Ur. 146. Abonnements-Bedingungen: klbonnoments- Preis pränumerando: VIcrteljährl. 3�0 Ml., mvnatl 1,10 Mk„ wöchentlich 28 Pjg. frei ins Haus. Einzelne Nuinmer S Psg, Sonntags- nummer mit illustrierter Sonntags- Beilage»Die Neue Well" 10 Psg, Post- Abonnement: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post-Zeitunas- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland 3 Marl pro Mosrat. Postabonnements nehmen an: Belgien, Dnnemarl, Holland, Italien, Luxemburg, Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. 27. Jahrg. CrldstlDt lsglich außer llloutag». Berliner Volksblnlt. Die!nfert1ons*6ebfll)r ketrigt für die sechsgespaltene Kolonel- geile oder deren Raum 50 Psg,, für politische und gewerlschastliche Vereins- und Versammlungs-Anzeigen SO Psg. „meine ZZnreigen", das erste tsett- gedruckte) Wort 20 Pfg„ jedes weitere Wort 10 Psg, Stellengesuche und Schlas- stellen-Anzeigen das erste Wart 10 Psg,, jedes weitere Wort k Psg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis S Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet, Telegramm-Adresse: „SozIaliKniohrat Rerlla"- Zentralorgan der fozialdetnokratifcben Partei Deutfchlands. Redaktion: 8Ö3. 68» Lindctistraaac 69. Fernsprecher: Amt IT, Nr. 1983, Sonnabend, den 35. Juni 1910. Expedition: 8RI. 68, Lindenetrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984. Und wieder Sieg! Friedberg, 24. Juni. (Privatdepesche des„Vorwärts".) Bei der heutigen Reichstagsersahstichwahl wurden abgegeben für Busold iSoz.) 11545 Stimmen und für v. Helmolt(Bund der Land- Wirte) 9413. Busold ist somit gewählt. Bei der Hauptwahl wurden im ganzen 29 351 Stimmen abgegeben. Davon entfielen auf Parteisekretär Heinrich Busold sSoz.) 9551 Stimmen, auf Rechts- anwalt Dr. v. Helmolt(Bund der Landwirte) 6395, Professor v. C a l k e r(natl.) 4397 Stimmen. 8 Stimmen waren zersplittert. Die Stimmcuzahl der Sozialdemokraten stieg gegen die Hauptwahl um 1994, die der Bündler um 3018. In der Stichwahl haben 607 Wähler mehr als iu der Hauplwahl gestimmt. Nun ist auch Friedberg- Büdingen unser. Zum ersten Male gehört uns dieser Wahlkreis, dessen soziale Struktur so lange unserer Belagerung getrotzt. Nach Landau, Koburg, Halle, Eisenach, Usedom-Wollin hat auch der hessische Wahl- kreis unsere Hoffnungen erfüllt. Der neunundvierzigste Sozialdemokrat zieht in den Reichstag. Frisch weht der Wind durchs Land und schwellt die Segel, auf hoher Flut tanzt unser Schiff. Wir haben gute Fahrt. Gute Arbeit haben unsere Genossen geleistet und sie ist nicht ungelohnt geblieben. Mit besonderer Freude be- grüßen wir es, daß dieser Kreis der schlimmsten R e- aktion entrissen worden ist. Friedberg-Büdingen war ja bisher die sichere Domäne des Bundes der Landwirte. Mochte auch Graf O r i 0 l a sich nationalliberal nennen, er war mit Herz und Seele Bündler und hinter ihm stand ge- schloffen die agrarische Organisation. Die Hauptwahl bewies nur auf's neue, daß der Bund von allen bürgerlichen Or> ganisationen weitaus den größten Einfluß im Kreise besaß und so bedeutet der sozialdemokratische Sieg vor allem eine Niederlage der Agrarier. Er ist die unmittelbare Folge der Politik des schwarz-blauen Blocks. Das frivole Spiel, das die Liebesgabenmehrheit bei der Finanzreform gespielt, hat sich gerächt. Einem Teil wenigstens der kleinen Landwirte ist endlich klar geworden, daß der Bund der Land Wirte sie nur mißbraucht und ihre Interessen stets denen der Großagrarier rücksichtslos aufopfert. Von nicht minderer Bedeutung ist, daß auch die Er fahrungen dieser Wahl wieder bestätigen, was alle früheren gezeigt haben. Die Politik des schwarz-blaucn Blocks hat im deutschen Volke solche Erbitterung erweckt, daß auch b ü r g e r liche Schichten anfangen, in den Junkern und Pfaffen das größere Uebel selbst gegenüber den gefürchteten Sozial demokraten zu erblicken. Für die Politik der unverhüllten Reaktion läßt sich auch das Bürgertum nicht mehr geschlossen ins Feld führen. Wir wollen diese Tatsache durchaus nicht überschätzen. Wir wissen, daß der deutsche Liberalismus keineswegs zu einer energischen demokratischen Reformpolitik sich aufgerafft hat, Die fortwährenden Beteuerungen der nationalliberalen Blätter, von einem Linksabmarsch ihrer Partei könne keine Rede sein, stoßen wirklich bei uns nicht auf Unglauben. Aber die schwarz-blauen Herren, die heute das Heft noch in Händen haben und die sehen, wie die Erbitterung des Volkes gegen ihre verhaßte Herrschaft imm» höhere Wogen schlägt, sind selbst dem geduldigen �deutschen Bürgertum unerträglich geworden. Das deutsche Bürgertum war ja in seiner Angst vor den Forderungen der Arbeiter bereit, die Ausübung der Herrschast den Junkern zu über- lassen. Doch die Kosten werden allmählich zu hoch. Diese Prätorianergarde, die ihnen die Arbeiterklasse niederhalten sollte, wird ihnen selbst immer gefährlicher. Ihre Wirtschaft- lichen Ansprüche werden immer unvereinbarer mit den bürger- lichen Interessen und politisch reizt ihre reaktionäre Provokationspolitik, die sich auch— das Schicksal der preußischen Wahlreform hats bewiesen— den dringendsten und unaufhaltsamen Fortschritten in über- mütigem Starrsinn entgegenstemmt, die Volksmaffen zu immer gewaltigerem Ansturm auf. Aus der Mitregierung, die die Blockära Bülow ihnen bedeutete, hinausgeworfen, haben die liberalen Führer ihre Autorität selbst bei einem Teil ihrer eigenen Anhänger eingebüßt und der liberale Wähler ist nicht mehr unter allen Umständen die verläßlichste Stütze der junkerlichen ReaMon. In Friedberg-Büdingen haben die Volksparteiler diesmal ihre Pflicht erfüllt und die Parole für die Sozial- demokratie ausgegeben. Zahlenmäßig darf allerdings die Wirkung dieses Umstandes nicht überschätzt werden. Von de« 1400 Freisinnige«, die 1907 in Büdingen gezählt (worden waren, dürfte vielleicht die Hälfte diesmal schon bei der Hauptwahl sozialdemokratisch gestimmt haben, � teils weil sie unterdessen sozialdemokratisch geworden, teils weil sie nicht nationalliberal wählen wollten. Die Ver- mehrung unserer Stimmenzahl ist also nur zum geringen Teil freisinniger Hilfe geschuldet. Ein Teil der Vermehrung ist unseren eigenen Reserven zu danken. ein Rest aber mutz auf nationalliberale Stimmenzufuhr gesetzt werden. Sowohl die n a ti 0 n a l l i b e r a l e Partei als auch der Bauernbund haben aber nicht nur die Parole für den Bündler Helmolt ausgegeben, sondern auch nach Kräften für ihn in der Stichwahl- kampagne gearbeitet. Trotzdem sind fdie nationalliberalen Wähler zu einem Teil der Parole nicht gefolgt; die meisten haben zwar für Helmolt gestimmt, doch andere sind zu Hause geblieben und der Rest hat sogar sozialdemokratisch gewählt. Und dies gerade ist wichtig, weil es zeigt, daß nur eine Parole auf Zustimmung, ja Begeisterung auch in weiten bürgerlichen Kreisen rechnen kann: die Parole der Niederringung der ReaMon mit allen Mitteln. Dadurch erst Wird die Niederlage der Bündler zu einer so schweren. Die Macht der Junker beruht auf der Schwäche des Bürgertums. In dem Moment, wo das Bürgertum den Sturz der Junker- Herrschaft ernsthaft will, sind die schönen Tage der Junker vorüber. U m s 0 n st freilich ist die Herrschaft für das Bürgertum in Deutschland nicht zu haben. Bekämpfung der Junker und der proletarischen Demokratie auf einmal, dazu reichen seine Kräfte nicht. Nur durch die Demokratie, die auch dem Proletariat volle Bewegungsfteiheit gibt, kann auch das Bürgertum vom Junkerjoch sich befreien. Friedberg-Büdingen zeigt, daß ein Teil der liberalen Wähler auch gegen ihre Führer solche Einsicht gewonnen hat. Ob diese Einsicht wachsen, ob sie bei der geringsten Konzcssion nicht wieder schwinden wird, ist fteilich eine andere Frage. Die deutsche Arbeiterklaffe ist aber unbeirrt von den wechselnden Stimmungen ihrer Gegner ruhig und siegesstcher ihren Weg gegangen. Mögen die liberalen Parteien Stange halten oder wieder mit ihren Feinden Frieden machen, wir wissen, wir gehen vorwärts, dem Siege entgegen so oder so. Und dafür ist uns der neue Erfolg ein neuer und froher Beweis._ Die liachwahl in Cannltatt-Cudwigsburg. Aus Stuttgart wird uns geschrieben: Die Anberaumung der Wahl auf den 20. August ließ sich angesichts der Erregung der Wählerkreise über diese offenbare Be- günstigung der nationalliberalen Partei, die mit ihren Wahl Vorbereitungen arg im Rückstände ist. nicht aufrechterhalten. Die Regierung fürchtete wohl, daß die starken Stützen der liberalen Partei, die Schultheißen und sonstigen höheren Beamten, Fabrik kanten usw. kaum geneigt sein würden, wegen der bedrohten „Ordnung" ihre Ferienreisen aufzuschieben oder zu unterbrechen. Bis zum 20. August hoffte man wohl das Gros der„Staate erhaltenden" wieder beieinander zu haben. Jetzt müssen sich die Herren doch schon etwas früher bemühen. Die Aussichten für unsere Partei sind günstig. Ein Fehler wäre eS fteilich, wenn unsere Genossen gar zu siegeSsicher sein würden. Im Januar 1907, bei den Hottentottenwahlen, siegte Hieber mit 18 787 Stimmen gegen 15 546, die auf unseren Kandidaten W.Keil, Chefredakteur der„Schw. Tagwacht", fielen. Unter den Hieberschen Stimmen ist aber nur der kleinste Teil deutschparteilich, sein Mandat ver« dankt der nationalliberale Führer den Bauernbündlern, die mitsamt den „Demokraten" gleich im ersten Wahlgang für den Sammelkandidaten ein- traten. Die Politik HieberS und damit der nationalliberalen Partei war denn auch stets dahin gerichtet, sich da« Wohlwollen der Kon- servativen und deS Bauernbundes zu erhalten. Das trat besonders scharf bei der Beratung der Bolksschulreform in der Zweiten Kammer zutage. Auch der kleinste Fortschritt mußte der nationalliberalen Partei förmlich auS den Zähnen gerissen werden. Die EntWickelung der politischen Situation nach den Hottentottenwahlen, die Zer- trümmerung des Bülow-BlockeS, die Finanzreform und die dadurch bewirkte grausame Ernüchterung der Hieberschen Wähler, dann aber auch die überaus rege AgitationS- und Organisationsarbeit unserer Genossen verschlechterten die Hieberschen Wahlaussichten derart, daß er eS jetzt vorzog, den ihm von der Regierung an- gebotenen neugeschaffenen Posten des Direktors deS Evangelischen Oberschulrats anzunehmen. Wie vorauszusehen war, hat für die bevorstehende Ersatzwahl der Bauernbund einen eigenen Kandidaten in der Person seines Führers Dr. Wolff aufgestellt; die„Demokraten" treten für den nationalliberalen Kandidaten, Ziegeleibesitzer O ettinger ein. Die reaktionäre Haltung der Nationalliberalen im Reiche und in Württemberg ist für den schwäbischen Teil der„Fortschrittlichen Volkspartei" nebensächlich. Die Hauptsache ist, daß, wenn irgend möglich, die Sozialdemokratie geworfen wird. Das dürfte allerdings diesmal sehr schwer fallen. Unsere Genossen wenigstens werden es an nichts fehlen lassen, um den Reaktionären, gleichviel ob sie sich konservativ oder nationalliberal nennen, die Quittung für ihre Volks- feindlichen Taten prompt auszustellen. Das Welzheimer LandtagSmandat Hiebers ist gleich« falls erloschen. Im Dezember 1906 wurde Hieber mit 1809 Stimmen im ersten Wahlgang gewählt gegen 741 sozialdemokratische, 424 Volks« parteiliche und 160 Zentrumsstimmen. Auch hier gingen national- liberale Partei und Bauernbund zusammen. Es ist nicht aus- geschlossen, daß auch dieses Mandat der nationalliberalen Partei verloren geht. Unser Kandidat Geiwsse Kinkel- Göppingen hat bereite eine ganze Reihe Wahlversammlungen abgehalten. Die Wahl ist auf den 15. Juli festgesetzt. Folize) und Maifeier. Vor dem Bezirksausschuß des Regierungsbezirks Köln wurde dieser Tage die Klage des Parteisekretärs Genossen Bernhard Müller gegen den Polizeipräsidenten zu Köln wegen Nichtgenehmigung des Maifeier- umzugs verhandelt. Genosse Müller, der seine Sache selbst vertrat, ging in etwa einstündigen Ausführungen auf den Gegenstand der Klage ein. Er wies an der Hand von Bei- spielen nach, daß das Verfahren des Kölner Polizeipräsidenten parteiisch sei. Während er alle Arbeiterumzüge verhindere, lasse er sowohl alle Umzüge kirchlicher Art, als auch die der besseren Leute völlig unbeanstandet. Da komme es dem Polizeipräsidenten weder auf stundenlange Verkehrsstörungen noch auf schwere Geschäftsschädigungen an. So sei die be- deutendste aller Kölner Geschäftsstraßen bei der Rückkehr des Kölner Männergesangvereins vom Kaiserpreissingen st u n d e n- lang gesperrt worden, um dem Verein den Zug zum städtischen Festhause zu ermöglichen, obwohl genügende andere viel weniger belebte Straßen zur Verfügung standen. Die Handhabung der Vereinsgesetz-Vorschrift über die Umzüge durch den Polizeipräsidenten sei ein Spott auf die Rechts- gleichheit der Staatsbürger. Aber für- diese empörenden Zustände sei weniger der Polizeipräsident persönlich, als vielmehr die reaktionäre Wirtschaft in Preußen, vor allem der Polizeiminister verantwortlich zu machen. Es fei durchaus unzulässig, daß sich der Polizeipräsident bei seiner ablehnenden Haltung auf den preußischen P 0 l i z e t m i n i st e r als Autorität berufe, denn tatsächlich sei doch der P 0 l i z e i m i n i st e r moralisch der Beklagte. Der Minister habe durch frühere Verordnungen und durch seine von der sozialdemo» kratischen Presse au die Oeffentlichkeit gebrachte geheime Ver» fügung vom 16. April 1910 betreffend die Genehmi» gung von Umzügen am 1. Mai die Polizeiorgane geradezu zur Begehung von Ungesetzlichkeiten auf» gefordert. Sich über die verfassungsmäßig gewährleistete Rechtsgleichheit aller Staatsbürger hinwegzusetzen, dazu Hab« auch kein preußischer Polizeiminister das Recht. Wenn sich der Kölner Polizeipräsident aber auf eine wirkliche und berufene Autorität habe stützen wollen, so hätte er sich an den ftühercn Abgeordneten Professor Hieber halten sollen, der seiner- zeit Vorsitzender der Kommission zur Schaffung eines Reichsvereinsgesetzes gewesen sei. Aller- dings würde der Polizeipräsident dann das von ihm beliebte Verfahren nicht habe beobachten können, denn die Aeuße- rungen dieses nationalliberalen Abgeordneten stellten eine glatte Verurteilung der reaktionären Polizeiwirtschaft in Preußen dar. Was das Reichs Vereinsgesetz betreffe, so sei es gerade die Absicht des Gesetzgebers gewesen, durch die neue Fassung des Gesetzes der in Preußen beliebten Polizei- lichen Praxis und Willkür einen Riegel vorzuschieben. Und dem könne und dürfe sich auch die Rechtsprechung nicht entziehen, wie bereits vorliegende Entscheidungen des Oberverwaltungsgerichts es ja auch be- stätigten. Eingehend wies Genosse Müller ferner dse UnHaltbarkeit der tatsächlichen Einwände und Behauptungen des Polizei- Präsidenten in seinen Gegenerklärungen nach. Er unterbreitete photographische und statt st ische Aufnahmen aus den für den beabsichtigten Umzug in Betracht kommenden Straßen, die die Polizeilichen Behauptungen völlig ad absurdum führten. Auch dadurch, daß am 1. Mai zwölftausend Maifestteilnehmer nachmittags die Rheinbrücke ohne jeden Zwischenfall passierten, so daß sogar die Polizei- und re- gierungsfroinme„Kölnische Zeitung" am 2. Mai schrieb, es sei„alles in größter Ordnung von statten ge- gangen", sei die UnHaltbarkeit des polizcipräsidialen Stand- Punkts in schlagender Weise dargetan. Er beantrage also aus formellen, rechtlichen und tatsäd)lichen Gründen die Aufhebung der angefochtenen Bescheide des Kölner Polizeipräsidenten. Auf eine kurze Erwiderung des Vertreters des Polizei- Präsidenten. Polizeirats Klein, wies Genosse Müller weitere Unrichtigkeiten in den Behauptungen der Gegenseite nach. Er verwies einerseits auf Städte wie Dresden, Hamburg, Leipzig usw., andrerseits aber auf Magdeburg, Halle usw. dafür, daß die öffentlichen Aufzüge der beantragten Art ohne Anwesenheit der Polizei und ohne deren Einmischung in vollster Ruhe und Ordnung verliefen, daß dagegen dort, wo die Polizei als unberufener Vormund der Bevölkerung sich einmische, es fast stets Unruhen gegeben habe. Der Bezirksausschuß konnte sich nicht dazu ent- schließen, dem Polizeiminister und seinem Kölner Unter- aebenen die wohlverdiente Zurechtweisung zu erteilen. Die Klage des Genossen Müller wurde abgewiesen mit der Erklärung, daß der Bezirksausschuß sich auf den Standpunkt deS beklagten Polizeipräsidenten gestellt habe, wonach eine „Gefahr für die öffentliche Sicherheit" vor- gelegen habe. Eine nähere Begründung ersparte sich der Bezirksausschuß klüglich. In der Sache wird nun das Obervcrwaltungsgericht als oberste Instanz zu reden haben. *.' Zugleich mit dieser Entscheidung des Kölner Bezirks- ausschusses erging eine ähnliche in Schlesien. Sie ist des- halb besonders interessant, als der Verantwortliche der neue preußische Polizei mini st er ist. Herr v. D a I l w itz hat noch in der letzten Stunde seiner Amtstätigkeit als Ober- Präsident von Schlesien einen neuen Beweis seiner Be- sähigung zum Polizeiminister erbracht. Er hat unterin IL. Juni dem Vorsitzenden des Soz. Vereins Breslau mitteilen lassen, daß Polizei- und Regierungspräsident den M a i u m z u g der Vreslaucr Arbeiterschaft mit Recht v e r- boten hätten, weil— die alte Phrase!— eine„Ge- fährdung der öffentlichen Sicherheit" zu befürchten gewesen sei. Konkrete Tatsachen, die diese Ausrede beweisen könnten, hat sich der schnell, avancierte Herr aus guten Gründen geschenkt. Obgleich das Oberverwaltungsgericht sie erst neuerdings wieder für notwendig erklärt hat. Der Mann also, der so wenig die Urteile des höchsten Gerichts respektiert, wird in Preußen Minister I Polizeiminister dazu! politifcbe OebcrHcbt. Berlin, den 24. Juni 1910. Eine Bündler-Schurkerei! Das gemeine Verbrechen, das am Mittwoch in Fricdberg begangen wurde, ist den Wahlmachern der Bündler gerade gut genug gewesen, um es zu einem noch gemeineren Streich gegen die Sozialdemokratie zu verwenden. Am Donnerstag haben sie inl Wahlkreise Friedbcrg-Büdingen ein„Extrablatt" folgenden Wortlauts verbreitet: „In dem Zimmer des Friedberger Gasthauses, in welchem der Raubmörder vor der Tat übernachtet hatte, wurde ein Brief von der„Redaktion des Wahren Jakob", des bekannten sozia- liftischen Wochenblattes, vorgefunden. So wird der Eindruck zu erwecken gesucht, daß der Mord- bube ein Sozialdemokrat sei, vielleicht gar von der Sozial- demokratie angestiftet worden sei. Dabei war den Machern des Schandblatts genau bekannt, daß der Adressat jenes Briefumschlags ein sozialdemokratischer Reichstagsabgeordneter, der Genosse Dr. David>var, der einige Tage vorher in jenem Hotelzimmer übernachtete und den Briefumschlag hatte liegen lassen! Das hat die sauberen Gesellen im Bündlerlager nicht geniert. Gegen die Sozialdemokraste ist ihnen jedes Mittel, auch das schurkischste recht. Wir überliefem diese Buben der verdienten Verachtung, wollen aber der Gerechtigkeit halber nicht verschweigen, daß der schofle Streich in bürgerlichen Kreisen allgemeine Verurteilung gefunden hat, ja daß sich selbst einige Bündler dieser Tat ihrer Wahlmacher offensichtlich geschämt haben._ Auch darin ein Junker! In der demokratischen Wochenschrift„DaS freie Volk" erzählt H. v. G e r l a ch interessanre Erinnerungen aus der Zeit, da er als Regierungsassessor in dem Kreise tätig war, zu dem auch Friedrichsruh, der Sitz des grollenden abgesägten Reichs- kanzlers Bismarck gehörte, lieber Steuerbetrügereien Bismarcks schreibt H. v. Gerlach: Ich bekam als Vertreter des Landrats den Vorsitz in der Ein- kommcnsteuerveraulagungskommission übertragen. Der Landrat, der mir das eröffnete, fügte hinzu:„Auf eins möchte ich Sie be- sonders aufmerksam machen. Zu unseren Zensiten gehört natiir- lich Bismarck. Sie werden sich vielleicht über die Kürze seiner Steuererklärung, vor allem aber über die Niedrig- keit seiner Selbsteinschätzung wundern. Trotz- dem bitte ich dringend, ihn nicht mit Rückfragen zu belästigen oder gar seine Steuererklärung zu b e a n st a n d e n. DaS ivürde ihn entsetzlich aufregen, Sie wissen, wie er über Steuerzahlen denkt. Warum soll man auf einen Mann wie ihn nicht diese Rücksicht nehme».„Oben" ist man damit übrigens auch einverstanden. Natürlich glaubt jeder- mann, daß sein Einkommen höher ist. Aber ich habe gehört, daß er gewisse Kapitalien seinen Söhnen abgetreten habe. Die werden wohl ihrerseits dafür mehr Steuern zahlen. So können wir unser amtliches Einschätzullgsgewissen beruhigen."... Als ich nachher die Steuererklärung selbst sah, kriegte ich doch noch einen Schrecken. So dürftig hatte ich mir die An- gaben, so niedrig die Ei nkoni menssumme selb st nach der schonenden Vorbereitung durch wen Landrat nicht vorgestellt. Das sah ja so aus, als wenn der oberste der notleidenoen Agrarier wirklich nur ein paar lumpige Millionen im Vermögen hätte. Varzin, Schönhausen, der Sachsen- wald, die Güter im Stormarnschen, die industriellen Anlagen, das von Bleichröder so erfolgreich angelegte Kapitalsvermögen— und dann diese kümmerliche Einnahme I Dabei wußte ich durch den Oberförster Lange, der den Immobiliarbesitz verwaltete, so einiger- maßen über die Einkünfte Bescheid. Na, ich legte die Steuer- erlläruug nieiner Kommission vor. Allseitiges vielsagendes Lächeln!„Wünscht einer der Herren daS Wort?" Nein!„Sollen wir uns mit dieser Steuererklärung begnügen?" Ja! Ich ging zur nächsten Sache über. Ein charakteristisches Licht aus die Haltung Bismarcks zu Kultur- fragen wirft folgende Stelle: Als vielfacher Rittergutsbesitzer war Bismarck auch Patron mehrerer Schulen. Die Höchstzahl der Schüler pro Lehrer beträgt in Preußen SO. Die Schule in Aumühle, wo viele Kinder Bis- marckscher Waldarbeiter eingeschult waren, zählte bereits über 100 Schüler und hatte noch imnier nur einen Lehrer. Die Regierung drängle auf die Anstellung eines zweiten Lehrer«. Vergebens. Aller Schriftwechsel blieb erfolglos. Da berauinte der Landrat eine Sitzung des SchulvorstandeS an und stihr selber dazu hin. Als er das Sitzungslokal betrat, fand er zu seinem größten Erstaunen Bismarck vor, der damals noch Reichskanzler und Ministerpräsident war. Der Landrat trug die Gründe vor, die die Anstellung des zweiten Lehrers nach den geltenden Be- stimmungen einfach geboten erscheinen ließen. Nach dem Landrat sprach Bismarck„als Schulpatron und Hausvater" mit aller Scharfe gegen den zweiten Lehrer. Der koste eine Menge Geld. Es ici bisher mit einem Lehrer gegangen und werde auch in Zu- kunft damit gehen. Daß die' Kinder noch mehr lernten, sei nicht nötig. Begeistert stimmten die Bauern von Aumühle zu. Einstimmig wurde der zweite Lehrer abgelehnt. Wie ein begossener Pudel mußte d«r Landrat abziehen. Bismarck hatte wieder einen Triumph zu verzeichnen: den Aumühler Bauern und nebenbei auch sich selbst hatte er durch seine überzeugende Beredsamkeit neue Schulausgaben erspart. Die Regierung, deren höchster Chef Bismarck war, tonnte sich ihre Bestimmungen über die Höchstzahl der Schüler sauer kochen lassen. Zwar wußte bereits alle Welt, daß Bismarck ein begeisterter Anbeter des«Gottes Nimm" war, die Schilderung vervollständigt aber noch das Charakterbild des Mannes, der es während seiner Amtszeit vom armseligen Junker zum vielfachen Millionär brachte. Eisenftiruige Jalscher. Auf unsere gestrige Festnagelung des frechen Bubenstückes, den sozialdemokratischen Antrag auf Einführung des Verhältniswahlsystems für die Landtagswahlen in Baden in einen Versuch zur Wahlrcchtsvcrschlechtcrung umzulügen, antwortet die„Germania" heute mit einigen Ausflüchten, die ebenso dumm und bubenhaft sind, wie die Fälschung selbst. Gewiß könne die Verhältniswahl das Wahlrecht auf die höchste Stufe der Gerechtigkeit bringen, dort nämlich, wo man gewillt sei, Gerechtigkeit zu üben— aber wer werde denn bei der roten Partei des Terrorismus und der Unterdrückungs- sucht Gerechtigkeit suchen und erwarten! Damit gibt das Blatt selbst zu, daß es frischweg verleumdet hat, daß es noch nichts über die Einzelheiten des sozialdemokratischen Vor- schlages weiß, also auch uicht den geringsten positiven Anhalt hatte, da es ihn als Wahlrechtsverschlechteruug ausschrie. Damit könnten wir das Fälscherblatt laufen lassen, wenn es nicht mit neuen Fälschungen käme. Es fragt nämlich im Tone des entrüsteten Biedermannes: „Warum haben denn die badischen Genossen nicht schon da- mals, als sie mit dein Zentrum für das allgemeine, gleiche, ge- Heime und direkte Wahlrecht kämpsten, das Verhältniswahlrecht verlangt? Fiel ihnen gar nicht ein l lind weshalb wehren sich eben in Frankreich die„unentwegten" Genossen gegen die Ein- führung der Verhältniswahl?" Dagegen haben wir festzustellen: 1. Die badische So- zialdemokratie hat das Verhältniswahlsystem schon in den neunziger Jahren gefordert; sie hat es stets in ihrem Kampfe um das allgemeine, gleiche, geheime und direkte Wahlrecht vertreten! Im Jahre 1904 haben die sozialdemokratischen Vertreter im Verfassungsausschuß das Verhältniswahlsystem beantragt und der damalige badische Landtagsabgcordnete Genosse Eichhorn hat den Antrag eingehend begründet. Das Zentrum hat damals diesen Antrag abgelehnt! 2. Unsere französischen Genossen sind in ihrer er- drückenden Mehrheit für die Einführung des Ver- hältniswahlsystems, sie sind die energischsten Vertreter dieser Forderung. Nur ganz vereinzelte Eigenbrödler, wie der durchaus nicht„unentwegte" Breton haben sich gegen das Verhältniswahlsystem erklärt, sie sind damit in scharfen Gegen- satz zur Parole der Partei getreten! Wir sind gespannt, mit welchen neuen Fälschungen die eisenstirnigen Redakteure des Zentnimsblntts diese Feststellung der Tatsachen beantworten werden. Nach den bisherigen Leistungen darf man schon einiges erwarten. Zur Nachwahl in Zschopau-Marienberg. Von den Antisemiten ist jetzt definitiv der Reformer F r i tz s ch e cilS Kandidat aufgestellt worden. Die Nationalliberalen und Fort- schritller suchen noch einem Mann, den sie gemeinsam nominieren können. Unsere Genossen eröffnen am Sonntag die Wahlkampagne mit einer großen Massendemonstrationsversammlung zu Gelenau, in der die Genossen David, Sinder mann und G ö h r e sprechen werden. Der beliebte Reichskanzler. Aus Stuttgart wird uns geschrieben: Am Donnerstag traf Herr v. Bethmann-Hollweg hier ein, um dem König von Württemberg seine Antrittsvisite zu machen. Nur Neugierige hatten sich am Bahnhof eingefunden, um sich den Kanzler der Junker anzuschauen. Als der Herr durch die Reihen der Zu- schauer schritt, wurde kein Ruf laut. Niemand hielt es der Mühe für wert, auch nur den Hut zu ziehen vor dem obersten Beamten des Reiches. Dabei rekrutierte sich das Publikum nur aus bürger- lichen Kreisen. Der eisig kühle Empfang schien dem Kanzler, der vom Ministerpräsidenten Weizsäcker ins Hotel geleitet wurde, sehr wenig zu behagen._ Wird er gesund bleiben? Nach langer Pause heißt es jetzt plötzlich, daß ber verschollene Eulenburg-Prozeß doch noch durchgeführt werden soll. Die Staatsanwaltschaft will es angeblich mit einer neuen Verhandlung gegen den Fürsten Philipp Eulen bürg versuchen. An- scheinend nicht ganz freiwillig. Denn es verlautet, daß nach Wieder- zusamnientritt der Parlamente im Herbst beabsichtigt sei, eine Jnter- pellation über den Stand des MeineidSverfahrens gegen Eulenburg einzubringen. Der Allensteiner Prozeß gegen die Iran V. S ch ö n e- deck kam bekanntlich auch auf diese Weise iiz Gang. Der Eulen- burg-Jnterpcllation möchte die Staatsanwaltschaft zuvorkommen und den Prozeß im September in der ersten Schwurgerichtsperiode wieder anfnehmen. Die Verhandlung wurde bekanntlich zuletzt im Juli vorigen Jahres auf unbestimmte Zeit vertagt, weil der an- geklagte Fürst von den Gerichtsärzten damals als nicht verHand- lungsfähig bezeichnet wurde. Der Gesundheitszustand des Fürsten hat sich jetzt aber dermaßen gebessert, daß von einem Kranksein kaum mehr die Rede sein kann.