Nr. 131. Ndonnementz-keiNnglingen: W-mnemcnts- PreiZ pränumerando i DicrtcljShrl. 3£0 Sffit., monatl. 1,10 Til, wöchentlich 28 Pfg. frei ins HauZ. Einzelne Numiner 5 Pfg, Sonntags- nunimer mit illustrierter Sonntags- Beilage.Die Neue Welt" 10 Pfg. Post- Nbonnemcnl: 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Post< ZeitungS- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Mark, für das übrige Ausland 3 Mark pro Monat. Postabonnements nehmen an: Belgien, Dänemark, Holland. Italien, Luxemburg, Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. 27. Jahrg. tsglich«iBcr M»»l,g«. Verlinev Volksblelkk. Me Insertion;-Lebilhi' velrägt sür die sechZg-IPaltene Nalonek- geile oder deren Raum 50 Pfg., für politische und gcwerlschaftliche Vereins- und BcrsammIungS-Anzeigcn M Psg. „Ulelne ZZni-igcn", da» erfie(seit- gedruckte) Wort 20 Pfg., jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlaf- slellen-Anzeigcn das erste Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis Z Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis? Uhr abends geöffnet. Telegramm- Adreffe: „Soziaidcmokrsi Berlin'*, Zentralorgan der rozialdemokratifchen parte! Deutfcblande. Redaktion; 83Q. 68, Ltndenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Bxpeditiom 8M. 68, Lindenatrassc 69« Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984. Der Bliederkäuer. Als am Dienstacs der Redner der sozialdemokratischen Fraktion, Genosse Hoffmann, seine Rede gegen die unerhörte Zumutung der 3� Millionen-Liebesgabe für die Krone be endet hatte erhob sich flugs der wohlfrisierte Minister der lireußischen Finanzen, um wieder einmal seine Rede zu halten. Diese seine Rede hat Herr v. Rheinbaben bereits unzähligemal gehalten, und unzähligemal ist sie ihm während der letzten zwei Jähre von den sozialdemokratischen Rednern erbarmungslos zerzaust worden. Aber Herr v. Rhein- baben leiert, wie ein Phonograph, seine Rede nichtsdesto weniger jedesmal von neuem herunter, wenn es gilt, den Ausbeuter- und Polizeistaat zu verhertlichen und die sozialen Verdienste der Hohenzollern in bengalischem Lichte erstrahlen zu lassen. Er weiß ja, das; die bürgerliche Presse von den sozialdemokratischen Widerlegungen niemals Notiz genommen hat und auch diesmal wieder das Ableiern der alten Walze als schlagende Entkräftigung der sozialdemokratischen Darlegungen preisen wird! Herr v. Rheinbaben glaubte, die Liebesgabe für die Krone dadurch rechtfertigen zu können, daß er wieder einmal die Hebung der Lage der Arbeiterblasse ins Gefecht führte. Wenn die Arbeiter in den letzten Jahrzehnten fo erhebliche Lohnzulagen zu verzeichnen gehabt hätten, könne man doch auch der Krone die kleine Lohnaufbesserung von 33/2 Millionen gönnen! In der Tat: der preußische Finanz- minister bewies den erlesenen Geschnmck, die Steigerung des Durchschnittseinkommens der Eiisenfbahsn- arbeiter von 780 auf 116V M. pro Jahr in einen Ver- gleich zu fetzen zu dem„L 0 h n", den die Krone in Preußen bezieht! Er brachte es fertig, dies armselige Proletariereinkommen, das heutzutage gerade vor dem Verhungern schützt, zu vergleichen mit der K r 0 n d 0 t a t i 0 n, die heute schon für eine Familie annähernd 16 Millionen Mark beträgt! Er wagte das, trotzdem schon Genosse Hoffmann darauf hingewiesen hatte, daß schon heute die Krone vom Staate an einem Tage mehr erhält, als zahllose Arbeiter in 40 Jahren saueren Schaffens verdienen! Der preußische Finanzminister sang dann ein hohes Lied auf die Steigerung des Einkommens der proletarischen Massen. Während noch 1895 weit über die Hälfte der Be- völkerung ein Einkommen von weniger als 900 Mk. besessen habe, betrage der Anteil heute nur noch 45 Proz. Als ob das auch nur das geringste bewiese! Ist doch die Lebens» mittelteuerung in einem Maße gestiegen, daß heute — was selbst der Nationalliberale Verein in Osna- brück vor etlichen Jahren anerkannte— ein Einkommen von 1200 M. nicht mehr bedeutet, als vor einer Reihe von Jahren ein Einkommen von 900 M.I In Wirklichkeit hat sich also das Einkommen dieser Klasse nicht im mindesten ge- hoben. Dazu kommt, daß die Zahl der Steuerpflichtigen mit einem Einkommen von mehr als 900 M. auch deshalb so gewachsen ist, weil inzwischen für die A r b e i t g e b e r die Steuerdenunziationspflicht gegenüber den Arbeitern eingeführt worden ist, wodurch die Einkommen unter 3000 M. in einem ganz anderen Maße heran- gezogen werden, als das E i n k 0 m m e n und das Ver- mögen der Reichen! Das weiß auch Herr v. Rhein- baben! Das ist ihm von sozialdemokratischer Seite wiederholt entgegnet worden! Er jongliert also mit seinen Zahlen wider besseres Wissen, nur um bei Scharfmachern und Reichsverbändlern Beifall zu finden! Wenn Herr v. Rhembaben ein w a h r h e i t s- getreues Bild der sozialen Lage der Arbeiterklasse im Verhältnis zu der der besitzenden Klasse. hätte geben wollen, hätte er auch sich über die Einkommens- und Vermögensverhältnisse dieser besitzenden Klasse ver- breiten müssen. Er hätte dann darlegen müssen, daß das Einkommen der besitzenden Klasse noch in einem ganz anderen Maße gewachsen ist, als das des Prole- tariats. Er hätte beispielsweise ausführen müssen, daß im Jahre 1903 das Einkommen der Zensiten mit mehr als 9500 Mark Einkommen nur 28 000 M. im Durchschnitt betrug, während es im Jahre 1908 bereits auf 30 000 M. angewachsen war! Er hätte weiter darauf hinweisen müssen, daß sich in Preußen das Vermögen immer mehr in den Händen einer wenig zahlreichen besitzenden Klasse konzentriert, daß sich bei- spielsweise von den 91 Milliarden Vermögen, die in Preußen im Jahre 1908 zur Vermögenssteuer herangezogen werden konnten, nicht weniger als 55 Milliarden im Besitze von nur 144000 Zensiten befanden! Er hätte ausführen müssen, daß im Jahre 1908 8377 M i l- l i 0 n ä r e ein Vermögen von 22� Milliarden besaßen, während 1 200 000 kleine Zensiten zusammen nur 24 Mil- liarden ihr eigen nannten. Er hätte die Tatsache nicht ver- schweigen dürfen, daß sich seit 1895 das Vermögen der Hand- voll Millionäre jährlich um 700 Millionen Mark vermehrt hat! Alle diese unwiderleglichen Tatsachen der amtlichen Statistik hat Herr v. Rheinbaben ver- schwiegen! Dagegen hat er seine uralten einseitigen Zahlenkolonnen auch diesmal wieder aufmarschieren lassen! Freilich, wenn Herr v. Rheinbaben nicht solch kläglicher Wiederkäuer wäre, wenn er die Einwendungen, die zahlen- mäßigen Nachweise der sozialdemokratischen Gegner nicht aus Prinzip ignorierte, hätte er ja mit seiner anmutigen Zahlenjonglierkunst zur Freude der Geldsackvertreter des Dreiklassenparlamentes nicht glänzen können. Hätte er der Wahrheit, den wirklichen Tatsachen die Ehre ge- geben, so wäre es ihm auch nicht möglich gewesen, wieder einmal mit den Milliarden der sozialpolitischen Ausgaben für die Arbeiterklasse herumzurenommieren! Wiederkäuern vom' Schlage des Herrn Rheinbaben kann man nicht anders begegnen, als daß man ihren längst wider- legten Behauptungen wieder einmal altbekannte Tatsachen entgegengesetzt. Wir konstatieren also, daß nach der offiziellen Reichsstatistik für das Jahr 1907 für K r a n k e n v e r- sicher ung vom gesamten Unternehmertum für 12 Millio- nen Versicherte 87 Millionen Mark gezahlt worden sind. Das macht auf den Versicherten 7 Mark 25 Pfennige. Bei der Unfallversicherung wurden für 18,7 Millionen Ver- sicherte 157,8 Millionen Mk. gezahlt, also 8 Mark 44 Pfennige für jeden Versicherten. Bei der Alters- und Jnvali- denversicherung endlich wurden für 13,9 Millionen Versicherte 80.6 Mill. Mark gezahlt, also 5 Mark 80 Pfennige für jeden Versicherten. Danach hatte der Unternehmer pro Jahr und pro Versicherten für die gesamte Ar- beiterversicherung 21 Mk. 49 Pf. Beitrag zu leisten! Das macht auf den Tag und für den Arbeiter sieben deutsche Reich spfennige! Also einen Betrag, der den Mehrwert, der von den Unternehmern aus den Arbeitern herausgeschunden wird, in keiner irgendwie fühlbaren Weise zu schmälern vermag! Es gehört also die ganze Skrupellosig- keit eines für die Unternehmerinteressen berufsmäßig tätigen Wiederkäuers dazu, von den Leistungen der Arbeiterversiche- rung ein so großes Wesen zu machen. Wenn Herr von Rheinbaben nun auch prinzipiell sozial- demokratischen Darlegungen sein Ohr verschließt, so sollte er doch wenigstens konservativen Argumenten auch dann zugänglich sein, wenn sie sich zufällig einmal mit sozial» demokratischen Auslassungen decken. Der frei- konservative Reichstagsabgeordnete Schmidt(Alten- bürg) hat nämlich auf der außerordentlichen Generalver- sammlung des Deutschen Tabakvereins E. V., die am 24. November 1907 in Dresden tagte, einen sozialpolitischen Vortrag gehalten, in dem er folgende Ausführungen machte: „Meine Herren! Ich bin fest überzeugt, daß bei Ihnen allen zunächst, als diese soziale Gesetzgebung eingeführt wurde und als zum ersten Male die großen Beträge für die Kranken- Versicherung und später vor allen Dingen für die Alters- und Jnvaliditätsversicherung gezahlt werden mutzten, gar mancher ge- stöhnt hat. Heute aber werden diese Beträge, die a l l j ä h r- lich in gleicher Höhe wiederkam men, gebucht, sei eS auf U n k 0 st e n k 0 n t ö, sei es auf Löhnekonto; denn es ist ja ein Teil des Lohnes, und die werden selbstverständlich mit kalkuliert und er sch einen im Preise der Ware schlietzlich wieder.... Jedenfalls ist soviel sicher, datz man von einem b e- sonderen Drücken dieser Belastungkaum reden kann, namentlich schon deswegen, weil, wenn Sie die Summe, die für die soziale Gesetzgebung jetzt gezahlt wird, nicht als Prozentteil des Lohnes ansehen, sondern sich mal umrechnen als Prozentteil ihres Jahresumsatzes, schlietzlich nicht mehr als% Proz des Jahresumsatzes herauskommt.... Meine Herren, das ist eine so(je- ringe Summe, daß es unbillig und unrecht wäre, davon ein großes Geschrei zu machen und zu behaupten, daß wir nicht mehr zahlen können....." Also nicht nur die S tc u e r z i f f e r n, die die e n 0 r m e Reich tumssteigerung der Unternehmer- k l a s s e beweisen, widerlegen das Märchen von den gewalti- gen„Wohltaten" unserer Arbeitervcrsicherung, sondern auch die Ausführungen dieses freikonservativen Abgeord- neten. Die Versicherungsbeiträge der Unternehmer werden einfach in den Lohn hineinkalkuliert und schmälern nicht im mindestens das Einkommen des Unternehmertums. Wenn aber Herr von Rheinbaben auf das Ausland hinwies, das nicht so glorreiche sozialpolitische Wohltaten besäße, wie Deutsch- land in seiner Arbeiterversicherung, so hat ja Herr von Rhein- baben vollständig zu erwähnen vergessen, daß in England und Amerika ja die Löhne der Arbeiter auch be- trächtlich höher sind als in Deutschland. Der preußische Finanzminister sollte auch hier wieder die Worte des frei- konservativen Reichstagsabgeordneten Schmidt be- herzigen, der da sagte:..... „Zudem darf doch nicht vergessen werden, datz diejenigen Länder, mit denen wir im Weltmarkt in allererster Linie zu konkurrieren haben, das heißt England und Amerika, so erheblich höhere Arbeitslöhne bezahlen, daß vurchaus nicht gefolgert werden kann, daß wir im Nachteile sind." Wir glauben damit dem ministeriellen Wiederkäuer genug der Ehre einer Widerlegung angetan zu haben. Eine ausgiebigere Antwort wird ihm im Landtage zuteil wer- den. Natürlich geben wir uns nicht der Illusion hin, damit seine Phonographenwalze unbrauchbar gemacht zu haben.. Herr v. Rheinbaben wird trotz alledem immer wieder seine reichsverbändlerisch aufgemachten Zahlen herunterschnurren. Uns genügt es. hin und wieder die„genialen" Praktiken dieses Staatsmannes anzunageln, der unter seinesgleichen in Preußen nicht nur als Stern erster Größe gilt, sondern auch wirklich gelten kann. Ein Beweis, von welcher Qualität unsere preußische Staatsregierung überhaupt ist! Der nervöse Präsident. Die LandtagSboten, die in den letzten Tagen durch Abwesenheit geglänzt hatten, waren am Dienstag wieder in ungewöhnlicher An- zahl versammelt. Galt es doch, der Krone einen Liebesdienst zu er- weisen und sich nach oben hin in empfehlende Erinnerung zu bringen! Und da gibt es keinen Unterschied zwischen den Anhängern der bürgerlichen Parteien. Von Heydebrand bis Fischbeck war alles ein Herz und eine Seele, alle waren sie sich darin einig, daß dem König von Preußen die geforderte Zulage bewilligt werden müßte. Nur ob man das gleich tun, oder ob man, um die Form zu wahren, die Vorlage betr. die Erhöhung der Zivilliste an eine Kommission verweisen sollte, darüber gingen die Ansichten auscin- ander. Schließlich entschied man sich für Kommissionsberatung. Nur die Sozialdemokraten stimmten dagegen, sie halten die Vor- läge auch nicht einmal einer kommissarischen Beratung für würdig. Während sich die Sprecher der bürgerlichen Parteien mit kurzen Zustimmungserklärungen begnügten, hielt der sozialdemokratische Redner Genosse H 0 f f m a n n in groß angelegter Rede eme gründ- liche Abrechnung nicht nur mit der Krone, sondern auch mit der Regierung im allgemeinen, und auch die bürgerlichen Parteien, die gemeinsam-mit der Regierung hinter verschlossenen Türen die Vorlage zusammengemogelt haben, bekanien ihren Teil ab. In fein pointierten Worten übte unser Redner Kritik an dem ungewöhnlichen Verhalten der Regierung, die, anstatt vor dem Hause den Nachweis für die Notwcndigkeib einer Erhöhung der Zivilliste zu erbringen, mit den Führern der bürgerlichen Par- teien heimliche Konventikel abhalte. Gründlich zerpflückte er die sogenannten„Gründe" der Regierung und überzeugend wie? er nach, daß die Krone so gut gestellt ist, daß eine Erhöhung der Zivilliste völlig unangebracht sei. Der Präsident v. Kröchcr rückte nervös auf seinem Präsidentenstuhl hin und her. Da aber Hoffmann trotz aller Schärfe die Ordnungsrufe, die ihm der Präsident nur gar zu gern erteilt hätte, zu umgehen wußte, verstieg sich Herr v. K r ö ch e r in seiner Hilflosigkeit schließlich dazu, unserem Genossen, weil er die Forderung des sozialdemokratischen Programms auf Wahl aller Beamten, auch des„ersten Dieners des Staates" durch das Volk propagierte, des— Hochverrats zu bezichtigen. Herr v. Kröcher pflegt sonst bessere Witze zu machen. Oder aber wollte er strebsamen Staatsanwälten für vorkommende Fälle einen Fingerzeig geben? Damit würde er ihnen freilich einen schlechten Dienst erweisen, denn ein Staatsanwalt, der wegen einer solchen Aeußerung ein Vor- fahren wegen Hochverrats einleitet, würde selbst in Preußen unmög- lich werden. Kaum hatte Hoffmann seine Rede beendet, da erhob sich Herr v. Rheinbaben— der Ministerpräsident v. Bethniann Hollweg hielt es nicht der Mühe für wert, den Verhandlungen beizuwohnen und holte zu einer Erwiderung aus. die sogar hinter dem üblichen DurchfchnittSniveau ministerieller Reden weit, weit zurückblieb. An- statt auf die Sache selbst einzugehen, produzierte er sich als Zahlen- jongleur. Alle möglichen Zahlen, ungeordnet, wie sie ihn seine Ge- Heimräte reichten, verlas er, um zu beweisen, wie gut die Arbeiter in Preußen gestellt sind. Wer Herrn v. Rheinbaben, der übrigens ganz dieselbe Rede schon einmal gehalten hat, hörte, der mußte glauben, daß die Arbeiter ein riesiges Einkommen haben, daß sie so gut wie keine Steuern zahlen und gegen alle Unfälle des Lebens durch die soziale Gesetzgebung gesichert find. Es war eine echte Kriegervereinsrede, die denn auch nach Art aller solcher Elaborate mit der Aufforderung an die bürgerlichen Parteien schloß, sich zusanmienzuschließen zum Kampfe gegen die Sozialdemokratie. Die Antwort konnte dem Finanzminister nicht sofort erteilt werden, unser Redner erhielt nicht mehr das Wort. Aber auf- geschoben ist nicht aufgehoben l Dcrnlmrgs ßüelitritt. Wenn das deutsche Bürgertum noch lernen wollte, aus dem Rücktritt Dernburgs ließe sich einiges lernen. Was war das für ein Jubel, als vor bald vier Jahren der damalige Direktor der Darmstädter Bank zum Kolonialdirektor gemacht wurde. National- liberale und Blockfreisinnige standen Kopf vor Entzücken. Ein Ver- treter des Bürgertums— noch dazu ein Börsenmann— Mitglied der Regierung und Exzellenz! War nicht wenigstens ein Stückchen politischer Macht erobert, nicht ein für Deutschland kolossaler Fort- schritt erzielt? Und heute? Es ist eben die alte Geschichte: der Herr hatS gegeben, der Herr Hais genommen, und im preußischen Abgeordnetenhaus wird die Zivilliste erhöht. Herr Dernburg wurde Minister, weil er dem herrschenden Klüngel ein brauchbares Werkzeug schien, und Ge- schäfte zu erledigen waren, mit denen ein'' junkerlicher Bureaukrat nicht recht fertig werden konnte. Jetzt wird Dernburg fortgeschickt, weil eS eben den Leuten oben so gefällt. Und wenn sich jetzt das Bürgertum zur Abwechslung vor Wut auf den Kopf stellt, so wird ihm das gar nichts nützen. Die herrschende Kaste tut, waS sie will, und das wird auch so bleiben, so lange das Bürgertum nicht lernt, die politische Macht selbst in die Hand zu nehmen. Wenn eS sich auch in Zukunft wie bisher stets davor fürchtet, ernste poli- tische Machtkämpfe zu führen, weil diese nicht geführt werden können, ohne der Arbeiterklasse vollständigste politische Bewegung»« freiheit und Gleichberechtigung zuzugestehen, so werden die Junker auch ferner die Herren der Situation bleiben und die Herrschaft über das Bürgertum nach ihrem Gefallen üben. Herr Dernburg erweist sich übrigens auch im Sturz als ge- schickter Macher. Aus dem„Berliner Tageblatt" erfährt man, daß Herr Dernburg sozusagen ein Freisinniger war, der gegangen ist, weil die reaktionäre Politik des Herrn v. Bethmann ihm ein Verbleiben im Amte unmöglich machte. Das„Berk. Tageblatt". dessen ständiger Mitarbeiter der Bater Dernburg» ist, ist nicht wenig entrüstet über jeden Zweifel an dieser Prinzipienfestigkeit. Ohne die verwandtschaftlichen Gefühle des Blattes noch mehr ver- letzen zu wollen, fassen wir Dernburgs Austritt doch etwas nüch- terner auf. Herr Dernburg sah eben ein, daß seine Uhr abgelaufen. Auf der einen Seite bedrängten ihn die Agrarier und das Zentrum immer stärker, auf der anderen ist Herr v. B e t h- mann Hollweg nicht der Mann, um den Wünschen dieser seiner Gebieter zuwider zu sein. Und selbst wenn Herr D e r n- bürg noch eine Gnadenfrist erhalten hätte, so wußte er doch, daß der schmähliche Zusammenbruch dieser Regie- r u n g unausbleiblich ist, und er sah nicht ein, wozu er sich u n- nütz kompromittieren sollte. Da er kein Buceaukrat ist, wartete er nicht geduldig die Kündigung ab, sondern kam seinen Gegnern zuvor und sicherte sich einen guten Abgang. ES war eine richtige Baissespekulation. Allzuviel Begeisterung darf man deshalb nicht von uns verlangen. Der schwarzblaue Block steht begreiflicherweise dem Rücktritt Dernburgs mit gemischten Gefühlen gegenüber. Unverhohlene Freude äußern nur die„Deutsche Tageszeitung" und Herr Mathias Erzberger. Die übrigen Organe der Rechten aber sind weniger entzückt. Zwar daß sie den Eindringling loS geworden, ist der konservativen Bureaukratie sicher sehr erwünscht, und auch das Zentrum kann jetzt seine Rache genießen. Aber der Zeitpunkt des Rücktrittes ist den Herrschaften schon weniger angenehm. Dernburg war der letzte Rest aus der Bülow-Aera, der letzte, der in diesem Ministerium nicht als Parteigänger oder Lakai des schwarzblauen Blocks galt. Die Bethmänner sind jetzt unter sich und der Gegensatz zwischen den bürgerlichen Parteien erhält neue Nahrung Die politische Situation wird immer klarer. Die schwankenden und indifferenten Schichten, die bei den letzten Wahlen, von Bülow und Dernburg betört, so vortreffliche Arbeit für die Reaktion verrichteten, haben eine neue Lektion er- halten. Begeisterung für die Regierung wird wirklich das letzte Gefühl sein, das bei den nächsten Reichstagswahlen die Wähler an die Urne treiben wird. Rur soweit Dernburgs Idücktritt ein Symptom für die unum- schränkte Herrschaft des schwarzblauen Blocks ist, hat sein Sturz größeres Interesse. Denn der wütende Kampf der Interessenten über dieAusbeutungderKolonienlähtdieVolksmassen wirklich kalt. Herr Dernburg hat sich die erbitterte Feindschaft der südwestafrikanischen Kolonisten zugezogen, weil er sie um den erhofften Anteil der Beute brachte zugunsten der Kalo- nialgesellschaften und der hinter ihnen stehenden Ba n k e n. Daß Herr Dernburg dabei das Staatsinteresse nicht in vollem Umfange gewahrt hat, ist eine Behauptung, die nicht nur Herr Erzberger vertritt. Wobei es freilich schon richtig ist, daß bei der Politik der Agrarier für den Staat noch viel weniger ab- gefallen wäre. Als Nachfolger Dernburgs wird der Unterstaatssekretär d. Lindequist, einer seiner„Schüler", genannt. Sie Blahl an der OdermOndung. Aus dem Reichsdagswahlkreise Ueckermiinde- Usedom-Wollin werden uns von einem in der Agita- tion stehenden Genossen die folgenden ergänzenden Aus- führungen zu unserem Artikel in Nr. 127 gesandt: „Am Donnerstag, den 9. Juni, wird abermals in einem ostelbischen Wahlkreise die Probe aufs Exempel ge- macht werden, ob die Partei der Junker und Agrarier noch Boden im Volke hat. Die eigentliche Domäne der Konscr- vativen ist Hinterpommern: in Vorpommern haben sie von jeher weniger gut abgeschnitten und die Vertretung des ge- nannten Kreises, der noch zu Vorpommern gehört, hat bisher immer zwischen konservativ und liberal gewechselt. Der Kreis Ueckermiinde grenzt an den Kreis Randow(Stettin Land) und ist stark rndustriell: der Kreis Usedom-Wollin mit der Kreisstadt Swinemünde besteht aus den beiden Inseln Usedom und Wollin, welche durch die drei Ausflüsse der Oder in die Ostsee(Peene, Swine, Dievenow) gebildet werden, hier gibt es wenig Industrie, aber die Bevölkerung ist durch dcir Verkehr mit Fremden, ivelche die zahlreichen Seebäder besuchen, nicht mehr so rückständig wie die Landbevölkerung im Binnenlande. Die schwarze Ecke bildet hauptsächlich die Insel Wollin. Die Wahlagitation ist noch niemals so intensiv betrieben wie diesmal. Die beiden bürgerlichen Kandidaten ziehen in Begleitung von Parteisekretären von Ort zu Ort. Der Sozialdemokratie wird die Agitation durch den Umstand er- schwort, daß ihr nur in wenig Orten Versammlungslokale offen stehen. Doch ist dieser Mangel in der letzten Zeit da- durch ausgeglichen worden, daß Versammlungen unter freiein Himmel abgehalten wurden, wozu die Witterung prächtig war. Noch nie waren die sozialdemokratischen Versamm- lungen so gut besucht wie gegenwärtig: in Dörfern, wo nie eine sozialdemokratische Versammlung stattfand, ja wo es bisher noch keinen Parteigenossen gab, kommen die Wähler massenhaft herbei und stimmen am Schluß in das Hoch auf die völkerbefreiende Sozialdemokratie ein. Es ist eine wahre Lust zu agitieren. Im Vordergrund der Agitation steht natürlich die Reichsfinanzreform, die eine tiefgehende Erbitterung erzeugt hat. Die Landleute begreifen auch ganz gut die Stellung unserer Partei zum Militarismus: so können eben die unsinnigen Rüstungen nicht weiter gehen, weil das Volk verarmt. Für den konservativen Kandidaten agitieren die Ange- stellten des Bundes der Landwirte. Der Hansa-Bund hat auch schon einige Versammlungen abgehalten, die natürlich dem liberalen Kandidaten zugute kommen, aber er greift doch nicht so heftig in die Agitation ein, wie vermutet wurde. Der Bund der Landwirte hält als solcher keine Versamm- lungen ab; er würde damit sich nur selbst schädigen. Die Sozialdemokratie darf auf guten Ertrag lhrer fleißigen Arbeit hoffen._ Oer weiße Schreckten in Argentinien. Die Jahrhundertfeier der Argentinischen Republik ist für ihre herrschende Klasse zum Vorwand geworden, ihr Schreckensregiment noch zu verschärfen, den an der Arbeiterschaft begangenen Ver» brechen neue, nicht minder infame hinzuzufügen. ES ist notwendig, daß die ganze zivilisierte Welt erfährt, wie daS mit Kulturfirnis überstrichene Barbarentum, dessen lügnerische Jubiläumsphrasen leider auch europäische Freiheitsfreunde, ja sogar Sozialisten be- stachen haben, in seinem Herrschaftsgebiet wütet. Der mörderische und diebische Regierungsterror der südamerikanischen Republik muh ebenso an den Pranger gestellt werden wie der der zarischen Henkersknechte. DaS internationale Proletariat aber schuldet den tapferen Genossen jenseits des AcquatorS, in der gegen ihre Organi- sationen und ihre Personen entfesselten brutalen Hetze, neben der Liorali scheu auch schleunige matkiielle Hilfe. Heber die Lage in Argentinien unterrichtet uns nächstehender. vom 16. Mai datierter Bericht eines Genossen in Buenos Aires: Es sind heute