St- 1*7. nbonnementS'Bedingunsen: StBonnomentä• Preis pränumerando• «iertcijährl. 330 SW, Mona«. 1,10 Ml, wöchentlich 2ö Pfg. frei in 5 HauS. Einzelne Nummer S Pfg. Sonntags. nummer mit illustrierter Sonntags. Beilage.Die Neue Welt" 10 Pfg. Post- Abonnement: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post. Zeitungs. freiSIifte. Unter lireuzband für eutschland und Oesterreich. Ungarn 2 Marl, für daK übrige Ausland 3 Marl pro Monat. PostabonnemeiUS nehmen an: Belgien. Dänemark, Holland, Italien, Luxemburg, Porwgal, ' ücn, Schweden und die Schweiz, 37. Jahrg. CrMWnt»giis anBlr Ms»ttg». Berliner VolKsblnkt. vis Insertion;-LebSdr Iskägt für die scchSgcspaliene tlolonel. zeile oder deren Raum 50 Pfg., für politische und gewerlschasMche Vereins- und VersammlungS-Anzeigen 50 Psg. „Kleine Hnzelgen", daS erste(seit. gedruckte) Wort 20 Pfg., jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlaf- stcllcn-Anzeigen daS erste Wort 10 Pfg, jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate sür die nächste Nummer müssen bis SUhr nachmittags inder Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abend? geöffnet. Telegramm-Adresset „SoiUliKmolint ßtrllti* Zentralorgan der fozialdemohrati fcbcn Partei Deutfcblande. Redaktion: 8RI. 68. Linden straoac 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1S8Z. Oer Sieg ia Schienen. Die vorläufigen amtlichen Zahlen vom Ausgang der Reichstagsersatzwahl in dem schlesischen Wahlkreise Jauer-Landeshut-Bolkenhain sind etwas andere als die unseres gestrigen Privattelegramms. Es erhielten nach der neuesten Angabe: Proll zichtet und ihre Stimmen dem Herrn Strosser gegeben hätte, so wäre das doch unter allen Umständen besser gewesen, als daß beide Parteien jetzt ausfallen. Sollten denn die Zentrums- Wähler, die jetzt treu geblieben sind, nicht auch so viel polr tische Einsicht besessen haben, um Mann für Mann ihre Stinr men für Strosser abzugeben? Hoffentlich wird die Scharte bei den allgemeinen Wahlen wieder ausgewetzt." Womit die„Germania" also für die Wahlen von 1911 das blauschwarze Bündnis in aller Form ankündigt. Sie weiß sehr gut, daß das Zentrum es bitter nötig haben wird! Wie die„Germania", so sucht auch die konservative Presse den Eindruck der Niederlage zu mindern, indem sie mit künsb lich gefaßter Miene erklärt, daß das Ergebnis„keine Ueber- raschung" sei. So sagen„Kreuzzeitung"_ und„Deutsche Tageszeitung". Und dann suchen beide Blätter nach allerlei kleinen und kleinlichen Gründen, die das Resultat erklären sollen. Die„Deutsche Tageszeitung" hat entdeckt, daß der konservative Kandidat die Stimmen der doch im einstigen Wahlkreise Gneists feit alters her ziemlich zahlreichen Natio nalliberalcn nicht erhalten hat, außerdem habe auch wohl mancher Wähler, der früher für den Reichsparteiler gestimmt habe(1907 war statt des Deutschkonservativen ein Freikon servativer aufgestellt) diesmal die Stimmabgabe für den freisinnigen Kandidaten vorgezogen,„zum Teil schon des- halb, weil er glaubte, daß der Freisinn bei der Stichwahl gegenüber der Sozialdemokratie leichter das Feld behaupten werde als der Konservative"(!). Deswegen erachtet das Landbündlerorgan den Stimmenrückgang der Konservativen nicht für auffällig. Die„Kreuzzeitung" dagegen spricht gerade von dem„auffallend starken Stimmenverlust", für den sie wieder den Umstand verantwortlich macht,„daß in der letzten Zeit gewisse freikonscrvative Führer und Preß- organe bemüht waren, gegen die Konservativen und für den Liberalismus Stimmung zu machen." So suchen die Blätter der Junker eifrig nach Gründen— an den wahren, entscheidenden, an der Reichsfinanzreform und der preußischen Wahlrechtsvorlage gehen sie stumm und scheu vorbei. Tie fortschrittliche Presse ist zufrieden. Sie hat einen Stimmenzuwachs zu buchen, und wenn auch die Sozialdemo- kratie stärker gewachsen ist als der Fortschritt, so hofft sie auf das Mandat und das llt für sie das Entscheidende. Und vor der Gefahr eines sozialdemokratischen Wahlsieges haben die übrigen Parteien denn auch schnell alles vergessen, was sie vom Fortschritt trennt. Die„Deutsche Tageszeitung" hält es„für selbstverständlich, daß der freisinnige Bewerber in der Stichwahl siegreich bleiben wird" und die„Krcuzzeitung" erklärt:„An dem endgültigen Siege des Fortschrittlers wird nicht gezweifelt werden dürfen." Die reserviertere„Ger- mania", die den Ausgang der Stichwahl für unberechenbar hält, sagt wenigstens:„Vermutlich wird aber der Fortschritt siegen." Die bürgerliche Phalanx schließt sich gegen die Sozial- demokratie zusammen. Mit um so größcrem Eifer wird die Sozialdemokratte des Wahlkreises in die Agitation für die Stichwahl gchen. Im Kampfe gegen den gesamten bürger- lichen Heerbann wird sie noch einmal ihre Kraft erproben und vermehren. Für ihre treue Arbeit, die zu dem Erfolg des 1. Juni gesührt hat, weiß ihnen die deutsche Sozialdemo- kratie Dank. Wie auch der Ausgang der Stichwahl sein möge, dieser Ersolg ist von hoher Bedeutung. Der schwarz- blaue Block wurde auf einem Terrain geschlagen, das ihm besonders günstig war. Dem Siegeskranze der Sozial- demokratie wurde ein frisches Blatt eingefügt und den Gc- nossen, die jetzt in anderen Wahlkreisen vor der Nachwahl stehen, wird der Ersolg in Schlesien ein siegverheißendes Zeichen sein, das sie zu den äußersten Anstrengungen für die proletarische Sache anfeuern wird. DaS Urteil, das gegen die 13 Bonner Korpsstudenten vom Landgericht in Bonn gefällt worden ist, bestätigt wieder einmal die Tatsache beS Bestehens einer Klassenjustiz! Die Herren Studenten, Expedition: SM. 68, Linäenstrasse 69, Fernsprecher: Amt IV, Nr. IS84. die in einem Eisenbahnzuge sämtliche Fensterscheiben hatten zer- trümmern helfen, die Lampen in den Waggons ausgelöscht, dem Schaffner die Mätze vom Kopf geschlagen und die Lokomotive ab« zukoppeln versucht hatten, wodurch um ein Haar eine Katastrophe herausbesch Ivoren worden wäre, sind zu Geldstrafen von 30 bis 80 Mark verurteilt worden. Man hätte nmsomehr erwarten sollen, daß das Gericht einmal auf eine exemplarische Strafe erkannt hätte, um die braven Kulturträger und künftigen Richter und Staatsanwälte von ähnlichen Exzessen abzuschrecken, als ja der Direktor der Kleinbahngesellschast ausgesagt hatte, daß ähnliche Heldentaten auf dieser Linie schon häufig verübt worden seien. Es läßt sich gar nicht auL- denken, welche Strafen über einen Trupp von Arbeitern der- hängt ivorden tvären, die in der"'ngetrunlenheit einen gleichen Exzeß begangen hätten I Die Bour-ossie würde sich geradezu entsetzt haben über die beispiellose„Verrohung" solcher Proletarier, und daS Gericht würde in der Aiigctruukenyeit kaum einen Milderungsgrund erblickt haben. Daß aber die Herren Studenten sich mit ihrer Besoffenheit entschuldigten, begegnete dem toleranten Verständnis der Richter. Daß die Sprößlinge unserer herrschenden Klassen in der Zeit, wo sie sich eigentlich auf ihren künftigen Beruf als Sraatsstützen vorzubereiten hätten, gewohnheitsmäßig bis zur Be- lvußttosigkeit besaufen, gilt unseren Richtern als etwas ganz Selbstverständliches. Und wenn sie dann in ihrer Betrunken- heit die wüsteien Ausschreitungen begehen, Eigentum vernichten und selbst zahlreiche Menschenleben gefährden, so halt man daS einfach ihrer Angetrunkenheit zugute! Schon unlängst hielten wir den unbeschreiblich milden Urteilen, die gegen cxzedierende Studenten erkannt zu werden pflegen, die enorm schweren Gefängnisstrafen entgegen, die gegen mehrere Arbeiter in Neumünster von der Kieler Strafkammer verhängt worden waren. Daraufhin beeilten sich schleunigst nationallibcrale Blätter, unsere Parallele als durchaus unangemessen zu be» zeichnen. Denn die Arbeiter in Neumünster hätten sich in staatsfeindlicher Gesinnung, aus Erbitterung über daS Vorgehen der Polizei gegen Wahlrechtsdcmonstranten, an Polizisten vergangen, während die Studenten ohne jede Veranlassung, ohne jeden Beweggrund, aus purem Ueber mut und lediglich in ihrer Besoffenheit Schutzleute zu verprügeln pflegten. Diese Argumentation, die auch diejenige unserer R i ch t e r ist. offenbart gerade jene unglaubliche Boreingenommenheit und Befangenheit in kapi» talistischen Anschauungen, aus der heraus so aufreizende Klaffenurteile gefällt werden I Denn jeder unbefangene Mensch sollte einen Exzeß, der keine andere Erklärung hat, als die vom Alkohol ausgelöste Lust zum Exzedieren, zum Zer- st ö r e n, zum Prügeln, kurz, jene idiotische Radau» stimm un g, welche die studentischen Ausschreitungen hervorruft, um so herber verurteilen I Dagegen sollten die Ver» gehen von Proletariern, die nur eine Vergeltung von Polizeibrutalitäten darstellen, jeden Anspruch aus mildere Beurteilung durch eine objektive Justiz haben! Aber nein, unsere Justiz urteilt gerade umgekehrtl Das sinn» lose, stupide, geradezu tollwütige Randalieren und Exzedieren wird als bloßer„Jugendübermut" bewachtet und mit lächerlichen Geldstrafen belegt, während jede Aus- schreitung von Protetariern, die sich aus der begreiflichen Empörung einer mißhandelten, in ihrer politischen oder gewerkschaftlichen Tätigkeit bedrohten Volksschicht erklärt, als Kennzeichen„staatsgefährlicher". will sagen ausbeuterfeindlicher Gesinnung aufgefaßt und deshalb mit den schwersten Strafen geahndet wird! Diese Art der Rechtspflege, die sich gar nicht anders begreifen läßr, denn als Ausfluß der Klassenanschauungen imd Klassen'Boreingenommenheiten unserer Richter, be» ginnt auch in der einsichtigeren freisinnigen Presie dem bedenklichsten Kopfschütteln zu begegnen. So geißelt auch das„Berliner Tageblatt" die unglaubliche Milde, mit der das Bonner Landgericht die geniein» gefährlichen Rüpeleien der Bonner Korpsstudenten beurieilt hat. Daö freisinnige Blatt setzt diesen unerhört milden Urteilen einige Musterbeispiele von Strafen entgegen, die gegen Proletarier erst in der allerletzten Zeit verhängt wurden und mit Blut geschrieben find. ES zittert daS Urteil im ManSfelder Streikprozeß, wo Bergleute, die Streikbrecher beschimpft, v:rhöhnt und durch Stockschläge mißhandelt haben sollten, zu Gefängniß st rasen von sechs, sieben, acht. neun, zehn, ja zwölf Monaten verurteilt wurden. Und das, trotzdem das Gericht zugab, daß die Angeklagten sehr erregt und gereizt gewesen seien.— In der Tat, diese Berg» leute, die durch die Streikbrechertätigkeit der„arbeitswilligen" Elemente in dem von dem Unternehmertum ihnen aufgezwungenen Kampfe um das Koalitionsrecht sich schwer bedroht sahen und deshalb furcht» bar erbittert sein mußten, hatten sich ja gegen den A b s 0 l u t i S m u» des Geldsacks und dessen geschätzte sie Werkzeuge vergangen— deshalb mußten ihre Verbrechen rücksichtslos mit de» schwersten Strafen geahndet werden! DaS„Berliner Tageblatt" zitiert weiter eine Anzahl schwerer Gefängnisstrafen, die gegen WahlrechtZdemonstranten verhängt wurden, weil sie die Schutzmannschaft nicht etwa tätlich attackiert hatten, wie das bei Studenten nichts Seltenes ist, sondern sie nur durch Zurufe wie Bluthunde und dergleichen Verbal» injurien beleidigt hatten. Dabei hatte das Gericht als wahr unterstellt, daß die Schutzmannschaft unnötig scharf vor- gegangen war I Einerlei, es handelte sich ja hier um Wahl» rechtSdemonstranten, um Staatsbürger, die gegen die Entrechtung der Volksmassen durch ein reaktiv» vires Wahlsystem kämpfte», und diese«staat»? gefährliche' Gesinnung, dieses Aufkegehren gegen die „gottgewollten Abhängigkeiten" zeugte von einer so bedenklichen Gesinnung, daß man Geldstrafen als unzu- länglich ansah und auf G e f ä n g n i s st r a f e n von drei und vier Wochen erkannte I Endlich zitiert das freisinnige Blatt den Fall des Kellners des Gasthofes zu Nossitten, der zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt worden war, weil er einen OberkriegSgerichtsrat dadurch beleidigt hatte, daß er ihn aus Versehen auf Grund eines Steck- briefes als den gesuchten Lustmörder erkannt zu haben glaubte, und den Beteuerungen des vermeintlichen OberlriegsgerichtsratS keinen Glauben geschenkt hatte. Auch dieser Mann, der in dem guten Glauben, der Rechtspflege zu dienen und einen verruchten Lu st mörder den Justiz in die Hände zu spielen, einen mehr lächerlichen als tragischen Fehlgriff getan hatte, mußte zu schwerer Gefängnis st rase verurteilt werden, da er ja nicht einen gewöhnlichen Sterblichen, sondern einen hohen Beamten eines Verbrechens bezichtigt hatte! In der Tat, Ivenn die Verurteilung der Bonner Korpsstudenten in Verbindung mit all den erwähnten Fällen nicht als der unver- fälschteste Akt einer Klassenjustiz bezeichnet werden kann, so hat es niemals eine Klassenjustiz gegeben I Daß die Richter in ihrer großen Mehrheit selbst gar kein Empfinden für das Ungeheuerliche ihrer von klassenpshchologischen Motiven diktierten Rechtsprechung haben, ist ja kein Beweis dafür, daß nun auch keine Klassenjustiz existiere, sondern nur dafür, daß ihnen jeglicheFähigkeit fehlt, sich von den Scheuklappen ihrer reaktiv» nären kapitalistischen Auffassungsweise zu be- f r e i e n I Und diese Klassenjustiz wird auch nicht«her verschwinden, als das Proletariat in Preußen das gleiche Wahlrecht errungen haben und mit den klassenstaatlichen Vorurteilen unserer Behörden im allgemeinen und unserer Justizorgane im besonderen gründlich aufgeräumt haben wird!_ Die keichztsgsnzchtvshl in Pommern. AuS Ponunern wird uns geschrieben: Der Wahlkampf im Kreise Ueckermünde» Usedom- Wollin, dessen bisheriger Vertreter, der Fortschrittler Doktor Delbrück, bei einer Freiballonfahrt deS Pomnierschen Luft- schiffervereinS nebst zwei anderen Personen den Tod fand, ist in der letzten Woche nun einigerinaßen in Fluß gekommen. ES stehen sich drei Kandidaten gegenüber, nachdem eine nationalliberale Kandidatur zugunsten der Freisinnigen zurückgezogen wurde und die Aufstellung eines Handwerkerkandidaten, die eine Zeitlang beabsichtigt war, gar nicht zustande kam. Die Konservatiben präsentieren einen typischen Junker, einen Herrn v. Böhlendorff-Külpin, der, wo er sich selber in Versammlungen vorstellt, einige Minuten seine einstudierten Sätzchen vorträgt, sich mit seinen Verdiensten um ein Lokalbähnchen brüstet und sich dann von irgend einein Parteigenossen, den» Mittelstands- retter Abg. Pauli, dem Rechtsanwalt Bredereck oder feinem Standesgenossen v. Brockhusen assistieren läßt. Auch sein Wahlaufruf ist von lapidarer Kürze und man sieht es dem ganzen konservativen Wahlbetrieb auf den ersten Blick an, daß man sich weniger auf die Kraft der Argumente als auf die Macht der reaktionären Gewohnheit und eventuell deS junkerlich-amtlichen Wahlapparates verläßt. Trotzdem die Konservativen 1907 nur durch den Trubel der Hottentottenwahlen in die Stichwahl kamen, geben sie die Hoffnung nicht auf, den Kreis zu gewinnen; sie spekulieren darauf, daß die inzwischen, besonder» in dem industriellen Bezirk Ueckermünde, stark gewachsene Sozialdemokratie den Liberalen mehr Abbruch getan habe, als ihnen auf den noch ländlichen und einiger- maßen rückständigen Inseln— und so ganz dumm ist ihre Rechnung in der Tat nicht. Ihre Herzensmeinung hat— wenigstens für die Hauptwahl— ihr Kandidat ganz unumwunden ausgesprochen, als er in einer Versammlung sagte:.Wenn Sie mich nicht wählen wollen, so. wählen Sie mindestens nicht den Liberalen, sondern Kuntze(den Sozialdemokraten)." Die Herren kennen ihre liberalen Pappenheimer genau und hoffen eben auf ihre Wahlhilfe bei der Stichwahl.— In ihren Versammlungen gaben die Konservativen bisher Redefreiheit, auch sandten sie selber Redner in gegnerische Versammlungen. Die vereinigten Liberalen haben sich auf den Justizrat Herrndörfer in Swinemünde geeinigt, einem älteren Herrn, der jedenfalls neben dem Rektor JudS in Kolberg die Führung der pommerschen Provinzialgruppe hat. Er gehörte zwar früher der sezessionistischen Vereinigung an, darf sich aber in seiner beschränkten Denkweise sehr wohl zur Schule Eugen Richters zählen. Seine Agitation wendet sich selbstverständlich in der Hauptsache gegen die Konservativen und deren Steuerpolitik und beschäftigt sich in Wahlaufruf und Reden nicht allzulange mit der Sozialdemo- kratie, aber daS Wenige genügt vollkommen, ihn als einen sehr rück- ständigen Politiker zu kennzeichnen. Zerstörung der Familie, Re- publikaniSmuS, Untergrabung der Wehrkraft deS Reiches— daS sind, wie er sagt, die.Endziele" der Sozialdemokratie, mit denen er sein Publikum graulich zu inachen versucht. Auch die Aufhebung des Eigentums marschiert gelegentlich»nal mit auf. Aber bei dem eigentumSlosen Eisengießerei-, ESgerei- und Waldarbeiterproletariat sowie den armseligen Mchern pbt das keine Wirkung mehr, und auch die monarchische und militärische Verbohrtheit ist Hierselbst be- reitS soweit im Schwinden begriffen, daß die Arbeiter selbst beim liberalen Kaiserhoch nicht mehr aufftehen.-» Auch Herrndörfer läßt sich durch auswärtige Redner Hilfe leisten; letzten Sonntag sprach u. a. G o t h e i n in Groß-Ziegenort am Haff, wo er einem alten Seemann, der ihm zwar ungelenk, aber nicht wirkungslos e»»tgegen- trat, replizierte:.Wenn die Sozialdemokraten mit den Liberalen so umspringen, dann werden bei eventueller Stichwahl mit dem Konservativen wohlvieleLiberalefürjenenstimmenI"— Optiniistisch klingt das ja nach keiner Richtung hin. Von unserer Seite ist der Kandidat Alex. Kuntze- Stettin im Kreise angestrengt tätig; er sprach schon an vielen Orten, besonders auf Usedom»md Wollin, die noch»»ie eine politische Ver- siunmlung gesehen haben, am allerwenigsten eine sozialdemokratische und nun gar unter freiem Himmel. Auch die übrigen rednerischen Kräfte stellt Stettin. Am Sonntag waren gegen zehn tätig. Vor- trefflich verlief Sonnabend eine Versammlung auf einem öffentlichen Platze der Stadt W o l l i n; während die Liberalen(m i t den er- schienenen Sozialdemokraten) kurz vorher kaum 100 Manu auf die Beine gebracht hatte»»,»varen hier gegen 800 Personen zusammengekommen und unsere Redner erzielten dort einen ausgezeichneten Erfolg. Die Hauptarbeit werden wir noch nächsten Sonntag und die folgende Woche bis zun» Wahltage(Donnerstag) zu leisten haben; das Resultat wird zeigen, daß es selbst in Pommern rapid vorwärts geht. Wer von den Gegnern mit in die Stichwahl komint, ist»licht eininal zu ahnen,— sicher aber ist, daß wir auf unseren Kandidaten, der 1903 öll43(zirka 34 Proz. aller abgegebenen Stinrmen) und 1907 3113 Stimmen(zirka 30 Proz.) erhielt, und vor sieben Jahren bereits in die Stichwahl kain, dieSnral eine ganz beträchtlich höhere Zahl, sowohl absolut als prozentual, vereinigen werden. poUtifchc Ocberlicbt Berlin, den 2, Juni 1910. Vom Polizeistaat Preusten. DaS preußische Abgeordnetenhaus setzte am Donnerstag nach Erledigung einer Reihe kleinerer Vorlagen die Beratung des sozial- demokratischen Antrages betr. Aufhebung von Bestimmungen des Aufnahmegesetzes vom 31. Dezember 1842, deS sogenannten Vagabundenparagraphen, fort. Nach diesem Gesetz steht der Polizei das Recht zu, vorbestraften Personen die Niederlassung an bestimmten Orten zu verbieten, und bekanntlich hat die Polizei »»amentlich in Groß-Berlin, nicht nur gegenüber solchen Personen davon Gebrauch gemacht, die unter Polizeiaufsicht stehen, sondern auch gegenüber Sozialdemokraten, die wegen po- litischer„Vervrechen" eine Strafe verbüßt haben. Wie die Konservativen, so will auch die Regierung von der Aufhebung des Gesetzes nichts wissen. Wie Unterstaatssekretär Holtz ausführte, hat die Regierung einschränkende Aussührungs- bestimmungen erlassen, die ihrer Meinung nach vollkommen aus- reichen. Lediglich um von diesen Bestimniungen Kenntnis zu er- langen, wünschten die Siationalliberalen die Beratung des Antrages in einer Kommission. Auch von den Freisinnigen warKominissions- beratung beantragt worden. Trotzden» hielt das HauS den Antrag nicht eininal einer Konunissionsberatung für wert, er wurde sang- und klanglos abgelehnt, es bleibt also bei der polizeilichen Willkür, die Lieb kne cht in seinem Schlußwort noch einmal drastisch ge- kennzeichnet hatte. Ein zweiter sozialdemokratischer Antrag betras die politische Polizei. Unsere Genossen hielten es für nötig, ihrem prinzipiellen Standpunkt entsprechend, genau so wie sie bereits zun» Etat eine»» Antrag auf Abschaffung der politischen Geheiinpolizei gestellt hatte»», nunmehr an die Regierung das Ersuchen zu richten, ungesäumt dafür Sorge zu tragen, daß dem Treiben von Beamten oder Agenten der politischen Polizei außerdeutscher Staaten in Preußen ein Ende gemacht wird. Genosse Liebknecht, der diesen Antrag vertrat, entrollte unter Beibringung eines erdrückenden Beweisinaterials ein abscheuerregendes Bild der niederträchtigen russischen Polizeispitzeltvirtschaft. Er zeichnete ein markantes Bild der Oberspitzel Azew und Harding, die unter Mitwiffen der russischen Polizeibehörden, die ungeheuerlichste Lockspitzeltätigkeit entfalteten und unzählige Attentate anstifteten, dabei auch in Deutschland und Preußen den Schutz und die Unterstützung der Polizei- behörden genoffen l Aber auch die ga>»ze diplomatische und politische Schandwirtschaft Rußlands in den Balkanstaaten, in der Türkei, in Persien usw. unterzog der sozial- demokratische Redner einer vernichtenden Beleuchtung, um daraus für jede anständige, auf ihre Ehre haltende Regierung die kategorische Verpflichtung