Kr. 143. HbonnementS'Bedlnsnngen: NkonncmcniS> PreiZ pränimerando i LierleljShrl. 8£0 TOI., monall. l.IO TOI., wüchcnllich 2a Pfg. frei ins HauS. Einzelne Nunimcr B Pfg. Sonntag«. Nummer mit illustrierter Sonnlagä. Beilage»Tie Neue Weit' 10 Pig. Post- Abonnemeiit! 1,10 Marl pro Monat, Eingetragen in die Posi-ZeitungS« PreiSIislc. Unter Kreuzband ,ür Deutschland und Oeslerreich< Ungarn 2 Marl, für da« übrige Ausland S Marl pro Monat. Boftabonnenients nehmen ant Belgien. Tänemarll dolland. Italien, Luxemburg, Portugal, nänien, Schweden und die Schweiz, 27. Jahrg. enchiliii täglltJ) außer tnontags. Derlinev Volksblakk. Dl« Tnlertlons-Gebüfif BehBgt für die lechsgsspaltcne Kolonel- zeile oder deren Raum BO Pfg., für politische und gewerlschaflliche BereinZ- und Berlammlungs-Anzeigen M Pfg. �Kleln« Mnzetgen", das erste ssett- gedruckte) Wort 20 Pfg., jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlaf« stcllen-ilnzelgcn das erste Wort 10 Psg., jcdcS weitere Wort S Pfg. Worte über 15 Buchstaben zühlen für zwei Sorte, Inserate für die nächste Nummer müssen bis 3 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abend« geöffnet, Telegramm. Wresset „Soalallltwolirat Berlin" Zentralorgan der rozlaldernohratifcben Partei Deutfchlanda. Rcdahtiont 8M. öS, Linden Strasse 69. Ferusprechert Amt IT, Nr. 1983. Dienstag, den Äl. Juni ItUO. Expedition: SM. 68, Lindenstrasse 69» Fernsprecher: Amt IT, Nr. 1981« oeitemichilche Budgetdebatte. Aus Wien wird uns geschrieben: Das österreichische Abgeordnetenhaus wächst sich in seder Hinsicht zu einer Merkwürdigkeit heraus. Unter den vielen Absonderlichkeiten, mit denen es die parlamentarischen Er- fahrungen bereichert hat, wird auch die Art verzeichnet werden müssen, in der es die E t a t s b e r a t u n g führt. Vor allem ist der Zeitpunkt merkwürdig: wenn andere Parlamente längst in die Ferien gegangen sind, fängt im österreichigen Ab- geordnetenha"se die Verhandlung des Staatsvoranschlages an. Das geschieht zum Erempel jetzt, obwohl von dem Etats- fahr— der Voranschlag fällt in Oesterreich mit dem Kalender- fahr zusammen— bereits die Hälfte verstrichen ist. Einge- bracht wurde der Etat am 26. Oktober 1919, und es ist eine K.aftleistung und wird als ein Zeichen von Pflichtgefühl ge- wertet, daß die zweite Lesimg im Plenum am 19. Juni 1919, also nach 71/2 Monaten begonnen hat und vor Ablauf des ersten Halbjahres, für das durch ein Budgctprovisorium vorgesorgt ist, fertig sein wird! Und wie wunderlich diese Verhandlung vor sich geht! Am besten wird man Einblick ge- Winnen, wenn wir den„Stundenplan" für die Beratung, den der Präsident ausgearbeitet und die Obmännerkonferenz (Seniorenkonvent) genehmigt hat, genau wiedergeben. Da nach wird nach der Generaldebatte der gesainte StaatsvoraNl schlag— der Ausgaben im Betrage von 2691 Millionen Kronen enthält— in vier„Gruppen" geteilt und jede Gruppe zu einer Verhandlung gestellt. Eine dieser Grnp- Pen ist: Ministerium des Innern, Ministerium des Unter- richts, Ministerium der Justiz, Ministerium der Landcsver- teidigung— über diese vier Ressorts wird zusammen eine Spezialdebatte geführt! Die„Verhandlungszeit" des gesam ten Etats wird mit 13 Tagen oder 99 Stunden präliminiert, und zwar neun Tage mit je neun, zwei Sonnabende mit je vier und zwei Montage mit je fünf Stunden. Die Abstim- mungen über jede Gruppe werden auf die dem für ihre Ver- Handlung vorhergesehenen Tage folgende Sitzung verlegt, und zwar pünktlich 19 Uhr vormittags: was wegen der„Präsenz" der einigermaßen schüttcrten Regierungsmajorität wichtig ist. Das schwierigste ist aber die Verteilung der Redezeit auf die P a r t e i c n. Im österreichischen Abgeordnetenhause gibt es nämlich 16 offizielle Parteien, zu denen als 17. die „Wilden" kommen, die als Partei gleichfalls anerkannt wer- den. Aber das ist nur die offizielle Zählung der Verbände; die Parteizersplitterung ist damit noch lange nicht erschöpft, So besteht der Sozialdemokratische Verband aus fünf Klubs, die in nationalen Fragen autonom sind; der Deutsche National verband(die sogenannten Deutsch-Freiheitlichen) besteht aus vier Parteien; der nach außen so solidarisch aussehende Polen klub zerfällt innerlich in vier Gruppen und 10 fort. Wie soll nun die Zeit auf so viele Parteien verteilt werden? Der ge- fchäftsordnungsmäßige Vorgang ist im österreichischen Abge- ordnetenbause die Meldung zum Wort. Aber damit kommt man nicht weiter, denn zum Wort hatten sich beispielsweise für die Generaldebatte kontra 151, pro 126, ins- gesamt also 277 Abgeordnete gemeldet! Natürlich wollen sie nicht alle sprechen— aber doch jedenfalls viele, denn die Redewut ist im österreichischen Abgeordnetcnhause noch ärger als sonstwo in der Welt—, sondern die Vormerkungen haben vornehmlich den Zweck, den Parieien die Plätze in der Redner- liste zu sichern. Angesichts der großen Zahl der sich vor- merkenden Redner wird nämlich die Reihenfolge ausgelost, und auch bei dieser Lotterie gilt das Gesetz, daß die Zahl der Einsätze über die Chance entscheidet. Um nun in den Zufall ein gewisses System zu bringen, ist die K 0 n t i n g e n t i e- rung der Verhandlungszeit erfunden worden. nämlich die Aufteilung der gesamten für die Verhandlung des Etats in Aussicht gnommenen Zeit auf die Parteien, die dann mit ihr machen können was sie wollen, sie durch wenige oder viele Redner konsumieren lassen. Die diesmalige Aufteilung der Zeit gibt folgendes getreues Schema wieder. Von den 99 Stunden werden bewilligt: 90 Sttindeit— Mm. ES verbleiben also für den Einlauf, für die Bericht- erstatter, für die Minoritätsberichterstatter und für die Ab- stimmungen noch 9 Stunden. Der Schlüssel ist nämlich zehn Minuten für den Abgeordneten, und so viele Mitglieder eine Partei zählt, so oftmal werden ihr zehn Minuten bewilligt. Sinnreich, nicht? Natürlich kann dabei von einer Debatte keine Rede mehr sein. Es steht einfach jeder Redner auf und redet, wovon er will; was zur„Verhandlung" steht, hat mit seiner Rede nichts zu schassen. Nun scheint das natürlich die bekannte österreichische Schlamperei zur Potenz erhoben, aber in Wahrheit ist diese Budgetdebatte mit all ihren Unsinnigkeiten und Lastern nur die Widerspiegelung der entsetzlichen Schwierigkeiten, mit denen das Nationalitätenparlament unvermeiö- lich, gleichsam von Geburt behaftet ist. Ein Haus mit acht Nationen, deren kulturelle und wirtschaftliche Entwickelung so verschieden ist, mit zwei Dutzend Parteien und Hunderten Deinagogien, ein solches Haus ist nur scheinbar ein Parka- meni In Wirklichkeit ist es ein zusammenhangloses Neben- einander der nationalen Tendenzen, die sich auf einem Punkte schroff widersprechen, auf anderen Punkten gar nicht be- rühren: seine parlamentarische Fähigkeit reicht zum Abstim- men, aber nicht zum Handeln aus. Wozu noch koinmt, daß sich die bürgerliche Welt in dem neuen Hanse auf dem denkbar tiefsten Niveau bewegt, die überwiegende Mehrheit der natio- nalen Abgeordneten der gemeinen Streberei verfallen ist und überhaupt nichts im Kopfe hat als die Erhaltüng des Mandats, zu welchem Berufe ihr die plumpste Demagogie als das willkommene Mittel erscheint. Man braucht die „gute, alte Zeit" des Parlainentarismus nicht zu überschätzen, um die Armseligkeit der bürgerlichen Epigonen betrüblich zu finden: was in Oesterreich aus der bürgerlichen Welt heute auf der politischen Bühne agiert, steht tief unter dem Niveau, das einstmals für die politische Führung gefordert wurde. Wohl ist zu erwarten, daß das allgemeine Wahlrecht seine auslesende Kraft auch in Oesterreich bewähren werde, aber vorläufig ist es, was die Qualität des Abgeordnetenhauses betrifft, in den bürgerlichen Wählerschaften so ziemlich alles schuldig geblieben. Wären nicht unsere Leute da, die in jeder Hinsicht das geistige Besitztum des Parlaments darstellen, ihm das Talent und die Erfahrung beistellen, wäre es um die geistige Aus- rllstung des demokratischen Hauses wahrlich übel bestellt. Am allerwenigsten wird in der Budgetdebatte natürlich vom Budget gesprochen, obwohl sich die Finanzen Oesterreichs in einem wahrhaft jämmerlichen Zustande befinden. Das Budget schließt nämlich, zum erstenmal seit vielleicht fünfund- zwanzig Jahren, mit einem effektiven Defizit ab, das das Finanzgesetz mit 53 Millionen festgestellt hat. Da aber für das laufende Budgetjahr noch weitere Ausgoben beschlossen sind, so wird der heurige Abgang sich mindestens auf 79 Mil- lionen Kronen belaufen. Da die von der Regierung� ge- heischten Steuererhöhungen nicht bewilligt sind und für dieses Jahr voraussichtlich nicht bewilligt werden, so wird das Defizit einfach durch eine Anleihe gedeckt, wenngleich nach dem Rate, der in Preußen gegeben wurde, die Anleihe nicht für das Defizit, sondern zur Stärkung der Kassenbestände bewilligt ward, der Fehlbetrag nichi aus der Anleihe, sondern aus den Kassenbeständen entnommen wird. Da aber der Finanzminister mitgeteilt hat, daß der Moloch noch mit ganz anderen Wünschen schwanger geht— 499 Millionen Extrakosten für DreadnougthS und 199 Millionen normaler jähr- licher Mehrausgaben für allerlei„Ausgestaltungen"—. so wird den Finanzen auch die ausgiebigste Steuerreform nicht aushelfen können, und das Schuldenmachcn, das ja immer die österreichische Lieblingsbeschäftigung war, wird wieder die gewohnte Defizitdeckung werden. Auch die Wähler in Oesterreich werden bei den nächsten Neuwahlen zu rechnen und zu rächen haben.___ Der Aahliieg an der Oftfee. Stolz flattert am Ostscestraiid das siegreiche Banner der Sozial- demolratie. Junkertrutz rang sie nieder und über liberales MoluSken- tum schritt die Sozialdemokratie hinweg. Der Wahlkreis wurde von ihr erobert durch die siegende Gewalt ihrer Ideen. Zum erstenmal konnte in dem ausgedehnten Gebiet eine großzügige Propaganda entfaltet werden. Fanden doch in zahlreichen Ortschaften und Städtchen des Wahlkreises diesmal die ersten sozialdemokratischen Versammlungen statt und überall, wo zum erstenmal ein Apostel des Sozialismus zu seinen Volksgenossen sprechen konnte, ist der Erfolg auch nicht ausgeblieben. Die Leute, die den Sozialismus bisher nur durch die Zerrbilder, die die Gegner von ihm entwarfen, kennen gelernt hatten, erkannten in den Forderungen der Sozialdemokraten den klaren Ausdruck dessen, was ihnen nottut. erkannten, daß diese vielverleumdeten Sozialdemo» traten die einzigen sind, die ihre Interessen wirklich vertreten. Auch die Arbeiter» und Fischerfrouen fanden sich zahlreich in diesen Versammlungen ein, hörten begierig auf die Worte der sozia- listischen Redner, und manche von ihnen hat am Wahltag, wenn sie auch nicht wählen konnte, tüchtig mitgearbeitet, um säumige Wähler zur Urne zu treiben. Die Landarbeiter und Fischer haben brav ge- kämpft und scheuten vor Opfern nicht zurück. Wenn die Strand- bummler von Heringsdorf, Swinemünde und MiSdroy am Freitag nur sehr wenig geblähte Segel am Horizont erblicken konnten, dann war dies nicht auf den hohen Wellengang der Ostsee zurückzuführen, sondern war ein Zeugnis für das Interesse, mit dem die Fischer am Stichwahlkampf teilnahmen. Sie hatten entweder auf einen Fang gänzlich verzichtet oder ihre Boote früher am Strand auflaufen lassen, um ihr Wahlrecht auszuüben, damit das Junkerregiment zu Boden gerungen werde. Von den 1400 Wählern, die sich an der Stichwahl mehr als an der Hauptwahl beteiligten, entfallen, sehr niedrig geschätzt, mindestens 1000 auf die Reserven der roten Armee und nur der verbleibende Rest auf die Mannen der Konservativen.- Dies Interesse und dieser Opfermut zeigte sich bei Leuten, die bisher nicht beeinflußt wurden durch die Lektüre der sozialdemokratischen Presse. Denn der„Stettiner Volksbote" wurde bislang nur in etwa 400 Exemplaren im Wahlkreis gelesen. Die Leute waren auch nicht durch die Schule der sozialdemokratischen Organisation gegangen und de-' üb ist ihr mannhaftes Verhalten um so höher zu bewerten. Da- EraebniS der Hauptwahl hatte ge- zeigt, daß es möglich sei, in diesem Wahlkreis die rote Fahne zu hisien und diese Aussicht auf den endgültigen Erfolg belebte auch bei den unorganisierten Fischern und Landarbeitern die proletarische Energie. Wurden doch bei der Stichwahl in einzelnen Wahlorien, in denen noch bei der Hanptwahl nur konservative Stimmzettel in der Urne gefunden wurden, Stimmzettel für Alex Kuntze ab« gegeben. Unsere Reserven entschieden oen Kampf, denn die Ritter von der traurigen Gestalt des Freisinns gingen btS auf ein Viertel zur Fahne der Junker über. Um des heiligen Eigentums willen machten die Liberalen ihren Kota» vor dem Junkertum, während, abgesehen von einigen ehrlichen Demokraten, sonst nur die proletarischen Wähler, die noch im Heerbann deS Liberalismus trotten, von ihrem Klassenempfinden zur Sozialdemokratie geführt wurden. Hätten nicht die Reserven in so entscheidender Zahl eingegriffen, dann würden die„konsequenten" Fortschrittler wieder einen Wahlkreis der schwärzesten Reaktion ausgeliefert haben 1 Der Aufmarsch der Reserven trübt allerdings das Bild, sodaß man daS traurige Verhalten der Fortschrittler nicht gleich erkennen kann. Nur wer selbst im Wohlkreise tätig war, weiß, was sich hinter dem StichwahlergebniS an politischer Charakter- losigkeit deS Liberalismus verbirgt. Hält man daran fest, daß von den 1391 gültigen Stimmen, die bei der Stichwahl mehr als wie bei der Hauptwahl abgegeben wurden, 1000 auf unsere Reserven entfallen, so haben wir von den 4319 Stimmen flir Herrendörfer etwa 1000, die Konservativen aber 3000 erhalten. Der Liberalismus hat also auch in Ueckermünde-Usedom-Wollin fast vollständig versagt. Unsere pommerschen Genossen werden jetzt eifrig bestrebt sein, in Ueckermünde-Usedom-Wollin unsere Presse zu verbreiten und die Parteiorganisation weiter auszubauen, damit die rote Fahne, die nun so lustig am Ostscestrand flattert, nicht nur im lockern Dünen« fand wurzelt. «* Unserem pommerschen Parteiblatt, dem„Volksboten" zu Stettin entnehmen wir noch die folgenden Feststellungen: Hiervon2 des Strafgesetzbuchs(Ausforderung zu strafbaren Handlungen) und Uebertretung des§ 19 hes Reichsvereinsgesetzes in Frage käme. Inzwischen hat die'Staatsanwattschaft selbst eingesehen, daß sie nur einen Neinfall erleben würde, wenn sie Anklage erhöbe. Sie hat jetzt den„Uebeltätern" die Mitteilung zugehen lassen, Hätz sie das Verfahren eingestellt habe. Sie hätte es lieber gar nicht erst er- öffnen sollen, dann hätte sie sich eine Blamage erspart. Wie wir übrigens hören, soll das eingeleitete Verfahren nur in einem Falle seinen Fortgang nehmen und zwar gegen den Genossen Eugen Ernst. Wir zweifeln nicht, datz das End- ergebnis auch in diesem Falle die Staatsanwaltschaft in keiner Weise befriedigen wird, so datz die ganze Aktion als eine ver- unglückte bezeichnet werden mutz. „Freiwillige" Verlängerung der Militärdienstpflicht. Das Hauptmeldeamt in Crossen a. O. ist auf einen ingeniösen Einfall zur Bekämpfung der„heeresfeindlichen Be- strebungen" gekommen. Es bildet ein„freiwilliges" Kader von Chargierten. Jeder„Freiwillige" hat sich zu ver- pflichten, über die vorgeschriebene Zeit hinaus in der Reserve oder Landwehr zu bleiben. Er soll einem Verein beitreten, den das Bezirkskommando leitet. In dieser Absicht versendet der Major zur Disposition und Bezirksoffizier des Hauptmeldeanits Crossen folgende Einladung an Reserve- und Landwehr-Unteroffiziere: Kgl. Hauptmeldeamt Crossen a. O. An den Unteroffizier der Res.(Landw.)... Für die Unteroffiziere des BeurlaublenstandeS wird die Schaffung einer Organisation beabsichtigt zur Erhaltung des militärischen Geiste« und als Gegenwirkung gegen heereSseindliche Bestrebungen unter Beriicksichligiing folgender Punkte: Bei jedem Bezirkskommando wird ein« Abteilung für Chargierte de« Beurlaubtenstandes gebildet.— Der Eintritt in die Abteilung ist ein freiwilliger. Der Beitretende hat sich zu verpflichten, einen näher zu bestimmenden Zeitraum über d, e vorgeschriebene Zeit hinau» in der Reserve oder Landwehr zu bleiben. Die Abteilung untersteht dem Bezirkskonnnandeur und wird vom Adjutanten oder Offizier des Beurlaubtenstandes geleitet. Die Angehörigen der Abteilung haben sich den Befehlen ihrer Vorgesetzten zu unterwerfen und unterstehen in allen dienstlichen Angelegenheiten den Militärgesetzen.