Ur. 183. HbcnnemcntS'Bedlngnnsen: Abonnements• Preis pränumerando J Lierteljährl. 330 Mb, tnonatl. 1,10 Mb. wöchentlich 28 Pfg. frei ins HauS. Einzelne Nummer b Pfg, Sonntags. Eingetragen in die Post.Zcitungs. Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich. Ungarn 2 Mark, für das übrige Ausland Z Marl pro Monab Postabonncmenis nehmen an: Belgien, Dänemark, Holland, Italien, Luxemburg, Portugal, Äumänien, Schweden und die Schweiz. 37. Jahrg. Crftfctint tZgllch saSer mcntast. Vevlinev Volksblatt. Die Inlertions« Gebühr beträgt für die fcchsgefpaltene Kolonel» geile oder deren Raum 50 Pfg,, für politische und gewerkschaftliche Vereins- und Versammlungs-Anzeigen 80 Psg. „Alelne Hnrefgen", das erste fselt- gedruckte) Wort 20 Psg., jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlas- flcllon-Anzcigen das erste Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort 5 Psg, Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer niüsscn bis s Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet, Telegramm-Adreffe: „Sozialdcmohrat BtrllB**. Zentralorgan der fozialdemokrati fehen Partei Deutfchlands. Redaktion: SSI. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IT, Nr. 1983. Donnerstag, den 9. Inn! 1919. Gxpcdition: SM. 68, Lindcnstrasec 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984. SeMtmord des italienischen Reformismus? Aus Rom wird uns geschrieben: Das Organ der italienischen Konföderation der Arbeit behandelt in seiner Nummer vom 4. Juni den Vorschlag, eine Arbeiterpartei nach dem Muster der englischen Labour Party ins Leben zu rufen. Der Vorschlag geht von einem Genossen B i e l a t i aus und läuft darauf hinaus, eigene Gewerkschaftskandidaten aufzustellen und in der Kammer eine Fraktion zu bilden, die die Forderungen der Konfödera- tion der Arbeit vertritt, ganz von dieser abhängt und von ihr Diäten erhält. Unerwartet und neu ist der Gedanke nicht. Vor vielen Jahren schon hat ihm der inzwischen aus der Partei ausgetretene Genueser Rechtsanwalt Murialdi Aus- druck verliehen. Das Organ der Konföderation behandelt den Vorschlag mit offenbarem Wohlwollen.„Niemanden", schreibt es, „kann die Bedeutung der vom Genossen Bielati aufgeworfenen Frage entgehen. Der Gedanke, eine Parlamentsfraktion der Arbeit zu gründen, ist uns oft durch den Kopf gegangen und kehrt jedesmal wieder, wenn wir beklagenswerten Schauspielen des Politikantismus beiwohnen. Eine Parlamentsfraktion, die der Konföderation eng verbunden wäre, würde im Grunde nur die EntWickelung des Programms darstellen, das sich die Konföderation von Anfang an vorgezeichnet hat. Wie man die direkten Vertreter der Gewerkschaften in die technischen und beratenden Körperschaften des Staates wählt, so sollte man sie auch in das Parlament wählen. Gründe zugunsten dieser These haben wir im Ueberfluß; sie springen einem in die Augen und die Parteien der äubersteu Linken tun ihr möglichstes, um stets neue beizubringen. Trotzdem sind wir immer vorsichtig gewesen in der Aeuszerung in dieser Frage, weil es uns Pflicht schien, zu prüfen, ob wir reif genug sind. Wer gibt uns dafür Gewähr, daß die Gewerkschaftler anders oder besser sein werden, als die politischen Parteien? Ach, die Antwort war bis jetzt wenig ermutigend. Wieviel organisierte Arbeiter sind heute die wärmsten Verfechter einer reinen Parteipolitik, an Stelle der weitsichtigen Klasscnpolitik I Und dies sowohl in der sozialistischen, wie in der republikanischen Partei". Weiter führt das Blatt aus, daß der Mangel an Klassenkriterium die Gewerkschaftler zu einer kleinlichen Arbeiterpolitik triebe, die die Herrschaft der Bourgeoisie besser festige, als dies die Bourgeoisie selbst vermag. Es lvieder- holt aber, daß nur die Bedenken der mangelnden Reife dem Vorschlag entgegenstünden. Um eine Arbeiterpartei zu schaffen, brauchte man stärkere Gewerkschaften, ein anderes Wahlsystem und eine veränderte politische Erziehung. Da aber diese Dinge zum Erreichbaren gehören, wäre es gut, die Frage den Arbeitern zur Diskussion zu unterbreiten. Der„ A v a n t i" kommentiert seinerseits in der Nummer vom 4. Juni den Vorschlag und die Bemerkungen der Kon- föderation.„Obwohl wir dafür halten, daß die Frage noch nicht zu einer praktischen Lösung reif ist, so stellt sie doch ein Problem auf, das dielleicht das bedeutendste Problem unseres Partei- lebens ist. Solange die sozialistische Partei aus einem kleinen Kern von Kämpfern und Bekennern bestand, aus einer kleinen Schar von Vorläufern und Propagandisten, konnte das Problem nicht einmal gestellt werden. Waren denn die Sozialisten nicht die einzigen Vertreter der Arbeiter- klaffe? War die sozialfftische Bewegung nicht ein und das- selbe wie die Gewerkschaftsbewegung? Waren die Gcwerk- schaft und die Parteisektion nicht nach einem bis zu Tode ge- hetzten Bilde die beiden Beine eines Körpers? Aber heute schafft die EntWickelung der Dinge eine ganz andere Wirklich- keit. Heute haben wir auf der einen Seite eine Partei mit ihren absoluten Prinzipien und ihren taktischen Methoden, die aus traditionellen Formeln abgeleitet sind, mit politischen Be- dürfnissen, mit den Tugenden und Fehlern aller Parteien. Daneben haben wir einen umfassenderen Organismus, der aus Hunderttausenden von Arbeitern besteht, die den Klassenkampf nicht predigen sondern ihn kämpfen, die nicht ein zukünftiges Endziel beleuchten und fordern, aber Tag für Tag auf dieses ferne Ziel zuschreiten. Dieser Organismus umfaßt Arbeiter von verschiedener politischer Ueberzeugung: Sozialisten, Republi- kaner, Demokraten, Anarchisten. Welcher Art werden die Beziehungen, das Einvernehmen, die Abweichungen von der sozialistischen Partei f�in? Gelegentlich hat die Partei der Arbeiterbewegung vorgeworfen, zu sehr realistisch und zu wenig idealistisch zu sein; die Arbeiterbewegung ihrerseits hat der Partei vorgeworfen, sich zu sehr den politischen Anforde- rungen anzupassen. Die Arbeiter fordern soziale Reformen in kurzer Frist, die Partei ordnet sie gelegentlich Erwägungen ideellen Charakters unter. Die Partei paßt sich gelegentlich ihren politischen Zwecken an und die Arbeiterbewegung möchte, daß sie vor allem die hohen Ideale der Gewerkschaftsbewegung verträte. Daher wird die Anklage der Transigenz und In- transigenz von einem zum anderen geworfen, und das völlige, dauerhafte, schattenlose Einvernehmen wird nie erreicht." Dann schließt der Kommentar in derselben Weise wie der der Kon- föderation, indem er die Sache zur Diskussion stellt. Wir haben im Grunde die Reformisten nie für etwas anderes taxiert als für„Nurgewerkschaftler", daher befremdet uns das Verhalten des„Avanti" in dieser Frage nicht. Be- trachtet man aber die praktische Tragweite dieser Haltung, so muß man ihr eine große Bedeutung für das Parteileben zu- gestehen. Das Zentralorgan einer politischen Partei, die sich ihrem Programm und ihrer Geschichte nach als den Sach- Walter der Interessen des Proletariats ansehen muß, kom- mentiert mit wenigen akademischen Worten die Mitteilung, daß eine neue Partei nicht neben ihr, sondern im Gegensatz zu ihr erstehen will. Diese Gemütsruhe wäre erklärlich, ein- mal, wenn man der neuen Partei nicht die Kraft zutraute, die alte aufzusaugen oder dann, wenn man diese Aufsaugung für etwas Natürliches und Wünschenswertes hielte. Der erste Standpunkt ist einem italienischen Reformisten, der in der Vergötterung des Gewerkschastsivesens aufgewachsen ist, nicht zuzutrauen. Für den italienischen Reformismus haben die Gewerkschaften iminer recht; sie verkörpern für ihn die Macht und die geschichtliche Mission der Arbeiterschaft, und er stellt sie so hoch über die Partei, wie er die Praxis über die Theorie, den Empirismus über die Doktrin stellt. Wenn also heute das Zentralorgan der Partei das aufgeworfene Problem mit solcher Seelenruhe behandelt, so geschieht es einfach, weil es die Absicht, die Gewerkschaften in reformerischem Sinne zu leiten, leichten Herzens mit der der- tauscht, den Reformismus im Nurgewerkschaftlertum aufgehen zu sehen. Für die Reformisten ist Anpassung Trumpf. Ist sie unter Behauptung der Eigenart nicht möglich, nun so gibt nian eben die Eigenart auf und wird zur Arbeitspartei. Die Gemütsruhe des„Avanti" kommt eben daher, daß diese Lösung ihn gar nicht schreckt und der Auffassung seiner Richtung über das Zustandekomnien der sozialen„Erneuerung" gemäß ist. Wenn aber, nicht eine Partei, wohl aber die herrschende Fraktion einer Partei, mit dieser Seelenruhe das Ende ihrer Existenz betrachtet, so muß man sich fragen, ob es ihrer würdig sei, dieses Ende ganz von der Gnade der zu ihrer Nachfolge auserlesenen Arbeitspartei zu erivarten. Täte sie nicht besser daran, zurückzutreten, ehe sie verdrängt würde, faktisch zu verzichten, nachdem sie in der Idee verzichtet hat, die Mission aufzugeben, zu deren Erfüllung sie sich nicht mehr berufen fühlen kann, wenn sie mit so heiterer Fassung ihrem Nachfolger entgegensieht? Erfüllt die Partei ihre Pflicht gegen das Proletariat, so wissen wir nicht, was die neue Arbeitspartei soll. Erfüllt sie sie nicht, dann gibt es zwei Auswege: die Partei in dem Sinne umgestalten, der sie ihre Pflicht erfüllen läßt, oder die Partei aufgeben und ihre Aufgabe anderen überlassen, in diesem Falle der Gewerkschasisbewegung. Der italienische Reformismus hat sich durch den„Avanti" für diese zweite Alternative ausgesprochen. Ist das italieni che Proletariat. ist der kleine intransigente Flügel der italieni chen Sozialisten derselben Meinung? Soweit unser Korrespondent. Wir müssen gestehen, daß uns diese neueste Affäre aus dem italienischen Parteileben nicht sonderlich überrascht. So viele Jahre Reformismus er- trägt man eben nicht ungestraft. Es ist noch nicht sehr lange her. da wurden uns die italienischen Reformisten, diese geistreichen Professoren, ge- lehrten Literaten und glänzenden Schriftsteller, nicht nur von bürgerlicher Seite als nachahmenswerte Vorbilder gepriesen. Und genießen sie nicht in der Tat jene„Gleichberechtigung", die wir deutschen Sozialdemokraten entbehren müssen und deren Erlangung manchen unserer Genossen als schönstes Ziel er- scheint? Mit dem König sind sie beinahe per Du und dem Ministerium bewilligen sie mit Vergnügen das Vertrauens- Votum. Sie sind klug und weise und genügsam und nicht so dogmatisch, unduldsam und unbeugsam wie deutsche Sozial- demokraten. Und der Erfolg dieser von einigen deutschen Genoffen so hoch gepriesenen Taktik? Die Abtrennung der Arbeiterbewegung von der sozialistischen Partei, der nur die Wahl bleibt, abzutreten oder zu einer politischen Sekte zu erstarren, die den Arbeitern als eine Partei erscheint wie jede andere radikale Partei mit all deren Fehlern. In Deutschland dagegen war die Verbindung von Arbeiterbewegung und Partei, von Gewerkschafts- und politischer Bewegung nie inniger als jetzt. Die marxistische Taktik, deren oberste Richtschnur das Interesse der Arbeiterbewegung und nichts als dieses ist, hat ver- hütet, daß die Trennung der Arbeiter vom Sozialismus auch nur ein möglicher Gedanke ist. Die Sozialdemokratie und die Gewerkschaften sind bei uns nur verschiedene Ausdrucksformen derselben Arbeiterbewegung mit verschiedenen Funktionen, aber von demselben Geiste erfüllt. Daß es so geworden und daß es so bleibt, das ist die Folge der stetigen prinzipiellen marxistischen Aufklärung der Massen. Die Diskussionen, denen jede wichtige Aktion, alle neue Erscheinungen unterzogen werden, mögen im Auslande und bei den Gegnern oft als Zeichen der Schwäche gedeutet, oft als überflüssig und schädlich gewertet worden sein. Sie sind im Gegenteil nicht nur ein Z e i ch e n der Stärke, sondern selbst ein wichtiges Mittel der Stärkung. Sie zeigen den Massen selbst, worum es sich handelt, und lassen jeden Schritt nur geschehen, wenn er aus dem Willen der Massen selbst entspringt. Das mag den glänzenden Literaten und geistreichen Professoren, den Parlamentariern und' Schrift- stellern, manchmal sehr unbequem sein, es ist aber der einzige Weg, der zum Erfolg führt, zur Einheit aller Zweige der Arbeiterbewegung. Das aber ist das Wesen der marxistischen Politik, die jedem Sektenwesen feind ist, die nicht dogmatisch bestimmte Auffassungen an die Arbeiterbewegung heranbringt, sondern aus dem stets erneuten Studium der gesellschaftlichen Ent- Wickelung die Erkenntnis schöpft, das Klasseninteresse der Arbeiter gegen das Kapital auf allen Gebieten des gesell- schaftlichen Lebens zu verfechten. Und die marxistische Politik ist eben deshalb das Gegenteil der reformistischen Konfusion, die bald da, bald dort an das Bürgertum oder an eine rückständige Arbeiterschicht Konzessionen macht, deren Bedeutung sie nicht kennt, die glaubt, den Gegner überlisten zu können und stets zuletzt selbst überlistet ist, die immer damit endet, daß sie in der Hoffnung, durch Entgegenkommen Macht zu gewinnen, die wirkliche Ouelle der Macht jeder sozialistischen Partei verliert: das Vertrauen der Arbeiter- k l a s s e. Der italienische Reformismus scheint ja nicht mehr allzuweit von diesem Ende zu sein. Um die italienische Arbeiterbewegung ist uns deshalb nicht bange. Das energische, temperamentvolle, freiheitsliebende Proletariat Italiens wird den richtigen Weg schon finden und wir können nur bedauern, daß der Mangel an marxistischer Schulung ihm so manchen Umweg und Irrweg aufnötigt, der ihm sonst er- spart bleiben könnte._ Die Ciebesgabe für die IKrone. Herr v. Rheinbaben erzählte bekanntlich am Dienstag dem Abgeordnetenhause, daß die S'/a Millionen-Liebesgabe für die Krone um so notwendiger sei, als das Privatvermögen der Krone nur gering sei. Was der Finanzminister unter„gering" versteht, ergibt sich schon aus seiner weiteren Bemerkung, daß die Krone das Besitztum der verstorbenen Kaiserin Elisabeth auf Korfu— ein Million enobjektl— von einer. klei ne n" Erbschaft ge» kauft Habel Wie„gering" das Privatvermögen der Krone ist, ergibt sich aber weiter schon aus der Tatsache, daß daS Kronfideikommiß einen Besitz von fast 190 000 Hektar umfaßt, davon 36 006 Hektar Wald und 27 000 Hektar A e ckerl Das sind insgesamt ungefähr 18 deutsche Ouadratineilen l Allerdings: Herr v. Rheinbaben behauptete, daß der Ertrag auS diesem Riesenbesitz nur 1700 000 M. ausmache, keineswegs, wie bürge r.liche Blätter behauptet hatten, 8 Millionen. Die sozial- demokratischen Abgeordneten riefen dem Finanzminister am Dienstag sogleich zu:„Muß das eine Wirtschaft sein!" Und in der Tat: wie muß eS um die Verwaltung der Krön- güter aussehen, wenn diese Güter pro Hektar oder vier preußische Morgen nur einen Ertrag von 17 M. abwerfen! Ein Paar Ver- glcichszahlen mögen das beweisen. Die gesamte WirtschaftS- fläche Preußens umfaßt 84,8 Millionen Hektar. Der Kronvesitz beträgt also den 8S0. Teil dieser gesamten Wirtschaftsfläche. Wenn der Ertrag des gesamten preußischen Grundbesitzes ebenso hoch wäre wie der der Krongüter, würde er sich auf 600 Millionen belaufen, d.h. auf den zehnten Teil seines wirklichen Ertrages I Statt also den Steuerzahlern Millionen abzuknöpfen, sollte man der Krone lieber nahelegen, die unglaubliche Wirtschaft auf ihren Gütern doch erst einmal einer Reorganisation zu unter- ziehen I Wie unglaublich niedrig der Ertrag der Krongüter ist, dafür noch ein anderes Beispiel. Die Forsten des KronfideikommisseS umfassen 36000 Hektar. Der preußische Staatsbesitz an Forsten beträgt 2,6 Millionen Hektar. AuS diesem Besitz wurde 1007 allein aus Holzverkäufen ein Reinerlös von 106 Millionen Mark erzielt. Da der Besitz der Krone den 70. Teil der Staatsforsten ausmacht, darf man also auch auf den 70. Teil des Reinerlöses aus den Holzverkäufen rechnen, also auf eine Einnahme von 1,4 Millionen Mark, daS heißt annähernd die Summe, die nach Herrn v. Rhein- baben der Gesamt ertrag aus dem ungeheuren Landbesitz der Krone bilden soll l Wenn sich also die königlichen Prinzen unter sachverständiger Anleitung nur ein klein wenig der Verwaltung des enormen Grund- besitze? der Krone widmen wollten, würden sie mit Leichtigkeit die S'/g Millionen herauswirtschaften können I Daß aber das Volk für die schlechte Wirtschaft der Kronfideikommißverwaltung auf- kommen soll, ist doch eine geradezu unglaubliche Zumutung! » Gegen Herrn v. RheinbabenS Bhzantinereien wendet sich sogar die„Tante Voß" mit folgenden Ausführungen: „Weiter bleibt Herr v. Rheinbaben dabei, daß die Krone 1820 einen Akt der Selbstlosigkeit geübt, indem sie auf die Domänen und Forsten verzichtet habe. Er sagt— nach der„Nordd. Allgem. Ztg."—, wer einst zu den Füßen von Gneist oder Treitschke gesessen hat, werde bestätigen, daß alle Staats« und Rechtslehrer die Vorgänge von 1820 als Akt der Selbstlosigkeit ansehen. Wir haben sowohl zu Gneists wie zu TreitschkeS Füßen gesessen, und wir wiederholen, es ist falsch, daß die Domänen und Forsten bis 1320 K r 0 n g u t gewesen seien und nicht Staatsgut; Staatsrechtslehrer wie Hermann Schulze und Ludwig Rönne stehen der Darstellung des Ministers entgegen. Und was sagt Gneist? Herr v. Rhein- baben hat wohl den Aufsatz in Stengels Wörterbuch nachgelesen. Da steht von Selbstlosigkeit kein Wort, wohl aber daß Friedrich der Große in der Regel nur 220000 Taler jährlich für die Bedürfnisse seines Hosstaats überwies, daß Friedrich Wilhelm HI. zu den Grundsätzen der Sparsamkeit zurückkehren mußte, daß die Aufnahme von Anleihen die Verpfändung von Domänen nötig machte:„Andererseits wollte die Dynastie nicht darauf verzichten, die Bedürfnisse ihres Haus- und Hofhalts als ein Reservat ans die dauernde» Eiuiünfte der Domänen zu fundieren." lieber 2>/., Millione» Taler, mehr als das Zehnfache dessen, waS Friedrich der Große g«notn«c» hatte, Und was sagt T r e i t s ch l e? Er erklärt in Blnntschlis Stnatswörterbuch:„Es ist unvergessen, daß von dem Ber- mögen der regierenden Häuser ein großer Teil au Kosten des Landes entstanden ist", und als Friedrich Wilhelm III. in der Not Privaiersparuisse angreifen nuchte, habe er gesagt: „Bon meinem Lande Hab' ich e s. ihn, gab' ich es wieder." Hai Herr V. Rheinbaben also zu Gueisis und Treiischles Füßen gesessen, so scheint er sie mißverstanden zu haben." ES ist ja sehr hübsch, daß selbst die„Boss. Ztg." so konsequent gegen die Liebesgabe für die Krone eintritt. Leider nur wird die übergroße iviehrheit der sorischriitlichen Fraktion nichts desioweniger dem Byzantinerblock treu bleiben und für die Liebesgabe stimmen l MamentscröffDiing. London, 6. Juni.«aterial ausgestatteten Küchenwagen täglich durch die preußische Stellung und die preußische Vorpostenkctte in sein einstweiliges„Hoflager" in dem eingeschlossenen Lager angefahren. Die Zeit nahm daran keinen sonderliche« Anstoß. Am Dresdener Hofe herrschte damals, «vir selbst noch in Zeiten, die unz sehr viel näher liegen, ent- schiedener sogar als in den«««eisten anderen, die Ansicht, die in einem Staate nur den Landbesitz sah. der besiiinmt sei, dem regle. renden oder vielmehr besitzende» Hause die Mittel einer fürstlichen Existenz zu gewähren, und in diesem fürstlichen Dasein selbst den Zweck aller Dinge." Es mag an diesen Stiinmen genug sein; sichere Patrioten drücken sich viel kräftiger auS und trösten sich höchstens dainit, daß so etwas nur einmal in teuischen Landen pässi-rt sei. Herr v. Bethmann Hollweg jedoch sorgt für daS anderemal. Während für die breiten Massen de« BolteS, dank der sluchwürdigen Junterpolitik, die Rationen an Brot und Fleisch immer kleiner werden, während die Mittel nicht aufzubringen sind, den Invaliden des deutschen Heeres ein menschenwürdiges Dasein zu schaffen, verlangt er eine Erhöhung der Zivilliste, die jetzt schon 15?� Millionen jährlich beträgt, um SX Millionen. Sehen wir un« indessen etwa« näher die Gründe an, bie er für seine Forderung vorbringt. Zunächst feiert er hie„Selbst- losigkeit" der preußischen Krone— wobei er einen gar nicht liebens. würdigen Seitenblick auf die«meisten anderen" deutschen Kronen wirft—, weil sie die eigene» Interessen hinter die Interessen de« Staate» habe zurücktreten lassen und«bereits durch königliche Per- ordnung vom n. Januar 1880 die sämtlichen Domänen und Forsten gegen eine feste Rente von SM» Millionen überlassen habe". Herr v. Bethmann Hollweg verschweigt hier schamhaft, wem die Krone die Domänen und Forsten überlassen habe. Nämlich den Staats- glmibigern. Die Domänen und Forsten find iemals privates Eigentum der Krone gewesen, auch nicht nach den Anschauungen des alten AbsolutiSinu», der in ihnen vielmehr, wie wir eben durch den alten Fritz hörten, eine Bundeslade sah, an die keine unheilige Hand rühren dürfe. Allerdings wurde aus ihrem Ertrag auch der Unter- halt der königlichen Familie bestritte««, aber eben nur so wie andere Staatsausgahen auch. Nun hatten die preußischen Könige Friedrich Wilhelm II. und Friedrich Wikhelm III. mit der.Bundeslade" sehr.unheilig" gewirtschaftet, so daß der preußische Staat 1880 vir dem Bankrott stand. Er entging ihm dadurch, daß die Krone politische Qcberütbt. Berlin, den 8. Juni 1910. Initiativanträge und Petitionen. Eine uinfangreiche Tagesordnung war es, die das Abgeordnetenhaus am Mittwoch zu erledigen hatte. Abgesehen von einigen Rechnungssachen und kleineren Vorlagen handelte eS sich um Initiativanträge und Petitionen, die trotz ihrer Bedeutung für die Allgemeinheit allerdings bei den paar im Hause anwesenden Ab- geordneten nur wenig Anfnierksamkeit fanden. Eine Petition, die vom Verband der Konfitllrenhändler Deutsch- lands in Pankow ausging,«vünschte die Ablehnuirg jeder weiteren Einschränkung der Verkaufszeit an Sonn- und Feiertagen. Genosse H o f f n« a n n bekämpfte dies»lenscheiifreundliche Verlangen und beantragte im Interesse der Angestellten Uebergang zur Tages- ordnung. Natürlich ohne Erfolg, außer den Sozialdemokraten stimmten nur einige Freisinnige dafür. Dagegen wollte daS HauS über eine Petition des Zentralverbandes der Handlungsgehilfen um Schaffung öffentlich-rechtlicher Stellenvermittelung für Handlungsgehilfen, Be- seiiigung der gewerbsmäßigen Siellenverniittelung und der gewerbs- mäßige«, Herausgabe von Vakanzenlisten kurzer Hand zur Tages- ordnung übergehen. Dem Eingreifen unseres Genossen Lein er t, der namens der sozialdemokratischen Fraktion Ueberweisung zur Berücksichtigung verlangte, können die Handlungsgehilfen es danken, daß ihr Gesuch der Regierung wenigstens al« Material überwiesen wurde. Von den Initiativanträgen rief ein nationalliberaler Antrag auf hauSwirtschafiliche Unterweisung der weiblichen ländlichen Jugend eine lebhafte Anßeinandersetzung zwischen dem Abg. GieSberts (Z.) und unserem Genossen L e i n e r t hervor. Herr GieSbertS ver- «nag nicht einzuscbeit. warum die Sozialdemokraten von den be- kannten Hitzeschen Hungerrezepten nichts wissen wollen. Leinert be- mühte sich, ihm unseren Standpunkt auseinander zu setzen, aber es war ein Versuch ain untauglichen Objekt, GiesbertS ist jeder Be- lehrung tiiizugänglich. Der Antrag selbst wurde in Verbindung mit einem sozialdemokratischen Antrag, der die Unterweisung auch der gewerblichen weiblichen Jugend im hauSIvirtschaftlichen Unterricht bezweckt, der Agrarkommission überwiesen. Ein Zentrumsantrag, der die Bildung kommunaler Zweck- verbände fordert, wurde von der Tagesordnung abgesetzt und schnell noch die Denkschrift über die LlnSführung des Ansiedelungsgesetzes durch Kenntnisnahme für erledigt erklärt. Donnerstag: Interpellation, betr. die BorromäuS-Enzhklika. zweite und dritte Lesung deS Gesetzes betreffend Erhöhung der Zivilliste._ Eine dreiste Komödie hat bor Byzantinerblock gespielt, als er die Krondotation am Dienstag an die Kommission verwies. Denn daß dort keine ernsten Beratungen gepflogen wurden, beweist schon die Tatsache, daß die Vorlage bereits am Donners- t a g wieder daS Plenum des Abgeordnetenhauses be- schäftiaen soll! Man fürchtete also lediglich die Verantwortung dem Volke gegenüber. Man tat so, als wolle man die Sache noch ein- mal gründlich prüfen. In Wirklichkeit aber waren sich alle bürgerlichen Parteien von vornherein darüber einig, daß sie die Liebesgabe unter allen Umständen bewilligen würden. Sie wollten sich lieb Kind machen I Sie glaubten, daß sie für die der Krone ertviescne klingende Ge- f ä l l i g k e i t auch auf Gegengefälligkeiten rechnen könnten! Eine Auffassung, durch die das moralische An- sehen der Krone freilich kaum gehoben werden dürfte! Wie das Zentrum im Landtage die Arbeiter- und die Kronrechte wahrt. Bei der Debatte über die Einfchmuggelung des Religionsunterrichts in die ländlichen Pflicht. fortbildungSfchulen der Provinz Schlesien machten seitens des Zentrums die Herren Graf Spee und Kirsch den un- glaublich albernen Versuch, die sozialdemokratischen Mitglieder des Landtages«vor dem Lande festzunageln", da sie zur ersten Lesung dieser Vorlage nicht gesprochen hätten, weil sie 20 Minuten vor Schluß der Sitzung zur Agitation nach Rheinland und Westfalen abgereist waren. Das war in jenen Tagen, als die Riesen- ich den Staatsgläubigern gegenüber verpflichtete, keine neuen Anleihe» ohne Zustimmung von Reichsständen aufzunehmen, und daß sie ihnen sämtliche Domänen und Forsten verpfändete,«mit Ausnahme der Domänen, welche zur Aufbringung de» jährlichen Bedarfs von 2� Millionen Talern für den Unterhalt der könig- lichen Familie notwendig find". Also die Krone sicherte sich durch die Verordnung vom 17. Januar 1820 für den Fall des Bankrotts, an dessen Rand ihre Politik den Staat geführt hatte. was Herr v. Bethinann Hollweg dahin erläutert, daß sie die Jnter- essen des Staates ihren Interessen vorgezogen habe. Als Logiker steht er leider nicht ganz so hoch wie al« Philosoph. Bei dieser wirklichen Lage der Dinge ist es natürlich der reine Nonsens, wenn Herr v. Bethmann Hollweg weiter folgert, da der Wert der Domänen seit 1820 beträchtlich gestiegen sei, so müsse auch die Abfindungssuinme beträchtlich gesteigert werden. Und diese Schlußfolgerung würde selbst dann ein NonfenS bleiben, wenn die Krone wirklich ein Eigentumsrecht an den Domänen besessen hätte. Mit demselben Rechte könnten, wie der„Vorwärts" sehr richtig sagt, die Bauern, deren Großväter und Urgroßväter bei der so- genannten Bauernbefreiung einen Teil ihre» Grundbesitze» für Ab- lösung der Fronden an die Junker abtreten mußten, von de«, stzigen Jimkern den Wertz»iwach» einfordern. gern» macht Herr v. Bethmann Hollweg für seine Vorlage die allgemeine Steigerung der Lebensinittelpreise geltend, wobei er nur vergißt, zu erzählen, daß diese Steigerung durch dieselbe Junkerpolitik verursacht worden ist, die den gewaltigen privaten Grundbesitz der Krone um ein Gewaltiges profitabler gemacht hat. Welch ausgleichend« Gerechtigkeit, die den größten Grundbesitz Deutschlands noch entschädigt für die allgemeine Verteuerung der notwendigsten LebeiiSbedürfiiisse, durch die der ganze Großgrund- besitz seine Schäfchen.schert! Dann beruft sich Herr v. Bethinann �Hollweg auf die Permeh- rung der prinzlichen Hofhaltungen. Auch hier geht er weit hinter den alten Absolutismus zurück, der. so sehr er für seine illegitime Nachkommenschaft zu sorgen pflegte, doch in seinem eigenen Jnter- esse sowohl wie iin Interesse des Staates seine legitime Nach- kommenschaft in gewissen Schranken zu halten pflegte. Der alte Zritz sah in den Prinzen«unglückliche, unbefriedigte Zwitterwesen. eine Art Ainphibien". die man nicht über Gebühr vermehren dürfe, und e« war ein Hausgesctz der preußischen Krone, daß nur die Söhne und Brüder von Königei««standesgemäß" heiraten dürsten. woinit gesagt war. daß ihre Haushaltungen von Staats wegen unterhalten werden müßten; alle entfernteren Verwandten blieben auf morganatische Ehen angewiesen. In den letzte«, Jahrzehnten aber ist dieS Hausgesetz oft durchbrochen worden: selbst die Urenkel von Königen, wie der Prinz Friedrich Leopold, der mit einer Schwester der Kaiserin verehelicht ist, haben schon„standesgemäß"- Vemonstrationen gegen d i e WahlrcchiSkomödie und den Bolksverrat des Zentrums dort stattfanden, die natürlich die Zentrumskreise arg störten und ihnen deshalb sehr unbequem waren. Daher resultiert auch die unnatürliche Aufregung gegen das sonst gerade bei der Zentrums- Partei so beliebte luirklidhe Schwänzen der Landtagssitzungen, bei dem der Zentrumspartei so ziemlich der Rekord gehört, der ihr höchstens von ihren lieben Brüdern und Spietzgesellcn, den Junker», streitig gemacht werden könnte. Soll es doch Abgeordnete geben, die nur einen Tag vor Beginn des Landtages erscheinen, sich im Bureau vorstellen, damit die Diäten flüssig gemacht werden, und dann aus Nimmerwiedersehen aus dem Landtage verschwinden und höchstens, wenn kommandiert wird, oder tvenn sie ein„Bähnlein" süx ihren Wahlkreis zum Kleinbahnetat zu vertreten haben, einmal wiederauftauchen. Und Leute, die so im Glashause sitzen, wollen mit Steinen werfen, nach den sechs Sozialdemokraten, die unermüd- lich tätig sind, um den WAst von Unrat zu bewältigen, den sie bei ihrem Eintritt in diesen Augiasstall, preutzischex Landtag genannt, vorfanden, um das preußische Bolk über die unglaublichen Bor- gänge in dieser Dunkelkammer auf dem Laufenden zu erhalten, auch draußen im Lande für Aufklärung sorgten! Sie bewältigen damit ein Arbeitspensum, das nicht nur manchen ehrlichen Gegner in Erstaunen gesetzt, sondern auch Bergnlassung gegeben hat, dies offen auszusprechen. Wie faßt aber dasselbe Zentrum, das, um den ihm folgenden Wählermassen Sand in die Augen zu streuen derartige Scheingefechte inszeniert, seine Pflicht als Volksvertreter im preußischen Landtage auf.„Wir wollen vor dem Lande fest- nageln", daß am Montag, als die Sicherung der Bertragsvcr- Hältnisse der Mitglieder der Arbeiterausschiisse der Eisenbahnvcr- waltung und anderer staatlicher Betriebe, Antrag Arqnsohn und Genossen, auf der Tagesordnung stand, dieser Antrag a b- gelehnt wurde, weil von IVS Zeutruinsabgeordneten nur eine knappe Bauernmandel anwesend war, aber 88 Zentrumsabgeordnete fehlten. Wären von diesen Fehlenden nur 25 Prozent da- gewesen, war der Antrag angenommen! Aber— es handelt sich nur um Arbciterintereffen, da kann man schwänzen! Als aber am Dienstag die Erhöhung der Zivilliste auf der Tagesordnung stand, rückte die Zent rumsfraktion in einer Stärke an, wie man sie s e l t e n zu Gesicht bekommt. Ja, bei der Krone muß man sich, um gut Wetter zu behalten, eifrig zeigen, um an der Krippe zu bleiben, wenn auch dem Volke die Augen dabei über- gehen. Wenn aber bloß Arbeiterinteresscn zu vertreten sind, dann ist es besser, fern zubleiben: die eifrige Vertretung auf diesem Gebiete könnte sehr leicht Regierung und die lieben Bundesbrüdcr, die Junker, verschnupfcn! Und wird der Zentrumsarbeiterwähler mal wild, nun, zu was sind denn die Kapläne da? Die wer- den, eventuell mit Hilfe der Frauen und des Beichtstuhles die ZentrumSschäflein schon wieder zur christlichen Demut anleiten, Wie lange>o erden sich die Arbeiter, die dem Zen Prüm immer noch verblendet Hecrfolge leisten, so verhöhnen lassen? Die Interessenten melden sich. Die„Deutsche Tageszeitung" wendet sich sehr eifrig da- gegen. daß die Steuerveranlagung auf dem Lande verbessert wird. In der Jmmediat- k o ni m i s s i o n zur Reform der Verwaltung hat sich der Finanznlinister v. Rheinbaben für eine Ab- trennuna des Vorsitzes in der Steuerveranlagungskomniission vom �andratoainto ansgcsprochc». Auch der Nor- sitzende der Kommission. der Minister des Innern v. Moltle, soll sich diesem Plane geneigt ge- zeigt haben. der indes bei verschiedenen Mitgliedern der Kommission, namentlich beim Negierungsprösidentcn Graf Schwerin Widerspruch erfuhr. Das Landbündlerorgan ist entschiedene Gegnerin solcher Reform. Das SteuerhjnterziehungSrecht der Junker ist in Gefahr, ein Angriff auf die heiligsten Güter dör Agrarier muß abgeschlagen werden. Diesen wahren Grund darf die„Deutsche Tagesztg." natürlich nicht angeben, sie hat als Ersatz beschönigende Vorwimde. Sie hält es„für unbedingt notwendig, daß der Landrat die Leitung bei der Steuerveranlagung nach wie vor behält", da für ihn„die genaue Kenntnis der wirtschaftlichen Lage seiner Kreis- ..>> II II..........■--III um i-- L--!