gerade sechs Monate verflossen, seitdem die Tyrannen von Argentinien wegen der Tötung des Polizeichcfs Obersten F a l c o n den Ausnahmezustand erklärt haben. Sie werden sich noch der Brutalitäten erinnern, die die aus Polizei- agenten in Zivilkleidung, aus Offizieren und aus Stutzern der indianischen Aristokratie zusammengesetzten schwarzen Banden verübt haben. Diese wilden Horden, die damals die Lokale der Ar- beiterorganisationen und die Werkstätte der„Protesta" geplündert und zerstört hatten, haben nun ihre Gewalttaten erneuert. Am 25. Mai werden 100 Jahre seit der Proklamierung unserer Republik verflossen sein. � Aus diesem Anlaß hat die Regierung eine Ausstellung organisiert und einige Feste vorbereitet. Tie bei den AusstellungSbauten beschäftigten Arbeiter traten in den Streik, um eine Lohnerhöhung durchzusetzen. Andere ähnliche Konflikte kamen hinzu und es entstand eine richtige Agitation, als die Regierung, in der Furcht, daß die Ausstellung zum angesetzten Termin nicht eröffnet werden könnte, sich entschloß, den A u S< nahmezustand über die ganze Republik zu ver- hängen. Da geschah eS, daß Offiziere— von den Ausländern zivili- sierte Jndianerabkömmlinge— Polizeiagenten in Zivil und einige Aristokraten in Lackstiefeln und Smoking, Scharen von Studenten, Lumpengesindel, abgestraften Verbrechern— darunter solchen, die man aus diesem Anlaß entlassen hatte, in Be- wegung brachten. Sie formierten eine Kolonne, an deren Spitze eine Militärmusik marschierte und zogen wie bor sechs Monaten herum, um die Lokale der Arbeiterschaften zu ver- wüsten. Sie zerstörten die Maschinen der Zeitungen„Protesta" und„La B a t a l l a" und st e ck t e n hierauf die Werkstätten in Brand. Als die wilde Horde zur„Vanguardia— dem sozialistischen Tageblatt— kam, glaubten die wenigen, in dem Augenblick anwesenden Genossen, daß die Polizei die Manifestanten verhindern würde, die kund- gegebenen Zerstörungsabsichten zu verwirklichen. Wie erstaunten wir aber, als wir die Polizisten daS nichtswürdige Werk be- günstigen sahen, indem sie die Strolche mit dem Revolver in der Faust in unser Lokal eindringen ließen I DaS, was nun geschah, zu schildern, ist einfach unmöglich. Unbeschreiblich der Zustand, worin sie die Maschinen zurückließen. Alles wurde zerschlagen, die Setzkästen umge- warfen, die Buchhan dl ung ausgeraubt, das Geld aus der Kasse fortgetragen. Nichts, absolut nichts blieb unbeschädigt. Der Schaden beträgt an 100000 Frank. Ueber 300 Genossen sind im Gefängnis, der Schrecken regiert von neuem in unserem berüchtigten Land. Ar- beiterfamilien wurden brutalisiert. In den Arbeitervierteln ver- wüsteten die schwarzen Banden die Familienwohnungen und schlugen Frauen und Kinder. Wir können nichts machen. Kein bürgerliches Blatt darf noch etwas schreiben. Selbst in den Straßen zu zirkulieren ist sehr gefährlich, da man den schwarzen Banden zum Opfer fallen kann. Wir brauchen Hilfe jeder Art. Wir bitten ganz Europa um moralische und materielle Unterstützung. Wir wollen die Befrei- ung. Helfet uns dazul Verkündet der ganzen Welt, dem ganzen Proletariat, daß man in Argentinien nicht mehr leben kann! Niemand, dem seine Haut lieb ist, soll in dieses vom Wilden beherrschte Land kommen I Unsere ganze Arbeit von 14 Jahren ist zerstört. Im Namen der internationalen Solidarität bitten Wtr Euch um Geldopfer, um uns zu verteidigen und den Opfern zu helfen. Die Beiträge sind an das Internationale sozialistische Bureau in Brüssel zu senden. Nachtrag: Bestohlen und verbrannt sind noch: die Buch- Handlung des Vertreters der„Modernen Schule" von Barcelona. die Gewerkschaftslokale der Bäcker und Holzarbeiter, die russische Bibliothek, die Arbeiter-Selbsthilfegenossenschaft. ES gibt Tote und Verwundete.__"' poUtxfcbc ücbcrlicbt. Berlin, den 7. Juni 1910, Gegen die Erhöhung der Zivilliste »vendet sich daS Organ der rheinischen Groß- tndustric. die.. Rheinisch-Westfälische Zeitung" in außerordentlich scharfer Weise. DaS preußische Volk bringt heute schon eine um Millionen höhere Summe für die Krone auf. als volkreichere Länder, wie Oesterreich. England und Rußland. Die Regie- rung habe selbst das Motiv der Sparsamkeit in allen Tonarten erklingen lassen, damit in den nächsten Jahren nicht noch schwerere Steuerlasten auf den Rücken des Volkes auf- gebürdet zu werden brauchen. Es sei eine starke Leistung, die Vorlage mit der Abtretung der Krondomänen am Anfange des vorigen Jahrhunderts zu begründen. Diese Krondomänen gehörten von Rechts wegen überhaupt nicht den Monarchen, sondern dem Staate und seien von den einzelnen Fürsten widerrechtlich an sich gebracht worden. Auch sonst wäre mancherlei über die finanzielle Verlegenheit des Kaisers zu sagen. Sie entspringe zum Teil einer Repräsentation, die keine sachliche Berechtigung habe. Die Millionenschöpfung der Sieges- allee mit ihren steifen Denkmalspuppen. der unbegreifliche Ankauf des MarmorschlosseS auf K o r f u und manches andere fei weder vomdeutfch-nationalen, noch k ü n st- lertschen. noch vom repräsentativen Stand- punkte aus zu rechtfertigen. Die Steuerveranlagung. Der Allmächtige in Preußen, der preußische Landrat, hat heute noch die überaus wichtigen Geschäfte der Steuerveranlagung in seiner Hand. Darauf ist eS auch zurückzuführen, daß. während dem Arbeiter jeder Pfennig feines Einkommen» versteuert wird. die Grundbesitzer jährlich Tausende dem Staate vorent. halten können, ohne daß ihnen auch nur ein Härchen gekrümmt wird. Gegen dieses Privileg der Landräte hat man wiederholt an- zukämpfen versucht, aber stets mit negativem Resultat. Jetzt end- lich soll diesem Zustande ein Ende gemacht werden. Wie die „Schlesische Zeitung" meldet, ist im Unterausschuß zur Beratung der preußischen Verwaltungsreform ein Antrag angenommen worden, wonach die Steuerverwaltung von den LandratSämtern abgetrennt und zu einer selbständigen Behörde ausgestaltet werden soll. Diesem Beschluß soll auch der Finanzminister zugestimmt haben. Sehr wahrscheinlich klingt diese Botschaft nicht. Ein dringendes Bedürfnis. Die Klage, daß für Kulturaufgaben in Preußen zu wenig geschehe, ist offenbar ganz unberechtigt. Man lese nur, was die„Verl. Polit. Nachr.- über preußische Kulturbestrebungen zu melden wissen. Sie schreiben: Im Etat der Generalordenskommission wird eine Erhöhung des Fonds für Anschaffung und Unterhaltung der Ordensinsignien für das Rechnungsjahr 1S11 angefordert werden. Der Fonds beläuft sich seit dem Jahre 1903 auf 220 000 Mark. Aber auch nach der damals vorgenommenen Erhöhung um 90 000 M. hat er sich nicht als ausreichend erwiesen. Regelmäßig haben sehr erhebliche Ueberschreitungen statlfinden müssen, und zwar um rund 93 100 M. im Etatsjahr 1903, um 166 000 M. in 1006, um 161 000 M. in 1907 nnd um 137 300 M. in 1908. Auf Grund dieser Entwicklung war bereits für den Etat des laufenden Rechnungsjahres eine weitere Erhöhung dieses Fonds in Aussicht genommen. Sie mußte aber unterbleiben, da die fort- dauernd mißliche Finanzlage und die ungünstige Gestaltung des Etats es notwendig niachten, in allen Verwaltungen von einer Verstärkung der sächlichen Fonds mit ihren naturgemäß schwankenden Ausgaben grundsätzlich abzusehen. Nach einer in der Rechnungs- koinmission des Abgeordnetenhauses abgegebenen Erklärung des Kommissars des Slaatsministeriunis wird mit Bestimmtheit er- wartet, daß eine angemessene Verstärkung des Fonds im Etat für 1911 sich ermöglichen lassen wird. Hoffen wir das beste I Was sollte aus der preußischen Kultur werden, wenn das Verdienst wegen Mangel an Mitteln nicht mit Orden belohnt werden könnte l Die elsaft-lothringische Verfaffung. Im Laufe des Juni werden sich der Staatssekretär Delbrück und Geh. Ober-Rogierungsrat Gallenkamp nach Straßburg begeben, um mit der reichsländischen Regierung und Vertretern der Fraktionen des Landesausschusses B e- sprechungen über den neuen Verfassungs- e n t w u r f abzuhalten. Den Besprechungen wird ein vorläufig schriftlich fixierter Entwurf zugrunde gelegt werden. Dabei soll, nach der„Straßburg. Post", für das Wahlrecht neben dem Verhältnisverfahren auch der Gedanke des Pluralwahlrechts erörtert werden. Einer anderen Meldung zufolge sieht der Verfassungsentwurf ein Ausschalten des Bundesrats und des Reichstages aus der Gesetzgebung für Elsaß-Lothringen und dafür die Errichtung einer Ersten elsaß-lothringischen Kammer, der Wahlrechts- entwurf die Einführung des allgemeinen, gleichen und direkten Wahlrechts auf Grund des Pro- portionalwahlverfahrens vor. Die Zeugnisfolter. Am 9. Juni soll der Redakteur Nowak in gabrze endlich aus der Zeugniszwangshaft entlasse!' werden, in der er sich dann sechs Monate weniger vier Tage befand. Nowak sollte in einem Disziplinarverfahren gegen einen Amtsgerichlsrat in KlauSthal wegen eines veröffentlichten Artikels als Zeuge aussagen. und wurde, da er das Redaktionsgeheimnis Ivahrte und die Aussage verweigerte, am 13. Dezember 1909 in ZeugniSzwangShaft ge- nommen. Am 16. Juni hätte er aus dem SmtsgerichtSgefängniS in Zabrze entlassen werden müssen, da die Zeugniszwangshaft nicht langer als sechs Monate dauern darf. Auf das Gesuch Nowaks hat der Kommissar jetzt verfügt, daß Nowak am 9. Juni zu entlassen. Um ganze vier Tage hat man die Maximalzcit dieser Haft ab- gekürzt I Die Strafprozeßreform will die Möglichkeit des Zeugnis- zwangeS gegen die Presse und Disziplinarvergehen ungeschmälert erhalten I_ Zur Reichstagsersatzwahl in Zschopa« Marieuberg. Die Fortschrittliche Volkspartei beschloß,«inen eigenen Kandidaten aufzustellen. Ein ungeheuerliches Kriegsgerichtsurteil. An der st rammen Haltung muß ein Soldat einen Vorgesetzten, auch wenn dieser in Zivil ist, erkennen. Also meint das Oberkriegsgericht Würzburg, das gegen den Artilleristen Wittenmeier verhandelte. W. befand sich in der Faschingszeit betrunken auf einem Ball, wo es Schiebereien gab, in die sich ein in Zivil anwesender Jnfanteriesergeant einmischte. Als der Letztere dem benebelten Soldaten einen Knopf abriß, beschimpfte ihn der Mann und führte ein paar Säbelhiebe nach ihm. Der Soldat wurde wegen tätlichen Vergreifen» an einem Vorgesetzten angeklagt, das Kriegsgericht nahm jedoch ledig- lich Körperverletzung an. indem eS dem Angeklagten Glauben schenkte, daß er den Sergeanten nicht als Vor- gesetzten erkannt habe. Aber das Oberkriegsgericht entschied, eS liege ein tätliche» Vergreifen vor, da Wittenmcier schon an der strammen Haltung de« in Zivil befindlichen Sergeanten hätte sehen müssen, daß er einen Borgcsctzten vor sich habe. Und also er- kannte das ObcrkriegSgericht auf die entsetzliche Strafe von zwei Jahren Gefängnis!! ES sind schon grausamere Militärgerichtsurteile gefällt worden — ein ungeheuerlicheres aber wohl noch nicht! Der Polizeikampf gegen die Sozialdemokrati« in Oberschlesien. Am Sonnabend wurde das Vereinslokal in Neudorf, indem ein Bierausschank für Mitglieder eingerichtet ist, zum fünften Male polizeilich geschlossen und die Mitglieder hinauSgetrieben. Der Ver- trauensmann P a j o n k vom Bergarbeiterverband wollte aus einem Schrank noch wichtige Belege herausnehmen, er wurde dabei ver- hastet und an beiden Händen gefesselt abgeführt. Ein armer Krüppel Ciesta, der sich durch Zeitungaustragen«in paar Pfennige verdient, wollte seine Zeitungen mitnehmen, konnte aber. weil er lahm ist, nicht schnell genug herausgehen, darum wurde auch er verhaftet und durch zwei Polizisten abgeführt. Als der Vor- sitzende Genosse BieS eine Bemerkung machte, wurde auch er ge» fesselt abgeführt. Im ganzen Dorf herrscht große Em- pörung. Als am Sonntag die Genossen vom Gefängnis zur Polizei geführt wurden, belagerte eine große Menschenmenge die Straße. Die Genossen, die einzeln entlassen wurden, empfing man mit großer Begeisterung.— Zu bemerken ist noch, daß der Amts- Vorsteher I a s i n s k i kein schriftliche» SuSschankverbot erließ und auch nicht mit Strafen drohte, er ging vielmehr von der ersten Minute an mit Gewalt vor._ Deutsches Preßrecht. Die„Mecklenburger Volkszeitung-, da« sozial- demokratische Organ in R o st o ck hatte aus einem Gerichtsurteil ein paar Sätze zitiert, die das Verfahren eines dem RcichSverbande er- gebencn Redakteur« in St e u st r e l i tz betreffen. Dieser verlangte daraus auf Grund de?§ 11 des PreßgesetzeS den Abdruck weiterer Partien aus dem Gerichtsurteil. Diese sonderbare Berichtigung lehnte die„Mecklenburger BolkSzeitung" natürlich ab. Jetzt wurde Genoffe Franke dafür vom Amtsgericht zu 100 M.Geld. strafe und zur Publikation der„famosen Berichts» gung' verurteilt. Da» Urteil erscheint ganz unhaltbar! Wir nehmen an, daß die höhere Instanz es aufheben wird. Hundert Millionen Ueberschust. In der Budgetkommission des Abgeordnetenhauses macht« der Minister v. Breitenbach die Mitteilung, daß der Rtzinüber, schuh der Eisenbahnc innahmen statt, wie im Etat für 190? veran- schlagt, 83 Dtillionen, in Wirklichkeit 183 Millionen betrögt, also um 19 9 Millionen überschritten ist. Ferner teilte der Minister mit, dah die Zuschüsse zur EisenbahnarbeiterpensionSkassc nicht, wie in Aussicht genommen, zum 1. April 1911, sondern voni 1. Juli 1910 ab geleistet werden sollen. Der„Schnüffelparagraph" in der Kirchengemeinde- ordnnng. München, 3. Juni. Eine sehr lebhafte Debatte entspinnt sich Vseute in der Kammer über den sogenannten Schnüffel- Paragraphen" in der Kirchengemeindeordnung. Nach ihm soll die Kirchenbehörde das Recht haben, die Wahl von Kirchengemeinde- Vertretern als ungültig zu erklären, wenn diese durch ihr sittliches Verhalten öffentliches Aergernis erregen oder ihre Unkirchlichkeit offen zur Schau tragen. Das Zentrum bestritt anfangs auf das entschiedenste, dah dieser Paragraph ohne weiteres gegen die Angehörigen anderer politischer Parteien angewendet werden könnte. Es würde lediglich die persönliche Qualität des Gewählten in Betracht gezogen, die politische Ueberzeugung bleibe auher Betracht. Liberale und So- zialdemokraten trauen der Geschichte nicht und Genosie v. Voll- mar macht in einer wirkungsvollen Rede darauf aufmerksam, dah in päpstlichen Dokumenten Liberale und Sozialdemokraten als Kirchcnfeinde bezeichnet werden, als„unkirchlich" deshalb ohne weiteres als Vertreter der Kirchengemeinde zurückgewiesen werden können. Tatsächlich hat der Zentrumsführer Dr. P i ch l e r im Ausschusse offen zugegeben, dah der Paragraph gemacht werde, um zu verhüten, dah, wie in einer Vorstadt Münchens, katholische Kirchengemeinden eine liberale oder gar sozialdemokratische Ver- tretung erhalten. Ein anderer Redner des Zentrums konstatierte dann noch ausdrücklich die Kirchenfeindlichkeit und Unkirchlichkeit der Sozialdemokratie. Von Interesse waren auch die Ausführungen des Zentrums- rednerS Held über die Frage der Trennung von Staat und Kirche. Er meint, dah nach seiner persönlichen Auffassung diese Frage sich ganz gut diskutieren lasse; nur müsse der Kirche das am Anfang des vorigen Jahrhunderts geraubte Vermögen wieder zurückgegeben werden. Genosse v. Vollmar bemerkt hierauf, dah man in diesem Falle aber weiter auch prüfen mühte, wie denn die Kirche zu diesem Vermögen gekommen sei. Gegen die Zentrums-Kirchcngemeindeordnung stimmen Libe- rale und Sozialdemokraten. Die Wirkung der Zündholzstener wird im Kasseler HandclSkammerbericht also geschildert: Die Besteuerimg der Zündhölzer hat den deutschen Fabriken «inen unberechenbaren Scbaden gebracht. Denn neben der Einschränkung des Verbrauchs bei den Verbrauchern infolge der hohen Steuern, die etwa 200 Prozent des Wertes der Ware be- trägt, hat die Kurzsichtigkeit bei der Annahme der Steuern durch die weite HinauSschiebnng deS Eintritts ohne Nachversteuerung der im Privatbesitz befindlichen Vorräte vorher den Sturm nach Zih,d. hölzern veranlaht, der nur den ausländischen Fabriken zugute ge- kommen ist. Diese tonnten die grossen Mengen zu guten Preisen einführen, während die inländischen Fabriken, durch alte Lieferungs- Verträge gebunden, zu niedrigen Presien liesern muhten und dadurch mehr a» vollauf in Anspruch genommen. Neuaufträge zu besseren Preisen nicht annehme» konnten, um sich nicht Regressansprüchen auS- zusetzen. Mit der Schädigung der deutschen Zündholzindustrie, die dadurch herbeigeführt wurde, geht der ganz erhebliche Steuerausfall von Millionen Mark für das Reich Hand in Hand. Der Entwurf des SchiffahrtSabgabengesebeS ist Montag dem Bundesrat zugegangen. Mitte diese« Monat« sollen die Bc- ratungen im BundeSratsauSschuh beginnen und noch vor der Sommerpause des Bundesrats soll das Plenum den Entwurf er- ledigen, so dah der Reichstag bei seinem Wiederzusammentritt die Vorlage fertig vorfindet. franhmcb. , Die Vizepräsidenten. Pari«, 7. Juni. Die Kammer wählte heute zu Vizepräsi- h e n t e n die Deputierten E t i e n n e sRepublikanisch« Linke) mit 318 Stimmen, Puech tRadikaler Sozialist) mit 292, Berteaux tRadikaler Sozialist) mit 289, D r o u(Radikaler) mit 229 Stimmen. Der Progressist Thierry erhielt 180 Stimmen. Spanien. Eine„anarchistische" Schule. Zaragoza, 7. Juni. In einer Schule in Puebla de Mfinden wurden anarchistische Schriften beschlagnahmt und die Heiden Lehrer der Schule verhaftet. In derselben Gemeinde veranstalteten 200 Bauern leiden. schaftliche Protestkundgebungen gegen die Verhaftung eine» Mannes, der die Behörden beleidigt haben sollte. Ein Teil der Manifestanten versuchte, geführt von einem Adjunkt, das Bürgermeisteramt und später das Gefängnis zu stürmen, wurde aber von der Gendarmerie daran gehindert. Cnglsncl. Komproinisiverhandlungen. London, 7. Juni. Hu den gestrigen Audienzen des Premierministers A s q u t t h und des Ministers für die Kolonien Lord Crelve beim König bemerkt die Daily News, das Organ des Ministeriums, das sei Asguith' erste Audienz beim neuen König, der man offenbar politischeBedeu- t u n g zuschreiben dürfe. Eine bedeutsame politische Ent- Wicklung sei jetzt möglich; die Regierung schicke sich an, die konservativen Führer zu einer Konferenz über die Beilegung der konstitutionellen Krisis einzuladen. I�bnvegm. Ein Feind des Frauenwahlrechts. Christiania, 7. Juni. Als dem König heute das Gesetz zur Sanktionierung vorgelegt wurde, welches den Frauen für die Kom munalwahhen ein erweitertes Sitim>,scecht ver- leiht, riet der Handelsminister Ar k tan der, die Sanktionierung nicht zu vollziehen. Nachdem sich die übrigen Mitglieder der Re- gierung für die Sanktionierung ausgesprochen hatten, vollzog sie der König. Darauf reichte Arktandcr seine Demission ein, die angenommen wurde. Der Minister der öffentlichen Arbeiten, Branner, übernimmt für Arltander das Handelsministerium. Der Oberingenwur bei den StaatSbahnen. Darre Jensen, ist zum Minister der öffentlichen Arbeiten ernannt worden. Der Personen. Wechsel bedeutet keinerlei Aenderung in der Regierungspolitik. Cürhei. Die Kämpfe in Albanien. »onstantinopel, 7. Juni. In Jpek und Djakova sind die Läden der Büchsenmacher aeschlossen und ihre Werkzeuge beschlag- nahmt worden. Die zur Verteidigung eingerichteten Wohnungen mehrerer Flüchtlinge wurden niedergebrannt. Der Bevölkerung war zur vollständigen Auslieferung der Waffen eme Frist bis gestern abend gegeben worden. Tie offizielle Darstellung. Koastantinopel, 7. Juni. Von amtlicher Stelle wird gemeldet: Di- militärischen Mahnahmen im Vilajet Kossowo sind beendet. In de« Bezirken von UeSküb, Pristina und Prinzrend sind über 8000 Wafsenstücke abgeliesert worden, 30 Bataillone sind in Dja- lotva und Jpek versammelt, ohne auf Widerstand gestohen zu sein. In diesen Ortschaften sind ebenfalls viele Waffen abgeliefert worden. Vollkommene Ruhe und Ordnung herrschen gegenwärtig im ganzen Vilajet, und die Behörden haben bereits die Volks- zählung, Aufstellung des Katasters und die Rekrutierung in die Wege geleitet. /ZmmKa. ' Ein Jndianeraufstand. Vera Cruz(Mexiko), 7. Juni. Insurgenten haben die Stadt V a l l a d o l i d in Dukatan angegriffen und geplündert. Viele Einwohner sind getötet worden. Vera Cruz(Mexiko), 7. Juni. Die Insurgenten die unter Führung der Maya-Jndianer stehen, haben verschiedene Städte angegriffen. Tie Zahl derer, die Valladolid angegriffen haben, wird auf 5000 beziffert. Der Chef der Polizei und die Be- amten sind getötet, das Arsenal geplündert. Die Aufständischen haben die Eisenbahn- und Telegraphenverbindungen zerstört. Aus der Re](l)sverI!(l)erung$ordnung$- Kommission. Sitzung vom Dienstag, den 7. Juni. lieber den Ortslohn schlägt der RegierungScntwurf vor: Als Ortslohn gilt der ortsübliche Tagesentgelt gewöhnlicher Tag. arbeiter. Er soll in folgender Weise festgestellt werden: Die Ge- meindel'ehörden und Krankenkassen machen dem VersicherungSamt Vorschläge, wie hock) der Ortslohn festzusetzen sei. Das Versichc- rungöamt gibt die Vorschläge mit einem Gutachten darüber an das Oberversicherungsamt. Dieses hört darüber noch die Invaliden- Versicherungsanstalten, setzt dann den Ortslohn fest und macht ihn öffentlich bekannt. Besonders wichtig ist al>er, dah wie gegenwärtig so auch nach dem neuen Gesetz der Ortsloyn für Arbeiter und Arbeiterinnen über und unter 18 Jahren besonders festgesetzt werden soll. Dabei können die Kinder unter 13 Jahren(Jugendliche) in Kinder unter 14 Jahre und Kinder über 14 Jahre geschieden werden. Lehrlinge sollen zu den Arbeitern unter 16 Jahren ge- rechnet werden. Demgegenüber beantragten die Sozialdemokraten, dah der Ortslohn für drei Altersgruppen festgestellt wird: 14 bis 18 Jahre, 18 bis 20 Jahre, über 20 Jahre. Selbstverständlich stets besonders für männliche und für weibliche Arbeiter. Für Kinder unter 14 Jahren gilt der Ortslohn der 1. Altersgruppe. Eine solche weitere Unterscheidung ist unbedingt notwendig, denn durch die ganz geringen Löhne der jungen Leute von 18—20 Jahren wird der OrtSlohn für alle Arbeiter unter 18 Jahre Herabge- drückt. Die Folge davon ist eine schwere Schädigung der verhei- rateten Arbeiter, für die sich die Höhe der ihnen zustehenden Unter. stützung nach dem Ortslohn richtet. Genosse Hoch, der den An- trag begründete, sprach die Hoffnung aus, bah dieser Antrag in der Kommission einstimmig angenommen werde, da doch keiner der Herren eine solche gar nicht zu rechtfertigende Schädigung verhei» rateter Arbeiter noch länger zulassen werde. Es kam aber anders. Die Konservativen und Ratio. nalliberalen erklärten sich gegen den Antrag, weil sie die Notwendigkeit nicht anerkannten, die verheirateten Arbeiter vor der Schädigung zu bewahren. Das Zentrum konnte nicht bestreiten, dah der Antrag der Sozialdemokraten berechtigt ist. Es schlug aber vor, dah die Alters- grenzen etwa? anders gcbiloet werden, nämlich 14— 10, 16— 21, über 21 Jahre. Diese Aenderung wurde dann auch gegen die Stimmen der Konservativen und Nationalliberalen ange- n o m m e n. Außerdem schlugen die Sozialdemokraten den- Zusatz vor: Als Ortslohn darf für männliche Personen über 20 Jahre n i cht w e n i ger a l s 3 M., für weibliche Personen über 20 Jahre nicht weniger als 2 M. festgesetzt werden. Für diesen Zu» satz trat aber auher den Antragstellern nur der Pol« ein. Ge- nosse Mol-kenbuhr wie« nach, dah der Betrag gewih nicht zu hoch sei. Im Agrarischen Handbuch werde genau vorgerechnet, dah eine Tagelöhnerfamilie in Klein-Spiegel, Besitz des Freiherr» von W a n g e n h e i m, 2059,40 M. Jahreseinkommen habe. Trotzdem bekämpften auch die Agrarier den Antrag der Sozialdemokraten. Als Beschäftigungsort gilt nach der Vorlage der Ort, an dem die Beschäftigung tatsächlich stattfindet. Hiervon sind mehrere Ausnahmen zugelassen für solche Arbeiter, die zeitweise außerhalb des Ortes beschäftigt werden, an dem der Betrieb seinen Sitz hat, Monteure usw. Für Versickerte, die an einer festen Ar- bcitsstätte(Betrieb, Dienststätte) beschäftigt werden, soll diese als Beschäftigungsort gelten, auch während die Versicherten außerhalb für den Arbeitgeber einzelne Arbeiten von geringer Dauer ausführen. Das Gleiche gilt für Versicherte, die von einer festen Arbeitsstätte aus nur mit einzelnen Arbeiten wechselnd in Bezirken verschiedener OrtS- oder Landkrankenkassen beschäftigt werden. ES gilt endlich für Versicherte, die nur für einzelne Arbeiten außerhalb der festen Arbeitsstäitte ange� nomine» sind, sofern diese und ihr Arbeitsort im Bezirke desselben VersicherungsamteS liegen. Auf Antrag der Sozialdemo. traten wurden die gesperrt gedruckten einschränkenden Worte gestrichen, um, wie Genosse Robert Schmidt nachwies, diesen Arbeitern die Mitgliedschaft in der Krankenkasse an ihrem Wohn- orte unbedingt zu sichern. Wenn eine Frau in dem Geschäfte ihres ManncS oder der Mann in dem Geschäft seiner Frau beschäftigt ist, dann soll nach der Vorlage der Beschäftigte nicht versicherungspflichtig sein. Die Sozialdemokraten beantragten, dah auch in diesen fällen die VersicherungSpslickst nicht ausgeschlossen sein soll. Der »trag wurde mit 14 gegen 11 Stimmen abgelehnt. Den Ausschlag gaben hier wieder die Zentrum». abgeordneten. Dagegen wurde ein Antrag des Zentrums angenommen, daß andere Verwandtschaftsgrade zwischen Arbeitgeber und Arbeit» nehmer die Vcrsicherungspflicht n' ch t ausschliefen. Darauf wurde mit der Beratungdes2. BucheS, mit dem über die Krankenversicherung, begonnen. Der Entwurf schreibt die Versicherungspflicht im allgemeinen für die Personen vor, die gegen Lohn oder Gehalt beschäftigt werden. Jedoch sollen BetrieSs. bcamte, Handlungsgehilsen und andere Angestellte, die mit einer wissenschaftlichen oder künstlerischen Tätigkeit berufsmähig be. schäftigt werden, nur dann versicherungspslichtig sein, wenn ihr regelmähiger JahresarbeitSvcrdienst 2000 M. nicht übersteigt. Die Sozial demokrate beantragten die Ausdehnung der Versicherungspflicht auf die Lehrlinge, die ohne Entgelt beschäftigt werden und auf die selbständigen Gewerbetreibenden mit einem Einkommen unter 5000 M. Ebenso forderten sie, dah für die Be- tribsbeamten usw. die Versicherungspflicht bis zum JahreSgehalt von 5000 M. ausgedehnt wird. Morgen Fortsetzung.