abzuleiten, sich von dieser schmachbeladenen und schmutz» besudelten russischen Regierung in möglichst weiter Entfernung zu halten. Eine Kennzeichnung, die unserem Genossen zwei Ordnungs- rufe des sich eifrig der.befreundeten" Regierung annehmenden Herrn Kröcher eintrug. Die bürgerlichen Parteien verließen zeit- weilig bis auf 2— 3 Streikposten vollständig den Saal, so daß eine halbe Stunde lang die Sozialdenrokratie die Mehrheit bildete. Am Schluß kehrte wenigstens die Rechte zurück— die wichtige Fraktions- sttzung, die sie vorgeblich zuin Verlassen deS Saales genötigt, hätte also auch ganz gut am Schluß der Verhandlungen stattfinden können. Der sozialdemokratische Antrag wurde schließlich gegen die Stimmen der Sozialdemokraten abgelehnt. DaS»hohe HauS" be» stätigte damit die Charakteristik, die ihm Genosse Liebknecht hatte angedeihen lassei»._ Tie Erhöhung der Zivilliste. Die bürgerlichen Parteien des Landtags benutzten die Sitzung am Donnerstag, um— wohlverstanden noch während der offiziellen Sitzung, in ihren Fraktionszimmern über die Erhöhung der Zivilliste zu beraten. Die Erhöhung der Zivil Ii sie also ist jene geheimnisvolle Vorlage, von der seit einiger Zeit die Rede ist, und die Herr v. Heydebrand Wohl meinte, als er im letzten Seniorenkonvent die Regierung ersuchte, die Session nicht noch mit neuen Vorlagen zu be- packen. Aber diese Andeutung eines Widerstandes scheint gebrochen zu sein. Herr v. Bethmann Hollweg geht dem größten Erfolg seines staatsmännischen Daseins entgegen. Er hat bei dieser in seinei» Augen vermutlich imaleich tvichti- geren Vorlage anders operiert, als bei der Wahlreform. Zunächst ist sämtlichen Parteien, außer der unseren— eine Ehre, die wir durchaus zu schätzen wissen— erst einmal vertraulich auf den Zahl» gefühlt worden, und die heutigen Fraktionsberatungen haben ein für die Vorlage sehr erfreu» liches Ergebnis gehabt. Möglich, daß eine Million von der ganzen Forderung abgestrichen wird, das übrige wollen sämt» liche Parteien des Bürgertums, einschließlich der freisinnigen Mannesseelen, bewilligen. Man rechnet stark damit, daß mindestens drei Millionen Mark mehr pro Jahr dabei für den Inhaber der Krone herausspringen werden. Die Regie- rung dürfte etwa 4 309 999 M. fordern, so daß die bisher 15719296 M. betragende jährliche Zivilliste auf die runde Summe von 29 Millionen Mark steigen würde. Auf 19 Mil- lionen Mark will man sich einigen. Höchst interessant ist die B e g r ü n d u n g der Forderung. Sie wird ganz wie sonstige Teuerungszulagen mit dem Steigen der Lebensmittelpreise begründet. Mit frommem Augenaufschlag bemerkt das Scherlblatt: der Haushalt des Königs werde von der Erhöhung der Lebens» mittel genau so getroffen, wie der Haushalt jedes Bürgers. Weiter wird für die Millionenforderung der Hinweis auf die notwendige, aber bisher noch nicht erfolgte Erhöhung der Hofbeamtengehälter ins Treffen geführt. Für die Erhöhung der Bezüge der für Glanz und Würde des Königstum von Gottesgisaden augenscheinlich unentbehrlichen Lakaien und Kammerdiener werden drei Viertel Millionen in Rechnung gestellt. Als weiterer zureichender Grund der Mehrforderung werden die wachsenden Ausgaben für Schlösser, Theater usw. angeführt, sowie der Umstand, daß der König durch die rasch auseinanderfolgende Verehelich ung seiner Söhne immer stärker mit Zuschüssen an die jungen Paare in An- spruch genommen wird. Wohl verstanden, es handelt sich um eine laufende Erhöhung� nicht ettva um eine ein- m a l i g e. Den durch seine Schuld arbeitslos ge- wordenen Tabakarbeitern hat der Reichstag be- kanntlich nach langem Hängen und Würgen vier Millionen einrnalige Unterstützung gewährt und sich mit Ach und Krach dazu verstanden, noch ein paar weitere Hunderttausend Mark hinzuzufügen. Die Summen sind längst verbraucht, wie ja erst vor ein paar Wochen offiziell festgestellt worden ist. Es wird den arbeitslosen Tabakarbeitern sicher ein tröstliches Gefühl sein, daß die preußische Regierung aus ihrem Schicksal gelernt hat. Selbstredend wird unsere Fraktion diese Vorlage, die wohl schon in den nächsten Tagen den Landtag beschäftigen wird, auf das allerschärfste bekämpfen. » Nach einer änderen Version ßaden bis burgtkriichen Parteien beschlossen, für dieses Jahr der Erhöhung der Zivilliste nicht zuzustimmen, wohl aber der Ein- setzung von 2� Millionen Mark alsZu schütz fürdieköniglichcnTheater. Das wäre nur eine Verfchleierung ihrer Zu« st i m m u n g zu einer Erhöhung der Zivilliste um vor« läufig 21/i Millionen Mark. Pfaffengezänk. Die päpstliche Enzyklika über den heiligen Borpomaus enthält eine Reihe gröbster Beschimpfungen gegen die prote- stantischen Reformatoren und die heutigen Modernisten. Wir habei» einige Kraftstellen schon vor einigen Tagen an anderer Stelle veröffentlicht, die beweisen, daß Papst Pius X. nicht nur im Denken, sondern auch in der Sprache ganz in jener Zeit— dem 16. Jahrhundert— lebt. Es wurde damals eine recht kräftige Sprache gesprochen und man muß dem Papst schon das Zeugnis ausstellen, daß er an den wichtigsten Stellen nicht hinter dem zurück bleibt, womit etwa Luther den Vorgängern Pius' X. gedient hat. Rur daß freilich Luther damdls das historische Recht auf seiner Seite hatte. Der preußischen Reaktion sind aber die päpstlichen Stil- Übungen sehr gelegen. Der fromnie„Reichsbote" wittert schon Kulturkampfluft. In der Tat könnte auch den Konser- vativen nichts gelegener kommen als die Aufmerksamkeit von ihren politischen Geschäften mit dem Zentrum dadurch abzulenken, daß sie eine frisch-fröhliche Rcligionsdisputation anfangen. Aber viel Aussicht auf die Realisierung solch sauberen Planes besteht allerdings nicht. Das Volk tvciß zu genau, daß die in beiden Kirchen Mächtigen dasselbe Interesse an der Nicderhaltung und Ver- d u m m u n g d e r M a s s e n haben. Wäre es anders, sie würden nicht der einzigen Maßregel widerstreben, die mit einem Schlage die Religion wirklich zur Privatsache und eben dadurch die Kirchen machtlos machen würde: der Tren» nung der Kirche voin Staat, der Befreiung vor allem der Schule von der Herrschaft der Pfaffen. Und ebenso mögen uns die N a t i o n a l l i b e r a l e n mit ihrem Geschrei gegen„Rom" verschonen. Sie sind es ja, die in Preußen durch ihre schmähliche Zustimmung zu dem Schulkompromiß die Macht auch der katholischen Kirche gestärkt, die Volksschulen den Pfaffen ausge- liefert haben. Sie sind die letzten, denen der Kampf um Geistesfreiheit geglaubt würde._ Dem Zentrum namentlich könnte kein größerer Ge- fallen geschehen als wenn man ihm den heimlichen Wunsch erfüllte und recht kräftig auf den Papst losschlüge. Das gäbe ja die längst ersehnte Gelegenheit, statt den erbitterten Wählern über Finanzreform und Wahlrechts- verrat Rede stehen zu müssen, ihnen von den„Leiden und Verfolgungen des heiligen Vaters" vorlamentieren zu können. Die Aufbauschung der an sich sehr gleichgültigen Urteile des Papstes ist also nur ein reaktionäresJntereffe; dem Schwindel muß also beizeiten entgegentreten werden. Ein zerstörtes Prestige. Der»Franks. Ztg." wird über das Rededuell Gwinner« Rhein» haben von einem Eachverstimdige»» geschrieben: Der Krug geht so lange zu Wasser, bis er bricht. Und wer es geschickt ansängt, bleibt so Umge in Ansehen, bis er schließlich doch an den Richtigen kommt, der ausspricht, waS die Fachleute über ihn denken. Darin liegt die Be- deutnng deS Gerichtes, das in der Montagssitzung des preußischen Herrenhauses über den Finanzminister v. Rheinbaben gehalten worden ist. WaS der Bankdirektor v. Gwinner mit seiner entschiedenen Zurückweisung der geringschätzigen und jonglierenden Art bezweckte, in der der Finanzminister seine strenge Kritik zur Seite zu schieben versucht hatte, daS war nur. endlich einmal zu sagen, daß dieFinanzwelt den heutigenpreußischen Finanzmini st er überhaupt nicht als Fachmann anerkennt. Und obgleich in dem bei uns seltenen Beispiel der Entlarvung junlerlichen Hochmuts in diesem Junkerhause ein Ver- treter des Bürgertums(der Oberbürgermeister, den die Magdeburger vor einigen Jahren an Stelle des trefflichen Schneider gewählt haben) die Geschmacklosigkeit hatte, den, Hilflosen mit ein paar Trostworten beizuspringen, so endete die Aussprache damit, daß Herr v. Gwinner erreichte, WaS er angestrebt hatte: einem Urteile Gehör zu verschaffen, daS längst gesprochen, aber bisher noch nicht ausgesprochen war. Herr v. Rheinbaben glaubte, eine Kritik als nicht mehr berechtigt abweisen zu können, wenn sie so weit gehe, ihm jede finanzwirtschaftliche Einsicht abzusprechen. Der Herr Ftnanzminister irrre sich: WaS gesagt worden ist, war daS mindeste, was gesagt werden mutzte. Die. Deutsche Tageszeitung" ist über diese Charak- terisierung ihres Vertrauensmannes, den der schwarzblaue Block am liebsten zum Reichskanzler ernannt sähe, in große Wut geraten. Sie erinnert sich sogar,»daß vor nicht allzulanger Zeit der Durch» schnitt der in der Berliner Bankwelt beschäftigten Intelligenz von inttmen Kennern außerordentlich geringschätzig beurteilt wurde". Aber diese Retourkutsche wird dem Brotwuchcrorgan, daS von Intelligenz mit Rücksicht auf seine Wähler lieber nicht allzu viel reden lallte, nichts helfen. Herr v. Rheinbaben gehört zu den in Neudeutschland so häufigen»auf» gelobten" Kapazitäten. Wird aber erst einmal über solche Herren die Wahrheit gesagt, dann bricht die Mache zusammen: DaS n,uß nun Herr v. Rheinbaben auch erfahren und daher seine und seiner Gefolgsleute Gereiztheit._ Eine imposante Wahlrechtsdemonstration in Breslau. Aus Breslau wird uns geschrieben: Vor über 10 000 Männern und Frauen referierte am Mittwoch- abend im Garten des.Bergieller", gegenüber dem Gefängnis, Ge- nosse S t r ö b e I- Berlin übe: das Thema:»Die Kmnödie ist aus— der Kampf geht weiter I" Noch vor fünf Wochen hatte für denselben Garten der Polizeipräsident eine Ver« sammlung verboten. Daraufhin hatte man ihm ein arges Schnippchen geschlagen; man veranstaltete die Versammlungen in Sälen und verlegte dann auf Grund des ß 8 deS Vereinsgesetzes die Versammlungen— in die Gärten. Mit langer Nase stand die Polizei da... Da nun die.Volkswacht" dem Präsidenten offen angedroht hatte, es diesmal genau so zu machen, wenn man die Kundgebung gegen die Junker wieder verbieten sollte, so hatte der Präsident sich belehren lassen und ohne viel Federlesens das Meeting genehmigt. Und wieder lachte ganz Breslau � diesmal aus Freude über deu gelungenen Sieg über die Polizei. Die Kundgebung bot auch insofern etwas Neues, als sie für 7 Uhr abends, sofort nach Feierabend, anberaumt war. Das hatte zur Folge, daß über Erwarten viel Volk sich einfand. Die Arbeiter» sänger begannen mit der wuchtigen„Internationale", worauf Genosse Lobe dem Referenten als dein besten Sachkenner der Wahl» resorn, und dem Vorkäinpfer für die Verscharrung des Bethmannschen Monsirllms das Wort erteilte. In einslündiger Rede entwarf Genosse Strobei ein großzügiges Bild der augenblicklichen Situation und der künftigen Aufgaben, siürniischen Beifall und Hochrufe erntend. ES war ein seltsam imponierendes Bild: Auf dem Musikpodium inmitten des Riesengartens stand der Redner, ringsumher all die Tausende, die mit große»» Interesse seinen Worten lauschten und im Hintergrunds das mit 620 Gefangenen kelegte Zeven« gefängniS. Nach einer halben Stunde wurde es dunller und dunkler, die elektrischen Bogenlampen flammten auf, die Stimmung wuchs von Minute zu Minuke— bis ein dreimaliges jubelndes Hoch auf die völkerbefreiende Sozialdemokratie und der schmetternde Gesang der Arbeitersänger die prächtig verlaufene Kundgebung beendete. Und um den Sieg über die Polizei vollständig zu machen: da? sonst übliche Massenaufgebot von Polizisten und die nervöse Ab- sperrung der Straßen unterblieb. Keine Helmspitze ließ sich blicken, sogar zum Rathaus und zur Regierung ließ man die Massen ziehen. Und siehe da: die Ruhe wurde nirgends gestört. Die Demonstration hat gezeigt, daß das Proletariat alles eher denn kampfesmüde ist, und jedenfalls Wort halten wird, waS es in der Resolution versprach: Nicht eher zu rasten und zu ruhen, bis für Preußen das allgemeine, gleiche, direkte und geheime Wahlrecht errungen ist._ Tie Schiffahrtsabgaben. Der Gesetzentwurf über die Schiffahrtsabgaben soll in etwa 14 Tagen dem Bundesrat vorgelegt werden. Da der Bundesrat bereits eine Abstimmung vorgenommen und fast alle Einzelheiten genügend durchberaten hat, wird mit einer Per- abschiedung der Vorlage im Bundesrat noch vor der Sommer- pause gerechnet. Der Entwurf soll dann dem Reichstage bei feinen: Wiederzusammentritt zugehen. Die dem Bundesrat zugedachte Befugnis, einen Staat auch gegen seinen Willen zum Beitritt zu einem Zweckverband zu verpflichten und Stromverbesserungen zu dulden, ist gestrichen worden. Die Uferstaaten bilden den Zweckverband selbst auf aenosseuschast- licher Grundlage. DeS weiteren sind in dem Entwurf Staffeltarife vorgesehen, gegenüber den früher vorgeschriebenen EntfernungS- tarifen mit tonnenkilometrifcher Erhebung, gegen die sich be- kanntlich die süddeutschen Bundesstaaten wegen Benachteiligung der Industrien an dem Oberlauf der Ströme auflehnten. Die Aufgabe der Zweckverbände soll im Gesetz selbst festgelegt werden. Hierzu wird jedenfalls gehören: die Rhcinregulierung bis Straßburg, die Vertiefung des Mittelrheins um bv Zentimeter, die Neckar- regulierung bis H e i l b r o n n und die Weiterführung der Main- Kanalisation. Bei den Stromverbänden sollen auch Interessenten mitwirken, so soll in jeden Zweckverband ein Beirat der Beteiligten gewählt werden, der neben der Vertretung der Regierung be- schließende Stimmen hat. Von der Zustimmung dieser Beiräte soll die Ausführung wichtiger Arbeiten und die Erhöhung der im Gesetz festgelegten Abgaben abhängen._ Qngam. Der Sieg der Regierung. Die Regierung hat einen Sieg errungen, der auch ihre eigenen optimistischen Schätzungen übertrifft. Nach den bis- herigen Wahlergebnissen entfallen auf die Kossuthpartei 37 Mandate, die Justhpartei 31, die katholische Volkspartei 12, die Nationalitäten 7, die Andrassyfraktion 14, die Parteilosen 16, die Demokraten 2, die Regierungspartei 225 Mandate, mithin 18 Stimmen mehr als die 267 Stimmen be- tragende absolute Majorität. Die Kossuthpartei der- liert 51. gelvinnt 9 Sitze, die Justh- Partei verliert 86, ge- tvinnt 9 Sitze, die Nationalitäten verlieren 15, gewinnen 1 Sitz. 12 Stichwahlen sind erforderlich. In 66 Bezirken werden die Wahlen erst in den nächsten Tagen stattfinden. Graf Khuen Hedervary wird also über eine ar- beitsfähige Majorität verfügen. Am schlechtesten abgeschnitten hat die k l e r i k a l e V o l k s p a r t e i. die zur Bedeutungs- losigkeit herabgedrückt ist, und die Partei des Herrn v. Justh, die am schärfsten die völlige Trennung von Oesterreich vertrat. Im allgemeinen zeigen die Wahlen vor allem zweierlei: Das öffentliche Sti in in recht öffnet ähnlich wie in Preußen der amtlichen Wahlbeeinflussung Tür und Tor, und die Regierung des früheren kroatischen Banus hat die Mittel der Wahlkorruption und des Wahlterrorismus skrupellos angewandt. Dann aber hat die Koalition, die Verbindung aller Parteien, die die Unabhängigkeit von Oesterreich wollten, gründlich und vollständig abgewirtschaftet. Die Trennungsideologie ist gründlich verflogen; die Wähler sind der staatsrechtlichen Zänkereien gründlich satt und der- langen endlich vernünftige politische Arbeit. Dazu wäre eine Wahlreform die Ivichtigste Vorbedingung. Für diese be- deutet aber der Ausgang der Wahlen kaum einen Fortschritt. Denn in der Regieruugsmajorität überwiegen die An- Hänger des junkerlichen Grafen TiSza, dieses Feindes des gleichen Wahlrechts, ganz beträchtlich. Doch die Wahlreform hängt auch in Ungarn nicht vom Privilegienparlament. sondern von der Energie der Massen ab. und nachdem der staatsrechtliche Spuk verflogen, wird der Kampf um das Wahlrecht in den Mittelpunkt der inneren Politik gerückt. Todesopfer. Budapest, 2. Juni. Die Wahlen sind in größter Ordnung(?!) verlaufen. das Militär hat nirgends Veranlassung gesunden, ein- zuschreiten, nur in Nagysomkut kam eS zu Ausschreitungen, wobei ein Mann getötet wurde. In Csenger wurde ein Wähler, der einen Gendarm vom Pferde ziehen wollte, von dem Beamten mit dem Bajonetter stachen. franhrtxd). Die Fraktion und die Präsidentenwahl. Paris, 1. Juni.(Eig. Wer.) Die Kammerfraktion der geeinigten Partei beriet gestern über die Stellung bei der Wühl des Präsidiums. Jules Guesde beantragte die Aufstellung einer vollständigen sozialistischen Liste zur Demonstration des Klassen- charakters der Partei. Dabei machte er den eigenartigen Vor. schlag, daß ein Mitglied der Fraktion gewählt werden solle, das diese sozialistischen Kandidaten allein zu bestimmen habe. Der dazu gewählte Deputierte habe die Liste den Fraktionsmitgliedern in geschlossenen Umschlägen zu übergeben und die Deputierten hätten den Umschlag uneröffnet in die Urne zu werfen, wodurch eine Indiskretion verhindert und ausgeschlossen würde, daß Gegner der Partei gleichfalls für die sozialistischen Kandidaten stimmten. Dieses umständliche Verfahren wurde indes mit 35 gegen 15 Stimmen abgelehnt, ebenso die von Genossen Bedouce beantragte Stimmenthaltung, für die sich nur 7 Stimmen fanden. Auf Antrag JaureS wurde schließlich den Fraktionsmitgliedern das Verhalten bei der Präsidentenwahl freigegeben. Man kann nicht eben behaupten, daß die sozialistische Einigkeit im neuen Parla- ment mit dieser Debatte und mit diesem Beschluß besonders viel- versprechend debütiert habe. Bei der heutigen Wahl des Bureaus enthielt sich ein großer Teil der Fraktion der Abstimmung. Die Vizepräsidenten. PariS, 1. Juni. Die Kammer wählte zu provisorischen Vizepräsidenten den Links-Republikaner Etienne mit 3IS und den Sozialistisch-Radikalm Berteaux mit 2S6 Stimmen. Eine neue Parteigruppe. Paris, 2. Juni. Die Wahlreformer haben unter dem Vorsitz des Deputierten Benoist unter dem Namen«Gruppe der ver- hältnismäßigen Vertretung und der Wahlreform" sich heute zu einer neuen Gruppe vereinigt. Die neue Gruppe will die Ernennung eines Jggliedrigcn Ausschusses beantragen, der mit dem Studium aller die Wahlreform betreffenden Vorschläge betraut werden soll. Die Gruppe soll bereits über 200 Mitglieder zählen. Italien. Schandurteil in einem Preßprozeß. Rom, 30. Mai.(Eig. Ber.) Nach mehr als 40tägiger VerHand- lung ist in einem römischen Preßprozeß ein Urteil gefällt worden, das den einstimmigen Protest der italienischen Presse hervorruft. Ein Mitarbeiter der«Tribuna", der Journalist Piazza, hatte in einem Artikel schwere Anklagen gegen die Militärverhältnisse in Benadir erhoben und darzutun gesucht, daß diese Kolonie unter dem beständigen Konflikt zwischen Zivil- und Militärbehörde litte. Der Kommandant der Kolonialtruppen, Majpr Di Giorgio, strengte gegen den Artikel die Beleidigungsklage an. Nach 40tägigen VerHand- lungen, während deren zahllose Zeugen und auch viele unter dem Privatkläger dienende Offiziere als Zeugen verhört wurden, er- schien der Wahrheitsbeweis des Beklagten so vollkommen gelungen, daß der Staatsanwalt die Anklage zurückzog. Trotzdem verurteilte das Gericht den Journalisten Piazza, dem selbst die Vertreter der Zivilpartei keine persönlichen Motive unter- zuschieben gewagt hatten, zu 12 Monaten, den verantwortlichen Redakteur der„Tribuna" zu 10 Monaten Gefängnis, außerdem beide zu Geldstrafen und zur Leistung eines Schadenersatzes an die Zivilpartei! Dieses Urteil ist um so skandalöser, als Piazza nur seines journalistischen Amtes, das ihm die Kritik wirklicher oder vermeintlicher Schäden zur Pflicht macht, gewaltet hatte. Mehrere Journalisten haben die sofortige Einberufung der Generalversamm- lung des Presscvereins beantragt, und in der Kammer ist eine Motion der Abgeordneten M e d a(kath.) und B o n o m i(Soz.) vorgelegt worden, die eine Reform des Strafrechtes für die Ehren- beleidigungen. die durch die Presse begangen werden, verlangt. Piazza wäre wesentlich billiger davongelommen. wenn er etwa seine Frau erschossen hätte! Ganz besonders skandalös ist der Fall dadurch, daß die«Tribuna" erst kürzlich vor einem römischen Gericht wegen Vertragsbruches verurteilt wurde, weil sie den Artikel einer ihrer Redakteure nicht veröffentlichen wollte, da sie in ihm das Material für eine Beleidigungsklage zu finden glaubte. Nun sagt das Blatt: Wenn wir nicht veröffentlichen, so werden wir verurteilt; veröffentlichen wir, so geht es uns ebenso; nach welchen Grund- sähen sollen wir da unsere Redaktion einrichten? CKWa. Anonyme Drohungen. Peking, 2. Juni.