Ur. 133. RbonnefnentS'Rcdlngunsen: Abonnements- Preis pränumerando i Piertcljährl. S�0 Mb, mono», l,l0 Mb, wöchentlich 28 Psg, frei ins Haus. Sinzeine Stummer 5 Pfg, Sonntags. nummer mä' M' i Beilage Abonnement:— R D MD u Eingetragen in die Post-ZeitungS. Preisliste, Unter Krcuzbaist» für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Mark, für das übrige Ausland 3 Mark pro Monat. PostabonnementS nehmen an: Belgien. Dänemark, Holland, Italien, Luxemburg, Portugal, SiumänicHMchweden und die Schweiz, 87. Jahrg. CrttlKint tätlich auBtr Istoniags. Vevlinev VolKsbleM. Die TnfertlonS'Gebfllfr veträgt für die fechsgespaltene ibolonel» geile oder deren Raum bo Pfg„ für politische und gewerkschaftliche Vereins- lind Verfammlungs-Anzeigen A> Pfg. „Aleine Snreigen", das erste(fett- gedruckte) Wort 20 Pfg,, jed-S weiter- Wort 10 Pfg, Stellengesuche und Schlaf- slellen-Anzoigen das erste Wort w Pfg,, jedes weitere Wort 5 Pfg, Worte über 16 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen dis S Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet, Telegramm> Adresse: „?»Ä»Iileii>«l!»t RtrliD1*, Zentralorgan der fozialdeniohrati leben Partei Deutfcblands. Rcdahtiom 8 AI. 68, Ltndcnatraese 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 19S3. 6in Tag der ölawagev. So hat der große Tag, den uns die evangelischen Geistesstreiter im Dreiklassenparlament bescheren wollten, noch schmählicher geendet, als selbst wir es voraussehen konnten. Ter Kampf für die„evangelische Freiheit" fand ein vorzeitiges Ende durch eine frecheund schmählicheVergewal- t i g u n g, die selbst in diesem Paradies der Junker und Pfaffen ein ungewöhnlich starkes Stück ist. Kaum hatten die Herren von Pappen heim und D, Hackenberg, der Vater des berüchtigten Schulloinpromisses, ihre Phrasen gegen Rom heruntergesagt, kaum hatte der sanfte Theobald erzählt, daß der preußische Gesandte beim Vatikan die in solchen Fällen beliebten„Schritte" getan und der Fortschrittler G y ß l i n g unter dem lärn: enden Widerspruch der Rechten die Komödie bloßgestellt, die die Verbündeten, Zen- trum und Konservative, plötzlich als Gegner erscheinen lassen sollten, da dekretierten die Junker auch schon Schluß. Das Zentrum hatte nach einer kurzen Erklärung, sich an der Debatte nicht zu beteiligen, den Saal verlassen, und so wurde der Schlußantrag mit großer Majorität unter stürmischem Widerspruch der Linken angenommen. Der Grund für den gewaltsamen Abbruch der Debatte aber war, um jeden Preis zu verhindern, daß der Sozialdemokrat die elende Heuchelei dieser Komödianten aufdecke und vor allem Volke die Ritter und Heiligen entlarve, die so eng miteinander ver- bündet sind und nun die günstige Gelegenheit, die die unbe- trächtliche Meinungsäußerung der Kurie bot, dazu benützen wollten, um durch einen Kampf mit verteilten Rollen die Aufmerksamkeit des Volkes von diesem Bunde und seinen politischen Verbrechen abzulenken, Aber die Vergewaltigung der sozialdemokratischen Fraktion ist so dumm, als sie gemein ist. Denn gerade dadurch, daß diese Debatte, die der angeblichen Entrüstung des evangelischen Volkes flammenden Ausdruck verleihen sollte, abgewürgt werden mußte, kaum daß sie begonnen worden war, nur um die einzig wirklichen Volksvertreter an der Teilnahme zu verhindern, gerade dadurch wurde das abge- kartete Spiel nun allen sichtbar, wurde die freche Komödie erst völlig deutlich. In einer kurzen, parlamentarisch außer- ordentlich geschickten und inhaltlich schlagenden Weise ent- larvte Genosse H 0 f f m a n n in der sich anschließenden Geschäftsordnungsdebatte die allzu listigen Drahtzieher. Er stellte fest, daß nur die Angst der Konservativen, ihr Techtelmechtel mit dem Zentrum beleuchtet zu sehen, sie zu dem Schlußantrag veranlaßt, daß nur die Furcht, die sozialdemo- kratische Kritik würde sie um jeden Effekt ihrer Jnter- pellationsspielerei bringen, sie zu der schamlosen Vergewalti- gung getrieben hat. Und wenn Hoffmann schließlich erklärte, den Herren die Antwort auf ihre Unverschämtheit in zahl- reichen Versammlungen geben zu wollen, in denen er zum Austritt aus der Kirche auffordern wolle, so kann man nur sagen, daß diese netten Glaubensstreiter im Drei- klassenparlament die Austrittsbewegung wirklich mächtig gefördert haben. Das Verhalten der Konservativen war übrigens um so dümmer, da sie damit nicht nur die Sozialdemokraten, son- dern auch die Liberalen trafen. Und die Nationalliberalen, die sich schon sehr gefreut hatten, ihren Liberalismus so recht glänzen zu lassen, da es sich ja nicht um Politck, sondern um kirchliche Scheinkäinpfe handelt, werden es den Konservativen nicht so bald verzeihen, ihnen das Konzept so gründlich ver. dorben zu haben. So schließt die Komödie ganz programmwidrig. Was eine„Kundgebung des evangelischen Volkes" sein sollte, endet damit, daß die Stimme des Volkes unterdrückt wurde. Und was ein Kampf gegen Rom werden sollte, endet mit einem großen Krach zwischen konservativen und nationalliberalen Geistesstreitern. Der große Tag des Dreiklassenparlaments ist zu einem Tag der schmählichsten Blamage geworden. Wurde der erste Teil der Sitzung zu einem Erfolg der Sozialdemokratie, weil sie am Reden verhindert wurde, so der zweite Teil zu einem noch bedeutenderen Erfolg durch die Reden der Sozialdemokraten. Es handelte sich um die end- gültige Bewilligung der Z i v i l l i st e. Der Byzantinerblock funktionierte prompt. Auch die Fortschrittspartei wagte kein Wort ernsthafter Kritik. Die Sozialdemo- kratie allein erhob Protest gegen die unglaubliche Fri- volität, ohne jede zureichende Begründung Millionen Steuergelder ganz unnützerweise zum Fenster hinauszuwerfen, um höfischen Wünschen zu genügen. Es unterliegt keinem Zweifel, daß die Sozialdemokratie in ihrer scharfen Opposition gegen die Gehaltserhöhung des preußischen Königs nicht nur im Namen der deutschen Arbeiterklasse, sondern darüber hin- aus im Namen der überwältigenden Mehr- h e i t des deutschen Volkes gesprochen hat. Es ist nur die Feigheit dev bürgerlichen Parteien und der bürgerlichen Presse, die die wahre Stimmung der Bevölkerung gegenüber dieser byzantinischen Knechtseligkeit nicht zum Ausdruck kommen ließ. Auch diesmal wieder hat sich die Sozialdemo- kratie als die einzige unerschrockene Vertreterin der Volks- interessen bewährt.» Ihre Stellung wurde durch Adolf Hosfmann glänzend zur Geltung gebracht. In seiner Rede kam der prächtige proletarische Klasseninstinkt, der ihn auszeichnet, MÄhtig zur Geltung, und gegenüber de« unchrlichen Argumenten, mit denen der glatte Herr von R Heinbaben die höfischen Wünsche in der ersten Lesung verteidigt hatte, machte die zornige Entrüstung, die in seiner Rede bebte, um so stärkeren Eindruck. Nicht ein Satz, den Rheinbaben ge sprachen hatte, blieb unwiderlegt. Die ganze Oberflächlichkeit, die durch und durch unehrliche Manier der immer wiedev kehrenden Sophismen wurde aufgedeckt. Was Herr v. RHem baben an Zahlen vorgetragen hatte, das wurde als falsch nachgewiesen: seine hetzerischen Phrasen gegen die Sozialdemo kratie, sein vollständiges Unverständnis der Gewerkschasts bewegung, der sozialen Kämpfe der Arbeiterklasse überhaupt so gründlich aufgezeigt, daß selbst die Gegner die Empfindung haben mußten, daß ein gutes Stück dies Renommees dieses eingebildeten Bureaukraten zerstört worden ist. Der Liebling der Junker war gründlich blamiert. Aber Hoffmann be- schränkte sich nicht nur auf die Polemik mit dem Herrn Finanz. minister. Seine Rede war darüber hinaus ein äußerst wirkungsvoller Protest gegen die Frivolität, von der Not- wendigkeit einer Einkommenserhöhung der Hohenzollern zu sprechen, wo die Massen des Volkes noch immer bittere Not leiden. Es warep Töne, die im Geld- sacksparlament nicht oft gehört worden sind und die dort auch kein Echo wachrufen werden. Um so größer wird aber das Echo sein, das Hoffmanns Worte draußen im Lande erwecken werden. Vergebens versuchte Herr von Rheinbaben durch eine Entgegnung die Ausführungen Hoffmanns zu entkräften. Der ganze Effekt war, daß Genosse Hirsch in der dritten Lesung der Zivilliste Gelegenheit nahm, die kaum mehr ernst zu nehmenden Phrasen gebührend zu kennzeichnen. Das Schicksal der Vorlage war natürlich von vornherein entschieden. Der Byzantinerblock nahm sie gegen die Stimmen der Sozialdemokraten an. So endet der Kampf gegen das persönliche Regiment bei den bürgerlichen Par- teien. Vor den Wünschen des Hofes wurden sie alle gleich. Wir wollen hoffen, daß sie alle auch von dem Unwillen des Volkes gleich gewertet werden. Hönlg Csudrat. Ein Prozeh, der ein bezeichnendes Licht auf die preußische Ver- waltung wirft, wird zurzeit in Siegen vor der deiachierten Straf- kammer des dortigen Amtsgerichts verhandelt. Oberflächlich be- trachtet, handelt es sich nur um das Regiment eines einzigen Beamten, des Landrats des Kreises Wittgenstein, eines Dr. Schröder. Der Fall erweitert sich aber zu einer für die ganze preußische Ver- waltung bezeichnenden Affäre, weil alle Beschwerden, die gegen den schneidigen Herrn Landrat bei seiner vorgesetzten Behörde erhoben wurden, abgelehnt worden sind. Und als dann schließlich in einem sozialdemolratischen Blatte die Sache an die Ocffcntlichleit gebracht wurde, da wurde nach alter preußischer Tradition nicht gegen den kompromittierten Beamten vorgegangen, sondern gegen den Kritiker, der das öffentliche Interesse gegen den Herrn Landrat zu wahren suchte, Anklage wegen Beleidigung erhoben. Gekrönt wird diese Haltung der vorgesetzten Behörde des Herrn Landrats Schröder durch den Umstand, daß sie im Prozeß den von dem Angeklagten geladenen Untergebenen des Landrats die Er- laubnis zur Aussage über dienstliche Vorgänge verweigert, gestützt auf den viel mißbrauchten Paragraphen des Straf- gesetzbuchs, wonach die vorgesetzte Behörde dem als Zeugen vor Gericht geladenen Beamten die Aussage über dienstliche An- gelegenheiten verbieten darf, wenn die Geheimhaltung zum Wohle deS Deutschen Reiches oder eines Bundesstaates geboten i st. Inwiefern diese Bedingung auf die AuSsageverbote in diesem Prozesse zutreffen, werden die Leser auf Grund unserer Mitteilungen über die Prozeßverhandlung selbst beurteilen können- Jedenfalls hat die Verweigerung der Aussageerlaubnis zur Folge, daß den Angeklagten die volle Aufklärung der An- gelegenheit sehr erschwert wird, so daß dem Gericht unter Umständen wegen dieser von der borgesetzten Behörde des krinsierten Landrats erzwungenen UnVollständigkeit der Beweis- aufnähme zu der Ansicht kommen könnte, der Wahrheitsbeweis sei nicht vollständig erbracht und also müffe Verurteilung der Angeklagten erfolgen. Wir halten daS allerdings diesmal schon nach der Beweis- aufnähme des ersten Tages für ausgeschlossen, denn sie hat über das Regiment deS Herrn Landrats schon so viel gravierende Dinge so zweifelsstei ergeben, daß das Urteil der Oeffentlichkeit über Herrn Dr. Schröder heute schon feststehen dürfte. Dieser Herr hat den Kreis Wittgenstein in einer Weise„regiert", die man milde als„Selbstherrschertum" bezeichnen könnte. Er hat seine amtliche Macht bedenkenlos in seinen persönlichen Angelegenheiten benutzt und im übrigen den amtlichen Apparat rückhaltlos in den Dienst eines kleinen Kreises von Honoratioren gestellt, die sich an- scheinend besonders in landwirtschaftlichen Kreisen zusammenfanden. Die Kreisinteressen waren dem Herrn Landrat die Interessen dieses Vereins, und im übrigen ging seine Sorge besonders darauf hinaus, den nötigen Abstand zwischen der Kaste der Honoratioren und der gewöhnlichen Menschheit zu wahren. Er hat es auf die Weise fertig gebracht, weite Kreise als nicht zu der Kaste der Honoratioren ge- hörigen Bürgertums zn erbittern, daß die Drohungen mit dem „Sozialdemokratischwerden" eine nicht mehr seltene Erscheinung wurden, und daß schließlich ein nationalliberalcs Blatt der Gegend, die Siegener„Volkszeitung", die Anllageartikel unseres Frankfurter Parteiblatts, der.Volksstiinme", gegen den nationalliberalen Landrgt wiedergab. Expedlkiont 8Äl. 68, Jundcnetrasee 69» Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1981. Deshalb sitzt jetzt neben dem Genossen Zielowski, dem Verantwortlichen der Frankfurter„Volks stimme", auch der Redakteur Riedel des nationalliberalen Siegener„Volks- blattS" auf der Anklagebank. Den Genossen Zielowski hat man seinem ordentlichen Gerichtsstand, dem Frankfurter Landgericht ent- zogen, indem man noch zwei Einwohner der Landratsresidenz Berleburg, die die Nummer des Frankfurter ParteiblatteS mit den inkriminierten Artikeln im Kreise verbreitet haben, den Bauunternehmer R 0 m p e l und den Gastwirt Achenbach, mit in den Prozeß hineinzog. Sie werden als Gehilfen Zielowskis betrachtet und damit soll nach Ansicht des Siegener Gerichts die Möglichkeit gegeben sein, den Genossen Zielowski ebenfalls in Siegen anzuklagen. Sein Protest gegen dieses Verfahren wurde abgewiesen, vorher hatte übrigens auch schon das Oberlandesgericht Hamm so entschieden. Wir können den Inhalt der inkriminierten Zeitungsarktikel, die iir der Form äußerst vorsichtig gehalten waren, vorerst übergehen, da die darin aufgestellten Betrachtungen sich aus der Beweisaufnahme ergeben. Aus dieser, die am Dienstag begann, wollen wir die wichtigsten Stellen wiedergeben: Die Verteidigung des Genossen Zielowski liegt in den Händen der Rechtsanwälte Dr. Levi-Frankfurt a. M. und Wolfgang Heine-Berlin, die der Angeklagten Riedel und Acheubach führt Rechtsanwalt Dr. Bellebaum-Siegen, die des An- geklagten Rompel Rechtsanwalt> Dr. Frey- Siegen. Landrat Dr. Schröder hat sich dem Verfahren als Nebenkläger angeschlossen und wird durch den Rechtsanwalt Dr. Dörffel-Marburg vertreten. Der Regierungspräsident von Arnsberg hat den Oberregierungs- rat von Sisevius beauftragt, dem Prozeß beizuwohnen und über die Zulässigkcit der Aussagen von Beamten über dienstliche Dinge zu entscheiden. Die Angeklagten Rompel und Achenbach erklärten, durch den Laudrat schwer geschädigt worden zu sein. Rompel war voin Land- rat der Bau einer Herberge übertragen worden. Als der Bau aber in Angriff genommen werden sollte, verweigerte der Landrat die Konzession. Rompel behauptet, daß er keine Ahnung habe weshalb, ein Grund habe nicht vorgelegen. Er führte dann weiter aus: Ich habe mich, da ich dadurch ganz unendlich geschädigt war, beschwerdeführend an die Arnsbergische Regierung gewandt, ich wurde aber abschlägig beschieden. Einige Zeit darauf erhielt ich den Auftrag, bei einem Bahnbau Dynamit zu liefern. Der Land- rat verweigerte mir aber den Dynamitschein. Auf meine Vorstellung beim Landrat, sagte ich diesem: Wenn ich den Dynamitschein nicht erhalte, dann bin ich ruiniert. Da sagte der Landrat: Sie haben sich ja auch über mich bei der Regierung beschwert. Jawohl, das habe ich getan, bemerkte ich, ich will doch leben. Damit Sie bestimmt ruiniert werden, antwortet der Landrat, werde ich auch Ihrem Oücrarbciter den Dynamitschcin entziehen. (Große Bewegung im Zuhörerraum.) Ich habe durch den Landrat in einem Jahre für 10 000 M. Schaden gehabt. Der Landrat verweigerte später bei seiner Zeugenvernehmung, als ihm von dem Verteidiger Rompels die Frage vorgelegt wurde. weshalb er diesem den Dynamitschein entzogen habe, die Antwort, denn das sei eine d i e n st I i ch e Angelegenheit. Als der Ver- teidiger weiter fragte, ob der Landcat zu Rompel gesagt, er werde ihn vernichten, berweigrrte Dr. Schröder auch darauf die Antwort. Auf den Hinweis des Verteidigers, daß der Zeuge dazu nicht be- rechtigt sei, sprang der Vorgesetzte drs Landrats, der Oberregierungs- rat Sisevius dem Herrn bei, er meinte, diese Bemerkung stehe nicht zur Anklage, er könne daher die Genehmigung zur Antwort nicht erteilen. Von den Verteidigern in die Enge getrieben, stellte der Herr OberregicrungSrat schließlich die Beantivortung anheim. Die Verteidiger verzichteten indes schließlich darauf. Der Angeklagte Achenbach erzählte, daß der Landrat ihn ver- anlaßt habe, die Turnhalle in Berleburg zu pachten, er habe für 1000 M. Möbel dazu anschaffen muffen. Der Landrat beschwichtigte seine Bedenken mit dem Versprechen, er werde ihm die Betriebs- fteuer erlassen und dafür sorgen, daß alle landwirtschaftlichen Ver- sammluiigen, Musterungen und Kaiser-GeburtStagsfestessen in der Turnhalle stattsinden. Es habe aber nur eine einzige landwirtschaft- liche Versammlung dort stattgefunden und die Betriebssteuer sei nicht erlassen worden. Der Landrat betont als Zeuge, Achenbach zur Pachtung und ihm die behaupteten Versprechungen gemacht zu haben. Außer- dem habe er später gehört, daß Achenbach schon vor zwei Jahren aus dem landwirtschaftlichen Kreisverein ausgetreten sei und anderer- seits sei eS auch bei der einen landwirtschaftlichen Versammlung in der Turnhalle furchtbar kalt gewesen. Auch das Essen sei kalt und schlecht gewesen. Ein anderer Hotelwirt von Berleburg will vom Landrat durch ähnliche nicht gehaltene Versprechungen geschädigt sein. Der Stief- söhn dieses Zeugen bekundet, er habe dem Landrat gesagt,„wir haben unsere Säle unter großem Kostenaufwand vergrößert und verschönert, und nun wollen Sie uns alles entziehen?" Der Landrat habe darauf keine Antwort gegeben. Auch hier wollte der Landrat nichts versprochen haben und zog sich hinter biv Beschlüsse des Komitees für die KaisergeburtStagS« feier zurück. Einem Bäckermeister Kahser ist die Lieferung von Backwaren für das Kreiskraukenhaus entzogen worden, weil er aus den: land- wirtschaftlichen Kreisverein ausgetreten war. Das gab der Landrat zu, allerdings behauptete er außerdem, daß die Ware nicht gut gewesen sei. Indessen erklärte er ganz offen:„Da cS Gepflogenheit des KrcisanSschnsses ist, Leute, die sich weigern, dem landwirtschaftliche» Krcisvcrcin anzugehören» auch nicht durch Lieferungen zu unterstützen, habe der KreisauSschuß beschlossen, dem Bäckermeister die Lieferung zu entziehen." Auf Vorhalt des Genossen Heine gab der Landrat zu, den be- treffenden Antrag als Vorfitzeiider beS KreisansschMB gestellt zu haben. Ebenso mußte er auf eine weitere Frage Heines zugeben, baß er dem Btickermeister durch den Kreisauitsbotcn habe bedeuten lassen, er solle seine Beitrüge an den landwirtschaftlichen Krcisvercin einschicke», sonst werde ihm die Lieferung für das Kreiskranleiihaus entzogen! Z)c persönlichen Interessen des Herrn Landrats spielen mit bei Entziehung der Milchlieferung für das KreiskrankenhauS, die einen Milchhcindlcr traf, der auch dem landrätlichen Haushalt die Milch lieferte. Der Herr Landrat wollte zuerst vor allen anderen Kunden bedient sein, als der Milchhäudler das nicht bewerkstelligen konnte, verlor er auch die Lieferung für das Krankenhaus. Der Herr Land- rat meinte bei seiner Zeugenvernehmung freilich auch, die Milch sei nicht gut gewesen, er hat sie aber nicht amtlich untersuchen lasse», weil sie.nicht direkt schmutzig" war. Bei der Leitung des Kranken- Hauses hat er nicht wegen der Milch angefragt. Mehrere Zeuge», die von demselben Händler die Milch bezogen, erklärten sie für sehr gut, ebenso die Oberin des Krankenhauses, die außerdem noch auf Befragen ZielowskiS die interessante Mitteilung machte, daß die Frau Landrätin die Milch für das Krankenhaus abbestellte. Der Herr Landrat set eine? TageS mit Frau Gemahlin ins Kranken- haus gekommen. Da sagte die Frau Landrätin: die Milch wird von Spieß nicht mehr bezogen, ich habe sie bereits abbestellt und werde sie Ihnen von anderer Seite beschaffen. Der Herr Landrat sagte gar nichts.— Auf die Bemerkung des Genoffen Zielowski, daß die Frau Landrätin doch gar nicht dazu berechtigt sei, meinte der Vorsitzende unter allgemeiner Heiterkeit: Die Frau Landrätin ist gewissermaßen die Mutter des Kreises. Einem jüdischen Lehrer hat der Landrat auf der Straße gesagt, er solle ihn.ordentlich" oder lieber gar nicht grüßen. Als der Lehrer das nächste mal nicht grüßte, erhielt er eine amtliche Bor- ladung aufs LaudratSamt. Er ging nicht hin, weil der Landrat nicht sein Vorgesetzter ist. Der Landrat erklärte dazu, er habe geglaubt, der Lehrer unterstehe ihm. Er behauptet, der Gruß sei wirklich nicht„ordentlich" gewesen, was der Lehrer energisch bestreitet, worauf beide Zeugen dem Gericht mit dem Hute vordemonstrieren mttffen, wie stark nach ihrer Meinung in besagtem Falle der Hut gelüftet wurde. Dem KreiSamtsboten Honnighauscn hat der Landrat eS schwer verdacht, daß er sich zum Vorsitzenden des Kriegervcrein« wieder- wählen ließ, nachdem von anderer Seite zwei Offiziere der Land- wehr, der Bürgermeister Hornung und der Kammerdirektor Dornfels vorgeschlagen waren. Zeuge Honuighausen bekundete: Am folgenden Morgen wurde ich vom Landrat in sein Bureau bestellt. Der Landrat schrie mir entgegen: Wie kommen Sie dazu, sich wieder zum Vorsitzenden des Kricgervereins wählen zu lassen? Ich antwortete: Ich habe ablehnen wollen, wurde aber von meinen Freunden geradezu zur Annahme gedrängt. Sie hätten, nachdem ein Offizier als Ihr Gegenkandidat vorgeschlagen war, alles aufbieten müssen, daß der Offizier gewählt werde, versetzte der Landrat. Ich antwortete: Ich sei dazu außerstande.— Vorsitzender: Der Herr Landrat soll zu Ihnen gesagt haben: Sie sind nicht wert, Staatsbeamter zu sein.— Zeuge: Da» ist richtig. — Vorsitzender: Der Herr Landrat bestreitet das mit vollster Eni- schiedenheit.— Zeug«: Das hat der Herr Landrat ganz bestimmt gesagt.— Vorsitzender: Der Herr Landrat soll zß Ihnen auch gesagt haben: Der Verein ist nicht wert, dem deutschen Kriegerverbande anzugehören, und nicht würdig, eine Fahne zu führen?— Zeuge: Jaivohl, das hat der Herr Landrat auch gesagt. Der Zeuge ist anS dem Dienst geschieden. Der Landrat. ehe- maliger Vorgesetzter des Zeugen, verweigert die Genehmigung zu der Beantwortung der Frage, weshalb der Dienstaustritt erfolgte. Er findet dabei den Beistand des OberrcgierungSratS Siseviui, der trotz des Vorhalt? der Verteidigung, daß durch die Beant- tvortung dieser Frage unmöglich das Wohl des Deutschen Reiches oder Preußens gefährdet wer. den könne, dabei bleibt, daß die Genehmigung nicht er- teilt werden könnet Der Herr erklärte auch außerdem am Schluß der Sitzung, daß er sämtlichen Beamten,, die als Zengcn vorgeschlagen werden, die Genehmigung zur Aussage verweigern werde. Der Gerichtshof beschloß daher, nur vier Nichtbcamte als Zeugen zu laden. Uebrigens werde durch die Frage an den Zeugen Honnighaufen, ob er außer- dienstlich von Beamten gehört habe, sie seien vom Landrat so behandelt worden, daß sie Selbstmord begehen möchten, die Feststellung ermöglicht, daß allerdings zwei Beamte, Weber und Scholz, gesagt haben, sie würden wegen der Behandlung durch den Landrat zum Revolver greisen, wenn sie nicht Familien- Väter wären! Am Mittwoch und Donnerstag ruht der Prozeß wegen anderer Verhandlungen, am Freitag soll er fortgesetzt werden. politircbc Qcbcrlicbt Berlin, den 9. Juni 1910. Slninrna cnm lande— entlassen? Die„Norddeutsche Allgemeine Zeitung"" der» öffentlicht ein allerhöchstes Handschreiben, das Herrn Dernburg anläßlich seines Ausscheidens aus dem Amte zugegangen ist. ES lautet: „Da Sie zu Meinem Bedauern auf dem Wunsche bestanden haben, aus Ihrem Amte als Staatssekretär des Reichökolonwl- amts entlassen zu werden, habe Ich Mich entschlossen, Ihnen durch Order vom heutigen Tage den erbetenen Abschied in Gnaden zu bewilligen. Ich spreche Ihnen hierbei Meine vollste Anerkennung für die hervorragenden Verdienste aus, die Sie sich in vierjäb- riger, an Erfolgen reicher Arbeit um die Entwickcluna der beut» schen Schutzgebiete erworben haben. Als Zeichen dic>er Meiner Anerkennung habe Ich Ihnen die Brillanten zum Roten Adler- orden erster Klasse verliehen und die Generalordenskommission beauftragt. Ihnen die Dekoration zugehen zu lassen. Ihr wohlgeneigter Kaiser und König Wilhelm. I. R." Das offiziöse Organ fügt diesen Worten hoher Anerkennung noch weitere Schmeicheleien hinzu. Wenn Exzellenz T«rnburg sich nicht habe entschließen können, sein Amt noch weiter fortzuführen, so sei das Bedauern darüber nicht am wenigsten leb- Haft beim Reichskanzler, der in ihm„einen tatkräf- tigen, unermüdlichen und sachverständigen Mit- a r b e i t e r auf einem Gebiete geschätzt" habe,„das wesentlich er st durch Dernburgs Tätigkeit zu einem ver. heißungsvollen Fruchtseld geworden" sei. Das Blatt bestätigt auch, daß Dernburg bereitsvor Jahresfrist dem Reichskanzler seine RücktrittSabsichtcn angekündigt und sie dem jetzigen Reichskanzler bei dessen Antritt wiederholt habe. Auch diese Darlegungen beweisen nicht das geringste gegen die Ausfassung der Ursachen des Rücktritts für Dernburg, die wir in unserem ersten Artikel dargelegt haben. Der liberale Kolonial- sekretär ist bereits seit geraumer Zeit bei seinem Bestreben, die Kolonialpolitit nach großkapitalistischen Interessen zu gestalten, sowohl innerhalb der maßgebenden bürgerlichen Parteien, als auch der Kolonial» burcaukratie und der Ansiedler selbst auf so heftigen Widerstand gestoßen, daß er die Ucberwindung dieser Schwierig. leiten schließlich für eine Unmöglichkeit ansah. Die völlige AuS- schaltung des Liberalismus aus der Reichs- und Staatspolitik mag für ihn nur ein Grund mehr gewesen sein, an der dauernden Festhaltung seines kolonialpolitischen Standpunktes zu verzweifeln. Als kluger Mann hat Herr Dernburg nicht erst das Ge- gan genwerden abgewartet» sondern selbst seinen Ab- schied eingereicht. Wie man dabei freilich im letzten Ende von einem freiwilligen Ausscheiden zu reden vermag, dürfte das Geheimnis des„Berliner Tageblatt" bleiben. Dernburgs Viachfolger. Wie fcer„Reichsanzeiger" mitteilt, hat der Kaiser das Entlassungsgesuch des Staatssekretärs Dernburg genehmigt und den Unterstaatssekretär im Reichskolonialamt v. L i n d e. q u i st zum sttachfolger Dernburgs ernannt. Ter„Berliner Lokalanzeiger" nennt als?!achfolger des Unterstaatssekretärs v. L i n d e q u i st den Akinisterialdirektor Dr. C o n z e. In das Amt des Gouverneurs für Südwest- afrika soll der bisherige Gouverneur von Kamerun Dr. S e i tz eintreten.