Kr. 144. Bbonnfmenfs-Bcdfngnngtn: Lionnemenl«• Preis prünumerrmdo: SicttcljflfttL SfiO Ml. monatL l,tO Ml., wörlienllich 2» Psg. frei in» Hau». Swzelne Nummer S Psg. Sonntags. nummer mit Multrierter Sonntags- Beilage.Die Neue Welt' lv Pia. Post» ilbonnement: l.w Marl pro Monat. Einaelrogen w die Pos!. ZeitunaS. Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich. Ungarn L Marl, für das übrige NuSIand 8 Marl pro Monat. PostabonnementS nehmen an: Belgien. Dänemark &>— len, Luxemburg. Portugal, nicn, Schweden und die Schweiz. »7. Jahrs. VlchtllU lZgllch»Illtr Msiiläg». t?* Berliner Volksblntk. Bit TnTtrtlons-GcbüIjr Betrügt für dir sechsgespaltenc Nolonel- Seile oder deren Kaum 60 Psg.. für polilischr und gewerlschastliche VereittS' und Versammlung!-. Anzeigen 80 Psg. „Kleine Snrelgen daS erste(sott- gedrucktes Wort M Psg.. jedes weitere wort lv Psg. Stellengesuche und Schlaf» stellen-Anzeigen daS erste Wort lv Psg., jede« weitere Wort 6 Psg. Warte über »6 Buchstaden zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Siummer müssen bis li Uhr nachmittags in der Expcditioir abgegeben werden. Die Exxediliou ist bis 7 Uhr adsndS geüstnet. Telegramm- Adresse! „SozialiUmokrat Berlin". Zcntralorgan der Ibzialdcmohratifcbcn parte! Deutfcblands. Rcdahtion: SM. 68» Lxndcnstrasac 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1S8Z. Moloch filarinlsmus. 11. Wir haben in einem früheren Artikel*) nachgewiesen. daß nach der ganzen Situation mit Bestimmtheit das Kommen einer neuen Flottenvorlage zu erwarten sei. Nach den jetzigen Bauplänen sollen bis 1910 jährlich �vier große Schlachtschiffe in Bau gegeben werden. 1911 und 1912 je drei Panzerschiffe und von 1913 an nur»«och e i n Linienschiff und e i n Panzer- kreuzer jährlich, abgesehen natürlich von der großen Zahl kleinerer Fahrzeuge. Wer nun unsere Marinemenschen kennt, der weiß, daß sie auf keinen Fall von der Gepflogenheit, jährlich vier schwere Schiffe vom Stapel zu lassen, ab- weichen werden, selbst dann nicht, wenn in anderen Ländern das Tempo der Flottenvermehrung nicht be- schleunigt würde. Nun aber hat Frankreich, das durch Deutschlands Rüstungen auf den vierten Platz in der Reihe der Seemächte geworfen worden ist, durch sein letztes großes Flottengesetz Von diesem Jahre den festen Willen bekundet, unter Nichtachtung der schwersten Opfer bis zum Jahre 1920 eine Flotte zu schaffen, die der deutschen annähernd eben- bürtig ist. Und England beantwortet die ablehnende Haltung der deutschen Admiralität in bezug auf das nachgesuchte Flottenübereinkommen mit neuen Dreadnought-Bauten. Sollten da die Herren des Flottenvereins, die ja die deutsche Flotten- Politik machen, nicht wieder nervös werden? Es ist eben das alte Lied, die Schraube ohne Ende, und die neue Flottenvor- läge kommt! Jeder nüchtern denkende und um das Wohl des Volkes besorgte Mensch muß da fragen:„Wohin soll das führen?" Die MarineauSgaben werden schon sehr bald die Rtesensumme von einer halben Milliarde Mark erreicht haben, die Aufwendungen für das Landheer wachsen ins Aschgraue und die Kolonialpolitik erfordert schwere Opfer. Den besitzlosen Klassen sind erst im vorigen Jahre wieder die schwersten Steuerlasten auferlegt worden, die herrschende Klasse will auch fernerhin prinzipiell von allen Lasten frei- bleiben, und so bleibt denn wieder nichts weiter übrig: die besitzlose Klasse muß aufs neue bluten. Und dabei haben die, die stets die Taschen zuhalten und für die bei Austern und Champagner die soziale Frage gelöst ist, die Schamlosigkeit, zu behaupten, daß die Arbeiter mit Leichtigkeit noch weit schwerere Lasten tragen können. Das deutsche Volk ist reich, und vor allen Dingen geht es den Arbeitern gut.— Beweise verlangt Ihr?— Pah!— Hat sich nicht das deutsche Nationalvermögen in den letzten 22 Jahren um 30 Milliarden Mark vermehrt, beweist nicht die Zunahme der Sparkasseneinlagen, daß auch die minder be- mittelte Bevölkerung stark am Nationalvermögen beteiligt ist, und werden nicht noch immer jährlich 3 Milliarden Mark für alkoholische Getränke verausgabt? Da haben wir die Antivort der Volksbedrücker auf daS Stöhnen der ausgepowerten Volksmassen. An Brutalität läßt diese Antwort, die man in jeder Fiottenvereinsbroschüre nach- lesen kann, nichts zu wünschen übrig. Wir stellen nicht in Abrede, daß das Nationalvermögen gewachsen ist; aber wir bestreiten ganz entschieden, daß ein auch nur nennenswerter Teil von diesen 30 Milliarden Mark in die Taschen der weniger Bemittelten geflossen ist. Nach der amtlichen Eraänzungssteuerstatistik wuchs in dem Zeitraum von 1895 bis 1905 das Vermögen aller Personen, die-zur Er- gänzungsstener veranlagt waren und deren Vermögen also über 6000 Mark betrug, um 18 553 Millionen Mark. Davon entfielen aber auf die 386 846 Zensiten mit einem Jahres- einkommen von über 3000 Mark allein 16 246 Mill. Mark. Diese kleine Gruppe von Staatsbürgern schluckte in den letzten 10 Jahren allein schon mehr als die Hälfte von dem Zuivachs deö Nationalvermögens, das sich nach den Angaben unserer Gegner für die letzten 22 Jahre auf 00 Milli- arden Mark beziffett. Das Proletariat hat also diesen Ver- mögenszuwachs zivar erarbeitet, aber nicht erhalten. Und wie verhält es sich mit den Sparkasseneinlagen? Am Schluß des Jahres 1908 befanden sich in sämtlichen Spar- lassen Preußens Einlagen in Höhe von 9573 Millionen Marl. Davon entsielen, wenn man alle Spareinlagen bis zu 600 Mark und die Hälfte aller Einlagen von 600 bis L000 Mark als proletarische Spareinlagen ansieht. auf die besitzende Klasse 6032 Millionen Mark Einlagen. „„ nichtbesitzende„ 3541„„„} So steht es um das Vermögen der„glücklichen" Proletarier, vte überhaupt Sparpfennige zurücklegen können. Dem- gegenüber besaßen im Jahre 1908 144 000 preußische Zensiten ein Vermögen von 55 000 Millionen Mark, und die 300000 Reichsten besaßen zusammen 67 000 Millionen! Weshalb wollen also nicht die, in deren Händen sich doch der gesamte sogenannte Nationalreichtum befindet, die Kosten für die herrliche Kriegsflotte tragen, die doch lediglich in ihrem Interesse gebaut wird l, � Und wenn sich die Flottentteiber auf die große Summe berufen, die jährlich im Deutschen Reiche für alkoholische Ge- tränke ausgegeben wird, weshalb in aller Welt zerschellen denn die Herren nicht ihre Sektkühler, weshalb lassen s i e •)„Vorwärts* Rr. 186. nicht von ihren lukullischen Gastmählern, weshalb geben s i e nicht Proben glänzender Opferwilligkeit? Weshalb soll für die Flotte denn zunächst der Arbeiter sparen, der sein karges Nachtmahl oft nur durch ein paar Schluck Bier würzen kann? Die höheren Schichten der deutschen Bourgeoisie nehmen immer mehr die Gepflogenheiten der amerikanischen Multi- Millionäre an. Sie vergeuden bei einein einzigen Festmahl Tausende, die aus dem sauren Schweiß ihrer Lohnsklaven geinünzt wurden, und lösen Tausende in Rheinwein und anderem edlen Naß ans, sie rollen unzählige Millionen in die Hände der Juwelenhändler, um sich und ihre Mätressen mit glänzenden Geschmeiden behängen zu können, sie opfern an der Niviera, unter dem ewig blauen Himmel Italiens und in den Spielhöllen von Monte Carlo ganze Verniögcn, sie drohen in ihrem eigenen Fett physisch und moralisch zu ver- kommen. Und für diese Gesellschaft von Parasiten soll das Proletariat auf seine letzten Genüsse verzichten? Die große Bourgeoisie ist eine parasitäre Klasse geworden. Sie kann keine Werte schaffen. Mag sie jedoch wenigstens von ihrem Ueberfluß die Kosten ihrer Extravaganzen, denn eine solche ist die Schaffung einer Riesenflotte, tragen; das Proletariat kennt nur eine Losung: Nieder mit dem Moloch I Lilie Schülsl'cknllng gegen die lagendorganiiatio». Im Schrecken darüber, daß in dem entlegenen Jndusttiedorfe die sozialdemokratische Fugendorganisation eingedrungen war und auch eine Anzahl Fortbildungsschüler Mitglieder ge- worden waren, hat der Schulvorstand in Schw e p n i tz bei Königs- brück(Sachsen) einen Nachtrag zur Lokalschulordnung erlassen, der den Fortbildungsschülern den Beitritt zu unserer Jugendvereinigung unmöglich machen soll. Dieser Nachtrag dürfte wohl so ziemlich das Ungeheuerlichste sein, was bisher auf diescin Gebiete geleistet worden ist. Die Fortbildungsschüler sollen dadurch in noch dazu ungesetzlicher Weise förmlich ge- knebelt werden. Aus dem sehr langen Machwerk heben wir nur die ärgsten Bestiminungen hervor: § 1. Den Fortbildungsschülern ist gestattet(l), sich bis 19 Uhr abends im Freien aufhalten zu dürfen. Ein Verweilen über diese Stunden ist verboten. Z 2. Jeder Fortbildungsschüler ist verpflichtet, nicht nur dem Lehrer, sondern auch den Schulvorstandsmitgliedern auf Verlangen beim Betroffenwerden zu einer späteren Stunde Rechenschaft über den Grund des längeren Verweilcns im Freien zu geben und deren Weisungen' nachzukommen. 8 b. Den Fortbildungsschülern ist der Aufenthalt in den Schenkstätten, Gasthäusern und CafeS nur in Begleitung er- wachsener Anverwandtes» oder des Lehrherrn bis 19 Uhr abends erlaubt. Kommt ein Lehrer in dasselbe Lokal, so haben sie den- selben durch Aufstehen zu begrüßen. 8 6. Der Eintritt in Vereine und Gesellschaften aller Art sowie der Besuch von Vereinen, Vereinigungen oder Gesellschaften — einschließlich von UebungSstunden oder dergleichen— oder sonstigen Veranstaltungen, Zusammenkünften und Sitzungen sind den Fortbildungsschülcrn nur mit ausdrücklicher Genehmigung des Schulvorstandes gestattet. § 7. Die Zckitbeschränkung im 8 1 wird aufgehoben: s) für Teilnehmer an Veranstaltungen von Vereinen usw., für den Besuch guter, bildender, lehrreicher Konzerte, Theatervorträge, soweit der Schulvorstand Genehmigung hierzu erteilt hat; h) für den Besuch der von der Schule veranstalteten Unterhaltungs- oder Spielabende für Fortbildungsschüler, falls die Veraustal- tungen länger als bis 19 Uhr abends dauern Der Besuch solcher Veranstaltungen ist den Schülern auch ohne Begleitung erwach- sener Anverwandter oder der Lehrherren gestattet. Für Zuwiderhandlungen werden G e l d st r a f e n bis zu 39 Mark angekündigt. Man sieht deutlich, daß die ganze unge- heuerliche Verordnung darauf zugeschnitten ist, den Fortbildungs- schülern die Beteiligung an den Veranstaltungen der freien Jugend- Vereinigung unmöglich zu machen und die jungen Leute den Er- bauungsabenden der Schule zuzusiihren, wo sie zu frominen Schäfchen erzogen werden sollen. Auf diese Rechnung werden die Schwepnitzer Schulgewaltigen ja nicht kommen. Die Hauptsache aber ist, daß die ganze unglaubliche Lokalschulordnung völlig ungesetzlich ist. Auch in Sachsen genießen die Fortbildungs- schüler e persönliche Freiheit Erwachsener, soweit nicht durch Gesetz eine Einschränkung vorgesehen ist. Nach den gcsetz- lichen Bestimmungen über die Fortbildungsschulen darf aber Fort- bildungsschülern nur der Besuch von Tanzbelustigungen, öffent- lichen Versammlungen, die sich mit politischen Angelegenheiten befassen, und Vernügungen, die die sittliche Reinheit gefährden, verboten werden. Nicht eine gesetzliche Handhabe findet sich für eine Beschrän- kung der Abendspaziergänge auf die Zeit vor 19 Uhr nirgends findet sich eine Bestimmung, die die anderen einschneidenden Knebelungsversuche zuließe. Und doch hat diese„Ordnung" die Genehmigung der Bezirksschulinspektion ge- funden, bei der sich offenbar aus Freude über den staatserhaltenden Zweck der Blick für die Prüfung auf Zulässigkeit hin getrübt hat. Die Schwepnitzer Lokalschulordnung ist ein weiterer Beitrag für den blindwütigen Eifer, mit der unsere Jugendbewegung be- kämpft wird. Sie wächst aber trotz alledem. So wenig der Sozial- demokratie in Sachsen die Nadelstichpolitik geschadet hat, so wenig werden kleinliche Schikanen, seien sie auch in der Form noch so un» geheuerlich, der Jugendbewegung Abbruch tun. Expedition: SM. 68» I-indenvtr»sse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1S84. Schulreform in Kaden. Der badische Landtag hat ein nettes Schul- g e s e tz angenommen. ? e Annahme hing von den Stimmen der sozialdemo- luiuschen Fraktion ab. Sie Hot zugestimmt, da das Gesetz, 0 manche Forderung unserer Partei es auch unerfüllt läßt, doch einen Fortschritt gegen den bisherigen Zustand bedeutet. So setzt das neue Gesetz die achtjährige Schul» Pflicht für alle Kinder fest— bisher bestand sie nur für Knaben. Der Forderung auf Unentgeltlichkeit der Lernmittel ist ein bedeutsames Zugeständnis gemacht worden. Die Ge- meinden sind künftig verpflichtet, den Kindern un- bemittelter Eltern die erforderlichen Lehrmittel ein- schließlich der Rohstoffe für den Unterricht in weiblichen Handarbeiten zu beschaffen. Ausdrücklich ist festgelegt, daß die Uebernahme dieser Kosten nicht als Armen unter» stützung gilt. Auch die Forderung nach Schulärzten ist wenigstens teil- weise erfüllt. An Volksschulen mit zehn oder niehr Lehr- stellen muß ein Schularzt bestellt werden. Die kleineren Gemeinden können einen Schularzt bestellen; machen sie von diesem Rechte keinen Gebrauch, so wird die ärztliche Kontrolle auf Kosten der betreffenden Gemeinden von dem Bezirksarzt ausgeübt. Den O r t s s ch n l b e h ö r d c n, die in Gemeinden mit mehr als 6000 Einwohnern zu bilden sind, sollen auch Frauen angehören. Der Uebelstand, wonach einem Lehrer auf unbestimmte Zeit auch über siebzig bis hundertKinder zum Unterncht zugewiesen werden können, ist leider nicht beseitigt worden. Auch bleibt auf dem Lande die Halbtagsschule bestehen. Die Zahl der wöchentlichen Unterrichtsstunden soll aber in den unteren Klassen mindestens 16 und vom vierten Schuljahre ab mindestens 20 und höchstens 32 betragen. Für schwachbegabtc Kinder können besondere Hilfsklassen eingerichtet werden; wenn in einer Gemeinde mindestens 20 solcher Kinder vorhanden sind, muß diese Einrichtung ge- troffen werden. Da Baden allgemein die S i m li l t a n s ch u l e hat, der Religionsunterricht aber von den Lehrern der einzelnen Kon- fcssioncn erteilt wird, ist nach dem neuen Gesetz darailf Rück» ficht zu nehmen, daß bei Schulen mit mehr als einer Lehr- krast eine Stelle mit einem Lehrer zu besetzen ist, der dem Bekenntnisse der Minderheit angehört, wenn die Zahl der Schüler dieses Bekenntnisses mindestens 40 beträgt. Die Bestimmung, daß der Religionsunterricht obligatorisch ist, ist aufrecht erhalten. Die Gewissens- f r e i h e i t ist aber wenigstens einigermaßen durch die folgende neue Bestimmung gewahrt: „Kinder, die keiner Religionsgemeinschaft angehören, oder einer solchen, für die Religionsunterricht an der Volksschule, die sie besuchen, nicht erteilt wird, können gegen den Willen deö Batrrs oder anderer Erziehungsberechtigter znm Besuch des Religionsunterrichts nicht angehalten werde». Die sozialdemokratische Fraktion hatte natürlich den weiter- ehenden Antrag gestellt, daß kein Kind entgegen dem illeu der Eltern zur Teilnahme am Religionsunterricht gezwungen werden könne, einerlei wie das Bekenntnis der Eltern sei. Dieser wurde indes von Nationallibcralcn und Zentrum abgelehnt. Zu scharfen Auseinandersetzungen kam es in beiden Kammern beim§114, der besagt, daß kirchliche Korporationen und Stiftungen die Errichtung von Lehranstalten nur auf Grund eines besonderen Gesetzes gestattet werden darf und daß Mitglieder religiöser Orden nur mit ausdrücklicher Ge- nehmigung der Staatsbehörde an Lehranstalten unterrichten dürfen. Das Zentrum hatte die Streichung dieser Be- stinimnng beantragt. Die Sozialdemokraten lehnten den Zentruinsantrag ab, um zu v.rhindern, daß die simultane Staatsschule in vielen Orten durch private Konfessionsschulen ersetzt werde. Der Zentrumsantrag kam dadurch zu Fall und das Zentrum stimmte deshalb gegen das ganze Gesetz. Es setzte seine Hoffnung auf die Erste Kammer, aber auch hier wurde der strittige Paragraph und später auch die ganze Vorlage angenommen. Die Lehrer haben eine bcsserung erhalten. Das lehrers(ohne Wohnungsgeldzusä und das Höchstgehalt von 2800......... Die ctatsmäßig angestellten Lehrerinnen sind den Lehrern im Beamtenvcrhältnis gleichgestellt. Entsprechend dem für alle iveiblichen Beamten geltenden Grundsatz beträgt indes ihr Höchstgehalt nur 75 Proz. desjenigen ihrer männlichen Kollegen. Danach hören bei der Lehrerin die Zulagen auf, wenn ihr Gehalt 2400 M. erreicht hat. Das Anfangsgehalt und die Zulagen sind für beide Geschlechter gleich. M �» geringe Gehaltsauf» Anfangsgehalt eines Haupt- inß) ist von 1500 auf 1600 M. auf 3200 M. erhöht worden. Die Uebersicht zeigt, daß das neue Gesetz noch starke Mängel bestehen läßt. Im Vergleich mit den Schulzuständen in Preußen aber bedeutet es einen ganz erheblichen Fort- schritt— insbesondere die Bestimmungen über den Religio nS- Unterricht der Dissidentenkinder und die Lern- mittellieferung lassen die kulturelle Rückftändigkeit Preußens auf dem Gebiete des Schulwesens in bengalischem Lichte erscheinen. Solange Junker und Zentrum im preußi- schen Dreiklassenhaus die Mehrheit haben, wird diese Rück- ständigkeit stetig größer»vcrden.� Nur das gleiche Wahlrecht kann eine Reform für Preußens Schule bringen. PolLtifcbe ücbcrficbt Berlin, den 22. Juni 1910. Der Fortschritt zur Stichwahl in Friedberg-Büdingen. Der Wahlaufruf, den der Wahlausschuß der Fortschritt- lichen Volkspartei im 2. hessischen Wahlkreise hat ergehen lassen, sagt unter anderem: .. Seit dem Abgange deZ hochverdienten Fürsten Bülow seufzt Deutschland unter dein schweren Druck einer rncksichis- losen, reaktionären Mehrheit, die mit der Reichsfinanz- reform ein nationales Unglück über unser Vaterland gebracht hat. Wir find uns darüber klar, dafi diese Mehrheit gestürch loerden muß, wenn sie nicht noch größeres Unglück anrichten soll. Für jeden liberalen Mann ist es deshalb uu in vg- lich, einen Anhänger des Bundes der Landwirte zu wählen. Anderseits wird es vielen von uns schwer werden. für einen Sozialdemokraten einzutreten. Trennt uns doch eine Weltanschauung. So lange die Sozialdemokratie an ihren seit- herigen Lehren festhält, müssen wir sie nach wie vor bekänipfen. Trotz alledem dürfen wir aber nicht vergessen, dafi es ohne die Sozialdemokratie ausgeschlossen ist, den schwarz- blauen Block zu werfen. Dieses Ziel ist bei weitem wichtiger, als die Bedenken gegen die Wahl eine? Sozialdemokraten. Wir müssen die Politik als Machtsrage betrachten. Es gilt, den in der Hauptwahl begonnenen Kampf gegen rechts fortzusetzen. Was schon alle Parteien, wenn auch zum Teil versteckt, getan haben. daS wollen wir als ehrliche Männer frei und offen tun: Wir wollen aus taktischen Gründen den Sozial- demokraten unterstützen. Nach ernster, reiflicher lieber- legung fordern wir deshalb alle liberalen Männer auf, ein- stimmig für den Kandidaten der Sozialdemo- kratie Herrn Busold-Friedberg einzutreten.. Zur Vorbereitung. Das Spiel zur allmählichen Gewöhnung der öffentliche» Meinung an die kommenden Militärforderungen beginnt bereits. Ein Berliner Mitarbeiter der Königsberger.Harwngschen Zeitung" will„an wohlunterrichteter Stelle" gehört haben, dafi die neue M i l i t ä r v o r l a g e, die ,nit dem Ouinquenatsgesetz kommen soll. an jährlichen Mehrausgaben 40— bl) Millionen erfordert.— Man beachte, daß hier von den jährlichen Mehrausgaben die Rede ist. Wahrscheinlich sind damit die fort- dauernden Mehrausgaben gemeint. Die größeren einmaligen Ausgaben bleiben anscheinend vorerst noch im Hintergrunde. UebrigcnS hat Oberst Gädke im„Berk. Tagebl." dieser Tage festgestellt, daß die Angabe, wonach Frankreich über 24 Bataillone Infanterie mehr als Deutschland verfügt, absolut nichts für eine militärische lleberlegenheit Frankreichs beweist. Die französische Armee kann dieses Mehr an Bataillonen nur dadurch erreichen, daß sie die Kompagnien auf bedeutend schwächeren Fuß hält als sie in der deutschen Armee sind. Deutschland hat die stärkeren Kompagnien, weil sie für die Ausbildung und für den Uebergang auf Kriegsfuß bedeutende Vorteile bieten. In Frankreich nimmt die Effektivstärke des Heeres, die jetzt schon um 500 000 Mann mehr als die des deutschen ist, von Jahr zu Jahr mehr ab. Nach einer Berechnung der Rekruteneinstellungcn hat Teutschland für die Feldarmee wenigstens 250 000 ausgebildete Mannschaften mehr als Frankreich zur Verfügung. Es fehlt also selbst vom bürgerlichen Standpunkt aus an jedem vernünftigen Grunde für eine neue Heeresvermehrung. Was er dementieren läftt. Die„Post* hatte gestern erzählt, daß der Landwirtschafts- minister v. A r n i m bei der Durchführung der Polenpolitik nicht immer die Unterstützung des Ministerpräsidenten ge- funden habe. Dieser soll zu Herrn v. Arnim in bezug auf die Polenpolitik gesagt haben, daß er ein entschiedener Gegner jeder Ausnahmegesetzgebung sei. Herr v. Bethmann scheint daS Bedürfnis gefühlt zu haben, sich gegen solche Ber- dächtigung zu wehren. Die„Magdeb. Ztg." meldet, fie habe an unterrichteter Stelle erfahre», daß der Ministerpräsident eine solche Aeußerung nicht getan habe. Die russische Regierung gegen deutsche Kolonisten. Wieder„Fr. Zeitg." aus Petersburg telegraphiert wird, bringt die russische Regierung eine Vorlage über Beschränkung des Landbesitzes von Ausländern im Südwestgebiete ein. Die Vorlage rächtet sich gegen die deutschen K o I o n i st e n. die in diesem >»jebiete seit 200 Jahren ansäßig und russische Untertanen sind. ine Kolonisten haben sich durch große Landerwerbungen, die sie ihrem Fleiße verdanken, mißliebig gemacht. DaS Memorandum zur Vorlage erklärt, die deutschen Kolonisten seien in ihrem Herzen P a n g e r m a n e n(!) und nichts verbände sie mit Rußland; fie verdrängten die russische Bevölkerung und bedeuteten für den Kriegs- fall eine große Gefahr.— Die„Nowoje Wremja" erklärt, die deutsche Regierung und deutsche Banken unterstützten die Kolonisten aus strategischen Rücksichten. Die deutschen Konsuln be- mühten sich, unter den Kolonisten den alldeutschen Geist zu erhalte». Die Regierungsvorlage, die von solchen Gesichtspunkten auszugehen scheint, sieht ein vollständiges Verbot des Landerwerbs oder der Pachtung durch deutsche Kolonisten im russischen Unter- tanenverband vor. Die Vorlage bezieht sich auf die Gouvernements Kiew, Podolien und Wolhhnien. Diese infame Ausnahmegesetzgebung ist nach dem Muster der preußischen Polengesetzgebung gearbeitet. Und wenn die deutsche Regierung gegen diese nationale Drangsalierung Protest erheben würde, die geistesverwandte russische Regierung wäre um die Antwort nicht verlegen. Um so schärfer muß daS deutsche Volk gegen die infamen nationalen Ausnahmegesetze im eigenen Wie im fremden Lande protestieren. Gegen die Misthandlung des Vereinsrechts. Das preußische Oberverwaltungsgericht mußte am 17. Juni schon wieder einmal die Versagung der Genehmigung zu einer öffentlichen Versammlung unter freiem Himmel und zu einem öffentlichen Aufzuge für unberechtigt erklären. Tie Gewerkschaften von Leeste(Regierungsbezirk Hannover) wollten anläßlich ihres Gewerkschaftsfestes am 15. August 1909 einen Festzug und eine Bersammlung unter freiem Himmel veranstalten. Ihrer Kom- Mission wurde die Genehmigung dazu vom Landrat zu Syke ver- sagt. Der Landrat gab zur Begründung folgendes an:„Wie die Erfahrungen bei den Gewerkschaftsfesten in der der Gemeinde Leeste benachbarten Gemeinde Brinkum gelehrt haben, und wie gelegentlich auch in der sozialdemokratischen Preffe zum Ausdruck gekommen ist, haben die gelegentlich der Gewerkschaftsfeste unter Zuziehung zahlreicher ortsfremder Personen und sozialdemokrati- scher Vereine veranstalteten öffentlichen Aufzüge und Festreden unter freiem Himmel die Bedeutung öffentlicher Agitationen zu- gunsten der von der sozialdemokratischen Partei verfolgten Be- strebungen. Die ländliche Bevölkerung von Leeste und Umgegend steht diesen Bestrebungen fremd und zum Teil geradezu feindlich gegenüber, yamentlich seit dem durch das rücksichtslose, lediglich im sozialdemokratischen Parteiinteresie erfolgte Vorgehen mit Boykotterklärungen gegen einzelne Gewerbetreibende ein Teil der letzteren in ihrer wirtschaftlichen Existenz schwer geschädigt und gefährdet worden sind. Unter diesen Umständen muß ich aus der beabsichtigten Veranstaltung eines Aufzuges und einer Versamm- lung unter freiem Himmel Gefahren für die öffentliche Sicherheit befürchten und vermag die polizeiliche Genehmigung dazu nicht zu erteilen." Ter Zimmerer Bode als Vertreter der Kommission erhob gegen dieses eigenartige Dokument gesetzwidriger Denkweise Beschwerde beim Regierungspräsidenten m Hannover. Dieser bestätigte jedoch daS Verbot mit folgender Begründung:„Ten vom Landrat an- geführten Gründen kann ich nach eingehender Prüfung der örtlichen Verhältnisse nur beitreten. Die ländliche Bevölkerung in Leeste identifiziert die gewerkschaftlichen und sozialdemokratischen Parteibestrebungen vollkommen. Die Veranstaltung eines Auf- zuges und einer Festrede in einer Versammlung unter freiem Himmel bei dem geplanten Fest würde als eine sozialdemokratische Demonstration angesehen werden und bei der infolge des dortigen Vorgehens der sozialdemokratischen Partei erregten Stimmung der landwirtschaftlichen Bevölkerung zu Ausschreitungen Ver- anlasiung geben, durch die die öffentliche Sicherheit gefährdet werden könnte." Auch der Oberpräsident schloß sich diesem parteipolitischen Schema an und verwarf die weitere Beschwerde. Darauf klagte Bode beim Oberverwaltungsgericht, vor dem ihn am 17. Juni Rechtsanwalt Wolfgang Heine vertrat. Das Oberverwaltungsgericht gab der Klage statt und erklärte das Verbot der Versammlung unter freiem Himmel und des öffentlichen Aufzuges für unberechtigt. Es ging davon aus, daß die Behauptung einer Gefahr für die öffentliche Sicherheit mit konkreten Tatsachen lokaler Natur belegt sein müsse, aus denen sich nach vernünftigem Ermessen eine nahe Möglichkeit der Verwirk- lichung der Gefahr ergebe. Auch im vorliegenden Falle, so wurde in der Begründung wörtlich gesagt, seien die tatsächlichen Voraus- sctzungen, welche geeignet wären, eine Gefährdung der öffentlichen Sicherheit anzunehmen, nicht festzustellen gewesen. Die Ver- fügung müsse daher außer Kraft gesetzt werden. Damit ist abermals festgestellt, daß in Preußen Behörden vom Landrat bis zum Oberpräsidenten das Gesetz zuungunsten von Arbeitern verletzen. Dem Minister des Innern wäre dringend zu empfehlen, zur Vermeidung ähnlicher Terrorisierungen des Ge-' setzes, den ihm nachgeordneten Beamten die Vergünstigung zu er- wirken, an einer von Sozialdemokraten geleiteten Rechtsschule teil- zunehmen. Herrn v. Heydebrauds Handlanger. Ueber den neuen preußischen Minister des Innern weiß eine Korrespondenz zu berichten: „Wäre das Königreich Preußen ein parlamentarisch regierter Staat, so hätte das Portefeuille des(nach dem der auswärtigen An- gelegenheiten) wichtigsten Ministeriums dem Führer der ausschlag- gebenden Mehrheit, nämlich Herrn Dr. Ernst v. Heydebrand schon vor einem Jahre angeboten werden müssen. Aber der Ehrgeiz dieses Mannes richtet sich nicht nach einer Dieiistwohnnng in einem der Berliner Ministerien. Er würde sich schwer in ein Abhängigkeits- Verhältnis fügen. Und er würde die Macht, die er der Regierung gegenüber in Händen hat, verringern, wenn er selbst ein Glied des Regierungsapparates würde. Dagegen sprechen viele Anzeichen da- für, daß Herr Hans v. Dallwitz auf Rat und Empfehlung des Herrn v. Heydebrand zur Nachfolge des Herrn v. Moltke berufen worden ist. Herr v. Dallwitz ist der Vetter des Herrn von Heydebrand, genauer, der Frau v. Heydebrand, die als Mädchen Fräulein Marie v. Dallwitz hieß." Verbrauchte Handlanger. Gelegentlich der Abhalfterung Moltkeü und Arnims macht die„Berl. Volksztg." eine Ausstellung über die während der Ne- gierungSzeit Wilhelms II. in die Wüste Geschickten. Die Gesamtzahl der während der 22jährigen RegierungSzeit verbrauchten und neuernannten Minister beträgt, die zurzeit noch amtierenden eingerechnet, 86. Im Reiche hat es während dieser Zeit gegeben: 5 Reichs- kanzler, 6 Staatssekretäre des Auswärtigen, 4 Staatssekretäre des Innern, 7 Staatssekretäre des ReichkschatzamtS, 4 Staatssekretäre des Reichsjustizamts, 3 Staatssekretäre des Reichspostamts, 4 Staatssekretäre des Reichsmarineamts und 2 Staatssekretäre des Reichs- kolonialamtes. In Preußen gab eS während dieser Zeit: 0 Ministerpräsidenten, 3 Finanzminister, 9 Minister des Innern, 7 Kriegs- minister, 4 Justizminister. 