— Ob er aber bis zum Herbst gesund bleiben wird? Behördlicher Terrorisnius. Daß ein Teil der preußischen Behörden sich als konservative Parteiagentur fühlen, ist eine be- kannte Tatsache. Sie wird neuerlich beleuchtet durch folgenden Notschrei, den mehrere Beamte in einem Posencr Blatt veröffentlichen: „In anscheinend sämtlichen hiesigen preußischen Behörden zirkulieren mit den amtlichen Schrift- stücken und Mitteilungen Listen mit der Aufforderung zum Beitritt in den hiesigen neugegrüudetcn konservativen Verein. Es stellt dies eine durchaus unzulässige Jnanspruch- nähme der Behördenorganisation zum Zwech der Propagierung für eine einzelne politische Partei dar. Außerdem aber läßt sich auch der Gedanke nicht von der Hand weisen, daß durch solche— mindestens scheinbar— amtliche Art der Propagierung charaktcr- schwache und politisch nicht durchgebildete Elemente bewogen werden sollen, sich einer Partei anzuschließen, deren Tendenzen und Ziele sie im allgemeinen nicht billigen." Das Pikante dabei ist, daß die Partei, der hier die Be- Hörden das Wasser abgraben sollen, die national- liberale ist, die bekanntlich stets für Beamtenmaßregelung und Gesinnungsschnüffelei eintritt, sobald eS sich um Sozialdeniokraten handelt. Der zusammengebrochene Anarchisten-Schrerk. AuS München wird unterm 24. Juni zum Anarchisten- Prozeß Mühsam gemeldet: Die Beweisaufnahme verlief für Mühsam und Genossen günstig. Deshalb verzichtete der Staats- anwalt auf die Vernehmung der übrigen Zeugen, soweit sich ihre Aussagen ans die Anklage wegen Geheimbündelei bezogen haben würde. Die Angeklagten Schulz-Morax und Ocrter wurden auf Antrag der Verteidigung aus der Haft entlassen. Viehseuche in Ostpreuhe«. Bekanntlich lehnt die agrarische Mehrheit und ihr Anhang im Reichstag die wiederholt verlangte Aufhebung oder Erleichterung des Vieheinfuhrverbotes aus den Nachbarländern mit der Begrün- dung ab. daß Deutschland vor der Einschleppung von Viehseuchen ans dem Auslände geschützt werden müsse. Danach müßten also unausgesetzt in den Nachbarländern Viehseuchen grassieren und das seuchenfreie Deutschland vor der Gefahr der Einschleppung durch die Grenzsperren geschützt werden. Es ist nun aber schon oft von sozialdemokratischer Seite nachgewiesen, daß die an die Wand gemalte Einschleppungsgesahr bei rationellen Vorsichtsmaßregeln gar nicht besteht, sondern den Agrariern nur dazu dient, die Vieh- und Fleischpreise in die Höhe zu treiben. In den meisten Fällen ist nämlich sestgestellt— besonders in den östlichen Provinzen—, daß die auftretenden ansteckenden Viehlrankheiten wie„Rotlauf", „Influenza",„Maul- und Klauenseuche", heimatlichen Ursprung haben. Solch eine Feststellung kann auch jetzt wieder in Ostpreußen gemacht werden. Am 18. Mai d. I. wurde auf dem Gute Goldenau im Kreise Lyck, dicht an der russischen Grenze, bei einer seit einer Woche wei- denden heimischen Rindviehherde der Ausbruch der„Maul- und Klauenseuche" festgestellt. Daß diese gefährliche Seuche durch russisches Vieh über die Grenze geschleppt worden ist, ist vollständig ausgeschlossen und wird auch von sachverständiger laudwirtschaft- sicher Seite gar nicht behauptet. Selbst das Amtsblatt der Land» wirtschaftstamnier„Georgiens" schreibt in seiner Nummer vom 17. Juni:„Die Einschleppung ist mit Sicherheit auf den Per- sonenverkehr aus N u ß l a n d zurückzuführen." Irgend» lvelche Begründung für diese sehr unwahrscheinliche Behauptung gibt das Blatt nicht. Aber etwas anderes ist wichtig, ösfentlich festgenagelt zu werden, nämlich die Tatsache, daß es den in Frage kommenden Behörden, die mit peinlicher Genauigkeit auf die Be- wachung der Grenze und auf strenge Durchführung des Viehein- fuhrverbotes dringen, nicht möglich gewesen ist, die Verschleppung der ini eigenen Lande ausgebrochenen„Maul- und Klauen» s e u ch e" zu verhindern resp. sie auf die nächste Umgebung des Ur> sprungsortcs zu beschränken. Am 18. Mai wurde dort die Seuche entdeckt. Aber am 2ö. und 26. Mai gelang es einem Händler noch, verseuchtes Vieh aus Goldenau bis in die Nähe der Stadt Jnster- bürg zu schaffen und somit auch diesen Kreis zu verseuchen. Auf ähnliche Weise ist die Seuche auch nach anderen Landkreisen unter den Augen der Behörden verschleppt worden und hat demnach in ganz Ostpreußen eine sehr gefährliche, den Viehstand dieser Provinz ernstlich bedrohende Verbreitung angenommen. Bedroht sind am meisten die Kreise: Lyck, Johannisbnrg, O l e tz k o, P r.- Holland, Neidenburg, Jnsterburg. Von der Seuche ergriffen sind in großen Mengen die Wiederkäuer— Rindvieh, Schafe, Ziegen— sowie auch Schweine. Aeutzerlich sieht es ja so aus, als wenn die Landräte alles tun, um die Seuche zu bekämpfen und ihre Ausbreitung zu verhindern. In allen amtlichen Kreis- blättern wird auf die Gefahr hingewiesen und werden Verhaltungs- maßregeln vorgeschrieben. Ob das aber genügt und ob auch die sonst üblichen Rücksichten gegen die Großgrundbesitzer hier fallen gelassen werden, wird von landwirtschaftlicher Seite bezweifelt. Jedenfalls steht dem ganzen Reiche ein großer volkswirtschaftlicher Schaden bevor, wenn nicht alle nur erdenklichen Mittel angewendet werden, um die gefährliche Viehseuche in der viehreichen Provinz Ostpreußen bald und wirksam zu bekämpfen. Viehhändler und Schlächter prophezeien jetzt schon bedeutende Erhöhung der Fleisch- preise._ Noch ein Landfriedensbrnchprozest gegen Mansfelder Bergleute. Schwer sollen die Mansfelder Bergleute dafür gestraft werden, daß sie gewagt haben, wider den kapitalistischen Stachel zu löcken. Außer zahllosen Prozessen vor der Eislebener Strafkammer und den Schöffengerichten, haben auch schon zwei solche vor dem Halleschen Schwurgericht wegen Landfriedensbruch stattgefunden, in denen zu- antinen 87 Monate Gefängnis verhängt wurden. Man meinte, das ei der Schluß; aber weit gefehlt. Am Dienstag, den 21. Juni, mußten nochmals 11 Angeklagte aus Hettftedt, diesmal vor der Eislebe it er Strafkam in er erscheinen, um sich wegen Land- friedensbruchs zu verantworten. Es waren 30 Zeugen geladen, meisten? dieselben, die schon in den vorhergegangenen Prozessen ihre belastenden Aussagen machten, darunter zehn Gendarnien nud Polizisten. Es handelt sich um die Vorgänge am 21. Oktober v. I., da ein Zug Arbeitswilliger von Streikenden empfangen wurde und von der Kupferkamnierhütte bis nach Hettstedt hinein begleitet wurde, wobei die Arbeitswilligen beschimpft, geschlagen und mit Steinen geworfen sein sollen. Sämtliche Angeklagten bestritten, sich im Sinne der Anklage schuldig gemacht zu haben. Sie hätten dem Zuge wohl zugesehen, einige gaben auch zu. mitgezogen zu sein, aber von Gewalttätig- leiten hätten sie nichts gesehen, noch weniger seien sie tätlich ge- worden. In der Beweisaufnahme kamen zunächst alle die Be- lastungSzeugen zum Verhör, die in den früheren Verhandlungen die gravierendsten Aussage» gemacht hatte». Ter Staatsanwalt hatte seine Nolizen anZ den SchwurgerichtSverhandlungeu mitgebracht, die er jedem Zeugen ins Gedächtnis rief, was die Verteidigung mit Recht monierte. Doch konnte keiner der 32 Zeugen einen Angeklagten speziell belasten. Nur die Angeklagten Heinrich Gölzer und Frohberg wurden von deni ehemaligen Streiker und Streilbureauschreiber von der Fange und den Arbeitswilligen Münch und Schmidt belastet. Das andere Beweismaterial war noch magerer als diese Angaben. Es scheint, daß der Prozeß an den Haaren herbeigezogen ist. Man klagte an, wo eS irgend möglich schien, um die Notwendigkeit der Herbeiziehung des Militärs zu beweisen, die allerorts bezweifelt wurde. Selbst einige sonst taktfeste Kronzeugen, erprobt in den vorhergegangenen Prozessen, versagten diesmal. Gleichwohl beantragte der Staatsanwalt gegen Gölzer 6 Monats, gegen Schmidt 3 Monate, gegen Bösel 4 Monate, gegen Grotsch 3 Monate, gegen Frohberg 3 Monate, gegen Wilkowski 3 Monate, und gegen Bcchercr 4 Monate Gefängnis. Gegen die übrigen An- geklagten mußre er selbst Freisprechung von der Anklage des Landfriedensbruchs beantragen, wegen Verletzung des§ 153 der Gewerbeordnung wurden beantragt gegen Dell 2 Wochen, gegen Laue 1 Woche, gegen Stolle 2 Wochen und gegen Wahl 2 Wochen Gefängnis, also zirka 23 Monate insgesamt. Das Urteil lautete für Gölzer ans 3 Monate 3 Tage, für Frohberg 3 Monate, für Dell und Laue auf je eine Woche Gefängnis, die übrigen wurden frei- gesprochen. Die Sache gegen Bechcrer wurde vertagt, um noch zwei Polizeibeamte zu vernehmen. Damit ist hoffentlich das Ende der Drangsalierungen da. Der Staat wäre nicht in die Brüche ge« gangen, wenn man sich diese letzte Aktion erspart hätte. Eine verständliche Beschwerde. Zentrumsblätter beschweren sich darüber, daß die„Voss. Ztg." Herrn v. B e t h m a n n H o l l w e g als„Freund des Zentrums" be- zeichnete, weil er der Witwe des Zentruiilsabgeordneten Geheimrat S ch m i d t ein Beileidstelegramm geschickt hat. Es ist bedauerlich, bemerkt die„Köln. Volisztg." dazu, daß die ihre Vornehmheit gern betonende„Voss. Ztg." anscheinend so wenig Gefühl für gute Lebensart hat, daß sie die Erfüllung einer einfachen konventionellen Pflicht nur als parteipolitische Kundgebung ausbeuten zu lönnen glaubt. Diese Rüge erscheint auch uns ganz gerechtfertigt. Die Militär-Boruffen. Das Oberkriegsgericht der 15. Division in Koblenz ver- handelte beute als Berufungsinstanz im Falle Veith gegen den jetzigen Fähnrich Freiherr» v. Schröder, den Einjährig-Gefreiten F i ch t e r und den Leutnant B i e r! o r n. Die beiden erstcren waren de? tätlichen Angriffes gegen einen Vorgesetzten vor versammelter Mannschaft beschuldigt, weil sie— beide Bonner Vorussen— den Unteroffizier' Veith beim Baden in der Sieg ins Wasser geworfen hatten. Leutnant Vier- k o r n wurde beschuldigt, er habe es an der nötigen Aussicht fehlen lassen. Leutnant Lierlorn wurde zu zwei Tagen Stuben- arrest verurteilt, die beiden anderen Angeklagten wurden frei- gesprochen. Oeltcmicb. Annahme des Budgets. Wie«, 24. Juni. DaS Abgeordnetenhaus hat den Staatsvoranschlag für 1S10 in dritter Lesung angenommen. Vom„Gott Nimm". Der Bürgertlub, das ist die christlischsoziale Fraktion des Wiener Gemeinderates, hielt Mitwoch eine Sitzung über die Affäre H r a b a ab, die mit der Verwerfung des Uebereinlommens, daß die christlichsozialen Drahtzieher geschlossen hatten, endete. Der Bürgerklub hielt den Ausschluß Hrabas aufrecht, der auch in der Folge keine Referate im Gemeinderat und Stadtrat mehr erhalten soll. Schweiz. Das Absynth-Verbot. Bern, 24. Juni. Der Nationalrat und der Ständerat habe» das Ausführungsgesetz zu dem Artikel der Verfassung betreffend das Absynth-Verbot angenommen. Dadurch werden vom 7. Ok- tober ab die Fabrikation, die Einfuhr und der Verkauf von Absynth und aller Nachahmungen in der ganzen Schweiz ver- boten. Spanien. Der Kampf der Klerikalen. Madrid, 23. Juni. Die klerikale Campagne dauert fort. Der Kardinal-Erzbischof Aguirre gibt in einem Briefe den Damen der Hcrz-Jesu-Kongregation den Ratschlag, in allen Städten und Ort- schaffen einen Kreuzzug zu organisieren, um die Mönche zu ver- teidigen, die jetzt hart bedrängt werden und deren Rechte man schmälern wolle und die doch der beste Schutz und die beste Stütze der Kirchen sind. Es werden zahlreiche klerikale Meetings veranstaltet, speziell in Barcelona, wo ein Komitee dauernd tagt. DaS Komitee für soziale Verteidigung ist gestern in Madrid zu- sammengetreten und beschloß, alle Mittel anzuwenden, um die Politik CanalojaS zu zerstören. Bei dieser Gelegenheit ist erklärt worden, daß alle Katholiken Spaniens den Bürger- krieg der offiziellen Einführung der weltlichen Schulen vorziehen werden. Kelgien. Eine Protestversammlung. Brüssel, 23. Juni.(Eig. Ber.) Die hiesige„Liga der Menschenrechte" hat kürzlich ein Meeting veranstaltet, das einem Protest gegen die„Ermordung Finnlands" wie gegen die von der russischen Regierung angesuchte Auslieferung des Revolutionärs G a l g a s galt. An dem Meeting beteiligten sich außer bekannten liberalen und demokratischen Parla- inentariern auch der neugewählte sozialistische Deputierte H u h s- manS und der Gemeinderat Genosse Vinck. In der Resolution wurde der belgische Justizminister aufgefordert, im Namen der Ehre deS Landes das Begehren der russischen Regierung nach Auslieferung G a r g a S' entsprechend der von der belgischen Regierung in früheren Fällen eingenommenen Haltung abzulehnen. ßolland. Eine Enzyklika-Debatte. Haag, 24. Juni. In der heutigen Sitzung der Zweiten Kammer richtete v a n D o o r n an die Regierung die Anfrage, ob sie in der Angelegenheit der Borron, äus-Enzyklika protestiert habe oder zu protestieren gedenke. Der Minister des Aus- wältigen erwiderte, es handele sich um eine rein innere Angelegenheit der katholischen Kirche. Verschiedene Deputierte der protestantischen Partei schlössen sich der Regierung an. N o l e n s erklärte im Namen der Katholiken unter Hinweis auf die Antwort des Papstes an Deutschland, daß seine Partei sich an der Debatte nicht beteiligen werde. CörheL Der griechische Boykott. Konstantinopel, 24. Juni. Der Boykott gegen die Griechen wird auf das strengste gehandhabt. Mehrere griechische Kaufleute wurden gezwungen ihre Läden zu schließen. DaS Boykott- komitee beabsichtigt, den Boykott bis zu einer definitiven für die Türkei günstigen Lösung der kretischen Frage fortzusetzen. Zahlreiche Wechsel griechischer Kaufleute wurden nicht eingelöst. Hmenha. Kein Schutz des KoalitionSrechtS. Washington, 23. Juni. Das Repräsentanten- haus hat nach lebhafter Debatte einen Antrag abgelehnt, nach welchem das Antitrustgesetz und die Gesetze über den zwischenstaatlichen Handel auf Gewerkvereine nicht angewendet werden sollen. Eue der Partei. Der Kampf gegen die sozialistische Presse in Amerika. Das rasche Wachstum der sozialistischen Bewegung iu den Vereinigten Staaten veranlaßt die großkapitalistischen Machthaber und ihre politischen Werkzeuge, die bisher mit den gezähmten Arbeiterführern a la Gompers so trefflich ausgekommen waren, zu den brutalsten Unterdrückungsversuchen. Nirgends in der Welt stoßen die Klassengegensätze schärfer aufeinander als in dem pennsylvanischen Jndustriebezirk von Groß-Pittsburg, wo der Stahltrust sein Produktions- zentrum hat und Massen namentlich ausländischer Lohnsklaven unter den. traurigsten Arbeitsbedingungen in mörderischer Weise ausbeutet. Dort liegt Mac K e e s Rocks, wo die ungelernten Ausländer den Kanipf gegen den allmächtigen Trust durchgeführt haben, dessen sich die alten Unions nicht getrauten. Und dort er- scheint in New Castle seit zwei Jahren die„Free Preß" als sozio- listisches Organ in einer Auflage von jetzt rund 12 000. Die Machthaber suchen nun mit aller Macht dieses Organ der Arbeiter zu beseitigen. Schon 15 Genossen sind zu hohen Geld- und Gefängnis- strafen wegen angeblicher Verletzung des Zeitungsgesetzes, wegen deren im gleichen Falle eine dortige kapitalistische Zeitung frei. gesprochen war, verurteilt worden. Nun soll ein Hauptschlag geführt werden. Der Staatsanwalt hat aus Grund eines noch aus der Zeit der englischen Herrschaft (vor 1776!) stammenden Gesetzes die Redaktion angeklagt, gelegent- lich des großen Kampfes in den Zinnhütten des Trusts„mit Ge» Walt, falsch, hinterlistig und gegen den Staat und seine Gesetze einen Aufruhr veranlaßt zu haben". Dabei bleibt eine Zeitung, die Behörden und Streikbrecher zur Bewaffnung und zum Blutbad aufgerufen hat, unbehelligt. Es ist zu erioarten. daß dieses uralte Gesetz, wenn es dort mit Erfolg geltend gemacht würde, bald über die ganze Republik Anwendung finden würde. Daher ist es die Sache der ganzen Arbeiterbewegung, zu deren Verteidigung die Partei in New Castle um Geldunterstützung bittet. In anderer Weis« sucht man dem„Appeal to Rcason", dem in Girard(Kansas) in einer Auflage von 414 000(Ende Mai) erscheinenden Wochenblatt, die Existenz zu untergraben. Dieses tapfere, von Fred Warren u. a. herausgegebene Organ hat den Kampf gegen die Willkür und Korruption der kapitali- stischen Behörden mit besonderer Schärfe geführt. Es hat in letzter Zeit die Bund esge richte, die als stärkster Hort der Klassen- Herrschaft dienen, unerbittlich bloßgestellt und einige hohe Richter als völlig verkommene und käufliche Subjekte gebrandmarkt. Jetzt führt dort John Kenneth Turner. Verfasser des Buchs„Das barbarische Mexiko", den Kampf gegen die blutige Unterdrücker- Wirtschaft des alten mexikanischen Präsidenten Diaz und gegen die ihm Helfershelferdienste leistenden Behörden der Grenzgebiete der Union. Dort wurde auch der jetzige H i l f s- General st aatsanwalt Lawler der Union angeklagt, als Staatsanwalt in Kalifornien mexikanische Flüchtlinge völlig will- kürlich verhaftet und im Gefängnis in grausamster Weise behandelt zu haben. Diese Heldentaten haben dem Biedermann das Ver- trauen des Präsidenten Taft, des Kollegen und Verehrers des Tyrannen Diaz, und damit die Berufung nach Washington ein- getragen. Jetzt hat er sich für die Angriffe gerächt, indem er den Post- meister anwies, dem„Appeal" den Po st vertrieb zu ent- ziehen. Ob dieser Willkürakt zu halten ist, wird sich zeigen. Jedenfalls wird er der Verbreitung des Blattes, das nötigenfalls unter Kreuzband versandt werden kann, keinen Eintrag tun. Im Gegenteil. Marren setzt in einein offenen Briefe an Lawler die Sachlage auseinander und nimmt den Kampf, den die unwürdigen Nachfolger der Jefferson und Washington mit so unsauberen Mitteln führen, tapfer auf. Sicher wird es der demnächst er- scheinenden Roosevelt- Nummer des Blattes, die an Hand der Tatsachen den Ncklamehelden des amerikanischen Bürgertums darstellen wird, nicht an Abnehmern fehlen. pollreilicbes, ClembtlicKes ulw. Das Entfalten einer roten Fahne kein grober Unfug. Unsere Genossen von Neunkirchen beteiligten sich in diesem Jahre an der Maifeier in Waldmohr, machten also einen Aus- flug in die nahe Pfalz und benutzten dazu die Bahn bis nach Alt- stabt, von wo aus sie zu Fuß weiter marschierten. Zu diesem Aus- flug hatten sie sich eine rote Fahne angefertigt und twrauf die Aufschrift:„Sozialdemokratischer Wahlverein für Ottwciler- St. Wendcl-Meisenheim, Sitz Neunkirchcn" anbringen lassen. Dieses staatsgefährliche Abzeichen trug der Genosse K. dem kleinen Zug voran. Vor dem Bahnhof Neunkirchen ließ er die Fahne im Winde flattern. Der Gendarm Glies erkannte noch rechtzeitig die Gefahr, in welcher das Vaterland schwebte, und rannte ins Bahn- Hofsgebäude zum Stationsvorsteher, der aber kein Verständnis für die Gefahr hatte. Darauf kehrte der Gendarm zu den Mant- festanten zurück und wollte ihnen verbieten, den Bahnsteig zu be. treten, was sich unsere Genossen entschieden verbaten. Die Fahne rollten sie ein, bestiegen den Zug und fuhren zum Maifest. Genosse K. erhielt darauf ein Strafmandat von 0 M. wegen Verübung groben Unfugs. Gegen dieses Strafmandat legte K. Berufung ein und erzielte am 22. Juni vor dem Schöffengericht zu Neunkirchen Freisprechung. Das Gericht erblickt in der Entfaltung einer Fahne keinen groben Unfug. Wollte man die Entfaltung einer roten Fahne als groben Unfug ansehen, weshalb sollte dann nicht das Entfalten einer weißen Fahne dasselbe sein. Die Neunkirchener Polizei hat also wieder einmal eine Niederlage in ihrem Kampfe gegen den„Umsturz" erlitten._ Freigesprochen wurde Genosse Pierenkämper vom „Bochum er Vokksblatt" von der Anklage der Beleidigung eines Straßenbahnschaffners, dem borgeworfen war, doppelte Fahr- Preise einkassiert zu haben. Der Wahrheitsbeweis wurde erbracht. Sie„sozisltlemolü'sMchea" OrtsIii'SDiieDlialken. Sitzung der ReichsversicherungSordnungS« ko m Mission am Freitag, den 24. Juni. Fast die ganze Sitzung wurde noch in Anspruch genommen durch die Aussprache über die„sozialdemokratischen O r t s k r a n k e n k a s s e n". Die Konservativen und Nationalliberalen treten für die Entrechtung der Arbeiter sowohl in bezug auf ihre Vertretung im Vorstand und Ausschutz als auch in bezug auf die Wahl des Vorsitzenden ein. Gegenwärtig würden die Arbeiter Sozialdemokraten als Kassenbeamten anstellen. Das sei eine Be- günstiqung der Sozialdemokratie. Die Genossen Hoch, Molkenbuhr und Eichhorn traten dicicn Ausführungen entschieden entgegen. Die Arbeiter haben dasselbe Recht, in die von ihnen zu besetzenden Stellen die Leute zu wählen, zu denen sie Vertrauen haben, wie es die Unternehmer in den Berufsgenossenschaften und der Staat in allen Zweigen der Verwaltung tun. Wenn man den Arbeitern dieses Recht entreißt. während man es den Unternehmern und dem Staate läßt, so sei das eine unerhörte Entrechtung der Arbeiter. Ueberdics schädige es die Krankenversicherung aufs schwerste. Denn erst durch die Selbstverwaltung der Arbeiter in ihren Krankenkassen seien die wichtigsten Fortschritte in der Krankenfürsorge erzielt worden. 25 Jahre hätten die Arbeiter jetzt ihr Selbstverwaltungs- recht. Es habe sich aufs b e st e bewährt, wenn auch hier und dort— wie überall— Fehler vorgekommen sein mögen. Jeden- falls habe es sich viel besser bewährt, als die Alleinherrschaft der Unternehmer in den Bcrufsgenossenschaften. Und doch soll die Alleinherrschaft der Unternehmer in den Berufsgenossenschaften unangetastet bleiben, das Selbstverwaltungsrecht der Arbeiter in den Krankenkassen dagegen vernichtet werden. Wo aber bleiben die Beweise von den Miß ständen in den Kranken- lassen, von denen in der Begründung der Regierungsvorlage die Rede ist? Herr Ministerialdirektor Caspar antwortete darauf, daß solche Mißstände sehr schwer zu beweisen seien. Selbst- verständlich könne man in jedem Falle auch solche Umstände geltend machen, die die Vorgänge in einem anderen Lichte erscheinen lassen. Deshalb habe es keinen Wert, einzelne Fälle vorzutragen. Die nationalliberalen Abgeordneten Hausmann und G o e r k i sowie der konservative Abgeordnete Pauli tvaren aber so vorsichtig nicht. Sie hatten von irgend einem Lügen- verband das„Material" bekommen und wagten sich damit aufs— Eis. Unsere Genossen waren aber darauf gesaßt. Sie hatten die nötigen Vorkehrungen getroffen, um über jeden Fall sofort genaue Erkundigungen einzuziehen und konnten daher in ihren Antworten sofort die Unwahrheit der behaupteten Tatsachen nach- weisen. So sollten an der Krankenkasse in München gerade in die am besten bezahlten Stellen nur Sozialdemokraten ohne Rücksicht auf ihre Qualifikation gebracht sein, während in Wahr- heit der Rendant der Kasse kein Sozialdemokrat ist und seine Tüchtigkeit selbst von der Aufsichtsbehörde anerkannt worden ist. In Kiel soll der Geschäftsführer ein sozialdemokratischer Agitator sein, der einen rücksichtslosen T e r r o r i s m u S auf die Beamten für die sozialdemokratische Partei ausübe, sogar Gelder der Kasse für die„sozialdemokratische Bibliothek" des Verbandes bewilligt habe. In Wahrheit ist der Geschäftsführer höchst wahr- schcinlich kein Sozialdemokrat; er wakl früher Arbeitgeber und ist weder damals noch jetzt politisch hervor- getreten. Außerdem ist schon nach dem geltenden Gesetz die Verwendung der Kasscngelder zu anderen Zwecken als der Kranken- Versicherung ausdrücklich verboten, so daß, wenn der an- geführte Fall wirklich wahr wäre, die Aufsichtsbehörde schon längst eingeschritten wäre. Daß trotzdem die drei Abgeordneten eine solche offenkundige Unwahrheit in der Kommission vortrügen, sei be- zeichnend. Die kläglichste Rolle spielte jedoch das Zentrum. Die Sozialdemokraten erinnerten die Herren daran, daß schon — König Stumm den Arbeitern das Recht abgesprochen habe, selbständig ihre Angelegenheiten zu regeln und deshalb seit jeher verlangt habe, die Arbeiter dürften nicht Vorsitzende einer Orts- trankenkasie sein. Dagegen fiten bisher auch die Herren Hitze und T r i m b o r n aufgetreten. Jetzt hätten sie sich auf denselben Standpunkt gestellt und genau dieselben Gründe wie früher König Stumm angeführt, die sie bisher bekämpft hatten. l Abg. Tr i mb o r n berief sich darauf, daß er und feine Freunde den Arbeitern„n u r" das Recht, den Vorsitzenden zu wählen, nehmen, alle anderen Rechte aber lassen wolle. Das müsse man aber tun, weil es die Arbeitgeber nicht gern sähen, daß die Arbeiter sogar den Vorsitzenden in der Ortskrankenkafse be- stimmen. Diese Verteidigung erschien selbst seinem Parteifreund Becker nicht genügend. Er hielt es daher für notwendig, sich über den angeblichen Terrorismus der Sozialdemokratie zu ent- rüsten. Das war das einzige, was dieser Abgeordnete, der ein christlicher Arbeitersekretnr ist, in dem Augenblick zu tun wusite, als es galt, eins der wichtigsten Arbeiterrcchte zu verteidigen. Bei der Abstimmung enthielt sich dieser„Arbeitervertreter" der Stimme und zeigte damit den Arbeitern, wie sie ihr eigenes Recht preis- geben, wenn sie als ihre Vertreter solche Männer in den Reichstag entsenden. Abg. Dr. M u g d a n mußte sich gegen den Vorwurf des Zen- trums und der Konservativen verteidigen, daß er früher selbst für die Entrechtung der Arbeiter eingetreten ist. Die Vorlage enthalte durchaus nicht das, was er befürwortet habe. Unter den gegebenen Verhältnissen seien sowohl die Vorschläge der Vorlage als des Zen- trums schädlich und würden auch der Sozialdemokratie nicht nur keinen Abbruch tun, sondern im Gegenteil neuen, für sie wert- vollen Agitationsstoff liefern. Abg. K u l e r s k i stellte sich auf den Standpunkt der Sozial- demokraten. Schließlich wurden die Anträge der Sozialdemokraten, die das Selbstverwaltungsrecht der Arbeiter in seinem jetzigen Umfange wiederherstellen wollten, gegen die Stimmen der Sozialdemo- kraten, Fortschrittler und des Polen abgelehnt. Dann wurde von den Konservativen, den Nationallibe- r a l e n, dem Zentrum und der Wirtschaftlichen Ver- e i n i g u n g die Entrechtung der Arbeiter in bezug auf die Wahl des Borsihenden angenommen. Dagegen wurde die Entrechtung der Arbeiter in bezug auf die Zusammensetzung des Vorstandes und des Ausschusses gegen die Stimmen der Konservativen, Nationalliberalen und der Wirtschaftlichen Ver- einigung abgelehnt. Das Zentrum hatte in seiner Verlegenheit einen angcb- lichen Verbesserungsantrag eingebracht. Wenn sich die Vertreter der Arbeitgeber und der Arbeiter nicht über einen Vorsitzenden verständigen, soll das Versicherungsamt einen„Vertreter" als Vor- sitzenden bestellen. Dazu verlangte der„Verbesserungsantrag" des Zentrums: Ein Arbeitgeber darf nur dann als Vertreter bestellt werden, wenn die Mehrheit der Gruppe der Arbeiter igegen diese Wahl keinen Einspruch erhebt; ein Arbeiter nur, wenn die Mehr- heit der Gruppe der Arbeitgeber nicht diesen Einspruch erhebt. Der Antrag hat gar keinen Wert, weil ja ein Vertreter über» Haupt nicht gestellt wird, wenn sich beide Parteien über einen Vor- sitzenden verständigen können. Die Mehrheit aber, die soeben die Entrechtung der Arbeiter beschlossen hatte, nahm auch diesen Antragan. Das Zentrum hatte seinem Antrag auch noch die Bestimmung hinzugefügt, daß der„Vertreter" dann kein Stimmrecht hat, wenn er nicht gewähltes Mitglied des Vorstandes ist. Dieser Satz wurde aber gegen die Stimmen des Zentrums, der Sozial- demokraten und des Polen abgelehnt. Für die Wahl der Arbeitgebervertreter schreibt die Vorlage vor, daß das Stimmrecht der einzelnen Arbeitgeber nach der Zahl ihrer versicherungspflichtigen Arbeiter und Angestellten bemessen wird; die Satzung kann es abstufen und eine Höchstzahl der Stimmen vorschreiben. Aus diese Weise können die kleinen Unternehmer von den großen vergewaltigt werden. Die Be- stimmung wurde aber von den Konservativen, N a t' o na I- liberalen, dem Zentrum und der Wirtschaftlichen Vereinigung angenommen.. Die Wahlen sollen nach den Grundsätzen der Verhältniswahl stattfinden. Auf Antrag der S o z«i l d e m o k r a t e n wurde der Zusatz gemacht, daß die Frist zwischen der Ausschreibung der Wahl und der Wahl selbst mindestens vier Wochen betragen muß und durch die Satzung noch weiter verlängert werden kann. Ferner wurde der Antrag der Sozialdemokrat l! � a n- genommen, nach dem die Sahung bestimmen kann, dafe die Wahl nach Bezirken oder Berufsgruppen erfolgt. Endlich war in der Vorlage gestattet, daß die Satzung mit Gc- nehmigung des Oberversicherungsamtes die Vorstandswahl anders als nach den Grundsätzen der Verhältniswahl regelt. Diese Aus- nahmebestimmung wurde auf Antrag der Kozialdemo» kraten gestrichen. Fortsetzung Sonnabend. Sie ßestyrMung der Beweisführung. In der Fortsetzung der Debatte in der Justizkommission über den ß 232, der die Einschränkung der Beweisführung zuungunsten deS Angeklagten bringen soll, ergab sich in der Freitagsitzung, daß für die Regierungsvorlage im allgemeinen wenig Liebe bor- Händen war, obwohl einigen Abgeordneten, so Heinze(natl.h und Wagner(k.), die Absicht der Regierung noch nicht reaktionär genug ist. Aus den Reden der Regierungsver- trcter klang wiederum die Neigung hervor, im Wege dieser Be- stimmung insbesondere die Beweisführung in Belcidigungsprozessen einzuschränken und zu erschweren. Abg. Gröber sucht durch einen Antrag die Vernehmung von Sachverständigen zu unterbinden. Abg. Wagner(Sachsen)(k.) beantragt, daß ein Gericht die Beweisanträge ohne weiteres dann ablehnen kann, wenn eS c i n- stimmig der Uebcrzeugung ist, daß diese Anträge nur gestellt sind, um die Sache zu verschleppen. Abg. Spahn will die Ent. scheidung über den Umfang der Beweisaufnahme dem freien Ermessen des Gerichts entziehen; ferner sollen die im Ver» fahren vor dem Schwur-, Reichs- oder Landgericht herbeigeschafften Beweismittel nicht abgelehnt werden dürfen. Nach einem pol- nischen Antrage sollen nur die Beweisanträge abgelehnt werden können, wenn das Gericht die dadurch zu beweisenden Tatsachen als wahr unterstellt.