— Einmal im Monat haben sich die Mitglieder der Abteilung auf entsprechenden Befehl abends im Bezirkskommando einzufinden, wo von Offizieren des Be- urlaubtenstandrS oder von Angehörigen der Abteilung Vorträge belehrenden oder patriotischen Inhalts gehalten werden oder Instruktion über militärische Fragen erteilt wird. Die Pflichten der Angehörigen der Abteilung werden er- weitert durch Heranziehung der Unteroffiziere zu praktischen Dienstverrichtungen z. B. bei Komrollversammlungen zur Unter- stlltzuiig des Feldwebels, zu JnstruktionSübungen im Gelände, zu Schiehübungen am Sonntagvormillag auf den Militärschießständen. Unkosten für Patronen find von den Unteroffizieren zu tragen; zu Geländeübungen unter Benutzung der Karte. Die Abteilung deS Bezirkskommandos Krassen O. würde event. auf Grund der örtlichen Berhältniffe in die 4 Unterabteilungen Krassen O., Sommerfeld, Züllichau, Schwiebu« geteilt werden. Sie haben dem Hauptmeldeamt sobald als möglich mitzuteilen, ob Sie event. bereit sind, der Abteilung beizutreten. v. Lucius, Major z. D. und Bezirrs-Offizier. Dieser niedliche Plan, die Armee„freiwillig" verstärken zu lassen, ist mit der Gesetzgebung unvereinbar, die die Stärke der Armee und das Ausscheiden aus Reserve und Landwehr gesetzlich vorschreibt und den Militärpersonen die Bildung von Vereinen untersagt. Der Kriegsminister wird wohl diese Aufforderung zum„freiwilligen" Ungehorsam gegen die Gesetze aufheben. Die nette Zumutung,„freiwillig" über die vor- geschriebene Zeit hinaus auf eigene Kosten beim Militär zu verbleiben, ist aber für die Anschauung in Militärkreisen eben- so charatteristisch wie die Furcht vor„heeresfeindlichen Bestrebungen" erheiternd._ Eine Entziehungskur. Die konservative Presse ist über den Ausgang der Wahl in Usedom- Wollin noch immer sehr wütend. Die „Kreuzzeitung" läßt die Ausrede, datz nach dem Organisationsstatut der Fortschrittspartei die Entscheidung für die Stichwahl dem Wahlkreis überlassen bleiben müsse, mit Recht nicht gelten. Sie sagt: «Derarl hat eine Paneileitung sich noch niemals die Hände binden lassen, datz es als ein Berstoß gegen da« Statut zu er- achten wäre, wenn von der ZeMralstelle der Partei aus auf die lokale Entscheidung eingewirkt wird. DieS ist beispielsweise früher auch seitens der Freisinnigen Volkspartei recht oft ge- scheken." Und deshalb fordert die„Kreuzzeitung" in voller Ueber- einsttmmung mit der„Deutschen Tageszeitung" die Entziehung der Wahl Hilfe: „Schon heute ist die Stimmung der konservativen Wähler- schaft derart, daß eS sehr schwer sein wird, sie zum Eintreten für einen Forlschrittler selbst gegen einen Sozialdemokraten zu be- wegen. Di« konservative ReichStagsfrattion steht denn auch, wie wir genau wissen, auf dem Standpunkt, daß dem Fortschritt unbedingte Wahlhilse nicht mehr gewährt werden dürfe. Daß konservative Männer für Sozialdemokraten stimmen, muß freilich nach wie vor auS- geschlossen sein. Aber ebenso wenig werden fie es mit ihrem nationalen und staatSerhaltenden Bewußtsein vereinbaren können, Fortschrittsmännern Mandate zu verschaffen; denn die Be- günstiger und Förderer der Sozialdemokratie sind für die Nation und fut den Bestand des monarchischen Staates gefährlicher, als die in in ihren Zielen bekannte Umsturzpartei selbst es ist." Hinter all den Drohungen steckt natürlich die A n g st um die Aufrechterhaltung des Junkerregiments. Die„Kreuzztg.'' weiß sehr genau, datz es bei den nächsten Wahlen für ihre Leute keine Rettung mehr gibt, wenn nicht die L i b e- ralen aus Haß gegen die Sozialdemokratie ihnen wieder einmal die Kastanien aus dem Feuer holen. Daher das wütende Geschrei, daS die Liberalen einschüchtern soll. Ob daS oft dewährte Mittel auch diesmal ziehen wird? Die Fortschrittspartei in Friedberg Büdingen. In den nationallibcralen Stimmen, die bei der Haupk« Wahl ip Friedberg-Büdingen abgegeben wurden, stecken etwa 1500 fortschrittliche Stimmen— wenigstens erzielte der Kandidat der freisinnigen Vereinigung im Jahre 1907 diese Stimmenzahl. Diesmal ist der Fortschritt im ersten Wahlgang gleich für den Nationalliberalen eingetreten. Ob die fortschrittlichen Wähler auch bei der Stichwahl mit den Nationalliberalen zusammenbleiben, datz heißt ob sie der Parole der nationalttberalen Parteileitung für den Bündler folgen werden, das � könnte für den Ausgang der Stichwahl ins Gewicht fallen. Bis jetzt hat die freisinnige Parteileitung des Wahlkreises sich in Stillschweigen gehüllt— das von der Zentralleitung zu Berlin keine Parole zu erwarten ist, wissen wir nach ihrer tapferen Vogelstrautzpolitik bei der Usedomer Wahl. Indes fordert die freisinnige Presse des Wahlkreises energisch zur Parteinahme gegen den Bündler auf. Die „Neue Friedberger Zeitung", die der hessische Landtags- abgeordnete Damm redigiert, fordert, datz die Parole für die Fortschrittliche Volkspartei lauten müsse: Keine Stimme für v. H e l m o l t!— Und die„Hessische Liberale Wochenschrift", das Organ der freisinnigen und liberalen Vereine im Grotzherzogtum Hessen, schreibt: „Zwar würde man bei der Sömmuug der freisiiniigen Wähler schon durch eine bloße Sliminenfreigabe die Beseitigung der reaktionären Gefahr erreichen. Es wird aber nö�i�vsein, eine entschiedenere Stellungnahme gegen Rechts einzunehmen. Den freiheitlich, gesinnten Wählern muß gezeigt werden, daß die frei- finnige Parteiführung, ungeachtet ihrer versöhnlichen Stellung- nähme zu den Fnedberg-Büdinger Nationallideralen, durchaus er- füllt war und ist von dein Wunsch, die Reaktion nach Kräften niederringen zu helfen. Wir hoffen, daß die Freisinnigen am Siickwuh'ltage bis zum letzten Mann ihre Pflicht tun werden im Dienste der Befreiung unseres Vaterlandes von der schwarzblauen Gefahr." Wir sind gespannt, ob die freisinnige Parteileitung in Friedberg-Büdingen mehr politisches Urteil und Entschlußkraft bekunden wird, als die von Usedom-Wollin. Ihre Verant- Wartung ist in Hessen nicht geringer als sie in Pommern war. Berufung ins Herrenhaus. Bei der Einweihung des neuen Knappschaftsgebändes in Bochum teilte, wie die„Köln. Ztg." meldet, Handelsininister S y d o w mit, daß der König den Vorfitzenden des Vorstandes de« Allgemeinen KnappschaftsvereinS zu Bochum. Geh. Bergrat Dr. Weidtmann, auf Lebenszeit in daS Herren» haus berufen habe. Herr Dr. Weidtmann ist ein rücksichtsloser Vertreter der Unternehmerinteressen und hat daS oft auch bei der Verwaltung der KnappschaftLangelegenheiten bewiesen. Aus der Polenfraktion. Verschiedene polnische Blätter wisien von einer bevorstehenden Spaltung der polnischen Laichtagsfraktion zu berichten. In der Polen- fraktion besteht schon lange ein Gegensatz zwischen dem agrarisch- konservativen und dem nationaldemokratischen Flügel, der sich in letzter Zeit stark verschärft hatte. Den Rest gab die Erlläruug des Abg. v. Jazdzewski anläßlich der Beratungen über die Zivil- liste. Die Fraktion hatte sich mit einer Stimme Mehrheit für die Erhöhung ausgesprochen, doch ausdrücklich beschlossen, im Plenum keinerlei Erklärung im Namen der Polen abzugeben. Demwch hat Abg. v. Jazdzewski, der Porsitzende der Fraktion, dies getan. Zu der Fraktionssitzung, in der dieser Fall erörtert werden sollte, ist v. Jazdzewski nicht erschienen. Die Entscheidung wurde dadurch ver- zögert. Die Opposition fordert, daß er unbedingt den Vorsitz niederlege und droht, sonst auS der Polenfraktion auszutreten._ Die Schiffahrtsabgaben. Am Freitag ist von den Ausschllssen deS Bundesrats für Handel und Verkehr, Justizwesen und die Verfassung die neue preußische Vorlage betreffend die Erhebung von SchiffahrtS- abgaben auf regulierten Wasserstraßen mit einigen geringen redaktionellen Aenderungen einstimmig angenommen. Da in diesen Ausschüssen sämtliche Bundesstaaten vertreten sind, so ist hiermit die einstimmige Annahme der Borlage auch im Plenum des Bundesrates gewährleistet. Diese Berabschiedung im Plenum wird in der letzten Sitzung de« Bundesrates vor den Ferien statt- finden._ Zur Nachwahl in Frankfurt a. O. Die Konservativen wollen dem Bemehmen nach den L a nsd'- rat Dr. Kleiner als Kandidaten aufstellen. Die VerHand- lungen zwischen den Nationalliberalen und Freisinnigen, die auch in diesem Kreise wieder zusammengeben wollen, über eine geeignete Kandidatur sind noch nicht abgeschlossen. Nochmals eine Bierdebatte in der bayerischen Kammer. München, 17. Juni. Nochmals wurde die Angelegenheit der Biersteuererhöhung und deS BierkriegeS ge- legentlich der Zolletatberatung Gegenstand der Kammerverhand- lungen. Der Ausgangspunkt war eine Denunziation deS Ab- geordneten Speck gegen einen Steuerbeamten, der zu einem Brauereibesitzer geäußert haben soll:„Die Brauindustrie soll sich beim Zentrum für diese Sache bedanken." Abgeordneter Speck verlangte von der StaatSregierung die Disziplinierung dieses Beamten und der Minister sagte die Untersuchung zu. Diesen Anlaß benützte unser Genosse Abg. Schmitt zu einer gründlichen Abrechnung mit dem Zentrum. An einer Reihe von Artikeln der verschiedensten Zentrumszeitungen wies er nach, daß ZcntrumSblätter und Zentrumsangehörige das Volk gegen die Brauer„aufhetzte". Beamte, die der Zentrumspartei angehören. sogar Kapläne. Pfarrer und Bürgermeister haben sich an dieser „Hetze" gegen die Bierpreiserhöhung beteiligt. So ist eS also eine Lüge, sagte Genosse Schmitt, datz die Sozialdemokratie das Voll allein aufwiegelte. Das Zentrum war auch dabei. Genosse Schmitt sprach dann auch in schärfster Weise gegen den Eingriff der Regierung in da? private Leben der Beamten, denen man in ungehöriger Weise ihre Rechte als Staatsbürger beschnitten hat. Er machte darauf aufmerksam, daß gerade das Zentrum eine Menge von Beamten in seinen Reihen zähle, die schon sehr häufig gegen die Regierung und Regierungspolitik los- gegangen wären, darunter der Abgeordnete Speck selber. Es war interessant, daß die Redner des Zentrums nach diesen scharfen Angriffen nicht etwa gegen die Sozialdemokraten sich wandten, sondern daß sie über die Liberalen herfielen und diese wegen ihrer Haltung zur ReichSfinanzreform verprüa�lten. ' Eine tüchtige Blamage der Frankfurter Polizei. . DaS freisprecheude Urteil, das am Sounabend jju Frankfurt a m Main vor. der Berufungsstrafkammer im Wahl» demon st rations prozetz gegen den Genossen Wendel erging, haben wir schon in der vorigen Nummer gemeldet. AuS Frankfurt wird unS dazu geschrieben: .. Die schriftliche Begründung des SchöffengerichtSurtril«, das auf sechs Wochen Hast lautete, leistet sich Unglaubliches in»Feststellung von Tatsachen. über die in der Verhandlung mit keinem Wort gesprochen worden war, die ahec zur Begründung des hohen Strafmaßes gebraucht wurden. Strafverschärfend erschien dem Gericht daS ganze'Vel halten des Angeklagten und die Agitation des Blattes(.Volksstimme'), an dem er angestellt ist. Ferner daß Wendel nach dem Hochruf weggelaufen sei— die Zivilzeugen sagten daS G e g e n t e i 1 auS---- und sich hinter die Front zurückgezogen habe, als feinem Sammelrnf Folge geleistet worden fei.»Hier- durch hat sich der Führer in typischer Form als Verführer der Masse gezeigt", heißt eS in der Bc- griindung. Von all den Feststellungen des Schöffengerichts blieb in der Verhandlung am Sonnabend wenig übrige Zwar beschworen die Schutzleute ihre früheren Aussagen wieder, sie waren aber diesmal mit ihren Angaben unsicherer. Schon den ersten Polizisten mußte der Vorsitzende ermahnen, sich seine Antworten zu überlege» und nicht in den Wind h i ir e i n z u r e d e n. Die Zivilzengen blieben bei ihrer Darstellung in der ersten Instanz, Es wurde von ihnen auch behauptet, dag die Schutzleute beim Hochruf noch so tveit vom Angetlagten entfernt gewesen sind, baß sie unmöglich seine Worte genau verstanden haben können. Und nun geschah etwas für die preußische Justiz sehr Auf- fallendes: Der Staatsanwalt verlangte nicht, daß den Aus- sagen der Schutzleute und Polizeikommissare unbedingt mehr Glanben beizumessen sei als den Aussagen der Zivilzeugen, sondern stellte es dem Gericht anheim, wie es in dieser Frage entscheiden wolle. Und das Gericht sprach Wendel auch frei. Es liege kein grober Unfug vor. Zum Begriffe des groben UntugS gehöre, daß ein erheblicher Teil des Publikums beunruhigt oder belästigt werde. Dies sei hier nicht der Fall ge- Wesen.— Die Gesichter der vielen höheren Polizeibeamten, die im Gerichtssaale waren, zeigten große Enttäuschung, als die von der Polizei so schön eingeleitete Aktion so zu einer großen Niederlage polizeilichen Uebereifers wu.de. Am Montag soll sich nun Genoffe Wendel wegen Beamten- beleidigung vor der Strafkammer verantworten. Den Schutzleuten ist nachträglich eingefallen, Wendel habe nach Ausbringen des Hochs auch.Pfui I" gerufen. Das brachte eine neue Klage, deren Ausgang aber nach dem obigen Urteil nicht mehr zweifelhaft sein dürfte oder wenigstens sollt«._ Korruption in der preußischen Eisenbahnverwaltung. Der Fabrikbesitzer HanS Engel in NieSly(Ober-Lausitz) war früher Leiter der von Unwerthschen Fabrik, die für die Eisenbahn- Verwaltungen große Lieferungen ausführte. Engel gründete dann ein Konkurrenzunternehmen und behauptete, die Firma von UnWerth habe seit Jahren Eisenhahnbeamte bestochen. Die Firma von Unwerth klagte gegen Engel, der sich aber in der Verhandlung vordem Landgericht in Görlitz erbot, den Beweis dafür an- zutreten, daß tatsächlich die Firma von UnWerth Beamte bestochen hat. lOOV M. seien von der Firma an Mitglieder der Eisenbahndirektion Berlin. 1200 M. an solche in Breslau gesandt worden. Die Zeugen, Fabrikbesitzer von Unwerth junior und Eisenbahnwerkmeister'S p i e w e y aus Breslau verweigern auf die Frage, ob diese Angaben den Tatsachen entsprechen, die Aussage. DaS Gericht hielt den Wahrheitsbeweis für erbracht und sprach den An- geklagten frei._ Das Ende dcS TalerS. Der.ReichSanzeiger" veröffentlicht eine Bekanntmachung, daß die bei den Reichs- und Landeskaffe» noch eingehenden Talerstücke deutschen Gepräges durch Zerschlagen oder Einschneiden für den Umlauf unbrauchbar zu machen und alsdann dem Einzahler zurückzugeben sind. fvatikrdck. Eine stürmische Sitzung. Paris, 20. Juni. Deputierten kämme r. Das Hans feß.te heute die Beratung der Interpellation fort. Als ein Mitglied der Rechten über den Unterricht sprach und die Lehrer tadelte, daß sie unpatriotisch seien, und den Professor T h a l a m a S heftig angriff, überschrie ihn die Linke und die äußerste Link? und klapperte mit den Pnltdeckeln. Hierauf wurde die Sitzung unter großem Lärm abgebrochen. Nach Wiederaufnahme der Sitzung richtete C o u p p i an vria nb die Aufforderung, mit der Mehrheit der Linken zu regieren, welche ihn loyal und treu unter allen Umständen mehr stützen würde. Italien. Ein sozialdemokratischer Sieg. Rom, 20. Juni.(Privatdepesche deS„Vorwärts".) Bei den Gemeindewahlen in Mailand zur teilweisen Er- Neuerung der Stadtverordnetenversammlung, die Sonntag stattfanden, eroberten die Sozialdemokraten 16 Sitze, während die Liberalen nur 6 erhielten. Die bisherige libe- rale Majorität erscheint dadurch so geschwächt, baß ihre D e- Mission zu erwarten ist. Spanien. Die Religionsfreiheit. Paris, 20. Juni. Eine Spezialkorrefpondenz des„Matin" bc- richtet über ein Interview mit C a n a l e j a s in Madrid über dessen religiöse Politik folgendes: Eanalejas erklärte: In Zukunft werden in Spanien, wie bereits in allen zivilisierten Ländern der Welt, neben katholischen auch protestantische 5birchen und Synagogen bestehen und errichtet werden. Und alle diese Gotteshäuser werden an ihren Toren die Zeichen ihres konfessionellen Charakters un- gehindert tragen dürfen Das ist ja gerade das. wogegen die Klerikalen heute(also im L0 Jahrhundert) noch so lebhaften Einspruch erheben Dieser Einspruch genügt, um die Lage zu kenn- zeichnen, in der Spanien wahrlich nicht zu seinem Vorteil sich noch befindet Was die religiösen Orden betrifft, so verlangen wir nur, daß sie den spanischen Gesetzen unterstellt werden, und daß sie die spanischen Gesetze anerkennen, wie alle Bürger. Wir ver- langen, daß die Ordensbrüder denselben Pflichten unterworfen werden wie ihre weltlichen Mitbürger, da sie doch auch dieselben Freiheiten und Rechte genießen wie diese. Man wirft uns vor, daß man diese benachteiligen wolle. Ich versichere, daß mir nichts fernerliegt, daß die Ordensbrüder der Kongregationen fortfahren werden, ihre Rechte zu besitzen. Ms erste lvlaßrcgel nach der Er- ledigung der beanstandeten Wahlergebnisse wird die Regierung einen Gesetzentwurf einbringen, der vorläufig die Gründung von neuen OrdcnSvcrbänden untersagt, solange ein endgültiges Regime nicht eingeführt ist.' Scktvecleti. Die Wahlerfolge der Sozialdemokratie. Die Wahlen zu den Landsthingen, deren Endergebnis jetzt vorliegt, haben trotz des ja noch immer reichlich plutokrati- schen P l u r a l st i m m e n s y st e m s unseren Parteigenossen recht gute Erfolge gebracht und auch dazu geführt, daß nach und nach eine immer stärkere sozialdemokratische Fraktion in die Erste Kammer einzieht. Sozialdemokratische Stimmen sind in den 25 Län der LandSthinggebieten 403 720 abgegeben worden, und zwar von 60 590 Wählern, liberale Stimmen 1038560 von 172 590 Wählern und konservative Stimmen 1 540 110 von 157 830 Wählern. Geivählt sind in die Lands- thinge 125 Sozialdeniokraten, 424 Liberale und 668 Kon- servative. Würden die Landsthinge und die Stadtverordneten mit einem Male und über das ganze Land die Abgeordneten der Ersten Kammer zu wählen haben, so hätte die Sozial- demokratic nach dem Proportionalsystem Anspruch aus siebzehn Mandate. Aber in einigen LandSthingen sind unsere Genossen zu schwach, um ihren Kandidaten durchsetzen zu können, und dann gehen die Wahlen zur Ersten Kannner auch nicht mit einem Male, sondern nach und nach vor sich. In diesem Herbst werden zwei oder drei Sozialdemokraten in das Ober- Haus gewählt werden, und im nächsten Jahre ungefähr ebenso viele, wenn nicht durch eine Auflösung des ganzen Reichstages für eine schnellere Erneuerung der Kammer gesorgt wird. Auf jeden Fall aber wird binnen wenigen Jahren eine 14 oder 15 Mann starke sozialdemokratische Fraktion den bisher erzreaktionären Gesetzgebern erster Güte zu schaffen machen, abgesehen davon, daß auch die Liberalen in weit größerer Zahl, als es ihnen bisher möglich war, in die Erste Kammer einziehen. Daß diese Kammer eine ziemlich weitgehende Veränderung in ihrer Zusammensetzung erfährt, ist das wichtigste an den LandSthingsivahlen, wenngleich natürlich auch der Umstand keineswegs zu unterschätzen ist, daß unsere Genossen in den LandSthingen ihren Einfluß auf die Provtnzialangelegenhciten machen können, und auch in diesen Körperschaften die Reaktion bedeutend geschwächt ist. Cürkei. Der albanische Aufstand. Saloniki, IS. Juni. Der Einmarsch der Truppen in daS Gebiet von Malcista ist auf Schwierigkeiten gestoßen, weil die Arnauien an mehreren Orten Widerstand leisteten. Die Truppen verjagten schließlich die Arnauten und uahinen eine Anzahl von ihnen fest. Es wurde damit begonnen, die Bevölkerung zu entwaffnen. Die Truppen, die zumeist von den Höhen herab beschossen wurden, verloren zwei Offiziere und 16 Mann. DaS Expeditionskorps besteht au« 27 Bataillonen. Hrnenha. Sozialistische Gemeindepolitik. Genoffe Seidel, Mayor von Milwaukee, hat einem Broollyner Parteigenossen, der ihm die Bestellung eines bürger- lichenArztes zum Gesundheitsverwalter der Stadt zum Vorwurf gemacht hatte, in einem offenen Briefe geantwortet. Er erklärt daß man in Milwaukee für politische Aemler nur Partei- genossen gewählt habe. Wo eS sich aber um technische Posten handle, dürfe nur die f a ch l i ch e Befähigung maßgebend sein. Dr. Rucker, der neue Stadtarzt, sei kein Politiker, habe sich aber als Hygieniker, durch Bekämpfung der Beulenpest an der Küste des Stillen Ozeans, des gelben Fiebers in Neu Orleans u. a. einen Weltruf erworben. „Der Sozialismus müßte ein Fehlschlag sein, wenn er sich nicht als wissenschaftliche Lösung deS sozialen Problems bewährte." Als sozialistischer Bürgermeister wurde Genosse Ballard in Jerome(Arizona) gewählt. Ein zweiter Genosse wurde Mitglied des Gemeinderats.