__ Konservative Verleumdungstaktik. Zu einem Zusammenstoß zwischen dem konservativen Ab- geordneten Graf v. Westarp und Genossen Hoch kain es heute in der Reillfsversicherungsordnungs-Kommission des Reichstags. Graf v. Westarp hatte gegen die Aeußerung des Genossen Hoch protestiert: die Konservativen wollten durch eine Ausnahmebestimmung die Krankenversicherung der land- wirtschaftlichen Arbeiter illusorisch machen. Im An- schluß hieran fragte Graf v. Westarp den Genossen Hoch, was er antworten würde auf die Behauptung: die Sozialdemo- traten wollten nur aus Parteiinteresse, ohne Rücksicht aus die Interessen der Arbeiter, alle landwirtschaftlichen Arbeiter unter die Leitung sozialdemokratischer Kassenvorstände brin- gen? Genosse Hoch antwortete: Er würde sich freuen, wenn alle landwirtschaftlichen Arbeiter unter die„Leitung sozial- demokratischer Kassenvorstände" kämen— aber nicht aus Parteiinteresse sondern weil er überzeugt sei, daß erst dann die Krankenfürsorge für die ländlichen Arbeiter so gut, wie nur irgendmöglich durchgeführt werde. Tarauf erhob sich der konservative Parteiführer mit der ganzen Wichtigkeit, die er sich beilegt, und erklärte: er nähme zu den Akten, daß die so- zialdemokratische Partei nach dem Zeugnis des Herrn Hoch nur aus Parteiinteresse ohne Rücksicht auf das Interesse der Arbeiter die Arbeiterschaft unter die Leitung der sozial- demokratischen Kassenvorstände bringen wolle. Dies würden die Sozialdemokraten noch oft zu hören bekommen. Ge- nosse Hoch stellte fest, daß er klar und deutlich das Gegenteil von dem gesagt habe, was ihm jetzt Graf v. Westarp unter- stellt habe. Er nähme, fügte er hinzu, zu den Akten, daß Graf v. Westarp es fertig bringe, in einer solchen Tis- kussiop die Worte eines Kollegen in ihr Gegenteil zu ver- drehen.„Ich verbitte mir eine so unparlamcntarische Bc- leidigun�," schrie jetzt Graf v. Westarp durch den Saal.„Und ich pxrbltte mir eine so unparlamentarische Verdrehung meiner Worte," antwortete Genosse Hoch in demselben Tone. Damit war der Zwischenfall erledigt. Trotz dieser Klarstellung wird sicherlich die v. Westarpsche Verdrehung ihren Weg durch die Reichsverbandsprcsse machen. Ihr ist keine Sache zu dumm, um sie nicht gegen die Sozial- demokratie auszuspielen._ Noch ein Tcharfmacherblatt gegen den Byzantinerbloch. Gleich der„Rh eint s ch- W e stf ä Iis ch en Zeitung" wenden sich anch die„Hamburger Nachrichten" gegen die Stellungnahme der bürgerlichen Parteien bei der Erhöhung der Zivilliste. Da Herr Fischbeck sich am Donnerstag die drollige Bemerkung gestattete, daß das Volk mit den B e- w i l l i g c r n der Liebesgabe für die Krone einverstanden sei. aber für die Stellungnahme der Sozialdemokratie kein Ver- ständniS haben werde, wollen wir ihm hiermit die Kritik zu Gemüts führen, die sogar ein großkapitalistisches, rechtsnationalltberales Blatt an dem Verhalten der bürgerlichen Parteien zu üben nicht umhin kann. Die „Hamburger Nachrichten" schreiben: „Die gestrigen Berhandlungen des preußischen Abgeordnetenhauses über die Zivilliste haben lediglich bestäligt, daß alle Par- teien deS HauseS, natürlich mit Ausnahme der sozialdemokratischen, die Mehrforderung bewilligen werden. DaS kann sicherlich unter manchem GestchtSpiinkte befriedigen. Gleichwohl glauben auch wir, daß es nicht richtigvon den bürgerlichen Parteien war, die ganze Kritik an der Finanzwirtschaft deS HofeS, die sich bei dieser Gelegenheit von selb st ergab, der Sozialdemokratie zu über« lassen. Es hätte sicher einen gute» Eindruck im Lande gemacht, wenn sie von bürgerlicher Seite in aller Ehrerbietung vor dem Monarchen c r n st und würdig erfolgt wäre. S o mancherlei würde doch zi» sagen gewesen sein, namentlich in einem Momente, wo man bereit war, dem Könige zur Bestreitung seiner Hofhaltung weitere Millionen zur Verfügung zu stellen. ES wäre u. a. darauf hinzuweisen ge- wesen, daß wenn die Mittel nicht ausreichten, dies nicht nur in der Verteuerung der Lebensverhältnisse liege, sondern auch an Ausgaben, über deren Notlvendigkeit die Ansichten mindesten» ver- schieden sein konnten, hierher gehören so zum Beispiel die Millionenschöpfung der SiegeSallee mit ihren steifen Denkmalspuppen, der Ankauf des Marmor- fchlosses auf Korfu und manches andere, das weder vom deutsch-nationalen, noch künstlerischen, noch vom repräsentativen Standpunkt zu erklären ist. Es hätte auch darauf hingewiesen werden sollen, daß die Regierung selbst das Motiv der Sparsamkeit in allen Tonorten habe erklingen lassen, damit in den nächsten Jahren nicht noch schwerere Steuerlasten dem Volle aufgebürdet zu werden brauchten. An der Rede, die Herr v. Rheinhaben gehalten hat, um die Notwendigkeit der Erhöhung der Zivilliste dorzutun, vermissen wir u. a. da« Eingehen auf die Kritik, die an einzelnen Punkten der Begründung der Vorlage in der bürgerlichen Presse geübt worden ist. Der Minister hat zwar dem sozialistischen Redner widersprochen, der die Bc- gründung der Vorlage insofern als falsch bezeichnet hatte, als sie den Verzicht der Krone auf die Domänen und Forsten unter Vorbehalt nur einer festen Rente alö einen Akt der Selbst- losi gleit hingestellt habe, und erklärt, er müsse an dieser Auffassung durchaus festhalten. Es hat daran erinnert, daß die Domänen und Forsten seiner Zeit dem Staate über- lassen worden seien, um das tief daniederliegende Land auf- zurichten und zu heben. Aber mit keiner Silbe at er den Einwand widerlegt, daß die dem ande überlassene Kronendomänen von Recht» wegen überhaupt nicht dem Monarchen, sondern dem Staate gehört hätten. WaS aber den Exlurs des Ministers auf die sozialpolitischen Leistungen de» Reiches betrifft, so wissen wir absolut nicht, welcher Zusammen- hang zwischen ihnen und der preußischen Zivil- liste b e st e h t!" Wenn so selbst Blätter urteilen, die fast mehr zu den reikonservativen als zu dem äußer st en rechten lügel der Nationalliberalen gehören, können sich die Herren vom Byzantinerblock wohl eine Vorstellung da- von machen, wie das Volk über die Verschleuderung der 3'/, Millionen denkt!_ Zur Liebesgabe an die Hohenzollern. Ein ehemaliger'Offizier schreibt uns: Das regierende Haus Hohenzollern kommt also mit seiner bisherigen Tages- einnähme von 43 000 M. nicht mehr aus, sondern braucht alle 24 Stunden unbedingt 82 600 M. Natürlich ist das Geld nach Ansicht der bürgerlichen Parteien da. Man dreht die Steuerschraube aufs neue ein bißchen um und das Haus Hohenzollern brauchtam Abend nicht mehrHeringe und Kartoffeln zu essen. Wir erinnern uns hier an die Zeit, in der das jetzige Militärpensionsgesetz geschaffen wurde. Da hegten die Pensionisten der unteren und untersten militärische� Chargen die stille Hoffnung, daß das neue Gesetz rückwärtige Geltung erhalten werde, denn die Pensionen waren bis zur Majors- stelle aufwärts doch gar zu jämmerlich. Aber in diesem Falle hat die hohe Obrigkeit sich nicht um das Sinken des Geld- wertes, auch nicht um die Familien der Pensionisten ge- kümmert, obwohl hier meistens tvirklicher Mangel, wirkliche Not in Betracht kanien. Allerdings war das Reichsangelegen- heit, aber wenn Preußen so viel Geld hat, daß es das Gehalt der regierenden Hohenzollernfamilie im Tage um 9600 Mark aufbessert, dann sollte man glauben, daß auch das Reich genug Geld besitzt, um neuen Pensionsgesetzen, die alle mit den steigenden Lebensmittel- und Äohnungspreisen begründet werden, rückwirkende Kraft zu verleihen. Fast �ur nämlichen Zeit, in der den„gemeinen" Soldaten die kärgliche Sold- aufbeffernng von 8 Pf. pro Tag verweigert wurde, erhält die regierende Familie im Tage nahezu 10000 M. mehr. Das macht natürlich einen famosen Eindruck und dient sehr zur Erhaltung des monarchischen Prinzips. Noch ein mandatsmüder Freisinniger. Es wird gemeldet» daß der preußische Landtagsabgeordnete abrikdirektor Dr. Berschel(Fortschr. Vp.), der den zweiten erliner Wahlkreis vertritt, wegen andauernder Krankheit sein Mandat nicht weiter behalten will. Dr. Berschel wurde im Jahre 1808 mit 345 freisinnigen gegen 107 sozialdemokratische und 14 konservative Wahlmännerstimmen gewählt. Westfälische Nationalliberale. Die, W e st f. Pol. N a ch r.". die offizielle national- liberale Parteikorrespondenz für Westfalen, schrieben dieser Tage folgende«: In der Wahlrechtsreform waren Zentrum. Sozialdemo- traten und Freisinnige unsere Gegner. Desgleichen die Jungliberalen. die überhaupt„nun und nimmermehr nationalliberal sind".„Darum sind Fortschrittspartei und Jungliberale unsere Gegner, weil sie in der Forderung des ReichSIagSwahlrechtS die Verbündeten der Sozialdemokratie sind." Auch gegen Baffcrmann wird scharf polemisiert. Da? alte <1837 er) Kartell zwischen Konservativen, Freikonservativen und Nationalliberalen ist wiederherzustellen. Die Fortschrittliche Volks- Partei und die Jungliberalen find auszuschließen, die letzteren auch auS dem engeren nationalliberalen Parteiverbande auszuscheiden. Die Parole heißt nicht:„Erneuerung deS Blllowschen Blocks", sondern„der mittclparteiliche Block deS schaffenden Bürgertum» in Stadt und Land auf schutzzöllnerischer und nationaler Grundlag,.' Hinter diesen Aeußerungen stehen die Nätionalltberalen des rheinisch-westfälischen Jndustriebezirk». Prinzipiell für Bestialität. Die„TimeS" berichtet aus Tanger folgende neue Bestialitäten: Nachdem Mulay Hafid den Haj-Benatsia, den Gouverneur von Fez, vor«inigen Wochen in» Gefängnis hatte werfen lasten, weil dieser ihm nicht verraten wollte, wo er den Schatz ver- graben habe, in dessen Besitz ihn der Sultan glaubte, ließ er auch die Frauen des Gouverneur« gefangen nehmen. Die erste Frau wurde in grausamer Weise gefoltert, weil sie ebenfalls nicht angeben wollte, wo sich der Schatz befinde, der in Wirklichkeit gar nicht existiert. Ihre Hände wurden in nasse Häute eingenäht, was furchtbare Schmerzen verursachen soll. Ihre Brüste wurden zwischen Holzbretter«in- geschraubt, und schließlich wurde sie an den Händen aufgehängt, so daß sie bald st a r b. Räch den letzten Nachrichten aus Fez werde gegenwärtig der Sohn de» Benaissa gefoltert und Benaissa selbst soll infolge der grau- samen Behandlung dem Tode nahe sein. Der Korrespondent erinnert hierbei daran, daß Mulah Hafid erst vor vierzehn Tagen den Vertretern der europäischen Mächte in Tanger das Versprechen gab, künftighin alle grausamen Bestrebungen zu unterlassen, und fragt, wie lange sich noch die Mächte diese Grausamletten gefallen lasten wollten. Mulay Hafid stehe ganz unter dem Einflüsse von Betäubungsmitteln und befinde sich oll in einem Zustande, in dem er schwer von den furchtbarsten Grausamkeiten abzuhalten sei. Der Korrespondent behauptet, von mehreren einflußreichen Mauren gebeten worden zu sein, die Grausamkeiten des Sultans den Mächten bekannt zu geben. Die„Deutsche Tageszeitung", die diese Mel- dung wiedergibt, macht dazu folgenden gemütvollen Witz: „Statt an die Mächte sollte sich der Korrespondent doch lieber an die Marokkaner wenden. Die Mächte werden ja gar nicht grausam behandelt." Knuten-Oertel ist eben prinzipiell für die Bestialität. Und dann wundert sich das alldeutsch-agrarische Gesindel noch, wenn das Ausland mit solchem Hasse von den in Deutschland Herrschendon spricht und mit einem auS Mitleid und Verachtung gemischten Gefühle von dem Volke, das sich von solchen Kerlen und ihren Gesinnungsverwandten be- herrschen läßt._ Anarchistenriecherei. Di« Polizei im rheinisch-westfälischen Industriegebiet ist scharf auf der Anarchistensuche. Ein Mitglied der sozialdemolratischen Partei in Essen, da» der Wisienschast halber den„Freien Arbeiter" liest, wurde dieser Tage zur Polizei zitiert und dort unter den, Verdacht, Anarchist zu sein, zwangsweise photographier t. Die famose deutsche Rechtsprechung hat bekanntlich der Polizei attestiert, daß sie ein Recht zu solcher Freiheitsberaubung hat. Oeltemicb. , Heer und Wahlfreiheit. Wien, y. Juni. Abgeordnetenhaus. Bei Besprechung der gestern vom Ministerpräsidenten Jrhrn. v. Bienerth beantworteten Interpellation über die Verwendung österreichischer Truppen bei den Wahlen in Ungarn erklärten die Abag. Korosec und Sramek, daß die Truppen nicht zur Aufrecht- erhaltung der Sicherheit, sondern zur Behinderung der Wahlfreiheit, insbesondere zur Niederhaltung der Nationalitäten verwendet worden seien. Avg. Sramek fügte dem noch hinzu, er müsse mit aller Energie gegen die an den Stammesbrüdern in Ungarn verübten Gewalttaten und Drangsalierungen protestieren. Gen. Nenner bezeichnete den Wahlsieg des Grasen Khucn-Hedcrvary als Ergebnis nackter Bruta. l i t ä t. Er hoffe, daß trotz der Vereinigung der Reaktion in Oesterreich und Ungarn die Idee der ungarischen Wahl- reform siegreich sein werde. Der Präsident rief den Redner wegen Beleidigung des ungarischen Ministerpräsidenten zur Orb- liung. Da s zh n s k i sSoz.)«rklärie, der Drang der breiten Massen nach legitimer Macht sei nicht zu unterdrücken. Auch in Ungarn werde das Versprechen der Krone bezüglich eines ollgemeinen Wahlrechts eingelöst werden müssen. sBeifall.) Der Präsident rief den Redner, weil er wiederholt die Krone in die Debatte gezogen hatte, zur Ordnung. Der M i- n i st e r des Innern, der nunmehr das Wort ergriff, bekämpfte scharf die gegen die Krone gerichtete Kritik der beiden Redner. t Zustimmung.) Er bezeichnete die Debatte über die ungarischen Reichstagswahlcn als unzulässige Einmischung und gab dem Be« dauern über die Angriffe gegen die ungarische Regierung Ausdruck. (Zwischenrufe.) Nachdem sodann die Tschcchisch-Radikalen und die tschechischen Agrarier die gestrige Erklärung des Ministerpräsidenten als unbefriedigend bezeichnet hatten, wurde die Debatte geschäfts- ordnungsmähig ohne Abstimmung geschlossen.. frankmcb. Das Regierungsprogramm. Paris, 9. Juni. In der Deputiertenkammer ent- ioickelte Ministerpräsident B r i a n d in ausführlicher Weise sein Programm. Zuerst kam ein leidenschaftliches Bekenntnis des ehe- maligen Generalstreikpredigers zur bürgerlichen Ordnung. Briand sagte: Die Regierung wird die Autorität der vollziehenden Ge- walt mit allen Befugnissen und mit allen Verantwortlichkeiten wahren und sie vor mitzbräuchlichen Einrichtungen schützen, welche in die Reihen der S t a a t s b e a m t e n die K e i m e d e r D i s- ziplinlosigkeit tragen. Zu diesem BeHufe müssen die Einrich. tungen des öffentlichen Dienstes eine Umgestaltung erfahren. Wir sprechen da von der Verwaltungsreform, für welche die W a h I r e f o r m die unerläßliche Voraussetzung bildet. Der Zweck der Wahlreform ist, durch ein erweitertes Skrutinium den allgemeinen Interessen ein Uebergewicht über lokale Interessen zu verschaffen. Die Wahlrcform muß so breit wie möglich sein. Sie muh vor allem den republikanischen Ein, richtungen und deren Grundsätzen angepaht sein. Der Grund» s a tz der Majorität ist es, welcher ein Regieren überhaupt ermöglicht. Ein Wahlmodus, welcher unter irgendeinem arith- metischen Vorwande einer Minderheit die Macht verleihen würde, die Tätigkeit der öffentlichen Gewalt zu verhindern, würde die Republik dem Untergange zuführen. Unter diesem Vorbehalt ist es für die Zukunft des parlamentarischen Reginies notwendig, die Ansicht der Minderheit vor Erdrückung zu schützen. Man hat den früheren Kammern vorgeworfen, daß sie zu Ende der gesetz- lichen Periode sich ohne Rücksicht auf die Staatsfinanzen zu sehr von Wahlrücksichten leiten liehen. Um diesem Uebelstande ab- zuhelfen, erscheint es wünschenswert, dah Mandate der Deputierten teilweise erneuert werden können. Das Problem der Wahl- reform ist schwierig und verwickelt, und die Regierung wird sich bei der Erörterung der Einzelheiten nicht unnachgiebig zeigen. Aber schon jetzt muh erklärt werden, dah die Annahme der Wahlreforni durchaus nicht dem Mandat der gegenwävtigen Kammer ein vorzeitiges Ende bereiten dürfte. Ueber die Ver- waltungSreform heiht es in der Regierungserklärung: Unter den gegenwärtigen Verhältnissen kann nicht die Rede davon sein, den Rahmen unseres Verwaltungisystems zu durchbrechen; aber schon jetzt könnte man eine regionale Organisierung vornehmen, welche die Departements insbesondere nach ihren wirtschaftlichen Jnter- essen vereinigt. Der VerwaltungLreform muh auch eine den modernen Verhältnissen entsprechende Umgestaltung des Gerichtswesens folgen. Das sozialpolitische Werk der Republik ist zwar schon achtunggebietend, aber nicht vollständig. Es genügt nicht, dah man den Arbeitern das Recht eingeräumt hat, Körperschaften zu bilden; man muh diesen Körperschaften auch die gesetzlichen Mittel bieten, ihre Ziele verwirklichen zu können. Man muh sie instand setzen, namens ihrer Mitglieder mit dem Kapital wegen Einstellung der Arbeit zu verhandeln, sich HilfS- quellen zu verschaffen und diese zu verwerten, und ihnen und ihren Mitgliedern den Zugang zum Besitz er« leichtern. Zu diesem Zweck werden der Kammer Gesetze unter- breitet werden über das Recht, gemeinsam Arbeits- vertrüge a b z u schl i e h en: ferner betreffend die AüS» d e h n u n g der Rechtsfähigkeit der Syndikate, die Einrichtung des Arbeiterkredits, die Möglichkeit, Gesellschaften zwischen Kapital und Arbeit zu bilden, welche der letzteren einen gerechten Anteil an dem gemeinsam erzielten Gewinn sichern. Auch die Lage der landwirtschaftlichen Arbeiter soll verbessert und ihnen der Zugang zum Besitz erleichtert werden. Ilm das Werk wirtschaftlichen und sozialen Fortschritt? zu verwirk» lichen. braucht die Republik Frieden außerhalb und innerhalb der Grenzen. Aber so aufrichtig auch ihre Anhänglichkeit an dem internationalen Frieden ist, und welche Unterpfände sie bereits gegeben hat, so muh sie beständig auf ihre materielle Macht bedacht sein, welche die sicherste Bürgschaft für die Unabhängig. keit und die Würde bildet. Briand erörterte weiter das Flottenprogramm sowie den von der früheren Kammer ausgearbeiteten E i n k o m- mensteuergesetzentwurs und kam zum Schluß auf die Borlage über die V e r w e l t l i ch u n g der Schule zu sprechen. Die Regierungserklärung wurde vom Zentrum und einem grohen Teil der Linken mit lebhaftem Beifall aufgenommen. Bei der Stelle betr. die Notwendigkeit der Durchführung des Flotten- Programms erhoben die Sozialdemokraten Protest. rufe. Am Montag sollen die Interpellationen über die allgc- meine Politik beraten werden. England. Die Kompromihvcrhandlungen. London, 8. Juni. In den Wandelgängen des Parla- tnents hielt man heute eine Konferenz über die konstitu- tionelle Frage zwischen den Führern der konservativen und der liberalen Partei für gesichert. Es werden, falls die Konferenz tatsächlich zustande kommt, weder Mitglieder der n a t i o n a l i st i s ch e n noch die.der A r- beiterpartei an ihr teilnehmen. � Dänemark. Der Prozeh Christensen. Kopenhagen. 9. Juni. In dem P r o z e h gegen die ehemaligen Minister Ehristensen und Sigurd Berg wurde heute die Beweisaufnahme geschlossen. Sodann führte der öffentliche Ankläger aus,.die Handlungen der Angeklagten seien Vorsatz- liche gewesen und hätten bezweckt, ihre eigene Partei vor Schaden und Verlust zu bewahren. ES wäre Christensens Pflicht gewesen, die Amtsführung Albertis zu kontrollieren. Er hätte ihn augenblicklich von seinem Ministerposten entfernen müssen, falls Belveise oder die begründete Vermutung vorlagen, dah er sein Amt mißbrauche. Diese Pflicht habe Christensen vernachlässiat und müsse, selbst toenn er nicht vorsätzlich gehandelt habe, bestraft werden. Der Ankläger erkennt an, dah gar kein Grund zu der Annahme vorhanden sei, die Angeklagten hätten persönliche Vorteile erstrebt. Chrtstensen trage die Hauptvsrantwortung für Albertis Aufnahme ins Ministerium. Es sei klar, dah Christensens poli- tische Pläne auf eine Alliance mit Albcrti gebaut lvaren. Der Preis für diese Alliance sei Albertis Aufnahme ins Ministerium gewesen. Der Ankläger fuhr fort: Der Preis wurde bezahlt, es ist zugegeben, daß Christensen nichts Ernstliches unternommen hat, um faktische Aufklärungen über Alberti zu erhalten, er wollte pra lorma in gutem Glauben bleiben. Als Alberti 1901 Minister wurde, hatte er bereits einen schlechten Leumund. Was Christensens Mißtrauen besonders hätte erwecken müssen, war, daß Alberti sich die Wciterführung aller seiner Geschäfte vorbehielt. Als sich zeigte, dah Albertis Ministerstellung von Dauer war. hätte er aufgefordert werden müssen, sich von den Geschäften zurückzu- ziehen. Unter Christensens Vorgänger wagte Alberti scheinbar nicht, mit so großer Frechheit aufzutreten, als aber Christensen Mimsterpräsidciü wurde, nahm Alberti keine Rücksicht mehr. Er wußte offenbar, dah Ehristensen ein so eifriger Parteigenosse war, dah er aus Rücksicht auf die Partei die Hand über Alberti halten werde. Der Ankläger erkannte willig ein, dah Christensen nicht wissen konnte, daß Alberti ein Verbrecher war. Aber es wäre zu weit gegangen, hiervon ausgehend zu behaupten, dah Christensen in gutem Glauben war. Nein. Die Sache war, Christensen wollte in gutem Glauben sein. Der öffentliche Ankläger wird seine Rede morgen fortsetzen. foilZland. Das Abkommen mit Japan. New Jork, 9. Juni. Wie die„Associateded Preß" aus Tokio meldet, haben Rußland und Japan ein volles Ein- vernehmen in den Fragen betreffend die o st a s i a- tischen Angelegenheiten erzielt. Em der Partei. Bon der Parteipresse. Die B r e S l a n e r„BolkSwacht", die in den letzten Jahren einen glänzenden Aufschwung genommen, sogar in den letzten Mo- naten über£>000 neue Abonnenten gewonnen hat, sah sich zu einer erheblichen Erweiterung ihrer Redaktionsräume ge- zwungen. Sie hat im Nebenhause der bisherigen Redaktion eine arohe Wohnung mit sechs Zimmern und Zubehör gemietet und die oisherilzen Räume den Breslauer und Mitrelschlesischen Partei- sekretariaten, die Tausende neuer Mitglieder der Organisation ge» Wonnen haben und ebenfalls mehr Platz brauchen, üverlassen. Die Adresse der Redaktion ist jetzt: Neue Graupenstr. 7. In nächster Zeit gedenkt der Verlag unseres Bruderblattes auch die Buchhandlung auS dem Hinterhanse in einen grohen Laden deS Vorderhauses zu verlegen. Ueberall geh'S vorwärts I Ulis der IReichsverncherungsordnungs- konuniiiion. Sitzung am Donnerstag, den 9. Juni 1919. Versicherungsfrei sollen nach der Regierungsvorlage die Personen sein, die in Betrieben oder im Dienste des Reichs. eines Bundesstaates, eines Gemeindeverbandes, einer Gemeinde oder eines Versicherungsträgers beschäftigt sind, wenn ihnen gegen ihre Arbeitgeber ein Anspruch mindestens entweder auf Kranken- Hilfe in Höhe und Dauer der Regelleistungen der Krankenkassen oder für die gleiche Zeit auf Gehalt, Ruhe- geld, Wartegeld oder ähnliche Bezüge im Is�fachen Betrage deS Krankengeldes gewährleistet ist. Die Sozialdemokraten beantragten, daß Befreiung von der Versicherungspflicht in diesen Fällen nur dann eintritt, wenn den Personen ein Anspruch zusteht, der mindestens den s a tz u n g S- mähigen Leistungen der maßgebenden Krankenkassen gleich- wertig ist. Erst diele Aenherung könnte eine Schädigung der hier in Betracht kommenden Personen ausschließen. Denn die«Regel- leistungen" sind in Wahrheit die M i n d e st leistungen der OrtS- krankenkassen, die oft genug weit hinter den satzungSgemähen Leistungen zurückbleiben werden, da die Kassen ihre Leistungen durch besondere Bestimmungen in ihren Statuten über das Maß der Regelleistungen erhöhen können und werden. Trotzdem wurde der Antrag gegen die Stimmen der Sozialdemo- kraten abgelehnt. Außerdem sollen nach der Vorlage die Personen versicherungS- frei sein, die in Betriebew oder im Dienste anderer öffentlicher Verbände oder als Lehrer und Erzieher an nicht öffentlichen Schulen und Anstalten beschäftigt sind, wenn sie lediglich für ihren Beruf ausgebildet werden. Die Sozialdemokraten erklärten sich gegen diese Be- stimmung, die schon deshalb gestrichen werden müsse, weil die Ver- sicherungspflicht bereits ganz allgemein auf die Lehrlinge auSge- dehnt sei, die ohne Entgelt beschäftigt werden. Jedoch wurde die Bestimmung der Vorlage gegen die Stimmen der Sozialdemo- kraten und der Fortschrittler angenommen. AuS dem geltenden Gesetz ist in die Vorlage die Bestimmung übernommen worden, daß der Arbeiter, der nur zu einem geringen Teile arbeitsfähig ist, auf seinen Antrag von ver Versicherungspflicht befreit wird. Die Sozialdemokraten wiesen nach, dah diese Bestim- mung oft zum Nachteile der Arbeiter ausgenutzt worden ist. Sie führten eine Stelle aus der Petition des Vorstandes deS Ver- bandcs der Bergarbeiter Deutschlands in Bochum an. wo es heißt:„Es ist sehr häufig vorgekommen, dah noch durchaus arbeitsfähige Personen nur unter der Bedingung zur Werksarbeit zugelassen werden, daß sie sich von der Krankenversiche- rung befreien lasse n." Bezeichnend ist, dah die Zentrums abgeordneten, darunter auch Abg. B e ck e r- Arnsberg und ebenso Abg. Behrens für die Bestimmung eintraten. Die Bestimmung wurde dann auch gegen die Stimmen der Sozialdemokraten ange- n o m m e n. Eine sehr ausgedehnte Aussprache entstand über die weitere Bestimmung der Vorlage, die ebenfalls in dem geltenden Gesetz enthalten ist, daß ferner von der Versichernngspflicht die Arbeiter auf ihren Antrag befreit werden sollen, die bei Erkrankung an ihre Arbeitgeber einen Anspruch auf eine den Leistungen der zu- ständigen Krankenkasse gleichartige Unterstützung haben, wenn ver Arbeitgeber die volle Unterstützung aus eigenen Mitteln deckt und seine Leistungsfähigkeit sicher ist. Die Sozialdemokraten traten entschieden gegen diese Ausnahmebestimmung auf. Ein Bedürfnis für diese Ausnahme liege nicht vor. Soweit von der Ausnahme Gebrauch gemacht worden sei, sei es zur schweren Schädigung der Arbeiter geschehen. Auch die Abgg. Erzberger. Becker, Behrens und Dr. M u g d a n erklärten sich gegen die Bestimmung. Letzterer legte aus seiner eigenen Kenntnis dar, dah gewisse Arbeitgeber unter Ausnutzung dieser Bestimmung durch einen VersicherungS- vertrag ihre Verpflichtungen zum Schaden der Arbeiter und Ange- stellten auf eine Versicherungsgesellschaft übertragen. Dagegen traten die Konservativen immer wieder auf? nachdrücklichste für die Ausnahmebestimmungen ein. Sie bemühten sich, die Sache so darzustellen, als ob sie mit dieser Bestimmung den Arbeitern besondere Vorteile bieten wollten. Ja, sie erklärten schliehlich, dah sie gegen das ganze Gesetz stimmen würden, wenn die Bestimmung gestrichen werden sollte. Der Grund dieses Eifers ergab sich aus der eingehenden Be- gründung der Bestimmung durch den Geheimrat v. Schmeding vom preuhischen Landwirtschafts mini st erium. Da- nach soll die Bestimmung für die Krankenversicherung der land- wirtschaftlichen Arbeiter