6 Kultusminister, 6 Minister der Land- Wirtschaft, 6 HandelSminister und 4 Minister der öffentlichen Arbeiten. Von den gesamten entlassenen Ministern sind nur sechs im Amte gestorben. Da der Konsum an Ministern in der letzten Zeit erheblich ge- stiegen ist. steht zu erwarten, daß mit dem 25. Regierungsjahre Wilhelm II. der 100. Minister verbraucht ist. Der Achtstundentag für die bayrischen Bergarbeiter. München, 22. Juni. Die Kammer berät über ein neues Berggesetz. Es bringt eine Reihe von Verbesserungen namentlich in sozialer Hinsicht. Doch hatte die Reichsratskaimner den besten Punkt gestrichen, nämlich den Achtstundentag. In der Kammer der Abgeordneten dreht sich die Dis- kussion um diesen Punkt. Die Regierung spricht sich ent- schieden gegen den Achtstundentag für die Bergarbeiter aus, ganz im Sinne der Reichsratskammer. In der Abgeordneten- kammer sind die Meinungen geteilt. Von großem Interesse waren die Ausführungen des Re- gierungsvertreters. Er behauptete, daß der Achtstiiudeutag bei unseren Bergbetrieben eigentlich schon eingeführt wäre. Er behauptete weiter, daß durch die Reichsfinauzreform die In- dustrie so stark belastet wurde, daß auch unsere Bergwerke die Kosten weiterer sozialer Reformen nicht mehr tragen könnten. Unser Genosse Segitz trat diesem Herrn Regierungs- Vertreter sehr scharf entgegen. Er wies aus den Akten der Regierung selbst nach, daß nicht der Achtstundentag, sondern der Nenn- und Zehnstundentag in unseren Bergwerken ein- geführt ist. Er fragt auch den Herrn Regierungsvertreter, ob also jetzt gePlaut sei, die schlimmen Folgen der Neichsfinanz- reform auf die Arbeiter abzuwälzen. Ein Redner des Zentrums spricht sich gegen den Achtstundentag aus. Mit knapper Mehrheit wird hier- auf der Achtstundentag(wie wir bereits gestern gemeldet) von der Kammer beschlossen gegen viele Stimme» des Zentrums »ud des BauerubuudeS._ Zur Nachwahl in Frankfurt a. O.-Lebns. In einer Sitzung des Vorstandes der n a t i o na l l i b e r a l e n Partei und der Fortschrittliche» Volkspartei deS Wahlkreises Frankfurt-LebuS wurde beschlossen, für die bevor- stehende ReichStagsersatzwahl den Archivdirektor Dr. Winter- Magdeburg als Kandidaten aufzustellen. Dr. Winter soll zum linken Flügel der nationalliberalen Partei ge- hören._ Die verratenen Tabakarbeiter. Die Firma Engelhardt u. Biermann in Bremen läßt ihre Filiale in Brake(Lippe) eingehen. 80 Arbeiter und Arbeiterinnen werden dadurch brotlos. Wie es heißt, sollen von der Firma noch mehr Filialen eingezogen werden. So wächst die Arbeitslosigkeit in der Tabakindustrie immer noch. Die geringen Unterstützungen aber werden beschnitten und sollen in einigen Monaten ganz aufhören. Und d i e ganze bürgerliche Presse, einschließlich der„arbeiter- freundlichen" Zentrumspresse, schweigt zu diesem Skandal, wie wir in unserem Artikel„Das Gegenstück zur Erhöhung der Zivilliste" in Nr. 135 richtig vorausgesagt haben. Wer übt Tcrrorismus? Das Zwickauer Amtsblatt benutzt seinen Inseratenteil, um aufs eifrigste zum Terrorismus gegen die ihm verhaßte Sozial- demokratie anzustacheln. Es heißt dort: Von Berlin, Leipzig, Dresden und den großen und kleinen Provinzstädten gehen in nächster Zeil Scharen in die Sächsische Schweiz zur Erholung auf kürzere oder längere Zeit. Wer sind denn die, die in der Lage sind, sich den Luxus einer längeren Er- holung zu gönnen? Die Unbemittelten sind es— leider— gewiß nicht Es sind die Bemittelten, die Geld sitzen lassen, und was sind diese zum größten Teile? Jedenfalls keine An- Hänger der Sozialdemokratie. Die Sächsische Schweiz und ihre Umgebung wird jährlich von Tausenden und Abertausenden besucht, aber wie wenige denken daran, daß gerade dort in dieser herrlichen Gotteswelt die Sozialdemokratie frech und lüstern ihr Haupt erhebt, daß sie alles daran setzt, daß über Berg und Täler die rote Fahne wehen wird. Der sozial- demokratische Anhang muß endlich spüren, daß die Bürger- lichen müde sind, ihn weiter wirtschaftlich zu unterstützen. Es gilt jetzt, einen Kampf zu führen gegen jene Elemente, deren Endzweck der Um st urz ist. Es sei daher an alle Sommerfrischler die dringende Bitte gerichtet: Nur dort zu wohnen, wo sie sicher sind, daß weder beim Hanswirt noch beim Untermieter die so- z i a Id em o krati s ch e BolkSzeitung zu finden i st. Geschäfte, in denen diese oder eine andere sozial- demokratische Zeitung aufliegt, kann und darf ein Nationalgesinnter nicht unter st ützen. Der Ge- nosse mag zum Genossen gehen, aber nicht daraus Anspruch er- heben, daß er von Bürgerlichen unterstützt wird. Die Zeiten sind nicht danach, den Anmaßungen der Genossen irgendwelche Kon- zessionen zu machen. Das Bürgertum mutz sich aufraffen und sich besinnen und sein Nationalgefühl praktisch betätigen in der Bekämpfung der Sozialdemokratie. Ein Mittel ist oben erwähnt: Kein Sommerfrischler unterstütze einen Abonnenten der sozialdemokratischen Presse, d. h. im Bezirke der Sächsischen Schweiz einen Abonnenten der„Volkszeitung". Und diese Gesellschaft kann sich nicht genug entrüsten über den Terrorismus, de» angeblich die Sozialdemolratte gegen Anders- denkende ausübt._ König Junker. Auf dem ganz in der Nähe von Breslau gelegenen Rittergut Schönborn, das dem hochfeudalen Junker und Soziatistenfresser v. G o s s o w gehört. wurde die dortige Dorfschule auf acht Tage geschlossen, weil der unker v. Gossow billige Arbeitskräfte zum übenziehen gebraucht. Dabei ist von einer Leutenot im Dorfe und dessen weiterer Umgegend keine Rede. Oesterreick. Kritische Situation. Wien, 22. Juni. Die Parlamentskommisfion deS PolenklubS beharrt auf der sofortigen Durchführung des Donau» Oder-Weichfel-Kanals und will die Entscheidung dem Plenum deS Polenklubs überlassen, der noch heute abend zusammen- treten soll. Da die Regierung den Aufschub bis Herbst verlangt, gilt die Situation als kritisch.— Der heutigen Audienz des Barons Bienerth wird außergewöhnliche Bedeutung beigemessen, da auch die Frage der Schließung der Session erörtert wird. frstikreick. Mandatsschacher. Paris, 22. Jmn. Das hiesige Zivilgericht beschäftigte sich gestern mit einem durch die letzten Kammerwahlen ver- anlaßten, sehr charalteristischen Prozeß. Der sozialistisch-radikale Kandidat des dritten Pariser Bezirks C h e v a u x hatte sich durch schriftlichen Kontrakt verpflichtet, bei der Stichwahl zugunsten des gleichfalls der sozialialistisch-radikalen Partei angehörigen Kandidaten Jacquelin gegen eine Entschädigung von 30000 Fr. zurückzutreten. Jacquelin fiel jedoch durch(gewählt wurde unser Genosse Lauche) und weigerte sich nun, die versprochene Summe zu zahlen. C h e v a u r wollte dem Vertrage nunmehr auf dem Klagewege Geltung verschaffen, wurde aber abgewiesen. Kelgteti. Ein AnSliefernngSautrag der russischen Regiernng. Brüssel, 20. Juni.(Etg. Ber.) Die russische Regierung verlangt wieder»ach einem ihrer Opfer, das sich ihrer„Gerichtsbarkeit" durch die Flucht ins Ausland entzogen hat. ES handelt fich um einen Arbeiter, den Eisendreher Galras, der von der russischen Regie- rung des Verbrechens deS gemeinen Diebstahls beschuldigt wird und dessen Auslieferung an Rußland nun bei der belgischen Regierung durchsetzen will. Wie aber auch bei Gericht festgestellt wurde, ist der Beschuldigte kein„gemeiner Verbrecher", fondern einer von den Revolutionären, die an den Expropriationen von 1907 während der Revolutionstage teilgenommen haben. Das belgische Gericht hat die Tat G a I r a S, dem u. a. von einem ehemaligen belgischen Ar- beiter wie auch von der hiesigen russischen Kolonie daS Zeugnis eines rechtschaffenen Arbeiters ausgestellt wurde, dem ein gemeines Delikt nicht zuzutrauen ist. als ein im Zusammenhang mit politischen Ereignissen stehendes Vergehen bezeichnet und sich gegen die Auslieferung ausgesprochen. Das endgültige Urteil in der Sache ist jedoch noch nicht gefällt, aber eS steht zu hoffen, daß Belgien, daS in analogen Fällen da» An- sinnen der russischen Regierung, politische Flüchtlinge auszuliefern, abgelehnt hat, auch diesmal eine das Asylrecht anerlennende Ant- wort geben wird. Spanien. Eine Amnestie. Madrid, 21. Juni. Beim Empfang einer Abordnung der re- publikauischen Mitglieder des Parlaments erklärte Ministerpräsident Canalejas, daß alle Vertriebenen, insbesondere auch die nach den Juliereignissen in Barcelona vertriebenen, von der schon bekanntgegebenen teilweisen Amnestie Vorteil hätten und frei nach Spanien zurückkehren könnten. Trotzdem bestand die Ab- ordnung darauf, daß die Regierung den CorteS einen neue» Amnestieentwurs unterbreite. Klerikale Agitation. Madeid, 22. Juni. Aus Oviedo wird berichtet, dag der Gouverneur eine Klage gegeu die Ordensbrüder von Fieres eingebracht hat, weil diese gegen das G en o s s e n s ch a f t s- gesetz verstoßen� hätten. Es heißt, daß die Ordensbrüder Spanien verlassen werden. Wie andererseits berichtet wird, nehmen die Protestkundgebungen gegen die antiklerikale Politik der Regierung in ganz Spanien immer mehr zu. Es finden fortgesetzt Verhandlungen statt, von denen energische Proteste an die Regierung gerichtet werden, während andererseits wiederum auch die Antiklerikalen Versammlungen veranstalteten, um die Regierung aufzufordern, in ihrer antiklerikalen Politik zu verharren und diese durchzuführen. In Sevilla mußte der Bürgermeister den Blätrern zufolge gegen die Predigt eines Pfarrers beim Gouverneur Einspruch erheben, Snglanck. Das Frauenwahlrecht. London, 21. Juni. Premierminister Asquith hob beim Empfange der Abordnung von Zlnhängennnen des Frauen- � i m m r e ch t s hervor, da bei den maßgebenden Persönlich- keilen beider Parteien die Meinungen über das Frauenstimm- recht weit auseinandergingen, erscheine es nicht als wahrscheinlich, daß irgend eine Regierung dem Parlanient einen Gesetzentwurf über das Franenstimmrecht vorlegen könnte. Die Aussichten für die Annahme eines solchen Gesetzentwurfs würden außerordentlich schwach sein. Er sei indessen der Ansicht, daß dem Unterhause Gelegenheit geboten werden müßte, seine Meinung darüber zu äußern. Er werde dem Kabinett die Wünsche der Deputation unter- breiten und im Unterhause eine Erklärung darüber abgeben K-ulZlanci. Das Martyrium der politischen Berbaunteu. Ein grelles Licht auf die Lage der politischen Verbannten wirft folgender Vorfall im äußersten Norden des Gouvernc- ments Archangelsk. Am 24. Mai wurden in Uft-Zylma ohne irgend einen Anlaß 14 Verbannte verhaftet, um von den Landpolizistcn nach dem Dorfe Bugajewo transportiert zu werden. Unter ihnen befand sich auch ein Künstler, namens Sergei S a ch a r o iv. In der Kaserne wurden die Gefangenen von den Landpolizisten furchtbar mißhandelt. Namentlich Sacharow wurde von einem Kosaken so furchtbar geschlagen, daß er besinnungslos fortgetragen werden niußtc. Nach zwei Tagen kehrten die Polizisten mit der Leiche Sacharows zurikf, der sich nach ihren Worten unterwegs vergiftet hatte. Wenn das auch zutrifft, so war das die indirekte Folge der erlittenen Mißhandlungen. Die gerichtlich-medizinische Obduktion, die erst am dritten Tage vorgenommen wurde, stellte die Spuren schwerer Miß- Handlungen fest. Die sozialdemokratische Dumafraktion brachte aus diesem Anlaß eine Interpellation in der Duma ein. Die Dringlichkeit wurde aber von den Dumakosaken Stolypins verivorfen und die Interpellation an die Kominission Venviesen, wo sie voraussichtlich zwei Jahre lagern wird. ffii! der ßeichsverücherungsordDung!- ksmmiiiisn. Sitzung vom Mittwoch, den 22. Juni. Wiederum wurde lang und breit über die Betriebkran- k c n ka f se n gesprochen, da das Zentrum gestern im letzten Augen- blick einen sehr wichtigen Antrag gestellt hat, der damals noch nicht gedruckt vorlag und deshalb nicht gewürdigt werden konnte. Der Antrag will für die landwirtschaftlichen Betriebe ein A u s n a b m e r e ch t schaffen. Denn hier sollte zur Errichtung einer Betriebskrankenkasse bereits die Zahl von— 20 dauernd beschäftigten Versicherungspflichtigen genügen. Die Zustimmung des ständigen Arbeiterausschusses, oder, wo ein solcher nicht besteht, der Mehrheit der Versicherungspflichtigen sollte dazu, wie es die So- -laldcmotraten bereits allgemein beantragt hatten, erforderlich sein. Tie Abstimmung sollte geheim sein. Die Sozialdemokraten stellten fest, daß das Zentrum mit diesem Antrage aus einem Umwege in das Gesetz ein Aus- nah in erecht für die Landwirtschaft hineinbringen will, das in ähnlicher Form die Kommission schon bei einer früheren Gelegenheit abgelehnt hat. Ebenso kämen die Anträge der Kon- servatiocn und Nationalliberalen, nach denen sogenannte Betriebs- krankcnkasscn für gleichartige Betriebe mehrerer Arbeitgeber er- richtet werden dürfen, im wesentlichen darauf hinaus, die in der vorigen Sitzung ausgeschlossenen neuen besonderen Ortskranken- kaß'en wieder zuzulassen. Ter Antrag des Zentrums sei auch schließlich ganz unannehmbar, weil bei 20 Mitgliedern von einer Versicherung gar nicht die Rede sein könne. Uli-»l»r den Schaden zu vermeiden, der aus der ZahlungS- unfähigst des Arbeitgebers bei einer kleinen Betriebskrankenkasse entstehen könnte, beantragten die Sozialdemokraten, daß die Arbeitgeber zu einer Sicherheitsleistung verpflichtet werden. Der Antrag wurde aber mit allen Stimmen gegen die der So. zialdemokraten, Fortschrittler und des Polen ab- gelehnt. Im übrigen war für das Ergebnis der Abstimmung die Be- stimmung über die geheime Abstimmung der Arbeiter entscheidend. Dos Zentrum erklärte, daß es sich nur dann, wenn diese Be- stimmung angenommen wird, für die kleinen Betriebskrantenkassen erklären könne. Die Konservatiben antworteten, daß sie unter keinen Umständen eine geheime Abstimmung der Landarbeiter zulassen würden. Bei der Abstimmung wurde zu- nächst gegen die Stimmen der Konservativen und Ratio- nalliberalen die Bestimmung über die geheime Abstimmung der Arbeiter angenommen und darauf der ganze Paragraph gegen die Stimmen des Zentrums abgelehnt. Damit waren auch alle anderen Anträge erledigt. Hiernach hätte die Beratung aller weiteren Bestimmungen über die Betricbskrantcntasien unterbleiben müffen. Die Kom- Mission beschloß aber, diese Bestimmungen zu beraten, da in der zweiten Lesung die Betriebskrankenkassen sicher angenommen würden. Beschäftigt-in Bauherr zeitweilig eine größere Zahl von Arbeitern in einem vorübergehenden Baubetriebe, so hat er auf Anordnung des Oberversicherungsamtes eine Betriebskrankenkasse zu errichten. Der Bauherr soll aber nach der Vorlage diese Pflicht auf einen oder mehrere Avbcitgeber übertragen können, die den Bau ganz oder teilweise für eigene Rechnung übernommen haben. Als einzige Voraussetzung hierfür ist in der Vorlage vorgeschrieben worden, daß ausreichende Sicherheit vorliegen und das Oberver- sicherungsamt die Uebertragung der Pflicht genehmigen mutz. Die Sozialdemokraten wollten unter allen Umständen verhindern, daß ein Bauherr sich eines zahlungsunfähigen Stroh- manneS bedient, um das Gesetz zu umgehen. Sie beantragten, daß in diesen Fällen der Bauherr immer haftbar bleibt. Der Antrag wurde abgelehnt. Eine sehr bedenkliche Bestimmung ist in der Vorlage die. daß t>aS Oberversicherungsamt das Maß der Leistungen für die hier in Betracht kommenden Bauarbeiter bestimmen soll. Danach können die Arbeiter auch mit sehr geringen Leistungen abgefunden werden. Demgemäß beantragten die Sozialdemokraten, daß die Leistungen dm satzungsmäßigen Leistungen der maßgebendm »Krankenkasse mindestens gleichwertig sein müssett. Auch dieser Antrag wurde abgelehnt.* Eine Jnnungskrankenkasse soll nach der Vorlage von einer Innung gegründet werden können, ohne daß wie bei den andern Kassen eine gewisse Mindestzahl der Mitglieder vorge- schrieben worden ist. Die Sozialdemokraten beantragten, daß eine Jnnungskrankenkasse nur dann errichtet werde» könne, wenn in den Betrieben, deren Inhaber der in Betracht kommenden Innung angehören, mindestens 1000 VersicherungSpslich-tige beschäftigt sind. Auch dieser Antrag wurde abgelehnt. Bezeichnend für die Haltung des Zentrums ist die Abstimmung bei einem der nächsten Paragraphen, der die Poraussetzungen für das weitere Bestehen einer beim Inkrafttreten des neuen Gesetzes ichon errichteten Be t r i e b s krankenkasse bestimmt. Hier hatten die Sozialdemokraten beantragt, daß die Kasse nur dann weiter be- stehen dürfe, wenn die Mehrheit der Pflichtmitglieder dem zu- stimmt. Jetzt erklärte Abg. Dr. Fleischer, daß dasselbe Zen- trum, das kurz vorher so großen Wert auf die Zustimmung der Arbeiter bei Errichtung der Betriebskranlenkassen gelegt hatte, gegen den Antrag stimmen werde. Demgemäß wurde auch dieser Antrag mit allen Stimmen gegen die der Sozialdemo- k r a t e n, Fortschrittler und oes Polen abgelehnt. Um so eifriger trat das Zentrum unmittelbar darauf dafür ein, daß die I n n u n g» k r a n k e n k a s s e n selbst dann er- halten bleiben, wenn ihr Fortbestehen die allgemeinen Ortskranken- kassen und die Landkrankenkassen gefährden. Für einen solchen Fall hatte nämlich die Vorlage vorgeschlafen, daß die Jnnungs- krankenkassen, die bereits vor dem Inkrafttreten des neuen Ge- setzes errichtet worden sind, aufgelöst werden müssen. Diese Be- stimmung wurde auf Antrag des Zentrums gegen die Stimmen der Sozialdemokraten, Fortschrittler und des Polen gestrichen. Die Betriebskrankenkassen für Betriebe des Reichs oder der Bundesstaaten sollen nach der Vorlage überhaupt keinen Beschränkungen unterworfen sein. Hiergegen wendeten sich die Sozialdemokraten und Fortschritt- l e r, da für eine solche Ausnahmebestimmung zum Schaden der Arbeiter gar kein Grund vorliege. Es wurde denn auch trotz des Widerspruches der Rcgierungsvertrcter die Ausnahmebestimmung gestrichen. Wichtige Bestimmungen sind die über die Gleichwertig- ieit der Leistungen. Sie kommen bei der Zulassung von Betriebs- und Jnnungskrankenkassen usw. in Betracht. Die Eni- scheidung darüber, ob die Leistungen dieser Kassen den Leistungen «er allgemeinen Orts- oder Landkrankenkassen gleichwertig sind, steht dem Versicherungsamt zu. Dabei sollen nach der Vorlage u. a. die Mehrleistungen der Orts- oder Landkrankenkasscn nicht mitgercch- net werden, die nur auf Kosten der Rücklage oder durch eine Erhöhung der Beiträge über i'A Proz. des Grundlohnes hinaus er- möglickt werden. Die Sozialdemokraten beantragten die Streichung dieser Beschränkung, da unter allen Umständen die Arbeiter der be- sonderen Kassen in bezug auf die Leistungen der Krankenversiche- rung nicht geschädigt werden dürfen. Dem schloß sich Abg. Dr. Mugdan an. Trotzdem wurde auch dieser Antrag gegen die Stimmen der Sozialdemokraten, Fortschrittler und des Polen abgelehnt._ ÜU! der ZuMkowmiiilon. Ohne Aendcrungen wurden in der DienSiagsitzung die ZZ 187 und 168 angenommen. Zum§ 189 lag ein Antrag der Ratio- nalliberalen vor, nach dem die Voruntersuchung auch die Durchführung der Hauptverhandlung vorbereiten soll, und ein Antrag Gröber bezweckt, daß die Voruntersuchung auch feststellen soll, welche Tatsachen für die Strafzumessung wesentlich sind. Diese Anträge wurden angenommen. Nach dem§ 191, Abs. 2, kann die Staatsanwaltschaft jederzeit von dem Stand der Voruntersuchung Kenntnis nehmen und Anträge stellen. Ein Antrag Gröber wünschte, den Pro- zcßbeteiligten dasselbe Recht wie dem Staatsanwalt zu geben. Auch un s c r e Genossen verlangten, den Verteidiger mit dem Staatsanwalt gleichzustellen, ebenso soll der Staatsanwalt nur insoweit Einsicht in den Gang der Voruntersuchung nehmen dürfen, als dadurch der Zweck der Voruntersuchung nicht gefährdet lvird.— Beide Anträge wurden mit knapper Mehrheit a b- gelehnt. Der Z 192, Abs. 2, verpflichtet den Untersuchungsrichter, vor dem Abschluß der Voruntersuchung dem Angeschuldigten m ü n d- lich die Verdachtsgründe, die gegen ihn vorliegen mitzuteilen. Dazu beantragen unsere Genosse», daß diese Mitteilung dem An- geschuldigten schriftlich zu machen ist. Nach einem Antrag Mayer- Kaufbeuren soll zu diesem Mitteilungstermin der Ver- teidiger geladen werden, und ferner soll bei dieser Mitteilung der Angeschuldigte zugleich darauf hingewiesen werden, daß er inner- halb drei Tagen weitere Ermittelungen oder Beweiserhebungen be- antragen kann; diesem Antrag ist dann, wenn die angegebenen Be- wcismittel von Bedeutung sind, vom Untersuchungsrichter stattzu- geben. Ein ähnlicher Antrag lag vom Abg. Gröber vor.— Die Regierungsvertreter wendeten sich gegen diese größeren Garantien der Voruntersuchung; sie hielten alle diese Bestimmungen für selbstverständlich, und insbesondere auch, daß der Verteidiger an dem Mit- teilungstermin teilnehmen kann. Gegen die Anträge sprach eben- falls der freisinnige Abgeordnete M ü ll e r- Iserlohn. In der Ab- stimmung wurde der sozialdemokratische Antrag abgelehnt, von den Zentrumsanträgcn wurden die Bestimmungen angenommen, daß der Verteidiger zu dem Termin zu laden ist, doch bedarf es seiner Anwesenheit nicht. Im übrigen ist der Angeschuldigte aufzufordern. weiteres Entlastungsmaterial zu bezeichnen. Der Angeschuldigte fft ,n der Voruntersuchung zu vernehmen. Zum§ 194. nach dem im 2. Absatz die Siaatsanwaltschaft das Recht haben soll, nach Abschluß der Voruntersuchung weitere Ermittelungen oder Beweiserhebungen zu beantragen, bean- tragten unsere Genossen, diesen Absatz zu streichen. Ferner beabsichtigte ein weiterer Antrag der Sozialdemokraten, eine Verein- fachung der Eröffnung des Hauptverfahrens herbeizuführen. Beide Anträge wurden abgelehnt,§ 194 wurde mit einer unwesent- lichen Äcndcriing in der Rcgierungsfassung angenommen. Der 4. Abschnitt des 2. Büches behandelt die Eröffnung des Hauptverfahrens. Dazu liegen zum 8 195, der im 2. Absatz von dem erforderlichen Inhalt der Anklageschrift handelt, Anträge von unseren Genoisen und dem Abg. Gröber vor, die forderten, daß in der Anklageschrift auch die Beweismittel für die Anklagebehauptungen näher bezeichnet werden müssen. Ferner verlangt der sozialdemokratische Antrag, daß die Anklage- schrift auch die Entlastungsmomente anführen soll. Die Regie- rungsvertreter sehen auch in der Erfüllung dieser ungemein wich- tigen Forderung nur eine unnütze Vermehrung des Schreibwerks und eine Erschwerung des Verfahrens. Es wurde beschlossen, daß die Anklageschrift die Bezeichnung der Beweismittel, welche gegen den Angeschuldigten angeführt werden, erkennen lassen soll. Alles Weitergehende wurde abgelehnt. Angenommen wird ein Antrag Gröber, wonach in den Fällen, in denen eine Boruntersuchung geführt wird oder zulässig ist, der Angeschuldigte daraus hingewiesen werden muh, daß er in der Regel innerhalb einer Woche eine Ergänzung der Eröffnung der Voruntersuchung beantragen kann. Diese Bestimmungen sollen auch für die vor dem Amtsgericht zu führenden Strafsachen gelten. Der 8 201 Abs. 1 gibt der Staatsanwaltschaft has Recht, B e- schwer den zu erheben, wenn das Hauptverfahren nicht eröffnet oder dasselbe einen, unteren Gericht zugewiesen wird. Dagegen hat der Angeschuldigte kein Beschwerderecht dagegen, wenn das Hauptversahren gegen ihn eröffnet werden soll. Ein Antrag Gröber forderte nun dieses Recht für den Angeschuldigten. Unsere Genossen, die einen ähnlichen Antrag gestellt hatten, zogen denselben zugunsten des Antrages Gröber zurück. Die Regierungs- Vertreter wie Konservative und Nationglliberale sprachen sich gegen den Antrag aus, während die Polen sich dafür erklärten. Mit Recht wurde daraus hingewiesen, daß in diesem Antrag eine der de» deutendsten Verbesserungen des Regierungsentwurfes liege und mit der Annahme dieser Neuerung würde ein prinzipiell äußerst wich, tiger Fortschritt in unserer Rechtspflege gemacht. In der Fortsetzung der Debatte am Mittwoch wies Genosse Stadthagen u. a. darauf hin, daß der Haupteffekt der An- nähme dieses Antrages der sein würde, daß dann künftig das Hauptverfahren sorgfältiger vorbereitet und die Frage, ob das Hauptversahrcn überhaupt eröffnet werden soll, viel sorgsamer ge- prüft werden würde.— Gegen den Antrag Gröber wandten sich M ü l l e r- Iserlohn, Heinz«, Wagner, Spahn. Nach mehrstündiger Dauer wurde der Antrag Gröber mit 11 gegen 17 Stimmen abgelehnt. Dagegen stimmten außer den Ratio- nalliberalen, Konservativen, einigen jZclitrumsabgeordnetcn von den Freisinnigen auch K o p s ch und Müller- Iserlohn. Eine Neuerung bringt der 8 208, nach dem der Angeklagte auf Antrag der Staatsainoaltschaft außer Verfolgung ge. setzt werden kann, wenn sich nach der Eröffnung des Hauptver- sahrcns herausstellt, daß die Tat nicht strafbar oder nicht verfolg- bar ist. Unsere Genossen beantragten, die Worte„auf Antrag der Staatsanwaltschaft" zu streichen und zum anderen zu bestimlue», daß gegen diesen Beschluß, durch den ein Angeklagter außer Ver- folgung gesetzt wird, nicht nur der Verletzte oder sonstwie Be- rechtigte, sondern in den Fällen von Uebertretungen von Arbeiter- schlltzbestiminungen auch die Gewerbeaufsichtsbcamten und Mitglieder der Gewerkschaft Beschwerde erheben können. Dem ersten Teil des sozialdemokratischen Antrages entsprach zum Teil ein Antrag Gröber, der die Einstellung der Verfolgung erst nach der Anhörung der ProgeßbcteUigten eiiltreten lassen will. Dieser Antrag wurde angenommen, der sozialdemokratische abge- lehnt.— Ohne Aenderungen wurden die 88 209 und 210 ange- nommen. Der fünfte Abschnitt behandelt die„Vorbereitung der Hauptverhandlun g". Stach dem§ 215 soll zwischen der Zustellung der Ladung zur Hauptverhandlung und dem Statt- fiiioen derselben in Sachen, die vor dem Amtsgericht ohne Schössen zu verhandeln sind, nur drei Tage Frist zu liegen brauchen. Ein sozialdemokratischer Antrag forderte acht Tage Frist, die nur im Einverständnis mit dem Angeklagten verkürzt werden kann, wäh- rend ein Antrag Gröber nur in Uebertretungssachen drei Tage Frist gelten lassen will, die mit ausdrücklicher Zustimmung des Angeklagten abgekürzt werden darf.— Der sozialdemokratische An- trag wurde angenommen; damit ist der Antrag Gröber er. ledigt. Auf Grund des§ 217 soll der Vorsitzende des Gerichts nach freiem Ermessen bestimmen können, welchen begründete» Anträgen des Angeklagten auf die Beschaffung weiterer Beweis- mittel stattzugeben ist. Unsere Genossen und Abg. Gröber be- antragen, diese Entschließung dem freien Ermessen des Vorsitzen- den zu entziehen und dafür zu sorgen, daß„dem Antrage statt- zugeben ist, falls derselbe für die Schuldfrage oder für das Straf- maß erheblich erscheint". Unter Ablehnung dieser Anträge wurde insofern eine Verbesserung beschlossen, als die Worte„dem freien Ermessen" g e st r i ch e n wurden. Nach dem 8 221 können vor dem Gericht mehrere Sadhe» gleichzeitig verhandelt werden. Abg. Gröber beantragte, die Zu- sammenlegung mehrerer Sachen von der Zustimmung der Be- schuldigten abhängig zu machen. Dieser Antrag, für den auch unsere Genoffen eintraten, wurde abgelehnt. Vom 6. Abschnitt„H a u p t v er h a n d lu n g" wurden die §8 222 bis 224» erledigt. Fortsetzung am Donnerstag. LeheliDbundprozeK Lrlch Mhiam und GeDoiten. München, 22. Juni 1910. (Telegraphischer Bericht.) Vor der Strafkammer des hiesigen Landgerichts nahm heute ein umfangreicher Geheimbundprozeß seinen Anfang, der sich gegen den bekannten Bohemien und Schriftsteller Erich Mühsam aus Berlin, den Klavierspieler Karl Schultze, genannt Marax, aus München, den Hilfsarbeiter Sebastian Ertl und den Buchhand- lungSreisenden Otto Kindler, gleichfalls aus München, richtet. ES handelt sich hierbei um ein Stachspiel zu der„Sprengstoffasfäre" in der Burgstraße, um derentwegen bereits zwei junge Leute vor dem Müncheuer Jugendgerichtshof abgeurteilt worden sind, die eine Dynamitpatrone dort zur Explosion gebracht hatten, ohne daß Menschenleben zu Schaden gekommen waren. Zugleich wurde auch ermittelt, daß die beiden auch mit Erich Mühsam und dem in- zwischen nach der Schweiz geflüchteten Studenten der Theologie Noel verkehrt hatten. Die Anklage wirft nun den obengenannten Angeschuldigten vor, daß sie in München eine anarchistische Gruppe „Tat" gegründet haben. Deren Zweck gehe dahin: Der Staat solle gestürzt werden. Am meisten wurde der Kampf gegen den Militarisinus gepredigt. Man erörterte auch Bombenattentatc. Einmal soll sogar wirklich eine Bombe aus der Schweiz hier- her gebracht worden sein. Die Gesellschaft beschäftigte sich auch mit dem Saccharinschmuggel. das Saccharin wurde von der Schweiz nach München gebracht und dann nach Oesterreich hinüber. geschmuggelt. Das aus diesem Schmuggel erzielte Geld wurde teilweise zur Unterstützung von Anarchisten verwendet. Ein Ein- bruch in ein hiesiges Juweliergeschäft und in der Deutschen Bank war geplant. Nach Umsturz der gegenwärtigen Staatsordnung sollte Gütergemeinschaft und freie Liebe allgemein eingeführt wer- den. Zur Ausführung all dieser Dinge soll eine Organisation des Proletariats ins Auge gefaßt worden sein. Die Anklage lautet aus Vergehen gcgen dir 88 128 und 129 St.-G.