___ Verteidigung von Amts wegen. Zu einer prinzipiell wichtigen Debatte kam eS in der Justiz. kommission beim Beginn der DienStag-Sitzung. Anlaß dazu gab ein Antrag Gröber, al»§ 127» folgende Bestimmung in die Straf-Prozeh-Ordung auszunehmen:.,z-er in Untersuchungshaft befindliche Beschuldigte darf in Beziehung auf die zur Unter- suchung stehende Tat nur durch den Richter vernommen werden." Durch diesen Antrag sollte der Schutz des verhafteten Beschul- digtcn vermehrt werden. Die Regierung wollte von dem Antrag nicht« wissen, erst aus sachlichen Gründen, später auS Bedenken formaler Natur. Noch schroffer als die RegierungSvertretcr wendeten sich ein n a t i o n a l l i b e r a l e r und a n t i f e m i t i. scher Redner gegen den Antrag. Letzterer sah in dem Antrage nur ein Mißtrauen gegen die Staatsanwaltschaft, und zur Ver- geltung dafür kündigte er Anträge an, die sich g e g e n 8 i e R e ch t s der Verteidigung richten sollten. Von unseren Genossen wurde im Falle der Ablehnung des Antrages Gröber verlangt, die Garantien der richterlichen Vernehmungen auf staatsanwaltliche und polizeiliche auszudehnen. Schließlich wurde der Antrag Gröber mit 15 gegen 10 Stimmen angenommen. Dagegen stimmten Antisemiten, Konservative, Nationalliberale und Reichs- parteiler. Beim Z 129, der u. a. bestimmt, dah ein Verhafteter u n v e r � zü g l i ch dem nächsten Amtsrichter vorzuführen ist, beantragten die Sozialdemokraten, zu bestimmen, daß, wenn die Einlieferung ver- zögert wird, der an der Verzögerung die Schuld tragende Beamte dem Verhafteten gegenüber haftpflichtig ist. Der Staat hat für die Entschädigung zu haften. Der Antrag wurde aber gegen die Stimmen unserer Genossen und der Stimme des Abg. Träger abgelehnt. Die§8 130 bis 136 wurden unverändert angenommen. Damit war der achte Abschnitt erledigt. Der Abschnitt 9 handelt von der Verteidigung, und 8 �8 bestimmt, dah als Verteidiger Rechtsanwälte, die bei einem deutschen Gericht zugelassen sind, oder RechtSlehrer einer deutschen Hochschule gewählt werden können. Auch kann das Gericht andere Personen als Verteidiger zulassen. Auf eine Anfrage unserer Genossen— die prinzipiell für die völlige Freilassung der Ausübung der Ver- teidigung durch jedermann eintreten—, ob unter„anderen Per- sonen" auch Frauen gemeint sind, erklärten im Namen der Re- gierung der Geheime Negicrungsrat B u n d e r und v. Tischen- dorf, dah selbstverständlich auf Grund dieser Bestimmung auch weibliche Personen zur Verteidigung zugelassen werden können. Hoffentlich machen die Gerichte von diesem Recht künftig den weitgehendsten Gebrauch; denn auch von ven RegierungSvertretern wurde anerkannt, dah insbesondere in dem Verfahren vor dem Jugendgericht Frauen als Verteidigerinnen nur zu begrühcn seien. In Vertretung eines Rechtsanwalts kann auch ein Rechtskundiger die Verteidigung führen, der die erste Prüfung im höheren Justizdienst bestanden hat und bereits ein Jahr in ihm beschäftigt gewesen ist. Nach dem bestehenden Recht waren zwei VorbcrcitungSjahre erforderlich. Ueber diese Neuerung entspann sich eine längere Debatte. Die Kommission entschloß sich für ein Jahr Vorbereitungsdienst. Nach dem 8 139 muh dem Angeschuldigten von AmtS wegen ein Verteidiger gestellt werden, wenn die Sache vor dem Schwur- gericht und vor dem Reichsgericht als erste Instanz ver- handelt wird, oder auf Antrag, wenn die Tat ein Verbrechen darstellt und das Landgericht als erste Instanz zuständig ist. Dazu lag ein Antrag Gröber vor. dah dem Angeschuldigten auf seinen Antrag auch dann ein Verteidiger zu stellen ist, wenn der Auge- schuldigte wegen eines Vergehens in Untersuchungshaft genommen ist. Ein polnischer Antrag wollte diese Bestimmung auch auf die Fälle ausdehnen, bei denen den Umständen nach aus eine Freiheitsstrafe von über ein Jahr zu erkennen sein wird. Unsere Genossen sprachen sich vor allen Dingen für den Antrag Gröber auS, denn er ist eine Wiederholung eines sozialdemokratischen An- trageS, der zum 8 116 gestellt und von der Kommissionsmehrhett ab- gelehnt war. Heute nahm die Kommission den Antrag gegen die Stimmen der Antisemiten, Konservativen, Nationalliheralen und Reichsparteiler a n._ Huö der Partei. Der separatistische Unfug. In der Generalversammlung des Wahlvereins„Vorwärts" ick favoriten kam Genosse Viktor Adler auch auf den unseligen ampf zu sprechen, den die tschechischen Separatisten gegen die Einheit der Gewerkschaftsorgamsation angezettelt haben. Adler führte au»: Im Hintergrund jeder politischen Frage steht in Oesterreich der nationale Krieg(Zwischenrufe: Leider!), leider in einem Umfang, der alles Vorwärtskommen lähmt, jede parlamentarische Tätigkeit, jede Reform auf das schwerste behindert und der vor- läufig eine Aussicht auf Beilegung noch lange nicht bietet. Wenn ich davon spreche, so kann ich nicht an den Tatsachen vorbeigehen, die nun unsere tschechischen Genossen so erregen. In dem Bewußtsein, dah die Klasseninteressen der Arbeiter- s ch a f t ohne Unterschied der Nation dieselben sind, haben wir im Parlament den einheitlichen sozialdemokratischen Verband und führen den einheitlichen politischen Klassenkampf. Das hindert natürlich nicht und hat nie gehindert, daß die speziellen Interessen eine? Volkes von den Angehörigen dieses Volkes geltend gemacht werden, und auf politischem Gebiet, in der politischen Or- ganisation haben wir diesem Bedürfnis nach einer autonomen Organisation bis aufs äußerste entsprochen und mit arohem Er- folg. Wir haben unsere Organisation, die politische, die ocwerk- schaftliche und die genossenschaftliche, eingerichtet nach den Bedürf- nissen und den speziellen Zwecken, denen die einzelnen Organisa- tioncn dienen sollen. Für die politische Organisation wählen wir darum die Autonomie, weil cS politische Fragen gibt, die von den einzelnen Nationen verschieden aufgefaßt und behandelt werden können; für die wirtschaftliche Organisation wählen wir aber die zenRallstische Form; denn der gewerkschaftliche Kampf des Proletariats verlangt seiner Natur nach eine e i n h e i t- l i ch e Organisation und eS ist einfach wider die Natur des wirtschaftlichen Kampfes, ihn durch national getrennte Organ, sationen zu führen. ES ist wider den Zweck dieser Organi- sationen und wenn nun zu unserem grohen Bedauern innerhalb der tschechischen Parteigenossen da ein Widerspruch auftaucht, dann bedauern wir da« n i ch t als Deutsche, die dadurch etwa als Deutsche national geschädigt würden, sondern darum, weil da» klassenbewußt empfindende Proletariat ,n seinem Klassen- interesse geschädigt wird. Nicht unS Deutschen geht man anS Leben, wenn man die zentralistische internationale Gewerkschaft zerstört, sondern den gewerkschaftlichen Kampf trifft man in seinem Kerne, wenn man das Prinzip, auS dem der gewerkschaftliche Kamps allein hervorgehen kann, wenn man die Einheit dieses Kampfes zerstört und hier trennt, was der Natur der Sache nach nur vereint wirksam kämpfen kann.(Beifall.) Dah eS sich hier um einen Konflikt zwischen Tschechen und Tschechen handelt, geht schon daraus hervor, daß die tschechischen Gewerkschaften selbst getrennt sind in zentralistische und separatistische. Wir Deutschen sind dabei gewiß in der schwierigsten Lage, schon darum, weil wir das Bedürfnis haben, mit der gesamten tschechischen Partei solidarisch und in brüderlichster Einheit vorzugehen. Mit stolzer Genugtuung können wir auch sagen, daß wir niemals Anlah ge- geben haben, sich über Einseitigkeit von uns mit Recht zu be- schweren. Aber was können wir nun tun, wenn in die Gewcrk- schaften selber ein solcher Keil hineingetrieben wird? Ich bitte Sie, bewahren Sie sich bei all diesen Dingen die möglichste Kalt- blütigkeit, Besonnenheit und. ich gehe noch weiter, Nachgiebigkeit. Bedenken Sie, dah wir Deutschen in der günstigeren Lage sind; in unserem Hause brennt es nicht. Aber nicht bloß für uns brauchen wir Verstand und Ruhe, auch für die Tschechen. Wir haben die Funktion, den Kopf offenzuhalten und möglichst milde einzugreifen, und ich bin überzeugt, dah die tschechischen Genossen, die heute die hitzigsten Separatisten sind, zurückkehren werden zur z e n t r a- l i st i s ch e n Form der Gewerkschaften, weil sie erkennen werden, daß sie in der Natur der Sache liegt. Leider vielleicht erst nach langen Irrtümern. Wir wollen aber hoffen, dah eS möglichst bald geschehe.(Lebhafter Beifall.) An das Referat schloß sich eine längere Debatte. Genosse Schramm erklärte, Dr. Adler ganz beizustimmen, soweit e« sich um Kaltblütigkeit und Besonnenheit handle; in der Nach- giebigkeit könne er ihm aber nicht folgen. Die Natur des gewerkschaftlichen Kampfes erheischt Einheitlichkeit und Zcntrali- sation, und da gibt es keine Nachgiebigkeit.— Abgeordneter Pölzer erklärt, daß die deutsche politische Organisation den Tschechen soweit als möglich entgegenkommt, und er konstatiert be- sonder«, dah kein tschechischer Arbeiter heeinsluht wird, dem beut- schen Wßhlerverejn deizutreten. GewerhrcbaftUchce. Die Bauunternehmer zu den Simgungs- vorschlagen. Auf der Konferenz der Bauunternehmer in Leipzig hat es sicher größere Schwierigkeiten gemacht, bis ein Beschluß über die Einigungsvorschläge der Unparteiischen gefaßt werden konnte. Obgleich vereinbart war, daß bis 9 Uhr abends dem Reichsamt des Innern das Abstimmungsresultat der Parteien zugehen sollte, lief dort doch erst kurz vor 10 Uhr abends von den Unternehmern die Mitteilung über die Annahme der Vorschläge ein. Die Unternehmer hatten folgende Resolutton gefaßt: „Der Deutsche Arbeitgcberbund sieht in den von den Un- parteiischen gemachten Vorschlägen keine die Arbeitgeber voll be- sriedigende Lösung der Tarifabschlußfragen. In Anbetracht dessen aber, daß die gewählte Form einen Fortschritt auf dem Wege zum erstrebten Reichstarif bedeutet und die vorgeschlagene Lösung des Hauptvertrogcs und der Lokalverträge aus den protokollarischen Erklärungen und Erläuterungen erhoffen läßt, daß der von den Arbeitgebern erstrebte dreijährige Friede tatsächlich gewährleistet wird, erklärt er sich mit den Vorschlägen einverstanden. Die Versammlung nimmt die Vorschläge der Unparteiischen an unter der ausdrücklichen Voraussetzung, daß sie auch von den Arbeit« nehmern bedingungslos angenommen werden." Mit der Annahme des Vertragsmusters der Unparteiischen ist der erste Teil der Tarifbewegung beendet. Der zweite Teil beginnt nun mit der Festsetzung der Löhne an den einzelnen Orten und bei Zulassung der Akkordarbeit mit der Aufstellung von Akkordtarifen. Bekanntlich haben die Bauarbeiter beim letzten Tarif- abschluß und während der Zeit der Krise wenig oder keine Lohnerhöhungen bekommen. Der Lebensunterhalt ist aber in der Zeit gewaltig verteuert worden. Es wird also hier von der Einsicht der Unternehmer abhängen, die berechtigten Forderungen auf Lohnerhöhung für die Arbeiter anzuerkennen. Daran wirds bei den Unternehmern oftmals hapern. Die Festsetzung der Löhne wird also nicht so glatt gehen. Kommt keine Einigung in der Lohnfrage örtlich zustände, so entscheidet das Tarifschiedsgericht, das zu gleichen Teilen aus Unternehmern, Arbeitern und Unparteiischen zusammen- gesetzt ist. Erst nach endgülttger Erledigung der Lohnfrage kann dann von einem Frieden im Baugewerbe geredet werden. Kerlin und Umgegend. Der Streik der Holzbildhauer bei der Firma Neumann u. B u n a r am Lausiher Platz stand in einer am Montag im Gewerk- schaftshause tagenden Branchenversammlung der Holzbildhauer zur Erörterung. L a m p k a schilderte im Auftrage der Branchen- kommission die Entstehungsgeschichte des Konfliktes. Danach waren die Holzbildhauer schon im Frühjahr beim Einsetzen des besseren Geschäftsganges im Gewerbe bestrebt, in allen Betrieben auf die feit Jahren konstant gebliebenen Lohnverhältnisse einzuwirken, um ihre durch die gesteigerte Lebenshaltung ungünstig beeinflußte wirtschaftliche Lage zu verbessern. Es gelang auch in fast allen Betrieben, auf friedlichem Wege Lohnerhöhungen durchzusetzen. Bei der Firma Neumann u. Bunar war jedoch der Geschäfts. gang noch ein zu schleppender; erst Mitte April trat eine Besserung darin ein, die sofort zum Vorgehen gegen die Firma benutzt wurde, um die dort noch außerordentlich niedrigen Löhne zu erhöhen. Anstatt die minimale Forderung einer Lohnerhöhung von S Proz. zu bewilligen, glaubte die Firma ihre Arbeiter verhöhnen zu dürfen, denn nicht anders könne das gemachte Zugeständnis von 2 Pf. Lohnaufschlag pro Stunde vom 1. Oktober d. I. ab aufgefaßt werden. Die Arbeiter kamen um des lieben Friedens willen der Firma bis auf 3 Pf. für die Stunde per sofort entgegen. Die Firma lehnte es jedoch ab, darauf einzugehen. So kam eS am 28. Mai zur Arbeitseinstellung der dort beschäftigten 12 Arbeiter. Da die Firma keinen Ersatz für die Ausständigen erhalten konnte, annoncierte sie nach kleinen selbständigen Holzbildhauern, die die Ausführung der Arbeiten in eigener Werkstatt übernehmen sollten. Hilfsbereit sprangen auch einige solcher Küchenkrauter der Firma bei. Es legten dieserhalb auch die bei dem Holzbildhauermeister Kühnemund beschäftigten drei Arbeiter die Arbeit nieder. während es den beim Meister Renner beschäftigten Arbeitern ge» lang, ihren Arbeitgeber zur Zurückgabe der Streikarbeit zu der- anlassen. Dahingegen haben es der Kleinmeister Bergmann in der Oranienstraße, der Bildhauermeister Kämpf und der Bild- Hauermeister Breitkopf in Rixdorf, ein besonder« frömmelnder christlicher Bruder, der zudem durch seine Lehrlings„ausbildung" eine gewisse Berühmtheit erlangt hat. vorgezogen, den Ausständigen in den Rücken zu fallen. Alle Versuche der Streikleitung, diese Herren von ihrem Tun abzubringen, scheiterten an dem bei ihnen ausgeprägten Mangel an Solidaritätsgefühl. Aber trotz Dieser „Rausreitzer" wird die Firma Neumann u. Bunar ihre aus- ständigen Arbeiter nicht lange entbehren können. Schon am Montag machte sie den erneuten Versuch einer Verständigung mit denselben. Sie erklärte sich bereit, die 2 Pf. Zulage pro Stunde nunmehr sofort zu zahlen, doch war auch dieses Zugeständnis zu gering, um die Zustimmung der Arbeiter zu finden. Bei dieser Verhandlung gaben die Firmeninhaber ihrer Entrüstung über die an diesem Tage im„Vorwärts" erschienene Notiz über den Streik in heftigen Worten Ausdruck. Man müsse sich darüber wundern, meinte der Referent, welche Rücksichtnahme die gegen ihre Arbeiter so rück- sichtslos vorgehende Firma von ihren Arbeitern im Kampfe er- wartet. Die Diskussionsredner waren sich allesamt einig in der Verurteilung des Verhaltens der Firma Neumann u. Bunar, wäh- rend das Vorgehen der streikenden Arbeiter allgemeine Sympathie und Anerkennung fand. Buchbinder, Etuisarbeiter, Galanteriearbeiter und Arbeite- rinnen! Die Firma H. Büchner. Apparate- und Maschinenbau, Belle-Alliancestr. S6. ist wegen Reduzierung der Akkordprcise bis zu 33% Proz. gesperrt._ Die OrtSverwaltung. Achtung» Steinarbeiter und Bauarbeiter aller Berufe! Die Firma Gebr. Friesecke, Kunststeinfabrik, hat sich immer noch nicht entschließen können, in ein TarifvertragsvcrhältniS mit uns zu treten, obgleich die angeblichen Differenzpunkte im Jnter- esse eines friedlichen Abschlusses der Bewegung von uns beseitigt waren. Bestärkt wird die Firma in ihrem Verhalten durch«ine Anzahl Streikbrecher, mit deren Hilfe sie imstande ist, die not- wendigsten Arbeiten fertig zu stellen. Wir weisen erneut darauf hin, daß sämtliche Steinmetzarbeiten der Firma Gebr. F r i e s e ck e gesperrt sind, und bitten sämtliche Bauarbeiter, zur Wirksamkeit der Sperre beizutragen. Zweckdienliche Meldungen sind zu richten an das Verbandsbureau, Seydelstr. 30. Zentralverband der Steinarbeiter Deutschland«. Ortsverwaltung Berlin. Achtung, Töpfer! Herr Töpfermeister Heideck, welcher wegen Nichteinhaltung de» TarifeS und Beschäftigung von Wilden ge- sperrt werden mußte, verlangt im„Vorwärts" die Erklärung, daß er keine Wilden beschäftige, sondern daß der Bauherr diese ein- gestellt und er, Heideck, mit dem Bau nichts mehr zu tun habe. Hierzu haben wir zu erklären: Entweder ist die Heidecksche Erklärung unrichtig, oder der Herr arbeitet nun selbst als Arbeiter auf dem Bau und ist demnach ebenfalls Sperrebrecher, denn er hat am letzten Sonnabend, den 4. Juni, wieder die Löhne an die Töpfer ausgezahlt und auch noch nach Verhängung der Sperre von dem Töpfermeister Nietzel vom Nebenbau Kachelzeug für den gesperrten Bau besorgt. Die Firma bleibt selbstverständlich gesperrt, und somit der Bau Carmen-Shlvastraße, Ecke Straße 32s, Bauunternehmer Uteg u. Miecicki. Weiter geben wir bekannt, daß sich die Kollegen des Jnnungs- bezirks Alt-Landsberg in der Lohnbewegung befinden. Bei eini- gen Firmen stehen schon Differenzen bevor. Die Kollegen seien deshalb davor gewarnt, im dortigen Jnnungsgebiet in Arbeit zu treten. Etwaige Anfragen und Auskünfte darüber im Berliner Filialbureau, Gewerkschaftshaus, Engelufer 15, Zimmer 5g. Tele- Phon Amt 4, Nr. 9837. In Frage kommen die Orte an und um der Ostbahn bis Dahmsdorf, an der Wriezener Bahn bis Wer- neuchen, und Herzfelde und Rüdersdorf. Zentralverband der Töpfer und Berufsgenossen Deutschland«. Oeutlches Reich. Der Bnchbinderverband im Jahre 190S. Aus dem Bericht des Buchbinderverbandes für das verflossene Jahr geht hervor, daß dieser Verband zu den auserwählten ge- hört, die während der verflossenen Krise und ihrer Nachwehen nicht nur keinen Verlust, sondern einen ansehnlichen Gewmn zu buchen hatten. Schon während des schlimmsten Krisenjahres, als viele Gewerkschaften an Mitgliedern verloren, gewann der Buch- binderverband über 350 neue, und 1809 kamen weitere 1597 hinzu, so daß er am Schlüsse 1909 im ganzen 23 914 Mitglieder zählte, darunter 10 228 weibliche, die sich auf 110 Zahlstellen ver- teilen. Eingetreten sind im letzten Jahre 4727 weibliche und 3560 männliche Mitglieder. Die gesamten Einnahmen des Verbandes belaufen sich auf 534 857,03 M.(ausschließlich der Lokalkassen). Das find 46 509,19 M. mehr als 1308. Von dkn Ausgaben ent- fallen die meisten auf die Arbeitslosenunterstützung, nämlich für 3858 Personen mit 117136 Tagen 126942,77 M. Ferner wurde gezahlt an männliche Mitglieder zum ersten Male Krankenunter- stützung, und zwar insgesamt an 4807 Mitglieder für 116 099 Tage 71223,90 M., an die weiblichen Mitglieder wurden bezahlt an 2244 Personen für 64 381 Tage 29 921,90 M. Für Streiks und Lohnbewegungen, Aussperrungen usw. wurden ausgegeben 16 539,71 M., für Gemaßregeltenunterstützung 5321,70 M.. für Rechtsschutz usw. 282,07 M., Umzugsunterstützung 2937,50 M., für Hinterbliebenenunterstützung 2616 M., insgesamt(ohne Streikausgabe) 210 237,94 M. an Unterstützungen der Mitglieder, das sind 45,7 Proz. aller Einnahmen. Schließlich wurden ausgegeben für Agitation 15 415,91 M., für Unterrichtskurse an zwei Kollegen 344,60 M., für Verwaltungskosten persönlicher Art 35 448,84 M.. sächlicher 9762,89 M. An die Generalkommission zahlte der Ver- band 3122,40 M., für den schwedischen Generalstreik 3000 M., die �Buchbinder-Zeitung" kostete 1909 30 386.91 M. Das Gesamtver- mögen betrug am Jahresschlüsse 549 474,89 M. oder pro Mitglied 24,29 M. Der Bericht nennt das finanzielle Ergebnis des JahreS be- friedigend:„Konnte doch das Vermögen des Verbandes, soweit eS die Zentrale als solche anbelangt, von 225 665,44 M. auf 385 526,92 Mark erhöht werden, was eine Zunahme von 159 861,48 M. be- deutet. Dazu die Lokalkassen mit 30 000 M." Von greifbaren Erfolgen zählt der Bericht eine ganze Anzahl auf; u. o.: 4942 Mitglieder waren au den Lohnbewegungen(fünf Streiks in 43 Orten) beteiligt, 4099 davon erreichten ihre For- derungen ohne Streik, dabei wurden für 3420 Personen Tarif- Verträge abgeschlossen. Es wurde, wie an Tabellen illustriert wird, erreicht eine Verkürzung der Arbeitszeit für 1374 Personen uni 2710 Stunden pro Woche, eine Lohn- erhöhung für 2921 Personen um 2148 Mark pro Woche. Ferner wurden abgewehrt Lohnkürzungen bei 42 Personen, Ver- schlechterung der Arbeitsbedingungen bei 62 Personen. Die Ge- samtausgabe dafür betrug 15 164 M. In den letzten fünf Jahren hat der Verband den Mitgliedern erkämpft eine Verkürzung der Arbeitszeit um 1 020 188 Stunden und eine Lohnerhöhung von 845 260 M.. davon für 1909 140 920 Stunden und 111696 M. Für 1674 Betriebe mit 20 982 Personen sind jetzt Tarife abgeschlossen. In den nächsten Tagen tritt in Erfurt der 11. Verbandstag dieses Verbandes zusammen, der sich u. a. beschäftigen wird mit dem weiteren Ausbau des Unterstützungswesens(Einführung einer Invaliden unter stützung), mit der Organisation der Lehrlinge und jugendlichen Arbeiter, denen eine Beitragsklasse ge- öffnet werden soll, mit der Frage der eventuellen Gründung eine? graphischen Jndustrieverbandes. Im Anschluß an den Verbands- tag. der vom 13. bis 20. Juni tagen wird, findet die zweite i n t e r. nationale Konferenz der Buchbinderverbände statt. Jnzwi- schen hat das neue Jahr wieder neue Erfolge gebracht. Die Mitgliederzahl ist inzwischen um weitere 1200 gestiegen, so daß der Verband im 25. Jahre seines Bestehens rund 25 000 Mitglieder Zählt._ Achtung, Former! 23 Former der Firma Komnick in Elbing sind wegen Akkordabzüge in den Streik getreten. Zuzug ist fern- zuhalten. Arbeiterblätter werden um Abdruck gebeten. Tiusland. Drohender Eisenbahnerausstand in Frankreich. Dem„Petit Parisien" zufolge steht ein großer Ausstand der Eisenbahner, speziell der Eisenbahner der Nordbahnen, bevor. Die Lokomotivführer und Heizer dieser Gesellschaft haben sich in einer Massenversammlung zugunsten dieses AusstandeS geäußert. Ein Aus- schuß der Angestellten, der Lokomotivführer und Heizer ist von der Direktion der Nordbahnen empfangen worden. Die Deputierten unter- breiteten ihre Forderungen und Wünsche. Unter diesen Forderungen befindet sich als wichtigste an erster Stelle eine namhafte Lohn- erhöhung. Die Direktion hat schroff und ohne sich in Unterhandlungen einzulassen, diese Forderungen der Eisenbahner rundweg abgelehnt. Die Pariser Gruppe der Eisenbahner hielt hierauf sofort eine Sitzung ab. in welcher nach erregter Debatte mittelst verdeckter Stiumizertel der Ausstand befürwortet wurde. Sierauf wurde die Einstellung der Arbeit einstimmig beschlossen. Die treikleiter wurden bcaufttagt, das Datum für das Inkrafttreten de? AusstandeS festzusetzen. Andererseits beabsichtigt der Verband der Lokomotivführer und Heizer, den Gesamtausstand der Eisen- bahner zu betreiben. Es wurde ferner beschlossen, daS nationale Syndikat der Eisenbahnangestellten solle ersucht werden, sich gegebenen Falles dem Ausstand anzuschließen. Nach Beendigung der Versammlung zogen etwa 1500 Bahnangestellte vor den Nordbahnhof ünd sangen dort die Internationale. Die Manifestanten wurden durch Schutz- leute auseinandergetrieben._ Agitation der römischen Bildhauer. Rom, den 4. Juni 1910.