eine sehr große Bedeutung gewinnen. Der Herr versicherte, dah die Großgrundbesitzer in Ostelbien schon jetzt auss beste für ihre kranken Arbeiter sorgen. Deshalb wäre es verkehrt, hier durch die Krankenversicherung eine Aenderung herbeizuführen. Vielmehr soll auf Grund der vorliegenden Aus- nahincbestimmung alles beim alten bleiben. Demgemäß sollte auch nach den besonderen Bestimmungen für die Versicherung der landwirtschaftlichen Arbeiter das Recht, auf Grund dieser Aus- nahmebestimmung die Befreiung von der Versicherungspslicht zu beantragen, dem Arbeitgeber und nicht dem Arbeiter zustehen. Die Sozialdemokraten stellten sofort fest, daß, wenn die AuS« nahmebestimmung bestehen bleiben würde, der angeblich so große Fortschritt mit der Krankenversicherung der landwirtschaftlichen Arbeiter für die Bezirke der ostclbischen Grohgundbesitzer nichts als eine Komödie sein würde. DaS Zentrum und die Nationallibcralen mühten sich ab, durch eine ganze Reihe von„VerbessernngSanträgen" wenigstens die schlimmsten Mißstände zu beseitigen, die sich aus der Ausnahmebestimmung ergeben könnten. Einer dieser Anträge, der von Herrn Erzberger ausging, verlangte, pah per Ärbeitaeber. der von der Ausnahmebestimmung Gebrauch machen wollte, bei der Krankenkasse eine Kaution in der Höhe des doppelten Betrages der Höchstleistung der Kasse für jeden Versicherten stellen soll. Dieser Antrag wurde mit 14 gegen 12 Stimmen der Konservativen, Nationalliberalen und der Abgg. Hitze und T r i m- born angenommen. Darauf stimmte auch die Minderheit gegen den so abgeänderten Paragraphen, so dah die Ausnahmebestimmung ein st im m ig abgelehnt wurde. Endlich wurde als neuer Paragraph beschlossen, dah Lehrlinge, die in dem Betriebe ihrer Eltern beschäftigt sind, auf ihren Antrag von der Versicherungspslicht befreit sind. Fortsetzung niorgen._ Sozialea* Schabenersatz wogen eines Vermerks im ArbeitSzeugni». Auf Zahlung einer Entschädigung von 86,79 M. klagte gestern der Zigarrenmacher N. gegen die Firma Engelhardt, Zigarren- fabrik. N. hatte bei seiner Entlassung am 14. Februar ein Zeugnis erhalten, welches sich zwar über die Führung und Leistungen nicht erstreckte, dafür aber den Vermerk trug:«Wegen Lohndiffercnzen entlassen". Am 1ö. Februar wurde der Kläger mit seiner Bewer- bung um eine offene Stellung bei einem anderen Arbeitgeber ab- gewiesen, nachdem er diesem das Zeugnis auf Verlangen vorgezeigt hatte. Das Gcwcrbcgcricht hielt einen Entschädigungsanspruch des Klägers dem Grunde nach für gerechtfertigt, da dieser nach Ansicht des Gerichts unzulässige Vermerk im Zeugnis die Möglichkeit, Arbeit zu bekommen, wesentlich herabgemindert hätte; jedoch sei der Entschädigungsanspruch der Höhe nach nicht anzuerkennen, da die Möglichkeit, anderweitige Arbeit zu erhalten, durch den Ver- merk nicht gänzlich aufgehoben worden sei. Der Kläger ermäßigte seinen Entschädigungsanspruch auf 22,95 M. für die Zeit vom 15. bis 24. März, dem Tage, an dem er durch gerichtliche Hilfe ein ordnungsmäßiges Zeugnis erhalten hat. Die Beklagte wurde darauf zur Zahlung dieser Summe verurteilt. Kampf um die Invalidenrente. Die Arbeiterin W. aus G. stellte im Februar 1999 bei der LanbeSvcrsichernngSanstalt Brandenburg den Antrag auf Be- willigung der Invalidenrente. Derselbe wurde im November 1999 abgelehnt, weil Frau W. die Wartezeit nicht erfüllt habe. Denn obwohl sie 348 Beitragsmarken geklebt habe, wären die in den ersten drei Karten verwendeten 194 Marken nicht anrechnungs- fähig. Die Antwartschaft daraus sei erloschen, weil Frau W. in der Zeit vom Dezember 1899 bis ebendahin 1991 anstatt 29 Marken. wie cS das Gesetz vorschreibt, keine Beiträge geklebt habe. Auch für die Zeit vom Dezember 1991 bis 1993 seien Marken nicht verwendet werden. Des weiteren könnten die für die Zeit seit dem 31. De- zember 1996 nachgewiesenen 199 Marken nicht angerechnet werde», weil Frau W. bereits seit dieser Zeit als dauernd erwerbsunfähig anzusehen sei. Mithin bleiben nur 144 Beiträge anrechnungsfähig, während die Antwartschaft zur Voraussetzung hat, dah 299 Marlen geklebt sind. Frau W. legte beim Schiedsgericht für Arbciterversicherung für den Regierungsbezirk Potsdam gegen den Bescheid der Landes- Versicherungsanstalt Berufung ein. Sie stützte sich darauf, daß sie in ihrer eigenen Landwirtschaft nach dem Dezember 1996 tätig gewesen sei.(Die Leute besahen 9 Morgen Land, hatten außer- dem 6 Morgen Pfarrland in Pacht, 3 bis 4 Ziegen, 4 Schweine sowie ein Pferd.) Diese Tätigkeit könne doch nicht von einer Person ausgeübt werden, die als invalide, mithin als erwerbsunfähig zu erachten sei. Durch Auskunft des Amtsvorstehers und eines Bauern- gutSbesitzer, bei dem sie in Arbeit stand, wurde festgestellt, dah Frau W. sehr wohl imstande war, noch nach dem Dezember 1996 mehr noch alS das gesetzliche Lohndrittel zu verdienen. Der Vertrauensarzt deS Schiedsgerichts kam zu dem Ergebnis, dah Frau W. erst seit dem 1 Oktober 1999 als erwerbsunfähig zu erachten sei. Das Schiedsgericht verurteilte daraufhin die LandeSvcrsicherungöanstalt zur Zahlung der Invalidenrente vom 1. Oktober 1999 ab. Dieser Fall ist leider nicht der einzige, in dem eine Landes- Versicherungsanstalt versucht, die Erwerbsunfähigkeit des Verstchcr- ten soweit zurück feststellen zu lassen, dah dadurch die Anwart- schaft nicht erfüllt wird. Auf der einen Seite hat man das Be- streben, erwerbsunfähige Personen für erwerbsfähig zu erklären. auf der anderen Seite dagegen wieder, erwerbsfähige für crwerbs- unfähig zu erklären,— je nachdem, wie es für den Zweck paßt, den Versicherten möglichst um seine Rechte zu bringen. Em Industrie und Kandel. DiskvlitermSßignng. Die Bank von England, die erst vor einer Woche ihren Diskont von 4 auf 3'/, Proz. ermähigt hatte, setzte die Rate am Donners- tag auf 3 Proz. herab. Erhebliche Goldzuflnsse auS dem Auslände haben den Metallbestand der Bank sehr gestärkt. Zündhölzchenmonopol in Oesterreich. Der Jndustrierat des österreichischen Handelsministeriums beschäftigte sich mit den Monopol- Plänen der Regierung in bezug auf die Ziindhölzchenindustrie. Die Projekte der Banderole- und Fabrikationssteuer gelten als abgetan. Gegen das Handelsmonopol wird eingewendet, dah eS schier un« möglich sei, einen KontingentierungSschlüsscl fllr die 52 Fabriken zu finden; es sei auch ausgeschlossen, daß alle Fabriken die gleiche Qualität liefern. Die kleinen und mittleren Fabriken würden beim andelsmonopol zugrunde gehen. Der Jndustrierat wünscht das rzeugungSmonopol. Ein NotstandSantrag. Die Genossen Hornof und Heinrich Beer brachten iin österreichischen Abgeordnetenhaus einen Dringlichkcits- antrag in Notstandsangelegenheiten ein, der sich mit der erfolgten Entlassung von 2999 Arbeitern der Prager Maschinen- und Waggon- fabrik Ringhoffer und der Schmälerung der übrigen Arbeiter- schaft durch Feierschichten und Lohnkürzuiigen befaßt. Die Regierung wird in dem Antrag insbesondere aufgefordert, die Unterbehörde» von der schikanösen und durchsichtslosen Eintreibung der Personal« einkommen steuer abzubringen. Ferner werden Unterstützungen aus Staatsmitteln für diese, wie für die norderzböhniischen Braunkohlen- bergarbeiter gefordert, welch letztere durch die selbstmöderische Tarif- Politik der Staatsbahnverwaltung ruiniert werden. Der siebente Internationale Baumwollkongreß, der in Brüssel tagte, drückte in seiner Schlußsitzung den Wunsch ans, dah alle der Union angehörigen Vereiiiignngen ihre Regierungen zum Zwecke der Förderung der Baumwollkullur aus die Berichte des Kongresses hinweisen möchten. Mit Bezug auf die Konnossemente gab der Kon- greh dem Wunsche Ausdruck, daß mit den Bankiers aus den Baum- ivollbörsen Vereinbarungen getroffen werden möchten, um den Ver- kauf falscher Konnossemente unmöglich zu machen. Der Kongreß befürwortete weiter Einschränkung des Betriebes der Spinnereien, bis Produktion und Konsum ins Gleichgewicht gekommen seien. Hinsichtlich der internationalen Verträge für Garne und Gewebe lvilrde die sogenannte Frankfurter Klausel gebilligt. Ferner sollen Abmachungen mit den Börsen in Liverpool, Havre und Bremen ge- troffen werden zum Zwecke eines Meinungsaustausches über all- gemein interessierende Fragen. Em der frauenbeweguncf* DaS kommunale Wahlrecht der Ehefrauen in Schweden. Der von der ersten Kammer des schwedischen Reichstages an- genommene Antrag, der den Ehefrauen mit weniger als 199 Kronen eigenem Eilikommen das Gemeindewahlrecht rauben sollte, ist am Dienstag bei der gemeinsamen Abstinimung beider Kammern des Reichstages mit 194 gegen 91 Stimmen abgelehnt worden. Somit ist trotz aller Anstrengungen der Reaktion den Proletarierfrauen das Wahlrecht gesichert. Gcwerkfcbaftlicbc� Schlechter Köder 1 Von feiten der Fortschrittlichen Volkspartei wird jetzt mit allen Mitteln versucht, die angeblich unparteiischen Hirsch- Dunckerschen Gewerkvereine in ihre Netze zu ziehen. Im „Berliner Tageblatt" hat dieser Tage der freisinnige Abge- ordnete Stadtrat Dr. F l e s ch in einem fast drei Spalten langen Aufsatz versucht, die Notwendigkeit darzulegen, daß die neue geeinigte Partei, wenn sie lebenskräftig werden wolle, sich auf die breiten Massen stützen müsse und diese breiten Massen seien die Hirsch-Dunckerschen Gewerkvereine. Nun kann man ja bei den. Hirschen an und für sich wenig von „Massen" reden, immerhin aber sind doch die Versuche, die Gewerkvereine als die Gefolgschaft der„Unentwegten" zu ge- Winnen, interessant. Wenn ein Freisinnsmann für seine un- fähige, wandlungsreiche Partei wirbt, so ist es selbstverständ- lich, daß er der erfolgreicheren Konkurrenz der Sozialdejiw- kratie erst einige bissige Bemerkungen sagt. Die Ursache dazu sab ihm die Tatsache, daß auf der letzten Tagung der Gewerkvereine von einigen Delegierten erklärt worden war, daß ein Teil der sächsischen Mitglieder offiziell unparteiisch fei, bei den politischen Wahlen aber regelmäßig für die Sozialdemokratie stimme. Dazu bemerkt nun Herr Flesch: „Sozialdemokratische Partei und Gewerkschaften wetteifern darin, die Gewerkvereine mit Hohn und Spott und Gehässigkeiten aller Art zu überschütten. Sozialdemokraten, die in einen Ge- werkverein eintreten, können kein anderes Ziel als die Schädi- gung der Gewerkvereine haben." Herr Dr. Flesch kann ruhig sein, Sozialdemokraten werden in einen Hirsch-Dunckerschen Verein überhaupt nicht eintreten, wohl aber ist zuzugeben, daß Gewerkvereinler bei den politischen Wahlen teilweise für die Sozialdemokratie eintreten. Und dieses einfach deshalb, weil sie erkannt haben, daß die Fortschrittliche Volkspartei für die Arbeiter über- Haupt nicht in Frage kommen könne und zwar ihrer An- Passungsfähigkeit und ihres gelegentlichen Byzantinismus wegen. Wurde doch auf der letzten Tagung Herr Gold- f ch m i d t, der jetzt die Rolle eines Streikers mimt, wegen seiner Hoffnung auf den Linksliberalismus offen ver- höhnt. Wobei Herr Flesch, der jetzt im„B. T." die trau- rige Situation zu retten sucht, Zeuge war. Herr Flesch hat auf der Tagung selbst ein Referat über den Arbeitsver- trag gehalten, vergaß aber dabei zu erwähnen, daß sich der DeutscheHandelstag unter Führung des freisinnigen Abgeordneten Kämpf gegen jede weitere Re- form des Arbeitsrechtes erklärt hat. Daß die Freisinnsmannen auch in der Frage des Koalitionsrechtes die unzuverlässigsten Elemente sind, ist zur Genüge bekannt. Ferner war es auch dieser Partei vorbehalten, unter der den Arbeitern soviel Unheil gebrachten Aera Bülow das Reichs Vereinsgesetz durchbringen zu helfen, auf Grund dessen jetzt die widerlichsten Schikanen an den gewerkschaftlichen Verbänden verübt werden. Herr Flesch und Herr Gold s ch m i d t sollten einmal in die Gegenden gehen, wo der ominöse Sprachenparagraph angewendet wird, um zu hören, mit welchen Liebenswürdigkeiten die dortigen Ar beiter die Vertreter der jetzigen Fortschrittlichen Volkspartei bedenken. Auch die„ F r a n k f u r t e r Zeitung" hat in einem langen Artikel bedauert, daß auf der Tagung nicht offiziell festgelegt wurde, die Mitglieder hätten sich bei den Wahlen zum Freisinn zu bekennen. Wer die Vorgänge mit ange- sehen hat, wird wissen, daß dagegen eine scharfe Opposition vorhanden war, nicht wegen Aufhebung der politischen Neu tralität, sondern wegen der Aufhebung zugunsten einer der Arbeiterschaft feindlich gesinnten Partei, einer Partei, der anzugehören heute, nach allem was Qt schehen ist, außerdem die Gefahr- der Lächerlichkeit herauf beschwört. Das sonst so gut beschlagene Frankfurter Blatt sollte doch wissen, daß auf einem Verbandstag, wo einzelne Delegierte offen erklären, zahlreiche Mitglieder stehen bei den politischen Wahlen zur Sozialdemokratie, und wo der Ver bandsvorsitzende wegen seiner geäußerten Hoffnungen auf die Volkspartei von den Vertretern der größten Ortsvereine offen ausgelacht wird, nicht die günstige Situation ist, einen solchen Beschluß zu fassen. Wer weiß, welche Konsequenzen ein solcher Beschluß gezeitigt hätte I Vielleicht wäre er grade für die Sozialdemokratie günstig gewesen.— Wenn die frei- sinnige Ohnmacht Herrn Flesch nichts anderes sagen läßt, als der Terrorismus der„sozialdemokratischen Kirche" führe dieser die Arbeitermassen zu, so können wir unmöglich glau- ben, daß Herr Flesch auch innerlich so denkt. Für so einsichts- los halten wir den Mann nicht, daß er nicht wissen sollte, daß es die offene, ehrliche, zielbewußte Politik ist, die der Sozial- dcmokratie ihren Anhang in Arbeiterkreisen sichert und in der sie sich vortrefflich von dem Chamäleoncharakter der „unentwegten" und„voll und ganz" ihren Mann stehenden Freisinnshelden unterscheidet. Wäre es so, wie Herr Flesch meint, dann wäre es der Partei ein leichtes, durch ihren „Terrorismus" auch die kleine Gruppe der Hirsch-Duncker- schen noch aufzusaugen. Zum Schluß heißt es in dem Artikel im J0. T.": „Die Partei, die auf dem Gebiet zur Reform des Arbeits- Vertrages die Vorarbeit leistet, und den Schutz der Schwachen gegen die Starken als Kern- und Angelpunkt ihres Programms erklärt hat(welche schönen Eigenschaften sie bisher nur leider sehr wenig gepflegt hat. D. Red. d.„V.".), könnte allerdings ver- langen und erwarten, daß die Gewerkvereine zu ihren Gunsten die Neutralität aufheben und sich ihr anschlössen. Es wäre wünschenswert, daß die Fortschrittliche Volkspartei ihren Willen diese Partei zu sein, bald und unzweideutig kund gäbe." Inzwischen hat diese Partei„ihren unzweideutigen Willen" bereits dadurch kundgegeben, indem sie sich mit den grimmigsten Arbeiterfeinden zum„Byzantinerblock" vereinigte und auf Kosten der Arbeiter die königliche Zivilliste erhöhen half. Da in der gesamten liberalen Presse jetzt die Fangnetze ausgeworfen werden, wird es gut sein, wenn die Hirsch-Dunckerschen Ar- beiter auf die erwähnten Tatsachen aufmerksam gemacht werden._ Berlin und llmgegend. Achtung, Metallarbeiter! In der Neuen Automobilgesellschaft lA. E.-G.), Ober-Schöneweide, ist ein Streik ausgebrochen. Der Betrieb ist gesperrtl Deutscher Metallarbeiter-Verband, Ortsverwaltung Berlin. Der Streik der an den Schraubennutomaten und Einzel- bänken beschäftigten Einrichter. Die Streikenden hatten sich am Donnerstag früh zusammen- gefunden, um ein Situationsbild zu geben. Die Situation ist nach allen Bekundungen für die Streikenden günstig. Die Bewegung hat zweifellos im geeignetsten Zeitpunkt eingesetzt. Während einzelne Firmen noch auf ihrem ablehnenden Standpunkt verharren, ist die Mehrzahl allem Anscheine nach mehr denn je geneigt, eine Basis zur Verständigung zu schaffen. Die Arbeitsniederlegung kam ihnen allen völlig unvermutet, so daß sie ihre Bestürzung nicht verbergen konnten. Eine Firma hat ein Formular verlangt, das sie bedingungslos unter- zeichnen will, sofern ihre Arbeiter sofort wieder in den Betrieb kommen, während andere die Werkstubenkommissionen noch einmal am Vor- mittag zu einer Besprechung einluden, so daß auch da noch eine Ver- ständigung zu erhoffen ist. Da die Arbeitgeber den Einwand vorbringen, daß sie sich auf den Anfangslohn nicht festlegen können, weil es keinem Arbeiter bei seiner Einstellung an der Nasenspitze anzusehen sei, ob er perfekt arbeite oder nicht, schlug Handle vor, den betreffenden Passus dahin abzuändern, daß für die erste Arbeitswoche der Lohn nach Ver einbarung zu zahlen sei, dann aber der Mindestlohn in Geltung zu treten habe. Die Versammlung stimmte diesem Vorschlage ein- stimmig zu. An den übrigen Punkten soll jedoch, wie Handle er- klärte, nichts geändert werden._ Ein arbeitswilliger Messerstecher. Seit zwei Wochen liegen die in der Transformatoren-Abteilung der Firma Bergemann A.-G., Seestraße, beschäftigten 18 Arbeiter im Streik. Am gestrigen Tage ereignete sich nun ein empörender Vorfall, der die arbeitswilligen Elemente wieder einmal im hellsten Lichte zeigt. Einem organisierten Arbeiter, der in der vom Streik nicht betroffenen Ankerwickelei arbeitete, wurde von einem vorüber- gehenden Arbeitswilligen offenbar absichtlich ein Stück Werkzeug vom Tische geworfen. Als nun der Arbeitswillige aufgefordert wurde, den Gegenstand wenigstens wieder an seinen Platz zu legen, wurde er frech, auch rief er höhnisch:„Wir Arbeitswillige werden mit„Sie" angeredet". Es kam darqufhin zwischen den beiden zu einer Prügelei, als der Meister eintrat. Das Ende vom Liebe war, daß der organisierte Arbeiter entlassen wurde. Abends stellte nun der Entlassene am Ausgange den Arbeitswilligen zur Rede wegen seines Verhaltens. Nach einem kurzen Wortwechsel zog der Streikbrecher das Messer und stieß es seinem Gegner zweimal mit aller Wucht in den Schenkel. Dann wollte er schnell in den Betrieb flüchten, wurde aber von den empörten Zuschauern gepackt und erhielt für seine Roheit eine fühlbare Lektion. Er ver- schwand daraufhin und ward nicht mehr gesehen. Bei der Polizei ist Anzeige erstattet und das Mordwerkzeug niedergelegt. Die Firma kann auf derartige„Stützen" wahrlich stolz sein l Die Frage der„englischen" Geschäftszeit in der Konfektion beschäftigte eine öffentliche HandlungSgehilfcnversammlung in den „Arminhallen", die vom Zentralverband derHandlungS- gehilfen und Gehilfinnen Deutschlands, Bezirk Groß-Berlin(Bureau Neue Königstraße 30) veranstaltet worden war. Der Referent Georg Ucko beleuchtete die„Wohltaten", die den Handlungsgehilfen durch die Verkürzung der Tischzeit und Ein- fnhrung des Sechsuhr-SchlusseS beschieden worden find. Eine ganze Reihe von Firmen kehren sich einfach nicht an die Jnnehaltung dieses Geschäftsschlusses. Wen» jedoch die Kollegen ihre Jnteressenlosigkeit abstreifen und einig sind, so werden auch hier geregelte Verhältnisse möglich sein. Die Diskussion förderte noch manches Material zu- tage und bestätigte, welch tatsächlich unerhört lange Arbeitszeiten, und zwar nicht nur in der Saison, in der Konfektion vorkommen. Wir sind überzeugt, daß derartige Zustände naturgemäß die Hand- lungSgehilfen mehr und mehr der Organisation zuführen müssen, damit sie durch diese weitere Schritte tun können. Achtung, Steinarvciter I Der Streik bei der Firma G e b r F r i e s e ck e, Kunststeinfabrik, ist aufgehoben, da unter den gegebenen Verhältnissen das Zustandekommen eine? für uns annehmbaren Tarifvertrages nicht zu erwarten war. Der Kampf um die An erkennung unseres Tarifes wird damit bis zu einer uns günstigeren Zeit vertagt. Die von uns im Interesse eines friedlichen AbschluffeS gemachten Konzessionen sind zurückgezogen.— Das Mißlingen des Kampfes ist in erster Linie den Streikbrechern August B o f i n g e r. Otto und Peter Glor(nicht zu verwechseln mit Richard und Wilhelm Glor), Anton Dollak, Rudolf Panzer und der Zwischenfirma Schill« u. Jüngers zuzuschreiben. DaS Scheitern der Verhandlungen kommt jedoch auf das Konto des Verbandes der Baugeschäfte, dessen Leitung aus prinzipiellen Gründen dem Inhalte unseres TarifeS seine Anerkennung versagt, obgleich der Tarif mit einem dem Kartell der Baugeschäfte angehörigen Perbande, dem der Steinmetzgeschäfte von Groß-Berlin, zu Recht besteht.— Organisierte Kollegen, welche bei �er Firma F r i e s e ck e in Arbeit treten, find verpflichtet, die tariflichen Bestimmungen streng einzuhalten. Zentralverband der Steinarbeiter. Ortsverwaltung Berlin. Achtung, Töpfer! Da die Firma Kain u. RemuS Wilde beschäftigt und 10 Proz. vom Tarif abzieht, verhängen wir hiermit über dieses Geschäft die Sperre. In Frage kommt der Bau Doffestraße in Rummelsburg, Bauherren E. u. O. Kaulisch. Die Verbandsleitung. Deutfches Rad?. Die örtlichen Verhandlungen im Baugewerbe scheinen sich keineswegs glatt zu gestalten. Die Unternehmer scheinen bei diesen noch einen letzten verzweifelten Widerstand zu leisten. Allerdings sehr zu ihrem eigenen Schaden, wenn sich der Kampf dadurch noch länger ausdehnen sollte. In Essen sind die Verhandlungen, wie wir gestern durch P r i- vattelegramm melden konnten, gescheitert. Dasselbe ist auch in M a g d e b u r g der Fall. Dort scheiterten die Verhandlungen an unausgleichbaren Differenzen über den Stundenlohn. Die Unternehmer zogen auch noch die vor der Aussperrung gemachten Zugeständnisse zurück. In Essen wurde nur Einigung über die Regelung der Akkordarbeit er- zielt. Ueber alle anderen Fragen, Arbeitszeit, Lohnerhöhung, Ueberswnden usw. wurde man nicht einig. Die deutsche Arbeiterschaft hat offenbar alle Ursache, dem Kampfe im Baugewerbe unausgesetzt ihre Aufmerksamkeit zu- zuwenden._ Bäckerstreik in Stettin. Stettin, ö. Juni.(Privatdepesche deS„Vorwärts".) In Stettin haben die Bäcker den Streik erklärt. Außer der Konsum- bäckerei und fünf Brotfabriken haben bereits 18 Meister bewilligt. Zuzug ist fernzuhalten._„ Im Betriebe der Maschinenfabrik Naxos-Union zu Frank- f u r t a. M. ist am 8. Juni ein Streik ausgebrochen, da die Firma Verhandlungen mit dem Arbeiterausschuß über Forderungen der Arbeiterschaft zur Regelung der Akkordverhältnisie. Bezahlung der Wartezeit, die auf ein Verschulden der Firma zurückzuführen ist. Freigabe des SonnabendnachmittagS und einer allgemeinen, den heutigen Verhältnissen entsprechenden Lohnerhöhung glatt ablehnte. Sie gab den Arbeitern durch Anschlag bekannt, daß sie die gesamten Vorschläge ablehnen müsse. Sie erwarte von dem gesunden Menschenverstand ihrer Arbeiter, daß diese sich wieder einmal der Vorteile erinnern, welche sie bei der Firma angeblich durch gewisse Wohlfahrtseinrichtungen genießen. Auch ein nochmaliger Versuch der Arbeiterschaft, eine Verständigung zu erzielen, scheiterte an dem total ablehnenden Verhalten der Firma. Da die Verhältnisse des Betriebes als recht rückständige bezeichnet werden müssen, blieb der Arbeiterschaft nur der Weg der Arbeitsniederlegung. Zuzug von Schloffern, Drehem und sonstigen Metallarbeitern ist unbedingt fem« zuhalten. Kusland. Kinder setzen eine Grube still. Wie eine Depesche der„Daily Mail" aus Henleh bei Stafford» shire meldet, ist in den Gruben von Whitefield ein Ausstand aus- gebrochen. Bierhundert Kinder, die mit dem Auslesen der Kohlen und der Weiterbeförderung der Tragkörbe beschäftigt sind, haben die Arbeit eingestellt und verlangen eine Erhöhung ihres Lohnes. De? gesamte Grubenbetrieb hat infolgedessen eingestellt werden müssen unl ungefähr tausend Grubenarbeiter sind zur Stunde ohne Arbeit. Dci Streik hat sich auch aus die Gruben von Blackbull und Kimsgrotr ausgedehnt. Die Polizei ist verstärkt worden; sie hatte große Mühe, die Kinder» die vor den Minenwerkcn manifestierten, zurückzudrängen. Die Stichwahl in Jauer-Landeshnt- Bolkenhain. Die eine reaktionäre Masse hat sich— wie vorauszusehen war— in der Stichwahl in dem schlesischen Reichstagswahl- kreise Jauer-Landeshut-Bolkenhain gegen die Sozialdemokratie zusammengefunden. Ueber den Ausfall der Wahl meldet uns folgende P r i» vatdepesche: Landeshut, 9. Juni. Bei der heutigen Reichstagsstich- Wahl wurden bis abends 11 Uhr für Büchtemann(fortschr. Volksp.) 9442 und für Proll(Sozialdemokrat) 7916 Stimmen gezählt. Der Fortschrittler siegte demnach mit einer Majorität von 1526 Stimmen über den Sozialdemokraten. Das Resultat des ersten Wahlganges am 1. Juni war: Proll(Sozialdemokrat) 6483, Büchtemann(fortschr. Volkspartei) 6429, Strosscr(konservativ) 3878, Herschel(Zen- trum) 3823 Stimmen. Der Stimmenzuwachs des sozialdemokratischen Kandi- daten beträgt demnach 1433. Die Nachwahl in Ueckermiinde- Usedom- Wollin. Stichwahl zwischen dem sozialdemokratischen und konservativen Kandidaten! Swincmünde, 9. Juni. Privatdepesche des„Vor- wärt s". Die heutige Rcichstagsersatzwahl im Wahlkreise Ucckcrmünde-Usedom-WollinKgülSinaerLiCo.BerlinSV. Hierin 2 Leilaaeu u-UnterbaltunaSbl. Ar. 183. 27. Jahrgang. 1. JStijf ilcs„Horaiittü" foitiet HolWliitt krettag. 10. Inn! 1910. Hbgeordnetcnbauö. 88. Sitzung vom Donnerstag, den S. Juni, vormittags 11 Uhr. Am Ministertische: v. Bethmann Hollweg, Freiherr V. Echoen, v. Trottzu Solz. Auf der Tagesordnung stehen die Interpellationen über d» Borromäus-Enzyklika Vom 26. Mai 1910. Die Interpellation A h r e n S sl.) lautet:„Was gedenkt die könig- liche Staatsregierung zu tun, um durch die preußische Gesandtschaft beim Vatikan oder auf anderem Wege solchen Beschimpfungen der evangelischen Kirche, wie sie in der Enzyklika des Papstes vom 26. Mai enthalten sind und die den konfessionellen Frieden ernstlich gefährden, wirksam entgegenzutreten?" Die Interpellation Graf M o l t k e ssk.f lautet:„In der päpst- lichen Enzyklika vom 26. Mai 1919 sind unerhörte Be- schimpfungen der Reformation, der Reformatoren und der evangelischen Kirche enthalten. Ist es der königl. Staatsregierung bekannt, daß ein Teil der katholischen Presse Preußens diese Enzyklika im Wortlaut abgedruckt hat und daß sie zweifellos bestimmt ist, allen Katholiken bekannt gemacht zu werden? Welche Schritte ge- denkt die königl. Staatsregierung zu tun, um diesem ö f f e n t- lichen Aergernis zu steuern und um für die Zukunft derartigen Störungen des konfessionellen Frieden? innerhalb der preußischen Machtgrenzen vorzubeugen?" Die Interpellation Dr. Hackenberg(natl.) hat folgenden Wortlaut:„Die in dem„Osservatore Romano" Nr. 146 dieses Jahres veröffentlichte Borromäus-Enziklika enthält Schmähungen der evangelischen Kirche, ihrer Reformatoren und der der Reformation zugetanen deutschen Fürsten und Völker. Welche Maßregeln gedenkt die Königliche Staatsregierung zu ergreifen, um den durch die Ver- öffentlichung dieser Enzyklika bedrohten konfessionellen Frieden in Preußen zu sichern?" Abg. v. Pappenheim(l): Kein Land hat so unter inneren Kriegen gelitten wie Deutschland. Deshalb ist auch bei uns das Gefühl für die Notwendigkeit des inneren konfessionellen Friedens besonders stark. Dieser bedarf bei uns besonderer Pflege, denn der Reibungsflächen gibt es so manche.