-B. Es sind über 40 Zeugen geladen. Die Verhandlung wird sich auf mehrere Tage erstrecken. Die Leitung liegt in den Händen des Landgerichtsdirektors Lindner. In die Verhandlung ist«is weiterer Angeklagter der Emigrant Hans Wittich aus München einbezogen worden. Als erster Angeklagter wurde heute Erich Mühsam vernommen. Er er- klärt, daß die Behauptungen der Anklage unrichtig seien. Der Angeklagte ist der Sohn eines� begüterten früheren Apotheken- besitzers und literarisch tätig,»seit einem Jahrzehnt ist er mit dem Schriftsteller Landauer in Berlin bekannt. Eine Verbindung init dem geflüchteten Mitangeklagten Noel stellt der Angeklagte Mühsam in Abrede. Die Behauptungen der Anklage inbezug auf die Bombenaitentate, die EinbruchSdiebstähie usw. beruhen auf An- gaben des gänzlich unglaubwürdigen Zeugen Bichelmeyer. Er wisse von all diesen Plänen nichts. Es sei möglich, daß ein in anarchisti- schen Kreisen verkehrender Dr. Groß solches oder ähnliches gesvrochcn Hab«. Dieser Dr. Groß sei aber ein ausgesprochener Phantast. Auf die Frage des Vorsitzendeii, ob es wohl richtig sei, daß eine Bombe aus der Schweiz nach München gebracht worden sei, die man dann in einem Hause versteckt habe, antwortet der Angeklagte Mühsam mit geringschätzigem Lächeln: Da weiß ich nicht, was ich sagen soll, und meint dann, das wäre nur LauSbubengerede.' ES sei in der Organisation viel von der russischen Revolution ge. sprechen worden, und da sei es wohl möglich, daß man davon ge- sprachen habe, dies aus deutsche Verhältnisse zu übertragen. Ter Angeklagte Mühsam gibt zu. die Gruppe..Anarchist" und später die Gruppe„Tat" gegründet zu haben. Diese Gruppen seien aber keine Organisationen nach dem Beispiel von Vereinen, es gebe keinen Vorstand, auch würden in diesen Gruppen keine Mitglieder- beitrüge erhoben. Weiter legt der Angeklagte dar, wie er vorbestrafte Menschen. Landstreicher, Diebe usw., das„Lumpenproletariat", für seine Idee zu gewinnen gesucht hat. Er glaubte, das Lumpenproletariat«verde ihrem Führer blindlings folgen. Die Zusammenkünfte der Gruppe waren keineswegs geheim. Die staatlichen Einrichtungen habe er stark lritisiert, denn er sei ja Anarchist. lieber den Ausgang dieser eigenartigen Anklage tverden wir berichten, öewerhrchaftlichee. Gin„freudiges Ereignis" l Im Zentralorga der Gewerkvereine wird im Stile der Geburtsanzeigen„allen unseren Verbands- vereinen eine erfreuliche Mitteilung" gemacht. Der Ver- band w ü r t t em b e r g i s ch e r Eisenbahn- und Dampfs chiffahrts- Unterbeamten und der Arbeiter in Staaatsbetrieben hat sich auf seiner Generalversammlung dem Verbände Hirsch- Dunckerscher Geiverkvereine angeschlassen. Der neue Hirsch-Dunckersche Verbandsverein soll(offizielle Zahl) zurzeit zirka 8000 Mitglieder haben. Darob kann sich die Gewerkvereinsleitung nicht genug tun. Ob sie auch in Zukunft immer so zufrieden sein wird, wenn sie von der neuangeschlossenen Organisation spricht, wollen wir einstweilen dahingestellt sein lassen. Die folgende Stelle aus dem Berichte gibt ein eigen- tümliches Bild: „Es waren 133 Delegierte anwesend. Vertreter der könig- l i ch e n e neraldirektion derStaatseisen bahnen, der städtischen Verwaltling und der verschiedenen wiirttem- bergischen Parlamentsfraktionen waren erscbienen, begriitzren die Generalversammlung und wünschten ihr guten Verlauf. An den König von Württemberg, der, wie einst GrasEberhardt im Barte, sein Haupt ruhig in jedes Bürgers Schoß legen kann, wurden Huldigungstelegramme gerichtet, die ebenfalls liebenswürdige Beantwortung erfuhren." Die„Gewerkvereius"-Redaktion scheint sich bei aller poli- tischen Neutralität in Patriotismus etwas übergegessen zu haben. Die Freude über den Uebertritt der Organisation er- klärt aber wohl vieles. Man beschloß auf der General- Versammlung, weil„die Erfahrungen des letzten Jahres ganz besonders deutlich gezeigt haben, daß auf die Dauer eine wirksame Abwehr der Zersplitterungsversuche der ch r i st- lichen Gewerkschaften nur möglich ist, wenn wir einen starken Rückhalt haben, den Anschluß an den Gesanitverband der Hirsch- Dunckerschen Geiverkvereine, unter Wahrung der vollen Selbständigkeit des Verbandes und unter ausdrücklicher Anerkennung seiner religiösen Neutralität und parteipolitischen Unabhängigkeit zu vollziehen,,. Lerlln uncl vlmgegenck. Achtung, Metallarbeiter! Der Streik in der Neuen Automobil- Gesellschaft, Ober-Schöneiveide, ist beendet. Die Sperre ist hiernnt aufgehoben. Deutscher Metallarbeiter-Verband, Ortsverwaltung Berlin. Mahregelungen in de» Englischen Gaswerken. Eine Bersammlung der Arbeiter der Englischen Gasanstalten tagte in den Arminhallen. Wie der Referent W u tz k y ausführte, hat man wiederum zwei Vertrauensleute ent- lasten, welche zehn resp. sieben Jahre in den Betrieben der l.. C. G. A. beschäftigt waren. Als Grund der Einlassung ist ArbeitSinangel angegeben. Das ist aber nur ein Vorwand, denn die meisten Beschäftigten der in Frage kommenden Betriebe arbeiten erst kürzere Zeit oort; selbst in den letzten Wochen sind noch Arbeiter eingestellt worden. Der Grund der Entlassung ist wohl der. daß man eine Wiederwahl der Entlassenen als Arbeiter-Ausschußmitglieder befürchtete. Das wollte man verhüten; denn auch der schnarrende Reserveoffizierston dcS Oberingenieurs Kemper reichte nicht aus, um diese beiden Kollegen bei Ver- Handlungen im Ausschuß einzuschüchtern. Im Gegenteil, auch dieser Herr mußte sich ein wenig Vernunft im Umgang mit den Arbciter-Ausschußinitgliedern angewöhnen. Wie immer in solchen Fällen, hat die Direktion schleunigst Veranlassung genommen, die durch feste und bestimmte Vertretung der Arbciteriiiteresscn un- bequem gewordenen Arbeiter abzuschisben; trotz langjähriger ein- wandfreier Dienstzeit erhielten sie die Entlassung. In der Dis- kussion spradzen mehrere Arbeiter und rügten die Lauheit und indifferente Haltung der Kollegen in gewerkschaftlicher Beziehung: Wcnm wir in den Englischen Gasanstalten eine starke gewerk- schaftliche Organisation hätten, würde sich die Direktion hüten, in solcher Weise gegen die Vertreter der Arbeiter vorzugehen, wie im vorliegenden Falle. Um weitere Maßregelungen zu verhüten, müsse man sich Mann für Mann der Organisation anschließen. Lange genug, sagte einer der Entlassenen, habt Ihr uns für Euch kämpfen lassen, kämpft nun endlich selber! Folgende Resolution fand ein- stimmige Annahme: „Die in den Arminhallen versammelten Arbeiter der Engli- schen Gasanstalten geben ihrer tiefsten Empörung Ausdruck über die gänzlich unmotivierte Entlassung der viele Jahre bereits beschäftigten Kollegen Stenzel und Prenzlow. Die Versammelten kennzeichnen das Vorgehen der Direk- tion als einen Gewaltakt, der diktiert ist von dem Bestreben, die beiden Genannten los zu werden, weil sie als Arbeiter-Ausschußmitglieder mannhaft die Interessen der Arbeiter vertreten haben. Gegen eine derartige brutale Maßregelung ihrer Ver- trauensmänner protestieren die Versammelten ganz energisch und erwarten von der Direkt. on mit aller Bestimmtheit die Wiedereinstellung der gemaßregelten Kollegen. Mit Entschiedenheit verwahren sich die Versammelten gegen die in der Maßregelung liegende Verkümmerung ihres Koali- tionsrechts und rufen die Äollegenschast auf, sich dagegen zur Wehr zu setzen und erst recht in der gewerkschaftlichen Organisation mit allen Mitteln für ihre Rechte zu kämpfen. Der An- schluß an den Verband der Gemeinde- und Staatsarbeiter ist deshalb Ehrenpflicht jedes Arbeiters der I. C. G. A." Ein Streik dcS Steindruckerei-HilfspersonalS war am Ist. d. M. In der bekannten chromolithographischen Kunstanstalt von Albrecht u. Meister, A.-G., Berlin-Reinickendorf, wegen Lohnforderungen ausgebrochen. Derselbe ist nunmehr nach Verhandlungen mit der Verbandsleitung beendet. Ten männlichen Hilfsarbeitern wurde e-ne Lohnzulage von 1 M., den weiblichen eine solche von 7S Pf. pro Woche bewilligt. Die von der Firma angestrengte Klage auf Ver- urteilung wegen Konlraktbruchs sowie die Klage der Streikenden gegen die Firma aus Auszahlung des rückständigen Lohnes wurde zurückgezogen. Die Ausständigen nehmen die Arbeit wieder ans; die von der Firma dadurch ausgesprochenen Kündigungen der Litho- graphen und Steindruckcr wurden zurückgezogen, und ist dadurch der Friede wiederhergestellt. Die Friisterpiitzlr der Firma Rvoewaid sind, wie wir geilern bereits gemeldet haben, ausgesperrt. Die Ursache der Aussperrung ist folgende: R o d e w a l d ist einer der Unternehmer, der seine Arbeiter völlig unzureichend entlohnt. Der Höchstlohn betrug 23 M. Die Fensterputzer, die sämtlich im Deutschen Transportarbeiter- verband organisiert sind, hatten durch ihre Organisarion der Firma Rodewald Forderungen iubezug auf Regelung der Lohn- und Arbeits- bedingimgen unterbreitet, die in der Hauptsache einen Lohn von 24 M. pro Woche garantieren sollten Herr R o d e w a l d, oder besser gesagt, der Gastwirt Emil Belter, Neue König- st r a ß e 6 st, hielt eine Anlioort aus das durchaus höflich gehaltene Schreiben nicht für erforderlich, sondern er sperrte seine Arbeiter kurzerhand ans. Die Situation ist durchaus günstig. Es war möglich, die Arbeitswilligen gestern sämtlich aus dem Betriebe zu eutieriien dank der Einigkeit der Ausgesperrten. Am Freitag abend 6 Uhr findet in Feuersteins Feitsälen, Alte Jakobstr. 75, eine öffentliche Versammlung der Fensterputzer Berlins statt, die sich mit der Aussperrung bei der Firma Rodewald beschäftigt. Im übrigen bitten wir um Fernhaltung des Zuzugs. Hoch die Solidarität t _ Deutscher Transportarbeiter-Verband. Bezirk Groß-Berlin. Verantw. Redakt.: Rickni-t» Barth. Berlin. Inseratenteil verantw.: Der Mühlcnarbeiterstreik in der Salomon-Mühle. Eine Versammlung der Zahlstelle Berlin des Mühlenarbeiter- Verbandes beschäftigte sich dieser Tage eingehend mit dem Streik. Berichtet wurde, daß sich eine Aenderung nicht vollzogen hat. Die Firma setzt alles daran, um die Abteilung der Roggeiimühle in Be- trieb zu erhallen. Sie behauptet auch, daß der Betrieb regelmäßig im Gange sei. Das ist nicht der Fall. 5— 6 Stunden ununterbrochene Schanzerei ist gang und gäbe. Obgleich die Posten reichlich besetzt sein sollen, gelingt es nicht, auch nur den fünften Teil a» Mehl fertig zu stellen. Vom welchem Schlage die Arbeitswilligen sind, zeigt die Schlägerei, die sich am Donnerstag unter den Arbeitswilligen abgespielt haben soll. Der Firma scheint es bei 8st Pf. Stimdenlohn doch zu kostspielig geworden zu sein. Den Arbeitswilligen wurde am Sonnabend be- kamit gegeben, daß in Zukunft nur 42 Pf. bezahlt würden. Ein Teil der Arbeitswilligen Hai es vorgezogen, den Betrieb zu verlassen und ist abgereist. Die Streikenden versicherten, einmütig auszu- harre» im Kampfe: verlieren können sie nichts, nur gewinnen. Be- schlössen wurde, die Streikiinterstntznng um den Betrag de? Kranken- gelbes zu erhöhen, sowie einen Mietsznschnß von 15 Mark zu leisten. Die Kommission richtete am 16. b. MtS. folgendes Schreiben an die Finna: „Wir wiederholen unser Anerbieten zu Verhandlungen. Viel- leicht lassen sich die ausgebrochenett Differenzen beilegen. Mit aller Hochachtung Die Kommission." Am 17. d. Mts. erhielt die Kommission folgende Antwort: „Wir haben Ihr w. Schreiben unserem Arbeitgeberverband unterbreitet und erhalten Sie morgen Bescheid. Hochachtend usw." Die Antwort vom Unternehmerverband ist bis heute aus- geblieben. Dafür hat aber die Kommission folgendes Schreiben der Firma erhalten: „Berlin� den 18. Juni. An die Kommission z. H. des Herrn Sauer. Wir bestätigen unser gestriges Schreiben und bedauern Ihnen mitteilen zu müssen, daß wir nicht in der Lage sind, jetzt noch auf Verhandlungen einzugehen, da es dazu zu spät ist. Unsere früheren Arbeiter haben uns durch ihre AtbeitSniederlegung ge- zwangen, andere Arbeiter einzustellen, die wir nicht entlassen können. Wir sind jedoch nicht abgeneigt, sobald flch Vakanzen bilden. Ihren guten Willen vorausgesetzt, Leute auS Ihm, Reihen einzustellen, vielleicht einige wenige schon bald. Be- dingung wäre allerdings, daß Sie sich von jetzt ab jeder feindseligen Handlung gegen die Firma, deren An- gestellte und Arbeitspersonal enthalten. Hochachtend usw." Auf dieses Angebot der Firma kann und wird die Arbeiterschaft natürlich unter keinen Umständen eingehen. Sie haben keine Ver- anlassmig, der Firma einige Kollegen als Rausreißer zur Verfügung zu stellen. Ein solches Ansinnen mußten die Streikenden einmütig ablehnen. Oeutlebes Ueüft. Achtung, Töpfer! Der Streik im Jiinnngsgebiet Alt-LandSberg geht unverändert weiter. Folgende Firmen haben nachträglich noch bewilligt: Jebock, Mispel und Böhme in Biesdorf, Kupfer- Mohlsdorf und L e u f ch n e r- Radebrück. Kein Kollege darf, ohne sich vorher im Berliner Filialbureau(Engelufer 15, Zimmer 59, Telephon Amt IV 9897) Auskunft geholt zu haben, im Jnnungsgebiet Alt-LandSberg in Arbeit treten. Die Verbandsleitung. Die Holzarbeiter in Schlawe(Pommern) haben die Arbeit niedergelegt. Gefordert wird an Stelle der bisherigen elsstündigen Arbeitszeit die zehnstündige und eine entsprechend« Lohnerhöhung. Da die Meister kein annehmbares Entgegenkommen zeigten, auch die Verhandlungen mit dem Vertreter des Holzarbeitcrverbandes ablehnten, so erfolgte die Arbeitsniederlegung. Um Fcrnhaltung des Zuzuges wird ersucht._ Lohnbewegung der Hafenarbeiter. Bremen, 22. Jimi 1910.(Eigener Bericht.) Die Hafen- arbeiter stehen zur Zeit mit den Arbeitgebern in Verhandlung über Abschluß eines Tarifs bis zum 1. Juli 1913. Die Arbeitnehmer- kommijsion batte anfänglich eine Verkürzung der Arbeitszeit um >/s Stunde und eine Lohnerhöhung dahingehend beantragt, daß für alle Arbeiter ein Einheitslohn von 5 M. gezahlt wird. Um einen Tarif- abschlug auf friedlichem Wege zu erreichen, haben die Arbeiter die Forderung der Arbeitszeitverkürzung fallen lassen und außerdem eine staffelweise Lohncrhöhnng vorgeschlagen. Trotz dieses Bemühens seitens der Arbeiter, die Sache friedlich zu erledigen, scheinen die Hasengewaltigen eine» Streik provozieren zu wollen, denn wie bürgerliche Blätter melde», wird der Dampfer„Darmstadt", zurzeit in Bremerhaven, als O u a r t i c r s ch i f f eingerichtet, um dann den sich hier einfindenden Streikbrechern später als Wohnung zu dienen. Zuzug ist streng fernzuhalten. Die angedrohte Aussperrung in der Frankfurt-Offenbachcr Schuhindustrie wurde im letzten Moment verhütet. Der Konflikt war dadurch entstanden, daß die Firma Heroux in Offenbach einem Vertrauensmann während seiner zehntägigen Krankheit kün-- digte. Als Vorwand nahm die Firma, daß der Beireffende sich in einer Wirrschaft in der Nähe aufgehalten und es nicht für nötig befunden habe, bei oc> Firma vorstellig zu werden. Die in der Fabrik beschäftigten Ar!cr erklärten sich mit dem Gemaßregelten solidarisch und traten nach Ablauf der Kündigung in den Streik, loorauf sämtliche Verba. dsfabriken ihren Personalen kündigten. Dieser Vorwand war von en Fabrikanten geradezu an den Haaren herbeigezogen worden. Auf die Wiedereinstellung des einen Kollegen wurde verzichtet, und so i•- eigentliche Ursache der. Differenz be- seitigt. Die bei der Firma Heroux in den Streik Getretenen, mit Ausnahme des einen, nabmen die Arbeit wieder auf, und zwar zu denselben Bedingungen wie vorher. Die übrigen Fabrikanten zogen ihre Kündigung zurück. Ter Streik der Lithographen und Steinbrncker bei der chromo- lithographischen Kunftanstalt von Hermann Schott, A.-G. in Rhcvdt, ist beigelegt tvor cn. Es wurden Lohnzulagen bewilligt, Strafen wurden nicht mehr verhängt, Hilfsarbeiter, die mehr als vier Jahre an der Stelndruckhandpresse stehen, werden als Drucker betrachtet und dementsprechend entlohnt usw. Sämtliche Ausständige haben die Arbeit wiedcc aufgenommen. Christliche„Ehrlichkeit". Wie oft sind nicht die christlichen Getverkschasten schon in der Oeffenilichkeit gebrandmarkt worden, wenn sie die Wahrheitsliebe in einer Weise betätigten, die schlecht zu ibrem christlichen Getue paßt. Hielten da jüngst am 12. Juni ein Bäckerdutzend christlich organi- sierter Tapezierer in Düsseldorf eine Konferenz ab. Um nach außen hin recht auszutragen, halten sie allein aus Köln 6 Delegierte ge- schickt, drei stellte Diisseldorf, je zwei Duisburg und Essen, je einen Viersen, Neuß und Elberfeld. Die Zahl der im christlichen Holzarbeiterverband organisierten Tapezierer anzugeben hütete» sie sich, jedenfalls sieht eS da recht mau aus. Dafür nahmen sie den Mund um so voller und prahlten damit, daß im Tapezierergewerbe 51 Tarifverträge, im Sattlergewerbe 29 im Jahre 1908 abgeschlossen werden konnten. Auch im letzten Frühjahre wären die Bewegungen erfolgreich gewesen. ES wird zwar nicht gesagt. daß der christliche Verband diese Tarife abgeschlossett hat. aber eS wird auch geflissentlich verschwiegen, daß eS der Deutsche Tapezierer- verband war, der diese Erfolge zu erringen wußte. Der Zweck dieser unrichtigen Darstellung ist klar: man will die Oeffent- lichleit tänichen und dem christlichen Holzarbeilerverband diese Erfolge zuschreiben. Zu dem paßt ferner die Behauptung vortrefflich, daß der christ- liche Holzarbeilerverband auch nach der materiellen Seite hin leistungsfähiger sei als der sozialdemokratische Tapeziererverband. r|. Glocke. Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u. Verlaglanftall! Um diese Leistung im Aufschneiden zu krönen, wird noch der intet» konfessionelle und parteipolitisch neutrale Charakier des christlichen Verbandes betont. Solche Unverfrorenheit steht einzig da. Diese christlichen Illusionäre können nicht kopieren, daß sie durch ihre Verdrehungen und Prahlereien bei denkenden Arbeitern leinen Eindruck machen können._ Ter Streik in der landwirtschaftlichen Maschinenfabrik Otto Schmidt in Rathenow ist beendet. Das einmütige geschlossene Vor- gehen der Arbeiter hatte seine Wirkung nicht verfehlt. Bereits am dritten Stceiktage kam es zu Verhandlungen und folgendem Ab- schluß: Tie Erhöhung des Stundenlohnes beträgt für diejenigen Arbeiter, die bereits in der Zeit vom 1. April d. I. bis jetzt eine Lohnzulage erhalten haben, einen Pfennig, für alle übrigen Arbeiter zwei Pfennig. An Sonnabenden tritt der Arbeitsschluß eine Stunde früher ein bei voller Lohnzahlung. Der Vertrag gilt bis zum 31. Mai 1912. .ßusUnd. Achtung, bei Arbeitsangeboten nach Italien! Die Landeszeiitrale der italienischen Gewerkschaften berichtet, daß die Spiegelpolierer in Brescia(Italien) im Streik stehen. Da die Unternehmer besonders in Wien, Brüssel, Paris und Berlin Streikbrecher suchen, so biltet sie, solche Arbeitsangebote abzulehnen._ Die Bereinigung amerikanischer Steindruckereibesiher..National Association of Emplohing Lithographers" beschloß auf einem kürz- lich in Ncw-�ork stattgcfundencn Kongreß die Einführung des achtstündigen Arbeitstages, auch für Steindrucker. Vor zwei Jahren war noch eine große Majorität gegen einen dahin- zielenden Antrag vorhanden, jetzt kam ein einstimmiger Beschluß zustande, da man einsah, daß man den Arbeitern etwas bieten müsse, wenn man dann nicht zu viel weitergehenden Zugeständnissen gezwungen werden wolle. Auch eine Krankenkasse und eine Unfall- Versicherung soll eingerichtet werden. In den Anstalten der oben- genannten Vereinigung organisierter Unternehmer sollen 2st ststst bis M ststst Gehilfen und Hilfsarbeiter beschäftigt sein. Hub der Frauenbewegung. Feinde des Frauenwahlrechts. Ueber die Stellungnahme des Brandenbnrgischen StädtetageS zum Frauenwahlrecht sprach kürzlich Herr Rechtsanwalt Gottschalk in einer von der Ortsgruppe Berlin für Frauenstimmrecht einberufenen Versammlung. Nach den Erfahrungen, die der Referent auf dem Städtetage gemacht hat, scheint er mit der Einschätzung dieser stockreaktionären Körperschaft mit HauskuechtSmanieren auf dem Nullpunkt angelangt zu fein. Mußte er sich doch sogar darüber beklagen, daß für die Forderung des allgeineiuen, gleichen, direkten und geheimen Wahlrechts nicht einmal die„liberalen" Vertreter Charlottenburgs zu haben waren und der Stadtverordnetenvorsteher Kaufmann sei sogar Gegner der Forderung, da« Hausbesitzerprivileg aufzuheben. Was will man da von den Unteroffizieren der Junker, den Bürgermeistern und Stadtvcrordnetenvorstchern der ländliche» Städte verlangen? Die Forderung der Uebertragung des Reichs- Wahlrechts auf die Kommunen würdigten die Stadthäupter als freche Anmaßung der Besitzlosen, für die Forderung des Frauenwahlrechts hatten sie nur Spott und— faule Witze. Der Referent gab der Ansicht Ausdruck, daß— trotz der groben, lärmenden Demonstration der Junker-Bürgermeister— die Eittwicke- luug den Frauen zunächst das kommunale, dann erst das Wahlrecht zu den gesetzgebenden Körperschaften bringen werde. Es sei daher taklisch klug, alle Kräfte auf die Agitation für die Erringung des kommunalen Wahlrechts zu konzentrieren.— Jedenfalls erkennen die Frauen aus den Vorgängen, auf welche Hilfe sie für die Wahlrechts- forderung aus dem bürgerlichen Lager zu rechnen haben. Außer den paar weißen Raben ist der Liberalismus in dieser Beziehung stramm reaktionär._ Ein Unternehmer für die Fortbildung seiner Arbeiterinne«. In Wien gibt eS einen Fabrikanten, der auf eine wohl seltene Art daS Bildungsniveau der Arbeiterinnen zu heben versucht. Es ist eine Firma der Blumen- und Federnbranche, bei der die vor- nehmen Kundinnen in Equipagen und AutoS vorfahren, um ihre Einkäufe zu decken. Der Unternehmer ist der Ansicht, daß auch der Fabrikant gewinnt, wenn seine Arbeiterschaft intelligent ist. So unterhätt dieser Unternehmer, Heiner sein Name, eine Fort- bildungsschnle für seine zahlreichen Arbeiterinnen. Der Lehrkörper dieser Schule besteht aus den sreisiimigsten Lehrpersonen Wiens. Unter anderem wirkt auch die Frau des sozialdemokratischen Abgeordneten G l ö ck l als Lehrerin. Der Unterricht wird wäbrend der Arbeitszeit erteilt, so daß die Mädchen nichts von ihrer freien Zeit einzubüßen haben. Der Unterricht dauert für jede Arbeiterin zwei Jahre. Die Lehrkräfte werden natürlich vom Unternehmer honoriert, sowie er auch die Unterrichtslokalitäten zur Verfügung stellt. Da sich Herr Heiner bei der Errichtung und Ausgestaltung seiner Schule von dem Verein„Freie Schule", dessen Zentral- ausschußmitglied er ist, beraten läßt, so ist alles nach wiiklich frei- heitlichen Grundsätzen eingerichtet. Die Sehrmittelsamnilung, sowie die gut gewählte Bibliothek, die den Arbeiterinnen kostenlos zur Verfügung steht, erfreut sich allgemeiner Anerkennung. Jedes Jahr wird eine Schlnßfeier der Schule veranstaltet, die einen reinen, be- sonders schönen Charakter trägt. In den Reden, die gehalten werden, vom Lehrkörper und vom Vorstand der.Freien Schule" wird der Hanptwert auf die Bildung des Charakters, auf die Entwickelung zn tüchtigen aufrechten Menschen gelegt. So sehr wir den guten Zweck anerkennen, der hier ver- folgt wird, so wissen wir aber nur zu wohl, daß dieser Fall als eine Einzelerscheinung für die Gesamlheil der Arbeiterklasse nichts bedeutet. Dieses System hat auch in der ganzen Unternehmerschast noch keine Nachahmung gefunden. Auch hier bestätigt die Ausnahme die Regel: daß die Arbeiterinnen aus eigener Kraft nach Bildung und Wissen streben müssen. lUt2te JNfacbricbrcn und Depelcbcn. Jugendliche Verbrecher. Hamburg, 22. Juni.(W. T. B.) Das Schwurgericht hat heute den Lvjährige» GastwirtSgehilfen Magnus und den ZljShrigen Arbeiter Burghard, die am 3. April d. I. den 77jährigen Uhrmacher Lessau gemeinschaftlich getötet und beraubt haben, zu je 14 Jahren Zuchthaus verurteilt. Wiederaufnahme der Arbeit. Strahburg i. E.. 22. Juni.(W. T. B.) Eine heute abend abgehaltene von über Iststst Bauarbeitern besuchte Versammlung faßte den endgültig bindenden Beschlutz, daß von morgen ab auf allen Plätzen die Arbeit wieder aufgenommen«erde» soll. Lohnbewegung im Holzgewerbe. Graz, 22. Juni.(W. T. B.) Hier sind sämtliche Tischler» gehilfeu wegen Lohndifferenzc» in den Ausstand getreten. nulSingerACo., Berlin SW. Hierzu 2 Beilagen u. UuterhaltungSbl. Kr. 144. 27. Jahrgang. 1. WIM des„Potmiiils" Keckm öallislilatt. Donnerstag. 23. Juni 1910. Die 10. Gtneralversammlnng des Verbandes deutscher Teztilarbelter. Dritter Berhandlungstag. Vom VervandZborstand, Ausschuß und den Gauleitern wird fol- gende Resolution, von Krätzig am Dienstag eingehend begründet, zur Aunahme empsohlen: .In der Erkenntnis, daß die gewerkschaftlichen Kämpfe zur Verbesserung der wirtschaftlichen Lage der Textilarbeiter Deutschlands nur dann Aussicht aus Erfolg bieten, wenn sie zu Beginn der guten Konjunkturperioden geführt werden, beschließt die General- Versammlung: Es ist im Vorstande eine Beobachtungsstelle zu schaffen, welche die Vorgänge auf dem Wirtschaftsinarkt unausgesetzt zu beobachten und den Kollegen im Lande über die Ergebnisse ihrer Arbeit ständig zu berichten hat, damit sie bei Lohn- bewegungen ihre Taktik den jeweiligen Konjunkturverhältnissen gut anzupassen vermögen. Bei der großen Wichtigkeit der Sache ist es notwendig, ein besoldetes Vorstandsmitglied mit der Lösung dieser Auf- gäbe zu betrauen. Des ferneren erklärt die Generalversammlung: Bei der wachsenden Bedeutung des TarifwesenS für die Gewerkschaften und also auch für den Textilarbeiterverband, ist dieser Zweig der Gewerkschaflstätigkeit mehr als bisher zu Pflegen und deshalb ein Mitarbeiter einzustellen, der dem Vorstände mit beratender Stimme anzugliedern ist." Als Leiter der einzurichtenden Jnformalionsslelle wird der Generalversammlung der bisherige Leiter im Tarifamt. Jäckel, empfohlen, an dessen Stelle R e i ch e l t treten soll. Als Mitarbeiter im Tarifamt wird Kreuer von der Kommission vorgeschlagen. Zur Diskussion meldet sich nur V e t t e r l e i n- Gera, der beantragt, daß der Inhaber der neuen Informationsstelle zugleich Vorstandsmitglied werden soll. Die Versammlung ist damit ein- verstanden und nimmt die vorgeschlagene Resolution an. Der Verbandstag tritt dann in eine Beratung über zahlreich eingelaufene Anträge betreffend Unterstützungseinrichtungen der Organisation. Eine Vorlage des ZentralvorstandcS zu den Unterstützungen wird von P r i l l w i y- Berlin begründet, der ausführt, daß die Berbandsleilung die Reformbedürsligkeit der bisherigen Einrichtungen erkannte und sich bemüht habe, in dieser Vorlage den berechtigten Ansprüchen der Mitglieder entgegenzukommen, wobei besonders auf die länger organisierten mehr Rücksicht genommen worden sei. Weiter aber, wie hier festgelegt, könne man nicht gehen, wenn für die Kampfzwecke des Verbandes daS Pulver trocken gehalten werden solle. Der Redner bekämpft die vorliegenden Anträge und empsiehlt die Vorlage des Zentralvorstandes anzunehmen. In der Diskussion loird die Wichtigkeit einer Erhöhung der Unterstützungen für Kampfzlvecke vielfach hervorgehoben. ES sollte daraus hingewirkt werden, daß die Mitglieder des Verbandes zu höheren Beitragsleistungen herangezogen oder doch bewogen werden, die Beittäge der höheren BeitragSllassen zu leisten. Einige Redner warnen davor, daß die Unterstützungen für die weiblichen Mitglieder herabgesetzt würden. ES sollte mehr Wert auf eine Arbeitslosen- Unterstützung als auf die Krankenuntersliitzung gelegt werden, die allem in den letzten zwei Jahren über 700 000 M. gekostet hat. Die Diskussion wird zur Mittagszeit abgebrochen, da für den Machmittag ein Ausflug der Delegierten geplant ist. Bogsgerd, der Vertreter der holländischen Organisation der- abschiedet sich vom Verbandstage, da er nach Enschede gerufen wird, wo die Fabrikanten eine große Aussperrung inszeniert haben. Vogsgerd dankt für die empfangenen Anregungen und betont den Werl der internationalen Verbrüderung der Arbeiter. Ueber die steigende Mitgliederzahl in den 12 Gauen deS Ver- bände« ging der Generalversamnilung eine Aufstellung zu. Das Gesamttesullat im ersten Quartal d. I. zeigt sich in den folgenden Zahlen: männl. weibl. zus. Am 1. Januar 1910... 08 937 85 304 104 301 Mitgl. Arn 1. April 1910.... 72401 38449 110910 Mitgl. Also mehr.. 3 524 3035 0 009 Mitgl. 2. Internatiliullle Kuchbiudkr-Konftren;. Erfurt. 