Nr. 139. nbonnementS'Bedlngungen: Abonnements- Preis pränumerando! Lierteljährl. ZP0 Mt. monatl. 1,10 Mb, wöchcnllich 28 Pfg. frei WS HauS. Einzelne Nummer 5 Pfg, Sonntags« Eingetragen in die Post-Zcitungs- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich. Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland 8 Marl pro Monat. PoftabonncmentS nehmen an: Belgien. Dänemark, doli and, Italien, Luxemburg. Porwg-rl, " nänicn. Schweden und die Schweiz, 27. Jahrs vlidtlllt Wich ittiSek lllonttg». Verlinev Volksblatt. vle Insertion;-Lebiidr- vclrägt für die sechsgespaltcnc Nolonel« geile oder deren Raum EO Pfg., für politische und gewerlschaslliche BercinS« und BersammlungS-Aiizeige» 30 Pfg, „Kleine Snieigen", das erste ffett» gedruckte) Wort 20 Pfg., jedes weitere Wort 10 Psg. Stellengesuche und Schlaf- slelleN'Anzcigc» das erste Wort 10 Pfg.» jedes weitere Wort ü Pfg. Worte über IS Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Numnier müsse» bis 2 Uhr nachmittags in der Expedition gpgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöfsnet, Telegtamm- Adresse: „SozialdcmoKrat Rcrlin", Zcntralorgan der fostaldcmokrati feben Partei Deutfehtands. Redaktion: SRI. 68, Lindenstrasse 69» Fernsprecher: Amt FT, Nr. 1983. Freitag, den 17. Jmn 1919. Expedition: SRI. 68, I�indenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984. Dem Mchter de; Zorne;! -„Gi» hat mir dieses Aufbrausen und das Herz„im Maule" führen nicht schon geschadet!" So schreibt der junge F r e i l i g r a t h einem Freunde. Wir wissen heute, daß dieses Aufbrausen in deni Dichter Freiligrath gerade die besten Kräfte gelöst hat, daß er gerade dadurch zum stürm- gewaltigen Sänger des lodernden männlichen Zornes ge- worden ist. Rebellentrotz steckte im dem Dichter Freiligrath von seiner frühsten Jugend an. Die weitausgreifenden Flügel seiner stürmenden dichterischen Phantasie stießen gegen die Enge seiner Umgebung, gegen die traute Spießbürgerlichkeit seiner Familie, gegen den aufgezwungenen Beruf des Spezerei- Warenhändlers, gegen die tausend Hemmnisse, die sich in den zwanziger und dreißiger Jahren des vorigen Jahrhunderts jedem freigesinnten Manne in den Weg stellten. Schon als Sechzehnjähriger zeichnet er in leidenschaft- ckichen Versen das Ziel seines Lebens. Er berauscht sich in feiner Phantasie an dem Bilde eines kochenden Vulkans, der mächtige Steine und ein Meer von heißen Harzen auf den beschneiten Nacken einer fernen Nordlandsinsel schleudert. Und dieser Insel soll sein eigenes Leben gleichen:„Wie rot und heiß Hekla Steine von den Zinnen Wirft nach der Faaröer Eis: So aus meinem Haupt, ihr Kerzen Wilder Lieder, jprühn und wallen Sollt ihr, und in fernen Herzen Siedend, zischend niederfallen." > Was der Sechzehnjährige mit wildem Sehnen erträumt, das hat der Mann gehalten. Seine wilden Lieder sprühen und zünden noch heute wie Lavaglut, wenn sie in die Herzen kämpfender Arbeiter fallen. Als die Julirevolution wie eine Windsbraut durch die Länder fegte, begrüßte der einundzwanzigjährige Freiligrath sie wie einen Hoffnungsstrahl kommender Freiheit. Als bald danach die alte Unfteiheit wieber im Sattel saß und das i,Staatenroß" fest im Zügel hielt, träumte sich Freiligrath in den Bann von Mekkas Toren, wo seine Hand ein Schwert führen, wo aber seiner Dichtung innere Flamme in lodernden Gesängen den Zorn, den Groll auf die Männer überströmen solle,„denen glühend wie meines in heißen Schädeln brennt das Hirn". Oder er sieht in dem Nebel am Strande die Wolke der Finsternis, die über Deutschland liegt und:„mir ist, als zürn' in ihr, wie der Groll des Donners, meines Liedes Dräuen:— als fahre, wie niederfährt der Blitz aus dunkler Luft, so mein Gedanke zuckend durch den Duft, daß zündend er sich außen offenbare". Noch war Freiligrath kein politischer Dichter, noch ent- sprang sein zorniges Grollen mehr seinem allgemeinen mensch- lichen Empfinden, seiner Unzufriedenheit mit der Enge der Zeit. Aber er war schon auf dem Wege zu der Dichtung. deren kühnster Wortführer er werden sollte. Ein Zeitungs- blatt fällt ihm in die Hände, in dem er liest:„Weil ein irisch Weib, in Witwennöten. den Zehnten nicht zeitig abgetragen, ließ ihr den einzigen Sohn ein P r i e st e r— töten!" Eine Zeitungsnotiz! Aber in dem Dichter läßt sie lodernden Zorn über solche Büberei aufschäumen. „Die Lippe bebt mir, aber nicht zu beten, Und die von selbst geballten Fäuste droh'n. Ohnmächtig Zürnen! nennt es nicht so!— ward DaS Wort mir nicht, zu züchtigen den Fron? Dies Blatt ist einzig für die Gegenwart. Den Augenblick, fort rast eS mit der Stunde; Doch um den Dichter drängen sich geschart Die Enkel noch; was er mit seinem Munde Gebrandmarkt, bleibt eS; mächtig dringt das Lied In Ohr und Herzen, sorgend, daß die Kunde Nicht untergeht." Gerade dieses Gedicht ist kennzeichnend für Freiligrath, auch für den späteren politischen Revolutionär. Aus einem unscheinbaren Anlaß erwächst ihm ein Bild der Zeit; ein Ereignis, das am nächsten Tage vergessen sein würde, erweckt feine dichterische Begeisterung, und er formt daraus eine Dichtung, die noch die Fabel ergreifen soll. Er will bewußt die Gemeinheit mit dem Zorne des Dichters brandmarken, damit die Kunde daran nicht untergeht, sondern noch auf fernere Zeiten wirken kann. Es bedurfte nur des richtigen Anstoßes, um Freiligrath vor die eigentlichen Aufgaben seines poetischen Könnens zu stellen. Aber der Anstoß kam nicht so bald. Zwar wirkten die größeren Ereignisse im politischen Leben auch auf Freiligrath ein. Als man in Lippe-Detmold zur Errichtung des Hermann- denkmals rüstete, schrieb Freiligrath einem Freunde bitter: „Ich dächte, in einer Zeit, wo die G ö t t i n g e r Sieben, und unter ihnen ein Jakob Grimm, Landes verwiesen werden. fötmtj; sich dxr öeWjHe MrMMW aüch wohl Mets M schöner als durch Errichtung eines Denkmals für Hermann betätigen. Was liegt nicht alles in unserer Zeit! Wer das Zeug dazu hat, sie recht zu packen, der macht wohl noch anderes als Denkmäler." Und dann rühnit er des österreichischen Dichters Karl Beck„Gepanzerte Lieder". „Der ist ein Gewaltiger, dieser einundzwanzigjährige Ungar ... Respekt vor dem Kerl!" In einem Briefe an einen anderen Freund kommt er nochmals auf Jakob Grimms Ent- lassung zurück. Und wieder zuckt's ihm in den Fingern: „Wer doch alles so rechtpacken könnte, was inunsererZeit liegt— das könnte Gedichte geben!" In einem dritten Briefe aus jener Zeit zittert derselbe bren- nende Wunsch nach großer, starker politischer Gestaltungskraft: „Ob Hölty wohl auch Mailieder gemacht hätte, wenn Anno 1773 sieben Professoren par ordre de moufti exiliert worden wären?—'s ist ein schwüle Zeit, der Poet steht vereinsamt in ihr, ein überflüssiges Gerät! Wohl ihm, wenn er die Interessen der Zeit so zu erfassen ver- steht, wie in neuester Zeit Grün und Beck." Noch konnte Freiligrath für die Not der Zeit die richtigen Worte nicht finden. So schaffte er dem in ihm wogenden Ungestüm einen Ausweg durch seine exotische Lyrik, durch die farbenreichen, lebendigen Gedichte über Wüste, Urwald, Meer. Er hat es selber deutlich genug gesagt, daß seine Wüsten- und Löwenpoesie im Grunde auch revolutionär, „allerxntschiedenste Opposition gegen die zahme Dichtung, wie gegen die zahme Sozietät" war; wer die Gedichte mit dem richtigen Verständnis für die Eigenart Freiligraths liest, wird in ihnen auch ganz unverkennbar die Tatze des Löwen spüren. Er zog sich mit diesen Gedichten gleichsam hinter die Schlachtlinie zurück; er wollte erst mit sich selbst ins Reine kommen über das, was neu und unbändig in ihm gärte; es kam die St. Goarer Zeit,„aus der ich einem Wendepunkt in meinem Leben ruhig entgegensehe. Ich will hier an mich herankommen lassen, was mir etwa noch vor- behalten ist, ohne mich darum zu drängen". Der leichtentflammte, zornfunkelnde Kämpfer blieb er bei alledem:„Beim Blitzen Eurer Harnischzierde und beim Er- klingen Eurer goldenen Sporen erwacht in mir die alte Kampfbegierde." Als aber wortgewandte, bewegliche Streiter, ungeduldige Husaren der Revolution auf ihn einredeten, als man ihn mit Gewalt, bevor noch die innere Entwickelung in ihm zum Ab- schluß gekommen war, in ein Parteilager ziehen wollte, bäumte sich der alte Westfalentrotz in ihm auf. Da schrieb er sein viel zitiertes Wort vom Dichter, der über den Parteien stehen müsse. Um so tapferer war der Mut, mit dem er bald danach seine ganze dichterische Vergangenheit, seinen Ruhm, seine und seiner Familie Existenz aufs Spiel setzte, als er sich zu seiner neuen Weltanschauung durchgerungen hatte, als er sein „Glaubensbekenntnis" wie einen kecken Schuß in die Oede und schwüle Stille jener Tage warf. Er bekennt offen, daß er seinen Standpunkt über den Parteien aufgegeben hat, „fest und unerschütterlich trete ich auf die Seite derer, die mit Stirn und Brust der Reaktion sich entgegenstemmen. Kein Leben für mich ohne Freiheit.,«. Mein Gesicht ist der Zukunft zugewandt!" Jetzt hat er den Anschluß an die großen, bewegenden Fragen der Zeit gefunden; jetzt versteht er die Nöte der Zeit, ihre Sorgen und Qualen, aber auch ihre drängenden, jauchzenden Ideale; jetzt ist die Unruhe und die selbstquäle- rische Unzufriedenheit in seinem Innern vorbei; jetzt weiß er, wofür der Dichter zu kämpfen hat:„ich segne noch stündlich den Schritt, der mich dahin führte, wo ich jetzt stehe. Meine Stellung ist eine ganze geworden, Gott sei Dank, und ich brauche meinen Zorn nicht mehr täglich in mich hineinzufresse n". Und die Zeit eilte mit großen Schritten vorwärts. Ueberall in Deutschland wetterleuchtete es. Die Konflikte zwischen Bourgeoisie und Krone verschärften sich von Tag zu Tag, der Ton der radikalen Presse wurde kecker und kecker, die satirischen Dichter sandten Spottpfeil auf Spottpfeil in die Perrücken und Hosenböden der Reaktionäre. In Freiligrath aber trieb das Nahen des Völkerfrühlings die ganze lange verhaltene revolutionäre Kraft seines dichte- rischen Temperaments zu vollster Entfaltung. Sie waren rascher entflammt gewesen, die Süddeutschen und die Ober- flächlicheren, und hatten ihren revolutionären Tatendrang rascher in poetische Form zu gießen gewußt als der herbe, trotzige, aufrechte Sohn Westfalens. Aber als diesen erst einmal der Geist der Zeit gepackt hatte, als er sich nach ernstem inneren Kampfe zum sieghaften Glauben an das Volk Md Ms nMMsmtt Mission durchgexungefl ZattSi als sein unbändiger Zorn endlich die kühne Bahn gefunden hatte, auf der er ungehemmt in gewaltigen Wogen dahin- brausen konnte, da blieben die anderen weit hinter ihm zurück, da stand er begeistert und begeisternd in den vordersten Schlachtreihen der Kämpfenden und feuerte sie durch die hin- reißende Kraft seines Gesanges zu immer kühneren Taten an. Zorn, lodernder Zorn, der in der hocherhobenen Rechten die blitzende Waffe schwingt,— das ist es, was aus allen seinen Revolutionsgedichten mit unwiderstehlicher Gewalt hervorbricht.„Selten oder nie," sagt Robert Prutz,.ein Zeit- genösse und gleichgesinnter Dichter über das erschütterndste Revolutionsgedicht Freiligraths, über die furchtbar-gesvaltige Predigt der Toten an die Lebenden,„hat der glühendste Zorn, der inbrünstigste Haß, die zähnefletschende Verachtung sich in so wahrhaft großartiger, so erschütternder Weise aus- gesprochen, noch ist es viel anderen Dichtern gelungen, die an sich widerwärtigsten und grausigsten Szenen noch in einer so edlen poetischen Beleuchtung zu zeigen... es ist etwas von dem wilden Schlachtenmut der alten Katten in diesem blauäugigen Sohne Westfalens".--- Aber die Revolution erlag, aus der heißen Märzenzeit waren schon kalte Tage geworden, als nur erst die Blüten ches Frühlings von den Bäumen fielen. Die tapferen Kämpfer mußten flüchten. In Freiligrath aber blieb der Zorn lebendig. Es glüht wie sengender Ateni aus jeder Zeile des stolzen Trutzgedichts„Die Revolution", das er von London aus in die geschäftigen Dunstncbel der siegreichen Reaktion hinein- donnerte. Und der Zorn blieb in ihm auch die langen Jahre der Verbannung hindurch. Wohl brach er nicht mehr wild und ungestüm hervor wie in den hoffnungsfrohen Kampfzeiten der Märzrevolution.„Die Not der Zeit ließ unsere Saiten rosten", so klagt er in einem Briefe. Auch ivar er nie in dem Sinne ein streng geschulter, übcrzeugungsklarer Politiker gewesen, um wie Marx nach dem Zusammenbruch der März- revolution mit ernster wissenschaftlicher Gründlichkeit aus den bitteren Erfahrungen der Revolution die ersten Bausteine der zukünftigen proletarischen Revolution zu formen. Freiligrath war ein Kommunist und Revolutionär mit dem Herzen und mit der leidenschaftlichen Emphase des Dichters geworden zu einer Zeit, als der Kanipf seiner poetischen Gestaltungskraft die packendsten Stoffe bot. Als der Kampf der großen Züge entbehren mußte, als er in der Heimlichkeit und Mühsal des Exils mit äußerlich unscheinbaren, versteckten Mitteln geführt»Verden niußte, bot er der Muse Freiligraths keine rechten Anregungen mehr, und sie zog sich allmählich ermüdet und fröstelnd vom Kampfplatze zurück. Aber Freiligrath selbst blieb, der er war, fest und un- erschütterlich, wie er's im Glaubensbekenntnis gelobt hatte, nur daß sein Zorn und Groll sich in sein Inneres zurückzog. Auch seine wenigen Kriegsgcdichte von 1870 widersprechen dieser Tatsache nicht. Schließlich brach hier in ihm nur»viedcr der Grimm über eine angebliche Beleidigung Deutschlands durch den französischen Zäsaren uneNvartet hervor und zu- gleich die Hoffnung, daß endlich ein freies großes Deutsch- land erstehen werde. Freiligrath war in den Glutsommertagen 1870 nicht der einzige Sozialist, der die deutschen Truppen mit Begeisterung in das Feld ziehen sah. Ein Wort, das seiner alten, ehrlichen Ucberzeugung»vidcrspräche, sucht man aber in den Gedichten wie in den Briefen Frciligraths auS jener Zeit vergebens. Statt dessen geht aus einem Briefe aus dem Jahre 1871 an den jüngst verstorbenen Julius Wolff hervor, daß in Freiligrath schon in den Kriegsjahrcn längst»meder der alte Zorn gegen niedrige Gesinnung und Brutalität über den kurzen Rausch nationaler Begeisterung gesiegt hatte. Wolff hatte einem Kriegsgedichte einen„widerlichen und abscheulichen Schluß" angehängt, in dem er deutsche Soldaten als Henker französischer Franktireurs schilderte und pries. Da begehrte der alte Freilig- rath auf! Schill und Lützotv und Andreas Hofcr und die spanischen Guerillas seien auch nur Franktireurs gewesen, und ein Poet solle sich über solche Roheiten nicht schmunzelnd die Hände reiben:„Bitter, bitter beklagen soll er die durch den Krieg gebotene Grausamkeit und, wenn er nicht ganz und gar schweigen will, nur in solchem Sinne seine Stimme erheben... Der Teufel hat Sie geritten, daß Sie, sind mit Behagen, uns die armen Gehenkten zeigen mußten." Und einige Jahre später, mitten in dem tollen patriotischen Taumel über die Einigung Deutschlands, fährt Freiligrath seinen Freund Berthold Auerbach unwirsch an wegen seiner„Einheits- freude":„Ich brauche Dich nicht daran zu erinnern, wie ich in den Tagen der Gefahr mich rückhaltlos auf die nationale Seite I gestellt habe. Daß tch darum aber das„Reich", tute es aus dem Kampfe hervorgegangen ist, für das Höchste halten sollte, für das Ideal, nach dem wir alle gestrebt, für das wir Kerker und Exil nicht gescheut haben, das fällt ni i r n i ch t e i n. Ich akzeptiere die Dinge, wie sie sind, als eine zeitweilige Notwendigkeit, aber ich begeistere mich nicht dafür." So kühl urteilte Frciligrath 1874, zwei Jahre vor seinem Tode, so deutlich gab er den Freunden zu verstehen, daß die Verbitterung von 1848 her noch tief in ihm saß. Und was hätte Freiligrath wohl in Briefen oder Ge- dichten gesagt, wenn er noch zwei Jahre länger gelebt hätte I Wenn er Zeuge des Schwindels der Attentate zur Vorbereitung des Sozialistengesetzes geworden wäre! Wenn er hätte er- fahren müssen, daß das neue Deutsche Reich mit Bismarck am Steuer und dem ehemaligen Prinzen von Preußen an der Spitze aus den Erfahrungen eines halben Jahrhunderts nichts Besseres gelernt hatte als die brutale Knebelung des Proletariats I_____ Vielleicht wäre in dem alten, elsenfesten Graukopf noch einmal der Zorn zu hoher Lohe emporgeschlagen, und er hätte in die Gemeinheit jener Tage wieder den Feuerbrand feiner Gedichte geschleudert!>> Jahrzehnte sind seitdem vergangen. Das Sozialisten- gesetz und seine Urheber sind längst dahin, das klassenbewußte Proletariat aber schreitet siegesfreudig und zukunftssicher seine Bahn. Es fürchtet nicht die Tücken noch die Macht- mittel seiner zahlreichen Gegner. Wenn es aber einmal der Aufrichtung oder Belebung bedarf, so greift es zu den hin- reißenden Gesängen, mit denen der größte Dichter des Prole- tariats im Völkerfrühling 1848 den Kampf beflügelte! so läßt es den donnernden revolutionären Zorn Freiligraths auf sich überströmen: und mit ihm reckt es den tausend Feinden der Freiheit kühn die trotzige Stirn entgegen mit dem jubeln- den Kampfschrei: Nur was zerfällt, vertretet ihr, Seid Kasten nur, trotz alledem! Wir sind das Volk, die Menschheit wir, Sind ewig drum, trotz alledem! Trotz alledem und alledem! So kommt denn an, trotz alledem! Ihr hemmt uns, doch ihr zwingt UNS nicht, Unser die Welt, trotz alledem! Sozisliltische Klassenpolitik Im französischen Parlament. Paris, 14. Juni(Eig. Ber.) Der nichtssagenden und zweideutigen Regierungserklärung haben die geeinigten Sozia- listen gestern eine klare, umfassende Erklärung der proletarischen Klassenpolitik entgegengesetzt. In die Form einer Tages- ordnung gekleidet, enthält sie ein Programm der politischen, kulturellen, handelspolitischen und sozialpolitischen Reformen, mit denen die sozialistische Demokratie den Weg zur voll- ständigen Befreiung des Proletariats und zur Errichtung der sozialistischen Gesellschaft bahnen kann. Niedcrlegung der Schranken der kollektiven Bestrebungen der Arbeiterschaft, Verbesserung des Erziehungswesens unter Mitwirkung der organisierten Lehrerschaft und unter Kontrolle der Eltern, Steuerreformen im Interesse der Besitzlosen, Ausdehnung der staatlichen und Gemeindedienste, internationale Vereinbarungen über die fortgesetzte Herabminderung der Zolltarife, Wohnungs- reform, Bekämpfung des Alkoholtsmus, Schutz der Heim- arbeiterschaft, Mitwirkung der Arbeiterschaft an der Gewerbe- inspektion, Achtstundentag und Lohnminimum, eine wirksame Sozialversicherung, Uebertragung der kapitalistischen Monopole an die Nation. Nationalisierung der noch freien Naturschätze. Kündigung' des Privilegs der Bank von Frankreich, Kontrolle der Finanzoligarchie und nationale Organisation des Kredits. Ausdehnung des Arbeiterschutzes auf das Land- Proletariat, Sicherung des Wertzuwachses für die Bearbeiter des Bodens, Förderung des ländlichen Genossenschaftswesens, Schutz der Seeleute und Organisation der Fischerei, Um- Wandlung der Armee in eine Miliz, Eintreten für inter- nationale Schiedsgerichte. Verurteilung kolonialer Expeditionen, Eingeborenenschutz, Anerkennung der Gleichheit aller Rassen— und als Vorbedingung zu alledem das Aufgeben der gegen daL Proletariat gerichteten Klasienpolitik des bürgerlichen Staates und die fortschreitende Demokratisierung, Proporz und Frauenstimmrccht, sowie eine verbesserte Organisation der parlamentarischen Arbeit, das sind die wichtigsten Reformen, die die von allen 75 Deputierten der Fraktion unterzeichnete Erklärung vorschlägt. Zu ihrer Begründung sandte die Partei drei Redner, durchweg neue Abgeordnete, vor: außer Genossen Albert Thomas, der sie verlas, die Genossen Brigon und Lauche. Es war ein glänzendes Debüt des Sozialismus in der neuen Kammer, zugleich ein persönlicher Erfolg der Redner. Diese hatten sich ihre Aufgabe eingeteilt. Thomas behandelte namentlich die allgemeine wirtschaftspolitische Situation, den industriellen Aufschwung, der sich kund- gibt, und das Verhalten der Regierung zu den Groß- kapitalistcn, die die ncucrschlossenen Reichtumsqucllen mit Beschlag belegen wollen. Er wies darauf hin, daß die Frage des Alkohol- und des Versicherungsmonopols in der Regierungs- erklärung ebenso übergangen wird, wie die Revision des ver- alteten Berggesetzes von 1810, und beleuchtete die skandalöse Wahlkorruption, die die Versicherungsgesellschaften in der letzten Wahlkampagne betrieben haben. Er forderte die Nationalisierung der Wasserkräfte, die jetzt an kapitalistische Unternehmer verschleudert werden, und appellierte an die Radikalen, ihr altes Verstaatlichungsprogramm jetzt zu ver- wirklichen. Zum Schluß zeigte er die Einheit und die Selbständigkeit der Arbeiterklasse, als die leitenden Ideen des organisierten Proletariats.„Die Arbeiterklasse," sagte er,„kann an der allgemeinen Funktion des Staates nur teilnehmen, indem sie ihn erobert." Genosse B r i z o n, ein Lehrer aus dem Departement Allicr, analysierte die verschiedenen Ausbeutungsformen, unter denen die Kleinbauern und Halbpächter leiden. Die Bourgeoisdeputierten, wegen ihrer Ohnmacht gegenüber Thomas' schlagender Rede gereizt, suchten sich an dem zweiten sozia- listischen Sprecher zu rächen, indem sie ihn, um einiger rheto- rischer Aeußerlichkeiten willen, blödsinnig anulkten. Genosse Brizon hielt aber den Ungezogenheiten wacker stand und sagte zu dem sehr ernsten Thema sehr ernste Worte, die bei der Bauernschaft sicher Widerhall finden werden. Die dritte Rede wurde zu einer parlamentarischen Sensation. Die französische Kammer, in der bisher Pro- fessorcn, Aerzte, Journalisten und Gutsbesitzer die Arbeiter- frage diskutiert haben und die wenigen, dem Proletariat ent- sprossenen Redner sich zumeist auf Spezialfragen ihres Berufs beschränkten, bekam auf einmal einen sozialistisch geschulten Arbeiter zu hören, der mit einer, auf reiches dokumentarisches Material gegründeten Sachlichkeit, mit rednerischer Meister- schaft und mit dem vom sozialisttschen Ideal entzündeten tmer furchtbare Abrechnung mit dem sozialpolitischen chwindel der radikalen Republik hielt. Die Rede des Ge- nossen Lauche wirkte auf die blasierten Parlaments- schwätzer und die neu angekommenen ahnungslosen Provinzsprößlinge einfach verblüffend. Da stand ein unscheinbarer Proletarier, ein Mitglied jener als Herd von Ilebeltätern ausgeschrienen Arbeitskonföderation vor der Ver- sammlung und warf mit einer Gebärde, Schlag um Schlag vor dem Potemkinschen Dorf bürgerlichen Arbeiterschutzes ein Bretterhaus nach dem anderen um. Als sich V i v i a n i zu einem Rettungsversuch erhob, fertigte ihn Lauche mit einer Ueberlegenheit ab, daß dem gegen die Unternehmer allzu ge- fälligen Arbeitsminister die Lust zu weiteren Unter- brechungen verging. Lauche hat mit einer Kraft der Argumente, die auch auf anderen Seiten des Hauses ihre Wirkung wenigstens im Augenblick nicht verfehlte, gezeigt, daß unter einer Regierung, die mit einem pompös hergerichtetcn sozialreformatorischen Programm vor die Kammer tritt, die bestehenden gesetzlichen Vorkehrungen für den Arbeiterschutz immer mehr in Verfall geraten, daß die Gerichte ohne Widerstand der Verwaltung die Unfall- Versicherung ruinieren, die Gewerbeinspektion vernachlässigt wird, die Bewilligung von Ueberstunden in skandalöser Weise überhand nimmt— von 1903 bis 1908 ist die Zahl der Be- willigungen von 4451 auf 6800 gestiegen. 1903 waren 967 000 Kinder. 2 375000 junge Mädchen. 2 600 000 Er- wachsene davon betroffen, 1908 dagegen 1 438 000 Kinder, 8 400 090 junge Mädchen und 4 Millionen Er- wachsene!— und daß die Zahl der Unfälle von 212 000 im Jahre 1903 auf 334000 angewachsen ist, die Zahl der ver- unglückten Kinder von 2000 auf 4000! Lauche sprach dann davon, was die Regierung wirklich für die Arbeiter tue, von den Behinderungen der Organi- sationcn, von der Unterdrückung der Demonstration am 1. Mai. Und von dem heuchlerischen Vorwand, mit dem Großkapitalistcn von den gesetzlichen Pflichten gegen ihre Arbeiter befreit werden, wenn sie für die„nationale Verteidigung" arbeiten, kam er logisch auf die angekündigte Marine- Vorlage und die weiteren in Aussicht stehenden Forde- rungen des Militarismus zu sprechen.