— LJ- IXX geheiratet, und wenn das so weitergeht, wie Herr v. Bethmann Hollweg verheißt, so eröffnen sich für die preußischen Steuerzahler freilich liebliche Aussichten. Endlich steift sich der philosophische Staatsmann auf~ künstle. rische Interessen. Von den llst, Millionen, die er fordert, sollen ilh Millionen für dt« Hoftheater verwandt werden. Daß die preußi- schen Hoftheater als wahrer Krebsschaden an der Kunst zehren, da» ist seit Jahrzehnten eine allgemein bekannte und beklagte Tat. fache; um nur ein Item anzuführen, so sei erwähnt, daß Herr Paul Lindau, nachdem er als Leiter eines Privatthenters künstle. rischen Bankrott gemacht hatte, zum Leiter des Königlichen Schau- spielhauses ernannt wurde und heute noch dieses Amtes waltet. Wir wollen indes auf das traurige Kapitel nicht näher eingehen. sondern uns abermals darauf beschränken, zu zeigen, wie der alte Absolutismus in diesem Punkte dachte. Der alte Fritz, so große Freud» er am Theater hatte, schrieb doch, als die Zeiten schlecht wurden, an seinen Lindau, einen geivisfen Arnim:„Die gegen- wärtige Lage der Ding« bereitet auf ernste Szenen vor. Man kann deshalb sehr wohl auf komische verzichten, und aus diesem Grund« entziehe ich allen Schauspieler» und Schauspielerinnen meines Theaters ihre Gehälter und Pensionen. Die Ihrigen sind darin einbegriffen, und nachdem Sie alle Schauspieler verabschiedet haben, wird es von Ihnen abhängen, sich ganz Ihren Liebschaften zu widmen." Da» war die Art des alten Absolutismus, die mindesten» für die Steuerzahler ihre entschiedenen Vorzüge hatte vor der Art des Herrn v. Bethmann Hollweg. Aber freilich— jede« Volk hat die Minister, die es verdient. und wenn Bernhardt von dem einenmal des sächsischen Kurfürsten- König sagte:„Die Zeit nahm keinen sonderlichen Anstoß daran." so gilt das gleiche von dem anderenmal des preußischen Minister- Präsidenten. Er ist mit seiner sauberen Bescherung erst ans Tages- licht gerückt, als er sich hinter den Kulissen mit allen bürgerlichen Parteien verständigt und ihrer aller Zustimmung erhalten hatte: auch der biedere Freisinn hat sein Ja und Amen genickt, und binnen acht Tagen wird der Streich gelungen sein. Nur in der heimlichen Hast, womit er betrieben wurde, verriet sich die Scheu des bösen Gewissens. Der einzige Fortschritt sett den Tagen des Felsenlagers von Pirna besteht darin, daß die Arbeiterklasse an solchen Dingen allerdings„sonderlichen Anstoß" nimmt. Unsere Genossen im Preußischen Landtag werden der Katze die Schelle anzuhängen wissen, auch wenn darüber der Leutnant mit lk» Mann in glorreiche Erscheinung treten sollte. Und den Rest'werden die Reichstags- Wahlen besorgen. Wenn man steht, wie die bürgerlichen Parteien jeden Tag für ihren künftigen Ruin sorgen, so ist man fast versucht. zu sagen: Allzu viel der Güte!" eingesessenen von außerordentlichem Werte ist." Und sie schreibt weiter:„Für uns handelt es sich hier jedenfalls Iveit weniger um eine steuerliche, als vielmehr um eine wichtige Verwaltungsfrage: wir wünschen auf jeden Fall das Land- ratsamt in seinen Rechten und in setner Wirksamkeit möglichst ungestört zu erhalten; ja wir glauben, daß die an- gestrebte Verwaltungsreform, zu deren wichtigsten Zielen doch eine Dezentralisation der Verwaltungsgeschäfte gehört und gehören muß, eher eine Erweiterung, als eine Verengerung des Wirkungskreises der Landräte bringen sollte I Die„Konservative Korrespondenz" bezeichnet es als sehr auffallend, daß gerade der Finanzministcr und der Minister des Innern mit dem Beschlüsse einverstanden sind. Sie er- klärt:„Wir möchten bezweifeln, ob der Beschluß von unserem Standpunkt aus wird Zustimmung finden können, er wird auch schwerlich mit sachlichen Gründen vertreten werden können." Ob Herr v. Rheinbaben— Herr v. Moltke ist schon ein aufgegebener Mann— angesichts dieser entschiedenen Kund- gedungen auf seinem Standpunkt verharren wird? Dann wäre er sicherlich die längste Zeit der Liebling der Junker gewesen. Denn in allem, was ihr Steucrhinterziehungsrecht gefährdet, verstehen die Herren Preußens keinen Spaß, wie sie schon bei der Erbschaftssteuer gezeigt haben. Wir vermuten daher, daß Herr v. Rheinbaben noch rechtzeitig den Weg zur Umkehr finden wird._ Gegen die Erhöhung der Zivilliste. Daß auch in ZentrumSkreiscn die Forderung der Er- höhung der Zivilliste auf Widerspruch stößt, geht aus einem Artikel der katholischen„ W e st f ä l. Rundschau" hervor. Diese nennt es schlankiveg eine Dreistigkeit. wenn als erster Grund für die Erhöhung der Zivilliste die allgemeine Lebensverteuerung angeführt werde, von der. wie gesagt wird,„der Hofhalt des Königs ebenso nachdrücklich betroffen werde, wie der Haushalt jedes deutschen Bürgers". '„Würde", so heißt eS weiter.„ein deutscher Bürger, der 30 Millionen Mark jährlich zu verzehren hat, den Wunsch noch einer Erhöhung seines Einkommens mit der allgemeinen Lebens- Verteuerung begründen, so würde man das mit Recht als eine Verhöhnung des notleidenden Volkes bezeichnen dürfen. Aber die offiziöse Berufung auf hi» allgemeine Lebensverteuerung ist auch eine dreiste Unwahrheit, weil diese allgemeine Lebensverteuerung dem Hause Hohenzollern weit mehr Einnahmen bringt, als sie ihm Ausgaben verursacht. Die künstliche Preissteigerung aller Lebensmittel durch Zölle, das Steigen des arbeitslosen Ein- kommenS aus der Bodenrente kommt dem Kaiser als einem der größten Grundbesitzer des Reiches in besonders hohem Maße zugute. ... Es heißt, daß alle bürgerlichen Parteien bereit seien, jetzt der Krone ihre Fähigkeit zu„positiver Arbeit" zu beweisen, die bei der W a h l r e f o r m so schmählich versagt hat. Pfui über das Höslingspack! Selbstverständlich wird das Zentrum a l S echte B o l k s p a r t e i gegenüber dieser ganz unnötigen neuen Belastung des Volkes nur ein glattes Nein haben. New und abermals nein l" Wir fürchten, die Hoffnung des katholischen Blattes auf die Standhaftigkeit der„echten BolkSPartei" wird sich nicht erfüllen. Das Zentrum aber mag sich diese Stimme eines Zentrumsblattcs, das allerdings den Mut hat, nicht nach der Pfeife der Kapläne zu tanzen, sondern der wirklichen Volks st immung Ausdruck zu geben, zur Warnung dienen lassen I_ Ein Riickzng der Kurie. Da« offiziöse Organ des Vatikans, der„Osservatore Romano' veröffentlicht folgende Note:„Angesichts der in Deutschland auf Grund irrtümlicher Auslegungen und wenig ge« nauer U ebersetz nngen der letzten Enzyklika des Papstes zu- tage getretenen Erregung sind wir ermächtigt, folgendes zu erklären: Der heilige Vater hat in der Enzyklika säitao saoxs äoi, welche aus Anlaß des GcdächtniStages des heiligen Borrom SuS ver» öffentlicht wurde und welche darauf abzielte, die Irrtümer der Modernisten zu belämpsen, wie sich auch augenscheinlich aus dem Wortlaut ergibt, auch nur im entfernte st en die Ab- ficht gehabt, die Nichtkatholiken tn Deutschland sowie ihre Fürsten zu beleidigen. In der Enzyklika befinden sich einzig und allein einige historische Urteile über die Epoche des heiligen BorromäuS. in denen weder Volker noch Fürsten eines bestimmten Landes genannt sind. I», übrigen ist zu bemerken, daß es sich darin um Katholiken jener Zeit handelt, die sich gegen die Lehren und die Autorität des apostolischen Stuhles auflehnten. Wie wohlivollend im übrigen die Ge- fühle des Papstes gegen Deutschland und seine Fürsten sind, ist auch in jüngster Zeit sehr deutlich zutage getreten." Na also! Diese Ehrenerklärung wird hoffentlich die aufgeregten Pastorengemüter wieder beruhigen. Konservative Mahnung an die fortschrittliche Volkspartei. Die Konservativen im Wahlkreise Jauer-LandeShut« B o I k e nh a i n haben bekanntlich zur Stichwahl ihre Wähler aufgefordert, für den Fortschrittler zu stimmen. Wie jetzt bekannt wird, haben sie vorher den Fortschritt verpflichten wollen, im Falle einer Stichwahl zwischen Konservativen und Sozialdemokraten im Wahlkreise ll s e d o m- W o l l i n für den Konservativen zu stimmen. Sie haben die Zusage des Fortschritts nicht erhalten. erwarten aber, daß die Fortschrittliche Volkspartei, was sie in Jauer-Landeshut von allen..monarchisch gesinnten Wählern" fordert, bei den anderen bevorstehenden Stichwahlen ebenfalls aus- führt. Wenn sie diese Erwartungen nicht erfülle, werde sie weiter- hin das Recht verwirkt haben, von den Konservativen als das „kleinere Uebel" betrachtet zu werden. Zu diesen„Erwögungen" bemerkt die«Kreuzzeitung": „Wir halten den Entschluß der Konservativen in Jauer- Landeshute Bolkenhai n für durchaus zweckentsprechend. Das praktische Verhalten der Freisinnigen in einer etwaigen Stich- wähl der Konservativen in Usedom-Wollin gegenüber der Sozial- dcmokratie wird für die kommenden Reichstags- wählen von besonderer Bedeutung sein." Nach Dernburg— v. Schuckmann. Der in den letzten Tagen als Nachfolger Dernburgs bielfach genannte Gouverneur von Südwestafrika, v. Schuckmann, tritt von seinem Posten zurück. Wie der„Berliner Lokalanzeiger" erfährt, hat Herr v. Schuckmann nicht die Absicht, wieder nach Südwest. afrika zu gehen, da seine Gesundheit in mehrfacher Hinsicht zu wünschen übrig lasse._ Müller- Sagan geht. Der frühere Reichstagsnbgeordnete Dr Müller- Sagan will, wie in parlamentarischen Kreisen erzählt wird, jetzt auch sein preußisches Landtags man bat niederlegen. Es soll das nach Schluß der laufenden Session geschehen. Die„Vossische Zeitung" hat erfahren, daß dieser Entschluß auf ärztlichen Rat er- folgt. Sie nimmt an, daß Dr. Müller auch die Reichstagskandidatur l für Sagan-Sprottan, wo er im borigen Jahre wieder als Kandidat nominiert wurde, ablehnen werde. Dr. Müller vertritt den Landtagswahlkreis Berlin IV(Tempel- hoser Vorstadt, Luisenstadt), wo er bei den allgemeinen Wahlen vom Juni 1308 mit 273 gegen 13t sozialdemokratische Wahlmänner- stimmen gewählt wurde._ Ein nüchternes Urteil. Im roten„Tag" fällt R. Kent in einem Artikel über Dern« bürg folgendes Urteil über die Kolonialpolitik: „Wer sich den nüchternen Blick durch das Reklamegeschrei der letzten Jahre nicht hat trüben lassen, weiß, daß im großen und ganzen die Aussichten der deutschen Kolonial- Politik heute nicht viel günstiger sind als früher. Jeder Unternehmung stehen ungeheuere Hindernisse entgegen, und da? burcaukratische System in der Verwaltung hat Dernburg nicht zu überwinden vermocht. Macht man neue Gold- und Edelstein- funde, die sich bezahlt machen, in der einen oder anderen Kolonie. so wird da« heutige Interesse im Volke(?) wach bleiben und die schwere Last willig weiter getragen werden. Haben die neuen Männer weniger Glück als Dernburg, so wird der Wechsel im Kolonialamt das einzig ständige in ihm sein. Wechselten früher die Kolonialdirektoren, so werden in Zukunft die Kolonialsekretäre wechseln." Zur Nachwahl in Zschopau-Marienberg. Die Antisemiten haben als Kandidaten für die Nachwahl den Obstgutbesitzer F r i tz s ch e aus Waldau aufgestellt. Ein Witz- bald hatte die Meldung lanciert, daß sie den berühmten Ahl- Wardt zum Nachfolger Zimmermanns ausersehen hätten. Entsetzt teilten darauf die Reformer in der bürgerlichen Presse mit:„Die angebliche Kandidatur des früheren Reichstagsabgeordneten Ahl- Wardt hat mit der Deutschen Neformpartei absolut inchts zu tun, da er in gar keinem Verhältnis mehr zu ihr steht." Landtagsschlust. Die gemeinsame Schlußsitzung der beiden Häuser des Landtages wird, wie jetzt mit Bestimmtheit verlautet, am Donnerstag, den 16. d. Mts., nachmittags oder spätestens am 17. vormittags stattfinden._ Die Affäre Langhammer. Der nationalliberale Abgeordnete L a n g h a m m e r hat nun das Amt eines Vorstandsmitgliedes des nationalliberalen Landes- Pereins niedergelegt uno wird vermutlich ganz aus der Partei bezw. der sächsischen nationalliberalen Organisation ausscheiden. Daß der sehr stark kompromittierte Geschäftsmaiin und Politiker auch sein Mandat niederlegt, wird nicht gesagt, vermutlich denkt er gar nicht daran._ Ocltermcb. Die ungarischen Wahlen. Wien, 8. Juni. Abgeordnetenhaus. In Beantwortung der Interpellation über die Verwendung von Truppen des gemeinsamen Heeres bei den ungarischen Wahlen gab Ministerpräsident Freiherr von Bienerty zu, daß, wie dies in gleichen Fällen stets gehandhabt worden sei, auch Truppen aus österreichischen Korps zur Verstärkung der nicht ausreichenden, in Ungarn stationierten Truppen zur Aufrechterhaltung der Ordnung und Sicherheit verwendet worden seien, was im Wehrgesetz bc- gründet sei. Er vermöge die von den Interpellanten gewünschten Schritte nicht zu unternehmen, da dies eine Einmischung in die Angelegenheiten des anderen Staates der Monarchie bedeuten würde. Gleichzeitig wies der Ministerpräsident die auS diesem Anlaß gegen die ungarische Regierung gerichteten Angriffe mit dem Ausdruck des Bedauerns auf das«ntschiedenste zurück. Die B e- s p r e ch u n g der Interpellation wurde schließlich auf die morgige Tagesordnung gesetzt.. frsnkreick. Ein Schnlstreik. Marseille, S. Juni. Mehrere hundert Schüler der Gewerbe- schule und einer höheren Bürgerschule haben den Schulbesuch eingestellt, weil der Gemeinderat angeordnet hat, daß in Zu- kunft nur bedürftige Schüler Schulbücher und andere Schul- Utensilien unentgeltlich erhalten sollen. Die Schüler erklärten, die» widerspreche den Grundsätzen der republikanischen Gleich- he it. Die ausständigen Schüler veranstalteten vor anderen Schulen lärmende Kundgebungen, um die Schüler zum Anschluß an den Aus- stand zu bewegen. foißlanct. Finnlands Entrechtung. Petersburg, 7. Juni. Nach viertägigen Debatten hat die Reichsduma mit 196 Stimmen der Rechten und der Mitte gegen 165 Stimmen der Opposition und einiger Oktobristen, hauptsächlich Abgeordneter der baltischen Provinzen, beschlossen, zur Verhandlung der einzelnen Paragraphen der Finnlandvorlage überzugehen. Die Sozialdemo- traten hatten den Saal verlassen, weil die Duma über- Haupt kg in Recht hat, eine solche Abstimmung vorzu- nehmen._ Der Protest der Opposition» Petersburg, 8. Juni. Die Reichsduma lehnte heute den Antrag der Opposition, über Artikel 2 de» Gesetzentwurfs über Finnland nach Punkten zu debattieren oder die Punkte in be- sondere Gesctzartikel umzuwandeln, ab. Hierauf erklärte M i l j u k o w namens der ganzen Opposition, diese habe anfänglich an den Debatten teilzunehmen beabsichtigt, um zu sehen, wie die Sache ende; die von der Mehrheit angenommene Beratungsmethode mache dies zunächst unmöglich. Eine Teilnahme an diesem unwürdigen Spiel halte die Opposition für er- niedrigend; sie werde sich daher auch nicht an der Ab- st immung beteiligen.(Beifall.) Die ganzeOpposi» tion verließ sodann den Saal.=3 Hmcrtha. Der Jndianeraufstand. London, 8. Juni. Die Truppen sind nicht in der Lage, den Indianern Widerstand zu leisten. Man glaubt, daß in einigen wenigen Tagen mehr als 360 Weiß« getötet worden sind. Es wird gemeldet, daß ein Trupp von 5000 Indianern auf die Stadt Mcrida zu marschiert, auf seinem Wege alles zerstörend. Die Indianer, die dem Stamme der Mayas angehören, sind gut bewaffnet und haben sich in Valladolid mit genügender Muni- tion und Waffen versehen können. Man nimmt an, daß die Stadt Merida ihrem Angriff wird standhalten können; Verstärkungs- truppcn sind nach dieser Stadt abgesandt worden. Aber man hat mit den Indianern als einem sehr achtungswürdigen Gegner zu rechnen, der wohl imstande ist, Laufgräben anzulegen und einen Sturm auf die befestigte Stadt zu unternehmen. Die Revolte ist ohne Zweifel eine Folge der Agrarpolitik der Regie- rung. Sie ist die schwerste, die sich seit langem in Mexiko ereignet hat. und es wird sehr schwer sein, sie niederzuschlagen. Die Eisen- bahnverbindungen sind rar und das Eintreffen der Truppenverstä» knngen vollzieht sich nur langsam. 6ewerhrchaftUcbee. Zwechlofe Rirfcb-Dunckcrrchc Verräterei. Der Kampf um den Arbeitsnachweis im Holzgewerbe in Hamburg ist noch nicht beendet, da die Jnnungsmeister sich zur Einführung des Paritätischen Nachweises immer noch nicht verstehen können. Der Holzarbeiterverband hat seinen Mitgliedern Anweisung gegeben. daß sie ohne Verbands- Nachweis Arbeit nicht mehr annehmen dürfen. Hieraus haben sich in einigen Betrieben ernstere Differenzen entwickelt, unter anderem auch bei der Firma Steinway and Sons, Pianofortefabrik. Dort waren vier Arbeiter ohne Vermittelung des Verbandsnachweises in Arbeit getreten und als diese, von den übrigen Arbeitern veranlaßt, wieder aufhörten, ersuchte die Betriebsleitung den im Betrieb beschäftigten Vorsitzenden des Gewerkvereins der Tischler, Hirsch-Dunckersche Arbeitskräfte heranzuziehen. Diesem Ersuchen wurde von dem Herrn nach- gekommen, und wurden 3 von den Plätzen, die die Entlassenen ver- lassen hatten, von Gewerkvereinlern besetzt. Der Vorsitzende des Gewerkvereins tat sich sogar noch was darauf zugute, diese Albeiter vermittelt zu haben. Daß die im Betriebe be- schäftigten Mitglieder des Holzarbeiterverbandes den Hirschen nicht besonders hilfreich zur Hand gingen, ist selbstverständlich, und als die Herrschaften sich noch provokatorisch benahmen, Wurde von einer Anzahl Zusammensetzern die Entlassung ge- nommen. denen etwas später die Umbauer und AbPutzer folgten. Die Auseinandersetzungen mit der Firma nahmen nunmehr einen schärferen Charakter an und wurde die Arbeit bei der Weltfirma eingestellt. Der Gewerkverein drohte dann damit, sämtliche Arbeitsplätze zu besetzen; doch ist derselbe gar nicht in der Lage, in ganz Deutschland so viel Klavier- arbeiter aus seinen Reihen heranzuziehen, um die nötigen Arbeitswilligendienste verrichten zu können. Die Firma mußte sich deshalb Wohl oder übel nach einiger Zeit dazu verstehen, mit dem Holzarbeiterverband Frieden zu schließen und die Hirsche sind diesmal um den Dank für ihre Ver räterei gekommen. Vom Arbeitsnachweis des Holzarbeiterverbandes werden täglich 80— 100 Arbeitskräfte vermittelt und sind es nur eine Anzahl verbissener Jnnungsmeister, die den Weg zum Ge Werkschaftshause, wo sich der Nachweis befindet, immer noch nicht finden können. Lange kann der Kampf nicht mehr dauern, weil die Mitglieder des Holzarbeiterverbandes eine geradezu musterhafte Disziplin wahren und die Arbeitgeber die Dinge nicht lange mehr so laufen lassen können. Die Holzarbeiter Deutschlands werden nochmals ersucht, diesem bedeutungsvollen Kampf die nötige Aufmerksamkeit zu schenken._ Berlin und Umgegend. Die Einsetzer beschäftigten sich in einer Versammlung mit den Lestimmungen des Vertrages über den Arbeitsnachweis in der Holz- Industrie und über das fernere Verhalten der Kollegen. Thomalsle referierte über das Thema. Redner unterbreitete der Versammlung den folgenden Antrag der Zentralvertrauensmänner-Versammlung: 1. Um die Arbeitsvermittelung gemäß den Bestimmungen des Vertrages zu regeln, wird es den Kollegen zur Pflicht gemacht, das Umschauen nach Arbeit unter allen Umständen zu unterlassen. Ebenso ist das Vermitteln der Kollegen untereinander untersagt. Zeitungsinserate müssen unberücksichtigt bleiben. 2. Jeder Kollege hat sich bei eintretender Arbeitslosigkeit sofort i» Arbeitsnachweis zu melden. S. Sollen in den Werkstätten ledige Plätze besetzt werden oder werden solche unter Umgehung des Nachweises besetzt, so müssen die Vertrauensleute eventuell durch Vorstelligwerden bei dem Unter- nehmer darauf dringen, daß diese Stellen vertragsmäßig durch den Nachweis besetzt werden. 4. Bei allen Werkstattdifferenzen bei Nicht-VertragSmeistern ist auch Anerkennung und Benutzung des Arbeitsnachweises zu fordern. ES werde schwer sein, den Beschluß durchzusetzen und Opfer werden fallen, aber trotzdem ersuche er, ihn durchzuführen. In der Diskussion trat Gutekunst für Annahme des Antrages ein. Von mehreren Rednern werden noch einzelne Punkte deS Regulativs bemängelt. Der Antrag wurde dann angenommen. Ueber die Tarifverhandlungen sprach hiernach Franz. Die Ein- setzer, die mit Abschluß ihres Tarifs warten sollten, bis die Bau- tischler mit ihrem Tarif fertig seien, hätten eingesehen, daß sie darauf nicht warten konnten, sondern verlangten, daß sofort in Ver- Handlungen eingetreten werden solle, andernfalls würden die fünf Prozent erhoben und die Vorlage zurückgezogen werden. Redner ist der Meinung, daß die Kollegen bei den Nlchtvertragsfirmen einfach die 6 Proz. aufschlagen sollten und daß der Beschluß den in Be- tracht kommenden Unternehmern sofort vorgelegt werden soll. In dieser Frage entspann sich eine längere lebhaste Diskussion, in der alle Redner ein energisches Vorgehen verlangten. Franz erklärte, wenn die Versammlung einig se», könne der Tarif jetzt fertig gemacht werden. Auf Vorschlag ThomalSkeS war!die Versammlung damit einverstanden, daß die TarifberawnaSkommission sich noch einmal mit der Frage beschäftigen solle. Die Neuwahl deS Borfitzenden wird in der nächsten Versammlung erfolgen. Zentralverband der Maurer. Montag, den IS. Juni, abends 8 Uhr, findet eine Besichtigung der Städtebau- Ausstellung in Charlottenburg statt. Eintrittskarten hierzu sind zum Preise von 30 Pf. im Bureau, Engelufer 15, Zimmer 53. zu haben._ Der Zweigvereinsvorstand. Kutscher aller Branchen in Berlin und Umgegend! Die Schmiede Berlins befinden sich zurzeit bei den Kleinmeistern in einer Lohn- bewegung. Es muß daher Aufgabe eines jeden organisierten Kutschers sein, daß er sein Augenmerk auf diese Bewegung richtet. Sollte es zu einer Arbeitsniederlegung kommen, so ersuchen wir alle Kutscherkollegen, welche das Beschlagen der Pferde oder sonstige Reparaturen zu bewerkstelligen haben, die Schmiedegesellen dadurch in ihrem Kampfe zu unterstützen, daß strengste Solidarität geübt wird. Deutscher TranSportarbeiterberband, Sektion II. Achtung, Stukkateure, Gipser! In Berlin sind bei der deutschen Gesolith-Gesellschaft Differenzen ausgebrochen und ist eS zur Arbeits- einstellung gekommen. Die Firma wird versuchen, Arbeitskräfte aus allen Gegenden herbeizuziehen. Arbeitsangebote sind zurück- zuweisen._ Streik der Automaten- und Einzelbänke-Einrichter. Die an den Schraubenautomaten und Einzelbänken beschäf- tigten Einrichter waren am Mittwochabend zusammengekommen. um das Resultat der neuerlichen Verhandlungen mit den Unter- nehmern entgegenzunehmen. Handle berichtete, konnte aber nur mitteilen, daß die letzteren es abgelehnt hätten, mit der Arbeit- Nehmerorganisation zu verhandeln. Einer der Herren erklärte, daß ihm seine Zeit zu teuer sei, um sie für Unterhandlungen zu opfern. Die Kommission empfahl den Versammelten angesichts der Sach- läge, daß die bei folgenden Firmen beschäftigten Kollegen die Arbeit gm Donnerstagmorgen niederlegen sollen: Diet» rich, Sudikatis, Staerke, Roll, Lüben u. Buhse, Butzke, Stelzner, Schulze u. Mattet, Müller, Apparatebau, Erdmann u. Groß. In den übrigen Betrieben, wo Aussicht vorhanden ist, eine Verständigung herbeizuführen, soll am Donnerstag noch einmal Rücksprache mit den Inhabern genommen werden. Handle wies ausdrücklich darauf hin, daß seitens der Streikleitung es den in Betracht kommenden Kollegen vollständig freigestellt werde, ganz nach eigenem Ermessen zu entscheiden. Die geheime Abstimmung ergab 64 für und 10 Stimmen gegen den Streik, 2 Zettel waren unbeschrieben. Der Streik ist also perfekt und in den oben genannten Betrieben ruht vom Donners- tag ab die Arbe.it._- j Deutkcbcs Reich. Der Verband der Lithographen, Steindrucker und verwandten Berufe im Jahre ISOS. Trotz der großen Arbeitslosigkeit, die besonders in den graphi- schen Berufen bei der andauernden allgemeinen Krise herrschte, hat sich nach dem soeben veröffentlichten Kassenbericht der Verband der Lithographen, Steindrucker und verwandten Berufe im Jahre 1909 weiter erfreulich entwickelt. Am Anfang des Jahres zählte er 16 336 Gehilfenmitglieder und 3117 Lehrlingsmitglieder, und am Schlüsse des Jahres 1909 waren 17 565 Gehilfenmitglieder und 3277 Lehrlingsmitglieder in 157 örtlichen Zahlstellen vorhanden. Das ist ein reiner Zugang von 669 Gehilfeumitgliedern und 160 Lehr- lingsmitgliedern; dem Verbände gehören zirka 90 Prozent aller Berufsangehörigen als Mitglieder an.— Die Arbeitslosigkeit war im Jahre 1909 im Lithographenverband am stärksten von allen graphischen Verbänden; auf je 100 Mitglieder kamen 15,4 Fälle von Arbeitslosigkeit(bei den Buchdruckern, die ebenfalls sehr unter der Arbeitslosigkeit zu leiden hatten, waren es nur 14,8 und bei den Buchbindern 14,4 Fälle). In Summa waren die Mit- glieder im Lithographenverband in 9976 Fällen mit 56 950 Wochen während Erwerbslosigkeit durch Krankheit und Arbeitslosigkeit beitragsfrei, das ist ein Verlust an Mitgliederbeiträgen von 74 035 Mark.— Der Verband gewährt seinen Mitgliedern bei einem Wochenbeitrag von 1,30 M. Unterstützung in fast allen Lebenslagen, was aus nachstehenden Ausgabeposten hervorgeht. Es wurden verausgabt für: Rechtsschutz 2075,67 M., Maßregelungs- Unterstützung(drei Viertel des verdienten Lohnes und für jedes Kind unter 14 Jahren 1 M. pro Woche) 9899,43 M., Umzugsunterstützung sbis 180 M. per Mitglied) 14 213,24 M., Reiseunterstützung(4 Ps. pro Kilometer Luftlinie) 29 618,48 M., Arbeitslosenunterstützung (pro Woche 9 bis 12 M.) 177 074,38 M. Außerdem wurde an die statutgemäß ausgesteuerten Arbeitslosen für die fernere Dauer ihrer Arbeitslosigkeit eine kleine wöchent- liche Extraunterstützung ausgezahlt(die Ledigen erhalten 3 M., die Verheirateten 5 M.), die Gesamtausgabe hierfür betrug im Jahre 102 944,72 M.— An Krankenunterstiitzung für Gehilfenmitglieder (pro Woche 12 M. auf die Dauer von 52 Wochen) wurden im Jahre 295 126,60 M. verausgabt, an Lehrlingsmitglieder(bei einem Wochen- beitrag von 10 Pf. 5 M. Krankengeld) 20 733,77 M.— Für Sterbegelder wurden 14 770 M. verausgabt(für Gehilfen je 100 M., deren Frauen 50 M. und für verstorbene Lehrlinge 25—50 M.).— Für Jnvalidenunterstützung(bei Berufsinvalidität 7 M. pro Woche auf die Dauer der Invalidität) wurden an 272 Invaliden 92 359,70 M. verausgabt und für Witwenunterstützung(die Hinterbliebenen Witwen verstorbener Mitglieder erhalten auf Lebenszeit 3,50 M. wöchentlich) wurden im Jahre au 282 Witwen 43 681,20 M. ausgezahlt. Trotz dieser hohen Ausgaben sind die Kassenverhältnisse des Ver- bandes günstig. Die Gesamteinnahmen betrugen im Jahre 1 098 940,76 M. und die Gesamtausgaben 1 059 478,74 M.. sodaß ein Reinüberschuß von 39 462,02 M. zu verzeichnen ist. Das Gesamtvermögen aller Kassen des Verbandes(einschließlich des am Anfang deS Jahres vorhandenen Kassenbestandes und der vor- haudenen Jnvalidenkasse in Liquidation) beträgt am Schlüsse des Jahres 1909 814 302,88 M. Das ist pro Kopf der Gehilfen- Mitglieder 46,51 M. In Anbetracht der großen Arbeitslosigkeit, von der viele Mitglieder betroffen wurden und der dadurch veraus- gabten hohen Unterstützungen, kann der Verband mit dem Er- gebnis des JahreS 1909 voll befriedigt fein; möge er sich so weiter entwickeln. Achtung, Kupferschmiede! Zuzug ist fernzuhalten von M a g d e- bürg, weil dort die Kupferschmiede die Arbeit niedergelegt haben. Die Aussperrung der Heizungsmonteure und ihrer Helf er in Kie ist nach fünfwöchentlicher Dauer beendet worden und zwar zugunsten der Ausgesperrten, die nicht nur die geplanten Verschlechterungen abgewehrt, sondern auch noch Zugeständnisse errungen haben. Derl abgeschlossene Tarifvertrag gilt bis 1. April 1913. Der Lohn für Monteure wurde auf 76 Pf. festgesetzt, er steigt im zweiten Jahre auf 77, im dritten Jahre auf 79 Pf. Der Lohn der Helfer beträgt 55 Pf. und steigt nach einjähriger Tätigkeit auf 57 Pf. Die Ver- gütung für auswärtige Arbeit ist für die ersten drei Tage von 3 M. auf 3,50 M. erhöht worden, die beabsichtigte Zoneneinteilung wurde abgewehrt. In der vom Borstande deS Kieler Arbeitgeberverbandes ein- berufenen Sitzung wurden auch die Tarife für die übrigen Neben- berufe des Baugewerbes: Schlaffer, Dachdecker, Glaser, Schmiede, Stukkateure und Bildhauer endgültig zum Abschluß gebracht. In diesen Berufen war schon nach den neuen tariflichen Vereinbarungen gearbeitet, der endgültige Tarifabschluß bis zur Beendigung der Aussperrung im Heizungsfache hinausgeschoben worden. Von diesen Tarisen ist zu bemerken, daß der Stundenlohn für Bauschloffer von 55 Pf. auf 59 Pf. erhöht worden ist. Lohnbewegungen der Glasarbeiter. In Kauscha(Kreis Görlitz) haben bei der Firma Gebr. reiner vormals H e n f ch e l sämtliche Beleuchtungsglasarbeiter am Sonnabend, den 4. Juni, die Arbeit eingestellt. Es kommen 66 Arbeiter in Betracht. Den Grund zur Arbeitsniederlegung gab eine Lohnreduktion von 15 Proz., auf die die Arbeiter unter keinen Umständen eingehen konnten. Es ergeht an alle BeleuchtungSglas- arbeiter das dringende Ersuchen, Raufcha zu meiden. In W o I f r a t s h a u s e n bei München wurden die gesamten dort beschäftigten 80 Glasarbeiter von der Firma gekündigt. Die -irma will aber keineswegs den Betrieb einstellen, sondern sie ist emüht, Arbeiter aus Oesterreich zu billigeren Löhnen einzustellen. In der Chemischen Fabrik Griesheim Elektron zu Frank« furt a. M. sind am Mittwoch 70 Arbeiter grundlos entlassen worden. Wegen dieser brutalen Maßnahme hat sich der übrigen Ar- beiter eine große Erregung bemächtigt, weshalb ein Ausstand des gesamten Personals in Aussicht steht. Mitgliederschwindsucht bei den Gelbe«. Mit dem.Nationalen Arbeiterverein Werk Krupp* in Essen ist es, nachdem so ziemlich alle widerstandsunfähigen Elemente für den Verein eingefangen waren, nicht besonders rosig bestellt. Unter dem 6. Juni versendet der Verein folgendes gedruckte Schreiben an die säumigen Mitglieder: .Nach unserer Beitragsliste haben Sie weder den seit fünf Monaten fälligen Beitrag für das erste Vierteljahr, noch den ebenfalls seid Wochen fälligen Beitrag für das zweite Vierteljahr 1910 entrichtet. Unsere an Sie ergangene schriftliche Mahnung, sowie die wiederholte Aufforderung im.Bund* haben Sie zu unserem Bedauern auch nicht beachtet. Für den Fall, daß die Zahlung nunmehr nicht innerhalb vier Wocheu erfolgt, müffen wir annehmen, daß Sie auf die Bei- beHaltung der Mitgliedschaft keinen Wert legen und gemäß§ 4, Absatz 2 Buchstabe o der Satzungen aus unserem Verein auS- geschloffen zu werden wünschen. Sollten wir mit dieser Annahme sehlgehen, indem ein anderer Grund für den Rückstand vorliegt, so bitten wir um unverzügliche Mitteilung.* Schmerz laß nach!_ Lohnbewegung der städtischen Arbeiter in Köln. Die im freien Verbände der Gemeinde- und StaatSarbeiter organisierten Arbeiter der städtischen kölnischen Betriebe sind in eine Lohnbewegung eingetreten. Ihre Forderungen find: Einführung neunstündigen Arbeitszeit, Umwandlung der Tagelöhne in Wochen« löhne und Aufbesserung sämtlicher Löhne um 2 M. pro Woche be' dem nächsten Lohnsteigerungstermin. Die Arbeiter begründen ihr« Forderungen in einer 12 Seiten starken Denkschrift an den Ober- bürgermeister und die Stadtverordneten. Wie verlautet, wollen die christlich organisierten Arbeiter ebenfalls Forderungen stellen. Ausland. Die Brüsseler Sattlerorganisationsleitung teilt mit, daß im Ge-' schäfte von Charles ein Streik ausgebrochen ist, an dem 72 Kollegen beteiligt sind. Es handelt sich um eine Erhöhung des Lohnes und eine Regelung der Arbeitszeit. Die Brüsseler Kollegen bitten daher, bis zur Beendigung des Streiks Brüssel zu meiden._ Strahenbahnerstreik in Paris. Paris, 3. Juni. Die Arbeiter und Angestellten der Nordstraßen- bahngesellschaft hielten vergangene Nacht eine Versammlung ab. welche um 3 Uhr morgens endigte und worin nach einstimmiger Annahme von scharfen Protestresolutionen gegen� das Vorgehen der Straßenbahndirektion schließlich der Generalausstand der«rraßen- bahner beschlossen wurde. Auf den nördlichen Pariser Trambahn- linien verkehrt heute kein Wagen. An dem Ausstand dürften sich un- gefähr 1800 Angestellte beteiligen und man befürchtet eine Aus- dehnung des Ausstandes auch auf andere Berkehrsunternehmungen. Achtung, Holzarbeiter! In Paris stehen seit zirka 4 Wochen die Arbeiter einer der größten Möbelfabriken Frankreichs, S a n a y s et Popot, in der Zahl von 250 Mann im Streik, und zwar sind daran beteiligt die Schreiner, Bildhauer, Tapezierer, Vergolder, Maschinenarbeiter usw. Nur einige Schreiner, darunter auch leider einige Deutsche, arbeiten als Streikbrecher weiter. Der Streik kam zum Ausbruch, weil die Firma den Arbeitern ein neues Reglement aufzwingen wollte. Einer Delegation der Arbeiter gegenüber er- klärte sich die Firma bereit, das Reglement zurückzunehmen, entließ aber am selben Tage einige Vertrauensleute, was als Maßregelung seitens der Arbeiter aufgefaßt wurde. Es kam aus diesem Grunde zur Arbeitseinstellung. Die deutschen Holzarbeiter werden dringend ersucht, den Zuzug nach diesem Betriebe zu verhindern, da die Firma versucht, ausländische Streikbrecher heranzuziehen. Versammlungen. Deutscher Transportarbeiterverband. Die Sektion I, Handels- arbeiter, war am Donnerstagabend in den„Arminhallen" ver- sammelt. Den Bericht über den außerordentlichen und den gemein- samen Verbandstag in Hamburg, über dessen Verlauf der„Vor- wärts" ausführlich berichtet hat, erstattete L u ck o w, der noch ein- mal ein Bild von der Arbeit und den Verhandlungen des Kon- grejses entwickelte, und wobei er besonders auf die Notwendigkeit der Pflege und des Ausbaues der Jugendorganisation hinwies, Notwendig sei es, ein besonderes Augenmerk auf die Organisierung der Jugendlichen in den Warenhäusern, die eine stattliche Zahl dar- stellen, zu richten. Viel Geld verschlingen die Rechtsschutzfälle in- folge der reichlichen Anzeigen der Kutscher und Chauffeure durch die Polizei. Eine Diskussion fand nicht statt. Zum Hauptvorstand sind folgende Kollegen in Vorschlag gebracht: Als Beisitzer P. Müller und Broetzke, als Rebisoren Fröhbrod und Millhahn. Berichtigung. Zu unserm Bericht in gestriger Nummer über die Protestversammlung gegen die Lustbarkeitssteuer werden wir gebeten, mitzuteilen, daß die Ausführungen in bezug auf die „Freie Volksbühne" vom Kassierer W i n k l e r gemacht wurden. Letzte Nacbncbten und Dcpefcben. Der Kampf geht weiter. Essen, 8. Juni.