-- Unsere Genossen beantragten vor allen Dingen, daß die Bestimmung über die Ablehnung der Sachverständigen in dem Antrag Gröber gestrichen wird. Sie stellten ferner eine Reihe Unteranträge zu den Zentrumsanträgen.— Die Freisinnigen er- klärten sich im Prinzip für den Antrag Gröber, sie waren aber gegen die sozialdemokratischen Unteranträge. Nach fünfstündiger Dauer der Debatte ergab die durch die zahlreichen Anträge recht kompliziert sich gestaltende Abstimmung folgendes Resultat: der sozialdemokratische Antrag wurde gegen die Stimmen unserer Genossen abgelehnt. Für den Antrag Gröber stimmten 13, dagegen 14, darunter die Zentrums- abgeordneten Kalkhof. Spahn und Wellstein, ferner die 4 Nationalliberalen. 4 Konservative, 2 Reichsparteiler und der Antisemit: ein freisinniger Abgeordneter fehlte. Von dem Rc° gierungsentwurf wurde der Absatz 1 des 8 232 folgendermaßen gestaltet:„Die Beweisaufnahme ist auf Tatsachen zu erstrecken. die für die Entscheidung von Bedeutung sind." Die Worte„nach dem freien Ermessen des Gerichts" wurden gestrichen. Der Absatz 2 blieb unverändert. Der dritte Absatz erhielt folgende Fassung:„Ist das Beweismittel zur Verhandlung herbeigeschafft. so kann der Antrag nicht wegen Bedeutungslosigkeit der Beweis- tatsache für die Entscheidung abgelehnt werden." Als vierter Absatz wurde dem§ 232 angefügt:„Die Borschriften der§§ 71 und 83 bleiben unberührt." In der Gesamtabstimmung wurde der Paragraph in der ge» änderten Form mit 18 gegen 8 Stimmen angenommen. Die Sozialdemokraten stimmten dagegen. " Nach 8 234 wurde die Verhandlung auf Sonnabend vertagt. GewerkfcbaftUcbce. Mies trefft I Die Hirsch-Dunckerschen Gewerkschaften machen wieder mal auf der Ncutralitätspauke fürchterlichen Lärm. Als neuen Beweis dafür, daß die freien Gewerkschaften von der Sozial- demokratie ins Schlepptau genommen feien, trägt das Zentral- organ der Hirsche ein Flugblatt herbei, welches kürzlich in Groß-Berlin unter den Gewerkschaftlern zur Verteilung kam und zur Politischen Organisation in der Sozialdemokratie aufforderte. lieber die Sache selbst kann man mit den Leuten ja nicht diskutieren, sie würden weiter nichts tun, als auf den Beschluß ihrer jüngsten Generalversamnilung hinweisen, auf der man erst offiziell die„offizielle" Neutralität erneut nach dem bewährten Beschlüsse einer früheren Generalversammlung wieder zu einer schönen Resolution verarbeitet habe. Viel besser erscheint es, bei solchen! Neutralitätskollcr, der die Eigentümlichkeit hat, nur anderen Gewerkschaftsrichtungen gegenüber ivirksam zu sein, an Kleinigkeiten zu- er- innern, die sonst nach dem bekannten Sprichworte vom Balken in des Nachbars Auge leicht vergessen werden. Das Zentralblatt der christlichen Gewerkschaften bringt in seiner Nummer 12 eine niedliche Erinnerung, welche die Hirsch-Dunckersche Neutralitätstaschenspielerei ins rechte Licht setzt. Es handelt sich um die Stellungnahme zum Vereinsgesetz. Vor der Verabschiedung war im Zentral- organ(Nr. 20 1908)„Der Gewerkverein" zu lesen: „Wir erwarten bestimmt, daß sämtliche liberale Abgeordnete auf dem durch den Abgeordneten Träger deutlich gekennzeichneten Standpunkt zu dem§ 7(Sprachenparagraph) des Reichsvereinsgesetzes ausharren werden.... Bis hierher und nicht weiter, so müssen wir den Liberalen z u r u f e n I" So lautete die Melodie vor Tisch. Nach Tisch aber, in Nr. 29 von 1908, als das Hirsch-Dunckersche Kommando unwirksam geblieben war, da las maus anders. „Schon jetzt sucht man unsere Mitglieder aufzuhetzen und ihnen die„Sunden" der Liberalen zum Vorwurf zu machen. I a, was gehen denn uns als Gewerkvereine die liberalen Parteien an"...!! Es läßt sich daraus ersehen, daß die Gewerkvereinler also auch dann neutral sind, wenn ihre politischen Freunde Dumm- heilen gemacht haben. Lerlin und illmgegend. Tarifbewegung der Graveure und Ziseleure. Im Berufe der Graveure. Ziseleure usw. haben seit April borigen Jahres Verhandlungen über den Abschluß eines einheitlichen Tarifvertrags stattgefunden, die erst vor kurzem ihr Ende erreicht haben, sich also über ein Jahr lang hinzogen. Sie wurden ge- pflogen von einer gemeinsamen Kommission des Verbandes der selbständigen Graveure und Ziseleure und der Ortsgruppe der Gra- veure, Ziseleure usw. des Deutschen Metallarbeiterverbandes. Die Verhandlungen haben nicht zum Abschluß einesTarifvertrags, wohl aber zur Altfslellung eines TarifentwurfS geführt, dem die Vertreter beider Parteien in der Kommission zustimmten, der jedoch nicht die Billigung der Versammlung der Arbeitgeber deS Berufes gefunden hat. Nach dem Entwurf sollte die Arbeitszeit in allen Betrieben innerhalb des ersten halben Jahres auf b'/z Stunden, im zweiten halben Jahre auf 3 Munden herabgesetzt werden. Da der Achtstundentag schon in einer Reihe von Betrieben besteht, erschien dessen allgemeine Einführung um so mehr geboten. Für die Lehr- linge sollte Beginn und Ende der Arbeitszeit nicht mehr als eine halbe Stunde vor oder nach der normalen Geschäftszeit liegen. Der Mini- mallohn sollte für Ausgelernte 45 Pf., nach einem halben Jahre andern zu gegebener Zeit, gestützt auf ihre starke Organisation, dem Metallarbeiierverbanv, mit ganzer Kraft dafür sorgen werden, daß sowohl der Achtstundentag wie auch eine entsprechende Regelung der Löhne durchgeführt wird. In demselben Sinne äußerte sich auch der Ortsvorsitzende Cohen. Die Graveure und Ziseleure müßten ihren Arbeitgebern erst einmal zeigen, daß sie eine Macht sind, mit der gerechnet werden muß, um erst einmal an- nähen, d das zu erreichen, was andere Branchen des Metallarbeiter- Verbandes schon lange erreicht haben. Die Klempner befinden sich in einer Tarifbewegung. Seiten» der Arbeitgeber waren vor einiger Zeit Anregungen zu gegenseitigen Verhandlun- gen gekommen. Die Zentrale des Klempnergewerbes Berlins hat sich nämlich kürzlich zu einem Verbände der Arbeitgeber des Bau» klempnergewerbes zusammengeschlossen. Das muß so schnell ge- schehcn sein, daß sie auf den Schriftstücken an den Metallarbeiter- verband noch nicht einmal den Firmenstempel drücken tonnten. Cohen berichtete in einer Branchenversammlung über den Ver- lauf der Dinge und ging auf die einzelnen Phasen der VerHand. lungen ein, die sich zu einer Verlage verdichteten. In diesem Ent. wurf ist in den meisten Punkten eine Einigung zu verzeichnen. Den springenden Punkt bildet der Z 3, der die Lohnfrage betrifft. Die Arbeitgeber bieten darin folgendes: § 3. Der Mindestlohn beträgt 75 Pf. pro Stunde, vom 1. April 1912 ab 75% Pf. pro Stunde. Für JungauSgelernte kann der Lohn geringer sein, jedoch im ersten Jahre nach beendeter Lehrzeit nicht unter 57% Pf.. im zweiten Jahre nach beendeter Lehrzeit nicht unter 62� Pf. und im dritten Jahre nach beendeter Lehrzeit nicht unter 67!� Pfennige pro Stunde. Diese Sätze steigen am 1. April 1912 um 1% Pf. pro Stunde. Die Forderung der Arbeiter dagegen lautet:____ Lerantw. Bedakt.: Richard Barth, Berlin. Inseratenteil verantw.i § 3. Der Mindestlohn beträgt mit Abschluß des Tarifs 75 Pf. pro Stunde, vom 1. April 1311 ab 7754 Pf. pro Stunde und vom 1. April 1912 ab 89 Pf. pro Stunde. Für Jungausgelernte kann der Lohn geringer sein, jedoch im ersten Jahre nach beendeter Lehrzeit nicht unter 69 Pf., im zweiten Jahre nach beendeter Lehrzeit nicht unter 79 Pf. pro Stunde. Diese Sätze steigen am 1. Avril 1911 um 254 Ps. und am 1. April 1912 nochmals um 254 Pf., so daß der Stundenlohn am 1. April 1912 für Jungausgelernte im ersten Jahre nach beendeter Lehrzeit 65 Pf. und im zweiten Jahre nach beendeter Lehrzeit 75 Pf. pro Stunde beträgt. Dieser von den Vertrauensleuten der Klempner ausgearbeitete Passus wurde von Cohen warm zur Annahme empfohlen, stieß jedoch bei der Versammlung aäf scharfen Widerstand. Einzelnen Rednern gingen die Forderungen absolut nicht weit genug und es wurde erklärt, daß man mit der Annahme dieses Paragraphen ja hinter die früher vertretenen Forderungen zurückginge. Andere Redner dagegen unterstutzten Cohens Empfehlung. Infolge der vorgeschrittenen Zeit wurde die Persammlung ab- gebrochen und soll am Montag fortgesetzt werden. Abschluß der Tarifbewegung in der Gipsbaubrauche. Das Ergebnis der im Mai zwischen der Sektion der Gips- und Zemcntbranche vom Zentralverband der Maurer Deutschlands iftrd dem Berliner Beton-Verein zwecks Erneuerung des am 1. April dieses Jahres abgelaufenen Tarifvertrages gepflogenen Verhand- lungen wurde bekanntlich von den in der GipÄiaubranche de- schäftigten Putzern, Trägern und Spannern in einer am 25. Mai abgehaltenen Persammlung als unzureichend abgelehnt. Auch die von den Vertrauensmännern gemachten Vermittelungsvorschläge befriedigten nicht und wurden verworfen. Man glaubte, da bei der derzeitigen Situation im Gewerbe auf weitere erhebliche Zuge- ständnisse der Arbeitgeber nicht zu rechnen wäre, einer tariflosen Zeit den Vorzug geben zu sollen. Inzwischen haben jedoch auf Ver» anlassung des Kartells der Berliner Bauarbeitgeberverbände am 16. Juni erneute Verhandlungen zwischen dem Berliner Beton- Verein und der Verhandlungstommission der Arbeiter unter Mit- Wirkung des Vorsitzenden Heuer vom Verbände der Baugeschäfte Berlins und der Pororte stattgesunden. In einer in Dräsels Festsälen tagenden Versammlung der Putzer, Träger und Spanner gab der Sektionsvorsitzende H a e s e Bericht von diesen Verhandlungen. Die Verhandlungskommission der Arbeiter verlangte die Zahlung der von den Arbeitgebern in zwei Raten bewilligten Lohnzulage von 5 Pf. pro Stunde vom 13. August ab, und vom 1. Oktober 1911 ab weitere 2 Pf. Die Arbeitgeber erklärten jedoch, über ihre im Mai gemachten Zuge- ständnisse, wonach vom 13. August d. I. ab 3 Pf. und vom 1. Oktober 1911 ab weitere 2 Pf. Lohnzulage erfolgen soll, nicht hinausgehen zu können. Nur für die Putzerträger wollen sie, um die Lohn- unterschiede zwischen diesen und den Putzern zu mindern, 14 Pf. mehr zugestehen. Die geforderte Entschädigung für die Lauf, und Fahrzeit zur Arbeitsstelle, wie sie ein früherer Tarif vorsah, lehnten die Arbeitgeber ebenfalls ab, wollten aber daS benötigte Fahrgeld zahlen zu den Arbeitsstellen, die nicht mit der Straßen- bahn für 19 Pf. zu erreichen sind. Die Tarifdauer solle drei Jahre betragen, auf eine zweijährige Tarifdauer gehen die Arbeitgeber nicht ein. Die Kommission ist nach reiflicher Erwägung und Prüfung aller Umstände zu dem Entschluß gekommen, der Ver- sammlung die Annahme dieser Vorschläge zu empfehlen. In der sehr erregten Diskussion wird der Kommissionsvorschlag hart bekämpft und den Kommissionsmitgliedern sogar der Vorwurf gemacht, daß sie nicht mit genügendem Jntereffe die Wünsche der Mitglieder wahrgenommen haben. Mehrfach wurde einer tarif- losen Zeit das Wort geredet. Die Kommissionsmitglioder wiesen den ihnen gemachten Porwurf energisch zurück und traten warm für die Annahme des Verhandlungsresultats ein. Die Versamm- lung nahm darauf das Angebot der Unternehmer mit 223 gegen 119 Stimmen an. Darauf wurde beschlossen, über die Firma Otto Stüwe, die gegenwärtig in der Potsdamer Straße einen größeren Bau hat und die fortgesetzt die festgelegten Lohn- und Arbeitsbedin- gungen nicht einhält, die Sperre zu verhängen. An die Fliesenleger der Sektion des Maurerverbandes! Den Mitgliedern zur Kenntnis, daß die gemeinsame Besichtigung der Ton-, Zement- und Kalkindnstrie-Ausstellung am Sonntag, den 26. Juni, vormittags stattfindet. Eintrittskarten zum Preise von 30 Pf. das Stück sind daselbst beim Vorstand zu haben. Treffpunkt vormittags S'/g Uhr am Ausgange des Bahnhofes Banmschulenweg. I. A.: Zentralverband der Maurer. Sektion der Fliesenleger. Achtung, Schuhmacher! In der Schuhfabrik von A.Schweiger, Jnh. S. Gasch, Rungestr. 20, haben wegen Lohnabzügen in der Wendeabteilung sämtliche Arbeiter und Arbeiterinnen die Arbeit niedergelegt. Wir ersuchen, dieses zu beachten. Die Ortsverwaltung der Schuhmacher. Achtung, Töpfer! Die Sammlungen betreffs der Bauarbeiter- aussperrung werden hiermit eingestellt. ES wird demnach heute nicht mehr gesammelt. Jedoch muß jeder Kollege für sieben Wochen gesteuert haben und zwar vom 7. Mai 1910 ab. Die Verbandsleitung. Dentfchea Reich. Die örtlichen Differenzen im Bangewerbe werden nach und nach beigelegt. Orte, die sich erst entschieden gegen die Annahme deS Schiedsspruchs erklärten, stimmen nach geschehenen örtlichen Verhandlungen nun doch für Aufnahme der Arbeit. So wird außer aus Mannheim nunmehr aus Kassel ge- meldet, daß die.Bauarbeiter die Arbeit aufnehmen. In Leipzig und Breslau besteht dagegen der Streik in größerem Umfange weiter. Hirsch-Dunckersche als Hätschelkinder der Unternehmer. Die Lohnbewegung der Dresdener Brauerei- a r b e i t e r ist in ein ernstes Stadium getreten, und zwar durch das unerhörte Ansinnen, welches von den Verbandsbraue- reien an die Lohnkommission des ZcntralverbandcS gestellt worden ist. Vor kurzem ist letzterer laut Beschluß einer Versammlung mit neuenForderungen bezüglich Lohn- und Arbeitsbedingungen an die Verbandsbrauereien herangetreten. Zu irgendwelchen ernst- lichen Verhandlungen ist es aber bisher durch die Verschlep- pungSpolitik der Unternehmer nicht gekommen. Letztere ver» langten von den Vertretern des Zentralverbandes, daß sie in Ge- meinschaft mit der am Orte— 39 Mann starken Hirsch-Dunckerschen Organisation mit ihnen ver- handeln sollten! Der Zentralverband, welcher über 1200 Mitglieder in Dresden zählt,' lehnte ein derartiges Verlangen rundweg ab. Nun war für letzten Montag wieder eine Verhand- lung anberaumt worden und, als die Lohnkommission im BeratungS- zimmer erschien, waren auch die Vertreter der— 39 Männlein an- wesend! Diese Verhandlung verlief resultatlos. weil die Vertreter deS Zentralverbandes dem Auftrage ihrer Mitglieder und ihrer prinzipiellen Stellung gemäß ein Zusammengehen mit den Hirschen ablehnten. Die Verbandsbrauereien bestanden aber aus eine ge- meinsame Verhandlung und erklärten nach einer kurzen Beratung, daß sie es bedauern, daß der Zentralverband nicht gemeinsame Sache mit dem Bundesverein mache, worauf sie aber großen Wert legen. Darauf wurden die Verhandlungen abgebrochen. Nun hatte sich LH, Glocke» Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr, u, Beilsllkanstall' eine imposante Versammlung deS Zentralverbandes mit der An- gelegenheit zu beschäftigen. Der Referent legte öffentlich die Gründe dar, welche zu einem Getrenntmarschieren Anlaß geben und führte aus: Wir können unmöglich mit Leuten gemeinsame Sache machen, deren Vertreter im Reichstage für die Erhöhung der Brausteuer eingetreten sind. Die Hirsch-Dunckerschen sind es gewesen, die bisher überall da, wo es zu Differenzen zwischen Arbeitern und Arbeitgebern gekommen ist, hilfreich auf die Seite der letzteren getreten sind— ja sogar Streikbrecher geliefert haben. Diese 39 Mann starke Gruppe habe keinen Anspruch auf Teilnahme an den Verhandlungen. Der tosende Beifall zeigte, daß die Versammlung ganz derselben Meinung war. Ein anwesender Vertreter der Hirsche unternahm einen erfolglosen Rettungsversuch für seine 39 Getreuen, erlebte aber eineböseAbfuhr. In einer einstimmig angenommenen Reso- lution wurde erklärt, daß unter keinen Umständen mit den Hirschen gemeinsame Sache gemacht werden soll, und die Lohnkommission beauftragt, in alleinige Ver- Handlungen einzutreten. Die Dresdener Brauerei- arbeiter sind, falls die Unternehmer auf ihren unverständlichen Standpunkt stehen bleiben, bereit, ihren Forderungen ab 1. Juli durch einen Streik Nachdruck zu verschaffen. In Frage kommen weit über 1000 Personen. Ein sozialer Musterbetrieb. V. Friedrich Naumann weist in seinen Schriften und Vor- trägen immer wieder darauf hin, daß ein Volk mit einem Be- völkerungsüberschutz, wie das deutsche. Qualitätsware er- zeugen und ausführen müsse, wenn es nicht Menschen exportieren wolle. Deshalb hat er sich auch für die„Deutschen Werk- statten für Handwerkskunst" interessiert und eine nicht leicht zu überschätzende Reklame für sie gemacht. Bei den sozial- politischen Anschauungen dieses Protektors muß es die Oeffentlich- keit um so mehr überraschen, daß sich gerade dieser Betrieb durch eine jämmerliche Bezahlung seiner Kunstgewerbczeichner nnvorteil- hast auszeichnet.„Die Gehälter stehen auf der tiefsten Stufe," be- richtet darüber der„Kunstgewerbczeichner",„selbst dann noch, wenn man sie mit den Gehältern in den miserabelsten Geschäften ver- gleicht." Ein Gesuch um Erhöhung der Gehälter um 3354 Proz. und Einführung der gesetzlichen Kündigung wurde vom Direktor Schmidt zunächst höhnisch abgelehnt. Nachdem sich der Verband Deutscher jwnstgewerbezeichner an Herrn D. Naumann und Prof. Riemerschmidt gewandt hatte, wurde die gesetzliche Kündigung und eine kleine unbedeutende Zulage gewährt. Kurz darauf wurde jedoch allen Zeichnern gekündigt und jede weitere Verhandlung abgelehnt. Beim letzten Kündigungstermin erhielten die Zeichner den Bescheid, wer dableiben wolle, könne bleiben, aber aus dem Verband Deutscher Kunstgewerbezeichner müßten sie austreten. Dieses Vorgehen zeigt, wie selbst unter moderner sozial-fortschritt- licher Flagge, wie der Gartenstadtbewegung— die Firma hat ihren Sitz in der Gartenstadt Hellcrau— die kapitalistischen Interessen zu einer Geschäftsleitung führen, die sich in nichts von derjenigen der berüchtigten Scharsmacher unterscheidet. Die Gönner dieses „sozialen Musterbetriebes" können durch die Tat zeigen, ob sie einem überempfindlichen Aesthezitismus den Vorzug einräumen vor den Ansprüchen hochqualifizierter Arbeitnehmer, an unseren Kultur- gütern teilzunehmen, ob sie eine Gewähr dafür schaffen wollen. daß die Grundlage hierzu, das freie Koalitionsrecht, dauernd ust- angetastet bleibt._ Hustand. Ein gescheiterter Einignngsversuch. Die Reichsparteivertrctung der österreichischen Sozialdemokratie hat sich bemüht, noch vor dem Kopenhagencr Kongreß eine Kon, f e r« n z zustande zu bringen, um eine Verständigung zwischen Zentraliften und Separatisten zu ermöglichen. Die Wiener Gewerkschaftskommission Pat sich trotz ihrer geringen Hoffnungen ohne Bedingungen bereit erklärt, die Konferenz zu be« schicken. Dagegen hat eine am 30. Mai 1910 abgehalten« Sitzung der Vertreter der„autonomen"(separatistischen) Gewerkschaftsver- bände mit der Parteiexekutive der tschechischen Sozialdemokratie beschlossen, daß, wenn die Konferenz zu einer Regelung der gegenseitigen Beziehungen führen soll(also Fortbestehen der Separatistenvcrbändel), die Grundlage das separatistische Pro» gramm sein müsse. Man behielt sich vor, die weiteren Schritte über die Beschickung und Durchführung der Konferenz danach cinzu» richten, wie die Antwort auf diese prinzipielle Voraus- s e tz u n g lauten würde. Diese Resolution begründete ReichSratSabgeordneter Dr. S o u, kup-Prag� der ncbstdem erklärte, die Konferenz dürfe sich nur mit dem— Abschluß von Gegenseitigkeitsverträgen zwischen den Gewerkschaften und den Separatisten beschäftigen. Danach dachte natürlich, wie das Organ der ReichSgewcrkschaftS. kommission schreibt, kein ernstzunehmender Mensch mehr an daS Stattfinden der Konferenz._ 30 000 Landarbeiter im Streit. Rom, 22. Juni.(Eig. Ber.) Wegen Vertragsbruchs der Grund- besitzer haben die Landarbeiterorganisationen der Provinz Mantua den Generalstreik für die ganze Provinz proklamiert. Es handelt sich um 30 000 organisierte Landarbeiter, die sich sofort an den sozia- listischen Parteivorstand gewendet haben mit der Bitte, ihnen einen Vertreter zu senden. Weiter haben sie ihre Abgeordneten, die Ge- Nossen Ferri und Bonomie, ersucht, sich in das Streikgebiet zu be- geben. Enrico Ferri ist sofort nach Mantua abgereist. Der Vertrags- bruch bestand darin, daß in zwei Orten Arbeiter unter Tarif an- gestellt wurden._ Letzte JNteebriebten und vepefcden. Zum Kampf im Baugewerbe. Leipzig, 24. Juni.(B. H.) Wie bereits die Maurer, so haben auch die Leipziger Zimmerer beschlossen, entgegen der Entscheidung des Dresdener Schiedsgerichts in einen allgemeinen Streik einzutreten. Solingen, 24. Juni.(B. H.) Die hiesigen Maurer Irhnten den Dresdener Schiedsspruch ab und beschlossen, von der nächsten Woche ab zu streiken._ Oesterreich und Deutschland zur Kretafrage. � Wien» 24. Juni.(B. H.) In hiesigen diplomatischen Kreisen verlautet, daß Oesterreich und Deutschland es« abgelehnt hätten» sich an der Lösung der Kretafrage zu beteiligen. Zum Tode verurteilt. Hamburgs 24. Juni.(W. T. B.) Der HandluNgskommig Holste, der am 12. Januar d. I. die Pfandleiherin Luise Merkli ermordet und beraubt hat, ist vom Schwurgericht zum Tode verurteilt worden._ Vom Automobil überfahre». Wetter a. d. Ruhr, 24. Juni.(B. H.) Auf der Provinzial« landstraße zwischen Wjetter und Witten ist von einem Auto- mobil aus Herne ein italienischer Arbeiter überfahren worden, Der Ueberfahrene war sofort tot._• Maul Singer& Co., Berliv 3W, Hierzu 3 Beilageo«. vuterhallungsbl. Nr. 146. 27. Zahrgaag. 1. Keilm des.Amärts" Kcrliim AcksblM. Zomabeod, 25. In»! 1910. Aus der Berliner Gewerkfcbaftsbommlfnon. Die Vertreter zur Gewerkschaftskommission für Berlin und UmHegend hielten am 21.Juni b. Js. eine Versammlung ab, um den Bericht des Ausschusses und des Sekretäres entgegenzunehmen. Aus dem Kassenbericht, den Genosse Körst en erstattete, ist zu entnehmen, dass die finanziellen Verhältnisse der Gewerkschafts- kommission als günstige bezeichnet werben können. Im weiteren erörterte Redner die Aufgaben, die im Laufe des Jahres der Kom- Mission noch bevorstehen und wies dabei auf die im Herbst statt- findenden Gewerbegerichts- und Kaufmanngerichtswahlen hin. Ritter stellte die erfreuliche Tatsache nochmals fest, daß das Jahr 1909 mit einer Zunahme von über 9999 Mitgliedern abgeschlossen habe. In den letzten beiden Jahren war aus Anlaß der Wirtschaft- lachen Krise ein Rückgang zu verzeichnen. Der Gewerkschasts- kommission sind 93 Verwaltungsstellen, die 57 Organisationen mit 233 969 gewerkschaftlich organisierten Arbeitern bezw. Arbeiterinnen angehören, angeschlossen. Die Zahl der weiblich organisierten be- trug am Jahresschlüsse 1999: 17 966 Mitglieder. Auf eine allgemeine Bemerkung R it t e r s, daß der in einzelnen Gewerkschaften ver- zeichnete Rückgang nicht immer auf die wirtschaftliche Krise, sondern auf das Fehlen innenorganisatorischer Maßnahmen zurückgeführt werden müsse, bemerkten Eue sWäschearbeiter) und M i s b a ch (Bildhauer), daß in ihren Gewerkschaften der Rückgang lediglich auf die große Arbeitslosigkeit zurückzuführen sei, da besonders bei den Bildhauern viele der Kollegen ihrem Berufe Valet sagen und zu einem anderen überzugehen gezwungen sind. Auf die in der Nr. 142 des„Vorwärts" vom 21. Juni vom„Allgemeinen Deutschen Gärtnerverband" gebrachte Berichtigung wurde bemerkt, daß diese Organisation an diesem Irrtum mit schuld trage, da sie die 459 in den Vororten wohnenden Mitglieder von dem Lohngebiet Groß- Verlin zu Unrecht abgezogen habe. Es wurde von Ritter und vom Genossen Eue erneut an die männlichen Vertreter die Auf- fovderung gerichtet, sich die Organisierung der Arbeiterinnen an- gelegen sein zu lassen, um den in dieser Beziehung gefaßten Ge- werkschaftskongreßbeschlüssen nachzukommen. Das sei nicht nur nötig, soweit es gewerbliche Arbeiterinnen betreffe, sondern die Tätigkeit müsse in noch höherem Grade bei den weiblichen Dienst- boten einsetzen, um dem Verband der Hausangestellten neue Mit- glieder zuzuführen. Auch unter den männlichen Arbeitern sei viel- fach eine totale Unkenntnis der gesetzlichen Bestimmungen für die Dienstboten zu finden, daher sei es nötig, daß in den einzelnen Ge- Werkschaften mehr Aufklärung in dieser Richtung verbreitet werde. Wie weiter berichtet wurde, nahm die EntWickelung der Ber- liner Genossenschaftsbewegung ihren guten Fortgang, so daß Aus- ficht vorhanden sei, in nicht allzuferner Zeit die Mitgliedcrziffern von Hamburg und Leipzig zu erreichen. Wie in früheren Jahren wurde auch diesmal im Bericht Klage geführt, daß einzelne Gewerberichter in Berlin und Vororten die Arbeitersekretäre wegen„Geschäftsmäßigkeit" zur Vertretung von Parteien nicht zulassen. Die Geschäftsmäßigkeit ist nach ihrer An- ficht dann schon als vorhanden zu betrachten, wenn der betreffend« Sekretär durch die Form seines Vortrages ein gewisses Uebergewicht gegenüber dem Gegner hat. In einem Fall hat es ein Rixdorfer Gewerberichter nicht einmal für nötig erachtet, den die Vertretung ausübenden Sekretär von der Ablehnung zu benachrichtigen, so daß die Terminsladung an die Klägerin— eine Näherin, die gegen einen Zwischenmeister klagte— nach Danzig ging, wo diese an demselben Morgen, als der Termin stattfinden sollte, auf dem Umwege über Danzig wieder im Sekretariat einlief. Dagegen werden Vertretern großer Firmen, die ständig Vertretungen vor den Gewerbegerichten ausführen, keinerlei Schwierigkeiten bereitet, obwohl auf diese der von den Richtern ausgeklügelte Begriff der„Geschäftsmäßigkeit" in gleicher Weise Anwendung finden müßte. Sekretär Link ging mit einigen Worten auf das Gebiet des Unfall- und des Alters- und Jnvalidenversicherungswesens ein, daß auch im Vorjahre den Hauptteil der Tätigkeit des Sekretariats aus- gemacht hat. Er richtete an die anwesenden Vertreter die Bitte, in den Gewerkschaften dafür Sorge zu tragen, daß Invaliden- und Unfallsachen gleich von Anfang an und nichts erst im Stadium der Verhandlungen dem Sekretariat übergeben werden möchten, weil dadurch Zeit und Kraft gespart und dem Sekretariat und den An- tragstellern besser gedient sei. In der Diskussion bemängelt H i n r i ch s e n(Zimmerer), daß der Bericht bei den Einnahmen für die streikenden schwedischen Arbeiter nicht eine Bemerkung enthalte, daß die Zimmerer nicht auf Sammellisten, sondern durch eine feste Beitragsmarke gesammelt haben. Dadurch könne der Anschein erweckt werden, als haben sich kleines Feuilleton. Die Zukunft der deutschen Aussprache. Einer der Kesten aus- ländischen Kenner der deutschen Sprache, Professor George O. Curme von der Northwestern Universith in Nordamerika, hat den vorigen Sommer zu Beobachtungen über die heutige deutsche Sprache in Deutschland zugebracht und über die Ergebnisse dieser Reise Bericht erstattet. Da der letzte Aufenthalt Professor Curmes in Deutschland in das Jahr 1899 gefallen war, richtete er sein besonderes Augen- merk darauf, ob in diesen Jahren ein deutlicher Ent wickelungszug in der Aussprache des Deutschen wirksam ge> Wesen ist. DaS ist nach Curme in der Tat der Fall, und zwar findet er diesen Zug in einer ausgesprochenen Richtung zur Annäherung und Ausgleichung, der im ganzen deutschen Sprachgebiet die ver- schiedensten Laute und Lautverbindungen ergriffen hat. An Orten, wo gebildete Deutsche aus allen Teilen des deutschen Sprachgebiets zusammenkommen, wie z. B. in den Schweizer Kurorten, war der Verfasser oft erstaunt über die weitgehende Aehnlichkeit, die die Aussprache auch bei räumlich weit entfernt wohnenden Deutschen aufwies. So spricht z. B. ein Teil der Süddeutschen, namentlich der O-sterreicher, das p und t im Gegensatz zu b und d zwar immer untq anders(stimmlos) aus als der Norddeutsche, aber er ersetzt