20. Juni 1910. Am Montag trat in Erfurt, anschließend an die Generalver- sammlung der Buchbinder, die Internationale Buchbinderlonferenz zusammen. Beschickt ist die Tagung von LajoSfalvi als Vertreter der Bruderorganisotion in Ungarn, Grünwald für Oester- kleines feiiilletcm. Die Ergebnisse der Komctenbeobochtung. Auf seinem rasenden Lauf durch den Wcltenraum ist der Hallet, sche Komet nun den Augen entschwunden, und in kurzer Zeit wird er auch mit den mächtigen Riesenfernrohren nicht mehr zu erreichen sein. Weit über den Erd- kreis hin haben alle Forscher mit den besten Hilfsmitteln moderner Wissenschaft den flüchtigen Himmelswanderer beobachtet: nun ist es an der Zeit, die wissenschaftlichen Endergebnisse zusammenzufassen. Für Mitteleuropa ist der„Hallet," wohl eine Enttäuschung gewesen; doch in anderen Erdteilen, in Indien, in Südafrika und in Teilen Amerikas hat er seinen Ruf gerechtfertigt; als eine einzigartige, prachtvolle Himmelserscheinung ist er vorübergezogen. Der Leiter des Kodaikanal-Observatoriums in Südindicn. der Astronom Evershed, berichtet, daß der Komet am Morgenhimmel im Mai„wie ein gewaltiger Scheinwerfer" zu sehen war, die Berichte der Forscher ans Aegypten, aus Transvaal und ans Amerika sprechen von einem großartigen Schauspiel, ja in Amerika konnte man den Schweif bis- weilen in so gewaltiger Ausdehnung beobachten, daß er drei Viertel des Himmelsraumes in Anspruch nahm. Aber das außerordentliche der Erscheinung war nicht daS Endziel der wissenschaftlichen Beob- achtnngen, die ein astronomischer Mitarbeiter eines Londoner Blattes zusammenfaßt. Die Zusammensetzung des Kometen und seine Dichtigkeit ist nun festgestellt. Man nahm bisher an, daß der Kern des Kometen aus meteoritischen Körpern besteht, die durch eine lockere Anziehungskraft beisammen gehalten würden. DaS setzt eine gewisse Dichtigkeit voraus: aber als der Komet an der Sonne vorüberging, wurden auf den australischen Sternwarten, die unter sehr günstigen Umständen beobachteten, keinerlei Merkmale wahrgenommen. die das bestängen. Zweifellos also ist der Halley von viel ge- ringerer Dichtheit, als man bisher annahm. Zugleich sind neue Feststellungen über die physikalische Zusammensetzung des Schweifes gelungen. Man nahm bisher an, daß der Schweif aus elektrischen Strahlen bestehe, und um diese Hvpothese zu prüfen, errichtete Pros. Birkeland in der Polarzone seine Beobachlungsstation. Wenn der Schiveif elektrischer Natur wäre. so hätten mit der Annäherung an die Erde elektrische und magnetische Störungen wahrgenommen werden müssen. Prof. Birkeland und auch die spanische Ebro-Sternwarte konnten elektrische Störungen feststellen. Aber diese Veränderungen waren so unbedeutend, daß sie auch ohne de» Einfluß deS Halleyschen Kometen entstanden sein können. Die von der Universität Manchester am 18. und 19. Mai aufgelassenen Registrierballons, die Höhen von 9'/z und 12Vz englische Meilen erreichten, verzeichneten keine bemerkenswerten Ozon- mengen m der Atmosphäre, während die» bei elektrischen Ein- reich�, D i e d r i ch s e n für Norwegen. Weydenhaijm für Schweden, O l e s e n für Dänemark, König für die Schweiz, Pladet für Belgien. Der deutsche Buchbinder- verband ist vertreten durch Kloth, Härder, Haueisen und Brückner. Den Geschäftsbericht des Sekretärs erstattet Kloth. Einladungen habe ich an alle Verbände ergehen lassen, auch an die, welche der Föderation nicht angeschlossen sind. Mehrere haben auch zugesagt, es ist aber doch niemand erschienen von diesen. In der Geschäftsperiode von der Nürnberger Kon ferenz an sind die Organisationen von Frankreich, Kroa< t i e n und Sofia(Bulgariens beigetreten. Es besteht auch die Hoffnung, daß sich England bald anschließen wird. Es muß dort allerdings erst zu einem Zusammenschluß zwischen dem englischen Buchbinder- und Liniiererverband und der Londoner Lokalorga- uisation kommen, der bis jetzt gescheitert ist, aber doch bald zustaitde kommen wird. Gerade im Interesse unserer Berufsgenossen ist eS von Bedeutung, daß wir in ein festeres Verhältnis zu der englischen Organisation kommen. Dem englischen Verband kann man nämlich nur beitreten, wenn man in Arbeit steht, man kann aber kaum Arbeit erhalten, solange man nicht organisiert ist. Dieser Zustand muß beseitigt werden. Mit dem amerikanischen Verband habe ich durch die Vermittelung von Gompers eine nähere Ver- biudung zu erreichen gesucht, es ist mir aber nicht gelungen. Nun wird Legien eine dreimonatige Tour nach Amerika machen und dort über die deutsche Sozialdemokratie sprechen. Ich werde ver- suchen, durch ihn etwas zu erreichen. Italien und Finnland wün- scheu den Anschluß. Sie haben sich aber noch nicht erklärt, welche Unterstützungen sie fremden Kollegen zahlen würden. Der Mitgliederbestand der angeschlossenen Verbände stieg 1909 gegen das Jahr 1908 von 19 010 männlichen und 15 550 weiblichen, insgesamt 34 100 Mitgliedern, auf 22 129 männliche, 15 741 weih- liche, insgesamt 37 870 Mitglieder, was ein Mehr von 2519 männ. lichen und 1185 weiblichen— 3704 Mitgliedern bedeutet. In dieses Mehr ist aber der neu hinzugetretene französische Verband mit 1787 männlichen und 228 weiblichen— 2106 Mitgliedern eingeschlossen, so daß ein Reingewinn der alten Verbände in 1909 von 1598 Mitgliedern zu verzeichnen ist. Eine Mitgliederzunahme verzeichneten der deutsche mit 1597, der österreichische mit 325 und der schweizerische Verband mit 140 Mitgliedern, während als Ver- lust der belgische 14, der dänische 20, der norwegische 23, der schwedische 208 und der ungarische 197 Mitglieder zu buchen hatten. Die gesamten Einnahmen der angeschlossenen Verbände fielen von 930 222 M. in 1903 auf 900 012 M. in 1909, während die Aus- gaben sich von 790 019 M. auf 007 033 M. minderten. In die Zahlen für 1909 ist Einnahme und Ausgabe des französischen Ver- bandes mit inbegriffen. Die höheren Einnahmen und Ausgaben des Jahres 1908 sind auf die 18wöchige Aussperrung unserer schwedischen Kollegen zurückzuführen, wobei zu den Kosten von 102 257,55 M. andere Gewcrkschaftsorganisationen 119 805,91 M. beisteuerten. Der Kassenbcstand in den Hauptkassen der Verbände stieg von 373 123 M. am 31. Dezember 1908 auf 595 217 M. am 31. Dezem. ber 1909, und im gleichen Zeitraum in den Lokalkassen von 202 084 Mark auf 211002 M. Die Mitgliederzahl der nichtangeschlossencn Verbände beträgt jetzt zusammen etwa 14 851. Für das Sekretariat sind von 1907 bis 1999 1905,55 M. aus- gegeben worden. Durch Vermittelung des internationalen Sekretariats konnten die ausgesperrten schwedischen Kollegen im Jahre 1908 mit etwa 18 900 M. unterstützt werden. Auch bei dem schwedischen General- streik haben die angeschlossenen Verbände erhebliche Summen bei- gesteuert. Wenn wir den einzelnen Verbänden bei Streiks Unterstützung leisten sollen, so liegt uns auch die Pflicht ob, dafür zu sorgen. daß die Art der Organisation die richtige ist. Das Sekretariat hat versucht, darauf hinzuwirken, daß die deutsche Zcntralorgani- sation, die auch in der Schweiz und in Oesterreich und bis zu einem gewissen Grade auch in den nordischen Ländern herrscht, als Typ betrachtet wird. In den nordischen Ländern hat die Landes- zentrale noch eine größere Bedeutung. Sie kann die einzelnen Organisationen zu Extrabeiträgen für Gewerkschaften, Sie in Kämpfen stehen, heranziehen. Wir sind dafür, daß jede Organi- sation auch umfassende Kämpfe selbst führen kann. In Belgien und Frankreich ruht das Schivergewicht der Organisation noch immer in den lokalen Vereinen. Die Zentralen haben nur geringe Bedeutung. In der nun folgenden Debatte wird die Tätigkeit des Sekre- tariats allgemein als zufriedenstellend anerkannt, bedauert wird nur. daß die fremden Verbandstage nicht vom Sekretär besucht worden sind. Zeitmangel und verschiedene andere Umstände haben das verhindert. Wirkungen des Kometenschweifs eingetreten wäre. ES kann also als feststehend gellen, daß der Schweif nicht elek- irischer Natur ist. Die Spektralanalyse hat ergeben, daß der Schweis ans Kohlenoxyd besteht. Der gleiche Stoff bildet den Kern, doch tritt hier eine leichte Beimischung von Stickstoff hinzu. Merkwürdig bleibt die Tatsache, daß der Kometenschiveif am Morgen noch im Osten beobachtet wurde, während der Komet am Abend be- reils am Westbimmel stand. Man bat die Theorie aufgestellt, daß die Kurve des Schweifes so gewaltig sei, daß er sowohl am Morgen- wie am Abendhimmel sichtbar werden konnte; größere Wahrschein- lichkeit hat aber eine andere Annahme, nach der der Schweis eine Spaltung erlitten hat. DaS stille Zimmer zu Utrecht. Den Anhängern der AnUlärm- bewegung ist Heil widerfahren; endlich ist es gelungen, ein völlig geräuschloses Zimmer herzustellen. Versuche dazu bat es Ichon gerade genug gegeben; sie alle mißlangen, darunter auch der, den Wilhelm Wundt im psychotogiichen Laboratorium zu Leipzig an- gestellt hatte: eine Füllung der Mauern mit Bauschutt sollte jedes Geräusch abhalten. Nunmehr hat in einer der letzten Sitzungen der Amsterdamer kgl, Akademie der Wissenschaften Professor H. Zmaarde- maker von der Universität zu Utrecht über feine erfolgreiche Kon- slruktion eines völlig geräuschlosen Zimmers berichtet. Zu der absoluten Geräuschlosigkeit gebärt nicht nur die Tatsache, daß keinerlei Schall von außen eindringen kann, sondern auch die andere, daß kein Schall im Innern zurückgeworfen wird. DaS geräuschlose timmer ist eine Art„Doppeldose". Seine Wände bestehen aus sechs chichten, zwischen deren zweiter und vierter ein drei Zentinteter lustleerer Raum liegt. Mit Holz, Korkstein und Sand sind die anderen Schichten ausgefüllt. Die Innenwände, die aus porösen Steinen bestehen, sind mit geflochtenem Pferdehaar, der sogenannten Trichopiöse bekleidet, einem Material, das schon auf der Flämischen Naturforscherversammlung von 1902 durch Professor N. H. Biltris (Gent) als akustisch undurchlässig empfohlen worden war und das in Belgien längst zur Bekleidung von Telephouzellen verwendet wird. Im Dach des Zimmers befinden sich Schichten aus Blei, Holz, Asphaltpapier, Seegras und Kork. Der Boden, der aus Marmor be- steht, ist isoliert und von einem dicht gewebten Smyrnateppich be- deckt. Die Seitenwände sind von akustisch isolierten Bleistangen durchbohrt. Hinreichende Proben haben ergeben, daß der Raum absolut resonanzlos ist. Er wird zu klinischen llutersuchungen benutzt werden.„~ � .pumor und Satire. Dienstbotenwechsel. Alljährlich, wenn die Früchte schwelle« und manche faul zur Erde schlägt. Pladet wies darauf hin, daß der belgische Verband im Be« griff ist, nach deutschem Muster eine Reorganisation vorzunehmen. Sie sei sehr schwierig, werde aber spätestens in einem Jahre durch- geführt sein. Zu einer entschiedenen Aussprache kommt eS dann gegen die tschechische Buchbinderorganisation. Der Sekretär wird beauftragt, zu versuchen, ob eine Einigung mit dem österreichischen Verbände herzustellen ist. Darauf wird die Sitzung vertagt.' Achter Uerbandstag des Deiitschen Holzarbeiter- Verbandes. München, 21. Inns. Die Diskussion über den Vorstands- und Kassenbericht füllte fast den ganzen zivaitcu Verhandlungstag aus. Die Debatte bewegte sich abschnittsweise und immer nur über bestimmte Fragen. Einen breiten Raum nahmen dabei die Grenz- streitigkeitcn mit anderen Verbänden, besonders der Metall» und Fabrikarbeiter, ein. Einzelne Redner verlangen dabei vom Vorstand, daß er in diesem Punkte die Rechte der Holzarbeiter inchr als bisher wahren solle. Poppe- Berlin gibt den Kollegen den Rat, besser auf dem Posten zu sein; es sei falsch, die ungelernten Arbeiter dem Fabrik- arbeiter-Verbaitd zu überlassen. Der Holzarbeiter, ob gelernt oder ungelernt, gehöre in den Holzarbeiterverband. Robert Schmidt- Berlin bedauert, daß diese Streitigkeitcn auf dem Verbandstag erörtert werden, bevor sie die zuständigen Instanzen erledigt haben. Wir müssen nicht nur unsere engen Berussinteressen, sondern die Interessen derganzenGewerk, schaftSbewegung im Auge habe n. Demgegenüber uieinte Leipart, man müsse den Delegierten schon Gelegenheit lassen, ihrem Herzen Luft zu machen. Man dürfe die Organisationen als Ganzes nicht verantwortlich machen. was von einzelnen Funktionären getan wurde. Der Vorstand sei bestrebt, mit anderen Verbänden loyal und friedlich zusammenzu» arbeiten. Ueber die Maifeier setzte ebenfalls eine lebhafte Debatte ein. Veranlaßt wurde die Diskussion durch einen von L e o p o ld- Berlin gestellten und von ihm begründeten Antrag, daß durch die Vereinbarung zwischen Parteivorstand und Generalkommission die Unterstützung der Maifeierausgesperrten nicht geändert wird, sondern wie bisher nach dem Beschluß des Kölner Verbands- tages erfolgt.(Demnach wird Unterstützung vom Verbände ge- währt bei Maßregelungen, wenn ein gewisser Prozentsatz der Be- schäftigten sich für die Arbcitsruhe erklärte.) Eine Reihe von Rednern treten dem Leopoldschen Antrag entgegen. Nach den Vereinbarungen dürften Unterstützungen aus der Zentralkasse nicht mehr gewährt werden, deshalb könnten auch keine entgegen- gesetzten Beschlüsse gefaßt werden.— Wünschmann- Vegesack meinte, die Vereinbarungen zwischen Partei und Generalkommission bedeuten eine Abwürgung der Maifeier. In kleinen Orten sei eS unmöglich, einen eigenen Fonds zu schaffen. An der Maifeier sollte auch in Zukunft festgehalten und die Konsequenzen getragen werden. Redner ersucht um Annahme des Antrags Berlin. Glocke- Berlin ist der Ansicht, daß der Antrag Berlin keinen Gegensatz zu den Abmachungen schaffe. Die Unterstützung durch die Zentralkassen sei auch durch die Vereinbarungen nicht aus- geschlossen. Das Vorstandsmitglied Becker-Berlin beleuchtete sie von der prinzipiellen Seite. Es müsse einmal gesagt werden, daß die Kol- legen im Lande von der Maifeier nichts mehr wissen wollen. Es könnten Fälle angeführt werden, wo die Freigabe des 1. Mai tariflich festgelegt ist, die Kollegen doch arbeiteten. Dieses Jahr fiel der 1. Mai auf einen Sonntags und selbst da wurde festgestellt, daß Kollegen sogar an diesem«onntag in die Fabrik gingen. Aus der Maifeier sei nicht mehr das zu machen, was einzelne glauben. Wir müssen unseren Delegierten zum internationalen Kongreß mit auf den Weg geben, wie sie sich zur Maifeierfrage zu verhalten haben. Am besten wäre es. wenn die Maifeier auf den ersten Sonntag im Mai verlegt würde. WaS die Unterstützungsfrage anbelangt, so könne man nicht anders.. als die Vereinbarungen zwischen Partei und Generalkommission anzu- erkennen und danach zu handeln.— Geiger- München glaubt. daß die Mittel, die für Maifeier-Matzregelungen ausgegeben wer- den, viel nützlicher angewendet werden können. Es erwecke den Anschein, daß man in Parteikreisen bemüht sei, möglichst um die Maifeierfrage herumzukommen und sie den Gewerkschaften aufzu- halsen. Es sei am besten, die Maifeier auf den ersten Sonntag im Mai zu verlegen. da werden an gewissen Stellen gereifte Diener abgesägt. Wird doch beim Reisen, Unterschreiben, kurz, beim Regierungseinerlei all denen, die dergleichen treiben, gewißlich manchmal zweierlei. Umringt stets von denselben Glatzen, dieselben Kieferklappen seh'n, die nach demselben Munde schwatzen, das kann kein Fürst nicht überstehn. Und tauscht die Gnädige Lakaien und Mägde alle vierzehn Tag', so können sich Minister freuen, die man ein Jahr lang dulden mag. Auch ist dies Hin- und Hergeruckel belanglos für das Publikum: ob Hundeschweif, ob Katzenbuckel« sie sind ja schließlich beide krumm. Fra»» Notizen. — Eine deutsche Atifsührung in der Pariser Oper. Bei einer Galavorstellung zugunsten der Opfer der Kata- strophe deS„Pluviose" in der Pariser Großen Oper wurde am Sonntag u. a. der zweite Akt von„Tristan und Isolde" in deutscher Sprache aufgeführt. Die Ausführenden, die dem Ensemble der New Jork« Oper angehören, boten allerdings ein ziemlich inter- nationales Gemisch dar. B u r i a n sang den Tristan, die Schwedin F r e m st a d die Isolde, ein Armenier den Marka, ein Italiener dirigierte— sogar etwas zu italienisch. Der Eindruck war tief, der Beifall stark. Jedenfalls bezeugte die Aufnahme daS Schwinden des Chauvinismus, der noch vor wenigen Jahren einer solchen Kundgebung der Weltbllrgerlichkeit in Sachen der Kunst entgegen- gestanden hätte. — Ein neues Schutzmittel gegen Typhus? In der Sitzung der Pariser Akademie der Wissenschaften teilte Prof. Vincent mit, daß es ihm gelungen sei. durch Auslaugung von Typhusbazillen einen Impfstoff gegen Typhus herzustellen, den er zunächst an Tieren, sodann an Menschen mit Erfolg versucht habe. Ob die Schutzimpfung, die mit getöteten Typhusbazillen erfolgt, dauernd gegen Typhus immun macht(schützt), kann natürlich noch nicht gesagt werden. UebrigenS sind Schutzimpfungen gegen de» Typhus schon öfter ausprobiert worden— ohne allzu große Erfolge. Der Vertreter der Generalkommission, Rober! Schmid'!, führte aus, daß man sich den Beschlüssen des internationalen Kon» gresses zu fügen habe; es bestehe keine Ausficht, daß der diesjährige internationale Kongreß sich niit der Maifeier beschäftige und eine Aenderung des früheren Beschlusses vornehme. An die Verein» barungen zwischen Partei und Generalkommis-ston sei man ge» bunden.— Bezüglich der Errichtung von Bezirksfonds soll die Ver- antwortung auf die lokalen Instanten gelegt und damit verhindert werden, daß ziel- und planlos vorgegangen wird. Wenn in ein- zelnen Orten keine Beiträge für diesen Fonds bezahlt würden, dann sei dies ein Beweis, wie wenig dies dort den betreffenden Genossen und Gewerkschaftlern am Herzen liegt. Von einer Ab- würgung der Maifeier durch die Vereinbarungen könne keine Rede sein. Den Zentralvorständen stehe es frei, durch besondere Beschlüsse den Maifeiernden einen Rückhalt zu geben.— Der An. trag Berlin wird mit einem mildernden Zusatzantrag, wonach Zahlstellen mit 1000 und mehr Mitgliedern die Unterstützung aus der Lokalkasse zahlen sollen, in namentlicher Abstimmung mit gegen 116 Stimmen abgelehnt. Die Delegierten von Berlin, Leipzig und Nürnberg stimmten geschlossen für den Antrag. Ebenfalls abgelehnt— mit 86 gegen 63 Stimmen— wird ein Antrag, der die Vertreter des Verbandes auf dem internatio» nalen Kongreß in Kopenhagen beauftragen will, dahin zu wirken, die Maifeier endgültig auf einen Sonntag zu verlegen. Damit ist der Vorstandsbericht erledigt. Der Vertreter des Ausschusses erklärt, daß er seinem schriftlichen Bericht nichts mehr hinzuzufügen habe. In der Debatte gehen einzelne Rodner auf Beschwerdefälle ein, die kein allgemeines Interesse haben. Redakteur Kayser gibt hierauf den Bericht der Redaktion. Einleitend erfüllte er eine Pflicht der Pietät und hob in warmen Worten die Verdienste seines verstorbenen Kollegen Deinhardt hervor. Er, Rodner, habe versucht, das Verbandsorgan auf der Höhe zu halten, auf das es Deinhardt gebracht habe. Die Redaktion verfolge den Ztveck, die Mitglieder durch die Zeitung zu ziel» bewußten Klassenkämpfern zu erziehen. Redner besprach zum Schluß die zum Punkt„Presse" gestellten Anträge und präzisierte seine Stellung hierzut An den Bericht der Redaktion und der P r e ß k o m m i s s i o n knüpfte sich eine längere Debatte, in der verschiedene Wünsche vorgebracht wurden. Die Verhandlungen wurden auf Mittwoch vertagt. frsu von Schönebeck vor den Geschworenen. 14. Bcrhandlungstag. Zu Beginn der gestrigen Sitzung kam zur Sprache, daß die Angeklagte in der Nacht wieder einen mit Schreikrämpfen verbun- denen Krampf- und Ohnmachtsanfall gehabt hat. Die Verteidigung teilt mit, daß sie auf Ladung der Zeugin Neugebauer bestehen müsse. Die Polizei hatte der Zeugin nicht rechtzeitig Mitteilung davon gemacht, daß das Reisegeld für sie bereit liege. Sie soll Dinge geschlechtlicher Natur bekunden, die Zwischen Göben und ihr sich zugetragen haben. 1899 habe sie das Elternhaus verlassen. Auf einem Ausflug nach Zelle habe Göben mit der damals Siebzehnjährigen ein Verhältnis angeknüpft. Das habe bis zur Uebersiedelung Gödens nach Südafrika gedauert. Im März 1994 fei es wieder aufgenommen und habe bis November 1967 gedauert. Von Allenstein aus sei Göben wiederholt in Berlin gewesen. Er sei Dirnen auf der Straße bekannt gewesen. Eine habe ihn einmal mit den Worten„Na, Du Mönch" angesprochen. In der Zeugenvernehmung lassen sich Hauptmann Brüggemann und Hauptmann Deutelmoser darüber aus, daß Göben allgemeine Sympathien genossen habe. Im Einzelnen bekundet noch Brügge- mann: Im November 1997 bat mich Göben schriftlich, ihm 1666 Mark zu einem Pferdckauf zu borgen. Das Geld schickte ich ab. Deutelmoser bekundet: Er habe bei Hauptmann von Haesten und bei Hauptmann Müller telegraphisch angefragt, ob die Schilderung über das Gefecht am Spionskop von Göben herrühre. Sie hätten bejahend geantwortet, aber gesagt, genau können sie das erst sagen, wenn sie die Akten einsehen. Die Ladung der beiden Hauptlente wurde beschlossen. Auf die Frage, wie es komme, daß die An- gaben über die Verwundungen Gödens in der Schlacht am Ga- banchu, an der er gar nicht teilnahm, in den Personalbogen sich befindet, erwidert der Zeuge, es handelt sich wohl um einen Per- fonalbericht. Das Gericht beschließt, den Personalbogen einzu- fordern. Der Zeuge bekundet weiter: Im Oktober habe ihn Göben brieflich gebeten, Arsenik zu beschaffen, weil die Hunde der Um- gebung seiner kleinen Jagd viel Schaden zufügten. Es war mir zu umständlich, den Giftschein zu besorgen. Ich schob es auf die lange Bank, dann kam die Sache in Vergessenheit. Bedenken, die Bitte Gödens zu erfüllen, hatte ich nicht. In einem Brief vom 6. Januar, den Göben an mich schrieb— der Brief kam zur Ver» tesung— deutete ich den Ausspruch„und die Leute sagen, eS fei um nichts" dahin, daß die Frau von ihrem Mann nicht schlecht be- handelt sei. Der Tags zuvor vernommene Divisionspfarrer Merenski gibt auf Befragen noch an, daß der Kriminalkommissar Wannowski ge- meint hat, die Angeklagte sei in juristischem Sinne, also nicht nur in moralischem Sinn« schuldig, kann ich nicht behaupten. Ich möchte noch zu meiner gestrigen Auslassung bemerken, daß ich zu der Neberzeugung gekommen bin, die Bemerkung Göbens.„sie hat mich immer mit dem Namen ihres Mannes angesprochen", bezog sich nur auf den Morgen nach der Tat. Der Oberförster Köllner bekundet u. a.: Ein Waldwärter hat mir mitgeteilt, er habe die Angeklagte in der Nähe des Jagdhauses mit einem Herrn bcob» achtet. Der Borsilzende hält diese Angabe für wichtig, weil die Angeklagte mit aller Entschiedenheit betont, daß sie während des Verkehrs mit Göben mit keinem anderen Mann verkehrt habe. Die Angeklagte bleibt hierbei und erklärt auf die Vorhaltung eines Geschworenen, doch eventuell das zugeben zu wollen, mit aller Be» stimmtheit: Ich kann das nicht zugeben, weil das nicht wahr ist. Die Ladung des Waldwärters wird angeordnet. Chemische Untersuchung der Strümpfe. Der Gcrichtschemiker Dr. Braun erklärt: In den mir über- gebenen Strümpfen, die von Göben bei der Tat getragen haben soll, habe ich keine Spur von Menschenblut gefunden, ebensowenig in dem Rock. In den Dwschen des Strumpfes fand ich ein ein- zelnes Haar. Dies habe ich vergrößert, photographiert und unter- sucht, ob es ein Menschenhaar, ein Hundehaar oder ein Kahenhaar ist. Ich bin zu dem Ergebnis gekommen, daß es ein Wolfshaar ist. An den Strümpfen befanden sich verschiedene Erdteilchen und auch kleine Partikelchen von Stroh. In der Mitte des Strumpfes befanden sich einige Schmutzflecken, die wahrscheinlich von Schuh- creme Herrühren. An den Nähten der Strümpfe zeigten sich einige- Durchlöcherungen, die darauf schließen lassen, daß die Strümpfe über einen harten Gegenstand gezogen sind. Möglich ist eS, daß die schwarzen Flecke, die bei beiden Strümpfen in gleicher Höhe sich zeigen, durch Abfärben von den Rändern schwarzer Schuhe cnt- standen sind. Ob die Strümvfe dem Major gehörten, kann auch der Oberförster Köllner nicht bekunden. Es beginnt hierauf die ' Vernehmung des Psychiaters Freiherr» von Schrenk-Nortzing über die Erzählungen Göbens von dem Liebesverhältnis Göbens mit der Angeklagten, von der Entwickelung desselben, von der Besprechung-des Planes und der Ausführung der Tat. Der Zeuge bekundet: Ich beobachtete Hauptmann von Göben nach dem Stu- dium der kriegsgerichtlichen Akten in seiner Zelle am 26., 27. und 28. Februar. Er erzählte mir: Frau von Schönebeck habe er auf einem Maskenball bei Exzellenz Scotti kennen gelernt. Sie sei zu ihm getreten md habe ihn gefragt: Wer bist Du? Bleib bei mir! Tanze mit mir! DaS habe ihn stutzig gemacht, wiewohl ihn Kanis- raden schon darauf aufmerksam gemacht hätten, daß diese Dame schon vorher Beziehungen gehabt habe und jeden neuen Star, der »ach Allenstein komme, mit Beschlag belege. Ein Bekannter der Frau von Schönebeck bekam auf dem Ball durch die folgende Unterhaltung mit v. Göben einen Eifersuchtsanfall. Den Tanz habe er mit Rücksicht auf Familientrauer abgelehnt. Er sei wiederholt vom Ehegatten eingeladen, Besuch zu macheu. Zu der Dame fühlte er sich hingezogen, wiewohl er sofort bemerkte, daß sie leichte Grundsätze habe. Er habe sich namentlich durch ihre weiche Altstimme beeinflussen lassen, habe sie sehr schön gefunden und ganz unter ihrem Reiz gestanden. Eines Tages habe er einen Brief von der Angeklagten bekommen, in dem sie ihn um Besuch zur Besprechung einer persönlichen Angelegenheit bat. Sie er- zählte, sie sei verleumdet worden, Göben solle ihr Renommee wiederherstellen.— Die Angeklagte erklärt auf Befragen: Das ist richtig. Das war wohl vor der Kußszene. die sich nach dem zweiten Besuch Göbens ereignete. Göben erzählte mir ferner, fuhr der Zeuge fort, die Angeklagte sei ihm bei dem Versuch, eine Waffe zu prüfen, in die Arme gefallen, dabei habe er sie geküßt.— Angeklagte: Das ist nicht richtig. Mein Mann saß mit anderen Offizieren in einem Zimmer. Göben und ich turnten an einer Schaukel herum. Plötzlich nahm er meine Hände und küßte mich. Mir kam das so überraschend, daß ich sofort das Gefühl hatte: er ist auch nicht anders wie die anderen.— Göben erzählte dem Zeugen ferner, die Angeklagte habe häufig darüber geklagt, daß ihr Mann sich nur um seine Jagd kümmere. Anfang 1967 wär� Frau von Schönebeck sechs Wochen allein gewesen. Ihr Mann habe sich im Bade befunden. In dieser Zeit habe Göben die Ehe- scheidung vorgeschlagen. Bei dem Borschlag sei nach der Erzählung Gödens Frau von Schönebeck in Ohnmacht gefallen und habe gesagt: So ein Glück sei ihr nie in den Sinn gekommen. Sie schien über- wältigt vor Glück.— Angekl.: Es wird richtig sein, daß Göben zuerst den Vorschlag von der Ehescheidung gemacht hat. Von einer Ohnmacht weiß ich aber nichts.— Zeuge: Schon damals kam sie zu ihm im Neglige herunter, während die Dienerschaft schon schlief. Bors.: Ist das richtig?— Angekl.: Es mag sein, daß mich einmal meine Sachen bedrückt haben und daß Hauptmann von Göben gesagt hat, ich solle es mir leichter machen.— Vors.: An einem Morgenrock ist doch eigentlich nichts zu finden.— Angekl.: Sicher nicht. Das ist noch keine Aavance.— Zeuge: Unter einem vier- zehntägigen Aufenthalt der Angeklagten in Schwarzort haben beide sehr gelitten. Die Angeklagte hatte Ohnmachtsanfälle und er selbst litt unter der großen Sehnsucht nach ihr. Es traten bei ihm förmliche Tränenströme ein. Er hatte ihr vorgeschlagen, den Ver» kehr bis zur Ehe zu verschieben. Seine Weigerung führte zu Wahn- sinnigen Eifersuchtsszenen. Sie machte ihn eifersüchtig mit dem Hinweis auf einen anderen Liebhaber, den sie seit vier Jahren kenne.— Die Angeklagte schüttelt mehrfach während dieser Dar- legungen mit dem Kopf.