Kr. 140. nbonnementS'Rtdlngungen: Abonnements- Preis pränumerando: Bicrteljährl. 3£0 Mb, monatb 1,10 Mb, wöchentlich 28 Pfg, frei ins Haus, Einzelne Nummer 5 Pfg, Sonntags- tiuinmer mit illustrierter Sonntags- Beilage„Die Neue Welt" 10 Pfg, Post. Abonnement: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post-Zcitungs- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn L Marl, für das übrige Ausland Z Marl pro Monat, PostabonnemcnlS nehmen an: Belgien, Dänemark, Holland, Italien, Luxeniburg, Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz, 37. Jahrg. Crfdieint Wich auücr montags. Verlinev Volksblstk. Die Tnfertlons' Gebühr beträgt für die fechsgespaltene Kolonel- xeile oder deren Raum 50 Psg., für politische und gcwerlschastliche Vereins- und Vcrsanimlnngs-Anzeigen 30 Psg. „Ulein« Snr«lg-n". das erste ffett- gedruckte) Wort 20 Psg,. jedes weitere Wort 10 Psg. Stellengesuche und Schlaf- flellcn-Anzcigcn das-rstc Wort 10 Pfg. jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte übe.: 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Rumnier müssen bis Z Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ijt bis 7 Uhr abends geöffnet, Telegramm- Adresse: „Sozialdeinoltrat Berlin". Zentralorgan der rozialdemokratircben Partei Deutfcblands. Redaktion: 831. 68, Lxndcnstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Sonnabend, den 18. Jnni 1910. Expedition: 831. 68, tindenstrasae 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984. Lieg in Fommern. Swinemünde, 17. Juni. (Privatdepesche des„Vorwärts".) Bei der heutigen Stichwahl im Wahlkreis Usedom-Wollin erhielten Kuntze(Soz.) 10 158, v. Böhlendorfs(k.) 9456 Stimmen. Einige kleinere Orte stehen noch aus. Der Sieg Kuntzcs ist gesichert. Die Zahlen der Hauptwahl lauteten: Kuntze (Soz. 7768, v. Böhlendorff(k.) 6132, Herrendörffer (Fortschritt) 4319 Stimmen. Die Stimmenzahl des Sozialdemokraten stieg in der Stichwahl um 2399, die des Konservativen um 3324. An den guten Anfang haben unsere Genossen in Usedom- Wollin ein gutes Ende geknüpft. Ueber dem Wahlkreis weht das rote Banner, der achtundvierzigste Sozial- demokrat zieht in den Reichstag der Hottentottenwahl, die unsere Fraktion auf 43 herabgedrückt hatte. Es geht prächtig vorwärts... Der Sieg in Pommern ist nur ein Glied in der Kette der Erfolge, die jede Nachwahl der Partei der Arbeit gebracht hat und jeder dieser Erfolge ist redlich verdient. Nicht nur der unermüdlichen Arbeit der Organisation und Auf- klärung, sondern auch der unbeirrbaren und unerschütterlichen Politik, die die Partei befolgt hat, verdankt sie die sich mehrenden Erfolge. Als 19l)7 die Zunahme unserer Stimmen „nur" eine Viertelmillion betrug und unsere Mandate auf 43 sich verminderten, da glaubten die Bürgerlichen den Moment gekommen, die Partei von der geraden Linie ihrer Politik, die ihr die Erkenntnis der gesellschaftlichen Vewegungsgesetze und das Klasseninteresse des arbeitenden Volkes bestimmt. endlich abdrängen zu können. Es war vergebliche Hoffnung. Die Arbeiter haben ihre Politik nicht geändert, aber die Politik der Herrschenden erlebte ihren schmählichen Bankerott. Von den Versprechungen, mit denen sie die Wahlkampagne be stritten, ist keine einzige erfüllt worden. Statt des versprochenen Fortschritts Rückschritt; statt Sozialreform Stagnation, statt Entlastung der durch die Zollpolitik niedergedrückten Arbeitermassen der ungeheuerliche Raubzug der halben Milliarde. Aber eins hat das deutsche Volk gewonnen in diesen Jahren: Klarheit. An Stelle des Scheinlibe� ralismus der Bülow und Dernburg ist die offene Diktatur der feudal-klcrikalen Reaktion getreten und die politische Macht- frage ist endlich unzweideutig gestellt. Und auf die klare Frage gibt das deutsche Volk klare Antwort. Der Schwindel der Hottentottenwahl wird an ihren Urhebern und Opfern gerächt und die Enttäuschten von 1907 strömen in Scharen zu der Partei, die sie nie enttäuscht hat und nie enttäuschen kann, weil das Interesse der arbeitenden Masse ihre einzige Richtschnur ist. So bringt jede Wahl neue Fortschritte der Sozialdemo- kratie auf Kosten aller bürgerlichen Parteien, die alle einen Teil der Verantwortung tragen für das Regiment der Reaktion und Unfähigkeit� das heute über Deutschland errichtet ist. Der Rückgang der bürgerlichen Stimmen wird aber zugleich begleitet von einer Verschärfung des Gegensatzes zwischen den bürgerlichen Parteien selbst. Die Parteien des schwarz-blauenBlocks mögen es noch so hartnäckig leugnen: die Erbitterung des Volkes ist doch in erster Linie gerichtet gegen die Urheber der elenden Reichssinanzreform, gegen die tückischen Feinde des gleichen Wahlrechts. Die Führer der Fortschrittlichen Volkspartei— von den Nationalliberalen ganz zu schweigen— können sich freilich noch imnier nicht zur Erfüllung ihrer politischen Pflicht aufschwingen. Das deutsche Volk will endlich den Entscheidungskampf gegen die unerträg- liche Pfaffen- und Junkerherrschaft auskämpfen. D i e liberalen Führer lassen es im Stich. Die Nationalliberalen haben sich nicht gescheut, in dem pommerschen wie in dem hessischen Wahlkreis die Parole zugunsten der verhaßten Konservativen auszugeben; der Partei der großindustriellen Scharfmacher ist der Sozial- demokrat ein größeres Uebel als der Junker und Agrarier. Aber auch die Fortschrittler wagten nicht, die einzige, gerade vom Standpunkt des Liberalis- mus notwendige Entscheidung zu treffen: keine Stimme den konservativen Todfeinden der politischen Freiheit. Und da sie auch vor dem Gegenteil zurückschreckten, so enthielten sie sich jeder klaren Stellungnahme und über- ließen dies den Wählern. Diese spalteten sich. Zur Zunahme unserer Stimmen haben am meisten unsere eigenen Reserven beigetragen, nur ein Teil der freisinnigen Stimmen ist unserem Kandidaten zugefallen. Mit um so größerer Befriedigung dürfen wir uns des Sieges freuen. Wir wissen, daß unsere Erfolge nur dann gesichert sind, wenn sie aus eigener Kraft er- rungen; wir wissen, daß in den großen sozialen Entscheidungs- kämpfen zwischen Proletariat und Bourgeoisie die Arbeiterklasse allein steht, allein gegen die vereinigten Gegner. Allerdings in der jetzigen Phase des Kampfes handelt es sich in Deutschland darum, ob das Bürgertum die Kraft und den Mut findet, seine Herrschaft in den entwickelten poli- tischen Formen, wie sie in den Weststaaten erreicht sind, aus- zuüben, oder ob es noch länger der junkerlichen Prätorianer- garde unterworfen bleiben soll, die als Preis der Herrschaft die Plünderungsfreiheit ihrer Kaste fordert. Darauf gibt der Ausgang dieser Wahl keine Antwort, die zu allzu zuversichtlichen Hoffnungen berechtigte. Immerhin, die Wähler in Usedom-Wollin haben gegen die Junker entschieden. Die Lehren der letzten Jahre sind nicht der- geblich gewesen und der blinde Furor gegen die Sozialdemokratie der 1907 die Liberalen den Konservativen zugetrieben hat, ist verflogen. Aber so erfreulich dieses Resultat ist. es ist nur ein vereinzeltes. Die Geschichte des deutschen Bürgertums und gar die Geschichte des deutschen Liberalismus. warnt eindringlich vor optimistischen Hoffnungen. Doch nicht darauf gründet sich unsere Zuversicht. Viel wichtiger als das Verhalten der anderen Parteien ist die Tatsache, daß die Wcrbekraft unserer Partei gewaltig zugenommen, daß die Zahl unserer Anhänger, die Stärke unserer Organisationen und unserer Presse sich stetig der mehrt. Die Sozialdemokratie ist auf dem Marsche und unsere Aufgabe muß es sein, alle Kräfte ein zusetzen, die Gunst der Umstände zu nützen und alles aufzu bieten, daß die schönen Verheißungen der letzten Nachwahlen bei den allgemeinen Reichstagswahlen, die diesmal so bedeutungsvoll sein werden, ihre Erfüllung finden. Ruch ein Welchen. Das Saarrevier ist heute von den industriellen Gebieten Deutschlands noch das einzige, wo die Sozialdemokratie zurzeit erst eine kleine Minderheit der Arbeiter zu erfassen vermocht hat. Im Jahre 1997 wurden in den beiden Wahlkreisen Saarbrücken und Ottweiler-St. Wendel erst 3493 sozialdemokratische Zettel abgegeben bei 82 267 gültigen Stimmen. Die Gründe dafür sind verschiedener Art. Saarbrücken ist nicht nur das Land der Stummschen Praxis, der brutalsten Arbeiterknebelung und Vergewaltigung, bei der die Verwaltung der staallichen Bergwerke Hand in Hand mit den Kohlen und Schlotbaronen des Bezirks geht, die Ausbeuter der Arbeiter- klaffe haben dort auch den konfessionellen Gegensatz— katholische und protestantische Bevölkerung halten sich in den Kreisen fast genau die Wage— stets wach zu erhalten und für ihre Zwecke auszunützen verstanden. Der Kampf um die Mandate wird dort seit Jahrzehnten zwischen den Vertretern der Großindustrie, die je nachdem steitonservativ oder nationalliberal firmieren, und dem Zentrum auSgefochten. In den Stichwahlen des Jahres 1997 siegten in beiden Kreisen die National liberalen, in Saarbrücken wurde Boltz, in Ottweiler-St. Wendel v. Schubert gewählt. Natürlich haben die Saarbergleuie und Hüttenmänner und Walzwerksarbeiter an diesen beiden Vertretern ihre wahre Freude gehabt. Wenigstens vor der Wahl, denn damals ließ sich der Herr v. Schubert. Generalleutnant z. D., einer aus der Stummschen Dynastie herbei, ihnen das Koalitionsrecht zu versprechen. Das heißt, er wollte dahin wirken, daß die christlichen Gewerkschaftler wegen ihrer Zugehörigkeit zu ihren Organisationen von den industriellen Machthabern nicht mehr verfolgt und gemaßregclt würden. Wenn ihm das Wahlfener auf den Nägeln brennt, wenn er, der bisher immer noch nach dem allgemeinen und gleichen Wahl recht gewählt wird, die Stimmen der Proleten braucht, dann ver- spricht schließlich auch ein Generalleutnant z. D., was er sonst nicht versprechen würde. Mit dem Versprechen ist es aber in solchem Falle leider noch nicht einmal getan, wie sich jetzt erweist. Die Proleten glauben sogar ein Anrecht auf Erfüllung des VevsprechenS zu haben, und da sie der Ansicht sind, daß sie darum betrogen find, so erklären sie jetzt gar. sie wollten künftig nicht mehr nationallibcral wählen. Am 5. Juni haben etwa 399 Vertrauensleute des christlichen Bergarbeiter-GewerkvereinS ihrer Entrüstung über die Haltung des Herrn v. Schubert erbittert Luft gemacht. Und fie blieben nicht beim Schelten und Drohen, sondern handelten. Sie beschlossen, für die nächsten Wahlen den Bergmann und Knappschastsältesten F 0 r st e r- Neunkirchen als Arbeiterkandidatcn aufzustellen. Eine Arbeiterpartei wurde gegründet. Hauptredner dafür war ein Bergmann Bolz, der im Jahre 1992 noch offizieller Wahlrcdner für Schubert ge- wesen. Der Versuch eines Herrn Wollerbaum aus Bielefeld, die Leute für die Christlichsozialen zu gewinnen, mißlang durchaus. Sie er- klärten die Bezeichnung.christlich" in der Politik für Unsinn. Ueber die Aussichten dieser neuen Partei läßt sich noch nichts sagen wahrscheinlich wird sie indes die Nationalliberalen so schwächen, daß das Mandat dem Zentrum zufällt. Auf alle Fälle ist das Vorgehen der Dreihundert ein Zeichen erwachenden Klaffen- bewnßtseins— wenn die Proletarier des SaarcevierS nicht direkt zur Sozialdemokratie kommen, so begreift sich das leicht aus den ganz besonderen Verhältnissen des Kreises. Die Logik der Tatsachen wird fie schließlich aber früher oder später doch in das Lager deS klassenbewußten Proletariats führen, das sie jetzt noch scheu meiden. Die Pariser Selchivorenen gegen die aariiche CocMpitzelel Paris, 15. Juni.(Eig. Ber.) Die Geschworenen haben heute den Attentäter Rips freigesprochen. Es ist ein politisches Urteil und darin liegt seine Bedeutung. Rips hat erklärt, seine Tat mit voller Ueberlegung vollbracht zu haben und doch haben die Richter einen Schuldspruch nicht fällen wollen. Ihr Urteil ist so ein Urteil über das ver- brecherische Treiben der zarischen Polizei, eine Demonstration des Volksgewissens gegen die Gemeinschaft mit dem Zaren- regiment, die die Staatsklugheit der Regierenden nicht ab- zuweisen wagt. Der erste Verhandlungstag war dem Verhör des An- geklagten und des Obersten von Kotten gewidmet. Die russische Regierung hatte diesen in der Tat zur Verhandlung beordert, vielleicht weil sie hoffte, durch ihre offenkundige Identifizierung mit dem Lockspitzelwerber das französische Gericht zu beeinflussen, vielleicht auch in der Erwartung, durch die zynische Frechheit Kottens ein gutes Gewissen zu markieren. Sie hat sich vollständig verrechnet. Nicht nur hat Kotten als blamierter— Nichteuropäer den Gerichtssaal verlassen, sondern der Freispruch ist eine schallende Ohrfeige für Kottens Brot» geber, bis zu ihrem obersten Herrn hinauf. Rips, der 21 Jahre alt und Agronom ist, erzählte zu- nächst, wie er durch den ständigen Anblick der von den Organen des Zarismus verübten Gewalttätigkeiten und Rechtsverletzungen erst vom Mitleid für die Opfer ergriffen und dann durch Beobachtung und Studium ein Sozial- revolutionär Ivurde. Er berichtete weiter über seine erste, von Kotten ohne jede juristische Unterlage verfügte Ver- schickung nach Sibirien. Der Polizeikommissar S e r a k 0 w. der in Verakow gegen das Volk gewütet hatte, wurde durch eine Bombe getötet. Unter den zahlreichen, aus diesem Anlaß Verhafteten befand sich auch Rips. Sechs Monate lang konnte er die Motive nicht erfahren, erst durch einen Hungerstreik er- zwang er die Vornahme des Verhörs. Sein Ankläger>var — der Bomben Werfer selb st. Er zog indes seine Behauptungen zurück, worauf Rips auf freien Fuß gesetzt wurde. Vor Gericht gezogen, bekannte der Attentäter, daß ihn ein ehrgeiziger Gen- darmeriehauptmann angestiftet habe.— Bald nach seiner Befreiung wurde Rips auf einem Postamt von maskierten Männern neuerdings arretiert.— Der Angeklagte erzählt im weiteren von dem Vorschlag v. Kottens, als Pro- vokateur tätig zu sein, wobei ihm der Präsident entgegenhält, daß der Oberst erkläre, er habe ihn nur als„Anzeiger" engagieren wollen. Aber Rips hält seine Behauptung auf- recht. Er berichtet, wie ihn v. Kotten mit einem falschen Paß nach Paris geschickt und angewiesen habe, dort mit „Mexandrow" in Verbindung zu treten. In Paris an- gekommen, ging Rips zu Burzcw, der ihn über die Ver- werflichkeit seines Vorhabens aufklärte. Rips wollte sich nun rächen.„Ich habe den Mann töten wollen, der mich entehrt hat. In ihsii wollte ich die Idee der Provokation treffen." v. Kotten, der hierauf vorgerufen wird, sucht vorerst die erste Verschickung und das Verschickungsverfahren selbst zu rechtfertigen. Bei der zweiten Verhaftung habe Rips selbst gebeten, daß man ihn nicht verschicken, worauf er ihm an- geboten habe, Dienste als„Anzeiger" zu leisten.„Die weiteren Details", fügt er hinzu,„hat man ja in der„Humaniö" ge- lesen. Was dort gesagt wird, daß wir erklärt hätten, die Polizei sei den Revolutionären erkenntlich. weil sie nur dank ihnen existiere, so sei diese Wendung sicher gebraucht worden. Sie habe sagen wollen, daß die Polizei von den Revolutionären lebt Ivie die Aerzte von den Kranken und die Anwälte von den Angeklagten." Das Attentat selbst schildert er übereinstimmend mit Rips. Auf die Frage des Präsidenten, warum er dem Untersuchungs- richter geschrieben habe, er kehre nach Rußland zurück, weil ein Leben von den Terroristen bedroht sei, erwidert er kiihn: ,Das war der einzige glaubhafte Vorwand °ür meine Abreise." Genosse Willm rückt dem Polizisten nunmehr mit Fragen auf den Leib. v. Kotten gibt zu, auf der Rückreise in Berlin einer Dame begegnet zu sein. Der Verteidiger fragt, ob er thr die Pariser Vorgänge erzählt und die Persönlichkeit des angeblichen„Lucien", der ihn zu Rips begleitet hätte, bekannt- gegeben habe.„Es ist möglich, ich erinnere mich nicht," ant- wartete Kotten.—„Sind Alexandrow und Lucien etne und dieselbe Person?"—„Auf diese Frage antworte ich nicht."—„Trägt sie nicht einen V i e l g e- nannte nName n?"—„Darauf antworte ich nicht."— >eder Zuhörer weiß, was dieses Schweigen bedeutet: die Identität Lucien-Alexandrows mit Har- ting-Landesen.— Auf die Aufforderung Laboris, die Aufgabe Rips zu präzisieren, erklärt v. Kotten mit eiserner Stirn:„In der russischen Polizei gibt es kernen a�ent provocateur. Man nennt diese Leute geheime Mitarbeiter. Manche verüben Miß- brauche, die man unterdrückt!"---„Und Azew?" ruft Rips. «Ich kenne Azsv. nicht." �' MS erster Zeuge wurde heuie Genosse Jean L o n g u e t dorgerufcn. der das Lockspitzeltum als eine traditionelle ruf- fische Einrichtung nachweist.„Das ist alles alte Geschichte," ruft v. Kotten,„meine Regierung hatmich nurher- geschickt, auf die Angriffe zu antworten, die meine Affäre und nicht die Polizei im allgemeinen betreffen." Willm belchrt den Herrn, daß die russische Regierung über die Führung einer französischen Justizverhandlung gar nichts vorzuschreiben habe.— Der russische Advokat S t a a I weist Kottens Behauptungen über angebliche Rechtsgarantieu bei der Deportation als Lügen nach.— Jaurös gibt die Ge- schichte seiner Intervention im Fall Harting wieder und streift die Gefälligkeit, die ein Teil der französischen Polizei für die russische Geheimpolizei hat.— Willm teilt hier den Geschworenen ausdrücklich mit, daß Harting und Alexairdrow-Lucicn identisch sind. Rubanowitsch behandelt die Affäre Azew. 8 8 Attentate hat Azew mit Polizeihilfe organisiert. In Wilna hat ein Polizeiagent, der sich für einen von seinem Leutnant mißhandelten Soldaten ausgab, 15jährige Mittel- schülcr zur Fabrikation von Explosivstoffen angeleitet. In Warschau hat der vom Gendarinerjeobersten beschäftigte Lock- spitze! S ch e b e l s k i Sozialisten zur Herstellung von Bom- ben bewogen und an den Galgen gebracht. Burzew bezeugt die Ehrenhaftigkeit des Rips. Kotten hat diesen nämlich verdächtigt, seine Polizeirolle ernst genom- men zu haben. Eine Untersuchung von Kottens Tätigkeit hat ihm diesen als Spezialisten im Anwerben von Lockspitzeln gezeigt. Einmal hat Kotten einen Per- hafteten mit dem Revolver in der Hand zur Annahme seines Antrages gezwungen. Die Dame I o s ch e n k o. die v. Kotten in Berlin besucht hat, hat Burzew erzählt, daß Kotten ihr gesagt habe, daß er von Har- Äng zu Rips Hotel begleitet worden sei.— v. Kotten gibt zu. mit Frau Joschenko in Berlin gesprochen zu haben. B a k a i, Burzews bekannter Gelvährsmann in der Azew- Affäre, fügt interessante Details über die L o ck s p i tz e l e i hinzu, die von allen„Anzeigern" betrieben werde. Er erklärt, daß v. Kotten mit Azew in Verbindung gestanden habe. Herr L a b o r i eröffnete sein Plaidoyer für v. Kotten mit der Erklärung, daß er keine Verurteilung des Angeklag- ten fordere, aber die Ehre v. Kottens verteidigen müsse. Die russische Polizei und die russischen Revolutionäre kämpften beide mit Einsetzung ihres Lebens. Die den Revo- lutionären in Frankreich gewährte Gastfreundschaft gehe zu weitl— Der Generalanwalt forderte eine Verurteilung, die sich auS dem juristischen Tatbestand ergebe. Die Verteidiger T h o m a s s i n und Willm forderten die Freisprechung. Willm beleuchtete auch die„Oberstenschaft" v. Kottens, der als Hauptmann der Artillerie ausgetreten und als Polizist in drei Jahren Oberst geworden sei. Seine Titel und Ehren seien aus Kot und Blut emporgehoben wor- den. Willm beleuchtete die Beziehungen v. Kottens mit Frau Joschenko, einer Provokateurin� die mitHar- ting und Azew im Bund den Posizeipräfekten von Moskau von einem jungen Mädchen töten ließ. Er zeigte, daß der Fall Rips eine Episode in dem Kampf sei, den in Rußland diejenigen, die die Wiedergeburt ihres Landes wollen, mit Leuten führen, die Ehre rmd Freiheit zur Ware machen. Rips habe seine Ehre gerächt, sein Akt sei provoziert worden. Die Jury möge zeigen, daß sie ihre Unabhängigkeit zu wahren versteht. Die Beratung der Geschworenen dauerte 20 Minuten. Tann wurde unter rauschendem Beifall der Freispruch ver- tjmdet._ poUtifcbe üeberltcbt Berlin, den 17. Juni 1910. Die Angst am Friedberg-Büdinge» kommt in dem Organ des Bundes der Landwirte zum kräfti- gen Ausdruck. Die„Deutsche Tageszeitung" beschwört die Nationalliberalen, ihre ganze Kraft aufzubieten, um den Wahlkreis vor der Sozialdemokratie zu retten. Zwar wolle dem Vernehmen nach die nationalliberale Partei für die Stichwahl die Parole ausgeben, den bündlerischen Kandidaten zu wählen und da? nationalliberale Parteiorgan habe die Aufforderung ja auch schon ergehen lassen. Leider aber werde die offizielle Stellungnahme der Nationalliberalen nicht gerade unterstützt durch die Art, wie ihre Presse gleichzeitig den Bund der Landwirte mit Gehässigkeiten überschütte,„zu deren richtiger Kennzeichnung selbst das stärkste� Wort kaum ausreichen würde". Das Bündlerblatt bittet die National- liberalen, zu bedenken,„daß es aller Kraft bedürfen wird, daS ehemalige Mandat des Grafen Oriola und des national- liberalen Führers Miguel dem Bürgertum zu erhalten". Anders die„Kreuz-Zeitung". Sie scheint auf die Er- oberung des Kreises schon nicht mehr zu rechnen. So bringt sie heute als Leitartikel eine Zuschrift aus Hessen, die über die Nationalliberalen in der schärfsten Weise herzieht. Es heißt darin unter anderem: � ...... Die Bauernschaft kehrt der Partei den Rücken. Da» bedeutet aber für die Nationalliberalen nichts Geringere? als den Verlust ihrer sämtlichen Mandate.... Der nationalliberalen Partei treu geblieben sind nur die Kveise, die ihr den Spottnamen„Kasinopartei" eingebracht haben: die nach Bildung und Besitz in den �KreiS- und Amtsstädtchen maßgebenden Kreise, vornehmlich der überwiegende Teil der Be- amtenschaft. Hier gehört es seit beinahe Menschengedenken zum guten Ton, nationalliberal zu sein. Bedenkt man die engen gesellschaftlichen und Familienzusammenhänge, die die kleinstadt- lichen Verhältnisse mit sich bringen, so ist eS nicht verwunderlich, daß die Zahl der liberalen Mitläufer gerade in diesen Kreisen nicht unbeträchtlich ist. Man möchte nicht auffallen und kein Stören- fried sein. Recht peinlich wird man eS nun empfinden, bei der bevorstehenden Stichwahl Farbe bekennen zu müssen in puncto Sozialdemokratie. Kenner der Verhältnisse neigen zu der An» nähme, daß ein beträchtlicher Teil der Beamten unmittelbar durch Wahl oder doch mittelbar durch Wahlenthnltung sich für die Partei de» Umsturzes entscheiden wird. Daß man dabei sich doch seine nationale Gesinnung bewahrt hat, wivd man durch eifrige Tätig, keit bei KriegerveremS- und ähnlichen Festen beweisen. Zunächst ist aber alles erlaubt, wenn.es gilt, die Reaktion niederzu- ttltQCTl» Zum Schluß wird den Nationalliberalen angekündigt, daß die Konservativen den Kampf wider den Nationallibera- liSmuS energisch fortsetzen werden, daß sie sich als Ziel die Eroberung aller nationalliberalen Mandate Hessens gesetzt haben. Die nationalliberale Presse ergeht sich indes tu bitteren * Klagen ob der unerhört gehässigen und skrupellosen Agitation der Konservativen. Die„Köln. Ztg." bringt eine Korre- spondenz aus dem Wahlkreise, worin von Hetzreden der Bündler und Antisemiten die Rede ist,«deren Wiedergabe in der„Kölnischen Zeitung" unmöglich erscheint". In dieser Korrespondenz wird auch ausgesprochen, cS scheine zweifellos zu sein, daß die nationallibcrale Partei für den bürgerlichen Kattdidaten v. Helinolt eintritt.