den Unterschied der norddeutschen Aussprache(stimmhaftes b und d) durch einen stärkeren Druck und erzielt damit die gleiche Wirkung der scharfen Unterscheidung der früher zumeist ganz ungeschiedenen Laute. Im allgemeinen fand Curne, daß bei uns die Neigun besteht, die Aussprache dem Schriftbild anzupassen und dcmgemü für einen bestimmten Laut auch womöglich nur eine Aussprache festzuhalten, was natürlich vielfach Schwierigkeiten bereitet, so z. B. bei der Aussprache des„g" in den verschiedenen Beugungsfällen von Wörtern wie„Tag" oder„Weg". Der sogenannten„Bühnen- ausspräche" kamen auf seinen Fahrten norddeutsche Lehrer und Geschäftsleute am nächsten, was sich indessen einfach dadurch erklärt, daß diese„Bühnenaussprache" im wesentlichen auf der möglichst an das Schriftbild angelehnten norddeutschen Aussprache beruht. Bezeichnend für die Gesamtentwickelung war die Klage, eines mecklenburgischen Lehrers, daß die heimische Aussprache (S—teiit, s— prechen u. f. f. und Zungen- r) immer mehr der „preußisches" Sprechweise(Schtein, schprechen und Zäpschen-r) weicht. Im ganzen scheint dem Verfasser die EntWickelung unzweifelhaft dahin zu gehen, daß zwar die Annäherung der Äusspracheweisen weitere Fortschritte machen wird, daß aber schließlich doch zwei große Hauptgeviete der Aussprache sich gegenüber stehen werden, ein norddeutsches und ein süddeutsches, von denen das erste geringere, das zweite mehr und stärkere landschaftliche Unterschiede aufweisen wird. Die Konkurrenz der Cellos. Ein eigenartiges Experiment wurde jüngst in Ksris»nteinsBiMN, um eimn Vergleich zwischen 1 die Berliner Zimmerer an den Sammlungen nur in geringem Maße beteiligt. Das sei aber nicht der Fall. Dies wird von Körsten bestätigt, der aber andererseits darauf hinweist, daß die Samm- lungen der Zimmerer, die durch ihren Zentralvorstand abgeführt wurden, unmöglich in die Einnahmen der Berliner Sammlungen gestellt werden konnten, weil sie nicht durch die Kasse der Berliner Getverkschastskommission gegangen sind. Es wurde hierauf zur Neuwahl des Ausschusses geschritten. Gewählt wurden A l b r e ch t(Buchdrucker), Jul. Cohn(Bureau- angestellter), H a r t m a n n(Metallarbeiter), Kunze(Schneider), Maaß(Holzarbeiter), Mietz(Maler), Schuld t(Brauerei- arbeiter), Schultz e(Sattler) und Werner(Transportarbeiter). Als Revisoren bestimmte die Versammlung: Schade(Buchbinder), Urban(Handlungsgehilfe) und Wutzkh(Gemeindearbeiter). Nach einer kurzen Begründung durch Körsten, der darauf hin- wies, daß die vom Magistrat eingebrachte Vorlage der Erhebung einer Lustbarkeitssteuer das Berliner Gewerkschaftshaus um etwa 19 999 Jahr pro Jahr belasten würde, nahm die Versammlung fol- gende Resolution einstimmig an: „Die am 21. Juni 1919 versammelten Gewerkschaftsvorstände der freien Gewerkschaften, die 63 Verwaltungsstellen mit 233 999 Mitgliedern vertreten, protestieren mit aller Entschieden heit gegen die vom Berliner Magistrat eingebrachte Vorlage be- treffend die Erhebung einer Lustbarkeitssteuer. Sie erblicken in der Vorlage, wenn sie in Kraft treten sollte, eine Erdrosselung aller Kunst- und Bildungsbestrebungen, deren sich die GeWerl schaften in vornehmlicher Weise befleißigen. Der freisinnige Magistrat geht hier mit dem Junkertum Hand in Hand, durch indirekte Steuern die Gewerbetreibenden und Arbeiter zu belasten, die Reichen dagegen zu schonen. Diese Steuer trifft aber nicht nur finanziell die Armen, sie wirkt auch, wie es die Erfahrung in anderen Städten gelehrt hat, schikanös und unterbindet durch ihre Kontrolle allen gesellschaft- lichen und Vereinsverkehr. Die Gewerkschaftsvorstände nehmen mit Bedauern Kenntnis, daß es wieder freisinnige Vertreter im Rathause sind— die angeblich Kunst, Bildung und Wissenschaft als oberstes Gebot ver- langen—, die sich dazu hergeben, eine Vorlage einzubringen, die kultur- und bildungsfeindlich ist und der arbeitenden Klasse es immer mehr zur Unmöglichkeit macht, sich weiter bilden zu können." Auf Antrag des Verbandes der Handlungsgehilfen, dem, wie Ritter berichtete, auch der Ausschutz seine Zustimmung erteilt hatte, und die der Redner zur besonderen Beachtung durch die Ge- Werkschaftsmitglieder empfahl, gelangte ferner noch diese Resolution zur Annahme: „Seit Jahren kämpfen die Angestellten und Arbeiter im Handelsgewerbe um Einführung der vollständigen Sonntagsruhe. Die Geschäftsinhaber sträuben sich dagegen und fast ausnahmslos mit der Begründung, daß im Interesse des kaufenden Publikums, besonders der Arbeiterschaft, die Geschäfte an den Sonntagen offengehalten werden müssen. Die Vertreter zur Gewerkschaftskommission Berlins und Um. gegend erachten die Einführung der vollständigen Sonntagsruhe im Handelsgewerbe als dringend notwendig und weisen die Rück- sichtnahme auf die Arbeiterschaft als Konsument ganz entschieden zurück. Die Vertreter fordern die Arbeiterschaft auf, keine Einkäufe an den Sonntagen zu machen und verpflichten sich, in ihren Ge- werkschaften darauf hinzuwirken, daß die Mitglieder und deren Familienangehörige ihre Einkäufe nur an den Wochentagen be- sorgen."_ Für die ausgesperrten Bauarbeiter. Bei der Gewerkschaftskommisfion für Berlin und Umgegend gingen ferner für die ausgesperrten Bauarbeiter Deutschlands ein: Allgemeiner Deutscher Gärtnerverein, Verw. Berlin 109,—. Verband d. Bergarbeiter, Bezirk Hamm 50,—. Tischlerei Kaufmann u. Grass 11,70. Tischlerei Rosenberg 5,—. Bilm 3,05. Bauklcmpncr bei Müller 3,40. Liste 273, 279 Unter kommission Tempelhos-Mariendors-Marimsclde 12,20, Unter- stützungSsondS d. Glasarbeiter Stralau, 7. Rate 50,—. Durch Mertzig 3,50. Möbelsabrik Groschkus 32,—. Handwerker u. Maschinenpers. Schultheiß IV 15,—. Italienischer Oskar, 4. Rate 5,—. Einsetzer Wilmersdorf 10,30. Sieben Gürtler bei Lindfwöm 3,50. Babst, Schönhausen 3,—. Deutscher Holzarbciterverband. Zahlstelle Sieglitz 100,—. Tischlerei Heinz, Lauter u. Co., 3. Rate 24,25. Charlottenburg, 3. Gruppe Bade 20,—. Kollegen bei A. Hain 15,—. Dr. A. Südckum 3,—. 5533 Gips- u. Zementbranche 7,10. 5514 Rowakowski 23,25. 5555 Lorenz 8.—. Pniok 2.—. 449 Tischlerei Lüdtke, 5. Rate 7,95. 5995 Walter 5,50. Glasarbeiterverband, Verwaltung Berlin I auf folgende Listen: 7513 Krfinke 4,40. 7511 Gregoleit 4,95. 7501 Kreuzberger 3,10. 7515 Sessel 3,25. 7510 Häse u. Hartz 7,20. 7503 Lourette 11,35. 7154 Salnmonis 7,95. 7153 Werner 5,10. 470 Tischlerei Hyan, 4. Rate 12,50. Tischlerei Sievert u. Schwefinger 8,40. 457, 555 Tischleret der Klangschönhcit alter und moderner Celloinstrumente herbeizu- führen. Vor einem Auditorium, das sich aus den vorzüglichsten Cellovirtuosen und Professoren des Cellospiels von Paris zusammen- setzte, spielte Pablo Casals ein und dasselbe Tonstück auf zwölf In- strumenten, von denen sechs alt und sechs neu waren. In dem Saal herrschte tiefe Dunkelheit, so daß man auch die Form der Cellos nicht erkennen konnte. Die sechs alten Instrumente waren Werke der erlauchtesten Geigenbauer, eines Stradivarius, Guarnerius, Gagliano v. a. Die sechs modernen stammten aus den Werkstätten von guten französischen Geigenbauern und hatten ein Alter von 1— 26 Jahren. Nach Casals spielte ein anderer Cellobirtuose Loeven- söhn ein anderes Stück auf den zwölf Instrumenten. Die Wert- urteile wurden von den Schiedsrichtern in einer Anzahl von Punkten angegeben, die je höher Ivarcn, je schöner der Ton erschien. Das Resultat war ein vollständiger Sieg der modernen In- st r u m e n t e, die 1484 Punkte erhielten, während den alten Cellos nur 883 Punkte zuteil wurden. Der Preis der Instrumente stand zu dieser Bewertung in einem merkwürdigen Gegensatz, denn die alten Cellos repräsentierten eine Summe von 169 999 Franks und die sechs neuen eine Summe von 4999 Franks. Die Ausrottung der Bügel durch die Mode. Die aufsehen- erregenden Feststellungen von Schillings, der aus den Damenhüten zahlenmäßige Angaben für die unter den Vögeln angerichtete Ver- heerung gewann, werden durch die exakten Untersuchungen eines englischen Sachverständigen James Buckland bestätigt, der dieser Tage in London einen Vortrag über„den Handel mit Federn und die Notwendigkeit einer Gesetzgebung" hielt. Nach seiner Meinung ist die Zahl der Vögel durch den ungeheueren Verbrauch von Federn bereits in beunruhigender Weise vermindert. Im Jahre 1898 wurden in Venezuela 1 638 738 weiße Reiher getötet: ihre Zahl war im Jahre 1993 trotz eifrigen Jagens auf 257 916 gefallen. In neuester Zeit hat man daher den Vernichtungskrieg gegen andere Vögel unternommen, so gegen den amerika- nischen Jabiru, von dessen weißen Flügeln und Schwanzfedern allein in London jährlich 39 999 Stück verkauft werden. Obwohl 1993 von der indischen Regierung ein Gesetz gegen den Export von Federn wilder Vögel erlassen wurde, so findet doch noch immer ein reger Handel zwischen Indien und London statt, da man das Ver- bot durch allerlei Kniffe umgeht; die Federn werden unter falschen Angaben eingeführt oder auch geschmuggelt. Auch die Ausfuhr des Kolibri aus Westindien ist durch Gesetz stark beschränkt, und doch sind in diesem Jahre bereits mehr als 26 999 Tiere nach London gekommen. Der australische Leierschwanz, der früher im Feder- Handel eine Rolle spielte, ist jetzt fast ganz vom Markte verschwunden. Er ist bereits so selten geworden, daß die Modedamen trotz aller Sehnsucht auf diesen Schmuck verzichten müssen. Tiefgründige Betrachtungen über SonntagSeier. Man weiß, daß in England und in Amerika der Sonntag vollständig dem Gebet, per AnPacht itnd der Ruhe geweiht ist oder doch geweiht sein soll: M. Wegner, 5. Rate 18,40. Bäckermeister durch d. Verband d. Bäcker und Konditoren 29,—. Maschinenfetzer bei Greve 2,40. 393, 399 Tischlerei Teisel u. Co. 8,50. 365 Tischlerei Rackow u. Helbig 5,20. Durch Günther 1,50. Wahlverein Mariendors, 1. Bezirk 6,—. 477 Tischlerei Simon 8,65. Hilssarb. d..Vorwärts", Werkabt, 3. Rate 25,70. 428 Tischlerei Kiesling 11,60. 464 Einsetzer bei Lembke, 5. Rate 13,40. Tischlerei Stahl Söhne 3,20. Verband der Lithographen u. verw. Verufsgenoffen, Verw. Berlin, a konto Listen 350,—. Elender Rixdorfer 1,—. 2982 Viktoria-Mühle 20,80. 98 100 Abt. 36, 4. Kreis 37,15. Wahlverein Rixdorf 300,-. 346 Gold- Icistcnsabrik C. Bartels 9,80. Möbelpolierer bei Raschig, 4. Rate 4,50. Firma Loose 3,75. 5. Wahlkreis aus Listen 95,85. 10973 Klaviaturfabrik Wernecke 13,70. Möbelsabrik Steinbock, 2. Rate 4,75. 6621 Pianofabrik E. Jakob 22,30. 6446 Mcisenbach u. Riffarth, Abt. Kupserdruck 8,60.— Verband der Schneider u. Wäschearbeiter, Filiale Berlin III, aus folgende Listen: 7347 Zuschneider Wolf u. Glaserseldt 6,70. 7350 Plätterei Freyer 9,80. 7357 Zuschneider H. Jordan 2,30. 7373 Zuschneider Ackermann 0,50. 7377 Hemdennäherei II Wols u. Glaserseldt 1,45. 7386 Hemdennähcrei Grünbaum 2,50. 7387 Hemdennäherei I Wols u. Glaserseldt 3,75. 7389 Näherei vorm. Ritter 10,90. 7390 Näherei I Sternberg jun. 8,—. 7394 Plätterei Philippsohn u. Leschzins 12,—. 7395 Plätterei Hirschstein u. Michaelis 1.25. 7396 Plätterei u. Näherei Ackermann 5,70. 7399 Plätterei Wolfwdt u. Wols 3,10. 7402 Plättcrei W. Lewin 5,25. 7410 Plätterei u. Zuschneider Meier 2,20. 7411 Plätterei van Laak 6,05. 7413 Hemdenplätterei Gebr. Borchardt 4,05. 7414 Stehkragenplätterei I. Sacoby 0,70. 7418 Zuschneider Cohn u. Samuel, 2. Rate 10,40. Summa 96,60.— 1814 Tischlerei Grünberg 5,70. 416 Vergolder b. Fensch 5,50. 422 Tischlerei Baule 5,20. 423 Tischlerei E. Schmidt 10,—. Rietzel u. Lindemann, 5. Rate 8,50. 6617 Bau Fränkel, Westend 6,—. 496 Tischlcrei Sponar, 5. Rate 15,90. 9903 Tischlerei Dunsky 19,40. 394 Transportarbeiter vom„Vorwärts" 12,20. Buchdruckerei-Hilssarb. Notationssani„Vorwärts", 5. Rate 20,—. Verband der Hutmacher, Verw, Berlin, 4, Rate"190,—. Modelltischlerei Mvtdenhauer Söhne 15,65. 6521 11,50. 359 Ledersabrik Gebr. Steinlein 7,40. Bezirk 401b, T. 2., 4. Kreis 5,—. Branche der Stockarbcitcr aus folgende Listen: 1837 Manlhay 3,50. 1963 Hennig 6,—. 9875 Schütte, 5. Rate 13,45. 9888 Noa, 3. Rate 14,05. 9889 Goldmann, 5. Rate 7,20. 9890 Redlich, 4. Rate 8,65. 9893 Brückmann, 5. Rate 10,50. 14 Handtuch- fahrcr Firma Hoffnung 3,—. Verband der Glasarbeiter aus folgende Listen: 7155 Apich 4,50. 7158 Röder u. Meyer, 4. Rate 23,25. 7159 Brätsch 11,25. 7523 Werner 6,10. 7512 Kerbendorf u. Sohn 4,50. 7512 Hahn 5,—. 7522 Salamonis 8,45. Zusammen 63,05. 459 Tischlerei Zimmermann u. Heinke 9,20. 9903 Tischlcrei Knittel u. Klar. 2. Rate 5.40. 10925 Vergolder bei Raschig 10,50. 77 Rode u. Co. 2,60. 10905. 10906 Flaiow u. Priemer, 7. Rate 32,60. Bezirk 597/98, 6. Kreis 8,—. 9906 6 Tischler bei Harlmann 2,50. Möbelsabr. Stern, 4. Rate 7,25. 9900 Möbelsabrik Rösler u. Schmidt, 7. Rate 35,—. Handtuchsahrer bei Bcyler 7,—. 460 Tischlerei Eberl u. Gabelin, 5. Rate 7,40. 10930 Tischlerei Gülle u. Grobowski, 3. Rate 10,—. 7191 5,15. Möbelsabrik Gerson 11,60. 493 Darmarbeiter u. Arbeiterinnen F. u. L., 6. Rate 6,80. 9887 Tischlcrei Blankeuburg u. Schnabel 11,10. 10197 15,30. Tischlerei R. Schmidt, 3. Rate 8,30. 10903 Tischlerei Dibbelt u. Rothe 9,90. 10902 Tischlerei Schwarz und Eröhlich, 6. Rate 24,10. 232. Bez. 2. Kreis 7,—. 1742 Salousiesabrik . Freese 18,70. 10909 Pianosabr. Hossmann 6,90. Tischlerei A. S. Ball 5,30. 10910 Tischlerei Sommerlatte, 4. Rate 11,50. 249 Bez. 402, 4. Kreis 3,70. 406 Bez. 403, 4. Kreis 5,—. Tischler und Maschinenarbciter bei Zedcwitz 10,25. 424 Tischlerei Wähler u. Schwab 4,55. 10940 Tischlerei Ostend, 4. Rate 11,55. Bezirk 542s, 6. Kreis 11,—. 10908 Vergolderei I. Müller 5,80. Schröders Möbelmagazin 5,40. 9885 Tischlerei Lüdtke 15,70. 10956 Tischlerei Abb u. Daum. 5. Rate 24,50. Bildhauerei Koch 5,—. Verein der Berliner Buchdrucker u. Schristgießer 2500. Verband der Kupferschmiede, Verw. Berlin, aus solgende Listen: 2010, 2031, 2039, 2035, Hartmann, Gitschiner Straße 90,95. 2019 Cyklop 6,75. 2014 Daimler 16,30. 2021 Martin u. Hinicke 2,—. Unterkommission Charlottenburg a. solg. Listen: Pardemann 2,—. Hosmann u. Co. 6,—. 290 Buchdr. G. Heinicke 3,40. Cudell-Motoren-Gejellfch. 10,—. Arbeiter-Radsahrervcrein Wetßcnsee 5,—. Unierlommission Wcißensee aus solgende Listen: 2132, 2133 und 2135 Verband der Maler, Ortsgruppe Charlottenburg 21,55. 2101, 2103, 2159 Fabrikarbeiter 18,35. 2152 August Weisheit 20,—. 2130 Tischlerei Seiler u. Co. 12,10. 2169 Tischlerei H. Schulz u. Co.. 2, Rate 16,75. 2127 Tischt. Hischer u. Conradsen, 2. Rate 16,70. 2164 Bäcker 16,50. 2133, 2165, 2167 Verband der Schneider, Charlottenburg 27,50. OrtSverein der Buchdrucker 10,—. Summa 159,45.— 10. Abt. 4. KreiS 30,10. 415 Tischlerei Harris u. Sheldon 14,55. 1813 7,65. 9852 Tischlcrei Blcndingcr, Bredow u. Co., 4. Rate 7,90. Verband der Musiker, Verw. Berlin 100,—.— Verband der Maler und Lackierer aus solgende Listen: 5652 10,55. 5655 16,—. 5675 13,15, 5676 2,75. 5677 10,90. 5678 11,70. 5683 12,90. 5685 7,80. 5683 5,80. 5689 1,45. 5694 12,70. 5699 10,95. 5706 8,70. 5707 5,35. 5708 15,50. 5710 9,40. 5717 Lackierer der Berk. Motorensabr. 15,—. Lackierer bei Gras 1,20. Zusantmen 171,80.— Verband der Textilarbeiter, Verw. Berlin ans solgende Listen: 979 Gesammelt im Bureau 16,—. 91? Stickerei Herz 14,90. 918 Ludwig 11,30. 921 Stickerbranche 6,55. 965 Strickerei Engel und Bezirk 343, Osten 10,70. 971 Lande 7,15. Kerb 973 8.—. 980 6,80. M. Mengers u. Söhne 945 7,—. 952 11,55. 966 Färberei Pröffel 8,—. 970 Färberei und Wäscherei Bloch 6,30. Teppichsabriken: 922 Feibisch 16,20. 974 Baader 10,45. 975 Benjamin 2,70. 976 do. 19,65. 977 do, 16,75. Dekateure: 93? Behmack 12,05. 956 Eitz 5,10. 959 Oppenheim u. Ramitz 7,95. 953 Kleher 4,20. Summa 209,30. — Unterkommission Rixdors aus solgende Listen: 6006 Tischlerei Haast 14,10. 6007 10,30. 6030 F. L. Schulz 16,25. 6038 Tischlerei Glatzer 3,30. 6072 Bezirk 4d Rixd. 11,70. 6073 Bezirk 4c 10,65. 6075 8,90. 6076 4,35. 6080 Tischlcrei Kaiser 22,10. 6100 Stell, bei Ackermann 16,—. 6102 Berg- seld 31,10. 6120 Pianosabrik Jakob 10,60. 6121 5,30. 6123 16,—. 6134 S. C. Psaff 13,55. 6136 7,25. 6139 16,70. 6140 Bezirk IIb Rixdors 8,05. 6143 12,—. 6148 7,60. 6149 4.70. 6181 Goffow 10,05. 6182 Werlstatt die Sonntagsruhe ist so tief und so gründlich, daß man in einer englischen Stadt am Sonntag an die Stille des Kirchhofs gemahnt wird. Trotz dieser Trübseligkeit und Trostlosigkeit des englischen Sonntags glauben einige besonders fromme Menschen immer noch, daß der Feiertag nicht genug geheiligt werde, und daß die Sache noch ein bißchen trister oder— wie sie es nennen— feierlicher ausfallen könnte. So haben sich jüngst die Aeltesten der Presbyterianer- gemeinde der guten Stadt Winchester in Kentucky zusammengetan, um über eine hochwichtige Frage zu diskutieren: Was soll man— so lautete die Frage— mit den Eiern anfangen, die gottlose Hühner am Sonntag legen? Das Huhn, das ein Ei legt, arbeitet— das wird selbst der zugeben müssen, der die mit dem Eierlegen ver- bundenen Mühen nicht aus eigener Erfahrung kennt. Da man aber am Sonntag nicht arbeiten darf, begeht das eierlegende Huhn ohne Zweifel eine Sünde, und die Eier sind sozusagen„Lorpor» delicti". Ein Mitglied der frommen Presbyterianergemeinde folgerte daher ganz richtig, daß die sündigen Eier ohne weiteres vernichtet werden müßten, und dieser Ansicht schloffen sich noch mehrere andere Herren, lauter Leuchten des wahren Glaubens, an. Andere Kirchenlichter waren aber etwas praktischer: Sie sagten« daß die Vernichtung der Eier ganz sinn- und zwecklos wäre, und da diese praktischen Herren die Mehrheit bildeten, beschloß man schließlich, den Verkauf der Sonntags gelegten Eier zu gestatten, unter der Bedingung jedoch, daß der Ertrag der Kirchenkaffe anheimfalle. Es ist zu hoffen und zu wünschen, daß durch diese weise Maßregel auch die Hühner zur wahren Frömmigkeit erzogen werden und das Eierlegen an Sonn- und Feierwgen schließlich ganz einstellen. Notizen. — WaS eine Volkszählung in Amerika be» deutet. Wohl eine der gewaltigsten statistischen Unternehmungen ist die große Volkszählung, die gegenwärtig in Amerika stattfindet. Schon vor zwei Jahren wurden die Ankündigungen in allen ameri- konischen Postämtern ausgehängt; das Schriftstück ist in nicht weniger als 24 verschiedenen Sprachen abgefaßt, darunter Hebräisch, Syrisch, Chinesisch und Arabisch, und soll den niederen Volksständen darlegen, daß die Volkszählung ohne steuerpolitische Hintergedanken geschieht. Am 15. April begann eine Armee von nicht weniger als 70 000 Volkszählcrn ihre Arbeit. Da in den Vereinigten Staaten mehr als 90 Millionen Menschen leben, kommen auf jeden Zähler rund 1300 Einwohner. Von jedem Einwohner muß er sich ein For» mular ausfüllen lassen, das gegen 30 Fragen stellt. Nach 4 Wochen waren bei dem großen statistischen Amt in Wafliington bereits 125 Tonnen solcher ausgefüllter Formulare eingelaufen. 3500 Bs» amte haben sofort mit der Riesenarbeit begonnen, diese bcant« warteten Fragezettel nach Klassen zu ordnen. Alles in allem wird die Volkszählung einen Kostenauftvand von weit über 50 Millionen Mark verursachest, Eoffow 15,90, 6187 5,70. 6188 Firma KZding 3,50. 6192 N«MS.WerIe 61,70. 6201 Tischlerei Knietsch 8,95. 6210 5,65. CHI Tischlerei Netz 21,55. 6112 5 50. 6217 Lampensabrlk Kindermann 29,35. 6220 ,v C. Psaff, 2. Rate 11,40. 6249 Könili u. Bauer 24,50. 6307 9,15. 6309 uentschke u. Buchbolz 26,50. 6313 Heiischel u. Co. 16,45. 6358 Eisenmü.beleabr. P. Neye 6�0 Sumnia 472,55.— 1605, 7606, 7607, 14. Abteilung 4. KreiS 35-10 7618 Herrmann u. Co. 7,95. 357 C. F, Kindermann, 4. Rate 24,15. 10946 Tischlerei M. Wcgner, 6. Rate 31,55. 4797 d. Fischer 10,90. Hr'ssnrb und Arbeiterinnen Braunbeck u. Gutenberg 13,65. 1743 Tischlerei ZieUow 20,—. 444 Tischlerei Kimbel u. Friedrichsen 25,30. Heister u. Co., 7. Rate i, 50. 10901 Tischlerei Hehde u. Krah 10,—. 6586 Abt. Jüterbock bei Lindstrom 20,10. 9899 Tischlerei Vollmar u. Hanke 16,50. 10915 Tischlerei Kuü-Ienz 15 45. Verband der Sattler n. Portcseuiller, Verw. Berlin, aus Linien, 7. Rate(darunter Wagcnsabrik Franke 31,75, Autowerk Ober-Ichönewe>de 37,25) 365,25. 411 Küchenmöbelsabrik Kutsch 10,20. 84. bis 89. Bezirk 2. KreiS 7,—. 5446, 5461, 5462 Verband der Steinsetzer, Verw. Grotz-Berlin 26,20. Verein der Berliner Buchdrucker und Schristgicher 2500,—. Verband der Tapezierer, Verw. Berlin aus solgende Listen: 1401 Sczilinsti 45— 1424 Pctke 7,95. 1440 Petri 3,70. 1460 Jnnenbaukunst 2.60. 1474 Kasten 15,75. 1495 Heibing 7,65. 1499 JSrael 25,70. 5347 Rothe 2,25. 5356 Berliner Sitzmobcl-Jndustrie 26,75. 5371 Gultniann 3,50. 5373 Poächtel 20,50. 5382 Wcigt 15,—. 5392 Wollner 4,75. 5394 Verlorene Liste 2,90. 5397 Groschkus 9,55. Summa 193,55.— 10933 47,30. Tischlerei Dobberi 5,—. 6250 Beka-Rekord 14,70. Verband der Glaser, Verw. Berlin aus Listen 81,20. 7902 Bez. 96 und Glaser 9.—. 7277 1,75. 9902 Tischlerei Sauerwein 10,95. Modelltischlerei C. A. Lukas, 4. Rate 6.50. 10953 Tischlerei Heimsen Sohn 12.20. Kinderfest Laubenkolonie Glückauf 5,20. Verband der Lederarbeiter, Verw. Berlin II aus folgende Listen: Lederfabrilcn: 58t2 Fritz 3,—. 5815 Caprano 8,45. 5813 Slöslcr 14 25. 5819 Mallong 1,50. 7989, 7990 Solomon 17,35. Summa 44,55.— 330. Bezirk, 4. KreiS 5,—. Maler bei Gieske 3,50. 10934 Tischlerei Thomas 5,25. 1>0956 Tischlerei Oehlschläger 9,50. Klempner bei Schiegnitz 11,—. Restaurateur H.- Wannsee 10,—. 10907 Tischlerei Nöhle, 3. Rate 4,40. Verband der Buch- und SteindruckhilsSarbciter und Histsarbelterlnnen, Verw. Berlin aus solgende Listen: 5839 Steindruckerei Echlvcrdtfeger 2,50.., 5854 Georg Biixcustein 10,75. 5864®. Eichlcr 8,35. 6673.SonntagSblait', 2, Rate 13,—. 7959„Berl. Tageblatt", Rotations. abieilung. 3, Rate 22,50. 7967„Berl. Tageblatt", Falzerei, S. Rate 20.55 9105 Union. 3. Rate 2,—. 7969 Galv. Plastik, 3. Rate 7,80. 9121 H. S. Hermann, Hilfsarbeitcrinnen, 4. Rate 7,80. 9122 H. S. Hermann, Hilfsarbeiter, 4. Rate 19,90. 9129 Norddeutsche Buchdruckerei,""* 2. Rate 10,—. 9131.Berl. Tageblatt", RotationSabtcil., 4. Rate 23,40, 9138 Döring u. Hunning 5,65. 9139 Norddeutsche Buchdruckerei, 3. Rate 19, 7938 A. W. Schade 11,20. 7941 Lindendruckerei. 3. Rate 10,90. 7943 .Deutsche Tageszeitung", 5. Rate 7,95. Kranzüberschutz, Deutsche Tages- zeitung" 3,75. 7949 Selmar Beyer 3,—. 9147.Berl. Tageblatt", Akzidenz. abteilung, 4. Rate 23,10. 9133 W. Biixenstew 11,95. 7933.Berl. Lokal. Anzeiger", Stereotypie u. Setzerei, 4. Rate 15,—. 2971 Borusfia 1,25. 7960 Billig 5.—. 7958.Verl. Morgenpost", Rotations»sNachtabieU. 20,15. 9137 Deutsche Tageszeitung", 6. Rate 7,55. 5857.Deutsche Warte" 7,45. 5867 Roseuthal 4,40. 5879 ElSner, HilsSarbeiter, 2. Rate 10,—. 7935 Technik, 1. Rate 8,80. 7936 Technik, 2. Rate 7,20. 7939 Radwell. L. Rate 7,—. 7946 ElSuer. Hillsarbeiter. 3. Rat- 10,95. 7951 Weber 2,—. 7963 Verl. Tageblatt. Akzidenzabt., 5. Rate 23,00. 9114 Kühn Söhne 7.25. 9115 Kühn Söhne 7,50. Finna Stttenseld aus Listen: 9116 2,60. 9117 6,85. 9118 5,05. 9119 6,10. 9120 2,40. 9123 Hüber. 2. Rate 8,20, 9125 Hcmpcl u. Co. lt,45. 9)26 Bcrolina 2,35. 9130 Maurer u. Dimmick, 2. Rate 3,40. 9134 Lindendruckcrei 12,35. 9143 H. S. Hermann, Hilss- arbeiterinnen. 5. Rate 6,85. 9144 H. S. Hermann, Hilfsarbeiter, 5. Rate 19,40. 10038 Radwelt, 4. Rate 10,30. 9108 Norddeutsche Buchdruckerei 10,—. 10040 Berl. Lokal-Anzeiger, Falzcrei 76,—. Summa 557,95. 10911 Tischlerei Zelmer u. Bartsch 7,55. Bez. 212, 4. KreiS 15,—. Tischlerei Schesfler 8,45. 484 Tischlerei Raschle 15,05. Verband der Schneider und Schneiderinnen, Verw. Berlin I, ans folgende Liften: 5024 Segall 12,—. 5030 Heckcnberger n. Becker,• 2. Rate 12,50. 5039 durch Falkenstein 6,75. 5043 durch Aide 6,05. 5075 Ehrlich u. Danz 11,40. 5085 durch Müller 21,20. 5134 KöhS 13,20. 5147 Förder 15,50. 5155 Prinz os Wale« 3,20. 5162 durch Zemlin 5,50. 5169 H. Hoffmann(Kostümschneider) 8,10. 5171 Peel u. Cloppenburg(Maßschneider), 3. Rate 12,50. 5174 durch Domino 6,50. 5187 G. Schwarz lt. 30. 5195 Pabst 11,80. 5196 Adalbert Stier 28,30. Angestellte deS K. U. B. 7,50. Schneider von Koppel u. Hlises 1t,—. Schneider von Pfeiffer, Linkstraße 3,50. Schneider von E. Lcvh 6,55. Sunima 200,85. 10944 Tischlerei Sicvert u. Schwestnger 7,70. 236 Tischlerei A. E.-G. 9,15. Ueberschuß einer Kranzspende 5,70. verband der Steinarbeiter, Verw. Berlin, aus solgende Listen: 553 durch Reuthal 21,50. 554 K. u. Co. 19,90. 561 durch Hauschke 2l,05. 574 durch Sieben 15,55. 593 Domann 2,55. 7352 durch Jrmert 6,40. 7856 durch Gnotek 6,—. 7857 durch Hcrzseld 10,65. 7859 durch Marquardt 7,70. 7860 durch König 9,65. 7871 vurch Fella 10,50. 7374 durch Heiflg 2,95. 7885 durch Müller 4,10. 10626 durch Fella 9,—. Sa. 147,50. Bez. 393, 2. T., 4. KreiS 10,- Verband der Gemeinde- und StaatSarbeiter, Verw. Berlin, 4. Rate, auf solgende Listen: Zentralmagazin 1523 13,15, 1581 5,60, 2659 8,55, 2663 5,05, 2669 10,90, 2670 3,05. Gasanstalt Müllerstraße 1617 11,60, 2657 12,75, 2661 4,90. Gasanstalt Gttschinerstraße 2638 6,75, 2643 10,80. 1505 Gasanstalt Danzigerstraße 3,30. Gasanstalt Schmargendors 1699 3,15, 2502 1,75, 2633 13,80. Gasanstalt Tegel 1597 13,55, 1619 3,05, 1634 7,70. Rcvlcrinspektioncn 1518 8,20, 2639 12,60, 2651 7,50, 2365 4,75, 2671 4,35. Röhrensystem 2635 3,05, 2636 4,70. 1510 Oeffentliche Beleuchtung 3,90. Kanalisation 1584 1,—, 2591 5,70. Wasserwerk Berlin 1545 9,70, 1585 12,10, 2523 3,—, 2583 3,30. Englische Gasanstalten 1670 11,40, 2524 13,15, 2666 3,70. Straßenreinigunq 1526 3,—, 1523 5,10, 1693 2,30, 2530 4,05, 2568 4,85, 2647 11,—. Schlacht- und Viehhof 1554 2,70, 1576 2,40. L563 Krankenhaus Friebrlchshain 12,30. 2630 Irrenanstalt Dalldorf 15,15. Irrenanstalt Wuhlgarten 2571 11,20, 2572 1,15, 2573 3,55. Irrenanstalt Buch 2575 18,35, 2576 9,25. 1621 Badeanstalt Oderdergerstraße 3,95. 1579 Parkverwalt. 2,75. 2609 Chausseearbetter 1,—. 2560 DeStnsetlion 4,05. Blindenanstalt Oranienstraße 2602 10,85. Charlottenburg 2516 2,30. 2517 3,25. 2518 3,20. Tellcrsammlung 4,60. Lichtenberg 1531 3,65. Rixdors 2550 3,—. 2552 3,25. Schöneberg 1696 4,70. Summa 408,40.— Lottert e- verein Hoffnung 1904, 2. Rate 4,25. Ueberschuß vom Konzert des Gesangvereins.Borwärts-Frohsinn", Rummelsburg 84,—. Liste 50 bis 61 Wahl- verein Trepiow-Baumschuleuwcg 67,40. 5. Wahlkreis aus Listen 65,70, 62,10 und 62,05, darunter 6972 Zigarettcnsabr. Josctti, 4. Rate 16,05, 7006 Guggenbtchler Nachs. Bolle S.— und 7020, 7021 Volkschor 34,05.— 10441 F. Ohs-nberg, 2. Rat« 5,50. 9907 Tischlerei PeierS 9,45. Buch. druckerei H. Klokow, 5. Rate 11,50. 447 Bäckerei Marold 4,25. 541. Bc- zirk, 6. KreiS 3,—. Firma Hosmann 7,20. 123 298. Bezirk, 4. KreiS 5,05. Deutscher Metallarbeiter- Verband. OrtSvcrwaltung Berlin, 14. Rate: 6. WaditreiS, Bezirk 488 8,30. 3194 Koppel 5,50. 3200 Kabelwerl Nonnen- dämm 17,80. Schwartzkopff, Scheringstraße 3333 55,65. 3341 16,05. 3342 36,30. 3343 30,60. 3344 24,45. 3345 20,50. 3346 15,85. 3347 13,50. 3348 18,75. 3349 54,55. 3350 58,20. 3351 11,50. 3352 15,75. 8353 14,80. 3354 22,60. 3355 27,75. 3356 15,80. 8357 28,75. 3358 18,—. 3359 27,05. 3360 37,—. 3361 13,—. Eckert, Militärbau 3411 18,60. Pflugbau 4594 13,15. Formerei 4595 16,85. 8550 Berger 8,40. 4164 durch HenSIer 7,50. 4268 F. W. Müller 7,35. 4270 Arlt n. Fricke 13,80. 4273 R. Hartmann, Etßengießerei 34,05. C. Flohr, Wittenau 4353 9,50. 4354 14,10. 4597 Hirsch, Lichtenberg 8,25. 4638 Wcinbaum 11,55. Werner-Werk 4809 6 30. 4810 16,55. 8943 7,50. 937130,30. Deutsche Waffen« und Munition- sabrik, Will 8055 18,50. ZagewSki 8056 35,45. Hachmaun 8063 49,25. Hinz 8064 10,95. Masch.-Gewehr 8295 29,65. König 8297 11,10. Büttner 8300 22.50. Walter 8303 15,10. Heinemann 8304 2295. Bülow 8306 40,05. 8164 Mocsges 7,20. 8170 Boß u. Wolter 10,—. 8171 Kllhncmann(Former) 28,50. 8175 Petroleum-Gcs.(Klempner) 4,30.—~ 8279 18,35. 8280 84,—. 8288 Cyklop Kütlncr u. Co. 8,60. 8408 Baruch u. Co. Verkehrs-Abt. 10,90. 8521 durch Priejert 10,20. FahrradhauS Frisch aus 11,—. 8551 Gebr. Mechnig 18,30. 8565 Quehl 6,—. Goertz. Friedenau 8326 9,—. 8331 14,—. 8744 9,60. 8746 32.—. 8747 12,50. 8749 9.45. 8750 12.—. 8751 9,50. 8752 7,60. 8753 15,50. 8855 13,25. 8756 13,—. 8757 40,25. 8753 13,50. 8759 4,—. 8760 31,05. 8761 35,70. 8762 7,85. 8764 15,75. 8765 13,45. 8766 6,1t. Franke. 3. Rate 8560 22,20. 