(Eig. Ber.) Die römischen Bild- Hauer haben eine Agitation gegen die gesundheitsschädlichen pneu- matischen Hämmer eingeleitet. Bei dieser Bewegung steht ihnen als mächtiger Schutz eine Enquete des Reichsarbeitsamtes zur Seite, aus ver hervorgeht, daß für einen Teil der Arbeiter der Gebrauch des pneumatischen Hammers in hohem Matze erschöpfend und aufreibend ist. Di« Bildhauer haben daher alle die Werk- stätten boykottiert, die diese Hämmer verwerten. Mett der vereine und Organisationen gegen die Cuitbarlleltsiteuer. Die vom Berliner Magistrat in Vorschlag gebrachte Lustbar- keitssteuer hat in den Kreisen der Interessenten aller Art. namentlich auch der V e r ei n e und Organisationen, die davon betroffen würden, gewaltige Entrüstung hervorgerufen. Das konnte man gestern abend in der öffentlichen Pro- te st Versammlung gewahr werden, zu der sich die Vorstände von Organisationen, Vereinen und Korporationen der verschieden- sten Art in FrdherS großem Saal zusammengefunden hatten. Der Stadtverordnete Hugo Heimann referierte und be- leu'chtels best Mgeheüerli'chen Plan b>S Magkflra!« nach afftn Seiten. Der Redner zeigte, wie diese Vorlage, die den Stadtver- ordneten ohne jede Begründung zugestellt wurde, neben allem anderen auch die Kunst- und Bildungsbestrebungen auf das schwerste treffen muß, so daß sie eminent kulturfeindlich wirken muß. Geht dies doch sogar so weit, daß, wie der Obcrbürger- meister Reicks dem Redner gegenüber erklärte nach dem Wort- laut der Vorlage auch die Ausstellungen für künstlerischen Wand- schmuck im Gewerkschaftshause, die bestimmt sind, die geschmack- losen Oeldrucke und dergleichen Schund aus den Wohnungen zu verdrängen, von dieser Steuer betroffen würden. Daß die Steuer viele Lokalbesitzer ruinieren muß, daß die Vergnügun- gen und sonstigen Veranstaltungen aus Berlin nach den Vororten verdrängt werden, die sich dann natürlich um so mehr hüten wer- den, dem abschreckenden Beispiel Berlins zu folgen, legte der Redner ebenfalls ausführlich dar. Er schloß seinen inhaltreichen Vortrag mit den Worten, daß die sozialdemokratische Fraktion alles aufbieten werde, damit dieses Scheusal einer Steuervorlage auf Nimmerwiedersehen verschwinde, daß aber, wenn diese Kämpfe Erfolg haben sollen, sie von einem Sturm der Entrüstung auS den Kreisen der Interessenten unterstützt werden muß.— Nach dem Vortrag, der lebhaften Beifall fand, kamen in großer Zahl die Vertreter der verschiedenen Vereine und Interessenten- gruppen zum Wort und legten, jeder in seiner Weise, dar, welche ungeheuerlichen Folgen diese Vorlage haben muß, wenn sie wirklich durchgeführt werden sollte. Der Besitzer eines Kinemato- graphentheaters wies zahlenmäßig nach, wie der größte Teil der Unternehmungen gänzlich ruiniert werden muß, weil in manchen Fällen die Steuer, die der Magisttat verlangt, kaum durch die nackten Einnahmen zu decken sein wird. Da kann man eS ver- stehen, wenn der Mann die Vorlage„blödsinnig" nannte. Ein Vertteter der Zivilmusiker schilderte, wie in dem Beruf, dessen Angehörige so schon hauptsächlich infolge der Schmutz- konkurrenz durch die Militörmusik am Hungertuche nagen müssen, in vielen Fällen erst recht gründlich um ihre armselige Existenz gebracht werden, weil ja die Vereine und Gesellschaften, die ihnen jetzt noch Verdienst bieten, wegen der Steuer auf ihre Mitwirkung verzichten. Dr. Markwald, stellvertretender Vorsitzender der „Neuen freien Volksbühne", berechnete, daß dieses Kunst- und Bil- dungsinstitut allein für das kommende Finanzjahr mit einer Steuersumme von 108 000 Mk. zu rechnen hätte, wenn die Vorlage angenommen werden sollte, und von der„Freien Volksbühne" be- rechnete er die Steuer für jede Vorstellung auf 110 Mk. Ver- glichen mit der Tatsache, daß die Wiener Freie Volksbühne von der österreichischen Regierung eine Subvention von jährlich 3000 Kronen erhält, die demnächst noch erhöht werden wird, erscheint das Vor- gehen des Magisttats von Berlin um so schmählicher. Von kleinen Theatervereinen sprachen mehrere Ver- treter ihre Erbitterung darüber aus, daß ihr Streben, den ärmsten Leuten für billigstes Geld eine Vorstellung zu bieten, ihnen rein unmöglich gemacht werden soll. Von der Bühnengenossen- schaft wandte sich der zweite Vorsitzende, Herr Holthaus. im Interesse seiner Kollegenschast wie der Theatcrunternehmungcn, die auch Bildungsinstitute sein wollen und sollen, ganz entschieden gegen den Plan deS Magisttats, der die so wie so schon zum größten Teil schver um ihre Existenz ringenden Schauspieler und auch die Direktoren ihr Dasein noch weit mehr als je in Gefahr bringen muß. Ebenso schilderten für ihre Bcrufsgruppen P o e tz s ch vom Gastwirtsgehilfenverband, L i t f i n von der Gastwirtsorganisation und andere, wie die Interessen ihrer Kollegenschaft aufs Spiel ge. setzt werden, wenn der Magistrat mit seiner Vorlage Erfolg haben sollte. Die Versammlung nahm dann einstimmig folgende Resolution an: Die Versammlung erhebt den entschiedensten Pro- t e st gegen die vom Magisttat Verlin der Stadtverordnetenver» sammlung unterbreitete Lustbarkeitssteuervorlage. Die Ver- fammlung erblickt in dieser Vorlage eine unermeßliche Schädi. gung aller künstlerischen, wissenschaftlichen und kulturellen Be- strebungcn, wodurch besonders die ärmeren Schichten der Be- völkerung schwer getroffen werden. Die Vorlage ist, falls sie Annahme finden sollte, geeignet, die Existenzen interessierter Kreise in hohem Grade zu schädigen und sie völlig dem Ruin preiszugeben. Die Versammlung erwartet daher von der Stadt. verordnetcnversammlung die einmütige Ablehnung dieser ae- meinschädlichcn Vorlage." Es wurde sodann ernp Kommission gewählt, die da« Material gegen die Magistratsvorlage sammeln und zu einer Denkschrift verarbeiten soll. In der Kommission sind folgende Organisationen und Interessengruppen vertteten: Die beiden freien Volksbühnen, die Bühnengenossenschaft, die Ge- s a n g v e r e i n e, die O r g a n i s at io n e n der Gastwirte, der Verband der G a st w i r t S g e h i I f e n, die Gewerk. schuften im allgemeinen, die Rauchklub S. die Kinemato- g r a p h e n b e f i tz e r. die Musiker, die T a n z m e ist e r. der RadfahrerbunÄ und die sozialdemokratische Partei. Letzte JVacbncbten und DcpcFcbcn. Vom Blitz getötet. Bebburg a. Rh. 7. Juni.(W. T. B.) Bei einem heftigen, mit Hagelschlag verbundenen Gewitter wurden drei Fcldarbciter beim Mähen vom Blitz getroffen. Einer war sofort tot, die beiden anderen waren betäubt.— In Torisdorf fuhr ein Blitzstrahl in ein HauS und tötete ein auf Besuch dort weilendes junges Mädchen. Opfer seines„Berufs". Metz, 7. Juni. Generalmajor Rummelsbacher, Kam. mandeur der 67. Jnfanteriebrigade, stürzte bei einer Truppen. besichtigung auf dem UebungSplatz Elsenborn so unglücklich, daß er infolge der dabei erlittenen inneren Verletzungen gestorben ist. Judenverfolgung. Petersburg, 7. Juni.(B. H.) Nach einer Meldung auS Petersburg müssen die aus Kiew ausgewiesenen und in Darniza übergesiedelten Juden laut polizeilicher Anweisung letzteren Ort binnen 4 Tagen wieder verlassen. Eine Brandkatastrophe. Bialobrzegi(Gouv. Radom), 7. Juni.(W. T. B.) Bei einer Feuersbrunst, welche die Synagoge und sechzig Häuser zerstörte, sind vier Personen umgekommen. Acht haben schwere Brand- wunden erlitten. Die Erdbebenkatastrophe in Süditalien. Potenza, 7. Juni.(W. T. B.) Im Dorfe San Fele wurden, wie über das Erdbeben weiter gemeldet wird, vier Häuser zerstört und zwei Personen leicht verletzt. In der Nähe dieses Dorfes stürzte ein Haus ein und begrub fünf Personen unter seinen Trümmern. Das Gefängnis in Melfi droht ein- zustürzen. Berantw. Redakt.: Richard Barth. Berlin. Inseratenteil uetanto,; rtz. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärt« Buchdr.u.verlagSanftalI Paul Singer Sc Co., Berlin L�V. Hierzu 3 Leilaoe««.Unterhaltung««. St. 131. 27. ZahrglMg. Mlsolh. 8. Iuui 1910. Hbgcordnetenbaus» 80. Sitzung vom Dienstag, den 7. Juni, nachmittags 1 Uhr. Um Ministertische: Freiherr v. Rheinbaben. Auf der Tagesordnung steht zunächst der Gesetzentwurf Be» treffend die Erhöhung der Krondotatio». (Erhöhung der Zivilliste und Zuschuß zu den königlichen Theatern.) Wg. v. Hcydebrnnd(!.): Meine politischen Freunde werden ausnahmslos für die Vorlage stimmen. Wir sehen aus der Begründung, daß die Forderung in Anbetracht der Verhältnisse voll begründet ist und halten auch eine 5kommissionSberatuug für überflüssig.(Bravo! rcchls.) Abg. Fricdberg(natl.): Für uns handelt eS sich lediglich darum, zu prüfen, ob das Bedürfnis für eine Erhöhung der Krondotation vorliegt oder nicht. Wir glauben, diese Frage bejahen zu müssen. Daß die Lebensverhältnisse überhaupt teurer geworden sind, hat daS HauS selbst durch die Erhöhung der Beamtengehälter anerkannt. Such daß die königlichen Theater bedeutend höhere Auf« Wendungen erfordern als früher, ist nicht von der Hand zu weisen. Die Höhe der geforderten Summe scheint uns ausreichend begründet zu sein. Um aber jeden Zweifel darüber auszuschließen, ob diese Erhöhung notwendig ist, beantragen wir die Ueberweisung der Vor- läge an die Budgetkommission.(Bravo I bei den Nationalliberalen.s � Abg. Fischbcck(Fortschr. Vp.): Die Beratung der Vorlage im Kreise meiner Freunde hat ergeben, daß auch wir anerkennen, daß gewisse Momente dafür sprechen, daß in eine Erhöhung der Krön- dotation eingetreten wird. Ob die Vorschläge im einzelnen daS Richtige treffen, kann noch Zweifeln begegnen. Was die Erhöhung der Subvention für die königlichen Theater anbetrifft, so meinen wir, daß daS Parlament eine gewisse Kontrolle auch über den Betrieb der königlichen Theater gewinnen wird. Wir glauben, daß es durch- aus notwendig ist, diese königlichen Theater mehr«IS es vielleicht in den letzten Jahren der Fall gewesen ist, dem Volke zur Verfügung zu stellen und volkstümliche Vorstellungen zu billigen Preisen zu veranstalten. Wir hoffen, daß, wenn das Parlament bei der Geldbewilligung mitzusprechen hat, sich auch Gelegenheit bieten werde, die Wünsche zum Ausdruck zu bringen. Mir dem Vorredner halte ich eine Kommissionsberatung für notwendig. Einige meiner politischen Freunde haben sich heute noch nicht überzeugen können, daß daS vorliegende Material zur Begründung der Vorlage aus- reicht, wie wir uns überhaupt unsere Stellungnahme vorbehalten. (Bravo! bei der Fortschr. Bp.) Abg. Dittrich(Z.): Meine Freund» fiud bereit, die Vorlage zu bewillige«, und wir sind sogar der Meinung, daß bei der Klarheit der Sachlage eine Kommissionsberatung nicht notwendig sein wird. Wir werden uns aber dem Antrag der Nationalliberalen nicht wider- setzen.(Beifall im Zentrum.) Abg. Frhr. v. Zedlitz(frk.): Meine Freunde halten die geforderte Erhöhung für notwendig und dringend und wären bereit/ für die Vorlage zu stimmen. Wir wollen aber auch einer KommissionS« Beratung nicht widersprechen in der Hoffnung, daß dadurch eine größere Einigkeit unter de« bürgerlichen Parteien erreicht wird. (Bravo l rechts.) Abg. Hoffman»(Soz.): Sie werden es wohl begreiflich finden, wenn ich w das all- gewein« Harmoniekonzert, das wir eben gehört haben, nicht ein- stimmen kann. Ich fteue mich im übrigen, heute ein so gut besetzte? Haus vorzufinden und hoffe, daß daS auch künftig bei den Debatten über Regelung von Arbeiterlöhueu der Fall fein wird.(Sehr gut I bei den Sozialdemokraten.) Die Vorlage läßt an Kürze, Klarheit und llebersicht wirtlich nicht? zu wünschen übrig. Hier hat einmal die Regierung»olle Arbeit gemacht. Die Vorlage und die Bc- gründung ist kurz aber inhaltreich.(Heiterkeit.) Zu den jetzigen 16 719 296 M. sollen 3'/g Millionen hinzutreten, sodaß künftig die Zivilliste 19 219 286 M. betragen wird. Interessant ist vor allem die Art der Einbringung der Vorlage. Die vertraulichen Besprechungen haben im Volke die größte Mißstimmung erweckt. Selbst die.Post' hat zu der Borlage geschrieben:.Daß die Forderung einer be- g kleines feuiUeton. Sin Preisausschreibe» für Chorkompesitioneu hat die Leitung des Reichsverbandes der Arbeitergesangveretne Oesterreichs am 1. April dieses Jahres erlassen. Die Bedingungen des Ausschreiben« lauten: 1. Zur Annahme gelangen Komposittonen für Männer» und gemischten Chorsatz. 2. Borzug erhalten Chorkompositionen einfacherer Faffung mit freiheitlichem, gutem Text sund mit nicht zu tiefer und nicht zu hoher Tonlage. S. Chorkompositionen mit außerparteilichem Text finden, falls sie den sozialdemokratischen Prinzipien nicht entgegengehalten find. Annahme. 4. Auch finden Cborkomposittonen mit kleinbesetzter, einfacher Orchesterbeglciwng Annahme. Druckreife KlavierauS- züge sind beizulegen. 5. Ein Komponist kann gleichzeitig mehrere der eigenen Chor- kompositionen einsenden. 6. Sämtliche Einsendungen dürfen noch nirgends auf- «führt worden und noch in keinem Verlag erschienen sein. 7. Unvollendete, nur skizzierte, unleserliche und textlose Kom- Positionen sowie unfrankierte Zusendungen werden nicht berücksichtigt. S. Die Kompositionen haben zur Prüfung nicht den Komponisten- namen, sondern ein selteneres Kennwort oder einen solchen Leit- spruch mit einer Zahl zu tragen.... g. Die für den Verlag gewählten Komposittonen gehen durch guten Ankauf mit allen Rechten in das Eigentum des oben» erwähnten Verbandes über. 10. Einsendungen sind zu richten an den Verbandsarchivar Ludwig Gatterer. Wien XVI., Liebhardtgasfe 26. 11. Schluß des EinsenduugStermin am 1. Juli 1910. 12. Falls keine Komposition entspricht, findet keine Wahl statt, sondern eine neuerliche Ausschreibung. 13. Die Einsendungen werden nicht retourniert. 14. DaS Wahlergebnis wird, sobald die Durchprüfung beendigt ist, in diesem Blatte(.Oesterreichische Arbeiter-Sängerzeitung". Wien) bekanntgegeben werden. Chile als Erdbebenlaud. Der Kreis der Erdbebenstationen schließt sich allmählich um die ganze Erde zusammen. Diese Eut- Wickelung ist von größter Bedeutung für die Ausklärung der Erd- beben überhaupt. Ob man dann auch allmählich zu eiuer Bor- aussage vvn Erdbeben gelangen wird, das ist freilich noch un- sicher. Jetzt endlich hat sich zu planmäßiger Teilnahme an der Erdbebenforschung ein Land entschlossen, das diese Aufgabe eigentlich schon längst hätte erfüllen müssen, weil es von solchen Natur- ereignissen besonders häufig und schwer bettoffen wird, nämlich die südamerikanische Republik Chile. Nach einer Mitteilung des.Kosmos' hat Chile jetzt einen besonderen seismologischen Dienst eingerichret und einen der hervorragendsten Erdbebenforscher der Gegenwart, den französischen Grasen Montessus de Ballore, für dessen Leitung gewonnen. Bis jetzt sind Beobachtungsstationen zwischen Takna und den Süd SchetlandZ-Jnseln eingerichtet worden, also auf einer Strecke von etwa 6000 Kilometern im Meridian. An 430 verschiedenen Orten sind 660 Beobachter trächtlichen Erhöhung der Zivilliste im gegenwärtigen Augenblick vom politischen Standpunkt aus nichts weniger als erwünscht er- scheint, unterliegt keinem Zweifel. Die agitatorische Aus- Nutzung dieser Erhöhung der Zivilliste wird sich die Sozialdemokratie nach Möglichkeit angelegen sein lassen— Wir wären ja Narren, wenn wir es nicht täten.— Das ist im Hin- blick auf die bevorstehenden Rcichstagswahlen zweifellos schädlich. Es wäre daher im Interesse der Krone selbst sicher sehr viel besser, wenn zurzeit von eiuer Erhöhung der Zivilliste Abstand genommen würde.' Zum Sibluß heißt es dann, daß die in den Beratungen der Vertrauensmänner oder Fraktionen von der Negierung bei- gebrachten Daten keinen Zweifel darüber gelassen hätten, daß die Erhöhung dringend notwendig sei. Wenn hier von beigebrachten Daten die Rede ist, so sind solche in der Vorlage nicht zu finden. Wenn sie lediglich im vertraulichen Zirkel bekannt gemacht worden sind, so ist das ein Verfahren, das mit der Verfassung in Wider- spruch steht.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Zuerst be- absichtigte man sogar, die Vorlage ohne Kommissionsberatung an- zunehmen. Ich glaube, daß die Nationalliberalen zu ihrem Antrag aus Kommissionsberatung nicht in letzter Linie durch die in Aussicht stehenden Rcichsiagswahlen veranlaßt wurden.(Sehr wahrt bei den Sozialdemokralen.) In übrigen sind»ach der Verfassung alle Ab- geordneten gleich zu behandeln. Wir mögen Ihnen unbequem sein, aber wir haben die gleichen Rechte zu beanspruchen und des- halb müssen wir uns entschieden gegen solche vertraulichen Besprechungen verwahren. Die Regierung hat vor dem ganzen Hause oder in der Kommissionsberatnng den Nachweis der Notwendigkeit der Vorlage zu erbringen.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Der nationalliberale.Hamburgische Korrespondent' schrieb:„Es liegt in der geheimen Sondierung der Parteien etwas einer starken Regierung Unwürdiges'. Sehr richtig schrieb der.Hannoversche Volkswille': „Die geflissentliche Umgehung der sozialdemokratischen Abgeordneten — und ich kann wohl annehmen, auch der Polen und Dänen— ist gleichbedeutend mit eiuer geringschätzigen Bciseiteschiebung jener breiten Volksmassen, die hinter der Sozialdemokratie stehen'.(Sehr wahr I bei den Sozialdemokr.) Auch die Eile, mit der diese Vorlage beraten wird, muß vor dem Hause festgenagelt werden. Die Vorlage war dem Hause noch gar nicht zugegangen, als die bürgerlichen Fraktionen schon ihre Verhandlungen abhielten, und eS ist sogar ein Schweigegebot ergangen, damit über die Verhandlungen nichts in die Oeffentlichkeit drrngl. Geglückt ist das ja nicht. Daß die freisinnige Bolls- Partei dabei mitgemacht hat, wird ihr bei den kommenden Wahlen sehr unbequem werden. Als 1839 Bismarck eine solche Erhöhung beantragte, stimmten noch neun Freisinnige dagegen; diesmal wird sich wohl die Zahl auf zwei vermindern.(Zurufl) Auf einen hoffe ich jedenfalls bis jetzt noch.(Heitcrleit.) Sonnabend nach- mittag erhielten wir die Vorlage und heute wird sie bereits ver« handelt. Bei der Einlösung des Versprechens einer Fonentwicke« lung des Wahlrechts hat man es nicht so eilig gehabt. Man fürchtet in diesem Falle wahrscheinlich die unangenehme Kritik, die Bewegung im Volke gegen diese abermalige Bewilligung von 3V, Millionen. Derselbe Ministerpräsident, der es nicht fertig gebracht hat, auch nur ein organisch fortentwickeltes Wahlrecht, das die Krone als wichtigste Aufgabe der Gegenwart bezeichnet hat, durchzusetzen, wagt es, kaum acht Tage nach der Berscharrung der Wahlrechtsmißgeburt an das Volk diese geradezu ungeheuerliche Zu- mutung zu stellen nach dem Motto: Steuern zahle»— Maul halteu. Schon vor zwei Jahren war davon die Rede, die Zivilliste um eine Million zu erhöhen. Aber eS kam nicht zu der Vorlage; die einen behaupten, weil die Absicht zu ftüh ans Tageslicht gekommen war, die anderen, weil einige Sozialdemokraten in dieses Haus eingezogen waren. Damals verwies die„Kölnische Volks- zeitung' darauf, daß der alte Kaiser Wilhelm mit 12'/« Millionen ausgekommen sei. Sein Enkel beziehe über eine Biertelmilliarde. Sie schrieb:.Wenn unsere Hofhaltung weniger prunkvoll und kost- spielig wäre, s» wäre das kein Schade, schon wegen des ton- angebenden Beispiels. Die recht kostspielige kaiserliche Sommerfrische auf Korfu sprach am beredtesten gegen den Plan. Aber man erinnert sich auch der Seltenheit und der Schlichtheit der Reisen des alten Kaisers und der Ansicht, daß die Abwesenheit des Herrschers vom Sitze der Politik ihr tätig, die während de« letzten halben Jahren 740 ver- schieden« Erderschütterungen nachgewiesen haben. Dieses Ergebnis zeigt, daß Chile als Erdbebenland kaum hinter Japan zurücksteht, welche« in dieser Hinsicht am meiften zu leiden, dafür aber auch am frühesten eine regelmäßige Erdbebenforschung eingeführt hat. In der Hauptstadt von Chile ist noch ein besonderer Apparat aufgestellt worden, der durch elektromagnetische Wellen beeinflußt wird und dazu dienen soll, Warnungen vor herannahenden Erdbeben zu erteilen. Diese Anlagenehr Recht, als die Krone, die 1820 doch wohl sich der Konsequenzen ihrer Handlungsweise bewußt war, was man bei den Hereros wirk- lich nickt sagen kann. Wir hätten ja nichts dagegen, wenn man das Prinzip des Gewinnanteils an steigenden Erträgen aufgegebener Rechte gelten lassen will. Dann sollte man aber nicht nur bis 1820 zurückgehen, sondern gleich bis zur Zeit der alten Germanen, wo Grund und Boden, Acker und Jagd dem Volke gemeinsam gehörten. Mit diesem Prinzip fahren wir direkt in den von Ihnen so gefürchteten sozialdemokratischen Zukunftsstaat hinein.— In der Be- gritndung wird dann weiter auf die Steigerung der Löhne, Bau Materialien usw. hingewiesen. Wir haben ja diese Steigerung als Folge der verkehrte» Zollpolitik borausgesagt, und eS gibt keinen parlamentarischen Ausdruck, der scharf genug wäre, um das Verhalten der Regierung zu kennzeichnen, die die Folgen ihrer verkehrten Zoll- und Steuerpolitik jetzt als Begründung für die Erhöhung der Zivilliste anführt. Ganz ab gesehen davon, daß die Krone ja als Privateigentum 150000 Morgen Wald, 90 Rittergüter usw. besitzt und durch dieselbe Zollgesetzgebung eine Steigerung des Ertrages dieser Besitztümer von etwa 8 Millionen erfahren hat. fZuruf rechts: Lauter I) Sie verstehen das doch nicht, und wenn ich noch so laut rede.(Heiterkeit.) Wenn wir im ganzen 12 bis IS Millionen Privateinkommen des Königs aus Besitzungen rechnen, so ist das gering geschätzt. Diese ganzen Einnahmen sind vollständig steuerfrei.(Hört I hört! bei den Sozialdemokraten.) Außerdem wird behauptet, daß die Krone noch von 1849 her ein Anrecht darauf hat, daß aus dem Hauptgestüt Trakehnen jährlich 40 Pferde kostenfrei geliefert werden. DaS bedeutet mindestens eine Einnahme von 120090 M. Dazu kommt ein Mehrertrag der Güter durch die moderne Bewirtschaftung, der in der letzten Zeit bis zum Vier- fachen gestiegen ist. Interessant wäre, zu erfahren, wieviel Schnaps- vrennereien sich auf den Besitzungen der Krone befinden, wie- viel Anteile an der Liebesgabe also noch hinzukommen. Pro Tag hat die Krone eine Eiunahme von 43 065 M., das bedeutet eine Bezahlung pro Stunde von 5333 M.(Zuruf rechts; Pro Minute I) Pro Minute macht eS 89 M., und loenn Sie es pro Sekunde wissen wollen, 1,50 M. und etwas darüber I Die Hälfte der Einwohner Preußens hat ein Einkommen von unter 900 M. jährlich. Ein Arbeiter, der 1000 M. im Jahre verdient, hat, wenn er 42 Jahre lang arbeitet, immer noch nicht soviel verdient, wie Sie der Krone jetzt für einen Tag bewilligen.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) In der Begründung ist dann auch von der Not- wendigkeit der Erhöhung der Gehälter der Hof- b e a m t e n die Rede. Ich meine, die Krone, die Millionen Vorteile aus der Zollpolitik hat, sollte dann auch die durch die Zoll- Politik bedingte Aufbesserung der Gehälter der Hofbeamten selbst bezahlen.(Sehr richtig I bei den Sozialdemokraten.) Ist denn über- Haupt eine solche Anzahl von Hofbeamten nötig? Herr v. Gerlach schrieb seinerzeit:„Als ich im zweiten Berliner Stadtbezirk zur Stadtverordnetenwahl kandidierte und die Wählerliste durch- sah, bekam ich einen Schrecken ob des Gewimmels von Hofchargen, die sich darin findet, Seite auf Seite gab es nichts wie Silberdiener und Kammerdiener, Lakaien und Ob erlakeien, Königliche Frotteure und Königliche Braten- f p i ck e r(Heiterkeit), wieviel Angestellte hat allein der Königliche Marstall! Dabei liest man doch eigentlich immer nur von Automobilfahrten der sogenannten allerhöchsten Herrschaften". Es ist gewiß das gute Recht der Krone, sich so viel Beamte zu halten, wie sie will, aber sie soll sie a u S ihrem Privateinkommen bezahlen.(Sehr wahr I bei den Sozialdemokraten.) Was dann die Erhöhung des Zuschusses an die Königlichen Theater anlangt, so schrieb selbst die konservative„Schlestsche" Zeitung":„daß die Hastheater nicht so vorbildlich in ihrem Be- triebe genannt werden können, daß eine solche Unterstützung gerecht- fertigt wäre.„Dazu kommt, daß die hohen Eintrittspreise die König- licheu Theater für das Volk überhaupt unzugänglich machen. Wenn das neue Opernhaus gebaut wird, dann wird man ja wahrscheinlich eine Iveitere Forderung erheben und wird dann die zwanzig Millionen voll machen. Dabei wird die wahre Kunst von den Hoftheatern geradezu boykottiert. Da« Schiller-Theater hat mehr für Förderung der Kunst und der Volksbildung getan— und zwar ohne Zuschüsse— als alle königlichen Theater zusammen. Oder hat jemand den Mut, zu behaupten, daß gewisse Hohenzollem-AuSstattungsstücke oder Jndianeroper» zur Förderung der Kunst gehören? Ungeheuere Summen könnte die Krone bei den Denkmälern und Bauten sparen, ohne daß darunter die Kunst oder der gute Geschmack leiden würde.