„Justizrat Windecker hat sich gestern in der öffentlichen Versammlung schon entschieden dafür ausgesprochen. Daß die Freisinnige Vvlkspartei das- selbe tut, ist nach der Stimmung im Wahlkreise nicht anzu- nehmen. Und deshalb erscheint es recht zweifelhaft, ob v. Helmolt geivählt wird..." Der nationalliberale Abgeordnete Fuhrmann hat in einer Versammlung zu Friedberg in ähnlicher Weise die Agitation der Bllndler gekennzeichnet. Nach der„Franks. Zeitung" hat er gesagt: „Das eine aber müsse er auch aussprechen, daß er noch nie einen Wahlkampf von einem solch liefen Niveau geführt habe. Wenn man so traurigen Gesellen gegenüberstehe, wie denjenigen, mit denen man sich vielfach hier hätte herumschlagen müssen, dann möchte einem manchmal der Ekel aufsteigen, und er müsse die- jenigen bedauern, die solchen Leuten als Agitatoren ihr Schicksal in die Hand geben. Wir stehen hier einer rücksichtslosen und brutalen Interessenvertretung gegenüber, und wenn ich einen Vorwurf gegen den Bund der Landwirte erhebe, so ist es der, daß er den Idealismus aus den Herzen der deutschen Bauern gerissen hat." Tie„Frankfurter Kleine Presse" gibt eine artige Probe der duftigen bündlerischen„Aufklärung", die die„Kreuz- Zeitung" nicht genug zu loben weiß. Danach hat in einer Versammlung ein Redner des Bundes der Landwirte, der Gutspächter Schmidt aus der Pfalz, erklärt:„Da sind sie, die Herren Beamten, arbeiten wollen sie nicht, immerzu Ferien wollen sie haben und Koteletts so groß wie Abtrittsdeckel fressen— und die Bauern müssen alles bezahlen." RZan begreift nach alledem die Angst der„Deutschen Tageszeitung" und die Resignation der„Kreuz-Zeitung" sehr gut. Natürlich wird dieser erbauliche Streit im bürgerlichen Lager unsere tapferen hessischen Genossen nicht einen Augen- blick in dem Bewußtsein wankend machen, daß sie für die Stichwahl nur auf die eigene Kraft bauen dürfen. Heeringens Hnsarenritt gegen die freie Jngendbewegung. Die„Kreuzzeitung" hat auf Anfrage vom Kriegsminister die Versicherung erhalten, daß er neuerdings keine Vorstellungen beim StaatSministerium wegen der antimilitaristischen Agitation unter der Jugend gemacht habe. DaS klingt wie ein einwandfreies Dementi. aber es stimmt doch nicht. Etwas ist an der Meldung, denn die „Deutsche Tageszeitung" weiß darüber das Folgende zu erzählen- „Daß die heeresfeindliche Agitation in der Jugend wie in der erwachsenen Bevölkerung an den zuständigen Stellen Beachtung gefunden hat, und daß der Wunsch, d,e schulentlassene Jugend vor der sozialdemokratischen Verhetzung besser als bisher zu bewahren. auch zu Erwägungen im Schöße des StaatSmini st eriumS geführt und auch bereits auf die Förderung deS Fortbildungsunterricht» wie aller Bestrebungen, die Jugend in gesundem und patriotischem Geiste zu erziehen, eingewirkt hat, ist ohne Zweifel zutreffend. Aber von einer besonderen. Vorstellung" deS KriegSministerS wie von einer Erklärung, daß er bei Fortdauer der gegenwärtigen Zustände die Verantwortung„für die«chlagfertigkeit deS Heeres nicht mehr übernehmen könne, ist nicht die Rede. Zu einer Be- unruhigung in dieser Beziehung liegt denn doch glücklicherweise trotz der sozialdemokratischen Wühlarbeit noch kein Grund vor. Niemand kann daran zweifeln, daß die Schlagfertiakeit unseres Heeres und daß im ganzen auch der soldatische Geist in unserer Armee unerschüitert und unantastbar dasteht. ES handelt sich bisher nur darum, vorbeugende Erziehungs- arbeit an unserer Jugend zu leisten, um sie vor Verhetzung und Verwahrlosung besser zu behüten; nicht aber um Maßnahmen, die zur Beseitigung akuter Gefahr nötig wären." Hm, hm! Akute Gefahr liegt also noch nicht vor, aber doch Gefahr! Offenbar hat der Kriegsminister gegen die freie Jugend» bewegung scharf gemacht. Und nun erwägt man wohl im Staats« Ministerium, wie man der unbequemen Erscheinung zu Leibe kommen kann. Da sich die freie Jugendbewegung aber streng im Rahmen des Ge- setze» hält und selbst die BuSlegungstünste deutscher Richter ihre Grenze haben, so wird eS wohl ohne ein kleines Ausnahmegesetz nicht abgehen. Wir werden ja bald sehe»», ob der Husarenritt v. Heeringens praltische Folgen hat. Noch eine Enzyklika-JnterpeNation. München, IS. Juni. Nun hat auch daS bayerische Abgeordneten- hauS seine Enzhklika-Debatte gehabt. Die Liberalen fühlten da« Bedürfnis zu einer Besprechung dieler Angelegenheit und reichten eine Interpellation ein, in der bei der Regierung angefragt wird, waS sie gegen die schweren Beleidigungen der evangelischen Glaubens- genossen zu tun gedenke. Das Haus ist gut besetzt, die Galerien sind gefüllt, die äußeren Anzeichen eine»„großen TageS" also vorhanden. Aber die Sensation blieb aus. Dr. Casselmann begründete die Interpellation in langer Rede, die die Anschauungen der Evangelischen wiedergab und naturgemäß neue Momente nicht bringen lonnte. Im Namen der Gesamiregierung beantwortete der Kultus- minister die Interpellation mit einer Erklärung: Bayern fei ein paritätischer Staat und müsse alles abzuwehren suchen, was den lonsessionellen Frieden stören könne. Die bccherische Regierung habe bald nach der Erscheinung der Enzyklika ihren Gesandten in Rom beauftragt, bei der Kurie die nötigen Schritte zu tun. ES sei der NuntmS infolgedessen von Rom aus angewiesen worden, die Verbreitung und Veröffentlichung der Enzyklika in den Kirchen»md den bischöflichen Amtsblättern Bayerns zu verhindern. Die Besprechung der Interpellation wird beschlossen durch Unterstützung der Bündler und Sozialdemokraten. Zunächst erhält B e ck h, der Vertreter des Bauernbundes, daS Wort zu Ausführungen, die sich ungefähr decken mit denen Cassel- manns. Für die Sozialdernokraten gab Genosse Müller eine lurze Erklärung ab, die daraus hinweist, daß unsere Partei eS ablehnt, sich in die konfessionellen Streitigleiten zwischen Protestanten und Katholiken einzumischen. Unsere Partei sei für Trennung von Staat und Kirche, um eben zu verhüten, daß kirchliche und religiöse Fragen daS öffentliche und politische Leben beschäftigen und den Frieden der Bevölkerung stören können. Genosse Müller gab dann noch dem Gedanken Ausdruck, daß der reformierte Junker und der katholische ZentrumSmann trotz der Enzyklika sich bei den Wahlen schon finden werden. Da« Zentrum erklärte, wir im preußischen Dreiklassenhouse, sich überhaupt nicht an der Besprechung zu beteiligen,»veil die En- zyklila eine innerkirchliche Angelegenheit der katholischen Kirche sei und im bayerischen Parlament nicht Gegenstand einer Besprechung sein könne._ Abgeordneter Schmidt-Warburg gestorben. Am Freitag früh verschied infolge eines Herzleidens der Reichs- tags- und Landtagsabgcordncte Schmidt-Warburg. Der Verstorbene gehörte als Zentrumsabgeordneter dem Landtag seit 18SS, dem Reichs- tag seit 1803 ununterbrochen an. Er vertrat den westfälischen Wahl- kreis Warburg- Höxter. Bei der letzten Reichstagswahl entfielen auf ihn bei einer Wahlbeteiligung von 8S.2 Proz. 14 813, auf den lonservotiven IVSS, auf den sozialdemokratischen Kaiididaten 437 Stimmen. Mit ihm. der am Mttwoch.öS Jahre att geworden war, verliert da" Zentrum ein auch bei den anderen Parteien sehr beliebtes Mitglied. Schmidt-Warburg war Landgenchisrat. Er ist wohl infolge seiner unbeugsamen, aufrechten, altwestfälischen liberalen Gesinnung nicht Landgcrichtsdircltor geworden. Er war meist mit Zivilsachen beschäftigt. Hatte er in Strafsachen zu entscheide«, so fiel sein Bestreben, insbesondere auch dem Arbeiter und dem poli« tischen Gegner gegenüber objektiv, gerecht und milde zu sein, an- genehm auf. Wegen seiner entschiedenen Abneigung, in Zweifelsfällen zu verurteilen, legten ihm seine Kollegen den ehrenden Spitznamen „Bedenken-Schmidt" bei. Im Parlament trat er bei Beratung von Justizgesetzen oft temperamentvoll auch gegen die Mehrheit seiner Fralnon zu Gunsten des Mittelstandes und der Arbeiter und für unparteiische Rechtspflege ein. So bekämpfte er energisch, leider ver- gebiich, die unter der Etikette einer Entlastung deS Reichsgerichts angestrebte PlutokraWerung der Zivistechtspflege. Bei den früheren Strasprozeßreformen wendete er sich mit Entschiedenheit gegen eine Minderung der wenigen Garantien für eine gesunde Rechtsprechung. Bei der später gescheiterten Strasprozetzreformvorlage machten im Reichstag seine gegen das Hilssrichtertum und das Dreiinänner- kollegium gerichteten Ansiührungen großen Eindruck, weil sie frisch und lebendig die Mißstände dieser Organisationen an der Hand praktischer Erfahrungen schilderten. Leider ist die von ihm vertretene Richtung mich im Zentrum im Schwinden begriffen. Der jetzt tagen- den Strasjustizkommission gehörte er bis vor wenigen Tagen an. Erhöhung des SektzolleS. Wie aus Paris gemeldet wird, hat Baron V. d. Sanken, der den Botschafter Fürsten Radolin vertritt, dem Minister des Aenßern P i ch o n eine Rote der deutschen Regirrung überreicht, in der die E r h ö h u n g des Zolltarifs auf moussierende Weine, C h a m p a g n e r und Kognak vom 1. Juli d. I. ab angekündigt wird. Baron v Lanken erklärte dem Minister Pichon, daß diese Zollerhöhung von der deutschen Regierung beschlossen worden sei, um ein Defizit von 14 Millionen Mark, das sich in den beiden letzten Monaten ergeben hätte, auszugleichen. ES handelt sich dabei formell nicht um eine neue Zollerhöhung, sondern um die Aufhebung einer Zollherabsetziing, zu der der Bundesrat ermächtigt war, waS aber praktisch natürlich einer Zoll- erhöhung gleichkommt. In Frankreich ist man von der Maßregel natürlich nichts weuiger als entzückt. Man ist, wie der„Mahn" schreibt, über diesen Entschluß der deutschen Regierung um so mehr erstaunt, als Deutschland erst kürzlich durch die französische Kammer in bezttg auf die Einführung von Spielwaren bedeutende Zugeständ- niffe gemacht worden seien._ Koloniale Unruhen. Au» Deutsch-Ostafrika berichtet der stellvertreterrde Gouverneur, daß die Anfangs Mai gemeldeten Unruhen in der Landschaft Süd-Ujunga infolge des Erscheinens der Truppe unter Hauptmann Breutzel auf ein kleines Gebiet beschränkt geblieben find. Die Groß-Sultane stehen treu zur Verwaltung. Auf die Einlieferung der bis jetzt noch nicht gefaßten Rädelsführer sind Preise ausgesetzt. Die halbe 6. Kompagnie ist nach Udjidji zurückgekehrt, die weiteren Operationen werden von der 10. Koinpagnie allein durchgeführt. Rückgang des Flottenvereins. Wie dem„B. T." aus Darmftadt gemeldet wird, ist der Mit« gliederbestand deS deutschen Flottenvereins in Hessen im letzten Jahre um 849 zurückgegangen, nachdem bereits im Borjahre 784 Mitglieder ausgetreten sind. Der Rückgang, der wahr- fcheinlich nicht nur in Hessen zu verzeichnen ist, erscheint sehr erklär- lich, nachdem sich der bei den letzten Wahlen erzeugte patriotische Taumel in einen gründlichen Katzenjammer verwandelt hat. Erfolge der preußischen Regierung in Nordschk-swig. Fünfundvierzig Jahre sind nun die NordschleSwiger dem preußischen Staate einverleibt, und noch immer ist es der preußi- scheu Regierung nicht gelungen, sie mit ihrem politischen Schicksal auszusöhnen. DaS wäre schon an und für sich nicht zu ver- wurrdern. Der NordschleSwiger braucht bloß über die nahe Grenze zu schauen und die politischen Freiheiten seiner Stammesgenossen mit denen der neuen preußischen Brüder zu vergleichen, um da» Gegenteil von Liebe für da» alte muffige Preußen zu empfinden. Aber die preußische Regierungskunst tut noch ein übrige». Sie ist ein ständiger Krieg gegen die Sprache, die Sitten uird die Ge» brauche der dänischen NordschleSwiger. So muß denn kommen, wa» in solchen Fällen immer kommt: die Unterdrückten organisieren sich zum Widerstand. Und dieser Widerstand wächst, langsam aber sicher. In diesen Tagen hielten die drei dänischen Widerstands- Organisationen ihre Generalversammlungen ab. Es sind dies der „Schulverein', der„Sprachverein" und der„Wählerverein"; die drei Generalversammlungen bilden gewissermaßen den Parteitag der dänischen Partei NordschleSwig». In allen drei General- Versammlungen wurde ein guter Fortschritt konstatiert. Der „Sprachverein" hat seine Mitgliederzahl im letzten Jahre von 4711 auf 5071 erhöht, die Zahl der Büchersammlungen ist von ISS auf 139 vermehrt worden, im ganzen wurden 5229 Bände an die bestehenden Bibliotheken abgegeben.— Der„Schulverein" hat im letzten Jahr» 388 sim Vorjahre 383). im ganzen seit seiner Wirksamkeit 394S junge Leute beiderlei Geschlechts durch Unterstützungen zum Besuch einer Nach-, Hoch-, Molkerei-, Handwerker--, Handels- oder londwirtscbaftlichen Schule im Königreiche Dänemarl verholfen. Sein Einnahmen» und AuS- gabentonto stieg von 19 399,32 M. im Vorjahre auf 31 836 01 M. in diesem Jahre. Der Wählerverein vermehrte seine Mitglieder- zahl im Geschäftsjahre von S4S1 auf 6420 und seine Einnahme von 8293,79 M. aus 13132,12 M. Berücksichtigt man dann noch» daß in Flensburg ein dänisches Arbeitersekretariat und in Apenrade ein politischer Äufklärungskursus abgehalten worden ist, an dem 47 Personen teilnahmen, so erkennt man die eiftige und ziel- bewußte Arbeit der Dänen in NordschleSwig. Man darf nämlich nicht vergessen, daß e» sich um einen Wirkungskreis handelt, in dein nur wenige Hunderttausend Einwohner leben. Die größte An» erkennung für Stärkung ihrer Organisationen sind die dänischen NordschleSwiger aber der Unduldsamkeit und Unfähigkeit der preu- ßischen Bureaukratie schuldig. lAekteiTelcb. Christlichsoziale Komödianten. Wien, 17. Juni.(Privatdepesche des„Vorwärts".) De- kanntlich hat der christlickffoziale Stadtrat H r a b a, der Finanzreferent der Stadt Wienz die führenden Männer ssiner Partei der Korruption beschuldigt und ihnen nach- gesagt, sie benützten ihre Stellungen zu ihrem Privatvorteil und beteten alle zum„Gott Nimm". Die Beschuldigten strengten Ehrenbeleidigungsklage an und nun hat Herr Hraba es mit der Angst zu tun gekriegt und alle Be- schuldigungen protokollarisch zurückgezogen. Die Pro- zesse werden infolgedessen nicht stattfinden. Natürlich wird man diesen Ausgang als eine Folge von Verhandlungen hinter den Kulissen betrachten müssen und annehmen dürfen, daß die christlichsozialen Führer einigen Grund dazu gehabt haben, den Gerichtssaal zu scheuen. Da» Attentat. Scrajewo, 16. Juni. Sofort eingeleitete genaue ErHcmmnen haben bisher keinen Anhaltspunkt gegeben, der die An- nähme rcchtferiigte, daß dem Anschlag auf den Landeschef politische Motive zugrunde liegen. E» steht fest, daß Zerajie leinen Mitschuldigen hatte. Nach dem Ergebnis der Unter« suLlmg ist die Tat als eine Einzeltat eines um Zeden moralischen Halt gekommenen, sicher auch geistig nicht mehr normalen Menschen anzusehen._ Eine dunkle Affäre. Wien, 17. Juni. Die Altruthenen und wahrscheinlich auch die Polen bringen im Abgeordnetenhause heute eine I n t e r« pellationüberdie Veröffentlichung der Papiere deS preußischen SpionS v. Rakowski, die von dem„Knrjer WarszawSki" und dem»dzaS' erworben find und dort veröffentlicht wurden. Aus diesen Papieren ging hervor, daß daS deutsche Konsulat in Lemberg mit den Jnngruthcnen Fühlung habe und 10 000 M. als Unterstützung an sie zahlte. RakowskiS Mitteilungen wurden übrigens selbst in der polnischen Preffe nur mit Vorsicht aufgenommen, obgleich sie nach der Angabe de« „GzaS* alle Merkmale der Authentizität an sich tragen. Gleichwohl wird die Sache ernsthaft behandelt, da die Polen es sich nicht ausreden lassen, daß die radikalen Jungruthenen in Lemberg Beziehungen zum deutschen Konsulat hätten und von dort gegen einen Ausgleich mit den Polen scharf gemacht werden. frankreied. Ein internationaler Postbeamtentag. Marseille, 17. Juni. Der hier abgehaltene Kongreß der Vereine der französischen P o st- und Telegraphenange st eilten be» auftragte einen Ausschuß, sich mit den ausländischen Post- beamtenvereinigungen in Verbindung zu setzen und eine i n t e r- nationale Konferenz für 1911 einzuberufen, welche Satzungen für einen internationalen Verband der Post- und Tele- graphenbcamten auszuarbeiten hätte. Dieser Verband soll sich u. a. mit Dienstangelegenheiten, mit der Verbesserung der Stellung der Berufsgenossen und der Frage eine« internationalen Austausche« von Postbeamten beschäftigen. Spsnien. Religionsfreiheit. Madrid, 17. Juni. Der königliche Erlaß, betreffend die Frei» eit der Religionsübung, der jüngst von der spanischen egierung veröffentlicht wnrde, bezieht sich nicht nur auf Protestanten, sondern auch auf alle ReligionSgesellschafien. die sich nicht zur StaatSreligion bekennen, somit auch auf die Juden und Muselmanen. Infolgedessen werden alle Zeichen und ReligionSübungen dieser Religionsgesellschaften zugelassen werden mit Ausnahme von Ver- sammlungen unter freiem Himmel, da öffentliche nichtkatholisch» Kundgebungen durch die Konstitution verboten find. Die Pro- paganda und Diskussion religiöser«ngelegeicheiten genießen sonst in Spanien die größtmögliche Freiheit. Cnglanck. Die Arbeiter und die Mouarchie. Man schreibt un« au» London: Die byzantinisch« Flutwelle, die sich in den verflossenen Wochen über das ganze öffentliche Leben England« ergoß, hat nur bei der organisierten Arbeiterschaft einem festen Damm begegnet. Die bürgerliche Preffe konnte ollerding« die sentimentale Lobrede de« Arbeiterabgeordneten Edward« aus den verstorbenen König, die er im Unterhause hielt, mit schmunzeln» dem Behagen hinnehmen, und diese Rede hat ja in der Tat gezeigt, wie wenig sich manche führenden Elemente der englischen Arbeiter- schaft von der Denkweise und der Ideologie des Bürgertums emanzipiert haben. Aber der betreffende Abgeordnete gehört noch zu jener stetig abnehmenden Minderheit von Arbeitervertretern, di« noch liberalen Grundsätzen anhängen und die in einen immer weiteren Abstand von der Gedankenwelt der großen Masse der organisierten Arbeiter geraten. Zwar haben eS auch manche Arbeiterorganisationen für richtig gefunden, in Resolutionen der königlichen Familie ihr Beileid au«- zudrücken, aber diese Resolutionen fanden nur Annahme, weil keine? der Mitglieder es für nötig hielt, einer bedeutungslosen Formsache wegen grundsätzliche Debatten zu provozieren. In den wenigen Fällen, wo dies geschah, wurden die VeileidSresolutionen wirklich ohne viel Federlesens abgelehnt. So auch in einer Bersamm» lung de« Londoner Gewerkschaftskartells sLondon Trabes Council). Hier erregte der Zwischenfall ein unverhältni«- mätzig großes öffentliche» Aufsehen, weil zwei oder drei KönigStreue sich durchaus nicht bei der Ablehnung der Resolution beruhigen konnten. und sie in folgenden Versammlungen immer wieder vor- brachten. Die Angelegenheit endete jetzt damit, daß zwei der Mit« glieder, die sich in ihren LohalitätSgefühlen verletzt sahen, darunter auch der Vorsitzende deS GewerkschaftSkartellS Harry GoSling, vom Kartell zurücktraten. In diesem Zusammenhange mag noch darauf hingewiesen werden, daß die zur Beratung und Feststellung der neuen Zivilliste ein- gesetzte UnterhauSkommisfion jetzt zum erstenmal auch zwei Mitglieder der Arbeiterpartei enthält. Wie es scheint, betrachtet die Ar- beiterpartei dies als eine Errungenschaft und eine Ehre, obwohl sie nur eine verschwindende Minderheit in dieser Kommission bildet und ganz außerstande ist, die Höhe der givilliste irgendwie zu beeinflussen. ES ist auch schwer anzunehmen, daß die«rbeitervertreter sich zu einer grundsätzlichen Ablehnung der ganzen Zivilliste emporschwingen werden können, und so machen sie sich durch di« Teilnahme an der Kommission nur mitverantwortlich an der monarchischen Schweif- Wedelei der bürgerlichen Parteien. Im auffallenden Gegensatze zur Stellungnahme der Arbeiterpartei ist die Haltung der Iren, die sich auch jetzt, wie stets bisher, geweigert haben, sich in der Zivillisten- Kommission vertreten zu lassen. Di« Kompromisjverhandlungen. London, 16. Juni. Premierminister ASquith und der Lord-Kanzler haben heute nachmittag eine Besprechung mit B a l f o u r und Lord Lansdowne im Privatzimmer de« Premierministers im Unterhause abgehalten. Die„Preß Association" teilt mit, daß man sich auf eine förmliche Konferenz zwischen den Vertretern beider Parteien über die konstitutionelle Krisis geeinigt hat. Die erste Sitzung soll in der �nächsten Woche abgehalten werden. Die erste Sonfereoz. London, 17. Juni. Heute nachmittag fand in dem Privatzimmer de? Premierministers im Unterhause eine Versammlung statt, welche als die erste Konferenz über di« konstitutionelle Frage bezeichnet wird. Anwesend waren der Premierminister ASquith, Lloyd George, Lord Crewe, Birrell und von der Oppo- sition B a l f o u r, Lord LanSdowne, Lord T a w d o r, Austen Chamberlain. Dem Vernehmen nach waren die Beratungen durch keinerlei Bedingungen eingeschränkt, sie werden zugleich als durchaus vertraulich« angesehen. Eine Antwort der Aegypten London, 17. Juni. LuS Kairo wird gemeldet, daß als Antwort auf die Erklärungen be» englischen Minister» de« A-ußcren. Gir Edward Grey», im Unterhause der Chef der ägyptischen Nationalpartei Mohamed Farid Bey ein Schreiben veröffent« liche, in welchem es zum Schluß heißt: Dies« Drohungen der englischen Regierung werden absolut keinen Einfluß auf den Gang unserer Bewegung haben. Wir werden sortfahren. ruhig und ge» schloffen veiter zu arbeiten, wir Verden un« durch solch« Drohungen nicht zu unüberlegten Schritten hlnrcißcn lassen, durch welche man die Revolution herbeiführen will. Wir wissen genau, was uns eine Revolution kosten würde. Wir werden die Welt in Erstaunen setzen durch die Ruhe und Beharrlichkeit, mit der wir zu Werke gehen. Dänemark. Das Urteil im Ministerprozesj. Kopenhagen, 17. Juni. Das Reichsgericht sprach heute das U r te il in dem Prozeß, der gegen den früheren Minister- Präsidenten C h r i st e n s e n und den früheren Minister des Innern Berg wegen Nachlässigkeit im Amte, begangen durch ihr Nichteinschreiten gegen den früheren Justizminister A l b e r t i, angestrengt wurde. Christensen wurde freigesprochen, Berg wurde zur Zahlung von tausend Kronen an die Staatskasse verurteilt, eventuell zu sechzig Tagen Haft. Die Kosten des Verfahrens im Betrage von 10 000 Kronen wurden der Staatskasse aus- erlegt, jedoch bszahlt Berg ein Fünftel dieser Summe. ftußlatic!. Ein Bombenlittentat. Warschau, 17. Juni. Aus der Station Grodisk der Wiener Bahn wurde auf den Chef der Landpolizei und fünf ihn begleitende Gendarmen eine Bombe ge- w o r f e n, durch die ein Gendarm getötet wurde. Drei Gendarmen wurden schwer, der Chef wurde leicht ver- letzt. Der Täter, der ebenfalls schivere Verletzungen davongetragen hat. wurde festgenommen. Man bringt den Anschlag mit der Ermordung des Gendarmerieobersten W o n s t a t s k i in Radom in Zusammenhang. flu! der IKcIchsverficheruDgsordnungs- liommiffion. Sitzung am Freitag, den 17. Juni. Vom Sterbegeld sollen nach der Vorlage zunächst die Kosten de» Begräbnisses bestritten und an den gezahlt werden, der das Begräbnis besorgt hat. Bleibt ein Ueberschuß, so sollen nach- einander der Ehegatte, die Kinder, der Vater, die Mutter bezugL- berechtigt sein, wenn sie mit dem Verstorbenen zur Zeit seines Todes m häuslicher Gemeinschaft gelebt haben. Fohlen solche Berechtigten, so verbleibt der ueberschuß der Kasse. Auf Antrag der Sozialdemokraten wurde hinzugefügt, daß der Ueberschuß de» Sterbegelde» in letzter Linie auch solchen Geschwistern zufallen soll, die mit dem Verstorbenen zur Zeit seine» Todes in häuslicher Gemeinschaft gelebt haben. Eine offenkundige Ungerechtigkeit schlägt der Entwurf für den Fall vor, daß ein Versicherter, der die Kranken- hilse seiner Kasse in Anspruch genommen hat, und in der Zeit Mitglied einer anderen Kasse wird. Für diesen Fall hat ihn zwar im allgemeinen die neue Kasse nach ihrer Satzung zu unterstützen. Jedoch schlägt die Vorlag« ein« Ausnahme vor für den Fall, daß die neue Kasse Mehrleistungen gewährt, während der versicherte in seiner früheren Kasse nur die Regelleistungen und keine Mehr- leistungen verlangen konnte. In diesem Fall« soll der Versichert« auch in der neuen Kasse nur die Regelleistungen erhalten. Wenn dagegen der Versicherte in seiner alten Kasse den Anspruch auf Mehrleistungen hatte, die neue Kasse aber nach ihrem Statut nur die Regelleistungen gewährt, so soll der Versicherte seinen An- spruch auf die Mehrleistungen verlier en. Die Sozialdemokraten wiesen nach, daß e» ungerecht ist, dem Versicherten dann, wenn er in der neuen Kasse größere Ansprüche hätte al« in der früheren Kasse, nur die geringeren Leistungen der früheren Kasse zu gewähren, aber in dem ent- gegengesetzten Fall dem Versicherten nicht die h ö h e r e n Leistungen der früheren Kasse zukommen zu lassen. Ein dahingehender sozial- demokratischer Antrag wurde aber von den Konservativen mit Ausnahme de» Abg. v. Gamp, den Nationalliberalen und einem Teile de« Zentrum« abgelehnt. Scheiden Versicherte, weil sie arbeitslos geworden sind, au» der Krankenversicherung au», so soll ihnen unter gewissen Um« ständen wie bisher auch fernerhin ein Anspruch auf Krankenhilfe bleiben. Dies soll nach der Vorlage nur für die Versicherten gelten, die in den vorangegangenen 12 Monaten mindestens 20 Wochen oder unmittelbar vorher mindesten« 0 Wochen versichert waren. Di« Sozialdemokraten beantragten, die Frist un- unmittelbar vor dem Austritt au» der Arbeit auf 8 Wochen zu kürzen. Der Antrag wurde von den Konservativen, Nationalliberalen und dem Zentrum, mit Ausnahme des Abg. Becker, abgelehnt. Ferner soll der Arbeitslose nur dann einen Anspruch auf Krankenhilfe haben, wenn die Krankheit binnen einer Frist von 3 Wochen nach dem Ausscheiden de» Arbeiter? au« der Arbeit und der Kasse eintritt. Die