(Meldung des Reuterschen Bureaus.) Sämt- liche Gesandtschaften erhielten a n o n y m e Z u s ch r r f t e n. wie man vermutet, von der revolutionären Part ei in Schanghai. In den Zuschriften heißt es. daß ein großer an t i. dynastischeH Aufstand bevorstehe. Wenn sie nicht die Mand- schuS unterstützen, sollte den Ausländern kein Leid zugefügt werden. im anderen Falle würden sie in einem allgemeinen G e» metzel umkommen. Die Zuschriften wurden in geheimnisvoller Weise zugestellt und trugen alte Briefmarken. Angesichts ähnlicher Briefe, die die Konsuln in Nanking kürzlich erhielten, macht sich eine allgemeineBeunruhigung bemerkbar. II«! der Reichsvcriidlcrungsordnungs* ßommiiiioo. Die Wahl der Arbeiter- und Arbeitgeberver- t r e t e r für die Versicherungsämter soll nach dem Entwurf wieder eine indirekte sein. Sie soll von den Vorständen der Kranken- lassen ausgeübt werden. Dabei richtet sich die Stimmenzahl einer jeden Kasse nach der Zahl ihrer Mitglieder und dem Bezirke des Versicherungsamts. t m, Die Sozialdemokraten beantragten, daß die Vertreter in besonderen Wahlgängen von den Arbeitgebern und Arbeitern mittels des allgemeinen, gleichen, direkten und ge- Heimen Wahlrechts unter Anwendung der Verhältnis- wähl gewählt werden. Hierfür traten aber außer den Sozial» demokraten nur die Freisinnigen, der Pole, die Wirtschaftliche Ver- einigung und ein Teil des Zentrums ein. Vom Zentrum hatte jeder Redner eine andere Ansicht über die direkte Wahl der Vertreter für das VersicherungSamt. Dem Abg. Erzberger erschien hier eine direkte Wahl unnötig, da die Mitglieder schon bei der Wahl des Vorstandes ihr Wahlrecht ausgeübt haben; Abg. Becker wollte zwar noch hier der direkten Wahl zustimmen, aber von weiteren direkten Wahlen der Ver- treter für die Oberversicherungsämter und für das Reichsver- sicherungsamt nichts mehr wissen. Abg. Hitze versicherte, daß er grundsätzlich für die direkte Wahl sei, aber leider sei keine Mehr- heit dafür. Ihm wurde sofort geantwortet, daß für die direkte Wahl die Mehrheit vorhanden ist, wenn das Zentrum dafür stimmt. Abg. S ch i r m e r endlich stellte sich ganz auf den Stand« Punkt der Sozialdemokraten. Der Vertreter der württembergischen Regie- rung, die bereits vielfach bei derartigen Wahlen das direkte Ver- fahren durchgeführt habe, erhob ebenfalls Einspruch gegen die direkte Wahl. Zu viele derartige Wahlen seien gefährlich, sie würden Beunruhigung in die Bevölkerung hineintragen, Verstimmungen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern hervorrufen. Die Debatte über die Art, wie die indirekte Wahl gestaltet werden müsse, war sehr ausgedehnt und ergab, daß das vorge- schlagene Verfahren sehr verwickelt und umständlich ist. Um eine, Vereinfachung zu erreichen, schlug daS Zentrum vor, daß nicht der Vorstand der Krankenkassen, sondern die einzelnen Vorstands- Mitglieder wählen sollen, und zu diesem Zweck die einer Kasse zu- stehende Stimmenzahl auf die Vorstandsmitglieder verteilt werde. Die Sozialdemokraten wiesen oarauf hin, daß bei einer solchen Wahl die Mitglieder der Landkrankenkassen rechtlos sein würden. Schließlich wurde der Antrag der Sozialdemokraten mit 9 gegen 12 Stimmen abgelehnt. Den Ausschlag gab da? Zentrum, von dem nur die Abgg. Schirm er und Becker für den sozialdemokratischen Antrag, die anderen Vertreter aber da- gegen stimmten. Außerdem wurden auf Antrag des Zentrums alle die Kassen- Mitglieder von der Wahl ausgeschlossen, deren Kasse im Bezirke des Versicherungsamts weniger als 50 Mitglieder habe. Wählbar sollen nach der Vorlage nur Männer sein. Die Sozialdemokraten hatten beantragt, daß das Wahlrecht aufdieweiblichenPersonen ausgedehnt wird. Ministerial- direktor C a s p e r erhob gegen den Anrrag Einspruch. Dre Re- aierungen könnten grundsätzlich nicht zustimmen, daß weiblichen Personen obrigkeitliche und richterliche Funktionen übertragen werden. Abg. Mugdan erinnerte daran, daß dieser Grundsatz bereits in der Gesetzgebung durchbrochen sei, die Aerztinnen könnten nach dem Gesetz in die Aerztekammern gewählt werden. Die Sozialdemokraten fügten hinzu, daß auf dem Gebiete der Arbeiterversicherung sehr wichtige Interessen der Arbeiterinnen auf dem Spiele stehen: die Wochenhilfe, Familienhilfe, Witwenfürsorge usw. Daher sei- es ganz unberechtigt, die Arbeiterin von der Mitarbeit in den Versicherungsämtern auszuschließen.— Das Zentrum erklärte, daß es vorläufig gegen den sozialdemokratischen Antrag stimmt. Bei der Ab- stimmung gab denn auch das Zentrum den Ausschlag da- hin. daß die Frauen für unfähig erklärt werden. in die Versicherungsämter gewählt zu werden. EL wurde dabei von den Konservativen und den Rationallikeralks unterstützt.< Räch Seift Entwurf solleft Versicherls flüe daftft fft STe Ve?« ficherungsämter als Arbeitgebervertreter gewählt werden können, wenn sie regelmäßig mehr als zwei Versicherungspflichtige be- schäftigen. Auf Antrag der Sozialdemokraten wurde be- schlössen, daß in dieser Beziehung Versicherte dann den Arbeit- gebern zugerechnet werden, wenn sie als selbständige Gewerbe- treibende gelten, Hausgewerbetreibende dann, wenn sie in der Regel mehr als eine Person beschäftigen. Dadurch ist einer größeren Zahl von kleinen Geschäftsleuten die Wählbarkeit als Arbeitgebervertreter gesichert worden. Werden von einem Versicherungsvertreter Tatsachen bekannt, die seine Wählbarkeit ausschließen oder eine grobe Verletzung seiner Amtspflicht darstellen, so soll nach dem Entwurf der Vorsitzende des Versicherungsamts ihn vorläufig seines Amtes entheben und dem ObcrverficherungSamt unverzüglich Anzeige erstatten. DaS Oberversicherungsamt muß ihm Gelegenheit zur Aeutzerung geben. Das Oberversicherungsamt(Beschlußkammer) kann ihn des AmteS entsetzen. Gegen den Beschluß hat er die Beschwerde an daS Reichsversicherungsamt. Die Konservativen wollten hier mit der Entlastung deS Reichsversicherungsamtes beginnen. Sie beantragten: In einem derartigen Falle soll der Vorsitzende den Beisitzenden seines Amtes dauernd entsetzen. Ist damit der frühere Beisitzende nicht cinver- standen, dann kann er Beschwerde an das Oberversicherungsamt einlegen. Dieses entscheidet als Beschlutzkammer endgültig. Da? Reichsversicherungsamt soll also nicht angerufen werden können. Die Sozialdemokraten rieten dringend von dieser Aenderung der Vorlage ab. Praktisch habe die beabsichtigte Eni- lastung des Reichsversicherungsamtes keine Bedeutung, da solche Fälle nur ganz selten vorkommen werden. Wenn aber ein Bei- sitzer beschuldigt wird, sich einer so groben Verletzung seiner Amts- Pflicht schuldig gemacht zu haben, daß er seines Amtes entsetzt werden mutz, so sei das der schwerste ehrenrührige Vorwurf. Des- halb sollte man dem Angeschuldigten die Möglichkeit geben, die Entscheidung der obersten Instanz anzurufen. Die anderen Parteien nahmen jedoch den konservativen Antrag an. Den Beisitzern im Versicherungsamt wollte die Vorlage die Pflicht auferlegen, auch ohne besonderen Auftrag dem Versiche- rungsamt alle ihnen bekannt gewordenen Angelegenheiten mit- zuteilen, die nach ihrer Ansicht für das Versicherungsamt oder einen Versicherungsträger wichtig sind. Auf Antrag der Sozial- deniokraten wurde diese Vorschrift g e st r i ch e n, da es dem pflichtgemäßen Ermessen eines jeden Beisitzers selbst überlassen sein muß, wie weit er in dieser Beziehung gehen kann. Hierauf begann die Kommission mit der Beratung der Vor- schristen über die Ausschüsse. Morgen wird fortgefahren. Eue der Partei. Parteiliteratur. Die Freiligrath-Nummer der Buchhandlung Vorwärts ist soeben erschienen. Das Titelblatt zeigt ein Bildnis Freiligraths in seinen besten Mannesjahren nach einem Gemälde seines Freundes Haseiielevers das in der Berliner Nationalgalerie hängt. Karl Korn gibt einen Abriß des Lebens, Wirken? und Schaffens des Dichters und Freiheitskämpfers. Kurt Eisner schreibt über:«Der Dichter in den Revolutionen". Franz D i e d e r i ch hat einen Artikel:»FreiligrathS Charakter" beigesteuert.„Von Freiligraths Beziehungen zu Marx-EngelS" berichtet Ed. B e r n st e i n. Ueber„ F r e i 1 i g« rath und die Sozialdemokratie" schreibt W. BloS. Den Beschluß bilden markante Stellen aus den Werken des Dichters selbst. Die Nummer ist mit zahlreichen Illustrationen und Faksimiles geschmückt. Einen Teil davon �'verdankt der Verlag der Freundlichkeit der einzigen noch lebenden Tochter deS Dichters. Der Preis ist 20 Pfennig. Freiligrath» zündende Freiheitssänge sind unverlierbares Eigen- tum der einzigen revolutionären Klaffe der Jetztzeit, der Arbeiter« schaft. Und gerade in der Zeit des Wahlrechtskampf?? wecken sie in der Brust der Proletarier lebendigen Widerhall. Die Genossen werden deshalb gern zu der Freiligrath-Nummer greifen, die ihnen den Dichter, Kämpfer und Menschen Freiligrath näher bringt. Spießrutculaufcn mutzte am Mittwoch ein Breslauer Polizeikommissar namens Gottlieb Simniok. ein bevorzugter Liebling des Polizeipräsidenten. Herr S. hatte nach einer Wahlrechts- demonstratio» mitten in der Stadt eine Straße abgesperrt. obwohl nur vier Personen zu sehen waren. Das hatte den zufällig vorübergehenden Genossen Albert veranlaßt, im Vorbeigehen zu bemerken:«Merkwürdig, daß das immer nur bei Herrn S. passiert I' Nach einiger Zeit ließ der Kommissar durch einen Polizisten L. zurückholen und notieren, weil der bereits 30 Schritte entfernte A. stehen geblieben sei und seine Auf- forderung, weiter zu gehen, nicht befolgt habe!!«. erflärte: „Aber d a hört doch alles auf I Sie lassen mich weit zurück- holen und behaupten, ich fei stehen geblieben. Wer so etwas sagt, schwört doch einen glatten Meineid I' Dadurch fühlte sich S. beleidigt und stellte gegen A. Strafantrag. In der Verhandlung aber vor dem Schöffengericht wurde dem Liebling des Präsidenten Übel mitgespielt: Der Angeklagte erbot sich, Beweise für die Unglaubwürdigkeit. Unzuverläisigkcit, Nervosität und für das provozierende Austreten des S. zu erbringen. DaS Gericht lehnte das aber ab. Daraufhin las der Verteidiger A. eine lange Liste von Heldentaten des S. vor. die ein eigentümliches Licht auf diesen Herrn warfen,«ber nicht nur da? mußte S. über sich ergehe» lassen: fein Borgesetzter, ein Inspektor Wohlfromm, wurde von der Verteidigung derartig in die Enge gedrängt, daß er Herrn S. arg belastete. Auf die Frage des Verteidigers, ob Herr S. disziplinarisch bestraft sei, verweigerte er die Auskunft. Als der Verteidiger schmunzelnd sagte:«Da» genügt mir auch", platzte der Zeuge mit der Aeußerung heraus:„Aber so oft Herr S. bestraft worden ist. es geschah n i e wegen Beschwerde des Publikums l" Tableaul Als dann der Ver» teidiger fragte:„Ist es richtig, daß wegen des Kommissars Simniok einmal 10 Schutzleute sich haben versetzen lassen, weil mit Simniok kein Auskommen sei?" Daraus höchst eifrig der Polizeiinspektor: «Zehn? o nein l".Na, dann sieben oder acht", meinte lachend der Verteidiger. Und so ging es fort. Die uniformierten Zeugen sagten im Sinne des S. aus, während wohl 10—12 Zivilzeugen unter Eid das Gegenteil bekundeten. Am schlimmsten aber erging eS dem Polizei- mann im Urteil; Genosse Albert wurde von der Anklage der Uebertretung glänzend freigesprochen. ES wurde festgestellt, daß der Kommissar kein Recht hatte. Albert zurückzurufen, kein Recht hatte, seine Personalien auf der Straße aufzunehmenllnd kein Recht hatte, Albert eine Ungesetzlichkeit vorzuwerfen. Weil aber Albert aus Aerger über diese Ungesetzlichkeit deS S. und weil er wußte, daß S. zu feinem Vorgehen kein Recht hatte, obige Aeußerung getan, anstatt Hübich stramm zu stehen und„Kusch" zu machen, erhielt er wegen Be- leidigung 10 0 Mark Geldstrafe. Als Verurteilter, als für ewig Bloßgestellter verließ Kommissar Gottlieb Simmiok den Gerichts- faal. In Breslau herrscht darüber ungeteilte Freude, vor allem, weil Herr v. Oppen nuninehr mit seinem Liebling keinen Staat mehr machen kann...._ Personalien. DaS Gothaer„BolkSblatt" meldete am 31. Mai: Die heutige Nummer ist die letzte unter Redaktion de» Genossen I o o s. Da Genosse G e i t h n e r erst am IS. Juni die Redaktionsgeschäfte übernehmen kann, steht daS„BolkSblatt" bi» dahin unter der Leitung des Geiwsse» Aschenbach. Gewerhrchaftlicbe� „Volks verNckerungen" des antemebmertunis. Nachdem die Hoffnungen der Unternehmer, durch Gründungen Und Unterstützung der gelben Werksvereine die gewerkschaftlichen Organisationen der Arbeiter zu zertrümmern, zuschanden ge- worden sind, wird neuerdings versucht, die Arbeiter auf andere Weise einzufangen. Unter dem hochtönenden Namen„Verein s ü r volkstümliche Versicherung" hat sich in Düsseldorf eine Versicherungsgesellschaft gegründet, die Vereine und Einzel- Personen zum Anschluß an die Vereinsversicherungsbank für Deutschland zu Düsseldorf zu gewinnen sucht. In dem Prospekt, der augenblicklich in den großen Industriezentren Westfalens massenhaft zur Verteilung gelangt, werden im Vergleich zu den sonstigen Versicherungsgesellschaften die„außerordentlich günstigen" Verhältnisse der neuen Institution hervorgehoben. Der flüchtige Beurteiler wird sehr leicht durch die vielversprechenden Angaben des Prospektes getäuscht. In Wirklichkeit wird den Arbeitern ein Danaergeschenk geboten. Das erhellt schon ohne weiteres aus dem Gründungsmodus selbst. Es heißt unter anderem im Prospekt: „Um den Versicherten die Erfüllung ihrer Rechte aus der Versicherung unter allen Umständen zu garantieren, ist sie in der Form der Aktiengesellschaft mit einem voll eingezahlten Bürg- schaftskapital von drei Millionen Mark gegründet worden. Sie verzinst aber satzungsgemäß dieses Aktienkapital nur mit höchstens vier Prozent, also mit einen Betrage, den dieses bei mündel- sicherer Anlage zum mindesten selbst aufbringt. Der Aufsichts- rat der Bank erhält keine Tantieme. Alle diese Gewinne werden somit im Interesse der Versicherten verwendet." Man muß sich schon vorerst die Frage vorlegen, wie eS kommt, daß so plötzlich sich eine Anzahl Kapitalisten finden, die in un- eigennütziger Weise ihre Gelder zu einem solchen geringen Zins- fuß hergeben, um in sozialer Fürsorge für die Arbeiterschaft zu machen. Sehen wir uns deshalb die Namen der Gründer einmal etwas näher an. Neben demPräsidenten des katholischen Volks- Vereins, dem Fabrikbesitzer Franz Brandt aus M.-Gladbach, finden wir die bekanntesten Scharfmacher Stresemann, Thyssen, Kirdorf und andere, die den Aufsichtsrat bilden. Und in der Liste der Aktionäre sind alle die Namen verzeichnet, die in der Arbeiterschaft eines guten Klanges entbehren. Um so weniger ist deshalb zu erwarten, daß diese„Herren" in selbst- loser Weise ihre Gelder nur im Interesse der Arbeiter zur Ver- fügung stellen. Bisher ist für die Arbeiterschaft von dieser Seite nichts Gutes gekommen, und auch in diesem„Wohlfahrts"objekt kann nur der Gedanke einer weiteren Fesselung erblickt werden. Die scheinbare Genügsamkeit der Aktionäre dürfte schon dann in einem ganz anderen Lichte erstrahlen, wenn es sich erst um Aus- leihung der durch die Versicherungsprämien angesammelten Kapitalien handelt. Ob hierbei nicht gerade die Aktionäre erhoffen, durch Erhalt billiger Pptricbsgelder auS den Mitteln der Ver- sicherungsbank enorme Vorteile zu ziehen, ist mindestens fraglich. Wird somit auf der einen Seite der Verzicht auf höheren Profit aus dem Unternehmen erklärlich, so ist andererseits aber auch nicht außer acht zu lassen, daß durch die dauernde Fesselung der Arbeiter an ihr Arbeitsverhältnis dem Unternehmer ein immenser Vorteil erwächst, dein sich noch das Halten der Löhne auf das Mindest- maß anschließen dürfte. Die gebotenen Bedingungen, die im Ver- gleich zu den sonstigen Lebensversicherungen um ein Geringes differieren, sind mithin nur scheinbare Sie werden mehr denn wettgemacht durch die Unfreiheit und Abhängigkeit des Arbeiters vom Kapitalismus. An dieser Auffassung kann auch nicht ändern, daß diese Ver- sicherungsbank vom Bundesrat als gemeinnütziges Unternehmen ausdrücklich anerkannt ist. Was wird nicht gerade von dieser Seite der Arbeiterschaft als Gutes benannt, um in Wirklichkeit nur den Arbeiter willfährig zu machen und in noch größere Knechtschaft zum Unternehmertum zu bringen. Deshalb meidet diese Ver- sicherungl Berlin und Umgegend. Das Verhalten der Geschäftsinhaber zur Sonntagsruhe beschäftigte eine Versammlung des Zentralverbandes der Hand- lungsgehilfen und Gehilfinnen Deutschlands, die für die Rosen- taler Vorstadt zum Dienstag einberufen war. Der Referent Georg U ck o gab die Resultate einer Umfrage obigen Verbandes bezüglich des Sonntagsladenschlusses bekannt. Er konnte mitteilen, daß in 6 Hauptbranchen ein vollständiger respektive lO-UHr-Schluß zu erzielen sei, wenn nicht noch einige wenige Firmen beiseite ständen. Zum Beispiel die Warenhäuser P. Held Nchf., Invaliden- straße, Herm. Levy, Brunnenftraße SS und Loewenberg, Swinemünderstraße sowie das Herrengar de robengeschäftTh. Fabisch. Die Abzahlungsgeschäfte S. Gottlieb und Nicolaus Pindo. Die Firma I. Brünn, Teppiche. Für die Schuhwaren- brauche gab der Referent ebenfalls einige Firmen bekannt, welche noch nicht die Verpflichtung eingingen, i In der Damenkonfektion wurde allgemein ein voll- ständiger Schluß für die Monate bis September bewilligt außer den Firmen W. Buchholz und Blusen-Holloh, Brunnenstraße. In der D a m e n p u tz b r a n ch e ist als einzigste Gegnerin die Firma Betty Cohn, Brunnenftraße 86, zu nennen. Als besonderer Einwand wurde immer geltend gemacht, daß e« ja immer die Arbeiter wären,'die am Sonntag ihre Einkäufe machen. Die Versammlung beschloß nach lebhafter Diskussion ein- stimmig folgende Resolution: „Die am 31. Mai d. IS. in den„Brunnensälen" tagende öffentliche Versammlung der Angestellten nimmt Kenntnis vom Stande der Sonntagsruhe-Bewegung und beauftragt den Zen» tralverband der Handlungsgehilfen und Gehilfinnen Deutsch. lands, bei denjenigen Geschäftsinhabern, die bisher die Ein« willigung zum Ladenschluß an den Sonntagen noch nicht ge- geben haben, ein zweites Mal vorstellig zu werden. Gleichzeitig ersucht die Versammlung den Zentralverband, sich mit dem Kartell der Gewerkschaften sowie den Wahlbereinen von Groß-Berlin in Verbindung zu setzen, um die Arbeiterschaft und deren Frauen energisch zu oeranlassen, nicht an den Sonn- tagen zu kaufen, damit den Geschäftsinhabern auch der letzte Grund genommen wird, die Einwilligung auch nur mit einem Schein von Berechtigung verweigern zu können. Die Versammelten erklären weiter, daß sie die Antworten der Geschäftsinhaber im Gedächtnis behalten und dafür sorgen werden, daß die Einwohner davon Kenntnis erhalten." Ter Vorsitzende teilte noch mit, daß nach Ausführung der Beschlüsse den in Frage kommenden Geschäftsinhabern Nachricht bezüglich des Beginns der Vereinbarungen zugehen wird. Da den Geschäftsinhabern aus dieser Einrichtung absolut kein Schaden erwachsen kann, so wäre eine einheitliche Gestaltung sehr zu begrüßen, da bei dem jetzigen Stande der Ladenangestellten auch nicht einen- einzigen freien Tag im Jahre haben. Die gegenwärtige Lage im Baukrieg stank» am Mittwoch auf der Tagesordnung einer Mitglieder- Versammlung der Sektion der Putzer des Maurerverbandes, die im großen Saale der„Arminhallen" stattfand. Wie der Referent Neumann einleitend bemerkte, war, als der Vorstand diesen Punkt auf die Tagesordnung setzte, noch nicht vorauszusehen, wie sich die Lage in wenigen Tagen gestalten würde. Man hatte geglaubt, daß die Verhandlungen sehr bald scheitern würden, während ja nun die Annäherungsversuche anscheinend einen gewissen Erfolg gehabt haben. Da es Sache des Verbandstages ist, zu den Vorschlägen der Unparteiischen Stellung zu nehmen, erschien eS für die Versammlung nicht angebracht, sich näher damit zu befassen. Der Redner berichtete sodann über den Stand der Aussperrung, wie sie sich nach den in den verschiedenen Bezirken und Gauen vorgenom- menen Zählungen gestaltet hat. Danach beläust sich die Gesamt- zahl der ausgesperrten Maurer auf 80 801. In den Kontrollstellen des Zentralverbandes der Maurer hatten sich am 27. April 03 010 Ausgesperrte gemeldet und am 12. Mai waren es 51 615. Die übrigen Ausgesperrten sind teils anderweitig organisiert, teils un- organisiert. Die Zahlen erreichen so ziemlich die Höhe, womit die Verbandsleitung rechnete, und wenn sie auch weiter hinter dem zurückbleiben, was die Unternehmer wollten und was sie teils als Tatsache hinstellten, so ist doch nicht zu verkennen, daß sie immer- hin eine respektable Aussperrung zustandegebracht haben. Die Maßnahmen, die die Arbeiterverbände dagegen ergriffen, haben sich als richtig und zweckmäßig erwiesen. Der Angriff ist zurück. geschlagen, und die Verbände sind auch durchaus in der Lage, den Kampf noch wochenlang weiterzuführen, der ja übrigens auch mit der Aufhebung der Aussperrung keineswegs als endgültig ab- geschlossen gelten kann. In der Versammlung wurde außerdem die Abrechnung vom 1. Quartal vorgelegt. Sie schließt in der Hauptkasse mit der Bilanzsumme von 4704,83 M. ab. Die Einnahme der Lokalkasse betrugen 60 451,33 M., die Ausgaben 5711,87 M., so daß der Be- stand am Quartalsschluß 54 730,46 M. betrug. Ferner wurde dar- auf aufmerksam gemacht, daß zurzeit wiederum einige bekannte Agenten bemüht sind, luer in Berlin Arbeitskräfte für auswärts anzuwerben, und daß diesen Versuchen gegenüber größte Vorsicht notwendig ist. » Die Friedeuskomödie der Unternehmer. An dem Bureaufenster des Geschäftsführers des Arbeitgeber- bundes im Baugewerbe für Thüringen in Eisenach prangt ein Plakat folgenden Inhalts: „Um irrigen Auffassungen vorzubeugen, wird hierdurch zur Kenntnis gebracht, daß die Dauer der Aussperrung im Baugewerbe auf 6 Wachen verlängert worden ist. DiSpens für Materialienlieferung wird grundsätzlich nicht erteilt. E i s e n a Jh den 28. Mai 1910. Arbeitgeberbund für daS Baugewerbe." Da führen die Scharfmacher zur Besänftigung der Unzufriedenen im Arbeitgeberl und und zur Beschönigung ihrer Brutalität eine Frie denskoin 3die auf, zu der sich die Herren sogar