(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Auch der Export von Denkmäler« könnte eingeschränkt werden, ohne dem Ansehen der Krone zu schaden. Ja, man würde noch befreundeten Nationen Verlegenheiten er- sparen, die nicht wissen, wie und wo sie die Dinger unter« bringen sollen.(Heiterkeit.) Die sechzig oder mehr Schlösser, die die Krone besitze, sollten den Provinzen oder Ge- meinden überantwortet werden zur Benutzung als Museen oder Erholungsstätten für altersschwache Kranke. Dadurch würde die Krone ungeheuer entlastet und der. Menschheit ein wirklicher Nutzen gebracht.— Es scheint wirklich höchste Zeit gewesen zu sein zur Erhöhung der Zivilliste, denn die Krone hat ja schon einige Schlösser verkauft. Auf der anderen Seite sind dann aber Hunderttausende ausgegeben für die Beleuchtung von Rosensträuchern mit elektrischen Glühbirnen auf Korfu. Hier paßt daS Sprichwort: Kaufe nicht, lvas Du nicht brauchst, sonst mußt Du verkaufen, was D» brauchst! Weiter wird dann als einer der Jjaupb gründe die Unterhaltung der! angeführt. Demgegenüber ist � der vielen königlichen Prinzen darauf hinzuweisen, daß neben der Zivilliste daS durch den König Friedrich Wilhelm l. aus angekauften Gütern begründete, sehr bedeutende Hausfideikommiß besteht, ferner der von Friedrich Wilhelm III. begründete Krontresor. Der Gründer hat ihn seinerzeit mit 18 Millionen Mark dotiert, dazu kommen aber die Ersparnisse des Königs und die Summe, die man ihm 1815 als Entschädigung aus der französischen Kriegskontribution ge- zahlt hat. 1873 ist noch eine StaatSdotativn von 4 500 000 M. dazu gekommen. Aus diesem Fonds werden die kömglichen Prinzen apanagiert und einige junge Ehepaare können auS den Einkünften, die dieser Fonds abloirft, glänzend leben, auch wenn ihnen die privaten Vermögen, die den Söhnen des Kaisers von ihren Gattinnen zugebracht worden sind, nicht zur Verfügung ständen. Man ver- weist dann darauf, daß die Zahl der Prinzen sich seit 1889 mehr als verdoppelt hat. Das ist eine sonderbare Logik. Mit viel mehr Recht könnte man die Forderung, sich nach der Decke zu strecken, erheben. Was würde ein Fabrikbesitzer sagen. wenn seine Arbeiter von ihm Lohnerhöhung verlangten, weil ihre Kinderzahl sich verpoppelt habe?(Sehr gut! bei den Sozial- demokraten.) Vielleicht bekämen die Arbeiter dieselbe Antwort, wie sie Frau V. V o p e l i u S, die Frau eines Mannes ans dem Hause da drüben— einer armen Wöchnerin, Mutter von 14 Kindern, als Vorsitzende des Vaterländischen Frauenvereins erteilte. Sie schrieb:„Der Vaterländische Frauenverein kann doch nichts dafür, daß Ihr so viele Kinder habt. Ich finde, daß sowohl der Mann wie auch die Frau sich mehr hüten können davor, daß sie so viele Kinder in die Welt setzen. Mit kaltem Wasser kann man die Triebe auch zurückhalten, eine kleine Waschbütte mit kaltem Wasser ist dagegen sehr gut für die Männer und vorher sich tüchtig müde schaffen." Das ist eine Empfehlung, die die Arbeiter bekommen, wenn sie zu viele Kinder in die Welt setzen. Ich meine, das Volk ist doch mindestens ebenso unschuldig an den vielen Kindern der Krone. Vielleicht vermittelt das Herrenhausmitglied mal«ach oben gute Ratschläge.(Heiterkeit und Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Nach der Decke strecken, sparsam wirtschaften würde eine solche Vor- läge unnötig machen. In der Villa Malta soll ein herrliibes Bild von einem alten Meister hängen, das die monarchischen Tugenden darstellt, die Gerechtigkeit, die Milde und die Spar- s a m k e i t. Vielleicht kann man das Bild nach Berlin bringen und an hervorragender Stelle aufhängen.(Sehr gut I bei den Sozialdemokraten.) Freifinnige Blätter haben sogar schon von einer Zivilliste für den Kronprinzen gesprochen. Dabei gehört dem Kronprinzen die Herrschaft Oels in Schlesien mit 15 Gütern»nd 9238 Hektar Land. Das ist eine Besitzung von vielen Millionen, die zur Not ausreichen sollte, um auch einen sehr noblen Hausstand zu führen.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Sehr viel sparen könnte die Krone auch an den kostspieligen Jachten»nd Reisen. Sie brauchen darüber nur die Debatten über das persönliche Regiment nachzulesen. Wenn wir sehen, wie oft die Krone abwesend ist (Präs. v. K r ö ch e r bittet den Redner erneut, die Person des Königs aus der Debatte zu lassen), ich meine, vielleicht kommt man einmal auf den Gedanke», anstatt der festen Zivilliste Anwesenheitsgelder zu zahlen.(Große Heiterkeit.) Man zieht ja auch den Reichstagsabgeordneten für jeden Tag, wo sie nicht da sind, etwas ab. Am meisten wundert eS mich, daß der Freisinn in demselben Augenblick für diese Forderung zu haben ist, wo er an der Bahre des letzten Zeugen der fteifinnigen Mitregierungsillufion, dcS Herrn Dernburg, steht. Dem Hottentottenblock folgte der schwarz-blaue Block, und jetzt löst ihn der Byzantinerblock ab. Die Fortschrittliche Volkspartei war schon bei ihrer Geburt ein Weichtier, jetzt kommt es gar noch zur Rückgratverkrümmung. Die Wähler müssen schon bei den nächsten Wahlen eine Operation zur Ausscheidung häßlicher Auswüchse vornehmen, selbst wenn dem Neugeborenen dabei das Lebenslicht ausgehen sollte.(Heiterkeit und Sehr gut' bei den Sozialdemokraten.) Die Freisinnigen stimmen diese Forderung zu, wo die notwendigsten Kulturforderungen auS Mangel an Mittel» abgelehnt werden. Angesichts der Zehnmilliardenschuld in Preußen, angesichts des jämmerlichen FiaöloS der Finanzreform. Einkommen von 1200 M. ab werden mit Steuerzuschlägen belegt. Aber man verhöhnt das Volk, weil es Erweiterung seiner politischen Rechte verlangt. Dasselbe Abgeordnetenhaus, das im vorigen Jahre 30 Pf. Lohnzulage für die schlcchtest bezahlten preußischen StaatSarbeiter ablehnte, will jetzt 8'/z Millionen für die Krone bewilligen. Im Reiche hat man kein Geld fiir die Erhöhung der MaiinschaftSlöhne, für die Veteranen nur die lumpigen 120 M. Ehrensold, die brotlos gewordenen Tabakarbciter werden mit 4 Millionen und einigen hunderttausend Mark abgespeist. Aber hier bewilligt man ohne große Rederei 3>/, Millionen Marl für die Krone. In Kattowitz treibt man Sparsamkeitspoltttk, zweimalige Benutzung der Kuverts, und hier wirft man millionenweise daS Geld heraus. DaS ist eine so unerhörte Provokation deS Volkes, wie sie noch keine Regierung gewagt hat. Nicht wir, sondern Sie peitschen das Volk auf, und das Volk wird Ihnen die Ant> wort für diesen brutalen Faustschlag nicht schuldig bleiben. Bei den nächsten RcichstagSwahlen sehen wir uns wieder. Möge die Re gierung, mögen die Parteien dafür sorgen, daß Ihnen der sozialdemokratische Wolkenbruch nicht in die Bude regnet.(Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) Finanzminister v. Rhelnbaben: Die Ausführungen des Bor- rednerS beweisen, daß zwischen seiner Weltanschauung und der der bürgerlichen Parteien und der Regierung ein tiefer Abgrund klafft. Ich freue mich, daß die Sozialdemokratie ihr Gesicht so offen vor dem Volke gezeigt hat. Es ist eine Anmaßung, wenn die Sozialdemokratie namens des preußischen Volkes zu sprechen wagt. (Lebh. Bravo! rechts.) Ebenso, wenn sie für die deutschen Arbeiter zu sprechen wagt, denn in den sozialdemokratischen Gewerk chaften sind etwa 1 800 000 Arbeiter vertreten und 19 Millionen Arbeiter haben wir in Preußen. Diese stehen hinter den nationale» Parteien und nicht hinter der Sozialdemokratie.(Lebhaste Zw timmung rechts; Unruhe und Widerspruch bei den Sozialdemokraten.) Daß die Sozialdemokraten die Borlage bei den ReichStagswahlen ausnutzen wurden, wußten wir vorher, daher hatten wir gar keinen Anlaß, sie auch zu den Barver Hand- lnngen zuzuziehen.(Bravo! rechts.) In Oesterreich b* kommt die Krone 19 Millionen, und die englische Krone, die nur 11 Millionen erhält, hat nicht silr die Apanage der Prinzen ein zutreten und keine Theater zu unterholten.(Hört I hört!-rechts. Selbst königliche Reisen und Besuche werden aus der Staatskasse bestritten.(Hört I hört! rechts.) Darüber. daß die lieber- lassung der Domänen und Forsten im Jahre 1320 für 2'/» Millionen Taler Rente seitens der Krone ein Akt der Selbstlosigkeit war, stimmen alle Staatsrechtslehrer überein. Würde man den Er- trag der Forsten und Domänen auf die heutigen Verhältnisse um- rechnen, so käme für die Krone eine Rente von 22 Millionen heraus. An den königlichen Theatern find in der letzten Zeit eine ganze Reihe volkstümlicher Borstellungen zu billigen Preisen gegeben worden. Die Mittel für Korfu sind aus einer kleinen Erbschaft bestritten worden. Die preußische Krone kann ein gutes Gewissen haben.(Lebhafter Beifall rechts.)„So werde ich die Erbschaft führen, daß ich mir stets bewußt bin, es handelt sich um die Angelegenheiten des Volkes und nicht um meine An- gelegenheiten", steht an dem Berliner Schlosse. Diese Ge- sinnung hat die Krone Preußens in der Bauernbefreiung, in der Aufhebung der Erbuntertänigkeit, in der sozialen Fürsorge unter Wilhelm I. und der Arbeiterschutzgesetzgebung unter Wilhelm II. betätigt. Um de« Sinn der Hohenzollern für die Not der nntrren Klassen beneidet uns die Erde. (Lebhafter Beifall rechts.) Für die soziale Fürsorg« sind bis 1907 6 Milliarden 300 Millionen Mark aufgewendet loorden, davon sind von den Arbeiten: 3 598 000 000 M. aufgebracht. Wenn die Steigerung der letzten Jahre anhält, so werden seit dem Inkrafttreten der Arbeiter- Versicherung bis 1909 den Versicherten 3 Milliarden 450 Millionen als sie an Veiträt (Wg. L e i n e r t(Z en geleistet oz.): Das haben ist ja mehr zugeflossen sein (Hört! hört! rechlS.) verdreht I) Präsident von Kröchcr ruft den Abgeordneten Le inert zur Ordnung, Wenn durch die Reichsversicherungsordnung auch die landwirt- schaftlichen Arbeiter und das Gesinde usw. in die soziale Fürsorge aufgenommen werden, so wird die Aufwendung sich in Zukunft auf etwa eine Milliarde jährlich sich belaufen.(Hört I hört! rechts.) Mit unserer Steuergesetzgebung entlasten wir immer mehr die minderbemittelte» Klassen.(Widerspruch bei den Sozialdemokraten.) Hand in Hand damit geht eine immer stärkere Besserung der wirtschaftlichen Lage der Minderbemittelten. Die Zahl der Einkommen unter 900 M. ist von 03 Proz. im Jahre 1895 auf 45 Proz. gesunlen. Durch das Kinderprivileg und die Berücksichtigung der besonderen Notlage sind bei der Stcueraufbringung gerade die mittleren und unteren Klassen berücksichtigt worden, wodurch der Staat 16 Millionen Mark Ausfall erhält. In den Jahren 1895 bis 1907 ist der Durchschnittslohn der Eisenbahnarbetter um 50 Proz. gestiegen. der der Unterbeamten um 45 Proz., während für die Kronbotation nur eine Erhöhung von 13 Prozent verlangt wird. Ich verzichte auf den Versuch, den Vorredner zu überzeugen, hielt aber die Mitteilung dieser Daten für notwendig, damit nicht in der sozialdemokratischen Presse behauptet werde, die Regierung sei nicht in der Lage gewesen, die vorgebrachten Anschuldigungen zu widerlegen. Im übrigen sage ich den großen bürgerlichen Parteien lebhaften Dank stir ihre Bereitwilligkeit, der Borlage zuzustimmen. Ich hoffe, daß dieser Vorgang von weittragender Bedeutung sein möchte, daß die bürgerlichen Parteien geeinistt«mch fernerhin eine geschlossene Phalanx gegen die Sozialdemokratte bilden mögen.(Lebhafter Beifall rechts, Gelächter und Hurrarufe bei den Sozialdemo- kratcn.) Präsident». Kröche»: Die Beratung ist geschlossen. Abg. Ströbrl(Soz.) meldet sich zum Wort. Präsident v. Kröchcr: Die Besprechung ist geschlossen. Der Antrag aus Kommisstonsberatung wird gegen die Stimmen der Sozialdemokraten angenommen. Die Vorlage geht an die Budgetkommission. Alsdann wird die Selundärbahnvorlage in zweiter Lesung nach den Beschlüssen der Kommission angenommen. Hierauf vertagt sich das Hans. Nächste Sitzung: Mittwoch 11 Ubr: Anträge, Petitionen, Fortsetzung der Beratung der Ansiedlungs- denkschrist. Schluß 5-/« Uhr._ Der reaßtioträre ßrandcnburgltche Städtetag. Lanbsverg, 7. Juni. (Privatdepesche des„Vorwärts".) Der Brandenburgische Städtetag hat auch an seinem zweiten Verhandlungstage bewiesen, daß er in seiner Mehrheit sogar die reaktionäre Gesinnung des Herrenhauses überragt. Seine Volks- feindlichkeit ging so weit, daß er sich nicht entblödete, seine eigene Würde mit Füßen zu treten, nur um nicht Volks- und Städterechte verteidigen zu müssen. Genosse Bernstein muß dem Genossen Hirsch eingestehen, daß er mit seinem Urtett über den Brandenburgischen Städtetag nicht übertrieben habe. Man könnte diesen als eine schlechte Ausgabe eines Gemeindejunkerparlaments mit starkem Einschlag von HauSknechtSmanieren bezeichnen. Zunächst wurde am Dienstag über eine verwaltungstechnische Frage, betreffend die Inanspruchnahme der Gemeinden bei Er- lebigung der staatlichen Aufgabe» in der Sozialversicherung ver- handelt. Dann folgte eine Erörterung über die Anwendung des F l nchtli n i en gje fe tz es bei Eingemeindungen, Anlage von Bürger st eigen usw. Bei dem nächsten Punkt der Tagesordnung:„Volksparks", wozu Herr Gartendirektor L e s s e r- Steglitz ein fachlich instruktives Referat hielt, wagte sich in der Diskussion ein« schüchterne Kritik gegen die fiskalische Politik in bezug auf die Hergabe fiskalischer Waldungen für den Er- holungsverkehr herbor, nachdem Gen. Groger mit besserem Bei» spiel vorangegangen war. Bewegt« Szenen folgten dann der Verlesung folgender Resolution. „Der Brandenburgische Städtetag, am 7. Juni 1910 itt Landsberg a. W. tagend, nimmt mit Wcfremden und Bedauern Kenntnis davon, daß das preußische Herrenhaus eine Petition der Schöneberger Stadtvertretung, in Sachen des dem preußischen Landtag« vorgelegten Wahlgesetzentwurfes, ohne jede Begründung als in seinem Plenum„zur Erörterung ungeeignet" bezeichnet hat." Bernstein-Schöneberg. Düwell-Lichtenbcrg. Groger-Rix- dorf. Wilk-Charlottenbnrg. Dr. Bell-Schöneberg. Gerlach- Schöne- berg(Stadtbaurat). Boymann-Schöneberg(StadtshndikuS). Der Vorsitzende bemerkte sofort, der Städtetag könne eS ab- lehnen, den Punkt noch zu verhandeln; die Versammlung habe darüber zu entscheiden..(Rufe: Ablehnen, nicht ttetn handeln.) Genosse Bernstein(zur Geschäftsordnung): Der Zweck unserer Resolution ist, Sie zu veranlassen(Rufe: Nein, nein, nei»!) Ich darf mir doch erlauben zu sagen—(Rufe: Nein, wir erlauben nichtsl Schluß! Schluß! Aufhören! Abstimmen!)— M«ine Herren, ich will doch«ür sagen,«aS wir wollen.(Rufe: Wir wollen nichts hören, Schluß! Abtreten! Abstimmen! Heraus!).— Ich bitte Sie, über die Sache zu verhandeln.(Lärmende Ruf«: Nein, wir verhandeln nicht, gehört nicht hierher!). Ober- bürgermeister Werner: Ich beantrage auf jeden Fall, die Rede- zeit auf 2 Minuten zu beschränken. Düwell(zur Geschäftsord« nun«): Ich bitte, den Antrag abzulehnen. Die Angelegenheit ist von so großer Bedeutung, daß sie erörtert werden muß. ES handelt sich um die Wahrung der Rechte und Würde der Stadt- Vertretung.(Stürmische Unterbrechungen, Schlußrufe, raus! ufhören! Zur Sache!) Nein, meine Herren, zur Sache darf ich nicht sprechen, auf die Materie werde ich jetzt nicht ein- gehen, sondern werde nur zu dem Geschäftsordnungsantrag sprechen.(Rufe: Schluß! Schluß!) Die Angelegenheit ist zu wichtig, um sie als Bagatelle zu behandeln. Eine durch das Ver- trauen der Mitbürger gewählte Körperschaft ist durch ein« Ver- tretung, die durch keinerlei Volksäußerung und»Vertrauen legitt- miert ist, mit provokatorischer Mißachtung behandelt worden; das SelbstverwaltungS. und andere Rechte gebieten da--(Lärm. Nein, wir wollen nicht! Schluß! Abstimmen!). So ging es noch eine Zeitlang unter Lärmen und Toben der Stadtgewaltigen fort. Der Städtetag verzichtete darauf, Würde zu wahren. Gegen etwa ein Dutzend Stimmen wurde beschlossen, über die Resolution nicht zu verhandeln. Professor Leidig hatte vorher versucht, für die blamable Haltung ein formales Deck- mäntelchen zu finden mit der Behauptung, es fehle an Unterlagen. um in eine Erörterung eintreten zu können, worauf Gen. Bern- tein treffend bemerkte: Wir sind die Vertreter von Schöneberg, die jede Unterlage unterbreiten können. Die Gemeindejunker wollten nichts wissen, keine Stellung präzisieren. Sie entschädigten 'ich dafür durch ein K a i s e rh o ch, daS die Sozialdemokraten, wie das bei Eröffnung der Tagung ausgebrachte, draußen genossen.! • �•, Heute abend tagt in Landsberg eine Proteftversammlung gegen das skandalöse Verhalten deS Städtetages. Sämtliche sozial- demokratischen Vertreter referieren� Frau von Schönebeck vor de» Selchworene». Die Angeklagte hat sich von ihrem Schwächezustand erholt. Gegen Mittag mußte aber in der Verhandlung wieder infolge eines kleinen Anfalls der Angeklagten eine längere Pause gemacht werden. Die Verhandlung wurde dann wieder bis zum Abend mit Ver- nehmung der Fron von Schöncbeck-Weber ausgefüllt. Den wesent- lichsten Inhalt ihrer auf Fragen des Vorsitzenden gemachten Aus- lassungen fassen wir iiachstehenp zusammen. Anfälle. In Bernstadt hatte ich in einer Gesellschaft bei Freiherrn von Löwenstein einen Anfall. Ich wurde bewußtlos nach Hause gebracht. Davon, daß ich erzählt habe, mein Vater habe mir bei solchen An- allen eine Karaffe Wasser über den Kopf gegossen, weiß ich nicht«. Vielleicht habe ich ähnliches von meinem Mann erzählt. Auf die Fragen, ob die Angeklagte perversen Neigungen gehuldigt sowie die über ihre erotischen Neigungen äußert sich die Angeklagte erst, nachden, der Vorsitzende und die Sachverständigen die Notwendigkeit der Darlegungen auf diesen, Gebiet für dringend erforderlich erklärt haben, und auch da nur mit offensichtlichem Widerstreben. Sie bejaht die Fragen. Heber das L-rhSltnis z» ihren Kinder» äußert sich die Angeklagte dahin, ich habe meine Kinder lieb und habe fie gut behandelt, freilich bin ich auch zu ihnen launenhaft ge- Wesen. Meinen Jungen habe ich, als er zwei Jahre alt war, em- mal, als er nackt war,- geschlagen, ich glaube aber nicht, daß das, wie mir vorgehalten wird, auf sadistischer Neigung beruhte. Ich hatte einen Drang zur Sünde, gegen den ich ankämpfte, dem ich aber stets unterlag. Ich schämte mich, einen Nervenarzt zu befragen. Bor dem vorübergehenden Aufenthalt in einem Sanatorium oder in einer Irrenanstalt fürchtete ich mich. Ob mein Mangel an Willensschwäche auf erotischem Gebiet auf eine mangelhaste Erziehung, auf den Wechsel mit den Gouvernanten, auf das fehlende Vertrauen zu meiner Stiefmutter oder worauf sonst zurückzuführen ist, weiß ich nicht. DaS müssen die Aerzte bester wissen. Richtig ist, daß ich einmal 14 Tage lang in Berlin mich aufgehalten, in einer Pension gelebt habe und erotischen Neigungen gefolgt bin. Auch in Wiesbaden unterhielt ich während eines vierwöchentlichen Ausenthaltes Beziehungen zu Männern. Dem Alkohol neige ich nicht zu. Zu HauS trinke ich nur Wasser, in Gesellschaft ein Glas Sekt. Es ttifst zu, daß es kaum eine Zeit meines Ehelebens gab, in dem ich nicht einen illegitimen Verkehr unterhalten hätte. Ich war sehr nervös. In diesem Zustande habe ich mich auch zu Miß- Handlungen von Dienstboten und eines Haushundes hinreißen lasten. Ob hierbei erotische Neigungen eine Rolle gespielt haben, weiß ich nicht. An Krämpfen, Lach- und Weinkrämpfen, auch an Nachtwandeln habe ich gelitten. Die Frage eines Geschworenen, ob sie unberührt in die Ehe getreten, bejaht die Angeklagte und beschreibt die unzüchttgen Handlungen, die ihr KonsirmationSgeistlicher mit ihr vorgenommen, und ihre Jnttmitäten mit Männern vor der Ehe. Selbstmordversuche habe ich wiederholt gemacht. Ich hatte dann die Stimmung: ich will nicht mehr leben. In Bernstadt nahm ich Hcrbstzeitlosengift zu mir, in Allenstein mal Morphium, mal Opium, einmal nach einem Streit mit meinem Manne, ein ander Mal, weil ich aus Eifersucht einen anonymen Brief an eine Offiziersdame geschrieben hatte. Mir war erzählt, die Dam« sei in einer Gesellschaft, die ich wegen eine» TrauerfallcS nicht besuchte, sehr elegant gekleidet gewesen. Da schrieb ich, sie hätte sich benommen und gekleidet wie eine von der Friedrichstraße. Unmittelbar darauf bereute ich das und bat die Dame um Verzeihung. Daß ich noch Selbstmordversuche durch Auf- schneiden der Pulsadern und durch Erwürgungsversuche mit einem Tuch unternommen habe, wie mir vorgehalten wird, mag sein. Ich erinnere mich aber nicht, wie überhaupt manchmal die Erinnerung mir völlig schwindet. Lebensüberdruß hatte ich schon als Mädchen. Ich litt stets an starkem Stimmungswechsel. Ein Geschworener fragt, ob die Angeklagte an ein höheres Wesen glaubt? Vors.: Sie sind evangelisch und waren verheiratet mit einem streng katholischen Manne. Man findet häufig in militärischen Kreisen eine große Religiosität. Wir Alten haben ja Gott kennen gelernt, Herr Justizrat Sello wird mir das bestätigen.— An« geklagte: Mein Mann hat darüber mit mir nicht gesprochen?— Vors.: Und Sie selbst?— A n g e k l.: Ich bin in Allenstein nur einmal zur Kirche gegangen. In der Kirche sehen sich die Leute doch bloß gegenseitig an. Das war mir zuwider.— Vors.: Glauben Sie an den lieben Gott?— Angel l.: Wenn auch nicht so wie in der Schule, so habe ich doch meinen Glauben und auch in dem Sinne meine Kinder erzogen. Hierauf wird wieder das Verhältnis der Angeklagten z» Herrn v. Gäben erörtert. Angeklagte erwidert auf eine große Reihe von Vor- Haltungen: v. Göben wollte mich heiraten. Ich hatte keine Neigung, mich scheiden zu lassen, v. Göben war sehr erregt, deshalb wider- sprach ich nicht ausdrücklich, v. Göben drang ständig in mich, mich scheiden zu lassen. Verliebt war ich in v. Göben, aber ich sagte ihm. wir würden doch nicht glücklich sein. v. Göben gegenüber mußte ich vorsichtig sein, weil er auf meinen Mann eifersüchtig war. Ich fürchtete, er könne sich und mich totschießen. Die Pläne zur Ermordung meines MannrS habe ich keineswegs unterstützt, von Goeben sprach von einem Duell. Er sagte, ein solches mit oder ohne Zeugen fei eine ehrliche Sache, von Goeben wollte wohl meinen Mann fordern, wenn er mich nicht für ihn frei geben würde. Ich sagte ihm: meinetwegen schießt sich mein Mann nicht. Unwahr ist, daß ich von meinem Manne getragene Strümpfe Herrn von Goeben verschafft habe, damit er, ohne daß der Hund anschlägt, in die Wohnung dringe. Diese Angabe des Herrn von Goeben wie viele andere von ihm, widersprechen der Wahrheit. Er würde si», mir gegenüber- gestellt, wohl nicht auftccht erhalten haben. von Goeben plante erst, meinen Mann im Walde zu erschießen. Um das zu hindern, behauptete ich einmal, mein Mann fei in Begleitung in den Wald gegangen, während er tatsächlich allein war. Das Renkonrer in der Wohnung habe ich keineswegs ver- anlaßt. Ich hatte keinen Grund, den Tod meines Mannes zu wünschen. Als der Vorsitzende der Angeklagten vorhält: es wird darauf ankommen, ob wir Ihnen oder der Stimme, die aus dem Grabe zu uns heniberschallt. glauben, befällt die Angeklagte ein Erregungs- zustand, der eine längere Pause erforderlich macht. Nach der Pause beantragt die Verteidigung Ladung des Majors Tupschewski. Dieser war als Instrukteur nac$ der Türkei gegangen und hat telegraphisch mitgeteilt, daß er nicht erscheinen könne, da nian ihm den Urlaub verweigere. Der Vorsitzende hatte auf den Wunsch, den Zeugen nochmals zu laden, geantwortet: Wir kön- nen ooch deshalb mit der hohenPforte keinen Krieg anfangen! Der Zeuge ist außerdem kommissarisch in Adrianopel vernommen. Die Verteidigung benennt den Zeugen darüber:„Herr von Göben habe ihm schon drei Monate vor dem Tode des Majors von Schönebeck erklärt, er wolle sich mit ihm in der Art eines amerikanischen Duells auseinandersetzen. Er Hab« gehofft, mit ihm im Walde allein darüber sprechen zu können, es sei aber stets eine dritte Person mit dabei gewesen. Durch das Weihnachtsfest, habe von Göben ferner erklärt, fei die Be. gierde wieder cuoacht worden, die Angeklagte für immer zu be- sitzen. Er sei in der Nacht eingestiegen, um sich mit Herrn von Schönebeck auseinanderzusetzen. Dieser hätte ihm aber mit ge- spanntem Revolver gegenübergestanden, den Rovolver erhoben und losgedrückt. Er hätte das Anschlagen des Hahnes deutlich gehört und darauf im nächsten Moment geschossen. Göben wäre ein Landsknecht mit viel Don Ouichoterie." Es wird beschlossen, den Major Tupschewski tclegraphisch zu laden und sich eventuell an das türkische Kriegsministerium zu wenden. Der Vorsitzende hält der Angeklagten vor, was von Göben am V. Januar 1908 über den Plan einer Ermordung durch Gift ausgesagt hat. Die Angeklagte erwidert: von Göben gab mir ein« Flasche Arsenik und sagte mit verzweifelter Stimme, wir müssen ein Ende machen. Es ist nicht wahr, daß ich das Gift von ihm verlangt habe. Später gab er noch ein zweites Fläschchen, insgesamt gab er 50 Zentigramm. 