Sozialdemokraten beantragten, ! diese Frist auf 0 Wochen auszudehnen, um die Hilfe einer größeren Zahl solcher Arbeiter zukommen zu lassen. Auch dieser Antrag wurde von den Konservativen. National- liberalen und dem Zentrum abgelehnt. Endlich soll nach der Vorlage die Kasse nur die Regel» leistungen gewähre», also nicht die Mehrleistungen. Die Sozialdemokraten beantragten, daß in diesen Fällen dem Erkrankten dieselben Leistungen wie den anderen kranken Mit, Sliedern gewährt werden, mithin auch die Mehrleistungen. Dieser Antrag wurde ebenfalls von derselben Mehrheit abgeleh nt. nur daß Abg. Necker für den Antrag stimmte. Die Vorlage läßt es zu, daß in gewissen Fällen die Leistungen der Krankenversicherung sogar unter daS Maß der Regelleistungen herabgesetzt werden, so daß sie nur noch in Krankenpflege und KrankenhauSpflege bestehen, da» Krankengeld also fortfällt. Die« soll gestattet sein dann: 1. wenn der Bundesrat oder ein Statut die Versicherungspflicht oder die Versicherung». berechtigung auf andere Personengruppen ausdehnt, und 2. dann, wenn es sich um VerficherungS b e r e ch t i g t« bandelt. In dem ersten Falle werden die kleinen Handwerker und sonstige Geschäfts» leute geschädigt. Der zweite Fall hat namentlich für die Arbeiter Bedeutung, die arbeitslos werden und sich weiter freiwillig ver- sichern. Sie verlieren dann den Anspruch auf da» Krankengeld. Diese Schädigung der Arbeiter würde am häufigsten in den Be- triebskrankenkassen praktisch werden. Die Sozialdemokraten legten diese nachteiligen Folgen der Bestimmung dar und forderten die Ablehnung der Vorlage. Es wurde dann auch der zweite Teil mit allen Stimmen gegen die der Konservativen gestrichen und zu dem ersten Fall der Zusatz gemacht:„PerstcherungSberechtigten. welch« nur Anspruch auf Krankenpflege und KrankenhauSpflege erheben wollen, sind auf Antrag die Beiträge entsprechend zu ermäßigen. Die Satzung hat die näheren BestimmuUgen zu treffen." In die Vorlage sind die Bestimmungen über daSRuhen der Krankenhilfe'neu aufgenommen. Danach sollen die Ausländer feinen Anspruch aus Krankcnhilfe haben, so lange sie sich im Aus- lande aufhalten. Für bestimmte Grenzgebiete kann der Bundesrat daS Ruhen des Anspruchs ausschließen. Die Sozialdemokraten sprachen sich gegen die Be- ssimmung aus. für die nicht das geringste vedürsni« vorliege. Eine besondere Härte würde aber die Bestimmung für die Aus« l ä n d e r herbeiführen, die während ihrer Krankheit al«„lästig" aus» zewiesen werden und bann auch noch ihren Anspruch auf Kranken« Hilfe verlieren. Daher beantragten die Sozialdemokraten, daß— wenn nicht di« ganze Bestimmung gestrichen werden sollte— den Ausländem wenigsten« in diesen Fällen der Anspruch auf die KranünhUfe bleibt. Dies, Anregung wurde mit einigen Senderungen angenommen, so daß der Anspruch auf Krankenhilfe nur für die kranken Versicherten rubt, die sich nach dem Eintritt der Krankhett „freiwillig" ohne Zustimmung des KassenvorstandcS ins Aus- land begeben, solange sie sich dort aushalten, und ferner fnr� die, dw wegen strafgerichtlicher Verurteilung auS dem Reichsgebiet aus- gewiesen sind. Außerdem hatten die Sozialdemokraten beantragt, daß in diesen Fällen die Kaste nach freiem Ermessen die Krankenhilfe ganz oder reilweise gewähren kann. Dies wurde abgeleh nr, scdoch beschlossen, daß die Kasse durch eine einmalige Entschädigung den Erkrankten abfinden kann, der auch während seines Aufenihallö im Auslände seinen Anspruch auf Kranlenhilfe behält. Der Erkrankte bekommt dann seine volle Entschädigung für die Zeit der voraussichtlichen Dauer seiner Krankheit, wober für Krankenpflege drei Achtel de« Grundlohnes angerechnet werden, iviaß- gebend für die Zeit der voraussichtlichen Dauer der Krankheit ist das Gutachten des Arztes, über den sick die Beteiligte» einigen, und falls die Einigung nicht zustande kommt, das Gutachten des amtlichen Arztes.— Gegen den letzten Satz erhoben die Sozialdemokraten Einspruch, weil die Kreisärzte sich als Begutachter durchaus nicht so bewährt haben, daß sie jetzt als unfehlbar hingesiellt werden sollen, und jede Be- rusung gegen ihr Gutachten ausgeschlossen werde» soll. Der Satz wurde jedoch von den Konservativen, Nationalliberalen und dem Zentrum angenommen. Ferner soll nach der Borlage der Anspruch auf Kranlenhilfe ruhen, solange der Kranke im Gefängnis eine Strafe verbüßt oder in einem Arbeitshause oder einer Besserungsanstalt unter- gebracht ist. Auf Antrag der Sozialdemokraten wurde hin- zugefügt: Hat der Erkrankte Angehörige, die er bisher von leiiieiii Arbeitsverdienst ganz oder überwiegend unterhalten hat, so steht den Angehörigen, Ivofern er durch die Krankheit arbeitsunfähig geworden ist. eine llnterstützung in der Höhe de« HauSgeldeS zu. Fortsetzung Sonnabend. M der MMommlssion. Die Beratungen in der Freitagsitzung begannen mit dem dritten Abschnitt de? 2. Buches„Voruntersuchung". Ein zum§ 182 eingebrachter Antrag Gräber wollte, daß auch dann eine Voruntersuchung stattzufinden hat, wenn ein Ver- brechen den Gegenstand der Untersuchung bildet. Im allgemeinen soll nach dem Regierungsentwurf nur für Sachen, die vor dem Reichsgericht oder Schwurgericht zu verhandeln sind, eine Bor. Untersuchung beantragt werden.— Die Regierungsvertreter wen- beten sich gegen jede weiter« allgemeine Ausdehnung der Vorunter- suchungsfälle. Doch wurde der Antrag Gräber, für den auch unsere Genossen stimmten, angenommen. DeS weiteren wurde di« Boruntersuchung aus die Bergehen Wider di« Sittlichkeit gegen jugendliche Personen ausgedehnt. Im 8 tSö wird unter anderem dem Staatsanwalt da« Recht der Beschwerde gegeben, wenn eine Boruntersuchung vom Gericht abgelehnt wurde. Dazu beantragten unsere Genossen, dieses Beschwerderecht entweder beiden Parteien zu geben oder auch dem Staatsanwalt dieses Recht zu nehmen. Dieser An» trag wurde abgelehnt. Beim 8 IL? beantragte Gröber, daß in leichteren Sachen auch dann dem Amtsrichter die Voruntersuchung übertragen werden kann, wenn der Untersuchungsrichter seinen Sitz an demselben Orte bat. Darüber findet eine längere Auseinandersetzung mit der Regierung statt. Doch wurde die weitere Debatte abgebrochen und die Sitzung auf Dienstag, den 21. Juni, vertagt, da di« Nachricht von dem Ableben de« Abg. Schmidt« Warburg(Z). der Mitglied der Kommission ist. eintraf. ELuq der Partei. Sozialdemokratischer Parteitag für Bayer», Der Landesvorstand der sozialdemokratischen Partei Bayern« be« ruft auf 13., 14. und tv. August in das Kolosseum In Erlangen den Laudesparteitag«in. Auf der vorläufigen Tagesordnung stehen folgende Punkte: 1. Bericht deS Landesvorstandes und Neuorganisation. Bericht» erstatter Auer. 2. Parlamentarischer Bericht der LandtagSfraktion: a) ollgemeine Politik. Berichterstatter Adolf Müller: d) Steuerpolitik. Be- richterstaiter Dr. v. Haller; o) Sozialpolitik. Berichterstatter Martin Segitz. 8. Gemeindewahl» Programm. Berichterstatter Eduard S ch m i h. Außerdem wird über Agitation und Presse perhandelt. Mobilmachung zur RelchStagSnachwahi in Frankfurt-Leb»«. In Neulangsow sOderbruch) fand am letzten Sonntag eine Generalversammlung der Wahlkreisorganisation von Franksurt-LebuS statt, in der zu der bevorstehenden Nachwahl zum Reichstage die ersten Porberettungen getroffen wurden. ES herrscht««ine kampfeS» freudige Stiminmig; der Vorsitzende konnte die Erwartung aus- sprechen, daß diesmal die Scharte von 1904 und 1907 ausgewetzt und der Wahlkreis zurückerobert wird. Genosse F a b e r- Frankfurt, der Kandidat de? Kreises, referierte über die politischen Vorgänge in Deutschland seit t003 und forderte zu kräftiger Agitation auf. ES folgt« eine angeregte Debatte, an der auch Genosse WelS. der als Vertreter deS Brandenburger Sekretariat» anwesend war, teilnahm. Die AgitationSkommission war durch den Genossen Schuster, Groß, Berlin durch den Genossen Ernst vertreten, von der„Märkischen Volksstimine" war Genosse Buder erschienen. Sämtliche Bezirke de« Kreise» waren durch 48 Delegierte vertreten. Da es zweifelhaft ist, ob später noch Zeit sein wird, eine Generalversammlung abzuhalten, so nahmen die versammelten die Wahlen zur Brandenburger Provinzialkonforenz, die am 11. Sep- »ember tagen soll, und zum Magdeburger Parteitag vor. Zur Provinziallonferenz wurden die Genossen Pa ul- Frankfurt. Pohl» Fiirstenwalde und Lehmann- Müllrose delegiert, zum Magde» burger Parteitag Genosse Wassermann« Fürstenwalde. poUzclUcbcs,©erlcbtliches uto, Langhammcr-Prozeß. In dem Beleidigungsprozetz. den der nationalliverale Tapeten» fabritant L a n g h a m m« r- C h e m n i tz, der jüngst auS seiner Partei hknanSgewimmelt wurde, gegen den Redakteur Genossen Bartels von der„Chemnitzer Voltsstimme" angestrengt hatte, wurde die von Bartels eingelegt« Berufung verworfen. Da- gegen wurde die in erster Instanz abgewiesen« Wiederklage gegen Laughammer anerkannt und Langhammer zu 7S M. Geldstrafe und ein Fünftel der Kosten verurteilt. Der 10. April. Vor dem Schöffengericht in Oscher«leben wurde am Mitt» woch gegen eine Anzahl Wahlrechtsdemonstranten verhandelt, die ftch bei den ihnen fürsorglich zugedachten Strafmandaten nicht beruhigen wollten. Di» große Staatsaktion nahm ein für die Polizei sehr bla» mqbles Ende. Zunächst wurde gegen vier Genossen verhandelt, di« beschuldigt waren, der Aufforderung zum Weitergehen nicht Folge ge» leistet zu haben. Drei von ihnen wurden freiaesprochen, einer zu 10 M. Geldstrafe verurteilt. Im nächsten Termin wnrde gegen einen Kutscher K r e m l i n g verhandelt, der beschuldigt war, »inen Polizeisergeanten mit beiden Fäusten vor die Brust gestoßen zuhaben. Sr wurde zu 10 M a rk G« i d str a f e verurteilt, trotz- dem die Entlastungszeugen bekundeten, daß Kremling nicht ge« stoßen habe. Die Genossen K ö h r t ch und K r« b» waren be» schuldigt, Wahlrechtsdemonstrationszüge geleitet und veranstaltet zu haben. Trotzdem siebe« polizeiliche Belastungszeugen unter ihrem Eide aussagten, daß die beiden Genoffen die Demonstrationszüge geleitet und yeranstaltrt hätten, sprach dys Gericht die beiden iostenlo« f(»l GewerfefcbaftUcbce. IMiTch-Duncherrche Mrrnis. Einige überschlaue Leute aus dem alten Gcwerkbereins- Landsturm kranken seit längerer Zeit an der Idee, die brüchige Herrlichkeit der Gewerkvcreine durch Verkoppelung mit den liberalen Parteien— von Naumann bis Bassermann— wieder aufzureparieren� Mit verschämter Hoffnungsseligkeit wird auf die freien Gewerkschaften verwiesen, die niit der Sozialdemokratie eins seien und darin ihre Stärke hätten, und aus die„christlichen" Gewerkschaften, denen das Zentrum den Rücken steife. Daß die Hirsch-Duuckerschen Schlaumeier ohne Rücksicht auf die gegebenen Umstände glauben durch festen Anschluß an die Liberalen eine gleiche Position für ihre Richtung schaffen zu können, legt ja allein schon die unberührte Kindlichkeit ihrer Anschauungen bloß. Es ist schon ein Gallimathias, hier die freien und die „christlichen" Gewerkschaften miteinander zu nennen, wo doch die Gründe für ihre Stärke ganz verschiedene sind. Daß die freien Gewerkschaften an der sozialdemokratischen Partei eine starke Rückendeckung haben, liegt natürlich daran, daß bejde Gruppen fest in der Arbeiterklasse wurzeln und das Interesse der Arbeiterklasse zur Grundlage all' ihrer Arbeit machen. Ganz anders beim Zentrum. Dort ist die rcligiös-kirchlich- hierarchische Fesselung der katholischen Arbeiter der wesentliche Grund für die relative Stärke der Zentrumsgewerk- schoften und dafür, daß die„christlichen" GeWerk schaffen mit dem politischen Zentrum durch dick und dünn gehen. Nach beiden Richtungen hin liegt die Sache für die Hirsch-Dunckerschen Gewerkvereine und ihr steriles Verhältnis zum Liberalismus ganz, ganz anders. Die Nationalliberalen, die Fabrikantenpartei, wird auch das naivste Gemüt nicht mit Arbeiterfreundlichkeit drapieren wollen, und die Fortschrittliche Volkspartei ist kaum besser. Und die kleinen Grüppchcn, die noch links der Fortschrittler ver kümmern, spielen schon aus dem Grunde keine Rolle, weil Erkelenz, der„große Stratege" der Hirsch-Dunckerschen, seiner Gruppe eine mächtige, einflußreiche Partei ver schaffen will. An einer Verquickung ihrer Bestrebungen mit der Religion, wie es die Zentrumschristen besorgen, können und wollen die Hirsch- Dunckerschen ja auch nicht denken. So hängen denn die Erkelenz schen Reformpläne hoch über den realpolitischen Verhältnissen in der Luft und die großen Taktiker fahren mit ihren Künsten die Hirsch- Dunckersche Gruppe völlig fest, so daß sie die letzten Ver- bindungen mit dem warmen Arbeiterleben auch noch ver- lieren. Die Gewerkvcreine der Hirsch-Dunckerschen stehen und fallen mit ihren Kassen. Nur dem Umstände, daß so mancher Arbeiter, der in jungen Jahren der Kassen wegen dem GeWerk- verein beitrat, später, wenn die Dialektik des Lebens den Arbeiter zur Sozialdemokratie geführt hat, die Kassen nicht aufgeben mag, hat den Gewerkvereinlern bisher das Leben gesichert. Durch eine offen feindliche Stellungnahme zur Sozialdemokratie würden die Hirsch-Dunckerschen tatsächlich den Ast absägen, auf dem sie sich noch halten. Die alten Gewerkvereinsführer fühlen auch so halbwegs diese Tatsachen heraus, wenn die Führer sich auch selbst zu den Fortschrittlcrn rechnen, während der„unentwegte Rcfor- mator" Erkelenz in langen Jahren von einem zum anderen geschwankt ist. In einer Artikelrcihe über die Frage der Neutralität, die Erkelenz neuerdings in dem Hirsch- Dunckerschen rheinischen Blättchen losgelassen hat, erwähnt der bedeutende Mann, wie er selbst früher den Satz:„Was ist Neutralität?" gefaßt hat. Nämlich: „Der Gewerkverein muß so gestaltet sein, outz er weder in seinem Zweck und Ziel, noch in die Reihe der Mittel, die zur Erreichung der Ziele dienen, irgend etwas aufnimmt, was einer Welt- anschauung, die in Deutschland Anhänger hat, widerspricht". Ist dies ja komprimierter Blödsinn, so ist es die Forde rung, eine„Weltanschauung", die dem Interesse der Arbeiter klaffe widerspricht, durch die Hirsch-Dunckerschen zu unter stützen, nicht weniger. Und darauf läuft doch die ganze E r k e l e n z sche Reformerei heraus. Die Phrasen:„Freiheit, Vaterland, Sozialreform" locken keinen Hund vom Ofen. Auf dem 17. Verbandstag der Gewerkvereinler, der vor kurzem in Berlin tagte, meinte nach Zeitungsberichten der Redakteur des„Gewerkverein", Lewin, Erkelenz sei jetzt zurückgekommen von dem Standpunkt seines Artikels, Neutralität sei Unsinn, und zurückgekehrt zu seiner „alten Liebe", der Neutralität. Zur selben Zeit aber verteidigte Erkelenz in der schon erwähnten Artikel- reihe seinen Standpunkt, daß den Hirsch-Dunckerschen„keine andere Wahl" bleibe, als daß sie die liberalen Parteien, Demokratische Vereinigung, Fortschrittliche Volkspartei und Jungliberale besonders zu beeinflussen suchten, da Sozial- demokraten, Konservative und Zentrum die Hirsch-Dunckerschen bekämpften. Es würde sich von selbst ergeben, daß die Mit- glieder der Gewerkvereine sich vornehmlich in einer von diesen drei Parteien politisch organisierten. Wünschenswert sei, daß in den einzelnen Orten die Gewerkvereinsmitglicder nur einer von den drei liberalen Parteien angehörten. Die Organisations- leitung habe auch die Pflicht, mit den Parteien in Verhand- lungen einzutreten. Da also die Sozialdemokraten nicht zur Zersplitterung der Arbeiterbewegung beitragen und die angeblichen organi- satorischen Großtaten der Gewerkvereinler nicht anerkennen wollen, sollen sie von den Gewerkvereinlern mit Zentrum und Konservativen gleichgestellt werden? Diese Selbstmordpolitik wird auch bei den Hirsch-Dunckerschen Arbeitern nie und nimmer Anerkennung finden, dafür bürgt schon das Klassen- empfinden der Arbeiter. Diese Taktik der„Strategen" bei den Gewerkvereinlern ist geradezu kindisch. Der große Erkelenz gleicht dem unvernünftigen, grollenden Kinde, das sich zu essen weigert, wenn ihm ein herbes Wort von der Mutter gesagt wird. Die Sozialdemokratie hat die Arbeiterklasse für sich. Sie kann zusehen,- wie sich die Hirsch-Dunckerschen aus der Wirrnis herauszuhelfen suchen. Sicher ist, daß die GeWerk- vereine, wenn sie die Interessen der Mitglieder vertreten wollen, sich freundlich zur Sozialdemokratie stellen müssen. Bei einer größeren Annäherung an die bourgeoisen Liberalen werden die Interessen der Gewcrkvereinsarbeiter auf Schritt und Tritt mißachtet werden. So sind die Dinge gestellt. Das Ende kann nicht zweifelhaft sein. Die Hirsch-Dunckerschen Arbeiter gehören zur Partei ihrer Klasse, gehören als Arbeiter zur Sozialdemokratie und es ist deshalb zu bedauern, daß im inneren Streit so viel wertvolle Kraft unnütz vertan wird. „Schab um die Leut', es sind unsere Brüder. Aber das denkt wie ein Seifensieder. Lerlln und Umgegend. Zur Lohnbewegung in der Berliner Herrenkonfektion. In den Kreisen der Unternehmer der Herrenkonfektion wird in letzter Zeit vielfach die Meinung verbreitet, daß die Lohnvcwe- gung der Konfektionsschneider beendet sei. und daß die Firmen, die bis jetzt nicht von der Bewegung erfaßt sind, auch in Zukunft, oder wenigstens für dieses Jahr, davon verschont bleiben würden. Diese Auffassung ist jedoch, wie wir von maßgebender Stelle er- fahren, durchaus irrig. Der Schneiderverband hat auch in letzter Zeit die Tarife einer weiteren Anzahl von Firmen zugesandt und es wird bald mit dieser, bald mit jener Firma verhandelt. Die Verhandlnpgen verlaufen teils günstig, teils aber auch so, daß Differenzen zu erwarten sind. Der Schnetderverband denkt gar nicht daran, die Bewegung aufzugeben oder abzubrechen, zumal das große Gebiet der Stapelkonfektion noch fast gar nicht von der Tarifbewegung berührt worden ist. Es sind in der Stapel- konfektion bis jetzt nur wenige Firmen, die sich den Vereinbarungen angeschlossen haben. Von einer wirklich allgemeinen Regelung der Lohn- und Arbeitsverhältnisse in der Herrenkonfektion kann natür- lich erst die Rede sein, wenn sie sich auf alle Geschäfte der ganzen Branche erstreckt, und die Arbeiterschaft wird nicht eher ruhen, als dieses Ziel erreicht ist. Deuvtcbes Reich. Die Aufnahme der Arbeit im Baugewerbe geht den Unternehmern, die erst ihre Arbeiter rücksichtslos auf die Straße warfen, nun urplötzlich nicht rasch genug. Die Arbeiter haben jedoch kein Interesse daran, wie eine zer- sprengte Hammelherde den Arbeitsstätten wieder zuzulaufen, von denen man sie vorher vertrieben hat. Sie nehmen die Arbeit nicht auf Kommando der Unternehmer auf, sondern — nachdem sie zu dem Schiedsspruch der Unparteiischen Stel- lung genommen haben— aus eigenem Entschluß. Die Leipziger Bauunternehmer haben in den„Leipziger Neuesten Nachrichten" eine Erklärung veröffentlicht, daß die Aussperrung im Baugewerbe entsprechend der neuerlichen Entscheidung der drei Unparteiischen und entsprechend der Anordnung des Arbeitgeberbundes für aufgehoben erklärt worden ist. Die Leipziger Bauarbeiter, die vom Arbeitgeber bund von der Aufhekmng der Aussperrung nicht benachrichtigt worden sind, betrachten diese Ankündigung für sich als nicht verbindlich. Sie haben Freitag morgen an allen Bauten, die während der Aussperrung brach gelegen haben, Posten auf gestellt, die die von auswärts zuziehenden Bauarbeiter über die Lage aufklären. Auch in Nürnberg und an anderen Orten haben die Arbeiter die sofortige Aufnahme der Arbeit abgelehnt. Die Bauarbeiter sind nicht gewillt, früher die Arbeit aufzunehmen, als bis die Unternehmer sich mit ihnen in Verbindung gesetzt haben und bis die am Montag tagenden Verbandstage der Maurer und Bauhilfsarbeiter gesprochen haben._ Der Zentralverband der Tapezierer im Jahre 1909. Der kürzlich erschienenen Jahresabrechnung des Tapezierer Verbandes entnehmen wir, daß der Verband sich recht günstig weiter entwickelt hat. Die Mitgliederzahl ist zwar um ein geringes zurück gegangen, von 8275 auf 8253 im Jahresdurchschnitt, doch rst im ersten Quartal 1910 bereits eine erhebliche Mitgliederzunahme zu verzeichnen. Die Zahl der Mitglieder betrug am Quartalsschluß bereits 8741 und dürste zurzeit das neunte Tausend erreicht sein. An Eintrittsgeld vereinnahmte der Verband im Jahre 1909 1658,50 M., an Beiträgen 192 125,84 M.; inkl. sonstigen Einnahmen, Zinsen usw. betrug die Gesamteinnahme 268 470,97 M. Davon kommt der Kassenbestand aus dem Jahre 1908 mit 69 983,89 M. An Reise Unterstützung wurden 6207,— M., Arbeitslosenunterstützung 72 502,31 M., Krankenunterstützung 11250,40 M., Sterbegeld 3369,— M., Sircikunterstützung 10 493,76 M., sonstige Unterstützungen 1799,15 M. ausbezahlt. Der Verband mußte während der Krise seine Hauptaufgabe, bessere Lohn- und Arbeitsverhältnisse zu schaffen, etwas zurück stellen. Während im Jahre 1907 für 4356 Kollegen eine Lohnerhöhung von durchschnittlich 2,30 M. pro Woche und für 2488 eine 1 V.zstündige Arbeitszeitverkürzung pro Woche erkämpft werden konnte, wurde im Jahre 1909 nur für 1273 eine Lohn- erhöhung von 1694 M. und für 145 eine Arbeitszeitverkürzung von 296 Stunden pro Woche erzielt. Im Jahre 1910 stand der Verband bereits wieder in 22 Städten in Lohnbewegungen, an denen rund 4000 Mitglieder beteiligt waren. Daß die Arbeitslosigkeit unter den Tapezierern selbst im Früh- jähr 1910»och sehr groß war, beweist, daß von den 8741 Mitgliedern noch 2963, zusammen 64 129 Tage arbeitslos waren. Trotzdem die Lage des Wirtschaftsmarktes sich im allgemeinen etwas gebessert hat, ist davon im Tapezierergewerbe noch nicht viel zu merken. Trotz dieser schwierigen Verhältnisse bot der Verband seinen Mitgliedern einen kräftigen Rückhalt im Wirtschaftsleben, und er ist durchaus befähigt, seine großen Aufgaben für die Berufsgenosien zu erfüllen._ In der landwirtschaftlichen Maschinenfabrik von Otto Schmidt zu Rathenow legten Donnerstag sämtliche Arbeiter die Arbeit nieder. Die Arbeiter forderten Ausbesserung der am schlechtesten entlohnten Arbeiter und vertragliche Regelung der Arbeitsbedingungen. Die Firma hatte Verhandlungen zugesagt, verschob dieselben aber dann von Tag' zu Tag, sodaß unter dewMr- bcitern die Ueberzeugung Platz griff, daß die Firma überhaupt nicht verhandeln will. In Frage kommen zirka 50 Mann. Die Aus- ständigen bitten dringend um Fernhaltung deS Zuzuges. 