— Aus der Keichsverlicheningsordnungs- ßommliiiov. Sitzung am Montag, den 20. Juni. Die weitere Aussprache über daS Verhältnis der Land. krankenkassen zu den Ortskrankenkassen brachte wieder einmal eine erbauliche Auseinandersetzung der Z e n. trumSabgeordneten untereinander. Das hatte seinen Grund darin, daß die Abgg. Herold und Irl die denkbar reak- tionärsten Ansichten vertraten. Abg. Herold verstieg sich zu der Behauptung, daß die Krankenkassen um so besser wirken können, je— kleiner sie sind. Abg. I r l hielt der bayerischen Regierung eine Strafpredigt deshalb, weil sie die„so billige" Gemeinde- Versicherung preisgegeben hätte. Diesen beiden Zentrumsrednern trat der Zentrumsabgeordnete Becker entgegen. Er belehrte Herrn Herold, daß eine solche„Ucbertrcibung" der Dezentralisa. tion, wie Herr Herold sie gefordert hatte,„Unsinn" sei. Ebenso entschieden wendete er sich gegen die Gemeindeversicherungen, für die er sich schon deshalb„unter keinen Umständen" erklären könne, weil auf die VernxJtung weder die Arbeiter noch die Arbeitgeber den ihnen gebührenden Einfluß hätten. Schließlich wurde die Befugnis, zu bestimmen, daß in gewissen Gebieten keine Landkrankcnkasjen, sondern nur allgemeine Orts- krankenkassen errichtet werden, von den Konservativen, National- liberalen und der Mehrheit des Zentrums in einer Beziehung be- schränkt. Die Bestinimung soll nur für daS ganze Gebiet des Bundesstaates zulässig sein, nicht aber auch, wie eS die Vor» läge forderte, für Gebietsteile des Bundesstaates. Außerdem be» schloß dieselbe Mehrheit, daß die Befugnis der Landesgesetzgebung, und nicht, wie es die Vorlage forderte, der Landesregierung er- teilt wird. Die Vorlage sieht auch bor, daß in gewissen Bezirken nach den besonderen örtlichen Verhältnissen neben der allgemeinen Ortskrankenkaffe keine Landkrankenkasse errichtet werden darf. DaS soll dort geschehen, wo die Landkrankenkasse nicht mindestens 506 Pflichtmitglieder haben würde. Die Sozialdemokraten beantragten, daß die unterste Grenze für die Landkrankenkassen 1000 Mitglieder sein solle. Der Antrag wurde jedoch gegen die Stimmen der Sozialdemo- kraten. Fortschrittler, Polen und Wirtschaft- lichen Vereinigung abgelehnt. Ms der anderen Seite wollten die Nationalliberalen, Konser- vativen und ein Teil des Zentrums die Mindestzahl der Mitglieder für die Landkrankcnkassen noch weiter heruntersetzen, als es in der Vorlage bereits geschehen ist, nämlich a u f 2 0 6(Antrag von Gamp) und auf 106(Antrag Graf v. Westarp). Aber auch diese Anträge fanden nicht die Mehrheit, sondern der Vorschlag der Vorlage wurde angenommen. Außerdem soll nach der Vorlage eS in anderen Fällen dem Ermessen der Behörden überlassen sein, ob neben der allgemeinen Ortskrankenkasse eine Landkrankenkasse errichtet werden kolk oder nicht. DieS soll zulässig sein dann, wenn daS Bersicherungsamt nach Anhören beteiligter Arbeitgeber und Ver- stcherungspflichtjgcr das Bedürfnis nach einer Landkrankenkasse verneint und das ObcrversicherungSamt es genehmigt, daß keine Landkrankenkasse errichtet wird. Auf Antrag der Sozialdemokraten wurde, gegen die Stimmen der Konservativen und Nationalliberalen, hinzugefügt, daß bei der Entscheidung des VersichcrungSamtS in dieser Sache auch die Vertreter der Arbeiter und Arbeitgeber mit- wirken müssen. Dagegen wurde ein anderer Antrag der Sozial- demokraten gegen die Stimmen der Sozialdemokraten und Fortschrittler abgelehnt, daß in diesen Fällen keine Landkrankenkasse errichtet werden darf. Die Entscheidung bleibt also, wie es die Vorlage wollte, dem Ermessen der Behörde über- lassen. Die Vorlage will auch den entgegengesetzten Fall berück- sichtigen, wenn nämlich mit Rücksicht auf eine Landkrankenkasse von der Errichtung einer Ortskrankenkasse Abstand genommen wird. Dies soll zulässig sein, wo die Ortskrankenkasse nicht mindestens 500� Pslichtmitglieder haben würde und eS die oberste VerwaltungS- bchörd? genehmigt. Die Sozialdemokraten wiesen darauf hin, daß die Arbeiter, die eigentlich Pflichtmitgliedcr der Ortskrankenkasse fein müßten, schwer geschädigt würden. Deshalb dürften unter keinen Ilmständen diese Arbeiter in eine Landkrankenkasse hineinge- zwungen werden. Da die Mehrheit der Kommission für Streichung des Absatzes nicht zu haben war, beantragten die Sozialdemokraten, daß nur dann von der Errichtung der Ortskrankenkasse Abstand genommen werden kann, wenn auch die Mehrheit der Personen zu». stimmt, die Pflichtmitglieder der Ortskrankenkasse sein würden. Der Antrag wurde aber gegen die Stimmen der Soziakdemo« kraten und Forts ck rittler abgelehnt. Eine ausgedehnte Debatte rief der Paragraph der Vorlage hervor, der anführt, welche Gruppen der Versicherten den Land- krankenkassen als Mitglieder angehören sollen. ES sind dies in der Regel die in der Landwirtschaft Beschäftigten, die Dienstboten, die im Wandergewerbe Beschäftigten sowie die Hausgewerbetreibenden und ihre hausgewerblich Beschäftigten. Die Sozial dcmokraien wiesen darauf hin, daß sie überhaupt Gegner der Landkranlenkassen mit ihren noch geringeren Leistungen als die der Ortskranlenkassen seien. Da sie cs aber nicht verhindern könnten, daß die Landkrankenkassen errichtet wer- den, so beantragten sie die Beschränkung der Mitglieder auf einen möglichst kleinen Kreis: Von den in der Landwirtschaft Beschäftigten sollten die Gärtncreiarbeiter ausgenommen werden. Dieser An- trag wurde zwar abgelehnt, jedoch ein Antrag Behrens ange- nommen, nach dem die in der Gärtnerei Beschäftigten, sofern es sich nicht um landwirtschaftliche Nebenbetriebe handelt, Mitglieder der allgemeinen Ortskraukenkassen sein müssen. Ferner sprachen sich die Sozialdemokraten entschieden dagegen aus, daß alle Dienstboten, Wanderarbeiter, Hausindu- strielle und Heimarbeiter in die Landkrankcnkassen hmeinaezwungen werden sollen. Mit den Dienstmädchen mache man sogar den Land- krankenkassen ein Geschenk und belaste die Ortskrankenkassen. Denn in den jungen Jahren werden die Dienstmädchen sehr selten krank. Dann sind sie in den Landkrankenkassen. Später aber, wenn sie verheiratet sind und in die Fabrik gehen, oder sich freiwillig ver- sichern oder an der Familienversicherung ihres Mannes Anteil haben, belasten sie die Kasse sehr stark. Dann sind eS in der Regel die Ortskrankenkassen, die diese Lasten tragen müssen. Ebenso sei es sachlich ganz und gar nicht berechtigt, die anderen Arbeiter, die nicht in der Landwirtschaft beschäftigt sind, in die Landkranken- lassen zu verweisen. Dem schloß sich auch Abg. Dr. M u g d a n an. Schließlich wurde jedoch die Vorlage gegen die Stimmen der Sozialdemokraten, Fortschrittler und deS Polen angenommen. In der Debatte hatte noch Geheimrat Spiel» Hägen erklärt: In dem dereinst an den Reichstag gelangenden Entwurf des AusführungSgesetzes sei Vorkehrung dagegen ge- troffen, daß Arbeiter, die jetzt einer Ortskrankenkasse angehören, nach dem neuen Gesetz Mitglied einer Landkrankenkasse tverden und dadurch geschädigt werden könnten. Hat ein Bezirk keine allgemeine Ortskrankenkasse, so sollen nach der Vorlage auch die Ortskassen Pflichtigen in die Landkrankenkasse gehören. Um die hiervon betroffc- neu Arbeiter vor Schaden zu bewahren, beantragten die Sozial. demokraten: Die Arbeiter sollen das Recht haben, der nächst- gelegenen Ortskrankenkasse beizutreten. Den Ortskassenpflichtigen aber, die der Landkrankenkasse angehören, muß die Landkrankcn- lasse gegen entsprechende Beiträge solche Leistungen gewähren, die den satzungsgemäßen Leistungen der nächstgelegenen OrtSkranken- lasse mindestens gleichwertig sind. Beide Anträge wurden aber ab- gelehnt. Fortsetzung Dienstag._ Huö der Partei. Wcnbclin Welheimers Begräbnis. An 30 000 Arbeiter gaben am Sonntag auf dem Zentvalfried- Hof in Nürnberg dem verstorbenen Genossen. Wendelin Weiß- heimer das letzte Geleit zum Grabe. Die kolossale Teilnahme an der Beisetzung zeigt, welche Liebe sich der Tote in der Arbeiter- schaft erworben hatte. Nachdem das Philharmonische Orchester, dessen Dirigent Wcißheimer öfters war, seine Trauerweisxn be» endet hatte und die 1300 Arbeitersänger ihrem toten Meister den letzten Gruß dargebracht, senkte sich unter dem Gruß von 24 Sängcrfahnen und unter dumpfem Trommelschlag der Arbeiter. turner der Sarg in die Grube. Dann würdigte Genosse Dr. Maurenbrecher als Prediger der freireligiösen Gemeinde in dreiviertelstündiger Grabrede die geschichtliche Bedeutung Weiß- heimcrs und was er für die Bildungsbestrebungen des Proleta- riats war. Zum Schluß der imposanten Feier türmte sich am Grabe ein Berg von Kränzen auf: der Arbeitcrsänger, der sozial- demokratischen Partei, der Gewerkschaften, der Jugendorganifa- tion. Unter den Kranzwidmungen von auswärts besanden sich eine des Vorstandes der sozialdemokratischen Partei Deutschlands, des Deutschen Arbeiterfängerbundes, der Arbeitersänger von Darm- stadt und von Mainz und eine vom Kapellmeister Hildcbrandt- Berlin usw. Die Arbeitersänger Nürnbergs und die Arbeiter im allge» meinen haben durch das Hinscheiden Weißheimers einen unersetz- lichen Verlust erlitten. Trotz seines hohen Alters hatte er sich ihnen ohne Entgelt vollständig gewidmet. Der größte Teil seiner idealen Pläne blieb jedoch unerfüllt. Eben war er daran, einen Frauen» chor zu bilden, um durch einen gemischten Chor Konzerte für die Arbeiter zu veranstalten. In der werdenden Gartenstadt Nürnberg wollte er eine freie Volksbühne gründen, wozu er die Mittel zur Verfügung zu stellen versprach. Ein einfacher, würdiger Kunst- tempe! sollte eS iverden inmitten einer modernen Arbciter-Garten- stadt. Aber mitten im Schassen hat den 72jährigen. cwig.jungen Greis der Tod ereilt— am Klavier, nachdem er das erste für den Frauenchor bestimmte Lied(O lieb, so lang du lieben kannst) eben fertiggestellt hatte._ Die Erhöhung der preußischen Zivillistc. AuS den Verhaiidliingen des preußischen Abgeordnetenhauses über die Erhöhung der Zivilliste des Königs gibt die Buch» Handlung Vorwärt« die Rede» der beiden sozialdemokratiscken Vertreter Paul Hirsch und Adolf H o s f m a n n heraus. Die Broschüre trägt den Titel:„Die Erhöhung der Krön- dotation." Sie komint von heute ab zur Versendung und kann durch die Parteibuckihandlungen und Kolporteure bezogen werden. Der Preis ist 15 Pfennig. Eine Agitationsausgabe auf billigerem Papier und ohne Umschlag, die nur für die Massenagita- tion geliefert wird, kostet pro tausend Exemplare 22,50 M. vom Anarchismus zum Sozialismus. Die in Chicago erscheinende„Arbeiterzeitung". viele Jahre daS Organ der Anarchisten, ist zur sozialdemokratischen Partei übergetreten. 1876 gegründet, hat sie bis 1833 in sozial- demokratischem Sinne gewirkt. Dann gab sie den politischen Kampf auf und vertrat anarchistische Ideen. Als 1886 der Kampf gegen die Anarchisten gewaltsam geführt wurde, unterdrückte man auch die„Arbeiterzeitung". Damals trat Joseph Dietzgen in die Bresche und redigierte das Blatt als Sozialdemokrat, bis ihn nach einigen Monaten die Anarchisten wieder verdrängten. Jetzt haben die deutschen Gewerkschaften, die die Mittel zum Erscheinen dcS Blattes liefern,»nt 210 ssegen 23 Stimmen beschlossen, daß eS künftig politische und ökono» mische Aktion betreiben solle, ohne direkt Parteiorgan zu werden. Wieder ein Schritt zur Konsolidierung und AuSbrcitung der amerikanischen sozialistischen Bewegung. Zum internationalen Kongreß in Kopenhagen. In Chemnitz sprach am Sonnabend Genosse NcichstagS>> abgeordneter Noske in einer Parteivcrsammlung über die Be» deutung des internationalen Kongresses. Die Versammlung wählte ihn sodann zum Delegierten._ Ein sozialdemokratischer Gemeindevorsteher. In P ö l z i g. einer größeren Ortschaft bei Ronneburg(Sachsen- Altenburg) ist am 17. Juni der Genosse Friedrich S a u ch e zum Gemeindevorsteher gewählt worden. An eine Bestätigung ist bei den Verhältnissen in Sachsen-Alteiiburtz nicht zu denke». Die alten- burgische Regierung ist noch reaklionarer wie die preußische. Vor zwei Jahren wurde in Löbschütz bereits ein Sozialdemokrat zum OrtSvorsteher gewählt, aber nicht bestätigt. vom Fortschritt der Partciprcsse. Die Abonnentenzahl der„Münchener Post" hat seit dem 1. Januar dieses JahreS um 6000 zugenommen.— Vom neuen Quartal ab wird unserem Münchener Parteiorgan«ine besondere Frauen- b e i l a g e beigelegt iverden. Die unter dem Titel ,F r a u e n p o st" firmierende Beilage erscheint monatlich zweimal, steht unter der Redaktion der Genossin Haeny-Lux und soll den besondere» Interessen der proletarischen Frauen dienen. GewcrfelcbaftUcbeo. Die Hufnabtne der Hrbeit im Baugewerbe vollzieht sich nicht ohne Reibungen. In einer ganzen Reihe von Orten haben die Arbeiter die Aufnahme der Arbeit vor> läufig abgelehnt.«Soweit dies geschehen ist, um erst die Parole des in Charlottcnburg tagenden gemeinsamen außer ordentlichen Vcrbandstagcs der Maurer und Bauhilfsarbeiter abzuwarten, wird man dagegen nichts erinnern können. ist ein Zeichen der Stärke, daß die organisierten Bauarbeiter beim Abbruch des Kampfes die geöffneten Bauten nicht ohne weiteres stürmen. Soweit die Aufnahme der Arbeit aber ab gelehnt wird, weil man mit den materiellen Errungenschaften der Bewegung nicht einverstanden ist, liegt die Sache doch anders. In dieser Richtung können die einzelnen Mitgliedschaften— ob sie nun recht oder unrecht mit ihrer Unzufriedenheit haben— keine Entscheidung mehr treffen, weil solche Ent- scheidung durch die Annahme des Schiedsspruches bereits ge- troffen ist. In dem von den Unparteiischen am 31. Mai unter- breiteten Schiedsspruch heißt e" im sogenannten„Mantel": „Die Aentralorgaiiisationcn haben bis Monlag, den 6. Juni, abends 9 Uhr, dem Reiibsainl des Innern ihre Erklärung über die Annahme der Vorschläge einzureichen." Das ist denn auch— allerdings widerstrebend— in zu- stininicndcm Sinne geschehen. Dann heißt es in dem„Mantel" weiter: „Im Falle der Annahme haben die Verbandlimgen über den Abschluß der örtlichen Verträge sofort zu beginnen. Die ab- geschlosseneu Verträge sind längstens bis Montag, den 13. Juni, vor« mittaas 10 Uhr, an die Zentralorganisationen zur Genehmigung einzuschicken. Kommt in einem Vertragsgebiete bis dahin kein Vertrag zustande, so sind die Anträge der Parteien, bis zum gleichen Zeit- Punkt einem Schiedsgericht zu unterbreiten. Das Schiedsgericht besteht aus drei voin Arbeitgeberbund und drei von den Zentral- verbänden der Arbeiter benannten Vertreter sowie aus den drei unterzeichneten Unparteiische». Das Schiedsgericht tritt am 13. Juni d. I. zusammen und ent- scheidet endgültig. bis 7 Pf. pro «tunde. Dieser Erfolg war um so bemerkenswerter, als die Unter» nchmcr sämtliche Tarife gekündigt hatten, während die Arbeiter in einem Teil der Orte gar keine Forderungen beabsichtigten. Der Vertragsabschluß erhöhte aber gleichzeitig die Zahl der unter Ver- trägen mit gleichem A b la u f S t e r in i n Beschäftigten von 30 000 im Jahre 1907 auf nunmehr 40 000. Die Leitung der Ar» beitgcber ist anscheinend der Anschauung, je breiter die Basis der Tarifbewegnng, um so sck'wcrcr würde den Arbeitern ein ernsthafter Kampf. Wie sich der Holzarbeitcrverband dazu stellen soll und welche Taktik der Entwickelung des VectragSwesens gegenüber in Zukunft einzuschlagen ist, das sind Fragen, die vermutlich zu«in» gehenden, grundsätzlichen Debatten auf dem Verbandstage Anlaß geben werden. Von der Zahlstelle Berlin ist hierzu ein Antrag eingelaufen, wonach Reichstarif und einheitlicher AblaufLtermin auf alle Fälle abzulehnen sind. Trotz der Krise hat der Verband in der Berichtsperiode 1908/09 eine nicht geringe Zahl Lohnbcwe- gungen durchgeführt, doch bleibt deren Umfang hinter den Resul- taten der besseren Jahre beträchtlich zurück. Während 1996/07 1974 Bewegungen mit 139 839 Beteiligten gezählt wurden, ver» ringerte sich die Zahl in den beiden letzten Jahren auf 984 Be» wcgungen mit 69 842 Beteiligten. Der Gesamterfolg war 1998: für 6078 Personen Arbeitszeitverkürzung um durchschnittlich 1,9 Stunden pro Woche, für 19 558 eine Lohnerhöhung von 1,09 M. pro Woche im Durchschnitt, 1909: für 14 308 Personen 1,8 Stun» den Arbeitszeitverkürzung, für 17 235 Personen 1,52 M. Lohn- crhöhung. In Anbetracht der ungünstigen Konjunktur ein immer» hin noch zufriedenstellendes Ergebnis. Die Wirkung der Krise äußerte sich auch sehr unangenehm in der inneren Entwickelung dcS Verbandes. Die Zahl der Mitglieder sank von 151717 Ende 1906 nach und nach bis auf 144 259 am Jahresschluß 1908. DaS wenn die wenigen Streickier unmöglich die gewaltigen Steigerungen des Stückes herausbringen können? Aber der strebsame Anfang läßt doch noch Größeres hoffen. a». Was König MidaS anrührte, wurde Gold; was Ernst v. Wilde nbruch, Blech. Die Oper„D e r 11 e b e r f a l l', die nach einer Vorlage von Wildenbruch Heinrich Zöllner komponiert hat, zeigt den Komponisten unter dem Unechten des Textes leidend. Die Geschichte von den preußischen Ulanen, die von französischen Freischärlern niedergemacht werden, bis auf einen, den ein hingebendes Weib rettet, ist mit solcher Thealerkünstelei durchgeführt, daß der Komponist des„Faust" undlder„Versunkenen Glocke" bis zum trivialsten Schmachten herunterkommt. Schade um das viele Gute, daS dem gewiegten Sängermeister namentlich im Lyrischen, z. B. in einem schallhaften Chor zur Verfügung steht; und schade, daß zum Ersatz für die ungerechte Gleichgültigkeit, mit der in Berlin die .Versunkene' ausgenoinmen war, nur das Zurückgreifen auf den vor 15 Jahren zu Dresden erschienenen„Ueberfall" versucht wurde! Die Gura-Oper war es. die sich am Sonntag damit belud. Seit zwei Jahren wohlbekannt als unsere teuere Sommerfreundin, wohlangesehcn ob ihrer guten Wagneraufführungcn, im Besitz erster Kräfte, die selbst die böse Akustik des„Kroll" überwinden, ins» besondere der Gattin des Direktors, gab sie sich auch diesmal erfolg» reiche Mühe, vom Blüthner-Orchester aufs beste unterstützt. Den Abend beschloß eine hier ebenfall« noch unbekannte Panro« mime„Der verlorene Sah n', eine Ileberlragung des Biblischen in moderne Familien- und Unfamilienverhältnisse. Andrü Wermser, ein Poriser(geb. 1851), hat das Stück komponiert. Bor 20 Jahren zu Paris, vor sieben zu Dresden aufgeführt, war es diesmal durch seinen frischen, echten, auch thematisch reichen Zug eine Erholung. sz. Notizen. — Theaterchronik. Das Gastspiel des Neuen Echan» spielhauseS in der.Volisoper" wird jetzt unterbrochen, soll aber Ende Juli wieder arifgenoninten werden. — Der Berliner B 0 l ks ch 0 r zählt zurzeit, wie uns vom Vorstände als Berichtigung zu unserer Besprechung de« letzten Jahres- berichts(in Nr. 136) mitgeteilt wird, 200 aktive Mitglieder. Die im Jahresberichte angegebene Zahl 130 bezieht sich nur auf den Stamm. — I 0 s e p h K a i n z. der längere Zeit erkrankt war. hat sich, wie aus Wien gemeldet wird, soweit erholt, daß er in der nächsten Spielzeit wieder mitwirken kann. Das Wiener Burgtheater sucht ihn durck einen neuen Kontrakt mehr an sich zu fesseln. — Der