15 Zentigramm fehlten in dem Fläschchen, weil ich es fortgenommen.habe, um mich zu vergiften. Frau Graetz hat mich hieran gehindert. Unwahr ist, daß ich einen Vergiftungsversuch an meinem Mann vorgenommen hätte. Bei der weiteren Vernehmung äußert die Angeklagte: Richtig ist, daß ich Herrn von Göben gebeten habe, aus dem Schreibtisch meines Mannes Briefe zu entwenden, die mein Mann an sich genommen hatte und mir bei Streit stets vorhielt und drohte, sie meinem Bruder auszuliefern. Es waren das Briefe von Lieb- habern an mich. Den Nachschlüssel hierzu ließ von Göben an- fertigen. In dem Schreibtisch fanden wir auch das Testament, indessen habe ich nicht das geringste Interesse daran, da das Ver- mögen, etwa 80 000 M., selbstverständlich meinen Kindern ge- hört. Ich besitze ein Einkommen von jährlich etwa 20 000 M. An dem Schwur unter dem Weihnachtsbaum, ist kein tvcrhres Wort. Wir waren den 24. Dezember nicht allein. Stets waren die Kinder oder Fräulein Eue bei mir. Als mir der angebliche Schwur vorgehalten wurde, habe ich sofort gebeten, mich Herrn von Göben gegenüberzustellen. ES ist kein Wort von der Behauptung von Göbens wahr, daß von einer Hoffnung, uns zu heiraten, unter dem Weihnachtsbaum gesprochen ist, daß ich auf seine Erklärung hin, er sei bereit, gefragt habe: Schwörst Du mir daS?, und daß er ferner erwidert habe: Ja, ich schwöre esl Mit aller Entschiedenheit bestreite ich das. Von dem Schwur ist auch in der ersten Vernehmung des Herrn von Göben kein Wort gesprochen. Am 24. war von Göben bei der Bescherung zugegen. Abends habe ich im Schlafzimmer noch eine Bescherung mit ihm borge- nommen. Briefwechsel mit der Mutter des Herrn von Göben. Vors.: Sie sagen nun, den Gedanken, die Vereinigung mit Herrn v. Göben nach dem Tode Ihres Mannes herbeizuführen, hätten Sie mehr als eine Phantasie und Spielerei des Herrn von Gäben aufgefaßt, und Sie seien nur scheinbar darauf eingegangen, um ihn zu beruhigen. Nun ist das Merkwürdige bei der Sache, daß Sie sich schon mit der Mutter des Herrn v. Göben geschrieben haben, und daß Sie ihr mehrfach in den Briefen zu erkennen gaben, daß Sie Herrn v. Göben heiraten wollten, obwohl die Ehe noch bestand.— A ng e k l.: Das hatte er seiner Mutter geschrie- ben, und ich war zu schwach, ihm zu widersprechen. Es war eben wieder ein Zeichen meiner Schwäche, daß ich da nicht widersprochen habe.— Bors.: Aber Sie haben der alten Dame auch Geschenke gemacht, ebenso wie sie Ihnen zum letzten Weihnachtsfest etwas schickte, daS nicht mehr in Ihre Hände gelangt ist. Auch Ihr Bild hat die alte Mutter besessen.— A n g e k I.: DaS weiß ich nicht mehr.— Vors.: Die alte Dame schreibt ausdrücklich in einem liebenswürdigen Briefe: Meine liebe Toni, jetzt habe ich meine Lieben bei mir, aus der einen Seite das Bild meines SohneS, auf der anderen die geliebte Tochter.(Bewegung.)— Die Bert ei- big er bemerken, daß dieser Brief niemals in die Hände der An- geklagten gelangt ist, da sie inzwischen verhaftet wurde.— Vors.: Die alte Dame spricht aber in diesem Briefe weiter davon, daß die Scheidung doch hoffentlich bald durchgeführt sein werde, und baß sie dann zufrieden und glücklich sein werde an der Seite des Edelsten, den es gibt. Die alte Dame scheint also auch sehr für ihren Sohn geschwärmt zu haben.— Staatsanwalt: Die Angeklagte sagt, sie erinnere sich an diese dielen Briefe, die sie der alten Dame schrieb, nicht mehr. Erinnert sie sich deshalb nicht daran, weil es zu viel Briefe waren, oder bohauptet sie, über- Haupt keinen Briefwechsel mit ihr unterhalten zu haben.— Angell.; Ich gebe zu, es sind mehrere derartige Briefe ge- schrieben worden.— Vors.: Sie hatten also nicht i>as Gefühl, daß man die alte Dame nicht in dieser Weise in die Angelegenheit hineinziehen wollte.— Die Angeklagte erwidert nach länge- rem Ueberlegen: Er hat mich sehr geliebt und bat mich, seiner alten Mutter ein paar Zeilen zu schreiben. Darauf schrieb ich der alten Dame. Sie antwortete mir so nett, daß ich ihr wieder- schrieb.— Vors.: Es liegt noch ein weiterer rührender Brief des Sohnes vor, t>a heißt eS:„Ihr Bild hat Dich schon entzückt, wie wirst Du erst entzückt sein, wenn Du sie persönlich kennen lernst." — Die Verteidiger erheben Einspruch gegen die weitere Ver- lesung des Briefes.— Der Vorsitzende bemerkt, daß er die Verlesung später eingehend vornehmen werde, da sie nur als Muster in die Stickerei des Prozesses hineingehörten. Die weiteren Verhandlungen werden auf heute vormittag 9 Uhr vertagt._. Hue IncUiftne und Handel Kanal- und Flußschiffahrt. DaS rapide industrielle Wachstum im Ruhrrcvier spiegelt sich auch in der Schiffahrt. Die bisherige Entwickelung des Verkehrs auf dem Dortmund« EmS-Kanal ergibt sich auS folgenden Zahlen: Prozentuale Aenderung Tonnenkilometer Jahr gegenüber dem Vorjahr Steigerung(-ft) Minderung(—) * 1899.. 19 795 292 1900.. 50 619 335 4- 156 Proz. 1901.. 81721 169-- 61„ 1902.. 131 872 855-f 61„ 1003.. 208 091 580-ft 53. 1904.. 197 576 456— 5. 1905.. 237 667 058-s- 20„ 1906.. 294 051 629-- 24. 1907.. 343 242 906-- 17„ 1908.. 445 828 216-j. 30. Im letzten Halbjahre 1909 war eine erhebliche Minderung des Verkehrs zu verzeichncii, die zurückzuführen ist auf den schwe« dischen General st reik. Von Schweden kommen nämlich große Erz- und Holztransporte nach Dortmund. DaS laufende Jahr bringt eine riesige Steigerung des Verkehrs. Mehr wie in früheren Jahren wird der Kanal jetzr auch für Kohlen- transporte benutzt. Seine Hauptbedeutung wird der Dortmunder Hajen freilich erst erlangen, wenn die Verbindung mit dem Rhein hergestellt ist. Für einen größeren Verkehr werden alle Vorbereitungen getroffen. Nachdem erst vor zwei Jabren ein neues Hafenbecken dem Betrieb übergeben wurde, werden in einigen Monaten zwei weitere Hafenbecken fertiggestellt sein. Buch ein neuer Kohlenkipper wird in Betrieb ge- uommen werden. DaS Kohlensyndikat hat sich einen zweiten un- geheueren Lagerplatz gesichert. Der bisherige Lagerplatz tst übrigens auch ein Rterkzcichen der wirtschaftlichen Krise; es lagern dort Bt engen Kohlen im Werte von f ü n t M i l l i o n e n Mark. Der Verkehr auf der städtischen Hafenbahn nahm folgende Eni- Wickelung: Jahr 1899. 1900. 1901. 1902. 1908. 1904. 1905. 1906. 1907. 1903. Tonne» 101 134 65 170 133 549 143 519 142 138 159 763 284 691 396 950 589 245 898 606 Prozentuale Aenderung gegenüber dem Vorjahr Steigerung(ft-j Minderung(—) — 36 Proz. + 113„ + 0„ - 1„ 12. 78. 39. 48„ 53.. schiffahrtSgesellschast Dortmund-Ems,«. m. V. H., Leer, und tat Versügungsrecht über eine Anzahl weiterer Fahrzeuge, so daß die „Westfälische Transport- Aktien- Gesellschaft" über 73 Kanalkähne, 3 Kanal-Seekähne, 4 Güterdampfer und 22 Schleppdampfer verfügt. Natürlich sind noch mehrere Schiffahrtsunternehmungen vorhanden. Die folgende Tabelle gibt einen Vergleich zwischen der Entwickelung des Verkehrs auf den deutschen Hauptströmen und einigen Kanälen Deutschlands. Der durchschnittliche Tonnenverkehr pro Kilometer betrug in 1000: Der Erzbedarf der Dortmunder Union ist in der Eisenbahn- statistik nicht enthalten. Für de» Transport auf dem Kanal kommt in erster Linie die .Westsälische Transport- Aktien« Gesellschaft" in Frage. Die Flotte dieser Gesellschaft bestand am 1. Juli 1909 aus 55 Kanalkähnen, 3 Kanal- Seekähnen, 4 Güterdainpfern und 11 Schleppdampfern. Außerdem erwarb die Gesellschaft 59 Proz. der Aktien der Schlepp- Wenn sich auch die übergroßen Hoffnungen noch nicht erfüllten, die man an den Dortmund- Kanal knüpfte, so ist doch kein Anlaß vorhanden, der immer wiederkehrenden Kritik der Agrarier zu« zustimmen. Der Dortmund-Ems-Kanal hat eine Zukunft, aber er kann seine Aufgaben erst dann erfüllen, wenn eine Verbindung mit dem Rhein und schließlich mit der Weser und Elbe geschaffen worden ist._ Vennircbtee. erdbcbcnhataftrophe in Svciitalien. Wieder einmal ist das sonnige Italien von einem schweren Erd» beben heimgesucht worden, das eine große Anzahl Menschenleben vernichtete. Wie uns ein Telegramm aus Neapel meldet. wurde dort Dienstag früh kurz nach drei Uhr ein wellenförmiger. mehrere Sekunden anhaltender Erdstoß verspürt. Viele Einwohner verließen ihre Häuser. Auch in Benevento, Cosenza, Castellammare di Stabia, Potenza und Eonstanza ist der Erdstoß verspürt worden. In Avellino war der Stoß so stark, daß die gesamte Bevölkerung ihre Wohnungen verließ; in der Gemeinde C a l i t r i stürzten mehrere Häuser ein, neun Leichen sollen aus den Trümmern geborgen worden sein. Der Präfekt hat militärische Hilfe abgesandt. In der Gemeinde B a l l a t a find zahlreiche Häuser eingestürzt oder beschädigt; eine Person ist getötet, mehrere sind verletzt worden. In der Gemeinde San S i z i o sind viele Häuser sehr beschädigt, die Kirche ist gefährdet. In L i o n i ist der angerichtete Schaden weniger beträchtlich. In Sant' Andrea di Conza sind mehrere Häuser eingestürzt. In C a st e l B a r o n i a hat das Erdbeben eine Reihe von Be- schädigungen an Häusern und Kirchen verursacht. In einem Bureau ist die Decke eingestürzt. Eine Frau ist schwer, sechs weitere Personen sind leicht verletzt worden. In San F e l e im Distrikt Meist ist durch den Erdstoß ein HauS zum Ein- stürz gebracht und eine Anzahl Personen verschüttet worden. In der Gemeinde C a l i t r i sind bis jetzt 20 Leichen geborgen. DaS Land zeigt fast überall große Risse. Auch in vielen anderen Orten hat das Beben lebhafte Beunruhigung der Bevölkerung hervorgerufen. AuS Furcht vor weiteren Erdstößen kampieren die Einwohner im Freien. Der durch die Katastrophe angerichtete Schaden ist enorm. Rettungskolonnen werden organisiert und gehen nach den vom Unglück bettoffenen Landschaften ab. Der Ministerrat hat beschlossen, daß der Minister der öffentlichen Arbeiten sich unverzüglich in das Erdbebengebiet begibt. Minister- Präsident Luzzatti hat 50 000 Lire für die vom Erdbeben Betroffenen gespendet._ Neue Opfer der Prinz-Heinrich-Fahrt. Die unsinnige Autoraserei, Prinz-Heinrich-Fahrt genannt, hat am Dienstagmorgen zu einem schweren Unglück geführt. Zwischen Heiligkreuz und Meienheim im Elsaß sollte eine Schnelligkeitsprüfung der beteiligten Wagen vorgenommen werden. In wahnsinniger Hetzjagd suchten dte Automobile dabei einander den Rang abzulaufen; an dem Wagen Nr. 57, der von dem Besitzer H ei n e- Hannover gesteuert wurde, sprang plötzlich ein Gummireifen ab, der Führer verlor die Führung, der Wagen rannte mit aller Wucht gegen einen Baum, überschlug sich und wurde vollständig zertrümmert. Der Chaffeur B r u n n e r und der Unparteiische A l l e n st e d t aus Siegburg sind tot, der Lenker des Wagens, Herr Heine, ist schwer verletzt. Auch ein Zuschauer wurde durch umher- fliegende Trümmerstücke s ch w er v er le tz t. DaS Rennen wurde vorläufig e i n g e st e l l t. Zu wünschen wäre eS, daß die Fahrt nicht nur borläufig, sondern entgültig eingestellt wird, sind doch außer diesem großen Unglück eine Reihe anderer Unfälle zu verzeichnen, bei denen nur durch besondere GlückSumstände Menschenleben nicht vernichtet wurden. Reiche Betrüger. Die amerikanische Millionärin Mathilde SheSborough war vor einigen Tagen in New Dock abgefaßt worden, als sie ber- suchte, Wertsachen, die sie von einer Vergnügungsreise nach Europa mitbrachte, in ihre Heimat einzuschmuggeln. Am Montag wurde sie deswegen zu 5000 Mark Geldstrafe verurteilt. Der Richter er- klärte, daß lediglich ihre bisherige Unbescholtenheit sie vor dem Gefängnis bewahrt habe, und fügte hinzu, die Manier der reichen Amerikaner, alles mögliche nach den Vereinigten Staaten zu schinuggel», mache eine ganz ex e m p l a r i s ch e B e- st r a s u ii g n o t iv e ii d i g. Bei den sich häufenden Beriirteiluiigen von Millionären wegen Schmuggelei wird es wohl nicht lange dauern, bis die Mediziner entdecken, daß eS sich um eine Krankheit handle. Natürlich können nur gleiche von dieser Krankheit befallen werden, genau wie Dieb- stahl beim Armen ein Verbrechen, beim Reichen Krankheit ist. Trauermusit für einen Viehwagen. Ein Irrtum, der trotz seines ernsten Hintergrundes viel Heiterkeit hervorrief, passierte bei einer Beerdigung im südlichen Schleswig. Die Leiche des Verstorbenen sollte nach dem im Nachbnrdorfe be» findlichen Friedhof übergeführt werden.! Jm Glockenturm hielten die Glockenläuter scharfen Ausguck, ob sich auf der Londstratze der Leichenzug heranbewege. An einer außerhalb des Kirch« dorfes befindlichen Wegebiegung hatte ein Musikkorps Auf- stellung genominen, das beim ersten Anschlagen der Glocken einen Trauermarsch spielen sollte. Den Glockcnlnutern wurde die Zeit rcchr lang, schließlich sahen sie aber einen Kutscher zwischen den Knicks auftauchen und feierlich hallten die ersten lockentone über die Fluren. Jetzt stimmte auch die Musik den Trauermarsch an, und um die Ecke bog ei»-- Viehwagen mit Lämmern, die ein alter Handelsmann im gemütlichen Schritt nach dem nächsten Marktort fuhr. Der ernste Zug, dem die Begrüßung hotte gelten sollen, nahte erst eine halbe Stunde spätet, Reicl)$tag$wäl)ler des NaWeeiles llechermUDde-Usedom-SlolliD Wir erinnern Euch an Eure Parteipflicht, unter allen Umständen am Donnerstag, den S. Juni, von Eurem Wahlrecht Gebrauch zu machen. Der Wahlkreis soll und mutz von der Sozialdemokratie im erste» Wahlgange erobert werden. Darum versäume keiner, an der Wahlurne zu erscheinen und unserem Parteigenossen �Ivx. Kuiize» Stettin seine Stimme zu geben. ÄMldrAiiKrlltislhtt Kttigwahllitrm Ntckerulmde-Nsediim-UMill. I. A.: Paul Steinföhr. 286/13 Extra. Abte llnng I. Gesch.; Berlin W., Mohren- 1 StraBe37a(2. Haue von der j Jerusalemer StraSe). | II. Gesch.; Berlin NO., GroBe Frankfurt. Str. 1 15(2. Haus von der AndreasstraBe). 1 1 Sehr gi. Anaw. fert. Kleider,| Hüte, Handschuhe, Schieler I etc. t. einfachsten bis zum I | hochelegant. Genre z. äußerst j niedrigen Preisen. Sonder- Abteilung: IlaBanfertIguns in 10 bis 12 Stunden. Patente vttd Erfindungen. Srwlrbmg, Verwertung und«aus von guten Patenten. Kostenlose Begut- achtung und Raterteilung täglich 10—11 Uhr vormittags, auch sonntags. Jngenieurburcau Blerhala dt Engelhardt, Berlin W. 35, Liitzowstrafte 85b Telephon: VT 9664. 21206» Her Zlrdeitsnachwcts: Hos L Amt 3, 1239. II" BerwaltungSstelle Berlin. Hauptbureau: OharitsstraBe 3. Hos ITT. Amt 3, 1987. Donnerstag, den 9. Juni 1910, abends 8'/, Uhr: nilgemeine Oerlammlung der Kernmacher u. Kernmacherinnen in dm Borussia-Säle«, Ackerstr. 8/7. TageS-Ordnung: 1. Vortrag des Kollegen Adols A u s ch i ck. 2. Diskussion. 8. Branchen. «Mgelegenheiten. 116/14 Zahlreichen Besuch erwartet Die Ortsbertualtnng. f 11 Orfsvenvaltung SorUn. Treppengeländerbranche. Donnerstag, dm 9. Juni, abends 8'/, Uhr, im»Köntgftadt-Kastno», Holzmarktftr. 72- V ersam mlunps S TageS-Ordnung: 1..Wie bekämpfen wir dm Vertragsbruch der Unternehmer 1' i. VerbandSangelegenhetten. 84/17 Die Ortarerwaltnng. I fc W w eutsehlands.(Zahlstelle Berlin.) Sezirksoersammlttngen: Bezirk 1. i »> »i M »» 2. 3. 4. 5. 6. Am Donnerstag, den 9. Juni, beim Kollegen Schwarz, Tegeler Siratzc 55—56. Am Freitag, den 10. Juni, beim Kollegen Obiglo, Schwedter Stratze 23—24. Am Freitag, dm 10. Juni, beim Kollegm voeker, Weberstrage 17. Am Freitag, dm 10. Jnni, beim Kollegm«rädert, Lausttzer Platz 8. Am Donnerstag, dm 9. Jnni, beim Kollegm Heitmann. SchSnlelnstraße 6. Am Freitag, dm 10. Juni, beim Kollegen Boß, Klofterstraß« 101. V Sämtlich nachmittags 5 Uhr. MU 74/00 Die Ort» Verwaltung. Donnerstag, den 9. Juni, abends 8'/, Uhr, im Gewcrkfchaftshanse, Engelnfer 15, Saal 5: NF" V ensommlnng'HW Tages-Ordnung: Abrechnung vom ersten Quartal und Kassenangelegenheiten. 2437b Die Ort« Verwaltung. frdeiler-Seilvimmer-Limd. 1. Kreis(Brandenburg) Uebungsstunde» der BereWe. SchwimmNub„"bVelle". Männer«, Frauen-, Jugmd« und Schüler« Abteilung. Mittwochs 7 Uhr, Sonntag» 10 Uhr, städt. Badeanstalt Muhlm« straße 50. „Zleptan" 1894. Jeden Abmd(außer Sonnabend und Sonntag) 6 Uhr, RummcISburger Seebad, Rummelsburg, Hauptstrabe. „Erellielt." Montag und Donnerstag 7—3'/, Uhr, VollSbadeanstatt, Oderberger Str. 57-59. „Word." Männer-Abt. Mittwoch, Freitag 7 Uhr; Frauen«, Mädchen«, Jugend- und Schüler-Abt. Dienstag, Freitag 7 Uhr, Seebad Reinickendors. „Berlln-itollUckendorf." Männer-Mt. Montag, Donnerstag 7 Uhr, Jugend» und SchAer» Abt. DimStag, Freitag 7 Uhr, Seebad Reinickendorf. „VorwilrtU,", Ober-Schöneweide. Montag, Donnerstag 7 Uhr, Sonntag 9— 11 Uhr, Badeanstalt E. Müller, Nieder-Schöneweide. „Torwarts", Rixdorf. Männer« und Jugend-Abt. Dienstag, Freitag 7 Uhr, Schüler-Abt. Montag, Donnerstag 6 Uhr, Badeanstalt von I. Körte, Canner Chaussee 12. „Damenschwimiuverelii Blxdorf." Jeden Abend tauber Mittwoch und Sonnabend) 6 Uhr, Badeanstalt von I. Körte, Canner Chaussee 12. „W'rele Schwimmer", Charlottenburg. Männer-, Jugend- und Schüler-Abt. Mittwoch 7 Uhr, Volksbadeanstalt Krummestr. 10, Freitag 7 Uhr, Kochsee; Frauen« und Mädchen-Abteilung Dienstag, Frettag 7 Uhr, Kochsce. „Delphin", Tegel. Männer-, Jugend- u. Schüler-Abt Dienstag, Mittwoch, Freitag, Sonnabend 6 Uhr, Frauen- und Madchen-Abt. Montag, Donnerstag 6 Uhr, Badeanstalt von C. Pieper. „Teptnn", Weistensee. Männer-, Jugend« und Schüler-Abteilung Dienstag, Freitag 7 Uhr, Sonntag 10 Uhr; Frauen- und Mädchen-Abt. Dienstag, Freitag 7 Uhr, Seebad Weißensee. Jeden Sonntag Ruderübung der Rettungswache._ Bestellungen und Anfragen, die RetMngSwache des Kreises betreffend, lind zu richten an F. Renschel, Weißensee, Rölkestr. 12». Der KreiSvorstaub. Dauer bis 11. hmi Außergewöhnlich billige Angeböte erheblich unter regulären Preisen Serie 1; Jode WflSCh-Hose ftr Hetwa........ R 1.35 Serie 2: jede Zwim-Buckskm-Hose tk Hanca R 2.90 Serie St Jede StofF-Hose te Hera........... H 4.95 Serie 4: Jede Stoff-HoSC ffc tfcra........... 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Um rege Beteiligung ersucht Der Vorstand. 8ll!iäIteMeder Wekeln Charlottenburg. Unser langjähriger Parteigmosse, der Buchbinder mm Hopp (6. Kruppe) ist am Sonntagabmd nach länge- rem schweren Leiden im Auer von 31 Jahren verstorben. Ehre seinem Andenkest Die Beerdigung findet am Donnerstag, nachmittags S Uhr, von der Leichenhalle des Kranken- Hauses Westend au» aus dem neuen Luisenkirchhos, Fürsten« brunner Weg, statt. Di« Parlelgenossm treff« sich um 4 Uhr im BolkShau«. 250/7 Der Terstssd. Deutscher Transportarbeiter- Verband. Barirksverwaltung Grob Berlin. Dm Mitgliedern zur Nachricht, daß unser langjähriger Kollege, der Droschkensührer Karl Pichotta verstorben ist. Ehr« sein«« Andenkest Die Beerdigung findet morgen Donnerstag, den 9. Junt, nach- mittags 4 Uhr, von der Leichen- Halle des DankeS-KirchhoseS in Reinickendors, Blankesttatze, au» statt. 69/4 Sie Berirksverwalweg. Deutscher Melallarbeitor-Verband BerwaltnngSsteBe Bertis. Todes> Anselco. Den Kollegen zur Nachricht, datz unser langjähriges Mitglied, der Schlosser irtur Optaej am 5. Juni an Magenleiden ge- starben ist. Ehre seinem Andenkest Die Beerdigung findet am Donnerstag, dm 9. Juni, nach- mittags 4 Uhr, vom Trauerhause Schulstr. 16, auS nach dem neuen Nazareth-Kirchhos, Reintckmdors, Berlinerstratze, statt. Rege Beteiligung wird erwartet. 116/15 Die Ortsverw«ltuiif_ Danksagung. Für die dielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung unseres guten Baters sagen wir allen Freunden und Bekannten, dem Trans- portarbeiter-Verband, dem Lotterie« verein.Vorwärts" und den Kollegen vom Fuhrhos Schälle unseren herz- lichsten Dank. MU n. Frieila MMi Dr. Simmel Spezial-Arzt* für Haut- und Harnleiden. Prinzensir. 41,.0», 10—2, 5—7. Sonntags 10— 12. 2— 4 iy JJ4 Monatl. 10 M. liesere arPflll«leg. Herrcngardcrobe Iii C Uli n.Matz(billigste Preise) J.Tompmomkl.fÄÄ = Kasse 10 Proz. Rabatt.- 1 Mark woeiientiielie Tellzaliiungen liefere elegante fertige Ersatz für Maß. 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Ein oie Jahre 1908 und 1999 umfassender Geschäftsbericht des Vorstandes liegt gedruckt vor. Wir entnehmen ihm folgende Angaben: .Wenn auch besonders große Kämpfe in den beiden letzten Jahren nicht stattgefunden haben, so war doch die Tätigkeit des Hauptvorstandes nicht geringer als in früheren Jahren. Nicht aus Furcht oder aus Mangel an Mitteln, sondern mit Rücksicht auf die ungünstige Wirtschaftslage suchte der Vorstand Streiks möglichst zu vermeiden. Wo aber alle Versuche zur friedlichen Erledigung von Lohnbewegungen nichts nutzten, und ein Streik Aussicht auf Erfolg bor, da hat der Vorstand nicht gezögert, seine Einwilligung zu geben. Nicht nur die wirtschaftliche Krise, sondern auch die 1998 erschienene Brausteuervorlage beeinflußten die Bewegung der Brauereiarbeiter. Der Vorstand hat eine leb hafte Agitation gegen die Brausteuervorlage entfaltet. Doch die Vorlage ist Gesetz geworden und dies Gesetz hat den Verband vor eine Aufgabe gestellt, deren Erfüllung nicht leicht war. Die Er höhung der Brausteuer mußte natürlich eine Einschränkung des Bierkonsums und dadurch eine große Arbeitslosigkeit unter den Brauereiarbeitern zur Folge haben. Um diese Wirkung der Braw steuererhöhung auf die Brauereiarbeiter möglichst abzuschwächen, hat der Verband eine Vereinbarung mit der Unternehmerorgani sation getroffen, wonach die Brauereien veranlaßt wurden, bis zu einem gewissen Rückgang der Produktion keine Arbeiter vor dem 1. Mai 1919 zu entlassen. Dies Abkommen ist im allgemeinen be- folgt worden, und so kamen die Brauereiarbeiter über die schlimmsten Folgen des Bierkrieges hinweg. Immerhin wurden trotz der Abmachungen eine große Zahl von Mitgliedern arbeitslos. Sie erhielten die Arbeitslosenunterstützung und dazu die bei Streiks festgesetzten Zuschläge für Frauen und Kinder. In dieser Weise wurden 1116 Mitglieder mit 14 384 M. unterstützt. Die Lohnkämpfe des Verbandes äußerten sich in den beiden Berichtsjahren in S3 Angriffs-, 52 Abwehrstreiks und 19 Aussperrungen. Diese Kämpfe erstreckten sich auf 179 Betriebe mit 4195 Beschäftigten, von denen 2681 am Kampfe teilnahmen. Von den Streiks verliefen 64 erfolgreich, 18 teilweise mit Erfolg, 31 er- folglos. Ohne Streik wurden 384 Lohnbewegungen in 749 Be trieben mit 25 375 Beschäftigten erledigt. 364 Tarifverträge für 646 Betriebe mit 23 799 Beschäftigten sind abgeschlossen worden. Die Erfolge der Lohnbewegungen mit und ohne Streik sind 46 414 Stunden Arbeitszeitverkürzung pro Woche'für 13 755 Per- sonen und 49 223 M. Lohnerhöhung pro Woche für 23 155 Personen. Die Zunahme der Mitgliederzahl war trotz eifriger Agitation nicht befriedigend. Aufgenommen wurden 29 351 Mitglieder, aber 19 532 traten wieder aus. Demnach blieben dem Verbände von je 199 Neuaufnahmen nur 4 Mitglieder erhalten. Die Zahl der Mitglieder betrug Ende des Jahres 1997 33 177, darunter 875 weib- liche. Ende 1999 hatte der Verband 33 896 Mitglieder, darunter 815 weibliche. Die Zunahme in den beiden Jahren beträgt dem nach 719. Die Kassenabrechnung für beide Jahre zeigt eine Einnahme von 1 534 282 M., eine Ausgabe von 1 139 932 M. Das ergibt einen Ueberschuß von 394 359 M., dazu der Bestand am 1. Januar 1998 von 376 231 M., ergibt einen Bestand am?1. Dezember 1999 von 779 599 M. Einschließlich der Bestände in den Bezirkskassen be- trägt das Verbandsvermögen 774 898 M.— Für Unterstützungszwecke wurden in den beiden Jahren ausgegeben: An Kranke 239 476 M.. Arbeitslose 191 895 M.. Sterbegeld 25 929 M.. an Gemaßregelte 17 746 M., in Notfällen 15 994 M., infolge der Brau- steuererhöhung 14 364 M., Umzugskosten 2491 M., Rechtsschutz 17 537 M., Aussperrungen und Streiks im eigenen Beruf 93 324 M., in anderen Berufen Ä49 M.— Die Agitation erforderte eine Ausgabe von 96 891 M., die Lohnbewegungen kosteten III 439 M." Am Dienstag trat der Verbandstag in die Behandlung der Tagesordnung ein. Der Verbandsvorsitzende Etzel gab eine Uebersicht über die Tätigkeit des Vorstandes und die allgemeine Situation. Seine Ausführungen deckten sich im wesentlichen mit denen des gedruckten Berichts. Er konstatierte, daß die Lohnkämpfe des Verbandes einen großen Fortschritt in der Verkürzung der Arbeitszeit ge- bracht haben. Es sei gelungen, nicht nur die geregelte I9stündige Arbeitszeit festzulegen, sondern auch 9l4-. 