100 M. dem, der mir die„Hetzer" ausliefert! Ein sicher neues und probates Mittel, den Frieden im Geschäft zu erhalten, hat ein Leipziger Mitglied des Arbeitgeberverbandes im Schneidergewerbe entdeckt. Der betreffende, Friedrich Meyer, Inhaber eines Herrenmoden- und Damenschneidereigeschäfts, hat in seinem Geschäft folgende Bekanntmachung ausgehängt: 100 Mark Belohnung! Obigen Betrag zahle ich demjenigen, der mir die Personen namhaft macht, so daß ich dieselben gerichtlich belangen kann, welche mir die in meinem Betriebe beschäftigten Arbeiter gegen mich aufhetzt, zum Niederlegen der Arbeit an» st i f t e t oder nachteiliges über mich verbreitet, um mich zu schädigen. Friedrich Meyer. Herr Meyer rechnet also auf die Gesinnungslumperei der Arbeiter, womit er freilich nur sich selbst ins rechte Licht rückt. Sie drücken sich vor der Antwort. In Neustadt a. Haardt haben die Tischler und Maschinen- arbeiter am 11. Juni die Kündigung eingereicht, weil die Arbeit- geber auf die im März d. I. gestellten Forderungen nicht reagiert haben. direktion beschäftigt und hatte die Absicht, Karriere zu machen. Im Jahre 1891 erhielt er durch Zufall einen Schlag mit einer Eisenstange gegen die Schläfe und vier Jahre später wurde er aus Versehen bei der Arbeit von einem Kollegen verletzt. Die Unfälle bedingten wohl eine kurze Unterbrechung der Arbeit, zeigten aber sonst keine Folgeerscheinungen. Zehn Jahre später, als T. seine Prüfung als Maschinenwärter für elektrische Anlagen bestanden hatte, traf ihn plötzlich eine schwere Erkrankung der Sinnesorgane, auch das Gehör erwies sich als defekt. Am 23. August 1905 wandte sich T. deshalb an die Bahnverwaltung, da er zu jeder Arbeit unfähig wurde. Eineinhalb Jahre später, im Januar 1907, erhielt er den Bescheid, daß sein Anspruch verjährt sei und deshalb keine Berücksichtigung mehr finden könne. Dagegen wurde der Frau des Mannes— er selbst mutzte in eine Irrenanstalt gebracht werden— auf dem Gnadenwege eine jährliche Unterstützung von 440. M. bewilligt, von denen sie jedoch die Verpflcgungskosten für ihren Mann bezahlen mußte. In seiner völligen Unkenntnis der Gesetze hatte der Mann es auch noch unterlassen, gegen den Be- scheid der Eisenbahndirektion Berufung einzulegen. Auf eine Ein- gäbe der Frau an diese Behörde wurde ihr mitgeteilt,. daß sowohl sie als auch ihr Mann keinerlei Ansprüche mehr hätten. Mit Hilfe eines Rechtsanwalts beantragte nun die Frau, die sich mit ihren Kindern in einer äußerst gedrückten Lage befand, bei der Breslauer Eisenbahndirektion die Gewährung der Vollrente als Anqehörigenrente. Da sie abgewiesen wurde, legte sie B e- r u f u n g beim Schiedsgericht ein. Dabei brachte sie einige Gut- achten hervorragender Aerzte, die bezeugten, daß der jetzige Irr- sinn des Mannes mit jenen Unfällen zusammenhänge. Nun ver« legte sich der Vertreter der Bahndirektion darauf, zu bestreiten, daß das Unterstützungsgesuch des T. vom Jahre 1905 nicht als Rentenanspruch anzusehen sei, sondern eben nur als ein gelegent» liches Unterstützungsgcsuch. Der Vorsitzende des Schiedsgerichts, Geheimrat Hauk, erwiderte darauf, daß nach den umfangreichen Erhebungen, die die Bahnbchörde damals angestellt habe, schon diese darauf schließen ließen, daß die Direktion das Gesuch als Renten» anspruch betrachtet habe. Der Vertreter der Bahn bestritt diese» jedoch und erklärte ferner, daß, wenn die Frau wirklich Recht be- käme und ihr die Rente zugesprochen würde, sie sich trotzdem schlechter stehen würde als heute, da ihr dann die Unterstützung entzogen werden würde. Auch würde zur eventuellen Rentenfest- setzung nicht der Verdienst des Mannes aus den letzten Jahren zugrunde gelegt werden, sondern der bedeutend niedrigere Ver- dienst zu Anfang seiner Beschäftigung aus der Bahn. Da mit dem behördlichen Vertreter durchaus keine Einigung zu erzielen war, beschloß das Schiedsgericht die Vertagung der Sache. ES soll ein Gutachten von der Provinzial-Jrrenanstalt eingeholt werden dar- über, ob T. schon bei seinem Gesuch an die Eisenbahndirektion im Jahre 1905 als unzurechnungsfähig zu betrachten war. Die Fran mit ihren Kindern mutz indes warten. Also bereits sechs Jahre muß ein preußischer StaatSarbeiter auf die ihm zustehende karge Rente warten, obwohl die Sachver- ständigen zu seinen Gunsten sprechende Gutachten ausgestellt haben und selbst der Vorsitzende des Schiedsgerichts sich für die gemachten Ansprüche inS Zeug legt. Lediglich ein formelles Versehen eine» mindestens wahrscheinlich damals schon Irrsinnigen soll herhatten� um der Familie die Ansprüche zu verweigern I Letzte Naebriebten und Depefeben. Ein Denkmal für Freiligrath. Rolandseck, 17. Juni.(W. T. B.) Heute nachmittag fand hier auf dem Rolandseck die feierliche Grundsteinlegung zu eit�m Denkmal für Ferdinand Freiligrath statt. Soziales. Staatsarbeiter und Unfallrente. Wie sehr sich die Eisenbahndirektionen oft weigern, ihren Be- tricbSangestellten. die einen Unfall erlitten, die ihnen zustehende Rente zu gewähren, ist allgemein bekannt. Geradezu typisch dafür aber ist ein Fall, der dieser Tage vor dem zuständigen Schieds- gcricht in Breslau verhandelt wurde. Der Maschinenschlosser Teichmann aus Neisse war zirka 22 Jahre bei der Eisenbahn- Ans der französische» Teputiertenkammer. Paris, 17. Juni.(W. T. B.) In der heutigen Sitzung der Deputiertenkammer interpellierte Berteaux über die allgemeine Politik und verlangte im Namen seiner sozialistisch- radikalen Freunde Aufklärungen über die Regierungserklärung, die als eine Art Appell an die Mitarbeit der Parteien der Rechten und der Progreffisten ausgelegt worden sei. Er sprach sich dann tadelnd darüber aus, daß die Regierungserklärung auf eine Reihe von Fragen, besonders die der Reorganisation des Heeres und der Altersversorgung der Arbeiter überhaupt nicht eingehe. Minister- Präsident Briand erwiderte darauf und nahm die Regierung in Schutz. Berteaux forderte dann Briand auf, sich in einer Weise auszusprechen, die seinen Freunden die Mitarbeit gestatte, ohne Nebengedanken haben zu müssen. Hierauf machte der Minister- Präsident ein zustimmendes Zeichen. Die Sitzung wurde darauf ausgehoben._ Zur Entrechtung Finnlands. Petersburg, 17. Juni.(W. T. B.) Die Finnland. k o m m i s s i o n des Reichsrates hat beschlossen, eine sofort in Angriff zu nehmende Kodifizierung des finnischen Rechte» durch Institutionen des Reiches in Vorschlag zu bringen. Die Kommission hat sich weiter dafür ausgesprochen, daß dem Reichsrate daS Recht zugesprochen wird, den finnischen Landtag um Gutachten bei Vor- lagen zu befragen, die das Reich und Finnland gemeinsam be- treffen._ Ter Boykott gegen Griechenland. Konstantinopel, 17. Juni.(W. T. B.) Heute hat hier der allgemeine Boykott gegen griechische Schiffe, Kanfleut« und Lokale begonnen. Auf diesbezügliche Vorstellungen ant- wartete der Minister des Aeußern: die Regierung billige die Boy- kottbewegung nicht und werde ihr möglichstes dagegen tun. Sie hoffe, der Boykott werde von selbst aufhören. Wie verlautet, hat in Smyrna der Boykott schon aufgehört. Mord. Lille, 17. Juni.(B. H.) Vergangene Nacht ermordete der belgische Deserteur S w i ck feine Gattin und seine Schwinger- mutier. Die Gattin hatte Swick verlassen und sich geweigert, zu ihm zurückzukehren. Der Mörder wurde verhaftet. Die Cholera in Rußland. Petersburg, 17. Juni.(W. T. B.) Odessa ist für cholera- gefährlich, die Stadthauptmannschaft Nikolajew für cholerabedroht erklärt worden. Bestcchungsgeldrr. New Uork, 17. Juni.(B. H.) Nachdem der hiesige Ver- t r e t e r Boas der Hamburg-Amerika-Linie vor dem Kongreßkomitee bezeugt hatte, daß die Schifsslinien gemeinschaft- lich einem Vertreter der Assoziierten Presse in Washington 3000 Dollar zahlten, damit er ihnen Informationen betreffend der sie tangierenden Gesetzgebung übermittele, machte der Repräsentant Humphrey vom Staate Wastsington im Plenum einen heftigen Ausfall gegen die Hamburg-Amerika-Linie und Ballin. Die Assoziierte Presse entließ den betreffenden Vertreter. vuv g�*v* � v*-*»'vi- 1 1 ucn öexcejjenoeu JüULiceiec. verantw. Redakt.: Richard Barth, Berlin. Inseratenteil verantw.; Ctz. Glocke. Berlin. Druck u.«erlag:«orwärt» Buchdr. u. verlagSimstalt Haul Singer Lc Co* Berlin SW, Hierzu 3«eilageo«.lluterhaltungsbl." Nr. 140. 27. Iahrgaag. 1. Mge dkg Jorwäilö" Sctliutt Polblilutl. Souuabttld. 18. Juni 1910. Für die ausgesperrten Bauarbeiter. Bei der Gewerkschaftskommission für Berlin und Umgegend gingen ferner für die ausgesperrten Bauarbeiter Deutschlands ein: Gcwerlschaftstartell Wemheim i B. 50,—. Zahlstelle der Porzellan arbeiter w Gräsenthal i. Th. 28,65. F. B., Oberweiler 3,05. Korbmacher Fachverein Kopenhagen 30,—. Bezirk 745 12,—, Bezirk 400, 2. Teil 4. Kreis 10,—. Sparverein„Sicher wie Oold* 7,30. Bautischlerei A. Wegner, 4. Rate 4,50. Zigarrensabrik Litdtcke, Nowawcs 5,—. Kronleuchtersabrik Schoiwer 4,00. H. Fürst 3,—. 7 Gürtler bei Lindström 3,50. DesinsektionS« zentrale 3,—. Kollegen bei Mohr 1,50. Handwerker u. Maschinenpersonal bei Schultheiß IV 15,45. Techn. Bühnenpersonal Charlottenburger Schiller- Theater 6,35. Tischlerei Libock, 3. Rate 7,—. Tischlerei Lüdtke, Pankow 8,20, Dr. Maies 3,—. Bez. 328, 4. T.. 4. Kreis 3,—. Bez. 6 d. BahloereinS stralau-Rummelsburg 15,—. 1986 Pianosabrik Merkur 8,70. Bez. 120 u. 136, 2. Kreis 6,—. 328 Kollegen bei Ksionfik, 4. Rate 16,30. Bez. 340, 1. T.. 4. Kreis 8,50. Bez. 351, 2. T.. 4. KreiS 7.—. 1885 Leistenfabrik Gensichen 8,—. Bez. 126, 2. KreiS 10,—. Kollegen bei Palitsch 28,25. 1803 Älaviaturfabrik Wernicke, 3. Rate 15,35. Bez. 150, 3. Kreis, Sechser- lasse 10,—. Bez. 127, 2. Kreis 5,—. 288 Bau Appelbamn durch Kahlbaum 6,20. 1040 Tischlerei Reschke, 2. Rate 16,35. 375 Boge 8,00. 230 Tischlerei Adam 6,40. H. Stramm 5,—. Modelltischlerei Bergmann, 3. Rate 18,—. Sparveretn Ameise 20,—. Angestellte de» Verb. d. Bäcker u. Konditoren 14,—. 411. Bezirk, 2. Teil 5,—. 381 Zimmermann 14,20. Sparverein„Feste Männer" 3,—. 1027 Tischlerei Haserkorn 4,60. Bahlverein Lichtenberg, 2. Abt. 18,15. Kistenmacher bei Icker! 5,—. Graveure bei Heister u. Co., 5. Rate 7,50. Bez. 190b, 4. Kreis 10,—. Bez. 153, 2. KreiS, Kranzüberschutz 2,80. Bez. 719Q, 6. KreiS 5,—. 6630 Kolleger bei Jakob 14,30. Wohlverein Rummelsburg, 11. Bez. 10,—. Graveure 6. H. Thiele u. Co.. 5. Rate 22,10. 418 Darmarbeiter F.«. L., 4. Rate 4,—. Kollegen bei Loose, 4,50. Polierer bei Hake 6,—. 1812 Tischlerei W. Maas 11,15. 308 Tischlerei Werner u Link 10,75. Möbel. sabrik Beroline, 3. Rate 10,50. 305 Tischlerei Rudolph u. MannS, 2. Rate 10,10. 312 Tischlerei Ouehl 7,30. Eichholz 3,15. 6610 Bau FuchS, Scharon- slrasje 9,15. 279 Rosenthal u. Mäder 13,—. Bezirk 560/70, 6. KreiS 6,45. 881 Schöder u. Ball 6,80. Bezirk 325, 4. KreiS 5.—. 0854 Pianosabrik Ibach 26,75. Verb. d. Schneider u. Wäschcardeiter, Fil. Berlin Hl, aus folgende Listen: 7331 durch Fr. Jacob 10,15. 7341 Plätterei Gottheim 15,05. 7342 Näherei Freher 5,20. 7348 durch P. Hanig 6,00. 7352 Zuschneider Cohn u. Samuel 10,50. 7353 Zuschneider G. Solinger 1,25. 7358 Zuschneider O. Levh 1,85. 7350 Zuschneider Blumenau u. Söhn 2,45. 7362' Zuschneider Philippsohn n. Leschziner 7,50. 7364 Zuschneider van Leek 12,80. 7370 Zuschneider Cohn u. Ellenburg 3,25. 7371 Zuschneider Wohl u. Heymann 2,60. 7374 Zu- schneider vorm. Ritter 4,50. 7376 Kiiopslochnäherei Grünbaum 6,50. 7380 Kragcnnäherci Grünbanm 7,00. 7331 Näherei Philippsohn u. Leschziner 11,20. 7393 Näherei II Sternberg jun. 2,85. 7400 Plätterei Fritze u. Bohi 5,25. 7401 Plätterei Cohn u. Samuel 5,45. 7407 Kragenplätterci Grün- bäum 0,50. Zusammen 120,80.— Kall. b. Rabe, 2. Rate 4,75. Tischleret Bcmbcneck, Koch u. Co., 3. Rate 14,—. 408 Tischlerei Schüddekops u. Heine 5,40. 420 Tischlerei Sponar 15,80. Anschläger Bau Jnvalidenftr. 3,10. Bez. 355, IV. KreiS 10,—. Berb. d. Hutmacher, Verw. Berlin 100,—. 5606, 5607 Verb. d. Zuschneider 18,65. 0870 Tischlerei Thierichenz 8,30. 474 T chlerei Sievert, 2. Rate 15,05. 5056 Kaisers Kaffeegeschäst, Spandau 18,15 Harmsen 2,—. Hausdiener u. Packer bei Jandors, SW. 5,—. Polierer b. Köhler, 2. Rate 5,—. Tischlerei Siewcrt u. Oslhorst, 2. Rate 3,45. 211 Leistensabrik A. Werkmeister 13,00. 11. u. 14. Bezirk Charlottenburg 10,55. 5999 Herberg u. Co., 4. Rate 13,40. 310 Tischlerei Jarotzfi, 4. Rate 13,—. 480 Tischlerei Stern, Seliger u. Co. 10,36. 1857 Tischler bei Trebs 10,—. 430 Tischlerei Bränicr, 2. Rate 13,—. 402 Tischlerei C. Prechtel 13,85. Tischlerei Engbrecht 10,05. 420 Tischlerei Schwarz u. Fröhlich, 5. Raic 26,10. Möbelfabrik Gerson, 5. Räte 10,05. Bezirk 08, 2. Teil, 4. Kreis 11,—. Tischlerei Phönix 16,—. 432 Tischlerei Hanke u. Käber 25,—. Tischlerei Kraft 10,75. Sparverew Bettelpfennig 20,—. Tischlerei ®. HarmS, 2. Rate 5,—. Bezirk 13 Wahlv. Boxhagen-RummelSburg 6,—. 1941 Einsetzer bei Grün u. Hcttwig 6,05. 331 Bezirk 4. KreiS 5,—. 433 Pianosabrik Hoffmann 6,40. 443 Tischlerei Sommerlatte, 3. Rate 14,15. . Klemvner bei-Stolzenberg, 3. Rate 6,50. Bezirk 328, 1. Teil 4. KreiS 7,—. 470 Tischlerei Wilke u. KlauSnitzer 8,56. Tischlerei A. S. Ball 4,70. 3183 Maschinensabrik Stolzenberg, 4. Rate 18,00. 115 Tischlerei K. Heimann 5,50. Bäckerei Kappler 0.—. 482 Tischlerei Müller 12,55. 1858 Klavialursabrik Buchholz 15,65. 6579 4,10. 6582 Tischlerei Schön. 2. Rate 11,05. Verband der Sattler und Porteseuiller, Verw. Berlin, aus Listen, 6. Rate, 223,35, Liste 146 Lackierer bei C. Bechstein 5,25. Tischlerei Sachse u. Hesse, 8. Rate 14,40. 24. bis 30. Bezirk 13,05. Buchhandlung und Expedition des Vorwärts. 4. Rat-, 16,75. 7273, 7276, 6278, Sektion der Putzer Berlin 15,50. 7472 Verband der Maschinisten, Bezirk Osten, 10,70. 7433 Maschinisten bei C. R. Bergmann 7,05. 7445 Maschinisten bei Gabriel und Richter 5,—. Schcrhag u. Woitschach 50,—. Tischleret K. Weise 13,45. Lackierer bei C. Gras. 3. Rate, 10,—. GeschästSsührer-Konserenz bei P. Laah 40,—. 1030 Tischlerei Groß 8,30. 455 Vergolder bei Raschig 10,55. Bäcker und Kon. dttoren, SiemenSslr.. 7,—. Deutscher Arbeitersängerbund, Gau Berlin und Umg. 200,—. 132. Bez., 2. Kreis 5,—. 451, 452 Pianomechaniksabrik Jakob 34,—. Falkson, 3. Rate 10,—. 471 Zuschneider bei Peel u. Kloppenburg 10,75. 1782, 1788, 1865, 1364, 1363, 1866, 1770 Kollegen bei Grumme. 4. Slbt. deS 4. Kreise» 20,25. 108. Bez. 2. KreiS 6,—. Kollegen bei Flegncr 7,25. 437 Tischlerei Latz 4,70. 454 Tischlerei Wolshardt u. Goldschmidt 15.50. Lotterieverein„Einigkeit" 10,—. 463 Tischlerei Alschner 7,85. 300 Tischlerei Vi-ritz u. Werner 6,75. 342 Tischlerei E. Barth. 3. Rate. 9,-. Tischlerei f. u. 21. Schulz, 4. Rate, 38,55. Tischlerei Nickel, Kernicke u. Lehmann, Rate, 11.75. Listen 7176, 7177, 7180. 7181, 7182, 7133, 7100, 7102 53,60. 7107 Galvanik E. Lachmann 9,65. 481 Tischlerei Dittmar 25,— 9883 Tisch. Kleines Feuilleton. Wendelin Wcißhcimer, dessen Tod bereits angezeigt wurde, bat als Künstler und Mensch im modernen Musikleben eine beachtenS- verle Rolle gespielt. Früh hatte sich in ihm— er war an, IS. Februar 1838 in Ostheim in Hessen geboren— die musikalische Begabung gezeigt. Schon als Schüler hatte ihn die Begeisterung für Richard Wagner ergriffen, dem er fortan ein treuer Anhänger wurde. In den schweren Kämpfen war er seinem verehrten Meister ein warmer Helfer und Freund. AIS dann Wagner unter Ludwigs H von Bayern Protektion emporstieg und Weißheimer kein willenloser Gefolgsmann sein mochte, kam eS zu Differenzen. W. hat sie noch kurz vor seinem Ableben dargestellt m einem dem nächst im Berlage der Fränkischen Verlagsanstalt in Nürnberg er- scheinenden Memoirenbande:.Bayreuther Ränkespiele— Wagner räche", daS der Wagnerschen Kultgememde manche unangenehmen Enthüllungen bringen wird. Bon seinen durch den Verkehr mit mancherlei bedeutenden Persönlichkeiten interessanten Memoiren hatte W. bereits 18SL einen ersten Band erscheinen lassen(„Meine Erlebnisse mit Franz Wagner, Franz LiSzt usw."). Bon WeißheimerS musikalischen Schöpfungen, die Lieder, Balladen und größere Orchesterwerke umfaßte, sind seine beiden Opern„Leyer und Schwert"(Theodor Körner),„Meister Martin und seine Gesellen"(ein Seitenstück zu dm Meistersängern) allgemein be- kann! geworden. Den Arbeitern ist der uneigennützige Künstler, der die von Wagner einst proklamierte innige Verbindung von Bolk und Kunst zur Tat machen wollte. be- sonders nahe getreten. In der Arbeiterschaft sah er den Boden, wo der freie Künstler zu wirken habe. Auf dem Mannheimer Parteitag dirigierte der greise Komponist mit jugendlichem Feuer die Massenchöre. Dann war er nach Nürnberg übergesiedelt, um seine Kräfte ganz dem Arbeitergesang zu widmen. Große Pläne versolgte er. Ein riesiger gemischter Chor schwebte ihm vor, 1300 Männerstimmen und ebensoviele Frauen- und Kinderstimmm 1 Bolkskonzerte fürs Volk durchs Volk wollte er ins Leben rufen; ein VolkshauS, daS solchen Bestrebungen ein Heim bot. sollte gegründet werden. DaS Arbeitersängerfest, daS zu Pfingsten in Nürnberg so glanzvoll und schön gelang, war WeißheimerS Werk gewesen. Und frisch war er hernach wieder an die Arbeit gegangen. AlS ihn die letzte kurze Krankheit überfiel, hatte er eben die Komposition(für Frauenchor) von Freiligraths innigem Liebe„O lieb, so lang du lieben kannst" vollendet. So starb er mitten im Schaffen. ein aufrechter Künstler, der sein Wollen und Können in den Dienst der großen Sache gestellt hatte. lerei Friedrich, 3. Rate, 14,—. Bezirk 130 und 134, 2. KreiS 14.—. Tischlerei R. Schmidt, 2. Rate 7,15. 476 Tischlerei Gebr. Schaar 10,45. Verband der Steinarbeiter, Verw. Berlin, auf folgende Listen: 7851 durch Tuschinann 0.—. 7858 d. Kleppe 7,—. 7861 d. Lehle 4,50. 7862 durch Firiilowski 4.—. 7872 d. Müller 5,—. 7876 d. Büttner 3,15. 7878 durch Hostmann 13,15. 7880 d. Nitsche 6,90. 7881 d. Bergeinann 6.—. Durch Metzle 9,90. 6574 10,65. 6567 5,50. 1955 Tischlerei Wedegärtner u. Fischer, 2. Rate 5,80. 9855 Tischlerei Siebert u. Aschenbach 10,05, 467 Tischlerei Nöihiing, 4. Rate 17,75. 9884 d. Knall 44,50, 462 Tischlerei Thomas, 5. Rate 8,25. Modelltischlerei C. A. Lukas, 3. Rate 7.—. 473 Tischlerei Pätz 15,75. 434 Tischlerei Abb u. Daum, 4. Rate 13,50, 7050 Lahmeher. Werke 14,85. 7064 Lahmeher-Werke 18,05. 483 Klaviatursabr. Börnicke. 4. Rate 13,05. 1942 Pianosabr. Kliemes u. Co. 3,75. 385 Hanich 3,50. 1003 Drechslerei Schmidt 3,20. R. Hoffmann 3,—. Möbeljabrik Eiche, 3. Rate 6,60. 368 Holzarbeiter A. E. G., Brunnens! raste, 3. Rate 33,55. Tischlerei Lochow u. Hering, 3, Rate 7.—. 343 Tischlerei Sirocka 4,05. Unterlommisfion Rixdors aus soigende Listen: 6000 Tischlerei Löchel 4.55. 6021 Tischlerei Schrammar 0,25. 6037 Tischlerei Schmidt 3,75. 6220 Tischlerei Jastrow 4,70. 6312 G. Lippe u. Co. 13,10. 6020 Tischlerei Sawatzki 17,75. 6034 Tischlerei Hegclmann 5,40. 6039 Tischlerei Kapelke 4,75, 6308 Natze 14,40. 6327 Tischlerei Schwarz jun. 25,—, Summa 102,75 M. M. Gärtner 2,20. Bez. 1 Wahlverein Nied.-Schönhausen 8,—. Deutscher TranSportarbeiter-Perband, Verw. Groh-Berlin, auf soigende Liften: 155 durch Otto Ladewig 6,05. Betr. Hennig u. Co., Zeughofstraße 600 0,60. 615 4,—. 684 Aktiengesellsch. Gasglühlicht einschl. Silberhochzeit Krause 8,70. Durch H. Swttseldt 685 12,50. 602 2,65. Jugendsektion Abt. Gesund- brunnen 607 8,40. 702 8,65. 705 durch E. Welk 15,—. Transportarb. der Firma Pintsch 710 11,05. 711 13,40. 713 11,10. 732 5,50. 738 Beltcr u. Schneeoogel, Eifenkonstr. Wittenau 15,—. 746 durch Zeising 10,50. HiifS- arbeiter der Maschinensabr. Schwartzkopff, Scheringstraße 649 6,15. 650 5,55. 757 Buchdruckerciexpcd.„Vorwärts", 2. Rate 10,75. Fensterputzer v. Nelken durch Schulmeister 758 13,15. 761 14,05. 763 4.05. 770 17,50. 772 10,10. 773 Automobilbctricb Schröder, Stromstr. 25 3,70. 788 Betr. A. Wertheim, Leipziger Straße 20,50. 704 Einige Kollegen d. Firma GieShoit, durch Richlein 15,70, Kohlenarbetter v. Goßmann, durch Franz Schmidt 706 6,—. 798 11,30. 802 15,15. Krastdroschkenbctr. Sagert.Gerichtstr. 8l l 7,45.812 3.40. 817 16,30 Kellerarb. Brauerei Engelhardt 865 21,05. 873 5,45, Sa, 340,40 M. Tischlerei Pöschel u. Sohn 15,—. Klub d. Harmlosen 4,15. Branche der Stockarbeiter, Berlin, aus soigende Listen: 1833 Rummler u. Rischler, 1. u, 2. Rate 7,15. 1848 Körner, 1. u. 2. Rate 3.80. 1056 Racoste Rogge, 1. u. 2. Rate 3.75. 1058 Philipp. 2. u. 3. Rate 7,10. 1050 Brückman», 3. Rate 11,55. 1060 H. Fischer. 3. u. 4. Rate 7,10. 1061 B. Raa. 5. Rate 18,20. 1062 Goldbach, 2. Rate 5,—. 1964 E. Noa Nachs., 2. Rate 8,50. 1066 Gembicki, 2. Rate 6,05. 1067 Redlich, 3. Rate 7,85. 1068 Retzlaff, 4. Rate. 8,05. 1060 Goldmann, 4. Rate 0,35. 0867 Brückmann, 4. Rate 10,05. 0863 Schütte Nachs., 4. Rate 11,95. 9869 A. Ludwig u. Co., 5. Rate 25,70. 1846 Füllsederhaitersabrik OuaaS, 1. u. 2. Rate 13,80. Gesamtsumme 165,85. Bcz. 398, I. T. 4. KreiS 7,50. 1735 25,90. 1938 Tischlerei Neumann u. Bunar 15,55. 1740 Pianosabrik NüSkc u. Co. 11,00. Deutscher Fabrik- arbeiterverband, Verw. Berlin, aus soigende Listen: Stanzerei Bergemann, Oudenaderstraße, 1008 20,70. Bezirk Obcr-Schüneweide 1023 20,10. 1024 12,95. 1027 6,55. 1028 3,00. 1029 6,30. 1031 3,20. 1032 26,—. 1033 1,95. 1035 3,45. 1037 1965. 1041 10,10. Bezirk Spandau, Chemische Fabrik Griesheim 1057 25,70. 1061 8,75. 1062 6,30. 1063 5,—. 1064 5,—. Spritsabrik Eisermann 7542 5,70. Gummisabrik A. E. G., Schlegel- straß« 7550 8.—. 7551 10,10. 7552 10,05. Ferner aus Listen: 1004 2,25. 1006 6.05. 1007 11,20. 1018 7,25. 10.47 5,75. 1048 11,35. 1050 11,70. 1052 7,80. 1073 2,50. 1088 2,50. 1100 6,—. 7546 6,—. 7549 2,30. 7557 6,50. Summa 308,60 V erband d. Casö-Angestellten aus folgende Listen: Aus der Lokalkasse 50,—. 7222 Brescmann 4,—. 7223 Lagler 4,45. 7226 Oppermanu 2,—. 7228 Wendel 5,45. 7235 Thierbach 1.—. 7237 Bohn 0.50. 7238 Höhne 2,20. 7240 Köhler 4,85. 7243 Bardelle 14,50. 7245 Balveg 3.50. 7246 Bock 2,45. 7247 Barenthin 6,65. 7240 Lützner 10,55. 7250 Heinrich» 2,30. 7227 Bureauliste 25,—. 7224 Wartrat 4,75, zusammen 144,15. Gürtlerci Salomon 6,—. Bcz. 373a T. IV, 4. Kreis 6,—. Kollegen 6. Pristaw u. Bieger 6,25. 0380 Tischlerei Kaiser 13,50, 0886 Linke u. Jodenschwäger 10,10. 0877 Tischler bei Hartmann 2,70. Holzbearbeitungssabrik Schneider Nachs. 6,—. 0878 Tischlerei Dibbelt u. Rothe. 3. Nate 13,—. 1990 Klaviatursabr. Union 9,60. Flatow u. Piicmer 427 19,65, 426 10,45. 458 Tischlerei Röhle, 2. R. 6,45. 1878 Tischlerei Schulz u. Wieke 12,95. 455 Vergolderei I. Müller 5,05. 1730 Jalousiesabrik Freese 14,05. 334 Tischlerei Schüler 4,20. 6556 Keiften 14,80. Bautischlerei Meier 7,30, 9328 Kontinent. Bremsen- Gesellschaft, 4. Rate 13,25. 323 Tischlerei Barowski, 3. Rate 10,20. 3426 Bergmann u. Westphal 6,60. 1043 Tischlerei Fürst u. Kuhnert 12,90. Zelder u. Plathcn aus soigende Listen: 1096 10,50, 1007 13.50, 1090 4,10, 2000- 10,55, 9857 11,70. Gebrüder Krüger, Köpenick 14,—. Möbclpolierer bei Klug 20,—. 466 Tischlerei Zelmer u. Bartsch, 3. Rate 7,35. 410 Drechslerei Reimcmn 5,25. 478 Pianofabrik Pfaffe 7.75. Tischleret Jost Nachs. 7,30. 140 Verband der Kunstgewerbezeichner Berlin 50,—. 6577 Tischlerei Mitusch 13,40. 475 Pianosabr. Hillgärtner 17,65. 468 15,20. 433 Tischlerei RöSler u. Schmidt 35,—. 488 Goae 7,95. 9853 Tischlerei Werner 6,65. Lippold 3,—. Tischlerei Felzer u. Koffer 8,40. Verband der Schneider. Verw. Berlin I, aus soigende Listen(8. Rate): 5045 Truntz u. Votz, 2. Rate 20,—. 5053 Bister 10,—. 5065 H. Braun 22,50. 5067 Jtzig 5,75. 5074 durch Siebelitz 23,50. 5070 P. Jary 10.95. 5090 Unionklub 7,10. 5092 D. Herz 3,70. 5096 4,—. 6097 durch Brausewetter 33,35. 5098 durch DIerdors 2,—. 5099 Kunz u. Kovizek 17.—. 5112 durch Mictke 8,-. 5120 Kirfchstein u. Co. 12,-. 5126 Wois u. Schulz 37.—. 5137 durch Gebauer(darunter Pähl 10,—, Treitel 5,—) 26,25. 5141 Schneider von H. Hoffmann 100.—. 5148 Cohn u. Sohn 0,25. 5150 Arnold Müller 10,35. 5164 Baer Sohn 5,—. 5165 Benedikt 40,—. 5177 Jockey-Klub, 5. Rate 34.—. 5185 Nomann, 5. Rate 26,25. 5186 Klein u. Fränkel 0,70. 5188 Mendt u. Redlich 52,—. Schneidereigenossenschast„Hoffnung", 6. Rate Wer hat das Gefrorene erfunden? Auf diese Frage, die in An- bctracht der großen Hitze der letzten Tage von besonderem Interesse ist, antwortet der„Figaro" in einem langen Artikel. Die Zucker- bäcker der früheren Jahrhunderte wußten noch nichts vom Gefrorenen. Längere Zeit aufbewahrter gewöhnlicher Schnee war der höchste Grad, zu dem ihre Kunst sich aufschwang. Erst um die Mitte des 17. Jahrhunderts begannen die Italiener dem Schnee feste Gestalt zu geben, ihn zu färben und ihm Kaffee- oder Vanillegeschmack zu geben. Im Jahre 1760 eröffnete Procopio Culbelli in Paris ein Kaffeehaus und brachte bald die Eisgetränke sowie Blumen- und Fruchteis, das er nach einer eigenen Methode herstellte, in Mode. Als im Jahre 1774 bei dem italienischen Konditor der Herzog von Char- treuse erschien, präsentierte ihm Culbelli als viel bewundertes Kunst- werk das herzogliche Wappen in Eis, und Kunstwerke ähnlicher Art waren bald sehr gesucht. Einen eigentlichen Ruhm hatte das Ge- frorene aber dem berühmten Küchenchef Vatel zu verdanken, dem ersten Koch des Prinzen von Conds, jenem Manne, der sich mit seinem Bratspieß die Brust durchbohrte, weil ein Korb See fische, die er für ein Festmahl bestellt hatte, nicht zur rechten Zeit eintraf. Als Ludwig XIV. einmal den Prinzen von Condö besuchte, nahm Vatel seine ganze Kunst zusammen, um ein Essen anzurichten, wie man es bis dahin noch nie gesehen hatte. Am Schluß des Festmahles wurde vor jeden Gast ein frisches Ei in einer vergoldeten silbernen Tasse gestellt. Die Eier waren gefärbt wie Ostereier. Bevor die Gäste noch Zeit hatten, sich von ihrem Staunen zu erholen, merkten sie, daß eS sich nicht um richtige Eier handelte, sondern um eine köstlich schmeckende, eiskalte, marmor- feste Süßspeise, um daS also, was wir jetzt ein Gefrorenes nennen. Seit jener Zeit erslbien das Speiseeis auf den Tafeln der Reichen nach jeder größeren Mahlzeit. Heber die Dvppelsterne, deren Zahl der Astronom Herschel vor 40 Jahren auf etwa 10 000 gerechnet hat, ist nun ein neuer voll- ständiger Katalog aufgestellt worden. Seit 40 Jahren sind ins- besondere von Schmidt und Burnham etwa 2000 neue und von den Astronomen Russell und See 1000 weitere Doppelsterne entdeckt worden. Die Doppelsterne, welche gerade in den letzten 20 Jahren bekannt wurden, besitzen in ihrer großen Mehrzahl eine interessante Eigentümlichkeit: entweder bilden sie die Zentren von ganzen Steruensystemen, wobei einer der Sterne nach einer bestimmten Be- obachtuugszeit verschwindet, oder aber es ist so, daß der eine eine außer- ordentlich starke Leuchtkraft besitzt, während der andere dem Verlöschen nahe scheint. Der neue Katalog wird von dem Astronomen der Stern- warte von Washington, Burnham, herausgegeben und enthält genau 13005 verschiedene Doppclsterne. DaS Werk ist die Arbeit einer zwanzig- jährigen intensiven Tätigkeit und schließt mit der Verniutung. daß es sich bei einigen Tausenden Doppelsternen bloß noch um optisch vorhandene, in Wirklichkeit aber um bereits untergegangene Welten handelt. Wenn man bedenkt, daß das Licht der von der Erde am weitesten 15,—. Summa 544,65.