8561 13,40. Spinn u. Sohn 8572 6,40. 8573 18,30. Frost u. Söhne 8576 8,40. 8577 20,25. 8578 Klette 6,50. 8324 Harrig 10,-. 8841 Tack u. Co. 3,40. 8857 Austria 11,70. 8958 GraSme u. Co. 7,50. 8992 Loeb u. Co. 29,40. 8993 Pjcnnigwcrth 3,75. Arnheim 8911, Tresorbau 13,30. 8912 SascSbau 20,55. 8913 Schlosserei 13,10. 8914 Geldschrankbau 22,85. LO�Gelöschraiik. bau 19,30. 8916 Schleiserei 6,35. 8947 Kaerger 16,70. Lüben u. Buhse 8985 7,—. 8986 20,55. 8987 11,65. 8988 5,20. Aron 9151 10,40. 9844 17,05. 9165 Groh 11,30. 9180 Dietrich, 5. Rate, 11,80. 9183 Butzke, Dreherei, 6 Rate 14,—. 9185 Sauerbier 7,80. 9186 Pinkus 12,70. Jürst 9187 7,30. 9188 15,75. 9189 Deichen 2. Rate 26,—. 9191 Eckel und Glienicke 17,25. Lorentz, 9194 17,80. 9197 13,20. 9198 6,60. 9199 41,—. 9200 23,35. Behling und Lübke, 9201Dreherci 18,75. 9202 Schlosserei 20.60. Hasse u. Wrede 9228 8,70. 9229 10,10. 9248 Ducke, 2. Rate 7,—. 9253 Grünebaum und Scheuer 5,05. 9260 F. W. Hentschel 14,20. 9279 Goliasch u. Co. 37,80. 9280 Holz-Mosaik-Fbr. König, 4. Rate 12,15. 9313 Bichl 11,50. Bergmann. Wilhelmsruh: 9330 16,20. 9334 23,30. 9335 LS,—. 9337 9,90. 9390 Schäsier u. Oehlmann 27,20. 9392 Hauptner 30,80. 9398 Heubach 17,70. 9399 Ahlberndt 5.55. 9437 Beißwenger 13.—. 9441 Winde u. Lahne 5,—. 9487 Nickel u. Fleischniann 12,05. 9490 Hei- mann 5,—, 9497 Mehner! 9,70. 9518 Zielte, 6. Rate 6.65. Emmerich u. Schöning. 5. Rate: 9523 7,15. 9524 20,25. 9525 21.05. 9531 L. Kauf- mann, 6. Rate 14,40. 9533 Kncisel 6,45. 9537 Aichele u. Bachmanu, Gießerei 28,40. 9551 P. Twettin, 4. Rate. 7.76. 9614 Zigaretten.-Mafch. Manoli 17,95. 9639 Döring 11,—. 9839 Kalm u. Bender 14,50. 9848 Beyger». Co. 13,—, 10130 Klemme 13,30. 10131 Kayling it. Thomas, Butzke, Brandenburgstraße (Former) 19,25. 3320 11,15. 8480 B. E. 28., 8529 Nützen 6,35. 8532 Schlofferei 18,25. 3154 Nickel tt Flelschmann 9,80. 3688 Kuntze 9,80. 8268 R. Kockcl 7,25. 82,70 28. Riewe 13,65. Weichbrodt u. Friedrich 8275 Gürtler 9,70. 10165 9.50. 10166 Schlosser 8,40. 8507 Schicin u. Stephan! 6,50. Krüger, Köpenick 8518 Dreherei 24,35. 10188 Klempner 13,20. 10189 Schlosser 7,30. 10190 Redukter-Bau 16,55. 10191 Schleiserei 13,55. 10192 Gießerei 16,75. 9266 Schleiferei Bergleld, 3. Rate 27,65. 9270 Körner u. Proll 2l,80. 10187 Norddeutsche Met.-W.-Fabr. 11,—. Summa 2967,46. Insgesamt 14 830,76 M. Bisher sind abgerechnet 34 304,87 M.; dazu kommm 14 330,76 M., in Summa 109 135,63 M. Gelder, welche per Post eingesandt werden, find an A. K ö r st e n, 80.16, Engelufer 15, I zu senden. Alle Sammlungen sind sofort auf unserem Bureau, Engelufer 16, I, Zimmer 23 an den Wochen- tagen in der Zeit von vormittags 9—12� Uhr und nachmittags von 4— T'/a Uhr abzuliefern. Die Listen 680. 667. 1483, 4722, 4741, 6884, 6939, 8992, 6671, 7075, 7214, 7409, 8139, 8141, 8166, 3225, 8886, 8990 sind als verloren gemeldet. Dieselben sind beim Vorzeigen anzuhalten und wenn möglich in unserem Bureau abzuliefern. Der Ausschuß der GewerkschaftSkommissiou für Berlin und Umgegend. Frau von Schönebeck vor den Geschworenen. 16. BerhanblungStag(Freitag). Vernommen wurde zunächst Hauptmann Lüders-Metz, der Bruder der Angeklagten, unter völligem Ausschluß der Oeffentlich- keit. Die frühere Köchin bei Rittmeister v. Schönebeck, die Frau des Ackerbürgers Radcmacher, bekundet u. a.: Die Angeklagte war oft aufgeregt, aber auch sehr gut. Der Junge ist von der Mutter einmal geschlagen, weil er nicht ins Zimmer hineinkommen wollte. Sie hatte da das Kind übergelegt, das Gesäß entblößt und mit der Reitpeitsche einige Hiebe gegeben. Die Angeklagte hatte viel Vcr- kehr mit jungen Herren; näheres kann ich darüber nicht angeben. Einmal sagte die Pflegerin, sie habe die Angeklagte im Chaussee- graben gefunden. Ein andereSmal lief sie ohne Hut aus dem Hause und stürzte bann auf der Straße zusammen. Befragt, ob sie über den Verkehr der Angeklagten mit Hunden etwas angeben könne, erklärte die Zeugin: Die Angeklagte hatte einmal einen Terrier auf dem Schoß. Sie hatte eine Masse Tee vor sich und gab dem Hunde einen Löffel Tee und nahm sich dann selbst einen Löffel Tee. Als ich sagte, wie können Sie so etwas machen? er- widerte sie: Es ist doch ein gutes treues Tier. Frau Staatsanwalt Meher-Königsberg bekundet: Die Ange- klagte machte auf mich den Eindruck einer außerordentlich nervösen, impulsiven, unsteten und sprunghaften Natur. Die Jnspektorsfrau Koppetsch war 1900— 1902 Kinderfräulein bei der Angeklagten. Ihre Aussage geht dahin: mit den Kindern war die Angeklagte sehr zärtlich. Sie litt wiederholt an schweren Anfällen. Einmal sagte sie mir unter den Nachwirkungen eines Anfalls: ich sollte das kleine Mädchen aus dem Fenster werfen. Nachher wußte sie nichts davon. Ueberhaupt kam es oft vor, daß sie mir etwas erzählte und nachher nichts davon wußte. Einmal gab sie mir, als sie vom Tennisplatz nach Hause gefahren und ins Bett gebracht wurde, ein Telegramm zur Besorgung und verlangt«, ich sollt« die Koffer packen. Das Telegramm verbrannte ich, die Koffer packte ich nicht. Ich handelte so, weil ich die Angeklagte für krank hielt. Als sie wieber zu sich gekommen war, wußte sie von nichts. Einmal meinte sie zu mir, sie würde noch in der Irrenanstalt sterben. Aus den Aussagen von 7 Aerzten, die gestern vernommen wurden, sei folgendes hervorgehoben: Sanitätsrat Dr. Menzel- Görlitz behandelte die Angeklagte als Mädchen. Sie litt oft an Kopfschmerzen, Schwindelanfällen und Herzklopfen unb hatte läh- mungSartige Zustände rein nervöser Natur. Auch ein Schrei, und Meinkrampf kam vor. Die Angeklagte zeigte eine große Lebhaftig- keit und Neigung zu phantastischen Uebertreibungen. Sanitätsrat Dr. Bieda: Die Angeklagte habe ich behandelt, als sie als ganz jung Verheiratete nach Bernstadt kam. Ich habe häufig hysterische und der Hysterie ähnliche Zustände bei ihr beobachtet. Bei einem Krampfanfall 1897 mußte dafür Sorge getragen werden, daß die Bewußtlose sich nicht selbst verletzte. Im Jahre 1899 traten Läh- mungsznstände ein, die es der Angeklagten unmöglich machten, zu gehen. Die Angeklagte wurde einmal in einem Chausseegraben bei Brrnstadt aufgefunden. Ein andermal machte sie einen Flucht- versuch nach Orls. Später wurde sie ohne Hut auf der Straße gefunden. Man brachte das damit in Zusammenhang, daß ihr eine Pflegerin nicht zusagte, �ie bei Schönebecks angestellt war. Die Pflegerin war meines Wissens eine durchaus tüchtige Person Die Angeklagte erklärte auf Befragen: Von all den Dingen weiß ich nichts mehr. Der Zeuge bekundet noch auf Befragen: Milte Dezember 1897 nahm die Angeklagte eine große Menge Extrakt ans Herbstzeitlose, ein Medikament, das ich ihrem Mann gegen Gicht verordnet hatte, um sich zu vergiften, zu sich. Sie war darauf längere Zeit bettlägerig krank. Im Jahre 1899 nahm die Angeklagte nach den Lähmungszuständen eine größere Menge Chinin zu sich. SanitätSrat Dr. Gerstrr-BraunfelS hat bekundet: Die An. geklagte wurde im Juni 1897 von ihrem Mann in mein Sanatorium gebracht. Sie blieb dort als Kurgast bis September 1897. Die Angeklagte wäre damals zur AuSftihrung eines Verbrechens un- fähig gewesen, wohl aber war sie Einflüssen Dritter zugänglich. Sie hotte allgemeine nervöse Beschwerden, innere Unruhe, Erreg. barkeit und Blutarmut. Auch zeigten sich verschiedene psychische Anomalien. I hrer Abneigung gegen ihren Mann gab sie offen Ausdruck. Der Mann war eine unkünstlerische, gerade und derbe Natur, während sie sehr sinnlich und überästhetisch war. Sie war oberflächlich, ihre Stimmung schwankte von Weltschmerz und roman- tischer Schwärmerei bis zur Ausgelassenheit eines Kindes. Unter den Kurgästen spielte sie die Rolle eines verwöhnten Kindes. Ihre psychischen Anomalien konnten zur Geisteskrankheit führen. Herren gegenüber war ihr Wille bewußt begehrlich. Für Suggestionen war sie äußerst zugänglich. Ihr Seelenleben erschien mir von bedenk- licher Art. Ich sagte ihr beim Verlassen der Anstalt warnend: Ihre Psyche ist sehr bedenklich. Sie ist doppelt bedenklich für die Frau eines Offiziers und muß zu Konflikten im Leben führen, die in eine Tragödie auSklingen können. Dr. Seidel(Allenstein) war behandelnder Arzt der Familie Schönebeck in Allenstein. Er erklärt u. a.: Die Angeklagte klagte stets über nervöse Beschwerden sowie über Kopf- und Kreuz- schmerzen, auch über mangelnden Schlaf. Sie war eine aufgeregte, leicht exaltierte Frau. Sie litt auch an Krampfzuständcn. Wegen einer Kniegelcnkentzündung hatte ich ihr im Jahre 1904 Morphium- einspritzungcn gemacht. Auf die Gefährlichkeit des Morphiums hatte ich hingewiesen. Bald darauf machte sie mit Morphium einen Selbst- Mordversuch. Wir hatten stundenlang zu tun, um sie zu sich zu bringen. Der Grund für den Selbstmordversuch lag darin, daß sie auf einen Maskenball gehen wollte, ihr Mann aber nicht. Einen zweiten Selbstmordversuch mit Morphium wurde in dem La Motte. schen Fall von ihr gemacht. Die Stimmungen der Angeklagten wechselten sehr häufig. Sie war eine gute Mutter. Große Diffe- renzen mit dem Ehemann habe ich nicht bemerkt. Ich habe auch niemals gehört, daß der Ehemann auf seine Frau geschimpft hätte. Oberarzt Dr. Mörchen(Ahrweiler) bekundet: Angeklagte war in meinem Sanatorium vom 6. Januar bis 4. März 1909. Am 6. März wurde sie nach der Charitö übergeführt. Als sie die Nach- richt von der Ueberführungsverfügung erhielt, hatte sie einen An- fall. Die Angeklagte litt insofern an Geistesschwäche, als sie erheb- liche Defekte krankhafter Art auf dem Gebiet des Denkens, des Fühlens und des Wollens zeigte. Die Fähigkeit, eine Situation mit ihren Konsequenzen zu beurteilen, hatte sie nur sehr Mangel- Haft. In ihren geistigen Interessen und in ihrem Bildungsniveau befand sie sich auf der Stufe eines fünfzehn- oder sechzehnjährigen Mädchens. Ihre Interessen gingen üb« dje Interessen eines Bgck? fisches nicht hinaus. In ihrer Ausdrucksweise bewegte fie sich i« Ausdrücken, die für den geistigen Zustand eines noch nicht voll Er- wachsenen charakteristijch sind. Sie machte in keiner Weije also den Eindruck einer ausgereiften Frau. Ihre Affekte waren äußerlich wohl zum Teil sehr stark, aber niemals tiefgehend oder nachhaltig. Die Angeklagte war der Typus eines verdorbenen, vielleicht lasier- hasten Backfisches. Sie intrigierte, war eitel und dachte einzig und allein an den Flirt. Sie war sehr oberflächlich, heute zynisch und ungeniert, morgen sentimental und weinerlich. Einmal schwärmte sie wie ein richtiger Backfisch für Kunst und Lfteratur, morgen machte sie derbe Witze. Ueber ein Gerstenkorn in ihrem Auge ver- goß sie einmal viel Tränen. Als das Gerstenkorn verschwunden war, war sie sehr glücklich und vergaß ihre Kinder vollständig. Heute vergaß sie über die Körperpflege und ihren Teint alles, am nächsten Tage fühlte sie sich ohne jede Motivierung plötzlich von mütterlicher Sorge erfüllt. Sie war sprunghaft und unberechenbar. Heute malte sie sich aus, wie wunderschön es wäre, wenn sie mit ihren Kindern allein an einem abgelegenen Orte wohnte, ein paar Stunden später hatte sie es wieder vollständig vergessen, versetzte sich in großer Gesellschaft unter glühender Verehrung. Am dritten Tage vergaß sie alles und sagte, wie schön es wäre, sich in ein Kloster zurückzuziehen, fand es himmlisch, Nonne zu sein. Sie war der Eingebung des Augenblicks absolut unterworfen und niemals im- stände, sich selbst zu überlegen: Was hast Du gestern gesagt, wie bringst Du oas Heute mit dem Gestern in Einklang? Sie befand sich bei mir in der geschlossenen Abteilung und konnte ohne Be- gleitung der Pflegerin nicht einen Schritt tun. Ich tat das, weil ich ihr nicht zutraute, daß sie imstande sein würde, ohne den mora- lischcn und äußeren Druck, den das Milieu einer geschlossenen An» stalt ausübt, sich korrekt zu verhalten. Dr. Weiler(Westend): Bei mir war die Angeklagte vom 20. März bis 26. Mai 1909 in dem offenen Teile meiner Anstalt. Infolge unliebsamer Vorkommnisse habe ich dann verlangt, daß die Angeklagte meine Anstalt verlasse. Auf Befragen des Vorsitzenden gibt die Angeklagte dann an: Ich war dann bei einer Freundin in Berlin, darauf blieb ich zwei Monate lang bei einer Dame, die ich durch Vermittelung eines der Assistenzärzte im Sanatorium und dessen Frau kennen gelernt hatte. Von dort zog ich in ein amerikanisches Pensionat am Viktoria-Luise-Platz. Dort blieb ich, bis ich meinen jetzigen Mann heiratete.— Der Sachverständige bekundet: Die Angeklagte hatte wiederholt bei mir Anfälle, einmal im Anschluß an ein Gewitter, ein andermal aus Erregung darüber, daß sie von den Kindern keinen Brief bekommen hatte. Am 14. Mai erhielt sie Nachricht, daß die wissenschaftliche Deputation in Berlin sie für zurechnungsfähig erklärt hatte(ein Verteidiger bemerkt hierzu: in dem Gutachten ist ausgesprochen, daß es sich um einen Grenzfall von äußerster Schwierigreit handelt). Die Ange» klagte zog sich auf ihr Zimmer zurück, war ängstlich, weinte und sagte: Jetzt fängt der alte Jammer wieder an. Sie machte darauf einen Selbstmordversuch im Bade. Symvtome von Nervosität und wechselvoller Stimmung zeigten sich neben den hysterischen ner- vösen Anfällen. Im allgemeinen war ihr Befinden in der An» stalt ein gutes. Das Bild änderte sich aber, als sie Gelegenheit fand, Herrenbekanntschcrften zu machen. Es fiel allgemein auf, wie sie bemüht war, Annäherung an Herren zu suchen. Ich habe ihr wiederholt vorgehalten, daß ihre Situation doch grögere Zurück- Haltung erfordere. Mir wurde auch vom Pflegepersonal gemeldet, daß sie versucht haben soll, Herren auf ihren Zimmern zu besuchen, und daß sie aufmerksam gemacht werden mußte, daß sich das nicht schicke und in der Anstalt nicht üblich sei. Mit einem ausländischen Patienten soll sie überhaupt in intimeren Berkehr getreten und der Patient deshalb aus der Anstalt weggenommen worden sei«. Der Arzt dieses Patienten, der aus Malaga war, soll Anzeige bei der Staatsanwaltschaft des Landgerichts III erstattet haben.•— Vors.: Welcher Art ist denn diese Strafanzeige gewesen?— Zeuge: DaS habe ich nicht ermitteln können. Es wurde nur von dep Staatsanwaltschaft angefragt, ob ich Frau von Schönebeck kenne, es liege gegen sie eine Strafanzeige vor. Näheres erfuhr ich aber nicht. Ich muß auch sagen, daß man Frau von Schönebeck immer wieder sah, wenn ei» jüngerer Patient in der Anstalt aufgenommen wurde. Sie suchte sich dann sofort an ihn heranzumachen. Sie beobachtete nicht die Formen, die in einem Sanatorium Damen im Umgang mit Herren geboten sind. Ich hielt es daher für ange- bracht, sie aus der Anstatt entfernen zu lassen, da ich fürchtete, daß ein neues unliebsames Ereignis eintreten könnte, ähnlich wie mit dem ausländischen Patienten. Außerdem sah ich auch ein, daß bei der Art ihrer Erkrankung ein Aufenthalt im Sanatorium unge» eignet sei. Durch die Verteidigung wird festgostellt: In den Pflegeschaft», alten befand sich ein Gutachten des Zeugen darüber, daß die An» geklagte zu jener Zeit nicht hast- und verhandlungsfähig war. Trotz» dem fand die Verhaftung statt, nachdem der konservative Abgeord, nete Strosser im Abgeordnetenhause gegen die Angeklagte sich ge» äußert hatte. z Medizinalrat Dr. Eberhardt hat als GefängniSarzt die An- geklagte im Allensteiner Gefängnis beobachtet. Sie wurde, erklärttz der Zeuge, am 31. Dezember eingeliefert und glaubte wohl, sich in einem Hotel zu befinden. Sie fragte mich immer: Was wollen Sie, sind Sie der Wirt? Das Zimmer gefällt mir nicht. Abgesehen von diesem Chock, welcher ja durch die Situation erklärlich ist, hat sie auf mich keinen s»hr aufgeregten Eindruck gemacht. Wenn Sanitätsrat Stoltenhoff bekundet hat, daß sie am 16. Januar völlig geistesgestört gewesen sei, so habe ich davon nichts bemerkt, Allerdings habe ich nicht gewußt, daß sie an Krampfanfällen litt, daß sie Selbstmordversuche gemacht hat, daß ihr Vater an einer Geisteskrankheit gestorben ist. Zum Schluß der Sitzung wird über die Frage der Zulässiakeik der Verlesung der Briefe der Mutter des Hauptmanns von Gaben oder der beglaubigten Abschristen der Briefe verhandelt. Die Frage bleibt vorläufig unerledigt. Heute, Sonnabend, sollen noch eine Reihe von Zeugen der» nommen werden. Voraussichtlich werden die Sachverständigen ihr Gutachten über den Geisteszustand der Angeklagten am Montag erstatten. Daran dürsten sich die Plaidoyerö knüpfen. Mittwoch fällt als katholischer Feiertag aus. Wahrscheinlich wird Donners» tag oder Freitag der langwierige Prozeß beendet werden. Soziales. Landarbeiter-Plagen. Aus Benz und Söhren bei Lütjenburg in Holstein. den zwei nördlichsten Dürfern des Fürstentums Lübeck, wurde uns ein Brief übermittelt, der als ein Notschrei der dorttgen Landarbeiter bezeichnet werden kann. Er hat folgenden Wortlaut: Liebe Berufskollegen! Wir bitten um Hilfe, weil wir hier von einigen Hofbesitzern und von der Genossenschaftsmeierei Benz schändlich behandelt werden. Man gibt uns wenig Lohn und läßt uns«ine schlechte Behandlung zuteil werden. Man liefert uns schlechte Milch, die fingerdicke Talderstücke(Das ist ein plattdeutscher Ausdruck für die geronnene Haut. Anm. d. B.) und viel Kuhdreck enthält. Die Polizei kümmert sich da nicht darum, und als wir uns darüber beschwerten, wurde der Preis pro Liter Milch zur Strafe von 12 auf 16 Pf. erhöht, und das im Sommer, wo die Kühe dreimal mehr Milch geben als im Winter. Die Butter kostet in der Stadt 1,26 bis 1,30 M. Hier auf dem platten Lande, wo sie billiger sein sollte, müssen wir Arbeiter aber 1,46 bis 1.60M. pro Pfund bezahlen. Als wir uns deshalb aufregten, hieß es, für uns wäre das Affenschmalz gut genug. Die Meicnsten, die Mitleid mit uns haben, sind weggejagt worden. Zu Pfingsten, wo jeder Mensch gern frei hat, ließ der Hofbesitzer Sch. seinen Milchfahrer, der für mehrere Besitzer fahren muß, später als sonst fahren, damit der Mann ja keinen Feiertag hatte. Weigert sich jemand, so gibt es Haue. Der Hofbesitzer ist am 2. Pfingsttage zu einem anderen Arbeiter in die Wohnung gekommen, hat dort fürchterlichen Skandal gemacht, der Frau, die noch dazu ein Kind an der Brust hatten mit einem Stocke Schläge angedroht und die Wohnung gekündigt, was gleichbedeutend mit Entlassung zum Winter ist. Solche Miss- stände gibt es hier überall. Liebe Kollegen kommt einmal her und erkundigt euch und veröffentlicht diese Verhältnisse. Die Oeffent- lichkeit scheuen die Herren Besitzer. Wir dürfen es nicht in die Zeitung bringen, weil wir sonst weggejagt werden. So ist eS aber nicht mehr abzuhalten und deshalb helft uns. Die Arbeiter von Benz und Söhren. Unser Gewährsmann hat sich nun an Ort und Stelle nach den Verhältnissen erkundigt. Die Klagen sind ihm als wahr bestätigt worden. Er fand aber noch viel mehr, was Veran- lassung zu klagen gibt. So erhalten die Leute bei 12stün- diger Arbeitszeit im Sommer 2M., imWinter bei kürzerer Arbeitszeit 1.80 M. Lohn und 40 Ruten Kartoffelacker. Das ist alles. In Ost- elbien gibt man den Arbeitern noch Holz. Hier gibt es das nicht. Die„Wohnungen" der Leute sind erbärmlich. Eine alte, halb baufällige Kate ist für 5 Arbeiterfamilien einge- richtet. Jede„Wohnung" besteht aus 3 ungedieltcn Räumen. Der erste bekommt sein Licht durch die Tür. Er enthält den altdeutschen Primitiven Backsteinherd. Das als Wohnstube be- zeichnete Loch hat ein kleines Fensterchen und das als Kammer bezeichnete auch. In diesen Ställen können die Menschen wahrlich nur wie das Vieh hausen. Da sind selbst die als Hundehütten bezeichneten Häuser einer Zechenkolonie des Ruhrgebiets Prunkbauten dagegen. Kurz, die Worte Wilhelms II. in Cadinen, daß die Schweine besser wohnten als die Menschen, treffen auch stellenweise auf Ostholstein zu. Unser Genosse interessierte die armen Menschen für das einzige Heil, das ihnen helfen kann, für die Organi- s a t i o n. Die Vorarbeiten für die Gründung einer Zahlstelle des Landarbeiterverbandes sind im Gange._ Entschädigung wegen Berweigerung angemesieaer Zeit zum Arbeit- suchen. DaS Dienstmädchen Sch. war bei der Inhaberin einer Klinik, der Oberin Seck, in Stellung und hatte zum 1. Juni gekündigt. Sie beklagt sich darüber, daß ihr die Arbeitgeberin nicht den an- gemessenen Urlaub zum Aufsuchen einer anderen Stellung gegeben habe. Nur einmal sei sie auf wiederholtes Ansuchen beurlaubt worden, es sei ihr aber nicht möglich gelvesen, an diesem Abend Stellung zu finden. Ihre Bitte, ihr noch am 27. Mai auf einige Stunden Urlaub zu geben, sei abschlägig be schieden worden. Es war ihr deshalb nicht möglich gewesen, rechtzeitig eine andere Stellung zu finden. Sie verklagte nun ihre bisherige Arbeitgeberin wegen des ihr entstandenen Schadens auf Zahlung von 45 M. bei dem Ge- Werbegericht. Dies ist zuständig, weil Klägerin für die Klinik tätig war. Der Borsitzende, Magistratsasseflor Schultz, legte dar: Wenn der Beklagten auch das Bestimmungsrecht darüber zustand, wann sich die Klägerin während der Kündigungsfrist nach anderer Stellung umsehen durfte, so durfte dieses Recht doch nicht so gehandhabt werden, dah die Möglichkeit, Stellung zu bekommen, ausgeschlossen wurde. Die Beklagte hätte der Klägerin mindestens zweimal Urlaub geben müssen, dieser durfte aber nicht erst auf die letzten Tage deS Monats gelegt werden. Denn erfahrungsgemäß verlangen die besseren Herrschaften nicht erst in den letzten Tagen des Monats nach Dienstmädchen. Der Anspruch der Klägerin ist demnach dem Grunde nach gerechtfertigt, nur der Höhe nach konnte er nicht an- erkannt werden. Die Beklagte wurde zur Zahlung von 31,50 M. verurteilt._ Aerztekonflikt in Halle. In Halle kündigten sämtliche Kassenärzte allen Krankenkassen die Verträge. Einen Grund gaben sie zunächst nicht an. Die spä». teren Verhandlungen ergaben aber, daß sie als Hauptsache die gänz- lich freie Arztwahl und im weiteren eine erhebliche Erhöhung der Honorare, namentlich für die Behandlung der Familienangehöri. gen der Kassenmitglieder verlangen. Der Verband der Kranken- Zossen in Halle lehnte die Einführung der freien Arztwahl ab. Den übrigen Forderungen wäre er entgegengekommen, doch unter» blieben mit Rücksicht auf die vorerwähnte Ablehnung die weiteren Unterhandlungen. Dem Kassenverbande gelang es, inzwischen eine Anzahl auswärtiger Aerzte fest durch Bertrag cknzustellen, so daß diese nach Ablauf der Kündigung der zirka 30 gegenwärtigen Kassenärzte die ärztliche Behandlung der Kassenmitglieder über- nehmen._ Bergbau und epidemische Krankheiten. Der in diesen Tagen in Düsseldorf abgehaltene„Jnternatio- nake Kongreß für Bergbau und Hüttenwesen" beschäftigte sich am Mittwoch mit der Frage:„Inwieweit findet eine Verbreitung von übertragbaren Krankheiten durch den Kohlenbergbau statt?" Pro- fessor Dr. Brums-Gelsenkirchen führte dazu aus: Gerade in Kohlenbergbau treibenden Gegenden wird vielfach ein besonders starke? Auftreten von epidemischen Krankheiten beobachtet. Man braucht nur an eine Anzahl großer Epidemien zu erinnern, die in den letzten Jahren in Deutschland vorgekommen sind, an die großen Typhusepidemien im oberschlesischen Kohlenrevier, im Ruhrrohlen- bezirk und im Saarbrücker Kohlenrevier, an Genickstarreepidemien in Oberschlesien und im Ruhrbezirk. Weiter läßt sich aus allen statistischen Zusammenstellungen ersehen, daß bezüglich der Ruhr- erkrankungen, der Erkrankungen an Scharlach, auch an Diphtherie unsere Kohlen gewinnenden Gegenden meist über dem Durchschnitt anderer Gegenden, insbesondere auch des preußischen Staates, stehen. Gelegentlich machen dann einmal im oberschlesischen Revier, dann wieder im Ruhrbezirk Pockenerkrankungen von sich reden; es sei weiter an die Epidemie von Kinderlähmung erinnert, die im vorigen Jahre im Ruhrkohlenbezirk ihre Verbreitung gefunden hat. Hier- her muß auch das Auftreten der Wurmkrankheit gerechnet werden. Vielfach wird in solchen Fällen die Ursache in der Schädlichkeit des unterirdischen Bergbaubetriebes angesehen. Keineswegs wird man jeden Einfluß des �Kohlenbergbaues auf die Verbreitung von über- tragbaren Krankheiten bestreiten können. Es scheint aber eine Untersuchung darüber durchaus angebracht, wie weit die Ver- mehrung der ansteckenden Krankheiten in bergbauindustricllen Be- girken den allgemeinen Verhältnissen dieser Gegenden Und des Kohlenbergbaues zuzuschreiben ist. ES ergibt sich dabei, daß ebenso wie auf der Oberwelt einzelne Krankheitsfälle auch unter Tage naturgemäß durch den Verkehr der Menschen miteinander verbreitet werden können, daß eine epidemische Verbreitung durch den Berg- bau aber nicht stattfindet, sobald der Betrieb ordnungsmäßig von- statten geht. Als Berufskrankheit der unterirdischen Bergleute ist nur die sogenannte Wurmkrankheit anzusehen. Die ansteckenden Krankheiten zeigen eine immer mehr abnehmende Tendenz angesichts der energischen Bekämpfung. ziehungen zu anderen Aktienbanken auf die einfachste Weise dadurch herstellen, daß sie einen Teil ihrer Aktien erwerben und dauernd im Besitz halten, und zwar nur gerade so viel Aktien, wie nötig sind, um einen größeren Einfluß auszuüben als irgend ein anderer Aktionär. In ähnlicher Weise vermögen sie auch auf Privatbankiers Einfluß zu nehmen, indem sie dieselben mit einem gewissen Betrage kommanditieren. Dies ermöglicht ihnen, mit einem Aufwand von sehr viel weniger Geld ihren Einfluß auszu- dehnen, als beim vollständigen Aufkaufen erforderlich wäre. Außer- dem aber ist die Geschäftsausdchnung auf diese Weise geradezu un- begrenzt. Denn jede der Banken, an denen die Großbank so durch Aktienbesitz oder Kommanditeinlage beteiligt ist, bleibt ja der Form nach selbständig und kann ihrerseits in derselben Weise sich an anderen Banken beteiligen. So kommt ein weit ausgedehntes Schachtelshstem zustande, das man einen„Konzern" nennt. Als Beispiel wird die Deutsche Bank angeführt. Sie ist durch Aktien- besitz an 30 anderen Banken beteiligt. Diese unterhalten ihrerseits die gleichen Beziehungen zu 48 weiteren Banken, und selbst hier- unter sind noch wieder einige, die in derselben Wese mit 0 anderen Banken verbunden sind. Das gibt einen Konzern von insgesamt 88 Banken, dessen Mittelpunkt die Deutsche Bank ist. Für die dauernde Beteiligung braucht die Deutsche Bank eine Summe von etwa 72 Millionen Mark, dazu noch einen Betrag siir die nicht dauernde Beteiligung, der nicht genannt wird, weil er ständig wechselt. Mit dieser kleinen Summe beherrscht sie einen Kreis von Aktienbanken, die zusammen über rund eine halbe Milliarde Kapital und IWs Milliarden fremde Gelder verfügen; hierzu tritt noch eine Anzahl direkt oder mittelbar kommanditierter Privatbankiers, ferner eine Reihe von Aktienbanken, bei denen die Beteiligung je nach Be- dürfnis geschieht. Mit einem unverhältnismäßig kleinen Teil ihres eigenen Kapitals hat sich sonach die Deutsche Bank die Herrschast über mehrere Milliarden Mark gesichert.— Dazu kommt nun noch, daß dieses Beteiligungsshstcm für die beteiligten Banken sozusagen eine Risikoversicherung auf Gegenseitigkeit bedeutet. Die Dutzende oder Hunderte scheinbar selbständiger Organisationen handhaben den Kredit so, daß jedes einzelne Glied des Konzerns, namentlich aber das an der Spitze stehende Institut, eine starke Rückendeckung an der Gesamtheit hat. Tritt an irgend einer Stelle plötzlicher Geld- bedarf ein, so ist es den Konzernbanken ein leichtes, den gewünschten Betrag aufzubringen. Denn jedes Institut hat auf dem Gelbmarkt seinen Kredit für sich, der gerade durch die Zugehörigkeit zum Kon- zern noch gestärkt wird. Zumal dann schließlich noch mehrere große Konzerne ein sogenanntes Konsortialbündnis einzugehen pflegen. Hohe Fleischpreise. Fast scheint eS so, als sollten die Konsumenten für den geringen Nachlaß auf die wahnsinnig hohen Brotpreise durch gesteigerte Fleischpreise gestraft werden. In der ersten Hälfte Juni dieses Jahres waren die Preise für mehrere Sorten schon wieder höher als in der ersten Hälfte Mai 1910 und die Preise im Mai hatten schon das vorjährige Niveau weit hinter sich gelassen. Die Zu- samtnenstellungen über Marktpreise in fünfzig preußischen Orten bringt die Fachzeitschrift für Wasserkraftverwertung. SS betrugen demnach die beuutzten Wasserkräfte in Gejamtpferdestärke nach Wochendurchschnitt Kilogramm Pfennig: ergaben folgende Zahlen. Es kostete ein Juni 1909 Mai 1910 Juni 1910 Rindfleisch.... 