„Nicht einen Groschen werden wir für diese Aus- gaben bewilligen!" rief er den Bourgeoisparteien zu und setzte dem interessierten Patriotismus des Unternehmer- tums den Patriotismus des sozialistischen Proletariats ent- gegen, das eine gesunde und starke Nation will. So stand der erste Tag der Verhandlung über die all- gemeine Politik durchaus im Zeichen des Sozialismus, der der Demokratie sein Gepräge aufzudrücken sich anschickt. In der heutigen Sitzung sprach als erster Redner Genosse A u b r i o t namentlich über den Proporz. Und die sozia- listische Kritik ist erst am Anfang. Da hilft kein Leugnen mehr— die alten Katzbalgereien der bürgerlichen Parlaments- Politik haben ihren Sinn verloren. Der Klassenkampf begehrt sein Recht im Parlament— dies ist der Eindruck der neuen Situation, dem sich auch die ernste bürgerliche Presse nicht zu entziehen vermag._ Das Koalitionsrecht in der bayeriFchen Kammer. München, 15. Juni. Die Veranlassung zu erneuter Besprechung der Frage der Koalitionsfreiheit und des KoalitionS- rechtes in der Kammer gaben zwei Petitionen. Die eine kam von Augsburg und forderte den Schutz der zu öffentlichen Aemtern gewählten Arbeiter und Privatangestelllen sowie die Schaffung eines wahrhaften KoalitionSrechtes. Die zweite Petition wurde eingereicht vom Bunde der technifch-induftriellen Beamten in München: sie ver- langte Aufhebung des ß 152 Abs. II und§ 163 der Gewerbeordnung. Die Petitionen waren im sozialen Ausschuß behandelt worden und dieser Ausschuß hatte einstimmig eine Resolution beschloffen, in der die Regierung erstens ersucht wird, im Bundesrat auf Bor- läge eines Reichsgesctzes hinzuwirken, das die zu öffentlichen Aemtern gewählten Arbeiter und Privatangestellten gegen Unternehmerdruck schützt; der Gebrauch deS Wahlrechts zu diesen Aemtern, die An- nähme und Ausübung derselben soll insbesondere durch die gesetzlich festgelegte Pflicht des Unternehmers, die notwendig werdende Unter- brechung der Arbeitszeit zu gestatten, durch finanzielle Schadlos- Haltung und gegen materiell nachteilige VerhinderungSmaßrcgeln jeder Art sichergestellt werden. Zweitens soll die Regierung dafür eintreten, daß bei der Re- Vision deS Gerichtsverfassungsgesetzes und der Strafprozeßreform eine gesetzliche Bestimmung geschaffen werde, wonach sowohl bei der Auswahl der Beisitzer des Ausschusses für die Auswahl der Schöffen wie bei der Auswahl der Geschworenen und Schöffen selbst An- gehörige aller Stände, auch der Arbeiter und Privatangestellten, berufen werden. Endlich soll sie im Bundesrat für die Einbringung von Gesetz- entwürfen wirken, wodurch die Koalitionsberechtigung auf alle Unternehmer, Angestellten. Gehilfen, Gesellen und Arbeiter einschließlich der in den Betrieben und in der Verwaltung des Staates, der Gemeinden und sonstiger öffentlicher Verbände Beschäftigten ausgedehnt, als Zweck der Koalition die Förderung der Be- rufsintereffen jeglicher Art, insbesondere jede Einwirkung auf die Lohn- und Arbeitsverhältnisse anerkannt, die Herstellung, Mitteilung und der Gebrauch sogenannter schwarzer Listen verboten, auch die Verhinderung am gesetzmäßigen Gebrauch deS Koalitionsrechts insbeson- dere durch schwarze Listen sowie der Versuch hierzu als selbständiges Delikt unter Strafe gestellt wird; sowie weiterer Gesetzentwürfe, die die Gewährung der Rechts- Fähigkeit an die Berufsvereine und die rechtliche Sicherung und weitere Ausgestaltung der Tarifgemeinschaften zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern sowie die Feststellung, daß §§ 152 und 153 der Reichsgewerbcordnung auf Tarifverträge keine Anwendung finden, zum Gegenstande haben. ES ist interessant, daß der Berichterstatter, der Zentrums« abgeordnete Graf v. P e st a l o z z i. im Ausschüsse nicht nur für daS VereimgungSrecht aller Arbeiter im Staatsbetriebe, sondern auch für die letzte Konsequenz, das Streilrecht derselben, ganz bedingnng� loZ eingeireien ist. Das ist um deswillen intereffant, weil zurzeit die führenden Zentrumsorgane eine Hetze gegen den süddeutschen Eisenbahnerverband treiben und denselben als eine Streikorgani- fation nach oben denunzieren. Einige Zentrumsabgeordnete fühlten offenbar den klaffenden Zwiespalt zwischen ihrer Presse und ihrer sonstigen Haltung und der Stellungnahme ihrer Parteigenoffen im sozialen Ausschüsse und stimmten gegen die Ausschußbeschlüsse. Widerspruch n der Diskussion fanden die Anträge nicht. poUtilcbe deberfwbt* Berlin, den 16. Juni 1910. Schluß der Landtngssessio«. In einer gemeinsamen Sitzung der beiden Häuser des Landtags wurde am Donnerstag die Session in der üblichen Weise geschlossen. Eine geschäftliche Sitzung hielt vorher nur noch das Herrenhaus ab. Die geborenen und berufenen Gesetzgeber haben sich in der abgelaufenen Session ganz erheb- lich anstrengen müssen. In etwa einem Dutzend Sitzungen bewältigten sie das Material, das ihnen aus etwa hundert Sitzungen des Landtags zuging. Vor Eintritt in die Tages- ordnung der Sitzung des Herrenhauses sprach Graf Hoensbroech den vom Hochwasser betroffenen Mitbürgern das Mitgefühl des Hauses aus. Bei der Beratung der Sekundärbahnvorlage brach Gras Mirbach- Sorquitten eine Lanze für den Liebling der ganzen Junkerschaft, Rheinbaben, den er auf das eifrigste gegen die Angriffe des Bankdirektors von G w i n n e r zu verteidigen suchte. Da der ostpreußische Grande in sehr wichtigen Punkten dem Finanzgewaltigen von der Deutschen Bank beipflichtete, ist diese geflissentliche Parteinahme für Rheinbaben ein neuer Beweis dafür, wie man auf eine weitere Beförderung Rheinhabens wartet. Zur Verabschiedung gelangte noch der Nogatabschluß und das Gesetz über die Feuerversicherungsan st alten, bei dem Bank- direktor Delbrück nochmals auf die Affäre Gwinner- Rheinbaben zu sprechen kam. Tröstend gab er dem Finanzminister zu verstehen, daß nicht alle Bankdirektoren vom Oppositionsgeiste Gwinners angesteckt sind. Schließlich gelangte noch eine Anzahl Petitionen zur Erledi- gung. Eine dieser Petitionen benutzte Graf Hohenthal, um die Fortbildungsschulen und die Schulen im allgemeinen für die Bekämpfung der Sozialdemokratie in Anspruch zu nehmen. Gottesfurcht und Königstreue, so meinte der Graf, sei das wichtigste; auf die anderen Fächer komme es nicht so sehr an. Ferienlustig, wie die wenigen anwesenden geborenen Gesetzgeber waren, vertiefte man sich aber nicht weiter in diesen tieffinntgen Gedanken, sondern eilte zum Schluß._ Der Ruf zum Sammeln. Durch die ganze bürgerliche Preffe, mit Ausnahme einiger weniger linksfortschrittlicher Organe, geht der Ruf zum Sammeln Wider die rote Flut. Die Nachwahlen in Pommern und Hessen, die Gefahr, die sie für 1911 ankünden, läßt die Knie aller„Patrioten" erzittern. Nunhelfe, was helfen mag. Auf alle Fälle soll verhindert werden, daß das Prestige der Roten durch die Eroberung zweier Mandate, zweier Kreise, die bisher stets im Besitz der Nationalen waren, noch über dm heutigen Stand erhöht wird. So übt denn auch die nationalliberale Presse Selbstverleugnung. Nachdem sie ihren betrübten Ge- fühlen durch einige mehr oder minder temperierte Scheltreden auf die„beispiellose Gehässigkeit" der bündlerischen Agitation Luft gemacht hat, kommt sie im allgemeinen zu dem Schluß, daß in den sauren Apfel der Unterstützung des Bündlerkandidaten in der Stichwahl gebissen werden muß. In der„Kölnischen Ztg." wird das also ausgedrückt: »Die Nationalliberalen sind in diesem Wahlkampf von den Bündlern viel eifriger mit Schmutz beworfen worden als von den Sozialdemokraten, die sich im allgemeinen einer sachlichen Kampfes- weise befleißigt haben. ES kann nicht ausbleiben, daß der Bund sich dadurch bei den Liberalen bittere Feinde gemacht. Trotzdem würden wir eS bedauern, wenn jetzt die Nationalliberalen Gewehr bei Fuß zusähen, wie der Sozialdemokrat den Sieg davon- trägt." Die„Natlib. Korrespondenz" beschwört die national- liberalen Wähler also: „Es wird nun für die Stichwahl darauf ankommen, alle Kräfte zusammenzureißen, um das Mandat wenigstens nicht der Sozial» demokratie anheimfallen zu lassen.... Es ist nicht zu verkennen, ein wie schweres Opfer eine solche Ssimmabgabe für die national- liberale Partei des Wahlkreises bedeutet, nachdem sie von dem Bund der Landwirte in einer Weife verleumdet und verdächtigt wurde, die zwischen nationalen Parteien bisher noch niemal« erreicht worden ist. Trotzdem darf für die National- liberalen Büdingen- FriedbergS keinen Augenblick ein Zweifel be- stehen, wohin sie die Pflicht ruft. Sobald sich auch nur ein kleinerer Teil der Stichwahl fernhält, ist der Sozialdemokratie der Sieg sicher. DaS gemeinsame bürgerliche Interesse hat in diesem Augenblicke allen anderen, noch so verständlichen Rücksichten und Gefühlen voranzustehen." Der„R e i ch s b o t e" gibt noch nicht alle Hoffnung auf, daß in Friedbcrg-Büdingen der Bündler siegt— für die andere Stichwahl, die schon am Freitag entschieden wird, hofft er schon nicht mehr. Sein Schluß ist, daß die Konservativen mit den Nationalliberalen, dem Bund der Landwirte und den Antisemiten schleunigst ein festes Wahlkartell schließen müssen. Das Zentrum hat das Blatt der evangelischen Pastoren dabei Wohl absichtlich vergessen. '• Uebrigens steht die Sache der Sozialdemokratie nach einer neueren amtlichen Meldung noch besser, als die Zahlen des Wolffschen Bureaus angaben. Nach dem vorläufigen amt- lichen Wahlergebnis, das wir gestern nur noch in einem Teil der Auflage mitteilen konnten und daher hier nochmals wiederholen werden, wurden insgesamt 20347 Stimmen ab- gegeben. Davon erhielten Parteisekretär Busold-Friedberg tSoz.) 9551, Rechtsanwalt v. Hclmolt-Fricdbcrg(Bund der Landwirte) 6396 und Professor v. Calker-Straßburg t. E. (natl.) 4397 Stimmen; zersplittert waren drei Stimmen. Unsere hessischen Parteiblätter heben hervor, daß der starke Zuwachs von über 2300 Stimmen in einem ländlichen Kreise mit überwiegend bäuerlicher und kleinbürgerlicher Be- völkerung erzielt wurde. Die Stichwahl findet am 24. Juni statt. Die Freisinnige Parteileitung hat. wie wir voraus- gesehen haben, sich in ihrer Sitzung vom Dienstag nicht zur Ausgabe einer Parole für die Stichwahl in Usedom- Wollin aufschwingen- können. Sie verkriecht sich hinter dem Parteistatut. Wie blutige Selbstironie liest sich angesichts dieser„Vorsicht" die stolze Ankündigung, daß der Vorsitzende der Parteileitung demnächst in einer Versaioiülung zur politischen Lage scharf und entschieden Stellung nehmen wird._ Der evangelische Bund. Während die konservativen Organe von der Beilegung des EnzyklikastreitS sehr befriedigt sind, will der„Evangelische Bund' den Kriegspfad noch nicht verlassen. Der Zentralvorstand erläßt schon wieder eine Kundgebung, in der er die päpstliche Antwort als „keine ausreichende Genugtuung' bezeichnet, um dann fortzufahren: „Namentlich gilt eS, in entschlossener Abwehr der Zetrum sparte» entgegenzutreten, die noch päpstlicher als der Papst kein Wort der Mißbilligung des Rundschreibens im Parlamente fand, die den Geisteskampf zwischen Rom und Witten« berg auf das Gebiet des politischen Machtkampfes überträgt und dadurch in unserem Volksleben zur dauernden Störung des konfessionellen Friedens führt. Darum muß der einmütige Ruf aller deutschen Protestanten lauten: Keinerlei Förderung der Bestrebungen der politischen, päpstlichen Bannerträger im deutschen Reiche, keinerlei Bündnis mit dem Zentrum! Nur durch solche klare Stellungnahme kann das hohe Gut des deutschen Bürgerfriedens erfolgreich gewahrt werden,' Die Junker werden dem Bund eins pfeifen. Eine einzige Position des Zolltarifes ist ihnen wichtiger als sämtliche Glaubens- artikel. Deshalb wird es beim schwarzblauen Block bleiben. Denn Geschäft ist Geschäft und die evangelische Ideologie würde für die Konservativen jeden Wert verlieren, sobald sie zur Geschäftsstörung würde._ Reichswehrsteuer. Nächsten Sonnabend wird im Reichsschatzamt wieder eine Konferenz von Vertretern der Regierung und Reichs« tagsabgeordneten zusammentreten, um über die Ein- führung einer Wehr st euer zu beraten, durch die die Mittel für die Veteranenfürsorge aufgebracht werden sollen. Be- kanntlich wird die Wehrsteuer von Konservativen und National- liberalen verlangt, während die Regierung bisher einen ablehnenden Staudpunkt einnimmt._ Dernburg dankt für eine Durchfallskandidatur. Der Obmann der Nationalliberalen im Kreise Z s ch o p a u- M a r i e n b e r g hat bei dem früheren Staatssekretär Dernburg angefragt, ob er bereit wäre, bei der Reichstagsersatzwahl, die sich durch den Tod des Antisemiten Zimn, ermann not- wendig macht, eine Kandidatur zu übernehmen. Dernburg hat aber abgelehnt mit der Begründung, daß ihm zwar ein sächsisches Mandat sehr sympathisch wäre, er aber davon Abstand nehme, da er sich bis auf weiteres politisch nicht be- tätigen will. Dernburg ist natürlich viel zu gewitzigt, um die Gefahren eines kräftigen Durchfalls auf sich zu nehmen. Englische Besucher. Man schreibt unS aus London: Der Goldstrom der Tarif- reformliga, auf dem englische Arbeiterdeputationen nach Deutschland schwimmen, hört nicht auf. AuS allen Gegenden Großbritanniens schickt man Partien von Arbeitern' auf Kosten der schutzzöllnerischen Industriellen und Agrarier, die auf einmal ihr arbeitcrfreundlichcs Herz entdeckt haben, über die Nordsee, um ihnen an einigen auSer- lesenen Typen zu zeigen, wie dick und wohlgenährt der deutsche Arbeiter bei dem Hochschutzzoll der Agrarier aussteht, und um den der Landessprache unkundigen Pilgern durch den Agenten Liga den Buckel voll zu lügen. Daß es unter diesen englischen Besuchern neben den vielen frohen Gesellen, die sich auf Kosten einer freigebigen Gesellschaft ein paar gute Tage machen wollen, auch manche zweifelhafte Charaktere gibt, die nur die Absicht hege», sich ihren Gönnern gefällig zu erweisen, rosige Berichte über die soziale Lage der Arbeiter zu schreiben, um dadurch von der Tarifreformliga irgendeine Anstellung zu ergattern, braucht wohl kaum erwähnt zu werden. Von Zeit zu Zeit herrscht jetzt großer Jubel im Lager der Tarifresormer über diesen oder jenen Sünder aus den Reihen der englischen Gewerkschaften, der Buße getan und der Ketzerei des Freihandels entsagt hat. Solche gerettete Seele bekommt dann irgendein Pöstchen oder wird gar an der Spitze eines neuen Fähnleins ins deutsche Schutzzöllnerparadies geschickt, um als Blinder die Blinden zu führen. ES ist nun nicht ausgeschlossen, daß die Tarifreformliga als Gegenstoß zu den Berichten der gewerkschaft« lichen und politischen Führer des englischen Proletariats, die vor kurzem Deutschland bereisten, ihrerseits ihre aus der englischen Gewerkschaftswelt gewonnenen Renegaten als Gewerkschaftsführer nach Deutschland schickt. Auf alle Fälle sollten sich die deutschen Genossen, wenn sich ihnen irgend ein unbekannter englischer Gewerl- schafter— denn unbekannt sind die AuSstellungSgewerkschafter der Tarifreformliga alle— vorstellt, ihren Mann erst zweimal ansehen, bevor sie sich in eine Konversation einlassen, deren Wiedergabe, nach den bisherigen Praktiken der Tarifreformliga zu urteilen, höchst« wahrscheinlich monströse Entstellungen aufweisen wird. Vergebliches Mühe». Die„Kreuz-Zeitung" fühlt das Bedürfnis, die Teilnehmer an der religiösen Kundgebung vor dem Luther-Denkmal gegen unsere ehrende Anerkennung in Schutz zu nehmen, daß sie eine Straßendemonstration veranstaltet hätten. Der Eifer des Blattes ist umso begreiflicher, als erst in der Mittwochssitzung des Drciklassenhauses ein ministerieller Handlanger sich gegen Straßendemonstrationen ausgesprochen hat. Das Junkerblatt macht sehr feinsinnige Unterschiede zwischen Demonstrationen der Fromnien und sozial- demokrattschen Demonstrattonen. Es behauptet, die Teilnehmer der Demonstration seien nicht in geschlossenem Zuge nach dem Luther-Denkmal marschiert, dort sei auch keine Ansprache gehalten worden, der Gesang des Liedes„Eine feste Burg ist unser Gott' und das Kaiserhoch seien ganz spontane Kundgebungen aus der Menge gewesen. Wir bestreiten den Frommen durchaus nicht ihr Recht, für ihre religiöse Ueberzeugung zu demonsteieren, freuen uns vielmehr, daß die Christen zu wiederholten Malen auch für sich das Recht aus die Straße behauptet haben. Sehr stark bezweifeln müssen wir aber die juristische Durchschlagskraft der Argumente, die die„Kreuz-Zeitung' gegen unsere Auffassung anführt. Sollte es gegen die Veranstalter der Demonstration zu einer Anklage kommen— was wir durchaus nicht wünschen und auch für ganz ausgeschlossen halten, da es sich ja nicht um eine sozialdemokratische Demonstration handelt—, dann müßte das Gericht in Kon- sequenz der gegen Sozialdemokraten unter ganz gleich ge- lagerten Verhältnissen gefällten Urteile zu einer Bestrafung kommen. Recht mag wohl die„Kreuz-Zeitung' haben, wenn sie meint, daß das Singen und die Hochrufe spontan aus der Menge entstanden sind. Warum werden dann aber Sozial- demokraten angeklagt, wenn sie Hochrufe ausbringen und Lieder singen, die ihrer politischen Ueberzeugung entsprechen. Pharisäisch dagegen ist der Einwand, daß keine Ansprachen gehalten worden sind. Vielleicht verrät uns die Redaktion, die ja dem Beteiligten sehr nahe steht, ob etwa der Pastor' L e S e u r bestraft worden ist, der vor einigen Wochen ge- legentlich einer Straßendemonstration der evangelischen Christen von der Freitreppe des Domes herab eine Rede an die Demonstranten gehalten hat. Sollte die„5kreuz- Zeitung" eine bejahende Antwort darauf nicht geben können, dann wird es wohl dabei bleiben müssen, daß es in Preußen zweierlei Recht gibt, daß die Strafgesetze nur dann in Anwendung kommen, wenn es sich um die Bestrafung freiheitlicher Ideen handelt. In trauter Uebereiustimmung und mit denselben Gründen wendet sich auch die„Nordd. Allg. Ztg.' gegen unsere Auf- fassung über die christliche Kundgebung. Bei der preußischen Regierung ist es von vornherein verständlich, daß sie einen Unterschied macht zwischen Kundgebungen reaktionären und freiheitlichen Charakters. Was anderes könnte man denn auch erwarten von den ausübenden Organen der preußi- schen Kraut- und Schlotjunker. Aber allzuviel Wert wollen wir übrigens juristischen Gründen nicht beilegen. Die Notwendigkeit der Straßendemonstrationen ist nun einmal für alle Parteien, die an die Massen appellieren wollen, eine Tatsache geworden, die sich auch immer wieder durchsetzen wird. Ein freifinniger„Sozialpolitiker" als Scharfmacher. Oberbürgermeister C u n o in Hagen i. W., fortschrittlicher Reichstagsabgeordneter, sozialpolitischer Schriftsteller und Ausschuß- Mitglied des Verbandes deulscher Gewerbegerichte, sowie der Gesell- schaft für Sozialreform entwickelt sich immer mehr alS Scharfmacher und Vertreter der Industriellen. Im Kreise Hagen« Schwelm steht ein schwerer Kampf in der Metallindustrie bevor, da wegen geringfügiger Differenzen in einem Betriebe das gesamte Unternehmertum mit Aussperrung droht und am 15. d. MtS. schon 50 Prozent aller Arbeiter entlassen werden sollen. Wie wir nun schon vor kurzem berichten konnten, hat Cuno im Stadtverordnetenkollegium zu Hagen anläßlich eines Antrages unserer Genossen um Ausführung von Notstandsarbeiten für die ausgesperrten Arbeiter eine arbeiter« feindliche Rede gehalten, die geradezu als eine Verhöhnung der Arbeiterschaft zu betrachten ist, und die ein Genosse wohl richtig charakterisierte, wenn er Herrn Cuno den Rat gab, sich als Geschäfts- führer des ArbeitgebervereinS anstellen zu lassen. Cuno leistet sich aber noch mehr. Bei den Einigungsverhandlungen, die auf Grund eines Be« schluffes der Hagener Stadtverordneten stattfanden, erklärte der Bor- sitzende des Gewerbegericht«, daß Cuno leinen Vorschlag auf Ausbau des paritätischen Arbeiisnachweises vorläufig zurückgezogen habe. Und der Geschäftsführer des ArbeitgebervereinS teilte mit, daß Cuno ihm erklärt habe, er sei mit der Einführung des Unter- nehmernachweiseS voll einverstanden! das sei gerade daS, was er, Cuno, gewünscht habe. Dabei muß hervorgehoben werden, daß über die anfänglich strittigen Punkte eine Einigung erzielt wurde, und die weiteren Ver« Handlungen nur an dem Arbeitsnachweis, den die Unternehmer unter allen Umständen einführen wollten, scheiterten. Der Kampf ist also unvermeidlich, und von der Aussperrung, die Ende dieses Monat« voll durchgeführt sein soll, werden etwa 30 000 Arbeiter im Kreise Hagen-Schwelm betroffen. Wenn es nicht gelingt, den schweren Kamps im letzten Augenblick zu verhindern, so haben dies die Arbeiter dem freisinniaen Herrn Cuno zu verdanken, der dem Unternehmertum in geradezu frivoler Weise den Nacken gesteift hat. Die Bremer Lehrerhatz. Bremen. IS. Juni. (Privatdepesche deS„Vorwärts".) Das Verfahren gegen den Lehrer Hurrelmeyer endete mit der Verurteilung des Angeklagten zu 350 Mark Geld» strafe, einem Verweis und in die Kosten. Der Staatsanwalt hatte Dienstentlassung beantragt. Der Verteidiger erwiderte auf diesen Antrag, für Dienstentlassung liege kein Grund vor, denn die Behandlung, die dem Angeklagten im ersten Disziplinarfalle zuteil geworden sei, rechtfertige seine Erregung. Man habe seine aus innerster Ueberzeugung erfolgten Maßnahmen als groben Unfug bezeichnet. Der Angeklagte sei durch eine subjektiv und objektiv nicht gerechtfertigte Behandlung zu dem Artikel ge- trieben. Der Verteidiger beantragte Freisprechung oder milde Bestrafung lediglich wegen Fahrlässigkeit. In der Urteilsbegründung wird ausgeführt: Im Mittelpunkt des inkriminierten Artikels stehen die Erlebnisse des An- geschuldigten, nur daß er den Schauplatz nach außen verlegte. Im übrigen sei des Zweckes, den der Angeklagte nach seiner heutigen Angabe angeblich habe verfechten wollen, nämlich der Einführung von Reformen, gar nicht in der Skizze gedacht, denn von Reformen sei keine Rede darin. Jeder, der die Bremer Vor- gange gekannt habe, hätte sofort gewußt, wer gemeint sei. Das Gericht hat die Ueberzeugung, daß der Angeklagte daS Bewußtsein der Bloßstellung der Behörde durch den Artikel gehabt habe. Andererseits ist es der Meinung, daß der Beschuldigte nicht der alleinige Verfasser ist. Als mildernd rechnete das Gericht dem Angeklagten seine vielleicht berechtigte Erregung zugute. Wahlrechtsverschlechterung in Wismar. Die Stadtverordnetenversammlung in Wismar hat eine Magistratsvorlage, die eine Verschlechterung des Wahlrechts bringt, mit 17 gegen 13 Stimmen angenommen. 12 Stadtverordnete blieben offenbar absichtlich der Sitzung fern. Ein Dementi. Die auch von uns wiedergegebene Meldung vom Rücktritt deS Gouverneurs von Deutsch-Ostafrika, Frecherr» v. Rechenberg wird offiziös in Abrede gestellt. Oefternick. Die italienische Universitätssrage- � Wien, 16. Juni. In der gestrigen Sitzung des deutschen Nationalverbandes befürworteten der Minister- Präsident, der Unterrichtsininister und der Justizminister ein- gehend den Kompromißvorschlag der Regierung bezüglich der Errichtung einer italienischen Rechtsfakultät, welcher daraus hinausgeht, daß binnen vier Jahren, spätestens zum Wintersemester 1914/15 eine selbständige italienische Rechtsfakultät in einem Orte innerhalb des WohnungsgebietcS deS italienischen Volksstammes in Oesterreick» errichtet wird. Spätestens im Jahre 1912 soll diese Angelegenheit verfassungsmäßig erledigt werden. Inzwischen wird die Regierung ermächtigt, für die Dauer des oben festgesetzten Zeit- raums eine selbständige italienische Rcchtsfakultät Provisor, sch in Wien ins Leben zu rufen. Die Minister verwiesen auf die schweren Komplikationen, welche eine Ablehnung des Kompromiß. Vorschlages nach sich ziehen würde. In der heutigen Sitzung beschloß der Naiionalverband mit überwiegender Mehrheit, der Regierung mitzuteilen� Paß der Verband dem Kompromißvorschlage zustimmt. öcbwdz. Wahlen. Zürich, 12. Juni.(Eig. Bcr.) Die gestern im Züricher Wahl- kreise erfolgte Wahl des Agrariers H a u s e r mit 16 136 yegen 12 514 Stimmen, die auf unseren Kandidaten, Genossen S i g g, entfielen und die zum Teil der ärgsten Verlotjerung und Verwilde- rung der politischen Sitten im bürgerlichen Lager, vorab der bekannte» „Neuen Züricher Ztg.' zu verdanken ist, wird sich schließlich als sehr förderlich für die im November erfolgende Volksabstimmung über das Jnitiativbegehren über die Proportionalwahl des Nationalrates erweisen. Denn der Zustand ist faul, unerträglich und empörend, daß 16 000 bürgerliche Stimmen acht, 12 000 sozialdemokratische Stimmen nur einen Vertreter im Nationalrat haben. Das durch die Bundesverfassung garantierte„gleiche' Wahlrecht ist zur Karikatur geworden, die das ganze politische Leben vergiftet und schließlich noch zu Störungen führen müßte. Auch die schweizerischen Arbeiter können eS einmal satt bekommen, in ihrem so viel be- sungenen und heißgeliebten Vaterlande nur Heloten und Lohnsklaven zu sein. In Thun(Kanton Bern) haben unsere Genossen bei den Gemeinderatswablen einen schönen Sieg errungen, indem drei Kan- didaten gewählt wurden. Sodann ist in der Uhrenarbeiterstadt Chaux-de-Fond? der sozialdemokratische Kandidat D u b o i s mit 2220 gegen 1714 bürgerliche Stimmen als Friedensrichter gewählt worden. fvznkvcid). Die Sozialreform. Paris, 16. Juni. Die Deputiertenkammer setzte heute die Beratung der Interpellationen fort. Mang er(Soz.) sprach den Wunsch aus, daß auch die landwirtschaftlichen Arbeiter unter die Arbeiterfürsorgegesetze gestella würden. Arbeitsminister V i V i a n i erklärte, die Fürsorgegesetze würden in gerechter Meise angewendet, und wenn er einigen, übrigens durch die Gesetze gestatteten Abweichungen zugestimmt habe, so sei das geschehen, weil die wirtschaftlichen Notwendigkeiten zuweilen stärker seien als der menschliche Wille. Der Minister er- hob Widerspruch gegen die Schmähungen, mit denen gewisse Für- sorgegesetze, besonders das Altersversorgungsgesetz bekämpft wür- den, und sagte, wenn soziale Reformen nur eingeführt würden, um ihrer Anwendung außerhalb des Parlaments Schwierigkeiten zu bereiten, wäre es besser, soziale Reformen überhaupt nicht einzu- führen. Buisson(Soz.-Rad.) verlangte Gesetze, durch welche unter Achtung vor den Ueberzeugungen der Eltern und vor dem Gewissen der Kinder die Laienschule geschützt wird. Der Redner trat ferner für strenge Durchführung der Schulpflicht ein und sagte, Frankreich müsse dem Beispiel Deutschlands folgen. Deutschlands Pflichtfortbildungsschulen bildeten eine Jugend heran, die den wirtschaftlichen und politischen Einfluß Deutsch- lands weit hinaustrage._ Die Militärliefcrungen. Paris, 15. Juni. Das Zuchtpolizeigericht in ReimS hat die wegen Betrugs angeklagten Militärlieferanten zu Ge- fängniSstrafen von 4 bis zu 18 Monaten verurteilt. Dem Kriegsministerium wurde ein Schadenersatz von 30 000 Frank zu- erkannt. Spsnien. Ermordung eines Polizeichefs. Madrid, 16. Juni. Der Chef der Polizei der Stadt L a C a- ro line in der'spanischen Provinz Jaen wurde auf offener Straße ermordet. Er war von einem Geheimagenten begleitet, der sofort auf den Attentäter schoß und ihn schwer verletzte. Der Attentäter nennt sich Baranco. Das Attentat war schon seit längerer Zeit vorher angekündigt worden. Ein Journalist wurde verhaftet. � � England. Eine Kreta-Debatte. London, 15. Juni. Im Unterhause griffen mehrere liberale und irische Redner die reaktionäre Politik der englischen Regierung in Aegypten auf das schärfste au. Dann besprach Sir Edward Greh die Kretafrage. Eine definitive Lösung der kretischen Frage ohne Zuziehung der Türkei sei unmöglich und insbesondere müßten die Mächte darauf sehen, daß der Status quo auf Kreta aufrecht erhalten werde. Die Forderung der kretischen Nationalversammlung, daß nur nach Ableistung des Eides die muselmanischen Abgeordneten zu- zulassen seien, bedeute ohne Zweifel eine Gefährdung des Status quo, den die Mächte aufrecht zu erhalten entschlossen seien. Die Kreter hätten ihre Autonomie und hätten sich hinsichtlich der Freiheit in eigenen Angelegenheiten über nichts zu beklagen. Das mindeste, was man von den Kretern verlangen könne, sei da- her eine gewisse Rücksichtnahme auf die Forderung, an dem Status quo nichts zum Nachteil der Türkei zu ändern. Er wisse Wohl, daß in Kreta das Verlangen nach einer Annexion seitens Griechen- lands sehr stark sei, aber auch in der Türkei sei die Stimmung gegen eine Annexion sehr stark, und wenn man die Griechen als ein kampffreudiges Volk bezeichne, so gelte daS mit demselben Recht für die Türken. Die Kreter könnten nicht erwarten, daß, wenn zur Erhaltung des Friedens Europa die Angelegenheit in die Hand zu nehmen gezwungen werden sollte, ihre Bestrebungen eine größere Berücksichtigung erfahren würden. Wohl aber könnte der Fall eintreten, daß dann im Verein mit der herausgeforderten Türkei die Mächte eine definitive Lösung herbeiführten. die für sie weniger günstig als der augenblickliche Zustand sein würde. Zu einer definitiven Regelung würden aber nicht'nur vier, sondern sechs Mächte zu befragen sein, da dann auch Deutschland und Oesterreich. Unigarn zugezogen werden müßten. Die erste Aufgabe sei, den Frieden zu er. halten. So wie die Dinge liegen, hoffe er, daß Kreta den Rat der vier Schutzmächte befolgen werde und diese sich nicht gezwungen sähen, zu Maßregeln zu greifen, wie sie notwendig folgen mühten, wenn die Mächte der bei der Okkupation der Insel eingegangenen Verpflichtungen sich entledigen wollten. Fromme Friedensbestrebnngen. London, 16. Juni. Hier hat sich ei» ständiges kirchliches Komitee zur Förderung der deutsch-englischen Frie- densbewegung gebildet. Ter Erzbischof von Canterburh hat sich bereit erklärt, den Vorsitz zu übernehmen. Als Vizepräsi- denten werden die meisten anglikanischen Bischöfe und die Häupter der römisch-katholischen und der nichtkonsormistischen Kirchen fungieren. Vanemarn. Der Minister-Prozeß. Kopenhagen, 16. Juni. In der heutigen Sitzung de? Reichs« gerichtS-Prozeffes beendete der Verteidiger daS Plaidoyer und beantragte, seine beiden Klienten freizusprechen und die Kosten deS Gerichtsverfahrens der Staatskasse aufzuerlegen. Nach einer längeren Erwiderung des Anklägers und einer Gegen- erwideruna des Verteidigers wurde die Sitzung geschlossen. Morgen tritt der Gerichtshof zur Beschlußfassnng zusammen, von der die Oeffentlichkeit ausgeschlossen ist. Morgen am späten Nachmittag wird das Urteil wahrscheinlich verkündet werden. Cürhel f Grenzzwischenfälle. Saloniki, 16. Juni. Die Militärbehörde in Elassona meldet. daß eine 30 Mann starke, von einem Offizier geführte grie- chische Bande, welche zwei mit Munition beladene Tragtiere mit sich führte, die Grenze überschritten hat. Zu ihrer Verfolgung ist Militär abgegangen.