(Sehr richtig I) Wir haben stets alles getan, um diesen Frieden aufrechtzuerhalten.(Sehr richtig! rechts.) Als am 29. Mai bekannt wurde, daß der Papst eine Enzyklika erlassen habe, in der verletzende und b e« leidigende Aeußerungen enthalten wären, haben wir sofort unsere Interpellation eingebracht. Wenn behauptet wird, daß diese Enzyklika nichts Beleidigendes enthalte, so steht das mit den Tatsachen in Widerspruch. ES handelt sich tatsächlich um Beschimpfungen der evanglischen Kirche, wie sie ernster und schlimmer die Geschichte nicht zu verzeichnen hat.(Sehr richtig I rechts.) Und das alles gegen- über den edlen Bestrebungen unferes Königshauses, den konfessio- nellen Frieden zu befestigen I Es sind mir eine Anzahl Zuschriften zugegangen, die beweifen, daß auch die Katholiken empfinden, wie schwer dieser Schlag unseren inneren Frieden gefährdet. Ich hoffe, daß die königliche Staatsregierung fich ihrer schweren Berant- Wartung in dieser Sache bewußt ist. daß sie alles, waS an ihr liegt, tun wird, um zu verhindern, daß in Zukunft solche schweren Gefährdungen deS inneren Friedens wiederkehren.(Lebhaftes Bravo I rechts.) Abg. Dr. Hackenberg(natl.) geht auf den Inhalt der BorromäuS- Enzyklika ein. Die Anhänger der Reformation werden dort ver- derbte Fürsten und Völker genannt.(Hört I hört I) Die Reformation selbst wird als„Pest" bezeichnet(Hört l hört l), ein Ausdruck, den einst Bismarck durch die Borstellungen des Gesandten am päpsttichen Stuhl noch hintanzubalten wußte. Es ist begreiflich, daß diese Angriffe Befremden, Unbehagen und Entrüstung in weitesten Kreisen hervorgerufen haben. Nun �behauptet man, es handele sich nur um historische Urteile und Borgänge zur Zeit des Borromäus.(Lachen links.) Aber der leidenschaftliche Streit, der damals tobte, hat doch im Laufe der Jahrhunderte einer gerechteren Beurteilung Platz gemacht. Es ist unerhört, daß heute noch den Kämpfern der Reformation der Vorwurf gemacht werden kann, sie hätten den Kampf aus frechem Uebermut und sinnlicher Leidenschaft geführt.(Sehr wahr! links.) DaS deutsche Volk hat seme Existenz in jenem Kampf aufs Spiel gesetzt, das tut man nicht aus finnlicher Leidenschaft.(Lebhafter Beifall links.) Bon allerhöchster Stelle ist das Wort gefallen, daß unter dem Kreuze sich alle Christen vereinigen. Ist das eine Antwort auf dieses kaiserliche Wort, daß man nun die Protestanten als Feinde bezeichnet?(Sehr gut I links.) Daß man uns als Ketzer bezeichnet, verstehen wir, aber kleines Feuilleton. PearyS Nordpolfahrt. Ausgerechnet in dieser HundStagShitze I Und, so unglaublich es scheinen mag. der Vortrag deS wagemutigen Commanders, der fünfzehn Jahre beharrlich daS Sternenbanner mit sich herumgeführt hat, bis er es auf dem Ziel seiner Wünsche auf- pflanzen konnte, wirkte stark abkühlend. Wenn er Selbsterkenntnis genug hat, auf Peary selbst I Der große Saal der Philharmonie war nicht einmal zu zwei Dritteln besetzt. Trotz Massenaufgebots der hiesigen amerikanischen Kolonie, trotz einer sicherlich nicht geringen Zahl in letzter Stunde vergebener Freibilletts. Vor aflem in den Logen und auf dem vornehmen Balkon gähnende Leere. Mister Peary, was hätte das für eine häuserfüllende Sensation ge- geben, wenn Sie vor einem halben Jahre hierhergekommen wären! Aber so, wo„man" schon längst in den fashionablen Bädern sich wohlig am Strande dehnt, da mußten Sie schon auf da§ Publikum, das sonst„überall dabei sein" muß, auf die Premierentigerinnen mit den unheimlichen Turbanfrisuren und den noch unheimlicheren Hüten verzichten. Berlin vergißt eben zu auch leicht. Und wissen- schaftliche Entdeckungen erst recht. Als Peary. der gar nicht den Eindruck eines eingebildeten PoltronS, wie man nach der Cook'schen Stimmungsmache annehmen müßte, sondern viel eher Den eines sympathisch-bescheidenen Mannes machte, mit den Worten schloß:„So erreichte ich den Pol!"— da fühlten wir für den Entdecker eine gar deprimierende Enttäuschung:„Ist der Erfolg in Wahrheit so viele Anstrengungen wert gewesen?' Daß die Strapazen schier übermenschlich waren, das zeigten uns die technisch vollendeten und sehr geschmackvoll kolorierten Bilder, die verschiedenen Phasen der Schlittenexpeditionen, ihre Arbeiten und Gefahren, die Eskimo- teilnehmer vor und nach der Hauptschlittenfahrt darstellten. Außerordentlich gelungen waren die Aufnahmen von Eskimo- typen, jenes am höchsten nördlich lebenden Menschenstammes von Etah mit ihrem stark ausgeprägten niongololden Charakter? auch die Tieraufnahmen waren als Natururkunden trefflich gelungen. Der Bortrag PearyS selbst, der mehr schlecht als recht von Artur Linden- stead ins Deutsche übertragen wurde, wirkte eintönig; diese steten Wiederholungen und Aufzählungen, selten von einem noch dazu gezwungen klingenden Humor unterbrochen, spiegelten so recht jene unermeßliche, trostlose Einöde wieder, in die sie uns führen wollten. sog. Humor und Satire. «die Pariser ��.ssiotto au Beurro" hat eine Spezial-Nnmmer »Georg der Fünfte"(von England) herausgegeben, der wir das folgende— m freier Uebersetzung— entnehmen: Einfache Feststellung. Georg der Fünfte: Es ist wahr: «ch sehe meinem Vetter, dem Zaren Nikolaus, sehr ähnlich; aber wir dürfen verlangen, daß wir nicht beschimpft werden in unserer Ueberzcugung.(Sehr richtig I) Eine schwere Gefährdung des lon- fessionellen Friedens aber müssen wir vor allem darin erblicken, daß ein Zentrumsblatt das sogenannte historische Urteil der Enzyklika als wahr hinstellt.(Hört l hört!) Aber wir werden uns nicht erbittern und hinreißen lassen zum Kampfe durch diese Stimme, die von jenseits der Berge zu uns herüberlönt.(Bravo!) Es fragt sich nun, ob der Regierung staatsrechtliche Mittel zur Verfügung stehen, um solchen Beschimpfungen entgegen zu treten. Eine ruhige klare Stellungnahme der Regierung dürfte wohl dazu beitragen, die Wogen zu glätten. Man hätte wohl auch durch den Gesandten beim päpstlichen Stuhl Vorstellungen erheben können. Wenn aber der Gesandte in diesem Falle nicht vorstellig wird, dann dürste wohl seine Existenzberechtigung zu bezweifeln sein. (Bravo! und Sehr richtig!) Der Papst will als weltlicher Souverän anerkannt werden, dann muß er aber auch die Formen eines solche» Souveräns annehmen.(Heiterkeit und Bravo!) Ich schließe mit der Frage unserer Interpellation:„Was gedenkt die Regierung zu tun, um einer solchen Gefährdung des konfessionellen Friedens in Zukunft vorzubeugen?"(Bravo I links.) Abg. Graf Mottle(sk.) begründet die dritte Interpellation, bleibt aber im einzelnen auf der Tribüne unverständlich. Zur Beantwortung der Interpellationen nimmt daS Wort: Ministerpräsident v. Bethmann Hollwcg: Die Enzyklika, die heute den Gegenstand der Interpellation bildet, enthält Urteile über die Reformation und die ihr zugetanen Fürsten und Völker, welche unsere evangelische Bevölkerung sowohl in ihrer religiösen, als auch in ihren staatlichen und sittlichen Empfindungen schwer ver- letzen.(Sehr wahr I) Die auch in ihrer Form verletzenden Urteile erklären die tiefgehende Erregung weiter Kreise des Volkes und schließen in ihrer Wirkung eine ernste Gefährdung des kon- fessionellen Friedens in sich.(Sehr richtig!) Ich habe deshalb un- mittelbar, nachdem mir der offizielle lateinische Wortlaut der Enzyklika zugegangen war, unseren Gesandten am Vatikan beaus- tragt, in amtlicher Form bei der päpstlichen Kurie Verwahrung ein- zulege» und der Erwartung Ausdruck zu geben, daß die Kurie Mittel und Wege finden werde, die geeignet wären, die aus der Ver- öffentlichung der Enzyklika sich ergebenden Schäden zu beseitigen. Diese Erwartung ist um so berechtigter, als die Kurie nach den gestern im „Osservatore Romano" veröffentlichten Mitteilungen nicht im entfernte st en die Absicht gehabt hat(Heiterkeit), d i e evangelischeu Völker und ihre Fürsten zu kränken. Der Gesandte hat seinen Auftrag gestern ausgeführt, eine ab- schließende Antwort der Kurie ist noch nicht ersolgt, hat bei der Kürze der Zeit auch nicht erfolgen können. Bei diesem Stande der Angelegenheit muß ich mich jetzt weiterer Erklärungen ent- halten.(Lachen links.) Es schien mir aber notwendig, die Interpellation schon heute zu beantworten, weil an- gesichts der Beunruhigung, die sich im ganzen Lande bemerk- bar gemacht, das Verlangen berechtigt war, ohne Verzug über die Stellungnahme der königlichen Staatsregierung unterrichtet zu werden. Das hohe Haus wolle aus meiner Erklärung entnehmen, daß die königliche StaatSregicrung im allgemeinen staatlichen Interesse entschloffen ist, das ihrige zu tun, um den konfessionellen Frieden im Lande zu wahren und zu schützen.(Lebhafter Beifall.) Auf Antrag des Abg. v. Pappenheim(k.) findet eine Besprechung der Interpellation statt. Abg. Herold(Z.): NamenS meiner politischen Freunde gebe ich die nachfolgende Erklärung ab: Die ZentrumSftaition lehnt es a b, über eine Kundgabe des Oberhauptes der katholischen Kirche, welche kirchliche Angelegenheiten behandelt(Lachen links), e i n Urteil abzugeben und auf dem politischen Boden des Hauses der Abgeordneten in eine Diskussion darüber einzutreten. Zugleich sprechen wir die Hoffnung aus, daß die Beziehungen der Katholiken zu den evangelischen Mitbürgern nicht leiden. Wir werden, getreu unseren Traditionen und unserer bisherigen Haltung nach besten Kräften stets bemüht sein, den konfessionellen Frieden zu wahren und in jeder Weise zu fördern. Daher werden wir unS auch an der Debatte nicht beteiligen.(Bravo! im Zentrum.) Abg. v. JazdzewSki(Pole) schließt sich dieser Erklärung an. Abg. Gysfling(Vp.): Den Standpunkt des Zentrums, sich an der Debatte über diese Interpellationen nicht zu beteiligen, verstehe ich nicht. Es kann keine Rede davon sein, daß die Enzyklika lediglich dogmatische kirchliche Angelegenheiten behandelt.(Sehr wahr! links.) Wir müssen lebhaft Protest einlegen dagegen, daß der Papst es wagt, gegen das protestantische Volk und seine Fürsten solche Beschimpfungen zu richten. Diese Beschimpfungen waren um so weniger angebracht, als der Träger der Krone bei uns alles getan hat, um den konfessionellen Frieden zu fördern. Präs. v. Kröcher: Ich bitte Sie, den Träger der Krone nicht in die Debatte zu ziehen. Abg. Gyßling(fortfahrend): Ich spreche nur von dem Träger der Krone als„sumnrns episoopus"(Oberhaupt der evangelischen ich glaube, eS wird gescheidt sein, wenn ich ihm nicht zu sehr ähnele.. Die wahre Popularität. Ein englischer Soldat zum anderen:„Als wir nach den Kolonien gingen, hat man uns gesagt: wir müßten auf alle Weise dazu beitragen, England größer, stärker und bevölkerter zu machen."— Der andere Soldat:„Na was denn, Kamerad! hat der große König Eduard nicht selber das schönste Beispiel gegeben?" Diplomaten-Schwatz. Wilhelm:„Mein lieber Pichon, nennen Sie mir eine Verständigungsbasis, und es wird mir ein Vergnügen sein, Frankreich zu beweisen, daß Ich sein ergebener Freund bin."— Pichon:„Eine Verständigungsbasis?— Wie wär'S, weim wir ein bißchen von Elsaß-Lothringen redeten?" Die Schutzmänner: So lange er Prinz von Wales war- ist Eduard ein toller Hecht gewesen, und dann wurde er ein solider König. Wenn nur Georg der Fünfte, der ein solider Prinz von Wales gewesen ist, als König kein loller Hecht wird I — Im Elysöe. Der Präsident der französischen Republik: „Da hat mir dieses Viech von Bureauchef zive» Telegramme auf- gesetzt: eins zum Kondolieren und eins zum Gratulieren. Aber er hat mir nicht gesagt, welches ich zuerst absenden soll!" Notizen. — Die AlkoholverbotSabstimmunginSchweden. Im November vorigen Jahres beschlossen die Vertreter aller großen Abstinenzorganisationcn Schwedens, eine allgemeine Volksabstimmung über die Frage zu veranstalten, ob es an der Zeit sei, mit der Durch- sührung eines allgemeinen dauernden Alkoholverbotes zu beginnen. Da man mit dem für die Zeit des Generalstreiks durchgeführten, allerdings nicht übermäßig strengen Alkoholverbot selbst nach Ansicht trinklustiger Leute gute Erfahrungen gemacht hatte, machte» sich die Alkoholgegner um so mehr Hoffnung auf ein ihrer Sache günstiges Ergebnis der Abstimmung, an der alle über achtzehn Jahre alten Männer und Frauen teilnehnicn sollten. DaS Endergebnis der Abstimmung liegt jetzt vor. Es haben 1 845 249 Personen mit Ja, also für das Alkoholverbot, ge- stimmt und nur 16 471 mit Nein. Schweden hat rund 5 300 009 Einwohner, und von ihnen sind 3 388 000 über 18 Jahre alt. So- mit haben 54 Proz. der Gesamtzahl der Erwachsenen sich für das Alkoholverbot erklärt und nur 0,5 Proz. dagegen. Die übrigen sind teils von den Listenführcrn, die von Haus zu HauS gingen, um die Stimmen einzusammeln, nicht angetroffen worden, teils sind es Leute, die sich weigerten, an der Abstimmung teilzunehmen, teils solche, die in Kommunen wohnen, welche von der Abstimniung nicht erreicht Ivurden. — Zuny-Kaffee i m Ron, an. Ein gewisser Ludwig Bendler hat einen sogenannten Theaterroman(„Moderne Kirche).(Heiterkeit.) Von der Vorstellung des preußischen Gesandten verspreche ich mir ja nicht viel. Der Papst wird im Interesse seiner Autorität unter den Katholiken seine Worte aufrechterhalten. Jedenfalls hat der preußische Gesandte beim Vatikan seinen Zweck verfehlt, wenn es nicht gelingt, solche Beschimpfungen in Zukunft zu verhüten. Wir trauen der Regierung nicht die Kraft zu, um eine wirkliche Sühne vom päpstlichen Stuhl zu verlangen. Herrn v. Heydebrand möchte ich bei dieser Gelegenheit fragen: Wie steht es denn jetzt mit der gemeinsamen chri st lichen Welt- an schauung der Konservativen und des Zentrums, die er neulich proklamiert hat?(Sehr gut! links.) Diese Brücke ist schwach. und die Herren Konservativen dürfen sich nicht wundern, wenn in der Oeffentlichkeit die Anschauung Boden gewinnt, sie hätten ihre Interpellation nur eingebracht, weil infolge dieser Bundespolitik mit dem Zentrum ihre protestantischen Anhänger von ihnen abrücken.(Zustimmung links. Große Unruhe rechts; Zurufe: Wahlrede! Abg. H o ff m a n n(Soz.) ruft in den Lärm: Der Leutnant kommt I Große Heiterkeit.) Un- bestreitbar ist, daß das Zentrum durch die Politik der Konservativen und der Regierung zur ausschlaggebenden Partei gemacht worden ist. Daher kommt das erhöhte Machtgefühl deS Zentrums und auch des päpstlichen Stuhles. Ein Schlußantrag der Konservativen wird gegen die Stimmen der Linken angenommen, das Zentrum hat den Saal verlassen. Abg. Hoffmann(Soz.): Ich konstatiere vor dem Lande, daß Sie es durch diesen Schluß- antrag mir unmöglich gemacht haben, die Ansicht meiner Partei hier zu vertreten. Gegenüber den Ausführungen der anderen Redner habe ich alle Ursache gehabt, den ganz abweichenden Standpunkt meiner Partei darzulegen. Nachdem Sie es mir unmöglich gemacht haben, zum Wort zu kommen, verspreche ich Ihnen dafür, hundert Versammlungen abzuhalten, die zum Austritt aus der Kirche auffordern.(Heiterkeit.) Abg. Winckler(k.): Wir wollen, daß, wenn in diesem Häuft über religiöse Dinge geredet wird, daS in Formen geschieht, die der Würde des Gegenstandes entsprechen.(Sehr richtig I rechts; große Unruhe bei den Sozialdemokraten.) Nach den Erfahrungen, die wir gemacht haben, mußten wir annehmen, daß die Ausführungen des Redners, der zunächst zum Wort gemeldet war, dieser Würde nicht entsprechen würden.(Sehr wahr I rechts. Lachen bei den Sozialdemokraten.) Wir wollen, daß die Debatte in dem Ernst, wie sie bisher verlaufen ist, ins Land geht und nicht durch einen Mißklang gestört werde.(Bravo I rechts.) Abg. Hoffmann(Soz.): Herr Winckler hat durch die Worte:„Wir wollen" wohl am besten gekennzeichnet, worauf es ihm ankommt. Nebenbei hat er sich noch als Spiritist produziert, der vorher wußte, wa§ ich reden würde. Was jetzt von ihm als Grund angeführt wird, ist nichts als eine faule Ausrede, weil die Herren fürchten, ihr Techtelmechtel mit dem Zentrum könnte in das richtige Licht gestellt werden.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Präs. v. Kröcher: Dieser Ausdruck war doch etwas un freund- lich!(Heiterkeit.) Abg. Fischbeck(Fortschr. Vp.): Durch den Schluß der Debatte ist es mir unmöglich gemacht, die Beziehungen der Konservativen und des Zentrums näher zu beleuchten. So sehr nötig ist es aller- dings auch nicht, denn die Abmachung, die bei dieser Ab- stimmung zwischen dem Zentrum und den Konservativen wieder zu Tage getreten ist, spricht Bände.(Sehr wahr! links.) Das Volk wird danach über diese Interpellation zur TageS- o r d v u n g übergehen. Abg. Dr. Fricdberg(natl.) stellt fest, daß er durch den Schluß der Debatte verhindert worden ist, zu der Erklärung des Ministerpräsidenten namens seiner Freunde Stellung zu n e h m en.(Sehr wahr I links.) Abg. Graf Praschma(Z.) bestreitet gegenüber dem Abg. Fischbcck, daß eine Abmachung zwischen dem Zentrum und den Konservativen vorgelegen hat. Das Zentrum habe von vornherein erklärt, sich an der Debatte nicht zu beteiligen. Abg. Dr. Lohmann(natl.): Ich bedauere, verhindert zu sein, auf den letzten Teil der Erklärung des Herrn Ministerpräsidenten zu antworten und vor allem die Erklärung deS Zentrums in das rechte Licht zu-setzen, daß eS verhindert sei, sich an der Debatte zu be- teiligen. DaS Zentrum ist ja bekanntlich keine konfessionelle Partei. (Sehr gut! und große Heiterkeit links.) Damit sind die Interpellationen erledigt. ES folgt dt« zweite Lesung der Borlage, betreffend die Erhöhung der Zivilliste. Abg. v. JazdzewSki(Pole) gibt eine Erklärung ab, wonach seine Freunde, wenn auch angesichts der Polenpolitik der Regierung nur Sklavinnen") verfaßt. Das fünfte Kapitel dieses Romans bringt u. a. einen plumpen Hymnus auf— den Zuntzschen Kaffee l Da heißt es: „Tante Christine... hatte besten Zuntzschen, daS Pfund zu 2 M., herbeigeschafft..."—„Zuntzscher Kaffee ist eine vorzüg- liche Marke," ereiferte sich die Tante für ihr allerdings herrlich duftendes Gebräu.„Das Beste vom Besten. Wir ziehen ihn allen anderen Sorten vor."—„Ich weiß, ich weiß," erwiderte vollauf überzeugt Stolzenberg,„meine Schwester ist gleicher Ansicht." Leider hat unser Kieler Parteiblatt, das den Roman abdruckt, den widerlichen Reklamepassus auszumerzen vergessen, so daß„Der Zeitungsverlag" sich erlauben zu dürfen meint, in seiner Nummer vom 3. d. M. die„Schlesw.-Holst. VolkSztg." zu bespötteln. Dieser Vorfall sollte unsere Parteiredaktionen jedenfalls veranlassen, in diesen Dingen recht vorsichtig zu sein. — Gegen einen technischen Sprachunfug hat sich der berühmte Metallurg Professor Arnold mit aller Schärfe erklärt, nämlich gegen die Gewohnheit, neue Erzeugnisse der Industrie nüt Bezeichnungen zu belegen, die nach dem Namen des Erfinders ge- bildet sind. Die Technik ist auf diesem Wege schon mit Sprach« ungeheuer» wie„Martensit",„Austensit",„Osmandit",„Westrumit" und so weiter„bereichert" worden. Solange sich diese Mode nur auf Parfüms und Schuhcröme bezieht, brauchte man sich nicht um sie zu bekümmern. Dagegen sollte für wichtigere Dinge der Grundsatz in Geltung bleiben, ihnen einen Namen zu geben, der nach Möglichkeit über ihre eigentliche Natur und Berwertung etwas aussagt. — Eine Kinderlesehalle. Einen Versuch mit einer Kinderlesehalle machte man in Wiesbaden. Die Halle wurde vom dortigen Volksbildungsverein in einem vom Magistrat zur Verfügung gestellten Lokal eingerichtet. Im ganzen enthält sie vorläufig 170 Bände, vornehmlich Bilderbücher, ferncrMärchen, Sagen, Schwänke, auch einiges aus dem Gebiete der Naturkunde, Geographie und Ge- schichte. Um den Kindern das sinnlose Blättern und das flüchtige Lesen abzugewöhnen, werden die Bücher an einem Lesetag überhaupt nicht oder höchstens einmal gewechselt. Zum Nachzeichnen liegen 25 Zeichenblocks nebst Bleistiften, Gummi, Vorlagen usw. aus. Die Beschaffung von plastischer Knetmasse ist für die Folgezeit vor- gesehen. Ferner ist ein Nevolverstereoskop mit verschiedenen Bilder- serien vorhanden. Am Ende der Besuchszeit finden regelmäßig ProjektionSvorsührungen mit Lichtbildern nach Märchcnillnstrationeu oder in einer dem kindlichen Fassungsvermögen angepaßten Form ans den Gebieten der Hygiene, Länderkunde, Astronomie usw. statt. Im Durchschnitt wurde die Lesehalle, die wöchentlich zweimal ge- öffnet war, von 85 Kindern— hauptsächlich VolkSschülcr»— besucht; infolge Raummangels mußte häufig eine ganze Anzahl zurück- gewiesen und auf daS nächste Mal vertröstet werden. schweren HerzenS, so doch auS sachlichen Erwägungen heraus der Vorlage zustimmen würden, um dem Kaiser zu geben, ivas des Kaisers ist, sZuruf bei den Sozialdemokraten: Und wo bleibt das Volk?) Abg. Dr. Fricdlerg lnatl.): Nachdem uns in der Budget- komniission eine Reihe von Fragen ausführlich beantwortet sind, haben wir daraus die Ueberzeugung geschöpft, daß die ge- forderte Erhöhung der Zivilliste gerechtfertigt ist. Abg. Hoffmann(Soz.): Sie sehen, die E i n i g k e i t ist wiederhergestellt.(Heiterkeit.) Alle bürgerlichen Parteien sind bei dieser Rümmer wieder unter einem Szepter vereinigt, sogar von den Polen wird um gut Wetter gebeten— na, und für 3>/g Millionen wird ja wohl ein klein bißchen abfallen. Ich muß auf die Ausführungen des Herrn Finanz- m i n i st e r s bei der ersten Lesung eingehen. Ich stelle fest, daß es uns gar nicht eingefallen ist, von der Regierung zu der- langen, daß sie uns zu den vertraulichen Besprechungen hinzuziehe. Wir haben im Gegenteil dagegen protestiert, daß solche ver- traulichen Besprechungen stattgefunden haben. Auch in der Budget- k o m m i s s i o n ist ja übrigens die Sozialdemokratie— das paßt auch zu diesem Hanse— nicht vertreten, und so kam» die größte Zahl der Wähler, die hinter uns steht, nicht erfahren, welche Gründe eigentlich für die Dnrchpeitschung dieser Vorlage bestimmend sind. Bei der großen Heimlichkeit und Eile, mit der gearbeitet wird, muß man annehinen, daß Gründe dahinterstecken, welche die Parteien und die Regierung scheuen, der Ocffentlichkcit preiszugeben. (Sehr richtig I bei den Sozialdemokraten.) Um eine Illusion bin ich seit der ersten Lesung ärmer: ich glaubte, daß die Polen und Dänen mit uns stimmen würden. Die Dänen haben es vor- gezogen, gar nicht zu erscheinen, und waren darin jedenfalls schlauer als die Polen. Die Polen werden ja erkennen, daß sie auch hier, wie sooft, die Gcnassührten sind.(Sehr wahr! bei den Sozial- demokraten.) Ich bin überzeugt, daß Ihre Wähler sich das auf die Dauer nicht gefallen lassen werden, wenn Sie den Gardckürasstcrfiiefel küffen, mit dem sie getreten sind.(Sehr gut l bei den Sozialdemo- kraten.) Der Herr Staatsminister hat dann von der englischen Dotation gesprochen, hat sich aber wohl gehütet, auf die bayerische, sächsische und die Dotation des französischen Präsidenten einzugehen. Er meinte, der König von England habe als Herzog von Lancaster noch bebeutende Einnahmen. Ja, wir möchten doch einmal darüber Klarheit haben, welche bedeutenden Einnahmen dem» für unsere Krone als Nebeneimiahmen zu registrieren sind. Ich sprach schon neulich von den 40 Pferden, die jährlich aus Trakehnen kostenfrei nach Berlin zu liefern sind. Außerdem kommt das ungeheure Einkomnien, das die Krone durch ihre Guter hat, in Betracht. Was die angebliche Selbstlosigkeit der Krone im Jahre 1820 anbetrifft, so schreibt die nationalliberale„Rheinisch-Westfälische Ztg.": „ES ist eine starke Leistung, die Vorlage mit der Abtretung der Krondomäiren am Anfang des vorigen Jahrhunderts zu be° gründen. Die Krondomäne» gehörten von Rechts wegen über- Haupt nicht dem Monarchen, sondern dem Staat und sind von den einzelnen Fürsten widerrechtlich an sich gebracht. (Hört I hört l bei den Sozialdemokraten.) Auch sonst wäre mancherlei über die finanzielle Verlegenheit der Krone zu sage». Sie entspringt zum Teil einer Repräsentation, die keine sachliche Be- rechtigung hat." Und die„ V o s s i s ch e Zeitung" stellt gegenüber der Berufung des Finanzministers auf Gueist und Treitschke fest, daß Herr v. Rheinbaben sie offenbar mißverstanden habe, wenn er zu ihren Füßen gesessen hat. Ich würde eher annehmen, er hat nicht gut aufgepaßt. Weiter hat Herr v. Rheinbaben behauptet, die Krone erziele aus ihren Gütern nicht 8 Millionen, sondern nur 1700 000 M. Das ist recht'merk- würdig: aus nahezu 90 Gütern nur 1700 000 M. Erträgnis! Das muß ja eine furchtbare Wirtschaft sein, die dort herrscht! (Heiterkeit.) Vielleicht läßt die Krone ihre beschäftigungs- losen Mitglieder einmal Unterricht in der Verwaltung nehmen. Wenn aus 96 210 Hektar— so viel beträgt ja der Grundbesitz der Krone— nur 1 700 000 M. herauskomnien sollten, so wären das pro Hektar 17� M. Ich frage die Herren Rittergutsbesitzer— die Hand aufs Herz nicht nach der Steuerein schätzung, sondern nach dem Porte« m o n n a i e— ob sie mit 17% M. pro Hektar zufrieden sind? (Heiterkeit»ind Sehr gut l bei den Sozialdemokraten.) Vielleicht nimmt man den nun bald stellungslose» Derubnrg und läßt auch da etwas Ordnung in die Finanzen bringen.(Heiterkeit.) Dann könnten wir die 3% Millionen sparen. Ein bürgerliches Blatt schrieb vor kurzem: Vor HO Jahren betrug die Domänenpacht pro Hektar 4 Taler 10 Groschen, gegenwärtig etwa 39 M. pro Hektar, der Ertrag der Güter der Krone ist mit 3 Millionen nicht z u hoch geschätzt. Also auch in einem bürgerlichen Blatt wird sogar von dem Inhaber eines Majoratsgutes meine Angabe be- stätigt.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Am 11. Dezember 1901 hat Singer im Reichstag unwidersprochen fest- gestellt, daß die letzte Zollerhöhung auch den Krongütern allein eine Mehreinnahme von 476 280 M. für Getreide eingebracht habe.