155 150>59 Kalbfleisch.... 175 177>77 Hammelfleisch... 107 170>71 Schweinefleisch... 156 160>50 Roßfleisch.... 74 75 75 Schweinespeck... 187 187>87 Bemerkenswert ist noch besonders, daß die minderwertigsten Sorten bei Rind- und Schweinefleisch am stärksten von der Verteuerung bcttoffen werden. Im Vergleich mit dem Vorjahre ist der Preis bei der billigsten Sorte Rindfleisch um 4 Pf. pro Kilo gramm teurer geworden(Durchschnitt 2 Pf.); die billigsten Schweine fleischsorten stiegen um 7 respektive 10 Pf.(Durchschnitt 5 Pf.) Von der Verteuerung werden demnach die Aernrsten, soweit sie überhaupt noch Fletsch kaufen können, am allerschärften bettoffen. Diejenigen allerdings, die bei den Wahlen den konservativen oder ultramon- tanen Kandidaten die Stimme geben, haben kein Recht, sich zu be- klagen. Sie werden die junkerlich-klerikale Hungerpeitsche noch mehr zu kosten bekommen._ Süße Dividenden. Der Aufstchtsrat der Zuckerfabrik Glauzig beschloß für 1909/10 die Verteilung einer Dividende von 14 Proz. (Il'/z Proz. i. V.) vorzulchlagen. Bei den stark gestiegenen Zucker- preisen werden die Dividenden für das laufende Jahr im all- gemeinen über den für das Vorjahr erreichten Satz hinausgehen. Das Alter der preußischen Aktiengesellschaften. Aus dem Alter der in Preußen vorhandenen Aktiengesellschaften ist deuilich zu ersehen, wie rasch sich die Gesellschaftsform ausgebreitet hat. Heute sind im Königreich Preußen 2701 Aktiengesellschaften tätig. 1870 existierten schon 217 Aktiengesellschaften. Diese hatten zusammen ein Gründungskapital von 582,89 Millionen Mark. Heute beziffert sich ihr Nominalkapilal aus 933,08 Millionen Mark. Bis 1908 verteilen sich die Ziffern wie folgt: 1871—1880 Gründungs- Nvminalkapital in Millionen bis 1 Million 194 78,75 80,18 200 1—10. 200 � 422,83 619,60 310 Üb. 10_ 28 363,47 1319,24 27 Kapitalgruppe Zahl Zahl 1881—1890 GründungS- Nominalkapital in Millionen 111,11 122,32 298,04 555,89 182.80 080.70 insgesamt 422 Kapital- gruppe bis 1 Million 1—10, üb. 10„ Zahl 481 442 27 865,05 2024,97 1891-1900 Gründungs- Nominalkapital in Millionen 222.47 220,72 770,70 1244,83 230.90 035,02 537 Zahl 331 270 22 591,91 1358,87 1900—1907 Gründnugs- Nominalknpital in Millionen 150,01 100,28 529,56 703,54 425,75 571,40 insgesamt 950 1230,13 2099,17 029 1105,31 1441,28 Hub Induftm und Ftandel Urber das Beteiligungssystem im deutschen Bankwesen. bringt die Fachzeitschrift„Die Bank" einige interessante Mit- teilungen, die zwar nichts Neues enthalten, aber ein anschauliches Bild des Sachverhalts geben. Während in England und Frankreich die Ausdehnung der Großbanken hauptsächlich durch Errichtung eigener Filialen und Depositenkassen sowie durch direkte Aufsaugung bestehender kleinerer Bankgeschäfte erfolgt, ist dies in Deutschland weit weniger der Fall. Hier existiert nur eine verhältnismäßig kleine Zahl von Zweigniederlassungen der Großbanken. Die Dresdener Bank steht mit 107 Filialen und Depositenkassen an der Spitze; ihr folgt die Deutsche Bank mit 94 Zweiganstalten. Die acht Berliner Großbanken, die das Filialsystem haben, besitzen insgesamt nur rund 850 Zweiganstalten; jede einzelne der Pier größten Londoner Banken hat mehr als diese Zahl. Statt dessen Pflegen die deutschen Banken weit mehr das System der Beteiligung. Sie lönue» B«. Bis 1908 waren im ganzen 2701 Aktiengesellschaften gegründet. Sie hatten zusammen ein Gründungskapital von 4382,52 Millionen Mark. Heute lautet ihr Nomiualaktieukapital auf 8370,00 Millionen. u den kleinsten Aktiengesellschaften(bis zu einer Million Mark apita!) rechneten 1403 Gesellschaften, zu den grüßten(über zehn Millionen) 133. Diese versügten bei ihrer Gründung schon über 1500,90 Millionen, heute ist ihr Nomiualkapital auf 4839,12 Millionen angewachsen. Sie machen zwar nur knapp den zwanzigsten Teil aller Aktiengesellschaften aus, besitzen aber über die Hälfte aller Kapitalien._ Der Schlag gegen den Oiltrust. Die Vacuum Oil Company wird infolge der Regierungsmaßregeln ihren Betrieb einstellen. Die übrigen österreichischen Raffinerien werden das entlassene Personal aufnehmen. Die Flugmaschiiienilidtistrie. Das österreichische Jndustriewerk Werner u. Pfleiderer in Wien hat mit den ungarischen Firmen Man- fred u. Weiß, Ganz u. Co. und Danubius-Werke eine G. m. b. H. „Autoplan werke" gebildet, die Flugmaschinen und zwar Mono- plane System v. Pischoff und BiPläne System Warchalowski bauen soll. Auch in Bötheny bei Reims in Frankreich wird eine Abteilimg errichtet._ Die industrielle Ausnutzung der natürliche« Wasserkräfte ist in den einzelnen Ländern je nach der geographischen Beschaffen- heit des Landes und der Entwickelung der Industrie naturgemäß sehr verschieden. Eine interessante vergleichende Zusammenstellung pro gkm Pro 1000 Einw 903 000 3,00 23,1 1 425 900 2,0 24,5 1500 000 30,0 454,6 55 000 19,0 109,0 5 857 000 10,9 150,0 0 400 000 9,0 138,0 0 750 000 15,0 1 290,0 7 500 000 20,0 8 409,0 An der Spitze aller Länder, sowohl hinsichtlich der gesamten als auch der auf den einzelnen Einwohner fallenden Wasserkräfte stehen Norwegen und Schweden, llebertroffen werden diese Länder, wenn man die auf den Quadratkilometer entfallende Zahl ins Auge faßt, noch von der Schweiz mit ihren zahlreichen mächtigen Wasserfällen. Deutschland steht mit England an letzter Stelle. Großbritannien. j Deutschland.. Schweiz.... Italien.... Frankreich... Oesterreich-Ungarn Schweden... Norwegen Hub der fraucnbewe�uncr. Gewerbliche Frauenarbeit. Wie zerrüttend die Tätigkeit der HandlungSgehilfinnen auf den weiblichen Organismus wirkt, dafür liefert der Jahresbericht der Ortskrankeukasse der Kailfleute, Handelsleute und Apotheker zu Berlin für das Jahr 1909 interessante Daten. Während bei den männlichen Mitgliedern im Vergleich mit dem Vorjahre die Zahl der Erkrankungs- fälle, die mit Arbeitsunfähigkeit verbunden waren, von 40,87 auf 40,07 Proz, sank, stieg die Ziffer für die weiblichen Mitglieder von 42,00 auf 43.50 Prozent. Dieses Anwachsen der Krankheitsfälle bei den weiblichen Mit- gliedern ist um so auffälliger, als das Verhältnis der Erkrankungs- ziffer zur Gesamtmitgliederzahl sich etwas günstiger stellt als 1903. Bei den Männern konstatiert der Bericht einen Rückgang der Krank» heften der Haut- und Geschlechtsorgane. Bei den Frauen dagegen, wo diese Krankheiten ohnedies häufiger sind, ist auch in diesem Jahre eine weitere Zunahme zu verzeichnen. Die HandlungS« hilfsarbeiterinnen leiden vor allem an Erkrankungen der RespirationS- organe, auf die 17,37 Proz. aller Krankheitsfälle kommen. Bei den Handlungsgehilfinnen sind Krankheiten des Verdauungsapparats am häufigsten aufgetreten mit 18,98 Proz., dann Erkrankungen der Respirationsorgane mit 15,83 Proz. Auffallend ist die Erscheinung, daß bei den männlichen Mitgliedern die größte Zahl der Krankheitsfälle sowie der KranlheitStage auf die obersten Lohnklassen entfällt, bei den Frauen umgekehrt auf die untersten. So entsteht durch die bekannte schlechte Entlohnung der Frauenarbeit im Handelsgewerbe eine bedeutende Mehrbelastung der Krankenkassen. In bezug auf die Krankheitsdauer ist es besonders auffällig, daß sie bei den Frauen bedeutend länger ist als bei den Männern. Bei 25 Proz. aller erkrankten weiblichen Mitglieder beanspruchte die Heilung 4 bis 13 Wochen, während dieselbe Krankheitsdauer nur bei 19 Proz. der erttankten männlichen Mitglieder konstatiert wurde. Bei Männern wie bei Frauen treten die meisten Erkrankungen im Alter von 10 bis 20 Jahren auf. Auf die Jahresdurchschnittsziffern entfallen bis 15 Jahren 10-20„ 21—25. 26—30, 31—35„ 88—40„ bei den Männern 11,15 Proz. 24,82, 23,00. 13,93, 10,05. 6,78. bei den Frauen 17,14 Proz. 33,87, 19,58. 10.47. 7.04. 4,43. Die Ziffern bilden eine starke Betonung der Notwendigkeit der Heraufsetzung des Schutzalters für jugendliche Arbeitskräste. Der enorme Unterschied von fast 10 Prozent zwischen der Häufigkeit der Erkrankungen beim männlichen und beim weiblichen Geschlecht gerade im Alter von 10 bis 20 Jahren spricht besonders dringlich für einen besseren Schutz zugunsten der jungen Mädchen. Was an Schutzvorschriften vorhanden ist, reicht nicht aus und der Schutz steht zudem meistens nur auf dem Papier. Würden die Berkäufermnen, Maschinenschreiberinnen usw. sich mehr dem Zentralverbande der Handlungsgehilfen anschließen, dann dürste eS wenigstens mit der Beachtung der bestehenden Schutzvorschriften schon besser bestellt sein, auch bekäme die Forderung erweiterter gesetzlicher Schutzbestimmungen einen stärkeren Rückhalt. Das Selbstinteresse aller in Verlaufsläden und Kontoren beschäftigten weiblichen Angestellten gebietet es daher, sich dem genannten Verbände anzuschließen. Gcrichtö- Zeitung. Dr. Ehrenfried gegen Dr. Juliusbnrger. Vor dem Schöffengericht stand gestern der Rechtsanwalt Dr. Gustav Ehrenfried als Privatkläger dem Arzt für Nerven- und Gemütskranke Dr. Otto Juliusbnrger in Steglitz gegenüber. Die Leidensgeschichte des Dr. Ehrenfried, seine infolge schwerer Konflikte mit seinen Verwandten wider seinen Willen erfolgte Ueberführung in eine Irrenanstalt im Jahre 1907, seine Flucht ins Ausland und die endliche Anerkennung seiner Handlungsfähig» keit hat in ihren verschiedenen Phasen die Oeffentlichkeit wieder- holt beschäftigt. Der Privatkläger trug gestern diese ganze Leidens- geschichte in großer Erregung vor und behauptete wiederholt, daß die Zahl der Opfer, die durch Tücke und Hinterlist ins Irrenhaus gesperrt worden sind, durch seine Person vermehrt worden sei. Denn er sei geistig völlig gesund und ihm sei von Kollegen und Richtern schriftlich bestätigt worden, daß in der langen Rechts- anwaltstätigkeit des Pcivatklägers niemals ein Moment zutage getreten sei, welches die Notwendigkeit seiner Ueberführung in eine Jrreimnstalt irgendwie plausibel hätte erscheinen lassen. Dr. Ehren. fried hat nun gegen eine Anzahl von Personen eine Zivilklage an- gestrengt, um Schadenersatz für die großen Verluste zu erwirken, die ihm durch die nach seiner Meinung ihm zugefügte Vergewalti- gung entstanden sind. In diesem Prozeh ist bereits Beweis be» schloffen. Zu den von ihm verklagten Personen gehört auch Dr. Juliusburger, in dessen Anstalt der Privatkläger zuerst gebracht worden war und den er, wie es scheint, für sein Unglück am meisten verantwortlich macht. Als im Auftrage des Privatklägers ein Gerichtsvollzieher dem Dr. Juliusburger die Klage, die wie ein Roman klingt, überbrachte, soll Dr. I. nach dem Zeugnis des Ge» richtsvollziehers gesagt haben:„Ich verpflichte mich, binnen vier- zehn Tagen den Kläger dahin zu bringen, wo er gewesen ist." Diese Bemerkung hat den Anlaß zur Klage gegeben. Dr. Juliusburger bestritt die Aeußerung in dieser Form. Er gab zu, daß er erregt gewesen sei. denn Dr. Ehrenfried habe ihm und anderen Aerzten den überaus schweren Vorwurf gemacht, daß sie mit dem Leben und der Freiheit eines Menschen leichtfertig umgegangen und aus Standes- und schnöden Geldrücksichten jemand ins Irrenhaus ge- sperrt haben, der gar nicht geisteskrank sei. In dieser Erregung habe er beim Durchblättern der Klage gesagt:„Wenn das so fort- geht, dann wird Dr. Ghrenfried schliesslich wohl wieder in Gefahr kommen, interniert zu werden."— Rechtsanwalt Dr. Ehrenfried behauptete, daß man geradezu ein Kesseltreiben auf ihn veranstaltet und er wie ein gehetztes Wild keine Ruhe gefunden habe. Er geißelte in flammenden Worten das gegen ihn nach seiner Meinung begangene Unrecht und die Rolle, die der Angeklagte dabei gespielt habe und führte in allem Ernste eine Reihe von Gründen auf, die ihn zu der Ansicht führen mutzten, daß Dr. I. nicht geschäfts- und zurechnungsfähig sei. Habe aber der Gerichtshof eine andere Meinung, dann gebühre dem Angeklagten eine Gefängnisstrafe. Auch Rechtsanwalt Graefe hielt eine strenge Bestrafung für er- forderlich. Den erhobenen schweren Vorwürfen trat Rechtsanwalt Victor Fränkl als Verteidiger des Angeklagten und letzterer selbst mit großem Nachdruck entgegen und suchten nachzuweisen, daß die Behauptungen des Klägers auf falschen Voraussetzungen und schiefen Auffassungen bernhen.— Das Gericht hatte an der Pro- zebfähigkeit des Dr. Juliusburgcr keinen Zweifel; eS erblickte in der inkriminierten Bemerkung den strafbaren Ausdruck einer Ge- ringschätzung und verurteilte den Angeklagten zu 100 M. Geld- strafe eventuell 20 Tagen Gefängnis. Der Berschwender. Der geWitz seltene Fall, datz der Sohn eines mehrfachen Millio- nars sich unter der Anklage des Betruges an einem Objekt von 100 Mark vor dem Strafrichter zu verantworten hat, ereignete sich gestern in einer Sitzung der 0. Strafkammer des Landgerichts l. Auf der Anklagebank mutzte der Rentier Alfred W. aus Schöneberg Platz nehmen. Der Angeklagte ist der Sohn des mehrfachen Millio- närs und Hausbesitzers W. in Schöneberg, dem früher, als Schöne- berg noch Dorf war, riesige Terrains gehörten, und der heute zu den reichsten der sogenannten„Millionenbauern" in Schöneberg gehört. Seine Hauptlebensaufgabe schien der Angeklagte, der ledig- lich der„Sohn seines Vaters" war, darin zu sehen, möglichst viel Geld unter die Leute zu bringen. Als er sich aber einige Spätze erlaubte, die selbst ein kleines Vermögen verschlangen, wurde dem Millionärsohn dadurch ein Strich durch die Rechnung gemacht, daß er auf Antrag seiner Angehörigen wegen Verschwendung ent- miindigt wurde. Von diesem Zeitpunkt ab hatte der Angeklagte ein„Taschengeld" von nur 800 M. monatlich zu verzehren. Da er sonst gewöhnt war, mitunter an einem Tage eine solche und noch höhere Sunimen„aus der Westentasche" zu bezahlen, so reichten die 800 M. natürlich nicht weit. Als er sich am 20. Dezember v. I. auf einer kleinen Weinreise befand, passierte ihm deshalb das Malheur, datz ihm in Anton Grünfelds Weinstuben in der Jäger- stratze das Geld ausging. Er rief den Oberkellner Sache heran und bat ihn, ihm mit einem blauen Lappen aus der Verlegenheit zu helfen. Um den Kellner sicher zu machen, gab er unter anderem an, datz ihm das Grundstück Hauptstratze 45 gehöre und er ihm sofort am nächsten Tage 120 M. zurückzahlen werde. Auf diese Angaben hin lieh sich S. verleiten, dem Angeklagten 100 M. zu leihen. Am nächsten Tage wartete er vergeblich auf die Rückzah- lnng. Als alle seine Bemühungen, wieder zu seinem Gelde zu kommen, vergeblich waren, erstattete S. schlietzlich Anzeige, zumal sich auch noch herausstellte, datz W. verschiedene falsche Angaben gemacht hatte. Das Schöffengericht Berlin-Mitte erkannte mit Rücksicht darauf, datz der Kellner tatsächlich um sein Geld ge- kommen ist, auf eine Gefängnisstrafe von einer Woche. Die hier- gegen von dem Angeklagten eingelegte Berufung wurde von der Strafkammer unter Bestätigung des ersten Urteils verworfen. Schutz den Frauen. Einer jener Leute, die anständige Frauen auf der Stratze be- lästigen, erhielt gestern von der 1. Straflammer des Land- gerichts I eine empfindliche Lektion. Wegen wörtlicher und tät- licher Beleidigung war der aus der Untersuchungshast vorgeführte Maurer Paul Brusinski angeklagt. Am Nachmittage des 22. Mai dieses Jahres hatte sich eine Frau S. mit ihrer Schwägerin auf einer Bank auf dem Pappelplatz niedergelassen, um sich ein wenig auszuruhen. Nach einer Weile setzte sich der Angeklagte zu ihnen und begann sofort nicht mihzuverstehende Anspielungen zu machen. Als sich die beiden Frauen diese Redensarten verbaten mit dem Hinweise, datz er sich anscheinend etwas in der Person irre, wurden sie von dem Angeklagten mit den gemeinsten Redensarten über- schüttet. Als Frau S. drohte, einen Schutzmann zu holen, erhielt sie von dem Angeklagten einen Schlag in das Gesicht. Nach dieser Heldentat wollte der Angeklagte sich entfernen, wurde jedoch von dem Schutzmann Lange festgehalten und zur Wache transportiert. Der Staatsanwalt beantragte eine Gefängnisstrafe von 3 Monaten. Das Gericht ging jedoch noch über diesen Antrag mit der Begrün- dung hinaus, datz im Interesse der Sicherheit auf den Stratzen Berlins in der schärfsten Weise gegen derartige Rowdys vorgegan- gen werden müsse. Das Urteil lautete deshalb auf 4 Monate Ge- sängniS. VermilcKtes. Daa Gekelmnis des Corner 8ee gelüftet Der sensationelle Leichenfund im Koffer, den Fischer vor etwa 14 Tagen im Comer See machten, hat nunmehr seine volle Auf« klärung gefunden. Wie wir berichtet hatten, war durch die Be- Hörden festgestellt worden, datz die Ermordete als die amerikanische Schauspielerin Mary Castle Carlton festgestellt wurde, die mit ihrem Gatten in einem Hotel an den Gestaden des italienischen Sees gewohnt hatte. Am Donnerstag wurde nun bei seiner Au kunft in H o b o k e n der Gatte, Porter Carlton, von den amerikanischen Behörden wegen Verdachts der Ermordung seiner Frau verhastet. Bald nach seiner Verhaftung gestand Carlton, datz er seine Frau im Streite erschlagen habe. Nachdem sie tot war, habe er sie in einen Koffer gepackt, den er nachts in den See versenkte. In seinem Geständnis betonte er, datz er der allein Schuldige sei, und datz ein Freund der Familie, der Ruffe I s p a l a t o w. der in den Verdacht der Teilnahme an dem Verbrechen geraten war, durchaus unschuldig sei. SeKweres eifenbahnunglüch. Auf der Eisenbahnlinie Mexiko— Manzanillo ereignete sich am Freitag, wie uns ein Telegramm aus Mexiko meldet, ein sehr schwerer Eisenbahnunfall. Von einem Militärzuge, der die Strecke befuhr, lösten sich auf einem steilen Abhang vier Wagen von den anderen und stürzten den Abhang hinunter. Infolge des Unglücks wurden 37 Personen getötet oder schwer verletzt. Unter den Getöteten befinden sich fünf Offiziere mit ihren Familien. Scheidung der Böcke und Schafe. Ein katholischer Dorfpfarrer fordert in seiner Eigenschaft als Schulinspektor seine Kollegen in der.Amberger Volkszeitung" auf, gemeinsame Spaziergänge von katholischen und pro- testanlischen Kindern nicht zu gestatten, weil solches Bei- sammensein nicht geeignet sei, in den katholischen Kindern den Glauben zu fe st igen. Allzugrotze Zuversicht in die siegreiche Kraft de? katholischen Glaubens spricht gerade nicht aus diesem Erlatz deS geistlichen Schulinspektors._ Ein Protestler. Ein poetisch veranlagter Wähler hat in Friedberg auf einen Stimmzettel für B u s o l d folgenden Reim gesetzt: Mir ist im Aug' schon lang' ein Dorn— die neue Reichsfinanzreform.— Kaum kann man noch ein Pfeifchen schnmuchen,— mutz man den teuren Tabak rauchen.— Auch auf dein Bier ist neue Steuer,— o Vaterland, wie bist du teuer.— Nur hat die Reichen man verschont, so ist's in Deutschland man gewohnt.— Drum soll dies die Quittung sein,— für die neuen Steuern Anno 9. So berechtigt dieser in poetische Form gekleidete Protest ist, mutz doch dringend angeraten werden, derartige Zusätze auf Stimmzetteln zu unterlassen, da sie dadurch ungültig werden. Der wirksamste Protest ist es, aus der Haltung der bürgerlichen Parteien die Kon- sequenz zu ziehen, indem man der sozialdemokratischen Parteiorganis ation beitritt. Die kleinen Zoologe«. Ueber ihre Eindrücke, die sie beim Besuch einer zurzeit in Liverpool veranstalteten Viehzuchtausstellung erhielten, mutzten die Liverpooler Schulkinder einen Aufsatz anfertigen. Aus der Fülle der originellen Urteile gibt der.Standard" einige wieder, die auch bei den deutschen Lesern verständnisinnige Heiterkeit erregen»erben. Es heitzt in den Aufsätzen: .Das Pferd besteht aus den Gelenken, den Rippen, dem Ober« schenke!, den Fesseln und dem Hufe. Ohne diese könnte das graziöse Tier nicht leben." .Das Pferd hat die Größe eines Mannes von mittlerem Alter." .Wenn wir in Irland umherstreifen, finden wir, datz dort die Schweine als Mitglieder der Familie behandelt werden. Sie sitzen beim Feuer, gehen aus und ein und haben die wenigen Stühle, die dort zu finden sind, in Besitz." .Die St. Vernhard-Hunde sind sehr intelligent. Sie haben vielen Reisenden das Leben gerettet, indem sie den Patienten Branntwein in die Kehle gössen." .In den Schlächterläden sieht man riesige Stücke Ochsen» fleisch, die einst das Eigentum einer Kuh waren." .Eine Kuh sieht einem Stier sehr ähnlich, aber ein Stier tut mehr weh als eine Kuh."_ Kleine Notizen. Ein schwerer Unglücksfall ereignete sich am Freitag auf der Zeche f riederike bei Bochum. Ein Bergmann stürzte mit einem ohlenwagen 90 Meter tief in den Schacht und blieb mit zerschmettertem Schädel unten liegen. Die Eisenteile des zertrümmerten Wagens drangen dem Knappen in den Leib. Ermordung einer ganzen Familie. Wie die„Kattowitzer Ztg.� meldet, wurde in W o z n i e n S k an der russischen Grenze die Familie des Handelsmanns B a l k a l, Mann, Frau und süns Kinder, in ihrer Wohnung ermordet aufgefunden. Die Leichen waren furchtbar verstümmelt. Von den Mördern fehlt jede Spur. Explosion auf einem Motorboot. Auf dem Berliner Motorboot« kreuzer Matz, der an der Motorbootregatta in Kiel teilnehmen wollte, erfolgte am Freitag eine Explosion, bei der der Monteur Karl K o r i n t h aus Nixdorf sich schwere Brandwunden zuzog. Zwei Maschinisten wurden leichter verletzt. Bei einem furchtbaren Unwetter, welches am Donnerstag über e l g i e n niederging, wurden in der Stadt H a s s e l t eine ganze Reihe Häuser vom Blitz getroffen und in Flammen gesetzt. Drei Kinder, die sich vor dem Unwetter unter einen Baum geflüchtet hatten, wurden durch einen Blitzschlag getötet. Das portugiesische Kanvuenboot„Liberal" ist an der afrikanischen Küste bei A m b r i g auf eine Klippe aufgefahren und gesunken. Die Besatzung konnte gerettet werden. Der Lokomotivführer Leduc, der wegen der Eisenbahnkatastrophe bei B i l l e p r e u x in Hast genommen worden war, mußte wieder in Freiheit gesetzt werden, da für seine Schuld keinerlei Be- weise beizubringen waren. Leduc, der bei dem Unglück schwer verwundet wurde, wird längere Zeit im Krankenhause ver« bleiben müssen. Der Plcitegeier. Die mit großem Tamtam ins Leben gerufene Budapestsr Flugwoche hat bekanntlich in finanzieller Beziehung mit einem großen Fiasko geendet. Der ungarische Aeroklub, der der Arrangeur des Meetings war. hat viele Forderungen nicht beglichen, so datz von einem Gläubiger den stemden Fliegern ihre Flugapparate gepfändet wurden. Bisher ist eS noch nicht gelungen, die Apparate, deren Besitzer an dem finanziellen Zusammenbruch vollständig un- beteiligt sind, steizubekommen. eingegangene Drudtrchrfften. d. 102 Kl. (Bd. 101.)— (Bd. 104.) Einzelb. 1 M.. geb. 1,50 M. A«S jungfräulichen Lande«. Von D'Annunzto. Biblioth.).— Die goldene Kette. Von V. Auburtin. Der Statthalter von Judäa. — Hinter Schlotz und Rlegcl. Eine unmoralische Geschichte, nicht von Schuld und Südne, sondern von Verbrechen und Strafe. Umschlag- Zeichnung von Pros. W. Tiemann. 2,50 M., geb. 4M.— Bleakhaus. Roman w vier Baden von Charles Dickens. Deutsch von G. Meyrwk. Umschlag- und Tltelzeichnung von Pros. W. Tiemann. 12 M., geb. 16 und 24 M. Verlag von Albert Langen in München. ZK. Schnlmeister BERUH SO.» Dresdener Str. 4. Hochbahn-Station Eottbuser Tor. Moderne Paletots und Ulster 1- n. 2reihift. Formen zum Durch- knöpfen, in d. neuest. Must.(Ii cn j 48.50 45.— 40.50 V tiu SO.SO SS.50«9.50 M j Jaekett-Anzflge elegante Fassons, prima BoOhaar- 801 Z7.50 UTM 54 00 59- 88.50 24 M 29 50 36 60 . 3�-25°° 70°° M M Verarbeitnn 45— 4S.50 84.- 89.50 Rock-AnzQge. Gehrock-Anzöge Lüster-Jacketts Wasch- u. Schilfleinen- Jacketts... 2°°- 750 Loden-Pelerinen. 1060-2450 Gummi-Mantel.. t9°°-45°° Herren- Beinkleider. Arbeiter-Berufskleidung, und elegant sich kleiden will, empfehlen wir große Posten beste MonatSgarderobe. Unsere Sachen find in feinsten Werkstätten(teils aus Seide) gearbeitet, von Herrschasten, Doktoren, Kavalieren nur kurze Zeit gebraucht. 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Die Versammlung nimmt den dritten Punkt der Tagesordnung auf, die Jugendfrage. deren wachsende Bedeutung auch für die Textilarbeiterbewegung bei der stetig steigenden Zahl der jungen Arbeiter und der Kinder- ausbeutung in der Textilindustrie W. Rössel- Berlin in einem längeren Vortrage eingehend beleuchtete. Er empfahl die Reso- lution der Gauleiterkonferenz vom 23. Januar dem Verbandstag zur Annahme. Diese Resolution hat bestimmte Sätze aufgestellt zur Gewinnung der Jugendlichen für die Organisation, um ihnen Unter st ützung und Schutz gewähren zu können und ihre Bildung zu fördern. Die Resolution, die angenommen wurde, sagt u. a.: „Treten jugendliche Arbeiter oder Arbeiterinnen aus der Textilindustrie im Alter bis zu 16 Jahren der Organisation bei, so zahlen sie einen Wochenbeitrag von 16 Pf., welcher mit Mar- ken quittiert wird.— Die Marken werden auf eine gratis zu verabfolgende Mitgliedskarte geklebt.— Ist eine Karte voll, so wird gratis eine neue ausgestellt.— Nach Vollendung des 16. Lebensjahres zahlen die jungen Mitglieder 20 Pf. pro Woche. — Mit Vollendung des 17. Lebensjahres werden die jungen Mit- glieder vollberechtigt, und zahlen bis zum 18. Lebensjahre 30 Pf. pro Woche. Die 30 Pf.-Beiträge werden in ein nunmehr aus- zustellendes Mitgliedsbuch geklebt.— Nach Vollendung des 18. Lebensjahres steht es den weiblichen Kollegen frei, in eine höhere Klasse zu zahlen; die männlichen Kollegen müssen dann 40 Pf. zahlen, jedoch steht ihnen dann auch eine höhere Beitrags- leistung frei.— Der Eintritt in die Vollberechtigung erfolgt unter Anrechnung der ganzen Dauer der Mitgliedschaft.— Die Zahl der geleisteten Wochenbeiträge wird im folgenden ersten Jahre im Untcrstützungsfalle gleich Beiträgen der Klasse I gerechnet. Die jungen Kollegen werden im Falle eines Streiks oder einer Aussperrung nach Leistung von 26 Wochenbeiträgen als unterstützungsberechtigt erachtet._— Der Unterstützungssatz wird vom Zentralvorstand von Fall zu Fall geregelt.— Er soll sich nach der Dauer der Mitgliedschaft richten und nicht höher sein als der Durchschnittslohn der letzten 13 Wochen. Den jungen Mitgliedern kann im Falle der Erkrankung Unterstützung nach folgenden Sätzen gewährt werden: Nach Zah- lung von 26 Beiträgen 1,20 M. pro Woche für 6 Wochen— 6,— M. 52„ 1,80„ ,.„„ 6„= 10,80„ 104. 2,40„„„„7„= 16,80„ 156„ 3,-„„„„8„= 24,-„ Diese Unterstützungssätze können, analog unseren statutari- 'fchen Bestimmungen in Perioden von 104 Wochen nur einmal bezogen werden. Die jungen Kollegen erhalten bis zum Eintritt der Voll- berechtigung die„Arbeiter-Jugend" und auf Wunsch auch den „Textilarbeiter" gratis geliefert. Weibliche Jugendliche crhalteri vom 16. Lebensjahre ab neben der„Arbeiter-Jugend" die „Gleichheit" an Stelle des Textilarbeiter", wenn der letztere be- reits von einem Mitgliede der Familie gelesen wird.— Zu den von den Kartellen oder Bildungs-Ausschüssen für die Jugend arrangierten Veranstaltungen sind die jungen Kollegen mit heranzuziehen.— Wo solche Veranstaltungen nicht getroffen werden, ist es Sache der Ortsverwaltungen, die in dieser Hin- ficht nötige Fürsorge walten zu lassen. In den Verbandsbibliotheken ist nach Möglichkeit die Be- schaffung einer besonderen Abteilung für Jugendschriften zu er- streben. Es wird den erwachsenen Kollegen zur Pflicht gemacht, sich den jungen Mitgliedern gegenüber mit angemessener Kollegiali- tät zu benehmen und ihnen Berater und Beschüber zu sein. Die Ortsverwaltungen sind ersucht, am Jahresschlüsse über den Stand der Jugcndbetvegung innerhalb unserer Industrie und Organisation Bericht zu gäben." In der Diskussion über diese Anträge zeigte sich, daß die Be° deutung einer eifrigen Agitation unter den Jugendlichen von den Versammelten voll gewürdigt wurde, besonders empfahl man ein größeres Entgegenkommen und liebevolle Behandlung den jugend- lichen Arbeitern gegenüber. Die Generalversammlung hört dann einen Vortrag von Martha Hoppe über die Arbeiterinnenfrage. Die Rednerin zeigt die außerordentliche Zunahme der Frauen- arbeit in der Industrie überhaupt und in der T e x t i l i n d u st r i e im besonderen, in der gerade verheiratete Frauen in großer Zahl beschäftigt werden. Sehr wichtig sei natürlich die För- derung der Organisation unter den Frauen, aber es gelte auch, die organisierten Frauen dazu zu erziehen, daß sie Forderungen stellen, daß sie ihre Rechte wahrnehmen und daß ihr Selbstbewußtsein ge- weckt werde. Die Verkürzung der Arbeitszeit und die Beseitigung der Ueberzeitarbeit müsse vor allen Dingen angestrebt werden; eine gute Lohnstatistik würde werwolle Dienste leisten. Die Red- nerin fordert, daß die Arbeiterschaft dafür eintrete, daß Einrich- tungen zum Schutze der Schwangeren, der Mütter und der Kinder getroffen werden. Größeren gesetzlichen Schutz müßten die Frauen fordern, denn die Schäden der heutigen Ausbeutung der Frauen- arbeit träten überall zutage. Die Rednerin gibt mancherlei Rat- schlage, wie die Agitation unter den Frauen belebt werden könnte; Diskussionsabende würden sehr nützlich sein. Man müßte mehr Rücksicht auf die Eigenart der Frauen nehmen, ihre Mitarbeit in den Organisationen sei wertvoll und man sollte die Frauen zu Mitarbeiterinnen heranbilden.