— Schlosser bei Moldenhauer u. Metz- dorf 17,05. Werkzeugbau Schmidt, 3. Rate 5,—. 0267 Rosenstock u. Schwager 6,75.«trastasse bei Herrmann u. Co. 11,40.— Verband der GastwirtSgehilfcn, Verw. Berlin, aus soigende Listen: 5821 Zeisle 12,20. 5822 Ricniann 10,60. 5823 Münch 10,05. 5824 Diesing'13.05. 5825 Böhmisches Brauhaus 6,—. 5826 Roscuthaler Hos 12,50. 5827 Olm 4.70. 5828 Krasst 6.—. 5820 Moltrccht 2,95. 5830 Niischke 3,—. 6501 Sohn 2,25. 6502 Müller 6,85. 6503 Haring 6,-. 6504 Link 5.05. 6505 Schwarzer 4,15. 6506 Röhrich 3,75. 6507 Möws 1,50. 6508 Ziemen 5,—. 6509 Stein 6,50. 6510 Lorenz 2,—. 6511 Spindel 2,65. 6512 Brauerei Friedrichshain 11,05. 6513 Seiffert 6,—. 6514 Kronen-Brauerei 7,10. 6515 Löffler 2 90. 6516 Bureau 4,90. 6517 Hasert 4,40. 6518 Lippoldt 2,-. 6519 StrogaU 3,—. 6520 Kirschner 6,15. 7201 Altmann 5,65. 7202 Kastaun 3,30. 7203 Harbig 2,55. 7204 Mathias 2,25. 7205 Most 1,80. 7206 Roscnthaler Hos, 2. Rate 11,—. 7207 Jergens 2,30 7208 Bureau 5,45. 7209 Buschlowski 2,70. 7210 Bernatzki 3,-. 7211 Pserdebucht 3,50. 7212 Deemaim 3,25. 7213 Maire—, 7214, S, Voigt 2,90. 7215 H. Schul, 2,55. 7216 Krüger 2,25. 7217 Dux 8,50. 7218 Reinle 4,85. 7219 Bureau 4,20. 7220 Lambakahar 5,25. Von der Ortsverwaltung Berlin II, Hilfspersonal, 25,—. Kellner A. Bock 1,—. In Summa 283,—.— Verband der Kürschner, Verwaltung Berlin auf folgende Listen: Pclzwarenfabrik Behrendt 2718 17,10. Zurtchterci Müller 2751 26,20. Mützenfabrik Fröhse 2763 4,60. Pelzwarensabrik H. Wolf 2767 11,25. Pelzwarensabrik Jacob 2780 7,—. Mützensabrik A. Winter 2786 11,75. Pclzwarenfabrik F. Singer 2705 14.25. Mützensabrik H. ZinS 7657 0,50. Pelzwarensabrik F. Singer 7660 4,15. Mützensabrik A. Grotehenn 7674 0,30. Pelzwarensabrik V. Manheimer 7685 23,25. Herpich Söhne 7686 10,—. Blumenthal 7702 10,75. A. Neumann 7646 12,25, Mützensabrik Heilbronn 2721 13,85. Bureau 2746 14,55. Mützensabrik S. Gärtner 7681, 7682 31,—. H. Storkmann 11,20. In Summa 250,95.— Uuterkommission Spandau aus soigende Listen: 5383, 5887, 5803,-5900, 5014, 5015, 5032, 5034, 5935, 5037, 5041, 5045, 5052, 5953, 5054 und 5066 zusammen 122.-.— Verband der Tapezierer, Verwaltung Berlin, aus soigende Listen: 1427 v. Kollegen Wilde 5,55. 1435 Werlstatt Keller u. Reiner 14,75. 1403 Werl- statt Reiner u. LcioinSki 15,—. 5341 v. Kollegen Horst 10,—. 5353 Werk- statt Fort u. Krctschmar 2,05. 5355 Werkstatt Gerson. 2. Rate 11,30. 5360 Werkstatt Dunsky. 2. Rate 14,05. 5374 Werkstatt Flatow u. Priemer, 3. Rate 22,90. 5377 Werkstatt Gocrke 8,50. 5381 Frl. Preuß 4,50. 6384 Werkstattt Herzog, 3. Rate 23,20. 5388 Werkstatt RedelShcimer 12,—. 5387 Werkstatt Ernshaus 8,10. 5403 Werkstatt Dittmar, 6. Rate 14,55. 5416 Werkstatt Jahn, 2. Rate 6,50, in Summa 174,75. Deutscher Metallarbeiter- Verband, Ortsverwaltung Berlin, 12. Rate: Auw, Ober- Schöneweide 3053 22,—. 4408 75/45. 4400 27,40. 4410 23,60. 3048 32.20. Kabelwerk Obcrspree 3020 0,60. 3030 8,20. 30,46 32,95. 3062 18,95. 3064 16,15. 3096 18,50. 3000 17,75. 4398 13,30. 4397 10,05. 4399 13,90. 4400 23,05. 4414 18,05. 4425 11,85. Schwartzkopff Wildau 3077 4,50. 3078 14,—, 3079 14,40. 3080 10,45. 3081 6,50. 3084 14,75. 3085 28,—. 3087 10,65. 3088 9,50, 3089 7,10. 3090 9,—. 3023 Deutsche Preßlust-Werke 20,50. 3068 Schultheiß-Handwerker, Abteilung IV 12,20. 3073 Kupscrwerlc Deutschland 33,75. 3457 durch I. Lamolle 25,—. 3690 Roscnstock, 2. Rate 6,25. 3604 Butzle, Klempnerei 7,80. 3605 Krey, 3. Rate 13,50. 3701 Bcrgscld 28,65. 3704 Eckel u. Glinicke 16,45 Weich- brodt u. Friedrich, Gießerei 3708 7,25. 3700 Frcserei 8,70. 3710 Gürtlerci 8,55. 3711 17,15. 8276 Dreherei 8,35. 8277 7.75. 3715 Franke. Bau- anschläger 13,05. 3817 Prcuß-Rixdors 6,30. Auer 3520 5,20. 3521 6,95. 3522 4,75. 3523 3,80. 8364 5,40. 8365 49,35. 8366 7,60. 8367 24,25. 8368 7,50. 83*) 22,45. 8371 5,15. 8372 7,20. 8373 4,55. 8378 8,75. 8381 10,60. 8390 7,50. 8303 20,65. 3620 Bergmann. Wilhelmsruh 35,10. Aus- gelöste Groscheukasse Bergmann, Wilhelmsruh 12,55. 4261 Dietrich, 4.Rate 11,75. Deutsche Waffen- und MunitionSsabrik, 4138 Zicsemcr 20,00, 4143 Beiger 22,75, 8050 Masch.-Gewehr 17,80, 8060 Christensen 27/30, 8061 Herold 27,05. 8067 Hcnnig 10,05, 8068 Ulbricht 32,70, 8071 Urban 26,35, 8202 Hoffmann 33,20, 8203 Büttner 22,50, 8204 Beiger 10.—. 4262 Max Kray u. Co.. 5. Rate 12,85. 4263 Pinkus 12.70. 4264 F. Gchrcckc 11,20. F. W. Müller 4265 14.65, 4266 16,35, 4267 5,05. 4260 Butzle Dreherei, 4. Rate 14,70. 4271 Eckel u. Glinicke 17,70. 4272 Malick u. Waltows 15,50. 4318 Heuer, 1. Rate 5,35. 4310 durch Kaiser 22,20. 4320 durch Kaiser 2,00. 4500 Gebr. Köppe 10,20. 4500 Lintz u. Eckhardt, 2. Rate 30,—. 4530 Dr. M. Lewy 14,70. Krüger-Köpenick, 4608 Dreherei 26,50, 4630 Dreherei 32,35, 8510 Schlosserei u. Wertzeugbau 11,55, 8511 Redulwrbau 17,—, 8512 Dreherei 23,85, 8513 Gießerei 12,50, 8514 Schleiserci 11,50, 8515 Schraubendreherei 7,25, 8516 Klempnerei 5. Rate 15,75, Aus der Groschenlaffc 10,35. Herm. Kode G-Idschraitisabrik. 4801 6,40. 8208 7,95, 8209 6,15. 8089 Zentr.-HciztmgS- werke 6,45. 8102 Wagenachsensabrit Giesccke 27,05. 8117 Gebr. PctcrSseld 22,80. 8121 Otto Schneider 7,45. 8122 Memmcl 9,95. 8137 Vesta, 2. Rate 22,70. 8138 Vesta, 2. Rate 17,20. 8165 G. Franke Bauklempnerci 20,50. 8260 W. Ri-we, 2. Rate 13,50. 8271 Lhrophon-Werke 16,10. 8273 Heiden. Hein 12,80. 8274 Kandcihardl 19,70. Daimler, 8227 25,40, 8223 13,65, 8229 31,35, 8230 11,45. 8231 10,90, 8232 13,—, 8233 10,—, 8234 47,75, 8235 10,10, 8236 23,50, 8237 26,50, Märzkranzübcrschuß Daimler-Werke 36,15. 8310 Bruno Mädler 6,25. 8361 Schwartz 13,50. 8352 Schmidt u. Co. 9,20. H. Aron, 8441 12,10, 8999 20,45, 9000 14,15, 8459 Gesellschast für drahtlose Telegraphie 10,30. Flohr, Chauffeestr. 3472 41,60. 8473 37,25, 8474 22,80, 8475 17,30, 8476 6,90. 8485 BetricbSwache E.-W. 13,40. 8499 MuSkulluS 12,45. 8506 Schlcin u. Stephan!, 5. Rate 6,40, 8508, 5. Rate 6,50. 8524 Goliasch, Rixdors 41,—. 8541 Enzinger 14,15. 8546 Wolf Nachs. Kaßner, Voltastraße 20,05. 8828 Flügel 8.75. 8820 Rob. Schneider 16,20. 8338 Hausdiener, Mohrenstr. 10,—. 8904 Medizinisches Warenhaus, 3. Raie 23,—. 9167 Kuntze 7,30. 9169 Schäfer Nachs. 18,40. Allg. Metallwerl für Beleuchtung 9170 5,05, 0171 10,25, 0172 4,85, 0173 2.45. 0)74 10.—, 0175 7,85, 0178 Beliug u. Lübke. Dreherei, 3. Rate 10,25, 0170 Schlosserei. 3. Rate 17,30. 0246 Bach u. Mahlow 10,50. .0249 Herberg u. Co.. 3. Rate 13,60. 0261 Klemme 20.50. 0275 Nord- deutsche Metallwarensabrik 20,50. 0315 Bellers Registrawr Comp. 7J6. 2L entfernten Sterne viele Jahre gebraucht, um bis zur Erde zu ge» langen, dann wird man leicht verstehen, daß die Möglichkeit vor» handen ist, daß inan mit starken Instrumenten die Lichtbilder von Sternen entdeckt deren wirkliche Träger im Universum nicht mehr Vorhände» sind. Humor und Satire. Jnvalidenschicksal. Kotbespritzt, vom Wandern müde, Bor der Königsburg Portal Liegt ein alter Invalide, Hingestreckt von HungerSqual.. Und mit Worten, rabentönig, Krächzt er heiser, sorgenschwer: „Höre mich, mein Herr und König! Blicke gnädig zu mir her! Treu gedient hob' ich im Krieg« Dreimal dir, ein rüst'ger Mann. Daß ich tapser half zum Siege, Zeigt die? Kreuz von Eisen an. Mernndscchzig, Sechsundsechzig Ward ich schliinm verwundet bloß; Siebzig schoß— denn Kühnheit rächt sich— Mich zum Krüppel der FranzoS. Krüppel taugen schlecht im Friede«� Fand drum nirgends Amt noch Ruh'. Not war mir am Tag beschieden, Lumpen deckten nachtS mich zu. Wie mein Herz da hoffend lachte. MS ich hörte, daß pro Jahr Dir der Landtag wieder brachte Einen Riesenzuschuß dar! Gib von der Millioncngabe König, mir ein bißchen ab. Daß ich nicht am Bettelstabe Schimpflich wandere bis zum Grab.'; I; So der Greis mit matter Stimme..» Kommt ein Hoflakai in Wichs, Rülpst und jagt ihn weg im Grimme: .Pack' Dich, Strolch! Hier jibt et nix!' _ Michel. Notizen. — DieGura-Oper. die diesen Sommer wieder bei Kroll gute Opem zu leider für die große Masse immer noch zu hohen Pressen aufführt, wurde am Donnerstag mit den»Meistersingern" eröffnet. 9318 LautenschlZger 8,15. 9319 LZlvenstew 8,40. 9393 Spitz tt To. 43,—. 9449 Hamann 10,—. 9549 durch Weinberg 37,—. 9617 Städtische Gaswerke. Klempnerei 15.80. 9846 Dacapo Record, 3. Rate 8,50. 10218 Lokal- Anzeiger, HauSschlofferei 3,50. Summa: 2859,05. Deutscher Metallarbciter-Aerband, Ortsverwaltung Berlin, 13. Rate: Kilian, 3. Rate 28.—. Hennig, Rixdorf 4,—. Edel u. Lohmann 17,05. Heider 7,25. 3184 Laue 16,50. D. W. F. Wittenau: 3319 23,20. 4736 36.30. 4737 37,15. 4738 33,50. 4740 13,90. 4747 9,60. 4748 14,20. 8615 17,70. 8616 13,40. 8617 22,90. 8620 19,—. 8621 13,75. 8622 12,25. 8623 12,10. 8624 12.«. 8626 11,40. Ans der Groschentafle 50.—. 8627 13-10. Israel: 3541 25,05. 8600 20,65. 8601 10,25. 8602 23,20. 8603 34,25. 8604 10,50. 8605 8,50. 8606 36,85. 8607 10,70. 8608 15,30. 8609 16,70. 3677 Baschwitz 3677 8,85. 3683 durch Löfller von Lorenz 3,95. 8689 Simon, 4. Rate 9,45. Ludw. Löwe». Co.: 3731 20,05. 3736 12,60. 2737 12,95. 3738 8.—. 3741 6,45. 3742 8,75. 4743 15,05. 3744 14,30. 3745 28,75. 3747 17,60. 3748 34,50. 3749 12.65. 3750 22.60. 3751 8,65. 3753 14,25. 8410 13,40. 8411 17,40. 8416 10.—. Roller: 4193 Schlosser, 3. Rate 26,05. 8955 Dreher, 3. Rate 18,75. Bergmann: 4277 Tragcrt 36,55. 4278 Herzog 9,25. 4279 Schappkai 20,25. 4280 Schwartz 22,10. 4281 Bring 14,10. 4282 Üeistikow 31,85. 4283 Kirstein 20,45. 4284 Scherbarth 7,15. 4285 Dähne 10,40. 4287 Krüger 28,70. 4288 Recke 13,50. 4289 Zählerbau 45,40. 4290 Lichtei-seld 28,—. 4291 Buch holz 9,30. 4292 Websch 9,30. 4293 Franke 14,85. 4300 Shapkcy 16,50. 4301 Loose 7,50, 4303 Ziemendorf 5,—. 4304 Tregkow 17.85. 4305 Tragert 43,95. 4306 Richter 48,65. 4307 Bleck 20,50. 4308 Schleiferei 6,—. 4309 Tinge 27,15. 4310 Kunkel 19,05. 4311 Sevrain 10,35. 4312 Borchmann 8,25. 4315 Schwartz 25,25. 8782 16,10. 8795 23,15. 4+75 Timm 9,75. 4591 Knorr-Bremse 24,20. 4637 Siemens Schlosserei, 3. Rate 33,15. 9255 Siemens Eisengiejjcrci 15,80. 9256 8,30. 9257 12,—. 8088 Hugo Wölfl u. Paul Friedrich 6,10. 8125 H. Weyen u. Co., 4 Rate 19,85. 8182 Schöning Äasch..Former 24,95. 8203 Niedergesäfl 22,85. 8210 Enisberger 8,50. 8221 Schmidt u. Hönsch 19,80. 8394 Gasmesser- sabrik Heise 8,90. 8447 Bergemann, Drontheimer Str. 1 14,30. 8547 W-initzkl 7,90. 8583 F. R. Conrad 17,85. 3584 O. Müller 19,15. 8585 Schleiferei Weber 5,35. 8599 H. Mchen u. Co., 4. Rate 21,30. 8610 Jmine u. Löbner 12,90. 8611 Boas 28,60. 8772 Grauert Eisengießerei, 5. Rate 30,05. 8773 Grauert Abt. I. 5. Rate 7,50. 8818 C. Otto Rachs. 18,05. 8834 Zieglcr 7,50. 8853 Conrad it. Grübler 6,50. 8856 Baum- § arten u. Sohn 10.—. 8856 Dannebera ü. Ouandt 12,70. 8918 Ed. Grimm, . Rate 19,30. 8922 Lindström, Abt. Möhler 2990. 8923 Abt. Beelitz 17.—. 9642 Abt. Schulze 19,70. 9643 Abt. Jüterboak 15,45. 8952 Türk 4,75. 8997 Dittmann 29,45. 9153 Bosse u. Co.. 10,30. 9223 Gebr. Siemens, Lichtenberg 9,75. 9250 Kettner 11,20. 9251 S. Elster 13,80. 9252 14,50. 9254 Dr. Ruth 7,80. 9264 Bischoff ix. A. 81. B. 12,05. 9316 Progreg 8,75. 9321 G. A. Schliche 14,85. 9323 Schulz 18,80, 9326 Stelzner 20,60. 9327 Henry Goldmann u. Co., 3. Rate 7,75. Mip lt. Genest 9292 12,95. 9293 4,80. 9294 12,40. 9295 9,45. 9296 6,95, 9297 11,40. 9298 13,20. 9299 12,75. 9300 9,35. 9301 1,40. 9302 8,90. 9303 8,70. 9304 10,10. 9305 2,85. 9376 R. Schulz 5,25. 9384 Speck, 4. Rate 8,90. 9385 D. R. Ritsch, 6. Rate 4,50. 9391 Ehestädt u. Robert, 4. Rate 12,35. 9394 Sommerseid 19,25. 9397 Bichl, Anschläger, 4. Rate 18,—. 9400 Gerhardt 25,—. 9402 Gebr. Müller 8,30. Typygraph. 5. Rate 9403 25,85. 9404 17,25. 9405 2245. 9406 32,—. 9408 H. Gundelach, 5. Rate 28,85. 9428 Bernerl 32,90. 9438 Mech. Werkst, von Goetzkc 22,—. 9440 MeveS, Kottek it. Co. 8,30. 9148 Gebr. A. it. O. Höff, 6. Rate 5,95. Werner 9173 20,35. 9474 13,10. 9476 9,85. 9477 15,50. 9478 Pahnke Rachs. 8,25. Aktien-Ges. für Post it. Eisenbahn B. W. 9482 27,30. 9483 20,80. 9484 22,35. 9485 38,50. 9186 Benvcr 14,80. 9500 Sandmann 12,—. F. Schuchardt 9506 18,—. 9507 9,75. 9508 12,30. 9509 Deutsche Edison-Akkumulatoreu-Comp. 13,80. F. Gaebert 9510, 5. Rate 5,45. 9511 10,75. 9512 11,95. 9513 9,40. 9514 tzcuniges it. Co. 10,70. 9315 Weber u. Hampcl 37,30. 9517 Ziegler 14,20. 9519 Münchmeyer 17,85. 9526 E. Gursch 17,40. Weber u. Co. 9534 14,55. 9535 23.05. 9548 Schuchardt 30,80. 9550 Gebhardt 14,25. 9599 ArguS 60.-. Dr. M. Lewq 9812 17,—. 9613 35,75. 9750 Winter u. Co. 8,—. 9616 Schmidt u. Co, 4. Rate 7,75. 9833 Rott. Nachtwey 1,—. 9837 Med. Warenhaus 22,—. 9842 Lach u. Mahlow 11,90. 10303 Dr. Walter Gsrard 21,60. Zusammen 3413,75. Insgesamt 12 074,85 M. Bisher sind abgerechnet 82 230,62 M.; dazu kommen 12 074,35 M., in Sttmma 94 304,87 M. Gelder, welche per Post eingesandt werden, sind an A. Körsten, SO. 16, Engelufer 15, I zu senden. Alle Sammlungen find sofort aus unserem Bureau, Engelufer 15, l, Zimmer 23 an den Wochen- tagen in der Zeit von vormittags von D— IL'/» Uhr und nachmittags von 1— 77a Uhr abzuliefern. Die Listen 580, 1483, 4722, 4741. 8139, 8141, 816«, 8225, 8885, 6571 sind als verloren gemeldet. Dieselben sind beim vor- zeigen anzuhalten und wenn möglich in unserem Bureau abzuliefern. Der Ausschuß der GewerkschaftSkommisfio» für Berlin und Umgegend. Sie Berliner Stadtfynode vor dem Schwurgericht. Die Verhandlung gegen Bolt und Genossen wurde gestern fort- gesetzt. Vorsitzender Landgerichtsdirektor Lieber vernimmt zu» nächst die Zeugin Fuchs, eine Schwester des Angeklagten Bannieke. Nach ihrer Bekundung ist ihre Mutter etwa 6 Jahre lang geistes- krank gewesen und dann gestorben, auch ihre Großmutter soll Geistesschwäche gezeigt haben. Medizinalrat Dr. Hofsmann hat die Angeklagten Bannicke und Grunack auf ihren Geisteszustand untersucht und gibt sein Gutachten dahin ab, daß man es bei beiden nicht mit geisteskranken Perftinen zu tun habe. Bannicke zeige eine gewisse nervöse Schwäche, eine schwache Konstitution, die ihn vielleicht leichter als andere Menschen der Versuchung unterliegen lasse. Grunack hat ebenso wie seine Schwester viel an Ohnmächten gelitten, die auf Blutarmut im Gehirn zurückzuführen seien. Beide Angeklagte haben dem Sachverständigen gegenüber Wert darauf gelegt, die Leichtigkeit zu betonen, mit der die Veruntreuungen ausgeführt werden konnten und ferner darauf, daß nach menschlichem Er- messen die Verbrechen eigentlich nicht entdeckt werden konnten. Von einer Geisteskrankheit der Angeklagten könne keine Rede sein. Vorsitzender Landgerichtsdirektor Lieber(zu den Angeklagten): Sie verweisen immer auf die leichte Gelegenheit, die sich Ihnen bot und auf die nicht genügende Beaufsichtigung. Ich habe bis jetzt noch immer jede Aeußeruna darüber vermißt, daß Sie Reue über das Ungeheuerliche, was Sie getan, empfinden oder irgend- wie zerknirscht sind. Haben Sie denn gar kein Gefühl dafür, daß ein pflichttreuer Beamter gerade eine strenge Aufsicht peinlich empfindet? Empfinden Sie gar keine Reue über das, was Sie getan? Angeklagter Bolt: Ich kann nur sagen, daß wir uns nicht als Beamte betrachtet haben und daß der Magistrat die wiederholten Bemühungen, für uns die den Beamten zustehenden Steuerprivi- kegien zu erlangen, abgewiesen hat. Anders wirken die fragen nach Reue auf die Angeklagten, deren Zurechnungsfähigkett in Zweifel gezogen worden war. Vorsitzender: Ich frage auch den Angeklagten Bannicke: Sind Sie sich dessen nicht bewußt, was Sie getan haben? Ganz abge- sehen von der Frage, ob Sie als Beamter im strafrechtlichen Sinne anzusehen sind. Sie sind von der Kirchenbehörde verpflichtet worden und haben dem König den Treueid geleistet. Sind Sie sich ,.icht bewußt, welch ungeheuerliche Schuld Sie auf sich geladen haben, indem Sie-136 000 M. unterschlugen, die denselben Steuer- zahlern verloren gingen, von deren Steuern Sie doch erhalten wurden?— Angeklagter Bannicke: Ja, ich empfinde die bitterste Neue. Die Versuchung war aber zu groß: wir konnten ihr leider nicht widerstehen. Als Beamter habe ich mich nicht betrachtet, mir ist auch wiederholt gesagt worden, daß ich kein Beamter sei. Angeklagter Grunack(schluchzend): Ich bereue tief, was ich getan. Wir wollten mit den Unterschlagungen schon viel früher aufhören, die Versuchung hat uns aber dazu getrieben, noch bis fum Jahre 1905 damit fortzufahren, in dem festen Glauben, daß ie Unregelmäßigkeiten für immer begraben sein würden. Erst zu jfpät ist mir die Schwere der Tat zum Bewußtsein gekommen. Angeklagter Schmidt: Auch ich empfinde tiefe Reue, die Unter- schlagungen wurden uns aber zu leicht gemacht.— Borsitzender: Ja, soll denn hinter jeden Beamten immer noch ein anderer gestellt werden, der auf jenen aufpaßt? Die Behörden müssen sich doch auch aus die Pflichttreue der Beamten verlassen.— Ange- »lagt«: Heute ist es ja in dem Bureau auch jedenfalls ander» wie damals. Ich kann nur sagen, daß die Möglichkeit zur Begehung der Straftaten überaus leicht Mir irtid wir der Lersuchutlg«Ich! haben widerstehen können. Der Staatsanwalt plädierte für Schuldig und gegen, die Verteidiger für die Annahme mildernder Umstände. Die Beratung der Geschworenen dauerte 2)4 Stunden. Sie sprachen, indem sie die Beamtenqualität der Angeklagten ver- ncinten, im übrigen die Angeklagten der Unterschlagung und der Urkundenfälschung schuldig und versagten ihnen mildernde Um« stände.— Der Staatsanwalt beantragte gegen Bolt und Bannicke je 5 Jahre Zuchthaus und 5 Jahr« Ehrverlust, gegen Gruneck und Schmidt je 4 Jahre Zuchthaus und 5 Jahre Ehrverlust. Der Gerichtshof verurteilte Bolt und Bannicke zu je 4 Jahren Zuchthaus und Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von 5 Jahren. Gruneck und Schmidt zu je 3 Jahren Zucht- haus und Ehrverlust auf 3 Jahre. Jedem der Angeklagten wurden 6 Mvnate auf die Untersuchungshaft angerechnet. frau von Schönebeck vor den Gefchworenen. Zu Beginn der gestrigen Verhandlung gelangt zur Sprache, daß die Angeklagte in der vorausgegangenen Stacht einen schweren hysterischen Anfall im Hotel hatte, bei der sie sich in die Schulter und linke Hand gebissen habe. Beistand hatte ihr der in demselben Hotel wohnende Gerichtsarzt Dr. Strauch geleistet, der über die Krankheitserscheinung berichtet. Es wird von der Staatsanwalt- schaft und dem Vorsitzenden der Wunsch ausgesprochen, zu ähnlichen Anfällen nach Möglichkeit auch den Kreisarzt zuzuziehen. Oberstleutnant Tupschcwski führt bei der Fortsetzung seiner Vernehmung aus: Nachdem Hauptmann v. Gäben dieses Geständnis uns dreien, Kriminalkommissar Wannowski, KriegSgerichtSarzt Conrad! und mir, am 31. Dezember gemacht hatte, hatten wir alle drei die Uebei�eugung, daß er in der Aufregung, in der er sich befand, nur die Wahrheit gesagt habe, und daß er die Frau unter allen Umständen schonen wollte. Wir kamen überein, Exzellenz Scotti zu bitten, da Gäben alle Schuld auf sich genommen hatte, von einer Verhaftung der Frau v. Schönebeck Abstand zu nehmen. Wir gingen dabei von der Erwägung aus, daß ein Skandal in der Armee vermieden werden müsse, durch den eine Menge Existenzen vernichtet worden wären und durch den sehr tüchtige Offiziere der Armee verloren gegangen wären. Exzellenz Scotti sagste zu. Ich erinnere mich noch, daß er die Unterredung mit folgenden Worten an den Krimi- nalkommissar Wannowski schloß:„Fahren Sie ruhig nach Berlin, halten Sie Exzellenz v. Einem Vortrag. Um einen Skandal zu ver- meiden, soll Frau v. Schönebeck nicht verhaftet werden."— Bors.: Darauf hatte er doch gar keinen Einfluß. Hierfür konnten doch nur die Zivilbehörden maßgebend sein.— Zeuge: Natürlich. Er sollte auch nur seinen Einfluß geltend machen, soweit es möglich sei.— Erster Staatsanwalt Schweitzer: Ich stelle fest, daß Exzellenz Scotti uns sofort von dem Verdacht in Kenntnis setzte.— Auf Befragen seitens der Verteidigung erklärt der Zeuge: Als v. Gäben sagte: „Ich kann nicht sprechen, wenn nicht die Frau vorher spricht!" habe ich das nur auf den Verkehr mit Frau v. Schönebeck bezogen. Meiner Ansicht nach hatte Gäben nur die sexuellen Beziehungen» nicht die Täterschaft im Auge. Richtig ist, daß ich die Aeußerung getan habe, Göben sei eine LandSknechtnatur mit vielen Donquicho- tcrien. Er setzte sich für fremde Ideale ein. das zeigt sein Kampf in Mazedonien und bei den Buren. Wenn eS sich aber um seelische Vorgänge handelte, namentlich wenn ein Weib in Betracht kam, war er ein Don Oüichote. Gäben hat mit mir auch einmal über die Zulässigkeit eines Duells ohne Zeugen gesprochen. Ich bin seiner Auffassung energisch entgegengetreten. Er hat auch von einem Duell im Walde mit mir gesprochen. Richtig ist, daß ich gesagt habe, Göben habe nicht einen Sparren, sondern mehrere im Kopf. Kriminalkommissar Wannowski bekundet: Ich erhielt von dem damaligen Kriegsminister v. Einem den Auftrag, mich am 28. De- zember hierher zu bemühen. Am 29. Dezember meldete ich mich beim Gerichtsherrn Exzellenz Scolli, und erfuhr dort, daS am Tage zuvor V. Göben unter dem dringenden Verdacht der Täterschaft verhaftet war. Der Vernehmung der Frau v. Schönebeck durchs Kriegsgerichtsrat Conradi habe ich eine Zeitlang beigewohnt und einige Frage« an die Angeklagte gerichtet. Bei der Haussuchung fanden wir im Schreibtisch des Major? v. Schönebeck einige Briefe, die den Schluß zuließen, daß Major v. Schönebeck gewußt haben muß, daß seine Frau ihn hinterging. Am Abend des 30. Dezember teilte mir Oberstleutnant Tupschcwski mit, daß er v. Göben ermahnt habe, die Wahrheit zu sagen. Ich erwiderte, man solle bis zum nächsten Morgen warten, da v. Gäben kein gewerbsmäßiger Ber- brecher sei, werde er sich alle Vorkommnisse in der Nacht überlegen und am anderen Morgen nach einer schlaflosen Nacht sicher ein Geständnis ablegen. Auf meine Ermahnung, bei der Vernehmung Gödens am folgenden Morgen erklärte dieser:„Ich kann nicht reden. ehe nicht Frau v. Schönebeck gesprochen hat." Ich sagte: Beruhigen Sie sich, Sie können die Wahrheit sagen, Frau v. Schönebeck ha» das Verhältnis bereits zugegeben. Bei diesen Worten brach er zusammen und sagte: DaS sei gut, denn nun könne er sich endlich die Sache von der Seele herunterreden. Fragen Sie, waS Sie wollen, ich sage alles, was ich weiß. Er war furchtbar aufgeregt, er wollte sich eine Zigarette anzünden,»ber es gelang ihm nicht. Er schilderte dann, wie er den Major erschossen habe. Ich fragte ihn dann: Wie konnten Sie das nur tun der Frau v. Schönebeck wegen? Wie konnten Sie sich da zu einer solchen Tat hinreißen lassen? Er erwiderte: Ich war gewiß nicht der erste, aber ich war der erste, den sie liebte. Al» ich nach der Richtung der Anstiftung Fragen stellte, erwiderte er: Lassen Sie die Frau ganz aus dem Spiel. Daraus gingen wir zu Erzelleng Scotti und erstatteten Bericht. Ich hatte die Ueberzcugung gewonnen, daß mit der Schuld der Frau v. Schönebeck in strafrechtlichem Sinne sehr wenig anzu- fangen sein würde und hatte das auch sofort gesagt. Ich hatte auch geHort, daß eine fürchterliche Menge von Schmutz aufgerüttelt werden würde, wenn die Sache an die Oeffentlichkeit käme. Ich hatte das Bestreben, da ich vom Herrn Kriegsminister hierhergeschickt war, so weit wie irgend möglich zu vermeiden, daß Schmutz für die ausländische und sozialdemokratische Presse in die Oeffentlichkeit käme.— Vors.: Dazu waren Sie doch eigentlich nicht berechtigt.— Zeuge: Das waren aber meine Gedanken. Ich sagte mir. ein fürchterlicher Skandal müsse vermieden werden, Ich fuhr nun nach Berlin zurück, um dem Kriegsminister v. Einem Vortrag zu halten, und hörte in Berlin, daß Frau v. Schönebeck festgenommen sei. DaS Geständnis des Hauptmann v. Göben war schriftlich fixiert worden und ich wurde nun wiederum nach Wen- stein geschickt, um mit Hauptmann v. Göben unter vier Augen zu sprechen. Ich erhielt dazu von Exzellenz Scotti die Genehmigung. — Bors.: Es scheint mir zweifelhaft, daß Sie die Genehmigung Ihrer vorgesetzten Behörde haben, uns das alles auszusagen. Ich erhalte erst in diesem Moment ein Schreiben vom Berliner Polizei- Präsidenten, in dem Sie in der Strafsache gegen Frau v. Sckiöne- reck die Genehmigung zur Aussag« bekommen.