(Privatdepesche des„Vorwärts".) Die Verhandlungen der Arbeitgeber und Arbeitnehmer im Bau- gelverbe für den rheinisch-westsälischen Jndustriebezirk, die heute nachmittag in Essen geführt wurden, sind, da in keinem Punkte eine Einigung erzielt wurde, ergebnislos ab- gebrochen worden._ Aus den englischen Parlamenten. London, 8. Juni. In der Sitzung des Oberhauses er» klärte Rofeberh: Es war in keinem Fall meine Abficht, mit den Resolutionen heute vorzugehen. Ich gebe zu, ich hätte es sehr gern getan, aber ich habe von einflußreichen Kreisen die Mit- teilung erhalten, daß es nach Ansicht derjenigen, welche Wohl be. fähigt sind, ein Urteil abzugeben, besser sein würde, wenn ich nicht an dem ersten Tage nach dem Wiederzusammcntritt des Hauses vor. gehen würde. Offenbar herrschte bei denjenigen, welche dies sagten, die Idee vor, daß der kürzliche traurige Verlust der Nation als ein Anlaß ergriffen werden möge, einen Ausgleich in irgendwelcher Form zwischen den Forderungen beider Parteien zustande zu bringen. Bei meinen Resolutionen handelt es sich um Prinzipien, welche daS Oberhaus für künstige Reformpläne aufzustellen wünscht, die von einer künftigen Regierung durchgeführt werden mögen. Unsere Resolutionen haben mit den Betoresolutionen der Regierung nichts zu tun. Wenn ich erkläre, daß ich mit meinen Resolutionen heute nicht vorgehen will, so habe ich doch nicht die Absicht, sie zu verschieben, als ob sie mit den Resolutionen der Re- gierung in Beziehung ständen. Unsere Resolutionen nehmen eine gesonderte Stellung ein und obschon ich absichtlich weder direkt noch indirekt irgend etwas tun werde, um eine Animosität hervorzu- rufen oder die Neigung zum Frieden zu hemmen, so müssen doch unsere Resolutionen unserem eigenen Ermessen überlassen bleiben, London, 8. Juni.(Unterhaus.) Gibson BowleS fragte im weiteren Verlauf der Sitzung an, ob sich im Auswärtigen Amt irgend ein Nachweis über einleitende Verhandlungen sinde, welche im Jahre 1899 oder 1991 zwischen England und Deutsch- land im Betreff des Beitritts Englands zum Dreibunde stattge- funden hatten, ob irgend welche hierauf bezüglichen Papiere existierten, ob irgend welche einleitenden Verhandlungn im Ja- nuar 1901 angefangen und im März 1901 abgebrochen worden seien im Betreff eine? Unternehmens oder irgend einer gemein- famcn Aktion mit Deutschland, und schließlich, ob irgend ein be- züglicher Schriftwechsel existiere, welcher auf den Tisch des Hanfes gelegt werden könne. Sir Edward Grey erwiderte: ich kann Fragen dieser Art über die Beziehungen zwischen England und anderen Mächten, die vor zehn Jahren bestanden haben. nicht beantworten._ Vom Blitz getötet. Troppau, 8. Juni.(B. H.) In Löbnitz, einem Vororts von Troppau wurden drei Frauen, welche auf einem R ü b e n< felde arbeiteten, vom Blitze getroffen und alle drei sehr schwer verletzt. Die Cholera in Russland. Petersburg, 8. Juni.(W. T. B.) Das Dougebiet und die Stadthauptmannschaft Kertsch Jenikals sind für cholerabedroht erklärt worden. Zur Bergung des„Pluviose". Calais, 8. Juni.(W. T. B.) Infolge des günstigen WetierS haben die Taucher den„Pluvio'e" mit sieben Ketten an die Hebe- prühme befestigt. Es besteht die Hoffnung, den„Pluviose": bei der nächsten Flut zu heben und ihn gegen Mitternacht ein- schleppen zu können. j: Berantw. Redakt.: Richard Barth, Berlin. Inseratenteil verantw.; H, Glocke. Berlin. Druck u.Lerlaa:BorwärtSBuchdr.n.Lerlaa»anftitti PauISingerchCo„Berlin2M. Hierzu 3 Beilagen u.Unterhaltunatht, Ar. 132. 27. Jahrgang. 1. KnW ilrs Jstmätfs" Iftlintt AlksdIM Dstmerstag. S. Inn! ISIS. /Zbgeorclnetendaus. Kt. Sitzung, Mittwoch, den 8. Juni, vormittags 11 Uhr. Auf der Tagesordnung steht zunächst die Beratung der allge- ««einen Rechnung über den Etat von 1906. Abg. Graf Clairon d'Haussonville(k.) ersucht die Rechnungs- kommission um zeitigere Vorlegung solcher Rechnungen, da- mit eine wirkliche Prüfung möglich werde. Die Rechnung wird genehmigt. Es folgt die dritte Beratung des Gesetzes, betreffend die Reisekosten der Staatsbeamten. Die Nationalliberalen haben den in zweiter Lesung abge- lehnten Antrag auf Wiederherstellung der Regierungsvorlage im K 1(Tagegelder für aktive Minister, Beamte der ersten bezw. zweiten und dritten Rangklasse von SS, 28 und 22 M., statt 30, 25 und 20 M. nach den Kommissionsbeschlüssen) wieder eingebracht. Nachdem mehrere Redner für und gegen den Antrag gesprochen haben, wird das Gesetz mit dem Antrage und einer Aenderung in beziig auf die Dienstreisen, die an einem oder zwei Tagen beendet werden, angenommen. Es folgen Petitionen. Eine Petition des Verbandes der Konfitürenhändler Deutsch lands um Ablehnung jeder weiteren Einschränkung der Verkaufszeit an Sonn- und Feiertagen bean- tragt die Kommission zur Erwägung zu überweisen. Abg. Hoffmann(Soz.): Wir beantragen, über diese Petition zur Tagesordnung überzugehen. Die Gründe, die von den Konfitürenhändlern angeführt werden, sind dieselben, die bisher von allen Berufen in der ersten Zeit gegen die Sonntagsruhe ins Feld geführt worden sind. Man hat immer von Vernichtung der Gewerbe usw. ge» sprachen, aber wir haben �erleben müssen, datz gerade die Ge- schäftsleute, die gegen die Sonntagsruhe eingetreten waren, nach her sehr dankbar waren, wenn sie eingeführt war. Wenn man sich darauf beruft, daß meist selbständige Frauen, Witwen usw. von dieser Maßnahme schwer betroffen würden, so trifft das nicht zu. denn die Erfahrung beweist, daß das Publikum seine Einkäufe danach einrichtet. Auch bedürfen gerade diese Frauen, die wie Galeerensklaven die ganze Woche hinter den Ladentisch gebannt sind» dringend des freien Sonntags.(Sehr wahrl bei den Sozial- demokraten.) Dazu kommt, daß, wenn man mit dieser Begrün- düng Ausnahmen von der Sonntagsruhe gestattet, das ein An- reiz für andere Berufe, z. B. Großdestillateure, Zigarrenfabri- kanten usw. ist, statt eigene Filialen mit Angestellten zu errichten, überall kleine Läden zu mieten, wo sie Mädchen hineinsetzen, die auf ihren Name» das Geschäft übernehmen. Dadurch würde die Sonntagsruhe umgangen und außerdem sparen die betreffenden Unternehmer eine Menge Steuern.— Aus allen diesen Gründen bitte ich Sie also, über die Petition zur Tagesordnung überzu- gehen.(Bravo! bei den Sozialdemokraten.) Abg. Metzenthin(k.) empfiehlt den Antrag der Kommission, der einstimmig gefaßt sei.» Unter Ablehnung des Antrages auf Uebergang zur Tages. ordnung gegen die Stimmen der Sozialdemokraten und Freisinni- gen wird der Kommissionsantrag angenommen. Ueber eine Petition des Zentralverbandes der Handlungsgehilfen und»gehilfinnen Deutsch» lands um Schaffung öffentlich-rechtlicher Stellenvermittelung für Handlungsgehilfen, Beseitigung der gewerbsmäßigen Stellen, vermittelung und der gewerbsmäßigen Herausgabe von Vakanzen. listen beantragt die Kommission Uebergang zur Tage?» ordnung. Abg. Leinert(Soz.) begründet einen Antrag Borgmann, die Petition der Regie. rung zur Erwägung zu überweisen. Die Frage der Stellen. vermittelung der Handlungsgehilfen ist eine außerordentlich wichtige, und es würde ihrer Bedeutung nicht entsprechen, wenn man darüber einfach zur Tagesordnung übergehen würde.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Ganz unverständlich ist, wie kleines femlleton. gu Otto Nicolais 100. Geburtstag. Eine eigenartige Zufalls- tugung läßt das goldene Jubiläum der Wiener Philharmoniker in dasselbe Frühjahr fallen, in dem der hundertste Geburtstag des Begründers dieser Konzertgesellschaft gefeiert wird. Otto Nicolai, der am 9. Juni 1810— also einen Tag nach Robert Schumann— in Königsberg geboren wurde, ist weiteren Kreisen nur als Kom. ponist der»Lustigen Weiber von Windsor" bekannt, und dieses einzige Werk hat den Namen seines Schöpfers bis auf die Gegen- wart erhalten. Ein tragisches Schicksal setzte dem Schaffen des Hochbegabten ein frühzeitiges Ende— gerade als er den Aufstieg zu neuen künstlerischen Höhen begonnen hatte. Nicolai gehört zu jenen frühreifen Persönlichkeiten, die in unablässigem Tatendrang und rastlosem Streben sich selbst verzehren. Vom Vater zum Klaviervirtuosen bestimmt, verließ er als Sechzehnjähriger heim- lich das Elternhaus, um sich eine reichhaltigere musikalische Aus- bildung zu verschaffen. Von Berlin, wo er den Unterricht Zelter? und Bernhard Klein?— der beiden Lehrer Mendelssohns— ge- noß, führte ihn sein Weg nach Rom. Dort wirkte er in der Kapelle des preußischen Gesandten v. Bunsen als Organist, wäh. rend er gleichzeitig seine Studien bei dem berühmten Baini ab- schloß. Sein lebhafter Trieb zum Theater veranlaßte den Sieben- undzwanzigjährigen. eine Kapellmcisterstellung am Wiener Kärntertor-Theater anzunehmen, die er indesien bald aufgab, um sich der Komposition italienischer Modeopern zuzuwenden. Die schnellen Erfolge, die er auf diesem Gebiete errang, verschafften ihm 1841 einen Ruf als Kapellmeister an die Wiener Hofoper. Bis zum Jahre 1847 blieb er hier. Dann vertauschte er Wien mit Berlin, wo er als Operndirigent und Leiter des König- lichen Domchors wirken sollte. Doch nur zwei Jahre waren ihm noch zu leben beschieden. In dieser Zeit vollendete er sein popu- lärstes Werk, das er bereits in Wien begonnen hatte: die„Lustigen Weiber". Acht Wochen vor seinem Tode fand die erste Aufführung statt— am 11. Mai 1849 schloß der Ruhelose seine Augen für immer. Dieser frühe Tod macht es erklärlich, daß Nicolais übrige Werke ausnahmslos der Vergessenheit anheimgefallen sind. Auch die in letzter Zeit an einer Sinfonie und einer Weihnachts- ouvertüre mehrfach unternommenen Wiederbelebungsversuche haben keine dauernden Erfolge gehabt. Nicolai lebt und empfindet mit der Mode seiner Zeit. Und diese Mode ist für uns erstorben. Nur einmal spielte sie ihm ein Thema in die Hände, das alle originellen Quellen seiner Begabung aufdeckte. Der feine Humor, die schallhafte Liebenswürdigkeit, die zarte landschaftliche Stim» mungskunst, die launige Schilderung des Elfentreibens— alle diese Vorzüge der Lustigen-Weiber-Partitur wirken auch heute noch mit unverminderter Frische und sichern dem Schöpfer des an» niutigen Werkes dauerndes Weiterleben im Gedächtnis der Nach- Welt. Die Mntza- Indianer, die— wie die Zeitungen gestern meldeten— V a l l a d o l i d. die Hauptstadt des mexikanischen Staates Dukatan, angegriffen und geplündert haben, wohnen in den mexikanischen Staaten Chiapas und TabaSca und auf der Halbinsel Aukatan. In Dukatan bilden diese halbwilden Indianer die ganze Landbevölkerung und in den Städten wenigstens die Mehrzahl der 1 als Grund des Beschlusses der Kommission angeführt werden kann, wie das in der Kommission geschehen ist, daß die gewerbsmäßigen Stellenvermittler bei einem Verbot der gewerbsmäßigen Stellen- vermittelung entschädigt werden müßten. Als es sich bei der Reichsfinanzreform darum handelte, daß Arbeiter durch die Ge- setzgebung brotlos würden, hat man verschiedentlich unseren An» trag auf Entschädigung dieser Arbeiter abgelehnt. Im übrigen gibt es unter den gewerbsmäßigen Stellenvermittlern auch recht viele Parasiten, die einen höchst unmoralischen Gewinn aus der Ausbeutung arbeitsloser und mittelloser Menschen ziehen.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Es ist dringend notwendig, daß auch im Handelsgewerbe die paritätischen Arbeitsnachweise eingeführt werden. Die große Masse der Handlungsgehilfen weiß heute überhaupt nicht, wo Vakanzen vorhanden sind. Im allge- meinen steht man ja hier im Hause solchen paritätischen Arbeits- nachweisen wenig freundlich gegenüber. Es muß dafür gesorgt werden, daß auch die Handlungsgehilfen den bestehenden paritä- tischen Arbeitsnachweisen der Gemeinden angegliedert werden. Aus allen diesen Gründen verlangen wir, daß die Regierung diese Frage wenigstens in Erwägung zieht.(Bravo! bei den Sozial. demokraten.) Abg. GiesbcrtS(Z.) beantragt, die Petition der Regierung als Material zu überweisen. Es gäbe auch andere Berufe, bei denen eine öffentliche rechtliche Stellenvermittelung dringend not- wendig sei. Abg. Gantert(Fortschr. Vp.) stimmt dem Antrage GieS- berts zu. Abg. Leinert(Soz.): Wenn wir der Regierung die Petition zur Erwägung über. weisen, so schließt das natürlich nicht aus. daß die Regierung dabei auch andere Berufe in Erwägung zieht. Wir halten daher unseren Antrag aufrecht, werden aber im Falle seiner Ablehnung für den Antrag GieSberts stimmen. Unter Ablehnung dcS Antrages Borgmann wird hierauf der Antrag GieSberts auf Ucberweisung der Petition als Mate ria angenommen. Es folgt die Beratung dcS Antrages Strosser(k.), die Regierung aufzufordern, die ihr unterstellten Polizeiorgane anzuweisen, dahin zu wirken, daß die für den Verkehr mit Kraftfahrzeugen erlassenen gesetzlichen Bestimmungen und polizeilichen Vorschriften auch befolgt werden und auf besonders verkehrsreichen Straßen die Personenbeförderung mit Kraftfahrzeugen auf die engsten Grenzen eingeschränkt oder wo nötig, ganz untersagt wird. Abg. Strosscr(k.): ES ist unbegreiflich, daß jetzt sogar der Berliner Polizeipräsident die zulässige Geschwindigkeit der Auto- mobile von 15 auf 25 Kilometer erhöht hat. Wir verlangen die Beseitigung der ZuverlässigkeitS- und Schnellig- k e i t s f a h r t e n, die für den Unbeteiligten viele Gefahren mit sich bringen. Das hat fich wieder bei der P r i n z> H e i n r i ch> Fahrt gezeigt. Die Herren Automobilisten sollten sich eigene B a b n e n bauen. Ein Kommissar aus dem Ministerium der öffentlichen Arbeiten betont, daß von der Regierung eine strenge Durchführung der Be- stimmungen über den Verkehr mit Kraftfahrzeugen durchaus verlangt würde. Der Forderung, auf besonder? verkehrsreichen Straßen die Personenbeförderung mit Kraftfahrzeugen möglichst ein- zuschränken oder ganz zu untersagen, könne nn allgememen nicht entsprochen werden. Was die Wettfahrten anbetrifft, so sind nur Zuverlässigkeitsfahrten und Schnelligkcitsprüfungen über kurze Strecken erlaubt. Die Industrie kann solche Veranstaltungen nicht entbehren, und da wir noch keine Bahnen haben, um diese Fahrten zu veranstalten, können wir Straßenwettfahrten noch nicht verbieten. Sehr wichtig ist die Frage, aus was für Elementen sich der Chauffeur- stand zusammensetzt. Das Material bessert fich fortgesetzt, namentlich seit der Bundesrat Bestimmungen über die Prüfung der Chauffeure erlassen hat. Ein Kommissar des Ministeriums des Innern schließt fich den Ausführungen des Vorredners an. Abg. Freiherr v. Zedlitz(k.) beantragt, über die Teile des An- träges gesondert abzustimmen. Abg. Freiherr v. Eynatten(Z.): Bei unS auf dem Lande sieht die Bevölkerung mitsteigender Erbitterung dem Automobil- Einwohner. Sie halten zueinander, verraten sich in keinem Falle, so daß ihnen die mexikanische Regierung völlig machtlos gegenüber- steht. Ihre Sprache(die Mayasprache) ist noch heute sehr weit ver- breitet; sie gehört zur huaptekischen Sprachfamilte und zerfällt m fünf Dialekte: das Lacandon, Peten, Karibeh, Chamabal und Purutuna. Die angegriffene und geplünderte Stadt Valladolid, im Jahre 1643 gegründet, liegt im Osten von Dukatan, hat ein sehr schönes, gesundes Klima, viele einst herrliche, aber im Ausstand von 1843 zerstörte Gebäude(wie die Kathedrale und das Franziskanerkloster) und etwa 5000 Einwohner. Südlich von der Stadt liegen die Welt- berühmten altindianischen Ruinen von Chichen-Jtza, westlich die von Tinun. Jene ist nicht sowohl einzelne Ruine als vielmehr eine ganze— und noch dazu recht ansehnliche— Ruinenstadt, die in- mitten einer waldbedeckten Ebene liegt. In Jahren großer Trocken- heit brachte man hier den Regengottheiten kostbare Steine und kleine Kinder zum Opfer, die von einem kleinen, am oberen Rande des Felsens gelegenen Tempel aus ins Wasser gestürzt wurden. Die Ruinen bedecken jetzt eine Fläche von fast 3 Kilometer. Hitze und Kleidcrfarde. Im allgemeinen hält man Weiß für die Farbe, die bei großer Hitze für unsere Kleidung am besten ge- wählt wird. Früher hat man sich nicht viel Gedanken darüber ge- macht, ob dieser Brauch wirklich schon das Zweckmäßigste darstellt. Da jetzt aber mehr und mehr Europäer Gelegenheit haben, auch in den Tropen Erfahrungen zu sammeln, wo eine Hitze, wie sie uns die ersten Junitage gebracht haben, Wochen- und monatelang herrscht, hat man Versuche mit noch anderen Farben der Kleider angestellt. Besonders bekannt ist in dieser Hinsicht das Khaki geworden, das sogar vorübergehend die große Mode in Europa zu beeinflussen versucht hat. Die Bezeichnung„Khaki" be- zieht sich aber mehr auf den Stoff als auf dessen Farbe, und es bleibt noch immer Spielraum zu weiteren Prüfungen. In ver- schiedenen Tropenarmeen, namentlich in Indien, hat man in den letzten Jahren probeweise Kleidungsstücke von orangeroter Farbe gewählt, man scheint damit aber auch nicht das Richtige ge- troffen zu haben. Nach einem jetzt erschienenen amtlichen Bericht aus Indien wurde dort die Hälfte jeder Kompagnie mit weißen, die andere Hälfte mit orangeroten Uniformen ein und desselben Gewebes bekleidet. Sodann wurde ein ganzes Jahr lang genau über den Gesund- heitszustand der Soldaten Buch geführt, auch Gewichtsprüfungen und Blutuntersuchungen vorgenommen. Es stellte sich heraus, daß beide Gruppen gleich viel Krankheiten aufzuweisen hatten, auch unter der Sonne in gleichem Grade iitten. daß aber die orangerote Gruppe zu übermäßiger Schweißabsonderung neigte und infolgedessen stärkeren Gewichtsverlust und eine Blutverdickung erfuhr. Dieser Umstand erklärt sich daraus, daß die farbigen Stoffe die Sonnen- strahlen mehr aufnehmen als weiße. Danach scheint die alte Ge- wohnheit. weißen Kleidern im Sommer den Vorzug zu geben, tat- sächlich das Richtige und Beste getroffen zu haben. Humor und Satire. Was witzige Männer sagten! Karl der Einfältige fragte seinen Hofnarren: „Wollen wir tauschen?" „Nein. Majestät," gab der Narr zur Antwort. „Würdest Du Dich denn schämen, König zu sein?" fragte der Herrscher erstaunt. unfug zu. ES muß einmal hier öffentlich ausgesprochen werden, daß die Regierung nicht mit der nötigen Energie vorgeht, weil gewisse hochgestellte Persönlichkeiten besondere Freunde und Anhänger des Automobilsports sind.(Sehr richtig I) Wenn die Regierung eS nicht weiß, wir wissen es. Wir wissen, wie eS koinmt, daß alle unsere Reden hier nichts nützen. Abg. Röchling(natl.): Die Hauptsache ist nicht die Ein- schränkung der Geschwindigkeit, sondern die Erhöhung der Ouali- fikation der Fahrer. Abg. Strosser(k): Ich bedauere, daß die Regierung auch heute noch auf dem Standpunkt steht, daß die Landstraßen den, Automobil- verkehr gehören. Wir müssen dagegen protestieren, daß Landstraße» meilenweit für den Verkehr gesperrt werden im Interesse der Automobilrcnnen.(Bravo!) Die Landstraßen um V e r l i n herum, der ganze Grunewald, ist an trockenen Sonntagen z. B. durch die Automobile total verstaubt und für die Hunderttausende fleißiger Berliner, die am Sonntag ihre Erholung suchen, unpassier- bar.(Sehr richtig I> Die Fußgänger sind doch sozusagen auch noch Menschen l(Bravo I) Der Antrag S t r o s s e r wird in beiden Teilen angenommen. Abg. Ecker-Winsen(natl.) begründet einen Antrag, die Regierung zu ersuchen, vom Jahre 1911 an für hauswirtschaftliche Unterweisung der weiblichen ländlichen Jugend erhöhte Mittel in den Etat der landwirtschaftlichen Verwaltung einzustellen. Hierzu liegt ein Antrag Borgmann(Soz.) vor, den Antrag in folgender Fastung anzunehmen:„Vom Jahre 1911 an für Haus- wirtschaftliche Unterweisung der weiblichen Jugend erhöhte Mittel in die Etats der landwirtschaftlichen Verwaltung und der Handels« und Gewerbeverwaltung einzustellen." Der Antrag findet nicht die genügende Unterstützung von 80 Mitgliedern des Hauses. Abg. Leinert(Soz.): Ich bedauere, daß unser Antrag nicht die nötige Unterstützung gefunden hat. Die Herren Antragsteller hatten mir vorhin erklärt, daß sie mit ihm einverstanden seien und dafür stimmen würden. Wir halten es für dringend notwendig, daß die weibliche Jugend nicht nur auf dem Lande, sondern auch in den Städten Hauswirt- schaftlichen Unterricht erhält. Heute ist das Kultusministerium, das Landwirtschaftsministerium und das Handelsministerium an den Ausgaben für den Hauswirt- schaftlichen Unterricht beteiligt. Diese Zerteilung schadet der Sache, sie müßte in einem Reffort einheitlich geregelt werden. Die Herren der Rechten werfen den Arbeiterinnen immer vor, daß sie vom Hans- halt nichts verstünden und vergessen dabei, daß nicht die Arbeite- rinnen daran schuld sind, sondern die wirtschaftlichen Ber- Hältnisse. So veröffentlichte die„Deutsche Tageszeitung" auS Anlaß der Fleischverteuerung eine völlig absurde Zuschrift aus Schlesien, worin behauptet wurde, daß die Arbeiterfrauen keine Ahnung vom Kochen hätten. Es gäbe Frauen, die kaum einen Topf Kaffee oder Kartoffeln kochen könnten. AuS Beguemlichkeit täten die Arbeiterinnen einfach ein Stück Wurst in einen Topf mit kochendem Waffer oder benutzten als SonntagSeffen gehacktes Fleisch, das auch nicht viel Arbeit mache, in dieser Form ist eine solche Be- hauptung eine Beleidigung für die Arbeiterfrauen. Aber waS soll man schließlich von den Frauen verlangen, die nie die Fürsorge in ihrer Jugend kennen gelernt haben, wie die Töchter der Neichen, sondern die gleich nach der Schule in die Fabrik kommen und noch als Frauen weiterarbeiten müssen. Die Zahl der in der Industrie tätigen Frauen betrug im Jahre 1909 über eine halbe Million, 21 000 mehr als 1908. Die Berichte der Gewerbeinspektoren bestätigen, wie traurig die Lage der Arbeiterinnen ist und auch, daß besser entlohnte Arbeiter ein besseres Hauswesen haben. Es fehlt vor allem an dem hauswirtschaftlichrn Unterricht in der Volksschule. Ein besonderes trauriges Zeichen der preußischen Unkultur ist auch der Mangel an geeigneten Lehrerinnen für den hauswirtschaftlichen Unterricht. Heute werden die Kräfte aus den höheren Töchterschulen genommen. Meist fehlt aber den Töchtern der besitzenden Klassen die Kenntnis der Ver- Hältnisse der Arbeiterklasse. Wir verlangen, daß der Staat die nötigen Einrichtungen schafft für die Erteilung eine? brauchbaren wirtschaftlichen Unterrichts an die gesamte Arbeiterjugend in Stadt und Land. Nicht als Sport oder als besondere Wohltat für die Arbeiter, sondern im Interesse der Hebung der kulturellen Ver- „Da? nicht," erwiderte sein Spaßmacher,»aber ich würde mich eines solchen Narren schämen I" » Der französische Philosoph und Schriftsteller Fontenelle lag in den letzten Zügen. Ein Freund, der an seinem vettrand saß. fragte ihn teilnehmend mit leiser Stimme: „Wie geht's?' „ES geht überhaupt nicht mehr," antwortete ebenso leise der Sterbende.„Ich gehe!" In Gegenwart einiger hochgeborener Studenten stellte der Mathematiker und Physiker Kästner Beobachtungen mit einem Fernrohr an. Dabei lief ihm ein junger, lebhafter Prinz mehrere Male vor dem TubuS vorüber, so daß Kästner immer wieder in seinen Beob» achtungen gestört wurde. Zweimal ließ sich der Mathematiker das gefallen, da? dritte Mal runzelte er die Stirn und fixierte den Prinzen. Als es aber zum vierten Male passierte, wandte er sich mit den Worten an ihn: „Durch l a u ch t i g mögen Ew. Hoheit immerhin sein, aber durch- sichtig sind Sie darum noch lange nicht!" Gegen den Rat seiner Minister wollte Georg II. eine bedeutende Stelle an einen seiner Günstlinge vergeben. Die Minister boten alles auf, um ihn von diesem Entschluß abzubringen, aber«S nützte nichts. So brachte ihm endlich Lord Chesterfield das Dekret, damit er den Namen und seine Unterschrift eintrüge. Der Minister war eisig ehrerbietig. „Wem geruhen also Majestät die Stelle zu geben?" Gerade diese Unterwürfigkeit des LordS machte den König wankend. „Gebt sie dem Teufel meinetwegen l" sagte er ärgerlich. Chesterfield verzog keine Miene und fragte: „Befehlen Ew. Majestät, daß die Formel beibehalten werde: „Unserem getreuen, vielgeliebten Vetter"?" Der König sah den Lord überrascht an, mußte lachen und gab nach. An einem Platz, auf dem ein Denkmal für den LandcSfürsten errichtet werden sollte, waren Arbeiter mit den Grabungen dafür beschäftigt. Saphir kam dazu und stellte sich hin, um den Leuten bei ihrer Arbeit zuzusehen. Nach einiger Zeit gesellte sich ein Herr zu ihm, besichtigte eben- falls mit Interesse die Arbeiten und sagte zu Saphir: „Entschuldigen Sie I Warum wird denn hier so tief gegraben?" „Die Leute können keinen Grund zu dem Denkmal finden!" lautete die Antwort. (Aus dem Buche„Dreimal hunderttausend Teufel", da? soeben bei Robert Lutz in Stuttgart erschienen ist und zu dem Adolf Saager die Anekdoten gesammelt und verarbeitet hat. Da? Buch kostet brosch. 2 M, geb. 3 M.) YSltnisse des gesamten Volkes fordern vir diesen Unterricht,(©ratio l bei den Sozialdemokraten.) Mg Brandhuber(Z.) tritt für den Antrag ein im Hinblick auf die guten Erfahrungen in Baden und der Schweiz. Abg. GicSlierts(Z.): Ich begrüße den sozialdemokratischen Antrag und nehme ihn auf. Ich möchte aber feststellen, daß die private Initiative auf dem Gebiete des hauswirtschaftlichen Unter- richts nicht von der Sozialdemokratie, sondern von anderen Parteien gekommen ist. Speziell Professor Hitze ist von der Sozial- demokratie viel geschmäht worden wegen seines bahnbrechenden Buches auf dem Gebiete, aus dem man ein Rezept herausgriff, durch welche» den Arbeiterfrauen empfohlen wurde, auch in der Zeit der Arbeitslosigkeit möglichst ihrer Familie etwas Warmes zu bieten. Heute finden wir in der sozialdemokratischen Presse genau dieselben Rezepte. Abg. Schepp(Fortschr. Bp.) tritt für den Antrag ein. Abg. Leinert(Soz.): Ich habe kein Gewicht gelegt auf die Wohltätigkeit der reichen Kreise, sondern die Aufgabe des Staates betont. WaS das Buch von Hitze betrifft, so ist es merkwürdig: erst verteuern sie den Arbeitern die Lebensmittel durch ihre Zoll- und Steuerpolitik und dann erteilen Sie ihnen gute Ratschläge, wie sie mit Bettelsuppen sich langsam durchhungern könnten. Der hauswirtschastliche Unterricht soll nicht etwa erteilt werden, um die Möglichkeit zu schaffen, mit IV bis 19 M. Lohn in der Woche auszukommen, sondern er soll den Arbeiterinnen zeigen, daß mehr zum Leben gehört, als die Arbeiter heute meist verdienen, und sie so auf eine höhere Kulturstufe heben.(Sehr wahrl bei den Sozialdemokraten.) Für den Zentrumsantrag werden wir natürlich stimmen; ich stelle aber fest, daß der Antrag von uns ausgegangen ist. Abg. GieStertS(g.): Di« Priorität will ich der Sozialdemokratie durchaus nicht bestreiten, auch bin ich mit Herrn Leinert in der Sache selbst ganz einer Meinung. Nur kann kein« Rede davon sein, daß Herr Hitze die Arbeiter mit Bettelsuppen abfinden wollte. Sie werden den christlichen Gewerkschaften nicht bestreiten, daß sie für die Berbesserung der Lohn- und Arbeitsverhältnisse eintreten. Damit schließt die Debatte. Der Antrag Ecker« Winsen und der vom Zentrum aufgenommene Antrag Borgmann gehen an die Budgetkommission. Ein weiterer Antrag E ck» r- Winsen(natl.), die Regierung möge die auf Schaffung von Naturschutzparks gerichteten Be« strebungen unterstützen, wird nach kurzer Debatte an di««grar- k o m m i s s i o n verwiesen. Ein Antrag Beyer« Dortmund(g.) betreffend Erhöhung der Staatszuschüsse zur Pensionskasse der Eisenbahn- arbeiter wird für erledigt erklärt, nachdem ein Regierungsvertreter erklärt hat, daß schon am 1. Juli d. I. eine Erhöhung dieser Zuschüsse eintreten werde. Die Ansiedelungsdenkschrift wird nach einigen Aul« führungen deS Abg. G l a tz e l(natl.), der die gortführuna der An« siedelungspolitik als«ine staatliche und nationale Pflicht bezeichnet, durch Kenntnisnahme für erledigt erklärt.' Hierauf vertagt sich da« HauS. Nächste Sitzung: Donnerstag 11 Uhr: Interpellationen über die Borromäus-Snzyklika, zweite und dritte Lesung der Vorlage betreffend die Erhöhung der givtlltst«. Schluß t'/« Uhr._ Bus der ßeichsverncherungsordDungs- hommlfflon. Sitzung vom Mittwoch, S. Juni 1910. Dem Antrage der Sozialdemokraten, den Kranken- vevstcherungszwang auf die Lehrlinge auszudehnen, die nicht gegen Entgelt beschäftigt werden, hatten sich inzwischen die Na- tionalliberalen angeschlossen. Auch oaS Zentrum trat dafür ein. Dabei herrscht« Uebereinstimmung darüber, daß diesen Lehrlingen nicht wie den anderen Versicherten, die gegen Entgelt beschäftigt sind, ein Krankengeld gewährt werden kann. Maßgebend müßte aber sein, daß diese Lehrlinge im Falle einer Krankheit der Pflege und ärztlichen Hilfe bedürftig seien. Diese müßte ihnen durch die Krankenversicheruiig gesichert werden. Die Regierungsvertreter erkannten diesen Grund als berechtigt an. Es komme jedoch nur ganz selten vor, daß Lehr» linge ohne Entgelt beschäftigt würden. Die Sozialdemo- kra ten versickierten aber, oaß solche Fälle durchaus nicht so selten seien, namentlich in der ersten Zeit de» Lehrverhältnisses. Das bestätigte auch der Abg. Irl vom Zentrum. Die Konservativen wandten sich gegen den Antrag. Ebenso warnte der Redner der Fortschrittlichen Volks- Partei davor, die Staatsfürsorge auf immer weitere Personen» kreise auszudehnen. Schließlich wurde der Antrag gegen die Stimmen der Konservativen, Fortschrittlichen Volkspartei und des Abg. Erzberger angenommen. Eigenartig gestaltete sich die Debatte über den weiteren An- trag der Sozialdemokraten, den Krankenversicherungs- zwang auf die selbständigen Gewerbetreibenden auszudehnen. Für die Ausdehnung sprach sich sehr entschieden auch der freiionservattve Abg. v. G a m p aus. Dt« bürgerlichen Par- teien, rief er aus, haben schon so lange den Handiverkern Versprechungen gemacht, daß unbedingt de, dieser Reform auch eine Verbesserung für die Handwerker erreicht werden müsse. Auf der anderen Seite nahmen die Z e n t r u m S abgeordneten „grundsätzlich" Stellung gegen die Anregung. Sie würden unbe- dingt auch fernerhin daran festhalten, daß die Arbeiterverstchcrung nur für die Arbeiter, nicht aber für die selbständigen Gewerbe- treibenden bestimmt sei. Dem schlössen sich die Konserva- tiven und F o r t s ch r t t t l er an. Letztere fügten hinzu, daß gerade den kleineren selbständigen Gewerbetreibenden ihr gutes Fortkommen durch die Beiträge für die obligatorische Kranken- Versicherung sebr erschwert werde. Die Sozialdemokraten antworteten, daß e« aber für dte kleineren Geschäftsleute noch viel schlimmer sei, wenn sie in Krankheiten ohne H i lfe dastehen. Ferner seien viele kleine Geschäftsleute in Wahrheit nicht mehr wirtschaftlich selbständig. Endlich sei es ungerecht, daß die Handwerker in jungen Jahren, solange sie als Geselle usw. arbeiten, versicherungspflichtig find und Kassenbeiträge befahlen müssen. In dieser Zeit sind sie in der Regel verhältnismäßig selten krank. In späteren Jahren aber, wenn sie häufiger von Krankheiten heimgesucht würden, dann würden sie nach der Vorlage nicht mehr in der Krankenversicherung sein, weil sie inzwischen ein eigene« Gesckäft begonnen haben und damit von der Versicherungspflicht befreit worden seien.— Die Ausdehnung de» VersichcrungSzwanges wurde aber mi t allen Stimmen gegen die der Sozialdemokraten und der Fretkonservativen abgelehnt. Für die Ausdehnung des Bersicherungszwanges auf die etwas besser ge st eilten Werkmeister, Techniker. Handlungsgehilfen usw. sprachen sich die Sozial- demotraten, das Zentrum und die Nationallibe- r u l e n aas. Aber die beiden letzten Parteien bemühten sich, diese Verbesserung möglichst einzuschränken. Die Sozialdemokraten hatten beantragt, daß der Ver- sicherungSzwang, der nach dem geltenden Gesetz nur für die An- gestellten mit einem JahrcSgehalte bis zu LllOV M. besteht, auf alle Angestellte mit einem JahreSgehalt bis zu 5000 M. ausgedehnt werde. Sie erinnerten daran, daß bereits im Jahre 1899 die Grenze für die Unfallversicherung auf 8000 M. erhöht worden sei. Nach den vorliegenden Statistiken sei aber jetzt, zumal mit Rück- ficht auf die Verteuerung der Lebenshaltung, die Grenze bei dem JahreSgehalt von V(XX1 M. festzulegen. Trotzdem kam daS Zentrum mit dem Antrage, da» JahreSgehalt von 8000 M. und schließlich die Nationalliberalen mit dem Anfrage, da? JahreSgehakk von 8500 M. maßgebend sein g« lassen. Die Konservatiben wollten die Angestellten auf daS angeblich noch im nächsten Winter kommende Versicherungsgesetz für die Privatbeamtcn vertrösten. Sie mußten sich aber belehren lassen, daß das Gesetz mit der Krankenversicherung gar nichts zu tun haben würde. Bei der Abstimmung wurde der Antrag der Sozialdemokraten mit allen Stimmen gegen die der Antragsteller abgelehnt. Auch der Zentrumsantrag fand keine Mehrheit, weil die National- liberalen nicht dafür stimmten. Erst der Antrag der National- liberalen wurde gegen die Stimmen der Konservativen und der Fortschrittler angenommen. Dann wurde noch hinzugefügt, daß Betriebsbeamte, Werk- Meister, Techniker sowie andere in gehobener Stellung befindliche Angestellte nur dann dem Versicherungszwange unterliegen, wenn diese Beschäftigung ihren Hauptberuf bildet. Die Schiffsbesatzung deutscher Seefahrzeuge ist nach der Vorlage dem Versicherungszwange nur unterstellt, soweit sie weder unter die ZK 59 bis 62 der Seemannsordnung, noch unter die KZ 553— 553b des Handelsgesetzbuches fällt. Die Sozial- demokraten beantragten, daß diese Beschränkung gestrichen werde, da die Fürsorge nach den besonderen Bestimmungen der Seemannsordnung und des Handelsgesetzbuchs nicht in allen Punkten der Fürsorge nach dem Krankenversicherungsgesetz ent« spricht. Der Antrag wurde jedoch gegen die Stimmen der Sozialdemokraten abgelehnt. Die Vorlage wollte dem Gemeindoverband die Befugnis geben, für seinen Bezirk oder Teile davon die Versicherung statutarisch auf Familienangehörige des Arbeitgebers auszudehnen, die ohne Entgelt und Arbeitsvertrag in seinem Betriebe tätig sind. Solche Bestimmungen sollten vom Oberversicherungsamt genehmigt und veröffentlicht werden. Auf Antrag des Zentrums wurden diese Bestimmungen gestrichen. Nächste Sitzung morgen. Bus der luftizfeommiffion. Die Beratungen in der Mittwochsitzung begannen mit einem Antrag v. Dzicmbowski, einen§ 139» zu schaffen, in dem bestimmt wird, daß, wenn eS einem Angeschuldigten nicht gelingt, zu den Sätzen der Gebührenordnung einen bei einem deutschen Gericht zugelassenen Rechtsanwalt als Verteidiger zu erhalten, das Gericht einen Rechtsanwalt zu bestellen hat, der von dem Antragsteller nach den Bestimmungen der Gebühren- ordnung zu entschädigen ist. Gegen den Antrag wendeten sich Redner deS Zentrums und der Nationalliberalen. Unsere Ge- nossen traten für den Antrag ein und sprachen gegen einen An- trag deS ZcntrumSabgeordneten Maher-Kaufbeuren, nach dem nur dann der Verteidiger zu stellen ist, wenn daS Verfahren nicht aussichtslos ist. Die Regierungsvertreter stellten sich dem An- trag sympathisch gegenüber. Als in der Diskussion ein national- liberaler Redner auf die im allgemeinen zu niedrig bemessenen Sätze der Gebührenordnung für Rechtsanwälte hinwies, erklärte einer der Reaicrungskommissare, daß bereits im Schöße der ver« bündeten Regierungen Erwägungen darüber gepflogen werden, die eine angemessene Erhöhung der Rechtsanwalts- gebühren zum Ziel haben. Nach Zurückziehung der vorliegen- den Anträge beschloß die Kommission, daß dem Beschuldigten dann ein Verteidiger zu stellen ist, wenn er einen in der Nähe des Ge- richte? wohnenden Verteidiger nicht erlangen konnte. Die Bei- ordnung im BerufungS- oder Revisionsverfahren unterbleibt, wenn die Anfechtung einer Entscheidung aussichtslos erscheint. Dem gestellten Verteidiger ist von dem Beschuldigten ein nach den Vor- schriften der Gebührenordnung zu bemessender Vorschuß zu zahlen. Einen Antraa, der in letzter Linie jede wirksame Verteidi- gungSmöglichkeit für den Verteidiger beseitigen würde, stellten die Konservativen. Sie forderten einen§ 146a, dessen zweiter Satz lautete:„Er(der Verteidiger) darf jedoch keine Handlungen vornehmen, die den Zweck verfolgen, die Ermittelung der Wahrheit zu verhindern oder zu erschweren oder den schuldigen Täter der Bestrafung zu entziehen." Gegen diese Forderung wendeten sich selbst die Regierungsvertreter. Der Antrag wurde mit Stimmengleichheit abgelehnt. Nach Z 147 hat der Verteidiger da« Recht, die gerichtlichen Akten einzusehen. Die Einsichtnahme kann verweigert werden, wenn dte Eröffnung des Hauptverfahrens noch nicht bean. tragt ist und durch die Einsichtnahme der Zweck der Untersuchung gefährdet werden könnte. Diese Beschränkungen zu beseitigen be- zweckten Anträge, die von den Polen und vom Abg. Gröber gestellt waren. Unter Ablehnung sämtlicher Anträge wurde die Regierungsvorlage angenommen. Im Z 148 bestimmt der zweite Absatz, daß der in Unter» suchungshaft sich befindende Deschuldigte von seinem Verteidiger nur durch die Vermittelung des Richters schriftliche Mitteilungen empfangen darf. Ist eine Kollusionsgefahr im Verzug, so kann jede Mitteilung deS Verteidigers zurückgewiesen werden; auch haben Unterredungen deS Verteidigers mit dem Klienten nur in Gegenwart des Richters stattzufinden.