(Beifall.) Die Diskussion über diesen Punkt wurde im allgemeinen in einem zustimmenden Sinne geführt; bestimmte Beschlüsse faßt die Versammlung zu dieser Frage nicht. Eine hitzige Debatte über Verwaltungsfragen entspann sich aus Anlaß einer Vorlage zu Z 17 des Statuts, den eine Kommission eingebracht hatte, die vom Vorstand, Ausschuß und den Gauleitern gewählt war. Die Versammlung beschloß endlich den Uebergang zur Tagesordnung und hörte einen Vortrag von H. Jäckel über das Thema Die Textilindustrie in der Gesetzgebung- Der Redner zeigte, wie gefährlich die Arbeit in den verschie. denen Zweigen der Textilindustrie für die Gesundheit der Ar- beiterschast ist und wie sehr diese Arbeiterschaft des notwendigen gesetzlichen Schutzes entbehrt. Man rühme so sehr die Arbeiter. schutzgesetzgebung Deutschlands, aber in England sei der Textil- arbeiter zum Beispiel viel besser geschützt und manche Einrichtung in den dortigen Fabriken könne für uns als vorbildlich gelten. Und die englische Textilindustrie habe gewonnen durch die Einführung von Shutzbcstimmungen für die Arbeiter. Die Versammlung nahm auf Empfehlung des Redners die folgenden Resolutionen an: I. In Erwägung, daß die deutschen Textilarbeiter und-Arbei- terinnen in bezug auf körperliche EntWickelung weit zurückstehen hinter der körperlichen EntWickelung der Arbeiter anderer Be- rufe und diese Tatsache zum großen Teil zurückzuführen ist auf die mit der Arbeit in Tcxtilfa>briken verbundenen gesundheit- lichen Schädigungen: daß weiter eine Anzahl Branchen und Ar- bcitszweige der Industrie vorhanden sind, welche in besonders hohem Maße als für die Gesundheit der Beschäftigten gefährliche allseitig anerkannt werden(Flachsbranche, Jutebranchc, Watte- fabrikation, Kunstwollfabrikation, Wollsortierung, Roßhaar- spinnerei usw.), fordert die Generalversammlung von den gesetzgebenden Körperschaften besonderen und weitgehendsten Schutz für Leben und Gesundheit zugunsten der in diesen Branchen und Abteilungen beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen. Die Versammlung beauftragt ihren Zentralvorstand, dieser Angelegenheit dauerndes Augenmerk zuzuwenden. In Vcrbin- düng mit der Bearbeitung der allgemeinen Branchenangelegen- heiten sind die Schädigungen der Arbeiter durch den Arbeits- Prozeß und die diesbezüglichen Beschwerden der Arbeiter festzu» stellen, die Forderungen zu formulieren und sodann das weitere in zweckentsprechender Weise zu veranlassen. II. Die Generalversammlung des Verbandes Deutscher Textil- arbeiter beschlieht mit Rücksicht auf die durch die Zollpolitik her- vorgerufenen enormen Schädigungen der Textilindustrie im all- gemeinen und der Arbeiter im besonderen auf die Tagcsord- nung des nächsten Verbandstages zu setzen: Die Schädigung der Textilindustrie und ihrer Arbeiter durch die Zollpolitik!_ Bnefhaltcn der Redaktion. Die Inriflllcfic Evrcchsniilde findet Lindcnftrahe Nr. SO, vor» vier Trevven— Kavrfriitil—, wuchcniä�litii vo»?>/, dis O'/e Uvr abends, Sonnabends Von 6 bis?>/. Nhr nachniitlags statt. Jeder'Ansraa? ist ein Buchstabe und eine Zahl als lvterkzeichen bei�iisilgcn. Briefliche Antwort wird nicht erteil«. Eilige gragen trage man in der Svrech» stund« vor. K. S. 1. Soweit bekannt, bis zum 30. Lebensjahr. 2. Polizeipräsidium. 3. Nein. 4. Nicht wesentlich. 5. Führungszeugnis, Lebenslauf kurz. 6. 1500 M., Höchstgehalt 2200 M., zu erreichen in 21 Dienftjahren. 7. Nach Bedarf. 8. Ja. 9. Probezeit, dann Anstellung.— C. T. 62. Den Unfall- Zuschuß beanspruchen Sic von der Krankcnkaise. Derselbe steht Ihnen vom Beginn der fünften Woche an zu. Die Kasse zieht denselben vom Unter- nchmer ein. Im übrigen zeigen Sie dcnUnsall selber bei derOrtspolizcibehörde und der Berufsgenossenschast an.— R. 266. Ein Gesuch um Befreiung ist zulässig. Die Höhe des Zuschusses ist schwankend.— E. Sch. 9, Pankow. 1. Vom Geburtsort. 2. Ja.— W. W. 1060, Beeskow. Wenn der Vermieter gegen Ihre Erklärung nichts eingewendet hat, haben Sie für das vierte Quartal nichts zu zahlen. Im übrigen fordern Sie den Vermieter zur Beseitigung der Mängel, unter Setzung einer angeinessencn Frist und unter der Androhung, daß Sie für den Fall der Fruchtlosigkeit räumen werden, aus. Sie können alsdann räumen, wenn durch Zeugen und sachverständige die Mängel in dem be- hauvtcten Umfange nachgewiesen werden können.— C. H. 56. 1882. — K. 28. Nur dann, wenn ein Rechtsanspruch besteht, es nicht etwa eine freiwillige Leistung ist.— K. K. 3. Wir halten von derartigen Kassen nichts.— C. D. 19. Nein.— C. P. 166. Wenden Sie sich an einen Fachmann.— W. G. 54. Stellen Sie einen Anwag bei dem Polizei- Präsidium.— A. K. 89. Setzen Sie sich mit dem Vorstand Ihrer Gewerlschaft in Verbindung.— Hertha Lichtenberg. Einen gesetzlichen Anspruch hätten Sie für den Fall nicht. Immerhin verlohnt ein SIntrag aus Gewährung der Unterstützung.— G. C. Fragen Sie bei dem Transportarbeiter-Verband, Engcluser 15, an.— Q. R. 2 a. Der zuständige Amtsvorsteher erteilt aus Anfrage Auskunst. Bezeichnen Sie die Baulichkeiten, die Sie auszuführen gedenken.— P. B. 157. Nein. Preiswerte Sommer-Schuhwaren- Jerusalemer Str. 38-39 Friedrich-Strasse 75: Potsdamer Strasse 2: T auentzien-Strasse 19a• König-Strasse 25-26• Schöneberg, Hauptstr. 146! \0 I« I« I» I* : 8* Zentrale und Versand: Jerusalemer Str. 38-39 Zartrab Ar HenteOunj von uxitviduelleni Mafia chnh werk und Plattfuß- Einladen nach in- dhridnellen Fufiabdrüdcen unter spezi aläntKAer Ueberwachunjr. Koatenloae arztliehe Spreeiiatondea wochent. von '/iS bis 7 Uhr in den Geschäfts- Jerusalemer Str. 38-39 ; Mao Teriaoge Broschüre über den-Senkfuß". 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Preis hin u. zurück bOPs. Reederei 8 EHEEE«-«»«»-»ÄHA-AÄ Die besten Glückwünsche unserem Bczirl-sührer Paul Lchiwal�badi nebst Gemahlin zur heutigen Vermählung. Die Genossinnen und Genossen des II. Bezirks in Schöneberg. lür Schöneberg. Bezirk 4o. Am 22. b. M. verstarb unser Mitglied, der Klempner Ulrich Jaenichea im 32. Lebensjahre. Ehre seinem Zludenkenl Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 25. Juni, nach- mittags>/,4 Uhr. von der Leichen- Halle des neuen Schöneberger Friedhofes(Blanke Hölle) aus statt. Um zahlreiche Beteiligung der Mitglieder ersucht 15/18 Der Vorstand. Sozialtaokrat WablveretD Adlershof. Nachruf. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß der Genosse Karl Thielemann im Alter von 38 Jahren auS dem Leben geschieden ist. Ehre seinem Andenkenl 203/5 Der Vorstand. Oeutsctier Metallarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin. Todes- Anaeige. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Gürtler Unvia Pawlaczyk am 22. Juni an Rückenmarks- leiden gestorben ist. Ehre seinem Andenken k Die Beerdigung findet am Sonntag, den 26. Juni, nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des neuen Jakobi-KirchhoieS, Rixdors. Hermannstrahe, auS statt. Rege Beteiligung erwartet >7------------ 117/1 Die Ortsverwaltung Achtung! Achtung! Zentraberband der Sebntiede. - ZablltcUc ßcrltn.- Bnrea«: Linienstras-e 73.— Telephon: Ami 3, 9319. Sonntag, den 26. Jnni 1910, vormittags 10 Uhr, bei Freyer, Koppeustraße 29: AvßnndeMlheMitzliedttlinsWMlllilg. Tages-Ordnung: 1. Bericht über die Verhandlunqen. 2. La- schlußfassung über die weiteren Jdaßn ahmen. IWl- Mitgliedsbuch legitimiert. Ohne Mitgliedsbuch WU- erhält kein Kollege Zutritt."VS Kollegen! In Anbetracht der Wichtigkeit der Tages» ordnung ist es notwendig, datz Ihr alle, Mann für Mann» pünktlich zur Versammlung erscheint. llie OrtsvenwaUnng. I. 91.: A. SchlinSky. jichiungi Schmiede. Mfang! Sonntag, den 26. Jnni 1910, mittags 12 Uhr, bei Freyer, Koppenstraße 29: Geffllltlilljc Nersammliilig sämtlicher bei Jnnungsmeistern beschäftigten Schmiedegesellen Groß- Berlins. TageS-Ordnung: 1. Bericht über die Verhandlungen.(Referent Kollege S ch l i n s k y.) 2. Sesehlußfassnng über die weiteren maßnahmen. mw Kollegen! Die Stunde, wo Ihr über das Verhalten der Snnnngsmeister entscheiden sollt, ist gekommen. In dieser ersammlnng müßt Ihr wählen, ob Ihr das Sklavenjoch weiter schleppen wollt oder ob Ihr gewillt seid, Euch eine menschenwürdige Existenz zu erkämpfen. Die Meister der- suchen bereits, Euch durch Lohnzulagen und schöne Ver- sprechungen von der Vertretung Eurer Jntereffen abzuhalten. Kollegen! Laßt Euch nicht täuschen. Alle diese Ver- sprechungen werden gebrochen, wenn dieselben nicht durch einen Tarifvertrag mit der Organisation festgelegt werden. Deshalb, Kollegen, alle Mann für Mann zur Versammlung, und auf zum Kamps für Euer Recht. Die Herren Meister find ebenfalls zu dieser Versammlung geladen IMe Ortsverwal tnng._ Per GcaellenansschnB. Deutseher Baebbinder-Yerband. (Zahlstelle Berlin.) Den Mitgliedern zur Nachricht, dafi unser Kollege Aiarian Zwierski am 21. Juni verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonntag, den 2S. Juni, nach- mittags 4 Uhr, aus dem t.UHoIi. (dien Friedhose in Stahnsdorf '"um rege Beteiligung ersucht 24/3 Die Ortsverwaltung. Zentral-Verband der Böttcher, Weinküfer.HilfsarbeiterDeutschiands Filiale Berlin. Bureau tt. Arbeitsnachweis: Engeluser 15. Tel.: Amt IV, 2287. Sonntag, den iiO. Juni, vormittags 10 Uhr, bei Wille, Brunncnstr. 188: WerofM. Mitglieder-Versammlung Soges. Ordnung: 1. Bericht der Lohntommission über die gestellten Forderungen tn den Aerfitellen und Fabriken. 2. Beschlußsassmig über weitere Maßnahmen. 3. Innere Verbandsangelegenheit. 38/4 In Anbetracht der wichttgen Tagesordnung ist eS doppell notwendig, daß jeder Kollege zu der Versammlung pünktlich erscheint. Pvr Vorstand. Kautabake— s p/g.-Roiien der Firma Fischer& Herwig, Hann. Mfinden. ===== Erstklassiges Fabrikat.==== Max Ziegenhais, Berlin NO., Neue Königstr.70 Amt VII, S047. Für die Reise! zu sehr billigen Preisen Strand-Anzüge° Loden-Anzüge 0 Lustre- Anzüge° Touristen-Anzüge° Loden- Pelerinen° Sommerjoppen° Lustrejacketts Wasch-Westen w dm an«-.«-.. 1.90 2.25 3.— 3,50 Iii. Bäk. Marke Victoria Praktischer vornehmer Reise- und Strapazier- Anzug für Herren in jeder Grösse and eilen modernen Dessins Torritig,.........»,» 15 M. Hermann Vandsburger SW� Friedrichsfr. 7 Rai«]! n �W., Turmstr. 30a mm Belle-Alliancs-Plet*- W 1■ 1 1■ Ecke Wilhelmshavenerslr. It n Arbeitsnachweis: VcrtvaltungSftelle Berlin. Hanptburea«: Hof l. Amt 3. 1238. CharitistraSa 3. Hos IN. Amt 3. 1387. Montag, den 87. Juni 1919, abendS 8'/, Uhr. in de» Musiker- Festsälen, Kaiser-Wilhelm-Str. 18 m: Wglieäer-Vmsmmhmg der Klempner. Tagesordnung: Fortsetzung der Dlskusfio» über die mit den Arbeitgebern gepflogenen Verhandlungen. NB. Das Erscheinen eines jeden Kollegen ist notwendig. - Mitgliedsbuch legitimiert.>■■ Montag, den 87. Jnni. abends 6 Uhr. im Gewerkschaftshaufe, Engelufer 15, großer Saal: V ersammlnng aller in Mktallglkßerklell Serlins und Umgegend beschöstigten := Former u. Äerufsgenosien.= Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Landtagsabgeordneten Genossen Adolf Hoflmann über das Thema:»ikuItuS und Kultur". 2. Diskussion. 3. Verbands- und Branchenangelegenheiten.— In Anbetracht des lehrreichen und interessanlen Themas erwarten wir daS Erscheinen aller Kollegen. Montag, de» 87. Jnni 1919, abend» 8'/, Uhr. im Englischen Garten, Alexanderstr. 87o: Krancheu-Nersnunnlung der Schwarzblechschlosier«. Zeugschmiede. TageS-Ordnung: ..... en. 3. 9 [« Vers« Die Ortsverwaltung. 1. Bortrag. 2. Branchenangelegenheiten. 3. Verschiedenes. Pflicht«ine» jeden Kollege» ist e», in dieser Versammlung zu erscheinen I 117/16-------- Einheitspreis M. 12.50 m Ü Luius-Auslührung U| M. 16.50 ff Wollen Sie bequem und angenehm gehen) Macben Sie einen Versuch mit SaiatnasdcnUelelnl Fordern Sie Musterbuch V Salamander Sctaubgea, m. b. ü, Berlin W. 8 Friedrich.Strasse 183 C. Könlg-Strasso 47 SW. Friedrich• Strasse 23t C. Rosenlhaler Tor W. Potsdamer Strasse 6 NW. Wiisnacker Strasse Ecke Turm-Str»»««• W. Tauentzlen-Strasse 15 N. Bad Strasse 20 Soandau. Breit« Strasse 30 Steglitz, Schloß-Strasse 20. Möbel- sWaren- Kredithaus 'i Rosenthalerstr. 54 L Etage gibt sn jedermann bai ganz ga- rlnger Anzahlung und leichter Teilzahlung Anzüge Anzug 18 M. Anzug 21 M Anzug 27 M. Anzug 84 M. Anzug 42 M. Anzahlung 3 M. Anzahlung 4 M. Anzahlung 5 M. Anzahlung 6 M, Anzahlung S M. Möbel 1 Zimmer.. Anzahlung IS M 2 Zimmer., Anzahlung 30 M. 3 Zimmer.. Anzahlung 80 M. 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Dort um 4 Uhr nach- mittags Führung und Vortrag des Genossen Dr. Max Schütte: „Uebcr die Entstehung und die neuesten Ausgrabungen der Schanzen". Gäste, sowie die Parteigenossen der Umgegend sind zu dieser Partie herzlich willkommen. Ferner werden die Parteigenossen ersucht, ihre Kinder, Mädchen über acht Jahre, am Sonntag, den 26. Juni, vormittags'/z9 Uhr, nach dem Restaurant Schellhase, Steglitz, Ahornstr. 15a, zur Probe des FestreigenS zu schicken. Der Vildungsausschuß. Stralau. Am Sonntag, den 26. Juni. Familien-Ausflug nach Pferdebucht. Treffpunkt: Bahnhof Stralau- Runimelsburg, Bahnsteig E. früh 9 Uhr. Für Nachzügler um 1 Uhr in Pferdebucht. Adlcrshof. Am Sonntag, den 3. Juli, findet eine Befichttgung der Kalk- und Zementindustrie-Ausstellung in Baumschulenwcg statt. Wir ersuchen diejenigen Genossen, welche sich daran beteiligen wollen, sich vorher wegen Beschaffung von Einlaßkarten bis spätestens Mitt- woch, den 29. Juni, beimIGenossen Ligner. Genossenschaftsstr. 7, zu melden. Der Ausnahmepreis beträgt 30 Pf. Karlshorst. Achtung, Genoffen l Heute Abend Flugblattvev breitung von den bekannten Stellen aus. Die Bezirksleitung. Mohlsdorf(Ostbahn). Die für heute Sonnabend in Aussicht genommene Mitgliederversammlung findet nicht statt. Am morgigen Sonntag, den 26. Juni Flugblattverbreitung. Die Genossen finden sich zu diesem Zwecke früh 8 Uhr in Drägers Restaurant. Bahnhof straße, ein. Die Bezirksleitung. Ncucnhage« und Umgegend. Am Sonntag, den 26. d. MtS., findet für den ganzen Bezirk eine Flugblattverbreitung statt. Die Ausgabe der Flugblätter erfolgt bei den Bezirksführern; für Freders- dorf-Petershagen früh 8 Uhr im Lokal von Appel, Petershagen. Königs-Wusterhausen. Sonntag, den 26. d. MtS., morgens 7'/? Uhr. findet von den bekannten Bezirkslokalen aus Flugblatt« Verbreitung statt. Gleichzeitig weisen wir die Genossinnen auf den am Montag, den 27. d. MtS., abends 8 Uhr, im Wedhon, schen Lokale stattfindenden Frauenleseabend hin, in welchem Genossin Wulsch-Berlin einen Bortrag über die neuen Steuern und deren Wirkung halten wird. Der Vorstand. Bezirk Pankow und WilhelmSruh-Nieder-Schönhauscu-West. Am Sonntag, den 26. Juni, nachmittags 2 Uhr findet in Wandlitz die Fortsetzung der am 29. Mai polizeilich aufgelösten Volksversammlung statt. Reichstagsabgeordneter Genosse Stadthagen spricht über: Junkerregierung, Reichstag und Volk. Abfahrt vormittags 3, 8,18 10 und 12,23 Uhr vom Bahnhof Reinickendorf-Rosenthal. Die rad- fahrenden Genossen Pankows treffen sich um 10'/- Uhr Mühlenstratze (Bahnbrücke). Die Bezirksleitungen. Bezirk WaidmannSlust. Sonntag, den 26. Juni findet in allen Orten unseres Bezirks von den bekannten Lokalen aus eine Flug- blattverteilung statt. Die Bezirksleitung. Bruchmühle. Sonntag, 26. Juni, abends 7% Uhr, findet der fällige Zahlabend im Lokal von Nagel statt.— Heute: Sonnabend, 25. Juni: Flugblattverbreitung. Die Genossen treffen sich um 8 Uhx im Lokal des Genossen Kutzner. steigt aus dem Gewirr der kleinen Häuser der Unterbau der Strausbcrger Hauptkirche empor. Unweit davon stört das liebliche Stadtbild nur die bekannte Korrektionsanstalt, ein kastellartig und hart am See belegener, sechs Stockwerke hoher Gebäudekomplex. Schars heben sich vom Grün der Bäume und vom Blau des Wassers die weißgetünchten kahlen Mauern ab, hinter denen so viele Gestrauchelte versauern, die unsere verkehrte Staatspolitik mit all ihrer grausamen Härte niemals wieder aus den richtigen Weg bringen wird. Hier und da begegnet uns ein jugendlicher Häftling in sackleinener Sträflingskleidung. Sein Anblick schreckt uns nicht. Wir scheu in dem Gefallenen nur das typische Opfer verrotteter sozialer und gesellschaftlicher Zustände, und wenn auf das ebene Dach des schauerlichen Kastells, auf die noch im obersten Stockwerk belegenen Schlaf- und Arbeitssäle die Sonne ihre sengenden Glutcn speit, erinnern wir uns des srechen Wortes aus Junkermund, daß das Leben in preußischen Zuchthäusern und Besserungsanstalten„noch lange nicht das schlechteste" ist. Für einen halben Nickel bringt uns die mit Motorkraft betriebene städtische Fähre an das jenseitige Waldufer. Auch hier rings am See wildromantische Wege mit hohen, dichb bewachsenen Abhängen. Am„Seebad" und an„Villa Kaub vorüber erreichen wir die andere Seespitze, berauschen uns am Nimdblick über die fernen Höhenzüge mit dem rotgedachten Wilkendorfer Aussichtsturm auf dem Schwarzen Berge und kehren durch die Stadt nach Bahnhof Strausberg zurück Wer weiter wandern will, kann noch das eine Stunde ent fernte Garzau mit dem schönen Schloßpark oder die näheren Weinberge, den Kollegenberg und den Herrensce am Dick mantelforst besuchen. Die Mehrzahl der Ausflügler benutzt für zwei Nickel die gar nicht übel fahrende Strausberger Klingelbahn nach der Vorstadt und gewinnt so leichten An schluß zur Rückkehr nach dem steinernen«Wasserkops". Berliner JVadmcbten* Am Straussee. DaS märkische Seengebiet ist außerordentlich reichhaltig und an Naturschönheiten sehr vielseitig. Viele großartig am Walde gelegene Seen, selbst solche größeren Umfangs, sind Her Mehrzahl der Berliner knapp dem Namen nach bekannt. Wer aber erst einmal dort war, kommt immer wieder. Eine wunderhübsche Sonntagspartie führt uns nach dem Straus» see. Wir fahren für 70 Pf. auf der Ostbahn vom Berliner Zentrum nach dem Staatsbahnhof Strausberg und können von hier den Straussee mit der Stadt Strausberg in etwa andevthalb Stunden zu Fuß auf verschiedenen Wegen er- reichen. Die kürzeste Tour führt auf der Chaussee zwischen dichtem Forst an der Kleinbahn entlang über die Haltestellen Landhaus, Schlagmühle und Hegermühlc. Abwechselungs- reicher, wenn auch etwas länger, ist der Weg zunächst nach dem idyllischen Eggersdorf mit seiner berühmten, über anderthalb Jahrhunderte alten Riesenkastanie(45 Meter Laubumfangl) und von dort, auf ziermlich gerader Strecke, durch den herrlichen Wald, eine kurze Stunde, über Heger- mühle hinaus, nach dem Äaldrestaurant Wolfstal. dicht am Fuße des Marienberges, von dem man durch mächtige Kiefern hindurch einen prächtigen Fernblick bis nach dem Blumental genießt. Gleich dahinter meldet sich mit einer schilfbewachsenen Wiese der langgestreckte, in der Mitte cim geknickte Straussee an. Man muß es den Strausberger Einwohnern, die von etwas modernerem Schlage als die benachbarten Alt-Lands- berger Ackcrspießer sind, anerkennend nachsagen, daß sie das Lestreben zeigen, sich selbst und den Berliner Ausflüglern neuerdings etwas zu bieten. Seit ein paar Jahren hat Strausberg elektrische Beleuchtung, und demnächst kommt noch ein Wasserwerk mit Kanalisationsnetz hinzu, an das die rückständigen Honoratioren Alt-Landbergs, die am Geld- beute! wie der Teufel an der Seele kleben, sich trotz allen Zuredens nicht anschließen wollen. So sinkt Alt-Landsberg mit seinem Kriegervereinsrummel und sonstigem Patrioten- Llüngel immer mehr zum jämmerlichsten märkischen Klein- stadtnest herab. Die von der Stadt Strausberg angelegte und in vortrefflichem Zustande erhaltene Straussee-Pronie- nade, welche von der Seespitze mitten in die Stadt führt, kann auch verwöhnte Naturfreunde befriedigen. Vom jen- .festigen Ufer des klaren blauen Wassers grüßen die Wald- Wipfel herab. Alle paar hundert Schritt stehen in Hügel- nischen aus Tannenästen gefügte Ruhebänke, die zum Teil in den See hineinragen und eine wunbervolle Aussicht auf das Stadtpanaroma eröffnen. In der unmittelbaren Lage Strausbergs am See liegt sein besonderer Reiz. Häuser, Uferbäume und Wasser scheinen eins zu sein. Und man träumt hier auf der Promenadenbank oder drüben auf den Waldabhängen bei diesem köstlichen Anblick vom wieder- erstandenen Vineta. Etwas massig, aber doch nicht unschön Polizeiberichterstattung. Daß die Berichterstattung der Polizei mit großer Vorsicht zu genießen ist, ist schon des öfteren nachgewiesen worden Wir wollen gar nicht von der Berichterstattung reden, die be stimmte„Nichtgentlemens" über angebliche Vorkommnisse in der sozialdemokratischen Bewegung ihren Vorgesetzten geliefert haben; im Reichstage sind diese Berichte wiederholt einer eingehenden Würdigung unterzogen worden, wobei sich oft genug ergab, in welcher tendenziösen Weise Berichte fabriziert worden sind. Wir wollen heute auch nicht auf die Berichte eingehen, die von der Polizei erst ganz kürzlich über die Wahlrechtsdemonstrattonen unserer Partei verbrettet worden sind und die einer sachgemäßen Prüfung nach keiner Richtung hin Stand halten konnten. Im Auge haben wir heute die Berichterstattung an die Oeffcntlichkeit, soweit die Sicherheitspolizei und die Kriminal Polizei in Frage kommt. Ein direkter Berichterstatterdienst an die Presse besteht nur in wenigen Fällen. Er bezieht sich auf die Suche nach vermißten Personen, auf Warnungen vor bestimmten Schwindeleien, sowie aus Mitteilungen der Ge werbe- und Gesundheitspolizei. Der Polizeibericht über Un glücksfälle und sonstige Vorkommnisse im Vereich der Sichev heitspolizei ist auch nicht einwandsfrei. Wir haben das erst kürzlich nachgewiesen, als die Polizei in der Boxhagener Straße 24 Leute verhaftete, die in einem Stift Mittagessen erhalten sollten. Die Oberin des Stifts behauptet öffentlich das gerade Gegenteil dessen, was im Polizeibericht stand. Im allgemeinen ist die von der Kriminalpolizei geübte Information der Presse von großer Bedeutung. Diese Information erfolgt in der Haupt fache nicht direkt, sondern die Polizei bedient« sich einer gewissen Vermittelung. Zwar erklärt sie, auch Vertretern der Presse Auskunst über alles Wissenswerte geben zu wollen, wenn sich diese Vertreter auf dem Polizeipräsidium einfinden, allein diese Bereitwilligkeit hat sein Wenn und Aber. Einmal ist es Sache der Kommissare, die eine bestimmte Sache bearbeiten, in welchem Umfangtz sie Auskunft geben wollen; die einzelnen Vertreter der Zeitungen sind damit abhängig von dem guten Willen der Dezernenten Eine unabhängige Zeitung kann sich nicht gut in diese Abhängigkeit begeben, sie kann sich nicht dazu hergeben, die Namen bestimmter Kommissare im hellsten Lichte erstrahlen zu lassen, sie muß gelegentlich auch gegen die Kriminalpolizei Stellung nehmen, wenn sie glaubt, daß da und dort Fehler gemacht worden sind. Dann aber braucht die Kriminalpolizei die Presse und nicht umgekehrt die Presse die Kriminalpolizei. Ohne Presse kann die Kriminalpolizei in vielen Fällen, vor allem bei Verfolgung von Kapitalverbrechen gar nicht erfolg- reich arbeiten. Und deswegen müßte die Kriminalpolizei die Verpflichtung haben, der Presse direkt ohne jede Vermittelung und ohne daß Pressevertreter nach dem Polizeipräsidium sich bemühen müssen, die für die Öffentlichkeit wichtigen Nachrichten zugehen lassen. Warum geschieht das nicht? Unser jetziger Leiter der Kriminalpolizei Herr Ober- Ro Sierungsrat Hoppe, der in einigen hiesigen Blättern ) egenstand wiederholter einen ganz eigenartigen Ursprung verratender Angriffe gewesen ist, hat für die Bedeutung der Presse für die Kriminalpolizei volles Verständnis. Warum geht er nicht an eine solche Reform der polizeilichen offiziösen Berichterstattung an die Presse. Allerdings kann er das nur, wenn er sich auf seine Untergebenen ver- lassen kann. Wenn man die Aussagen des Kriminalkommissars Wan- nowski im Allensteiner Prozeß liest, nach der er seinerzeit die Presse mit unwahren Mitteilungen über den Stand der Untersuchung gegen den Hauptmann v. Göben informiert hat, muß man allerdings über die Stellung der Kommissare eine eigene Meinung erhalten. Die„Kölnische Volkszeitung" ist über diese Handlungs- weise Wannowskis sehr aufgebracht und schreibt: „Durch diese höchst auffallende Aeutzcrung hat sich der Kriminalkommffsar W. nicht nur sich selbst geschadet, sondern auch die von ihm vertretene Behörde. Wenn die Vertreter der Polizei der Presse keine Mitteilungen machen wollen, so ist das ihre Sache; wenn fie eS aber tun. so müssen ihre Mitteilungen unter allen Umständen wahr sein l Sonst sind sie keinen Pfifferling wert und das Publikum verliert jedes Vertrauen zur Polizei." So richttg das Urteil der„Kölnischen Volkszeitung" sein mag, so wenig scheint sie die Tätigkeit der Kriminalpolizei zu kennen. Es ist durchaus nichts Neues, daß die Kriminal- Polizei unwahre Mitteilungen in die Presse lanziert. DaS kommt sehr oft vor. Aus anderen Prozessen, in denen es sich vor allem um Kapitalverbrechen handelt, ist wiederholt be- kannt geworden, daß unwahre Mitteilungen mit der Absicht in die Zeitungen gebracht wurden, um eine bestimmte Spur um so sicherer verfolgen zu können. Etwas anderes ist es, ob sich alle Zeitungen zur Ver- breitung solcher Unwahrheiten hergeben. Zeitungen, die alle von der Polizei inspirierten Mitteilungen ohne weiteres glauben und gedanken- und kritiklos abdrucken, werden sehr oft ihren Lesern Unwahrheiten vorsetzen, während die un- abhängige Presse, die ihre Pappenheimer kennt, viel gewissen- hafter verfährt. Ein wenig anders wird es erst werden, wenn die Polizei ihre Mitteilungen an die Presse ganz all- geinein als von ihr direkt ausgehend kennzeichnet und nicht ein Jnspirationssystem aufrecht erhält, daß weder ihr noch der Oeffcntlichkeit Nutzen bringen kann. In diesem Falle er- wächst der Polizei eine größere Verantwortung. Es wird zwar auch dann noch der polizeilichen Berichterstattung mancher Mißstand anhängen, aber eine Besserung gegen den bisherigen Zustand wird es immerhin sein. Die Frage der Arbeitslosenversicherung soll nach einem Beschluß des Vorstandes des Deutschen Städtetages auf die Tagesordnung des nächsten Deutschen Städtetages gesetzt werden, außerdem soll wegen der Reichs- wertzuwachssteuer eine neue ausführlich begründete Eingabe an den Reichstag abgehen. Die Gemeinbeschulkinber Berlins haben in dem laufenden Sommerhalbjahr sich weiter vermindert. Die Uebersicht über die Klassenfrequenzen, die der Magistrat den Stadtverordneten soeben vorgelegt hat, weist diesmal 226 307 Kinder nach, das sind wieder um 981 weniger als im letzten Winter. Der Rückgang dauert nun bereits volle zwei Jahre an: seit dem Sommer 1908, wo in unseren Gemeindeschulen noch 223 907 Kinder gezählt wurden, hat die Gesamtzahl sich um 2600 verringert. Auf die Ursachen dieser Erscheinung, die immerhin aufsallen muß, haben wir oft genug hingewiesen. Nachdem die andauernde Verringerung der Geburtenziffern schon längst zu einer immer deut-- licher werdenden Schmälerung des Zuwachses an Schulkindern geführt hatte, kam in den letzten Jahren die so überaus schweer Wirtschaftskrise mit ihrem drückenden Arbeits- mangel, der zahlreiche Arbeiterfamilien zur Abwanderung aus Berlin nötigte. Unserem Gemeindeschulwesen kann dieser Ausnahmezustand insofern zugute kommen, als er die fortschreitende Herab» setzung der Klassenfrequenzen, die immer noch drin. gcnd nötig ist, einigermaßen erleichtert. Es ist aber sehr zu wünschen, daß die Schulverwaltung auch auf den erneuten Zu» ström von