unter Mißachtung de■ Ansehens des RegierungSvertreterS in der gleichen Zeit einstellen, als sie die Fortsetzung deS Kampfes anordnen. Was sich doch Unternehmer- Scharfmacher alles herausnehmen dürfen I Einer«ach dem anderen. Dem Vorgehen des Liegnitzer Magistrats gemäß hat nunmehr auch der Görlitzer Magistrat beschlossen, die durch die Bauarbeiter- aussperrung unterbrochenen Arbeiten am Feuerwehrdepot einem Unternehmer zu übertrogen, der seine Arbeiter nicht ausgesperrt ha.. Oeutkebes Reich. Als Redakteur des„Korrespondent für Deutschlands Buch- drucker" wurde an Stelle des ausscheidenden Herrn Rexhäuser der mehrjährige Gauvorsteher von Osterland-Thüringen, Karl Helmholz, gewählt. NcxHäuser geht ins Ausland. Er tritt in die Redaktion eines demokratischen Blattes in St. Gallen(Schweiz) ein. Die Differenzen bei der Firma Rieserling u. Albrecht, Maschinenfabrik und Eisengießerei, Solingen, über die der„Vor- wärts" in seiner Nr. 12 berichtete, sind jjur Zufrledenheit der Arbeiter geregelt worden, so daß die eingereichten Kündigungen wieder zurückgezogen wurden. Diö verschiedenen, im Betriebe vorhandenen Mißstände, sind nunmehr durch das energische Drängen der Ar- beiter beseitigt worden._ Die terroristischen Baugewaltigen verschmähen bei ihrer verzweifelten Aushungerungspolitik auch die lächerlichsten Mittel nicht. Im Bezirk Nürnberg-Fürth find unter den ausgesperrten Bauarbeitern viele, die sonst zwar in den großen Städten arbeiten, aber ihren Wohnsitz in irgend einem Orte der näheren oder weiteren Umgebung haben. Auf diese haben die Scharfmacher eS besonders abgesehen. So sind in dem mittel- fränkischen Städtchen Abenberg eine große Anzahl Maurer, die in Nürnberg ausgesperrt wurden; der dortige Arzt hat die Leute zusammengetrommelt, um mit ihnen eine Reihe gemeinnütziger Arbeiten auszuführen, wie Verschönerung der Krankenhausanlagen, Renovierung der alten Stadtgrabenpartien, Wegverbesserungen und so weiter. Als die Geschichte in Nürnberg durch eine Notiz des freisinnigen Blattes ruchbar wurde, erhielt er vom dortigen Sctjarftnacherverband einen Brief, in dem es heißt: „Aufgeklebte Zeitungsnotiz erregt begreiflicherweise nicht ge- ringes Aufsehen in weitesten Kreisen. ES kann doch nicht an- genommen werden, daß in einer Zeit, in welcher die Baugewerbe- treibenden in einem ihnen aufgezwungenen Kampfe die größten Opfer bringen, von irgend einer Seite ausgesperrte Maurer durch Uebertragung von Arbeiten im Kampfe gegen die Arbeit- geber unterstützt werden. Wir nehmen vielmehr an, daß es sich wieder um eine der alltäglichen hetzerischen, tendenziösen und unwahren Notizen der sozialdemokratischen Presse handelt, die leider ungeprüft von der gegnerischen Presse übernommen wer- den. Wir rechnen gerne damit, daß Sie alles aufbieten werden, daß diese Ihr persönliches Ansehen schädigende Nachricht demen- tiert wird und erklärt werden kann, daß, falls bei Ihren Arbeiten wirklich einzelne organisierte Arbeiter beschäftigt worden sein sollten, solche Ihrerseits sofort bei Empfang dieses Schreibens entlassen werden. Sollten Sie dringende gemeinnutzige Arbeiten auszuführen haben, so werden Sie in dortiger Gegend selb- ständige Meister finden, die selbst oder mit von unserem Ver- band erlaubter Zuziehung unorganisierter Arbeiter die Arbeiten ausführen werden. Der Arzt pfeift darauf, bei den Scharfmachern in„Ansehen" zu stehen, und hat ihnen geantwortet, er habe nicht aus Versehen lauter organisierte Arbeiter beschäftigt, sondern in bestimmter Ab- ficht, und werde demnächst noch mehr einstellen. Mitgliederrückgang bei den katholische« Arbeiter« vereinen. Der Verband katholischer Arbeitervereine Westdeutschlands gibt jetzt einen Ueberblick seiner Mitgliederbewegung in den letzt,.» Jahren. Es ergibt sich da das interessante Bild, daß nach einem Aufschwung, der sich bis 1003 vollzog, jetzt ein Rückschlag eingetreten ist. Die statistischen Zahlen, die mit einer gewissen Vorsicht zu be- nzztzen sind, ergeben das folgende Bild: 1002 311 Vereine 63 700 Mitglieder, 1004 314. 73 530 1006 610, 95 840 1008 827. 155 678-. 1. 1. 1910 870, rund 150 000 Nun ergibt sich bei einer kritischen Nachforschung scbon bei den ersten Zahlen eine Differenz. So berichtet Dr. Otto Müller in seiner Schrift über die katholischen Arbeitervereine, die in München- Gladbach 1ö07im Verlag der Zentralstelle des Volksvereins für das katholische Deutschland erschien, daß der Verband der kaiholtsche« Arbeitervereine Westdeutschlands Ende 1006 656 Vereine und 114 613 Mitglieder zählte. Die Ziffern stehen in starkem Wider- spruch zu den oben mitgeteilten von 1906, die die„Köln. Volksz." bekannt macht. Der Rückgang, der sich in der Mitgliederzahl von 1910 gegen 1003 ausdrückt, wird durch die„Köln. Volksz." damit begründet.daß die Vereine des Reißer und Danziger Bezirkes zu den ostdeutschen Verbänden der katholischen Arbeitervereine über- getreten seien. Da der ganze Verband dieser ostdeutschen katholi« schen Arbeitervereine nur rund 18 000 Mitglieder umfaßt, auf der anderen Seite aber die Zahl der Vereine des westdeutschen Ver- bandes von 827 auf 870 gestiegen ist, so ergibt sich eine Differenz, die sich durch den Uebertritt einer Anzahl Vereine zu dem ost- deutschen Verband nicht erklären läßt. Es bleibt also weiter gar keine andere Lösung übrig, als die, daß die Zahl der Mitglieder durch die wirtschaftlich ungünstige Konjunktur stark zurückgegangen ist. Eine Bestätigung findet dies auch noch darin, daß das Ver- bandsorgan, die„Westdeutsche Arbeiterzeitung", zurzeit nur etwa 115 000 Abonnenten hat. Trotzdem ist man natürlich eifrig dabei, von einer glänzenden Blüte der katholischen Arbeitervereins- bewegung westdeutscher Richtung zu sprechen. Das wichiigste Moment für diese Politik der Zahlenkorrekturen liegt ja überdies gar nicht in der katholischen Arbeitervereinsbewegung— ganz abgesehen davon, daß in diesem Verein eine Menge Leute Mit- glieder sind, die mit dem Begriff Arbeiter überhaupt nichts mehr zu tun haben—, sondern in dem Interesse, welches daS Zentrum an dieser Vorschule für die Zentrumspolitik hat. Der schon ge- nannte Müller schrieb in dem ebenfalls schon genannten Buche: „Die Arbeitervereine werden auf politischem Gebiet die geistigen Kräfte für die Zentrumspartei heranbilden." Das Zentrum hat ein Interesse daran, die katholische Arbeitervereinsbewegung blühend zu sehen, und deswegen diese eigenartigen Berichte in der„Köln. Volksz.", dem führenden Organ der Zentrumspartei. Der Arbeiter ist für das Zentrum auch hier eben nur Mittel zum Zweck._ Ein berüchtigter Arbeitswilliger ist wieder einmal in Nürnberg als ein gemeines Scheusal entlarvt worden. Der Bauarbeiter Groß'war immer ein„nützliches Element", wies jeden Organisationsgedanken weit von sich und spielte bei Lohnbewegungen den Rausreißer. Auch bei der gegen» wältigen Bauarbeiteraussperrung gehörte er zu denjenigen, die mit Erlaubnis des Unternehmerverbandes weiterarbeiten dürfen. Dieser Held stand jetzt wegen Sittlichkeitsverbrechen vor Gericht. Er hat Kinder von 5 bis 6 Jahren in seine Wohnung gelockt und Unsittlichkeiten an ihnen verübt. Das Land ericht Nürnberg ver- urteilte ihn deshalb zu einem Jahre zwei Monaten Gefängnis. Htisland. Ausstand des Pariser StrastenbahnpersonalS. Am Mittwoch ist in Paris ein teilweiser Ausstand des Per» sonals des Straßenbahngesellschaft ausgebrochen. Gegen Mittag verließen zahlreiche Bahnarbeiter ihre Arbeit. Man weiß noch nicht, ob die übrigen Mitglieder des Personals gemeinschaftliche Sache mit den Ausständigen machen werden. Eine Anzahl Aus- ständigen versammelte sich, turz nachdem sie ihre Arbeit eingestellt hatten, vor einem der Schuppen und versuchten, die Ausfahrt von Straßenbahnwagen zu verhindern. Sie wurden jedoch durch Polizei- abteilungen zerstreut. Sonst sind keine Zwischenfälle vorgekom- men. Man glaubt, daß ein allgemeiner Ausstand nicht zustande- kommen wird. i Versammlungen. . Die Steinarbeiter hielten am Mittwoch eine kombinierte Versammlung in den„Arminhallen" ab. Zur Bericht- � erstattung vom Verbandstag nahm zunächst der Delegierte Hanschke das Wort. Er gab eine Übersicht über die Verhandlungen und Beschlüsse, über die schon im„Vorwärts" be- richtet worden ist. Mit großem Bedauern vermerkte er den Be» schluß, durch den die Erwerbslosenunterstützung mit 35 gegen 11 Stimmen prinzipiell verworfen wurde. Jahrelang sei nun keine Aussicht, von Zeutralwegen die Erwerbslosenunterstützung zu er- halten. Die Angelegenheit sei auch nicht gehörig behandelt wor- den. Abgesehen vom Referat, habe die Verhandlung darüber nur etwa 20 Minuten gedauert. Redner bedauerte auch, daß man in der Verschmelzungsfrage nicht weitergekommen fei. Herum- kommen werde man um diese Frage aber nicht. Hanschke schloß feinen Bericht mit der Versicherung, daß die Berliner Delegierten versucht hätten, ihren Auftraggebern gerecht zu werden. Der Delegierte Ohngemach vervollständigte den Bericht des ersten Redners in einigen SpezialPunkten. In der Ver- schmelzungsfrage entnimmt er dem Stimmenverhältnis auf dem Verbandstage, daß immerhin Aussicht vorhanden sei, die Ver- schmelzung über kurz oder lang durchzuführen. Nach einer Diskussion über verschiedene Beschlüsse des Ver« bandstages wurde folgender, von John gestellter Antrag an, genommen: „Die Versammelten haben auS dem Bericht über den Ver- bandStag entnommen, daß in der wichtigen Frage der Erwerbs- losenunterstützung eine Vergewaltigung der Minorität statt- gefunden hat. Sie protestieren gegen derartige Maßnahmen und erachten sie eines freien Verbandstages für nicht würdig." Dann erledigte man noch einge Vereinsangelegenheiten. Letzte Nacbncbten und Oepelcben. Die Polizei gegen ausgesperrte Bauarbeiter. Breslau, 2. Juni.(B. H.) Gegen IVOV ausgesperrte Bauarbeiter unternahmen heute nachmittag einen Ausflug nach dem Südpark und versuchten von dort vor das Rathaus zu ziehen, wo gerade die Stadtverordnetenversammlung eine Sitzung abhielt. Ein Aufgebot von etwa 200 Schutzleuten stellte sich den Demonstranten entgegen und sperrte die in die innere Stadt führenden Straßenzüge ab. Es kam dabei zu kleinen Zusammenflössen. Das Rathaus wurde von einem starken Polizeikordon umgeben.(!!) Von der Strassenbahn zermalmt. Königshütte, 2. Juni.(B. H.) Der sechzehnjährige Gymnasiast- Klein wurde heute nachmittag auf der Bismarckstraße von einer Ohnmacht befallen und stürzte gerade in demselben Augenblicke zwischen die Straßenbahngeleise, als ein Straßenbahnwagen in voller Fahrt heranbrauste. Der Unglückliche wurde vom Wagen überfahren und zur formlosen Masse zermalmt. Französische Senatoren für die Redjte Finnlands. Paris, 2. Juni.(W. T. B.) Zahlreiche radikale und sozialistische Senatoren haben an die Duma eine Adresse gerichtet, in welcher sie eindringlich für die Rechte Finn- lands eintreten unter Hinweis auf die Frankreich und Rußland verknüpfenden Bande, die die Dumamitglieder auf den tiefen Ein» druck aufmerksam machen, welchen die Verwirklichung der gegen die Autonomie Finnlands gerichteten Pläne in Frankreich zur Folge haben müssen. Der Flug über den Kanal. London, 2. Juni.(W.T.B.) Der englische Aviatiker Roll» kehrte um 8 Uhr 5 Min. nach Dover zurück. Die Meldung, er sei bei Sangatte gelandet, ist unkorrekt. Der Aviatikcr schwebte nur einige Minuten Wer Sangatte, flog dann über den Kanal nach England zurück und landete ohne Unfall. Lerantlv. Redakt.: Richard Barth, Berlin. Inseratenteil verantw.; Lj, Glocke. Berlin. Druck o. Verlag: Vorwärts Buchdr. u. VxrlagSanstaU Paul Singer& Co., Berlin SW, Hierzu 3 Beilagen«. Unterhaltung»»!, |r. 127. 27. Jahrgang. 1. Wqe Ks Jotiüiirls" Snliin ilollioliliitt. Ittilng, 3. lani 1910. Abgeordnetenhaus. 76. Sitzung vom Donnerstag, den 2. Juni, mittags 12 Uhr. Am Ministertisch: Filianziniilisier Freiherr v. Rheinbaben. Auf der Tagesordnung steht zunächst die einmalige Beratung des Staatsvertrages zwischen Preuhen und Elsatz-Lothringen zur Regelung der Lotterieverhältnis se. Abg. Dr. Arendt(fk.) begrüßt den Vertrag als ersten Schritt zur Angliederung Süddeutschlands an die preußische Lotterie. Der Vertrag wird genehmigt. Einige kleinere Vorlagen werden ohne Debatte erledigt. Der Gesetzentwurf, betreffend die Aenderung der Landgerichts- bezirke Krefeld-Kleve und München-Gladbach wird in zweiter Beratung nach längerer Debatte angenommen. Hierauf wird die seinerzeit abgebrochene Beratung deS Antrages Borgmann'uckfck>rikten. Von der„Neuen Zeit«(Stuttgart, Paul Singer) ist soeben daS 36. Hest des 28. Jahrgangs erschienen. ES hat solgenden Inhalt: DaS Begräbnis.— Ermatiuiil� oder Kamps? Von Rasa Luxemburg.(Schluß.) — Die Lage des industriellen Proletariats in Ungarn. Von Eugen Varga. — Der erste Plurallandtag in Sachsen. Von Herm. Fleißncr.— Literarische Rundschau: Gotijricd Schaub, Die Arbeit, das Grundproblem unserer Zeit. Von dl. 14. Ferdinand Dubies, L'apprentissa�o et l'enseignernent tochniquo. Von JuluS Deutsch.— Notizen: Zu den Erhebungen von Haushaltungsrechnungen. Von Lipschütz.— Zeit- schrijtenschau.„ Die Meue Zeit» erscheint wöchentlich einmal und ist durch alle Buch- Handlungen, Postanstalten und Kolportcure zum Preise von 3.25 M. pro Öuartal zu beziehen; jedoch kann dieselbe bei der Post nur pro Quartal abonniert werden. Das einzelne Hest lostet S5 Ps. Probcnummcrn stehen jederzeit zur Versügung. „In Freien Stunden«. Eine Wocheiischrist. Romane und Er- Zählungen sür das arbeitende Volk. Verlag: Buchhandlung Vorwärts, Berlin S\V. 68. Die Hefte 19 und 20 liegen uns vor. Der darin zum Abdruck gelangende Hauptroman„Die Abendburg» von Dr. Bruno Wille neigt seinem Ende entgegen, doch können Interessenten alle bisher er- jchienenen Hcste nachgeliefert erhalten. Jedes Hest mit reichhaltigem Inhalt und guten Illustrationen kostet 10 Ps. und ist durch alle Parteispeditioilen, Buchhandlungen und Kolporteure zu beziehen. Probenummern kostenlos vom Verlag: Buchhandlung Vorwärts, Berlin S\V. 68. „Kommunale Praxis«. Wocheuschrist für K o mmun alp o I i til und GemeindesozialiS nius. Verlag: Buchhandlung Vorwärts, Berlin SW. 68. AboimemeniSpreis 3 M. pro Quartal. Probenummern tosienlos vom Verlag. Die uns vorliegenden Nummern 19 und 20 be- schäftigen sich mit solgenden Materien: Finanz- und Steuerwcsen.— Gesundheitswesen.— Bildung und Erziehung.— Wohnungswesen.— Armen» und Waisenpflege.— Gemeindeversassung.— Kommunale Sozialpolitik.— Verkehrswesen.— Rechtsprechung.— Verwaltung.— Literarisches. Aus den Artikeln heben wir hervor: Drei Jahre Arbeit»» losenversicherung, in dem die praktische Durchführung der Ver» sicherung in Straßburg im Elsaß eingehend dargelegt wird, und Gegen» sähe zwischen Magistrat und bürgerlichen Stadt- verordneten, eine Erörterung der Frage, ob die sozialdemokralischen Gcmeindeverweter unter allen Umständen Gegner von Magistraisvorlageu sein müssen. Cbaron. MonatSschrist sür modernes geistiges Leben. Mai- und Juni-Heste, Publikationsorgan der Berliner Dichterschule, Einzelhcst 75 Pf. Selbstverlag, Groß-Lichterselde. Das Familicnheim zu Gnise. Eine Studie zur Tilgung der Armut von Jeanne Richert. l,20 M. A. Kroschel, Groß-Lichterselde. SoMllMMed.Nzdlvel'öii!! «iie den UerlinerReielistapalilkreisJ Frankfurter Viertel. Bezirk 308. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser langjähriger Genosse, der Möbelpolierer Karl Lederhause gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 4. Juni, nach- mittags 2 Uhr, von der Leichen- Halle des Zentral-FriedhosS in Friedrichsseide aus statt. Zahlreiche Beteiligung erwartet Der Vorstand veutsetier Holisrbeiter-Veitad Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Möbel- Polterer Karl Lederhause am 1. Juni plötzlich gestorben ist. Ehre seinem Andenke»! �Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 4. Juni, nach. mittags um 2 Uhr, von der Halle des Zcntralsliedboses in Fried- richsselde aus statt. Uul rege Beteiligung ersucht Die Ortsverwaltung. Orts-Krankenkasse der Möbelpolierer. Hierdurch die Mitteilung, daß unser langjähriger Rendant Kar! Lederhause plötzlich verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am 4. Juni, nachm. 2 Uhr. von der Leichenhalle deS städtischen Fried- hosS in Friedrichsseide aus statt. Um rege Beteiligung ersucht Der Vorstand. Danksagung. Für die liebevolle Teilnahme und Kranzspenden anläßlich der Beerbt- gung meines lieben Mannes, unseres guten Vaters Heinrich Hoffmann sagen wir allen Verwandten und Be- kannten, der Finna Schadow u. Co., dem 4. Wahlkreis(Bezirk 206, Teil II) und den Kolonisten der Kolonie Reh- bock unseren herzlichsten Dank. 5720L Wwe. Marie Hoffmann geb. Rüdiger nebst Kinder. Oeutscher Metallarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin. Todes- Anzeigen. De» Kollegen und Kolleginnen zur Nachricht, daß unser jMuglied, die Arbeiterin lda Schultz am 3t. Mai an Lmigenleiden gestorben ist. Ehre ihrem Andenken l Die Beerdigung findet am Freitag, den 3. Juni, nach. mittags 4'/, Uhr, von der Leichen- Halle des Emmauss- ÄtrchhoseS in Rixdors, Hermannstraße auS statt._ Ferner starb unser Mitglied, der Former \ViIh. Borchert am 81. Mai an Zuckerkrankheit. Ehre seinem Andenken k Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 4. Juni, nach- mittags 3 Uhr, von der Leichen- halle des Zentral- Friedhoses in FriedrichSselde aus statt. 116/9 Rege Beteiligung wird erwartet. Oie Ortsverwaltung VeH der Bäcker, Konditoren unti Bemlsposseii Dentsebl. Den Mitgliedern zur Kenntnis, daß unser Mitglied IBiml Schiebing am 30. Mai verstorben ist. Ehre seinem Andenken k Die Beerdigung findet heule, Freitag, den 3. Juni, nachmittags 5 Uhr, von der Leichenhalle des Elisabeth- KirchhoseS, Pankow, Wollanksttaße 66, auS statt. Zahlreiche Beielllgung erwartet 40/3 Der Vertrauensmann. Für die vielen Beweis« herzlicher Teilnahme sowie Kranzspenden bei derBccrdiguiig unserer unvergeßlichen Tochter Martha sagen wir allen Verwandten, Bekannten und Freunden unseren herzlichsten Dank. 23896 Gustav Gleicher nebst Familie; Marienburger Straße 28. Danksagung. Für die liebevolle'Teilnahme und die Kranzspenden bei der Beerdigung metner lieben guten Frau Atnna ItoHln geb. Klotz sage ich allen Freunden und Be- kannte» hiermit meinen herzlichsten Dank. 23936 Wilhelm Roain. Engelhardt aramel-Bier Alkoholarmes Spezialbräu. Aerztlich empfohlen für NervSse, BleichsDchtlg«, nährende Mütter etc. etc. Preis pro Flasche 10 Pix. Ueberau kSafUch. IlMiw WM«1.1.-1. BERLIN• PANKOW. OrSsste Malzblerbrauerel Deutschlands. Mir ArbeitönnchweiS: Hot l. Slmt 3. 1239. Verwaltti»«sstrlle Berlin. Ha»l>tburenu: vIiLi-iiszli-sSs Z. Hos III. Amt 3. 1987. Sonntag, de» 5. Jnni 1910. vormittags 10 Uhr, im Yolgt- Thcater, Badstrafie 58: färanthm-Versammlung der Wiekelei- a. 3§olationsarbeiter and Meiterinaea Berlins n. Umyegead. TageS- Ordnung: 1. Vortrag. 2. Diskussion. 3. Bericht und Neuwahl der Branchen- kommission. 4. Verschiedenes. Pünktliches und zahlreiches Erscheinen erwartet 116/8 vi« Ortsverwaltnng. ttr Heute Freitag, abds. 8'/., Uhr, im Gcwcrkschaftshaiise, Engclufer 14/15, Saal 1(Arbeitslosensaal): der örtsverwaltung. Arbeiter= Bekleiduno- Berufskleidung. 1 > Crrößles tSpczialgeschäft Kohneu& Jöriny, Alexanderstr. 12. | IjiuiÄBbcrger Allee 148. Rixdorf: Itei'gMtr. 66. OE tBBM Verkauf nur Im Fabrlkgcbkudc! HIBOE i HU Sie sparen Geld! wsr| " iWä.Slfet»S � Engrospreisen? I» U � aor MbelksbriK � !».MösdiMi�sS,�Zsl I»., 1UU.. hd.■■■ Tel_ A jjj� 5157= kaufen. 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Abt.: Sonnabend 9 Uhr: Wör- Ich Sonntag stich 5.35 vom Anhalter Bahnhof bis Wittenberg. 1 �Uhr: Saatwinkel(Jägerhaus). Start: Küstriner Platz. 5. und 10. Abt.: IS Uhr: Bergholz (Schulz). 1 Uhr: Alt-Stralau(Wwe. Schoncrt). 5.'Abt.: Start: Elysium. 10. Abt.: Start: Weberin. 6. 6. Abt.: S'/j Uhr: Pätz bei Groß» Besten(Dubrow). l Uhr: Schmöckwitz (Palme). Start: Oderberger Str. 28. 7. Abt.: 2 Uhr: Schönwalde. Start: Äösliner Str. 8. 8.'Abt.: 7 Uhr: Wandlitz. 1 Uhr: Alt-Stralau(Wwe. Schauert). Start: Waldjtr. 8. 11. Abt.(Seltiou der Gastwirts» gehilfen: 9. Juni 8 Uhr: Nüdersdors. Start: Gr. Hamburger Str. 18/ 19. Lichtenberg. 4.6. II1/- Uhr Nachttour Luckenwalde. 5. 6. 1 Uhr Waim- fee(Fürstenhos). start: Psarrstr. 74. B e z i r k s s e st des 2. Bezirks des Kreises Teltow am Sonntag. de» 5. Juni, in Alt- Stralau. Wwe. Schonert. Ilm gütige Uiiteritützmig bittet Die Bezirksleitung. P. Guttbier. riiter-Wanderbund „Die Naturfreunde". Berichtigung. In unserer Anzeige vom 2. Juni, Zeile 3 von unten fehlen hinter„Vor» sabren* zwei Worte: eS muß heißen: .Die Religion unserer Vorsahren im Volksglauben und Volksgebrauch der Gegenwart". 7ür jlusflngler empfehlen wir: Wanderbuch für die Mark Krandenburg 3 Teile, mit 55 Karte». Erster Teil: Nähere Umgebung Berlins.... Preis 1.50 M. Zweiter Teil: Weitere Umgebung Berlins, westliche Halste PrciS 2 Mi Dritter Teil: Weitere llmgebung Berlins, östlicheHälste Preis 2,50 M. 100 AnsMt um Snliu von Georg Siegerist. Mit 20 Karten.— 2,- M. Bon Georg Siegerist. Mit 10 Karten.— 1,50 M. Kießlings Taschenatlas der Um- gegend Berlins, mit 100 Aus- slügen....... 2,— M. Silva. Märkischer Wander-Atlas mit 16 Karten, kartoniert 1,— M. mit 22 Karten geb. 1,50 M. PharuS-Wauderkarte„Rund um Berlin«...... 1,50 M. Spezialtarten in reicher Auswahl und in allen Preislagen vorrätig. ftipödifion des„Vorwärts", Berlin SW., Lindenstr. 