— Ungefähr hundert Monte» n eg r i ne r unter dem Befehl des serbischen Offiziers Marti» n o w i t s ch haben ein türkisches Blockhaus in der Gegend von Gussiinje angegriffen. Zwei Soldaten wurden-getötet, drei verwundet. Die Montenegriner traten erst den Rückzug an, als Verstärkungen eingetroffen waren, GewcrhfcbaftUcbea. finale I Das Schiedsgericht im Baugewerbe beschäftigte sich in seiner gestrigen letzten Sitzung mit der Regelung der Arbeits- zeit und der Frage der Teuerungszulage. Es wurde folgende generelle Entscheidung getroffen: Die Arbeitszeitverkürzung iu Orte» mit mehr als zehn- stündiger Arbeitszeit wird dahin geregelt, daß in Orten, wo eine mehr als lO'/sstündige Arbeitszeit besteht, diese vom I. April 1911 an aus lO'/z Stunden und vom 1. April 1913 an auf 19 Stunden zu verkürzen ist. In Orten, wo sie nicht mehr als 19'/z Stunden beträgt, hat sie vom 1. April 1911 an 19 Stunden zu betragen; in Frankfurt a. 3)1., Offeubach, Mannheim, Ludwigshafen und Wiesbaden wird die Arbeitszeit auf ll'/z Stunden ab 1. April 1911 herab- gesetzt. Für alle übrigen Orte und Lohngebiete wird eine Verkürzung der Arbeitszeit abgelehnt. In den genannten Städten tritt die Lohnsteigerung in folgender Weise ein: Sofort 2 Pf., am 1. April 1911 4 Pf., am 1. April 1912 2 Pff; nur in Offenbach und Wies- baden sofort 2 Pf., am 1. April 1911 3'/, Pf., am 1. April 1912 2 Pf. Soweit in diesen Städten die Lohnerhöhung mehr be- trägt, als der Lohnausgleich, gilt sie als Entschädigung für die Teueruugsvcrhältnisse. Im übrigen ist eine Teuerungs- zutage abgelehnt worden. Die Nebenbedingungen des Ver- träges werden zur Verhandluug an die örtlichen Instanzen verwiesen und werden endgültig entschieden durch die bisherige 2. Instanz. Die Verhandlungen müssen bis zum 8. Juli zu Ende geführt sein. Die zweite Instanz hat bis zum 13. Juli endgültig zu entscheiden. Wo die Differenz zwischen dem Lohn der Maurer und dem tariflichen Höchstlohn der Bauhilfsarbeiter über 13 Pfennig beträgt, soll sie im zweiten Bertragsjahre durch Erhöhung des Banhilfsarbeiterlohnes um 1 Pfennig ausgeglichen werden. In Orten unter 10009 Einwohnern, in denen die Verkürzung der Arbeitszeit während der Vertragsdauer eine Stunde beträgt, tritt der volle Lohnausgleich nur zur Hälfte ein. Aus der Begründung des Schiedsspruches ist folgendes hervorzuheben: Die Frage nach dem Bedürfnis einer Lohnerhöhung hat unbedingt bejaht werden müssen. Die Gründe sind: Geld- entwertung resp. Lebensmittelteuerung. Daß in den kleinen Städten nur 4 Pfennig zugestanden worden find, ist nicht mit Rücksicht auf billigere Lebensmittel, die ja nicht vorhanden sind, sondern auf billigere Wohnungsmieten erfolgt. Maßgebend ist für das Schiedsgericht bei der Lohnerhöhung die Erwägung gewesen, daß für die nächsten 2—3 Jahre eine steigende Kon- junktur zu erwarten ist. Der Ausgleich zwischen den Löhnen der Bauhilfsarbeiter und der Maurer sei noch keiue endgültige Regelung, sondern nur ein erster Versuch dazu. Die Teuerungsortszulagen hätten nicht geregelt werden können, weil es dazu an allen Unterlagen fehle. Als einzige Unterlage wäre höchstens der Buchdruckertarif in Frage ge- kommen. Die Schiedsgerichtssprüche sind nicht einstimmig erfolgt. Es kam über die einzelnen Posittonen zu lebhasten Auseinandersetzungen. Damit betrachtet das Schiedsgericht seine Aufgabe als erledigt und hat die Berhandlungen geschloffen. Üerlln und Umgegend, 32 Bezirksversammlungen des Zentralverbandes der Zimmerer wurden am Mittwoch und Donnerstag in Berlin und den Vor- orien veranstaltet, um den Mitgliedern Bericht zu geben über die Einigungsverhandlungen im Baugewerbe und eine gegenseitige Aussprache über die allgemeine Lage herbeizuführen. Die Ver» sammlungen waren sämtlich zahlreich besucht und zeugten in ihrem ganzen Verlauf dafür, daß die Zimmerer Grotz-Berlins, wenn sie auch selbst ohne Kampf zum Abschluß eines neuen Tarifvertrages gekommen sind, sich doch sehr wohl der Tatsache bewußt sind, daß ihre Kameraden wie die ganze Bauarbeiterschast im Reiche nun schon die neunte Woche in einem Kampfe stehen, der auch jetzt, trotz des Schiedsspruches, noch keineswegs als endgültig abgeschlossen gelten kann. Die Referenten schilderten in den Versammlungen die Bedeutung des Kampfes, den Verlauf der EinigungSverhand- lungen und was schließlich dabei Herausaekommen ist. Es wurde hervorgehoben, daß bei den Einigungsvorschlägen der Unparteiischen vom 31. Mai von den bekannten Beschlüssen des Unternehmertums sehr wenig oder nichts übrig geblieben sei, und daß das neue Ver- tragsmuster für die Arbeiterschaft vorteilhafter ist als der alte Ver« trag. Daß die örtlichen Berhandlungen überall gescheitert sind, ist wohl darauf zurückzuführen, daß. wie man ohne Zweifel an- nehmen kann, der Hauptvorstand des Unternehmerbundes überall die Parole ausgegeben hat, hinsichtlich der Löhne und Arbeitszeit keinerlei Entgegenkommen zu zeigen. Bei den örtlichen Verhand- lungen in Zossen erklärte dieser Tage ein Unternehmer auSdrück- lich, daß die Arbeitgeber über die Löhne nicht verhandeln wollten noch könnten, denn sie hätten einen Brief vom Bundesvorstand emp. fangen, worin ihnen diese Anweisung erteiltt worden sei. Der Unternehmerbuno hat also offenbar bis zum letzten Augenblick jede friedliche Einigung an den einzelnen Orten zu hintertreiben ge» ucht. Ob nun der Kampf durch den neuen Schiedsspruch beenvet wird, läßt sich noch nicht sagen. Dieser Schiedsspruch selbst ist jedenfalls als das letzte Wort an die Parteien gemeint; gleichwohl muß man unter Umständen auf eine Fortdauer des Kampfes ge- faßt sein. Ueber den Stand der Aussperrung, soweit das Zimmerer- gcwerbe in Frage kommt, wurde mitgeteilt, daß in der letzten Woche die Zahl der Ausgesperrten 16 000 Mann betrug, und daß die Ausspervung sich auf 389 Orte erstreckt. Daß die Zimmerer wie die gesamte Bauarbeiterschaft Berlins an dem Kampfe fortgesetzt aufs höchste interessiert sind, ist ja selbstverständlich und oft genug hervorgehoben worden. Die für die Arbeiter glückliche Durch- führung des Kampfes auf der ganzen Linie muß dazu führen, daß die Unternehmer es sich das nächste Mal gründlicher überlegen werden, ehe sie einen solch frivolen Kampf vom Zaune brechen. Würden aber, was bei der Einmütigkeit der Arbeiter ausgeschlossen erscheint, die Unternehmer obenauf kommen, dann wäre damit zu rechnen, daß sie die Kriegskosten in Form von Lohnherabsetzungen von der Arbeiterschaft einfordern, und selbst in Berlin hätte man mit den Folgen zu rechnen. Das haben auch die Zimmerer im ganzen Reiche begriffen und deshalb haben sie willig die ja keines- wegs geringen Opfer auf sich genommen, die der Kampf erfordert. In einzelnen Orten zahlen die arbeitenden Mitglieder mit Freuden sogar das Doppelte dessen an Extrabeiträgen, was der Verbands- tag beschlossen hat. Die Zimmerer Berlins sind sich natürlich auch sehr wohl der Tatsache bewußt, daß es sich bei dem Kampf ebenso- wohl um' ihre eigene Sache handelt, wie um die ihrer Kameraden und der Bauarbeiterschaft im Reiche, und sie wissen auch, daß die "Verantw. Äkdakt,i Richard LarG Kj-rlisi. zjnjergtkulkit PiMnUa,. 0 M. Extrabeitrag die Woche, wenn es auch den Familienvätern nicht gerade leicht wird, sie zu zahlen, doch recht gering erscheinen gegenüber den Opfern, die die Ausgesperrten zu bringen haben. Diese Ueberzeugung trat auch in allen Versammlungen in der Diskussion sehr lebhaft zutage. In einer Versammlung wurde erwähnt, daß hier und da auf den Bauten Mitglieder des ja noch immer vegetierenden Lokalvereins der Zimmerer Verbandsmit- gliedern die Erfüllung ihrer Pflichten zu verekeln versuchen. Solches Treiben der Lokalisten wurde selbstverständlich allgemein aufs schärfste verurteilt._ Tie Lohnbetveguug der Schmiede. Eine Versammlung sämtlicher Jnnungsgesellen Groß-Berlins hatte der Zentralverband der Schmiede zum Mittwochabend nach Boekers Lokal in der Weberstraße einberufen. Die Versammlung war so außerordentlich stark besucht, daß die Tische entfernt werden mutzten, um Platz für die Andrängenden zu schaffen, die den Bericht über den Stand der Lohnbewegung hören wollten. Am 12. Mai ist dem Vorstand der Schmiedeinnung die Kündigung des alten Tarifvertrages zugegangen. Am 2. Juni stimmte eine Versammlung der Gesellen dem von der Lohnlommission vorgelegten neuen Tarifentwnrf zu, der am 6. Juni mit einem Begleitschreiben den Innungen von Berlin, Charlottenburg und Rixdorf eingesandt wurde. Eine Antwort sollte bis zum 15. Juni erfolgen; aber die Arbeiter warteten vergeblich. Wie der Altgeselle K ä h l e r den Versammelten berichtete, hatte der Gcsellenausschuß am letzten Sonntag eine Sitzung anberaumt und dazu auch einige Jnnungsmeister eingeladen. Man hatte mit großer Verwunderung gehört, daß den Meistern ein Rundschreiben zugegangen war, in dem behauptet wurde, daß der Gesellenaus- schuß noch nicht mit Forderungen hervorgetreten sei, obgleich die auf die Lohnbewegung bezüglichen Schreiben an die Jnnungsvor» stände stets von dem Gesellenausschuß mit unter- zeichnet waren. Die Meister fürchten den Zentralverband und glauben, leichteres Spiel zu haben, wenn sie nur mit dem Gesellen- ausschuß zu tun haben. Dieser aber lehnte jedes Ansinnen, ge- trennt von der Organisation zu verhandeln, ab. In einer Sitzung, die der Jnnungsvorstand am Mittwochnachmittag mit dem Ausschuß hatte, erklärte der Vorstand, daß er auf Grund des neuen Tarifes überhaupt nicht verhandeln würde. Dann machte er den sonder. baren Vorschlag, daß die Me i st e r eine Versammlung der In. nungsgesellen einberufen wollten, wozu sie jeden Gesellen legiti- mieren und das Stimmrecht nur denen gewähren würden, die über 21 Jahre alt sind. Dieser Borschlag wurde von der Versammlung teils mit Heiterkeit aufgenommen, teils mit Entrüstung zurückgewiesen. Viele Redner machten geltend, daß die Meister bei der An- stellung gern die jüngeren Leute bevorzugen, die jetzt aber bei oer Beratung über die Arbeitsbedingungen nichts zu sagen haben sollen. Als über den Vorschlag der Meister abgestimmt wurde, erhob sich nicht eine Stimme dafür. S ch l i n s k h vom Zentralverband stellte das Verhalten der Meister, die der Lohnkommission nicht einmal eine Antwort gaben, in das gebührende Licht. Nur der Obermeister der Rixdorfer Innung hatte geantwortet, aber ganz gemütlich erklärt, daß er nach etwa 4 Wochen, am 4. Juli, die Angelegenheit der Innung unterbreiten würde. Unter manchem Widerspruch aus der Ver- sammlung trat S ch l i n s k y dafür ein, daß man ruhig und be- sonnen vorgehe und den Meistern noch einmal die Hand zu Unter- Handlungen biete, die natürlich von Organisation zu Organisation geführt werden müßten, wenn sich auch die Schmiedemeister noch schwer daran gewöhnen könnten. Schon rechnen die Meister mit dem Streik, und, wie Hent- s ch e l ausführte, haben Bezirksversammlungen, vom Jnnungsvor- stand einberufen, stattgefunden, um die Meister zu verpflichten, es strikte abzulehnen, mit ihren Gesellen einzeln zu verhandeln. Da- von wollten aber die Meister nichts wissen, denn viele sind bereit, über die Forderungen mit sich reden zu lassen. Eine andere Sorge der Jnnungsvorstände besteht darin, daß im Falle eines Streiks der eine dem anderen die Kundschaft abtreibt. Dem soll dadurch vor- gebeugt werden, daß die Meister verpflichtet werden, die Streik- arbeit nur von den bedrängten Kollegen zu übernehmen. Das folgende vertrauliche Schreiben an die Meister kam in der Versammlung zur Verlesung: Berlin, 9. Juni 1910. Geehrter Kollege! Die Generalversammlung vom 13. Mai d. I., in welcher über einen etwa ausbrechenden Streik in unserem Gewerbe, nach vorheriger Frage in den Gruppen, gesprochen wurde, beschloß einstimmig, alle etwa an die Meisterschaft gestellten Forde- rungen rundweg abzulehnen. Der Gesellenausschutz hat sich bis jetzt noch nicht gemeldet(!),'dafür aber der Zentralverband. Wir warnen die Kollegen, sich in irgend welche Verhandlungen mit diesen Leuten einzulassen. Die Forderungen bedeuten eine Schraube ohne Ende und sind bei der jetzigen Geschäfts- konjunktur unannehmbar,— erst sind wohl unsere Preise aufzubessern. Ein Nachgeben würde diesmal nur zur Folge haben, daß alle bisher noch treuen Gesellen den Wühlern in die Klauen getrieben werden. Es sei noch bemerkt, daß bei guter Geschäftszeit durch die Jnnungsmeister 16S0 Gesellen beschäftigt werden, zurzeit sind aber nur 12S0 beschäftigt...... Mit Gruß F. Warneke, Obermeister. Die Meister sind sich aber nicht so einig, wie es der In- nungsvorstand wünscht, und die kleinen fürchten mit Recht, daß sie für die großen Meister die Kastanien aus dem Feuer holen sollen. Mehrere haben schon freiwillig ihren Gesellen Zulagen gewährt. und am Mittwoch fanden sich einige besorgte Meister auf dem Per- bandsbureau ein und erkundigten sich, ob am Donnerstag der Streik beginne; sie wollten lieber verhandeln. Nach eingehender Diskussion nahm die Versammlung ein- stimmig eine Resolution an, die betont, daß eine Gewähr für die Einhaltung des abzuschließenden Tarifvertrages nur durch die Or- ganisation geboten werden kann. Die Versammlung beauftragte deshalb die Vertreter der Organisation und die Gesellenausschüsse, unverzüglich neue Verhandlungen anzubahnen. Die möglichste Be, schleumgung der Angelegenheit wurde von allen Seiten verlangt und nachdrücklichst betont, daß die Schmiede Groß-Berlins auf eine Verbesserung ihrer schlechten Lage nicht verzichten könnten. Zur Tarifbeweguug der Arbeiter i« de« Weiftbierbrauerele«. Auf verschiedene Anftagen aus Interessentenkreisen geben wir hier- durch bekannt, daß die Brauerei Julius Stolpmann, Zossener- straße 80, sich bisher weigert, die mit dem Verein der Weißbier- brauereien vereinbarten Lohntarifbedingungen für ihr Personal an- zuerkennen. Durch Schreiben vom gestrigen Tage teilt die Brauerei auf unser Ersuchen, den Tarif anzuerkennen, mit,.daß sie ihren Fahrern eine Lohnzulage gewährt habe und dadurch sich die Ver« Mittelung der Organisation erübrige". Damit sind aber keineswegs die Lohnverhältnisse sowie auch die sonstigen Vergünstigungen für Ueberzeitarbeit usw. für die Arbeiter des inneren Betriebes dieser Brauerei als geregelt zu betrachten. Es muß daher Aufgabe aller Kollegen aus den Weißbierbrauereien sein, dafür einzutreten, daß auch die Brauerei Stolpmann die Tarifbestimmungen anerkennt. Deutscher Transportarbeiterverband. Bezirksverwaltung Groß-Berlin. Oeutkchca Reich. Zur Aussperrung in der Hagen-Schwelmer Metall- industrie. Der Beschluß des ArbeitgebervereinS, am Mittwoch auch den Rest der Metallarbeiter in Hagen-Schwelm zu kündigen, soll allenthalben durchgeführt worden sein. Nur einem ganz kleinen Teil der Ar- beiter in den einzelnen Betrieben wurde mit Rücksicht auf die AuS- toWät&aiw] Druck u. BsiisÄ i»fiiiPausJ5ucHbt, u, VaDigscmstslt führung von AuSbesierungSarbeiten nicht gekündigt. Die Zahl der bisher ausgesperrten und am nächsten Sonnabend noch zur Eni- lasiung kommenden Arbeiter wird nach dem Bureau Herold auf an- nähernd 10000 berechnet._ Die Tischler, Maschinen- und Hilfsarbeiter der Firma Raschig in Brandenburg haben die Arbeit eingestellt, da die Firma eine Verkürzung der Arbeitszeit und Erhöhung der Akkordpreise sowie der Stundenlöhne ablehnte. Die Modelltischler der Firma.NaxoS-Union" in Frankfurt a. M. sind ausständig. Durch Anschlag in den Fabrikräumen macht sie bekannt, daß die Einreichung der Forderungen eine bebaue r- liche Einwirkung seitens der Gewerkschaft sei. Sie erwartet von dem„gesunden Menschenverstände" ihrer Arbeiter, daß sie sich der Vorteile erinnern, welche sie bei der Firma genießen. Diese„Vorteile" sind eine Pensionskasie, die aber nur in ganz seltenen Fällen jemand zugute kommt, weil die Arbeiter in diesem Betriebe sehr oft wechseln._ Gewerkschaftsunterstützungen werden iu Sachse« versteuert! Die meisten sächsischen Steuerbehörden rechnen die von den Gewerkschaften gezahlten Unterstützungen bei Streik und Arbeits- losigkeit zum Einkommen, sie gestatten aber nicht den Abzug der dafür gezahlten Beiträge. Jetzt ist durch einen Gewerkschafts- angestellten eine Entscheidung des Oberverwaltungsgerichts herbei« gesührt worden, das dieses nach der Ansicht jedes Nichtjuristen inkonsequente Verhalten sanktioniert. In einer langen gewundenen Deduktion wird angeführt, daß kein Rechtsanspruch auf die geleisteten Unterstützungen bei den Gewerkschaften bestehe, solcher aber die Voraussetzung für den Abzug der für Unterstützungszwecke geleisteten Beiträge vom Einkommen sei. Die Folge dieser Entscheidung ist nun, daß die Unter« stützungen aus den Gewerkschaftskassen versteuert werden können, die dafür aufgewandten Beiträge aber nicht vom Einkommen abzugsfähig find, also eigentlich eine Doppelbesteuerung des Arbeitereinkommens. Die Stellmacher in Bremen befinden sich seit einigen Wochen im Streik. Die größeren Geschäfte haben die Forderungen der Arbeiter— 4 Pf. Lohnerhöhung pro Stunde und Verkürzung der Arbeitszeit um eine Stunde wöchentlich— bewilligt, doch rst�Zuzug von Stellmachern noch fernzuhalten. Letzte INfaebnebten und DepeJeben. Wegen Betrugs verurteilt. Leipzig, 16. Juni.(W. T. B.) Von dem Landgericht Leipzig wurden der Gründer und Leiter der Reklame, Zeitschrift„Zu Hause", Dr. phil. Liez, und der Kaufmann Boecke! von der Anklage des Lizenzverkaufs freigesprochen. Nachj dem Z 82 des Neichsgesetzes betreffend Gesellschaften mit beschränk, ter Haftung wurden die Angeklagten jedoch wegxn Betruges ver» urteilt, und zwar Dr. Liez zu elf Monaten Gefängnis, 300 M, Geldstrafe und drei Jahren Ehrverlust, Kaufmann Boecke! zu einem Jahr neun Monaten Gefängnis, 300 M. Geldstrafe und vier Jahre Ehrverlust. Ferner wegen Beihilfe zum Betrüge Kaufmann Rohberg zu neun Monaten Gefängnis und drei Jahren Ehr« Verlust, Kaufmann Meißner zu fünf Monaten Gefängnis. � Das neue Kammerpräsidium.. Madrid, 16. Juni.(W. T. 23.) Zum Präsidenten der Depu-, tiertenkammcr wurde der frühere Minister Romanoncs ge, wählt, zu Vizepräsidenten der frühere Minister Ruiz Ximenes, der frühere Unterstaatssekretär Aura Boronat, der frühere Generalpostdirektor Martin Rosales und der frühere Vize, Präsident der Kammer Aparicio. BergmannsloS. Lüttich, 16. Juni.(B. H.) Durch einen vorzeitig losgehenden Sprengfchuß wurden in einem Schacht der Gruben von Mambourg ein 26 jähriger Bergarbeiter namens Sunt es. auf der Stelle ge» tötet, ein anderer 30 jähriger Arbeiter an Kopf und Brust schwer verletzt, während ein dritter leichtere Verletzungen davontrug. Neue Unwetter-Nachrichten. Ulm, 16. Juni. Die Donau ist um weitere 30 Zentimeter auf 3,40 Meter gestiegen. Außer der Jller dehnt sich die Ueber, flntung der Ufer von Dietenheim bis nahe an Ulm aus. Dieten» heim und Au stehen ganz unter Wasser. Die Spinnereien von Au und Geulenhof sind vollständig vom Wasser umgeben. Die Ar- beiter können die Fabriken nicht verlassen und sind ohne Nahrung�. Jn den Messingwerken in Vöhingen ist der Betrieb ein-"' gestellt. Fast daS ganze Pionierbataillon ist mit Pontons inSt Jllertal abgegangen, um die gefährdeten Gebäude zu xäumen untz die Brücken zu sichern.. Budapest, 16. Juni.(SB. T. B.) Ein heftiges Unwetter hat hier durch Ueberschwemmmigeu ungeheuren Schaden angerichtet� allein in einem Keller wurden Waren im Werte von; 500 OOO Kronen vernichtet. Das Wasser stand an ein» zelnen Stellen einen Meter hoch. Der Straßenbahn»/ verkehr war anderthalb Stunden lang vollständig unterbrochen Zwei Personen wurden vom Blitzschlag getötet, viele andere, die vom Gewitter im Freien überrascht wurden, stürzten ohnmächtig z u B o d e n. Die griechisch-orientalische Kirche wurde von einem kalten Blitzschlage getroffen. Budapest, 16. Juni.(W. T. B.) Im Komitat Krasso Szoereny ist ein Wolkenbruch niedergegangen. Mehrere Orte wurden von der Flut buchstäblich fortgeschwemmt, in zahlreichen Ortschaften stürzten die meisten Häuser ein. Bisher sind 259 Tote gefunden, in BerzaSzka und Alfö Lynokow allein über 199. Straße» und Brücken, Telegraphen und Telephone find zerstört, Saaten und Wiesen haben größten Schaden gelitten. Der größte Teil der Be- völkerung ist dem Elend preisgegeben. Belgrad, 16. Juni.(W. T. B.) In Swilafm», und Um, g e b u n g ist der durch das Unwetter angerichtete Schaben so groß, daß ein großer Teil der Bevölkerung von allen Mitteln entblößt und auf staatliche Unterstützung angewiesen ist. Bon tausend Häusern in Swilajnaz ist nur ein kleiner Teil unversehrt geblieben, Bisher sind 62 Leichen aufgefunden worden. In den Dörfern an der Resava wurden viele Häuser samt den Einwohnern fortgeschwemmt. » Jugenheim, 16. Juni.(B. H.) Heute morgen zwischen v und 6 Uhr wurde ein heftiges Erdvebcil und bald darauf, kurz vor 8 Uhr beginnend, ein starkes, sehr fernes Beben beobachtet. Nach vorläufiger Berechnung scheint der Herd der Südosten Siziliens ge« Wesen zu sein. Paris, 16. Juni. Nach aus Spanien hier eingetroffenen Meldungen sind dort starke Erdcrschiittcrungen verspürt worden. namentlich in Madrid, Cordoba, Tortosa. Malaga und Almeria, wo mehrere Gebäude beschädigt wurden. Ksul©ijißer& o q4 Per Im SW. Mrzu'ZBeilagen«, ttuuf ßaliunaMW Ar. 139. 27. Jahrgang. L KeilW des Joniiärts" Freitag, 17. Inn! 1910. Nu; der lüeichzverilchenmgsordiiuvgs- kommlftiOD. Sitzung vom Donnerstag, den 16. Juni 1010. Die Konservativen beantragten, folgende Bestimmung anzufügen:„Die Satzung kann bestimmen, dah der Versicherte einen Teil, jedoch höchstens 20 vom Hundert der Kosten der ärzt- lichcn Behandlung und Versorgung mit Arznei selbst zu tragen hat. Dieser Kostenanteil darf ein Viertel des Krankengeldes nicht ubersteigen und darf auf das Krankengeld angerechnet werden." Die Antragsteller legten dem Antrage eine große Bedeutung bei, weil ohne die Belastung der Versicherten mit einem Teil der Kosten für ärztliche Behandlung und Arznei die Krankenversiche- rung aus dem Lande so groß« Kosten verursachen würde, daß sie geradezu undurchführbar werde. Viele Versicherte würden die Hilfe der Aerzte bei jeder Kleinigkeit, daher oft ganz unnötiger- weise in Anspruch nehmen. Ebenso trieben sie einen argen Miß- brauch mit Arzneimitteln. Daher müßte auf sie erzieherisch ein- gewirkt werden, und das geschähe am besten dadurch, daß sie einen Teil der Kosten aus eigener Tasche decken müssen. Dann würden sie nur in den Fällen, in denen es wirklich notwendig sei, zum Arzt gehen und sich Arzneimittel verschreiben lassen. Die Sozialdemokraten bekämpften auf das cntschie- denste den Antrag. Soweit auf diesem Gebiete Mißstände vor- handen seien, könnten sie nicht durch eine solche, ganz ungerechte Kürzung des Krankengeldes beseitigt werden. Hier könnten Fort- schritte nur erreicht werden durch eine immer bessere Aufllärung der Versicherten über diese Fragen. Der Antrag würde ferner, wenn er durchgeführt würde, auch schädlich wirken. Denn es würde durch die angedrohte Kürzung des Krankengeldes der Versicherte verleitet werden, auch dann sich möglichst spät und selten an den Arzt zu wenden, wenn er im Interesse einer möglichst schnellen Heilung die Hilfe des Arztes sofort und öfter in Anspruch nehmen sollte. Außerdem sei der Antrag praktisch undurchführbar. Die Redner des Zentrums sowie die Abgeordneten Ku» l e r s k i und Dr. M u g d a n wendeten sich ebenfalls gegen den Antrag. Herr Mugdan fügte aber hinzu, es sei erwähnenswert, ob nicht die besser gestellten Versicherten zu einer kleinen Gebühr für jede von ihnen gebrauchte Arznei h e r a n g e- zogen werden könnten. Endlich sprachen sich auch die Regierungsvertreter gegen den Antrag aus, weil er undurchführbar sei und im Widerspruch mit dem Grundgedanken der Krankenversicherung stehe. Für den Antrag begeisterte sich außer den Konservativen nur der nat ion a l l i bera le Abgeordnete Hausmann. Der Antrag wurde schließlich gegen die Stimmen der Konservativen und Nationalliberalen abgelehnt. Hierauf trat die Kommission in die Beratung der Woche-. bilfe ein. Nach der Vorlage soll für alle Krankenkassen nur b. J Wochengeld vorgeschrieben werden. Das Wochengeld soll den Wöch- nerinnen gewährt werden, die im letzten Jahre vor der Nieder- kunft mindestens 6 Monate hindurch auf Grund der ReichSversiche- rung oder bei einer knappschaftlichen Krankenkasse gegen Krankheit versichert gewesen find. Es ist gleich dem Krankengeld, soll aber nur im ganzen für acht Wochen gezahlt werden, von denen mindestens sechs auf die Zeit nach der Niederkunft fallen müssen. Außerdem sollen nach der Vorlage die Kassen die Befugnis, aber nicht die Pflicht haben, ein Schwangerengeld, die Hilfelei st ung durch die He b a m m e n und ein S t i l l g e I d zu gewähren. Das Schwangerengeld kann den Schwangeren gewährt werden, die der Kasse mindestens 6 Monate angehören und infolge der Schwan. gerschaft arbeitsunfähig werden. Es ist ebenfalls gleich dem Kran- kengeld und kann längstens für 6 Wochen ausgezahlt werden. Das Stillgeld soll nur gleich dem halben Krankengeld sein und so lange gewährt werden können, wie die Wöchnerinnen ihre Neuge» borenen Men, längstens aber bis zum Ablauf der 12. Woche nach der Niederkunft. Die Sozialdemokraten beantragten, daß alle an- geführten Leistungen nicht dem Belieben jeder einzelnen Kasse über- lassen bleiben, sondern allen Kassen