— StaatSanwaltschaftS- rat Poschmann: Der Zeuae hat nur die Genehmigung, über seine Ermittelungen hier Bekundungen zu machen, nicht aber über daS, was er dem Kriegsminister v. Einem gesagt hat.— Verteidiger Justizrat Sello: Es handelt sich hier darum, daß Hauptmann b. Göben dem Zeugen unter vier Augen sein Herz ausgeschüttet hat. DaS ist das Wichtigste in der ganzen Verhandlung.— Erster Staatsanwalt Schweitzer: Ich halte auch das Geständnis unter vier Augen für äußerst wichtig, möchte aber nun beantragen, hierfür die Oeffentlichkeit auszuschließen.— Vors.: Ich glaube wir tun am besten, von jetzt ab auch für die Vernehmung der Krieg?- gerichtSräte und Richter die Oeffentlichkeit auszuschließen.— Ber» tcidigrr Rechtsnnwalt Bahn: Ich meine, wir schließen die Oeffent. lichkeit am besten nicht aus wegen Gefährdung der Sittlichkeit, sondern wegen Gefährdung des StaatSinteresseS. Die Verhandlung ist nicht dazu da, um das EtaatSintereffe zu gefährden.©»et 5 Ts handelt sich hier nach meiner Meinung nur Um eine Gefahr- dung der Sittlichkeit. Das Gericht beschließt den Ausschluß ber Oeffentlichkeit. Die Presse ist in dem bisherigen beschränkten Umfang zugelassen. Der Zeuge Wannowski erklärt: Ich habe dem Kriegsminister immer gesagt, daß Frau v. Schönebeck zwar moralisch eine Schuld trifft, daß aber kriminell nichts zu machen sei. Zeuge hatte dann eine Unterredung unter vier Augen mit v. Göben. Er bekundet, v. Göben habe ihm bereits erklärt, er wollte den Major unter allen Umständen zwingen, auf seine Frau zu verzichten, aber unter keinen Umständen habe er den Major waffenlos niederschießen wollen; das habe er auch nicht getan. Als ich ihm vorhielt, daß es doch eine wahnsinnige Idee von ihm gewesen sei. als Offizier dem Major entgegentreten zu wollen, und ihn zu zwingen, seine Frau frei zu geben, erklärte er:„Ja, ich werde meine Toni doch noch heiraten! Wir werden noch glücklich werden!" Ich hatte den Eindruck, daß er dem Wahnsinn nahe sei, daß er allerdings bemüht sei, subjektiv die Wahrheit zu sagen, daß aber die Besinnung ihn verließ, sowie das Gespräch auf Frau von Sclwnebeck kam. Er sagte, er sei zu der Tat dadurch veranlaßt worden, daß die Angeklagte ihm ihre unglückliche Ehe geschildert hätte. Sie habe ihm an ihrem Körper Stellen gezeigt, die von Mißhand- lungen ihres Mannes herrührten, der sie durch Mißhand- lungen zum Verkehr mit ihm gezwungen habe. Diese Umstände hätten derart sein Gehirn zermartert, hätt-n ihn vollständig willen» las gemacht, so daß ihn immer nur der eine Gedanke beherrschte. diese Frau allein zu besitzen. Ich sagte ihm, fuhr Zeuge Kriminal- kommissar Wannowski fort, Sie sind doch kein junger Mensch mebr, Sie stehen Mitter der Dreißiger, haben Sie daS alles geglaubt? Wie können Sie auf eine solche plumpe Lüge so leicht hereinfallen. Sie mußten doch wissen, daß eine Frau immer bemüht ist, ihren Fehltritt zu beschönigen, namentlich ihrem Liebhaber gegenüber, und mußten doch an allen diesen Angaben zweifeln. Er sagte: „Ich habe alles geglaubt, ich habe niemals vorher mit einer Frau verkehrt. Ich hatte immer früher das Gefühl daß ich für einen Verkehr mit Damen nicht geschaffen sei. Dieses Gefühl hat mir das ganze Leben vergiftet. Ich bin deshalb zu den Buren in den Krieg gegangen mit der Absicht, mich abschießen zu lassen. Diese Frau war die erste, in die ich mich schrankenlos Verliebt hatte. Sie hat mich von dem psychologischen Druck, der auf mir lastete, befreit. Seitdem ist sie mein Ideal, daS ich anbete. Göben hat mir mitgeteilt, daß die Angeklagte ihn abgeredet hat, ihren Mann zum Duell zu fordern. Im Walde den Major niederzuschießen, habe ihm widerstrebt. So oft ich auf die Frage einer Mitbeteiligung der Frau kam. erklärte er: Nein, ich bin allein auf die Idee gekommen und versuchte das begreiflich zu machen. Ich habe angenommen, daß das, was v. Göben über die Tat sagte, wahr ist und habe gemeint, daß die Frau moralisch mitverantwortlich ist, aber an der Tat nicht selbst beteiligt ist. Von einem Schwur unter dem Tannenbaum hat mir Göben nichts erzählt, auch nichts von den Strümpfen. Nach der Haussuchung in der Göbenschen Wohnung hielt ich Frau v. Schönebeck vor, daß man jetzt Beweise für die Schuld GöbenS habe. Da brach Frau von Schönebeck zusammen, sank auf einen Stuhl und sagte: Das ist ja furchtbar, da muß ich ja jetzt alles sagen. Als ich bei dieser Gelegenheit� sagte, Sie müssen es doch gewußt haben, erwiderte Frau v. Schönebeck: Ich habe e» hinterher wohl vermutet und geahnt, ich habe aber nicht gedacht, daß es soweit kommen werde. Aus Befragen der Ber- teidigung erklärt der Zeuge: Amtsrichter Stahm sprach mich ein- mal auf der Straße an und erklärte, er sei von der Unschuld der Frau v. Schönebeck vollständig überzeugt, er halte fie für voll, kommen verrückt. � � Die Vernehmungen deS KriegeSgerichtSrats Reichard und Justiz- rats Gradowski, die nun erfolgten, boten ein weiteres Interesse nicht.' KriegSgerichtSrat Sonradi erklärt: AIS ich v. Göben Verhastete. erschrak er zuerst, dann wurde er unverschämt und sagte: Ich möchte mir verschiedene Fragen an Sie erlauben. Ich schlug daS ab und sagte: Sie haben sich ruhig zu verhalten. Ich habe an Sie Fragen zu stellen, nicht Sie an mich. Er ging dann unruhig im Zimmer auf und ab. ES schien mir, als ob er eine Waffe zum Selbstmord suchte. Ich versperrte ihm den Weg. Er wollte dann ein Rasiermesser in das Arrestlokal mitnehmen. Ich nahm ihm da» ab. ebenso sein Taschenmesser. Bei der Vernehmung der Frau v. Schönebeck verweigerte sie die Antwort auf die Frage, ov sie mit Gäben intim verkehrt habe. Konfrontation avgclehnti Borsitzender: Haben Sie auf Hauptmann v. Göben eingewirkt. daß er die Angeklagte preisgeben solle, und zwar dadurch, daß Sie sagtess, er sei nicht ihre erste Liebe gewesen und die Angeklagte s« deshalb nicht wert, daß er sich für sie opfere?— Zeuge: Ich gebe zu, gesagt zu haben, daß er nicht ihre erste Liebe war.■— Bor- sitzender: Die Angeklagte will den Wunsch geäußert haben, Haupt- mann v. Göben gegenübergestellt zu werden, und daS sollen Sie abgeschlagen haben.— Zeuge: Auch da» gebe ich zu. Ich führte ja die Untersuchung in der Sache gegen Göben und hatte keine Ver- anlassung, den Wunsch der Zeugin auf Konfrontation zu erfüllen. Da hätte sie sich schon an das Zivilgericht wenden müssen. daS wäre der richtige Weg gewesen. Der Zeuge erklärt u. a. weiter: daß Frau V. Schönebeck mit anderen Männern Verhältnisse gehabt hat, habe ich v. Göben ge- sagt. Am 5. Januar teilte mir v. Göben mit. eines TageS hatte ihm Frau v. Schönebeck gesagt, jetzt sei die beste Gelegenheit, ihren Mann um die Ecke zu bringen. Er habe Strhchrnn vorgeschlagen. sie zu Arsenik geraten. Darauf habe er sich Arsenik besorgt und eS Frau v. Schönebeck übergeben. Ami. Märzhatv. Göben folgenden Brief an mich geschrieben:„ Sehr geehrter Herr KriegSgerichtSratl Der Professor von Schrenck-Notzing hat mir endlich Gefühl und Verständnis beige- bracht und mich von der Frau befteit. Ich habe Ihnen noch Tat» lachen mitzuteilen, die ich anfangs teils vergessen, teils aus Schonung für die Frau verschwiegen habe. Unter meinen Sachen müssen ein paar Strümpfe deS unglücklichen Major? v. Schönebeck sein. Frau v. Schönebeck hatte sie mir gegeben, damit ich sie beim Zusammentreffen im Walde über die Stiefel ziehen sollte. Der Hund sollte meine Fährte nicht auffinden. Diese Strümpfe Hab« ich in jener Nacht getragen. Sie sind gezeichnet mit weißen Leinenstückchen und den Buchstaben„G. S." Diese Leinenstückchen sind herausgeschnitten. Ich müßte mich sehr irren, wenn ich sie nicht in meinen Nachttisch geworfen hätte. Wenn nach der Tat nicht Wäsche fortgeschickt ist, müssen die Strümpfe da sein. ' Aus Borhaltung, daß er als Zeuge v. Göben unzulässig be- einflußt habe, erklärt er: Ich habe ihm gesagt, daß Frau v. Schönebeck schon vorher Verhältnisse mit Herren gehabt babe. Er hätte keine Veranlassung, Dinge zu verschweigen. Die Frau hätte sich ihm gegenüber nicht richtig benommen. Auf Vor» Haltungen, ob der Zeuge Göben gesagt hat. sie habe noch andere Liebhaber, habe ihn. wie es in einem Briefe heißt, betrogen oder ob er nur gesagt hat, er sei nicht der erste gewesen, kann der Zrnge nicht bestimmt antworten, glaubt daS letztere gesagt zu haben, gibt aber auf die Frage eine» Geschworenen zu, daß in dem Brief steht, von dem Vorleben habe Göben Kenntnis gehabt, liebe sie ober trotzdem wahnsinnig. Durchstechereien? Der Zeuge erklärt noch: Göben war zu derselben Zeit wie die Angeklagte in der Anstalt Kortau. Beide sollen spazieren ge- gangen, gegenseitig im Schnee ihre Anfangsbuchstaben eilige- zeichnet, auch Herzen gemalt haben. Es sollen auch Zettelchen gefunden sein. Göben habe ihn eine? Tages nach Kortau kommen lassen, sofört ihn zu vernehmen. Da habe er erklärt, er wolle alle» zurücknehmen, wa? er allcS gegen Frau v. Schönebeck gesagt habe. Auf eine Frage, ob denn das umvahr gewesen, antwortete er: „ES ist alles wahr, aber ich wünsche nicht, daß die Sache als geschrieben betrachtet wird." Die Angeklagte bestreitet aufs entschiedenste, daß in Kortau Annäherungsversuche gemacht worden feien. SanitätZrat Dr.®toIfen5off«ftorT4ü Festreitet entschieden fite Möglichkeit einer Annäherung in Kortau. Sanitätsrat Dr. Lullies-Kortau erklärt, der Pfleger Göbens habe ihm gesagt. Gäben habe sich darüber beklagt, daß die Angeklagte seine Anfangs- buchstaben in den Schnee eingezeichnet hatte. Die Angeklagte er- klärt, sie weiß nur, daß ihre Pflegerin ihr mitgeteilt hat. Gäben habe.To' in den Schnee gezeichnet. Die Verhandlung wird auf heute morgen SU Uhr vertagt. Hu9 Induftne und FtandeL Der nationale Deckmantel. Jnteresienkonflikte bei der Gesellschaft Aschersleben bildeten die Grundlage der als nationale Tat ausgeschrienen Gesetzgebungsaktion in der Kaliindustrie. Eine Gruppe opponierte gegen die Verkäufe nach Amerika, angeblich weil dadurch nationale Interessen verletzt würden. Diese Gruppe war stärker als bei Aschersleben bei anderen Kaliwerken interessiert. Zudem stellte sich noch heraus, daß auch diese Werke gern das amerikanische Geschäft gemacht hätten. Vielleicht weil das nicht gelang, besann man sich auf nationale Pflichten. Schließlich verfiel man auf den Gedanken, die öffentliche Meinung für sich einzufongen und dem glücklicheren Konkurrenten das Geschäft zu verderben durch den Vorwurf geschäftlich-formaler Verstöße beim Abschluß der Amerikaverträge. Eine Revisions- komnnsfion wurde eingesetzt, die in einer am Mittwoch ab- gehaltenen Generalversammlung Bericht erstattete. Der Verwaltung wurden Verfehlungen nicht nachgewiesen. Als bemerkenS- wertes Vorkommnis verdient aber registriert zu werden, daß Schmidt- mann, der Vertreter von Aschersleben, nochmals ausdrücklich seststellte, Herr Emil Sauer, der Führer dar Opposition, habe an Bradley, den Vertreter des amerikanischen Kalitrusts, seine Beteiligungen an fünf deutschen Kalilverken angeboten, sich auch bereit erklärt, Vertreter des Herrn Bradley in die Verwaltungen hineinzunehmen oder selbst als Vertrauensmann der Amerikaner zu fungieren. Dies eine Beispiel zeigt deutlich genug, wie wenig die Kaliindustrie nach nationalen Gesichtspunkten handelt, die sie immer so gern in den Vordergrund schiebt. Herr Emil Sauer hat übrigens seinen Aktienbesitz nicht ver- mindert, waS auch wohl als ein Zeichen dafür ausgelegt werden kann, daß er an dem antinationalen Geschäft seine Freude habe. Die ganze Affäre beweist wieder mal. waS hinter der nationalen Phrase steckt. Sie dient nur als Deckmantel für Portemonnaie- iatereffen. � � Die Banken überall. Aus Gesundheitsrückfichten lehnte Schmidtmann die Wahl als Vorsitzender des AuffichtSratS ab, an seiner Stelle übernahm der Geschäftsführer der Diskontogesellschaft, Arthur Salomonsohn. den Posten. Ein Versuch am untauglichen Objekt. Die Schlächterinnung zu Berlin hat an den Hansabund eine Eingabe gerichtet, um ihn zu veranlassen, eine allgemeine Volksbewegung gegen die Verhinderung der Vieheinfuhr aus Dänemark zu entfesseln. Das wird der Hansa- bund nicht können und nicht wollen. Das Äohlenkontor als Mittelstandsschützen». Die Rheinische Kohlen-, Handels- und Reedereigesellschast hat nach ihrem Geschäftsbericht für das Geschäftsjahr 1909/1310 einen Ueberschuß von 8 3S7 108 M.(i. V. 9 28S 4S2) und einen Reingewinn von 5 644 604 M.(5 828 810) erzielt. Der Steinkohlen-Handels- vereinigung in Utrecht(der holländischen Filiale des Kohlenkontors) sei es gelungen, die englische Kohle weiter zu verdrängen. Im ober- rheinischen Gefchäfte sei eine Vermehrung des Absatzes nicht möglich gewesen, weil der niedrige Frachtenstand und der ununterbrochen gute Wasserstand cS den konkurrierenden Firmen ermöglichte, für einheimische und fremde Kohlen mit Preisen an den Markt zu kommen, denen das Kohlenkontor nicht folgen konnte.(!) Das Kohlenkontor werde daher die jüngsten Bestrebungen auf einen Zusammenschluß der Partikularschiffer zur Besserung des Frachten« standes unterstützen.— Wenn den Partikularschiffern die Hilfe nur nicht schlecht bekommt. Wenn die Frachten tariflich festgelegt find, dann könnte das Kohlenkontor vielleicht mit einer für die selb- ständigen Schiffer vernichtenden Konkurrenz einsetzen. Städtische Eingangsabgaben. Auf Grund eines in dem Gesetze, betreffend die Einführung der Verfassung des Deutschen Reiches in Elsaß-Lothringen vom 25. Juni 1873, zugestandenen Vorrechts, haben sich mehrere Städte in Elsaß-Lothringen. nachdem vom 1. April 1910 ab die Erhebung von städtischen Abgaben auf Getreide, Mehl, Sleisch usw. ausgeschlossen ist, veranlaßt gesehen, ihre bisherigen ingangsabgaben zu erweitern. So umsaßt der am 1. April in Kraft getretene Oktroitarif der Stadt Metz 91 Positionen gegenüber 73 des bisherigen Tarifs, und zwar mit folgenden Ab- tci langen: Getränke und Flüssigkeiten, Eß- und Spezereiwaren, Viehfutter, Brennmaterialien, Baumaterialien und Sonstiges(z. B. Klaviere, Flügel usw., Möbel, Automobile. Spielwaren). Eine größere Anzahl von Handelskammern richtete an den Deutschen HandelStag den Antrag, gegen die Erhebung derarriger städtischen HinganSabgabcn Einspruch zu erheben. In einer AuS» schußsitzung am 14. Juni beschäftigte der HandelStag sich mit der Materie. In der Besprechung wurde an mehreren Beispielen ge« zeigt, in wie hohem Maße besonders die Einfuhr von Musikinstru» menten, Rohrmöbeln und Spielwaren benachteiligt werde, und daß die Belastung zum Teil höber sei, als bei der Einfuhr nach Belgien. Holland usw Diele Abgabe brächte zugleich eine unerträgliche Be- lästlgung des Verkehrs mit sich, weil zur Durchführung der Er- Hebung sämtliche Sendungen nach diesen Städten durchsucht werden müßten. Außerdem laufe jeder Gefahr, daß seine Waren konfis- ziert würden, falls er die vorgeschriebenen Förmlichkeiten nicht erfüllt habe. Man sprach sich einstimmig dafür aus, daß in Elsaß« Lothringen keine anderen städtischen Eingangsabgaben als im übrigen Deutschen Reiche erhoben werden dürften. Hochwafler und Holzgewerbe. UeberschwemmungSlatastrophen, wie sie jetzt über verschiedene Teile des Reiches hereingebrochen sind, bedeuten für das Holz» gewerbe stets eine lehr anwillkommene Störung des Ge« schästsaangeS. Immerhin findet sich im Frühjahr, wo sie ein» regelmäßige Erscheinung sind und die Bautätjgkeit erst anfängt. der Holzhandel leichter damit ab als jetzt in der Sommerszeit, wo jede Unterbrechung der Zufuhren die Möglichkeit größerer Ve» luste befürchten läßt. Denn nachdem nun der Arbeitskampf im Baugewerbe Wohl als beendet betrachtet werden kann, ist zu er- warten, daß der Holz bedarf in vielen Gegenden wächst. Bisher war allerdings der Einfluß der BauarbeiterauSsperrung auf die Marktlage ,m Holzgewerbe erstaunlich gering gewesen. Nur vereinzelt wurden etwa? niedrigere Preisangebote gemacht, wie z. B. für I, Pitch-Pine am rheinifch-westfälischen Markt, wo breite Ware Mitte Juni 100—105 M. kostete, gegen 102—110 M. Ende April, und schmale Ware 90—95 M. gegen 92 bis 100 M. Dabei ist gerade Rheinland-Westfalen von dem Bau- arbeiterkampf besonders in Mitleidenschaft gezogen worden. Die Preise für Hobelholz sind mit dem 1. Juni um 0,20 M. erhöht und sollen im Juli um weitere 0.25 M. erhöht werden. Die Nachfrage der rheinisch-westfälischen Industrie nach Holz und der Möbel» fobriken ist andauernd rege. Da» Arbeiterangebot im Holzgewerbe Rheinland-WestfalenS ist zfix« noch recht umfangreich. doch hängt dies zum Teil mit der ArbeitSruhe im Baugewerbe zu» fammen. Am süddeutschen Holzmarkt hat sich der Geschäfts- gang ebenfalls trotz der Bauarbeiteraussperrung bis in die jüngst» Zeit hinein lebhaft erhalten, so daß im allgemeinen die Preise sogar noch steigende Tendenz verrieten. Die Holzauktionen sind überaus rege verlaufen und PreiSdrückereien kamen so gut wie gar nicht vor. Fast durchweg ist das diesjährige Preisniveau er- heblich höher als das der Vorjahre. Gegen den OUtrust. Ueber die Maßnahmen der österreichischen Regierung gegen den Oiltrust wird folgendes berichtet: Kündigung aller Ausnahmstarise für den Rohölbezug sowie Verfrachtung der Fertigprodukte und der Schleppaleiseverträge. Hier wird der Um- stand als Handhabe dienen, daß die Vacuum Oil Company bei Er- richtung ihrer Anlage eine Verarbeitung von 3000 Wagen an- gekündigt, ihre Produktion aber seither auf 14 000 Waggons erhöht hat. Die Staatsbahnverwaltung erklärt nun, daß durch diese Mehr- leistung die Einmündungsstanon der Schleppgleise derart überlastet sei, daß fie den Verkehr nicht bewältigen könne und daher zur Kündigung der Schleppbahnvertrage gezwungen sei. Als dritte Maßnahme ist die Kündigung der Zisternenwagen-Vereinbarungen geplant. Diese Wagen werden zum Teil von den Staatsbahnverwaltungen beigestellt, jeden« falls nehmen sie aber die Gleiseanlagen auf der Ein» mündungsstation stark in Anspruch, und die Staatsbahnen werden erklären, daß sie nickt in der Lage find, eine so große Anzahl von Wagen beizustellen bezw. zu übernehmen. Sckließlich denkt man daran, der Vacuum Oil Co. Schwierigkeiten insofern zu machen, als sie seinerzeit bei Konzessionierung ihrer Fabrik ihre Produktion mit jährlich 3000 Wagen angegeben hat, während sie jetzt, wie erwähnt, 14 000 Wagen verarbeitet. Wohl sind ihr seither verschiedene Bau- auSführungen gestattet worden, doch wird behauptet, daß dabei nie von einer Vergrößerung der Produktion die Rede war. Handhaben ficherheits- und sanitätspolizeilicher Natur, um gegen diese vergrößerte Produktion aufzutreten, finden sich gewiß. Die ungarische Regierung wird mit denselben Maßregeln gegen die Vacuum-Rasfinerie in Ungarn vorgehen. Dem„B. T." wird unterm 17. Juni auS Wien telegraphiert: Die österreichische Regierung hat der Vacuum Oil Co. von den 21 Füllständen am Boryslaver Bahnhof 18 mit zweitägiger Frist gekündigt, die restlichen drei mit zweimonatiger Frist. Dies bedeutet einen schweren Schlag für die Vacuum Oil Co., die ihre Zisternenwagen in Boryslav nicht mehr füllen kann und das Rohöl in Fässern von Boryslav nach Dzieditz transportieren muß. Huö der frauenbewegung. Abnahme des Frauenüberschusses. Bei der starken Zunahme der weiblichen Erwerbstätigkeit, auf die wir dieser Tage hingewiesen haben, ist es von besonderem Jnter- esse, daß die letzte Berufszählung 1907 zugleich eine deutliche Ab- nähme des Frauenüberschusses gezigt hat. Der Präsident des statistischen Reichsamt. Herr van der Borght, teilt in einem soeben im Druck erschienenen Vortrag mit: Im ganzen haben sich seit 1882 die beiden Geschlechter einander zahlenmäßig genähert. Da- mals waren noch 51,02 Proz. der Bevölkerung weiblichen Geschlechts, 1895 waren es 50,92 Proz., 1907 nur 50,65 Proz. Ein volles Gleichgewicht ist also noch nicht hergestellt, aber wir sind von eine» einfachen Halbierung der Bevölkerung nach den Geschlechtern nicht mehr so weit entfernt wie sonst. Die weibliche Bevölkerung stellt von dem Volkszuwachs seit 1895(9 950 000) nicht ganz die Hälft« (4 900 000) und hat sich seit 1832 langsamer vermehrt als die männ» liche und als das Volk im ganzen. Gegen 1895 ist daS Volk um 19� Proz., der weibliche Bolksteil nur um 18 H Proz. gewachsen. Leseabende. Niederschönhausen-Nirdend. Montag, den 20. Juni, im Lokal von Radseck. Kaiser-Wilhelm-Straße 10: Vortrag der Genossin Ljtngwitz._ 6erlcht9- Zeitung» Militär gegen einen Fleischerlehrling, Die Sistierung eines Fleischerlehrlings, Schülers der Fach- und Fortbildungsschule der Fleischerinnung, durch einen Offizier de» Alerander-Gardegrenadierregiments Nr. 1 auf dem Berliner Schlachthof, welche im März d. I. in Fleischerkreisen große? Auf- sehen erregte, hatte jetzt noch ein Nachspiel vor dem Jugendgerichts- Hof, vor dem der Lehrling erscheinen mußte. Der Regiments- kommandeur hatte nämlich Strafantrag gestellt, weil der Lehrling den königliche» Dienst, d. h. den Fleischempfang der Truppen auf dem Schlachthof durch lautes Johlen gestört haben sollte. Zur Ber» Handlung vor dem JngendgcrichtShof, die vergangenen Freitag statt- fand, waren der betreffende Offizier, 4 Grenadiere, 5 Fleischer- lehrlinge geladen. AlS Verteidiger fungierte der Leiter der vor» genannten Schule, Altmeister Burg. Die UrteilSverkiindigung war auf 8 Tage ausgesetzt und erfolgte erst gestern. Sie lautete, wie die„Allgemeine Fleischer-Zeitung" mitteilt, dem Antrage des Amtsanwalts gemäß auf Freisprechung, weil weder von verübtem groben Unfug, noch von Beleidigung hie Rede sein könne; auch Widerstand gegen die Staatsgewalt ist von dem Beschuldigten nicht geleistet worden. Die Kosten wurden der Staatskasse zur Last gelegt._ Wieder ein Reinfall der Spandauer Polizei. Am Karfreitag(25. März) machten etwa 25 junge Leute, welche zum Teil dem Turnverein Freie Turnerschaft, zum Teil der Jugendorganisation angehörten, einen Ausflug nach Finkenkrug. Mitten im Walde erfreuten sich die Teilnehmer durch Spiele und fangen auch einige Turn- und Arbeiterlieder. Einer der Teil- nehmer, der jugendliche Genosse Paul Steffens, der damals der Jugendorganisation angehörte, hatte eine rote Fahne, die er hoch trug. Dies sah der Gendarm Gellner. Er trat hinzu und verbot das Tragen der Fahne, trotzdem andere Vereinigungen mit schwarz- weih-roten Fahnen unbehelligt blieben. Die Fahne wurde zu- sammengerolli. Als jedoch der Gendarm einige Schritte weg war, entrollte Steffens dir Fahne wieder und trug sie unter Gesang vor sich her, hielt sie jedoch ganz niedrig. Der Gendarm stellte nun- mehr den Namen des Fahnenträgers fest. Es folgte ein Straf- mandat in Höhe von 15 M. wegen— groben tlnfugs; hiergegen legte St. Einspruch ein. Die Sache gelangte am Mittwoch vor dem Spandauer Schöffengericht zur Verhandlung. Wie der als Zeuge vernommene Gendarm auf Befragen des Vorsitzenden erklärte, will er den groben Unfug in dem Tragen der roten Fahne und in dem Absingen sozialdemokratischer Lieder gefunden haben. Als der Angeklagte, der durch den Rechtsanwalt Dr. Karl Liebknecht ver- teidigt wurde, erklärte, er kenne leine sozialdemokratischen Lieder. hätte auch keine gesnngen. sondern nur Turner- und Arbeiter- lieber, meinte der Gendarm, eS sei ein..Proletariatslied" gesungen worden. Auf weiteres Befragen des Vorsitzenden, ob denn anderes Publikum da war und sich jemand beschwert hätte, erwiderte der Gendarm, eS seien Leute an ihn mit der Frage herangetreten. „Seit wann kommen denn jetzt die Sozialdemokraten mit roten Fahnen hierher?" Der AmtSanwalt beantragte 15 M. Geldstrafe. DaS Gericht folgte jedoch den Ausführungen des Verteidigers, daß der vorgebrachte Tatbestand kein grober Unfug fei und erkannte auf Freisprechung. Dem Antrage des Berte, digerS, auch die not- wendigen Auslagen des Angeklagten auf die Staatskosten zu über- nehmen, lehnte daS Gericht leider ab, wiewohl der Sachverhalt zeigt, daß ein durchaus Schuldloser wegen einer Tat, die nie strafbar sein kann, qngeklagt war. Verrmlcbte9. Das RocbwalTer. In Bayern und in Tirol scheint da» Hochwasser seinen Höhepunkt überschritte« zu haben. Nach einer telegraphischen Meldung aus Augsburg erreichte die Ueberflutung des Lech in der vergangenen Nacht ihren Höhepunkt. Von der auf dem rechten Lechufer befindlichen Häuseriolonie sind zwei Häuser eingestürzt. * Das Hochwasser im Ahrtal hat