— Dazu beantragten die Nationalliberalen, dieses AuffichtS- und Kontrollrecht neben dem Richter auch dem Staatsanwalt zu geben. Abg. Gröber beantragte dagegen, die Bestimmungen überhaupt zu streichen. Die Vertreter der Negierung sprachen sich gegen beide Anträge aus, und die Nationalliberalen mußten sich sagen lassen, daß ihre reaktionären Allüren selbst der Regierung zu weit gehen. — Die Debatte wurde auf Donnerstag vertagt Hus der parteü Delegation zum Internationalen Kongreß. Mit der Vertretung der schlesischen Genossen auf dem Jnter- nationalen Kongreß wurde Genosse Löbe-Brcslau beauftragt. Die Wahl wurde durch Urabstimmung vorgenommen. Parteiliteratur. Liebe Schwester I Unter diesem Titel ist im Verlag von W. Pfannkuch u. Co. in Magdeburg«ine kleine AgitationS- broschiire erschienen, die der Agitation für Partei und Gewerkschaften unter den Landarbeitern und in Berufen, die ihre Arbeiterschaft vom Lande ergänzen, dienen soll. Einzelpreis 5 Pf. Bei Bezug größerer Partien bedeutende Preisermäßigung. Bon der österreichischen Sozialdemokratie. Bekanntlich wurde auf dem letzten Parteitag in Reichenbera be- schloffen, die politische Organisation überall auf den politischen sWahl-) Bereinen aufzubauen. Die Wiener fürchteten diese Aenderung. Dort war dte Partei bisher zumeist ein Verband von Abnehmern des Wochenblattes„Volkstribiine". Am letzten Sonntag hielt der Stnmmbezirk der Wiener Sozialdemokratie, der X.(Favoriten), in dem der Genoffe Dr. Adler gewählt ist, seine General- Versammlung ab und es zeigte sich, daß der Wnhlvercin in füuf Monaten seine Mitgliederzahl versieben unddreißig- facht hat. Er zählt jetzt 3712 Mitglieder. eL sollen aber bis Jahresschluß 5000 werden. In einer weitauSgreifenden Rede über die politische Lage und das parlamentarische Vorgehen der Partei konnte Dr. Adler sagen, daß m Wien schon 26 000, in ganz Oester- reich 100 000 Arbeiter den Partelvereinen angehören. Dabei besteht noch für Frauen und Jugendliche daS verbot, politischen Vereinen anzugehören. polieeUicbeS, Orricbplicbes uftv. Ein„gerechtfertigter" Bi'ngermrister. Sechs Wochen Gefängnis für eine Bürger» meisterbeleidigung erhielt Genosse Schiefer st ein- Odersbach von der Limburger Strafkammer zudiktiert. Er hatte kn einem Flugblatt dem Gemeindeoberyaupt Vor« geworfen, daß er mit zweierlei Maß messe, sittlich nicht intakt s«t und anderes. In der Verhandlung am Montag, die vierzehn Stunden dauerte und in der 24 Zeugen aufmarschierten, wurden in der Lak grobe Dinge festgestellt, so daß der eigentlicbe Verurteilte der Bürger- meister Dorn ist. Er hat ein Wahlprotokoll nicht objektiv verfaßt. an Dokumenten radiert, die Frau deS früheren Gemeinderechners Krämer nachts von 1— 4 besucht und nach Angabe der Frau sie zu vergewaltigen versucht und ist gegen sozialdemokratische Bürger im großen und ganzen recht forsch aufgetreten. Der Notzuchtsversuch wurde nicht aufgeklärt, daS Gericht nahm nur an,»daß etwas ge- schehen ist", aber nichts im Sinne des§ 176. Für die Feststellung all dieser Dinge erhielt dann unser Genoffe sechs Wochen Ge- sängni«._ Eine Haussuchung wurde in den Geschäftsräumen der Essener»Arbeiter« z e itun g" vorgenommen. Diesmal handelt es sich um das Manu« skript eines im Anfang Mai veröffentlichten Artikels in der Affäre des Grafen Schulcnburg, der entmündigt wurde und deshalb An- schuldigungen der Rechtsbeugung gegen hochstehende Personen erhebt. Gefunden wurde nichts._ Frau von SchSuebeck vor den Geschworenen. Die gestrige Verhandlung wurde wieder durch einen Anfall der Angeklagten unterbrochen. Die Beweisaufnahme erstreckte sich im wesentlichen auf die in der Untersuchung gegen von Gäben vorgenommene Durchsuchung. Nachmittags fand eine Lokal- bestchttgung statt. Zu Beginn der Sitzung verliest der Lorsttzende, Seheimer Justizrat B r ö s e. einen der ihm zugegangenen anonymen Briefe, die Beleidigungen gegen ihn und die Angeklagte enthalten. Auf Antrag der Verteidigung wird beschlossen, einen Herrn von Löhberg als Zeugen zu laden. Der Zeuge soll bekunden, daß Herr von Gäben ein unbeeinflnßbarer Mann gewesen sei, der sich durch niemand, am allerwenigsten durch eine Frau zu etwas hätte anstiften lassen. Für die nun folgende Vernehmung der Zeugen Hauptmann L a m o t t e und Hauptmann Rerchardt wird Ausschluß der Oefsentlichkeit angeordnet. Es werden, um den Königsberger Blättern eine schnellere Berichterstattung zu ermöglichen, insgesamt fünf Vertreter der Presse zugelassen. Der Hauptmann Lamotte hat früher in Allenstein als Regimentsadjutant beim 10. Dragoner« regiment gestanden, jetzt wohnt er in Charlottenburg. Vor- sitzender: Es soll da irgend«twaS vorgekommen sein mit Frau Weber, die damals noch mit Herrn v. Schönebeck verheiratet war. Sie soll einen Brief an eine Dame gerichtet haben ich bitte den Namen der Dorne bei Ihrer Bernehmung nicht zu nennen— was ist Ihnen darüber bekannt?— Zeuge: Im Frühjahr 1902 kam eines Morgens die Dame zu mir in meine Privatwohnung und zeigte mir einen Brief, wobei sie fragte, ob mir die Handschrift des Briefe» bekannt sei. Ich konnte der Dame jedoch keinerlei Auskunst darüber geben und sie ging wieder fort. Mittags klingelte es an der Haustür, draußen wartete Frau v. Schönebeck. Ich ging hinaus und traf sie, auf dem Erdboden liegend, mit be« schmutztem Mantel an. Ich ließ sie in da» giinmer schaffen. Ich bemerkte den Geruch von bitteren Mandeln und sah ein Fläschchen vor der Tür liegen. Ich schloß daran», daß sie Gift getrunken habe, und ließ daher sofort Milch bringen und sie trinken. Ich schickte auch zum RegimentSarzt und zu meinem Hausarzt Dr. Seidel. Frau v. Schönebeck warf sich in dieser Zeit auf dem Erdboden hin und her, schlug mit Armen und Füßen und fing an zu schreien. Zunächst hatte ich den Eindruck, daß der Anfall ein künstlicher wäre, und sagte auch meiner Frau, daß man heftig dagegen einschreiten sollte. Schläge seien vielleicht da» beste. Nach einiger Zeit wurde dt« Frau ruhiger, ich legte sie auf die Chaiselongue und hotte dann den Eindruck. daß sie einen richtigen Krampfanfall bekam. Sic beruhigte sich später, bald danach trat aber eine große Erschlaffung ein. Schließlich kam der Oberstabsarzt, dem ich das Fläschchen zeigte. Er sagte, eS sei Opiumtinktur. Der Zeuge zeigt den Sach- verständigen das Fläschchen. DaS Gerickt beschlreßt, es als BeweiS- mittel zu akzeptieren. Der Zeuge erzählt weiter, daß er sofort zu Herrn v. Schönebeck sandte und daß dieser mit dem Dienst- mädchen in einer Droschke ankam und seine Frau nach Hause schaffte. Die Angeklagte erklärt, ste sei auf dem Wege zur Frau Lamotte gewesen. Die angegriffene Dame sei später freunvschastlich mit ihr zusammengekommen. Auf Besrngen schildert der Zeuge den f crrn v. Schönebeck als einen sehr tüchtigen, ruhigen, in seinen ebenSgewohnheiten sehr mäßigen Offizier. Er sei ein passionierter Jäger gewesen. AuS Gesellschaften habe er sich sehr wenig gemacht, sei streng und gerecht gewesen. Die Angeklagte sei lebenslustig gewesen, in der Gesellschaft unterhaltend und vergnügt, später ließ sie sich stark von den Herren den Hof machen. ES folgt die Verlesung der Ange»schnn»pratokolle der Schöneieckschen Wohnung. Sie werden vom Vorsitzenden an der Hand von Zeichnungen erläutert. Während der Verlesuirg beginnt die Angeklagte erst leise, dann immer stärker zu weinen und zu schluchzen. AI» der Vor- sitzende auf die Lage de« Kinderzimmers zu sprechen kommt, stößt sie gellende Schreie aus. Sie wird in? Nebenzimmer getragen. Dort bemühen sich die Sachverständige» um die von einem Schrei- krampf Befallene. Nach längerer Zeit erscheint die Angeklagte wieder im Sitzungssaal. I» dem Protokoll über die Jnaugeufcheinuahme wirb festgestellt, daß sämtliche Fensterscheiben der Wohnung nach innen zu öffnen tvarcn, und daß da« Fenster, durch welche» Herr v. Göbeu einstieg, 1,40 Meter über dem Erdboden, etwa einen Fuß über dem Erdboden befindet sich ein Borsprung, der da» Einsteigen erleichterte. Der dann vernommene KriegSgerichtSrat Reichardt hat die Untersuchung geführt. Er hat sich davon überzeugt, daß mn» den Biudfadcu, durch den ei» gequollenes Fenster geschlossen war. nicht von außen durchschneiden tonnte. Dem Schreibtisch wurden Briefe, Wertpapiere und daS Testament eulnoinmen. DaS Siegel des Testaments war unversehrt. ES wurde dem Bruder de» Ermordeten übergeben. ES wurden auch mehrere Schlüssel gefunden, von denen einer zu der Haustür'des Schönebeckschen Hauses paßte. Am 28. Dezember fand die Durchsuchung bei Frau v. Schönebeck statt. Im Schlafzimmer befand sich ein großes Bild des Herrn v. Göben, das diesen im Kreise von vier Kriegsschülern zeigt, ferner ein große» eingerahmtes Bild deS Herrn v. Göben und sein Brustbild. UebcrdicS wurden zwei Schlüssel in der Wäsche versteckt vorgefunden. Die beiden Schlüssel waren an einein Ringe. Der eine paßte zu v. GöbenS Wohnung, während die A u g e k l a g t e angegeben hatte, eS sei ein Schlüssel zur Wohnung eines Herrn. Das Silberzeug war unberührt. Es fand sich noch ein anonymer Brief, der an Herrn v. Schönebeck gerichtet war. vor. Angeklagte: Die übrigen hatte ich vernichtet. Auf Beschluß des Gerichts wird der Brief verlesen. Er lautet: „Ich bitte um Verzeihung, icb habe noch was vergessen von die Frau von zu schreiben. Eine Schneiderin hat uns erzählt überall, daß die gnädige Frau sich den Lsfiziers preisgibt, nämlich eine Tür läßt sie einen rein und durch andere läßt sie einen raus und die gnädige Frau sich nicht schämt solche kodderigen Seiden» bemdcn zu trage», daß alles durchzusehen ist und sich bloßstellt. Da» har die Schneiderin zu mehreren Frauen gesagt und aus« gelacht also ich mache von diesem aufmerksam. Frau KrajewSkt.* Vors.:®fe Seidenhemden scheinen es der Dame besonders angetan zu haben.(Heiterkeit.)(Zur Angeklagten): Woher war der andere Schlüssel, der nicht zur Göbenschen Wohnung paßte?— A n g e k l.: Er gehörte einem anderen Herrn.— Vors.: Den Namen wollen Sie uns nicht nennen?— Die Schlüssel werden zur Lokalbesichtigung mitgenommen werden. Des Nachmittags findet die Lokalvesichtigung statt. DaS frühere von Schönebecksche Haus dient jetzt einer Haus- Haltungsschule. Während der Lokalbesichtigung wird die Angeklagte wiederholt von Schwächezuständen befallen. Der Vorsitzende stellt fest, daß der Schlüssel, der im Besitz des Herrn v. Gäben gefunden wurde, zu der äußeren Tür passe. Ein Geschworener, der Schlossermeister ist, glaubt nicht ganz, daß der Schlüssel zu dem Schloß gearbeitet worden sei, da ein Dorn fehle. Da eine Zeugin, die bei geschlossener Tür im Mädchenzimmer im Bett lag, bei ihrer ersten Vernehmung geäußert hat, sie habe in der Mordnacht einen Lichtschimmer durch die Tür gesehen, der von der Treppe kam, wird versucht festzustellen, ob solche Wahrnehmung möglich ist. Die Wahr- nehmnng ist übrigens bei späterer Vernehmung widerrufen. Einige Geschworene begaben sich in das Mädchenzimmer. Nach Schließung der beiden Türen wird festgestellt: Es ist vom Mädchenzimmer aus nicht zu sehen, wenn jemand mit Licht über die Treppe geht, dagegen, wenn das Klosett aufgesucht wird. Die Angeklagte stellt dahin, ob die Tür geschlossen war, die Mädchen seien mit der Schließung der Tür sehr nachlässtg gewesen. Der Vorsitzende meint, die Mädchen behaupten, sie hätten die Tür zugemacht; wer aber mit Dienstmädchen zu tun gehabt hat, wird zugeben, daß nicht immer alles von ihnen sehr ordentlich geschieht. Dieser Be- merkung wird von den Geschworenen zugestimmt. Die Verhandlungen werden heute um S Uhr morgens fort- gesetzt._ Soziales« Aufhebung des Dienstverhältnisses nach Treu und Glauben. Zu einem ordnungsmäßigen Abschluß eines Dienstvertrages wird eS im allgemeinen der formellen Kündigung von feiten einer der vertragschließenden Parteien bedürfen. Die zweite Kammer des Berliner Kaufmannsgerichts hat in ihrer letzten Sitzung anerkannt, daß diese formelle Kündigung durch konkludante Handlungen(Hand- lungen, die einen Rückschluß auf das Einverständnis mit der Kün- digung zulassen) ausreicht. Der die Klage erhebende Reisende S. war beim Beklagten, dem Tabakhändler Horenczyk, gegen festes Gehalt und' einen bestimmten Prozentsatz tätig. Eimge Tage vor dem 1. Mai erklärte ihm der Prinzipal, seine Erfolge seien zu gering, als daß er ihn unter den alten Bedingungen weiter beschästigen könne. Wenn er aber wolle, könne er ohne Gehalt, aber zu dem doppelten Provisionssatz weiter arbeiten. Der Kläger will sein Einverständnis damit nicht zum Ausdruck gebracht haben, er hat aber unstreitig für einen nach dieser Unterredung gebrachten Auftrag die Proviston in doppelter Höhe erhalten und angenommen. Obgleich der Beklagte behauptet, S. wäre mit der neuen Vereinbarung einverstanden ge- Wesen, kündigte er der Sicherheit halbem dem Kläger Ende April vermittelst cineS durch einen Boten ins Haus gesandten Briefes. Der Bote gab aber den Brief bei einer Nachbarin ab und dadurch will S. das Schriftstück erst am 2. Mai erhalten haben. Das Kaufmannsgericht wies den Kläger mit seinem Anspruch auf Ungültigkeitserklärung der Kündigung ab. Es könne dahingestellt bleiben, ob S. die Kündigung rechtsgültig empfangen habe, denn das Gericht sei der Ansicht, daß nach Treu und Glauben anzunehmen war, daß Kläger mit einer Aufhebung des Dienstverhältnisses einverstanden war. Mit der Annahme der erhöhten Provision hat er das zu erkennen gegeben, womit daS alte Dienstverhältnis als aufgehoben gelten mußte. Bon der PaPierverarbeitungs-BerufSgenossenschaft. Der soeben erschienene Bericht dieser Berufsgenossenschaft zeigt eine kleine Besserung des ArbeitSmarkteS. Gegen daS Jahr IVOS hat sich die Zahl der versicherten Betriebe um 73 vermehrt und ist auf 4049 gestiegen, während sich die Zahl der versicherten Arbeiter um 2147 vermehrt hat, im Berichtsjahre 133 39b betrug. Die stärkste der acht Sektionen der Berufsgenossenschaft bleibt immer Leipzig mit mehr als 31 999 Versicherte, ihr folgt Berlin mit 26 999, Elberfeld»nit 17 99 usw. Weniger Ursache haben die Versicherten mit ihrer Lage zufrieden zu sein. Der Durchschnitts- lohn eines Versicherten betrug im Berichtsjahre nur»31 M. pro Jahr und ist gegen das Vorjahr nur um 8 M. gestiegen. Daß nach dem Bericht die Durchschnittslöhne im Jahre 1888 nur 91b M. Betrugen, beweist nur, daß die Unternehmer sehr viel verdienen konnten und auf die Geduld ihrer Arbeiter bauten, die sich mit diesen Hungerlöhnen auch heut« noch abspeisen lassen. Den höchsten Lohn zahlt man im Bezirk der Sektion I Berlin mit 1939 M. im Durchschnitt, während im Bezirk Breslau nur 798 M. g/zahlt werden. Sehr verschieden stellt sich die Unfallziffer in den einzelnen Sektionen. Angemeldet wurden im ganzen 3993 Unfälle, wovon nur 591 entschädigt wurden. Auf 1999 Versicherte entfielen nun in der Sektion I 43,97 Unfälle, in Sektion V Kassel gar nur 15,89 Unfälle. Der Durchschnitt betrug 26,65 Unfälle auf 1999 Ver- sicherte. Hingegen sind die entschädigten Unfälle in den übrigen Sektionen höher als in Berlin. Es ist dies sehr leicht möglich, daß dies auch auf die Beteiligung der Berufsgenossenschaft am Heil- verfahren zurückzuführen ist. Der Bericht vermerkt stolz, daß für Kosten des Heilverfahrens in den ersten 13 Wochen des Unfalles insgesamt 16 659 M., gegen 15 194 M. im Vorjahre, verausgabt wurden. Sieht man aber näher zu, so stellt sich heraus, daß von dieser Summe die Sektion Berlin allein 15 958 M. verausgabt hatte, während 3 Sektionen(Leipzig, Kassel und Lahr) keinen Pfennig für diesen Zweck übrig hatten, die übrigen Berufs- genossenschaften lächerliche Summen von 12 M., 59 M. usw. verausgabten. Die Statistik der Berufsgenossenschaft zeigt uns ferner, daß 293 Berufungen der Verletzten zugunsten der Berufsgenossenschaft entschieden wurden. DaS ReichsversicherungSamt wollte nicht nach- stehen und entschied in 43 Fällen für und in 19 Fällen gegen die Berufsgenossenfchaft. Ausführlich behandelt die Berufsgenossenschaft alljährlich die Ergebnisse des technischen Aufsichtsdienstes. Besichtigt wurden im Berichtsjahre 359 von 4949 vorhandenen Betrieben und hierbei allein 3118 Mängel vorgefunden. Auf jeden Betrieb entfallen somit durchschnittlich 8.7 Mängel. Im Laufe des Geschäftsjahres wurden 85 Betriebe nochmals besichtigt und folgendes gesunden: in 1 Betrieb bei der Vorbesichtigung 5 Mängel, bei der Wieder- Besichtigung keine:. in 25 Betrieben 801 Mängel, bei der Wtederbestchtigung noch 194; in 3 Betrieben 39 Mängel, bei der Wiederbesichtigung auch 39; in 56 Betrieben 534 Mängel, bei der Wiederbesichttgung sogar 1964. In den 85 wiederbesichtigten Betrieben waren also bei der ersten Besichtigung 876 Mängel, bei der Nachbesichtigung sogar 1294 Mängel gefunden. Die Beamten stellen dann folgendes Resultat zusanimen:„Die bei der Besichtigung von 359 Betrieben(192 Handbetriebe, 257 mit Kraftbetrieb) für nötig erachteten 3118 Anordnungen zum Schutze der Arbeiter gegen Gefahren an Leben und Gesundheit beziehen sich auf folgende sachlich gruppierte 5346 Mängel." Eine mehrseitige Liste gibt nnS die Art der vorgefundenen Mängel wieder, die in 55 Gruppen geteilt werden. Ueberall fehlten die notwendigsten Schutzvorrichtungen an Maschinen usw. und ist jede Zeile eine Anklage gegen die saumseligen Unternehmer. Sehr interessant ist es daher, daß die Aufsichtsbeamten dann zur Eni- lustung der Unternehmer sich wie folgt im erläuternden Texte äußern:.Ein großer Teil der Mängel fällt, wie gewöhnlich(aller. dings sehr„gewöhnlich", d. V.), der Gleichgültigkeit, der Unacht- famkeit und dem Leichtüna der Arbeiter zur Lust, die jjch durch die vörgekomMnen Unfälle belehren lassen sollten." Unter Rubrik S „Ursachen der Unfälle" finden wir dann auch eine Zusammen- stellung, wonach von den 561 entschädigten Unfällen 139 auf die „Ungeschicklichkeit und Unachtsamkeit der Arbeiter". 16 Fälle auf die„Schuld von Mitarbeitern", 9 auf„offenbaren Leichtsinn", 3 auf„Nichtbenutzung gebotener Schutzmittel seitens der Arbeiter" usw. zurückgeführt werden. Die Unternehmer haben also sehr gut berichtet und sich von aller Schuld selbst befreit. Mangelhafte Betriebs- einrichtung soll nur in 13 Fällen die Ursache der Unfälle gewesen sein,„ungenügende Anweisung" gab es überhaupt nicht und nur in 29 Fällen gab man zu, daß die„Gefährlichkeit des Betriebes" womöglich die Schuld habe. Später bemerken aber die Aufsichtsbeamten selbst, daß in 89 Fällen nur„die Entfernung vorhandener Schutzvorrichtungen" beobachtet wurde.„Bei den Besichtigungen läßt sich eine absichtliche Entfernung höchst selten feststellen, wo solche ermittelt wurde, sind die Strafbestimmungen der Unfallverhütungsvorschrifteu zur Anwendung gebracht worden." Alsol Geklagt wird ferner, daß „selbst Betriebsleiter und Werkführer, die meist aus den Kreisen der Arbeiter entnommen werden, sich vielfach der Bedeutung der Unfallverhütung und ihrer eigenen Verantwortlichkeit bewußt sind". Sehr richtig! Es sollten deshalb die Meister, Aufseher usw.„jeden neu in den Betrieb eintretenden Arbeiter über die Gefahren der ihm übertragenen Arbeiten vor Beginn derselben genau unterrichten". Wo geschieht dies aber? Zur Bedienung besonders gefährlicher Maschinen sollten deshalb„selbstverständlich nur ältere, erfahrene Arbeiter betraut werden. Der Bericht bringt aber gleichzeitig eine Aufstellung, wonach von 3563 ge- meldeten Unfällen allein 588 Unfälle auf jugendliche Arbeiter unter 16 Jahren entfallen, davon 352 Maschinenunfalle. Unter 17 Jahre wurden 593 Arbeiter an Maschinen verletzt. Angeführt wird noch, daß„vielfach beobachtet wurde, daß die Plakate über die Unfallverhütungsvorschriften gar nicht ausgehängt oder den Ver- sicherten nicht zur unterschriftlichen Vollziehung vorgelegt wurden" Desto auffallender«st nachstehende Stelle des Berichtes: „In einem Betriebe, in dem ein Gehilfe daß Unterzeichnen der Unfallvcrhütungsvorschriften verweigerte, entließ der Be- tricbsinhaber den Gehilfen ohne Kündigung. Das vom Ge- Hilfen angerufene Gewerbegericht riet ihm in der Verhandlung, die Klage zurückzunehmen, da das Unterschreiben Pflicht des Arbeiters sei und die Verweigerung dieser Pflicht den Arbeit- geber zur sofortigen Entlassung des Angestellten berechtige. Der Gehilfe zog darauf seinen Klageantrag zurück." Leider ist nicht angeführt, welches Gewerbegericht diese merk- würdige Rechtsansicht vertrat. Der Bericht zeigt von neuem, wie notwendig eine Teilnahme der Arbeiter an der Verwaltung der Bcrufsgenossenschaft ist, um Unfälle zu verhüten und um zu verhindern, daß der Wahrheit widersprechende, einseitige Ansichten der Berufsgenosseuschaften über die Ursache der Unfälle in die Statistik übergehen. Huö Induftm und Handel DaS neue Kalisyndikat. Die Mitglieder des neuen Kaltsyndikats haben ausnahmslos den neuen Gesellschafts- und Verkaufsvertrag vollzogen. Damit tritt ein neues, bis zum Jahre 1915 unkündbares Kalisyndikat in Kraft, dessen Dauer sich, falls eine Aufkündigung seitens der Mit- glieder bis zu diesem Termine nicht erfolgt, bis zum Jahre 1925 verlängert._. Submissionsblüten. Der Ausbau des Bromberger Kanals und die damit verbundene Verlegung oder Umleitung der Brehe nebst Neubau der Stadtschleuse ist in Submission ausgeschrieben worden. Für die Ausführung der Maurer-, Zimmerer- und Rammarbeiten, sowie der Erd-, Pflaster- und Böschungsarbeiten find 18 Angebote abgegeben worden. Das niedrigste Angebot machte die Firma Lamm in Fürstenwalde mit 199 643 M., das höchste die Firma Moebus in Char- lottenburg mit 348 846,89 M. Also eine Differenz von 149 293 M._ DaS Syndikat der Syndikatfteien! Bochum, 8. Juni.(Privatdepesche des„Vorwärts".) Der Zusammenschluß syndikatsfrrier Zechen unter Führung der Bergwerksgesellschaft Trier zu einer gemeinsame» Bctricbsorganisation soll demnächst perfekt werden. Es kommen vorläufig die Zechen Radbod, Baldur, Hermann I bis IH. Adler und Admtral in Frage. Dieser Borgang ist für die Frage deö BestehcnbleibcnS des Kohlen- syndikats von der größten Bedeutung. Keine Ueberschähung der Mincnindustrie. In der Jahres- Versammlung der Kapstädter Handelskammer vom 11. April d. I. führte der Vorsitzende Mr. Jagger, einer der bekanntesten Ab- geordneten des Kapparlaments und seiner Zeit Mitglied deS füd- afrikanischen UnionSkonventS, bei Erstaltung des üblichen JahreS- Berichts an der Hand der Handels- und Wirtschaftsstatistiken auS, daß in Handel und Wandel in der Kapkolonie im Laufe des ver- flossenen Jahres eine entschiedene, anhaltende Aufwärtsbewegung eingesetzt habe. Die schwache Stelle im Wirtschaftsleben Südafrikas sei gegen- wärtig die allzu große Abhängigkeit von der Minenindustrie. Bei voller Würdigung ihrer großen Bedeutung dürfe man doch den ihrer Natur nach temporären Charakter dieier Industrie nicht ver- gessen. Daher müsse man mit aller Energie danach trachten, andere Industrien dauernder Natur zu fördern, soweit sie sich für Süd- afrika eigneten. Er glaube nicht an das Wiederbevorstehen eines „boom" im südafrikanischen Wirtschaftsleben; aber er sehe einer ständigen«ufwärtsbewegung wie in den Jahren nach der Depression von 1832— 1886 entgegen und fühle sich mit allen Anwesenden darin einig, daß eine solche nachhaltige Aufwärtsbewegung für den Handelsstand und für das Allgemeinwohl förderlicher fei als ein„boom"._ Der siebente internationale Baumwollkongreß in Brüssel beschäftigte sich mit der Frage des Ausfalls der Baumwollernte im lausenden Jahre. Der Kongreß beschloß, mehrere nationale Komitees zu ersuchen, die Baumwollkultur in verschiedenen Kolonien, nament- lich in Indien zu fördern, wo bisher gute Resultate erzielt worden seien. Ein indischer Delegierter brachte eine Studienreise nach Indien in Vorschlag, da die letzte Studienreise nach Amerika von gutem Erfolge begleitet gewesen sei. Sodann wurde die Frage der Errichtung eines landwirtschaftlichen Bureaus in Aegypten an- geschnitten, dessen Hauptaufgabe sein solle, die Ursache für die Ver- schlechterung der dortigen Ernte zu erforschen und Mittel zur Abhilfe vorzuschlagen. Die Frage der Schaffung eines Reservevorrats in Baumwolle wurde bis zum nächsten Kongreß zurückgestellt. sammenhang und weist auch darauf hin, daß in diesem Jahre das übliche Wunder des Flüssigwerdens und des Auf- wallenS des BluteS des heiligen Januarius sich nicht erneuert habe. Prozessionen durchziehen die Straßen und flehen den Schutz der Heiligen herab. In der Stadt Calatri weist die Mehrzahl der Häuser Risse auf. Im Stadtviertel P a r t e l l o sind niehrere Gebäude ein- gestürzt. Unter den Trümmern sind bisher 24 Leichen vor- gezogen worden, jedoch glaubt man, daß noch mehr Personen unter den zusammengestürzten Gebäuden begraben sind. In den benachbarten Gemeinden beträgt die Zahl der ums Leben Ge- kommenen nach den bisherigen Feststellungen etwa dreißig. Es ist schwer, genau zu ermitteln, wie hoch die Gesamtzahl der Verunglückten ist, da aus Furcht vor weiteren Erdstößen viele Einwohner aus den Ortschaften geflüchtet sind. In Vallatta sind 19 Wohnhäuser eingestürzt, weitere 65 drohen ein- z u st ü r z e n. Eine Person ist getötet worden und zehn sind schwer verwundet. In T r e r i c o sind zwei Wohnhäuser einstürzt. In Z i n g o l i ist die Hauptkirche schwer beschädigt worden. In Ascadia, Mirabello und Villanova sind die Häuser größtenteils schwer beschädigt. In den von der Katastrophe betroffenen Bezirken macht sich Räubergesindel bemerkbar, das die von der Einwohnerschaft verlassenen Häuser plündert. Polizei und Truppen sind nach diesen Bezirke:: abgesandt worden. In B e n e v e n t o ist die Panik be- sonders groß. Beinahe die gesamte Bevölkerung hat die Stadt ver- lassen, so daß die Häuser zum größten Teil leerstehen. Diebesbanden durchziehen die Straßen, die Polizei ist wehrlos gegen sie. Im Gefängnis ist unter den Gefangenen eine Meuterei ausge- brachen, stürmisch verlangen die Gefangenen sofort in Freiheit gesetzt zu werden. Wtrbelsturm auf Sardinien. Fast zu derselben Zeit, als das Erdbeben in Nnteritalien Tod und Schrecken verbreitete, ist auch die italienische Insel S a r d i n.i e n von einem schweren Unglück betroffen worden. In der Gegend von Ogliastra hat ein furchtbarer Wirbelsturm die Felder zerstört. Viel Vieh ist getötet worden. Man befürchtet, daß auch eine An- zahl Hirten dem Unwetter zum Opfer gefallen sind Schwere Verwüstungen hat der Sturm namentlich in L a n n S l i Tortolt, I lb o n o, Elini und I e r z u angerichtet. Zwei©cbiffskataftrophen. In der Nähe der Insel Jnyak(Portugiesisch-Ostafrika) ist ein Ausflugsdampfer, mit dem eine Anzahl Handlungs- angestellten eine Vergnügungsfahrt unternahmen, g e- scheitert. 32 Personen sind ertrunkett.» • Die große dänische Bark„Prinzeß Marie" wird als ver- schollen betrachtet. Das Schiff ging am 24. Februar von Sydney nach Smoky Bay in«Südaustralien ab. Unter regulären Verhältnissen dauert die Fahrt zehn Tage. Da nun über hundert Tage seit der Abreise von Sydney vergangen sind, ohne daß man irgend eine Nachricht von dem Schiffe hat, ist anzunehmen, daß es mit Mann und Maus untergegangen ist. Die Besatzung der Bark bestand aus 20 Mann._ Der„Andere". In der Brüsseler Oper wurde kürzlich die„Götter- dämmerung" aufgeführt. Während der Waltraute-Szene im ersten Akt ereignete sich ein drolliger Zwischenfall. Das Nahen der Walküre kündigt sich bekanntlich durch Blitz und Donner an. DaS„Gewitter" war vorzüglich„gemacht", aber daS Donnern schien dem Direktor allzulange. Er begab sich hinter die Kulissen und rief dem Maschinisten, der das Gewittermachen zu besorgen hatte, wütend zu: „Wollen Sie wohl aufhören, es ist genug I"„Aber Herr", erwiderte der Maschinist,„ich tue ja nichts!"„Wie? Sie tun nichts?" sagte der Direktor,„und dieser Douner? Man hört ja nichts anderes als Sie!" Stammelnd sagte der Maschinist:„DaS bin ich nicht, Herr, ... daS ist der andere, hören Sie nur!"— Es war in der Tat der„Andere". Ein mächtiges Gewitter war nämlich über Brüssel niedergegangen._ Schwer verdauliche Kost. Ein amerikanischer Journalist, Herr Lugwig Page, der eine angesehene Familie der Stadt Redbay in einem boshaften Zeitung«- artikel arg zerzaust hatte, ist, wie aus New Dork berichtet wird, von seinen LandSl-uten auf höchst merkwürdige Weise bestraft worden: man hat ihn nämlich gezwungen, seine Schmähworte buch- stäblich zu fressen! Der Zeitungsmann hatte einem Balle im Hause eines der vornehmsten Bürger der Stadt beigewohnt und tags darauf in seinem Blatte einen Ballbericht veröffentlicht; dieser Bericht enthielt unerhört kecke Bemerkungen über die Toiletten der Damen und verriet allerlei Intimes über das Be- nehmen dieser Damen im Verkehr mit den geladenen Herren. Da» Zeitungsblatt hatte kaum die Presse ver- lassen, als fast alle Manner, die dem Ballfeste als Gäste bei- gewohnt hatten, sich in oorxorv in das RedakttonSbureau begaben, ohne viele Worte zu machen den Ballbericht aus der Zeitung heraus- schnitten, dem armen Page das Papier in den Mund stopften und so lange warteten, bis er es radikal aufgegessen hatte. Page hat sich jetzt mit einer Schadenersatzklage an die Gerichte gewandt: er verlangt nicht weniger als 49 999 Mark Entschädigung, was den Beweis liefert, daß er seinen Artikel für ein höchst wider- ItcheS Essen gehalten haben muß, Die Geschichte erinnert stark an die Redaktionsgeschichten des berühmten„Arizona Kicker". Cingegangsene Orudtrcbtiftaa. Vermischtes. Vom Erdbeben in GUä-LtaUen. Nach den neueren Berichten scheint das Erdbeben mehr durch seinen Umfang, als durch seine Heftigkeit bemerkenswert zu sein. Ein Teil der Bevölkerung von Calatri hat die Missionäre, welche sich vor einiger Zeit dort niedergelassen haben. für das Erdbeben verantwortlich gemacht. Die Erregung gegen die PaterS war so groß, daß sie unter dem Schutze von Truppen die Gegend verlassen mußten. Auch sonst spielt der Aberglaube unter der unwissenden Bevölkerung eine große Rolle. Man bringt das Erdbeben mit dem Erscheinen des Kometen in Zu- und IS Tage D,. WIM München ins Bayer. Hochland. 14 Anstchlcn. 80 Pf. Verein zur Förderung de» Frcnideiwerrehrs, München, 15. Jahresbericht des ArbettersetretariatS t» Nürnberg. 1909. 32 Selten. Selbstverlag, Die Teilnahme der Frau an den öffentlichen Angelegenheiten. Von Dr, P, Fleischer. 20 Ps. Verband der Katholischen Arbeitervereine, Berlin, Kaiserslr, 37, Geschäftsbericht des Arbeitersekretariatö und GewerkschaftS- kartells Bremerhabc»«. Umgegend. 