(Hört I hört I bei den Sozialdemokraten.) Und oa wollen Sie uns glauben machen, daß der Gesamtertrag 1 700 000 M. beträgt? I Dazu kommen ja noch die 160 000 Morgen Wald, die doch auch keinen geringen Ertrag bringen. AuS den staatlichen Forsten wurde 1908 an Holzverkäufen ein Reinerlös von 106 Millionen Mark erzielt. Da die Krone den 70. Teil der Waldungen des FiskuS besitzt, so müßte sie 1 400 000 M. aus ihren Forsten einnehmen. Da würden also die ganzen Güter der Krone nur 300000 M. einbringen. DaS ist eine Rechnung, die dem Volke zu denken geben wird. Auch das Privat- barvermögen, der Krontresor usw. kommen doch noch in Be- tracht, wenn eS sich um Erhaltung der Familienmitglieder der Krone handelt. Was die Theater und die Schlösser an- belangt, so habe ich schon gesagt, man sollte sie dem Staate, den Provinzen oder Gemeinden überlassen. Sie werden sie gern nehmen, wenn sie ihnen unentgeltlich überantworter werden(Zuruf rechts.) Selbstverständlich: eiwas, was einem nur Kosten macht, muß inan doch froh sein, lozuwerden.(Sehr richtig I) Aus den„alten Kasten", wie der Finanzminister die Schlosser nannte, könnten Stätten der Bildung und der Bolkswohlfahrt gemacht werden, aus den Thea»-»»-. wirkliche flunfttempel, die nicht von der Laune eines Einzelnen geleitet werden.(Sehr gut! be» den Sozial- demo-raten.). �,..... Zum soundsovielsten Male hat bann der Herr Finanzminister das Märchen von der soziale» Fürsorge der Krone uns vorgehalten und behauptet, daß die Krone den Gedanken der sozialen Fürsorge gehabt hat.(Sehr richtig I rechts) Nein, das ist sehr falsch, wie ich beweisen werde. Am 27. Februar 1879. also einige Jahre vor dem erste» kaiserlichen Erlaß über die soziale Fürsorge, wurde in der 3. Kommission des Reichstages eme Resolution, die von dem Freiherrn v. Stumm herrührte, vorgeschlagen auf baldige Vorlegung eines Gesetzeutwurss be- treffend Errichtung von Invaliden-, AltersveriorgungSIasten für Fabrikarbeiter mit obligatorischer Beitragspflicht. Die Resolution wurde in der Generalversammlung des Zentral- Verbandes Deutscher Industrieller ain 22. September 1879 beraten und dazu folgende Resolution des Generalsekretärs Beutler ein- stimmig angenommen:„Die Versorgung bezw. Unterstützung invalider und altersschwacher Arbeiter, ihrer Witwen und Waisen darf nicht lediglich den bisherigen Verpflichteten, insbesondere den betreffenden politischen Verbänden überlassen werden, es niuß viel- mehr für diefen Zweck daneben die Errichtung besonderer Kassen, bei welchen Arbeitgeber und Arbeiter durch Beiträge und an der Verwaltung beteiligt sind, angestrebt werden." Also schon damals hat wenn Sie die sozialdemokratische Priorität nun einmal nicht anerkennen wollen, der Verband der Industriellen Rhein land und Westfalens diesen Antrag aus Furcht vor der Sozialdemokratie gestellt.(Lachen rechts.) Auch Ihr Liebling Bismarck hat ja erklärt, ohne Sozialdemokratie hätten wir noch nicht die geringsten Anfänge einer sozialen Rcforin.(Sehr wahr! bei den Sozialdem. Also man sollte endlich aufhören, mit solchen sozialen Märchen zu kommen. Man sagt, ein Drittel zahlt der Arbeiter, ein Drittel der Arbeitgeber und ein Drittel das Reich zu der sozialen Ver sicheruug. Das zweite Drittel aber wird doch gezahlt von dem, waS der Arbeitgeber den Arbeitern vom Lohne abzieht, und was das Drittel des Reiches anbelangt, so ist es wieder die Arbeiter schast, die infolge der indirekten Steuern auf die notwendigsten Lebens- und Gebrauchsartikel diese Beiträge mitbezahlt.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Der Arbeiter bekommt keinen Pfennig, den er nicht selber aufgebracht hätte, direkt oder indirekt. Er unterhält aus den Summen, die er ausi bringen muß, noch eine ganze Reihe Ihrer Söhne in höheren Verwaltungsstellen.(Lachen rechts.) Ich will Ihnen als Beweis die Aeußerung eines Konservativen anführen. Der Abg. Schmidt-Mtenburg— er ist allerdings freikonservativ, aber auf den kleinen Schönheitsfehler werden Sie ja kein Gewicht legen (Heiterkeit)— führte in der außerordentlichen Generalversammlung des Deutschen Tabakvereins am 24. November 1907 in Dresden aus: „Heute werden die Beiträge für die soziale Versicherung auf das Unkostenkonto oder Lohnkonto gebucht, sie werden selbst verständlich mitkalkuliert und erscheinen im Preise der Waren schließlich wieder. Jedenfalls ist soviel sicher, daß man von einem besonderen Drücken dieser Belastung kaum reden darf.(Hört! hört! bei den Sozial demokraten.) Namenilich, wenn man diese Slimmen einmal ausrechne: als zentteil des Jahresumsatzes, wobei nicht mehr als% Proz herauskommt.(Hört I hört! bei den Sozialdemokraten.) Da kann man wirklich dem Finanzminister sagen: viel Geschrei und wenig Wolle.(Als der Redner eine Pause macht, um Wasser zu triiilen, ivird ihm aus den Reihen der Rechten P r o st zugerufen.) Die Herren scheinen das Preußische Abgeordnetenhaus mit einem Operettentheater i verwechseln.(Heiterkeit.)(Der Redner wird von dem Abg. iebknecht darauf aufmerksam gemacht, daß der Finanzminister vor sich eine Anzahl„Soziali st ische Monatshefte" ltegpn hat.) Ja, ich weiß ja, daß uns nun hinterher wieder aus den Sozialistischen Moiiatshefteii". der einzige» Fundgniie für unsere Gegner Vorlesungen gehalten werden werden. Wir stehen den„Sozialistischen Monatsheften" so skeptisch gegenüber, daß wir beinahe schon glauben, daß, wenn auch nicht direkt, aber indirekt, vielleicht auch ohne Wissen der Herren, das Material dort hiiicinlanziert wird, daß Sie hier ge- brauchen können. Ich verweise ferner darauf, daß nach der Produktionsstatistik von den 10 M., die die Herren Großindustriellen durch den Schutzzoll in ihre Taschen bekommen haben, nur 27 Pf. für Arbeiterversicherung hergegeben werden.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Dem Herrn Finanzminister erwidere ich weiter, daß ich durchaus nicht die Höhe der Bezüge der Hofbeamten bemängelt habe, sondern verlangt habe, daß die Krone diese Gehälter a»s ihrem Privateigentum bezahlt.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) WaS die soziale Versicherung anlangt, so kommt noch hinzu, daß die Arbeiter außer ihren Bei- trägen auch noch bei der Arbeit Leben und Gesundheit einsetzen. Das ist ein ganz anderes Risiko als da« der ab- und aufsteigenden Konjunktur für die Unteruehmer.(Sehr wahr! bei den Sozial- demokraten.) Ferner hat der Finanzminister betont, daß 19 Millionen unserer Bevölkerung überhaupt nicht zur Steuer herangezogen würden. Ist das etiva eine rühmensioertc Tatsache, oder ist es nichl vielmehr beschämend, daß 19 Millionen ein so geringes Einkommen haben?(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Ferner führte Herr v. Rheinbaben preisend an, der Durchschnittslohn der Arbeiter wäre gestiegen von 2,39 M. auf 3,18 M. Wegen der 79 Pf. Steigerung wirft man sich also noch lobend in die Brust! Und wegen dieser Lohnsteigerung verlangt man die Bewilligung der 3% Millionen! Daß aber das Vermögen einer Handvoll Millionäre sich seit 1896 um jährlich 700 Millionen vermehrt hat, sagt der Finanzminister nicht. Damit hat er recht! ein tiefer Abgrund gähnt zwischen unserer und seiner Welt- anschauung. Sie meinen, das Volk ist da zur Erhaltung drS Wohllebens, der Ucppigkcit und Verschwendung drr Be- fitzenden, wir meinen, wer alles schafft, hat auch daS Recht, seinen Platz zu verlangen an dem mit seiner Hilfe von der Natur gedeckten Tisch. Die Arbeit, die marmorne Paläste baut, muß-st in den elendesten Hütten verkommen, sie schafft seidene Gewänder»nd hat häufig nicht Lumpen genug, um ihre Blößen zu decken. Sie bringt die größten LuruSwaren hervor und hat oft für sich und ihre Kinder nicht das trockene Brot. Wir meinen, daß auf Grund dieser Tatsache alle geistig und physisch Arbeitenden in unserem Volke sich dem Banner der Sozialdemokratie anschließe» müssen. (Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Herr v. Rheinbaben be- hauptete dann, wir hätten kein Recht, im Namen der Arbeiter zu sprechen und sprach von 1 800 000 Arbeitern, die wir hinter uns hätten, während es 19 Millionen Arbeiter gäbe. Die Statt st i k scheint bei ihm schwach zu sein, Kopfrechnen cbenfalls.(Heiterkeit.) Nach der letzten amtlichen Statistik von 1907 gab es in Preußen 11 950 618 Arbeitsgehilfen aller Art. Davon sind männliche 6 932 833, also 12 Millionen sind schon von den 19 Millionen abzuziehen, außerdem gehören zu den Arbeits- gebilfen auch das Aufsichtspersonal, die Werkmeister; das kaufmännisch gebildete und Verwaltungs- personal usw., und ferner sind alle aus irgend welchen Gründen nicht wahlberechtigte Personen abzuziehen. Herr Finanzminister, mit solcher Recheiiluiist ständen Sie im bürgerlichen Privatleben nicht einmal an letzter Stelle als Buchhalter eines kleinen Geschäfts. (Sehr gut I bei den Sozialdemokraten; Heiterkeit,) Aber zum Finanzminister in Preußen da langtS noch! Herr v. G w i il n e r hat ja im Hause da drüben das Nötige darüber gesagt. Mit solchen Mittel» sucht ma» die Erhöhung der Zivilliste durchzusetzen. Nein, das GroS der Industriearbeiter gehört zu uns, und daflir, daß wir die L a n d a r b e i t e r gewinnen, sorgt schon die Tätigkeit der Konservativen, besonders in diesem Hause. Zum Schluß will ich„och darauf hinweisen, wie man im Zentrum über die Bewilligung der 3% Millionen denkt. So bezeichnete eS die .WestfältscheNundschau" als eins Dreistigkeit, daß man als Grund der Erhöhung für die Zivilliste die allgemeine LebenSverteuerung anführt. Sie schreibt:„Die offiziöse Berufung auf die allgemeine LebenSverteueruilg ist auch eine dreiste U n- Wahrheit, weil diese allgemeine Lebensverteuerung der Krone weit mehr Einnahmen bringt, als sie ihr Ausgaben verursacht. Die künstliche Preissteigerung aller Lebensmittel durch Zölle, das Steigen des arbeitslosen Einkommens aus der Boden- reute. kommt der Krone als einem der größten Grundbesitzer des Reiches in besonders hohem Maße zugute."(Zuruf im Zentrum: Das ist kein Zentrumsblatt!) Zum Schluß heißt es aber aus- drücklich:„Selbstverständlich wird daS Z e u t r u m als rechte Volkspartei gegenüber dieser ganz unnötigen neuen Belastung nur ein glattes Nein haben."(Hört! hörtl bei den Sozial« demokraten) Nun, Sie stimmen ja für die Erhöhung, «m den Block nicht mlscinander zu treiben, der jetzt in die doppelte Gefahr gekommen ist durch die Sache, die Sie vorhin so hübsch abgetan haben. Ich bin noch sehr im Zweifel, ob, was der Papst gesagt hat, nicht eine bestellte Arbeit war. Jedenfalls können wir das zur Wahl sehr gut brauchen. Nun, die Bewilligung dieser 3% Millionen in der über- stürzten Hipp-Hipp-Hurra-Stimmung durch das Zentrum wird Ihren Wählern die Augen öffnen. Bei Philippi sehen wir»ms wieder! (Bravo! bei den Sozialdemokraten.) Finanzminister Frhr. v. Nheinbaben: Ich stelle nochmals fest, daß die Krone seinerzeit zweifellos das Vcrfügungsrecht über die Revenüen der Domänen und Forsten hatte. Wenn sie sich darauf beschränkt hatte, nur eine Revenüe von 2% Millionen Taler zu beziehen»md den übrigen wertvollen Besitz für den Staatskredit herzugeben, so war das in der Tat ein großer Akt der Selbst- l o s i g k e i t dem Staate gegenüber.(Widerspruch bei den Sozial- demokraten.) Daß die Krone aus ihren Gütern nur 1 700 000 M. bezieht, ist festgestellt, mag sich auch Herr Hoffmann auf Autoritäten wie Herrn Singer»md das„Berliner Tageblatt" be- rufen.(Lachen bei den Sozialdemokraten. Heiterkeit rechts.) Von einer Mißwirtschaft ist keine Rede. Die Schlösser sind eine schwere Last für die Krone, aber solche Schlösser wie in Zelle und Osnabrück lauft uns niemand ab. Und wer übernimmt die Kosten für Theater wie in Hannover und Kassel? Und wie lann man die Autor- schaft der Krone an unserer sozialen Fürsorge bestreiten? Kaiser W ilh e lm der Große und B is m a r ck haben die soziale Gesetz- gebung durch Einsetzung ihrer ganzen Persönlichkeit geschaffen. Unsere ganze Gesetzgebung ist im Interesse der Arbeiter gegeben.(Sehr richtig! rechlS; Lachen b. d. Sozialdemoklaten.) Selbst von sozialdemokratischer Seite»st anerkannt worden, daß sich die Lage unserer Arbeiter in den letzten Jahren erheblich gebessert hat. Der Sozialdemokrat Schippe! hat zugegeben, daß die Belastung der Arbeiter durch indirekte Steuern in anderen Ländern weit größer ist als bei uns. Die Arbeitgeber wälzen nicht die Kosten unserer Sozialpolitik auf die Arbeitnehmer ab, sondern sie tragen vielmehr auch ihrerseits in den erhöhten Löhnen noch die Beilräge der Arbeiter.(Abg. L e i n e r t ruft: Er hat ja keinen Schimmer von Ahnung! Präsident v. K r ö ch e r ruft den Abg. Leinert zur Ordnung.) Wenn die Löhne wirklich so unerhört schlecht wären, so wäre es unerhört, daß die Gewerkschaften so hohe Abgaben erheben.(Sehr richtig I rechts. Zu- rufe bei den Sozialdemokraten.) Von 1881 bis 1907 sind die Ge- werkschaftsbeiträge von 6,68 auf 27 M. gestiegen.(Hört! hört! rechts. Zuruf des Abg. Liebknecht: Was geschieht mit dem Gelds?) Damit wird sozialdemokratische Agitation gemacht.(Z»lruf bei den Sozialdemokraten: Unverschämte Behauptung.) Ich behaupte auch nach wie vor, daß die Sozialdemokratie kein Recht hat, sich als Vertreter der preußischen Arbeiter zu gerieren. In den Gcwerkschaflen sind 1 800 000 Arbeiter organisiert, während 19 Millionen in Betracht kommen. Von den Wählern hat die Sozialdemokratie nur 23 Proz. auf sich vereinigt, von den llrwahlberechticsten in Preußen haben nur 7 Proz. für die Sozial- demolratie gestimmt. lZuruf bei den Sozialdemokraten: Bei dem Dreiklassenwahlrecht I) Emstwcilen wählen wir nach diesem Wahl- recht und die Sozialdemokratie hat kein Recht, namens der preußischen Arbeiter zu sprechen.(Bravo! rechts.) Die Abgg. Frhr.». Zedlitz(fk.), Fischbeck(Fortschr. Lp.) Md Herold(Z.) erklären ihre Zustimmung zu der Vorlage. Die Vorlage wird hieraus in zweiter Lesung gegen die Stimmen der Sozialdemokraten angenommen. ES folgt die dritte Lesung. Abg. Hirsch(Soz.): Die entstellenden Ausführungen des Finanzministers über die Sozialdemokratie und die Gewerkschaften zwingen mich noch zu einigen Bemerkungen. Dieselbe Rede hat der Finanzminister schon 1908 im November im Reichstag beinahe wörtlich so ge« halten. Die Erwiderung meines Parteifreundes S ü d e k u m von damals hat er ignoriert, weil sie ihm jedenfalls nicht in den Kram paßte. Die Zahlen über die Gewerkschaften, die er anführte ind � richtig, aber die Folgerungen daraus sehr oberflächlich. Zunächst gibt eS keine sozialdemokratischen Streiks, sondern nur «weiks der einzelnen Gewerkschaften. Sodann scheint der Herr Finanzminister nicht zu wissen, daß ein großer Teil der Beiträge, die der Arbeiter an-die Gewerkschaften zahlt, zu llntrrftützunge» ver« wendet werden. Er weiß offenbar nicht, daß gerade die GeWerk- chaften, die seiner Meinung nach sozialdemokratisch find, dem Staate große Aufgaben abnehmen und mit Hilfe der Beiträge der Arbeiter Pflichten erfüllen, denen sich der Staat entzieht. So ind 900000 M. Rciscuntcrstützung, die die Gewerkschaften in einem Jahre gezahlt haben, sicher eine wesentliche Entlastung der ArmenbudgetS.(Sehr wahr 1 bei den Sozialdemokraten.) Weiter haben die Gewerkschaften 3% Millionen für Krankenuntrrstüyung in einem Jahre ausgegeben.(Abg. Dr. Liebknecht: Davon weiß der Herr Finanzminister nichts I) Ferner sind nicht weniger als 6% Millionen für Arbritsloscnuntcrftütziing von den Gewerkschaften ausgegeben.(Abg. Dr. Liebknecht: Auch davon weiß der Fulanzminister nichts!) Der Staat kümmert sich um die Opfer der Arbeitslosigkeit nicht.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Dazu kommt dann 1 400 000 M. Unterftützmigen in Not« und Sterbcfällen. Für Streiks find im ganzen nur 13 Millionen Mark au». gegeben. Dabei kommt in Betracht, daß die Gewerkschaften auch vor allem Kampforganisationen sind, die die Arbeiter zu Klassen» kämpfern schulen sollen. Dey Kämpfen der Gewerkschaften ist es zu verdanken, wenn die Löhne der Arbeiter heute höher sind als vor 10 und 20 Jahren, nicht etwa der weisen Sozialpolitik unserer Regierung(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Die Arbeiter zahlen ihre Beiträge an die Gewerkschaften mit Freuden, weil sie wissen, daß diese Beiträge tausendfache Früchte tragen.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Wenn der Finanzminister auf die Steigerung der Löhne hinweist, die niemand bestreitet, so fragt eS sich aus der anderen Seite, wie ist die Kaufkraft des Geldes?(Sehr wahrl bei den Sozialdemokraten.) Zieht man diesen Vergleich, so kommt man zu dem Schluß, daß die Lage der Arbeiter eher schlechter als besser geworden ist.(Sehr wahrl bei den Sozialdemokraten.) Aber auch diejenigen meiner Partei- freunde, die der Ansicht sind, daß die Lebenshaltung der Arbeiter sich gehoben hat— es sind ja nur sehr wenige—, Wersen darauf hin, wie gewaltig groß der Unterschied zwischen den Einkommen der Besitzenden und denen der Arbeiter� geworden ist. (Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Diese Kluft wird immer größer. Solche Aeußerungen wie die des Herrn v. Rheinbaben sind nur möglich in diesem Hause, wo man das Wesen der Arbeiter- klaffe, die Arbeiter überhaupt nicht kennt, wo man sich nur für sie interessiert, wenn man um ihre Stimmen bei den Wahlen buhlt. (Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Vorgänger des Herrn V. Rheinbaben haben gerecht über die Sozialdemokratie und die Gewerkschaften geurteilt. So hat Herr v. Berlepsch anerkannt, daß bei Tarifverhandlungen von feiten der Führer der Gewerk- schaften alles geschieht, um bestehende Differenzen in Frieden auszugleichen, und Streiks und Aussperrungen zu vermeiden. (Hörtl hört! bei den Sozialdemokraten.) Männer, die sich ernst- hast mit sozialpolitischen Fragen beschäftigt haben, die daS Wesen der Gewerkschaften studiert haben, können eben nie und nimmer ein solches Ucteil abgeben, wie wir es heute und vorgestern vom Ministertisch unter dem Jubel der Mehrheit dieses Hause? gehört haben.(Sehr wahrl bei den Sozialdemokraten.) Der Minister scheint auch nicht zu wissen, daß viel öfter als Streiks von den Gewerkschaften inszeniert werden, die Gewerkschaften selbst von den Nntcrnclimcrn ausgesperrt werden.(Sehr wahrl bei den Sozial- demokraten.) Weiß der Herr Minister nichts von dem gewaltigen Kampf im Baugewerbe» wo brutal Hunderttausende von Arbeitern und Handwerkern, auch Christliche, von den Bguunternehmern auf das Pflaster geworfeq Korden find? Damit diese Opfer des Kapitalismus nicht Hungers sterben, dazu sind die Kassen der Gewerkschaften da. Sie sind für die Arbeiter die besten Spareinlagen.(Sehr wahr! bei den Sozial- demokraten.) Der Herr Minister behauptet deinqegenüber, wir hätten kein Recht, uns alz Vertreter der Arbeiterklasse aufzuspielen. Wie froh wäre er, wenn auch nur der zehnte Teil der Preußen, die auf unserer Seite stehen, seinen Ansichten folgen würden. (Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Er stützt sich auf die Landtagswahlstatistik. Der Minister weiß doch aber, daß wir das geheime Wahlrecht noch nicht haben, und daß unter dem Terrorismus der herrschenden Klassen eine große Zahl von Arbeitern nicht wagen kann, öffentlich zu stimmen. Bei den Reichstagswahleu traten trotz des Hochdrucks, mit dem man gegen uns arbeitete, 23 Proz. aller an der Wahl Be- teiligten für uns ein. Das ist etwas mehr als 7 Proz. Die Zahl paßt dem Herrn Minister nicht in den Kram. Der Minister be- hauptet dann, daß in der Sozialdemokratie niemand seine An- sichten vertreten könne. Er hat jedenfalls hier die Sozialdemokratie mit den Staatsbetrieben verwechselt.(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Wer dort seiner Ueberzeugung entsprechend wählt, fliegt hinaus.(Sehr wahrl bei den Sozialdemokraten.) Gerade in unserer Partei herrscht eine Meinungsfreiheit wie in keiner anderen.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten, Lachen rechts.) Selbstverständlich ist, daß diejenigen, die erklären, nicht auf dem Boden des sozialdemokratischen Programms zu stehen, die Konsequenzen zu ziehen haben, und daß man sie im anderen Fall die Tür von draußen zumachen läßt.(Aha! rechts.) Sie mögen ja auch Leute in Ihren Reihen behalten, die bei den Wahlen gegen Sie stimmen. Wir können nur überzeugte Anhänger ge- brauchen. Und gerade weil die Begeisterung der sozialdemokrati- schen Arbeiter für ihre Partei so groß ist, haben wir so gewaltige Erfolge errungen, die uns auch der Herr Finanzminister nicht wird wegreden können.(Lebhafter Beifall bei den Sozialdemo- kraten.) Die Vorlage wird hierauf in dritter Lesung und in der Gesamtabstimmung gegen die Stimmen der Sozialdemokraten an- genommen. Die zweite Beratung des Gesetzentwurfs über die öffent. lichen Versicherungsanstalten wird nach einigen Be- merkungen des Abg. Dr. Wendtlandt(natl.) und des Ministers v. Moltke vertagt auf Freitag 11 Uhr.(Außerdem Wahl- Prüfungen, zweite Lesung des Wohnungsgeld. «uschußgesehes, Initiativanträge.) Schluß 4H Uhr._ Verdlmdstfig der Kraueremrbetttr. Berlin, S. Juni. In der heutigen Sitzung wurde die Diskussion über die Frage der Verschmelzung mit dem Verbände der Mühlenarbeiter fort- gesetzt, doch wurden neue Gründe für und gegen die Verschmelzung nicht mehr vorgebracht.— Etzel sagte in seinem Schlußwort, seine gestrige Bemerkung über die Generalkommission sei von Sasscnbach mißverstanden. Die Generalkommission könne sich den Einflüssen, welche die auf den Gewerkschaftskongressen und Vor- ständekonferenzen zum Ausdruck kommenden Machtverhältnisse ausüben, nicht entziehen. Sie sei allerdings bei Entscheidung von Grenzstrcitigkeiten in einer schwierigen Lage. Dem Brauerei- arbeiterverbande gegenüber habe sie bei Entscheidung von Grenz- streitigkeiten stets loyal gehandelt. Wegen der Abstimmung über die Verschmelzungsfrage entstand eine längere GeschäftsordnungSdcbatte Mehrere Delegierte er- hoben Einspruch dagegen, daß jetzt schon die endgültige Abstimmung borgenommen werde, ehe das gemeinsame Statut beraten und an- genommen sei, denn von der Gestaltung des Statuts, besonders der UnterstützungSeinrichtungen, hänge es ab, ob der Verschmelzung endgültig zugestimmt werden könne. Ein von T r ö g e r- Berlin gestellter Antrag, die Abstimmung bis nach Fertigstellung des Statuts auszusetzen, wurde abgelehnt, ebenso ein Antrag, daS Statut ohne Hinzuziehung der Mühlenarbeiter zu beraten. Dann erklärte sich der Verbandstag mit 43 gegen 14 Stimmen im Prinzip für die Verschmelzung mit dem Verbände der Mühlen- arbeiter. Weiter wurde beschlossen, die Statutenberatung gemein- sam mit den Delegierten des MühlenarbeiterverbandeS vorzu- nehmen, die zu diesem Zweck heute abend in Berlin eintreffen. Hierauf hielt der BerbandStag eine geschlossene Sitzung ab, aus der auch die Vertreter der sozialdemokratischen Presse in einer nicht gerade taktvollen Weise hinausgewiesen wurden. Als nachmittags die Ocffentlichkcit wieder hergestellt war, hielt Genosse Robert Schmidt einen Vortrag über die ReichSver- ficherungSordnung. Seine Ausführungen fanden allseitigen Bei- fall. Ohne Debatte stimmte der BerbandStag der vom außerordent- lichen Gewerkschaftskongreß zur Reichsversicherungsordnung an- genommenen Resolution zu. t3. Gkneralversammlung der Schnhmachtr Dtntschlniids. Köln, 8. Juni. Der Mittwoch vormittag brachte die Schlußworte von Simon i.nd Haupt und die Abstimmung über die zum Vorstandsbericht gehörigen Anträge. Beide Referenten gingen in langen Aus- Führungen auf die Ausstellungen der Delegierten ein, und Simon zeigte an drastischen Beispielen, daß viele Ortsverwaltungen ihre Formeln im brieflichen Verkehr mit dem Vorstande wirklich nicht aus Knigges Umgang mit Menschen schöpfen. Simon trat warm für die Entsendung der S t u d i e n k o m m i s s i o n nach England und Amerika ein. Dt« Möglichkeit, die im gestrigen Bericht ge- zeichneten Flunkereien der Unternehmer mit einwandfreiem Ma- tcrial über Technik, Lohn- und Arbeitsverhältnisse der Schuh- industrie der Konkurrenzländer zurückzuweisen, wiege die Kosten der Studienreise sicher auf.