— Da der Vorsitzende Geheimer Justiz- rat Landgerichtsdirektor Brocse beobachtet, daß die Angeklagte sehr erschöpft und ermattet ist. läßt er eine kurze Pause eintreten. Nach der Pause erklärt die Verteidigung: Die Angeklagte ist ge- willt, sich der ganzen Schilderung des intimen Verkehrs mit Göben zu entziehen. Sie bittet, ihr zu gestatten, der Verhandlung fernzu- bleiben, so lange die sexuellen Dinge besprochen werden, da es ihr peinlich, eine Tortur ist, das vor so vielen Männern anzuhören. Es wird noch betont, daß die VerHandlungsfähigkeit möglicherweise leiden könnte. Der Staatsanwalt ist mit dem Vorschlag einver- standen. Der Borsitzeude äußert aber prozessuale Bedenken. Ein Eernbleiben sei unzulässig. Nach längeren Verhandlungen wird auf itte der Angeklagten die Ocffentlichkeit über den sexuellen Punkt völlig, auch für die Presse, ausgeschlossen. Nach Schilderung der Intimitäten des Verkehrs der An- geklagten mit Göben wird die Presse wieder im bisherigen Umfange zugelassen. Der Zeuge Dr. Freiherr v. Schrenk-Nortzing bekundet: Der erste Gedanke, habe Göben ihm gesagt, sei auf die Scheidung gerichtet gewesen. Er habe versucht, der Angeklagten bessere Lektüre zu geben, sie habe aber„Casanova" und ähnliche Bücher vorgezogen. Arsenik habe er auf Veranlassung der Angeklagten ihr verschafft, als er fragte, warum sie die Tat nicht ausgeführt habe, habe sie er- klärt, sie sei dazu zu schwach; ein leises„Danke" aus dem Miunde ihres Mannes werfe alle ihre Vorsätze über den Haufen. Göben habe erzählt, daß er dann auf die Idee des zeugenlosen Duells ge- kommen sei. Zeuge habe ihn als eine halbpathologische Erscheinung betrachtet und auch diese Idee als einen Ausfluß seiner abnormen Beschaffenheit aufgefaßt. Ueber die Tat erzählte Göben: Bis 12 Uhr nachtS fei er zu Haufe geblieben, dann habe er einen grauen Zivilanzug angezogen, eine blaue Sportmütze aufgesetzt und sich die Strümpfe über die Stiefel gezogen. Es habe ihn immer zurück« gezogen, aber er habe unter der suggestiven Vorstellung gestanden: „Du hast eS unter dem Tannenbaum beschworen und mußt es aus- führen." Die Angeklagte habe ihm erklärt, sie tzehe ins Wasser, wenn es nicht bald geschehe. Die Maske habe er in der Tasche be- halten, die Strümpfe habe er schon im November bekommen, um bei dem Duell im Walde für die Hunde die Spur zu verwischen. Er habe den Hauptmann mit der Waffe in der Hand zur Scheidung zwingen wollen und wollte, wenn das nicht gelänge, ein zeugenloses Duell erzwingen. Ich hielt das für den Ausdruck der Idee eines halbkrankhaften Menschen. Göben erzählte, er habe den Major an- rufen wollen. Der Major hatte aber angelegt, und da habe er automatisch losgedrückt. Göben meinte, wenn die erste Kugel nicht getroffen hätte, dann hätte ich ihm den Fangschuß gegeben. Ich habe diesen Ausdruck als ein Zeichen besonders großer Roheit empfunden. Göben erzählte dann, sein Verhalten nach der Tat habe auf der vorherigen Vereinbarung mit der Angeklagten beruht. Man habe einen Selbstmord oder einen Einbruchsdiebstahl vor- täuschen tpollen. Die Angeklagte betont: Solche Erörterungen haben. wie ich wiederholt erkläre, niemals stattgefunden. Hätten sie statt- gefunden, so hätte er mir ja nicht zu schreiben brauchen. Göben erzählte dem Zeugen weiter: Nach der Tat habe er das Gefühl der Erleichterung, nicht das der Reue gehabt und habe bis zum Morgen geschlafen. Als er Frau v. Schönebeck besucht habe, habe sie noch im Bett gelegen, geweint und geschrien:„Mein Gustel, mein Gustel. Ach, da ist er ja, da kommt er ja." Sie sei dann ruhiger geworden und habe gesagt:„Es ist mir doch ein bißchen viel geworden. War er gleich tot?" Ein warmes oder herzliches Wort sei aus ihrem Munde nicht gekommen. Als Göben ihr die Hand küssen wollte, habe sie ihm diese entzogen. Der Zeuge erklärt auf Befragen: Ich habe bei der Schilderung des Lebensganges Göbens gesagt, er leide an Pseudologia pbantastica. Das ist eine Eigenschaft, die bei Kindern vorkommt, die Erdichtetes mit Realem verwechseln. Göben war sein ganzes Leben hindurch ein Phantast. Am Schluß der Sitzung gab Zeuge Hauptmann a. D. Schleifer folgende eindrucksvolle Erklärung ab: Ich habe gestern unter meinem Eide ausgesagt, daß ich über Herrn v. Göben eine sehr günstige Meinung gehabt habe, wie alle leine Freunde. Daß ich treu zu ihm gehalten habe, bis zuletzt, geht daraus hervor, daß ich noch ins Gefängnis an ihn geschrieben habe. Um aber Mißverständnissen vorzubeugen, halte ich mich verpflichtet, meine gestrige Aussage dahin zu ergänzeu, daß das alte schöne Cha- rakterbild, wie eS sich in meinem Herzen von früher festgesetzt hatte, durch die späteren Ereignisse verwischt worden ist. Ich denke hierbei nicht an die weniger wichtigen Tatsachen, nach denen ich gestern ge- fragt worden bin, nach dem geheimnisvollen Duell und danach, ob Göben mit oder ohne Urlaub nach Afrika gereist ist. Ick denke an das Groye und Schwere, was sich später yrer in Allenstein ereignet hat. An diesen Tatsachen kann ich blinden Auges nicht vorüber- gehen. Da ich nach meinem Eide nichts verschweigen darf, halte ich mich verpflichtet, auf etwas hinzuweisen, was bisher weniger beachtet worden ist. Es hat auf mich einen geradezu niederschmettern- den Eindruck gemacht, als nach alledem,«aS wir damals zu hören bekamen, die Nachricht kam, daß Hauptmann v. Göben für die Tat, die nach unserer Auffassung in seinem Gehirn geboren war und von ihm ausgeführt wurde, nachträglich die Frau belastet hat, die er heiß und lange geliebt hat. Das ist mir und meinen Freunden, mit denen ich darüber gesprochen habe, fast noch unverständlicher ge- Wesen an Göben, wie die Tat selbst. Nach unserer Auffassung hätte er das nicht tun dürfen, weder um sich zu entlasten, noch aus Wut und Rache darüber, daß ihm gesagt wurde, die betreffende Dame sei ihm nicht treu gewesen. Wir haben keine Sekunde daran gezweifelt, daß Hauptmann v. Göben die Tat, nachdem er sie einmal begangen hatte, auch sühnen würde. DaS ist unS allen so unverständlich, daß wir geradezu vor einem Rätsel stehen. Für mich gibt es nur zwei Möglichkeiten, zwischen denen eine goldene Mittelstraße nicht vor-- handen ist: Entweder haben wir unS alle von Anfang an in Haupt- mann v. Göben getäuscht, und er ist nicht derjenige gewesen für den wir ihn gehalten haben, oder er war geisteskrank oder doch geistes- gestört und wußte nicht, was er tat. Nur dann könnten wir ihn verstehen und entschuldigen. Und ich glaube, daß ich jetzt im Namen aller alten Freunde des Hauptmanns v. Göben spreche und auch im Namen der Zeugen, mit denen ich heute ftüh hier zusammen- getroffen bin, daß wir ohne Ausnahme noch heute hoffen und zuver- lässig glauben, daß das letztere der Fall gewesen ist. Die Verhandlung wurde auf heute früh vertagt. Em der Partei. Die Opfer deS Klassenkampfes. Gegen in der modernen Arbeiterbewegung tätige Genossen wurden von deutschen Gerichten in den letzten Monaten folgende Strafen erkannt: Gefängnis Geldstrafe Dez. 1969:— Jahre 3 Mon. 3 Woch. Tage 2 625 M. Jan. 1910: 4. 8„—„ 6, 1699„ Febr. 1910: 7„ 10„ 1„—„ 745„ März 1910: 6„ 4,—„ 1„ 1774„ April 1910: 2„ 8» 2„ 4„ 5 525„ Mai 1910: 9„ 10, 2, 1. 2 892. In 6 Mon.: ZI Jahre SMon.—»Z Tage 14 666 M. Das geimltige Ansteigen der Strafsumme in den letzten Monaten zeigt, mft welchen Mitteln sich die Herrschenden der Wahlrechtssorderung des Proletariats zu erwehren versuchen._ Parteiliteratur. Im Verlag der Wiener Volksbuchhandlung Jgnaz Brand u. Co. zu Wien erschien soeben: Dr. Robert Danneberg: Das sozialdemokratische Pro- gramm. Eine gemeinverständliche Erläuterung seiner Grund- sätze. Preis 40 Pf. Das Buch gibt die Erläuterung des theoretischen Teils des Programms unserer österreichischen Bruderpartei. Da es im Inhalt. mit dem des deutschen Programms übereinstimmt, so werden auch die reichsdeutschen Genossen die Arbeit mit Gewinn lesen. Rcichstagskandidature». In mehreren zum Agitationsbezirk Cassel gehörigen Wahl- kreisen hat ein Wechsel in der Kandidatur zum Reichstage statt- gefunden. An Stelle des Genossen E ck a r d t sen., der krankheils- halber eine weitere Kandidatur ablehnte, wurde in dem aussichts- reichen Kreise Eschwege-Witzenhausen-Schmalkalden der Genosse T h ö n e. Parteisekretär in Cassel, aufgestellt. Für Rinteln-HofgeiSmar-Wolfhagen kandidiert in Zukunft Genosse Grz s i n s k i, der Sekretär deS Metallarbeiterverbandes in Cassel. Im Kreise Hersfeld-Hünfeld-Rotenburg wurde der Genosse Schnaberich-Frankfurt a. M., Angestellter der Schuhmacher, nominiert und schließlich trat an Stelle deS nach Elberfeld verzogenen Genossen Müller im Kreise Wald eck Pyrmont der Genosse Weddig-Cassel. Konsumvereins- angestellter._ Reichstagskandidatur für Magdeburg. Wie unser Magdeburger Porteiblatt meldet, beschlossen die Parteifunktionäre des Magdeburger Wahlkreises in ihrer letzten Sitzung, den Genossen Rechtsanwalt Otto Landsberg auf- zufordern, seinen ablehnenden Standpunkt aufzugeben und die Reich Ztagskandidawr für Magdeburg zu übernehmen. Genosse Laubs- berg hat daraufhin eine zusagende Antwort gegeben. Zum internationalen Kongreß. Als Delegierte zum internationalen Sozialistenkongreß wurden für den Agitationsbezirk Frankfurt a. M. durch Urabstimmung ge- wählt die Parteisekretäre Robert Dißmann- Hanau und Albert Rudolph- Frankfurt. Sachsen ist noch einmal gerettet. Die Expedition der.Dresdener Volkszeitung" erhielt vom Dresdener Hauptpostamt folgendes Schreiben: „Es ist beobachtet worden, daß der Bote, der die Postauflage der„Dresdener Volkszeitung" im Laufe jedes Nachmittags hier einliefert, eine Anzahl Stücke Ihrer Zeitung bei dieser Gelegen- heit an die Unterbeamten abgibt, oder unauffällig hier zurückläßt, damit sie von den hiesigen Unterbeamten gelesen werden sollen. DaS kann das Postamt nicht dulden, da den Beamten und Unterbeamten der Reichspost Verwaltung jede Beteiligung an sozialdemokratischen Be- strebungen, als mit den durch den Dlensteid felobten Amtspflichten unvereinbar, grund- ätzlich verboten ist. Sie wollen deshalb Ihren Leuten die Abgabe von Freiexemplaren an da» hiesige Personal oder deren Zurücklassung für die Zukunft untersagen. _ Zwölfmeyer, Postdirektor.' Rcichsvcrbändlerchre. Der Generalsekretär Michaelis vom Reichsverbandsbureau in Halle fühlte sich durch einige im provinziellen Teil des Halleschen .VolksblattS" veröffentlichte Artikel schwer in seiner Ehre gekränkt und lief zum Kadi. Vom Schöffengericht wurde der Redakteur Genosse Kasparek dieserhalb zu 600 Mark Geldstrafe verurteilt. Gegen Zahlung einer Buße von tausend Mark in die Kasse des Reichsvcrbandcs wollte der Sekretär den Klageantrag zurücknehmen._ poHzeUicbes, Gericbtltcbee ufw, Die Polizeidemonstratirm am Königsplatze in Breslau dom 20. Februar war am Dienstag Gegenstand einer Gerichtsverhandlung gegen Genossen Albert vor der ersten Strafkammer des Land- gerichts Breslau. Weil Albert in einem Artikel vom 17. April jene polizeilichen Absperrungen kritisiert hatte, fühlte sich Herr v. Oppen beleidigt. DaS Gericht verurteilte unseren Genossen zu 150 Mark Geldstrafe. Der Staatsanwalt, der im übrigen wenig geschickt operiert hatte, hatte.nur' zwei Monate Gefängnis beantragt.__ Hus Industrie und Kandel. Banken«nd Warenhaus. Gleichzeitig mit der Uinwandlung in eine Kommanditgesellschaft plant das Warenhaus Th. Althoff in Dortmund, das schon in ver- schiedenen Städten Filialen besitzt, diese zu Warenhäusern auSzu- bauen, ferner noch in anderen Städten Warenhäuser zu errichten und das Stammhaus in Dortmund bedeutend zu erweitern. Das ver- antwortliche Kapital der Gesellschaft soll 6'/, Millionen Mark betragen. Die deutsche Treuhandgesellschaft, die ein interessiertes Konsortium vertritt, das 4 Millionen Mark einzahlt, hat in ihrem Aufsichtsrat einen Direktor der Deutschen Bank. An dem Unternehmen sind ferner die Nationalbank für Deutschland, sowie der Banner Bank- verein HinSberg. Fischer u. Co. beteiligt. Die Deutsche Bank ist auch bei dem Warenhaus W. Wertheim, daS kürzlich sein Kapital von 2 auf 4 Millionen Mark erhöhte, finanziell interessiert. Hinter der Aktiengesellschaft Leonard Tietz steht der Barmer Bankverein und die Bankfirma Hardh u. Co. DaZ Warenhaus 8t. Wertheim steht mit der Diskonto-Gesellschast und mit der Deutschen Bank in Verbindung. Steigerung der Grundstückspreise. Nach dem soeben erschienenen Verwallungsbericht der Sladt Schöneberg betrug der festgestellte ge- meine Wert der Grundstücke im Jahre 1893 rund 266 Mill. Mark. Anfang des Jahres 1903 war er auf 497 Mill. M. gestiegen. In den fünf Jahren(1. April 1903 bis 1. April 1908) stieg er bis auf 741 Mill. M. Der gemeine Wert der unbebauten Grundstücke be- trug im April 1903 103 Mill. M.. dann stieg er bis auf III Mill. M. am 31. März 1903 und sank allmählich bis aus 86 Mill. M. am 31. März 1907 und stieg wieder bis auf 90 Mill. M. am 31. März 1908. Der gemeine Wert der bebauten Grundstücke betrug 1903 492 Mill.. 1906 349 Mill., 1907 606 Mill. und 1903 631 Mill. M. Weil Dernburg ging. Welch große Hoffnungen die Spekulanten auf Dernburgs Kolonialpolitik setzten, kann man ermessen nach den seit seinem Abgange eingetretenen Kursrückgängen für Kolonialpapiere. Die Anteile der Deutschen Kolonialgesellschaft für Südwestafrika standen am Tage vor Dernburgs Ausscheiden aus dem Kolonialamt noch auf zirka 1700 Proz.; am folgenden Tage gingen sie auf 1640 Proz. zurück und setzten am Mittwoch mit 1360 Proz. ein, er- mäßigten sich später auf 1490 Proz. Geld, 1310 Proz. Brief. Geschäftsergebnisse in der chemischen Industrie. Von den 133 Aktiengesellschaften, die im Jahre 1909 ihre Geschäftsberichte veröffentlicht hatten und über ein gesamtes Aktien- kapital von 446,86 Millionen Mark verfügten, haben in den ersten fünf Monaten des laufenden Jahres bereits 86 mit einem Kapital von 337,33 Millionen Mark ihre Bilanzen für 1909 bekanntgemacht. Die Dividende war, vergleichbar für die beiden letzten Geschäfts- jähre, für 77 Gesellschaften zu ermitteln, und zwar belief sie sich bei diesen im Jahre 1909 auf 58,06 Millionen Mark gegen 48,61 Millionen im Jahre 1903. Im Durchschnitt ergibt sich eine Dividende von 16,7 Prozent, während sie im Jahre 1908 13,0 Prozent betragen hatte. Sie ist somit um 1,7 Prozent des Nominalaktienkapitals hinaufgegangen. Unterscheiden wir die Gesell- schaften der chemischen Industrie nach der Höhe ihres Aktienkapitals, so ergibt sich ganz besonders für die großen Gesellschaften, die über ein Aktienkapital von 3 Millionen Mark und darüber ver- fügen, eine sehr kräftige Steigerung der Dividende..Bei 20 dieser Gesellschaften, deren Aktienkapital sich im Jahre l903�aus 242,94, im Jahre 1909 auf 264,74 Millionen Mark belief, betrug die Dividenden- summe 1908 erst 42,02, 1909 aber 31,08 Millionen. Im Durch- schnitt ergibt sich für 1909 eine Dividende von 19,3 Proz. gegen 17,3 Proz. im Jahre zuvor. Während also der Durchschnitt um 1,7 Proz. in die Höhe gegangen ist, ist bei den ganz großen Ge- sellschasten eine Dividendensteigerung um 2 Proz. erfolgt. Von den Aktiengesellschaften der chemischen Industrie, die über 5 Mill. Mark Aktienkapital haben, ragen folgende mit besonders kräftigen Dividendensteigerungen hervor: Aktienkapital Dividende in 1000 M. in Proz. 1908 1909 1903 1909 A.-G. f. chem. Prod. Scheidemantel 3 484 6 000 12 14 Badische Anilin- und Sodafabriken 28 300 36 000 22 24 Dhnamit-A.-G. Alfr. Nobel... 12 000 12 000 16'/, 22 Chem. Fabrik Weiler ter Meer.. 3 000 6 000 7 12 Berein. Köln-Rottweiler Pulverfabr. 16 300 16 300 12 IS Rhein.-westf. Sprengst.-A.-G.. Köln 3 000 3 000 11 IZ Mit Verlust arbeitete keine der ganz großen Gesellschaften. Bon den Gesellschaften, die ein Aktienkapital von 1 Million bis 3 Millionen repräsentieren, verteilten 1909 34 auf das Gesamtkapital von 70,73 Millionen Mark durchschnittlich 9,1 Proz. Dividende gegen 8,3 Proz. auf 69,23 Millionen im Jahre 1908. Die Dividende der Gerb- und ?!arbstoffwerke Renner in Hamburg ging von 13'/, auf 15 Proz. inauf, die der Westsäl. Anhalt. Sprengstoff-A.-G. in Berlin von 13 auf 20, die der Gesellschaft Kalle u. Co. in Bieberich a. Rh. von 4 aus 10. die des Vereins für chem. Industrie in Mainz von 11 auf 15 und die der Rheinischen Dynamitsabrik in Köln von 16>/g aus 22 Proz._ Ein ElektrizitätSmonopol. DaS gkheinifch-Westfälische Elektrizitätswerk in Esten hat die 175 Gemeinden in den fünf niederrheinischen Kreisen fast vollständig seinem Netz angeschlossen. Wie der„Köln. VolkSztg.' berichtet wird, haben bereits etwa 160 Gemeinden die Annahme des sogenannten Vertrages B., wonach das Rheinisch-Westfälische Elektrizitätswerk unmittelbar Licht und Kraft an die einzelnen Verbraucher abgibt, beschlosten. Von den übrigen Gemeinden stehen in der Hauptsache nur solche noch auS, welche bisher ein eigenes Elektrizitätswerk be- trieben haben; mit diesen müssen besondere Verhandlungen wegen der Uebernahme stattfinden. Von den fünf Kreisen selbst haben die Kreise ReeS, Cleve, Geldern und Mörs inzwischen beschlossen, von dem ihnen ein- geräumten BezugSrecht auf 300 000 M. Aktien deS Rheinisch- Westfälischen Elektrizitätswerks Gebrauch zu machen. Das Rheinisch-Westfälische Elektrizitätswerk wird in den nächsten Tagen bereit» ein Baubureau in Wesel bilden, dem weitere Bureaus in Cleve und für den Kreis Kempen in Kürze folgen dürsten. Mit der Lieferung von Strom kann nicht vor dem Ende des Jahres 1911 begonnen werden._ Steigerung der landwirtschaftlichen Produktion. Das Verfahren, das von zwei Russen, N. A. und B. N. Dem- tschinSky, in einer kürzlich auch in deutscher Sprache er- schienenen Schrift:»Die Vervielfältigung und Sicherstcllung der Ernteerträge"(P. Paretz, Berlin 1909) empfohlen wird, ist eigent- lich keine neue Entdeckung, sondern bedeutet nur die Uebertragung einer in China, dem uralten Agrarland, schon seit Jahrtausenden geübten Methode nach Europa. Aber die Verfasser versprechen sich von der Einführung dieser Methode, die den Chinesen befähigt, auf seinem kaum'A Hektar großen Stückchen Land den Unterhalt für sich und seine zahlreiche Familie zu gewinnen, eine vollständige Ilm- wälzung der europäischen Landwirtschaft. Das Verfahren läuft darauf hinaus, den überirdischen Stengclteil der Pflanz« mit einer Erdschicht zu bedecken, was in China durch Umpflanzen mit der Hand erreicht wird. Hierdurch wird die Pflanze zu einer größeren Be- stockung angeregt, die sie wiederum befähigt, alle verfügbaren Stoffe aus dem Boden an sich zu ziehen und zum Aufbau zu benutzen. Der- artig behandelte Pflanzen sind in der Lage, 30 bis 40 Halme mit strotzenden Aehren zu bilden, so daß ein Ernteertrag für Winter- roggen im Mittel von.4900 Kilogramm pro Hektar erzielt wird, wie durch Experimente in Rußland festgestellt wurde. Der durch die Umpflanzung entstehende Mehrbedarf an Arbeits- kräften beträgt etwa 40 bis 30 Arbeitstage pro Hektar. Für den meist unter Mangel an Arbeitskräften leidenden Großbetrieb soll sich daher mehr die Methode der Behäufelung eignen, während der über die Arbeitskräfte der Familie verfügende Kleinbetrieb bester beim Umpflanzungsvcrfahren bleibt. Die Verfasser der Schrift be- zeichnen es als einen besonderen Vorteil der Methode, daß sie ohne jede Unkosten durchführbar ist— es findet sogar eine Ersparnis an Saatgut um etwa 35 Proz. statt—, was besonders für den kapital- armen Kleinbetrieb von Wichtigkeit ist, und daß sie im Gegensatz zu anderen Meliorationsverfahren sofort Resultate ergibt. In Ruß- fand wurden folgende Erfolge erzielt. Es betrug bei R o g g-c n umgepflanzt nicht umgepflanzt Höhe der Pflanze.... 140 cm 129 cm Gewicht der ganzen Pflanze 61 Solotnik*) 6 Solowik*) Gewicht der Wurzel bis zum 1. Knoten.... 14, 3 w Gewicht der Halme... 37„ 4, Gewicht der Lehren... 17. 1» •)• 4.2 Gramm. Die Unterschiede sind, wie man sieht, ganz kolossale. Der um- gepflanzte Roggen bildete Stengel mit 20 und 30 Halmen, der nicht umgepflanzte gewöhnlich nur solche mit 1, 2 oder 3, im Maximum mit 3 Halmen. Auch in Deutschland hat man sich schon mit den Demtschinsky- schen Ideen beschäftigt, wobei festgestellt wurde, daß diese Kultur- Methode sich in erster Linie für den Kleinbetrieb mit seiner inten- siven Bebauungsart eignet. Allerdings hat der Kommerzienrat Schönner in Berlin ein Verfahren erfunden, das auch im Groß- betrieb anwendbar ist und das darin besteht, daß mittels einer Drill- Maschine im Acker kleine Furchen hergestellt werden, in die das Saatgetreide eingedrillt wird, und die später, nachdem die Pflanze die ersten drei bis vier Blätter angesetzt hat, mit der aufgeworfenen Erde zugeschüttet werden. Aber dieses Verfahren wurde auf An-- trag des Herrn Kommerzienrats— patentiert, und es wird also nun von dem Ausgang der, wie es heißt, bereits von einigen Landwirten angestellten Nichtigkeitsklage abhängen, ob eine für die Ernährung des gesamten Volkes höchst wichtige Entdeckung Gemeingut oder monopolisierbares Vorrecht eines einzelnen bleiben soll. Soziales* A» die Gewervegerichtsveisitzer Deutschlands tArbeiterbeisitzer). Die Verbandsversammlung des Verbandes deutscher Gewerbe- und Kaufmannsgerichte findet in diesem Jahre in Köln a. Rh. am 18., 16. und 17. September im großen Saale der„Bürger- gesellschaft" statt. Das Organ„Gewerbe- und Kaufmannsgericht" vom April enthält die reichhaltige Tagesordnung, zu deren wichtig- sten Bcratungspunkten auch Arbeitervertreter referieren. Zu diesen Thematas sind folgende Referenten von unserer Seite vorgeschlagen: „Tie gesetzliche Regelung der Akkordarbeit", Referent R. Wissel, Arbeitersekretär, Berlin;„Tie gesetzliche Regelung der Tarifver- träge", Referent E. Döblin-Berlin, und„Die Rechtsverhältnisse der Werkpenswnskasse", Referent C. Scvering-Bielefeld. Dem früheren Gebrauche gemäß findet im Zusammenhang mit der Verbandsversammlung eine Konferenz der Arbcitcrbeisitzer vorher statt, welche den 13. und 14. September tagen wird. Die Zentralkommission hat vorläufig folgende Tagesordnung aus- gestellt: 1. Bericht der Zentralkommission. 2. Bericht des Ausschuß- Mitgliedes des Verbandes. 3. Beratung eines Musterstatuts. 4. Stellungnahme zur Tagesordnung des Verbandstages. 3. Die Rechtsprechung an den Gewerbegerichten. Die bereits eingegan- genen Anträge und Beratungspunkte, welche bon den Beisitzern und verschiedene Orten eingereicht sind, werden später ver- öffentlicht. Die Gewerbegerichtsbeisitzer werden ersucht, hierzu Stellung zu nehmen und etwaige Thematas oder Anträge, welche noch auf die Tagesordnung gestellt werden sollen, bis spätestens den 30. Juli an den Unterzeichneten schriftlich einzureichen. An allen Gewerbe- gerichten, bei denen bisher Delegationen auf Kosten der Gemeinde nicht erfolgten, sind diesbezügliche Anträge zu stellen bezw. zu wiederholen. Im Falle der Ablehnung des Gesuches wird es not- wendig sein, mit dem Gewcrkschaftskartell in Verbindung zu treten, um Bewilligung der Mittel zum Besuche der Konferenz und der Verbandsversammlung. Wo die von den Gemeinden gewährten Mittel auch zur Teilnahme an der Konserenz nicht ausreichen, wird es sich nur um eine Beihilfe der Kartelle handeln. In dem vop der Konferenz in Jena 1908 herausgegebenen Protokoll ist ein Anhang enthalten, um einem allgemein aus- gesprochenen Wunsche der Beisitzer zu entsprechen, in dem festgestellt wurde, in welcher Höhe und von welcher Seite sGemeinde oder Kartell) die� Mittel bewilligt sind. Diese interessante Statistik kann als Unterlage bei den Eingaben und für die sonstige Be- Messung der Entschädigungen zu den beiden Tagungen benutzt werden. Die Protokolle, welche für die Beisitzer mancherlei An- regung geben, sind noch in großer Anzahl vorhanden, und ersuchen wir die Obmänner oder Gewerkschaftskartelle von jenen Orten, wo noch keine Protokolle bezogen sind, für jeden Beisitzer auf Kosten des Kartells ein Exemplar zu bewilligen. Um für eine etwaige neue Auflage die Zahl der gewünschten Protokolle der Konferenz in Köln feststellen zu können, werden die Beisitzer ersucht, in ihren demnächstigen Versammlungen dazu Stellung zu nehmen und zu beschließen, wieviel Protokolle bean- sprucht werden. Von den an die Obmänner oder Gewerkschaftskartelle vor mehreren Monaten versandten Fragebogen steht noch eine große Anzahl aus. Wir ersuchen deshalb wiederholt um Einsendung der ausgefüllten Zirkulare, damit deren Bearbeitung erfolgen kann. Auf Wunsch werden weitere Fragebogen zugesandt. Von vielen Orten sind uns die Namen und Adressen der Ob- männer noch nicht bekannt. Es wird deshalb notwendig sein, das Versäumte nachzuholen. Wo ein Obmann überhaupt noch nicht gewählt ist, wird das Gewerkschaftskartell ersucht, eine solche Wahl vorzunehmen. Der Aufforderung, von allen Geiverbegerichten ein Ortsstatut einzusenden.ist nur mangelhaft entsprochen worden. Um der nächsten Konferenz ein Normalstatut vorlegen zu können ist eine genaue Kenntnis der bis jetzt gültigen Statuten erforderlich. Um Sendung der noch außenstehenden Exemplare wird deshalb dringend ersucht. Die Namen der gewählten Delegierten sowie deren Adressen mit Angabe, ob die Beschickung von der Gemeinde oder dem Kartell bezw. mit Beihilfe von letzteren erfolgt, und womöglich, welche Mittel den Beisitzern von der einen oder anderen Seite bewilligt werden, sind an den Unterzeichneten zu melden. Die Meldung zur Teilnahme an der Konferenz wegen Be- schaffung von LogiL und Berücksichtigung der damit verbundenen Wünsche sind zu richten an den Vorsitzenden des Ortsausschusses: Dreher Franz Schildgen in Köln a. Nth., Brüsseler Straße 93. Weitere in der Sache notwendige Bekanntmachungen werden später erfolgen. Alle Partei-, Gewerlschafts- und arbeiterfveundlichen Zei- tungen werden um Abdruck dieser Bekanntmachung gebeten. Die Zentralkommission der Gewerbegerichtsbeisitzer Deutschlands (Arbeitnehmer). F. A.: Richard Holz, Dresden-A., Am See 33. Berfchnappt. Dem streitbaren„philosophischen" Rundschauer der„Deutschen Arbeitgeber-Zeitnng" machen die Berichte der Fabrikinspektoren neuerdings wieder Sorge. Und zwar knüpft die Unternehmer- zeituiig an eine Untersuchung in den Fabrikinspektorenberichten an, die dahin geht, ob die Arbeiter frühmorgens vor Beginn der Be- schäftigung bereits gefrühstückt haben oder nicht. Die Unternehmer und ihre'journalistischen Handlanger wissen ja recht gut, was bei solchen Untersuchungen über die Lage der Arbeiter herauskommen muß. Deshalb wollen sie auch nichts davon wissen. Felix Kuh von der„Deutschen Arbeitgeber-Zeitung" meint, die Frühstücksfrage sollte.tügllch auch in einem von Sozialpolitik völlig durchtränkten Staatswesen noch immer Privatangelegenheit bleiben". Dann sieht der Rundschauer bereits»am Horizont die grofie Suppenterrine des ZukuiiftsstaalS" erscheinen. Felix Kuh verschnappt sich aber da. Denn bekanntlich ist doch nach einem einmal gefallenen Wort„die Kompottschüssel" für die Arbeiter schon heute voll und der Arbeiter soll„gesichert" sein„bis ins hohe Alter". Felix Kuh aber verlegt die große Suppenterrine immer noch in den Zukunftsstaat! GencKts-Deining. Eines Unternehmers Ehrenwort stand im Mittelpunkt einer Beleidigungsklage, die am Mittwoch vor dem Amtsgericht Berlin-Mitte(129. Abteilung unter Vorsitz de» AmtSgerichtSratS Fiedler) gegen den„PonvärtS"-Redakteur Ge- nassen Richard Barth verhandelt wurde. Das Ehrenwort war gegeben worden bon einem Herrn Franz Krüger, und für ihn alS Beleidigten hatte die Staatsanwaltschaft die Anklage erhoben, so daß er selber als Zeuge auftreten konnte. Krüger ist Schwiegersohn eines Unternehmers der Schwarzblechindustrie, des alleinigen In- haberS der Firma Förster u. Runge, und hatte im März d. I. in der damaligen Tarifbewegung der Schwarzblcchschlosser für seinen Schwiegervater Förster als Prokurist der Firma die Verhandlungen mit den in Streik getretenen Arbeitern zu führen gehabt. Ueber den Stand der Bewegung und den Erfolg der Vcrhand- lungen mit den einzelnen Firmen bezw. der notwendig gewor- denen Streiks erschien im„Vorwärts"(Nr. 76 vom 2. April) ein Artikel, der aus einer Versammlung die dort vorgetragenen Mit- teilungen wiedergab. Darin wurde über die Firma Förster u. Runge ausgeführt, Förster habe durch Krüger verhandeln lassen, der schließlich den ihm vorgelegten Tarifvertrag nicht durch Unter- schrift, sondern durch Ehrenwort anerkannt und ebenso die Ver- pflichtung übernommen habe. 31 der Streikenden sofort wieder einzustellen und die übrigen bei Neueinstellungen immer zuerst zu berücksichtigen. Die 31 seien auch wieder eingestellt worden, von den übrigen aber sei noch keiner wieder in den Betrieb hinein- gekommen, und es scheine, daß die Firma ihre Streikbrecher so lange wie möglich festhalten wolle. Just an dem Tage, nachdem Krüger auf Ehrenwort den Bertrag mit dem Mctallarbeitcrvcrbanv abgeschlossen hatte, habe er seine Streikbrecher im Betriebe zu- sammengerufen und ihnen ungefähr folgendes gesagt:„Ihr werdet nicht entlassen. Ihr habt die Macht im Betriebe. Ihr seid die Mehrzahl, und wenn Ihr zu mir haltet, können die anderen Euch nichts anhaben. Wer aber dem Verband beitritt, wird entlassen." Hieran wurde in dem Artikel die Bemerkung geknüpft, Herr Krüger suche also, gleich nachdem er mit dem Mctallarbeiterverband Frieden geschlossen und bindende Vereinbarungen getroffen habe, im Betriebe selbst eine Gruppe zu schaffen, die gegen den Verband und also auch gegen den Tarifvertrag wirken solle, und er halte das für durchaus vereinbar mit seinem Ehrenwort. Es folgte dann noch ein Hinweis darauf, daß Krüger Offizier ist. In diesen Ausführungen sah Krüger und mit ihm die Staats- anwaltschast eine verleumderische Beleidigung, weil darin die Be- hauptung der nicht erweislich wahren Tatsache enthalten sei, daß er sein Ehrenwort gebrochen habe. Vor dem Amtsgericht bot der Angeklagte, Genosse Barth, den Beweis der Wahrheit der in dem Artikel gemachten Angaben an. Der Vorsitzende wünschte zu wissen, wieso es denn ein Wortbruch sein solle, wenn Krüger in dem Betriebe die Arbeitswilligen zu halten und als sozusagen besondere Gruppe an sich zu fesseln suche. Barth antwortete, diesen Arbeits- willigen werde ja nicht gleichfalls gewährt, was im Tarifvertrag ausbedungen ist, mithin werde durch eine solche Gruppe, je größer sie sei, desto mehr der Tarifvertrag illusorisch gemacht. Er berief sich hierfür auf das Zeugnis des Herrn Krüger selber. In der Beweiserhebung bekundete Prokurist Franz Krüger, er habe zunächst überhaupt nicht mit dem Metallarbeiterverband verhandeln wollen, doch habe er hinterher sich„breitschlagen" lassen. Nach wiederholten Verhandlungen habe er sich dura, Ehrenwort verpflichtet, den vereinbarten Tarifvertrag zu halten, auch 31 der Streikenden wiedereinzustellen und die übrigen bei später etwa nötig werdenden Neueinstellungen zu berücksichtigen. Aber er habe allerdings auch den Arbeitswilligen, als sie fürchteten, daß nun sie entlassen werden würden, die Versicherung gegebe r-, ihnen werde nichts passieren, solange sie zu ihm hielten. Er habe hinzugefügt, sie seien doch im Betrieb die Mehrheit, da brauchten sie doch ohne- dies nicht die anderen zu fürchten. Auch habe er schließlich erklärt, er werde diejenigen entlassen, die etwa in den Metallarbeitervcrband einträten.