69, Laden. Dr. Simmel Spezial-Arzt• für Haut- und Harnleiden. Primenslr. 41, ÄÄ 10— 2, 5— 7. 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Vorsteher-Stellvertreter Casiel eröffnet die Sitzung und ver- anlagt zunächst die Einführung des für den verstorbenen Dr. Hermes neugewählten Stadtv. Einwaldt(A. L.) In längerer An- spräche, die die Anwesenden stehend anhören, gedenkt er sodann des schweren Verlustes, den die Stadt Berlin durch das Hin- scheiden seines Ehrenbürgers Robert 5toch erlitten hat: Seine wigenschaftlichcn Großtaten haben seinen Ruhm in die ganze Welt getragen, seine Forschungen über die Jnfektions- krankheiten werden der ganzen Menschheit für alle Zukunft zum höchsten Nutzen gereichen. Ter große Mann hat noch die Zeit gefunden, sich für die hygienischen Einrichtungen Berlins be- sonders zu interessieren; noch in jüngster Zeit hat er sein Gut- achten über das geplante Brustkrankenhaus in der Krankenhaus- deputation persönlich vertreten. Der Name diesesGrotzen wird unvergänglich und unverlöschlich als Für st der Wissenschaft in die Tafeln der Geschichte eingetragen sein. Eine große Anzahl von Rechnungen wird nach dem Antrage des Rechnungsausschusses ohne Debatte dechargiert. Der spezielle Entwurf zum Neubau der Baugewerkschule in der Kurfür st en st raße 141 ist von dem eingesetzten Sonder- ausschuß nach längeren Erörterungen, in denen namentlich die italienische Fassade und die kleinen Fenster Gegenstand der Kritik waren, schließlich mit 7 gegen 2 Stimmen zur Genehmigung vorgeschlagen worden. Der Kosteuanschlag schließt mit 707 000 M. ab; zwei Bauraten von zusammen 350 000 M. sollen zur Verfügung gestellt werden. Referent ist Stadtv. Körte(Fr. Fr.) Nach unwesentlicher Debatte wird die Vorlage nach den Aus- schußvorschlägen verabschiedet. Naniens des Petitionsausschusses berichtet Stadtv. Bruns(Soz.) über die Petitionen der Laboratoriumsdiener und der Heizer des städtischen Untersuchungsamtes um Aufbesserung ihres Einkommens und Regelung ihrer Gehalts. Verhältnisse durch Festsetzung einer Lohnordnung. Der Ausschuß empfiehlt, die Petitionen dem Magistrat zur Berücksichtigung zu überweisen. Stadtv. Wurm(Soz.): Der Dienst der Laboratoriumsdiencr ist ein sehr schwerer und gefahrvoller, der die größte Aufmerksamkeit erfordert und entsprechend bezahlt werden muß. Die drei Diener sind zum Teil mehrere Jahrzehnte im städtischen Dienst und haben früher höhere Bezüge gehabt. Der Magistrat niuß endlich das Versprechen einlösen, das er der Deputation, die einstimmig die Petition befürwortet, schon vor l.m.ger Zeit ge- geben hat. Auch mit der Petition der Heizer hat die Deputation für das Untersuchungsamt sich einverstanden erklärt. Stadtv. Professor Landau(A. L.) tritt ebenfalls für die Petition der Diener ein. Die Versammlung beschliefit dem ZluSschußantrage gemäß. Vom 2> (Große Bewegung.) Der Antrag wurde abgewürgt, aber der Kämmerer erklärte, er würde wiederkommen. Dieser Antrag scheint nur symptomatisch für eine Richtung, die jetzt auch in unseren Magistrat ihren Einzug gehalten hat. Zu allen anderen Erschwerungen will man jetzt noch eine Erholungsstcuer fügen, und im Hintergrunde steht der Prohibitivzoll für die Bildungsstätten! Da machen wir nicht mit. Hüten Sie sich, den ersten Schritt auf dieser abschüssigen Bahn zu tun! Berlin muß die Stellung als Handels-, Bildungö. und VcrgnügungSzentrum erhalten werden, die eS jetzt nock» besitzt; dann werden wir auch gegen die Abwände- rung Erfolge erzielen. Die Vororte sind schon aufS eifrigste am Werke, diese Stellung Berlins zu untergraben. Große Ge. schäfts- und Vergnügungszentren haben sich in den Vororten aufge» tan. noch mehr wird geplant; und bei dem Wagemut dort werden zweifellos diese Pläne früher oder später zur Verwirklichung kommen. Durch diese Vorlage treiben Sie alle Veranstalter von Vergnügungen in die Bororte. Eine Fremdensteuer wäre ja auch ganz verfehlt und falsch, selbst wenn-man sie auf die Fremden b«. schränken konnte. Durch die Vorlage werden aber gerade die Ein» heimischen und die unbemittelten Einheimischen besonders getroffen. Was leistet nun Berlin für die Fremden? Der Oberbürgermeister verwies 1906 auf die Pflastrrkosten der Leipziger» und Friedrich- ftwfcU fcfll®9S alles(Heitvstxit),- Meine©tffnRs gkgen die SJotTetgE Seien s?ck» juffi großen Teil mit Ausführungen, welche die„Voss. Ztg." lS06, leider nicht 1910. in einem ausgezeichneten Artikel gebracht hat. Ich kann Sie nur bitten, die Borlage ohne Ausscfyußberatung abzulehnen. (Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) Stadtv. Jacobi(A. L.): Wir unsererseits wollen die Vorlage nicht so ohne weiteres ablehnen. Auch hervorragende National- vkonomen wissen keinen rechten Unterschied zwischen direkter und indirekter Steuer; aber praktisch muh eine Steuer sein. Die Vorlage wird jetzt wohl zustande kommen, nachdem wir schon 1993 richtig erkannt hatten, daß wir neue Einnahmequellen brauchen. Schon die Millionen Gehaltsaufbesserungen machen das zur Notwendigkeit, wenn wir nicht über die 199 Proz. ins Ungewisse hinausgehen wollen. Ueberall stehen uns neue große Ausgaben bevor. Populär ist schließlich keine neue Steuer. Wie zur Wertzuwachssteuer müssen wir auch zur Lustbarkeitssteuer kommen. Natürlich machen die Interessenten Opposition. Die Theaterdirektoren werden mit ihren Einwänden auch gehört werden. In der größten Fremdenstadt Paris haben die Fremden nicht nur das Oktroi, sondern auch die Billettsteuer zu zahlen. Berlin mit seinen 39 Theatern kann doch keine Theaterfubventionen zahlen. Wenn die königlichen Theater nicht herangezogen werden können, kommt vielleicht in das ganze Projekt ein unheilbarer Riß. Wir beantragen Ausschußberatung. Stadtv. Mommsen beantragt um �9 Uhr Bertagung, da noch K Redner gemeldet seien, die alle längere Zeit sprechen werden: auch sei der Saal sehr schlecht besetzt. Stadtv. Borgmann bezweifelt, daß über 8 Tage eine bessere Besetzung vorhanden sein wird, und widerspricht der Vertagung. Gemeldet sind noch die Stadtverordneten Ladewig, Preuß. Mommsen. Feuerstein. Friedemann und Haber- lan d. Die Mehrheit beschließt die Vertagung; der Gegenstand soll äuf der nächsten Tagesordnung an erster Stelle stehen. Schluß 9Lg Uhr._ Genchtö- Zeitung. Bietet Billardspiel ein höheres Kunstintcresse bar? Die Veranstaltung einer Schaustellung im Umherziehen ohne Besitz eines Gewerbescheines und ohne Entrichtung der Hausier- steuer wurde dem bekannten Billardmeister Kerkau aus Berlin zur Last gelegt. Außerdem wurde er beschuldigt, die Veranstaltung nicht zur Lustbarkeitssteuer angemeldet zu haben. Er sollte das Hausiersteuergesetz und die Lustbarkeitssteuerordnung der Stadt Osnabrück übertreten haben. Herr Kerkau hatte nämlich«im oberen Saale des Reichsadlers in Osnabrück ein Schau-Billardspiel deranstaltet, wozu in einigen Zeitungen das Publikum eingeladen wurde. ES kostete eine Mark Eintrittsgeld. Etwa 79 Personen waren erschienen.— Das Schöffengericht sprach den Angeklagten frei, weil sein Billardspiel ein höheres Interesse der Kunst oder Wissenschaft beanspruchen könne und deshalb die Schaustellung weder unter das Hausiersteuergesetz, noch unter die Lustbarkeits- stcuerordnung falle. DaS Landgericht in Osnabrück hob jedoch dies Urteil auf und verurteilte den Angeklagten zu einer Geld» strafe. Wann ein Interesse der Kunst oder Wissenschaft vorliege, müsse von Fall zu Fall entschieden werden. Hier handle es sich um eine rein technische Leistung die zwar zu einer hohen Entwicklung gebracht sei, aber doch des ästhetischen Interesse ermangle, nament- lich da sie in einem Bierlokal dargeboten worden sei, wo das Pub- lttum ein. und ausgehen konnte. Die für Aufnahme einer höheren Kunstleistung nötige«Sammlung habe dort bei dem Zuschauer nicht aufkommen können. Der Zweck der Schaustellung seiner allerdings hochentwickelten Fähigkeit sei der gewesen, Geld damit zu verdienen. Jedenfalls sei es keine solche«Schaustellung gewesen, bei der ein höheres Interesse der Kunst oder Wissenschaft obwaltete. Der Angeklagte legte hiergegen Revision ein und machte geltend, daß auf jeden Fall ein höhere» Interesse der Kunst an- genommen werden müßte. Der Begriff sei vom Landgericht der. kannt worden. Das Kammergericht verwarf jetzt die Revision. Der Begriff der Kunst solle nach Meinung des Revidenten verkannt sein. Dem- gegenüber sei zu bemerken, daß es sich darum handle, ob bei der Darbietung ein höheres Interesse der Kunst oder Wissenschaft ob- waltete. Also nicht darauf komme es an, ob das Billardspiel an sich eine Kunst sei, sondern darauf, ob der, welcher bor dem Publikum spiele und eine Schaustellung damit darbiete, wie hier Kerkau, ein höheres Interesse der Kunst oder Wissenschaft ob- walten lasse. DaS habe das Landgericht im vorliegenden Falle ohne Rechtsirrtum verneint. Das Rechtsmittel müsse deshalb scheitern. Der Rächer seiner Mannesehre. Einen begreiflichen Freispruch, bei dem das rein menschliche Empfinden das Leitmotiv gewesen sein mag, gaben gestern die Ge° fchworenen gegen einen Mann ab, der sich mit dem Revolver an dem Zerstörer seines Eheglücks zu rächen versucht hatte. Aus der Unter- suchungShaft wurde der Holzbildhauer Hugo Massobin vorgeführt, um sich wegen versuchten Mordes zu verantworten. Den Vorsitz im Gerichtshofe führte LandgerichtSrat Ritze, die Anklage wurde vom Staatsanwalt Dr. Lehmann vertreten, die Verteidigung führte Rechtsanwalt Artur Daniel.— Der Angeklagte, der von seinem Arbeitgeber als ein überaus fleißiger und ruhiger Mensch ge. schildert wird, ist seit einer Reihe von Jahren verheiratet und hat zwei in noch jugendlichem Alter stehende Kinder. Er hat sich durch feiner Hände Arbeit mit der Zeit eine ganz hübsche Wirtschaft geschaffen, da seine Ehefrau bei der Verheiratung nicht das ge- ringste besaß. Die Frau hinterging ihn. Sie hatte vor einiger Zeit einen Kollegen ihres Mannes, den Holzbildhauer Otto Herzog, kennen gelernt, der zu der Frau seines Freundes in intime Be- ziehungen trat. Dieses Verhältnis wurde noch intimer, als der Angeklagte im November und Dezember v. I. an einer Lungen- und Rippenfellentzündung schwerkrank im Krankenhaus danieder- lag und mit dem Tode kämpfte. Während dieser Zeit lebte die Frau mit dem Freund ihres Mannes wie Mann und Frau zu- fammen, hatten auch in Gegenwart der Kinder nächtliche Zu- fammenkünfte in der Wohnung der Frau. Als Massobin aus dem Krankenhause kam, erzählte ihm seine Frau, daß sie ihn nicht mehr liebe und daß eS eigentlich schade sei, daß er nicht gestorben sei, da sie dann frei wäre. Dieses skandalöse Verhalten der Frau erfuhr im Januar d. I. noch eine weitere Steigerung. Als Massobin eines Abends nach vollbrachtem Tagewerk müde nach Hause kam, glaubte er erst seinen Augen nicht zu trauen. Er fand nur noch die vier leeren Wände vor. Während seiner Abwesenheit hatte seine Ehe- frau die von ihm mühselig erworbenen Sachen zusammengepackt und war mit den Kindern tn eine in der Nähe ihres Geliebten ge- legen« Wohnung gezogen. Bald daraus gab sie auch diese Wohnung auf und zog zu Herzog, bei welchem sie auch noch heute als„Wirt» schafterin" lebt. Diese Ereignisse hatten aus dem sonst heiteren Manne eine finsteren und leicht reizbaren Menschen gemacht. Er vernachlässigte seine Arbeit, die er seit Jahren inne hatte und gab schließlich diese Stellung auf. Nachdem er einige Zeit durch die Straßen geirrt war, beschloß er, an dem Zerstörer seines Eheglücks blutige Rache zu nehmen. Am 22. Februar d. I. stellte er sich mittag? vor dem Hause Reichenbergcrstr. bl, wo Herzog arbeitete, auf, da er wußte, daß H. um diese Zeit nach beendetem Mittagessen an seine Arbeitsstätte zurückkehrte. Als Herzog in den Hausflur hineinging, lies der Angeklagte hinterher und gab auf den, wie er selbst sagte, Ehebrecher einen Schuß ab. Die Kugel ging jedoch fehl, da der Geschäftsführer Möckel, dem das aufgeregte Wesen des Münnes tmfgefqllea ffor, ihm im letzten Augenblicke in den Arn» gefallen tvar. Der Angeklagte ließ sich dann ruhig abführen und gab offen zu, daß er die Absicht gehabt habe, erst den Herzog, der ihm das Leben vergällt habe, und dann sich selbst zu erschießen. — Dieses Geständnis wiederholte der Angeklagte auch in der gestrigen Verhandlung.— Der Vertreter der Anklage stellte es den Geschivorencn anhcim, die Schuldfrage nach versuchtem Morde oder nach versuchtem Totschlage zu bejahen. Rechtsanwalt Daniel plädierte auf Freisprechung des Angeklagten, indem er ausführte, daß ein Mann, dem sonst!«s denkbar beste Zeugnis ausgestellt werde, in einer derartig verzweifelten Situation wahrscheinlich in einer Art Zwang gehandelt habe, bei dem seine freie Willensbestimmung ausgeschlossen gewesen sei. Die Geschworenen verneinten unter leisen Beifallskundgebungen im Zuhörerraum beide Schuldfragen, so daß der Angeklagte freigesprochen werden mutzte. Das Gericht beschloß ferner, ihn sofort aus der Haft zu entlassen. Spandaucr WahlrechtSprozeß. Am 13. Februar fall der Arbeiter Genosse Richard Kohle ge- legentlich der Wahlrechtsdemonstration den Polizeibeamtcn, welche die Demonstranten, die von der Versammlung bei Köpnick, Pichelsdorfer Straße, kamen, an der Potsdamcrtorpassage nach der Ringchaussee hineindrängten, zugerufen zu haben:„Ihr seid ja ver- rückt!" Der Angeklagte, den Dr. Liebknecht verteidigte, bestritt in der Schöffengerichtsverhandlung am Mittwoch den Ausruf nicht, will aber damit seine Frau und die neben ihm Gehenden gemeint haben, nicht aber die Polizeibeamten. Die Polizeibeamten Funk und Hische machten als Zeugen einander widersprechende Aussagen: der eine sagte, die Ehefrau des Angeklagten ging auf dessen linker Seite, während der andere die Frau auf der rechten Seite gehen ließ. Trotzdem vernrteilte das Gericht den Angeklagten nach dem Antrage des Amtsanmalts zu 20 M. Geldstrafe. Christliche Kirchenmitglieder. Zu unserem Bericht vom 39. Mai über die stürmischen Vor- gänge in einer Versammlung kirchlicher Wähler der Auferstehungs- gemeinde wird uns noch geschrieben: Der Zeuge Herr Pfarrer Baethcke hat nur ausgesagt und konnte natürlich auch nur aus- sagen, daß in der von ihm und der orthodoxen Partei einberufenen Unglücksversammlung eine Diskussion deswegen nicht stattfinden sollte, weil dies die positiven Herren vnter sich vorher abgemacht hatten. Eine Mitteilung von dieser hinter den Kulissen getroffenen Verabredung ist aber in der Versammlung selbst wohlweislich unter- blieben. Es entspricht daher nicht den tatsächlichen VorMngen. daß eine„Diskussion ausdrücklich vorher als nicht zulässig bezeichnet worden sei. Um so peinlicher berührte daher das eigenartige Ver- fahren des Versammlungsleiters Herrn Pfarrer Baethcke, der das Flugblatt der Liberalen unter Nennung d«S Verfassers Herrn Dr. Frenkenberg scharf kritisierte und trotzdem diesem Herrn das Wort zu einer Erwiderung verweigerte, vielmehr die Versammlung kurzer Hand schloß, weil— wie sich später herausstellte— den positiven Einberufern eine Diskussion nicht paßte. Um dies Ver» fahren zu kennzeichnen und um sich zu verteidigen, betrat Herr Dr. Fenkenberg einen Stuhl, von dem er, seinen und anderer Zeugen Angaben nach, durch fremde Gewalt heruntergeworfen wurde, so daß er einen doppelten Armbruch sich zuzog. Verworfene Revision. DaS Reichsgericht hat die Revision des Schlossers Ernst Loose und sieben weiterer Angeklagten am Donnerstag verworfen. Die Angeklagten wurden bekanntlich am 16. Februar vom Schwurgericht Halle wegen Landfriedensbruchs, Körperverletzung und Beleidigung, begangen bei Gelegenheit des Mansfrlder Bergarbeiterstreiks» zu längeren Gefängnisstrafen verurteilt. Vernrifebtes. Ein probates]VKttct Mit banger Sorge sehen viele arme Frauen dem sich stets inehrenden Kindersegen entgegen. Bei ihnen bewahrheitet sich nicht das Sprichwort: Viel Kinder, viel Segen I Im Gegenteil, jeder neue Sprößling ist eine Sorge mehr, nimmt den schon vorhandenen Kindern einen Teil ihreS kargen Brotes fort. Um dieser Gefahr zu entrinnen, hat eine Frau Richard v. BopeliuS, des preußischen HerrenhauSmitgliedeS v. BopeliuS Ehehälfte, ein probates Mittel entdeckt. Die Frau beschäftigt sich als Gattin eines mehrfachen Millionärs nebenher mit der Leitung des Vaterländischen FrauenvereinS in Sulzbach a. Saar. In dieser Eigenschaft hat fie an eine Wöchnerin, die als Frau eines schwer um seine Existenz ringenden Bergarbeiters aus Hühnerfeld sSaarabien) Mutter von 14 Kindern ist, ein Schreiben gerichtet, das nach der.Pfälzischen Post" folgende Stelle enthält: Sulzbach a. Saar, 39. 4. 1919. An Frau G..... ..... Es hat überhaupt niemand das Recht, Ansprüche zu machen. Der Vaterl. Frauenverein kann doch nichts dafür, daß Ihr so viele Kinder habt. Ich finde, daß sowohl der Mann wie auch die Frau sich mehr hüten können davor. daß sie so viele Kinder in die Welt setzen. Mit kaltem Wasser kann man die Triebe auch zurück« ii alten, eine kleine Waschbiitte mit kaltem Waffer ist dagegen ehr gut für die Männer und vorher sich tüchtig müde schaffen. Ich wünsche Ihnen ein guteS Wochenbett. Frau Richard von VopeliuS. DaS von großer Sachkenntnis zeugende Mittel sollte Frau v. BopeliuS eigentlich zum Patent anmelden. Vielleicht hat sie auch so viel Einfluß auf ihren Gatten, daß dieser als lebenslänglicher GesetzeSmacher eine Borlage einbringt, die verlangt, daß jeder Familie eine kleine Waschbütte von Staats wegen geliefert wird. Die pHnz-Rcintncb-fahrt. Nachdem am Mittwoch bereits die Abnahme der Wagen für die diesjährige Prinz-Heinrich-Fahrt erfolgt ist. wurden gestern Morgen von 6 Uhr ab vom Bismarckplatz am Bahnhof Heerstraße 127 Automobile, die an der Fahrt nach Homburg v. d. H. teil- nehmen, abgelassen. Das Schauspiel hatte eine große Menschen- »nenge angelockt. Tausende von Zuschauern umsäumten die sich rechts und links der Heerstraße entlangziehenden Schmuckanlagen. DaS Programm der Veranstaltung sieht für den ersten Tag als Endstation Braunschweig(248 Kilometer) vor. In Abständen von einer Minute sausten in rasender Fahrt die Ungetüme davon. Bei G e n t h i n wurde eine Schnelligkeitsprüfung vorgenommen, bei der der Konsul F r i t s ch- Wiesbaden Sieger blieb. Die morgen zu durchfahrende Strecke, deren Ziel Kassel ist, beträgt 322 Kilometer. Aus der Fahrt geriet ein von Lengerke gesteuertes Auto- mobil in Brand. Meterhohe Flammen schlugen auS dem in rasender Eile dahinjagenden Wagen empor. Schließlich wurde der Wagen gebremst und die Flammen durch aufgeworfenen Sand erstickt. Bei Klein-Glienicke erlitt ein nach Genthin fahrender Benzwagen, der an dem Rennen unbeteiligt ist, einen schweren Unfall. An dem Wagen brach ein Vorderrad und der Wagen überschlug sich. Der Chauffeur des AutoS erlitt bei dem Sturze innere Verletzungen, während die Insassen des Wagens mit Hautabschürfungen davonkamen. Da eS sich um eine„nationale" Veranstaltung handelt, kommt man den Beteiligten sehr entgegen; Straßen, die nach der Auf- sassgng deS Keerg v. Ja g o w Md des WinisterS dem Berkehr dienen, werden g e s ß e k r 7. Eifrig sind Gendarmen und MilitZr- Personen bemüht, daß nichts die programmäßige Beendigung dee wahnsinnigen Raserei stört._ Vom Untergang der„Pluviose". Die bisherigen Arbeiten der Taucher an dem unter- gegangenen Boote haben erwiesen, daß der Tod der Mann- schasten der„Pluviose" keineswegs so schnell ein» getreten ist, wie erst behauptet wurde. Die Taucher haben an den Luken und Falltüren des Unterseebootes Spuren gefunden, aus denen auf einen verzweifelten Kampf der Mannschaft zu schließen ist. die versucht hat, die Luken zu öffnen, um ins Freie zu gelangen. Nach dem Bericht eines Marineoffiziers soll die Deck- platte deS Bootes ungefähr zu einem Drittel ab- geschraubt sein. Der Offizier schließt daraus. daß die Mannschaft bemüht war. ihr Leben nach dem Untergang des Bootes zu retten. Die Taucher haben trotz aller Schwierigkeiten, die die starke unterirdische Meeresströmung verursacht, eine Anzahl Ketten um das Boot geschlungen. Man hofft, das Boot bald heben zu können._ Aviatik und Mordtechnik. Während der im Juni zu Chattanooga(Amerika) stattfinden, den Heeresübungen wird die Regierung feststellen, ob Aviatiker imstande sind. 299 bis 399 Pfund Sprengstoff bei einer Geschwindigkeit von 4S bis 59 Meilen in der Stunde mit in die Höhe zu nehmen und ihn aus einer Höhe von einer viertel Meile auf Zielscheiben herabfallen zu lassen, die Befestigungen, Gebäude und auf einer Fläche von zwei Quadratmeilen versammelte Truppen darstellen sollen. Der Aviatiker Hamilton hat sich der Aufgabe unterzogen. 75 Bomben herabzuwerfen, und Leutnant JniliS von der HeereSsignalabteilung unternimmt eine Rekognoszierung im Flugapparat. Neuer Flug über den Kanal. Wie uns ein Telegramm aus London meldet, hat der englische Aviatiker Rolls einen Flug über den Kanal zwischen England und Frankreich unternommen. Rolls stieg mit seinem Flugzeuge in Dover auf und landete glatt bei Sangatte, einem Orte westlich von Calais. Zu sieben Jahre« Festungshast verurteilt. Wie uns ein Telegramm aus Prag meldet, wurde der Leut» nant L e w i ck h de» 29. Landwehrregiments vom Kriegsgericht zu 7 Jahren Festungshast verurteilt, weil er in einem Budapester tschechisch-radikalen Blatte gewisse Artikel über die Ler- Hältnisse in s einem Regiment inspiriert hat. Wie viel tausend Soldatemnitzhandlungen hätte der Mann ver» üben müssen, um zu einer gleich hohen Strafe verurteilt zu werden?