9. und 8>4stündige Ar- beitszeiten seien errungen worden. Im ersten Quartal deS laufenden Jahres habe sich die Mitgliederzahl um 1915 vermehrt. Gegenwärtig habe der Verband die Mitgliederzähl von 35 999 über- schritten. Es gehe also vorwärts auf allen Gebieten. Der Kassierer K a g e l konnte auch einen erfreulichen Stand deS Kassenwesens feststellen und einen weiteren Aufschwung in- folge der Mitgliederzunahme in Aussicht stellen. Der Redakteur Krieg gab einen kurzen Bericht über das Verbandsorgan. ' Die im Bericht des Vorsitzenden berührte Frage der Grenz- streitigkeiten mit anderen Organisationen nahm in der Diskussion einen breiten Raum ein. Die meisten Redner brachten Einzelfälle von Grenzstreitigkeiten vor und wünschten, daß die General- kommission eingreife, um den Streitigkeiten ein Ende zu machen. Fast in allen Fällen handelt eS sich um Differenzen mit dem Zentralverband der Maschinisten und Heizer. Mit einem Anflug von Humor bemerkte ein Redner: Wenn wir keine Grenzstreitig- leiten hätten, würden wir uns nicht wohl fühlen. Ein anderer Redner trat dieser Ansicht entgegen, indem er betonte. eS müsse versucht werden, die Grenzstreitigkeiten zu beseitigen, denn durch sie würden die Mitglieder irregeführt.— Weniger zahlreich waren die angeführten Fälle von Grenzstreitigkeiten mit dem Transport- arbeiterverband.— Eine andere Frage, über die MeinungS- Verschiedenheit herrschte, war die Ablösung des Freibieres. Etzel batte zur Vorsicht in der Aufstellung dieser Forderung bei Lohn- bewegungen gemahnt und mehrere Redner stimmten ihm darin zu. Die Ablösung wurde deshalb für bedenklich erklärt, weil in der Regel eine viel zu geringe Lohnentschädigung als Ablösung des Haustrunkes gewährt werde. Man müsse den vollen Wert deS nichtgetrunkenen BicreS, welches ja einen Teil des Lohne? darstellt, verlangen. Von anderer Seite wurde die Beseitigung des Haus- trunkes im kulturellen Interesse gefordert. Ein Delegierter aus Heilbronn wie? darauf hin, daß die dortigen Brauer durch die Beseitigung des Haustrunkes dem Alkoholismus entzogen wurden und dann erst Interesse für die Veranstaltungen der Arbeiterschaft gewönne:: haben.— Gegen die Tätigkeit des Vorstandes wurden keine wesentlichen Einwendungen gemacht. Die meisten Redner erklärten sich mit derselben ausdrücklich einverstanden. Etzel bemerkte in seinem Schlußwort, die Ablösung des Freibieres müsse erstrebt werden, aber die Kollegen dürften sich nicht auf eine Abfindung unter dem tatsächlichen Wert einlassen, auch nicht darauf, daß mit der Ablösung zugleich der Tagelohn an Stelle des üblichen Wochenlohnes eingeführt werde. Zur Frage des Boykotts, die in der Debatte berührt wurde, sagte der Redner: Der Verband habe in letzter Zeit vom Boykott als gewerkschaftliches Kampfmittel wenig Gebrauch gemacht. Fast alle Lohnkämpfe seien ohne Boykott durchgeführt worden. Dieser dürfe auch nur rm Üußersten Falle angewandt werden. Doch sei die Organisation poch nicht so weite um ganz auf die Waffe des Boykotts verzichten l zu können. Sie werde deshalb bei künftigen Kämpfen die Ar- beiterschaft öfter zur Anwendung des Boykotts zu gewinnen suchen. Das würde nicht mehr nötig sein, wenn die Arbeiterschaft erst so weit wäre, daß sie Bier, welches von Streikbrechern hergestellt wird, auch ohne Aufforderung meidet.— Hinsichtlich der Grenzstreitigkeiten verwies Etzel auf einen Verbandstagsbeschlutz, wonach alle in Brauereien beschäftigte Arbeiter in den Brauereiarbeiter- verband gehören. An diesem Standpunkt müsse festgehalten werden. Nach einem Schlußwort des Redakteurs Krieg wurde dem Vorstande einstimmig Entlastung erteilt. Der Ausschußvorsitzende W i t t i ch- Frankfurt a. M. gab einen Bericht über eine Reihe von Beschwerden, die der Ausschuß während der Verichtszeit zu erledigen hatte. Damit war die Sitzung beendet. 13. Geueralversmmlllvg der Schuhmacher Deutschlands. Köln, 6. Juni. Die Präsenz weist 69 Delegierte. 19 Gauleiter. Vertreter vom Hauptvorstand und Ausschuß auf; als Gäste nehmen Sabath von der Generalkommission, Zinn er vom schweizerischen, Günther vom ungarischen Schuhmacherverband teil. Der Zentralvorsitzende, Landtagsabgeordneter Simon, gab im Borstanbsbcricht ein Bild der Tätigkeit, der Kämpfe, Erfolge und dem kleinen Rück- schritt des Verbandes in den letzten zwei Jahren; einer Zeit, wo der Beruf unter der schwersten wirtschaftlichen Depression zu leiden hatte. Der schwersten— denn diesmal sei, im Gegensatz zu den früheren Krisen, auch das Kleingewerbe in einer Weise be- troffen worden, daß zahlreiche Gehilfen darin arbeitslos wurden. Am 31. Dezember 1996 zählte der Verband 385 Arbeitslosenfälle; am 31. Dezember 1998 waren es 1799. Im ganzen hat er in den zwei Jahren 22 863 Arbeitslosenfälle mit 269 999 Mk. unterstützt beinahe 299 999 Mk. mehr wie in der vorigen Berichtsperiode. Rechnet man dazu die auch um 199 999 Mk. höhere Käankenunter- stützung, so hat man ein Bild von der Schwere der Krise auch für baS Schuhmachcrgewerbe. In dieser trüben Periode konnte man nicht auf einen neuen und gewaltigen Aufschwung der Organisa» tion rechnen. Doch trotz der großen Unterstützungsausgaben hat der Verband, wie der Kassierer erweisen konnte, in finanzieller Be- ziehung noch eine Kräftigung erfahren, indem bei 1 999 999 Mk. Gesamteinnahmen und 1 524 999 Mk. Gesamtausgaben das Ver bandsvermögcn von 449 999 auf augenblicklich 466 999 Mk. stieg. Aber auch in jeder anderen Beziehung hat der Verband die Probe auf seine Widerstands« und Leistungsfähigkeit gut bestanden. Es will angesichts der allgemeinen verheerenden Wirkungen der Wirt- schastskrise nicht viel bedeuten, daß er etwa 1899 Mitglieder ver- lor. Und schon macht sich wieder ein neuer Zug nach vorwärts und aufwärts bemerkbar. Das erste Quartal dieses Jahres schloß mit 37 495 Mitgliedern ab, so daß damals nur noch ein Minus von kaum 799 Mitgliedern vorhanden war. Hält der kleine Wirtschaft- liche Aufschwung weiter an, so wird der Mitgliederverlust nicht nur bald wieder eingebracht, sondern weit überholt sein. Der Verband hat in der Berichtsperiode eine Statistik über die Verkürzung der Arbeitszeit aufgenommen, die erweist, daß manche Stunde Fronarbeit dem ausbeutenden Kapital abgerungen und den Proleten des Schuhmacherberufes wieder- gegeben wurde. Im Jahre 1996 hatten 12 844 Schuhwarenarbeiter eine 8 9)4 stündige Arbeitszeit, 1999 waren es 22 851 geworden. 84 hatten 8— Zuständige Arbeitszeit, deren Zahl ist auf 155 ge stiegen. Dagegen ist die Zahl der Arbeiter mit einer 9U— 19stün digen Arbeitszeit von 38 367 auf 35 112 gesunken, die Zahl derer mit 19— llstündigen Arbeitszeiten von 11 986 auf 7432, die mit noch längeren Arbeitszeiten ist von 256 auf 113 zurückgegangen. Die Zahlen in den Rubriken mit laugen Arbeitszeiten sind um Tausende zurückgegangen, während die Zahlen in den Rubriken mit den kürzeren Arbeitszeiten um mehr als zehntausend in die Höhe gegangen sind. Schon das allein legt Zeugnis ab von der Leistungsfähigkeit der Organisation auch während der Krisenzeit, die aber noch viel mehr erwiesen wird durch die gesamten Wir- kungen der Lohnbewegungen und Kämpfe. In 137 Fällen suchten die Arbeiter Verbesserungen durchzusetzen, in 139 Fällen versuchten die Unternehmer Verschlechterungen einzuführen, ivas sie aber nur in 23 Fällen mit 469 Beteiligten erreichten. In der überwiegen- den Mehrzahl der Fälle konnten die kapitalistischen Attentate auf die freie Zeit und den Lohn der Arbeiter zurückgeschlagen und so bedeutende Werte für die Arbeiter durch die Macht der Organisa. tion gerettet werden. Nach dem Bericht deS Kassierers R e u h ging AuSschußvor sitzender H a u p t» Magdeburg auf eine Anzahl Beschwerdefälle gegen Entscheidungen deS Vorstandes ein, die sich auf abgewiesene Unterstützungsansprüche und Proteste gegen Ausschluß aus dem Verbände beziehen. Einige der Abgewiesenen haben Appelle an den Verbandstag gerichtet. Als Haupt geendet, setzte sofort eine ziemlich leidenschaftliche Diskussion um einen dieser Fälle ein. Dienstag wird die Be- sprechung deS Rechenschaftsberichtes fortgeführt. einen großen Teil der Kollegen arbeitslos. In Berlin ist es viel schwieriger als anderswo, in anderen Berufen während der schlech- ten Konjunktur unterzukommen. Die Vorschriften für die Lohn- bewegungen sind zu streng; sie sollten abgeändert werden, da sich die Kollegen nur selten danach richten. P f i tz n e r- Dresden: In Guben hat Streich-Berlin gesagt, daß die schlechten Abschlüsse an der hohen Arbeitslosenunterstützung liegen, die durch den Arbeitsnachweis hervorgerufen sei. Diese Art Arbeitsnachweis hat sich überlebt, sie sollte abgeschafft werden, da sie dem Verbände Geld kostet und nur den Unternehmern Nutzen bringt. Es wäre eine falsche Taktik, das Streikreglemcnt abzu- ändern, weil sich die Kollegen nicht danach richten. Meiner Auf- fassung nach ist es überhaupt noch nicht scharf genug. Die Ber- liner sollten doch einen Beamten anstellen. Bei der Ausdehnung der Stadt, können sie den Beruf gar nicht überschauen. Diese Ausführungen ziehen noch eine weitere lebhafte Debatte über die Berliner Angelegenheiten nach sich. Eine Reihe minder wichtiger Punkte werden in der Debatte gestreift. Einige Redner erheben gegen den Vorstand den Vor- wurf, gelegentlich einer Agitationstour Stimmung gegen einen Luckcnwalder Antrag auf Urabstimmung über die Einführung der Erwerbslosenunterstützung gemacht zu haben. Dadurch habe er seine Macht mißbraucht. Einige süddeutsche Delegierte erklären aber diese Auffassung für falsch. Darauf wird die Sitzung vertagt. Zehnte Gelltralversamvllnng des Zentraloereins der in der Hnt- und FllMrevindnstrie beschäftigten Arbeiter. Altenburg, 6. Juni 1910. 1. BerhandlungStag. Die Generalversammlung ist beschickt von 38 Delegierten. Die österreichische Bruderorganisation vertritt F l e m i s ch- Wien und die Generalkommission U m b r e i t» Berlin. Genossin Ihrer vom Blumenarbeiterverband wird sich noch im Laufe der Tagung einfinden. Nach der Wahl der Leitung und verschiedener Kommissionen wird der Geschäftsbericht entgegengenommen, den M« tz s ch k e erstattet. Wir haben das wichtigste schon nach dem gedruckten Bericht wiedergegeben. Siefer t erstattet darauf den Kassenbericht. An Hand einer Statistik weist er nach, daß es falsch ist. zu sagen, die zweite Beitragsklasse lebe sozusagen von der ersten. Man könne eher vom Gegenteil sprechen, ihre Abschaffung wäre ein großer Fehler. Berlin arbeitet schlecht. Es hat im Verhältnis am meisten gebraucht. Vielleicht liegt dasder auf Abschaffung der Arbeitsbücher für er- wachsene Arbeiter. In Oesterreich, das einst— in den feudalen Zeiten eines Baleredi und Taaffe— in der Sozialpolitik voran- schreiten wollte, hat die Vertretung des Bürgertums im vierten Jahre des allgemeinen, gleichen Wahlrechts beschlossen, diesen Uriasbrief der Arbeiter beizubehalten. Mit großer Mehrheit lehnte'der„Sozialpolitische" Ausschuß des Abgeordnetenhauses den sozialdemokratischen Antrag auf Abschaffung des zu einem Hilfswerkzeug für die schwarzen Listen gewordenen Arbeitsbuchs ab. nachdem die Regierung eine nicht ablehnende Erklärung ab- gegeben hatte. Die deutschnationalen Arbeiterfreunde hatten ebenso wie die christlichsozialen..Arbeitervertreter" mit den Bür- gerlichen gestimmt, und bloß der Wiener Demokrat Dr. Ofncr, zwei klerikale Slowenen und ein radikaltschechischer-Sozialer" stimmten für ihn._ Darf Arbeit entzogen werden? Der Buchbinder B. hatte von der Firma B. Borchardt Nachfl., Inhaber M. Meyer, ein Dutzend Aktenmappen zum Lohnsatz von 36 M. zur Anfertigung erhalten. B., der im eigenen Heim für mehrere Geschäfte arbeitete, hatte die Arbeit nicht schnell genug fertig gestellt. Nachdem er auch auf die Mahnung, daß es eilige Arbeit sei, noch nicht lieferte, wurde ihm die Arbeit wieder weg- geholt. Die bereits daran geleistete Arbeit bewertete B. auf 15 M., die er nun beim Gewerbegericht einklagte. Der Beklagte wendete ein, daß ihm die Fertigstellung der Arbeit 34 M. gekostet habe, die verbleibenden 2 M. erkenne er dem Kläger zu schulden an. Auf Befragen wird vom Beklagten zugegeben, daß die vom Kläger be- reits geleistete Arbeit mit 15 M. zutreffend bewertet ist und daß dem Kläger«ine Lieferfrist nicht gesetzt worden ist. Das Gewerbe- geeicht verurteilte deshalb den Beklagten entsprechend dem Klage» antrage._ 75 M. an die Armenverwaltung für Nichterfüllung eines Arbeits- Vertrages. Die Firma A. u. L. Kohn hatte eine Frau Krüger als erste Färberin auf ein Jahr vom 1. Juni ab bei einem Monatsgehalt von 175 M. engagiert. Frau K. ließ sich aber von ihrem bisherigen Arbeitgeber zum Verbleiben bei ihm überroden. Sie schrieb des- halb der Firma Kohn, daß sie von dem Vertrage wieder zurück. trete. Damit war die Firma nicht einverstanden. Sie verklagte Frau K. beim Gewerbegericht auf Erfüllung des Dienstvertrags und im Weigerungsfalle AnHaltung dazu durch Gerichtsstrafen. Schließlich war die Firma bereit, auf einen Vergleich mit der Be- klagten einzugehen, indem sie diese vom Vertrage entbinden wollte. wenn Beklagte eine Entschädigung von 75 M. zahlt. DaS Gericht riet der Beklagten zu dem vorgeschlagenen Vergleich. Die Klage- rin wünschte, daß diese Summe nicht an sie, sondern am 1. Juli an die Armenverwaltung der Stadt Berlin gezahlt wird. Die Klägerin ging darauf ein. GericKts- Deining. Von einer anonymen Denunziation. Der SekretariatS-Assistent BeyerhauS vom Kaiserlichen Eta» tistischen Amt hatte im vorigen Jahre neben seinem Sommer- urlaub wegen Krankheit noch drei Wochen Nachurlaub erhalten. Demnächst erhielt das Statistische Amt einen Brief, der„E. Vogt" unterzeichnet war. Darin wurde ausgeführt, daß BeyerhauS keines Nachurlaubs bedürfe, weil er gar nicht krank fei, sondern sich nur verstelle. Cr treibe sich nachts herum.— Herr Beyerhaus. dem der Inhalt des Briefes vorgehalten wurde, suchte nach dem Verfasser. Die Unterschrift legte es ihm nahe, es mit einer Be- leidigunaSklagc gegen den in der Nähe wohnenden Schriftsetzer Joseph Vogt zu versuchen. Jedoch ergab alsbald ein Schriftver- gleich, daß Vogt nicht der Schreiber sein könne. B. bemühte sich natürlich, dem wirklichen Denunzianten auf die Spur zu kommen. Eine Kartenlegerin, zu der er ging, gab ihren Orakelspruch dahin ab, daß er den Briefschreiber nicht unter Fremden, sondern unter seinen besten Freunden suchen solle. Von einem schwarzen Herrn drohe ihm UebleS.— Tatsächlich hatte B. einen Freund, der chwarz ist, den Geheimen Kanzleisekretär Mrowitz beim Reichs- marineamt. BeyerhauS will weiter kein Gewicht auf daS Orakel der Hellseherin gelegt haben. Er hegte zunächst auch keinen Ver- dacht gegen Mrowitz. Mit ihm unterhielt er sich öfter über die Sache, wobei dann Mrowitz den Denunzianten kräftigst ver- wünschte. Auch gab bei solcher Gelegenheit Mrowitz die Versiche- rung ab, daß der Briefschreiber kaum zu ermitteln sein werde. weil derartige Schriftstücke von den Behörden nicht im Original ausgeliefert zu werden pflegten. Beyerhaus war indessen schon im Besitz des Originalbriefes. Ein Vergleich mit der Handschrift des Geheimen Kanzlcisekrctärs Mrowitz führte ihn schließlich zu der Annahme, daß der Freund der Schreiber sein müsse. Er ver- klagte ihn wegen Beleidigung. Mrowitz bestritt die Anschuldigung. Das Landgericht III als Berufungsinstanz hörte 16 Zeugen und drei Schrcibsachverständige. Die Zeugen wurden namentlich über die Charaktereigenjchaften des Herrn Mrowitz gehört. Mehrere einer Kollegen vom Reichsmarineamt bekundeten verschiedene Fälle, wo sie bei ihren Vorgesetzten ohne Grund verklatscht und verdächtigt worden sind. Sie waren nach Lage der Umstände über- zeugt, daß der Zuträger nur Mrowitz gewesen sein könne. Aller- jings hätte er, wenn er zur Rede gestellt wurde, immer versichert: „Ich bin es nicht gewesen, so wahr Christus am Kreuze hing."—- Der Angeklagte bestritt alles und berief sich auf das Zeugnis einiger Vorgesetzter, welche bekundeten, M. habe bei ihnen keine Kollegen denunziert.— Auf Grund der Zeugenvernehmung und der Gutachten der Schreibsachverständigen kam daS Landgericht zu der Feststellung, daß Mrowitz den Brief geschrieben habe und ver, urleilte ihn zu einer Geldstrafe San 200 Mar?, tvobei es auSführke, daß die niedrige Gesinnung beim Strafmast zu berücksichtigen sei. Gegen das Urteil legte Mrawitz Revision ein. Der zweite Strafsenat des Kammergerichts verwarf jedoch geltern die Revi- sion als unzulässig. Sie richte sich in unzulässiger Weise nur gegen die BetveiSwürdigung des Vorderrichters. Der Anwalt habe am Schlüsse der Revisionsschrift dies auch selbst zugegeben und be- merkt, dast er nur den entsprechenden Wünschen des Angeklagten gefolgt sei. Damit sei auch der Gesetzesbestimmung nicht genügt, wonach ein Anwalt die Revision zu verfassen habe, falls sie nicht in der GerichtSschreiberei zu Protokoll gegeben werde. Eine„Dcmonstrationssache" kann nicht mit Freisprechung enden, das ist die Meinung der Staatsanwaltschaft. Kommt es vor dem Amtsgericht zu einer Frei- sprechung, so legt sie Berufung ein, um womöglich vor dem Land- gericht eine Verurteilung durchzudrücken. Auch gegen einen Stell- macher Barchardt, der am 18. März den Schutzmannsbefohl, weiter» zugehen, nicht befolgt haben sollte, aber vom Amtsgericht Berlin» Mitte(141. Abteilung) freigesprochen worden war, hatte die Staatsanwaltschaft dgrch Berufung das Landgericht I Berlin mobil gemacht. Vor der 8. Strafkammer(unter Vorsitz des Landgerichtsrats Pauli), die am Montag zu entscheiden hatte, blieb der Angeklagte bei seiner Darstellung, er habe am 18. März mittags etwa um %1 Uhr, am Landsberger Platz auf einer Bank gesessen, sei samt anderen durch Polizei aufgescheucht worden, habe weitergehend von einem Schutzmann einen Stoß in den Rücken bekommen, undt sei nach wiederholten Versuchen, den Beamten zur Nennung seiner Nummer zu veranlassen, schliesslich auf Anordnung eines von Bor- chardt selber angerufenen Polizeileutnants festgenommen worden. Zeuge Schutzmann Off, der ihn„weitergeschoben" hatte(in der Verhandlung vor dem Amtsgericht sagte er selber:„weiterge- schubst") und ihn später festnehmen mustte, bekundete. Borchardt Hab« nur zögernd sich entfernt, sei immer wieder stehengeblieben und habe ihn von oben bis unten angeguckt, wie wenn er sagen wollte:„Was hast Du mir zu sagen!?" Die Nummer habe Off sofort genannt, sogar mehrfach. Der Verteidiger, Rechtsanwalt Dr. Kurt Rosenfeld, hält dem Zeugen vor, in dem Termin vor dem ZlmtSgertcht habe er nicht so bestimmt behauptet, dast B. immer wieder stehengeblieben sei; wäre daS der Fall gewesen, so würde Off ja auck) selber und nicht erst auf Anweisung des Leutnants sjegen B. eingeschritten sein. Off antwortete erregt, beklagte sich über„Verdrehung" und holte sich vom Verteidiger eine Zurecht- Weisung. Auch Schutzmann Kunz sagte aus, B. sei mehrfach stehen- geblieben. Als auch er die Vorhaltung deS Verteidigers, dass er vor dem Amtsgericht sich minder bestimmt ausgedrückt habe, für unzutreffend erklärte, fragte der Verteidiger:„Ja, woher denn dann die Freisprechung?" Arbeiter Hoeckcndorff bekundete, er sei mit Borchardt von der Bank aufgescheucht worden, B. sei nicht stehengeblieben, sondern habe nur nicht schnell genug weitergehen können, weil viele vor ihnen gingen, und sei dann von einem Beamten weitergeschubst worden. Auch Hausdiener Ehlert und llhauffeur Sort bestätigen die Unmöglichkeit, in dem Gedränge rasch genug weiterzugehen, und den Stoß, den Borchardt abge» kriegt habe. Das Gericht hörte als Gegenstück noch die Aussage eines Schutzmanns Böttcher, der wieder nur wustte, dast B. immer wieder stehengeblieben sei und sich umgedreht habe. Der Staatsanwalt beantragte drei Tage Haft, weil B. durch die Bekundungen der Schutzleute, die allein richtig beobachtet haben Würden, überführt sei. Der Verteidiger beantragte Freisprechung. Was B. getan habe, hätten gerade seine Begleiter am besten sehen müssen. Die Aussagen der Schutzleute seien unzuverlässig schon deshalb, weil sie von ihren Bekundungen vor dem Amtsgericht, wie er aus seinen damals gemachten Notizen ersehe, erheblich ab« weichen. Das sei ja auch schon aus dem freisprechenden Erkenntnis des Amtsgerichts zu folgern. Eventuell seien dessen Vorsitzender samt den Schöffen zu laden, so dast vertagt werden müsse. Die Gereiztheit der Schutzleute, fügte der Verteidiger hinzu, ergebe sich übrigens daraus, dast nach Schluß der Amtsgerichts- Verhandlung auf dem Korridor aus ihrer Mitte den Entlastungs- zeugen zugerufen worden sei:„Euch kriegen wir alle mit Keile klein!" Nochmals wurden jetzt die Zeugen Sort und Hoeckrndorff borgerufen und hierüber vernommen. Beide bestätigten diese Angabe, konnten aber nicht sagen, welcher von den Schutzleuten ihnen das zugerufen hatte. Sluch die Schutzleute Off, Kunz, Bött- cher konnten keine Auskunft geben. Das Gericht hörte jetzt zur nochmaligen Stützung der Anklage noch den Schutzmann Carstens an, der wie die drei anderen bekundete, Borchardt sei immer wieder stehengeblieben. Dann zog das Gericht sich zur Beratung zurück und fahte den Beschluß, zu vertagen und den Vorsitzenden jener Amtsgerichts- abteilung samt Schöffen, Amtsanwalt und Gerichtsschreiber zu laden, um festzustellen, was damals die Schutzleute ausgesagt' K«ben._ Unfug mit Waffen. Das schon so vielfach gerügte leichtsinnige Umgehen mit einer Schußwaffe hat wieder einmal einen überaus tragischen Unglücks- fall herbeigeführt, welcher gestern ein gerichtliches Nachspiel hatte. Wegen fahrlässiger Tötung verhandelte die 10. Strafkammer deS Landgerichts! unier Vorsitz des Landgerichtsdirektors Ungek gegen den lüjährigcn Lehrling Willi Tradt. Der Angeklagte ist als Lehr- ling in dem Tapetengeschäft seiner Mutter in der Großen Frank- furter Strasse beschäftigt. Er war glücklicher Besitzer einer Browningpistole, mit der er trotz mehrfacher Verwarnungen wiederholt im Laden der Mutter spielte. Am 17. Dezember v. IS. erschien der zehnjährige Sohn des in demselben Hause wohnenden Schlächtermeisters Caspar in Begleitung seiner jüngeren ter in dem Tradtschen Laden. Der Angeklagte sag wieder einmal mit seiner Browningpistole hinter dem Ladentisch, angeb- lich, um die Waffe zu reinigen. Slnstatt nunmehr wenigstens die Pistole wegzulegen, spielte T. ruhig weiter, so dass der kleine Caspar noch zu seiner Schwester sagte:„Geh weg. Lotte, sonst trifft Dich der Schuß!" In demselben Augenblick entlud sich auch die Waffe. Mit einem lauten Aufschrei stürzte der Knabe, in den Kopf getroffen, zu Boden. Das Mädchen stürzte davon und holte den Vater hinzu, der zwei Aerzte benachrichtigte. Der schwer-- verletzte Knabe wurde sofort nach dem Krankenhaus am Friedrichs- Hain geschafft, wo er bald nach seiner Einlieferung verstarb.