrttndet 1898. p »söWKia�/eaitÄststsoK!« loh.: Pao) Hanka. — LS den In allen Stadtteilen.— Herbenr, PruI, Ainsterd.-Str. 29. ütrechterstr. 17. Biurgdorftttr. 14. TapI I/mmnIai B»d8tr.l3, Schwed.- Kunze, Crossbäckerei Berlin N, Pankow, Weifloneee. 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