fünfte internationale Kongreß für Berg- bau, Hüttenwesen, angewandte Mechanik und praktische- Geologie wurde am Montag in Düsseldorf eröffnet. ES sind 21 Staaten vertreten. Lahr t0O9, das in seiner zweiten Hälfte eine Besserung der Kon. junktur zeigte, machte jedoch den Verlust völlig weit. Das Jahr schloß mit 1318 2 7 Mitgliedern in 825 Zahlstellen «b. Darunter sind 3024 Weibliche und 169 Jugendliche. Im lau- senden Jahr hat die Steigerung weiter angehalten. Die Kasse wurde in den Berichtsjahren außerordentlich stark m Anspruch genommen. Zwar fielen die anormalen Ausgaben der großen Aussperrung von 1907 aus, so daß die Kosten der Lohn- ib e w e g u n g von 5 251 110 M. im Jahre 1906/07 auf 1 334 376 M. in den letzten zwei Jahren heruntergingen. Dagegen erhöhte sich die Arbeitslosenunterstützung von 1 341 127 M. an 2 533 505 M. und an K r a n l e n u n t e r st ü tz u n g wurden 1 643 638 M. verausgabt. Insgesamt wurden 1908 und 1909 nur für Unter st ützungen 6334403 M. ausgezahlt. Der Ee s a m t e ta t der beiden Jahre bringt 10 157 830 M. Einnahme und 9 468 939 M. Ausgaben. Der Kassenbestand vermehrte sich seit 1907 um 722 014 M. und betrug Ende 1909 3 434 314 M.. davon 1452 755 M. bei den Lokalkassen. _ Wenn in Betracht gezogen wird, daß die Berichtsjahre der Stärkung des Kampffonds dienen sollten, um für die zu erwartende große Tarifbewcgung im Frühjahr 1910 gerüstet zu sein, so muß die Finanzentwickelung als nicht sehr günstig angesehen werden. Darum mußte der Verbandsvorstand in der kritischen Zeit obliga- torische Extrabeiträge ausschreiben, die zwar opferfreudig, zum Teil erheblich über die festgesetzte Höhe entrichtet wurden, aber doch eine unliebsame Unruhe in die innere Verbandsentwicke- lung trugen. Nun ist die Tarifbewegung wider Erwarten friedlich verlaufen. Ohne daß es zu Arbeitseinstellungen gekommen ist. konnte der Verband für sämtliche beteiligten Orte mit über 40 000 Berufsangehörigen Verbesserungen der Arbeitsbedingungen er- zielen. Die ungenügenden Finanzverhältnisse vor der Tarifbewe- gung waren aber eine eindringliche Mahnung zur Vorsorge und ollgemein wird die Anschauung des Vorstandes geteilt, daß durch eine Neuregelung der Be i t r a g s f ra g e die Kampf- mittel verstärkt werden müssen. Der Vorstand hat einen Antrag, den Wochenbeitrag von 50 auf 60 P f. zu erhöhen, tm April d. I. zur Urabstimmung gestellt und von den Mitgliedern erklärten sich 48 905 dafür und 35 502 dagegen. Somit ist diese Beitragserhöhung beschlossen und tritt am 1. Juli d. I. in Kraft. aber die starke Minorität, die zum großen Teil für Staffel- beitrüge eintritt, hat es ratsam erscheinen lassen, die Beitrags- frage mit als Hauptpunkt auf dem Verbandstage zu behandeln. Im übrigen hat sich der Verbandstag mit Statutenberatung und Verwaltungsfragen zu beschäftigen. Außerdem sind vom Vor- stand und aus den Reihen der Mitglieder einige hundert Anträge zur Beratung gestellt, so daß alles in allem die Delegierten eine arbeitsreiche Woche vor sich haben. Die 10. EtNkraltkkrsllnimliing des Uerlumdes dentjcher Wilarbtiter. " Im festlich geschmückten Saal des Gewerkschaftshauses wurde am Montag morgen die 10. Generalversammlung des Verbandes deutscher Textilarbeiter eröffnet. Als Vertreter ausländischer Bruderorganisationen waren H ü b n e r- Oesterreich, Voogs- g a d. Holland, Möller- Dänemark und I a n z e n- Schweden anwesend. Nach Anhörung der Begrüßungsansprachen und Erledigung der Notwendigen geschäftlichen Angelegenheiten nahm der Verbandstag den Bericht bcS Borstandes, erstattet vom Verbandsvorsitzenden Karl Hübsch, entgegen. Der Bericht erstreckt sich über die Geschäftsperiode der Jahre 1908 und 1909. Die Entwickelung der Organisation, soweit es sich um die Mitgliederzahl handelt, war unbefriedigend. Die wirtschaftliche Krise hat gerade in der Textilindustrie verheerend gewirkt. Einen Verlust von 22 139 Mitgliedern hat der Verband zu beklagen. In 4. Quartal 1909 betrug die Zahl der Mitglieder 104 301. Diese Zahl war sogar einmal schon auf 98 009 gesunken, als eine kräftige Agitation, die im ganzen Reiche entfaltet wurde, wieder den neuen Aufschwung brachte. Bis zur Zeit ist der Mitgliederbestand weiter sm Steigen begriffen und hat im Juni d. I. 112 671 erreicht. Wie der Redner ausführte, hat die Werbekraft des Verbandes dadurch eingebüßt� daß bei den Lohnbewegungen die bisher geübte An- griffstaktik durch die Abwehr der Angriffe der Unternehmer er- setzt werden mußte. Welche ansehnlichen Erfolge in den beiden Jahren durch Lohnbewegungen ohne Streiks und durch Streiks trotz alledem erzielt wurden, zeigte der Redner an den folgenden Zahlen: Der Verband erzielte eine Verkürzung der Arbeitszeit für 2405 Personen von 8297 Stunden pro Woche, im Durchschnitt eine Arbeitszeitverkürzung von 3Z-4 Stunden wöchentlich pro Person. Abgewehrt wurde eine von den Unternehmern verlangte V e r° längerungder Arbeitszeit, die 373 Personen betraf und 1329 Stunden wöchentlich betragen hätte. Eine Lohnerhöhung wurde für 21343 Personen im Betrage von 22 982 M. pro Woche erzielt oder pro Person 1,07 M pro Woche. Lohnabzüge wurden abgewehrt für 3669 Personen im Betrage von 5342 M. pro Woche, oder 1,45 M. pro Person und Woche. Lohnabzüge konnten nicht abgewehrt werden für 4073 Personen im Betrage von 11352 M. pro Woche, oder pro Person und Woche 2,73 M.— Die neueingerichtete Arbeitslosenunterstützung hat eine gute Wir- kung ausgeübt und, wird von den Mitgliedern wie von den Ver- waltungen so benutzt wie es erwartet wurde. Die Frage der Ar- beits n ach weise bietet noch manche Schwierigkeiten, ebenso die Aufstellung einer Lohnstatistik, die der/Redner dringend empfahl.— Die Tarifkommission hat sich bemüht, die ver. schiedenen Lohntarife in einen gewissen Einklang zu bringen. Branchenkonferenzen waren vielfach notwendig, um Lohntarifr aufzustellen, und der Redner wünscht, daß die Ortsverwaltungen wehr in die kleinen Bcrufsfragen eindringen und Tarife aufstellen möchten; es soll sich dabei nicht so sehr um Tarifverträge bandeln als vielmehr um Tarife zur Einheitlichkeit der Preise. Unter Tarifverträgen arbeiten zurzeit 12 700 Arbeiter der Textil- industrie. Der Vortragende geht zum Schluß deS Berichts auf eine Reihe von Lohnbewegungen näher ein, wobei er die Wichtig- keit des Kampfes im Erzgebirge sowie die Bedeutung anderer Be» wegungen in der Berichtszeit hervorhebt.— Es werden zunächst die weiteren Teile des allgemeinen Ge- schäftsberichts gehört, um' später erst in die Diskussion einzutreten. Nach dem Kassenbericht, erstattet von O. Z e h m S, bilanzieren die Einnahmen und Ausgaben der Ortsverwaltungen vom 1. Oktober 1907 bis 31. Dezember 1909 und der Hauptkasse vom 1. Januar 1903 bis 31. Dezember 1909 mit 4 725 271,52 M. Unter den Ausgaben stehen verzeichnet für Krankenunterstützung 618 761,65 M.. für ArbeftSIosenunter- stützung 180 879,25 M., als Sterbegelder 25 250 M'., für Reise- Unterstützung 54 426,71 M., und dazu noch aus den Lokalkassen 2 324,02 M.; an Streikunterstützungen(darunter 500 M. für andere Berufe und 9300 M. an das Ausland) 767 100,89 M. und dazu aus den Lokalkassen 44 978,67 M., an Gematzregeltenunter- stützung 484 643,19 M. und dazu aus den Lokalkassen 5617,73 M., an Umzugsunterstützung 8382,18 M., an Notstandsunterstützung 1670 M., und für Rechtsschutz 13 525,14 M. Der Bestand in den OrtSverwallungen am 31. Dezember 1909 war 197 345,21 Mi., der Bestand der Hauptkasse am gleichen Datum 599 544,65 M. Der Bericht über die Presse wurde von P. W a g e n e r erstattet, der sich zuerst über die Auf- gaben eineS Gewerkschaftsblattes ausließ, das getreu dem Grund. satz, mit den Interessen der Berufsarbeiterschaft die Interessen der gesamten Arbeiterschaft zu wahren, geleitet werde.„Der Textil- arbeiter" habe zu wichtigen politischen Fragen Stellung genommen, wie zum Beispiel zu den Kriegsrüstnngen, zu der Wahlreform in Preußen, zu der Reichsversicherungsordnung. Den wirtschaftlichen Kragen sei ebenfalls große Aufmerlsamleit gewidmet worden, «benfo der Arbeiterinnen» und der Jugendbewegung. Von der Teilnahme an Streitfragen zwischen Pgrtei- und Gewerkschaft», instanz'en habe sich die Redaktion geflissentlich ferngehalten, La es sich gewöhnlich um Mißverständnisse handele. Der Redner führte zum Schluß verschiedene gerichtliche Klagen gegen das Verbands- organ an. Der Bericht der Preßkommission enthält die Empfehlung, die Kommission aufzulösen, da diese Ein- richtung überflüssig geworden sei. Der Bericht des Ausschusses wird von E. V e t t e r l e i n erstattet und liegt auch gedruckt vor. Er handelt von der Erledigung verschiedener Beschwerden. Vet- t e r l e i n betonte das harmonische Zusammenarbeiten mit dem Vorstande und die bei einer unvermuteten Kontrolle vorgefundene große Ordnung in den Kassengeschäften. Von den in großer Zahl vorliegenden Anträgen zur Generalversammlung wurden darauf die auf den Geschäftsbericht bezüglichen abgesondert und beschlossen, welche Anträge zur Diskussion gestellt werden sollen. Die Diskussion eröffnet Schrad e r- Berlin, der fordert, daß die Lohn- st a t i st i k mehr gepflegt werde, damit man ein einwandfreies Bild von den Verhältnissen in den einzelnen Orten gewinnen könne. 14 größere Filialen seien mit gutem Beispiel vorangegangen, andere müßten folgen. Die Resultate könnten als wichtiges agitatorisches Material zur Verwendung kommen. Der Redner erteilt eine Reihe von Ratschlägen, wie die Statistik geführt werden müßte, um an- schaulich und gründlich zu sein, da in der Textilindustrie große Verschiedenheiten zu berücksichtigen seien. 7rau von Schönebeck vor den Geschworenen. Die Verhandlung an dem gestrigen, zwölften Verhandlungstag begann mit einer erheblichen Verspätung. Wie die Sachverständigen Medizinalrat Dr. Eberhardt, Professor Puppe und Gerichtsarzt Dr. Strauch bekunden, hatte die Angeklagte in dem Zimmer ihres Hotels einen epileptisch-hystcrischen Anfall. Bewußtlos hatte sie halbnackt auf dem Fußboden gelegen und sich beide Knie hierbei zerschlagen. Die Sachverständigen erklären, daß die Angeklagte nicht verhandlungsfähig ist. Die Verteidigung bittet auf Wunsch der Angeklagten unter allen Umständen den Versuch einer Ver. Handlung zu machen. Di« Verhandlung wird darauf auf 1 Uhr angesetzt. Um �2 konnte die Angeklagte erscheinen. Die Sach, verständigen erklären, daß sie glauben, daß verhandelt werden könne. Es wird dann in die Verhandlung eingetreten. _ Erklärung de? Borsitzenden. Zu Beginn der Verhandlung meint der Vorsitzende: Meine wiederholte Bitte, bestimmte Namen nicht zu nennen, ist hier in Allenstein und auch anderswo so aufgefaßt worden, als ob die ganze Gerichtsverhandlung nur eine Farce wäre und als ob allcS mög- liche vertuscht werden sollte. Ich will, damit keine Zweideutigkeiten entstehen, folgendes sagen: Was zur Tat gehört, was uns dazu dienen kann, die Tat selbst aufzuklären, und die eventuelle Beteiligung der Angeklagten an der Tat, wird selbstverständlich auf daS eingehendste erörtert. Sonst müßte ich ja ein ganz pflichtver- gessener Kerl fein, um mich deutlich auszudrücken. Das Bestreben des Gerichtshofes ist folgendes: Für die Verhältnisse, in denen die Angeklagte gelebt hat und die sich mit ihr nicht ganz vereinbaren ließen, haben wir nur insoweit ein Interesse, als sie Wert haben für die psychiatrische Beurteilung durch die Herren Sackverstän- digen. Deshalb kann es uns ganz gleichgültig sein, wer dabei in Frage kommt. Wir wissen, daß manche Existenzen schon vernichtet lind. Wenn auch verschiedene Personen schon über das große Wasser gegangen sind, die Familien sind noch hier, und wenn Namen genannt werden, so können sie kleben bleiben an den Fa- Milien. Das ist nicht unser Bestreben. Diese Erklärung möchte ich abgeben, um jedes Mißverständnis zu vermeiden. Wir wollen in der Sache selbst Klarheit schaffen. Aber wir wollen nicht Leute, die an der Tat nicht beteiligt sind und die mit der Tat gar nichts zu tun haben, mit Schmutz bespritzen lassen. Hauptmann von Elern(Hannover) wird eingehend über Hauptmann von Gäben vernommen. Er bekundet: Gäben war mein bester Freund. Wir haben uns vor ungefähr 20 Jahren in Neiße kennen gelernt. In der Leutnantszeit machte er alle Dumm- heiten mit, nur wenn cS sich um Frauen bandelte, hielt er stets zurück. Eine Liebschaft bat er meines Wissens nicht gehabt. Bureaudienst und Formelkram haßte er. Sowie er auf dem Gaul war, war er stets frisch und lebendig, wenn er auch vorher schlapp und mißmutig war. Vor etwa 15 Jahren verkehrt« ein etlvas gewalttätiger und herrschsüchtiger Offizier in demselben Hause wie Göben. Gäben fand die Dame des HauseS eines Tages weinend vor. Er ruhte nicht eher, als bis diese ihm den Grund erzählt hatte: Jener Offizier hatte an die Dame, eine Mutter von drei Kindern, Annäherungsversuche gemacht, die die Dame schwer kränkten. Der Offizier war inzwischen in eine andere Garnison versetzt. Göben ritt hinüber und stellte ihn. Der Offizier soll zynisch erwidert haben: Herrgott, wie kommen Sie dazu, Sie sind doch nicht der Ehemann. Darüber war Göben so empört, daß er ihm an den Hals sprang und ihn würgte. Der Offizier hat später einen Selbstmordversuch gemacht. Auf mein Befragen meinte Göben: ES sei zu einem Duell gekommen, nach dem ersten Schuß habe sich der Offizier überschlagen wie ein Hase. Die Verteidigung stellt fest, daß Gäben im Protokoll die Sache anders geschildert habe, also entweder zu Protokoll oder dem Freunde gegenüber gelogen haben müsse. Der Zeuge von Elern bekundet dann weiter: Ich selbst habe eine kleine Auseinandersetzung mit Hauptmann von Göben gehabt. Ich fand Göben einmal im Hause einer Dame sehr niedergeschlagen und traurig vor, während die Dame mir fröhlich entgegentrat. Göben glaubte, die Dame habe eine Zuneigung zu mir und wollte von ihm nichts mehr wissen. Er sagte plötzlich: Diese Zwitterstellung muß ein Ende haben, die Waffe muß zwischen uns beiden entscheiden. Ich erwiderte ihm, er sei wohl verrückt. Damit war die Sache erledigt. Wir sind die besten Freunde geblieben. Als Göben verhaftet war. betonte er immer wieder in den Briefen an mich: einen Meuchelmord habe er nicht ausgeführt. Ich stellte mich ihm als militärischer Verteidiger zur Verfügung. Die Idee GöbenS von einem zeugen- losen Duell halte ich für verrückt. Sie widerspricht unseren kon- ventionalen Gebräuchen durchaus. Ich kann sie mir nur so er- klären: Göben legte auf sein Leben sehr wenig Wert und deshalb vielleicht auch auf das Leben der andern ebensowenig Wert. Ueber- dies war ihm jeder Formelkram zuwider und die Form des ordent- lichen Duells hielt er wohl für Formelkram. Als Herr von Thaer ihm einmal erklärte, ein»eugenloses Duell sei Unsinn, hielt er an seiner entgegenstehenden Ansicht fest: Die alten Ritter haben das ebenso gemacht. DaS Niederschießen im zeugenlosen Duell würde ich nicht als Mord, sondern als Affekthandlung, als Totschlag empfinden. Die Verteidigung erklärt, als ein Geschworener her- vorhebt, daß bei einem zeugenlofen Duell doch beide auf einmal schießen müssen: Unsere Auffassung geht dahin: Die Ab- sieht deS Hauptmanns von Göben war auf ein zeugenloseS Duell gerichtet. DaS, was nach seinen Angaben zwischen Major von Schönebeck und ihm sich zugetragen hat, war aber nicht das beab-i sichtigte Duell. Ob es eine Affekthandlung, ein Totschlag oder eine Handlung der Notwehr war, können wir jetzt nicht unter- suchen. Fabrikbesitzer Ebhardt(Hannover) war mit Hauptmann von Göben lange befreundet. Er bekundet unter anderem: Göben hak mir detaillierte Einzelheiten über eine Pistolenmensur erzählt, die er wegen einer Dame hatte. Wenn mitgeteilt, daß Gäben selbst zu Protokoll erklärt hat. daß seine Behauptung nach seiner eigenen Darstellung garnicht wahr gewesen ist, so wüßte ich nicht, weswegen er mir die Unwahrheit gesagt haben sollte. Im August 1907 bat er mich um meine Pistole. Ich schickte sie ihm dann. Mit ihr ist die Tat ausgeführt. Bei den Darlegungen deS Zeugen bricht die Angeklagte er» mattet zusammen. Nach einer halbstündigen Pause erklären die Aerzte, daß die Angeklagte wieder verhandlungsfähig sei. Es werden dann die Briefe verlesen, die Göben aus dem Gefängnis au den Zeugen Ebharöt gerichtet hatte. Zeuge Hauptmann Hilde- brandt(Wesel) teilt mit: Göben erzählte mir mal in Hannover, er habe mit jemand ein Duell ohne Zeugen gehabt. Er habe seinen Gegner im Duell erschossen, und zwar durch einen Schuß in die Stirn. Dem Erschossenen habe er dann die Pistole in die Hand gedrückt, um den Anschein eines Selbstmordes zu erwecken. Zeuge hat die Erzählung nicht für wahr gehakrrn. Schriftsteller Otto von Loßberg: Hauptmann von Göben lernte ich am 4. Mai 1900 in Prätoria kennen. Göben war ein tüchtiger. außerordentlich tollkühner Soldat. Er hatte einen Schimmel, der ein gutes Zielobjekt abgab, trotzdem ritt er in das stärkste Gewühl hinein. Ich forderte ihn auf, abzusteigen. Er ging mit dem Pferd in der Hand dann in der Batterie umher und war jchr traurig, als das Gefecht frühzeitig abgebrochen werden mußte. Daß Göben einen Unteroffizier erschossen haben sollte, glaube ich nicht. Seine Leute, etwa 20 an der Zahl, waren Leute, mit denen man sozu- sagen den Teufel aus der Hölle holen konnte. Einen Unteroffizier zu erschießen, hätte sich selbst General Tewett nicht herauSgenom- wen. Er hätte wohl sonst von den Kameraden deS Erschossenen eine Kugel von hinten bekommen. Auf Befragen erklärt der Zeuge: Als seinerzeit die kriegsgerichtlichen Publikationen über den Burenkrieg herauskamen, in denen die Schlacht beim Spionskvr beschrieben wurde, sagte der Verfasser Hauptmann von Haefiei Der Verfasser der Schilderung sei Hauptmann von Göben. llsiu fiel das auf. Denn Göben war erst im April 1900 nach Transvaal gekommen, die beschriebene Schlacht hatte aber bereits am 23. Ja» nnar stattgefunden. Als ich darüber Gäben zur Rede stellte, meinte Göben:„Wissen Sie, wenn man den Leuten nicht erzählt, daß man dabei war, glauben sie einem überhauvt nichts." Die Verteidigung legt dar, daß die Wahrheitsliebe von Gödens danach doch nicht sehr stark war. Der Zeuge bekundet noch: Göben schoß hervorragend gut. Die Buren nannten ihn den„Hoofdschieter", den Kopfschietzer. Davon, daß Göben verwundet wurde, weiß ich nichts. Gr nahm an zwei größeren und drei kleineren Gefechten teil. Wenn er von mehr Gefechten erzählt hat, so meint er damit vielleicht Patrouillen. gänge und dergleichen. Göben war ein geradezu wundervoller Soldat.. �. Wegen