_ Uebe Sparsamkeit! Im Amtsblatt der Tisenbahndirektion K a t t o w i tz befindet sich folgender Erlatz:% .Zur Erzielung größerer Wirtschaftlichkeit in der Verwendung von Briefumschlägen ist eS zweckmäßig, letztere möglichst mehrmals zu benutzen. Um dies zu erreichen, müssen die Briefe vorsichtig, etwa mit der dünnen Spitze eines Federhalters geöffnet werden. Bei einiger Uebung erfordert da» Oeffnen der Umschläge in dieser Weise kaum mehr Zeit als das Ausschneiden. In vielen Fällen können die alten Aufschriften durch» strichen und durch neue er fetzt oder, wenn dieS nicht mehr angängig ist, die Umschläge gewendet werden. Das Wenden der Briefumschläge wird stets zu erfolgen haben. wenn es sich um Briefe von Privaten oder von anderen Behörden mit aufgedruckter Firma oder um frankierte Briefe handelt. Durch dieses Verfahren läßt sich eine erhebliche Ersparnis an Briefumschlägen erzielen. Wir bestimmen deshalb. datz die bei den Dienststellen sowie auch bei den Inspektionen, Bauabteilungen, DirektionSbureauS und der Hauptkasse einsehenden Umschläge zu sammeln und, soweit eS angängig ist, in der angegebenen Weise wieder zu verwenden sind." Um eine genaue Kontrolle über die Befolgung der sehr zeit» gemäßen Verfügung zu habe»,, empfiehlt sich die Anstellung von Aussichtsbeamten bei den einzelnen Dienststellen. Folge des BierkrkegeS. Veranlaßt durch den zurzeit in Bayern tobenden vierkrieg hat ein Witzbold im.«Selber Tageblatt' ein Inserat folgenden Inhalts veröffentlicht: Bereinigung der baher. Stromer und Landstreicher. Infolge der ganz enormen Steigerung des BierpreifeS sehen wir unS veranlaßt, den Mndestsatz für milde Gaben von 1 auf 2 Pfg. zu erhöhen. Wir finden dieS um so mehr gerechtfertigt, als gerade unser Handwerk am härtesten dadurch betroffen wird. Der 1. Vorstand: Bruder Straubinger. In dem Inserat vermißt man, ob e»{ich um«ine.nationale' oder.christliche" Organisation handelt. Kleine Notizen. Während eineS heftigen Gewitters, daS in Hamburg am Donnerstag niederging, traf der Blitz ein auf der Binnenalster fahrendes Boot und tötete die beiden Insassen. Eine schwere Kessrlexplosion ereignete sich ,n einem Steinbruch in Devils Slide(Amerika). 20 Arbeiter wurden dabei ge, tötet und eine große Anzahl Arbeiter schwer verletzt. DaS gelbe Fieber in Italien. In die Stadt Cotignola wurde durch aus Südamerika heimkehrende Arbeiter das gelbe Fieber eingeschleppt. Bisher sind etwa 39 Personen er, rankt, von oenen 6 bereits starben. Abgestürzt ist in Steiermark beim Edelweißsuchen der österreichische Beamte Wolfgang. Der Leichnam deS Verunglückten wurde geborgen. DaS serbische Militärgericht hat die Verhaftung des Artillerieobersten Raschitsch angeordnet, der beschuldigt wird, gelegent- lich der Uebernahme von Kriegsmaterial Veruntreuungen begangen zu haben. E»n neuer Flngpreis. Der Aeoklub in St. LouiS hat«inen Preis von 49 999 Dollar ausgeschrieben, der dem Aviatiker zufallen soll, der mit seinen, Apparat die 659 englische Meilen lange Strecke JndiapoliS— St. Louis— Chicago— Indianapolis durchfliegt. Fortschptte der Cholera in Rußland. Neuerdings sind auch die Gouvernemente T a u r i e n und M o h i l e w für Cholera bedroht erklärt worden._ BrUfhaltcn der RcdahtCon. »1« fnTtttifdic»vr-WNunde flnbcl Ltnd,»ftraß, vir. 69. vor» vier Treppen— Falirftnhl—, wochentäglich von 4'i, bt» 7'/,Udr abend» tta»». Jeder Aniragr ist ei» Buchstabe und eine Zabl als«viertzeiche» beizufügen, vri etliche»lutwor» wird»ich! erteilt. Eilig« Frage» trag« man in der«vrechstuud» vor. K. F. Z. Es empfiehlt sich, auf Srund einer Ihnen erteilten Vollmacht und aus Grund einer von Ihrer E�wögerin auszustellenden eidesstattlichen Verstcheiung darüber, datz der Betreisenile im Besitz der Karte ist, beim Amts« gericht einen Antrag aus Erlaß einer.-Htttflweiligen Verfügung zustellen. — T. Wenn im Lehrvertrag nichts' ander«» bestimmt ist, sind die Abzüge unbegründet; eine Klage hat Aussicht aM Erlolg. Vorher müssen Sie die Firma zur Zahlung aufsordern.— BZ.$. 2 t.(SS liegt Verjährung vor, wenn nicht etwa nach dem öl. Dezember ISO? ein Anerkenntnis abgegeben ist oder Adzahlungen geleistet stnd.— Sö. St. 7. 1. Sie müssen selber innerhalb zweier Jahre 20 Marken klebe», auszcrdem mutz jedesmal inner- halb zweier Jahre, vom Tage der Ausstellung der Karte gerechnet, diese umgetauscht werden. Ersüllen Sie diese Verpflichtungen nicht, so gehen sämtliche Anrechte verloren. 2. Wir halten Sie für zahlungspflichtig. Ihre Mitglicdschast können Sie unter Beobachtung der in der Police genannten Bedingungen kündigen.— V. W. 8. 1. und 4. Stein. 2. und 3. Ja. — O. Jahn. Staatseinkommensteuern voll, Gemeindecinkonunensteucrii zur Hälfte.— Vorsicht, t. Die Benennung der Zeugen stellt keine straf- bare Handlung dar, wohl aber der— übrigens nichtige— Vertrag. 2. Sie persönlich wären, aus Grund des mitgeteilten Sachverhalts, nicht strasbar. Wir raten aber von der Hilscleistung ab: Sie sind dem Gläubiger gegen« über eventuell schadenersatzpflichtig.— D. 847. 1. Der Anspruch ist an fich begründet; die begründenden Behauptungen werden aber schwer zu beweisen sein. Forderungsberechtigt ist die Braut. Bei etwaigen Schreiben an den Betreffenden ist in vezug aus die Ausdrucksweise Vorsicht geboten. Etne strasbare Handlung läge auch vor, wenn der Nachweis gelingt. 3. Nur die Geburtsurkunde. Erinnern Sie.— M. R. 97. Nein. — Handel 34. 1. Koftcnsrei. 2. Ja. 3. Verschieden, entsprechend den ortsstatutarischen Bestimmungen. 4. Ja. 5. Die Höhe richtet sich nach der Eimoohncrzahl derjenigen Orte, für die der Wäiidcrgewerbcfchcin erteilt wird.— H.®. 24. L Sie haben Anspruch aus Aussteuer. Der Anspruch ist binnen einem Jahre nach ersolgter Verehelichung anhängig zu machen. 2. Die Erteilung des Armutszeugnisses müssen Sie bei dem Armen» kommissionsvorsteher Ihres Bezirkes beantragen. 3. Die Klage erscheint nicht aussichtslos. Zweckmäßig ist es aber, bei dem Nachlaßgericht einen neuen Auseinmtdersctzungstcrmin zu beantragen. 4. Die Veranlagung ist zu Unrecht ersolat. ES muß binnen 28 Tagen Einspruch eingelegt werden. E. C. 39». 1. Die Tätigkeit als ProvisionSreisender und die Form der Löhnung �Provision) schließt die VersichcrungSpflicht nicht aus. Provisions- reisende sind daher im allgeincincn versicherungspflichtig. Immerhin kommt eS aus den Inhalt des Dienstvertragcs und die Art der Tätigkeit an. 2. Der schätzungsweise zu bezeichnende Verdienst ist maßgebend. �□□□re�Tiiirpjj�DrcT'j Thealer und Vergnügungen MKÄiMZW Freitag, den S. Juni. Ansang Tl, Uhr. Königl. Opernhaus. Geschloffen. NcueS königl. Opern-Theatrr. Götterdämmerung. (Ansang S>/, Uhr.) ttönigl. Schauspielhaus. Der Rcnnonit. Anfang 8 Uhr. Lessing. Kasernenlust. Deutsches. Ueber unsere Straft Kamm erspiele. Jakob und Sttrtswffer. Komiime Oper. Zierpuppen. Zau- berflöte. Divertissement. Neues Schauspielhaus. Der Flieger. Steine». Nur ein Traum. Berliner. Taisun. SicueS. Die goldene Ritt-rzeit. NeueS Operetten. Der Gras von Luxemburg. Drianou. Geschloffen. Residenz. Geschloffen. Thalia. Glück bei Frauen. Hebbel. Wem gehört Helene? Koketterie.(Ansang S'/, Uhr.) Schiller O. i Wallner» Tdeuier.) Die Liebe wacht. Schale, Eharlottenburg. Zärtliche Verwandten. In Zivil. Ariedrick- llSilbrlmftädtischeS. Der Bielgeliebte. Boltsoper. Heimkehr.(Ansang «'/. Ubr.) Rose. Die(s litt. Lnstipielhaus. Das Leutnants- mündet Metropoi. Hailoh II— Die groß« Revue. Folics Caprice. Das Gespenst. Die verfolgt« Unschuld. (Ans. S'/. Uhr.) Eafin». Geschloffen. Apollo. Mahara. Spezialitäten. Wintergarten. Spezialitäten. Bailage. Spezialitäten. Reichsballen. Stettiner Einger. Karl Havelland. Spezialitäten. Walhalla. SvezialitSten. Prater. Im Reiche des Mars. Urania. Tandeuftraste»8/49. AbendS 8 Uhr: Im Lande der MMernachtssonne. Sternwarte, Jnvaltdenstr. 57—82 I�essinx-Ikeater. Gastspiel d. Kölner Residenz-TheaterS: kißU Kasernenlust. Berliner Theater. Heut« S Uhr: TstfUll. Mvrgen: Xatfnn._ Neues Theater. AV-ndS 8 Uhr: Die goldene Ritterzeit. Morgen und folgende Tage: IM« goldene Bitterzeit. Menea Operetten-Theater. Heute und folgende Tage 8 Uhr: Der Graf von Luxemburg. Sonntag nachmittag 3 Uhr, zu er- mäßigt. Preffen: vi« 0ollarprinre»»la. Frisdrich-WillisiinsMiscties Schauspielhaus. Freitag, den 8. Junt, abends 8 Uhr: Der Vielgeliebte. Schwank in vier Akten von Aisred Schmasow und Karl Heinz. Morgen und folgende Tage: Der Vielgeliebte. Lustspielhaus. Abends 8 Uhr: Das Leutnantsmündel Volksoper. SW., Lelle-Alltarice-Straße Nr. 7/8. Abends 8'/, Uhr: Heimkehr. OSE=THEATE Große Franks urter Str. l3L. Ans. 8 Uhr. Ende 1t Uhr. Die Schmuggler. Li Komödie in 4 Alten von A. Dinier. Morgen und folgende Tage: Die SGmuggler. Aus der Gartendühne:-Theater- Borstollung. Großes Konzert. Spezialitäten. Ansang 4'/, Uhr. ! Passage-Theater. I Abends 8 Uhr: „Tarlakoff" I #ilädel The Kentueks und das groBe Varield-Programm.| vwwwwwwww w w w w w www w w Schiller Schlller-TheaUr 0.(Wallner-Theat.) Freitag, abends 8 Uhr: Die lilcbe wacht. Lustspiel in 4 Akten v. G. A. de Caillavet und Robert de FlerS. Ende 10'/, Uhr. Sonnabend, abend» v Uhr: Zum ersten Male: Der Dihiiethehar. Sonntag, abends 8 Uhr: Der Bibliothekar. Theater. Schiller-Theater(Charlottenburg). Freitag, abends 8 Uhr: Die zdrtlich. Verwandten. Lustspiel in 3 Ausz. von R. Benedix. Hieraus: In 2ivli. Schwank in 1 Akt v. Gustav Kadelburg. Ende 10'/, Uhr. Sonnabend, abends 8 Uhr: Die sitrtUeh. Verwandten. Hieraus: In Zivil. Sonntag, nachm. 3 Uhr: Znptenstreieh. Sonntag, abends 8 Uhr: Die zhrtllch. Verwandten. Hieraus: In Zivil._ Brauerei Friedrichshain Am KUnigstor. Täglich nachm.: Frei-K.onzert von Kieodemtis Kotenhopf der beste Exentric-Kapellmeister der Welt mit großem Oroboster. Täglich abends: Gr. MilitärsKonzerte LUNA PARK Terrassen Halensee Größter Vergnügungspark des Kontinents TSglich geöffnet; Terraasen ab 1 Uhr, Lunapark ab 8 Uhr. Hagenbeck BÜlOW'PlatZ,»nd*r Kai,erp. Wilhelm- 8 Minuten vom Bahnhot Alexandcrpiati. 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Kreis 5. Bezirk(Ober-Barnim). Sonntag, den S. Juni IV 10. im Lokal des Herrn Karl Schlottke(früher Wittenberg)» in Werneuchen: Großes Bezirksfest � KunSts Und Reigenfahren, ausgeführt von Bundesverein-». Humoristische Vorträge$ Ball& Festrede« Nachmittags 3 ubr; Korsofahren durch die Stadt. Anfang S Uhr. 11/5_ Entree SO Ffg. Der KrelSvorstond. Urania. WiBBenschaftliches Theater Taubens tr, 48/49. Abends 8 Uhr: Im Lande der Mitten nachtssonne. ----- Nene. Programm!----- Sa 7ortaiada in ihrer neuesten Schöpfung: Abenteuer eines Toreros. E. H. Bostocks boxend. Känguruh. Les fleurs Polonaises: ein poln. Bauernfest Charles Hera, Jongleur. Therese Eenz, Sohulreiterin. Chung Ling Hee Troupe, ohin. Zauberer und Gaukler. De Dio, Phantasie-Tfinzerln. Kaufmanna Lady Cyclo Troupe. Durga, das flieg. Piano. Amann, Mimiker u. Charakteristik. Garoia, jongL Silhouetten. The Balzars, Oomio Orig. Art. Biograph, neueste Aufnahmen. I-Hr Hl AU-Hoablt 47/49. Täglich: Konzert, Theater, Spezialitäten. 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Operetten-Bnrleste in 1 Akt. ifHBHIFB E » f 3tlr.lf Theafer Weinbergeweg 18-20, Reeenth.Tor, j SlbendS 8 Uhr: Das neue Variete-Propnun.l Burgtheater- Kinematograph vorm. Groterjan, Jnhab.: Rud. Mörz, Schönhauser Allee 129. Tel. 3. 9353. Lebende Photographien. Wochen!. 80 u. 40 Pf. Anfang 7 Uhr. Sonnt. 80, 40 u. 60 Pf. Ans. 4 Uhr. Vorzugekarten nur Wochentags gültig. 25 Ps. aus allen Plätzen. Stets wechselndes Program«. Jeden Sonntag im Obersaal: ntT Künstler-Konzert. Entree 15 Ps. Garderobe 10 Ps. N. d. Konzert: Famlllon-Krlniehan. Volksgarten- Theater früher Welmann. Badsir. 8, Behm- u. Bellermannstraße. Täglich; Konzert-, Thenfer- und Spezialititen-Voratellung. DaS Riesen. Programm. Zur Aussührung gelangt: Der fliegende Berliner. VolkSstück in 6 Bildern mit Gesang und Tanz._ Schweizer- Rsptoil � Kllnlgetor— bnilcll Am Frledrlchihain. Täglich: Theater, i VolksbelustigiiBgen. Anfang S Uhr. Entree 80 Fl V oigt-Theater Gesundbrunnen Badstr. 58. Freitag, den 3. Juni 1810: Vebern großen Teich. Gr. Lebensbild mit Ges. und Tanz in 4 Abteilungen von Adols Phillipp. Etftklassige Spezialitäten. Das große Juni-Programm k Kasseneröffnung 2 Uhr, Slns. 4'/, Uhr. Kerlinkr Prater-Theater Kaatamenallee 7—8. Btf Täglich:-«1 3m Heiehe des Dftars Spezialitäten, Konzert u. Ball- Ansang 4'/, Uh r. Entree 30 Pf. f ulilnianns Theater Schönh. A. 148— Kastanien-A. 87/88. Die Aufsehen erregenden neuen Jnnt-Spezialititten. l.ee Nemion», Aeltrit-Musikal-M. Der ZirkuS auf der Bühne. e wunderbar dressiert. Zwergpfer Konzert'/� Uhr.'/,9 Uhr: Kerliu, tvie's baatu. kracht. Sonnabend: Etmvtihllngsftier verbunden m. Prämienverteilung. Ksri Haverland Ansang Theater, präz. 8 U. 77/79.Kommandantenstraße 77/79. TBgllch nur eretkl. Spezialitäten. »».to iMjiingt Sonnabend, Sonntag, Mtttwoc Donner«! Win Täglich: vrokes Miiitör- i t Doppel-Konzert Eintritt 1 Mark, von abends S Uhr ab 50 Pf., Kinder unter zehn Jahren die Hälft«. Vereins-Sranerei Rixdorl, Hcrmannstr. 214/219. Oekonom: Max Wandt. ■ST Tilglieh:-Hg» Gr. Militär-Konzert. Jeden Dienstag: Cr. Mer-FnAiM Sntr. 15 Pf Mütze ob. Schärpe grat. Für den Inhalt der Inserate übernimmt die Redaktion de« Publik«« gegeuffher ketuerlei Verantwortung. Der Name MAGGI verbürgt dem Käufer Gate and stete Gleicbittäßlgkeit. Die echten WAGGl-Ergengnlsse(Schutzmarke Krenzstern) slni altbewährt und genießen allgemeines Vertrauen, well sie nur aus erstklassigem Material unter sorgfältigster Kontrolle hergestellt sind. Man verlange stets ausdrücklich MAGGI8 Würze ♦ MAGGI8 Suppen ♦ MAGGI8 Bouillon-Würfel und achte auf die X. .1600] 341.15 >1600} 70« 2i 37040 73 82. Ziehung 5. Kl. 222. Kgl. Prettss. Lotterie Zlcliung vom S. Juni, vormillngs. Uur die Gewinne über 240 Mnrlr sind den betrettenden Nummern in Klammern beigefügt. (Ohne Gow&br.)(Nachdruck verboten.) «4 131 48 95 213 343 435 504«29 814 93 948 1205 T8 874 1500] 407 809 2074 404 615 880 3138 366[5001 427 551 831 70 904 4037 71 117 310 988 5 22« 35 400 63") «7 704 6013 45 201 83 403 515 33 683[500] 713 7126 72 304 519 90 610 42 77 815 946 8005 135 95 1600] 336 554 •16 734 843 9115 201 440 639 904 63 10046 51 71 13000] 121 200 11000] 733 89 90 11158 144 413 622 47 728 45 61 934 12010 277 81 381 43 617 775 913 13430[3000] 609 628 809 14037(3000] 100[500] 254 372 413 580 653 94(500] 722 74 979 1 5011 196 503 25 664[1000] 16023 30 188 360 78 403 631 628 95 752 940 >17013 481(lOOO] 632 38[600] 83 793 888 1 8036 68 {5000] 399 1506] 627 022 762 1 9034 82[500] 155 270 [lOOO] 50 1 678 915 2O002 75 25« 1500] 308 416 665[600] 830 940 71 flOOOj 2 1 381 982 2 2 355 554(500] 649 969 2 3069 418 571 673 804 046 2 4084 345[ 500] 593 854[500] 25161 ZOO 710 500] 848 26,:91[500] 315 868 995 2 7078 356 <1000] 666 89 2 8273 362[1000] 414 514 35 630 719 22 29001 261 411 097[500] 3 0 077[500] 150[SOOO] 474 842 57 31108 278 865 «10[soooj 803 3 2122[500] 217 93 323 411 80 80[500] 604 717 13000] 916 3 3030 84[3000] 275[ 500] 92 344 607 ' 34115 206[ 3000] 778 910 60 35028 449 612 14 32 29 96[500] 947 66 85 3 6162 569 85 829 999 I 391 423 687 700 817 877 3 8100 46 435 60 «58 56 849 970 3 9 077 423 46 40007 449[500] 584«96 739 802 977 41106 73 V5S 331 37 949 98 42134 71 214 346 569 718 70 942 •43232 348 637[500] 860 938 4 4070 223 79[SOOO] 900 28 4 3104 42[500] 60 302 18 29 99 475 558 763[HOO] 895 46104 669[1000] 703 802[500] 942 4 7093 136 68 94« 90 4 8413 26 3«[SOOO] 559 64 601 38 758 49123 830 82 600[ 500] 88 967[1000] 90 5O034[500] 125 71 25« 324 401 40[3000] 78 827 «1021[500] 267 74«85[500] 726 33 5 2174 211 18000] 318 512 602 719 801[500] 937 5 3 036 111 213 338 501 80 805 5 4 075[1000] 390 637 82[SOOO] 708 5 5020 275 315 774 5 6 799 812 5 7186 222 656 88[500] 9« 640 916 (SOOO] 58072 428 509 71 877 927[1000] 5 9017 80 65 279 843 64 450[lOOO] 604 44 71» 878 60149 211 795 800 6 1 020 88[3000] 85 96[8000] 263 «Ol 72 81 834 40 57 983[ 3000] 62377 784 894 63004 81 150 558 611 12 90 818 45 6 4 258 63 762 80« 87 973 6 5 282 305 33 060 732 51 904 60 6 6062 96 305 691 715 6 7 284 «8 894 68167 269 437 685 978[lOOO] 69039 427[500] 560 7 0030 78 181 80[500] 217 370 602 81 704 847 71045 '428 40 53 541[3000] 617 45 726 36 801 1« 71[1000] 72 7 2001 200 59 637«0[lOOO] 85 802 901 73100 65 267 «48 682[ 500] 079 7 4-88 507 727 58 7 5039 290 67« 931 32 88 7 6047 65 1 3 7 364 671 78 707 7 7 090 180 60 84 95 307[3000] 55 613 716 826 7 8202 567 675[600] 787 941[600] 7 9066 268 397 621 705 7 80377 9« 716 875 81044[ 3000] 803«28 781 840 82853 655 72 987 8 3062 188 222 88 423 47 769 840 84 165 293 94 578 8 5 032 501 783 835 44 63 8 6133 279 355 68 485 715 82 8 7872 78 402 572«19 817 88128 [1000] 336 39 403 582 758 91 887 94 89189 689 93 791 90179 301 601 979 99 9 1 318 87 560 712 46[1000] 71 «53[1000] 02 363 831[500] 56 75 942 9 3451 55 617 746 «4162[1000] 200 323 720 836 9 5200 8 549[1000] 852 «10 9 6110 25 229 889 9 7000 47 57 218 494 529[3000] 92 •34 55 68 97 9 8014 60 161 994 9 9 015 278 75? 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(Ohne Gewähr.)(Nachdruck verholen.) 106 31« 443 47 812 962 1663 91 925 37 2025 79 248 401 79 578 790[ 3000] 875 924 3 033 88(XOOO) 376[3000] 636 665(1000) 330 4079 188 51» 716 893 5010 204 29 457[5000] 755 63 824 6 317 18«[5601 89 620 67 7146 68 215 37 74-7 439 63 621 737 98 992 8313[3000] 20 406 10[lOOO] 503 637 87 784 833[500] 54 908 7 2 0029 129 41 266 353 441[3000] 53 97[lOOO] 512 63 608 852 937 64[1000) 10173 285 412 637 911[500] 1X095 185 204[500] 390 440[500] 98 559 752 63[500] 990 12008[5001 176 303 538«1 852[ 5000] 81 755 77 85 13005 22 151 318 54 426 69[3000] 536 46 658 765 6 7 800 1 4051[500] 25» 318[500] «SO 675[500] 15050 82 167 259 459 80 610 784 381 16321 727 907 17120 52 79 284 313 415[500] 769 806[1000] 972 99 1 8293 362 65 83 531 44 643 84 703 915 72 83[500] 10064 180 257 321 722 83 823[500] 2O073 210[3000 52 490 93 715[500] 79 589 911 2 1017 235 302 79 432 515 804 42 2 2063 73 189 91 95 29.3 383 420 47 89 566 919 23192 453[500]«5 84 534 733 5» [500] 959 24196 722 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Damenfahrrad, Halbrenner, taum benutzt 38,90. Brandt, Grotz« Franksurterstratz« 12i. Ouergebäude.+36* |et, Zwei. neue jpott- Grotze Franksurterstr. 14, Kammereit. Musik. Bivlinunterricht(neue, doppelt fördernde Metbode bi« zur Vollendung) gibt erfahrener KünIUer wöchentlich, auf Wunsch auch nur eine Lettion a l.L5 M., bei zwei Schülern je 75 Ps. Offerten unter D. 2 Expedition des .Vorwärts-,[» Verschiedenes. Englischen Unterricht für Anfänger und Vorgeschrittene, Einzclstunden und im Zirlel erteilt G. Swienttz, Schöncbcrg. Sedanstratze 57. III.* Kiinststovserei von Frau KotoSth -chlacht-niee. Kurltratze S. III Paieurauwali Weisel. Gilschuier« kratze»4a._______ Kupfer. Messing, Plattnabsälle, Sttberabsälle. Goldschmelze Nieper, Kövenickerstratze 20»(gegenüber Man- teuflelstratze). 205K» .Ardeitsmarkt. Vermietungen. Laden, geeignet für Lebensmittel- Verkauf, mit Wohnung und Uebcr- nähme von Fabrikkanttne(zirka 160 Personen), preiswert zu vermieten. Danneberg u. 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Köpenickerstratze 146. 2331b »ersilberer verlangt Barnim. ftratze 41._+118 Tüchtigen Einballicier aus Gold« leisten verlangt Werkmeister, Brunnen- ftratze 194. 2388b Selbständige Schlaffer sucht Emil Nachtigall, Lindenstratze 78. 2930b Rcbenverdienst für jedermann. AuStunst kostenlos. Wols, Zwickau (Sachsen), Nordstratze 30. 900K Für meine Fabrik vorgezeichn Stickereien suche ich sofort einen Drucker GZauser). Karl Köder, Hamburg, Gänsemarkt 30. Achtung! Holzarbeiter ZLegen Streik und Differenzen sind gesperrt: Möbelfabrik Glückert in Darmstadt sowie die in Berlin und Umgegend befindlichen Bauten dieser Firma. Alle Betriebe der Orte Augermünde, Ebcrswaide und Sorau. Gleichzeitig ersuchen wir die Kollegen aller Branchen der Holz» mdustrie daS VermittelungSburean deS gelben.Handwerkerschutz. Verbandes- streng zu meiden. Die OrtSverwaltung. Lergntiportlicher Redakteur Richard Bartj, Berlin. Für den Snjeratenteil verantw..' kh, Glocke, Berlin. Druck».Verlag[Lorwürttlvuchdruikerei u. Berlagsanftall Paul Singer& So. Lellm SW. Nr. 127. 27. Jahrgang. 3. Keikze des Jornirte"(Itiliiitt Polbblntt. Freitag. 3. Juni 1910 Partei- Angelegenheiten. Britz-Buckow. Sonntagnachmittag 6 Uhr findet bei Klein, Buckow. Chausseestr. 