— Di« Generalversammlung nahm denn auch den bezüglichen Antrag an. Ferner zwei Anträge, nach denen der Vorstand für die Zahlstellenfunktionäre laufend ein ge- eignetes AgitationSmaterral beschaffen und des weiteren eine Lohnstatistik unter sämtlichen Arbeiterkategorien des Berufs veranstalten soll. Der Antrag, der Berliner Zahlstelle jährlich 1000 M. Extrazuschuß zu bewilligen, wurde dem Vorstande zur Berücksichtigung überwiesen. Abgelehnt wurde, der Filiale Wermelskirchen ein von der Hauptkasse empfangenes Darlehen zu streichen, in Rheydt einen besoldeten Beamten anzustellen, den Vorstand zu beauftragen, der nächsten Generalversammlung ein neues Schema für die Gewährung von Unterstützungen vorzulegen._ Mittags wurde mit der Begründung der vielen zu Punkt 3 der Tagesordnung: Statutenberatung gestellten Anträge begonnen. Die vielen zum Kapitel Kranken- Unterstützung gehörenden und ähnliche Anträge wurden schließlich einer fünfgliedrigen Kommission überwiesen. Ueber einige andere erfolgte die Abstimmung, so über die zur Jugendfrage ge- stellten Anträge. Die Generalversammlung lehnte sie ab und er- klärte, daß es wenigstens vorläufig noch nicht angebracht sei, eine Jugendabteilung mit geringen Beiträgen oder überhaupt feste statutarische Bestimmungen in bezug auf die Jugendlichen zu treffen. Die Verhältnisse lägen so verschieden in den einzelnen Orten, daß mit einer Schematisierung nicht da? Richtige zu treffen sei. Der Vorstand solle bis zur nächsten Generalversammlung ge- eignete Vorschläge unterbreiten. Die älteren Arbeiter sollen sich aber mehr um die Jugendlichen bemühen und ste für die Orga- nisation gewinnen. Bei diesen Erörterungen wurde berichtet, daß daS Offenbacher Gewerkschaftskartell eine Jugendorganisation mit 13 Pf. festen Wochenbeiträgen errichtet habe, für die eine wöchentliche Kranken- Unterstützung von 3 M. geleistet würde. Eine Anzahl Redner mißbilligten diese Unterstützung scharf, da sie sie für geeignet hielten, nicht die jungen Leute zur Orga- utsation heranzuziehen, sondern sie eher von ihr fernzuhalten. Auch Simon wandte sich entschieden gegen diese Art der Jugend- organisation, die nicht den Beschlüssen des Parteitages und Ge- Werkschaftskongresses entspreche und wünschte, daß die General- kommission Schritte dagegen unternehmen würde. In ihrem größten Teil bezogen Beratungen und Abstimmungen sich auf interne Verbandsangelegenheiten. Ein Beschluß spricht allen Mit- gliedern das Anrecht auf Unterstützung ab, die länger als vier Wochen ohne Stundung mit den Beiträgen im Rückstände sind. Für halbe Tage wird keine Unterstützung gewährt. Ein Antrag, den männlichen verheirateten Mitgliedern die Streikunterstützung pro Woche um 2 M. zu erhöhen, wurde nach lebhaftem Für und Wider abgelehnt. Am Donnerstag werden die Abstimmungen weitergeführt. ([ehute Generalvtchmmlnng des Ientralvereins der in der At-«nd MMrelMidustne beschäftigten Arbeiter. A l t e n b u r g, 8. Juni 1810. Dritter Verhandlungstag. Auf der Tagesordnung steht die Beratung von Anträgen auf Statutenänderung. Soweit Beschlüsse gefaßt werden, betreffen sie rein geschäftliche Angelegenheiten. Die Arbcitsnachwcisfrage wird nochmals aufgerollt. Es wird dabei festgestellt, daß mit den Verbandsarbeitsnachweisen vielfach keine guten Erfahrungen ge- macht sind. Nur die Berliner sind mit ihrem Nachweis zufrieden. Sie haben die Unternehmer zur vollen Anerkennung des Nachweises gezwungen. Die hohen Ausgaben für Arbeitslosenunterstützung hätten in den besonderen Umständen, Saisonarbeit usw., ihren Grund, nicht im Arbeitsnachweis. Allseitig wird anerkannt, daß die Art der Arbeitsvermittelung nur nach den örtlichen Verhält- nissen gewählt werden müsse und die unbedingte Verpflichtung zum Verbandsnachweis nicht mehr zu halten sei. ES wurde deshalb folgendem Antrage zugestimmt: „Für gewisse Branchen und Orte kann vom VcreinSvorstand auf Antrag der betreffenden Mitglieder resp. Mitgliedschaften unser Arbeitsnachweis aufgehoben und der Errichtung paritä- tischer Arbeitsnachweise zugestimmt werden. Die wichtigste der vorgeschlagenen Statutenänderungen ist die Einführung der Erwerbslosenunterstützung. Schon die Gubener Generalversammlung beschäftigte sich mit dieser Frage und vor der jetzigen ist schon eingehend in der Presse und in Versamlungen über die Frage debattiert worden. Der Ver- bandsvorstand schlägt vor, den Wochenbeitrag um 10 Pf. zu erhöhen und dafür die Krankenzuschußkasse nach drei Jahren in den Ver- band aufzunehmen. Die hohen Unterstützungen dieser Kasse können natürlich dann nicht weiter gezahlt werden. Es soll nach Zahlung von 52 Wochenbeiträgen maximal für 26 Wochen 124,86 M. Kranken- und Arbeitslosenunterstützung gezahlt werden. Arbeits- losenunterstützung soll erst vom vierten Tage ab gezahlt werden. Von Berlin liegen Anträge vor auf Staffelung der Unterstützung gemäß der Dauer der Mitgliedschaft, Einverleibung der Invaliden- lasse in den Verband. Die Berliner beantragen auch die höchste Erhöhung der Beiträge. M« tz s ch k e- Altenburg begründet in einem längeren Referat die vom Vorstand gemachten Vorschläge. ES komme vor allem darauf an, nachdem im Beruf der Großbetrieb und die Arbeit der Ungelernten überhand genommen habe, sich diesen neuen Verhält- nissen anzupassen und vor allem diese breiten Schichten Ungelernter zu organisieren. Vielfach hätten die aber ein größeres Interesse an einem Krankenzuschuß als an der Arbeitslosenunterstützung. Dem müsse Rechnung getragen werden. Die Zuschutzkasse könne nicht mehr aufrechterhalten werden, da sie nicht mehr zu halten sei und bis jetzt nur noch dadurch existiert habe, daß der Verband Zu- schüsse und die Verwaltungskosten bezahlt habe. ES sei auch not- wendig, die Unterstützungen etwas zu schmälern und dadurch den Kampfcharakter der Organisation zu stärken. Von der dreitägigen Karenzzeit für Arbeitslose erhofft er unter anderem auch eine Sanierung der Berliner Kassenverhältnisse. In der D e b a t t e erklären sich alle Redner(mit Ausnahme von Köhl er- Berlin, der von der Organisierung der„Massen", die kein« guten Mitarbeiter in der Organisation werden, nicht viel und eine kleinere, aber entschlossene Truppe für besser hält) für die EriverbSlosenunterstützung. Viele Redner wenden sich aber zum Teil recht heftig gegen die dreitägige Karenzzeit und die Aufhebung der Zuschußkasse. Sie wollen lieber höhere Beiträge zahlen, als auf die Kasse verzichten. Nur einige Redner erklären sich mit den Prinzipien der Vorstandsvorlage einverstanden. Die Debatte wird weitergeführt._ Frau von Schönebeck vor den Gefchworenen. Zu Beginn der gestrigen Verhandlung beantragte der erste Staatsanwalt Schweitzer den völligen Busschluf) der Oeffentlick- keit für die Presse, da einige Dinge sexueller Art doch in den Zei. tungen gestreift seien. Die Verteidigung widerspricht diesem An- trag. DaS Gericht bcschlost, die Presse auch weiter zuzulassen. Der Vorsitzende richtete jedoch an die Presse das Ersuchen, nichts von dem, was das sexuelle Gebiet berührt, zu veröffentlichen. Einem solchen Wunsch kann bei einem Prozeh, in dem da« Serrmlleben eine außerordentlich wesentliche Rolle spielt, natürlich nicht entsprochen werden. Gemeint ist vom Vorsitzenden wohl nur, daß nach Möglichkeit Namen und Details nicht mitgeteilt werden — ein Verlangen, das auch ohne besonderen Wunsch von un» stets erfüllt wird. Die Vernehmung der Angetlagten bezieht sich auf ihr Verhältnis zum Hauptmann von GSben und auf die Vorgänge vom 25. Dezember. Der Vorsitzende will den Wider- spruch aufklären, der darin liege, daß die Angeklagte sagte, sie habe das ernstliche Bestreben, sich m»t Hauptmann von Göben zu verhei- raten, nie gehabt, während sie früher das Gegenteil gesagt habe. Angeklagte: Wenn er mich drängte, hatte ich wohl den Gedanken, mich mit ihm zu verheiraten. Spächir habe ich davon wieder Ab- stand genommen. Ich sagte mir, nein, ich kann nicht, und bat den Hauptmann von Göben, mich in Ruhe zu lassen.� Das hing immer von meinen Stimmungen ab. Der Vorsitzende hält der Angeklagten vor, daß in ihrem Briefwechsel mit der Mutter des Hauptmann» von der Verheiratungsabsicht die Rede gewesen sei. Angetlagte: Göben hatte ich lieb und er liebte seine Mutter außerordentlich. Er sprach sehr oft von seiner Mutter zu mir und äußerte, er wtlrde sich riesig freuen, wenn ich an die alte Dam« schriebe. Da» tat ich. sie antwortete furchtbar nett und da habe ich wieder geschrieben, ohne zu überlegen, was ich tat. Wenn ich der alten Dame schrieb, die Scheidung sei bereits eingeleitet, so tat ich es, weil Göben das an die Mutter geschrieben hatte und eS ein Schlag ins Gesicht der alten Dame gewesen wäre, wenn ich ihr gesagt hätte, das sei nicht wahr. Auf die Vorhaltung, sie habe Göben gegenüber erklärt, ihr Mann sei unerträglich, erwidert die Angeklagte: Nicht ich habe das gesagt, sondern Göben fragte fortwährend und da habe ich ihm das zugegeben, um Ruhe zu haben. Der� Vorsitzende hält der Angeklagten über Fluchtpläne folgendes vor: Göben habe an einen Freund, der Direktor einer afrikanischen Gesellschaft war, geschrieben und ihn gefragt, ob er ihn unterbringen könne. Ferner hat er in einem Brief um die nächsten Reiserouten nach Schweden und Norwegen ersucht. Endlich seien 1366 M. in GöbenS Wohnung in der Diele unter dem Teppich gefunden. Freilich habe Göben erklärt, das Geld sei für einen Hfcrdekauf bestimmt gewesen. Angeklagte erwidert: Ueber das Geld hat Göben mir dieselben Angaben gemacht. Von einem Fluchtplan weiß ich nicht»; Gäben hat nie über einen solchen mit mir ge- sprachen. Es wird dann auf die Vorgänge am 25. Dezember eingegangen. Angeklagte: An diesem Tage war Hauptmann v. Gö- ben bei uns von)H2 Uhr bis 9 Uhr ununterbrochen. Am Morgen hatte ich meinen Mann gefragt, ob wir nicht lieber die Einladung an Göben absagen sollten. Ich glaubte, daß mein Mann vielleicht lieber an diesem Tage allein sein wollte. Ich wußte auch, daß er besserer Laune sei, wenn nicht Fremde da seien, unv ich hatte ein Interesse daran, ihn in bester Stimmung zu erhalten. Ich sagte zu ihm: Wenn es Dir lieber ist, schreibe ich ab. Er erwiderte: Nein, da er einmal eingeladen ist, soll er kommen. Bei Tisch hatten wir eine sehr angeregte Unterhaltung. Mein Mann legte sich dann hin und wir spielten mit den Kindern. Ich habe mich sehr viel mit den Kindern beschäftigt und nicht viel um Göben gelüm- mert. Am Abend gegen 5 Uhr hat dann der Bursche, als er weg- ging, die Fensterladen geschlossen.— Vors.: Nun sagt Göben, daß, che der Christbaum angezündet worden war, das Gespräch geführt worden ist. das wir gestern eingehend erörtert haben. Haben"Sie sich das noch einmal überlegt?— Angckl.: Ja überlegt habe ich es mir, da? Gespräch kann aber unmöglich stattgefunden haben.— Vors.: Sic haben aber bei einer Vernehmung gesagt, Sie glauben sich zu besinnen, daß Göben davon gesprochen habe, er wolle Sie jetzt befreien. Angeil.: Das müßte doch in Gegenwart der Kinder gesagt worden sein. Ich habe ja sogar gebeten, daß wir Göben geaenübergestellt werde. Warum hat man das nicht getan? StaatSamv. Ra» Poschmann: Sanitätsrat Stoltenhoff hatte dem Untersuchungsrichter mitgeteilt, daß eine Gegenüberstellung unmög- lich sei.— Verteidiger R.-A. Salzmann: Ich hatte sofort nach der Verhaftung der Frau v. Schönebeck Konfrontation beantragt. Recht- lichc Vcbriilen lagen nicht vor, man hätte sehr wohl sofort die Gegenüberstellung vornehmen können. Nachher war es ja unmög- lich.— Erster Staatsanwalt Schweitzer: Es lag aber auch kein Grund vor, sofort die Gegeilübcrstellung vorzunehmen. Im Gegen- teil, es lvar im Interesse der Untersuchung besser, daß es nicht gleich geschah. Nachher war es aber unmöglich.— Verteidiger R.-A. Bahn: Gerade von Göben hat auch dringend um die Gegenüberstellung gebeten.— Erster Staatsanwalt Schweiher: Da muß ich wider- sprechen, v. Göben hat eS ausdrücklich nicht gewünscht. Er wurde dann auch ruhiger, als die Gegenüberstellung unmöglich geworden und ihm diese Äist vom Herzen genommen war. Auf Befragen erklärt dann die Angeklagte: Als wir zu Abend gegessen, brachte ich die Kinder zu Bett. AIS ich wieder herunter. kam, war Göben mit meinem Mann in angeregtem Gespräch. Gegen 8 Uhr merkte ich, daß mein Mann anfing, müde zu werden. Ich stand auf und ging im Zimmer umher, um Göben anzudeuten, daß es Zeit sei zu gehen. Er verstand es auch und ging. Mit meinem Mann sprach ich dann darüber, daß er am nächsten Morgen zur Jagd fahren wollte. Wenn Gäben mit meinem Mann die Jagd vorher vereinbart hatte, so war mir davon nichts bekannt. Am Abend wurden Türen und Fensterläden nachgesehen, ob sie ge- schlössen, v. Göben hielt mir dabei die Lampe. Mit aller Entschiedenheit bestreitet die Angeklagte, daß sie die Haupttür wieder aufgeschlossen hätte. DaS hätte auch gar keinen Zweck gehabt, da die äußere Türe mit dem Schnepperschloh zu ge- wesen sei. Gäben habe, soviel sie wisse, dazu einen Schlüssel nicht besessen. Göben hat auch, wie der Brrtcidigkr feststellt, selbst er- klärt, daß er keinen Schlüssel besessen habe. Auf die Frage, ob das Fenster vom Gang au» leicht zu öffnen war, erwidert die Angeklagte: Das täeiß ich nicht, ich bin niemals durchgestiegen und habe nie jemand durchsteigen sehen. Das Fenster war dicht zugefroren. Wenn der Bindfaden nicht hielt, so hielt das EiS. Der Vorsitzende stellt fest, daß nach der Auskunft des Berliner Meteorologischen Instituts um 7 Uhr abend» plus ein Grad Celsius, am anderen Morgen minuS 14 Grad gewesein war. ES handelte sich also um einen der Wetterstürze, die wir voi einigen Jahren hatten. Ueber den späteren Verlauf gibt Angeklagte an: Ich legte mich zu Bett, las dann noch Zei« tungen und bin dann wohl eingeschlafen. Den Schweißhund hatte ich mit hineingenommen> weil der Ofen auf dem Korridor aus- gegangen war, und der Hund nicht frieren sollte. Wenn Göben behauptet hat, ich hätte den Schweißhund mit ins Zimmer ge- nommen, um nicht zu stören, so ist diese Aussage mir unbegreiflich. Wenn der Hund nicht in meinem Zimmer gelegen hätte, hätte er oben vor meinem Zimmer auf dem Korridor gelegen. Der Schiveiß- Hund kannte Göben genau und hat nie gebellt. Der einzige Hund, der bellte, war der Dach», der unten blieb. Nachts wachte ich auf. Es war mir, als ob ich die Haustür zuschlagen hörte. Ich nahm an, mein Mann, der zur Jagd gehen wollte, wollte nachsehen, ob neuer Schnee gefallen sei. Ich habe dann weiter geschlafen. Einen Schuß habe ich und, soviel ich weiß, auch die Mädchen nicht gehört. Der Vorsitzende hält eS für eigentümlich, daß der Knall der Tuhler Mensurpistole, deren sich Hauptmann v. Göben bediente, nicht gehört seien. Eine Probe, wie man den Schutz höre, soll noch vorgenommen werden. Auf die Bemerkung des Verteidigers Bahn, es sei doch auffällig, daß der Hund nicht angeschlagen habe, da Hunde nach dem Schießen doch anschlagen, meint ein Geschworener, daS ist nicht richtig, ein Hund wjxd zwar nach dem Schuh unruhig, aber niemals laut.— Die' Frage, ob die Angeklagte nochmals in der Nacht auf. gestanden und heruntergegangen sei, verneint sie. Sie sei gegen 8 Uhr durch Fräulein Eue geweckt.— Angeklagte erzählt hierüber: Fräulein Eue kam mit der Lampe in der Hand und mit schrecklich verweintem Gesicht. Ich dachte erst, den Kindern sei etwas passiert. Da sagte Fräulein Eue: Der Herr Major hat sich erschossen. Auf da? folgende kann ich mich nicht mehr besinnen, ich verlor die Be- sinnnng und verfiel in einen Schreikrampf. Davon, daß Fräulein Eue mir dann gesagt habe, der Major sei längst zur Jagd, daß ich aber gar nicht hingehört hätte, sondern nur immer erklärt, man solle ihn mir heraufholen, ich wolle ihn sehen, weiß die Angeklagte nichts. Unwahr ist, daß Göben an mein Bett getreten und ich mit ihm leise gesprochen, insbesondere gleich gefragt habe: war er gleich tot? Wenn diese Worte gefallen wären, hätte ste ja auch Fräulein Eue hören müssen. Vors.: Richtig ist, Sie haben eS immer bestritten. Der Vor- sitzende führt dann weiter aus: Als alter Militär erscheint eS mir sehr auffallend, daß Hauptmann v. Göben zur Exzellenz hingehen wollte, um Meldung zu erstatten. DaS ist doch beim Mlitär nicht üblich, daß ein Offizier unckufgefordert zur Exzellenz geht, um etwa« zu melden.— Verteidiger Rechtsanwalt Salzmann: Was soll damit der Angeklagten vorgehalten werden?— Vors.: Herr v. Göben hat als feine persönliche Wahrnehmung mitteilen wollen: ?5ch habe die Frau im Wahnsinn gefunden. Und daS ist mir jeden- alls gleich aufgefallen.— Verteidiger Rechtsanwalt Salzmann: Ach so, dahinter bin ich allerdings nicht gekommen.— Vors.: Natürlich, Sie sind eben nicht Soldat gewesen.— Verteidiger Rechtsanwalt Bahn: Diese Vermutung würde aber im Widerspruch mit den Angaben des Hauptmanns v. Gäben stehen, er habe niemals etwas gesagt, daß er bei der Angeklagten Irrsinn gefunden habe. — Vors.: Es ist za auch nur eine Vermutung von mir. daß er auf diese Weise vorbeugen wollte.— Verteidiger Rechtsanwalt Bahn: Aber eine solche Vermutung kann leicht bei den Geschworenen Ein. druck macheiz.— Vors.: Das sollte absolut nicht der Fall sein. Wir werden daS alles eingehend durchsprechen. Es soll nichts überstürzt werden und ich bin nicht gewillt, die Angeklagte irgend wie hineinzulegen. Es bringt dann der Vorsitzende einen Brief der Angeklagten an ihren Vater l zur Verlesung, der aus dem ersten Jahre ihrer Ehe herrührt. Der .Brief lautet:.Lieber Papal Ich muß Dir etwas Furchtbares das des aiUieilea, Ich kann nicht mehr bei Gustel bleiben. Es ist das ijüt Dich sehr unangenehm, für mich aber ist eS namenlos schrecklich und traurig, denn ich habe kein Heim mehr, keinen Menschen au� der ganzen Erde und überhaupt keinen Halt mehr. Es geht über mein Gefühl, wenn ich bleibe. Denn es ist immer und immer wieder als eine Gnade hingestellt worden, dast ich noch hierbleiben klwr und ich danke für diese Gnade. Ich habe eine Dummheit gemacht ohne jede böse Absicht, ohne jemals eine Ahnung zu haben, daß ich so eine Dummheit machen würde. Ich habe auch vor meiner Verheiratung schon Dummheiten gemacht und sie meinem damaligen Bräutigam gebeichtet, weil ich es für anständig hielt und ihn für zu anständig, als daß er je darüber sprechen könnte. Aber es Wird mir nicht nur immer wieder vorgeworfen, sondern sogar als triftiger Scheidungsgrund hingestellt. Ich bin an allem schuld, ich bin launisch, eigensinnig. Aber ich habe eS auch in der Hand, es nicht zur Scheidung kommen zu lassen. Ich kann aber nicht mehr, lieber Papa. Bitte verzeihe es mir, aber ich kann nicht mehr hier bleiben, um nur aus Gnade geduldet zu werden. Das geht gegen mein Gefühl, alles in mir sträubt sich dagegen an. Meinen Jungen werde ich auch nicht behalten- können. Nicht eine Seele. Nichts. Ich werde es auch nicht lange merken, denn ich werde wahnsinnig werden. Bitte gib mir wenigstens etwas Geld, damit ich nicht ganz sinke. Aber ich werde ja wahnsinnig..."— Bors.: Von nun an ist der Brief nur noch schwer zu lesen. Es heitzt immer wieder Ich werde wahnsinnig. Keine Seele habe ich mehr. Ganz allein auf der Welt. Gebt mir Gift, denn ich werde wahnsinnig usw. Zum Schluß wird noch die Frage aufgeworfen: warum muß ich nun wahnsinnig werden?(Zur Angeklagten) Erinnern Sie sich. diesen Brief geschrieben zu haben? Wenn man so einen Brie schreibt, dann hat man ihn doch im Gedächtnis.— Angekl.: Ick weiß es nicht.— Bors.: Ihr Vater muß doch den Brief Ihrem Mann geschickt haben.— Angekl.: DaS weiß ich nicht.— Bors.: Haben Sie Ihrem Mann erzählt, daß Sie vor der Ehe ganz un. schuldige Verhältnisse gehabt haben.— Angekl.: Jawohl.— Bors.! Hat er Ihnen das vorgehalten?— Angekl.: Zuerst nicht, erst später Der Lorsitzende überreicht den Brief den Geschworenen. Einen breiten Raum in der Verhandlung nahm sodann Durchgehen früherer Aussagen der Angeklagten und der Hauptmann v. Göben ein. Aus den Vernehmungen deS Herrn v. Göben leitet die Anklagebehörde die HauptbelaftungSmomente der Angeklagten her. Erst morgen wird die Angeklagte auf die„Stimme aus dem Grabe" antworten können. Mr geben die�Durchnahme der Pro-- tokolle ausführlich wieder. Zunächst geht der Vorsitzende die erste Vernehmung de» Herrn v. Göben durch. Sie fand am Morgen nach der Tat statt, v. Göben sagt« in derselben: .Ich ging am ersten Feiertag von der Familie Schönebeck direkt nach Hause und kam um �hll) Uhr abends zu Hause an. Ich gin dann noch einmal weg, um etwas zu besorgen, kam aber bald nac Hause zurück. Ich blieb nur etwa 10 Minuten weg. Ich legte mic dann schlafen. Mein Bursche will mich 10 Minuten vor 6 Uhr ge- weckt haben. Meiner Ansicht nach mutz es später gewesen sein Ich fuhr dann zur Villa Schönebeck. Dort erzählte man mir, das der Major sich erschoffen habe. Ich hielt das für unwahrscheinlich da ein Selbstmord nicht im Charakter des Majors lag. Ich ging dann ins Eßzimmer und sah von dort aus die Leiche des Majors liegen. Als ich in den Hausflur kam, hörte ich Frau v. Schönebeck laut schreien. In der Meinung, es könnte ein Unglück passieren, lief ich direkt in ihr Zimmer hinein. Ich versuchte sie zu beruhigen und schlug ihr vor, mit den Kindern zu der befreundeten Familie des Rittmeisters v. Graetz zu gehen. Die Leiche des Majors sah ich erst wieder bei der gerichtlichen Leichenschau, als ich als Zeuge vernommen wurde. Meiner Anficht nach ist der Major von einem Dieb oder Einbrecher erschosie» worden, der eS auf das Silber- zeug im Salon abgesehen hatte.... Ich war manchmal im Hause des Herrn v. Schönebeck auch wenn der Major nicht zu Hause war. Mit Frau v. Schönebeck habe ich nur einmal eine Tour gemacht, im übrigen nur mit der Familie und mit Gästen. In dem einen Fall, in dem ich mit Frau v. Schönebeck allein fuhr, war ursprünglich auch geplant worden, den Major und die Kinder mitzunehmen, was in letzter Stunde aber unmöglich wurde."— Auf die Frage des Kriegsgerichtsrat Conradi, wo er die drei Schrammen auf der Nase bekommen habe, antwortete Göben, daß er sich die Schrammen beim Befestigen des Weihnachtsbaumes in der Schönebeckschen Wohnung zugezogen habe. Gegen die Haussuchung hatte Göben nichts einzuwenden, er bat sogar darum.— Borsitzender: In dieser Aussage wird ja auch mit dem Gedanken des Diebstahls operiert und der Diebstahl als Silberdiebstahl sjiezialisiert. Das ist eine nach der Anklage ausfallende Uebereinftimmung, die beweisen soll, daß Sie Kenntnis von dieser Sache hatten und daß«ine vorherige Vereinbarung stattgefunden hat. Was haben Sie dazu zu sagen? >— Angeklagte: Ich sage, eS lag keine vorherige Vereinbarung vor. —. Die weitere Vernehmung beschäftigt sich eingehend mit Ver- suchen v. GöbenS. trotz Verbots des Gerichtsherrn, sich der Ange- klagten zu nähern. Die Angeklagte hat an Göben damals einen Brief geschrieben, in dem sie eine Zusammenkunft ablehnte.— Verteidiger, Rechtsanwalt Bahn: Können wir denn die Oeffentlich keit nicht wieder herstellen?— Vorsitzender: Ich möchte die Oeffent- lichkeit ausgeschlossen wissen, bis die Vernehmung der Angeklagten Nachher wird in breitester Oeffentlichkeit verhandelt. beendet ist. Brief von Göben. ES kommt dann der Brief zur Verlesung, den Hauptmann v. Göben an die Angeklagte abgeschickt hat, der dieser abernicht auS- gchändigt worden war. Hauptmann v. Göben hatte, akV die An» geklagte sich im Hause deS Rittmeisters v. Graetz befand, diesen gefragt, ob er Frau v. Schönebeck sprechen könne. Als das von ihm verneint wurde, gab er dem Rittmeister den Briest— Bor- fitzender: Die Handschrist deS Herrn v. Göben kennen S7e ja?— Angeklagte: Ja, das ist seine Handschrift.— Borsitzender: Die Vorderseite deS Briefes ist an sich abgeschlossen, so daß derjenige, der kein Mißtrauen hat, nicht merkt, daß auf der Rückseite auch ncch etwas steht. Die Borderseite lautet:„Sehr verehrte gnädige Fraul Mir ist für die Dauer der Untersuchung jeder„intime" Verkehr mit Ihnen untersagt. Deshalb muß ich mich beschränken. Ihnen schriftlich tiefstes Beileid auszusprechen und Ihnen zu danken für Ihre liebenswürdigen Zeilen. Seien Sie versichert, gnädige Frau, daß ich jederzeit bereit bin, Ihnen zu dienen. Ihr sehr er- gebener Göben."— Borsitzender: Klappt man nun aber den Brief auseinander, so sieht man. daß noch sehr viel mehr drin steht. Die Rückseite lautet:„Gestern vernommen, nichts herausgekommen. Dabei natürlich auf Frage, wie wir ständen, gesagt, freundschaft- lich. Hätte nach eigenem Augenschein und Andeutungen von Frau v. Schönebeck Eindruck gehabt. Ehe nicht ganz glücklich. War häufig im Hause, auch wenn Ehemann nicht da war. Auch gesagt, dag ich auf Zimmer gewesen, als Ehemann im Hause war. Weiter gesagt, auch einige Partien mitgemacht, hinzugefügt, eigentlich sollten auch da Bekannte und Kinder mitkommen. Von Herthainsel nichts mit- geteilt, Nach Schrammen an Nase gefragt, gesagt, die hatte neu- lich beim Tannenbaumputzen gekriegt. Als wahrscheinlichen Grund Einbruchsdiebstahl, auch Silberzeug erwähnt. Bitte baldige Nach- richt, wenn ich mich irgendwie geirrt. Erwünscht, Näheres über Ihr Befinden und Aufenthalt."— Borsitzender: Nun, Frau Weber, auf diefen Brief baut die Anklage sehr viel auf.— Angeklagte: Ich konnte doch nicht zugeben, daß das Verhältnis herauskam. Ich hätte dann sofort auf der Straße gestanden.(Weinend.) Ich wollte zu meiner Mutte/ nach Görlitz, die mich und die Kinder aufnehmen wollt«. Wenn nteine Mutter gewußt hätte, daß ich mit Göben ein Verhältnis hatte, dann wäre das unmöglich gewesen. Ich wollte nichts als meine Frauenehre retten.-— Borsitzender: AuS dem Briefe wird ganz etwas anderes gefolgert.-— Angeklagte(mit erregter Stimme): Es steht doch nichts drin, was nicht zum Schutz meiner Frauenehre geschrieben wäre.— Borsitzender: Nein, eS steht mehr drin. ES st«hen Andeutungen über die Aussage des Herrn v. Göben drin.— Angeklagte: Der Brief ist doch ein Be- weis dafür, da? kein Einverständnis zwischen«nS bestanden hat, denn dann brauchten wir uns doch keine Mitteilungen zu machen, dann wäre das Einverständnis doch schon vorher zustande ge kommen.— Vorsitzender: Es steht doch am Schluß:„Ich bitte um Nachricht, wenn ich mich irgendwie geirrt habe." Da sagt die �Staatsanwaltschaft eben, daß deutet auf eine Verabredung hin Angeklagte: Nein, es bezog sich nur darauf, ob er schon bei mir im Zimmer gewesen ist und es galt doch nur allein, meine Frauen- ehre zu retten.— Vorsitzender: Auf Ihre Frauenehre kommen wir ncch. Sie sind doch die Erste gewesen, die Ihre Frauenehre preis- gegeben hat, nicht Göben— Angeklagte: Das war aus einem anderen Anlaß geschehen. Kriegsgerichtsrat Conradi sagte zu mir, Sie werden vereidigt, und da sagte ich mir: Um Gotkeswillen, Du darfst keinen Meineid schwören.— Borsitzender: Auf diesen Brief kam dann der Haftbefehl gegen Göben.— Verteidiger, Rechts anwalt Bahn: Ich bemerke, daß die Angeklagte die wiederholten Versuche Gödens, sich ihr zu nähern, abgelehnt hat. Wenn sie sich mit ihm hätte verabreden wollen, hätte sie ihn doch bloß zu empfangen brauchen.— Vorsitzender: Ich bitte jetzt nicht zu plä- dieren.— Verteidiger, Rechtsanwalt Bahn: Da hier der Stand- Punkt der Staatsanwaltschaft hervorgehoben wird, halte ich für nötig, auch das entlastende Moment zu betonen. Hierauf wird der Haftbefehl gegen Hauptmann v. Göben verlesen. Der Haftbefehl wird begründet damit, daß Hauptmann von Göben dringend verdächtig sei des Mordes, und daß die Gefahr der Verwischung von Spuren sowie der Beeinflussung von Zeugen und etwaiger Mitschuldiger, falsche Aussagen zu machen, bestehe. Verantwortliche Vernehmung v. GöbenS. Bors.: Nun wurde Hauptmann v. Göben verhaftet und im Arrestlokal am 23. Dezember vom Zdriegsgerichtsrat Conradi ver. antwortlich vernommen. Nach dem Protokoll hat er damals aus- gesagt: Ich bestreite, daß meine Beziehungen zu Frau v. Schöne- deck über das Maß eines freundschaftlichen Verkehrs hinaus- gehen; wenn ich auch zugeben muß, daß ich sie lieb habe und schätze. Ich bestreite, versucht zu haben, mich ihr zu nähern, ich wollte mich nur nach ihrem Befinden erkundigen Ich war Major v. Schöne- beck nicht feindlich gesinnt, wenn auch auf Grund der Mitteilungen der Frau v. Schönebeck bei mir eine gewisse Erbitterung gegen ihn herrschte. Ich habe ihr keine Verhaltungsmaßregeln geben wollen. — Bors.: Da kommt zum ersten Male die Erbitterung gegen den Ehemann zutage.-— Weiter wird ein Brief verlesen, den Haupt- mann v. Göben einen Tag später an KriegSgerichtsrat Conradi geschrieben hat, in dem er seine Angaben zu ergänzen sucht. Erste Vernehmung der Angeklagten. Bors,(zur Angeklagten): Als nun Göben verhastet war, wurden Sie am 20. T�ember. also einen Tag nach der Beerdigung, als Zeugin vernommen. Wissen Sie, was Sie da gesagt haben? — Angekl.: Nein, daran habe ich keine Erinnerung; ich wußte auch gar nicht weshalb ich vernommen wurde. Mir war nicht gesagt worden, daß Göben verhaftet war.— Bors.: DaS mutzte Ihnen gesagt werden, denn es entspricht den gesetzlichen Bestimmungen. Da sagten Sie wieder:„Wer meinen Mann erschossen hat, davon habe ich nicht die geringste Ahnung. Wenn nicht ein Dieb in Frage kommt, kann ich mir nicht denken, wer es gewesen sein sollte." ES mußte Ihnen doch da aber schon der Gedanke an Hauptmann v. Göben auch aufgestoßen sein.