Ermattung der Angeklagten wird dann die Veryano» lung auf heute, 9i4 Uhr, vertagt.,- Soziales* Gewerbegerichtliche BergleichSmvhlen. Wiederholt haben wir mitteilen müssen, daß einzelne Gewerbe- gerichtsvorsitzende eine Vergleichswut zeigen, die von einer richter. lichen Nötigung nicht sehr entfernt ist, das Zutrauen zum Ge- Werbegericht stark herabsetzt und insbesondere die Arbeiter schwer schädigt. Einen derartigen Fall aus der Leo-Kammer müssen wir abermals registrieren. Die Blusennäherin N. klagte gestern vor der Kammer 1 des Gewerbegerichts gegen die Firma Geschwister Sander. Jerusalemer Straße 15. auf Zahlung von 42,45 Mark Arbeitslohn für mehrere Posten gefertigter Blusen. Die Beklagte hatte Widerklage auf 91 M. Schadenersatz erhoben. Sie gibt an, daß die gelieferten Blusen mangelhaft gearbeitet und, weil zu spät geliefert, überhaupt nicht verwendbar seien. In der Lohnforderung der Klägerin war der Lohn für 10 Blusen mit 12 M. enthalten, wegen deren die Be- klagte bereits auf 67 M. Schadenersatz wegen nicht rechtzeitiger Herausgabe geklagt hatte, aber mit ihrer Klage vom Gewerbe- gericht unter Vorsitz des Magistratsassessors Dr. Maguhn abgewiesen worden war. weil die Blusen trotz verspäteter Lieferung noch als verwendbar erachtet wurden. Gestern fand die Verhandlung unter Vorsitz des Magistratsrats Dr. Leo statt. Dieser machte unter einem großen Aufwand von Worten den Parteien den Vorschlag, sich dahin zu einigen: die Beklagte solle der Klägerin den Lohn von 12 M. für jene 10 Blusen zahlen, für die ein Schadenersatzanspruch vom Gericht bereits abgelehnt war; im übrigen sollten die Klage sowie die Widerklage vorbehaltlos zurückgenommen werden. Die Be- klagte vermochte zuerst nicht einzusehen, daß sie eine Verpflichtung zur Zahlung der 12 M. an die Klägerin habe. Als das Gericht dann die von der Beklagten vorgelegten Blusen besichtigt hatte— von denen die Klägerin aber behauptete, eS seien nicht die von ihr ge- lieferten—, versuchte der Vorsitzende nochmals, die Parteien zu vergleichen. Als er die Beklagte mühsam zur Annahme des von ihm gemachten VergleichLvorschlagcs bewogen hatte, erklärte die Klägerin, daß der Vorschlag für sie unbillig sei, und lehnte ihn deshalb ab. Nun drohte Herr Dr. Leo der Klägerin an. daß der Prozeß noch lange nicht zu Ende gehen werde. Denn er werde nun auf den Chef der beklagten Firma, der selbst an der ISerhandlung teilnahm und erklärt hatte, jetzt eine längere Ge- schäftsreise vorzuhaben, die nötige Rücksicht nehmen und den nächsten Termin erst dann anberaumen, wenn ihn dieser ohne geschäftliche Schädigung wahrnehmen kann. Für die Minderwertig- keit der Ware, die durch diese Prozeßverzögerung entsteht, habe die Klägerin einzustehen! Trotz dieser Drohung lehnte die Klägerin den Vergleich ab. DaS Gericht zog sich darauf zur Beratung zurück. Einem nochmaligen Vergleichsversuch gegenüber, der bei Wieder- eintritt in die Verhandlung gemacht wurde, blieb die Klägerin standhaft. Dr. Leo verkündete daraufhin die Vertagung. Der neue Termin könne vor Monat September nicht stattfinden, da er (Dr. Leo) in den nächsten Tagen in den Ferien gche und seiner Vertretung die Erledigung dieses Prozesses nicht zumuten könne! Die borliegenden 9 Blusen nimmt das Gericht solange in Ver- Wahrung. Im neuen Termin soll Beweis darüber erhoben werden, ob diese Blusen die von der Klägerin verfertigten sind. Der Klägerin wird aufgegeben, die bei ihr zu jener Zeit beschäftigten 14 Arbeiterinnen als Zeugen zu stellen. Während der Protokol- lierung dieses Beschlusses macht Dr. Leo. nachdem sein bisheriger Vergleichsvorschlag abermals von der Klägerin abgelehnt worden war. der Beklagten den Vorschlag, an die Klägerin 15 Mark zu zahlen. Dieser„Vergleich" wird schließlich von beiden Parteien angenommen. Diese Art der Verhandlung vor einem Gewerbegericht ist «npörend. Den Gewerbegerichten wird als Vorzug vor den anderen Gerichten vor allem nachgesagt, die Sachen würden schneller ent- schieden. Das ist auch in allen Abteilungen der Fall, die von sach- kundiger, in die Materie selbst eindringender Seite geleitet werden. Die erwähnte Verhandlung vor der Leo-Kammer ist nicht die erste, die zeigt, daß die Voraussetzungen für eine sachgemäße Leitung und Entscheidung dem Vorsitz in dieser Kammer fehlen. Die Klagen darüber werden keineswegs von Arbeitern allein erhoben. Die gestrige Verhandlung bestätigt die Berechtigung der Klagen aufs evidenteste. Eine Partei, durch JnauSsichtstellen deS Hebels eines späten Termins einem unbilligen Vergleich geneigt zu machen, ist ein aufs schärfste zu verurteilender Gebrauch der Stellung als Vor- sitzender eines Gewerbcgerichts. Einen Termin vom 20. Juni auf den September verlegen, erinnert an das Hinschleppen der Prozesse unter dem seligen Reichskammergericht. Und welche nichtigen Vor- wände müssen dazu herhalten! Glaubt in der Tat Dr. Leo, nur unter seinem Vorsitz könne der einfache Prozeß entschieden werden? Jeder andere Gewerberichter hätte den nächsten Termin auf längstens den 27. Juni anberaumt, Magistratsrat Dr. Leo auf den September! Las Gewerbegericht hat doch nicht deshalb eine« VorsttzenjM, Samtt dieser einet AuSardeikung eines Erkenntnisses� durch Zwang der Parteien zum Vergleich vorbeuge. Erklärlich, aber bedauerlich, daß die Klägerin sich schließlich breitschlagen ließ, statt gegen die Art der Verhandlung und die Hinauszögerung einer Entscheidung Beschwerde im Aufsichtswege zu erheben. Ist Dr. Leo nicht imstande, die ihm obliegende, wahrlich nicht zu große Arbeit in einer das Vertrauen der Rechtsuchenden erweckenden Weise zu erledigen und sucht er deshalb der Billigkeit ins Gesicht schlagende V«gleiche durchzusetzen, so mag er baldigst um seine Pensionierung einkommen. Niemand würde ihn ungern vermissen. Diese Ver- gleichsmühle ist ein Armutszeugnis ersten Grades, das Dr. Leo sich selbst ausstellt, aber leider auch auf das Ansehen der Institution des GewerbegerichtS zurückwirkt. Eine ähnliche Hinzögerung einer Rechtssache durch einen Amtsrichter dürfte kaum vorkommen. £iiis Indurtrle und Handel« Saatenstaud Mitte Juni. Zu den letzten Begutachtungsziffern schreibt die.Statistische Korrespondenz" u. a.: Der Stand der Winterhalmfrüchte kann im ganzen als durch- aus zufriedenstellend bezeichnet werden. Der Wtnterweizen be- rechnete sich im Staatsdurchschnitte wieder wie im Vormonate auf SP. Der in Preußen wenig gebaute Winterspelz hat nach guter Blüte beträchtliche Fortschritte gemacht. Der Winterroggen hat ab- geblüht und schöne volle Aehren, ist aber etwas kürzer im Stroh und auch dünner bestanden als sonst in guten Jahren. Gegen den Vormonat hat sein Stand im ganzen 0,2 gewonnen; denn seine Ziffer beträgt jetzt 2,5 gegen 2,7. Ueber die Oelfrüchte Winterraps und-Rübsen finden sich sehr selten, dann aber günstige Bemerkungen, wonach die Früchte nach schön verlaufener Blüte guten Ertrag versprechen; ihre Note stellte sich demgemäß noch besser als im Vormonate heraus, nämlich 2,3 gegen 2,4. Der Stand der Sommerhalm- und Hülsenfrüchte wird zwar vielfach ungünstig beurteilt; im ganzen sind aber die guten Nach- richten doch ausschlaggebend gewesen, so daß sich ein nicht unerheb- lich höherer Durchschnitt als das Mittel ergibt. Fast durchweg günstig lauten die Nachrichten über die Mutter- pflanzen und die Wiesen, besonders die Rieselwiesen, die einen vorzüglichen Graswuchs haben sollen. Der Klee und die Luzerne haben zumeist schon einen zufriedenstellenden Schnitt gegeben; nur in den westlichen Gegenden hat man damit stellenweise wegen der Nässe noch warten müsien. Auch die Wiesen sind vielfach bereits gemäht, und das Heu ist�zum Teile gut �eingefahren worden. Berlin» 20. Juni. Dem Deutschen Landwirtschaftsrat wird au» Rom gemeldet: Nach den bei dem Internationalen landwirt- schaftlichen Institut eingelaufenen Berichten war der Saatenstand am I. Juni unter Zugrundelegung des zehnjährigen Durchschnitts- ertrages von Winterweizen in Bulgarien 120(gegen 118 im Mai), Dänemark 101(07), Ungarn 120(180), Luxemburg 98(01), Ru- mänien 107(105), Schweden 100(100), Sck»weiz 103(100), Ver- einigte Staaten von Amerika 07,7(04,7), Tunis 105(100); von Winterroggen in Bulgarien 120(116), Dänemark 98(07), Ungarn III(120), Luxemburg 87(08), Rumänien 102(105), Schweden 105 (100), Schweiz 101(05). Vereinigte Staaten von Amerika 100,8 (102,1); von Sommergerste Dänemark 102, Ungarn 108, Luxemburg 100, Schweiz 102, Schweden 106; von Sommerhafer Dänemark 102, Ungarn 95, Luxemburg 07. Rumänien 103, Schweden 108, Schweiz 102. Die Kleinhandelspreise für Zucker sind in letzter Zeit so in die Höhe gegangen, daß sie die vorjährigen ganz beträchtlich überragen. Im Durchschnitt von 50 Städten stellte sich der Preis für ein Kilogramm Zucker im Mai dieses Jahres aus 57 Pf., während eS im Mai vorigen Jahres nur 51 Pf. gekostet hatte. Es ist dies eine Preissteigerung um mehr als Iv Proz. Eine eigenartige Erklärung findet die vom Rhemifch-Wesffälischen Kohlensyndikat angekün» digte Preiserhöhung für Koks um l'A— 2 M. pro Tonne in der Zeitschrift„Die Bank". Als in den letzten Tagen des Mai die Mcloung zuerst auftauchte, wurde sie nirgends geglaubt, weil man weih, daß enorme Mengen Koks haben auf Lager genommen werden müssen und daß die Koksöfen der Shndikatszechcn noch immer mit 27Z-!, Proz. Einschränkung arbeiten. Inzwischen ist die Meldung aber offiziell bestätigt worden. Daß nun die Syndikats- lcitung zu einer Zeit, die sich keineswegs durch sonderlichen Auf- schwung auszeichnet, einen solchen Preisaufschlag wagt, wie man ihn sonst sogar in Zeiton der Hochkonjunktur nicht vorzunehmen pflegt, erklärt„Die Bank" wie folgt: Man ist in den Kreisen der schweren Industrie schon seit längerer Zeit der Meinung, daß alle Vorbedingungen für einen günstigen Geschäftsgang vorhanden seien und daß es nur eines Anstoßes bedürfe, um eine neue Hochkonjunktur auszulösen. Die leitenden Personen im Kohlen- syndtkat sind nun welterfahren genug, meint„Die Bank", um die enorme Bedeutung zu kennen, welche in unserer Zeit die Sug- g e st i o n hat. Die alten Praktiker wissen nur zu gut, daß das wirtschaftliche Grundgesetz von der Einwirkung der Nachfrage und des Angebots auf die Preffe auch in seiner Umkehrung gilt. d. h. daß der Konsum bei steigenden Preisen zu» nimmt(!), bei sinkenden abnimmt. Und sie glauben, daß man im gegenwärtigen Moment der Bankwelt, dem Handel und der Spekulation nur den Glauben an eine neue Blütezeit zu sugge. rieren brauche, um diese tatsächlich herbeizuführen.„Die Bank" neigt auch zu der Meinung, daß dieser Schachzug glücken werde. Schon sei der Handel und ein Teil der Hütten stutzig geworden und rufe vermehrte Koksmengen ab. so daß sich in den letzten Tagen die übervollen Kokslager bereits etwas gelichtet haben. Diese? Symptom der Belebung werde kaum verfehlen, seine Wir- kung wellenförmig in wettere Kreise des Handels und der Spekula- tion zu tragen. Das könne wiederum zur Folge haben, daß schwe- bende Erweiterungsprojekte beschleunigt durchgeführt, früher auf. gegebene Bauprogramme wieder hervorgesucht und finanziert wür- den. So sei bald die Hochkonjunktur da!„Vielleicht ein kurzer Hochgang mit der nahen Aussicht auf den kommenden Rückschlag, aber jedenfalls ein Hochgang."— Möglich ist es schon, daß die Syndikatsherren die Preiserhöhung zum 1. Oktober hauptsächlich zu dem Zwecke angekündigt haben, damit in der Zwischenzeit noch recht viel Koks zum jetzigen Preise gekauft werde. Das würde also, wie sich von selbst versteht, eine Belebung des Geschäfts fü r d i e s c paar Monate nach sich ziehen. Tritt nachher die Preiserhöhung wirklich in Kraft, so wird der Rückschlag nicht lang« auf sich warten lassen. Wir glauben übrigens auch gar nicht, daß die Herren vom Kohlensyndikat gewissermaßen den lieben Gott spielen und in weit- schauender Voraussicht die gesamte Wirtschaftslage zum allgemeinen Segen heben wollen. Sie sind von jeher gute Kaufleute gewesen, die auf den eigenen Profit sehen, und so geht vermutlich auch diesmal ihre Absicht nicht weiter, als daß sie durch Schröpfung ihrer Abnehmer die eigenen Einkünfte erhöhen wollen. Konzeuttatiou im Braugewerbe. Wie die„Allgemeine Berliner Korrespondenz" aus zuverlässigster Quelle erfahren haben will, soll die Fusion der Patzenhofer-Brauerei mit der Berliner Bock-Brauerei beschlossene Sache sein. Beide Brauereien haben in Berlin ein Riescnabsatzgebiet und dürfte diese» nach erfolgter Fusion noch bedeutend vergrößert werden. Welche weiteren Pläne nach erfolgter Verschmelzung zur Ausführung gelangen werden, ist noch nicht bekannt und wird hierüber Stillschweigen gewahrt. Die Patzenhofer Brauerei hat im Osten und Nordwesten Berlins, die Bock-Brauerei im Süden und Norden Brauereianlagen. Die Brauereien find somit in vier verschiedenen Stadtteilen domiziliert, was für den Versand und die Expedition von großer Bedeutung ist. Sericbts- Leitung. Der Horcher am Nebentisch, glaubt manchmal das zu hören, was er zu hören erwartet, und das kann mehr sein, als tatsächlich gesagt wird. So ein von drüben erhorchtes Gespräch, das vielleicht auch nur halb und unrichtig auf- gefangen wurde, gilt den Gerichten im allgemeinen nicht als ein einwandfreies Beweismittel, aber wir möchten keinem raten, sich auf diese Praxis zu verlassen. Wenn drüben ein Schutzmann und sein Freund saßen und vor Gericht als Zeugen— in gutem Glau- ben natürlich— bekunden, daß sie eine Polizeibelcidigung aufge- fangen haben, dann wehe dem Angeklagten. Denn Schutzleute und ihre Begleiter gelten in solchem Fall den Gerichten— das haben wir jetzt in sogenannten„Demonstrationssachen" oft genug erlebt — zumeist als unbedingt zuverlässige Zeugen, die gute Ohren haben. Eine Art„Demvnstrationssache" war auch die Anklage wegen Polizeibelcidigung, die vor dem Amtsgericht Berlin-Mitte(130. Ab- teilung unter dem Vorsitz des Amtsgerichtsrats Prost) am Montag gegen einen Geschäftsführer V. verhandelt wurde. V. hatte am 5. April in einer Gastwirtschaft mit einem Bekannten ein Gespräch geführt, das zunächst unpolitisch war, aber dann aus Anlaß eines ihm zu Gesicht kommenden Zeitungsartikels auf das Gebiet der Politik hinübergriff. Der Artikel betraf das vom Polizeipräsidenten damals erlassene Verbot einer von der demokratischen Vereinigung geplanten Versammlung im Humboldthain, und in diesem Zu- sammenhang kam V. auf den Wahlrechtsspaziergang vom 6. März zu sprechen. Er schilderte die Erfahrungen, die er selber im Tiergarten gemacht hatte, vor allem die Säbelattacke berittener Polizei am Großen Stern, und knüpfte daran eine Reihe kriti- sierender Bemerkungen. Am Ncbentisch saß ein Herr Schmitz, ein früher bei Siemens beschäftigt gewesener Elektromonteur, der ihm gut bekannt war, aber nicht zu seinen Freunden gehörte. Dieser Schmitz und sein Begleiter, ein Schutzmann Schorle, der in Zivil- kleidung war, hielten es, als sie V. über die Polizei sprechen hörten, für ihre Pflicht, aufzuhorchen. Sie verließen dann das Lokal, doch kehrte Schmitz später allein noch einmal zurück und äußerte, dem V. werde es besorgt werden. Besorgt wurde ihm eine Anzeige wegen Polizeibeleidigung. Die Anklage, die von der Staatsanwaltschaft erhoben wurde, legte ihm zur Last, etwa Folgendes gesagt zu haben: Den Sonntag im Tiergarten werde ich nie vergessen, wie die 20 Kerle auf uns cinritten. Wir werden es aber der Bande schon heimzahlen. Aber was kann man von der halbverhungerten Gesellschaft anders ver- langen, in ihrer Jugend lernen sie es ja nicht anders. Vor Gericht erklärte der Angeklagte» er habe sich sehr viel ausführlicher und in ganz anderem Sinne geäußert, aus dem Zusammenhang seiner Rede seien nur einzelne Satzstücke aufgegriffen und zu einem Gau- zen vereinigt worden. Starke Ausdrücke, die etwa darin enthalten waren, seien nicht gegen die Polizei gerichtet gewesen, sondern gegen die ostelbischen Junker, denen man es bei den nächsten Wahlen heimzahlen werde. Der Schutzmann Schorle beschwor, daß V. gesagt habe, was in der Anklage stand. Mehr als diese Sätze habe V. nicht gesagt, mehr habe Zeuge nicht gehört, obwohl sein Tisch nur einen Meter entfernt gewesen sei. V. habe dabei Blicke nach Schorle geworfen, wie wenn er ihn kränken wollte. Er, Schorle, sei erst am Abend vorher in Uniform in demselben Lokal gewefen, da habe V. ihn am anderen Tage in Zivil wiedererkennen müssen. Der Elektromonteur Schmitz, der auf eine Frage des Vorsitzenden den Schutzmann Schorle als seinen„onten Freund" be- zeichnete, unterstützte dessen Bekundungen. Er fügte hinzu, V. habe auch gesagt, wenn er Hausbesitzer wäre, würde er die Schutz- leute mit der Hundepeitsche raushauen, und von ihm würden sie keine Wohnung mehr kriegen. Auf eine Frage des Verteidigers, ob Zeuge mit B. verfeindet sei, bemängelte Schmitz den Ausdruck „verfeindet", gab aber zu, daß das Gegenteil von Freundschaft zwischen ihnen besteht. V.s Bekannter, ein Herr Schaumburg, der mit ihm cm demselben Tisch gesessen hatte, bekundete, daß V. nicht „Kerle" gesagt habe, daß ver Ausdruck„der Bande werden wir es heimzahlen", falls er überhaupt so lautete, sich nur auf' die nächsten Wahlen bezogen habe. Mit der„verhungerten Gesellschaft" sei ge- meint gewesen die vom ostelbischen Junkertum geknechtete Be- völkerungsschicht, aus der so mancher Schutzmann hervorgehe, und V. habe gesagt, daß die Schutzleute froh seien, dieser Lage entrückt zu sein, daß sie aber trotzdem auf ihr« eigenen Klassengenossen ein- hieben. Daß in V.s Ausführungen die behaupteten Beleidigungen gegen die Polizei nicht vorgekommen seien, versicherte auch ein Zeuge BaginSkv, der im Lokal gewesen war. Dem Amtsanwnlt galt die Aussage Schaumburgs, der mit V. an demselben Tisch gesessen hatte, wenig oder nicht? gegenüber den Bekundungen von Schorle und Schmitz, die vom Nebentisch aus gehorcht hatten. Er beantragte gegen V. 100 Mk. Geldstrafe. Auf wie scklvachen Füßen die ganz« Anklage und sshre Beweis- ftihrung ruhte, das zeigte der Verteidiger Rechtsanwält Dr. Kurt Roscnfeld in einer eindringenden Kritik der Aussagen von Schorle und Scbmitz, die durch die Aussagen der anderen Zeugen widerlegt seien. Zur Begründung seines Antrages auf Freisprechung hob er hervor, daß bei V.s Bemerkungen über die Polizeiattacke selbst- -verständlich am Nebentisch der Schutzmann und sein Freund sofort aufmerksam wurden und nun jedes weitere von ihnen aufgefangene Wort irrtümlich gleichfalls auf die Schutzleute bezogen. Der An- geklagte führte in einem Schlußwort aus. es werde ihn doch wohl niemand für so töricht halten, daß er in Gegenwart seines„Busen- freundes" Schmitz so unvorsichtige Neußerungen tun könnte. Als er erwähnte, daß am Wahlrechtssonntag im Tiergarten ei« Polizei- offizier das Publikum als„feige Bande" beschimpft Hobe, unter- sagte der Vorsitzende ihm„solche unkontrollierbaren Erklärungen". Das Gericht kam zu dem Ergebnis, daß die Ohren, die vom Nebentisch aus gehorcht hatten, die zuverlässigeren seien, und ver- hängte über V. eine Geldstrafe von 100 Mk. SchutzmanuSaussagen wurden gestern geprüft vor dem Landgericht I, Berlin, dessen Strafkammer 3(unter Vorsitz des Landgerichtsrats Pauli) sich wieder einmal mit einer sogenannten„Demonstrationssache" zu beschäftigen hatte. Der Angeklagte, ein Stellmacher Borchardt, wurde zwar nur beschuldigt, daß er dem Befehl eines Schutz- manns weiterzugehen nicht unbedingt Folge geleistet habe. Weils aber zufällig am 18. März und in der Umgebung des Friedrich- Hain? gewesen war, so wurde das kurzerhand den„Demonstrations- fachen" zugezählt. Das Amtsgericht Berlin-Mitte(Abteilung 141) hatte Borchardt freigesprochen mit der Begründung, daß er:n der Menge nicht rascher habe weitergehen können, doch von der Staats- anwaltschaft wurde Berufung eingeigt. Vor dem Landgericht endete ein Termin mit Vertagung, weil in der Verhandlung Zweifel darüber entstanden waren, ob die vernommenen Schutzleute vor dem Amtsgericht ebenso bestimmt wie hier ausgesagt hätten, daß B.