vorgeschrieben werden sollen. Sie wiesen nach, daß gerade diese Leistungen mit Rücksicht auf die große Säuglingssterblichkeit unbedingt notwendig seien. Außerdem machten sie die notwendigen Vorschläge, um die Lesstungen besser dem Bedürfnis der Arbeiter- frauen anzupassen: Das Schwangerengeld soll ohne Beschränkung für die ganze Zeit gewährt werden, in der die Schwangere infolge der Schwangerschaft arbeitsunfähig ist. das Wochengeld soll für die ersten acht Wochen nach der Niederkunft, und daS Stillgeld für die Dauer von 23 Wochen nach Fortfall des Wochengeldes gewährt werden. Ferner soll die Kasse eine Ha u S p f l eg er i n für die Zeit oder einen Teil der Zeit stellen, in der die Wöchnerin das Schwangerengeld oder Wochengeld erhält. Dies soll jedoch nur dann geschehen, wenn es die Wöchnerin oder deren Ehemann ver» langt. Dafür soll die Kasse das Recht haben, das Schwangeren- geld oder Wochengeld für die Zeit, für die sie eine Hauspflegerin stellt, um ein Viertel zu kürzen. Auch soll die Kasse befugt sein, an Stelle des Schwangerengeldes und Wochengeldes sowie der ärztlichen Behandlung Kur und Verpflegung in einem Entbin- dungsheim zu gewähren. Endlich soll die Wochenhilfe überhaupt, die nach der Vorlage dem Ermessen der einzelnen Kassen über- lassen ist, allen Kassen als unbedingte Pflicht vorgeschrieben werden. Die meisten dieser Anträge wurden abgelehnt, weil nicht nur die Konservativen und die Nationalliberalen, sondern auch das Zentrum dagegen stimmten. Zur Annahme gelangte der Vorschlag, daß allen Wöchnerinnen die erforderlichen Hebammendienste und etwaige Geburtshilfe ge- währt werden müssen. Bezeichnend ist es, daß sogar hier- gegen außer den Konservativen die nationalliberal en Ab- geordneten HauSmann und Neuner auftraten. Ferner hatte das Zentrum den sozialdemokratischen An- trag aufgenommen, der den Kassen die Befugnis geben sollte, die Wöchnerinnen in einem Wöchnerinnenheim unterzubringen. Der einzige Unterschied zwischen den beiden Anträgen ist der, daß das Zentrum diese Leistung nur für die Zeit zulassen wollte, in der Wochengeld gewährt wird, während die Sozialdemokraten sie auch für die Zeit vorgeschlagen hatten, in der Schwangerengeld gewährt wird. Der Antrag wurde in der Form, wie ihn das Zentrum vorgeschlagen hatte, angenommen. Arg verschlechtert dagegen hat das Zentrum den Antrag der Sozialdemokraten auf die Stellung einer Haus- Pflegerin. Hier ist nicht nur die Dauer der Leistung, so wie bei dem vorigen Antrage beschränkt, sondern die Leistung ist auch ganz dem Belieben der einzelnen Kasse überlassen, und dann ist der Kasse noch das Recht erteilt worden, in einem solchen Falle das Wochengeld bis auf die Hälfte zu kürzen. Der so verschlechterte Antrag wurde von der Kommission angenommen. Das schönste Stück leistete sich das Zentrum aber mit dem Antrage, daß die Wochenhilfe nur den„verheirateten Wöchne- rinnen, die mit ihrer Familie zusammenleben" zuteil werden soll. Demnach wären uneheliche Wöchnerinnen und solche Ehefrauen, die von ihrem Ehemann während der letzten Monate vor der Ent- bindung verlassen worden sind, sowie deren Kinder ganz hilflos geblieben. Hierfür trat das Zentrum so entschieden ein, daß die Abgg. I r l und Freiherr v. Fetten erklärten, sie würden gegen die Wochenhilfe überhaupt stimmen, wenn ihr Antrag abgelehnt werden sollte. Alle anderen Parteien wollten aber von dieser— besonders feinen„Sittlichkeit" nichts wissen, und so wurde der Antrag gegen die Stimmen des Zentrums abgelehnt. Beim Sterbegeld beantragten die Sozialdemokraten, daß es mindestens 60 M. betragen soll. Auch dieser Antrag wurde ab- gelehnt. Nächste Sitzung: Freitag. Clud noch einmal der Zopf* and noch einmal der Zopfl— Jenseits sogar der Meer« Bat er gewütet etnlt Im Indo-ßritenheere, Bat baumelnd er geführt sein haarig Regiment. Blas dort ein Rotrodt war, trug auch den brummen, ftraffenj Geschmeichelt sahen es am Oangesftrand dl« Hffcn— Sie nabmen's für ein Kompliment. O, welch ein Staat das war an Sonn- und f eiertagen l Da ward er feierlich und endlos erst getragen I Da schmückt' er vollends erst der Krieger Scharlachhletd I Im Sattel faßen Tie, gradlelblg wie die puppen| Cr unterdessen lag ausruhend auf den Croupen In sinniger Betrachtfamhelt. Und war zu Cnde nun die schimmernd« Parade, Dann sprengten Offizier und fäbnrich ans Gestade, Dann gab's ein Rennen noch um eine flafcbe portl Dann band sich männlgllch die angebängte Bürde Des Zopfes ehrbar ab, hielt Ihn mit Schieb und Würde feit In der Band und schnalzte-„fort l" Ond fort nach OllUhOr ging's— der Zopf ja ward zur Gerte J Der Zopf behielt den Sieg, wie fleh das Roß auch sperrte I 6ln Indo-britifch Spielt— Weh» daß man es verdeutscht I Daß man auch unter uns vom rückwärts fchau'nden Kopfe Den starren anbold langt— bei uns auch mit dem Zopfe ein edel Roß, das Volb, zerpeltfcbt I Ferdinand Freillgrattz. Aus der luftizhommiltion. In der Donnerstagsitzung wurde die Diskussion über den im gestrigen Bericht wiedergegebenen Antrag Gröber, einen 8 173a zu schaffen, fortgesetzt. Dabei kam es zwischen den Vertretern der Regierung und dem Antragsteller zu scharfen Zusammenstößen, die teilweise persönlich zugespitzt erschienen. Zu wiederholten Malen erklärten die Regierungskommissare, daß sie einer Ein- schränkung des Verfahrens gegen„Unbekannt" nichtzu stimmen könnten. Dadurch würde event. die Aufdeckung und Verfolgung der größten Verbrechen und Straftaten erschwert werden. Von unserer Seite wies Genosse Stadt Hägen, der eine reiche Fülle von Einzelfällen, in denen mit dem Verfahren gegen„Unbekannt" die größte Willkür getrieben wurde, anführte, darauf hin, daß höher als die Wahrheitsermittelung das Recht der ZeugniSver- Weigerung stehen müsse. Während durch das Zeugnisverweige- rungsrecht der Beamten die Ermittelung der Wahrheit ungemein erschwert wird, legen gerade in diesem Falle die Parteien so starken Nachdruck auf die„Heiligkeit der Wahrheitsermittelung", die von der Einschränkung dieses Vorrechts der Beamten nichts wissen wollen.— Di« Polen traten für den Antrag Gröber ein; der freisinnige Abg. Müller- Iserlohn redete viel dagegen. Während früher die Abgg. M u n ck e l und Lenzmann die schärftten Gegner des Verfahrens gegen„Unbekannt" waren, haben die heutigen Freisinnigen— unter Führung von Müller-Jserlohn— auch mit diesem Rest liberaler Auffassung aufgeräumt. Unter Zurückziehung des Antrags Gröber wurde sodann ein Antrag Spahn angenommen, nach dem im Z 173a bestimmt.wird: „Im Ermittelungsverfahren gegen einen unbekannten Täter hat der Richter dem Zeugen mitzuteilen, welche Gründe ihn zur freiligrath, der freudige* Düster mit verkohltem Docht Flackerten die Kerzen; Düster und von Zorn durchpocht Brannten unsere Herzen; Dennoch oft, gleich wie der Blitz Finst'rer Woll' entquollen, Brach ein Lachen, brach ein Witz Hell durch unser Grollen. ES gibt einen Brief Freiligraths, worin er bemerkt, die Leute verstünden seinen Humor nicht.„jWozu denn immer Pathos, wenn der Humor ein wesentlicher Bestandteil meiner Natur ist? Gott behüte mich, daß ich nur Witze reißen sollte, aber ebensowenig ge- lüstet'S mich, ewig auf den Stelzen des Pathos einherzuschreiten." Freiligrath, den Freudigen— man kennt ihn zu wenig; und doch war der Humor wahrhaftig ein wesentlicher Bestandteil seiner Natur. Schon der Knabe wußte seine Umgebung durch manchen Spatz, durch Spottpredigten, gereimte Glückwünsche und Festgedichte zu belustigen. Als Schüler verfaßte er zur Freude der ganzen Klasse ein richtiges Epos in Hexametern, in dessen Mittelpunkt ein Detmolder Metzgerhund mit seinem Schweife wedelte. Ein ander« mal wählte er seiner Muse einen braven Bürger und Tabakfabri- kanten zum Opfer. Gerne entwarf er zu seinen Versen komische Bilder und Karikaturen. Dieser Frohsinn blieb dem Jüngling, dem Manne und dem Greise treu. Freiligrath wollte einmal ein Lustspiel aus dem Dreißigjährigen Kriege schreiben. Dieser Gedanke, Freude im Kampfe zu finden, spiegelt den ganzen Menschen. Mitten im Exil, in Kummer und Erregung trug der Flüchtling ein Traumbuch mit und deutete seinen Freunden gravitätisch ihre nächtlichen Phanta- sien. Seine Prophezeiungen rief er ihnen frischweg über die vom Gelächter dröhnenden Gassen zu. Ein richtig ausgeführter Schaber- nack ging ihm über alles, brachte ihn aber freilich oft genug in verzwickte Lagen. Einmal hatte er einen Kollegen, dessen Lob- Hudeleien ihm gar nicht zu Gesichte standen. Da sprach dieser Freund Hub eines Tages verächtlich von den Juden. Gleich machte Freiligrath eine bedächtige Beichtmiene und gab zu erkennen, er sei selber einer von dieser Gilde. Hub verbreitete diese? ge- flunkerte Bekenntnis, und Freiligrath mutzte später hoch und heilig versichern, er sei gut evangelisch und tadellos getauft. Nicht übel muß der Aufzug geraten sein, den Freiligrath als junger Mann in Szene setzte. Um nicht als plebejischer Fußgänger sich abzu- mühen, ritt er mit einen- Bekannten zusammen auf einem Pfe�e aus.$££ gutx 0«ani» faß b&a im Sattel, ErMgrath Zeugnisverweigerung berechtigen würden, wenn ihm der Täter bekannt wäre, und der Zeuge kann ohne Angabe des bestimmten Zeugnisverweigerungsgrundes glaubhaft machen, daß er zur Zeugnisverweigerung berechtigt sei; es genügt die Versicherung an Eidesstatt." Nach dem Z 17S soll der Staatsanwalt, wenn er in einer Sache vor dem Landgericht die unmittelbare Eössnung des Haupt- Verfahrens beantragt, dem Verdächtigen von den vorliegenden Ver. dachtsgründen mündlich Kenntnis geben. Dazu beantragten unsere Genossen, die..Soll"vorschrift durch eine„Mub"bestimmung und die mündliche durch eine schriftliche Mitteilung zu er- setzen.— Nach einem Antrag Gröber sind diese Mitteilungen bei Verbrechen xmd Vergehen zu machen. Die Anträge wurden abgelehnt. Der Z 176 verpflichtet den Staatasnwalt, wenn das Verfahren eingestellt wird, dem Beschuldigten davon Mitteilung zu machen. Ein Antrag Gröber wollte diese Benachrichtigungs- Pflicht auch gegen den Verdächtigen gelten lassen, und ein antisemi- tischer Antrag forderte sie auch für den Verdächtigen, der von der Staatsanwaltschaft oder in deren Auftrag von der Polizei ver» nommen wurde. Trotzdem sich die Regierungsvertreter den An- trägen gegenüber aufbie größte Sparfamkeitbei Schreibe« reien versteiften, die durch die Annahme dieser Vorschläge ge- fährdet erschien, wurden beide Anträge, in einen zusammengefaßt, angenommen. Z 177 regelt die Bestimmungen, die in dem EntfcheihungS» verfahrenüberabgelehnteStrafanträge durch Verletzte zu beachten sind. Unsere Genossen forderten, nicht nur all- gemein den„Verletzten" das Recht der Beschwerde gegen die Ab- lehnung eines Strafantrages zu geben, sondern auch den Antrag* steller von der Notwendigkeit, sich bei der Antragstellung und im Beschwerdeverfahren eines Rechtsanwalts bedienen zu müssen, zu befreien. Natürlich ging den Regierungsvertretern der sozialdemo- kratische Antrag„viel zu weit"; auch wollten sie davon nichts wissen, daß evenuell bei Uebertretungen von Arbeiterschutzvor- schrtften für den„Verletzten" auch die übrigen Interessierten antragsberechtigt sind. Zentrumsredner und Vertreter der anderen Parteien wendeten sich ebenfalls dagegen. Das Zentrum wollte, daß das Beschwerderecht nur auf die Personen ausgedehnt werden soll, die ein berechtigtes Interesse an der Sache nachweisen können. Ter Antrag wurde angenommen, der Antrag unserer Ge- nossen aber abgelehnt. Im 8 179 wird im zweiten Absatz bestimmt, daß dem Antrag- steller die L e i st u ng e i n e r S i ch e r h e i t für die Kosten und Auslagen, die dem Beschuldigten voraussichtlich erwachsen, auf- erlegt werden kann. Dazu beantragten unsere Genossen, nicht nur diese Bestimmung zu streichen, sondern im Gegensatz dazu zu be- stimmen, daß die Entscheidung des Gerichts für den Antragsteller kostenftei erfolgt. Beide Anträge wurden abgelehnt. Ohne Diskussion wurden die§z 180 und 131 erledigt M& darauf die Weiterberatung auf Freitag vertagt. Siebenler ordentlicher SeaossenkchsMsg München, IS. Juni, s Dritter VerhandlongStag. � Zur Beratung steht der wichtigste Punkt der Tagesordnung: Vereinbarungen zwischen dem Zentralverband beutscher Konszyn, vereine und der Generalkommission der Gewerkschaften. Die Vereinbarungen betreffen a) Hausindustrie und Heimarbeit, d) den Vertrieb von Strafanstaltserzeugnissen, e) d i e A n- erkennung der Gewerk schaften und deren Tarife, ck) die genossenschaftlichen Pflichten der Ge. Werkschaftsmitglieder, e) die Errichtung von industriellen Absatzgenossenschaften. Referent ist A. v. Elm-Hamburg, der einleitend bemerkt. daß die vorliegenden 5 Anträge des Vorstandes und Ausschusses auf den Tagungen der Unterverbände, wo sie ebenfalls beraten wurden, keinen Widerspruch gefunden haben. Die Anträge sollten aber keine Prinzipienerklärung, keine Zukunftsmusik sein; nein, deren Durchführung würde sofort erwartet. Die Vereinbarungen bedeuteten eine praktische Verwirk» lichung der auf dem Kölner Gewerkschaftskongreß beschlossenen Prinzipienerklärung. In Köln sei die Macht und der Einfluß der Genossenschaften weit höher eingeschätzt worden, als von den Ge- nossenschastlern selbst, v. Elm erinnert dann an der Hand der Beschlüsse von Gewerkschaftskongressen und Parteitagen, daß früher Partei und Gewerkschaften die Bestrebungen der Genossenschaften nichts weniger als unterstützt haben. Eine völlige Wandlung dieser Anschauungen sei erst eingetreten, nachdem Dr. Crüger in Kreuznach den Kaiserschnitt vollzogen und den Anschluß von dagegen hatte das närrisch« Vergnügen, hinten herumzurutschen. Die ganze Prozedur dauerte drei Stunden. Sie hatten eine Fahne mit, die bei jeder Gelegenheit feierlichst geschwenkt wurde; kam ihnen ein Wagen in die Quere, so paradierten sie. An Fenster, aus denen ein hübsches Gesichtchen guckte, wurde im Galopp heran» gesprengt. Es muß ein grandioser Spektakel gewesen sein, und die ganze Ahrgegend lachte über dies« Donquichoterie. Solche barocken Einfälle scheinen auf Freiligraths TageSpro- gramm gestanden zu haben. Aus Brüssel sandte er einem Käme- raden, der sich eine Galerie berühmter Männer angelegt hatte, daS Konterfei des bekannten Manneken mit der Bitte, diesem plus ancien bemrgeois de Bruxelles(älteren Brüsseler Bürger), ein bescheidenes Eckchen in einem(nicht heimlichen) Gemach zu gönnen. Einen Geburtstagsbrief illustriert er mit Weinetiketten. und einem Freund, der durch eine Verletzung um einen Fußnagel kam, gratuliert er zu dem Vorteil,„daß Du hinfüro beim Nägel- abschneiden einen Nagel weniger zu besorgen hast". Wenn er keinen Schlaf fand, machte er die kuriosesten Dinger, als da sind Gedichte mit falschen Silbenbetonungen oder Sonette humoristischen Inhalts. Eins davon endet in klassischer Diktion: Dann ruft er aus: Sie ist die zweite Staell Sei sie nun sonsten Lea od«, Rahel— In sieben Jahren ist sie mein Gemahel. Er ergriff jede Gelegenheit. Eines Morgens trat ein In- dianerhäuptling in seine Behausung, um dem Uebersetzer des„Hia- watha" seine Bewunderung auszusprechen. Freiligrath wurde mit Herrn Kah-Gc-Ga-Ga--Bowl rasch gut Freund, und da gerade wieder einmal ein Trompeter angekommen war— Freil-grakh nannte seine Kinder„Trompeter des Lebens"—> so wurde die ehrbare Rothaut mit der Würde eines Taufpaten beehrt. Freilgrath lachte auch während er dichtete, und zwar so, daß die Wände bebten. Er erzählt es selbst von feinem feinen Hoch- zeitSkarmen im Stile der ersten schlesischen Dichterschule(17. Jahr- hundert), in dem er Dämon, den Pfeiffer auf dem Haberrohre, fein Lied blasen läßt, um es dann erhaben zu schließen; Denn so, wiederümm mit Blasen Ging er Heime, ernst doch froh; Schritte zu, auff feuchtem Rasen, Seinem Ruh'sitz dlongopo; Hoffende, wie daß sein Lallen Ihnen möge baß gefallen. DaS allerliebste ist, daß Freiligrath auch über sich selbst herz» lich zu lachen verstand. Ueber eine Karikatur, die ihn alz Lögen virspMie. lÄM.ll G.WG KAM rungSaufträgen sokvie bei Vergebung von Arbeiten der Vereine solche Firmen Berücksichtigung finden, welche die Gewerkschaften und die von diesen mit den Arbeitgebern abgeschlossenen Tarife und Vereinbarungen erkennen. Soweit schriftliche Werkverträge über die Vergebung von Ar« beitcn und Lieferungen in Frage kommen, wird den Genossen. schaften empfohlen, in diese Kontrakte eine Klausel aufzunehmen, wonach der Unternehmer verpflichtet ist. die Gewerkschaft und die zwischen diesen und den Arbeitgebern abgeschlossenen Tarife und Vereinbarungen anzuerkennen." L Genossenschaftliche Pflichten der Gewerkschaftsmitglieder. „Der Gewerkschaftskongreß zu Hamburg 1908 verweist die gewerkschaftlich organisierten Arbeiter und Arbeiterinnen erneut auf den Beschluß des Kölner Gewerkschaftskongresses(1908), die Genossenschaftsbewegung m Deutschland durch ihren Beitritt zu den Konsumvereinen durch Propagierung der genossenschaftlichen Ideen aufs tatkräftigste zu unterstützen. Der Kongreß erachtet die Gewerkschaften für verpflichtet, durch genossenschaftlich- aufklärende Vorträge in den Filialen und durch geeignete Artikel und Hinweise in chrer Fachpresse sowie durch Druckanschläge in ihren Bureaus und Sitzungsräumen die Werbe» tätigkeit der Konsumvereine nachhaltigst zu unterstützen. Auf Antrag der Konsumvereine ihres Bezirkes sind die ort- lichen Gcwerkschaftskartelle verpflichtet, aus Gewerkschaftern und von den Konsumvereinen bestimmten Genossenschaftern zu gleichen Teilen bestehende Kommissionen einzusetzen, die geeignete Maß. nahmen zur Förderung der genossenschaftlichen Propaganda in die Wege zu leiten haben. Die Gewerks chastskartelle können außer. dem für Vorträge und Druckanschläge sorgen, Spezialerhebungen über das genossenschaftliche Organisationsverhältnis der Gewerk- schaftsmitglieder und über die Gründe des Fernbleibens der letzteren von Genossenschaften pflegen und für geeignete Publikationen am Orte wirken." 5. Die Errichtung industrieller Arbeitsgenossenschaften. „Es wird anerkannt, daß nach dem Grundsatze der Produktion für den organisierten Konsum die über den örtlichen Rahmen hinausgehende Eigenproduktion für die Konsumvereine eine Auf- gäbe der Großeinkaufsgesellschaft Deutscher Konsumvereine und — soweit bedruckte und unbedruckte Papierwaren und Papiere in Frage kommen— der Verlagsanstalt des Zentralverbandes deutscher Konsumvereine ist. Die Errichtung besonderer Produktiv- genoffenschaftcn kann daher nur gutgeheißen werden, wenn es sich handelt 1. um Vereinigungen von Genossenschaften eines Bezirks zur gemeinsamen Produktion bezw. zur Umwandlung einer Ar- beitsgenoffenschaft in eine Produktivgenossenschaft, deren Mitglieder die Genossenschaften sind; L. um industrielle Arbeitsgenoffenschaften(sogenannte Arbeiter- Produktivgenossenschaften) durch eine Gruppe von gewerk- schaftlich organisierten Arbeitern, wie solche häufig nach erfolglosen Streiks vorkommen. und wenn deren Errichtung im Einverständnis mit dem Vorstand des Zentralverbandes deutscher Konsumvereine und der Groß- einkaufsgescllschaft Deutscher Konsumvereine sowie der zuständigen Gewerkschaftsleitung erfolgt. Arbeiterproduktivgenossenschaften, die ohne dieses Einver» ständnis gegründet werden, sind lediglich als Privatunternehmungen zu erachten und können keinen Anspruch auf geschäftliche Verbin- dung mit den Konsumvereinen des Zentralverbandes erheben. Die Generalkommission und dw zuständigen Gewerkschafts- vorstände verpflichten sich, ihre Mitglieder darüber aufzuklären. daß die Errichtung von industriellen Arbeitsgenoffenschaften eine große wirtschaftliche Gefahr für die beteiligten Arbeiter bringen kann und nur dann einige Aussicht auf Erfolg gewährt, wenn alle hierfür notwendigen Voraussetzungen erfüllt sind, d. h. wenn einerseits für eine fachmännische Leitung und ausreichendes Be- triebskapital gesorgt und andererseits der Anschluß an den organi- sierten Konsum gesichert ist. Sind diese Voraussetzungen nicht erfüllt, so ist von der Errichtung neuer industrieller Arbeits- genossenschaften dringend abzuraten. Die Großeinkaufsgesellschaft Deutscher Konsumvereine und die Genossenschaften dagegen verpflichten sich, ebenfalls nur dann, wenn die obenerwähnten Voraussetzungen erfüllt sind, mit neuerrichteten industriellen Arbeitsgenossenschaften in Geschäftsverkehr zu treten. Ebenso verpflichten sich die Vorstände der Revisionsverbände, nur unter diesen Voraussetzungen neuerrichtete industrielle Arbeits- genossenschaften als Mitglieder in ihren Verband aufzunehmen." Mit besonderer Wärme empfiehlt der Referent die Resolution über die Hausindustrie und Heimarbeit. Bei der Heim- arbeit sei das furchtbarste, daß hier die Arbeiter gezwungen sind, ihre Kinder von frühester Jugend an auszubeuten. Am besten könne dies beurteilen, wer es am eigenen Leibe verspürt hat. Er (Redner) habe als Sohn eines Zigarrenwicklers in seiner Kinder- zeit keine freie Zeit gehabt. Wie die Heimarbeit gesundheitlich wirkt, das zeige die enorme Sterblichkeitsziffer der Kinder von Heimarbeikern. Die Genossenschaften müßten nun bestrebt sein, ist« Hausindustrie wirtschaftlich zu überwinden. Bor allem müßten die genossenschaftlichen Betriebe unterstützt werden Redner begründete dann kurz die weiteren Resolutionen und betonte zum Schlüsse, durch die Zustimmung zu den Resolutioenn erwachse den Genossen- schaftlern die Pflicht, sie durchzuführen. Den gewerkschaftlich organisierten Arbeitern möchte er zurufen:„Wollt Ihr, daß ei» wirklicher Einfluß im Sinne der Resolutionen ausgeübt wird, dann müßt Ihr genossenschaftliche Mitglieder werden." Wer die Schäden der Heimarbeit usw. bekämpfen will, der muß dies durch die Tat beweisen. Durch die Organisation des Konsums haben die Arbeiter die Macht, für Verbesserungen aus den verschiedensten Gebieten zu wirken. Mit der Annahme der Anträge dokumentieren wir aufs neue, daß die Genossenschaften eine soziale Einrichtung sind. Wir können durch sie die Auswüchse dcS Kapitalismus bekämpfen, und vermm mit den Gewerkschaften an der Hebung der Lebenshaltung des arbeitenden Volkes wirken.(Lebhafter Beifall)«. In der Debatte hebt der Vertreter der Tabakarbeiter, Eberle-Hamburg hervor, die Resolutionen und deren Ver- wirklichung bedeuteten einen Fortschritt für die Tabakarbeiter. Die Kontrolle der Waren, die heute ungenügend sei, müsse eine bessere werden. Die beste Kontrolle sei, die Waren aus den Genossen- schaftsbetrieben zu beziehen. 1 B a u e r- Berlin, Vertreter der Generalkommission, erklärk, in bezug auf den historischen Rückblick v. Elms einige Worte sagen zu müssen, v. Elm habe betont, die Resolution des Kölner Ge« Werkschaftskongresses sei ein Beweis dafür, daß die Beurteilung der Genossenschaften durch die Gewerkschaften eine andere ge- worden sei, der Unterschätzung sei eine Ueberschätzung gefolgt, Diese Schlußfolgerung halte ich nicht für berechtigt. Der Kölner Beschluß enthält ein Programm, in welchem Sinne die Gewerk- schaften bei den Genossenschaften mitarbeiten wollen. Und bei einem Programm geht man etwas weiter, als man von der gegen« wältigen Zeit erwartet. Die Gewerkschaften haben nicht daran gedacht, dckß all das in der Kölner Resolution Gesagte, nun plötzlich durchgeführt werde. Jeder Gewerkschaftler wollte damit verpflichtet sein, im Rahmen des Beschlusses für die Genossenschaften zu arbeiten. Sonst habe ich den Ausführungen v. Elms nichts hinzu- zufügen. Ich gebe mich der Hoffnung hin, daß von beiden Seiten energisch für die Verwirklichung der Resolutionen eingetreten wird. Die Gewerkschaften haben alles getan, um die Genossen« schaften zu fördern und werden es auch weiter tun. Im Sinne der Resolution 4 wurde von den Gewerkschaften schon bisher gehandelt, Die Annahme der Resolutionen auf dem nächsten GewerschaftS- kongresse wir nur eine Feststellung dieser Taffache sein. Ich glaube, es wird die Zeit nicht fern sein, daß jeder gewerffchaftlich organi-, sierter Arbeiter auch genossenschaftlich organisiert ist. Hambacher-Erlangen verspricht sich nicht viel von der Resolution 4, die nichts verpflichtend für die Gewerk- schaftspresse vorsehe. Die große Zahl der Gewerffchafts, redakteure hätten sich bisher noch nicht sehr für die Genossen«. schaften begeistert. Dieber. Berlin nimmt die Gewerkschaftsredakteure gegen diese Angriffe, die unberechtigt seien, in Schutz. Wenn einige Gewerkschaftsblätter sich wenig mit den Genossenschaften beschäftigten. so rühre das wohl daher, daß die Redakteure zu sehr überlastet sind. In seinem Schlußwort betont v. Elm gegenüber Bauer, daß er nur gesagt habe, in Köln sei die Macht und der Einfluß von den Gewerkschaften weit höher eingeschätzt worden, als von den Ge- nossenschaftlern selbst.— Die Verpflichtung, für die Genossen- schaften Propaganda zu machen, enthalte die Resolution 4 auch für die Gewerkschaftspresse. Es gelte nun gemeinsam zu handeln, um die Resolution praktisch zu verwirklichen. Dann würden auch Er- folge erreicht, im Interesse der Gewerkschaften und Genossen- schaften. Für die Gewerkschaftsbewegung sei ein Fortschritt der Genossenschaften in der Eigenproduktion von allergrößter Be» deutung. Die Genossenschaften würden eine stetig wachsend« Macht, mit der die Gegner zu rechnen haben.'