— Mit Rücksicht auf die alle Grenzen überschreitende Fahrlässigkeit des Angeklagten beantragte der Staatsanwalt eine Gefängnis- strafe von einem Jahre. Das Gericht erkannte auf sechs Monate Gefängnis._ Hus der Frauenbewegung. Zentrum und Frauenwahlrecht. Unter den nichtigsten Scheingründen hat sich bisher das Jen- trum stets gegen die Gewährung des Wahlrechts an die Frauen gewandt. Den Vogel in diesem Punkte aber hat unstreitbar der Zentrumsabgeordnete Dr. Paul Fleischer in seinem Referat ''-...... Frauentage, das jetzt in auf dem österreichischen katholischen Broschürenform vorhegt, abgeschossen ten lang die Frage, ob die Frau zur leischer behandelt 32 Sei- Teilnahme an den öffent- lichen Angelegenheiten im StaatSl'eben geeignet und verpflichtet sei. ES ist durchaus nicht verwunderlich, wenn der Zentrums- mann nach langen geistreichelnden Ausführungen zu einer glatten Ablehnung aller politischen Rechte an die Frauen kommt. Jnter- essant ist aber der Gedankengang und die Begründung des Vorzugs- weise in Arbeiterangelegenhciten machenden Abgeordneten. Die gewaltigste und segensreichste Frauenemanzipation hat nach Dr. Fleischer die katholische Kirche vollbracht, indem sie lehrt, dass sowohl Mann wie Frau einen gemeinsamen Vater im Himmel haben. Man sollte nicht glauben, dass man mit einer solch ab- surden„Gleichheitsidee" heute noch erwachsenen Menschen kommen könne. Zudem liehen sich ja dieser Behauptung zahlreiche AuS- sprüche der Bibel und aus den Schriften der Kirchenväter gegen- überstellen, dass von dem erwähnten Grundgedanken nichts mehr übrig blieb. Diesen der Kirche zu verdankenden Fortschritt führt aber Fleischer deshalb an, um zu zeigen, daß die katholische Re- ligion bedeutend weiter war, als der alte Heide— Sokrates, der nämlich seine Frau nicht für gleichberechtigt ansah—. Fast wie ein Witz mutet uns eine solche Beweisführung an. Dass der Frau im Gesellschaftsleben nicht die gleichen Rechte zukommen als dem Manne, stütze sich schon auf die physische Verschiedenheit der Ge- schlechter, insbesondere die Ungleichheit der Nerven-, Blut- und MuSkelbildung sei so groh, dast sie als gewichtiger Grund zur Verweigerung des gleichen Rechts angesehen werden müsse. Die „allgemein menschliche Bestimmung der Frau sei Gott zu erkennen, ihm zu dienen und dadurch daS ewige Heil zu erwirken". Der Stand der eigentlichen Vollkommenheit sei die Jungfräulichkeit, ihr sich zu weihen, sei das höchste—. Eine Seite weiter aber heißt es: „Wenn andererseits in einer ungläubigen Zeit das weibliche Ge- schlecht seiner natürlichen Bestimmung zur Mütterlichkeit ent- fremdet wird, ist es Pflicht der katholischen Müttervereine, öffentlich den Kampf für den mütterlichen Laus der Frau zu führen." Also der gottgewollten Jungfrauschaft sollen sich die Frauen widmen; nicht aber sollen sie aus der Not der Familie heraus ins praktische Leben treten. Ein sehr weiser Gedanke liegt auch in dem Satz, daß der Mann erst oann eine Familie gründen soll, wenn er im Stande ist. diese zu ernähren. Daß aber bei unS diese Möglichkeit immer mehr schwindet, daran ist nicht zum wenigsten die Partei des Herrn Fleischer schuld, der ja das Verdienst deS Zustande- kommenS der Brotwuchcrgesetze gebührt. Wer aber die Autorität des Herrn Fleischer anzweifelt, für den hat dieser Herr andere Mittel zur Hand: denn bereits„der grosse soziale Papst der Neuzeit, Leo XIII", habe den Mann als das Oberhaupt der Familie bezeichnet und das wird doch wohl genügen. Von dieser„religionswissenschaftlichen" Beweisführung kommt Fleischer nun ins weltliche nehensächliche Detail, um hier die drolligsten Kapriolen zu schiessen. „Wenn in anderen Ländern Frauen beispielsweise zu Bei- sitzern für die G e w e r b e g e r i ch t e gewählt werden, so läßt das erkennen, dast dort die Gesetzgebung unter dem Einfluh eincS dem Christentum und der Kirche feindlichen Rechtes die wahre naturrechtliche Grundlage(Kirchenrecht bedeutet für Herrn Fleischer Naturrecht) zum Verhängnis des Staatswesens in stets steigendem Umfang verliert." Einen triftigen Grund gegen die Gewährung der politischen Rechte an die Frauen sieht der fromme Zentrumsmann auch in dem zelktveiligen Wochenbekk der Frau. d'aS die Ausübung ver Rechte illusorisch macht. Mit demselben Recht könnte man natürlich auch sagen: weil die Möglichkeit besteht, dast der Mann zeitweilig einmal krank werden kann, er also dann sein politisches Recht nicht ausüben kann, wollen wir es ihm lieber gleich ganz nehmen. Eine Informierung der Frau über die politischen Fragen wäre�„nur unter gröblichster Verletzung ihrer Pflichten als Gattin und Mutter denkbar". Recht nett macht sich auch folgender Gemeinplatz: „Wenn einmal der Frau das gleiche politische Wahlrecht ein- geräumt worden ist, so darf sie auch in seiner Ausübung nicht beschränkt werden. Der Mann, der durch seine Arbeit den Unter- halt der Familie bestreitet, hat kein Recht mehr, von der Gattin zu fordern, daß sie ihm und den Kindern das Mittag- oder Abendbrot bereitet, sobald sie ihre Zeit zur Befriedigung ihres. politischen BildungSdranges und den Vorbercirungen für die Wahlen widmen zu müssen glaubt." Mit solchen abgestandenen Redensarten kann wohl nur ein akademisch gebildeter Zentrumsmann argumentieren. Um deS Beifalls der Dummen sicher zu sein, zitiert der Herr Doktor das Beispiel der weiblichen Wahlpflicht. Nach deren Einführung „unter den Frauen ein Sturm der Entrüstung ausbrechen würde," der alle Suffragetten, die Vertreterinnen der in keiner Weise durchdachten Forderung, hinwegfegen würde. So geht eS von Gemeinplatz zu Gemeinplatz. Was aber den Wert der Broschüre ausmacht, sind die Ein- Wendungen des Verfassers gegen die halben Forderungen heutiger liberaler Frauenrechtlerinnen. So wollen die einen für die Frauen nur das aktive Wahlrecht, nicht aber das passive. Zlndere wieder wollen das Wahlrecht nur an gewerblich tätige, wieder andere wieder nur an unverheiratete Frauen gewährt wissen. Bei solchen unzureichenden Forderungen wird eS dem ZentrumSjcsuiten natürlich leicht, deren Unsinnigkeit und Jnkonse- quonz nachzuweisen und mit wahrer Gier nimmt er auch die Gelegenheit wahr. Für Fleischer bedeutet die Gewährung des politischen Wahlrechts an die Frauen den„Auflösungsprozeß der Familie", eine„neuheidnische Ethik, die den Glorienschein der Mutterwürde raubt und die menschliche Gesellschaft mit rasender Eile in den Abgrund deS sittlichen Verderbens führt". Schauerlich! Wer sollte bei dieser Teufelsbeschwörung nicht Angst bekommen! Was aber will Fleischer? Er ist der Meinung, daß die politischen Geschäfte in die Hand deS Mannes gehören, die Frau aber konpolitisch tätig ist, indem sie ihre Kinder im rechten Glauben erzieht, d. h.„die Keime der zukünftigen politischen Tätigkeit des Mannes legt," also ihre Knaben zu strammen Zentrumswählern erzieht.— Die Frauen zwar degradieren, sie als Geschöpfe zweiter Klasse hinzustellen, sie aber trotzdem aufzufordern, für den bedrohten Zentrumsbesitz zu wühlen. DaS ist so recht Jesuiten- manier. Wer aber dem„verhängnisvollen Werdeprozess müßig zuschaut, macht sich einer schweren Pflichtvergessenheit schuldig". Zum Schluß noch ein Ausfall auf die daS Gemüt des ManneS vergiftenden Zeitungen und die„höchst zweifei« hafte Sittlichkeit" der„Wahlrechtsdamen". Das Ganze ist reichlich gespickt mit Zitaten— aus Goethe und Schiller— nicht weniger als 41 Zeilen der beiden Klassiker müssen aus dem Zusammenhang gerissen herhalten— um so auch dem Ragout das Mäntelchcn weltlicher Wissenschaft umzuhängen. Das Ganze ist ein plumper Jcsuitentrick, aus dem ersichtlich, mit welch gemeinen Mitteln die ultramontanen Schleicher noch arbeiten. Aber gerade diese Schmähungen und verzweifelten Kapriolen eigen der klassenbewußten Arbeiterschaft, dass sie mit ihrer alten Forderung auf dem rechten Wege ist..! Amtlicher Marttdericht der städtischen Marttdallen-Dtrektlon über den Großhandel tn den 8«n>raI-Marktbnllen. Marktlage« Fleisch: Zufuhr genügend, Geschält ruhig. Preise unverändert. Wild: Zufuhr ge- nüaend, Geschäft reg«, Preise bcsriedlgend. Geslügel: Zusuhr reichlich, Geschäft ruhig. Preise nicht besvieMgend. Fische: Zufuhr ziemlich reichlich, Keichäst ruhig, Preise wenig verändert. Bulter und Käse: Ge> schäft ruhig, Preise unverändert. Gemüse, Obst und SüdsrüchU» Zufuhr genügend, Geschäft ziemlich rege, Preis» wenig verändert. «asserstandS-Nachrlchte» der LandeSanstalt für Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berlin»» Wetterbureau. Wasserstand M e m e l. Tilüt P r e g e l, Jnfterburg Weichsel, Tboru Oder, Natibvr . Kvossen , Fvanksurt Warthe, Schrinlm , ttandsberg Rehe, Poroamm Elbe, Ltitmerii , Dresden , Bnrbv , Magdeburg seit S. 6. orn1) -5 0 —8 -6 44 42 0 410 —1 -4 ')+ bedeutet Wuchs,— Fall. Uniervegel. Krftndnng für Dreherei. Die vom kasserlichen Patentamt geschützte Vorrichtung Nr. 413541, mit welcher die Wechselräder okine zu rechnen für Gang und Mtllimelcrgewinde für Drehbänke mlt einer Leitspindel von S, 2>/,, 3, 4, S und S Gang aus 1" engl. in wenigen Sekunden zu ermitteln sind, ist jetzt zum Preise von 60 Pf. zu beziehen durch des„Vorwärts" Berlla 8W. Lindenstr. 69(Laden). 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Heute Nitwoch?ah!abenä in alien llkzirlten Groß«Berlins. Partei-?Znge!egenkeiten. Zweiter Wahlkreis, Fricdrichstadt. Mittwoch, den 8. Juni er., 'abends'/zIZ Uhr bei Julius Meyer, Oranienstr. 103: Zahlnacht für Buchdrucker. Slereotypeure usw. Tagesordnung: 1. Geschäftliches. 2. Aussprache über: Sisyphusarbeit. Guten Besuch erwarten Die Bertrauensleute. 4. Wahlkreis. In der Generalversammlung unseres Wahlvereins am 14. Juni kommen die Anträge aus.Einsührung der Vorstands- wähl durch Urabstimmung" sowie der Antrag„die Entschädigung der Funktionäre" zur Verhandlung. Der Vorstand. Halensce. Der heutige Zahlabend für den ersten und zweiten Bezirk wird gemeinsam beim Genossen Schwachenwald, Kurfürsten- dämm 137, abgehalten. Genosse Hinrichseu hält einen Vortrag. Treptow-Baumschulcuweg. Am heutigen Zahlabend sind in allen Bezirken Billetts für die Ton-, Zement- und Kalkindustrie-AuZ- stellung zum ermäßigten Preise von 30 Pf. zu haben. Der Vorstand. Neuenhagen a. Ostbahn. Heute, abends 8 Uhr. Zahlabend bei Wordtmannn« ihren freien Sonntag, und zum Beweise dafür, datz fie darüber alle» eher denn erfreut waren, meldeten sie«S unserem Breslauer vruder- blatte, damit e» die Tatsache veröffentliche.— Selbstverständlich hatte kein Mensch daran gedacht, Rache für die.Elenden' z« nehmen. Ja, ein drolliger Zufall brachte sogar einen dieser Elenden i« enge Be» rührung mit dem Kronprinzen: Beim Verlosungsrennen zog der Kronprinz daS LoS, die Nummer wurde aufgerufen und als glück- licher Gewinner deS Rennpferdes erschien zur großen Ueberraschnng aller ein— ausgesperrter Bauarbeiter namin« Ernst Bittermann auS Hartlieb bei Breslau, der 750 R. in bar für da» Pferd erhielt und nunmehr die Aussperrung leicht erwägt. Der Kronprinz wird nicht sehr erbaut gewesen sein, als er hörte, datz einer jener.Elenden' durch ihn soviel Geld gewonnen hat. Explosion dnrch eine» Blitzstrahl. Während eines Gewitters, da» am Dienstag na chmkUog km Rheinland niederging, traf ein Blitzswahl ein Gebäude der Kar» bonidfabri! in Schleebusch bei Köln. Da« Gebäude geriet in Brand und bald erfolgte eine heftige E x p l o s i on, die im Orte große Beschädigungen angerichtet hat. Besonder? schwer be� troffen wurde die Kleinbahnzentrale, die vorläusig ihren Betrieb einstellen mußte. Auch in der weiteren Umgebung de» Dorfes wurde durch die Explosion großer Materialschaden angerichtet. Selbst in den Vororten Kölns erlitten einige alte am Rhein be» legene Häuser Risse; Schaufenster wurden zertrümmert und an anderen Stellen Hänser abgedeckt. Mehrere Per- sonen erlitten durch die Explosion Verletzungen; jedoch ließ fich bisher nicht feststellen, ob das Unglück auch Menschenleben gekostet hat. Glücklicherweise war die Arbeit m der Fabrik nach der Mittagspause noch nicht wieder ausgenommen worden, sonst wäre die Zahl der Verunglückten sehr groß gewesen. Ein„Oberlicht"-Feind. Einen besonders sittenstrengen Seelsorger scheint die Pfarr« gemeinde Hattingen(Baden), zu besitzen. Die Tochter eine« der angesehensten Familien deS OrteS, ein anständiges und hochachtbares Fräulein, hatte das Mißfallen deS Pfarrers dadurch auf sich gezogen, datz eS sich erlaubte, eine moderne Bluse anzuziehen, d i« den HalS frei lätzt. Nachdem der 5-rr Pfarrer zweimal vorher sein Mißfallen darüber ausgedrückt hotte, kam da» Mädchen vergangenen Sonntag dennoch wieder mit dem Kleidungsstück an- getan in den Nachmittagsgottesdienst. DaS vcranlatzte nun den Prediger der Nächstenlicde, wie die.Neue Konstanzer Abendzeitung' verbürgt mitteilt, zu folgenden Aeutzerungen. Er sprach von .Pariser Lumpenmenscher-Mode'»md erklärte, daß in seinen Augen«in Mädchen, daS kein Schamgefühl besitze, eine Dirne sei, vor der er keine Achtung habe. Da sich der Pfarrer außerdem im Privatgespräch über die Bluse deS Mädchens abfällig geäutzert hatte, war niemand im Zweifel, wer gemeint war. Kleine Notizen. Durch Spielen mit Streichhölzern entstand am Montag in dem Dorfe Zelazno(Provinz Posen) ein grotzcs Feuer, oer dem 28 Gehöfte mit insgesamt 60 Gebäuden nrederbranntcn. Zwei Kinder werden vermißt. In den Flammen ging auch viel Vieh zugrunde.. �» Bei einem Gewitter, das am Montag über den A r e n o s e e bei Stendal zog, kenterte ein Boot; drei Insassen er- tranken. � Erschossen wurde in Mcnnrat ber Rheindahlen während eines Streites der Landwirt Lenßen von einem Arbeiter Schild. Ein Sohn des Erschossenen ergriff eine Sense und durchschnitt damit dem Schild den Hals bis auf dieWir» b e l s ä u l e. so daß Schild sofort tot war. Beim Baden ertranken am Montag nachmittag in dem Dorf- wiche in Langensalzwedel bei Tangermünde ein zwöls- jähriger Knabe und ein dreizehnjähriges Mädchen. Der Knabe hatte ein andere» Mädchen, da» in Lebensgefahr war. gerettet und ging bei dem Versuche, auch das zweite zu retten, selbst mit unter. Ein Todesmarsch. Anläßlich der GebirgSmanbver in Dal» rn a t i e n flnd bei einem ISstündigen Marsche, der bei grötzter Hitze unternommen wurde, 200 Soldaten erlrankt, 83 davon sollen zu weiterem Militärdienst untauglich geworden sein. Sozialdemokratischer Lese» und Diskuticrklub.Heine'. Heut« abend 8'U Uhr: Sitzung bei Bolze. Rodendcrgstrake 8. Gälte willkommen. ßriefhaften der Redaktion. Inrlfttsche Svrcchftunde flnbe» Stnb.nftra�« 93r.©9, dorn W*t Trevvcn— a b r fl» h I—, woidkNiägltch von bi? 7>/2 Ubr ob«,,»» ftatt. Jeder Zlnsran? ist ei» Vuchslabe und ei»->!>> nie Vicrk, eiche» dei»«fü«eu. Briefliche Antwort wird nicht erteil«. Eilige Arageu trage man in der Edrechstundc vor. R. G. 56. Beziehungen zum Staat Haien dieselben nicht Die Einstellung von Ausländern ist zulässig. Gesuche sind an den Magistrat zu richten. Die näheren Verbäiinisse ersahren Sic bei dein Verband der Gemeindearbeiler, Alle Jakobstr. 145.— I. 70. Derartige Geschäste finden Sie im Adrcsibuch, 2. Band, Teil IV, Seite 102.— Meine Tante, deine Tante 100. Der Lohn muß, wenn nicht gekündigt ist, sür die ganze Zeit, sür bra Fall der Kündigung bis zum Ailcus der Kündigunpssrist gezahlt werden. Etwaiges Krunlengeld kann angerechnet werden, wenn nicht die Krankheit durch den Dienst oder bei Gelegenheit desselben zu- gezogen ist. Ist das letztere der Fall, so findet eine Anrechnung nicht statt. — M. M. 50. Verlangen Sie von der Kasse unter Hinweis darauf, dasi der Beitrag von Ihnen beansprucht wird und daher die Kasse der An- ficht sein muß, dasi Sie Mitglied sind, die statutarischen Leistungen.— JW W. 1. Wenn die Erklärung der Frau der Wahrheit enfivricht und der Beweis für den Verkehr crbiacht werden kann: ja. 2. Der Ehemann komnit nur als Partei, nicht als Zeuge in Frage. 3. Die Kosten richten sich nach dem Objekt.— M. F. III. Im allgemeinen ist derjenige, der die Grabstelle gelaust oder gepachtet bat, zur Entfernung berechtigt. Die Ausübung dieses Rechts darf jedoch nicht aus Schikane erfolgen.— P. 3. Die Frage läsit sich ohne Kenntnis der näheren Umstände, insbesondere des Einkaufspreises, nicht beantworten. Sprechen Sie mit dein Bezirks- führ«.— O. 8. 18. Die Pfändung des MietZanfpruche» ist leib« zu» lä'fig. Kommen Sie unter Schilderung der Verhältnisse um Stundung ein. — Hennigsdorf. Der Satz in Stadthagens„Arbeiterrecht" bezieht sich, wie auch aus dem Zusammenhange klar ersichtlich ist. nur ans Fälle, in denen nicht eheliche Kinder als Erben in Frage kommen. Im übrigen ist der Standpunkt des Gerichts begründet, doch kann daS Gericht auch davon abgehen. Wir raten zu einer persönlichen Rücksprache mit dem Richter, bei der Sie ans die von Ihnen angeführten Momente und aus da« in Frage kommende Interesse der Kinder, deren gehörige Erziehung durch die Wicderverhciratung und die Beibehaltung der Wirtschast erst ermöglicht wird und denen Sie ja in Zukuusl Unterhalt leisten.— M. K. 18. Die grösierrn Fahrradwerke unterhalten sür ihre Kunden Lchrbahnen.— Emmi 3. S6. Arbeitcr-Wanderklub, Skalitzer Strasie 22 bei Fr. Wählisch. — 21. H. 88. 1. Für die Angehörigen ist während des HeilversobrenS eine Angehvrigcnunterstützung zu zahlen. Dies« beträgt, sofern der Ver- sicherte der Krankensürsorge unterlag, die Hülste des Krankengeldes, sonst ein Viertel deS für den Ort seiner letzten Beschäftigung oder seines letzten Aufenthalts masi gebenden ortsüblichen TagelohnS.— ,it. G. R. Die Herrschaft ist nicht verpfiichtet, das Mädchen zur Krankenkasse anzumelden. Sie hat aber die Verpflichtung zur Krankensursorg, und somit auch zur Bezah- lung der Arztkosten, wenn nicht die Kranlheik aus Vorsatz oder grober Fahr- lässigkeit deS AldädchenS bericht. Die Krankensürsorge ist bezüglich der Dauer unbeschränkt, wenn die Krankeit durch den Dienst oder bei Gelegenheit desselben zugezogen ist. Für diesen Fall darf auch nichts vom Lohn gekürzt werden. AnoernsallS ist die Krankensürsorge nur bis zur Dauer von sechs Wochen oder falls bei der Erkrankung bereits gekündigt ist, bis zur Beendigung des Dienst- Verhältnisses zu leisten. Eine nach erfolgter Erkrankung stattgehabte Kündi- Die verrfchast ist ab« in solchen Fällen tf während der Krankheitsdauer . bleibt auh« Betracht. Die rechtigt, die Kosten auf den geschuldeten Lohn anzurechnen.—' Becker. Vom Bundesstaat Preusien, nicht von einer Anzahl Provinzen.— C. W. 141. Welchen Berus Ihr Sohn ergreifen soll, können wir nicht lagen. Das müssen Sie aus Grund der Veranlagungen und Neigungen Ihres Sohnes de- urteilen.— H. Z. 47. Ja, aber nur. wenn die Auf- fchriften noch ihren Zweck erfüllten und nicht der Erneuerung bedutsteu. rLitteriinaStiberükbr vom 7. Juni 1010, morgeus 8 Ubr. Setter Swtnemd e. i 765 RRD Hamburg>765 NO Berlin 763NO i.aM.!76lNO ünche»>761 W Franst Münch Wien 4 heiter Lwolkenl 3 heiter 2 halb bd. 4 wolkig 759 WSW lwolkenl d* #"■ ß? Stationen || if Setter C* 8* wj, Haparanda 759 S 2 wölken! 10 Petersburg 768 WSW lwolkenl 14 -------, 13 Scilly Slberdeen Paris 760 ODO' 3Regen 772 NNW i 2 wolkig 762 WNW IbedelÜ 12 16 Wetterprognose für Mittwoch, den 8. Juni 1010. Vorwiegend heiler, am Tage sehr warm bei mäsiigen nordöstlichen Winde»: Gewitter nicht ausgeschlosseil, fönst trocken. Berliner Wetterburea�. Mittwoch, den 8. Juni. Anfang VI, Uhr. Neues königl. Qpern-Theater. Don Juan. Köuigl. Schauspielhaus. Strand- kinder. Anfang 8 Uhr. Lessliig. Kasernenlust. Deutsches. Uebcr unsere Krast. Kammerspiele. Jakob»md Kriftofier. Komische Oper. Dleverkauste Braut. Vtcnes Schauspielhaus. Der Flieg«. Kleines. Nur ein Trauin.(Ansang Uhr.) Berliner. Taifun. Neues. Die goldene Nitterzeti. Sieucs Operetten. Der Gras von Luxemburg. Thalia. Glück bei Frauen. Hebbel. Wem gehört Helene? Koketterie.(Ansang 8'/, Uhr.) Schiller«. libnüntt■ tbtaitx.) Die zärtlichen Verwandten. In Zivil. Sch-ner Tbarlottenbnrg. Die Liebe wacht. Friedrich. WtlbelmftSdtischeS. Sherlock HolmeS. Boltaoper. StaatSanwaU Alexander. (Anfang 8'/, Uhr.) Mole. Die Schmuggler. Luftspielhaus. Das Leutnants- Mündel. Mrtroool. Halloh ll— Die grosie Revue. Folieö Eaprtce. Da» Gespenst. Der Athlet. DaS VersöhnungS. lest. Die versolgte Unschuld. (Ans. 8',. Uhr.) Apviio. Spezialitäten. Wintergarten. Spezialität». Basinge. Spezialitäten. Sirichscalle». Stettin« Sänger. Karl Haderland. Spezialität» Walhalla. Svezialiiäien. Pratcr. Im Reiche de« Mar». Urania. Tn»ve»>,enfic 48/40. Abends 8 Ubr: Von d« Zug- spitze zum Watzmann. Strrnwnree. Iiivalidenstr. 57—62. l.essinx-IKeater. Täglich 8 Uhr: Kasernenluft. Theater und Vergnügungen iDOD U(ÄM Berliner Theater. Heute S Uhr- TslkUNo Morgen, Talkoi,. kieues fbezter. Abend« 8 Uhr: ll!ö glilllöne kitlemit. Morgen und folgende Tage: Olv goldene Rtttcnelt. Ncnei»" Operetten-Theater. Heute und solgende Tage 8 Uhr: Ter Eraf von Luxemburg. Sonntag nachmittag 3 Uhr, zu tr. mäsiigt. Preisen: Die Dollarprlnzestin Friedrich-WiitielnistädtiSGhes Schauspielhaus. Mittwoch, den 8. Juni, abend» 8 Uhr: Zum ersten Male: Sherlock Holmes. Detettwkomödie in 4 Akt» von Ferd, Bonn, Morgen und solgende Tage: _ Sherlock Holmes._ Volksoper. SW, Belle-Alliance-Strasie Nr. 7/8. Abends 8 Uhr: Staatsanwalt Aleiander. Lustspielhaus. Abend» 9 Uhr: Das Leutnantsmündel OSE-THMTE Grosie Frantjurler Str. 132. Ans. 8 Uhr, Ende 11 Uhr, Die Schmuggler. 1 Komödie in««"» D°n®'®4",,er- Morgen: Eittsöhrtg Uirsrettoillig. Aus der Kartenbübne: Theater. »orsirlluug. Spezialitäten.«Ir. Konzert. Anfang 4'/, Uhr,__ Gr. Berliner Kunstausstellung 1910 30. April biS 2. Oktober. Im Part täglich Doppel,«onzert. Eintritt: 10-6 Uhr 1 M,. v. S Uhr ab 60 Pf/ Sonntag» SO Pf. Dauert, 6 M. Urania. Wißsensohaftliches Theater Taubenstr. 48/49. Abends 8 übr: Von derZug/spitze zum Watzmann. Metropol-Theater Hallo!!! Die große Revue! In 8 Bildern von Jub Freund. Musik v. Paul Lincke. In Szene gesetzt vom Dir. Rieb. Schnitz. Antang 8 Uhr. Rauchen geetallet. Neues Programm 1 La Tortajada in ihrer neuesten Schöpfung: Abenteuer eine« Toreros. Les fleurs Polonaises in ihrer Szene: Ein polnisches Bauemlesi Amaun Mimiker und Charakteristiker und eine Kette henrorragender Kunstkräfte. AbendS 8 Uhr: DaS neue Kolossal> Programm! Abends 9'/, Uhr; Grete die weltberühmte Schimpansin. ! Passage-Tlieater. f Abends 8 Uhr: i Tartakoff > aa Bläöel W Mika Mikon � The Kaytous Zezelarette . und das groll«. 5 Variete-Programm. 5 Passage-Panoptikum. M Prinz Atom der kleinste Mensch, der Je gelebt. Buddhas Tafel weiß, kann, schreibt alles! Alles ohne Extra-Entree! Eintritt 60, Kinder, Soldaten 25 Pf. Relcbsbailen-Tlieater. Stettiner Sänger Künstler d. Landstraße. Musik. Ens. von Meysel. Ansang wochentags 8 Uhr. Sonntags 7 Uhr. TonnerStag, 16. Juni: Sir. cst.Soircc j. Bcncftz für Herrn stidolf Schräder zur Feier seiner 20jShrigtn Miigliedschaft bei den Stettiner Sängern. Billetts schon jetzt zu Haie». Schiller-Theater 0.(Wallner-Theat.) Mittwoch, abends 8 Ubr: Die zhrtllcli. Verwandten. Lustspiel in 3 Ausz. von R. Benedix. Hieraus: In Z1s-11. Schwank in 1 Akt v. Gustav Kadelburg. Ende 10-/, Uhr. Donnerstag, abends 8 Uhr: Her Bibliothekar. Freitag, abends 8 Uhr: Zapfenstreich. Theater. Schiller-Theater(Charlottenburg). Mittwoch, abend» 8 Uhr: Ille Lckebe wacht. Lustspiel in 1 Akten v. K. A, dc Eaillavet und Robert de FlerS. Ende 10'/, Uhr. Donnerstag, abend» 0 Uhr: Zapfenstreich. Freitag, abends 8 Ubr: »10 Hobba. Brauerei Frieöriehshain Am KOuiestor. Täglich: Große MiHtärsKonzerte. Jeden Dienstag nachmittags 3—6 Uhr: Frei«Vorstellung der beliebten Apollo-Sänger. Neu!£)eliaii- Tanzsaal. Neu! Mon Pläsier- Lachhaus Achtanc! Diez9 nur Achtung t Seeterrasse Siehtenbera Röderstraße 11/18. Zwischen Landsberger Allee und Rdderplatz. SröstteS nud schSustrS Lokal Berlins. Bei ungünstiger Witterimg Schutz für 8000 Personen.- Täglick): II« 0h echllel ob Regen; Cir]*. SlkOHZei*!. 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Große Extra-Elite-Borstellung! Einmalige SluffnHrung! 7 tthr: Ein gesutlder Junge. ai'htt und nachher: Die hervor- ragenden Juni-Spezialitäten. Ansang'/-ö Uhr. Kafieeküch« S Uhr. Im 20-00 Ps. «aisoiikarten gültig> Kinder aus allen Plätzen die HPste. Karl Haverland Ansang Theater, präz. 8 U. 77/79 Kcmmandantenstrasie 77/79. Täglich nur«rstkl. Spezialitäten. Da-�und«. Jnm-Arogr. Jennabend, Sonntaa, Mittwoch, Donnerstag: Ball. -Victor!»-> Brauerei, mtzowst. tn/nz Im Garten oder Saal: Täglich S!r. hamorlct, Soiree. (GesangSvortrüge. Theater und Barietä-Vorstellnngen.) Sonntag«, Dienstags, Donnerst. und Sonnabends: Tanzkränzchon. Ans.: Wochentags 8, Sonntag» 7 Uhr.— Alle BonS gültig. Im Restaur.: Mittagstisch 75 Ps. Gr. u. ll. Säle zu Fcstlichleiteu aller Art. Max Saeger. Vereins-Brauerei Rlxdorf, Hermaaostr. 214/219. Oekonom: Max WendL ■MV* THgUctt:-MMR Gr. Militär-Konzert, Anfang wochentags 7 Uhr. , Sonntag» 4 Uhr. 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Ziehung 5. KI. 222. Kgl. Preuss. Lotterie Ziehung vom 7. Juni, naohmittags. Kur die Gewinne Uber 240 Mark sind den betreffenden Nummern in Klammern beigefügt. (Ohne QewShr.)(Nachdruck verboten.) 17 127 76 529 851[500] 1016 122 54 258 468[500] 690 «50 2049 185[500] 228 313 406 58 57» 651[500] 803»02 3157 289 867 64» 910 78 4068 91 153 275 304 85 644 61 5013 28 97 192 803 11 45 450 669 875 84 0016 151 322 78 606 609 64 716 44 7010 49 381 471 700[1000] 0165 267 634 86 0097 198 234[500] 64, 62 70 863 10205 32 616[3000] 57 751 885»50[SOOO] 11608 778 «01 44 85 1 2692 6 38 776 1 3111 481 619 610 1 4078 683 «58 794 1 5300 89 410 558 59 705 63 847 912 1 0904[SOOO] 261 6«»3 408 80 793 8« 17011 202*22 29 TU 807 14 1 0120 *51 82[1000] 10315 447 938 60 20287 503 42 67 21114[500] 17 828 461 814[8000] 26 912 22137 227 54 888 545 659 76 779 913 68 86 87 23045 132 808 475 518 625 58 724 89 2 4015[5000] 66 448 641 654 2 5138 80 819 00 490 650 71 923 2 0072[1000] 150 [1000] 386 410 45 72[500] 817 985 2 7 086 23« 360 453 850 20290 680 1500] 710«15 20015 185 89 20» 24 488«48 70* 885 95»[500] 69 30108 13 18 218 80? 59» 85? 70 785[500]«98[8000] «71 31012 219 884 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Preuss. Klassen- Lotterie findet alalt am e. und 9. Juli 1910. Verantwortlicher Redakteur Richard Marth, Berlin. Für deg Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck». Verlag: VonvärtsBuchdruckerei u, Verlagsanstalt Paul Singer L- Co., Berlin LW.