12, eine öffentliche Versammlung statt. Tages- ordnung: 1. Vortrag der Genossin Frau Berta Lungwitz über«Die Frau im politischen Kampfe." Diskussion. Verschiedenes. Sonntag früh 8 Uhr: Handzettelverbreitung. Der Vorstand. Stralau. Am Montag, den 6. Juni, abends S'/s Uhr, findet bei Schmidt, Markgrafendamm 6, die Mitgliederversammlung des «Vereins Jugendheim" statt. Da wichtige Beschlüsse zu erledigen sind, werden sämtliche Mit- glieder sowie auch Parteigenossen, welche eS werden wollen, ersucht, zu erscheinen. Herzfelde. Sonntag, den 6. Juni, nachmittags 2 Uhr: Ocffent liche Versammlung für Frauen und Männer im Restaurant Wachtel- bürg zu Henuikendorf. Tagesordnung:„Der Kampf der Arbeiter um Freiheit und Recht." Referent: RcichstagSabgeordneter Artur Stadthagen. Die Berliner Genossen, welche nach hier einen Ausflug machen, werden ersucht, an dieser Versammlung teilzunehmen. Die Bezirksleitung. Gussow(Kreis Teltow). Am Sonntag, den 5. Juni, nachmittags 3 Uhr, findet im Lokale des Herrn Schuft eine öffentliche Versamm- lung für Frauen und Männer statt. Tagesordnung: Der Klassen- kämpf des Proletariats. Referentin: Frau Frida Wulff- Berlin. Diskussion. Nach der Versammlung gemütliches Beisammensein. Frauen und Männer! Erscheint in Massen zu dieser Versammlung. Bezirk Oranienburg. Sonntag nachmittag 3>/z Uhr findet für die Ortschaften Malz, Friedrichsthal,' Glashütte, Fichtengrund und Umgegend eine öffentliche V e r- a m m l u n g im Garten des Lokals von W. N e u b e r t in Malz tSchleuse) statt, in welcher der Genosse Neichstagsabgeordneter Emil Eichhorn über die politische Lage in Preußen und Deutsch- land spricht. Parteigenossen, agitiert für Massenbesuch dieser Ver- sammlung._ Die Bezirksleitung. Berliner JMaebriebten. Aus der Stadtverordnetenversammlung. Wie steht es um die Löhne d e r G e ni e i n d e- arbeiter? Wo bleibt die Erfüllung des Versprechens, daß ihnen die Löhne allgemein aufgebessert»vcrden sollen? Ueber den AntragdersozialdemokratischenFra k tion, der dem Magistrat eine Auskunft auf diese Frage abnötigen will, wurde gestern verhandelt. Was Genosse Wehl zur Begründung vorbrachte, war ein so überzeugender Nachweis der Notwendigkeit einer endlichen allgemeinen Lohn- a u f b e s s e r u n g für die Gemeindearbeiter, daß der ant- wortende Oberbürgermeister Kirschner es vorzog, auf Einzelheiten lieber nicht einzugehen. Er begnügte sich damit, den mahnenden Ausführungen unseres Redners die kecke Behauptung entgegenzustellen, die durch die Wirtschaftslage notwendig gelvordene Erhöhung der Geineinde- arbeiterlöhne sei schon vor zwei und drei Jahren vorweg- genommen worden. Von einer nochmaligen Aufbesserung für die Gesamtheit der Gemeindearbeiter köime, so fügte er hinzu, keine Rede sein. So, nun wissen es die Arbeiter unserer Stadt genau, was sie zu erwarten haben! Daß sie etwas anderes erwartet hatten und nach früheren Erklärungen des Oberbürger- meisters auch erwarten durften, setzte Genosse H i n tz e in einer Erwiderung auseinander. Zu einer weiteren Debatte kam es dann nicht mehr, und der Autrag unserer Genossen wurde angenommen. Die Versammlung darf nun einer Vorlage zur Kenntnisnahme entgegensehen, in der der Magistrat wird eingestehen müssen, daß die Gemeindearbeitcr Berlins wieder mal durch den Stadtfrcisinn in ihren Hoff- nungcn betrogen worden sind. Die Beratung der neuen Vorlage über die L u st b a r- keitssteuer nahm die zweite Hälfte der gestrigen Sitzung in Anspruch. Ter Stadtkämmerer Steiniger führte das Kind seines Geistes ein und empfahl es den Stadtverordneten mit der Versicherung, die Stadt brauche Geld und müsse es natürlich da nehmen, wo es zu kriegen sei. Genosse H e i n> a n n wies nach, daß es— wie immer— wieder in erster Linie die minderbemittelten Schichten der Bevölkerung sind, von denen man„das Geld kriegen" will. Das eben sei der F l u ch aller i n d i r e k t e u S t e u e r n. daß sie nur dann etnms einbringen, wenn sie die Masse treffen. Unser Redner geißelte in sehr wirkungsvollen Ausführungen die Verteucrungspolitik des Magistrats, der den alles verteuernden Steuerkünsten der volksfeindlichen Neichstagsmehrheit nacheifern zu wollen scheine. Syniptonmtisch sei in diesr Hinsicht der bei dem Kämmerer rege gewordene Wunsch, sogar für die Benutzung der Volksbibliotheken künftig eine Gebühr zu erheben. Diese Mitteilung wurde von dein Tribünenpublikum mit entrüsteten„Pfui"-Rufen begleitet, die deni Magistrat deutlich genug zeigten, wie man in der Bevölkerung über seine skrupellosen Plusinachergelüste denkt. Heimann schloß seine großangelegte Rede mit dem Rat, die geradezu kulturseindliche Lustbarkeitssteuervorlage kurzerhand ohne Ausschußberatung abzulehnen. Ihm antwortete ein Wort- sichrer der freisinnigen Mehrheit, der Stadtverordnete I a c o b i, mit der rückhaltlosen Erklärung, es sei„ganz egal, ob eine Steuer eine direkte oder eine indirekte i st".„Sie muß nur," fügte er hinzu,„m ö g- l i ch st viel einbringen, dann ist sie eine gute". Gewiß, das ist die Weisheit aller Befürworter indirekter Steuern. Ueber Herrn Jacobi kam gestern die Beratung nicht hinaus. Ein Antrag Mommsen forderte im Hinblick auf die große Zahl der noch gemeldeten Redner die Vertagung, die gegen den Widerspruch unserer Genossen beschlossen wurde. Ter Attentäter mit der Konservenbüchse. Herr Abraham Eierweitz, welcher am 1. Juni nach dem Krön- Prinzen die Konservenbüchse mit den Perlbohnen warf, ist, wie uns mitgeteilt wird, der nämliche, welcher am Ü. Mai 1vl)g in der Aula der Gemeindeschule, Kleine Frankfurterstraße, woselbst Sonn- tags die Vorträge der Freireligiösen Geineinde stattfinden, den Rc- volver gegen Herrn Dr. Bruno Wille richtete, in dem Augenblick, als derselbe von der allgemeinen Menschenliebe sprach. Der offen- bar geisteskranke Mensch zog einen Revolver aus der.Brusttasche und richtete denselben auf Dr. Wille mit den Worten:„Das wer- den Sie jetzt erst beweisen!" Der zweite Vorsitzende, Genosse Adolf Hoffinann zog ihn aus der empörten Zuhörerschar heraus und führte ihn behufs Feststellung seiner Person, da er sich weigerte, anzugeben, wer er sei, und erklärte, er lege großen Wert daraus, daß die Sache, der Behörde gemeldet werde, zur Polizeiwache nach der Großen Frankfurterstraße. Hierselbst stellte es sich nicht nur heraus, daß der Revolver un- geladen, sondern daß Eierweiß unzweifelhaft geistesgestört war, denn er behauptete, daß er das„Attentat" nur begangen habe, um seine Erfindung auf dem Gebiete der Wissenschaft bekannt zu machen.„Die Schraube» die an dem sogenannten Appart Wissen- schaft noch fehle, befände sich in seinem Besitz". Er hätte Dr. Wille das Manuskript einer Broschüre darüber geschickt und keine Ant- wort erhalten. Ein paar Tage später schickte Eierweitz an Hoff- mann einen vier Aktenseiten umfassenden, mit der Schreibmaschine hergestellten Brief, in welchem sich unter anderen Sätzen auch folgende befanden: „In kurzer Zeit wird eine von mir verfaßte Broschüre er- scheinen, mit dem Titel„Der Attentäter" und an alle Gelehrten der Welt versandt werden. In dieser Broschüre Ivird Haupt- sächlich der Grund geschildert, was mich veranlaßt hatte, einen fogenanntcn Mord an so einem Manne zu begehen, für tvelchen ich, loic überhaupt für solche Gelehrten, schwärme. Ich gebe Ihnen die Versicherung, daß Herr Dr. B. Wille keine Zeile, also den Sinn meines Werkes nicht verstanden hat. Trotzalledem bin ich ihm nicht feindlich gesonnen. Es wäre mein voller und heißester Wunsch, vor Ihnen, in Gegenwart noch einiger Ab- geordneten, Berichterstatter und Gelehrten, mündlich Erklä- rungen über den Ausgang des Attentates abzugeben, und bitte höflichst mir Gehör zu schenken. Hochachtungsvoll der Attentäter Abraham Eierweiß, Mcyerbeerstraße 9." Diesen Brief übersandte Hoffinann der Behörde, mit dem Be- merken, daß nach Lage der Sache weder die Freireligiöse Gemeinde noch Herr Dr. Br. Wille an der Verfolgung der Sache irgend welches Interesse hätten, die Frau des pp. Eicrweiß, die wieder- holt bei Hoffmann gewesen wäre, nur wirtschaftlich durch eine Ausweisung Eierweiß' als Ausländer unschuldig und ungerecht- fertigt schwer geschädigt würde. Der erste Amtsanwalt teilte dann am 28. Januar 1910 mit, daß er zu einem Einschreiten gegen Eierweiß, das natürlich von keiner Seite beantragt war, nicht in der Lage sei und das Verfahren gegen den Betreffenden einstelle. Wir können natürlich nur wünschen, daß im Interesse der unschuldigen Frau und ihrer Existenz die Sache diesmal für den „Attentäter" ebenso glimpflich abläuft. In der gestrigen Sitzung der StraßcnrciniguilgSdepntation lag der Bericht über die Beseitigung der im letzten Winter nieder- gegangenen Schneeinassm aus den Straßen Berlins vor und was sie gekostet hat. Die erste Schneeperiode dauerte vom 17. November bis 3. Dezember vorigen Jahres, die zweite setzte am 25. Januar dieses Jahres ein. Insgesamt wurden in beiden Perioden 274 903 Kubikmeter Schnee beseitigt. was einen Kosten- aufwand von 344 605 M. erforderte. Durch Unternehmer wurden abgefahren 221634 Kubikmeter, dnrch Fahrzeuge der Rieselgüter 15 736 Kubikmeter, und durch die Arbeiter der Verwaltung wurden 37 538 Kubikmeter beseitigt. Von den Unternehmern mußten täglich 1180 Wagen gestellt werden. Verlangt wurden während der beiden Schneeperioden täglich 3000 Hilfsarbeiter. Die Zahl der sich Meldenden betrug 1300, an die eine Lohnsumme von 73 261 M. gezahlt wurde. Nach einem statistischen Ausweis hat die Schnee- abfuhr in der Zeit von 1890 bis 1909 die Summe von 6 876 575 M. verschlungen. Davon entfielen als Lohnsumme auf die Hilfsarbeiter 1 917 736 M. Der Ausnahme mehrerer Straßen in den Arbeitsplan wurde zugestimmt.— Desgleichen der Weiterzahlung der Uiiterstützung von jährlich 420 M. an den entlassenen Arbeiter Marks.— Die Unterstütznng an den entlassenen Arbeiter Kleinschinidt wurde auf jährlich 240 M. reduziert, da er inzwischen eine Stelle bei der Wach- und Schließgesellschaft erhalten hat, mit der ein Jahreseinkommen von 960 M. verbunden ist.— Der Versicherung der Mobilien der Verwaltung bei einer privaten Versicherungsanstalt wurde zugestimmt in Verbindung mit Verneinung der vom Magistrat ge- stellten Anfrage, ob sich die Gründung einer städtischen Bersicherungs- anstatt empfehle.— Die Statistik der Disziplinarstrafen weist die Ziffer von 25 Prozent auf, ivorunter jedoch die schweren Fälle nur 6 Prozent ausmachen. Die größere Mehrzahl der Fälle ist auf Zuspätkommen beim Dienstantritt zurückzuführen.— Zum Kongreß der Verwaltungen für städtische Straßenreinigung, der im August d. I. in Brüssel statlsindet, werden Herr Baurat Spalla. Subdirektor Herr Nobeling und Stadtv. Jakoby delegiert.— Zugestimmt wurde der Umwandlung der letzten sechs noch mit Pferdebespannung im Betrieb befindlichen Waschmaschinen in solche mit Motorbetrieb, und der Anbringung von Spiegeln in den Kabinen der Bedürfniöhäuschen, die der Reklame dienen sollen. Als Gegenleistung wird der Unter- nehmer das Klosettpapier liefern, wodurch der Verwaltung eine Er- sparnis bis zu 2500 M. erwächst. Die„EmpfangSräume" der Armeilpfleger geben immer wieder Anlaß zu Klagen. Im„Vorwärts" ist wieder- holt gerügt worden, daß z. B. Armenpfleger, die ein Ladengeschäft haben, die Auszahlung der Unter st ützungen einfach in ihrem GeschäftSlolal vornehmen. Dieses Ver- fahren ist bequem für die Geschäftsinhaber, aber eS stellt die Be- dürftigen bloß, da sie von jedem zufällig eintretenden Käufer beobachtet werden köirnen. Die Veröffentlichungen durch den „Vorwärts" haben die Folge gehabt, daß die Armendirektion die.EmpfangSräume" der Armenlommissionsvorsteher, denen ja aus denk Stadtsäckel eine jährliche Vergütung von 300 Mark gewährt wird, einmal eiirer genaueren Besichtigung unterzog. Die Armen- direklion sollte aber ihre Wißbegier auch auf die anderen KounnissionS- Mitglieder ausdehnen, soweit sie damit betraut werden, Unter- stützungen auszuzahlen. Wird ihnen auch nicht, wie den Vorstehern, eine Vergütung zugebilligt, so muß doch gefordert werden, daß auch sie einen angemessenen Raum hergeben. Das ist gewiß nicht zu viel verlangt, da sie ja nur einmal im ganzen Monat für eine oder zwei Stunden in die Lage kommen, Arme bei sich zu sehen. Die neueste Klage, die uns vorgetragen wird, richtet sich gegen einen Materialwarenhändler Puhl mann, Mitglied der Armenkom Mission 125?, zu der die Woldenberger Straße nebst Teilen der Pasteur«, Hufeland-, Esmarch- und Allen- stciner Straße gehören. Auch dieser Herr hält es für unbedenklich. den ihm zugewiesenen Armen die Unterstützungen in seinem offenen Laden(Woldenberger Straße 32) auszuzahlen. Herr Puhlmann hat als Auszahlungszeit die Stunden von 8—10 Uhr vormittag« ge- wählt, in denen bei ihm, wie wir am 1. Juni durch eigene Be- obachtung festgestellt haben, bereits ein recht reger Geschästsverkehr herrscht. Da werden dann in seinem Laden neben-»nd durch- einander die Käufer und die Armen abgefertigt, so daß die Unter- stützungsempfänger sich von Unberufenen beobachten lassen müssen. Wenn der Armendirektion diese lliigehörigkeit bisher nicht bekannt gewesen ist, so wird sie hiennit von uns darauf aufmerksam ge- macht. Allerdings kann man bezweifeln, ob solche Belehrung der Armendirektion über die in ihrer Verwaltung herrschenden Zu- stände den gewünschten Erfolg haben wird. ES wäre nicht das erste Mal, wenn trotz öffentlicher Festnagelung alles beim alten bliebe. So haben wir vor zwei Monaten an dieser Stelle die Armen- direklion darauf hingewiesen, daß in der A r>n e n k o m m i s s i o n 60, die Teile der Wiener Straße und einiger anderer Straßen nahe dem Görlitzer Bahnhos umfaßt, das Kam- »nssionsmitglied Kaufmann Voigt, den Armen die Unter- stützung in seinem Materialwarenladcn(Wiener Straße 47) aus- zahlt. Am 1. Juni wollten wir uns durch den Augenschein davon überzeugen, ob inzwischen dieser Zustand beseitigt worden ist. Aber nach wie vor fertigte Herr Voigt die Unterstützungsempfänger in seinem offenen Laden ab, unbekümmert darum, daß zwischendurch seine Kunden kamen, die das mit ansehen konnten. Wir glauben zu wissen, daß dem Chef des ArmeuwesenS unserer Stadt keine der Kritiken des„Vorwärts" an der von ihm geleiteten Verwaltung entgeht. Wir stellen fest, daß unsere damalige Mitteilung über den „Empfangsraum" des Armenpflegers Voigt nicht zu einer(Be- seitigung jenes von nnS gerügten Unfugs geführt hat. Man wird uns fragen, ob ein Geschäftsmann, der als Armen- Pfleger Unterstützungen auszahlen muß, etwa an jedem MonatScrsten auf eine oder zwei Stunden seinen Laden schließen soll, um in seiner Wohnung die Armen abzufertigen. Nein, das soll er nicht und das kann er auch nicht. Aber eben deshalb, tveit er es nicht kann, soll man die Auszahlung anderen Koinmissions- Mitgliedern überlassen, die kein offenes Geschäft haben und ihre Wohnung hergeben köirnen. ES ist überhaupt bedenklich, die Unter st ützungen durch Geschäfts- leute auszahlen zu lassen. Arme könnten leicht sich für sozusagen verpflichtet halten, gegen ihre Neigung bei dem betreffenden Geschäftsmann sogleich Einkäufe zu machen. Festgestellt ist, daß bei dem Kaufmann Voigt tatsächlich ein Teil einer eben empfangenen Unterstützung sofort für entnommene Waren hingegeben wurde. Und über den Kaufmann Pnhlmann wird nnS gesagt, daß auch bei ihm derartiges vorgelominen sei._ Rollschuhlaufeu und Schule. Um dem Rollschuhlaufen aus den belebten Straßen Berlins zu steuern, hat die städtische Schul- deputation folgende Verfügung erlassen:„Der Polizeipräsident hat bereits Iviederholt in öffentlichen Bekanntmachungen darauf hin- gewiesen, daß die Rollschuhläufer sich auf de» öffentlichen Straßen größere Beschränkungen auferlegen müssen, um Behinderungen des übrigen Verkehrs und Gefährdungen des Publikums zu vermeiden, und daß anderenfalls ein polizeiliches Verbot des Rollschuhlaufens eintreten müsse. Da die Bckanntinachungen den gewünschten Erfolg nicht gehabt haben und namentlich auch viele schulpflichtige Kinder aus Rollschuhen.»laufen, so nehmen wir auf Wunsch deS Polizeipräsidenten Veranlassung, die Kreisschulinspcktoren zu ersuchen, die Lehrer der Gemeindeschulen zur entsprechenden Be- lehrung der Gemeindeschüler und Schülerinnen anzuweisen. Es muß im Interesse des öffentlichen Verkehrs und der Sicherheit der Roll- schuhläufer selbst besonders verlangt werden, daß die Kinder die verkehrsreichsten Straßen und Straßen mit Straßenbahnen gänzlich meiden, ans den übrigen Straßen stets die rechte Seite des Fahr- dammeS benutzen, Ke'ttenlaufcn und das Befahren der Bürgerstcige gänzlich zu unterlassen. Es ist zu wünschen, daß diese Regeln be- folgt werden, damit nicht die Auswüchse des Rollschuhlausens den Polizeipräsidenten zu seinem Bedauern zwingen müssen, diesen auch für die Jugend gewiß nützlichen Sport auf den öffentlichen Straßen gänzlich zu verbieten."_ „Nur" ein Dienstmädchen. Ein Dienstmädchen ist leicht dein Verdacht der Unehrlich- ke i tausgesetzt. Wenn in einem Haushalt etwas abhanden ge- kommen ist, so richtet in der Regel zuerst gegen das Dienstmädchen sich der Argwohn. Dem Dienstmädchen traut man so etwas zu, und mit ihm wird meist kurzer Prozeß gemacht. Einem Dienstmädchen hat auch ein Gelderheber der Stadt einen Diebstahl, der bei ihm verübt sein sollte, ohne weiteres zu- getraut und auf den Kopf zugesagt. Dem Gelder Heber Herrn Mundhenke, der im Hause Jütcrbogerstraße 7 wohnt, hatte der Maurermeister Herr Schmidt(Hcimstraße 15), dnrch sein Dienstmädchen Fräulein K. die Kanalisationsgcbühr zugesandt, die er als Hausbesitzer zu entrichten hatte. Das Mädchen bekam einen Hundertmarkschein mit, übergab diesen dem Gcldcrhcbcr, ließ sich den überschießenden Betrag herausgeben, nahm die Quittung in Empfang und ging arglos nach Hause. Ettva zwei Stunden später kam Herr Mundhcnke in großer Eile nach der Heimstraße gelaufen, klingelte erregt an der Wohnung des Herrn Schmidt und stürnite aus das öffnende Mädchen ein mit der Drohung, sie solle sofort den Hundertmarkschein herausgeben, der ihm fehle, andernfalls werde er Haussuchung vornehmen lassen. Fräulein K. war aufs höchste erschrocken und beteuerte, keinen Hundertmarkschein zu haben. Auch die in der Wohnung amvesende Frau Schmidt ver- sicherte dem ungestümen Herrn Mnndhenke, es tonne keine Rede davon sein, daß das Mädchen, das von erprobter Ehrlichkeit sei, ihn bcstohlen habe. Doch Herr Mundhcnke ließ sich nicht beruhigen und blieb dabei, ihm fehle der Hundertmarkschein. Ihn trieb es, die Polizei zu holen, aber dann könnte ja das Mädchen inzwischen den Hundertmarkschein beseitigen. Um seine Sorge zu beschioichtigen, mußte aus einer Nachbarwohnung ein Unparteiischer herbeigerufen werden, der die vermeintliche Diebin zu bewachen hatte. Wie wenn nicht schon die Anwesenheit der Hansfrau genügt hätte, zu ver» hüten, daß das angeblich gestohlene Geld verschwände. Herr Mund- henke lief davon und kehrte bald mit einem Kriminal« beamten zurück, den er sich vom 85. Polizcibureau(Hcimstr. 