„Darin liegt doch aber nicht eine Umgehung des Ver- träges," bemerkte erläuternd der Vorsitzende, und der Zeuge be- kräftigte:„Auf keinen Fall!" Die Frage des Angeklagten, ob denn auch jene Arbeitswilligen, die man bei Förster u Runge zu halten sich bemüht habe, jetzt nach den Bestimmungen des Tarif? bezahlt werden, wurde von Herrn Krüger mit„Nein!" beantwortet. Auf die andere Frage des Angeklagten, warum denn bei Förster u. Runge kein Arbeiter in den Metallarbeiterverband habe ein- treten sollen, erwiderte Herr Krüger mit einer langen Erklärung über das gute Einvernehmen, das zwischen der Firma und ihren Arbeitern bisher immer bestanden habe. Er behauptete, zum Streik auch bei Förster u. Runge habe man es nur getrieben, weil sonst die Arbeiter anderer Firmen für keinen Streik zu haben gewesen wären. Ueber die Entstehung des Streiks wurde der Schlosser Feller, einer der ältesten Arbeiter der Firma, vernommen' Der Vor- sitzende gab sich alle Mühe, zu ermitteln, wie der Metallarbeiter- verband diesen Streik trotz deS„guten Einvernehmens" zustande gebracht habe. Aber Feller konnte nur bekunden, daß von den etwa 109 Arbeitern des Betriebes selber in einer Versammlung etwa 76 anwesend gewesen und etwa 60 für den Streik eingetreten seien, der dann ausbrach. Feller hat mitgestreikt und zu der Kom- Mission gehört, die mit Krüger verhandelte, aber keinen Erfolg hatte, so daß ein Vertreter des Mctallarbeiterverbandes die weiteren Verhandlungen übernahm. Ob denn in der Schaffung einer Gruppe von Arbeitswilligen ein Bruch des Ehrenwortes zu sehen sei, fragte der Vorsitzende. Der Zeuge antwortet:„Schön finde ich es nicht." Vernommen wurde dann noch der Vertreter des Metallarbeitervcrbandes, Behrenb, der eingehend über seine Ver- Handlungen mit Krüger berichtete. Er bezeichnete es als selbst- verständlich, daß nach Abschluß des Vertrages zwischen der Firma und dem Verband nicht die eine der vertragfchliesienden Parteien habe versuchen dürfen, hinten herum die andere zu schädigen. Uebrigens habe Krüger den Vertrag zunächst nicht mal ganz erfüllt. Schon nach 14 Tagen seien Beschwerden an den Metallarbeiter- verband gelangt, daß Wiedereingestellte wie Neueingestellte be- handelt würden, und erst nach nochmaliger Rücksprache sei Krüger hierin der Auffassung des Verbandes beigetreten. Krüger gab dem Gericht hierzu die Erklärung, einer seiner Meister sei es gewesen, der den Vertrag falsch aufgefaßt hatte. Aus dieser Beweisaufnahme zag der Vertreter der Staats» anwaltschast, Assessor Langefeld, den Schluß, der Angeklagte sei schuldig der verleumderischen Beleidigung, die er mit einer Geld- strafe von 150 M. zu sühnen habe.. Krüger habe das gegebene Ehrenwort vollkommen gehalten. Er habe die 31 wiedereingestellt usw., aber natürlich habe er mit seinem Ehrenwort nicht auch die Verpflichtung übernommen, überhaupt nichts gegen den Metall- arbeiterverband zu tun. Der Angeklagte, Genosse Barth, führte zu seiner Verteidigung aus, die tatsächlichen Angaben des sich als Ver- sammlungSbericht darstellenden Artikels seien als wahr erwiesen worden. Erwiesen sei, daß zunächst der Tarif nicht so durchgeführt wurde, wie er vereinbart war, erwiesen auch, daß eine Gruppe von Arbeitern gehalten werden sollte, die nicht nach dem Tarif bezahlt zu werden brauchten und daher als Kampfmittel gegen den Bcr- band dienten, mit dem eben erst Friede gemacht und ein Vertrag geschlossen worden war. Barth forderte seine Freisprechung. Das Gericht kam aber zu einer Verurteilung und ging sogar noch weit über das von der Staatsanwaltschaft beantragte Straf» maß hinaus, indem es auf 500 M. Geldstrafe erkannte, weil für einen Offizier der Vorwurf d«S Wortbruches besonders kränkend sei. Die Begründung dieses Urteils, das durch die Berufungsinstanz sicherlich korrigiert werden wird, führte aus, Krüger habe sein Ehrenwort gehalten. Die Meinungsverschiedenheit über den Tarif sei sofort durch ihn beseitigt worden, die Organisierung einer Arbeitswilligengruppe und die gegen den Verband gerichtete Eni- lassungsdrohung verstoße nicht gegen das Ehrenwort, das keines- wegs auch den Frieden mit dem Mctallarbciterverband in sich schließe._ Vermischtes. ßombcnattentat eines Sinbrecbers. Wie uns ein Telegramm auS Friedberg in Hessen meldet, erfolgte am Miilwochnachinittag im dortigen Rathaus eine heftige Explosion. Zu derselben Zeit drang ein Mann in die in der Nathansstraße gelegene R e i ch s b a n k n e b e n st e l I e ein. Da infolge der Explosion alle Bewohner auf die Straßen und nach dem Nathans geeilt waren, war nur der Borsteher der Reichsbankuebenstelle Meier in seinem Bureau anwesend. Der eingedrungene Verbrecher feuerte auf den Reichsbankvorsteher einen N e V o l v e r s ch u ß ab. durch den dieser a>n Kopf schwer v e r- w un d e t w u r d e. Als infolge des Schusses Leute herbeieilten, floh der Täter auf einem Rade in der Nichtung nach Bad Nauheim. Seine Verfolgung wurde von zwei Herren in einem Automobil aufgenommen; ein Schüler, der sich dem Fliehenden entgegenstellte, erhielt einen Schuß in den Unter- leib; auch zwei auf dem Felde arbeitende Bauern, die den Ver- brecher anzuhalten versuchten, wurden verwundet. Kurz vor Bad Nauheim tötete sich der Täter selbst durch einen Schuß. Bei der Leiche fand man 47!X) M. und eine Chausfeurkarte. Vor acht Tagen hatte sich iur„Burghotel' in Friedberg ein junger Mann, unter der Angabe Neisender für Glaswaren zu sein, eingemietet, der einen Koffer bei sich hatte, den er vorsichtig zu behandeln ersuchte. In dem Koffer sind Bomben ge- f u n d e n worden. Der Mann ist seit heute verschwunden und man vermutet, daß er mit dem Verbrecher identisch ist. Durch die Explosion im Rathause wurden die Treppen zer- st ö r t. mehrere Wände fielen ein, die Türen wurden mit großer Gewalt auf die Straße geschlendert. Die Beamten waren in ihre» Bureaus V o l l st ä n d i g abgeschlossen und mußten von der Feuerwehr mit Leitern ins Freie befördert werden. Soweit bis jetzt festgestellt wurde, ist durch die Explosion niemand verletzt worden._ Das paffagierluftfcfrirf Z. VXX auf der fahrt. Der neue für den Personentransport eingerichtete Lenkballon Z. Vll hat am Mittwochmorgen 3 Uhr von Friedrichshafen aus eine Fahrt nach Düsseldorf, wo er stationiert werden soll, untenrommen. Das Luftschiff, das von dem Grasen Zeppelin ge- steuert wurde, schlug nach dem Aufstiege die Richtung über Ulm, Stuttgart, Mannheim ein. lieber Stuttgart wurde es um 6 Uhr morgens gesichtet. Auch der weitere Verlauf der Fahrt ging pro- grammäßig von statten, der Lenkballon ist um 12 Uhr 1» Minuten in Düsseldorf vor der Halle glatt gelandet. Das Lustschiff soll in den nächsten Tagen regelmäßige Passagierfahrten unternehmen. Es ist für den Verkehr in komfortabelster Weise eingerichtet. Der Laufgang, der die beiden Gondeln des Lcnkballons miteinander verbindet, ist mit breiten Fenstern versehen und bietet den Lustreiseuden einen höchst bequemen Aufenthaltsort. Allzu billig ist jedoch das Vergnügen, mit dem Z. VI! eine Passagierfahrt zu machen, nicht, denn der Preis für eine Fahrt beträgt 200 Mark. Für Fahrten über 2 Stunden werden 300 Mark verlangt._ Wilhelm U. auf Rcissn. Wilhelm H. scheint sich von seinem Bluterguß inS Knie wieder erholt zu haben, denn ein Telegramm aus Hamburg meldet, daß er dort den Generaldirektor B a l l i n besucht hat. Gelegentlich des Besuches erhielt Ballin von Wilhelm II. seine Büste in Bronze auk einem prächtigen Sockel geschenkt. Von Hamburg sol� es nach Kiel gehen und von dort aus unternimmt Wilhelm II seine Nordlandreise. Und da bezweifeln Nörgler noch immer, daß die Erhöhung der Krondotation um Z'/z Millionen eine dringende Notwendigkeit war. Schweres Grubenunglück. Wie ein Telegramm aus Madrid meldet, wurden durch vorzeitige Explosion einer Dynamitpatrone in den Kohlenbergwerken von Pena de Hierro fünf Arbeiter getötet und zehn schwer verletzt. An dem Auf- konimen der verletzten Arbeiter wird gezweifelt. Ein Kutz in Ehren... Die Berechtigung des alten Sprichwortes, daß einen Kuß in Ehren niemand verwehrt, hat die Polizeidirektion des Dorfes Oberkirchen im Kreise St. Wendel zuschanden gemacht. In einer amtlichen Bekanntmachung heißt eS: „In einigen Orten wird gelegentlich der Abhaltung von Tanz- lustbarkciten der sogenannte Küssetanz abgehalten. Es ist dies ein Tanz, wo sich Frauen und Mädchen öffentlich ab- küssen lassen müssen. Da dieses gegen die guten Sitten verstößt, ersuche ich, den Tanz nicht mehr zuzulassen. Die Aus- führung wird polizeilich überwacht. Polizeiverwaltung Oberkirchen-St. Wendel. Härtung.* Sonderbar berührt an der Bekanntmachung, daß erst das Küssen verboten wird, und dann die Ausführung polizeilich überwacht werden soll. Ob eS weniger unsittlich wirkt, wenn die Frauen und Mädchen sich unter Ausschluß der Oeffentlichkeit abküssen lassen? Hoffentlich holt die Polizeidirektion diesen Mangel noch nach. �Ter verrückte Antisemitenheros. Der sattsam bekannte Graf Pückler-Klein-Tschirne, der wegen Geistesgestörtheit in dem Sanatorium Friedenhaifn bei München weilte, ist nach einer bei seinem Bormunde in G l o g a u eingetroffenen Nachricht aus der Anstalt entwichen. Ob unsere Antisemiten mit ihm ihr Repertoire um eine Nummer bereichern werden, steht noch nicht fest. Panik auf einem Dampfer. Auf dem russischen Dampfer„Russj*. der den Verkehr auf der Wolga vermittelt, wurde durch die Explosion eines Dampfrohres eine schwere Katastrophe herbeigeführt. Unter den zahlreichen Passagieren i entstand eine Panik, so daß sie den Befehlen des Kapitäns nicht Folge � leisteten. Bei dem Versuch, sich eines Rettungsbootes zu bemächtigen, brach das Gestell und das vollbesetzte Boot fiel ins Wasser. Die In- fassen sprangen in den Fluß. Eine ganze Anzahl von ihnen ertrank. Bisher hat man sechs Leichen geborgen. Infolge der Explosion wurde ein Heizer getötet. Kleine Notizen. Groß-Feuer entstand am Montag vormittag in den Trocken» räumen der Strohhutfabrik von Friedmann u. Riegel in Heidenau i. S. Durch die sehr schnell um sich greifenden Flammen wurden neun Arbeiterinnen zum Teil schwer ver- letzt. Die Fabrik brannte vollständig nieder. Den Tod im Wasser suchte eine 20jährige Frau mit ihrem drei- jährigen Kinde in H ö f i n g e n i. Württemberg. Die Unglückliche hatte wegen eines Vergehens eine gerichtliche Vorladung erhalten und glaubte die Schmach nicht überleben zu können. Gestrandeter Dampfer. Der der Hamburg-Amerika-Linie ge- hörende Dampfer„Prinz Oskar" ist bei Belle JSle gestrandet. Die auf dem Dampfer befindlichen Passagiere wurden von einem holländischen Dampfer übernommen. Es ist eine alte Geschichte�... In Zalaegerczeg in Ungarn hat ein 18 jähriger Student seine Gelieble, die Tochter eines Advokaten, durch vier Revolverschüsse tödlich verwundet und sich dann selbst eine Kugel durch den Kopf gejagt. Ein deutscher Professor abgestürzt. In den französischen Alpen ist bei der Besteigung des Gletschers Lamaze der Professor für Architektur Kuhn aus Elberfeld abgestürzt. Zu der Besteigung halle er den 13 jährigen Sohn eines Führers mitgenommen. Jetzt hat mau die Leichen der beiden Personen aufgefunden. Wettersturz in Ungar«. Aus verschiedenen Landesteilen Ungarns wird heftiger Schneefall mit sinkender Temperatur bis auf 2 Grad gemeldet. In anderen Landesieilen wurden neuerlich durch Wolke n brüche große Verheerungen angerichtet. Einen Süiidcubock gefunden. Zu dem Eisenbahnunglück in Ville» preux wird gemeldet, daß der Lokomotivführer L e d u c unter der Anklage verhaftet worden ist, durch seine Unvorsichtigkeit den Tod zahlreicher Menschen verursacht zu haben. Verbrecherisch war es vielmehr von der Direktion. Lokomotiven zu verwenden, die ins alte Eisen gehören._ Eingegangene Druchrchnften, Reformblätter. Nr. 6. Illustriertes Monatsblatt für alle hygienischen Reformen. Herausgeber: M. König. 30 Pf. O. Maier, Leipzig. Das Tchulziiuiiier. VierteljahrSfchau. Herausgegeben voo H. Th. M. Meyer. 1 M. P. I. Müller. Charlottenburg. Ter Zentralverband deutscher Koufumvereine im Jahre 1909. 3 M. Verlagsanstalt H. Kaufmann u. Co., Hamburg. 9. GeichäftSdericht des ArbeiterfekrctariatS Gera«ud Um- gegend. 1909. 60 Seiten. Selbstverlag. Kalcnger-Reform-Borichlng von F. Rewwghaus, Zürich. Verlag! Art. Institut Orell Füßli. 30 Pf. Diskussion Nr. 3. Herausgeber H. Ostwald. SO Ps.®. Frowein, Berlin W. 15. Ter Todseher und andere geheimnisreiche Geschichte», von E. Willkomm. 4 M. Geb. 5,50 M. H. BarSdors, Berlin W. 30. Deutscher Transportarbeiter- Verband, Jahrbuch 1909. 315 Seiten.„Courier", Berlin, Engeluser 21. Die Gehnltsfragr, von P. Lange. 32 Sellen.— Die praktische und theoretische Ausbildung der Handlungsgehilfen, von P. Lange. 13 Seiten. M. Josephfohn, Hamburg. Die Bank. Heft 6. Herausgeber A. LandSburgh. 1,50 M. Bank- Verlag. Charlottenburg 4. Hierdurch zur Nachricht, dah mein lieber Mann, unser guter Vater, der Zimmermann »ermsim öAfllsIehen am 21. Luni verstorben ist. Dies zeigen mit der Bitte um stille Teilnahme trauernd an Mutter und Kinder. Die Beerdigung sindel Freitag. den 24. d. M, nachmittags 3 Uhr, von der Halle des städt. Fried, Hösts, Mullerslraße, Ecke See- slraße, aus statt. 26386 SozialilemdÄratiselier Waterein des ß. Barl. Reiclistaos- Wahlkreises. Todes- Anzeige. Am 21. Juni verstarb unser Mitglied, der Zimmerer Hönnann Bardslehen (Rügencr Straße 27). Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Freitag, den 24. Juni, nach. mittags 3 Ubr, aus dem städtischen Friedhost, Müllerstraße, Ecke See- ftraße statt Uni rege Betelllgung ersucht 228/2 Hei' Vorstand. Ze!itra!-Kranke!i-ü.SterIiel{asse| der ZiiKPer Deälarnls. (E. H. Nr. 2, Hamburg) Den Mitgliedern zur Nachricht,> daß unser Mitglied, der Zimmerer j Hermann ßardelehen Riigcner Straße 27 wohnhaft,| am 21. Juni verstorben ist. Die Beerdigung findet am Frei- tag, den 24. Juni, nachmittags! 3 Ubr, von der Halle des i städtischen Friedhofes in der Müllcr- straße, Ecke Secstraße aus statt. Um rege Bcleiligung ersucht Der Borstand, Bezirk II. Chr. Hvgenfeld. 253/5 1 Zentral-Verhand der Zimmerer Deutschlands. Zahlstelle Berlin und Umgegend. Bezirk 14. Den Berufsgenosstn zur Nach- ilcht, daß unser Atitglied Hermann Dardelehen am 21. d. M, verstorben ist. Ehre seinem Andenke»! Die Beerdigung findet am Freitag, den 24 Juni, nachmittags 3 Ubr, von der Leichenhalle des städtischen Friedhofes in der Müllerstraße, Ecke Scestraße, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 264116_ Der Vorftand. Deutscher Metallarbeiter-Verband! Verwaltungsstelle Berlin. Todes- Anzeige. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Werkzeug- macher Paul Pohland am 20. Juni an Lungenleiden verstorben ist. Die Beerdigung findet am Freitag, den 24. Juni, nachmittags 5 Uhr, von der Leichenhalle des* GemcindesriedhostS in Rummcls- burg aus statt, 117/14 Ferner starb unser Mitglied, der Fräser. (iusts Kolbe am 21. Juni am Gehirnschlag. Die Beerdigung findet am Freitag, den 24. Juni, nachmittags i'l, Uhr, von der Leichenhalle des städttschen Friedhosts in der Müllerstraße aus statt. Ehre ihrem Andenke»! Rege Beteiligung erwartet Die Ortsverwoltimg. Danksagung. Für die herzliche Teilnahme und reichen Kranzspenden sowie den er- hebenden Grabgesang bei der Be- stattung meines lieben unvergeßlichen Manne-", Vaters und Bruders sagen seinen Kollegen, Sangesbrüdcrn und Parteigenossen ihren tiesgesühlteslen Dank. 2644b Familie Riisner, Krämer. OrtsKrankenkasse der SteiBdriicker und Lioppben. Zu der am Donnerstag, den 30. Juni 19!0. abends 81/, Uhr, im großen Saale des Gewerkschasts- Hauses, Engcluser 15, stattfindenden Wahlversammlung werden sämtliche Mitglieder, welche nach§ 49 Abs 3 des Statuts wahlberechtigt sind, hiermit ergebenst ein- geladen. 2639b Tages-Ordnung: Wahl von 560 Vertretern der Kassenmitglieder für die Wahl- Periode 1910— 1912. Wahlberechtigt und wählbar find nur diejenigen Kassenmitglieder, welche großjährig sind.— Der Wahlakt beginnt um 8'/, Uhr und wird um II Uhr geschlossen. Das L-uittungsbuch legitimiert. Der Vorstand. I. A.t M. Smhlmann, Vorsitzender. Dr. Simmel Spezial-Arzt für Haut- und Harnleiden. Prinzenstr. 41, ÄÄ 10— 2. 5— 7. Sonntags 10— 12. 2— 4 iigtergenossensehaft. Aus die unlängst an dieser Stelle veröffentlichte Anfrage, wer geneigt sei, eventuell einer Mietergcnossenschast zwecks Benutzung von Genossen- schastshäusern beizutreten, ist eine größere Anzahl von Meldungen einge- gangen, von denen sich aber die meisten über den zu wählenden Ort— zu- nächst war Seegefeld vorgeschlagen worden— nicht äußern. Die Adressen sind vorgcmertt worden; die Einsender werden in kurzer Frist nähere Mit- teilung erhalten. Wie in der ersten Annonce schon mitgeteilt wurde, steht indessen der Platz siir die Erbauung der Geiwssenschaftshäuser noch nicht endgültig fest, da güiistiges Terrain außer in Seegescld noch in anderen Orlen angeboten worden ist. Es ist deshalb notwendig, zunächst noch sestzustcllen, ob nicht die Errichtung der Häuser in Grünau bevorzugt wird. Wir ersuchen alle diejenigen(auch von den bereits Vorgemerkten), die geneigt wäre», eventuell einer Mietergcnossenschast in Grünau zwecks Bc- Wohnung von genosstiischasllichen Arbeiterbäusern(nicht Mietskasernen!) unter noch näher zu erörternden Bedingungen beizutreten, ihre Adresse unter A. I an die Expeditton einzusenden. Die Meldung verpflichte! selbstverständlich die Einsender in keiner Weise._ 105/18* ■ FkeueArminPsNen■ Koniniandanten-Stralte&816O. Hoch- Jrrft'Qrtl»(auch mit Bühne u Galerien) von 50— 1000 Per» moderne>?k ft--0Ntl sonen fassend. Sonnabende und Sonntage Irel. 8 fiejie'baln'C«.__ Femspr. Amt IV, 10 155. 6 Bereinszimmer. Arbeiter-Wanderbund O„Die Naturlreunde". Wanderfahrten am Sonntag, den 26. Juni 1910: Lennenwendieier am Teupitzer See. 1. Abs. Sonnabend Görlitzcr Bahn- hos 7» Uhr nachm. Johannisthal 7 27 Uhr nachm. nach Gr. Besten. 2. Abs. Sonnabend Görlitzer Bahn- hos 9*° Uhr nachm. Johannisthal 9" Uhr nachm. nach Gr. Köris. 3. Halbe-Köthcn-Brand. Abs. Gör- tttzer Bahnhos 6°° Uhr vorm. Jo- hannlsthal 1" Uhr vorm. 4. Buch. Abs. Stettiner Borort- bahnhos 1»* Uhr nachm. 1/20 Mäste willkommen. Bei hohem Aehall suchen wir einen ersttlasfigen Zuschneider, welcher selbst- ständig Schnitte machen kann, Meldungen 12—1, 2S40b Graumann A Stern, _ Mohrenstraße 36. üngewilter'8 Kautabak Trebschen(Kr. Ziillichan) Lungenheilstätte für den Mittelstand. Heilung der Tubcrtnlose ohne Tuber- kulin. Pensionspreis einschl. Kur 5 M. täglich. Dr. Diesing, *___ leitender Arzt. arzeüe M. UOOT Anz. lOO M.a.vcrk.Kolonie Daheim«jiesdorf.kaarzaliner Str. 5, part. Tel. Lg. 67«. P Achtung! Vereine! Ächtung! Für Sommer-«nd Kinderbette«npsohieni ! Stocklaternen, Fackel», Schärpen, Dekorations- Girlanden, Verlosüngsartikel, Harken, Sensen, Keglerpreisc, Jux- und Scherzartikel, Feuerwerk, Festabzcichen. -<*»'. Ausiralil.-- Billige Preise.-- Knlante Becticnnng.— IPolil& Weber HVachfl Am Si»ittelmorlit 4/5 I US W BP T.TIV AlexnnderstraB« 51/39 Jnh.: Otto Oeser.■"*-Bi M. isl Jnh.: Ernst Herbst. =- Kataloge gratis und franko sowie Versand nach autzerhalb.------- »e«G«G»«GMeM<»»»»»O0»GGG»»«WOG»«GGGGGOeOG»«GGGG»Ge«E«E««S»OO»ae Wer-Sloff-hatü Fertige Herrenanzug oder Paletot von 20 M. an, feinste s zwei Zlnprobcn, gold. Medaille. .»taten aus Roßhaar, ür guten Sitz bekam Bitte zum Maßnehmen um Ihren Besuch, da keine Vertretung. Ein Versuch sührtz.dauernd.Kundschast. l.nd«-kg Engel, Prenzlauer Str. 23, II, Alexanderplatz. Gegr. 1892. Siehe auch Adreßbuch I.TeU, 1910. Seite 552. unter E. 71/8 Tuehresle'VlÄlf»»?• Hosen spottbillig I Neueste Muster t 3 Fachwerkschnppen eiserne, gebraucht, gut erhalten, find zu verkaufen. Größe: 20/13, 24/17. 24/14,4 m. Mitteilungen unter Chissr« L. 3, Exp. d.„Vorwärts*.• 4» Hygienische ßctunsaraKei.«euestKaialoJ Bi-Eoipföhl.vieI.A®rzlQ u.Prof. grat. n.fg H. Dncer, üamnxi*.var;niab!ii£ OcrtlB KW.. Friedrichs ira�e e 91/9 J. Baer BaiJStr.26 Priifz�Allea Herren- und Knaben- Moden, Berufskleidung. Eieg. l'nletots. Großes Stottiager zur Anfertigung n. MaS. Allerbilligste, streng feste Preise. Riesenauswahl aller Qualitäten 1 1 Wolle- Äpysof Moqnetts Plüsch- jy-4--"- Satteltascbcn ZimnieF- und Treppen- LäuferstoQe Kokos, Haargarn, Velour eto. Master SISK franko. Tewileli- Spezialbans Emil Lelevre Berlin, Oranienstr. 158 IverantwortUcher Redatteur Vlichavd Barth» Berlin, gär de« gnjeratcnteil verantw: Th. Gleite, Berlin. Druck u. Verlag: Borwärt« Duchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co.. Berlin SW, gt.ii4. N-z-h-gm» 2. Dtllllßt In JonuW ötlülltl Polfeliliitt. BMMMMM— aanBasaMHi jwwwjaji ihm Ans Mgdlsitverdreiwg D tzrop-öerli» findet morgen Freitag, den 24. Juni, abends 8 Uhr, von den bekannten Stellen aus statt. Partei-)Znge!egenKeiten. Die außerordentliche Generalversammlung des Verbandes der Wahlvcreine findet am Sonntag, den 3. Juli 1910, mittags 12 Uhr, in Kellers Festsälen (Jnh. Freyer), Koppenstr. 29. statt. Tagesordnung: 1. Der internationale Kongreß in Kopen- a g e n. Referent: Genosse Fritz E b e r t. 2. Diskussion. . Anträge der Kreiswahlvereine zum Kongreß und Diskussion darüber. 4. Partei- und Verbandsangelegeicheitcn. » Anträge zum internationalen Kongreß. 6. Kreis..Der internationale sozialistische Kongreß wolle be- schließen: Zur Verwirklichung der sozialistischen Fricdenobestrebnngen sind die parlamentarischen Vertretungen der sozialistischen Parteien aller Länder aufzusordern, in den parlamentarischen Körperschaften Anträge einzubringen und zu befürworten, die auf eine inler- nationale Vereinbarung aller Staaten zur gleichzeitigen Ein» schränkung der Seerüstungcn und zur Beseitigung des SecbeuterechlS abzielen." Schöneberg. Am Sonntag, den 26. d. M., feiert in den Neuen Rathanssälen, Meiningerstr. 8, der sozialdemokratische Wahlverein das 21. Stiftungsfest. Konzert, Gesang, humoristische Vor- träge und Tanz bieten dem Besucher ein wechselndes Programm. Konzert beginnt um 4 Uhr. wäbrend die Kaffeelüche bereits von 2 Uhr ab geöffnet ist. Eintritt 25 Pf. Herren, die am Tanz teil- nehmen, zahlen 50 Pf. JedcS Kind erhält eine Stockloterne gratis. Der Vorstand. Steglitz. Freitag, den 24. Juni, abends 8 Uhr, Flugblatt» Verbreitung in allen Bezirlcn. Material bei Clemönt. Der Vorstand. Tenipelhof. Freitagabend 7'/z Uhr Flugblattverbreitung von den Bezirkslokalen aus. Schcnkendorf bei König?- Wusterhausen. Am Sonnabend, den 25. Juni, abends 8 Uhr, findet die Wahlvereinsversammlung im Lokale des Herrn Otto Pätsch statt. Tagesordnung: Vortrag des Genossen Wildelm Ulm über:„Die gegenwänige politische Lage". Kassieren der Beiträge und Aufnahme neuer Mitglieder. Wahl der Delegierten zur Generalversammlung. Unser diesjähriges Sommer- fest und Verschiedenes. Der Vorstand. Wcißcnscc. Morgen, Freitagabend. Flugblattverbreitung. Treff- Punkt in den bekannten Zahlabendlokalen. Die Bezirksleitung. Pankow. Morgen Freitagabend: Flugblattverbreitung von den bekannten BczirkSIokalen aus. Nicder-SchLuhanscn-Nordcnd. Am Freitag, den 24. Juni, 7 Uhr abends, Flugblattverbreitung von den belanmen Stellen aus. Die Bezirksleitung. Wilhelmsruh. Die morgen, Freitag, stattfindende Flug- blattverbreitung findet von den Wezirkslolalen aus statt. Borfigwalde-Tegel. Am Sonntag, den 26. Juni, von nach- mittags 2 Uhr ab, halten die Arbeitergesangvereine„Immergrün" und.�FreiheitSklänge" im Bergschloß, Waidmannslust, ihr Sommer- fest ab. Da die genannten Gesangvereine bei jeder Festlichkeit der Wahlvereine mitwirken, so ersuchen wir die Genossen, sich rege an dem Fest zu beteiligen. Die Bezirksleitungen. Tegel. Morgen Freitag, den 24. Juni, abends von 7 Uhr ab von den bekannten Bezirkslokalen aus Flugblattverbreitung. _ Die Bezirksleitung. Berliner rfoebriebten* Der Grunewald im Juni. Der Flor der Veilchen. Erdbecrblüten und anderer Klein- kräuter des Waldbodens ist verschwunden, und zwischen Gras und Kraut tauchen reife Erdbeeren auf. Und doch steht der Grunewald gerade jetzt in vollster Blüte, sofern man eben diesen Ausdruck braucht und nicht von Blumen spricht. Denn wir meinen die Gräser, die in einer Anzahl von Arten, aber in unzählbarer Menge den Waldboden überziehen und ihre schmucklosen Blüten jetz geöffnet haben. Der Juni ist nicht nur der Blumen-, sondern auch der Gräsermonat. Aus den Rispen und Nehren hängen zahllose gelbe Staubbeutel herab. Leicht bewegt sie der Wind, denn sie schaukeln an dünnen langen Stielchen und so ist alles getan, um den Pollen von Blüte zu Blüte zu führen. Die andauernde Vorsommerhitze hat auch im Moor zwischen Hundckehle und dem Gruncivaldsee ihre Wirkung geübt. Man kann überall ziemlich trockenen Fußes hindurch- gehen, und da auch ein Regenguß daran nichts ändert, so ist es jetzt leicht, die eigenartige Flora dieses Moores zu be- sichtigen, die mit der deS angrenzenden Waldes gar keine Aehnlichkeit besitzt. Zwar die Kiefer geht ins Moor, aber sie bleibt hier niedrig und als verkrüppelte Moorkiefer besiedelt sie die nassen Stellen. Am Rande des Moores gedeiht noch die Brombeere. Tiefer hinein bilden kleine Moorbirken. kenntlich am dreieckigen Laube, und Grauweiden mit filzigen Blättern eine Art Unterholz. Das Torfmoos, das überall den Boden wie ein Schwamm bedeckt, wird von den zierlichen Stengelchen der Moosbeere übersponnen. die mit reizvollen rötlichen Blümchen jetzt voll entwickelt ist. Dreizählige Blätter, wie Kleeblätter, nur viel größer, verraten den Bitter- klee. Sehr leicht kenntlich sind auch zwei Arten des Woll- grajes mit weißwolligen Schöpfen auf fußhohen Stielen; die Wolle beflügelt die Samen und enteilt mit ihrer Reife. Ein starker. aber aromatischer Geruch macht uns auf das Mottenkraut oder den„falschen Rosmarin" aufmerksam, den einzigen heimischen Vertreter jenes Pflanzen- geschlechtS, dem auch die Alpenrosen und Azaleen an- geporen. Der fußhohe Strauch ist mit schmalen Blättchcn besetzt und die weißen Blüten sind in talergroße Scheiben zu- sammcngedrängt. Durch die Mitte des Moores zieht sich der Länge nach ein Graben, ganz mit Torfmoosen bewachsen, aus denen niedrige Weiden herausschauen. Hier fallen die eigenartig trüb braunroten Blüten des Blutauges auf, einer der Erdbeere verwandten Pflanze. Gegen den See hin wird das Moor feuchter und seine Pflanzenwelt üppiger und formen- reicher. Mit roten, braunen, gelben und grünen Tönen treten die Torfmoose stärker hervor und auf ihren Polstern zeigen sich die zierlichen Rosetten des Sonnentaus. So oft diese insektenfressende Pflanze nun auch schon beschrieben worden ist, so erregt sie doch immer wieder von neuem die Anteil- nähme des Beobachters. Sie läßt sich leicht mit dem Moos- Polster herausheben und zu Hause auf einem Teller kultivieren. Dabei braucht sie nichts als reines Wasser zum„Trinken", für das Uebrige sorgt sie mit ihren bekannten„Leimruten" selbst.- Um die Erhaltung dieses Grunctvaldmoores wird seit Jahren gekämpft. Wie der eigentliche Grunewald eine un- entbehrliche Lunge der Großstadt bildet, so ist das Moor zwischen Hundekehle und Paulsborn unersetzlich für den Naturfreund und den Forscher. Der Wald, den früher Eichen bildeten, hat schon viele Wandlungen durchgemacht und der Mensch fast allein bestimmt jetzt sein Gesicht. Darunter hat wohl auch das Moor gelitten, aber im wesentlichen zeigt es noch heute die Züge, die ihm zweifellos schon in vorgeschicht- lichen Zeiten eigen waren. Darin liegt ein weiterer Reiz. Wird die Vernichtung des Waldes Halt machen vor diesem historischen Denkmal der Natur? Die Freie Jugendorganisation Berlin und Umgegend bittet uns mitzuteilen, daß der am Sonntag staltgefundcne MasienauSflug der Jugendlichen nach Friedrichshagen nicht vom Jugendausschuß, sondern von ihr ausgegangen ist. An den Paradctagen wollen dse Droschkenführer nicht von einer Stelle zur andere»„gejagt" werden, sondern berechtigt sein, in den Nebenstraßen auf Fahrgäste warten zu können. Auf eine Beschwerde hat der Polizeipräsident— wie die Fachzeitschrift„Der Fuhrhaller" berichtet— folgendes geantwortet: „Auf die Eingabe vom 26. Mai d. I. erwidere ich dem Vor- stand ergebenst, daß dem dortigen Wunsche auf Aufstellung von leeren Droschken in den Seitenstraßen der Friedrich- und Belle- Allianccstraße an Paradetagen bereits bei der letzten Parade in größerem Umfange als bisher Folge gegeben ist. Diese Aufstellung kann jedoch immer nur nach Maßgabe der jeweiligen Verkehrs- Verhältnisse erfolgen. Bei der letzten Parade hat sich aber der Uebelstand gezeigt, daß die in den Seitenstraßen zugelassenen Droschken an Fahrgäste nicht zur Beförderung, sondern als Standplatz für die Besichtigung der vorübergehenden Truppen vergeben wurden, wodurch in mehrfacher Beziehung der Verkehr behindert worden ist. Bei zukünftigen Paraden kann ich daher eine derartige Auf- stellung leerer Droschken in größerem Umfange nur in Aussicht stellen, wenn die Droschkenführer die gerügte Benutzung ihrer Wagen nicht zulassen."_ LandtagSkandidatur in Berlin 4. Den Fortschrittlichen liegt sehr viel daran, den Verbandsanwalt der Hirsch- Dunckerschen Gcwcrkvereine, Stadtverordneten Karl Goldsöhniidt, wieder in den Landtag zu bekomnien. Er ge- hörte dem Landtage mehrere Jahre hindurch an, unterlag aber bei den allgemeinen Wahlen im Jahre 1968 und auch bei der Nachwahl im vergangenen Jahre gegenüber unserem Genossen B o r g m a n n. Jetzt soll er im 4. Berliner Landtagswahlbezirk, der durch die Mandatsniederlegung dcS Abgeordneten Dr. Müller-Sagan freigcworden ist, als Kandidat der Forlschrittlichen Volkspartei auf- gestellt werden._ Beschwerden über hygienische Zustände in Fabriken. Zu den unter obiger Spitzmarke in unserer Sonntagsnummer mitgeteilten Mißständen in einer Schuhfabrik in der Dircksenstraße (Klosettverhältnisse und Wassermangel betreffend) schreibt uns die Hausverivaltung: Der gerügte Uebelstand im Hause Dircksenstr. 