(Beifall> i Bei der Abstimmung werden sämtliche Resolutionen ein« stimmig angenommen. Vorsitzender Radestock bemerkt dazu: Durch die ein- stimmige Annahme haben wir bekundet, daß es uns Ernst um die Verwirklichung der Resolution ist. Wir erwarten aber das gleiche von den Gewerkschaften: daß sie unsere Organisation unterstützen. (Zusffmmung.)j Den � I i Bericht über die Tättgkeit des Tarifamts gibt L o r en z- Hamburg. Insgesamt dürften über 90 Proz. aller technischen Arbeiter der Genossenschaften des ZentralverbandeS z» den tariflichen Lohn, und Arbeitsbedingungen arbeiten. ES seil aber bedauerlich, daß immer noch eine recht große Zahl von Vereinen den Tarif nicht anerkannt hat. Die Beschlüsse deS Ge» nossenschaststages würden immer einstimmig gefaßt, aber nicht immer so einstimmig ausgeführt. Daß die Tarife von ein» zelnen Vereinen nicht angenommen wurden, gebe nur den Gegner» Material. ES sei zu hoffen, daß bald alle Vereine die Tarife aner- kennen. Einem Wunsche der Handlungsgehilfen, die einzelnen Ge- 99 Vereinen erwirkt hat. Nun sei immer mehr eingesehen worden, daß die Genossenschaften ein Stück der Arbeiterbewegung selbst sind. Die Unterschätzung sei nun in eine Ueberschätzung um- geschlagen. Der Referent ging dann auf die nachstehenden Antröge des Vorstandes und Ausschusses ein: Eemcinschaftliche Anträge des Vorstandes und Ausschusses des Zentralverbandes deutscher Konsumvereine s zum 7. ordentlichen Konsumgenosse, lschaftstag i» München. Der siebente ordentliche Genossenschaftstag des Zentralver- fccmdes deutscher Konsumvereine am 13. bis 18. Juni erklärt seine Zustimmung zu folgenden, mit der General- Kommission der Gewerkschaften vereinbarten Beschlüssen: 1. Hausindustrie und Heimarbeit. „Hausindustrie und Heimarbeit erweisen sich sowohl in ihrer alten wie in ihrer neuen Form als eine überaus rückständige Be- triebsweise. Ihre Kennzeichen sind: lange Arbeitsdauer, niedrige Löhne. Ausbeutung der Kinder und ungesunde Arbeits, und Wohn- räume, wodurch die Arbeiterklasse wirtschaftlich und gesundheitlich schwer geschädigt wird. Die ungeeigneten Arbeitsstätten und der schlechte Gesundheitszustand der Heimarbeiter machen die Heim- arbeit zu einem furchtbaren Herd aller Infektionskrankheiten, wo- durch eine hohe Gefahr für alle Konsumenten von Heimarbeits- Produkten sowie für die gesamte Bevölkerung enffteht. Im Jnter. esse aller Beteiligten erscheint es daher geboten, der Heimarbeit möglichst den Boden zu entziehen und ihren Uebergang zur ge- regelten Betriebsarbeit in gesunden Arbeitsstätten zu fördern. Soweit der genossenschaftlich« Zusammenschluß der Heunarbeiter und Hausindustriellen diesen Erfolg verspricht, ist er zu unter- stützen. Soweit die Herstellung der NahrungS- und Genußmittel durch die Hausindustrie in Frage kommt, sind generell die hauSindu- striellen Produkte von der Bedarfsbefriedigung der organisierten Konsumenten auszuschließen. Im übrigen ist über geeignete Maß- uahmen zur Abhilfe von Mißständen und zur Reform der Heim- arbeit von Fall zu Fall zu beschließen. lieber Einleitung geeigneter Maßnahmen hat daS Sekretariat des Zentralverbandes deutscher Konsumvereine und d>e General- ikommission der Gewerkschaften Deutschlands zu beraten. ES soll durch diese beiden Körperschaften für ständige Aufklärung in Ar- deiter- und Genossenschaftstreisen über die Schäden der Heim- arbeit gesorgt, es solle» die Verwaltungen der Konsumvereine vor uachteiligen Bezugsquellen gewarnt und in der Erschließung ge- eigneter Bezugsquellen unterstützt werden." 2. Strafanstaltserzeugnisse. -.1. Es kann nicht bestritten werden, daß die St r a f a n st a l t S- arbeit in ihrer heutigen Organisation, anstatt die Straf- gefangenen in Lehrwerkstätten mit moderner Technik und fort- geschrittenen Arbeitsmethoden zu beschäftigen, fast nur auf die körperliche und geistige Ausnutzung der Arbeits- kräfte bedacht ist. Die Arbeitskraft der Gefangenen wird meistens zu einem niedrigen Preise an Privatunternehmer ver- kauft, welche mit Hilfe dieser billigen Arbeitskraft minderwertige und billige Produkte herstellen, durch deren Vertrieb die reelle Warenverteilung, die Konsumenten und die freien Arbeiter gleicher- maßen geschädigt werden. Daher erscheint die Ausschaltung solcher Strafanstaltserzcugnisse vom freien Wettbewerbe und der lieber- gang der Produktion in Strafanstalten zur Herstellung des Bedarfs öffentlicher Anstalten und kommunaler oder staatlicher Vevwal- tungen in eigener Regie sowohl im Interesse der freien Arbeiter als auch des organisierten Konsums dringend geboten. Es wird deshalb den Gewerkschaften und Konsumvereinen bringend empfohlen, nach besten Kräften gemeinsam auf den Aus- Schluß von Strafanstaltserzeugnissen hinzuwirken. 2. Die Vorstände der Konsumvereine werden ersucht, bei ihren Wareneinläufen und Bestellungen keine Artikel zu kaufen, die ganz oder teilweise in Strafanstalten an- gefertigt sind, und Firmen, die in solchen Anstalten herstellen lassen oder Strafanstaltserzeugnisse in Vertrieb bringen, bei Ein- käufcn oder Bestellungen nicht mehr zu berücksichtigen. Die Gewerkschaften verpflichten sich, die Konsumvereine in diesem Bestreben durch Namhaftmachung solcher Firmen zu unter- stützen. 3. Von der Gelverkschafts- und Genossenschaftspresse wird er- wartet, daß sie die Mitgliederkrcise und das Publikum über die Schäden de? freien Wettbewerbes der Strafanstaltsarbeit aufklärt. Die gewerkschaftlich organisierte Arbeiterschaft und die Mit- glieder der Konsumvereine werden in ihrem eigenen Interesse drin- gend ersucht, bei allen Einkäufen, wo es auch sei, Strafanstalts- erzeugnisse stets zurückzuweisen." B, Anerkennung der Gewerkschaften und deren mit Unternehmer- organisationen vereinbarten Tarifen. „Der Vorstand des Zentralverbandes deutscher Konsumvereine verpflichtet sich, den Konsunwereinen zu empfehlen, daß bei Liefe- Augenrollend, wellenmähnig, Der bekannte Löwenkönig, Oft auch Mohrenfürst genannt. War an zwanzig Jahr' verbannt. Die knappe Schilderung freilich, die er von der Entstehung seiner Lyrik macht, scheint nicht ganz verbürglich. Er stellt nämlich die Sache folgendermaßen dar:„Ich sage: Assahl spucke in die Hände, und ein Gedicht ist fertig!" Selbstironie klingt auS dem Wrief, den er zwei Duzfreunden(Herrn Boelling und Eichncann) im reinsten GeschüftSstil schickte:„Wären Sie nicht geneigt, uns einige Partiechen Rhein, und Moselwein, Kardinalessenz usw. in Konsignation zugehen lassen? Der mit Sicherheit zu erwartende günstige Ablauf der Auktion stellt bedeutende Heiterkeit und daraus hervorgehenden namhaften Konsum in Aussicht. Mit bekannter sreundschaftlicher Hochachtung..."— Freiligrath mußte seine wertvolle Zeit auf dem dreibeinigen Kontorstuhl in der Zahlen- wüste deS Geschäftslebens verbringen. Köstlich ist, wie er den Antritt eines Postens meldet.„Ende Juli trete ich ein. Ueber die bei meinem Eintritt stattfindenden Festlichkeiten wich. Du später in den Zeitungen lesen. Es wird schon jetzt allerlei ge- munkelt. Die Eisenbahn wird— wie es heißt— ihre sämtlichen Bahnhöfe ztvischen Hackney und Fenchurchstreet(wie auch nicht minder die Lokomotiven usw.) feierlich bekränzen; beim Aussteigen in der Stadt werde ich vom Lord Mahor und sämtlichen Aldermen solenne empfangen; sodann Prozession zum Kontor; Uebergabe meines(selbstredend auch bekränzten) Pultes und Schreibstuhls; Tanz auf Bury Court; grandioses Diner in London Tavana, wo- bei der alte Huth präsidiert; Ball, den ich mit der Königin zu er- offnen geruhen werde..„Mein Prinzipal," erzählte Freilig- rrath manchmal,„meint, ich zeige kein Interesse am Geschäft, wenn ich nicht bei jedem 2x2=4 einen Sprung über Tisch und Bänke mache." Als er später die Stelle verließ, nannte er dieses Er- «igniS zart den„Austritt aus der Synagoge". Am fröhlichsten wurde dem Dichter im Kinderkreise zumute. Seine kleine Garde durfte ihn mitten in seinem Schaffen um- Irähen und umbalgen, je ärger, desto lieber. Mit den Kleinen philosophierte er zu Tische, und sie benutzten ihn als braven Turn- Apparat, so daß sein Bart bisweilen„wimmerte". Einen Blick in seine Stube und in sein Herz gönnt die Briefftelle:„Otto tramanzelt um meine Füße herum, Käthe betelt um den Grimm, eind Wolf will die Bilder zum gestiefelten.Kater. Luischen aber steht neben mir und küßt meine Lenden." Nicht anders war Frei- ligrath, der Großvater. Seinen Enkelkindern sandte er immer wieder Bilder und Gedichte. EinS, ein Geburtstagsgedicht, sei hierhergesetzt: �. ,5 Lieber Hermann! Im Garten singt da« MeiSlein. ES töpft auf. Zweig usd Akislein. Und hier kommen die sieben Geißlein Mit Schwänzlein über den Steißlein. Die tirilieren Und jubilieren Und randalieren Und gratulieren Und richten einen großen Lärm an Und rufen: Vivat Hermann! Vivat Hermann immerdar, Jetzt und viele, viele Jahr, Immer frisch und wohlgemut, Immer wacker, immer gut. Immer fleißig— mäh, mäh, mäh!--- Ueber seinem ABC. Ueber Bild und über Schrift Mit dem edlen Schieferstift l Aber mutig auch und keck Hoch zu Roß und hoch am Reck! Ja, mutig! Einer, dem'S nicht graut, Wenn der Wolf durch's Fenster schaut! Ein braver Knab'. ein tücht'ger Mann, Der Seinen Glück— und so fortan! BiS dereinst— Piep, sagt das Meislein; Mäh, mäh! sagen die Geißlein;— Er dasitzt als ein eisgraues Greislein. So eins, lieber Junge, wie Dein Dich liebender und mit Meislein und Geißlein Dir vom Herzen glückwünschender Großpapa. Wäre Freiligrath nicht mit diesem Frohsinn begnadet gewesen, er wäre nicht so aufrecht und kühn geblieben unter der Wucht der Bitternisse, die ihm das Leben zu tragen gab. Aber er war heiter.„Es ist ein trostloser Zustand," schreibt er 1340,„wenn man keine Tränen hat für sein Leid— ich habe eine solche Zeit gehabt I Aber noch schlimmer denk ich'S mir, wenn einem daS Lachen ausgeht." Und 1870 schreibt er nochmals:„Wir wollen das Lachen nicht verlernen." Wenige Tage noch vor seinem Tode sagte er mit der ganzen Anschaulichkeit seiner Frohnatur:„Ich stehe wie ein Student aus der Mensur, und mein Gegner ist der Tod." Am Ende ist Freiligrath der Sieger geworden, denn er lebt heute noch in uns und wird weiter wirken als der fröhliche Kämpe, der er war. Sein Trotz und seine Heiterkeit gehörten zu- sommen. DaS hohe Rebellentum schöpft seine Kraft nicht aus dem Mitleid und nicht aus der Rachlust. ßS ist nichts anderes als der Ausdruck gehemmter Welffreudigheit.— . Qolei 8aiti2Q(& Kleines feirilleton* Eine nene Minenlampe ist auf der Abteilung für angewandte Chemie auf der Brüsseler Weltausstellung zu sehen. Sie ist ein eng- lischeS Fabrikat, von dem man sich außerordentlich viel verspricht. Bekanntlich besteht die einzige Möglichkeit der Verhütung von unter- irdischen Explosionen, den sogenannten schlagenden Wettern, in!der Erkennung von noch so geringen Mengen der leicht entzündlichen Grubengase. DaS neue Verfahren besteht darin, daß neben dem Docht der Minenlampe ein nicht verbrennbarer Stist angebracht ist, der schon beim Vorhandensein von 6 Proz. gefährlicher Gase leicht zu glühen anfängt und dem Mnenarbeiter ein absolut sicheres Warnungssignal gibt. Hoffentlich bewährt sich die Erfindung, die allerdings nicht allein hinreicht, daS Leben der Bergarbeiter zu sichern. Dazu ist in erster Reihe eine vollständige Reorganisation der ganzen Bergwerksbetriebe nötig. Röntgenstrahlen und Perlenfischerei. Die'Perlenfischerei im Roten Meer, dem Golf von Persien und der Meerenge von Manaar (Indien) hat eine vollständige Umwälzung erfahren. Der alte Vor» gang bei der Perlenfischerei ist ja bekannt; Taucher, die höchstens ein bis anderthalb Minuten unter Wasser bleiben konnten, rissen in der Hast so viel wie möglich von den Schalentieren von den Bänken hinweg, auf denen sie am Meeresboden wachsen. Unter der Beute befand sich jedesmal eine sehr große Anzahl Muscheln, die entweder noch gar keine Perlen oder Perlen in geringer EntWickelung enthielten. Nach dem neuesten Verfahren werden die Muscheln von berufsmäßigen, mit Taucheranzügen versehenen Perlenfischern sorgfältig in schmalen langen Kästen gesammelt, die so eingerichtet find, daß sie unter einem Röntgenapparat hindurch passieren können, sobald sie einmal ans Tageslicht gebracht werden. Die Schale ist in einem Grade durch- leuchtbar, daß jede inwendig vorhandene Perle ganz genau nach ihrer Größe erkannt wird. Ist sie nicht groß genug, so wird sie wieder ins Meer versenkt und erst heraufgeholt, wenn sie bis zur gewünschten Größe gewachsen ist. Auf diese Weise wird der un« geheuren Verwüstung der Perlenbänke Einhalt geboten. Theater. Kammerspiele. Sommergastspieldirektion Geher: „L i e b e s w a l z e r", Schauspiel von Henry Bataille.— Im ersten Teil des Stückes gab es zerstreute Ansätze, die auf die Absicht einer ernsthafteren psychologffchcn Problemstellung zu deute» schienen. Ein Aristokratenftäulcin, die etwas besseres als die her, gebrachte Standesehe ersehnt, hat sich mit überschäumendem Jdeali» sierungstrieb in ihren jungen Musiklehrer verliebt. IleberBrüsfig der platten, leeren Eleganz ihrer Umgebung, erblickt sie in dem gut, htrzig emfgchLh kjMjch UlWÄfLMl LlüIÄVK der gWä in feioso «vlsevschaste» Mch SefonSetS zv SirMchkeN. mW diesem Verbände ortliche Vertrage abzuschließen, habe das Tarifamt nicht ent. sprechen können, da dies schon durch die Mainzer Resolution ae- schehen sei. Eine Debatte schließt sich an diesen Bericht nicht. Die Ausscheidenden Mitglieder des Tarifamtes werden wiedergewählt. Den Bericht des Ausschusses erstattet v. Elm- Hamburg. Differenzen irgendwelcher Art mit dem Vorstand seien nicht vorhanden. Der Ausschuh sei mit der Tätigkeit des Bor- standes voll einverstanden. „„�Die Kassenabrechnung deS Zentralberbands, die mit 76 911,05 M. in Einnahmen und Ausgaben balanziert, wird als richtig anerkannt und der Voranschlag für 1911 genehmigt. DaS turnusmäßig ausscheidende Vorstandsmitglied Lorenz. Hamburg wird wiedergewählt, desgleichen die turnusmäßig aus- scheidenden Ausschußmitglieder Prof. S t a u d i n g er. Darm- stadt, v. Elm- Hamburg und P r o b b i g- Zwickau. Damit waren die Arbeiten des Genossenschaftstages beendet. Der nächstjährige Genossenschaftstag findet in L er pz,g statt. Frau von Schönedeck vor den Geschworenen. Am gestrigen, neunten VerhandlungStag wurde wiederholt die Oeffentlichkeit während der Besprechung geschlechtlicher Verhält- nisse ausgeschlossen. Zum Schluß der Verhandlung machte der als Entlastungszeuge geladene Major Tubschewski die Angeklagte be- lastende Aussagen. Die Verhandlung mußte wegen Unwohlsein der Angeklagten vertagt werden. Eingehend wurde das Stubenmädchen Lukat und die Wirt- schafterin Eue vernommen. Beide Zeuginnnen bekunden, die An- geklagte hat sich viel um die Wirtschaft gekümmert, auch wenn die Köchin fortgegangen war. selbständig gekocht. Auch mit den Kindern beschäftigte sie sich viel. Meist war sie recht freundlich, aber wechselte in ihren Stimmungen. Sie war häufig krank und litt sehr an Kopfschmerzen. Krampfanfälle haben die Zeuginnen nicht beobachtet. Vorgelegt wurden ein Paar Strümpfe, die die Nummer 11 tragen, aus denen aber die weitere Zeichnung heraus- geschnitten ist. Es sollen das die Strümpfe sein, die nach Angabe von Göbens die Angeklagte ihm gegeben habe, um die Spur der Hunde abzulenken. Die Zeuginnen sind nicht in der Lage anzu- geben, ob das Paar Strümpfe des erschossenen Majors waren. Der Hund Hirschmann habe oben oft auch im Schlafzimmer der An- geklagten geschlafen. Der Zeugin Lukat sind Herrenbesuche nicht aufgefallen. Die Zeugin Eue weiß, daß Herren öfters von der An- geklagten empfangen wurden. Sie hatte angenommen, die An- geklagte habe eine leichte Art im Verkehr mit Herren. Die Grenze desZulässigen, habe sie aber angenommen, werde nicht überschritten. Im Verkehr mit von Gäben sei sie zuerst als Deckadresse, später als Zuträgerin benutzt. Daß Nachts Herren das Schlafzimmer der Angeklagten teilten, wußte auch diese Zugin nicht. Trink- gelder hat sie von Göben oder der Angeklagten nicht erhalten. Als am 14. Dezember die Angeklagte nach Königsberg fuhr, hatte sie der Zeugin aufgetragen, Briefe an sie unter der Adresse„Haupt- mann von Gäben, Königsberg, Hotel Continental" zu senden. Gegen die Vereidigung des Fräulein Eue erhebt der Staats- anwalt Widerspruch, da sie im Verdacht der Begünstigung stehe. Justizrat Sello wendet sich mit Entschiedenheit gegen diese An» nähme. Das Gericht tritt ihm bei und vereidigte auch die Zeugin Eue. Apothekenbesitzer DouS(Allenstein) bekundet: von Göben hat mir erzählt, sein Bruder brauche Arsenik zur Vernichtung von Fischen und Raubzeug und hat sich wiederholt auf Grund eines polizeilichen Erlaubnisscheines Arseniklösungen anferftgen lassen. Die tötliche Dosis Arsenik beträgt 0,1 Gramm. Von Göben erhielt 50 Gramm, ein Quantum hinreichend, 4— 500 Menschen zu töten. Daß man einem Mann eine erhebliche Menge der Arsenik halten- den Lösung in den Kaffee beimischen könne, ohne daß er es merkt, halte ich für ausgeschlossen. Schlossermeister Rinuth weiß nichts davon, daß die Angeklagte außer den Briefen eine Mappe, in der sich das Testament befand, aus dem Schreibtisch herausgenommen habe. Friseur Sikorski bekundet, daß von Göben bei ihm am 24. Dezember um 4 Uhr nachmittags die MaSke gekauft habe. Bei dem Hauptmann Schwind hat sich kurz vor Weihnachten von Göben über die nächste Reife- route nach Schweden und Norwegen orientiert. Die Verteidigung hebt hervor, daß beide Länder wegen Mordes ausliefern, und gegen die Ableitung einer Fluchtabsicht auf Erkundigung auch der Um. stand spreche, daß dann ein Zeuge dagewesen wäre, der von der Reise gewußt hätte. Nächster Zeuge ist der jetzige Kaiserk. Ottomanische Oberst« leutnant Tupschewski aus Adrianopel, der lange Jahre Äbteilungs- kommandeur des Hauptmanns von Göben war.— Vors.: Was haben Sie fiir Ansichten über Hauptmann von Göben in Person- licher und dienstlicher Beziehung?— Zeuge: Hauptmann v. Göben waripersönlicheinihochanständiger, vornehmer Charakter, dem ich nichts Äünstlerträumen lebt, ein Wesen neuer, höherer Art. Seine lei» tungsbedürftige Weltfremdheit vermehrt nur noch den Reiz, ruft mit dem Enthusiasmus der Bewunderung zugleich die in ihr schlum- mernden Instinkte mütterlicher Fürsorglichkeit wach. Sie sagt sich von den Eltern loS und begleitet den Erwählten nach Paris. Die Perspektive auf ein bewegte? Seelendrama: auf eine Des- illusionisrung im täglichen Zusammenleben und ein verzweifeltes Ankämpfen des Mädchens gegen die trostlos graue Ernüchterung deS Gefühls tut sich auf. Ein Dichter, etwa von den Qualitäten Sven Langes in den„stillen Stuben", hätte der Situation eine Fülle sich steigernder, in gedämpfte Tragik ausklingender Züge abgewinnen können. Indes Bataille lenkt von den Bahnen innerer Entwickelung nach ein paar tastenden Versuchen eiligst wieder ins bewährte Schema traditioneller Bühnenmache ein. Sein Musikus, als sei eS an dessen sonstigen Mängeln nicht genug, muß obendrein den abgeschmackten Theaterstreich begehen, seinem neuen Gönner und Chef aus kindlichem Gemüte zweihundert Franks zu stehlen, um der Geliebten ein Klavier dafür zu mieten— und der Chef, ein Dutzend-Don Juan, wird als der Störenfried des Bundes her. beizitiert. Ein bequemes und erprobtes Mittel, für dessen Verwen- dung der Hausrat effektvoller Drapierung, wie man ihn noch immer in Paris beliebt, billigst zu Gebote steht.Das schwärmerisch« Fräulein findet in dem unverschämten Antrag des Herrn, der über- dies der Gatte ihrer besten Freundin ist. an sich nichts Empörendes,- nur einen Irrtum in der Adresse, worüber sie als Weltdame ihm einen ironisch pointierten Vortrag hält. Er bittet um Verzeihung und verliebt sich dann nur um so stürmischer. Im dritten Akt ein neues wildes Liebeswcrben und Widerstand der innerlich bereits besiegten Nelly, im vierten Akt dasselbe da capo. Ncllh hält Reden, wie entsetzlich eS ist, wenn man die erste Liebe, die man ewig glaubte, im Herzen sterben fühlt, läßt ihren Musikus den Liebes- Walzer spielen und schießt sich mittlerweile im Nebenzimmer tot. Ellen N e u st ä d t e r gab in der Rolle Proben ihres bei be- grenztem Umfange großen Könnens. Die Zärtlichkeit, der mütter- liche Stolz auf ihren Liebling, das schmerzliche Ringen mit der Leidenschaft kam warm und aus der Tiefe quellend in klangvoller Sprache zum Ausdruck. Paul Otto gelang es, der blassen 3 und 8 Uhr zur Vernehmung Göbens. Vors.: Sie sprechen immer vom 30. Dezember. Aber am 30. Dezember hat doch noch eine Vernehmung Göbens stattge- funden. Zeuge: Es ist bestimmt am 30. Dezember gewesen. Herr Wannowski sagte zu mir noch: Da erzählen Sie mir nichts neues. Maske und Geld haben lvir schon gefunden. Es hatte eine Haus- suchung in der Göbenschen Wohnung stattgefunden und da hatte Kriminalkommissar Wannowski unabhängig von den Göbenschen Angaben die Sachen gefunden. Er erzählte mir noch, daß das Geld unter der Treppe gelegen habe. Diese Sache stehe fest, es iei nicht daran zu rütteln. Bors.: Nun kommt die Vernehmung vom 31. De- zember morgens. Zeuge: Ich holte am Morgen Kriegsgerichtsrat Konradi im Schlitten ab. Wir fuhren dann nach dem Hotel Krön- prinz, um Kriminalkommissar Wannowski abzuholen. ES war verabredet, daß Kriminalkommissar Wannowski die Vernehmung vornehmen sollte. Wannowski nahm nicht direkt eine Vernehmung Göbens bor, sondern es war mehr ein Zwiegespräch zwischen den beiden. Er knüpft- an das an, was mir Göben am Tage vorher gesagt hatte. Kriminalkommissar Wannowski: Wollen Sie nicht gestehen? Zuerst wollte Göben nichts sagen. Nach längerem Hin und Her sagte er: Ich kann nicht sprechen, wenn nicht vorher Iran von Schönebeck gesprochen hat. Nun redete Wannowski auf ihn ein und sagte: Die Sache hat sich so und so abgespielt. Sie sind über den Zaun geklettert, haben das kleine Fenster aufgestoßen und sind hineingeklettert. Auf eine Zwischenfrage, ob� er vorher den Bindfaden abgeschnitten habe, erwiderte Gäben: Nein, das habe ich schon am Nachmittag getan. Kriminalkommissar Wannowski� fuhr dann fort: Und dann sind Sie eingestiegen? Jawohl, erwiderte Göben. Wannowski sagte weiter: Und dann ist Ihnen Major vo» Schönebeck entgegen getreten und da haben Sie ihn erschossen! Nein, antwortete Göben, der Major muß schon das Licht aufgedreht habe», als ich einstieg oder als ich das Zimmer betreten wollte. Kriminal- kommissar Wannowski sagte dann weiter: Und da haben Sie die Pistole erhoben und haben ihn niedergeschossen? Göben erwiderte darauf: Nein, das würde ja Meuchelmord sein. W'e hätte ich als Offizier ihn so einfach niederschießen können! Als ich eintrat, so fuhr Gäben fort, kam mir der Major schon entgegen. Ich wollte noch rufen, Herr Major, Herr Major, aber in demselben Augenblick hob er die Pistole, schlug an und da schoß ich ihn tot. Das war für mich von Interesse, weil damit Göben zwar nicht schuldlos wurde, aber weil ihn dos in meinen Augen in gewisser Beziehung ent« lastete. Ob er gesagt hat, daß Major von Schönebeck versucht habe. abzudrücken, oder ob er nur angeschlagen habe, weiß ich nicht. Aber wesentlich war mir, daß er erst im nächsten Moment abgeschossen hat. Göben wurde dann dort gefragt, wie er hinausgegangen sei; er antwortete, daß er die Haustür von innen aufgeschlossen und hinter sich zugeschlagen habe. Vors.: Wurde ihm nicht vorgehalten, daß Frau von Schönebeck das Verhältnis zu ihm schon eingestanden habe? Zeuge: Ich glaube nein. Vors.: Kriminalkommissar Wan- nowski hat doch aber seine Vernehmung mit dem Hinweis darauf begonnen. Zeuge: Ja. das kann sein, es ist mir auch so, als ob Kriminalkommissar Wannowski gesagt hat: Das Verhältnis mit Frau von Schönebeck ist mir bekannt. Die ganze Verhandlung war so dramatisch, daß mir alle Aussagen Göbens im Gedächtnis■ blieben. Gäben war sehr aufgeregt, er ging hin und her und bat mich auch, ihm zu erlauben, sich eine Zigarette anzuzünden. Er tat einige Züge und warf sie dann weg. Am Schluß sagte er: Ich bin schuldig, Frau von Schönebeck ist unschuldig. Bitte lassen Sie die Frau ganz aus dem Spiel. Vors.: Er hat also alles auf sich genommen? Zeuge: Ja..r-» Inzwischen hat die Angeklagte mehrmals nach Wasser derlangt. Sie faßt sich krampfhaft ans Herz, ist leichenblaß geworden und sagt: Mir wird so schlecht. Der Vorsitzende läßt eine Pause von 10 Minuten eintreten. Die Angeklagte wankt beim Hinausgehen und mutz von ihrem Ehemann und dem Verteidiger R.-A. Bahn mehr getragen als hinausgeführt werden. Als die Verhandlung wieder aufgenommen werden soll, erklärt die Verteidigung, d,e An- geklagte sei vollständig erschöpft und außerstande, der Verhandlung weiter zu folgen..„„- �» r_-t Die Sitzung wurde darauf aufgehoben und auf heute früh achteinhalb Uhr vertagt._ 11. Generalversammlung des Deutschen Kuchbindtt' verbnudes. Erfurt. 14. Juni 1910. Der zweite VerhandlungStag brachte zunächst die Referate über„Beitrags- und Unterstützung?- fragen" und„Jugendorganisation". Ueber ersteren Punkt spricht Haueisen-Berlin. Er führt auS, daß man heute überblicken könne, welche Wirkungen die Nürnberger Beschlüsse betreffs Ein- führung der Staffelbeiträge und Aenderung der Unterstützungs- einrichtungen gehabt haben. Es hat sich herausgestellt, daß besonders die Beiträge der weiblichen Mitglieder fast ganz«n Form von Unterstützungen wieder zurückgezahlt werden; da? sei aber keine gesunde Finanzgebarung. Mindestens 25— 83 Proz. der Beitrage seien notwendig, um Reserven für den KampfcsfondS zu sammeln. Wie sich das Ergebnis der Untersttitzung aus den einzelnen Wer« trag berechnet stellt, zeigt folgende Aufstellung:_ Davon wurden verausgabt: SS Beitrag pro Pf. für Unter- stützungen Pf. für örtliche Aus. gaben IS Proz. Pf. Agt- tation, Ver. waltung usw. Pf. Ver. bands- organ Pf. Summa Pf. ES bleiben von 1 Beitrag mehr Pf. weniger Pf- 20 30 30 50 60 S.4 18,9 9.0 17,8 28,9 8.0 4.5 4,5 7.5 9,0 5.1 5.1 5.1 5.1 5.1 2.9 2,9 2,9 2,9 2.9 19*4 81,4 21,6 83,3 45,9 Och 8,5 16,7 14,1 M I Die 1. Klasse bringt für die Reserven der Organisation also nur noch einen Ueberschuß von 0,6 Pf. pro Beitrag, während die 2. Klasse für weibliche Mitglieder sogar einen Zuschuß von 1,4 Pf. pro Beitrag benötigt. Die 3. Klasse bringt einen Ueberschuß von 16,7 Pf. und die 4. einen solchen von nur 14,1 Pf. pro Beitrag. Wenn wir die Berechnung, so wie sie in der zuletzt gezeigten Uebersicht gemacht ist, auf Berlin allein ausdehnen, so ergibt sich, daß für jeden Beitrag, der dort in der 1. Klasse geleistet wurde, ein Zuschuß von 2,4 Pf. und für jeden Beitrag, der in der 2. Klasse von den weiblichen Mitgliedern geleistet wurde, gar 7,1 Pf. Zuschuß benötigt wurden. In der 3. Klasse blieb von jedem Beitrag ein Ueberschuß von 18,3 Pf. und in der 4. Klasse gar nur ein solcher von 4,3 Pf. DaS Endergebnis für die Berechnung für Berlin ist. daß einer Einnahme an Beiträgen von insgesamt 123 233 Mk. eine Ausgabe für Unterstützungen aller Art, an Ver» waltungskosten und für das VerbandSorgan von 126 242 M. gegen- überstehen, somit ein Zuschuß aus den Mitteln der Allgemeinheit von über 3000 M. notwendig war. Dabei sind in den Ausgaben nur 1853 M. für Streiks und Lohnbewegungen enthalten. Da die Zahlstelle Berlin etwas über 26 Proz. der Mitglieder in sich schließt, ist feststehend, daß der finanzielle Unterbau unserer Orga« nisation einer Besserung absolut bedarf. Bereits auf dem Nürnberger Verbandstage wurde befürchtet, daß die Unterstützungssätze im Verhältnis zu>dcn Beiträgen zu hoch seien. Diese Befürchtung ist eingetroffen. Nun gilt es. Mittel und Wege zu finden, um das Gleichgewicht wieder her, zustellen. Der Vorstand schlägt deshalb eine winzige Beitragserhöhung in der 2. Klasse der weiblichen Mitglieder vor; der Beitrag soll von 30 auf 35 Pf. erhöht werden. Ferner soll die letzte Beitragsklasse von 60 auf 80 Pf. gesteigert werden, dach sind in diesem Beitrag bereits 1b Pf. für die obligatorische Einführung einer Invaliden, Versicherung mit verrechnet. Redner betont, daß die Jnvnlibenvcrsichcrnng stets der Wunsch bieler Verbandskollegen gewesen sei. Bereits im Jahre 1874 brachte man auf einer Tagung in Frankfurt derartige Anträge ein. Diese führten dazu, daß eine fakultative Invaliden« Versicherung entstand, aber bald wieder zu Grabe getragen werden mußte, weil die finanzielle Unterlage dafür fehlte.