nach den neueren Feststellungen«inen Schaden angerichtet, der drei Millionen Mark bedeutend übersteigt. Wie amtlich be- richtet wird, find bisher 53 Leichen angeschwemmt worden. Unter den vermißten Personen befinden sich auch an- scheinend solche, die fortgezogen sind, ohne sich abgemeldet zu haben. Das dürfte namentlich für viele kroatische Arbeiter zutreffen. Der Eisenbahnbetrieb im Ahrtal ist teilweise wieder aufgenommen worden. « Das Hochwasser des Rheins. Sehr bedrohlich ist die Lage am oberen Rhein. Aus Kon» stanz wird gemeldet, daß der Rhein rapid e steigt, daß nun- mehr sämtliche Ufergemeinden überflutet sind. Aus Die- b o l s h e i m und Rheinau werden Dammbrüche gemeldet. Die Wasserwehren errichten Notdämme. Bei Markolsheim und Rheinau hat der Rhein Wald und Feld überflutet. Die Ort- schaften sind völlig unpassierbar, da das Wasser etwa VA Meter hoch das Land, bedeckt. Das Ueberschwemmungsgcbiet der Schweiz. Wie uns unser Baseler Korrespondent meldet, find durch das Hochwasser leider zahlreiche Menschenleben zu beklagen. In Altdorf sind 12 Personen ertrunken, in NäfelS(Kanton GlaruS) ist ein mit Hilfsarbeiten beschäftigter Zimmermann in den Fluten umgekommen. In Die» poldsau(St. Gallen) wurde ein Holzarbeiier vom Strome fortgerissen und ertrank. Bei den Näumungs- arbeiten in Schwende(Appenzell) ertrank ein Land» Wirt, der einem Verwandten half, seine Habe vor dem Wasser in Sicherheit zu bringen. In Schönenberg in Thurgau wurde eine Frau mit ihren drei Kindern und ein älterer Mann von den Fluten fortgerissen und ertranken. Bei Kradolf find sieben Personen in den Fluten umgekommen. Das Elend in den vom Hochwasser betroffenen Bezirken ist ungeheuerlich. Viele Familien haben bei der Katastrophe Hab und Gut verloren. Tau» sende sind an den Bettelstab gebracht worden. » Hochwasser in Schlesien. AuS verschiedenen Teilen Schlesiens kommen neuerdings Meldungen über schweres Gewitter mit wolkcnbruchartigen Regen, güssen. Mehrere Flüsse führen Hochwasser und sind teilweise über die Ufer getreten. » Die Verheerungen in Ungarn. Nach amtlichen Meldungen aus dem Komitat LugoS lauft» dort immer schrecklichere Details über die durch Hochwasser und Wolkenbrüche angerichteten Verheerungen ein. Am meisten be- troffen sind die Bezirke Orsowa, BozovieS und Mol» dova. Ganze Dörfer sind in Trümmerhaufen verwandelt. mehrere find gänzlich verschwunden. Die Saaten sind vollständig vernichtet. Die Straßen sowie die Telegraphen- und Telephon- leitungen sind zerstört, jeder Verkehr ist unmöglich. Der ge- samt« Viehbestand ist zugrunde gegangen. Mehr als 200 Per, fönen find ums Leben gekommen. Die Rache des Kunden. In origineller Weise rächte sich ein junger Mann in Braun, schweig an einem Schneider, der ihm einen schlechtfltzenden Anzug geliefert hatte und sich weigerte, ihn zurückzunehmen. Um dem Publikum zu zeigen, wie sehr er hereingefallen sei, zog er den Anzug an und heftete sich ein großes Plakat auf den Rücken, auf dem geschrieben stand:„Dieser schlecht sitzende Anzug ist für 8 8 Mark von der Firma N. N.,.... straße, geliefert." Damit ging er dann auf den belebtesten Straßen der Stadt einher und erregte natürlich großes Aufsehen: Die Bergung des„Pluviose". Nach zweitägiger Dauer haben die Hebungsarbeiten an dem „Pluviose" wieder begonnen. Riesenhafte Pumpen sind angekommen. Zwei Leichter sind in Kreuzform über dem Unterseeboot aufgestellt worden und zwar am Vorderteile das eine und das andere am Back» bord. Die Kotten sind sämtlich befestigt und angezogen. Die Pumpen.. die an Bord de» Dampfers„Giraffe" augebracht worden sind, pumpen ein ekelerregendes Wasser auS dem Innern des„Pluviose". Die im Innern des Unterseebootes noch befindlichen Leichen hofft man nun- mehr bald bergen zu können._ Meuternde Matrosen. Au» Philadelphia wird gemeldet: An Bord de» nach Australien bestimmten englischen Dampfers.Highland Monarch' griff ein chinesischer Malrose den ersten Offizier mit dem Messer an, weil ihm dieser die Erlaubnis verweigert hatte, bor der Abfahrt noch einmal an Land zu gehen. Er wurde übermannt und in Eisen gelegt. Später unternahmen alle anderen chinesischen Mitglieder der Besatzung plötzlich den Versuch, zu entweichen, doch wurden sie von den englischen Matrosen zurückgetriehen. Als der Dampfer ab- fuhr, sprangen sieben chinesische Matrosen über Bord. Vier von ihnen ertranken, drei erreichten das Land mit knapper Not. Kleine Notizen. Die Pulverfabrik Junkermühle im Kreise Wipperfürth flog am Donnerstag abend in die Luft. Ein Arbeiter wurde getötet. ein anderer schwer verletzt. Man vermutet, daß die Achse einer Maschine warm gelaufen und dadurch die Explosion verursacht worden ist. Schwerer Grubrnunfall. Auf der Zeche„Conkordta" bei Ober- Hausen ereignete sich ein noch nicht aufgeklärter Unglücksfall. Ein Bergmann wurde getötet, ein zweiter schwer und zwei andere leicht verletzt. Ein Lustmord wurde in Königgrätz an der 17jährigen GrundbesttzerStochter Rosa Barta verübt. Die Leicke, die zwanzig Messerstiche aufwies, wurde in einem Kornfelde aufgefunden. Bei Erdarbeite» in Serajewo wurden 24 Soldaten durch Erbmassen verschüttet. Zwei Soldaten wurden sofort getötet, einer erlitt schwere, drei leichtere Verletzungen. Attentat auf einen Gcndarmericoberst. In R a d o m(Rußland) ist der Gendarmerieoberst WonsiatSki in seinem Bureau durch einen Polizeiagenten erschossen worden. Der Mörder und ein Mitschuldiger haben am Talorte Selbstmord verübt. Eine» neuen Höhcurekord stellte der Aviatiker V r o o k i n S bei einem Fluge in Indianapolis auf. Er erreichte bei einem Fluge eine Höhe von 1700 Meter und hat damit den von ihm auf- gestellten Hohenrekord überboten. Delegiertenwal)! zum fnternatlonalen Kongreß in folgenden Lokalen statt: E. Schulze, Forsterstr. 17. F. Wähltsch, Skalitzer Str. 22. M. Mix, Skalitzer Str. 59. A. Grundmann, Pücklerstr. 18. P. HoffmaUtt, Oppelner Str. 47. P. Litst», Memeler Str. 67. 3. 4. 5. 6. Wahlberechtigt ist nur das Mitglied, welches bis zum März dieses Jahres seine Bei- träge entrichtet hat. Die. Wahlzeit beginnt 19 Uhr vormittags und endet 1 Uhr nachmittags. _ Der Vorstand. 7. O. Reetz, Gotzlerstr. 10/11. 8. A. Boeker, Weberstr. 17. 9-£>Ctfcr, Samariterstr. 11. 10. Rott, Straßmannstr. 29. 11.& ßUmtg, Friedeberger Str. 1. 218/18* Deutscher Holzarbeiter- Verband. Orisuenvaltimg Berlin.=— Sonntag:, den 10. Jnnl, vorm. 9'l2 Uhr. im ü'atzenhofer Aaaochank, Tarmstr. ÄS Lv: Mitglieder Versammlung für Moabit, Webbmg n. Gesmibbrmmen. Tages• Ordnung: 1. Vortrag dcS Genossen Sodiitto über:.Die Internationale". 2. Neu- wähl der Beitragjamnilcr. J. Verbandsangelegenheiten. IZV Die Mitglieder jämtlicher Branchen werden ersucht, In dieser Versammlung zu erscheinen!_ Möbelpolierer(Bez. Osten)! KfontaK, den äO. Jnnl, abend? S'/a Uhr(gleich naS Feierabend), im Oat-Kasino, Frankfurter Allee lOß: Mitglieder Versammlung. Tagcs-Ordnung: 1...Arbeitsnachweis und Arbeitsvermittclung." Rcscrent: Kollege Luid L. Bericht von der Generalversammlung. 3. VcibandSaiigelcgeiiheiten. Achtung! Bibliothek! Wegen der im Juli stalisiudenden Juvcniur wird die Bibliothek biS «ls weiteres geschlossen. Sämtliche ausgeliehenen Bücher niiifsen bis Ende Juni cinaclicsert werden. Vom 20. Juni ab werden keine Bücher mehr ausgegeben. 85/43 vle Ortsverwaltung. Zlrbejtsnacblveis: PerwallungSslrUc Perlt». Hauptbnreau: Hos l.' Amt 3, 1239. CharlidstraCe 3. Hos III. Amt 3. 1987. Montag, den 20. Jnni 1910, nbcndö präzise 8'.z Uhr, VS�KZUMTWAlliSSRK der Mebaniller, tjbmseber. HjiRiZr S!Z?/iL aller in den MbaiMbei! Betrieben besebättisten ivollepüien iinii Kollegen to den Arm in hallen, Kommandanteiistr. 58/59: Tages-Ordnung: i g des NednktcurS Genossen Georg Davidsoh« über Sin �.........* 1~' 3. Verbands- und Branchcn- I. V o r t r a »Humor deS Auslandes". 2. Diskussion. angelcgenheiten. 4. Verschiedenes. »MG Kolleginnen und Kollegen I Da dieser Vortrag, ebenso wie der vom Genossen Davidsobn im April dieses Jahres gehaltene Vortrag über »Deutscher Humor", lehrreich und unterhaltend wird, so ersuchen wir für regen Besuch zu agitieren. Achtung! Achtung! Erwerbslose Kranke. Da das Bureau am Donnerstag, de» 30. Jnni wegen Quartals- schlufs geschlossen bleibt, erhalten die Kollegen schon am LS. Juni er. ihre Unterstützung. Des weiteren werden die Kollegen ersucht, ihre Unterstützung abzuheben, da sämtliche Bücher bis zum LS. Juni er. zwecks Kontrolle ein- gezogen werden; ausgeschlossen davon sind die Kollegen, welche sich in Heilstätten oder Krankenhäusern bejinden und ihre Unterstützung nach Bc- endigung der Krankheit abheben. 117/9 Den Tiiitgiiedern zur Kenntnis, daß die Zahlstelle von K r a m e r, Zimmerstr. 04. nach VV Stephan, Zimmerstr. OO,"VS verlegt worden ist. Die Ortsverwaltnng. Ardkiter finden für ihren Beruf 57522 gute und billige JllGtiiUUfJ. Während heute jeder arme Teufel, der bettelnd an die Tür klopft und dabei von einem Schutzmann erwischt wird, sistiert und verurteilt wird, gab es früher Zeiten, in denen Bettler gewisse Privilegien besaßen. Bereits im Jahre 1486 bestimmte der Rat, daß diejenigen, welche arbeitsfähig seien, nicht mehr betteln sollten. den Bedürftigen dagegen das„Zeichen der Städte" zu erteilen sei. Ein Visitationsrezeß von 1540 besagt, ,,da� jetzt viele Bettler in den Gassen umherlaufen, welche arbeitsfähig und un- bekannt sind, so soll der Rat auf sie achten, und insofern sie sich zu arbeiten weigern, sollen sie verwiesen werden. Die Gebrechlichen aber sollen ein Zeichen erhalten, das sie am Hute oder Schleier zu tragen haben, damit sie von den andern Bettlern, welche dieses Zeichen nicht haben, leicht zu unterscheiden sind.„Ein solches Zeichen bestand im Jahre 1550 aus einem Stück Blei, etwa Vi Zoll groß, das in roher Prägung, in der Form eines Wappen- schildes den nach links aufsteigenden Bären ohne Halsband zeigte. lieber demselben standen die Jahreszahlen 15 B(Berlin) 50 und 15 B 54. Das Zeichen galt also für 4 Jahre. Die späteren Zeichen waren aus Messingblech in der Größe eines Doppeltalers und trugen um den nach rechts gewendeten Bären mit dem Halsbande die Inschrift„Gebet den Armen zu Berlin". Köln hatte ähnliche Zeichen mit dem Adler. Derartige Bettlerabzeichen, die also ein Bettel- Privilegium einschlössen, wurden nicht nur an Einheimische gegeben, sondern unter Umständen auch an Auswärtige, namentlich bei be- sonderen Unglücksfällen, Brand, Waffersuot usw. Die Männer trugen die Abzeichen am Hut, die Frauen am Schleier, der— auch das war uniform— au? grober Leinewand bestand. Wahrscheinlich führte indessen die Privilegierung der Bettelei zu großen Mißständen, denn Friedrich der Große richtete daraufhin das Arbeitshaus, den„Ochsen- köpf" ein, nachdem in kurzem mehr als 100„mutwillige" Bettler in Berlin aufgegriffen worden waren. Das Schicksal der Königskolonnaden. Die Königskolonnaden sollen bekanntlich im Botanischen Garten ihre Ausstellung finden. So ist es von den Gemeindebehörden be- schloffen worden mit Zustimmung der fiskalischen Behörden. Jetzt werden Mitteilungen verbreitet, nach denen es als fraglich bezeichnet wird, ob nicht doch wieder die gettoffene Entscheidung umgestoßen werden wird. ES sollen von Künstlern gegen die Ausstellung des Gontardschen Werkes im Botanischen Garten neuerdings wieder De- denken geltend gemacht und auch dem Kaiser vorgetragen worden sein. Ein neuerdings gemachter Borschlag geht dahin. die Kolonnaden im Tiergarten aufzustellen. Der Kaiser soll, so will der „Lokal-Anzeiger" wissen, erneute Prüfung angeordnet haben. Wir können uns kaum denken, daß die nach langen Beratungen und Prüfungen getroffene Entscheidung schon wieder umgestoßen werden soll._ Die Polizeivcrordmmg über die äußere Heilighaltuug der Sonn' und Feiertage vom 17. Mai 1910, wonach das Nichtverhängen der Schaufenster und Schaukästen fortan nur für die Zeit des Haupt- gottesdienstes(in Berlin, Charlottenburg, Wilmersdorf, Rixdorf Lichtenberg und Stralau: 10—12 Uhr, in Schöneberg und Box- hagen-Rummelsburg 9Vz— 11V» Uhr) strafbar ist, ist im Amtsblatt der Königlichen Regierung zu Potsdam vom 27. Mai d. Js. ver- öffentlicht worden und daher gemäß Ziffer IV der Verordnung mit diesem Tage in Kraft getreten. Die Polizeiexekutivbeamten sind an- gewiesen worden, nach Möglichkeit darauf zu achten, daß die frag- liche, auf Wunsch der Gewerbetreibenden herbeigeführte Milderung der bisherigen Vorschriften nicht etwa dazu mißbraucht wird, durch Heranziehung von Angestellten usw. zum Auf- und Zuziehen von Vorhängen, Jalousien usw. außerhalb der im Handelsgewerbe an Sonn- und Festtagen zugelassenen Beschäftigungszeit die Sonntags- ruhe der Handelsangestellten oder diejenige der Arbeiter zu beein- trächtigen._ Prügelp iidagogeu. Trotz des seinerzeit von der städtischen Schuldeputation, auf Veranlassung des Stadtschulrats Dr. Fischer, an alle Lehrer und Lehrerinnen versandten Merkblattes bezüglich des Prügelns der Kinder in den Gemeindeschulen, scheint doch lustig weiter geprügelt zu werden, und zwar oft in Formen, daß man annehmen muß, daß das Merkblatt längst vergessen ist oder gar nicht beachtet wird. Vor uns liegt ein Attest eines Arztes mit folgendem Wortlaut: „Der Knabe Otto F. wurde mir heute in der Sprechstunde vorgestellt, weil er von dem Herrn Rektor seiner Schule geschlagen worden sei. Am Gesäß findet sich bei ihm ein über beide Hälften ziehender roter, an den Rändern bläulicher Striemen, am rechten Oberschenkel,4 Uhr. 29. Abt. Görlitzer Bahnhof(SanitätSwache) 7 Uhr. 21. Abt. Schl-sisch-S Tor 7 Uhr. 22. Abt. Lausitzerplatz 7 Uhr.— Baumschulenweg. Bahnhof Baumschulenweg 7 Uhr. Eharlvttenburg. Wilhelmsplatz 7 Uhr. Eöpcnick. Schloßplatz nachmittags �2 Uhr. Friedrichshagrn. Wird noch bekannt gemacht. Johannisthal. Vor dem Lokal„Bürger- garten" 8 Uhr. Karlshorst. Bahnhof Karlshorst syi Uhr. Oest- lichr Vororte. 1. Abt.: Alt-Boxhagen, Ecke Neue Bahnhofstratze Uhr.— 2. Abt.: Scharnweber-, Ecke Gürtelstraße 6)4 Uhr.— 3. Abt.: Bahnhof Lichtenberg-FriedrichSfelde 9)4 Uhr. Pankow- Niedcr-IchSnhnufen. Pankow(Kirche))47 Uhr. Neinickendorf-Ost. Bahnhof Schönholz Uhr. Reinickendorf-West. Scharnweber., Ecke Berliner Straße 7 Uhr. Rudorf. Kriegerdenkmal 7 Uhr. Schöneberg. Pallas-, Ecke Potsdamer Straße 8 Uhr. Tegel und Umgegend. Bahnhofsplatz 7 Uhr. Tempclhof-Mariendorf. Wird noch bekannt gemacht. Treptow. Kiefholz-, Ecke Elsenstraße 7 Uhr. Weihense«. Antonplatz 7 Uhr. Jugendliche, auch Erwachsene, sind als Gäste herz- lich willkommenl_ Der Gesangverein„Kreuzberger Harmonie" veranstaltet am morgigen Sonntag in der Brauerei Friedrichshain am KönigZtor ein Konzert unter Mitwirkimg des Sinfonieorchesters M, Fischer. DaS Konzert beginnt um 4 Uhr. Der Eintrittspreis ist auf 20 Pf. festgesetzt. Bei ungünstiger Witterung wird im Saale konzertiert. Vermißt wird seit Dienstag, den 14. d. M. der Schneider Albert Zimmermann, Groß-Lichterfelde, Bismarck« straße 23. Derselbe war halölcidend und ging nach der Kranken« lasse nach Steglitz. Seitdem ist er nicht wieder gesehen worden. Sollte derselbe irgendwo erkrankt ausgenommen worden sein resp. angetroffen werden, so wird um sofortige Nachricht an die Gottin oder an daS nächste Revier gebeten. Bei seinem Fortgange trug Z. einen blauen Jackettanzug, steifen englischen Hut und Schnür- sticfcl; er ha« kurzen blonden Schnurrbart und dunkelblondes Haar und ist 25 Jahre alt._ Vorort- Nadmcbtcm Rixdorf. Verstockte Wahlrechtsräuber. In der Nixdorfer Stadtverordnetenversammlung gab(9 am Donnerstagabend wieder«Ine WnhlrechtSdebatte. Die fozialbemo- krotische Fraktion hatte den Antrag eingebracht. daS berüchtigte, von schamlosester Willkür diktierte Ortsstatut vom 17. Dezember 1008 betreffend die Bildung der Wählerabtei- l u n g e n wieder aufzuheben. Wie vorauszusehen, kam cS in der Debatte zu sehr lebhaften Auseinandersetzungen. Stadtv. Scholz(Soz.) führte zur Begründung des Antrages aus: Wir wollen der bürgerlichen Mehrheit Gelegenheit geben, die in weiten Kreisen der Bürgerschaft durch den WahlrechtSraub hervorgcrufens Empörung zu beseitigen. Da im August die Wählerlisten neu aufzustellen find, ist jetzt die Gelegenheit da, dem Magistrat, der heute so wenig wie damals unser Vertrauen verdient, die nötigen Direktiven zu geben. Redner schilderte dann die Lorgeschichte deS OrtSstatutS. Schon vor demselben habe der Magistrat im August 1908 in gesetzwidriger Weise die Wählerlisten nach dem DurchschliittSPrinzip aufgestellt und damit erreicht, daß 12 Proz. der Wähler zwei Drittel und«8 Proz. derselben nur ein Drittel der Stadtverordneten zu wählen hatten. Der Gesamtsteuersatz der dritten Wählerabteilung überstieg denjenigen in der"zweiten und ersten Abteilung um 259 000 M. Aber trotz dieser Entrechtung, welche diele Wähler aus der zweiten in die dritte Abteilung warf, eroberte die Sozialdemokratie drei Mandate in der zweiten Abteilung. Der blasse Schrecken hierüber veranlaßte die bürgerlich« Mehrheit zu dem WahlrechtSraub vom 17. Dezember 1903. Danach würden ganze 7 Proz. der Wähler 48. die ungeheure Masse der Arbeiter, Beamten, Handwerker, Gewerbetreibenden, nämlich oSProz. der Wähler, nur 24 Stadtverordnete zu wählen Häven. Nicht nur die Arveiter sondern auch der ganze Mittelstand wurde dadurch zu Rechtlosen' degradiert. Die gegenteiligen Behauptungen des Paten deS Ortsstatuts. Rahmig, in der damaligen Debatte waren Berlegenheits- redereicn; der Proteststurm in der Bürgerschaft hat dies bewiesen. Eine ebenso zweifelhafte Rolle spielte der Magistrat mit seineu an- gestellten„Erhebungen", die er bis heute nicht zuveröffent- lichen gewagt habe. Trotz dieser Dinge habe nian sich nicht gescheut, von Gerechtigkeit zu reden. Das Öberverwaltungsgericht habe demgegenüber gezeigt, was Rechtens ist. und aus die Klage des Stadtv. Conrad gegen die Wählerlisten von 1908 unzweideutig ausgesprochen, daß für Rixdorf nur das DrittelungS- system in Betracht kommen könne. Obwohl vom Bezirksausschuß unsere Klage gegen die Wählerlisten von 1909, die den anderthalb« fachen Durchschnitt als Grundlage hatte und die Steuergrenze der dritten Abteilung von 78,50 aus 130 M. hinaufsetzte, anscheinend verschleppt werde, so werde dieser sowohl als auch das Oberverwaltungs- gerichr logischerweise nicht ander« können und auch hier die Ungültigkeit der Listen aussprechen müssen. Die s oz ialdemokratische Arbeiterschaft werde jedenfalls energisch um Anerkennung ihrer wenigen gesetzlichen Rechte kämpfen und wenn ein Rattenkönig von Prozessen sich dabei ergibt. Die daraus dem Steuersäckel entstehenden Kosten wolle die Sozaldemokratie vermeiden. Ziehen auch Sie, so betont der Redner, die Konsequenz aus dem Urleil des Oberverw altungsgerichts und heben Sie das gesetzwidrige Ortsstatut auf. Wollen Sie daS nicht, so kann uns das vom parteipolitischen Standpunkt ja recht sein; besseres Agitationsmaterial können wir uns nicht wünschen. Wir verlangen das allgemeine, gleiche, geheime und direkte Wahlrecht. WennSie gerecht wären, wie Sie fälschlicherweise behaupten, dann müßten Sie mindestens die nach dem Gesetz zulässige Zwölftelung in Rixdorf durchführen, nach welchem Systen s/ia des Steuerbetrages die erste, Vis die zweite und die dritte Wählerabteilung bilden. Bestimmt Sie die Furcht vor der Sozialdemokratie aber dazu, das Ortsstatut vom 17. Dezember 1908 ausrecht zu erhalten, so werden Sie der erstenBlamage eine verdiente zlveite hinzufügen. — Kein einziger der Väter des Wahlrechtsraubes von 1903 wagte es, den treffenden Ausführungen des Genossen Scholz entgegen- zutreten. Nur Herr Rosenow, ausgerechnet dieser sogenannte „liberale" Stadtverordnete, unternahm es. mit eistem rethorischen Eiertanz ohne gleichen den ablehnenden Standpunkt seiner Fraktion zu„begründen". Es war einfach verblüffend, wie er, der sich in ethisch-ästhetischer Schönrederei nie genug tun kann, im Namen der Gerechtigkeit(I) die Notwendigkeit deS schmachvollen WahlrechtSraubeS nachzuweisen bemüht war. DaS Schreckgespenst der Arbeiterherrschast im Rathause malte er mit ängstlich-wehmütiger Stimme aus und behauptete frisch darauflos, daß dann der.Mittelstand" ausgeschaltet sein würde, obwohl diese Tatsache gerade durch daS Ortsstatut von 1903, also durch die fragwürdigen Mittelstandsretter vom Schlage de» Redners herbeigeführt wurde. Den kräftigen Zurufen der äußersten Linken gegenüber blieb dieser Torkämpfer Haus- agrarischer und kapitalistischer Jntereffenpolitik völlig taub; er interpretierte schließlich in daS Wahlgesetz seine Meinung hinein, nach der dasselbe ein Schutz gegen die Plutokratie sowohl als auch gegen die Demokratie fein soll. Daß daS Gesetz mitsamt seiner Begründung nicht den geringsten Anhalt dafür bietet, verschlägt bei dem gewissenhaften Interpreten Rosenow nichts. Schließlich versuchte er es mit dem sattsam bekannten „liberalen" Schachzug. wonach man Anhänger de« allgemeinen, gleichen, geheimen und direkten Wahlrechts im Staate, in der Kam- mune aber anderer Meinung sein kann.„Klagen Sie I" so rief er unseren Genossen zu, indem er gepreßt hinzufügt«:„ES kommt einem Manne(er meinte a»schein-nd sich selbst damit) hart an, einen Irrtum einzugestehen I" Es war die« ein bezeichnende» Geständnis politischer Charakterstärke I— Kräftig ging Stadtv. Conrad(Soz.) dann auch mit der Sorte„Gerechtigkeitssinn", wie sie der Vorredner vertreten hatte ins Gericht, nachdem er dem aus guten Gründen sehr still gewordenen.Adoptivvater" deS Wahlrechts- raubcs. Rahmig, einen kräftigen Hieb versetzt hatte. Lehnen Sie unseren Antrag ab— so sagte er treffend zu dem WahlrechtSräuber- Block—, dann bleibt Ihnen doch nur eine Galgensrist I Sie haben eben gar kein Verständnis für die 93 Proz. Entrechteten in der Bürgerschaft! Sie klammern sich an die Macht und kämpfen allesamt für da« Jntereffe de» Geldsacks— und wenn ihn der Dümmste besitzt! Trotzdem werden Sie mitsamt dem Wahlrechtswechselbalg bald abgetan sein!— War während der Ausführungen Conrads schon Leben in den Block gekommen, so führte das ausgezeichnete Schlußwort des Genossen Scholz zu einem heftigen Zusammenstoß, welcher— mehrfach lebhaft unter- brachen— feststellte, daß die meisten der Stadtväter nicht all- gemeine, sondern einfach selbstsüchtige Privatinteressen ver- treten. Der Stadtverordneten-Vorsteher behauptete demgegenüber erregt:„E-Z gibt hier keinen Stadtverordneten, der per- jönltche Interessen wahrnimmt I' Diese Auffassung fand wirkungS- volle Ergänzung durch den Zuruf des Genossen W u tz k y: „Offiziell nicht!"