47 erwuchs aus der Inbetriebsetzung einer neueingerichteten Kunstbuttcrfabrik, die durch einen unvorhergesehenen übermäßigen Wasserkonsum den übrigen im Hause befindlichen Betrieben das Wasser entzog. Es wurden auch sofort, als die Sache bemerkt wurde, die nötigen Schritte getan, um bei der städtischen Wasserlcitungsinspektion einen verstärkten Anschluß an die Hauptleitung zu erlangen, was bei der starken Beschäftigung der Wasserleitung und bei dem etwas langsamen Geschäftsgange bei solchen Behörden erst jetzt möglich war. Es haben sowohl Gewerbeinspcktion als Polizei von der Sache Kenntnis genommen und der unterzeichneten Hausverwaltung die Abstellung des bewußten Uebelstandcs aufgetragen, haben aber auch in Anbetracht der obwaltenden Umstände derselben eine Frist zur Ausführc.ng der Arbeiten gestellt lan welchen bereits eifrig gearbeitet wird), in welcher diese auch gewiß fertig' sein werden. Es ist noch zu erwähnen, daß die gerügte Kalamität sich nur auf wenige(3—4) Stunden des Tages beschränkt Mit einem wüsten Exzeß eines Angeklagten endete gestern eine Verhandlung vor der 3. Strafkammer des Landgerichts I. Aus dcl ltnkeriuchungshaft wurden der Malergehilfe Karl HüSgen, der Arbeiter Richard Zahn und der Arbeiter Eugen Oppermann vorgeführt, um sich wegen wiederholten gemeiiiswoftliSen, schweren und einsacken Diebstahls zu verantworten. Die Straikammer erkannte gegen HüSgen auf 9 Monate, gegen Zahn aus 2 Jahre Ee- f ä n g n i S und gegen den Anführer Oppermann auf 3 Jahre Z u ck t h a u S. Während der Urteilsverkündung versuchte O p p e r- mann, der schon in der Verhandlung ein unverschämtes Venehmen zur Schau getragen hatte, über die Barriere hinwegzuklettern und sich aus das Richterkollegium zu stürzen. Als er hieran von dem Gerichtsdiener gchindWl wurde, kam eS in der Anklagebank zu einem wütenden Handgemenge, bei welchem der Gerichtsdiener Dubinski durch Bißwunden an den Händen und an den Beinen verletzt wurde. Erst von vier Beamten konnte der Tobende überwältigt und ab- geführt werden. Ein schwerer Straßenbahnunfall ereignete sich gestern nach- mittag gegen 5 Uhr in der Straße Alt-Moabit. Tort versuchte vor dem Hause 134 der 35jährige Arbeiter Wilhelm Gadenne, Zeug. meisterstr. 8 wohnhaft, unmittelbar vor einem herannahenden Straßenbahnwagen der Linie 9 das Gleis zu überschreiten. Er wurde jedoch von dem Waggon erfaßt und geriet unter den Vorder- Perron. G. erlitt eine Gehirnerschütterung, eine Wunde am Kopf und erhebliche Hautabschürfungen, und wurde nach dem Kranken- hause Moabit übergeführt. Aus einem Zigeunerlager. An der Grenze von Weißensce schlug vor einigen Tagen eine Zigeunerbande ihr Lager auf und kochte ab. Bald schwärmten die Weiber aus und suchten die be- nachbarten Geschäfte mit dem alten Wechseltrick heim. Sie gaben eine größere Münze in Zahlung und erbaten sich als Wechselgeld Münzen vom Jahre 1874. Beim Aussuchen halfen sie fleißig mit und stahlen dabei, soviel sie nur bekommen konnten. Ein Kauf- mann, der ihnen auch einen erheblichen Betrag geopfert hatte, zog mit einem Gendarm nach dem Lager, um die Diebin herauszuholen. Er erkannte sie in einem jungen Weibe, das mit einem Kind auf dem Arme dasaß. Ms die Zigeunerin merkte was vorging, warf sie das Kind in den Wagen und lief in ein Haferfeld. Jetzt nahm die Polizei die ganze Bande in Gewahrsam und suchte dann mit einem Hunde das Haferfeld ab. Man entdeckte aber kein Weib, sondern einen Zigeunerknaben, der sich ganz harmlos herumzu- treiben pflegte. Als man ihn sich jedoch genauer ansah, erkannte man, daß man die Diebin doch gefangen hatte. Man hatte ihr heimlich Knabcnkleider zugetragen und ihre Frauenkleider weg- geschafft. Die Verhaftete nannte sich Anna Winter, wurde aber von dem Erkennungsdienst der Kriminalpolizei entlarvt als eine Anna Unger, die von der Kriminalpolizei bereits photographiert und gemessen war. Sie wurde in Untersuchungshaft genommen. Ein falscher Magistratsbeamter wurde gestern von der Kri- minalpolizei festgenommen. Ein Kaufmann Hugo Grünwald aus Lichtenberg besuchte dort und im Osten Berlins Geschäftsleute, besonders Drogenhändler, stellte sich ihnen als Magistratssekretär, Bureauvorstehcr oder dergleichen vor und teilte mit, daß er als Lagerverwaltcr beauftragt sei, größere Einkäufe zu machen. Mit einer deutlichen Daumenbewcgung erklärte er, daß er geneigt sei, mit dem Geschäftsmann, den er gerade besuchte, abzuschließen, wenn auch für ihn dabei etwas abfalle. Einen Lieferungsverlrag setzte er sofort aus. Weil er stets von größeren Lieferungen sprach, die bis zu 3090 M. und mehr gingen, so waren die Leute gern bereit, eine Provision oder ein Geschenk zu bewilligen. Auch andere, die hierauf nicht eingehen wollten, wußte Grünwald zu schröpfen. Er schloß nur unter dem Vorbehalt ab, daß seine Vorgesetzten den Vertrag genehmigten. Zu diesem Zweck sagte er, müsse er den Vertrag mitnehmen und bei der Genehmigung gleich stempeln lassen. Die„Stempelkosten" nun ließ er. sich von den Leuten, die die Provision erst bei Ausführung der Lieferung zahlen wollten, gleich mitgeben. Mehrere Anzeigen veranlaßten die Kriminalpolizei, die Geschäftsleute zu warnen. Als der Schwindler nun gestern wieder bei einem Drogenhändler erschien, ließ man ihn festnehmen. Grünwald hat bis jetzt 8 solche Schwindeleien eingeräumt, ohne Zweifel aber noch viel mehr verübt. Geschädigte, die noch keine Anzeige gemacht haben, können sich bei der Kriminalpolizei im Zimmer 177 melden.' Cholcraverdacht. Ei» choleraverdächtiger Fall wird vom Aus- wandererbahnhof Ruhleben bei Spandau gemeldet. Der aufsicht- führende Arzt hatte zunächst Darmkatarrh diagnostiziert, doch sind vorsichtshalber die Exkremente zur Untersuchung an das Institut für Infektionskrankheiten in Berlin gesandt worden. Das Ergebnis der Untersuchung soll sofort bekannt gegeben werden. Es handelt sich um einen russischen Auswanderer, der infolge der verdächtigen Er- krankung hier zurückbehalten worden ist. Zur Beunruhigung des Publikums liegt kein Grund vor. da sofort die strengste Absperrung deS Auswandererbahnhofs erfolgt ist. Warnung für Fabriken der K-nfcktionSbranche. Kürzlich mietete sich in RegcnSburg ein Mann unter dem Namen Albert Pfleiderer aus Königsberg eine Privatwohnung und gab sich als Besitzer eines Jmport-Exportkommissions- und Agenturgeschäftes aus. In einem Schreiben an verschiedene deutsche Fabriken er- suchte er um umgehende äußerste Extraofferte in ff. Kinderröckchen mit Spitze,» und Stickereien nur besseren Genres gegen sofortige Kasse. Da der„Einkäufer aus Spanien" jedoch nur einige Tage auf der Ausstellung in Regensburg weile, so sollten die Fabriken gleichzeitig einige Ausführungsmuster franko gegen franko per Post ihm zusenden. Mit den so erhaltenen wertvollen Mustern ist der Schwindler dann verschwunden. Fabrikanten seien vor seinem Trick gewarnt. Auf dem Wege zur Arbeit tödlich verunglückt ist der 69 Jahre alte Schmiedegeselle Gustav Tietz aus der Schönlcinstr. 24. Der Mann war in der Hascnheide beschäftigt. Als er zur Arbeit gehen- wollte, übersah er am Hermannplatz, daß ein Omnibus um die Ecke bog. Der Wagen ging ihm über den Leib und verletzte ihn so schwer, daß er nach dem Krankenhause am Urban gebracht werden »rußte. Dort starb er bald nach der Aufnahme. Eine Benzinexplosion ereignete sich gestern vormittag in der Automobilwerkstatr ans dem Grundstück Hannoverschcstr. 5. Der HilfSmonteur Franz ZunibrowSki hatte den Benzinbehälter eines Kraftwagens auszubessern und ging dabei unvorsichtig mit einer Lötlampe um. Es entstand eine Explosion, bei der ZnmbrowSki durch Stichflammen am Gesicht, an der Brust und an den Armen so schwer verletzt wurde, daß er nach der Charitü gebracht werden mußte. Ein tödlicher Baunnfall ereignete sich gestern in der Groß» görschenstr. 29. Dort waren Bauarbeiter gerade mit der Aufstellung eines Gerüstes beschäftigt, als plötzlich einer der Arbeiter vom vierten Stock in die Tiefe stürzte. Der Verunglückte war sofort tot. Wer ist der Tote? Am 18. Juni 1919 wurde am Königsplatz ein zirka 35 Jahre alter, unbekannter, dem Arbeiterstande ange- hörender Mann überfahren und getötet. Er ist zirka 1,70 Meter groß, hat schwarze Haare, schwarzen Schnurrbart und Augenbrauen, spitzes Kinn, längliches Gesicht und gebräunte Gesichtsfarbe. Auf dem linken Arm befindet sich eine Tätowierung, einen nach oben offenen Kranz mit einer K'rone darstellend, darin I. 64 R. 1897 bis 1899, auf dem rechten Arm ein Herz, darin W. 1875 L., einen Winkel, einen Zirkel und eine Axt. Ter Unbekannte hat also wahr- scheinlich 1897—1899 bei dem 64. Infanterieregiment gedient, ist 1875 geboren und gelernter Zimmermann. Bekleidet war er mit steifem schwarzen Hut, schwarz gestreiftem 5lammgarnroch grau» weißer Weste mit roten Punkten, schwarzer Hose, geflickten Gummi» zugstiefeln, blaugestreiftem Hemd, Netzhemd und graublauem Vor- Hemd mit weißen Streifen und blauen Punkten. Er hatte eine alte silberne Zylinder-Remontoiruhr Nr. 18 247 mit mattblauem Zifferblatt, ein Portemonnaie mit 33,11 M., ein Taschenmesser, 2 Schlüssel am Ringe und eine sckpvarze Wachstuchtasche mit blauer Emaillekanne bei sich. Die Leiche befindet sich im Schau» Hause. Nachricht über die Persönlichkeit und über etwaige An- gehörige erbittet die Kriminalpolizei zur Nr. 2546 lV 55 19 und wird auch in jedem Polizeirevier entgegengenommen.> Vier große volkstümliche Turnfeste feiert der Arbeiter-Turnverein „Fichte" am Sonntag, den 26. Juni, auf seinen vier Bereinsnirn» platzen in Treptow. Lichtenberg, Pankow und Jungfern» Heid«. Zur Borsührung gelangt nicht das sonst bei Turnfesten übliche Geräteturnen, sondern eS soll ein volkstümliches Turnen: Springen, Wettlaufen. Stasettenlaufen. Spiele usw. gezeigt werden. Um auch den Gästen aktiven Anteil an den Festen zu gewähren, werden während des Kürturnens Spiele mit den Gästen ab» gehalten. Für die Kinder werden am ganzen Rachmittag Spiele statt- finden, die von den Tnrncriiinen geleitet werden. Im übrigen vcr» weisen nsir auf das heutige Inserat. Da alle Vorkehrungen ge» troffen sind, kann den Besuchern ein interessanter Nachmittag ver» sprachen werden. Zeugen gesucht. Die beiden Herren, welche am Dienstag, den 17. Mai, abends lO'/i Uhr im Drofchken-Automobil vom Lokal Fritz Bock, Landsberger Allee 138, Ecke Elbingcr Strotze, nach dem Lokal Friedrich Schulze, Prenzlauer Allee 6, und von dort im selben Auto zu Schippanowsky, Spandauer Brücke, fuhren, werden dringend um Angabe ihrer Adresse gebeten an A. Riedel, Berlin Is., Liebemvalder- Straße öS,_ Vorort- Nachricbtem Rixdorf. Das KSv jährige Jubiläum Rixdorfs. Am Sonntag, den 26. Juni kann Nixdorf das 550 jährige Jubiläum seines Bestehens als Gemeinde feiern, wenngleich cS schon längst aufgehört hat, eine Gemeinde im landläufigen Sinne des Wortes zu sein. Die älteste Urkunde, die über den Ort besteht, datiert vom 26. Juni 1360. Durch diese Urkunde spricht der Johanniterorden die Umwandlung seines Hofes„Richarsdorf" in ein Dorf mit 25 Hufen aus. In der Urkunde heißt es unter andern,: „Wir, Bruder Hermann von Werberge, ein Statthalter der Marl zu Brandenburg und Wendcnlande, und ich, Bruder Dietrich von Saster, Komthur, und wir alle gemeine Brüder des HauseS Tempelhof bekennen und bezeugen offenbar in diesem Briefe vor allen Christenleuten, daß wir mit Bollmacht unserer Obersten und mit beratenem, vorbedachten und rechten Mute und Willen und Rate unserer aller, auch nach Rate des ehr- lichen Priesters Herrn Jacobs von Datz, haben unfern Hof, genannt Richardsdorf, verwandelt und mit diesem Briefe zu einem Dorfe mit 25 Hufen, je zu der Hufe zehn Morgen Landes, in der Weife gelegt, daß der Schulze, der das Schulzenamt hat, eine Hufe und seinen Hos frei, ohne vom dreißigsten haben soll, welche zum Hause Tempelhof gehört. Und von den anderen 24 Hufen soll man von jeder Hufe geben eine halbe Mark zu Pacht und einen Schilling brandenburgischer Pfennige zu Zins jährlich zu St. Martinstag, und dem Pfarrer von Tempelhof von jeder Hufe einen halben Scheffel Roggen, und dem Schulzen von Tempelbof ein Viertel Scheffel von der Hufe und dazu seine Gebühr, als dies üblich ist in andern Dörfern. Und der Pfarrer und Schulze sollen den Bauern von Richardsdorf tun„Gottesrecht', wann eS ihnen not ist, Und die Bauern sollen zur Tempelhofschen Kirche gehen. Ferner, so soll der Komthur von Tempelhof den Zehnten haben im Fleischzehnten und in den Rauch- Hühnern, ohne vom Schulzen, wie vorher geschrieben steht, über das ganze Dorf. Ferner so sollen die Hüfner dienen mit ihren Pflügen drei Tage und die Kossäthen drei Tage jährlich arbeiten zu unfern Hufen zu Tempelhof. Ferner sollen die Kossäten, die im Dorfe wohnen, dem vorhergenannten Komthur 18 Pfennige und der Hüfnergemeine 6 Pfennige entrichten, ohne einen Kossäten, welcher an den Schulzen 2 Schillinge zu geben hat. Ferner sollen die Hüfner alle die Wiesen haben, welche zu Richardsdorf gehören, ohne die Lange Wiese, welche unserem Hause zu Tempelhof verbleibe» soll. Ferner sollen die Bauern sich des Rohrwuchscs bedienen zu ihren Dächern, jedoch sollen sie dasselbe ohne unfern Willen nicht verkaufen dürfen, und auch daS Nutz- und Bauholz und Hegereis sollen sie gebrauchen zu ihrer Not und Lagerholz, wenn eS vorhanden, sollen sie frei haben. — Ferner soll der Komthur von Tempelhof zu jedem Hause und jedem Kossäten alle Jahr eine Kawel Holz geben, wofür sie 1 Schil- ling brandenburgischer Pfennige zahlen müssen.— Damit wir diese Dinge ganz und stets halten wollen, haben wir diesen Brief besiegeln lassen mit unserm Jusiegel, der gegeben ist nach Gottes Geburt dreizehnhundert Jabre in dem scchSzigsten Jahre des Freitags vor Monat Thoma des heiligen Apostels sTranSlatio) Der Dinge Zeugen sind Herr Jacob von Datz, dessen Jnsiegeln an diesem Brief, Hau» Schuler und sein Sohn Henning, Wik. Malow und Hans, sein Bruder, HanS und ArAed Gebrüder Maslow und viel mehr gute Leute.' Als ein altes Klilturdokument führt uns die vorliegende Urkunde zurück in die Zeit mittelalterlicher Hörigkeit. 500 Jahre später wurde daS 500 jährige Jubiläum des damals noch in Deutsch- und Böhniisch-Rixdorf getrennten Ortes begangen. Noch vor 50 Jahren hatte der Ort insgesamt 3837 Einwohner. In diesen fünf Jahr- zehnten kapitalistischer EntWickelung ist aus dem kleinen Dorf eine Großstadt mit zirka 230 000 Einwohner geworden. Der Magistrat beschloß in seiner letzten Sitzung die Zahl der stellvertretenden Vorsitzenden des Gewerbe- und KaufmamisgerichtS um einen zu vermehren. Die Gerichtsassessoren Gcnse und Tonne- macber werden zu stellvertretenden Vorsitzenden des Gewerbe- und KoufmannSgcrichtS gewählt. Auf Ersuchen des Polizeipräsidenten sollen die zunächst nacki der Unfallstation oder der Feuerwache Erl- straße geschafften hilflos aufgefundenen Personen dort den Be- gleitern des städtischen Krankenwagens zum Weitertransport nach dem Krankenhause Buckow übergeben iverden.— In Gemäßheit des Be- schluffeS vom 25. Mai d. I. soll die Rasenfläche des HertzbergplntzeS für die Zeit der Schulspiele durch Kelten abgesperrt und nur an zwei Wocheutagen dem Kaiser-Friedrich-Realghmnasium zur Abhaltung von Turnspielen zur Verfügung gestellt werden. Der Spielplatz in der Lessingstraße soll während der großen Ferien dem Jugendausschuß der Arbeiterschaft Rixdorfs an vier Nachmittagen zu Spielzwecken kostenlos überlassen»verde».— In der Angelegenheit betreffend die Errichtung eines bakteriologischen UntersuchmigSamteS im städtischen Krankenhaus« soll in erneute Verhandlungen mit dem Herrn Minister getreten werden.— Der Magistrat erklärte sich ferner damit einverstanden, daß die Eintritts- preite im Aixdorfer Theater wie folgt erhöht werden: Sperrsitz von 1.50 M. auf 1,60 M.. l. Parkett von 1 M. aus 1,10 M., U Parkett. Seitenparkett. I. Rang von 0,75 M. auf 0,85 M. Jedem Besucher muß dafür ein Programm kostenlos geliefert werden. Ein Familiendrama hat sich in der gestrigen Nacht in dem Hause Witzmannstr. 4 abgespielt. Dort versuchte die Ehefrau Martha des Kellners K. sich und ihre drei Kinder durch Leuwtgas zu der- giften. Alle vier Personen konnten am Leben erhalten werden. Frau K. soll die Tat deswegen verübt haben, weil ihr Mann schon seit längerer Zeit stellungslos ist. In der gestrigen Rocht, als der Ehemann nicht daheim war, legte Frau K. die Kinder zu Bett und wartete, bis sie alle eingeschlafen waren. Sodann öffnete sie samt- liche Gashähne in der Wohnung und legte sich selbst nieder. Nach einiger Zeit fiel Nachbarsleuten ein verdächtiger Gasgeruch, der sich auf dem Korridor verbreitete, auf; sie öffneten die Tür zu der K.schen Wohnung. Die drei Kinder fand man bereits in bewußt- lesem Zustande auf, während die Mutter noch bei Besinnung war. Ein hinzugerufener Arzt rief die Kleinen nach langen Bemühungen wieder ins Leben zurück. Frau K. wurde, da der Arzt hochgradige Nervosität bei ihr feststellte, einer Heilanstalt zugeführt. Die Gesundbeterin, die vor einigen Tagen der Witwe Auguste Johl am Mariendorfer Weg die Kleidungsstücke und das Geld' ab- schwindelte, um beide« ,» besprechen, ist jetzt ermittelt Es ist eine 87 Jabre alte Ztgeunerfrau Marie Wavpler au« der Wißmannstr. 6. ffrou Wopplcr behauptet, datz Frau Johl bei einem zufälligen Zu- ammentreffen sie selbst veranlaßt habe, an ihr ihre Hcillunst aus- zuüben, Treptow. Slm Montag, den IS. Juni, abend» zwischen 10 und V«!! Uhr ist vor dem Lokal des Herrn Holz, Köpenicker Landstraße, Ecke Park- straße, eine Einradschiebkarre entwendet worden. Personen, die über den Verbleib derselben Angaben machen können, werden gebeten, Nachricht an Herrn Arndt, Kolonie Moorccke, oder an Herrn Gastwirt Holz, Köpenicker Landstraße, gelangen zu lassen. Reinickendorf. Die Wahlen der Arbeitnehmerbeisiticr zum hiesigen Gewerbegrricht finden heute Donnerstag, den 23. Juni, nachmittags 3—7 Uhr statt. Als Kandidaten der freien Gewerkschaften sind auf- gestellt die Genossen: Dreher Fritz Henschel, Wickler SIeinhold Lorenz, Einsetzer Wilhelni Feh und Dreher Franz Ladner. Wahlberechtigt sind nur Arbeiter, die das 23. Jahr vollendet, im letzten Jahre keine Armeuuiiterstützung aus Gemeindemitteln erhalten haben und zur Zeit der Wahl am Orre entweder wohnen oder beschäftigt find. Da die amtlichen Legitimationssormnlare in ungenügender Zahl zur Verfügung gestellt werden, möge sich jeder ortsangehörige Wähler niit Mietskontrakt oder Steuerzetlel legitimieren. Ferner können die Arbeitgeber für die im Betriebe beschäftigten über 25 Jahre alten Arbeiter Formulare, auf denen bis zu 30 Namen verzeichnet sind. ausstellen. Die betreffenden Arbeiter müssen dann möglichst ge- schloffen zur Wahl erscheinen. Die Gewerkschaftskominission. Mühlenbeck. Die politische Lage im Reiche und in Preußen lautete das Thema, niit den, sich eine Volksversaminlimg am letzten Sonntag in Mühlenbeck(Gasthos zur Sonne) beschäftigte. Der Referent, Reichs- tagsabgeordneter Genosse Eichhorn, kennzeichnete die fiir die Arbeiterklasse so verderbliche Steuerpolitik der Regierung und unter- zog das Verhalten der bürgerlichen Parteien in derselben einer scharfen Kritik. Reicher Beifall lohnte dem Redner für seine» Vor- trag. Nachdem noch zum Abonniere» der Parteipresse und zum Eintritt in die Organisation aufgefordert wurde, schloß der Vor- sitzende mit begeistertem Hoch auf die Sozialdemokratie die Ler- sammlung. Wannsee. In der Generalversammlung des Wahlvereins wurde an Stelle des bisherigen ersten Vorsitzenden Genossen Karl Schulze, der seine Wiederwahl ablehnte, Genosse Hirche gewählt. Genoffe Schulze nahm das Amt als Schriftführer an. Auch die übrigen Aemrer wurden neu besetzt. Am Schlüsse der Wähl wurde dem Wunsche Ausdruck gegeben, daß die Mitglieder den Vorstand durch rege Teil- nahnie an den Parteiarbeiten unterstützen mögen. Zossen. Dreizehn neue Genossinnen meldeten sich am Schluffe einer am Freitag stattgefundenen Frauenversnmmlung, in der die Genolfin Bohm-Schuch(Rixdorf) über„Wie versündigt sich die heutige Ge- sellschaftsordnung an Frauen und Kindern?' referierte, zur Auf- nähme in den Wahlvercin. Potsdam. Der schlichte Mann auS der Werkstatt, der Abg. Pauli soll nach einer Erklärung deö dortigen konservativen Führer? mandatsmüde sein. In den nächsten Wochen wird sich eine besondere Vertrauens- männerversammlung mit der Kandidatenfrage beschästigen; vielleicht ist bis dahin Herr Pauli schon wieder anderen Sinnes geworden. In konservativen Kreisen befürchtet man allerdings, daß Herr Pauli nach seiner bisherigen Tätigkeit und dem Verhalten der konservativen Partei immer weniger Anhänger finden wird. Mit einem politischen unbekanten Neuling, svon der Marke„national, aber parteilos, glaubt man wieder den Kreis zu erobern. Denn nach dem Bericht der konservativen Vertrauensmänner geben sie selbst zu, daß„wegen Ablehnung der Erbschaftssteuer eine große Mißstimmung gegen die Konservativen im Wohlkreise bestanden habe, die jetzt aber wieder voll st än big verschwunden sei". Jedenfalls entfalten aber die Konservativen jetzt schon eine sehr rührige Propaganda zur Reichstagswahl. Im Gefängnis erhängt In einer Zelle deZ neuen Potsdamer GerichtSgefängniffes hat sich gestern ein UntersiichungSgefangener, ein Ziegeleiarbeiler auS Glindow, der wegen Sittlichkeitsverbrechens verhaftet worden war, mit seinem Halstuch erhängt. ES ist dies der zweite Fall in diesem Jahre. Jnizendveranstaltungen. Schöneberg. Freitag, den 24. Juni, abends 8'/, Uhr, findet bei Poschman», Vosbergslr. 8, ein Vortragsabend statt. Genosse Schenk rejeriert über die Entstehung der Handwerkszeug«. __ Der JugendauSfchuß. Gmcbtö- Zeitung* Abermals ein verständiges Urteil. Der Arbeiter sekretär Richard Schmidt hatte am 7. März d. I. in der Limmerstraße in Linden in einem Demonstrantcnzuge, der einer voraufgegangenen Protest- Versammlung gegen das bestehende Landtagswahlrecht folgte, Hochrufe auf das allgemeine direkte und geheime Wahlrecht ausgebracht. Nach der Bekundung des Schutzmanns Köhler ist bei Ausbringung der Hochrufe das Publikum unruhig geworden; aus den Häusern sind auch EntAistungsrufc laut geworden. Der Beamte konnte aber nicht bekunden, daß die Hochrufe eine Stockung des Verkehrs herbeigeführt haben. Das Schöffengericht zu Sa n n o v e r folgte am Sonnabend den Ausführungen des erteidigers, Justizrat Lenzberg, und erkannte auf kostenlose Freisprechung des Angeklagten, der be- schultzigt war, sich des groben Unfugs nach 2ßO II Str.-G.-V. schuldig gemacht zu haben. Er führte u. a. auS: Bei Beurteilung der zur Anklage stehenden Straftat habe ausscheiden müssen, was das Publikum nach Ausbringung der Hochrufe getan habe. Man könne zweifellos sagen, die moralische Ver- antivortung dafür habe der Angeklagte zu tragen, aber eine strafrechtliche Verantwortung sei ihm nicht zur Last zu legen. Durch die Hochrufe sei der äußere Bestand der öffentlichen Ordnung an und für sich nicht zu gefährden, eS sei denn, daß in der Menge dadurch eine Stockung des ruhigen Abfluffes des Verkehrs hervorgerufen würde."Das Geräusch der Hoch- rufe habe aber eine solche Stockung nicht" hervorgebracht. Bluthunde. Den Ausruf„Bluthunde" will der Schutzmann Kestin in Be- ziehung aus Schutzleute in der Nacht zum 16. März gehört haben. Den Ruf soll der Klempner Carl Arnold aus Südcnde gebraucht haben. Der Angeklagte bestritt, den Ausdruck gebraucht zu haben. Das Schöffengericht(Abteilung 129, AmtSgerichtSrat Fiedler) per- urteilte den unbescholtenen Mann jedoch zu einer Woche Gefängnis. Gestern stand vor der 8. Strafkammer Bcrufungstermin an. Der Rechtsanwalt Dr. Heinemann plädierte auf Freisprechung, da die Belastung des einzigen Belastungszeugen zur Untersuchung nicht ausreiche, eventuell sei eine geringe Geldstrafe am Platz. Die Strafkammer erkannte auf 30 M. Geldstrafe. Ein an Mord grenzender Totschlag. Der 26jährige Schlächtergeselle Paul Michler hatte sich gestern wegen Totschlags vor dem Schwurgericht des Landgerichts I unter Vorsitz des LandgcrichtSdireitors Gockel zu verantworten. Das Verfahren mar ursprünglich auf Mord gerichtet, die Anklage lautete aber nur auf Totschlag. Der Angellagte unterhielt seit mehreren Monaten ein Liebesverhältnis mit dem 13jährigen Dienstmädchen Frieda Goetzc. Im August hatten sie sich beide verlobt, anfangs diese» Jahres aber wurde da» gegenseitige Verlöbnis getrübt, nach- dem das Mädchen erfahren hatte, daß der Angeklagte wegen Teil- nähme an einer Schlägerei von dem Gericht zu Glogau zu 5 Monaten und 1 Woche Gefängnis verurteilt worden war. Zu Ostern hatten beide die letzte Zusammentunft. Am 2. April schickte das Mädchen, welches in der Kolonie Grunewald in der Hubertus- all« bei der Familie eines Rentiers in Stellung war. dem Angc- klagten den Ring und seine Geschenke zurück und ersuchte ihn um Rücksendung ihrer Geschenke und Briefe. Am 5. April abends erschien der Angeklagte im Grunewald vor der Wohnung der Goetze, die sich allein zu Hause befand, da ihre Herrschaft zur Beikvohnung eines Vortrages ausgegangen mar. In der Wohnung lehnte die Goetze eine Werbung des Angeklagten um Wiederauf- nähme des Verkehrs mit ihm ab. Der Angeklagte hatte plötzlich ein Meßer, einen sogenannten Nicker, in'der Hand und versetzte dem Mädchen einen Stich in die Schultergegend. Als die Goetze zur Abwehr den Arm hob und entsetzt ausrief:„Paul,'was machst Du denn?" stieß der Angeklagte in blinder Wut weiter auf sie ein und brachte ihr acht Stichwunden bei, darunter eine sehr gefährliche unterhalb der linken Brust. Während sich das Mädchen in die Wohnung schleppte, ergriff Michler die Flucht. Die«chwerver- letzte wurde nach dem'Krankenhaus Westend gebracht. Dort ist sie nach wenigen Tagen ilzren Verletzungen erlegen. Der Angc- klagte ist nach der Tat einen ganzen Tag ruhelos im Grunewald umhergeirrt und'hat sich am 6. April nachmittags der Polizei selbst gestellt.— Die Geschworenen sprachen dem Angeklagten des Totschlags schuldig und versagten ihm mildernde Umstände� Tas Urteil des Gerichts lautete, entsprechend dem Antrage'des Staats- anwalts, auf 6 Jahre Zuchthaus. Unzüchtige Postkarten, die eigentlich nicht unzüchtig sind. Ein bemerkenswertes Urteil hat am 11. Februar das Land» gericht Hamburg gegen den Zigarrenhändler M. und den Ansichts- tartcnhändlcr I. gefällt I. hat an M. Ansichtskarten geliefert und dieser hat sie feilgehalten und verkauft. Die�Karten ent» halten nackte Körper, sind aber mit einem roten Streifen um- klebt, auf welchem folgender Text zu lesen ist:„Der rote Streifen so manches verhüllt,— Entferne ihn, so siehst Du das ganze Bild!" und:„Mach die Augen zu, mach die Augen zu. Du bist noch viel zu jung dazu!" Entfernt man dann den roten Streifen, so sieht man ein durchaus harmloses Bild, und es zeigt sich, daß der Käufer oder Empfänger in gewissem Sinne geprellt ist. Das Land- gericht hat aber die Karte mit Streifen als ein Ganzes angesehen und für unzüchtig erklärt. Nicht die bildliche Darstellung allein ist maßgebend, so heißt es in der Begründung, sondern es kommt auf den Eindruck an, den die Karten auf das Publikum machen, was sie als Sinn der Abbildung erkennen laffen. Erwecken schon die roten Streifen den Eindruck, daß unter ihnen der unverhüllte Geschlechtsteil zu sehen ist. so wird dieser Eindruck noch erhöbt durch den Hinweis:„Nur für Damen!",„Nur für Herren!" und die(oben erwähnte) Aufschrift. Mit Rücksicht darauf ist das Ge- samtbild als unzüchtig anzusehen. Hieran wird dadurch nichts geändert, daß es sich nur um Scherzkarten handelt; es genügt, daß sie vorübergehend die Eigenschaft haben, einen GeschlechtSreiz aus- zuüben.— Die Revision der Angeklagten wurde am Montag vom Reichsgericht verworfen. Das Urteil enthält, wie unS scheint, eine bedenkliche Ucbel» spannung deö Begriffes„unzüchtig" und eine ungerechtfertigte Voreingenommenheit gegen einen, wenn auch plumpen Scherz. ßnefkarten der Redahtiosi. Sic inrinifdif etirrftiftnnvc iliivci S i n V cnfir a ftc ffr.«». vorn vier Tredpcn— g a d r fi II b l—, tuDituniäniiit von?