Gemeindeschulkindern, den die nächsten Jahre vermutlich bringen werden, sich rechtzeitig rüstet. Die Meh- rung der Schulhäuser und der Schulklaffen darf auch in ruhigen Zeiten nicht verlangsamt werden, sonst können wir bei plötzlich ein- tretendem Mehrbedarf wieder eine recht unangenehme Schulnot erleben. Die 226 307 Gemeindeschulkinder deS laufenden Sommer. Halbjahres verteilen sich auf 300 Schulen mit 5199 Klassen, so daß gegenüber dem letzten Winter sich vermehrt hat die Gesamtzahl der Klaffen um nur 13, die Gesamtzahl der Schulen um keine. Man sieht, die Schulverwaltung hat den stillen Wunich, in der Meh- rung der Schulen und Klassen„sich nicht zu über- stürzen"._ Gegen die LustbarkeitSsteuer wendet sich auch der Verband Deutscher GastwirtSgehilfen in einer Eingabe an die Stadtverordnetenversammlung. Es wird darin auseinandergesetzt, daß das Gastwirtsgewerbe für den Berliner Handel und Verkehr von der allergrößten Bedeutung ist. Waren doch nach der Gewerbezählung von 1907 in Berlin 20085 gast. wirtschaftliche Betriebe vorhanden gegen 13 661 im Jahre 1895. Die darin beschäftigte Personenzahl stieg in dieser Zeit von 34 446 auf 51 193. Der Fremdenverkehr in der deutschen Reichshaupt. stadt hat sich von Jahr zu Jahr erhöht. Im Jahre 1903 stiegen in den Berliner HotclS, Pensionen usw. nicht weniger denn 1 139 697 Personen ab. ein Mehr gegen das Vorjahr von 57 000 Personen. DaS Ausland war hieran mit 203 435 beteiligt. Zu diesen kommen natürlich noch Hunderttausende von Fremden, die, weil sie in Privathäusern wohnen, nicht gemeldet werden. In der Eingabe der Gastwirtsgehilfen wird nun die Be- fürchtung ausgesprochen, daß, wenn die geplante Lustbarkcitssteuev Gesetz wird, die gastwirtschaftlichen Angestellten schwer darunter zu leiden haben werden. Gelänge es den Gastwirten, die Steuer auf das Publikum abzuwälzen, so würden die Einnahmen an Trinkgeld, auf das— leider— die Kellner noch immer angewiesen sind, gekürzt werden. Andererseits würden die Gastwirte, wie das schon bei der Einführung der Finanzreform geschehen, ver- suchen, den Angestellten die Löhne zu drücken bezw. sie durch allerlei Abgaben zu den Geschäftsunkosten heranzuziehen. Auf jeden Fall werde die Einführung der Lustbarkeitssteuer zur Folge haben, daß die Zahl der Festlichkeiten, die musikalischen und sonstigen Ver- anstaltungcn aller Art erheblich zurückgehen, so daß auch auf diese Weise die gastwirtschaftlichen Angestellten durch verminderte Arbeitgelegenheit außerordentlich geschädigt würden. Zum Schluß wird betont, daß es nicht Absicht und Aufgabe der städtischen Be» Hörden sein könne, einen so erheblichen Teil der Mitbürger in wirtschaftliche Schwierigkeiten zu bringen. Der russische Zar kennt sich nicht aus, wenigsten» dann nicht. wenn er für die dem russischen Reiche geleisteten Dienste Auszeich» nungen verleiht. Wie im„Berliner Salon" erzählt wird, erschien kürzlich bei dem Stellvertreter des Berliner Polizeipräsidenten eine Abordnung der russischen Botschaft, um Herrn Friedheim im Auftrage des russischen Zaren einen Beweis der Anerkennung zu überbringen in Gestalt des russischen Annenordens zweiter Klasse. ES stellte sich heraus, daß der so Bedachte bereits schon einmal dieser Anerkennung teilhaftig geworden war und sich im Besitze dieses Ordens befand. Darauf wurde der Orden wieder zurück. gezogen, einige Tage später erhielt Herr Friedheim als Ersatz den Stanislausorden erster Klasse. Mit dem Neubau des Aquariums rnst dem Gelände des Zoo- logischen Gartens beschäftigte sich die Generalversammlung deS Aktienvereins. Es scheint sicher zu sein, daß der Neubau zustande kommt. Die Aktionäre möchten nur für sich und ihre Angehörigen dauernd freien Eintritt zu den Sammlungen herausschlagen. Das ist aber, so'wurde ihnen wiederholt vom Vorstandstische entgegen- gehalten, völlig unmöglich; denn das Aquarium würde dann nn» rentabel und nicht lebensfähig werden. Der Vorsitzende des Auf. ichtsrats, Geheimrat Lucas, betonte jedoch, daß den Altionären ür den Besuch des Aquariums Vorzugspreise eingeräumt werden würden. Außerdem soll es den Aktionären freigestellt werden, auf ihre Aktie 100 Mark zu zahlen, wofür ihnen und sechs Angehörigen dauernd freier Eintritt ins Aquarium gewährt werden soll. Die Verwaltung rechnet darauf, daß aus diesen Zuzahlungen 200 000 M. eingehen. Um die auf 800 000 M. veranschlagten Kosten des Aquariumneubaues zu decken, sollen für 500 000 M. neue Aktien ausgegeben werden, die einschließlich des dabei zu erzielenden Agios den Restbetrag von 600 000 M. ergeben würden. Gegen diesen Vorschlag wandten sich verschiedene Aktionäre in der Be- ürchtung, daß die neuen Aktien den Kurs der alten drücken und gleichzeitig das Erträgnis aus den Abonnements park schmälern würden. Geh. Fustizrat Kemper wie» demgegenüber darauf hin, daf> die Regierung in ihrer Eigenschaft als Aufsichtsbehörde eine weitere Vermehrung der Obligationsschuld nicht genehmigen würde. Ente Abstimmung konnte wegen Beschluhunfähigkeit nicht erfolgen. In einer neuen Versammlung soll definitiv beschlossen werden. Ein metallener Löwe von der Parochialkirche abgestürzt. Bei dem Sturm, der in der letzten Nacht in Berlin und Umgegend herrschte, wurde an vielen Stellen Schaden angerichtet. Von der Parochialkirche in der Klosterstratze stürzte gegen 3 Uhr morgens ein zur O��mentik des Kirchturms gehöriger Löwe aus Metall auf die Strasse hinab. Ter fast 2 Zentner schwere Metallkörper hinterließ einen tiefen Eindruck auf dem Strassenpflaster. Da sich infolge der frühen Morgenstunde gerade keine Passanten auf der Strasse befanden, sind durch den Sturz Verletzungen von Per sonen nicht vorgekommen. Der heruntergestürzte Löwe hatte seinen Standpunkt auf einem Absatz des Kirchturms über der Uhr. Drei weitere Löwen stehen auf den übrigen Ecken des TurmabsatzeS. TodeSsturz aus dem Eisenbahnzuge. Einem bedauerlichen Un glücksfall ist der 32jährige Privatbeamte Alfred Stock aus der Berliner Strasse 123 in Friedrichsfelde zum Opfer gefallen. St., der in Berlin beschäftigt ist, benutzte den um 9 7 Uhr vom Schle- sischen Bahnhof nach Königsberg in der Neumark abgehenden Zug üt dem Glauben, es fei ein Vorortzug. Unmittelbar vor der Station Friedrichsfelde öffnete er die Coupetür, um schnell aus> steigen zu können. Der Zug hält aber nicht auf diesem Bahnhof. sondern erst in Werneuchen und der Privatbeamte, der in der offenen Tür stand, wurde durch einen besonders starken Ruck des ZugeS heraus und unter die Räder geschleudert, die über ihn hin. weggingen und seinen sofortigen Tod verursachten. Die Leiche des Verunglückten wurde gegen Uhr nachts von einem Strecken- Wärter aufgefunden und nach der Leichenhalle in der Bornitzstrasse gebracht. BerkehrSnachricht. Am 1. Juli d. I. werden zwei bemerkens- werte Aenderungen im Omnibusbetriebe vor sich gehen indem der Kreuzberg durch Verlängerung der heutigen Linie 10(Stettiner Bahnhof— Anhalter Bahnhof) durch die Grohbeerenstratze eine direkte Omnibusverbindung auch mit der nördlichen Friedrichstadt erhält. Die heute am Kreuzberg endende Omnibuslinie 18(Kreuz- berg— Köpenicker Strasse, Ecke Michaelkirchstrasse) wird an den Potsdamer Ringbahnhof verlegt und soll namentlich für die Fahr- gäste der Potsdamer Ringbahn und der Wannseebahn eine direkte Verbindung nach der Kochstrassc, Jerusalemer Kirche, Oranicn- strahe. Alten Jakobstraße, Neuen Jakobstrasse, Köpenicker Strosse, Andrcasstratze und dem Schlesischen Bahnhof bilden. Diese Pferde- Omnibuslinie 18(Schlesischer Bahnhof— Potsdamer Ringbahnhof) ist überhaupt die schnellste Verbindung zwischen den beiden End. punkten, da sie den direktesten Weg wählt. Kollision zwischen Schleppdampfer und Motorboot. Zu dieser in unserer Dienstagnummer gebrachten Meldung teilt uns Herr Bradenberg in Grünau als Besitzer der den Verkehr zwischen Grünau und Marienlust vermittelnden Motorboote mit, dass der Zusammenstoß nicht auf der von ihm befahrenen Strecke sich er- eignete, sondern dass es sich um das Uebersetzboot handelte, das den Verkehr zwischen Schmetterlingshorst und Sportdenkmal ver- mittele. Auf der Brandstelle in der Alten Jakobstr. 23/24 hatte die Feuerwehr in der letzten Nacht ununterbrochen zu tun, um ein Wiederauflodern der Flammen zu verhüten. Zlvei Löschzüge waren zur Stelle. Bald mußte hier, bald dort Wasser gegeben werden. Glühend heißer, meterhoch aufeinander liegender Brandschutt, vermischt mit großen Ballen von Fellen, heißen Resten von ge- schmolzenem Porzellan, Glas usw. und anderen unkenntlich gewor- denen Dingen erschwerten die Ablöschung. Toll sah es dort aus. Hier hing ein vollständiges Eisbärfell hoch in der Lust auf einem Draht, dort lagen Tausende von anderen Fellen bergehoch auf- einander und an einer anderen Stelle viele Zentner bunter Glas- scherben. Gestern früh wurden die 2 Löschziige durch drei andere abgelöst, denen auch noch recht viel Arbeit bevorsteht, denn noch fortwährend züngeln bald rechts, bald links, bald vorn, bald hinten neue Flammen, vom Winde angefacht, mächtig empor. Der heiße Brandschutt wird mit den Fellen von der Brandstelle in die Höfe geworfen. Zahlreiche Interessenten und Angehörige auswärtiger Feuerwehren finden sich ein. um Studien zu machen. Der Brand hat wieder einmal gezeigt, daß Holzzementdächer für die Löschung von grossen Bränden in Bodenräumen unter solchen Dächern ein Hindernis für die Feuerwehr bilden. Diese Dächer können nicht eingeschlagen werden und das Begehen der- selben ist wegen der Einsturzgefahr kaum ratsam. Di« Firma Heinrich Gast legt Wert darauf, mitzuteilen, dass der Brand nicht in ihren Räumen ausgebrochen ist. Nach den Ermittelungen tst er in den Lagerräumen der Glaswarenfirma E. Stein aus- gekommen und nicht sofort gemeldet worden. Durch eine Brand- mauer, in der sich aber eine eisenbeschlagene Tür befand, hat sich dann der Brand mit unheimlicher Schnelligkeit den übrigen Boden- räumen mitgeteilt, die sämtlich mit Waren aller Art. besonders aber Fellen, Putzfedern, Gläsern, Kisten, Kartons, Ballen usw. vollgefüllt waren. Den beiden schwer erkrankten Feuermännern Hamann und Lüttich ging es gestern früh etwas besser. Leider haben sich aber noch einige Kameraden krankmelden müssen. Sie haben unter der Einwirkung des entsetzlichen OuqlmS und der grossen Hitze gelitten. Vorort-f�ackrickiten. Eharlottenburg. Der ortsübliche Tagelohu gewöhnlicher TageSarbeiter ist für den Stadtbezirk Charlottenburg neu festgesetzt worden. Er beträgt vom IS. Juli d. I. ab für männliche Arbeiter über 16 Jahre 3,60 M. (bisher 2.90 M.), für weibliche Arbeiter über 16 Jahre 2,20 M. (bisher 1.7S M.). SIS Jahresarbeitsverdienst für alle versicherungs- Pflichtigen Personen gelten die 300 fachen Beträge dieser TageSsäye. nicht der wirkliche Arbeitsverdienst. Infolge dessen erhöhen sich die Beiträge zur Invalidenversicherung. Gegenüber der jetzigen Markenverwendung tritt vom 15. Juli d. I. ab nur insofern eine Aenderung ein. als weibliche Personen über 16 Jahre, wenn sie als Dienstbote, Portierssrau, Aufwäcterin usw. beschäftigt sind, statt wie bisher 20 Pf.-, jetzt 24 Pf.-Marke» und zwar bereits für die am 11. Juli begint�ioe Woche verwenden müssen. Voxhagen- Rummclsvurg. AuS der Gemeindevertretung. Vor Eintritt in die TageSord- nung der letzten Sitzung fand die Einführung des neugewählten besoldeten Gemeindeschöffen(Beigeordneten) Assessor Moser statt. Hieran schloß sich dann die Einführung der bereits im März bei den allgemeinen Wahlen neugewählten Gemeindeverordneten Dr. Friedmann und Oberlehrer A i g t e, wie des in der Nachwahl wiedergewählten Klempnermeister W i n t e r an. Da die Verzögerung der Einführung des Oberlehrer Aigte auf eine De- nunziation hin, welche Grundbesitzervereinsmitglieder und auch Gemeindevorstandsmitglieder an die vorgesetzte Schulbehörde des Oberlehrers Aigte mit dem Ersuchen gerichtet hatten, dem Oberlehrer Aegte— weil sozialistischer Gesinnung verdächtig— die erforderliche Genehmigung zur AuS- Übung seine? Mandats zu versagen, zurückzuführen war, so nahm unser Genosse John bei der Einführung die Gelegenheit wahr, um scharfe Kritik gegenüber den Denunzianten zu üben. Redner charakterisiert die Denunziation, entsprechend dem Zweck, der damit verfolgt wurde und die Mittel, die dabei angewandt sind, als eine gemeine Handlungsweise, besonders bezeichnet es Redner als äußerst beschämend für die ganze Gemeindevertretung, dass selbst Gemeindevorstandsmitglicder sich zu einer solchen verwerflichen Denunziation hergegeben haben. Oberlehrer Aigte konnte dann auch noch selbst mitteilen, daß die DenunziationSschrist die gröbsten Unwahrheiten enthalten habe.— Die beteiligten Gemeindeschöffen bowiesen bei der Debatte ihre besondere Tapferkeit dadurch, daß sie sich inS tiefste Schweigen hüllten,— nur der unentwegte Herr Schöffe Stiebitz suchte auch hierbei wieder mal durch seine schon bekannten Mätzchen diese ernste Angelegenheit als eine Sache dar- zustellen, welche nur allein die Beteiligten(Denunzianten und Denunzierten) angeht.— Gemeindevertreter V e tt ri eck, ein ganz neues Licht des Boxhagener Grundbesitzervcveins, erklärte auch noch ganz naiv, daß seines Wissens der Provinzialschulbehörde nur das sozialdemokratische Gemeinbewahlflugblatt, welches zur Wahl des Oberlehrer Aigte aufgefordert hatte, eingesandt worden sei, er könne hierin eine Denunziation nicht erblicken, und im übrigen sei von der anderen Seite ebenfalls denunziert worden. Nachdem unsere Vertreter die paar nichtigen Einwände als die Tat selbst nach keiner Seite hin entschuldigend nachgewiesen hatten, schloß auf Grund eines von der bürgerlichen Mehrheit crnge- nommenen Schlussantrags der Bürgermeister die für die Betet- ligten äusserst blamable Debatte.— Beigeordneter Moser wurde hierauf zum stellvertretenden Vorsitzenden für das Gewerbe- und Kaufmannsgericht getoählt.— Nachdem noch einige unwesentliche Vorlagen debattelos genehmigt worden waren und die Zustimmung zur Unfallversicherung der Mitglieder der freiwilligen Feuerwehr einstimmig erteilt worden war, entstand eine längere rege Dis- kussion über die Aenderung der Besoldungsordnung für die Lehr- Personen an den hiesigen Volksschulen.— Die königliche Regierung in Potsdam hat der von der Gemeindevertretung beschlossenen Be- soldungsordnung für die Volksschullehrpersonen in bezug auf die Ortszulagen der technischen Lehrerinnen die Bestätigung versagt. Sie begründet ihren ablehnenden Standpunkt damit, daß benach- barte, bessersituierte Gemeinden, insbesondere die Stadt Lichten- berg, erheblich geringere Ortszulagen für die technischen Lehre- rinnen festgesetzt hätten. Die Regierung macht den Vorschlag, die Ortszulagen der technischen Lehrerinnen von 400 M. auf 100 M. herabzusetzen. Schuldeputation und Gemeindevorstand haben diesem Vorschlag der Regierung zugestimmt, der Gemeindevorstand bean- tragte nun. die Besoldungsordnung dementsprechend zu ändern. Unsere Vertreter wie auch Oberlehrer Aigte wandten sich ent- schieden dagegen, dass die einmal bewilligten und bereits gezahlten Zulagen in dem von der Regierung gewünschten Umfange herab- geseht werden. Der Bürgermeister wies warnend in der Debatte darauf hin, daß, wenn wir der Regierung den Gefallen der Herab- setzung bis auf 100 M. nicht erweisen würden, wir zweifelsohne das bisherige Wohlwollen der Regierung einbüßen würden. Diese Ausführungen genügten den bürgerlichen Vertretern, um auch den schwankendsten unter ihnen zur Räson zu bringen. Ein Antrag des Oberlehrers Aigte, wenigstens 200 M. festzusetzen, wurde mit 14 gegen 8 Stimmen abgelehnt, dagegen wurde der Antrag deS Gemeindevorstandes, nur 100 M. zu bewilligen, mit dem gleichen Stimmenverhältnis angenommen.— Hierauf wurde noch ein- stimmig beschlossen, die für das Wuhlheidegrundstück zu zahlenden Zinsen im Jahresbetrage von 31 000 M. durch Anleihe zu decken. — Unter Verschiedenem brachte Genosse Berger verschiedene Be- schwerden der Gemeindearbeiter gegen den Strassenmeister und Oberführer der freiwilligen Feuerwehr Miehlisch vor. Die Ge- meindearbeiter sollen sich besonders bedrängt fühlen, dass vom Strassenmeister darauf gesehen wird, dass sie dem Vaterländischen Arbeiterverein beitreten, auch soll die sonstige Behandlung der Stratzenarbeiter, welche dem Strassenmeister gleichzeitig auch als Feuerwehrleute unterstellt sind, eine schroffe und entwürdigende sein, vielfach soll der Strassenmeister auch verlangen, daß die Ar- beiter vor ihm stramm zu stehen haben. Nachdem fast von allen Seiten das Vorgehen des Straßcnmeisters verurteilt worden war. erklärte der Bürgermeister, die Sache untersuchen zu wollen und in der nächsten Sitzung Bericht zu erstatten. Genosse Günther beantragte dann noch, dass die Mittel zur Beschickung des dies- jährigen Gewerbegerichtstages zu Köln bewilligt werden möchten; der Bürgermeister erklärte hierzu, daß der Gemeindevorstand be- reits einen diesbezüglichen Antrag der Gewerbegerichtsbeisitzer aus Mangel an Geld abgelehnt habe. Nach längerer Diskussion lehnte auch die Gemeindevertretung mit derselben Begründung mit 12 gegen 10 Stimmen die Bewilligung von 280 M., die hierzu nötig sind, ab. Tchöueberg. Zu dem GerScht vi« einem Morde gab ri» Leichenfund veran- lassung. der gestern abend in der Herbertstrosse 6 gemacht wurde. Dort wurde auf der Treppe ein etwa 30 jähriger, anscheinend dem Arbeiterstande angeböriger Mann tot aufgefunden. Da bei der Leiche weder die Uhr noch Portemonnaie entdeckt wurde, nahm man zuerst an, dass der Mann das Opfer eines Raubmordes geworden sei. Diese Vermutung bestätigte sich aber nicht; die ärztliche Unter- suchung ergab vielmehr, dass der Verstorbene, dessen Körper keinerlei äussere Verletzungen aufwies, einem Herzschlage erlegen ist. Lichtenberg. Die letzte Mitgliederversammlung des Wahlvereins nahm zunächst einen Vortrag des Genossen Pieck über.Unsere Taktik' entgegen. Hieraus wurde unter Vereinsangelegenheiten u. a. dem Wuniche Ausdruck gegeben, dass die Wahl der örtlichen Bezirks- funktionäre geheim vorgenommen werden möge. Mariend orf. Ueberfahren und getötet. Ein schwerer Unglücksfall ereignete sich gestern, Freitag, früh in der Chausieestrasse. Der 11jährige Sohn Paul des RestaucateurS Biermann war auf einen vorüber- fahrenden Kohlenwagen geklettert und wollte diesen während der Fahrt verlassen. Beim Abspringen geriet er unter den Wagen, dessen Hinterräder ihm über den Körper hinweggingen. Der Knabe erlitt so schwere innere Verletzungen, dass er wenige Minuten später ver- starb. Die Leiche des Verunglückten wurde polizeilich beschlagnahmt und nach dem Mariendorfer Schauhause übergeführt. Tempelhof. Ueber Finanz- und Tagespolitik referierte in gutbesuchter öffent- licher Versammlung im Lokal von Kreideweiss Genosse M. Grun- Wald. Der Redner deckte die Sünden auf, die der aus den Hottentottenwadlen hervorgegangene Reichstag an dem deutschen Volke begangen hat und übte dann scharfe Krittk an der preuhischen Politik. In der Diskussion besprach Genosse M. Schmidt uuter lebhafter Zustimmung der Versammlung einen Beschluß der Ge« meindeverlretung. durch den für die Ausschmückung der Strassen an- läßlich des 25 jährigen Jubiläums des Kricgerverein» Gelder be- willigt werden. Auch habe man einen Teil der Gemeindearbeiter und Angestellten bei dieser Gelegenheit ihrer eigentlichen Tätigkeit entzogen. Leider seien die gewählten Vertreter der Arbeiterschaft durch Beschluß der Gemeindevertretung an der Ausübung ihrer Mandate verhindert, und so benutze er die Gelegenheit, um in öffentlicher Versammlung gegen eine solche Verschleuderung von Geldern auS allgemeinen Mitteln aufs energischste zu protestieren. Stralau. Einen tüchtigen Schritt vorwärts hat nun auch in unserem Ort die Jugendbewegung getan. Der vor kurzer Zeit gegründete.Verein Arbeiter-Jugendheim' zählt zurzeit 120 Mitglieder. In der letzten Mitgliederversammlung befürwortete die eingesetzte Kommission den Anschluß an das Jugendheim Rummelsburg; dte Errichtung eines eigenen Jugendheims sei mit vielen Schwierigkeiten verbunden. Di« Versammlung beschloß demgemäß. Der JugendauSschuss besteht auS sieben Personen. Am Donnerstag wurde bereits die Einführung der Stralauer Jugendlichen ins Rummelsburger Heim vorgenommen. Die Jugend- lichen waren der Einladung deS Ausschusses zahlreich gejolgt. Genosse Witzle vom Rummelsburger Ausschuß hieß die Erschienenen herzlich willkommen; namen» der Jugendlichen sprach Hebel den Dank auS für die fteundliche Aufnahme. Genosse Wessel wies darauf hin, daß auch Bürgerliche den Plan gefaßt hätten, in Stralau ein Jugendheim zu errichten, er warne'jedoch vor dem Beitritt; die Stralauer schulentlassene arbeitende Jugend habe nun ihr Heim, und nur dieses komme für sie in Betracht. In bester Stimmung traten die Jugendlichen später den Heimweg an.— An die Partei- genossen und Eltern richten wir an dieser Stelle die dringende Bitte, dem„Verein Jugendheim' beizutreten und ausserdem die Bestrebungen deS Jugendausschusses tatkräftig zu unterstützen. Treptow-Baumschulenweg. Der Gesangverein„Licdesfreundschaft"(M. d. A.-S-B.) feiert morgen Sonntag, wie jedes Jahr, fein Waldfest in der Königsheide. Freunde des Gesäuges und froher Unterhaltung in der freien Natur sind dazu eingeladen. Nahnsdorf. AuS der Gemeindevertretung. In Rahnsdorf nimmt man's nicht so genau. In die Wählerliste werden ein paar hundert zum Teil nichtwahlberechtigter.Forensen' aufgenommen, in die Wahl« Prüfungskommission wird derjenige gesetzt, gegen dessen Wahl mehrere Proteste vorliegen, zum Berichterstatter über das Ergebnis der Wahlprüfungen ernennt die Kommission wieder den mit Proteste«» Bedachten, dieser nimmt auch seelenruhig an und erstattet daS Gut- achten über seine eigene Wahl und die seiner Kollegen. Und der Bericht des Herrn Braam?.ES sind ja aller- dingS Unregelmässigkeiten bei der Wahl vorgekommen, aber wir leben in einer kleinen Gemeinde und da darf man nicht alles so genau nehmen.' DaS der Sinn. Die Gemeindevertreter nicken verständnisvoll und die Wahl deS Herrn Braam und Kollegen ist gültig. Damit sind die sechs Proteste erledigt. Vielleicht hätte ein zwetter die Allgcmcininteressen ebenso berührender Punkt gleich schnelle Erledigung gefunden, wäre nicht«in unerwarteter Zwischen- fall eingetreten. Der Gaswerksbesttzer Weiss hatte die Gemeinde- Vertretung angegangen, ihm neben der ersten von 100 000 Mark noch eine zweite unkündbare Hypothek von 50 000 Mar! zu geben; nur durch Ankauf des Gaswerks durch die Gemeinde sollten beide Hypotheken wieder an diese zurückgehen. Hier- gegen erhob ein Gemeindevertreter seine warnende Stimme. Es sei ihm zu Ohren gekommen, dcss die maschinelle Einrichtung deS Gaswerks sowie das Rohrnetz garnicht Eigentum des Herrn Weiss sei und es bestehe deshalb die Möglichkeit, daß die Hergabe des ver- langten Kapitals gleichzeitig den Verlust bedeuten würde. Wohl oder übel mußte nun der Antrag Weiß bis zur Erledigung der erforder- lichen Nachprüfungen zurückgestellt werden. Die Uebergabe der Gas« Versorgung an einen Privatunternehmer beginnt sich zu rächen; auch die Behandlung so eminent wichtiger Fragen wie die obige durch die Gemeindevertretung dürste doch bald der Einwohnerschaft die Augen öffnen. Z�riedrichshagen. Am Sonntag, den 26. Juni, nachmittag» 4 Uhr, hält der hiesige Arbeiter-Turnverein.Vorwärts' auf dem Gemeindespielplatz hinter der Ahornalle« ein Schauturnen ab. Diese Veranstaltung hat den Zweck, immer weitere Kreise von der Zweckmässigkeit deS Turnen» zu überzeugen. Da jedermann unentgeltlich gutntt hat, wird ein reger Besuch gewünscht. Reinickendorf- West. Ueber den Entwurf der ReichSvrrficheruagSardmmg referierte in der letzten Mitgliederversammlung des Wahlvereins Genosse P. Robinson. Genosse Bahr gab hierauf bekannt, dass da» Stiftungsfest deS Wahlvereins umständehalber nicht am 17, sondern am 24. Juli abgehalten wird. Einem Beschluß der Genossinnen zufolge soll in den Monaten Juli, August und September der Lese« abend ausfallen. Zur Neuaufnahme hatten sich 16 Genossen und eine Genossin gemeldet. L« Sonntag, den 26. Juni, feiert der Arbeiter-Radfahrerverew im Lokal von GördeS, Eichborn-, Ecke Waldstraße das 5. StistungS« fest. Da der Berein sich stets zu allen Veranstaltungen der Partei zur Verfügung stellt, werden die Parteigenossen gebeten, da» Fest rege zu besuchen._ Jngcndveranst altungea. Steglitz uud Umgegend. Heute Sonnabend findet Set Schellhase, Steglitz, tlhornstr. 15», die Generalversammlung der Freien Jugend« organisatton sür Steglitz und Umgegend statt. Auher Vereinsangelegen- Helten steht ein Vortrag de» Schriftstellers Simon Katzensteln über.Altohol und Jugendbewegung' aus der Tagesordnung. Auch dl» erwachsen« Arbelterschast ist zu dieser Versammlung eingeladen. Fretrellgiöse«emetude. Sonntag, den 2». Juni, vormittags g Uhr, Pappel-Alle« 15—17: F r e i re ligtis e Vorlesung. Bormittag« 11 Uhr: Klcwe Frankfurter Strasse 6: Vortrag von Herrn Dr. B. Wille:.Erlösung von der Ichsucht'. Damen und Herre» als Gäste willkommen. Sozialdemorratische« Zeutralwuhlveretn glrndwalde. Friede» berg, Ortsgruppe Berlin. Sonntag, 2«. Juni, nachmittag» S Uhr: ttgltederv erf ammlun g bei Thimm, Tilstter«tt. 79. M Amtlicher Marttdertcht der städtilchm Marktballen-Dtrektton über den Grossbandel in den Zenttal-Marttballen. Marktlage: Fleisch: Zufuhr reichlich, Gelchäft lebhaft, Preis« unverändert. Wild: Zufudr genügend, Getchäs! rege, Preise befriedigend. Geflügel: Zufuhr knapp, in Käufen reichlich, Geschält lebhaft, Preis« in Gänsen gedrückt, fönst hoch. Fische: Zufuhr massig, Geichäst ruhig, Pretfe wenig verändert. Butter und Käse: Geschäft ruhig, Preise unverändert. Gemüse, Obst und Südsrücht«: Zufuhr genügend, Gefchäst schleppend, Presse gedrückt._ «vltteruugSüberstcht vom«4. Juni 1910, morgen» H Udr. e i« 'C Bettet I i Swwemde 750 DRW; 5 bedeckt Hamburg l756WSW Ihalbbd. nerlin 756 SW 5 bedeckt Frantf.a M. 759 SW 4 wolkig Rünchen 1761 SW 4 bedeckt Wie» 1760 W 3 wollig tvos d« #"■ i? w» Ctsttonen 81 ii II ef Haparanda 759 ONO Petersburg 757 NNO Scillh>755WNW tlderdeen Paris 755 Still 759 SSW Wetter tt .V- 4 wolkig 1 wölken! 5 halb bd. Dunst i 2 bedeckt I 11 10 14 10 16 BSettervrognose für Sonnabend, den 25. Juni 1910. Zeltweife aufklarend, vorwiegend trübe mit Regenfällen und ziemlich srischen südwestlichen Winden; Temperatur wenig verändert. Berliner WetterlureoW. «aflerftandS.Nachrtchte» der LandeSanstalt für Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berliner Wellerbureau. Wasserstand Memel, TM P r e g e l. Jnfterburg Weichsel, Tborn Oder, Ratibor , Krassen , Frankiurt Warthe. Schlimm , Landsberg Netze, Vordamm Elb«, Leltmeritz , Dresden , Bardo , Magdeburg Wasserstau» Saal«, Grochlttz Havel. Spandau') , Rathenow') Spree, Svremberg') , Beeskow v e f e r, Münden , Minden Rhein, MaximissanSau , Kaub Köln Neckar, Heilbrmm Main. Werthetm Mosel, Trier am 3. 6. orn 128 37 27 80 74 -64 2 663 495 478») 140 153 65 lettj 22. 6. orn') +6 —1 —4 0 +8 —2 —16 -16 —3 —5 0 +4 -)+ bedeutet Wuchs,— Fall. Unierpegel.•) Höchster Aasserstand: 4SI cm bis zum 23. um? Uhr morgens anhaltend. 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Hamburgerst. 37 ! Jordan. E-, Birkenst. 13, M oab.3196 j Kodh, Emil, Weißensee, Könifl-Cfl.76. 1 Gust. Nobert, Potsdanierstr.llSa' ■ H. Petermeier, Strclitzerstr. 8. ; Peter-Schley,Wllh.,Zos?eDerstr.ll. Rommeck, C., Ri., II ermannst. 22. R. Stark, Wiclefstr. 20. Wegner, F-, Ri., Elbestr. 31. Ad�Wlnkel�Gbarl�Spaiidanerb� { Bcleucht.-QeBenst. J BDttnerT�ST��iiTerät��Sr� MWM, Q. P., U.'�Spar�Nord' Sdirammar, II.. RichaÄa Stoß,M., Ri., Kais-Friedr-St. 219. � Becniffikleiduwc Bohn, R.�TnvIiiCri.iJü. diiaDBls.-tll.i22. Gnrderobenh. Nordstern, Brnnnenstse Gelbes Schloß, Emnnenstr. 107. Gd�e, A., Friedrichsf., Berl.-St.36. üfail z ßeya, SrÄ Hanibnrger Laden, CharI.,W8llrt.33 Keiner, Otto, Gerid-.tstrafie 88. Fahr, Wllb., Brunnenstr. 116. Scnlesinger, Hermann NW, Turmstr. 58 Die richtigen N,Remickead.-Str.48 Sachen. Lieferant d. Konsumgenoasensch. üuateriiandlung J. F. Assmann 20 Filialen in Berlin O. Max Baenisdi, 8 Filialen. 3! Carl Spitzer, Stralsunderstr. 20 ! 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