— Auf der Berliner Tagung im Jahre 1900 wurde der Sache wieder erwähnt und auch der Dresdener Vcrbandstag beschäftigte sich mit dieser trage; doch hielt man die Einführung der Arbeits-losen- und rankenunter st ützung zunächst für wichtiger. Im Jähre 1907 fand dann eine Urabstimmung dieses neuen Unterstützungs- zweiges statt. Das Resultat war, daß 3764 männliche Mitglieder sich für die Einführung erklärten, während außer den weiblichen Mitgliedern 3671 männliche Mitglieder sich ablehnend dagegen ver« hielten. Die Frage, ob der Beittag wegen dieser Einrichtung erhöht werden solle, wurde mit 8S6S gegen 3663 Stimmen bejaht. Auf dem Nürnberger Verbandstage wurde die Invalidenversicherung fakultativ eingeführt und haben sich bisher 1866 männliche Mitglieder angeschlossen. Es ist bereits ein Fonds von 31 660 M. angesammelt.— Durch rechnerische Ausführungen beweist Redner, daß mit einem Beitrag von 15 Pf. sehr Wohl eine solche Einrichtung zu schaffen ist.— Um die Finanzgebarung i des Verbandes zu heben, schlägt der Vorstand die Erhebung eines Pflichtbeitrages von 5 respektive 16 Pf. für die Empfänger der Arbeitslosen» und Krankenunter- stützung vor; selbige waren bisher während der Dauer der Unterstützung beitragsfrei. Weiter empfiehlt Redner strenge Jnne- Haltung der Karenzzeit (13 Wochen Mitglied) bei Bezug der Streikunterstützung. Von der gezahlten Streikunterstützung während der letzten Ge- schäftsperiode sind 38,7 Proz. an 44,2 Proz. der Streikenden ge- zahlt worden, die noch nicht 13 Wochen Mitglied waren.— Hohe Unter st ützungsausgaben erwachsen dem Verbände durch die weiblichen Mitglieder. Redner schildert, wie sich unter diesen ein gewisses Schmarotzertum gebildet hat, das den Verband als melkende Kuh betrachtet und die Unterstützungseinrichtungen bei jeder Gelegenheit benutzt. Um sich davor zu schützen, schlägt der Vorstand eine Aenderung des§ 7 des Statuts vor. Der Para- graph gestattet den weiblichen Mitgliedern, die ihre Tätigkeit ändern, die Abmeldung aus dem Verbände auf zwei Jahre, ohne daß ihre Rechte deshalb ruhen. Es soll nunmehr eine Karenzzeit für den Bezug der Unterstützungen eingeführt werden. Nach den Vorschlägen des Vorstandes werden durch die Er» höhung der Beiträge zirka 35 666 M. gewonnen, die den Reserven für Kampfeszwecke zugute kommen. Ueber die Jugendorganisation referierte das Vorstandsmitglied Härder- Berlin. Im Verband hat man sich längere Zeit mit der Frage beschäftigt, ob man eigene Bestrebungen fördern oder ob man die Lehrlinge und Jugendlichen des Berufs der allgemeinen Jugendbewegung zuführen solle. Der Vorstand habe die Jugendbewegung anderer Verbände verfolgt und sei zu dem Resultat gekommen, daß die Lehrlinge und jugendlichen Arbeiter ihres Berufes Gruppen in der allgemeinen Jugendbewegung bilden sollen. Der Extrakt seiner Ausführungen ist in einer längeren Resolution zusammen. gefaßt, in der ausgesprochen wird, daß die Förderung der Jugend- bcwegung bezw. die Aufklärung der Lehrlinge und jugendlichen Arbeiter über die Bestrebungen der Organisation sowie die Heran- ziehung derselben zur Organisation als eine der nächstliegenden Aufgaben zu betrachten ist. Um dieses zu erreichen, sollen Vor- träge, insbesondere über fachtechnische Angelegenheiten und über Zwecke und Ziele der gewerkschaftlichen Organisation gehalten wer- den. Wo es den Zahlstellen möglich ist, fachgewerbliche Unter- richtSkurse zu veranstalten, ist den Lehrlingen die Teilnahme an denselben zu ermöglichen, wie überhaupt der fachtechnischen Be- lehrung weitgehendste Aufmerksamkeit zu widmen. Die Teilnahme an den Veranstaltungen soll für Lehrlinge und jugendlichen Ar- beiter in der Regel unentgeltlich sein und ist der Verbandsvorstand ermächtigt, sofern örtliche Mittel nicht ausreichen, den Zahlstellen für die gedachten Zwecke Zuschüsse zu gewähren. Nach Beendigung der Lehrzeit, bei jugendlichen Arbeitern nach Vollendung deS 16. Lebensjahres, hat der Uebertritt in die dann in Betracht kommende Beitragsklasse deS Verbandes zu erfolgen. Von einer Spezialdebatte wird Abstand genommen, da eine Kommission über die ganze Angelegenheit beraten soll. Die Ge- neraldebatte gestaltet sich lebhast und wird sich fast ohne Aus- nähme für die Jugendbewegung aussprechen; dagegen ist die Meinung über die Invalidenversicherung sehr geteilt. Hieran trägt wohl der erste Teil der Rede HauefsenS die Schuld, wie von einem Delegierten behauptet wurde. Darin sei der Nachweis ge- bracht, daß der Verband durch die Nürnberger Beschlüsse viel zu sehr belastet sei, und der zweite Teil brachte den Nachweis, daß man ungeheuer viel Arbeit und Geschick aufwenden müsse, um die Wirkungen der in Nürnberg allzu hastig gefaßten Beschlüsse einiger. maßen wieder auszugleichen.... Man soll nicht eine neue Unter- stützung einführen in einem Augenblick, wo man in bezug auf die arideren Unterstützungen nicht mehr aus noch ein weiß und zu Kürzungen der verschiedensten Art schreiten muß.— Viel mehr als mit der Jnbalidenunterstützung wären die Mitglieder mit dem Kampf für die Verkürzung der Arbeitszeit und die Er- h ö h u n g der Löhne zu begeistern. S i l l i e r, Vertreter der Lithographen, betont, daß der Litho- graphenverband«ine besondere Sektion für die Jugendlichen ein- gerichtet hat. Die Arbeitgeber in Frankfurt gingen dazu über, die Jugendlichen bei der gelben Organisation anzumelden und die Bei- träge für sie zu zahlen. Der Verband hat gute Erfahrungen mit seiner Jugendorganisation gemacht. Die Erziehung zum Klassen- bewußtsein wird auch nicht vernachlässigt, soweit eme Erziehung nach dieser Richtung den Jugendlichen dienlich ist.— Im weiteren bezeichnet er die Invalidenversicherung als den Kitt für die Orga- nisation. Die Mitglieder hängen dadurch an ihrem Verband und werden weder fahnenflüchtig noch Streikbrecher, weil sie dadurch das Anrecht auf ihre Unterstützung verlieren würden. Die Mehrzahl der Berliner Delegierten ist Gegner der In- validenversicherung, die Minderheit verlangt Urabstimmung dar- DeS weiteren wird für Erhöhung der Beiträge um 5 Pf. plä- diert, doch soll an den Unterstützungseinrichtungen nichts geändert werden. Die Sitzung wird auf Mittwoch vertagt. Eue der Partei. Ein Siebzigjähriger. Am Ib. Juni feierte zu Stuttgart Genosse Leonhard Tauscher seinen 76. Geburtstag. Auf mehr als 46 Jahre Tätig- keit für die Arbeiterbewegung steht er zurück, schon an der Wiege der Partei, insbesondere der Arbeiterbewegung in Bayern hat er gestanden. Seit dem Jahre 1867 hat er in der Oefientlichkeit für die proletarische Sache gekämpft, in Augsburg verdiente sich der junge Schriftsetzer die Sporen. Gar bald traf ihn die Maßregelung; schmalen Ersatz für- die bisherige Arbeit bot der Posten des Präsidenten der Gewerkschaft der Manufakturarbeiter, der mit fünf Taler wöchentlich entlohnt wurde. Noch im Jahre 1868 wurde der schnell bekannt gewordene Agitator aus Landshut. wohin ihn eine Reise für die Partei führte, für 6 Monate auf Grund des Vagabundengesetzes ausgewiesen. 1376 erlitt er seine erste kleine Freiheitsstrafe. Nach seiner Entlassung begann für ihn eine harte Zeit— er war lange Zeit stellenlos, und die Bewegung litt schwer unter dem nationalen Taumel. Aber schließlich wurde die Krise überwunden. Anfang 1875 wurde in Augsburg eine eigene Druckerei zur Heraus- gäbe des dreimal wöchentlich erscheinenden„Voltswillen" gegründet, Tauscher übernahm die Geschäftsleitung, aber bald mußte er auch die Redaktion und andere Funktionen übernehmen— er war eine Zeitlang Faktor, Redakteur, Setzer und Maschinenmeister in einer Person. Er hielt stand und brachte das Pacteigeschäft in die Höhe. Knapp war diese Stufe erreicht, da zertrümmerte das Sozialistengesetz alles mühsam Errungene. Nachdem Tauscher 4 Monate Gefängnis abgesessen. die er sich als Preßsünder zugezogen, konnte er die Druckerei zwar noch bis Ende 187S halten, dann aber war'S aus. Tauscher mußte sein Bündel schnüren. Er übernahm die Leitung der Genossenschaftsdruckerei Höttingen-Ziirtch, in der der„Sozialdemokrat" gedruckt wurde. Als 1883 da» Blatt der deutschen Sozialdemokratie in der„freien" Schweiz unmöglich gemacht wurde durch die Ausweisung Bernsteins, Fischers, Mottelers und Tauschers. ging eS nach London. wo die Arbeit mit alter Kraft fortgesetzt wurde. Nach dem Ablauf des Ausnahmegesetzes kehrte Tauscher nach Deutsch- land zurück und trat als Korrektor in die Dietzsche Buchdruckeret zu Stuttgart ein. Die Berliner Staatsanwaltschaft glaubte an ihm einen guten Fang zu tun und ließ ihn in Unter- tuchungshast nehmen, mußte ihn aber bald wieder freigeben. Von 1833 bis 1962 führte Genosse Tauscher dann die Redaktton der „Schwäbischen Tagwacht". Doch bei dem Wachstum der Pattei und dem Bestreben, das Parteiorgan immer vielseitiger auszugestalten. schien ihm die Redattionsarbeit neben der Ausübung eines LandtagSmandatS, das ihm 1366 übertragen wurde, über dre Kraft zu gehen. So trat er ans Kvrrektorpult zurück. Während seiner Redakteurtättgkeit hatte er drei Monate Ge- fängnis wegen angeblicher Gotteslästerung zu verbüßen. Auf ein Leben voll Arbeit und Opfer, voll pflichtgetreuen Wirkens kann der Siebzigjährige zurückblicken. Möge seine Kraft der Partei noch lange erhalten bleiben. Die I. L. P. und die Internationale. London, 16. Juni. Die Unabhängige Arbeiterpartei(Inclopöncksut Dabour Lart? I. D.?.) hat soeben ihren Bericht an den Internationalen Sozia- listischen Kongreß in Kopenhagen herausgegeben. Danach hat sich die Mitgliederzahl dieser sozialistischen Organisation seit dem Stuttgarter Kongreß von 35 666 auf 66 666 erhöht, die Zahl der Ortsgruppen ist von 666 auf 966 gesttegen. Die Partei hat 6 direkte Vertreter im Unterhause, die alle der Arbeiterfraktion angehören, während außer dem noch 26 andere Mitglieder der Arbeiterfraktion, die als Vertreter ihrer Gewerkschaften im Unterhause sitzen, ebenfalls Mitglieder der I. L. P. sind. Die rasche EntWickelung der Partei ist auch aus dem Finanzbericht ersichtlich; sowohl die Einnahmen wie die Ausgaben haben sich seit dem Stuttgarter Kongreß nahezu verdreifacht. In bemerken ist indessen, daß von den Einnahmen deS letzten Jahres nur der geringere Teil von regulären Mitgliederbeiträgen und der größere von besonderen Spenden herrührt— ein Anzeichen dafür, daß die Partei finanziell mehr von der Unterstützung bürgerlicher oder kleinbürgerlicher Elemente, als von den Groschen der Arbeiter abhängt. Die Partei hat im letzten Jahre auch eine eigene Druckerei und einen eigenen Partciverlag gegründet, die vielleicht die Grund. läge zur späteren Schaffung einer Tagespresse bilden werden. Mit Bezug auf den Militarismus und die internattonalen Be- Ziehungen heißt es im Bericht: Während der englisch-deutschen Kriegspanik hat die I. L. P. einig und unentwegt an der Seite des Friedens und der internationalen Solidarität gestanden. Sowohl in der Presse, wie durch ihre parlamentarischen Vertreter, namentlich durch Keir Hardie und Macdonald, hat die I. L. P. die militaristischen Alarmrufe BlatchfordS nachdrücklich zurückgewiesen� Die Sozialdemokratie Deutsch-Tirol» hielt vorletzten Sonntag ihre sehr gut besuchte Landeskonferenz in Innsbruck ab. Die Organisatton schreitet kräftig vorwärts, es be. stehen acht Bezirksorganisationen. In dem industriearmen und ver- pfafften Lande wurden im letzten Jahre 368 polittsche Versamm. lungen abgehalten. Die dreimal wöchentlich erscheinende„Volks. zeitung" hat durch die Gründung eines eigenen Parteiblattes für Vorarlberg an Abonnenten verloren. Auf dem Parteitag er- stattete der m der Bcwegung sehr tätige Kleinbauer Genosse F i l z e r ein beachtenswertes Referat über die Wirffchaft der im Lande herrschenden Christlichsozialen.— Der Berein Arbeiter heim in Innsbruck hat ein großes Anwesen erworben, wo nach den entsprechenden Umbauten alle Parteiinstitutionen, auch die zu errichtende Patteidruckerei untergebracht werden. Eine Staatsaktton. Gegen die Genossin Dessa Seelinger au» Saalfeld hat die Staatsanwaltschaft in B r e s l a u ein Verfahren wegen Auf« reizung zu Gewalttätigkeiten und MajestätS- beleidigung eingeleitet. Die staatsgefährlichen Worte sind in einem Vortrage entdeckt worden, den Genossin Seelinger un- beanstandet in anderen Versammlungen in Breslau und w der Provinz gehalten hat. Genossin Seelinger befindet sich zurzeit in einer Lungenheil- anstalt. Sie hat auf ihrer AgitattonStour ca. 806 Frauen der Organisatton zugeführt._ In die reußisch-deutsche Freiheit zurückgekehrt ist am 14. Juni Parteisekretär Genosse Heinrich Knauff in Gera. Von der Strafkammer in Colmar i. E. waren ihm 6 Monate Gefängnis zudiktiert worden, weil er sich als Referent einer Proteswersammlung der„MajestätSbeleidi- g u n g" schuldig gemacht haben sollte. Es war ihm die„Vergünsti. gung" zuteil geworden, die Strafe im Geraer LandgerichtSgefängniZ verbüßen zu dürfen. Auf diese„Vergünstigung" wird er, sollte er wieder einmal das Unglück haben, der Gerechtigkeit des Klassen- staates teilhastig zu werden, verzichten. Denn die Zustände in dem Geraer Gefängnisse sind äußerst schlechte. Das„Essen" hat er zuerst nicht genießen können, bis der wühlende Hunger ihn zwang, eS hinunterzuwürgen. S e l b st be kö st i gu ng und Selbstbefchäftigung wurden ihm verweigert. Ge- nosse Knauff wird nun neue Kräfte sammeln und dann wieder an die Arbeit gehen, den Klassenstaat zu untergraben. Von den Genossen und Genossinnen, die zahlreich erschienen waren, wurde er auf da» herzlichste begrüßt. Unsere Toten. Der Genosse Wendelin Weißheimer, der bekannte Komponist freiheitlicher Gesänge, ist am Mittwoch in Nürnberg im Alter von 72 Jahren an einem Schlaganfall plötzlich verschieden. polireiliciieo»@ericbtKches ulvp. Strafkonto der Presse. Wegen Polizcibeleidigung hatte sich Genosse Schoch von der „Niederrheinischen Arbeiterzeitung" in Duis- bürg vor dem dortigen Schöffengericht zu verantworten. Es handelte sich wieder mal um einen Schutzmann, der den Säbel gezogen und einem Arbeiter damit über den Kopf gehauen hatte. Der Geschlagene selbst hatte dem Schutzmann nicht das geringste getan, sondern war nur auf diesen losgegangen und hatte ihn ge- beten, einen angetrunkenen Bekannten, der von dem Schutzmann mit zur Wache genommen werden sollte, loszulassen, da der Mann doch betrunken sei. Der Schutzmann. Linke ist sein Name, will nun aber„bedroht" und von dem Angetrunkenen„angefaßt" worden und deshalb zum Blankziehen„berechtigt" gewesen sein. In der „Niederrheinischen Arbeiterzeitung" war dieser Vorgang unter der Spitzmarke„Immer wieder der Schutzmannssäbel" kritisch beleuchtet und dem Polizisten vorgeworfen,„ohne Grund auf oie Arbeiter mit dem Säbel eingehauen" zu haben. Die Folge war die Verurteilung des Preßsünders zu 156 Mark Geld- strafe. Der Amtsanwalt wollte gar die Ehre des Polizisten mit 3 Wochen Gefängnis repariert wissen. Die Sache ist natürlich mit dem Schöffengerichtsurteil noch nicht erledigt. Zu 166 Mark Geldstrafe wurde am Dienstag Genosse Ost- kamp von der„Essener Arbeiterzeitung" verurteilt, weil er den Geschäftsbetrieb im Bureau des ultramontanen Rechts- anwaltS Dr. Bell in Essen abfällig kritisiert hatte. Den Wahr- heitsbeweis, daß in dem betreffenden Bureau den Klienten gegen- über in einer durchaus unzulässigen Weise gearbeitet wurde, er- bracht Genosse Osttamp glänzend. Das Gericht erklärte aber die Vorkommnisse für solche, wie sie in einem Anwaltsbureau wohl mal vorkommen könnten, versagte den Schutz des 8 193 und ver- urteilte Ostkamp wegen formaler Beleidigung. Deutsches Recht. Da» Altonaer Landgericht verurteilte unseren Partei- genossen Stadtverordneten Rechtsanwalt Dr. Karl Herz in Altona wegen Beleidigung zu 566 Mark Geldstrafe. Genosse Dr. Herz soll dem inzwischen verstorbenen Direktor der Gas-, Wasser- uno Elektrizitätswerke in einer VersammlungSrede den Vorwurf gemacht haben, er nehme Schmiergelder, mrd ven In. fpektor der genannten Werke, Kupfer, soll er der widerrechtlichen Verwendung städtischer Arbeiter und städtischen Material» zu privaten Zwecken beschuldigt haben. In der Verhandlung wurde unzweifelhaft festgestellt, daß die Vorwürfe gegen den Direktor nicht wider besseres Wissen erfolgt sind, weshalb Freisprechung erfolgen mußte. Weiter wurde festgestellt, daß der Inspektor in weitem Umfange städtische Arbeiter und städtische» Ma- terial für private Zwecke verwandt hat. Aus der Form verschiedener Aeußerungen gegen Kupfer schloß der Gerichtshof jedoch die Absicht der Beleidigung und verurteilte den Angeklagten deshalb wegen formaler Beleidigung. Daß der Angeklagte kommunale Mißstände aufgebeckt hat, zählt für die Richter anscheinend nicht, denn sonst hätten sie wegen bloßer formaler Beleidigung wohl nicht eine so außerordentlich hohe Geld« strafe verhängen können._ Hus der frauenbewegung* Die bürgerliche Frauenbewegung Oesterreichs hat eine ihrer her« vorragendsten Vorkämpferinnen verloren. Die Volksschullehrerin Auguste Fickert ist, 55 Jahre alt, am 9. Juni gestorben und am 11. Juni wurde sie in dem reizenden Neustist am Walde, an der Peripherie von Wien begraben. Keine kirchliche Zeromonie gab es am Grabe dieser Frau, die ein starker Charakter und ein edler Mensch voll deS freiesten Geistes war. Zu einer Zeit, wo Männer ihre Nacken unter die Peitsche de» zum Herrn von Wien gewordenen LuegerS beugten, ist Auguste Fickert aufrecht geblieben. Als die Lehrer gezwungen wurden, an den kirch« lichen Prozessionen teilzunehmen, da machte Auguste Fickett Schluß mit der Kirche. Sie wurde k o n.f e s s i o n S l o s. Sie war die Gründerin des österreichischen Frauenvereins, der bahnbrechend unter den Frauen Oesterreichs gewirkt hat. Ehe sie noch diesentzVerein gegründet, war sie in der ersten Arbeiterinnenorganisatton Oester« reichs, im Arbeiterinnenbildungsverein tätig. Sie unterrichtete die Genossinnen und lernte sie die Literatur verstehen. Später ver- sammelte sie im Volksheim an Sonntagnachmittagen jugendliche Arbeiterinnen um sich, um bildend und belehrend auf sie ein- zuwirken. Sie war eine Vorkämpferin des FrauensttmmrechtS und aller Frauen« rechte. Unter ihrer Leitung und von ihr beraten organisierten sich die Beamtinnen Oesterreichs. In ihren letzten Lebensjahren widmete sie ihre Kraft dem Zustandekommen eines HeimeS für die erwerbenden, alleinstehenden Frauen. Sie war auch die Herausgeberin der aus« gezeichneten Frauenzeitschrist.Frauenleben", in der sie muttg und rückhaltlos alles bekämpfte, was ihr schlecht schien. Sie war eine starke Individualität mit fest ausgeprägten Anschauungen und ging ihren vorgezeichneten Weg ohne alle Konzession. An ihrem Grabe sprach Genosse Perner st orfer schöne Worte über den edlen Mensckien, der mit ihr geschieden. Genosse S e i tz gedachte ihres Wirkens als Lehrerin, Genossin Popp ihrer Betätigung als Freundin der Arbeiterinnen. Auch die bürgerlichen Frauen sprachen an ihrem Grab und brachten zum Ausdruck, was die Frauenbewegung an Augnfte Fickert verliert. — Sie stand nicht in Reih und Glied mit uns, aber ihr Ziel war dem unseren zum mindesten auch verwandt, denn auch sie erstrebte die Beseittgung aller Ungleichheit, aller Ausbeutung und aller Ungerechtigkeit._ Versammlungen— Veranstaltungen. Berein für Frauen und Mädchen der ArbeiterNasse. Montag, den 26. Juni, Besichtigung der Späthschen Baumschule in Baum- schulenweg. Abfahrt Görlitzer Bahnhof 1,46, Schlesifcher 1.27. Abmarsch vom Bahnhof in Baumschulenweg pünktlich 2 Uhr. Nach der Besichtigung Kaffeekochen bei Speer, Baumschulenweg. ßrUfkaften der Redaktion. Sit tnrtstis»««vrechstuud» finde« Lindenftrn Str. 09, dorn bin Trevvea— gadrftubl—, woch-ntägli» von 4>/i bis?>/, Uhr abend», Sonnabend» von 4>/- btS 0 Uhr nachmittags statt. Jeder Anfrage ist «tv Vuchftab« und eine ttahi als Merkzeichen beizufügen. ivriefUch» Antwort wird»ich« erteilt. Eilige Fragen trag« man in dn Sprech- stunde bar. S. N. 41. Nach Vorlegung deS Schuldtitels und des PsändungS- und UeberweisungsbeschlusjeS haben Sie Anspruch aus Auszahlung. Fordern sie vorher von der Gesellschaft eine Erllärung, ob sie bereit ist, am Fälligkeitstage an Sie zu zahlen.— H. B. Rtxdorf. 1. Deutsche Kon- sulat in Washington. 2. Die Kosten der A u S k u n s t sind nicht erheblich. — B. 2)1. 110. Die Strafen können verlesen werden. ES empfiehlt sich, vorher ein Gesuch um Nichwerlesung ans Gencht zu machen.— Kirchen- fteuer 100. 1. Für den Fall der Rachsorderung ja. 2. Ja, einschlietzlich sür daS Kalenderjahr 1311. 2. Adols Hoffmann, Blumenstr. 14.— H. 10. Wir raten vom Beitritt ab.— B. 11. Es ist wahrscheinlich, daß Ihnen die Konzession ertellt wird. Es empfiehlt sich persönliche Besprechung. G. F. Neuztttau. Wir halten den Betrcsienden dazu sür berechtigt. - M. G. 1882. 1. und 2. Die städtischen Arbeiter sind dem Stadtrat Mier unterstellt. Richten Sie an denselben ein Gesuch. 3. Abziehen und schleifen mit Bimsstein, dann polieren.— S. H. 20. Stab, I. und III. Bataillon in Deutsch-Ehlau, II. Bataillon in Soldau.— Dona« 12. 1. und 2. Rein. 3. Die Verhandlungen find an sich össenllich. Die Oesient- lichlett kann ausgeschlossen werden, wenn eine Desährdung der öffentlichen Ordnung, insbesondere der Staatssicherheit, oder eine Gesäbrduna der Sittlichkeit zu besorgen ist. 4. Ew solche» erlangm nur die Prozeßbetelligten. Amtlicher Marktbericht der städtischen MarNhallen-Dtrettton üv« den Großhandel in den Zentral-Markthallen. Marktlage: Fletsch: Zufuhr stark, Geschäft etwaS reger, Preise sür Rind- und Schweinefleisch anziehend, sonst unverändert. Wild: Zufuhr genügend, Geschäst rege, Preise gut. Geflügel: Zusuhr reichlich, Geschäst flau, Preise nach- gebend. Fische: Zusuhr genügend, Geschäst ruhig, Preise sür tote Fische gedrückt. Butter und Käse: Geschäst ruhig, Preise unverändert. Gemüse, Obst nnd Südfrüchte: Zusuhr reichlich, Geschäst rege, Preise wenig verändert_ «itternngvbberftcht vorn 16. Juni 1910, morgens 8 Uhr. Swwemde. Hamburg Berlw Franfs.aR. München Wie» H 8? 754 NW 768 NNW 755 NW 758 NO 755 NW 768 WSW B Vetter 4 wolkig 4 wolkig 3 bedeckt 4 bedeckt 3 Regen 1 bedeckt e!» 9 H 1- « tatton en öl 1' Z! »«H Haparanda 75 t NNW Ettersburg 761 SW Scillh 769 OSO Aberde« 772 S Part» 759 NO Vetter »wolkenl 2 bedeckt 5haw bd. 3 bedeckt 2 bedeckt ! ** B-- »n h M« 13 22 13 11 12 BSetterprognose für Freitag, den 17. Juni 1910. NachlS kühl, am Tage wieder etwa» wärmer, vielsach heiter bei ziemlich sttschen nordöstlichen Winden; leine erheblichen Niederschläge. Berliner Wetterdurea» WasserstandS-Rachrtchte«, der LandeSanstalt für Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berliner Wetterbureau. Wasserstand M e m e l. Tilfit' P r e g e l, Jnsterbltra Weichsel, Thon» Oder, Ratibor , Kroflen , Franksurt Warthe, Schrimm , Landsberg Netze, Bordamm S l b e, L eitm eritz , Dresden , Bardo , Magdeburg Wasserstand Saal», Grochlitz Havel, Spandau') , Rathenow') Spree, Spremberg') , BeeSkow Weser, Münden , Minden Rhein. MaximUtanSau , Kaub Köln Neckar, Heilbronn Mai». Wercheim Mosel, Trier am 15. 6. am 142 43 46 5» 74 -49 46 324 322 125 141 123 seit 14. 3. ein1) +16 +11 —10 -4 +4 —15 -H +15 +5 +81 6+ bedeutet Wuch»,— Fall. Unterveget. Berantwortlictzer Redakteur Richard Lartjh Berlin. Für dco Inseratenteil veraulvu Ttz-Gtocke, Berlin, Tvicku-Berlag: Louvärtt BuchdruckWi», VellaüZgnitaft Pgui Li Sso, Berlin SW. Nr. 139. 27. Jahrgang. 2. KeilU Ks Juriiiättö" Sttliutt KlliMM. Freitag. 17. Juni 1910. gTzas Stadtverordncten'Uerfammlung. 21. Sitzung vom Donnerstag, den 16. Juni, nachmittags 5 Uhr. Die Sitzung wird vom Borsteher Michelet nach S'/z Uhr eröffnet. In den Ausschuß für die Vorbrratung der Lustdarkeitssteuer- ordnung sind von der sozialdemokratischen Fraktion deputiert die Stadtvv. Borg mann, Heimann, Bogt und W i l k e. Der Osthafen am Stralauer Anger wird, nachdem die Unierführung des Anschlußgleises unter der Straße Alt-Stralau notwendig geworden ist, eine Million mehr, «kso neun Millionen kosten. Die borgelegten Spezialentwnrfe für die Speicher, Lagerschuppen,.Kraftwerk, Berwaltungs- und Kantinen- gebäude hat der eingesetzte Ausschuß nach längerer Beratung mit allen gegen eine Stimme zur Genehmigung vor- geschlagen. Bisher sind L'/z Millionen Verbaul worden; zur Fortsetzung und Beendigung des Baues sollen SolvOOOM. bewilligt werden. Außerdem schlägt der Ausschuß vor, den Magistrat zu ersuchen, in Erwägung zu ziehen, 1. Einrichumgen zu treffen, daß auf dem Osthafen auch Benzin gelagert werden kann, event. die Möglichkeit zu solcher Lagerung an anderer Stelle zu schaffen; 2. auch die Schuppen zu unterkellern und einen zweiten Elevator zu errichten. Referent Stadtv. Nelke sA. L.) betont, daß die Ansschußmehrheit keineswegs von einer Hurrastimmung der Vorlage gegenüber erfüllt gewesen sei, daß man vielmehr b sagen müsse, nachdem man einmal a gesagt, d. h. 2 Millionen bereits daran gewendet habe. Stadtv. Solmih sFr. Fr.) stimmt zwar namens seiner Fraktion den Ausschußvorschlägen zu, ersucht aber den Magistrat, bei der Anlage des Westhafens die Speicher- usw. Bauten der Privatindustrie zu überlassen. Stadtbaurat Krause: Mit dem Bau des Westhafens soll so rasch wie möglich begonnen werden; es schweben aber Vorhand- lungen mit dem Eisenbahnminister, die noch viel Zeit beanspruchen werden. Stadtv. Werner fN. L.): Eine bestimmte Stellung haben meine Freunde zu den Ausschußvorschlägen nicht genommen. Zurzeit ist nach der Erklärung von Sachverständigen ein Mangel an Speichern überhaupt nicht vorhanden. Uebrigens ist der Handel doch der Nächste dazu, für seine Bedürfnisse nach dieser Richtung selbst zu sorgen. Viel besser wäre es, den Stadtteil in eine Parkanlage um zuwandeln. Stadtv. DavetäSuB&tß ia Hedk.cSts jelde. Stadtv. Bäsell(Fr. Fr.) beantragt Ausfchußberatung. Stadtv. Borgmann(Soz.): Die allgemeine Frage ist schon früher so gründlich erörtert worden, daß sich Ausschuh- b e r a t u n g tatsächlich erübrigt. Er könnte überdies lercht da- durch ein halbes Jahr verloren gehen. Untcrkunftsräume für die Arbeiter sind dort dringend notwendig, da der Betrieb immer inten- sivcr wird. Auch Stadtrat Wagner verwendet sich eifrig für die Wer- meidung jeder Verzögerung. Der Antrag auf Ausschußberatung wird abgelehnt, die Vor- läge angenommen. Zum Bahnhof Gesundbrunnen soll ein Zugang von der Bcller- mannstraße aus geschaffen werden. Das Projekt schwebt bereits seit 1002. Die Llosten der von der Eiscnbahnverwaltung zu er« bauenden und zu erhaltenden Anlage betragen 115 000 M.. wovon die Stadt Berlin 75 000 M.