81 mitgebracht hatte. Wieder wurde dem Mädchen zugesetzt, wieder! wurde gefragt und gedrängt, und als nichts herauszukriegen war. ging's an ein eifriges Suchen. Ucberall, wo Fräulein K. das Geld hätte verstecken können, wurde umhergekramt. In Kästen und Schränken wurde geforscht, ihr Bett wurde aufgewühlt, nichts von ihren Kleidern, ihrer Wäsche und ihren sonstigen Habseligkeiten wurde verschont, auch ihre Briefschaften wurden durchstöbert, selbst in der Küche wurde unter Geschirr und Wirtschaftsgcrätcn nach» gesehen und jedes mögliche Versteck durchschnüffelt— ober der Hundertmarkschein war nicht zu finden. Blieb nur noch übrig eine Leibesdnrchsuchung auszufühven. Frau Schmidt fragte den Kriminalbeamten, wer denn das machen werde. Schließ- lich übernahm sie selber es, um dem geängstigten Mädchen den an» gedrohten Transport zur Polizeiwache und die Durchsuchung von vielleicht minder rücksichtsvollen Händen zu ersparen. Bis auf die nackte Haut wurde die völlig Entkleidete durchsucht, aber Frau Schmidt mußte berichten, daß auch hierbei, wie sie erwartet hatte, nichts gefunden worden sei. In wüstem Durcheinander lag die Habe des Mädchens umher, als Herr Mundhenke samt seinem Kriminalbeamten die Wohnung verließ. Mit Fräulein K. wurde dann noch auf der Wache, wohin der inzwischen heimgekehrte Herr Schmidt sie begleitete, ein Protokoll aufgenommen. Herr Schmidt bezeichnete es als wünschenswert, lieber einmal bei Herrn Mund- henke nachzuforschen, ob er überhaupt bcstohlen worden sei. Aber die Polizei lehnte ab, zu diesem letzten Mittel zu greifen, und unterließ es, Herrn Mundhenke zu nötigen, daß c>- seine Kasse genauer prüfte. Das von so schlimmer Verdächtigung nieder» gedrückte Mädchen kehrte in großer Aufregung in die Wohnung zurück, froh, nicht auch noch in Haft genonimcn worden zu sein. Während sie daheim der bangen Sorge um das, was nun geschehen werde, sich überließ, erschien plötzlich abends um 149 Uhr noch ein» mal Herr Mundhenke und stammelte in kleinlauter Verlegenheit, die Sache habe sich aufgeklärt, ihm fehle kein Geld, er habe — s i ch verrechnet. Man sagt uns, daß daraufhin der Dienstherr des Mädchens dem schnellfertigen Herrn Mundhenke nach Gebühr den Standpunkt klar gemacht habe. Unseres Erachtens kann aber hiermit die An- gelegenheit nicht erledigt sein. Zweierlei wird nocki zu prüfen sein: erstens, ob nicht gegen Herrn Mundhenke strafrechtlich vorgegangen werden kann, und zweitens, ob der Krüninalbemnte zu der sofortigen Durchsuchung befugt war. Es handelt sich„nur" um ein Dienstmädchen. Aber sicher scheint uns, daß der Herr Geldcrhcber Mnndhenke, wenn ein Dienstmädchen i h n in dieser Weise eines Diebstahls bezichtigte, sich schwer beleidigt fühlen und als beamtet« Person sogar den StstgtSanwalt anrufen würde. Ein Lichtblick Zst fn dieser gdnM Affäre däS VerhaAen der Dienflderrfchast, die sich ihr Vertrauen zu der Ehrlichkeit deS Mädchens nicht k>at erschüttern lassen. Wir stellen es gern öffentlich fest, daß Frau Schmidt und ihr Gatte der so schwer Verdachtigten in ihrer Be- drängnis den Beistand nicht versagt haben. Der große Spielplatz im Treptower Park ist am kommenden Sonntag von der Parldeputation zu einem Spielfest des Berliner Turnrats zur Verfügung gestellt und kann deshalb vom Publikum nicht benutzt werden. In Lebensgefahr schwebten gestern aus Anlast zweier Brände ein Kind und zwei Frauen. Angeblich aus Unvorsichtigkeit kam gestern vormittag ein gefährlicher Brand in einer Kellerwohnung rn der Bärwaldstr. t>2, Ecke der Urbanstraste, zum Ausbruch. Ein dreijähriges Kind schwebte dabei in groher Lebensgefahr. Es war zurückgeblieben, wurde aber zum Glück dann noch aus der schon total verqualmten Wohnung herausgeholt und dadurch gerettet. Die Flammen, die Polsterkisfen und anderes erfastt hatten, konnten auf ihren Herd beschränkt werden. Bei einem Brande, der mittags in der Krautstraße llSs. in einer Wohnung im ersten Stock auf dem Hofe auskam, schwebten zwei Frauen in Lebensgefahr. Das Feuer war in der Küche entstanden und hatte auch das angrenzende Zimmer erfastt. Den Frauen war dadurch der Ausgang versperrt. Als die Feuerwehr erschien, wollten die Frauen aus dem zweiten Stock auf den Hof springen. Die Feuerwehr aus der Köpenicker Straße beruhigte sie und kletterte, da die Treppen des uralten Gebäudes mit seiner Balustrade total verqualmt waren, über zwei Hakenleitergänge an dem Hause empor. Die fünfzigjährige Witwe Böhmert wurde von der Feuerwehr über die Treppen in Sicherheit gebracht. Sie hatte einen Nervenchoc erlitten, erholte sich aber bald wieder. Die zweite Fran, eine Arbeiterin Marie Backhaus, wurde hinaus- getragen, worauf ihr dann Sauerstoff zugeführt wurde. Sie erholte sich denn auch, hat aber eine Rauchvergiftung erlitten, so daß sie sich in ärztliche Behandlung begeben mußte. Die Feuerwehr gab kräftig Wasser, konnte aber nicht verhindern, daß zwei Zimmer mit drei Betten usw. total ausbrannten. Ein schwerer Swaßenbahnunfall ereignete sich gestern nachmittag bor dem Hause Bcunnenstraste SO. Der 64 jährige Arbeiter Georg Memdrulat, der in der Nähe mit Pflasterungsarbeiten beschäftigt war, wollte kurz vor dem herannahenden Motorwagen 1293 der Linie SS(Richtung ßreuzberg) an der genannten Stelle die Gleise überschreiten. Er wurde umgestotzen und kam unter dem Vorder Perron vor den Schutzrahmen zu liegen. M. erlitt eine klaffende Wunde am Hinterkopf, mehrere linksseitige Rippenbrüche, starke Quetschungen am linken Unterschenkel und eine Kontusion des Kreuzes. Der Schwerverletzte wurde nach dem LazaruS-Kranken- hause geschafft. Arbeiter-Sängerbund(Gau Berlin und Umgegend). Die General- probe zum Provinzial-Sängerfest findet nicht, wie in der Ausschuß- sitzung mitgeteilt wurde, am Freitag, 10. Juni, sondern am Donnerstag, 9. Juni, statt. Der Vorstand. Unter der Maske einer Fcrnsprechbeamtin tritt eine ganz ge- fährliche Diebin und Einbrecherin auf. Die Frauensperson, die etwa 25 Jahre alt sein dürfte und der man keineswegs die Verbrechcrin ansieht, sucht Ziinmervermieterinnen auf und gibt an, ein Zimmer auf einige Zeit mieten zu wollen. Sie bleibt gleich wohnen und behauptet am nächsten Tag ihre Sachen nachschicken zu lassen. In der Zwischenzeit baldowert sie nun günstige Gelegenheiten zu Dieb- stählen und Einbrüchen aus. Sobald sie auf kurze Zeit allein in der Wohnung ist, bricht sie sämtliche Behälter und Schubladen auf und durchsucht alles nach Geld und Wertsachen. Unter Mitnahme der wertvollsten Gegenstände verschwindet schließlich die dreiste Person. Vorwiegend treibt die Gaunerin in Moabit ihr Unwesen. Ein ausgesetzter Knabe wurde vorgestern abend SVzUhr auf dem Flur des Hauses Nr. 6 am Platz vor dem Neuen Tore auf- gefunden und nach dem Waisenhause gebracht. Der Kleine, der etwa acht Tage alt sein mag, war in ein schtvarzgraues Umschlage- tuch, eine weiße Strickjacke, ein weißes Band, ein weißes Hemd und ein weißes Flanelltuch eingewickelt. Alle diese Sachen haben kein Zeichen. Wer das Kind an den Fundort gelegt hat, ist noch nicht ermittelt. Die Kurstraß« von der Jägerstraße bis zur Kleinen Kurstraße, unter Ausschluß der Kreuzdämme der Jägerstraße, Alten Leipziger Straße und Kleinen Rurstraste, sowie serner die Oberbaumbrücke und die Rampen von der Mühlenstraße(ausschließlich Kreuzdamm) bis zum Gröbenufer(einschließlich Krcuzdamm) werden vom 6. Juni ab für Fuhrwerke und Reiter gesperrt. Im wissenschaftlichen Theater der Urania wird vielfachen Wünschen entsprechend Herr Dr. Heinroth, Direktorialassistent am Zoologischen Garten, am Montag den 6. Juni, abends 8 Uhr, den auf dem Ornithologen-Kongreß gehaltenen Vortrag:.Lebende Bilder aus der Tierwelt' unter Vorführung der kinematographischen Aufnahmen der Gebrüder Kearton und der grammophonischcn Wiedergabe deS Vogelgesanges noch einmal wiederholen. Eintrittskarten für diesen Vortrag sind von heute ab an der Kasse der Urania erhältlich. Vorort- P�aclmcbten. Schöneberg. Ein gewaltiges Schadenfeuer vernichtete in der gestrigen Nacht einen Teil der ausgedehnten Anlagen des Gaswerks der Imperial Continental-GaS-Association(Englische Gasanstalt) an der Torgauer Straße, von denen aus die Stadt Schöneberg mit Gas versorgt wird. Bekanntlich werden die Anlagen der Gasanstalt zurzeit durch Errichtung eines riesigen Gasometers erweitert, dessen Weiterbau, wie vor kurzem berichtet, vorläufig sistiert worden ist. Etwa 10 Meter von dem Gasometer entfernt befanden sich mehrere Maschinen- und Oelschuppen, in denen Arbeiten für den Gasometerbau ausgeführt wurden. Direkt vor diesen Schuppen lagerten 20—30 mit Benzin und Oel gefüllte Fässer. Einige Minuten vor 3l/3 Uhr nachts ertönte plötzlich eine gewaltige Detonation, und kurz darauf wurden die Löschmannschaften der Schöneberger Feuerwachen von verschiedenen Seiten alarmiert. AIS die Wehren auf der Brand- statte eintrafen, bildeten die Schuppen ein brennendes Chaos. Die Schlauchleitungen mußten aus der Torgauer Straße, etwa 300 Meter von der Brandstätte, hergeleitet werden. Aus vier Rohren wurde Wasser gegeben, da die Aufgabe der Feuerwehr weniger darin be- stand, die Schuppen zu retten, als die übrigen Gebäude zu schützen. Die Löschmannschaften hatten dabei unter Lebens- gefahr zu arbeiten, da noch reichliche Oel- und Benzin- Vorräte auf der Brandstätte lagerten, die jeden Augen- blick explodieren konnten. Weiter brannte auch das Kesselhaus, und so bestand die nicht geringe Gefahr, daß die Kessel platzten. Einige Feuerwehrleute drangen in das brennende Gebäude ein und öffneten die Ventile der überhitzten Maschinen, so daß der Dampf ausströmen konnte. Gegen 6 Uhr früh war die Gefahr beseitigt, und nun konnte an die AblöschungS- und Auf- räumungsarbciten gegangen werden, die die Wehren bis nach 7 Uhr auf der Brandstätte festhielten. Die Schuppen wurden vollständig vernichtet: ebenso mehrere Maschinen, während andere durch Feuer und Wasser gelitten haben. Der Schaden beläuft sich auf Hundert- tausende, ist aber durch Versicherung gedeckt. Man nimmt an, daß das Feuer durch Selbstentzündung von Putzlappen, die in einem der Maschinenräume lagerten, entstanden ist. Der geplante AutoomnibuSverkehr von der Mühlenstraße bis zum LrnSwalderplatz darf, nachdem der Widerspruch der Verkehrs- verantwortlicher Redakteur Bichard Barth, Berlin. Deputation gegen den IS Pfennig-Tarif aufgegeben worden ist, als gesichert angesehen werden. Die ganze Strecke in einer Länge von neun Kilometer— Mühlenstraße, Hauptstraße, Kaiser-Friedrichstratze, Dortstraße, Hallesches Tor. Lindenstraße, Alexander Platz. ArnS- walder Platz— werden für 10 Pfennig durchfahren. Die Wagen dieser Autoomnibuslinie werden leicht und gefällig ohne Verdeck konstruiert, so daß sie die zahlreichen Eisenbahn-lleberführmigen im Zuge der Dorlstraße ungefährdet passieren können. Nixdorf. Auf offener Straße erschossen hat sich vorgestern der 46 Jahre alte Kaufmann August Brells aus der Neuen Donaustr. 8S. Der Mann, der als Junggeselle für sich allein hauste, war wegen eines Nierenleidens erwerbsunfähig. In der Verzweiflung schoß er sich an der Ecke der Neuen Donau- und Jnnstraße eine Revolverkugel in die Brust. Im Kranlenhause erlag er abends der Verletzung. Treptow. Zweimaliger Gerüsteinsturz. Unter donnerähnlichem Krachen und furchtbarem Poltern stürzte gestern nachmittag gegen 3'/3 Uhr auf dem Neubau des neuen Lokals»Spreegarten' in Treptow die eine Hälfte des Jnnengerüstes zusammen. Die auf dem Bau arbeitenden Maler konnten sich noch rechtzeitig in Sicherheit bringen. Kurze Zeit darauf stürzte die andere Hälfte des Gerüstes zusammen. Von vorübergehenden Passanten wurde die Treptower Feuerwehr zur Hilfe herbeigerufen. Da aber glücklicherweise niemand ver- unglückt war, konnte diese die Unglücksstelle bald wieder verlassen. Ueber die Ursachen des Einsturzes konnte Genaues noch nicht fest- gestellt werden. Eine Korrespondenz berichtet hierüber noch: Das Lokal, das am Pfingstfest teilweise bereits eröffnet worden ist, wird durch die Finna Jadegast errichtet. Außer den Restaurationslokalitäten wurden zwei Tanzsäle, ein größerer und ein kleinerer, gebaut. Der erstere ist bereits im Rohbau vollendet und seit einigen Tagen waren im Innern des mächtigen Saales die Maler mit ihren Arbeiten beschäftigt. Zur Vollendung der Malereien war für die Maler ein Gerüst von 12 Meter Höhe, 30 Meter Länge und 20 Meter Tiefe errichtet. Gestern nachmittag waren die Leute, etwa fünfzehn an der Zahl, gerade damit beschäftigt, im rechten Flügel die Schablonen aufzumalen, als unter donnerähnlichem Getöse die linke Hälfte des Gerüstes zusammenstürzte. Die Gefährdeten machten sich sofort aus die Beine mid gelangten teilweise von dem Gerüstbau herunter, teilweise kletterten sie so schnell es ihnen möglich war, nach unten. Kaum hatten sich die letzten in Sicherheit gebracht, so brach auch die andere Hälfte des Gerüstes zusammen. Es ist fast als ein Wunder zu betrachten, daß bei der mächtigen Ausdehnung des Gerüstes und des Arbeitsfeldes niemand zu Schaden kam. Wäre die Katastrophe wenige Minuten früher passiert oder wären die Einstürze in kleineren Zwischenräumen er- folgt, so hätte eine unübersehbare Katastrophe eintreten können. Das eingestürzte Gerüst, das eine Ausdehnung von 600 Quadrat- meiern hatte, lag in einem wüsten Trümmerhaufen auf dem Fuß- boden des Saales. Stralau. Aus der Gcmeindcvcrtrctimg. Bei der am Dienstag statt- gefundenen Schöffenwahl wurde Herr Hoflieferant Micha an Stelle des aus Stralau verziehenden Herrn Brauereidircktor Hennig mit neun von zehn abgegebenen Slimmen gewählt. Herr Hennig war Nichtangesessener, Herr Micha ist Angesessener. Durch diese Wahl besteht der Gemeindevorstand nur aus Angesessenen. Während bis- her von dem vorgeschriebenen Drittel Nichtangesessener(S von 1B) nur vier gewählt werden durften(der fünfte war Mitglied des Gemeindevorstandes), muß in Zukunft das volle Drittel gewählt werden. Durch diese Veränderung im Gemeindevorstand wird eS unserer Partei möglich, einen zweiten Vertreter ins Dorfparlament zu entsenden. Johannisthal. Beim Spiel mit Patronen verunglückt ist vorgestern nachmittag der achtjährige Sohn des Arbeiters Niers, Roonstraße 10. Der Knabe spielte mit anderen Kindern auf der Straße; die Kinder ver- gnügten sich u. a. damit, Teschingpatronen auf ihre Knallfähigkeit zu prüfen. Als der kleine N. ein solches Geschoß auf einen Stein legte und mit einem Hammer darauf schlug, explodierte die Patrone und ein Teil derselben drang ihm in das rechte Auge. Der Knabe mußte nach einer Berliner Augenklinik übergeführt werden; es ist zu befürchten, daß N. die Sehkraft auf dem verletzten Auge für immer einbüßen wird. Ober-Schöneweide. In der letzten Gcmeindevertretersitznng gelangte zunächst der von der Kommission ausgearbeitete Entwurf einer neuen Ordnung für die Erhebung der KanalisationSgebühren zur ein- stimmigen Annahme. Danach werden hinfort die Beiträge von den Hausbesitzern nach Prozenten deS NutzertrageS statt wie bisher nach dem Nutzungswert erhoben. Nach demselben Schema werden auch solche Fabriken herangezogen, deren Beträge sonst hinter den hier- nach festgestellten zurückbleiben würden; im übrigen findet bei den letzteren eine Berechnung nach einem gestaffelten Tarif für die Menge ihrer Abwässer statt. Der Effekt der neuen Ordnung ist. daß die Hausbesitzer mit zirka 4000 M. entlastet werden, welche Summe von dem Kabelwerk Oberspree aufzubringen ist.— Eine ausgedehnte Diskussion einspann sich über die Angelegenheit der Straßen- Herstellung um die e v a n g e I i s ch e K i r ch e. Von unseren Genossen wurde beantragt, in Anbetracht dessen, daß ein allgemeines Be- dürfniS zur sofortigen Herstellung nicht vorliegt, dieselbe solange auszusetzen, als die Kirchengemeinde sich weigert, die Anlieger- kosten zu zahlen. Mit Stimmengleichheit wurde der Antrag ab- gelehnt.— Nach Vergebung diverser Arbeiten fand eine geheime Sitzung statt. Der mit einer Schußwunde in der Schläfe am Dienstag in der Wuhlheide gefundene Selbstmörder ist als der 21jährige Buchhalter A. Trautmann aus Berlin ermittelt worden. Grünau. Die Arbeitergesangvereine der Vororte an der Görlitzer Bahn und Oberspree finden sich am Sonntag, den 5. Juni, von vor- mittags 10 bis 1 Uhr im Lokale„Jägerhaus� ein. Vertreten sind unter anderen die Vereine aus Adlershof, Köpenick, Ober-Schone- weide, Baumschulenweg, Alt-Glienicke, Grünau. Gesangvereine so- wie Freunde deS Gesanges sind willkommen. Bei gutem Wetter Ausflug in den Wald, Kaffeekochen und Konzert im großen, am Wasser gelegenen Garten des.Jägerhauses'. Weißensee. Um ein Ledigenheim zu errichten, wurde im vorigen Jahre an der Berliner Straße em Grundstück erworben. In dem zu erbauenden Hause sollte zugleich die vierte im Ort zu konzessionierende Apotheke untergebracht werden. Im Hausbesitzerverein wurde natürlich gegen die Errichtung eines Ledigenheims sofort gebremst. Die bürgerlichen Vertreter erhielten die Marschroute, das Ledigenheim unter allen Umständen zu Fall zu bringen. Eine überaus komische Rolle spielte hierbei der Vorsitzende des Hausbesitzervereins, Herr Könitz. Sonst ein Mann mit anscheinend sozialem Enipfinden und deshalb schon mit einem Orden dekoriert, versagte er mit einem Male. Unter den Hausbesitzern bestand schon lange der Verdacht, daß ihr Vorsitzender als schwankendes Rohr in der Ledigenheimfrage dasteht und eme Erklärmig von ihm bewies, daß er gegen das Ledigenheim ist. Ein paar Tage vorher war Herr Könitz noch anderer Meinung, denn dem Gemeindevorsteher gab er zu verstehen, daß man nicht glauben solle, er sei ein Gegner des Ledigenheims. Auch dem Genossen Fuhrmann gab er gelegentlich eine ähnliche Erklärung. Hierüber in der letzten Gemeindevertreter- sitzung befragt, bestritt er rundweg seine Behauptungen,»mit scharfer Klinge', so behauptet sogar das Hausbesitzerorgan, reinigte er sich von diesem Verdacht. Die unbeteiligten Zuhörer haben sich em anderes Urteil gebildet, und wer Herrn Könitz kennt, weiß, daß solche Situationen bei ihm keine Seltenheiten sind. Die Gcmeindearbeiter waren am 31. Mai versammelt, um zu dem eingereichten Antrage auf Einführung einer„Allgemeinen Arbeitsordnung' Stellung zu nehmen. Anfang Dezember hatten die Arbeiter, um den gegenwärtigen unzulänglichen Zuständen ein Ende zu machen, den Erlaß einer Arbeitsordnung beantragt. Ein Entwurf analog dem, wie er zurzeit in einer Anzahl Gemeinden schon durch- geführt ist, war dem Antrage beigefügt. Bis heute, nach 6 Monaten, sind die Arbeiter ohne Antwort auf ihre Eingabe. Die Arbeiter er» blicken darin und mit Recht eine Zurücksetzung und Mißachtung. In der Versammlung kam die Mißstimmung sehr scharf zum Ausdruck. In einer Resolution wurde der Gemeindevorstand ersucht, den Wünschen der Arbeiter baldigst Rechnung zu tragen. Für besonders wünschenswert halten die Arbeiter die baldige Wahl eines Arbeiter- ausschusses. Lebhaft wurde darüber Beschwerde geführt, daß bei Neueinstellungen in der Parkverwaltung nicht der seinerzeit fest- gelegte Lohn von 3,7S M. gezahlt wird. Die Arbeiter erhalten hier nur 3,60 M. Nieder-Sch önhausen. Die gutdesuchtr Mitgliederversammlung des Wahlvereins ehrte vor Eintritt in die Tagesordnung das Andenken des verstorbenen Genossen Karl Strohmann in der üblichen Weise. Sodann hielt der Genosse D a v i d s o h n einen interessanten Vortrag über„Unsere Freiheitsdichter'. Als Mitglied des Jugendausschusies wurde Ge- nosse Seltenreich gewählt.— Unter Vereinsangelegenheiten wurde mitgeteilt, daß die Klage wegen der Gültigkeit der Forensenstimmen zurückgezogen werden soll, da die prinzipielle Frage auch anderwärts ausgeklagt wird. Zur Frage der Abhaltung eines Sommerfestes hatte die Bezirksleitung beantragt, von einem Sommerfeste in diesem Jahre abzusehen, da die anderen Arbeitervereine am Orte solche ver- anstalten und daher ein Fest das andere beeinträchtigen würde. Für die Zukunft ist eine Verständigung für die in Betracht kommenden Vereme erzielt.— Neuaufnahmen fanden 16 statt. Den Bericht von der Kreiskonferenz gab Genosse Hellrich.— Zum Schluß forderte Genosse Schelle noch zu reger Beteiligung an der„Fackel'-Ver- breitung auf. Ein tätlicher Straßcnvahnunfall ereignete sich am gestrigen Donnerstag mittag gegen V«2 Uhr in der Kaiser-Wilhelm-Straße. Der 12jährige Kurt Bergmann, dessen Eltern Kaiser-Wilhelm- Straße 24 wohnen und der sich auf dem Heimwege von der Schule befand, wollte vor dem Hause Nr. 12 des gleichen Straßenzuges den Fahrdamm überschreiten. In diesem Augenblick wurde er von dem in voller Fahrt befindlichen Motorwagen 1876 der Linie 47 (Richtung Britz) umgestoßen. Der Unfallhabende kam so unglücklich unter den seillichen Schutzrahmen zu liegen, daß ihm die Räder über beide Beine hinweg gingen. Der Wagen wurde mittels mit- geführter Winden angehoben und der Knabe aus seiner entsetzlichen Lage befreit. In bewußtlosem Zustande wurde der Schüler nach dem Pankower Krankenhause gebracht, wo ihm sofort beide Beine bis zu den Hüften amputiert wurden. Am Spätnachmittag verstarb der Unglückliche an den Folgen der furchtbaren Verletzung. Oranienburg. Erschossen aufgefunden wurde vorgestern morgen in Jagen 235 unweit der Lehmgruben der Bierfahrer August Rogge vom Münchener Brauhaus. Unregelmäßigkeiten ganz unbedeutender Art in seiner Abrechnung sollen den Unglücklichen in den Tod getrieben haben._ Jugendveranstaltungen. Gchöneverg. Am Sonntag, den S. Juni, veranstaltet der Jugend- bildungSausschutz einen Besuch der StädtebauauSstelluna; Billetts werden für die Jugend zum Preise von IS Pf. und für Erwachsene a 30 Pf. beim JugcndauSschutz am Trestpunlt, Nollendocfsplatz, früh 8—8'/, Uhr und Untergmndbahnhof, Zoologischer Garten, um 9 Uhr ausgegeben. Reinickendorf-West. Am Sonnabend, den 4. Juni, abends'/,S Uhr, bei Hermann Schulze,«charnweber-Stratze: Versammlung der Jugend» Organisation. Vortrag des Genossen Ohl über:„Deutsche und amerikaliische Erziehung'. Gäste willkommen. Berliner Arbeiter-Schachklub. Norden: Mi. I bei H. Schulz, Maxslr. 13b, jeden Dienstag>/,g Uhr; Abt. II bei P. Fritsch, Dront- heimer Straße 4, jeden Freitag>/,9 Uhr; Abt. III bei K. Baganz, Gaudy- ftrasze 3, jeden Freitag'/,9 Uhr; Abt. IV bei Wöhrenhof, Usedom- straße 28 jeden Sonnabend>/,g Uhr. Moabit: Wt. I bei Pielecke, Zwinglistr. 25, jeden Donnerstag '/,9 Uhr. Abt. II bei Lampreckt, Putlitzstr. 10., jeden Freitag'/ß Uhr. Zentrum: bei Freiheit, Dragonerslr. IS, jeden Donnerstag'/ß Uhr. Osten: bei M. Böhl, Rüdersdorser Str. 2S, jeden Dienstag'Iß Uhr. Süden: bei A. Uebeleisen, Wassertorstr. 8, jeden Dienstag'Iß Uhr. Nixdorf: Abt. I bei Stahmann. Reuterstr. 4S, jeden Dienstag'Iß Uhr; Abt. II"bei Weihe, Hermannslr. 1(50, Ecke Emser Straße, jeden Donnerstag '1,9 Uhr. Lichtenberg: bei Blume, Alt-Boxhagen SS, jeden Freitag'/ß Uhr. In allen Abteilungen Sonnabends freier Schachverlehr. Amtlicher Marktbericht der städttlchen Martthallen-Direktton über den Großhandel in den Zenwat-Marttdallen.»Marktlage: Fleisch: Fuluhr stark, Geichäst ruhig, Preise fast durchweg verändert. Wild: jufuhr reichlich, Geschäst rege,'Preise bcsriedigcnd. Geflügel: Zusuhr cnügend, Geschäst nicht Icbhast genug, Preise nachgebend. Fische: susuhr genügend, Geschäst ciwaS lebhast, Preise wenig«erändert. lutter und Käse: Geschäft ruhig, Preise unverändert. Gemüse, Obst und Südsrüchte: Zusuhr genügend, Geschäst sehr flau, Preise gedrückt.______ rSitternngSübersttbt vom 2. Juni 1910, morgen« 8 Ubr. Etationen i2 R-Q £« aS Smin trade. Hamburg «erlw Frankf.aM Münch« Wi« -§ £ 3 761©SD 759®5D 760D 758 SW 760®® 760 Still Setter 2b-deckt 3 bedeckt 2 heiter 1 Dunst 2 heiter jwolkenl c* t* hS» •tettonen r] h ii Bf Setter "8* t- Havaranda 747N Peter« bürg 7 54 W SD ©citch Werve« Part» 752® 756 NNW 759 S 4 bedeckt' 10 2 wolkenl 13 3 halb bd. 11. 1 wolkig 1 bedeckt 10 16 Wettervrognofe für Freitag, den 3. Juni 1910. Barm bei meist schwachen südlichen Winden, veränderlicher Bewölkung und Gewitterneigung. Berliner Wetterbureau. «asserstandS-NachrlGte» der LandeSanstalt für Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berliner Welterbureau. Wasserstand M e m« l. Tilstt B r e g e l, Jnsterburg Weichsel, Tboru Oder, Ratibor , Krassen „ Frankfurt Warthe, Schrimm , LandSberg Reh«, Dordamm Elb«, Leitmeritz „ DreSd« „ Barby , Magdeburg + bedeutet Wuchs,— Fall.•) Unterpeael. Mr des LnjerateiiteUtzkiaM?� Tß.Gl»cke, Peüin, Kulcku.Bulsg: BlUwart« Buckdruckerei y, Bxxjsgssnjtglt Paul gsina«&£&< Berlin SÄ«