„stehen geblieben" sei. Ter Verteidiger Rechtsanwalt Dr. Kurt Rosenfeld hatte sich auf das Zeugnis des Amtsgerichtsrats Seligsohn, des Vorsitzenden jener Schöffenabteilung, berufen und seine Ladung beantragt, es wurde aber dann beschlossen, neben dem Vorsitzenden auch die beiden Schöffen samt Amtsanwalt und Gerichtsschrciber zu laden. Am Montag waren die Geladenen zur Stelle mit Ausnahme des Amtsgerichtsrats Seligfohn, der sich mit Krankheit entschuldigt hatte. Der Angeklagte wiederholte die frühere Darstellung, daß er am Friedrichshain durch Polizei von einer Bank aufgejagt worden fei und weitergehend von einem Schutzmann einen Stoß in den Rücken bekommen habe. Nach wiederholten Versuchen, die Nummer deS Beamten sicher zu ermitteln, habe er schließlich zu diesem Zweck einen Polizeileutnant angerufen, und der habe ihn dann zu seiner großen Ueberraschung sistieren lassen. Das war ge- schehen, weil der betreffende Beamte, ein Schutzmann Off, dem Leutnant gesagt hatte, daß Borchardt nicht weitergegangen sei. Die Frage, ob Off und seine Kollegen das vor dem Amts- gericht mit Bestimmtheit bekundet hätten, wurde durch das Prot»- ioll der AmtsgcrichtSverhandlung nur unvollstänoig beantwortet. Darin stand ein Schutzmann habe gesagt, daß B. immer wieder stehen geblieben fei. Gerichts sekretär Jähniche», der das Protokoll angefertigt hatte, erinnerte sich nicht mehr sicher an die Einzel« Helten der SchutzmannSaussagen. Er erklärte aber, wenn er so geschrieben habe, so sei auch so gesagt worden. Von den beiden Schössen wußte der eine nichts Sicheres mehr, während der andere sich der Aussage erinnerte, daß B. zwar zunächst weitergegangen, aber dann nach der Nummer fragend mehrfach wieder stehen gc< blieben sei. Assessor Langefeld, der als Vertreter der Amtsanwalt- schaff fungiert hatte, wußte nur noch von der Aussage, daß B. habe fortgeschoben werden müssen. Der Verteidiger wies immer wieder daraufhin, daß Amtsgerichtsrat Seligsehn wiederholt er- klärt habe, die gegen B. vorgebrachten Aussagen seien doch gar- nicht belastend. Aber keiner der Zeugen erinnerte sich hieran, und unaufgeklärt blieb, wie dann eine Freisprechung zustande kommen konnte. Vernommen wurden dann aufs neue die Schutzleute Off, Kunz, Carstcnsen und Böttcher, und wie im vorigen Termin vor dem Landgericht bekundeten sie aufs neue, Borchardt fei zunächst zögernd weitergegangen, sei aber dann stehen geblieben und habe Off von oben bis unten angesehen, sodaß das Publikum sich darüber freute. Off versicherte wieder, er habe B.„wcitcrgeschoben", wäh- rend vor dem Amtsgericht er selber von„weiterschubsen" gesprochen hatte, sodaß der Vorsitzende Seligsohn ihm damals sagte:„Na, so sanft werden Sie ihn nicht geschubst haben!" Die Zeugen Ehlert, Sort und Höckendorf, die mit B. zusammen gewesen waren, wieder- holten, daß B. im Gedränge nicht rasch genug vorwärts gekommen sei, einen Stoß bekommen habe und weitergehend sich um- gedreht habe. Das Ergebnis dieser Beweisaufnahme wurde vom Staat?- anwalt dahin zusammengefaßt, daß die Schutzmannsaussagen un- erschüttert seien und der Angeklagte 3 Tage Haft verdiene. Der Verteidiger stellte fest, daß hier Aussage gegen Aussage stehe. In solchem Fall könne man doch nicht immer wieder nur den Aus- sagen der Schutzleute folgen. Der Angeklagte sei freizusprechen. Das Urteil nahm Bezug auf eine Kammergerichtsentscheidung. nach der dem Schutzmannsbcfchl wirklicher„unbedingter" Gehör- sam zu leisten sei. Das habe B. anfangs getan, aber nachher nicht mehr, vielmehr habe er sich schieben lassen. Daß er sich aufgelehnt habe, beweise ja auch der Beifall der Zuschauer. Eben dieser Bei- fall wirke strafschärfend, weil er auf eine Erregung der Menge und eine dadurch bedingte Gefährdung der Polizei schließen lasse. Trotzdem wolle man den Angeklagten mit einer Geldstrafe von 30 Mark davon kommen lassen. Wer glaubt noch nicht, daß Preußen ein Polizeistaat aber kein Rechtsstaat ist?_ Ein Mann mit zwei Frauen mutzte sich gestern in der Person deS aus der Untersuchungshaft vorgeführten Schlächters Adolf Beyer vor der 1. Strafkammer des Landgerichts I verantworten.— Die Verhandlung entrollte ein recht trübes Bild einer Ehe. Der Angeklagte, welcher aus Chemnitz stammt, verheiratete sich dort im Jahre 1890 zum ersten Male. Die Eheleute blieben nur zwei Wochen zusammen, da der Angeklagte entdeckte, daß seine Frau sich des Nachts auf den Straßen herumtrieb und Männcrbekannt- schaften suchte. Eine Ehescheidungsklage wurde aus formellen Grün- den zurückgewiesen. Der Angeklagte kümmerte sich in Zukunft nicht mehr um seine sogenannte„bessere Hälfte", bis diese eines Tages Sehnsucht nach ihm empfand und ihn in Oberschönewcide. wo er in Arbeit stand, aufsuchte. Der Angeklagte ging auch mit nach Chemnitz zurück. Das Zusammenleben dauerte wieder nur acht Tage und endete mit einer Denunziation seitens der Ehe- frau wegen Zuhälterei. Beyer wurde jedoch bald wieder aus der Haft entlassen, da er fälschlich beschuldigt worden war. Der An- geklagte ging dann nach Berlin und heirat£Te hier im Jahre 1007 zum zweiten Male, nachdem ihm, nach seiner Behauptung, seine Eheftau mitgeteilt hatte, daß die Ehe auf ihren Antrag hin ge» schieden sei. Tatsächlich war die erste Ehe nicht getrennt worden und in der gestrigen Verhandlung bestritt auch die„Frau Nr. 1" dem Angeklagten jemals mitgeteilt zu haben, daß die Ehe geschieden Sei. Das Gericht verurteilte deshalb den Angeklagten wegen Zigamie zu ö Monaten Gefängnis. VennilcKtm Die eirenbabnfcataftropbc in Villepreux. Bei dem Zusammenstoß der beiden Eisenbahnziige auf dem Bahnhof Villepreux(Frankreich), über den wir bereits in unserer Somitagnummer berichteten, find nach den vorliegenden Telegrammen 18 Personen getötet und etwa 80 ver» letzt worden. Da die Züge in Brand gerieten, sind die unter den Trümmern der Wagen hervorgezogenen Leichname teilweise bis zur Unkenntlichkeit ver» kohlt. Das Unglück entstand dadurch, daß der ans Paris kommende Eilzug in voller Fahrt auf den im Bahnhof stehenden Personenzug auffuhr. Mehrere Wagen wurden zer- trümmert, während andere in Brand gerieten. Im ganzen sind zehn Wagen ein Raub der Flammen geworden. Der Maschinist deS getroffenen Zuges wurde vor Schreck irrsinnig. Aus dem Bahn- Hof spielten sich herzzerreißende Szenen ab. Als Ursache der Kata» strophe wird angegeben, daß an dem Eilzuge ein Defekt an der Maschine war, den der Lokomotivführer des Zuges zu reparieren versuchte. Dabei habe er daS Signal überfahren und so das Un- glück veranlaßt._ Hanseinsturz in Lemberg. Eine schwere Katastrophe hat sich in der Nacht zum Sonntag in dem dichtbevölkerten Judenviertel der Stadt Lemberg zu- getragen. Ein von vielen Familien bewohntes dreistöckiges Haus stürzte in sich zusammen und begrub eine große Anzahl Personen unter seinen Trümmern. Bisher wurden unter den Trümmern elf Tote und zehn Schwerverletzte hervorgezogen. Ueber das Schicksal vieler anderer Bewohner des Hauses ist bisher nichts bekannt; so wohnten beispielsweise bei einer Familie 26 bis 30 Schlafburschen, von denen noch keine Spur gefunden werden konnte. Auf der Unglücksstelle spielen sich herzzerreißende Szenen ab. Mütter jammern um ihre Kinder, die schrecklich verstümmelt aus den Trümmern hervor- gezogen werden. Ein Familienvater, der seine ganze Familie bei der Katastrophe verlor, ist vor Schreck irrsinnig geworden. »» m Bei dem Einsturz einer Mauer in der Rue Muralla de San Franziska in M a u r e s a(Spanien) wurden drei Personen getötet und achtzehn schwer verletzt. Von zwei Personen, die sich noch unter den Trümmern befinden, weiß man nicht, ob sie sich noch am Leben befinden._ Gefahren der See. Wie uns ein Telegramm aus London meldet, stieß am Sonntagabend bei dichtem Nebel an der englischen Küste in der Nähe von Holyhead der französische Dampfer„La R o s ch e l l e", von Bilbao kommend, mit dem irischen Dampfer„Jews" zusammen. Die„La Roschelle" sank sofort. Trotz schleunigst vorgenommener Rettungs- arbeiten konnten von der Besatzung des untergegangenen Schiffes nur neun Mann gerettet werden. Zehn Mann, unter ihnen der Kapitän, ertranken. Auch die„Jews" ist bei dem Zusammenstoß schwer beschädigt worden. An der östlichen Küste Frankreichs ist bei dichtem Nebel der englische Dampfer„Odce" auf einen Felsen auf- gelaufen. Es gelang der Mannschaft, sich auf ein Eiland zu retten. Das Schiff wurde bei dem Ausrennen auf den Felsen fast vollständig zerstört. Zwei pfaffen als IVIefferftedjcr, Zu einer blutigen Rauferei kam es am Sonntag, wie unZ ein Telegramm ans New Dork meldet, in der Kirche der Stadt Williams im Staate Kentucky. An Stelle des bisherigen Pastors V a n o v e r, der wegen verschiedener Unregelmäßigkeiten in seinem Amte suspendiert war, wollte der neue Pastor P e r r y den Gläubigen seine Sonntagspredigt halten; er fand aber die Kanzel bereits durch seinen Vorgänger besetzt. P e r r y eilte auf die Kanzel, um seinen Gegner herunter- zuholen. Nach kurzem Ringen griffen die beiden GotteSmänner zum Messer, in dessen Anwendung sie offenbar besser als in der Bibel bewandert waren. Schon nach wenigen Minuten hatte Perrh seinem Gegner den Hals durchschnitten, so daß Vanover leblos von der Kanzel fiel. Der streitbare Pastor will der nächsten Predigt das 5. Kapitel des Evangeliums Matthäi zugrunde legen, in dem eS heißt:„Liebet eure Feinde."_ Unwetter im Hafen von New Nock. Kurz nach der Ankunft des Präsidenten Roosevelt ging am Sonnabend über den Hafen von N e iv D o r k ein schweres Unwetter nieder, das zahlreiche Opfer gefordert und großen Sachschaden an- gerichtet hat. Ein Motorboot der Steuerbehörde rannte während des Unwetters gegen eine kleine Dampfbarkasie, die sofort sank. Die gesamte Besatzung in Stärke von 14 Mann ist ertrunken. Furchtbar hat der Sturm an den Häusern gewütet, die den Hafen umsäumen. Dächer wurden abgedeckt, Schornsteine umgestürzt, schwere Eisenzäune eingerissen. 20 Personen sind während des Unwetters von Blitzen erschlagen worden. Die allgemeine Aufregung benutzte eine Einbrecherbande zu Raub- Zügen._ Kleine Notizen. Schwere Antomobilunfälle. Das Automobil eines BreSIauer Geschäftsmannes fuhr in der Nähe von Jordansmühl in Schlesien gegen einen Kilometerstein. Dabei erlitt der Kaufmann- Ki r s ch n er- Berlin einen Schädelbruch und war sofort tot. Die Frau des Automobilbesitzers trug schwere innerliche Verletzungen davon. Ein Messerstecher. In D i l l i n g e n an der Saar erstach ein italienischer Arbeiter bei einem Familienstreit seine Schwägerin und verletzte seinen Bruder und seine Frau lebens- gefährlich. Der Mörder wurde verhaftet. Vom Eisenbahnzug überrannt. Der fünfjährige Sohn eines Ziegeleiarbeiters aus Wulften in Thüringen zog sein dreijähriges Schwesterchen in einem Wagen unter der geschlossenen Eisenbahn- Karriere hindurch. Im nächsten Augenblick brauste der fällige Per- sonenzug heran, erfaßte den Wagen und zermalmte das kleine Mädchen, das sofort rot war. Auch der Knabe, der zur Seite geschleudert wurde, erlit so schwere Verletzungen, daß er bald daraus st a r b. Ein Sergeant des Trierischen Feldartillerieregiments wurde in Biewer bei Trier am Montag niorgen erstochen aufgefunden. Neben der Leiche lag der gezogene Säbel des Erstochenen. Bon Wilderern erschossen. In Raßnitz(Probinz Sachsen) wurde der Förster I e tt tz s ch bei einem Rekonter mit Wilderern schwerverletzt. In hoffnungslosem Zustande wurde er in die Hallesche Universitätsklinik überführt. Ein schwerer Brand wütete in der russischen Stadt M o h i l e w. Die Feuersbrunst zerstörte S00 Holzhäuser, 2 Kirchen sowie mehrere Schulen, zehn Menschen sind bei dem Brande um- gekommen. Unifangreiche Diebstähle haben in Paris drei Kanalränmer be« gange», die jetzt von der Polizei verhaftet wurden. Wie einer der Verhafteten eingestand, haben die drei während der letzten sechs Jahre für 200 000 Franks Telephonkabel gestohlen. Die Arbeiten an dem„Pluviose". Bei den neuerdings wieder aufgenommenen Bergungsarbeiten wurden bisher 19 Leichen ge- borgen. Von den Bergungsinannschaften sind nenn Personen durch die giftigen Gase, die ihnen aus dem„Pluviose" entgegenströmten, schwer erkrankt. Der Kölner Lenkballon Clouth hat Sonntag nacht eine Fahrt von Köln nach dem AnsstellungSgelünde in Brüssel unternommen. Die Fahrt ging glatt vonstatten, jedoch mußte der Ballon deS Nebels wegen etwa eine Stunde über dem Ausstellungsgelände kreuzen. Die Fahrt nahm etwa 4'/, Stunden in Anspruch. Unwetter in Rumänien. Schwere Unwetter haben in der- schiedencn Landesteilen Rumäniens große Verwüstungen angerichtet. Wie geflüchtete Landbewohner berichten, sind ganze Dörfer vernichtet, viele Personen, darunter zahlreiche Kinder, haben in den Fluten den Tod gefunden. Wsiii! der tiaoperbliclien Hilfsarbeiter Deiilscblaniis. Zweigverein Berlin u. Umgegend. (Bezirk Schönhauser Vorstadt.) Am Freitag, den 17. Juni, ver- starb unser langjähriges Mitglied, der Kollege Wilkelm k�ietde. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Dienstag, den 21. Juni, nachmittags 4 Uhr, von der Leichen- Halle des Bartholomäus- Kirch- Hofes in Weigensee, Falkenberger Chaussee, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 30/4 vor Zwelgvoreinsvorsland. Gesang-Verein Liedertafel„West". Am 17. Juni verstarb unser langjähriger SangeSbruder Ferdiuaud Rösner. Die Beerdigung findet heute nachmittag 5 Uhr von der Leichen- Halle des städtischen Friedhofes in Frdrichsjelde aus statt. 61/3 Der Torstand. TodeS-Anzeige. Heute verschied plötzlich insolge Hcrzlähmung mein geliebter Mann, unser lieber Sohn, Bruder, Schwa- ger und Onkel, der Destillateur Wilkelm 8cdroder im 33. Lebensjahre. Um stilles Beileid bitten Die trauernden Hinterbliebenen. Die Beerdigung findet am Dienstag. den 2t. Juni, nach- mittags i1/, Uhr, von der Leichen- halle des städtischen Friedhofes in der Seestraße aus statt. 622Äb VoltesanDeiLo. Sonntag nachmittag 5 Uhr verstarb nach langem schweren Leiden mein lieber Mann, unser guter Vater und Großvater, der Maler Gustav Sckeuk im 58. Lebensjahre. Die Bceroigung sinket am Mitt- woch, den 22. Juni, nachmittags 6 Uhr, von der Halle deS Luisen- Kirchhoss, Fllrstendrunner Weg, aus statt. Die tratiermlen Hinterbliebenen. Für die Teilr Danksagung. vielen Beweise inniger iilnahme, die uns von allen Ver, wandten, Freunden, Bekannten sowie den Parteigenossen am Grabe meines geliebten Mannes, des Kassierers AdolS Schulze zu teil geworden find, spreche ich auf diesem Wege meinen tiesgesühiten Dank auS. 53022 B e r l t n, den 20. Juni ISIS. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen tVitmo Anna S4chalzo. Danksagung. Für die vielen Beweise inniger Teilnahme, die uns von allen Ver- wandten, Freiinden, Kollegen und Bekannten am Grabe unseres einzigen unvergeßlichen Sohnes A I t' r v/, Uhr Krancdea-Vefsswmluax der vrsktardeiter im Gcwertjchaftshaus, Engclujer 15, Saal 3. Tages-Ordnung: 1. Vortrag drZ Kollegen Hilpert. 2. Diskussion. 3. Branchenangelegenheiten und Verschiedenes. Da in dieser Versammlung wichtige Beschlüsse gesaßt werden sollen, ist eS notwendig, daß alle Kollegen anwesend find. Keiner fehlet Mittwoch, den SS. Juni 1S1V, abendS S Uhr Allgemeine Gürtler- Uersammlung in den Arminhallen, Kommandantenstr. 58/59. TageS-Ordnung: 1. Bericht über die Statistik der Metnllm ennereien. 2. DISkusfion. 3. Ersatzwahl znr Agitalionskommission. 4. Verschiedenes. Zahlreicher Besuch wird erwartet. Graveure! Ziseleure! Mittwoch, den SS. Jnni, abendS 8'/, Uhr Vv�ssrnnHung im Dresdener Garten. DreSdenerstr. 45. Tages, Ordnung: 117/12 1. Bericht über unsere Tarisoerhandlungen und der Beschluß der Versammlung der Arbeitgeber. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Mitgliedsbuch legitimiert. Rege Beteiligung wird erwartet. Achtung k Erwerbslose Kranke. Achtung! Da das Bureau am Donnerstag, den 3V. Juni wegen Quartals. schlust geschloffen bleibt, erhalten die Kollegen schon am SS. Juni er. ihre Unterstützung. Des weiteren werden die Kollegen ersucht, ihre Unterstützung abzuheben, da sämtliche Bücher bis zum SS. Juni er. zwecks Kontrolle ein- gezogen werden: auegcschloffen davon sind die Kollegen, welche sich in Heilstätten oder Krankenhäusern besinden und ihre Uuterftützung nach Be- endigung der Kranlhcit abheben. __ Ple Oitsverwalinng. Believue Wolfersdorfer Schleuse, empfiehlt sich zu Dantpserpartien. 2465b' Groster Parkettsaal. Garten direkt am See „Seit 3 Jahren litt ich an einem Heftigen. Häßlichen Gesichts- ansschlag Schon nach 3täg!g. Gebrauch von Zncker's Patent-Modizinal-Seife ward Erfolg augenjällig. Die Pickel trockneten ein und es bildeten sich keine neuen mehr. Nach Verbrauch v. 2 Stck. war meine Haut vollständig rein. P. N. in Crcseld.' a Stck. 50 Ps.(150loig) u. 1.50 M. v3ö°;ntg, stärkste Form). Dazugehörige Zuck->oi>-Creme 75 Ps. u. 2 M., fern. �juckaoti-Zeife(mild) 50 Ps. u. 1.50 M. In Uerlia in Behrens Drog.(Apoth. H. Krause), Franks. Allee 120, O. 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Nr. 3). ===== Ortsverwnltaug; Berlin U.