(die schon im Etat für 1008 zur Per- fügung gestellt wurden) übernehmen soll. Die Vorlage wird angenommen. Von dem Fundus der Königskolonaden wird durch die beabsichtigte geradlinige Verlängerung der südlichen Bauflucht von der Neuen Friedrichstratze bis zur Stadtbahn eine 32 Quadratmeter große Parzelle zu Bauland. Diese Parzelle will die„W e r t h e i m- Grundstücksgesellschaft m. b. H." zum Preise von 1121 M. pro Quadratmeter kaufen, beansprucht jedoch die Zurückerstattung des Kaufpreises, wenn ihr der Nachweis ge- lingt, daß das Trennstück nicht der Stadt, sondern ihr gehört. Der Magistrat will unter der Bedingung, daß für die eventuelle Rück- zahlung eine Frist von 5 Jahren ausgemacht wird, und unter der Voraussetzung, daß der Minister der öffentlichen Arbeiten die Ver- Wendung der Fläche zur Bebauung genehmigt, auf das Anerbieten eingehen. Die Vorlage geht aus Antrag der Stadtvv. B r u n z l o w (A. L.) und Körte(Fr. Fr.) an einen Ausschuß, der sofort vom Vorstande ernannt werden soll. Für bauliche Verbesserungen zur Hebung der Fcuersicherheit auf den Dachböden des Rathauses werden 33 500 M. bewilligt. Ein neuer Gemeindefricdhof soll auf einem der Kanalisationsdeputation gehörigen, bisher von ihr zu landwirtschaftlichen Zwecken benutzten, 300 Morgen großen Gelände bei Bnch-Karow angelegt und wie der Friedrichsfelder parkähnlich ausgestaltet werden. Zum Ankauf des Geländes für den Preis von 50 Pf. pro Quadratmeter von der Kanalisations- deputation und eines anstoßenden, 23 Morgen großen Geländes für denselben Preis von dem Bauerngutsbesitzer Torge sind zirka 414 000 M. erforderlich. Stadtv. Galland(A. L.) hält Ausschußberatung für unnötig und die Angelegenheit für sehr dringlich; eventuell würden seine Freunde nur für einen zehngliedrigen und sofort zu ernennenden Ausschuß zu haben sein. Stadtv. Leid(Soz.): Wir halten die Vorlage nicht für so reif, daß wir heute schon definitiv Stellung nehmen können. Wir beantragen Ausfchußberatung. Das Zweckmäßigste wäre ja eine Erweiterung des Friedhofs Friedrichsfelde; aber wir erkennen an, daß dort so exorbitante Preise gezahlt werden müßten, daß die Verwaltung darauf nicht eingehen kann. Ein geeignetes anderweitiges Gelände für Friedhofszwecke ist schwer zu finden. Zweifellos hat der Magistratsvorschlag neben seinen Vorzügen aber auch gewisse Mängel; das Gutachten des Kreisarztes be> trachtet das Gelände nur als bedingt tauglich. Vor allem aber erscheint Klärung darüber notwendig, welche Kosten der Leichen- transport erfordern wird. Die Vorlage sagt darüber nur, daß die Stettiner Bahn ein Anschlußgleise hat und der Transport auf diese Weise erfolgen wird. Ob daneben noch direkte Leichenwagen fahren sollen und ob eine Sammelstelle angelegt wird, darüber erfahren wir nichts. Zahlreiche Berliner Bürger haben an dieser Klarstellung der TranS Port- und der Kostenfrage ein durchschlagendes Interesse. Es kommt hinzu, daß man der Auffassung begegnen muß, daß es sich um einen Armenfriedhof handelt; diese Auffassung hat für Friedrichs selbe nur relative Bedeutung, denn die Zahl der Leichen, für die bezahlt wird, wächst von Jahr zu Jahr. Unser Etat hat daraus eine ganz erhebliche Einnahme; im Etat für 1010 sind dafür 55 000 Mark eingesetzt. Als eine Erleichterung der Bevölkerung sehen wir die Uebernahme des Leichentransports in städtische Regie an. Das ist in vielen deutschen Städten, wie Dresden, Schöneberg. Rixdorf. längst Usus; die Städte schließen mit Unternehmern Tarife ab und schaffen so die gewünschte Er- leichterung. Hand in Hand damit muß eine Vereinfachung der Verwaltung gehen. Es ist eine große Belästigung, wenn man nach Friedrichsfelde gehen und dort die Anmeldung der Leiche besorgen muß; das würde in Buch noch viel schlimmer werden. In ber Stadt muß ein Buren» vorhanden sein, wo diese Anmeldungen erfolgen können und alles Notwendige festgelegt werden kann. In den Nachbargemeinden ist das bereits der Fall. Wir beantragen also, diese Kostenfrage in einem Ausschuß zu erwägen. Die Uebernahme des Transportes in die Regie der Stadt würde letzterer Kosten nicht verursachen, da diese von den Angehörigen getragen werden müssen. In Rixdorf sind auf diese Weise gegen die bisherigen Sätze Proz. Ermäßigung erzielt worden, andererseits werden 10 Proz. für die Verwaltung in An- spruch genommen; immerhin bleibt 6% Proz. Ermäßigung für die Bevölkerung übrig. An uns soll es nicht liegen, wenn die Vor- läge nicht so rasch wie irgend tunlich verabschiedet wird. Stadtrat Rast: Die Summen, die uns heute Herr v. Treskow für Terrain abfordert, was zur Erweiterung von Friedrichsfelde dienen könnte, sind so hoch und seine Haltung ist so wenig ent gegenkommcnd, daß dort nichts zu hoffen ist; auch in Marzahn war nichts zu erreichen. Wir sind im übrigen mit der größten Schleunigkeit verfahren; eS waren sehr große Schwierigkeiten zu überwinden, und eS ist nicht die Spur versäumt worden. Ich ver- handle schon 2 Jahre lang. Der Kostenfrage kann doch erst näher- getreten werden, wenn ein bestimmtes Terrain erworben ist, Näher an Berlin bekommen wir kein Gelände mehr. Eine Leichensammelstelle besteht ja doch schon; ob die Leiche 1 oder iVs Kilometer weiter transportiert wird, kann die Kosten doch nicht wesentlich erhöhen. Stadtv. Manasse(Soz.): Wir sollen unS ja auch bis zum Juli schon für den Bauern, der das Land anstellt, entschieden haben. Die heutige Beschlußfassung reicht weit über die gegenwärtige Ge- nrration hinaus. Wenn der sehr geschätzte Stadtrat Marggraff uns das Terrain in Buch mit 50 Pf. pro Quadratmeter anbietet; wird es wohl auch gerade nur 50 Pf. wert sein. Während jetzt ein Leichenwagen 3. Klasse nach Friedrichsfelde 8 M. kostet, würden etwa 20 Mark bezahlt werden müssen; bei einem Leichenwagen 2. Klasse würde die Erhöhung von 15 auf 30 Mark gehen; für die Leidtragenden würde ein Kutschwagen mindestens 15 M. kosten. Von einem Armenfriedhof kann man ja auch nicht mehr reden; die Kirche legt ja sonst mit ihrem großen Magen große Beschräu- kungen auf, was die Stadt nicht tut. Die Kirchengemeinden aber sind nur für ihre armen Gemeindemitglieder mit ihren neuen Friedhöfen soweit hinausgegangen; für die Wohlhabenden ist immer noch auf den alten Friedhöfen Unterkunft zu haben. Wir wollen doch nicht neben dcni Friedrichsfelder Friedhof einen neuen Fried- Hof begründen, der dauernd den Charakter des Armenfricdhofs haben soll. Welche gewaltige Belastung an Zeitverlust würde auch von allen anderen Bedenken abgesehen— der Bevölkerung auf- erlegt! Ein Anschlußgleis ist allerdings vorhanden, es führt aber an dxr SM cpjii&t; eine BcxrdigMg aus dex flfldeiea Seite an&£ äußersten Grenze würde 35 Minuten Dauerlauf veranlassen. Es könnte doch auch zwischen Buch und Friedrichsfelde noch Terrain vorhanden sein. Der Unterschied zwischen Buch und Friedrichsfelde ist nicht 1 bis iVi, sondern mindestens 8 Kilometer. Wenn der gesamte Betrieb oon städtischer Seite über- nommen wird, wie es die jüdische Gemeinde tut, so würden sehe viel Schwierigkeiten aus dem Wege geräumt. Auch die Frage der Feuerbestattung muß hier erörtert werden. Sogar im preußischen Landtage hat sich dafür cirte Mehrheit jetzt gefunden. Die Schwierigkeiten liegen ganz wo anders. Aesthctisch wie hygienisch verdient die Feuer- bestattung den Vorzug. Bis jetzt können bloß die Reichen das Privileg geltend machen, sich verbrennen zu lassen, aber diese Kulturforderung muß endlich im allgemeinen Interesse gelöst wer- den. Der Magistrat wird im Ausschutz mit uns gemeinsam über -diese Frage beraten, sollten auch die Ferien darüber weggehen. Wir haben deshalb ferner beantragt, daß auf � dem neuen Friedhof ein Krematorium errichtet werden soll.(Beifall bei den Sozialdemokraten.) Stadtv. Dr. Kuhlmann(Fr. Fr.) tritt für seine Person den Ausführungen Manasscs durchweg bei. Für einen Au s s ch u ß seien aber genügende Gründe nicht vorgebracht worden. Stadtv. Geh. Medizinalrat Dr. Herzberg tritt gleichfalls für die Feuerbestattung ein. Auch in Dessau und Lübeck seien neuer- dings Krematorien eröffnet worden. Für die Urnenlia lle in der Gerichtsstratze, die erst in den nächsten Tagen eiiigeweiht werde, seien schon 500 Urnen angemeldet. Auch die Geistlichkeit habe ihren Widerstand schon aufzugeben begonnen. stand schon aufzugeben begonnen. � r.. c. Stadtv. Galland warnt vor der Fortsetzung dieser Debatte; daS Thema stehe nicht zur Debatte und die Feuerbestattung sei in Preußen nicht erlaubt. Die Frage der Uebernahme des Trans- Ports in städtische Regie könne heute nicht gelöst werden. Stadtv. Bitterhosf(A. L.) hält den Erwerb in Buch-Karow für sehr billig und die Entfernung dorthin für keineswegs un- bequem. Man solle doch die Sache nicht in die Länge ziehen. Stadtv. Borgmann: Es erscheint doch mehr als sonderbar, wenn eine so sehr die große Masse angehende Angelegenheit ohne gründ- liche Beratung abgetan werden soll. Ob wir an dem Anschlußgleise einen Bahnhof bei dem neuen Friedhof bekommen werden, steht noch gar nicht fest; ohne Gewißheit hierüber wäre es doch aber geradezu leichtfertig, die Sache so zu betreiben, wie uns hier an- gesonnen wird. Das fragliche Terrain gehört auch gar nicht zu unserem Gutsbezir! Buch; wir würden dort in Abhängigkeit vom Amtsvorsteher geraten. Der Friedhof soll doch für 50 oder 100 Jahre vorhalten. Und wir beantragen doch auch die Erbauung eines Krematoriums dort; wir können es erbauen, wie Hagen eins erbaut hat, obwohl zurzeit noch in Preußen die fakultative Leichenver- brennung nicht gestattet ist.(Beifall bei den Sozialdemokraten.) Es geht ein Antrag Galland ein, die Vorlage cincm�sofork zu ernennenden Ausschutz von 10 Mitgliedern(Rufe: 15!) zu überweisen. Der Antragsteller erklärt sich damit einverstanden, daß der Ausschuß aus 15 Mitgliedern zusammengesetzt wird, und die Mehrheit nimmt diesen Antrag an. Für die Zwecke der Volkszählung vom 1. Dezember 1010 soll die Deputation für Statistik durch Hinzutritt von 7 Stadtver« ordneten zu einer BolkszählungSkommission erweitert werden. Der Ausschuß für Unbesoldete soll die betreffenden Vorschläge machen. Die Versammlung beschließt demgemäß. Schluß der öffentlichen Sitzung ,%0 Uhr. Soziales* Arbeiten mit Krankheitserregern. Nach dem Bundesratsbeschlutz vom 4. Mai 1904 bedarf der polizeilichen Erlaubnis, wer mit anderen, als den im§ 1 be» zeichneten Erregern von Krankheiten, die auf Menschen Übertrag, bar sind, oder von Tierkrankheiten, die der Anzeigepflicht unter- liegen, oder mit Material, welches solche Erreger enthält, arbeiten sowie derartige Erreger im lebenden Zustande aufbewahren will. Die Erlaubnis darf nur für bestimmte Räume und nach Ausweis der erforderlichen wissenschaftlichen Ausbildung erteilt werden. Ein Dr. K. hatte eine solche Erlaubnis zum Arbeiten mit Krank- heitserregern nachgesucht. Der Berliner Polizeipräsident ver- weigerte sie aber, und der Oberpräsident bestätigte diese Verfügung. Dr. K. klagte nun beim Obcrverwaltungsgericht. Auf die Klage antwortete der Oberpräsident unter anderem: Die Bundesrats- Verordnung bestimme nicht, daß die Polizei verpflichtet sei, unter bestimmten Voraussetzungen die Erlaubnis zu erteilen. Vielmehr sei die Zulässigkeit der Erteilung in gewisser Weise beschränkt. Im übrigen sei aber das freie Ermessen der Behörden nicht ein- geengt. Selbst bei Annahme der erforderlichen wissenschaftlichen Ausbildung dürfe die Polizei die Genehmigung versagen aus polizeilichen Erwägungen, die z. B. die Zuverlässigkeit und Be- dürfnisfrage, ferner allgemeine hygienische Rücksichten zum Gegen- stände haben könnten. Solche objektiven polizeilichen Erwägungen seien hier maßgebend gewesen. Zum Beispiel sei durch Serum, da? Dr. K. an Laien in der Provinz abgegeben habe, der Aus- bruch einer Tierseuche veranlaßt worden. Daö Obervcrwaltungsgcricht wies die Klage ab. indem eS sich ganz den Gründen des Oberpräsidenten anschloß. DaS Grammophon als Zeuge vor Gericht. Bor dem Gericht in Delden hatten nach dem„Tägl. Korr.* sich in diesen Tagen mehrere Bauern wegen Körperverletzung und Beleidigung zu verantworten. Während eine� Tanzmusik waren die Angeklagten untereinander in Meinungsverschiedenheiten ge- raten, die schließlich in eine wüste Prügelei ausarteten. Dabei wurde einem als Zeuge erschienenen Bauern das Nasenbein zer- trümmert und außerdem ein Büschel Haare ausgerissen, die er wohlverpackt mit in den Gerichtssaal gebracht hatte. Der Zeuge gab an, mit den Angeklagten Karten gespielt zu haben. Er sei nicht im geringsten streitsüchtig und habe sich auch nicht an dem Zank beteiligt. Ohne jede Schuld sei er vielmehr in die Schlägerei gezogen und übel zugerichtet worden. Der angeklagte Bauer van Deel stellte den Sachverhalt jedoch ganz anders dar. Nach seinen Angaben trug gerade der Zeuge Schuld an dem ganzen Streit. Er behauptete nämlich, der Zeuge habe ihn Quartjesfinder genannt(auf deutsch Bauernfänger)! und aus diesem Grunde seien sie über ihn hergefallen. Da kein erschienener Zeuge die Angaben des Angeklagten be- stätigen konnte, wurde die Verhandlung vertagt, damit mehr Zeugen geladen werden konnten. Ausschlaggebend wurde die Aus- sage eines Ingenieurs, der an dem kritischen Sonntage der Tanz. musik in dem Gasthofe des betreffenden Dorfes beigewohnt hatte, um Aufnahmen für ein Grammophon zu machen. Zufällig war er auch Zeuge der Schlägerei gewesen und hatte während dieser „ländlichen" Szene den Apparat in Tätigkeit gesetzt. Der In- genieur erschien mit seinem Grammophon vor Gericht. Der als Zeuge auftretende Bauer bestritt wieder seine Schuld an dem Streite. Nach seiner Vernehmung kam der Ingenieur an die Reihe. Er zog das Grammophon auf. Lautlose Stille herrschte in-dem kleinen Gerichtssaal zu Delden. Aus dem Schalltrichter drang ein monotones Klopfen: Die Bauern spielten Karten. Da- zwischen fielen einige Flüche. Allmählich wurde eine lebhafte Unterhaltung daraus und plötzlich erscholl eS mit lauter Stimme: „Quartjesfinder, Du!", so daß der Schalltrichter vibrierte. Da schrie der Angeklagte van Deel freudig auf und die Zuhörer klaWtea v« FrMe taut in die Hütis. Die Folge War. Mr Angeklägle freigesfiro'chen ivürde. während sich nunmehr der Zeuge wegen Beleidigung zu der- antworten haben wird. Würde jede Gerichtsverhandlung, wie unsere Genossen in der Strafjustizkommisston jüngst beantragten, phonographisch auf- genommen, so würde manche unberechtigte„Feststellung" in Ge- richtsurteilen und manche Meineidsanllage in sich zusammenfallen. Hus Induftnc und bandet Fleischteuerung. Fast ununterbrochen gehen die Fleischpreise hinauf. Nach den Zusammenstellungen der«Statistischen Korrespondenz" über die Durchschnittspreise an 50 preußischen Marttorten ergeben sich folgende Resultate: Es kostete ein Kilogramm Mai 15)09 April 1910 Rindfleisch Kalbfleisch Hammelfleisch Schweinefleisch Schweinespeck Roßfleisch 155 176 164 155 177 74 154 177 170 161 187 75 in Pfennigen Mai 1910 156 177 170 160 187 75 Nur bei Schweinefleisch ist im Mai gegenüber April eine Er« Mäßigung um 1 Pfennig eingetreten; dafür sprang der Preis für Rindfleisch um 2 Pfennig hinauf. Sehr stark gestiegen sind die Preise für Schweinefleisch und Speck, wenn man die diesjährigen Preise mit den vorjährigen vergleicht. Selbstkosten«ud Gewinn der städtischen Wasserwerke. Die plötzliche starke Bedarfsvermehrung nach Wasser in den heißen Tagen hat in einigen Städten einen teilweisen Wassermangel gebracht, der von den Bewohnern äußerst unangenehm empfunden wurde und deutlich bewies, welche hohe wirtschaftliche und hygienische Bedeutung der ausreichenden Wasser- Versorgung der Städte zukommt. Gerade die hygienischen Be- denken gegen die Verwendung de« Wassers aus offenen Flußläufen und Seen trotz weitgehender Filtrierung haben dazu geführt, daß im Interesse des Gesundheitszustandes der Bevölkerung immer mehr von dem Bezug offenen Wassers zur Wasser- Versorgung der Gemeinden und Städte abgegangen und zur Ouellenfassung übergegangen wird. Die Hochquellen und vor allenDingen dieGrund Wasser st römungen werden immer mehr bei der Wasserversorgung bevorzugt, so daß sich für die einzelnen Gemeinden aus der Verschicdenartigkeit ihrer Wasserbezüge ganz gewaltige Unterschiede inbetreff der K o st e n der Wasserbeschaffung ergeben. Bei der Benutzung von Hochquellen ist infolge deS Fortfallens der Wasserhebewerle und Awar weniger infolge ihrer Anlage« als ihrer ständigen Betriebs- kosten der Selbstkostenpreis für die Wasjerbeschaffuna oft relativ niedriger. Andererseits kann die Notwendigkeit langer Strecken von Rohrleitungen die WafferversorgungSanlage bei der Be- Nutzung von Hochquellenwaffer teuer gestalten. Die erstrebens« werte Benutzung der Grundwasser st römungen dürfte sich bei der Anlage zahlreicher oft tiefer Brunnen sowie der Hebewerke und auch bei der oft weiten Entfernung zwischen Bezugs- und VerbrauchSort allgemein am teuersten stellen. Naturgemäß wird durch den SelbstkosteupreiS der Abgabepreis an die Konsumenten beeinflußt. Bei der großen Nolle, die die Einnahmen aus den Wasserwerken indessen in dem HaushaltungSetat eines Teiles unserer Städte gewissermaßen als eine indirekte Steuer spielen, wird aber der Wasserpreis in den einzelnen Städten auch durch die Finanzpolitik stark beeinflußt. Im Elatsjahre 1903 stellte sich der Einnahmeüberschuß der nachstehenden Städte aus ihren Wasserwerken in tausend Mark wie folgt: Berlin 2356 Frankfurt a. M. 806 Stuttgart 589 2036 München 642 Leipzig 578 867 Hannover 602 Breslau 528 Diesen großen Einnahmeüberschüssen, die durchaus nicht mit den Gröbenverhältnissen der einzelnen Städte harmonieren, stehen ins- besondere bei kleinen Wasserwerken nur geringe Betriebsüberschüsse, zum Teil sogar Verluste gegenüber. Nach den Zusammenstellungen von Mombert auf Grund der Angaben des«Statistischen Jahrbuches der Städte" stellte sich die relative Rentabilität der Wasserwerlsanlagen in Prozent des Gesamtanlagewertes bei den größeren Städten für Mannheim, Freiburg i. Br. und Stettin mit 15,1 beziehungsweise 14,5 und 14,0 Prozent am höchsten, während Bremen nur 4 Prozent erzielte. Im all- gemeinen ergibt sich zwar»ach der Steigerung der Selbstkosten auch eine Steigerung der Einnahme, aber bei einem Teil der Städte sind doch ganz gewaltige Schwankungen vorhanden. Die Gesamt- ausgaben für 1 Kubikmeter Wasser stellten sich für die Wasserwerke in Erfurt, Mainz. Spandau und Kiel mit 9.8 bezw. 9,3, 7.5 und 6,8 Pfennigen am höchsten und in Freiburg i. Br., München. Metz und Augsburg mit ie 0,8 bezw. 0,7 Pfennigen am niedrigsten. Die teuersten Konsum entenpreise für 1 Kubikmeter Wasser wurden jedoch gezahlt in Wiesbaden mit 24,8, Mainz mit 20,6, Kiel und Mannheim niit je 19,3 und in Kassel mit 18,8 Pfennigen, während in Augsburg, München, Bochum und Würz- bürg 3.3 bezw. 4,7, 6,0 und 6,2 Pfennige pro Kubikmeter bezahlten Wassers erzielt wurden. Die höchste Differenz zwischen Selb st kostenpreis und Abgabepreis an die Kon« sumenten ergibt sich für Wiesbaden mit 19,3, Mannheim mit 16,8, Kassel mit 14,3, Hannover mit 14,0 Pfennigen, während die geringste Differenz sich für Augsburg und Essen auf 2.6 bezw. 3,3, für Bochum und Krefeld auf 3,4 bezw. 4,0 Pf. stellte. Die Ungleichheit der Wasserpreise in den einzelnen Städten spielt an und für sich nur sofern eine geringe Rolle, als sich der Jahres- verbrauch an Wasser auf den Kopf der Be- Völker ung in Deutschland nur auf rund 40 Kubikmeter beläuft und somit selbst bei den scheinbar großen Differenzen zwischen den Preisen in einzelne» Städten die finanzielle Mehrbelastung sehr gering und zum Teil durch lokale Verhältnisse durchaus bedingt ist. Die deutsche Branntwcincrzeugung hat im Mai weiter abgenommen, indessen beträgt dieser Rückgang im verflossenen Monat nur noch 1,4 Millionen Liter, während seit Beginn der Saison die Mindererzeugung bisher 54 Millionen Liter gegenüber dem Vor« jähre betragen hat. Offenbar zwingen die großen Vorräte an Kartoffeln die Brenner noch zu großer nachträglicher Produltion. Der Trinkverbrauch bleibt demgegenüber, wenn er sich auch im Mai etwas gehoben hat, doch immer noch ungewöhnlich klein. Während in den ersten Monaten des laufenden Steuerjahres der Minder« abstoß an Trinlbranntwein im Vergleich mit dem Vorjahre über 30 Proz. ausmachte, ergibt sich für den Monat Mai ein Weniger von nicht ganz 20 Proz. Seit dem 1. Oktober beträgt dieser Minderverbrauch gegenüber dem Vorjahre bis jetzt bereits rund 284 000 Hektoliter sl 203 325 Hektoliter gegen 1 685 264 Hektoliter). Der Export ist zwar nicht groß, aber doch ivesentlich umfangreicher als in den Monaten zuvor. Die Branntweinerzeugung im deutschen Steuergebiet betrug im Mai d. I. 233 200 Hektoliter sim Vorjahre 297 203 Hektoliter); davon wurden zur steuersreien gewerblichen Verwendung abgelassen 145 975 Hektoliter(113 694 Hektoliter), und zwar darunter vollständig vergällt 115 952 Hektoliter(76 129 Hekto« liter). Ende Mai sind in den Lagern und Reinigungsanstalten unter amtlicher Ueberwachung verblieben 1458 321 Hektoliter(1573 811 Hektoliter). Im Mai sind nach Versteuerung in den freien Verkehr (als Trinkverbrauch) gesetzt 157 976 Hektoliter(195 944 Hektoliter). Mit Anspruch aus Steuerfreiheit wurden ausgeführt 2229 Hektoliter roher und gereinigter Branntwein und 711 Hektoliter Branntwein« erzengnisse. Lohnprellerei. Brüssel, 16. Juni. Wie aus Charleroi mit« geteilt wird, sollen die Grubenbesitzer beschlossen haben, die Kohlen- preise für die Eisen- und Glasindustrie herabzusetzen. Mit anderen Worten: Die Lohnerhöhung vom vergangenen März soll für diese Kategorie Kohlen nicht aufrecht erhalten bleiben! Großartiger Schwindel. New York, 15. Juni. Die Bundes- behörden ließen den Präsidenten und den Vizepräsidenten der United Wireleß Telegraph Comp, verhasten, weil sie beschuldigt werden, nach einem großartigen Plan ihre Aktionäre zu betrügen. Es wird behauptet, daß sie den Wert der Aktien der Gesellschaft durch verschiedene Manipulationen willkürlich bedeutend gesteigert hätten. Ein Beamter hätte dadurch 5 Millionen Dollar erbeutet. Der Segen der Finanzreform. Ueber die Schädigung der Maschinenindustrie durch die kon- serbativ-klerikale Reichsfinanzreform wird im„Berliner Jahrbuch für Handel und Industrie" geklagt: Besonders hart betroffen wurden die Fabrikanten von Maschi nen für Brauereien und zur Zündholzbereitung. Durch die Er höhung der Brausteuer wurden die Brauereien so stark belastet, daß sie von allen nicht unbedingt nötigen Anschaffungen Abstand nahmen. Noch mehr aber vielleicht schädigte es die Maschinenindu- strie, daß bis zur Klärung der Frage, wie die Brvusteuer auf die Konsumenten abgewälzt werden soll, eine absolute Unentschlossen« hcit bei den Brauereien hervortrat, irgendwelche Betriebsverände- rungen vorzunehmen. Der Neubau von Brauereien aber ist durch das neue Brausteuergesetz erheblich erschwert. Aehnlich wie die Lage in der Brauereimaschinenfabrikation war die der Fabrikanten von Zündholzmaschinen. Als die infolge der beschlossenen Zünd« hclzsteuer schnell steigende Nachfrage nach Zündhölzern die Beschäs- tigung der Zündholzfabrik in ungeahnter Weise steigerte, entstand auch eine plötzliche Nachfrage nach Maschinen, der jedoch nur, soweit es sich um Lagerware handelte, entsprochen werden konnte. Mit Inkrafttreten der Steuer am 1. Oktober trat eine vollständige Lahm- legung der deutschen Zündholzindustrie ein, die meisten Fabriken schränkten die Arbeitszeit erheblich ein, einige Betriebe schlössen vcllständig. Ein regelmäßiger Betrieb der deutschen Zündholz- fabriken dürft« erst wieder in der zweiten Hälfte des Jahres 1910 zu erwarten sein, wenn die großen Mengen ausländischer Ware, die vor der Steuer importiert und vom Publikum aufgenommen wurden, aufgebraucht sein werden. Aber auch dann ist für die Zündholzmaschinenindustrie eine Belebung des deutschen Marktes nicht zu erwarten, da die durch das Zündholzsteuergesetz eingeführte Kontingentierung der Zündholzproduktion die Fabriken in ihrer Produktionsfähigkeit begrenzt und die Errichtung neuer Fabriken durch die diesen aufgelegte Mehrsteuer ausschließt. Die Zündholz- maschinenindustrie ist deshalb für die Dauer des Kontingentie- rnngStjesetzes, d. h. bis Ende 1914, auf das Auslandsgeschäft allein angewresen._ Gerichts-Zeitung» Verantwortungslose SäbelschlSger. Die Polczeisäbeleien, die am 31. Januar 1909 auf den Straßen Hannovers im Anschluß an Wahlrechtsversammlungen vorkamen, hatten am Dienstag ein Nachspiel vor dem preußischen Ober- Verwaltungsgericht. Der damals 20jährige Glasschleifer Bruno Paul war in einer der gegen 12 Uhr mittags ihr Ende findenden Versammlungen gewesen und wollte auf dem kürzesten Wege über die Georgenstraße nach einem Restaurant der Humboldtstraße, wo er regelmäßig zu Mittag aß. Da an der einen Ecke die Georgen- straße durch eine SchutzmannSkette gesperrt war, so wollte er schnell hinter dem Theatar herum und von dort seinen Weg über die Georgenstraße nehmen. Plötzlich tauchte eine Reihe Schutzleute auf, die mit außerordentlicher Schnelligkeit eine Kette zogen und die herankommenden Menschen zurückdrängten. Es erging die übliche Aufforderung und auf Befehl des Polizriinspektors Sachs zogen die Beamten die Säbel blank. P. machte kehrt, um sich in Sicherheit zu bringen. Das war aber nicht möglich, denn die Masse, die inzwischen herangekommen war, staute sich. Plötzlich erhielt er von hinten her einen Säbelhieb über die Hand. Der Hieb traf sie sehr stark dort, wo der Arm ansetzt. Sofort floß das Blut. Nach VerHeilung der Wunde blieb eine erhebliche Beschränkung der Gebrauchsfähigkeit der Hand zurück. Er klagte gegen den Polizeikommiffar Freiherrn von Münchhausen, den ein Augenzeuge als Täter bezeichnete, auf Zahlung von Schmerzensgeld und auf Schadenersatz. Diesen bezifferte er für die Zeit vom 1. Februar bis 31. Juli 1909 auf 273 M., und von da ab beanspruchte er eine Jahresrente von 720 M. Bevor es zur Verhandlung kam, erhob die Regierung den Konflikt und machte geltend: Erstens stände nicht fest, daß von Münchhausen der Täter gewesen sei. Dann aber wäre er auch zum Gebrauch der Waffe verpflichtet gewesen, da sein Vorgesetzter, der Polizeiinspektor Sachs, es befohlen habe. In Betracht käme hierfür die Dienstanweisung des Polizei- Präsidiums, wonach die Verpflichtung zum wirksamen Gebrauch der Hiebwaffe bestanden habe. Eine Amtsüberschreitung falle ihm nicht zur Last! Vor dem Oberverwaltungsgericht in Berlin wurde der Ver- letzte am 14. Juni durch Rechtsanwalt Dr. Lehrend vertreten. ES wurde unter anderem vom Anwalt geltend gemacht, daß auf jeden Fall Herr von Münchhausen über den Nahmen seiner AmtSbcfug- nisse hinausgegangen sei. wenn er auf einen Mann, der bereits zurückging, von hinten einschlug. Hierfür sei aber im Zivilprozeh Beweis angetreten worden, der auf jeden Fall hätte erhoben werden müssen. DaS Oberverwaltungsgericht erklärte aber den Konflikt für begründet und entschied demgemäß, daß das Verfahren gegen den Polizeikommissar endgültig einzustellen sei. Begründend wurde ausgeführt: Selbst wenn v. M. der fragliche Beamte gewesen sei, würde er doch in den Grenzen seiner AmtSbcsugnisse gehandelt haben. Abgesehen davon, daß er sich infolge der ganzen Situation in begreiflicher Erregung befunden habe, so habe er vor allem ja nicht dem einzelnen gegenübergestanden, sondern der ganzen Menge, die der Aufforderung zum Auseinandergehen nicht gefolgt sei und deren Widerstand nach dem Befehl de» Polizeiinspektors gebrochen werden sollte. Wenn unter diesen Umständen bcdauer- licherwcife jemand zu Schaden gekommen sei, der keinen Wider- stand leisten wollte, so sei das nicht die Schuld des Beamten, sondern der Situation. Eine Ueberschreitung der Amtsbefugnisse durch den Polizeikommissar käme deshalb hier nicht in Frage. Der Bürger ist danach gegen Polizisten rechtlos. So etwas nennt man„Rechtsstaat" Preußen. 