1909 73 Seiten, Selbstverlag. Soziale Momente in der Berfassungsgeschtchte der Republik Siena von K, Schalk, 14 Seilen, PerchtelSdorser Buchdruckerci, Mödling. Oefterrelchisch-Böhinen. Das Elbctal von E, Wagner, 30 Ps, Landesverband für Fremdenverkehr, Karlsruhe(Böhmen), Experimentelle Tierquälerei an medizinischen Jnstilulen Bayerns 1900—1903, Herausgegeben vom Verein gegen Vivisektion und soustige Tierquälerei in München, Kommissionsverlag, A, Buchholz, 1 M, Bogelffug und Nlugmafchincn. Darstellung und Kritik der Er- findung des Krastjluges durch Natur und Technik von Dr. O. Prochnow. Verlag Th, Thomas, Leipzig. 1 M., geb. 1,60 M, Albert Schäffle»nd seine theoretisch-nationalöronomische» Lehren. Eine nationalökonomische Studie von Dr. Eugenie Fabian-Sagal. Putlkammer u, Mühlbrecht, Berlin. 3,30 M,, gebd, 4,20, Wir find die Kraft! Proletarische Gedichte von F, Freiligrath. GcdächtuisauSgabe zum 100. Geburtstage des VolkSdlchtrrS. 15 Pf. A. Gcrilch, Erlebnisse etneS Hamburger Dienstmädchens. Von Dort» Viersbeck, 1 M,, gebd, 1,80 M.— Jugeudgeschichte einer Arbeiterin. Von A, Popp. Gclettwort von A, Bebel. 1 M,. gebd, 1,80 M. S. Ach» Hardt, München. A.WERTHEIM G. m. b. H. LEIPZIGER STR ROSENTHALER STRASSE O RAN IEN-STR ASSE 'Besonders preiswertes Angebot VonneZZifd�Po�atn�cßf: PORZELLAN STEINGUT Weiss Speiseteller flach 13,«er 16 Pt Kompotteller 7 Pf. Bratenschüsseln ovai 25, 38, 45 Pf. Bratenschüsseln rund 45 pt. Kompottschalen 5 bis 45 Pf. Kartoffelnäpfe 65 pl Saucieren 45 Pf. Terrinen 1.10, 1.25 Kaffeekannen 25, 45 pr. Teekannen 45 Pf. Milchtöpfe 8, 12, 15 Pf. 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Bierbecher SÄT 30 Pf. Schleifglas Bierbecher 25, Biertulpen 27 pt. Bowlenkannen 63, 85 Pt Bowlenkannen reich gescMiflen Liter 1-10,?� 140. ftit« 2.00 Fussgläser 25, Likörgläser 15 ps Rotweingläser 24 pr. Weinrömer 15, 20, 35, 40, 50 pr. Salat- und Kompottschalen Durchm. 20 cm 63, 23 cm 80, 25 cm 95 Pf. Wasserflaschen 50, 85 p<. Weingarnitur ,,Pota" mit Goldrand Rotweingläser 35 Pt Madeiragläser 32 pt. Likörgläser 30 pr. Bowlengläser 40 pr. Champagnerkelche 40 pt. Champagnerschalen 50 n Bierbecher 30, Selterbecher25 pt Ein Posten Weinrömer ��"'mVs. 24 pj. Salatschalen gepresst 1 5 pr. Weiss Speiseteller usr oder nach 5 rt. Bratenschüsseln ovai 18, 27, 38 ps Bratenschüsseln rund 15 pr. Salz- und Mehlmesten 40 pt Satztöpfe o stock 85 Pt Kompott- und Salatschalen 7, 9, 15, 35 et Waschschüsseln 22 pc Ein grosser Postsn Speiseteller flach 4 pt. Dessertteller 3 Pt Tassen 3 pr. Näpfe 3p& "Blaues Zwiebelmuster Speiseteller tief oder flach 8 Pt Dessertteller 7, KompottellerS Pt Bratenschüsseln ovai 22 Pt w* 1.10 Kartoffelnäpfe 68, 95 Pt Saucieren 68, 95 pt. Terrinen 1.15, 1.40, 1.65 Salatschüsseln satz e stck. 95? f.. 1.25 Milchtöpfe gebauchte Porm27 die 85 Pf. Waschgarnituren«?emg� 1.25 Waschgarnituren dekoriert, steoig 2.90, 3.50, 4.00, 5.00,6.00, 7.00 Tafelservices 3.75 Küchengarnituren«teuig 3.00 Ein Posten Eierservices 3 t.uig 20 pf. Erdbeerservices 25 k ständiger verkauf; Einmachegläsen Einmachehafeq Einkoch�Apparate« Grosse Posten E M A. I L-LI E 3RT E G ESC H IRRE soweit der Vorrat reicht Schmortöpfe ohne Ring Fleischtöpfe Ringtöpfe Kasserollen ohne Ring Pfannen rund 20 Pf. bia 1.60 40 PC bia 1.50 1.10 bia 1.75 20 Pf. bis80 pc 40 Pf. bia 90 PC Wasserkessel 90 pc bi» 1.35, Absatz 80 Pf. bia 2 hik. Fischkocher 3.00 bia 6.00, Essenträger witsagei Topfdeclel 20 bis 40 Pf. . 30 bis 50 Pf. Kaffeekannen weus 60 pc bia 1.00 Kaffeekannen dekoriert 60 pc b a 1.40 Maschinen töpfe dekoriert 30 pr. bia 1.10 Bauchtöpfe dekoriert 60 Pf. bia 1.10 Salz- und Mehlmesten dekorrert 90 PC Löffelbleche dekoriert 1.50. �orier7�'20. 25 PC Waschschüsseln dekoriert 2.50 Wasserkrüge dekoriert 2.00, 2.50 Toilette-Eimer mitRohrbagei 2J25, 2.75 Schwere Geschirre Fleischtöpfe 65 pc bis 2.40 Kasserollen �"g 40 pc bis 1.75, flach 40 pc bia 1.75 Pfannen rund 60 pc bis 1.20 Fischkocher 4.50 bis 7.50 Durchschläge 1.15 bis 1.70 Milchkocher 2.00 W1 RTSCHAFTS-ARTIKEL Gaskocher 2 Loch 7.50 2 Loch, 2 WärmeateUen 9.00 2 Gasplätten mit Erhitzer 4.50 Petroleumkocher' pialnme 1.30 2 pfammen 175 Petroleumkocher 3FUmmen2.40 4 Nammen 4.25 Rasenmähmaschin.«„�aer 18.00, 18.00, 19.00 Gartenschlauch»anf per Meter 60, 70, 80 PC Gartenschlauch aum�ir Meter 110, 1.60, 2.00 Fruchtpressen Gussaissn 5.50, 6.00 Eismaschinen 3.25, 5.00, 6.00, 7.00 Giesskannen grün lackiert, 6 Grössen 30 Pf. bis 1.30 Gazeglocken rund Gazeglocken ovai Gazedeckel Fliegenfallen aus Draht Brotkasten lackiert, oval Spirituskocher Tischtuchklammern S Grössen 20 Pf. bis 60 Pf. 3 Grössen 35 Pf. bia 50 Pf. 6 Grössen 1 2 Pf. bis 28 PL 25 pl 1.10 20, 25, 40, 45 pc Dutzend 30, 50 Pf. Ärmelplättbretter bezogen 40 und 85 PC Salatbestecke Hoiz 35 pc Gazeschränke Hotz 3.75, 5.00, 6.50, 7.75 Reisekocher mit KaaaeroUe 65 PC, 1.00, ?eSr.oUe' 2.00, 2.50, 2.75, �um 2.25, Reisebestecke 80 pc mit löctsi Kleiderbürsten 65, 90 pc, Kopfbürsten 60, 70, 90 pl, Reise- Aermelplättbretter feuI,b�xm*n' Reisefussbänke zusammenlegbar; Reisekleiderbügel 8, 12 pl vernickelt Schuhpolierbürsten rar die Reise Schuhbürsten-Garnituren nir die Reise 1.10 4.25 1.60 1.10 1.10 1.50 25 pc 25 pc 55 pt. 80 pt. Ständiger Verkauf: ElSSchränke mit Zink oder Glasplatten ausgelegt in vorzüglicher Ausführung. In der Lebensmittel* Abteilung, soweit der Vorrat reicht: Hühner.......... 60 pf. bis 2.73 Gänse..... Pfd. 75, 85?/.. 1.00 Gurken.... jw«* 15, 20, 25?/. Frischer Spargel pfd. 10, 25, 30, 40 pf. Nur Leipziger und Rosenthaler Strasse: 'Bratschollen____ Pfd. 15, 18 pf Schellfische Pfd. 1 8, Kabeljaul 3 a. 18 Pf Prima Tafellachs.. pm 2.00 SSetanitoorUidjei Redakteur Richard Bart� Berlin, ipr dengnieratenteil Verantw TH. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Lerlagdanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW. Nr. 132. 27. Jahrgang. 2. KilM Ks Jotiuirls" Knlim Jollislilütt. Dovmstag. 9. Juni 1910. Bus dtr Parteibewegung in Rolland. In de» holländischen Sozialdemokratie besteht bekanntlich noch immer die infolge des Ausschlusses der„Tribüne"-Redakteure auf dem Deventer Parteitag 1909 eingetretene Spaltung der Organi- sation in zwei Parteien: die Sozialdemokratische Arbeiterpartei (S. D. A. P.) und die damals gegründete Sozialdemokratische Partei(S. D. P.), die es sich zur Aufgabe gemacht hat, den Marxismus innerhalb der Arbeiterbewegung und gegenüber der alten von revisionistischem Auffassungen beherrschten Partei zur Geltung zu bringen. Aber nicht alle marxistischen Genossen haben sich der neuen Partei angeschlossen, sondern ein Teil ist, um die Einheitlichkeit der politischen Organisation des klassenbewußten Proletariats zu wahren, der alten Partei treu geblieben, zumal ihnen durch die Gründung der marxistischen Wochenbeilage zu „Het Volk" Gelegenheit gegeben wurde, ihre Auffassung zu ver. treten. Debatten über prinzipielle und taktische Gegensätze zwischen den beiden Richtungen der S D. A. P. sind deshalb nicht ver- schwunden. Dies zeigte sich auch auf dem letzten Parteitag, der zu Ostern in Leeuwarden stattfand. Es waren dort 165 Orts- abteilungen der Partei durch 218 Delegierte vertreten. Der Jahresbericht des Parteivorst an des, aus dem wir bereits in Nr. 71 des„Vorwärts" das Wichtigste mit- teilten, rief eine lange und lebhafte Debatte hervor. Die Stellung des Parteivorstandes zur S. D. P. wurde von einigen Genossen in verschiedener Hinsicht kritisiert. Henri Polak meinte, daß der Vorstand den Vertreter der Partei im Internationalen Bureau hätte beauftragen sollen, für die Zulassung der S. D. P. zu wirken. Man habe nun einmal damit zu rechnen, daß zwei Par- teien bestehen. Zulassung zum Bureau ohne eigentliche Vertretung sei wohl möglich.— Dem wurde vom Parteivorsitzenden V l i e g e n und anderen Genossen entschieden widersprochen. Der Anschluß zweier sozialdemokratischen Parteien eines Landes an das Jnter- nationale Bureau sei nicht gut möglich, und für einen Anschluß ohne Vertretung bestehe keine Regelung. Der Parteivorstand werde jedoch keine Versuche machen, der S. D. P. die Vertretung auf dem Internationalen Kongreß in Kopenhagen zu verwehren. Es könne für die neue Partei nur gesundend wirken, dort ein Bad zu nehmen. — Ein weiterer Streitpunkt Idar die Stellung zum Streik im Bau« gewerbe zu Amsterdam, der bekanntlich von den„freien" oder anarchistischen Organisationen ohne Rücksicht auf die mit den Unter- nehmern in einem Tarifverhältnis stehenden Zentralverbände ver- anstaltet wurde.„Het Volk" vertrat in diesem Kampf, in Ueber- einstimmung mit dem Parteivorstand, die Auffassung der Zentral- verbände und ihrer Landeszentrale, die den Kampf und die Srei- kenden nicht unterstützten. Die Genossin Roland. Hol st vertrat im„Weekblad", der Wochenbeilage von„Het Volk", den entgegen. gesetzten Standpunkt, weswegen sie auf dem Parteitag scharf an- gegriffen wurde. Uebrigens billigte ihr Mitredakteur im„Week- blad", Genosse W i b a u t, die Taktik der Zentralverbände, hielt eS aber nach dem Grundsatz des Rechts der freien Meinungs- äußerung für selbstverständlich, daß der Artikel von Frau Holst aufgenommen wurde. Im allgemeinen wurde dieser Genossin vor- geworfen, daß sie mehr zur S. D. P. neige und für sie eintrete, als für die S. D. A. P. Dem widersprach unter anderem auch Genosse van der Goes. Es gehe nicht an, Frau Holst wegen ihrer Stellung gegenüber der S. D. P. zu einer Parteigenossin zweiter Klasse zu stempeln Das„Weekblad" habe in allen prinzipiellen Fragen, wo eS notwendig war, gegen die S. D. P. Stellung genommen. Er(Redner) habe selbst während der Wahlen drei Artikel gegen die neue Partei geschrieben, und Frau Holst habe sie ohne weiteres aufgenommen. Ferner wurde in der Debatte der Standpunkt des Partei- Vorstandes, die S. D. P. wohl neben anderen Arbeiterorganisa- tionen zur Maifeier zuzulassen, bei Wahlen aber nicht mit ihr zu- sammenzugehen, kritisiert. Genossin Roland. Holst beantragte, der Parteitag möge beschließen, daß das Zusammengehen mit der S. D. P. bei Stichwahlen nicht prinzipiell zu ver» werfen sei. und weiter, daß bei der Maifeier und ähnlichen Bewegungen mit der S. D. P. zusammengewirkt werden sollte. Sie erklärte, dieser ihr Antrag entspreche nicht ganz ihrer persön- kichen Auffassung, welche die sei, daß man bei Stichwahlen im m e r mit einer anderen sozialdemokratischen Partei zusammenwirken müsse. Dabei könne auch die Nichtanerkennung durch das Jnter. nationale Bureau keine Rolle spielen. Um aber wenigstens die OrtSabteilungen in dieser Hinsicht freizustellen, ersuchte sie um Annahme ihres Antrages. Der Antrag wurde jedoch mit starker Mehrheit verworfen und die Auffassung deS Parteivorstandes gut» geheißen.— Außerdem kamen in der Debatte noch verschiedene Einzelheiten von mehr oder minder großer Bedeutung für die taktische und prinzipielle Haltung der Partei zur Sprache. So wurde eS scharf kritisiert, daß in einer OrtSabteilung der Partei der Vorsitzende und sozialdemokratische Gemeindevertreter zugleich Mitglied des liberalen Wählervereins ist und auch die Wahlaufrufe dieses Vereins unterzeichnet. Der Parteivorsitzende V l i e g e n bemerkte dazu, daß es sich um einen rein örtlichen demokratischen Verein handle, nicht angeschlossen bei der Liberalen Union. ES sei ein veralteter Zustand, und daS Verhalten deS Parteigenossen sei nicht in der Ordnung. Der Parteivorstand habe auch schon mit ihm darüber korrespondiert und mit der Zeit werde man die Sache wohl in Ordnung bringen, Der Bericht der Kammerfrakkion rief ebenfalls ewe lange Debatte hervor. Es war hier namentlich die Haltung Troelstras und S ch a p e r S zur Frage der Volkspensionierung, die Gegenstand der Kritik bildete. Die beiden Genossen hatten, wenn auch nicht in der Kammer so doch außerhalb in Wlort und Schrift die Auffassung vertreten, daß man sich eventuell auch mit einem VersicherungSshstem einverstanden erklären könne, wenn dabei die geringen Löhne bis zu einer gewissen Grenze von der Beitragspflicht verschont blieben. Da die Volkspensionierung, die Versorgung der Alten und Invaliden aus öffentlichen Mitteln, als eine der wichtigsten und agitatorisch wirksamsten Gegenwartsforde- rungen der holländischen Sozialdemokratie angesehen wird, sckien ein Abweichen nach der Richtung der Zwangsversicherung den Kri. tikern der Fraktion verwerflich. Genosse Polak stellte den An- trag, der Parteitag möge sein Bedauern über jene Aeußerungen aussprechen, weil sie der Agitation zugunsten der Staatspensio- nierung zum Nachteil gereichten. Der Parteivorstand beantragte, der Parteitag möge beschließen, die Aktion für die Staatspensio- nierung ohne Beitragszahlung ungeschwächt fortzusetzen. und der Fraktion das Vertrauen auszusprechen, daß auch sie alle ihre Kraft dafür einsetzt. Wie Genosse Vliegen erklärte, hielt die Fraktion auch einen solchen Beschluß für gänzlich überflüssig. Beschlossen wurde vom Parteitag, über die Sache hur Tages. ordnung überzugehen, da kein Grund vorliege, sich weiter mit diesem Programmpunkt zu beschäftigen. Es wurde sodann die Haltung des Parteiorgans„Het Volk" besprochen. Von einigen Rednern wurde es scharf verurteilt, daß die von der Genossin Roland-Holst herausgegebene Wahl- rechtsbroschüre in„Het Volk" als verderblich für die Partei hin- gestellt worden war, wie denn auch in anderer Hinsicht Kritik an der Redaktion geübt wurde. Die Debatte endete jedoch damit, daß die bisherige Redaktion per Akklamation wiedergewählt wurde. Zu teils recht heftigen Auseinandersetzungen kam es bei der Verhandlung über die Haltung des„Weekblad". wobei der schon erwähnte Artikel über die Unterstützung der streikenden Bau- arbeiter wieder zur Sprache gebracht wurde. Die Genossin Roland-Holst sagte unter anderem, daß man innerhalb der Partei danach trachte, ihre Position zu untergraben, wie man auch den Genossen Pannekoek außer Landes getrieben habe. Diesen Aeußerungen wurde von anderer Seite energisch widersprochen.— Die Debatten endeten damit, daß die bisherigen Redakteure grau Holst und Wibaut mit allen gegen zwei Stimmen wieder- gewählt wurden. Zur Wahlrechtsaktion lag eine Resolution deS Partei« Vorstandes vor, wonach die Bewegung für das allgemein«, gleiche Wahlrecht, die ja bisher in den alljährlich wiederkehrenden großen Demonstrationen ihren stärksten Ausdruck fand, durch eine all- gemeine Volkspetition ergänzt werden soll. Die öffentliche Propa- ganda für die Unterzeichnung der Petition soll mit einer großen Demonstration eingeleitet werden, und die Petition selbst will man im Jahre 1911 der Regierung und dem Parlament überweisen. In der Debatte über diesen Punkt wies die Genossin Ro l a n d- H o l st ■fn einer längeren Rede darauf hin, daß schärfere Mittel notwendig werden könnten, um das Ziel der Aktion zu erreichen, und erklärte unter anderem, daß sie sich die Freiheit, die Idee des Massenstreiks zu propagieren, nicht mehmen lassen werde. Genosse Vliegen antwortete, die Resolution verbiete diese Propaganda nicht, aber die Partei vertraue auf die Disziplin der Genossen, und man müsse als einzelner seine Kraft nicht an eine solche Propaganda ver- schwenden, die auf diese Weise doch keinen Erfolg haben könne.— Die Resolution des Parteivorstandes wurde schließlich einstimmig angenommen. Die Sozialdemokratische Partei hielt am Sonnabend und Sonntag, den 28. und 29. Mai. in Amsterdam ihren ersten Jahreskongreß ab. Sie zählt ungefähr 599 Mitglieder. Es waren 23 Delegierte erschienen. Der Vor- sitzende Genosse Wijnkoop wandte sich in seiner Eröffnungsrede nicht allein gegen die S. D. A. P. Hollands, sondern auch gegen Sie Sozialdemokratie anderer Länder. Auch in Deutschland habe man es unternommen, die freie Meinungs- äußerung in der Pa.rtei zu knebeln. Die S. D. P. könne stolz darauf sein, daß es ein Holländer(Pannekoek) sei, der in den vordersten Reihen derer stehe, die gegen Kautsky aufträten. In Deutschland handle es sich um die Freiheit, den Massenstreik und den republikanischen Gedanken zu propagieren. Das Verlassen des republikanischen Standpunktes sei überhaupt eine internationale Erscheinung.*) Der Redner erklärte schließlich die S. D. P. für die einzige Partei, die wirklich proletarische Politik treibt. In der Debatte über den Jahresbericht des Parteivorstandes spielte die Frage der Unterstützung des Streiks im Amsterdamer Baugewerbe die Hauptrolle. Der Vorstand wie auch das Organ der Partei.„De Tribüne", waren für die Unterstützung eingetreten. Ein Teil der Mitglieder der S. D. P., die gewerkschaftlich den Zentralverbänden angehören, waren damit nicht einverstanden. Ein Delegierter aus Amsterdam erklärte, daß der, Streik nichts als ein Reklamestreik für die anarchistische Gewerkschaftsbewegung gewesen sei und sich vielmehr gegen die modernen Gewerkschaften. als gegen die Unternehmer gerichtet habe, deswegen auch keine Unterstützung durch die Partei verdiente. Beschlossen wurde zu dieser Sache, daß der Vorstand, ehe er über die Unterstützungsfrage bei Streiks entscheidet, die von nicht der Landeszentrale angeschlossenen Organisationen ausgehen, erst mit der betreffenden Ortsabteilung der Partei Rücksprache nehmen soll. In der Beratung über„De Tribüne" wurde von mehreren Rednern gesagt, daß die„Tribüne" nicht populär genug schreibe, so daß sie von den meisten Arbeitern gar nicht verstanden werden könne. Wijnkoop versprach, daß sie nun noch populärer als bisher geschrieben werden solle, und der Genosse Dr. Ravenstetm erklärte, daß es kein Propagandablatt werden müsse. Es sei das einzige Blatt im Lande, das die marxistische Wissenschaft verbreite. Man müsse auch davon absehen, in nächster Zukunft schon eine ziemlich große Partei zu werden; das sei nicht gut möglich.— Es wurde beschlossen, der Redaktion einen Fonds von 699 Gulden zur Ver- fügung zu stellen, der durch Wochenbeiträge von einem Cent auf- gebracht werden soll. Als Delegierte zum Internationalen Kongreß in Kopenhagen wurden die Genossen Gort er und Wijnkoop gewählt. Ferner wurde beschlossen, die königliche Genehmigung für das Statut der Partei nachzusuchen."■'*> Für die ausgesperrten Bauarbeiter. Bei der Gewerkschastskomniission für Berlin und Umgegend gingen ferner für die ausgesperrten Bauarbeiter Deutschlands ein: Triefen SoralieS, Klofterneuburg b. Wien 4,—. Zigarrensabr. Södicke 4,59. K. K. 2b 15,05. Werkstatt G. 5,—. Ein Staatsverbrecher 20,—, Lorch. Köpenick 3,—. Verband der Bergarbeiter Deutschlands, Bez. Hamm i. W. 150,—. Unterstützungssonds Glasorbeiter Stralau, 5. Rate 50,—. Ueberschuh der gem. Maifeier der Orte Blundenhain», Neuhofen, Rheingönheim i. Psalz 100,—. Zwei Ingenieure vom R. i. B. 5,—. Möbclsabiik Groschw«, 2. Rate 40,—. Schlosser und Anschläger bei MelchcrS 15,55. 7 Gürtler bei Lindström 3,50. Italienischer OSkar, 3. Rate 5,—. Th. B. 83 4,—. Deutsch-Sozialift. Leseklub, Paris 50,—. Handwerker u. Maschinenpersonal Schullheitz VI 18,—. Diener bei A. W. R... str. 20.—. Verband d. Kupserschmiede, Verwalt. Berlin, a. solgende Listen: 2001 Schwartz- kopsf- Wildau 11,25. 2003 Hartmann 28,—. 2004, 201«, 202« Lauten- schläger 37,90. 2005 Omnibusgcscllschast 30,80. 200« Turbinensabrik 21,25. 2008 Böhmisches Brauhaus 12,80. 2012 Neumann 8,75. 2018 Schwartz- kopff-Wildau 9,—. 2020 Cchering-Eharlottenburg 9,35. 2009 3,50. 2022 6,90. Summa 179,50.— 291 Tischlerei Zellner u. Bartsch 8,80. 6998 Guggenbichler Nachs., Bothe 17,20. AbschicdSsest bei Aiese 3.2«. Tischlerei Lerche, Beyer u. Co. 3,öO. Tapezierer bei Gerlach 3,—. 1923 Tischlerei Grünthal u. Passoth 5,25. 147 Monteure und Heiser bei I. L. Bakon 5,25. 5887 Angestellte der Hauptverw. de« Transportarbeiter- Verbandes 24,—. Gewonnene Wette 2,—. Klub der Harmlosen 5,—. Erich H. 0,50. 8120 Ellberwarensabrik Harnisch 11,35. Unterlommission Rixdors aus folgende Listen:«011 RakeniuS 14,75, 601« 2,40,«022 8,—, 6027 8,05, 6040 15,05, 6256«.-. 6257 7,80, 6264 7,40, 6265 5,16, 6286 5,95, 6289 11,20, zusammen 91,75. 1737 Holzarbeiter 49,—. Zigarettenjabrik .Vorwärts' 6,—. 1985 Tischlerei Schubert 8,25. Firma Loose 3,80. 1790 Tischlerei Petri 6,45. 2607 Kupferschmiede Autobau Oberspree 7,50. 2017 Kupserschmiede Turbinensabrik 25,—. 2024 Kupferschmiede bei Pest 6,—. Tischlerei Trippenow, Bierprozente 10,—. Tischlerei Vanselow 5,50. 304 Kroiientabrir Bischof 7,—. Pflanzerverein.Immergrün" 15,—. Hochzeit Pappelallee 3,05. 1880 Tischlerei Harris u Shcldon, Tempelhos 13,85. 401 Tischlerei Spanier 7,55. Hausdruck, d. Anilinsabr. 2,70. 311 Vergolder b. Jintsch,4. Rate 3,75. Graveure bei Thiele u. Co., 4. Rate 23,50. 253, Jkes u. Eo., 14,85. Tischlerei Rotz 5,—. 295 Pianosabril Stewert 6,—. Maler bei Kampke 7,—. 313 Darmarbeiter u.-Arbeiterinnen F. u. L., 8. Rate 8,—. Koll. bei Kurtz 10,—. Gesangverein Lichtenberger Riännerchor 20,—. 1936 Tischleret Weitz 16,95. Arbcitcrradsahrveriin„Voran" 10,—. 1931, 1933, 1934, 1935 Möbelfabrik Psafs 43,10. 392 Drechslerei Reimann 4,—. 1998 Möbelfabrik Zelder u. Platen 5,20. 1995 Zelder u. Plalen, wkl. Kranzüberschutz 23,25. Choralion-Koinpagnie, Hasenheide 16,—. Tischlerei Siebert u. Aschenbach 15,40. 358 T. F. Kindermann, 3. Rate 24,20. 319 Tischlerei Sponar, 3. Rate 18.—. 269 Pianosabril Görs u. Kallmann 22,40. 9851 Tischlerei Blendinger, Bredow u. Co., 3. Rate 7,70. Beizer bei Krause, Korille u. Co. 4.50. 320 Tischlerei Szanto 6,75. 370 Tischlerei E. Schmidt«.50. 371 Tischlerei Baute 5,70.«61« 18,10. Koll. b. Rtetzel u. Lindemann, 4. Rate«,—. Mandolinenklub Nordische Klänge 20,—. 407 Korbmacherei Fischer, Spandau 10,25. Verband freier Gast- und Schankwirte Deutsch- lands 1000,—. 2990 Bertheim-Mühle 20,05. 1937 Möbelsabrik Schinneister 18,30. Tischlerei Wedegärwer u. Fischer K.50. 8349 Bauklempnerei Karncy 25,25. 1948 Berl. Zimmeruhrensabrik 8,35. 1872 Perlmuttfabrik AbramowSki 4,65. 1874 Perlmuttsabr. Fischer 8,25, 1875 Perinn lttsabrik Naumann 5,60. 1802 Etocksabrik Gembicki 13,15. 1803 Stockfabr. Rcmmert 4.—. 1804 Slocksabrik E. Noa Nachs., 14.—. 1835 Stocksabrik P. Krast 7,30. 1841 B. Noa, 4. Rate 18,—. 1842 Stocksabrik Schütte, 3. Rate 12,95. 1843 Stocksabrik Seligsohn 5,50. 1844 Stocksabrik Retzlasf, 3. Rate 8,— 1845 Stocksabrik Redlich, 2. Rate 9,20. 1847 Stocksabrik Goldbach 10,—. 1849 Stocksabrik Goldmann, 3. Rate 11,10. Spar- verein.Sicher angelegt" 10,—. 397 Tischlerei Flatow U. Priemer, *) Mir bedauern, daß Genosse Wijnkoop hier über Dinge redet, über die er sichtlich sehr schlecht unterrichtet ist. Würde er die deutschen Parteiverhältmsse nur ein wenig kennen, so würde er wissen, daß das Gerede von einem Verbot der Erörterung des Massenstreiks und des repuhssi�viischeZ KMM&S ein TrMÄ if Redaktion des.»Porwäxts-»----------~- 5. Rate 20,90. 396 Tischlerei Flatow u. Priemer 10,20. Tischlerei Mar!« gras u. Tau, 2. Rate 10,35. Tischlerei Dietze 5,25. Möbelpolicrer b. Raschig, 3. Rate 7,25. Tischlerei Schnell u. Co. 10,—. 1944 Tischleret KieSIing 20,—. Tischlerei Kühm. 2. Rate 12,20. 395 Tischlerei Dunsky 19.45. 329 Tischlerei Schwarz u. Fröhlich. 4. Rate 29,—. 1896 Tischlerei B. Hecht 8,65. 39 Tischlerei Neuland 7,65. Möbelsabrik Stern, 3. Rate 19,65. 1991 Tischlerei Hübner 3,75. Tischlerei Krogh, Keller u. Co. 14,65. 1949 sechs Tischler bei Hartmann 2,50. 1950 Tischlerei Mittag, 3. Rate 19,65. Tischlerei Wegener 19,80. 1987 Tischlerei Salzmann 6,65. Möbelsabrik Gerson, 4. Rate 10,80. 340 Möbelfabrik Abb u. Daum. 3. Rate 15,50. Tischleret R. Schmidt 17,50. Bierkasse und Angestellte der OrtSkrankenkasse der Kausleute 50,—. 1947 Tischlerei Dippelt u. Rothe, 2. Rate 11,40. Graveure bei Heister«. Co., 5. Rate 7,50. 338 Tischlerei Siebert u. Schwesmger 11,35. 391 Pianosabr. C. Otto 10,30. 1945 25.05. Kammsabrik R. Streich 5,65. 5712 Maler bei Suhr 4,50. 374 Tischlerei Latz. 4. Rate 5,60. 339 Piano. sabrik Hostmann 6,05. Chemigraphie W. Greve 4,—. Spatverein„Süd" 4,65. 345 Tischlerei Mausols, 2. Rate 7,25. 384 Tischlerei Stein 4.50. 316 4,70. Schröders Möbelmagazin 5,40. Tischlerei Sachse u. Hesse, 2. Rate 16,10. Tischlerei Mekas 5,30. 170 Tischsabrik Bremer 14,50. Tischlerei tildebrandt, 2. Rate 10,75. 244 Möbelsabrik Hansa 24,45. Kollegen bei tabenow 3,50. 348 Tischlerei Kukulenz, 4. Rate 15,55. Tischlerei Schulz u. Hintschel, 3. Rate 10,—. 409 Drechsler und Schleifer bei C. Müller A.-G. 11,65. 410 Arbeiter bei C. Müller A.-G. 6,—. 286 Tischlerei Sommerlatte, 2. Rate 13,10. 278 Tischlerei Kimbel u. Friedrichsen 33,55. Klempner bei Stolzenberg. 2. Rate 10.—. 6607 d. Feister 15,75. 35« Tischlerei MiliS u. Neumann, 2. Rate 24,20. Verb, der Glaser, Zahlst. Berlin, aus Listen, 6. Rate 86,35. 2099 Glaserei O. Zühlke 11,95. 4188 Kollegen bei H. Hartmann 9,55, Sechserlaste 5,05. Arbeiter-Nadsahrerverein„Blitz" 3,—. Ungenannt durch Red. d.„Courier" 3,—. Verband der Kürschner, Verwaltung Berlin, aus solgende Listen: 2712 Pelzwarensabrik I. Landsberger 15,50. Mützen- sabriken: 2737 M. Stein 10,30. 2742 Ch. Haug 23,45. 7652 G.«. Host. mann 8,80. 2754 Pelzwarensabrik Dreiblatt 10,40. 2759 Mützensabrik H. Zins 9,15. 2760 Bureau der Kürschner 21,20. Mützensabriken: 2770 M. Gärwer 10,05. 2775 G. A. Hosfmaun 14,80. 2783 Lachmann u. PinkuS 11,30. G. A. Hostmann: 2789 11,30, 2790 9,30, 2792 12,65. 2796 H. Storkmann 12,05. 2797 A. Grotehcnn 10,10. Pelzwarenfabriken: 2799 BlUmenthal u. Co. 13,—. 2800 Hcrpich Söhne 25,—. Mützensabrik P. Gärtner u. Co.: 7641 13,85, 7642 12,85. 7643 Pelzwarensabrik V. Mannheimer 21,65. 7647 Mützensabrik G. A. Hostmann 7,85. 7654 Pelzwarensabrik Behrendt 6,50. Summa 291,05.— Presse- bureau 25,—. Geburtstag Jorkat 1,50.— Deutscher Transport« arbeiter-Verband aus solgende Listen: 602 Droschkenchausteure versch. Halte- stellen d. 6. Wahlkr. 13,05. Fahrpersonal d. Schulthettzbr. Abt. II«04 17,65. 611 13,45. 629 5,20. 634 3,40. WirtschastSgenoss. Depot Greifslvalder Str. 635 6,45. 644 8,25. 645 14,10. 646 9,20. 647 8,65.«48 4,20. 651 5,25. 654 v. d. Rads. u. Kutsch, v. Max Müller u. Co., Müllerstr. 166» 5,70. 863 Fahrpersonal Brauerei Schultheitz IV 9,20. 668 ges. d. Herm. Korn 8,80. 686 Diener u. Handw. d. Firma Gebr. Simon, 2. Rate 13,35. 691 Rothophot D. T.-B. 7,55.«93 Gewerkschastsschüler d. G. Strehl 55,50. 714 Automobilbetr. Ruhnau, Tempelhos 11,—. Allgemeine ElektrizitätS- Gefellschast Turbinensabrik, Abteilung Versandt. 717 9,55. 718 12,10. 719 7,60. 721 6,40. 722 4,20. 724 7,65. 726 10,60. 736 4,75. 736 Firma Bergmann, elektr. Werke Seestt., Abt. Nikolaus 20,15. 739 Neue Berl. Gen.«Bäckerei 2,20. 740 Ostdeutsche Spritfabrik 5,55. Kollegen von Laue u. Co., Abt. Walzwerk 742 14,35. 743 4,50. 750 Transportarb. von H. S. Hermann 9,30. Mineralwassersabr. Ernst Krüger 755 6,10. 766 5,95. 781 Geschästsd. u. Handw. d. Firma A. Wertheim, Oranienstr. 18,20. 782 Arb. u. Kutsch, d. Mineralwassersabr.„Berolina" 4,90. 789 Wirischastsgen.-Depot GreisSwalderstr. 15,25. 795 Von den organisierten Kohlenarb. d. Firma„Flamme" 17,80. Summa 407,05.— Verband der Gaslwtrtsgehilsen, Charlottenburg 20,—. Tapezierer bei Prill 2,—. 181 tolzarb. b. Utermöhler 15,30. Verband der Handlungsgehilfen, Verw. crlin, aus solgende Listen: 131« 11,65. 1318 10,10. 1329 10,20. 1332 9,05. 1340 7,—. 1342 7,80. 1359 6,85. 1372 6,35. 1374 3,—. 1375 Kaufmännisches Personal der ,VorwSrts"-Buchdruckerei, 2. Rate 14,—. 137« Nähmaschinen- Reisende 15,30. Summa 101,30.— Verband der Maler u. Lackierer, Verw. Berlin aus solgende Listen: 5641 2.—. 5643 7,90. 5644 17,30. 564« 19,70. 5647 6,50. 5650 11,55. 5658 8,—. 5664 8,10. 5665 2,85. 5680 4,10. 5684 7,45. 5686 1,45. 5690 16,50. 5691 10,25. 5697 Lackierer der A. E. G. Turbine 16,65. 5703 15,—. 5704 Karosseriesabrik Sasse 15,10. 5709 Lackierer bei Borsig 38,25. tusammen 208,65.— 268 Tischlerei Möhler u. Schwab 9,75. Verband der exttlarbeiter, Verw. Berlin aus solgende Listen: 902 gesammelt im Zentral- bureau 11,60. Stickerei Kerb 944 6,85, 964 6,35. 904 Lande 21,10, 905 15,40, 972 7 80. 920 Stickcrbranche 8,16. Dekatur: 929 Behmack 9,05. 930 Blumenthal 4,25. 933 Heese 4,15. 934 C. Krüger 5,75. 936 Eitz 7,30. 940 Oppenheim-Rawttz 5,80. 948 Gottschalk u. Laste 5,65. 957 Oppen- Heiin-Rawitz 5,00. Tepptchsabriken: 946 Baader 12,65. 963 Schweudy 13,70. Benjamin 949 11,—, 950 10,45, 951 2,25, 967 2,55, 968 13,00, 969 14,80. Zusammen 204,51 Mark.— Deutscher Metall- arbettervcrband, Ortsoerwallung Berlin, 8. Rate: 3127 R. Bosse u. Co., Abtessung Rapko 11,30. Gehr«, Wiener Str. 36a 3132 6,70, 3192 12,45. 3198 8,55. Orenstetn u. Koppel, Spandau 3201 8,90. 3208 4,95. 3209 22,55. 3203 5,95. 3205 9,30. 3210«,—. 3197 7,25. General- Compagnie Monolwe 3220 11,75. 3224 14,35. 3228 6,90. 3230 13,50. 3231 13,60. 3283 12,05. Grauert. Abt. I. 2. Rate 3390 8,15. 3391, 1. Rate 9,25, 8377 3. Rate 7,15, A. E.-G., Schlegelstratze 3659 Bcnncmann 2,65. 3661 Jünger 25,10. 3664 Rank 10.50. 3665 Ender 9,25. 3666 Rank 9,50, 3667 Biehn 28,75. 3670 31,—. 4136 Deutsche Masch.-Bertriebs-Ges., 2. Rate 39,50. Deutsche Massen- u Mun.-Fabrik, Masch.-Gewehr 4144 17,05. 4145 19,15. 414« 14,85. 8053 Urban 22,15. 8057 Guth 93,95, 8058 10,20, 8062 Heinemann 27,65, 8065 Hemiig 35,75. 806« Fietzkow 24,75. 8069 Bülow 43,—. 8070 Hentze 24,50. 4199 A. Roller, 2. Rate 28,30. Bolzani 4237 13,65. 4238 15,80. 4239 24,90. AuS der Sechs erlasse von d. Schlossern (Bolzani) 5,—. 4244 F. A. Deichen 26,50. 4245 Butzke 12.—. 4246 Dietrich. 2. Rate 6,10. Müller 4247 14,50. 4248 11,50. 4239 9,75. 4250 19,75. 4251 Gerecke 11,55. 4252 Jürst 27,—. 4253 Meier 5,65. 4254 Dietrich, 8. Rate 24,40. 4255 Butzke 14,80. 4256 Pinku« 18,15. 4257 Kray 11,35. 4258 Gerecke, 2. Rate 13,90. Behling u. Lübke 4259 Dreherei, 2. Rate 18.—. 4260 Schleiserei, 2. Rate 15,50. Eckert, Lichtenberg 4275 14,15. 427« Militärbau 11,70. 4341 Gefellschast für ElektrizitätS- Industrie 7,—. 4452 Kärger 17,70. 4588 Danneöerg u. Co. 11,60. Bosse 4487 15.-. 4488 11,50. Hirsch 4592 14,05. 4593 27,95. 4632 Kahnt, Stralau, 2. Rate 10,—. 4695 Psennigwerth 4,75. 4729 Türk 7,45. 4758 Butzke, Schleiser und Gürtler, 3. Rate 20�)5. 4782 Hasse u. Wrede 8,05. 4783 Hasse u. Wrede 7,—. 4788 Spinn u. Sohn 20.80. 4798 Hugo Winter 7,50. 8001 Schuchardt u. Schütte 17,—. Frost u Sohn 8003 10,55. 8005 23,95. 8004 Klette, Met.-Gietzerei 6,75. 8006 8,15. Allg. Met.-Werke sür Beleuchtung 8048 13,50. 8049 6,50. 8050 4,05. 8051 4,15. 8052 9,10. 8047 9,30. 8092 Med. Warenbau» 25,25. 8105 Schütze u. Freund 9,70. 8178 H. Hauplner 30,60. 8183 Elektro Plated 14,30. 8195 Staudt 15,—. 8199 Skrziwan 9'—. 8200 Gebr. Siemens 9,—. 8211 Haste u. Wrede 20,—. Brendel u. Lewtg 8265 10,50. 8266 15,25. 831 9 Berliner Zigaretten- Maschinensührer 20,70. 8352 Reinhold 29,50. 8355 Dtltmann 51.80. 8357 Rob. Freund 11,10. 8358 Kammerich u. Co. 21,85. 8363 Hugo Hartmann 11,30. 8395 P. Trettin u. Co. 9,55. 8397 Kaustmann, 4. Rate 15,60. Schäfer Nachs. 8399 10,55. 8400 11,20. 8402 Emmerich u. Schöning 8,25. 8403 Emmerich u. Schöning, Abt. 2, 3. Rate 21,25. 8404 Emmerich u. Schöning, Abt. 3, 4. Rate 26,25. 8409 Schmidt u. Co., 2. Rate 5,75. H. Aron 8442 28,95. 8443 26,—. 8444 Kuntze 7,60. 8445 Bergemann, Dronthetmer Str., Schraubenabt. 21,—. Windler 8461 8,20. 8462 5,50. 8479 Rich. Galle 8,—. 8487 Loeb u. Co. 30,60. Summa 1911,25. Deutscher Metallarbetterverband, Ortsverwaltung Berlin, 9. Rate: 3574 Deyke 16,20. 3681 Kronlcuchtersabrik Gebr. Israel, 3. Rate 12,65. 3685 Geldschranksabrik Panzer 36,25. 3687 Busch u. Mohr 7.—. 3782 Drucken. muller 18,—. 3809 Puppel 5,15. Stock in Mariendors 3810 15,15. 3311 13,05. 3812 11,85. 3813 7,50. 3814 13,60. 3816 Holzmosailsabrik König. 2. Rate 14,75. A. E.-G.. Voltasttaße, 3897 Bornemann 19,60. 3900 Mechler 16,30. 3901 Weyer 25,—. 3903 Priebe 12,60. 3906 Meier 13,80. 3908 Ar» 22,70. 8909 Breter 18,65. 3910 Risse 14,25. 8912 Müller 19,20. 3913 Seeseld 37,95. 3914 Flohr 20,10. 3915 Hannemann 88,80. 3922 Schneider 23,45. 3926 Krastzich 11,—. 3927 Falkenberg 14,—. 3928 Korth 21,—. 8929 Jeschke 8,95. 3930 Jcschke 13,25, 3932 Scholz 12,50. 3933 Kühne 11,95. 3938 Scharnow 8,55. 3944 Miels 15,70. 3954 Posselin 18 30 3955 Haudrack 18,15. 3960 Stommel 16,25. 3961 Sellen 48,05. 3967 Lager 7,05. 3970 Musiol 13,60. 3972 Silcski 5,10. 3974 Retzlasf 26,03. 3978 Signalbau 30,20. 3980 Kühne 26,45. 3984 Oschkinat 7,75. 3989 Berg 15,65. 3991 Berg, Meyer u. Eberhard 7,40. 4942 Möller 15,90. 4947 Vientz 14,10. 4950 Engelmann 10,25. 4956 Schcer 18,—. 4960 Schieber 11,25. 4977 Mechler 14,70. 4121 Bauer- Pankow 9,05. 4189 Schubert u. Werth 19,15. 4629 Krüger-Köpenick, Kietzerei 13,80. 4730 S Elster. 2. Rate 15.85. Mix u. Genest 8018 15,15. 8019 0,70. 8020 3,15. 8021 5,75. 8022 2,60. 8023 12,85. 8024 13,65. 8025 9,35. 8026 16,50. 8027 13,— 1. 8028 3,10. 8029 7,—. 8030 3,75. 8031 13,25. 8032 3,20. 8033 11,05. 8034 6;15. 8035 3,80. 8036 4,50. 8037 8,55. 8038 2,—. 8039 5 80. 8044 F. SB. Hentschel 7,75. 8095 Grünebaum it. Scheuer 5,50. 8112 Norddeutsche Metallwarenfabrik 13,—. Silberwarensabrik Prall, 2. Rate, 8119 22 30 8116 7,60. 8113 13,65. 8180 Metallgietzerei Siemens 21,25. 8181 Eisengietzerei Siemens 40,10. 8201 Bichl 11,60. 828« SudicaliS 21,—. 8318 F. Huth 8,—. 8347 Bach u. Mahlow 12,50. 8396 Allg. Berl. Auw- usges. 31,55. 84B5 Klemmt 30,40. 8457 Humpert 7.80. 8464 Benick« 26,55. 8468 A. E.-G.. Sttt. R, 14,55, 9263 B. durch Cohen 10,—. Von der aufgelösten Strafgelderkasfe d. Firma E. Stein 37,50. Deutsche Waffen- und Munilionssabrit, 3452 23,55. 3456 34,70. Bergemaun, Wilhelmsruh, 3620 23,10. 3621 26.65. 8622 64.90. 3623 5,90. 3624 15.45. 3625 11,60. 3626 13.10. 3628 10,75. 3631 9,55. 3632 1355, 3633 12,95. 3634 10,05. 3636 8,80. 3638 25,90. 3639 13,90. 3640 21,40. 3641 5.45. 3642 11.—. 4699 8,50. Siemens u. Halste, Werner- Werk 4802 17,—. 