>/, bis O'/s Nl» abenve. Somtabciiv? von C bis 7'/, Nl»'.inchmiiiags fmn. Jeder Antra«- ift «M Buchpavc iiud eine Aobl als a) e s I ü q e I' Zufuhr in Gänsen reichlich, sonst knapp, Beschält rege, Preise befriedigend. Fisch«: Znsuhr mägig, Geichäst ruhig, Preis« wenig verändert. Bull er und Käse: Geschäft ruhig, Preise unverändert. Gemüse, Obfi und S ü d s r ü ch t«: Zntuhr in Obst genügend, in Gemüse vielfach ungenügend. Geschäft schleppend, Preise fast unverändert. Zvitternngsiiberücilt vom 22, Juni 1910, morgens 8 ltbr. Gtatwnen Jnmöurg Wien Stationen CS II h iz ss L Havaranda 763 N Petersburg 75öN Seilt» 758® Aberdea, j 756 NNW Paris 760 SO Vetter ** e* tt 2 Regen> 2 halb bd.' 3 wollig 1 bed-cki 2 bedeckt> 9 7 14 14 18 «Settervrognoie-ür Donnerstag, den SS. Juni 1910. Veränderlich, vielfach wollig mit etwas Regen und Gewitteriiei> zunächst noch warm, später geringe Abkühlung bei mäjfigen südtue' Winden. Berliner Wetterburea ichen BSassrrftaiivs.Staitzrtäitrn der LandeSanstall für Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berliner Setterbureau. Wasserstand M e m e l, Tilft« P c e g e l, Jniterburg Weichsel, Tboru Oder, Ralibor . Krosseu , Frankiurt Warthe, Schrtinm , Landsberg Netze, Vordamm Elb», Leitmeritz , DreSdeu , Bardo , Magdeburg 21. 6'20. 6. am am') 53 -40 —8 142 100 113 —34 —46 —28 68 -30 180 118 —5 +6 +4 0 +2 —4 0 —5 0 —SS 0 -1 —8 Wasserstand Saat«, Grochlitz Havel, Spandau') , Ratbenowl Spree, Svremberg') , Beeslow Leser, Münden , Minden Rhein, MaximilumSau , Kaub Köln R« ck a r, Hefibron» Main, Werlheim Mosel. Trier am 2l. 6. om 145 32 30 88 72 -71 14 710 504 467 160 161 seit 20. 6. cm1) —23 0 +2 —34 +33 +34 —38 —9 ')+ bedeutet Wuchs,— galt, llnterpegel. Theater und Vergnügungen Donnerstag, den 23. Juni. Ansang 7 Uhr. Rcncs königl. Opero-Theater. Die Walküre. Aniang 8 Ubr. Deutsches. lieber unsere Kraft. K a ui m e r s p i e I e. LicbeSwalzer. Lesfiug. Kascrncnlust. Komische Oper. Der Regiments- Papa. Neues Ichanspirlhnns. Der Flieger. Kleines. Rur ein Traum.(Ansang '/-S Uhr.) Berliner. Taifun. Neues. Die goldene Rüterzeit. Neues Operetten. Der Gras von Luxemburg. Thalia. CharlcyS Tante. Hebbel. Der fremde Blick. Koketterie. (Ansang 8'/, Uhr.) Schiller>»«VaUner. Theater.) Die Dollarprinzessin. Sch'Ue,(khartotlenburg. Die Katakomben. flrievrich: S�ilbelmstädtisches. Sberlock Holmes. Bolksoper."Der Herr Verteidiger. (Ansang S'l, Uhr.) lltoir Wach- mid Schließgesellschast. LustsPielliauS. Das LeuMantS- mündet. Metronot. Halloh II— Die große Revue. Folies tkapriee. Pariser Ehen. Das Versöhnungsjest.(Ansang S-/. Uhr) Apollo. Zvezlalitäten. Patiage. Spezialitäten. Sicichslialle«. ivteitiner Sänger. Wathalla. Sbezialitäten Prater. Im Reiche des MarS. Urania. Tiinneniirahe ttt/ttt. Abends 8 Uhr: In den Dolomiten. Strruinnrte, Auoulidenstr. k>7— 62. Lessing-Theater. Täglich 8 Uhr: Kasernenluft. Berliner Theater. Heute 8 Uhr: TsikUN. Morgen: TailniK_ Neues Theater. Heut« abends 8 Uhr: Die goldene Ritterzeit, Morgen Freitag neuciiistudiert: Friedricti-Wilhelmstädtiscties Schauspielhaus. Heute, den 23. Juni, abend» 8 Uhr: Sherlock Holmes. Detektivkomödic in i Akten von Ferd. Bonn. Morgen und folgende Tage: Sherlock HolmeS._ Kenes Operettcn-Thentep. Heule und folgende Tage 8 Uhr: Der Graf von Luxemburg. Sonntag nachmittag 3 Uhr zu er- mäßigt. Preisen: Die Do I larprlnzwlit. Lustspielhaus. Abend» 9 Uhr: Das Leutnantsmündel osc-m/nc (ÄroBt Franlsurter Sir. 132. Wacii-u.SchIieBgesellschalt j Schwant in 3 Akten von Manz 1— und Winter. Ans.« Uhr. Ende>,,tt Uhr. Aus der Gartenbühnc: Theater, Borftellung. Spezialitaten. Gr. Kouzert.(NeueSProgr.) Ans. 4U,Uhr. Abends 8 Uhr. Nur noch einig-Tage! Das sensationelle Juni- Progrannn. Novität! llenet peeeinae veeieursllt. Einzig dastehend I Katze, Kanarienvogel und MauS. Nenn): de Vpjtb Ideal- Schönheiten mit dem Entwurf z. Hcinrich-Heine- Denkmal. 9'/, Uhr: Die ivelt- berühmte Schimpaniin als Uiiivcrsal-Künstlerin und weitere 8 große Attrakttone«. U Tortajada in ihrer neuesten Schöpfung: „ Abenteuer eine» Toreros". Käutoaiiüs Laily Cyele Troupe Amann Mimiker and Cbarakterietiker und eine Kette hervorragender Kunstkräfte, GrTBerier Konstaiisstellig 1810 30. April bis Ä. Oktober. Im Part täglich Doppel. Konzert. Eintritt: 10-6 Uhr l M.. v. 6 Uhr ab Sil Pf-, Sonntag» so Pf. Dauert 6 M. Urania. Wissenschaftliches Theater Taubenstr. 48/49. Heute Donnerstag 8 Uhr: In den Dolomiten. Metropol-Theater Halio!!! Die große Revue! In 8 Bildern von Jul. Freund. Musik v. Paul Linoko. In Szene gesetzt vom Dir. Kioh. Schultz. Anfang 8 Uhr. Rauchen gestattet. Passage-Theater. Abends 8 Uhr: Tartakoff Blädel vMrThe Kayions W Zezelarette und das große Varietd-Programm. I Passage-Panoptikum. m Prinz Atom der kleinste Mensch, der je gelebt. Buddhas Tafel weiß, kann, schreibt nllc.! Alles ohne Extra-Entree! Eintritt 50, Kinder, Soldaten 25 Pf ' | Castans Panoptikum ' Friedriohstr. 165(Pschorrpal.) Geöffnet von 9 Uhr früh bis 10 Uhr abds. Der Hann mit der etseroen Zange. [ X Täglich VI, Uhr abends X Sonntags 4 Uhr: Heitere Vortrttgre. Folies Caprice Anfang S'/i Uhr. panfer Ehen. Der Htblet. Die keusche Coinette. Das Verlöhnungsfest. und Festsäle. Inh.; Rudolf KrUger. Hasenheide 13/15, vis-ä-vis v.Xurnpl. TUglieh: Große teter- 11 Walter Grävenitz, Max Wolfiheim. Jeden Donnerstag; Elite-Tag! Anfang: Woehent. 6Uhr, Sonnt.'/.fi Uhr. Artist. Leitung; Kapellmeister: Schweizer- riQPtlin Am Kän'B8'»1,— Uni IBll Am Frledrichshaln. Täglich: Theater- und Spezlani.-Vorslellung JÄuhr:d?rinz Pinne. Gr. Ausstatt.-Oper. m Ballett. Mittwoch: Kinderfest. Volksbelustigungen. Tanz. Anfang 5 Uhr. Entree 80 Pf. Burgthsater-Kinematograph norm, Groterjan, Jnhab.: Rud. Merz, Schöiihauser Allee 119. Tel 3, 9358. Lebende Photographien. Wochent. 39 n. 40 PI. Anfang 7 Uhr. «onnt. 30, 48 u. 68 Pf. Ani.E UHr. Varzugrkaaten nur Wocheniags gültig. SS Pf. aus allen Plätzen. Stets wechselndes Programm. Jeden Sonntag im Obersaal: AM" künstler-iion/ert. im Eniree 15 Pf. Garderobe 1« Pf. R. d. Konzert: Familien-Kränzclien. Vereins-Brauerei RUdorf, Hermannstr. 214/219. Oekonom: Max Wendt. Täglich:-Wl Gr. Militär-Konzert. Ansang wochentags 7 Uhr. . Sonntags 4 Uhr. Schiller-Theater 0.(Wallncr-THeat.) <-!<»tt«eileid-ttpet-. Donnerstag, abends 8 Uhr: Nie Itoliui-prinzcssiii!. Operette in 3 Auszügen von Willner u. Grilnbaum. Musik von Leo Fall. Ende IWU Uhr. Freitag, abends 8 Uhr: Die D«liax-pl'inse»«iu. Sonnabend, a b e n d s 8 U hr: iker WaffetiaehiHied. Theater. Schillor-Tiieatcr(Charlottenburg). Donnerstag, abends 8 Uhr: Vi« lEatairoiiüktMi. Lustspiel in 4 Alten von Gustav Davis. Ende 10'/, Uhr. Freitag, abends 8 Uhr: Di« Katakomben. Sonnabend, abends 3 Uhr: Dez- Ribllotliekar. Allgemeine Städtehao-Aussteüung Auf vielaeitigon Wunsch wird die Ausstellung verlängert. ScSilufil 26. JsjnI. Bisheriger Besuch! 60860 Personen. •rk». K Abfahrtetelle ScblSiingsbrüclke am Schlestsdieu Bahnhof. Morgen, Freitag früh Uhr mit Mann Musik Mnaa m füiä Sl En S e» Die uicr größten Salon-Doppel eil© ei IS B1 8 0. Sch"a>che»-Dampser. nach Daselbst: GrosteS Garten- Konzert und Bast Hierzu ladet ergebenst ein �[591 OS] Zur Feier des 2ojähngen Bestehens® am 26. Juni 1910 i Hin und jitritck 50 Pf. Thormann. yoUiuiiclie Turnfeste auf den vier Vereins-Turnplätzen l | Treptow(hinter dem Bahnhof v. Siemens& Halske) ® Lichtenberg(Dietz' Seeterrasse, Röderstr. 11/13) :::::: Pankow(Mendelsstraße 11):::: Moabit(Jungfernheide, Restaurant„Waldkater") P R 0 Q R A M M: Konzert, Volkstilml. Turnen, Spiele, Turn. Aufführungen - Äüoemeine und Kindorspioie usw.- Anfang 2 Uhr Eintritt 10 Pf. Der Ueberschuß wird zum Besten Turnstättenfonds verwandt des NB. Die®' Se«te>T»sse Spezialitäten, Feuerwerk usw. � hier der Eintritt SO Pf. stobt mit seinen sämtlichen zur Vorfügung und beträgt 287/1 Brauerei FriedriGiishain Am Kttnigntor.=== Täglich.- Große MilitärsKonzerte. Jeden Dienstag nachmittags 3—6 Uhr: Frei s Vorstellung der beliebten Apollo-�ängi'er. UlNA- PARK lenra.9$en zu Größter Vergnügungspark dos Kontinents. Täglich geöffnet: Terrassen ab t Uhr, Lunapark ab 3 Uhr. Neu! Sclmu-Taiizsaal. Mon Pläsier-Lachhaus Achtnne:■ Diez' nur Achtung! Seeterrasse Siehtenberg KöclerstraBe 11/13. Zwischen Landsberger Allee und Röderplatz, Gröf-teS uttb schönstes Lokal Berlins. Bei ungünstiger Witterung JÄT"»"W* Schutz für 8000 Personen.—*fcUylUi|. Ob schön! cb Regen: Cwl*. UtkOHZClTt. Austreten der besten Tnranseilkiinstler v-r W-» Tbe Liepens sowie der neuesten und gröSten Sensationen der Gegenwart: 01« Reise um die Crde in 1 Sekunde: mit dein Fahrrad in«l«n!»>««. 3 Cef», die hhänomcmiteii Exentric-Cascadeure? Die fünf Sinne? Vorzüglicher automatischer Scherz.— Marga Harlcssy, brillanter Miisikal-TranSsormationsatt.— Mll. Maxims, hervoiragende BurleSguc« Pantomime-Duett. Kli-Itl.— J�copoltl Honmcc, Original-Humorist mit ihren wunderbaren altnellen poliiisch-salyrischen Schlager» und daS Wx- neue beste Programm Berlins. MO Jeden Sonntag: NI«�«n.I�a»ck- unck Warnet»* C UtJ* W t? J. 1A. Anfang 3 Uhr. Wochentags 4 Uhr. Gcsamtcintritt 20 Pf. Kinder frei. »ivn uiro grooien oonbctcionun orr mc�rntuaLi. uie nei«e S'altgiiiaiiulc u.lO illflct Wc „Fharus-Sofflffler-Theater Besitzer: M a x L u d w i g. Art. Leitung:Max Beinhart Berlin H., Jlüllerstr. 143. Täglich: Im herrlichen Naturgarten Bei Bogen im Theatersaal! Konzert sSpeziaiitäSen-Vorsteilung 20 Künstler-Attraktionen. Stets wechselndes Familien-Prosramm. AuSerdem jeden Freitag: Die beliebten ApoIloaSänger. Anfang Sonntags 4 Uhr. Wochentags 6 Uhr. Alt»oablt 47/40. Täglich: Konzerl, Theater, Spezialitäten. p® UrunncnstraBe 10. Taglich: jiasvöIlsM|iBeBePpopiBi| 1-m grolleo Carlen»der j im prächtigcr.yjjßafßf Sag| j |je nach der Witterung. '1q w.| Eintritt fuhhnanns Theater SchSnh. A. 148— Kae(anlen-A. 87/89. Abends 7 Uhr: Ob schön! Täglich: Ob Ziegen/ Theater, Konzert, Spezialitäten. ul�VasFtstdtrfiaudmrdtr Kemischc« Gemälde a. d. Volksleben. >/.6 Uhr: Schnclilep Flpi». Ansang l/a 5 Uhr. Entree 20 Pf. Freitag: 1. gr. Kinder-Freudenfest. Sonnabend: Ein gesunder Junge. ZUM- Prämiierung der schlanlslen Dnineiitaille und des dlcksien Herrn. om See und Badadot Stralau-Rammeltburg. Täglich: O« Spezialitäten U Theater, Konzert, V ol gt-Theater Gesundbrunnen Badstr. 58. Heute DenncrSing. abends lLi Uhr: Hebern grofien Teteia. Är. Lebensbild mit Ges. und Tanz in 4 Abteilungen von Adolf Phillipp. DaS neue sensalionelle Vrogiainin> _tfr Erstklassige Spezialilätcn-Mtzl Kassenerössnung 2 Uhr. Ans. 4'/, Uhr. und viele andere Attraktionen. RehMaZIen-Tliealsr. Stettiner SBnger Zum Schluß: Künstler b. Lnudstrnßc. Urf. Burleske»onMeysol. wochentags S Uhr. Sonntags 7 Uhr. VolksKarten- Theater früher Welmnnn. Badstr. 8. Bclim- u. Bellermamishaße. Täglich: Konzert-, Theater- und 3(1 Posse mit Gesang u. Tanz in 4 Bild. Jed. Donnerst.: Gr. Rrtlient-Feuerw. K8nigfttn«lt-K.aAino. Holzmarttstr. 27, Ecke Ale�anderstr. (Inhaber: Ma» Sohindelhaiier.) Im herrlichen Nsfarnarlen täglich: U. a.: Else WulfenTo, Soubrette. Raul Mattlnett, Bauchredner. Emmy und August Cleeer, das klcinste Duettlstenpaar der Welt. Ans. Wochent. VI* Sonnt. 5 Uhr. Kttlilltl Praw-Thtattr Kastanienallee 7—8. smr Täglich:-ma SmIteichetasSttars Spezialitiitcn. Konzert u. Ball. Anfang 4',, Uhr. Entree 80 Pf. �ussteüunF fürSauiBilDStrien-FtlDkerafflik unmittelbar am Bahnhof Baumscbulcmweg. Gute Fnhrverbindung durch Stadtbahn, Straßenbahn. Donnerstag, den 23. Juni: Jubiläumsfeier der Erfindung des Porzellans. Um 6 Uhr im großen Festsaal: Lichtbildervortrag des Horm Geheimen Kegierungsrat Prof. Hoinecke, Direktor der Königl. Porzellan- Manufaktur, Berlin, über: , Porzellan mit besonderer Berücksichtigung des Er- flndungstflgos-1. Zur gefh Beachtung: Die Ausstellung umfaßt u. a.: Baustoffe, Tonziegel in ihrer Verwendung, Bauton-akotten, Verblendziegel. Fußboden- platten, Wandbekleidungs- ilioscn. Schamotte, feuerfeste und säurefeste Materialien, Kachelöfen und Herde, Badewannen und Spülwannen, Klosettartikel sowie sonstige Steingut- uiidSteinzcugartikel, Porzellan. Töpferwaren(die Herstellung wird vorgeführt), Dachbodecknngsmntonalien, Wand- und Dockenkonstruk- tion, Erzeugnisse der Zement-, Beton- und Kunststein- Industrie. Erzeugnisse der Kalk- Industrie(Bausteine, Putzflächen usw.) sowie der Kalksandstein-Industrie, Erzeugnisse der Gips- Industrie. Einrichtungen für Unfali- verhütvmg, Oewerbebygiene und Arbeiterwohlfahrt. Gilltritt 1 Marf. von abends 6 Uhr ab 50 Pf., Kinder unier zehn Jahren die Hälsie. �ussteiiunxsDahe sm Zoo. TllgUch»/,» Uhr: Sumuruti. i Welnbergeweg fl-Si. ßotor.ih.Tar; Abends 8 Uhr: !>lc Beeile im 10 cnMchcn. I I Trag. Pant. und die übrigen I Spezialltätea. -Victoria-> Brauerei, LDtzewef. m/m Im Garten oder Saal: Täglich v»-. kmmai-lat. Solree. (GrsangSvorträge, Theater und Barietä-Vorstellungen.) Sonntag», Dienstag», Donnerst. »nd Sonnabend»: T-inzkränzchen. Ans.: Wochentags 8, Sonntags 7 Uhr.— Alle Bon» güllig. Jin Nestanr.: MitiagStisch 75 Ps. Gr. u. ll. Säle zu Festlichkeiten aller Art. Man Saogor. ..... i-.......—— Gartenstadt iHnirf (MordbaJin) Wald, Wasser, Arzt, Gas, j Wasserl eit.,*Sohulon etc. Am Sohiitxc.n-' hau« herrliche, Bo ch wnld-, Kmnd- t.nusfellcn. nRatel 5Ä Bark an! 10°/, An-| Zahlung. Tilgung des! Bestes in lOjährl. Baten.| Sommer• FerienbSuser 800 Mark an. Tllustr. Broschüre gratis! Wolienberg,®�� Neue KSnlgstraße 71. Femspr. 7, 3038. HiMtdnn den 28. luni, abends JmIIUUIIJ, j,j, Gkiverbschaftshanst: �/2 General- Versammlung. Tages-Ordnung: !. Tiie Steuervorlage des Berliner Magistrats(LuftbarkeitS- NNd Billett slcuer)> Referent: ReichstagSabgeordnetcr Dr Südekum. 2. Geschäfts, und Kassenbericht des Vorstandes, Bericht der Nevi» foren.®i8fufjion.— 3. Reuwablen des Vorstandes, des Ausschusses, der Revisoren und der Obleute der Ordner lÄT" Der gedruckte Geschäftsbericht wird in der Generalversammlung nlt. Zutritt haben nur Mitglieder des Vereins gegen Vorzeigung ihrer verteil Mitgliedskarte. 241/4 Morgen, Freitag, den 21. Jnni. S'/a Uhr im Gewerkschafts bause: Ordner-Kihung Ter Vorstand. F. A.: G. Ä in kl er. P *=�1= I" Deutsche Dampffischerei- Gesellschaft„Nordsee" Größte ßoetiseefisciierei Deutseiilaoils. Hauptgesehäit: Berlin C,. Verknnfsstellen In C: Bahnhof Börse. Bog. 8— 10. N; Invalidenstr. 131. NO: Landsberger Str. 52/53. 0: Große Frankfurter Str. 85. 0: Madaistraße Bogen 8— 9, Fruchtstraße gegenüber. S; Prinzenstr. 94, I! Tel. Amt III 2804, 2784. allen Stadtteilen: Cliarlottenhurg: Wilmers- dorfer Straße III. Augsburger Str. 18. Schöneberg; Äkazienstr. 31. Sieglitz: Schloßstr. 121. Zehlendorf: C. Schön, Grunewald- Allee 2, Fernsprecher 1179. WelBensee: Langhansstr. 141 föglieli große Ztifolir leltentlfriselier Seeliscliel je -JL -js: An diesem Schild sind die Läden erkennbar, /Hnatergfiltiff fn Konntrnktlon und Anaföhrnng, gleich vorziiglicb für Uanngebranch n. Industrie. Singer Co. Nähmaschinen Act. Ges. IBERI/IK. BelpKleer Straße 93. i— Läden in den verschiedenen Stadtteilen. I< in denen SINGER Nähmaschinen verkauft werden. Oeüerail zu husen». 18 ZO Pfj. F.bri* Ladszjmtkl d Co. Beitio NO. 3.(Solöfarb ssrmssSbirsMt a■ a• a gegründet 1839.«»•■»•«» Take russe b priser. soiit de Kowno. □'[>o4>o-n�i>a-n-a'n'PocK>g'Q Prawdziwa tabaka do zaiywanla„Kownoer. y □.□•a-a-o-a-a-a-D-C'�KJ-a-cKa-a-a-ö Jedes Wort 10 Pfennig. Das erste Wort(fettgedruckt) 20 Pfg. Stellengesuche und Schlafstellen- Anzeigen 3 Plg.; das erste Wort (fettgedruckt) 10 Pfg. Worte mit mehr als IS Buchstaben zählen doppelt. Kleine Anzeigen ANZEIGEN für die nächste Nummer werden In den Annahmestellen für Berlin bis I Uhr, für die Vororte bis 12 Uhr, in der Haupt-Expedition, Llndcnstrasse 69, bis 5 Uhr angenommen. fwwiituPiniirHWPsyn wb— Hgt>g— es Zleppiche(seblerhaste) Gelegen heitSkans. FabnNager Mauerboss, Grohe Franksurlerslraße 9, Flurein- gang. VorwärtSlesern S Prozent Ertrarabatf. Lonnlags geöffnet� M Fabrik Große Flureingang. Steppdecken billigst Franfsurlerstraße 9, Gardiiirnhaiis. Groge Frank. surterilraße 9, Fwreingang. � 249151' Vorwnrtslesererbalien ausnahms- weise diese Woche 10 Prozem E�tra. rabatt selbst bei GelegenbeitSkäuien. Zeppich- Thomas, Oranienstrage 150. Oranienvlay._ 39451 Masiaiiznge. Tuche. Knaben anzüge 1,50. Herrenanzüge 9,50. Paletots 12.00. Monteurjacke 1.00. Mechanikerkiltel 2.00. Zwanglose Be. sichtigung. Vcrkans an Private. Tuchgesellschast Kottbnscrdamm 15/17 Pfandleil>hans51rebber. 51üstriner> plab 7, spottbilliger Beltenverkaui, Gardincliverkaus, Wäschevcrkaus, Ubrenverkaiis, Deckenverkaus, Schmuck. Iachen. Goldlachen, Silbersachcn. oer- allcne Pfänder._ 249251 Teppiche!(seblerhaste) in allen Größen für die Halste des Wertes Teppichlager Brunn, Hackischer Markt 4, Bahnboi Börse.(Leser des „Vorwärts' erhalten 5 Prozent Rabatt.) Sonntags geöffnet!' Verbrechrn und Prostitution als soziale 51rankbcitSersche!Nungen von Paul Hirsch. Preis 2,— Mark, geb. 2,50 Mark. Expedition Vorwärts, Ijindcnslraße 69. HermaniiPlaN 6. Allerbilligste Psändcrverkäuie. SommerpaletotS. Jackettanzöge. Gebrockanzüge. Herren- holen. Exti abilliger Belienverkaus. VermiewngSbett. Brautbctten. Aus« steucrsachen. WäscheauewahL Gar- dinenauswabl l Teppichauswahl I Plüschtiichdccken. Sleppdecken. Wand- uhren. Tascheinibrcn. Goldsachen. GroßberlinS allerbllligstcr Waren- verkaies im Psandleihhaus Hermann- platz 5. Auch Sonntags geössnct.' Vorjährige eieganteHerrenanzuge und Paletots aus feinsten Matzstossen 20— 40 Mark. VeriandhauS Germania. Unter den Linden 21._ 2625b» Billige Hoienroochc. Hocheteganle Herrenboien aus iciniten Mahitofien ?—lö Mark, Tennishosen. VeriandhauS Germania, Unter den Linden 21. Durch Rauch und Staub beichä- digte Gardinen, Stores, Tällbettdecken, Fabrilreste, t.75. 2.25,2 85, 3.75, 4.85, 5.50, 6.75 usw. Schuhwaren. Elegante Damen- stieset, braun 7,50, schwarz 6.—, Rosenthalerstraße 33, Engrosgeschäst. Geb rauchte Näßmaschinen billig Bellmann, Gollnowslraße 26. 327K» Zinkwaschfässer. Zober, Sitz- wannen, Badewannen. Spezialsabrik Wienerstraße 12. Lesern 5 Proz.__* GaSfocherhanti! Geschlossene Zweilochgastocherl 5,00, Vierlochgas- focherl 9,00. Gasbügelapparat I GaS- plätteiscn! Gasbronzekronenl Gas- zuglampenl GeschästSverlaus spott- billig I Wohlauer, Wallnerthealcr- ftrape 32._ 90751* Sozialreform oder Rcvolulion. von Rosa Luxemburg. Zweite durch, gesehene und ergänzte Auslage. Preis 60 Ps. Expedition Vorwärts, Linden- ftraße 69. ErbStüllstoreS und Betidecken, 3.45, 3.85, 4 75, 5.75. 6.50 usw. E. WeitzenbergS GardincnbanS, Große Franksnrlerstraße 125, im Hause der Möbelfabrik.__ �Tuch- und Plüschdecken 1.25, 1.75, 2.50, 3.85, 4.75, 6.50, 8.75 biS 30 Mark._ Plüsch- und Tuchportieren 1.25, 2.85, 4,85, 6 35, 7.85 usw. Große Frankfurterstraße 125. Äbsallteppiche 3.35, 4.75, 5.50 usw.__ Plüscht eppiche mit steinen Fehlern, in allen Größen, 6.75, 8.25, 9.85, 11.50, 13.50 biS 60 Mark. Große Fianstmlerstraße 125, im Hause der Möbelfabrik. Sport- und Lammwolldecken 1.65, 2 50, 3.25, 4.50, 5.25, 6.75 biS 20 Möbelftoff-, Läufer- und Lino- leumieste spotlb illig. E. WeißenbergS Teppich bans, Große Franksurter- strnße 125. 911.(1* Taschenbuch für Gartenfreunde. Ein Raigeber für die Pflege und sachgemäße Bewmlchastimg des häuS- lichen Zier-, Gemüse- und Obst- gartens von Max Hesdörser. Zweite vermehrte Auflage. Mit 137 Text- abbildungen. Preis 3,50 Mark. Expe- dition Vorwärts. Lindenstr. 69. Kinderivagcn, Gummi, verknust Adler, Rixdors, Warthestraße 69, Quer- gcbäudc L___ tlQ9 Kinderwagen, Klappsportwagen, Kinderbetlsleve, cnonn billig. Musler- fachen zu Fabrikpreisen. Exerzier« ftraße 5, Engroslager._ t97* Kinderwagen verkaust Portier, Gischiuetslraße 89._ 2646b Kinderwa gen, Kummiräder. neu 20.00 Andreasstraße �9_ 951 K Leihhaus Moritzplatz 58a, kaufen Sie ipoltbillig versallenc Anzüge, Paletots, von Kavalieren wenig gc- tragen, teils aus Seide, von 7—19 Mark, hochelegant. Große Posten verfallener Uhren, Ketten, Ringe, Vellen. Wäsche, Teppiche, Gardinen usw. zu spottbilligen Preisen. Fahr- gelb wird vergütet. Nur Leihhaus Moribplntz 58a. Jnbaber Goldmann. Stöffc-ltuSverlaus wcgcn� Zlusgabe der Verkaussräume Roß- ftraße 2_ Anzugstosfe, jede Preislage, Meter 3, 4, 5 Mark, Paletotstoffe, enorm billig, Meter 5. 6, 7 Mark,_ Kostümstoffe, Meter 1, 2, 3 Mark, Damentucho, Meter 2, 2,50 Mark. Koch tt. Seeland._ 96 1K Tnllbcttdecken. volle Bettgröße 2,50, in Erbsiüll 6,35, Tüllstores 1,85, ErbslüllstoreS 4,35 Teppich- hauS Emil Lessvre, Oranien- straße 158._ 59711* Liktauers Näbmaichinen ohne An- zablung. gebrauchte spottbillig, Ska- litzerstraß e 99, Warschauernraze 61. ZnchfhauS, Acht Jabre. Lebens- erinnerungen von Sepp Oerler. Hochinteressant. Preis 1 Mark. Zu beziehen Buchhandlung Vorwärts.' 17a Lüster-Jacketts von 2—15 Mark liegen billig zum Verkauf bei Hermann Schlesinger. Turmftraße 58 und Relnickendorserstraße 43. S23K' Qescliäftsverkäufe. Zigarrengeschäft mit Einrichtung, Küche 37,—, guler Nebenerwerb. Bou- gegend. Lichlenberg, Oderstraße 27a. Zigarren geschäft mit Wohnung, billige Miete, nachweislich großer Umsatz, krankheitswegen josort zu ver- kausen Böbland, Boxhagen-RummelS- bürg, Weserstraße 46. 2650b Zigarrengeschäft, lleineWohnung. billige Miete, konkurrenzlos, verkaujt Bergmannstraße 5E__ j-88 Restanration, Vereinszimmer, Kegelbahn, Miete 4600, verknuse sür 2500.„Monatsreingewinn 250' Post. amt 102.__ 1 89/8 Kleine Restauration mit Fabrik- lieserung, 700 M. erforderlich, 30/2. Nähe Aleranderplatz. Buchwald, Gollnowskraße 13. 264dh «fidel. Möbel! Für Brautleute günstigste Gelegenbeit, sich Möbel anziischasien. Mit ktcinster Anzahlung gebe schon Stube und Küche. An jedem Stück deutlicher Preis. Uebcrvorteiiuvg daher ausgeschlossen. Bei Krankbeits- sollen und Arbcilslosigleit anerkannt größte Rücksich. Mobetgelchäst M. Kotdstaub, Zossenerstiaßc 38, Ecke Gneisenaustraue. Kein Abzablungs- geschält I 2901 Sl* Möbelan gebot, gebrauchte und neue Einzelmöbet und ganze Ein- richtimgen, einfachste. elegaiiieste Speisezimmer. Herrenzimmer, Schlaf- zimmer. belieben gewesen, oeriallcn, ivoiibillig. Riescniager, 5 Etagen. MöbelipeichereL Neu« Königltr. 5/6. Fabrikgebäude. Teilzahlung gestattet SonnlagS geöffnet.* Möbel tiieb Irret. Harnack.Tilchier- meister, gegründet 1901, Slalllchreiber- straße 57(Moritzplatz), lieiert komplette Wohiinngseinrichtungen zu niedrigsten Fabrikpreisen. Unüber- Irossene LeislungssähigkeiL Enorme Zluswabl Zahllingserleichterung. Borwärlsleser 3 Vrozem. Kein Laden. Verlaus Fabrikgebäude. 'vioebel- Boebel, Moritzvlatz 58. In meinem seil 31 Jahren bestehenden Möbelkaufhause stehen in süns Etagen konipletke Wobniingseinrichtungen zu niedrigsten Fabrikpreisen zum Verkauf. Als Spezmiltäl licseie: Schlafzimmer. cnglische-S l97,—, modern mit Jiilarfien 268,—, Wohnzimmer, modern 312,—, Speisezimmer 355,—, Herrenzimmer 200,—, I Zimmer und Küche 205,—, 354,—, modern 479,—, 2 Zimmer und Küche 568-, 667,-, englische Bett- stelle mit Matratze 43,—, Kleider- spind 30,—, Trnmeau, geichlissen 34,—, Schläfsosa 36,—, Plüschsoja 55,—, Ilmbau 50,—, Tcppiche, Gardinen. Riesenlager. Besichtigung er- beten. Transport und Lagerung kosten- frei. Eventuell Zahlungserleichle- rungen. Geönnet 8—8, Sonnlaq« 8—2 Kein Laden. Berkaus nur im Fabrikgebäude. Musterbuch F. gratis und sranlo. 246K* finnahmeitelki) für„Kleine Anzeigen" Berlin C. 9t. Habnisch, Auguststr. 50. W. G. Schmidt, Kirchbachstr. 14. tt. BS. Mann. Petersburger Platz 4. Knftav Bogel, Koppenstr. 83. R. WeitgelS. Gr. Franksurter Str. 120. Xtt. L. Zucht. Jmmanuelkirchstr. 12. I. Renl. Barnimstr. 42. BT. W. Vaitmann. Bernauer Str. 9. Ztz. Trapp. Stettiner Sir. 10. Karl 'Mars, Lychener Str. 123. Kart BScihe, Nazarelbtirchstr. 49. H. Vogel, Lortzingstr. 37. Sl. Tiep, Invalidenstr. 124 L. Dechand, Rubeptatzstr. 24. >. Karl Anders. Salzwedelerstr. 8. Weckert, Gotzkowskvftr. 29. S W. H. VSerner. Gneiienauitr 72. Dach», Hagelberger Str. 27. S. St. Jtzritf, Prinzenstr. 31. Rich. Schmidt, Kottbuier Damm 8. 8tt. Paul Böhm. Laniitzer Platz 14/15. P. tporich, Engeluser 15. Adfe>-«k«k. Knrf Schwarzlose. Hoffmannstr. 9. Ii uumnehufenwes:. H. Hornig. Maricnlbalerstr. 13, l. »«ri,I«,v,»fde. Paul Kiraaft, Räuichstr. 10. (Lustav Zctiariiberg, Scienbeimer Str. 1. P'ried,'iel,««f,»x-<.n. Ernst BSerkmann. Köpenicker Str. 18. P!r»i»«u. Kranz Klein. Babiibosstr. 6, III. JolianniHlhaf. Pielicke. Kaiser-Wilbelm-Platz 4. liarlnhnrat. Richard Küter, Rödelstr. 9, II. Kftpenieh. Emii Wiftler, Kietzerslr. 6, Laden. I-iehtenkerir. Cffo Seifcl, Kronvrinzenstr. 4, L � ieder-Schönoweide. Max Pricbke, Britzer Sfr. 14 II. Xonaneu. Wilhelm Jappe. Friedrichstr. 7. tther-dtehftne« efde. Auguii Hcnjes. Lausener Str. 2, I. l'anh«»-. Otto Rtstinaiin, Mühlcnstr. 30. Heinickendurr. P. Gursch. Kantekestr. 12. Biatdorf. M. Heinrich. Neckarstr. 2. Eoiirad, tzermamtstr. 50. Basnnieindnrx. A. ffioiciikranz. Ali-Boxbagen 56. d»ehu>arKeud«rl. Gustav Karninsky, Eunowstr. 2. biehäaeherzr. iiHtlheim Bänntler, Martin-LMher-Str. 61 im Laden. bipandau. Koppen, Jagowstr. 9. Steglitz. H. Bernfee, Schloßstr. 119. Veiapefh«!. Albert Thiel, Friedrich-Wilhelm-Str. 20. Treacow. Robert Gramenz, Kiesbolz str. 412, Laden. WeiUeatiee. Fuhrmann, Setinnitc. 105. Schillert, König-Tbanssee 39*. Wilmersdorf. Paul Schubert, WiloelmSaue 26, Hoj parterre. Gneisenauftr. 10. Ecke Nostizstt G. Grau, bekannt als beste Bezugs- quelle. Kassa und Teilzahlung.* M öbel-Gelegenheitskäuse in aller- größter Auswahl; einfache sowie bcsicre Wohnungseinrichtungen be- deutend billiger wie regulär. Er- gäazungsmübel. Büseiie 120. Schreib» tiiche 45, Sofas 45, Garnituren 65, Trumeaus 30, Schränke, Vertikos 26, Kronen, Teppiche, Bilder. Küchen- möbel, Klubsessel, LcdersosaS, Ilm- baue, Ledrrstüble usw. spottbillig. LenncrtS Möbelspcicher, Lothringer- straße 55, Roscnlhaier- Tor. Die Möbel sind in vier Etagen aufgestellt. 958S1* Fahrräder. Hrrrrniabrrad Dameniabrrad einmal benutzt 35.00. Hot». Blumen- Ittap» 36 b. 168ZK* GeichäftSdretrod, äußerst stabil, 50.00 an. Holz, Sluincnstraße 36b.» Teilzablungen. Dreijährige Ga- rantie. Epezial-Garanticrad 55,00. Kafle. Jnvalidenstraße 20, Wilhelm?- havenerstraße 73._ 760K» Tnmcnfahrrad und Halbrenner, modern, gut erhalten, 35,00. Große Franksurtcrstraße 14, Hos Keller, kein Privatschwindel. 70/4* Arbrtter-Radfahrer erhallen zehn Brozcnl Rabatt im Fahrradgroßhaus Eharloltenburg, Btsmarckstraße 62.* iNusik. Piaiiino verkauft Pankstraße 66. parterre, 5—7._ 26496 Vtolinunterricht(neue, dovvcll fördernde Metbode bis zur Vollendung) gibt ertabrener Künitter wöchentlich, auf Wunich auch nur eine Lektion a 1.25 M., bei zwei Schälen: j« 75 Ps. Offenen unter 1). 2 Expcditton de» .Vorwärts'.(» Versckieäenes. Pnteniauwatt(Bellet. Gitichmer» ftiane Gnglischen Unterricht für Anlänger unö Vorgeichrittene, Einzelstunden und im Zirkel ertellt G. Swienty, Siböiieberg. Sedanstraße 57. III.» Kuiiitnopterei von Frau«otoSko S-vlachieniee. Kuritratze 8. III Ghauffeur-Ausbildung. theoretisch und praktisch. Auto-, Flugtechniker. Tages-, Abendkurse. Prospekt I Auto- techn'kum, Eharloltenburg, Frttjche- strage 27 n. 444K Plattna, alte Goldsachcn, Bruch gold, Silber. Gebisse, Kchrgold, Gold- Watten, sowie iäimliche gold- und silberballigen Rückstände kaust Gold- schmelze Broh. Köpenickerftraße 29. Telephon IV. 6958._ 774K* Unbemittelte Ferienkinder 1,25 Tag.spenston,'/, Slundenjahrt. Post- amt 54..Erholung*._ 2643b Meyers Konversationslexikon, 6. Austage, 21 Bände gebunden, zu lausen gesucht. Schriftliche Angebote unter bl. 3 an di« Expedition des .Vorwärts'. 968K Vermietungen. Rcttaiiratioiis- Räume, 1. 10., öchulz, Matternstraße 16, III. 2645b Wohntinxen. Prachtwohnungrn Soldwerftr.32. Zimmer. Gut möbliertes Zimmer, Wiesen- straße 10, vom II links. 2637b* ARielsxesuehe. Junger Kaufmann sucht billiges möbliertes Zimmer oder saubere Schlafstelle. Offerlen mit Preis linker B. 4 an Postamt 68._ 26426 Balkonzimmer gesucht(2 Herren) Norden. Offerten Harber, Kiautschou- straße 6. 1135 Arbeitsmarkt. Stellengesuche. Parteigenosse, 33, verheiratet, Gärtner, sucht sofort Stellung, gleich welcher Art. Bin schreib- und rech- nengcwandt. stadtkundig, I Jahr ge» werkichastl. Hiljsarbeilcr tätig geweien. Gefällige Offerten an P. Lindenbtatt, Eharlotlenburg, Galoanistraße 16. Stell enangehole. Rahnienmather, Zuschneider aus kleine Holjpholographierahinen wird verlangt. Giese u. Borchardt, Adalbertstraße 20. 71/9 Umdrucker verlangt Schlesinger, gcnnslraße 19. Martin 2647b Bildereinrahiner verlangt GroSz, All- Jakobstraß- 7.__ 26426 Drücker aus Eisenblech verlangt Spiel. Jagowstlaße lO/U. 959K* Kartonagen- Arbeiterinnen. gc- übte, sosort Pauly und Pinner, Köpenickerftraße 32a._ 26366 Pftantaftefederu. Sehr geübte Arbeiterinnen finden bei höchsten Löhnen in und außer dem Hause bauet nde Besch äsliguna. Louis Fünkenstein u. Co., Oranicnstraße 24. Im Arbcttsmarkt durch besonderen Druck hervorgehoben« Anzeigen kosten 50 Pf. die Zeile. Konzumverem CbarloUenburg u. Die Lagcrhalterstelle ist besetzt! Allen Bewerbern besten Dank. 105/19»io Vem-altuuM. teliliilig! UckgsdöilA. Wegen Streit infolge Lohn» disfrrenzen sind folgende Betriebe gesperrt: Gossow, Tischlerei, Teltowerstr. 53. Gring, Banlischlerei. Gottschedstr. 3. Lnkai, Möbeljaorik, Dicffenbachstr. 36. Tie LrtSverwaltnng. Verantwortlicher Redakteur Richard Barth. Berlin. Zur den Inseratenteil veranlw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Cow Berlin SW.