5. K. T. Der Reklamescherz eines national-polnischen Schuhmacher? hat zu einer Anklage wegen Beleidigung und unlauteren Wettbewerbes geführt, die gestern die vierte Strafkammer des Landgericht? I be- schäftigt. Die Anklage richtete sich gegen den Herausgeber und Redakteur des in Berlin erscheinenden Polenorgans„Dziennik Berlinski", Franz Krysiak, und den Schuhmacher Leo Schulz, der in der Ebertystratze ein Schuhwarengeschäft betreibt und seinen Namen Schulz längere Zeit in Leona Szulka umgewandelt hatte. Besagter Herr Schulz hatte längere Zeit hindurch in der„Dziennik Berlinski" ein Inserat folgenden Inhalts veröffentlicht:„Ich muß mich nur beeilen, daß ich zur rechten Zeit hinkomme nach dem Schuhwarengeschäft von Leo Schulz in der Ebertyjtraße, denn wenn ich wo anders kaufe, werde ,ch stets bemogelt, bei Schulz aber kaufe ich stets gut ein." Als Verkündiger dieses Bekennt- nisses war ein Gigerl abgebildet, der einen Hund an der Leine führte. Auf diesen Hund waren die Buchstaben H. K. T. an. gebrachk. Da man mit diesen Buchstaben die Hakatiffen zu be- zeichnen pflegt, so empfanden die Mitglieder des Ostmarkenvereins diese bildliche Verunglimpfung als eine schwere Beleidigung und der Vorstand des Vereins stellte Strafantrag. Gleichzeitig stellte aber auch der Vorstand der Schuhmacherinnung einen Strafantrag wegen unlauteren Wettbewerbs. Das polnische Wort„oszwabiony' war von den Dolmetschern als„bemogeln" verdeutscht worden und ursprünglich war angenommen, daß damit ausgedrückt werden sollte,„auf schwäbische(d. h. deutsche) Art bemogeln". Die Schuh- macherinnung war daher der Meinung, daß durch das Inserat in Verbindung mit dem Bilde behauptet werden sollte: Das kaufende Publikum werde im allgemeinen von den deutschen Schuhmachern betrogen.— Der Angeklagte Krhsiak versicherte, daß er sich um den Annoncenteil der Zeitung gar nicht gekümmert habe und er- klärte es für wenig ritterlich, daß ein großer Verein, wie der Ostmarkenverein, die Bagatelle einer solchen Annonce benutze, um ein Strafverfahren gegen seine Gegner zu inszenieren. Er ver- wies darauf, daß er schon acht Jahre das polnische Blatt leite und noch nie eine Beleidigungsklage sich zugezogen habe. Er begreife gar nicht, wie er den Ostmarkenverein beleidigt oder sich gar des unlauteren Wettbewerbes schuldig gemacht haben könne. Sehr spaßig waren die Auslassungen des zweiten Angeklagten. Er er- klärte, daß er zwar die Bezeichnung Hakatisten schon gehört habe, aber gar nicht sagen könne, was das Wort bedeute. TaS Bild auf seinem Inserat sollte eine ganz harmlose Reklame sein. Die Buchstaben H. K. T. auf dem Körper des Hundes sollten gar keinen beleidigenden Hinweis auf die Hakatisten darstellen, sondern soll- ten dahin gedeutet werden:„Hassia Kamasze Trzenski", d. h. Gamaschen und Zugstiefel von der bekannten Schuhwarenfirma Hassia in Offenbach a. M. Diese Behauptung erweckte allgemeine S eiterkeit und fand weder bei dem Staatsanwalt noch bei dem erichtshof Glauben, obwohl Herr Schulz tatsächlich Rechnungen vorlegte zum Beweise, daß er Ware von der Firma Hassia be- zogen hatte. Der Staatsanwalt hielt es für ganz zweifellos, daß der Angeklagte Schulz, der in der national-polnischen Bewegung kein Fremdling sei, die Hakatisten habe beleidigen wollen und auch die deutschen Schuhmacher verunglimpft habe. Der Strafantrag lautete auf je 669 M. Geldstrafe event. je 60 Tage Gefängnis.— Das Gericht hielt auch eine Beleidigung der Mitglieder des Ost- markenvereins für erwiesen, nicht aber den unlauteren Wett- bewerb, und verurteilte den Angeklagten Krystak zu 100 M., den Angeklagten Schulz zu 150 M. Geldstrafe, event. für je 10 M. einen Tag Gefängnis._ Lohn für Feiertage. Nach der Bestimmung des 8 616 des Bürgerlichen Gesetzbuchs steht dem Dienstverpflichteten bei unverschuldeter vorübergehender Behinderung an der Dienstleistung ein Anspruch auf die Vergütung zu. Danach sollte man es als selbstverständlich annehmen, daß den Arbeitern, zumal wenn sie im. Wochenlohn beschäftigt werden, für die in die Woche fallenden Feiertage ein Abzug vom Lohn nicht gemacht werden darf. Was jedoch die scharfmacherischen Arbeitgeberverbände durch ihre die Wirksamkeit dieser Gesetzes- Vorschrift ausschließenden Bestimmungen in den Arbeitsordnungen infolge des Widerstandes der Arbeiterorganisationen nicht voll er- reichen konnten, das besorgt eine den Arbeitern ungünstige, dem Gesetz widersprechende Rechtsprechung, die leider auch von einigen Gewerberichtern gepflegt wird. Es wird jetzt vielfach die Ansicht vertreten, daß auch dem in Wochenlohn beschäftigten Arbeiter ein Anrecht auf den Lohn für die Feiertage nicht zustehe, wenn er die Ucberstunden extra bezahlt erhält, weil dadurch der Wochen- lohn den Charakter des festen Bezuges verloren habe. Die Kammer 3 des Gewerbegecichts hält jedoch erfreulicher- weise an ihrer bisherigen dem Gesetz entsprechenden Spruchpraxis fest, wie ein gestern verhandelter Rechtsstreit des Arbeiters H. mit der Firma Palis Nachfl. zeigt. Der Kläger verlange Lohn für den Himmelfahrtstag sowie den 2. und 3. Pfingstfeiertag mit 9,75 M. Den Einwand der Beklagten, daß der Kläger auf Bezahlung! der Feiertage keinen Anspruch habe, weil er nicht Wochenlohn, sondern Tagelohn bezog, verwarf das Gericht, weil der Lohn in wöchentlichen Raten an den Kläger gezahlt wurde. Es verurteilte? die Beklagte, dem Kläger den Himmelfahrtstag sowie den zweiten. Pfingstfeiertag mit 6,50 M. zu bezahlen; mit der Forderung auf Bezahlung auch des dritten Pfingstfeiertages wurde der Kläger abgewiesen, weil er damit einverstanden gewesen war, daß er an diesem Tage nicht arbeite, ohne gleichzeitig einen Anspruch auf Be- zahlung des Tages geltend zu machen. Hierbei möchten wir wiederholt betonen, daß Abreden, die Nichtzahlung deS Lohnes für Feiertage festsetzen, rechtsungültig sind. Denn sie verstoßen gegen ß 2 des Lohnbeschlagnahmegesetzes. Das wird unter anderem auch in dem bekannten Meyerschen Kommentar zum Lohnbeschlagnahniegesetz anerkannt. Versammlungen. Der Zentralverband der Sckimicde hielt am Montag in den Musikersälen in der Kaiser-Wilheliro-Straße eine gut besucht« außerordentlich« Mitgliederversammlung ab. Die" Delegierten Samereier und S ch l i n s k y erstatteten Bericht von dem in München stattgefundenen Verbandstage. Sie gaben«inen aus. sührlichen Ueberblick über die Verhandlungen und Beschlüsse des- selben und halten diese als zufriedenstellend. In der Diskussion nahm zunächst Basner, der als AuSschußvorsitzender an den Verhandlungen des VerbandStages teilgenommen hat, daS Wort, um darzutun, wie der VcrbandStag dazu kam, die von der Man. datSprüfungSkommission beanstandeten fünf Berliner Mandate dennoch als gültig zu erklären. Der VerbandSvorstaud hatte eS unterlassen, dem berechtigten Protest stattzugeben und eine Neu. Wahl anzuordnen. Der Vorstand hatte demnach ein gut Teil Schuld daran, daß die Berliner Mandate nicht unanfechtbar waren. Der Verbandstag wollte aber die Zahlstelle Berlin nicht unvertreten- sein lassen. Schubert ging des näheren auf den Geschäfts. bcricht des Vorstandes ein und machte die schwankende Haltung des Verbandsvorstandes in verschiedenen bedeutungsvollen Fragen» für die Stagnation in der Mitgliederbcwegung des Verbände» verantwortlich. H e n t ch e l ging aus die beschlossenen Statuten. abänderungen ein und bezeichnete sie als dürftig und oberflächlich. Obwohl sämtliche Berliner Delegierte zu den Befürwortern der Verschmelzung des Verbandes mit dem Deutschen Metallarbeiter. verbände zählen, zeigte doch die Diskussion sowie die Stimmung der Versammlung, daß noch eine beachtenswerte Minderheit der Berliner Mitglieder gegen die Verschmelzung ist. Die genannten Redner gehören dieser Minderheit an. Sie forderten, unter Zu. stimmung eines wesentlichen Teiles der Versammlung, daß die vom Verbandstag im Prinzip beschlossene Verschmelzung erst nach einer Urabstimmung im Verbände erfolgen darf. Daß der«er. bandstag am Frohnleichnamsfeste einen ganzen Verhandlungstag ausfallen ließ, hat Mißfallen erregt. Ein Antrag, nach dem dies auf das Entschiedenste verurteilt wird, sowie ein Antrag, der sich gegen die beschlossene volle Ausnutzung des Delegationsrechtes des Verbandes zu den verschiedenen Kongressen wendet, lagen schon zu Beginn der Berichterstattung vor. Die weitere Diskussion über die Berichterstattung und die Abstimmung über die vorliegenden An» träge wurden aus ein« spätere Versammlung vertagt. Die Versammlung nahm darauf zu der Höhe des LokalbcitrageSi Stellung. Schlinsky empfiehlt namens der Ortsverwaltung. es bei dem bisherigen Beitrag von 10 Pf. pro Woche zu belassen. Stenzel beantragt, den Lokalbeitrag auf 5 Pf. herabzusetzen. Nachdem noch BaSner und andere für den Antrag Stenzel! gesprochen, wurde derselbe angenommen. Darauf wurden zu Gau. beiiltzern Ferch land, Hentschel. Schlinsky und Timmermann, in den Ausschuß Battmer, Karl Müller, Samereier und Schubert gewählt. Zu unserem Bericht über die Generalversammlung deS vierte» Wahlkreises werden wir gebeten, nachzutragen, daß dort die Ge. nossin-Wengels als Delegierte für den internationalen Kongreß ,n Kopenhagen vorgeschlagen ist. Freitag, den 17. Juni. Anfang VI, Uhr. Rene» königl. Lpern-Theater. Lohengrin. Anlang 8 Ubr. Deutsches. Ueber unsere Kraft. Kammerspiele. LiebeSwalzer. Lessing. Kasernenluft. Komische Oper. Der Regiments« Papa. Neues Schauspielhaus. Der Flieger. Kleines. Nur ein Traum.(Ansang Ber/iner.�Taisun. Neues. Die goldene Ziitterzeit. Neues Lveretten. Der Graf von Luxemburg. Thalia. CharlehS Tante. Hebbel. Wem gehört Helene? Koketterie.(Ansang S1/. Uhr.) Schiller o. iVnnncr- itjtui.i.) Die zärtlichen Verwandten. In Zivil. Sch>uer Tharlottenburg. Die Katakomben. Friedrich- Wilhelmstädtisches. Sherloa Holmes. Volksover. Der Herr Verteidiger. (Anfang 8'/, Uhr.) Roke. Wach- und Schließgesellschast. Lustsptelhaus. Das Leutnants« mündel. Merrovol. Halloh II— Die große Revue. FolieS tvaprice. Pariser Ehen. DaS Versöhnungsfest.(Ansang S',. Uhr.) Apollo. Spezialitäten. Wintergarten. Spezialitäten. vanage.«Spezialitäten. NeichSliallen. Stettin«! Sänger. Walballa. Svezialitäten. Brater. Im Reiche de« MarS. Urania. T»»ve»strnft««kt/tv Abends 8 Uhr: Im Lande der Mitternachtssonne. Steenwnrtc, Jnvalidenstr. 57— 62. Lessing-Theater. Täglich 8 Uhr: Kasernenlust. Berliner Theater. Heute 3 Uhr: TÄlfrllR» Morgen: XaHwn._ Neues Theater. AbendS 8 Uhr: Die goldene Rilterzeit. Morgen und folgende Tage: Vlv goldene RUterieit. Wenea Operetten-Theater. Heute und solgende Tage 8 Uhr: Der Graf von Luxemburg. Sonntag nachmittag 8 Uhr zu er« mäßigt. Preisen: 0!» lZollaepi'inrseiin hMsiMilkeWiNIsoiigs Schauspielhaus. Freitag, den 17. Juni, abends 8 Uhr: Sherlock Holmes. Detekttvkomödie in 4 Akten von Ferd. Bonn. Morgen und solgende Tage: Sherlock HolmeS._ Lustspieihaus. Abends 9 Uhr: Das Leutnantsmiindel Mn\V Jeden Sonntag: Rlcaen-Eand- und Wasser B vtRX 14.» Anfang 3 Uhr. Wochenlags 4 Uhr. Gesamteintritt 29 Pf. Kinder frei. ►♦♦t „KastanienwäldcbeD Schönholz Endhaltestolle der Strailenbahnlinien 36, 37, 38 u. 8 sowie 2 Minuten vom Bahnhof Sohönholz. 8786L* JtönstterUonzGrt"SSS" Im Parkett- R ci 11 bei stark besetztem Spiegelsaal: UrOlaer Oall Orchester.::: Empfehle den geehrton Vereinen und Gesellsohafton meine Lokalitäten, Saal m. Theatorbühne zur gefl. Benutzung. Allgemeine Städtebau-Ausstellung Auf vielseitigen Wunsch wird die Ausstellung verlängert. Schluß 26. Juni. Bisheriger Besuch: 60000 Personen. M # m G Deutscher Metallarbeiter-Verband. Ortsverwaltung Berlin.— SüdemBezirke und Rixdorf. Sünnabend, den 18. Juni 1910, in der„Neuen Welt", Hasenheide 108*114: Gr. SommerBPest bestehend in Konzert und Spezialitäten'Vorstelluns* Volksbelustigungen im Amerikanischen Vergnügungspark. Anfang des Konzerts 4 Uhr. Anfang der Vorstellung 6 Uhr. Um 9',, Uhr: FaCkelpOlOnaiSe, Sw°�ern7g� e'rhält „_,. tti. i. TTows-w Herren, welche daran teilnehmen, Im großen Saale von 4 Uhr ab: f SNZe zahlen 69 Pf. nach. Die KalTeekttche steht den geehrten Damen von 2 Uhr an aar Verfügung. BlUctts»5 Pf. 117/6 "Wl f ck Da» Knmlt««. -I-I- Arbeiter- Radfabrerbund„Solidarität" Gau 9 Provinz Brandenburg Gau 9 Provinz Brandenburg Q ü (Sonntag, den 19. Janl 1010: Großes Gausportfest in der„Seeterrasse", Lichtenberg, Röderstraße 11—13 -*(zwischen Landsberger Allee und Böderplatz). Größtes und schönstes Lokal Berlins. 59 909 Personen fassend(mit großem See.) —— Bei ungünstiger Witterung Schutz für 8000 Personen. Reichhaltiges Programm, vonsuhran: Ul1* Großes Konzert« Auftreten allererster Kräfte ♦ Kunst- und Relgentahren. Tolkukeinatlgungen und Kinderspiele aller Art. Prelskegeln< Riesen.Landa und Wasser.Feuerwerk. Billett(nur an der Kssse) 25 Plennlg. Kinder unter 14 Jahren haben freien Eintritt. Jedes Kind erhält ein PrSsent. 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Juni, abends 8'/, Uhr, in den Armin. ballen, Konunandantenstrafie 68160 freiligrath-feier Rezitation Freiligrattischer Gedichte Herr Schauspieler Hans Marchand. V ortrag: Dr. Rud. Breitscheid. 286/17 Am Sonntag, den 10. Juni 1010, findet per Urabstimmung die velsgiettenivahl zum Mcrnationalcn Kongreß ftthitnanns Theater Schönh. A. 143— Kastanien-A. Si';99, Ob schön l Täglich: Ob Regen i Abends 7 Uhr: DolldttMmldkrslhBMuck. Der lahme Joseph: Dir. Karl Reich. Vor- und nachher: Die brillante» Spezialltäte» d. zweiten Junihälsle. Ansang Dochentags'1,5 Uhr. Sonntags Vjt Uhr. Entree 20-60, Sonnt. 30-100 Pf. Kinder halbe Preise. F üiiigstadt-Kagino. £ olzmarktstr. 27, Ecke Alexanderstr. i Inhaber: Uax Lebindelbauee.) Im ksrrücben tlaturgarten täglivk: U. a.: Else Vluilsnia, Soubrette. Paul hiattinett, Bauchredner. Emm> und August Clever, das kleinste Duettistenpaar der Welt. Ans. Wochent. 7'/,, Sonnt. 5 Uhr. Serliner Praw-Thkliw llastanienallos 7—9. Täglich: SmHeichedesItßars Spezialitäten. Konzert u. Ball- Ansang i1!, Uh r. Entree 30 Ps. xsmiK SüRTSI« Täglich: Gastspiel d.Kapelle des Kgl. Schwed. Dalregiraents. Dir. Leutnant®. Pegel. Eintritt 1 Mark. von abends 6 Uhr ab 50 Ps., Kinder unter zehn Jahren die Hälfte. Gr.Bßife Üiiiisiausstelliiüii 1910 30. April bis 2. Oktober. Im Park täglich Doppcl-Konzert. Eintritt: 10—6 Uhr 1 M.. u. 6 Uhr ab 60 Ps., Sonntags 50 Ps. Dauert. 6 M. REKLAME-ANGEBOT Preis nur für heute Freitag Melton'PantofTel mit schwarzer Filzsohle und Pompon, in verschiedenen Farben, für Damen 'Pf, fl.ionilorf&C9 Spittelmarkt Belle-Alliancestrasse Grosse Frankfurterstrasse Brunnenstrasse Kottbuser Damm in folgenden Lokalen statt: 1. E. Schulze, Forsterstr. 17. 7. 2. F. Wählisch, Skalitzer Str. 22. 8. 3. M. Mix, Skalitzer Str. 59. 9. 4. A. Gruudmann, Pilcklerstr. 18. 10. 3. P. HosfmaUU, Oppelner Str. 47. 11. 6. P. Litfitt, Memeler Str. 67. Wahlberechtigt ist nur das Mtglied, welches träge entrichtet hat. Die Wahlzeit beginnt 10 Uhr vormittags und O. Reetz, Goßlerstr. 10/11. A. Boeker, Weberstr. 17. t.£>ecfer, Samariterstr. 11. ► Rott, Straßmannstr. 29. �5. Friedeberger Str. 1. 218/18» bis zum März dieses Jahres seine Bei- endet 1 Uhr nachmittags. _ Der Vorstand. Kai Ziejenlials, Billigste, bestsortierte Elnkanfsqnelle für Händler. Zigaretten, Zigarren und Tabake. Größte Niederlage von: G. A. Hane wacker, Hordhansen. JJL Kanewacker. Vor yachahwmngcn wird gewarnt. nur echt, ISelowsky's Bolero■ CI�aretteBa bleiben unubeptroffenl mit Hundstfiek ohne Mandst&ek GoldmandstQek 10 Stuck 20 Pfg. Achtung! l Achtung! Mr Sommer- und Kinderfeste°mps°hi-nl � Stocklaterneu, Fackeln, Schärpen, Dckorations- Girlanden, Verlosungsartikel, Harken, Sensen, Keglerpreise, Jux- und Scherzartikel, Feuerwerk, Feslabzcicheül — Gr. Aaswahl.-- Billige Preise.-- Kulante Bedienung.— Pohl Jt Weber Naehf. Spittelmarkt 4/6 I Hl? A» TW Jnh.: Otto Oeser. 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Von Eugen Varga.— Die Konsum« grnossenschaslen und der Soziolisinu». Von Sregmund Kaff.— Literarische Rundschau: Hon» Driesch, Zwei Vorträge zur Naturphilosophie. Von Lipschüh.— Notizen: Die Fachtech nik in der GewerkschastSpresse. Von Joses Kliche.— Zeitschristenschau. Feuilleton der NeuenZeitNr. 38: Ferdinand Freiligrath. Geboren 17. Juni 1819. Von Karl Korn. Der Fabrikhau und die Kultur. Von Joseph Aug. Lux.— Bücherschau: Wir sind die Kraft l Georg Büchner, Gesammelte Schristcn. Ccsare CastellI, Da» dritte Rom. John Henry Mackay, Max Stirner. Sein Leben und sein Werk. Sammlung lultnr- geschichliichcr Bublilationcn. I. Da» galante Preußen gegen da» End« de» achtzehnten Jahrhundert».— Lose Blätter; Von Hamburg nach Neapel. Die.Neue Zeit" erscheint wöchentlich einmal und ist durch alle Buch- Handlungen, Postanstaltcn lind Kolporteure zum Preise von 3.26 M. pro Quartal zu beziehe»; jedoch kann dieselbe bel der Post nur pro Quartal abonniert werden. Da» eiiizelne Hest kostet 26 Ps. Probcnummcrn stehen jederzeit zur Verstigimg. März» Hawmonatsschrist für deutsche Kultur. Herausgeber: L. Thoma und H. Hesse. Zweite» Junihest. 1,29 M. A. Laugen, München. Mazdaznan. Liescrung 3. Atmung»- und Heilkunde von Dr. O. Z. Hantich. Selbstverlag. Leipzig. Die Ilcbcrbrückung der Kluft zwischen den materiellen und geistigen Vorgängen als Grundlage zu einer neuen Weltanschauung. Von H. I. Bünz. 1 M. E. Pierson, Dresden. SczialiiefflokratiseiiJaliifereiii 4. für den Görlitzer Biertcl Bezirk 178, Teil II. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Genosse, der Wasch. metster Karl DreRBer Kottbuser User 35 gestorben ist. 218/6 Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Freitag, den 17. Juni, nach- mittag» 4 Uhr. von der Halle de» Heitandt-Kirchhose», Plötzen- see, aus statt. Der Vorstand. St�aldeffloRratlsctier Wablverein des 8. Ber!. Reichstags-WaWkreises. Todeti- Anasclge. Am 14. Juni verstarb unser Mitglied, der Metallorbeiter Paul Schönau (Korsörerstr. 9). Ehre feinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 13. Juni, nach- mittags 4 Uhr. von der Leichen- Halle de» Gethsemane-Kirchhoses in Nieder-Schönhausen aus statt Uni rege Beteiligung ersucht 227/20 Der Vorstand. Arbeiter-Radfahrer-Verein Norden 1900. Mitgl. d. Ar!).-Radf.-B. Freiheit. Den Sportgenossen zur Nach- richt, daß unser Mitglied Paul Schönau am 14. Juni in Buch verstorben ist. Ehre seinem Andeukrn! Die Beerdigung findet am Sonnabend nachmittag» 4 Uhr von der Leichenhalle de» Seth- semane- Kirchhose» in Nieder- Sqöuhausen au» statt. 2S«4b Oentsctier Metallarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin, Todes- Anzeige. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Dreher Alfrel! limmermsov am 12. Junt beim Baden er- trunken ist. Ehre seinem Andenken k Die Beerdigung findet am Freitag, den 17. Juni, nach- niittag» 5 Uhr, von der Leichen- Halle de» neuen Hellands-Ktrch- hose» in Plötzensee au» statt. Rege Beteiligung erwartet Die Ortsvcrwaltung. Deutscher Transportarbeiter-Verband, Hiermit bleue den Kollegen zu: Nachricht, daß unser Mitglted, der HauSdi-ner (Zottlieh Krupinski plötzlich gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Freitag, den 17. Juni, nach. mittag» 4 Uhr, auf dem städti- scheu Friedhos zu Spandau statt. 0ie Bezirksverwaltung Gr.-Berlin. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und die reichen Kranz- spenden bei der Beerdigung meiner unvergeßlichen Frau Emilie Lecher geb. Sperling sage ich allen Freunden und Be- kannten meinen herzlichsten Dank. Wilhelm Becker. Bantlschlcr verlangt GengssenschastStischleret auswärt», welche 2999 M. bei Eintritt al» Stammanteil erwerben. AuSlunst ünHolzgeschäst Oberbaum- straße S von£-3 u. 8—9. 25703 Deulseher Holzarbeiter- Verband Den Mitgliedern zur Nachricht. daß unser Kollege, der Stell- mach« Frledricli Gehrmann am 12. Juni gestorben ist.' Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Freitag, den 17. Juni, nachmittags 4 Uhr, von der Halle de» Pauls- Kirchhofes in Plötz-nsee aus statt. 85/7 Die Ortsverwaltuug. Allg. Kranken- ll.Sterbtdasst der Metallarbeiter. E. H. 29, Haniburg. FUiale Berlw 4. Wtllikdtr-Kersammlllng am Sonnabend, den 18. Juni 1919, abends 8'/, Uhr, bei Merkowski, AndreaSstr. 26. TageS- Ordnung: Wahl der OrtSvnwoltung. Kassen- dericht pro Mai. Verschiedenes. Zahlreichen Besuch erwartet Di« Ortsverwaltung. fichtuvg, IPutztr! Sieibebretter, Kardätschen, Pinsel, Pantoffel usw. empfiehlt Alhert Bacrmann. Charlottenburg, Sohillerstr. 92.* Dnnksngung» Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meiner innig gellebten Frau üiise Tiinpe geb. Wide spreche ich hiermit meinen herzlichsten Dank aus. Der trauernde Gatte Hermann Dimpe, Restaurateur. IZciltwImluiiid der MsjWjkll md Heizer foniic Kerilssseiiosseii DeiiWilllds «�na: Zloliegkn von bertiu unä Umgegend,"äj Jerliner Ärbeilsr ilailtabrer-fereiir Mitglied de» Arbeiter» Radsahrer-Bunde» »Solidarität»'. Touren n,» zum Sonntag, den 10. Juni. Gau- Fest in Lichtenberg, Seeterrasse. Abtcilungsstart: 1 Uhr an dm de» kannten Stellen. Sammetstart: 1'/, Uhr Kllflrwer Platz. Start für die östlichen Vorort» vereine: Lichtenberg, Psarrstr. 74. VaM der Hafenarbeiter und verwandten Berufsgenossen Deutschlands. ■ iBUtgHedachaft BerUn. Sonntag, den 19. Junt 1910. vormittag» 19'/, Uhr ::: Mitglieder-Versammlung im Königstadtkasiu», Holzmarktstr. 72. Tagesordnung: 1. Ausnahme neuer Mitglieder. 2. VerbandSangeregenheite». 3. Per« schieden«». Der Borstand. NB. Da wir kurz vor dem Zusammenschluß stehen und noch wichtige Sache:: zu erledigen sind, ersuchen wir die Kollegen, Mann für Mann zu erscheinen. 19/7 Sensatilillktle Erfiud«ng in Wasfersp ort 25S3b vergibt gegen Beteiligung am Gewinn (L gj1, Weinstr. 22. Heute Freitag, abdS. 8'�Nhr, im Gewerkschaftshause, Engelufer 14/15, Saal 4(Arbeitslosen, aal): Ttt-ung(top GntsverwaHung. Aus Grund des§ 16 Absatz 10 de» Verbandsstalut» findet am Sonntag, den 19. Jnni, vormittags lO Uhr, In Berlin, Im Gewerksehaftshausc, Saal 1, Engclafer 15. eine Kombinierte Versammlung von Mitgliedern solgcudcr Zahlstellen statt: Berli«, Charlottenbnrg, Frievrichshaffen, Herzfelde, Köpenick, KönigSwusterhaoscn, Körbiskrug, NowaweS, Ober-Schöneweide, Spandau und Belke». Tage». Ordnung: Wahl von vier Verbandsvorstandsmitgliedem und Wahl von vier Mit» gliedern der Zeitschrislenkommission. Der Eintritt ist nur Mitgliedern de: obengenannten Zahlstellen gegen Vorzeigen deS Mitgliedsbuches gestattet, jedoch müssen die Beiträge voll de» zahtt sein.(145/11) Der BerbandSvorstand. ArbettSnachmei«: Hos l. Amt 3. 1239. BertvaltunqSttellc Berlin. Hauptbureau: Charit6stra6e 3. Hos III. Amt 8, 1937, Sonutag, den 19. Juni er., vormittags 9'/, Uhr der Liten-, itketall- u. flfcvolverdrcher fowie ßund!(l)!cifer in den Masiker-Fcststtlen(gr. Saal), Kaiser-Wilhclm-Str. 18m. TageS-Ordnung: 1. Bortrag de» Genossen Georg Schmidt. 2. Diskussion. 3. Branchenangelegenheiten. Zu dieser Bersammlnog sind alle Kollegen, welche am 1. Mai in den .Germania-sälen' waren, eingeladen. Sonntag, den 19. Juni er., vormittags 1« Uhr Mitgliederversammlung idlershof, Alt-Glienicke Rudow in Lokal von Bengsch-Siblec�hof, Sedanstr. 3/4. Sage». Ordnung: 1. Die Emanzipationsbestrebungen der Arbeiterschaft'. Referent: Kollege Adolf Waschick. Kollegen I In Anbetracht der äußerst wichtigen Tagesordnung ist da» Erscheinen aller dringend notwendig. --------------------- Gäste willkommen.----------------- 117/7 VI« OrtBTem«ltaBff. taghell, wenn Sie auf Ihrer Lampe Urania=Salonoel brennen. "Wenn Sie die Sicherheit haben wollen, das seit Jahren rühmlichst bekannte Urania-Salonoel ■"(der Name ist gesetzlich geschützt)■ zu erhalten, dann fordern Sie beim Einkauf nicht nur„Salonoel", denn unter dieser Bezeichnung wird sehr oft ein Gemisch mit billigeren Sorten verkauft, ========= Nur der volle Name' Urania-Salonoel bietet Ihnen die Garantie, das unverfälschte amerikanische Sicherheits-Petroleum zu erhalten. Urania-Salonoel bietet größtmögliche Sicherheit gegen Explosionsgefahr bei höchster Leuchtkraft. Keine Verwechselung mit österreichisch. --------(galizischem) Petroleum.......■ Nebenstehendes Plakat bezeichnet die Ver- == kaufssteilen.===== 99 Freiheit" i Dentseh-Ämerikanisehe Petroleiim-Gesellseliaft. Bellevue Woitersdorfer Sehleiise, empsichlt sich zu Dampferpartien� ASSb' Großer Parkettsaal. Garten direkt am Tee. Iii», Simmel Spezial-Arzt für Haut- und Harnleiden. Prlnzenstr. 41, Äk 10—�6—7. Sonntags 10— 12, 2—4 I. Kreis. 2. Bezirk(TeItow=Beeskow) Sonntag, den 19. Juni 1910 in IBieeler-Sehöneweide verbanden mit Gartonkonzert, sportlichen Anf f äilirunercn und Ball. Nachm. ü Uhr: Korsofahrt mit geschmttckten Rädern. Eintritt 15 Pf. Tanz 50 Pf. Vorbindung mit d. Stadtbahn»owie Görlitzer Bahn. 11/10 Bei* Krclsvorstand. I. A.: Franz PreuB. Jedes Wort 10 Pfennig. Pas erste Wort(fettgedruckt) 20 Pfg. Stellengesuche und Schlafstellen- Anzeigen 5 Plg.; das erste Wort (fettgedruckt) 10 Pfg. Worte mit mehr als IS Buchstaben zählen doppelt. ) Kleine Anzeigen[ ANZEIGEN für die nächste Nummer werden In den Annahmestellen für Berlin bis I Uhr, für die Vororte bis 12 Uhr, In der Haupt-Expedition, Llndenstrasse M, bis 5 Uhr angenommen. Verkäufe. Maßanzüge. Tuche. Knaben- onzüge 1,50. Herrenanzüge S,50. Paletots 12,00. Monteurjacke 1,00. Mechlmikerlittel 2.00. Zwanglose Besichtigung. Verlauf an Private. Tuchgesellschast Kottbuserdamm 16117. Taschenbuch für Gartensreunde. 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Sür den Lnstxgtenteil verantw�: Th, Giode, Berlis), Druck«.veklSg: Vorwärts»vchdrttde.r« it. Verlagsanftglt Uggt Singer&®p« Berliz, SW.