■ Dienstag, den S1. Juni, abends 8 Uhr. bei Neidhardt (früher Tolksdorf). Görliber Str. 58: ßfflntglicdcr-Vcrfamtnlluiig. TageS-Ordnung: 1. Wahl der Abgeordneten zur Generalversammlung in Neustadt an der Haardt. 2. Verschiedenes.— ES ist Pflicht jedes Mitgliedes, in der Versammlung zu erscheinen. Mitgliedsbuch legitimiert! 184/7 vi« Ortsverwaltanz. I Dentschlnnds. Zweigverein Berlin a. Umgegend. Laut Mitteilung des Hauptvorstandes ist die Zahlung des außerordentlichen Strcikbeitragcs mit Sonnabend, den 18. Juui, aufgehoben und ist derselbe nur noch für diesen Tag zu zahlen. Gleichzeitig teilen wir den Kollegen mit. daß die tägliche Kontrollmeldung mit dem 18. Juni gleichfalls aufhört. Die arbeitslosen Kollegen haben ihr Verbandsbuch nebst Vorzeigung der Jnvalidenkarte von jetzt ab wie früher, des Freitags oder Sonnabends von 8 bis 12 Uhr vormittags und von 1 bis 4 Uhr nachmittags, in einem unserer Verkehrslokale oder im Verbandsbureau zur Abstempelung vorzulegen. Wir ersuchen die Kollegen, hiervon Kenntnis zu nehmen. Der Zweigvereins-Vorstand. 30/3 I. A.: Wilhelm Hioacb. 3 Fachwerkschnppen eiserne, gebraucht, gut erhalten, sind zu oerkaufen. Große: 20/13, 24/1?, 24/14.4 m. Mitteilungen unter Chissre L. 3. Erp. d..Vorwärts ? arzelle M. liOO, Anz. ltiv M.a.verk.Kolonie Daheim Bicedorf.Marrahaor Str. S, part. Del. Lg. 676. Leibbaus seit 27 Jahren1 Golcgenheltskilafo verinllencr Brillanten,[ Gold-, Sllbcrwnron etc.' Moiilzjilate, e.;;ät im Hause der National-Bank. (früher Prinzenstr. SS) I Beste Bezugsquelle Auf Teilzahlung UBadicntl. nur IMatH Herren- und Camenuhron. Ketten, Wand- und Standuhren, Grammophone, Zithern und alle Musikwaren. 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Wahlkreis an den Genossen Paul Bartsch, N�V. 29, Lessingstrahe 32. Für den II. Wahlkreis an den Genossen Heinrich Schröder, L. ö3, Bergmcnnstratze 95, II. Für den III, Wahlkreis an den Genossen Karl König, S. 69, Kottbuser Damm 7, Hof 1 b. Pötzsch. Für den IV. Wahlkreis an den Genossen Karl Rott, 0, 31, Strastmamistrafze 29. Für den V. Wahlkreis an den Genossen Albert Hahnisch, C, 54, Augusistratze 51, Quergeb, IV. Für den VI. Wahlkreis an den Genossen Richard Henschel, ü. 58, Ueckermünder Straße 17, II. Für Nieder-Barnim an den Genossen Hermann Elias, 0. 112, Blumenthalstraße 24. Für Teltow-BeeSkow an den Genossen Karl Rohr, Rixdorf, Selchower Straße 15—16, IV. Für Potsoani- Ofthavelland an den Genossen Emil Schubert, Spandau, Kurstraße 21. Für alle übrigen Orte der Provinz sind Mitteilungen zur Lokal- liste durch die Borsitzenden der Kreise an den unterzeichneten Ob- man» der Kommission zu richten. Um das rechtzeitige Erscheinen der Lokalliste zu ermöglichen, ersuchen wir die Parteigenossen dringend, alle Mit- teilungen in Lolalangelegenhciten für G r o tz- B e r l i n dem zu- ständigen Kommissionsmitgliede, für die übrigen Orte der Provinz dem Vorsitzenden des betreffenden Kreises zu übermitteln.— Ferner weisen wir wiederholt auf den in den Lotaltouferenzen der Lokalkreise so oft gefaßten Beschluß hin, wonach die örtlichen Kommissions Mitglieder unbedingt verpflichtet sind, vor dem Erscheinen jeder neuen Liste rechtzeitig an den Obmann ihres Kreises einen Bericht einzusenden, gleichgültig, ob Veränderungen dor> gekommen sind oder nicht. Orte, aus denen kein Bericht kommt, werden in der Liste nicht weiter aufgeführt und haben sich die betreffenden Genossen die etwa hieraus entstehenden unangenehmen Folgen selbst zuzu- schreiben. Alle nach dem 26. Juni einlaufenden Meldungen können nicht mehr berücksichtigt werden nnd ersuchen wir, dies zu beachten. Des weiteren ersuchen wir wiederholt, alle Mitteilungen in Lokalangelegenheitcn nur durch die oben genannten Kommissions- Mitglieder an den Obmann der Kommission zu richten und nicht direkt an den„Vorwärt S". Es entstehen hierdurch nur unnötige Verzögerungen, und da die meisten Einsendungen immer erst in letzter Stunde einlaufen, ist, wenn es sich um eine Sperrnotiz handelt(Vergnügen in einem gesperrten Lokal), eine Publikation nicht mehr möglich. Ter Obmann der Lokalkommission: RichardHenschel, Berlin dl. 58, Ueckermünder Straße 17, II. » Zur Lokalliste. Auf wiederholte Anfragen teilen wir mit, daß die von der Handwerkerkauimer neu erbauten„Sarnmersäle", Teltower Straße 1—3, Ecke Belleallioncestraße, Oekonom Herr Palm, der Arbeiterschaft zu Versammlungen verweigert werden, das gleiche ist der Fall mit den Räumen der„Versuchs- und Lehrbraucrci" in der Seestraße. Für Ausflügler, die Eichwalde besuchen, teilen wir mit, daß dorisclbst folgende Lokale streng zu meiden sind: Hotel und Restaurant „Sanssouci", Bahnhosslraße, Inhaber Rex;„Bahnhofs- Restaurant". Inhaber Bade:„RathauSkeller". Bahnhof- straße 12, Inhaber Lindner;„W i ch e r t S Gesellschaftsbaus". Gosener Straße;„Schwedisches Blockhaus", Inhaber Schlicht»{ M steht uns nur das Lokal von Robert D e I t o>v, Templiner Str. 181, zur Verfügung. In Mariendors ist„Gratzls Gesellschaftsbaus" nach wie vor gesperrt._ Die Lokaltommission. Das Ergebnis der Delcgiertenwahlen im vierten Wahl- kreise. Am Sonntag wurde im vierten Kreise eine Nr- abstimmung vorgenommen über die nach dem internationalen Kongreß in Kopenhagen zu entsendenden Delegierten. Es wurden 2718 Stimmzettel abgegeben. Davon waren 21 ungültig. Geivählt wurden: Genosse A. H o f f m a n n mit 1582 Stimmen und Genosse P. H o f f m a n n mit 708 Stinimen. Die übrigen Stimmen verteilten sich auf die anderen 15 Kandidaten. Der Vorstand. Charlottcnburg. Heute abend 8Vz Uhr im großen Saale des Bollshauses. Rosinenstr. 3: Generalversammlung. Tages- ordnuiig: 1. Bericht des Vorstandes und der Funktionäre. 2. Kasten- bericht vom 2. Onartal. 3. Neuwahl des Vorstandes und der samt- lichen Funktionäre. 4. Vereiiisangelegenheiten(Volkshaus-Regie!). Der Vorstand. Friedenau. Heute abend pünktlich Va9 Uhr bei Mechelke, Hand- jerystraße 60/61, Mitgliederversammlung. Referat des Genosten Dr. Max Schütte über„Freiligrath". Außerdem ist eine wichtige Tages- ordnuiig zu erledigen. Der Vorstand. Zehleiidorf(Wannseebahn). Die Generalversammlung des Wahlvereins findet nicht heute. Dienstag, den 21. Juni, sondern nächsten Dienstag, den 28, Juni, statt. Der Vorstand. • Lichtenberg. Heute abend, pünktlich 8'/z Uhr, findet im Lokal der Gebr. Arnhold, Frankfurter Chaustee 5/6. die Mitglieder- Versammlung des Wahlvereins statt. Tagesordnung: 1. Vortrag de« Genossen Pieck über:„Unsere Taktik". 2. Stellungnahme zum Internationalen Kongreß. 3. Verschiedenes. Tempelhof. Am Mittwoch, den 22. Juni, findet im Park- restaurant Kreideweiß. Berliner-, Ecke Dorfstraße, eine Volks- Versammlung statt. Tagesordnung: Vortrag des Schriftstellers Genossen Max G r u n w a l d über Die politische Lage. Diskussion und Verschiedenes, Genossen und Genossinnen, sorgt für zahlreichen Besuch dieser Versammlung. Ortsteil Treptow. Heute Dienstag, abends 8'/, Uhr: Mit- gliederversammlung in der Radrennbahn. Tagesordnung: Vortrag des Genossen B ö s k e„Der internationale Kongreß in Kopenhagen". Bercinsangelegeiiheiten und Verschiedenes. Der Vorstand. FricdrichSfelde. Heute abend, pünktlich 8'/» Uhr, findet die Generalversammlung unseres Bezirks im Lokal von Bausdorf. Berlinerstr, 18. statt. Tagesordnung: 1. Unser Ziel und unsere Wege. Referent Genoste Schacht. 2. Bericht der Funktionäre. 3. Funktionär- wähl. 4. Stellungnahme zum Parteitag. Die Mitgliedsbücher sind mitzubringen. Zossen. Am Donnerstag, den 23., abends 8'/z Uhr, findet im Lokale des Genossen P. Kurzner eine außerordentliche General- Versammlung statt. Tagesordnung: Aufnahme neuer Mitglieder. Vortrag des Genossen ReichStagSabgeordneten Emil Eichhorn über f das Thema:„Die Internationale". Lokalangelegenheiten. I Verschiedenes. Die Parteigenossen wollen für diese Versammlung 'rege agitieren. Der Vorstand. Pankow. Heute Dienstag, abends 8'/, Uhr, findet im Lokal von Grohkurt, Berliner Str. 27, die Generalversammlung statt, Tagesordnung: 1. Bericht der Funktionäre. 2. Neuwahl der gc- samten Bezirksleitung. Mitgliedsbuch legitimiert. Die Bezirksleitung. Biesdorf. Heute Dienstag, abends 8'/z Uhr, Zahlabend bei Gustav Berlin. Die Bezirksleitung. Potsdam. Am Mittwoch, den 22. d. M., abends 8'/z Uhr, für die Wahlvereinsmitglieder: Zahlabend. 1. Bezirk: Wegener, Ecke Alter Markt und Kaiseistraße. 2. Bezirk: Glaser, Kaiser Wilhelm- straße. 3. Bezirk:„Vikloriagarten", Alte Lmsenstraße. Berliner JVaebnebten» Die Juristische Sprechstunde findet in der Zeit vom Donnerstag, den 23. d. Mts., bis zum Donnerstag, den 14. Juli, einschließlich in den Abendstunden von 7>/, bis 9'/». des Sonnabends von 6 bis V'/a Uhr statt. Jugendliche Ausflügler. Zahlreich waren sie gekommen, die jugendlichen Arbeiter, die der Jugendausschuß am Sonntag zu einem Ausfluge nach dem Müggelschloß bei Friedrichshagen eingeladen hatte. In aller Frühe hatten sich die jungen Leutchen an be- stimniten Stellen eingefunden, um von hier aus unter Leitung eines Ordners ihre Partie anzutreten. Jeder Teilnehmer hatte sich mit Proviant versehen, da in frischer Lust der Appetit noch größer ist als sonst und mit den Mitteln sehr Haus- hälteiisch zu Werke gegangen werden mutz. Wer am Sonntag selbst einen Ausflug nach den östlichen Vororten wie Karlshorst, Sadowa, Frirdrichshagen unternahm, konnte schon in den Eisenbahnzügen Gruppen von jungen, lustigen Menschen bemerken, die froh und vernehmlich ihre Wanderlieder ertönen ließen. Einzelne Gruppen wählten den Weg über Grünau, von wo aus die Teilnehmer sich übersetzen ließen und dann zu Fuß dem Ziele zustrebten. Marschlieder durchhallten den Wald und es war eine lvahre Freude, zu sehen, wie wohlgesittet die jungen, werdenden Menschen sich bewegten. Im Müggelschloß hatten sich gegen 2500 Jugendliche eingefunden, zu denen sich etwa 500 Erwachsene gesellten, wo sie bei Gesang und Spiel anregende Unterhaltung fanden. Im Walde hielt Genosse Adolf Hoffmann eine Ansprache. Und als der Abend hereinbrach, mag es manchem Teilnehmer schwer geworden sein, sich von seinen Kameraden zu trennen. Der Verlauf der Veranstaltung war ein vorzüglicher. Die Gendarmen fanden nichts zu tun. Von Arbeitern der städtischen Straßcnrcinigung geht uns folgendes Schreiben zu: „Die Lohnerhöhung, die die städtische Straßenreinigung ihren Arbeitern hat zukommen lassen in der Höhe von 15 rcsp. 25 Pf., soll anscheinend»ach Ansicht der Arbeiter dadurch wieder heraus- gewirtschaftet werden, daß einfach keine Hilfskräfte angenommen werden, obwohl jetzt ein Mangel an Arbeitskräften besteht, wie in keinem Jahre zuvor. Sind doch für die Fnhrzeugdepots allein fast ans jeder Abteilung 2—4 Mann als Fahrer ablommaudiert worden; dazu 2 Mann auf Urlaub und im Durchschnitt 3 Mann krank, sodaß zumeist 7—9 Mann in den Abteilungen fehlen. Daß da von einer regu- lären Arbeitsleistung nicht die Rede fem kann, muß jedem, der im Betriebe Bescheid weiß, einleuchten. Die Direklion wird nun sagen: „Ja, die Arbeit wird doch jeden Tag fertig im Revier." Gewiß— man frage aber nur nicht: wie; es ist eine lvahre Treibjagd. Daß eine solche AbHetzerei auf die Dauer der Gesundheit der Arbeiter schädlich ist, sollte auch der Direktion einleuchten. Nichts- dcstoweniger„spart" sie und denkt gar nicht an die Einstellung von Hilfs- kräslen. Die Herren Vorgesetzten— so mancher ist aus der vor- handenen großen Schar derselben vollkomme» überfliissig— haben für eine vernünftige Gestaltung des Dienstes keine Zeit, vielleicht geht manchem auch daS Verständnis dafür ab. Dafür erschöpfen sie ihre„Intelligenz" nach Art preußischer Unteroffiziere in Schikanen der Arbeiter beim„Lnmpenappell". Jede Nichtigkeit gibt da Anlaß zu unverschämten Reden gegen die Arbeiter. Die gelverk- schaftlich Organisierten werden ganz besonders gezwiebelt, wogegen die Direktion nichts einzuwenden zu haben scheint. Das gesetzlich festgelegte Koalitionsrecht ist der Direktion einfach Luft. So hat sie kürzlich einen Aufseher gegen die jugendlichen Arbeiter losgelassen mit dem Auftrage, die der Jugendsektion des Gemeinde- arbeiterverbandeS angehörenden Mitglieder herauSzuschnüsteln.„Wer dem Verbände angehört, der fliegt rausl" so wurde ungeniert gedroht, ohne sich darum zu kümmern, daß man gar kein Recht hat, in das außerdienstliche Tim und Lassen der Arbeiter hineinzureden. Was hat eS für einen Sinn, wenn der Oberbürgermeister im Rathause feierliche Versprechungen für das Koalitionsrecht der städtischen Ar- heiter abgibt— und die Betriebsteilungen pfeifen auf solche Aeußerungen ihres höchsten ChefS I' Kranke erster und zweiter Klasse. Die gemischte Deputation zur Beratung des Antrages des Stadtverordneten Dr. Gelpcke wegen Errichtung besonderer Abteilungen für zahlende Kranke in den städtischen Krankenhäusern trat gestern unter dem Vorsitz des Oberbürgermeisters Kirschner zu ihrer zweiten Sitzung zusammen. Mit allen gegen zwei Stimmen hielt die Deputation die Errichtung besonderer Abteilungen für Kranke aus dem Mittelstände für erwünscht. Vergebens wurde von dem Vertreter der sozialdemokratischen Fraktion, Genossen Dr. Wehl, darauf hingewiesen, daß die Verwirklichung dieses Pro. jekts nicht nur eine Verringerung der heute für den übrigen Teil der Bevölkerung zur Vetfügung stehende Betten zur Folge haben wird, sie wird auch den Anlaß zu recht häufigen und zahlreichen Beschwerden bilden. Es hat viele Jahre bedurft, um die Abneigung des Publikums gegen die Krankenhäuser zu verringern. Ganz ist dieselbe bis heute noch nicht geschwunden und eS wird in demselben Augenblicke, in dem verschiedene Klassen geschaffen werden, auch für viele Tausende von Patienten der Krankenhäuser der Anlaß gegeben sein, sich als Pflegling der letzten Klasse, für den eben alles gut ist, benachteiligt zu betrachten. DaS erscheint um so be- dauerlicher, als jahrelange Erfahrungen uns belehren, daß eine Reihe von Krankheiten sachgemäße Pflege und Behandlung nur in Krankenhäusern finden können, und daß andererseits viel« Tausende von Angehörigen des Proletariats, mit welchen die Krankenhäuser zu rechnen haben, in ihren gönzlich unzulänglichen Wohnungen niemals die erhoffte Heilung finden werden.— Der gestrigen Sitzung wurde nun als Verpflegungskostensatz der Betrag von 6 M. für den Tag vorgeschlagen. Kür die ärztliche Behandlung, für die Operationen usw. darf ein Honorar in den Grenzen der Gebühren- ordnung erhoben werden. Es wird allerdings erwartet, daß die Aerzte bei Bemessung ihrer Honorarforderungen die wirtschaftlichen Verhältnisse der Kranken sorgfältig berücksichtigen.— Es wurde zunächst empfohlen, im Krankenhaus Moabit einen Versuch zu machen durch Errichtung eines Hauses mit etwa 69 Betten für beide Ge- schlechter. ES sollen Zimmer für 1, 2, 3 und 4 Betten vorgesehen werden. Beim Vorprojekt des Umbaues des Erziehvngshauses am Urban soll auf Errichtung eines ähnlich großen Hauses für zahlende 5tranke Rücksicht genommen werden. Bei der Erörterung des Ver- pflegungssatzes und des ärztlichen Honorars ergaben sich so ver- schiedene Auffassungen, daß die weitere Beratung einer Vertagung anheimfiel. Das ganze Projekt ist ein totgeborenes Kind; dem Mittelstand kann auch mit diesem Plan nicht geholfen werden. Die Stadt soll es» sich zur Aufgabe machen, die Einrichtungen der Krankenhäuser soweit auszubauen, daß Kranke jeglicher Art dort eine einwandfreie ärztliche Behandlung, Beköstigung und Wwar- tung finden können, daß jeder schnell und gründlich Heilung findet. Den Wohlhabenden aber eine Extrawurst anzurichten, kann nicht Aufgabe der Stadt sein. Gegen die Beschmutzung der Straßen durch Hunde richten sich Beschwerden, die beim Polizeiprälidenlen von Schöneberg-Wilmersdorf eingegangen sind und die ibm Veranlassung gegeben haben, sich an die' städtischen Behörden von Schöneberg und Wilmersdorf zu wenden mit der Anfrage, ob sie bereit seien, Maßnahmen gegen die Hunde- plage aikf den Straßen zu treffen. Besonders schlimm soll es in der Uhlandstraße und im Bayrischen Viertel aussehen, wo die Zahl der Sinbenhunde, die täglich einigemal auf die Straße geführt werden, sehr groß ist. Der Polizeipräsident hält eS deshalb auS hygienischen Gründen für dringend notwendig, daß die Gemeinden ihre Hundesteuer- Ordnung einer Revision unterziehen und Bestimmungen erlassen, die den Hundebesitzern bestimmte Verpflichtungen bezüglich der Sauber- haltuicg der Straßen auferlegen. Die Gemeinde Friedenau hat bereits einen Nachtrag zur Hundesteuer-Oronung erlassen, nach dem die Besitzer verpflichtet sind, die Tiere in den großen Verkehrs- straßen und auf den öffentlichen Plätzen an der Leine zu führen und im„Notfalle" an den Straßendamm zu geleiten. Die Meldung, daß die westlichen Vororte in Gemeinschaft mit Berlin die Erhöhung der Hundesteuer auf 69—79 Wart planren, ist Hundstagsphanlasie, würde auch zur Folge haben, daß die kleineren Leute ihre viersüßigen Lieblinge verlieren, während die reichen Leute etwas tiefer ins Portemonnaie griffen oder aber nach Gemeinden ziehen würden, die solchen Maßnahmen abhold sind. Alifinerkiain machen wollen wir besonders, daß in Berlin neuerdings streng darauf geachtet wird, daß Hunde öffentliche Anlagen nicht beschmutzen, will der Besitzer des Hundes nicht Bestrafung riskieren. Ticrschutzpredigtm wurden am vergangenen Sonntag nach englischem Muster in zahlreichen Berliner Kirchen gehalten. Im vorigen Jahre geschah das nur in der Kaiser-Friedrich-GedächtuiS- Kirche. Jiizwische» haben sich die deittschen Tierschutzvereine mit Erfolg an die evangelische Geistlichkeit gewendet, um die Tierschutz- predigt an einem bestimmten Sonntag im Monat Juni oder Juli zu einer ständigen Einrichtung zu machen. Wir haben von jeher für den Tierschutz, soweit er nicht in Tier- luxns und Tiervergötierung ausartet, Verständnis gehabt. Auch gegen die Predigt des Tierschutzes in den Kirchen wäre nichts Be- solideres einzuwenden. Doch sind unsere Kirchen dank der Betätigung ihrer„Hirten" heutzutage allbekannUich so gähnend leer, daß hier die Tierschutzpredigl so gut wie verhallt. Angesichts der Stellung der Kirche zu der Menschenschutz erstrebenden Arbeiterschaft haben diese geistlichen Tierschutzprediglen auch nur eine» bedingten Wert. Im Freibad ertrunken. Wohl in keinem Sommer hat der Bade» spart so viele Opfer gefordert als in diesem Jahre. In der ver» flossenen Woche haben in den Gewässern in der Umgebung Berlins nicht weniger als 15 Personen, zumeist Berliner, den Tod gefunden. Vom Sonntag wird uns über zwei neue Fälle berichtet. Im Freibad Grünau ertrank ein unbekannter, etwa 35jährlger Mann. Er war eine Strecke ins Wasser hineingeschwommen und bekam plötzlich einen Krampfanfall. Zwei in der Nähe schwimmende junge Leute machten Ver- suche, den Untergehenden zu retten, die aber mißlangen. Die Leiche des Unbekannten konnte noch nicht geborgen werden.