— Angekl.: Ich habe nur den einen Gedanken gehabt, meine Frauenehre zu retten.— Bors.: Ist Ihnen denn gar kein Verdacht gegen Hauptmann v. Göben aufgestoßen. — AngeN.: Nein, ich dachte nur daran, daß meine Beziehungen Sthm nicht herauskommen.— Bors.: Sie haben doch aber in rer Vernehmung den Verdacht wegen deS Diebstahls noch werter auSgesponnen und ein Mädchen als verdächtig bezeichnet. Auch von einem Silberdiebstahl haben Sie dabei gesprochen.— Angekl.: DaS alles weiß ich nicht mehr. v. Gödens Geständnis. Am 31. Dezember wurde nun Hauptmann v. Göben wiederum verantwortlich vernommen und legte an diesem Tage zum ersten- mal ein zusammenfassendes Geständnis ab. In diesem Geständnis gibt Hauptmann v. Göben an, daß er Frau v. Schönebeck von Anfang an geliebt habe, ohne sich dessen bewußt zu sein. Er habe sie täglich immer mehr geliebt und habe sich bestrebt, sie aus den unglücklichen Banden zu befreien. Sie habe ihm fortgesetzt Mitteilungen ge- macht über Mißhandlungen von feiten ihres ManneS, denen er selbstverständlich Glauben schenkte. �,,.. Hauptmann v. Göben fahrt dann fort: Ich habe die Absicht ge- habt. Frau v. Schoenebeck später zu heiraten, wenn die Ehe ge schieden war. Ich war mir wohl bewußt, daß eS dann mit meiner Karriere auS sein würde. Aber sie sagte mir immer wieder, sie könne eS nicht länger aushalten, sie würde sonst fortlaufen. Alle paar Tage sagte sie das. Ich faßte darauf den Entschluß, Maior Schoenebeck auf der Jagd mit der Waffe ,n der Händ zur Ehe- scheidung zu zwingen. Im Weigerungsfalle wollte ich ihn nötigen- falls niederschießen. Frau v. Schoenebeck wußte davon und war damit einverstanden. Sie drängte aber immer, sie könne es nicht länger aushalten. Sie erklärte, sie sei damit einverstanden, daß es in der Wohnung stattfinde. Diese letzte Unterredung fand eimge Tage vor Weihnachten statt. Ich war Weihnachten bei der Familie Schoenebeck zu Besuch. Frau v. Schoenebeck sah mich den ganzen Abend bedeutungsvoll an; ich merkte, was sie von mir haben wollte. Sie sagte: Mach, was Du willst, aber ich will nichts davon wissen. Ich selbst faßte dann den Entschluß, die Tat auszuführen. Ich schnitt den Bindfaden am Fenster durch, um mir Eingang zu ver- schaffen, und wollte ins Schlafzimmer dringen, mir von Major v. Schoenebeck die schriftliche Versicherung geben lassen, daß er mit der Ehescheidung einverstanden sei. Ich war mir bewußt, daß Major v. Schoenebeck stets eine geladene Waffe bei der Hand hatte Ich ging am ersten Wcihnachtstagabend nach Hause, dort kämpfte ich noch mit mir. Dann dachte ich aber wieder an die arme Frau und ihre unglückliche Lage, und ich faßte deshalb den Entschluß, die Frau zu befreien. In einem Zustand halber Raserei verließ ich meine Wohnung und ging in die Wohnung des Major? v. Schoene» beck. Auch hier lief ich noch lange Zeit auf und ab und kämpfte mit mir, bis ich mich entschloß, die Tat auszuführen. Der Ge- danke, am nächsten Tage vor Frau v. Schoenebeck hintretcn zu müssen und die Tat nicht ausgeführt zu haben, siegte und zwang mich, zum Schoenebeckschen Hause zurückzukehren. Der Major hörte mich, er öffnete das Schlafzimmer und erhob sofort die Waffe gegen mich. Ich sah an seinen Gesichtszügen, daß er ab- drücken wollte. In diesem Moment, während ich die Worte sprach: „Herr Major", erhob ich die Pistole und drückte ab. Der Major brach sofort zusammen. Ich sah. daß er tot war. DaS war zwischen 3 und �4 Uhr. Frau v. Schoenebeck wußte nicht bestimmt, daß ich in dieser Nacht die Tat ausführen würde, aber sie konnte es ahnen. Meiner Ansicht nach hat sie den Schuß gehört, denn sie sagte am nächsten Morgen zu mir, sie leide schon seit 4 Uhr.— Borsitzender: Das ist das erste Geständnis GöbenS. Von dem Schwur unterm Tannenbaum und von vielen anderen Abweichungen ist hier noch nicht die Rede. Hauptmann v. Göben wurde, wie auch die An- geklagte, später der Irrenanstalt Kortau zur Beobachtung über- wiesen. Er hat auch dort eingehende Bekundungen über die Tat gemacht. Frau Weber, was sagen Sie nun zu diesem Geständnis? — Angeklagte(sichtlich erregt, nach langer Uebcrlegung): So weit ich folgen konnte, ist einiges richtig, einiges nicht richtig. Der Borsitzrnde hält der Angeklagten vor, daß es in Anbetracht der Wichtigkeit dieses Göbenschen Geständnisses und des noch folgenden Teiles ihrer Vernehmung wohl doch richtiger sei, abzubrechen und erst am Freitagmorgen fortzufahren. Die Sitzung wurde darauf auf heute vertagt. Gerichts-Leitung. Eine Frau mit zwei Männern mußte sich gestern in der Person der Frau Josefa Szah unter der Anklage der Bigamie vor der 10. Strafkammer des Landgerichts I verantworten. Die jetzt in den fünziger Jahren stehende Ar klagte heiratete vor etwa 30 Jahren einen gewissen Stender, well nach fünfjähriger Ehe plötzlich verschwand und seitdem unaussind- bar war. Nach löjähriger Wartezeit, in welcher die Angeklagte immer noch getreulich auf die Wiederkehr des Verschollenen war- tete, erfuhr sie eines Tages auf dem Jahrmarkt in Groß-Warten- berg, daß ihr Ehemann verstorben sei. Nachdem sie nochmals zehn Jahre gewartet hatte, ging sie mit ihrem jetzigen Ehemann Szay eine neue Ehe ein. Die eigentliche Veranlassung dazu war, daß sie während ihrer unfreiwilligen„Witwenzeit" mehreren Kindern das Leben gegeben hatte und sie vom Vormundschastsgericht auf- gefordert wurde, den Vater dieser Kinder zu heiraten. Eines schönen TageS— nach 25 Jahren— langte der angeblich verstor- bene Ehemann gesund und munter wieder in seinem„Heim" an, in welchem sich inzwischen recht erhebliche Veränderungen vollzogen hatten. Als er seine ehelichen Rechte geltend machen wollte, wunde er von dem„Manne seiner Frau" an die frische Lust gesetzt. Der Staatsanwalt hielt die Angeklagte der Doppelehe für schuldig und beantragte 8 Monate Gefängnis. Das Gericht nahm jedoch an, dß die Angeklagte, als ihr vom Vormundschastsgericht nahegelegt wurde, den Vater ihrer Kinder zu heiraten, bei ihrem niederen Bildungsgrade geglaubt habe, daß keine gesetzlichen Hinderung?- gründe zur Eingehung einer neuen Ehe beständen. DaS Urteil lautete deshalb auf Freisprechung. Diebereien in Uniform. Ei« Postbeamter, der in seiner vollen Uniform nächtliche Raub- zflge ausgeführt hatte, mutzte gestern seine recht umfangreichen Diebereien mit einer empfindlichen Strafe büßen. Wegen gemein. schastlichen Diebstahls waren der frühere Postbote Ewald Schröder und der Produktenhändler Hermann Schmidt angeklagt, während sich die Ehefrau Frida Schröder wegen Hehlerei zu verantworten hatte. Im Februar und März d. I. liefen bei der Polizeibehörde zahlreiche Anzeigen aus dem Westen Berlins, hauptsächlich auch auS Charlottenbnrg ein, in welchen Diebstähle von messingenen und kupfernen Türschildern gemeldet wurden. So wurden unter ande- rem mhrere Mesfingschildcr bei dem griechischen Generalkonsulat, bei dem Regierungsbaumeister Dernburg, bei dem Professor Dr. Hammerschlag gestohlen. In einer Nacht wurden nicht weniger wie zwanzig derartige Schilder entwendet, die gewöhnlich nur leicht mit einigen Schrauben befestigt waren. Als Diebe wurden schließlich die beiden Angeklagten Schröder und Schmidt ermittelt. Schröder, der zuletzt auf dem Postamt 37 beschäftigt war. hatte die Diebstähle, um recht unauffällig und sicher arbeiten zu können, in seiner vollen Briefträgeruniform verübt. Die Messingschilder wurden dann von Schmidt eingeschmolzen und für 35 Pf. pro Pfund als Altmetall weiter verkauft. Schröder wurde ferner noch beschuldigt, Briefe und Pakete, mit denen er in seiner amtlichen Tätigkeit in Berührung kam, unterschlagen zu haben. Das Gericht hiebt es für angehracht, gegen Schröder eine empfindliche Strafe zu verhängen und auch auf längeren Ehrverlust zu erkennen, da er sich nicht gescheut habe, seinen Beamtenrock als Deckmantel für seine Straftaten zu benutzen. Gegen ihn lautete das Urteil auf S Jahre Gefängnis und 3 Jahre Ehrverlust und gegen Schmidt auf Jahre Gefängnis bei sofortiger Lerhaftung. Die Frau Schröder wurde freigesprochen._ Vermischtes. Gefährliche Nachbarschaft. Zu der Explosion in der Pulverfabrik in Dahler» brück, über die wir in der Dienstagnummer berichteten, wird uns geschrieben: Die Explosion erregt die Gemüter in der Gegend von Hagen und Lüdenscheid in Westfalen auf das lebhafteste. Die gesamte Presse fordert schleunige? Eingreifen der Behörde, da eine Unmenge Pulver durch die Entfernung der Dächer der zur Pulver- fabrik gehörigen Schuppen jetzt frei liegt und 80 Meter davon die stark benutzte Eisenbahnstrecke vorbeiführt! Schon seit Jahren wird von den Bewohnern, die mit den Verhältnissen vertraut sind, das Verlangen nach Beseitigung dieser Pulverfabrik erhoben. Früher, vor etwa 150 Jahren, als diese Fabrik errichtet wurde, ging durch das Volmetal noch nicht die Chaussee und natürlich auch keine Eisenbahn. Jetzt hat sich daselbst nicht nur ein starker Ver- kehr entwickelt, sondern auch die Menschen haben sich zahlreicher angesiedelt. Mehr als30Personenzüge und eine fast gleich- große Anzahl Güterzüge fahren Tag und Nacht talaufwärts nahe an der Pulverfabrik vorbei!! Die Hauptstraße ist gar nur 50 Meter von diesem gefährlichen Betriebe entfernt. Vor zehn Jahren, am 1. Juni 1900, ist der Pulvertrockenraum, der jetzt ohne Dach mit vielen Zentnern Pulver stehen geblieben ist, mtt neun Arbeitern in die Luft geflogen. Wenn von einer Lokomo- tive aus ein Fünkchen in das Pulver fliegt, ist unermeßliches Un- heil zu befürchten. ES kommt hinzu, daß feit 14 Tagen täglich G«. witter durch die Gegend ziehen. Noch keine Bergung deS„Pluviofe". Der Einschleppung de» gesunkenen Unterseebootes in den Hafen von Calais stellen sich immer neue Schwierigkeiten in den Weg. Am Mittwoch war eS den Tauchern gelungen, den„Pluviofe" mit acht Ketten an den Schleppschiffen zu befestigen. Jetzt hat die Strömung zwei dieserKetten zerrissen, mehrere andere haben sich verwickelt. ES wird daher wohl noch einige Tage dauern, bis eS gelingt, das Tauchboot einzuschleppen. Wer da hat» dem wird gegeben. Ein Rentier in M e n t o n e, der vor einigen Jahren starb, hat sein gesamtes Vermögen den Gebrüdern Rothschild in Paris vermacht. Wie die französischen Zeitungen melden, handelt eS sich bei der Erbschaft um die Kleinigkeit von sieben Mil- lionen Franks._ Ein brennender See. Unbekannte Täter durchbohrten in der Nähe der Station Notanebh der transkaukasischen Eisenbahn das Rohr der Petroleumlcitung, um Petroleum zu entwenden. Das ausrinnende Petroleum bildete einen See, den die Uebeltäter an- zündeten. DaS Feuer nahm eine große Ausdehnung an, um. fing den Eisenbahndamm und zerstörte die Bahnbrücke. Der Ver- kehr muhte infolgedessen eingestellt werden. AuS Batum wurden Arbeiter für die Löscharbeiten und die Wiederherstellung der Brücke entsendet._ Kleine Notizen. Vom Blitz erschlagen wurde ein auf einem Felde arbeitender Knecht aus Hohendodeleben bei Magdeburg. Zwei andere Arbeiter wurden betäubt.— Auch in Welschingen be» Konstanz wurde ein Knecht vom Blitzstrahl g e t ö t e t, als er vom Felde heimkehrte. Bei einem NebungSmarsch im südtirolischen Grenz- gebiet versagte beim Heruntcrfahrcn von einem AbHange die Bremse eines Artillericfahrzeuges. Der Wagen fuhr gegen eine Mauer und stürzte um. Ein Soldat wurde hierbei getötet, während andere schwer verletzt wurden. Ein Dementi. Die Nachricht, daß ein Wirbelsturm einen Teil von Sardinien verwüstet habe, wird von der italienischen Re- gierung für unrichtig erklärt. Beraubt« Post. Unweit der russischen Stadt BjelSk wurde ein Postwagen von Räubern überfallen. Nachdem die begleitende Mannschaft getötet war, raubten die Täter 55 000 Rubel. Abgestürzte Touristen. Wie die Blätter aus Innsbruck melden, ist bei einem Gescllschastsausflug auf den Schrammachcr die Tochter eines Bankdircktors abgestürzt. Am Gamsanger im Kaisergebirge stürzte der Münchener Student Ludwig Sza. i n s k i ab. Beide erlitten schwere Kopfverletzungen. Perantwortlichcr Redakteur Richarp Lirth, Berlin. Für heg Lnsuatenteil verasiv� Th. Glocke. Bkrlm, D.rgck u. Verlag: VorwärtSJuchdruckerki p, Lerlagsgnstalt Paul Singer& Co« Berlin SW. Nr. M. 27. Jahrgang. 2. DeiliM des Joriittf Kerlim NcksdlÄ. |mt«8, 10.|««il910. StadtverordneteD-VerfamiHlsing. 20. Sitzung vom Donnerstag, den 9. Juni, n ach mittags 5 Uhr. Der Vorstehcr-Stellvertreter Cassel eröffnet die Sitzung nach BH Uhr.— Wiederum gelangt eine stattliche Reihe von Urlaubs- anzeigen zur Verlesung. Die erste Beratung des Entwurfes einer I�uftbarkeitsl'teuero?clnung wird fortgesetzt. Stadtv. Ladcwig(N. L.): Die große Mehrheit meiner Freunde steht der Vorlage unfreundlich gegenüber und wünscht ihre Ablehnung. Ihre Annahme würde für ganze Klassen der Bc- völkerung den Ruin darstellen, für andere große Klassen eine schwere Belästigung bedeuten. An sich hat der Gedanke der Lust- barkeitssteuer etwas Verlockendes. In Paris werden seit napoleoni- scher Zeit Abgaben von denjenigen, die sich ein Vergnügen leisten können, für die Armenkasse erhoben. Aber liegen die Dinge bei uns analog wie in Paris? Ein Fachmann wie Antoine hat behauptet, daß zahlreiche Pariser Theater an der Billcttstcuer zu- gründe gegangen sind. Wir leben nicht in Frankreich, wir leben in Deutschland; wir wissen, daß die Münchener Theaterdirektoren über ihre Billettsteuer sehr skeptisch denken. In Berlin vollends sind die Theaterdirektoren zum großen Teil nicht auf Rosen gebettet; sie fristen die Existenz ihrer Institute nur noch durch Vereinsbilletts zu ermäßigten Preisen. Um der Misere ein Ende zu machen, wollen sie die Vereinsbilletts aushören lassen; die Lustbarkeitssteuer stürzt das alles wieder über den Haufen! Viel schlimmer noch steht es um die S a a l b e s i tz e r, denen die wunderbare Pauschalsteuer zugedacht ist. die sie absolut nicht ab wälzen können. Viele Saalbesitzer werden die Musik, die sie bisher ihrem Publikum boten, aufhören lassen müssen und damit ihre Gäste und ihre Einnahmen verlieren. Steuer- Projekte mit solcher Wirkung finde ich geradezu himmelschreiend. WaS für andere Städte paßt, braucht noch lange nicht für Berlin zu passen. Auf der Frankfurter Allee z. B. würden die Saal- besitzer auf der einen Seite die Steuer zu zahlen haben, auf der anderen nicht. Und die Frage der königlichen Theater muß doch auch ernsthaft erörtert werden. Können wir ine Intendanz zur Erhebung der Steuer zwingen? Das wird nicht der Fall sein, weil der König, dem die Theater gehören, stcuer- frei ist.(Die Unruhe im Saal hält an und wird immer stärker.) Sollte uns wirklich eine Konzession gemacht werden, die Rechnung würde uns alsbald präsentiert werden bei der Uebernahme der Alten Oper durch die Stadt.(Sehr gut!)' Auch die Rechnung auf die Fremden hat ein Loch; der größte Teil des Auf- kommenS der Steuer wird von Berlinern aufgebracht werden müssen.(Der Vorsteher sucht wiederholt Ruhe zu schaffen.) Unter den vielen Eingaben gegen die Steuer befindet sich auch eine des Berliner Handwerkervereins, der von ihr seinen Ruin und die Entwertung seines Grundstückes befürchtet; in diesem wie in zahlreichen anderen Fällen würden schließlich die Hausbesitzer die einzig Leidtragenden sein. Die Tatsache, daß der Kämmerer eine Bibliotheksteuer vorgeschlagen hat, fordert zu der Erklärung heraus, daß ein solches kulturfeindliches Attentat bei uns auf Entgegenkommen nicht rechnen kann; dasselbe muß von der Luft- barkeitssteuer gelten: Werft das Scheusal in die Wolfsschlucht! (Großer Lärm.) Stadw. Dr. Preuß(soz.-fortschr.): Daß die Theaterdirektoren Gegner der Steuer sind, bedeutet nicht mehr, als daß die Terrain- fpekulanten Gegner der Wertzuwachssteuer sind. Daß die Steuer nicht abxpälzbar sein soll auf das Publikum, hat Herr Ladewig be- hauptet, aber nicht bewiesen. Ich bedaure sehr, daß ich jetzt mit dem Kollegen Heimann auseinandergehen muß, mit dem ich Arm in Arm bisher für die durchaus indirekte Wertzuwachssteuer ge- wirkt und gekämpft habe. Der Resolution von 1905 entspricht das heutige Steuerprojekt nicht; wir haben also freie Hand, denn es ist hier von Freilassung der gemeinnützigen Bestrebungen und der billigeren Plätze keine Rede. Auch der Zeitpunkt ist heute erheblich ungünstiger als der von 1905. Wie die Vorlage liegt, scheint sie auch mir nicht annehmbar. Wir können die Vor- läge nicht ohne AuSschußberatung ablehnen, weil sie zur Zeit die einzige neue Einnahmequelle darstellt, die für die Stadt noch diSpombel ist. Die Theaterbillettsteuer allein würde durchaus nicht so abschreckend wirken wie in der Verbindung mit der Besteuerung aller Lustbarkeiten überhaupt. Eine Theater- billettsteuer ist keine Gefährdung der Kunst oder Kultur, sondern kann unter Umständen eine sehr erzieherische Wirkung haben. Di« Frage der königlichen Theater ist keine Frage(Zustimmung und Widerspruch); da? Kommunalsteuergesetz gibt für deren Steuerfreiheit absolut keine Handhabe. Eine Besteuerung der Privattheater bei Steuerfreiheit der Königlichen ist für uns alle unannehmbar. Der Ausschuß wird den Entwurf um- zuarbeiten haben; da» ist schwierig und nicht so bequem, wie„das Scheusal in die Wolfsschlucht zu werfen", aber eS entspricht unserer Pflicht E» wird schließlich nicht» so heiß gegessen, wie es gekocht wird. Stadw. Mommse«(Fr. Fr.): Noch recht viel solche gegnerischen Reden wie die des Herrn Ladewig, und der„Sieg" der Steuer ist entschieden. Seine Gegengründe widersprechen sich alle unterein- ander. Wir sind mit ganz wenigen Ausnahmen grundsätz- liche Anhänger der Lustbarkeitssteuer. Wir kriegen aus dieser eine dauernde, nicht unerhebliche, wahrscheinlich auch dauernd staigende Einnahme, und das brauchen wir in erster Linie; wer müssen auf alles die Hand legen, was wir ein- nehmen können. Ob indirekte Steuer oder nicht, ist hier ganz unerheblich. Gegen die Billettsteuer habe ich kein Bedenken, wenn sie richtig und mit richtigen Sätzen konstruiert wird. Daß Theaterdirektoren, Grundbesitzer, selbst Wirte dagegen sind, ist doch selbstverständlich. Die Pauschalsteuer soll offenbar die Umgehung der Billettsteuer verhindern; hier wird man die Vorlage so modi- fizieren müssen, daß nicht die Unternehmungen, sondern die Privatpersonen von der Steuer getroffen werden.(Zuruf: Keine Ahnung von der Praxis!) Von diesem Standpunkt aus löst sich auch die Frage der Königlichen Theater ganz glatt; wir be- steuern ja nicht den Unternehmer, in diesem Fall den König, son- dern denjenigen, der das Billett kauft. Wir werden alles tun, die Steuer zur Verabschiedung zu bringen. Das geht nicht ohne Aus- schuhberatung, und vor den Ferien werden wir damit leider nicht fertig.(Beifall und Zischen.) Stadw. Feuerstein»?>/, Uhr»dend«, Sonnabend» von 4'/, dt» 0 Uhr nachmittag? statt. Jeder«nsrage ist ein vuchftabe und eine Zahl al» Mertzeichen beizusügeo. vrieslichc Slnttoort wird nicht erteilt. Etlia« ifrageu»rag« man tu der Sprech- stunde vor. St. St, 15. 1. Ja»nd 2. Ja. Es können aber auch Zurückweisungen erfolgen. 8. Im Adreßbuch, Band II, Teil IV. Seite 207, finden Sie der- artige Firmen.— H. S. 33. 1. Amtsgericht Blankenhain. 2. Fragen Sic bei dem Gemeindevertretcr Grunow dort. Edisonstr. 10 an.— W. M. 20. und 2. Diese Fragen find im Briefkasten der Nr. III de»„Vorwärts" vom 14. Mal beantwortet. S. Ja.— ft. W. Zella Ttbl.„Seifenfieder- Zeitung", Verlag stlr chemische Industrie H. ZiolkowSky, Augsburg.— H. 1984. Ein solcher Verein ist unS nicht bekannt.— W. T. 74. 1. Ja. 2. Nicht notwendig.— Willi Keiner. 1. Im allgemeinen gelten Zuschneider und Zuschneiderinnen als gewerbliche Arbeiter und kommt die gesetzliche 14 tägige Kündigungssrist in Betracht. Ist Ihrer Tochter zugleich die Austeilung der Arbeit oder die Leitung anderer Arbeitskräste über- tragen, so ist die für Werkmeister usw. vorgeschriebene sechswöchentliche KündigungSsnst zum Ouartalsersten vorgeschrieben. 2. Ist Ihre Tochter lediglich mit Zuschneiderarbeiten beschäjtigt, übt sie also nicht die erwähnte werlmcisterähnlichc Tätigkeit auS, dann ist die Kündigung wirksam. 3. Der Betrag kann eventuell unter Vorbehalt des Rechtes aus Zahlung deS Restes, angenommen werden. 4. tSewerbegericht. Amtlicher Marktbericht der»ädtiichc» Marktdallen-Dtrrktiaii über den Grohbandei in den Zentrat-Mc.rktballen. Marktlage: Fleisch: Zuiubr stark, Geschäst ilau, Preise für Schweincsscisch anziehend, sonst un- verändert. Wild: Znsuhr mäßig, Geichäst ruhig. Preiie wenig verändert lüget: Zufuhr über Bedarf, Geschäst still. Preise gedrückt. Fische: Zusuhr genügend, Wcichäst ruhig, Preise sür Secjische gedrückt. Butter .. und Käse: Geschäft ruhig, Preise unverändert. Gemüle, Dbft und mit der erhöhten Branntweinsteuer im ganzen Mit 2200 Mk, tund Süds rächte: Zusuhr genügend, Geschäst schleppend, Presse gedrückt / für den i Berliner Releljstsgs-Walilkrels. Srralaner Viertel. (Bezirk LZi, Teil N.) Den Mitgliedern zur Nachricht, datz unser Genosse, der Bauarbeier Paul ttappelt FriedrichSsclder Str. 11 gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung sindet am Sonn- abend, den 1. Juni, nachm. S Uhr, von der Leichenhalle des Andreas- FriedhoseS in Wilhelmsberg aus Um rege Beteiligung ersucht Der vorstand. {üllsarbeiter Deittsehlands. Zweigverein Berlin u. Umgegend. (Bezirk Osten.) Am Mittwoch, den 8. Juni, der- starb unser langjähriges, treues Mitglied, der Kollege Paul Happelt an der Schwindsucht. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 11. Juni, nach- mittags 5 Uhr, von der Leichenhalle des ZlndrcaS-Kirch- hoies in WllhelmSberg aus statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht 30/1 Oer Zweigvereinsvoreiend. Allen Verwandten und Freunden die betrübende Nachricht, dab mein innigst geliebter Mann Heinricti Bautz nach kurzem Krankenlager sanst entsch lasen ist. Die tiesbetrübte Gattin Anna Bant« nebst Kindern. Die Beerdigung findet am Sonn- abendnachmitiag 3'/, Uhr von der Leichenhalle des RummelSburger Friedhofes auS statt. Soziaiileniokratisciier WaUvereln für den 4. Herl. Reichstags-ffatiikreis. würliner Viertel. (Bezirk 178 II.) Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Genosse, der Gastwirt Neinrlcd Bautz gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 11. Juni, nach- mittags 3 Uhr, von der Leichenballe de? Nummelsburger Gemeinde- FricdhoseS ans statt. Um rege Beteiiiguna ersucht 318/13 Der Vorstand. Deutselier Holzarbeiter-Verband Den Mitgliederti zur Nachricht, dag unser Kollege, der Kisten- macher Heinridr Bautz am 8. Juni gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 11. Juni, nach- mittags 3'/, Uhr, von der Hall« des Nimnnelsburgcr Gemeinde- Friedhofes in der Lückstratze aus Um rege Beteiligung ersucht 84/20 Die Ortöverwaltung. Sozialdeinokrat ffablvereio Mariendlopf. Am 7. Juni�verstarb unser Mitglied, früherer Kasficrer, der Tischler Qustav Bleck Kursürstenstratze 17. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 11. Juni, nach- mittags b Uhr, von der Leichen- balle de» Mariendorfer Kirchhofs, Friedenstrage, aus statt. Zahlreiche Beteiligung erwartet 203/3 Der Vorstand. Am 7. Juni verstarb unser Kol- lege, der Tischler GtasVsv Bleck. Alle, die ihn gekannt haben, bewahren ihm ein bleibendes An- denken. Hie Kollegen der Firma Kimbel& Friederichsen. Danksagung. Für die zahlreiche Teilnahme de her Beerdigung unseres Neben Sohnes und Bruders S736L AVsrtin Gardey sagen allen Verwandten, Bekannten und Genossen, insbesondere den Säugern unseren herzlichsten Dank. «««rzr Gardey nebst Frau und Kinder». ZentralveM deutselier Brauerei-Arbeiter. Zivcigverein Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß am Dienstag, den 7. Juni, unser Kollege, der Fahbier- Mitfahrer Hermann Mtenburg (Schulthelb Brauerei, Abt. I) nach kurzer Krankheit verstorben ist. Ehre seinem Audenken t Die Beerdigung erfolgt heute, nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle deS Gethsemane- Kirchhofes in Nordend bei Nieder- Schonhausen. Rege Beteiligung erwartet 42/14 Oie Orfsverwaltung. Deutscher Metallarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin. Tode.- Anaselge. Den Kollegen zur Nachricht, datz unser Mitglied, oer Schlosser .Josepk Larisch am 7. Juni an Bauchsellentzündun g gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Freitag, den 10. Juni, nach- mittags S Uhr, von der Leichen- Halle des Borsigwaider Kirchhofes in Borsigwalde bei Berlin aus statt. Rege Beteiligung wird erwartet 17----- 116/1' Ol« Ortsverwaltung Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meiner lieben Frau, unserer guten Mutter Cbarloite Heinze sagen wir allen Verwandten und Be- tannten unseren innigsten Dank. 7iV!II»oIin Heinze und Kinder. Tisehler-Verein»" Sonnabend, 11. Juni, abend? S'/j Uhr, M« k ch i o r st r. 15: Versammlung. Vereinsangelegenheiten. Zahlen der Besträge. 198/14 Der Vorstand. Gemeinsame Orts-Krankenkasse für Königs- Wusterhausen und Nmgegeud. Laut Bcschltist der Borstandsfitzung vom 20. Mai 1910 ist es den Mit- gliedern jetzt gestattet, sich ihre er- krankten Zähne von jolgenden Hell- gehilsen ziehen zu lassen: 278/00 W. HHuieke in Groh-Bcsten, G. Galla in Zeuthen. Glatzel und dem Dentist Hr. Plcrnlcke, beide in Käntgs-Wusterhnusen, letzlerer Bahnhosstraste wohnhast. Eine sofort oder mindestens nach- träglich von einem der Kassenärzte oder der Kasse zu sordernd« Sln- Weisung ist jedoch hierzu ersorderltch. KöntgS-Nusterbaujeil, den 7. Juni 1910. Der Vorstand. Stellvertr. Vorsitzender: tV. Franke. „Berliner Arbeiter- Radfabrer-sereiiT Mitglied des Arbeit«» Radsahrer-Bunde» Solidarität-, Touren m zum Sonntag, den TS. Juni. Die Tour nach Unter-Andow fällt aus, du Versammlung und Vergnügen von der' Behörde verboten. 1. Akt.: 5 Uhr: Kloster Lehnin. 1 Uhr: Nowawes. Start: Bülow- strotze 58. 2. Abt.; 1 Uhr: Fichtenau. Start: Fontane- Promenade, Ecke Blücher- stratze. 3. 3£6f.: 4 Uhr: Belitz(Sanatorium). 1 Uhr: Schöneiche(Waldschlotz). Start: Mariamienpiatz. 4. Abt.: 5Uhr: Belitz(Sanatorium). 1 Uhr: Wannsee(Fürstenhos). Start: Küsrriner Platz. 5. und 1». Abt.: 6 Uhr: Fürsten- Walde. l Uhr: Hessenwinkcl. 5. Abt.: Start: Elhjium. 10. Abt.: Start: Weberstr. 6. 6. Abt.: 5 Uhr: Buckow(Märkische Schweiz). 1 Uhr: Neue Spitzmühle. Start: Oderberger Str. 38. 7. Wt.: Am 11. Nachttour. 9 Uhr: Saatwinkel. Am 12. 2 Uhr: Wik hclmsruh. Start: Köslincr Str. 8. 