4803 21,—. 4804 18,—. 4805 44,90. 4807 35,50. 4808 30,—. 4811 16,45. 4812 24,60. 8014 Stelhner 16,50. 8074 Max Schmidt, Tempelhos 13,—. 8103 Schulz, Hascnheide, 2. Rate 18,35. 8124&. A. Schultzc, 2. Rate 12,05. 8162 Jastrow, 3. Rate 15,—. 8174 Berliner Motorwagensabrit 15,40. 8449 Baullempnerei von Winkelstein 23,70. 8458 Ges. für drahtlose Telegraphie 16,80. 8466 Fischer u. Co. 14,05. 8486 Krüger u. Co. 14,15. 8535 Beller» Register Comp., 2, Rate 9,50. 8538 Löwenstei», 2. Rote 8,85. 8539 Progrefe 11,—. 8546 Siemens Blockwert 20,25. 8548 Müller 8,75. 8550 Rod. Schulz. 5. Rate 6,—. 8697 S. A. Lcnd 11,—. 8635 Konlinentale Bremfen-Ges., 3. Rate 15,—. Arbeiter und Arbeiterinnen der Telephon-Werte, 4. Rate: 8663 10,25. 8664 2.95, 8665 12,10. 8666 14.15. 8667 9,55. 8668 7.70- 8669 27,66. 8670 13,50. 8671 7.85. 8672 3.85. 8673 8.70. 8674 4.80. 8675 3.65. 8676 13.—. 899« Firma Slge«, 8. Rate 6,80. 3674 Schwinher u. Gras 35,05. 3680 Freud u. Comp. 12,—. 3682 durch HSnsel 4,35. 8688 Simon. 3. Rate 10,45. 8589 Niemann 34,75. 4731 S. Elster, 2. Rate 13,80. Summa: 2533,60. Insgesamt 9 093,77 M. Bisher sind abgerechnet 59 799,24 M.; dazu kommen 9093,77 M., in Gumma 68893,01 M, Gelder, welche per Post eingesandt werden, sind an A. K ö r st e n. SO. 18, Engelufer 16, I zu senden. Alle Sammlungen sind sofort auf unseren» Bureau, Engelufer 16, I, Zimmer 23 an den Wochen- tagen in der Zeit von vormittag» von g— 12Vz Uhr und nachmittags Ion 4— 7>/» Uhr abzuliefern. Die Listen 680. 1488, 4722, 8141 und 8166 sind als verloren gemeldet. Dieselben sind beim Borzeigen anzuhalten und wenn mög- lrch in unserem Bureau abzuliefern. Der Ausschuß der GewerkschaftSkommission für Berlin und Umgegend. rolleeltste» vom b. Iflärz Suvden am Dienstag vor dem Landgericht l Berlin(Strafkammer 6 unter Vorsitz des LandgerichtkratS Kersten) erörtert. Auf der An- klagebank faß ein Mafchtnenformer Redler, der am 6. März abends gegen Ml Uhr in der Schlesischen Straße nahe der Cuvrystraße durch den Ruf„Bluthunde I" die Polizei beleidigt haben sollte. Vom Amtsgericht Berlin-Mitte(Abteilung 138) war er zu der harten Strafe von 3 Wochen Gefängnis verurteilt worden, aber das war der Staatsanwaltschaft noch nicht genug. Sie hatte zu dem Mittel der Berufung gegriffen, um eine noch härtere Strafe zu er- wirken. Redler. dem als Verteidiger der Rechtsanwalt Dr. Kurt Rosenfeld zur Seite stand, hatte gleichfalls Berufung eingelegt und forderte Freisprechung. Der Angeklagte schilderte, wie den Nachmittag über die Gen- darmerte in Treptow das Publikum attackiert und auf Wehrlose mit dem Säbel eingeschlagen habe. Attacken von Schutzleuten habe er später auch in der Schlesischen Straße mitangesehen. Die erregte Menge habe die Rufe„Bluthunde!" ausgestoßen, er selber aber habe sich nicht daran beteiligt. Zeuge Schutzmann Rost, der ihn verhaftet hatte, bekundete, er habe genau beobachtet und irre sich «icht.> Der Bertridigrr bot einen umfangreichen Beweis dafür an, daß für die Menge und jeden, der sich in ihr befand, Grund vor- banden war, über das Verhalten der Gendarmerie und der Polizei in höchste Erregung zu geraten. Er hatte sieben Zeugen laden lassen, die bekunden sollten, daß in brutalster Weise eingeschritten worden und Wehrlose mit Fauststößcn und Säbelhieben traktiert worden seien. Als der Verteidiger erwähnte, daß eine Zeugin durch Gendarmerie überritten worden sei und einen schweren Ann. beuch erlitten habe, sagte der Vorsitzende:„Wer sich in Gefahr be- gibt, kommt darin um." Zwei Zeugen, die Fabrikbesitzer Cerf und Kluge, die in der Schlesischen Straße als ganz Unbeteiligte von den Fenstern aus dem Walten der Polizei Stunden hindurch zu- gesehen hatten, waren durch Reisen am Erscheinen verhindert. Der Verteidiger wollte auf sie nicht verzichten und beantragte Ber» tagilng. Der Staatsanwalt gab anHeim, nach den Anträgen der Verteidigung zu beschließen. Das Gericht gab zunächst den Be- weisanträgen statt, soweit die Zeugen erschienen waren, und setzte die Beschlußfassung über den Vertagungsantrag aus. Zeuge Kaufmann Samuel schilderte, wie am Nachmittage in der Nähe der Schlesischen Brücke die Polizei die Menschenmenge vor sich her getrieben habe. Er selber, der nicht schnell genug lausen konnte, sei von einem Schutzmann an eine Hauswand gedrückt worden. Ebenso sei es einem Bekannten von ihm ergangen, der dann über Schmerzen geklagt habe. Bei einer späteren Attacke näher der Stadt zu seien von der Polizei Frauen und Kinder um- gerannt worden. Ein Herr habe ihm Schrammen gezeigt, die er dabei am Kopf und im Gesicht erlitten hatte. Am Abend hat Zeuge gesehen, wie ein Mann, der von einem Schutzmann umgeritten worden sein sollte, hilflos an der Bordschwelle lag. Das Publikum habe laut gefordert, die Polizei solle sich seiner annehmen. Aber erst nach etwa 10 Minuten habe ein Berittener..sich bequemt, ihn aufzuheben", worauf Zeuge selber mitgeholfen habe, ihn wegzu- bringen. Die Erregung des Publikums über alle diese Vorgänge fei groß und allgemein gewesen. Auf die wiederholte Bemerkung veS Zeugen, daß Frauen und Sinder umgeritten worden seien, antwortete der Borsitzende mit Wiederholung des Satzes:„Wer sich in Gefahr begibt, kommt darin um." Eine Frage des Verteidiger« danach, wie in der Schlesischen Straße die Polizei eine Gastwirt. schaft geräumt habe, wird vom Borsitzenden zurückgewiesen:„Ich verstehe nicht, was da alle» hineingezogen wird. Alles das inter- essiert doch gar nicht für den vorliegenden Fall." Verteidiger:„Ich protestiere dagegen, daß ich etwas hineinziehe. Mir ist nicht ver- ständlich, wie man sagen kann, das interessiere hier nicht. Ich will doch beweisen, daß da» Publikum Grund hatte, erregt zu sein." Samuel erzählte dann, die Polizei sei in eine Gastwirtschaft durch einen hinteren Eingang eingedrungen, habe Gäste an den Armen und im Genick gepackt und sie hinausbefördert. Der Wirt habe nachher ihm gezeigt, daß dabei die Tür zerbrochen worden sei, und habe versichert, in feinem Lokal seien lediglich ganz harmlose Lieder gesungen worden. Zeuge Goldschmied Immanuel schilderte Gendarmerieattacken auS der Gegend der Elsenstraße in Treptow.«Das war", sagte er, so empörend, daß es erklärlich ist, wenn einer sich da zu einer Be- leidigung hinreißen läßt." Vorsitzender:„Sie treten ja als Ver- teidiger auf." Ein Beisitzer:„Sie würden ihn freisprechen." Der Verteidiger ließ dann den Zeugen Einzelfälle schildern, um den Anlaß der Erregung näher zu beleuchten. Als Immanuel von einer Attacke zweier Beamten sprach, die auf einen Mann, eine Frau und ein Kind eingehauen hätten, erklärte Redler, gerade das habe auch er mitangesehen. Zeuge gab noch an, ein junger Mann sei von zwei Gendarmen mit Säbelhieben traktiert worden, so daß er am Kopf blutete. Bon Passanten sei er weggeführt worden. Die Gendarmen hätten sich nicht weiter«m ihn gekümmert, Vorsitzen- der:„Na ja, die haben mehr zu tun." Vernommen wurde dann jene Frau Petrrschun aus Treptow, die von Gendarmen umgeritten worden war. Sie bekundete:„Ich wollte nachmittags gegen!43 Uhr mit meiner elfjährigen Tochter von meiner Wohnung ist der Beermannstraße nach dem Bahnhof Treptow gehen, um nach Baumschulenweg zu fahren und von dort au» nach dem Treptower Friedhof zu gelangen, wo ich an einer / Beerdigung teilnehmen wollte. Ich hatte einen Kranz über dem Arm, und auch ein Fräulein, das sich uns in der Elsenstraße an- schloß, hatte einen Kranz und war in Trauerkleidung. Als ich nahe dem Restaurant Graßmann eine große Menschenmenge sah, sagte ich:„Hier kommen wir doch nicht durch!" nahm mein Kind an die Hand und kehrte um. Während ich am Zaun zurückging, drehte mein Kind sich um und rief plötzlich:„Mama, die Gen- darmen kommen angeritten!" Sie riß sich los, ich aber blieb ganz ruhig stehen und drückte mich an den Zaun. Da kriegte ich einen Schnbbs und flog an die Erde.— Das andere sah ich nicht mehr, denn die Gendarmen ritten über mich weg. Ich wurde von anderen Leuten aufgehoben, und auch nzeine Kleine wurde von einem Mann, der sie beschützt hatte, zu mir geführt. Er sagte, auch er hätte bald was mit dem Säbel gekriegt, er habe aber ge- schrieen:„Ich bitte Sie, ich schütze ja das Kind!" und nur durch das Kind sei er vor dem Säbel des Gendarmen gerettet worden." Die Zeugin Peterschun gab weiter auf Befragen an:„Mein Arm ist nicht gebrochen, sondern zersplittert, zertreten, und ich bin noch jetzt in Behandlung. Der Arzt sagt, das sei nicht von einem bloßen Fall, sondern von einem Tritt; das hat er mit Röntgenstrahlen festgestellt. Der fremde Herr hat mir auch gesagt, daß ich über- ritten worden war." Staatsanwalt: Da waren doch auch Demon- strantc«? Zeugin: Das habe ich nicht gesehen. Staatsanwalt: Na, wo kamen denn gleich die schützenden Herren her? Zeugin Fräulein Kröcher, die mit Frau Peterschun gegangen war. bestätigt deren Angab«, daß sie sofort umgekehrt seien. Bor- sitzender: Konnten Sie denn nicht in ein Haus rein? Zeugin: Da ist ja keins. Borsitzender: Aber es war doch gefährlich für Sie! Zeugin: Wir waren uns ja keines Bösen bewußt, wir wollten doch nur zum Kirchhof. Borsitzender: Ja, konnten Sie sich denn nicht schützen? Zeugin: Wir sahen ja erst die Gendarmen bei Graß- mann, da wars zu spät, Ausweichen war gar nicht möglich. Ich fiel um, dabei hatte ich noch meinen Kranz in der Hand, dann kam ich wieder in die Höhe. Ich hatte gesehen, daß Frau Peterschun an die Wand gedrängt worden war. Dann sah ich nur noch, daß sie lag. Borsitzender: Sie selber glauben auch umgeritten worden zu sein? Zeugin: Ich weiß es nicht; ich kann nicht sagen, ob ich etwa selber gefallen bin. Ich schlug mir hier diese Stelle(sie deutet auf den rechten Hüftknochen) blau. Vernommen wurde schließlich noch ein Kaufmann Scgall, der darüber berichtete, wie in der Schlesischen Straße berittene Schutz- leute selbst ältere Frauen attackierten, wie Kinder vor den Hufen der Pferde zu Boden fielen, wie nachher Frauen von hinten gepackt und hingeschleudert worden seien. Den überrittenen Mann hatte auch dieser Zeuge liegen sehen; erst auf seine Veranlassung, sagte er, sei der Hilflose von der Polizei und Leuten aus dem Publikum aufgehoben worden. Derselbe Zeuge schilderte den Angriff auf die Gastwirtschast, aus der die Gäste hinausgeworfen worden seien. Der Verteidiger wiederholte jetzt seinen Antrag, die Zeugen Cerf und Kluge zu laden und daher zu vertage». AIS der Vor- sitzende bemerkte, man könne ja deren Aussagen als wahr unter- stellen, und der Verteidiger antworten wollte, erhob sich der Bei- sitzer Landgerichtsrat Gohr und raunte dem Vorsitzenden zu:„De- battieren hat ja keinen Zweck." Verteidiger:„Dann habe ich nicht? mehr zu sagen, ich bin schon belehrt." Der Borsitzende lenkte ein und ersuchte, die Beweisanträge zu begründen. Der Berteidigcr führt aus, die Zeugen würden aus eigener Beobachtung bekunden, daß ein Mann umgeritten worden sei und man ihn lange habe hilflos liegen lassen, daß Schutzleute verschiedentlich selbst nach Kindern gegriffen hätten, daß da» Kommando„Säbel ziehen!" ge- geben worden sei, während keiner in der Nähe war, der die Polizei hätte bebrängen können, daß von Polizei, die in Hausflure hinein- stürmte, selbst Frauen und Mädchen bedrängt worden seien, die mit ihren Kuchentüten vom Bäcker gekommen waren. Der Staats- anwalt empfahl Ablehnung, weil als wahr zu unterstellen sei. daß das Publikum und auch Redler das Vorgehen der Polizei für rigo- ros hielt und daher erregt waren. Das Gericht beschloß die Ab- lehnung mit derselben Begründung; überdies habe Redler die von Cerf und Kluge zu bekundenden Vorgänge gar nicht selber gesehen. Hiermit war die Beweisaufnahme geschlossen. Der Staatsan>valt fand das Vorgehen der Polizei berechtigt, wenn auch Unschuldige dabei zu Schaden gekommen seien. Redler möge erregt gewesen sein, aber durch sein Schimpfen sei die Er- regung der anderen noch gesteigert worden, darum müsse er mit 2 Monate« Gefängnis büßen. Der Verteidiger hob hervor, daß gerade die Rücksicht auf die Erregung dazu führen müsse, dem An- geklagten eine so harte Strafe zu ersparen. Den beleidigenden Ruf „Bluthunde!" habe man sich an? der ganzen Situation zu er- klären, aus dem empörenden Borgrhen der Polizei, wie es hier von Zeugen geschildert worden sei. Selbst wenn das Gericht Redler für schuldig halten wolle, so könne eö nicht auf Freiheitsstrafe erkennen. Das Urteil lautete: RedlerS Schuld ist erwiesen, seine Er- regung ist zu berücksichtigen, aber es bleibt bei 3 Wochen Ge- fängnis. Line Nshli'echttverszmmluag in Shsrlottenburg. In einer auf Veranlassung der Charlottenburger Genossinnen einberufenen, wegen Ueberfüllung polizeilich gesperrten, öffent- lichen Versammlung sprach am Dienstag abend im Charlotten. burger Volkshau» Genossin Rosa Luxemburg über den Wahl- rechtSkampf. Nachdem sie die Rolle der bürgerlichen Parteien in den Kämpfen um die Wahlrechtsvorlage kurz charakterisiert hatte, ging sie zu einer Würdigung des negativen Ausgangs der Aktion über und führte dabei aus: Das sei kein Zufall. daS beweise nur. daß in der Frage des preußischen Wahlrechts mit stückweisen Re- formen überhaupt nichts zu erreichen ist. ES müsse eine Aktion erfolgen, die die Sache von der Wurzel aus angreift. Keine andere„Reform" sei mehr möglich, als sine gänzliche Entwurze- lung des bestehenden Wahlrechts und ein Neuaufbau. Auf parla- mentarischem Wege sei daS nicht zu erreichen, alles was unter den bestehenden Verhältnissen zu tun war, sei ja versucht worden. Die Sache des preußischen Wahlrechts müsse außerhalb des Parla- mentS, auf der Straße entschieden weroen; nur unter dem un. mittelbaren Druck der großen Masse könne etwa? geschehen. In der Frage des Wahlrechts ständen wir jetzt in Preußen auf dem Punkt, wo ihn der Arm des Volkes 1848 verlassen hat. DaS sei eine Tatsache, die wir im Auge behalten müßten.— Während dieser Ausführungen hatte der überwachende Polizeileutnant sich erhoben und ließ die Rednerin durch den Leiter der Versammlung ersuchen, nicht in dieser auf- hetzerischen Weise weiter zu reden. Unter großer Erregung der Zuhörerschaft fertigte jedoch Genossin Luxemburg den Etörer, „den Jünger deS Herrn von Jaaow", ab, indem sie ihm riet, ihre ganze Rede abzuwarten, und ihm die tröstliche Versicherung gab, noch viel„aufhetzerischer" zu werden. Die Rednerin rief den Zuhörern nun die Zeit von 1848 inS Ge- dächtniS zurück und wies die Sünden des liberalen Bürgertums nach. Denn Schuld des Liberalismus sei es, daß wir heute noch mit Ruinen des Mittelalters kämpfen, das Werk der Revolution fortsetzen müssen. Er hätte da? revolutionäre Volk bewaffnen, das Staatsruder, die Staatsstellungen den Junkern aus den Händen reißen müssen, er hätte die erste demokratische Forderung erfüllen und die Republik verkünden müssen. AuS Angst vor dem auf. strebenden.Proletariat hat daS liberale Bürgertum nichts von alle. dem getan, und sa wurde uns das gleiche Wahlrecht einfach wieder wegdekretiert. Heute sieht aber die Arbeiterschaft etwas anders aus als 1843 und an sie tritt jetzt die Aufgabe heran, daS Werk der Freiheit vorwärts zu bringen. Durch unsere Demonstrationen haben wir die Vorlage erzwungen und auf diesem Wege müssen wir daher weiter schreiten. Von einer Seite werde auf die kommenden Reichstagswahlen hingewiesen, die eine gründliche Abrechnung mit dein herrschenden Regime bringen sollen. Diese Ansicht sei einerseits vollständig richtig, aber nicht in» Warten auf die Reichstagswahlen beständen die Vorbereitungen auf den Sieg, sondern darin, den Kampf um das preußische Wahl- recht mit aller Kraft weiter zu führen. Die Reaktionäre seien mid ihrem Latein bereits zu Ende, wir aber, wir könnten noch sehr viel weiter. Rednerin kam nun auf unsere Demonstrationen zu sprechen. Wir hätten uns das Recht auf die Straße erobert und gezeigt, daß man uns von dem einmal betretenen Wege nicht ab- bringen könne, und wenn man noch so wütend init dem Polizei- säbel herumfuchtele. Mit Demonstrationen allein kämen wir aber kaum zum Ende, darüber dürften wir uns nicht täuschen. Wir» die wir solange wie möglich als friedliche Masse auf der Straße er- scheinen, um den Herrschenden unsere Forderungen in die Ohren zu rufen, würden aber noch ganz andere Register aufziehen, wir hätten noch ein ganz anderes Schwert in der Scheide, daS wir ziehen würden, wenn es an der Zeit sei. Das sei zwar kein In- strument aus blinkendem Stahl, sondern sehr einfach die Tatsache. daß wir eines Tages die Arme kreuzen und die Herren sich selbst überlassen. Wen» die Machthaber imstande wären, aus der Geschichte zu lernen, dann brauchten sie nur den Blick nach anderen Staaten zu richten. Rednerin schildert nun in großen Zügen den Wahlrechtskampf, der sich in Belgien abgespielt hat. Binnen wenige« Tagen sei 1891 unter dem Druck des Massen- streiks die erste Wahlrechtsvorlage und 1893 das allgemeine, wenn auch ungleiche Wahlrecht erzwungen worden. Weiter verbreitet sie sich über die Verhältnisse in Rußland, wo noch heute unter der Decke der Aufruhr in Permanenz besteht, wo der Zar sich aber 1906 durch den Generalstreik in ganz Rußland veranlaßt sah. das Verfassungsmanifest zu geben, dessen letzter trauriger Rest heute, das Wahlrecht zur Duma, nach zweimaligem Staatsstreich noch viel fortschrittlicher sei, als das, was man uns jetzt in Preußen als Vorlage angeboten hatte. Auch in Preußen könne die Zeit kommen, wo wir belgisch oder russisch reden. Auch in Oesterreich haben die Arbeiter unter dem unmittelbaren Eindruck des russischen Generalstreiks und dadurch, daß sie entschlossen waren, die Massen- aktion mit allen Mitteln vorwärts zu bringen, sich daS allgemeine Wahlrecht erobert, wobei sie allerdings in dein dynastischen Interesse einen Bundesgenossen hatten. Wir in Preußen seien freilich in etwas anderer Lage, wir finden keine Bundesgenossen, wenigstens keine, die der Rede wert wären, auf die man sich im entscheidenden Moment verlassen könnte. Wir würden sie sicher nicht zurückstoßen. Wo sind sie aber, die aufrechten Anhänger eines gleichen Wahlrechts? Sind es vielleicht die Frei- sinnigen, die in der Blockära ihren freisinnigen Nacken als Fuß- schemel für die Junker darreichten. Alle Hochachtung vor den Deinokraten, die das Wahlrecht für beide Geschlechter zu vertreten wenigstens den Mut haben. ES seien aber nur tapfere Offiziere, Soldaten seien keine zu sehen. Nach allem, was wir erlebt, haben wir es nicht mit den ersten Blüten eines heranbrechenden Früh- lingS in der demokratischen Entwickelung zu tun, sondern wahr- scheinlich mit den letzten Nachzüglern eines Altweibersommers. Die Sozialdemokratie sei also auf sich allein angewiesen- Diese Erkenntnis brauche uns aber nicht verzweifeln zu lassen, sondern gebe uns die Möglichkeit, eine große Aktion zu entfesseln- wie wir das niemals im Bunde mit bürgerlichen Liberalen würden tun können. Uns kann man auch nicht mit schärferen Mitteln«l? Polizeisäbeln zurückhalten. Kanonen waren ja schon am 6. März in Berlin scharf geladen, und bei der Kopflosigkeit unserer Geg- ner, bei dem ZickzackkurS da oben könne man auf alles gefaßt sein. In dem Moment aber, wo jene Kanonen losknallen würden, gäbe das in ganz Deutschland ein solches Echo, daß den Herrschenden Hören und Sehen vergehen würde.— Der heutige Wahlrechtskampf sei ja nur eine Etappe zum allgemeinen Endziel, denn es ist nicht unsere eigentliche Klassenaufgabe, den heutigen Staat wohnlich einzurichten, sondern ihn aus den Angeln zu heben und den Sozialismus zu verwirklichen. Aber als Waffe brauchen wie das allgemeine Wahlrecht, um das Proletariat zu heben, auf- zuklären. Und unsere Kraft und unsere Macht wird wachsen k»4 der Aktion selbst. Da taucht nun die Frage auf, ob wir in Deutsch- land an den Massenstreik, an die Anwendung dieses Mittels denken können, da wir noch große Massen von Proletariern haben, die den Wahlrechtskampf nicht mitmachen, noch im Lager der Gegner stehen und sich insbesondere vom Zentrum am Gängelband führen lassen- Rednerin erinnert jedoch an den Bergarbeiterstreik im dunklen Ruhrrevier, wo die christlichen Arbeiter Arm in Arm mit uns standen. Wir haben ja auch jetzt ein Stück Massenstreik: die Aus- sperrung im Baugewerbe, und auch hier werden die christlichen Arbeiter auf unsere Seit« gezwungen. Weiter weift Rednerin hin auf die in diesem WahlrechtSknmpf bereits geführten Demon- strationsstreiks in Frankfurt a. M. und besonders in Kiel, wo sich auch die Hirsch-Dunckerschen Arbeiter auf der Germania-Werft uns anschlössen. Wenn wir zur großen Aktion auftreten, werden wir ganze Massen von Arbeitern dem Zentrum entreißen.— Nun sagt man auch, wir hätten viel zu riskieren und zu verlieren, näm- lich unsere Gewerkschaften, unsere starken Organisationen. Aber vor allem müsse man doch bedenken, daß uns die Organisationen doch nie Selbstzweck, sondern nur Mittel zum Kampfe waren; sie sind ja unsere Rüstung, unsere Kanonen. Und wie würde uns eine Armee vorkommen, die erklärt, nicht in den Krieg ziehen zu können, aus Angst, daß sie die Kanonen beschädigen könnte. Andererseits sind unsere Organisationen doch nicht den plumpen Werkzeugen des Militarismus ähnlich, die wirklich zerschlagen werden können. Die Organisationen gehen im Kampfe nicht zu- gründe, sondern gehen aus ihm gestärkt hervor. Unsere stärksten Gewerkschaften sind aus den stürmischsten Kämpfen hervorge. gangen, immer erst aus einem Streik wurde eine Organisation geboren. Wie traurig sah cS am Anfang des Sozialistengesetzes aus, aber nach dem Fall dieses Gesetzes standen unsere Organi- sationen in verzehnfachter Kraft da. Und so wird es immer sein. Unsere Organisationen sind ja für den Kampf geschaffen und im Kampfe werden sie ihre Macht entwickeln. Man stelle überhaupt viele Fragen, so auch die, wer die Massen bei einem langen Streik unterstützen wird. Leider hat man in unseren Reihen in der letzten Zeit viel zu viel von der Frage der Unierstützungen zu hären bekommen, sie auch schon bei der Maifeier i>- den Vorder- grund geschoben. DaS seien unnütze Sorgen, wie ein Blick auf die Kämpfe in Rußland und Belgien lehre. Ohnc den größten Idealismus würden wir nie eine Schlacht schlagen können, und auch bei uns wird er auf der Höhe sein wie überall, wo eS große Aufgaben zu lösen gab. Die Frage der Unterstützung wird unS wenig kümmern, am meisten aber die, wie wir dem Feind am besten die Faust aufS Auge und das Knie auf die Brust drücken werden. Wenn die Zeit kommt, wird da? deutsche Proletariat sicher auf der Höhe seiner Aufgabe sein. Jetzt gelte es, mit der Demonstrationsbewegung machtvoll weiter einzusetzen. Die Wahl- rechtSvorlage ist tot, der Kampf der ArbeUermasse muß frisch wieder aufleben. " Die zweistündigen Ausführungen der Referentin wurden mit lebhaftestem Beifall entgegengenommen. Eine Diskussion fand nicht statt. Nach einem Schlußwort des Vorsitzenden, Genossen Will, wurde die Versammlung mit einem Hoch auf die Sozial, demokratie geschlossen._ Verblttidstag der Amirrriarbttw. Berlin- S. Juni. Unserem gestrigen Bericht ist noch nachzutragen, daß der Verbandstag in der Eröffnungssitzung am Montag, ehe die Ab- stimmung der Bauarbeiter bekannt war, einstimmig beschloß, den ausgesperrten Bauarbeitern 100 000 Vi. zur Verfügung zu stellet Am Mittwoch wurde zunächst über den Bericht des Ausschusses diskutiert. Nachdem dieser Punkt der Tagesordnung erledigt wdr, wurde die Verschmelzung mit dem Verbände der Mühlenarheiter behandelt. Bekanntlich haben die Mühlenarbeiter kürzlich auf ihrem Verbandstage die Verschmelzung mit den Brauereiarbeitern beschlossen. Der vorige Verbandstag der Brauereiarbeiter hat sich gegen die damals auf der Tagesordnung stehende Frage des Zu- scrmmenschlusses der Bäcker, Brauer, Fleischer und Müller zum Verbände der Nahrungs- und Genußmittelarbeiter ausgesprochen. Später tauchte die von den Mühlenarbeitern angeregte Frage eines eventuellen Anschlusses an den Brauereiarbeiterverband auf. Eine .Vorständekrsferenz des letzteren beschäftigte sich mit dieser Frage und dann fiel eine unter den Mitgliedern des Brauereiarbeiterver- bandeS vorgenommene Urabstimmung für den Zusammenschluß mit den Mühlenarbeitern aus. Etzel, der über die Verschmelzungsfrage referierte, trat der in Mitgliederkreisen vorhandenen Auffassung entgegen, welche dahin geht, die Verschmelzung mit dem Äiühlenarbeiterverbande widerspreche dem Beschlutz des Münchener Verbandstages. Dieser Beschlutz richte sich nur gegen die Gründung eines Verbandes der NahrungS. und Genußmittelarbeiter, aber nicht gegen die Ver� fchmelzung mit den Mühlenarbeitern. Diese seien wegen der Ver- fchmelzung an den Verband der Brauereiarbeiter herangetreten und wenn der Vorstand auf diese Anregung einging, so habe er nicht gegen den Beschluß des Münchener Verbandstages verstoßen. — Zur grundsätzlichen Bedeutung der Verschmelzungsfrage sagte der Redner: Die Konzentration der Organisationen zu großen Verbänden vollzieht sich nach und nach geWitz. Auch der Brauerei. arbeitcrverband kann nicht ewig für sich ecklein bestehen bleiben. Die Verschmelzung mit den Mühlenarbeitern sei der Anfang der EntWickelung zur Konzentration. Früher umfaßte unser Verband nur die Brauer. Die wirtschaftliche EntWickelung im Braugewerbe vcranlaßte uns, auch die Hilfsarbeiter, dann die Mälzereiarbeiter aufzunehmen, und. nachdem Brauereien oft mit Brennereibetrieben vereinigt wurden, nahmen wir auch die Brennereiarbeiter auf. Nach der Erhöhung der Biersteuer gehen die Brauereien mehr und mehr zur Herstellung alkoholfreier Getränke über. Also müssen wir auch die Arbeiter dieses Industriezweiges aufnehmen. So sind wir zum Jndustrieverband gekommen und in dieser Richtung geht die EntWickelung weiter. Wenn wir jetzt die SOOO Mühlenarbeiter aufnehmen, so werden wir uns in die Neuerung einleben, ohne daß man etwas besonderes bemerkt. Einen Schaden kann unser Verband davon nicht haben. Der Zug der Zeit geht nach Zusammenschluß zu immer gröberen Organisationen. Tragen wir dem Zuge der Zeit Rechnung, indem wir dem Anschluß der Mühlenarbeiter zustimmen. S a s s e n b a ch al« Vertreter der Generalkommission ver- wahrte diese gegen die Annahme Etzels, daß sie in Grenzstreitig- leiten nicht nach Zweckmäßigkeitsgründen, sondern zugunsten der großen Organisationen entscheide. Die Entscheidung sei meist sehr schwer, denn auf beiden Seiten würden gute Gründe vorgebracht. Man müsse sich stet» bewußt sein, daß Grenzstreitigkeiten nie aus /bösem Willen auf der einen ooer anderen Seite entstehen, sondern daß sie ihre Ursachen in der wirtschaftlichen EntWickelung der In- dusirieverhältnisse haben. Die Diskussion über die BerschmelzungSfrage war eine sehr ausgedehnte. Von den Rednern, die heute zum Wort kamen, erklärten sich die meisten gegen die Verschmelzung. Hauptsächlich deshalb, weil die Berührungspunkte zwischen Mühlen. arbeitern und Brauereiarbeitern nur sehr gering seien und die Verschmölzung deshalb keine praktische Bedeututig habe. Es wurde gesagt, mit den Bäckern hätten die Mühlenarbeiter viel mehr Berührungspunkte, sie täten also besser, sich dem Bäckerverbande anzuschließen. Auch der Anschluß der Mühlenarbeiter an den Fabrikarbeiterverband würde noch eher begründet sein, wie ihr Anschluß an die Brauereiarbeiter. K ä p p l e r, Vorsitzender des MühlenarbeiterverbandeS, sagt«, sein Verband komme nicht als Bittender zu den Brauereiarbeitern, sondern weil er willens fei, mit ihnen gemeinsam zu arbeiten und zu kämpfen. Die in der Diskussion ausgesprochene Befürchtung, die Kämpse der Mühlenarbeiter würden den Brauereiarbeitern viel Geld kosten, sei unbegründet. Die Mühlenarbeiter würden selbst die Mittel aufbringen, welche sie für ihre Kämpfe brauchen. Die Mühlenarbeiter müssen nicht den Anschlutz betreiben, aber sie wollen ihn ernstlich. Nachdem noch mehrere Redner teils für, teils gegen den An schlutz gesprochen hatten, wurde die weitere Diskussion bis morgen vertagt._ 13. Gkneralversammlullg der Schchmcher DeMlands. Köln, den 7. Juni 1910. Am zweiten Verhandlungstage sprachen 42 Redner zu den Vorstandsberichten, trotzdem wurde die Debatte darüber nicht zu Ende gebracht. Nur über eine Frage wurde«ine Entscheidung herbeigeführt. Sie sei kurz registriert, da sie für den Verband von allgemeiner Bedeutung rst.— Bei den Jnventuraufnahmen zu Weihnachten 1996 waren in Berlin, wie üblich, eine große Zahl von Mitgliedern vorübergehend entlassen worden. Mehrere Hundert von ihnen blieben längere Zeit arbeitslos, so daß sie nach dem Statut Anspruch auf Arbeitslosenunter- stütz ung bekamen. Die Berliner OrtSvcrwaltung rechnete ihnen nun bei der Auszahlung die in die Zeit ihrer Beschäftigungslosig- keit entfallenden Wochenfeiertage ebenfalls als Unter- stützungStaae an, was vom Vorstand als gegen das Statut verstoßend behandelt worden ist. Die Sache bekam wegen der daraus entstehenden Konsequenzen für den Verband eine prinzipielle Bedeutung. Der Streit darüber, der schon mehrere Instanzen beschäftigte, setzte auch auf dem Ver- bandstage mit Entschiedenheit«in, fand aber schließlich seine Er- ledigung dadurch, daß Vorstand und Berliner Delegierte sich auf eme einstimmig angenommene Erklärung einigten, die den Berlinern den guten Glauben zuspricht, dem Vorstand aber in der Sache recht giht. ES heißt darin, daß man Ivohl den Wort- laut jener statutarischen Bestimmung, auf die die Berliner sich stützten, zugunsten der Berliner auslegen könne, ja, daß die Ber- liner,»ach der Definition jener Stelle, die ihnen der derzeitige Sekretär des Hauptvorftandes gab, glaubten, vollständig im Sinne des Statuts zu handeln, daß aber, nachdem die jetzigen Vorstands- Mitglieder einstimmig erklären, daß bei der Schaffung jener Be- stimmung(Absatz 19) die Absicht maßgebend war, die Wochen- fciertage nicht nur als Karenzzeit, sondern auch als Unter- stützungStage auszuschalten, die Generalversammlung sich dieser Auslegung anschließt.— Lebhaft besprochen wurde auch ein Antrag aus dem Frankfurter Gau, eine Studienkommission zur Erforschung der englisch- amerikanischen Arbeitsverhältnisse nack jenen beiden Ländern zu delegieren. Im Frankfurter Bezirk lieben die Fabrikanten es, ihre angebliche Vertrautheit mit überseeischen Arbeitsverhältnissen zu zeigen und stets auf der größeren Leistungsfähigkeit und ver- hältnismätzig geringeren Entlohnung des amerikanischen Arbeiters herumzureiten. Diesen Blugfs soll die Siudienkommission durch das Material, das sie sammelt, endgültig ein Ende bereiten. Zu- gleich können sie die bis jetzt fehlenden internationalen Verbrn- düngen mit den englisch-amerikanifchen Bruderorganisationen her- stellen. Fast alle Opponenten diese» Antrages stießen sich lediglich an der K o st e n f r a g«. Äladbach-Rheydt hatte einen Antrag auf Anstel- lung einer besoldeten Kraft für seinen Bezirk gestellt. Der Kampf sei dort besonders schwierig, weil er nach zwei Fronten, gegen Unternehmer und Christliche geführt werden müsse. Es lagen noch weitere Anträge vor, von denen einer, fußend auf den guten Wert jener Lohnstatistik, die bis jetzt nur für die Zuschneider.hergestellt werden konnte, ähnliche Statistiken für alle KakegorieN de? Berufes verlangt. Ein anderer Antrag will die Höhe der Unterstützungen nach der Dauer der Mitgliedschaft staffeln. An der Vorstandstätigkeit und der Haltung de? Fächorgans Chatten nur wenige Redner, und diese nichts erhebliches, auszusetzen. Das Fachorgan hätte schon einmal unvorsichtigerweise u n g ü n- st ige Lohntarife veröffentlicht, die dann von den Unter- nchmcrn den Arbeitern als Knüttel zwischen die Beine geworfen feien, ebenfalls hätte es schon häufiger auf gewisse Artikel der ,,W e r k m e i st e r z e i t u n g" eingehen können.— Der Vorstand wäre anscheinend etwas lax bei der Behandlung verschiedener Beschwerden verfahren, sonst hätte der Ausschuß einige der Vor- standsbeschlüsse nicht zu inhibieren brauchen— eine Meinung, gegen die VorstandSsekrs�är Meckert eindringlich sich wandte. Aber im allgemeinen wurde anerkannt, daß alle Teile ihre Schuldigkeit getan hätten.