— Ferner fand in der Havel ein Schwimmer den Tod in den Fluten. Am Kladower User hatte ein junger Mitte der zwanziger Jahre stehender Mann gebadet. An verbotener Stelle war er ins Wasser gegangen. Der Fremde, der anscheinend die Absicht hatte, nach dem gegenüber- liegenden Freibad Wannsee zu schwimmen, hatte seine Leistungs- sähigkeit wohl doch allzusehr überschätzt. Inmitten der Havel verließen ihn schließlich die Kräfte, sodaß er unterging und ertrank. Kollision zwischen Schleppdampfer und Motorboot. In der Nähe des Sportdenkmals in Grünau stieß Soniltagabend der Schlepp- dampfer„Prinz Eitel Friedrich" mit einem vollbesetzten Motorboot, das die Uebersahrt von Marienlust nach Grünau besorgt, zusammen. Das Motorboot wurde so scharf angerannt, daß es ein großes Leck erhielt und sofort zu sinken begann. Uiiter�den etwa zwanzig Passa« gieren des Motorbootes entstand eine große Aufreglmg. DaS Personal des Schleppdampfers machte sich sofort an die Bergung der gefährdeten Personen. Sämtliche Insassen wurden rechtzeitig auf den Schleppdampfer gerettet und dann an Land gebracht. Das Motorboot selbst ging unter. Wodurch der Unfall herbeigeführt wurde, steht noch nicht fest._ Unglücksfalle im Straßenverkehr. Ein schwerer Straßenbahnunfall trug sich am Sonn- abend abend gegen'/z8 Uhr am Neuen Tor zu. Die in der Schwedter Str. 12 wohnhafte Buchhalterin Anna Pister halte einen. Wagen der Straßenbahnlinie V benutzt und verließ diesen an der erwähnten Stelle während der Fahrt. Fräulein P. kam dabei zu Fall und schlug mit dem Kopf so heftig auf das Straßenpflaster auf, daß sie eine blutende Kopfwunge und eine schwere Gehirn- erschütterung erlitt. Die Verunglückte wurde zunächst»ach der Charits gebracht und von dort dem Krankenhause Moabit zugeführt. Ein schrecklicher Verkehrsunfall hat sich am Sonnabend spät abends in der Ebertystraße ereignet. DaS sechsjährige Töchterchen Elisabeth des Schlächters Koch. Matternstr. 8, war von der Mutter in die Nachbarschaft geschickt worden, um eine kleine Besorgung zu er- ledigen. Beim Ueberschrc'iten des FahrdammeS an der Ecke der Mattern- und Ebertystraße geriet die Kleine gegen einen Wagen der städtischen Straßenbahn. Sie wurde gegen die Schutz- Vorrichtung geschleudert, niedergerissen und eine ganze Strecke mitgeschleift. Blutüberströmt wurde das bedauernswerte Kind nach dem Krankenhanse am Friedrichshain gebracht, wo schwere Schädel- und innere Verletzungen bei ihm festgestellt wurden.— Ueberfahren nnd schwer verletzt wurde gestern abend um 7 Uhr der Drechsler Max Lettau, der angeblich in Birkenmerder bei dem Schank- Wirt Grunewald wohnhaft sein soll. Der Mann, der etwas an- getrunken war. geriet vor dem Hanse Danzigerstr. 63 unter die Räder der Straßenbahn der Linie Warschauer Brücke— Virchow- Krankenhaus, die von der Landsberger Allee kam und wurde so un- glücklich überfahren, daß er niit schiveren Kopfverletzungen nach dem Krankenhause am Friedrichshain gebracht werden mußte. Aus dem Wasser gelandet wurde gestern die Leiche des 12 Jahre alten Sohnes Emst des Sattlers Westphal ans der Ritterstr. 39b. der seit Donnerstag nachmittag verschwunden war. Die Ellern«r» fuhren beim Suchen, dah ihr Sohn zuletzt am Waterlooufer gesehen worden war, wo er gespielt hatte. Hier horte jede Spur auf. ES hat aber niemand gejeben, wie der Knabe in den Landwehr- k a n a l hineingeraten ist. Wahrscheinlich ist er von der Uferböschung gefallen. Gestern abend fand man vor dem Hause Kottbuser Ufer 52 feine Leiche. Der Lcichenfnnd in Mariendorf ist auch bis heute noch nicht weiter aufgeklärt. In der Wohnung des Fabrikanten Kohlmetz in der Alexandrinenstratze 1b hat die Kriniinalpolizei eine große Menge Zyankali gefunden. Kohlmetz verschaffte es sich schon vor einem Jahr auf einen Giftschein, den er daraufhin erhielt, daß er Zyankali im seinen gewerblichen Zwecken gebrauche. Der zerfahrene Mann hatte schon damals die Absicht, fich das Leben zu nehmen und war längere Zeit von Hause weg. Unglücksfälle auf dem Wasser. Opfer des Segelsports. Sonntag nachmittag kenuterte ein mit 3 Herren ans Verlin besetztes Boot bei Sakrolv. Zwei Insassen konnten gerettet werden, emer ertrank. Die Leiche ist noch nicht gefunden. Gekentert ist am Sonnragvormittag ein Segelboot auf der Havel, vis-a-vis Babelsberg. Von den Schwimmeistern der nahe» Militärschwimmanstalt konnten die Insassen, zwei Herren und eine Dame, gerettet werden. Der Verein„Arbeiter-Jugendheim" hielt am 15. Juni im Gewerkschaftshause seine erste Mitgliederversammlung ab. Genosse Schenk referierte über„Di» Bedeutung der Jugendheime für die Arbeiterbewegung". In Deutschland seien bis jctzr 36 Jugendheime errichtet worden. Das für Berlin ins Leben gerufene Heim in der i!V>mireiiftraße sei in den vier Monaten seines Bestehens sFebruar bis Mai) von 1097 Jugendlichen besucht worden, darunter waren 135 weibliche. Von den Besuchern waren 546 Mitglieder der Freien Jugendorganisation. 29 des Metallarbeiter-VerbandcS, 15 des Transportarbeiter- und 19 des Lithograpben-VerbandeS; 452 Jugend- liche gehörten keiner Organisation an. Nach dem Alter waren 14 bis 16 Jahre 681/z7 Uhr abends der sechsjährige Sohn Willi des in der Belziger Str. 63 wohnhasten Arbeiters Maske. Der Kleine hatte mit mehreren anderen Kindern an der Ecke der Belziger und Akazienstraße gespielt, als plötzlich ein Gcschästsivagen der Vereinigten Spedilionsgesellschaft in scharfem Trabe um die Ecke bo�, gerade in dem Augenblick, als die Jungen über den Fahrdamm lause» wollten. Willi M. wurde von dem Gespann erfaßt, zu Bode» gerissen und geriet unter das Gefährt, dessen Räder über ihn hinweggingen. Der bedauernswerte Knabe erlitt einen Schädelbruch und schwere innere Verletzungen und Ivar sofort tot. Charlottenbutzg. Elternverein für freie Erziehung. Auf daS am Mittwoch, den 22. Juni, im WaldhauS, Tegeler Weg(Inhaber Fritz Kant), statt- findende große Kinderfest wird nochmals hingewiesen. Ein- trittSpreiS für Erloachsene 20 Pf., für Kinder 10 Pf. Der Vorstand. Groft-Lichterfelde. AuS dem Teltowkanal gelandet wurde vorgestern die Leiche deS seit denr 14. d. MiS. auS seiner Wohnung. Bisniarckstr. 28, ver- schwundencn Schneidermeisters Albert Zimmermann. Aus einem bei dem Toten vorgefundeuen Brief geht hervor, dntz der Schneider- meister eiucr HalSlrankheit wegen, die er für unheilbar hielt, Selbst- mord verübt hat. Friedenau. Aus der Gemeindevertretung. In der letzten Sitzung stand u. a. die Vorlage einer neuen Umsatzstcuerordnung zur Beratung. Während bisher jedes Rechtsgeschäft der Steuer unterlaa. trifft die Besteuerung nach der neuen Vorlage in Zukunft jede Eigentums- Übertragung. Wesentliche Aenderungen erfuhren die KK 2—8. Nach 8 2 wird ein der Steuer unterliegender Umsatz auch angesehen: s) wenn Grundeigentum einer Gesellschaft oder eines Vereins auf einen bisherigen Gesellschafter oder ein bisheriges Vereinsmitglied übergeht, auch wenn es nach den Vorschriften des bürgerlichen Rechts einer Auflassung nicht bedarf; b) wenn der Erwerb von Grundstücken im Wege der Uebertragung des Vermögens einer Gesellschaft oder deren Umwandlungen von Gesellschaften und Ge- nossenschaften erfolgt, und zwar auch dann, wenn eS nach den Vorschriften des bürgerlichen Rechts einer Auflassung nicht bedarf. Erfolgt der Umsatz auf Grund mehrerer Veräußerungsgeschäfte vom ersten Vcräußcrer an den letzten Erwerber, so ist die Ver- anlagung für jedes einzelne Rechtsgeschäft vorzunehmen und die Gesamtsumme der sich hierbei ergebenden Beträge der Besteuerung zugrunde zu legen. Die Höhe der Steuer beträgt nach§ 4 bei bebauten Grundstücken 1 Proz., bei unbebauten 1)4 Proz. des maßgeblichen Preises oder Wertes. Der Steuer ist der vereinbarte Preis zugrunde zu legen. Ist derselbe geringer wie der gemeine Wert des Grundstücks, so tritt der gemeine Wert an Stelle des Kaufpreises usw. Für die Zahlung der Umsatzsteuer find Ver- äußerer und Erwerber gesamtschuldnerisch verpflichtet. Die Bor- läge wurde nach kurzer Diskussion in erster und zweiter Lesung angenommen. Alsdann wurde die Errichtung eines eigenen Ver» waltungsgebäudes der Gemeinde beschlossen. Dasselbe soll auf dem Grundstücke der Gemeinde am Wilmersdorfer Platz, wo sich jetzt die Feuerwache befindet, errichtet werden. Baurat Altmann wird be. auftragt, der Gemeindevertretung nach den Ferien ein Projekt vorzulegen. Sodann wurde beschlossen, den Spielplatz am Maybach- platz auch während der Ferien freizugeben, für Beauftichtigung wurden 300 M. bewilligt. Zugestimmt wurde auch einer neuen Polizeiverordnung über das Halten von Hunden. Dieselbe machte sich notwendig dadurch, daß Hundebesitzer sich ein Vergnüge» daraus machen, ihre Hunde in den gärtnerischen Anlagen austoben zu lassen. Aus Anlaß deS 100jährigen Todestages der Königin Luise sollen„gesckichtlicbe Darstellungen" über die Königin für die Schul- büchereicn geschafft werden. ES wurden zu diesem Zwecke 750 M. verlangt. Die Vertreter der Arbeiterschaft erklärten sich entschieden gegen eine Verwendung von Gemeindemitteln, mit denen unter Umständen noch einer gewissen Geschichtsfälschung Vorschub ge- leistet werden soll. Grunewald. Tod den Krähen und Ratten hat der Gemeindevorstand ans der Kolonie Grunewald geschworen. Die beiden unwillkommenen Ber- treter des Tierreichs haben den Grundsatz:„seid fruchtbar und mehret euch' dort draußen in einer Weise befolgt, daß der Gemeinde- Vorstand sich genötigt sah, einen Preis auf jede tote Exemplar dieser beiden Gattungen auszusetzen. Die Ablieferung von Ratten- schlväuzen(guten Appetit I) sowie von Krähenständern kann a» Werttagen sin den Diciiststundcn im Gemeindebureau erfolgen. Es müssen aber Grunewalder Rattenschwänze und Krähenständer sein, gemogelt darf nicht iverde». An was der Gemeindevorstand aber erkennen will, daß die eingelieferten Schwänze und Ständer gerade aus dem Grunewaldgebiet stammen, ist allerdings nicht bekannt. Köpeniik. Einem Beschluß der letzten Kartellsitzung zufolg« findet am Sonntaa. den 26. Juni, die Besichtigung der Treptower Sternwarle statt. Die Abfahrt erfolgt vom Bahnhof Spindleröfeld um 3,21 Uhr, »achmittaas. Billets a 80 Pf. sind bei allen Kartelldelegierten sowie bei dem Genossen E. Wißler, Kietzerstr. 6, zu haben, Potsdam. Zu erregten Debatten kam eS in der letzten Stadtverordneten- Versammlung. Der Luisenhof, ein zum Kreise Zauch-Belzig ge- hörendes Grundstück von beträchtlicher Größe, soll zum Preise von 600 000 M. gekauft werden. Während der eine Teil der Stadt- Väter gegen den Ankauf Bedenken der verschiedensten Art hatte. glaubte der andere damit ein tadelloses Geschäft zu machen. Um der Situation ein gutes Ende zu geben, griff der Oberbürger« meister rechtzeitig ein und verteidigte die Grundstückspolitik des Magistrats; er erzählte auch ein„Geschichtchen" von einem Un- genannten, der den Luisenhof für 700 000 M. kaufen und dann denselben parzelliert an die Stadt losschlagen wollte. Dies habe der Magistrat verhindert und beim Kauf schnell zugefaßt. Und siehe, das wirkte, denn mit übergroßer Mehrheit fand die Mag: stratSvorlage Annahme.— Der BefoldungSplan sieht GchaltS- crhöhungen der städtischen Beamten vom Stadtbauinspektor bis herab zum Schuldiener vor. Die städtischen Arbeiter dagegen er- halten nichts, trotzdem sie eL am notwendigsten gebrauchen könnten. Für diese Gehaltserhöhungen sind 30 000 M. in den Etat einge- stellt worden. Der Etadtv. Bereu machte verschiedcntliche, zum Teil berechtigte. MonitaS, was ihm vom Magistrat übel vermerkt wurde. Ter Stadtv. KenncS, der die Ansichten des Stadtv. Beccu zu den seinigen machte, legte gegen den scharfen Ton de» Oberbürgermeisters Verwahrung ein. indem er darauf hinwies, daß es nicht nur da» gut« Recht, sondern die Pflicht eines Stadt-- berord'tielen sei. daö zu monieren,(üaZ et für falsch Halle. Tie Worte des Oberbürgermeisters seien schließlich darauf zuge. schnitten, die Stadtverordneten einzuschüchtern. Die Verhandlung mußte wegen Bcschlußunfähigkeit abgebrochen werden.— Ten Ai> fang der Tagesordnung bildete eine Beschwerde des Stadtin N e n b e r, nach dessen Ansicht die Betonarbeiten mangelhaft aus- geführt würden. Stadtbaurat N i a m a n n hat verschiedentlich Revisionen vorgenommen und gefunden, daß tatsächlich Unregel- Mäßigkeiten vorgekommen seien, doch trage die Schuld nicht die die Arbeiten ausführende Firma, vielmehr sei der Polier seiner Auf- gäbe nicht gewachsen.— Das Grundstück Neue Luisenstraße 23, welches 22 211 Quadratmeter groß ist, soll zum Preise von 7 M. pro Quadratmeter angekauft werden. Die Vorlage wurde abge- lehnt, da man den Preis für zu hoch hält. Eingegangene Vruckfckrifren. Von der..Gleichheit", Zeitschrist sür die Interessen der Arbellcrinnen (Siuttgart, Verlag von Paul Singer), ist uns soeben Nr. 10 des 2Z. Jahr- ganges zugegangen Sie hat iolgenden Inhalt: Dem Verdienllc seine Krone.— Der erste russische Kongreß zur Belünipsuug der Prostitution. Von Peter Ljubin. MoSkau.— Arbeiterinnenelend im Thüringer Wald. Von B.— örinncruiigen eines jungen Dienstmädchens. Von C. Tock- mann.(Schluß.)— Vom Spinnen und Weben m alter Zeit. I. Bon H. Jäckel.-- AuS ManSselds Ehrentagen. Von G. B.— AuS der Bewegung: Stellungnahme der Kenosftnncn des westlichen WestsalcnS zur Frauenkonferenz.— Von der Agitation.— Von den Organisationen.— Aus MaiiSfcld.— Zur Nichtigstellung.— Politische Rundschau. Von II. B. — Gcwcrkichastliche Rundichau.— Genossenschastliche Rundschau. Von kl.?.— Notizcntell: Ticnstbotensrage.— Gesundheitliche Gesahre» gcwerb- lichcr Frauenarbeit.— Fürsorge sür Mutter und Kind.— Fraucnslimm- rccht.— Verschiedenes. Für unsere Mütter und HauSsrauen: Ein Dichter der Revo» lution. Von Klara Zetkin.— Die Mutter als Erzieherin. Von h. seh.— Feuilleton: Ein Lied vom Tode. Voll Ferdinand Frciligrath.— Franz BäiimigerS Frau. Von Robert Grötzsch.— Sprüche. Für unsere Kinder: Mut zur Wabrheit. Von K. Gutzkow. (Gedicht.)— Die Geschichte von dem großen Philotopben. Von Rümpel- stilzchen.— Von einem schwarze» Man».— Der Zaubcrleuchiturnt. Von Eduard Mörike.(Gedicht.)— DaS reiche und das arme Kind. Von Franz Henschcl.— In Großvaters Aus trag. Von HanS Aanrud.— Arno. Bon E. Selon Thompson.(Schluß.)— Ter Kleinste. Von Emma Döltz. (Gedicht.) Die.Gleichheit' erscheint alle 14 Tage einmal. Preis der Nummer 10 Pf. Vom„Wahren Jacob" ist soeben die 13. Nummer deS 27. Jahr» gangcS IS Seiten stark erschienen. AuS ihrem Inhalt erwähnen wir: Bilder:»Der Stellvertreter". Von A. Mrnwei.—„Der EhristuS von Kallrhne". Von M. Vanselow.—„Aus Preußen".—.Obeiammeraau". Von A. Stachle.—.Musterwirtschasl". Von R. Rost.—„Des WcchsclbalgS Ende". Von E. Schilling.—„Regcntensorgen". Von W. Lehmann.— „Der Kamps im Baugewerbe". Von R, Rost,—.Der Dreckpulkau". Von H. G. Jentzsch. Text:.Die preußische Dahlrcchszvorlnge". Von Balduin.—.Das Finanzduell".—.Väterlicher Rat". Von Tobia«.—„Konsequent".— „Die Resorm-Ehe" a la VopcliuS".(Illustriert.) Von Tobias.—„Karsten Degenbardt". Von Rudols Franz.—»DaS ungeschriebene Gedicht". Von Leo Heller.— Der Preis der Nummer ist 10 Pf. Von der LicserungSauSgabe: Bebel, AuS meine»» Leben, ist so» eben Heft 4 und S zur Ausgabe gelangt. Bl Preis der alle b Tage von der Firma Paul Singer in Stuttgart heraus- gegebenen Hefte a 10 Pfi_ Bnefkaften der Redaktion. Tt» fntlflifibc epreififtiinvc flnfcti äiii&enftrnfte Nr.«0, bor» vier Treppe»— F a Ii r it» b l—. wachriiiäqUäi»o»?»/, dt» O'/j HSc abeiidS. Soiniabcnd» von« bis?>/-»hr nachmitiagS bau. Jeder jtlikraa» ist ->»>vu>tisiab« n»d eine Baht als Mierkzeicheu bctzuiügen. Ortefliitie Stiiiwori wird nicht ertcitl. Eilige Fragen trag» ma» in der Lvrrch» stunde vor. P. M. 75. Wir halten die Gcsellschast für sicher.— C. L. 69. Wir raten von irgend welchen Schritte» ab. Nach Ihrem Vortrag haben Sie Strafe nicht zu befürchten.— K. 8Z. Für den Verdienst sind keine Grenzen gezogen. Die Rente muß solange gewährt iverde», als nach fach. vcrstündigeni Gutachten Erwerbsunfähigkeit im Sinne de» Gesetzes vor, liegt. Bei dem Uilternchiner kann allerdinq» recherchiert werden.— P. L. 68. Für di« Zeit nach dem 1. Juli 1909 nicht.— R. äch. 26. DaS ist abhängig von der Höhe de» durqschllittilchsn Taaclohiie«, die Sie in dem Statut Ihrer Äraiilelikass« verzeichnet fiitdcii.— M. Z. 32. Ist der MletSziuS nach Monaten b e in e s s e»— die monatliche MictS- zahlung beweist da» noch nicht— so ist die Kündigung sür den Schluß deS KalendennouatS zulässig; sie muß spätestens am 15. crsolgt sei». Ist die Miete nach einem Jahre bemessen, so tann Kündigung zum Schlug eine» Kalenderjahre» späteste»« bis zum dritten Werktage deSielben erfolgen. — Kruilkenkasse 100. AIS ZwangSmitglied sofort.— Schtsfahrt'43. Fraget« Sie bei dem Verband der Seeleute, Hamburg, Beselibinderhof an. — Fall. am 18. 5 Uhr nachm.: 208 om. Wasserstand Saale, Grochlttz Havel, Spandau') , Ratbenoiv') Spree, Evremberg') , BeeSkow Weser, Münden , Minden Rhein, MaximManSm» , Kaub Köln Neckar, Heilbronn Main, Wertheim Mosel. Trier Nnlerpegel.•) Höchster Wasserstand am 19. S. om 192 32 06 110 74 -52 SO 760 427 415 270 179 85 seit 18. S. om') —28 _ 2 +3 -10 +3 -12 +2 4-68 +16 +26 +30 +7 -14 Witterungsiiberttcht vom 80. Juni 1910, moraens 8 Udr. «lattonen £ E w E |„ PI I 3 II iwmemd». 770 N Hamburg j 771 ONO Serlin 770 N Aranil.a M 769 NO München 176991 Wien 765 W Oettn 5 wolkig 2htit«r 3 halb bd Iwolltg 2 bedeckt 3 bedeckt »s ck« f- «Si Etattonen c 2 Ccöex ** e« n <4 Haparanda 765 NNO Petersburg 761 NNW Getllo>765 OSO ilberdeen 770 SSO Pari»>768 NO 2woMg 2 wolkig 3 wolkig 3 wolkig Iwolkenl 10 6 13 13 16 t Wettcrvrognoi« kür Ticnötag. den 21. Junt 1910. Vielfach heiter, am Tag» etwas wärmer bei ziemlich frischen nordöst- lichen Winden; leine oder unerhebliche Riederlchläge. Berliner vetterburea- Drei Tropf eft V r"' tlüssige Metall-Politur machen das schmutzigste Metall spiegelblank in Flaschen«on 10 bis SO Pfenhlg Ueberall zu haben. Fabr.; Lubszynski& Co., Berlin NO. Neu! Caruso- Clgaretten in eleganten Blechdosen 20 St. 60 Pf. Neu! �HygienischjEg BetiAmartuici. Aeuest Katalog tQ. Einpfehl.viel. 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