— Unter lebhafter Erregung nahm die von der sozialdemokratischen Fraktion verlangte namentliche Abstimmung dann ihren Anfang. Nur die Sozialdemokraten stimmten für die Beseitigung des Ortsstatuts— sämtliche bürgerlicheStadtberordnet« votierten für die Lufrechterhaltung der Ent- rechtung von 93 Proz. der Bürgerschaft! Die Wählerschaft wird jetzt mit aller Kraft daran gehen müffen, um mit den BerechtigkeitS-Jesuiten im Rathause KehrauS zu machen. Beim Spielen in den Kanal gestürzt ist gestern, am Freitag nachmittag, da» 5jährige Söhnchen der Franksche» Eheleute, Harzer« straße 94. Der Kleine kam am Köllnischen Ufer in der Nähe der Wildenbruchbrücke dem schutzlosen Ufer zu nahe, fiel in den Schiff- jahrlSkanal und konnte trotz eifriger Wiederbelebungsversuche zweier Schutzleute nur noch als Leiche in die elterliche Wohnung gebracht werden. Die namentlich in der letzten Zeit häufiger wahrnehmbaren Ertrinkungssälle spielender Kinder in diesem Kanal ermahnen die Eltern, ihre Kinder zur Vorsicht anzuhalten. Wilmersdorf. Ein Schlossermeister als Geldschrankknacker. Großer Aufsehen erregt die gestern erfolgt« Verhaftung deS angesehenen Schlosser- meisters L. aus der Augustastraße. Frau L. wollte gern eine Autotour machen, zu der aber ein„paar blaue" gehörten. Der Schlossermeister, der diesen Wunsch seiner Frau gern erfüllen wollte, genügend bares Geld aber augenblicklich nicht besaß, traf sofort die nötigen Anstalten, um sich die notwendigen Geldmittcl zu verschaffen. Der Zufall war ihm dabei zu Hilfe gekommen. Ein in derselben Straße wohnender Photograph W. hatte den Schlüssel zu seinem Geldschrank verloren und zur Herstellung eines solchen sich cm den ihm bekannten Schloffermeister L. ge» wandt. Gegen Abend brachte der letztere den neuangefertigten Tresorschlüssel persönlich dem Photographen. Dieser war in seinem Atelier mit Rewuchieren beschäftigt und rief durch die offene Tür dem Schlossermeister zu, er möge doch allein probieren, ob der Schlüssel patzt. Das geschah, der Schlüssel funktionierte zur Zu- fricdenhcit und nach wenigen Sekunden empfahl sich der Hand- werker. Am nächsten Morgen vermißte der Photograph beim Kasse» machen etwa 1900 M. tn Kassenscheinen; er meldete seinen Verlust der Äritztinalpolizei, ohne anzugeben, daß der Geldschrank»V Tage zusior LSr'ch S. geöffnek worden sei. Tm Messen Tage daräuf aber erlebte die junge Frau Schlossermeister L., die so gerne zu Pfingsten eine Automobiltour machen wollte, eine innige Freude. Als das Ehepaar beim zweiten Frühstück saß, trat der Geldbries« träger herein und überreichte dem Schlossermeister einen Geldbrief über 400 M. Die junge Frau war ganz entzückt, daß, wie ihr Mann erzählte, ein alter Schuldner sich seiner erinnert und ihm diese Pfingstfreude bereitet habe. Die Ueberraschung wurde aber noch größer, als eine halbe Stunde darauf der Bruder der jungen Frau, ein unverheirateter Handwerker aus Schöneberg, atemlos in? Zimmer stürzte und dem Ehepaar freudestrahlend mitteilte» daß er soeben eine Postanweisung über 200 M. erhalten habe uns ganz erstaunt sei, wer wohl das Geld geschickt haben könne, da ihm niemand 200 M. schuldig sei. Nun war die Autotour eine be- schlössen« Sache. Man lud schnell eine„entfernte Cousine" ein und die Pfingsten amüsierte man sich zu Vieren draußen in der Provinz so lange, bis das letzte Goldstück verausgabt war. Der hinkende Bote kam aber nach. Am vorgestrigen Tage verhaftete bis Schöneberger Kriminalpolizei den Schlossermeister, da sie aus- reichende Beweise dafür gewonnen, daß er die 400 M. an sich und die 200 M. an seinen Schwager per Post abgesandt habe und daß das Geld, die Kassenscheine, au? dem Geldschrank des Photographen W. stammte. Der bisher unbescholtene Handwerker wurde nach kurzem Verhör im Schöneberger Polizeipräsidium nach dem Unter- suchungsgefängnis in Moabit übergeführt. Chariottenburg. Der Lictzenscepark. Für den bekanntlich vor einigen Monaten von der Sladtgemeinde erworbenen Baublock zwischen dem Königs- weg und dem Lietzensee, der infolge eines Beschlusses der Stadtver- ordnetenversammlung vom 9. März d. I. durch Ergänzungskauf� auf einen Gesamt-Fläckieninhalt von 37 148 gm für insgeiamt 2 880 704.99 M. gebracht worden ist, soll nunmehr der Fluchtlmienplan festgestellt werden, der der Stadtverordnetenversammlung zur end- gültigen Genehmigung zugegangen ist. Diese hatte beschlossen, daß ein wesentlicher Teil der Gesamtfläche als Wege-, Ganeu- bezw. Park- anlage erhalten bleiben soll, der Rest aber durch Verkauf als Bau- land zu verwerten ist. Zufolge dieses Beschlusses sollen von dem angekauften Terrain 20 320 gm für Parkanlagen verwendet werden, welche sich unmittelbar an das Seeuser anschließen. Einen unentgeltlichen Nachhilfeunterricht in Deutsch und Rechnen für Ferienkolonisten während des Monat« Juli richtet die Char- lottenburger Schulverwaltung ein. Durch diese» Unterricht soll ver- hindert werden, daß die Kinder in der Schule zurückbleiben und am Schlüsse des Schuljahres nicht versetzt werden. Die teilnehmenden Kinder haben sich am Dienstag, den 5. Juli, morgens von 7'/, Uhr ab bei Herrn Lehrer Fischer in Gemeindeschule XXVIII zu melden und ihre Bücher und Hefte mitzubringen. Tchöneberg. Beim Aufspringen auf einen Straßenbahnwagen schwer ver- unglückt ist der CourbiSrestrahe 16 wohnhafte 29jährige Friseur Paul Müller. M. versuchte an der Ecke der Haupt, und Helm» strahe auf einen in der Fahrt befindlichen Straßenbahnwagen der Linie 59 zu springen, glitt jedoch ab und fiel so unglücklich, daß er mit dem linken Bein unter den seitlichen Schuhrahmen des An- hängcwagenS geriet, dessen Räder ihm den Unterschenkel total zer- malmten. Der Schwerverletzte wurde nach der Unfallstation in der Vorbergstraße und von dort nach dem Auguste-Vittorla» Krankenhaus geschafft, wo ihm der Unterschenkel abgenommen werden mußte. Lichtenberg. Stadtverordnetenfitzuna. In der am Donnerstag abgehaltenen Sitzung brachte der Genosse Spiekermann bei dem Punkt„Erbauung einer Schulturnhalle" einen Ausflug der Kinder der Friedrichsschule darum zur Sprache, weil sich hierbei sehr grobe Unzuträglichkeiten, die auf das Konto mangelnder Fürsorge deS Lehrpersonals zu setzen sein würden, gezeigt haben sollen. Der Magistrat wurde beaustragt. die Angelegenheit zu untersuchen und dem Plenum Bericht zu erstatten. Eine etwas ausführliche Debatte löste eine Jnter- pellation betreffend Regulierung des TriftwegeS auS. Der erste Bürgermeister gab eine Sachdarstelluna, nach welcher die Miß» stände, die sich mit dem Triftwege für die Gemeinden Lichten- berg und Fricdrichsfelde verknüpfen, lediglich als ein Ver« schulden FriedrichSfeldeS anzusprechen seien. Es wurde angeregt, die Gemeindcverlrelung von Friedrichsfelde über die Angelegenheit direkt zu unterrichten, der anscheinend, wenn man nach de» Berichten über die Gemeinderatsverhandlungen urteile, eine Kenntnis der tat» sächlichen Verhältnisse noch fehle. Der Magistratsvertreter hielt eS jedoch nicht für opportun, über den Kopf des Gemeindevorstandc» hinweg der Gemeindevertretung Mitteilung zu machen. Man müsse es dem Cemeindevorstand doch wohl überlassen, die schon längst zu seiner Kenntnis gelangten Materialien der Gemeindevertretung zu unterbreiten. Beschlossen wurde, gemeinsame Beratungen über verschiedene Fragen bei der Vertretung in Fricdrichsfelde anzuregen. Eine andere Interpellation betraf die Ueber- schwemmungen in der Frankfurter Chaussee. Der Magistrat wurde ersucht, mitzuteilen, welche Maßnahmen getroffen seien, um für die Zukunft die Uebelstände zu beseitigen. Der Magistrat gab Kenntnis von dem Stande des Projektes einer ausreichenden Regenwasier- kanalisation. wobei benlerkt wurde, daß bei ganz außergewöhn- lichen Niederschlägen geringe Uebersckwemmungen sich wohl niemals würden vermeiden lassen. Ein anderer Punkt der Tagesordnung betraf die Aenderung der Biersteuerordnung gemäß den Be- schlüssen des Reichstages. Der Beilritt der Stadt Lichtenberg zu der in Kassel zu errichtenden Geldvermittelungsstelle wurde genehmigt; ebenso die Erbauung einer Turnhalle auf dem Schul« grundstück in der Kronprinzenstraße. Ferner stimmte da» Kollegium einer Vorlage zu, welche die Erhöhung der TarifeinheitSsätze für die von der Stadt herzustellenden Kanalisationseinrichtungen vei Haus« anschlüssen um 15 Proz. zum Ziele hat. Die übrigen Punkte be« trafen lediglich geschäftliche Angelegenheiten oder Anträge auf Dechargierung. die der zuständigen Kommission zur Vorprüfung überwiesen wurden. In geheimer Sitzung wurden vier Sach- verständige für die KraslwagenauShevungSkommission gewählt, darunter der Genosse Brühl. Ober-Schönetvelde. Ein tödlicher Butomobilunfall hat sich vorgestern in Oberschöne» weide ereignet. Der Klempnergeselle Oehle hatte gegen Abenl» zur Fahrt nach Haus« die Straßenbahn benutzt. Als er diese ver- lassen wollte, kenn ein Kraftwagen herangesaust, dessen Annäherung O. nicht bemerkte. AIS der Klempner nach dem Bürgersteig hin- übergehen wollte, wurde er von dem Auto erfaßt und überfahren. Er erlitt so schwere innere Verletzungen, daß er unter den Händen eines Arztes, zu dem der Verunglückte gebracht worden war, verstarb. Tempelhof-Mariendorf. Kinderunterhaltungsspiele werden auch in diesem Jahre wieder unter Leitung von Mitgliedern der„Freien Turnerschaft Tempel- Hof-Mariendorf" in den Vormittagsstunden der kommenden Sonn- tage veranstaltet und zwar vom Sonntag, den 19. d. M- ab auf dem Spielplatz des Turnvereins in Mariendorf, Ecke Kurfürsten- und Schwerinstrahe. Die Spielzeit ist festgesetzt von 1�— Z412 Uhr. Treffpunkte sind: Tempelhof>49 Uhr Ecke Dorf- und Berliner Straße. �»9 Uhr Ecke Friedrich-Karl- und Berliner Straße; Mariendorf>4 9 Uhr Dorfftrahc(Kirche) und ÄS Uhr Prinzen» und Cbaussccstraße-Ecke. Nach dem Spielen werden die teilnehmen» den Kinder zu den Treffpunkten zurückgeführt. Die zahlreiche Beteiligung im Vorjahre war für den Verein bestimmend, yrit den Spielen schon vor den Schulferien zu be» ginnen:<8 werden deshalb die Eltern gebeten, ihre Kinder für einige Stunden wieder der Obhut der Turnerschast anzuvertrauen. Potsdam. Tödlicher Unfall in der elektrischen Zentrale. In der Kraft- station des städtischen Elektrizitätswerkes erlitt gestern nachmittag der HilfSmontcur Brüning beim Arbeiten an der Stratzenleitung einen tödlichen Unfall. Ob die Betriebsleitung Schuld trägt oder ob ein Unglücksfall vorliegt, konnte noch nicht festgestellt werden. Jngendveranstaltnngen. Steglitz und Umgegend. Sonntag, den 19.. veranstaltet die Steglitzer Freie Jugendorganisation einen Massenausflug nach dem Müggelschlötzchen. Trcffpunk! jür Steglitz und Friedenau: Kaisereiche, Friedenau, Rhcinstratze. Der Abmarsch erjolgt pünktlich 8 Uhr. Für Spiele ist Sorge getragen. Fahrgeld hin und zurück 30 Pf. Wir fordern die Jugendlichen auf, sich an dieser VeranstalUnig zu beteiligen. Der Steglitzer Ausflug oereinigt sich am Müggelsee mir den Organisationen von Grosi-Berlln. Potsdam. Einen Jugendausslug unternehmen am Sonntag die ge- werblichen Arbeiter und Lehrlinge unter Führung der Maurerorganisation. Es wird gebeten, die Lehrlinge aller Berufe darauf ausmcrksam zu machen. Versammlung um 2 Uhr am Tabakshäuschen am Bassin. Freireligiöse(»emeinde. Sonntag, den 19. Juni, vormittags g Uhr. Pappcl-Allec 15— 17: F r e i re Ii giöf e Vorlesung. Voimittags 11 Uhr: Kleine Frankfurter Etrasie K: Vortrag von Herrn Prosessor Dr. A. Kehrke:„Religiöse Unduldsamkeit'. Damen und Herren als Gäste willkommen. SlUgcmetne Kranken- und Sterbekasie der Metallarbeiter (E. H. 29, Hamburg). Filiale Berlin 7. Mitgliederversammlung Sonn- tag. den 19. Juni, vormittags 10 Uhr, bei Hossmann, Pasewalker Straße 3. — Filiale R i x d o r s. Vemmmlung Sonnabend, 18. Juni, abends 81/, Uhr, Ttennnetzstr. 1 14: Neuwahl der Ortsverwaltung.— Filiale Nieder- Schönem cid e. Sonntag, 19. Juni, vormittags 9 Uhr: General- Versammlung bei Fritz Rabe. Wilbelminenhos-Straße 43. ßnefhaften der Redaktion. Di«(«rriftKAe evrechftund« finde, Sindenftratzr Nr.«S, vorn vier Tredven— Hobtftiibt—. toortirntägliib von 4'/, bis Übt abends, Sonnabends don 4'/, bis 0 lthr nachmitiagS itatt. Jeder Sintrag- ist ein Buchnadc und eine Uahi als tvtetkzeichen beiznfiigcn. Briefliche Antwort wird nicht erteil». Eilige Fragen trage mau in der Evrech- stunde bor. S. T. 20. Ja.— 53 Tckl. 1. Wenn die Trunkenheit und damit ver- bundene Unsähigkeit, die berufliche Tätigkeit auszusühren, bewiesen werden kann, sind Sie nicht zahlungspflichtig. 2. und 3. Mindestsatz— bei Un- bemittelten— 2 M., Höchstsatz 20 M. 4. Ist von der Zustimmung des Gläubigers abhängig.— B. K. 2. Habeu wir leider nichtfeststellen können. Fragen Sie bei dem Auswärtigen Amt an.— F. Ich. 04. Schwimm- Verein„Spreehort", Vorsitzender E. Rcckin, Wiener Straße 13 III; Arbeiter- Schwimmklub„Neptun", Weißcnsee, Nölkestraße 12 bei Mcnschcl. — O. H. 1910. 1. Schöncbcrg, Rathaus, Erdgeschoß Zimmer 4— 7a; Wilmersdorf, Rathaus, Zimmer 17 und 18a. 2. 3—3�,. 3. Müssen wir ablehnen. 4. Nein.— K. H. 83. 1. Nein. 2. Ja.— Protziger Aus- bcntcr. 1. Wenn die Miete nach Monaten bemessen ist— nicht gleichbedeutend mit den Zahlungsterminen— kann vom 15. zum-.gekündigt werden, wenn nichts anderes vereinbart ist. Mittels schristlichen Vertrages läßt sich eine beliebige Kündigungsfrist vereinbaren. 2. Ja. 3. Beim Ge» Werbegericht einen Antrag aus Erlaß einer einstweiligen Verfügung stellen. I. 50. Sprechen Sie mit dem Vorsitzenden der Kammer persönlich.— K. B. l. Bis zu 25 Proz. 2. Die Staatssteucrn. 3. Binnen 14 Tagen nach dem 12. Juni. 4. Die Auslegung genügt.— N. M. 80750. Rentier Hanke, Berliner Str. 93.— W. 35., Halensee. Von der Gewerbesteuer oesreit sind Betriebe, bei denen weder der jährliche Ertrag 1500 M. noch das Anlage- und Betriebskapital 3000 M. erreicht.— M. M. Wir raten zu einer Eingabe an den Polizeipräsidenten.— H. 87. Ein Arzt wird Ihnen Rat erteilen können._ Amtlicher Marktbericht der städtischen Marktballen-Dircktion über den Großhandel in den Zentrai-Markthallen. Marktlage: Fleisch: Zuiubr genügend, Geichäst rege, Preise unverändert. Wild: Zusuhr genügend, Geichäst rege, Preise fest. G c s l ü g e I: Zufuhr genügend, in Gänsen über Bedarf, Geichäst lebhast, Preise bejriedigcnd. Fische: Zu- juhr ausreichend, Geschäft ziemlich rege, Preise wenig verändert, für lebende Hechle hoch. Butter und Käse: Geschäft ruhig, Preis« mwer» ändert. Gemüse, Obst und Südfrüchte: Zufuhr reichlich, Go> schäst wenig befriedigend, Preise unverändert. WitterungSüberiiiiit vom 17. Juni 1910, morgens 8 Uhr. tvo ZX} 1 UPUCUl Iii I Wetterprognose tnr Ionnabenb, den 18. Juni 1010. Ein wenig wärmer, vorherrschend wolkig bei mäßigen nördlichen Winden; leine erheblichen Niederschläge. Berliner W e I l e r b u r e a u. Mllfikvklew Flkirndschnst 1910. Sonntag» de» 19. Juni: 25866 1. große Familien- Fußpartie mit Musik, nach Waidmannslust-Bergschloft. ÜM- Abmarsch srüh 7'/z Uhr vom Vereinshaus Mothes, Vastianstr. 3.-Mgl Anschluß-Billetts mit Tanz 25 Ps.— Gäste willkommen. Uebungsstunde: Freitags im VereinSlokal, woselbst auch Mtaliedrr ausgenommen werden. Der Vorstand. U SUisfiffätfa 'Dauer vom i?. 0!s 25. Juni Herren- Kieidung �14. x No.l. Gestreift n. kariert, jadeett- Anzug z*inutoff.......... 1 1 ix A_ No.S. Glatte n, Cherlot- Jackett-Anzug Gewebe. Neue Muster. Ulster No. 8. Neuseitige Phantasiestoffe... 1 11, No. 4. Vornebme enxlieobe tkus» LUSter............................ O• 11• j No. 8. Haltbare Zwirn- Demkleider buokskins............ O* II* j No. 6, Eisenfest. Buckskins JOemKleiaer in recht schönen Streifen.. ,. No. 7. 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De» Kollegen zur Nachricht, dab unser Mitglied, der Metallarbeiter Hmanv Gedicke am 13. Juni am Unfall ge- starben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 18. Juni, nach- mittags 2'/, Uhr, von der Leichen- halle des Gemcindc-KirchhoseZ, Mariendorser Weg aus statt. Rege Beteiligung erwartet 117/10 Ole Ortsverwaltung Deutscher Transportarbeiter-Verband. Bezirksverwaltung GroB-Berlin. Nachruf. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Arbeiter fienillard Nejmann verstorben ist. 69/17 Ehre seinem Andenken! Die Bezirksverwaltung. Kerblmd der Mnler, Lackierte, AuflmchtruOo. Filiale Berlin. Nachruf. Den Mitgliedern zur Nachricht, dah unser Kollege, der Maler Friedrich Harms am B. Juni beim Baden er- trunken ist. 129/7 Ehre seinem Andenken! Die Ortsverwaltung. Die Kollegen der Firma Otto Schwarz, Steglitzer Str. 77, treffen sich am Sonntag, den 19. b. M., vormittags 9 Uhr. aus dem Bahn- hos Grünau, um gemeinsam am Grabe des Verstorbenen einen Kranz niederzulegen. D. O. �entfälverbaiiil der flandlungs- gMenu. Gehilfinnen DeutSEhl. Ortsverwaltung GroB-Berlin. Nachruf. Vor kurzem verstarb unser langjähriges Mitglied, der Kollege Paul Carl. Ehre seinem Andenken! 286/18 Die Ortsverwaltung. Or. Simmel Spezial-Arzt für Haut- und Harnleiden. Prinzenstr. 41. Ä"«, 10— 2, 5— 7. Sonntags 10—12. 2— 1 Nathan Atancl lütt Skaliher Str. ILS. � Die schönsten «erren-Trllhjahrs-paletots und Anzüge ,o.°!'e ,7°"� Monais-Garderobe vonKavalieren geirageneSachen, fast neu, für jede Figur pastend, speziell Bauchanzüge find in grober Auswahl stets zu staunend billigen Preisen zu haben. Nathan Wand IL» SkaliHrr Str. ISS. Hochbahnstation KottbuserTor Bitte ausHauSnummer zu achten. 1 I WN»................ Einheitspreis iür Damen und Herren M. 1160 Luxus- Ausführung M. 16,50 Fordern Sie Musjgrbnoh. V $-• SÄr Zen tratet WS, Friedrlch-Strssse 182 C. 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Kassierer Haueisen sprach das Schlußwort. Die Debatte hatte sich zu einem leidenschaftlichen Redekampf gestaltet, bei dem bis zum Schluß mit Einsetzung aller rednerischen Gaben für und wider die Einführung der Jnvalidenunter- stützung gekämpft wurde. Ueber Jugendorganisation und Beitragserhöhung hatten sich die Meinungen ziemlich einheitlich gestaltet. Man hielt beides für eine Not- wendigkeit, wenn auch über die Höhe der Beitragssteigerung die Ansichten auseinandergingen. Mit großer Spannung wurde das Resultat der Abstimmung erwartet, die bei der Jnvalidenunter- stützung eine namentliche war. Die obligatorische Einführung dieser vom Vorstand warm empfohlenen Unterstützungsart wurde mit 37 gegen 37 Stimmen abgelehnt. Diese Ablehnung soll jedoch keine unbedingte sein. ES wird vielmehr die endgültige Entscheidung der Gesamtmitgliedschaft der vierten Beitragsklasse anheimgegeben, indem gegen 9 Stimmen folgender von Berliner Delegierten gestellter Antrag auf Urabstimmung angenommen wurde. .Zwecks obligatorischer Einführung der Jnvalidenunter- stützung für die 4. Beitragsklasse beauftragt der Verbandstag den Verbandsvorstand, eine Urabstimmung unter den Mitgliedern der 4. Beitragsklasse auszuschreiben. Beschließt die Mehrheit der betreffenden Mitglieder die Einführung, so tritt die unveränderte Vorlage deS Vorstandes mit dem 1. Oktober 1919 in Kraft. Als Beitrag zur Invaliden- Unterstützung werden 1b Pf. pro Woche erhoben." Hierzu gab Verbandsvorsitzender K l o t h die Deklaration, daß, wenn auch in der Urabstimmung die Jnvalidenunterstützung ab- gelehnt würde, die jetzt bestehende fakultative Jnvalidenunter- stützung weiter bestehen soll, unter Haftung durch das Verbands- vermögen— eine Feststellung, der von der Generalversammlung picht widersprochen wurde. Zur Frage der Jugendorganisation wurde die Re- solution des Referenten Härder, die wir im gestrigen Bericht skizziert haben, gegen eine Stimme angenommen. Die Festsetzung von P f l i ch t b e i t r ä g e n für die Empfänger von Kranken- oder Arbeitslosenunterstützung wurde mit 40 gegen 27 Stimmen abgelehnt. Zur Erhöhung der Beiträge wurde durch Abstimmung fest- gestellt, daß mit Ausnahme eines Delegierten alle anderen grundsätzlich für eine Erhöhung sind. Nachdem so in prinzipieller Hinsicht die Richtlinien gezogen waren, wurden alle zu diesem Tagesordnungspunkt noch vorliegenden Anträge einer jElferkommission überwiesen. Ueber den Punkt: „Die Taktik bei Lohnbewegungen" wurde in nichtöffentlicher Sitzung verhandelt. Verbands- Vorsitzender K l o t h hielt das einleitende Referat dazu. Wir fiebert seine Ausführungen nur insoweit wieder, als er sie zu Re« olutionen verdichtet hatte, die er dem Verbandstage zur Annahme unterbreitete: „Der Berbandstvg steht grundsätzlich auf dem Standpunkte, daß Tarifgemeinschaften für das gesamte Buchbinder- gewerbe in allen seinen Verzweigungen nützlich und besonders auch zur Bekämpfung der Schmutzkonkurrenz notwendig sind und der Gang der EntWickelung dahin drängt, daß die örtlichen oder für bestimmte Wirtschaftsgebiete bestimnrten Tarife zu einem R e i ch S t a r i f ausgestaltet werden müssen. Diese Reichstarife würden zunächst für die verschiedenen Branchen unseres Gewerbes mit den zuständigen Arbeitgeber- organisationen abzuschließen und unter deren Mitwirkung ein- zuführen sein, und beauftragt der Verbandstag den Vorstand, zu geeigneter Zeit in vorgedachtem Sinne zu wirken." „Gleich dem 19. Verbandstag erkennt der 11. Verbandstag an, daß eine auf alle Fälle anzuwendende Taktik bei Lohnbewegungen nicht festgesetzt werden kann, da die außer- ordentlich verschieden gelagerten Verhältnisse in unserem Be- rufe dies nicht zulassen. In Erwägung aber, daß eine siegreiche Durchführung von Lohnbewegungen nur dann zu erwarten ist, wenn eine recht- zeitige und sachgemäße Vorbereitung derselben stattfindet, hält der Verbandstag es für notwendig, daß den„Bestimmungen bei Streiks" und den dazu gegebenen Anweisungen des Ver- bandsvorstandes im„Handbuch für die Bevollmächtigten" strikte nachgekommen wird. In fernerer Erwägung, daß die Streiks und Aussperrungen infolge der wachsenden Stärke der Unternehmerorganisationen und des in denselben herrschenden Geistes immer langwieriger und kostspieliger werden, erklärt es der Verbandstag für die bringende Pflicht aller Verbandsmitglieder, für recht- zeitige Gewinnung der in Betracht kommenden unorganisierten Berufsangehörigen zu Mit- gliedern des Verbandes zu sorgen, damit auch diese pflichtgemäß zu der notwendigen Stärkung der Verbandskasse und der Lokalkassen beitragen können." Die lebhafte Diskussion, die sich den ganzen Nachmittag hinzog, brachte allgemein zum Ausdruck, daß es unbedingt notwendig sei, die Kasse zur Führung der Kämpfe zu stärken. Die Abstimmung über die beiden Resolutionen und die Anträge wird auf Donners- tag ausgesetzt. Jugenäbewegimg. Zur Konferenz der Jugendausschüsse wird uns geschrieben: Zu dem Referat über:„Sport und Spiel' auf der neuer- lichen Konferenz der Jugendausschüsse wurde eine Resolution an- genommen, die nach der Darlegung der Notwendigkeit des Sports, der Spiele und der Wanderungen zu dem Schluß kommt: Zu diesem Zwecke sind Spiel- und Turnplätze nebst den er- forderlichen Geratschaften bereitzustellen; ferner müssen zu jeder Jahreszeit Wanderungen und Spiele im Freien unternommen werden. Dieser Wsatz wird nicht die Zustimmung der gesamten Arbeiter« schast finden. Und zwar liegt der Kernpunkt im ersten Satze. Selbst- verständlich find zur körperlichen Ausbildung Spiel- und Turnplätze sowie die nötigen Geräte notwendig. Unwillkürlich wird sich aber jeder, der die Sache nicht vom einseitigen Standpunkt aus betrachtet, die Frage vorlegen: Wozu ist die Arbeiter-Turn- bewegung da? Denn daß die körperliche Ausbildung der Arbeiterjugend in erster Linie Sache der Arbeiterturnvereine ist, wird jeder zugeben. Außerdem können Turnvereine diese Aufgabe viel besser erfüllen als Jugendorganisationen, da sie die geeigneten Kräfte dazu haben, während die Jugendorganisationen solche gar nicht oder zum mindesten in sehr beschränktem Matze aufzuweisen haben. Die strikte Befolgung der Resolution würde zweifellos ein großer Schaden für die Arbeiterturnvereine sein. Die Arbeiter- turnvereine haben aber dasselbe Recht an der Arbeiterjugend, wie die Jugendorganisationen. Außerdem haben sich die Arbeiterturnbereine ein großes Verdienst um die Arbeiterjugend erworben, denn sie waren die ersten, welche die jugendliche Arbeiterschaft den patriotischen Vereinen entzogen. Bei stritter Befolgung der Resolution würden Reibungen zwischen den Turn- und Jugendvereinen entstehen, welche wahrhaftig nicht nutz- bringend für die Arbeiterbewegung sein würden. In beschränktem Maße haben sich solche schon bemerkbar gemacht. In allen Orten, wo eine klassenbewußte Arbeiterschaft vorhanden ist, bestehen Arbeiter- turnvereine und werden freie Jugendorganisationen entstehen, soweit sie noch nicht vorhanden sind. Viele Jugendliche sind nun Mitglieder in beiden Vereinigungen. Da nun die Turnvereine, wo irgend möglich, an den Sonntagen auf Spielplätzen Veranstaltungen arran- gieren, kann nicht noch eine andere Vereinigung derselben Gesell« schaftsklasse dasselbe veranstalten. Spiel- und Turngeräte kosten Geld. Aus deshalb wäre es nicht angebracht, solche für die Jugend- bewegung anzuschaffen, wo die Arbeiterturnvereine sie schon besitzen. Denn die Geldmittel für beide Vereinigungen werden von der Arbeiterschaft aufgebracht. Daher ist eS Pflicht der leitenden Personen beider Vereinigungen, in den einzelnen Orten sich über die Frage zu verständigen. ES wird kein Arbeiterturnverein ablehnen, daß sich die Jugendorganisationen an ihren Spielen auf den Spielplätzen beteiligen. Selbstverständlich unter Leitung der Turnvereine. In diesem Sinne wird bereits an einigen Orten verfahren. Sollten die Jugendausschüsse Anweisung erhalten haben, in in dieser Weise zu wirken, so wäre diese Frage erledigt. Jedenfalls wäre dann aber notwendig, daß die Arbeiterschaft davon unterrichtet würde, damit keine irrigen Meinungen austauchen. In der Re- solution steht nichts davon. Darum wäre es zu wünschen, daß sich die„Zentralstelle für die arbeitende Jugend Deutschlands" dazu äußerte. R. W. «SafferstandS-Nachrichten der LandeSanstalt für Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berliner Welterbureau. Wasserstand M e m e l. TUstl P r e g e l, Jnfterburg Weichsel, Th orn Oder, Ratibor , Krassen , Frankfurt Warthe, Schrimm , Landsberg Netze, Bordamm S l b e, Lettmerttz , Dresden , Barbh , Magdeburg >)+ bedeutet Wuchs, Der 537 cm, 38 cm Neckar ist sehr stark angeschwollen. Fall. 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