— Die Schlußworte und Abstimmungen erfolgen Mittwoch morgen. Es wurden noch Sympathieresolutionen für die Bauarbeiter und für die ausgesperrten Schuharbeiter in Tuttlingen an- genommen.. Zehnte Generalversammlung des Zentralvereins der in der Hut- und Filzmamundufine beschäftigten Arbeiter. Altenburg, 7. Juni 1919. L. BerhandlungStag. Nach der Entlastung des Vorstandes werden zur besonderen Agitation im Algäu 5999 M. zur Verfügung gestellt. Den Bericht des VerbandsausschusseS erstattet P f ü tz n e r- Dresden. Die einzelnen Beschwerden, die er zu er ledigen hatte, betreffen lokale Verhältnisse. ES werden dann die Anträge auf Verschmelzung dcS Verbandes mit dem ber Blumenarbeiter beraten und zugleich die Anträge auf Verlegung des Ver- bandssitzes und auf Aenderung des Namen» der Organisation. Dazu spricht zunächst die Vertreterin des Verbandes der Blumenarbeiterinnen, Genossin Ihrer: Die Ver- fchmelzung der Hut» und der Putzbranche ist etwas ganz Natür- liches. Beide gehören organisch zusammen. DaS haben schon unsere-Unternehmer eingesehen, die gemeinsam über die Arbeiter fragen verhandeln und auch ein gemeinsames Blatt, den „Modisten", haben. Wir werden schließlich gezwungen, gegenüber dieser breiteren Organisation der Unternehmer auch uns zusam» menzuschließen. Wir Blumenarbeiter kamen zu dem Beschlutz, eine Verschmelzung zu versuchen, als wir hörten, daß Sie die Putzmacherinnen in den Hutfabriken organisieren wollen, auf die auch wir reflektieren. Es werden dadurch Grenzstreitigkeiten veD mieden und wir erreichen zugleich eine Stärkung der Organisa- tion. Allerdings sind wir die Schwächeren und Jüngeren, wir haben auch geringere Beiträge, aber wir stehen aus demselben Standpunkt wie Sie, und eine Beitragserhöhung wird keine großen Schwierigkeiten machen. In der Blumen- und Schmuckfederindu- strie haben wir etwa 19 999 Arbeiterinnen und 1999 Arbeiter. Da. zu kommen dann noch 29— 25 999 Heimarbeiter. Von den Fabrik. arbeitern haben wir 999 fest organisiert, zu denen in der Saison noch ein größerer Teil kommt, der dann wieder abspringt. Eine Verschmelzung würde auch der Frauenorganisation unter den Hut machern zugute kommen. Die Hut- und Hutschmuckbranche ge- hören zusammen, sie sollten nicht vereinzelt, sondern gemeinsam kämpfen. G ran tvaldt- Berlin: Jede einzelne Gewerkschaft wird bei ihren Organisationsarbeiten zu der Erkenntnis geführt, daß ein immer größerer Zusammenschluß notwendig ist. Neben den Blumenarbeitern kommen aber noch andere Verbände in Betracht. Ich habe da den Verband der Kürschner im Auge, der eng mit uns liiert ist; in Berlin gibt es eine große Zahl Kollegen, die zeitweise im Kürschnerberuf arbeiten. Es wäre erwünscht, daß sie da ohne Reibereien übergehen könnten. Dadurch würden auch unsere Ausgaben für Arbeitslosenunterstützung zurüch>ehen.— Heber die Zweckmäßigkeit, den Verbandssitz nach Berlin zu ver. legen, ist schon viel gesprochen worden. Dort könnte eine besser» Arbeit innerhalb der Zentralverbände im Zentrum der Arbeiter bewegung eintreten. Herrmann-DreSden: Wir möchten den Blumenarbeitern gern tatkräftig zur Seite stehen, haben aber auch die Ueber zeugung. daß wir jetzt viel zu schwach dazu sind. Die Blumen bezirke sind in der Regel andere als unser«. Wir müssen deshalb eine besondere Agitation betreiben. Zur Sitzverlegung haben die Berliner dieselben Gründe schon vor sechs Jahren vorgebracht; sie sind dadurch nicht stichhaltiger geworden. Metzschke: Im Prinzip stehen wir der Verschmelzung sym pathisch gegenüber. Bei einer Umfrage haben wir aber festgestellt. daß Hut- und Blumenmacher fast gar nicht im gleichen Betriebe arbeiten. Andere Schwierigkeiten ergeben sich auch bei der Frage der Heimarbeit. Die Verschmelzung mit anderen Verbänden liegt recht nahe, so mit den Sckineidern, Schuhmachern, Kürschnern. Der Gedanke eines Jndustrieverbandes der Bekleidungsindustrie hat ja unsere volle Sympathie. Damit ist aber noch nicht zu rechnen. Dem Zusammenschluß mit den Blumenarbeitern könnte man näher treten, wenn die Generalkommission Zuschüsse zu den Agitationskosten auf dem neuen Gebiete leisten würde. U m b r e i t(Generalkommission) zeigt in längeren AuSfüh rungen die Vorteile der Verschmelzung. Wer den Jndustriever bans wünsche, müsse sich zuerst mit den nächsten Berufsverwandten verbinden. Zu notwendigen Agitationskosten auf einem schwiert- gen Gebiete, die die Organisation nicht tragen könne, werde die Generalkommission sicher beitragen. In der weiteren Debatte sprechen noch viele Redner, die sich im Prinzip mit der Verschmelzung einverstanden erklären, sie aber noch für verfrüht halten. Folgende Resolution wird ange- nommen: ..Die Generalversammlung steht der Verschmelzung mit dem Verband der Blumenarbeiter und anderen berufsverwandten Verbänden sympathisch gegenüber. Sie hält es aber für verfrüht, schon jetzt definitiv über die Verschmelzung zu entscheiden. Sie empfiehlt den beteiligten Verbänden, die Verschmelzungsfrage zu studieren und beauftragt die Verstände, die Frage weiter zu perfolgen und einer Lösung entgegenzuführen." Als Sitz des Verbandes wird wiederum Altenburg bestimmt. Der 5tame der Organisation wird in den folgenden um- geändert:..Verband der Hut- und Filzwarenarbeiter und-arbei- terinnen Deutschlands"._"'v" Sericbts- Leitung. ! Zum Schuhe eines„nützlichen Elements* hat wieder einmal die Staatsanwaltschaft einschreiten zu sollen geglaubt. Im Betriebe der Grammophonplattensabrik von Grün- bäum in Rixborf(Schinkesiraße) waren im Januar dieses Jahres Differenzen zwischen dem Firmeninhaber und Arbeltern entstanden, weil entgegen dem Tarif den Pressern Lohnabzüge gemacht werden sollten. Nachdem dann Anorganisierte eingestellt worden waren. wollten die Presser die Arbeit niederlegen, und die Schleifer waren bereit, mit ihnen zu gehen. Ein unorganisierter Arbeiter Albert Schmidt aus Lichtenberg, der schon drei Jahre in dem Betriebe beschäftigt war, hatte gelegentlich Schleifcrarbeit gemacht, ohne eigentlich Schleifer zu sein. Auf Befragen der Arbeiter, ob er sich jetzt dazu hergeben würde, Schleiferarbeit zu machen, verneinte er da» und fügte die Versicherung hinzu, gerade in diesem Punkte werde er handeln wie ein Organiiicrtcr. Er hielt aber nicht Wort, sondern stellte sich an die Schleifermaschine, so daß die Kollegen, die sich aus seine Zusage verlassen hatten und hierauf ihr Vorgehen gebaut hatten, sich getäuscht sahen. Au» diesem Anlaß soll es dann aus dem Heimweg von der Fabrik zu einer erregten Szene gekommen sein, die den vier Arbeiter« Pähl» Schuhmacher, Lang, Lorenz eine Anklage einbrachte. Am Montag hatten sie vor dem Amtsgericht Berlin-Mitte <135. Abteilung) sich zu verantworten, die drei ersten Angeklagten wegen Beleidigung gegen Schmidt, den sie„Streikbrecher", „Strolch",„Lump" usw. geschimpft haben sollten, der vierte An- geklagte wegen vorsätzlicher und gefährlicher Körperverletzung gegen Schmidt, dem er einen Tritt ins Kreuz gegeben haben sollte. Alle vier Angeklagte(Lorenz war vom Erscheinen entbunden und kommissarisch vernommen worden) bestritten jede Schuld. Pähl und Schuhmacher geben nur zu, daß auf dem Heimwege über den Streik gesprochen worden sei. Dabei seien wohl scharfe Reden, aber nicht die behaupteten Schimpfworte gefallen. Gegen Albert Schmidt, der als Belastungszeuge zur Stelle ivar, wurde der Vor- Wurf erhoben, daß er die gegen ihn entstandene Erregung selber verschuldet habe und noch durch höhnende Rede gesteigert habe. Der Bcrtridigcr, Rechtsanwalt Theodor Liebknecht, bot Beweis dafür an, daß Albert Schmidt, als man ihm Wortbrüchigkeit vor- warf, geantwortet habe, seine Kollegen gingen ihn nichts an» die werde er„in einem Bogen bes..." Zeuge Albert Schmidt bekundete, auf dem Heimwege habe zu» nächst Kollege Blumenthal ihn begrüßt, nachher habeSchubmacher ein gleiches getan, habe ihn dann aber beschimpft und bedroht. Am Hochbahnhof Kottbuser Ton sei ein ganzer Trupp hinter Schmidt gewesen; er sei beschimpft und gestoßen worden, schließ- lich habe er zwei Tritte ins Kreuz gekriegt, einen von Lorenz und einen von Laiig, doch habe er das wohl nicht so genau gesehen. Selbst auf dem Perron und im Hochbahnzug sei er noch mit Schimpfreden überschüttet worden, so daß auch andere Passagiere ?egen ihn Partei nahmen. An den Schimpfreden haben auch Pähl owie Lang sich beteiligt. Daß auch Lang ihn getreten habe, war ganz neu. Nicht mal die Angeklagebehörde hatte aus Schmidts früheren Angaben etwas darüber zu entnehmen vermocht. Aus des Verteidigers Frage nach dem Versprechen, das er den Kollegen gegeben habe, antwortete Schmidt, er habe nur zugesagt, weil er bestürmt worden sei. Von einer späteren Aeußerung daß er die Kollegen bes.... werde, wisse er nichts. Auf wiederholtes Be-> fragen erklärte er, sich nicht an derartige» erinnern zu können, und schließlich fügte er hinzu, öffentlich habe er eine solche Aeußerung nicht getan. Den Bekundungen Schmidts über die Behandlung, die ihm widerfahren sei, widersprachen sehr bestimmt die Zeugen Arbeiter Blumenthal, der mit ihm bis zur Hochbahn gegangen war, und Arbeiter Drehler, der die Szene im Hochbahnwagen mitangesehen hatte. Blumenthal gab auch Auskunft über Schmidts Wort» brüchigkeit. Seiner Zusage habe Blumenthal sich vorher versichert, anderenfalls würde man gar nichts unternommen haben. Am nächsten Morgen habe Blumenthal den Schleifern die Antwort ge» bracht, aber schon an demselben Vormittag habe man Schmidt an der Schleifmaschine tätig gesehen. Die Zeugen Arbeiter Richard und Arbeiter Seifert bekundeten, daß Schmidt aus die ihm deshald gemachten Vorwürfe tatsächlich geantwortet habe, er werde die- zenigen Kollegen, die ihm das verargten,„in einem Bogen bes..." Der AmtSanwalt sah Schmidts Bekundungen als ausreichenden Beweis an. Das Vorgehen gegen Schmidt sei so roh, daß er schwere Strafe fordern müsse: gegen Pähl, Schuhmacher, Lang wegen Beleidigung 9 Tage Gefängnis, gegen Lorenz wegen Körper- Verletzung 1 Woche Gefängnis. Der Verteidiger führte aus, daß Zeuge Schmidt durch die Unsicherheit seiner Aussagen überfeine Verhandlungen mit Blumenthal sowie über seine zögernden Worte gegen die Kollegen sich selber als unzuverlässig gekennzeichnet habe. Ihm könne man keinen Glauben schenken, daher seien alle An- geklagten freizusprechen. Bezüglich der Tritte ins Kreuz sei vollends nicht erwiesen, wer sie dem Schmidt gegeben habe. Wölls aber das Gericht verurteilen, so sei zu berücksichtigen die Berwerf» lichkeit der Handlungsweise Schmidts, seine Wortbrüchigkeit gegen- über den Kollegen. Daß da Erregung und Erbitterung entstanden sei, lasse sich verstehen und müsse strafmildernd wirken, so daß wenigstens nicht auf Freiheitsstrafe erkannt werde. Das Urteil lautete: Lorenz wird freigesprochen, weil nicht festgestellt ist, wer getreten hat; bestraft werden wegen Beleidigunz Pähl mit 30 M. Geldstrafe, Lang mit 40 M. Geldstrafe, Schuhmacher aber mit einer Woche Gefängnis, weil er Schmidt anr schwersten zugesetzt hat. Dem Urteil wurde eine sehr ausführliche Begründung beigegeben. Sie galt dem Zeuge» Schmidt, den der Verteidiger so derb zerzaust hatte und dem nun das Gericht ein Pflästerchrn mit auf den Heimweg geben wollte. DaS Gericht er- kannte an, daß sein Verhalten Erregung hervorrufen konnte und daß es als strafmildernd zu berücksichtigen sei. Ihm wurde aber bescheinigt, daß er kein ehrloser Mensch sei, sondern nur ei« schüchterner und ängstlicher junger Mann, der auf Drängen de» Kollegen wider Willen zugesagt habe und auch vor Gericht durch die Anwesenheit seiner Gegner in Verwirrung geraten sei.— Die Geheimnisse einer„Tanzakademie" sollten gestern in einer längeren Verhandlung die 3. Strafkammer des Landgerichts l beschäftigen. Aus der Untersuchungshaft wurde der„Schauspieler" Albert Hieber vorgeführt, um sich wegen wieder- Holter schwerer Sittlichkeitsverbrcchen und Verführung Minder- jähriger zu verantworten. Zwei der zur Anklag« stehenden Fälle sollen sich in Wien abgespielt haben. Der Angeklagte, gegen den schon mehrere ähnliche Verfahren geschwebt hatten, die aber wegen vermeintlicher Geisteskrankheit eingestellt wurden, hat in Wien und später in Berlin unter dem Namen eines Direktors Haimar Thsatcrschulen und insbesondere eine„Tanzakademie" erngerichtet, in der hauptsächlich der Schleiertanz" und„lebende Marmorgruppen" einstudiert wurden. Diese Hebungen wurden von dem Angeklagten zumeist nackt oder nur mit einer �Badehose bekleidet geleitet. Bei diesen Tanzübungen soll dann der Angeklagte die zur Anklage stehenden Straftaten an den meist auch unbekleideten Mädchen vorgenommen haben. Schon gleich bei seinem Eintritt in den Gerichtssaal trug der Angeklagt« ein recht merkwürdiges Wesen zur Schau. Er verdrehte die Augen, weinte und lamentierte und rief fortwährend:„Wo ist meine geliebte Paula?" und„Muttchen darf hier nicht hinein» kommen, das ist nichts für sie!" Auf die Frage des Vorsitzenden, ob er Schauspieler oder Schausteller sei, antwortete Hieber im Tone tiefgekränktcn„Künstlerstolzes":„Ich bin Schauspieler, kesen Sie meine Rezensionen. Haben Sie mein« Werke da, die ich geschrieben habe?" Auf das Ersuchen des Vorsitzenden, sich möglichst ruhig zu verhalten, antwortete der Angeklagte:„Ich bin ruhig, aber bitte nicht grob sein." Auf den Hinweis des Vorsitzenden, daß mit H. als kranken Menschen alle Rücksicht genommen werden würde, er- klärte dieser:„Ich bin nicht geisteskrank. Diese Behauptung ist eine Gemeinheit. Ich habe nur einen kleinen Nerv!" Auch in 'einer weiteren Vernehmung über seine Personalien benahm sich )er Angeklagte in dieser Weise, weinte und jammerte und verlangte immer wieder nach„seiner Paula".— Auf Antrag des Staais- anwalts wurde sodann wegen Gefährdung der Sittlichkeit die Oeffentlichkeit ausgeschlossen. Der Vorsitzende, Landgerichtsrat Neumann, hielt sodann dem Angeklagten die ihm zur Last gelegten Handlungen vor, erhielt edoch von diesem nur konfuse Antworten oder emphatische Ausrufe, die der Angeklagte in wirrem Durcheinander vorbrachte. Rechts- anwalt Dr. Alsberg bezweifelte wiederholt die Verhondlunasfähig- keit ves Angeklagten und bat, die Sachverständigen darüber zu 'ören. Medizinalrat Dr. Hoffmann erklärte, daß erhebliche Zweifel an der Zurechnungsfähigkeit des Angeklagten beständen. Sr. Marz, Dr. Leppmann und Dr. Auerbach schlössen sich dieser Ansicht an. Die Verteidiger beantragten infolgedessen die Aus- ctzung und Ucberführung des Angeklagten in eine Krankenanstalt. Der Angeklagte bat dagegen, die Verhandlung zu Ende zu führen. DaS Gericht beschlost die Aussetzung der Beryandlung und forderte de» Medizinalrat Dr. Hoffmann auf, seinerseits dahin zu wirken, daß der Angeklagte aus dem Untersuchungsgefängnis tn eine Krankenanstalt übergeführt wird. Nach einigen Monaten soll dann wieder der Versuch gemacht werden, gegen den Angeklagten zu ver, handeln. Bruiale Züchtigung. Wegen Körperverletzung im Amte ist am 30. März vom Land» gericht Stade der Armenhausverwalter Jalob von der Beck zu einem Monat Gefängnis verurteilt worden. Er hatte ein vier- jähriges Mädchen zur Strafe für Unsauberkeit an den Schultern schwebend aufgehängt.— Die Revision des Angeklagten wurde jetzt vom Reichsgericht verworfen. Eine„Triolen"-Nngelegenheit. Im nationalliberalen„Siegener Volksblatt" erschien am 24. Dezember 1909 ein Artikel, der etwa folgenden Wortlaut hatte: „Es war im schönen Ort Friedensdorf, da passierte eine gar wunderliche, aber höchst liebliche Geschichte, die selbst einem Reichs- tagsabgeordneten Kopsschmerzen bereiten könnte. Wir aber werden sie uns merken für passende Gelegenheiten. Denn, wenn wir heute indiskret wären, so würde wahrscheinlich der Erfolg höchstens der sein, daß Herr Schack einen Kollegen in der„Nervenheilanstalt" bekäme. Wir aber wissen jetzt, weshalb Herrn Schack an gewisser Stelle so energische Verteidigung erwuchs. Ja, Hoch die Triolet Weshalb hier nur die sittliche Entrüstung des„Volk" sprachlos ist?" Die zur christlichsozialcn Partei gehörenden Reichstagsabgeordneten Dr.'Burckhardt und Franz Behrens bezogen diesen Artikel auf sich und stellten gegen den veräntwortlichen Redakteur des„Siegener Bolksblatt", Oswald Riedel, Strafantrag wegen verleumderischer Beleidigung. Letzterer hatte sich daher gestern vor der Strafkammer des Siegener Amtsgerichts zu verantworten. Der Angeklagte Riedel bestreitet, die Abgeordneten Dr. Burckhardt und Behrens beleidigt zu haben; der Artikel bezog sich lediglich auf den Parteisekretär der Siegener christlichsozialen Partei, Ostehr. Dieser habe allerdings der Frau des Lehrers Thome in FriedenSdorf unsittliche Anträge gemacht. Wenn die Presse, die den Artikel übernahm, der Meinung Ausdruck gegeben hat, der Artikel beziehe sich auf die Abgeordneten Dr. Burckhardt und Behrens, so liege das daran, daß sie die Siegener Verhältnisse nicht kannten.— Der als Zeuge vernommene Reichstagsabgeordnete Dr. Burckhardt-Berlin bekundet: Behrens und er seien die beiden einzigen Abgeordneten, die speziell als Mitglieder der christlich- sozialen Partei gewählt seien. In der Wirtschaftlichen Vereinigung gebe es allerdings noch mehrere sogar zahlende Mitglieder der christlichsozialen Partei, sie gelten aber als Abgeordnete der Wirt- schaftlichen Vereinigung; auf diese könne sich also der Artikel nicht beziehen. Im übrigen habe die ganze deutsche Presse der Meinung Ausdruck gegeben, daß der Artikel sich auf Behrens und ihn beziehe. . Parteisekretär Ostehr bestreitet als Zeuge, der Lehrersgattin tn Friedensdorf unzüchtige Anträge gemacht zu haben.— Die kommissarisch vernommene Lehrersgattin hat bekundet:&>er Parteisekretär Ostehr habe ihr nicht ausdrücklich einen unzüchtigen Antrag gemacht, sie habe aber die Empfindung, daß Ostehr sich ihr in unsittlicher Weise nähern wollte. Der Parteisekretär Ostehr wird als Nebenkläger zugelassen. Es wird auf Antrag der Ver- teidigung beschlossen, die Verhandlung zu vertagen und zum nächsten Termin auch den Lehrer Thome nebst Gattin als Zeugen zu laden, um Herrn Ostehr der Frau Thome gegenüberzustellen. Vetternwirtschaft. Durch ein Flugblatt, das zur Zeit der Skadtverordnetenwahlen herausgegeben worden war, sollte der Genosse Stadtverordneter Pawera in Jüterbog die dortigen Stadtverordneten beleidigt haben. Das Flugblatt warnte vor der Wahl bürgerlicher Kandidaten und begründete dies mit dem Handeln der bürgerlichen Stadt- verordneten. Unter anderem wurde in dem Flugblatt auch die Vetternwirtschaft behandelt. Das Schöffengericht verurteilte den Angeklagten zu einer Geldstrafe von Iva M. Das Landgericht fällte folgendes eigenartige Urteil: Der Angeklagte werde frei- gesprochen, soweit er wegen Beleidigung der Stadtverordneten- ver,ammlung verurteilt worden ist. Im sibrigen werde die Sache an das Schöffengericht zurückverwiesen, damit dieses feststelle, ob nicht eine Beleidigung einzelner Stadtverordneten vorliege. Gegen dieses Urteil legte die Staatsanwaltschaft beim Kammergericht Reviston ein, vor dem Pawera durch Rechtsanwalt Dr. Siegfried' Wemberg vertreten wurde. Das Kammergericht gab am Dienstag der Revision der Staatsanwaltschaft statt und verwies die Sache an das Landgericht Potsdam zurück. Das Kammergericht sprach aus, daß das Landgericht in unzulässiger Weise verfahren sei. Es gehe nicht, wegen einer rechtlichen Beurteilung eines Tat- bestandes freizusprechen und wegen einer anderen rechtlichen Be- urteilung desselben Tatbestandes die Sache an das Schöffengericht zurückzuverweisen, wie es das Landgericht getan habe. Das Land- gericht müsse jetzt die Sache im vollen Umfange nachprüfen. Zentralverband der freien Händler. Hausierer«nd ver- wandten Berufsgcnoffcn Deutschlands. Sitz Eilen, Verwaltungsstelle Berlin. Berzirk III. Heute abend 8>,, Uhr bei Rott, Sttakmannstr. 29: Versammlung. Gäste willkommen. Him der frauenbewcgimg. Die österreichische Regierung gegen die Frauen. Der immer wieder erneuerte Antrag des sozialdemokratischen Verbandes, endlich wenigstens die rückständigsten Paragraphen des Vereinsgesetzes aufzuheben, hat nun endlich eine Durchberatung im Versassungsausschutz gefunden. Genosse Perner st orfer be- gründete den Antrag, auch m Oesterreich den Frauen ein unein- geschränktes Vereiusrecht zu geben, in vortrefflicher Weise. Alle Parteien sprachen sich für diesen Antrag aus, denn keine ist so rück- ständig, daß sie nicht einsehen würde, daß einfach der gesunde Menschenverstand die Aufrechterhaltung des Z 30 verbiete. Schon schien es, als sollte die stete Arbeit unserer Genossen im Parlament Erfolg haben, da ließ die Regierung erklären, sie werde einer teilweisen Umgestaltung des Vereinsgesetzes niemals ihre Zustimmung geben. Niemand wird verkennen, daß diese Argumente nichts anderes sind als eine leere Ausrede. Man muß sich aber doch fragen, warum die Regierung diesen erzreaktionären Standpunkt einnimmt. Würde die Annahme des sozialdemokratischen Antrages irgend etwas an den momentanen Verhältnissen ändern? Durchaus nicht I Die Frauen würden, wie sie es heute schon tun, öffentliche politische Versammlungen besuchen, abhalten und einberufen. Sie würden an den Demonstrationen teilnehmen und politische Agitation leisten. Es würde den Frauen nur all' diese Arbeit leichter und einfacher, sie müßten nicht immer die unverständigen Schikanen rückständiger Behörden fürchten. Sie fordern aber vor allem mit solcher Leidenschaft die Aufhebung dieses § 80, weil er den gegenwärtigen Verhältnissen nicht entspricht und eine Rechtlosigkeit vorspiegelt, die nicht besteht, und die sich alle politisch reifen Frauen nicht gefallen lassen würden. Die Regierung dürfte in dieser Frage aber doch nur daS Sprach- rohr der bürgerlichen Parteien sein. Die Herren fürchten doch, es könnte gefährlich werden, wenn man den Frauen ein so bescheidenes Recht vorenthält, nun, wo sich in allen Kronländern die Frauen zu rühren beginnen. Da muß die Regierung den Schuldigen spielen und das Nein aussprechen, zu dem die bürgerlichen Parteien nicht den Mut aufbringen. Soll die Negierung aber immer Nein sagen? Sie wird bei diesem Nein nicht bleiben können, denn die Frauen werden nicht ruhen, bis sie dieses Zugeständnis an ihre Macht erhalten haben. Alle Versammlungen, die in ganz Oesterreich stattgefunden haben, um gegen diese Rechtlosigkeit der Frauen zu demonstrieren, waren glänzend besucht und die Begeisterung der Frauen dokumentierte sich schon in der regen Agitation. Diese Bewegung wurde nur von den Frauen geführt, und sie haben damit bewiesen, daß sie tausende Frauen aufrufen können zum Kampf für ihre Rechte. Diese kampffreudigen Frauen werden auch der Regierung da? Ja, das sie nicht sprechen will, abringen. Leseabende. Mariendorf. Donnerstag, den 9. d. M., abends 8 Uhr, bei Loewen- Hägen, Chausseestr. 27. Referent: Genosse H e i n i g. Vermischtes. Aus dem Reiche des Spleens. Ueber merkwürdige Rekords, die in neuerer Zeit bekannt ge- worden sind, weiß ein französisches Blatt zu berichten. Da ist in London ein Dr. C l o o k s, der seinen Stolz darein setzte, in mög« lichst kurzer Zeit möglichst viele— Kartoffeln zu schälen; es gelang ihm, in 7 Minuten 14 Kilo zu bewältigen. Nicht geringeren An- spruch auf Unsterblichkeit hat sich ein Herr JoyS Bollaört in Brüssel erworben, der es fertig brachte, an einer Zigarre zwei Stunden lang zu rauchen. Den umgekehrten Rekord stellte ein Herr W o l z i n g in Berlin auf, der innerhalb der gleichen Zeit 19 Zigarren in Dampf aufgehen ließ. Aehnliche Leistungen voll- brachten ein Amerikaner namens L o w n e y, der in 4 Minuten 104 Austern öffnete, eine Madame Dublü, die in 19 Stunden 2007 Sandwichs bereitete, und ein Herr D u p o n t, der in einer Stunde 2844 Nüsse öffnete und somit als der bedeutendste Nußknacker der Welt dasteht.... Unsinn, du fiegst! Oktroischmuggel in einem Leichenwage«. In Italien, wo noch jede Stadt die mittelalterlichen Ver- zehrungsstenern hat, blüht natürlich die Kunst, mit allen möglichen Schlichen Lebensmittel in die Stadt zu schmuggeln. Am 4. d. M. wurde in Toronto ein Leichenzug von dem Oktroiwächter auf- gehakten und der Kutscher aufgefordert, den Wagen gn öffnen, gut Rechten und zur Linken des Sarges entdeckte man nicht weniger als 12 Speckseiten mit einem Gesamtgewicht von 86 Kilo- gramm. Die Stadtbehörde hat die Vernichtung des Specks angeordnet._ Kleine Notizen. Schwere Gewitter sind gestern wieder über verschiedene Teile des Reiches niedergegangen. Bei einem Unwetter in der P f a l z wurde bei Zweibrücken eine Frau vom Bliy erschlagen, eine andere schwer v ck'r l e tz t. In vielen Orten richteten die Blitz- schlüge Feuerschäden an. Ein Gewitter, da? über Schlesien niederging, verursachte besonders in der Gegend von Striegau großen Schaden. In der Stadt ergoß sich die Flut in die tiefer gelegenen Keller, Straßen und Plätze find verschlammt und versandet. Mehrere Feuersbrünste entstanden durch Blitzschlag. Boll, Pferde gestürzt. Bei einer Truppenbesichtigung auf dem Uebungsplatz E l s e n b o r n bei Metz stürzte der Generalmajor Rummelsbacher so unglücklich vom Pferde, daß er nach wenigen Stunden st a r b. Aufgeschobene Zeppelinfahrt. Graf Zeppelin hatte beabsichtigt, mit seinem neugebauten Lenkballon ,Z. VI' der Stadt Wien einen Besuch abzustatten. In Wien und ganz Oesterreich waren große Vorbereitungen zum Empfange des Lustschiffes, das Graf Zeppelin persönlich lenken wollte, gemächt worden. Jetzt läßt plötzlich der Graf die Fahrt absagen unter der Begründung, daß die Luft- schrauben an dem neuen Luftschiff noch einer Umänderung bedürfen. Ob und wann die Fahrt angetreten wird, steht noch nicht fest. Durchstechereien bei der französischen Marine. Vom Seegericht in T o u l o n wurden wegen betrügerischer Marinelieferungen zwei Arsenalarbeiter zu zwei Jahren und sechs Monaten Gefängnis, ein anderer Arbeiter und ein Lieferant zu einem Jahr und sechs Monaten Gefängnis verurteilt. Eine große FcuerSbrunst kam am Mittwoch vormittag in der russischen Stadt B o r i s s o w aus. Nachmittag? waren bereits mehrere Stratzenzüge niedergebrannt. Es gelang bishex nicht, das weitere Umsichgreifen des Feuers einzudämmen.-~~ BrUfhaften der Redaktton. Tie juristische Sprech, tunde studet Liudeaftraste Nr. 60, vorn vier Treppen—?i a h r st» h l—, wvcheutäglich vou 4V, 419?>/- Uhr abeudS statt. Jeder Anfraoe ist eiu Buchstabe und«ine Zabl alS wierkzeicheu beizufiige». Briefliche üinttuort wird nicht erteilt. Etliae grasen trage man in der Sprechstnude vor. — M. 10. Nein. Eine ähnliche Einrichtung bestand tn den Jahren 1719 bis 1816. In den sechziger Jahren bestand sie nur noch, soweit deutsche Staaten in Frage kommen, in Hannover.OIdenburg, Braunschweig und Bremen. — 9(. D. Streitfrage. Nein.— P. G. 200. Ja. Klage ist bei dem Amtsgericht, in dessen Bezirk der Beklagte seinen Wohnfitz hat, anzubringen. P. R. 14. 1. Wenn die Verweigerung des Unterhalts andauernd und böswillig geschieht: ja. 2. und 3. Nein. 4. Der Zutritt kann verweigert werden. S. Nein. 6. Ja, wenn beide Teile vermögenslos find. 7. Ja. wenn der Ehemann für allein schuldig erklärt wird.— 91. 69. Mittel gegen Ohrenkrankhclten von Kaninchen find uns nicht bekannt.— Auf- klärung. 1. Nach dem seit dem 1. Januar 1990 geltenden bürgerlichen Gesetzbuch erben die Kinder'/«, der überlebende Ehegatte'/, des Nachlasses. Ist die Ehe vor dem 1. Januar 1900 geschloffen, so kann die Erbfolge anders sein. Um für diesen Fall Auskunft geben zu können, müßten wir den ersten Ehewohnfltz kennen.— D. 13. 1. Nach Ihrer Darstellung haben Sie keinen Scheidungsgrund, anscheinend hat aber Ihre Frau einen solchen. 2. Eine derartige, auch schriftliche Verpflichiung ist rechtsunwtrtsam.— E. D. Bvnn. Bei der angegebenen Lohnhöhe: Nein.— Zernsdorf 260. Wenn ein Abzahlungsvertrag vorliegt und der Gläubiger einen Schuldtitel besitzt: Ja.— F. 1000. Fragen Sie bei dem Vorfitzenden der Ber- aniagungSkommission nach dem Resultat an. Witterungsübersicht vom 8. Juni 1910, morgens 8 Uhr. Swwemde. Hamburg Berlin Kranks.».M. München Wien ~ e e. 5« B=H Bf 766 NNO 766 NO 766 NO 763 NO 761 SW !763WNW v-tter 2 heiter 2 heiter 2 wolkig 1 wolkig 4 bedeckt 3 wolkig MK «i* f- Swttowm |Ä iSaj Bf I Haparanda 769 WNW Petersburg 769 WNW Scillh itt erbten Parts 763 OSO 769 Still 764 NO Vetter 6 bedeckt 1 heiter 1 bedeckt heiter 1 Nebel B- »II I* 14 15 12 14 15 Wetterprognose für Donnerstag, den 9. Juni 1919. Vorwiegend heiter und sehr warm bei mäßigen östlichen Winden und etwas Neigung zu Gewittern. Berliner Wetterbureau. des 8. Berl. Reicbstags- Wahlkreises. Todea• Anzeige. Am 6. Juni verstarb unser Mitglied, Frau Marie Schulz Zwinglistr. 9. Ehre ihrem Andenken: Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 9. Juni, nach- mittags 5 Uhr, von der Leichen- Halle des Heilaiids-Kirchhoses in Plötzenfee aus statt. Um rege Beteiligung ersucht l»ei> Vorstand. Oeutscher Metallarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin. Todes- Anzeige. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Schlosser Karl Kohlt am 6. Juni an Lungenentzündung gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 9. Juni, nachmittags 3'/, Uhr, vom Trauerhause Köpenick, Müggelheimerstraße 22, ans statt. Rege Beteiligung wird erwartet 116/6_ Die Ortsverwaltunn jj Danksagung. Für die zahlreiche Teilnahme bei der Beerdigung unseres lieben Sohnes Mld Bruders 5780L Paul Schippke sagen allen Verwandten, Bekannten und Freunden sowie den Kollegen und Kolleginnen der Lahmeher- Werke, des Deutschen Metallarbeiter- Verbandes und den Genossen des WahlvereiliS unseren herzlichen Dank. A. Schippke nebst Frau und Kindern. Zentral- ireM der Maurer Zwelgvereln Berlin. Den Kollegen zur, Nachricht, daß unser Mitglied Eduard Klein am 4. Juni 1910 an Hitzschlag verstorben ist. Ehreseinem Andenken! Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 9. Juni 1910, nachmittags 5 Uhr, von der Leichen- balle des DankeS- Kirchhofes in Reinickendorf aus statt. 137/19 Um rege Beteiligung ersucht Der Vorstand. Deutsciier Holzarbeiter-Verband Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Tischler Emil Jordan am 7. Juni gestorben ist. Ehre seinem Andenke«! Die Beerdigung findet am Freitag, den 10. Juni, nachmittags 1 Uhr, von der Halle des Ehar- lottenburger Friedhofes, Westend, Fürftenbrunner Weg, au» statt. Um rege Beteiligung ersucht g 84/18 Die Ortsverwaltiing. für die vielen Beweise der Test- nähme bei der Beerdigung unseres lieben Sohne? 5457b .lokauueZ Rathsach sagen wir allen Freunden, Kollegen und Bekannten unseren herzlichsten Dank. Hermann Rathsach und Frau. Endliche Mniohuuilgell Mainzer Str. 17, an der Frankfurter Allee, neu renoviert, sosori vermietbar. Lcluutwortlichtzi Rtzdalteur Richard. Bartjst Berlin. Für den Zentral-Verband der Steinarbeller. Zahlstelle Berlin. Am 6. Juni starb unser Kollege Hennanu Qolling im Wer von 53 Jahren an Lungenentzündung. 171/14 Ehre seinem Andenke»! Die Beerdigung findet am Freilagnachmittag 2 Uhr von der Leichenhalle des Viktoria-Kranken- Hauses, Schöncberg, Rubensstraße, nach dem Schöncberger Friedhos, Maxstraße, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht vis Ortsverwaltung. Am 7. Juni, früh 12'/, Uhr. verstarb nach langem Kranken- lager meine liebe Frau kiese�vetter geb. SeMohkowskl im 63. Lebensjahre. 2454b Die Beerdigung findet am Frei- tagnachmittag 3 Ubr von der Leichenhalle des DankessriedhoseS, Reinickendorf, aus statt. Die trauernden Hwterbliebenm Hermann Kiesewetter nebst Sohn Georg. Am Montag verschied nach längeren Leiden meine liebe gute Frau 2455b Marie Herrmann geb. Borgmann Malplaquetstr. 7. Um stilles Beileid bittet der trauernde Gatte Franz Herrmann. Die Beerdigung findet Frei- tag, nachm. 2'/. Uhr, von der Leichenhalle des Sebafttan-Kirch- hoses aus statt. WLIe's Festsäle Dennewltzstr. 13 Heute Donnerstag Tanzkränzchen. Ende 2 Uhr. ÄÄ"' Anfang 8 Uhr. Schöner Garte». 2460b Dr. Simmel Spezial-Arzt* für Haut- und Harnleiden. Prlnzenstr. 41,■/relierei. Die vom kaiserlichen Patentamt geschlitzte Vorrichtung Nr. 413541, mit welcher die Wechselrädcr ohne zu rechneu für Gang und Millimclergewinde für Drehbänke mit einer Leitspindel von 2, 2'/,, 3, 4, 5 unbji Gang ans 1' engl. in wenigen Sekunden zu ermitteln sind, ist jetzt zum Preise von 60 Pf. zu beziehen durch Spedition des„Vorwärts" Berlin SW. Lindenstr. 69(Laden). p arzelle M. 1100, Auz. 100 M.a. verk.Kolonie Daheim Biesdorf.izaresbner Str. ö, pari. Del. Lg. 676. Dr.Sckünetnann Spezialarzt für Haut- und Harnleiden, Frauenkrankheiten,* Friedrichstr. 203, Ecke Schützenstr. Wochentags 10—2, 3—7. Wegen Aufgabe unserer Verkaufsräume KoCstraße 2 verkaufen wir zu jedem Preise unsere RestbestUnde, bestehend: in Herren» Anzug�Stoffen, Hosen»Stoffen PaletotrStoflen, Damentuchen te. heute und folgende Tage. Tuchfabrik- Eager Koch& Seeland Gesellschaft m. d. H. Roßstraße 2. 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KarlShorster Str. 1. Der Vorstand. Bernau. Heute abend: Zahlabend der einzelnen Bezirke in den bekannten Lokalen. Die bereits eingezogenen Mitgliedsbücher find hier in Empfang zu nehmen, die noch nicht eingezogenen da- gegen den Zahlabendleitern zu übergeben. Zu diesem Zweck ist es notwendig, datz alle Parteigenossen in den Zahlabenden anwesend sind.