8. Abt.: 1 Uhr: Heiltgenseer Schweiz. Start- Waldstr. 8. 9. Abt.: 1'/, Uhr: Hennigsdors. Start: Lrunnenstratz«, Ecke Gustav- Meyer-Allee. Heute: Fahrwartsttzung(nur für Obleute). Heute Freitag, abds. 8Vz Ahr, im Gcwerkschastshanse, Engelufer 14/15, Saal 4(Arbeitsloseosaal) i Sitzung der Ortsverwaltung. Einsetzer! ..... Berliner> unm-Guatten o. Zttxitr. lUstsnUn-BUc« 40 Kinciei* umromt zur Weltausstellung in Brüssel und lOO MK. in Bar zur Ausrüstung. NSKeres in Jedem PaKet Saman Taa (von lO 9tg. aufw&rta). «ScHluss des Preisausschreibens 15« Juni. J'&.m. a.n Tee viel billiger als Kaffee Allgemeine Teeiraport- Gesellschaft. A. T. G. G. m. d. H., Berlin SO. 36, Harzer Straße 33. Sonntag, den 12. Juni, pünktlich 9 Nhr vormittags: O- Vea'sjstmmliii'ägeii G in den beiamiten Lokalen. Kakmenvergvider! Montag, den 13. Juni, abends 8 Uhr, bei Merkowski, Andreasstr. 26: . VersKZninlunK./ Tages-Ordnung: 1. Der Doris der Nahmenvergolder. Referent: H. Spithe. 2. Branchenangelegenheitcn. Modell- u. Fabriktischler u. Modeüdrechsler! Montag, den 13. Juni, abends 8 Uhr, bei Witte, Brmtncnstr. 188: Branchen»Versammlung. Tages-Ordnung: 1. Organisierte Selbsthilfe des Proletoriat». Ref.: Genosse Buchholz. 2. Bericht von der Generalversammlung. 3. Branchenangelegcnheiten. Tischler(Bezirk Nordosten)! Montag, den 13. Juni, abends S'/j Uhr(gleich nach Feierabend): G AKUKKtSd«R'-�«rs»iiunKuHK G bei Boeker, Weberstr. 17. TageS-Ordnung: 1. Arbeitsnachweis nnd NrveitSvermtttelung. Res.: Kollege R. Leopold. 2. Verbandsangelegenheiten. 84/19 Bahnstation Zeuthen, Post Kivdvidvlun«. Telephon Kfinigs-Wusterhausen 175. Empfehle de» Vereinen, Gewerkschaften, Fabriken und Gesellschaften mein herrlich an: Krossiusce gelegenes Lokal zu Dampferportien und RuSflügen.— Bestellungen nehme auch in meinem Berliner Geschäsl: flesisuront rum leuobilurm, konisno-lleomensds 18(Tel. Amt IV. 173), entgegen. Auch stehen»ainp!«? und ZIatOrkaotv zur Vcrsngung. 1WS.IT.Ä. lTa.fOJ. empfehlen wir das Freiiigrsth» Gedenkblatt 16 Seiten, reich illustriert£0 Preis i Ferner: Ferdinand Freiligralbs sämtliche Werke in 8((eleganten Seinen. S_ banden....... ea«. Expedition des„Vorwärts", Berlin SW., Lindenstr. 69, Laden. Wir empfehlen: 245/18« Vollständiges Schachspiel. Mit Anleitung zum Spielen. DaS interessanteste aller Spiele. 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Nur ein Traum.(Anfang '/.S Uhr.) verlmer. Taifun. Neue«. Die goldene Rttterzett. Neues Operetten. Der Traf von Luxemburg. Thalia. SharlehS Tante. Hebbel. Wem gehört Helene? Koketterie.(Ansang 8'/« Uhr.) Schiller«. i tüafliitr• iheaut.) Zapfenstreich. Schüler(kharlottenburg. Miß Hobbs. Krievrich. SvilhelmftädtischeS. Sherlock HolmcS. Bolksopcr. �taalSanwaU Alexander. (Ansang 8'/, Uhr.) Note. Die Schmuggler. LnstsPielhauS. Das Leutnants- mündel. SRetroupl. Halloh II— Die große Revue. Ho lies Caprice. Das Gespenst. Der Athlet. Da» BersöhnungS- lest. Die verfolgte Unschuld. (Ans. 8-/. Uhr.) «Polio. Spezialitäten. Wintergarten. Spezialitäten. Vaiiaae. Spezialitäten. Rcichsballrn. Stettmer Sänger. Karl Haverlaud. Spezialitäten. Walhalla. Svezialilälen. Pratcr. Im Reiche des Mar». Urania. Tanvensirnhe IS/1«. Abend» 8 Uhr: In de» Dolo- mite». Sternwart«, gnvalidensir. 57—62. Lessing-Theater. Täglich 8 Uhr: Kasernenlnst. Berliner Theater. Heut. 8 Uhr: TaikUN. Morgen: laiknn. Heues 7!ie»ler. 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Verlagsanjtgjt Kggl AtSg»& gp,. Berlin SW., »m. Z. geilnoe des„Nsmaris" Kerlim NslksdlM. Heute abend 8 Uhr All! der cungenheilitstte Grabowfee. Es gibt Pflegeanstalten, aus denen von Zeit zu Zeit immer wieder Ltlagen kommen. Soll man glauben, daß das nur in einer Nörgelsucht der Pfleglinge seine Ursache habe? Die Lungenheilstätte Grabowsee gehört zu diesen Anstalten, die immer wieder in unliebsamer Weise von sich reden machen. Die neuesten Bemängelungen richten sich gegen Zustände, die der Anstaltsverwaltung bekannt sind, seit langem mit ihrem Wissen und Willen bestehen und aus sicherlich ihr sehr triftig erscheinenden Gründen aufrecht erhalten werden. Hier wäre es zwecklos, wenn wir den Beschwerdeführern unter Hinweis auf§ 13 der Hausordnung raten wollten, ihre Wünsche zunächst mal dem Chefarzt Dr. Schultes oder einem Vorstandsmitglied vorzutragen oder sie in das von der Anstaltsverwaltung ausgelegte Beschwerde- buch einzuschreiben. Es bleibt uns hier nur übrig, die uns zu- gegangenen Klagen dem Urteil der Oeffentlichkeit zu unterbreiten und diese Instanz entscheiden zu lassen, ob auch sie lediglich Nörgelei annehmen will. In der Anstalt Grabowsee gilt der Grundsatz:„Die Kranken haben sich, soweit es zur Förderung ihrer Gesundheit nötig ist, auf ärztliche Anordnung auch an leichten Arbeiten zu be- teiligen." So steht es in§ 3 der Hausordnung, und das entspricht den Anschauungen der Heilkunde. Auch ein Lungenkranker bedarf der Anregung für Körper und Geist, die die Arbeit ihm gewähren kann. Jeder Kranke wird sogar dankbar dafür sein müssen, wenn er durch irgendeine Beschäftigung, soweit sein Zustand eine solche gestattet, sich von der Oual der Untätigkeit befreien darf. ES läsit sich aber verstehen, daß nicht alle Kranken jede ihnen auferlegte Arbeit bereitwilligst als ein Vergnügen empfinden werden. Und im Hinblick auf die Tatsache, daß sie eben doch Kranke sind, kann man ihnen nur beistimmen, wenn sie fordern, daß mindestens nur solche Beschäftigung ihnen zugemutet wird, die ihrer Krankheit angemessen ist. In Grabowsee ist durch den schon erwähnten Paragraphen der Hausordnung Vorsorge getroffen, daß die Kranken an Arbeiten sich nur zu beteiligen haben, soweit es„zur Förderung ihrer Gesundheit nötig" scheint, nur an„leichten Ar- betten", von denen diese Wirkung erwartet wird. Sehen wir nun aber, was alles in Grabowsee zu den für Anstaltsinsassen geeigneten Arbeiten gerechnet wird, zu den Beschäftigungen, die ihre Gesund- heit fördern sollen. Gewöhnlich wird schon nach Ablauf etwa der ersten sechs Wochen des Anstaltsaufenthaltes dazu übergegangen, es mit dem Heilmittel der Arbeit zu versuchen. Eines schönen Tages sagt der Chefarzt zu einem beschäftigungsreif gewordenen Kranken:„Sie sind nun schon lange genug hier, von morgen ab können Sie arbeite n." Gegen eine solche Entscheidung gibt es keinen Widerspruch; denn nach§ 1 der Hausordnung mutz, was ja an sich selbswerständlich ist, den Anordnungen der Aerzte und des Auf- sichtspersonals Folge geleistet werden, sonst kann nach Z 17 der widerspenstige Kranke rascher, als ihm lieb ist, seine Entlassung haben. Von morgen ab wird also gearbeitet, ganz nach Wunsch des Chefarztes oder des in seinem Auftrag anordnenden Assistenten. Vielleicht hast du Glück und wirst zunächst dem Gärtner zugewiesen, dem du zu helfen hast. Du harkst ihm die Wege des ParkeS, du g r ä b st ihm ein bißchen— na, das findest du am Ende nicht schlimm. Doch das ist nur der Anfang. Später zerkleiner st du Holz, das von der Anstalt zur Feuerung gebraucht wird. z e r s ä g st große Baumstubben oder s p a l t e st sie mit der Axt. Es kann dir auch passieren, daß du einer Kolonne von AnstaltS- insaffen zugeteilt wirst, die die Stubben auSroden. Stubben sind dabei, auf denen Baumstämme mit einem Durchmesser bis zu etwa 1 Meter gestanden haben. So einen Koloß kriegt nicht ein einzelner aus dem Erdboden heraus, sondern es müssen da mehrere zusammenwirken. Manche der Arbeiten, die jetzt den Patienten übertragen werden, wurden frühervonbezahlten Kräften ausgeführt. Arme Leute waren froh, sich ein paar Groschen damit verdienen zu können. Die Anstaltsinsassen, die ihnen nun das Brot wegnehmen, werden selbstverständlich für ihre Arbeit nicht bezahlt. Ihnen soll's ja eine Tätigkeit sein, die zur Förderung ihrer Gesundheit dient. Einzelne Arbeiten sind aller- Vings so eigenartig, daß man fast zweifeln möchte, ob die damit betrauten Personen den Aerzten noch als krank gelten können. Wenn Pfleglinge, wie schon gesagt, umfangreiche Baum- stubben ausroden oder Brennholz zersägen und zerhacken, wenn sie von B a u m stä m m e n die Rinde mit einer Zieh klinge abschälen, Bretter von 8— 10 Meter Länge transportieren, so sind daS doch wirklich Beschäftigungen, zu denen man selbst bei weit- herzigen Ansichten über den.Heilwert der Arbeit nur Gesunde zu- lassen sollte. Andererseits möchte man aber auch wieder nicht an- nehluen, daß die Lungenheilstätte Grabowsee etwa Patienten noch behalten wird, die schon entlassungsreif wären. Manche Pfleg- linge finden in der Anstalt Gelegenheit, regelrecht ihr Hand- werk auszuüben. Da gibt's über einem Balkon ein Schutzdach anzubringen, das auf Pfosten errichtet wird, da ist Tischlerarbeit zu leisten, bei der ge- hobelt und poliert werden muß, da wird sogar außerhalb der Anstalt in dem benachbarten Ort Friedrichsthal auf einem privaten Hausbau, den ein Anstaltsangestellter für sich aufführen läßt, Stukkateurarbeit einem Pflegling zu- gemutet. Kann alles dä noch unter den Paragraphen von den „leichten Arbeiten" fallen, die den Kranken„zur Förderung ihrer Gesundheit nötig" sind? Darf man auch das eine gesundheit- fördernde Beschäftigung nennen, daß Pfleglinge gar den In- halt von Papierkörben samt Kehricht aus den Pavillons und dem Garten auf einen Hunde- wagen zu laden und an der Abladestätte den Wagen zu entleeren haben? Das mag keine„Knochenarbeit" sein, aber es wird dabei ein Staub und Schmutz aufgewühlt, der einem Lungen- kranken gewiß nicht dienlich ist. Es ist unerheblich, ob die hier aufgezählten Arbeiten alle noch jetzt ausgeführt werden. Sie sind mindestens in letzter Zeit alle dort ausgeführt worden, und es ist zu befürchten, daß die Verwaltung— immer in dem guten, aber irrigen Glauben, den Kranken damit zu nützen— sie bei sich bietender Gelegenheit wieder ausführen läßt. Wenn Lungenkranke solche in der Heilstätte Grabowsee herrschenden Zustände als u n- gehörig empfinden, so kann man das nicht aus bloßer Nörgel- sucht erklären. Aber was würde es helfen, an die Anstalts- Verwaltung mit einer Beschwerde heranzutreten? Es gilt ja dort als ordnungsgemäß, daß jeder Patient die ihm zugewiesene Arbeit zu leisten hat. Wem die Zustände in Grabowsee nicht paffen, der„kann gehen". Der Herr Chefarzt versteht ohnedies keinen Spatz: man mertt's ihm an, daß er Oberstabsarzt war und an militärische Disziplin gewöhnt ist. Die Hausordnung, die an soundso vielen Stellen mit Entlassung� droht, wird streng von ihm an- fewendet. Nun läßt sich ja gewiß nichts dagegen sagen, daß es en Anstaltsinsassen zur Pflicht gemacht wird, die gegebene Por- schrift genau zu befolgen. Anders wäre der Betrieb einer solchen Anstalt unmöglich, und es dient schließlich nur der Gesamtheit der Patienten, daß auf Ordnung geachtet wird. Doch die Entlassung sollte ein letztes Mittel fein, zu dem erst nach iviederholten Verfehlungen schlimmster Art gegriffen wird. In Grabowsee aber ist's anders. Pfleglinge *> haben uns die Klage vorgetragen, daß dort nur zu schnell die Entlassung ausgesprochen wird, auch wenn es sich um geringe Uebertretungen, z. B. um Verspätungen und ähnliches, handelt. Erregung ist besonders dadurch hervorgerufen worden, daß vor einiger Zeit mehrere Patienten entlassen wurden, weil sie eine neu verfügte Aenderung der Vorschriften nicht sogleich ganz genau befolgt hatten. Für die Sonntage war die abendliche Liegekur, die bisher von 6— 7 Uhr dauerte, plötzlich auf 4— 6 Uhr verlegt worden. Man sagt, das sei deshalb angeordnet worden, weil einige Patienten, die ihren Besuch auf dem Wege zum Bahn- Hof ein Stück begleitet hatten, dabei dem Verbot zuwider in ein Wirtshaus gegangen seien. Um das zu verhüten, sollten nun alle leiden. Das Lästige der Neuerung bestand darin, daß fortan bei der ungünstigen Lage der Zugabfahrtzeiten es den Patienten er- schwert wurde, ihreAngehörigen auf dem Heim- Wege zu begleiten, und daß die Besuchszeit überhaupt nicht mehr so ausgenutzt werden konnte. Die neue Bestimmung wurde so forsch gehandhabt, daß Patienten, die bei der Verabschiedung von ihren Besuchern über die vorgeschriebene Zeit hinaus außer- halb der Anstalt verweilt hatten, ihre sofortige Entlassung be- kamen. Was in Grabowsee eine sofortige Entlassung bedeutet, das ist auch sehr kennzeichnend für diese dem„Roten Kreuz" ge- hörende Anstalt. In der Regel muß der betreffende Patient innerhalb weniger Stunden die Anstalt ver- lassen haben. Sobald ihm morgens sein Schicksal verkündet worden ist, hat er am Vormittag seine Sache zu packen, und mittags soll er schon aus der Anstalt heraus sein. Sehe er zu, daß er rechtzeitig wegkommt und nicht zu spät zu den Seinen heimkehrt; denn in der Anstalt wird kein Mittagessen mehr für ihn bereit- gehalten. In Grabowsce wird sonst sehr darauf geachtet, daß die seelische Ruhe der Pfleglinge geschützt wird. Die Hausordnung sagt in§ 6:„Zum Kurcrfolg ist nicht nur gute körperliche Pflege der Kranken, sondern vor allem auch ihre un- gestörte seelische Ruhe notwendig. Wohlgesittetes Verhalten der Kranken gegeneinander ist deshalb unbedingt erforderlich, und jede Störung des Wohlbehagens von Kranken durch Neckereien und Be-' lästigung seitens Rlitkranker, insbesondere jede Beeinflusscung und Agitation in religiöser und politischer Richtung ist strengstens untersagt und kann sofortige strafweise Entlassung Zuwider- handelnder zur Folge haben." Nun, wir finden, daß d i e Störung des Wohlbehagens, die von den durch die Anstaltsleitung ver- schuldeten Mißständen ausgeht, auch nicht unterschätzt werden darf. Die Kassen, Behörden usw., die die„Rote-Kreuz"-Lungenheil- stätte Grabowsee benutzen und Kranke dorthin überweisen, sollten sich einmal die Frage vorlegen, ob es nicht ratsam wäre, ihrerseits i m Interesse des Kurerfolges auf eine Aenderung der Zustände in Grabowsee zu dringen. Not tut's! Partei-?Zngelegenkeiten. Zweiter Wahlkreis sFriedrichstadt). Sonntag, 12. Juni, bei Jul. Meyer, Oranienstr. 103: Z a h l m o r g e n für Druckerei- Rachtarbeiter. Gute Beteiligung erwarten Die Vertrauensleute. Charlottenburg. Heute abend findet in sämtlichen Bezirken von den bekannten Lokalen Flugblattverbreitung statt.— 3. Gruppe: Sonntag vormittags 10 Uhr: Gruppenversammlung im Volkshause, Rostnenstr. 3. Der Vorstand. Friedenau. Heute Freitag, abends 8'/, Uhr, Flugblattverbreitung von allen bekannten Bezirkslokalen aus. Der Vorstand. Zehlendorf(Wannseebahn). Die Flngblattverbreiwng findet für unseren Ort nicht heute Freitag, sondern Sonntag, den 12., morgens 7�/z Uhr von den Bezirkslokalen aus statt. Der Vorstand. Treptow-Baumschulenweg. Heute Freitag von 7>/s Uhr ab findet von allen Bezirkslokalen ans die Flugblattverbreitnng statt. Der Vorstand. Zossen. Die Parteigenossen werden aufgefordert, sich am Sonn- tag, pünktlich morgens 8 U h r bei Kurzner zu einer Flugblatt- Verbreitung einzufinden. Der Vorstand. Lichtenrade. Am Sonnabend, den 11. Juni, findet im Lokale von R. Deter die Generalversammlung des Wahlvereins statt. Tadesordnung: Bericht der Funktionäre, Neuwahl de« Vorstandes, Wahl von Delegierten zur Verbandsgeiieralversammlung, Verschiedenes. Der Vorstand. Alt-Glienicke. Am Sonnabend, den 11. Juni er., findet im Lokale von TroppenS, Rudower Straße 63, die Mitgliederversamm- lang des Wahlvereins statt. Tagesordnung: 1. Unser Sonimer- vergnügen. 2. Politische Agitation im Orte. 3. Aufnahme neuer Mitglieder. 4. Vereinsangelegenheiten, Verschiedenes. LerUner JVacbncbtcn. Der Kampf um die Lustbarkeitsstener wurde in der Stadtverordnetenversammlung gestern fortgesetzt und nahm noch die ganze Sitzung in An- spruch. Acht Redner ergriffen noch das Wort, von den Stadt- verordneten drei Freunde dieser Steuer auf die Erholung des Volkes und vier Gegner, vom Magistratskollegium noch einmal der Oberbürgermeister. Die„Neue Linke" ging dies- mal mit der sozialdemokratischen Fraktion und empfahl durch ihren Redner Stadtverordneten L a d e w i g, jede Besteue- rung der Theater, der Vergnügungslokale usw. abzulehnen. In den starken Beifall, den er bei seiner Fraktion wie bei unseren Genossen fand, mischte sich ein„Huhul"-Geschrei der anderen Seite. Im Gefolge derer um Cassel und Mommsen, unter den Freunden des vom Magistrat vorgelegten Steuer- Projektes, sah man auch das Grüppchen der„Sozialfortschritt- ler". Sie ließen durch ihren Redner Stadtverordneten P r e u ß darlegen, daß zurzeit die Lustbarkeitsstcuer die ein- zige für die Stadt Berlin noch verfügbare neue Einnahme- quelle sei. Stadtverordneter Mommsen wollte glauben machen, daß in einer Lustbarkeitssteuer, da sie wirklich mal eine Steuer auf Genußniittel sei, sogar so etwas wie e i n Stück— sozialen Empfindens stecke. Der Stadt- verordnete F e u e r st e i n, ein Mitglied der„Neuen Linken". setzte auseinander, daß er besonders eine Besteuerung der Vergnllgungslokale, die die Saalinhaber schwer treffen würde, nicht mitmachen könne. Dagegen behauptete Stadtverordneter Haberland(„Alte Linke"), daß nicht die Inhaber der Säle, der Theater usw. getroffen würden, sondern die Steuer sich sehr leicht auf das Publikum werde abwälzen lassen. Unser Genosse Borgmann stellte fest, daß der Magistrat sein Projekt mit ganz ungewöhnlicher Uebcrstürzung heraus- gebracht hat. Brauche die Stadt mehr Geld, so sollte sie die Einkoinmensteuer über Isiv Proz. hinaus er- Men. ohne Lurcht vor der. Einmischung d.ex Regierung in von den bekannte« Stellen ans. den Etat. Diese Erhöhung werde ja über kurz oder lang doch kommen müssen, darüber sei doch niemand mehr im Un- klaren. Da sollte man nicht erst zu dem Mittel einer Lustbar- keitssteuer greifen, das der Stadt Berlin geradezu unwürdig sei. Oberbürgermeister K i r s ch n e r versuchte eine Abwehr, aber sie war matt. Die Erhöhung der Einkommensteuer ist ihm das letzte Mittel, zu dem er greifen mag. Danken werden ihm das die W o h l h a b e n d e n, die ja durch eine Erhöhung der Einkomniensteuer am nachdrücklichsten zu den Kosten des Mehraufwandes der Stadt herangezogen würden. Das letzte Wort in diesem Redckampf fiel unserem Genossen W i l k e zu, der aus der Erfahrung heraus, frisch von der Leber weg sprechend, den Nachweis führte, wie groß die dem Gastwirts- gewerbe zugedachte neue Belastung ist. Damit war die erste Beratung beendet. Ueber einen Antrag, die Vorlage einem Ausschuß zu überweisen, wurde namentlich abgestimmt. Das Ergebnis war die Annahme des Ueberweisungsantrages mit 58 Ja gegen 40 Nein. Mit Nein hatten unsere Genossen und neben ihnen nur noch die„Neue Linke" gestimnit, aber die um Cassel und Mommsen samt den„Sozialfortschrittlern" sorgten dafür, daß dieses Monstrum von Steuerprojekt in den Ausschuß hineingerettet wurde. Eine seltene Sitzung. Obwohl die städtische Steucrdeputation ein großes Tätig- keitsfeld hat, hört man doch selten einmal davon, daß sie eine Sitzung abgehalten hat. Gestern war das— wenn wir nicht irren, zum ersten Male in diesem Jahre— wieder einmal der Fall. Zu Beginn der Sitzung gedachte Stadtrat Kalisch mit warmen Worten des verstorbenen Stadtrats Tourbi6, welcher vom 30. August 1898 ab bis zu seinem Tode den Vorsitz in der Deputation geführt hatte. Alsdann erfolgte 'die Einführung der Stadtverordneten Bäsell, Dr. Cohn, Landsberg und Dr. Rosenfeld als Mitglieder der Deputation. Ferner beschäftigte sich die Deputation unter anderem mit den Einwendungen der Hauseigentümer gegen den Z 8 der Grundsteuerordnung, nach dem auswärts wohnende Eigen- tümer einen in Berlin wohnenden Vertreter für die den Grundbesitz betreffenden Angelegenheiten zu bezeichnen haben. Die Deputation betonte von neuem ihren bisherigen Stand- Punkt, welcher sich für die Beibehaltung und strenge Durch- führung der genannten Bestimmung ausspricht. Ferner wurde in der Deputation über zu späte Zustellung der Steuer» Veranlagungen Klage geführt und darauf hingewiesen, daß der Stadtgemeinde durch die zu spät erfolgende Steuerein- ziehung eine erhebliche Zinseneinbuße erwachse. Es wurde jedoch festgestellt, daß die Vorarbeiten aufs schnellste erledigt werden. Die Deputation sei jedoch abhängig von der Ver- anlagung seitens der. staatlichen Steuerbehörde, welche abge- wartet und dann noch bearbeitet werden müsse. Unseres Erachtens ist die Klage wegen zu später Zu- stellung der Veranlagungen durch die Gemeinde berechtigt. Uns ist bekannt, daß Personen, die Anfang April die staat- liche Veranlagung erhalten haben, noch heute nicht im Besitze der Gemeindesteuerveranlagung sind. Zu den Differenzen drS Syndikus Dr. Moehl mit dem Vor. stände der Handwerkskammer wird berichtet, daß die Staatsanwalt» schaft das gegen Dr. Roehl schwebende Strafverfahren eingestellt hat. Der Vorstand der Berliner Handwerkskammer hatte neben der Einleitung eines Disziplinarverfahrens auch Strafantrag bei der Staatsanwaltschaft gestellt. Nachdem die Ermittelungen über sechs Monate geschwebt haben, ist das Verfahren nunmehr, und zwar aus materiellen Gründen, eingestellt worden. Eisenbahnzusammenstoß bei Hennigsdorf. Ein folgenschwerer Zusammenstoß zwischen einem Personen. zug der Kremmener Bahn und einem Güterzuge ereignete sich gestern nachmittag kurz vor 3 Uhr unweit deS Bahnhofes HennigS. darf bei Tegel. Etwa 200 Meter von der Einfahrt zur Station bemerkte der Lokomotivführer plötzlich, daß ihm auf dem EinfahrtS- gleis ein vollbeladener Güterzug entgegenkam Beide Führer ver- suchten sofort zu bremsen Ein Zusammenstoß war indessen unver- weidlich. Die Lokomotiven fuhren mit großer Gewalt gegen- einander und legten sich, arg demoliert, zur Seite. DaS Personal beider Züge konnte sich durch Abspringen in Sicherheit bringen. Nur der Schaffner Petcrmann, der sich zur Zeit der Karambolage im Packwagen befand, wurde schwer verletzt. Infolge Zcrtrümme- rung des Packwagens erlitt er Brüche an beiden Beinen. Von den Passagieren wurden drei durch Glassplitter am Kopf und im Gesicht verwundet. Einige andere meldeten sich als krank, sie klagten über Schmerzen im Rücken und über Nervenchok. Vom Güterzug wurden drei mit Holz beladene Wagen schwer demoliert. Petermann wurde dem Krankenhaus zugeführt. Die Ursache deS Zusammenstoßes ist, soweit bisher ermittelt werden konnte, darauf zurückzuführen, daß der Güterzug beim Rangieren infolge falscher Weichenstellung auf das Einfahrtsgleis geschoben wurde. Der Schriftsteller Dahsel, der weiteren Kreisen durch den Er» Pressungsprozeß Dahsel-Schuwardt und durch das gegen die Bruhnsche„Wahrheit" gerichtete Strafverfahren bekannt geworden ist, ist einem Herzleiden erlegen. Er kommt nunmehr nicht mehr in die Lage, die gegen ihn erkannte Strafe von 1 Jahr 3 Monate Gefängnis verbüßen zu müssen. Das gegen Herrn Bruhn schwebende Strafverfahren dürfte mit dem Tode Dahsels um einen Hauptzeugen ärmer sein. Der Mnscumsdiebstahl, über den wiederholt berichtet wurde, hat jetzt auch zu einer Verhaftung geführt. Das Schadowsche Bronzerelief Friedrich des Großen, das aus dem Kunstgewerbe- museum verschwunden war, kam vor kurzem in einem Zigarren- geschäft am Oranienburger Tor zum Vorschein. Kriminalbeamte entdeckten es dort. Der Geschäftsmann erklärte, er habe daS Kunstwerk als Unterpfand für zwei Darlehen von 6 und 2 M. von einem Kunden bekommen, der es alsbald wieder abholen sollte, aber nicht wiedergekommen sei. Jetzt ist dieser Kunde ermittelt und festgenommen worden. Es ist ein junger Konfektionär Sieg- mund B., der schon seit Januar dieses Jahres keine Wohnung und keine Stellung mehr hat. B. Pflegte im Tiergarten oder in Cafes aller Art zu übernachten. Gestern traf ihn die Kriminalpolizei auf einer Streife in einem Cafe der Fricdrichstadt, wo er schlief. B. bestreitet, selbst daS Relief gestohlen zu haben. Der Dieb sei vielmehr ein Mann, den er nur dem Vornamen Max nach kenne, ein Rheinländer von etwa 30 Jahren. Diesen„Max" habe er in einer Spielerkneipe in der Friedrichstadt kennen gelernt. Dort habe er sich als Agent vorgestellt und erzählt, daß er in London und Paris gewesen sei und jetzt nach Krüssel fahren wolle. Max habe l){O Wien>761 NO 1 heiter 2 wolkenl llwolkenl 1 bedeckt 1 wolkenl IDuust ,4« P k «tattonen 77091 etlr»burg 766 NW Sctllh i76l WSW ftderdeen 762 Still Pari» 760 Still Setter 2 wolkenl 1 wolkenl 1 wolkig (wolkenl wolkenl C« »» I* Mi 8 17 13 13 20 Cdettetpragnoftf für Freitag, den 10. Juni 1910. Sehr warm und schwül, vielsach heiter, aber veränderlich mit Gewitter« Neigung und meist schwachen östlichen Winden. Berliner W e t t« r b u r e a n. «Saflerstands-kktochrtchte» Wasserstand Kemel. TUstt V r e g e l, Jnsterburg Weichsel, Th-rn Oder, Ratibor , Krossen , Frankwrt Warthe. Schrimm , LandSbrrg Netz«, Vordamm Elbe, Leitmeritz , Dresden , varbh , Magdeburg 0+ bedeutet Such«,— Fall. Unterpeget. eingegangene Vruckfckvifren. von der»Neuen Zeit"(Etilttgart, Paul Singer) ist soeben da? 37. Hest 28. Jahrgang» erschienen. E» hat jolgenden �Inhalt: Von K. Kautsly.— Arbeiterbewegung in Die eng- den Ver« DaS andere Mal.— Eine neue Strategie. lischt Krone. Von Th. Rothstei».— Die.> einigten Staaten. Von Algernon Lee.(Fortsetzung.) Literarische Rund« schau: S. P. Slltmann, Finanzwissenschast. Von dl. dl. Martin Hartmann, Unpolitisch« Briese au» der Türkei. Von Karl Radek. M. Llepmann, Professor de» Strastecht« in Klel. Di- Beleidigung. Von Sl-gsried Weinberg. — Notizen: Die Fachtechnik und die Gewertschastspreise. Bon K. Schmidt, Würzburg. England« Gcldkapstal. Von Ii.— Zeitschrijtenschau.— Biblio- graphie de» Sozialitmu». Die.Neue Zeit' erscheint wöchentlich einmal und ist durch alle Buch- Handlungen, Poslnnstalten und Kolporteure zum Preise von S.SS M. pro Quartal zu beziehen; jedoch kann dieselbe bei der Post mir pro Ouartak abonniert werden. DaS einzelne Heft kostet 83 Ps. ..... u zu Probmummern stehen jederzett zur versügung. Allen Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, dab am 8. Juni, nachm. 8»/, Uhr. mein lieber guter Mann, der Bildhauer Paul Büstrich nach kurzem schwereu Leiden ent« schlasm ist. Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 1l. Juni, nach, mittag» 3'/. Uhr, aus dem neuen Gemeinde- Fricdhos tn Rixdors, Mattendorser Weg, statt. Die tteftrauernde Witwe nebst Anverwandte». j. Baes* BäM,£eke I Rrinz.-Alles Herren- und Knaben- | Moden, Beruftkleidung. Bieg. Paletot«. iGroOes Stofflager zur Anfertigung n.MaB. AMerfailligste, streng feste Prvl»«. Verleih-Inotltnt: Friedrichst.llS/l.a.DtnBo. "Tor. Eleg. Frack. Gehrodk 1„60.Hose 1,00, Weste bOPs.