— Die Bezirksführer sollen ebenfalls zu der bevorstehenden Wahl der Bezirksleitung vorgeschlagen werden. berliner JNacbnchten. Am BStz-See. In der östlichen Umgebung der Reichshauptstadt gibt eS noch außerordentlich viele wunderhübsche Fleckchen, die den Berlinern, soweit sie nicht radeln oder auteln und deshalb weitere Touren unternehmen,„böhmische Dörfer" sind. Die meisten Ausflügler gehen über einen bestimmten Umkreis, der sich höchstens bis in die nächsten Vororte erstreckt, nicht hinaus. Oder sie bevorzugen die allbekannten nördlichen und westlichen Vorortidylle, in denen es namentlich an schönen Sonntagen von Berlinern mit Kind und Kegel wimmelt. Im Osten ist es eigentlich nur die Müggel mit ihrer großartigen landschaftlichen Szenerie bis hinauf nach Erkner, Woltersdorfcr Schleuse und Rüdersdorf, die die Massen an- lockt. So herrlich es hier ist, wird jedoch die reine Natur- freude stark beeinträchtigt durch den sonntäglichen Riesen- verkehr mit seinen scheinbar unausrottbaren Eisenbahn- Mißständen. Wer den Waldfrieden liebt und weite Fuß- Wanderungen nicht scheut, sucht die mehr abseits vom Verkehr zu findenden Naturschönheiten auf. Ein solcher noch viel zu wenig geivürdigter Genuß ist die überaus lohnende Tour nach dem Bötz- und Fängersee in der Nähe Strausbergs. Wir fahren vom Lehrter Bahnst»r oder vom Alexanderplatz für eine halbe Mark, vom tousiesifchen Bahnhofe einen Nickel billiger, ziemlich eine Stunde bis nach Fredersdorf an der Ostbahn, lassen Petershagen rechts liegen, verschmähen auch das reizlose. spießbürgerliche Alt- Landsberg, die kleinste Stadt von Nieder-Barnim. und wandern an dem augenblicklich prächtig stehenden Roggen vorbei nach Bruchmühle, beb sogenannten„Schncider-Kolonie", die hart an der ausgedehnten Forst des Amtes Alt- Landsberg liegt. Bruchmühle, das nicht von Villenprotzen, sondern von aufstrebenden kleinen Leuten bewohnt wird. die hier ein bescheidenes Besitztum haben und wochentäglich mit dem Rucksack nach Berlin zur Arbeit fahren, hat vermöge feiner guten Lage eine Zukunft. Gleich vorn im Walde, an der Alt- Landsberger Chaussee, grüßt uns eine mächtige, viele Jahrhunderte alte Eiche mit der angenagelten hübschen Widmung:„Senke freundlich, o Baum. Die schattenden Zweige zur Erde Jedem, der sich Dir naht. Säusele Kühlung herab. Gib dem Zweifelnden Hoffnung, Dem Müden stärkende Ruh', Und dem Liebenden gib', Daß ihm begegne sein Glück." Von hier geht's reichlich anderthalb Stunden auf wildromantischen Waldivegen nach Spitzmühle, einem köstlichen Ruhepunkt zwischen dem durch ein Fließ getrennten Bötz- und dem Fängersee, sowie zwischen der königlichen Rüdcrsdorfer Forst und der Straus- bcrger Spitzheide. Sehr reizvoll, aber etwas anstrengend ist die Wanderung am Fängersee entlang nach Weseudahler Mühle, hier uni die Seespitze herum und durch die Spitz- Heide nach dem StrauSsee und Stadt Strausberg. Von da noch nach dem Blumental, reichlich drei Stunden, die mangels jeder Fahrverbindung auch zurückgelaufen werden müssen, ist nur etwas für ganz rüstige Fußgänger. Wenn weniger gut beschlagene Damen bei uns sind, wandern wir von Wesendahler Mühle an dem jenseitigen hochgelegenen, mit herrlichem Walde bestandenen Seeufer entlang nach„Rot- käpdchen",..Seeschloß", dem„Hungerigen Wolf" und der Villcnkolonie Hohenflicß. Man kann auch von Spitzmühle auf dem langgestreckten Bötzsee. dessen Ufer an die schönsten Gebiete der Havclseen erinnern, mit dem Motorboot für 25 Pf. bis nach den obengenannten Stationen fahren. Um nicht abermals die Alt- Landsberger Chaussee zu passieren, gehen wir über Hohenflicß hinaus durch prächtigen Wald, der stellenweise mit dichtem Unterholz bewachsen ist, entweder nach dem idyllischen Eggersdorf oder über die Strausbcrger Rennbahn nach Bahnhof Strausberg und fahren von hier nach Berlin zurück. Wer dieselbe Tour am Wochen- tag machen kann, wird überrascht sein von der herrlichen Ruhe des Waldes, in dem man stundenlang keinen Menschen trifft und allenthalben auf Rehe stößt. Aber auch Sonntags ist der Verkehr vorläufig noch mäßig, so daß Ausflügler, die dem Großstadtlärm entfliehen und für Waldfrieden schwärmen, hier voll auf ihre Rechnung kommen. Am Waldgraben. Wenn die schwüle Luft eines Sommertages schon am frühen Morgen all« Pläne über längere Wanderungen in Schweiß zerrinnen lassen, dann entschließt man sich allenfalls zu einer Lagerung an einem schattigen Plätzchen. Eine Fahr» gelegenheit, die einen gleich mitten in den Wald bringt und jeden längeren Weg in der Sonne erspart, wird dabei rmmer den Vorzug verdienen. Die nächste und billigste Gelegenheit dieser Art führt in den Grunewald. Man muß aber früh aufstehen, sonst findet man die besten Lagerplätze, z. B. die am Westufcr des Grunewaldes, besetzt. Leicht zu ermchen ist auch Spandau durch zahlreiche Züge, die über die Stadtbahn gehen, und durch Unisteigen in Charlottenburg für die An- wohner des Süd- und Nordrings. Am Bahnhof in Spandau steigen wir in die mit ernem großen lateinischen J bezeichnete Elektrische, die uns für zehn Pfennig mitten in den Stadtforst hinein nach der neuen Kolonie Johannisstift führt. Beim Aussteigen sehen wir links vor uns das Stationsgebäude Spandau-Johannisstift einer neuen Kleinbahn, die mitsamt der anstoßenden Kolonie mächtig« Lücken in den Wald gerissen hat, der noch vor wenigen Jahren hier nichts von den neuen Dingen erkennen ließ. Glücklicherweise hat die Waldpoliiik der Spandauer Stadtväter von ihrem herrlichen Stadtforst bis jetzt noch ein gutes Stück übrig gelassen. Wir folgen der Chaussee über das Bahngeleise hinweg, bis bald hinter dem Stein 1,8 auf der linken Seite ein schmaler, aber deutlicher Fußpfad waldein- wärts abzweigt. Er bringt uns nach wenigen Schritten plötzlich an den Rand eines etwa sechs Meter breiten Wald- grabens. Vor noch nicht langer Zeit war er eine vermoorte Vertiefung und bildete die sogenannte Kuhlake. Seit er ausgetieft wurde und das Wasser sich sammeln konnte, hat das Bild sich völlig geändert. Ein schmaler Pfad am Ufer gestattet uns. dem Graben zu folgen und ein Plätzchen für die Niederlassung zu suchen. Infolge des Wasserreichwms und der Frische des ausge- worfenen Erdreiches ist die Vegetation im und am Wasser von einer fast v«rblüfsendcn Ueppigkeit, der auch die stärkste Sommerhitze nichts anhaben kann. Der Wasserspiegel ist ab- wechselnd spiegelblank und dann wieder von den ausgebreite- ten Blättern der weißen Seerose mit ihren geöffneten Blüten und anderer Wasserpflanzen bedeckt. Auch dicht unter dem Wasserspiegel erscheinen ganze Wiesen verschiedener teilweis« blühender Wassergewächse, die eine reizvolle Abwechslung schaffen. In der dichtbewachsenen Uferzone wuchern Vergiß- mcinnicht, Wasserminze, Froschlöffel, Seggen und Binsen, um nur einige von sehr vielen Namen zu nennen. Neben dem Graben erstreckt sich weiterhin feuchter Erlenwald: hier ist das Reich der gerade in voller Blüte stehenden gelben Schwertlilie und auf taufenden von Stauden der Uferkresse, die mit Millionen kleiner Blüten weite Strecken gelb färben, tummeln sich zahllose Insekten. Der breite, flüßchenartige Graben macht leichte Biegungen, und über dem Wasser und über dem Grün bilden die frischen Laubkronen der das Ganze begleitenden Erlen und anderen Gehölze wundervolle Land- schaftsbilder. Wenn die Sonne auf das Wasser brennt, treiben kleine stahlblaue, ganz besonders aber große bräunliche Libellen in wilder Jagd darüber hin. Diese Tiere mit ihren großen, ganz auf das Erspähen der Beute eingerichteten Augen und dem blitzschnell zickzackartigen, ebenfalls dem Erhaschen kleiner fliegenden Insekten angepaßten Fluge zeigen in ihrem Be- nehmen eine ziemliche Intelligenz, die ihre raschen, zielbe- wußten Bewegungen leitet. Wenn sie sich bei großer Hitze „baden", indem sie während des Dariiberstreichens über dem Spiegel mit dem Hinterleib wiederholt rasch ins Wasser schlagen, um sich zu erfrischen, so erinnern sie an badende Vögel und andere, in der Stufenleiter des Lebens viel höher stehende Organismen. Stumm sind die zahlreichen schwarzen Kaulquappen im Wasser, während ihre ausgewachsenen Brüder im grünen Kleide der Teichfrösche am Ufer ihr« knarrenden Melodien schmettern. Zahlreiche Stichlmge beleben durch munteres Treiben das Wasser, indes gemütliche dicke Karpfen träge ihres Weges ziehen. Das ist nur ein geringer Ausschnitt auS dem reichen Tier- und Pflanzenleben am sonnenbeglänzten Waldteich, und wer Zeit und Neigung hat. der mag wohl stundenlang lauschen, schauen und sinnen, während auS dem Forst der Kuckuck ruft._ De»„Dualismus" im GrfSngniswrsen beleuchtete der Erste Staatsanwalt Klein, Vertreter des Ober- staatSanwaltS beim Kammergcricht, in einem Vortrage, den er vor- gestern vor den Teilnehmern am„LehrkursuS für GefängniSwesen" hielt. Unsere staatlichen Gefangenenanstalten unterstehen bekanntlich zum Teil dem Ministerium deS Inneren, zum Teil dem Justizniinisteriumi cS ist erklärlich, datz dabei die wünschenswerte Einheitlichkeit im Strafvollzuge nicht erreicht werden kann. Dieser unerfreuliche Zu- stand des.Dualismus" laste sich bis in den Anfang des IS. Jahr- Hunderts verfolgen. Die damals herrschende Buntscheckigkeit veranlagte schon im Jahre 1804 den Arnimschen.Generalplan zur Verbesierung der Gefängnisse", der aber ebensowenig zur Ausführung gelangte wie spätere Vorschläge und wie die schließlich(1845) ergangene KabinettSorder. nach welcher daS gesamte Gefängniswesen der Justiz- Verwaltung übertragen werden sollte. So bltcb eS zunächst bei der im Jahre 1821 eingeführten Teilung: die UntersuchungSgefängnisie unterstanden der Justiz-, die Strafgesängnisse der inneren Verwaltung. Nach Emanation des preußischen Strafgesetzbuches von 1851 nahm die Zahl der Justizgefängnisse aber tatsächlich zu und diese über- wiegen noch heute, wie die letzte Statistik zeigt: in den der inneren Verwaltung unterstehenden 53 Strafanstalten wurden 20727 Personen verwahrt, davon 12 Pro,. Untersuchungsgefangene, in den Justizgefäng- nissen dagegen über 32000 Gefangene, davon 26 Proz. Untersuchungs- gefangene. Für die ersterwähnten Anstalten gilt die HauS- und Dienstordnung vom 14. November 1902, für die letzteren die Gefängnisordnung vom 21. Dezember 1908. Diese ver- schiedenen Vollzugsvorschriften haben natürlich große Nachteile im Gefolge und es sei daher dringend zu wünschen, daß die moderne Gesetzgebung einmal gründlich mit dem„Dualismus" auf- räume. In der sich anschließenden, vom Geheimen Oberjustizrat Pla fch ke geleiteten Diskussion sprachen sich sämtliche Redner dafür auS, daß die Gefängnisse ausschließlich der Justizverwaltung unterstellt würden, schon weil nach ß 483 der Strafprozeßordnung die Strafvollstreckung der Staatsanwaltschaft überwiesen ist. Zum Schluß gelangten u. a. auch die geplanten AuSbildungSkurse für GefängniS-Unterbeamte zur Erörterung. Auf der TagtSordnnng der heutigen Stadtverordneten- Versammlung steht an erster Stelle die Fortsetzung der Debatte über die Lustbarkeitssteuervorlage des Magistrats. Gegen die LustvarkeitSstcurr erläßt der Vorstand der Freien Volksbühne folgenden Aufruf: Das Projekt einer Lustbarkeitssteuer, da« den Magistrat und die Stadtverordnetenversammlung von Berlin zurzeit beschäftigt, bedroht die Berliner BolkSbühncnbewegung mit schwerer Gesahr. Für sie ist die geplante LustbarkeitSstener eine indirekte Steuer, nicht bloß auf Erholung und Vergnüngcn, sondern auch auf Bildung und Kultur. Ohne jede Förderung von oben, ja oft genug im Kampfe gegen bnreankratische Widerstände, ist es der Berliner Arbciterbevölkmmg gelungen. sich in der Freien Volksbühne eine Organisation zu schaffen, die ihr gegen einen verhältnismäßig geringen Mitglieds- beitrag die Kenntnis der- besten Werke der dramatischen Literatur in würdiger Darstellung vermittelt. Mit Konzerten und Kunstabenden hat der Verein in den werktätigen Massen der Reichshauptstadt Interesse und Verständnis auch für die großen Leistungen der Ton- kunst geweckt. Er hat in mehr als zwanzig Jahren im Dienste der Volkskultur eine Leistung vollbracht, auf die er mit Genugtuung zurückblicken kann. Diese hoffnungsvolle Entwickelnng wird durch das städtische Steuerprojekt schwer gefährdet. Ohnehin sieht die Vereinsleitung von Jahr zu Jahr die Schwierigkeit wachsen, die enorm steigenden Kosten des notwendigen AuiwandS mit den bescheidenen und durch Steuern schwer getroffenen Mitteln eines Berliner Arbeiter- Haushalts in Einklang zu bringen. Die Wiener Freie Volksbühne, die nach dem Lorbilde der Berliner Organisation gegründet wurde, genießt eine ansehnliche Subvention auS öffentlichen Mitteln. Der Berliner Verein hat auf solche Gunst der höheren Regionen niemals Anspruch erhoben; Haltens und der Verlangsamung der Fahrt ist rechtzeitig durch send rechtes Emporhalten der Peitsche kund zn geben. Bei beabsichtigter Linkswendung Hot der Gespannführer rechtzeitig die Peitsche nach links, bei Rechtswendung nach rechts emporzuhalten.— Kraftwagen- führer haben an Stelle deS Peitschenzeichens ein entsprechendes Zeichen mit der Hand zu geben.— Das Knallen mit der Peitsche und das Schlagen nach fremden Pferden ist untersagt. Im 8 27 erhält der erste Satz folgende Faffung: Fuhrwerke, welche den Kemperplatz befahren, haben rechts von dem Roland- brunuen herumzufahren. 8 32 erhält folgende neue Fassung: DaS Ausweichen der Fuhr- Werke geschieht unter allen Umständen nach rechts. Bei Fuhrwerken, welche sich kreuzen, hat das von rechts kommende Fuhrwerk die Bor- fahrt. 8 39 Lit. a erhält folgende Fassung: a) in der Slexanderstraße, von der Blumen- bis zur Magazinstraße und von der Kaiserstraße bis zur Königstraße. 8 39 fällt weg. 8 70 hat für Hundebesitzer Interesse und erhält folgende Faffung: Im Tiergarten, Kleinen Tiergarten, im Humboldtham, Friedrichs- Hain, im Vikloriapark und im Schillerpark— in diesem nach seiner Vollendung— müssen Hunde an der Leine geführt werden. Diese Bestimmung� bezieht sich nicht auf die Fahrdämme und die an der Häuserseitc gelegenen Bürgcrsteige der die genannten Parkanlagen umgebenden öffentlichen Straßen. Auch darf niemand Hunde auf den Blumen« und Schmuckanlagen der öffentlichen Plätze und Straßen umherlaufen lassen. Für die Einführung des im§ 8 geforderten Hinterzeuges film- laufes) wird eine Frist bis zum 1. Juli 1911 gewähn. Ein Knabe ertrunken. An der Brücke an der Köpenicker Straße, wo der Landwehrkanal in die Spree mündet, bemerkten am Diens- tagabend um 7 Uhr Straßenpassanten den Körper eine» etwa zehn Jahre alten KnabenS. Die alarmierte Feuerwehr holte unter großem Zulauf den Knaben heraus und stellte Wiederbelebungsversuche an, die aber erfolglos waren. Ein herbeigerufener Arzt stellte dann den Tod deS Knabens fest. Die Leiche wurde von der Polizei beschlag- nahmt und zur Feststellung der Todesursache und Identität nach dem Schauhause gebracht. Wegen KindeSmordcS ist gestern da? 21 Jahre alte Dienst- Mädchen Henriette Wischnewski, daS bei einem Gastwirt in der Schöneberger Straße 16a in Stellung gewesen war. verhaftet worden. Das Mädchen gebar in der Wohnung der Wirtsleute, die an anderer Stelle ihr Geschäft betreiben, heimlich einen Knaben, tötete ihn durch einen Schnitt in den Hals, wickelte die Leiche in festes Papier ein und verbarg sie in einer Kiste unter dem Bett. DaS veränderte Wesen der Mutter und der Leichengeruch. der sich bei der Hitze bald bemerkbar machte. führte gestern zur Entdeckung der Tat. DaS Mädchen wurde daraufhin zunächst als Polizei- gefangene nach der Charits, die Leiche nach dem Schauhause gebracht. Der Kassenrenbant Rielke, der im Krankenhause Bethanien 3700 Mark unterschlug und vor acht Tagen die Flucht ergriff, als er seine Veruntreuungen nicht länger mehr verbergen konnte, hat sich in Schmöckwitz das Leben genommen und ist als Leiche wiedergesunden worden. AuS dem Gefängnis entsprungen find gestern fünf schwere Jungen, die in Plötzensee längere Strafen zu verbüßen hatten. Hilflos aufgefunden wurde gestern ein alter Mann vor dem Hause Hasenheide 9. Er liegt im Krankenhause am Urban noch un- bekannt und besinnungslos danieder. Er ist etwa 70 Jahre alt, hat einen Vollbart und trug ein graues Jackett und Hose, einen schwarzen, steifen Hut und schwarze Zugstiefel. Lebensgefährlich verbrannt wurde am Mittwochnachmittag bei einem Brande in der Scheringstr. 10 der siebenjährige Knabe Willi Korn. In der Wohnung seiner Eltern war Feuer ausgekommen. Als die Feuerwehr dort ankam, brannten Möbel, der Fußboden u.a. t» der Küche. Der Knabe hatte an den Händen, Beinen und Armen so schwere Verletzungen erlitten, daß er sofort nach dem LazaruS' Krankenhause in der Bernaucr Straße übergeführt werden mußte. Ter Jugendausschuß für Groß-Bcrlin veranstaltet am Sonntag, den 12. Juni, einen Ausflug für die Gruppe Ost-Nordost. Die Teil- nehmer treffen sich morgens 7 Uhr an folgenden Punkten: Prenz- lauer Tor, Landsberger Tor sKriegerdenkmal), Baltenplatz san der Normaluhr) und am Schlcsischen Bahnhof(Koppenstraße, Ecke Madai- straße). Fahrt vom Schlcsischen Bahnhof nach Karlshorst. Wanderung über Sadowa nach Ravensteiner Mühle, Friedrichshagen. Fahrgeld hin und zurück 30 Pf Alle Lehrlinge, jugendlichen Arbeiter und Arbeiterinnen find als Teilnehmer willkommen. Liederbücher nicht vergessen. Alle Arbeitereltern werden gebeten, ihre jugendlichen An- gehörigen auf die Veranstaltungen des Jugendausschusses aufmerksam zu machen._ Vorort- Nachnchtem Wassermangel in Charlottenburg. Wie in Pankow, wo sich in den letzten Jahren namentlich beim Eintritt der heißen Jahreszeit ein erheblicher Wassermangel bemerkbar machte, hat seit einigen Tagen auch die Bevölkerung einzelner Be- zirke Charlotten burgs unter Wassermangel zu leiden. Insbesondere stnd es die Bewohner der oberen Stockwerke, die vorgestern und gestern kein Leirnngswaffer hatten. Anfangs glaubte man, daß eS sich nur um ein Versagen der Leitung handele, schließlich aber wurde zur Gewißheit, daß der Druck nicht mehr ausreichte, das Waffer durch die Röhren in die oberen Stockwerke zu treiben. Der Charlottenburger Magistrat gibt über diese Kalamität folgende Erklärung: .Seit einigen Tagen hat man in Charlottenburg, zumal in deffen östlichen Bezirken zu gewiffen Tageszeiten in den oberen Etagen unter Wassermangel zu leiden, und bei der Berwaltung der Charlottenburger Wasserlverke G. m. b. H. laufen darüber zahlreiche Beschwerden ein. Diese Kalamität ist auf einen Wasser« verbrauch zurückzuführen, wie er in dieser Höhe, und zwar auf den Kops der Bevölkerung umgerechnet, bisher selbst in den Zeiten größter Hitze auch nicht annähernd beobachtet worden ist. Die Wasserwerlsverwaltung ist bereits eifrig bemüht gewesen, dem Mangel abzuhelfen. Insbesondere wird der Verbrauch für öffentliche Zwecke auf ein möglichst geringes Maß beschränkt. Ferner ist es gelungen, in der am meisten betroffenen Gegend einen Anschluß an das benachbarte Rohrnetz der Charlottenburger Wasserwerke Aktiengesellschaft zu erhalten, der mit Aufbietung aller Arbeitskräfte in der Nacht vom Dienstag zum Mittwoch fertiggestellt worden ist. Weitere Maßnahmen sind in Vorbereitung; Er weiterugSbauten auf den Werken, die bereits seit einiger Zeit im Gange sind, werden nach Möglichkeit beschleunigt. Der ver- ringrrte Wasserdruck bedeutet übrigens keine Gefahr im Falle eines Brande«, da die Dampfspritzen der Feuerwehr jeden erforderlichen Druck erzeugen können."_ Charlottenburg. Zur Zeit der Choleragefahr hatte der hiesige Polizeipräfident der Stadlgemeinde durch Verfügung aufgegeben, eine Anzahl neuer Trink- Wasserstellen an der Spree und am Berbindungskanal auf Char lottenburger Gebiet anzulegen, jdamit die Schiffer gnieS Trinkwasser erhalten könnten und eS nicht vorzögen, statt aus den ungenießbares Wasier liefernden alten Brunnen Waffer aus dem Fluß selbst zu entnehmen. Letzteres würde eine große Gefahr bedeuten.— Der Polizeipräsident stützte sich auf 8 LS deS sogenannten Menschen seuchcngesetzes jReichSgesetz vom 30. Juni 1900). Danach können Gemeinden nach Maßgabe ihrer Leistungsfähigkeit zur Herstellung von Einrichtungen zur Versorgung mit Trink- und Wlrtschaftsivasser, die dem allgemeinen Gebrauch dienen, jederzeit an- gehalten werden, wenn die Einrichtungen zum Schutze gegen übertragbare Krankheiten erforderlich sind. Aus die Klage der Stadt hob der Bezirksausschuß die Ver- fügung auf. Da» Oberverwaltungsgericht änderte jedoäi da» Urteil ab, indem es mit Bezug auf eine Anzahl der geforderten Wasserentnahmestellen die Verfügung für berechtigt erklärte, und zwar bezüglich der näher bezeichneten Stellen, die innerhalb der im Zusammenhang gebauten Ortschaft an öffentlichen Lade- Plätzen usw. liegen, wo Beziehungen zum allgemeinen örtlichen Ver- kehr gegeben sind. An solchen Stellen müsse ein allgemeiner Ge- brauch im Sinne deS Gesetzes angenommen werden, wenn auch nur die Benutzung der geforderten Trinkwasicrstellen durch eine gewisse Bevölkerungsklasse allein oder vorzugsweise in Betracht komme. Zur Anlegung von Trinkwafferstellen an privaten Ladestellen, auch wenn sie im Bereich der geschlossen gebauten Ortschaft lägen, könne die Stadt nicht verpflichtet werden. Dort hätten die Besitzer jener Privatplätze dafür zu sorgen. Nach dem Bericht de? hiefigen Gewerbegerichts find im Geschäftsjahre 1909 1704 neue Streitsachen gegen 1539 im Vorjahre anhängig gemacht worden. Die Zunahme der Klagen beträgt 13ö oder 11 Proz. Hieran sind beteiligt dos Baugewerbe und Bau- Handwerk mit 23, die Fabrikbetriebe mit 10 und das übrige Hand- werk und Gewerbe mit 132 Streitsachen. Gegen 1905 ist die Zahl der Streitsachen um annähernd 50 Proz. gewachsen. Dem- entsprechend mußten ständig allwöchentlich an zwei weiteren Tagen Termine zu Vergleichssitztingen anberaumt werden, um die allzuweite HinauSschiebung der Termine un Jntereffe der Be- schleunigung zu vermeiden und die einzelnen Terminstage nicht allzu stark zu belasten. Der Erfolg dieser Maßnahmen ist schon im Berichtsjahre eingetreten; die Durchschniitstahl der an einem Tage angesetzten Termine betrug im Borjahre 23. im Berichtsjahre da- gegen nur 13; in weniger als einer Woche wurden im Vorjahre 752 daS sind � 48,9 Proz., im Berichtsjahre dagegen 1024 oder 60,7 Proz. erledigt. In 340 Fällen haben mehrere Kläger gemeinschaftlich Klage erhoben. Die Zahl der Kläger überhaupt betrug 1955. Von sämtlichen Streitsachen entfielen auf daS Bau- Handwerk und Baugewerbe 570, auf Fabriken aller Art 153, auf das übrige Handwerk und Gewerbe 953. Der Wert des Streitgegen- standes betrug von 1—20 M. in 657 Fällen, mehr als 20—50 M. in 468 Fällen, mehr als 50—100 M. in 340, und mehr als 100 M. in 216 Fällen. Ohne Wertangabe waren 23 Fälle. Der höckste Streitgegenstand betrug 1829 M. Durch Zurück- nähme wurden 229 Klagen erledigt, durch Anerkenntnis 34, durch Vergleich 524, durch rechtskräftiges Versäumnisurteil 196, durch Endurteil 23. Durch Ruhenlassen des Prozeffes und Abweisung wegen Unzuständigkeit wurden 315 Klagen erledigt. Von sänttlichen Klagen wurden 1024 in weniger als einer Woche erledigt, nur sechs erforderten drei Monate und darüber. Als EinigungSantt ist das Gewerbegericht im Berichtsjahre nicht in Tätigkett getreten. Gut- achten sind nicht erfordert, Anträge nicht gestellt worden. Rixdorf. Einen Einwohnerzuwachs von 2Sö8 Personen hat Rixdorf durch den Aprilumzug erhalten. ES zogen von außerhalb zu 8459 Per- sonen, während aus Rixdorf 4556 Personen abwanderten. Ende Mai zählte Rixdorf 230 500 Einwohner. Ein Roheitsakt wurde gestern in der Kaiser-Friedrichstraße ver» übt. Als der Straßenbahnschaffner Willi Schwanz, Teupitzer Straße 97, mit seiner Frau und einem Kollegen vor dem Hause Kaiser-Friedrichstraße 143 stand und sich unterhielt, wurde plötzlich aus einem Stockwerk ein großer Porzellanteller heruntergeschleudert. Frau Sckw. wurde wuchtig auf den Kopf getroffen, daß sie be« sinnungslos zusammenbrach. Blutüberströmt mußte die Verletzte liach ihrer Wohnung getragen werden. Der Täter konnte noch nicht er- mittelt werden. DaS Opfer eines vckcrfalleS wurde in der gestrigen Nacht der Arbeiter Peter Roffi, Boddinstr. 10. Als R. im Begriff war, daS Haus zu betreten, eilte ein fremder, unheimlich aussehender Mann mit einem Dolch aus ihn zu. Nock ehe der erschrockene R. zurück- springen konnte, brachte ihm der Unbekaitiite im Gesicht unterhalb deS rechten Auges einen tiefen Stich bei. R. ergriff nun die Flucht, so daß sich der Messerheld ungehindert aus dem Staube machen konnte. Auf der Unfallstation erhielt der erheblich Verletzte einen Notverband. Leider vermag R. den Täter nicht zu beschreiben; er weiß nur noch, daß dieser einen kurzen hellen Vollbart hatte. Zehlendorf(Wannseebahn). Mit einem Fall von Umgehung de« Einkommensteuergesetzes hat sich der Kreisausschuß von Teltow-Beeskow in seiner letzten Sitzung beschäftigt. Der Besitzer eines Grundstücks hat dieses für 800 000 M. an seine drei Töchter verkauft gegen die Verpflichtung, ihm eventuell seiner Witwe eine Rente zu zahlen, die gleich ist der Packt, die sie aus dem Grundstück ziehen. Die drei Töchter waren nun zu je 21 M. Einkommensteuer veranlagt worden. Sie hatten Freistellung beantragt und nach Ablehnung den Klageweg beschritten. Vor dem Ausschuß machten sie durch ihren Ver« treter geltend. daß sie durch den oben bezeichneten Kauf- vertrag außerstande seien. Einkommen auS dem Grundstück zn ziehen. Diese Art des Kaufvertrages fei nur gemacht zwecks Mobilisterung und um die Teilung beim Tode des Vaters zu erleichtern. Mit anderen Ländereien in anderen Ge- marlungen sei es ebenso geschehen. Der Gemeindevorsteher von Zehlendorf Hot Abweisung der Klage beanttagt. Jntereffant war der Einwand deS Vertreters der Klägerinnen, daß diese keine Steuer zahlen können, weil sie kein Einkommen auS dein Grundstück haben, und der Vater ebenso keine Steuern zahlen brauche, weil er nicht Besitzer des Grundstücks sei. Gewiß ein probates Mittel, den Steuer- sacket zu prellen. Der Kreisaussckuß will die Akten der VeranlagungS- kommiffion einholen, um die EinkommenSverhättniffe der Klägerinnen genau zu prüfen. Auf den Ausgang dieses Prozeffes darf man gespannt sein. Brih-Buckow. lieber die Frau im politischen Kampfe referierte in einer von Frauen und Männern besuchten öffentlichen Versammlung Genossin L u n g w i tz. Nach dem Vortrage erstattete Genosse H a d a m e ck Bericht von der Gemeindevertretung. Treptow-Baumschukentveg. Ei» eigenartiger Unglücksfall hat sich vorgestern an der Treidel- bahn deS Teltow-Kanals ereignet. Der Arbeiter August Seeger kam in der Nähe von Banmschulenweg der elektrischen Leitung der Bahnanlage durch ein Versehen zu nahe. Der elektrische Strom ging nun in einer solchen Stärke durch den Körper deS Mannes, daß Seeger sofort leblos zusammenbrach. In bewußtlosem Zustand wurde der Verunglückte ins nahe KreiSkrankenhauS gebracht, wo er bedenklich daniederliegt. Weiftet, see. Eine Mitgliederversammlung deS Wahlverein» erledigte a« Montag im.Prälaten' den am 24. Mai er. vertagten Antrag der 1. Abteilung und deS 4. Bezirks bezüglich des Extrabeitrages zum AgilationSfond» de» Kreises. Zunächst wurde der Antrag, keine Extrabeiträge zu erheben, sowie daß Parteiangestellte nur gegen Er- stanung der persönlichen Unkosten referieren sollen, abgelehnt, ver Zusatzantrag deS 11. Bezirks:.Bei allen Beitragserhöhungen. Extra» sammlungen wie überhaupt den Kreis betreffende wichtige Angelegen« heften eine Urabstimmung im Kreise vorzunehmen', fand Annahme. Sodann wurde beschloffen, daS diesjährige Stiftungsfest am Sonn» abend, den 15. Oktober er., in der Gemeinde-Turnfesthalle zu be» gehen. Die Arrangierung des Festes bleibt dem noch zu wählenden Komitee überlasten. Es wurde aber gewünscht, daß etwas Kunst» lerisckes geboten werde. Unter VereinSangelegenheiten erwähnte der Bezirksleiter Genosse Köhl, daß der nächste Zahlabend in den Ab» teilungen wieder ein gemeinschaftlicher sei, da zu den kommenden Neuwahlen zur Bezirksleitung Stellung genommen werden müffe. Die wiederholt vom Genoffen Diener eingebrachten Anträge: 1..Den Extrabeitrag zum Kreisagitationsfonds in einen freiwilligen Beitrag abzuändern', 2..Den Extrabeitrag nur auf eine bestimmte Zeit zu bewilligen', wurden abgelehnt. Dagegen wurde der Antrag: .In Zukunft sind dergleichen Aktionen in Groß-Berlin einheitlich reip. gemeinsam durchzuführen', angenommen. Potsdam. Einr� neue Anleihe von 1 325 90v M. soll neben htt in fkt letzten Stadtverordnetensitzung bereits genehmigten besonderen Grundstücksanleihe von 1 675 000 M. von der Stadt aufgenommen werden Sie ist bestimmt für zum größten Teil bereits genehmigte Aufwendungen, von denen die hauptsächlichsten find: der Bau einer Turnhalle in der Kurfürstenstraße, Erweiterungen deS Schlacht- hcfeS, der elektrischen Zentrale und der Kabelnetze in die Vororte Potsdams, sowie die Kosten der Regulierung einiger neuer Straßen. Außerdem soll aus dieser Anleihe ein sogenannter Bau. f o n d S in Höhe von 200 000 M. entnommen werden. Die Stadt ist gemäß der GrundstückSanleih« und sonst aus wirtschaftlichen Gründen zum allmählichen Verkauf von Parzellen der städtischen Ländereien gezwungen. Der Verkauf stößt häufig auf Schwierig. leiten, weil der Käufer einer Parzelle, die er zum' Bau eines Wohnhauses benutzen will, Baugeld zu angemeffenem Zinsfuß schwer erhält. Einige Berliner Baugeldbanken geben seit einiger Zeit grundsätzlich kein Baugeld mehr nach Potsdam. Um nun diesem Mißstände abzuhelfen und die Bautätigkeit anzuregen, will die Stadt aus dem 200 000 M-Fonds Baugeld zn angemessenen Bedingungen hergeben._>- Jugendveranstaltungen. Dchöneberg. Morgen Freitag, den 19. Juni, abends»'/, Uhr, findet bei Poschmann, Vorbcrgstr. S, der sünste Vortragsabend statt. OenoQe Urban referiert über:.Die Kunst der Rede< Der JugendbildmigsauSlchuß. BoxbageN'RummelSburg'Stralau. Sonntag, den 12. Juni, ver> anstaltet der Jugendausfchuß eine Besichtigung des Botanifchen Gatten» w Dahlem. Treffpunkt mittag» t2 Ubr im Jugendheim. Fahrt hin und zurück 40 Pf. Um rege Beteiligung der Jugendlichen sowie mich Erwachsenen wird ersucht. Das Jugendheim bleibt Sonntag, den 12. und 19. Juni, der Ausflüge wegen geschlossen. «mtlicher Marktbericht der städtischen ZHartthaHen-Direktion Oder den Groybandel in den Zentral-Markthallen. Marktlage: Fleisch: Zutubr schwach, Geichäit still, Preise unverändert. Wild: Zufuhr ge- nügcnd, Gctchäst füll, Preiie wenig verändert. Keslügel: Zufuhr über Bedars, Geschält sehr still. Preise gedrückt. Fische: Zusuhr reichlich. Ge- schält ruhig, Preis« wenig vcrändett. Butter und Käse: Geschäft ruhig, Preiie unverändett. Gemüse, Obft und Südfrüchte: Zu- fuhr genügend, Geschäst Icbhast, Preise wenig befriedigend. WasierftandZ. Nachrichten der LandeSanstalt für Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berlin« Welterbureau. Wasserstand Memel. Tilfi« B r e g e l. Jnsterburg Weichsel, Thom Oder, Ratibor , Krassen . Frankfurt Warth«, Schrimm , Landsberg Netz«, Vordamm Elbe, Leitmctttz , Dresden , Barby . Magdeburg »)+ bedeutet Such»,— Fall. Unterpegel. Theater und Vergnügungen D»»»erStag, den S. Juni. Anfang VI, Uhr. SteneS königl. Opern-Tbeater. Die lustigeu Weiber von Windfor. SSnigl. Schauspielhaus. Die Rabmstewerin. Anlang 8 Uhr. Leffta«. Kasernenlust. Deutsches. Ueber unsere Zbrast. Kommerspielt. Jakoö und Krisloffer. Komlichr Lper. Zierpuppen. Diver- tissement. Neue» Schanspielhaus. Der Flieger. Kleines. Nur»in Trau«.(Ansang Uhr.) Berliner. Taifun. Neues. Die goldene Ritterzeit. Neue« Qvcretten. Der Gras von Luxemburg. Thalia. Charlehs Tante. Hebbel. Wem gehört Helene? Koletterie.(Ansang S'/, Uhr.) Schiller<>.aU»er. Dealer.) Der Bibliothekar. Ech>!ler Charlottenburg. Zapfen- streich. Hrievrich, Bsildelmftädtisches. Sherlock HolmcS. Volksoper. LlaalSanwall Alexander. lAnfang 8'/, Uhr.) No>e. Einjährig-Unfreiwillig. Luftspieldaus. DaS Leutnants- mündel. ivietrovol. Halloh ll— Dt« groß« Revue. Nolles Tapriee. DaS Gespenst. Der Alblet. DaS VersöhnungS- sest. Die verfolgte Uiifchuid. (Ans. 8',. Uhr.) APolio. Spezialitäten. «Lintergarten. Svezialtläteu. g>ai>age. Spezialitäten. ReichSbaDeit.(Stettiner Sänger. Karl Haverland. Spezialitäten. Walballa. Spezialitäten. Prater. Im Reiche des Mar». Urania. Tni.nennrotie iH'iQ, Abend« 8 Uhr: Im Firnenglanz von Oberengadin. Etrinwarie, Jnvalidenstr. 87—82. I�essinx-Ideater. Täglich 8 Uhr: Kasernenlust. öerüner Tkeater. Heute 8 llhr: TalkUIR. Morgen: Dnltru»._ Neues Theater. Abend« 8 Uhr: Die goldene Hilterzeit. Morgen und folgende Tage: Pte goldene Mnae« Operetten-Theotep. Heute und folgende Tage 8 Uhr: Der«ras von Luxemburg. Sonntag nachmittag 3 Uhr, zu er- Mähigl. Preisen: 01, Oollarprinrestlu Friedricti-Wiihelmstadtisciias Schauspielhaus. Donnerstag, 9. Juni, abend» 8 llhr: Sherlock Holmes. Detetttokomödie w 4 Alte» von Ferd Bonn. Morgen und solgende Tag» t _ Sherlock Holmes._ Lustsplelhaus. Abends 9 llhr: Das Leutnantsmündel Volksoper. BW, Velle-Alliance-Strab« Rt. 7/8. Abends 8 Uhr: Slaaisanwallileianöer. IOSE-THEATE rankiurler Str. 132. Abonnem. fflrofec jerannurier Bei ausgehoben, ä Einmalige Aufführun Einjährig-Unfreiwillig. Schwant tu 3 Alten o. V. Laverenz. Ans. 8 Uhr. Ende 11 Uhr. Morgen und solgende Tage: Die Schmuggler. Aus der Gartendühn«: Theater- Vorstellung. Spezialitäten. Gr. Konzert. Ansang 4'/, Uhr._ Metropol-Theater Hallo!!! Die große Revue! In 8 Bildern von Jui Frennd. MuBik v. Paul Linoke. In Szene gesetzt vom Dir. Rieh. Schultz. Anfang 8 Uhr. Rauchen gestattet. Abend» 8 Uhr: Das neue Kolossal. Program«: Abend» 9'/, Uhr: Grete die weltberühmte Tchimpanstn. Gr. Berliner Kuntetelliing 1910 30. April biS S. Oktober. Im Park täglich Doppel-Konzert. Eintritt: 10-8 Ubr 1 M.. 0. 8 Uhr ab S0 Pf, Sonntags 50 Pf. Dauert. 6 M. Urania. Wissenschaftliches Theater Tauhonstr. 48/49. Abends 8 Uhr: Im Plrnenglanz des . Neues Programni! La Tortajada in ihrer neuesten Schöpfung: Abenteuer eines Toreros. 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Freitag, abends 8 Uhr: AiV Hobbs. Sonnabend, abend» 0 Uhr: Jungfer Obrigkeit. Braosrei Friedriclishain Am Ktfnisstor. i Täglich: Große MilitärsKonzerte. Jeden Dienstag nachmittags 3—6 Uhr: Frei s Vorstellung der beliebten fpÜ?" Apollo-Bänger. Unter dem Ppotehtorate S.MJl.de/ Prinzreopntzen luifpolö von Bayern. ih Mai bis Oktober<990 MÜNCHEN 1910 AUSSTELLUNG VON MEISTERWERKEN MUHAMMEOANISCHER KUNST von d«r Zelt der Kalifen bis zur Gegenwart. • Orientoll/ch« Kun/thandwcrkcr an der Arbeit.« Oiferhoifend« Vcron/talfungen. täglich Konzert.OO MU/iKn/Ti: bcNnmnan-Qedenhseiec Richard Strauxr- Woch«. ärethoven-ärohm/CrucKntr-Cyhlur, l'-oufföhrung der fl.J�mphonle vor» Qurfav Möhler. *v/p*Ht*una Au/Kunfi dwxh die Ct/cnöHssttlH Otr Ausstellung. x Aehtnng! Diez9 nur Achtnwic! Seeterrasse Sichtenberg Röder« traße 11/18. Zwischen Landioerger Allee und Räderplatz. Äröftfe« und schönstes Lokol Berlin«. Bei migünstmer Witterung Schutz sür 8000 Personen.- Täglich: Ob teblal eh Regen; ChT. IlkOIl ZCl't. 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